—— 3 ₰ Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Ednard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und LCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und R abe der Buͤcher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rüc jedem Tag 5 Pf. bezahlt. den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei E Entgegennahm eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Sun ume hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet ines geliehenen Buches wird von e Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 B; Bücher: 1I auf 1 Monat: 1 Mk. Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 17—„ ⸗ und Zurückſendung „ 3 „Auswärtige Abonnenten! haben für der vlcer auf ihre eigenen Koſten und 6 r ſelbſt zu ſorge Schadenersatz. ir beſchmutzte, zerriſſene, ve erloͤrene und defette Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defeete Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Feſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 1 Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſondens darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ———— — 85 1 3 eihen e die⸗ Das Wunderjahr 1566. Hiſtoriſcher Roman von Vendrik Conseience. Aus dem Vlämiſchen von E. Zoller. Zwei Bändchen. Stuttgart, en der Franckh'ſchen Buchhandlung. 1846. C Monat T ſtrömer Antwe deres der kle den 2 ſich in begeber herrſch Nur d die St Augen verſchn dem 2 Do I. Laet niet io mynen soon, dai de Neerlanders von den uytheemschen verdruckt worden, ten ware dat gy u setven in een jammerlycken en gheduyrighen inlandschen oorlog wilde steken. Kaiſer Karl an ſeinen Sohn Philipp II. Es war im Jahre unſres Herrn 1566, am 16. des Monats Auguſt. Die Nacht war düſter und der abwechſelnd nieder⸗ ſtrömende Regen hatte in den engen Straßen der Stadt Antwerpen eine Menge kleiner Seen gebildet. Kein an⸗ deres Licht zeigte ſich weit und breit dem Auge als das der kleinen flackernden Kerzen, welche die Einwohner vor den Bildern angeſteckt hatten. Wenige Bürger durften ſich in dieſen Zeiten allein um Mitternacht auf die Straßen begeben, denn die verſchiedenen Parteiungen, die damals herrſchten, hatten Jeden zum Feind des Andern gemacht. Nur der Nachtwächter mit Picke und Laterne durchkreuzte die Stadt. „Zwoͤlf Uhr ſchl ägt die Glocke!“ rief er in dieſem Augenblick und ſein Schatten ſich immer mehr vergrößernd, verſchwaad in den Zwartſüſterſtraet. Pſt!— komm', er iſt weg,“ ſagte ein Mann hinter dem Brunnen des Viehmarktes hervorkommend, dem ein Das Wunderjahr 1566. 1 2 Anderer folgte. Beide hatten breite Hüte auf dem Kopf und weite braune Mäntel hingen um ihre Schultern; mehr konnte man nicht von ihrer Kleidung unterſcheiden, da es ausnehmend dunkel war. „Nun, Herr Konrad,“ fragte der Eine,„Ihr ſagt, daß unſre Freunde da ſeien?“ „Ja,“ ſagte der Andre,„dieſe Nacht wird die große Sache beſchloſſen. Wenn der fürchterliche Wolfgang mit ſeiner Bande ſich zu uns ſchlägt, wird das Spiel bald im Gange ſein.— Komm'.— Gehen wir was weiter— mich dünkt, ich hore die Waffenbrüder der Burg auf uns zukommen.“ Eiligen Schrittes wandten ſie ſich hinter das Schlacht⸗ haus und traten in die niedere Krabbesſtraet. Ueber den Fiſchmarkt wandernd, fragte der Eine: „Mit was wollen wir Wolfgang an uns ziehen? Geld haben wir nicht viel, und das Geringſte, was heraus⸗ kommt, kann uns das Leben koſten.“ „Goldmaert hat Alles ausgemacht,“ antwortete Kon⸗ rad,„er hat einen jungen Edelmann auserwählt, der ihm viel ſchuldig zu ſein ſcheint.— Dieſer wird uns als Werk⸗ zeug dienen.— Er ſcheint ein wenig ſpaniſch geſinnt zu ſein. Heute wird er in unſre Geheimniſſe eingeweiht,— und, wenn er ſich weigert, den Eid zu leiſten, den wir von ihm fordern, werde ich's wohl machen, daß er ſeiner Mutter nichts mehr erzählt, was er bei uns geſehen und gehoͤrt.“ Mit wildem Lachen zog er den Dolch aus dem Gürtel und zeigte, bei dem Lichte eines Liebfrauenbildes die Schneide davon ſeinem Geſellen. Schweigend verfolgten ſie ihren Weg bis an die kurze Peeter⸗Potſtraße. In dieſem abgelegenen und engen Gäß⸗ chen blieben ſie plötzlich vor einem Hauſe ſtehen;— und leiſe ließen ſie den eiſernen Klopfer dreimal auf die Thüre niederfallen. „Wer iſt da?“ fragte eine heiſere Stimme durch das Schiebfenſterchen, das in der Mitte der Thüre war⸗ wort. ihnen die T Godr im I aber beſſer Hauſt . in der trauen „ Konre les ai 6 und a dem ein kl zwei und Auf ein gr. Ecke Leſepu E die Ta Mänte bei der ſchwar hing il der Br. n Kopf ; mehr „da es jr ſagt, e große olfgang el bald eiter— auf uns chlacht⸗ ber den ziehen d heraus⸗ te Kon⸗ eer ihm Werk⸗ zu ſein. — und, on ihm Mutter ehoͤrt.“ Gürtel des die e kurze Gäß⸗ — und Thüre durch e war⸗ 8 „Dolch und Bettelſack,“ war die geflüſterte Ant⸗ wort. Sie wurden eingelaſſen und das Pförtchen hinter ihnen geriegelt. „Nun! verroſtete Zauberhere,“ ſragte Konrad,„ſind die Bettelſäcke hier?“ „Allzuſammen,“ antwortete das alte Weib,„außer Godmaert. Geht nur hinein!— Die Herren ſind recht im Disputiren. Ich bin nur ein altes einfältiges Weib; aber wenn ſie was weniger laut ſprächen, würden ſie wohl beſſer daran thun— denn wer weiß, ob nicht Latten am Hauſe ſind!“— „Was ſagſt Du da, Mutter?“ „Ja, ja, Herr Konrad, da iſt ſo ein junger Träumer in dem Zimmer,— dem würde ich nicht über den Weg trauen.“ „Schweig', und ſorg' für Deine eigne Haut,“ ſagte Konrad— und ſtieß die Thure des tiefer gelegenen Saa⸗ les auf. Das Zimmer, in das ſie traten, war ziemlich groß und an allen Seiten mit goldenem Leder behangen. Unter dem Schiefermoſaik des verrauchten Schornſteines, brannte ein kleines, krachendes Feuer. Eine eiſerne Lampe mit zwei Becken von der Decke herabhängend, warf ihr blaſſes und geheimnißvolles Licht in die Ecken des Zimmers. Auf einer länglichen Tafel lagen einige offene Briefe, ein großer Bettelſack, Piſtolen und Dolche. In einer Ecke ſtand ein Kruzifir von Ebenholz auf einem kleinen Leſepult. Zwanzig Perſonen ſaßen in geſchnitzten Stühlen um die Tafel. Alle hatten, wie die beiden Eintretenden braune Mäntel und breite Hüte. Ihre Bärte, waren nicht, wie bei den Spaniern, in die Höhe gedreht, ſondern ſie fielen ſchwarz und dicht über den Mund herab. Ein Dolch hing ihnen, im ledernen Tragbande, an dem Halſe; auf der Bruſt trugen ſie Medaillen, auf welchen ein Bettelſack ausgegraben war;— all' dieß zum Zeichen daß ſie Geuſen waren, obgleich ihnen der Name aus Spott gegeben wurde. Vor ihnen ſtanden zinnerne Töpfe auf dem Tiſche; nicht ſo koſtbar waren die Trinkgefäſſe, da ſie Alle aus hölzernen Krügen tranken. Ein ſchöner junger Edelmann hatte ſich von der ſchmauſenden Geſellſchaft entfernt und ſaß in tiefe Träu⸗ merei verſunken, das Haupt in der Hand geſtützt, an der Wand. Seine Geſichtszüge waren rein und ernſt. Er war groß und ſchöne blonde Locken wallten leicht um ſeine Schultern. Er hatte weder Mantel noch Dolch oder ſonſt ein Zeichen der Geuſen. Während dieſe graue Unterkleider trugen, war der Junker in Sammt und Seide koſtbar ge⸗ kleidet. Seine linke Hand ruhte ſchwer auf dem vergol⸗ deten Handgriffe eines langen Degens, deſſen Klinge ſich unter ſeinem Drucke bog. Bei Konrads Eintreten flogen ſeine Blicke über die Geſellſchaft hin. Ein verächtliches Lächeln faltete ſeine glatte Stirne und das Wort:„Ver⸗ irrte!“ fiel murrend von ſeinen Lippen. „Seid gegrüßt! Houtappel, Van Halen, Schuermans, de Rydt, Van der Voort,— und ihr alle Brüder!“ rief Konrad ſich an der Tafel niederſetzend.„Willkommen, willkommen,“ riefen die Andern, während die Krüge ge⸗ leert wurden. „Wo biſt Du, alte Seelenverkäuferin?“ rief Van der Voort. „Hier, hier!“ antwortete das ſchmutzige Weib,„ſoll ich den Herren noch einige Krüge bringen?“ „Nur herbei,“ war die Antwort,„die Geuſen allein könnten die Schelde leer trinken, wäre ihr Waſſer nur von ſo gutem Geſchmack, als der getaufte Wein von Mutter Schrikkel!“ „Getauft, getauft!“ äffte das alte Weib mit trotzigem Ausdruck nach und verließ das Zimmer. „Aber ſagt mir, Van Halen,“ fragte Konrad, auf den einſa Jung Hoch antw höhne Schu komn Geſu ich. Ihr — u Godr über ſeinen Nam ein E rief Milch gende hatte abgen mer. klinge bracht ſich n dem zuglei den 4 Geuſen wurde. ; nicht öͤlzernen von der Träu⸗ an der Er war n ſeine onſt ein erkleider bar ge⸗ vergol⸗ nge ſich n flogen chtliches „Ver⸗ ermans, r!“ rief ommen, rüge ge⸗ Van der b,„ſoll en allein ſſer nur bein von rotzigem auf den 5 einſamen Junker zeigend,„was will denn die aufgeputzte Jungfrau in unſerer Geſellſchaft? Er gleicht mehr einem Hochzeitgaſt, als einem Geuſen!“ „Godmaert weiß allein, was mit ihm zu thun,“ antwortete Van Halen,—„und hat verboten, ihn zu höhnen.“ „Das geht uns nichts an!“ brummte der trunkene Schuermans, der dieß gehört hatte, he! Herr Dunkelgeiſt: kommt mal zum Tiſche!— und wenn ihr nicht auf die Geſundheit der Geuſen dieſen Krug Weins leert, ſo ſag' ich Euch, daß Ihr ein verdorbener Belgier ſeid!— Hört Ihr nicht, Junker!“ ſchrie er noch lauter. Nun ſtand der junge Ludwig auf. „Ja!“ antwortete er,„ich verſtehe Euch ſehr wohl! — und wenn ich nicht des Gehorſams gedächte, den ich Godmaert ſchuldig bin, würde ich von Euch Rechenſchaft über dieſe Läſterſprache verlangen.“ „Seid Ihr adlich?“ ſchrie der wüthende Schuermans ſeinen Dolch ergreifend. „Adlicher, denn Ihr,“ ſprach Ludwig,„da Ihr den Namen Eurer Ahnen durch ein Betragen befleckt, an dem ſich ein Sackträger ſchämen würde.“ „Dieſer Spott ſoll Euch das Leben koſten, Junker!“ rief Schuermans, über den Tiſch ſpringend.„Da!— Milchmaul!“— und ſtieß ſeinen Dolch auf Ludwigs wo⸗ gende Bruſt; aber ehe derſelbe das nackte Fleiſch traf, hatte der Jüngling durch kundige Gegenwehr den Bruch abgewandt. Zwanzig Dolche funkelten zugleich durch das Zim⸗ mer. Stimmen der Verſöhnung miſchten ſich mit den wieder⸗ klingenden Schlägen, welche ſich die beiden Edeln bei⸗ brachten. Schuermans ſchäumte vor Raſerei und ſuchte ſich mit hartnäckiger Wuth ſeinem Dolche eine Bahn zu dem Herzen Ludwigs. Alle Umſtehenden wollten ſich zugleich zwiſchen die Streitenden werfen: der Eine ſtieß den Andern zurück; man ſchrie von allen Seiten: die Krüge rollten von dem Tiſche; die Stühle waren umge⸗ worfen;— eine ſolche Verwirrung herrſchte im Zimmer, daß der Eine den Andern nicht mehr verſtand. Das alte Weib ſchrie unter bitteren Thränen, die Waffenbrüder der Wache ſeien da. Sie ſprach von Ge⸗ fangniß und Galgen, doch Alles vergebens. Schuermans wollte mit Gewalt den jungen Mann umbringen; doch dieſer ſich in Lebensgefahr ſehend, zog ſeinen Degen aus der Scheide. Auf einmal flog ein Blutſtrahl gegen die Wand und der unglückliche Schuermans fiel ohnmächtig zu Boden. Ludwig hatte die Spitze ſeines Degens aus der Bunde gezogen und blickte niedergeſchlagen auf die Erde. Schuermans wurde mit ſorgender Theilnahme ſeiner Kleider entledigt und ſo viel man konnte das Blut ſeiner Wunde geſtillt, als plötzlich dreimal an der Thüre ge⸗ klopft wurde. „O Gott!“ rief das alte Weib,„da ſind ſie!“ „Wer?“ fragte De Rydt. „Nun, die Waffenbrüder!“ antwortete Mutter Schrikkel. „Haltet Euch ruhig,“ ſagte Konrad,„ich will nach⸗ ſehen.— Wer iſt da?“ rief er an der Thüre. „Dolch und Bettelſack,“ antwortete eine ſchwere Män⸗ nerſtimme.— Und der greiſe Gomaert trat nach einigen Augenblicken in das Zimmer. Verwundert blieb er am Eingang ſtehen und ſtarrte mit ſchmerzlichem Blicke auf den bewegungsloſen Körper des verwundeten Schuermans. „Was geht hier vor? fragte er mit ernſtem Tone. „Habt Ihr den Eid vergeſſen, einander treu zu ſein bis in den Tod, und Euere Dolche nur in ſpan'ſches Blut zu tauchen? Weh' dem, der gegen ſeinen Eid Geuſenblut vergoſſen!“ Alle ſchwiegen ſtill und ſtanden tief bewegt vor dem Greiſe, den ſie zu ihrem Haupt erkohren.. „Wer hat dieſe ruchloſe That begangen?“ fragte er. welch muth auf d zu d nete wacht befolg den r wir u gehöh ( tern tete r I Darin Junke ihm Gott ſo lo ich il in un ruchle Eigen muß! dankte freund hielt Wein gen? umge⸗ mmer, „ die n Ge⸗ Mann d, zog nd und Boden. s der Erde. ſeiner ſeiner ire ge⸗ 71 hrikkel. nach⸗ Män⸗ einigen er am cke auf rmans. Tone. ein bis zlut zu ſenblut )r dem gte er. 7 Nun erzählte Van der Voort ihm den ganzen Vorgang, welchen Godmaert, nicht ohne vor Zorn und tiefer Weh⸗ muth zu zittern, anhoͤrte. Nachdem ſeine Augen lange auf dem niedergeſchlagenen Ludwig geruht, wandte er ſich zu dem Verwundeten und rief mit donnernder Stimme: „Schuermans!!“ Dieſer von ſeinem Freund und Meiſter gerufen, öff⸗ nete die Augen, als ob er aus einem langen Schlaf er⸗ wachte. „Schuermanns, warum habt Ihr meine Gebote nicht befolgt? ich ſehe mit Schrecken, daß Wenige von Euch den wahren Weg wiſſen, um das Ziel zu erreichen, das wir uns vorgeſetzt. Warum habt ihr den jungen Ludwig gehöhnt?“ Schuermans, der nun durch den Blutverluſt nüch⸗ tern geworden war, ſammelte ſeine Gedankeu und antwor⸗ tete mit ſchwacher, aber klarer Stimme: „Das Trinken hat mein Blut erhitzt, Godmaert. Darin hatte ich Unrecht, daß ich gegen Eure Befehle den Junker nicht in ſeiner Ecke träumen ließ. Ich vergebe ihm gerne die Wunde, die er mir beigebracht— und die, Gott ſei gelobt, nicht tödtlich iſt— doch ich ſchwoͤre, daß ſo lange Ludwig nicht auf der Geuſen Geſundheit trinkt, ich ihn als Spanſchen anſehen und ihn darum auch nicht in unſerer Geſellſchaft dulden werde.“ „Ludwig! Ludwig!“ rief Godmaert, weißt Du nicht, ruchloſer Jüngling, daß man für das Vaterland ſeiner Eigenliebe und ſeinen perſönlichen Gefühlen entſagen muß?— Komm zum Tiſche und leere dieſen Becher.“ Er reichte Ludwig das Trinkgefäß, der zitternd dafür dankte. „Nun,“ ſprach der Junker,„auf aller Vaterlands⸗ freunde Geſundheit,“ und wollte trinken. Aber Godmaert hielt ſeinen Arm mit ſolcher Gewalt zurück, daß der Wein aus dem Becher uͤber die ſchönen Kleider des jun⸗ gen Mannes floß. „Auf der Geuſen Geſundheit!“ rief Godmaert.„Geu⸗ ſen heißen die Vaterlandsfreunde!“ Ludwig, bleich vor Angſt, ſtarrte verzweifelnd auf den Becher. „Godmaert,“ rief er endlich,„wozu wollt Ihr mich bringen? Soll ich auf die Geſundheit der Feinde meiner Religion trinken? O erſpart mir dieſen Verrath!“ Auf Godmaerts Antlitz lag tiefer Schmerz. Es ver⸗ droß ihn ſehr, bei Ludwig auf Widerſtand zu treffen. „Was ſagſt Du?“ fragte er in bitterm Tone den Jüngling,„wer ſagt Euch, daß die Geuſen Feinde der Religion ſind?“ „O, ich wollte, ſie wären es nicht,“ ſprach der Jüng⸗ ling leidenſchaftlich.„Mit Selbſtaufopferung wollte ich mich ihren Zwhecken widmen; denn ich haßte die Span'⸗ ſchen, wenn ſie nicht die Vertheidiger des Glaubens wären.“ „Er iſt ein Freund der Spanier,“ riefen die Geuſen mit Entrüſtung,„Hinaus, hinaus mit dem Verräther!“ „Ich liebe die Spanſchen nicht,“ rief Ludwig mit Kraft.„Hoͤrt Ihr wohl, meine Herren, ich liebe ſie nicht. Meine Familie hat ihnen den Untergang zu danken. Aber ich halte ſie für den einzigen Damm, der der Reform und den Anfällen gegen unſern Glauben noch Stand halten kann. Bedenkt wohl, daß, wie Ihr die Spanier verjagt, ihr Thür und Thor in die Niederlanden den Ketzern, Bilderſtürmern und dem ſchlechten Pöbel öffnet, der bereit ſteht, unſern Boden zu überſtrömen, um den Glauben unſerer Väter auszurotten.“ Das Geſicht Godmaerts veränderte plötzlich ſeinen Ausdruck— es wurde weich und ſanft. Er ſprach zu dem Jüngling: „Ich ſehe mit Stolz, Ludwig, daß Du ſo feſt an dem Glauben Deiner Väter hängſt. Du weißt, daß ich ſelbſt das Gefühl in Dir genährt und daß ich den gottesfürch⸗ tigſten aller Prieſter Dir zum Führer erwählt; aber es iſt mö weltlic und u tig ül Feinde uns he nes N Deiner ſal zu L gen un ſie übe einer Halen druck 2 Worte wie ſi für ſe den A 7 unter mand! Laßt 4 wird fürchte licher Geu⸗ d auf mich neiner 7 s ver⸗ . ie den ee der Jüng⸗ te ich Span'⸗ ubens Beuſen her!“ g mit nicht. Aber teform Stand panier en den öffnet, n den ſeinen ich zu n dem ſelbſt fürch⸗ der es 9 iſt möglich, daß ſich Pater Franziskus, der ſich nie um weltliche Dinge bekümmert, ſich über unſer Betragen und unſere Zwecke täuſcht. So biſt auch Du gegenwär⸗ tig über uns im Irrthum. Wir wollen nur gegen die Feinde unſeres Vaterlandes ſtreiten. Du ſollſt und mußt uns helfen.— Es iſt mein Wille. Gib den Worten ei⸗ nes Mannes Gehör, der älter iſt, als Du, und der von Deinem Vater die Vollmacht empfing, über Dein Schick⸗ ſal zu entſcheiden.“ Ludwig ließ traurig das Haupt auf die Bruſt hän⸗ gen und antwortete ſeufzend: „Es iſt wahr, ich tauſche mich vielleicht. Wohlan, was gebietet Ihr 2 „Trink auf der Geuſen Geſundheit!“ Der Jüngling nahm den Becher, ſchlug die Augen zum Himmel und rief: „O mein Gott, vergib mir die Sünde, wenn ich eine begehe.— Auf der Geuſen Geſundheit!“ Alle, ſelbſt Godmaert, jauchzten vor Freude, als ob ſie über einen Feind triumphirt hätten. Hie und da ſchlug einer über Ludwigs Aengſtlichkeit eine Lache auf. Van⸗ Halen allein blieb ernſt. Die Worte Ludwigs hatten Ein⸗ druck auf ihn gemacht und ihn in tiefes Nachdenken verſenkt. „Meine Herren,“ rief er,„lacht nicht über die Worte des Junkers. Er allein fieht vielleicht die Sachen, wie ſind.“ Godmaert hielt dieſen Wortwechſel ſehr nachtheilig für ſeine Abſichten, und ſiel Van Halen in die Rede mit den Worten: „Wer von Euch, meine Herren, wünſcht noch länger unter der Herrſchaft der Spanier zu bleiben?— Nie⸗ mand? Warum dann geſtritten über bloße Anſichten? Laßt Ludwig bei ſeinem Gedanken— er iſt löblich. Er wird uns helfen in der Befreiung des Vaterlandes— fürchtet ihn nicht. Denn er iſt ein rechtſchaffener, ein ehr⸗ licher Edelmann.“ Van Halen näherte ſich Ludwig, und ihm die Hand drückend, ſprach er leiſe: „Ihr ſeid ein braver Junker— ich gebe Euch Recht. — Aber ſagt mir, wenn die Spanier gegen Euere Landesgenoſſen ſtrejten würden, auf welche Seite würdet Ihr Euch ſchlagen?“ Ludwig erröthete über dieſe Frage; er erhob das Haupt mit Stolz und antwortete:„Ich würde mein Blut für meine Bruder vergießen. Aber wenn die Spa⸗ nier kämen, um den fremden Pöpel aus dem Lande zu vertreiben— dann würde ich nicht zoögern, unter ihren Fahnen für den Glauben zu ſtreiten.“ Ein Handruck Van Halens war die Antwort. Glück⸗ licherweiſe hatte Godmaert dieſes Zwiegeſpräch nicht ge⸗ hoͤrt, denn er würde ſich wohl wenig daran erbaut haben. Alles ſaß nun wieder an ſeinem Platze. Das alte Weib hatte das Blut von der Wand gewaſchen; die Stühle ſtanden am Orte, die Becher waren gefüllt; und Jeder hatte ſich in ſeinen Seſſel geſetzt. Schuermans wollte trotz der Bitte ſeiner Freunde, im Zimmer bleiben, um, wie er ſagte, mit Ludwig näher bekannt zu werden. So ſchlimm konnte er doch nicht ſein, da auch nicht ein Zeichen von Haß oder Unwille auf ſeinem Antlitz zu leſen war. „Laßt uns noch eins trinken,“ ſprach Godmaert,„dann gönnt mir einen Augenblick, Euch auseinanderzulegen, weßwegen wir heute gekommen.“ Nachdem er getruͤnken, ſprach er: „Ihr wißt, welche Schmach und welch ſchreiendes Unrecht die ſpanſche Zwingherrſchaft und ihre Anhänger uns täglich anthun;— wie ſie die Edlen unſeres Landes Bettler nennen, wie fie dieſelben aller Aemter ent⸗ ſetzen, um frei und ungenirt unſere armen Brüder drücken zu können.— Sie werden gewahr, daß wir das Joch nur ungeduldig tragen und daß die Rachſucht in unſerm Herzen zunimmt; ſie fürchten einen Aufſtand, der die Nieder Darun Land ſollen, Galgen gericht kel de Zierin! Sie r und v block keiten C und ur vor 3 giſche noch e .D Fiſchen Stund zu ſar allein gemach dann ſtand räthere 7 eid dar habt I Fr wir ur Wenn von de gen C — Un Hand Recht. Euere würdet b das mein Spa⸗ nde zu ihren Glück⸗ ht ge⸗ haben. 's alte Stühle Jeder eunde, näher nicht lle auf „dann llegen, eiendes hänger Landes c ent⸗ drücken Joch inſerm er die 14 Niederlande ihrer Gewaltherrſchaft entreißen koͤnnte... Darum haben ſie gegen alle unſere Rechte unſer ganzes Land mit ſpanſchen Truppen beſetzt, damit wir fühlen ſollen, wir ſeien Sklaven in einem weiten Gefängniſſe. Galgen und Schaffote werden in all' unſern Städten auf⸗ gericht, das Schwerdt des Henkers arbeitet in dem Dun⸗ kel der Nächte.— Da, Freunde, rufet: wehe, wehe! Zierinkr und Van Berchem werdet Ihr nie wiederſehen... Sie wurden geſtern Abend ſpät aus ihrem Bette geholt, und vor Mitternacht waren ihre Häupter vom Henkers⸗ block gerollt. Es iſt der Eeckhof, wo ſolche Schändlich⸗ keiten gepflogen werden....“ Ein unruhiges Murmeln lief durch die Verſammlung und unterbrach Godmaerts Rede;— er ſelbſt wurde roth vor Zorn und rief: „O ſie ſollen zittern, die Unterdrücker! Der bel⸗ giſche Löwe wird mit dem Knirſchen ſeiner Zähne wohl noch einmal die Ringe der läſtigen Ketten durchbeißen.. .. Dann ſoll unſre Schelde Tauſende von Spaniern den Fiſchen des Meeres als Beute bringen!— Aber um die Stunde der Erloͤſung zu beſchleunigen, gilt es, alle Kräfte zu ſammeln. Ludwig! höre wohl auf. Es geht Dich allein an. Wenn ein Böſewicht durch das Schickſal ſtark gemacht, den ſchwachen Gerechten unterdrückte, ſoll dieſer dann der ungerechten Gewalt ſeines Feindes nicht Wider⸗ ſtand leiſten, und wäre es auch durch Betrug und Ver⸗ rätherei?“ „Nein,“ antwortete Ludwig,„Verrätherei und Mein⸗ eid darf nicht verübt werden. Das hat die Religion und habt Ihr ſelbſt mich gelehrt.“ „Das weiß ich, Ludwig, doch denke wohl, daß wir unſer Ziel nur auf krummen Wegen erreichen können. Wenn wir alle wie Du dächten, waren wir wohl bald von der Liſte der Völker geſtrichen. Wir müſſen Liſt ge⸗ gen Gewalt ſetzen: Alles thun, was ſie entrüſten kann. — Und glaubſt Du, Ludwig, daß einer unter ihnen ſei, der den Tod nicht verdiente? Sie haben uns unſre Frei⸗ heit geraubt und uns zu Sklaven gemacht. Sie haben unſre Brüder ungeſtraft gemordet!.... Und wir— wir!— das alte Kriegervolk von Ambiorix, wir ſollten unſre Dolche ruhen laſſen: mit gekreuzten Armen das Blut unſrer Brüder dampfen ſehen!— Und, das Blut, das trotz meines Alters, noch warm mir durch die Adern lauft, will ich dem Lande meiner Väter opfern.— Und dem letzten Spanier mit Wolluſt das Herz aus dem Leibe reißen!“ Er ſchwieg einige Augenblicke, denn die Rede und der Zorn hatten ihn zu ſehr angegriffen. „So wißt denn,“ fuhr er einige Augenblicke darauf fort,„daß König Philipp die Bittſchrift ſeiner Niederlän⸗ der mit Verachtung zurückgewieſen. Der Prinz von Oranien, die Grafen von Egmont und von Hoorn, und alle andern Vaterlandsfreunde zu Brüſſel, ermahnen uns antwerpner Geuſen, ſo viel Volks als möglich zu ſammeln, zum großen Umſturz der Dinge, der bald vor ſich ge⸗ hen ſoll... Dann ſollen unſre Unterdrücker ſehen, daß wir nicht aus der Art geſchlagen und ſo wenig als unſre Väter die Herrſchaft fremder Völker ertragen.“ Hier ſchwieg der greiſe Redner. Alle hatten in tief⸗ ſtem Schweigen ſeinen Worten gelauſcht, als er noch ſprach; aber als er geendet, begannen ſie auf's Neue zu trinken, laut die Spanier zu verdammen und ihre Herzen durch gegenſeitige Aufmunterung zur Rache anzufeuern. Ludwig, obwohl durch die Worte Godmaerts bewegt, blieb ſtill— über das Gehörte nachdenkend. Das alte Weib vom Schlafe überwunden, ſchnarchte. Der heftige Schuer⸗ mans hatte ſeine Wunde bald vergeſſen und trank mit ſeinen Kameraden auf die künftige Freiheit des Vater⸗ landes und den Untergang der Spanier. Indeſſen hatte Godmaert den verwunderten Ludwig etwas bei Seite genommen und ſuchte ihn durch alle Mit⸗ tel von ſeinen politiſchen Anſichten zu überzeugen. Dieß mußte halbe ausrie Godm alle fe ſeres überal kämpfe und de und die ſen Ge bleiben L ich bei Bedine Glaub 9 Schue im O ich E Zoerſe fähr; Frei⸗ haben ir— ſollten „Blut , das lauft, dem Leibe de und darauf erlän⸗ z von , und n uns umeln, eue zu durch udwig, till— d vom ſchuer⸗ f mit Vater⸗ Ludwig e Mit⸗ Dieß 13 mußte nicht ſehr leicht ſein, denn ſchon hatten ſie eine halbe halbe Stunde zuſammen geſprochen, als Ludwig ausrief: „Nun denn, Godmaert, ich verlaſſe mich auf Eure väterliche Güte:— ich werde einen Eid leiſten, wenn Ihr es wollt.“ Nun wurde das Kreuz auf den Tiſch gebracht und Godmaert ehrerbietig ſein Haupt entblößend, worin ihm alle folgten, ſprach mit feierlicher Stimme: „Jüngling! Du ſchwörſt bei der heiligen Paſſion un⸗ ſeres lieben Herrn Jeſu Chriſti, daß Du Deinen Brüdern überall beiſtehen wolleſt, daß Du mit Seele und Leib kämpfen wolleſt, zu Verjagung unſerer gemeinſamen Feinde, und daß Du dem Oberhaupte gehorchen wolleſt, das Du und die andern ſich erkieſen werden. Was Deine religiö⸗ ſen Gefühle anbelangt, ſo fürchte nichts, wir alle ſind und bleiben getreu dem Glauben unſerer Väter.“ Ludwig hob ſeine Hand in die Höhe:„Dieß ſchwör' ich bei meinem Gott und meiner Ehre,“ rief er,„mit der Bedingung, daß Ihr nie etwas gegen den katholiſchen Glauben unternehmet.“ Nun wurde brav auf ſeine Geſundheit getrunken und Schuermans ſelbſt reichte ihm freundlich die Hand. „Meine Herren,“ ſprach Godmaert,„der Tag graut im Oſten; die Zeit wird kurz. Darum iſt es nöthig, daß ich Euch den Reſt meiner Sache vorlege. Bei dem Dorfe Zoerſchel wohnt Wolfgang, der mit einer Bande von unge⸗ fähr zwanzig längſt dem Galgen entlaufen iſt, und viele Verbrechen verübt, ſowohl an Belgiern als Spaniern. Dieſen Mann muß ich, auf Befehl des Prinzen, wie Ihr wißt, durch Geld oder andre Mittel an uns ziehen. Wir alle ſind als Geuſen bekannt; darum kann die Sache nicht durch uns geſchehen; Ludwig allein, befehle ich, kraft ſeines Eides, ſich zu Wolfgang zu begeben.“ „Es iſt bitter,“ antwortete Ludwig traurig,„die Ehre der Befreier des Vaterlandes mit Dieben und Galgenbrü⸗ 14 dern zu theilen; doch nun, da ich durch meinen Eid ge⸗ bunden bin, will ich Eurem Befehle Folge leiſten.“ „Morgen oder ſpäter, nach Umſtänden,“ fuhr God⸗ maert fort,„werde ich Dir ſchriftliche Aufträge geben. Du wirſt dann ihrem Inhalt treulich nachkommen.— Nun, Ihr Herren, ich habe Euch nicht weiter zu ſagen, als daß Alles geheim gehalten werden muß. Ich habe bei dieſer Verſammlung meinen Zweck erreicht.— Ludwig, Gertrud bittet Dich morgen zum Eſſen.“ Er warf ſich den Mantel um die Bruſt und ging. Ludwigs Augen glänzten vor Freude. Der Name ſeiner lieben Gertrud hatte den Nebel ſeiner düſtern Gedanken verſcheucht, und auch er nahm Abſchied von den halbſchla⸗ fenden Geuſen. Konrad und Van der Voort nahmen Schuermans un⸗ ter den Arm, und nachdem ſie das Zimmer geräumt hat⸗ ten, wurde die Thüre geſchloſſen— und das Haus lag in tiefſter Ruhe. II. „Reptile!— dost not dread the arm of an hon- ast man, whea raised against thes in just anger? F. Coopers Headsman. In der Ketzerſtraet ſtand ein Gebäude, deſſen Trep⸗ pengiebel weit über die andern hervorragte. Eine große Pforte, auf der ſchön geſchnittenes Bildwerk und Tauſende von Nägeln prangten, ſtand weit offen. Die große An⸗ zahl Fenſter, welche auf die Straße hinausgingen, waren mit ſch maßreg hatten wunder ſo eing Bürge D dem 2 Godme 85 Arbeits angeleg langſan Mann noch ni jede ſe begleite konnte furcht Tagesl⸗ Haaren Güten tiefer 6 B lief ihn tiger L „8 habt T 5 „2 dieſen Kinder ſo gott würde falt üb Eid ge⸗ God⸗ geben. en.— en, als be bei udwig, ging. ſeiner danken bſchla⸗ ns un⸗ nt hat⸗ lag in an hon- anger?* man. Trep⸗ große nuſende e An⸗ waren 15 mit ſchweren eiſernen Gittern verſehen. Dieſe Sicherheits⸗ maßregel war ſehr nöthig, denn die Räuber und Diebe hatten ſich in dieſer Zeit der Wirren und des Mißtrauens wunderbar vermehrt, und die Handhabung des Rechts war ſo eingeſchlafen, daß die Verbrecher beim hellen Tage den Bürgern ihr Geld raubten. Das Haus, welches eher einem Gefängniß glich, als dem Aufenthalte eines Edelmannes, war die Wohnung Godmaerts. Dieſer ſaß des Morgens nach ſeiner Gewohnheit im Arbeitszimmer, das Haupt in der Hand, die Staats⸗ angelegenheiten überlegend, als die Thüre des Zimmers langſam aufging und ein Geiſtlicher eintrat. Es war ein Mann von beinahe ſiebenzig Jahren, groß von Geſtalt und noch nicht vom Alter gebeugt; er hielt ſich gerade, obgleich jede ſeiner Bewegung von einem eigenthümlichen Zittern begleitet war. Sobald er die Kapuze zurückgeworfen, konnte man ſein Antlitz nicht ohne ein Gefühl von Ehr⸗ furcht betrachten; ſein Haupt, das wie ein Spiegel das Tageslicht widerſtrahlte, umzog ein Kranz von ſilberweißen Haaren: die Krone, welche die vorübergeeilten Jahre um ſein Haupt geflochten hatten. Auf ſeinem runzlichen, doch ſchoͤnen Geſichte, glänzte Güte und Liebe zu Gott, während in ſeinen Augen ein tiefer Schmerz zu leſen war. Bei der Ankunft des Prieſters ſprang Godmaert auf, lief ihm entgegen, drückte ihm beide Hände mit ehrerbie⸗ tiger Liebe, und ſprach: „Pater Franziskus, mein guter Vater, mein Freund, habt Dank, daß Ihr mich zu beſuchen kommt.“ „Mein Sohn,“ antwortete der Prieſter,„muß ich in dieſen Tagen der Verführung und des Unglaubens Eure Kinder nicht vor Anſteckung bewahren? Sie ſind bis heute ſo gottesfürchtig und reinen Gemüthes geblieben;— ich würde ſündigen, wenn ich jetzt nicht mit verdoppelter Sorg⸗ falt uber ihnen wachen würde— da der Teufel ſich jetzt 16 des Gefühles der Vaterlandsliebe bedient, um die Seelen zu verführen.“ Niederſitzend fuhr der Prieſter fort: „Godmaert, ich komme, um einige Zeit mit Ludwig und Gertrud zu ſprechen; ich fürchte für meine geliebten Kinder.“ „Ludwig iſt noch nicht hier; aber Gertrud iſt bereit, Euch zu empfangen, Vater; ſie iſt im Bücherſaal.“ „Ich werde ſie finden; aber Godmaert, mein Sohn, mein Freund, mein Bruder, hört noch einmal auf meine Ermahnung... und verſcheucht die Thränen von meinen Wangen.“ „O ſprich, Vater! Ihr wißt, wie ſehr ich Eure Worte achte, und welche Liebe ich ſtets zu Euch gefühlt.“ Der Prieſter ergriff Godmaerts Hand und ſprach mit bewegter Stimme: „Ich weiß es, mein Sohn. Dieſer Troſt bleibt mir immer, daß Ihr wohl irren, aber kein Verbrechen begehen könnt.“ Nachdem er einen Augenblick nachgedacht, begann der Prieſter wieder mit Nachdruck, und als ob eine fremde Stimme aus ihm ſpräche: „Godmaert, Godmaert, der Feind Eures Gottes triumphirt in Eurem Vaterlande. Die Luft widerhallt täglich von Blasphemieen gegen den Glauben unſerer Vä⸗ ter; Banden von allerlei Ketzern, vom Satan angeführt, durchziehen unſer Land und verleiten unſre verblendeten Mitbürger. Sie haben ein Loſungswort, eine Fahne, worauf geſchrieben ſteht.... „Haß den Spaniern!“ „O nein, nein, Ihr täuſcht Euch:— Haß dem al⸗ ten Glauben der Belgier!— Es iſt nicht Philipps Thron, den ſie ſtürzen wollen, ſondern die Altäre unſres Gottes wollen ſie entheiligen und zertrümmern.— Und wiſſen, daß Ihr, mein Sohn, mein Freund, deſſen Herz ſo gerecht iſt, daß Ihr, Godmaert, unter dieſer Fahne ſtreitet, o dieß 7 macht: mel, m gib ihne Ge bewegt tiefe W er konnt wortete: & „J ſchlechte men ſin ich kann ihrem T Augen. Valency ſich die über Ho Ort, wo und ung — Soll Edeln, d ſchaft da ſoll darc Gottes d wird mit chen Sp Donner Wetterw Go ſein Har Nach ein / arbeiten Wie Das die Seelen it Ludwig e geliebten iſt bereit, al.“ ein Sohn, auf meine on meinen ich Eure gefühlt.“ prach mit bleibt mir n begehen egann der de fremde 3 Gottes viderhallt ſerer Vä⸗ ungeführt, blendeten 2 Fahne, dem al⸗ s Thron, s Gottes d wiſſen, o gerecht t, o dieß 17 macht mich weinen und bitten.... ich rufe zum Him⸗ mel, mit den Worten des ſterbenden Seligmachers: ver⸗ gib ihnen, Herr, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun!“ Godmaert war von den Worten des Prieſters heftig bewegt und er verbarg ſich nicht, daß in denſelben eine tiefe Wahrheit ruhte, die ſchwer zu beſtreiten war; aber er konnte ſein Gefühl nicht ſo plötzlich ändern und ant⸗ wortete: 4 1 „Ich verkenne nicht, Vater, daß unſer Land voll iſt von ſchlechten Leuten, die aus fremden Ländern hieher gekom⸗ men ſind, um die Saat der Ketzerei auszuſtreuen; aber ich kann nicht glauben, daß die Umwandlung etwas zu ihrem Vortheile hervorbringen würde.“ „Aber Godmaert, hebet doch den Schleier von Euren Augen. Warum würden Doornik, Audenaerde, Ryſſel, Valencyn den Calviniſten ausgeliefert? Warum verbreitet ſich die Sekte der Wiedertäufer wie ein laufend Feuer über Holland und Seeland? Warum iſt Antwerpen der Ort, wo Lutheraner, Kalviniſten und Wiedertäufer zugleich und ungehindert auf offenem Markte ihre Sache anpreiſen. — Soll ich es Euch ſagen? Weil Ihr und die andern Edeln, durch Euren Widerſtand gegen die ſpanſche Herr⸗ ſchaft das Staatsſteuerruder habt machtlos gemacht. Was ſoll daraus entſtehen? Ihr werdet die Rächer Eures Gottes der Gewalt der Böſen überantwortet ſehen, man wird mit den Heiligthümern Eures Glaubens ſeinen fre⸗ chen Spott treiben! Hört Ihr nicht in der Ferne den Donner der Bilderſtürmerei grollen? Seht Ihr nicht die Wetterwolke am fernen Horizonte?“ Godmaert hatte den Prieſter mit Entſetzen angehört; ſein Haupt war immer tiefer auf die Bruſt geſunken. Nach einigen Augenblicken antwortete er niedergeſchlagen: „O ich weiß es und ſehe es mit Schmerzen; wir arbeiten gegen den Glauben.“ Wie ein Lichtſtrahl glänzte die Freude auf dem Ge⸗ Das Wunderjahr 1566. 2 18 ſichte des Prieſters. Er hob die Augen zum Himmel und ſprach: „Hab' Dank, o Gott, der Du meiner Stimme Kraft gegeben.“ Godmaert blickte auf den Boden, wie von einem peinlichen Gedanken gefoltert. Ploͤtzlich richtete er ſich auf und rief wie verwirrt: „Aber Vater, ſollten wir uns denn dem Spanier unterwerfen müſſen? Bin ich nicht ein Kriegsmann, bin ich nicht ein vlämſcher Edler? O nein, nein, ich kann ihre Verachtung nicht verſchmerzen und ich mag das Ge⸗ fühl der Ehre nicht einſchläfern. Die Spanier ſind zu ſtolz, zu hochmüthig: ſie müſſen fort!“ Das Geſicht des Prieſters wurde trüb, er ſprach mit weicher Stimme: „Ich weiß es, mein Sohn, die Belgier haben Gründe, mit den Spaniern unzufrieden zu ſein; aber weltliche Ge⸗ danken, ſollten ſie in der Schale Eures Gemüthes die göttlichen überwiegen? Nein, doch gewiß nicht?— Ihr werdet Pater Franziskus nicht zwingen, über die Verdam⸗ mung ſeines beſten Freundes zu trauern?“ „Was muß ich thun, Euch zu gehorchen?“ fragte Godmaert ſchmerzlich. „Die ſpaniſche Regierung unterſtützen. Wenigſtens bis die Ketzerei gedämpft iſt; Eure Freunde zu gleichem anzufeuern und den Befehlen der Stadthalterin in Ant⸗ werpen Achtung verſchaffen.“ „Ich, Vater, ich die Spanier unterſtützen? O das iſt mir unmöglich!“ „Wohlan, könnt' Ihr das nicht von Eurem weltlichen Stolz erhalten, ſo ſteckt doch den Degen in die Scheide, und helft den Meutern nicht.“ Godmaert ſchwieg einige Augenblicke. Dann faßte er die Hand des Prieſters und ſagte: „Ich muß Cuch etwas ſagen, was Ihr nicht wißt: Der Ümſturz der Dinge, das linwetter, das Ihr fürchtet, wird bin zu Ende kann es fehl von auf. 2 voraus, Ihr, Po Haupt d ich die 8 meine T2 Au ſah God er, die „B Kirche ſe ner Altoé um die zu hören Und „N nicht, w ſchwör' die Tem ſie und Augen, O Herr, Er ihn die ein jung Augen a Freude, „H Sie dem Arr ſie ihn a „K mel und ne Kraft einem er ſich Spanier inn, bin ch kann das Ge⸗ ſind zu gerdam⸗ fragte nigſtens leichem n Ant⸗ O das eltlichen Scheide, n faßte t wißt: ürchtet, 19 wird binnen wenigen Tagen, vielleicht noch ehe die Woche zu Ende, losbrechen. Glaubt mir, keine menſchliche Macht kann es verhindern. Allles iſt bereit: auf den erſten Be⸗ fehl von Brüſſel ſteht das ganze Land gegen die Spanier auf. Auch ich ſehe die Gewaltthätigkeiten der Ketzer voraus, Eure Worte machten mich ſchauern— aber glaubt Ihr, Pater Franziskus, daß es beſſer, wenn ich, das Haupt der Antwerpener Edeln, nicht dabei wäre. Kann ich die Religion meiner Väter nicht beſſer beſchirmen durch meine Befehle, als durch meine Abweſenheit?“ Aus den Augen des Prieſters rollten Thränen; er ſah Godmaert feſten Blickes und ſtumm an. Endlich rief er, die Augen zum Himmel erhebend: „Binnen wenig Tagen? O Herr, wirſt Du Deine Kirche ſo bald beſuchen? Soll ich die Entheiligung Dei⸗ ner Altäre ſehen; ſoll ich meine Ohren verſtopfen müſſen, um die Laͤſterungen gegen Deinen heiligen Namen nicht zu hören?“ Und ſich an Godmaert wendend, fuhr er fort: „Mein Geiſt verzweifelt bei dieſem Gedanken. Ich weiß nicht, was ich Euch rathen ſoll, aber ich bitte, ich be⸗ ſchwör' Euch mit gefalteten Händen, Godmaert, bewahret die Tempel, miſcht Euch nicht unter die Ketzer, bekämpft ſie und habet in den Tagen der Gefahr Euren Gott vor Augen, auf daß Ihr keine unvergebliche Sünde begehet.. O Herr, Deine ſtrafende Hand iſt über uns!“. Er verſank wieder in tiefes Nachdenken, aus dem ihn die Antwort Godmaerts wohl aufgeweckt hätte, aber ein junges Edelfräulein kam in das Zimmer; ſobald ihre Augen auf den Prieſter fielen, ſtrahlte ihr Antlitz vor Freude, und von ihren ſchönen Lippen floſſen die Worte: „Hal da iſt Pater Franziskus!“ Sie näherte ſich dem Prieſter, nahm ihn ſanft unter dem Arme und wollte ihn aufzuſtehen nöthigen, wahrend ſie ihn anſprach: „Kommt, guter Vater, Herr Ludwig Van Halmale 20 iſt in dem Bücherſaale. O, was bin ich erfreut, daß Ihr gekommen ſeid; kommt.“ Der Prieſter betrachtete das junge Mädchen mit väterlicher Liebe und ſtand, von ihr unterſtützt, von ſeinem Seſſel auf, reichte Godmaert die Hand und ſprach: „Ich gehe mich zu erholen mit meinen guten Kindern; vergeßt, mein Sohn, nicht meine Worte.“ Von dem Mädchen begleitet, ging er wankenden Schrit⸗ tes aus dem Zimmer. Godmaert lehnte ſich zurück in den Seſſel und ſprach, die Hand an ſeiner Stirne: „Ja, ich muß den Glauben vertheidigen, und die Tempel beſchützen, aber die Spanier werde ich nicht ver⸗ ſchonen. Nein, nein, ich muß mich rächen, und mein Vaterland von ihnen erlöſen. Die Ehre gebietet es: ein Kriegsmann, wie ich, darf ſich nicht ungeſtraft von ihnen höhnen laſſen...“ Seine Stimme wurde immer leiſer. Seine Lippen bewegten ſich zwar noch, und er ſprach ſichtlich mit ſich 4 aber ſeine Worte konnte man nicht mehr ver⸗ ehen. Eine Stunde ſpäter wurde ihm angekündigt, daß das Mittagsmahl in dem Speiſezimmer aufgetragen ſei: er an auf, begab ſich dorthin und ſetzte ſich oben an die afel. Neben ihm ſaß ſeine liebe und einzige Tochter Ger⸗ trud, wahrlich ein köſtlicher Juwel ihres Geſchlechtes. Schönere Geſichtszüge, einen edleren Ausdruck, ſittſamere Haltung konnte man bei keinem Mädchen ſehen. Ihr Haar ſchmiegte ſich herabhängend an die roſenfarbigen Wangen, und bildete aus ihrem Geſichte ein ſo ſchoͤnes Oval, als je ein Künſtler es malen kann. Ein liebliches Lächeln ſchwebte um ihre Lippen,— und ihre Augen waren mit einem Feuer, deſſen ſie ſich nicht zu ſchämen brauchte, auf einen Jüngling gerichtet, der ihr gegenüber ſaß. Dieſer Jüngling war ihr gelieb⸗ ter Lu Die. des T Herz zurück Blicke viel b Godm ſehr ge Hals mit C Dolch glänzer 94 gezeigt achtete Sprach 3' Freund den. Saale. einige Geſprã vlämiſc — Ma Reihe nach G noch F daß Ihr chen mit on ſeinem h: Kindern; n Schrit⸗ ad ſprach, und die licht ver⸗ ind mein etet es: traft von e Lippen mit ſich ehr ver⸗ daß das ſei: er n an die ter Ger⸗ hlechtes. ttſamere n. Ihr ffarbigen ſchoͤnes ppen,— ſie ſich gerichtet, gelieb⸗ 21 ter Ludwig. Auch er ſaß ſchweigend und ehrerbietig da. Die Gegenwart eines Mannes, der ſich am andern Ende des Tiſches befand, und deſſen Blicke ihm eiskalt auf's Herz fielen, hielt ihn von einem Geſpräch mit Gertrud urück. 1 Es war Valdeès, der die Geliebten mit ſo finſterem Blicke betrachtete, ein vornehmer ſpaniſcher Edelmann, der viel bei der Statthalterin galt. Er war immer von Godmaert freundlich aufgenommen worden; denn es war ſehr gefährlich, ſich den Haß dieſes Spaniers auf den Hals zu laden. Ein ſammtner Mantel, deſſen Kragen mit Gold geſtickt war, bedeckte ſeine Schultern. Sein Dolch war reich mit Steinen beſetzt, und hing ihm als glänzende Zierrath um den Hals. Immer hatte Valdes Neigung und Liebe zu Gertrud gezeigt; aber ſtets ward er wieder abgewieſen. Darum achtete er neugierig auf den Junker und verſtand die Sprache der Geliebten untereinander.— Weder Ludwig noch Gertrud waren des Sxpaniers Freunde. Godmaert allein war es aus politiſchen Grün⸗ den. So herrſchte anfangs eine große Stille in dem Saale.— Godmaert wollte ſeinem läſtigen Genoſſen einige nützliche Aufflärungen entlocken und begann das Geſpräch: „Nun, Herr Valdeès, was ſagt Ihr zu den Sachen? werden die Unruhen bald geſtillt ſein? „Ich weiß es nicht, Herr Godmaert,“ antwortete der Spanier,„doch wäre ich der König Philipp, ſo würde ich bald mit dem Pöbel und den wenigen Edeln fertig!“ „Glaubt Ihr das, Valdés?“ begann der Geuſe wieder mit ſpottiſchem Lächeln, wißt Ihr denn nicht, daß das vlämiſche Volk nur mit Gewalt unterjocht werden kann? — Mag Euer Koͤnig auch alle ſeine Soldaten nach der Reihe in die Niederlande ſenden, mag er alle Einwoehner nach Gelüſten hinmetzeln, unſer Vaterland würde ihm noch Feinde aus dem Grabe entgegenſtellen.“ „Godmaert, Ihr behandelt unſre Nation nicht gut. — Warum wollt Ihr den ſpanſchen Edeln vorangehen? Hat unſer Koͤnig, ſein Volk zu regieren, kein Recht?“ „In ſeinem Lande, ja.— In unſern Lande, nein.“ „Arm wie Ihr ſeid, von dunkler Herkunft, ſeid Ihr alle zu ſtolz, ſolch herrlicher Nation, wie die ſpaniſche, zu weichen!“ Der alte Godmaert, der ſolche Sprache von ſeinem Tiſchgenoſſen nicht erwartet hatte, konnte mit all' ſeiner Politik ſich nicht länger zurückhalten. Eine brennende Glut ſchoß ihm durch die Adern und das Blut kam bis in die Falten ſeiner Stirne. Der Spanier, der mit Abſicht den greiſen Vlamänder reizte, fuhr mit ſcheinbarer Mäßigung fort: „Nun Godmaert, glaubt Ihr nicht, daß alle die Meuter, die Edeln, welche ſich Geuſen nennen, beſſer thun würden, den Spaniern zu gehorchen, denn als Bettler in ſchlechten Kleidern das Volk aufzuhetzen?“ „Valdèés!“ antwortete Godmaert mit bebender Stimme, „Ihr vergeßt, daß ich ein Belgier bin.— Wollt Ihr mich in meiner Wohnung höhnen?— So ſprecht gerade heraus!“ „O, Ihr täuſcht Euch, edler Godmaert,“ fuhr der liſtige Spanier fort.„Euch und wenige andere nehme ich davon aus; doch es gibt außer dieſen noch genug, die ohne des Königs Gunſt ſo arm wären, als die Andern.“ „Ihr ſagt, daß wir arm ſeien, Valdes? Hätten wir den Einwohnern eines fernen Landes das Blut bis auf den letzten Tropfen ausgeſogen, wie ihr den Amerikanern, wir wären gewiß auch reich. Was die Gleichheit betrifft, die wir mit den Spaniern verlangen, dieß iſt nicht mehr als billig, da wir in unſerm eigenen Vaterlande ſind.— Daß wir keine fremden Herren haben mögen, weiſt die Geſchichte aus;— und dann werden wir ſehen, ob die Spanier ſo viel Muth haben, als ihre Läſterzunge davon ſpricht!“ 6 Werg er ſch aber Läſter 0 Beche Worte den S komm „geh' ( dem da un verſch Waffe Harur an de Franz Meiſt ſehr! ſonne, haftes Altar bilder welche fer ar 0 Thrär graue hoͤren Tage nicht gut. rangehen? n Recht?“ de, nein.“ ſeid Ihr ſpaniſche, von ſeinem all' ſeiner brennende t kam bis Blamänder s alle die beſſer thun Bettler in Stimme, Wollt Ihr cht gerade fuhr der re nehme genug, die Andern.“ Haͤtten wir t bis auf erikanern, t betrifft, icht mehr ſind.— weiſt die , ob die ge davon 23 Der Spanier lachte verächtlich und ſchien großes Vergnügen an dem Zorn des Greiſen zu finden. Ludwig zitterte an allen Gliedern. Zehnmal hatte er ſchon den Degen, der an ſeinem Stuhl hing, angefaßt; aber Gertruds bittende Blicke wehrten ihm des Spaniers Läſterungen zu beſtrafen. Das Eſſen war zu Ende. Die Diener, welche die Becher weggenommen hatten, horchten neugierig auf die Worte, welche geſprochen wurden. Der Geuſe gebot ihnen, den Saal zu verlaſſen, und nicht ohne Befehl wieder zu kommen. „Gertrud!“ ſprach er, ſich an ſeine Tochter wendend, „geh' in den Bücherſaal. Ludwig ſoll Dir folgen.“ Er blieb allein mit ſeinem ſpaniſchen Feinde. Der Bücherſaal war ein großes Zimmer, und glich dem Schiff einer Kirche. Einige Bände in Folio, welche da und dort zerſtreut lagen, hatten ihm dieſen edeln Namen verſchafft. Beſſer wäre es geweſen, dieſen Platz den Waffenſaal zu heißen, da verſchiedene ſchwarze Helme, Haruiſche, Waffenroͤcke und noch andere Kriegsrüſtungen an der kahlen Mauer hingen. Einige Malereien von Franz Floris, Hugo, Van Hoort, Grimer und anderen Meiſtern verzierten den Hintergrund des Saales. Nicht ſehr hell war das Zimmer, ſelbſt nicht bei der Mittags⸗ ſonne, da die tauſendfarbigen Fenſtergläſer nur ein zweifel⸗ haftes Licht durchließen. In einer Ecke ſtand ein kleiner Altar mit einem ebenholzenen Kreuze und einigen Madonnen⸗ bildern geſchmückt. Vor dieſem war der Betſtuhl, in welchem Gertrude ſo viele und feurige Gebete zum Schöp⸗ fer aufgeſendet hatte. Die Liebenden traten ſchweigend in das Zimmer. „Ludwig, Ludwig!“ rief das liebe Mädchen, in Thränen ausbrechend,„ich kann den Hohn, den ſie über die grauen Haaren meines Vaters ausgießen, nicht länger an⸗ hoͤren. Sie haben durch Schmach und Läſterung ſeine Tage verkürzt. Wie manchmal ſind die Thränen des 24 Greiſen mit den meinigen vermiſcht, über unſre Wangen gerollt.“ Nun konnte ſie kein Wort mehr ſorechen; ſeufzen und ſchluchzen war ihre ganze Antwort auf Ludwigs trö⸗ ſtende Bitten. „Gertrud,“ ſprach er bittend,„o! beruhige Dich! habe Geduld in den Schmerzen, die der Herr uns zur Prüfung ſendet. Bedenke, wie ich leiden muß, ich ein ein Adliger und ein Herz in der Bruſt, das glüht...“ Und er weinte bittrer als das ſchwache Mädchen. Doch mit ſeinen Thränen floß ihm der kalte Schweiß über die Wangen. Die Jungfrau ließ ſich durch ſeine Worte nicht be⸗ ruhigen, im Gegentheil, ihr Geſicht, ſonſt ſo ſanft, bekam nun einen ſtrengen Ausdruck. Sie rief ſchluchzend: Haſt Du nicht geſehn, mit welch' hölliſcher Wolluſt der Spanier meines Vaters Leiden reizte? Siehſt Du nicht, wie dieſer täglich wiederholte Hohn meinen alten Bater dem Grabe zuführt?— und Niemand beſchützt ihn!“ j Eine plötzliche Veränderung ging in dem Junker vor ſich; ſtolz erhob er ſein Haupt: aus ſeinen Augen ſtrahl⸗ ten Blitze männlichen Feuers und Alles trug an ihm die Zeichen des Zornes und der Wuth. „Wohlan!“ rief er mit ungeſtümer Schwärmerei aus, vor Gertrud auf die Knie fallend,„wohlan, Du ſollſt mich nicht der Feigheit beſchuldigen. Sprich, was ſoll ich thun? Soll ich mit meinen Degen Valdes durch⸗ bohren? Soll ich das Herz des Spaniers Dir blutig und rauchend bringen?“ Ein Angſtſchrei entfloh der Bruſt der Jungfrau. Sie ſprang zurück und entfernte ſich von Ludwig. Ihr Geſicht wurde traurig, und ſie fühlte Reue. Der Junker verſtand das Gefühl des Mädchens; er gab ſeinem Geſichte einen weichen Ausdruck; zu ihr hin⸗ gehend, faßte er ihre Hand und ſprach; los fiel ter ihres St miſchten trud, w liebten niederlaf im Geb des Gel Lur horchte ihres gr Mädchen Kniee, f land. „L rend ſie bemerkte blicken a Gebet de Lud rung, die nem En warſt be „Jo eine gott — und der himt Gottloſe Der Wangen ſeufzen vigs trö⸗ 1. Doch über die nicht be⸗ t, bekam d: Wolluſt ehſt Du hen alten beſchützt nker vor n ſtrahl⸗ ihm die värmerei an, Du ch, was 3 durch⸗ r blutig au. Sie Geſicht ens; er ihr hin⸗ 25 „Wir irren, Gertrud, wir vergeſſen die Ermahnungen unſers guten Vater Franziskus.“ Gertrud brach in Thränen aus. Ermattet und kraft⸗ los fiel ſie, ohne zu antworten, das Haupt an die Schul⸗ ter ihres Geliebten legend, nieder. So blieben Sie lange Zeit, indem ſich ihre Thränen miſchten, und wie Kinder gefühllos ſchluchzten, bis Ger⸗ trud, wie aus einem langen Traum erwachend, ihren Ge⸗ liebten ſanft von ſich ſtieß, und ſich an dem Betſtuhl niederlaſſend, im Himmel, zu dem ſich ihre reine Seele im Gebete erhob, einen Troſt ſuchte, den ſie an der Bruſt des Geliebten nicht gefunden hatte. Ludwig betrachtete ſeine Gertrud mit Entzücken, und horchte auf das leiſe Gebet. Immer kam der Name ihres greiſen Vaters langſam und wehmüthig über des Mädchens Lippen. Der Junker ſank hinter ihr auf die Fnies, faltete die Hände und bat mit ihr für das Vater⸗ and. „Ludwig, wo biſt Du?“ rief Gertrud endlich, wäh⸗ rend ſie ſich verwundert in dem Zimmer umſah. Sie bemerkte den entzückten Jüngling, der ſie mit Liebes⸗ blicken anſah und ſtand auf. Langſam näherte ſie ſich ihm, und hob ihn vom Boden auf. „Nun,“ ſagte ſie,„findeſt Du nicht, daß ein reines Gebet den Menſchen wie ein himmliſcher Balſam tröſtet?* Ludwig ſtand verwundert über die plötzliche Verände⸗ rung, die er cuf des Mädchens Antlitz bemerkte. „Gertrud,“ ſprach er, ſich neben ſie ſetzend,„in mei⸗ nem Entzücken habe ich den Himmel offen geſehen.— Du warſt bei Gott als ein Engel. „Ja, gewiß, antwortete ſie lieblich lächelnd,„ſo kann eine gotkesfurchtige Seele ſich immer mit Gott vereinigen; — und da dem weltlichen Elend entrückt, einen Vorſchmack der himmliſchen Freude genießen. Dieſes Glück kennen Gottloſe nicht!“ Der Jüngling horchte verwundert auf ſeine Geliebte, 26 „O wie rein iſt Deine Seele, Gertrud!“ rief er.„Auf Dein Gebet wird der Herr unſre Liebe ſegnen.“ „Ja, Ludwig, ich hoffe der Kelch der Schmach wird bald an meinem Vater vorüber ſein— und dann...“ „Und dann,“ fügte der Jüngling hinzu,„dann wer⸗ den wir den Segen eines Prieſters über uns rufen und zuſammen durch Liebe und Sorgfalt die Tage unſers alten Vaters verlängern...“ Jungfräuliche Scham röthete die Wangen des Mäd⸗ chens. Sie ſtarrte auf den Boden, dann das Geſpräch plötzlich von dem Gegenſtande abwenden wollend, fragte ſie: „Aber Ludwig, ſollte es wahr ſein? Gilt es unſerer Religion bei der Revolution gegen die Spanier? Welch ſchreckliches Bild hat uns Vater Franziskus vorgemalt! Er weinte, er die Güte ſelbſt!“ Sie legte die ſchöne Hand an die Augen und weinte. „O Gertrud,“ antwortete Ludwig,„der heilige Mann täuſcht ſich nicht in ſeinem Vorgefühle. Du geheſt nie aus, mein Kind, aber kennteſt Du unſre Stadt! Schon jetzt darf man kaum mehr ſagen, daß man der wahren Kirche angehört. Die Ketzer ſind Herren; ſie predigen laut gegen unſern Glauben; ſie läſtern Gott; höhnen die Mutter des Erlöſers; ja unſer guter Vater Franziskus, er, der durch ſein Alter und ſein himmliſches Antlitz ſelbſt den Wilden zur Ehrfurcht zwingt, er wurde ehegeſtern von ihnen ausgelacht und verhöhnt.“ Die Jungfrau wurde bleich und rief, die Augen zum Himmel erhebend: „O mein Gott, bewahre ihn doch vor Spott und Schmach.“ Der Jüngling begann wieder: „Und dieſer fremde Pöbel, der aus allen Weltenden zuſammengelaufen iſt, ruft unaufhörlich: Es leben die Geuſe ächtlie L ¹ druck 7 ters, den S von ih das w trud! men, 7 kus ül — doc an der ſo ratt zu folg denden begang laſſe d der we herſtell gottver willſt? ſprach Uebeltl wir, d Zeit d über. wie der er.„Auf 1 mach wird ann...“ dann wer⸗ rufen und inſers alten des Mäd⸗ Geſpräch nd, fragte es unſerer „2 Welch vorgemalt! ugen und llige Mann geheſt nie ! Schon er wahren predigen zöhnen die ranziskus, tlitz ſelbſt eſtern von ugen zum Spott und Weltenden leben die 27 Geuſen! o, Du kannſt nicht glauben, Gertrud, wie ver⸗ ächtlich mir dieſer Name in ihrem Munde erſcheint.“ Mit ſichtbarem Schmerze fügte er hinzu: „Auch ich, Gertrud, auch ich bin ein Geuſe.“ Das Antlitz der Jungfrau bekam einen weichen Aus⸗ druck und ſie antwortete: „Ich weiß es, Ludwig, es iſt der Wille meines Va⸗ ters, dem wir gehorchen müſſen. Er hat ja ſo viel von den Spaniern erduldet; er ſagt, das Vaterland müſſe von ihrer Herrſchaft erlöſt ſein. Ehren wir ein Gefühl, das wir weder beurtheilen können, noch wollen.“ „Wie klug und verſtändig ſprichſt Du, meine Ger⸗ trud! Doch ich werde den Befehlen Godmaerts nachkom⸗ men, es iſt meine Pflicht!“ „Ludwig, Du weißt es, ich habe mit Vater Franzlis⸗ kus über die Gefahr des Glaubens geweint und geſeufzt; — doch da das Schickſal uns allzuhart drückt— wenn ich an den Spott und die Schmerzen meines Vaters denke, ſo rathe ich Dir, den Befehlen meines Vaters vertrauend zu folgen. Ich weiß weiß wohl, daß in dieſem entſchei⸗ denden Augenblicke viele Greuelthaten gegen unſre Religion begangen werden,— aber wenn es kein Mittel gibt, ſo laſſe die Verirrten thun, was ſie wollen, und wir, Kinder der wahren Kirche, werden ſie noch prächtiger, als zuvor, herſtellen. Gelobe mir, Ludwig, daß Du nie an dem gottvergeſſenen Treiben der Bilderfeinde Theil nehmen willſt?“ „Dieß gelobe ich Dir, bei dem Gott, der mich hoͤrt!“ ſprach Ludwig in feierlichem Tone. „Wohlan denn,“ fuhr Gertrud fort,„laß das Volk Uebelthaten begehen, die wir nicht hindern können. Hoffen wir, daß ſie von ihrem Irrthum zurückkommen, wenn die Zeit der Verführung und der wilden Leidenſchaften vor⸗ über. O, ich zweifle nicht...“ Sie ſchwieg. Die Stimme ihres Vaters wiederhallte, wie der Donner, gegen die Mauern des Saales. Aengſtlich 28 horchten ſie beide, um die Urſache des Geräuſches zu ver⸗ nehmen. „Spaniſcher Bluthund!“ ſchrie Godmaert, hinaus aus meinem Hauſe; ſetzt nie wieder einen Fuß über meine Schwelle. Geh', Schlange!“ „Ja, armer Geuſe,“ antwortete Valdès,„was hin⸗ dert mich, daß ich Dich in dieſem Augenblick nicht wie einen Hund behandle.“ Godmaert brüllte vor Zorn, während er ſich um an⸗ derer Gründe willen nicht rächen durfte. Nun ſprang Ludwig, knirſchend ſeinen Degen aus der Scheide ziehend, nach der Thüre. Gertrud bleich vor Angſt, hangte ſich an ihn: „Ludwig! ach Ludwig! was willſt Du thun?“ „Meine Hände in das Blut des Spaniers tauchen!“ ſchrie er, ſich mit Gewalt aus den Armen des Mädchens reißend— und floh wie ein Pfeil aus dem Bücherſaal. Gertrud folgte ihm und ſuchte ihn nochmals zurückzuhalten. Allein vergebens. Mit einem Arme, durch Haß und Liebe kräftig, faßte er die Kehle des Spaniers— daß dieſem die Zunge blau wurde. „Elender Spötter eines wehrloſen Greiſes!“ rief er aus, den Spanier auf den Boden werfend,„gib Deine verächtliche Seele dem Schöpfer zurück; denn Dein letzter Seufzer geht über Deine Lippen.— Damit drückte er ſeinen Feind ſo feſt, daß dieſer unbeweglich am Boden lag. Godmaert war vor Zorn und banger Furcht ange⸗ griffen auf einen Lehnſtuhl zurückgeſunken. Da ſaß ſeine Tochter verzweifelnd zu ſeinen Füßen, ihren Vater rufend, als ob er ihre Bitte hören könnte.— Sie ſtrich mit ihrer Hand durch ſeine greiſen Haare und ſuchte ſeine Wangen durch glühende Küſſe zu erwarmen. Plätzlich wandte ſie ſich um und ſah Ludwig die Spitze ſeines Degens auf die Bruſt des Spaniers richten. Weinend verließ ſie ihren Vater u zog und ſuchte a zureißen verzweife Jüngling konnte. „Lu hier lieg Der vergaß ſ Er hob trug ihn maert ſer „2 Stimme. „Er antworter nicht verg Greis un wiß von und Küſſ „Ach „Gott ha Von Sch ſank ſie l Roſen ihr — und ſt Vaters li Ludn und der e „Da der Maue unmächtig Ludn Geliebte. s zu ver⸗ „hinaus iber meine was hin⸗ wie einen h um an⸗ n aus der leich vor 2u auchen!“ Nädchens icherſaal. zuhalten. ig, faßte nge blau rief er ib Deine n Dein Damit glich am ht ange⸗ ſaß ſeine rufend, nit ihrer Wangen undte ſie auf die ie ihren 29 Vater und hing ſich ſo feſt an Ludwig, daß ſie ihn zurück⸗ zog und ihn ſo hinderte, den Mord zu vollbringen. Er ſuchte aber mit aller Gewalt ſich aus ihren Armen los⸗ zureißen, um ſeine Rachluſt zu befriedigen; aber die verzweifelnde Gertrud hielt um ſo feſter, da ſie in des Juͤnglings irren Blicken nur blutdürſtige Raſerei leſen konnte. „Ludwig!“ rief ſie, auf ihren Vater deutend,„hier, hier liegt das Schlachtopfer Deines Ungeſtüms!“ Der Junker ließ ſeinen Degen zu Boden ſinken und vergaß ſeinen Feind, um Godmaert zu Hulfe zu eilen. Er hob den Stuhl, in welchem der Greis ſaß, auf und trug ihn in das nächſte Zimmer. Hier öffnete endlich God⸗ maert ſeine Augen. „Wo iſt er?“ fragte der Vater mit ſchwacher Stimme. „Er liegt auf dem Boden in den letzten Zügen,“— antwortete Ludwig,„es ärgert mich, daß ich ſein Blut nicht vergoſſen. Dürft' ich es noch thun!“ Er ſchien den Greis um ſeine Billigung zu fragen. Godmaert hätte ge⸗ wiß von Verſöhnung geſprochen, aber die Umarmungen und Küſſe ſeiner Tochter hinderten ihn daran. „Ach, lieber Vater!“ rief ſie vor Freude weinend, „Gott hat meine Bitte erhört.— Du lebſt, ohl! 1— 4 Von Schmerz und zugleich von heftiger Freude ermattet, ſank ſie lächelnd auf den Schooß ihres Vaters nieder. Die Roſen ihrer Wangen verſchwanden, ihre Augen ſchloßen ſich — und ſie blieb blaß und kalt unter den Küſſen ihres Vaters liegen. Ludwig lief auf ſie zu, doch nun ging die Thüre auf und der Spanier trat ſchäumend auf ihn los. „Da, da! Ludwig!“ rief Godmaert, auf einen an der Mauer hängenden Degen zeigend, bewahre Deine unmächtige Freundin vor des Mörders Händen!“ Ludwig, den Degen ergreifend, ſtellte ſich vor ſeine Geliebte, 30 „Kommſt Du von den Todten zurück?“ rief er Valdès entgegen,„willſt Du den Greis noch mehr höhnen?“ „Nein, nein, vlämiſcher Verräther!“ antwortete der Spanier,„ich will Dir nur den Lohn für Deinen Uebermuth bringen,“ damit kehrte er die Spitze ſeines Degens gegen des Junkers Bruſt; doch dieſer, zu kundig in Waffenthat, wußte alle ſeine Angriffsverſuche zu pariren. Der alte Godmaert drückte ſeine Tochter mit banger Sorge an ſein Herz und feuerte Ludwig an, nicht zurück⸗ zuweichen. Aber der Jüngling bedurfte der Aufmunterung nicht, denn ſchon lief das Blut von des Spaniers Hand, der ſich endlich zurückzog. Ludwig warf die Thüre hinter ihm zu und ließ ihn ſeinen Zorn an der Wand kühlen. „Spitzbuben!“ rief der Spanier wüthend,„ihr wer⸗ det bald eure Ruchloſigkeit betrauern. Der alte Geuſe bereite ſich auf ſein Gefängniß! Meinen Namen und meine Ehre ſetze ich zum Pfand, wenn ich den Meuter nicht in Henkershände bringe!“ Lange wüthete er draußen ſo fort; doch man achtete ſeiner wenig, indem man um Gertrud beſchäftigt war. Endlich verließ der erzürnte Valdès Godmaerts Wohnung, eine Rache erſinnend, welche er ihm ſo heftig zugeſchworen atte. Gertrud war erwacht und ſaß zwiſchen Ludwig und ihrem Vater. Alle waren ſo ermüdet, daß keines von ihnen ein Wort fand, um ſich über das ſo eben Vorge⸗ fallene auszudrücken. Nach langem Stillſchweigen begann zuerſt Godmaert: „Nun ſiehſt Du, daß die Zeit da iſt, um den Läſtigen doch für immer abzuſchütteln. Dieß werde ich zu vollbringen ſuchen und wenn ich alles, was ich beſitze, daran ſetzen müßte. Meine Gertrud,“ er küßte ſie,„iſt ein Schatz, Lud⸗ wig, den ich Dir ſchenke, und welche ſicher mehr werth iſt, als das Gut, das ich Dir geben koͤnnte.— Doch Du weißt, was ich Dir geſagt: ein ſpaniſches Auge ſoll Deine Hochzeit nicht ſehen. Ehe wir wieder frei ſind, wie unſre Väter, ſt wohnen. heit zu b ſatteln u wir des veränderl den, mög bedenken, floͤßte.— Heiligen, anbeteſt, Vater nie Sorgfalt prägte.“ „Ja wirſt imn n Ehren größerem Nun nachdem ſeinen Au Brief, ur bat den auf ſeine Ludr ſich mit mittheilte Namen d Dan beugte ſie er Valdès en?“ ortete der lebermuth ens gegen affenthat, it banger öt zurück⸗ nunterung rs Hand, ire hinter kühlen. ihr wer⸗ te Geuſe ind meine rnicht in in achtete tigt war. Vohnung, eſchworen dwig und eines von n Vorge⸗ en begann n Läſtigen ollbringen ran ſetzen hhatz, Lud⸗ ehr werth Doch Du ſoll Deine wie unſre 31 Väter, ſollſt Du mit Gertrud, nicht unter einem Dache wohnen. Um nun Dein Glück und des Vaterlandes Frei⸗ heit zu beſchleunigen, wirſt Du morgen früh Dein Pferd ſatteln und Wolfgang aufſuchen.— Es iſt mir leid, daß wir des Uebelthäters bedürfen, aber die Noth iſt ein un⸗ veränderliches Recht. Wenn Greuelthaten begangen wer⸗ den, mögen die Nachkommen uns entſchuldigen, wenn ſie bedenken, welchen Haß uns die ſpaniſche Unterdrückung ein⸗ floͤßte.— Und Du, meine liebe Gertrud, wenn Du die Heiligen, die Du ehrſt, und das Abbild Gottes, das Du anbeteſt, mit Füßen getreten ſiehſt, beſchuldige Deinen Vater nicht der Gottloſigkeit.— Du weißt, mit welcher Sorgfalt ich Dir die heilſamen Lehren der Religion ein⸗ prägte.“ „Ja, ja, Vater!“ fiel ihm Gertrud in die Rede.„Du wirſt immer, das weiß ich, Gottes Freunde, die Heiligen, n Ehren halten, auf daß ſie Dich und uns beide vor größerem Unglücke bewahren.“ Nun rief er Ludwig ein wenig auf die Seite— und nachdem er ihm einige Erläuterungen über Wolfgang und ſeinen Aufenthalt gegeben, reichte er ihm einen geſchloſſenen Brief, um ihn dem Räuberhauptmann zu überbringen. Er bat den Jüngling, ſich nun zur Ruhe zu begeben und ſich auf ſeine Reiſe vorzubereiten. Ludwig ſprach noch einen Augenblick mit Gertrud, die ſich mit ihm über ſeine Reiſe unterhielt und guten Rath mittheilte. Unter ihren leiſen Worten hoͤrte man nur den Namen des Vaters Franziskus heraus. Dann ſprach Ludwig noch ein ſuͤßes Lebewohl; ver⸗ beugte ſich vor dem Greiſen und ging. Ein ſüßer Schlaf ließ Godmaert und ſeine Tochter bald die erduldete Schmach vergeſſen. ———— III. Les flamens ayment fort pen les autres nations et ont été si adounez aux armes et ai remuanis quils n'ont jamais peu vivre en paix. Charles Boscard. Die Sonne erhob ſich langſam und herrlich am Ho⸗ rizonte. Eine ihrer Strahlen ſiel ſchief auf das Fenſter von Ludwigs Zimmer,— und oͤffnete des Jünglings Augen. Unruhig erhob er ſich vom Bette und nachdem er einen Augenblick betend gekniet hatte, kleidete er ſich an, gürtete ſich den Degen um die Lenden, küßte mehrmals das Bild ſeiner lieben Gertrud, ſtieg zu Pferd und durch⸗ kreuzte die Straßen, die ihn nach dem Kipdorpthor führen ſollten. Er verwunderte ſich über die Menge gewaffneter Männer, die mit ihm den nämlichen Weg verfolgten. Viele Reiter ritten an ihm vorbei und die Straßen wiederhallten von dem ſchweren Tritte der Pferde. Frauen und Kinder zogen truppweiſe fort. Ludwig, der nicht begreifen konnte, was die Urſache des frühen Zuges ſei, näherte ſich einem der Reiter, der gleich den übrigen mit Gewehr und Dolch gewaffnet war und fragte ihn, warum ſie alle denſelben Weg verfolgten und ruhig und wohlgemuth zum Kampfe zoögen. „Ja, Junker Ludwig!“ antwortete der Reiter ihn be⸗ trachtend,„wißt Ihr nicht, daß heute eine außerordentliche Predigt bei Burgerhout gehalten wird?“ „Aber warum ſeyd Ihr dann ſo gewaffnet?“ „Glaubt Ihr, Junker, wir geben uns wie Schafe der ſpaniſchen Rache ans Meſſer?“ ſprach der Geuſe lachend, „wenn wir ungewaffnet wären, würde ſie nicht zoͤgern, uns alle auf gerüſtet glücklich fuhr er keine Fo ſteigen k I / ohne Hi oft ſehr lachte. mir wa aber nur Fleiſch!“ „J mans? „3 nahm it ſeine un nur den Erden.“ So ſpräch n trennte, entfloh ſichtigen Mund i kamen u „H ab!— Antwerz hängeſch mit der Das les autres x armes et u vivre en ps card. am Ho⸗ 6 Fenſter s Augen. er einen u, gürtete mals das d durch⸗ or führen ewaffneter en. Viele derhallten Id Kinder e Urſache eiter, der ffnet war verfolgten r ihn be⸗ ordentliche 7 Schafe der e lachend, gern, uns 33 alle auf der Stelle zu ermorden, aber nun, da ſie uns gerüſtet ſehen, darf uns dieſe falſche Brut nicht zu nahe kommen.“ „Gott! Gott!“ ſeufzte der Junker, das Haupt ſchüt⸗ telnd,„wenn doch die Prediger der neuen Lehre unſer un⸗ glückliches Vaterland verließen!— Herr Schuermans,“ fuhr er fort,„ich bin ſehr erfreut, daß Eure Wunde keine Folgen hatte— da ihr ſchon wieder Euer Pferd be⸗ ſteigen konntet.“ „Ihr täuſcht Euch, Jüͤnker, ich kann noch nicht ohne Hülfe aufſteigen. Ich verſichre Euch, daß ſie mich oft ſehr ſchmerzt; doch kehre ich mich nicht dran.“ Er lachte.„Noch zwei Zoll tiefer, Ludwig, und Ihr hättet mir wahrlich für immer den Mund geſchloſſen;— aber nun ſchadet's nichts.— So ein Läppchen Haut und Fleiſch!“ „Ihr vergebt mir gewiß dieſe Wunde, Schuer⸗ mans?“ „Ja, gewiß; vergebt mir meine tollen Reden.“ Er nahm indeß die Hand des Junkers, drückte ſie feſt in die ſeine und ſprach mit Nachdruck:„Ein Vlamänder haßt nur den Fremden.— Wir ſind die beſten Freunde auf Erden.“ So redeten ſie fort. Hier und da wurde ihr Ge⸗ ſpräch unterbrochen, wenn die Menge ſie von einander trennte, doch immer bald wieder aufgenommen. Oefters entfloh der Ruf: es leben die Geuſen!!— einem unvox⸗ ſichtigen Munde und dann lief das Gejauchze durch aller Mund und verlor ſich ferne in andern Straßen. Endlich kamen unſre Reiter bei dem Bürgerhoutſchen Thor an. „Haltet an, Herr Ludwig,“ rief der Kamerad.„Steigt ab!— Hier haben wir das beſte braune Bier, das in Antwerpen zu finden iſt,“— und er zeigte ihm ein Aus⸗ hängeſchild, auf welchem ein Thier künſtlich gemalt war, mit der Aufſchrift: Das Wunderjahr 1566. 3 34 „In het varcken is't good om syn Der 3 1. e Men tapt er bier en brandewyn.*) ſehr erfrer „Steigt ab, Ludwig!— Hier iſt gut ſein, für die, Ludm die Geuſengläſer haben.— Eh! Hoſpes— nun herbeil was ihn ſ Helf mir ein wenig, denn ich kann nur mühſam von dem„Ihr Thier.— Iſt der mechelſche Gerſtenſaft gut?“ ein Künſtl Eigenlob ſtinkt,“ antwortete der Wirth, während eine unab er Schuermans vom Pferde half,„der edle Trank, den Kinder ſa ich Euch vorſetzen werde, ſoll ſich ſelber preiſen.“ weine übe Ein Knecht nahm die beiden Pferde und unſre Geu⸗ Kunſt, die ſen traten in das Wirthshaus. Nachdem ſie die erſten Städten d Gläſer geleert hatten und einige Zeit über den Stand der Die Sache geſprochen, bemerkten ſie, daß ein ziemlich alter Geſichtszuüͤ Mann, deſſen Haare ſchon ganz grau waren, ſie feſt und einen edel! ernſt betrachtete. ten aus ſe Seine Kleider waren nicht reich, aber ſauber und„Ich rein. Seine runzlige Stirne und der düſtere Ausdruck ſei⸗ lebt; mein ner eingeſunkenen Augen gaben deutlich zu erkennen, daß ſich gerun Sorgen und Unglück das Leben dieſes früh gealterten„Wo Mannes verkürzten. Eine Thräne glänzte auf ſeinen brau⸗ gegründet nen Wangen und ſein Haupt ſank auf die Bruſt nieder. viel leiden Schuermans, der gut von Herzen war, konnte dies nicht Maler for länger anſehen. Er näherte ſich dem traurigen Manne tes Temp und nachdem er ihm freundlich die Hand gedrückt, fragte lichkeit w er ihn, was die Urſache ſeiner Betrübniß ſei. denen eine „Meine Herren,“ antwortete er traurig,„jedes Eu⸗ land gebo rer Worte hat mir einen Dolch durch das Herz geſtoßen.“ ſchichte ſtr „Wer ſeid Ihr denn?“ fragte Schuermans. über die 1 weinen, un „Mein Name iſt Louis Van Hort. d Die beiden Geuſen entblößten ehrerbietig das Haupt mitnehmen und ſprachen: Der „Seid gegrüßt, kunſtreicher Maler!— Ehre Van betrachten. edles Feu⸗ Hort, unſerem berühmten Landsmann!“ 3 Maler, un *) In dem Stiorchen iſt gut ſein. aber Hort Man ſchenkt dort Bier und Branntewein. Zeit darai ) u, für die, sun herbei! n von dem 4 „ während rank, den 1. unſre Geu⸗ die erſten Stand der mlich alter ſie feſt und ſauber und usdruck ſei⸗ ennen, daß gealterten einen brau⸗ ruſt nieder. e dies nicht gen Manne ückt, fragte „jedes Eu⸗ z geſtoßen.“ ns. das Haupt Ehre Van 35 Der betrübte Künſtler ſchien über die Ehrerweiſung ſehr erfreut, und ſuchte ſo viel er konnte, zu lachen. Ludwig näherte ſich ihm und fragte in ernſtem Tone, was ihn ſo ſehr betrübe. „Ihr wißt nicht,“ antwortete er,„mit welcher Liebe ein Künſtler an ſeinen Werken hängt!— Ein Vater, der eine unabwendbare Wolke ſich über dem Haupte ſeiner Kinder ſammeln ſieht, muß weinen über ſie— und ich über das Schickſal der Bilder, der Kinder der „die unſere Stadt berühmt und herrlich unter allen Städten der Welt gemacht haben!...“ Die Geuſen ſahen ihn mit Verwunderung an. Seine Geſichtszuͤge, die ſo eben noch kalt ſchienen, bekamen jetzt einen edeln, lebendigen Ausdruck. Helle Feuerſtrahlen ſprüh⸗ ten aus ſeinen feuchten Augen. „Ich,“ fuhr er fort,„habe immer in Stürmen ge⸗ lebt; meine Haare ſind grau geworden; meine Stirne hat ſich gerunzelt, da ich noch jung war.“ „Wahrlich, ich glaube, daß Eure Furcht nicht un⸗ gegründet iſt. Die Bilder werden am Tage der Erlöſung viel leiden,“ antwortete Schuermans.„Ja,“ fuhr der Maler fort,„und dann werden ſie meine Bilder aus Got⸗ tes Tempel nehmen, und meine Hoffnung auf Unſterb⸗ lichkeit wie tolle Hunde zerreißen; meinen Namen, mit denen einer großen Anzahl Meiſter, welche unſer Vater⸗ land geboren, für alle Zeiten, aus den Tafeln der Ge⸗ ſchichte ſtreichen und die Fremden werden mit Verzweiflung über die nackten Tempelmauern und die verlorenen Bilder weinen, und ihre Fetzen als Heiligthümer in ihre Heimath mitnehmen!“ Der junge Ludwig konnte den Künſtler nicht genug betrachten. Nie hatte er aus eines Menſchen Augen ſolch' edles Feuer blinken ſehen. Er ſtand verwundert vor dem Maler, und ſuchte ihn mit freundlichen Worten zu tröſten; aber Hort ahnte zu ſicher den Bilderſturm, der wenige Zeit darauf losbrechen ſollte. Er fuhr fort: 36 „In unſerer Liebfrauenkirche hängt eines meiner Bil⸗ der; an dieſem habe ich zwölf Monden gearbeitet; zwölf Monden fern von der Welt ganz meiner Kunſt gelebt: mein Leben durch Sorgen um zehn Jahre verkürzt und habe wie ein griechiſcher Künſtler vor dem Werke meiner Hand gekniet und gebetet!“ Ein ſchwerer Seufzer unter⸗ brach ſeine Stimme.„Auch,“ fuhr er fort,„bin ich um dieſes Stück allein in Sorge, und ich habe gebeten, es in Sicherheit zu bringen; doch ſie wollen es nicht thun— und ſagen, ich hätte es ihnen verkauft.— Verkauft!“ ſeufzte er,„ja, ich habe es verkauft. Die Noth drückte mich;— ſonſt wäre mein leidender Chriſtus nie aus mei⸗ nem Zimmer gekommen.“ Schuermans und Ludwig verſicherten ihn, daß, wenn ſie etwas zur Rettung des Bildes thun könnten, ſie nicht verſäumen würden, ihm hierin zu helfen. „Ich habe Kraft und Muth genug,“ antwortete Van Hort,„um mein Bild zu ſchützen. Ich habe Alles be⸗ rechnet. An dem Tage der Verwüſtung werde ich mit Gewehr und Dolch meinen Chriſtus vertheidigen— und wenn derſelbe von der Mauer fällt, ſprizt mein Blut zu⸗ gleich den gottloſen Stürmern ins Geſicht!— Nein, ich will meine Schopfung nicht überleben!“ „Ach Herr!“ fiel der Wirth ihm in die Rede,„was thut's, wenn ſie mal alle zuſammenſchlagen? Das Sprich⸗ wort ſagt ja: So lang noch ein Haus in Antwerpen ſteht, auch noch ein Künſtler in ſeinen Straßen geht.“ „Wer ſpricht mit Euch?“ fuhr Van Hort den Wirth an,„was verſteht Ihr davon? Eben noch betrauertet Ihr mit mir die Kunſtſchätze der Stadt, und nun find ſie nichts mehr, weil die Geuſen in Euer Haus zum Trinken kommen.— Ihr kennt nur einen Gott, den des Geldes; nur eine Kunſt, die Kunſt, Geld zu gewinnen, Unwür⸗ diger!“ Er nahm ſeinen Hut vom Tiſch, grüßte die Geuſen und verließ das Haus. „S Lu gingen; dem ſie durchſch Predigt Di ein grof längſte wurde. Alle, ar lagen ar Morgenf ab. In Lobpſaln Geuſenſe Medaille dem Ha Scl ihnen. 9 gegen. ins Ohr waffnet das Vol gewaffne mans,„ herbei.“ Her der aufge Gewehre Ruhe zu Lehrer vo Eine gierig au waren. einer Bil⸗ et; zwölf ſt gelebt: kürzt und ke meiner zer unter⸗ in ich um beten, es t thun— gerkauft!“ th drückte aus mei⸗ aß, wenn ſie nicht rtete Van Alles be⸗ ee ich mit 1— und Blut zu⸗ Nein, ich de,„was 3 Sprich⸗ rpen ſteht, en Wirth uertet Ihr ſind ſie n Trinken Geldes; „Unwür⸗ ie Geuſen „Der Alte iſt toll!“ rief der Wirth lachend. Ludwig und ſein Kamerad ſtiegen bald zu Pferd und gingen zwiſchen dem Volke, durch das Kipdorpthor. Nach⸗ dem ſie die Vorſtadt Burgerhout mit verdoppelter Eile durchſchritten hatten, kamen ſie endlich dahin, wo die Predigt gehalten werden ſollte. Dieſer Platz hieß damals der Luisbekelar. Es war ein großes Stück Land, einem Dreiecke gleich, deſſen längſte Seite von dem Herenthalſchen Kanal beſpült wurde. Hier waren Tauſende von Menſchen verſammelt. Alle, außer Frauen und Kinder, waren bewaffnet. Viele lagen am Ufer des Kanals und wärmten ſich in der Morgenſonne, andre zu Pferd ritten das Feld auf und ab. In der Mitte ſtand ein dichter Haufe Menſchen, welche Lobpſalmen ſangen. Die Meiſten der Männer hatten die Geuſenſchüſſel auf ihren Kleidern; viele trugen die goldene Medaille mit dem Bettelacke als Vereinigungszeichen an dem Halſe. Schuermans entdeckte Manchen ſeiner Freunde unter ihnen. Nachdem der Geſang zu Ende, ging er ihnen ent⸗ gegen.„Alles iſt gut,“ raunte ihm Van der Vort ins Ohr,„es wurde ein Geſetz verleſen, nicht mehr ge⸗ waffnet bei den Predigten zu erſcheinen,— und nun hat das Volk gegen das Gebot, in großer Anzahl und beſſer gewaffnet, die Wache zum Schweigen gezwungen.“ „Laß die Spanier nur machen,“ antwortete Schuer⸗ mand,„ſie führen ihre eigne Schande und ihr Verderben herbei.“ Herman Stuyk, der Prediger, beſtieg einen Hügel, der aufgeworfen und mit Brettern umzäunt war. Alle Gewehre wurden zugleich abgeſchoſſen, um das Volk zur Ruhe zu bringen. Zu gleicher Zeit predigten verſchiedene Lehrer von der Brüſtung der Umzäunung. Eine Todtenſtille herrſchte unter dem Volke, es horchte gierig auf die Worte, welche gegen die Spanier gerichtet waren. Dieſe Predigt war den roͤmiſchen Confeſſionsanſichten ſehr feindlich geſinnt; denn die Lehrer ſuchten die Zuhörer zum Bilderſturme und Kirchenverwüſtung anzufeuern. Das Volk horchte hoch auf und kein Laut der Menge ſtörte den Redner. Nachdem Ludwig eine Weile der verderblichen Lehre zugehört, ergriff er Schuermans Hand, grüßte ihn nickend und wandte ſein Pferd nach dem großen Wege. Da be⸗ gegnete er zehn Reitern mit geladenen Gewehren, um Allee, welche etwas gegen die Predigt unternehmen wollten, abzuhalten. Sie ließen den Junker ruhig ziehen. Er befand ſich bald auf der rechten Bahn und ſetzte nachdenklich ſei⸗ nen Weg fort. Unter den mannigfaltigſten Traumbildern, aus denen ihm mitten unter allen ſchrecklichen Ahnungen immer wie⸗ der Gertrud entgegen lächelte, war er raſcher vorwärts gekommen, als er glaubte. Er hatte ſchon das Dorf Vyneghem hinter ſich und war immer noch zwei Stunden von dem Ziele ſeiner Reiſe entfernt; doch der Saum des Horizontes, welcher dunkel und ſchwarz wurde, ließ unſern jungen Pilger kein gu⸗ tes Wetter erwarten. Er ritt deſſenungeachtet muthig wei⸗ ter und ſein Pferd, die Sporen fühlend, ſchlug einen ſchnellen Trab an. Die Wolken erhoben ſich langſam und trieben über ſein Haupt hin, und ſchon ſah er einige Waſſertropfen auf dem Zeuge ſeines Pferdes blinken. Schon war er an dem Dorfe Schilde weit vorbei und er erreichte gerade die erſten Häuſer ven Zoerſel, als der leuchtende Blitz über die Gipfel der Bäume hinfuhr und ein heftiger Donnerſchlag die ſchwarzen Wolken öff⸗ nete. Der Wind jagte den Regen ſtürmiſch fort.— Das Waſſer trof von den Kleidern des Reiſenden; die Wege wurden beinahe unbrauchbar und das Pferd durch das fortwährende Blitzen erſchreckt, war weder durch Schläge, noch Schmei⸗ cheleien zum Weitergehen zu bewegen. Nun ſah Ludwig eine H. dieſelbe „0 ter zu ſich die geöffne einem ( Menſch ternehn D vorſpru Gaſte. „ hoͤflich. / glücklie zu ſein J auf der 8 wir be — fo S 82 Freund Kempe dem F Euch nsanſichten ie Zuhörer ue Das rn. enge ſtörte chen Lehre ihn nickend 2. Da be⸗ hren, um en wollten, Er befand enklich ſei⸗ aus denen mmer wie⸗ vorwärts r ſich und einer Reiſe her dunkel r kein gu⸗ uthig wei⸗ hlug einen ngſam und er einige inken. veit vorbei oerſel, als ne hinfuhr zolken aff rt.— Das ege wurden rtwährende ch Schmei⸗ ah Ludwig 39 eine Hütte vor ſich ſtehen und beeilte ſich ſo ſehr er konnte, dieſelbe zu erreichen. „Wer klopft da?“ wurde ängſtlich gefragt. „Ein Reiſender, der Euch bittet, ihn vor dem Unwet⸗ ter zu beſchützen,“ antwortete Ludwig. Auf des Jünglings ſanfte Stimme hin beruhigten ſich die Bewohner der Hütte wieder und die Thüre wurde geöffnet. „Willkommen, mein Herr,“ ſprach ein Mann, deſſen Rücken ſich unter der Arbeit gekrümmt hatte.„Tretet ein!“ Ludwig, ſein Pferd dem Landmann überlaſſend, trat in die ärmliche Wohnung. Die Hausmutter kniete vor einem Liebfrauenbild und betete mit ihren vier Kindern. „Sähen die Verirrten, welch' heilſamen Troſt dieſe Menſchen in dem Bilde finden, ſie würden von ihrem Un⸗ ternehmen abſtehen.“ Der Landmann hatte das Pferd unter einen Dach⸗ vorſprung geſtellt und verfügte ſich wieder zu ſeinem Gaſte. „Es iſt ein ſchlimmes Wetter, Herr!“ ſprach er höͤflich. „Ja, Vater,“ antwortete der Junker,„ich ſchätze mich dlih, ſo freundlich von Euch aufgenommen worden zu ſein.“ Inzwiſchen ſetzte der Heidebewohner Brot und Butter auf den Tiſch. „Mein Herr,“ begann er wieder,„dieß iſt Alles, was wir beſttzen; wenn es Euch beliebt, etwas davon zu eſſen, — ſo ſoll's mich ſehr freuen.“ Der Jüngling verwunderte ſich ſelbſt über dieſe Freundlichkeit. „Vater,“ antwortete er mit dankbarem Lächeln; die Kempenlanden ſind berühmt um der Liebe willen, die ſie dem Fremdling erweiſen. Ich kann auch nicht unterlaſſen, Euch um Eurer Zuvorkommenheit willen zu preiſen, 40 und will deßhalb dieſe Mahlzeit gerne und mit Dank an⸗ nehmen.“ Während er that, wie er ſagte, wurde die Luft hel⸗ ler; der Donner hatte ſich entfernt,— doch raſchelte der Regen noch in den Blättern der Bäume. Die Frau hatte ihr Gebet geendet— und blies in das flackernde Feuer, vor welches ſie Ludwigs Mantel zum Trocknen aufgehan⸗ gen. Die lieben Kinder, blühend wie Roſen und in der Stube herumhüpfend, wie junge Geischen, kamen lang⸗ ſam näher und näher zu Ludwig und zeigten einander das glänzende Gold ſeiner Kleider. Endlich kecker geworden, waren ſie auf die Kniee des Junkers gehüpft. Er küßte ſte mehrmals.— Die gute Frau wollte ihn von den Kin⸗ dern befreien, doch bat er ſie, ſie gewähren zu laſſen. „Der Herr ſieht gerne Kinder,“ ſagte ſie leiſe zu ihrem Manne;— und ein ſtolzer Mutterblick glänzte aus ihren Augen. Sie war glücklich, daß ihre Kleinen werth waren, von einem ſo trefflichen Junker geliebkost zu werden. 0 „Ihr ſeid glücklich,“ ſprach Ludwig,„weil Ihr wenig beſitzt:— fürwahr ich ſage Euch, daß bei uns, in der weiten prächtigen Welt, nicht ſolch' eine Freude, wie in dieſer Hütte, zu finden iſt.“ „Es iſt wahr,“ antwortete der Landmann,„Gott hat den Frieden nicht allein den Reichen gegönnt; auch wir kennen Glück und Freude.“ Aber auf ſeine Kinder blickend, fügte er hinzu: „Doch, mein Herr, überlegt, welch' ſchmerzliches Ge⸗ fühl es für mich immer iſt, dieſen lieben Kindern nichts in dieſer Welt hinterlaſſen zu können, um ſie vor Hunger und Elend zu bewahren! Dieſen Schmerz kennt Ihr nicht.“ „In der That!“ erwiederte Ludwig,„was ſollten dieſe Kinder beginnen, wenn der Tod Euch vor der Zeit von ihnen nehmen würde?“ „Mein Vater hatte ſich eine Hütte in dem Walde ge⸗ baut,“ ſ beit ein nach ſeit ten.— haben di zuſamme Vögel d ihre Kle auch wir da an Schweiß gen, uns bald den wie wir, Hülfe ſer Vor langſam von Lud nicht auf der Hütte etwas au zurück, d „V. der Hand nahme u legte vien auf die ſe fuhr er f Gebrauch wollte es bauen.“ Ver derten Le⸗ fen über nicht, wa Dank an⸗ Luft hel⸗ chelte der rau hatte de Feuer, aufgehan⸗ n und in nen lang⸗ inder das geworden, Er küßte den Kin⸗ ſſen. e leiſe zu änzte aus een werth ebkost zu hr wenig , in der , wie in Gott hat auch wir u: ches Ge⸗ en nichts Hunger nnt Ihr 3 ſollten der Zeit zalde ge⸗ 41 baut,“ ſprach der Landmann,„und durch Müh' und Ar⸗ beit ein Stuͤck Landes bei derſelben fruchtbar gemacht; nach ſeinem Tode hat mein älteſter Bruder daſſelbe behal⸗ ten.— Ich und meine gute Frau, ſo arm als ich ſelbſt, haben dieſe Hütte mit ſchwerer Arbeit, Stück um Stück zuſammengefügt,— und die Kinder der Natur, die Vögel der Luft nachgeahmt; ſie bauen ſich ein Neſt, um ihre Kleinen vor Regen und Kälte zu ſchützen; ſo thaten auch wir; denn unſer Erſtgebornes krönte die Arbeit. Von a an haben wir ruhig unſre Tage verlebt und im Schweiße unſeres Antlitzes die Heide mit Gewalt gezwun⸗ gen, uns zu nähren. Aber wenn der Allmächtige uns zu bald den Kindern entreißt,— dann werden ſie wohl nicht, wie wir, Hütten bauen... und betteln wird ihre einzige Hülfe ſein.“ Von trüben Gedanken gefoltert, ließ er das Haupt langſam und traurig auf die Bruſt ſinken. Plötzlich ſtrahlte von Ludwigs Geſicht eine beſondere Freude; er antwortete nicht auf die trüben Klagen des Vaters, ſondern ging aus der Hütte nach dem Platze, wo ſein Pferd ſtund, nahm etwas aus ſeinem Reiſemantel und kehrte zu den Leuten zurück, die noch in derſelben Haltung ſaßen. „Vater,“ ſprach er, während er die Börſe, die er in der Hand hielt, öffnete,„ich will Eure freundliche Auf⸗ nahme und väterliche Aufmerkſamkeit belohnen,“— und legte vier Häufchen Geldes, jedes von zehn Goldſtücken, auf die ſchwarze Tafel.„Hier habt Ihr, guter Vater,“ fuhr er fort,„zehn Goldſtücke für jedes Eurer Kinder. Gebraucht ſie zu ihrem Vortheile,— und mögen ſie, wollte es Gott, ſich nie genöͤthigt ſehen, eine Hütte zu bauen.“ Vergebens wartete er auf Antwort von den verwun⸗ derten Leuten. Alle ſahen ihn ſtumm an.— Thränen lie⸗ fen über die Wangen des Alten, und die Mutter wußte nicht, was ſie ſagen ſollte. „Nicht wahr, Vater, Ihr verſchmäht meine Gabe nicht?“ fragte Ludwig. „Gott ſende über Euch, edelmüthiger junger Mann, und über die, die Euer Loos theilen wird, den ewigen Segen, den er den Barmherzigen verſprochen hat!... rief der Vater entzückt aus. Und die Frau lag weinend vor Ludwig auf den Knieen. „Für Euch, Wohlthäter meiner Kinder,“ rief ſie, auf das Liebfrauenbild zeigend,„für Euch will ich ewig, ewig bitten. — Und die Betbank ſoll unter mir zerbrechen, eh' ich Euch, der uns ein Engel des Troſtes war, vergeſſe!...“ Ihre Thränen floſſen uber Ludwigs Hand. Dieſer gebot ihr vergebens, aufzuſtehen. „Laßt mich, lieber Junker,“ ſeufzte ſie,„vor Euch weinen.— Mein Herz iſt zu voll von Dankbarkeit und Liebe.— Ich bitte Euch, mich die Schuld für meine Kin⸗ der bezahlen zu laſſen:— entzieht mir Eure Hand nicht, Junker; Gott ſieht meine Freudenthränen und wird ſie Euch vergelten....“ Ludwig, der ſich dieſer feurigen Verehrung entziehen wollte, ſtand von ſeinem Stuhle auf und warf das Geld in ein Toͤpfchen, das auf dem Kaſten ſtand. Mit vieler Muhe hatte er die freudigen Eltern zur Ruhe gebracht. Er ſetzte ſich, zufrieden mit ſeiner That, bei dem krachen⸗ den Feuer nieder. „Sagt mir,“ fragte er, als er ſah, daß es nur wenig mehr regnete; wo iſt der Zoerſelwald?“ „Der Zoerſelwald!— der Zoerſelwald!“ rief der Landmann verwundert, als ob er ihn nicht verſtände, „wollt' Ihr dahin?“ „Und heute noch muß ich dorthin kommen,“ antwor⸗ tete der Junker. Der erſchrockene Mann legte ihm die Hand auf die Schulter, um ſeinen Worten mehr Nachdruck zu geben. „Junker,“ ſprach er,„der Tod wartet Eurer in dem Zoerſelwald!“ 4 „2 „J lich ſche kann ich Tod ber Schrecke — und dem Lel und krä Zwanzig Ihr mir Worte. Eurer L 1e fahr aue und ſpre bringen.“ „J traurig, zu finder Euch ſel „N will es tzen; Er ſeufzte er „N doch folg Die dieſen W des Jün „F „befreie keinen ri nen rollt „G beide bit ne Gabe r Mann, newigen 4 .... n Knieen. eff ſie, auf vig bitten. „ eh' ich ſe... 4 ſer gebot vor Euch arkeit und leine Kin⸗ and nicht, wird ſie entziehen das Geld Nit vieler gebracht. n krachen⸗ ß es nur rief der verſtände, “antwor⸗ d auf die i geben. Eurer in „Warum?“ fragte Ludwig. „Ja, Junker! antwortete der Landmann,„wie glück⸗ lich ſchätz' ich mich, daß Ihr mir davon geſagt. Nun kann ich Euch, meinen Wohlthäter, vor einem ſicheren Tod bewahren.— Wißt, daß Wolfangh, ein Mann, der Schrecken und Mord mit ſich führt, dieſen Wald bewohnt, — und daß jeder, der den Wald betritt, ſein Wagniß mit dem Leben bezahlt. Vorgeſtern wurde ein Reiſender, jung und kräftig, wie Ihr, bei dem Wald gefunden.— Zwanzig Dolchſtiche hatten ſein Herz durchbohrt! Wenn Ihr mir eine Gunſt erweiſen wollt, ſo hoͤrt auf meine Worte.— Kehrt zuruͤck, oder wir müßten morgen über Eurer Leiche weinen.“ „Vater,“ antwortete Ludwig,„ich muß, welche Ge⸗ fahr auch dabei iſt, den ſchrecklichen Wolſangh ſelbſt ſehen und ſprechen. Nichts kann mich von dieſem Vorſatze ab⸗ bringen.“ „Ich beklage Euch, Junker,“ ſprach der Landmann traurig,„nichtsdeſtoweniger bin ich erfreut, Gelegenheit zu finden, Euch meine Dankbarkeit zu beweiſen und werde Euch ſelbſt gegen Euren Willen begleiten.“ „Nein, nein,“ fiel Ludwig ihm in die Rede.„Ich will es nicht. Laßt mich allein mich der Gefahr ausſe⸗ tzen; Eure Kinder verlangen Euerer Sorge:— und ich,“ ſeufzte er,„habe weder Kinder, noch Frau!“ „Nein, Herr, rief der Landmann,„ich werde Euch doch folgen.— Darin muß ich Euch ungehorſam ſein!“ Die Mutter horchte mit banger Aufmerkſamkeit auf dieſen Wortſtreit und ermunterte ihren Mann, nicht auf des Jünglings Befehl zu hören. „Folge ihm,— ja folge ihm!“ ſprach ſie zu ihm, „befreie unſern Wohlthäter vor Gefahr, oder ich werde keinen ruhigen Augenblick mehr haben.“ Und die Thrä⸗ nen rollten ihre Wangen herab. „Geht! rief ſie,„geht,— ich werde Gott für Euch beide bitten.“ 44 Ludwig wollte die dankbaren Heidebewohner nicht länger beunruhigen. „Nun denn,“ ſagte er, nachdem er den Kindern und der Frau die Hand gedrückt,„folgt mir Vater. Ich hoffe, daß ich mit Gottes Hülfe hier noch eine behagliche Mahl⸗ zeit halten werde.“ Nun wurde das Pferd, das ſichs beſſer als ſein Herr hatte ſchmecken laſſen, vor die Thüre gebracht, und Lud⸗ wig verließ mit dem Landmann die Hütte, um ſich nach dem Zoreſelwald aufzumachen und Wolfangh mit ſeiner Bande zu ſuchen. IV. Er iſt ein unglücklicher; kein Boͤſewicht. Die Ahnfrau. „Zur linken Seite, mein Herr!“ rief der Landbauer, und Ludwig trat auf einen ziemlich breiten Weg, der durch den Wald zu führen ſchien. Beide Seiten waren mit Geſtrüppe begränzt, und hochſtämmige Bäume hinderten die Sonne, die wieder aus den Wolken getreten war, ihre leuchtenden Strahlen auf den Weg niederzuſenken. „Wo führt dieſer Weg hin?“ fragte Ludwig. „Vor wenigen Jahren,“ antwortete der Landmann, „wurde er in den Wald gehauen, um die ſchwerſten Bäume herausführen zu können— aber jetzt wird der Weg ver⸗ nachläſſigt und nur von Räubern und Uebelthätern be⸗ treten.“ „Seit den unruhigen Jahren ſind keine oder wenige Schiffe worden Bäume bewohn fern he gefährl N unſere Weg ſi ſahen ſi „ Junker. K ſein Fü dem Kr lichen l Un Lu bloößt h ner nicht ndern und Ich hoffe, che Mahl⸗ ſein Herr und Lud⸗ ſich nach mit ſeiner böͤſewicht. hnfrau. Landbauer, , der durch waren mit e hinderten war, ihre en. vig. Landmann, ſien Bäume Weg ver⸗ hätern be⸗ der wenige 45 Schiffe auf der Antwerpner Zimmerwerfte verfertigt worden, und darum brauchte man auch keine ſo großen Bäume. Die Spitzbuben konnten den Wald ſomit frei bewohnen, weil keine geregelte Macht mehr in den Dör⸗ fern herrſchte, und die Soldaten die Städte, wo es ſo gefährlch war, nicht verlaſſen durften.“ Nachdem ſie ſo über dieß und jenes geſprochen, kamen unſere Reiſenden an einen dichtbewachſenen Platz, wo der Weg ſich zwiſchen Bäumen und Geſtrüpp verlor. Hier ſahen ſie am Graben ein ſteinernes Kreuz aufgepflanzt. „Warum ſteht dies Zeichen hier?“ fragte der Junker. „Hier iſt ein Mord begangen worden,“ antwortete ſein Führer,„wenn Ihr Euch die Mühe nehmen wollt, dem Kreuz zu nahen, könnt Ihr den Namen des Unglück⸗ lichen leſen.“ Und Ludwig las: D. 0. M. Hier iſt Jan van Herek ermordet worden auf St. Gertruds Tage im Jahre MDXXI. Bitte Gott für ſeine Seele. Ludwig that wie der Landbauer, der ſein Haupt ent⸗ blößt hatte, und ein feurig Gebet zum Himmel ſandte 46 für des Verſtorbenen Seele. Der Junker ſtieg vom Pferde und kniete bei dem Kreuze nieder. Er betete aber nicht lange denn der Name ſeiner Geliebten auf einem blutigen Kreuze ſtieß ihm durch das Herz. So lag er einige Augenblicke, als er, ſich nach ſei⸗ nem Pſerde umſehend, zwei ſchreckliche Menſchengeſichter zwiſchen den Blättern der Bäume durchblicken ſah. Vier ſchwarze glaſige Augen waren auf ihn gerichtet,— und die Oeffnungen von zwei Gewehren zielten nach der Bruſt. „Geld oder Leben!“ ſchrieen die beiden Männer, aus dem Buſche kommend,— bereit, das eine oder das andere ihm zu nehmen. „Hier habt Ihr meine Börſe,“ ſprach Ludwig, etwas erſchreckt. Männer,“ fuhr er fort,„ich ſuche Wolfangh und bitte Euch, mir ſeine Wohnung zu zeigen.“ „Die Waffen nieder!“ rief einer der Räuber. Der Junker nahm ſeine Piſtolen und warf dieſelbe mit ſeinem Degen weit von ſich. Der Räuber näherte ſich ihm. „Was habt Ihr mit Wolfangh zu thun?“ fragte er. „Ich habe ihm einen Brief zu geben,“ war die Antwort. „Kommt Ihr von der Stadt, und ſeid Ihr ein Geuſe?“ fragte der Räuber nochmals. „Das bin ich, und muß Wolfſangh noch vor Abend ſprechen!“ Der Räuber lachte.„Das weiß ich,“ erwiederte er. „Mein Hauptmann war heute in der Stadt, und hat Euer Kommen von einem andern Geuſen vernommen.— Seit zwei Stunden erwartet er einen Junker, und wenn Ihr der ſeid, könnt Ihr Eure Waffen wieder nehmen und uns ohne Furcht folgen.“ Der Landmann, der dem allem mit Angſt zugehört hatte, raffte die Waffen Ludwigs vom Boden und reichte ſie dem Jünglinge. „D daß Ihr zurückzu Leben be paar St Er drüc mit Thr den Bär Ein es durch möclich, Geſpräck ihn hera zu mach „D „It hat uns unſerem Herren v W Bande re Der ber fallen „W tes Tem „Die Lei gewiß, wir anj Lud er ſeufzt dem Va n Pferde er nicht blutigen nach ſei⸗ geſichter h. Vier — und lach der Männer, oder das g, etwas Volfangh dieſelbe näherte ragte er. war die Ihr ein or Abend dderte er. und hat nmen.— ind wenn zmen und zugehört d reichte 47 „Vater,“ ſprach dieſer, hich danke Euch herzlich, daß Ihr mich ſo weit begleitet habt, und bitte Euch, zurückzukehren, um Eure Frau und Kinder, die für Euer Leben beſorgt ſind, nicht länger zu ängſtigen.— In ein paar Stunden ſollt Ihr mich, ſo Gott will, wiederſehen.“ Er drückte dem Haidebewohner die Hand und dieſer blieb mit Thränen in den Augen ſtehen, bis Ludwig zwiſchen den Bäumen verſchwand. Einer der Räuber hatte das Pferd ergriffen und zog es durch Umwege fort. Der andere verſuchte, ſo viel mölich, höflich gegen ihn zu ſein, und mit Ludwig ein Geſpräch anzuknüpfen; aber dieſer, mit Verachtung auf ihn herabſehend, antwortete nur kurz. „Es wird in Kurzem erwas geſchehen, he! Herr? In der Stadt gibts Aufruhr— da wird für uns was zu machen ſein!“ „Das weiß ich nicht!“ murmelte Ludwig. „Ich wohl,“ erwiederte der Räuber, unſer Meiſter hat uns geſagt, daß wir genug plündern könnten, um unſerem luſtigen Geſchäfte ein Ende zu machen, und wie Herren vom Geraubten zu leben.“ „Wo wollt Ihr das Alles rauben?“ fragte Ludwig traurig. „In Unſerliebfrauenkirche allein iſt genug, um unſre Bande reich zu machen.“ Der Jüngling ließ einen ſtolzen Blick auf den Räu⸗ ber fallen und rief zornig: „Wie dürft Ihr den ſchändlichen Vorſatz faſſen, Got⸗ tes Tempel zu berauben.“ „Wir haben ihn nicht gefaßt,“ fiel der Räuber ein, „Die Leute haben uns davon geſprochen, und ich weiß gewiß, daß in dem Brief nichts Anderes ſteht, als daß wir an jenem Tage thun dürften, was wir wollen.“ Ludwig antwortete nicht auf des Räubers Verweis; er ſeufzte wehmüthig bei dem Gedanken an das, was dem Vaterlande drohte. Nach einer ſtarken halben Stunde 48 ka men ſie endlich zu dem Lager Wolfanghs und ſeiner Kameraden. Es war ein großer offener Platz, auf allen Seiten Met mit dichtem Geſtruͤpp umgränzt. Man hatte die Bäume Te im Kreiſe niedergehauen und den Boden eben gemacht, um D Tof da bequem wohnen zu können. In der Mitte ſtand eine aun 4 große Hütte von Holz und Erde zuſammengefügt, um 1 welche fünf kleinere Hütten herumſtanden, jedoch ſo zer⸗ und ſtreut, daß ein Platz offen blieb, in der Größe eines nen Mu Marktes.— Sobald der Junker dieſem Platze nahte, zog ſein 6 Führer ein beinernes Pfeiſchen heraus und ließ es dreimal durch den Wald toͤnen. Es wurde auf dieſelbe Weiſe 3 geantworlet, und Ludwig trat in den Lagerplatz. Sein Met; Führer verließ ihn, um Wolfangh ſeine Ankunft mitzu⸗ Met theilnn. 8 Und zwa Der Jüngling ſtarrte mit Schrecken auf die ent⸗ J menſchten Geſichter der Räuber, die er hier bemerkte.—„ Sechs der abſcheulichſten ſtanden bei einem großen Feuer, R. worauf ein Keſſel, der ihr Nachteſſen enthielt, dampfte. 25 Die Flamme, welche ihr Roth in den Geſichtern der 1 Räuber ſpiegelte, gab ihnen ein beſonders phantaſtiſches I Ausſehen, und machten ſie eher Teufeln als Menſchen 1 gleich.— Weiter entfernt ſaßen einige andere, welche Met leichtſinnig mit dem Gelde ſpielten, das Menſchenblut ge⸗ Met: koſtet.— Fluchen und Schwöͤren hoͤrte man durcheinan- Und wie der. Ludwig trat zurück, um ihre Verwünſchungen nicht 5 mit anhören zu müſſen. Andere putzten Gewehr und Dolch. Dieſe hatten große Humpen neben ſich und„Nun m ſchenkten tüchtig ein. Als der Junker den Lagerplatz be⸗( trat, ſangen ſie mit verwirrten Stimmen ein Liedchen,( das in jener Zeit unter dem Volke ſehr beliebt war. Der J Vorſänger begann alſo:. 1 Des Winters als het reghent, Met Dan zyn de paetjes diep, ja diep. Met. Das und ſeiner en Seiten ie Bäume nacht, um ſtand eine fügt, um ch ſo zer⸗ öͤße eines „ zog ſein es dreimal lbe Weiſe atz. Sein ift mitzu⸗ die ent⸗ merkte.— hen Feuer, dampfte. chtern der antaſtiſches Menſchen re, welche henblut ge⸗ burcheinan⸗ ngen nicht ewehr und ſich und gerplatz be⸗ Liedchen, war. Der 49 Dan kommt dat loose visschertje, Visschen al inne dat riet, Met synen ryfstock, met synen strycstock, Met synen lapsack, met synen cnapsack.« Dann antworteten die andern im Chor: »Met syne leire, van dirre domdeire, Met syne leire leirsen aen. Und nachdem der Krug gekreiſt hatte, und jeder ſei⸗ nen Mund und Knebel gewiſcht, fuhr der Vorſänger fort: „»Dat loose Mol euarinnetje Ghinck in heur deurtje staen, ja staen, Om dat, dat aerdich visschertje Voorby heur henen sou gaen. Met synen ryfstock, met synen stryckstock Met synen lapsack, met synen cnapsack.« Und zwanzig Stimmen: Met syne leire, van dirre domdeire, Met syne leire leirsen aen.« „Was ſagte der Fiſcher dann?“ rief eine Stimme. »Wat beb ick jou misdreven, Wat heb ick jou misdaen, ja daen, En dat ick niet met vrede, „NVoorby jou deur mag gaen? Met synen ryfstoek, met synen stryckstock, Met mynen lapsack, met mynen cnapsack. Und wieder die ganze Geſellſchaft? »Met myne leire, van dirre domdeire, Met myne leire leirsen aen.& „Nun macht fort,— trinkt raſch!—“ Da: Ghy hebt my niet misdreven, Ghy hebt my niet misdaen, ja daen, Maar ghy moet my drymael groeten, Eer ghy van hier meught gaen. Met jouwen ryfstock, met jouwen stryckstok, Met jouwen lapsack, mit jouwen enapsack.& Das Wunderjahr 1566. 4 50 Und die andern klatſchten in die Hände, und lachten wie toll. Mit neuer Kraft ſchrieen ſie: „»Met jouwe leire, van dirre domdeire, Met jouwe leire leirsen aen. Alle waren braun von Angeſicht, mit langen verwirr⸗ ten Haaren. Ihre Kleider hätten zu anderer Zeit Ludwig gewiß ein Lächeln abgenöthigt, denn ſie waren aus neuen und alten Stücken zuſammengefügt. Ihre Waffen waren alle in ſehr gutem Zuſtand und blinkten wie Silber.— Zwei ſtanden bei der Thüre der großen Hütte, ſchwere Hellebarden in der Hand, welche in den letzten Strahlen der Abendſonne glänzten. Dieſe Männer riefen endlich Ludwig auf Wolfanghs Befehl herbei. Das Zimmer, in welches er trat, war nicht prächtig, doch war es ſehr rein. Die Wände waren mit Kalk be⸗ ſtrichen, und mit andern Farben marmorirt. Glänzende Waffen verzierten die Wände; hübſche Seſſel ſtanden um den Tiſch. Bei dieſem ſaß Wolfangh. Seine Kleidung war anſtändig, und die eines Städters. Er konnte nicht über vierzig Jahre alt ſein. Dieß ſah man an ſeinen ſchönen Geſichtszügen. Schwarze feurige Augen; ein Mund, auf dem Haß und Trotz zu leſen,— und ein kalter düſterer Ausdruck waren die Zeichen, aus welchen der Menſchenkenner ſeinen Charakter ſich entwickeln konnte. Sobald er Ludwig erblickte, ſtand er von ſeinem Seſſel auf und verbeugte ſich höflich vor ſeinem neuen Gaſt. 7 „Seid willkommen, Junker!“ ſprach er und reichte dem Jüngling einen Stuhl, um ſich niederzuſetzen. „Was Neues bringt Ihr mir 2“ fragte er. Ludwig gab ihm ſchweigend den Brief. Wolfangh riß das Siegel weg, und nahm ſein elfen⸗ beinernes Pfeiſchen, nachdem er den Brief geleſen. Auf den Ton deſſelben kamen zwei Räuber in das Zimmer. Er flüſterte ihnen etwas in's Ohr.—„Um eilf Uhr,“ rief er mit lauter Stimme. Nut geſchenkt. „Ju ſundheit! „Au leiſe;— aber nich „Ho Glas iſt Leert Eu⸗ ter zu tre Ludr der genug „Ich „CEin Rät Ihr mög⸗ verſteh' de zeug und Ludn „Wr des Briei nicht antt wenn Ihr fel Euren ſchwand j ſchüttelnd „Zu nd lachten eire, en verwirr⸗ eit Ludwig aus neuen ffen waren Silber.— e, ſchwere Strahlen fen endlich t prächtig, t Kalk be⸗ Glänzende ſtanden um e Kleidung onnte nicht an ſeinen lugen; ein — und ein us welchen entwickeln von ſeinem neuen Gaſt. und reichte zen. r. mſein elfen⸗ eleſen. Auf as Zimmer. eilf Uhr,“ 51 Nun wurde Wein gebracht und z Bes deſchann gebracht und zwei Becher voll⸗ Junker,“ f f anſenin ſprach Wolfangh,„auf der Geuſen Ge⸗ trſe“ lui ber Geuſen Geſundheit!“ wiederholte Ludwig Kieat er brachte den Roͤmer an ſeine Lippen, trank Ho! ho! Herr Innker!“ rief ä 1 2 r* Innker:“ rief der Räuber.„Mein Glas ii eerr, ich Ci. Euch, mir Beſcheid zu thun. Glas!—( ht E frei, nie wei ter en defrken,⸗ ſteht Euch dann frei, nicht wei⸗ Ludwig trank,— mit einem 2 ſi 4 ig it einem Ausdruck des Ge 8 der genugſam andeutete, wie wenig es ihm d e dle 7 e„Ich verſteh' Euch wohl, Junker!“ ſagte Wolfangh⸗ 46 in Räuber iſt in Euren Augen ein verächtlicher Menſch, hr mögt nicht in ſeiner Geſellſchaft trinken:— Ja, ich bnnuns dha wohl. e Und ein bitteres Lächeln ſtand auf pen, während er in tiefe d ſunke 4— korndßn, ährend er in tiefes Nachdenken verſunken, „Warum ſucht Ihr denn meine Hü⸗ icht 2 Hülfe, wenn Ihr inich verachiet⸗— Ihr antwortet nicht.— Ich wßerhe — Wenn das Werk vollbracht, zerbricht man das Werk⸗ zeug und wirft es weg,— nicht wahr, Junkerl. Ludwig beſah den Räuber mit Berwunderung. des„elſunah antwortete er,„ich kenne den Inhalt des Briefes nicht, deßhalb kann ich auch auf Eure Frage nicht antworten. Was mich betrifft, ſage ich Euch, daß wenn Ihr an der Revolution Theil nehmt, Ihr ohne Zwei⸗ fel Euren großen Nutzen daraus zieht.“ Weher Nutzen, Junker?“ „Das Vergangene vergeſſen zu machen ergang verg 5 und als Glied der Geſellſchaft ehrlich und ruhig zu leben.“ ſhwons ndh Antlitz heiterte ſich auf, doch bald ver⸗ u eine Hoffnung wieder 3 1 ſchnemt ffnung wieder, und er ſprach, das Haupt „Zurückkehren, zurückkehren iſt nicht ſo leicht! Und d 5 2 voch muß es ſein. Ich kann der geheimen Stimme, die mir zuruft, nicht länger widerſtehen. Warum haben die Menſchen mich verſtoßen, als ich noch unſchuldig war? Ja, Junker! es gab eine Zeit in meinem Leben, als ich mich noch ſchämte, mit einem Spitzbuben zu trinken!“ „Das iſt möglich,“ antwortete der Jüngling,„gewiß müſſen es wichtige Vorſätze geweſen ſein, welche Euch vom Pfad der Ehre abführten.“ „Ja, einſt war ich ein junger hübſcher Menſch, wie Ihr,— aber die Schlechtigkeit der Menſchen hat mein Glück zertrümmert.“ „Ihr ſeid nicht zu dieſem Leben geboren, Wolfangh. Ich ſehe es wohl. Eure Geſichtszüge ſind nicht die eines Verbrechers, Eure Worte zeugen nicht von Unwiſſenheit. Nichts an Euch zeugt von einem verworfenen Geſchöpfe, das mit gleichgültiger Hand das Blut ſeiner Mitmenſchen vergießt. Kommt zurück in die Geſellſchaft, Wolfangh. Euer Herz iſt noch zugänglich für das Gute. Gottes Barmherzigkeit iſt unendlich.“ „Habt Dank, Junker, für Eure tröſtlichen Worte. Ihr habt ein edles, gutes Herz. Ihr habt mir mit freund⸗ lichen Worten den Weg gezeigt, den eine Revolution mir öffnet. O, ich ſchwöre Euch, der Rath wird nicht in den Wind geſprochen ſein, Ihr habt nicht auf Steine geſäet.“ Ludwig wurde von dieſen Worten tief ergriffen. Er ſtand auf und ſagte, des Räubers Hand ergreifend: „O Wolfangh! was müßt Ihr unglücklich geweſen ſein, um bei einem Herzen, wie das Eure, in ein ſo ſchändliches Leben zu verfallen.“ „Ja, Junker, ſo iſt es. Wenn ich mein ſchuldig und verbrecheriſch Herz in das Eure ausgießen dürfte, ſo wür⸗ det Ihr wohl hören, wie unglücklich meine Jugend war.“ „Sprecht, Wolfangh, ich werde Euch gerne hören.“ „Wohlan denn, um Euch zu zeigen, welch' Unglück einen M meines je „J von Geſt keiner, und man wehmüth ſang zog ihm mit Sei die Lamp dem er e „G Allen, 1 konnten. mich alü ſter Kind Gefühle „S Dorfe. meine He mit Beiſ Schickſal ließ mich mir das meiner(. viel vern auf das Helenas wundert in ſeinen Adel wa übrig, a Lange ve licher M „Ei imme, die haben die uldig war? Leben, als u trinken!“ ng,„gewiß Euch vom kenſch, wie hat mein Wolfangh. ht die eines nwiſſenheit. Geſchöpfe, Nitmenſchen Wolfangh. te. Gottes hen Worte. mit freund⸗ olution mir d nicht in auf Steine n. Er ſtand ich geweſen „in ein ſo chuldig und te, ſo wür⸗ gend war.“ rne hören.“ ch' Unglüch 5 53 einen Menſchen treffen kann, will ich Euch die Urſache meines jetzigen Lebens mit bündigen Worten erzählen: „Ich wohnte in dem Dorfe Rethy. Jung und ſchön von Geſtalt war ich. Unter allen meinen Kameraden war keiner, der eine ſo wohllautende Stimme hatte, als ich und manchmal ſang ich unter den alten Lindenbäumen die wehmüthigen Strophen einer alten Ballade.— Mein Ge⸗ ſang zog aller Aufmerkſamkeit auf mich und jeder horchte ihm mit Verwunderung und Schweigen.“ Seine Erzählung wurde unterbrochen, durch den, der die Lampen, die von der Decke hingen, anzündete. Nach⸗ dem er einen Augenblick geſchwiegen, fuhr er fort: „Glaubt Ihr, Jüngling, daß die Lobpreiſungen von Allen, die mich ſahen und hörten, mir Freude machen konnten.— Nein, nur das Lob der jungen Helene konnte mich glücklich machen.— Unſre Herzen waren von früh⸗ ſter Kindheit an innigſt verbunden geweſen,— und unſre Gefühle hatten mit jedem Jahre an Feuer zugenommen. „So wohnte ich viele Jahre glücklich in meinem Dorfe. Ungeduldig erwartete ich den Augenblick, bis meine Helene ihr achtzehntes Jahr erreicht hatte, um ſie mit Beiſtimmung meines Vaters zu heirathen;— doch das Schickſal, das nicht auf die Wünſche der Menſchen hört, ließ mich erſt das Süße des Kelches trinken, und bewahrte mir das Bittere auf zuletzt: Hier beginnt das Traurige meiner Erzählung: ein vornehmer franzöſiſcher Herr, der viel vermochte an des großen Kaiſer Karls Hofe, kam oft auf das Landgut von Poſtel zur Jagd. Einſt, als er in Helenas Wohnung trat, blieb er bei ihrem Anblick ver⸗ wundert ſtehn. Gewiß kam ein unzüchtiger Gedanke dabei in ſeinen Sinn; doch da er verheirathet und von hohem Adel war, blieb ihm nichts zur Befriedigung ſeiner Lüſte übrig, als das Mädchen zu verführen oder zu entführen. Lange verſuchte er's mit dem Erſtern: nach vieler vergeb⸗ licher Mühe, unternahm er das Letztere. „Eines Abends, als ich Helene vergebens erwartet 54 hatte, begab ich mich in ihre Wohnung. Der Vater meiner Freundin wunderte ſich, daß ich ſie nicht geſehen. — Zwoͤlf Uhr tönte es vom Thurme, und alle warteten noch auf das geraubte Mädchen. Vierzehn lange Tage dauerte das ſo fort, wir hörten nichts von Helenen. Ich halte es für überflüſſig, Euch unſre Verzweiflung zu ſchil⸗ dern; die Farbe meiner Wangen erblaßte unter meinen Thränen; mein Muth ſank.— Ich durchſtreifte die Wäl⸗ der, und ſank Abends von Schmerzen gefoltert auf das Gras nieder, um am andern Morgen meine Wanderung auf's Neue zu beginnen.“ „Ich beklage Euch, unglücklicher Wolfangh,“ ſeufzte Ludwig,„ich verſtehe Eure Schmerzen.“ „Ja, Junker,“ erwiederte der Räuber,„bittet Gott, daß Euch nie ein ſo bittres Loos treffe. Doch, hort! wel⸗ cher Dolchſtich noch mein Herz durchbohren ſollte. Dreißig lange Tage hatten wir ſo gezaͤhlt, ich ſaß Abends bei dem Vater meiner Geliebten. Unſre Thränen ſchienen die Her⸗ zen etwas zu erleichtern;— da ging die Thüre auf und mit einem wilden Schrei lag Helene an dem Halſe ihres Vaters. Nach dieſem erſten Liebeszeichen fiel ſie vor ihm auf die Kniee nieder und die Thränen floßen in Strömen über ihre Wangen. Sie rief einige unverſtändliche Worte, bat um Verzeihung, ſprach von Fleck und Schande. He⸗ lene, rief ich, ſie ſtreng anſehend, wo biſt Du geweſen? „Wolfangh,“ antwortete ſie bebend,„geh', o geh'! Deine Augen thun mir ſo weh.“— Wo biſt Du geweſen? rief ich wieder. Sie zeigte mit der Hand aus dem Fenſter nach einem entfernten Orte.—„Und für Dich ewig ver⸗ loren,“ fügte ſie bei. Länger konnte ich mich nicht halten. In der Meinung, ſie habe mich eigenwillig verſchmäht, rief ich alle Schmähungen, die ich nur irgend wußte, über ſie aus;— bei jedem Worte bebte ſie zuſammen. Noch lange hätte ich ſo fortgefahren, hätte mich nicht ihr Vater zum Schweigen gezwungen, indem er auf ſeine Tochter zeigte, die kalt und bewegungslos am Boden lag. Welch' Mit⸗ leiden di und ihre ſah, die über me Verzeihu mir! Al Herzens Helene r auf unſe Tod— verzerrte Am vier Sinne m tet. Al mich noc Zimmer. giftiger kerzen ir A auf die ſchon läc rufen di „H rich!“ ſp 5 3 von Noi „J „N gekränkt reinen K — da! der Vater t geſehen. warteten nge Tage nen. Ich zu ſchil⸗ er meinen die Wäl⸗ auf das Janderung ¹ ſeufzte ttet Gott, ooͤrt! wel⸗ .Dreißig s bei dem die Her⸗ auf und dalſe ihres e vor ihm Strömen he Worte, nde. He⸗ geweſen? ! Deine eſen? rief m Fenſter ewig ver⸗ ht halten. näht, rief „über ſie koch lange zater zum ter zeigte, elch' Mit⸗ 55 leiden drang in mein Herz, als ich ſie näher betrachtete, und ihre abgemagerten Wangen und tiefgeſunkenen Augen ſah, die deutlich von ihren Leiden zeugten! Nun wurde ich über mein Unrecht erboßt und bat Helene verzweifelnd um Verzeihung!— doch ſie hörte mich nicht. Junker, glaubt mir! Alle Qualen der Folter ſind nichts gegen die meines Herzens an jenem Abende.— Des andern Tages war Helene wahnſinnig geworden und antwortete mit Lachen auf unſere Thränen. Sie war bleich und mager, wie der Tod— und wenn ein Lächeln über ihr Geſicht flog, ſo verzerrte ſich daſſelbe ſo ſchrecklich, daß man ſich fürchtete. Am vierten Tage lag ſie auf ihrem Sterbebette. Ihre Sinne waren wieder heller geworden und ſie hatte gebeich⸗ tet. Als der Prieſter ſie verließ, ſagte er, daß Helene mich noch einmal ſehen wolle. Ich eilte in das düſtere Zimmer. Da lag die liebe Roſe, die ſo frühzeitig von giftiger Luft entblättert worden, zwiſchen den vier Wachs⸗ kerzen in den letzten Zügen. „Wolfangh,“ ſeufzte ſie, ihre magere Hand todtkalt auf die meine legend,—„ich verlaſſe Dich auf ewig,— ſchon lächelt mir der Himmel!.... Da vor mir,— rufen die Engel mich von der Welt 2 „Helene, was iſt geſchehen? In Gottes Namen, ſprich!“ „Was mir geſchehen,“ ſprach ſie,„kennſt Du Alfons von Noirmont 2„.... „Ja!“¹ „Nun, der hat mich— durch Macht und Gewalt gekränkt... und meine Seele— kann in dieſem un⸗ reinen Körper— nimmer wohnen,— darum ſeh' ich da, — dal— eine Bahn, die zum Himmel führt!“ „Noirmont,“ murmelte ich rachgierig und blutdürſtig, —„Noirmont!“ „Noirmont,“ lispelte ſie noch,„lebe wohl, mein Wol⸗ fangh!— einſt wirſt Du mich dort,— dort im Himmel wohnen ſehen und ich— werde rein.. und Gott— Gott... lebewohl! lebewohl, Wolfangh!...“ Und ich fühlte ſie ihre Seele unter meinen Lippen ausathmen.— Sie war todt, todt und kalt.“ Eine Thräne rollte über des Räubers Wangen und er ſchwieg. Ludwig, von Mitleiden ergriffen, drückte feurig ſeine Hand.—„Wolfangh,“ ſprach er,„vergebt mir die Ver⸗ achtung, die Ihr mir verwieſen habt. „Junker,“ fragte der Räuber fortfahrend,„glaubt Ihr, dieſer Noirmont habe den Tod verdient?“ „Ja, ja gewiß,“ antwortete Ludwig. „Nun,“ erwiederte Wolfangh,„ich verließ mein Dorf, nichts mit mir nehmend als Geld, Rachſucht und einen Dolch. Lange habe ich den Räuber geſucht, ohne ihn zu finden; doch je mehr ich warten mußte, deſto mehr ſchwur ich meine Helene zu rächen. Einſt bei Brüſſel längs der Senne wandernd, klangen mir viele Stimmen ins Ohr. Mitten unter dieſen hörte ich jedoch meinen Erzfeind heraus. Mein Blut rollte wild durch die Adern, und das Herz klopfte mir ſo heftig, daß ich beinahe den Athem verlor; — doch die Rachluſt gab meinem Arme Kraft, denn mein Dolch drang bis an's Heft in ſeine Bruſt. Ich ſprang in die Senne und ſchwam in einem Augenblicke an's andre Ufer. Da blieb ich lachend und außer mir vor Freude ſtehen. Zwei Piſtolen wurden auf mich abgedrückt, trafen aber nicht. Mit Wolluſt ſah ich das Opfer heulend zu Boden ſinken und nachdem ich von ſeinem Tode verſichert war, flog ich wie ein Pfeil ins nahe Gebüſch, um mich dem Anblick meiner Verfolger zu entziehen. Auch wurde ich wie ein wildes Schwein überall weiter getrieben;— kein Menſch durfte mich beherbergen.— Mein Vater wurde um meinetwillen verfolgt und ſank frühzeitig ins Grab. Nirgends konnte ich ein Verſteck finden, und wenn der Name Wolfangh auf einem Markte ausgeſprochen wurde, alsbald ertönte der Ruf: haltet ihn, ſchlagt ihn todt! aus Aller M mir, Jun langem l Verſteck und die iſt, zu ei 8 J brecheriſc mein Mr gezeigt. tritt Hel ich hoffe, Er den ſeine ſeinem S „Nr Sagt Ge einen S) ſtigen An werden 2 „El Worte m ſoeben di „De halb nicht achten de De Euch ein erreichen. „O Rathe zu „8h Hoffnung gefallne warten, „Je Gott— en Lippen ngen und rrig ſeine die Ver⸗ „glaubt ein Dorf, ind einen ie ihn zu hr ſchwur ängs der ins Ohr. d heraus. das Herz verlor; enn mein h ſprang vs andre r Freude kt, trafen ulend zu verſichert um mich ch wurde eben;— ter wurde s Grab. wenn der n wurde, todt! aus 57 Aller Munde, als ob ich ein raſender Hund wäre. Sagt mir, Junker, was konnte ich da ohne Geld thun? Nach langem hin und herſchweifen habe ich in dieſem Walde ein Verſteck gefunden. Die Noth machte mich zu einem Dieb, und die Verfolgung der Gerichtsdiener, obwohl dieſe gerecht iſt, zu einem Mörder. Ich habe gelitten und Reue gefühlt über mein ver⸗ brecheriſches Leben, allein das Schickſal war ſtärker, als mein Muth. Ihr, Junker, habt mir den Weg zur Rettung gezeigt. Darum empfanget nochmals meinen Dank. Nun tritt Helenens Bild mir wieder lebendig vor die Augen, ich hoffe, ihre Gebete laſſen mich Gnade finden bei Gott!“ Er ſchwieg einen Augenblick und den Eindruck ſehend, den ſeine Erzählung auf Ludwig gemacht, ſtand er von ſeinem Stuhle auf und ſprach: „Nun, Junker, ich will Euch nicht länger hier halten. Sagt Godmaert, daß ich ſeine Vorſchläge annehme, und einen Spionen in die Stadt ſenden werde, der den gün⸗ ſtigen Augenblick beobachten ſoll. Am Tage des Aufruhrs werden Wolfangh und ſeine Kameraden da ſein.“ „Eh ich Euch verlaſſe, Wolfangh, muß ich noch einige Worte mit Euch ſprechen,... Einer Eurer Leute äußerte ſoeben die Abſicht, die Kirchen zu berauben?“ „Das gedenken ſie zu thun, ja— aber fürchtet deß⸗ halb nichts: mein Wille iſt für ſie Geſetz, das niemand miß⸗ achten darf.“ „Darum allein wollte ich Euch bitten— ich wollte Euch eine Gelegenheit zeigen, Vergebung der Sünden zu erreichen.“ „O ſprecht, Junker, ſprecht, ich bin bereit, Eurem Rathe zu folgen.“ „Ihr wißt vielleicht nicht, Wolfangh, daß die größte Hoffnung derer, die ſich Geuſen nennen, Ketzer und Ab⸗ gefallne ſind, und daß dieſe den Tag des Aufruhrs ab⸗ warten, um alle Zeichen unſrer Religion zu vernichten?“ „Ich weiß es, Junker!“ 58 „Ihr wißt es! Nun helft mir und einigen Freun⸗ den in der Beſchützung der Kirchen. Es wird ſchwer ſein, ich ſehe es voraus; aber vielleicht glückt es uns doch.“ Auf Wolfanghs Antlitz lag ein Ausdruck von Freude; er faßte Ludwigs Hand und ſprach mit Nachdruck: „Geht, Junker, Ihr werdet mit Wolfangh zufrieden ſein.— Lebt wohl, auf Wiederſehn!“ Ein gewaffneter Räuber wurde Ludwig zum Führer gegeben. Dieſer brachte ihn und ſein Pferd bis vor den Wald. Nun ſtieg er auf und verfolgte den Weg, der ihn zur Hütte bringen mußte. Sicher würde er verirrt ſein; An aber der dankbare Landmann, für ſeinen Wohlthäter be⸗ hatte ſorgt, hatte vor ſeinem Fenſter eine Fackel angezündet. Hunden 1 Dieſe brachte unſern Jüngling bald zu der einſamen Es Wohnung. Eilig wurde die Thüre geöffnet und ein herz⸗„nd ſetn liches Willkommen toͤnte ihm entgegen. Das Abendeſſen Jen 3 ſ ſtand bereit.— Nachdem ſie einige Worte über des Jüng⸗ ens 1 lings glückliche Rückkehr gewechſelt, bat der Landmann dr kar ihn, ſich zur Tafel zu ſetzen. Dieß that der hungrige nier 8 Ludwig und aß, zu der Bewohner Freude mit mehr Ge⸗ verwund nuß, als wäre er in einen großen Pallaſt eingeladen ge⸗ 5 am weſen. G⸗⸗ „Junker,“ ſprach der Landmann,„es iſt nahe an init G Mitternacht und da der Weg mit Spitzbuben überdeckt iſt, ürd ſei ſo bitte ich Euch, in meiner armen Wohnung zu über⸗ To der nachten, und zeigte ihm eine Bettſtadt, über die friſches ch 6 1 Linnen gedeckt war. Ludwig bedachte, daß er Godmaert; veen doch vor morgen frühe keine Antwort mehr ſagen konnte. rig Se Darum beſchloß er des guten Heidebewohners Vorſchlag könnteſt anzunehmen. unnie A Nachdem er Allen eine gute Ruhe gewünſcht hatte, Du h legte er ſich müde und wohlgemuth zu Bette;— und Pürden ſchlief. nicht ine —„K Fürwah n Freun⸗ d ſchwer t es uns 1 F k: zufrieden reude; n Führer 3 vor den ,der ihn irrt ſein; häter be⸗ gezündet. einſamen ein herz⸗ bendeſſen es Jüng⸗ andmann hungrige nehr Ge⸗ laden ge⸗ nahe an rdeckt iſt, zu über⸗ e friſches Godmaert n konnte. Vorſchlag cht hatte, — und F. Doe schreetse met eene swarte roede een rimck op d'derde: daer moest ick midden in staen: voort brochtse oock alderhande vremde dinghen in de rinck en na dat ick mercken kon, soo docht my dat het waren Leuwenklamwen, Hondenoogen, Wolfstanden, Boksbloed, Ezelsooren, enz. Duyfken en Willemynken. Am ſelben Tage, als Ludwig ſeine Reiſe begonnen hatte, geſchah Etwas in Godmaerts Hauſe, was unſrem Junker noch manche Thräne koſtete. Es war gerade zwei Uhr Nachmittags; Godmaert und ſeine Tochter ſaßen ruhig bei einander, über Dieß und Jenes ſprechend. „Aber Vater,“ fiel Gertrud in die Rede,„der Spa⸗ nier kann doch ſeine Drohungen nicht ausführen?“ „Welche Drohungen meine Tochter?“ fragte der Geuſe verwundert. „Die Dienſtboten haben mir geſagt, daß Vald ès mit Gefängniß gedroht.— Wußteſt Du das nicht 32,9 „Das Gefängnisl.. ſeufzte er,„das Gefängniß!“ und ſeine Stirn umwölkte ſich. Er ergriff die Hand ſeiner Tochter und drückte dieſelbe mit Liebe. „Gertrud,“ fuhr er traurig fort, nja, der Spanier iſt ein vermögender, heimtückiſcher Mann.— Sage mir, wenn das Schickſal Dich einmal von Deinem Vater trennen ſollte, kunnteß Du den ſchmerzlichen Schlag ertragen?“ „Aber Vater,“ antwortete das traurige Mädchen, „Du haſt ja kein Velhrechen begangen?— Die Richter würden ſich bald von Deiner Unſchuld überzeugen und Dich nicht ins Gefängniß bringen laſſen? 2 „Kind!“ ſprach Godmaert,„Du kennſt die Welt nicht. Fürwahr, ich ſage Dir, daß es ſehr moͤglich iſt, daß man mich aus meiner Wohnung fortbringt. Obgleich wir ein wohlthätig Werk vollbringen, ſind wir nichts deſtoweniger nach den beſtehenden Geſetzen ſtrafbar, denn wir werfen uns gegen den regierenden König auf. Fürchte nicht für mich, ſondern für Dich— ſchwaches Kind, das ſchon ſo viele Thränen über die Leiden ſeines Vaters vergoß.“ Er drückte ihre Hand und ihr feſt ins Auge ſehend, ſprach er, auf die Thüre zeigend: „Wenn Du dort einen Haufen Soldaten mit bloßen Degen eintreten ſäheſt,— wenn ſie mit Deinem Vater fortgingen; ſage mir, würdeſt Du dann auf meine Bitte, ſtill und ruhig die glückliche oder unglückliche Zukunft er⸗ warten;— ohne mir durch Deine Thränen mein Loos noch mehr zu verbittern?— Gertrud, Du antworteſt nicht?— „Ja, ja, Bater!“ rief dieſe endlich, ich werde Dich nicht verlaſſen und durch meine Liebe tröſten....“ „Aber wenn Du mir nicht folgen dürfteſt und wir uns Lebewohl ſagen müßten 2“ Heiße Thränen waren des Mädchens Antwort. „Ja, Gertrud,“ ſprach der Greis, ſie küſſend,„Du ſiehſt, daß Dir der Muth fehlen würde.“ „Nein, nein,“ rief ſie,„das Loos wird uns nicht ſo arg fallen.“ „Gott gebe, daß Du Wahrheit ſprächeſt,“ antwortete der Greis zweifelnd.— Er klopfte mit ſeiner Fauſt ſtark auf den Tiſch. Die alte Thereſe trat ein. „Thereſe,“ ſprach Godmaert,„höre auf meine Befehle. — Ich kenne die Liebe, die Du für meine Tochter hegſt. Du warſt ihr lange Mutter. Vielleicht wird heute oder morgen Alles in Flammen ſtehen und die Stra⸗ ßen von Antwerpen werden mit Blut gewaſchen. Dann werde ich meine Freunde nicht verlaſſen und mein Leben, wie theuer es auch ſei, für das Vaterland in die Wage legen.— Meine Gertrud befehle ich in Deine Hände, Von nun an ſollſt Du ſie nicht verlaſſen; denn d hin.“ P „L Eine 2 „4 „komm Gott n D und lar ſie end. und fol der Th ten,— um zu έ 2. 2S= 2 2 2 fängniß eiſernen feſtigt ſchloß D 82 wir ein weniger werfen licht für ſchon ſo ß.“ ſehend, bloßen Vater e Bitte, zunft er⸗ in Loos itworteſt 9⁹ de Dich 7 und wir . d,„Du nicht ſo atwortete luſt ſtark Dann n Leben, in die a Deine erlaſſen; 64 denn die Wolken ziehen ſchon wild über unſre Häupter hin.“ Plötzlich entflog Gertrud ein ſchneidender Schrei. „Ach Gott!... da ſind ſie!“ rief ſie ängſtlich. Eine Menge verwirrter Stimmen ertönte im Gang. „Komme hieher! mein Kind,“ ſprach Godmaert, „komme hieher! daß ich Dich umarme.— Weine nicht. Gott wird mich vor Unglück bewahren!“ Das Mädchen weinte bitter. Auf Godmaerts Be⸗ fehl wurde ſie von Thereſe aus dem Zimmer geführt. „Gertrud!“ rief der Vater,„vielleicht täuſcheſt Du Dich!0 Aber Gertrud ſah die Soldaten im Vorübergehen,— und lange wiederhallte ihr Zimmer von ihren Klagen, bis ſie endlich ermattet in tiefer Wehmuth niederſank. Der Hauptmann näherte ſich dem Geuſen und las ihm einen Befehl des Markgrafen vor, nach welchem er als Staatsgefangener in den Steen gebracht werden ſolle. Der Greis warf ſich den Mantel über die Schultern— und folgte dem Hauptmann, ohne ſich zu beklagen. An der Thuͤre ſtanden zwanzig Bewaſſnete, um ihn zu beglei⸗ ten,— und eine Menge Volkes, das neugierig wartete, um zu ſehen, wer der Gefangene ſein möge. Sobald ſie Godmaert ſahen und ſeinen düſtern Blick lief ein Schrei durch Aller Mund:— aber die Soldaten hielten das Volk zurück und brachten den Geuſen ohne Blutvergießen bis an den Steen. Hier ſah er Valdés an der Thüre ſtehen. Glücklich, daß Godmaert keine Waffen bei ſich führte, ſonſt hätte der Spanier ſein Lachen mit dem Tode gebüßt. Der Gefangene wurde in ein tiefes und düſteres Ge⸗ fängniß gebracht, und nachdem ihm die Hüften mit einem eiſernen Gürtel umbunden und dieſer in der Mauer be⸗ feſtigt war, ſetzte man ihm Brod und Waſſer vor und ſchloß die ſchwere Thüre hinter ihm. Da ſaß nun der betrübte Vater, in einem düſtern Keller auf feuchtem Stroh. Um ſich war er nicht be⸗ kümmert; denn er hatte ſein Schickſal noch nicht einmal berechnet; aber die Thränen ſeiner lieben Gertrud und die Abweſenheit ſeines theuern Mädchens, das ihm als ſein einziges Kind ſo nah' am Herzen lag, waren zu ſchwere Schläge, um nicht unter ihrer Gewalt zu erliegen. Er ſank verzweifelnd auf das Stroh nieder. Eia Fluch der Nache ging aus ſeinem Munde und die Mauern wieder⸗ hallten die Worte Valdés und Verräther. Während der greiſe Vater ſo ängſtlich an ſein Kind dachte, war Gertrud verzweifelnd in einen Stuhl nieder⸗ geſunken.— Alles, was. ſie geſehen, ſchien ihr unglaub⸗ lich. Das Unglück war zu groß. „Liebe Thereſe,“ rief ſie,„laufe zu Pater Franzis⸗ kus: er allein kann noch unſer Schutzengel ſein.“ „Aber Ihr vergeßt, Jungfrau, daß Pater Franzis⸗ kus mit dem Abt von St. Bernhard weggezogen iſt?“ „O ja, es iſt wahr!— Nathe mir, was ich thun muß, um meinen Vater wieder zu ſehen. O rathe mir, weißt Du kein Mittel, ſprich!“ „Kein anderes, Fräulein,“ antwortete die Dienerin, als den Gefangenwärter des Steen durch Wort und That zu bewegen ſuchen, das heißt durch Bitten oder Geld!“ „So komme, Geld habe ich und an Worten wird es mir nicht ſehlen. Ich werde den Gefangenwärter zum Mitleiden bewegen.“ „Ihr wißt nicht, Fräulein, wie gefühllos ein Ge⸗ fangenwärter iſt,— und wenn das Geld nicht auf ihn wirkt, ſo iſt wenig Hoffnung übrig.“ „Komm', komm'!“ bat das Mädchen feuriger,„und hätte er ein Herz von Stein, er müßte meinen rothge⸗ weinten Augen und kräftigen Bitten nachgeben!“ „Ich will gerne mitgehen, um zu ſehen, ob wir Euern unglücklichen Vater tröſten können; aber betragt Euch wohl und ſeid vorſichtig in Euerm Schmerze. Laßt mich erſt Euers Kleider etwas ordnen.“ Si und da reſia mi theils m gedrunge „J trud unr „J „kommt Di Sie tra meinen mir nich Euch. meine L ters höͤr übergebe maert a ſoll. C fahren z Nu und des rief ſie: „ einem K O ſeid dringen. Gefühl; ſehen! nicht be⸗ einmal und die als ſein ſchwere en. Er luch der wieder⸗ in Kind nieder⸗ inglaub⸗ Franzis⸗ Franzis⸗ en iſt?“ ich thun the mir, Hienerin, nd That Geld!“ ten wird ter zum ein Ge⸗ auf ihn r,„und rothge⸗ ir Euern gt Euch aßt mich Sie warf Gertrud eine ſchwarzſeidene Kapuze über, und da ſie nicht mehr zu halten war, ging endlich The⸗ reſia mit ihr. Nachdem ſie durch viele Volkshaufen, die theils mitleidig, theils neugierig das Mädchen betrachteten, gedrungen waren, kamen ſie endlich zu dem Gefängniß. „Iſt mein Vater hier auf dem Steen?“ fragte Ger⸗ trud unruhig. „Ich glaube es faſt,“ antwortete die alte Thereſe; „kommt Gertrud, ſchöpft Muth!— Ich werde klopfen.“ Die Thüre drehte ſich bald in ihren Angeln ächzend. Sie traten in die kleine Kammer des Gefangenwärters. „Was wollt Ihr von mir, edle Jungfrau?“ fragte er, ſich vor Gertrud verbeugend. „Iſt mein Vater hier?“ „Wenn Godmaert Euer Vater iſt?“ „Ja, ja, Godmaert.— Seid mitleidig und laßt mich meinen Vater einen Augenblick tröſten. O verweigert es mir nicht!— Nein, verweigert mir's nicht!— ich bitte Euch. Wenn Ihr Kinder habet, könnet Ihr Euch in meine Lage denken. Laßt mich die Stimme meines Va⸗ ters hoͤren, und ich werde Euch belohnen.“ „Fräulein, es iſt noch keine Stunde, daß Senor Valdés mir einen ſchrecklichen Befehl des Markgrafen übergeben ließ, nach welchen ich den Gefangenen God⸗ maert an allem Verkehr mit ſeinen Freunden verhindern ſoll. Es thut mir gewiß leid, Euerer Bitte nicht will⸗ fahren zu können! Nun zerſchmolz Gertrud wieder in bittern Thränen und des Gefangenwärters rauhe Hand in die ihre drückend, rief ſie: „Ich bitt' Euch, ich bitt' Euch, habt Mitleid mit einem Kinde, das ſeinem Vater unrechtmäßig geraubt iſt. O ſeid nicht gefühllos. Laßt meine Worte in Euer Herz dringen.— Ihr ſeid ja ein Menſch, und nicht ohne alles Gefühl; Ihr könnt meine Thränen nicht ohne Mitleid ſehen! O laßt mich doch zu meinem Vater— oder ich 64 verlaſſe Euch nicht; und werde ſo lange weinen, bis Ihr ſelbſt, um meiner läſtigen Bitten enthoben zu ſein, mich in das Gefängniß meines Vaters bringt.“ „O jal mein Herr!“ ſprach Thereſe,„laßt ſie doch zu ihrem Vater, oder ſie ſtirbt noch vor Angſt.“ Nun hörte man die Schlüſſel, die an des Gefangen⸗ wärters Gürtel hingen, klingen und die beiden Frauen ſchlugen die Hände zuſammen, und Worte der Dankbar⸗ keit kamen aus ihrem Munde,— als der Gefangenwärter, der hinausgegangen war, um ſich eine Thräne zu wiſchen, ſich ihnen wieder näherte. „Frauen,“ ſprach er,„Euer Schmerz hat die erſte Thräne in meinem Leben mir aus den Augen gelockt. Aber die Pflicht zwingt mich, kein Mittel, welches es auch ſei, ſo ſehr es mich ſchmerzt, kann mich, meine Pflicht vergeſſen machen. Ich bin ein Gefangenwärter. Fragt, was ein Gefangenwärter iſt, und Jeder wird Euch antworten: Ein Tiger;— und er hat Recht, das muß ſo ſein.“ Bei dieſen Worten ließ er die Frauen niedergeſchla⸗ gen ſtehen und ging weg. „Wütherich!“ ſeufzte Gertrud,„wie kalt er gegen un⸗ ſern Schmerz iſt. Thereſe, Du hatteſt Recht, ein Ge⸗ ſangenwärter iſt kein Menſch. Komm', ich will bei unſern Freunden Hülfe ſuchen.“ Sie gingen trauriger, als ſie gekommen waren. Ger⸗ truds erſter Gedanke ſiel auf den guten Schuermans, den edelmüthigen, aber armen Geuſen. Sie wandten ſich eiligen Schrittes nach Klapdorp. Da wurde die Thüre eines alten verfallenen Hauſes vor ihnen geöffnet. „Ach Schuermans!“ rief Gertrud,„wißt Ihr, was meinem Vater geſchehen?“ „Ja, Fräulein,“ antwortete der Geuſe, ſie herein⸗ treten heißend,„ich weiß Alles. Weinet nicht, denn ich kann Euer Leiden nicht ohne Schmerzen ſehen. Der Ver⸗ räther S Dolch ſ .„S Mittel, —,= Hoffnun was zu Sc „A Augenbl verzweif / zig Mit Hauſe d will be Milderu eilends: fragte Ludwig „A hier ſein. nen wer warme — Lebt in Freu Di ihre Wo „2 zweifeln. „0 die gute uns wer Das bis Ihr in, mich ſie doch zefangen⸗ Frauen Dankbar⸗ enwärter, wiſchen, die erſte gelockt. belches es h, meine enwärter. vird Euch das muß ergeſchla⸗ gegen un⸗ ein Ge⸗ bei unſern ren. Ger⸗ huermans, ndten ſich ie Thüre Ihr, was ſie herein⸗ denn ich Der Ver⸗ uns wenig helfen, wie S Echn pnans ſagt. 63 räther Valdés hat dieß Alles bewirkt.— Ich habe meinen Dolch ſchon im Gürtel; Uee denkt er nicht.“ „Schuermans, um Gottes willen, wißt Ihr kein Mittel, um zu meinem Vater zu kommen.“ „Nein, ich habe ſelbſt am Gefängniß eine Stunde lang um Einlaß gebeten, aber ſie ſind unerbittlich.“ „O beſinnt Euch doch noch mal, ob nicht die kleinſte Hoffnung übrig?— Ihr Männer wißt beſſer, als wir, was zu thun.“ Schuermans ſah die traurige Gertrud theilnehmend an. „Armes Kind,“ ſeufzte er,— und nachdem er einige Augenblicke die Hand an die Stirne gehalten, zuckte er verzweifelnd mit den Schultern: „Nein, Gertrud,“ erwiederte er,„ich weiß kein ein⸗ zig Mittel.— Ich rathe Euch, unglückliches Mädchen zu Hauſe den Ausgang d Sache zu erwarten.— Ich ſelbſt will bei allen Freunden umhergehen und wenn ich einige Milderung in Euer Leiden bringen kann, werde ich mich eilends zu Euch begeben. Wo iſt Ludwig Van Halmale?“ fragte er.„Ludwig iſt weg,“ antwortete ſie.„O wäre Ludwig hier, ich würde bald meinen Vater wiederſehen.“ „Wo iſt er denn hin?“ „Nach Zoerſel, um Wolfangh aufzuſuchen.“ „Ah ja! er wird morgen bei Tagesanbruch wieder hier ſein. Kommt, Gertrud, ſeid ruhig. Die bittern Thrä⸗ nen werden Euer Loos nicht verſüßen. Denkt daran, daß warme Freunde Eures Vaters Leben ängſtlich bewachen. — Lebt wohl, liebes Fräulein, ich hoffe bald Eure Trauer in Freude zu verwandeln.“ Die beiden Fraurn gingen. Sie kamen troſtlos in ihre Wohnung zurück. „Was ſollen wir nun thun?“ rief Gertrud, ſich ver⸗ zweifelnd in einen Stuhl werfend. „Geduld haben und auf Gott vertrauen,“ antwortete die gute Frau.„Ihr ſeht ja, liebe Werltud⸗ daß Thränen aßt uns Geduld Das Wunderjahr 1566. 5 1 haben und auf Gott vertrauen, deßhalb nicht weinen„Fr und Ludwigs Ankunft in guter Hoffnung erwarten.“ was Euc „Weinen!“ ſeufzte Gertrud,„ich kann nicht mehr Nun weinen. In meinen Augen brennt ein glühend Feuer. O,„Sp wie unglücklich bin ich doch, liebe Thereſe. Ich habe dieß„Wi Loos nicht verdient. Ich habe meine Pflichten gegen Gott Ecke?“ und Menſchen erfüllt.“.„Ge⸗ „Gertrud, Gertrud!— Wollt Ihr den Allmächtigen,„Nu der Euer einziger Troſt auf Erden iſt, gegen Euch er⸗ den Mutl bittern und durch Murren Euer Leiden verdienen?“ was Ihr Sie zeigte mit ernſter Miene auf den Betſtuhl. die Wahr „Fräulein, Ihr habt geſündigt!“„Die Das Mädchen kniete vor das Kreuz nieder und lag Zauberher lange im Gebete. Die alte Frau, die wohl wußte, daß„Ja ſie mehr Troſt im Gebete als im Klagen fände, ſtörte„Gla ſie nicht darin..— Vater thu Die Sonne hatte ſich hinab geſenkt und die Straßen„Ja von Antwerpen lagen in tiefer Dunkelheit;— plötzlich ich mich erhob ſich die junge Gertrud von dem Betſtuhl, in Thräa⸗ was Unw nen ausbrechend und warf ſich Thereſen an den Hals. Unglück o „Ich habe nicht gebetet!“ rief ſie,„nicht an Gott Auge gedacht!— Ich bin eine ſchuldige Sünderin!“ um die E „An wen habt Ihr denn gedacht 22.„We „An meinen Vater, an Ludwig,“ rief Gertrud wei⸗„Mi nend,„und Gott zürnt mir, denn vor dem Kreuze habe kennt doch ich keinen Troſt gefunden.“ Die Augen ſtarrten wirr um⸗„War her. gezündet.“ „Ja, ja, unglückliche Gertrud, was iſt aus Euch Die geworden, armes Kind!“ ſeufzte Thereſe. Sie drückte das Und nachd halb ſinnloſe Mädchen an ihr Herz. ein kleines „ Thereſe!“ rief dieſe.„Weißt Du, was mein Vater len Strah! thut?— Er iſt todt!— Das hab' ich da im Betſtuhle Ein geträumt und geglaubt; und darum hab' ich nicht gebe⸗— ſie wo tet.“ Sie lief weinend durch das ganze Zimmer.„Kon „Gertrud, was thut Ihr?— Ihr irrt!“ Aber dieſe„ich verſie Worte halfen nichts. zu fürchten t weinen 2n.* icht mehr Feuer. O, habe dieß egen Gott nächtigen, Euch er⸗ 2 Betſtuhl. r und lag ißte, daß de, ſtörte e Straßen plötzlich in Thrä⸗ Hals. an Gott ttrud wei⸗ reuze habe wirr um⸗ aus Euch rückte das nein Vater Betſtuhle icht gebe⸗ 6. Aber dieſe 67 „Fräulein!“ rief ſie lauter,„mir fällt Etwas bei, was Euch zu Eurem Vater bringen kann.“ Nun kam Gertrud elligſt herbeigeſprungen. „Sprich, liebe Thereſe! ſprich; was iſt es... „Wißt Ihr das Jan van Liergäßchen, hier hinter der Ecke?“ „Gewiß,“ antwortete Gertrud. „Nun da wohnt ein altes Weib, die kann, ſo Ihr den Muth habt, mir zu ihr zu folgen, Euch Alles ſagen, was Ihr wiſſen wollt.— Gewiß dürft Ihr ſein, daß ſie die Wahrheit ſpricht.“ „Die alte gebückte Frau, die von den Nachbarn die Zauberhexe genannt wird?“ „Ja dieſelbe.“ „Glaubt Ihr, daß ſie mir ſagen kann, was mein Vater thut und leidet?“ „Ja Kind, ich ſage es mit Schaam, manchmal habe ich mich ſchon bei ihr Raths erholt, und nie hat ſie Et⸗ was Unwahres geſagt. Ihr ſollt ſehen, daß ſie von unſerem Unglück ohne uns weiß.“ Augenblicklich verließen ſie die Wohnung, wandten um die Ecke und befanden ſich in dem Jan van Liergäßchen. „Wer klopft ſo ſpät in der Nacht an meiner Thuͤre?“ „Mutter! macht auf,“ antwortete Thereſe,„Ihr kennt doch Eure Nachbarin?“ „Wartet einen Augenblick, bis ich meine Lampe an⸗ gezündet.“. Die Thüre wurde vorſichtig und langſam geöffnet. Und nachdem ſie erkannt waren, führte ſie die Hexe in ein kleines Zimmer, worin eine Lampe ihre geheimnißvol⸗ len Strahlen verbreitete. Ein ſchrecklicher Schrei entfuhr Gertrudens Bruſt — ſie wollte nicht eintreten. „Kommt nur herein, Fräulein,“ ſprach die Zauberin, nich verſichre Euch, daß Ihr keinen Grund habt, Euch zu fürchten.“ Nun trat Gertrud zitternd in das Gemach und hing Beſih 4 2 ſich feſt an Thereſe. Es war ſchmutzig und in Unordnung; zwei Stühle Hülfe 85 ſtanden bei einem ſchwarzen, ſchweren Tiſch,— auf wel⸗ n chem ein großes Buch, ein Dolch, Karten und einige Gerippe von kleinen Thieren lagen. Zwei pechſchwarze zathn 7 Katzen ſaßen puſtend auf den Stühlen. Ihre Bewe⸗ 1 g ungen waren ſo ernſt und feſt, daß es ſchien, die Thiere 73 ſeien mit Verſtand begabt; ſie ſahen Gertrud neugierig e„ an. Ein Todtenkopf, deſſen hohle Augen und glänzende Jüngling Zähne Gertrud erſchreckt hatten, ſtand auf dem Tiſch. mmaufhär Die Zauberin war ein altes Weib, das hundert Jahre alt zu„A „N ſein ſchien; tiefe Runzeln durchfurchten ihr Antlitz, über S das graue Haare verwirrt herabſielen. Ihre hellen Augen Schmerz waren feſt auf die ängſtliche Gertrud gerichtet. Dame, „Was iſt die Urſache, die Euch zu einer armen Frau, noch ma wie ich bin, noch ſo ſpät in der Nacht führt, edles Fräu⸗ his Carr lein?ℳ fragte ſie,„wollt Ihr, daß ich Euer Loos in den Eures W Karten leſe?“— nun denn.“ Damit miſchte ſie die Kar⸗ ben komn ten durcheinander. Euer Vo Nachdem ſie das Gerippe auf den Boden gelegt hatte, Etwasor breitete ſie die Karten auf die Tafel aus. Sie ſann einige wäre, e Augenblicke über ihr Orakel nach und nachdem ſie es ge⸗„N funden zu haben ſchien, begann ſie mit wichtiger Miene: reſe. „Seht Ihr da, Fräulein?... Kommt doch näßern u e zum Tiſche.— Seid ohne Sorgen. Seht Ihr da, ſag' Euer S ich, den Pikkönig?“— beſſer, d „Ja wohl,“ antwortete Gertrud. verſchwei „Nun das iſt Euer Vater. Es ſcheint, daß er in was Ihr dieſem Augenblicke ſehr unglücklich iſt.— Seht da auf 99 der Karte ſehe ich ſeine Thränen, ſein Zähneknirſchen.“ chereſe Gertrud zitterte vor Schrecken. „Wartet, Fräulein,“ ſprach die Zauberhere,„wartet!„N ſehet Ihr da die zwei, das ſind zwei Tage ſeines Leidens.„mein T ſchwarzer Die zehn, die da iſt, zeigt an, daß der Schmerz groß, ja ſehr groß ſein wird. Geduld, Fränlein, Geduld, das und hing i Stühle auf wel⸗ nd einige chſchwarze te Bewe⸗ die Thiere neugierig glänzende em Tiſch. hre alt zu litz, über len Augen nen Frau, dles Fräu⸗ vos in den die Kar⸗ elegt hatte, ſann einige ſie es ge⸗ ger Miene: doch näher r da, ſag' daß er in eht da auf eknirſchen.“ 2,„wartet! nes Leidens. pmerz groß, eeduld, das 69 Beſte kommt.— Da ſeht Ihr den Carreauköͤnig— der daneben liegt? Der allein kann Euren Vater duyc ſeine Hülfe erlöſen. 74 „Wer iſt das, Frau?“ fragte Gertrud. 6 „Seinen Namen weiß ich nicht,“ war die Antwolte „aber das weiß ich, daß es ein Menſch iſt, der viel Uebles? gethan hat und wie ein Thier in Waldern wohnt.“ „Wolfangh!..“ ſeufzte Gertrud. „Da fuhr das alte Weib fort, der Herzbube iſt ein Jüngling, der Euch zärtlich liebt und ſeit dieſem Morgen unaufhörlich an Euch gedacht hat.“ „Weiß er, was meinem Vater geſchehen?0 „Ne in, das weiß er wohl nicht, ſonſt würde er Eure Schmerzen Bfiheltt, dban— Und neben ihm liegt Herz⸗ Dame, die ſeid Ihr ſelbſt— alles ſagt mir, daß Ihr noch mal glücklich ha ihm vereinigt dender. Weiter ſagen die Carreaus, die da liegen, daß gegenwärtig viel wegen Eures Vaters geſchrieben wird; nur dieſe, nur die Bu⸗ ben kommen mir wie Richter vor.— Feſt glaube ich, daß Euer Vater in dieſem Augenblicke verhört wird.— Noch Etwassweiß ich; doch da es allzuſchmerzlich für Euch wäre, es zu wiſſen, ſo will ich nichts mehr ſagen.“ „Nun wir wiſſen noch wenig, Mutter!“ ſprach The⸗ reſe. „Wie?“ rief das alte Weib,„wißt Ihr nicht, daß Euer Schmerz bald geſtillt werden ſoll, und iſt es nicht beſſer, wenn ich das Schreckliche, was ich noch weiß, verſchweige?“ „Nein,“ antwortete Gertrud heftig,„ſagt mir Alles, was Ihr wißt und ich werde Euch reichlich belohnen.“ „Nun, Ihr wollt es ſo, Fräulein?— Ihr hoͤrt es Thereſe, ſie will Alles wiſſen.“ „Nachtboten!“ ſprach ſie, ſich zu den Katzen wendend, „mein Wille geſchehe!“ und jämmerlich ſchreiend flogen die ſchwarzen Thiere unter den Schornſtein und verſchwanden. 70 „Ach Gott!“ rief das erſchrockene Mädchen, ſich an Thereſen ſchmiegend,„es wohnen hier hoͤlliſche Geiſter.⁰ „Ihr habt es geſagt,“ antwortete die Zauberin,„doch dürft Ihr nicht erſchrecken, es wird Euch nicht das min⸗ deſte Leid geſchehen— ich bitte Euch, mich nicht in mei⸗ nem großen Werke zu ſtören.“ Sie ergriff einen eiſernen Kelch und ſteckte ihn auf einen vergoldeten Dreifuß. Ein Stückchen Purpur⸗ ſeide warf ſie dreimal gegen den Todtenkopf, und nach⸗ dem ſie es mit Waſſer befeuchtet hatte, warf ſie es in den Becher.— Eine blaue Flamme ſtieg brodelnd in die Höhe. Darauf nahm ſie ihr Zauberbuch und nachdem ſie mehremal mit ihren dürren Händen durch die Flamme gefahren war, las ſie murmelnd auf verſchiedenen Blättern ihres Buchs Worte, die einen ſchreckenerweckenden Klang hatten. Dreimal lief ſie um die Tafel und rief die hölli⸗ ſchen Geiſter herbei. Die Katzen kamen wieder heulend aus dem Kamine. Es läßt ſich leicht denken, wie erſchrocken das arme Mädchen war; aber da ein ander Leiden ihre Kräfte ab⸗ geſtumpft hatte, ſo war ſie beinahe ohne Gefühl für all' das, was um ſie vorging. Thereſe zitterte an allen Glie⸗ dern; doch ihre Neugierde war groͤßer als ihre Furcht, und da ſie ſchon oft ſolche Dinge geſehen, hatte ſie Kraft genug, um Gertrud zu unterſtützen. „Nun,“ ſprach die Zauberhere, des Mädchens Hand ergreifend,„ſagt mir nun, ob Ihr, ſo ich Euch die Wahr⸗ heit ſehen laſſe, es tragen koͤnnt... werdet Ihr mir zürnen?“ „Nein, nein!“ antwortete Gertrud bebend,„ich habe es ja ſelbſt von Euch mir erbeten.“ „Wollt Ihr dann zuerſt Euren Geliebten ſehen?“ „Ja!“ „So kommt hierher— an den Kamin. Habt Ihr denn vor den Katzen bange!— Fort!“ rief ſie, und die ſchwarzen den Todt „, K Spiegel.“ „Ja reſe, kom ſitzt bei in Locken üb über ſeine „Ja Fräulein. „Nu die Zaube „Ja werde ich Schrecklie ſchwinden „Ih ich meine haben.“ „Ja Zauberin kaum ihr laut aufſ weinend ſich an Geiſter.“ in,„doch das min⸗ in mei⸗ ihn auf Purpur⸗ nd nach⸗ ie es in id in die chdem ſie Flamme Blättern en Klang die hölli⸗ Kamine. das arme rräfte ab⸗ l für all' Llen Glie⸗ te Furcht, ſie Kraft ens Hand die Wahr⸗ Ihr mir „ich habe hen?“ Habt Ihr und die 71 ſchwarzen Thiere eilten haſtig in den Kamin. Sie ergriff den Todtenkopf und legte ihn auf den Tiſch. „Kommt hieher vor den Kamin— ſeht in dieſen Spiegel.“ Sie zog eine Gardine vor dem Glaſe weg. „Ja, ſieh! da ſchläft Ludwig,“ rief Gertrud,„The⸗ reſe, komm, ſieh, wie ruhig er ſchläft!— Sieh ein Mann ſitzt bei ihm und wacht.— Thereſe, komm, ſiehſt Du ſeine Locken über das Kiſſen hinabwallen, und das Lächeln, das über ſeinen Lippen ſchwebt.— Er träumt!...“ „Ja,“ ſprach das alte Weib,„er träumt von Euch, Fräulein.“ Gertrud ſah lange in den Spiegel, ſie fand einen Troſt in dem ſüßen Schlafe ihres Geliebten. „Nun, gleicht der Junker Eurem Geliebten?“ fragte die Zauberin. „Ja, ja, er iſt es ſelbſt!“ ſagte Gertrud.„Wann werde ich ihn wiederſehen?“ „Morgen bei Sonnenaufgang,“ war die Antwort; — und Gertrud freute ſich über den Troſt, der ihr bald werden ſollte. „Wollt Ihr nun Euren Vater ſehen?“ „Ja.“ „So geht von dem Spiegel weg.“— Vorhang fallen. „Fräulein,“ fuhr ſie fort,„habt ein wenig Geduld, bis ſich die Erſcheinung gebildet hat. Ihr werdet etwas Schreckliches ſehen; und Eure Kräfte werden Euch bald ſchwinden bei dem Anblicke.“ „Ihr täuſcht Euch, Mutter,“ ſprach Gertrud,„wenn ich meinen Vater lebend ſehe, werde ich Muth genug haben.“ „Ja, Fräulein, kommt vor den Spiegel,“ ſprach die Zauberin und hob den Vorhang.— Aber Gertrud hatte kaum ihren Blick auf den Spiegel fallen laſſen, als ſie laut aufſchrie und ſtarr zu Boden fiel. Thereſe beugte ſich weinend über ihre Herrin. Sie ließ den „Das wußte ich,“ ſagte das alte Weib.—„önbe ich es nicht geſagt?— Doch ich werde dieſe Ohnmacht leicht überwinden.“ „Was hat ſie denn geſehen?“ fragte Thereſe. „Seht ſelbſt,“ ſprach die Zauberin, ſie vor den Spie⸗ gel führend.— Thereſe wich aufſchreiend zurück. Was ſahen ſie denn?.. Den greiſen Godmaerts von Henkern umringt, die ihn folterten; und der Ausdruck ſeines Geſichtes, das Blut, das über ſeinen Körper lief, Lo hatte die Herzen der Frauen gebrochen. wärts „Was ſoll ich nun mit meiner ſtarren Herrin thun?“ hatte, fragte Thereſe weinend. D „Horcht,“ antwortete das alte Weib,„hier habe ich gierig ein Fläſchchen, das Alles wieder gut macht. Wenn ich Volk d ihr das gegeben, wird das Fräulein aufſtehn und Euch hatte ſchweigend nach Eurer Wohnung folgen. Sie wird Alles fordere. Vergangene vergeſſen. Legt ſie dann zu Bette;— und die geſchlot Stimme des Geliebten allein wird die Kraft haben, ſie beſchleu aus ihrem Schlafe zu wecken.— Ich hoffe, wenn Alles G ſo geſchehen, wie ich geſagt, ſo werdet Ihr mich nicht weder vergeſſen.“ Thräne Sie goß langſam den Inhalt des Fläſchchens Ger⸗ Schme truden in den Mund. Dieſe richtete ſich auf, und blieb ſeinem ſchweigend ſtehen. ſich der „Gehe, Thereſe!“ ſprach das alte Weib.—„Sei Die 3 für das Fräulein unbeſorgt: ſie wird Dir auf den Ferſen ihm ſe folgen.— Lebe wohl, ſprich nicht mit ihr,— ſie hört des S nicht.“— Die Thüre ſchloß ſich hinter ihr. U Thereſe ſchritt ängſtlich fort und oftmals ſich um⸗ öffnet. ſehend, bemerkte ſie, daß Gertrud ihr folgte. Als ſie nun„ wieder in ihrer Wohnung und vor Gertruds Bett ſtanden, terne i ließ dieſe ſich ruhig entkleiden. Kaum hatte ſie ſich nie⸗ vor der dergelegt, als ſich ein tiefer Schlummer auf ihre roth⸗ den G geweinten Augen legte. Greis Thereſe wachte bei einem kleinen Lichte, doch bald bis in rmattete auch ſie, und ſank ſchlafend in den Stuhl zurück. überwu „Habe nmacht 1 Spie⸗ dmaerts usdruck ver lief, thun?“ habe ich denn ich d Euch d Alles und die ben, ſie un Alles ch nicht ns Ger⸗ nd blieb -„Sei n Ferſen ſie hört ſich um⸗ ls ſie nun tſtanden, ſich nie⸗ hre roth⸗ doch bald hl zurück. VI. O mensche, wie ghy zyt, en toont u niet't onvreden, Als Godt doorwont uw hart met druck en swaricheden. Jakob Caii. Laßt uns in unſerer Erzählung einen Schritt rück⸗ wärts thun, um zu ſehen, ob die Wahrſagerin Recht hatte, als ſie Gertruden ein ſo ſchrecklich Bild vormalte. Der Spanier hatte der Aufhebung Godmaerts neu⸗ gierig zugeſehen und mit Furcht bemerkt, wie ſehr das Volk dem Geuſen zugethan war. Mit banger Sorge hatte er gehorcht, ob man nicht zu ſeiner Befreiung auf⸗ fordere.— Als aber die Thure ſich hinter ſeinem Feinde geſchloſſen, eilte er, die Folgen ſeiner Beſchuldigung zu beſchleunigen. Godmaert ſaß in der Ecke eines Kerkers, in welcher weder Licht, noch Luft Eingang finden konnte. Bittere Thränen rollten über ſeine Wangen, wenn er an den Somerz ſeiner Tochter dachte, und verzweifelnd ſich auf ſeinem Lager hin und her wälzend, fühlte er nicht, wie ſich der eiſerne Gürtel immer tiefer in ſeine Lenden preßte. Die Zeit, welche er ſchon in dieſer Hoͤhle zubrachte, ſchien ihm ſehr lang zu ſein; obwohl die Abendſonne die Mauern des Steen noch mit ihrem rothen Glanze überſtrahlte. Um zehn Uhr wurde die Thüre des Kerkers ge⸗ öffnet. „Godniaert!!“ rief der Steenwärter, mit ſeiner La⸗ terne in das Gefängniß tretend,„ſteht auf, ich muß Euch vor den Richterſtuhl führen.“— Damit ſchloß er ihm den Gürtel auf. Zwei bewaffnete Männer nahmen den Greis bei dem Arme und führten ihn durch düſtere Gänge bis in einen Saal, welcher, wie das Schiff einer Kirche, überwölbt war. Das Gemach war ſehr nieder, denn die Säulen, auf welchen die Schwibbögen ruhten, waren ſehr kurz. So konnte das Licht der Lampe, welche auf dem Tiſche brannte, das Gemach bequem erhellen. Ein großes Kreuz, künſtlich mit ſchwarzem und rothem Holz eingelegt, und ein offenes Evangelienbuch mit ſilbernen Schlöſſern verziert, lag auf dem Teppiche des Tiſches. Zwei Dolche waren zum Zeichen blutiger Juſtiz kreuzweiſe über die Blätter des Evangelienbuchs gelegt. Vier Perſonen, ſchwarz gekleidet, ſaßen an einer zweiten Tafel; an ihren ernſten und kalten Geſichtern konnte man bemerken, daß ſie die Richter waren. Papier und Federn lagen vor ihnen auf der Tafel, um die Bekennt⸗ niſſe des Angeſchuldigten aufzeichnen zu koͤnnen. Bei der Thüre des Saales ſtanden zwei gewaffnete Knechte mit entbloͤſtem Schwerte. Tiefer im Saale konnte man bei dem ſchwachen Lichte einige Werkzeuge bemerken, die in Unordnung auf⸗ gehäuft lagen: es war das Foltermaterial, das alle Ge⸗ heimniſſe aufklären ſollte. Godmaert bemerkte mit Schauer die blutigen Geräth⸗ ſchaften des Gerichts; aber noch mehr zitterte er, als er in die Tiefe des Saales ſah und dort die Geſichtszüge ſeines Feindes Valdés bemerkte. „Führt den Gefangenen vor!“ rief einer der Richter, und Godmaert wurde von zwei gewaffneten Männern zu dem Tiſche gebracht. Nach einigen Worten, die der Vorſitzende mit ſeinen Räthen geſprochen, wandte er ſich an Godmaert und ſagte: „Nähert Euch. Schwört mit der Hand auf dieſem Bilde unſeres Seligmachers und auf dem Buche des Le⸗ bens, daß Ihr die Wahrheit ſprechen wollt, und nichts als die Wahrheit.“ „Dies ſchwoͤre ich bei dem Gotte, der uns hört!“ ſprach Godmaert, die Hand auf das Kreuz legend. „Kehrt zu Eurem Platze zurück,“ begann der Vor⸗ ſitzer wieder,„und hört auf meine Worte; 77 und die halterin und ſtre maert, Haupt großen Herrn. ben wor ren. 3 Ihr auf mehr ge Aufrüht bekämpf Ge er ſah immer! trachten bekämpf moͤgen. 0 /2 0 N* 7/ mann, wendun Staate 75⁵ ſehr„Der Aufruhr, welcher die Niederlande beunruhigt, fdem und die unerhörte Frechheit der Ketzer, ließen die Stadt⸗ roßes halterin den Beſchluß faſſen, von ihrer Milde abzulaſſen, gelegt, und ſtrenge Maßregeln ins Werk zu ſetzen. Ihr, God⸗ öſſern maert, ſeid als einer der Rädelsführer bekannt; Euer Holche Haupt gehört dem Gerichte; dennoch, in Betracht der er die großen Dienſte, welche Ihr in früheren Zeiten unſerm Herrn Kaiſer Karl erwieſen, iſt mir die Vollmacht gege⸗ einer ben worden, gegen Euch mit beſonderer Nachſicht zu verfah⸗ konnte ren. Ich kann Euch die Freiheit wieder ſchenken, wenn r und Ihr auf Eure Ehre ſchwoͤren wollt, daß Ihr fortan nichts kennt⸗ mehr gegen die ſpaniſche Regierung thun wollt, und die ei der Aufrührer ſogar, wenn man es von Euch verlangt, zu e mit bekämpfen verſprechet.“ Godmaert ſtand verwundert über dieſe Worte, aber vachen er ſah in der Ferne Valdès lachen und ſein Blut rollte g auf⸗ immer wilder durch ſeine Adern. Die Richter zornig be⸗ e Ge⸗ trachtend, antwortete er: „Ein Soldat verräth ſeine Feinde nicht. Ich halte eräth⸗ die ſpaniſche Regierung fuͤr ein Unglück für mein Vater⸗ als er land, und ich werde ſie immer, ſoweit es nur möglich, tszge bekämpfen, und koſte es gleich mein Leben und mein Ver⸗ moͤgen.“ ichter,„Iſt dieß Euer letztes Wort, Godmaert?“ zu dem„Ja und Amen.“ „Es thut uns wehe, gegen einen ſo berühmten Edel⸗ ſeinen mann, wie Ihr, die äußerſte Strenge des Geſetzes in An⸗ ſagte: wendung bringen zu müſſen. Aber wir, als Beamte des dieſem Staates, haben nur unſre Pflicht zu thun.“ des Le⸗„Thut Eure Pflicht, wie es Euch gut dünkt, ich thue nichts die meine.“ „Nun, ſo antwortet mir. Ihr ſeid beſchuldigt, zum hört!“ Erſten: das Haupt der Antwerpner Geuſen zu ſein und der Regierung Philipps II. den Untergang geſchworen zu r Vor⸗ haben.9 76 „Dies iſt die reine Wahrheit!“ antwortete Godmaert mit lauter Stimme. „Zum Andern ſeid Ihr beſchuldigt, das Volk aufge⸗ reizt, und durch alle Mittel die Herzen Eurer Mitbürger von der gegenwärtigen Regierung abgewandt, und Drittens die ſpaniſche Regierung als eine tyranniſche und verächt⸗ liche geſchildert zu haben, ſowie Mitglied von Verbindungen zu ſein, welche auf Mittel ſinnen, die Niederlande von ihrem rechtmäßigen Fürſten loszureißen?“ „Ich habe dem Volk zum Aufſtand gerathen, ich habe die ſpaniſche Regierung geſchildert, wie ſie iſt, tyran⸗ niſch und haſſenswerth! Es iſt wahr!“ „Wie, dies Alles iſt wahr, und Ihr geſteht es mit kaltem Blute?“ 5 „Sollte ich lügen, da ich geſchworen, Euch die Wahrheit zu ſagen?“ Der Richter ſchüttelte verwundert das Haupt. Er wandte ſich um zu einem Schreiber und ſprach etwas mit ihm. Dann ſeine Unterſuchung fortſetzend, ſagte er: „Feiner ſeid Ihr beſchuldigt, der Statthalterin unter dem Scheine einer Bittſchrift ein Pasquill überſandt zu haben.“ *„Dies iſt unwahr!“ rief Godmaert entrüſtet. „Ja, Ihr ſollt ſogar dieſe Schriften unter das Volk verbreitet haben.“ „Ich erkläre, daß dies ſchändlich gelogen. Ich habe dieſe Schriften nicht mal geſehen.— Wer iſt der Ver⸗ räther, der mich eines ſolchen beſchuldigt hat?“ „Valveès!“ rief der Richter,„er leugnet dies gethan zu haben.“ Nun kam Valdès, der ſeine Beſchuldigung zuvor wohl überlegt hatte. „Godmaert!“ ſprach er mit einem falſchen Geſicht, „Ihr wißt doch wohl, daß Ihr einſt, als ich an Eurer Tafel ſaß, ein Bild gezeigt habt, worauf die Statthalterin auf das Schändlichſte abgemalt war?“ 2 mit T / ſpreche 2 / Kinder war ei von B der a wie d' Leckere . 2 dieſem ſtorber räther 7 Frage theidig 7 hund Ihr wollte 77 dmaert„Valdes Ihr lügt.— Ihr lügt!“ rief der Geuſe mit Verachtung. aufge⸗„Schweigt, Angeſchuldigter, Ihr habt jetzt nicht zu bürger ſprechen.— Was ſtand auf dieſem Bilde?“ drittenns Valdés antwortete: erächt⸗„Die Statthalterin in ihrem Ornate ſaß in einem dungen Kinderſtuhl und machte ein lächerlich Geſicht; ihr Scepter de von war eine Raſſel, ihre Krone ein Fallhütchen. Der Graf von Barlaimont hielt ſie am Gängelbande, während auf n, ich der andern Seite die getreuen Niederländiſchen Edlen, tyran-⸗ wie d'Aerſchot, d'Aremberg und andere ihr Zucker und 1 : Leckereien anboten, um ſie am Schreien zu hindern, ſo es mit lange ſie hinten von einem Bettler oder Geuſen mit einer 1 4 Gerte geſchlagen wurde— und dann hat Godmaert, mir ch die dies zeigend, mit Lachen geſagt:„Seht, das iſt die Frau, nach dem Leben gezeichnet.“ 5 t. Er„Meineidiger!“ rief Godmaert,„zitterſt Du nicht vor as mit dieſem blutigen Kreuze und dem Gott, der für uns ge⸗ r: ſtorben iſt, ſolche Unwahrheit zu reden. Hölliſcher Ver⸗ n unter räther!..“ andt zu„Angeſchuldigter!“ rief Ortado,„antwortet auf meine Frage. Habt Ihr nichts als dieſe Worte zu Eurer Ver⸗ theidigung vorzubringen?“ 1s Volk„Was wollt Ihr, daß ich antworte, daß dieſer Blut⸗ hund gelogen?“ ch habe„Wir haben das Zeugniß eines Mannes gehört, den eer Ver⸗ Ihr ſelbſt mit dem Pasquille zur Statthalterin ſenden wolltet.“ ſ 3 gethan„Wie heißt der Mann?“ fragte Godmaert. „Albrecht Merckhof.“ g zuvor„Albrecht Merckhof? Den kenne ich nicht. Der 9 Herr Valdes wird ihn beſſer kennen,— ich zweifle nicht Geſicht, daran,“ ſprach Godmaert, wahrend er mit Verachtung n Eurer auf ſeinen Ankläger blickte. thalterin Der Richter fuhr fort: „Wir haben Gründe, Euch der Maj eſtätsbeleidigung 78 für ſchuldig zu halten, beſonders, da Ihr bereits bekannt habt, daß Euer Haß gegen die gegenwärtige Regierung ohne Grenzen iſt.— Könnt Ihr das Zeugniß Valdés' und Merckhofs Lügen ſtrafen?“ „Nein.— Was kann ich anders, als erklären, daß es falſch ſei?“ „Bleibt Ihr dabei?“ „Ja. „Wohlan, Alles ſcheint zu beweiſen, daß Ihr ſchul⸗ dig ſeid. Ich befehle Euch im Namen des Geſetzes, Euer Verbrechen einzugeſtehen und Eure Mitſchuldigen anzugeben.“ „Ich antworte nicht mehr auf ſolche Lügenworte!“ „Zum letztenmale, Godmaert, ich rathe es Euch: geſtehet Euer Verbrechen, oder wir werden zu Zwang⸗ mitteln ſchreiten.— Noch einmal, ſeid Ihr der That ſchuldig?“ „Nein.“ Nun wurde geſchellt, und zwei große Männer traten mit hinaufgeſtreiften Aermeln in den Saal. „Henker!— auf die Folter!“ rief ihnen der Richter entgegen. Godmaert zitterte an allen Gliedern. Die Folter! dieß Wort tönte ſchrecklich in ſeine Ohren. Bald jedoch verging ſein Schreckgefühl; er erinnerte ſich, wie oft er auf dem Schlachtfeld dem Tod ins Auge geſehen; er dachte daran, daß die Folter, die er jetzt ertragen ſollte, ein Opfer fürs Vaterland ſei, urd daß es für ihn eine Ehrenpflicht, ſeinen Feind Valdèés durch ſeine Standhaf⸗ tigkeit zu beſchämen. Dadurch geſtärkt, raffte er all ſei⸗ nen maäͤnnlichen Muth zuſammen und beſchloß, ohne Kla⸗ gen Alles zu dulden. Während er ſich ſelbſt zur Unter⸗ werfung anfeuerte, wurden die Folterwerkzeuge zubereitet. Einer der Henker ſtieg auf eine Leiter und zog ein Seil durch die Zugrolle, die an der Decke angebracht war. Darunter auf dem Boden legten ſie ein Werkzeug, das aus vie eine M zeugs 2 ſie etw brachte Richter Unterſu gültigke ſelten ſ C * ſetzten Schme welche Armen Werkzer Au Kraft unglück gen, bis angeſpa⸗ mit au Gekreuz Er ſah „N Verbrech Ge ſenkte ſ hkannt ierung galdés' „ daß ſchul⸗ eſetzes, ildigen ke l Euch: wang⸗ That traten Richter Folter! jedoch oft er en; er ſollte, hn eine andhaf⸗ all ſei⸗ ne Kla⸗ Unter⸗ bereitet. in Seil t war. g, das aus vielen Stücken Holz zuſammengefügt war, und woran eine Menge kleiner Schnüre hing. Die Theile dieſes Werk⸗ zeugs konnte man aus einander ziehen. „Fertig, mein Herr!“ ſprachen die Beiden, als ob ſie etwas Gleichgültiges gemacht. Die zwei Bewaffneten brachten den Geuſen auf das Werkzeug zu ſtehen. Die Richter verließen ihre Stühle, und näherten ſich dem zu Unterſuchenden. Auf ihrem Geſicht war nur kalte Gleich⸗ gültigkeit zu leſen, man konnte bemerken, daß ſie nicht ſelten ſolchen Foltern beiwohnten. „Die Stühle herbei!“ rief einer der Richter, und ſie ſetzten ſich alle nieder. Valdéès, um ſich beſſer an Godmaerts Schmerzen weiden zu können, hatte ſich hinter die Stühle geſtellt. In ſeinen Augen las man ängſtliche Neugier; denn für ihn gab es kein köſtlicheres Schauſpiel, als die Folter ſeines Feindes. „Angeſchuldigter,“ fragte der Vorſitzende,„bekennt Ihr Euer Verbrechen? „Ich habe kein Verbrechen begangen.“ „So beginne man!...“ Die Henker machten auf dieſen Befehl die Stricke, welche von der Decke herabhingen, an Godmaerts beiden Armen feſt: ſeine Füße wurden dann gleichfalls an das Werkzeug befeſtigt. Auf ein Zeichen der Richter zogen die Henker mit Kraft an den Stricken. Die Zugrolle ächzte, und der unglückliche Godmaert wurde langſam in die Höhe gezo⸗ gen, bis der Strick, woran ſeine Füße feſtgebunden waren, angeſpannt war. So hing er zwiſchen Himmel und Erde mit auseinandergezogenen Füßen und Armen, wie ein Gekreuzigter— aber kein Seufzer entſloh ſeiner Bruſt. Er ſah ſeine Richter mit Stolz an. „Nun,“ fragte der Vorſitzende,„bekennt Ihr jetzt Euer Verbrechen?“ Godmaert antwortete nicht. Die Hand des Richters ſenkte ſich nieder. Ein ſchwerer Hammerſchlag dröhnte durch den Saal— und Godmaerts Leib wurde einen Zoll„ weiter auseinander gezogen. fragte „Bekennt Ihr?“ fragte der Richter nochmal; und„ noch einen Zoll weiter zog ſich das Werkzeug.„Ihr „Ihr wollt aus Halsſtarrigkeit nicht antworten? So kommt ſeid Ihr ſelbſt an Euren Schmerzen ſchuldig.“ Und durch„ verſchiedene Zeichen und Hammerſchläge hatten ſich die ſterben Gliedmaſſen des Greiſes gefährlich verlängert und die Strie⸗ bewege men ſich in ſeiner Haut eingedrückt.„ „Sprecht Ihr nicht?“— Ein doppelter Hammer⸗ Euer 2 ſchlag machte alle Gelenke des Leidenden krachen. rung z „Laßt ab!“ rief der Vorſitzende.„ „Der Geuſe ſank unmächtig und bewegungslos zu ſchwach Boden. Die Richter ſahen ihn ohne Mitleiden an; ſie Folter. wußten, daß es zu Ende war. gen;— Godmaert wurde von den Henkern auf einen Stuhl Kraft! geſetzt. Sie ſuchten ihn wieder zu beleben. Lange ſchien— dieß unmöglich zu ſein, denn die Gliedmaßen des Leiden⸗„5 den waren durch das grauſame Ziehen kalt und ſteif ge⸗„2 worden. G. „Nun,“ fragte Valdèés,„werdet Ihr ihn verur⸗ dem Ho theilen?“ ten ſie Der Vorſitzende, an welchen dieſe Frage gerichtet rühren wurde, betrachtete ihn mißtrauiſch. eeiner „Herr Valdès,“ ſprach er,„wir vollbringen eine Kneipen ſchwere Pflicht— ſtoͤrt uns nicht wir haben noch nicht mußle f geurtheilt.“. 1 woährend Dieſe Antwort lockte ein fürchterliches Lächeln auf ten fürc Valdès Antlitz. Er betrachtete den unmächtigen Godmaert In mit einem hölliſchen Blicke. Spiegel. „Henker,“ fragte einer der Richter,„kommt er zu ſich Di ſelbſt?“ vielleicht „Nach und nach!“ war die Antwort. Aeußerer Godmaert öffnete endlich ſeine wirren Augen, und be⸗ Vo trachtete mit ſchmerzlichem Ausdruck die Henker, die ihm Tortur zur Labung etwas Wein gaben. Das nen Zoll al; und en? So ad durch ſich die ie Strie⸗ Hammer⸗ gslos zu an; ſie en Stuhl ige ſchien s Leiden⸗ ſteif ge⸗ )n verur⸗ gerichtet ngen eine noch nicht icheln auf Godmaert er zu ſich n, und be⸗ , die ihm „Warum ruft Ihr mich von den Todten zuruͤck?“ fragte er,„iſt mein Leiden zu Ende?“ „Ich glaube es nicht,“ antwortete der Henker leiſe. „Ihr könnt Eure Seele Gott befehlen, denn von hier kommt Ihr nicht lebendig fort.“ „Dann werde ich als Märtyrer für mein Vaterland ſterben,“ ſeufzte der Greis. Er ſuchte ſeine Glieder zu bewegen, doch ſie verſagten ihm den Dienſt. „Nun, Godmaert,“ fragte der Vorſitzende,„wollt Ihr Euer Verbrechen bekennen, um uns Eure fernere Folte⸗ rung zu erſparen?“ 4 „Ich euch etwas bekennen,“ ſprach Godmaert mit ſchwacher Stimme,„nein, ich finde meinen Troſt in der Folter.— Meinen Leib könnt Ihr nach Willkühr peini⸗ gen;— aber mein Geiſt wird ſich immer noch ſo viel Kraft bewahren, um nicht vor dem Tode zu zittern.“ „Ihr geſteht alſo nicht?“ „Nein.“ „Man ſchlage ihn mit dem Rohr.“ Godmaert ließ ſich ruhig entkleiden, und wurde mit dem Hals an einen Pfeiler gebunden. Seine Füße knüpf⸗ ten ſie an einen eiſernen Ring, ſo feſt, daß er ſich nicht rühren konnte. Nun drückte man ſeinen bloßen Leib mit einer großen Menge von geſchlizten Rohren, deren Kneipen das Blut aus ſeiner Haut preßte. Der Schmerz mußte furchtbar ſein, denn Godmaerts Geſicht zuckte fort⸗ während. Sein Antlitz wurde blau und ſeine Augen roll⸗ ten fürchterlich. — dieſem Augenblick ſah Gertrud ihren Vater im Spiegel. Die Richter ſtarrten ſchweigend auf dieſes Schauſpiel; vielleicht fühlten ſie im Innern wohl Mitleiden, in ihrem Aeußeren konnte man es wenigſtens nicht bemerken. Valdeés, der Verräther, fragte, ob dies die größte Tortur ſei.— Und als der Henker ſelbſt antwortete, daß Das Wunderjahr 1566. 6 8² er keine ſchwerere kenne, ärgerte ſich der Sohn der Hölle, weil ſomit die Rache zu Ende war. „Bekennt Ihr nun?“ ſchrie endlich der Richter. Er bekam keine Antwort. Der Geuſe hatte ſeine letzte Kraft verloren, und nach einem dumpfen Seufzer, der aus der Bruſt des Greiſen drang, ſiel ſein Haupt ſchwer auf ſeine Schultern nie⸗ der;— ſeine Arme hingen ſchlaff und kraftlos an den eiſernen Ringen. „Er iſt todt,“ ſprach der Henker erfreut, und raffte ſeine Werkzeuge zuſammen. Gewiß fand der Menſchen⸗ peiniger kein Vergnügen an dieſem Geſchäfte, und ſeine Freude galt dem Ende der traurigen Arbeit. Die Richter ſchienen erſchreckt, als ſie die Folgen der Tortur bemerk⸗ ten; ſie unterſchrieben eilig ein Papier, das ihnen der Schreiber vorlegte und gingen. „Ich bin froh, daß er todt iſt,“ rief der Henker, „nun iſt der Arme doch dem groͤßten Schmerze ent⸗ gangen.“ „Welcher Tortur?“ fragte Valdès neugierig. „Nun,“ antwortete der Henker,„wenn er nicht ge⸗ ſtorben wäre, würde man ihm noch Salzwaſſer über ſeine Wunden gegoſſen haben.“ „Ha!“ knirſchte Valdès;„daß er dieſem entgehen mußte,“ und ging ärgerlich nach Hauſe. Godmaert war nicht todt; denn trotz der ſchrecklich⸗ ſten Foltern, die er ertragen hatte, kam er nach und nach wieder zu ſich. Die Henker, die ſich kaum noch über ſeinen Tod ge⸗ freut, ſuchten ihn nun auf jede Weiſe zu troͤſten. Sie wuſchen ſeine Wunden, labten ihn mit dem übrigen Weine — und brachten ihn endlich wieder in ſein Gefängniß. Der Steenwärter, der den greiſen Geuſen nicht ohne Mitleid anſehen konnte, ließ ihn ohne Bande und hing den eiſernen Gürtel nur an die Wand. Godmaert erhielt ſogar ein Kiſſen, um ſein Haupt, das ihm glühte, ausruhen zu laſſen. verſeng ſchloſſe Nichts deſſen Gefüh C den S 9 genwol und F brach Keizerſ T der no „ das Er ſie mit D und A er Hölle, ſter. Er und nach Greiſen tern nie⸗ 3 an den ind raffte Menſchen⸗ und ſeine ie Richter r bemerk⸗ ihnen der er Henker, eerze ent⸗ g. nicht ge⸗ über ſeine entgehen ſchrecklich⸗ und nach 1 Tod ge⸗ ſten. Sie gen Weine gniß. Der ie Mitleid en eiſernen ſogar ein isruhen zu 83 laſſen.— Er war beinahe ſprachlos; denn ſein Athem verſengte ſeine Lippen. Der Kerker wurde wieder zuge⸗ ſchloſſen und der arme Geuſe blieb allein ohne Troſt. Nichts hatte er, worauf er liegen konnte, als das Stroh, deſſen Spitzen in das bloſe Fleiſch gingen und ihn ſo alles Gefühles beraubten. Godmaert ſchlief endlich; aber welchen Schlaf— den Schlaf der Todten:— doch nicht für ewig. VII. Benedicite persequentibus vos: benedicite et nolite maledicere. Rom. Cap. XII. V. 14. Die Sonne hatte ſich kaum aus den nebligen Mor⸗ genwolken glänzend erhoben. Das Knarren der Thüren und Fenſter, die in der Umgegend geoͤffnet wurden, unter⸗ brach allein die Stille, die noch in der halberleuchteten Keizerſtraet herrſchte. Thereſe war erwacht und ſtand ſchon bei dem Bette, der noch ſchlafenden Gertrud. „Unglückliches Mädchen!“ ſprach ſie,„ſchlafe, ſchlafe! das Erwachen einer Unglücklichen iſt bitter.“ Sie küßte ſie mit mütterlicher Zärtlichkeit. Des Mädchens Wangen hatten ſich wieder geröthet und Alles ſchien anzudeuten, daß ihr Beſuch bei der Zau⸗ berin keine ſchlimmen Folgen haben ſollte. Plötzlich hörte man den Hufſchlag eines Pferdes auf der Straße. „Da iſt er!“ rief Thereſe. Eilends lief ſie hinab— und öffnete die Thüre für den erwarteten Ludwig. „Wie geht es Gertrud?“ fragte er eintretend. „Ordentlich!“ war die Antwort. „Kann ich Godmaert ſprechen?“ „Godmaert!.... Godmaert ſitzt auf dem Steen.“ „Wie, auf dem Steen?“ fragte er erblaſſend. „Ja, ja, Ludwig, auf dem Steen im Gefängniß.“ „Himmel! und Gertrud?“ „Schläft!“ „Warum iſt Godmaert gefangen?“ „Kennt Ihr Valdès, Ludwig?“ „O Valdès!— ich dachte es.“— Er faßte unwil⸗ lig ſeinen Dolch, ließ ihn aber bald wieder ſinken.„The⸗ reſe,“ ſprach er,„ſag' mir doch ſchnell, was geſche⸗ hen iſt?“ Nun ſetzte ſie ihn mit bündigen Worten von allem in Kenntniß, was am Tage zuvor geſchehen war. „Und ſie hat geſagt,“ fügte ſie am Ende hinzu, „daß Eure Stimme allein ſie aus dem Schlafe wecken könne.“ Ludwig weinte bei dieſer Erzählung nicht.„Valdès!“ murmelte er beſtändig zwiſchen den Zähnen und ſah mit bitterem Lächeln auf ſeinen Dolch. „Kommt,“ ſprach Thereſe,„wenn Ihr meine Herrin ſehen wollt.“ Sie brachte ihn damit in Gertruds Zim⸗ mer. Zu anderer Zeit wäre er gewiß nicht hineingegan⸗ gen; aber jetzt dachte er ſelbſt nicht an die Sitte, die ihm ſolches verboten hätte. „Sprecht, Ludwig!“ ſagte Thereſe,„ſprecht, daß ſie wach werde!“ „Ol meine Gertrud!“ ſeufzte er.— Seine Geliebte erwachte bei ſeiner Stimme. „Ludwig!“ rief ſie,„biſt du da?— Du bleibſt lange aus; ja, es iſt lang, ſehr lange her, daß ich Dich nicht geſehen.“ Der Jüngling wunderte ſich über Gertruds Ruhe, und erſchrak, da er an Wolfanghs Erzählung dachte, Helene zitterte 7 „ Ausdre Ludwie Thrän verließ Abtei uns ſe Kerker, darf er wig ve uns he Gertru T 0 Alles tete D daß D — Die im Ge er ſcho 5 in eine 85⁵ b. Helene war durch ihre Leiden wahnſinnig geworden! Er zitterte vor Angſt an allen Gliedern. „Dein Vater! Gertrud, Dein Vater!“ rief er. Steen.“„Mein Vater!“ ſprach das Mädchen mit ſeltſamem n . Ausdruck, ihre Hände vor das Antlitz drückend,„ach, ja! gniß.“" Ludwig, mein unglücklicher Vater,“ und brach in bittere Thränen aus. „Gehe!“ rief ſie,„und warte meiner im Bücherſaal.“ Ludwig ſehend, daß ſeine Furcht ungegründet war, verließ das Zimmer und ging in den Bücherſaal. Nach te unwil⸗ wenigen Augenblicken ſchon erſchien das Mädchen. .„The⸗„Nun, Ludwig,“ fragte das Mädchen weinend,„weißt 3 geſche⸗ Du, was meinem Vater geſchehen?“ 1 „Ja, Gertrud, ich kenne ſein Unglück. O weine on allem nicht mehr, ich werde mir ſelbſt keine Ruhe gönnen, bis ich Godmaerts Freiheit ausgewirkt: ich laufe eilig zu Pa⸗ de hinzu, ter Franziskus...“ fe wecken„Zu allem Unglücke iſt unſer guter Pater nach der Abtei St. Bernhard weggezogen. Die einzige Zuflucht iſt Valdès!“ uns ſo genommen. Mein Vater liegt in einem tiefen ſah mit Kerker, ohne Hoffnung, ohne Troſt und mich, die er ruft,⸗ 1 darf er nicht ſehen!“ ne Herrin„Pater Franziskus nach St. Bernhard!“ ſeufzte Lud⸗ uds Zim⸗ wig verzweifelnd;„o was dann beginnen? Er allein kann deingegan⸗ uns helfen.... Haben unſre Freunde, haſt Du ſelbſt, Sitte, die Gertrud, noch nichts verſucht?“ Das Fräulein blickte Ludwig verwundert an: , daß ſie„Ja, ja!“ rief ſie,„wir haben Alles verſucht:— Alles ohne Frucht,— und ich, o Unglücklicher: ich war⸗ tete Deine Ankunft mit Vertrauen ab, ich durfte denken, daß Du, Ludwig, mich zu meinem Vater bringen werdeſt. Geliebte eibſt lange— Dieſe Hoffnung war alſo auch eitel.— Ich muß ihn Dich nicht im Gefangniß laſſen.— Vielleicht, o Gott, vielleicht iſt er ſchon todt....“ ds Ruhe, Ihre Stimme wurde immer ſchwächer, bis ſie endlich ig dachte, in einen Stuhl zurückſank. 86 Ludwig betrachtete das Mädchen mit wirrem Blicke, und kreuzte die Arme über die Bruſt zuſammen. Das Wort todt machte ihn ſchauern. „Gefoltert, gemartert... blutend, ſterbend...“ ſeufzte Gertrud. Der leidende Junker knirſchte mit den Zähnen. Plötzlich erwachte er und rief mit wilder Stimme: „Du ſollſt ihn wiederſehen, Deinen Vater, Gertrud, ich ſchwöre es Dir bei meiner Ehre, ich ſchwöre es Dir! Du ſollſt ihn ſehen, noch ehe es Abend wird, oder nie, nie erſcheine ich wieder in Deiner Gegenwart....“ Das Mädchen ſprang bleich und bebend zu Ludwig; ſie ſah ihm ängſtlich in's Auge und faltete bebend ihre Hände: „Ludwig,“ rief ſie,„welch' ſchrecklichen Eid, ſchwörſt Du da! Kannſt Du meinen Schmerz nicht mildern, ſtatt ihn zu vergrößern? Ich habe dieſen Eid nicht von Dir verlangt. Nun muß ich meinen Vater oder Dich verlie⸗ ren... Alles iſt gegen mich, ſelbſt mein Geliebter; o Himmel, bin ich nicht unglücklich genug?“ Der Junker horchte nicht auf dieſe Worte; ſeine Augen ſtarrten feſt und bewegungslos, und als ob er mit ſich ſelbſt ſpräche, rief er: „Wohlan, es muß ſein.... das Blut des Verrä⸗ thers färbe meine Hand. Er ſterbe eines grauſamen To⸗ des; er, der uns das Leben ſo verbittert.“ Und ſich an ſeinem Degen weidend, fügte er hinzu: „Ich hatte Dich meinem Vaterlande geweiht, Degen meines Vaters.... Das Blut eines Betrügers ſoll Dich beſchmutzen.“ Während Ludwig dieſe Worte ſprach, lag Gertrud be⸗ wußtlos in einem Stuhl: ihr Haupt hing matt und bleich über die Lehne und wären ihr nicht unaufhörlich Thränen über die Wangen gerollt, man hätte ſie für eine Leiche halten können. Die irren Blicke Ludwigs fielen endlich auf das unmächtige Mädchen. Er näherte ſich ihr eiligen Schritte trachtet ging ti Er litt Hand u A S und ſeu „S mein V ſtrahlte Thränen D' langſan flog ei Jubel. W bernem glücklich die ein auf ſein Prieſter wigs H Er zurück. 2 welch' / ſenheit ſeid, ke hat Er Blicke, . Das 1 2...9 1. mme: Gertrud, es Dir! nie, nie Ludwig; nd ihre ſchwörſt n, ſtatt von Dir verlie⸗ ebter; o 3 ſeine er mit Verrä⸗ nen To⸗ hinzu: Degen oll Dich trud be⸗ bleich Thränen e Leiche endlich eiligen 87 Schrittes, faßte eine ihrer Hande in die ſeine und be⸗ trachtete ſie ohne ein Wort zu ſprechen. Sein Athem ging tief und ſchwer, ſeine Bruſt wogte auf und nieder. Er litt ſchreckliche Qualen. Endlich drückte er Gertruds Hand und rief: „Gertrud! Gertrud!“ Sie warf einen trüben, durchbohrenden Blick auf ihn und ſeufzte. „Laß mich ſterben! Ludwig, laß mich ſterben!.... mein Vater gefoltert, Du ein Mörder,— o Gott, ich muß ſterben..... In dieſem Augenblick hielt ein Wagen vor dem Hauſe. Die zwei Liebenden ſahen einander mit ſeltſamem Ausdruck an.— Kommt Godmaert zurück?... Dieſe Frage ſtrahlte aus ihren Augen. Gertrud erhebt ſich und ihre Thränen verſiegen.... Die Thüre des Saales öffnet ſich; ein Mann tritt langſam ein...— Und aus Gertruds, aus Ludwigs Bruſt flog ein Freudenſchrei; das Zimmer wiederhallte von ihrem Jubel. Welch' rührendes Schauſpiel! Ein Prieſter mit ſil⸗ bernem Scheitel ſteht in der Mitte des Saales; zwei Un⸗ glückliche hängen an ſeinem Halſe, gleich Schiffbrüchigen, die ein rettend Holz umfangen; Thränen der Freude rollen auf ſein Gewand: kein Wort ließ ſich hören.... Der Prieſter blickt zum Himmel, er legt ſeine Hand auf Lud⸗ wigs Haupt. Endlich ergriff er ihre Hände und wehrte ſie ſanft zurück. Er betrachtete ſie abwechslungsweiſe und ſprach: „Meine geliebten, meine unglücklichen Kinder, ich weiß, welch' Unglück Euch betroffen....“ „O Vater!“ rief Gertrud,„wir haben Eure Abwe⸗ ſenheit ſo bitter betrauert;— aber jetzt, nun Ihr mit uns ſeid, kehrt die Hoffnung wieder bei uns ein.— Gott ſelbſt hat Euch in dieſem Augenblick geſendet!“ „Ich habe die Aufhebung Eures Vaters zu St. Bern⸗ 88 hard vernommen. Kann Euer guter Vater, wie ihr ihn„„8 nennt, Euch in dieſem Augenblicke allein laſſen? Nein. Ludwig Ich habe den Wagen meines Abtes erhalten und bin in„] einer Fahrt bis vor die Wohnung des Hauptrichters druck, geeilt.“ Acht ar „Ah!“ ſeufzte Gertrud. boͤſe G „Wir müſſen noch etwas Geduld haben, meine Kin⸗ es Dir der. Der Hauptrichter iſt nach Brüſſel und kommt erſt unvorſie vieſen Abend zuruck. Seid indeſſen getroſt, ich werde iſt? u Euren Vater beſuchen.“ Geſchoͤp Gertrud faltete bittend die Hände und rief: Seligm „O guter Vater laßt mich mit Euch gehen.“ lieben g „Es kann nicht ſein; Du weißt es vielleicht, daß lieferſt Befehl da iſt, Niemanden zu ihm zu laſſen; ich allein ſtürzeſt mache eine Ausnahme, da ich ſein Beichtvater bin. Gib Deines mir Etwas zu eſſen, die Reiſe hat mich ſehr erſchöpft, da alle Si ich noch nüchtern bin. Binnen einer Stunde bin ich bei Er Deinem Vater und bleibe bei ihm bis zu Abend.“ Schilde „O was ſeid Ihr gut!“ rief ſie.„Ihr werdet meinen bat mit Vater tröſten. Die Worte unſeres Herrn werden ihm ein De 1 ſüßer Balſam ſein.“ derem 2 Auf Gertruds Ruf kam Thereſe in den Saal, und„ empfing von ihrer Herrin den Befehl, dem Prieſter ein liebe D gutes Frühſtück zu bereiten. Während dieſer Zeit näherte denn de ſich Ludwig dem Pater und ſprach: von Un „Guter Vater, ich habe mich einer großen Sünde Th ſchuldig gemacht... ich wollte meine Hände in das Friſhſtüc Blut meines Nächſten tauchen. Ich wollte einen Mord woollte g begehen... in der Raſerei!...“„ Inzwiſchen war Gertrud wieder herbeigekommen; ſie zugehen ftel Ludwig in die Rede: Abend ſ „Ja,“ ſprach ſie,„ſeht guter Vater, Ludwig wollte aausführ Baldès ermorden.— Valdèés, der meinen Vater ins De Gefängniß werfen ließ;— der Spanier iſt ein ſchlechter vwortete; Menſch.„3 ihr ihn Nein. bin in trichters ne Kin⸗ mt erſt werde t, daß h allein n. Gib öpft, da ich bei meinen ihm ein al, und eſter ein näherte Sünde in das Mord en; ſie wollte er ins hlechter „O ich war durch Gertruds Leiden verirrt!“ fügte Ludwig hinzu. „Mein Sohn,“ ſprach der Prieſter mit ſtrengem Aus⸗ druck,„Dein Herz iſt voll weltlicher Leidenſchaften. Habe Acht auf Dich, denn durch dieſe Gefühle ſucht Dich der boͤſe Geiſt in ſeine Gewalt zu bekommen.— Ich habe es Dir ſchon öfter geſagt— Du biſt aufbrauſend und unvorſichtig.— Töoödten! Weißt Du, mein Sohn, was es iſt? Um Dich perſoͤnlich zu rächen, vernichteſt Du ein Geſchöpf Deines Gottes— Deinen Nächſten, den Dein Seligmacher durch das Erhebendſte ſeiner Gebote Dir zu lieben gebeut. Du vergießeſt das Blut eines Bruders! Du lieferſt ihn in die Hand des Teufels, ohne Beichte,— und ſtürzeſt ihn in die Hölle, ihn, der, vielleicht noch der Freund Deines Gottes und der Deinige werden kann. Denn für alle Sünde gibt es Vergebung bei dem Herrn....“ Er hoͤrte auf zu ſprechen, denn Ludwig, durch dieſe Schilderung gerührt, ſtand betroffen vor ihm und Gertrud bat mit traurigen Blicken um Verſchonung. Der Prieſter ergriff Ludwigs Hand und fuhr in mil⸗ derem Tone fort: „Glaube und Reue können Dich retten, Ludwig; ich liebe Dich wie zuvor; Du bleibſt mein theuerer Sohn... denn dein Herz, obwohl wild und ungeſtüm, iſt noch nicht von Untugend beſchmutzt...“ Thereſe kündigte in dieſem Augenblicke an, daß das Frühſtück in dem Speiſeſaal bereit ſtehe, der Prieſter wollte gehen, aber Gertrud hielt ihn zurück und fragte: „Pater Franziskus, Ludwig hat mir verſprochen, aus⸗ zugehen, um zu ſehen, ob er meinen Vater nicht noch vor Abend ſprechen könne. Findet Ihr gut, daß er es noch ausführe?“ Der Prieſter bedachte ſich einen Augenblick und ant⸗ wortete: „Ich glaube nicht, daß es ihm glücken wird, meine 90 Tochter; doch wäre es möglich.“ Er wandte ſich nach Ludwig um uud ſprach: „Geh' mein Sohn, der Verſuch, obwohl wahrſchein⸗ lich fruchtlos, wird Dich etwas zerſtreuen. Aber ſeie vorſichtig; Alles gährt in dieſer Zeit... keinen Haß, keinen Zorn!“ Ludwig nahm dankbar Abſchied und verließ das Zimmer. Der Prieſter und Gertrud begahen ſich nach dem Speiſeſaal. Als Ludwig ſeine Gertrud verließ, eilte er mit haſtigen Schritten zu dem Steen und verſuchte Alles zu Godmaert zu kommen, aber der Steenwärter erlaubte es nicht. Der Jüngling bat, drohte, bot Haufen Geldes, doch Alles ver⸗ gebens. Da der Gefangenwärter ein geſprächiger Mann war, ſo antwortete er auf alle Fragen Ludwigs und er⸗ zählte ihm genau Alles, was mit Godmaert auf der Folter geſchehen. Verzweifelnd verließ der Jüngling den Steen und begab ſich zu den Geuſen, die er zwei Tage zuvor bei Mutter Schrikkel geſehen. Alle waren, wie er aufs Aeu⸗ ßerſte erſchreckt durch das Geſchehene, Alle hatten verſucht, zu Godmaert zu kommen; doch keinem war es geglückt. In ihrer Erbitterung ſahen ſie kein anderes Mittel, als die Beſchleunigung des Aufruhrs. Zu dieſem Ende liefen ſie bei ihren Freunden umher und ſuchten das Volk aufzu⸗ reizen. An allen Oueerſtraßen ſtanden Haufen Volks. „Es leben die Geuſen!“ erſcholl es durch die ganze Stadt; und wenn dann eine Truppe Krieger kam, lief das Volk in andere Straßen, um dort mit neuer Kraft zu ſchreien. Ludwig wanderte ängſtlich durch das zuſammenge⸗ rottete Volk und begab ſich langſam und traurig nach van Halens Wohnung. An der Koepoortbrücke kam ein Mann in weißem Mantel ſtracks auf ihn zu. „Ludwig!“ ſprach er,„was gibt's Neues?“ L „„ beträtet Habt 3 2₰ erduldet G unter de und ſeir / Straßer Lu⸗ nicht an liegt ne dieſer T Jemand Euch, u Ludwig, auf das A 7/4 Gott!“ kommen ob ich bekomm 0 7 iſch nach hrſchein⸗ ber ſeie en Haß, ieß das ich dem haſtigen odmaert pt. Der Ules ver⸗ r Mann und er⸗ r Folter n Steen uvor bei fs Aeu⸗ verſucht, geglückt. als die liefen ſie k aufzu⸗ Volks. Stadt; ief das Kraft zu nmenge⸗ nach van n Mann „O Schuermans!“ rief Ludwig,„mich dünkt, Ihr beträtet gerne unbekannt die Straßen!“ „St! Junker, ich weiß warum. Nennt mich nicht.— Habt Ihr Godmaert geſehen. „Nein, ich darf nicht zu ihm. Wißt Ihr, was er erduldet hat?“ „Ja ich weiß es. Die Böſewichter und Blutſauger! ſie glauben, ein Geuſe dürfe ſich nicht rächen.“ „Sie haben ihm beinahe das Leben genommen!“ „Wißt Ihr, Junker, wer das gethan?“ „Ja, Valdés!“ „Als ich dieß erfuhr, machte ich mich auf den Weg und es iſt bereits all— Valdes iſt todt!“ „Todt 2... „Seht, Ludwig, da iſt ſein Leben!“ und die Hand unter dem Mantel hervorſtreckend, zeigte er ihm dieſelbe und ſeinen Dolch roth von Blut. „Wißt Ihr nun, warum ich unbekannt durch die Straßen laufe!“ Ludwig erblaßte bei dem Anblicke des Blutes; da er nicht antwortete, fuhr Schuermans fort:„Sein Leichnam liegt noch auf dem Geldenberg, Ludwig; bald wird von dieſer That geſprochen werden. Ich glaube nicht, daß mich Jemand erkannte: doch um ſicher zu gehen, verlaſſe ich Euch, um mich von dem Blute zu reinigen.— Morgen, Ludwig, morgen die große Rache! Seht!“ rief er und zeigte auf das Volk. „Morgen,“ ſeufzte Ludwig trauriz,„morgen, o mein Gott!“ Er beugte das Haupt und dachte an das, was kommen ſollte. „Wo geht Ihr hin?“ fragte Schuermans. „Ich gedachte van Halen zu beſuchen, um zu ſehen, ob ich nicht durch ſeinen Einfluß Zugang zu Godmaert bekommen kann.“ „Ich glaube nicht, daß es Euch etwas nützt, Ludwig; 92² denn van Halen hat von dem Prinzen von Oranien nichts „ ausgewirkt.“ und ge „Sagt, Schuermans, wenn ich ſelbſt zu dem Prinzen 9 ginge?“ wird n „Ihr würdet zu ſpät kommen, denn er iſt ſo eben D nach Brüſſel.“ den Tu „Was ſoll ich thun?“ Tone: „Ja, das weiß ich nicht, Junker. Euch bereit halten, 7 um die Spanier aus der Stadt zu verjagen. Dann ver⸗ gangen geßt auch nicht, daß heute Nacht um zwolf Uhr eine Ver⸗ mit Ge ſammlung bei Mutter Schrikkel ſein wird. Man wird ſich weiß, über die Gefangenſchaft Godmaerts berathen.— Ihr Er wir kommt doch, nicht wahr?“ iſt beſſe „Ja.“ „Auf Wiederſehen.“ hoffen Schuermans ſchritt durch das Koethor und wandte 83 ſich nach ſeiner Wohnung in dem Klapdorp, Ludwig ging das N nebenhin in die Minderbroedersrui und begab ſich nach der„, Keizerſtraet. das? Sobald er in den Bücherſaal trat und ſeiner Gertrud zahlreie nahte, lachte ihm dieſe fröhlich entgegen. ſehen, „Nun, Ludwig!“ rief ſie,„ſoll ich meine Kapuze um⸗ es einer hängen?“„ „Nein, ſie waren unerbittlich;“ antwortete er. werden, Ein langer Seufzer war des Mädchens Erwiederung. weißt r „Warum verzweifelſt Du, Gertrud? Hat Pater Fran⸗ 55 ziskus uns nicht verſprochen, dieſen Abend zum Hauptrichter„6 zu gehen? Und leicht bekommt er jetzt für uns Erlaubniß, der Abg denn Valdes iſt todt.“ Unſerer „Todt?“ rief das Mädchen, während ſie Ludwig mit„ Angſt und Schrecken anſah,„todt!“„D „Ja, aber Deine Furcht iſt ungegründet, Gertrud. geſtern, Nicht Ludwig hat ſein Blut vergoſſen.“ ligen at .„Ah....“ ſeufzte das Madchen freudig auf, als morgen ob ihr Herz von einem ſchweren Stein befreit würde. O Ger die hei mnichts Prinzen ſo eben halten, nn ver⸗ ne Ver⸗ ird ſich — Ihr wandte ig ging lach der Gertrud aze um⸗ derung. r Fran⸗ btrichter aubniß, vig mit Bertrud. uf, als de. 93 „Schuermans hat ihn ermordet, ehe ich ihn geſprochen und geſehen; glaube es mir, Gertrud.“ „Ha! Valdés iſt todt!“ rief das Mädchen,„dann wird mein Vater bald befreit ſein.“ Doch plötzlich erröthete ſie, ſich der Freude über den Tod ihres Feindes ſchämend und ſagte in ſanſtem Tone: „Pater Franziskus iſt ſo eben nach dem Steen ge⸗ gangen und iſt jetzt wohl ſchon bei dem Vater. Ich werde mit Geduld ſeine Rückkehr abwarten, Ludwig; denn ich weiß, daß nun mein Vater nicht mehr ſo unglücklich iſt. Er wird ihn tröſten und wenn ihn etwas retten kann, wer iſt beſſer und mächtiger als Pater Franziskus?“ „Du haſt Recht, Gertrud, laß uns ruhig ſein, und hoffen wir auf die Barmherzigkeit des Herrn.“ Nach einem Augenblicke des Stillſchweigens ſagte das Mädchen: „Aber ſage mir, Ludwig, was geſchieht? Was ſoll das? Ich habe da eben vor dem Fenſter geſtanden und zahlreiche Haufen Gewaffneter durch die Straßen laufen ſehen, ſie riefen beſtändig: Es leben die Geuſen! Gibt es einen Kampf?⸗ „Nein, Gertrud, aber morgen wird Blut vergoſſen werden, morgen ſollen die Schandthaten beginnen. O Du weißt nicht, welch' ſchreckliche Zeitung ich vernommen....“ „Welche denn? „Schrecklich, Gertrud, ſchrecklich. Hermann Stuyck, der Abgefallene, der Erzketzer, predigt morgen in der Kirche Unſererliebenfrauen!“ „Wie, was ſagſt Du, Ludwig, es kann nicht ſein?“ „Nicht ſein? Wer ſollte ihn hindern? Er hat geſtern, nach einer Predigt, in der er Gott und die Hei⸗ ligen auf das Schandlichſte geläſtert, verkündigt, daß er morgen um neun Uhr in der Hauptkirche predigen werde. O Gertrud, dann wird Läſterung und Blasphemie durch die heiligen Räume ertönen; der fremde Poͤbel und die 94 frechen Weiber werden ihre liederlichen Lieder vor dem daß ſie Altar ſingen.“ wollen Verwundert und niedergeſchlagen ſaß Gertrud vor„ dem Junker und ſah ihn mit ſtarren Augen an. Sie hatte laſſen, ihre Hände gefaltet und ſchwieg, obwohl Ludwig zu ſprechen wegneh aufgehört hatte. Endlich fuhr er fort: Meuter „Morgen, morgen werden ſie die hölliſchen Spott⸗„S namen, die ihnen der Teufel ſelbſt eingegeben, der unbe⸗ habe it fleckten Mutter in's Antlitz ſpucken. Du weißt nicht, Ger⸗ ſeine F trud, wie ſie die Jungfrau Maria nennen! Aber ich ich in werde Dir's nicht ſagen— lieber ſtürbe ich eines unglück⸗ durch u lichen Todes, als die entehrenden Worte zu wiederholen!“ kniet. „Fürchten denn die Böſewichter nicht, daß das Feuer mir ſch des Himmels ſie verſchlinge,“ rief Gertrud entrüſtet.„2 „Sie ſind vernarbt in ihrer Bosheit. Sie mißbrau⸗ bis mo⸗ 5 chen die Barmherzigkeit Deſſen, den ſie höhnen. Ich weiß S nicht, welche Verbrechen der morgende Tag beſcheinen Ludwige wird. Aber mit Bangigkeit erwarte ich ſein Grauen.“ nungsor „Sollteſt Du mehr als die Entheiligung der Kir⸗ W chen fürchten? Iſt dieß nicht ein unerhörtes ſchändliches ſchah ir Verbrechen?“ liches. „Ja der Gedanke allein macht ſchon zittern und be⸗ Es ben, aber wenn es den Ketzern glückt, wird es dabei nicht Umfang bleiben.— Dann werden ſie die Abzeichen unſerer Re⸗ tief un ligion zernichten, die Bilder Gottes und aller Heiligen, es ſehr 6 zerbrechen und verbrennen; und wir werden vergebens nach den Qu den Erinnerungen ſuchen.“ In Gertrud ſtand auf, ergriff Ludwigs Hand und führte eine Lar ihn vor das Fenſter. Sie zeigte mit der Hand nach der ddie gehe gegenüberſtehenden Mauer und ſprach: eerleuchte „Sieh', ſieh', Deine Furcht iſt nicht ungegründet, die ſich Während Deiner Abweſenheit ſind ſchlechte Leute vorüber⸗ ſcheiden gekommen und haben die heilige Mutter verhöhnt und be⸗ haängend droht— nun iſt ihr ſchon eine Hand abgeworfen. Siehſt In Du das rothe Zeichen davon nicht?— Ich will nicht, Stroh vor dem rud vor Sie hatte ſprechen Spott⸗ er unbe⸗ ht, Ger⸗ Aber ich unglück⸗ rholen!“ 1s Feuer tet. nißbrau⸗ Ich weiß eſcheinen uen.“ der Kir⸗ indliches und be⸗ bei nicht erer Re⸗ Heiligen, ens nach d führte nach der -gründet. vorüber⸗ und be⸗ . Siehſt ill nicht, daß ſie es länger verhoͤhnen; wir haben es aufgeſtellt und wollen es daher wegnehmen.“ „Wir müſſen das bis auf die Nacht ausgeſetzt ſein laſſen, Gertrud. Denn ein Bild in dieſem Augenblicke wegnehmen, wäre vielleicht ein Zeichen zum Beginne von Meutereien.“ „O Ludwig, wenn ſie es nur nicht zerſtören. Ich habe ihm ſchon aus der Wiege, als ich noch nicht mal ſeine Formen unterſcheiden konnte, zugelacht.— Und als ich in meinen Kinderjahren die erſten Gedanken von Gott durch meine Mutter empfing, habe ich vor dem Bilde ge⸗ kniet. Ich bin unter ſeinem Schutze geboren und es wäre mir ſchmerzlich, es in meinen alten Tagen nicht zu ſehen.“ „Nein, Gertrud, ſie ſollen es nicht zerſtoͤren, denn bis morgen iſt es in Deiner Kammer.“ So ſprachen ſie noch lange. Gertrud ſchien durch Ludwigs Gegenwart beruhigt; und beide erwarteten hoff⸗ nungsvoll die Zurückkunft des Pater Franziskus. Während die Beiden einander zu tröſten ſuchten, ge⸗ lh in einem der tiefſten Gemächer des Steen etwas Feier⸗ liches. Es war dies Gefängniß ein Gemach von geringem Umfang und führte deßhalb den Namen Mördergrube; tief unter der Erde und von aller Luft abgeſperrt, war es ſehr feucht und kalt; mancher Verbrecher hatte da nach den Qualen der Tortur ſeinen Geiſt aufgegeben. In einer Ecke dieſes ſchrecklichen Gefängniſſes brannte eine Lampe, die am Boden auf einen Stein geſetzt war; die geheimnißvollen Strahlen, welche dieſelbe verbreitete, erleuchteten den Kerker nicht, ließen aber die Gegenſtände, die ſich darin befanden, an dem ſchwarzen Schatten unter⸗ ſcheiden: zwei Pfähle mit eiſernen Halsbändern und herab⸗ hängenden Ketten. In der Tiefe dieſes Kerkers lag Godmaert auf etwas Stroh ausgeſtreckt, ſein Körper war umwunden mit blu⸗ tigen Tüchern; ſein Haupt ruhte auf einem Kiſſen, das 96 ihm der Steenwärter aus Mitleid geſchenkt. Neben ihm ſaß ein großer Mann, der eine ſeiner Hände feſthielt. An der Kleidung, die ſich an der Mauer abſchattete, und an ſeinem ſilberweißen Haar, das ſeinen Scheitel um⸗ kränzte, erkannte man den Pater Franziskus. Lange ſchon ſchwieg der Prieſter und ſchien auf eine Antwort von Godmaert zu warten. Endlich ſagte er mit dumpfer Stimme: „Godmaert, mein Bruder, ich wiederhole es Euch: Vielleicht ruft Euch der Herr von der Erde; vielleicht müßt Ihr ſterben.— Ihr werdet vor Gottes Richterſtuhl erſcheinen. Wollt Ihr die Welt verlaſſen, ohne Reue, ohne Vergebug“ „Nein, nein, Vater, ich werde nicht ſterben. Ich will leben, um mein Vaterland und mich zu rächen. Ihr Blut ſoll ſtroͤmen, wie das meinige gefloſſen....“ „Das Fieber ſpricht aus Euch. An wem wollt Ihr Euch denn rächen?“ „An wem 2“ rief Godmaert außer ſich,„an unſeren Unterdrückern, an Denen, die mein Vaterland zu einem Blutbad machen, an Denen, die Unſchuldigen wie mir, durch Foltern die Seele aus dem Leibe reißen; an den Spa⸗ niern, die glauben, ſie können das Haupt der Niederländer ungeſtraft mit Füßen treten.“ „Mein Sohn, mein Sohn, Ihr habt Euch von den Feinden unſerer Religion und Euerm eigenen Hochmuth verführen laſſen. Ihr werdet finden, wie ſehr Ihr betro⸗ gen ſeid.“ℳ „Ich weiß, Vater, daß es Euere Pflicht iſt, mir Ge⸗ duld anzuempfehlen, auch bin ich Euch dankbar für Euern guten Troſt.— Aber meine Anſichten kann nichts ändern. Ich weiß, daß man unſer Vaterland drückt, daß man uns langſam in Feſſeln ſchlagen will, und müßte ich auf der Folter ſtehen, müßte ich ſterben, ſo würde ich die ver⸗ haßten Spanier noch verfluchen und vermaledeien bis in Ewigkeit.ℳ Do hob die vermale „U wa unſe Namen werfen? Einiger Herz ſo „A ich dem kämpfter „A „J Godmae „G „Mein. Vater. aufleben 2, an Stimme „N Ich füͤhl landes iſ „W Euch.— die That men die meine S Tages, des Vate Brüſſel. Munde d Friede w Das ben ihm feſthielt. ete, und tel um⸗ auf eine e er mit 6 Euch: vielleicht hterſtuhl e Reue, unſeren zu einem vie mir, en Spa⸗ derländer von den ochmuth ör betro⸗ mir Ge⸗ r Euern ändern. aß man ich auf die ver⸗ e bis in 97 Der Prieſter ließ Godmaerts Hand niederſinken und hob die Arme in die Höhe:„Ihr verflucht den Nächſten, vermaledeit den Unſchuldigen.“ „Unſchuldigen,“ rief Godmaert,„iſt Valdés auch et⸗ wa unſchuldig? Sind die etwa unſchuldig, die uns den Namen der Niederländer als Schimpfwort in's Antlitz werfen?“ „Nein, ſie thun Unrecht, Godmaert. Aber gibt es nicht auch unter den Belgiern Schuldige. Und wegen Einiger flucht Ihr Allen! O ich dachte nicht, Euer Herz ſo verdorben zu finden.“ „Auf dieſem Bette, am Schluſſe meiues Lebens, bleibe ich dem Spruche meiner Vorfahren getreu. Immer be⸗ kämpften ſie fremde Beherrſcher und riefen, wie ich rufe: „Alles, Alles für das Vaterland!“ „Ihr habt den Spruch Euerer Vorväter vergeſſen, Godmaert. Sie riefen: Alles für Gott und Vaterland.“ „Gott, welch ſchreckliche Schmerzen!“ ſtammelte er. „Mein Herz iſt gebrochen.... Franziskus, mein guter Vater... hal es iſt gethan... ich fühle mich neu aufleben.... der Schmerz iſt vorüber!“ „Um Gottes willen!“ rief der Prieſter mit bittender Stimme,„ſchwört Euere Rachſucht ab.“ „Meine Stunde iſt noch nicht gekommen, Vater. Ich fühle, mein Haß gegen die Feinde meines Vater⸗ landes iſt ewig und unveränderlich.“ „Wie, Godmaert, mein Wort vermag nichts über Euch.— Wollt Ihr mich zu Ende hören? Ich werde die Thatſachen ſprechen laſſen. Unterſuchen wir zuſam⸗ men die Gründe Eures ungerechten Haſſes. Horcht auf meine Stimme. Erinnert Euch des großen, des traurigen Tages, an welchem Kaiſer Karl, Euer Wohlthäter und des Vaterlandes Ruhm, der Krone entſagte. Es war zu Brüſſel. Ihr waret dort und habt mit mir aus ſeinem Munde dieſe Worte gehört: Meine Niederländer, der Friede wohne unter Euch. Seid einig und gehorchet dem Das Wunderjahr 1566. 7 Geſetze, wie man es ſchuldig. Aber vor Allem, wenn Ihr glücklich ſein wollt, haltet die Ketzerei von Euerem Boden fern, und wenn Ihr ſehet, daß die verderbliche Saat unter Euch Wurzel faſſen will, reißt ſie aus,— vertilgt ſie. Denn ſie richtet Euer Vaterland zu Grunde... Ihr und viele Andere haben dieſe Worte gehori, Godmaert! Ihr und viele Andere habt ſie bekräftigt durch Thränen der Rührung und nun, wie bald war alles Das vergeſſen. Kaum war der Kaiſer fort, als Ihr Euch in Herrſchſucht vereinigt; Ihr habt die Statthalterin mit Bitten über⸗ fallen, die die Ketzer begünſtigen, und als ſie abgeſchla⸗ gen worden, habt Ihr gerufen, das Land werde gedrückt; alle Maßregeln, die man ergriff, das Eindringen einer neuen Lehre zu hindern, habt Ihr verflucht und ihnen ent⸗ gegengewirkt. Ihr habt das Volk gegen ſeinen Fürſten aufgereizt; Ihr habt ausgeſprengt, man wolle die Inqui⸗ ſition in den Niederlanden einführen, und dieſe Nachricht war falſch; Ihr wißt es. Die Tortur, welche ſeit undenklichen Zeiten und unter allen Herrſchern Niederlands beſtund, habt Ihr für die ſpaniſche Inquiſition ausgegeben: Ihr habt Euere Mitbürger betrogen. Ihr habt ſie glauben ge⸗ macht, man wolle Euere Freiheiten nehmen, weil man Euch neue und ſchädliche nicht zugeſtanden. Ihr habt Euch mit ehrgeizigen Edelleuten verbunden und habt es gewagt, Religionsfreiheit in den Niederlanden zu verlan⸗ gen, in einem Lande, wo Alles nur einen Glauben hat. Was ſoll dieß? Es war der Ruf, mit dem Ihr alle Ketzer von Frankreich und Deutſchland herbeigelockt. Sie ſind gekommen, die Geſandten des Teufels; ſie haben die alte Religion Belgiens in ſeinen Grundfeſten erzittern ge⸗ macht; ſie ſtürzen die Säulen der wahren Kirche, und Ihr, Ihr, Godmaert, ſeid es, der ihnen das Beil in die Hand gibt.— Und das nennt Ihr Vaterlandsliebe und Freiheit! Iſt der Gottesdienſt Euerer Väter Euch denn Tyrannei? Sucht Ihr denn Euern Ruhm im Kampfe gegen die Vertheidiger der leidenden Kirche? O ſagt mir, daß C Herrn wortet 5 beugte und g. gefalte 2 Godm es in Thrän len.„ ich kon ſeiner C Arme wurde Bruſt lich da blieben thaten Bald mit ſeinen ſtumme N maert „ 3 Thräne ſagt, drungen , n bitte C wenn Euerem erbliche us,— de.. dmaert! Thränen ergeſſen. ſchſucht n über⸗ geſchla⸗ edrückt; en einer nen ent⸗ Fürſten Inqui⸗ icht war enklichen beſtund, en: Ihr uben ge⸗ deil man ihr habt habt es verlan⸗ ben hat. Ihr alle kt. Sie aben die ttern ge⸗ he, und il in die liebe und ich denn Kampfe ſagt mir, 99 daß Euere Sünde Euch leid; bittet um Gnade bei dem Herrn, den Ihr erzürnt... Sprecht Godmaert, o ant⸗ wortet mir, als ein Bruder, den ich ſo ſehr liebe...“ Der Prieſter ſchwieg, endlich ſchrie er laut auf und beugte ſich über ſeinen Freund.— Godmaert lag bleich und gefühllos auf ſeinem Stroh, ſeine zwei Hände waren gefaltet und lagen gekrümmt über ſeinem Herzen. Bebend und erſchrocken warf der Prieſter ſich bei Godmaert nieder, legte ſeine Hand unter ſein Haupt, hob es in die Höhe, bis der Schein der Lampe auf ihn fiel. „Todt, todt!?2“ rief er laut, während ein Strom von Thränen aus ſeinen Augen auf Godmaerts Wangen ſie⸗ len.„Todt!... Mein Buſenfreund, mein Bruder! Und ich konnte ihn nicht retten! Der barmherzige Jeſus ſei ſeiner Seele gnädig!“ Er ließ Godmaerts Haupt niederſinken, hob ſeine Arme gen Himmel und flehte lange zu Gott. Plötzlich wurde er durch einen Seußzer geſtoͤrt, der aus Godmaerts Bruſt zu kommen ſchien. Der Prieſter betrachtete ängſt⸗ lich das Geſicht Godmaerts; die Augen ſeines Freundes blieben geſchloſſen, aber nichts verwirklichte ſeine Hoffnung. Endlich öffneten ſich Godmaerts Hände, ſeine Augen thaten ſich auf und er blickte den Prieſter ſtumm an. Bald erhob er langſam einen ſeiner Arme, und zog da⸗ mit Pater Franziskus an ſich. Er berührte mit ſeinen kalten Lippen den Prieſter und küßte ihn. Der ſtumme Kuß ſchien ihm Godmaerts Reue auszudrücken. Nach wenigen Augenblicken war das Leben in God⸗ maert zurückgekehrt. „Guter Vater!“ war ſein erſtes Wort. „Armer Godmaert!“ antwortete der Prieſter, mit Thränen auf den Wangen,„habt Ihr gehört, was ich ge⸗ ſagt, iſt meine Stimme diesmal zu Eurem Herzen ge⸗ drungen?“ „Ich habe Alles gehört, Vater. Ich habe geirrt und bitte Gott um Gnade!“ 100 Der Prieſter rief vor Freude außer ſich: „Gerettet, gerettet. O Godmaert, mein geliebter Bruder, nun könnt Ihr ſterben, wenn Euch der Herr ge⸗ rufen hat, Euer Leben war rein von allen Miſſethaten. Eure Seele darf nun mit Vertrauen vor dem Richter erſcheinen— und hoffen wir es, Freund, einſt ſehen wir einander wieder in Gottes Schooße.“ Unter ſolchen Worten bemerkte der Prieſter mit Freude, daß ſein Freund immer mehr an Kräften zunahm und endlich wieder ganz erſtarkte. Sie ſprachen nun von Gertrud und Ludwig.— Godmaert empfing demüthigen Herzens die Ermahnungen des Prieſters. Nach Verlauf einiger Stunden ſtand der Prieſter auf und klopfte zu wiederholten Malen an die Thüre des Kerkers. Bald wurde dieſelbe von dem Gefangenwärter geſchloſſen. „Welche Stunde iſt es?“ fragte Pater Franziskus. „Beinahe neun Uhr,“ war die Antwort. „Koͤnnt Ihr niemand zu dem Gefangenen kommen laſſen?— Er iſt ſo krank— und ich muß ihn verlaſſen.“ „Ja, Pater, ich werde meinen Knecht rufen.“ Der Gefangenwärter verließ den Kerker und ſchloß die Thüre. „Habt Muth, mein Freund,“ ſprach der Prieſter zu Godmaert. Ich gehe zu dem Oberrichter, der nun von Brüſſel zuruck ſein muß.— Ich werde verſuchen, Euer Loos etwas zu erleichtern;— und in einer Stunde werde ich mit Euren Kindern zurück ſein. Der Oberrichter wird mir wenigſtens dies gewähren.“ Der Gefangenwärter kam zurück mit ſeinem Knechte und der Prieſter verließ den Kerker, um den Oberrichter aufzuſuchen. Er wurde von demſelben wahl aufgenommen, konnte aber von ihm nicht mehr als die Erlaubniß erhal⸗ ten, Gertrud und Ludwig zu Godmaert zu bringen. Dann eilte zu ho und kaum Willk 1 bringt obwol ein gi 7 Hand Schm geneſe . 2 lich,, „ „quäle ihn be holen. 9 ſprang Kopf „ T welche 8/ Ihr er eliebter err ge⸗ thaten. Richter en wir r mit unahm un von ithigen Prieſter ire des wärter ziskus. ommen aſſen.“ ſchloß Prieſter er nun ſuchen, Stunde rrichter Knechte rrichter konnte erhal⸗ Dann 101 eilte er nach der Keizerſtraet, um ſeine betrübten Kinder zu holen. Schon lange ſtanden ſie an der Thüre ihres Hauſes und warteten mit klopfendem Herzen auf ſeine Rückkehr; kaum hatten ſie ihn erblickt, als ſie ihm mit freudigem Willkomm entgegeneilten. „Nun, guter Pater Franziskus,“ rief Gertrud,„was bringt Ihr uns Neues?“ Sie bebte bei dieſer Frage, obwohl ihr der ruhige Ausdruck auf des Prieſters Geſicht, ein gutes Zeichen ſchien. „Meine Kinder,“ antwortete er,„der Herr hat ſeine Hand über Euren Vater ausgeſtreckt— er hat ſchreckliche Schmerzen ausgeſtanden, aber ſeid guten Muthes, er wird geneſen, wir dürfen es hoffen!“ Gertrud weinte. „Ihr verbergt mir Etwas,“ rief das Mädchen ängſt⸗ lich,„Ihr dürft mir Etwas nicht ſagen!“ „Sei ruhig, mein Kind,“ erwiederte der Prieſter, „quäle Dich nicht ſelbſt. Dein Vater lebt;— Du darfſt 9 beſuchen und tröſten,— ich bin gekommen, Dich zu olen.“ Nun glänzte zwiſchen ihren Thränen die Freudez ſie ſprang auf, ergriff ihre Kapuze, warf ſie ſich über den Kopf und rief: „Kommt ſchnell, ich bin bereit!“ Der Prieſter ſtand nicht auf von dem Stuhle, in welchem er ſich niedergelaſſen. „Meine Kinder,“ ſprach er,„vergönnt mir einen Augenblick der Ruhe. Meine ſiebenzig Jahre täuſchen mich nicht mehr über die Kraft meines Körpers... ich habe Hunger und Durſt.“ Gertrud erſchrack nicht wenig, als ſie das blaſſe Ge⸗ ſicht des Prieſters anſah. „Vergebt mir, guter Vater,“ ſagte ſie,„ich ſehe, daß Ihr ermüdet ſeid... ruht und eßt.. ich werde meine Ungeduld bezwingen,“ 40² Sie verließ die Kammer und kam bald zurück mit Thereſen, die dem Prieſter Speiſe und Trank vorſetzte. Indeſſen ordnete Gertrud ihre Kleider, und wartete, bis Pater Franziskus aufſtehend zu ihr und Ludwig ſprach: „Kommt nun, meine Kinder, und mäßigt Eure Trauer. Vergrößert das Leiden Eures Vaters nicht zu ſehr durch Euren eignen Schmerz.“ Sie verließen dann ihre Wohnung, und begaben ſich ſchweigend durch die dunkeln Straßen der Stadt bis zum Steen. Der Mond trat in dieſem Augenblick hinter einer Wolke hervor, und erleuchtete den dunkeln Giebel des Gefängniſſes. Bei dem Anblick dieſer hohen Mauern und der eiſernen Gitter, blieb Gertrud plötzlich ſtehen und ging keinen Schritt weiter. Der Prieſter klopfte; ein Kopf erſchien vor dem Guckfenſter— und die Pforte ging ächzend auf. Welcher Schrecken, welche Angſt bemächtigte ſich der bangen Gertrud, während ſie durch die düſteren und kalten Gänge, wie durch ein Labyrinth gehen mußte. Von Zeit zu Zeit hörte ſie einen Gefangenen mit ſeinen Ketten raſſeln und ächzen, und jedesmal glaubte ſie vor dem Ker⸗ ker ihres Vaters zu ſtehen. Endlich hielt der Steenwärter vor einer ſchweren Thüre, die mit eiſernen Platten beſchlagen war— und er drehte den Schlüſſel dreimal. Das Herz des gefolterten Mädchens pochte heftig; ſchon lief ihr eine Thräne über die Wangen und die Thüre war noch nicht offen. „Vater,“ rief ſie,„hier bin ich, Dein Kind, Deine liebe Gertrud.“ Ein tiefer Seufzer antwortete ihr. Ludwig, der wohl einſah, daß der Anblick ihres Vaters ihr nur neuen Schmerz bringen würde, ſuchte ſie zu beruhigen. Doch das Mädchen ſchob in ihrer Aufgeregtheit die letzten Rie⸗ gel ſelbſt zurück... die U fange Lamp ſenden Einge des 6 nieder hoͤrt, breche daß Stim ihm Stro des( fühlte unters Kiſſen 1 Dir leicht ick mit te. dartete, Ludwig Eure icht zu een ſich is zum r einer del des ern und nd ging r dem ſich der dkalten on Zeit Ketten em Ker⸗ chweren — und heftig; ind die Deine er wohl neuen Doch en Rie⸗ Die Thüre ging auf.— Eintretend ſahen ſie nur die Umriſſe eines menſchlichen Körpers; denn da der Ge⸗ fangene weit entfernt von dem Eingang lag, konnte die Lampe des Steenwärters ihre Strahlen nicht bis zu ihm ſenden. Während der Prieſter und Ludwig noch bei dem Eingang ſtanden, nahm Gertrud die Lampe aus der Hand des Steenwärters, und kniete weinend bei ihrem Vater nieder. „Mein liebes Kind,“ ſeufzte er,„Gott hat mich er⸗ höͤrt, ich ſehe Dich.“ „Vater, Vater!“ rief ſie, in bittere Thränen aus⸗ brechend,„unglücklicher Vater! was haben ſie Dir gethan, daß Du mich nicht umarmen kannſt?“ „Meine liebe Tochter!“ ſprach er mit ſchwacher Stimme, und ſuchte ſeine Arme zu erheben, doch es war ihm noch nicht möoglich und ſie fielen kraftlos auf das Stroh nieder. Die Thränen Gertruds fielen brennend auf des Greiſen Wangen. Sie ſprach nicht mehr, ihre Hände fühlten die Kälte ſeiner Glieder. „Ludwig, Ludwig!“ rief ſie,„komm näher und ſieh! — Sie haben meinen Vater unbarmherzig gefoltert.“— Dabei zeigte ſie ihm die blutigen Tücher, mit welchen Godmaert verbunden war. „Ah, biſt Du auch da, Ludwig!“ ſprach er,„ſiehſt Du, was ſie an meinen grauen Haaren gethan?“— und er wandte ſich mit Schmerz um.„Siehſt Du?“ Der Junker hob die Hände zum Himmel.„Herr,“ rief er,„ſie ſind mit Blut gefärbt!“ „Ludwig, richte mich etwas auf,“ ſagte Godmaert. Das Mädchen eilte herbei, und ihre Arme vorſichtig unterbreitend, hob ſie ihren Vater empor, bis er auf das Kiſſen ſitzen konnte. „Komm;, meine liebe Tochter,“ ſprach er,„daß ich Dir meinen Abſchiedskuß gebe, denn Gott wird mich viel⸗ leicht bald zu ſich rufen!“ 104 „Vater, o lieber Vater!“ rief das verzweifelnde Maͤd⸗ chen,„o denke nicht daran. Ich werde durch Liebe und Sorge Dich wieder erwärmen, und Gott wird Dich noch viele Tage mit uns erleben laſſen. O ſterbe nicht, ſterbe nicht,— oder ich werde Dich keinen Augenblick überleben. Ich kann ja ohne Dich nicht beſtehen. O faſſe Muth!“ Ludwig war weggegangen, er konnte das traurige Schau⸗ ſpiel nicht mit anſehen. Der Prieſter lag in einer Ecke des Kerkers auf den Knieen und betete mit gefalteten Händen. „Wo biſt Du, Ludwig?“ fragte Godmaert,„o Du biſt da!“ ſprach er, als er den Jüngling weinen ſah. „Höre, Ludwig, meine Tage ſind zu Ende, und ich werde bald bei meinem Vater ſein, denn mein Athem wird im⸗ mer kürzer und meine Glieder erſtarren.— Gertrud, ſei ruhig, mein Kind, Gottes Wille geſchehe!— Der Ster⸗ bende, der gerufen wird, kann ſeinem Schickſale nicht ent⸗ gehen. Ludwig, ſie haben mich ſchrecklich gefoltert. Mein Blut iſt an allen Theilen meines Korpers hinabgelaufen.“ „Valdes iſt todt, Vater!“ rief das Mädchen.„Und Du, Du lebſt noch, und wirſt nicht ſterben. Ich verlaſſe Dich nicht; meine Liebesküſſe ſollen Dich vor der Kälte des Todes ſchützen. Du ſterben! Du, Vater? nein; nicht wahr, Ludwig? Sprich. Mein Vater wird nicht ſterben? O welch ſchrecklich Wort!— Und Du antworteſt mir nicht. Kann mein Vater ſterben?— Sprich!“ „Nein, nein,“ ſprach Ludwig. „Hörſt Du wohl, Vater?“ rief Gertrud. ſagt auch, daß Du nicht ſterben könnteſt.“ „Junker,“ ſagte Godmaert,„vielleicht iſt meine Furcht ungegründet.“ Gertrud ſah ihm ängſtlich in die Augen, denn dieſe Worte kamen ihr ſehr wohllautend vor. Darum lä⸗ chelte ſie. „Vielleicht,“ fuhr der Greis fort,„komme ich noch⸗ mal heim; doch da es mir ſehr zweifelhaft ſcheint, will „Ludwig ich Di näher! L Der P tete no „4 Gertru das V. Gertruß den Al⸗ füge. gezwung habe D nicht di Du in Dich ar Binde d gen unſ reien un Befehle ben, den ſchon die ternacht „N Herman nicht, — Ma werden weiß, da redner m mich dur 2 Mäd⸗ be und h noch „ſterbe erleben. Nuth!“ Schau⸗ r Ecke falteten „o Du n ſah. werde rd im⸗ id, ſei Ster⸗ ht ent⸗ Mein aufen.“ „Und verlaſſe Kälte ; nicht erben? ſt mir Ludwig Furcht n dieſe m lä⸗ noch⸗ t, will ich Dich als Beſchützer meiner Tochter ſegnen. Tritt näher!“ Ludwig ſetzte ſich neben der knieenden Gertrud nieder. Der Prieſter, durch dieſen feierlichen Auftritt erbaut, be⸗ tete noch inniger für die geliebten Kinder. „Ludwig,“ ſprach der Greis,„ich gebe Dir meine Gertrud, als den Lohn Deiner Liebe für ſie,— und für das Vaterland, welche ſo heftig in Deiner Seele brennt. Gertrud, ſei Deinem Manne getreu, liebe ihn. Ich bitte den Allmächtigen, daß er ſeinen Segen zu dem meinen füge. Ludwig, hoͤre auf mein Wort:— ich habe Dich gezwungen, den Namen eines Geuſen anzunehmen, ich habe Dich mit Menſchen zuſammengebracht, deren Gefühle nicht die Deinen waren. Du haſt mir gehorcht, obwohl Du in Deinem Innern die Sache verachtet, für die ich Dich arbeiten ließ... Aber an dem Grabe iſt mir die Binde von den Augen gefallen; ich glaubte, wir vertheidi⸗ gen unſer Vaterland,— nein, wir vertheidigen die Ketze⸗ reien und Kirchenplündereien. Von nun an ſind meine Befehle aufgehoben, vielleicht iſt es noch Zeit, den Glau⸗ ben, den wir in Gefahr gebracht, zu retten. Thue fortan, wie Dir Dein gerades und gottesfürchtiges Herz be⸗ ſiehlt.“ Der Junker dankte freudig, und ſagte endlich: „Aber Godmaert, wie nun die Folgen unſeres eignen Werkes aufhalten? Unſere Eidesgenoſſen wollen morgen ſchon die Revolution beginnen;— ſie kommen um Mit⸗ ternacht zu dieſem Ende zuſammen.“ „Morgen, es kann nicht ſein!— Morgen will auch Herman Stuyk in der Hauptkirche predigen. Verſäume nicht, mein Sohn, in die Verſammlung zu gehen. — Mache ihnen klar, daß die Revolution vertagt werden muß, daß ſie die Religion gefährden... Ich weiß, daß Dein Herz Dich in dieſer Sache zum Wohl⸗ redner machen wird. Steht auf, meine Kinder, ich fühle mich durch Eure Gegenwart wunderbar geſtärkt.“ 106 „Vater lieb!“ rief Gertrud,„Du wirſt geneſen!— gewiß, Du wirſt geneſen. Wäreſt Du mit mir in unſe⸗ rer Wohnung, wie bald würdeſt Du hergeſtellt ſein. Hier erſtarrſt Du vor Kälte; Du liegſt auf hartem Boden... Dein Kind iſt nicht immer bei Dir, um Dich zu bewa⸗ chen und für Dich zu ſorgen. Armer, unglücklicher Vater!“ Und ſie drückte ihn feurig an ihr Herz. „Steenwärter!“ rief Ludwig,„hundert Kronen gebe ich Euch, wenn Ihr den Gefangenen uns übergebt.“ „Nein, Junker!“ antwortete der Steenwärter, um nichts in der Welt.“ „Fünf Hundert!— Tauſend!“ „Nein, wahrlich, ich kann und werde es nicht thun. Sollte ich mein Leben für Gold verkaufen?“ „Mein Landgut bei Berchem ſoll Euch ſchriftlich übergeben werden.— Verlangt mehr, verlangt Alles, wenn Ihr Godmaert gehen laßt.“ „Nein, Junker; wie ſehr mir auch Eure Verſpre⸗ chungen gefielen, kann ich doch mein Leben nicht dafür in die Waagſchale legen.“ „Ach, ja, Herr Steenwärter!“ rief Gertrud, thut es, Ihr ſollt reich werden. Wollt Ihr nicht eine menſchen⸗ freundliche That vollbringen? Warum wollt Ihr meinen Vater nicht laſſen? Hat er noch nicht genug gelitten?— Ihr grollt ihm ja nicht. Ach, laßt ihn gehen— ſeht, dann kann er ruhen, Ihr lächelt— o, das iſt ſchändlich, könnt Ihr bei einem ſolchen Schauſpiel noch lachen.“ „Meine Pflicht, Fräulein, kann ich nicht vergeſſen. Ich habe Euch Euren Vater tröſten laſſen; begnügt Euch damit. Nun iſt es nah' an Mitternacht; noch einige Stunden!“ Gertrud eilte zu ihrem Vater und blieb, von Ludwig unterſtützt, ſo lange bei ihm, bis die Glocke der Borgt⸗ kirche zwölfmal ertönte. Ludwig ſprach einige Augenblicke mit dem Prieſter, 30 bei Eu D „„ ſeine H Vertrar ſchenken mehr.“ S laſſen. armt, c S er Abſe Es einigen bei den es doch dieſe Si Nebel, gleich, füllte. lenden 6 neſen!— in unſe⸗ ein. Hier Boden... zu bewa⸗ glücklicher onen gebe bt.“ rter, um icht thun. ſchriftlich les, wenn Verſpre⸗ dafür in „thut es, menſchen⸗ hr meinen ltten?— — ſeht, ſchändlich, hen.“ vergeſſen. rügt Euch och einige in Ludwig er Borgt⸗ lugenblicke „Gertrud,“ rief er erfreut,„Pater Franziskus bleibt bei Eurem Vater!“ Das Mädchen küßte dankbar des Paters Hände. „Beruhige Dich, Mädchen,“ ſprach der Geiſttliche, ſeine Hand zurückziehend,„geht wohlgemuth nach Hauſe. Vertraut auf ihn, der den Unglücklichen Troſt und Freude ſchenken kann.— Bittet Gott, Jungfrau, und weint nicht mehr.“ Sie mußte nun, trotz ihrer Bitten, den Kerker ver⸗ laſſen. Nachdem ſie ihren Vater lange geküßt und um⸗ armt, ging ſie mit dem ſinnenden Jüngling fort. Sobald er das Mädchen nach Hauſe gebracht, nahm er Abſchied, um in die Geuſenverſammlung zu gehen. VIII. Vos enim in liberiatem vocati ehis, fratres; tan- tum ne libertatem in occasionem detis cumis.. Manifesta sum opera carnis: quae sunt. idolorum servitus, veneflcia, inimicitiae, comtentio- nes, irae, rixae, dissentiones, sectue.... Gal. cap. V, 13. 19 et 20. Es war ein Uhr nach Mitternacht. Obwohl es in einigen Straßen ausnehmend dunkel war, weil die Lichter bei den Heiligenbildern bereits ihr Oel verzehrt hatten, war es doch in Antwerpen nicht ſo ſtill, als gewöhnlich um dieſe Stunde. Durch die ganze Stadt zog ſich, wie ein Nebel, verwirrtes Gemurmel, das einem brauſenden See gleich, die Ohren mit ſeinem unheimlichen Geſumme er⸗ füllte. Dazu noch das Bellen der Hunde, die widerhal⸗ ſenden Schritte der Soldaten, das eintoͤnige Rufen der 108 Wäͤchter— und dieß Alles wiederholt von dem dumpfen Nachtecho;— und Menſchen, die wie ſchwarze Schatten an den Mauern hin geheimnißvoll vorbeiſchlichen— dieß Alles zeigte deutlich die nahe Revolution an. Die Geuſen waren um dieſe Stunde alle bei Mutter Schrikkel in der Peter⸗Potsſtraße verſammelt; der Saal konnte ſie kaum faſſen. Sie ſchienen Alle ſehr aufgebrachtz Verwünſchungen und Flüche war alles, was man hören konnte. Der Tiſch, mit ſeinen gewöhnlichen Zierrathen, Dolchen, Töpfen und Gläſern, ſtand in der Mitte; doch weil um ihn her wenig Platz war, ſo hatte man die meiſten Stühle in ein ander Zimmer getragen. Die Geuſen ſtanden unter⸗ einander ohne Ordnung. Ihre Mäntel hatten ſie nicht abgelegt, weßhalb man die Dolche nicht ſehen konnte, welche ſie auf der Bruſt trugen. So rief und disputirte Alles durcheinander, bis einer ihrer Eidesgenoſſen eintrat. „Nun, Houtappel!“ riefen verſchiedene Stimmen ihm entgegen,„was habt Ihr vernommen? wie ſteht es mit Godmaert?“ „Geuſen!“ antwortete der Neueingetretene in beißen⸗ dem Tone,„Ihr werdet mir nicht glauben, wenn ich Euch die Wahrheit ſage. Der Henker ſelbſt ſchien entrüſtet, Bihees er mir davon erzählte— mein Herz leidet noch...“ „So ſprecht!“ ſiel ihm Schuermans in die Rede, „ſagt, was Ihr wißt?“ „Nun,“ erwiederte Houtappel,„ſie haben den edeln Godmaert wie wilde Thiere zerriſſen; auf der Folter aus tauſend Wunden ſein Blut abgezapft; und ſeine Glieder auseinander gezogen! Die ſchrecklichſte Tortur haben ſie bei ihm angewandt.— Und warum das?— Weil er, wie Ihr Alle, ein vlämiſcher Vaterlandsfreund iſt?“ Alle Geuſen lauſchten begierig und mit knirſchenden Zähnen ſeiner Erzählung, aber keiner ſprach. unſerem ganzen wie eine dieſe Se „ Nu dem Se gezogen Waffen „LO Er ſank rief: „3 Gotte, Spanier und der beſpritzt Es lung her als ſich „H De ſich dem begann, habt Go er nicht 8„ meine H Bleibt J brechen z 109 „Ja, meine Herren,“ fuhr er fort,„ſo ſind ſie mit dumpfen unſerem Haupte verfahren. Seine Haut hatten ſie an ſeinem Schatten ganzen Körper aufgerizt und ihn in den Armen des Todes, dieß wie einen Hund, auf ein wenig Stroh geworfen.— Soll dieſe Schandthat ungerächt bleiben?“ ei Mutter„Rache, Rache!“ ertönte es aus aller Mund. der Saal Nun ging Alles durcheinander. Dolche blitzten bei fgebrachtz dem Scheine der Lampe, Degen wurden aus der Scheide an hören gezogen; allgemeine Rachſucht hieß ſie unwillkührlich die Waffen ergreifen. Dolchen,„O, die Bluthunde!“ ſchrie Schuermans wie raſend. weil um Er ſank auf die Kniee, hob ſeinen Dolch in die Höhe und en Stühle rief: en unter⸗„Ich ſchwoͤre bei dem Gott meiner Väter, bei dem ſie nicht Gotte, der mich hört, daß dieſer Stahl in der Bruſt der n konnte, Spanier wühlen ſoll: daß ich mein Leben dem Vaterlande und der Rache weihe— und daß ich mit ſpanſchem Blute bis einer beſpritzt in die Grube fahren will!“ j Es iſt leicht begreiflich, wie wild es in der Verſamm⸗ men ihm lung hergehen mußte; aber plötzlich änderte ſich die Scene, t es mit als ſich Alle nach der Thüre wandten und ausriefen: „Ha, da iſt Ludwig van Halmale!“ n beißen⸗ Der Junker grüßte die Verſammlung und näherte ich Euch ſich dem Tiſche, in der Abſicht zu ſprechen; aber ehe er entrüſtet, begann, rief Houtappel ihm entgegen:„Nun, Ludwig, Ihr erz leidet habt Godmaert geſehen, iſt ſein Leib nicht gemartert, iſt er nicht ganz blutig?“ die Rede,„Ja, es iſt wahr,“ antwortete der Junker.„Aber meine Herren,“ fuhr er fort,„was wollt Ihr thun? den edeln Bleibt Ihr bei dem Vorſatz, morgen die Revolution aus⸗ olter aus brechen zu laſſen?⸗ Glieder„Ja, ja,“ riefen die meiſten Stimmen. haben ſie Houtappel ergriff aber das Wort und ſprach in hef⸗ Weil er, tigem Tone: 2“ „Morgen wird kein Spanier und keiner von allen rſchenden denen, die den Fremden günſtig ſind, am Lohen bleiben⸗ 110 Ihr Blut ſoll vergoſſen werden, um die Schmerzen des Vaterlands und Godmaerts zu rächen. Das iſt feſtgeſetzt.. wir ſind hier nur, um die Mittel zu berathen.“ „Wohlan, meine Herren,“ rief Ludwig mit lauter Stimme,„ich bin hieher gekommen, um zu ſagen, daß ich nicht mit Euch halten werde. Nur damit Ihr mich nicht der Treuloſigkeit beſchuldiget, ſo erkläre ich hier, daß ich mit den Spaniern kämpfen werde, ſobald ſie die Ketzer bekämpfen.“ Dieſe Worte erregten nicht geringes Erſtaunen unter den Geuſen: Feigling, Verräther erſcholl es von allen Seiten. Van Halen allein ſchien ruhig. „Feigling? wiederholte Ludwig.„Es gehört Muth dazu, Eure Schimpfworte zu erfinden und Eurer Rache zu trotzen. Aber mich treibt die Liebe zum Vaterland und....“ „Euer Vaterland?“ rief ein Geuſe ſpottend,„Euer Vaterland, ſagt lieber, Ihr habt bange vor der Hölle, Junker. Eure Mutter hat Euch die Liebe zum Vaterlande eingegeben!“ Einige lachten über dieſe Worte. Ludwig wurde roth; man konnte ſehen, wie tief ihn dieſe Worte verwundeten; am meiſten wohl, weil der Name ſeiner verſtorbenen Mutter darein gemiſcht wurde. Aber er gedachte bald ſei⸗ ner Abſicht und ſprach ruhig: „Ja, ich liebe mein Vaterland,— aber nicht, wie Ihr, die Ihr das Vaterland einem Gefühle des Haſſes aufopfert; nicht wie Ihr, die Ihr Euer Vaterland zer⸗ reißen und zu einem Blutbad machen wollt, zum Vor⸗ theile der Ketzerei— der Ketzerei allein, verſteht Ihr mich? Und Ihr täuſcht Euch nicht, es iſt meine Mutter, die mir dies Gefühl eingefloͤßt...“ „Aber Ludwig,“ rief Schuermans,„warum glaubt Ihr, daß wir den Ketzern Vorſchub leiſten?“ „Warum? Seid Ihr nicht täglich bei den Predigten Hermans geweſen? Habt Ihr das Volk nicht gewaffnet dorthin derſtand terin ve unſre R Eurem, Vaterla die Stü und wer nier zu daß nich dieſen C nicht gel wollen. ben. Ih neuen N drückend Ein Reihen d „N Narren; ten! 4— Die blitzten d mer hefti und Zitte „W en, daß ihr mich ch hier, d ſie die een unter on allen rt Muth er Rache zaterland „„Euer er Hölle, aterlande de roth; undeten; ſtorbenen bald ſei⸗ icht, wie 8 Haſſes land zer⸗ im Vor⸗ teht Ihr Mutter, n glaubt Predigten gewaffnet dorthin gehen heißen? Habt Ihr nicht durch Euren Wi⸗ derſtand die Befehle des Markgrafen und der Statthal⸗ terin vereitelt? Unter weſſen Schutze läſtern die Ketzer unſre Religion? Unter weſſen Schutz arbeiten ſie? Unter Eurem, meine Herren!— So faſſe ich die Liebe zum Vaterlande nicht. Ich bin überzeugt, daß der alte Glaube die Stütze und der Schutzengel Niederlands bleiben muß, und wer anders denkt, iſt mein Feind..“ Einige der Geuſen ſtanden verwundert und ſprachlos da; die meiſten aber horchten unwillig auf ſeine Rede. „Der Wind hat ſich ſchnell gedreht!⸗ rief Van der Voort,„geſtern Geuſe, heute Papiſt!“ „Nein, nein,“ rief Ludwig,„ich habe mich nie ver⸗ ändert. Habe ich geſchworen, es mit Euch gegen die Spa⸗ nier zu halten, ſo geſchah es nur unter der Vorausſetzung, daß nichts gegen die Religion geſchehe— und ich hätte dieſen Eid, der mir ſo ſchwer auf dem Herzen gelegen, nicht geleiſtet, hätte ich nicht Godmaerts Wunſch erfüllen wollen. Ihr ſeid es, meine Herren, die ſich verändert ha⸗ ben. Ihr habt dem Glauben Eurer Väter entſagt, um neuen Meinungen anzuhängen.“ „Dieß iſt nicht wahr!“ fiel van Halen ihm in die Rede.„Ich bleibe der wahren Religion getreu.“ „Was werdet Ihr dann morgen thun?“ „Morgen,“ antwortete van Halen, Ludwigs Hand drückend,„werde ich an Eurer Seite ſtreiten.“ Ein allgemeiner Schrei der Entrüſtung lief durch die Reihen der Geuſen: „Noch ſo ein Feiger! noch ein Verräther! werft die NMarren zur Thüre hinaus! Fort mit den Spaniſchgeſinn⸗ ten!“— Die ganze Verſammlung war im Aufruhr. Die Dolche blitzten durch den Saal, und die Drohungen wurden im⸗ mer heftiger: als plötzlich Mutter Schrikkel voll Angſt und Zittern in den Saal trat und rief: „Wehe, wehe, meine Herren; auf den Söller, auf 11² die Gaſſe,— in den Keller,— die Wache iſt da,— das Haus iſt umringt von bewaffneten Männern!— Wehe! wehe!“ Die Geuſen blickten Ludwig vorwurfsvoll an, als ob ſie von ihm verrathen worden; keiner von ihnen that, was Mutter Schrikkel ſo ängſtlich angerathen hatte. Im Ge⸗ gentheil ſchaarten ſie ſich alle in einem Halbkreis, zogen ihre Degen und blieben ſtehen mit dem Vorſatze, ſich tapfer zu wehren. Die Zimmerthüre ging auf,— und ein Mann von ausnehmender Groͤße und Stärke trat ein. Ein dicker Knebelbart hing ihm auf beiden Seiten herab. Waffen aller Art hingen an ſeinem Gürtel. „Wolfangh!“ riefen die Geuſen verwundert, während ſie ihre Degen einſteckten. „Meine Herren!“ ſprach Wolfangh, ſeinen Hut ab⸗ nehmend,„was ſoll das? wozu die Waffen? kommt her⸗ auf!“ rief er, ſich nach der Treppe wendend. Zwanzig Räuber drangen in den Saal und ſtanden ſo in der Mitte der Geuſen, die ſich mit Abſcheu von ihnen wandten. Schwere Tritte von Menſchen, welche etwas die Treppe heraufſchleppten, hörte man noch von draußen. „Was bringt Ihr uns, Wolfangh?“ fragte Ludwig. „Was ich Euch bringe, Junker?— Godmaert.“ „Godmaert!!...“ riefen ſie alle mit Verwunderung aus. Vier Männer trugen den greiſen Geuſen auf einem Bette und legten ihn ſanft auf den Boden nieder. „Freunde,“ ſprach er,„es freut mich, Euch noch⸗ mals zu ſehen.— Wer will mir die Hand drücken?“ Ludwig küßte ſie mit Liebe. Die Geuſen kamen einer nach dem andern, den Greis theilnehmend ans Herz zu drücken. Alle ſchauten ſtillſchweigend auf ihn. „Wolfangh,“ fragte Schuermans,„wie habt Ihr unſern Meiſter erloͤſt?“ „Meine Herren,“ antwortete der Räuber,„das koſtete wenig genehn den G kam m rief eir ſtand. und eh die Pa wärter den Se unſerer und ba tet in Wir l Steenn ſeine B W ’ war?“ aus dem ſeufzte L „P antworte zu ſeinen Lagerpla hier,“ ſ hatten. Die Geuſen hatten, 1 wurden k den Grei Das da,— rn!— als ob at, was zm Ge⸗ „ zogen h tapfer ann von dicker Waffen vãhrend Hut ab⸗ mt her⸗ Zwanzig er Mitte ten. vas die ßen. Ludwig. tert.“ nderung f einem ch noch⸗ en?“ en einer Herz zu abt Ihr s koſtete wenig Mühe. Ich nahm mir geſtern vor, Euch eine an⸗ genehme Ueberraſchung zu bereiten. Ich glaubte, wir wür⸗ den Godmaert noch beſſer antreffen... Nun denn, ich kam mit meinen Kameraden zum Steen.„Wer iſt da?⸗ rief ein Schütze, der mit vielen andern vor der Thüre ſtand. Wolfangh,“ antwortete ich mit donnernder Stimme und ehe ich mich dem Steen näherte, waren ſie alle über die Palingbrug den Viſchberg hinabgelaufen. Der Steen⸗ warter wollte nicht öffnen, doch als er die Pforte unter den Schlägen unſeres Hammers und unter der Gewalt unſerer Hebebäume wanken ſah, ließ er uns ſchnell ein und bat um ſein Leben. Wir gingen dann von ihm beglei⸗ tet in die Mörderhöhle, wo wir Godmaert liegen fanden. Wir luden den edeln Gefangenen auf, nahmen des Steenwärters Bett als Tragbahre und haben ihn auf ſeine Bitte hieher gebracht. Wolfangh wandte ſich an Ludwig und fragte ihn leiſe: Wie heißt der Prieſter, Junker, der bei Godmaert war?“ „Pater Franziskus aus dem Predigerkloſter.“ Der Räuber brachte den Finger an die Stirne, als ob er ſich den Namen deſſelben einprägen wollte. „O wüßte die Tochter Godmaerts, daß ihr Vater aus dem Gefängniß befreit iſt, welche Freude hätte ſie!“ ſeufzte Ludwig. „Pater Franziskus hat dieſe Botſchaft übernommen,“ antwortete Wolfangh.—„Männer!“ fuhr er fort, ſich zu ſeinen Kameraden wendend,„jeder gehe nach ſeinem Lagerplatz. Morgen um acht Uhr!— Ihr allein bleibt hier,“ ſprach er zu den vieren, die das Bett getragen atten. 1 Die Räuber räumten den Saal; und nachdem die Geuſen Godmaert ihre Theilnahme und Freude bezeugt hatten, wurde gefragt, ob man beginnen ſolle. Die Stühle wurden herein gebracht und ſo geſtellt, daß alle ſich um den Greis herum ſetzen konnten. Dieſer durch die Ruhe Das Wunderjahr 1566. 8 114 und die Gegenwart ſeiner Freunde etwas erſtarkt, konnte ſchon ſeine Arme bewegen und nur Ludwig bemerkte mit außerordentlicher Freude, daß der Tod ihm wieder ferner gerückt war; ſein Herz beneidete den, der ſeiner Gertrud die frohe Nachricht bringen durfte. „Meine Herren,“ ſprach Godmaert, nachdem er mit ſeiner Hand ein Zeichen zum Stillſchweigen gegeben, „ich ließ mich in dieſe Verſammlung bringen, um mit Euch zu berathen, was zu thun. Habt Ihr bereits die Sache verhandelt?“ Houtappel ſah Ludwig ſpoͤttiſch an und trat zu God⸗ maert, ſprechend: „Morgen werden wir uns um acht Uhr auf dem großen Markt einfinden. Das iſt beſtimmt. Das Volk wird durch den Ruf: Es leben die Geuſen, das Zeichen geben; die Rede Hermans in der Hauptkirche wird große Unruhe in der Stadt machen; wir werden dieſelbe zu un⸗ ſerem Vortheile benützen. Dann nach dem Stadthaus; alles was ſpaniſch oder ſpaniſch geſinnt, gefangen. Die Stadt mit bewaffneten Männern beſetzt und unſern Freun⸗ den in Brüſſel Nachricht von dem guten Ausſchlag gege⸗ ben.— Dann ein neuer Magiſtrat ernannt,— das Volk ausgeſendet in alle Städte und Flecken der Markgrafſchaft, um die Spanier überall zu vertreiben. Ich bin gewiß, daß dieſer Vorſchlag Eure Billigung erhält.“ Godmaert blieb einen Augenblick in tiefes Nachdenken verſunken. Die Geuſen warteten ängſtlich auf eine Ant⸗ wort, obwohl ſie nicht zweifelten, der alte Kriegsmann werde ihr Beginnen gut heißen. Aber wie ſtunden ſie verwundert da, als Godmaert zu ihnen ſagte: „Nein, ich kann das nicht billigen. Die Zeit iſt noch nicht da. Wir dürfen nicht gegen die Spanier ſtreiten.“ „Auch Ihr?“ rief Houtappel in wilder Wuth.„Wohlan Brüder, wir ſind verrathen, doch noch nicht ausgeliefert. Laßt uns, ohne uns um dieſe Feigen länger zu beküm⸗ mern, mit de fahren 2 überflo Miene / Kraft auf der mein H ſtreute Haß ar n. „nun k ziskus „28 die Ihr ner He einige länder zu nähr daß alle gegen u auch me doch nie liche Se „A tion zu Zimmere erwiderte ſeine An ligen wo Gelegenh Bilder z konnte kte mit r ferner Gertrud dem er gegeben, um mit reits die zu God⸗ auf dem as Volk Zeichen d große zu un⸗ dthaus; n. Die Freun⸗ g gege⸗ as Volk afſchaft, gewiß, chdenken ne Ant⸗ egsmann odmaert iſt noch treiten.“ Wohlan geliefert. beküm⸗ mern, ruhig unſre Zwecke verfolgen. Sie mögen allein mit den Spaniern, Nonnen und Pfaffen zum Himmel fahren!“ Dieſer Spott that Godmaert wehe; eine leichte Röthe überflog ſeine bleiche Stirne, und er ſprach mit ſtrenger Miene: „Dankt Eurem Gotte, Houtappel, daß ich keine Kraft mehr habe, oder ich hätte Eure gottloſe Spottrede auf dem Munde erſterben gemacht.... Beruhige Dich, mein Sohn!“ Houtappel durfte den Greis nicht mehr höhnen, und ſtreute deßhalb in der Stille unter ſeinen Freunden den Haß aus. „Ha, nun begreife ich es!“ ſprach Godmaert zu ſich, „nun kenn' ich Euch.— Es iſt wahr, was Pater Fran⸗ ziskus geſagt: es ſind Ketzer unter uns.“ „Meine Herren,“ fuhr er mit Kraft fort.„Euch, die Ihr meine Freunde ſeid, bin ich eine Erklärung mei⸗ ner Handlung ſchuldig.— Wir haſſen alle die Spanier, einige um perſoͤnlicher Gründe willen, alle weil ſie Aus⸗ länder ſind. Ich habe viel gethan, dieſen Haß unter Euch zu nähren, und ich habe mit Schmerz jetzt erſt eingeſehen, daß alle unſre Beſtrebungen, ohne daß wir es wußten, gegen unſre Religion gerichtet waren. Wie lebendig nun auch mein Haß gegen die Spanier geweſen, ſo will ich doch nicht mit den Feinden meines Glaubens gemeinſchaft⸗ liche Sache machen.“* „Was hat dieſe Beichte mit der morgenden Revolu⸗ tion zu ſchaffen?“ ſchrie Houtappel aus einer Ecke des Zimmers. „Was ſie damit zu ſchaffen, wißt Ihr am beſten,“ erwiderte Godmaert,„Ihr wißt, daß Herman Stuyk und ſeine Anhänger die Kirche zu Unſernliebenfrauen enthei⸗ ligen wollen: Ihr wißt, daß die Bilderſtürmer auf eine Gelegenheit warten, die Tempel zu verwüſten und die Bilder zu zerſtoͤren. Ich beklage mich, daß ich ſo kraftlos 116 bin,... denn ſonſt würde ich mich ihnen entgegen ſtellen. Und Ihr, meine Freunde, die Ihr ſtets mit Achtung auf mich gehöre, ich beſchwöre Euch, helft den Ketzern nicht; wartet mit der Revolution. Verlaßt die Seite derer, die ſich nicht ſchämen, mit Hohn von Dingen zu prechen, die uns heilig ſind.“ Eine merkbare Spaltung war unter den Geuſen ein⸗ getreten. In der Tiefe des Zimmers um Houtappel und Van der Voort ſtanden die, welche von keinem Auſfſchub etwas wiſſen wollten. Um Godmaert hatten ſich Ludwig, van Halen, de Rydt und beinahe die Hälſfte der Geuſen geſchaart. Schuermans lief unſchlüſſig hin und wieder; während Wolfangh, als ein Fremder, Thhnon Theil an der Partheiung nahm. Nachdem Houtappel mit einem ſeiner Kameraden geſprochen, trat er in die Mitte des Zimmers und rief, die Hand erhebend: „Wir trennen uns von den Aengſtlichen! Jeder, der den Namen Geuſe liebt; wer mit uns gegen die Spanier ſtreiten will, folge uns... Wir gehen anderswohin, um unſere Berathungen fortzuſetzen! Verräther ſollen uns nicht hören!“ Ungefähr die Hälfte verließ das Zimmer mit wildem Fluchen. Houtappel fand ſich nicht wenig betrogen, als er ſah, daß Wolfangh ihm nicht folgte. „Kommt, Wolzangh!“ rief er.„Was könnt Ihr bei dieſen friedlichen Menſ ſchen thun? Ihr gehört zu ihnen, wie ein Hund zu einem Kegelſpiel!“ Der Näuber legte die Hand an das Piſtol und wollte Houtappel ſeinen Scherz mit dem Leben büßen laſſen, aber Ludwig hinderte ihn daran. „Ihr ſeid gluͤcklich,“ rief I Volfangh, ngeht, ich habe nichts mit Euch gemein, und laßt mich in Frieden, oder ich werde Euch ſpotten lehren.“ Houtappel ging murrend die Treppen hinab. Im Zimmer blieb nur ein Geuſe, der nicht wußte, was er thun Entſch 7 die K 2 2 ſprach eines ſie an ten, die R Spani „ unſre nur nu wir da fangh, nichts⸗ Verſpr r „, D wenig chungen hatte. 8 haben, werde ſeid Ihr wenn J „ Auge. Wort n mſtellen. ung auf n nicht; rer, die prechen, ſen ein⸗ pel und Auſſchub Ludwig, Geuſen wieder; an der m ſeiner zimmers der, der Spanier hin, um ins nicht wildem en, als Ihr bei u ihnen, d wollte een, aber ich habe en, oder b. Im was er 117 thun ſollte; er ſchlug ſich gegen die Stirne, um einen Entſchluß zu faſſen; endlich rief er: „Werdet Ihr morgen nicht kämpfen?⸗ Ja, Schuermans, antwortete van Halen,„gegen die Ketzer werden wir ſtreiten.“ „Ha, dann bleibe ich noch lieber bei Euch.“ „Ich verſtehe die Furcht des edeln Godmaert wohl,“ ſprach de Rydt,„die verfluchten Prediger haben den Haß eines Theiles des Volkes zu ihrem Vortheile benützt. Da ſie anfangs, wie wir, die Spanier allein für Feinde hiel⸗ ten, haben die neuen Lehrer dem Volk einen Haß gegen die Religion eingeprägt und nun glauben ſie Bilder und Spanier ſei das nämliche.“ 4 „Ich habe gehört, daß ſie morgen Etwas gegen unſre Liebfrauenkirche unternehmen wollen. Sie ſprechen nur noch von brennen und verwüſten.... Was können wir dagegen thun?“ „Ich habe zwanzig auserleſene Männer,“ ſagte Wol⸗ fangh,„dieſe werden Eure 2 efehle pünktlich befolgen.“ „Meiſter! rief einer der vier Räuber,„wenn wir nichts ſtehlen dürfen, ſo ſollen die Herren Geuſen auch ihr Verſprechen erfüllen oder....“ „Schweig, Kerl!“ rief Wolfangs. Der Räuber ſchwieg. Die Geuſen waren aber nicht wenig erſtaunt, denn ſie wußten nichts von den Verſpre⸗ chungen. Godmaert allein kannte ſie, da er ſie gemacht hatte. „Unſre Sache,“ ſpracht er,„iſt zu edel und zu er⸗ haben, um noch bezahlte Männer dazu zu gebrauchen. Ich werde den verſprochenen Lohn geben. Aber von nun an ſeid Ihr Eures Verſprechens entbunden. Kehrt zurück, wenn Ihr wollt.“ „Sie ſollen bleiben! rief Wolfangh mit blitzendem Auge.„Ich werde ſie zwingen, Gutes zu thun... kein Wort mehr, Kerl!“ 118 Der Räuber ſchlug bei der Drohung ſeines Haupt⸗ manns die Augen nieder. „Höret, meine Herren,“ fuhr Godmaert fort.„Seht, was Ihr thun koͤnnt, es ſind noch genug getreue Bürger in der Stadt; wir kennen viele, die gegen die Ketzer ſind. Ruft ſie morgen zum Schutze der Kirchen zuſammen. Schuermans bringe das Volk von Klapdorp mit ſich; de Rydt, Ihr die Brauer der Nieuwſtad; Ludwig, unſre Freunde von Kipdorp; van Halen die Bootsleute der Burgt und ſo fort jeder die Leute, die ihm zugethan ſind. Ihr werdet morgen auf dem großen Markt ſein und den Soldaten helfen, wenn es nöthig iſt. Auf dem Platze ſelbſt werdet Ihr vielleicht beſſere Maßregeln treffen. Dieß iſt das beſte Mittel. Alles wird gut gehen.—“ Godmaert hatte zweimal einen Becher Wein bis auf die Neige geleert, und dieß hatte ihn wunderbar geſtärkt; denn ſeine Wangen waren ſchon mit einem leichten Roth gefärbt. Ludwig freute ſich höͤchlich über die Beſſerung und verließ ihn keinen Augenblick, um alle ſeine Wünſche aus⸗ zuführen. Nun hörte man die Vorthüre aufgehen und das Nauſchen eines ſeidenen Kleides. Nach einigen Augenblicken lag Gertrud weinend an der Bruſt ihres Vaters. „Vater, Vater!“ rief ſie.„Nicht wahr, Du wirſt wieder geneſen. O deine Wangen röthen ſich ſchon.— Und deine Arme koͤnnen mich wieder umſchlingen. Laß mich Dich küſſen.“ „Liebes Kind,“ rief er,„Du biſt mir ein Segen des Himmels.“ Die Umſtehenden ſchauten ſchweigend dieſem herzlichen Erguſſe kindlicher Liebe zu. Schuermans und vielen an⸗ deren rollten die Thränen über die Wangen. Wolfangh, der ſich der Belohnung einer Wohlthat freute, hatte ſeine Augen mit der Hand bedeckt,— und ſtand in einer Ecke des Saales. „Wolfangh, wo ſeid Ihr?“ rief Gertrud durch das 3 Zimm . lein,“ haben Freude . 7 mich, 2 „geden V ſtand d war, n morgen Macht Drückt Gott b A W „2 trage d C 1f werdet geſchehe „ ſich vor D gehoben Freunde „L Ir Haupt⸗ „Seht, Bürger zer ſind. ammen. it ſich; 3, unſre ite der an ſind. und den Be ſelbſt Dieß iſt bis auf eſſtärkt; Roth ung und he aus⸗ nd das enblicken zu wirſt von.— aß mich gen des erzlichen len an⸗ elfangh, te ſeine er Ecke rch das Zimmer ſehend.„Ach, da ſeid Ihr, Befreier meines Va⸗ ters.— Ich werde für Euch beten...“ Die Augen des Räubers glänzten vor Rührung. „Ich bin Eurer Dankbarkeit unwürdig, edles Fräu⸗ lein,“ ſprach er.„Doch ſchätze ich mich glücklich, etwas haben thun zu können, was Euch angenehm iſt.— Eure Freude iſt mir eine ſüße Belohnung.“ „Herr Wolfangh, fuhr Gertrud fort,„es ſchmerzt mich, daß ein ſo tapferer Mann wie Ihr... „Ich verſtehe Euch, Fräulein,“ antwortete der Räuber, „gedenkt meiner in Euren Gebeten!“ Während Gertrud fortfuhr mit Wolfangh zu ſprechen, ſtand die alte Thereſe, die mit dem Fräulein gekommen war, weinend bei ihrem greiſen Herrn. „Vater!“ ſprach Gertrud,„laß mich Dich nun in Deine Wohnung bringen, damit Du ruhen kannſt,— und morgen wohlgemuth unter meinen Küſſen erwachſt.“ „Meine Herren,“ rief Godmaert,„ich verlaſſe Euch. Macht, daß der heutige Tag keine Greuel ſehe—.. Drückt mir noch einmal die Hand und dann, meine Freunde, Gott befohlen.“ Alle kamen herbei, um ihm ein Lebewohl zu ſagen. Wolfangh ließ die Tragbahre herbeibringen. „Männer,“ ſprach er zu ſeinen Kameraden,„man trage den edeln Godmaert in ſeine Wohnung! „Ihr Alle bleibt als Wache bei ſeinem Hauſe— und werdet mir mit Eurem Leben für Alles ſtehen, was ihm geſchehen kann. „Ich danke Euch, Herr Wolfangh!“ ſagte Gertrud, ſich vor ihm verbeugend. Der Greis wurde ſanft von den vier Räubern auf⸗ gehoben und verließ den Saal unter dem Jauchzen ſeiner Freunde. „Ludwig, alſo um acht Uhr!“ rief Schuermans. In einem Augenblick war das Zimmer leer; die 120 Schritte verhallten nach und nach auf den Treppen, und die Vorthüre wurde hinter ihnen geſchloſſen. „Jeſus, Jeſus, was wird heute geſchehen!“ ſeufzte Mutter Schrikkel und ſchob den letzten Riegel zu. XI. „...... onedele gemeente Was bisse nijd verteert hei merch in u gebeente Wat doheyd u vervoert? Joost van Voudel. Alles war bereit zum Umſturz der ſpaniſchen Herr⸗ ſchaft. Einige der antwerpiſchen Geuſen, die meiſt alle Edelleute waren, wollten nur gegen die Fremden ſtreiten, doch weit mehrere waren beſonders gegen die Bilder feind⸗ lich geſtimmt. Päͤter Herman war zu jener Zeit der Prediger, welcher dieſen Haß bei den Antwerpern am meiſten nährte. Er hatte ſich durch ſeine große Beredtſamkeit vielen Einfluß auf die Herzen der Mißvergnügten verſchafft, und ſich deſſelben bedient, um ſie der römiſchen Kirche zu entziehen. Daß das gemeine Volk ſich durch den Haß gegen die Spanier verleiten ließ, hatte die nachfolgenden Jahre gezeigt. Am neunzehnten Auguſt war eine außergewöhnliche Predigt bei Borgerhout gehalten worden.— Eine große Menge Volks war zugegen. Nur der Regen, der ſich in heftigen Güſſen entlud, konnte ſie auseinander treiben. Herman, welcher fühlte, daß ſeine Zeit gekommen, ließ ſeine Zuhörer etwas außerhalb des Kipdorpthores anhalten und ſtieg a mit äu 2 kirche! Geuſen N Ein di gegen Schleie wolle n Luft wo Di Tagloͤhn mit der ihre W Sand v geſchehen Un ein wüh die Gaf Handwer die Väte von Köp Nichts a ſollten, zu jener vorſichtig lauf waß ſtanden v Magiſtra nommen, geweſen. eente nte del. Herr⸗ ſt alle reiten, feind⸗ it der neiſten amkeit ſchafft, che zu 1 Haß genden onliche große ich in reiben. 3 ſeine n und 121 ſtieg auf die Treppe einer Windmühle. Das Volk horchte mit ängſtlicher Neugier. Herman rief ihnen zu: „Morgen, um acht Uhr, Predigt in der Liebfrauen⸗ kirche”“ Und er ſtieg unter dem Jauchzen:„Es leben die Geuſen!“ die Mühlentreppe herab. „.......„.„.. .„. Nun begann der ſchreckliche Tag im Oſten zu grauen. Ein dichter Nebel ſtieg aus Weſten dem Morgenlichte ent⸗ gegen und bedeckte die Sonne mit einem undurchdringlichen Schleier. Es ſchien, die herrliche Perle in Gottes Krone wolle mit ihren Strahlen ſolche Greuel nicht erhellen, und habe die kalten Dämpfe als einen Mantel um ſich gezogen. Den ganzen Tag war der blaue Himmel unſichtbar, die Luft war mit Staubregen geſchwängert. Die Thüren und Fenſter öffneten ſich. Der friedſame Tagloͤhner ging eilig an ſein Werk, ſeinen kleinen Sack mit dem täglichen Brode gefüllt; die Kaufleute ſtellten ihre Waaren aus, die Hausfrau ſtreute ſorgſam den weißen Sand vor die Hausthüre;— denn Niemand wußte, was geſchehen ſollte. Um acht Uhr veränderte ſich die Ruhe der Stadt in ein wühlendes Durcheinandertreiben des Volkes, das durch die Gaſſen ſtrömte. Von Neugier getrieben, verließen die Handwerker ihre Werkſtätten, die Bootsleute ihre Schiffe, die Väter ihre Familien und mitten durch dieſes Gewühle von Köpfen ſah man die Gewehre der Soldaten blinken. Nichts aber deutete auf die Greuel, die verübt werden ſollten, denn das Herumſtrömen des Volkes konnte man zu jener Zeit alle Tage ſehen. Da und dort rief ein Un⸗ vorſichtiger:„Es leben die Geuſen!“ Der größte Auf⸗ lauf war auf dem großen Markt; unzählige Schützen ſtanden vor dem Stadthauſe. Gewiß hatte der wohlweiſe Magiſtrat etwas von den Abſichten der Geuſen ver⸗ nommen, denn noch nie war das Stadthaus ſo ſtark beſetzt geweſen. „.....„ .⸗....... .. 122 Ludwig, van Halen, Schuermans und ihre Freunde waren gleichfalls zugegen. Einige von ihnen hatten ſich unkenntlich gemacht. Schuermans hatte das dicke Wamms und die blaue Hoſe eines Schiffers an; die Andern trugen den weiten Mantel um die Schultern und den breiten Hut auf dem Kopf. Sie waren gerade im Berathſchlagen, wie ſie ſich zu verhalten hätten, als ſie alles Volk nach der Hauptkirche laufen ſahen. Aengſtlich für die Erhaltung beſorgt, drängten ſie ſich durch die dichtgeſchloſſenen Schaaren bis in die Mitte des heiligen Tempels. Gottes Wohnung wurde mit Fluchen und Schwöoren entheiligt, die Waffen erklangen an den marmornen Pfeilern— und die Gräber der Hei⸗ ligen wurden von gottloſen Füßen zertreten. „Die Rede, die Predigt!“ wurde gerufen. Doktor Herman beſtieg nun den Predigtſtuhl, mit der Bibel in der Hand. Er glaubte, daß man ihn ruhig predigen laſſen werde, denn in die andere Hand nahm er eine Piſtole— und rief, er werde es auf den, der ihn ſtören würde, abfeuern. Ludwig und ſeine Freunde hatten mit Ungeduld zu⸗ geſehen. „Das iſt einer der erſten Aufrührer,“ ſprach der Jüngling. „Wollt Ihr ſehen, Ludwig, daß ich ihn im Augen⸗ blicke ſchweigen mache,“ fragte Schuermans. Auf ein Zeichen des Junkers lief er eilig die Treppe hinauf. Ehe Herman ihn bemerkte, hatte Schuermans ihm bereits die Piſtole aus der Hand gerungen und ſie weit wegge⸗ worfen. „Gehſt Du herunter, Ketzer!“ rief er,„oder ich werfe Dich, wie einen Hund auf den Boden!“ Doktor Herman wollte nicht weichen. Auf ſeine Freunde vertrauend, ſuchte er Schuermans zu faſſen: doch dieſer, den Prediger um die Lenden faſſend, warf ihn wie einen Stein mitten unter das Volk, das ſchreiend auseinanderfuhr, Viele den He muthig nicht ſo N ſtürmer andern die ſchi handhal D ein Fre ihm da ihm üb heftiger Tempel liefen fu Pl lieren z zwanzig Bei der fürchter! zu einer Kampf Menge. zwei ver „H gießt ke Predigt haus la einer 2 räumen. Sie freunde en ſich zamms trugen en Hut ſich zu otkirche rängten in die wurde langen r Hei⸗ nit der ruhig ahm er der ihn uld zu⸗ . Ehe eits die wegge⸗ werfe Freunde dieſer, e einen verfuhr, 128 Viele gewaffnete Männer fielen auf Schuermans los, um den Hohn ihres Meiſters zu rächen. Leicht hätten ſie den muthigen Antwerpner unbarmherzig getödtet, wären ihm nicht ſeine Freunde zu Hülfe geeilt. Nun begann ein ſchrecklicher Kampf. Die Bilder⸗ ſtürmer wollten den Predigtſtuhl behaupten und ſchrieen den andern zu, ſie ſeien Spanier. Die kräftigen Arme und die ſchweren Fäuſte waren die einzige Waffe, welche ge⸗ handhabt wurde. Dieſer Kampf hatte ſchon einige Zeit gedauert, als ein Fremder Schuermans einen Dolchſtich verſetzte, und ihm damit in den Arm traf. Einige Blutstropfen rollten ihm über die Haare. Seine Freunde wurden dadurch noch heftiger gereizt und alsbald blitzten die Dolche durch den Tempel: ein blutiges Gefecht ſchien unvermeidlich. Viele liefen fura tſam und ſchreiend aus der Kirche.— Ploͤtzlich wurde das Volk, das am Eingang ſtand, mit unwiderſtehlicher Gewalt in den Tempel getrieben; die Kanzel ſchien unter ihrem Drucke ſeine Stütze ver⸗ lieren zu müſſen.— Wolfangh kam an der Spitze von zwanzig wohlbewaffneten Räubern wie toll in die Kirche. Bei dem Anblick dieſer unbekannten Männer, die mit fürchterlichen Blicken das Volk anſtarrten, und den Tempel zu einer Mörderhoͤhle machen zu wollen ſchienen, hatte der Kampf ſein Ende. Niemand durfte ſich rühren. „Ludwig!“ rief Wolfangh,„was befehlt Ihr 24— Damit ſchwang er ſeinen Degen und ſtürzte unter die Menge. Che Ludwig ein Wort geſprochen, lagen ſchon zwei verwundet an dem Boden. „Haltet ein! Haltet ein!“ ſprach der Jüngling,„ver⸗ gießt kein Blut. Wir ſind zu gering an Zahl, um die Predigt zu verhindern; laſſet uns lieber nach dem Stadt⸗ haus laufen und dort Hülfe ſuchen. Wir werden mit einer Bande Schützen wiederkommen und die Kirche räumen.“ Sie verließen den Tempel mit dem Gedanken, man 124 werde während ihrer Abweſenheit zu predigen fortfahren. Aber kaum hatten ſie den Ort verlaſſen als das Geſchrei: — nieder mit den Götzen! nieder mit den Götzen! den Tempel erfüllte. Die Ketzer begannen die Bilder zu beſchimpfen und riefen denſelben Zoten ins Geſicht. Sie hatten aber noch nichts zerbrochen, als einer von ihnen, vor St. Rochus ſtehend, laut ausrief: es dürfen keine Thiere in der Kirche ſein.— Und damit warf er den marmornen Hund von ſeinem Piedeſtal herab. Ein Anderer faßte den Heiligen bei den Füßen, und da das Bild in der Mauer feſt war und nicht ohne Gewalt brechen wollte, zog er mit ſolcher Kraft an demſelben, daß ihm die beiden Füße in der Hand blieben: der Ketzer ſtürzte zurück und das Blut lief ihm aus Mund und Ohren. „Die Götzen in Stücke!— die Götzen in Stücke!“ riefen tauſend Stimmen,„es leben die Geuſen!“— und in einem Augenblicke hatten ſie Stricke, Beile, Hauen und anderes Werkzeug ergriffen. Nun liefen ſie raſend nach den Tempelmauern und hieben Alles, was einem Bilde glich, nieder. Die koſtbaren Altäre, Malereien, marmornen Verzierungen, Alles wurde unter Fluchen zu Boden geworfen und mit Hämmern zer⸗ ſchlagen. Den heiligen Leichnam unſeres Herrn ehrten ſie nicht mehr, denn fühlloſen Marmor. Sie warfen die Ho⸗ ſtien auf den Boden und zertraten dieſelben unter ihren Füßen. Bis hieher hatten ſie die Bilder und alles, was ſie erreichen konnten, zernichtet. Ein Bild hing noch an der Mauer: Chriſtus am Kreuze. Viele der Bilderſtürmer hatten ſchon ihre Blicke danach gerichtet; doch keiner mochte demſelben nahen. Ein Mann, deſſen graue Haare über ſeine Schultern hingen, ſtand vor dem Gemälde, den Kolben eines Gewehres gegen ſeine Bruſt drückend und bereit, auf den ſeine Waffe loszufeuern, der ſich ihm nahern würde. D auf den der Bil nicht, u Plötzlich zog ihr ſchmette aber als Wie er zum O⸗ Di begaben Apoſtel die Wöl geſtellt der ſo l am Bod wundet mern,— hatte ſle Eir unter di ſame Bi noch im gang he Diamant Tuche, n Falten a ſilbernen Wa fahren. eſchrei: en! den ken und er noch Rochus Kirche nd von Heiligen eſt war ſolcher r Hand ief ihm tücke!“ — und en und rn und ſtbaren wurde en zer⸗ ten ſie ie Ho⸗ r ihren vas ſie an der türmer mochte ee über Kolben bereit, naͤhern Die Heiligenſchänder kamen endlich in großer Anzahl auf den Künſtler zu— und warfen ihn mit den Stücken der Bilder, um ihn wegzutreiben; doch er bewegte ſich nicht, und ſchien ohne Gefühl für ihre Plötzlich ſchwang ſich einer behende h den Maler und zog ihn zu Boden.— Das Ge ging los und zer⸗ ſchmetterte die Bruſt eines Bilderſtürmers. Nun rief man:„Schlagt ihn todt, ſchlagt ihn todt!“ „Mein Bild!“ ſchrie der Maler,„mein Chriſtus!“ — und hob die Hände bittend zum Himmel. Er ſah das Bild zerbrochen und in Fetzen neben ſich im ſelben Augenblicke zu Boden ſinken, als ihn ein Geuſe mit einem Dolche durchbohrte. Der unglückliche Kürſiler ſprang auf, fiel aber alsbald wieder zurück auf die Stücke ſeines Gemäldes. Wie er ſchon früher geſagt: ſein Blut ſtrömte der Kunſt zum Opfer uͤber das Werk ſeiner Hände. Die Bilderfeinde ließen van Horts Leiche liegen, und Vorte und Thaten. begaben ſich auſ's Neue an das Stürmen. Die zwölf Apoſtel ſtanden herrlich gemeiſelt über den Pfeilern, die die Wölhung unterſtützten. Hohe Leitern wurden dagegen geſtellt und mit Hacken und Stricken arbeiteten die Schaͤn⸗ der ſo lange, bis alle die marmornen Bilder in Stücken am Boden lagen. Viele wurden durch ihren Fall ver⸗ wundet und man hörte in der ganzen Kirche lautes Jam⸗ mern,— doch nichts konnte ſie zurückhalten; die Raſerei hatte ſie verblendet. Ein prächtig Bild allein ſtand noch unberührt mitten unter dieſen heiligen Trümmern. Es war das wunder⸗ ſame Bild„Unſre liebe Frau von Antwerpen.“ Sie war noch im Feſtgewande, wie ſie zwei Tage zuvor beim Um⸗ gang herumgetragen wurde. Eine Krone von köſtlichen Diamanten verzierte ihr Haupt. Ein Mantel von goldenem Tuche, mit glänzenden Perlen durchwoben, ſiel in reichen Falten an ihr nieder. Das goͤttliche Kind trug den ſchweren ſilbernen Weltball in der Hand. Warum dieß Bild noch nicht zerbrochen war, iſt 126 4 ſchwer zu ſagen. Alle hatten es geſehen, da es in der einen? Mitte der Kirche auf einer hohen Tragbahre ſtand. Es aber ei läßt ſich leicht begreifen, daß keiner der Gottloſen es auf zu will ſich nehmen wollte, die andern zur Zerſtörung dieſes Bil⸗ ſchen L des anzureizen. geſchrei Nun, da Alles zerbrochen war, und Hacken und Beile Schitze ruhten, begannen ſie ſich der Mutter Gottes zu nähern, zu bege und ſahen einander mit fragendem Blicke an. In dieſem tzen, ſo Augenblicke kam einer von ihnen, der betrunken war, denn nicht ve er konnte ſich kaum aufrecht halten, herbeigelaufen. „Nun!“ rief er,„fürchtet Ihr Euch vor dieſem von Ho Stücke Holz, oder vor den Glöckchen, die an ihrem Leibe Anfall hängen? Kommt, kommt, werſt ſie auf den Boden!“— D Und er ſprachs mit einem ſchrecklichen Fluche, der ſelbſt Dienſtle ſeine Kameraden in Erſtaunen ſetzte.— geſtellt. „Ruft, vive les Gueux, oder man wirft Euch in ſie heſt Stücke!“ brüllte er nochmals. Und die That dem Wort Männer auf die Ferſe folgen laſſend, faßte er mit ſeinen zwei Hän⸗ dieſen den die Arme der Tragbahre, kehrte dieſelbe um und warf Kamera ſo die Mutter Gottes auf den Boden.— Die Juwelen die Spe wurden geraubt, der Mantel zerriſſen, und die Krone zer⸗ Nu brochen; und das Bild blieb nackt und geſchunden liegen. ßen der Unter denen, welche zuerſt die Hand an die Juwelen die eina der Mutter Gottes legten, waren vier oder fünf Kerle, dießmal die eine Stunde früher die Kirche verlaſſen hatten. waren u Als die Räuber ſich vergebens nach Gegenſtänden ter die umgeſehen hatten, die geraubt werden konnten, ſo gingen und triel ſie ans Rauben und nahmen geweihte Kelche, Monſtranzen, des Sch⸗ Leuchter, Kreuze; alles, was nur irgend Werth hatte, ie wurde geſtohlen. Die Thüre der Sakriſtei wurde erbro⸗ deken bei chen, und dieſe Böſewichter, nicht zufrieden mit Rauben verbunder und Stehlen, verkleideten ſich als Prieſter, und ſangen Klooſterſ gemeine Lieder als Lobpſalmen durch die heiligen Hallen. metzeln f Dies Alles geſchah, ohne daß ſich irgend Jemand Wa widerſetzt hätte. Ludwig war mit Wolfangh nach dem beſchäftig Stadthauſe gelaufen und hatte den Bürgermeiſter erſucht, in der d. Es es auf es Bil⸗ d Beile nähern, dieſem e, denn dieſem n Leibe n!— r ſelbſt uch in Wort ei Hän⸗ nd warf uwelen ne zer⸗ liegen. uwelen Kerle, ſtänden gingen ranzen, hatte, erbro⸗ NRauben ſangen Hallen. gemand h dem erſucht, 127 einen Theil Schützen mit ihm nach der Kirche zu ſchicken; aber eine andere Gefahr hinderte die Obrigkeit, dieſer Bitte zu willfahren.— Man hörte in der Richtung des ſpani⸗ ſchen Quartiers ein heftiges Schießen, verwirrtes Kriegs⸗ geſchrei und alle Zeichen eines blutigen Gefechtes. Viele Schützen hatten die Wache verlaſſen, um ſich nach Hauſe zu begeben, und ihr eignes Gut vor Plünderung zu ſchü⸗ tzen, ſo daß der Bürgermeiſter die wenigen übriggebliebenen nicht von dem Stadthauſe wegſchicken durfte. Das Schießen und Geſchrei, das man hoͤrte, war von Houtappel und ſeinen Freunden veranlaßt, welche einen Anfall auf das ſpaniſche Quartier gewagt hatten. Die Spanier hatten dieſen Anfall erwartet und ihre Dienſtleute bewaffnet vor ihre Häuſer in der Klooſterſtraet geſtellt. Als die Geuſen zum erſtenmale angriffen, fanden ſte heftigen Widerſtand und mußten mit Verluſt von vier Männern zurückweichen. Aber ihre Wuth wurde durch dieſen Unfall noch großer. Houtappel ſprach ſeinen Kameraden Muth ein, und lief mit ihnen aufs Neue gegen die Spanier an.... Nun hoͤrte man von dem großen Markte das Schie⸗ ßen der Gewehre und das wilde Schreien der Parteien, die einander gegenüber ſtanden. Die Geuſen behielten dießmal die Oberhand über ihre Feinde, da ſie muthiger waren und mehr Leute hatten; ſie warfen ſich mitten un⸗ ter die Spanier, ermordeten Alles, was Gegenwehr bot, und trieben die Andern in die Flucht, bis ſie endlich Herr des Schlachtfeldes waren. Die Todten und Verwundeten wurden in das Peer⸗ deken bei der Hoogſtraet getragen. Als die Verwundeten verbunden waren, begaben ſich die Geuſen zurück in die Klooſterſtraet, und liefen in die Häuſer, um das Nieder⸗ metzeln fortzuſetzen, bis kein Feind mehr übrig ſei. Während dieſer Zeit waren die Bilderſtürmer noch beſchäftigt, Alles in der Liebfrauenkirche in Stücke zu 128 ſchlagen oder zu rauben. Doctor Herman, welcher ſie nicht verlaſſen hatte, munterte ſie zum Stürmen der Götzen, wie er ſich ausdrückte, an und hieß auch die an⸗ dern Kirchen der Stadt auf dieſelbe Weiſe entheiligen. So zogen ſie mit Kreuzfahnen, Standarten, ſilbernen Leuchtern und Kreuzen, welche ſie geraubt hatten, in Prozeſſion aus der Kirche. Viele hatten Caſulen, Sto⸗ len und andere geiſtliche Gewänder umgehängt. Sie ſangen mit verwirrten Stimmen die Pſalmen nach der Reimung des Clemens Marot. Die koſtbaren Kreuzfahnen zogen ſie zum Aerger der Zuſchauer durch den Koth, und hoben ſie dann wieder, ſchmutzig und unkenntlich, in die Höhe. Das Geſchrei: Es leben die Geuſen! ertoͤnte unauf⸗ hoͤrlich. Ludwig mit Wolfangh und etwa zehn ſeiner Freunde ſtanden bei dem Rathhaus und ſahen der Schändung des Heiligen mit tiefſtem Schmerze zu; ſie ſuchten nochmals die Richter zu einem Ausfall zu bewegen; aber es glückte ihnen nicht, da der Magiſtrat richtig urtheilte, indem er die wenigen Kriegsknechte, die doch nichts hätten ausrich⸗ ten können, nicht der Gefahr preisgeben wollte. Ludwig lehnte muthlos und beinahe weinend an einem Pfahle des Marktes; ſeine Augen ſtarrten mit Schrecken und Entrüſtung unter die entheiligten Standarten, und er wäre wohl noch länger in dieſem dumpfen Sinnen ver⸗ blieben, hätte ihn nicht etwas wild aufſpringen machen. Er bedeckte die Augen mit der Hand, um nichts mehr zu ſehen; bald aber blickte er wieder auf und rief ſeinen Feinden zu: „O Himmel! Unerhoͤrte Bosheit! Seht, ſie haben das heilige Sakrament! Selbſt unſres lebendigen Gottes wagen ſie zu ſpotten! Nun hält mich nichts mehr zurück. Sterben wir als ächte Chriſten, wenn es ſein muß.— Entreißen wir ihnen das Allerheiligſte!“ Mit dieſen Worten zog er ſeinen Degen aus der Scheide hielt ihn meine Le lung wer tig, zu u nen... zu rühren Wol vor, und Dann git der Schä Aber wie der Räub unter ſein ihn plötzl Er bracht mit unter die Stim ſeinen Leil „Hoͤr angedeihen mir das, bemerkt.“ Der Wolfanghe die Monſt ſehen, daß tel etwas die Seite zu, ſondert Das N lcher ſie men der die an⸗ ligen. ſilbernen tten, in n, Sto⸗ t. Sie nach der uzfahnen olh, und „in die 2 unauf⸗ Freunde ung des ochmals glückte ndem er ausrich⸗ n einem ſchrecken und er nen ver⸗ machen. s mehr fſeinen haben Gottes zurück. uß.— us der 129 Scheide und wollte ſich auf ſie ſtürzen, aber Wolfangh hielt ihn zurück und ſprach mit dumpfer Stimme: „Seht mich an, Ludwig. Iſt nicht Blut in meinen Augen? Brennt in mir nicht die Wuth, wie ein wildes Feuer? Ja, nicht wahr? Und doch, ich werde dießmal meine Leidenſchaft zügeln. Mir ſoll die Ehre dieſer Hand⸗ lung werden. Ihr koͤnnt es nicht thun: Ihr ſeid zu hef⸗ tig, zu unvorſichtig; mit Gewalt iſt hier nichts zu gewin⸗ nen... laßt mich nur, bleibt hier ruhig... ohne Euch zu rühren...“ Wolfangh zog ein Stilet unter ſeinem Mantel her⸗ vor, und prüfte mit der Hand, ob die Spitze noch ſcharf. Dann ging er ſchleichenden Schrittes bis in die Mitte der Schänder und nahte dem, der das Allerheiligſte trug. Aber wie ſchmerzte es ihn, als er in dieſem Spoͤtter einen der Räuber ſeiner Bande erkannte! Er blieb ſtehen, ergriff unter ſeinem Mantel das Stilet, aber ein Gedanke, der ihn plötzlich durchzuckte, ließ ihn daſſelbe wieder einſtecken. Er brachte ſeinen Mund an des Räubers Ohr, und ſprach mit unterdrückter Stimme: „Du mußt ſterben, Bernhard. Mein Stilet kennt ſchon den Platz, wo es Dich durchbohren ſoll.“ Der Räuber wurde blaß, wie der Tod; er hatte die Stimme erkannt. Ein Schauer rieſelte kalt uͤber ſeinen Leib. „Hoͤre,“ fuhr Wolfangh fort,„ich will Dir Gnade angedeihen laſſen, und Dich nicht ermorden, wenn Du mir das, was Du träͤgſt, übergibſt, ohne daß es Jemand bemerkt.“ Der Räuber bückte ſich, als wenn er etwas, das zu Wolfanghs Füßen lag, ergreifen wollte. Er ſtand auf: die Monſtranz war verſchwunden.. Man konnte nur ſehen, daß Wolfang mit ſeinem linken Ellbogen den Man⸗ tel etwas in die Höhe hielt, als hätte er ſeinen Arm in die Seite geſtemmt. Er ging nicht gerade auf Ludwig zu, ſondern wandte ſich nach dem Handſchvenmarkt, und Das Wunderjahr 1566. 9 „ 8 S. 130 kam ſo zum Stadthaus, wo die Monſtranz dem Bürger⸗ meiſter zur Aufbewahrung übergeben wurde. Eine Stunde ſpäter verließ Ludwig ſeine Freunde, unter dem Vorwande, ſich nach Hauſe zu begeben; doch wollte er durch die Stadt gehen, um ſich ganz dem Schmerze zu überlaſſen, den ihm das ſchreckliche Schau⸗ ſpiel verurſacht hatte. So ſchritt er durch die Straßen, beinahe ſtumpf für Alles, was um ihn her geſchah. Ein eigenthümlich Schamgefühl hinderte ihn, ſich nach God⸗ maerts Wohnung zu begeben. Sollte er ſagen, dies Alles ſei unter ſeinen Augen geſchehen, ohne daß er hätte etwas thun können, um es zu verhindern? Da die Bilderſtürmer durch die Unmacht der Re⸗ gierung ſich der Strafloſigkeit verſichert hielten, ſo fuhren ſie fort, Alles in Stücke zu hauen. Kein Bildchen ließen ſie über einer Thüre oder Mauer ungeſchunden ſtehen.— Und wenn der friedſame Bürger ſich ihren Gewaltthätig⸗ keiten widerſetzen wollte, ſo wurde er von ihnen mißhan⸗ delt und mit Schimpf und Schande fortgetrieben. Eine große Anzahl der Reformer aber, die über die Folgen dieſer Gottloſigkeit und Zerſtörungswuth erſchrocken waren, fiel von ihnen ab. Die Sonne war hinter den Wolken hervorgetreten. Herrlich und prachtvoll beſchien ſie die traurigen Haufen des Zerſchlagenen. Schaaren von Menſchen durchzogen mit freudigem Jauchzen die Stadt. „Glück auf! Glück auf!“— ſchrieen ſie, als ob eine raſende Freude ſie toll gemacht hätte. Beile, Leitern, Stricke und anderes Werkzeug wurde im Triumphe herum⸗ getragen. Wenn ſie ſo umherziehend auf dem Giebel irgend eines Gebäudes noch ein Bild, es mochte ſo hoch ſein, als es wollte, bemerkten, ſtiegen ſie unter dem Jauchzen des Pöbels hinauf, und mit donnerndem Beifall fiel es in Stüͤcken zur Erde. Alle Läden waren geſchloſſen, alle Kirchen beraubt, die Giebel aller Häuſer und öffentlichen Gebäude geſchän⸗ Bürger⸗ det. Haufen des koſtbarſten Marmors hemmten im Ge⸗ hen. Es ſchien als wollten die Antwerpner, in der Ver⸗ Freunde, blendung, ihre Häuſer nicht mehr bewohnen, und ihre 1; doch eigne Stadt zerſtören. inz dem Viele der Gräuelthaten geſchahen auf den Plätzen Schau⸗ und in den Straßen, durch welche Ludwig ging. So ſah Straßen, er vor der St. Jakobskirche einen großen Haufen Bilder h. Ein von Heiligen, Kreuzen und vielen andern geweihten Sachen, h God⸗ in einem großen Feuer, das die Bilderſtürmer angezündet les Alles hatten, zu Aſche verbrennen. e etwas Nachmittags ging er an dem Minoritenkloſter vorüber, wo man eben mit dem Plündern beſchäftigt war: die der Re⸗ Mönche und Prieſter wurden mit Spott und Mißhandlung fuhren verjagt und verfolgt.— Dies ſehend, erſchrack Ludwig ließen heftig, da er an Pater Franziskus dachte; jetzt erſt er⸗ hen.— wachte er aus ſeiner Unentſchloſſenheit, die ihn den ganzen tthätig⸗ Tag zu einem gefühlloſen Menſchen gemacht. Er erhob nißhan⸗ das Haupt und ein neues Feuer ſtrahlte aus ſeinen Augen Eine und er wandte ſich haſtigen Schrittes nach dem Veemarkt, n dieſer um Pater Franziskus zu finden und ihn vor Mißhandlun⸗ en, fiel gen zu ſchützen, wenn es möglich wäre. Dort angekommen fand er vor dem Predigerkloſter etreten. eine ungeheuren Haufen Bilderſtürmer, die ihn nicht durch⸗ Haufen laſſen wollten. Mit vieler Mühe, nach langem Stoßen chzogen und Drücken gelangte er endlich in das Kloſter, das ſchon von dem ſchlimmſten Geſindel angefüllt war. Er ob eine ſah, wie ſie ſich um die ſilbernen Leuchter ſchlugen, hörte Leitern, das ſchändliche Fluchen durch die langen Räume hallen, herum⸗= und fand das Refectorium voll betrunkener Menſchen, Giebel die ſich an unſittlichen Liedern und den gemeinſten Läſte⸗ ch ſein, rungen ergötzten. auchzen Ludwig ſchritt durch ihre Mitte und achtete nicht [es in auf ihre Scherze; er ſtieg die Treppe hinauf, um ſich nach der Zelle des Pater Franziskus zu begeben und kam auch eraubt, bald in den erſten Stock, wo er nur wenige Leute an⸗ eſchän⸗ traf. — 13² Die Zellen ſtanden offen, alles war todtenſtill drinnen; einige Thüren waren in Stucke geſchlagen, als Zeichen der Gewaltthätigkeiten, die man hier verübte. Schon klopfte das Herz des Jünglings langſamer; er ſchritt muthlos durch den Gang, als er plotzlich einige Stimmen triumphirend rufen hörte: „Da haben wir noch einen Pfaffen! werft ihn auf die Straße, den Hund!“ Ludwig eilte hinzu, warf drei bis vier Männer von der Zellenthüre weg und ſchritt in das kleine Gemach; während die erſtaunten Stürmer einander verwundert anſahen. Pater Franziskus lag vor einem Kruziſtr am Boden; ſeine ſilbernen Haare fielen zur Erde. Von Zeit zu Zeit machte er eine Bewegung, um die Hände himmelwärts zu heben, und einige feurige Worte, die ſeinem Munde entfloßen, zeigten, daß er betete. Ludwig wollte die Spötter, die die Thüre belagerten, alle todten, denn es waren ihrer wenige; aber ein Blick auf Vater Franziskus hieß ihn davon abſtehen, und neben dieſen knieend, ergriff er ſeine Hand und ſprach: „Vater hier bin ich, Euer geliebter Sohn Ludwig. Ich komme, Euch zu retten...“ Der Prieſter richtete ſich auf, betrachtete Ludwig mit dankbaren Blicken und antwortete, den Blick auf das Chri⸗ ſtusbild gerichtet: „Ludwig, mein guter Sohn, ich danke Dir für Deine gute Abſicht, aber ich werde Dir nicht folgen.— Hier in dieſer Zelle will ich ſterben, wenn Gott über mein Le⸗ ben verfügt hat.— Laß mich beten, ſtöre mich nicht. Ich will die Welt verlaſſen, den Namen des Herrn auf meinen Lippen. Gehe hin und denke nicht an mich.“ Ludwig ſchlang ſeine Arme um den Prieſter und Thränen rollten aus ſeinen Augen: „Ihr ſterben! Ihr mein guter Vater! O, Gertrud müßte mich verwünſchen, wenn ich Euch hier ließel Kom Euch Euch / die ſollte mir dankb . tief! Godr würde ſagen Euer Er l die er es ni gut zuſtel ſich Pate ich n vollz mißh Gege mir mich Dir. hung und Hau verw rinnen; Zeichen Schon ſchritt timmen hn auf ner von emach; pundert Zoden; u Zeit elwärts Munde gerten, Blick neben udwig. ig mit Chri⸗ Deine Hier in Le⸗ nicht. en auf 7 und ertrud ließe! 1339 Kommet, die Gottloſen werden Euch mißhandeln, ſie werden Euch ermorden.... Es iſt noch Zeit.Ich werde Euch vertheidigen oder mit Euch ſterben.“ 1 „Ludwig, mein braver Sohn, ſei ruhig... Siehe, die Krone des Märtyrertodes wird mir angeboten;— ſollte ich mich weigern, ſie anzunehmen? Der Herr hat mir ſiebenzig Jahre vergönnt.... ich bin nicht un⸗ dankbar Der Jüngling hinderte ihn fortzufahren und ſagte: „Euere Worte ſind heilig, aber ſie ſchmerzen mich tief!— O ſeht meine Thränen, denkt an Gertrud, an Godmaert, Ihr allein könnet uns tröſten. Euer Tod würde Godmaert das Leben koſten, denn nun darf ich es ſagen, Ihr wißt es, er wäre mitſchuldig an Euerm Mord; Euer Blut würde auf ſein Haupt zurückfallen.... Er hat Euere Feinde aufgehetzt.... Wollet Ihr ihm die ewige Strafe auf den Hals laden? Nein, Ihr thut es nicht, Ihr geht mit mir. Ihr ſeid zu edelmüthig, zu gut gegen Euern Nächſten, um ihm dieß Leid anzuthun 2 Während dieſer Worte hatte Ludwig den Prieſter auf⸗ zuſtehen genöthigt und wollte ihn nun aus der Zelle mit ſich fortziehen. Ich werde Dir folgen, ſprach endlich der Pater, aber höre wohl auf dieſe Worte, mein Sohn, denn ich will, daß Du ſie als meinen unumſtoͤßlichen Befehl vollzieheſt... Vielleicht wird man Dich verſpotten und mißhandeln; Du wirſt leiden mit mir ohne Murren, ohne Gegenwehr, was auch geſchehen möge, und nähme man mir das Leben, ſo iſt mein Wille, daß Du nichts thueſt, mich zu vertheidigen oder zu rächen... ich verbiete es Dir. Wirſt Du dazu Muth genug haben?“ „Ja, Vater kommt, ich werde Alles ertragen.“ Sie gingen zur Zellenthüre hinaus unter den Schmä⸗ hungen derjenigen, welche ſich in dem Gange befanden, und kamen bald in das Refectorium, wo ſie durch einen Haufen Betrunkener gehen mußten. Dieſe erhoben ein verwirrtes Gejauchze, ſobald ſie den Prieſter ſahen: 134 „Ein Pfaffe, ein Pfaffe!“ In einem Augenblicke war Pater Franziskus von dem Pöbel umringt; der Eine zog ihn an ſeiner Kapuze, der Andere ſpritzte ihm Bier in's Antlitz; aber der Prieſter ging mit niedergeſchlagenen Augen vorwärts und ſchien ſich nicht um all die Gewaltthätigkeiten zu beküämmern; ſein Habit war in Fetzen zerriſſen, das Bier troff an ſei⸗ nen Kleidern hinab. Ludwigs Antlitz war ſchrecklich. Man konnte deut⸗ lich darauf leſen, welche Wuth ihn verzehrte; ſeine Au⸗ gen rollten, ſeine Zähne knirſchten, er drückte wild die Hand des Prieſters.— Doch er erinnerte ſich des em⸗ pfangenen Befehles und bot keinen Widerſtand. Nach vielen Mißhandlungen gelangten ſie endlich auf den Veemarkt; aber hier wurde ihnen noch ſchlimmer be⸗ gegnet. Eine große Menſchenmenge folgte ihnen. Die Ohren des Prieſters mußten die ſchändlichſten Beſchimpf⸗ ungen vernehmen; Andere warfen mit Koth, ſo daß die Silberhaare des Prieſters ſchändlich beſchmutzt waren. Schon hatte Ludwig mehrmals gebeten und gerufen: „O Vater, laßt mich ſie umbringen, oder meine Adern zerſpringen noch!— Ich kann nicht, kann nicht mehr ruhig bleiben! O um Gottes willen laßt mich Euch rächen und ſterben!“ Aber der Prieſter antwortete: „Wie ſchön iſt es, Ludwig, zu leiden um der Treue gegen Gott. Denke an die chriſtlichen Helden der alten Zeiten: ſte wurden gemartert, gebrannt, gequält; aber im ſiedenden Oel, unter den Klauen der Löwen hoͤrte man keine Klage aus ihrem Munde, kein Wort der Rach⸗ ſucht; ſie, baten den Himmel noch um Gnade für ihre Henker. Folgen wir ihrem Beiſpiel, mein Sohn; viel⸗ leicht werden wir heute mit der glänzenden Märtyrerkrone vor dem Herrn erſcheinen!“ Bei der Ecke der Zwartſtüſterſtraß, an der Koepoort 24 ſtand Schief hüif Stück flogen Stück Wund Antlitz on dem e, der Brieſter ſchien mern; an ſei⸗ deut⸗ ne Au⸗ ild die es em⸗ ch auf er be⸗ Die himpf⸗ aß die en. rufen: meine nicht mich Treue alten aber hoͤrte Rach⸗ ihre viel⸗ rkrone poort 24 135 ſtand ein halbaufgebautes Haus, bei welchem ein Haufen Schiefer lag. Kaum war Ludwig einen Schritt vorüber, als er ein Stück Schiefer an ſeinem Ohr vorüberfliegen hörte. Bald flogen noch mehrere Steine nach ihnen, bis endlich ein Stück die Stirne des Paters traf und ihm eine große Wunde beibrachte....Ludwig ſah das Blut über ſein Antlitz ſtrömen.... Nun kannte er keine Rückſicht mehr: er vergaß den Befehl des Prieſters und ohne ſich nach ihm umzuſehen, lief er auf Denjenigen zu, den er den Schiefer hatte wer⸗ fen ſehen, und ſtieß ihm das Schwert mit ſolcher Ge⸗ walt in den Leib, daß es aus dem Rücken wieder heraus⸗ ſah;— er ſah ſich um, um noch mehr Schlachtopfer zu finden; aber die Spötter hatten ſich davon gemacht. Inzwiſchen war Pater Franziskus auf der Straße niedergeſunken. Der Schlag des ſchneidenden Schiefers hatte ihn ſo gewaltig getroffen, daß er ohnmächtig zu Boden ſtürzte. Ludwig nahte ſich ihm, ängſtlich aufſchreiend und ihn halb aufrichtend, trug er ihn bis an die Mauer eines Hauſes, wo er ihn niederſetzte. Indeſſen waren die Ge⸗ waltthätigen wieder näher gekommen und warfen mit Steinen, Schiefer und Koth. Verzweiſelnd, rathlos und nicht wiſſend, was zu thun, um den Prieſter zu befreien, ſtellte er ſich vor ihn hin und bedeckte ihn ſo mit ſeinem eigenen Leibe. Steine flo⸗ gen unaufhörlich gegen ihn und manchmal preßte ihm der Schmerz einen Schrei aus. Vielleicht hätte er länger in dieſer Haltung ausgeharrt, aber ein Theil des Pöbels warf von einer andern Seite, ſo daß die Steine oft den Prieſter trafen.. Dieſer aus ſeiner Ohnmacht erwacht, wollte mit Gewalt Ludwig ihn verlaſſen heißen. „Laſſe mich ſterben,“ ſprach er,„laſſe mich ein Mär⸗ tyrer werden— gib Dich nicht länger preis für mich.. 136 Ich werde im Himmel für Dich beten.— Komm, mein braver, tapferer Sohn, gib mir den Abſchiedskuß.“ Aber Ludwig antwortete nicht; alle ſeine Aufmerkſam⸗ keit war auf die Steine gerichtet; alle ſeine Sorge be⸗ ſtand darin, mit Armen und Schultern, wie mit einem Schilde, den Prieſter zu beſchützen. Endlich wurde aber die Zahl der Feinde ſo groß, daß Ludwig den Prieſter nicht mehr befreien konnte. Er warf ſeine Arme um des Prieſters Hals, und ſprach: „Da iſt der Kuß, den Ihr verlangt, aber es iſt kein Abſchiedskuß... Nein, wir wollen zuſammen für unſern Gott ſterben.. O ich werde auch Märtyrer ſein... wie ſchön iſt dieſe Gewißheit... 4 Seine Stimme verſagte ihm und er legte ſein Haupt an den Buſen des Prieſters. Gewiß hätte er ſich in dieſer Stellung tödten laſſen, aber ein ſchwererer Stein, der den Pater traf, machte ihn laut aufſchreien. Ludwig riß ſich los, ſprang wüthend auf, und ſah ſich unter einem Hagel von Steinen um, ob von nirgend her ihm Hülfe werden würde. Plötzlich ſah er von Ferne in der Koepoortsſtraet ei⸗ nige Menſchen, die er kannte, herbeikommen.... Sein Antlitz erglänzte vor Freude und er rief mit übernatürlicher Stimme: „Wolfangh, Wolfangh!“ Ses Und dann bedeckte er wieder den Prieſter mit ſeinem eibe. Bei dem Namen Wolfangh ſchienen die Steine an der Hand der Werfer feſtzuhalten; ſie ſahen einander mit fragenden Blicken an, ob ſie wirklich den Mann ſehen ſollten, der dieſen gefürchteten Namen trug. Bald kamen etwa zehn Mäuner zu Ludwig, es wa⸗ ren ſeine Freunde, die er am Stadthauſe zurückgelaſſen. „Wolfangh! Schuermans!“ rief Ludwig, während er den Pater verließ,„ſeht, ſo behandeln ſie den beſten aller Menſchen... einen ſiebenzigjährigen Prieſter!“ Franzz handel ſeinen und w ten, l Augen mehr überſte wurde 2 er den nichts: Schla⸗ ſtürzte 4 einen andern nieder, Wunde einen? rung lorne fallene ee aber Prieſter im des es iſt en für ärtyrer Haupt laſſen, hte ihn nd auf, ob von zet ei⸗ ef mit einem te an r mit ſehen wa⸗ aſſen. hrend heſten ter!“ 137 „Ha!“ rief Wolfangh freudig aus,„es gibt noch ſchlimmere Menſchen als mich! Das Blut des Möͤrders ſtrömt!“ Dann warf er einen theilnehmenden Blick auf Pater Franziskus, einen meſſenden Blick auf die, welche ihn miß⸗ handelt hatten, nahm in jede Hand ein Stilet, drückte ſeinen Kopf zwiſchen die Schultern... ſchrie laut auf und warf ſich unter die Feinde. Ehe Schuermans und die Andern ihm folgen konn⸗ ten, lagen ſchon einige in ihrem Blute und nach wenigen Augenblicken war in den umliegendeu Straßen Niemand mehr zu ſehen; nur von ferne hörte man noch den Ruf: „Wolfangh! Wolfangh!“ als Schreckensruf weithin erſchallen. Dann kam Wolfangh zurück zu Pater Franziskus; er betrachtete mit Entrüſtung das edle Geſicht des Prie⸗ ſters, das durch Schmutz und Blut etwas entſtellet war. Nachdem er eine Weile ſo zugeſehen, verließ er Ludwig und ſeine Freunde,— und lief nach der Thür des gegen⸗ überſtehenden Hauſes. Trotz ſeines Klopfens und Rufens wurde nicht geoͤffnet. Wolfangh gerieth in heftigen Zorn; wüthend drückte er den eiſernen Klopfernder Thüre krumm. Doch es half nichts; raſch holte er eine Schieferſchwelle und mit einem Schlage ſtunden Schloß und Riegel auf... Die Thüre ſtürzte krachend zu Boden. Kurz darauf kam Wolfangh aus dem Hauſe; in der einen Hand hielt er eine Kufe mit Waſſer und in der andern einige leinene Tücher. Er kniete zu dem Prieſter nieder, wuſch ſein Haupt und Angeſicht und verband ſeine Wunde mit ſo viel Gewandtheit, daß man ihn hätte für einen Arzt halten koͤnnen. Nun bemerkte man erſt, welch' ſchreckliche Verände⸗ rung mit Pater Franziskus vorgegangen war. Das ver⸗ lorne Blut hatte ihm alle Kräfte geraubt; ſeine einge⸗ fallenen Wangen waren mehr als bleich, ſie waren aſch⸗ 138 farbig, gelb und durchſichtig; ſeine Lippen waren blau, wie Schiefer.— Und doch— es glänzte auf dem Ge⸗ ſichte des Prieſters ein himmliſcher Ausdruck von Unter⸗ warfung unter den Willen des Herrn: ein Lächeln der ngel. Ludwig kniete gleichfalls neben den Pater und half Wolfangh bei dem Verbande. Der Prieſter ſah ihn freundlich an. „O, Ihr werdet gerettet, guter Vater,“ ſprach der Jüngling mit zärtlicher Theilnahme;„Euere Wunde wird heilen... Ihr werdet noch lange unſer Schutzengel ſein.“ „Ludwig, mein theurer Sohn,““ ſeufzte der Prieſter, „der Herr hat über mich verfügt, er hat mir die Märty⸗ rerkrone auf's Haupt geſetzt. Ich werde ſterben... nicht an der Wunde, die Ihr verbindet, ſondern an dem Stein, dem letzten, der mir die Bruſt eingedrückt hat. Ich fühle es: meine Seele wird ſich mit Gewalt losreißen, ſie will himmelwärts... Doch, weint nicht um mich, mein Loos iſt ſchon..“ Auf dieſe Rede antwortete Ludwig nichts: er ſtarrte dem Prieſter ins Antlitz. „Du liebſt mich alſo ſehr?“ ſprach Pater Franzis⸗ kus, während er Ludwigs Hand drückte.„Ja Du liebſt mich, ich will für Dich beten...“ Nun wurde Pater Franziskus durch Wolfangh und Schuermans aufgerichtet, mit aller Sorgfalt unterſtützt und langſam nach der Keizerſtraet fortgeführt, während van Halen und die andern Freunde Ludwigs bereit waren, jeden Spötter zum Schweigen zu bringen. Endlich erreichten ſie Godmaerts Wohnung und wur⸗ den von Thereſe eingelaſſen. einand verhar der al trirt. chen; wußte entheil mißha Herzer gedeih ziskus S gefolt nicht g Pater der ſe lichen Seuf; reſe i zisku⸗ There nach blau, n Ge⸗ Unter⸗ ‚An der d half h ihn ich der e wird ſein.“ rieſter, Närty⸗ in dem kt hat. reißen, mich, ſtarrte ranzis⸗ liebſt gh und terſtützt ährend waren, d wur⸗ X. gloria in altissimis Deo et in terra pax homini- bus bonae voluntatis. Ehre ſei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden und den Menſchen ein Wohl⸗ gefallen. Luc. 2, 14. Godmaert und ſeine Tochter Gertrud ſaßen neben⸗ einander in dem Bücherſaal: ſſie thaten nichts,— und verharrten in dem Zuſtand der Angſt und Erwartung, der alle Denkkraft des Menſchen auf einen Punkt konzen⸗ trirt. Seit einer halben Stunde hatten ſie nichts geſpro⸗ chen; ſie ſchienen mit offnen Augen zu ſchlafen. Schon wußten ſie, wie alle Tempel beraubt, geplündert und entheiligt waren; wie man die Geiſtlichen verjagt und mißhandelt hatte. Godmaert weinte im Innerſten ſeines Herzens über die Hülfe, welche er den Ketzern hatte an⸗ gedeihen laſſen; er dachte mit Schrecken an Pater Fran⸗ ziskus, deſſen Loos er nicht kannte. Nicht minder war Gertrud von ſchrecklichen Gedanken gefoltert. Seit der verfloſſenen Nacht hatte ſie Ludwig nicht geſehen.— Niemand konnte ihr von ihm Nachricht geben; Pater Franziskus war in ihrer Wohnung nicht erſchienen, er, der ſonſt als Schutzengel an ihrer Seite ſtand. Ihre ängſt⸗ lichen Gedanken, ihre bange Furcht löſte ſich in dem Seufzer:„Sie ſind todt, todt!“ auf. Plötzlich trat The⸗ reſe in den Bücherſaal und rief: „Da find ſie! Da ſind ſie! Ludwig und Pater Fran⸗ ziskus!“ Ein Freudengeſchrei Gertruds war die Antwort auf Thereſens Nachricht. Das Fräulein ſtund auf und ſprang nach der Thüre, die in dieſem Augenblicke aufging. Aber als ſie Ludwigs beſchmutzte Kleider ſah, als 140 ſie bemerkte, wie ſeine Hände mit Blut befleckt waren, und als ſie zuletzt den Prieſter erblickte... da wurde ſie wie von einem Zauberſchlag berührt. Sie blieb zitternd in der Mitte des Zimmers ſtehen, ſchrie laut anf und ſank wie leblos zu Boden. Godmaert bedeckte ſein Antlitz mit der Hand, um dieß ſchreckliche Schauſpiel nicht mit anſehen zu dürfen. Der Prieſter war beinahe todt; er wurde von Wol⸗ fangh und Schuermans mehr getragen, als unterſtützt; ſeine Füße ermangelten der Kraft zu Schritten. Sein Herz aber war noch nicht gebrochen, ſein Geiſt noch licht. Man ſetzte ihn in einen weichen Armſtuhl, in den er bewegungslos niederſank. Gertrud hatte das Bewußtſein noch nicht ganz ver⸗ loren, denn ſie erwachte von ſelbſt und ſtund auf. Sie faßte ſich endlich ſo weit, daß ſie, während die andern ſchweigend um den Prieſter ſtanden, ihre Dienſtboten zu⸗ ſammenberief und nach Aerzten und Chirurgen ſchickte; die übrigen mußten Kiſſen und leinene Tücher holen oder Wein und ſtärkende Getränke herbeiſchaffen. Dann, ohne ſich nach Ludwig umzuſehen, trat ſie zu dem Prieſter und wollte ihn auf ein gutes Bette le⸗ gen, was er aber verweigerte;— und die Hand des Fräuleins ergreifend, ſprach er, während ſich ſeine Züge verklärten: „Meine theure Tochter, ſpare Dir die Mühe,— dein guter Vater geht zu Gott, Pater Franziskus ver⸗ läßt die Welt... aber warum ſollteſt Du trauern um mich— während mich eine neue Freude erfüllt? Ich habe lange gelebt, mein Kind; der Herr hat mich mit Gnade überhäuft— und nun erweiſet Er mir die groͤßte Gnade.. ich ſterbe für ſeinen heiligen Namen!“ Dieſe Worte machten auf das Herz des Mädchens einen ganz anderen Eindruck, als man hätte erwarten ſollen. Statt in Thränen auszubrechen, heiterte ſich ihr Geſicht auf. Sie antwortete: 7 ſterben nicht w wartet zunehm A ſelbſt C dem de 2 Herrn helfen ſchreck tlitz d griff d baren waren, wurde zitternd if und , um rfen. Wol⸗ rſtützt; Sein licht. n den 33 ver⸗ Sie andern en zu⸗ hickte; n oder rat ſie tte le⸗ d des Züge e, 5 ver⸗ en um ) habe Gnade ade.. dchens varten ch ihr 141 „O ich verſtehe Euch, guter Vater. Ja Ihr werdet ſterben und die Welt verlaſſen! Und Eure Gertrud wird nicht weinen, nicht klagen.... denn ein ſchoͤnes Leben wartet Euer... der Himmel öffnet ſich, um Euch auf⸗ zunehmen..“ In dieſem Augenblick trat ein Arzt in das Zimmer. Ohne mit Jemanden zu ſprechen, ging er zu dem Prieſter, faßte ſeine Hand und betrachtete ihn aufmerkſam. Alle Perſonen, welche zugegen waren, traten näher; ſelbſt Godmaert ließ den Seſſel, in welchem er ſaß, zu dem des Prieſters rollen. Nach einer langen Weile banger Furcht fragte Lud⸗ wig den Arzt: „Nicht wahr, Meiſter Wallenſius, es iſt noch Hoff⸗ nung?“ Der Arzt antwortete nicht; aber als Ludwig ſeine Frage wiederholte, ließ er die Hand des Prieſters ſinken. und ſprach: „Noch eine halbe Stunde, höchſtens!“ Auf dieſe Worte folgte eine Todtenſtille. Godmaert, der auf der Seite des Paters ſaß, ſchlang ſeinen Arm um den Hals ſeines leidenden Freundes und verbarg das Antlitz an ſeiner Bruſt. Unter Thränen ſeufzte er: „O Vater, Freund, ſaget mir noch einmal, daß Ihr mir vergebet; denn die Reue quält mich. Ich weiß es: ein Theil Eures unſchuldigen Blutes kommt über mich, wenn Eure Gebete ſie nicht von meinem Haupte wenden. Vergebt mir! Ich habe mit die Tempel meines Herrn geſchändet, ich habe den alten Glauben vertilgen helfen und an allen Greuelthaten, die heute geſchehen, ein ſchrecklich Theil! O vergebt mir!“ Godmaert betrachtete in dieſem Augenblick das An⸗ tlitz des Prieſters, das ihm freundlich zulächelte. Er er⸗ griff die kalte Hand des Paters und drückte einen dank⸗ baren Kuß darauf. „O, Ihr habt mir vergeben!“ rief er freudig aus. 142 Des Prieſters Augen begannen zu brechen: Er ant⸗ 2 wortete Anfangs nicht auf Godmaerts Klagen, ſammelte ſchiene aber alle Kraft, die ihm noch übrig geblieben. Er winkte durch eine leiſe Bewegung des Kopfes Ludwig und Ger⸗ trud herbei und ſagte mit ſchwacher Stimme, als ſie bei ihm ſtanden: 4 „Nun, meine Kinder,— jetzt werde ich ſterben,— ich fühle es!“ d Der Ton der Worte ließen keinen Zweifel über ihre Wahrheit. Gertrud ſank auf die Kniee vor dem Prieſter nieder und Ludwig folgte ihrem Beiſpiel. Der ſterbende Prieſter fuhr fort:. „Godmaert, ja, Ihr habt geirrt— und geſündigt, ſeine — aber Eure Reue iſt ernſtlich... „Im Namen Gottes, deſſen Diener ich bin— ich ver⸗ gebe Euch! Trauert nicht— aus Furcht, die Feinde 27 2 unſerer Religion— möchten ſiegen. Die Kirche unſres Herrn Jeſus Chriſtus— iſt unzerſtörbar.... aus der* Verfolgung geht ſie nur glänzender hervor;— aus Be⸗ kämpfung— ihrer Macht... Wolfangh, der Abt von St. Bernhardt— wird Euch ſagen— was Ihr thun dem müßt.. Lieben Kinder! Habt Dank für Eure Liebe.— Wer — Wanket nie in Eurer feſten Liebe zu Gott! Gertrud Theo und Ludwig, Ihr werdet vereinigt werden, wenn die geliu Kirche— ihr Reuegewand abgeworfen hat... Aus dem Refo Himmel— wird— meine Seele über Euch wachen.... dem Liebet... ein... ander.. und..“ heit, Seine Stimme verſagte und wurde unverſtändlich. Frag Er erhob zum letzenmal ſeine Hand und ſegnete die Knie⸗ f ſo ke enden. Noch einmal hob er die Augen zum Himmel und auch ſprach mit klarer Stimme die erhebenden Worte; eine „Gloria in altissimis Deo.. et... in pfoh terra pax hominibus l Ende. Er ant⸗ mmelte winkte d Ger⸗ ſie bei en,— der ihre Prieſter ündigt, ich ver⸗ Feinde unſres aus der us Be⸗ lbt von )r thun ebe.— Gertrud un die us dem hen.... ändlich. e Knie⸗ nel und .. in Bei J. Rommelsbacher in Stuttaart iſt er⸗ ſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Organon des Chriſtenthums in ſeinem dreifachen Verhalten zur Philoſophie, Dogmatik und Kirche. 27 Bogen, gr. 8. broch. 2fl. 20 kr. od. 1 Thlr. 10 Gr. In dieſem Buche ſind die drei Hauptpunkte, die dem Chriſtenfreund werth und theuer ſind, in ihren Werthen gegen einander abgewogen: 1) Der Werth der Theologie gegen die Philoſophie, 2) der Werth des Evan⸗ geliums gegen die Tradition, und 3) der Werth der Reformation gegen die Hierarchie; und alle drei aus dem Worte Gottes, als der einzigen Urquelle der Wahr⸗ heit, geprüft. Da dieſe Schrift die wichtigen religioͤſen Fragen und Bewegungen unſerer Zeit vielfach beſpricht, ſo kann ſie nicht nur dem Gelehrten vom Fach, ſondern auch jedem Gebildeten, der ſich in Sachen der Religion eine richtige Anſicht erwerben moͤchte, mit Recht em⸗ pfohlen werden. Stuttgart im Maͤrz 1846. J. Nommelsbacher. Im Verlage der Franckh'ſchen Verlagshandlung iſt erſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Fragen der Zeit, vom hiſtoriſchen Standpunkte betrachtet. Von Dr. Karl Hagen. 2 Bde. 8.0 eleg. geh. Preis 6 fl.— oder 3 Thlr. 18 Ngr. Der Verfaſſer dieſes Werkes, welcher ſich dem deut⸗ ſchen Publikum bereits durch ſeine hiſtoriſchen Forſchungen uͤber das Reformations⸗Zeitalter bekannt gemacht hat, behandelt hier die wichtigſten Fragen der Gegenwart, und zwar vom hiſtoriſchen Standpunkte aus. Doch iſt die⸗ ſes keineswegs derjenige der ſogenannten hiſtoriſchen Schule, welche, nur Intereſſe fuͤr die Inſtitutionen der Vergan⸗ genheit fühlend, der Mitwelt den Beruf zu einer ſelb⸗ ſtändigen Entwicklung abſprechen möchte; ſondern gerade das Studium der Geſchichte hat ihn zu dem Reſultate geleitet, daß nur das wahrhaftes Leben ſei und laͤn⸗ gere Dauer verbürgen koͤnnte, was aus der friſchen Quelle des Volksbewußtſeins und aus den Beduͤrfniſſen der Zeit entſpringt. Die Geſchichte bietet ihm nur einen neuen Beweis von der Nothwendigkeit des Fortſchritts und daß die richtigſten Forderungen der heutigen öffent⸗ lichen Meinung dem Weſen der deutſchen Natonalitaͤt entſprechen, welche zu erheben und durchzubilden eine der vorzüglichſten Aufgabe des Verfaſſers iſt. Auch hat eben wegen dieſer vom Verf. eingeſchlagenen Richtung der erſte Band, welcher ſchon im Jahr 1843 erſchienen, ſich einer allgemeinen Anerkennung von Seite des deutſchen Publikums erfreut, wie die vielfältigen günſtigen Recen⸗ ſionen bew, iſen, die in verſchiedenen Blaͤttern erſchienen ſind. Auch andere Nationen find bereits darauf auf⸗ merkſam geworden. Im April 1846. Franckh'ſche Verlagshandlung. handlung haben: 7 rachtet. er em deut⸗ ſchungen acht hat, genwart, h iſt die⸗ Schule, Vergan⸗ ner ſelb⸗ n gerade Reſultate und laͤn⸗ friſchen uͤrfniſſen nur einen rtſchritts n öffent⸗ tonalitaͤt eine der hat eben ung der nen, ſich deutſchen n Recen⸗ rſchienen auf auf⸗ ng.