* —— Leihbiblivthet deutſcher, engliſcher franzöſiſcher Literatur Cduard Ottmänn in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und Seſebeingungen. orensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme, und Rückgabe der Bücher jeden S S Tag von Morgens 7 ihr bis Abends 3 Uhr offen. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von l Fi e Tag 5 Pf. be ahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe 4 hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. . Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 1. ( auf 1 Monat: Mr— Pf. 1 N — 4 Auswärtige haben r Hin- und Zurückſendung cher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen.— . Schadenersatz. 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Die Gegenwart des verwundeten Irländers ſchien ihnen Glück zu bringen, denn ſie ſezten ihren Marſch anderthalb Tage fort, ohne auf Etwas zu ſtoßen, was von der Art war, um ihre Beſorgniß zu erre⸗ gen oder ihnen Furcht einzuflößen. Die Gewißheit, daß ſie nur noch zwei Nächte in Gebirge zubringen mußten und dann Pu ſherzte über den Schrecken, welchen der Ktus während der Reiſe ausgeſtanden hatte, e begreifl ich zu machen, daß ſie, ſo viele fälle ihnen auch aufgeſtoßen wären, ch Hinderniß oder eigentlichen Schaden — Si bevorſtehende Erreich n ihres Zieles in Ausſicht hätten. Kwik lehnte jedoch dieſe Beruhigung ab, ſchüttelte zweifelnd den Kopf und murmelte, daß man das Fell des Bären nicht verkaufen dürfe, ehe man ihn gefangen habe, und daß man das Erndte feſt nicht feiern dürfe, ehe das Getreide in der Scheune ſei. Der Morgen war ſchon weit vorgerückt, als ſie übetz eine Fläche zogen und, ohne viel Acht darauf zu geben, einige Felſen gewahr wurden, welche ein⸗ 5 ſam mitten auf der Ebene ſtanden und aus dem Grunde aufgewachſen zu ſein ſchienen. Als ſie noch ein paar hundert Schritte davon entfernt waren, hielt der Brüſſeler plözlich an und ſprach mit gedämpfter Stimme: „Halt, Freunde, es lauert Verrath hinter der Anhöhe.“ Mit dem Finger vorzeigend, ſezte er hinzu: „Dort, hinter den Felſen, Hüte, die ſich bewe⸗ gen. Die Hüte ſind mexikaniſche Sombreros. Die⸗ jenigen, welche hinter den Felſen ſtehen, um uns im Vorübergehen zu überfallen, ſind ohne Zweifel Sal⸗ teadores. Halten Sie ſich bereit, meine Herren, 6 und geben Sie bei dem erſten Erſcheinen der Rä ber Feuer!“ Während er noch ſprach, gingen die Hü Höhe, und drei Kugeln flogen über die Flamänder dahin, dieſe ſchoſſen zu gleiche Gewehre gegen die Feinde ab; nun aber* neben den Felſen fünf oder ſechs Mann zu Pfet um den Goldſuchern keine Zeit zum Wiederlade Waffen zu laſſen, kamen ſie im ſchnellſten ihrer Pferde und mit wildem Geſchrei auf ſie geſtürmt. 3„Die Revolver!“ rief der Brüſſeler.„Es ſind Vaqueros! Riemenwerfer! Gebt Acht auf den Laſſo!“ Donatus machte ein Kreuz, während er mit einem „ Seufzer bei ſich ſprach: „O, lieber Gott, ſei meiner armen Seele gnädig!“ Aber er hatte nicht Zeit, um dieſes kurze Gebet —— in⸗ em zu endigen. Die Laſſos durchſchnitten pfeifend die Luft, und der ſchnell auf einander folgende Knall der Revolver ertönte über die Fläche.... Um nicht von den Pferden zu Boden getreten zu werden, wa⸗ ren die Goldſucher, immer ſchießend, in verſchiedenen Richtungen aus einander gewichen. Ein Laſſo ſchlang ſich Viktor Roozeman mitten um den Leib und klemmte ihm die Arme an die Seite. Der Reiter, an deſſen Sattel das Ende des ſchrecklichen Riemens feſtgebunden war, gab ſeinem Pferde den Sporn, riß dadurch den unglücklichen Victor zu Boden und ſchleppte ihn in ſchnellem Laufe auf dem Grunde fort. Donatus, der tapfer ſchoß, um ſein theures Le⸗ ben zu vertheidigen, bemerkte in dieſem Augenblick den ſchrecklichen Zuſtand von Viktor. Ein Schrei der Verzweiflung entſchlüpfte ihm, und mit wunder⸗ barer Schnelligkeit eilte er ſeinem Freunde zu Hülfe. Unterwegs warf er ſeinen abgeſchoſſenen Revolver zu Boden, zog ſein großes kataloniſches Meſſer aus dem Gürtel und erreichte den Mexikaner gerade in dem Momente, wo er einen Abhang hinabzuſprengen im Begriffe war und dadurch unfehlbar den Kopf ſeines Opfers zerſchmettert hätte.... Kwik ſtieß ſein Meſſer dem Pferde ſo tief in die Seite, daß das arme Thier, tödtlich getroffen, zu Boden ſtürzte. WDer Vaquero, der aus dem Sattel gefprungen und auf die Kniee gefallen war, zog einen Dolch, ſtach Donatus nach der Kehle und traf ihn wirklich; aber der Flamänder, durch die Gefahr, welche Victor be⸗ drohte, faſt zum Wahnſinn gebracht, faßte den Va⸗ querd am Haar, zog ihm den Kopf rückwärts und bohrte ihm das Meſſer bis an das Heft in die Bruſt. Dann eilte er auf Roozeman zu, ſchnitt den Riemen los und lief wieder, ohne ein Wort zu ſprechen, auf Re den Kampfplaz zurück. Er heulte vor Wuth, Blut ſtrömte ihm vom Angeſicht, Schaum ſtand ihm auf i dem Munde, und er ſchwang ſein ſchreckliches Meſ⸗ ſer über dem Haupte. a Als er zu ſeinen andern Freunden gelangte, ſah ha er, wie die Mexikaner nach den einſamen Felſen hin un entflohen. Ohne umzuſchauen, lief er ihnen nach, ha obſchon der Brüſſeler ihm in allen Tonarten zurief, Ri er ſolle ſtehen bleiben. 2 Kwik erkannte bald die Nuzloſigkeit der Verfol⸗ ſic gung und kehrte um. Victor kam ihm entgegen, nannte ihn ſeinen Retter, drückte ihn in die Arme— di und bezeugte eine tiefe Angſt beim Anblick des Blu⸗ ri tes, welches Donatus ziemlich ſtark an der Wange fe herabfloß. Dieſer beruhigte ihn: der Vaquero hatte ho ihm einen Dolch in die Bruſt ſtoßen wollen, aber ge da jener den Stoß parirte, hatte die Waffe den ge Schädel getroffen und ihm über den Ohren einen ſe 12 ziemlich tiefen Schnitt beigebracht. Auch Jan Creps, der Brüſſeler und der Fran⸗ ge 5 zoſe reichten Kwik die Hand und überhäuften ihn mit ₰ li 6 Glückwünſchen wegen des im Gefechte bewieſenen 3 . Muthes. Der bewegte Junge lehnte aber dieſe Lobes K . erhebungen ab und ſagte: „Bah, ich bin kein größerer Held wie geſtern; 3 Menſchenblut, ſei es von mir ſelbſt oder von andern, ſa * flößt mir Schrecken und Abſcheu ein. Aber Herr Victor war in Todesgefahr; das hat mich wahn⸗ ſinnig gemacht; ich wußte nicht mehr, was ich that. di uſt. nen auf lut auf eſ⸗ ſah hin ich, ief. ol⸗ en, me lu⸗ ge tte er Gott vergebe mir die ſündhaften Worte, aber hätte ich hundert Mexikaner tödten müſſen, um Herrn Roozeman zu retten, mich dünkt, ich hätte es gethan.“ „Jezt haſt du einen Chriſtenmenſchen getödtet,“ murmelte der Matroſe.„Das Geſpenſt..... 3 „Geſpenſt? Der häßliche Mexikaner?“ rief Do⸗ natus mit einem neuen Anflug von Wuth.„Er hat Herrn Victor ermorden wollen; er mag kommen und ſpucken, ſo viel er will; dann werde ich wahr⸗ haftig ſeinem Geiſte auch mein Meſſer durch die Rippen ſtechen.“ Inzwiſchen waren die Andern damit beſchäftigt, ſich zu erzählen, wie es ihnen im Gefechte ergangen war. Der Franzoſe hatte gleichfalls den Laſſo um die Glieder gehabt und war einige Schritte fortge⸗ riſſen worden; aber Jan Creps hatte ſich vorgewor⸗ fen und den Riemen durchgeſchnitten. Der Brüſſeler hatte einem der Feinde ſein Meſſer in den Hintern geſtochen; ein Anderer hatte ohne Zweifel eine Ku⸗ gel in den Leib bekommen, denn man ſah ihn auf ſeinem Pferde vornüberfallen, und ſein Schmerzens⸗ ruf und die Flucht, die er anſchlug, waren der Grund geweſen, daß auch ſeine Genoſſen vom Kampfe ab⸗ ließen. „Ich bin es,“ rief der Matroſe,„welcher dem Kerl die Kugel in die Bruſt gejagt hat.“ „Ah ſo, wo ſtanden Sie denn? Ich habe Sie nicht einen Augenblick in dem Gefechte bemerkt,“ ſagte Creps. „Wir auch nicht,“ beſtätigten die Andern. „Sie denken an Nichts,“ antwortete der Oſten⸗ der.„Um unſern armen Verwundeten nicht den Hals brechen zu laſſen, habe ich den Strick des Mauleſels mir an den Gürtel gebunden und das Thier an der Flucht gehindert. Geſchüzt gegen den Laſſo, habe ich meine Flinte zu wiederholten Ma⸗ len laden können, und vermochte mit Sicherheit die Schelme zu treffen. Es iſt eine Flintenkugel, welche der Vaquero in der Bruſt mit fortnimmt. Ohne meine Geiſtesgegenwart wären wir vielleicht alle zu⸗ ſammen todt.“ „Ei, das iſt nicht ſchlecht gedacht,“ erwiederte Kwik lachend.„Sobald wir noch einmal angegriffen werden, will ich mich auch hinter den Mauleſel ſtellen.“ Durch dieſen Scherz tief gedemüthigt, ſprang der Matroſe einen Schritt rückwärts, ſchwang ſein Meſſer und ſchien damit auf Donatus ſtoßen zu wol⸗ len; aber Jan Creps packte ihn bei der Hand und rief, ſie feſt zuſammenpreſſend, zornig aus „Bei Ihrem Leben, berühren Sie kein Haar von ſeinem Haupte. Noch eine Bewegung und ich ſchieße Sie vor den Kopf.“ Pardoes und Victor ſprangen zwiſchen beide. Demüthig und in verſöhnlichem Tone bat Donatus den Matroſen um Vergebung, verſicherte, nicht die mindeſte Abſicht gehabt zu haben, ihn zu verhöhnen, und bekannte laut, daß ſie alle ſeiner Behendigkeit und Kaltblütigkeit die eilige Flucht der Feinde zu danken haben. Dieß beruhigte den Oſtender und er drückte ſogar die Hand desjenigen, welchen er einen Augenblick zuvor beinahe durchbohrt hätte. Man unterſuchte die Wunden von Donaths und dem Baron, denn der leztere hatte davon, daß er das gen Na⸗ die che hne zu⸗ rte fen ſel ng ein ol⸗ nd on ße e. us ie n eit zu er en auf dem Boden geſchleift wurde, einen Theil der Haut von ſeiner Wange verloren. Es fand ſich⸗ daß Niemand eine ſchlimme Verlezung davon getragen hatte, und man demnach die Reiſe unmittelbar fort⸗ ſezen konnte. Der Matroſe wollte nach dem getödteten Vaquero und dem gefallenen Pferde ſehen, vielleicht um ſich zu überzeugen, ob dabei nicht dieſer oder jener Ge⸗ genſtand von Werth zu bekommen wäre; aber Par⸗ does hielt ihn zurück und ſagte! „Nein, laſſen Sie ihn liegen. Vorwärts, meine Herren; verlieren wir keine Zeit. Es iſt hier, auf dieſer Fläche, nicht geheuer. Die Mexikaner ſind rachſüchtige Leute, und es ſollte mich nicht wundern, wenn die Räuber in großer Zahl zurückkehrten. Wir müſſen uns beeilen, um jene felſigen Höhen zu er⸗ reichen, wo die Pferde zu einem Angriffe gegen uns nicht benüzt werden können.“ Als ſie ein Stück weit gegangen waren ſprach der Matroſe: Aber ich begreife es nicht: zuerſt ſahen wir über dem Rande der Felſen vier oder fünf Strohhüte, und die Reiter, welche uns anfielen, waren barhäuptig. Wo ſind wohl die Männer mit den Hüten geblieben? Da ſteckt Etwas dahinter, was uns noch andere Ge⸗ fahren vorausſehen läßt.“ Sie irren ſich,“ antwortete der Brüſſeler.„Es iſt eine Liſt, wovon ich ſchon oft in den Placeres habe ſprechen hören. Dieſe Vaqueros verlaſſen ſich auf ihren Laſſo viel mehr, als auf ihre Feuerwaffen, denn durch die Bewegung des Pferdes iſteihr Schuß immerdar unſicher. Den Revolver fürchten ſie nicht ein, weil eine wohlgerichtete Kugel an ihnen und ihren Pferden eine allzu große Zielſcheibe hat. Sie hatten uns ohne Zweifel von Ferne kommen ſehen; ſo lang unſere Flinten geladen waren, durften ſie einen Angriff auf uns nicht wagen. Was gab es alſo für ein Mittel, um uns zum Abſchießen unſerer Flinten zu verleiten? Es iſt einfach: ſie hatten ihre Sombreros oder Hüte und vielleicht ihre Wämſer dazu an Stöcken aufgehängt und vor unſerem Ange⸗ ſicht ſich bewegen laſſen; dabei haben ſie zwei oder drei Piſtolen abgeſchoſſen; und wir durch dieſe Men⸗ ſchengeſtalten getäuſcht, haben zu gleicher Zeit auf unſere vermeintlichen Feinde Feuer gegeben. Sonſt liegt dem Erſcheinen der Sombreros Nichts zu Grunde.“ Donatus ſchritt neben dem Mauleſel einher und drehte und wandte Etwas in ſeinen Händen, das er auf dem Kampfplaze aufgerafft hatte. Es war ein Lederriemen, aus drei dünnen Streifen zuſammen⸗ geflochten, von mehr als zwanzig Fuß Länge, und an dem andern Ende befand ſich eine Schleife. Seit ihrer lezten Verſöhnung ſchien der Matroſe geneigt, Donatus einige Freundſchaft zu bezeigen; er war nun an ſeine Seite gekommen und ſprach: „Was Sie da in der Hand haben, iſt ein Laſſo, Kwik.“ „Ich weiß es,“ war die Antwort,„aber ich halte mich für zu einfältig, um zu begreifen, wie man damit einen Menſchen fangen kann; die Kerls müſ⸗ ſen im Werfen deſſelben wunderbar geübt ſein. „Allerdings, Donatus, ſie wiſſen ſehr gewandt mit dem Laſſo umzugehen, doch gelingt es ihnen nur ſonderlich; aber die Flinten flößen ihnen Schrecken — hal ſter hal rec all Hu St nu get bet zer ſch zer Ve wi mi vi be V 6 J n t P 11 mit großer Mühe, dieſe Fertigkeit zu erlangen. Ich habe auf meinen Reiſen einſt Schiffbruch an den Kü⸗ ſten von Mexiko gelitten und dabei Gelegenheit ge⸗ habt, die Vaqueros in der Nähe zu ſehen. Es iſt recht ſonderbar: kaum ſind die Kinder dieſer Leute allein zu gehen im Stande, ſo ſpielen ſie mit dem Laſſo; erſt werfen ſie denſelben nach Kazen oder Hunden, dann nach Mauleſeln, und endlich nach Stieren und Pferden, denn der Laſſo iſt eigentlich nur erfunden, um Stiere und Pferde einzufangen,“ So ſchwazend, förderten die Goldſucher ihren Marſch. Victor war auf die andere Seite des Eſels getreten und ſprach mit John Miller, deſſen Fuß bereits merklich abgeſchwollen war, und deſſen Schmer⸗ zen ſich durch die brüderliche Fürſorge ſeines Be⸗ ſchüzers ſehr vermindert hatten. Der Engländer be⸗ zeugte ihm ſeine tiefe Dankbarkeit und verſicherte, daß er Gott bitten würde, ihm eine Gelegenheit zur Vergeltung der empfangenen Wohlthat zu gewähren. Jan Creps und der Brüſſeler ſprachen von den Minen, die ſie wahrſcheinlich übermorgen erreichen würden, und von ihren Entwürfen, um mit der möglichſten Ausſicht auf Erfolg ihre Arbeit in den Placeres zu beginnen. Gegen Abend ſahen ſie in der Ferne drei oder vier Zelte und ebenſo viele große Feuer. Sie blie⸗ ben ſtehen, um zu erkennen, ob ſie Freunde oder Feinde vor ſich hatten. Bald jedoch ſagte der Brüſſeler: „Es ſind Mauleſeltreiber, welche einen Vorrath Mehl vom Sacramento nach den Placeres bringen. Ich ſehe die Ladungen der Laſtthiere neben den Zel⸗ ten aufgehäuft; Laſſen Sie uns al gehen; wir haben Nichts zu be Die Mauleſeltreiber, in der Ferne erſcheinen ſa wehren und hielten ſich zur V jedoch bemerkten ſie in Kurzem Goldſucher ſein mußten, und rie zu, worauf der Brüſſeler beruhigend ant⸗ außerdem höre ich die Glöckchen der ſo ruhig vorwärts als ſie ſo viele Männer griffen zu ihren Ge⸗ ertheidigung bereit; „daß es friedliche fen ihnen den Freun⸗ John Miller erkannte den Vornehmſten der Maul⸗ der mehr als einmal Mehl und andere he für ſeinen Vater überbracht hatte. Als Verwunderung äußerte, ihn verwundet irgen zu treffen, erzäh t dankbarer Begeiſterur en ihn beinahe ſterbend in einem Wald⸗ oben und ihr einziges Laſtthier zu ſei⸗ hm abgetreten hatten. n die Flamänder eingeladen, zur Ihnen zu Ehren richteten Beſte, was ſie unter ihren Es wurde gut gegeſſen und en; denn dieſe Leute hatten chen Branntwein Laſſer eine Art ucher wunderbar ins Herz goß. freute, war die Ver⸗ ſie morgen Nachmittag die erſten Pla⸗ ceres am Yuba erreichen würden. John Miller bei den Mauleſeltreibern in dieſen Geb Engländer mi fremden Genoſſ gebüſch aufgeh ner Rettung i Hierauf wurde Stelle zu überna die Mauleſeltreiber das Vorräthen hatten, zu. außerdem luſtig getrunk chen refino oder kataloniſ und machten davon mit warmem L Grog, der die abgematteten Goldſ erquickte und ihnen neue Lebensluſt Was ſie noch am meiſten er ſicherung, daß lte ver junge ng, wie ſeine — Es wurde be⸗ ble bin fluf da wer Sp wol neu ther frei den wo Brt ged gar tert Kw die Tas Eil Ru Sch der ärts iner Ge⸗ eit; iche un⸗ nt⸗ ul⸗ ere Als det ge ine ld⸗ ei⸗ ur en en nd en in rt ar 13 bleiben ſollte, da dieſelben ſich verpflichteten, ihn binnen wenigen Tagen nach den Placeres am Feder⸗ fluß zu bringen. Er wollte ſeinen Rettern Geld geben; da ſie aber daſſelbe ausſchlugen, beſtimmte er ſie, wenigſtens einen neuen Vorrath Mehl und geſalzenen Speck anzunehmen. Es könnte ihnen, meinte er, wohl von Nuzen ſein, da in den Minen ſeit dem neuen Zufluß von Goldſuchern alles unbegreiflich theuer geworden war. Es ſtand den Flamändern frei, ihren neuen Freunden zu folgen, doch ſie fan⸗ den dieß nicht gerathen, da die ſchwer belaſteten Mauleſel nur ſehr langſam vorwärts kamen und wohl noch zwei Tage unterwegs ſein mußten. Der Brüſſeler wollte von keiner Verzögerung hören, er gedachte«lſo mit ſeinen Gefährten vor Sonnenauf⸗ gang wieder aufzubrechen. Nachdem John Miller noch einmal ſeinen Ret⸗ tern gedankt, nachdem er Roozeman, Creps und Kwik in die Arme geſchloſſen hatte, krochen alle in die Zelte und ſchliefen ruhig ein. II. Die Placeres. Die flämiſchen Goldſucher waren des andern Tages ſehr frühe abmarſchirt und hatten mit großer Eile ihre Reiſe fortgeſezt, ohne ſich unterwegs einige Ruhe zu gönnen. Die Ueberzeugung, daß jeder Schritt ſie den Placeres näher brachte, gab ihnen — .———— Muth, und während der Mauleſel wieder das ſchwerſte Gepäck und die Geräthſchaften trug, waren ſie leicht von Gliedern und aufgeräumt von Geiſt. Als ſie ſpät am Nachmittag zu überlegen be⸗ gannen, daß ſie ſchon Stunden lang weit genug ge⸗ gangen waren, um die Minen erreichen zu können, und doch noch nichts davon gewahr wurden, da ſank ihnen der Muth wieder mit der ſich aufdringenden trüben Ueberzeugung, daß ſie von der Richtung ab⸗ gekommen wären und ohne Zweifel noch eine Nacht im Gebirge zubringen müßten. Während ſie nun ſeit mehr als einer Stunde ſchweigend und getäuſcht eine hohe Fläche erſtiegen, wandte Jan Creps, welcher der Vorderſte war, ſich plözlich um und rief freudig aus: „Lobt Gott, Freunde! Da ſind ſie, dort unten. Hurra die Placeres!“ Seine Gefärten kamen herbeigelaufen, hoben be⸗ geiſtert die Arme zum Himmel empor und wieder⸗ holten ſeinen Ausruf: „Hurra! Hurra!“ „Ei, ei,“ rief Donatus verwirrt,„das ſind alſo die Placeres? Es ſieht aus wie ein Ameiſenhaufen? Woher kommen doch alle dieſe Menſchen, wenn es Menſchen ſind? Ich glaube, man kann wohl tauſend zählen. Laßt uns ſchnell hinunterſteigen, Freunde; wenn all die Kerls, welche dort gleich Maulwürfen in der Erde wühlen, eine Fracht Gold haben müſſen, ſo wird wahrhaftig für diejenigen, welche zu ſpät kommen, nicht viel übrig bleiben.“ Ohne auf das, was Donatus ſagte, Acht zu ge⸗ ben, hatten die Andern ſich am äußerſten Rande der icht be⸗ ge⸗ en, ank en ab⸗ cht en, ich be⸗ er⸗ 17 nd en n, ät e⸗ er Anhöhe niedergeſezt, um ein Bischen auszuruhen und das überraſchende Schauſpiel der Placeres zu genießen, welches ſie alle, den Brüſſeler ausgenommen, zum erſten Mal ſahen. Von der Stelle, wo ſich befanden, ſenkte ſich der nackte Felſen, rauh und ſtarr, beinahe lothrecht hun⸗ dert und hundert Fuß abwärts zu einer glatten Fläche, deren Grund augenſcheinlich aus angeſchwemm⸗ tem Schlamm und Steinen beſtand. Auf eine halbe Meile, gerade vor ihnen, erhob ſich ein ebenſo ſteiler Felſenkamm und zwiſchen dieſen beiden rieſigen Wäl⸗ len lief der Yubafluß in mehrfachen Krümmungen mitten durch das Thal. Dieſe Fläche war, wohin man auch die Augen wandte, mit einem Schwarm von Goldgräbern be⸗ deckt, welche, wie Donatus geſagt, nicht geringe Aehnlichkeit mit einem Ameiſenneſt hatten, deſſen Infaſſen an einem ſchönen Sommertage über dem Boden hinkriechen und ſich abmühen, um von Noh und Fern einige Stückchen Holz oder Stroh herbei⸗ zuſchaffen. So ſah man aus Hunderten von Gruben den goldhaltigen Sand heraufholen, den Boden mit Karſt und Haue umgraben, die Erde nach dem Fluß tragen, ausſchütten und waſchen. Es war ein Gehen und Kommen, worüber einem faſt das Sehen ver⸗ ging; die Gräber und die Wäſcher ſchienen von einem unbegreiflichen Eifer beſeelt; ihre Bewegungen waren ſchneil und kräftig, ſie liefen anſtatt zu gehen und man hätte glauben ſollen, unſichtbare Frohnvögte ſeien ihnen mit der Peitſche auf dem Rücken, um ſie zum Fleiß und zur Eile anzutreiben. ——— — — Auf der entgegengeſetzten Seite des Fluſſes, am Fuße der hohen Felſen, ſtanden die Zelte der Gold⸗ ſucher, ſtets in einiger Entfernung von einander, doch zuſammen den Eindruck eines Lagers machend, welches einige tauſend Soldaten zur Raſt für ſich aufgeſchlagen hatten. Die meiſten dieſer Zelte wa⸗ ren mit Leinwand oder Segeltuch bedeckt, doch be⸗ merkte man auch viele, welche nur aus grünen Tannenzweigen zuſammengefügt waren. Zur Linken, gleichfalls am Fuße der Felſen, auf einem Plaze, wo der Grund der Fläche ein wenig erhaben war, befanden ſich die stores oder Buden. Es waren gegen zwanzig Zelte, worunter ſechs oder— ſieben an Größe gegen die übrigen abſtachen. Rund um dieſe stores wimmelte es noch viel mehr von ab⸗ und zugehenden und durcheinander ſchwärmenden Menſchen, als auf der Fläche, und die Flamänder hörten ſelbſt in ſo weiter Ferne wüſte Geſänge und verworrenes Geſchrei aus der Mitte dieſes Menſchen⸗ gewühls aufſteigen. Der Brüſſeler erklärte ſeinen Gefährten, was ſie da unten ſahen, denn er kannte dieſen Placer, wo er einige Wochen gearbeitet hatte. Auf einen Aus⸗ ruf von Donatus, der ſeine Ungeduld nicht bezähmen konnte und alsbald in das Thal hinablaufen wollte, um ſogleich mit dem Goldgraben zu beginnen, ant⸗ wortete Pardoes: „Hier iſt wahrſcheinlich Nichts für uns zu machen; das ganze Thal hat bereits ſeine Eigenthümer und es wird kein Plaz mehr zu haben i „Wie? Was ſoll das heißen?“ fiel Kwik ihm in die Rede.„Eigenthümer? der Boden von Kali⸗ forni gut Gotti beme geſch beſtel einko nicht So 1 zuerſ dieſer Läng zum Fleck ſellſch man, ſchöp ſuche Thal Jung „ unde dieſe jene ſen v geſcht gerin ſein am old⸗ der, end, ſich wa⸗ be⸗ men auf nig en. der und von den der und en⸗ ſie wo us⸗ ten te, nt⸗ n; nd m li⸗ 17 fornien gehört Niemand an; und wir ſind hier ſo gut Herren als alle diejenigen, welche da unten Gottes Gold hervorſcharren. „Sie irren ſich, theilweiſe wenigſtens, Donatus,“ bemerkte Pardoes. Es gibt hier, das iſt wahr, keine geſchriebenen Geſeze; aber in Ermanglung derer beſteht unter den Goldſuchern ein gewiſſes Ueber⸗ einkommen, das Jedermann achten muß, will er ſich nicht die allgemeine Feindſchaft auf den Hals laden. So wird hier angenommen, daß diejenigen, welche zuerſt auf einen Plaz kommen, um Gold zu ſuchen, dieſen Plaz als volles Eigenthum beſizen, auf eine Länge von dreißig Fuß längs des Stromes und bis zum Beginn der hohen Felſen. Einen ſolchen Fleck Landes nennt man einen claim.*) Jede Ge⸗ ſellſchaft Goldgräber beſizt einen ſolchen. Erkennt man, daß der claim ſchlecht iſt, oder wird er er⸗ ſchöpft, dann iſt man verpflichtet, einen andern zu ſuchen, der noch Niemand zugehört. In dieſem Thale wird für uns Nichts zu finden ſein, meine Jungen.“ „Und wo ſollen wir dann hingehen?“ „Bemerken Sie, meine Herren, daß die Felſen ab⸗ und aufwärts am Fluſſe dicht an einander treten und dieſe Fläche beckenförmig einſchließen. Wenn man jene Engpäſſe überſchreitet, ſo erweitern ſich die Fel⸗ ſen von Neuem und bilden andere Becken, deren an⸗ geſchwemmter Boden wieder Gold in größerer oder geringerer Quantität enthält. Wir werden genöthigt ſein höher am Fluß hinaufzuziehen, bis wir einen ²) Engl. Anſpruch, Recht auf Etwas. A. d. U. Conſeience, das Goldland. I. 2 ——— — günſtigen Plaz treffen, der noch nicht in Beſiz ge⸗ nommen iſt. Ich denke wir brauchen uns nur ein oder zwei Stunden von dieſem Thale zu entfernen, um unſern Zweck zu erxeichen. Dort werden wir den placer finden, welcher mir durch den Franzoſen, den wir auf unſerer Reiſe getroffen haben, ange⸗ deutet worden iſt. Das Beſte, was wir thun können, iſt, unſer Zelt bis morgen früh hier aufzuſchlagen. „Hier auf dem Berge?“ murmelte Donatus. „Warum nicht da unten bei den Andern? Ach, ich habe ſolche Luſt auf dem Golde zu ſchlafen.“ „Da unten werden wir wahrſcheinlich keinen freien Plaz mehr finden. Das Holz wird ſehr rar ſein, und unſere Mauleſel kein Futter finden. Warum in die Tiefe niederſteigen, wenn wir morgen dieſe Höhe wieder erklimmen müſſen, um unſern Weg fortzuſezen.“ „Dennoch möchte ich doch einmal ſehen, was in den Placeres geſchieht,“ bemerkte Roozeman.„Hören Sie meinen Vorſchlag. Wir wollen das Loos ziehen. Zwei von uns ſollen hier bleiben, um das Zelt auf⸗ zurichten, und das Gepäck und die Geräthſchaften zu bewachen. Die vier andern ſollen auf die Pla⸗ ceres und in die Stores gehen dürfen. Hier iſt ſo viel nicht zu beſorgen, beſonders wenn man kein Gold hat.“ Man nahm den Vorſchlag an. Creps und der Matroſe wurden durch das Loos beſtimmt zu bleiben. Die andern beeilten ſich ihre Ranzen abzuwerfen, gaben ihre Gewehre den andern Kameraden in Ver⸗ wahrung und ſuchten eine Stelle auf, von wo man in das Thal hinabgelangen konnte. welc Waſ der werd habe beeil ( und den ſuche läng blick noch Thal 2 der betre 7 Sie dem zwiſe 8. Victt Golb iz ge⸗ r ein ernen, wir zoſen, ange⸗ nnen, lagen. natus. ch, ich keinen rrar arum dieſe Weg as in Hören iehen. t auf⸗ haften d der eiben. erfen, Ver⸗ man 19 „Ich ſehe dort rechts von uns, eine tiefe Kluft, welche bis auf den Grund des Thales durch die Waſſerſtürze in der Regenzeit ausgeſpült iſt,“ ſagte der Brüſſeler.“ In dem Bette dieſes Gebirgsbaches werden wir in das Thal hinabſteigen können. Wir haben noch Zeit genug und brauchen uns nicht zu beeilen.“ Sie folgten eine Weile dem Rande der Felſen und mußten dann einen weiten Umweg machen, um den Urſprung des ausgeſpülten Waſſerwegs zu ſuchen. Als ſie denſelben gefunden hatten, ſtiegen ſie längs eines ſteilen Abhangs, wo man alle Augen⸗ blicke Gefahr lief, den Hals zu brechen, hinab. Den⸗ noch erreichten ſie endlich nach vieler Mühe den Thalgrund und ſchritten langſam weiter. An einer verlaſſenen Grube vorübergehend, der Baron eine Hand voll Erde auf, und rie betrachtend, mit Verwunderung aus: „O'est pour vous de Por?**) Gold? Laſſen Sie ſehen, laſſen Sie ſehen!“ rief Kwik mit klopfen⸗ dem Herzen.„Es iſt wahr, Gold, Gold, es funkelt zwiſchen dem Sand.“ „Warum ſollten wir nicht hier bleiben?“ fragte Victor. „Allerdings,“ beſtätigte Donatus,„da man das Gold mit den Händen aufraffen kann.“ „Dieſe Grube liegt in dem claim der Männer, raffte f, ſie *) Gold, ich ſehe Gold! **) Das iſt für Sie Golb? — die vor uns mit Waſchen von Erde an dem Waſſer be⸗ ſchäftigt ſind,“ erwiderte Pardves.„Sie würden uns nicht geſtatten, hier zu arbeiten. Hört, ſie ſchreien, wir ſollen weg gehen. Kommen Sie weiter, laſſen Sie uns die Zeit nicht verlieren, meine Herren. Was der Baron da in der Hand hat, iſt Sand, der be⸗ reits ausgewaſchen iſt. Solches Funkeln hat Nichts zu bedeuten. Gold iſt hier beinahe überall mit der Erde vermiſcht. Aber die Aufgabe beſteht darin, einen Plaz zu finden, wo der Sand Gold genug ent⸗ hält, um einen guten Arbeitslohn zu gewähren.“ Unter dieſen Worten näherten ſie ſich dem Fluß und blieben eine Weile bei vier Männern ſtehen, welche eine große Wiege voll Golderde in Beweg⸗ ung ſezten, während zwei andere unaufhörlich Waſſer zugoſſen. Als man die Wiege endlich öffnete, um das ge⸗ waſchene Gold herauszunehmen, ſprang Kwik vor Ueberraſchung zurück. „Lieber Himmel,“ rief er,„es iſt lauter Gold darinnen! Bis jezt habe ich gefürchtet, wir ſeien gefoppt worden, aber jezt muß ich wohl glauben, was ich vor meinen Augen ſehe. Ha, ha, Aennchen, einen Getreideſack, ein Schloß, hurra, hurra!“ Und er machte einige närriſche Sprünge und be⸗ zeigte eine ſo laute Freude, als wäre er bereits im Beſiz der geträumten Schäze. Die Goldgräber ſchauten ihn mit einem leichten Spottlächeln an, unterbrachen jedoch ihre harte Arbeit nicht. Zum erſten Mal erſchien ein froherer Ausdruck auf dem Angeſichte des Barons, und ſeine Augen funkelten vor Freude. glück nicht funke hat, Dolle beinc das T Täuſ ſamke weite einen er ſc lockt, S zwiſc beſch wann zu b zu fi ſich r blieb C wollt aber nur lich k ihner **) r be⸗ uns „wir r be⸗ Richts t der darin, ſtehen, ewe⸗ Waſſer as ge⸗ ik vor Gold ſeien auben, nnchen, . und be⸗ eits im gräber ln an, usdruck Augen 21 „Die Männer ſind in der That nicht ganz un⸗ glücklich,“ ſagte Pardoes,„aber täuſchen Sie ſich nicht über die Quantität Goldes, die Sie in der Wiege funkeln ſahen. Was Donatus halb närriſch gemacht hat, kann einen Werth von fünfzehn bis zwanzig Dollars haben, mehr nicht. Es iſt die Frucht von beinaheeinem halben Tage Arbeit. Sie ſind zu fünfen,*) das macht alſo für jeden ungefähr vier Dollars.“ Der Baron ſchüttelte den Kopf mit bitterer Täuſchung und verfiel in ſeine gewöhnliche Schweig⸗ ſamkeit. Jedoch übte das Gold, das er bei jedem weitern Schritte, den ſie machten, ſchimmern ſah, einen wunderbaren Einfluß auf ſein Gemüth, und er ſchien endlich, von einer geheimen Hoffnung ver⸗ lockt, aufgeräumter und geſprächiger. Sie wandelten einige Schritte hin und her, zwiſchen den Leuten, die mit Graben oder mit Waſchen beſchäftigt waren. Der Brüſſeler redete dann und wann Einen an und ſuchte ſich über die Möglichkeit zu belehren, in dieſem Thale noch einen freien claim zu finden. Er gewann die Ueberzeugung, daß er ſich nicht getäuſcht hatte und daß ihnen Nichts übrig blieb, als den Fluß aufwärts zu ziehen. Einige Männer, die viel Gold zu finden ſchienen, wollten ihren claim für tauſend Dollars verkaufen, aber da Pardoes und ſeine Freunde mit einander nur fünfzehn Dollars beſaßen, ſo mußten ſie natür⸗ lich dieſes Anerbieten ablehnen, ſo vortheilhaft es ihnen auch erſchien. So gelangten ſie in die Gegend der Stores und *) Oben hieß es: zu ſechs. A. d. U. betrachteten eine Weile außerhalb des Gedränges Sch die ſeltſamen Menſchen, welche da herumſchwärmten. Kar Alle waren über die Maßen ſchmuzig; ihre Bärte, die ſie weder ſchoren noch kämmten, verbargen bei⸗ nich nahe ihr ganzes Geſicht, und ihre langen Haare Höl fielen ſchwer und in zuſammengeklebten Büſcheln auf Die die Schultern herab. Die meiſten trugen ſtatt aller Sa Kleidung ein rothes oder blaues Wollhemde und eine geh Hoſe, die mit einem Riemen um die Lenden befeſtigt ger war. Einige hatten große Stiefel, andere ſchwere Schuhe, viele gingen ſogar barfuß. Was jedoch keinem fehlte, war der Gürtel mit einem oder zwei Revolvern, oder zum Mindeſten mit einem großen nich Meſſer. Erſchien die Außenſeite dieſer Männer wenig gen anziehend, ſo waren ihr Benehmen und ihre Worte deſto zurückſtoßender. Sie fluchten ſchrecklich und bem tauſchten grobe Wize und gemeine Scherze aus, um welche ein Lächeln der Verachtung auf des Barons geb Lippen hervorriefen und Victor vor Eckel erzittern machten. Man konnte bemerken, daß viele dieſer was Leute von Trunk erhizt waren; ja man ſah ſolche, fähr welche bereits ſo ganz das Bewußtſein verloren hatten, mit daß ſie die Beine auf dem Boden nachſchleifen ließen, drei während ihre Freunde ſie halb trugen, halb fort⸗ ſchleppten. Hier hörte man Verwünſchungen, dort We funkelten die drohenden Meſſer, weiterhin kündigte vou der Knall von Revolvern vielleicht einen Doppelmord an; aber Niemand drehte den Kopf um, und Jeder⸗„ſat mann ging und kam, ohne ſich um das zu beküm⸗ Red mern, was die Andern thaten. „Blindes Glück!“ brummte der Baron mit Eckel, „es theilt ſeine Gunſtbezeugungen an dieſe gemeine todt nges nten. ärte, bei⸗ are auf aller eine eſtigt were edoch zwei roßen venig Worte und aus, arons ittern dieſer ſolche, atten, ießen, fort⸗ dort ndigte lmord Jeder⸗ eüm⸗ Eckel, emeine Schelmenrace aus. Kanaillenvolk!“ „Heiliger Gott!“ ſeufzte Kwik,„wenn ich es nicht beſſer wüßte, ich würde glauben, daß wir in der Hölle ſind. Was für ein Haufen von Teufeln! Die Männer von San Francisco ſind Engel dagegen. Sagen Sie, Pardoes, wollen wir weiter von hier gehen?“ Es iſt hier nicht gut ſein, und ich möchte gern lang genug leben, um viel Gold zu ſammeln..... „Haben Sie wieder Angſt?“ lachte der Brüſſeler. „Ich dachte, Sie fürchten ſich nur vor Geſpenſtern.“ „Ja wohl, ja wohl, ich dürfte mir wahrhaftig nicht viel Gewalt anthun, um dieſe ſchrecklichen Tau⸗ genichtſe für Geſpenſter zu halten.“ „Ich glaube, Freund Pardoes, Kwik hat Recht,“ bemerkte Victor;„ich fühle gleichfalls wenig Luſt, um mich in dieſes Gedränge roher Leute zu be⸗ geben.“ „Bah, bah,“ ſagte der Baron,„wir müſſen ſehen, was in den Stores geſchieht. Es iſt vielleicht ge⸗ fährlich, aber man kann nicht anders; wir wollen mit den Revolvern ſpielen und zum Gruße zwei oder drei von dieſen gemeinen Schurken niederſchießen....“ „Oui c'est bon, Baron,“ ſchnaubte Donatus, „Jeder für ſeine eigene Rechnung. G'est pour moi vouloir pas mort encore.“*) „Kommen Sie, vertrauen Sie meiner Erfahrung, „ſagte der Brüſſeler, auf eine Bude zuſchreitend.“ Reden Sie Niemand an, bekümmern Sie ſich um Pfui, was für ein ſchreckliches *) Ja, das iſt gut, Baron— was mich betrifft, noch nicht todt ſein wollen. A. d. U. —— Nichts und thun Sie gleich den Andern; das heißt, gehen Sie Ihren eigenen Weg, ohne ſich umzu⸗ ſchauen.“ Sie befanden ſich jezt vor der Bude eines Gold⸗ wechslers. Es war ein Leinwandzelt, vorn ganz offen. Am Eingang ſtand eine hölzerne Tafel, aus rohen Brettern gezimmert und auf zwei Baumſtämmen ruhend, wovon man nicht einmal die grüne Rinde abgeſtreift hatte. Eine Waage, einige Häufchen Dollars oder Piaſter, drei große Pepitas, ein Bis⸗ chen Goldſtaub, ein Blatt weißes Papier und zwei Revolver, war Alles, was ſich auf der Tafel be⸗ merken ließ. Hinter dieſem Zahltiſch ſtand ein magerer Mann mit einer Brille auf der Naſe. Er beugte ſich vorn über und hielt die eine Hand an die Waagſchaale, die andere zur Seite eines Revolvers, raſtlos und unbeweglich nach der Menge ausſchauend, gleich einem Fuchſe, der auf ſeinen Raub lauert. Zwei Goldſucher näherten ſich dem Zahltiſche; einer von ihnen zog von der Bruſt ein ledernes Säckchen, das ihm an einer Schnur um den Hals hing, heraus, ſchüttete den Inhalt auf das Blatt Papier und ſagte in franzöſiſcher Sprache: „Hier, Papa Crochu,*) wägt mir das und gebt mir Piaſter dafür; aber beſtehlt mich nicht, ſonſt werfe ich Euren Kram um.“ „Wer ruft Euch?“ brummte der Wechsler.„Nehmt Euer Gold und geht anders wohin.“ „Nun, nun, nicht ſo viele Worte. Wägt es, *) Crocha heißt im Franz. krumm, hackenförmig. A. d. U. grö iſt fälj er Dre kup ſo 1 weit gege Gol ihne wun Pap liege jedes den eißt, mzu⸗ zold⸗ ganz aus imen tinde ſchen Bis⸗ zwei be⸗ Nann vorn aale, und inem iſche; ernes Hals Blatt gebt ſonſt tehmt gt es, 25 ſage ich; ich werde mein Auge von Euren krummen Fingern nicht abwenden. Der Wechsler ſteckte ſeine Hand in das Häuſchen Goldkörner und verſicherte, das Metall ſei nicht ganz rein; der Andere behauptete fluchend das Gegen⸗ theil. So ſprechend und ſtreitend, wog der Wechsler das Gold und bezahlte dafür eine gewiſſe Summe in Piaſtern. Die Goldſucher verließen die Bude, ſich rühmend, der müßte ein ſchlauer Kerl ſein, der ſie zu betrügen im Stande wäre. Pardoes winkte ſeinen Freunden. Als er ſich weit genug von der Bude des Wechslers entfernt glaubte, ſprach er: „Dieſen Papa Crochu kenne ich. Es iſt der größte Gaudieb, der in ganz Amerika zu finden. Er iſt in Frankreich bereits zehn Jahre wegen Wechſel⸗ fälſcherei auf den Galeeren geſeſſen. Glauben Sie, er habe die einfältigen Schwäzer nicht betrogen? Dreimal hat er ſie betrogen? Fürs Erſte hat er kupfernes Gewicht, in welches Gold eingelaſſen iſt, ſo daß es viel ſchwerer iſt; zum Zweiten hat er ihnen weitaus nicht den wirklichen Werth des Goldes gegeben! und drittens hat er einen Theil von dem Golde dieſer Männer durch das Papier hindurch ihnen abgeführt,“ „Durch das Papier hindurch?“ rief Donatus ver⸗ wundert aus.“ Fließt denn das Gold durch das Papier?“ „Sie begreifen nicht, was ich ſagen will. Es liegen zwei oder drei Blätter Papier auf einander; jedes dieſer Blätter hat in der Mitte einen Schnitt, den man nicht ſehen kann. Während man ſpricht —— ———— — und ſich herumſtreitet, wühlt der Wechsler mit ſeinen Fingern in dem Golde herum, anſcheinend ſich zu verſichern, daß es rein iſt; er berührt die Blätter auf ſoche Weiſe, daß die Schnitte ſich öffnen und ein Theil des Goldes hindurchfällt. Er hat auf ſolche Art ſeinen lezten Kunden vielleicht eine Unze abgeſtohlen.“ „Und haben Sie es dießmal gleichfalls bemerkt?“ fragte Victor. „Gewiß, ſo deutlich, wie ich Sie ſehe.“ „Warum haben Sie dann dieſe armen Goldſucher nicht gewarnt?“ „Ja wohl! Sie müſſen nur ſo in den Placeres raiſonniren, dann ziehen Sie ſich jeden Augenblick die ſchlimmſten Händel auf den Hals. Jeder für ſich ſelbſt: um ſo ſchlimmer für denjenigen, welcher ſich betrügen läßt. Hätte ich nur ein Wort geſagt, ſo würde der Wechsler mit einem Pfiff, einem Ruf oder einem andern Zeichen die Leute aus den be⸗ nachbarten Stores herbeigerufen haben, und wir wären augenblicklich von fünfundzwanzig drohenden Burſchen umringt geweſen. Die Eigenthümer der Buden haben eine Art Verbindung zu ihrem gemein⸗ ſamen Schuze geſchloſſen. Ohne dieſes Mittel würden ſie es hier nicht lang aushalten können. Sie kamen an einigen Stores vorüber, wo man Mehl, Speck und andere Mundvorräthe verkaufte. „Ein Schinken!“ rief Donatus.„Freunde, da hängt ein Schinken. Ah, das muß lecker ſein! Pardoes, wir wollen denſelben kaufen; laßt uns ein⸗ mal Kirchweihe halten. Mir wäſſert der Mund dar⸗ nach. Schinken, ihr Jungen, das iſt Etwas, wenn — man halb viell hier Und habe uns S Pack wäge natus Karre Pard ärger ſchlech Wenn ſchein Sie 1 Grog nehme „( eine 1 zehn überſt ſeinen ch zu lätter un t auf Unze rkt“ ſucher aceres enblick r für echer eſagt, Ruf n be⸗ d wir enn r der emein⸗ ürden man fte. e, da ſein! is ein⸗ d dar⸗ wenn — 27 man ſo viele Tage lang Nichts als Backkuchen mit halb verdorbenem Speck gegeſſen hat!“ „Thor,“ ſagte der Brüſſeler,„der Schinken koſtet vielleicht einige Unzen Gold.“ „Einige Unzen Gold? Wahrhaftig, da muß es hier gut ſein, Ferkel zu halten. Einige Unzen Gold? Und es ſind vier Schinken an einem Schweine.“ „Nein, aber Tabak wollen wir hier kaufen; wir haben beinahe keinen mehr, und dieſer Troſt darf uns nicht ausgehen.“ Sie traten zu der Bude. Pardoes nahm ein Packet Tabak in die Hand, das vielleicht zwei Pfund wägen mochte, und fragte nach dem Preiſe davon. „Fünf Dollars,“ war die Antwort. „Ueber fünfundzwanzig Francs?“ brummte Do⸗ natus.„Zu Natten⸗Haesdonk kaufe ich einen ganzen Karren Tabak dafür!“ „Da hilft das Reden Nichts, Freunde,“ bemerkte Pardoes.„Die Preiſe ſteigen und fallen hier noch ärger als auf der Börſe. Wir kommen zu einer ſchlechten Zeit: es iſt wenig Tabak in den Stores. Wenn wir bis morgen warten, werden wir wahr⸗ ſcheinlich das Doppelte zahlen müſſen.— Halt, laſſen Sie uns dort in das große Zelt gehen und einen Grog trinken.“ „Wollen wir nicht lieber eine Flaſche Wein nehmen?“ fragte der Baron, der guter Laune ſchien. „Eine Flaſche Wein? Sie koſtet wenigſtens eine Unze Gold, und wir haben zuſammen nur noch zehn Dollars?“ „Wohlan denn, Grog, da der Wein unſere Mittel überſteigt.“ Das Zelt, in welches ſie traten, war überfüllt von Leuten, die alle aufrecht ſtanden und das Glas in der Hand hielten; denn es war hier kein einzi⸗ ger Sizplaz. Auch verließen die Flamänder, ſobald ſie ihren Grog getrunken und vier Dollars bezahlt hatten, dieſen Ort, denn es eckelte ihnen vor den rohen Geſprächen, die man hörte, vor den Trunken⸗ bolden, die man hin⸗ und hertaumeln ſah, und vor dem dicken Tabaksqualm, der ihnen das Athemholen faſt unmöglich machte. „Kommen Sie jezt, meine Herren,“ ſprach der Brüſſeler,„wir haben genug geſehen, und wir dür⸗ fen nicht vergeſſen, daß unſere Freunde dort oben auf dem Berge auch wohl gern in das Thal und in die Stores gehen möchten. Wir beſizen noch ſechs Dollars, davon wollen wir Creps und dem Oſtender zwei geben, daß ſie auch einen Grog trinken können. Die andern wollen wir für alle Fälle aufbe⸗ wahren.“ Er blieb jedoch vor einem großen Zelte ſtehen, das mit Leuten überfüllt war, und worin man einen heſtigen Lärm ſchallender Stimmen vernahm, als wäre ein Streit ausgebrochen. „Was verkauft man da drinnen?“ fragte der Baron. „Es iſt ein Spielhaus,“ antwortete Pardoes, ſich in Gedanken die Stirne reibend. „Ach, ich bemerke es wohl!“ ſagte Roozeman. „Seht den Unglücklichen, welcher dort herauskommt! Er iſt bleich, wie der Tod, der Schaum ſteht ihm vor dem Munde, er rauft ſich die Haare aus. Armer Menſch, er hat vielleicht in einer Stunde das Verm liche murn beſize Wenr Glück Verm groß natus lãppo Victo! verſpi zweife D Mund Es ge und Männ bender über und Das hatte Blut Di als ih Al wohnt des B vfüllt Glas einzi⸗ obald zahlt den nken⸗ d vor holen h der dür⸗ oben ind in ſechs tender nnen. aufbe⸗ ſtehen, einen als te der 8, ſich man. ommt! htihm aus. de das 29 Vermögen verloren, welches er durch eine ſechsmonat⸗ liche Sclavenarbeit dem Erdboden entriſſen hat!“ „Es ſchießt mir ein Gedanke durch den Kopf,“ murmelte der Brüſſeler.„Die Dollars, die wir noch beſizen, können uns von keinem großen Nuzen ſein. Wenn wir ſie auf das Spiel ſezten? Mit einigem Glück findet man da drinnen zuweilen ein großes Vermögen in wenigen Augenblicken.“ „Nein, nein, nicht für einen Klumpen Gold ſo groß wie meine Fauſt gehe ich da hinein,“ rief Do⸗ natus.„Ich möchte nicht gern mein anderes Ohr⸗ läppchen auch noch verlieren.“ „Und die Cameraden auf dem Berge?“ bemerkte Victor.„Sollten wir das ihnen zugehörige Geld verſpielen? Ueberdieß gibt es da drinnen unbe⸗ zweifelt Händel....“ Das Wort war ihm noch nicht ganz aus dem Munde, ſo ertönte ein Piſtolenſchuß in dem Zelte. Es gab eine heftige Bewegung unter den Spielern, und der Haufe derſelben öffnete ſich, um einige Männer durchzulaſſen, welche den Körper eines Ster⸗ benden an Armen und Beinen hinaustrugen, während über ihren Häuptern noch drohende Meſſer funkelten und gräuliche Verwünſchungen die Luft erfüllten. Das Opfer, welches ſie aus dem Spielhauſe trugen, hatte eine Kugel in die volle Bruſt bekommen; das Blut ſtrömte noch aus der ſchrecklichen Wunde. Die Träger, nicht minder wüthend und fluchend, als ihre Gegner, verſchwanden hinter dem Zelte. Alles nahm in dem Spielhauſe wieder ſeinen ge⸗ wohnten Gang, und man hörte abermals die Stimme des Bankiers den Lärm der Spieler übertönen. r dieſes Schauſpiel, ver⸗ n eine Zeit lang Die Flamänder, folgten ihren Weg u nd beobachtete Stillſchweigen. den ſie mit der Leiche des unglücklichen Spielers anfangen „Sie werfen eine auf und bedecken den Todten mit etwas ndere Ceremonie?“ r hier, um weni Gebet über dem Grabe zu leſen n Prieſter hieher tann meinte es n und wollte die ie Chriſten ſeien. Der arme Prieſter ſ ben, genöthigt, gleich der den Placeres? als ich da war. gut; er begann zu pr ſucher daran erin nern, Sie, was geſchah? ——— —„ Gold zu ſuchen. annehmen, da er — ————— durch ſeine Ermahnun die man hier als Gewinn des Lebens ch als Taglöhn verdingen müſſen. iſt, weiß ich nich dummer Junge werde Sie verfo mit gefalteten ———— er an andere Goldg der Geiſt des Todten chen Kreuze und gehen Mich dünkt, Sie 7 Fürchten Sie, lgen? Sie ma Händen einher. le des ermordeten Spielers, „antwortete Dona⸗ te für die See chen für die meinige, mit Na bin höl— zum lich tun ſich nen nam trüb ſchw der men ſchön Er 1 geko Gold und des und ver⸗ ang chen lſen und» ein atus. „Ein ieher ſte es Gold⸗ Wiſſen h, um lndern noſſen wüſte inzigen rachtet. gräber worden en Sie, Todten dgehen t Sie pielers, Dona⸗ 31 tus.„Ich zittere allerdings bei dem ſchrecklichen Gedanken, daß der arme Donatus auch in dieſem verwünſchten Lande ſterben könnte. Begraben werden in einem Loche, gleich einem Hunde, ohne Prieſter, ohne Gebete. Nicht eine Handvoll geweihter Erde, um in Frieden auf das lezte Urtheil warten zu können! Pardoes brach in ein ſchallendes Gelächter aus. „Ja, ja lachen Sie nur,“ murmelte Donatus mit einem hohlen Seußzer,„jeder hat ſeine Gedanken. Ich will nirgends liegen, als auf dem Kirchhofe zu Natten⸗Haesdank, wo meine Eltern ruhen. Dann bin ich zum Mindeſten verſichert, daß Aennchen ein hölzernes Kreuzchen auf mein Grab ſezen läßt und zuweilen eine Thräne zum Gedächtniß ihres unglück⸗ lichen Donatus vergießt!“ Und ſo tief bewegten ihn dieſe bittern Betrach⸗ tungen, daß er mit dem Zipfel ſeines langen Rockes ſich die Augen zu wiſchen begann, um zwei Thrä⸗ nen abzutrocknen, welche ſeinen Blick verdüſterten. Roozeman, der auch durch den Anblick des Leich⸗ nams und die gefühlvollen Worte von Donatus trübe geſtimmt worden war, tröſtete jedoch ſeinen ſchwermüthigen Freund durch die Hoffnung, daß Gott, der ſie bisher ſo ſichtbarlich in ſeinen Schuz genom⸗ men hatte, ſie auch fernerhin behüten und in das ſchöne und glückliche Belgien zurückführen würde. Er redete davon, wie ſie nun in den Placeres an⸗ gekommen wären, wie ſie ſchon morgen mit dem Goldgraben den Anfang machen, mit welchem Eifer und Fleiße ſie arbeiten wollten, welche Menge Gol⸗ des ſie wahrſcheinlich finden, und wie ſie dann reich und vergnügt nach Europa zurückkehren würden, um dort Aennchen, Lucia, Eltern und Freunde für alle Zeit glücklich zu machen. Das Gemüth von Donatus war außerordentlich wandelbar in ſeinen Stimmungen. Es bedurfte ſehr wenig, um ihn zu betrüben und niederzuſchlagen; aber es war ebenſo wenig erforderlich, um ihn die Dinge in einem ſchönen Lichte ſehen zu laſſen und ihm wieder Muth und Lebensluſt einzuflößen. Be⸗ reits ging er auf die fröhlichen Ausſichten ein, welche der gutherzige Roozeman vor ſeinen Augen, um ihn zu tröſten, entfaltete. Der einfältige Junge hatte den Leichnam ſchon wieder vergeſſen und ſchwazte von dem Schloſſe, das er kaufen, von dem beneidenswerthen Leben, das er ſeinem Aennchen verſchaffen wollte, von ihren ſchelmiſchen ſchwarzen Aeuglein und von der reinen Zuneigung, die ſie, wie er überzeugt war, gegen ihn hegte. Während ſie alſo durch die Schilderung eines noch ſehr fernen Glücks einander Muth einſprachen, und der Baron mit dem Brüſſeler über andere Dinge redete, langten ſie am Fuße des Felſen an, über welchem ihr Zelt ſtand. In einigen Minuten hatten ſie die Höhe erklommen und fanden ihre Freunde mit Kuchenbacken für die Mahlzeit beſchäftigt. Der Matroſe brummte und ſchien ſehr verdrieß⸗ lich darüber, daß ſie ſo lang ausgeblieben waren; er wollte gleichfalls nach den Stores gehen, und obwohl der Abend anzubrechen begann, war er doch nicht geneigt, dieſem Vergnügen zu entſagen. Als er vernahm, daß ſie Grog getrunken hatten, begehrte er gleichfalls einen Dollar und erſuchte Creps, mit ihm zu gehen. Dieſer lehnte ſein Begehren ab, in⸗ war wel aus ſuch men „wele Füß glim zum C 33 alle dem er erklärte, er ſei allzu müde und habe große Luſt, einmal gut zu ſchlafen. Der Oſtender ging tlich alſo allein ab. Seine Freunde wickelten ſich, nach⸗ ſehr dem ſie einige Pfannkuchen und einen Schluck Kaffee gen; zum Abendeſſen eingenommen und ihre Schildwache die ausgeſtellt hatten, in ihre Decken und krochen unter und„ das Zelt. Eine Viertelſtunde ſpäter ſchnarchten alle Be⸗ ſo laut, daß man es auf hundert Schritte Entfer⸗ ein, nung hätte hören können. ugen, Um eilf Uhr Nachts marſchirte Donatus als unge aufmerkſame Schildwache vor dem Zelte auf und ab. und Der Mond ſchien an einem klaren Himmel; er war dem kaum in das erſte Viertel ſeines Wachsthums ge⸗ nchen treten, dennoch verbreitete er Licht genug, um die arzen Gegenſtände aus weiter Ferne als ſchwarze Schat⸗ ie ſie, ten unterſcheiden zu können. Von Zeit zu Zeit dachte Donatus wohl an die Leiche des ermordeten eines Spielers und ſprach ein ſtilles Gebet zur Erlöſung achen, ſeiner armen Sele; zuweilen erhob ſich wohl noch Dinge vor ihm in der Dunkelheit ein Phantom, welches über für ihn die Geſtalt des Mexikaners, welcher auf hatten dem Marſche von dem Matroſen getödtet worden reunde war, annahm; er hörte die ſchreckliche Verwünſchung, welche der Sohn des unſchuldigen Schlachtopfers rdrieß⸗ ausſtieß, in ſeinen Ohren wiederhallen; aber er varen; ſuchte Vergeſſenheit und Stärke gegen dieſe gehei⸗ und men Beklemmungen, indem er in die Tiefe ſchaute, dch welche in einem halb finſtern Abgrund zu ſeinen Als Füßen gähnte. Hunderte von Feuern brannten oder egehrte glimmten noch im Thale; Schildwachen und einzelne , mit Männer, welche in dem rothen Schein der Flammen ab, in⸗ zum Vorſchein kamen, glichen Teufeln, die über Conſeience, das Golbland. II. 3 verurtheilte Seelen Wache hielten. Das Thal mit ſeiner unergründlichen Finſterniß, ſeiner Todtenſtille und ſeinen rieſigen Felſenwänden machte auf den Geiſt von Donatus einen ſo entſezlichen Eindruck, daß er im Vorhofe der Hölle zu ſein ſich einbildete... Plözlich wurde ſeine Aufmerkſamkeit durch den Laut einer heiſern Stimme abgezogen, welche weit hinter ihm aus dem Gebüſch ſich erhoben hatte. Es kam ihm vor, als ob dort Menſchen im Streite mit einander wären, denn er hörte ſchreckliche Worte und wüthende Drohungen. Als er Jemand durch das Geſtrüpp näher kom⸗ men ſah, machte er ſich ſchußfertig und rief: „Wer da?“ „Ich werde Dir auf der Stelle den Hals um⸗ drehen, verfluchter Pankee!“ lautete die Antwort mit ſo grober Stimme, daß ſie mit dem Geheule eines Bären große Aehnlichkeit hatte. „Ah, Du biſt es, Oſtender?“ ſagte Kwik lachend. „Mich dünkt, Du haſt einen ſchweren Kopf und lahme Beine. Hieher, Kamerade, hieher!“ „Was höre ich?“ brummte der Andere, der noch in Gedanken gegen unſichtbare Männer im Streite zu liegen ſchien.„Du wagſt es zu wiederholen, ich ſei ein Feigling? Sag es noch einmal! Sag' es noch einmali... Da ſtirb', Schubiak!“ Eine Kugel flog Donatus an dem Ohr vorüber. Komm', komm', Oſtender,“ ſtammelte er beſtürzt, „ich bin kein Feind, ich bin Kwik, Dein Freund.“ Aber ehe er dieſe Worte ausgeſprochen batte, ſtürzte ſich der Matroſe mit dem ganzen Gewicht ſeines Körpers auf ihn und packte ihn mit beiden mit tille zeiſt z er den weit Es mit und kom⸗ um⸗ t mit eines hend. und noch treite holen, Sag' rüber. ſtürzt, nd.“ batte, ewicht beiden 35 Händen an der Kehle, als wollte er ihn erwürgen. Beide ſtürzten nieder und wälzten ſich auf der Erde. Bei dem Piſtolenknall waren ihre Genoſſen in dem Zelte aufgeſprungen; noch mehr überraſchte ſie jedoch der Hülferuf von Donatus, welchem der Ma⸗ troſe mit raſender Kraft ein Knie auf die Bruſt ge⸗ ſtemmt hatte, während er ſinnlos ausrief: „Amerikaner? Mich ſchweigen heißen? Ich werde dem ſtärkſten Yankee ſo das Herz eindrücken...“ Aber jezt eilten die völlig wach gewordenen Freunde dem armen Donatus zu Hülfe und riſſen den Matroſen von ihm weg. Dieſer kannte ſeine Freunde nicht mehr und wollie mit Jedermann Streit anfangen. Man nahm ihm ſeine Waffen und ſuchte ihn zur Ruhe zu bringen; aber er ſchlug, ſtampfte und biß um ſich wie ein Beſeſſener. „Den Laſſo, den Laſſo!“ rief der Brüſſeler. Donatus eilte aus dem Zelte herbei und ſagte, während er Pardoes den verlangten Gegenſtand überreichte: „Da, da, ich war eben im Begriff, die wilde Beſtie zu binden. Schnell, ſchnell, er wird uns mit ſeinem ſchrecklichen Fluchen eine Strafe des Himmels auf den Hals laden!“ Pardoes umwickelte den Matroſen mit dem Laſſo. Der trunkene Kerl wehrte ſich noch einen Augenblick und fiel dann bleiſchwer und bewegungslos zu Bo⸗ den. Er brüllte wie ein Löwe; von ſeinen Ver⸗ wünſchungen erdröhnte die Fläche. „Gebt mir ſeine Decken,“ ſagte der Brüſſeler. „Nicht ſo aufgeregt, meine Herren; es iſt nichts als Trunkenheit. Morgen wird er nicht mehr wiſſen, 3* 36 was er gethan hat. Kehren Sie in das Zelt zurück, Kameraden; ich will ein paar Stunden die Wache übernehmen und ihn hüten. Binnen zehn Minuten wird er ſchlafen, wie ein Stein.“ Als die Andern in das Zelt gekrochen waren, ſagte Donatus zu Jan Creps, der neben ihm lag: „Herr Creps, ich habe wieder einen Gedanken.“ „So, aber ſchweig' nur, Donatus; es iſt als ob wir behext wären... „Das iſt es eben, was ich denke. Ich habe oft von großen Schäzen erzählen hören, welche ver⸗ wünſcht waren, und von einem Drachen mit ſieben Köpfen, die Gift ſpieen, bewacht wurden; aber hier iſt kein Drache mit ſieben Köpfen nöthig, um Gift zu ſpeien. Das Gift iſt hier in der Luft; und ich fange an zu glauben, daß wir alle zuſammen noch raſend werden. Denken Sie einmal, um Gottes willen, wo dieß hinaus will: eben vorhin, als das ſchäumende Thier mir auf der Bruſt lag, bekomme ich eine ſchreckliche Luſt, ihm die Naſe abzubeißen; aber ich habe noch nicht Gift genug eingeathmet, denn ich habe es nicht gethan. Jan, Herr Jan, da beginnt er wiederum zu heulen!“ Ein ſchweres Schnarchen antwortete ihm. Er ließ mißmuthig den Kopf auf ſeinen Ranzen fallen und murmelte: „Glückliche Burſche, ſie ſchlafen und ſchnarchen, als lägen ſié zu Antwerpen in einem Federnbette!... Warum iſt mein Herz nicht ſo ſtark, als der Kaſten, worin der gute Gott es aufgehängt hat?... Gold, Gold?.Ich ſtritte noch lieber gegen einen Drachen mit ſieben...“ rück, ache uten aren, lag: ken.“ s ob e oft ver⸗ ieben hier Gift d ich noch tte das omme ißen; hmet, n, da anzen rchen, e aſten, Gold, achen 37 Und er erlag gleichfalls, von Müdigkeit über⸗ mannt, dem Einfluſſe ſeiner Schläfrigkeit. III. Die Golögräber. Des andern Tages, als Jan Creps, an welchem die Reihe des Kochens war, ſeine Genoſſen weckte, um Kaffee zu trinken und Kuchen zu ſpeiſen, lag der Matroſe noch ſchnarchend unter ein paar Decken auf dem bloßen Boden. Man mußte ihn hin und herzerren, um es nur dahin zu bringen, daß er die Augen öffnete. Er ſtand auf und rieb ſich den betäubten Kopf, gleich Jemand, der nicht weiß, wo er ſich befindet oder was mit ihm geſchehen iſt. Seine Genoſſen erinner⸗ ten ihn an ſeine Bösartigkeit vom vorigen Abend und ließen es an bitterem Tadel nicht fehlen. Der Baron namentlich ſchien entrüſtet und drückte ſeinen Verdruß in ſcharfen Worten aus, wobei der Matroſe namentlich durch die Worte, daß ihr roher Kamerade in Wort und That ſich als eine wahre Kanaille benommen hätte, ſich tief gekränkt zu fühlen ſchien. Doch verbarg er vor der Hand ſeinen Groll. Er entſchuldigte ſich damit, daß er betrunken geweſen und mit Amerikanern, ebenſo betrunken wie er, in Streit gerathen ſei. Das Spiel war an Allem ſchuld; er hatte ſeinen Dollar geſezt, Glück gehabt und wohl fünfzehn Dollars gewonnen. Dieſes Geld hatte er ganz in Grog verzehrt; und doch glaubte er gewiß zu ſein, daß man ihm Etwas eingegeben haben müſſe, um ihn ſo toll und wüthend zu machen. Auf alle Fälle war es nur ein kleines Unglück; es konnte Jedermann paſſiren, meinte er, und er würde ſich fortan vor dem giftigen Getränke der Placeres in Acht nehmen. Par⸗ does, der ſein Freund war, vertheidigte ihn. So wurde das Geſchehene vergeben und vergeſſen. „Laſſen Sie uns nicht viel Zeit verlieren,“ ſagte der Brüſſeler.„Donatus, holen Sie den Mauleſel und legen Sie ihm ſeine Fracht auf; wir wollen die Decke von dem Zelt abnehmen und uns eilig zum Marſche bereit halten. Heute, Freunde, wer⸗ den wir wohl noch drei Stunden gehen müſſen; die Wege ſind beſchwerlich, das heißt, es gibt hier, ſo wie anderswo, keine Wege. Ich kenne dieſe Ge⸗ gend und weiß, wo der Placer gelegen iſt, den der Franzoſe mir angedeutet hat. Es iſt heute Dien⸗ ſtag; mit den Vorräthen, welche die Mauleſeltreiber uns gegeben haben, werden wir wohl noch eine Woche ausreichen. Nächſten Sonntag wollen wir nach den Stores gehen, die höher am Fluſſe hinauf zu finden ſind, um von dem Golde, das wir gefun⸗ den haben, neue Lebensmittel einzukaufen.“ Sie brachen einige Minuten hernach auf, ziemlich wohlgemuth und voll Verlangens nach dem Orte, wo ſie endlich ihr Geſchäft als Goldſucher anfangen könnten. Nach vielen Umwegen zwiſchen den Krümmungen des Gebirges, nachdem ſie zwanzigmal ſich dem Fluß genähert und wieder davon abgelenkt hatten, um den tiefen Klüften der ausgetrockneten Gebirgsbäche auszu⸗ weichen, gelangten ſie gegen Mittag auf eine Höhe, von wo man in ein kleines Becken niederſehen konnte, durch welches der Yuba brauſend dahin ſtrömte. Fälle tann dem Par⸗ So ſagte leſel ollen eilig wer⸗ i r ſo Ge⸗ den Dien⸗ eiber eine wir inauf efun⸗ mlich e, wo nnten. ungen Fluß, m den muszu⸗ e, von durch 39 Der Brüſſeler ſchaute eine Weile aufmerkſam in das Thal hinab und ſprach dann: „Kameraden, wir ſind zur Stelle. Sehen Sie da unten die aufgeworfenen Gruben. Sie zählen ſieben, nicht wahr? Der kleine Fluß, welcher vom Gebirge herabkommt? Der hohe Berg mit ſeinen majeſtätiſchen Tannen? Ja, ja, es iſt der Placer, welchen der Franzoſe verlaſſen hat. Wir wollen nun auf der Höhe das nöthige Holz fällen, um unſere Zelte zu errichten, um unſere Wiege zu ſtellen und Feuer zu machen. Dann ſteigen wir hinab, um eine günſtige Stelle zum Beginn unſerer Arbeit zu ſuchen. Wir ſind hier ganz allein und haben alſo deſto weni⸗ ger von Andern zu beſorgen.“ Froh, das Ziel ihrer Reiſe endlich erreicht zu ſehen, begannen ſie unter luſtigen Geſängen das Holz zu fällen; und es dauerte nicht lang, ſo hatten ſie mehr, als ihnen für dieſen Tag nöthig war. Im Thale angelangt, gedachten ſie ſogleich mit dem Gold⸗ ſuchen anzufangen; aber Pardoes ließ ſie zuerſt das Zelt errichten, um Vorräthe und Waffen darin zu bergen, und befahl Donatus den Mauleſel wegzu⸗ ſchaffen, nach der Seite hin, wo ein Theil des Tha⸗ les mit grünen Kräutern bedeckt war. „Kommen Sie nun,“ ſagte er, ſobald man ſein Begehren erfüllt hatte,„nehmen Sie Spaten, Schau⸗ feln und eine Blechſchüſſel. Während ſie ihm folgten und er auf den Boden, nach dem Fluſſe und nach den Felſen ſchaute, um irgend einen vortheilhaften Plaz zu finden, ſezte er noch hinzu: „Werden Sie nicht ungeduldig, Kameraden; es iſt nicht gewiß, daß wir heute noch die Golberde erreichen. Dieſe Erde liegt zuweilen in einer Tiefe von wohl zwanzig Fuß; aber laſſen wir uns da⸗ durch nicht entmuthigen, denn ſehr oft findet man am Ende Grund genug, um ſich ſelbſt zu einer Arbeit, die man für verloren hielt, Glück zu wünſchen. Die Pepitas, wenn ſolche hier ſind, liegen gewöhnlich ſehr tief, ja ſogar auf dem harten Felſen unter dem angeſchwemmten Grunde. Ich glaube, wir werden wohl daran thun, auf dem Plaze, wo wir ſtehen, zu graben. Er liegt in der Linie der Gruben, woraus der Franzoſe und ſeine Genoſſen viel Gold geholt haben. Ich will den Umfang unſerer Grube beſchreiben; gehen Sie nur luſtig ans Werk!“ Donatus machte das Zeichen des Kreuzes und murmelte ein Gebet, während er den erſten Spa⸗ tenſtich in die Erde that. Alle mit einander began⸗ nen zu arbeiten, und ihnen nach wäre die Grube hald fertig geweſen; aber die Kieſel und Steine, worauf ſie mit ihren Werkzeugen unaufhörlich ſtießen, benahmen ihnen bald dieſe Einbildung. Nichts deſto weniger arbeiteten ſie mit ſo viel Eifer fort, daß nach einiger Zeit der Schweiß in großen Tropfen ihnen von der Stirne rieſelte. Der Baron hatte mit fieberiſcher Haſt die Arbeit ange⸗ griffen; er ſchien von einer krankhaften Eile gejagt und murmelte unverſtändliche Worte; aber nach Ver⸗ lauf von ein paar Stunden waren ſeine feinen Hände innen mit Blaſen überdeckt. Erſchöpft und der ſchmerzlichen Ermattung ſeiner Glieder unterliegend, machte er den Vorſchlag, eine Viertelſtunde zu raſten und Athem zu ſchöpfen. Der Matroſe, welcher den harten Verweis über ſeir daf nic gä Cat ihm Str and die müt nig Eife voll kein hiel die? zu e Mül den, auf e ſo t als der fühll ware „ ( erden ehen, uben, Gold zrube und Spa⸗ egan⸗ rube teine, ießen, iel iß in Der ange⸗ gejagt Ver⸗ Hände de egend, raſten über 41 ſeine Trunkenheit noch nicht vergeſſen hatte, polterte, daß es hier nicht der Ruhe zu pflegen gelte; daß man nicht in das Goldland gekommen ſei, um den Müſſig⸗ gänger zu ſpielen und daß man, ob von Abel oder Canaille, in Californien gleich viel arbeiten müſſe. Der Baron, durch dieſen Spott geärgert, ſagte ihm einige bittere Worte. Es entſtand ein heftiger Streit, und die beiden Freunde ſtanden bereit, ein⸗ ander in der Grube ſelbſt niederzuſchießen. Durch die Dazwiſchenkunft von Pardoes wurden die Ge⸗ müther wieder beruhigt; und nachdem man ein we⸗ nig geraſtet hatte, nahm man die Arbeit mit neuem Eifer auf. Jede halbe Stunde fragte Donatus den Brüſſeler: „Sind wir noch nicht?.... Da iſt eine Hand⸗ voll Erde. Sehen Sie doch einmal gut nach, ob kein Gold darin funkelt!“ Die Andern waren nicht minder ungeduldig und hielten bei dem Arbeiten Kieſel und Lehm unter die Augen, um das erſehnte Gefunkel der Goldkörner zu entdecken; aber der Brüſſeler erklärte ihnen, ihre Mühe ſei vergeblich und ſie werden kein Gold fin⸗ den, ehe ſie auf eine gewiße grauliche Schichte, oder auf röthlichen Sand ſtößen. Der Abend ſank hernieder; die Arbeiter ſtanden ſo tief in den Gruben, daß ſie Nichts mehr ſahen als die Luft über ihrem Haupte. Bereits begann der Mißmuth ihren Eifer abzukühlen und ihnen fühlbar zu machen, daß ſie außerordentlich müde waren, als Pardoes zu Aller Freude ausrief: „Wir haben es! Das Gold iſt erreicht! Ein wahnſinniger Jubel beantwortete ſeine An⸗ kündigung, und ein dreifaches Hurra ſtieg mit dum⸗ pfem Schall aus der Grube in die Höhe. „Schnell, Männer, gebt nur noch ein paar Schop⸗ pen von dieſem röthlichen Sande; ich will an dem Fluß verſuchen, was wir davon zu erwarten haben.“ Alle ſprangen aus der Grube und liefen dem Brüſſeler mit fieberiſcher Neugierde und mit klopfen⸗ dem Herzen nach. Er tauchte die Blechſchüſſel in den Fluß, ſchüttelte und wuſch die darin befindliche Erde, ſo daß ſie mit dem Waſſer abfließen mußte, während das Gold und die Kieſel, die ſchwerer wa⸗ ren, auf dem Boden der Schüſſel liegen blieben. Dann nahm er mit der Hand, ſo viel er konnte, die Steine weg und wuſch immer fort, bis er über die Suantität des Goldes urtheilen zu können glaubte. Die Arbeit dauerte ziemlich lang und der Abend war bereits weit vorgerückt, ſo daß Pordoes nur noch mit Mühe unterſcheiden konnte, was auf dem Grunde der Schüſſel übrig blieb. „Nun? nun?“ rief Donatus, vor Ungeduld zit⸗ ternd.„Haben wir es getroffen? Iſt es Gold, viel Gold?“ „Es iſt Gold,“ antwortete der Brüſſeler, indem er ihnen die Schüſſel zeigte.„Sehen Sie es zwi⸗ ſchen dem Sande funkeln? Viel oder wenig, darüber kann ich bei dem Mangel an Licht nicht urtheilen Laſſen Sie uns das Feuer anmachen, dann werden wir es erfahren.“ Alle folgten ihm nach dem Zelt. Donatus machte närriſche Sprünge und war halb wahnſinnig vor Freude. Für ihn gab es keinen Zweifel, daß ſie in kurzer Zeit große Schäze ſammeln würden und ſehr ſchn Aus lich der n 1 der Qua den, hält unſe kauf eines ſehr fel r ( Schi kaun bei ſaget wir Finſt verti ron, von und biete dum⸗ chop⸗ dem ben.“ dem opfen⸗ ſel in ndliche mußte, e wa⸗ lieben. te, die er die laubte. nd war r noch Hrunde uld zit⸗ Gold, indem zwi⸗ darüber theilen. werden machte nig vor ß ſie in ind ſehr 43 ſchnell ein Land verlaſſen könnten, wo Alles, mit Ausnahme des Goldes allein, ſchlecht und abſcheu⸗ lich war. Als das Feuer angezündet war und man bei der Flamme des harzigen Holzes ſehen konnte, was in der Schüſſel war, brummte Pardoes im Tone der Täuſchung: „Es iſt Gold; Sie ſehen es blinken, aber die Quantität iſt gering. Wenn wir keine Erde fän⸗ den, die zahlreichere und größere Blättchen ent⸗ hält, ſo würden wir nicht ſo viel gewinnen, um unſern täglichen Mundbedarf in den Stores einzu⸗ kaufen. Haben Sie jedoch noch keine Furcht wegen eines ungünſtigen Erfolgs; dieſe Lage Sand kann ſehr dick ſein, und mit der Tiefe wird ſie ohne Zwei⸗ fel reicher werden.“ Seine Gefährten griffen der Reihe nach in die Schüſſel und beſahen mit verwunderten Augen die kaum wägbaren Goldblättchen, welche auf dem Boden bei dem Leuchten der Flamme ſchimmerten. „Es iſt ſeltſam,“ rief Kwik,„man möchte faſt ſagen, es ſeien kleine Fiſchſchuppen.“ „Keine Dummheiten,“ ſagte der Matroſe.„Kommt, wir wollen noch einige Stunden fortarbeiten; die Finſterniß wird uns nicht hindern, die Grube zu vertiefen.“ „Arbeiten? Jezt noch arbeiten?“ ſeufzte der Ba⸗ ron, ſeine Hände zeigend, wovon die eine ganz roth von Blut war. „Nein, nein, wir wollen nach Gewohnheit eſſen und dann ſchlafen gehen,“ ſprach Pardves in ge⸗ bietendem Tone.„Es iſt nicht klug, ſeine Kräfte an 44 einem einzigen Tag zu erſchöpfen, auf die Gefahr hin, ſich in kurzer Zeit eine tödtliche Krankheit auf den Hals zu laden. Man muß arbeiten, um auch bei der Arbeit bleiben zu können.“ Darauf war nichts zu antworten; das Abend⸗ eſſen wurde bereitet und die gebackenen Kuchen und der Speck mit ungeheurem Appetit verſchlungen. Man ſtellte den Matroſen als Schildwache aus, und alle Andern krochen in das Zelt und legten ſich zur Ruhe, träumend von dem Golde, das ſie morgen finden würden..... Des andern Tages, bei dem erſten Morgenſchim⸗ mer, wurde die Wiege an das Ufer des Fluſſes ge⸗ tragen und darauf ein hölzernes Geſtell in der Art angebracht, daß man ſie ſchwingen und ſchütteln und treiben konnte. Dieſes Werkzeug hat die Form eines kleinen Bootes; der oberſte Theil bildet ein grobes Sieb; unten auf dem Boden ſind viele Querlatten ange⸗ nagelt und in der Mitte iſt eine Oeffnung. Man wirft die goldhaltige Erde auf das Sieb und begießt ſie reichlich mit Waſſer, während die Wiege unauf⸗ hörlich in Bewegung iſt. Das Sieb hält die Kieſel und Steine zurück und läßt Nichts durch, als den Gries und die goldhaltige Erde. In der Wiege wird die Erde durch das Geplätſcher des Waſſers zu einem flüſſigen Schlamm aufgelöst und geht mit dem gröbſten Sande durch die Oeffnung ab, während die Goldblättchen, mit einigem Sand vermengt, unter den Querlatten liegen bleiben. Dieſer Ueberreſt wird in einer Schüſſel an der Sonne getrocknet; durch heftiges Blaſen ſucht man den Sand zu entfernen und mit ( fläm ſie d C Eifer durc Erde Wieg Sieb die 2 goldh belnd Freut währ ſpielte er ihr cher 3 meint funkel ſie al jede 6 Golde Al es Ze der B begam zu leh zu ent wenig geſäub efahr it auf auch Abend⸗ n und Man id alle Ruhe, finden ſchim⸗ es ge⸗ er Art ln und kleinen Sieb; ange⸗ Man begießt unauf⸗ Kieſel ls den Wiege Laſſers eht mit ährend „unter ſt wird durch tfernen 45 und hat endlich das reine Gold in Blättchen, die mit Fiſchſchuppen ziemliche Aehnlichkeit haben. Solcher Art war wenigſtens das Geräthe der flämiſchen Goldſucher, und dieſe Arbeitsweiſe lehrte ſie der Brüſſeler. Dieſen Morgen arbeiteten ſie mit ebenſo viel Eifer, als den Tag zuvor, und feuerten einander durch muntere Zurufe an; ſie trabten mit ihrer Laſt Erde von der Grube zum Fluſſe, trieben kräftig die Liege und ſchütteten Ströme von Waſſer auf das Sieb. Pardves allein ſchien weniger aufgelegt als die Andern. Wenn ſeine Genoſſen, ſo oft man den goldhaltigen Sand aus der Wiege herausnahm, ju⸗ belnd in die Hände klatſchten, und Donatus vor Freuden tanzte, ſchüttelte er nachdenklich den Kopf, während ein Lächeln des Zweifels auf ſeinen Lippen ſpielte. Er ſuchte ihre Freude zu mäßigen, indem er ihnen begreiflich machte, daß kein Grund zu ſol⸗ cher Freude vorliege; aber ſie ſahen Gold, viel Gold, meinten ſie; und ſo oft die Wiege geöffnet wurde, funkelte es aufs Neue in ihren Augen. Was konnte ſie alſo hindern, große Schäze zu ſammeln, wenn jede Stunde ſie in den Beſiz einer neuen Quantität Goldes brachte? Als die Sonne ſehr hoch am Himmel ſtand und es Zeit war, an das Mittagsmahl zu denken, ließ der Brüſſeler die Arbeit an der Wiege einſtellen und begann, in ihrem Beiſein und um ſie es gleichfalls zu lehren, den Sand durch Blaſen von dem Golde zu entfernen. Es überraſchte ſeine Freunde nicht wenig, die ſchimmernden Blättchen dadurch, daß ſie geſäubert wurden und ſich zuſammendrängten, bei⸗ an Nahrung und andern Dingen nöthig iſt, müſſen nahe auf Nichts verſchwinden zu ſehen. Der Baron ſeufzte; der Matroſe brummte; Victor ſchaute miß⸗ muthig zu Boden; Donatus ließ den Mund hängen; Jan Creps lachte bei der allgemeinen Täuſchung. Zulezt nachdem ſie viele Schüſſeln Erde gewa⸗ ſchen hatten und da die eine mehr als die andere abwarf, bekamen ſie als endliches Reſultat ihrer Arbeit eine Quantität Goldblättchen, welche Pardoes auf etwa zwei Unzen ſchäzte, wofür man in den Stores an Geld oder in Eßwaaren achtundzwanzig Dollars oder ungefähr hundert und fünfzig Francs bekommen konnte. „Nun, nun,“ rief Kwik,„warum ſcheinen Sie ſo betrübt, meine Herren? Das beträgt wahrhaftig einen Taglohn von dreihundert Franes für uns; fünfzig Francs für jeden! Ich weiß nicht, ob die Miniſter daheim in Belgien wohl ſo viel verdienen.“ „Es verheißt nicht viel Gutes,“ ſagte Victor mißmuthig.“ Auf ſolche Weiſe, bei ſolcher Arbeit und bei ſolchem Hundeleben würden wir in ſechs Mo⸗ naten fünfzigtauſend Franes beiſammen haben. Noch keine zehntauſend Franks für jeden von uns!“ „Wie, ſind Sie wahnſinnig?“ rief Pardoes un⸗ geduldig.„Sie gehen mit ihrer kindiſchen Rechnung ganz fehl. Auf ſolche Weiſe und bei ſolchem Hunde⸗ leben würde in ſechs Monaten gar Nichts übrig blei⸗ ben. Glauben Sie denn, daß wir nicht eſſen müſ⸗ ſen? Und Sie werden erfahren, was unſere Mägen bei der Selavenarbeit in den Minen verſchlingen kön⸗ nen. Um geſund zu bleiben und unſere Kräfte zu erhalten, mit einem Wort, um zu kaufen, was uns wir Gold mein kaufe Paar Gold wir krank Füße Stief fünfh A Dona murm 3 deine zu ar lichen ſagte Sie n Ir Anzah gend, derbar „C wir n ſchichte deßhal eine L lang b an eine 47 Baron wir zum Allermindeſten jeder täglich eine halbe Unze miß⸗ Goldes finden. Sie ſcheinen verwundert? Sehen Sie, ingen; meine Schuhe ſind zerriſſen; ich muß ein Paar neue ng. kaufen. Was glauben Sie, daß in den Stores ein gewa Paar ſchlechte Schuhe koſten? Eine Zweidrittel⸗Unze andere Goldes: über fünfzig Francs! Es wäre gut, wenn ihrer wir ein Paar Waſſerſtiefel hätten, um nicht davon ardoes krank zu werden, daß man unaufhörlich mit bloßen n den Füßen im Waſſer ſtehen muß. Ein ſolches Paar wanzig Stiefel koſtet vielleicht ſechs Unzen Goldes— oder Francs fünfhundert Francs!“ Alle ſenkten in trauriger Täuſchung den Kopf. n Sie Donatus raufte ſich einen Büſchel Haare aus und haftig murmelte in ſich hinein: uns;„Eſelskopf, jezt haſt Du den verdienten Lohn für b di deine dumme Begehrlichkeit! Da biſt Du nun, um enen.“ zu arbeiten, einige tauſend Stunden von dem glück⸗ Victor lichen Natten⸗Haesdonk!“ Arbeit„Kommen Sie, laſſen Sie uns zu Mittage eſſen,“ s Mo⸗ ſoagte der Brüſſeler;„ich ſterbe vor Hunger, und Noch Sie werden nicht geringern Appetit haben als ich.“ In kurzer Zeit war der Kaffee gekocht und eine s un Anzahl Kuchen gebacken. Während ſie alle ſtillſchwei⸗ hnung gend, doch gleich ausgehungerten Wölfen, eine wun⸗ und derbare Menge Nahrung verſchlangen ſagte Pardves: g blei⸗„Es iſt allerdings verdrießlich, meine Herren, daß müſ⸗ wir nicht ſo, wie wir hofften, auf eine reiche Gold⸗ Rägen ſchichte geſtoßen ſind; aber Sie thun Unrecht daran, nkön deßhalb ſo muthlos zu ſein. Das Goldſuchen iſt fte zu eine Lotterie. Es gibt Leute, die einige Monate s uns lang beinahe für Nichts arbeiteten, um dann plözlich, nüſſen an einem einzigen Tage, ein großes Vermögen zu fin⸗ —— — den. Ich habe einen Mann gekannt, der Niemand als ſeinen Sohn zum Genoſſen hatte, und der in Zeit von zwei Monaten aus derſelben Grube für ſechzigtauſend Franes Pepitas oder Goldbrocken her⸗ aufgeholt hat. Sie müſſen Geduld haben; unſere Nummer iſt noch nicht herausgekommen; aber das Glück kann uns ganz unerwartet zulächeln. Auf alle Fälle wollen wir, wenn wir hier nicht genug Gold finden, nicht viel Zeit verlieren und ſobald als mög⸗ lich nach dem unbekannten Placer am Federfluſſe auf⸗ brechen. Dort gibt es viele Pepitas und ſehr große; ich habe einen ganzen Haufen davon geſehen.“ „Aber wiſſen Sie auch gewiß, daß Sie den an⸗ gedeuteten Plaz finden werden?“ fragte Jan Creps. „Ganz gewiß; der Schweizer⸗Goldſucher hat ihn mir ſehr genau beſchrieben und auf einem Papier, das ich bei mir trage, die Wege bezeichnet, um vom Yuba dahin zu gelangen.“ „Wohlan, ſo laßt uns denn ſogleich dahin auf⸗ brechen!“ rief Kwik.„Ich habe ein ganz ſchreck⸗ liches Verlangen nach dieſem Placer.“ „Aufbrechen?“ wiederholte Pardoes mit einem ſpöttiſchen Gelächter.„Um nach dem unbekannten Placer zu reiſen, müſſen wir Vorrath genug mit⸗ nehmen, um einen ganzen Monat davon leben zu können. Er iſt wohl acht Tagereiſen von hier; dort gibt es keine Stores, und wenn wir, um zu einer Bude zu gelangen und wieder von da zurückzukehren, jedesmal über vierzehn Tage unterwegs bleiben müß⸗ ten, würde uns zum Goldſuchen nicht viel Zeit übrig bleiben. Demgemäß können wir nicht aufbrechen, ehe wir einige hundert Dollars erſpart haben.“ mach rief 6 mitte Aben ſamn folg giebi folger Arbei A ſucher Dieſe gar Mein miten zu ve mung als n dem er,„ Arbei der a die at dieſen klüm S Tage Tag, gelegt Co: mand der in be für n her⸗ unſere er das uf alle Gold s mög⸗ ſe auf⸗ große; en an⸗ Creps. t ein ßapier, n vom n auf⸗ ſchreck⸗ einem annten g mit⸗ en e ; dort einer kehren, müß⸗ übrig en, ehe 49 „Wohlan, aus der Noth alſo eine Tugend ge⸗ macht und mit neuem Muthe die Arbeit fortgeſezt!“ rief Creps aufſpringend. Sie folgten ſeinem Rath und trieben dieſen Nach⸗ mittag die Wiege mit ſolchem Eifer, daß ſie gegen Abend als Frucht ihrer Arbeit ſechs Unzen Gold ge⸗ ſammelt hatten. Obwohl dieß kein glänzender Er⸗ folg war, wurde ihre Hoffnung auf größere Aus⸗ giebigkeit des Bodens doch dadurch verſtärkt und am folgenden Tag nahmen ſie mit vollem Vertrauen ihre Arbeit wieder auf. Aber ſie erfuhren bald, daß man bei dem Gold⸗ ſuchen aus einer Ungewißheit in die andere fällt. Dieſen Morgen lieferte das Waſchen der Erde faſt gar kein Gold mehr, und die Meiſten waren der Meinung, man müſſe die Grube verlaſſen, um es mit neuem Graben an einer andern Stelle des Thales zu verſuchen. Pardoes wollte jedoch ſeine Zuſtim⸗ mung nicht geben und behauptete, man müſſe ſo tief als möglich gehen, um zu ſehen, ob man den auf dem Grunde liegenden Felſen nicht erreichen könne. „Da ſollten wir Pepitas finden können,“ ſagte er,„und auf ſolche Art wenigſtens für unſere ſchwere Arbeit belohnt werden. Gewöhnlich trifft man unter der angeſchwemmten Erde Schichten von Schiefer an, die aufrecht ſtehen und kleine Spalten bilden. In dieſen Spalten liegen die Pepitas oder Gold⸗ klümpchen.“ Sie arbeiteten dieſem Rath zufolge noch zwei Tage in einer ſehr armen Erde, ſo daß am fünften Tag, als ſie das geſammte Gold in eine Schüſſel gelegt hatten, der Brüſſeler es ungefähr auf ein Conſeience, das Goldland. II. 4 50 Pfund reines Gewicht ſchäzte: weniger als nothwen⸗ dig war, um eine Woche ſparſam zu leben. Wiederum ließen ſie den Muth ſinken und ar⸗ beiteten ziemlich verdroſſen und ſehr übler Laune. Kwik ſelbſt ſchien ſich tief unter ſeiner Laſt Erde zu bücken und ging von der Grube bis zur Wiege ab und zu, ohne ein Wort zu ſagen. Was man wohl noch hörte, war dann und wann ein hartes Wort oder ein heftiges Gebrumm, das ſie einander zu⸗ warfen, denn ſie waren unwirſch und verbittert. Ganz unerwartet begann Victor, welcher in der Grube unten war, ſeine Kameraden zu rufen. Alle kamen herbei gelaufen, in der Beſorgniß, Roozeman möchte vielleicht unter einem Erdeinſturz begraben ſein; aber wie gewaltig begann ihnen das Herz zu klopfen, als er ſeine Hand empor ſtreckte, ihnen eine Pepita ſo groß wie eine Bohne zeigte und vor Be⸗ wegung beinahe erſtickend ausrief: „Ach, Gott ſei gelobt, der Schaz iſt gefunden! Solcher Goldbrocken glänzen viele auf dem Boden der Grube!“ Donatus ſtieß einen Schrei aus, und warf ſich ſo unbeſonnen in die Grube hinab, daß er beinahe Hals und Beine brach und Victor an der Schulter verlezte. Der Baron lachte ganz ſonderbar und murmelte in ſich hinein von Paris, von Schäzen, von Frauen und Pferden..... Sie hatten in der That den Grundfelſen erreicht und die Vorherſagung von Pardoes hatte ſich ver⸗ wirklicht, denn die gefundenen Pepitas lagen in einer Spalte des Schiefers. Da wurde fieberiſch geſucht ma har ſan unk ein kör und aus pite Na hat fäh eine käm Jul um zu auf „un thör verf ſchie einn gea men Min gan⸗ und thwen⸗ d ar⸗ Laune. rde zu ge ab wohl Wort er zu⸗ rt. in der Alle zeman graben er ze en eine Be⸗ unden! Boden rf ſich einahe chulter melte Frauen rreicht h ver⸗ neiner eſucht 51 man grub die Erde mit den Händen zwiſchen dem harten Stein heraus, man ſchrie, man jubelte, man ſang; die Freude hatte gar keine Grenzen. Hin und wieder fanden die aufgeräumten Goldſucher noch eine Pepita, obwohl nicht ſo ſchwer wie die erſte. Es waren meiſt Stückchen ſo groß wie Getreide⸗ körner, einige noch kleiner und drei oder vier ſo dick und rund wie Erbſen. Als der Abend anbrach und die Grube völlig ausgeräumt war, überblickte man die geſammelten Pe⸗ pitas und forderte den Brüſſeler auf, ſie zu ſchäzen. Nachdem er ſie ſorgfältig in der Hand gewogen hatte, erklärte er, der Nachmittag habe ihnen unge⸗ fähr anderthalb Pfund Gold geliefert, was etwa ien Werth von achtzehnhundert Francs gleich äme. Die Andern nahmen dieſe Erklärung mit lautem Jubel auf. Kwik und der Matroſe faßten einander um den Leib und begannen troz ihrer Ermüdung zu tanzen und zu ſingen, als wären ſie zu Hauſe auf einer Bauernkirchweihe geweſen. „Laßt die Narrenpoſſen,“ ſagte der Brüſſeler, „und horcht, was ich zu ſagen habe. Es iſt ebenſo thöricht, meine Herren, ſich durch übertriebene Freude verführen zu laſſen, als bei dem geringſten Mißge⸗ ſchick den Kopf in den Schooß zu legen. Rechnet einmal mit mir. Wir haben dieſe Woche wie Pferde gearbeitet, ſo können wir es nicht aushalten. Neh⸗ men Sie an, daß unſere fünf Tage Arbeit zum Mindeſten für ſechſe gelten. Wir ſind alſo eine ganze Woche am Werke geweſen. Unſere Blättchen und Pepitas zuſammengenommen, haben zwei 3* 52 und ein halb Pfund Gold geſammelt, das heißt vierzig Unzen. Ich nehme an, wir brauchen mit einander auf eine Woche zwanzig Unzen Gold für Lebensmittel, Tabak und Kaffee, dann bleiben uns noch zwanzig Unzen übrig. Dieß wird zu Ende einer ganzen Saiſon noch keine ſieben tauſend Francs für jeden von uns ausmachen. Sie ſehen wohl, daß noch kein Grund vorhanden iſt, um ſo ausge⸗ laſſen zu ſein.“ „Aber die Pepitas liegen da unten auf dem Bo⸗ den, wir wiſſen es und wollen ſie herausgraben,“ murrte der Matroſe. „Gut, das iſt gleichfalls mein Gedanke. Bemerken Sie jedoch, daß wir eine ganze Woche arbeiten müſſen, um ſie zu erreichen.“ „Wir können auch größere finden,“ ſagte Creps. „Ja, kleinere auch, vielleicht keine. Sie verſtehen mich nicht, der Plaz iſt gut, nicht gerade, um in kurzer Zeit ein Vermögen zu ſammeln, genügend jedoch, um hier die nöthigen Mittel zuſammen zu ſparen, für unſere Reiſe nach dem unbekannten Pla⸗ cer zwiſchen den Quellen des Yuba und des Feder⸗ fluſſes. In dieſem Sinne iſt Ihre Freude begründet und ich theile dieſelbe vollkommen“ Während er alſo redete, war Victor mit der Bereitung des Kaffees und mit Kuchenbacken beſchäftigt. Bein Ende des Abendeſſens bemerkte der Brüſſeler noch: „Morgen wollen wir ausruhen, Freunde; man arbeitet Sonntags in den Placeres nicht. Dann gehen die Goldſucher gewöhnlich nach den Stores, mat ein Ab Lac der 65 ſuch Blé jede lede abe Unh daß wir Abſ er e war dieß Sto der Zuſt Gol 53 heißt machen ſich mehr oder minder Vergnügen, trinken mit ein Glas Grog und eſſen etwas beſſer, bis der d für Abend anbricht, und es Zeit iſt, mit den gekauften uns Wochenvorräthen ſich nach Hauſe, das heißt, nach dem Ende Lagerzelte aufzumachen. Wir wollen gleich den An⸗ rancs dern thun, mit Ausnahme eines Punktes, wenn Sie wohl, es für gut finden. Gewöhnlich vertheilen die Gold⸗ usge⸗ ſucher, die eine Geſellſchaft bilden, die gefundenen Blättchen und Pepitas in gleichen Häufchen und Bo⸗ jeder nimmt ſeinen Theil, um denſelben in einem ben, ledernen Säckchen um den Hals zu tragen. Es ſind aber Leute unter uns, die übermäßig trinken und erken Unheil anrichten könnten. Ich ſchlage deßhalb vor, beiten daß Sie mich das Gold aufbewahren laſſen, ſo lang S wir uns in den Stores befinden, ſonſt möchte unſere e Abſicht, genau zu ſparen, vereitelt werden.“ ſtehen Der Matroſe brummte wohl ein Bischen, denn er erkannte, daß die Maßregel gegen ihn gerichtet igend war; doch als Pardoes ihm begreiflich machte, daß dieß zugleich das Mittel wäre, einander in den Pla⸗ Stores nicht zu verlieren, unterwarf er ſich, und ſeder⸗ der Vorſchlag des Brüſſelers erhielt die allgemeine ündet Zuſtimmung. t der acken IV. iſſeler Das Lyuchgeſez. Dann Es war ſehr ſpät am Morgen, als die flämiſchen tores, Goldſucher den Kaffee tranken. Sie hattten ſich mit einem langen Schlafe gütlich gethan. Auch waren ſie durch das Frühſtück heitern Geiſtes geworden. Als ſie ſich auf den Weg nach den Stores be⸗ geben wollten, holte Donatus den Mauleſel und er⸗ klärte, er wolle ihn als Reitpferd benüzen, damit das Thier einmal wieder in Schweiß gerathe und der Arbeit nicht ganz entwöhnt werde. Die andern hatten nichts dagegen einzuwenden, und ſo zogen ſie zu Fünfen ab; denn déer Baron war durch das Loos angewieſen worden, bei dem Zelte zu wachen. Der Mauleſel, der nun ſeit fünf Tagen auf guter Weide geſtanden, war unruhig und zeigte eine be⸗ ſondere Luſt zu traben. Donatus hatte Mühe ge⸗ nug, ihn zurück zu halten, dennoch war er der Ge⸗ ſellſchaft immer auf einige Bogenſchüſſe voraus.— Nachdem ſie eine halbe Stunde Wegs zurückgelegt hatten, gelangten ſie auf den Pfad, welcher von vielen beſuchten Placeres nach den Stores führte, und ſie be⸗ gegneten zahlreichen Goldſuchern, welche dieſelbe Richtung einſchlugen oder bereits, mit Mundvor⸗ räthen beladen, nach ihren Zelten zurückkehrten.— Dieſe Leute ſahen harmlos und ſelbſt wohlgemuth aus. Dieß erregte das Erſtaunen von Donatüs ſo ſehr, daß er den Mauleſel zuweilen einige Minuten forttraben ließ und ſo nicht ſelten wohl um eine halbe Viertelſtunde ſeinen Kameraden voraus war. Dieſes Spiel ſollte endlich ein unerwartetes Ende nehmen. Der Mauleſel drehte, auf einem gewiſſen Punkt angekommen, ſeinen Kopf nach allen Seiten, als witterte oder hörte er etwas Ungewöhnliches. Darauf begann er zu traben, ohne weiter auf den Zügel oder die Stimme ſeines Reiters zu achten. natt vor bud Ste und den hielt brun trock trock ſaub oder gen ziehi ein mit aus: im iſt Das verr Gel ſchri Mät dieſe Vett varen en. s be⸗ d er⸗ damit und ndern ſie zu Loos guter e be⸗ e ge⸗ 5.— elegt ielen ie be⸗ eſelbe dvor⸗ .— muth 18 ſo nuten halbe Ende viſſen eiten, iches. den en. 55 Beim Umwenden um einen Hügel erblickte Do⸗ natus die Stores und eine große Menſchenmenge vor den Zelten der Kaufleute und vor den Trink⸗ buden. Er ſchrie und zerrte, um den Mauleſel zum Stehen zu bringen, aber dieſer hörte auf Richts mehr und führte ihn durch die Menge hindurch bis vor den Store eines Mehlhändlers, wo er plözlich ſtill hielt. „Was hat die dumme Beſtie doch im Kopfe?“ brummte Kwik, während er ſich den Schweiß ab⸗ trocknete.„Ich begreife; er möchte gerne etwas trockene Koſt haben; aber davor wird man ihm ſauber das Maul halten: er könnte wohl für eine oder zwei Unzen Gold auf einmal auffreſſen!“ Mit dieſen Worten war er von dem Gſel geſprun⸗ gen und wollte ihn mit Gewalt von dem Store weg⸗ ziehen; aber aus der Tiefe des Zeltes war plözlich ein häßliches Weib zum Vorſchein gekommen, welches mit aufgehobenen Armen in engliſcher Sprache ausrief: „God in heaven! it's our old mule Jack! Gott im Himmel, es iſt unſer alter Mauleſel Jack! da iſt der Mörder unſeres armen Vetters William! Das Thier erkennt ſeinen Stall; es hat den Schelm verrathen!“ Und während Donatus, der Nichts von ihrem Gelärm verſtand, ſie verblüfft anſchaute, raste und ſchrie ſie ſo heftig, daß aus allen Stores eine Menge Männer herbeigelaufen kam, um zu erfahren, was dieſes Geſchrei zu bedeuten hatte. Die Frau erzählte mit Thränen im Auge, ihr Vetter ſei vor vierzehn Tagen mit noch andern Maul⸗ 56 eſeltreibern nach Sacramento gegangen, um Mehl zu holen; unterwegs ſeien ſie von Buſchkleppern über⸗ fallen worden, und da habe man ihren Vetter Wil⸗ liam elendiglich ermordet. Der Mauleſel des armen William ſtehe vor der Thüre und der Mörder ohne Zweifel auch. Und ein Mann ſprang auf Donatus zu, packte ihn am Kragen, ſchüttelte ihn gewaltig, während er ihm franzöſiſch ins Ohr ziſchte: „Ha, Kerl, ich bin auf dem Jonas für Dich in der Löwengrube geſeſſen; jezt iſt deine lezte Stunde gekommen.“ Und unmittelbar daraf ſchrie er auf engliſch: „Das Lynchgeſez! das Lynchgeſez! Einen Strick, einen Strick her! An den Galgen mit dem verruch⸗ ten Mörder!“ Kwik ſuchte in allen Sprachen der Welt ſich zu entſchuldigen und rief: „Cétre mon pöte! 1 found den Eſel. Celui-la voleur, fllou, Spitzboek; moi pon garcon, goud boy, donderwetter, Chriſtenmenſch, moi Donatus Kwik.“*) Sein ſonderbares Geplapper brachte einige der Zuſchauer zum Lachen; aber das rachſüchtige Weib kam mit einem Strick herbei, und im Nu hatte der rothe Knebelbart vom Jonas dem beſtürzten Jungen eine Schleife um den Hals geſchlungen. „Nach dem leeren Faſſe dort!“ rief er.„Wir wol⸗ 2) Das mein Thier ſein.— Ich fand den Eſel; dieſer ba, der Dieb, Schurfe— ich guter Junge, guter Junge u. ſ. 2. 5 len des Kne ſein Que und ſeine theit derd Him 8 ſchn gnät jenſe welch natu leid rothe „ man dieſe Aber barei zogen 2 ſind J — Mehl über⸗ rWil⸗ armen ohne packte end er ich ein tunde ſch Strick, rruch⸗ ich zu lui-la goud natus e der Weib der ingen wol⸗ er ba, w. t. 1 len ihn an dem hervorragenden Holzſtück an der Ecke des Zeltes aufhängen.“ Kwik wurde auf die Tonne geworfen; der rothe Knebelbart ſtand hinter ihm und bemühte ſich, mit ſeinen langen Armen das Ende des Stricks an dem Querholz zu befeſtigen. Donatus, der wohl bemerkte, daß es Ernſt war und er gegen die wüthende Menge, die ſchreiend ſeinen augenblicklichen Tod begehrte, ſich nicht ver⸗ theidigen konnte, ließ ſich knieend auf das Faß nie⸗ derdrücken und begann, die Augen voll Thränen zum Himmel erhoben, ein leztes Gebet zu ſtammeln. Als er fühlte, daß der Strick ihm die Kehle zu⸗ ſchnürte, murmelte er noch: „Ach, lieber Himmel, ſei meiner armen Seele gnädig! Lebe wohl, Aennchen, lebe wohl bis jenſeits!“ Dieſe Haltung und die wahrhafte Gottesfurcht, welche in dem niedergeſchlagenen Angeſicht von Do⸗ natus zu leſen war, flößten einigen Zuſchauern Mit⸗ leid ein. Fünf oder ſechs traten vor und riefen dem rothen Knebelbart zu: „Halt ein, halt ein; dieß iſt nicht die Art, wie man das Lynchgeſez in Anwendung bringt. Gebt dieſem Unglücklichen Zeit, ſich zu rechtfertigen!“ „Hängt ihn, hängt ihn!“ riefen andere Stimmen. Aber diejenigen, welche zuerſt gegen den unmittel⸗ baren Vollzug der Strafe Einſprache gethan hatten, zogen ihre Revolver und ſagten: Dem Lynchgeſez gemäß iſt das Volk Richter; wir ſind hier von Volks wegen und wollen urtheilen.“ Der rothe Knebelbart, der eine Kugel fürchtete, 58 hielt ſich ſtill; doch blieb er mit dem Stricke in der Hand auf der Tonne ſtehen. In zwei oder drei Sprachen wurde Donatus von ſeinen Beſchüzern befragt, um von ihm zu erfahren, wie er zu dem Mauleſel gekommen wäre; aber ſie konnten nichts Anderes aus ſeinen Antworten ab⸗ nehmen, als daß er den Eſel gefunden hätte. Der beſtürzte Burſche weinte heftig und ſchluchzte laut, und ſeine unverſtändliche Erzählung gewann dadurch ſicherlich nicht an Klarheit. Plözlich kam der Bruder des ermordeten William aus einem entfernten Store herbeigelaufen und ver⸗ langte in wüthenden Ausdrücken die unmittelbare Beſtrafung des Miſſethäters. Die wohlwollenden Männer, überzeugt, daß von dem Angeſchuldigten keine vollſtändige Aufklärung zu bekommen ſei, gaben ſeine Vertheidigung auf und zogen ſich zurück. In einem Augenblick hatte der rothe Knebelbart den Strick an den Balken geknüpft und hob bereits den Fuß auf, um ſein unſchuldiges Schlachtopfer in die Ewigkeit zu ſtoßen..... aber da ertönte ein dreifacher Schrei des Entſezens und der Wuth aus dem Hintergrunde der Zuſchauer! Ein junger Mann mit blondem Haare, gefolgt von drei ſtark gebauten Männern, ſprang in den Kreis, zog mit blizſchneller Bewegung ein Meſſer aus dem Gürtel, ſchnitt den Strick ab und ſchloß den vermeintlichen Mörder un⸗ ter Beweiſen ängſtlicher Zuneigung in ſeine Arme. „Ah, ah!“ rief Jan Creps, den Revolver auf den rothen Knebelbart gerichtet,„Du, Du möchteſt den Henker des armen Donatus machen. Noch eine einzie Dich G Menc gebra ſtimn allen Spie bevor A Arme Gefal Kreiſe dring 2 chen, Gnad Sie 1 eine! von( ten. Ihrer das, Theilt fenden ihnen auf il um de in der us von fahren, ber ſie en ab⸗ Der laut, adurch illiam d ver⸗ telbare ß von ing zu und ebart ereits fer in te ein aus Mann aten neller tt den r un⸗ rme. r auf öchteſt eine einzige Bewegung, nur eine einzige, und ich ſchieße Dich nieder gleich einem Hunde, der Du biſt!“ Es erfolgte eine heftige Bewegung unter der Menge; ein Theil wollte das Lynchgeſez in Vollzug gebracht ſehen, ein anderer zeigte ſich günſtig ge⸗ ſtimmt für Donatus und ſeine Retter. Es hatte allen Anſchein, daß die Piſtolen und Meſſer ins Spiel kommen würden, und ein blutiger Kampf bevorſtände. Aber Roozeman, der noch ſeinen Freund in die Arme gedrückt hielt, war tief erſchüttert durch die Gefahr, die ihn bedrohte. Er trat in die Mitte des Kreiſes der Umſtehenden und ſprach in ſanftem, ein⸗ dringlichem Ton und in wohlgeſeztem Engliſch: „Gentlemen, ich bitte Sie, laſſen Sie mich ſpre⸗ chen, einen Augenblick. Gewähren Sie mir dieſe Gnade, um welche ich mit gefalteten Händen flehe. Sie werden mir dankbar ſein; denn ich werde Ihnen eine Ungerechtigkeit erſparen, die Sie, als Männer von Ehre, wider Wiſſen und Wollen begehen könn⸗ ten. Sie ſollen urtheilen; wir wollen uns demüthig Ihrer Beſchließung unterwerfen. Darf ich ſprechen? Seine Zuhörer wurden betroffen nicht ſowohl durch das, was er ſagte, als durch den gefühlvollen und Theilnahme erregenden Ton ſeiner Stimme. „Sprechen Sie, ſprechen Sie!“ rief man von allen Seiten. Jezt begann Roozeman in kurzen aber ergrei⸗ fenden Worten und mit rührender Beredtſamkeit ihnen aus einander zu ſezen, wie ſie den Mauleſel auf ihrer Reiſe gefunden und was ſie gethan hätten, um den verwundeten John Miller von einem ſichern Tode zu retten; wie ſie ferner denſelben Mann, der Len dort auf der Tonne ſtände, um aus Rachſucht an W einem Unſchuldigen das Amt des Henkers zu ver⸗ ſehen, unterwegs bei einer Bande Buſchklepper er⸗ g kannt hätten. Er erzählte ihnen desgleichen, wie e ihnen von John Miller mitgetheilt worden, daß der⸗ jenige, welcher ihm die Kugel durch den Fuß ge⸗ ſcie 3 ſchoſſen hätte, ein Mann mit rothem Knebelbarte b und auffallend kleinen Augen wäre.. Wa Dieſe Vertheidigungsrede hatte, obwohl ſie die ee Unſchuld des Beklagten nicht geradezu bewies, den⸗ ele noch auf viele der Zuhörer einen günſtigen Eindruck Iuße gemacht;— aber nun nahm ein halbtrunkener Kerl zehn das Wort und ſuchte unter vielen ſchlechten Wizen, Pl welche allgemeines Lachen erregten, der Menge be⸗ greiflich zu machen, wie aus den Worten des vorigen e Redners nur ſo viel zu ſchließen wäre, daß man jezt 8 4 L ſtatt eines Buſchkleppers deren zwei zu hängen hätte.. Der größte Theil der Umſtehenden jubelte ihm zu; 3 es ließen ſich unheilverkündende Rufe vernehmen, und zer man ſchien wirklich entſchloſſen, ſowohl Donatus als dus den rothen Knebelbart aufzuhängen. i Unerwartet drang nun ein Mann vor, welcher ie ſeiner Kleidung nach als ein Mauleſeltreiber ſich kund ii gab; dieſer ſprach mit einer Stimme, welche allen Annr andern Lärm übertönte: i „Gentlemen, hören Sie die Stimme der Wahr⸗ in heit! Ich war bei dem armen William, als wir von den Buſchkleppern überfallen wurden. Derjenige, welcher meinem armen Freunde die verhängnißvolle Finſe Kugel in die Bruſt jagte, war Niemand anders, als Si der Mann mit dem langen Knebelbart und den klei⸗ pf. n, der ht an er⸗ er er⸗ „ wie ß der⸗ ß ge⸗ lbarte ſie die „den⸗ indruck r Kerl Wizen, ge be⸗ rigen an jezt hätte. m zu; n, und us als welcher ch kund e allen Wahr⸗ ls wir rjenige, nißvolle rs, als en klei⸗ 61 nen Augen. Ich erkenne ihn wohl und verpfände mein Leben für die Wahrheit meiner Worte.“ Ein furchtbarer Sturm rachſüchtiger Verwünſchun⸗ gen erhob ſich aus der Menge. „Den Henker an den Galgen! Schlagt den ro⸗ then Knebelbart todt!, Den Buſchklepper an den Strick!“ ſchrie man von allen Seiten. Bemerkend, daß Jan Creps die Augen von ihm abwandte, ſprang der rothe Knebelbart auf den Bo⸗ den und floh zwiſchen den Zelten davon..... aber viele liefen ihm heulend nach, und als er eben am Fuße der Felſen angekommen war, ſtürzte er, von zehn Kugeln durchbohrt, leblos nieder. Noch eine Weile ſchwärmte das Volk auf dem Plaze herum; aber dann verlor ſich die Menge ſchnell, und bald ging Jedermann ſeines Weges, als ob Nichts geſchehen wäre. Donatus war untröſtlich; er hatte nun wohl, durch beſondern Schuz Gottes, ſagte er, ſein Leben gerettet, aber dafür war er um ſeinen geliebten Maul⸗ eſel gekommen, da die Eigenthümer ihn hinten in das Zelt geführt hatten. Er ſah das Thier von ferne; es ſchaute ſo traurig nach ihm hin!“ Als ſeine Freunde ihn nach den andern Stores weiter führen wollten, widerſtand er einige Zeit ihrem Andringen, als weigerten ſich ſeine Füße, ihn von dem treuen Reiſegefährten hinwegzutragen. Die Thrä⸗ nen ſprangen ihm aus den Augen, während er ein trauriges Lebewohl murmelte. „Ei wie!“ rief Victor erfreut über ſeinen eigenen Einfall,„es ſchießt mir da ein Gedanke durch den Kopf. Wie können wir, bei unſerer Reiſe nach dem unbekannten Placer, auf einen ganzen Monat Lebens⸗ mittel mitnehmen, ohne die Hülfe eines Laſtthieres? Wenn wir fragten, ob der Mauleſel nicht zu kaufen wäre?“ „Unmöglich; er würde zu viel koſten,“ erwiederte der Brüſſeler. Ein Mann ſchlug ihm von hinten auf die Schul⸗ ter und ſagte: „Gentlemen, meine Frau will den Mauleſel nicht mehr; er erinnert ſie zu viel an den armen William, der ſo elendiglich ermordet worden iſt. Kaufen Sie ihn; ich gebe ihn für dreißig Dollars.“ „Abgemacht,“ antwortete der Brüſſeler, indem er dem Mann in ſeinen Store folgte, um ihn zu bezahlen. Während ſie noch damit beſchäftigt waren, kam Donatus, jubelnd und vor Freude weinend, mit ſei⸗ nem wiedergefundenen Freunde herbeigeeilt. Er re⸗ dete ihn an, ſtreichelte und umhalste ihn ſo fröhlich, daß der Budeninhaber ſich nicht enthalten konnte, in ein ſchallendes Gelächter auszubrechen. Die Flamänder kauften in demſelben Store ihren Mundbedarf für die nächſten acht Tage und luden denſelben dem Mauleſel auf, der nun einen beſſern Zaum bekommen hatte. Sie tranken zugleich jeder einen Grog. Um dieß Alles zu bezahlen, mußte Pardoes einen ledernen Gürtel öffnen, um noch einige Pepi⸗ tas herauszunehmen, aber er verbarg ſie, ſo viel er konnte, denn er hörte nebenan Rufe der Verwun⸗ derung ſich erheben, und erblickte drei oder vier Män⸗ ner, welche ihre Augen begehrlich auf ſeine Hände gerichtet hielten. g06ß ron und entf mitt roth Piſt nicht falle Stu flüſt ner ſern der Abſi von Aug zahlt auf habe ſie: habe gehe auf müd ebens⸗ ieres kaufen iederte Schul⸗ Unicht illiam, en Sie dem er zahlen. m nit ſei⸗ Er re⸗ röhlich, nte, in e ihren luden beſſern h ieder zardoes Pepi⸗ viel er erwun⸗ Män⸗ Hände 63 Er verlangte für jeden noch einen zweiten Grog, goß in eine Flaſche ſo viel Branntwein, um dem Ba⸗ ron ſeinen rechtmäßigen Antheil zukommen zu laſſen, und ſprach dann, während er ſich von dem Store entfernte: „Kameraden, wir würden wohl daran thun, un⸗ mittelbar nach unſerem Placer zurückzukehren. Der rothe Knebelbart kann hier Freunde haben, und ein Piſtolenſchuß iſt ſchnell geſchehen; außerdem weiß ich nicht, aber ich bemerkte hier Geſichter, die mir nicht ge⸗ fallen. Wir haben von den Stores genug für heute. Man folgte ſeinem Rathe.... Eine halbe Stunde von ihrem Placer blieb er ſtehen und flüſterte: „Meine Herren, ich glaube, daß die drei Män⸗ ner, welche von ferne hinter uns herkommen, un⸗ ſern Fußſtapfen folgen!“ „Sie ſind nur zu Dreien,“ bemerkte Jan Creps. „Es würde ihnen ſchlecht bekommen, wenn ſie, in der Minderzahl befindlich, uns angreifen wollten.“ „Im Fall ſie uns wirklich folgen, iſt das ihre Abſicht nicht,“ ſagte Pardoes.„Ich glaube einen von ihnen zu erkennen; er ſtand neben mir, im Augenblick, da ich unſere Rechnung im Store be⸗ zahlte. Was ſie im Sinne haben, iſt, zu erfahren, auf welchem Placer wir unſere Pepitas gefunden haben. Gelingt ihnen ihr Vorhaben, ſo werden wir ſie morgen dort zur Geſellſchaft bekommen. Wir haben Zeit genug; laſſen Sie uns bergauf, bergab gehen, um uns von unſerem Placer zu entfernen und auf dieſe Art wahrſcheinlich unſere Verfolger zu er⸗ müden. Hier hin! 64 N. Der Grizzly. Während die flämiſchen Goldſucher des andern Tages damit beſchäftigt waren, eine neue Grube zu graben, ſahen ſie plözlich eine Bande von wohl dreißig Mann, mit Ranzen und Geräthſchaften auf dem Rücken, den Felſenabhang herabſteigen und nach ihrem Placer kommen. „Habe ich es Ihnen nicht geſagt?“ brummte Pardoes.„Da ſind unſere neuen Kameraden. Die Spione von geſtern ſind uns, troz aller Mühe, un⸗ ſere Spur zu verbergen, gefolgt. Es iſt Nichts da⸗ gegen zu machen; ſie ſind in ihrem Rechte. Wir können nur auf einen Claim von dreißig Fuß Länge Anſpruch machen.“ Die Bande richtete, ohne weitere Vorbereitung, ihre Zelte am Fuße der Felſen auf. Sie beſtand aus fünf oder ſechs Geſellſchaften, deren jede ſich einen Claim ausſuchte und unmittelbar zu graben begann. Dieß hinderte jedoch Pardoes und ſeine Freunde nicht, ihre Arbeit fleißig fortzuſezen. Es wurde Abend, ehe ſie die goldhaltige Erde entdeck⸗ ten; aber des andern Tags hatten ſie einen ziem⸗ lich günſtigen Erfolg: die Grube war ein Bischen reicher, als die vorige, und ſie holten mehr Gold aus der Wiege; ja als ſie am vierten Tage den nackten Fels erreichten, fanden ſie zu ihrer großen Freude viele kleine Pepitas, welche alle zuſammen einen ganz anſehnlichen Werth hatten. Ver: nahe Felſ jedoe Stor ben Min Mor noch birg man Grer Tha Ober mög wurt ſchne tigke blint ſie beſez den ( freie Uebt den e geſch ihr Fluſ daß ndern be zu wohl nauf nach immte Die „ un⸗ ts da⸗ Wir Länge itung, eſtand e ſich raben ſeine Es ntdeck⸗ ziem⸗ ischen Gold e den großen mmen 65 Was ſie jedoch betrübte, war die unaufhörliche Vermehrung ihrer Genoſſen auf dem Placer; bei⸗ nahe jede Stunde ſahen ſie eine neue Bande die Felſen herabſteigen. Noch viel ſchlimmer wurde es jedoch, nachdem mehrere dieſer Leute Sonntags in den Stores geweſen waren und ohne Zweifel einige derſel⸗ ben großſprecheriſch von der Entdeckung ſehr reicher Minen Kunde gegeben hatten. Vereits am Montag Morgen wimmelte das Thal von Goldſuchern, und noch immer ſah man weitere auf der Höhe des Ge⸗ birges erſcheinen. Ehe der Abend anbrach, war man genöthigt, mit dem Revolver in der Hand die Grenzen ſeines Claim aufrecht zu erhalten. Das Thal war nicht weit und ein großer Theil ſeiner Oberfläche zu hoch und ſteinigt, um das Goldgraben möglich zu machen. Der ganze angeſchwemmte Grund wurde deßhalb durch den großen Zufluß der Leute ſchnell eingenommen. Man hörte hie und da Strei⸗ tigkeiten ſich erheben, man ſah Piſtolen und Meſſer blinken, denn die zulezt Angekommenen wollten, da ſie keinen Plaz mehr fanden, zwiſchen die bereits beſezten Claims eindringen und wurden deßhalb von den rechtmäßigen Eigenthümern zurückgewieſen. Es floß jedoch kein Blut; jeder ſuchte ſich einen freien Plaz, ſo lang noch Plaz da war; und die Uebrigen ſtiegen wieder die Felſen hinauf, unzufrie⸗ den und wüthend über ihre Täuſchung. Die flämiſchen Freunde ſahen ſich alſo ſchnell ein⸗ geſchloſſen, und da ſie bereits erfahren hatten, daß ihr Claim nur auf einen beſtimmten Abſtand vom Fluſſe vortheilhaft war, hielten ſie ſich überzeugt, daß er in kurzer Zeit ausgegraben ſein würde. Was Con ſeience, das Goldland. M. 66 ſie tröſtete, war die Gewißheit, daß wenn ihnen das Glück ferner zulächelte, ſie bald die nöthigen Mittel zuſammengebracht haben würden, um die Reiſe nach dem unbekannten Placer zu unternehmen. Unter dem Vorgeben, daß ihr Mauleſel in dem Thale nicht mehr genügendes Futter finden könne, verlegten ſie ihr Zelt auf die Höhe und außer Sicht der andern Goldſucher. In der Stille begannen ſie ihren Mundbedarf zu ſammeln; jeden Tag ging einer von ihnen nach den Stores und brachte auf abge⸗ legenen Pfaden eine Fracht Mehl, geſalzenes Fleiſch oder Speck mit. Dieſe Vorſicht war nothwendig, um ihre Abſich⸗ ten vor ihren Genoſſen auf dem Placer geheim zu halten; denn hätte man vermuthen können, daß ſie ſich zu einer langen Reiſe in das Binnenland an⸗ ſchickten, ſo würden ohne Zweifel Viele ihnen ge⸗ folgt ſein. Man wußte in der That, daß ſie zuerſt den gegenwärtigen Placer entdeckt hatten; ſie muß⸗ ten demnach große Erfahrung haben, um günſtige Pläze zu erkennen, oder Aufklärungen beſizen, welche ſie über das Gelingen ihrer Nachforſchungen ſicher ſtellen konnten. Dieß war mehr als genug, um eine große Anzahl von Leuten, welche nach ſchnellem Reich⸗ thum begehrten, zu dem Entſchluß zu bringen, ihren Fußſtapfen zu folgen und ſich an ihren Erfolgen zu betheiligen. Der lezte Vorrath, welcher in das Zelt gebracht wurde, war eine große Quantität Salz und genü⸗ gend Pulver, um alle ihre Büchſen zu füllen. Den Morgen darauf, eine Stunde vor Tages⸗ anbruch, ſtand der Eſel beladen in dem Buſch; das Se flär und um noc Ufet ſchri um war einz birg ause broe Geb Rück den Tage gang Mar die( Felſe derni wärt über⸗ den 2 Zeit nenhe Sache mit e ihnen öthigen m die ehmen. in dem könne, r Sicht nen ſie g einer Fleiſch Abſich⸗ eim zu daß ſie nd an⸗ en ge⸗ zuerſt e muß⸗ ünſtige welche ſicher m eine Reich⸗ ihren gen zu ebracht genü⸗ Toges⸗ ; das 67 Segeltuch wurde von dem Zelte genommen, und die flämiſchen Freunde traten ihre Reiſe in aller Stille und ohne Geräuſch an, ſo daß ſie weit genug waren, um nicht mehr befürchten zu müſſen, man werde ſie noch im Augenblick ihres Abmarſches überraſchen. Zwei Tage lang ſuchten ſie ſo viel möglich den Ufern des Yuba aufwärts zu folgen; dann über⸗ ſchritten ſie das Waſſer und marſchirten nordwärts, um dem Federfluß immer näher zu kommen. Es war höchſt beſchwerlich für ſie, eine ſichere Richtung einzuhalten, denn ihr Weg wurde ſehr oft durch Ge⸗ birge von einigen tauſend Fuß Höhe, oder durch ausgeſpülte hundert Fuß tiefe Waſſerſtürze unter⸗ brochen. Was am meiſten aufhielt, war, daß alle Gebirge die Richtung nach der See hatten, ihr Rücken alſo immerdar quer vor ihnen lag und ihnen den Weg verſperrte. Mehrmals mußten ſie an einem Tage Stunden Zeit verlieren, um nur einen Durch⸗ gang zu ſuchen; oft ſahen ſie ſich genöthigt, dem Mauleſel ſeine Laſt abzunehmen, um denſelben in die gefährlichen Tiefen hinabſteigen, oder die ſteilen Felſen erklimmen zu laſſen. In Folge dieſer Hin derniſſe aller Art kamen ſie nur ſehr langſam vor⸗ wärts, und am ſiebenten Tage ihrer Reiſe waren ſie überzeugt, daß ſie noch keine vierzig Wegſtunden von den Stores am Yuba entfernt waren. Der Baron, welcher ſehr müde war, begann von Zeit zu Zeit zu murren und Pardoes der Unbeſon⸗ nenheit anzuklagen; aber der Brüſſeler, ſich ſeiner Sache gewiß haltend, begegnete ſeinen Bemerkungen mit Spott und rühmte ſich, ihn noch zu dem Be⸗ 68 kenntniß zwingen zu wollen, daß er Unrecht gethan habe, dieſe Reiſe zu bedauern. Victor Roozeman und ſein Freund Donatus Kwik zeigten am meiſten Vertrauen und Muth. Sie wa⸗ ren wirklich nicht nach Californien gekommen, um mehr oder minder Gold zu ſinden und es in wüſter Schwelgerei oder ſittenloſer Liederlichkeit in den Sto⸗ res ſelbſt zu verpraſſen. Die Geſellſchaft la Cali- fornienne hatte ſie durch das Verſprechen großer Schäze verlockt. Dieſes Beſizthum, das Mittel, um theure Weſen glücklich zu machen, war das einzige Ziel ihrer Reiſe. Sie wußten bereits, daß man in den gewöhnlichen Placeres nicht reich werden könne, ohne Jahre lange Arbeit und viel Glück. Der Ort, wohin Pardoes ſie führte, konnte ihre Hoffnung noch verwirklichen, und dieſe Ueberzeugung gewährte ihnen Eifer und Kraft genug, um mit einer Art fieberiſchen Muthes gegen die Beſchwerden des Marſches zu kämpfen. Nicht minder erfreulich war es ihnen, ſich von der Menge wüſter und grober Leute entfernt zu wiſſen, deren Berührung ihr einfaches und gefühl⸗ volles Herz verlezte, und in deren Geſellſchaft man Nichts als Verwünſchungen, Flüche und Gottesläſte⸗ rungen zu hören, und Nichts als Rohheit, Händel und Blut zu ſehen bekam. Seit fünf Tagen hatten ſie keine andern Men⸗ ſchen mehr geſehen, als ihre Kameraden; ſie waren ganz gewiß in einer Wildniß, welche die Aufmerk⸗ ſamkeit der Goldſucher noch nicht erregt hatte, denn ſie waren noch auf keine andere Spur, als dieje⸗ nige von einigen wilden Thieren geſtoßen. Der ein⸗ zige Laut, welcher Donatus anfänglich einigen Sch eine bell Der daß zugr Abſt Auß zufol durch ſicht ſich: 6 in S Reiſe vor und aufſc die G Z gegen beſon troſe ſehr! behau würde reiche: lich u als ol würde gethan 8 Kwik Sie wa⸗ n„ um wüſter en Sto⸗ a Cali- großer tel, um einzige man in könne, er Ort, ng noch e ihnen eriſchen hes zu en, ſich ernt zu gefühl⸗ ft man esläſte⸗ Händel Men⸗ waren ufmerk⸗ e, denn dieje⸗ er ein⸗ einigen 69 Schrecken einjagte, war das Geheul der Cayotes, einer Art wilder Hunde, von deren klagendem Ge⸗ bell Nachts in der Ferne die Thäler wiederhallten. Der Brüſſeler hatte ihm jedoch begreiflich gemacht, daß dieſe feigen Thiere den Menſchen niemals an⸗ zugreifen wagen, ja nicht einmal, ſelbſt auf größern Abſtand, einem Feuer nahe zu kommen ſich getrauen. Außerdem hatte Donatus Kwik, der ſeinen Worten zufolge mit Gottes beſonderer Hülfe in den Stores durch ein Nadelöhr gekrochen war, größere Zuver⸗ ſicht gegen geringere Gefahren ſich erworben und ließ ſich nicht mehr ſo leicht erſchrecken. Sie ſezten auf ſolche Weiſe abgemattet, keuchend, in Schweiß gebadet und mit wunden Füßen ihre Reiſe bis zum zehnten Tage fort, als ſie eine Stunde vor Einbruch des Abends in einem breiten Thale und am Saume eines dichten Gebüſches ihr Zelt aufſchlugen, um dem Mauleſel während der Nacht die Gelegenheit zu reichlichem Futter zu verſchaffen. Der Baron war jezt nicht mehr der Einzige, der gegen Pardoes murrte und ihn wenigſtens der Un⸗ beſonnenheit beſchuldigte. Jan Creps und der Ma⸗ troſe hatten ſich ihm angeſchloſſen und bezeugten mit ſehr bittern Worten ihre Unzufriedenheit. Wie ſie behaupteten, hatte der Brüſſeler ihnen geſagt, ſie würden den unbekannten Placer nach acht Tagen er⸗ reichen; jezt waren ſie bereits zehn Tage unaufhör⸗ lich unterwegs, und noch hatte es nicht den Anſchein, als ob ſie das Ziel ihrer Reiſe demnächſt erreichen würden; ja es ſtand zu erwarten, daß ſie den er⸗ wähnten Ort gar nicht finden würden. Pardoes rechtfertigte ſich, indem er ſagte, daß 70 man über Berg und Thal nicht auf zwei bis drei Tage die Länge einer Reiſe beſtimmen könne; daß er ſich ganz gewiß in der wahren Richtung befinde und darüber mit Sicherheit nach dem Abſtand der himmelhohen Sierra Nevada, welche oſtwärts von ihnen, wenn ſie über einen hohen Berg zogen, den Horizont abſchloß, zu urtheilen vermöge. Man müſſe, ehe man ſich alſo entmuthigen laſſe, noch drei oder vier Tage den Erfolg ihres Unternehmens abwar⸗ ten. Was die Schmälerung ihrer Mundvorräthe betreffe, ſo ſei deshalb Nichts zu befürchten, da ſie nöthigen Falls in einem wildreichen Lande durch die Jagd einen nicht geringen Theil ihrer Nahrung fin⸗ den könnten. Bis jezt habe er ſeinen Gefährten zu ſchießen verboten, um ihre Gegenwart nicht zu verrathen. Man könne niemals ſicher ſein, daß nicht Feinde in ihrer Nähe ſich befinden, mögen es nun Vaqueros, Strauchdiebe oder wilde Kali⸗ fornier ſein; aber ſobald wirkliche Noth vorhanden ſei, können ſie unterwegs Vögel, Haſen oder Rehböcke ſchießen und ihre Vorräthe auf ſolche Art ſparen. Während ſie nach dem Eſſen noch einige Augen⸗ blicke über ihren Zuſtand hin und her ſprachen, er⸗ hob ſich plözlich, etwa fünfzig Schritte von ihnen, in dem Gebüſch ein ſo unbeſchreibliches Geheul, daß das ganze Thal davon zu erbeben ſchien. Es war ein Laut, hohl, rauh und grollend, wie ein langer Donnerſchlag. Alle erbleichten, ſprangen auf und ſchauten den Brüſſeler an, um aus ſeinem Munde zu erfahren, welche neue und ſchreckliche Gefahr ſie wieder be⸗ drohte. Kal viell Bär laſſe 30g ſage nicht Lebe dem das ſich, in ſe ſo ſe überl C tönte ſchon will da di zukon zu er zuglei Meſſe is drei daß befinde nd der ts von en müſſe, i oder bwar⸗ rräthe da ſie ch die ig fin⸗ ten zu ht zu „daß mögen Kali⸗ anden hböcke n. lugen⸗ n, er⸗ ihnen, eheul, ie ein nden hren, r be⸗ 71 „O Gott,“ ſtammelte Donatus,„es ſind Löwen.“ „Nein, es iſt ein grizzly, der graue Bär von Kalifornien, der unſern Mauleſel angreift und ihn vielleicht bereits verſchlingt.“ „Kommt, kommt,“ rief Kwilk.„Bär oder kein Bär, ich will das arme Thier nicht alſo umbringen laſſen.“ Aber der Brüſſeler packte ihn an der Schulter, zog ihn mit Gewalt zurück und brummte: „Halt' Dich ſtill! Schweig', Unvorſichtiger!“ „Das iſt wohl recht,“ bemerkte Victor,„aber ſagen Sie uns doch, was wir zu thun haben.“ „Was wir zu thun haben? Ich weiß es ſelbſt nicht. Es iſt ein gefährliches Thier; es behält ſein Leben und ſeine Stärke ſelbſt mit zehn Kugeln in dem Leibe. Halten Sie ſich möglichſt ſtill, Freunde; das Ungeheuer wird an dem Mauleſel genug haben, ſich zu ſättigen, und nach dem Mahle wahrſcheinlich in ſeine Höhle zurückkehren.“ „Aber wie können wir es nur wagen, in einer ſo ſchrecklichen Nachbarſchaft uns dem Schlafe zu überlaſſen?“ murmelte Creps. Ein neues und noch gefährlicheres Geheul er⸗ tönte aus dem Gebüſche; es ſchien, der Bär war ſchon dem Zelte näher gekommen. „Warten Sie,“ ſagte Pardoes,„ein Mittel! Ich will vorausgehen, auf einen Baum ſteigen und von da den grivnly zu treffen ſuchen; er wird auf mich zukommen, ſich an dem Baum emporrichten, um mich zu erreichen. In dieſem Augenblick ſchießen Sie alle zugleich ihm nach dem Kopfe, greifen zu Ihren Meſſern und ſtoßen im Nothfall dem Bären Ihre Waffen bis an das Heft in Bruſt und Bauch. Fol⸗ gen Sie mir auf zehn Schritte Abſtand, ſchießen Sie nicht zu ſchnell und weichen Sie keinen Fuß zurück, denn ſonſt ſind zwei oder drei von uns des Todes.“ Er ſchlich ſich nach dem Gebüſch, ſuchte nach dem Geheule den Abſtand zu bemeſſen und erkletterte dann bis auf eine gewiſſe Höhe einen Tannenbaum. Seine Kameraden ſtanden mit geſpannten Gewehren auf ſechs oder ſieben Schritte von da, hinter einem Dornſtrauch verborgen. Bald ertönte der Knall eines Schuſſes; die Kugel mußte ihr Ziel getroffen haben; denn ein ſchmerz⸗ liches und wüthendes Gebrumm ertönte durch das Gehölz, und unmitelbar darauf bogen und krümm⸗ ten ſich die hohen Büſche, als ob ſie unter dem ſchweren Schritt eines rieſigen Thieres zuſammen⸗ gedrückt würden. In der That hatte der grizzly ſeinen Feind entdeckt, welcher, um ſeine Aufmerkſamkeit zu er⸗ regen, laut ſchrie und ſeinen Hut in der Luft ſchwenkte. Mit einem Sprunge ſtand der Bär aufrecht am Baume, ſtreckte ſeine Klauen aus und leckte brummend mit ſeiner langen rothen Zunge an der Rinde, als wähnte er bereits eine neue Beute zu verſchlingen.... Ein ſtarker Knall entlud ſich und fünf Kugeln trafen das Ungeheuer, welches vor Schmerz und Ueberraſchung rückwärts ſiel; aber ebenſo ſchnell raffte es ſich wieder auf, wandte den glühenden Blick nach ſeinen neuen Feinden und warf ſich heu⸗ lend vor. Der Matroſe, auf welchen der Bär au⸗ gen von von Thi Me nach und Arn Mo gehe nem habe ihn unte gen ſeine als das Man breit dem Hän welc Reiſe 2 ſeins Verlt Jezt von erſcht und Fol⸗ Sie urück, des.“ em tterte m. eren einem Kugel merz⸗ das ümm⸗ dem men⸗ Feind u er⸗ Luft frecht leckte n der te zu ugeln und chnell enden heu⸗ au⸗ 73 genſcheinlich die funkelnden Augen richtete, wurde von einem heftigen Schrecken ergriffen und floh da⸗ von, um einen Baum zu erreichen. Das wüthende Thier, ganz mit Blut bedeckt, ſchien die blinkenden— Meſſer zu fürchten und lief zur Seite dem Matroſen nach; es holte ihn gerade am Fuß des Baumes ein und nahm ihn, furchtbar heulend, zwiſchen ſeine Arme, um ihn zu erdrücken.. aber in dieſem Momente bohrten ſich fünf Meſſer zugleich dem Un⸗ geheuer in die Seite, und Donatus mußte mit ſei⸗ nem langen kataloniſchen Dolche das Herz getroffen haben, denn der Bär drehte ſich um, als wollte er ihn noch packen, fiel aber zur Erde und wälzte ſich unter gräßlichem Stöhnen in convulſiviſchen Zuckun⸗ gen am Boden. Einige Revolverſchüſſe verkürzten ſeinen Todeskampf, und bald war er nichts mehr als ein lebloſer Körper von außerordentlicher Größe. Donatus eilte nach der Stelle, wo man zuerſt das Geheul des Bären gehört hatte, und fand den Mauleſel halb zerriſſen und ohne Leben in einer breiten Blutlache liegend. Er vergoß Thränen über dem Körper des armen Thieres und kehrte mit den Händen vor den Augen zu ſeinen Kameraden zurück, welche er von dem unglücklichen Tode ihres treuen Reiſegefährten in Kenntniß ſezte. Alle waren ſehr bewegt, in Folge des Bewußt⸗ ſeins, in großer Gefahr geſchwebt zu haben; der Verluſt des Mauleſels betrübte ſie über die Maßen. Jezt, in einer Wildniß, hundert Stunden vielleicht von einem bewohnten Orte entfernt, abgemattet und erſchöpft an Kraft, ſollten ſie die Geräthſchaften und die Mundvorräthe auf dem Rücken tragen. 74 War die Reiſe zuvor ſchon beſchwerlich und ver⸗ drießlich, wie anſtrengend und entmuthigend mußte ſie jezt erſt werden! Wenn man durch die Stra⸗ pazen vieler Tage abgeſchwächt iſt, bleibt dem Geiſt weder Luſt noch Zeit zu langen Klagen übrig. Der Körper verlangt mit unwiderſtehlicher Gewalt Ruhe, und man würde unter dem dringenden Bedürfniſſe des Schlafes erliegen, ſelbſt wenn man mit dem Fuße in einem offenen Grabe ſtünde. Eine Stunde hernach lagen Alle, in ihre Decken gewickelt, unter dem Zelte. Der Brüſſeler ſtand auf der Wache und unterhielt ſorgfältig das flammende Feuer, um die wilden Thiere abzuwehren, wenn der⸗ gleichen vielleicht in der Nähe ſich noch bargen. Ein⸗ mal, als er einen Blick in das Zelt warf, um ſich zu verſichern, daß ſeine Gefährten ſchliefen, ſah er beim Schimmer des Feuers, daß die Wangen von Donatus mit Thränen benezt waren. „Der einfältige Junge,“ murmelte er,„noch im Schlafe weint er über den Tod eines Thieres! Wäre es noch aus Furcht, die Wiege auf den Rücken zu bekommen; aber nein, es geſchieht aus lauter Zu⸗ neigung.“ VI. Die Wüſte. Nach bisheriger Gewohnheit mußte derjenige, an welchem die Reihe des Kochens war, eine Stunde vor den Andern aufſtehen, um das Frühſtück zu be⸗ reit Kuc wec Bri und doe übe zun als das den dem Thi keh Thi ein zwe übe ſich Bä Ge wir des wa leg ein unt ver⸗ nußte Stra⸗ Geiſt Der tuhe, fniſſe Fuße ecken auf ende der⸗ Ein⸗ ſich h er von im res! ücken Zu⸗ nige, unde be⸗ 75 reiten, und erſt, wenn der Kaffee gekocht und die Kuchen gebacken waren, durfte er ſeine Genoſſen wecken. Dieſen Morgen traf es ſich gerade, daß der Brüſſeler die Küche zu beſorgen hatte. Sehr ſtill und bemüht, kein Geräuſch zu machen, zündete Par⸗ does ein großes Feuer an und hing den Keſſel über. Er lächelte in ſich ſelbſt hinein und ſchaute zuweilen mit ſcherzhaftem Ausdruck nach dem Zelte, als hätte er eine geheime Abſicht. Als er ſah, daß das Feuer gut brannte, nahm er ſein Meſſer aus dem Gürtel und wandte ſich nach dem Gebüſch. Bei dem Körper des Bären angekommen, ſchnitt er dem Thiere die vier Füße ab, ſtreifte ſie ſchnell ab und kehrte zu dem Feuer zurück, wo er die Pfoten des Thieres, nachdem er ſie gut mit Salz und Pfeffer eingerieben hatte, mit Schnüren an einen Baum⸗ zweig band und daran, wie an einem Spieße, dicht über den Flammen braten ließ. Er war voll Freude, rieb ſich die Hände, leckte ſich die Lippen und murmelte: „Wie werden ſie beim Erwachen überraſcht ſein! Bärenpfoten zum Frühſtück! Es iſt ein königliches Gericht, ſaftig, lecker, zart! Hier in der Wildniß wird es ihnen noch beſſer behagen, als an der Tafel des beſten Hotels zu Brüſſel.“ Unter der ſorglichen Wachſamkeit von Pardoes waren die Bärenpfoten ſehr ſchnell gebraten. Er legte ſie ſauber in die Blechſchüſſel, welche er auf einen Stein unter den Spieß geſezt hatte, um Fett und Saft hineinträufeln zu laſſen, und bereite dann 76 noch einige Kuchen, um ſie beim Frühſtück ſtatt des Brodes zu genießen. An die Oeffnung des Zeltes ſich ſtellend, rief er dann: „Auf, auf, Freunde, die Tafel iſt gedeckt! Ich habe ein Stück Wildbret, wornach Sie ſich gewiß die Finger lecken werden.“ Alle ſtanden auf. „Lieber Himmel, was riecht ſo lecker da draußen?“ brummte Kwik, ſich die Augen reibend.„Haben Sie einen Haſen gefangen, Pardoes?“ „Ja, einen Haſen, ſo groß, daß Sie an einem einzigen Fuß ſich krank eſſen können.“ „Dieß muß ein ſchönes Thier ſein! Es iſt gleich, ich bin ganz lüſtern nach einem Haſen und will meinem Bauche einmal ein Requiem halten laſ⸗ ſen, daß Sie ſich darüber verwundern werden. Kommen Sie, kommen Sie, meine Herrn; mir wäſſert der Mund, ich bekomme den Heißhunger....“ Aher als er das Auge auf die Blechſchüſſel ge⸗ richtet hatte, wich er mit Abſcheu zurück und rief: „Es ſind wahrhaftig die Pfoten von dem Bä⸗ ren, dem abſcheulichen Ungeheuer, das uns geſtern verſchlingen wollte. Pfui, pfui, Pardves, was für ein ſchlechter Spaß. Es iſt grauſam, unſern armen Magen ſo zum Narren zu halten; ich bekomme den Krampf davon.“ Der Brüſſeler bemühte ſich, ſeine Freunde zu überzeugen, daß es nichts Schmackhafteres gebe, als das Gericht, das er ihnen bereitet hätte. Der Ba⸗ ron, der Matroſe und Jan Creps begannen wirklich davon zu eſſen und bezeugten Pardoes, daß er die t des rief Ich ewiß en?“ Sie inem leich, will laſ⸗ den. iſſert ge⸗ rief: ſtern für men den als Ba⸗ klich die 37 guten Eigenſchaften von dem Bärenfleiſch nicht über⸗ trieben hätte; beſonders waren die Fußſohlen aus⸗ nehmend zart und ſaftig. Victor ließ ſich, obwohl er einigen Widerwillen fühlte, überreden und nahm eine halbe Pfote aus der Hand von Creps; aber Donatus faßte ihn am Arm und wollte ihn zurückhalten. „Ach, Herr Roozeman,“ flehte er,„ich bitte Sie, eſſen Sie nicht von dieſem häßlichen Thiere; es hat uns verſchlingen wollen; es hat vielleicht ſchon an⸗ dere Menſchen aufgefreſſen.“ „Aber, Kwik, Du biſt in der That einfältig,“ ſagte Victor mit einem Lächeln.„Fleiſch iſt Fleiſch, und wenn es gut ſchmeckt und nicht ſchädlich iſt....“ „Nicht ſchädlich?“ entgegnete Donatus.„Eſſen Sie davon und Sie werden es erfahren. Ohne es zu wiſſen, werden Sie böſe und zornig und grau⸗ ſam werden....“ Es entſtand ein ſchallendes Gelächter. „Ei, ei,“ ſpottete der Brüſſeler,„welchen dum⸗ men Gedanken haben Sie nun wieder im Kopfe? Das Naturell der Menſchen ſoll ſich alſo zufolge der Nahrung, welche ſie zu ſich nehmen, verändern? Wir eſſen ſeit langer Zeit nichts als Speck und müßten demnach unſauber und ſchmierig ſein wie die Schweine?“ Kwik betrachtete ſeine Gefährten und ſich ſelbſt vom Kopf bis zu den Füßen und antwortete brum⸗ mend: „Ich weiß es nicht gerade, ob es vom Speck herkommt; aber daß man uns in Belgien nicht ohne Zangen anfaſſen würde, iſt ſicher. Ich habe geſtern — —— einmal in das Taſchenſpiegelchen des Barons ge⸗ blickt. Der Wilde, den ich darin ſah, hat einen häßlichen Stoppelbart, und Staub und Fett waren ſo ſtark auf ſeinem Angeſicht aufgetragen, daß ich das Spiegelchen beinahe vor Eckel fallen ließ. Wenn Aennchen von Natten⸗Haesdonk dieſem Kerl begeg⸗ nete, ſie würde ohne Zweifel entfliehen und um Hülfe ſchreien.“ „Nun, nun, iß ein Bischen von der Bären⸗ pfote,“ ſagte Creps,„es iſt in der That ſehr gut und ſchmackhaft.“ „Ich von einem Ungeheuer eſſen, das meinen armen Mauleſel getödtet hat? Ich würde noch lieber Hungers ſterben!“ rief Donatus. Er ergriff die Pfanne, um in aller Eile noch etwas Speck zu braten, während ſeine Gefährten mit wunderbarem Appetit die Bärenpfoten bis auf die Knochen verſchlangen. Noch während er ſeine Kuchen aß, ſagte er: „Ja, ja, lachen Sie mich nur aus, meine Herrn; Sie werden ſehen. Es ſollte mich nicht wundern, wenn Sie noch heute einander die Augen aus dem Kopfe krazen. Ich verlaſſe mich nicht auf Freunde, die Bärenfleiſch im Leibe haben; aber ich warne Sie: mögen Sie zanken und ſtreiten, ſo viel es Ihnen beliebt, ich kümmere mich Nichts darum. Der Oſtender hat nicht nöthig, von einem Ungeheuer zu eſſen, um ſelbſt...“ „Schubiak, was unterſtehſt Du Dich zu ſagen?“ heulte der Matroſe, indem er mit der Hand an dem Meſſer zurückſprang. „Sehen Sie, meine Herrn, da haben Sie es ber eir er ha ge ge⸗ einen aren ich Lenn egeg⸗ Hülfe ären⸗ gut einen noch noch hrten auf ſeine errn; idern, dem unde, warne iel es Der ter zu gen?“ ndem Sie es 79 bereits!“ ſeufzte Kwik mißmuthig.„Er weiß nicht einmal, was ich zu ſagen gedachte, und ſchon will er mich ermorden!“ Alle begannen zu lachen; denn der Oſtender hatte augenſcheinlich die drohende Haltung nur an⸗ genommen, um mit dem einfältigen Jungen ſeinen Spott zu treiben. Pardves machte dieſen Scherzen ein Ende, indem er ſeine Gefährten erinnerte, daß man ſich auf den Marſch machen müſſe, um den friſchen Morgen nicht vorübergehen zu laſſen. Die Sonne war glänzend an einem dunkelblauen Himmel aufgegangen, und es ließ ſich vorausſehen, daß es am Nachmittag ausnehmend heiß werden würde. Jeder nahm einen Theil der Geräthſchaften auf den Rücken. Das Loos traf Roozeman, die Wiege zu tragen; aber Donatus ergriff das ſchwere Werk⸗ zeug, und ſo ſehr auch Victor Einſprache that und ſich erzürnt zeigte, er wollte die Laſt nicht abgeben. Sie traten alſo ihre Wanderung muthig an und blieben beinahe zwei Stunden ſehr aufgeräumt, ſprachen und ſcherzten über ihren Kampf mit dem Bären und über die unbegreifliche Saftigkeit ſeiner Pfoten. Der Baron allein hielt ſich ſehr ſtill und ſchien von traurigen Betrachtungen niedergebeugt einherzugehen. Bei dem geringſten Worte, welches lauter klang, als die andern, ſchaute Donatus ſeine Genoſſen mit mißtrauiſchem Blicke an, als mache er ſich in der That auf Händel und Streit gefaßt; aber da er den freundſchaftlichen Ton ungeſtört fortdauern ſah, ver⸗ gaß er ſeine Furcht und flocht ſorglos ſeine närri⸗ ſchen Einfälle in das Geſpräch ein. Nachdem ſie drei Stunden gegangen waren, ver⸗ lor ſich die Luſt zum Plaudern immer mehr, und bald ſchritten ſie ſtillſchweigend ihres Weges dahin. Die Ermüdung begann ſchwer auf ihre Glieder zu drücken.— Mit lahmen Beinen, mit hängendem Kopfe und hin und wieder einen hohlen Seufzer ausſtoßend, ſchlich der Baron hinten nach. Es war nicht mehr weit von Mittag, als ſie am Fuße eines ſteilen Bergrückens anlangten, der ihnen den Weg verſperrte und, ſoweit ſie ſehen konnten, ununterbrochen in derſelben Richtung fort⸗ lief. Es war Nichts zu machen, man mußte die beträchtliche Höhe erklimmen. Nachdem ſie eine Viertelſtunde ausgeruht hatten, ſuchten ſie in ihrer Nachbarſchaft eine Stelle, wo es am wenigſten ſteil war, und erkletterten die rauhen Felſen, bis ſie endlich, keuchend und in Schweiß ge⸗ badet, auf dem oberſten Rande des Berges ſich nie⸗ derfallen ließen. Als ſie wieder aufſtanden, um ihren Marſch fortzuſezen, ergriff ſie ein geheimes Zittern. Was ſie vor ſich ſahen, war eine nackte Bergfläche von vielen Stunden Breite, und der ſteinige Boden ſchien entweder von einem unterirdiſchen Feuer oder von den glühenden Sonnenſtrahlen verbrannt, denn ſo weit ihr Auge reichte, war in dieſer unermeßlichen Wüſte weder Baum noch Kraut zu entdecken. „Heiliger Gott, was iſt das hier?“ ſeufzte Do⸗ natus.„Ich bin wahrhaft erſchrocken. Sollten wir vielleicht an das Ende der Welt gekommen ſein?“ ſic keit Brü gebi ben, wir ten Flu kom: befir wär hat läßt viel wir vorn gut beme Sie ſchein Anſtr E Schri Wüſt Hauz zurüc wand durch C närri⸗ „ ver⸗ n dahin. der zu endem eufzer als ſie e ſehen g fort⸗ ßte die hatten, wo es rauhen eiß ge⸗ ch enie⸗ Marſch Was he von nſchien e n enn ſo ßlichen ſte Do⸗ ten wir ein?“ durch unmäßiges Keuchen die Lungen erſchöpfte. 6 81 „Pardoes, hat der Schweizer Goldſucher Ihnen Nichts von dieſer Wüſte geſagt?“ fragte Jan Creps. „Nein.“ „Dann ſind wir verirrt. Eine angenehme Neuig⸗ keit!“ „Wir können hier nicht verirren,“ antwortete der Brüſſeler.„So lang wir das himmelhohe Ketten⸗ gebirge der Sierra Nevada zu unſerer Rechten ha⸗ ben, bleiben wir in der gehörigen Richtung. Wenn wir immer vorwärts gehen, können wir den geſuch⸗ ten Ort nicht verfehlen. Er iſt an einem breiten Fluß gelegen, welcher von der Sierra Nevada herab⸗ kommt und gleichfalls quer vor unſerem Wege ſich befinden muß; ja wollten wir ihm ausweichen, es wäre uns nicht möglich. Der Anblick dieſer Wüſte hat allerdings etwas Schreckenerweckendes, und es läßt ſich denken, daß wir unter der brennenden Sonne viel von der Hize zu leiden haben werden; aber wir ſind nun einmal ſo weit gekommen und müſſen vorwärts, ohne umzuſehen. Vielleicht finden wir gut ausgeſpülte Tiefen, die von hier aus nicht zu bemerken ſind. Kommen Sie, Kameraden, verlieren Sie den Muth nicht: morgen werden wir wahr⸗ ſcheinlich das lang erſehnte Ziel unſerer ſchweren Anſtrengungen erreichen. Sie rückten, wenigſtens anfänglich, mit ſchnellen Schritten vorwärts über die einſame und nackte Wüſte. Die Sonne brannte wie Feuer über ihrem Haupte; ihre Strahlen, auf dem kahlen Steinboden zurückprallend, verdoppelten ſich an Stärke und ver⸗ wandelten die Luft in einen glaſigen Dunſt, der Conſeciente, bas Golbland. I. Nach zwei Stunden war es mit den armen Rei⸗ ſenden beinahe zu Ende; ſie zogen langſam, ſchwei— gend und in düſterer Gemüthsſtimmung über die einförmige und todte Fläche. Der Baron ſchien unter ſeiner Laſt erliegen zu wollen, und während er, in traurige Gedanken verſunken, ſich ſelbſt ver⸗ gaß, blieb er nicht ſelten ein Stück weit zurück. Der Matroſe fand ein grauſames Vergnügen daran, den Edelmann mit ſcherzenden Worten aufzuziehen. Dieſer hatte bisher auf ſeinen Spott nur mit einem Blicke bitterer Verachtung geantwortet; jezt aber rief der Matroſe ihm fluchend zu: „He, Baron, Sie laufen mit dem Kopf in den Boden. Es ſind hier keine Damen, die Nadeln ver⸗ loren haben. Sie ſehen wohl, daß edle Herren nicht viel werth ſind: ein paar breite Kanaillenfüße würden Ihnen dieſen Augenblick beſſer zu ſtatten kommen; denken Sie nicht?“ Der Edelmann erblaßte plözlich; er warf ſeinen Ranzen zur Erde, faßte ſeinen Revolver und rief zitternd: „Bleiben Sie ſtehen, meine Hertn, ich ver⸗ lange es!“ „Nun, nun, was gibt es da? Was haben Sie vor?“ ſtammelten die Andern beſtürzt. „Der grobe Menſch ſpottete meiner Leiden; er meint, ein Edelmann, ſelbſt in dem Zuſtand, worin ich mich befinde, werde ſich ungeſtraft verhöhnen laſſen! Dem iſt aber nicht ſo! Ich könnte ihn mit einer Kugel tödten; dazu dürfte ich nur meinen Fin⸗ ger bewegen; aber ich bebe vor einem Morde zurück.. Ich fordere ihn heraus; er ſoll mit mir eine muſ mei Zw holt den auf dau deſſe gen woll verſ war gew kom die eder mit welc zitte Kön Wür Hül nRei⸗ ſchwei⸗ er die ſchien ährend ſt ver⸗ zurück. daran, uziehen. teinem zt aber in den eln ver⸗ Herren illenfüße ſtatten f ſeinen und rief ich ver⸗ ben Sie den; er , worin erhöhnen ihn mit nen Fin⸗ Morde mit mir! 83 einen Zweikampf beſtehen! Einer von uns beiden muß hier in der Wüſte ſeine Gebeine laſſen.— Mache es kurz, oder ich ſchlage Dir den Kolben meines Revolvers ins Geſicht!“ Alle die Andern warfen ſich dazwiſchen, um den Zweikampf zu verhindern; aber der Baron wieder⸗ holte mehrmals das Wort Feigling, und der Matroſe von Pardoes zurückgehalten, heulte, er wolle den Edelmann in Stücke zerreißen. „Keine Piſtolen!“ ſchrie der Oſtender,„ein Kampf auf den Tod, mit den Meſſern; es iſt ſchöner, es dauert länger, es fließt mehr Blut!“ „Es ſei, die Meſſer!“ antwortete der Baron, deſſen glühende Augen grell von den bleichen Wan⸗ gen abſtachen. „Ach, Herr! ach, Gott!“ rief Donatus,„da wollen ſie nun einander in der ſchrecklichen Wildniß verſchlingen. Der Baron, der die Geduld ſelbſt war, hat plötzlich den Verſtand verloren und iſt raſend geworden. Ich habe es wohl vorhergeſehen; das kommt von dem Bärenfleiſcheſſen her.“ „Gewehre zur Hand!“ rief Pardoes.„Da ſind die wilden Kalifornier!“ Dieſe ſchreckliche Kunde ließ den Zwiſt vergeſſen; jeder griff haſtig nach ſeinem Gewehr und ſchaute mit Angſt und Ueberraſchung nach der Richtung, welche der Brüſſeler ihnen andeutete. „Wilde?“ rief Kwik, während er wie Espenlaub zitterte.„Wilde? Ach wo verbergen wir uns? Könnte ich mir doch das Haar bis auf das lezte Würzelchen aus dem Kopfe reißen! Keine andere Hülfe mehr, als allein bei dem lieben Wirklich ſahen ſie viele Meilen von ihnen rech⸗ ter Hand gegen zehn Menſchen, durch eine Krüm⸗ mung des Gebirges ziehen, und Pardoes verſicherte ihnen, nach ihren wallenden Haaren und ihren faſt nackten Leibern müſſen es ſeiner Anſicht nach Wilde ſein. Er gab ihnen weitläufige Erklärungen und ſuchte durch eine Menge von Worten ſie zu über⸗ zeugen, daß die Nähe dieſer Menſchen ihnen eine drohende Gefahr verkündige. Seine Abſicht war offenbar, die Aufmerkſamkeit ſeiner Gefährten von dem Streite abzuwenden; aber der Baron merkte es und rief: „Die Wilden ſind mehr als zwei Stunden Wegs von uns entfernt; ſie haben uns nicht geſehen und ſind bereits hinter den Bergen verſchwunden. Das Meſſer zur Hand, Oſtender!“ „Alſo, Sie wollen einander doch ermorden, ſelbſt jezt noch, wo wir von einem Ueberfall der wilden Kali⸗ fornier bedroht werden? Wohlan, wir wollen ſehen!“ ſagte der Brüſſeler in heftigem Zorn.„Roozeman, Creps, Donatus, ſind Sie bereit, mir um der Ret⸗ tung unſeres Lebens willen zu gehorchen? Ja? So fällen Sie die Gewehre gegen den Matroſen; ich werde den Baron vor meine Kugel nehmen: 4 Und dieß ſagend, trat er ein paar Schritte vor und fuhr alſo fort: „Baron, Sie ſind in eine Geſellſchaft mit uns getreten; Sie ſind nicht Herr über ſich ſelbſt; ich erkläre Ihnen, daß dieſer Zweikampf eine ſchnöde Niederträchtigkeit iſt, da er uns einen Kameraden in dem Augenblick rauben muß, wo unſer aller Le⸗ ben von einer ſolchen Schwächung abhängen kann. tus gro Bo Kri Wr rech⸗ Krüm⸗ ſicherte en faſt Wilde n und übe n eine twar en von rkte es Wegs en und Das ſelbſt n Kali⸗ ſehen!“ zeman, er Ret⸗ a? So en; ich itte vor nit uns ſt; ich ſchnöde neraden ller Le⸗ n kann. 85 Den Erſten von Ihnen, der noch einmal den Andern herausfordert, ſchieße ich ohne Mitleid nieder. Es wird dieß zum Mindeſten ein Mittel ſein, unſere koſtbare Zeit nicht länger hier zu verſchwenden. Darauf wechſelte Pardoes einige ſtille, doch eifrige Worte mit dem Matroſen. Dieſer ſchien end— lich nachzugeben, trat auf den Edelmann zu und ſprach: „Hören Sie, Baron, ich will meine Freunde nicht in Lebensgefahr bringen. Um Ihnen Satis⸗ faction zu geben, bekenne ich, daß ich Unrecht gehabt habe, und bitte Sie um Verzeihung wegen meiner leichtſinnigen Worte.“ Der Edelmann betrachtete dieſe abgedrungene Chrenerklärung als einen höhniſchen Spott; der Ausdruck ſeines Geſichts verrieth ſo viel Verachtung, daß der Oſtender wieder zu murren begann und ſein Meſſer in der Fauſt drehte. Aber Victor faßte des Barons Hand und ſuchte durch Bezeugungen von Achtung und Freundſchaft ihn zu beruhigen; Dona⸗ tus geſellte ſich ihm zu und beide drangen ſo lang in ihn, daß er, endlich überwunden, ſagte: „Es ſei! Sprechen wir nicht mehr davon. Der grobe Menſch ſoll mich nicht mehr höhnen!“ „Vorwärts alſo, Freunde!“ rief der Brüſſeler. „Ich bleibe hier,“ ſagte der Baron, ſich auf den Boden ſezend. „Wie ſo? Sind Sie wahnſinnig?“ brummte Pardoes. „Nein,“ war die Antwort,„ich bin mit meinen Kräften zu Ende; meine Füße ſind eine einzige Wunde, ich muß ruhen. Sie können Ihres Weges 86 weiter ziehen, meine Herren; es gilt mir gleich, von der Hand der wilden Kalifornier zu ſterben, oder gleich einem Laſtthier unter einem Gewicht, das ich nicht länger tragen kann, zu erliegen.“ Er zog einen ſeiner Schuhe aus, das Blut floß wirklich von ſeinen Füßen. „Nun wohl, ſo bleiben Sie liegen!“ ſchnaubte Pardoes grimmig. „Ich gehe nicht von hier ohne unſern Genoſſen!“ ſprach Victor, der Mitleid mit dem Zuſtand des Edelmanns hatte.„Alſo, wenn ich oder Sie, oder ein Anderer krank wird, oder nicht mehr gehen kann, dann ſollen wir ihn als herzloſe Menſchen verlaſſen und ihn einem ſichern Tode überliefern?“ „Ich gehe gleichfalls nicht!“ rief Donatus. „Wir bleiben alſo zu Vieren hier,“ beſtätigte Jan Creps. „Wohlan, ſo laſſen Sie uns ein wenig aus⸗ ruhen,“ murrte der Brüſſeler ſehr unzufrieden.„Be⸗ vor man nach Kalifornien kommt, ſollte man wiſſen, ob man Beine hat, welche für die Reiſe Stand halten.. „Wenn es ſo geht,“ fiel Donatus ein,„ſo trage ich die Wiege auch nicht mehr! Geſtern Abend ha⸗ ben wir beſchloſſen, daß Jeder von uns die Wiege nur einen halben Tag tragen ſollte: die Reihe von Herrn Roozeman iſt jezt zu Ende. Ich würde nicht daran erinnert haben, denn Gott hat mich mit gro⸗ ben Knochen und breiten Schultern geſchaffen; aber Jeder für ſich ſelbſt: das iſt die Regel, der Sie folgen. Der Matroſe mag die Wiege nur aufneh⸗ men; was mich hetrifft, ich trage das Gepäck des Bar könn ſchäf mit Hülf ſezen auf natt tend Crep mit Als Bar nach men n oder as ich it floß naubte ſſen!“ d des „oder kann, rlaſſen tätigte wiſſen, Stand trage nd ha⸗ Wiege he von e nicht it gro⸗ ;aber er Sie aufneh⸗ äck des 87 Barons, dann wird er uns wahrſcheinlich folgen können.“ Während er alſo redete, war Victor damit be⸗ ſchäftigt, dem Edelmann den Fuß zu waſchen und mit einem Stück Leinen zu umwickeln. Endlich erklärte der Baron, er hoffe, Dank der Hülfe ſeiner gutmüthigen Genoſſen, die Reiſe fort⸗ ſezen zu können. Alle nahmen die Ranzen wieder auf und zogen weiter in der Wüſte. „Das kommt vom Bärenfleiſcheſſen,“ ſprach Do⸗ natus, neben ſeinem Freunde Roozeman einherſchrei⸗ tend.„Es iſt noch nicht aus, ich weiß, daß Herr Creps und Pardves binnen einer halben Stunde mit den Piſtolen einander gegenüber ſtehen werden. Als wir die Erklärung abgaben, wir wollen bei dem Baron bleiben, habe ich geſehen, wie der Brüſſeler nach ſeinem Meſſer griff und ſeine Augen zu flam⸗ men begannen. „Nein, Freund Kwik, Du irrſt Dich,“ antwortete Victor,„die Sache iſt einfach: der Baron hat viel zu leiden, und der Matroſe ſpottet grauſam ſeiner Schmerzen,.... aber was fällt Dir denn auf, daß Du ſo unaufhörlich herumſchauſt?“ „Mir fällt zum Glück Nichts auf. Sagen Sie, Herr Roozeman, denken Sie auch, daß es Wilde waren, welche wir dort in der Ferne vorbeiziehen ſahen?“ „Gewiß waren es Wilde.“ „Wehe, wehe, mir dünkt, ich ſehe ſie bereits be⸗ ſchäftigt, mir die Haut von meinem armen Kopfe abzuziehen.“ „Bah, Donatus, ſie haben uns nicht geſehen; 88 und überdieß würden ſie, um von den fernen Ge⸗ birgen zu uns zu gelangen, vielleicht einen halben Tag brauchen.“ „Ja, aber Pardves hat geſagt, ſie können wie wilde Pferde laufen.“ „Es iſt wahr, ſie laufen wunderbar ſchnell.“ „Nun, dann behüte uns der liebe Gott,“ ſeufzte Kwik, indem er das Zeichen des Kreuzes machte. „So ſehr fürchteſt Du Dich alſo vor den wilden Kaliforniern?“ lachte Victor. „Fürchten? Noch mehr als fürchten: wenn ich daran denke, wanke ich auf den Beinen und der Athem geht mir aus. Ich habe ſchon viele abſcheu⸗ liche Dinge geſehen, ſeitdem wir in dieſes ſogenannte Land der Verheißung gekommen ſind! aber Wilde? Hu! ich möchte noch lieber mit Geiſtern.... nein, nein, Geiſtern auch nicht; aber Wilde, die einem Menſchen das Fell über die Ohren ziehen, mit Haa⸗ ren und Allem, was daran iſt, um Bürſten daraus zu machen! Sie müſſen wahrhaftig vom Teufel ſein, um auf ſolche Gedanken zu gera⸗ then. 4 Kwik fuhr noch einige Zeit in ſeinen Betrach⸗ tungen über die Grauſamkeit der Eingebornen von Ka⸗ lifornien fort und gelangte zu der Entſcheidung, daß ſie ohne Zweifel viel Bärenfleiſch eſſen müſſen; aber von der unerträglichen Hize niedergedrückt, gab ihm Victor keine Antwort und ſchien nicht einmal auf ſeine Worte zu hören. Die andern Leute von der Geſellſchaft waren ebenſo ermüdet und ſtill. Das Einzige, was man noch hörte, war eine Klage über Waſſermangel; denn die Seit noch Nack meh Him melt erſti dem zuge welc ſchm zufäl irger aber nicht verm weni gege durc tief den. ſtert Revt 2 ſellſe mur Ge⸗ alben n wie — eufzte te. vilden nich d der ſcheu⸗ nnte ilde nein, einem Haa⸗ araus Leufel gera⸗ trach⸗ nKa⸗ daß aber bihm auf waren man denn 89 die Meiſten hatten die lederne Flaſche, die an ihrer Seite hing, bereits geleert, und was den Andern noch übrig blieb, betrug kein Viertelsliter. So kam Nachmittags ein Augenblick, wo kein Tropfen Waſſer mehr da war, obwohl die Sonne gleich glühend am Himmel brannte und die Luft, mit all dem angeſam⸗ melten Feuer des Tages beſchwert, die Wirkung eines erſtickenden Dunſtes hervorbrachte. Die Wüſte hatte vor dem Angeſicht der Wanderer immer mehr an Breite zugenommen und ſchien noch immer in der Richtung, welche ſie verfolgten, mit dem fernen Horizonte ver⸗ ſchmolzen. Hätten ſie nur Bäume oder Berge oder zufällige Tiefen geſehen, ſo wäre zu hoffen geweſen, irgendwo auf einen Bach, oder einen Teich zu ſtoßen; aber der Boden verrieth, ſo weit ihr Auge reichte, nicht ein Zeichen, das ſie zu tröſten oder erfreuen vermochte. Oft hielten ſie an und ſanken zu Boden, um ein wenig auszuruhen. Da fielen heftige Vorwürfe gegen Pardoes, und es geſchah, daß Jan Creps durch ſeine tadelnden Bemerkungen den Brüſſeler tief verlezte und einige harte Worte gewechſelt wur⸗ den. Donatus ſtieß Roozeman am Arme und flü⸗ ſterte ihm in's Ohr. „Herr Victor, halten Sie die Hand an Ihren Revolver!“ „Warum?“ fragte dieſer. „Um Ihren Freund Creps zu vertheidigen: das Bärenfleiſch übt ſeine Wirkung auf Pardoes.“ Aber es ging nicht ſo, wie Kwik befürchtete, die Ge⸗ ſellſchaft nahm die Ranzen wieder auf und verfolgte murrend und brummend ihren Weg über die Fläche. Gegen Abend wurde die Muthloſigkeit und Ver⸗ bitterung noch größer; die Hize hatte ſich vermin⸗ dert, doch der Durſt quälte die Wanderer auf eine ſchreckliche Weiſe, und noch größeres Entſezen flößte ihnen, da ſie noch kein Ende der Wüſte abſahen, die Ueberzeugung ein, daß ſie auf dieſer Fläche, ohne Waſſer zu finden, die Nacht zubringen müßten. Mor⸗ gen ſollte man die tödtliche Reiſe dann von Neuem beginnen, unter einer brennenden Hize und ohne einen Tropfen Waſſers. Wer konnte wiſſen, ob ſie nicht alle in dieſer Wildniß vor Durſt umkommen würden?“ Als der Abend wirklich eingebrochen war, wei⸗ gerten ſich der Matroſe, der Baron und Jan Creps weiter zu gehen; ſie wollten die Nacht unter dem freien Himmel zubringen.— Denn an Holz, um das Zelt zu errichten und Feuer zu machen, war hier nicht zu denken. Pardves verſicherte, ſie könnten nicht fern von einem Bache oder einem Fluſſe ſein; der Boden be⸗ gann mehr Bewegung zu zeigen und fiel merklich ab; überdieß glaube er, der Richtung der Berge nach zu urtheilen, von welchen nach allen Seiten der Ge⸗ ſichtskreis eingeſchloſſen würde, verſichern zu dürfen, daß ſie binnen ein paar Stunden ohne Zweifel Waſſer finden würden. Indem er dieſe Hoffnung vor den Augen ſeiner Gefährten ſchimmern ließ, brachte er es jedesmal, nachdem ſie länger oder kürzer geruht hatten, dahin, daß ſie ſich wieder auf den Weg machten. Was er ihnen ſagte, war nur ein Vorwand, um ihnen Muth einzuflößen; denn er wußte ſelbſt nicht, wo er war, und grö erre Mi Sch ſpr bek Sti den leb wel und ſei unk ben mit auf Vie der Ver⸗ min⸗ eine flößte die ohne Mor⸗ eem ohne „ob mmen wei⸗ Creps freien s Zelt nicht n von en be⸗ erklich e nach erGe⸗ ürfen, Waſſer ſeiner esmal, dahin, Las er Muth r war, 91 und ging er weiter, ſo geſchah es nur, weil er darin größere Wahrſcheinlichkeit erblickte, endlich Waſſer erreichen zu können, als wenn man mitten in der Wüſte liegen blieb. Nachdem ſie noch eine halbe Stunde in tödtlichem Mißmuth fortgewankt waren, ſank Pardoes, einen Schrei ausſtoßend, zur Erde nieder. Die Andern ſprangen, in der Meinung, er habe einen Blutſturz bekommen, auf ihn zu, aber er ſprach mit zitternder Stimme: „Still, ſtill, Freunde, laßt mich horchen!“ Und nachdem er ſein Ohr eine Weile an den Bo⸗ den gehalten, ſprang er frohlockend auf und rief mit lebhafteſter Freude: „Hurra, hurra, Waſſer, Waſſer!“ „Wo? Wo hinaus?“ ſtammelten die Andern welche nicht begriffen, was Pardoes ſagen wollte. „Dort, gerade vor uns, ein Waſſerfall; ich höre ihn brauſend von der Höhe ſtürzen. Donatus lag bereits mit dem Kopf am Boden und rief: „Es iſt wahr, es iſt wahr! O, dem lieben Gott ſei gedankt!“ Ein allgemeines Freudengeſchrei ſtieg in die Lüfte, und ſo ermattet ſie auch waren, eilten die entzückten Goldſucher wie mit erneuerter Kraft in der angege⸗ benen Richtung fort. Plözlich wich Kwik, welcher der Vorderſte war, mit einem Angſtſchrei hinter ſich und fiel bleiſchwer auf den Rücken; aber die Gefahr, die ſeinem Freunde Victor drohen konnte, bewog ihn ebenſo ſchnell wie⸗ der aufzuſpringen, und er lief ſeinen Kameraden mit 92 weit geöffneten Armen und laut ſchreiend, um ſie zurückzuhalten, entgegen. „Was gibt's? Was haſt du geſehen?“ fragten die Andern erſchrocken. „Ach, Freunde,“ antwortete er ſtammelnd,„da bin ich wieder durch ein Nadelöhr gekrochen! Eine Tiefe? ein Abgrund? Wie der Höllenofen! ich lag be⸗ reits mit dem einen Beine darin. Hätte mein Schuz⸗ engel mich nicht zurückgehalten, ich läge jezt vielleicht ſechshundert Fuß tief mit zerſchmetterten Knochen und platt wie eine Miſpel. Geben Sie Acht, geben Sie Acht, es fällt ſenkrecht ab wie eine Kirchenmauer!“ Sie gelangten in der That an den Rand einer erſchreckenden Tiefe, welche ihrem Blicke ſich verbor⸗ gen hatte, da deren oberſte Kanten mit dem Grunde der Fläche gleich waren. Etwa fünfzig Schritte von der Stelle, wo ſie ſtanden, brach der Waſſerſtrahl aus einer Felſenſpalte hervor und ſtürzte brauſend und heulend in ein enges Thal nieder, aus welchem Töne wie von erſtickten Donnerſchlägen emporſtiegen. Dennoch jubelten die überraſchten Wanderer vor Freude und Glück; denn troz der Finſterniß, welche über der Tiefe lag, erkannten ſie den Spiegel eines breiten Baches, welcher gleich einem Silberſtreife plät⸗ ſchernd und funkelnd von dem Waſſerfall ſeinen Ur⸗ ſprung nahm. „Sollte dieß nicht der Placer des Schweizer Gold⸗ ſuchers ſein?“ fragte der Matroſe. „Nein,“ antwortete Pardoes,„unſer Placer iſt in einem breiten Thale gelegen, und es findet ſich kein Waſſerfall in der Gegend. Gleichwohl iſt die⸗ ſer Bach ein Zeichen, daß wir unſerem Placer nahe ſind. Ufer lichke iſt W für in d Kom Dort der ſchlie 6 hatte ihner ein hina ſenkr chen fähr gethe dem grun recht gerie e aller fer l ſich ſich e Füße aufſt ten n ſie gten Sie ner!“ einer rbor⸗ runde e von ſtrahl uſend lchem egen. vor velche eines plät⸗ 1Ur⸗ Gold⸗ er iſt t ich t die⸗ nahe 93 ſind. Er läuft ohne Zweifel einem Fluſſe zu; am Ufer dieſes Fluſſes müſſen wir uns mit Wahrſchein⸗ lichkeit befinden, Auf alle Fälle, Freunde, da unten iſt Waſſer. Dieſen Augenblick hat es mehr Werth für uns als Gold. Das Schwierigſte iſt, einen Weg in die unermeßliche Tiefe hinab zu finden..... Kommen Sie, ich glaube es gefunden zu haben! Dort, an dem Gebüſche, das ſich ſtufenweiſe längs der Felſenwände erhebt, glaube ich auf einen Paß ſchließen zu dürfen. Sie begaben ſich nach jener Seite. Pardves hatte ſich nicht getäuſcht. An der Stelle, welche er ihnen angedeutet, war vielleicht vor Jahrhunderten ein theilweiſer Einſturz des Berges nach dem Thale hinab erfolgt und hatte auf ſolche Weiſe gegen die ſenkrechten Felſen einen Abhang gebildet, über wel⸗ chen man hinabzuſteigen verſuchen konnte. Die Dunkelheit machte dieſen Verſuch ſehr ge⸗ fährlich; kaum hatten die Goldſucher einige Schritte gethan, ſo glitt der Matroſe mit einem Fuß von dem Felſen aus und würde wahrſcheinlich in den Ab⸗ grund geſtürzt ſein, hätte Jan Creps ihn nicht noch zu rechter Zeit an den Kleidern gepackt. Auch der Baron gerieth auf ſolche Art in Lebensgefahr, doch wurde er von Donatus zurückgehalten und gerettet. Troz aller dieſer Beſchwerden gelangten ſie tiefer und tie⸗ fer hinab, indem ſie bald an Gebüſch und Bäumen ſich feſthielten, bald auf dem Bauche krochen, bald ſich an vorſpringenden Felsecken anhingen, um mit den Füßen einen Stein zu erreichen, oder ſelbſt die Wiege auſſtellten, um daran feſtgeklammert, ſich niederglei⸗ ten zu laſſen. 94 Endlich erreichten ſie den Grund des Thales und liefen in einem Athem nach dem Bache, welcher hun⸗ dert Schritte weiterhin leiſe rauſchend über ein Stein⸗ bette dahin ſtrömte. Nachdem ſie in langen Zügen an dem eiskalten Bergwaſſer ihren Durſt geſtillt hatten, ſchlugen ſie in aller Eile ihr Zelt am Fuße der hohen Felſen auf, kochten Kaffee und nahmen ihr gewöhnliches Abendmahl ein. Kwik, an welchem den nächſten Morgen die Reihe des Kochens war, erhielt die Weiſung, nicht allzu⸗ früh aufzuſtehen, denn da ſie ſo müde und erſchöpft waren, wollten ſie ein bischen länger der Ruhe pflegen. Victor hatte die erſte Wache: die Andern legten ſich nieder und vergaßen bald ihr Leid und Elend in einem feſten Schlafe, welcher unter dem Eindruck des donnerähnlichen Brauſens vom Waſſerfall immer tiefer und tiefer wurde. VII. El Doradv. Als der Matroſe des andern Morgens von der lezten Wache in das Zelt kam, zog er Kwik bei den Beinen, ſchüttelte ihn wacker und ſagte ihm in's Ohr, er müßte aufſtehen, um das Frühſtück zu bereiten, da der Tag bereits ſeit einer Stunde angebrochen wäre. S 2 das dank er d nöth die 2 Schl mach und artig hing e gleic bröc holp welc hera Felſ dern dene einie gen verſ zu e ein dahi von Scht ande dung und hun⸗ tein⸗ alten ſie elſen iches Reihe llzu⸗ höpft Ruhe egten Flend druck nmer der i den Ohr, eiten, ochen 95 Obwohl die Dämmerung, welche noch rund um das Zelt zu herrſchen ſchien, Donatus auf den Ge⸗ danken brachte, daß der Oſtender ihn betrüge, ging er doch hinaus und ergriff ein Beil, um ſogleich das nöthige Holz zu einem guten Feuer zu hauen. Sich die Augen reibend, gleich Jemand, der noch halb im Schlummer befangen iſt und zu träumen glaubt, machte er einige Schritte; aber dann blieb er ſtehen und ließ ſeine Blicke mit Erſtaunen über das groß⸗ artige und ſeltſame Schauſpiel, welches ihn umgab, hingleiten. Der Ort, wo er ſtand, war ein ſchmales Thal, gleich einem Becken auf allen Seiten von tauſend Fuß hohen Felſenwänden unmſchloſſen, welche zer⸗ bröckelt, ausgefreſſen, eingeſunken, gleich einer holperichten Treppe nach der Fläche aufſtiegen, von welcher ſie am Abend zuvor mit ſo vieler Mühe herabgeſtiegen waren. In den Krümmungen dieſer Felſen wurzelten allerlei Bäume, meiſt Tannen, Ce⸗ dern und Cypreſſen, deren dunkles Grün in gewun⸗ denen Streifen an dem Gebirge emporzuklimmen, an einigen flachern Stellen ſich zu Büſchen zu vereini⸗ gen und dann wieder auszubreiten ſchien, um auf verſchiedenen Wegen den oberſten Rand der Tiefe zu erreichen. Auf dem Grunde des Thales ſtrömte ein breiter Bach oder vielmehr ein kleiner Strom dahin und bildete in ſeinem ſchnellen Laufe Tauſende von ſchäumenden Wellchen, welche gleich ſilbernen Schneeflocken tanzend und ſich drängend hinter ein⸗ ander den Abhang hinunterrollten. Dieß war es jedoch nicht, was Kwik's Verwun⸗ dung in ſo hohem Grade erregt hatte. Er hielt —————— +——— 96 ſeine Augen nach der Oſtſeite des Beckens gerichtet. Dort erhob ſich der Fels ſenkrecht wie eine glatte Wand, zu ſocher Höhe, daß er die andern Berge, gleich einer rieſigen Burg beherrſchte. Und dieſe furchtbare Wand war von oben bis in ihre Grundfeſten hinab entzwei geborſten, und aus dieſer Spalte ſenkte ſich mit einem einzigen Sprung von mehr als vier⸗ hundert Fuß Tiefe ein Waſſerfall, wie ein Strom, brauſend, heulend und donnernd in den Abgrund her⸗ nieder. Da rangen die wüthenden Wellen mit ein⸗ ander, da kochte der Schaum, da wurden die Fel⸗ ſenbrocken herumgeworfen und zu Sand zermahlen, da wurde allerlei geheimnißvolles Geräuſch und Kla⸗ gen laut, als hätte die Erde ſelbſt über die Grau⸗ ſamkeit des Waſſerfalls, der ihr das Eingeweide zerriß, Wehe gerufen. Donatus war durch die rieſigen Dimenſionen von Allem, was er hier ſah, und durch das unbeſchreib⸗ liche Getöſe, welches aus dem Abgrunde aufſtieg, ſo verblüfft und betäubt, daß er lange Zeit bewe⸗ gungslos und zitternd ſtehen blieb. „Herr Gott! wo ſind wir hier?“ murmelte er. „Man ſollte glauben, einige Duzend Teufel ſeien gerade daran, in dem Abgrunde zu baden.. und wie hoch, lieber Himmel, wie hoch! Wenn ein Menſch von dort oben herabſtürzte, es würde kein Fäſerchen von ihm übrig bleiben, bis er da her⸗ unterkäme....“ Er ſtarrte eine Weile nach allen Seiten hin und ſchien die Höhe der unüberſehbaren Felſenwände zu berechnen. Indem er ſich vom Kopf bis zu den Füße ſtürzt mir eine erblie Erdet bring 2 Kopf Felſe T ſtill ten 1 er ſe oder und 6 aus träun zuziel Gebi dieſer Das und Ende ſich e 2 ſeiner plötzl los 1 vor t Cr chtet. latte eere, dieſe feſten ſenkte vier⸗ trom, her⸗ ein⸗ Fel⸗ hlen, Kla⸗ rau⸗ weide von reib⸗ ſtieg, ewe⸗ e er. ſeien nein kein her⸗ und e zu den 97 Füßen betaſtete, ſprach er dann mit ſonderbarer Be⸗ ſtürzung; „Träume ich oder bin ich wach? Es iſt ſeltſam, mir kommt es vor, ich ſei nicht größer mehr als eine Ameiſe. Ach, lieber Herr Gott, was ich hier erblicke, iſt ſicherlich Dein Werk; alle Menſchen auf Erden können zuſammen ſolche Dinge nicht hervor⸗ bringen. Alſo redend und in Gedanken unterwegs den Kopf ſchüttelnd, begab er ſich nach dem Fuß der Felſen und fällte langſam ein großes Büſchel Holz. Darauf machte er Feuer an, indem er ſich ſo ſtill als möglich hielt, um ſeine ſchlafenden Gefähr⸗ ten nicht zu wecken. Von Zeit zu Zeit unterbrach er ſeine Arbeit, um nach dem heulenden Waſſerfall oder nach der himmelhohen Felſenwand zu blicken, und ſchlug die Hände vor Verwunderung zuſammen. Endlich ergriff er den Keſſel und wollte gerade⸗ aus nach dem Bach gehen; aber ſtatt deſſen ſchritt er träumeriſch dem Waſſerfall zu, deſſen Getöſe ihn an⸗ zuziehen ſchien. So kam er an eine Stelle, wo das Gebirge quer in das Bett des Baches vortrat und dieſen zwang, ſeinen Lauf nach der Seite zu nehmen. Das Waſſer brach ſich mit Gewalt an dieſer Wehre und ſchoß dann blizesſchnell daran vorüber. Am Ende dieſes Querfelſens hatte der wirbelnde Strom ſich ein Loch gegraben. An dieſem breiten Loche wollte Donatus eben ſeinen Keſſel füllen.... aber da entſchlüpfte ihm plötzlich ein lauter Angſtruf und er blieb bewegungs⸗ los und wie verſteinert mit dem Keſſel in der Hand vor der Waſſerkluft ſtehen. Er zitterte, er keuchte Conſcienge, das Golbland. II. 7 98 ſchwer, ſeine Beine ſchienen zu wanken; und dennoch war ſein Geſicht, obwohl ſehr bleich, von einem ſo freudigen Lächeln erhellt, als hätte er den Himmel vor ſeinen Augen ſich öffnen ſehen. Seine Lippen bewegten ſich, doch drang kein Laut aus dem Munde; er hatte vor Erregung den Gebrauch ſeiner Glieder und die Sprache verloren. Endlich löste ſich der Krampf ſeiner Muskeln; er warf ſich zu Boden, hob die Arme zum Himmel, ſprang wieder auf, machte alle möglichen Sätze und Luftſprünge, wälzte ſich auf der Erde, tanzte, lachte, murmelte von Aennchen, von Schlöſſern nud Pa⸗ läſten und geberdete ſich ganz und gar wie ein Menſch, der vollſtändig von Sinnen gekommen. Endlich, nachdem er eine Minute lang ſeinen Körper alle möglichen Verdrehungen hatte durchma⸗ chen laſſen, kehrte ihm das Bewußtſein zurück. Er fing laut zu ſchreien an, und das Thal wiederhallte von dem Schall ſeiner Stimme, während er wie ein Pfeil dem Zelte zulief. Ehe er daſſelbe erreichte, waren ſeine Freunde erſchrocken aufgeſprungen und ſtanden, mit der Flinte in der Hand, bereit gegen einen Ueberfall, welchen ſie das Geſchrei von Donatus befürchten ließ. „Was gibt's? Was ſiehſt Du?“ riefen ſie ihm zu. Er aber flog, ohne eine Antwort zu geben, ſei⸗ nem Freunde Roozeman an die Bruſt und ſtammelte undeutliche Worte, während ihm Thränen aus den Augen brachen; er umhalste ſofort Jan Creps, den Brüſſeler und den Baron und war eben im Begriff, ſeine Arme dem Matroſen um die Schultern zu ſchla⸗ gen; dieſer aber meinte fluchend, er ſei närriſch ge⸗ wo Erk zu vor Sc mit un ſel moch m ſo nmel ppen inde; ieder keln; nmel, und achte, Pa⸗ enſch, ſeinen chma⸗ Er hallte ie ein eunde Flinte echen m zu. , ſei⸗ melte s den , den egriff ſchla⸗ ch ege worden, und ſchüttelte ihn gewaltig, um ihn zu der Erklärung zu bringen, was dieſes alberne Treiben zu bedeuten hätte. „Kommt, kommt,“ flüſterte Donatus mit einer vor Bewegung halb erſtickten Stimme,„kommt, Schlöſſer, Schäze, Aennchen, Lucia, Glück, Triumph, mir ſchwindelt der Kopf, mir wird's ſchwach im Verſtand, kommt, kommt!“ Mit dieſen Worten ergriff er Victor bei der Hand und zog ihn nach der Stelle hin, wo er ſeinen Keſ⸗ ſel hatte fallen kaſſen. Die Andern folgten ihm. „Seht, ſeht!“ rief Donatus, indem er mit dem Finger nach dem ausgeſpülten Becken deutete. „O Himmel, Gold, viel Gold!“ war der allge⸗ meine Ruf. Sie warfen ſich am Rande des Beckens nieder, ſteckten die Arme tief unter das Waſſer, fuhren mit Zittern, aber ſchreiend, frohlockend darin herum, und in ihrem ganzen Thun gab ſich eine Ungeduld, eine Wuth kund, wie wenn ein halbverhungerter Tiger ſeine Klauen in die lang erwartete Beute ſchlägt. Dann zogen ſie ihre Hände voll Gold aus dem Waſſer zurück und begannen alle mit einander zu ſpringen, zu tanzen und zu jubeln. Sie zeigten ein ander die Goldbrocken, welche ihnen zwiſchen den Fingern ſchimmerten, ſie umhalsten ſich, redeten wirr durch einander, von dem Glück, das ſie erwartete, von ihren Entwürfen für die Zukunft und von ihrer Freude, von ihrer triumphirenden Rückkehr in das Va⸗ terland. Ihre Augen funkelten, ihre Hände bebten, ihre Stimme klang heiſer; ſie ſprachen. zu glei⸗ 100 cher Zeit mit einer fieberiſchen Haſt und ſchienen mit plözlichem Irrſinn geſchlagen zu ſein. Der Baron war nicht minder ausgelaſſen, als die Andern; es war eine ſonderbare Veränderung mit ihm vorgegangen; ein heiteres Lachen erhellte ſein Geſicht, Stolz ſprach aus ſeinem Auge; ſeine Bewegungen waren kräftig, als wäre ihm ein neues Leben wiedergekehrt. Er murmelte von Macht, von Ehre, von Größe und ſchien halb verrückt; aber ſeine Freunde waren ſelbſt vor Freude ſo außer ſich, daß ſie auf ihn nicht Acht gaben; und ſie ſprangen ebenſo ſchnell wieder nach dem Becken. Noch mehrmals tauchten ſie mit den Armen in das eiskalte Waſſer, und erſt als ſie ihrer lebhaften Gemüthsbewegung faſt erlagen, als ſie Hände und Taſchen voll Gold hatten, ſanken ſie keuchend, er⸗ ſchöpft und unter wahnwizigem Lachen zu Boden. Jan Creps, welcher durch den wunderbaren Fund nicht ſo ganz von Sinnen gekommen war, begann zu fürchten, ſeine Freunde möchten im Augenblick, da ſie das Ziel all ihres Leides und Elends erreicht hatten, von einem ſchrecklichen Unglück betroffen wor⸗ den ſein. Er hatte bereits zu San Francisco und unterwegs aus dem Munde des Brüſſelers gehört, wie oft die Goldgräber bei einem unerwarteten Glück in unheilbaren Wahnſinn verfallen ſeien. Was er jezt ſah, war wohl von der Art, um ihn zu er⸗ ſchrecken, denn ſeine Freunde ſaßen vor ſeinen Augen da, irreredend, ſingend, jubelnd und das Gold be⸗ taſtend und ſtreichelnd, während ſie zu gleicher Zeit lachten und weinten. „Nun, Freunde,“ ſagte er,„wir haben jezt einen mit als ung llte eine ues von eine daß enſo in ften und er⸗ n. und nzu da eicht wor⸗ und hört, lück 5 er er⸗ ugen be⸗ Zeit inen wahren Schaz gefunden; es iſt gewiß etwas Schönes, das uns wohl erfreuen mag; aber wenn Ihr Eure Aufregung nicht zu mäßigen ſucht, ſo werdet Ihr den Verſtand verlieren. Und wozu würde das Gold einem Narren von Nuzen ſein?“ „Laßt ſehen; laßt ſehen, gebt das Gold her!“ rief Pardoes.„Ich will es ſchäzen, es wägen. Wir wollen ſehen, wie reich wir bereits ſind.“ Man warf die Goldklümpchen in die Blechſchüſſel zuſammen; der Brüſſeler nahm es in die Hände, wog es theilweiſe und rief dann mit Augen, die vor Begeiſterung funkelten: „Neun Pfund, neun Pfund Gold! Ueber eilf⸗ tauſend Franks in zehn Minuten! Ja, die Welt ge— hört uns. Millionenreich, wir werden millionen⸗ reich!“ Roozeman faßte die Hände von Donatus, drückte ſie in den ſeinigen und ſtammelte voll Entzücken: „O, Freund, Gott iſt ſo gut gegen uns! Das Glück meiner lieben Mutter, das Glück der ſüßen Freundin, mein Lebensglück, die Erfüllung unſerer Wünſche, Reichthum, Lucia, Aennchen: Alles, Alles gibt er uns in einem Augenblick!.... Dank, Dank, allmächtiger Ordner der menſchlichen Geſchicke, Dank für unſere Leiden, Dank für Deine Gnade!“ Und die zitternden Arme erhoben, ſandte er ſeine feurigen Gebete mit lauter Stimme zum Himmel. „Auf, Geſellen! Kommt an's Werk! Vielleicht ſind wir noch vor Abend reich an Schäzen!“ rief der Matroſe. „Ja, ja, wieder an die Arbeit, ohne Raſt! Gold, Gold!“ wiederholten die Andern aufſpringend. 102 Man hörte nicht auf den Rath von Jan Creps. Dieſer hatte unzufrieden und murrend die Arme über der Bruſt gekreuzt, während ſeine Kameraden, auf das Becken vorgebeugt, noch immer, troz der ſchrecklichen Kälte des Waſſers, von der ihre Arme erſtarrten und ihre Muskeln gelähmt wurden, Gold herauszuholen fortfuhren. Ja, er mußte ſo gut wie die Andern mit den Händen in dem Keſſel wühlen, denn Parddes und der Matroſe erklärten fluchend und mit dem Revolver drohend, wer nicht mitarbeite, ſolle auch keinen Antheil an dem Golde haben und von der Geſellſchaft ausgeſchloſſen werden. Die Vertiefung, aus welcher ſie ſo beinahe ohne Mühe eine zahlloſe Menge kleiner Pepitas herauf⸗ holten, war ohne Zweifel hier während der Regen⸗ zeit, wenn der angeſchwollene Waſſerfall mit zehn⸗ facher Gewalt von dem Gebirge ſtürzte, ausgeſpült worden; denn er war augenſcheinlich zu tief und breit, um dem Bache, ſo wie er jezt erſchien, ſeinen Urſprung zu verdanken. Wahrſcheinlich wäre man zur Zeit des Anſchwellens der Gewäſſer nicht einmal im Stande geweſen, nur ſeinen Ufern nahe zu kommen, denn das Thal zeigte Spuren einer jährlichen Ueber⸗ ſchwemmung. Gegenwärtig jedoch konnte man rings um das Becken herumgehen, mit Ausnahme der Stelle, wo das Waſſer von dem obſchüſſigen Felſen herge⸗ trieben wurde, da hier deſſen Lauf ſo ſchnell war, daß es einen Menſchen umwerfen und nach dem tie⸗ fen Keſſel hinwegreißen konnte. Der ausgehöhlte Felſen gehörte der Formation des Schiefers an, deſſen Schichten aufrecht ſtanden, Dieſe ausgefreſſenen Schichten bildeten in zwei bis eps. rme den, der rme Hold wie len, hend eite, und ohne rauf⸗ gen⸗ ehn⸗ ſpült und inen zur im men, eber⸗ rings telle, ere⸗ war, ntie⸗ ation nden, i bis drei Fuß Tiefe einen Rand, zwiſchen deſſen Spalten auf einem gewiſſen beſchränkten Raume, die glän⸗ zenden Pepitas aus dem Waſſer den Goldſuchern in die Augen blinkten. Ein Glück war es für ſie, daß ihre Ausbeute ſich verminderte, nachdem ſie die größten Goldbrocken zwi⸗ ſchen den Felſenriſſen hervorgeholt hatten. Sonſt würden ſie wahrſcheinlich den ganzen Tag, ohne ſich Zeit zum Eſſen oder Ausruhen zu nehmen, ihre fieberiſche Arbeit fortgeſezt haben; aber die Beſorg niß, das wunderbare Goldneſt würde bald erſchöpft ſein, brachte ſie einigermaßen zur Vernunft zurück. Sie begannen jezt dem Rathe von Jan Creps Ge⸗ hör zu geben und beſchloſſen, die Arbeit eine Stunde einzuſtellen, um das Frühſtück einzunehmen und ihre ſtarren Arme wieder ein wenig zu erwärmen und zu Kräften kommen zu laſſen. Sie wandten ſich nach dem Zelte und ſchritten am Ufer des Baches hin, die Augen ſtets auf das Waſſer gerichtet, um zu ſehen, ob kein Gold zwi⸗ ſchen den Steinen zu entdecken wäre. Pardoes ſchlug plözlich die Hände zuſammen und rief: „Schauen Sie, Freunde, dort in den Spalten, wie es funkelt. Es iſt Gold! Das Glück hat uns nicht betrogen. Wir brauchen nur durch das Waſſer zu gehen, um dieſe Spalten zu erreichen. Es iſt Gold im ganzen Flußbette. Ein Feld, groß genug vielleicht für den Reichthum' von tauſend Menſchen! Laſſen Sie uns eiligſt frühſtücken. Wir kennen wahr⸗ ſcheinlich den Umfang unſeres Glücks noch nicht!“ Die Freude, die Begeiſterung entlockte ihnen laute 104 Jubelrufe, und ſie liefen ſchnell nach dem Zelte, um ſo ſchnell als möglich ihr Frühſtück zuzurichten. Die Augen des Barons funkelten; er ſchien ganz entzuckt, obwohl er bis jezt nur mit ſich ſelbſt ge⸗ ſprochen hatte; aber nun faßte er plözlich Pardoes und Victor an den Händen und ſprach mit einer Stimme, die vor Erregung zitterte⸗ „Freunde, Sie kennen mich nicht. Ich trage einen Namen, welcher in der Geſchichte meines Va⸗ terlandes glänzt. Begrüßen Sie in mir den Erben des hochedlen Hauſes von Alteroche! Ich habe Ihnen nicht geſagt, wer ich bin, weil ich es ſo mei⸗ nen Ahnen ſchuldig zu ſein glaubte. Sie hinter⸗ ließen mir ein großes Vermögen; ich war ſchön, un⸗ terrichtet, kräſtig; alle Gaben des Körpers und des Geiſtes waren mir zu Theil geworden. Es gab kei⸗ nen Wunſch, es gab keine Luſt, die unbefriedigt bleiben mußten. Ich habe in einem Wirbel von Pracht, Wolluſt und Glanz gelebt, bis Armuth, Er⸗ ſchöpfung und Eckel mich in einen Abgrund von Un⸗ macht und Erniedrigung verſenkten. Ich glaubte meinen Namen entehrt, meinen Geiſt entzaubert, meinen Körper entnervt. Ha, ha, es iſt nicht wahr! Es iſt nicht wahr! Ich fühle noch junges und kräf⸗ tiges Blut mir durch die Adern brauſen, das ver⸗ lorene Vermögen wird mir doppelt zurückgegeben.. und mit dem Golde auch die Ehre meines Namens und die Hochachtung der Welt! Ha, ha, ſehen Sie nicht da in den Champs élysées zu Paris dieſen glänzenden Wagen mit ſeinem Viergeſpann edler Roſſe? Mit Lakeien in Grün und Gold? Hören Sie das Volk vor Verwunderung aufſchreien? Sehen Sie die neie ihn Nei Ma unt an Pla Ban höh Beſ den dru war und Zuk in wer „jet wer We ten in des Wo ten Käl tig um ganz ge⸗ does iner rage Va⸗ rben habe mei⸗ nter⸗ un⸗ des kei⸗ digt von Er⸗ Un⸗ ubte bert, ahr! kräf⸗ ver⸗ nens Sie ieſen edler Sie Sie die Reichſten ſich vor ihm bis auf den Boden ver⸗ neigen? Sehen Sie alle die Damen ihm zulächeln, ihn beäugeln? Sehen Sie das Staunen und den Reid in Aller Augen? Der glückliche, der mächtige Mann bin ich, ich, deſſen Stern einen Augenblick untergegangen war, um mit neuem Glanze wieder an dem Himmel von Paris zu erſcheinen! Achtung Plaz, Plaz da, Achtung und Reſpekt vor dem Herrn Baron von Alteroche!“ Dieſe Worte erregten bei dem Matroſen ein langes höhniſches Gelächter; die Andern ſchauten ihn mit Beſtürzung an, als glaubten ſie, er ſei plözlich um den Verſtand gekommen. Er aber, durch den Aus⸗ druck ihrer Miene wieder zur Beſinnung gelangt, warf dem Oſtender einen Blick der Verachtung zu und fügte ſtolz bei: „Vergeben Sie mir, meine Herren, ich ſah die Zukunft vor meinen Augen. Es iſt ein Zauber, in der That; aber der Zauber wird zur Wahrheit vepden „Kommen Sie, kommen Sie,“ rief Pardoes, „jede Stunde iſt uns vielleicht dreißigtauſend Franes werth! Keine Zeit mit Kindereien verloren! An's Werk, an's Werk!“ Sie folgten ihm nach dem Fluſſe; Alle entblöß⸗ ten die Beine bis über die Kniee hinauf und traten in das Waſſer, um in der Nähe über die Quantität des herum verſtreuten Goldes urtheilen zu können. Wohl entſchlüpfte ihnen ein Schrei und ſie ſchauer⸗ ten zuſammen unter dem Eindruck der unbegreiflichen Kälte des Baches; aber ihr Golddurſt war ſo mäch⸗ tig, daß ſie dieſer ſchmerzhaften Empfindung Troz 106 boten und immer und immer wieder durch das Waſ⸗ ſer zu waten begannen, um hin und wieder eine kleine Pepita zwiſchen den Steinen aufzuraffen. Es dauerte jedoch nicht lang, ſo zwangen heftige Schmer⸗ zen in den Beinen Einen nach dem Andern, das Waſſer zu verlaſſen, und Alle geſtanden, daß der ſtärtſte Mann nicht länger als einige Minuten es in dem eiskalten Strome aushalten könne. Und wirk⸗ lich war das Waſſer nur geſchmolzener Schnee, der von der Sierra Nevada durch tiefe Spalten, deren Grund vielleicht noch niemals von einem Sonnen— ſtrahl berührt worden war, herabkam. Da dieſer Verſuch fehlſchlug, erklärte Pardoes, man würde beſſer daran thun, nach dem Keſſel zu⸗ rückzukehren und von dort ſo viel Gold, als zu er⸗ reichen wäre, herauszuholen. Man konnte es noch immer mit dem Waten durch den Bach probiren, und mußte man ſogar alle fünf Minuten an das Ufer zurückkehren, um das Blut wieder wärmer durch die Beine fließen zu laſſen. Sie folgten ſeinem Rathe und bieben den ganzen Tag mit der angedeuteten Arbeit beſchäftigt. Nur dann und wann kief einer weiter abwärts und wa⸗ tete da durch den Bach, um Pepitas zu ſuchen. Es geſchah wohl, daß dieſer Verſuch mehr oder minder glückte, aber jedesmal mußte man davon abſtehen, in Folge der unerträglichen Kälte des Waſſers. Gegen Abend, als man ſich zur Ruhe begeben wollte, wurde das Gold noch einmal zuſammenge⸗ bracht und gewogen. ₰ Man ſchäzte den Ertrag dieſes Tages auf zwei⸗ undzn ſend 4 Der mehr dergl fen r ausfi ſo in Fuße keit 2 nach ſaßer und frohl Elen ſicht beob weil fürch hatt kom: mein mer nenl nehr Sin der Waſ⸗ eine mer⸗ das der es in wirk⸗ „der deren nnen⸗ does, lzu⸗ u er⸗ noch biren, das durch anzen Nur d wa⸗ . Es ninder ſtehen, 4 5. geben nenge⸗ zwei⸗ undzwanzig Pfund oder ungefähr achtundzwanzig tau⸗ ſend Francs in Geld. Der Ertrag war ohne Zweifel glänzend genug. Der Keſſel enthielt allerdings kein erreichbares Gold mehr, aber es ließ ſich wenigſtens denken, daß man dergleichen Ablagerungen noch an andern Orten tref⸗ fen würde, und überdieß gelang es vielleicht, Mittel ausfindig zu machen, um das Waſſer abzuleiten und ſo in dem Bache Punkte zu ſchaffen, wo man trockenen Fußes ſtehen und die Pepitas mit aller Gemächlich⸗ keit ſammeln konnte. Alſo redete zu ihnen Pardoes, während ſie alle nach dem Abendeſſen um ein großes Feuer herum⸗ ſaßen, die Schüſſel voll Pepitas vor ihren Augen und in ſüßer Selbſtvergeſſenheit über das Glück frohlockend, das ſich ſo unerwartet und nach ſo viel Elend bei ihnen eingeſtellt hatte. Obwohl das Ge⸗ ſicht des Barons von hohem Entzücken Zeugniß gab, beobachtete er dennoch Stillſcheigen, ohne Zweifel, weil er die Spöttereien des Oſtenders zu wecken fürhtete. Mit dem Gefühl ſeines hohen Ranges hatte er ganz ſeinen angebornen Stolz wieder be⸗ kommen, und er wollte ſich mit dem groben, ge⸗ meinen Burſchen nicht mehr einlaſſen. „Ich möchte Ihnen einen Vorſchlag machen,“ be⸗ merkte Creps,„aber ich weiß nicht, ob Sie Beſon⸗ nenheit und Klugheit genug haben, denſelben anzu⸗ nehmen. Wir ſind alle zuſammen beinahe von Sinnen. 4 „Laſſen Sie Ihren Vorſchlag hören“ fiel ihm der Matroſe in's Wort. „Nun, ich ſchlage vor, daß es verboten ſein ſoll, 108 über gewiſſe beſtimmte Stunden zu arbeiten. So wie es jezt geht und morgen und die folgenden Tage wahrſcheinlich gehen wird, kann Keiner von uns das Ende der Woche erreichen, ohne ſich eine ernſtliche Krankheit auf den Hals zu laden.“ „Bah, was fürchten Sie!“ lachte Kwik, indem er ſich raſch erhob und einen närriſchen Luftſprung machte.„Sehen Sie, mir iſt, als ob ich vierund⸗ zwanzig Stunden lang geſchlafen hätte!“ „Ja, was Dich betrifft, Donatus, kannſt Du Recht haben; aber es iſt nicht Jedermann ſo zäh wie Du. Meine Geſundheit und die Geſundheit meiner Freunde iſt mehr werth, als Gold, und ich will mich hier in dieſer öden Bergkluft nicht begraben laſſen, oder Jemand von uns begraben ſehen.“ Pardoes erkannte nach einiger Ueberlegung, daß der Rath, den Creps ihnen gegeben hatte, allerdings begründet war. Es wurde alſo beſchloſſen, daß man gerade ſo wie in den Placeres am Yuba leben und regelmäßig ſich Zeit zum Eſſen und zur Raſt nehmen ſollte, ohne Einem von ihnen zu geſtatten, in andern als den beſtimmten Stunden ſich mit Goldſuchen zu beſchäftigen. „Laßt uns nun das Gold theilen,“ ſagte der Matroſe. „Das Gold theilen?“ antwortete der Brüſſeler. „Ich kann dieſe Gewohnheit mir erklären, ſo lang man wenig Gold hat; aber ich ſeze voraus, daß wir binnen wenigen Tage ſechzig Pfund davon be⸗ ſizen, ſoll dann jeder von uns mit einer zehnpfündi⸗ gen Laſt am Halſe herumlaufen? Wer wird da arbeiten können?“ uns Kraf auf habe Gold dert Gew am Such anzu einen klepp ſo w uns Ich ſen ſ Stell Dort Gold als auch Wer, den 6 aus ein, i das 1 Tage 6 das iſtliche indem prung erund⸗ Recht e Du. reunde h hier oder g, daß dings ß man n und ehmen mdern en ze e der ſſeler. lang „daß n be⸗ fündi⸗ rd da „Das iſt gleich,“ brummte der Matroſe,„laßt uns den Inhalt der Schüſſel theilen.“ „Ja, ja,“ beſtätigte Donatus,„es gibt Muth und Kraft, wenn man ſo unter der Arbeit das Gold auf ſeinem Herzen ſich regen fühlt.“ „Sind Sie verrückt?“ entgegnete Pardoes.„Wir haben beinahe die Gewißheit, in kurzer Zeit ſo viel Gold zu finden, daß jeder zum Mindeſten ſeine hun⸗ dert tauſend Francs beſizen wird. Dieß wäre ein Gewicht von achtzig Pfund, das jeder von uns überall am Hals herumſchleppen müßte. Es iſt unmöglich. Suchen Sie die Dinge mit ein Bischen Verſtand anzuſehen und hören Sie zu. Ich will gleichfalls einen Vorſchlag machen. Wenn wir hier von Buſch⸗ kleppern oder wilden Kaliforniern überfallen würden, ſo würden ſie uns alles Gold rauben, das wir bei uns tragen. Man muß klüger und vorſichtiger ſein. Ich ſchlage vor, daß wir eine Höhlung in dem Fel⸗ ſen ſuchen, eine Spalte oder eine andere verborgene Stelle, einige Schritte von unſerem Zelte entfernt. Dort wollen wir, von morgen an, alles gefundene Gold niederlegen. Nimand ſoll es berühren dürfen, als mit Zuſtimmung der Mehrheit von uns, und auch dann nur in Gegenwart von Allen zuſammen. Wer, ohne dazu ermächtigt zu ſein, die Hand an den gemeinſchaftlichen Schaz legt, und wäre es nur aus Neugierde, räumt ſeinen Kameraden das Recht ein, ihn auf der Stelle niederzuſchießen,— und wer das nicht thut, ſoll als des Verraths mitſchuldig an⸗ geſehen werden. Dieſe ſtrengen Maßregeln, Kameraden, ſind zu unſerer Sicherheit nothwendig. Sie müſſen dieſelben annehmen, denn es gibt kein anderes Mittel.“ 110 Nach einigem Murren von dem Matroſen gaben Alle ihre Zeſtimmung zu dem vorgeſchlagenen Geſeze. Sie krochen unter das Zelt, wickelten ſich in ihre Decken und legten ſich, das Herz voll ſüßer Freude, zur Ruhe nieder. VIII. Der Keſſel. Kaum begann das ungewiſſe Dämmerlicht ſich in die Tiefe niederzuſenken, ſo waren die emſigen Goldſucher auf den Beinen. Zwei oder drei hatten gar nicht, die Andern nur wenig geſchlafen, denn die „ Gewißheit, in Kurzem ganze Haufen Goldes zu be⸗ ſizen, hatte ihre Nerven gereizt und ihre Ruhe ge⸗ ſtört. Jezt waren ihre Augen geröthet, ihre Ge⸗ ſichtszüge abgemattet, ihre Glieder ſtarr und nament⸗ lich ihre Arme ſteif und ſchmerzhaft. Dennoch ge⸗ wannen ſie, nachdem man ſich während des Früh⸗ ſtücks an einem großen Feuer erwärmt hatte, Muth und Kraft genug, um ihre Arbeit wieder außzu⸗ nehmen. Sie ſuchten zuerſt eine Höhlung, um ihr Gold daſelbſt niederzulegen, und fanden bald eine günſtige Stelle, ungefähr dreißig Schritte von ihrem Zelte. Es war eine Querſpalte unter einem Felſenſtücke, kaum weit genug, um die Hand durchzulaſſen, aber nach unten breiter und ſo tief, daß man den Boden nicht erreichen konnte, ohne den Arm bis über den Ellenbogen hineinzuſtecken. erm wa We zu ver mir Ueb ſer, ſtür Fel lend Wa ein fen gro ſehe und iſt, Wä Wer Bec viel Zwe verſi dieſe wür reich der eſeze. nihre reude, ſich nſigen hatten nn die zu be⸗ he ge⸗ ment⸗ ch ge⸗ Früh⸗ Muth aufzu⸗ Gold ünſtige Zelte. nſtücke, „aber Boden den Der Brüſſeler warf Alles Gold in dieſe Höhlung, ermahnte noch an das angenommene Geſez und wandte ſich dann nach dem Keſſel. Nachdem er eine Weile ſtarr in das Waſſer geſehen hatte, ſprach er zu ſeinen Genoſſen, ſcheinbar in tiefe Gedanken verſunken: „Der Traum, der dieſe Nacht wie ein Alp auf mir laſtete und meine Ruhe geſtört hat, iſt Wahrheit! Ueberlegen Sie einmal, meine Freunde! Das Waſ⸗ ſer, welches von dieſer unermeßlichen Höhe nieder⸗ ſtürzt, reißt unterwegs das Muttergeſtein von den Felſen los, zermalmt und vermahlt es in dem heu⸗ lenden Abgrund. Durch die Gewalt des wühlenden Waſſers während der Periode der Regenzeit wird ein Theil dieſes Goldes aus dem Keſſel ausgewor⸗ fen und bis hieher fortgewälzt. Wir würden es in großer Menge über das Bette des Baches verbreitet ſehen, wenn dieſes Becken daſſelbe nicht zurückhielte und in ſeiner Tiefe verſchlänge. Der Beweis davon iſt, daß wir in den Spalten ſeiner zerbröckelten Wände über zwanzig Pfund Pepitas gefunden haben. Wenn dieſe geringen Unebenheiten der Ufer des Beckens ſo viel Gold zurückzuhalten vermochten, wie viel muß dann auf den Boden gefallen ſein? Ohne Zweifel Tauſende von Pfunden. Wer könnte uns verſichern, daß wir, ſobald es uns gelänge den Grund dieſer Tiefe zu erreichen, nicht Gold genug finden würden, um die Einwohnerſchaft einer ganzen Stadt reich zu machen?“ „Ja, ja, Millionen und Millionen!“ murmelte der Baron.„Mehr als die franzöſiſche Bank beſizt.“ „O, Himmel, Tauſende von Pfunden?“ rief der 112 Matroſe.„Wir müſſen ſie haben, und wäre das Becken der Eingang zur Hölle!“ „Das iſt leicht geſagt,“ entgegnete Pardoes, „aber das Verlangen und der Wille reichen nicht aus. Wir müſſen zu erfahren ſuchen, ob es eine Möglichkeit gibt, dieſen wunderbaren Schaz zu heben.“ „Wir wollen das Becken ausſchöpfen!“ ſagte der Oſtender, welcher vor Ungeduld zappelte und bebte. „Nein, das geht nicht an; der Bach ſtrömt hinein.“ „Er ſoll leer werden, und müßten wir es austrinken!“ jubelte Kwik.„Wiſſen, daß Tauſende von Pfunden Goldes vor unſern Füßen liegen, und wir ſollten 4 „Halt, keine Dummheiten,“ fiel ihm Pardoes in's Wort.„Laſſen Sie uns dort eine Stange von möglichſter Länge abhauen; wir wollen die Tiefe des Keſſels ſondiren und ſehen, ob es kein Mittel gibt, den Boden deſſelben zu erreichen.“ Nach einer halbſtündigen Arbeit traten ſie mit einem ſehr langen Baumſtamm zu dem Becken und ſenkten denſelben ſo weit in's Waſſer, bis ſie end⸗ lich auf ungefähr dreißig Fuß den Boden fühlten. Sie ſtießen einen Schrei freudiger Ueberraſchung aus, indem ſie die Gewißheit zu haben glaubten, ſie wür⸗ den ſich bei ſo geringer Tiefe leicht auf die eine oder andere Weiſe des Goldes bemächtigen können. Aber als man ſich nun über das Mittel hiezu berieth, wußte Niemand eine genügende Antwort zu geben, und man drehte ſich immer um den Gedanken, den Keſſel mit einem Damm zu unſchließen und das Wo ſo ein wü ihm dieſ miß Sie den wal klop und zur here die und mar dern him hinc Laſſ liche er k ratte zu f hera C das does, nicht eine 3 zu ſagte und ein.“ ken!“ nden llten does von e des gibt, mit und end⸗ lten. aus, wür⸗ oder Aber ieth, eben, den das 1¹3 Waſſer auszuſchöpfen. Jan Creps lachte über ein ſo thörichtes Vorhaben und berechnete, daß man wohl ein ganzes Jahr zur Leerung des Keſſels brauchen würde, ſelbſt wenn eine Abdämmung gelänge, was ihm jedoch ganz unmöglich ſchien. Die Richtigkeit dieſer Bemerkungen erkennend, blieben die Goldſucher mißmuthig und verlegen am Rande des Keſſels ſtehen. Sie ſuchten mit ihren verwilderten Blicken bis auf den Boden deſſelben zu dringen, um des Goldes ge⸗ wahr zu werden, das ihre Herzen vor Begierde klopfen machte. Einer wie der Andere ſchwieg ſtill und krazte ſich im Kopfe, um das verſtörte Gehirn zur Ausfindung irgend eines Mittels anzuſpannen. „Bah, von dieſem langen Beſinnen kommt Nichts heraus,“ ſagte Kwik.„Die einfachſten Mittel ſind die beſten. Laßt uns in dem Keſſel untertauchen und das Gold mit den Händen heraufholen.“ „In der That,“ beſtätigte Pardves,„ſo könnte man vielleicht für Millionen Pepitas zu Tage för⸗ dern; aber wer wird ſich in den wirbelnden Abgrund!“ hinunter wagen?“ „Wer? Ich!“ rief Donatus.„Bindet mir den Laſſo um den Leib; laßt mich bis auf den Grund hinab und zieht mich wieder herauf, ſobald ich dem Laſſo einen Ruck gebe.“ Victor Roozeman wollte ihn von dem gefähr⸗ lichen Unternehmen zurückhalten; aber Kwik erklärte, er könne tauchen und ſchwimmen wie eine Waſſer ratte, und habe ohnedieß von dem Wirbel Nichts zu fürchten, da man ihn immerdar mittelſt des Tau's heraufzuziehen im Stande ſei. Außerdem dürfe Conſcience, das Goldland. 1. 8 114 man, um millionenreich zu werden, vor einer kleinen Gefahr und etwas Mühe nicht zurückſcheuen.“ Sein Vorſchlag wurde angenommen, und man beſchloß vor der Hand, daß Jeder, wenn der erſte Verſuch gelinge, der Reihe nach, und wie das Loos es beſtimme, in den Keſſel hinabgelaſſen werde. Man wollte, um Füße und Beine an den Schieferfelſen nicht zu verlezen, Schuhe und Hoſen anbehalten, aber die andern Kleider ausziehen, um nach dem Untertauchen zum Mindeſten die Bruſt ſich er⸗ wärmen zu können. Der Laſſo wurde Donatus unter die Arme ge⸗ bunden und noch ein ſtarkes Tau, das man von der Wiege nahm, daran geſezt. Als endlich Alles zum Untertauchen bereit war, ſteckte Kwik ſeine Finger in das Waſſer und machte damit das Zeichen des Kreuzes, gerade wie man in Brabant zu thun pflegt, wenn man den Fuß in's Waſſer ſezt, um zu baden. Dann ſagte er lachend: „Es geht! Leben Sie wohl, Freunde, auf Wiederſehen! Ich will Ihnen Kunde bringen von der andern. 5 Während er ſo redete, hatte er ſich halb in den Keſſel hinab gelaſſen und hielt ſich noch mit den Händen am Rande. Seine Stimme brach, er keuchte auf ſeltſame Weiſe und ſeine Augen ſchienen ihm aus dem Kopfe zu treten. „Nun, was fehlt Ihnen? Laſſen Sie ſich hinab,“ ſagte der Brüſſeler.. „Bah, Kameraden,“ ſtammelte Donatus,„ich bin erfroren. Ich verbrenne von der ſchrecklichen Kälte! Einen kleinen Augenblick, geſtatten Sie mir, ein wen den loth ſpru Pro reick die das den nach hatt keit gezo geho frag ſeher eren ſtam dafü bin; Wick die riefe es 1 leinen man erſte Loos Man rfelſen halten, h dem h er⸗ e ge⸗ n der zum Finger n des pflegt, baden. „auf von n den t den euchte ihm nab,“ ch bin Kälte! „ein wenig mich abzukühlen..... So, ſo, halten Sie den Strick recht feſt, ich gehe hinab..... 4 Und wirklich ließ er den Rand los und ſank lothrecht in die Tiefe. Seine Kameraden hielten ihre Augen auf das ſprudelnde Waſſer gerichtet. Von dem Erfolg dieſer Probe konnte ihr Glück und ihre alsbaldige Be⸗ reicherung abhängen, auch ſprach Niemand ein Wort, die Herzen klopften, die Hände waren krampfhaft um das Seil geſchlungen, um bei dem geringſten Zeichen den Taucher heraufzuholen. Lang brauchten ſie nicht zu warten; eine Minute, nachdem Donatus in das Waſſer ſich hinuntergelaſſen hatte wurde zwei- oder dreimal mit großer Heftig⸗ keit an dem Laſſo gerüttelt. Kwik wurde heraufge⸗ gezogen und von Allen mit einander an das Ufer gehoben. „Nun? Nun? Haben Sie den Boden erreicht?“ fragte man ihn. Aber Donatus ſchien weder zu hören noch zu ſehen; ſeine Zähne klapperten, ſeine Glieder zitterten; er wankte auf ſeinen Beinen wie ein Trunkener und ſtammelte puſtend: „Verfluchtes Gold, wo ein Menſch ſein Leben dafür laſſen muß! Ach Gott, ich weiß nicht, wo ich bin; mein Herz iſt nicht mehr ſo groß wie eine Wicke. Ich glaube, ich glaube wahrhaftig, daß mir die Seele im Leibe erfroren iſt...... „Aber Gold? Haſt Du kein Gold gefunden?“ riefen die andern. „Einen Goldſtein oder ein Stück Eis, ich weiß es nicht,“ ſtieß er hervor.„Da ſeht, iſt es 116 Zleiche Ich laufe nach dem Feuer, um mich aufthauen zu laſſen.“ Mit dieſen Worten öffnete er ſeine geballte Fauſt, ließ ſeinen Genoſſen Etwas vor die Füße fallen und eilte mit wankenden Schritten nach dem Zelte. „Unglaublich!“ rief Pardoes, welcher ſich auf den am Boden liegenden Gegenſtand warf und denſelben mit wahnſinniger Freude herumzeigte.„Unglaublich, eine Pepita, reines Gold, von. ja von wohl ſechs Pfund! welche erſtaunlichen Schze muß der Keſſel verbergen. Ein einziges Stück ſechs Pfund! Da unten ſind vielleicht tauſend ſolcher Stücke, ſeit Jahrhunderten in der Tiefe aufgeſtapelt! Das Loos, das Loos!“ Er brach eilig fünf Grashalme von verſchiedener Länge ab und reichte ſie den Andern hin, um das Loos zu ziehen. Es war deutlich genug, daß das Hinabſteigen in den eiskalten Schlund ihnen bange machte, denn ſie zögerten einen Grashalm zu nehmen, und begannen ſogar darüber zu ſtreiten, wer zuerſt ziehen ſollte. Das Loos entſchied, daß der Matroſe zuerſt in den Keſſel hinabgelaſſen werden ſollte, dann Creps, Pardves, der Baron und endlich Roozeman, wornach, mit Kwik angefangen, die Reihe von Neuem begin⸗ nen ſollte. Ohne Zögern ließ der Oſtender ſich in das Waſſer hinab, aber er rüttelte gleichfalls ſehr ſchnell an dem Laſſo, und als man ihn heraufholte, verwünſchte er das Gold bis in den Grund der Hölle, obſchon er drei oder vier Pepitas, zuſammen ein Pfund ſchwer, heraufgebracht hatte. Er warf das Gold zur Erde und brum ſchäft um e G kein wohl jedoch Feuer allein Victo er ſie . ten C aber werde T — murn Keſſel der 2 den 2 faſſen noch“ Jezt. und d mir Abgr T mich Fauſt, n und uf den ſelben ublich, wohl ß der fund! , ſeit Loos, edener das ß das bange hmen, zuerſt erſt in Creps, rnach, begin⸗ Waſſer n dem chte er 0n er ſchwer, Erde 117 und lief, ohne weiter ein Wort zu ſprechen, heftig brummend nach dem Zelte, wo Donatus damit be⸗ ſchäftigt war, ein Feuer anzumachen, groß genug, um einen Ochſen zu braten. Creps tauchte muthvoll in den Keſſel, fand aber kein Gold. Pardoes war glücklicher: er brachte wohl dritthalb Pfund Pepitas herauf. Beide waren jedoch zähneklappernd und gewaltig zitternd auf das Feuer zugelaufen, ſo daß Roozeman und der Baron allein bei dem Keſſel ſtehen blieben. Der Edelmann ſchien auffallend erregt; während Victor ihm den Laſſo unter die Arme band, zitterte er ſichtbar. „Kommen Sie, Baron,“ ſagte Roozeman,„fürch⸗ ten Sie nichts. Es muß eiſig kalt da unten ſein, aber es iſt nur ein unangenehmer Augenblick: ich werde Sie ſogleich heraufziehen.“ Der Baron machte einen Schritt rückwärts und murmelte ängſtlich: „Ich fürchte mich, ich kann nicht ſchwimmen; der Keſſel grinst mich an, wie der aufgeſperrte Rachen der Vernichtung.“ „Sie müſſen zuvor gut Athem holen und dann den Mund geſchloſſen halten. Es iſt keine Gefahr, faſſen Sie Muth.“ „Muth?“ wiederholte der Edelmann.„Vorgeſtern noch hätte ich mit Vergnügen den Tod kommen ſehen. Jezt, da mir das Schickſal das verlorene Vermögen und die verlorene Macht zurückgegeben hat, jezt ſcheint mir das Leben unendlich koſtbar. Und wenn dieſer Abgrund das Thor der Ewigkeit für mich würde?“ Der Matroſe ſchrie von ferne, es müſſe bei dem 118 Keſſel ehrlich mit der Arbeit hergehen; und als er ſah, daß man auf ſeine Worte keine Acht gab, kam er ſelbſt herbeigelaufen, riß Victor den Strick aus den Händen und brummte, während ihm noch hörbar die Zähne klapperten: „Sie zittern, Baron? Keine dummen Streiche! Jeder muß ſeinen Antheil von der Mühe, wie von dem Gewinn haben. Es iſt ein teufeliſches Bad, allerdings, aber der erlauchte Baron von Alteroche mag ſich fürchten, ſo viel er will, er muß ſeine edeln Gebeine ebenſo gut...... 1 Der Edelmann ſtieß einen halb erſtickten Schrei aus, warf einen finſtern Blick auf denjenigen, welcher ihn verhöhnte, und ſprang dann ſo plötzlich in das Waſſer, daß der Strick dem Oſtender beinahe aus der Hand ſchlüpfte. Nach einigen Augenblicken rief Victor, den Strick anfaſſend: „Ziehen Sie herauf, ziehen Sie herauf; er kann nicht ſchwimmen, er wird ertrinken!“ „Er hat noch kein Zeichen gegeben, laſſen Sie ihn machen,“ ſchnaubte der Matroſe, indem er ſich den Sethengen Roozemans widerſezte. Es erfolgte eine Art von Ringen am Rande des Keſſels, bis der Oſtender ſelbſt erkannte, der Edelmann länger als die Andern, ohne an dem Laſſo zu rütteln, unter dem Waſſer blieb. Sie zogen nun den Strick herauf; der Baron hing S mit geſchloſſenen Augen, ſchlaffen Glie⸗ dern und fühllos wie eine Leiche. In aller Eile hoben ſie ihn an den Rand des Keſſels und der Matroſe begann ihn hin und her zu wälz Schu wir von. Tod nehm bewe oder Gebe Laſt ſchlu 2 mit Thrä Edel: holte dara alle wegu Mat ſich 1 Ja t gleic nicht „Ich gefül er a ls er kam den die eiche! von Bad, eroche edeln Schrei elcher das aus Strick kann Sie r ſich e des ß der Laſſo Baron Glie⸗ d des er ze wälzen; aber Victor faßte den Ertrunkenen an den Schultern und rief: „Schnell, nehmen Sie ihn an den Beinen; tragen wir ihn an das Feuer; vielleicht kommt er noch da⸗ von. Armer Baron, ſo ſterben, einen ſchrecklichen Tod in der Wüſte, fern von ſeinem Vaterlande!“ „Bah, Sie müſſen es ſich nicht ſo ſehr zu Herzen nehmen,“ ſagte der Matroſe, während ſie mit dem bewegungsloſen Körper vorwärts ſchritten.„Heute oder morgen würde der porcellänene Mann doch ſeine Gebeine in Kalifornien gelaſſen haben. Es iſt eine Laſt weniger für uns..... Er hat Waſſer ge⸗ ſchluckt ſehen Sie, es läuft ihm aus dem Munde...“ Die Andern ſprangen auf, als ſie ihre Freunde mit einer Leiche kommen ſahen; Donatus brach in Thränen aus und beklagte das Loos des unglücklichen Edelmanns mit trauriger Theilnahme. Jan Creps holte Decken aus dem Zelte und ließ den Ertrunkenen darauf niederlegen. Er und ſeine Freunde ſtrengten alle ihre Kräfte an, Wärme und Gefühl in den be⸗ wegungsloſen Körper zu bringen. Pardoes und der Matroſe blieben an dem Feuer ſitzen und befaßten ſich nicht mit Sorgen, die ſie als völlig unnütz anſahen. Ja der Letzte ſprach bereits davon, den Leichnam ſo⸗ gleich am Fuße der Felſen zu begraben, damit man nicht länger ſeine Laſt damit hätte. „Er lebt! Gott ſei Dank, er lebt!“ rief Donatus. „Ich habe eine Nervenzuckung an ſeiner Hand gefühlt.“ „Ja, ja, er lebt noch!“ beſtätigte Victor.„Seht, er athmet.“ „Aergerlich genug für ihn und für uns,“ brummte 120 der Matroſe, welchem dieſe Botſchaft wenig zu be⸗ hagen ſchien. Es kam wirklich mehr und mehr Bewegung in den erſtarrten Körper. Endlich öffnete der Baron die Augen, rieb ſich eine Weile die Stirne, gleich Jemand, der aus einem ſchweren Schlafe erwacht. Allmälig kam ein Lächeln auf ſeinem Angeſichte zum Vorſchein und er ſprach mit ſtolzer Begeiſterung: „Welch unerſchöpflicher Quell von Genuß iſt das Gold! Erſt ſechs Monate bin ich aus Kalifornien zuruͤck und ich habe bereits all das Glück geſchmeckt, das die Welt bieten kann. Wäre die Kraft des Kör⸗ pers doch ewig wie die Macht des Goldes! Wie ſtürmiſch dieſe Nacht! Getanzt, gewalzt bis ein Uhr; gezankt wegen des Blickes einer Frau; zwanzig Pfund Gold verloren im Spiele; ein Duell ange⸗ nommen für Morgen und dann bis zum erſten Tages⸗ licht in Strömen von Wein geſchwommen... Ein Schrei ängſtlicher Beſtürzung entſchlüpfte ſeinen Genoſſen; der Matroſe allein lachte. Victor ergriff des Batons Hand und ſuchte ihn durch ſanfte Worte zu tröſten und zum Bewußtſein ſeines Zu⸗ ſtandes zurückzubringen; aber der Edelmann achtete nicht auf ihn, ſondern rief mit gebietender Stimme: „He, he, Lafleur, Schlingel! So, da biſt Du? Beſtelle die Pferdé; ich muß die ſchöne Marquiſe von Espandal im Gehölze von Boulogne treffen. Richte auch meine Piſtolen„..... Laß jezt die Gardinen herab; ich will ſchlafen bis zum Mittag. Wenn mich Jemand ſtört, jage ich Dich fort!“ Und während er dieſe ſonderbaren Worte ausſprach, ließ die 2 3 klagt tete; die 2 recht Edeln man Gehit mit t finſtet S gerich wohl zittert litten. den G halb Unter ihren als n gefror V er no es ni Ausfo glaub in der und ſ 6 Ende. be⸗ g in aron leich acht. zum das nien neckt, Kör⸗ Wie ein anzig inge⸗ ages⸗ . üpfte ictor anfte Zu⸗ chtete nme: Du? n tichte dinen mich rach, ließ er den Kopf auf die Decken niederfallen, ſchloß die Augen und ſchien wirklich einzuſchlummern. Donatus und Victor waren ſehr betrübt und be⸗ klagten das Schickſal des Barons; der Matroſe ſpot⸗ tete; Jan Creps brummte zornig. Pardoes ſprach die Anſicht aus, daß ſie ſich wahrſcheinlich mit Un⸗ recht der Furcht vor einem Unglück hingeben. Der Edelmann ſei von einem heftigen Fieber befallen, und man dürfe ſich darum nicht ſehr verwundern, daß ſein Gehirn davon afficirt ſei. Es laſſe ſich hoffen, daß mit der Hitze der Krankheit auch die ſcheinbare Ver⸗ finſterung ſeiner Sinne ſich heben werde. So ſaßen die Goldſucher, den Blick auf den Baron gerichtet, vor Kälte ſchauernd, am Feuer; und ob⸗ wohl man ganze Bäume in die Gluth geworfen hatte, zitterten ihre Glieder, als ob ſie am kalten Fieber litten. Wohl empfing die Oberfläche ihres Körpers den Eindruck der Wärme; ja ſie waren ſchon lang halb gebraten, aber von dem einzigen Augenblick des Untertauchens in den Keſſel war die Kälte ſo tief in ihren Körper eingedrungen, daß ſie innerlich bebten, als wären ihnen die Gebeine und das Herz noch jetzt gefroren. Victor allein litt nicht an dieſem Ungemach, da er noch nicht im Waſſer geweſen war. Auch dauerte es nicht lang, ſo machte der Matroſe einen groben Ausfall gegen ihn und äußerte ſich ſo, als ob er glaubte, der Antwerpener wolle ſich dem Untertauchen in den Keſſel entziehen. Aber Roozeman ſtand auf und ſagte: „Machen Sie den höhniſchen Verdächtigungen ein Ende. Was die Andern thaten, will ich gleichfalls 122 thun. Ich bin bereit. Wer wird den Strick hal⸗ ten?“ „Nun, nun, laßt uns von dieſem unſinnigen Ver⸗ ſuche nicht mehr ſprechen,“ ſagte Creps.„Wir haben bereits einen unſerer Kameraden für todt aus dem Keſſel gezogen. Es würde ein Frevel ſein, die ge⸗ fährliche Probe auf's Neue zu beginnen.“ Es entſtand ein heftiger Streit. Creps und Dona⸗ tus wollten ſich dem Niederfahren von Roozeman widerſetzen. Der Matroſe und Pardoes behaupteten dagegen, er dürfe ſich einer Arbeit nicht entziehen, welche Alle gewiſſenhaft vollbracht hatten. „Nun wohl, ich ſage, er ſoll nicht untertauchen!“ rief Kwik.„Für alles Gold der Welt ginge ich nicht mehr in den Keſſel hinab; aber um Herrn Victor ein Unglück oder eine Krankheit zu erſparen? Man binde mir den Laſſo um den Leib; ich werde an Roozemans Stelle mich noch einmal bis auf's Blut durchfrieren laſſen; ich bin ſtark, Gott wird mich be⸗ ſchirmen!“ Victor endigte den Streit dadurch, daß er ſeinen unerbittlichen Entſchluß ausdrückte, nicht hinter ſeinen Gefährten zurückzubleiben. Obwohl Donatus mit flehenden Händen ihm die Empfindungen in dem Keſſel als die ſchrecklichſten ſchilderte, welche der Menſch ſich vorſtellen könnte, erklärte er dennoch, das Nieder⸗ fahren verſuchen zu wollen, und bat Pardves und Creps, ihm den Strick zu halten. Ohne Zögern ließ er ſich in den Keſſel hinab. Im Augenblick, da er unter dem Waſſer verſchwun⸗ den war, begann Donatus, welcher mit erwärmten Decken bereit ſtand, zu rufen: „ „Eri 9 2 „Er wir 2 fand und preßt Fäuſ Schu aber glän— jeder ein( S und Mög Eilig hatte weilt bleich klapp gebli Allm ſpanr auf d gemu ihre Z hal⸗ Ver⸗ en dem e ge⸗ ona⸗ eman oteten iehen, hen!“ nicht Pictor Man de an Blut ich be⸗ ſeinen ſeinen s mit dem Renſch tieder⸗ s und hinab. hwun⸗ irmten „Zieht herauf! Zieht herauf!“ „Halte Dich ſtill, Dummkopf,“ brummte Pardoes. „Er iſt jetzt unten, laß' ihn ſein Werk abmachen.“ Aber eine halbe Minute ſpäter ſagte er ſelbſt: „Er bleibt allzu lang, ohne ein Zeichen zu geben; wir wollen ihn heraufholen.“ Als Victor ſich am Rande des Keſſels wieder be⸗ fand, war er ganz ſchwindelig und ſeufzte hohl und heiſer, wie wenn ihm die Bruſt zuſammenge⸗ preßt würde; dabei zitterte er und hielt die geballten Fäuſte ſtarr ausgeſtreckt. Donatus warf ihm die warmen Decken über die Schultern und wollte ihn zu dem Feuer fortziehen, aber Pardoes, der Etwas zwiſchen ſeinen Fingern glänzen ſah, riß ihm die Fäuſte auseinander. Aus jeder fielen einige Klümpchen Gold, welche zuſammen ein Gewicht von ungefähr zwei Pfund hatten. Sie rafften die Pepitas auf, liefen zu dem Feuer und legten ſich dort nieder, während Donatus alles Mögliche that, um ſeinen ſchauernden Freund auf's Eiligſte zu erwärmen. Es war wohl nöthig: Victor hatte länger als die Andern unter dem Waſſer ver⸗ weilt; ſeine Lippen waren blau, ſein Geſicht todes⸗ bleich, ſeine Augen ſeltſam verglast; er bebte und klapperte mit den Zähnen ſo heftig, daß er ſich ver⸗ gebliche Mühe gab, ein deutliches Wort zu ſprechen. Allmälig jedoch verlor ſich die fieberiſche Nerven⸗ ſpannung, und obwohl noch eine große Entkräftung auf dem armen Victor laſtete, zeigte er ſich doch wohl⸗ gemuth und dankte ſtill lächelnd ſeinen Freunden für ihre liebreiche Sorgfalt. Der Baron war eingeſchlummert; er ſchien frei 124 zu athmen; und wäre es nicht hin und wieder ge⸗ ſchehen, daß er die Glieder krampfhaft bewegte und unverſtändliche Worte murmelte, man hätte denken können, er erfreue ſich eines natürlichen und geſunden Schlafes. Mittlerweile beſchäftigten ſich der Matroſe und Pardoes damit, die Pepitas zu betrachten und zu wägen, und ſie verkündeten mit einer gewiſſen Freude, daß man durch das Untertauchen in den Keſſel zwölf Pfund gewonnen habe, ſo daß alſo ihr geſammter Schatz in anderthalb Tagen bereits auf ungefähr fünfundvierzigtauſend Francs angewachſen war. Die Andern äußerten bei der Nachricht von dieſem glänzenden Erfolg kein Zeichen der Freude. Im Gegentheil, Creps zog ſeine Lippen zu einem Lächeln des Abſcheu's zuſammen; Donatus murmelte, wenn das Gold ſeinem armen Freunde eine Krankheit zuge⸗ zogen hätte, ſo würde er den Augenblick verwünſchen, da ihm Gold zu Geſicht gekommen wäre; die beiden Kranken blieben ganz gleichgültig. Endlich warf Pardoes die Frage auf, ob Jemand der Meinung wäre, daß man mit dem Untertauchen in den Keſſel fortfahren, und wenn nicht, was man beginnen ſollte, um das Goldſuchen mit Nutzen fortzuſetzen. Es war nicht Einer, ſelbſt nicht der Matroſe, der ohne Schauder an eine zweite Niederfahrt in den Keſſel zu denken wagte, und Alle gaben zu, daß man von dieſem Verſuche abſtehen müſſe, wenn man ſein Leben nicht in die Waagſchaale legen wolle. Par⸗ does ſprach hierauf von ſeiner Abſicht, den Reſt des Tages damit zuzubringen, daß man in dem Bache herur aber Arbe zwei bleibe alle der 9 den, ſhöy und die S es ne aus. jezt ſo ſto Verw mir: ſei n meine Händ ſterbe als e Geſch man vor d will nicht Geſell heit uns r ge⸗ und enken inden und id zu eude, zwölf umter efähr ieſem Im icheln wenn zuge⸗ ſchen, die mand uchen was utzen , der den man ſein Par⸗ ſt des Bache herumwate und dort Goldblättchen und Pepitas ſuche; aber Jan Creps wollte für dieſen Tag von keiner Arbeit mehr hören. Er machte ihnen bemerklich, daß zwei ihrer Gefährten auf alle Fälle bei dem Feuer bleiben müßten, um ſich wieder zu erholen, daß ſie alle jetzt genug geleiſtet hätten, um einige Stunden der Ruhe zu genießen, und unklug daran thun wür⸗ den, ihre Kräfte durch übertriebene Arbeit zu er⸗ ſchöpfen. Pardoes nahm dieſe Entgegnung achſelzuckend auf, und der Matroſe machte einen heftigen Ausfall gegen die Schwäche und Faulheit ſeiner Genoſſen, wie er es nannte. Er ſprach ſogar das Wort Feiglinge aus. Jan Creps, deſſen Geduld zu Ende war, ſprang jezt plözlich auf und rief in zornigem Tone und mit ſo ſtolzen Geberden, daß ſeine Zuhörer darüber in Verwunderung geriethen: „Weißt Du was, beſtialiſcher Kerl? Du wirſt mir nachgerade ſchrecklich zuwider! Glaubſt Du, ich ſei nach Kalifornien gekommen, um aus Golddurſt meine Geſundheit für alle Zeit zu ruiniren, oder mit Händen voll Gold in dieſer Wüſte wie ein Hund zu ſterben? Du ſprichſt und benimmſt Dich mit uns, als ob Du der Herr wäreſt und wir die Knechte. Geſchieht es, weil wir gute Jungen ſind? Ha, muß man barſch, brutal und wüſte ſein, um Dir Achtung vor den Rechten Anderer einzuflößen? Wohlan, ich will Dir zeigen, daß Rohheit und Unverſchämtheit nicht ſo ſchwer zu erlernen ſind. Wir haben eine Geſellſchaft auf dem Fuße der vollſtändigſten Geich⸗ heit eingegangen. Ich ſpreche jezt im Namen von uns vieren; es iſt die Mehrheit. Wir beſchließen, 126 daß man heute nicht mehr arbeiten ſoll, und dieſem Beſchluß muß jeder, mit oder wider Willen Folge leiſten; und wenn Du damit nicht zufrieden biſt, ſo kannſt Du zum Teufel gehen, wenn Dich die Luſt dazu anwandelt.“ „Ich nehme meinen Theil von dem Golde und trete aus der Geſellſchaft!“ polterte der Matroſe, in⸗ dem er Miene machte, zu dem Schaze hinwegzulaufen. Aber Jan Creps zog ſeinen Revolver aus dem Gürtel und rief: „Bei Deinem Leben, ſte ſtil! Achte das Geſes! Koch einen einzigen Schritt, und Du biſt ein Kind des Todes!“— Pardoes machte ein Zeichen, daß man einhalten ſolle; darauf packte er den Oſtender um den Leib und bemühte ſich, ihn zurückzuziehen und zu beruhigen. Er erklärte, Creps habe im Grunde Recht; man müſſe die Unpäßlichlichkeit der Kameraden in Berück⸗ ſichtigung ziehen und, da dieſelben in der Mehrheit ſeien, ſich nach ihrem Willen richten. Es mache ihm allerdings Verdruß, daß man bei dem Vorhandenſein von ſo viel Gold einen vollen halben Tag vorüber⸗ gehen laſſen müſſe; aber ſie werden morgen um ſo kräftiger ſein und wahrſcheinlich die verlorene Zeit wieder hereinbringen. Er bewirkte ſo viel bei dem Matroſen, daß derſelbe, wiewohl noch immer brum⸗ mend, ſich unterwarf und ſeinen Platz am Feuer wieder einnahm. Da Pardoes fürchtete, der Streit möchte ſich bei der ſichtbar übeln Laune von Creps erneuern, ſo er⸗ klärte derſelbe, er wolle den Reſt des Tages zu der Unterſuchung von dem Bette des Baches benüzen. Eren eine aber wo ſtrön deſſe ſem wie dert — d Sper Felſe aus Auge Freu durch fährl Hals Verd nißvt forni wollt Geſte dem dum: jezt Vate wohl heit, dieſem Folge biſt, e Luſt e und ſe, in⸗ aufen. s dem Feſetz! Kind halten n Leib chigen. man Berück⸗ ehrheit e ihm denſein orüber⸗ um ſo ie Zeit ei dem brum⸗ Feuer ſich bei ſo er⸗ zu der enüzen. Er wolle in Geſellſchaft des Matroſen an dem Waſſer eine oder anderthalb Stunden abwärts gehen; da aber der Bach drei Bogenſchüſſe von dem Punkte, wo ſie ſich befinden, durch eine unwegſame Spalte ſtröme, ſo müſſen ſie über das Gebirge gehen, um deſſen Lauf hinter den Felſen zu verfolgen. Bei die⸗ ſem Ausfluge werden ſie zugleich zu erfahren ſuchen, wie weit man ſich in dieſer Gegend zur Aufbringung der täglichen Lebensmittel auf die Jagd verlaſſen könne; — denn man dürfe nicht vergeſſen, daß ihr Vorrath von Speck binnen acht Tagen ganz zu Ende ſein werde. Beide ergriffen ihre Flinten, ſtiegen zwiſchen den Felſenkrümmungen hinauf und verſchwanden bald aus dem Angeſicht ihrer Kameraden. Jan Creps ließ mit ſtummer Verbitterung ſeine Augen von dem ſchlafenden Edelmann auf ſeinen Freund Victor fallen. Der Gedanke, daß der Letztere durch das Untertauchen in den Keſſel ſich eine ge⸗ fährliche, ja vielleicht tödtliche Krankheit auf den Hals geladen hätte, erfüllte ihn mit Kummer und Verdruß. Er verwünſchte bei ſich ſelbſt den verhäng⸗ nißvollen Augenblick, wo er den Entſchluß, nach Kali⸗ fornien zu reiſen, gefaßt hatte. Endlich ergoß er ſich in heftige Redensarten und wollte ſeinen Genoſſen begreiflich machen und das Geſtändniß abnöthigen, daß der Golddurſt ſie alle dem Wahnſinn nahe gebracht und zu einem ſchrecklich dummen Streiche verleitet habe. Es erſchien ihm jezt als eine unbeſchreibliche Narrheit, ein ſchönes Vaterland zu verlaſſen, Eltern und Freunden Lebe⸗ wohl zu ſagen, um in unbekannten Ländern Geſund⸗ heit, Seele und Leben für ein Bischen Gold aufzu⸗ 128 opfern. Was hatten ſie jezt, nach ſo vielen über⸗ ſtandenen Gefahren gefunden, ſelbſt da ſie wirklich in einem goldreichen Eldorado angelangt waren? Einen Keſſel, aus dem man das Gold nur herauf⸗ holen konnte, indem man es gewiſſermaßen dem Tode ſelbſt entriß; einen Abgrund, der im Tauſche für jede Handvoll Goldes zehn Jahre von einem Menſchen⸗ leben verlangte! Und die Freiheit, deren Einbildung ſie zur Reiſe verlockt hatte, was war ſie? Die Herr⸗ ſchaft der Habſucht, der Rohheit, der Frechheit; das unbeſchränkte Recht der Gewalt; die Verwilderung, die Verthierung der menſchlichen Natur.. denn ſie durften nur ſich ſelbſt betrachten, um ſich zu ſagen, ob wohl das unſauberſte Geſchöpf der Welt ſo ſchmuzig und abſchreckend wie ſie ſein konnte. In Unfläthig⸗ keit ſich abmühend, von dem eckelhafteſten Ungeziefer zerfreſſen, lebend und ſchlafend, Seite an Seite, im Verbande von Gleichheit und Freundſchaft mit einem gemeinen Burſchen, der von dem Menſchen Nichts als den Namen hatte. Durften ſie, wenn ſie jemals in das civiliſirte Europa kamen, noch das Haupt er⸗ heben? Mußte das Andenken an ſolche Erniedrigung ihnen nicht ſammt jedem Stolze des Herzens alles Gefühl eigener Würde rauben? Für dieſes verfluchte Gold ſollten ſie demnach Alles, ihre Tugend, ihren Muth, ihre Geſundheit, ihre ganze Natur dahingeopfert haben! Am Schluſſe dieſer ergrimmten Rede ſprach Creps die Ueberzeugung aus, daß ſie dieſen Ort ſo ſchnell als möglich verlaſſen müſſen, ehe unvorherge⸗ ſehenes Mißgeſchick oder Krankheit Einigen von ihnen die Rückkehr nach San Francisco unmöglich mache; aber Gede ten ſchwe das verw entſck duld Schä und würd blieb rung lichke und fühle und beru Zeit der C ſich Flan befä um Aber noch befin von fürſt und ( über⸗ irklich aren erauf⸗ 1Tode e für nſchen⸗ ildung Herr⸗ t; das erng, denn ſagen, hmuzig läthig⸗ geziefer te, im einem Nichts jemals upt er⸗ rigung s alles vfluchte „ihren eopfert Ort ſo rherge⸗ nihnen mache; aber Victor und Donatus wollten von einem ſolchen Gedanken Nichts wiſſen. Sie ſtellten ihrem erbitter⸗ ten Freunde vor, daß ſie jezt das Ziel ihrer be⸗ ſchwerlichen Reiſe erreicht haben; daß ihr Glück und das Glück derjenigen, die ihnen theuer wären, ſich verwirklichen werde. Man dürfe nicht in dieſem entſcheidenden Augenblicke, wenn wenige Tage Ge⸗ duld und Muth ihnen zu dem Beſiz der geträumten Schäze verhelfen können, alle Hoffnnng von ſich werfen und alles ausgeſtandene Elend nuzlos machen. Jan Creps war in hohem Grade aufgebracht und würde ohne Zweifel in dieſer übeln Stimmung ge⸗ blieben ſein, hätte Roozeman ihm nicht die Verſiche⸗ rung gegeben, daß er ſich völlig von ſeiner Unpäß⸗ lichkeit erholt habe und nunmehr eine angenehme und ſanfte Wärme ſich durch die Glieder ſtrömen fühle. Da ſein Freund in der That ſichtbar auflebte und Muth, ſogar Fröhlichkeit an den Tag legte, ſo beruhigte er ſich endlich und verſprach noch einige Zeit den Eyfolg ihrer Arbeit abzuwarten, ehe er von der Abreiſe ſprechen wolle. Inzwiſchen erwachte der Edelmann und richtete ſich in ſizender Haltung auf den Decken auf. Die Flamänder fragten ihn theilnehmend, wie er ſich jezt befände, und widmeten ihm allerlei freundliche Worte, um ihn zu tröſten und ihm Muth einzuſprechen. Aber der arme Baron ſchien ſie weder zu kennen noch zu verſtehen. Bald glaubte er in Paris ſich zu befinden, in einer prächtigen Wohnung und umringt von Knechten und Dienern: er gab Befehle zu einem fürſtlichen Gaſtmahl, nannte die ſeltſamſten Gerichte und die köſtlichſten Weine; bald war er bei einem Conſcience, das Goldland. IM. 9 130 glänzenden Feſte, bei einem Wettrennen, oder bei dem Spiele, oder einem üppigen Gelage und rühmte ſich frohlockend ſeines Glücks bei den edelſten Damen, oder des Glanzes von ſeinem Namen und der All⸗ macht, welche der Beſiz von Haufen Goldes gewährte. Nachdem ſie ſich alle Mühe gegeben hatten, um ſeinen Geiſt von dieſem Zauber abzuziehen. erkannten ſeine Gefährten, daß jeder weitere Verſuch für jezt nuzlos ſei, und hörten traurig und beklemmten Herzens ſeinen ſeltſamen Worten zu. Als Pardoes und der Matroſe eine Stunde vor Einbruch des Abends zu dem Zelte zurückkamen, zeigten ſie ihren Genoſſen zwei große Waſſervögel, ſo ziemlich großen Schnepfen gleichend, die ſie ge⸗ ſchoſſen hatten. Es wäre ihnen nicht ſchwer geweſen, deren zehn zu erlegen, aber ſie hatten ihre Zeit zur Unterſuchung des Baches benüzt, um ſich zu überzeugen, ob derſelbe weiter abwärts gleichfalls Gold enthalte. Dieſe Unterſuchung war ohne günſtigen Erfolg ge⸗ blieben: außer einigen werthloſen Blättchen hatten ſie kein Gold entdeckt. Man mußte alſo die Arbeit auf das Thal, wo das Zelt ſtand, beſchränken. Par⸗ does hatte unterwegs einen Plan entworfen, wodurch es ihnen möglich werden ſollte, eine große Quantität Goldes zu ſammeln. Man wollte das Bette des Baches an der günſtigſten Stelle abdämmen, einige der mindeſt tiefen Becken ausſchöpfen und ſo der Pepitas ſich bemächtigen, ohne anhaltend in dem eis⸗ kalten Waſſer ſtehen zu müſſen. Das Werk würde langſamer von Statten gehen, doch ſezte man ſich da⸗ mit keiner Krankheit aus und konnte ebenſo ſicher anſehnliche Schäze finden. Pardves, der den nieder⸗ geſc ſpra folg Pfu ihre Ver in i kehr dem Fin Gol lach vore fünf meh Mo Pfu Das Sie dan viel lieb Aus eine gro golt ein an dem e ſich men, All⸗ ihrte. „um nnten r jezt rzens e vor amen, oögel, ie ge⸗ veſen, it zur ugen, halte. g ge⸗ hatten Arbeit Par⸗ durch ntität e des einige o der n eis⸗ würde ch da⸗ ſicher ieder⸗ 131 geſchlagenen Muth ſeiner Freunde aufrichten wollte, ſprach mit Uebertreibung von dem vermuthlichen Er⸗ folge ihres Unternehmens und ließ die Tauſende von Pfunden Goldes und die Millionen ſo zauberiſch vor ihren Augen funkeln, daß er endlich nicht nur ihren Verdruß überwand, ſondern ſogar die Begeiſterung in ihren Herzen wieder neu aufflammen ließ. Selbſt der Baron ſchien zur Vernunft zurückzu⸗ kehren und jubelte vor Freude, ſo oft das Wort Gold dem Munde des Brüſſelers entfiel. Während die Andern mit dem Rupfen der Schnepfen beſchäftigt waren, zählte Donatus an den Fingern und ſprach voll Entzücken: „Den Muth verlieren? Wir werden mit mehr Gold von hier gehen, als wir tragen können! Sie lachen! Rechnen Sie einmal mit mir. Ich ſeze voraus, daß wir bei fleißiger Arbeit jeden Tag nur fünf Pfund Gold finden. Es iſt wenig, wir werden mehr finden; aber fünf Pfund täglich macht in einem Monat, die Sonntage abgerechnet, hundertdreißig Pfund. Wir haben bereits vierunddreißig Pfund Das ſind zuſammen hundertvierundſechzig. Nehmen Sie an, daß wir nur drei Monate hier bleiben, dann haben wir ſo Etwas gleich..... gleich viel mehr als vierhundert Pfund!..... Ach, lieber Gott, dieß iſt ein Schloß, das mir vor den Augen ſchwebt! Es ſieht aus wie ein Palaſt mit einem großen Portale, einem großen Hofe, einem großen Weiher, einer großen Steintreppe und einem goldenen Wetterhahn auf dem Thurme. Es kommt ein dicker Herr heraus, mit einer ſchönen Madame an ſeinem Arme; ſie ſind wie der König und die 9* 132 Königin gekleidet; die Bauern kommen herbeigelaufen, ſie büͤcken ſich zur Erde, ſie grüßen ehrerbietig und rufen voll Freuden aus: Es lebe, es lebe Baron Kwik, es lebe Aennchen, ſeine Baronin! Hurra, hurra!“ Und über ſeinen eigenen Worten in Verzückung gerathen, ſprang Donatus auf und jubelte ſich ſelbſt in ſeiner Größe zu. Ein Angſtſchrei Victors brachte ihn zum Erbleichen, und er errieth aus der Miene ſeines Freundes, daß dieſer ihn für ebenſo wahn⸗ ſinnig, wie den Baron hielt. Er trat alſo auf ihn zu, hielt ihm den Mund an das Ohr und ſagte lachend: „Fürchten Sie Nichts für mich, guter Herr Rooze⸗ man; ich bin allerdings ein dummer Tölpel, aber das Bischen Verſtand, das ich beſize, wird nicht ſo leicht in Verwirrung gerathen, mein Gehirn liegt eiſenfeſt in dieſem harten Kopfe!“ Die zwei Schnepfen wurden gebraten, Jan Creps machte den Vorſchlag, einen der Vögel dem Baron und Victor ganz zu überlaſſen, da ſie bei ihrem Un⸗ wohlſein mehr als die Andern einer Erquickung be⸗ dürften. Jeder gab freudig ſeine Zuſtimmung, mit Ausnahme des Matroſen, welcher fluchend erklärte, er wolle ſeinen rechtmäßigen Antheil haben. Man gab ihm denſelben, aber er behauptete noch immer, er ſei zu kurz gekommen. Seine Gefährten traten, um den ſelbſtſüchtigen Menſchen zu befriedigen, ihm mehr ab, als ihm gebührte; dieß hinderte ihn jedoch nicht, da ſie alle ſchon unter dem Zelte lagen, noch gegen die Freſſer, die zum Arbeiten zu faul wären, brummend loszuziehen. gane Auf einet um und leger zu ſ der erſt brac ſich den und Ferr ihne ohne belo Krä keuc Fuß weiſ das des halt IX. Der Verrath. Des andern Tages, eine Stunde nach Sonnenauf⸗ gang, waren die Goldſucher bereits an der Arbeit. Auf den Vorſchlag von Pardoes hatten ſie beſchloſſen, einen halbkreisförmigen Damm in den Bach zu legen, um den Theil des Grundes, welcher von dem Ufer und dieſem Damm eingeſchloſſen war, ganz trocken legen zu können. Um eines günſtigen Erfolges ſicher zu ſein, mußte man den Ring ſehr weit machen, und der Brüſſeler war der Anſicht, daß die Abdämmung erſt nach zwölf Tagen harter Arbeit zu Stande ge⸗ bracht werden könne. Man würde alſo Unrecht haben, ſich inzwiſchen entmuthigen zu laſſen; der Raum, den ſie trocken legen wollten, enthalte viele Spalten und kleine Höhlungen, in welchen man ſelbſt von Ferne Gold ſchimmern ſehe; und wenn das Glück ihnen nur ein wenig zulächelte, würde ihre Mühe ohne Zweifel durch eine anſehnliche Quantität Pepitas belohnt werden. Dieſe Hoffnung gab ihnen Muth und ſchien ihre Kräfte zu verdoppeln. Sie trugen und wälzten, keuchend und ſchweißtriefend, große Steinblöcke vom Fuße der Felſen nach dem Bache, legten ſie ſtapel⸗ weiſe gleich einer Straße immer weiter hinaus in das Waſſer und begannen ſo den Ausgangspunkt des Bogens, welcher einige Ruthen von dem gold⸗ haltigen Boden umfaſſen ſollte. Der Baron war ganz entſchieden mit völligem 134 Wahnſinn geſchlagen. Zu Zeiten ſchien er zu wiſſen, daß man ſo ſclaviſch arbeitete, um viel Gold zu be⸗ kommen, dann bildete er ſich wieder ein, er befinde ſich zu Paris und man ſei in Erbauung eines präch⸗ tigen Hotels für ihn begriffen. Er arbeitete mit Cifer und Fleiß und trug ſchwere Steine auf der Schulter; aber es geſchah nur, um den Werkleuten ein Vorbild zu geben und deſto früher in den Beſiz ſeiner prächtigen Wohnung zu gelangen. Jedermann achtete ſeinen Irrſinn, mit Ausnahme des Matroſen, der eine grauſame Freude dabei empfand, den Un⸗ glücklichen zu quälen und ihn ſogar noch verſpottete, wenn er, unter ſeiner Laſt erliegend, zu Boden fiel und ſich ſchwer verlezte. Jan Creps und ſeine Freunde hatten bereits mehr als einmal dem Oſtender ſeine ſchändliche Ge⸗ fühlloſigkeit verwieſen und ihm unter Drohungen ver⸗ boten, den Edelmann zu plagen; doch ließ derſelbe keine Gelegeénheit vorbei gehen, um ungeſehen oder von ihnen entfernt als böſer Geiſt den armen Wahn⸗ ſinnigen zu verhöhnen oder zu mißhandeln. So lang die Goldſucher nicht fern von dem Ufer und an einer wenig tiefen Stelle arbeiteten, waren ſie keiner andern Beſchwerde, als der Erſchöpfung, welche das Werk ſelbſt mit ſich brachte, ausgeſezt; aber weiter in den Bach hinein hatten ſie mit der heftigen Strömung zu kämpfen, welche zehnmal an einem Tage ihr begonnenes Werk zerſtörte und die herbeigebrachten Steine in die Tiefe riß. Sie über⸗ wanden jedoch dieſe Schwierigkeit durch Herbeiſchlep⸗ pung eines ungeheuren Steinblocks. Dieſes Werk erforderte achtundvierzig Stunden lang alle ihre Kräft ſie m beln die das dient mes, 1 dieſe barer Nege nach mit Stin rief, pen bewi Glie dann liefet wäh bran gefül den; auffe und denn ſund ihne ders iſſen, u be⸗ finde räch⸗ mit f der euten Beſiz mann roſen, Un⸗ ottete, n fiel ereits e Ge⸗ n ver⸗ rſelbe oder Pahn⸗ Ufer waren fung, eſezt; it der al an d die über⸗ ſchlep⸗ Werk ihre Kräfte und allen ihren Scharfſinn. Endlich brachten ſie mit Hülfe von Cederſtämmen, die man zu He⸗ beln und Walzen gebrauchte, den rieſigen Stein in die Mitte des Baches. Er trozte unbeweglich, wie das Urgebirge ſelbſt, dem wüthenden Strom und diente zum Bollwerk für den größten Theil des Dam⸗ mes, welcher noch hinter ihm angelegt werden mußte. Unter einer Sclavenarbeit, wie diejenige, welche dieſe Leute übernommen hatten und mit wunder⸗ barem Eifer ausführten, würden ſelbſt afrikaniſche Neger in wenigen Tagen erlegen ſein, aber der Durſt nach Gold und die Hoffnung auf Schäze ſchlugen ſie mit Blindheit und verliehen ihnen die Kraft, die Stimme ihres Körpers, der nach Ruhe und Erholung rief, zu erſticken. Das Heben, Tragen und Schlep⸗ pen von Felsſtücken vom Morgen bis zum Abend, bewirkte, daß der Schweiß in Strömen von ihren Gliedern floß, und da ſie nicht arbeiten konnten, ohne dann und wann in den eiskalten Bach zu treten, liefen ſie mittlerweile mit erfrorenen Füßen herum, während ihr Gehirn, in Folge der Gegenwirkung, brannte und glühte, als wäre ihr Schädel mit Feuer gefüllt geweſen. Victor Roozeman ſchien ſich nicht wohl zu befin⸗ den; ſeit der Niederfahrt in den Keſſel war eine auffallende Bläſſe auf ſeinem Angeſichte geblieben und er hatte ſeit acht Tagen ſichtbar abgemagert, dennoch verſicherte er ſeine Freunde, er fühle ſich ge⸗ ſund und ſtark und vollkommen im Stande, gleich ihnen zu arbeiten. Unter den unaufhörlichen Quälereien des Oſten⸗ ders war allmälig eine ungünſtige Veränderung in — 136 dem Irrſinn des Barons vor ſich gegangen. Er träumte nicht mehr von einem Schloſſe, mit deſſen Bau man für ihn beſchäftigt war; ſein unzerſtör⸗ barer Gedanke war, er ſei das Opfer einer grauſa⸗ men Tyrannei. Zuerſt hatte er den Matroſen mit ſeiner eigenen Rache und der Rache der franzöſiſchen Geſeze bedroht; aber jezt war ihm aller Muth ent⸗ fallen, und er arbeitete in düſteres Stillſchweigen verſunken, oder gegen das Leben grollend und mit einem geheimen Entzücken vom Tode murmelnd, gleich einem Sclaven fort. Was Donatus betraf, ſo war er immer wohl⸗ gemuth; er arbeitete eifrig, erheiterte ſeine Genoſſen durch allerlei ſpaßhafte Einfälle und redete noch im⸗ mer von ſeinem Schloſſe, von Aennchen und von ſeiner Baronſchaft. Pardoes hatte die Hoffnung ausgeſprochen, man würde in zwölf Tagen mit dem unternommenen Werke zu Enbe ſein; jezt aber bemerkten ſie, daß er ſich um drei Tage in ſeiner Berechnung geſtoßen hatte; den ſie waren bereits ſeit zehn Tagen an der Arbeit und es blieb wohl noch ein Drittel von dem Umkreiſe zu machen, ehe man mit dem Ausſchöpfen der eingeſchloſſenen Tiefe den Anfang machen konnte. Dieſen Nachmittag, beim Eſſen, machte Pardoes ſie darauf aufmerkſam, daß der lezte Speck morgen verbraucht ſein würde und ihnen nur noch ein wenig Mehl übrig bliebe. Der Eifer, die Abdämmung fertig zu ſehen und zu erfahren, welchen Schaz die Arbeit ihnen liefern würde, hatte ſie die Verminde⸗ rung der Vorräthe aus dem Auge verlieren laſſen. Jezt aber war es nicht mehr möglich, in ſolcher Sorg⸗ für T digen nicht Morg ſchicke haltu T 2 drei ninch doch gers und bein gel, . verſe über deſſen erſtör⸗ rauſa⸗ n mit ſiſchen h ent⸗ veigen d mit gleich wohl⸗ noſſen h im⸗ d von „man menen ß er ſtoßen der dem höfen onnte. does orgen wenig mung z die ninde⸗ laſſen. Sorg⸗ loſigkeit zu beharren; man mußte regelmäßig und Tag für Tag auf die Jagd gehen, um ſich die nothwen⸗ digen Lebensmittel zu verſchaffen. Damit das Werk nicht allzuſehr verzögert würde, ſchlug er vor, von Morgen an Victor mit dem Baron auf die Jagd zu ſchicken. Es würde für ſie eine angenehme Unter⸗ haltung und heilſame Erquickung ſein. Der Matroſe polterte wieder und wollte das Loos gezogen wiſſen. Ihm zufolge war das Sprichwort: Jeder iſt ſich ſelbſt der Nächſte das oberſte Geſez in Kalifornien, und jeder Tropfen Schweiß durfte nur demjenigen, der ihn vergoſſen hatte, Vor⸗ theil bringen. Wolle Jemand von ihnen, ſezte er hinzu, krank oder närrifch werden, ſo geſchehe dieß auf ſeine eigene Rechnung. Creps und Donatus fielen wüthend gegen ihn aus; da jedoch Roozeman ſich beſtimmt weigerte, ir⸗ gend ein Vorrecht anzunehmen, zog man das Loos. So kam zuerſt an den Oſtender und an Kwik die Reihe, auf die Jagd zu gehen, wähtend die Andern an der Fortſezung des Dammes arbeiten ſollten. Die Jäger kehrten bei Einbruch des Abends mit drei kleinen Vögeln und einem Thiere wie ein Ka⸗ ninchen zurück. Es war nicht viel; aber es ließ ſich doch annehmen, daß man an dieſem Orte nicht Hun⸗ gers ſterben würde. Am folgenden Tage, als Creps und Pardoes von der Jagd kamen, hatten ſie nach beinahe zehnſtündiger Abmattung nur ein paar Vö⸗ gel, die wie Feldhühner ausſahen. So ging es oft; die Jagd ſchien ſchnell ſich zu verſchlechtern. Wahrſcheinlich gab es in der Gegend überhaupt nicht viel Wild, und durch die Flinten⸗ 138 ſchüſſe wurden die wenigen Thiere, welche ſich noch daſelbſt aufhielten, verjagt oder ſcheuer gemacht. Ueberdieß durften die Goldſucher ſich, aus Furcht zu verirren, nicht allzuweit von ihrem Zelte, oder we⸗ nigſtens von dem Bache entfernen. Jezt, da ihr Vorrath beinahe ganz aufgezehrt war, ſahen ſie ſich mit Schrecken von einer Hungers⸗ noth bedroht, und mehr als einmal mußten ſie ſich mit halbleerem Magen zur Ruhe begeben. Sie wurden wieder ſehr mürriſch und bitter gegen einander, und Jan Creps drang von Neuem bei ſeinen Freunden darauf, auf der Stelle den ver⸗ hängnißvollen Placer zu verlaſſen. Allein, da die Abdämmung beinahe vollendet war, ließ er ſich be⸗ ſtimmen, noch drei oder vier Tage zu warten. Als ſie des andern Tages aufſtanden, bemerkten ſie mit Schrecken und Betrübniß, daß die Strömung im Laufe der Nacht bei dreißig Fuß von ihrem Damme zerſtört hatte. Eine ganze Woche Arbeit war verloren. Der Matroſe wurde wüthend; er läſterte Gott, klagte ſeine Kameraden an und geberdete ſich wie ein Beſeſſener. Die Andern, beſtürzt und niederge⸗ ſchlagen, ſtarrten mit düſterer Verzweiflung auf die zerſtreuten Ueberreſte, welche das brauſende Waſſer den Bach hinunter gewälzt hatte. 3 „Nun, Freunde,“ ſprach Pardoes endlich;„das Unglück iſt allerdings groß, aber es beſchränkt ſich doch nur auf den Verluſt von fünf bis ſechs Tagen Arbeit. Wir ſind zu ungeduldig und verlangen zu viel von dem Glücke. Nur unſere Haſt iſt getäuſcht worden. Wahrſcheinlich enthält die Stelle, die wir einzuſo zu bel dem U damit Jagd wird Ur auf de es ſei Natur in dre ſie vet Donat und ſt Verla U Victor Oſten Bach helfen ſeines antwe Ende A ſaß d gebli troſe wora vor t unge Felſe h noch macht. cht zu er we⸗ gezehrt ngers⸗ ſie ſich gegen m bei n ver⸗ da die ich be⸗ nerkten ömung ihrem Arbeit Gott, h wie derge⸗ uf die Waſſer „das kt ſich Tagen en ze täuſcht ie wir einzuſchließen ſuchen, Gold genug, um uns zehnfach zu belohnen. Wir wollen den Damm gerade nach dem Ufer hinüber ziehen; in zwei Tagen können wir damit fertig ſein. Drei von uns ſollen ſtets auf die Jagd gehen und drei ſollen arbeiten. Auf ſolche Weiſe wird es uns nicht an Nahrung fehlen. Und als Creps zornig darauf beſtand, daß man auf der Stelle abreiſen ſolle, rief er erbittert aus, es ſei eine wahre Feigheit, den Kampf gegen die Ratur aufzugeben, wenn man die Gewißheit habe, in drei Tagen ſich der Schäze zu bemächtigen, die ſie vergeblich ihnen gegenüber zu vertheidigen ſuche. Donatus und Victor kamen dem Brüſſeler zu Hülfe, und ſo ſtand Jan, wiewohl unzufrieden, von ſeinem Verlangen ab.. Unmittelbar darauf wurden Creps, Donatus und Lictor auf die Jagd geſchickt. Pardoes und der Oſtender begannen aufs Neue große Felsſtücke in den Bach zu tragen, und ließen ſich von dem Baron helfen, welcher nunmehr auf die barſchen Ausfälle ſeines Unterdrückers mit einem triumphirenden Lächeln antwortete und drohend murmelte: Die Erlöſung naht; Deine Tyrannei geht zu Ende; es iſt gethan, gethan, auf ewig!“ Am Mittag, als die Ruheſtunde gekommen war, ſaß der Baron am Feuer und nagte an dem übrig gebliebenen Gerippe eines Waſſervogels. Der Ma⸗ troſe ſtand nach ſeiner Gewohnheit an dem Keſſel, woraus ſie ſo viel Gold geholt hatten, ſchlug ſich vor die Stirne, ſtampfte mit den Füßen und machte ungeduldige Geberden. Pardoes, der am Fuße der Felſen auf und abging, hatte ſeit ein paar Minuten 140 das Auge auf den Oſtender gerichtet. Er trat zu ihm, klopfte ihn auf die Schulter und ſagte ſpottend: „Das Gold, welches da unten liegt, bezaubert Dich. Du ſinnſt noch immer auf die Mittel, es zu erlangen?“ „Sinnen?“ wiederholte der Andere in ſeltſam aufgeregtem Tone.„Sinnen? Ich werde den Keſſel ausleeren, ich werde das Gold beſizen, ſo wahr ich lebe, ſage ich Dir!“ „Haſt Du vielleicht Luſt, das Untertauchen von Neuem zu wagen? Ich möchte Dir den gefährlichen Verſuch nicht anrathen.“ Der Matroſe faßte ſeine Hand und ſagte: „Pardoes, Du biſt mein Freund. Ich könnte all das Gold, das in dem Keſſel da verſunken iſt, für mich allein behalten; aber ich will nicht: ich will es mit Dir theilen. Gib Deine Zuſtimmung, und wir ſind beide viele Millionen reich!“ „Ich verſtehe Dich nicht. Was willſt Du ſagen?“ fragte der Brüſſeler verwundert.„Weißt Du ein Mittel, um das Gold da unten herauf zu bekom⸗ men, ſag an: wir wollen es verſuchen.“ Der Oſtender verzog die Lippen zu einem ſpöt⸗ tiſchen Gelächter, während er ſagte: „Das Mittel? Wenn nur zwei Männer um das Vorhandenſein dieſes unberechenbaren Schazes wüß⸗ ten? Wenn ſie bereits Gold genug hätten, um in Sacramento zweckmäßige Werkzeuge zu kaufen oder machen zu laſſen. Würden ſie nicht Gold genug hier finden, um zwei oder drei Laſtthiere damit zu beladen?“ „Ich habe bereits an dieſes Mittel gedacht,“ ant⸗ wortete wollen den Ke „Ur ſuchens crament nach S Werkzer druß ſi rem Ur dort ve gewinn Dann men; ſ an dieſ „Fi „Nicht hieher Freund man er 3 „Unvo das G ren, m rat zu ottend: zaubert es zu ſeltſam Keſſel ahr ich n von rlichen nte all ſt, efür will es id wir gen u ein bekom⸗ ſpöt⸗ m das wüß⸗ um in oder genug nit zu “ ant⸗ 141 wortete Pardoes. Wir beſizen Gold genug; wir wollen hierher zurückkehren und, wie Du ſagſt, auf den Keſſel mit zweckmäßigen Werkzeugen losgehen.“ „Und unſere ſchläfrigen Kameraden?“ „Sie werden ſchnell abziehen; ſie ſind des Gold⸗ ſuchens müde. Wir werden ihnen bis in das Sa⸗ cramentothal Geſellſchaft leiſten und, während ſie ſich nach San Francisco begeben, uns nach den nöthigen Werkzeugen umſehen.“ „Dummheit!“ polterte der Matroſe, vor Ver⸗ druß ſich krümmend,„die feigen Kerls ſind zu unſe⸗ rem Unglück geboren!“ „Wie ſo?“ „Sie werden uns den Schaz rauben.“ „Was für ein unſinniger Gedanke!“ „Unſinnig, meinſt Du? Laß' ſie nach Francisco gehen, und das unermeßliche Gut, welches uns be⸗ reits zugehört, iſt für uns verloren. Sie werden dort von dem Gold luſtig leben, ihre Kräfte wieder gewinnen und das überſtandene Ungemach vergeſſen. Dann wird ihr Golddurſt ſich von Neuem entflam⸗ men; ſie werden ſich andere Genoſſen ausſuchen und an dieſen Ort zurückkehren.“ „Fürchte ſo etwas nicht,“ lachte der Brüſſeler. „Nicht um alle Schäze der Welt würde Jan Creps hieher zurückkehren; und ohne ihn werden ſeine Freunde keinen Schritt thun. Ueberdieß iſt Rooze⸗ man ernſtlich krank, deſſen kannſt Du ſicher ſein.“ „Das iſt noch ſchlimmer!“ brummte der Motroſe. „Unvorſichtig und dumm, wie ſie ſind, werden ſie das Geheimniß von dem goldreichen Keſſel offenba⸗ ren, und dann kommen gewiß Hunderte habſüchtiger 142 Männer hieher, ſich unſeres Schazes zu bemächtigen. Wer weiß, ob wir unſern Placer bei unſerer Rückkehr nicht von Andern in Beſiz genommen ſehen?“ „Das iſt möglich, aber was können wir dabei machen?“ „Ha, ich weiß ein Mittel!“ ſprach frohlockend der Matroſe; indem er den Mund an das Ohr ſeines Kameraden hielt.„Sicherlich werden ſie niemals zu⸗ rückkehren, und wahrſcheinlich ebenſo wenig jemals zu San Francisco von dem Placer reden..... wenn ſie von hier abziehen müßten ohne Gold, ohne Waf⸗ fen; der Hunger, die Räuber.... L Der Brüſſeler erbleichte und riß ſeine Hand aus der ſeines Genoſſen. „Was höre ich?“ rief er beſtürzt.„Es iſt ein gemeiner Diebſtahl, den Du mir vorſchlägſt?“ „Ein Diebſtahl?“ wiederholte der Andere lachend. „Wir werden nur zurücknehmen, was uns angehört; denn ohne uns..... 2 „Schweig', Du flößeſt mir Grauſen ein,“ mur⸗ melte Pardves;„Seine Freunde ſo niederträchtig verrathen! Wie? Begreifſt Du denn die Abſcheu⸗ lichkeit Deines Vorhabens nicht? Wenn es ge⸗ länge, würdeſt Du Dich vor Gott eines vierfachen Mordes ſchuldig machen! O, wärſt Du nicht immer⸗ dar mein Freund geweſen, ich würde mich im Stande fühlen, Dir eine Kugel durch den Kopf zu jagen.“ Der Matroſe erſchrak bei dem heftigen Zorne von Pardves. „Warum geräthſt Du in ſolchen Zorn?“ ſagte er mit erheuchelter Ruhe.„Was ich ſagte, war nur ein Gedanke, welcher mir beim Anblick des Keſſels durch den Kopf flog. Ohne Dich werde ich Richts „ 5 63 unterne Kamere zu laſſe an, ic nicht b iſt viel man ſi böte, o und M Pa würfe; tiefer 2 ſanften ſchmeic den vo ander Keſſel: De geopfer halten, nen Ke trächtig davon Die bei der Freund weiter ließ er ſtete ſo nung war, zur St htigen. ückkehr achen?“ end der ſeines als zu⸗ jemals wenn e Waf⸗ nd aus iſt ein . achend. gehört; mur⸗ trächtig lbſcheu⸗ es ge⸗ rfachen immer⸗ Stande gen.“ Zorne ſagte ar nur Keſſels Nichts unternehmen; ich will Dir ein treuer und ergebener Kamerade bleiben und bin bereit, Alles zu thun und zu laſſen, was Dir gutdünkt oder zuwider iſt. Nimm an, ich habe mich getäuſcht. Da die Sache Dir nicht behagt, laß uns nicht mehr davon reden. Es iſt vielleicht eine Dummheit; aber ich zweifle, wenn man ſieben Achteln der Menſchen eine Million an⸗ böte, ob wohl Einer wäre, der zögern würde, Vater und Mutter zu verrathen.“ Pardoes ergoß ſich noch einmal in heftige Vor⸗ würfe; aber der Matroſe erkannte ſein Unrecht mit tiefer Demuth an;'er ging ſogar ſo weit, daß er ſanft wurde, wie ein Lamm, ſeinem Gefährten zu ſchmeicheln und ſchön zu thun begann und mit Freu⸗ den von den Mitteln ſprach, die ſie ſpäter mit ein⸗ ander anwenden wollten, um das Gold aus dem Keſſel zu holen. Der Brüſſeler, welcher von Anfang an ſich ſelbſt geopfert hatte, um die Geſellſchaft beiſammen zu be⸗ halten, und vor einem blutigen Kampfe zwiſchen ſei⸗ nen Kameraden zurückſchreckte, verſprach den nieder⸗ trächtigen Vorſchlag zu vergeſſen und kein Wort davon den Andern zu verrathen. Dieſen Tag war der Matroſe beſonders fröhlich bei der Arbeit. Selbſt als Jan Creps und ſeine Freunde von der Jagd zurückkehrten, ohne Etwas weiter, als fünf kleine Vögel mitzubringen, unter⸗ ließ er es, zu brummen und zu fluchen, und trö⸗ ſtete ſogar die Andern damit, daß er ihnen Hoff⸗ nung machte, Pardoes, der ein gewandter Jäger war, würde morgen einen guten Vorrath Wildbret zur Stelle ſchaffen. 144 Das Abendeſſen war ſehr traurig, denn es reichte nicht aus, um die hungrigen Mägen der Goldſucher zu befriedigen; und als ſie Alles bis auf die Ge⸗ beine der Vögel verſchlungen hatten, ſtarrten ſie noch begehrlich rings herum. Der Oſtender allein ſchien dieſes Ungemach geduldig zu ertragen und ſuchte ſei⸗ nen Genoſſen Muth einzuſprechen. Dieſes ungewöhnliche Benehmen des Matroſen flößte Pardoes Beſorgniß ein; es lag etwas Unna⸗ türliches darin, und verbarg vielleicht nur geheime Abſichten. Doch konnte es auch eine aufrichtige Er⸗ kenntniß des begangenen Unrechts und das Beſtreben ſein, es vergeſſen zu machen. Der Brüſſeler, der eine wahre Zuneigung für den Matroſen fühlte, verdrängte den Argwohn ſo viel möglich aus ſei⸗ nem Geiſte, beſchloß aber ein wachſames Auge auf ſeinen Genoſſen zu haben. Insbeſondere nahm er ſich vor, auf ihn Acht zu geben, wenn derſelbe gegen Morgen Schildwache ſtehen ſollte. X. Die Leichen. Große Stille herrſchte im Thale. Die Nacht ging zu Ende; bereits ſtieg die Morgendämmerung als ein gräulicher Nebel in die Tiefe herab.. als plözlich der Schlaf der Goldſucher durch einen er⸗ ſchreckenden Nothſchrei geſtört wurde. Sie ſprangen zugleich auf, tappten in dem dun⸗ keln terten wehre 2 Revol Hülfe Si allen droht ließ ſ Brüſſe Muth A Dunke Schrit den 5 Schrei ihnen. ſtreckt Wund J dem* die H nen a Pardr Pflege ren; aber D der J Co reichte ſucher e Ge⸗ ie noch ſchien te ſei⸗ troſen Unna⸗ eheime ge Er⸗ ſtreben der fühlte, us ſei⸗ ge auf hm er gegen ht ging ng als als en e dun⸗ keln Zelte herum, ihre Waffen zu ergreifen, und zit⸗ terten vor Schrecken, als ſie erkannten, daß ihre Ge⸗ wehre verſchwunden waren. „Verrath! Verrath!“ rief Jan Creps.„Die Revolver, Freunde! Vertheidigen wir uns mit Gottes Hülfe!“ Sie liefen aus dem Zelte und ſchauten nach allen Seiten aus, um die Gefahr, von der ſie be⸗ droht wurden, zu entdecken. Das nebelige Dunkel ließ ſie jedoch nur die Gegenſtände in ihrer Nähe unterſcheiden. „Was iſt das? Wo iſt der Matroſe und der Brüſſeler?“ murmelte Donatus.„Mir iſt ängſtlich zu Muthe; es riecht nach Wilden, dünkt mich....“ Aber ein ſchmerzlicher Seufzer ließ ſich in der Dunkelheit auf eine Entfernung von etwa dreißig Schritten vernehmen. Sie gingen vorſichtig gegen den Fuß der Felſen darauf zu. Ein gemeinſchaftlicher Schrei des Schreckens und Mitleids entſchlüpfte ihnen. Da lag Pardoes auf dem Rücken ausge⸗ ſtreckt, und das Blut ſtrömte ihm aus einer tiefen Wunde in der Bruſt. Jan Creps und ſeine Freunde warfen ſich neben dem Verwundeten zur Erde, hoben ihm den Kopf in die Höhe und gaben ſich unter Jammer und Thrä⸗ nen alle Mühe, die klaffende Wunde zu ſchließen. Pardves athmete noch, und ſchien ſogar unter der Pflege ſeiner Freunde zum Bewußtſein zurückzukeh⸗ ren; denn er that ſich Gewalt an, um zu ſprechen, aber das Blut in ſeiner Kehle erſtickte die Stimme. Der Baron ſchien nicht zu wiſſen, was geſchah; der Irrſinnige lachte laut, ſtreckte die Arme verwun⸗ Con ſeience, das Goldland. H. 10 146 dert in die Höhe und murmelte fröhliche Worte; aber ſeine Genoſſen waren zu ſehr erregt, um ſon⸗ derlich auf ihn Acht zu geben. Creps und Donatus hoben den Verwundeten vom Boden auf und trugen ihn nach dem Zelte, während Victor ein Stück Leinwand auf ſeine Wunde drückte, um das Blut ſo viel möglich zu ſtillen. Die Decken wurden zu einem Ruhebett hergerichtet, der Brüſſeler darauf gelegt, und ſeine Bruſt mit Lin⸗ nenzeug und mit Gürteln feſt umwunden. Es war jezt heller Tag; die Flamänder befan⸗ den ſich noch, in die Kniee geſunken, zu Häupten ihres unglücklichen Freundes und ſchauten mit klo⸗ pfendem Herzen auf ſein Geſicht, um ein Zeichen des Lebens zu erſpähen. Ein Freudenſchrei ent⸗ ſchlüpfte ihnen, denn jezt öffnete Pardoes die Augen, ſah mit mattem Blick ſeine Gefährten an und be⸗ wegte die Lippen, als wollte er ſprechen. Seine Be⸗ mühungen blieben eine Weile fruchtlos; endlich ſtie⸗ gen einige Laute aus ſeiner Kehle auf, doch ſo leiſe und ſo ſchwach, daß die Andern das Ohr an ſeinen Mund halten mußten, um ihn zu verſtehen. In langen Zwiſchenpauſen und unter heftigem Keuchen flüſterte er: „Matroſe.... Gold geſtohlen.... Gewehre in den Abgrund... Mörder.... Gott.... meine Mutter.... Brüſſel.“ Nach dieſen Worten ſchloß er wieder die Augen und bewegte ſich nicht mehr, als wäre er unter einer lezten Kraftanſtrengung erlegen. Donatus ſtieß einen Schrei aus und eilte hin⸗ aus. Wenige Augenblicke hernach kehrte er zurück, zeigte liegen Pfund Schub fen. Bauer Aennc Un lich at uns len, il Kopf; zurück Worte; n ſon⸗ ndeten Zelte, Wunde Die der t Lin⸗ befan⸗ äupten it klo⸗ Zeichen i ent⸗ Augen, nd be⸗ ne Be⸗ ch ſtie⸗ o leiſe ſeinen ü euchen ewehre meine Augen reiner te hin⸗ zurück, zeigte eine Handvoll Pepitas und ſprach mit Thrä⸗ nen in den Augen: „Wehe, wehe, das Gold iſt wirklich geſtohlen! Dieß hat der obſcheuliche Schelm in der Höhlung liegen oder in der Eile daneben fallen laſſen. Drei Pfund, nicht weiter als drei Pfund! Der Dieb, der Schubiak, er iſt mit meinem Schloſſe davon gelau⸗ fen.... In Gottes Namen, ich werde wieder Bauernknecht, aber mein Aennchen, mein armes Aennchen!“ Und nach einer kurzen Ueberlegung rief er plöz⸗ lich aus: „Der Matroſe kann noch nicht weit ſein! Laßt uns die Felſen erklimmen; wir werden ihn einho⸗ len, ihm das Gold entreißen; ich ſchieße ihn vor den Kopf; ich reiße ihn in Stücke; ich muß mein Gold zurückhaben. Kommt, kommt!“ Jan Creps ſchlug ihm die Pepitas aus der Hand und brummte mit unterdrücktem Zorne: „Schweige! Ich will keinen Schritt mehr wegen des abſcheulichen Metalls thun, welches die Men⸗ ſchen in Tiger verwandelt. Laß' den Matroſen lau fen; er trägt ſeinen Fluch mit ſich. Bleib', ſage ich Dir, es iſt des Blutes ſchon genug!“ Donatus raffte die Pepitas wieder auf und ſteckte ſie ſorgfältig in das lederne Beutelchen, das er auf der Bruſt hängen hatte. „Gold iſt Gold,“ murrte er;„je weniger man davon hat, deſto koſtbarer wird es. Man weiß nicht, wofür es gut ſein kann... Während die Aufmerkſamkeit der Andern eine Weile von dem Verwundeten abgekehrt wah kauerte 1 148 der Baron auf den Ferſen neben dem Bette von Pardoes. Ein Funke von Verſtand glänzte auf ſei⸗ nem Angeſicht; man hätte ſagen können, er ſei wie⸗ der zur Vernunft gekommen. Dennoch heftete er mit einem unerklärlichen Lächeln ſein Auge ſpähend auf das bleiche Antliz des mit dem Tode Ringen⸗ den und legte ihm die Hand auf die Bruſt. Es war, als folge er mit einer grauſamen Freude dem immer ſchwächer werdenden Herzſchlage und erwarte den verhängnißvollen Augenblickh, um ihn mit einem Jubelſchrei zu begrüßen. Bereits murmelte er Worte der Siegeszuverſicht. „Gehen Sie von da weg, Baron!“ gebot Jan Creps. „Ach nein, nein, laßt mich das wunderbare Schauſpiel genießen!“ ſprach der Edelmann mit Ent⸗ zuücken.„Wie ſchön, eine Seele, die zurüͤckkehrt zu ihrem Urſprung! Es iſt ein Wurm, der ſtirbt, in dem Herzen, das er ganz zerfreſſen hat! Glücklicher Pardoes, er triumphirt!“ Seine Genoſſen ſahen ihn beſtürzt an und hörten zitternd zu; denn ſeine Stimme hatte einen ganz fremdartigen Ton, und ſeine Worte ließen die Ver⸗ muthung aufkommen, daß ein Strahl von Vernunft ſein Gehirn erhellte. „Ihr erſchreckt vor dem Tode, arme Wahnſin⸗ nige, die Ihr ſeid?“ fuhr der Edelmann fort.„Ha, durch den Tod wird der Menſch mächtig, wie ein Gott; in ſeinem Kopfe ſtirbt die Erinnerung, in ſei⸗ nem Herzen das Gewiſſen; er fürchtet weder Schande, noch Leiden des Geiſtes, noch Hunger und körper⸗ lichen Schmerz; Welt und Natur verlieren ihren . Sclav breche werde Gold Hurra U er au mit r fehle. ihnen gräbn wollte So u das( dung Bemi bring E er ka Nichts ( e „ „Das Wer herun zögert Mage haftig „ unſert nicht te von uf ſei⸗ ei wie⸗ tete er pähend tingen⸗ ſt. Es e em rwarte n mit umelte ot Jan erare it Ent⸗ ehrt zu rbt, in cklicher hörten n ganz e Ver⸗ ernunft ahnſin⸗ „Ha, vie ein in ſei⸗ chande, körper⸗ ien Sclaven. Bald wird der Tod auch meine Bande brechen und mich erlöſen von Eurer Tyrannei; ich werde reich ſein, mächtig, unüberwindlich; ich werde Gold haben, Häuſer voll Gold, Berge Goldes! Hurra, hurra!“ Und wieder ganz dem Irrſinn zur Beute, ſprang er auf, ſtreckte die Hand gebietend aus und ertheilte mit raſchen Worten ſeinen Gefährten allerlei Be⸗ fehle. Er ſah ſie für ſeine Diener an; was er ihnen ſagte, hatte Bezug auf ſein bevorſtehendes Be⸗ gräbniß, welches er ſo prächtig und feierlich haben wollte, daß es den Neid eines Königs erregen konnte. So unter dem Bann eines Zaubers befindlich, worin das Gefühl des Hochmuths ſeltſam mit der Einbil⸗ dung des Todes vermengt war, fuhr er, troz der Bemühungen ſeiner Gefährten, ihn zur Ruhe zu bringen, in ſeinen irren Reden fort. Endlich legte ſich die Aufregung von ſelbſt und er kauerte wieder auf die Ferſen nieder, als ob Nichts geſchehen wäre. „Schrecklich, ſchrecklich!“ murmelte Victor. „Dieſer Ort iſt verzaubert,“ ſagte Donatus. „Das Gold wird von unſichtbaren Teufeln bewacht. Wer weiß, ob ſie morgen nicht die Berge rings herum auf uns herabſtürzen? Laßt uns nicht lang zögern; abziehen müſſen wir doch. Ich habe den Maogen ſo voll von dem Gold, daß es mir wahr⸗ haftig eine Elle lang aus dem Halſe heraushängt.“ „Abziehen?“ bemerkte Roozeman.„Wir können unſern armen Freund Pardves in dieſem Zuſtande nicht verlaſſen.“ „Aber, lieber Himmel, ſagen Sie mir doch, 150 was wir mit einem Sterbenden und einem Irrſinnigen anfangen ſollen?“ rief Donatus erſchrocken.„Keine Lebensmittel, keine Flinten, um zu jagen! Wir werden Hungers ſterben.... Und unterwegs die Räuber, die Wilden, die Bären? Jezt verſtehe ich den Baron. Pardoes iſt in der That der Glück⸗ lichſte: er hat es überſtanden. Wehe, armer Kwit, warum haſt du dein glückliches Natten⸗Haesdonk verlaſſen?“ Jan Creps ſtand auf und ſprach entſchloſſen: „Unſer Loos iſt entſezlich, Freunde. Geſtern haben wir beinahe Nichts gegeſſen. Wenn wir nicht ſogleich ernſtlich darauf denken, uns Nahrung zu verſchaffen, wird der Hungertod hier bald neue Schlachtopfer fordern. Hilf dir ſelbſt, ſo hilft dir Gott, heißt es in einem Sprichwort, welches für hoffnungsloſe Leute wie wir erfunden iſt.“ Und ſich zu dem Edelmann wendend, fragte er: „Baron, wollen Sie über den armen Pardoes wachen? Wollen Sie ihm zu trinken geben, wenn er Durſt hat? Wollen Sie ihn nicht verlaſſen?“ „Verlaſſen? Niemals, niemals,“ antwortete der Wahnſinnige.„Er iſt zu ſchön; ich bleibe bei ihm in Ewigkeit!“ „Wollen Sie ein Feuer anmachen?“ „Ein großes Feuer.“ „Kommt denn, keinen Augenblick verloren; auf die Jagd, Genoſſen. Der Revolver iſt eine ſchlechte Waffe; mit vieler Mühe wird es uns vielleicht dennoch gelingen, einiges Wild zum Schuſſe zu be⸗ kommen. Nicht gezögert: die Noth iſt ein eiſernes Gebot!“ V does laſſen zu bl merkt war, keit, Sie gerin und zu ge S — Vöge cken, Dreh Stur hatte es ih Düſte Rant ders rige Freu große das nnigen „Keine gs die erſtehe Gtüc- Kwik, esdonk ſen: Heſtern ir nicht ng zu nee hilft velches ardoes wenn ete der ei ihm au chlechte elleicht zu be⸗ iſernes Victor ſchien mit Widerſtreben den armen Par⸗ does der zweifelhaften Sorge des Barons zu über⸗ laſſen und drückte den Wunſch aus, bei dem Zelte zu bleiben; aber Creps hatte ſeit langer Zeit be⸗ merkt, daß ſein Freund ſehr aufgeregt und bleich war, und erachtete es für die höchſte Nothwendig⸗ keit, ihn von dem traurigen Schauſpiel zu entfernen. Sie befahlen alſo dem Baron noch einmal, auf die geringſte Bewegung des Verwundeten Acht zu geben, und ſtiegen alle drei die Felſen hinan, auf die Jagd zu gehen. Sie ſtießen auf kein anderes Wild, als einige Vögel, und fanden überdieß zu ihrem großen Schre⸗ cken, daß man, ſelbſt in völliger Nähe, mit einer Drehpiſtole nicht gut ſchießen könne. Schon ein paar Stunden waren ſie herumgeſtreift, ſchon zwanzigmal hatten ſie ihre Revolver abgeſchoſſen, und noch war es ihnen nicht gelungen, das Mindeſte zu treffen. Düſter und verzweifelnd ſchleppten ſie ſich längs des Randes der Gebüſche hin. Roozeman war beſon⸗ ders einſylbig; kaum hatte er ein paar kurze, trau⸗ rige Worte zur Erwiederung auf die Zureden ſeiner Freunde. Die trübe Stimmung Victors machte Creps großen Kummer; doch verbarg er, beherrſcht durch das Gefühl der Nothwendigkeit, ſeine Angſt. Endlich traf Donatus eine wilde Taube. Be⸗ grüßt von lautem Freudengeſchrei, fiel das Thier zu den Füßen der erregten Jäger nieder. Jan Creps übergab Roozeman den Vogel und ſagte zu ihm: „Da, Victor, geh' ſchnell zu dem Zelte und be⸗ ginne das Wildbret zu braten. Wir folgen Dir — 152 längs des Gebüſches, um zu ſehen, ob das Glück uns nicht vielleicht noch ein zweites Mal zulächelt. Beeile Dich; wir ſterben vor Hunger.“ Als Roozeman an den Felſen hinabſtieg, ſah er von ferne das Feuer rauchen. Dieß erfreute ihn, denn er betrachtete es als ein Zeichen, daß der Ba⸗ ron ſeinen Auftrag ſorgfältig ausgeführt hatte. Mit ſchnellen Schritten näherte er ſich dem Zelte, um nach dem Zuſtande des armen Pardoes zu ſehen; aber ein Schrei ängſtlicher Beſtürzung entſchlüpfte ihm: das Zelt war leer, ſelbſt der Verwundete war verſchwunden. Eine Weile blieb Roozeman bewegungslos und keines Wortes mächtig ſtehen, um ſich das Räthſel dieſes Verſchwindens zu erklären. Der Gedanke an reißende Thiere und wilde Kalifornier ſchoß ihm durch den Kopf; doch Nichts im Zelte war in Un⸗ ordnung gebracht, und alle Gegenſtände lagen noch an ihrem Orte. Er trat hinaus und rief aus aller Kraft nach dem Baron; aber Nichts antwortete als der Wieder⸗ hall ſeiner eigenen Stimme. Er glaubte auf dem Graſe Spuren von einem ſchweren Gegenſtand zu bemerken, den man an dem Boden hingeſchleppt hatte. Dieſe Zeichen führten ihn an den Fuß eines ſteilen Felſen. Da ſprang er plözlich mit einem Schrei des Entſezens zurück, heftete einen Moment ſein Auge auf zwei zerſchmetterte Todtenkörper und ſank dann bewußtlos zur Erde.... Einige Zeit darauf kam er wieder zur Beſinnung, rieb ſich die Augen, ſtieß einen neuen Schrei aus, ſprang auf und lief in entgegengeſetzter Richtung an dem Donat Jagd ſchehe begrei Zelte ſtümm At gen ſtarrte liche N „O ſeht, oben ſind „ uns 1 ſterbe zuſcho brate Leiche einen uns V warfe deckte ßen 6 Freu Glück ichelt. ah er ihn, Ba⸗ Mit „um ehen; lüpfte war und äthſel ke an ihm Un⸗ noch nach ieder⸗ dem id zu eppt eines einem oment und nung, s, ng an dem Zelte vorüber.... Hier ſtieß er auf Creps und Donatus, welche ohne eine weitere Beute von der Jagd zurückkehrten. „Himmel, Victor, was fehlt Dir? Was iſt ge⸗ ſchehen?“ ſtammelten Beide mit großer Angſt. „Kommt, kommt!“ antwortete er;„ſchrecklich, un⸗ begreiflich! Der Baron und Pardoes waren aus dem Zelte verſchwunden. Sie liegen dort blutend, ver⸗ ſtümmelt, zerſchmettert!“ Am Fuße des bezeichneten Felſen angelangt, ſchlu⸗ gen ſie die Hände über dem Kopfe zuſammen und ſtarrten mit zu Berge ſtehenden Haaren das entſetz⸗ liche Schauſpiel an. Nach einem langen Stillſchweigen ſagte Kwik: „O Himmel! Was mag hier geſchehen ſein? Seht, ſeht, Blut an den Felſenvorſprüngen: ſie ſind von oben herabgeſtürzt. O die Armen, alle ihre Glieder ſind gebrochen..... 2 „Gottes Fluch ruht auf dieſem Orte,“ rief Jan Creps zornig aus.„Laßt uns fliehen, das Gold wird uns verſchlingen. Schnell gemacht, ich will nicht hier ſterben. Du, Victor, darfſt bei dieſen furchtbar an⸗ zuſchauenden Körpern nicht bleiben. Geh' zum Feuer, brate den Vogel. Gehorche mir! wir wollen die Leichen in aller Eile begraben..... und dann einen verfluchten Ort verlaſſen, wo der Hungertod uns bereits angrinst. Geh', ſage ich Dir!“ Victor gehorchte mechaniſch. Creps und Donatus warfen ein Grab am Fuße der Felſen auf und be⸗ deckten es hernach mit ein wenig Erde und mit gro⸗ ßen Steinblöcken, um die Ueberreſte ihrer unglücklichen Freunde gegen die wilden Thiere zu ſchützen. Dona⸗ 154 tus band ein Querholz an einen abgehauenen Baum⸗ zweig, machte ein Kreuz daraus und pflanzte es auf das Grab, zum Zeichen, daß es Chriſten waren, die hier unter dem Steinhaufen ruhten. Beide knieten noch einmal nieder, murmelten ein Gebet, weihten den Todten noch eine letzte Thräne und gingen dann nach dem Zelte. Die gebratene Taube wurde getheilt und war in einem Augenblick verſchlungen. Auf Befehl von Creps nahm man in aller Eile die Leinwand von dem Zelte und raffte das Gepäck zuſammen, um abzuziehen. Als ſie fertig und im Begriffe waren, ihre Ran⸗ zen auf die Schultern zu nehmen, ſagte Donatus plötzlich: „Sterben um Sterben! Wir wiſſen nicht gewiß, ob wir jemals noch Menſchen zu ſehen bekommen. Es iſt ein möglicher Fall; aber ich habe deren lieber zwei. Ich will noch einmal in den Abgrund tauchen. Wer weiß, ob ich mein Schloß nicht noch heraus⸗ fiſche?“ „Kein Wort davon!“ entgegnete Creps erbittert. „Nimm Deinen Ranzen!“ „Ja aber,“ bemerkte Kwik,„ich habe mir einen Plan ausgedacht. Wenn ich mit dem Keſſel unter⸗ tauchte, könnte ich ihn vielleicht mit Pepitas voll ſcharren. „Nein, nein, thu es nicht, Donatus, Du würdeſt Dein Leben in große Gefahr bringen!“ bat Victor. „Es iſt wahrhaftig viel an ein ſolches Leben ge⸗ wagt!“ murmelte Kwik.„Ob die Wilden, oder die Bären, oder der Hunger, oder der Abgrund, ich ſehe nicht. Name Je zuwar mit augen hatte; des V chend anleh ſich a empor Thale zu ſch N birge müſſe die n zukehr es m beſſer uns: erreic mentt ſchrec bis a zu ſc Kräu müdu Zöge Baum⸗ es auf en, die ten ein Chräne watene enblick nan in raffte Ran⸗ onatus gewiß, mmen. lieber uchen. eraus⸗ bittert. einen unter⸗ s voll ürdeſt Bictor. n ge⸗ er die h ſehe üicht⸗ Aber wenn Sie nicht wollen, in Gottes Namen, ſo laſſen Sie uns weiter gehen.“ Jan Creps war, ohne das Ende ſeiner Rede ab⸗ zuwarten, bereits vorausgegangen und begann nun mit Roozeman die Felſen zu erklimmen. Es war augenſcheinlich, daß der Letzte mehr Muth als Kräfte hatte; denn ſo ſehr er auch gegen die Beſchwerden des Weges ankämpfte, ſo blieb er doch zuweilen keu⸗ chend ſtehen, oder mußte ſich erſchöpft gegen die Höhen anlehnen, die er zu erklettern ſuchte. Donatus hielt ſich an ſeiner Seite, unterſtützte ihn oder zog ihn empor und half ihm, bis ſie den oberſten Rand des Thales erreicht hatten und dort anhielten, um Athem zu ſchöpfen. Nachdem ſie eine Weile ihr Auge über die Ge⸗ birge hatten laufen laſſen, ſprach Jan Creps: „Freunde, ehe wir uns auf den Weg begeben, müſſen wir über die Richtung im Reinen ſein. Ueber die nackte Wüſte nach den Placeres am Yuba zurück⸗ zukehren, dürfte nicht rathſam erſcheinen, auch wenn es möglich wäre. Ich bin der Meinung, daß wir beſſer daran thäten, nach der Tiefe hinabzuſteigen und uns von der Sierra Nevada zu entfernen. Vielleicht erreichen wir in drei oder vier Tagen das Sacra⸗ mentothal und treffen auf Menſchen. Unſer Loos iſt ſchrecklich; aber behalten wir nur Muth und Hoffnung bis an's Ende. Suchen wir unterwegs einiges Wild zu ſchießen. Gelingt uns das nicht, ſo wollen wir Kräuter eſſen; aber laßt uns eilen und auf keine Er⸗ müdung achten. Von einigen Stunden Eile oder Zögerns kann unſere Rettung abhängen. Vorwärts 156 alſo, die Berge hinab, ſo viel möglich, längs des Saumes der Gebüſche, mit Gottes Hülfe!“ Sie begannen den langen, beſchwerlichen Marſch und gingen unaufhörlich bis zum Mittag; dann be⸗ ſchloſſen ſie, eine Stunde zu ruhen, um Victor, wel⸗ cher ſchrecklich ermüdet ſchien, einige Erholung zu gönnen und zugleich, um das Glück der Jägd im Gebüſch zu verſuchen. Während Roozeman bei den Ranzen ſitzen blieb, drangen ſeine beiden Genoſſen in das Gehölz ein. Sie ſahen wohl hier und da einen Vogel auf den Baumzweigen ſitzen, aber ſei es, daß ihre Revolver nicht weit genug trugen, oder daß ſie ungeſchickte Schützen waren, immerdar ſchoſſen ſie, ohne das Ziel zu treffen. Ueberdieß flog bei dem geringſten Schuß alles Wild weit hinweg. Sie kehrten alſo in ihrer Erwartung getäuſcht, hoffnungslos und in düſterem Stillſchweigen zu ihrem Kameraden zurück. „Armer Victor!“ ſeufzte Kwik,„für ihn iſt es noch am Schlimmſten. Haben Sie nicht bemerkt, Herr Jan, daß er faſt keine Kräfte mehr hat? Er klagt nicht, aber er ſcheint ſehr krank.“ „In der That, ich ſehe es wohl,“ antwortete Creps. „Sein Zuſtand erſchreckt mich mehr als die andern Gefahren, die uns bedrohen. Vielleicht iſt es Nichts weiter, als die Aufregung, welche ihm der ſchreckliche Tod unſerer Freunde verurſacht hat. Wie dem nun ſei, wir vermögen Richts gegen das grauſame Ver⸗ hängniß. Wir müſſen weiter und weiter wandern, bisn ſich d 3 dump verſch es nu Mein Victo meine ber d mehr ſtill, Wurz 5 ten B über E Zähne zu tr Kanin Klaue s des tarſch n be⸗ wel⸗ g zu im blieb, z ein. f den oer chickte Ziel Schuß uſcht, ihrem iſt es merkt, 7 Er ortete ndern Richts ckliche nun Ver⸗ dern, bis wir unterliegen oder Rettung finden. Ruhen heißt ſich dem Hungertode ausſezen.“ „Er wird zuerſt ſterben!“ ſeufzte Donatus in dumpfem Tone und mit einer Thräne in den Augen. „Wenn wir ihm nur etwas Gutes zur Nahrung verſchaffen könnten; aber ohne zu eſſen, wie wird er es nur noch einen halben Tag aushalten können 2... Mein Gott, was thun, wenn wir Nichts finden? Victor darf nicht ſterben. Und müßte ich ihm von meinem eigenen Blute zu trinken geben, ich will lie⸗ ber dem Tode verfallen, als er! Und kann er nicht mehr gehen, werde ich ihn tragen..... Ha! ſtill, ſtill, ich habe Etwas geſehen, da unter der dicken Wurzel, ein Thier, ein Thier!“ Mit dieſen Worten näherte er ſich dem bezeichne⸗ ten Baume, bückte ſich und ſteckte ſeinen Arm bis über den Ellbogen in ein tiefes Loch. Ein Schrei entſchlüpfte ihm; er knirſchte mit den Zähnen und die Augen ſchienen ihm aus dem Kopfe zu treten. „Was ſpürſt Du? Was geſchieht Dir?“ fragte Creps. „Es beißt, es krazt! ach, ach!“ murmelte Kwik. „Laß es los!“ „Los?“ rief Donatus.„Mag es mir die eine Hand abbeißen, dann will ich es noch mit der andern herausholen. Los? Das Leben von dem armen Victor vielleicht? Ha, ha, ich habe es an dem Halſe, ich erwürge es. Da iſt es! Sehen Sie!“ Und er zeigte ihm ein Thier von der Größe eines Kaninchens, mit einem ſtarken Gebiß und ſcharfen Klauen, das viele Aehnlichkeit mit einem Marder 158 hatte und einen ſehr unangenehmen Geruch verbrei⸗ tete. Das Blut rieſelte ſtark von ſeinen Händen, aber er ſchüttelte es ab, hob das Thier in die Höhe und ſagte? „Du magſt ſtinken, ſo viel Du willſt, Kerl. Binnen einer Viertelſtunde wirſt Du den Brodweg hinunter ſein! Es iſt gewiß, daß kein einziger Hund von Nat⸗ tenHaesdonk Dich anrühren würde; aber Du haſt es n Mägen zu thun, die ihren Geruch verloren ha⸗ en. 6 Er übergab das Wildbret ſeinem Gefährten und begann in aller Eile mit ſeinem kataloniſchen Meſſer eine Laſt Holz zu fällen.— Zu Victor zurückgekehrt, machte er Feuer an, während Creps dem gefangenen Thiere die Haut abzog und es an einem Baumzweig befeſtigte. Donatus hatte allen ſeinen Frohſinn wieder ge⸗ funden. Er war ſo beweglich von Gemüthsart, daß er in den peinlichſten Zuſtänden zu lachen und zu ju⸗ beln begann, ſobald der geringſte Lichtſtrahl durch den Nebel ſeiner Betrübniß ſchoß. Er ſuchte Victor durch die Erwartung eines leckern Mahles aufzuhei⸗ tern, machte ſchlechte Witze und ſprach von dem glück⸗ lichen und theuren Belgien, als hätte er die Gewiß⸗ heit gehabt, es wieder zu ſehen. Kurz hernach war das Thier gebraten. Man ſchnitt es in Stücke und begann davon zu eſſen. Es war ſehr eckelerregend; der Geſchmack des Fleiſches war von derſelben Art, wie der Geruch, den es zu⸗ erſt verbreitet hatte. Trotz ihres großen Hungers biſſen ſie nur langſam an, und Kwik murmelte bei ſich ſelbſt: A ſchen: genbli eine S dick, ſtand! R mußte zu ve Kräfte er bei auffall ſogar um ih Si ihre R war ſi Höhen abzukt eines allen des o Alles, endloſ N waren den K geſtehe Kraft. S lerwei Aber rbrei⸗ nden, Höhe innen unter lat⸗ aſt es nha⸗ und Reſſer kehrt, genen zweig er ge⸗ t, daß zu ju⸗ durch Victor zuhei⸗ glück⸗ ewiß⸗ Man eiſches es zu⸗ ngers te bei „Verfluchtes Land, Alles iſt ſchlecht! Wilde Men⸗ ſchen und ſtinkende Beſtien. Ah, ah, in dieſem Au⸗ genblick gäbe ich ein Jahr von meinem Leben für eine Schüſſel Buttermilchbrei mit Brocken, lecker und dick, wie meine Mutter ſelig ihn zu kochen ver⸗ ſtand!“ Roozeman zeigte wenig Eßluſt; ſeine Freunde mußten ihn zwingen und ihm zu wiederholten Malen zu verſtehen geben, daß man ohne Nahrung ſeine Kräfte nicht erhalten könne. Auf ihr Andringen aß er beinahe ſeinen Theil von dem Thiere. Er war auffallend ſchweigſam; doch klagte er nicht und lächelte ſogar bei den Bemühungen, welche Kwik anwandte, um ihn ein Bischen zu erheitern. Sie nahmen wieder ihre Ranzen auf und ſetzten ihre Reiſe fort. Der Landſtrich, wo ſie ſich befanden, war ſehr bergig; dieß nöthigte ſie oft, anſehnliche Höhen zu erklimmen, um nicht von ihrer Richtung abzukommen. Jedesmal, ſo oft ſie auf der Spitze eines Berges anlangten, warfen ſie ihre Blicke nach allen Seiten herum, in der Hoffnung, etwas Tröſten⸗ des oder Ermunterndes entdecken zu können; aber Alles, was ihre Augen erreichen konnten, war eine endloſe Reihenfolge derſelben Hügel und Thäler. Nachdem ſie drei oder vier Stunden gegangen waren, begann Victor die Füße nachzuſchleppen und den Kopf hängen zu laſſen. Obwohl er es nicht zu⸗ geſtehen wollte, war er wirklich ſehr erſchöpft an Kraft. Sie beſchloſſen wieder Raſt zu halten und mitt⸗ lerweile es noch einmal mit der Jagd zu verſuchen. Aber in dem Augenblick, da ſie ſtehen blieben, hob 160 Kwik einen Gegenſtand auf, der vor ſeinen Füßen lag und rief bei näherer Betrachtung: „Es ſind Menſchen hier geweſen. Es iſt ein Pfeil, den ich da gefunden habe. Ein ſonderbarer Pfeil, mit einem Stück ſcharfen Steins an der Spitze! „Du weißt, was Pardoes uns geſagt hat: es iſt eine Waffe der wilden Kalifornier,“ bemerkte Creps. „Wilde? Wilde?“ ſeufzte Donatus erbleichend. „Seht, Freunde, ich ſterbe noch lieber Hungers, als daß mir dieſe abſcheulichen Menſchen die Haut vom Kopfe abziehen. Laßt uns nicht hier bleiben! Kommt, kommt, um Gottes willen, ich werde Herrn Victor auf meinem Rücken tragen, wenn es ſein muß.“ Jan Creps erachtete es gleichfalls für räthlich, ſich ſo ſchnell als möglich von einem Gehölz zu entfernen, welches den wilden Kaliforniern zu einem Hinterhalt dienen konnte. Donatus zwang Roozeman, ſich auf ſeinen Arm zu lehnen, und er unterſtützte ihn dabei ſo gut und erleichterte ihm die Beſchwer⸗ den des Marſches ſo eifrig, daß ſein geſchwächter Freund wohl noch anderthalb Stunden Wegs zurück⸗ legte, ehe er ſelbſt ihm zuredete, dieſen Tag nicht weiter zu gehen. Sie befanden ſich in einem ziemlich breiten Thale, durch deſſen Mitte während der Regenzeit ein Fluß ſeinen Lauf genommen hatte. Jetzt war derſelbe zu einem kleinen Bach eingetrocknet, über welchen man mit einem Schritt gelangen konnte. Sobald das Zelt errichtet und ein Feuer angemacht war, begaben ſich Creps und Donatus nach dem meiſt mit Buſch⸗ werk bedeckten Theil des Thales, um zu ſehen, ob es ihnen nicht einiges Wild aufzutreiben möglich wäre. Nacht ten, c Jan die N hölze wenn leere Meng Diſtel pflanz kochen Kuh und l Kuh davon weiß, E Senfk über kocht ſeine war Victor dann verſch deme Füßen Pfeil, Pfeil, e es iſt Creps. ichend. s, als t vom ommt, Victor ithlich, ölz zu einem zeman, rſtützte ſchwer⸗ ächter zurück⸗ g nicht Thale, Fluß lbe zu n man d das egaben Buſch⸗ ob es wäre. 161 Nachdem ſie über eine Stunde vergeblich geſucht hat⸗ ten, gaben ſie den Muth auf. „Laß' uns die fruchtloſe Mühe aufgeben,“ ſagte Jan Creps.„Die Ruhe iſt uns ebenſo nöthig, als die Nahrung; und überdieß wird es dunkler im Ge⸗ hölze; wir könnten das Wild nicht mehr ſehen, auch wenn dergleichen da wäre. Für einmal wird der leere Magen uns am Schlafen nicht hindern.“ „Das heißt,“ rief Donatus,„ich werde einmal in Menge eſſen. Ein verhungertes Pferd frißt wohl Diſteln. Ich habe da rings um das Zelt viele Senf⸗ pflanzen ſtehen ſehen. Davon will ich mir eine Suppe kochen, wie meine Mutter ſelig für Bleßchen, unſere Kuh gethan hat. Es mag ſchlecht von Geſchmack und bitter wie Galle ſein, darüber lache ich. Unſere Kuh ſtarb nicht daran; es iſt möglich, daß ich auch davon am Leben bleibe. Laßt es uns verſuchen! wer weiß, vielleicht iſt es gut.“ Er pflückte in aller Eile einen ganzen Arm voll Senfblätter und hieng ſie mit Waſſer in dem Keſſel über das Feuer. Als er glaubte, daß ſie genug ge⸗ kocht haben, begann er davon zu eſſen und forderte ſeine Kameraden auf, ſeinem Vorbilde zu folgen. Es war unſchmackhaft und eckelerregend. Creps und Victor nahmen einen Mundvoll davon und wieſen dann ein ſo bitteres Gericht ab. Donatus dagegen verſchlang den ganzen Haufen Blätter und ſagte, in⸗ dem er ſich lachend die Hände rieb. „Gewiß, Schweinsrippchen mit jungem Kohl ſind beſſer; aber es gilt gleich, womit ein Schiff ballaſtet wird, wenn nur der Ballaſt ſchwer genug wiegt. Ich höre meinen Magen wohl ein Bischen knurren, daß Conſeience, das Goldlanb. M. 11 162 ich ihm Aepfel für Citronen verkaufe; aber ob er damit zufrieden iſt, oder nicht, er hat es einmal doch drinnen.“ Und während er alſo ſprach, legte er ſich in dem Zelte neben ſeine Kameraden, welche ihrer Ermüdung unterliegend, nicht mehr auf ſeine Worte zu achten ſchienen, oder wirklich in Schlaf gefallen waren. Mitten in der Nacht wurde Donatus durch ein kla⸗ gendes Geſtöhn, das an ſeinem Ohr ſich vernehmen ließ, geweckt. Er horchte ängſtlich: die Schmerzenslaute kamen aus Victors Munde. „Herr Roozeman, was fehlt Ihnen? Sind Sie krank?“ fragte er. „Trinken, laß' mich trinken!“ klagte Victor. „Das Fieber verſengt mir die Eingeweide..... aber mach' keinen Lärm; ſtöre die Ruhe von Creps nicht.“ Kwik brachte die Waſſerflaſche ihm an die Lippen. Als der Kranke einige lange Züge genommen hatte, ſagte er: „Schlaf' nun wohl, guter Donatus; es iſt mit meinen Schmerzen vorbei.“ „Himmel, Ihre Stirne glüht, Sie zittern und beben! Armer Victor!“ jammerte Kwik.„Wenn ich nur das Fieber hätte, aber Sie!“ „Es iſt Nichts,“ murmelte Roozeman,„die Auf⸗ regung, der Schrecken. Sei ohne Sorgen, morgen wird es vorüber ſein. Gib' mir Deine Trink⸗ ſaſche Wenn ich Deiner Hülfe bedarf, werde ich Dir rufen. Schlafe alſo, ſchlafe ruhig.“ Donatus horchte noch ſehr lang mit klopfendem Herzen; aber da Victor ſich ſtill hielt und ſein Athem natür tiefen Eindr man er ni an ei ſich d B in de finder ſie a richte blickte werde ſchein Angſt Hatte Unmi muth Zelte ihn wilde ſie d welch Verke ob er einmal dem üdung achten n. in kla⸗ n ließ, Slaute d Sie ictor. Creps ippen. hatte, ſt mit n und Wenn Auf⸗ orgen Trink⸗ werde endem Athem natürlich ſchien, verſank er auf's Neue in einen tiefen Schlaf. X. Die Verzweiflung. Es war ſchon heller Tag, als Creps unter dem Eindruck des Lichtes erwachte. Er ſah, daß Rooze⸗ man gleichfalls die Augen geöffnet hatte; und da er nicht wußte, daß ſein Freund während der Nacht an einem ſchlimmen Fieber gelitten hatte, freute er ſich des ſcheinbaren Wohlbefindens von ihm. Beide ſtanden auf und traten aus dem Zelte, in der feſten Meinung, Donatus bei dem Feuer zu finden; aber das Feuer war erloſchen, und wohin ſie auch ihre Augen nach allen Seiten im Thale richteten, ſie entdeckten ihren Genoſſen nicht. Sie blickten noch einige Zeit in die Runde, hoffend, er werde hinter dieſem oder jenem Gebüſch zum Vor⸗ ſchein kommen. Allmälig wandelte ſie eine große Angſt an. Was mochte mit ihm geſchehen ſein? Hatte Kwik ſie ihrem ſchrecklichen Looſe überlaſſen? Unmöglich, er war die Ergebenheit und der Edel⸗ muth ſelbſt. War er während der Nacht aus dem Zelte gegangen, um Waſſer zu holen? Hatte man ihn gefangen genommen, oder war er von einem wilden Thiere zerriſſen worden? Jezt erſt fühlten ſie den ganzen Werth des einfachen Bauernjungen, welcher unter dem Scheine der Unwiſſenheit und Verkehrtheit einen Schaz angeborner S un⸗ 164 überwindlichen Muthes im Herzen trug. Was ſollte aus ihnen werden ohne dieſe mächtige Stüze? Einige Augenblicke blieben ſie unter dem Schrecken, welchen der Gedanke eines ſolchen Verluſtes ihnen einflößte, wie vernichtet. Jan Creps nahm ſeinen Revolver und ſchoß ihn in die Luft, um Kwik ein Zeichen zu geben, wenn er ſich in der Nachbarſchaft befände. Einige ferne Laute, worin ſie die Stimme von Donatus zu erkennen glaubten, antworteten auf den Knall der Piſtole. Sie ſtießen einen Freudenſchrei aus und ſchauten in die Runde; aber wiewohl ſie die Stimme noch zu wiederholten Malen hörten, vermochten ſie die Stelle nicht zu entdecken, von wo ſie ausgegangen war. Sie gingen jedoch bis zu dem Rande des Thales, wo der Rücken der Hügel mit mächtigen Tannen und Cypreſſen gekrönt war. Ein neuer Ruf bewog ſie, den Blick aufwärts zu richten. Da ſahen ſie von Ferne ihren Freund Do⸗ natus beinahe auf der Spize von einer der höchſten Tannen. Sie würden ihn zuerſt nicht erkannt haben, da er dreihundert Fuß über dem Thalgrunde kaum ſo groß wie ein Kaninchen erſchien, aber er ſchwenkte ſeinen Hut und rief unaufhörlich, als wollte er ihnen einen Gruß zuſenden. Ehe ſie den Fuß des Hügels erreicht hatten, kam Donatus bereits auf ſie zugelaufen. Er lachte, ju⸗ belte und tanzte, während er mit beiden Händen Etwas umfaßt hielt, deſſen Beſiz ihm die höchſte Freude zu verurſachen ſchien. „Ha, ha, ein Frühſtück, ein leckeres Frühſtück!“ rief e woller U worin beneie S. uns g denken ſuchen Freun ſehen: drehen zugehe keinen Di heit ſi tete danke Senfb im M Schrit habe vor T Stück hölze. welche die S Lärm ſagten Sprac dem N ſollte recken, ihnen ſeinen ik ein rſchaft e von f den ſchrei l ſie örten, n we is zu Hügel war. rts zu Do⸗ chſten aen, kaum venkte ihnen „kam , ju⸗ änden öchſte ück!“ rief er.„Mir hat dieſe Nacht davon geträumt. Wir wollen uns gütlich thun, es ſoll Kirchweih ſein!“ Und er deckte vor ihren Augen ein Vogelneſt auf, worin ſechs Eier lagen, etwas größer, als Tau⸗ beneier. „Kommt, kommt,“ ſagte er,„an das Feuer. Das ſoll uns gut thun und uns erquicken. Wer ſollte, bei Gott, denken, daß man hier den Speiſeſchrank im Himmel ſuchen muß. Da bin ich auf einem Baum geſeſſen, Freunde, einem Baume, daß ich nicht mehr hinab zu ſehen wagte. Die ganze Welt begann ſich um mich zu drehen und zu tanzen; hätte ich nicht meine Augen zugehalten, ich würde jezt, glauben Sie mir ſicherlich, keinen Hunger mehr haben.“ Die Andern ſagten ihm, wie ſehr ſeine Abweſen⸗ heit ſie erſchreckt habe. „Schaut, daran habe ich nicht gedacht,“ antwor⸗ tete er.„Was iſt auch an mir gelegen? Ich danke Ihnen jedoch für Ihre gute Freundſchaft. Die Senfblätter liegen mir noch wie eine Kanonenkugel im Magen, ich fühle ſie in meinem Leibe bei jedem Schritte, den ich mache, auf⸗ und abrollen. Davon habe ich einen unruhigen Schlaf gehabt; ich bin vor Tag aufgewacht. In der Hoffnung, irgend ein Stück Wild ſchießen zu können, ging ich in das Ge⸗ hölze. Ich entdeckte Nichts, als zwei große Vögel, welche auf mehr als hundert Fuß Höhe rund um die Spize eines Baumes flogen und durch ihren Lärm verriethen, daß ſie da ihr Neſt hatten. Wem ſagten ſie das? Die Bauernjungen verſtehen dieſe Sprache. Ich bin lang auf dem Baum und bei dem Neſt geblieben, in dem Gedanken, vielleicht Vater 166 oder Mutter oder beide ſchießen oder fangen zu können, aber ich habe ſie nicht mehr geſehen.“ Sie waren bei dem Zelte angelangt. Das Feuer wurde angezündet, und Donatus legte die Eier mit einem Bischen Waſſer in den Keſſel. In einem Augenblick waren ſie geſotten. Als ſie im Begriff waren, dieſelben zu verzehren, griff Donatus nach dem Keſſel und ſagte: „Die Eier gehören mir; ich bin Herr darüber und ſpreche das Recht an, ſie unter uns zu verthei⸗ len, wie mir beliebt. Wenn Einer von Ihnen eine Einwendung zu machen wagt, ſo wird es mich är⸗ gern und betrüben.“ „Thue nach Deinem Willen, Donatus,“ mur⸗ melten die Andern. Er machte alſo aus den Eiern drei ungleiche Theile und ſprach: „Sehen Sie hier drei Eier für Herrn Victor, und zwei Eier für Herrn Creps. Das Uebrige be⸗ halte ich für mich, damit ich weiß, wie es ſchmeckt.“ Troz ihres Verſprechens weigerten ſich ſeine Freunde, das Opfer, das er ihnen brachte, anzu⸗ nehmen. Aber wie ſehr ſie auch klagten und prote⸗ ſtirten, er blieb unerbittlich. „Nun, nun,“ rief er,„laßt uns keine Zeit ver⸗ lieren. Nur, um Alles zwiſchen uns ins rechte Verhält⸗ niß zu ſezen, habe ich die ungleichen Theile gemacht. Sie, mit Ihrem ſtädtiſchen Magen, können nichts Grünes eſſen. Die Senfblätter ſind kein Leckerbiſſen, aber ſie bilden einen guten Ballaſt, und am Ende muß doch Etwas davon in meinem Leibe bleiben. Aeße ich nun ſ Nahrt S die E D keit d verkü einzig oder len, 1 ſeiner überd O worte Frage ſtillen Reiſe chen unnöt heitse werde S ihre N gegan die m und ſehen verän ſich n die 2 zuerſt nnen, Feuer r mit einem wegmriff nach wüber erthei⸗ neine ch är⸗ mur⸗ gleiche Victor, ge be⸗ neckt.“ ſeine anzu⸗ prote⸗ t ver⸗ erhält⸗ macht. rünes aber iß doch ße ich 167 nun ſo viele Eier wie Sie, ſo würde ich doppelte Nahrung haben: das wäre nicht ehrlich.“ Seine Kameraden ließen ſich überreden und nahmen die Eier an. Donatus betrachtete mit ängſtlicher Aufmerkſam⸗ keit das Geſicht Victors, worauf das Fieber unheil⸗ verkündende Zeichen zurückgelaſſen hatte. In einer einzigen Nacht war der arme Junge ſehr abgemagert, oder waren wenigſtens ſeine Wangen ſehr eingefal⸗ len, runzelig und gelb geworden, während das Weiß ſeiner Augen mit angeſchwollenen Blutäderchen überdeckt ſchien. Obwohl ſichtbar zum Schweigen geneigt, ant⸗ wortete Victor ſo wohlgemuth, als er konnte, auf die Fragen ſeiner Freunde, und verſicherte mit einem ſtillen Lächeln, daß er ſich im Stande fühle, die Reiſe fortzuſezen. Weder Donatus noch Victor ſpra⸗ chen von dem Fieber. Sie wollten Jan Creps nicht unnöthig erſchrecken und hofften überdieß, der Krank⸗ heitsanfall ſei nur vorübergehender Art geweſen und werde nicht mehr zurückkehren. Sie rollten ihre Zeltleinwand zuſammen, nahmen ihre Ranzen auf den Rücken und brachen auf. Kachdem ſie eine Stunde über Höhen und Tiefen gegangen waren, gelangten ſie auf eine große Fläche, die mit zerſtreuten Baumgruppen, mit kleinen Büſchen und hohen Grashalmen bedeckt war. Das Aus⸗ ſehen der Vegetation begann ſich augenſcheinlich zu verändern. Nur auf dem Rücken der Hügel zeigten ſich noch Cedern und Cypreſſen; in der Tiefe glichen die Bäume mehr denjenigen, welche die Goldſucher zuerſt im Sacramentothale geſehen hatten. 168 Dieß erfreute ſie; denn es gewährte ihnen die Ueberzeugung, daß ſie die gehörige Richtung einge⸗ halten hatten und immer weiter ſeewärts von der Sierra Nevada abgekommen waren. Victor redete nicht viel; er war äußerſt ermüdet und nahm ohne Widerſtand die Hülfe von Donatus an, der ihn am Arme hielt und beim Gehen ſo kräf⸗ tig unterſtüzte, daß er ihn zuweilen beinahe vom Boden aufhob. Jan Creps bemerkte wohl, wie ſehr ſein unglücklicher Freund der Kräfte beraubt war; aber überzeugt, daß ihre Rettung nur von der Schnel⸗ ligkeit ihrer Reiſe abhänge, verbarg er ſeine Angſt und ſein Mitleid und bemühte ſich, durch hoffnungs⸗ volle Worte ihm einigen Muth einzuſprechen. Noch größer wurde ihre Freude, als ſie auf dem Graſe die Spuren von menſchlichen Fußtritten er⸗ kannten. Sie konnten die Form dieſer Eindrücke nicht wohl unterſcheiden, aber der wilde Hafer war an dieſer Stelle zu Boden getreten und ließ wahr⸗ nehmen, daß eine ganze Geſellſchaft von Wanderern vor Kurzem hier vorübergekommen ſein mußte. Dieſer Anblick verdoppelte ihre Kräfte. Mit ge⸗ falteten Händen baten ſie Vietor, allen ſeinen Muth zuſammenzunehmen. Sie wollten den Fußſpuren nach⸗ gehen, ſich beeilen und würden wahrſcheinlich vor dem Ende des Tages, vielleicht noch früher, die Wan⸗ derer, welche ihnen voraus waren, einholen. Sie gingen noch ein paar Stunden, indem ſie von Zeit zu Zeit einige Augenblicke Halt machten, um Roozeman Athem ſchöpfen zu laſſen. Als ſie aus einer dichtbewachſenen Gegend auf eine kleine, nur mit Gebüſch beſezte Fläche heraus⸗ traten, plözlic Er ſtel halb r glaube euch 1 ſehen, Er äußerſt nuten ſagte: iſt tod nackt; ronnen treten Kn Schritt ſchaute den Ka ihm ei Eit an, n Meſſer jeder 8 fragte n die einge⸗ n der müdet natus kräf⸗ vm ſehr war; chnel⸗ Angſt ungs⸗ dem n er⸗ drücke war wahr⸗ erern it ge⸗ Muth nach⸗ or Wan⸗ n ſie chten, auf raus⸗ traten, ſprang Kwik, welcher an der Spize marſchirte, plözlich mit einem Angſtſchrei zurück und ſtammelte: „Ein Menſch! Ich habe einen Menſchen geſehen. Er ſteht an einem Baume, gerade vor uns! Er iſt halb nackt. Ach, lieber Gott, es iſt ein Wilder, glaube ich. Was ſollen wir thun?“ „Bleibt hier, hinter den Geſträuchen und haltet euch verborgen,“ flüſterte Jan Creps.“„Ich will ſehen, was es iſt.“ Er warf ſich auf die Erde und kroch bis an den äußerſten Rand des Gebüſches. Nach einigen Mi⸗ ſit kehrte er zu ſeinen Kameraden zurück und agte: „Schrecklich! Der Mann, den Du geſehen haſt, iſt todt; er ſcheint an einen Baum gebunden; er iſt nackt; ſein Körper und ſein Angeſicht ſind mit ge⸗ ronnenem Blut bedeckt. Kommt, laßt uns näher Kwik war nicht ſehr eilig; er folgte Schritt für Schritt, indem er zitternd nach allen Richtungen aus⸗ ſchaute; denn der bloße Gedanke, daß er einen wil⸗ den Kalifornier geſehen habe, war genügend geweſen, ihm einen unüberwindlichen Schrecken einzujagen. Eine Weile ſtarrten ſie ſchaudernd den Leichnam an, welcher durch unzählige Wunden ganz unkennt⸗ lich gemacht worden war. „Was muß dieſes arme Schlachtopfer gelitten haben!“ ſeufzte Creps.„Seht, man hat ihn mit Meſſern durchbohrt, ſo lang er noch lebte, denn aus jeder Wunde iſt Blut gefloſſen.“ „Sollen wir den Unglücklichen nicht begraben?“ fragte Victor. 170⁰ „Aber gibt es Ungeheuer auf Erden, grauſam genug, um ihren Nebenmenſchen alſo zu martern?“ ſtieß Donatus voll Entrüſtung hervor. „Himmel!“ rief Jan Creps, indem er zitternd zurückwich;„darf ich meinen Augen trauen? Was wir hier ſehen, iſt Gottes Gerechtigkeit! Dieſer Leichnam, dieſer Leichnam iſt der Matroſe!“ „Unmöglich, Sie irren ſich,“ ſtammelte Kwik. „Nein, ſeht an der linken Hand fehlt ihm der kleine Finger.“ „Aber der Matroſe hatte einen häßlichen dicken ſopf: der Kopf des Todten hier iſt außerordentlich ein.“ „Begreifſt Du nicht, was dieß zu bedeuten hat? Er iſt ſkalpirt worden.“ „Was, was ſagen Sie da?“ rief Donatus, an allen Gliedern zitternd;„ſkalp..... Die Haut von dem Kopfe abgezogen? Wer hat das gethan? Um Gottes Willen, reden Sie!“ „Wer? Die kaliforniſchen Wilden ohne Zweifel. Gott hat ſie erwählt, um den Tod von Pardoes zu rächen.“ Donatus hörte nicht mehr. Er zog Victor am Arme fort und murmelte mit ängſtlicher Ungeduld: „Ich habe genug davon, von dieſem entſezlichen Schauſpiel. Kommen Sie, meine Herren, um Gottes willen, kommen Sie! Mir dünkt, ich ſehe mich ſelbſt bereits an einen Baum gebunden, ohne Haut auf meinem armen Kovf. Wir ſind hier in einer Höhle von Wilden. Kommen Sie, oder ich laufe allein davon, ſo weit meine Beine mich tragen können!“ Die Andern ſahen ſich genöthigt, ihm zu folgen. Als ſi digkeit men u Tod!“ er nic men 2 „4 bemer eine S Abziel thäter ſo leb ſchneit hande aus b ihre K ihren ran i viele ten m ihm Golde Schla haben habei auſam tern?“ itternd Was Dieſer wik. m der dicken entlich hat? s, an Haut than? weifel. des zu or am eduld: zlichen Gottes ſelbſt tauf Höhle allein en! olgen. Als ſie ein Stück weit mit übertriebener Geſchwin⸗ digkeit gegangen waren, brach Victor beinahe zuſam⸗ men und flehte um einige Augenblicke Ruhe. „Welche furchtbare Strafe! Welch entſezlicher Tod!“ ſeufzte Creps in Gedanken.„Wer weiß, ob er nicht noch einen ganzen Tag nach dieſer grauſa⸗ men Marter gelebt hat?“ „Der Oſtender war ein niederträchtiger Schelm,“ bemerkte Kwik,„aber, unter uns geſagt, wenn es eine Strafe iſt, finde ich ſie wohl etwas hart. Das Abziehen der Kopfhaut wünſche ich dem größten Miſſe⸗ thäter nicht. Hu, wie ſchrecklich muß es doch ſein, ſo lebendig die beſte Hälfte ſeines Kopfes ſich ab⸗ ſchneiden zu laſſen! Und wie, die wilden Teufel be⸗ handeln einen Menſchen auf ſo unbarmherzige Weiſe aus bloßem Vergnügen?“ „Haſt Du vergeſſen, was Pardoes uns erzählte? Es iſt eine Gewohnheit der kaliforniſchen Wilden, ihre Kriegsgefangenen an einen Baum zu binden und ihren Körper zur Zielſcheibe zu nehmen, um ſich da⸗ ran im Bogenſchießen zu üben. Gott weiß, wie viele Stunden der Matroſe die Pfeile, die ihn töd⸗ ten mußten, rund um ſein Haupt hat fliegen hören. Welch gräuliches Ende!“ „Und wo mag unſer Gold geblieben ſein?“ fiel ihm Donatus in's Wort. „Die kaliforniſchen Wilden kennen den Werth des Goldes. Ueberdieß haſt Du geſehen, daß ſie ihrem Schlachtopfer Alles, ſelbſt ſeine Kleider geraubt haben.“ „Es iſt ſehr angenehm,“ brummte Kwik.„Wir haben in einen Abgrund untergetaucht, vor dem 172 ſelbſt ein Eisbär erſchrecken würde; wir haben unſer Leben für ein Häuſchen Gold gewagt,— und wa⸗ rum? Um die wilden Ungeheuer damit ſchön Wetter ſpielen zu laſſen. Wenn ich nicht ſolche Angſt davor hätte, ich möchte wohl Einen unter meinen Händen haben, und wäre es nur, um denſelben in vier oder fünf Stücke zu zerreißen.“ Jan Creps nahm ſeinen Ranzen n folgte ſeinem Beiſpiele, doch blieb er Rachdenklich, den Blick zu Boden geſchlagen, ſtehen. Er richtete jedoch ſogleich den Kopf wieder in die Höhe, faßte Victor unter dem Arme und ſchritt mit ſeinen Ge⸗ noſſen vorwärts. „Welche tiefe Betrachtung ſchoß Dir ſo eben durch den Kopf?“ fragte Creps. „Nun, ich überlegte da und fragte mich ſelbſt, ob die wilden Schubiake wohl auch Geſchöpfe Gottes ſein könnten? Nein, dieß iſt es nicht; Gott hat Alles geſchaffen. Aber in unſerem Katechismus ſteht: Was iſt der Menſch? Antwort: Ein vernünfti⸗ ges Geſchöpf Gottes. Ich frage Sie einmal, ob Sie das von einem Wilden ſagen können? Und ich ziehe den Schluß, gleich dem Küſter von Natten⸗ Haesdonk, ergo, demzufolge ſind es Beſtien, aber keine Menſchen.“ Sie traten bald aus dem Gebüſch und erblickten vor ſich eine weite Bergfläche, deren ſteinigter Grund wohl hier und da mit Kräutern bewachſen war, doch keinen einzigen Baum gewahren ließ. Donatus, noch immer vor Wilden beſorgt, zögerte, ſich auf einen ſo offenen Plaz zu begeben, wo man aus ſehr wei⸗ ter Ferne und von allen Seiten geſehen werden konnte, aber J tungn Di ſem fle Schwei dern. 6 Minut laſſen. unterli die Kro Schritt war u walt g Wr ben; e nuchen zur No gerade dichten davon und bi ihren ſ auf bei wärts, ſelbſt: oder v waren. Hie auf ih ſtehen, er ſich Kraft; unſer d wa⸗ Wetter davor änden r oder natus nklich, ichtete faßte n Ge⸗ durch ſelbſt, Sottes Alles Was nfti⸗ nmal, Und atten⸗ aber lickten rund doch noch einen wei⸗ nnte, aber Jan Creps wollte von der angenommenen Rich⸗ tung nicht abieichen. Sie ſezten alſo ihren Marſch fort. Die Sonne Bannte mit verdoppelter Gluth auf die⸗ ſem flachen Grunde; die Luft war erſtickend heiß; der Schweiß ſtrömte den armen Goldſuchern von den Glie⸗ dern. Sie hielten jezt beinahe alle Viertelſtunden einige Minuten ſtill, um Victor ein wenig ſich erholen zu laſſen. Wohl bemerkten ſie, daß ihr Gefährte zu unterliegen drohte, und er in ſeinen Gliedern kaum noch die Kraft hatte, um den Fuß aufzuheben und einen Schritt vorwärts zu thun. Er klagte nicht, aber es war unverkennbar, daß er mit übermenſchlicher Ge⸗ walt gegen eine abſolute Erſchöpfung ankämpfte. Wo ſie ſich jezt befanden, konnten ſie nicht blei⸗ ben; es war hier weder Holz noch Waſſer, demnach auch nicht die geringſte Hoffnung vorhanden, Etwas zur Nahrung zu finden. Eine ſtarke halbe Stunde gerade vor ihnen ſahen ſie die Fläche von einem dichten Gebüſch begrenzt. Konnte man den Saum davon erreichen, ſo wollte man das Zelt aufſchlagen und bis morgen der Ruhe pflegen. Sie munterten ihren ſchwachen Freund wieder auf, unterſtüzten ihn auf beiden Seiten und ſchleppten ſich langſam vor⸗ wärts, keuchend, in Schweiß gebadet und beinahe ſelbſt vor Ermüdung umſinkend, bis ſie noch drei oder vier Bogenſchüſſe von dem Gebüſch entfernt waren. Hier fühlten ſie plözlich, daß Victor bleiſchwer auf ihre Arme zu drücken begann. Sie blieben ſtehen, faßten ihn um den Leib und fragten ihn, ob er ſich nicht wohl fühle. Er hatte nicht mehr die Kraft zu antworten. Sein Kopf fiel ihm auf die 174 Bruſt; die Arme hingen ihm ſchlaff und bewegungs⸗ los am Körper hinunter. Ein verzweiflungsvoller Angſtſchrei entſchlüpfte ſeinen Genoſſen. Sie ließen ihn zu Boden ſinken, nahmen ſeinen Kopf in ihre Arme und begannen unter bittern Thränen ſein unglückliches Schickſal zu beklagen, während ſie ihm Stirne und Hände mit Waſſer benezten. Victor lag da vor ihren Augen, gefühllos und mit der Bläſſe des Todes auf ſeinem Angeſicht. Wie ſehr ſie ſich auch bemühten, ihn ins Leben zurückzu⸗ rufen, er rührte ſich nicht, und es ſchien, als ob er nie mehr aus dem Todesſchlafe erwachen würde. Der Schrecken und die Verzweiflung von Dona⸗ tus waren grenzenlos; er raufte ſich die Haare aus riß ſich die Bruſt blutig auf, warf ſich auf den Kör⸗ per ſeines Freundes, umarmte ihn, benezte ihn mit Thränen und geberdete ſich ſo wahnſinnig, daß Creps nicht minder Mitleiden mit ihm, als mit Victor empfand. Ein Schrei unſäglicher Freude entſtieg der Bruſt des armen Jungen, als er endlich ſah, daß Rooze⸗ man die Augen öffnete. Er hob die Arme in die Höhe und rief flehend zum Himmel: „O, Dank, Dank, barmherziger Gott! Thue mit mir nach Deinem Willen, ſtrafe mich, überlade mich mit Leiden; aber er hat eine Mutter, ach, laß' ihn leben!“ Als er eine Weile ſeine Genoſſen gleich Jemand, der aus einem tiefen Schlafe erwacht, angeſtarrt hatte, ſuchte Victor ſie zu beruhigen und ihre Be⸗ ſorgniſſe zu heben. Er ſagte ihnen, er ſei nur von einer wohl aber f glaubt cheln waren ſich de St wolle Tages tor de Gehöl— Ka ſtunde windli Decke gut es ſich da in eine M Feuer denn e derſelb ſeine( machte aus, Armye hatte aber d Herzen gereich egungs⸗ chlüpfte ſinken, gannen ckſal zu de mit os und . Wie urückzu⸗ ob er rde. Dona⸗ re aus en Kör⸗ hn mit ß Creps Victor r Bruſt Rooze⸗ in die hue mit e mich ß emand, geſtarrt re Be⸗ ur von 175 einer gewöhnlichen Ohnmacht befallen worden; er ſei wohl äußerſt ermüdet und an Kraft erſchöpft, ſonſt aber fühle er ſich nicht krank. Creps und Donatus glaubten ihm anfänglich nicht; doch als ſie ihn lä⸗ cheln ſahen, verminderte ſich ihre Angſt; überdieß waren ſie machtlos gegen das Geſchick und mußten ſich dem bittern Verhängniß unterwerfen. Sobald das Zelt errichtet war, erklärte Kwik, er wolle in das Gebüſch eindringen, um den Reſt des Tageslichtes zur Jagd zu benüzen. Er empfahl Vic⸗ tor der Sorge von Jan Creps und eilte nach dem Gehölze hinweg. Kaum war Creps mit Roozeman eine Viertel⸗ ſtunde allein geblieben, ſo bezeugte er eine unüber⸗ windliche Luſt zu ſchlafen. Er ſtreckte ſeine eigene Decke auf dem Boden des Zeltes hin und machte, ſo gut es anging, eine Art Bett daraus. Victor legte ſich darauf nieder und ſchien nach wenigen Minuten in einen feſten Schlaf verſunken. Mit dem Kopf in den Händen ſaß Creps am Feuer; ſchmerzliche Gedanken mußten auf ihm laſten, denn er beugte ſich tief zur Erde, als wollte er in derſelben forſchen. Zuweilen lief ein Zucken durch ſeine Glieder; er ballte krampfhaft die Fäuſte, oder machte grimmige Geberden, oder ſtieß einen Seufzer aus, ſo hohl und heiſer, wie ein erſticktes Geheul. Es war beinahe dunkel, als Donatus mit einem Armvoll Senfblätter nach dem Zelte zurückkehrte. Er hatte Nichts als zwei kleine Vögel ſchießen können; aber dieſer Fang erfreute ihn dennoch von ganzem Herzen, da er dem armen Victor zu einer Erguickung gereichen konnte. 176 Schon unterwegs hatte er die Vögel gerupft und an einen kleinen Baumzweig geſteckt. Sie waren alſo beinahe auf der Stelle gebraten. Als man je⸗ doch Roozeman weckte, um ihm dieſe leckere Nahrung anzubieten, äntwortete er mit ſehr matter Stimme, er habe keinen Appetit und wünſche Nichts, als un⸗ geſtört ſchlafen zu können. Man möchte die gebra⸗ tenen Vögel auf morgen zu ſeinem Frühſtück auf⸗ bewahren. Sie kehrten zu dem Feuer zurück. Jan Creps nahm ſeine vorige Haltung wieder an und verſank in düſtere Gedanken. Er ſchien auf das, was Kwik ſagte, während er Senfblätter in dem Keſſel ſieden ließ, keine Acht zu geben. Creps genoß jedoch einen Theil von dem un⸗ ſchmackhaften Gericht, doch bekamen beide in Kurzem Eckel daran. Selbſt der rauhe Magen Kwik's ver⸗ ſchmähte es, ſich zum zweiten Mal mit der unver⸗ daulichen Koſt zu überladen. Nach einem langen Stillſchweigen ſezte ſich Do⸗ natus neben ſeinen träumeriſchen Kameraden und ſagte zu ihm ängſtlich: „Herr Jan, Sie ſind ganz anders als ſonſt. Fürchten Sie wirklich, daß unſer armer Freund in dieſer Wildniß ſterben möchte?“ „Wer verſichert uns, daß überhaupt noch Einer von uns mit dem Leben davon kommen wird,“ ant⸗ wortete Jan in düſterem Tone.„Unſer Loos iſt ſchrecklich; aber haben wir es nicht verdient? Iſt es nicht die Strafe unſerer Dummheit und Undankbar⸗ keit? Wie? Wir lebten in dem ſchönſten Vaterlande; an einem Orte, wo Freiheit, Recht, Fortſchritt und Civili ſchen! nicht Grenz in rei den er Wir k eines nige, Gold, Gold. wieder wahre unabh und d tern r digem wird! Stund kam,: gegen Ar ſchien tern. tem T „C lieren. kann rechte Alles nichts ruhig Co: pft und waren nan je⸗ ahrung timme, ls un⸗ gebra⸗ auf⸗ Creps verſank Kwik ſieden m un⸗ urzem s ver⸗ unver⸗ ch Do⸗ n und ſonſt. ind in Einer “ ant⸗ os iſt Iſt es nkbar⸗ lande; tt und Civiliſation auf einem und demſelben Throne herr⸗ ſchen! Wir hatten Eltern, Freunde; wir waren nicht arm; wären unſere Wünſche nicht über die Grenzen der Vernunft hinausgegangen, wir hätten in reichem Maße von dem Leben Glück und Frie⸗ den erwarten können. Und was haben wir gethan? Wir haben die Wohlthaten Gottes, die Wohlthaten eines freien Vaterlands verkannt, um als Wahnſin⸗ nige, die wir ſind, Alles zu verlaſſen, Du für das Gold, ich für ein unabhängiges Leben! Du haſt jezt Gold. Wird es unſerem armen Freunde ſeine Kräfte wiedergeben? Wird es uns vor dem Hungertode be⸗ wahren? Ich bin frei und unabhängig. Ha, ha, unabhängig wie ein wildes Thier, das ſeinesgleichen und die ganze Natur zum Feinde hat; der ſich füt⸗ tern muß mit den Kräutern der Erde, der bei leben⸗ digem Leibe von garſtigem Ungeziefer aufgefreſſen wird! Verflucht ſei unſere Dummheit, verflucht die Stunde, da mir der ſtrafbare Gedanke in den Sinn kam, verflucht unſere Undankbarkeit gegen Gott und gegen unſer edles Vaterland!“ Am Ende dieſes leidenſchaftlichen Ausbruches ſchien Jan Creps vor Zorn und Entrüſtung zu zit⸗ tern. Donatus faßte ſeine Hand und ſprach in ſanf⸗ tem Tone: „Ei, Herr Jan, Sie dürfen den Muth nicht ver⸗ lieren. Wir ſind allerdings nicht glücklich, und es kann wohl ſein, daß unſer ſchreckliches Loos eine ge⸗ rechte Strafe des Himmels iſt; aber was hat das Alles zu bedeuten, wenn unſerem Freunde Victor nichts Schlimmes widerfährt? Er ſchläft jezt ſo ruhig! Morgen wird er vielleicht ganz geneſen ſein. Con ſeience, das Golbland. M. 12 178 Wir wollen nicht mehr reiſen, viel ausruhen und einige Stunden des Tages auf die Jagd gehen. Ab⸗ geſehen von der Schwäche des armen Roozeman, weiß ich nicht, ob wir Grund zur Klage haben. Wir ſind noch auf keine reißenden Thiere, keine Strauch⸗ diebe, keine Wilden geſtoßen. Mich dünkt, daß wir Gott dafür danken ſollten.— Ei, Herr Jan, ich weiß wohl, daß das Mißgeſchick von Victor Ihnen ſolchen Kummer einflößt; aber ſeien ſie doch guten Muthes; er wird geneſen, ſage ich Ihnen; ſo kange er am Leben iſt, bleibt noch Hoffnung; nach Leiden kommen Freuden, und überdieß können wir nichts Anderes thun, als unſer Kreuz mit Geduld tragen bis ans Ende. Jan antwortete nicht viel auf dieſe tröſtende Rede. Er blieb noch eine Weile nachdenklich ſizen, ſtand dann auf und ſagte: „Lege Dich ſchlafen, Donatus; ich will wachen und nachſehen, ob unſer Freund Nichts nöthig hat. In zwei Stunden will ich Dich rufen. Wir wollen auf ſolche Weiſe einander ablöſen.“ „Himmel, wie erſchrecken Sie mich!“ rief Donatus. „Was fürchten Sie denn? Iſt Herr Victor denn ſo gefährlich krank?“ „Nein; aber er darf nicht unbewacht bleiben. Leg' Dich zur Ruhe, ich bitte Dich.“ Donatus kroch unter das Zelt, während Jan Creys ſeinen erſten Plaz wieder am Feuer einnahm. wechſ N dann Heftie men ſchien und! Der ſchreck das 2 lich ſt C Zelte Ihre Verzn ten, die l zählte U zulaſſ hielt ſein 7 mäßit geneſ Fiebe Leben zuneh n und i. Ab⸗ zeman, Wir trauch⸗ aß wir n, ich Ihnen guten lange Leiden nichts tragen öſtende ſizen, wachen i hat. wollen natus. enn ſo leiben. Jan nahm. in wechſelten ſelbſt einige erheiternde Worte, aber das Xl. Die Erlöſung. Nur ein paat Stunden hatte Victor geſchlafen; dann war ein ſtarkes Fieber eingetreten, welches an Heftigkeit immer mehr zunahm und endlich den ar⸗ men Jungen durch ſein Feuer verzehren zu wollen ſchien. Sein Kopf glühte, ſein Athem war trocken und heiſer; er hatte das Bewußtſein völlig verloren. Der einzige Laut, den er noch unter der Geißel des ſchrecklichſten Uebels hervorzubringen vermochte, war das Wort„trinken, trinken!“ welches er unaufhör⸗ lich ſtammelte. Creps und Donatus ſaßen unter dem dunkeln Zelte neben ihm, mit der Waſſerflaſche in der Hand. Ihre Thränen floſſen in der Stille; eine grenzenloſe Verzweiflung erfüllte ihr brechendes Herz. Sie fühl⸗ ten, daß der Tod zwiſchen ihnen ſaß und wie ſie hie lezten Seufzer ihres Freundes behorchte und zählte Um Mitternacht ſchien das Fieber ein wenig nach⸗ zulaſſen; denn der Kranke wurde ruhiger und ver⸗ hielt ſich eine ſtarke halbe Stunde lang ſtill. Da ſein Athem, obwohl ſchwer, dennoch frei und regel⸗ mäßig blieb, ſenkte ſich wieder die Hoffnung, ihn geneſen zu ſehen, in das Herz ſeiner Gefährten. Sie Fieber hatte ſeinen grauſamen Kampf gegen das Leben nur eingeſtellt, um ihn mit neuer Wuth auf⸗ zunehmen. 12* 180 Victor begann plözlich um ſich zu ſchlagen, zu zappeln und zu ſchreien, als ob unſichtbare Quäl⸗ geiſter ihn gemartert hätten. Die Wehklagen ſeiner Kameraden erfüllten das Zelt; ihr Haar ſtand ihnen zu Berge, denn ſie zweifelten nicht daran, daß dieſe heftigen Nervenerſchütterungen den lezten Todeskampf ausmachten..... 4 Endlich ſank der arme Victor, durch die vielen wilden Bewegungen erſchöpft, kraftlos auf ſein Lager zurück. Er begann laut zu keuchen, gleich einem Wettkämpfer, der nach hartnäckigem Streite über⸗ wunden auf der Arena niederſinkt. Allmählig wurden ſeine Athemzüge minder heftig. Dann änderten ſich die Symptome ſeiner Krankheit. Er begann mit Begeiſterung, freudiger Bewunderung und in dem ſüßeſten Ton der Liebe von dem theuren Belgien, von ſeiner guten Mutter und von ſeiner geliebten Lucia zu reden. Er begrüßte frohlockend den mäch⸗ tigen Thurm, der ſeine Vaterſtadt wie ein Coloß überragt; er ſah ſeine Mutter und umarmte ſie; er drückte vor Freude weinend die Hand ſeiner treuen Freundin; er pries Gott und dankte ihm mit brün⸗ ſtigem Gebete, daß er ihn reich an Schätzen und an Glück in das ſchöne Vaterland zurückgeführt hatte.... War durch die körperlichen Leiden und die Furcht vor ſeinem Tode das Herz ſeiner Freunde zerriſſen worden, wie marterte ſie jetzt der Anblick ſeines Irr⸗ ſinns! Wie ging jedes Wort ihnen gleich einem Meſſer durch das beängſtete Herz! Dieſer gefährliche Zuſtand dauerte ſehr lang; aber endlich verlor ſich die Stimme des Kranken in ein undeutliches Gemurmel, das ſchwächer und ſchwä⸗ cher w ſunken Donat bleibt Hoffnt iſt alſ neſen, aus u zerreiß mir, e mit m Di und ſe „ Sie!“ rief J „C gehen Wild; Es iſt Sie d nicht, mich r 32 Creps Wohlo 5 habe: nicht! n, zu Quäl⸗ ſeiner ihnen dieſe kampf vielen Lager einem über⸗ urden n ſich n mit dem lgien, iebten mäch⸗ Coloß e; er reuen brün⸗ id an einem lang; en in hwä⸗ cher wurde, bis er in einen ruhigen Schlummer ver⸗ ſunken ſchien. „Ha, das ſchreckliche Fieber iſt weg!“ jubelte Donatus.„Er wird noch das Tageslicht ſehen! Es bleibt noch Hoffnung, Herr Jan, es bleibt noch Hoffnung!“ „Noch Hoffnung?“ murmelte Creps.„Dein Muth iſt alſo Nichts als Verblendung! Könnte er auch ge⸗ neſen, es würde ihn Nichts nützen. Was ſoll noch aus uns Allen werden, mein Himmel! Der Hunger zerreißt mir die Eingeweide; der Kopf ſchwindelt mir, es wird düſter vor meinen Augen; es geht aus nit min 6 Donatus faßte nach Etwas in der Finſterniß und ſagte .„Da, da, eſſen Sie! Um Gotteswillen eſſen Sie „Wie? die Vögel? die Nahrung, die ihm gehört?“ rief Jan mit Abſcheu.„Niemals, lieber ſterben!“ „Eſſen, ſage ich Ihnen; ich werde in das Gehölz geben Ja, ja, ich werde ein anderes Stück Wild finden und müßte ich es unter der Erde ſuchen. Es iſt da draußen nicht ganz dunkel. Eſſen, nehmen Sie die Vögel, ich will es. Widerſetzen Sie ſich nicht, oder ich fliehe fort von hier, und Sie ſehen mich niemals wieder!“ „Ach, welche grauſame Nothwendigkeit!“ ſeufzte Creps.„Der Hunger iſt ein unerbittlicher Tyrann. Wohlan, iß Du gleichfalls einen Vogel.“ „Ich?“ rief Donatus.„Daß ich keinen Appetit habe und es meinem Magen wohl iſt, will ich gerade nicht behaupten; aber ich kann noch ein paar Stun⸗ 182 den warten. Halten Sie alſo vertrauensvoll bei dem armen Victor Wache! Es iſt möglich, daß ich erſt mit dem hellen Tage zurückkehre. Dießmal werde ich von der Jagd nicht ablaſſen, als bis ich Wildbret genug habe, um uns mit einander an einem reich⸗ lichen Mahle gütlich zu thun. Leben Sie wohl, auf baldiges Wiederſehen!“ Mit dieſen Worten eilte er aus dem Zelte und verſchwand. Victor ſchien zu ſchlafen und rührte ſich nicht mehr. Creps blieb neben dem Bette ſizen, bis der helle Tag in das Zelt drang. Er hatte einen der beiden Vögel gegeſſen und den andern zur Seite auf ſeinen Ranzen gelegt. Sehr oft ſchaute er mit flammenden Augen darauf hin und ſtreckte die Hand aus, ihn zu ergreifen; aber der Gedanke, Donatus könnte mit leeren Händen zurückkehren und Victor bei ſeinem Erwachen vergeblich nach einem Mundvoll zu eſſen begehren, erfüllte ihn mit Abſcheu, und er wandte immer die Augen wieder nach dem Kranken, um neue Kraft gegen den Zauber zu finden. Bereits mußte die Sonne hoch über das Thal aufgeſtiegen ſein, als Kwik an dem Eingang des Zeltes ſich zeigte und ängſtlich fragte, wie es mit dem armen Victor ſtünde. Er hatte ſich in ſeiner Hoffnung auf eine reiche Jagdbeute betrogen; aber er brachte dennoch genug, meinte er, um wiederum einen halben Tag gegen Hungersnoth geſichert zu ſein. In der einen Hand hielt er ein Thierchen wie eine Ratte, in der andern einen ſchwarzen Vogel gleich einem Raben. Das Feuer wurde angezündet, die Ratte abge⸗ zogen, die Fl gehabt Goldſt Fleiſch von d und d dieſen ihn ge ſagen ſich di nichts nicht geſchn Vergn wie n gen) D V zurück noch marſch Wildn ſtüzen Er h wecker E ſahen er mi und 1 J bald i dem h erſt de ich ldbret reich⸗ l, auf e und nicht is der beiden ſeinen tenden „ ihn te mit ſeinem eſſen vandte neue Thal Zeltes armen auf rachte aen n der Ratte, einem abge⸗ zogen, der Rabe gerupft und beide an Stöcken in die Flamme gehalten. Kaum hatten dieſelben Zeit gehabt, ganz warm zu werden, ſo rißen die hungrigen Goldſucher ſie in Stücke und verſchlangen das blutige Fleiſch mit fieberiſcher Wolluſt. Von der Ratte und von dem Raben hoben ſie ein Theil für Victor auf, und damit es beſſer und weicher werde, hielten ſie dieſen Theil noch einmal über das Feuer und ließen ihn genügend braten. „Ich habe von den Tagen meiner Kindheit an ſagen hören, die Ratten ſeien giftig,“ murmelte Kwik. ſich die Finger ableckend,„aber es gibt wahrhaftig nichts Schmackhafteres in der Welt, ſelbſt den Schwanz nicht ausgenommen..... Ach, wie habe ich da geſchwelgt! Mein ganzes Eingeweide hüpft noch vor Vergnügen darüber! Wenn Victor nur wach wäre, wie würden ihn die Rabenhinterſtücke und die ſafti⸗ gen Rattenſchinken erquicken!“ Das Eſſen hat mir Verſtand und Muth wieder zurückgegeben,“ ſagte Creps.„Es iſt in der That noch Rettung zu hoffen. Wir müſſen aufbrechen, marſchiren und immer marſchiren, um aus dieſer Wildniß hinauszukommen, Wir wollen Victor unter⸗ ſtüzen und ihn tragen. Wir wollen oft ausruhen. Er hat jezt ſchon lang geſchlafen; wir wollen ihn wecen 6 Ein Freudenſchrei entſchlüpfte ihrer Bruſt. Da ſahen ſie Victor aufrecht vor dem Zelte ſtehen, wie er mit der einen Hand an der Querſtange ſich hielt und mit ſtillem Lächeln ſie betrachtete. Ihre Freude war jedoch von kurzer Dauer. So⸗ bald der arme Roozeman einen Schritt vorwärts 184 thun wollte, brachen ſeine Beine unter ihm zuſammen, und ſchwer wie ein Kloz fiel er mit dem Rücken gegen den Zeltpfahl zurück. Die Andern ſprangen hinzu, nahmen ihn in die Arme und richteten aller⸗ lei ſüße Worte an ihn, um ihn zu tröſten und zu ermuthigen. Sie zitterten vor Angſt; Victors Antliz war todesblaß, ſeine Augen ſchienen verglast und gebrochen, um ſeinen Mund ſpielte das krampfhafte Zucken des Todeskampfes. Er faßte von jedem ſeiner Genoſſen eine Hand, drückte ſie ſanft und ſprach mit ſchwacher, doch klarer Stimme: „Meine lieben Freunde, hört mich an. Ich habe eine Bitte an Euch, ich habe eine lezte Wohlthat von Eurer Liebe zu erflehen. Verſprecht mir, daß ihr es mir gewähren wollt.“ „Alles, Alles, ſelbſt unſer Leben!“ antworteten ſeine Kameraden. „Betrachtet mich wohl, mein Leben iſt zu Ende. Die Natur kann in mir noch Stunden lang, noch einen ganzen Tag vielleicht ringen und dem Tode Widerſtand leiſten..... aber daß ich niemals mehr das Sacramentothal ſehen werde, das iſt dort oben unwiderruflich beſchloſſen...... Donatus wollte ihm den Mund ſchließen; Jan Creps benezte ſeine Hand mit heißen Thränen. „Nein, hört mich an; ich kann beinahe nicht mehr ſprechen,“ fuhr er fort.„Ihr habt Unrecht, Freunde, Eure Liebe kann mir wenig helfen. Ich bin Euch ein Hinderniß, eine Laſt. Jamit, daß ihr mich ret⸗ ten wollt, opfert ihr Euch ſelbſt. Ich flehe Euch an, laßt mich nicht ſterben mit der gräßlichen Ueberzen⸗ gung Tode aus A Geno der ihm zu er gen dann das aber Wart ein e Kehrt bring ſagt Nam ein(G im S ten ſi liche am L I als e den überr ihn; C nmen, ücken angen aller⸗ nd zu Antliz und fhafte Hand, klarer habe t von ihr rteten Ende. noch Tode mals dort Jan mehr unde, Euch ret⸗ an, rzeu⸗ gung, daß ich die Urſache Eures Unglücks, Eures Todes bin. Ueberlaßt mich meinem Looſe; flieht aus dieſer Wildniß und rettet Euer theures Leben!“ Mit einem Rufe des Abſcheus verwarfen ſeine Genoſſen dieſe Bitte; ſie gelobten, mit ihm in der Wüſte entweder zu unterliegen, oder mit ihm dem ſchrecklichen Looſe, welches ſie bedrohte, zu entgehen. Er wartete, bis ſie mit den Bezeugun⸗ gen ihrer Ergebenheit zu Ende waren, und nahm dann, als ob er ſie nicht verſtanden hätte, wieder das Wort. „Ihr liebt mich, ich weiß es, theure Freunde; aber zweifelt ihr denn an meiner Liebe zu Euch? Warum drei Schlachtopfer, wenn das Schickſal nur ein einziges begehrt? Seid gerecht und vernünftig. Kehrt zurück nach unſerem betrauerten Vaterlande, bringt meiner Mutter mein leztes Lebewohl; ſagt ihr, ſagt Lucia, daß ich geſtorben bin mit ihrem theuren Namen auf den Lippen, daß mein lezter Seußzer ein Gebet für ihr Glück war!“ Creps und Kwik waren wie vernichtet. Den Tod im Herzen tragend und alles Muthes beraubt, knie⸗ ten ſie neben dem Kranken und brachten nur undeut⸗ liche Worte hervor, um die gänzliche Verzweiflung am Leben, die aus ihm redete, zu bekämpfen. Plözlich ſtand Donatus auf, ſchüttelte den Kopf, als erwache er aus einer Gedankenverwirrung, ergriff den Laſſo und ein Beil und ſagte zu Creps: „Ha, nicht mit Thränen kann man das Unglück überwältigen. Bleiben Sie bei Victor; tröſten Sie ihn; ich will ein Mittel zu ſeiner Rettung ſuchen.“ Eine halbe Stunde ſpäter kehrte Kwik mit Etwas, 186 das wie eine Leiter ausſah, auf ſeinem Rücken wie⸗ der. Es waren zwei lange Stangen. Darauf hatte er mit Stücken von dem Laſſo einige Querhölzer be⸗ feſtigt und dazwiſchen viele biegſame Zweige gefloch⸗ ten. Indem er dieſes Gerüſte von den Schultern warf, rief er: „Schaut hier das Mittel. Es iſt eine Tragbahre; wir legen das Segeltuch vom Zelte darauf und machen aus unſern Decken ein Kopfkiſſen..... Ja, Herr Victor, es hilft Nichts, ſich zu weigern; Sie ſind hier nicht Meiſter. Wir werden verſuchen, Sie aus der Wildniß hinwegzubringen, und müßte ich Ihnen ſogar Gewalt anthun und Sie auf die Tragbahre binden, Sie ſollen mit, ſo lang noch ein Schlag Ihres Herzens übrig bleibt. Kommen Sie, Jan, jede Minute iſt für uns ein Jahrhundert werth. Wir haben gegeſſen; ſpucken Sie in die Hände und vorwärts, vorwärts!“ Troz ſeiner Klagen wurde Victor auf die Bahre gelegt. Die geringſte Berührung ſchien ihm furcht⸗ bare Schmerzen zu verurſachen; aber ſeine Gefährten ließen ſich dadurch nicht abhalten und ſchritten, wie von Geißelhieben verfolgt, quer durch das Gehölz vorwärts. Victor mußte wohl ſehr krank ſein. Während der Abweſenheit von Donatus hatte Creps ihm Nah⸗ rung angeboten, aber er hatte dieſelbe mit Eckel ab⸗ gewieſen. Das Gefühl des Hungers war bereits in ihm erloſchen. Noch zwanzigmal wiederholte er ſeine Bitte. So oft ſeine Freunde ſtill hielten, um Athem zu ſchöpfen, faltete er die Hände und flehte ſie an, ſich ſelbſt zu retten klagte unert gnügt ein w ihren A mit 1 hattet Bruſt ſeiner der, zur G S noch Ich grauſ G der 2 in ſ e Grab Stell Gedä ſezlic ihnen I Bewe Schil hatte be⸗ loch⸗ ltern hre; und ern; chen, üßte die ein Sie, erth. und ahre cht⸗ hrten wie ehölz ren Nah⸗ ab⸗ in So pfen, ſt zu retten und ihn ſeinem Schickſal zu überlaſſen. Er klagte zugleich, daß das Liegen auf der Bahre ihm unerträgliche Pein verurſache; aber die Andern be⸗ gnügten ſich damit, die Zweige auf der Bahre wieder ein wenig niederzudrücken, und traten, ohne umzuſehen, ihren beſchwerlichen Marſch wieder an. Als ſie ungefähr zwei Stunden zurückgelegt und mit unbeſchreiblicher Mühe eine breite Fläche erreicht hatten, entſtieg unerwartet ein Schmerzensſchrei der Bruſt des Kranken und ein Thränenſtrom drang aus ſeinen Augen. „O, ihr martert mich unbarmherzig!“ jammerte er.„Halket an! Die Bahre zerreißt mir die Glie⸗ der, ſie drückt mir das Herz zuſammen. Legt mich zur Erde, legt mich zur Erde, oder ich ſterbe!“ Sie ſezten die Tragbahre nieder.— Victor rief noch flehend: „Herab! Um Gotteswillen, nehmt mich herab! Ich will nicht weiter. O, Freunde, ſeid nicht ſo grauſam; gönnt mir einen ruhigen Tod!“ Ein wilder Schrei der Verzweiflung erſcholl aus der Bruſt von Creps; er wühlte mit den Händen in ſeinem Haare und murmelte: „Unmächtig! Gott will es, die Wüſte ſoll unſer Grab ſein. Wohlan, ſterben wir zuſammen an dieſer Stelle. Vertilgt ſei ſelbſt unſer Gedächtniß! Das Gedächtniß an drei Wahnſinnige, die hieher den ent⸗ ſezlichſten Tod zu ſuchen kamen, während das Glück ihnen in ihrem Vaterlande zulächelte!“ Plözlich ſprang Donatus mit einer gewaltigen Bewegung auf und ſtreckte lachend und gleich einem Schilfrohre zitternd, den Finger aus. 188 „Was, was hörſt Du?“ rief Jan Creps. „Still! ſtill! Ach ich täuſche mich nicht! Horcht, dort in der Ferne, ſehr weit weg! Ja, ja, Glöck⸗ chen, Mauleſel, Gott, Rettung!“ Und wie ein Pfeil, der vom Bogen obſchnellt, flog Donatus über die Fläche und verſchwand aus den Augen ſeiner Genoſſen. Nachdem er eine Viertelſtunde immer in der durch das Geläute der Glöckchen angedeuteten Richtung fortgelaufen war, ſah er einen Trupp von wohl ſechzig Mauleſeln, welche mit ihren Treibern in einer langen Linie dahinzogen. Als er an der Spize des Trupps angekommen war, fiel er mit aufgehobenen Armen nieder und flehte mit feurigen Worten die überraſchten Männer um Hülfe an. Obwohl er in drei oder vier Sprachen ihnen ſeine Noth zu erklären ſuchte, verſtand ihn doch Niemand. Man betrachtete ihn als einen armen Wahnſinnigen. Einige hatten Mitleid mit ihm, Andere lachten über ſein ſeltſames Gebahren. Indeſſen kam die Hinterhut des Trupps allmälig näher, und die Mauleſeltreiber ſammelten ſich um Donatus, welcher ſich wieder erhoben hatte und durch allerlei Zeichen ihnen begreiflich zu machen ſuchte, was er ſagen wollte. Unerwartet trat ein junger Mann, der etwas hinkte, auf ihn zu. Dieſer ſah ihn eine Weile an, ſtieß einen Schrei aus, flog ihm an den Hals und drückte ihn in ſeine Arme. „O, was für ein Glück!“ rief Donatus.„John Miller, der Engländer? Es iſt Gott ſelbſt, der Sie ſendet. Er, der Ihnen einmal das Leben rettete, rcht, löck⸗ nellt, aus urch tung wohl einer des enen die erin ären htete atten mes tälig urch ichte, twas an, und John Sie ttete, Victor Roozeman liegt dort hinter der kleinen An⸗ höhe im Sterben. Kommen Sie, kommen Sie, ver⸗ gelten Sie ihm die Wohlthat. Vielleicht können Sie ihn noch vor dem Tode behüten! Aber da er bemerkte, daß der gerührte Englän⸗ der achſelzuckend ihn anſah, ſagte er: „La bas; Victor Roozeman, sick, very sick; Vou come, tout de suite; anders too late, too jate!“ 4) Er begleitete dieſe Worte mit ſo deutlichen Ge⸗ berden, daß John Miller ihn ſehr gut verſtand. Der Engländer rief einen alten Treiber herbei, wechſelte einige Worte mit ihm, gab denjenigen, welche um ihn herum ſtanden, einige haſtige Befehle, und eilte mit Kwik über die Fläche voraus. Alle Mauleſel wurden in Trab geſezt und folgten ihnen. Als ſie den Fuß einer kleinen Anhoͤhe erreicht hatten, ſchrie Kwik aus aller Kraft: „Hurra, hurra, Gott iſt gnädig! Hier iſt Hülfe, hier iſt Rettung, unſer Freund, John Miller!“ Nachdem er Jan Creps umarmt hatte, ließ der Engländer ſich neben dem kranken Victor nieder, faßte ſeine Hand und gab ſich alle Mühe, die Hoffnung auf eine gewiſſe Geneſung in deſſen Buſen anzu⸗ fachen. Er dankte dem Himmel, von dem er ſichtbar ihm zu Hülfe geſandt worden ſei, und verſicherte ihm, keiner von ſeiner Geſellſchaft werde dieſe Stelle verlaſſen, ehe ſie einen entſchiedenen Sieg über die Krankheit davon getragen hätten. Es befand ſich *) Da unten; Victor Roozeman; krank, ſehr krank; kom⸗ men Sie, ſogleich; ſonſt zu ſpät, zu ſpät. A. d. U⸗ 190 unter dem Trupp ein alter Mexikaner, der alle Krank⸗ heiten von Kalifornien kannte, deßgleichen erprobte Heilmittel zu deren Bekämpfung wußte. Dieſer Mexikaner ſtand bereits neben ihm mit zehn andern Genoſſen und drei oder vier Laſtthieren. „Nun Pablo,“ ſagte John Miller,„betrachte die⸗ ſen armen Jüngling. Kannſt Du ihm zur Geneſung verhelfen, ſo gebe ich Dir hundert Piaſter.“ Pablo heftete eine Weile das Auge auf den Kranken. „Es iſt ſeltſam,“ murmelte er, den Koypf ſchüt⸗ telnd.„Ich begreife es nicht: iſt es das Fie⸗ ber der Placeres, ſo muß ich bekennen, daß es mir niemals mit ſolchen Zeichen vorgekommen iſt. Wenn dieſer Gentleman, der Engliſch ſpricht, mir erklären wollte, wo und ſeit wann ſein Kamerade krank gewor⸗ den iſt?“ Creps erzählte ihnen von ihren großen Leiden, ihrer ſchweren Arbeit und von dem eiskalten Ab⸗ grund, in dem ſie untergetaucht waren. Bei dieſer lezten Andeutung ſchlug ſich der Mexi⸗ kaner freudig vor die Stirne und rief: „Ich hab es! Hundert Piaſter. Ich werde ihn geſund machen!..... Feuer, Feuer; ſpaniſchen Wein heiß gemacht! Gebt mir die Medicinbüchſe. Bringt viele Decken. Beeilt euch, Freunde!“ Donatus bot Victor das gebratene Vögelchen an; aber der Mexikaner riß es ihm aus den Hän⸗ den, während er auf Engliſch ihn zurechtwies. „Eſſen, Unvorſichtiger! Eſſen iſt tödtlich.“ Roozeman ſah allen dieſen Vorkehrungen mit ſchwachem Lächeln und hoffnungslos zu. Er hielt die ſie 3 flüſte Tode oder ein dens ken! ihm kam ſel. hinei hielt Victe und zu n Bitte ſo w entfet Piaſt 1 abgel Zelte an u bereit ſchrec waret chen rank⸗ wobte nmit ieren. e die⸗ eſung f den ſchüt⸗ Fie⸗ s mir Wenn klären ewor⸗ eiden, Ab⸗ Mexi⸗ e ihn iſchen üchſe. elchen Hän⸗ mit hielt die Hand John Millers in der ſeinigen und drückte ſie zum Zeichen der Dankbarkeit, indem er ihm leiſe flüſternd erklärte, daß er erfreut ſei, ihn vor ſeinem Tode noch einmal geſehen zu haben. Der Mexikaner begann neben Victor wohl ſechs oder ſieben Decken über einander zu legen und ſo ein Bett herzurichten, welches für die Kälte des Bo⸗ dens undurchdringlich war. Man legte den Kran⸗ ken darauf, und häufte ſo viele andere Decken über ihm zuſammen, daß er zu erſticken meinte. Jezt kam man mit dem heißen Wein in einer Blechſchüſ⸗ ſel. Der alte Pablo ſchüttete ein weißes Pulver hinein, welches er estracto de la quina*) nannte, und hielt die beinahe brennende Flüſſigkeit in einem Löffel Victor an die Lippen, indem er ihn aufmunterte und nöthigte, ein reichliches Quantum davon zu ſich zu nehmen. Creps und Donatus vereinigten ihre Bitten mit ſeinen Bemühungen, und es gelang ihnen ſo wohl, daß der Mexikaner vergnügt ausrief: „Gut, es iſt gut! Laßt mich jezt allein mit ihm; entfernt Euch ein Bischen. Ich werde die hundert Piaſter gewinnen; er wird geneſen!“ Unterdeſſen hatten die Treiber ihre Mauleſel abgeladen. Einige arbeiteten an der Errichtung der Zelte; fünf oder ſechs zündeten ein großes Feuer an und beſchäftigten ſich damit, das Mittagsmahl zu bereiten. Als Jan Creps in ſeiner Erzählung des ſchrecklichen Hungers, von dem ſie geplagt worden waren, erwähnte, hatte ihnen John Miller ein Zei⸗ chen gegeben. Sie beeiferten ſich nun, in möglich⸗ *) China⸗Extrakt. A. d. U. 192 ſter Geſchwindigkeit eine große Quantität geſalzenen Fleiſches zu ſieden und eine Art dicken Mehlbrei zu kochen. Bald brachte man die Keſſel und Schüſſeln her⸗ bei und nöthigte die ausgehungerten Freunde, ſich gütlich zu thun. Kwik, der bereits alle ſeine Fröhlichkeit wieder bekommen hatte, leckte ſich die Lippen und ſprach zu Creps. „Nun, nun, Herr Jan, ſagen Sie um Gottes⸗ willen nicht, daß es zu viel iſt. Es riecht ſo lecker! Wir ſind mit unſerer Rechnung zurück. Ich bin krank, ich bin raſend, ich will mich einmal rächen. Wahrhaftig, es iſt Brei, Brei, wie meine Mutter ſelig kochte, wenn ſie ihre Haube nicht verkehrt auf⸗ geſezt hatte!“ Er begann unter allerlei Faxen und fröhlichen Geberden ſo ſchnell und ſo viel zu eſſen, daß die Mauleſeltreiber ſich des Lachens nicht enthalten konn⸗ ten und einander hinwegdrängten, um den heißhun⸗ gerigen Burſchen in der Nähe zu betrachten. Aber als dieß Spiel eine Weile gedauert hatte und der Inhalt des Keſſels mit wunderbarer Schnelligkeit ſich verminderte, geriethen ſie wirklich in nicht gerin⸗ ges Erſtaunen. Sie hielten ſchweigend ihre Augen auf die Hände von Donatus gerichtet, welcher noch immer die Fleiſchſtücke und den dicken Brei mit einer Eßluſt verſchlang, als ob ſein Körper keinen Boden gehabt hätte. Während die verſtummten Mauleſeltreiber ihm noch murmelnd zuſchauten, ſprang er plözlich auf machte den BV ſollte haft e im H ſähe, Stark Rücket Freun und i chen ker n V geſchl Ange Blut ſtröm rauch geleg Z und auf horch Beka licher ter. füllte und Glar C zenen lbrei her⸗ ſich ieder ch zu ottes⸗ ecker! bin ichen. kutter auf⸗ lichen ß die konn⸗ ßhun⸗ Aber der igkeit gerin⸗ lugen noch einer goden ihm h auf machte einen närriſchen Luftſprung, ſchlug ſich auf den Bauch und rief: „Ich und mein Magen, wir ſind eins! Man ſollte wahrhaftig Hunger leiden, um nur ſo ſchmack⸗ haft eſſen zu können. Männer, Männer, das iſt wie im Himmel! Wann ich nur einen wilden Stier ſähe, ich wollte ihn mit meinem Kopf umrennen, Stark, ſtark? Soll ich einen Mauleſel auf meinem Rücken tragen?„... Aber Ihr verſteht mich nicht, Freunde. Es iſt verdrießlich, Ihr ſeid gute Jungen, und ich auch; wir ſollten ein Bischen zuſammen la⸗ hen Ich will einmal ſehen, ob unſer Kran⸗ ker noch nicht geneſen iſt.“ Victor ſchien zu ſchlafen; er lag wenigſtens mit geſchloſſenen Augen und bewegungslos da. Sein Angeſicht war glühend roth, als wäre ihm alles Blut nach dem Gehirn zuſammengelaufen. Der Schweiß ſtrömte von ſeiner Stirne; ſein Bett dunſtete und rauchte, als ob er in einem glühenden Dampfbade gelegen wäre. Der Mexikaner ſaß neben ihm, zwiſchen Jan Creps und John Miller, welche mit ängſtlicher Freudigkeit auf die ermuthigenden Ausrufe des alten Pablo horchten. Donatus hatte bereits mit den Mauleſeltreibern Bekanntſchaft gemacht. Er plapperte in allen mög⸗ lichen Sprachen und ſchnitt die ſeltſamſten Geſich⸗ ter. Die Gewißheit, daß Victor geneſen würde, er⸗ füllte ihn mit ſolcher Freude, daß er nichts als tanzte und ſang und ſeine verwunderten Zuſchauer auf den Glauben brachte, es ſei mit ihm nicht ganz richtig Conſcience, das Golbland. II. 13 im Kopfe und er habe ſeine fünf Sinne nicht bei⸗ ſammen. Der Kranke verharrte wohl drei Stunden in dem⸗ ſelben Zuſtande.... Nachdem er ihm die Hand auf das Herz gelegt hatte, ſtand der Mexikaner auf und ſagte erfreut: „Gracias a Dios!*) Er iſt gerettet: ich habe die hundert Piaſter gewonnen.“ Aber als man ihn verwundert und fragend an⸗ ſah, ſezte er hinzu: „Die Wirkung der Medicin iſt zu Ende. Da er ſie auszuhalten vermochte, ſo wird er geneſen. Er wird allerdings noch ſchwach bleiben; aber das hat Nichts zu ſagen. In einigen Tagen wird er voll⸗ kommen hergeſtellt ſein. Warten Sie noch eine Vier⸗ telſtunde, die Hize hört auf; er wird erwachen.... Man bereite ihm ein Bischen Mehl in Waſſer gekocht!“ Wirklich verminderte ſich die Röthe in dem Ge⸗ ſichte des Kranken allmälig, und der Schweiß trock⸗ nete auf ſeiner Stirne. Er öffnete die Augen, ſchaute verwirrt rings herum und murmelte dann: „Eſſen, eſſen! ach, ich vergehe vor Hunger!“ Ein Freudenſchrei entſchlüpfte ſeinen Freunden. Jan Creps erhob die Hände zum Himmel und lobte Gott mit lauter Stimme. Donatus ſchlug ſich an die Bruſt und zupfte ſich mit Gewalt an den Haa⸗ ren, während er ausrief: „Haltet mich feſt, bindet mich! ich bin närriſch! Ich werde mir ſelbſt vor Freude ein Unglück an⸗ thun. Ach, liebes Mexikanerchen, laß mich Dich *²) Gott ſei Dank. A. d U. bei⸗ dem⸗ Hand auf habe an⸗ er Er hat voll⸗ Vier⸗ i Ge⸗ trock⸗ aute 7 nden. lobte h an Haa⸗ iſch! an⸗ Dich doch einmal küſſen; ich würde mein Blut für Dich hergeben!“ Und mit dieſen Worten ſchloß er den alten Pa⸗ blo in die Arme und drückte ihn ſo gewaltig an ſeine Bruſt, daß derſelbe, in der Meinung, der tollköpfige Junge wolle ihn erſticken, um Hülfe rief. Man brachte die Schüſſel mit Mehlbrei und gab dem Kranken einige Löffel voll davon. Obwohl er noch um mehr bat, ließ der Merxikaner die Schüſſel entfernen und verſprach ihm, wenn er noch eine Stunde warte, werde er ihm noch mehr Brei und ein Stückchen Fleiſch dazu geben. Während Victor ſeine Freunde und ſeinen Retter umarmte und mit großer Freude ihnen erklärte, daß er wirklich, mit Ausnahme der Mattigkeit, nichts mehr von Schmerz und Krankheit in ſich fühle, waren andere Männer damit beſchäftigt, auf dem ſanfteſten Mauleſel eine Art von Lehnſtuhl oder Ruhebett her⸗ zurichten. Man half dem Kranken aufſtehen, legte ihm zwei⸗ und dreifache Kleider an und ſezte ihn auf den Mauleſel. Er lachte, er war glücklich; die Wildniß ließ ihren Raub los; er ſollte ſeine Mutter, ſeine Geliebte wiederſehen. Creps und Donatus ſchritten zu beiden Seiten von Victor einher, und frohlockten und munterten ihn auf und plauderten mit ihm von den Gegenſtänden ihrer Sehnſucht und von dem theuren Vaterlande. Ehe der Abend einbrach, hatte Victor zweimal mäßig gegeſſen. Er war in der That nicht mehr krank und genoß dieſe Nacht einen erquickenden Schlaf. Nach wenigen Tagen erreichten ſie das Städt⸗ 13* chen Sacramento, an dem Strome gleichen Namens. John Miller quartirte ſeine Freunde in dem beſten Hotel ein und überhäufte ſie mit Beweiſen ſeiner Ergebenheit, ohne zu geſtatten, daß ſie einen einzigen Dollar ausgaben. Er wies den Mauleſeltreibern ihre Fracht an und gab denſelben, als ſie nach den Pla⸗ ceres am Federfluſſe zurückkehrten, einen Brief an ſeinen Vater mit, worin er ihm meldete, in welchem Zuſtande er die flämiſchen Goldſucher, ſeine Retter, wieder gefunden hatte, und noch zu wiſſen that, daß er einige Zeit in Sacramento bleiben würde, um ſich ihrer anzunehmen. Sobald Victor ſich ſtark genug fühlte, um eine neue Reiſe zu unternehmen, begann er mit fieberi⸗ ſchem Verlangen auf ihren Abzug nach San Francisco zu dringen. Creps und Donatus ſehnten ſich nicht minder nach dem Augenblick, da ſie dem Boden von Kalifornien Lebewohl ſagen könnten, um die fröh⸗ liche Heimkehr nach dem Vaterlande anzutreten. John Miller brachte ſie auf das kleine Dampf⸗ boot, welches zu jener Zeit zweimal in der Woche zwiſchen den beiden Hauptſtädten des nördlichen Ka⸗ liforniens hin und herfuhr. Als ſie zu San Francisco ankamen, begaben ſie ſich geraden Weges nach dem Hafen, um zu ſehen, ob keine Schiffe nach Europa ſegelfertig wären. Sie trafen einen engliſchen Kapitän an, welcher binnen acht Tagen nach London abgehen wollte und um einen billigen Preis ihnen die Ueberfahrt auf ſeinem Schiffe zuſagte. John Miller wollte das verlangte Reiſegeld be⸗ zahlen und verſicherte ſie, ſein Vater würde es ſehr tens. eſten einer zigen ihre Pla⸗ f an chem etter, daß um eine beri⸗ cisco nicht von fröh⸗ mpf⸗ oche ———— übel aufnehmen, wenn er denjenigen, welche ihm ſei⸗ nen einzigen Sohn gerettet hatten, dieſen geringen Beweis ſeiner Dankbarkeit nicht gäbe. Creps und Roozeman weigerten ſich, dieſe lezte Wohlthat anzunehmen, da die drei Pfund Gold, welche Kwik auf der Bruſt trug, mehr als hinrei⸗ chend wären. Auf das unüberwindliche Andringen ihres edelmüthigen Beſchüzers gaben ſie endlich nach, unter dem Vorbehalte, daß Kwik jenes Gold als ſein ausſchließliches Eigenthum betrachten ſollte. Was ſie davon in London gebrauchen würden, um ſich anſtändig zu kleiden, ſollte nur ein Anlehen ſein und von ihnen ihrem Kameraden nach der Ankunft in Belgien zurückerſtattet werden. Troz des langen Widerſtrebens von Donatus zwangen ſie ihn, dieſe Bedingung anzunehmen. Da einmal die Sache entſchieden abgemacht war, freute ſich Kwik im Stillen über eine Fügung des Glücks, welche ihn in den Beſiz von mehr als drei⸗ tauſend Franes ſezte, ohne daß ſeine Freunde eigent⸗ lich Etwas dabei verloren hatten. Der Feldwächter von Natten⸗Haesdonk würde ohne Zweifel beim An⸗ blick einer ſolchen Summe minder barſch ſein.... und vielleicht, vielleicht die Hand ſeines Aennchens ihm zuſagen! Aber dann jagte ihm wieder ein ſchreck⸗ licher Gedanke Furcht und Zittern ein. Wenn der Feldwächter, aus Zorn über ihn, ſeine Tochter an einen Andern verheirathet hätte? Der arme Kwik würde dann in ſeinem Vaterlande Nichts finden als ſeine unwiderrufliche Verurtheilung zu ewiger Be⸗ trübniß. Während der acht Tage, welche ſie noch zu San Francisco zubrachten, beſchäftigte ſich Victor damit, eine kurze, doch getreue Erzählung ihrer Schickſale in Kalifornien abzufaſſen. Er fügte noch einen Brief für ſeine Mutter bei und theilte ihr mit, duß er und ſeine beiden Freunde ſich zwei oder drei Tage in London aufzuhalten gedächten, um ſich mit neuem Weißzeug und neuen Kleidern zu verſehen, und dieſe Zeit wahrnehmen würden, um ihnen die genaue Stunde ihrer Ankunft in der Vaterſtadt zu melden. Jan Ereps ſchrieb gleichfalls einen Brief an ſei⸗ nen Vater; Donatus krizelte einige Worte für den Feldwächter und für Aennchen nieder. Dieſe ſämmt⸗ lichen Berichte wurden der amerikaniſchen Poſt an⸗ vertraut, welche über die Landenge von Panama und mit Dampfſchiffen nach New⸗York und von da nach Europa geht. An dem beſtimmten Tage, als das Schiff den Anker lichtete und die Segel bereits unter dem Druck einer günſtigen Kühlte ſich blähten, umarmten ſie der Reihe nach noch einmal ihren edelmüthigen Freund John Miller und vergoſſen Thränen der Dankbarkeit an ſeinem Herzen. Lang erklang noch ihr herzliches Lebewohl, während ſie ihren Retter ſich in einem Boote entfernen ſahen. Das Schiff, von Strömung und Wind begünſtigt, gelangte ſchnell durch die goldene Pforte; und die flämiſchen Freunde ließen ihr ſchallendes Hurra über das Weltmeer ertönen, deſſen Gewäſſer auch die Küſten von ihrem theuren Belgien beſpülen. mit, kſale Brief und e in euem dieſe naue lden. ſei⸗ den mmt⸗ an⸗ und nach den Druck e der eund arkeit liches inem iſtigt, d die über die XIV. Die Heimkehr. Das Dampfboot Soho, welches den Dienſt zwi⸗ ſchen London und Antwerpen verſah, kam ſeiner Ge⸗ wohnheit nach die Schelde heraufgefahren. Das mächtige Schiff ſpaltete die rollenden Wellen und ſchien gleich einem Siegeswagen, der von hundert unſichtbaren Roſſen gezogen wird, über den Strom hinzugleiten. Auf dem Verdeck befanden ſich viele Paſſagiere, den Blick nach der Stadt gerichtet, deren Kais und Gebäude in der Ferne vor ihrem Auge aufzutauchen begannen. Ihre Aufmerkſamkeit wurde jedoch nicht ſelten durch das ganz beſondere Beneh⸗ men von drei jungen Leuten, welche hart an dem Vorderſteven ſich befanden, abgezogen. Sie kamen wahrſcheinlich von einer weiten Reiſe her und muß⸗ ten den großen Ocean durchkreuzt haben, denn ihr Angeſicht war von der Sonnenhize tief gebräunt. Einer derſelben ſchwenkte die Arme in der Luft, oder tanzte, oder ſchrie, oder ſang in höchſtem Entzücken; die beiden Andern waren nicht minder fröhlichen Sinnes; ihr Antliz erglänzte von Begeiſterung, und in ihren Augen blinkten Thränen der Bewunderung und des Glücks. Derjenige, welcher ſich durch ſein lebhaftes Ge⸗ bahren bemerklich gemacht hatte, ſprang plözlich zur Seite, beugte ſich ſo weit über die Gallerie vor, daß er in den Fluß zu ſtürzen drohte, und rief dann frohlockend ſeinen Genoſſen zu: 200 „O, Herr Victor, Herr Jan, ich zittere vor Er⸗ regung wie Eſpenlaub. Sehen Sie dort an der Brücke einen Mann, mit einem Tſchako, es iſt der Feldhüter, der Vater von meinem Aennchen! O, lie⸗ ber Gott, er iſt nicht mehr böſe auf mich, wie würde er ſonſt von Natten⸗Haesdonk herkommen, um auf das Dampfboot zu warten und mir die Hand zu drücken? Und ſehe ich nicht ein Mädchen, ein Bauern⸗ mädchen neben ihm? Es iſt mein gutes Aennchen ſelbſt! Hurra, hurra!“ Seine Kameraden ſchauten nach der bezeichneten Stelle; aber ſie waren der Meinung, Kwik müſſe ſicherlich ſich getäuſcht haben, da das Schiff noch all⸗ zuweit von der Stadt entfernt wäre, als daß man die Leute, welche ſich auf dem Kai befänden, erkennen konnte. Donatus hielt jedoch mit klopfendem Herzen und ſtrahlendem Angeſicht den Blick auf das Werf ge⸗ richtet. Nach einer kleinen Weile entſchlüpfte ihm ein Schmerzensruf und er ſchlug ſich ſelbſt heftig vor die Stirne. „Nun, mein guter Donatus, was betrübt Dich?“ fragte Victor verwundert. „Es iſt bei Gott ein Soldat, den ich ſah,“ ant⸗ wortete Kwik ſeufzend,„und die Frau, die ich für mein Aennchen nahm, iſt ein Fiſchweib mit zwei Körben an den Armen! Was war es auch für ein dummer Einfall von mir, zu glauben, der Feldwächter von Natten⸗Haesdonk werde nach Antwerpen kommen, um mich zu begrüßen?“ „Das kannſt Du nicht wiſſen, Donatus. Er hat —„——— 1———ee— „— der lie⸗ ürde auf u ern⸗ chen eten rüſſe all⸗ die inen und ge⸗ vor ohne Zweifel Deinen Brief aus London erhalten,“ bemerkte Roozeman. „Ja, aber Sie kennen ihn nicht, Herr Victor, es iſt der ſtarrköpfigſte Menſch vom ganzen Lande. Wenn er einmal etwas beſchloſſen hat, könnte man ihn nicht mit vier Pferden davon abbringen.“ „Bah, bah,“ ſagte Creps,„wenn er liest, daß Du mit mehr als dreitauſend Francs heimkehrſt, wird ihm ſchon der Mund darnach wäſſern. Aber wundern darfſt Du dich nicht, wenn Du ihn auf dem Kai nicht bemerkſt; es iſt möglich, daß Dein Brief zu ſpät in ſeine Hände gelangte.“ „Ja, ja,“ brummte Donatus,„ich habe einmal wieder in meiner Freude die Haut des Bären ver⸗ kauft, ehe ich ihn geſchoſſen. Aennchen iſt vielleicht bereits verheirathet; aber ſollte es ſich wirklich ſo verhalten, ich liefe aus dem Lande, um niemals, nie⸗ mal 4 Das Dampfbvot war inzwiſchen der Stadt näher gekommen, und das Brummen wurde durch einen Freudenſchrei von Victor unterbrochen, welcher ganz außer ſich rief: „Da, da, meine Mutter, Lucia und ihr Oheim? Meine liebe Mutter!“ „Und mein alter Vater!“ jubelte Creps.„Sie ſehen uns, ſie geben uns Zeichen, ſie ſchwenken ihr Taſchentuch, der Kapitän ruft uns den Willkomms⸗ gruß durch ſeine Hände zu!“ Die entzückten Jünglinge hoben ihre Hüte in die Höhe und entſandten ein ſchallendes Hurra nach dem Kai. Sie waren wie wahnſinnig vor Freude, ſie drückten einander die Hände, ſie blickten andächtig 202 zum Himmel empor und dankten dem lieben Gott, der alle dieſe theuren Weſen bei Leben und Geſund⸗ heit erhalten hatte. Was waren ihre erduldeten Schmerzen, in Vergleich mit dem unermeßlichen Glück, das nun ihr klopfendes Herz überſtrömte? Während ſie fortfuhren, durch lebhafte Geberden und Freudenrufe ihre brennende Ungeduld an den Tag zu legen, landete das Dampfboot an dem Kai. Kaum war der Zugang möglich geworden, ſo lag Frau Roozeman in den Armen ihres geliebten Sohnes, und er drückte ſie an ſeine Bruſt und vergoß Thrä⸗ nen unendlicher Freude. Jan Creps hielt ſeinen alten Vater mit ebenſo viel Zärtlichkeit umarmt. Donatus Kwik ſagte Nichts, aber er theilte das Glück ſeiner Freunde und wiſchte ſich die Augen mit der Hand, um die Thränen zu trocknen, welche ſein Geſicht verdüſterten. Lucia ſtand daneben und erwartete zitternd Victors Gruß. Der Jüngling las ihr Verlangen auf ihrem ſanften Angeſicht; er flüſterte eine Entſchuldigung ſeiner Mutter ins Ohr und eilte auf die theure Freundin zu. Beide öffneten die Arme; aber eine lebhafte Röthe trat auf ihre Stirne und ſie faßten einander bei den Händen. „Lucia, gute Lucia,“ rief der Jüngling,„Dank, Dank, Sie haben mich nicht vergeſſen! Ich habe ſo viel gelitten; der Tod iſt mir vor den Augen ge⸗ ſtanden; Aber was ſind all die Schmerzen bei dem unausſprechlichen Glück, Sie wieder zu ſehen? O, Freundin, es iſt zu viel für mich, mein Herz klopft vor Freude, als wollte es brechen!“ Das Mädchen ſtammelte, von dem Leidenſchaft⸗ li ri „ 7 S it rs m 19 re ne en ſo e⸗ O, ft lichen ſeines Auges betroffen, einige unverſtändliche Worte; doch gleichſam froh, einen Ausweg zu finden, rief ſie plötzlich: „Victor, Victor, wo iſt der gute Donatus! Nächſt Gott haben wir ihm Deine Erhaltung zu verdanken. O, daß ich ihm meine tiefe Dankbarkeit für ſeinen Edelmuth bezeugen könnte!“ „Sieh' da meinen Retter,“ war die Antwort. Lucia ſchlug ihre Arme um Kwiks Schultern und umarmte ihn unter den feurigſten Ausdrücken der Erkenntlichkeit. Auch die Mutter von Victor und der Kapitän und der Vater von Jan Creps ſchloſſen ihn der Reihe nach in ihre Arme. Der verwirrte Junge wußte nicht, was er ſagen ſollte; es ſchwindelte ihm im Kopfe und er begann vor Erregung zu wei⸗ nen, während er undeutlich murmelte, er verdiene dieſe Freundſchaftsbeweiſe nicht, und Herr Victor habe ſie in ſeinen Briefen getäuſcht, da im Gegentheil die⸗ ſer auf der Reiſe ihm ſeinen Schutz und Beiſtand habe angedeihen laſſen. Das wenige Gepäck wurde einem Träger anver⸗ traut, und die glückliche Geſellſchaft verließ das Dampf⸗ boot, um nach Hauſe zurückzukehren. Noch immer wurden zärtliche Umarmungen und feurige Hände⸗ drücke gewechſelt; Alle ſprachen zu gleicher Zeit und jubelten und waren ſo ausgelaſſen vor Freude, daß die Vorübergehenden ſtehen blieben, um ihnen nach⸗ zuſehen. Als Kwik bemerkte, daß ſeine Freunde eine Sei⸗ tenſtraße einſchlagen wollten, faßte er Victors Hand und ſagte: „Nun, Herr Roozeman, leben Sie wohl. Mein 204 Weg geht nach dem Beguinenthor. In zwei oder drei Tagen komme ich, um Ihnen zu ſagen, ob man mich dort auch mit offenen Armen empfangen hat. Bin ich glücklich, dann komme ich mit meinem Aenn⸗ chen. Sie müſſen dieſelbe ſehen; Sie werden ſich wundern, ein Mädchen wie eine Roſe!“ „Was ſoll das bedeuten, Donatus? Wo willſt Du hin?“ „Können Sie fragen? Nach Natten⸗Haesdonk.“ „Nein, guter Donatus, gehen Sie mit uns,“ bat Roozemans Mutter.„Wir haben ein ſchönes Mit⸗ tagsmahl bereitet, um die Heimkehr von Victor und Jan zu feiern. Sie, ihr beſter Freund, dürfen bei dieſem fröhlichen Feſte nicht fehlen. Bleiben Sie bei uns über Nacht; morgen früh können Sie mit der Poſtkutſche abreiſen.“ „Unmöglich, Frau Roozeman,“ antwortete Kwik in traurigem Ton.„Ich habe keinen Augenblick Ruhe mehr, ehe ich wenigſtens weiß, ob ſie noch lebt, ſie, um deren willen ich nach dem ſchrecklichen Lande von Kalifornien gegangen bin.“ „Aennchen von Natten⸗Haesdonk meinen Sie? Sie lebt.“ „Ha! Kennen Sie dieſelbe, Frau Roozeman?“ „Gewiß! ſeit dem Empfang von Victors erſtem Briefe bin ich ſchon viermal in ihres Vaters Hauſe geweſen.“ „Iſt ſie verheirathet?“ „Nein, noch nicht.“ „Gott ſei Dank!“ rief Kwik.„Welcher erdrückende Stein fällt mir vom Herzen!“ tr N ni pf m er ir u S S S S „Sie iſt krank geweſen, das gute Mädchen,“ ſagte n Lucia,„aber jezt iſt ſie wieder geneſen.“ .„Krank geweſen, Fräulein? Schwer krank?“ „Nicht gerade ſchwer, Herr Donatus. Sie dachte h immer an Sie und weinte unaufhörlich vor Kummer. Ihr Vater will ſie mit aller Gewalt an den älteſten ſt Sohn des Hufſchmieds verheirathen.“ „Und ſie hat ſich aus Liebe zu ihrem armen Do⸗ natus geweigert?“ rief Kwik begeiſtert aus. t ſoll ihren Dank dafür haben, das brave Kind! Sehen Sie, Frau Roozeman, Sie mögen es glauben oder d nicht, aber müßte ich mir meine beiden Arme für ſie ei abſchneiden laſſen, ich würde ſagen: Schneidet zu, ei ſogleich!“ r Victor's Mutter ſchüttelte den Kopf mit einem Ausdruck von Mitleid. ik„O, Himmel!“ rief Donatus,„was bedeutet dieſer trübe Seufzer?“ e n„Nichts, mein Freund. Der Feldwächter von n Natten⸗Haesdonk iſt ein halsſtarriger Mann, es iſt nicht gewiß, ob er Sie Anfangs ſehr freundlich em⸗ 5 pfangen wird; aber verlieren Sie den Muth nicht, man kann nicht wiſſen.“ Der Ton, womit dieſe Worte geſprochen wurden, erfüllten Kwik mit ängſtlichen Ahnungen. e in Gedanken zu Boden, ſchien im Gehen zu wanken und murmelte in ſich ſelbſt hinein: „Es ſieht ſchön aus mit mir! Der Schmiedsſohn? Er iſt ein ſauberer Burſche; ſein Vater hat Geld. Wehe, wehe, es kommen Würmer in meine Käſe. e Mußte ich darum nach dem verwünſchten Lande Kali⸗ fornien gehen?“ 206 Lucia faßte ſeinen Arm und ſuchte ihm durch ſaft Worte wieder Hoffnung und Vertrauen einzu⸗ ößen. Man hatte die Wohnung von Frau Roozeman erreicht und ſchritt durch den Laden in ein großes hinteres Gemach, wo eine prächtige Feſttafel berei⸗ tet war. Kaum waren ſie eingetreten, ſo kam die Magd frohlockend mit der dampfenden Suppenſchüſſel her⸗ eingeeilt, und man nahm Plaz am Tiſche. Frau Roozeman ſezte ſich zwiſchen ihren Sohn und Donatus; der Kapitän und ſeine Nichte befan⸗ den ſich über ihnen, neben Jan Creps und ſeinem alten Vater. Jetzt begann unter dem Genuß der auserleſenen Gerichte das fröhlichſte, das lebendigſte Geſpräch. Hundert Fragen wurden an die heimgekehrten Rei⸗ ſenden über das Goldland und ihre Schickſale ge⸗ richtet. Sie mußten erzählen und wieder erzählen; man hörte ihnen die Worte am Munde ab; man lachte, man weinte, man war über die Maßen glücklich. Als Victor mit tiefem Gefühl erzählte, wie ein mexikaniſcher Vaquero ihm den Laſſo um ſeinen Leib geworfen und ihn hinter ſeinem trabenden Pferd hin⸗ wegſchleppte, um mit ihm von einer Anhöhe hinabzu⸗ ſprengen, da zitterten ſeine Zuhörer und ein Angſt⸗ ſchrei entſchlüpfte dem Buſen der erregten Lucia, — ober als er hinzuſetzte, wie Donatus Roß und Mann durchbohrt und ihn ſo von einem ſichern Tode befreit hatte, da erhoben ſich wieder laute Freuden⸗ rufe und Frau Roozeman, vor Rührung beinahe ——— — 8 8„ S S SCO)— e⸗ n n en in u⸗ ſt⸗ a, nd de he — außer ſich, ſchloß den verblüfften Kwik noch einmal in die Arme, und aus aller Mund ertönte ſein Lob. Victor hatte die Augen auf Lucia geheftet. Sie war ſo ſchön, ihr Lächeln ſo ſittig und ſo mild, die Seele, die in ihrem Blicke lebte, ſo rein und ſo liebevoll! Wohl ſuchte ein Gefühl der Angſt den Weg zu ſeinem Herzen zu finden. Er war ohne Vermögen, ohne Gold zurückgekehrt. Der Kapitän mochte ohne Zweifel ſeine früheren Forderungen wieder ſtellen. Alſo mußte der arme Victor die lange Prüfung von Neuem beginnen; und der innigſte Wunſch ſeines Herzens konnte ſich erſt verwirklichen, nachdem er eine unabhängige Exiſtenz in der Welt gewonnen hatte. Der Händedruck ſeiner theuren Mutter, der liebevolle Blick ſeiner ſüßen Freundin gab ihm jedoch Kraft genug, um dieſe traurige Be⸗ trachtung zu zerſtreuen, und er überließ ſich ſorglos dem Gefühl eines unendlichen Glückes. Jan Creps gab auf eine Bemerkung ſeines Va⸗ ters ſehr ernſt zur Antwort: „Höre, mein guter Vater, ich bin nun heimge⸗ kehrt, ärmer als ich wegging. Dieſe Reiſe hat mich gelehrt, daß man dem Vermögen nicht in fernen Landen nachlaufen darf, und daß unſer ſchönes Va⸗ terland denjenigen, die ihn durch Arbeit und Fleiß zu verdienen ſuchen, gleichfalls Wohlſtand bietet. Der Leichtſinn der erſten Jugend iſt nun vorüber. Ich werde eine neue Stelle auf einem Comptoir ſuchen; mir die Achtung und Liebe meines Principals durch Eifer und Liebe zum Geſchäft zu erwerben ſu⸗ chen. Sei deßhalb überzeugt, Du ſollſt zufrieden mit mir ſein!“ 208 Der Vater ſchien auf dieſe gut gemeinten Ver⸗ ſicherungen wenig Acht zu geben und antwortete mit einer Art geheimnißvollen Lächelns, man könne ſpä⸗ ter noch dieſe Angelegenheiten beſprechen. So war man endlich beim Deſſert angelangt. Der Kapitän Moreels ſchenkte die Gläſer voll und erklärte, er wolle den erſten Toaſt ausbringen. Sei⸗ nen Römer in die Höhe hebend, ſprach er: „Mein junger Freund Roozeman, ich bin die Urſache Ihrer Reiſe nach Kalifornien geweſen. Mein Zweck iſt erreicht; Sie haben die Welt geſehen und ſind ein Mann geworden, mit Erfahrung, mit Wil⸗ lenskraft und mit einem Bart um das Kinn. Aber da ich zugleich die Urſache von all den Gefahren und Leiden bin, welche Sie ausgeſtanden haben, ſo iſt es wohl gerecht, daß ich jezt meine Schuld gegen Sie abtrage. Wohlan, Freunde, das Glas in die Höhe! Ich trinke auf das Wohlergehen von Victor Roozeman und von ſeiner Braut Lucia Moreels! In ſechs Wochen ſoll die Hochzeit ſein. 4 Ein vierfacher Schrei unterbrach ſeine Rede. „Mein Gott, mein Gott!“ rief Victor mit em⸗ porgehobenen Händen,„Du überhäufſt mich mit Deiner Gnade! Habe Dank, habe Donk!“ „In meine Arme, in meine Arme,“ rief der Kapitän. Kaum war das Wort ihm aus dem Munde, ſo lagen Victor und Lucia weinend an ſeiner Bruſt und küßten und ſegneten ihn, bis er ſelbſt ſich aus ihren Armen losmachte und lachend ſagte: „Nun, nun, es iſt gut; ich weiß zur Genüge, daß Ihr einander aufrichtig liebet und glücklich ſein — — ie in id l⸗ er id iſt en ie or 81 — 209 werdet. Aendert nun Eure Pläze. Lucia ſoll neben ihrer zukünftigen Mutter ſizen; Du, Victor, bleibſt neben mir; ſonſt könntet Ihr wohl in einer halben Stunde alle die Worte des Entzückens erſchöpfen, die Ihr zuſammen wiſſet.“ Lucia lief zu Frau Roozeman, ſank neben ihr auf den Stuhl, umarmte ſie, weinte Thränen an ihrer Bruſt und redete ſie in ihrer Glückſeligkeit mit dem ſüßen Mutternamen an. Victor betrachtete dieſe Liebesbezeugungen ſeiner Braut mit klopfendem Her⸗ zen und mit funkelnden Augen. Der Vater von Jan Creps ſtand auf und zeigte durch Erhebung ſeines Glaſes an, daß er gleichfalls das Wort nehmen wollte. Er wandte ſich zu ſeinem Sohne und ſprach: „Jan, Du haſt mir ſo eben verſprochen, mit Eifer arbeiten zu wollen, um Dir im Vaterlande ſelbſt eine unabhängige Exiſtenz zu gewinnen. Es hat mich erfreut; denn es verdoppelt den Werth der guten Botſchaft, welche ich Dir zum Willkomm zu verkündigen habe. Mein Handelsgeſchäft iſt während Deiner Abweſenheit ſehr gut gegangen, und ich kann nun, um das Glück meines Sohnes zu ſichern, ſchon einige Opfer bringen. Ich habe mich mit Kapitän Moreels verſtändigt; wir werden die nöthigen Mit⸗ tel zuſammenſchießen, um ein Handelshaus in Colo⸗ nialwaaren zu gründen. Die Mittel ſchenken wir den theuren Kindern, welche Gott nach ſo vielen Leiden und Prüfungen wohlbehalten in unſere Arme zurückgeführt hat. Wohlan, Freunde, ich trinke auf die Wohlfahrt des neuen Handelshauſes unter der Conſcience, das Goldland. II. Firma: Jan Creps, Victor Roozeman und Comp.!“ Ein allgemeines Beifallklatſchen ertönte durch das Gemach. Creps umarmte ſeinen Vater mit inniger Dankbarkeit und war beſonders erfreut darüber, daß eine ſolche Anordnung ſeine künftigen Intereſſen mit denjenigen von Victor, ſeinem treuen Lebensgefähr⸗ ten, vereinigte. Der Kapitän fügte noch hinzu, es ſei beſchloſſen worden, daß Frau Roozeman mit ihrem Sohn bei ihm wohnen ſollte. Sie würden demnach, ſo zu ſa⸗ gen, alle zuſammen nur eine einzige Familie bilden und bis zum Ende ihres Lebens durch das Band einer unauflöslichen Freundſchaft vereinigt bleiben. Plözlich begann Donatus laut zu ſchluchzen und legte den Kopf auf den Tiſch, um ſeine Thränen zu verbergen. Man umringte ihn und bemühte ſich, ihm Troſt zu geben; denn man zweifelte nicht da⸗ ran, daß der hoffnungsloſe Stand ſeiner Angelegen⸗ heiten zu Natten⸗Haesdonk die Urſache ſeiner Betrüb⸗ niß wäre. Es mußte ihm allerdings ins Herz ſchnei⸗ den, ſeine Freunde ſo ungemein glücklich zu ſehen, während er bei ſeiner Heimkehr wahrſcheinlich nur Gründe zu ſeinem bitterſten Kummer finden würde. Es dauerte eine Weile, ehe Kwik ſeiner Bewe⸗ gung Meiſter wurde und den Kopf wieder von der Tafel aufhob. Ein ſtilles Lächeln erglänzte durch ſeine Thränen und er ſagte: „Sie irren ſich, gute Menſchen; es iſt die Freude, die mich überwältigt. Ja, ich denke an mein armes Aennchen; aber müßte ich auch ſelbſt unglücklich ſein, ſo ſoll das Glück meiner lieben Kameraden mich trö⸗ nd s ger aß mit hr⸗ ſſen bei ſa⸗ den and n. und zu ſich, da⸗ gen⸗ rüb⸗ ei⸗ hen, nur de. ewe⸗ der urch ude, mes ſein, trö⸗ In unſerem Verlage ſind erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Biographien berühmter Erfinder und Entdecker der Nenzeit. Erſter Band: Georg Stephenſon, 2. Auflage. 80. 32 Bogen mit einem Holzſchnitt. Zweiter Band: James Watt, 21 Bogen mit 8 Holzſchnitten. Preis in engliſchem Einband mit Goldſtempeln jeder Band Thlr. 1— fl. 1. 45 kr. Sicherlich ſind die Anfänge und Endziele der jetzigen Induſtrie⸗Epoche nie großartiger aufgefaßt worden, als in beiden vorſtehenden Biographien. Wo ließe ſich auch dem Scharfſinne und der Beharrlichkeit eines James Watt, eines Georg Stephenſon gleich Großes an die Seite ſtellen! So unwiderſtehlich iſt der eigenthüm⸗ liche Reiz welcher dieſe Lebensbeſchreibungen umgibt, daß jeder Roman daneben erblaßt. Der Geiſt, ſtets in die Schranken des wirklichen Lebens gebannt, gewinnt an innerer Spannkraft, der Charakter des Jünglings wird geſtählt durch ſo edle Beiſpiele; und endlich find über das innere und äußere Leben der beiden großen Männer ſo viele und intereſſante Aufſchlüſſe gegeben, daß dieſe Biographien als endgültige angeſehen werden können. Nicht leicht wird es ein Buch geben, das geeigneter wäre, die ſtrebſame Jugend unſeres deutſchen Vater⸗ landes auf der Bahn praktiſcher Bildung zu befeuern und zu edlem Nacheifer anzuſpornen, als obige Bio⸗ graphien. Erzählungen von Hermann Kurz, Verfaſſer von„Schiller's Heimathjahre.“ Neue vermehrte Sammlung. 3 Bände eleg. broch. à Band Thlr. 1.— fl. 1. 36 kr. Inhalt: Eine reichsſtädtiſche Glockengießerfamilie. — Wie der Großvater die Großmutter nahm.— Das Wittwenſtüblein.— Bergmärchen.— Das weiße Hemd. — Den Galgen! ſagt der Eichele.— Die Zaubernacht. — Das Schattengericht.— Das Arkanum.— Die blaſſe Apollonia.— Neun Bücher Denk⸗ und Glaubwürdig⸗ keiten.— Wiederfinden.— Ein Herzensſtreich.— Das Horoſcop.— Das gepaarte Heirathsgeſuch.— Der Feu⸗ dalbauer.— An der Wiege.— Ein Donnerwetter im Hornung.— Jugenderinnerungen. Jeder Band bildet ein ſelbſtſtändiges Ganzes und wird einzeln verkauft. Stuttgart. Franckh'ſche Verlagshandlung. .—.