eihbiblivthek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht rf fangnahme und Mückgabe der Bücher jeden Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines gelie henen B jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt beträgt: ho zur Em Tag von Morgens ches wird von zu 24 Stun werden und für wöchentlich 2 1—2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —„—:——. auf 1 Monat: 1 Mk. Mk.— Pf. 1 M.. 50 Pf. 2 Mk. Pf 5 3 2— 3„—„ 4 7 Auswärtig Le Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der 5Buchen auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. 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Allerdings, schöne Henrieitte, war's mein voller Ernst, als ich bey dem Spaziergange, wo ich Ihnen Einiges aus dem neusten Werke des ge- nialen Lord Byron in freyer ungebundener Uebersetzung mittheilte, Ihnen vertraute, dals 8 ich mit einer dichterischen Nachbildung des . Ganzen umginge.— Nein, nein— ich scherze nicht— lesen Sie doch den Titel: Don Juan, Erster Gesang. Sagen Sie, was haben Sie denn VI dagegen?— Schönes Kind! Ihr Augennieder- a schlagen macht mich nicht irre! Wir Männer E wissen recht gut, daſs dies in tausend Fälien d nichts Schlimmes zu bedeuten hat! Es ist ein N böses Buch!“ Da haben Sie Recht— es ist ein FE böses Buch! Haben Sie Hamlet bey der Hand? e¹ Die Mausefalle— Sie kennen dies Stückchen d in dem Stück— war auch ein böses Ding— t doch sagt Hamlet seinem Stiefvater eben in die- U sem Bezug, sehr treffend:«Was macht das? D Eure Majestät und wir übrigen haben ein gutes v Gewissen! Uns geht das nichts an; der mag al sich kratzen, den es juckt!“ Wir Männer ha- n ben überhaupt bey dem Ganzen nichts zu wa- 21 gen;— Alfons ist ein Grobian, allerdings— VII aber jeder von uns dankt hier mit pharisäisch em Entzücken seinem Sterne, daſs dieser. Und Don Juan Mann— wie alle junge Mär ner Herz in reicherem Maaſse empfangen haben; edel, tieffühlend, aber defshalb auch ein( der süfssprechenden, süſslächelnden 8— tochter. Das eben, meinen Sie, Verehrteste!— 2 die- Unsern lieben Frauen geht es zu schlimm hier das? Dinge, von denen sie anicht» meinten— ich gutes verstehe darunter nicht Sie, sondern sie, mag andern Frauen— dafs ein Mann nur eine Ah r ha- nung hätte— gind hier sonnenklar, gleichsam wa- zur Warnung, dargestellt. Sie fürchten nicht g8— mit Unrecht, dafs jeder, der dies Buch gelesen VIII zu Zukunkt an keinen Ernst des Sprödethuns, an keine Festigkeit weiblicher Grundsätze, an keine Kälte des äufsern Scheins mehr glauben wird; ja ich weiſs wahrhaftig nicht, was ich liche Ihnen hier zum Trost sagen soll,— als eben jene Worte Hamlets— was geht das Sie an etc Nein, erheben Sie Sich über die kleinliche Rachsucht des Beleidigten! Stehen Sie da, frey nicht von aller Partheylichkeit— ich verlange viel ben, von Ihnen. Die Rach' ist süſs, absonderlich diec den Frauen“— urtheilen Sie: Weht im Gan- alles zen nicht der heiterste Ton von der Welt? Dicht Und eben Erheiterung suchen Sie bey dem Dich- lieblie ter! Ist nicht mit treffender Wahrheit das Er- che 1 wachen der Liebe«in eines Neulings Brust“ hier und: geschildert? Aber was interessirt mehr, als bey n dergleichen Vorfällen einem Herzen in die Kar- n ten blicken zu dürfen? Ist nicht die gewöhn- h liche— was sag' ich— ich meine, ist nickt 2u die ideale Sitte schöner Frauen, zu gelallen, zu c erobern— erobert zu werden,— zu beschö- ne nigen— zu wagen— zu verlieren— ist das nicht alles so schön und doch so wahr beschrie- ben, dafs wir alle wetten möchten, es wäre die oder die gemeintb Und— ja wenn er alles für voll hinaus gehen lieſse, der sinnige Dichter! Aber, o welch ein Schicksal trifft die liebliche Julie! Wie viel kann dabey so man- che lernen— sich vorsctzen etc.— Sie lächeln und meinen, wozu solche üppige Gemälde, um K sie als Vordergrund für bessernde Scenen eines Hintergrundes hinzustellen? Lassen Sie Sich von Rousseau, diesem homme de la nature, die Ant- wort geben; sie steht in seiner herrlichen pr e- face de Julie: Rabaissez un Péu 9s modẽ Ies, si vous voules qu'on cherohe à les imiter. 4 qui vantez · vous la puròét qu'on n'a point souillée? Eh! parlez-nous de celle quon pelltt recoupvrer; peutétre au moins quelqu' un pourra vous entendre. Und Flbst sein Gegner gesteht ihm dabey zu: Si votre Holoise edt&té toujours sage, elle instrui- roit beaucoup moins; car à qui serviroit elle de modèele? Sie wissen, wie Rousseau in seiner Heloise die Gefallenen zuletat Engel werden läfst, we⸗ ve XI eines nigstens die Hauptheldin! Auch Lord Byron verspricht, wenn nicht dasselbe, doch: e Ant- Im zwölften Buche sollt ihr schen pꝓr- Die Stelle selbst, wohin die Schlechten gehen!“ modẽè er. ℳ Merken Sie, Freundin? In die Hölle läſst er lail!ee! seine Frevler kommen! Ist das nicht Strafe ge- uorer; nugd Uns allen zum abschreckenden Beyspiel? tendre. Wo also bliebe das Gefährliche des Buches? ey zu: Lord Byron erzählt Dinge, wie sie allerdings nstrui- häufig sich zutragen— das sollt' er nicht? Aber, elle de ob'’s niemand thäte, sie geschehen doch! Er er- zählt sie, nicht um einem Unschuldigen die ge- Jeloise heimen Schliche der Schuld kund zu thun, oder der Phantasie ein üppiges Bild als Weihnachts- abendpuppe zu geben— er erzählt, um an die That die Folge der That zu reihen! Ja, ver- W knüpfte er mit dem Bösen gute Folgen, wehte Da jener Ultra-Epikureismus—(Wwären Sie ein Ge- 6 lehrter, sprache ich jener Euthydemeismus—) 361 in dem Buche, der des Lebens Zweck in un- 1 h6 umschränkte Befriedigung der unumschränkten h Begierden setzte— ich würde meine Uebersez- 1a zung in'’s Feuer, so viel Fleifs und Mühe sie al mich gekostet— aber es ist wahrhaftig anders!— Läſst Byron seine Personen ein Gebot brechen, n so geschieht es blos, um sie alsdann zu ihrer 1. Strafe gelangen zu lassen. Seine Bösen, anstatt hi dem Glücke, streben ihrem Untergang entgegen. 21 Ist das anders gedichtet, als Sokrates glaubte XIII und lehrteb Als wir alle, die wir moralische Weltordnung glauben, glauben und lehren? Daſs die englischen Blätter dies gehässig über- sahen, kümmere Sie nicht! Sie lasen wahrd scheinlich jene Pröbchen englischer Kunstur- in un-... 1., 2 theile, die uns das Morgenblatt mittheilte? Ich änkten. 2. 3 habe mich halb todt vor Freude darüber ge- Nerdee. lacht! Ich wurde zum Erstenmale ganz deutlich ähe sie überzeugt, daſs man zum Recensiren, wie bey- anders! nahe zu den meisten Berufsgeschäften, Zwey rechen, Hände braucht. Die Eine giebt, die andre nimmt. u ihrer Lob und Tadel, Schmähung und Erhebung war anstatt hier so allerliebst gemischt, dafs ich freudig die atgegen. alte Blutsverwandtschaft zwischen Britten und glaubte Deutschen anerkannte! Lord Byron hat unter XIV den englischen Frauen viel Feindinnen, und daraus folgt— doch das gehört England eigen- thümlich— daſs er auch unter den Männern viel 1 Feinde habe, und Feindschaft— das aber gehört V England nicht eigenthümlich— führt häufig die Feder der Recensenten. Lord Byron ist ein kühner, reicher, gewaltiger Geist— und wir wissen, dafs es solchen bisweilen geht, wie den Oberhäuptern mancher wilder Völker— sie werden erst nach harten Qualen in ihre Wür- den eingesetzt „, und eigen- rn viel gehört ſig die ein wir Don Juan. munia dicere.“ Di icile est proprie com Hor. Lpist. ad Pison. ‿+— NU˖LõAnnnnnnn Don Ju an. 1. Mir fehlt ein Held,— ein sonderbarer Fall, Da jeden Mond im Jahre wir neu empfahn, Bis, fällten die Zeitungen lang sie mit Schall, Die Welt sich betrogen sieht in ihrem Wahn; Dergleichen Helden stehen mir nicht an— D'rum wähl' ich unsern alten Don Juan. Ihr sah't ihn auf der Bühne, sonder Zweifel Im besten Alter noch, geholt vom Teufel. 2. Vernon, Wolf, Hawke, der Metzger Cumberland, Howe, Granby, Burgoyne, Keppel, Ferdinand— Es hatte gut und bös des Rufes Zoll, (Wie jetzt von Wellesley all' Ecken voll) Der Reihe nach, wie Banquo's Königschau, IIofstaat des Ruhms,«neun Ferkel disser Sau.“ Im Moniteur, Courier von Frankreich ward So Dümouriez gelobt, und Buonaparte. 4 3. Barnare, Condorcet, Petion, Mirabeau, Clootz, Marat, La Fayette, Danton, Brissot— Franzosen sind's, und hochberühmte Leute; Viel andre kennen wir, genannt noch heute, Joubert, Hoche, Marceau, Lannes, Dessaix, Moreau, Den stehen die Herrn vom Militair zur Seite— Entsetzlich ruhmeswerth zu andern Tagen— Nur wollen sie dem Dichter nicht behagen. 4. Ihr wiſst, wie Britanniens Kriegsgott Nelson war, Noch sollt' er's seyn— doch die Zeit will's an- ders haben: Man hört kein Wort jetat mehr von Trafalgar, Es ist mit unserm Helden ganz begraben; Denn die Armee ward jetzt mehr populär, Und dies bekümmert die Marine sehr! Auch ist der Prinz auf Landdienst ganz besessen, Und so ward Dunkan, Nelson, Jervis, Howe vergessen. 5. Vor Agamemnon ¹) lebten wackre Helden, Und nach ihm, auserlesen brav und klug, Wenn auch nicht alle ganz ihm ähnlich gelten; Dann freylich pries sie keines Dichters Buch, Soll d Von. Auch Dessaix, Seite— gen— gen. lson war, will's an- Prafalgar, n; lär, besessen, s, Howe den, Kug, h gelten; Buch, 5 So starb ihr Nam'; ohn' einen d'rum zu hassen— Treff' ich nur gegenwärtig niemand an, Der für mein Werk, mein neues, recht wollte passen— D'rum, wie gesagt, wähl' ich Preund Don Juan. 6. «In medias res" zieht sonst der Heldendichter, Das, spricht Horaz, sey richtige Eposmode, Dann, wie ihr's eurem Helden vorgeht, flicht er Ein, was vorher sich begab, als Episode, Indem nach Tische, süfser Ruh' zu warten, Er zu dem Liebchen irgendwo sich setzt In Grotte, Paradies, Schlofs, oder Garten, Wo köstlich das glückliche Paar sich letzt. 7. Ja, so ists sonst Gebrauch, doch nicht bey mir; Mein Weg ist, bey dem Anfang anzufangen, Ich strebe nach des Regelmäſs'gen Zier, Und verpönt ist alles Sprüngemachen hier. So,— mag dies Werk ein Stündchen auch ver- langen,— Soll denn ein Stammbaum jetzt mein Erstes seyn. Von Juan's Vater sollt ihr Kund' empfangen, Auch, wollt ihr's, web' ich von seiner Mutter ein'ges ein. Sevilla war die Stadt, wo er geboren, Berühmt durch Weiber und Orangen; wer Nie selber es gesehn, hat viel verloren, So sagt das Sprüchwort, ich bestät'g' es sehr; Der span'schen Städte kein' ist lieblicher, Cadix vielleicht— doch später mehr hierüber; Von Juan's Eltern war ein Haus erkoren Am Rand des edeln Stromes Guadalquivir. 9. Sein Vater hiefs Jose— Don, das bemerk' ich kaum!— Es lief des edlen Hidalgo Familienbaum Vom Fleck des jüd'schen, maurischen Geblütes fern, Durch den der ächten gothisch-span'schen Herrn. Kein bess'rer Cavalier safs je zu Pferde, Und stieg, nachdem darauf er gesessen, zur Erde, Als Jose, der erzeugte Juan, der Erzeugte— doch jetzt weiter— das nachher! 10. Gelehrt war seine Mutter und berühmt Durch alle Wissenschaften, die bekannt; In allen Christensprachen, nur beniemt, Durch Tugenden, so hoch als ihr Verstand, Schau Konn Feina Er sel Gelär Als d Ihr n Und Ihr Ihr e Kurz Batti War Nebs Beschämte sie die lüchligsten Gelehrten, Und selbst die Guten fühlten bittern Neid, In ihrer eigenen Vortrefflichkeit Von dieser übertroffen noch zu werden. 14. Ihr Kopf glich einem Schachte; sie sagt auswendig Den Calderon, den halben Lopez her; r. Schauspielern, denen das Gedächtniſs unbeständig, Konnt' oft sie dienen zum Souffleur. Feinagle's Kunst war ohne Werth für sie, Er selbst gestand, hier müſs' er weiter ziehn, es erk' ich Geläng' ein solch Gedächtniſs ihm selbst nie, Als das, wie's thron' im Kopfe der Denna Ines. DSeblütes 12. Ihr meistes Wissen doch war mathemausch, Und Seelenadel ihre schönste Tugend; ur Erde, Ihr Witz—(oft war sie witzig)— war ächt attisch, Ihr ernst Gespräch nach hohem Dunkel suchend. Kurz zu den Wundern schien sie zu gehören. Battist trug morgens sie, ihr Abendkleid War Seide, auch Muslin zur Sommerzeit, Nebst andrem Stofl— zwar das soll jetzt ni storen. Herrn. her! Lateinisch verstand sie..«das Gebet des Herrn;“* Und griechisch— bis zum Alphabet mocht's seyn; Französische Romane las sie gern, Doch ihr’ Aussprache war nicht rein; Das Span'’sche war durchaus nicht ihre Soche, Zum wenigsten war dunkel ihre Sprache; Problem und Theorem war, was sie sagte, Als ob die Dinge schön das Myst'sche machte. 44. Englisch, Hebräisch auch litt' sie nicht übel, Und witterte hier eine Sprachverwandschaft; Sie meint' es zu erhärten aus der Bibel, Entscheide, wer hiermit hat mehr Bekanntschaft. Nur das hört' ich von ihr— mir schien's ganz richtig, Und selbst für Gegner ist die Sache wichtig—: «Seltsam, was im Hebrä'schen heifst: IZam, Das setzen die Engländer stets vor damn.“ 15. ******* *****X* Kurz, Ganz Nach Des f Die wi Selbst O ganz Hoch i Sie kor Längst So fror Wie in All' and Nur de Vollko- Unschr Wo ke Eh' sie Wo F 16. Herrn;* Kurz, sie war ein leibhaftiges Exempel mocht'’s Ganz nach Milſs Edgeworths Charakterstempel, Nach Madame Trimmers Buch von Kinderzucht, «Des Hagestolzen Weib,» das Freyer sucht, Die widerlich verkörperte Moral, doche, Selbst für den Neid ganz ohne Mahl— e; Auf andre mögen Weiberfehler fallen, e, Sie hatteselbst— den schlimmsten nicht von allen! aachte. 17. O ganz vollkommen war sie, ohne Gleichen, Hoch über neurer Frauen Ieiligkeit, Sie konnte keiner Hölle Macht erreichen, Längst sparte sie dem Schutzgeist sein Geleit; So fromm war jedes Regen, jedes Neigen, Wie in den frömmsten Stücken neu'ster Zeit; . All' andre Tugend war vor ihrer— Wasser— 5 Nur deine nicht, du einz'ges Oel, Macassar. ²) iibel, haft; . tschaft. 18. Vollkommen war sie— wie Vollkommnes ist— Unschmackhaft nieden in der argen Welt; Wo kaum die ersten Eltern sich geküfst, Eh' sie verjagt aus Edens Zelt, Wo Frieden, Unschuld sich zum Glück gesellt, 10 (Wie schlich wohl den Armen die zwölfstünd'ge Frist!) Don Jose, Evens ächter Sohn, verlangte Nach Früchten bisweilen, wo Donna Ines zankte. 19. Er war ein Mann von unbesorgtem Sinn, Mit mäſsigem Hang für Wissen und Gelehrte; Wo ihn die Lust hintrieb, da ging er hin, Und meinte nicht, daſs dies sein Weib be- schwerte; Die Welt, wie stets, geneigt, das Untergehn Von Thronen oder— von einem Haus zu sehn, Raunte von Einem Liebchen, dann gar von zwey'’n— Doch Eins schon kann zum Hauszwist gnügend seyn! 20. Nun, wie auch Donna Ines sonst vollkommen, War doch sie für sich selbsthöchst eingenommen; Ein Engel nur erträgt mit Gleichmuth Kälte, Und wie ihr Werth als solchen sie gepreilst, So hatte sie doch einen Teufelsgeist, Wo oft zur Wirklichkeit sich Wahn gesellte, Lieb war ihr, jegliche Gelegenheit Zu ihres Eheherrn Verlegenheit. Warun Gelehrt Persone Oder— Nur de Verlant Ich bin Ihr He Sagt. re Don J Das ke lstünd'ge te s zankte. nn, gelehrte; hin, Veib be- ergehn zu sehn, gar von gnügend ommen, nommen; Kälte, eiſst, gesellte, 21. Sie hatte leichtes Spiel bey einem Mann, Der öfters fehlt', und niemals vor sich sah; Und selbst der Klügste, thu' er, was er kann, Steht so verblüfft zu Tagen, Stunden, da, Daſs mit dem Fächer ihn die Frau erschlagen könnte; Und manchmal schlägt ein Weib ganz schreck- lich drein, Dolch wird der Fächer ihrer niedlichen Hände— Warum denn P.. Wofür denn P.. Kein Mensch sieht's ein! 22 22. Gelehrte Jungfrau'n wählen meistens leider Personen von nicht viel Erziehung weiter, Oder— wie gut geboren und erzogen, Nur dem gelehrten Reden nicht gewogen; Verlangt nicht, daſs ich mehr hierüber sage, Ich bin ein schlichter Mann, einfach von Stand— Ihr Herrn von Fraun mit schimmerndem Ver- stand, Sagt redlich, waren sie nicht eure Plage? 3 23. Don Jose stritt mit seiner Frau, wofür 5 Das konnte von den Vielen keines ergründen, Ob tausende das Geheimniſs wollten finden, Was ging die Sach' auch ihnen an und mirb Neugierd' ist mir die niedrigste der Sünden, Es seu Wenn irgend etwas mir gereicht zur Zier, Schon So ist's, gern schlicht' ich meiner Freunde Streit, Nicht Da ich für mich nicht habe häuslich Leid. 24. D'rum legt' ich mich in bester Meinung drein, Bis die Doch ihr Betragen zeigte sie unwerth dessen, Und ih Das närrische Volk, war, glaub' ich, ganz be- sessen, Sie anzutreſfen, sollt' unmöglich seyn, Obgleich der Pförtner nachmals mir gestand— Donna Doch davon still— das schrecklichste war das, Um dar Achtlos warf einst der kleine Juan ein Faſs Doch d Waschwasser über mich her vom Treppenrand. Sprach Und th 25. So war Ein kleiner lockenköpf'’ger Taugenichts, 3 2 Ein Schelm vom ersten Schein des Lebenslichts, Schreib Die Eltern, stets in Widerspruch befangen, Nur Eins— im Hätscheln dieses Rangen— Sie hätten, wenn sie klug gewesen wären,. Den jungen Herrn zur Schule fein geschickt, Sie hie Oder daheim den Rücken ihm gespickt, Und so Was a Um für die Zukunft Sitten ihn zu lehren. Aufhet nden, mir P nden, ier, le Streit, eid. g drein, lessen, ganz be- tand— war das, Faſs benrand. nslichts, gen, n.— en, aickt, . en. 26. Es seufzten Donna Ines und Don Jose, Schon länger unter schwerem Eheloose, Nicht Scheidung— Eins hofft' auf des Andern Tod; Sie lebten ehrbar wohl als Mann und Weib, Gut war vor Andrer Augen ihr Betreib, Daſs sich kein Zeichen innern Zwistes bot, Bis die verhaltene Gluth am Ende sich fachte, Und ihre Händel offenkundig machte. 27. Donna Ines rief nach Aerzten und Quacksalbern, Um darzuthun, ihr theurer Mann sey albern; Doch da er helle Stunden hab' im Tage, Sprach sie nachher, er sey nur ernstlich krank, Und that man nach Beweisen eine Frage, So war das Einz'ge, was man ihr entrang: Ihr Pflichtgefühl für Menschen und für Gott, Schreib ihr dies vor— doch das erregte Spott. 28. Sie hielt ein Buch, wo seine Sünden standen, Und schlofs ein Fach mit Schriften, Briefen auf, Was alles zeugen konnt' im Sachyverlauf, Aufhetzer in Sevilla g'nug sich fanden, 14 Auch eine alte Muhme(ziemlich toll); Magister nahmen ihren Streit zu Ohren, Bri ..„. Bringt Dann Richter, Rechtsg elehrt, Inquisitoren, H . i., 5. Ob ob Zur Kurzweil Ein'ge, Andr' aus altem Groll. 29. ” Nun war die beste, die sanfteste der Frau'n Stets heiter bey des Gatten Leid zu schau'n, Ganz wie die Spartschen Frau'n in vor'gen Jahren, Hier lo Die, sahn sie todt die Männer, stark g'nug waren, Kein Wort von ihnen zu erwähnen mehr; Still hört' auf ihren Mann sie bittern Tadel, Die Er h ,1.... 16 re Sah auf sein Quälen hin so ruhig hehr, Daſs alle Welt rief: Welcher Seelenadel! Verwan Schwer 30. An wen So ist's, die Ruhe bey der Menschen Schelten, Freund G Sehn unsre Freund' als philosophisch an; Um Sch Auch ists recht schön, für hochgeherzt zu gelten, Doch k. Mehr noch, erreichen so wir unsern Plan; Als— Von malus animus» in Rechtessprache, Kann so verfahrend, nicht die Rede seyn, Zwar keine Tugend ist und bleibt die Rache, Er starl .. A Doch, ist die Schuld, wenn andre schaden, Da alle 3 mein? Die ich (Ob kle ; n, toren, Groll. rau'n hau'n, vor'gen ug waren, hr; Padel, r, del! ſchelten, n; zu gelten, Dlan; „ schaden, 31. Bringt unser Streit Vergangnes auf den Weg, Ob obendrein mit Lügen er's verstärkt— Dafür kann ich nicht, wie ihr wohl bemerkt, Noch sonst wer; früher schon war's Stadtge- spräch, Es fördert unsern Ruhm dies Auferstehn, Durch den Contrast— was wir doch gerne sehn; Auch kann die Wissenschaft es weiter führen, Hier lohnt sich reich das Anatomisiren. 32. Die Freunde strebten, friedlich es zu enden, Verwandt' auch— die's doch schlimmer erst gemacht; Schwer ist die Antwort, wenn diesfalls ihr fragt, An wen man sich am besten könne wenden; Freund' und Verwandte kann ich hier nicht loben; Um Scheidung sich ihr Advokat bewarb; Doch kaum hatt' er die erste Post erhoben, Als— unglücksel'ger Fall— Don Jose starb. 33. Er starb, und sehr zur ungeleg'nen Stunde, Da allen Andeutungen nach, Die ich empfeng aus Rechtsgelehrter Munde, (Ob klare Offenheit sonst nicht ihr Fach) Sein Tod den trefflichsten Prozefs zerstörte; Die öffentliche Theilnahm' auch enitbehrte Gar viel so, die bey'm Vorfall dieser Art Besonders lebhaft sich geoſlenbart. 34. Doch ach er starb! begraben mit ihm ruhte Der Neugier Hoffnung, der Juristen Lehn; Sein Haus ward feil, die Diener mufsten gehn; Das Eine seiner Liebchen nahm ein Jude, Das andr' ein Pfaff,(so sprach man laut darüber). Die Kerzte fragt ich, was hinweg ihn nahm, Es war ein schleichendes dreytägiges Fieber; So liefs die Wittw' er ihrer eignen Schaam. 35. Doch Jose war ein ehrenwerther Mann, Ich kannt ihn g'nau, und darf es nicht verhehlen, Drum will ich seine Schwächen nicht weiter zählen; Gewifs man traf auch wenig mehr noch an; Wark seine Leidenschaft oft den Verstand, War Numa's(auch Pompilius genannt) Weit friedlicher in jedem Falle—: Er hatte wenig Bildung, und viel Galle! Doch w Der Ar Gestehr Allein War dd Des Ha Behielt Und Arz Als einz Recht wæ Hat einz Wird er Die keu Daſs ihr Ganz se (Castil'sc Und dat 13. nahm, lieber; haam. erhehlen, t weiter n an; and, Doch wies mitseinen Fehlern stand und Werthe, 36. Der Arme, mufste dulden manchen Schmerz; Gestehn wir's, da entflohn er dieser Erde; Allein sich fin den an dem öden Heerde . War doch ein Zustand ausser allem Scherz; Des Hauses C Nicht war testirt; so ward Juan von Kleidern, Vorwerken, F Was, bey so Sich noch vers ötter um ihn her in Scherbe 37 37. luren, Erb' insonderheit, grofser Minderjährigkeit, prach dem Eigner zu erweitern; Als einzger Vormund ward Ines ernannt, Recht war's so, die Natur verlangt's auch schon: Hat einzig Mutterzucht ein einz'’ger Sohn, Wird er erzogen stets mit viel Verstand. Die keuscheste Daſs ihr Juan 38. der Fraun und Wittwen wollte, ein Muster werden sollte, Ganz seiner vortrefflichen Ahnen werth, (Castil'scher Va Und daſs er se- 13. ter, die Mutter von Arragon) y ein ritterlicher Sohn, B n— Behielt sein Stolz, sein Fühlen zwischen Sterben Und Arztes Kost die Wahl, er wählte Sterben. 18 Zög' unser Herr der König einst das Schwerdt, Liefs sie ihm Reiten, Fechten, Schiefsen zeigen, Auch wie zu Burgen und— Klöstern sey zu Die steigen. Ob fra 39. Die W Was Donna Ines doch zumeist begehrte, Wo selbst sie prüft', eh jeder Lehrer kam, Wovon sie eine Zahl in Mieihe nahm— War, daſs die Bildung ganz moralisch werde; Sie blickt' in alle Studien hinein, Ihr mufste vorher Alles zu Cesichte, Orid j Kein Zweig des Wissens sollt' entzogen seyn Wer Des Knaben Aug', als— die Naturgeschichte. Catull Von 84 40. Obglei Es gä Die Sprachen— und besonders zwar die todten, Virgi Die Wissenschaften— recht gehüllt in Danst, Wo’ss Und, fufse sie nicht auf gemeinem Boden, (Das mufſst entschieden werden) auch die Kunst— In allem dem ward Kenntniſs ihm verschafft,„ Doch nicht ein Blatt, das Schlüpfrigkeiten Au 3ta führte, Um ju Oder Fortpflanzung des Geschlechts berührte, Aueh Litt sie, aus Furcht, er Werde lasterhaft. Welei Zu ne werdt, zeigen, sey zu werde; seyn ichte. todten, Dunst, n, unst— hafft, gskeiten ihrte, t. 19 41. Die Wahl der Classiker war äusserst sehwierig, Ob frechem Betragen der Olympier, Die einst die Erde durchschwärmten sehr berührig, Nicht Pantalons und Schnürbrust um sich her; Die würd'’gen Lehrer hatten Kampf genung, Und mufsten Aeneiden, Odysseen Verbrämen mit seltsamer Vertheidigung, Denn Ines konnte Mythen nicht ersehen. 4² Ovid ist, halbem Nachlafs nach, ein Wieht, Wer wollt’ Anakreon zu loben wagenb Catull hat kaum Ein züchtiges Gedicht; Von Sappho kann man nicht viel beſsres sagen, Obgleich Longin von ibren Oden spricht, Es gäbe keine von erhabner'm Ton; ³) Virgil singt rein, nur in dem Scheusal nicht, Wos heifst: Formosum pastor Corydon. 43 43. Zu stark herrscht Atheismus bey Lukrezen, Um junge Magen wohl damit zu äzen; Auch Juvenal war nicht auf rechten Wegen, War auch sein' eigentliche Absicht gut; Welch wohlerzogner wird die Dinge pflegen Zu nennen, g'rad heraus, wie er cs thut? 20 Und wer ist so verkehrt, dafs seine Wahl Die Epigramme eines Martial? 44. Die best' Ausgabe ward gewählt für ihn, Gesäubert durch Gelehrte, welche weise Des Schülers Blick die gröbsten Ding' entziehn, Doch aus Besorgniſs, dafs auf diese Weise Dem zücht'gen Barden man den Schmuck ent reiſse, Auch die Verstümmlung findend gar zu hart, Sie hinter stellen— nach Appendixart, 4) Was trefflich eines Index Mäh' erspart. 43. Da haben wir sie all' auf einen Schlag, Statt dafs sie sonst im Buche vereinzelt waren, Schön paradierend dort der Reihe nach, Des pfifl'gen Jünglings Fund in künft'gen Jahren, Bis ein Gelehrter, wen'ger unerbittlich, Jedwedes in den eignen Käfig steckt, Statt daſs, so beysammen stehend, sie geschreckt, Wie Gartengötter— und nicht einmal so sitt- lich. Auch Die M Sollt' Sie lie aren, hren, eckt, sitt- 46. Daſs Mefsbuch auch Gs war ein Familienstück) War, vorigen Meſsbüchern gleich, geputzt Sehr seltsam, und mit Gruppen ausgestutzt, Sehr grell beleuchtet;— wie des Betenden Blick Vom Kusse der Bilder auf des Buches Rand, Zur Andacht überging— faſst kein Verstand! Dies wollte Juans Mutter selber haben, Darum besorgt' ein andres sie dem Knaben. 47. Er las der Heil'gen Leben, Homilien, Und Reden, Predigten zum Ueberdrufs; Bey Hieronymus, Chrysostomus Fand nirgends er Verbotenes für ihn— Doch Glauben lernen, und sich defs versichern, Ist in den lieblichen Bekenninifsbüchern Des heil'gen Augustins weit schöner als dort zu finden, Die Leser lernen ihn neiden um seine Sünden. 48 Auch dies war Juan ein verbotnes Buch, Die Mutter, glaub' ich, that dran recht genug, Sollt ihre Erziehung im Ganzen etwas taugen; Sie lieſs das Söhnchen nicht aus ihren Augen; 22 Alt ihre Frau'n, kam eine neue an, So glich sie wahrlich einer Vogelscheuche, Das that sie schon bey ihrem sel'gen Mann, Auch rieth' im Ernst ich jeder Frau das Gleiche. 49. Juan nahm zu an Schön' und Huldgebehrden; Mit sechs ein liebliches Kind, im eilften Jahr Lag in dem Anutlitz das Versprechen klar, Schön, wie des schönsten Mannes dereinst zu werden. Er lernte fleifsig, wuchs sehr schnell heran, Auf gradem Wege zum Himmel, so schien es, wär' er; Den halben Tag war er zur Kirch', und dann Umgaben stets ihn Mutter, Beicht'ger, Lehrer, 50. Mit sechs, sprach ich, war er ein liebliches Kind, Mit zwölf ein schöner, aber stiller Knabe; Ob früherhin wohl wild, wie Kinder sind, So hatten, ihn zu bänd'’gen, sie die Gabe. Dem Anschein nach war wenigstens zu hoſfen, Er sey gebessert; freudig ward erklärt Von seiner Mutter, wie gesetzt, gelehrt, Das Wesen schon des jungen Philosophen. Ich war Doch m Wohl k Ich hab' Vom Va Er und Doch L Wär'’s 8 ich mei Jedoch Hätr' ei kur Sch I.h wür Zir Lel Ich thä Dort la Dort— 23 51. Ich war ungläubig, bin es noch vielleicht, Doch meine Gründe sind nicht sehr erheblich; Wohl kannt' ich seinen Vater,— und Charak- ter gleicht— Ich hab' Erfahrung— doch es ist nicht löblich, en; Vom Vater auf den Sohn zu schlieſsen. Jahr Er und sein Weib— sie pafsten nicht; Doch Lästern ist mir Gräul; ein Wort, das t zu sticht, Wär's Scherz auch, kann mich entsetzlich ver- drieſsen. 32. ich meines Theiles sag' nichts— nichts— als— Jedoch der Grund bleibt mein— das allenfalls, Hätt' einen einz'gen Sohn ich, ihn zu schicken kur Schule(wie Gottlob ich keinen nun) I.h würd' ihn nicht zu Donna Ines thun Zir Lehre in den Catechismusstücken! Ich thät zur Hochschul' ihn bey guter Zeit, Dort las auch ich mir meine Gelehrsamkeit. flen, 53. Dort- nicht mich defs zu rühmen jetzt— dort hat.. Ja— th erwarb dort.. übergeh' ich das, 24 So wie das GCriech'’sche, das ich drauf vergaſs, Dort, sag' ich, ist der Ort.. doch verbum sat, Ich las dort auf, denk' ich, was mancher las, Kenntniſs von Dingen— wenig kümmert'swas?— Ich war niemals beweibt, allein es schien Mir längst, ein Sohn sey anders zu erziehn. 34. Der junge Juan war nun sechzehn Jahr, Groſs, schön, schlank, gut gebaut— er war Flink, wie ein Page, doch nicht ganz so keck; Als Mann stellt' er sich Aller Augen dar, Nur seiner Mutter nicht; der war's ein Schreck Sie bifs(sonst hätte sie geschrien grad weg) Die Lippen, sagt' es eins; denn frühes Reifen Schien an'’s Entsetzliche ihr anzustreifen. 53. Zur Menge ihrer Freundinnen— erlesen, Durch ihr sittsames und gar frommes Weser, Gehörte die Donna Julia; nenn ich Sie hübsch, so ist' nur ein dürftiger Pinselstrch Für Reize, die so eigenthümlich ihr, Wie Salz dem Meere, der Blume Farbenzer, Der Gürtel der Venus, der Pfeil dem Cuid, (Doch der letzte Vergleich ist verhrauch und stupid) Des orien Verriether Ihr spanis Und das Als fiel C Boabdil w Nach Afri Und ihr' Sie nahm Einen Hi Nicht so Und gew Die in de Daſs sie] Heirathen Was, 61 D'rum w Das Fleis 56. Des orientalischen Auges schwarze Tinten Verriethen klar das maurische Geschlecht; Ihr spanisch Blut, war(nebenbey) nicht ächt. Und das gehört in Spanien zu den Sünden; Als fiel Grenada's Stolz, und, weggetrieben, Boabdil weinte, flohn die Verwandten der Julia Nach Afrika theils, theils blieben sie da, Und ihr’ Ureltermutter war geblieben. 57. reck Sie nahm(den Stammbaum hab' ich wieder ver- gessen) en Einen Hidalgo, deſs Blut, zu Folge dessen, Nicht so rein sich erhielt, wie's sollte seyn, Und gewiſs hat er drob der Seinen Zorn er- fahren, Die in dem Punkte so bedenklich waren, — Daſs sie pflegten, sich unter einander zu frey'n, eser, Heirathend die Nichten, ja Muhmen, Cousinen, Was, öfter geschehn, zum Verderb des Ge- trch schlechtes muſs dienen. teer, d. 58. und D'rum war der Heidenbund für das Geschlecht sehr gut, Das Fleisch gewann, der Schaden traf das Blut 26 So kam's, dafs dem häfslichsten aller Geschlechter In Spanien, ein schöner frischer Zweig entstieg, Die Söhne waren nicht kurz mehr, und platt nicht die Töchter; Nur sagt ein Gerücht, das lieber ich verschwieg, Der Mann von Juliens Eltermutter hatte Mehr Erben von ihr als Bräut'gam, denn als Catte. 59. Wie dem auch sey, aufblühte das Geschlecht, In jedem Alter edier, schön und stolz, Bis es auf Einen Sohn zusammenschmolz, Der Eine Tochter hinterlieſs; mit Recht Sollt' ich bemerken, dafs dies niemand anders war, Als Donna Julia(die zur Geschichte Gar sehr gehört in gegenwärtigem Gedichte) Sie war vermählt, keusch, schön, und drey und zwanzig Jahr. 60. Ihr Aug'(und schöne Augen sind mir theuer) War groſs und schwarz, und wenn sie redte, brach Hervor ein früher halb ersticktes Feuer, Das mehr von Stolz als Zorne sprach; Und me War ih Lang we Sie war Man so Jedoch Sey's 1 Besond So ebe Wie F Sich M Und mehr von Lieb', als beyden; seinem Glanze Lag etwas bey— wohl nicht sehnsücht'ger Drang, Doch konnt er's werden— allein die Seele rang Sich hindurch, und hauchte Keuschheit auf das Ganze. 61. Die Stirn von glänzend schwarzem IIaar umſlogen, War Spiegel ihres Geistes, sanft und schön, Der Brau'n Gestalt war gleich dem Himmelsbogen, eschlecht, Der Jugend Roth sahst du der Wang' entweh'n, 12, Bisweilen sich steigernd zu schimmernder Cluth, nolz, Als entblitzt' es den Adern; in Wahrheit, aus- cht erlesen nd anders War ihre Mien' und ihr holdselig Wesen, Lang war sie— butz'gen Frau'n bin ich nicht gut. edichte) 62 1 drey und 4 Sie war an einen Funfziger vermählt— g'nug hat Man solcher Eheherrn von Rom bis Danzig; Jedoch dächt' ich, an solches Einen Statt, Sey’s besser, zwey zu haben von fünf und r theuer) zwanzig; sie redte, Besonders in den Au'n der Sonnenwende; So eben denk' ich dran,«mi wien in mente,“ er, Wie Frauen, selbst mitsteif erzwung'ner Tugend, ; Sich Männer loben von noch rüst'ger Jugend. 28 63. Ein Uebelstand, ich muſs es wohl gestehen! Und nur die leid'ge Sonne wirket das; Denn nie läſst unsern schwachen Staub sie gehen, Sie bäckt, und kocht, und brennt ohn' Unter. laſs; Und wie die Leute fasten, beten können— Das Fleisch bleibt schwach, und so der Geist besiegt; Was Menschen ſeine Sitt, und Götter Eh'bruch nennen, Ist häuf'ger an den Orten, wo viel Sonne liegt. 64. Drum Heil den Völkern in dem frommen Norden! Wo Tugend nur, wo kalte Winterzeit Erfrieren läfst die Sünde ohne Kleid; (Vernünftig ist durch Schnee der heil'ge Anton worden) Wo Weiberwerth geschworne Richter wägen, Als Strafe vom Verführer fordernd— wies ge- fällt Ein Sümmchen— ja, den Preiſs muſs er er- legen, Denn dort verkauft dies Laster man für Geld. Alfons hi Sah für Sie liebt Sie lebte Sie litten Ob ein' Doch Eif sie will j Die wärn War zwi Verschiee Denn Ju Es wispe Die Boskh. Dafs Ine Den Vor Und daf Was du Sie seine Unläugb. nen— der Geisl r Eh'bruch onne liegt en Norden eit l'ge Anton wägen, wie'’s ge⸗ uſs er er- r Geld. 63. Alfons hieſs Juliens Gatte; sein Cesicht Sah für sein Alter noch recht leidlich aus; Sie liebt ihn weiter nicht, und hafst' ihn nicht, Sie lebten, wie man plflegt in manchem Haus. Sie litten ihre Schwächen nach Vertrag, Ob ein', ob zwey— ward nicht so g'nau ge- nommen; Doch Eifersucht verborgen in ihm lag: Sie will ja stets dem Blick der Welt entkommen. 66. Die wärmste Freundschaft(weifs nicht, wie's ge- schah) War zwischen Ines und der Julia; Verschiedenes schien ihr Geschmack zu lieben, Denn Julie hatte nie ein Wort geschrieben; Es wispern ein'ge(doch gewiſs erlogen, Die Bosheit wittert stets von Absicht was) Daſs Ines, ch' Alfonsens Bund vollzogen, Den Vorsatz keusch zu seyn— mit ihm vergaſs. 67. Und daſs, das alte Bündniſs zu erhalten, Was durch die Zeit mehr Unschuld stets bekam, Sie seine Gattin auch zu Gunsten nahm; Unläugbar war'’s das klüglichste Verhalten; 30 Der Julia schwur sie Schutz für allemal, Alfonsen lobte sie ob seiner Wahl, Dämpft' auch nicht ganz die Schmähsucht die- sen Pfiff, So liefs er ihr doch einen engern Crifl. 68. ..... Daſs Do Ich weifs es nicht, ob Julia in den Dingen Poch m Mit andrer Leute Augen sah, ob sie ..;.: Als, Für sich entdeckt— keins war im klaren hie, Kein Zeichen wenigstens wollt' ihr entdringen; Sie wuſsts nicht, oder achtet' es nicht sehr, Gleich anfangs kalt— verhärtet vielleicht nach. her— Die klei Ich bin verlegen, was ich hier soll sagen, Der sein 6 Es war zu tielverschlossen ihr Betragen. Ein sanf Und leis 3 69. Doch ke Sie sah den Juan; und als schönen Jungen Armiden Liebkoste sie ihn— solche Liebkosungen Die Juan Wohl konnten sie von Herzen schuldlos seyn, Als er noch dreyzehn Jahr alt, und sie zwanzig; Doch würd' ich mich auch dann noch drüber 1 ſneuu Und trat „ 1.. 3 Als sechzehn er, und Julie drey und zwanzig? Jedoch Die wen'gen Jahre machen groſsen Unterschied, Besonders da, wo heiſse Sonne glüht. Und ob al, ucht die- ringen; sehr, ht nach. wanzig; drüber 31 70. Sie wurden anders, was der Grund auch sey; Das Weibchen wurde ernst, der Jüngling scheu, Ihr Blick schlug nieder sich, ihr Grufs ward stumm, Und beyder Augen schienen höchst verlegen. Wohl werden manche keinen Zweifel hegen, Daſs Donna Julia gut verstand warum? Doch mehr begriff davon nicht Don Juan, Als, wer die See nie sah, vom Ocean. 74. Allein in Juliens Kälte selbst lag Güte, Die kleine Hand, wie sie sich schüchtern mühte, Der seinen zu entfliehn, liefs doch zurück Ein sanftes Drücken, bebend, und so süfs, Und leis— so leis, daſs es die Seel' in Zweifel lieſs; Doch keiner Zaub'rin, selbst mit dem Geschick Armidens, vollte die Veränd'rung glücken, Die Juans Herz empfand nach diesem Drücken. 72. Und traf sie ihn— ihr Lächeln war vergessen, Jedoch ein Schmerz— weit süſser noch als Lä- cheln, sprach; Und ob ein Tieferes in ihrem Herzen lag— 32 Verhehlt mufsts werden— doch dies Insich- pressen Verstärkte nur des Busens heiſse Triebe.— Sogar die Unschuld auch hat ihre List, Und will verläugnen, Was doch Wahrheit ist, Von Jugend auf lernt Heucheley die Liebe. 73. erräth sich, auch verstellt, der dunkelste Himmel ldestes Getümmel— Wache hält! gestalten„ Doch Leidenschaft v Selbst durch ihr Dunkel, wie Verkündigt des Sturmes wi Das Auge zeugt, das schlechte Und wie sie sich auch immer mag Es ist und bleibt dieselbe Heucheley, Sey's Kälte, Zorn, Haſs— ob's Verachtungsey— Nur Masken sind's wohl oft— zu spät nur vor- gehalten. 74. Dagiebt es Seufzer, tiefer nur Verstohl'ne Blicke— süsser noch rücken, Ein hoch Erröthen, sonder alle Schuld, Bey'm Sohn ein Zittern, fern— die Ungeduld! Vorspiele, welche auf Besitzung deuten, Stets da, wo junge Leidenschaft erwacht, Sie zeigen nur— die Unbeholfenheiten, VWenn Lieb' in eines Neulings Brust sich facht. durch Unterdrücken, durch das Be- Mit Ju Sie fül Die sc Um G Und d Fast k Auch: Als be Sie sch VUnd g 33 75. Mit Juliens Herzen stand es kümmerlich; Sie fühlt' es fliehn, allein sie wollt' erfüllen ist, Die schwerste Pflicht für ihren Mann und sich, e. Um Cottes, Glaubens, Ehr' und Tugend willen. Und dies Gelübde ward sehr ernst gethan, Fast konnt’ es einen Tarquin zaghaft machen, Auch rief die Jungfrau sie um Beystand an, Als beste Führerin in Frauensachen. stellt, dimmel 76. lten, Sie schwur, den Juan niemals mehr zu sehen, Und ging zu seiner Mutter Tags darauf, hg sey— Und blickte scharf bey'm ersten Thüregehen, nur vor- Doch glücklich that sie sich für jemand anders auf; Sie dankte still— doch— wie betrübt gemacht; Da geht sie nochmals— wer kann'’s anders seyn? drücken, Gewiſs jetzt kommt Juan— o Himmel, nein! à das Be. Zur Jungfrau, glaub' ich, fleh't sie nicht heut Nacht! ngeduld! 77. 5. Ein Weib von wahrer Tugend muſs, so meynte t, Sie nunmehr, schauen und besiegen seine 4 Feinde; ich facht. 13. C Flucht sey gemein und feig, und sicher sey so viel, Kein Mann sollt' ihr entlocken ein Gefühl, Das heifst Gefühl, was über jenem allgemeinen S9 41 Vorzug, der immer Raum in uns gewinnt, Das Sehn Leute wir, die hübscher noch als Andre Lis sind, Die dann als se viel Brüder uns erscheinen. Schulc 78. Kann' Und sollte sie,— wer kann das sagen? Denu Der Teufel ist gar ränkevoll— zufällig sehn, I urn . I;;; och Es woll' ihr eigen Herz nicht recht mehr sicher Die l stehn; dn L Und— ganz noch frey— es könnte wohl be- Ps 3 hagen oeh Der oder jener— o, ein edles Weib kann dämpfen Dergleichen Hang, nur edler durch's Bekämpfen! Und fragt' ein Mann gar and— gut!— fort. geschickt! Ihr Mädchen, seht, wie der Versuch euch glückt. 79. Dann giebt's ja eine Art von geistgem Lieben, Je au Hell, unbefleckt, und unvermischt, und rein, Wie 1 Wie selbst die Seraphim sich seiner freun, Ich we Und ältre Frau'n, die auch gern sicher blieben! 3⁵ o viel, Platonisch, göttlich—«gerade wie das meine“ hl, So sprach, gewiſs im vollen Ernste, Julia, aeinen Und so möcht' ich ihr Herz, war ich der Eine, nt. Defs Bildniſs sie in frommen Träumen sah. Andre nen. 80. Schuldlos ist solches Lieben, und bestehen Kann's zwischen jungen Leuten ohne Fahr, Der Kufſs der Hand magzu denLippen übergehen— Fremd sind mir solche Dinge ganz und gar, b sehn. Doch diese Freyheit sey— so hört ich sprechen— r sicher Die letzte Grenz' in dieser Liebe Reich; Gehn manche drüber— ist es ein Verbrechen; rohl be- Doch meine Schuld ist's nicht, das sag' ich leich! b kann 8 ämpfen! 81. — fort⸗ D'rum Liebe, Licb' in ihren richt'gen Crenzen, War Juliens frommer endlicher Entschluſs glückt. Zu Gunsten Don Juans; der himmlische Genuſs, Er könne seine Bildung selbst ergänzen; Und, an zu heil'ger Flamm' entzündet, um ihr Licht Lieben, Je zu verlieren— bey des Worts Magie, bd rein, Wie könn' er lernen durch die Lieb' und sie— un, Ich weiſs nicht was, auch Julie wuſst es nicht! blieben! 82. Voll dieses schönen Plans, und wohl versehen Mit sicherm Harnisch— Seelenreinigkeit— Und ihrer Kraft gewiſs für jede Zeit— Ihr Ehr', ein Schlofs auf schroffen Bergeshöhen— Glaubt sie, sie könne jede Art von lästgem Zwang, Mit dieser Stund' an, gut entbehren, Ob Julia unter'm schweren Wagstück sank, Das muſs die Folgezeit uns lehren. 83. Den Plan hielt sie für schuldlos und ausführlich, Und wohl! bey einem sechzehnjähr'gen Fant, Sicht selbst die Schmähsucht nichts, was unge- bührlich, Und wenn... sie wufste, das, was sie empfand, War gut, und so bekümmert sie's nicht weiter. Ein ruhiges Gewissen macht uns heiter. Die Christen haben sich verbrannt, im festen Wahn, Die sämmtlichen Apostel hätten's auch gethan. 84. Wenn mittlerweil' ihr Ehemann entschlief— Doch Gott bewahre sie, und wär's im Schlummer, Vor dem Gedanken nur,(sie seufzte tief,) Sie stürbe, bey dem häufgen Fall, vor Kummer, Docl Ich (Soll Fran Ich s Juan Für In sie Und Wär Die. 4 Die S S0 vi Dem Wie“ Leich Verw Noch Sey'n Und 37 Doch setzt es, daſs ihr Stern es so beschlofs, Ich sage ja nur: setzt es, inter nos. erschen(Sollr' entre nous mehr seyn, denn Julie dachte it— Französisch— doch der Reim es mit sich brachte.) öhen— Zwang, 83. Ich sage nur: setzt die Voraussetzung: ank, Juan, nun Mann geworden, wär' unstreitig Für eine Wittwe passend, hübsch und jung; In sieben Jahren wär's noch vollauf zeitig! Und unterdefs(das Traumbild fortzuspinnen) führlich, Wär'’ auch die Sache nicht so schlimm bestellt. Fant, Die Anfangsgründe lernt er in dem Minnen, las unge- Die Seraphssitten mein' ich jener Welt. mpfand, 86 t weiter. . So viel von Julien, nun zu Don Juan. Im festen Dem armen Teufel blieb es unentschieden, Wie'’s mit ihm sey; er sann umsonst und sann— gethan. Leicht reizbar, wie Medea bey Oviden, Verwirrt ihn jed' erwachendes Gefühl; Noch kam er nicht darauf: die ganzen Sachen, Sey'’n zu natürlich, um ihm bang zu machen. lief— Und führen, durch Geduld, zum schönsten lummer, Ziel. Stumm, müſsig, unstät, schleichend und zerstreut, Das Haus vertauscht mit ödem Waldesgrunde, Und Gequält von einer unbekannten Wunde, Nur Entwich sein tiefer Gram zur Einsamkeit. u Ich selbst bin gern in Einsamkeit zu Hause Doch mein' ich— dies euch allen zum Be- scheid— Juan Darunter eines Sultans Einsamkeit, Voll Nicht eines Mönchs, mit Harem statt der Klause. Wart Wo 88. Dort „0 Liebe, hier in diesen wilden Gründen, WMir „VWo Sicherheit sich um Entzücken schlingt, Wen „Hier ist dein schönstes Zauberreich zu finden, „Hier bist du Göttin, die vom Himmel dringt!“ 5) Nicht übel spricht der Barde, der dies singt, Die zweyte Zeile ausgenommen, „Wo Sicherheit sich um Entzücken schlingt“, Er, Hier scheint das Klar' in's Dunkle mir ver- Mit e schwommen. 89. Der Dichter meinte wohl— und rufet an Derganzen Menschheit richtgen Sinn undsinne— Dasselbe, was ein jeder leicht wird inne, Wie All' Erfahrung lehrt' und lehren kann: rstreut, inde, . use um Be- Klause. den, llingt, finden, ingt!² ⁵) singt, alingt“. mir ver- Dafs niemand will gestört seyn bey dem Essen, Und bey dem Lieben— nichts mehr vom„sich schlingt», Und vom Entzücken, wie wirs auch besessen, Nur Sicherheit“, dafs nicht die Thüre klinkt. 90. Juan schlich an den murmelnden Krystallen, Voll von Gedanken, die kein Wort faſst; bald Wark er sich hin in dichtbelaubten Hallen, Wo wild der Zweig sich rankt im Korkbaumwald. Dort finden Dichter Stoff für ihre Lieder, Wir lesen sie, und lesen sie gar wieder, Und Plan und Versmaas Beyfall wohl gewinnt, Wenn nicht, wie Wordsworth, sie unfafslich sind. 91. Er, Juan(und nicht Wordsworth) pflog Mit eigner hoher Seele so Verkehr, Bis, starker Kraft, sein tapfres Herz dem Joch Des Uebels ihn zur Hälft' entzog, Obschon nicht ganz, doch that das Beste er, Was möglich ist bey unfreywill'gen Dingen, Er ward—(wohl konnt' er nicht in's Klare dringen) Wie Coleridge, ein Metaphysiker. 92. Nachdenkt er über sich, die weite Welt, Den wundervollen Menschen, die gesürnten Höhen, Und wie zum Henker all dies konnt' enistehen; Auf Krieg, Erdbeben dann sein Denken fällt, Wie viel wir Zahlen für des Mondes Umfang brauchen—, Auf Luftballons; wie's fast unmöglich sey, Ganz zu durchspäh'n des Himmels Mancherley— Zuletzt dacht' er an Donna Julia's Augen. 93. . Gescl Dem Weisen mufs sein gar erhab'nes Streben Nach Sein hach Verlangen aus dem Denken sich er- geben; Natürlich Vielen, andre müssen's lernen, Und quälen sich, und wissen nicht wofür? Also Seltsam, daſs ein so junger Kopf, wie hier, Verst Sich mühte mit dem Gang der Himmelsfernen, Kein Meint ihr, bewirkt hab's die Philosophie, Das l Mein' ich, das reif're Alter half wohl hie. Den 7 Zu h 94.. Nebst Er starrt auf Blumen, Blätter hin; vernahm Jetzt In allen Winden eine Stimm', und dachte An ew'ge Lauben, wo ein Nymphchen wachte, lt, stirnten istehen; a fällt, Umfang ey. terley— en. reben sich er- n, für? hier, lsfernen, ie, nie. nahm hte rachte, Und wie zum Liebling manche Cötlin kam; Vom Pfad irrt er; vergafs, die Stunde flieht, Und als nach seiner Uhr er wieder sieht, Eand er, wie viel die alte Zeit gewonnen, Fand er zugleich, der Mittag sey verronnen. 93. Bisweilen blickt er in sein Buch, Boskan War's, oder Garcilasso— wie die Schriften Vor'm Auge zittern, überweht von Lüften, So, durch die Poesie des Herzens, rann Die Seele bebend auf dem mystschen Blatte, Als ob ein Zaubrer seinen Spruch dahin Geschrieben, und in Wind gestreuet hatte, Nach manchen Mütterchens treugläub'gem Sinn. 96. Also verträumt' er einsam seine Stunden, Verstimmt, nicht wissend, was sein Sehnen war; Kein Schwärmen reichte, und kein Dichter dar Das Eine, wo die Seel' ihr Glück gefunden, Den Busen, dran zu schmiegen sanft sein Haupt, Zu hören da des Herzens liebend Wallen„ Nebst andern Dingen, die mir nun entfallen, Jetzt Wenigstens zu nennen nicht erlaubt. — — See — 97. Die stillen Gäng' und langen Träumereyn, Nicht konnten Juliens Blicken sie entgehen, Sie sah, dem Juan muſste etwas seyn! Doch was zumeist wir mit Befremden sehen, Ist, dafs die Donna Ines nie vom weiten Mit Fragen neckte ihren einz'gen Sohn, Ob sie's nicht wollt, ob ihr das Ganz' entflohn P Ging'’ ihr, wie allen hochgelahrten Leuten? 98. Das scheint befremdend, doch ist's ganz gemein; Zum Beispiel, Männer, deren Frauen sich er- frechen, Vom Zwang der Frauenpflicht sich zu befrey'n, Und brechen— welch'Gebot ists, das sie brechen? (Die Zahl hab' ich vergessen; wer citirt, Muſs auf der Hut seyn, Irrthum zu vermeiden;) Ich sage Männer, wenn an Eifersucht sie leiden, So fehlen sie, was gut ihr Weibchen spürt. 99. Stets ist ein rechter Eh'mann eifersüchtig, Nur meistens da, wo seine Zweifel nichtig; Er mifstraut dem, der keine Absicht hat, Oder, zu seinem Unglück selbst verschworen, Indem er einen theuern schlechtenFreund erkoren, 43 Das letzte Beywort giebt ihm seine That; Wenn Freund und Weib mit Flucht die Lieb- schaft enden, Staunt er die Bosheit an, nicht sein Verblenden 100. 9 So Blindheit auch der Eltern Blick oft hält! tflohn Nichts sehn sie, ob wie Falken sie zu Platz; hten? Und lachend sieht ganz klar die böse Welt Des Hoffnungsvollen Liebchen, Fannys Schatz; Bis endlich, ach! ein Burzelbaum zerstört Mein:. Den zwanzigjährgen Plan— und alles nun ver- eich 8E. 4 dorbeu,. Da schreyt die Mutter auf, der Vater schwört Zum Teufel, wie er Enkel schon erworben! efrey'n, rechen? „ 101. „.. neiden 3) Doch Ines war so ängstlich, sah so rein, leiden, Dafs ich bey diesem Falle lieber glaube ürt. Es mufst' ein andres hier zur Absicht seyn, Warum sie ihn der Lockung lieſs zum Raube. Doch was die Absicht war— nichts davon jetzt! . Vielleicht sollt's zur Vollendung Juans taugen, 18⸗ Vielleicht wollt' öffnen sie Alfonsens Augen, hüig; Im Fall, er hab' sein Weibchen überschätzt. hworen, erkoren, 102. Es war einstmals an einem Sommertage— Ihm Der Sommer traun! ist eine schlimme Zeit, Und Der Lenz auch, wenn der Juny nicht mehr weit, Daſs Die Sonne trägt die Hauptschuld sonder Frage! Doch was die Schuld auch sey, man könnte meinen, Sie s Und keck behaupten, dafs es richtig sey, Wi— Dafs wir zu Monden fröhlicher erscheinen— 28 . 8 4 Sbezen Und 4 Der März will Hasen, seine Schäferin der May. Das 8 103. Kurzr An einem Sommertag— den letzten May— Sie se Ich liebe, streng die Datums anzugeben, Solch Nicht blos welch' Jahr, auch welcher Tag es sey, Sie s Sie sind ein' Art von Posthaus, oft erheben Die Parzen neue Pferde d'rin, und ändern Der Dinge Lauf, fortjagend dann ob Au'n und Ländern Und kaum mehr lassend als Chronologie, Wie Und die Todtenlisten der Theologie. Ihr sq 104. Den leizten May war's, und die Glocke stand Schon äber sechs— beynahe auf der sieben, Als Julie sich in einer Laube fand— So baut den Huris nur sie Edens Land, — Zeit, ehr weit, Frage! könnte ey, nen— ler May. Hay— n., ag es sey, eben dern Au'n und gie, Wie Mahom und Anakreon Moore beschrieben: Ihm ward verliehen Laut' und Lorbeerkranz, Und Ihm der Dichtung heller Siegesglanz— Dafs die verdienten Zierden lang ihm bleiben! 105. Sie safs dort, nicht allein; ich weiſs nicht recht Wie dies Beysammenseyn sich zugetragen, Und wüſst' ich's auch, ich wärd' es d'rum nicht sagen, Das Schwatzen ist von Manchen äusserst schlechu Kurzum, wie auch die Sächelchen geschah'n, Sie safs dort, Angesichts mit Don Juan. Solch zwey Gesichter— würd's am besten taugen, Sie schlöfsen, wenn's auch schwer sey, fest die Augen. 106. Wie hold sie blickt'! Es glüht' auf ihren Wangen Ihr schuld'ges Herz— ihr kam's unschuldig vor! Wie hoch schwingt deine Kunst, o Liebe, sich empor! Wirſst Starke, läſst die Feigen Kraft empfangen! Die meisten, die du hältst auf deinem Schooſs, Von welchem Selbstbetrug sind sie befangen? Der Abgrund, wo sie stand, war grenzenlos— Ihr Glaub' an ihre Unschuld auch so grofs! 107. Sie dacht' an ihre Stärk, an Juans Jugend, CGar Und an die Thorheit zümpferlicher Qual; An angebor'ne Treu' und Weibertugend, Auch an den funfzigjährigen Gemahl. Von letztem wünscht' ich, daſs hinweg es bliebe, 49 Die Zahl gilt selten einen hohen Preis, n,18 In allen Zonen, schneeig oder heiſs, Sie Klingt gut beym Geld sie, übel in der Liebe. M Alle 108. Sie, Gew Heifst es:«ich hab's euch funfzigmal gesagt!* Ist eines Wischers man sogleich gewärtig. 1 Spricht Stax:«ich habe funfzig Reime fertig!“ Graut uns, dafs mit Vorlesen er uns plagt. Die Zu funfzig üben Gräul die Räuberhaufen, Wahr ists, mit funfzig wird die Liebe rar; Doch zweifelsohn' ist dieses gleichfalls wahr, Mir funfzig Louisd'or läfst sich viel kaufen. 109. Julie hatt Ehre, Tugend, Lieb' und Treue, Für Don Alfonsen, und sie schwur bey sich, Bey allem, was auf Erden feyerlich, Dafs nichts den Trauring jemals ihr entweihe, Kein Wunsch sogar, der Sittsamkeit verläugne; Wie dies erwog, und andres, ihr Verstand Legt' achtlos sie die eine Hand auf Juans Hand Ganz aus Verseh'n, sie hielt's für ihre eigne. „ 110. lieb Ihr Haupt, bewuſstlos, auf der andern lag, spliebe Die mit den Ringeln ihres Haares spielte; Sie rang, schien's der zerstreuten Miene nach, 2 Mit dem, was sie, trotz allen Sträubens, fühlte; Liebe- Wie ſalsch es doch von Juans Mutter war, Allein zu lassen dies unkluge Paar, Sie, die so lang das Söhnchen scharf bewacht! Gewiſs, so hätt's die meine nicht gemacht! 1111. plagt. Die Hand, die Juans Hand noch hielt allmählig afen, Verstärkte sanft, doch fühlbar sie den Druck; e rar; Als spräche sie: halt mich, wenn dixr's gefällig! wahr, Platonisch rein— das ist wohl klar genug, aufen. War dieses Fingerdrücken nur gemeint, Sie wär' erbebt, wie vor dem bösen Feind, Wenn sie geglaubt, so etwas könn' erwecken Gefühle, die ein ehrsam Weib erschrecken. Treue, bey sich, 112. . Fr. 1. 1 3— 9 ntweike, Fragt nicht, was dachte sich dabey Juan t 2 Er th ras il 1 cheinli han erläugne; Er that, was ihr wahrscheinlich auch gethan, Die Lippen zollten Dank mit einem Kusse, Doch wie beschämt vom zaub'rischen Genusse, Fuhr er zurück, verzweifelt, als war's ein Ver- brechen— Lieb' ist so schüchtern, wenn zuerst sie wach! Roth ward sie, doch nicht zornig— wollte sprechen, Und schwieg, denn ihre Stimme wurde schwach. 113. Die Sonne schwand, der. gelbe Mond erschien; Der Teufel hat sein Spiel im Mond, die ihn Keusch nannten, eilten mit dem Namengeben Glaub' ich, zu rasch! Kein Tag, und selbst der längste muls, Usd wär's der ein und zwanzigste des Junius, Nur halb so viel ruchlose Ding' crleben, Als sie bestrahlt dreystünd'ger Mondenschein, Und stets blickt er so unbefangen d'rein! 114. zZu dieser Stund' ist ein gefährlich Schweigen, Die Stille läfst der vollen Seele Raum Sich zu erschliefsen ihrem süſsen Traum, Sie fühlt die Kraft zum Widerstehn entweichen; Das Silberlicht, umschleyernd Höh'n und Bäume, Sireut Mild' und Zauber über alle Räume, Hine usse, Genusse, ein Ver- ie wach! — wollte schwach. erschien; die ihn mengeben selbst der 3 Junius, 2n, nschein, ein! chweigen, 1 um, atweichen; ind Bäume, äume, 49 Und dringt auch in das Herz, und gieſst Hinein, ein liebend Schmachten, das nicht Ruhe ist. 145. Und Julie saſs bey Juan— halb umfangen, Und halb dem glüh'nden Arm sie sich entbrach, Der bebte, gleich dem Busen, wo er lag; Dafs unrecht dies, war ihr wohl noch entgangen, Sonst war's ja leicht, den Leib zurück zu beugen, Doch dieser Zustand hatte Süfsigkeit, Und dann,— Cott weiſs was dann— ich möchte schweigen, Schon daſs ich anfing, thut beynah' miy leid! 116. O plato, Plato! das thatst du, mit deinen Verworr'nen Phantasieen! Es verführt Dein System, wobey wir so fahrlos uns meinen, Weit mehr zum Betragen, das nicht sich gebührt, Ein sicher gewordenes menschliches Herz, als alle Die Dichter und Romanenschreiber; geh! Du bist Ein Charlatan, ein Schwärmer, ein Sophist, Ein Kuppler— noch im besten Falle! 13. D 4 47 Und Juliens Stimme war nur leises Stöhnen,— Bis es für nützliches Gespräch zu spat, Une Aus ihren schönen Augen stürzten Thränen, Ich wollt', es war nicht nöthig, in der That! Ach wer kann lieben, und doch weise bleiben? Ein Vorwurf will der Lockung Reiz vertreiben— Hie Sie ringt ein wenig noch— bereuet sehr Stil Und— giebt sich, flüsternd:«nein doch! nim- Es; mermehr!* Die Doc Im 118. Xerxes liefs einen Preis, sagt man, verkünden, Daf Wer eine neue Lust ihm würd' erfinden; Die Ford'rung zahlte, dächt' ich, harte Buſse, Und kostete dem Schach wohl einen Schatz; Ich, mäfsigreicher Bard', an meinem Platz, Ich halt's mit einem Liebchen, Namens Muse, Und mag nicht neue Lüste, da die alten 0ʃh Mir sattsam g'nügen, wenn nur Stich sie halten, Au 8. 4 119. 0 Lust, fürwahr du bist ein köstlich Ding, Bin Kommt man auch deinetwegen in die Hölle! In jedem Lenz schwör' ich, auf alle Fälle Mich zu bekehren, ch' das Jahr zu Ende ging— Allein bald ist des Schwures Kraft gelähmt; Ich sollt' ihn halten, das fühl' ich nicht minder, „ Und bin nun traurig, grenzenlos beschämt, Und hoffe volle Aend'rung auf den Wiuter. 120. eiben— Hier muſs die keusche Muse eine Freiheit nehmen; ehr Still, keusch're Leser! Nur diesmal vergöunt’s!b ch! nim- Es giebt hierbey auch weiter nichts zu schämen, Die Freyheit ist poetische Lizenz; Doch könnte sie Unregelmäſsigkeiten Im Plane wirken, und bey meiner Achtung fär Den Meister Aristotcles, heischt's die Gebühr, rkünden, Dafs ich Verzeihung suche, will vom Gleis icl den; schreiten. te Bufse, Schatz; 121. Platz, Die Sach' ist diese: mit des Lesers Gunst 1 Will ich vom letzten May(dem Schicksalstag, ton Ohn' welchen meine dichterische Kunst, ie halten, Aus Mangel an Geschichte, leicht erlag) Indem das Paar ganz fest im Auge wir ns Muse, Behalten, ein'ge Monde hüpfen— wollen sagen, 3 Es war November— aber in den Tagen Ding, Bin ich nicht klar— die Zeit wird dunkler e Holle! hier. Fälle de ging— 122. Wir sprechen gleich hiervon.— Süſs ist's Gesang Und Ruderschlag des welschen Gondoliers zu hören, Wenn nächtlich, blauer monderhellter Tief' entlang, Aus Fernen weicher, er der Fluth entdrang, Süfs ists, zu schau'n den Stern der Abendsphären, Süfs ists, zu lauschen, wie der Nachtluft Gang Von Blatt zu Blatt schleicht— süſs, den Regen- . bogen gu sehn, wie er vom Meer die Hlimmelshöhe umzogen. 123. Süfs, wenn des Kettenhundes treues Bellen Wilikommen ruft dem Wand'rer nah' am Haus; Süfs, wissen wir, ein Auge schaut heraus, Das wird bey unserm Nahen sich erhellen. Süfs ist's, singt uns die Lerch' am Morgen wach, Lullt ein der Wasserfall, süls ist der Mädchen Stimme, Der Vögel Lied, süſs das Gesumm der Imme, Des Kindes lispelnd Wort— das erste, das es sprach. phären, ft Gang Regen- elshöhe llen m Haus; us, len. en wach, lädchen Imme, „das es 124. Süſs ist der Monat, wo der Trauben Wucht Zur Erde fällt in wildem Ueberflusse, Purpurn und platzend; süfs ist unsre Flucht Vom Stadtgetös zu ländlichem Genusse; Süſs ists dem Geizhals auf sein Geld zu schauen, Dem Vater süſs sein erstgeborner Sohn, Süfs ist die Rach', absonderlich den Frauen, Dem Krieger Raub, dem Seemann Prisenlohn. 123. Süſs ein Vermächtnifs, und noch mehr als süſs, Wenn unerwartet wir erfahren, Es starb der oder die mit vollen siebzig Jahren, Das schon zu lang«uns Junge“ warten lieſs, Auf eine Kals', ein Gut, Haus auf dem Lande; Gebrechlich stets, doch von so starkem Lebens- bande, Dafs nun den neuen Herrn die bösen Juden all' Umlagern, längst vertröstet auf den Todesfall. 126. Süſs, And'rer Lorbeer zu gewinnen, wieb gleich- viel, Mit Tinte oder Blut; süfs ist's, setzt man ein Ziel Dem Streite, süſs oft selbst die Streitigkeit, Mit einem lästgen Freund insonderheit; 5 Süls alten Wein in Fässern, Ale in Tonnen; Die Waise wird als Schützling lieb gewonnen, Lieb ist der Ort, wo wir als Knabe gesessen, Ob wir vergessen dort, bleibt er uns unvergessen! 127. Doch süfser als dies, als alles je kann seyn— Ist Erste, heifse Liebe— ach! sie steht allein, Gleich Adams Rückerinn'rung seines Falles— Gepflücket ist der Erkenntnifsbaum— erkannt ist Alles! Nichts hat das Leben weiter, was so theuer, Als diese ambrasische Sünde— fabelhaft Geschildert als das nievergeb'ne Feuer, Das uns Prometheus' kühner Raub verschafft. 128. Ein seltsam Wesen ist der Mensch, und pflegt Sein Wissen, seine Kräfte seltsam anzuwenden, Für neues Schaffen ganz besonders hegt Er Lust— damit es zeuge von seinen Talenten. Das Wungderliche hat jeizt freyen Lauf, Und ihren Absatz finden alle Gaben; Beginne redlich— und solltest du dich haben Umsonst gemüht— der Trug hat seinen Kauf. onnen; wonnen, essen, rgessen! eyn— t allein, alles— erkannt heuer, aft 1 „ schafft. haben en Kauf. 129 Welch'’ streitende Entdeckungen sind nicht er- schienen? (Ein Zeichen, der Geist sey reich, die Taschen leer,) Der machte neue Nasen, jener Guillotinen; Der bricht die Bein' entzwey, ganz macht sie der; Doch waren die Kuhpocken ohne Widerreden Ein sanfter Gegensatz mit Congreves Brandraketen- * AX‿ X* X*X* * X* X*X X X* 130. Kartoffeln buk erträglich man zu Brode, Zum Grinzen brachte Galvanismus Todte, Obgleich sich hier die Wunder nicht ergaben, Wie bey des Menschlichkeits Vereines Apparat, Wo gratis man Erstickt entsticket hat; Welch künstliche Maschinen jüngst gesponnen haben! ****X*X△* * X 3* 132. Die Zeit hat das Patent, ganz neue Weisen Für Leibestod, und Seelenheil zu holen, Dabey mufs Alles beste Absicht heifsen; Humphrey Daoy's Laterne, wo man Kohlen Gefahrlos graben kann, nach dem Verheiſsen; Tombuktu's Reisen, Fahrten nach den Polen— Sind Mittel, Menschen zu beglücken, eben so sicher fast, als erschiefst man sie bey Waterloo. 433. Der Mensch ist eine Erscheinung— was? bleibt unbewulst, Ist wunderbar ob aller Wunder Maas; Nur Schad' in dieser prächt'gen Welt ist's, daſs Lust eine Sünd' ist, und die Sünd' oft Lust! Der Mensch weifs selten, welches End' er habe, Ob Ruhm, Macht, Liebe, Glückesgabe— Durch Krümmungen zieht sich sein Pfad— und wann Am Ziele— stirbt er, ganz gewiſs— und dann— 134. Was dannb Ich weiſs so wenig hiervon, als du, D'rum, gute Nacht— wir eilen der Geschichte zu: November war’s— vorbey mit den schönen Tagen, Die fernen Berge waren leis bereift, Das Am! Und Es g Kein In 8t Durc Etwa Wie Ich I Und: Es we Und An d Wen Doch sen 1* ⸗* hlen heiſsen; Polen— eben so aterloo. d bleibt U's, daſs Lust! er habe, — und dann— Und trugen um blauen Mantel weiſsen Kragen, Das Vorgebirge ward von der See umkeift, Am Felsen kochte der Brandung lautes Getümmel, Und die nüchterne Sonne verliefs schon um fünf den Himmel. 133. Es gab, nach Wächterausdruck, wolkige Nacht, Kein Mond, kein Stern— der Sturm schwieg— lärmte, In Stöſsen— und mancher Heerd ward licht ge- macht Durch Holz, wo dann der Familienkreis sich wärmte; Etwas Ergötzliches hat dieses Licht, Wie Sommerhimmel, die kein Wölkchen zeigen, Ich liebe Feuer, Grillen und dergleichen, Und Kosen bey Champagner und Hummergericht. 136. Es war Mitlernacht; und Julie lag im Bette, Und schlief wahrscheinlich— als ein Lärm sie erschreckt An der Thüre, der Todt' erweckt hätte, Wenn nie vorher ein Todter aufgeweckt, Doch lasen wir alle, daſs sich's zugetragen, Und lesen wenigstens noch Einmal, daſs es ist, 24 5 Die Thüre war zu, doch ward ein Rufen und Schlagen Gehört, und dann:„Madame, Madame— bst— bstl“ 137. „Um Cotteswillen, Madame, es ist der Herr! Mehr als die halbe Stadt folgt hinten nach— Was war verfluchter je? was schrecklicher P Schuldlos bin ich— ich wachte ordentlich— ach! Den Riegel, ich bitte sie, schneller zurücke, Sie sind schon auf der Trepp', im Augenblicke, Sind sie zur Stelle, vielleicht entflieht er noch, Das Fenster ist nicht so entsetzlich hoch! 138. Alfons war mittlerweile angekommen, Mit Fackeln, Freunden, groſser Dienerschaft, Die meisten hatten Weiber längst genommen, D'rum waren sie nicht sehr gewissenhaft Den Schlaf zu stören einer Frevlerin, Die diebisch ihres Gatten Heiligthum entehret, Solch Beyspiel wird durch Ansteckung vermehret, Blieb Eine straflos— jede würde zur Sünderin. Ich Die Allei War Ohn Den Und Daſs Die: (Nic Fing Die War Als Ich Zu 2 Docl 59 fen und 139. bst— Ich weiſs nicht wie, und welcher Argwohn hier Die Seele Don Alfonsens hat durchflogen— Allein gewils für einen solchen Cavalier, War das Betragen höchlich ungezogen; Ohn’ ihr ein Wort zu melden, sammelt er Herrl Den Morgenzuspruch um der Gattin Bette, Und bringt Lakey'n mit Schwert und Feuer her, Dafs er von dem, was ihn entsetzet, Kunde hätte! ch— her P h— ach! rücke,. enblicke, 140. er noch, Die arme Julie, wie erschrocken bey'm Erwachen- pchlo(Nicht sag' ich, daſs sie nicht gewacht, merkt's euch!) Fing an zu schreyen, gähnen, weinen allzu- gleich— Die Zof' Antonie— eingeweiht in allen Sachen, zerschaft, Wark emsig ihre Betten auf einander, aommen, Als wenn sie d'raus geschlüpfet eben jetzt; aft Ich weiſs nicht, was sie so in Flucht gesetzt, Zu zeigen, ihre Frau schlief heut zuwander. entehret,„ ermehret, 141. Sünderin. Doch Dienerin und Herrin thaten, wie Zwey arm'’ unschuld'ge Frauen, die Vor Geistern, und noch mehr vor Männern bange, 60 Geglaubt, Ein Mann würd' abgeschreckt von zweyen, Und d'rum zusammen sich gelegt, so lange Bis überstanden wäre das Einsamseyn, Und der Nachtschwärmer käm', und spräche: chatz, „Ich war der Erste, der sich schlich vom Platz!" 142. Erst jetzt fand Julie ihre Stimm', und rief: «Um's Himmelswillen, Alfonso, was soll das heiſsen? „Seyd toll ihr? o läg' ich begraben tief, Eh' solch ein Unthier kam mich zu zerreiſsen? „Was soll dies mitternächt'ge Toben bedeuten? „Ist es von Trunkenheit ein Anfall, oder Spleen? Mich in Verdacht— die tödtete— nur der Ge- danke vom weiten? «Wohl, sucht!“ Alfonso sprach:«das soll ge- scheh'n!» 143. Er stöberte, sie stöberten in allen Ecken, Im Cabinette, Kisten, Schrank, auf Fenster- stöcken, Da gab es Leinwand, Schnüre viel, nebs: ein- gen Paaren Pant Samn Die s Zerha Und Sie si Gleic Sie ri Ob k Und; Daſs Und’s In's I Nicht Die Z Häuf Deſs Deſfs Ein ckt von lange spräche: a Platz!² rief: soll das f, rreifsen? edeutenb rSpleen? r der Ge- enP soll ge- ken, Fenster- hebst ein- Pantoffeln, Strümpfen, Bürstchen, Kamm zu schau'n, Sammt übrigen Artikeln hübscher Frau'n, Die schön erst machen— oder schön bewahren; Zerhau'n ward mit dem Schwert Vorhang, Ta- peten, Und Balken wurden wund nebst ein'gen Fenster- läden. 144. Sie suchten unter'm Bett— da fanden sie— Gleichgültig was, es war nicht, was sie suchten; Sie rissen die Fenster auf, und lugten Ob keine Tritte sichtbar— nichts war hie! Und nun sah'n alle sich betroffen an— Dafs keinem Sucher beyfiel, ist ein Wunder, Und scheint beynah' mir fehlerhaft gethan— In's Bett hinein zu sehn, so gut als drunter! 145. Nicht müfsig war, bey diesem Ortumschwenken, Die Zunge Juliens«„Sucht nurn— schrie sie laut, «Häuft Schmach auf Schmach, häuft Kränken nun auf Kränken, «Defshalb bin ich geworden eine Brauts «Deſfshalb litt ich so lang mit Schweigen Ein Scheusal, wie Alfonsen um mich her? 6² . „Mehr trag' jch's nicht— nicht bleib' ich län- ger mehr, „Giebts Recht und Rechtsgelehrt' in Spaniens Reichen. 146. Ja, Don Alfons, nicht länger mehr Gemahl! „Verdientet jemals ihr den süſsen Namen; defs Jahr' in's Schocken kamen, „— Denn funfzig oder sechzig, das ist ganz egal!— „Isus weis' und recht gethan, zu späh'n nach Thaten, „Die eines edeln Weibes Rufe schaden? Unwürd'ger, roher, undankbarer Don Alfonso, „Denkt ihr, ich laſs' dies alles hingehn schon sob „Ziemt sich's für den, 147. „Delshalb pflegt' ich Freyheiten zu verschmäh'n, „Die unserem Geschlechie all' erlauben? „Defshalb erkohr ich mir den alten, tauben „Beichtvater, den kein andres Weib erseh'n? „Der hat kein Einz'ges Mal mich ausgeschmählt, „Fand meine Unschuld so seltsam vollwichtig, «Dafs stets ihm's zweifelhaft, ob ich vermählt, „Wie wird's euch leid thun— geht mir's nun 4 unrichtig. 4 Del. «Ein- „Def Zu Deſ8 «Ich Spr- a Der Defſ8 Ein Hiet Das Eng Wa Und Der Hat «Den Unc Ger ch län- 148. «Delſshalb wählt' ich nicht längst schon ebenfalls Pamens«Einen Cortejo von Sevilla's Schmuck mir aus? »Defshalb ging ich kaum anders wo hin, als Zu Stierkampf, Meſs', Theater, Fest und Schmaus: mnahl«Defshalb bin unter meinen Werbern allzumal n Ich kalt, beynahe grob einher gewandelt? chocken aSprach Graf Oreilly so, der General, aDer Algier nahm 6), ich hab' ihn schlecht be egal!— handelt b on nach 149. «Defswegen sang der welsche Musiker Cazzani «Ein halbes Jahr mir vor zum wenigsten? «Hiefs mich sein Landsmann nicht, Graf Corniani, «Das einz'ge keusche Weib in Spanien b «Engländer, Russen waren g'nug zu Platz, «Was litt' Strongstroganoff um mich für Pein Und Irlands Pair d'rauf, Lord Mount Kaffeesatz, «Der sich vor'm Jahr aus Lieb' ertränkt(in Wein). Alfonso, thon so? chmäh'n, 130. wichtig,»Hatt' ich nicht auch zwey Bischöfe zu Füfsen? vermählt, Den Herzog von Ichar, und Don Gerondes? nun Und so darf man ein treues Weib begrüſsen? „Gern wüßst' ich traun: welch' Viertel wir des Mondes? «Der Mäſsigung, ihr schlagt mich nicht! Ich * meyne nur, «Weil doch die Zeit se schön dazu gelegen! «O tapfrer Held! mit Ketten und mit Degen! «Gefällt euch eure liebliche Figurb? 131. «Das war'’s, dafs plötzlich eine Reis' euch kam, «Die viel zu wichtig, um sie abzuwenden, «Mit dem Hauptschurken dort, mit dem Agenten, Den ich da stehen sehe, voller Schaam, «Daſs er den Narr'n gespielt? dient' Beyd' ihr mir zum Hohne, Er doch zumeist— sein Thun, wie schand- barlich! «Bey ihm war's nur die Sucht nach schmutz'gem Lohne, „Nicht etwa Liebe gegen euch und mich! 132 „Kommt er hieher, ein' Aussag' abzuhören, §o bitt' ich, laſst den Herrn doch nicht sich stören; Das Zimmer habt sehr passend ihr gewählt— «Hier Tint' und Feder, wenn ihrschreiben wolltet, «Mögt alles g'nau verzeichnen, daſs nichts fehlt! aIch wünschte nicht, dafs ihr umsonst besoldet— Do 0» 65 Ich«Doch, meine Zof' ist nackt— hinaus die Späher dächt' ich,“ O“, schluchzt' Antonie, ihre Augen kratzem „ 1 möcht' ich!" 1353. „Dort ist das Cabinet, der Putztisch, drauſsen h kam,«Die Antichamber— sucht durch Tief' und Hõöh', en Dort der Grofsvaterstuhl, das Kanapee, . 4 aPe genten Der Schornstein— da wohl könnt' ein Freyer * 4 hausen, evd' ihr«Ich schlafe nun, aus Rücksicht macht hinfort 1 9«Nicht solchen Lärm um mich„ bis ihr den Orr schand. Gefunden, wo der tiefverborg'ne Schatz begraben, «Und fandet ihr— so lafst auch mich die Freude Aulz'gem haben. h 154. «Und nun Hidalgo! da einmal ihr brachtet «Verwirrung rings umher, Verdacht auf mich, ren«Nun wünscht' ich, daſs ihr gütig kund auch ichr sich machtet, 3„Wer ist's, nach dem ihr suchtb Wie nennt . er sich 5 wählt Jung, hoff' ich, hübsch ist er ist er ,wolltet, Jung, hoff' ich, hübsc 3 ist er— und ist e groſs i ats fehlt! 13 Sr918 3 3. 3 1 soldet— 66 aIst er von Adel? Lafst hervor ihn kommen! Sprecht doch, und glaubet, nicht zum Scherze blofs, „Habt ihr mir meine Ehre jetzt genommen! 1533. „Vielleicht ist er noch nicht ein Sechziger, „So alt dürft' er zu alt für Morden seyn, «Oder für solches Jünglings Eifersüchteley'’n! „Antonie hol' ein Glas Wasser her! «Ich schäme mich, dafs Thränen mir entflossen, „Unwerth des Vaters ist's, dem ich entsprossen; „Nicht träumte meiner Mutter, als sie mich gebar, Dafs solchem Ungeheuer ich beschieden war. 136. Euch ſafst wohl Eifersucht Antonien wegen, „Von der ihr saht, dafs sie bey mir gelegen, „Als ein ihr stürmtet, ihr und eure Schergent „Sucht alles durch— wir haben nichts zu bergen. „Nur melden, hoſl' ich, werdet künftig ihr, Oder im Vorsaal kurz verzieh'n, nach Sitte, „So treten wenigstens bekleidet wir aIn so viel treffficher Gesellschaft Mitte! «Un Das Das Der «Ich Es Go. «Ant Sie Die Cleis Umv Ihr f umen! Scherze men! ger, n,„ dley’n! tſlossen, prossen; ſe mich in war. gen, llegen, hergen? bergen. g ihr, Sitte, 137. «Und nun mein Herr, genug, nun schweig' ich still, «Das wen'ge, was ich sprach, hin reich's, zu zeigen, «Das reine Herz erträgt den Gram in Schweigen, «Den es nicht weiter jetzt erörtern will! «Ich lafs' euch dem Gewissen— wie vor Tagen, Es wird euch meinethalb um Antwort fragen, «Gott geb’, ihr fühlt dann nicht der Reue Fluch! «Antonie, wo ist mein Taschentuch P 158. Sie schwieg, und drehte sich um; bleich lag sie da, Die dunkeln Augen sprühten durch Thränen Feuer, Gleich Wolken, die blitzen und regnen; wie ein Schleyer Umwallte die Wang,, auf der kein Roth man sah, Ihr flieſsend Haar; vergebens strebte die schwarze Hälle Der Locken die glänzende Schulter zu bergen, sie stach Wie Schnee hindurch— die sanften Lippen lagen stille, Und lauter als ihr Odem war des Herzens Schlag. 139. Alfons stand, wie entrückt in fremde Zonen, Antonie fuhr durch's Zimmer, das wild durch- wühlte, Und rümpfte die Nas', und mit Verachtung schielte Sie auf den Herrn und seine Myrmidonen, Von denen wohl sich befand der Agente, Der, gleich Achates, treu bis an das Ende, Jedwedes gern sah, gab's dabey nur Streit, Wohl wissend, das Gesetz thu' dann Bescheid. 160. Mit spürender Mopsnas' und kleinen Augen, Antonien folgend, wie sie sich bewegt, Stand er, gleich dem, der stark Vermuthung hegt. Nie pflegt er Schonung gegen Ruf zu brauchen; Konnt' er nur Händel und Prozeſs erreichen Hatt' er, trotz Schön' und Jugend, Mitleid nie, Und glaubt' an keine Abläugnung, bis sie Bekräftigt sattsam war durch falsche Zeugen. 161. Allein Alfons sah schweigend hin zur Erde, Und nahm höchst lächerlich sich aus, fürwahr! Nach An s Hatt' Zu d Dies Rascl Entse Erwi Und Geht Und Er s. Aucl Er v Anh Anto Eh' Und Sie en, durch- gen, ng hegt. auchen; ichen eid nie, sie gen. -de, irwahr! 2 Nachdem fünfhundert Winkel er durchstörte, An seinem jungen Weib that als Barbar— Hatt' er nichts weiter, als Gewissensbisse, Zu den Vorwürfen seiner Frau gehäuft, Die sie ob dieser Stund' ihm zugekeift, Rasch, dick und schwer, wie Donnerwolken- güsse. 162. Entschuldigung zu stammeln fieng er an,— Erwiedertward's mitSchluchzen nurund Thränen, Und Meldung naher Krämpfe— denn voran Geht stets ein Zucken, Stechen, Stöhnen, Und— weſs sich die Behafteten bedienen; Er sah sein Weib, und dacht' an das des Job; Auch ihre Sippen ihm im Geist erschienen— Er waflnete sich mit Geduld darob. 163. Anhub die Red' er— vielmehr das Gestammer, Antonie doch war weislich hinter her, Eh' auf der Rede Ambos fiel der Hammer, Und bat:«verlaſst das Zimmer, sprecht nicht mehr: Sie stirbt!“ Alſons brummt was vom Teuſel- holen, 7⁰ Doch weiter nichts, für Worte war's zu spat, Warf reuig ein— zwey Blicke hin— und that, Er wuſste nicht wefshalb— was ihm befohlen! 164. Mit ihm entfernten seine Haufen sich; Der letzte der Agent, er blieb so lange Die Zof' es litt, hartnäckig am Eingange, Stets zögernd, und nicht wenig ärgerlich, Ob diesem unerklärlich garst'gen Riſs Im Thun Alfonsens— der sich nun entblöfst— gewiſs! Und wie er nachsann dieser widrigen Geschichte, Schlofs sich die Thür vor seinem Amtsgesichte. 165. Kaum war verschlossen sie, als— o der Schande! O Sünd', o Leid! So ist das Weib bestellt? Das seyd ihr unentlarvt zu thun im Stande, Wenn blind nicht dies' und auch die andre Welt 5 Ein guter Name doch zumeist beglückt! Doch weiter— denn es steckt gar viel dahinten! Kaum kann ich Wort', es auszusprechen, ſinden— Dem Bett' entschlüpfte Juan— halb erstickt! Er w. Verm Jung, Ein Bedar Vom Traur Mit 8 Und Weil Die1 Zum Doch Als, Mit Ein h Icu- d that, nlen! „ 7 öſst— hichte, sichte. nande! llt5 de, andre inten! chen, kt! 166. Er war versteckt gewesen— kaum Vermag das wie? und wop ich euch zu sagen, Jung, schlank, und leicht gepackt— konnt ihn umschragen Ein kleiner, runder auch viereck'ger Raum; Bedauern ihn, dafs so den Odem ihm gehemmet Vom holden Paar— nicht muſs, nicht mag ich das! Traun! besser sterben so, als eingeklemmet Mit Säufer Clarence seyn im Portweinfaſs. 167. Und ich bedaur' ihn zweytens deſshalb nicht, Weil eine Sünd' er ohne Noth begangen, Die Hohn der Cottheit uns den Menschen spricht, Zum wenigsten— heiſst dies früh angefangen! Doch nagt mit sechzehn so nicht das Gewissen, Als, wollen wir die alten Schulden wissen Mit sechzig, und bey'm Facit unsrer Sünden Ein höllisch Gleichgewicht mit Satan selber finden. 168. Ick weifs nicht— wie verborgen er geblieben; Es wird erzählt im Buch der Könige, Wie einst die Aerzte, lasserfd Pill'n und Thee, Statt Blasenpllaster eine Maid verschrieben, Als dick das Blut des alten Davids ward, Und wie die Kur man trefflich wirken sahe; Vielleicht dort angewandt auf ganz verschied'ne Art, Denn David lebt' und Juan starb beynahe! 169. Was ist zu thunb Alfonso ist zurück, So bald entfernt des tollen Zugs Gepolter; Antoniens ganze Kunst lag auf der Folter, Jedoch kein Einfall hatte recht Geschick! Und wie dem neuen Angriff auszuweichen? Dazu war schon die Nacht beynah’' vergangen, Angst war Antonie, Julie lag in Schweigen Und schlofs die bleiche Lipp' an Juans Wangen! 170. Er wandte seine Lippen zu den ihren, Und ordnete ihr wildzerstreutes Haar; Selbst jetzt wollt' ihre Liebe sie verführen, Vergessend halb der Angst und der Gefahr. Nun war Antonien die Geduld entfahren— Fort fort! jetzt ist nicht Zeit zum Narrenthey'n!“ Sprach sie in Wuth,«ins Cabinet hinein! «Dahin will ich den saubern Herrn verwahrer- Das 44 We Wa Es s &ISt «Seht 46 Ihr Um Ja, a Von Doc „Tra- Nur §0! « Hat (Jue Thee, en, 3 he; hied'ne 1 end fangen, gen angen! en, ahr. 1— hey'n!“ 171. „Das dumme Zeug! Spart's doch auf ruh'gre Nacht!— «Wer meinen Herrn nur auf den Sinn gebracht? «Was wird d'raus werden!— Ach! ich beb' und zittre, «Es steckt der Satan in des Buben Muth! Ist das die Zeit, der Zustand für Gekittre? «Seht nicht ihr, daſs es enden kann mit Blut? «Ihr kommt um's Leben, ich um Brod und Pflicht, „Um alles meine Herrin— für das Milchgesicht. 172. «Ja, wär’s ein männlich schöner Cavalier, Von zwanzig, fünf und zwanzig!— macht ge- schwinde! «Doch so ein Kind, was giebt'’ zu lieben hier 5 Traun, Gnäd'ge, den Geschmack ich seltsam finde! «Nur rasch hinein! mein Herr muſs nahe seyn! «§o! ist der doch für jetzt in sicherm Hafen! «Hat nur bis früh die Sach' ihr gut Gedeih'n— (Juan, das sag' ich euch, ihr dürft nicht schlafen.) 74 173. Alfons, der jetzt hereintrat, doch allein, Beschwichtigte der treuen Zofe Kehle; Sie zögerte, er hiefs sie eilig seyn, sie fügt' etwas erbost sich dem Befehle; Jedoch— welch' Mittel jetzt, das ihn befreyte? Und schlimmes schien zu folgen, blieb sie dort; Sie mafs mit langsam groſsen Augen beyde, Putzte das Licht, und knixt', und eilte fort. 174. Alfons schwieg kurze Zeit, dann ſieng er an Etwas wie von Entschuldigung herzusagen; Rechtfert'gen wollt' er nicht, was er gethan, Denn glimpflich noch, war bäurisch sein Be- tragen; Wohl hätt' er trif'ge Gründe— doch nicht einen War im Verlauf zu nennen ihm genehm, Sein Reden war ein trefflich Stück von dem, Was die Rhetoren unter«Mischmasch“ meinen. 175. Julie blieb stumm, wie leicht ihr längst gewesen Ein' Antwort, wo das Weib den Vortheil hat, (Wen Mit w Die, Ob ih Umke Auf FE Wahn Alfon Doch Nein, Ein Noch Für Sie w Noch An J Er sp r an 13 han, ein Be- nicht 1„ dem, zeinen. lewesen 1l hat, (Wenn sie des Mannes Schwächen nur durch- lesen), Mit wen'’gen Worten schnell zu drehn das Blatt; Die, macht sie still nicht, doch verwirrt gar sehr, Ob ihr auch Mährchen die Entstehung leihen— Umkehren müſst das Ding ihr, und wenn er Auf Einen Argwohn, kommt ihr mit Dreyen. 176. Wahrhaftig, Julie konnt's, nicht ohne Gründe! Alfonsens Bund mit Ines war bekannt; Doch, ob verwirrte das Gefühl der Sünde— Nein, das wohl nicht— wie man's schon oft nicht fand; Ein Weib bringt stets Rechtfertigung hervor! Noch cher, dafs ihr Schweigen man erkläre Für zarte Schonung gegen Juans Ohr, Sie wuſste, theuer war ihm seiner Mutter Ehre. 477. Noch Ein Grund mochte seyn, und das macht zwey, An Juan dacht Alfons noch nie, gewiſslich, Er sprach von Eifersucht, doch nie bemerkt' er schlüſslich, 76 Wer der beglückte Günstling sey; Es blieb bey’m Vordersatze nur; zwar er Sann über dem Geheimnifs um so mehr— Doch, das ist klar, von Ines ein Gespräch, Hieſs Juan stofsen in Alfonsens Weg. 178. Bey zarten Fällen ist ein Wink schon g'nüglich, Besser, man schweigt; es giebt so einen Takt, (Dies neue Wort zwar lieb' ich nicht vorzüglich, Doch meine Stanze wird dadurch compakt) Der eine Frau, hart zugesetzt mit bösen Anfragen, von der That weit ferne hält; Mit soviel Anmuth lügt das holde Wesen, Dafs ihr Gesicht, wie nie vorher, gefällt. 179. Seht, sie erröthet— und wir glauben!— Al. lemal That mind'stens ich's— auch ist in keinem Fall Des Widerspruchs Versuch sehr von Erspriefsen— Denn dann pllegen die Worte wie Ströme zu flieſsen, Fehlt endlich Oden, fäng sie an zu stöhnen, Schlägt schmachtend nieder den Blick— ein Thränchen jetzt Wird Und Alfon Was Doch Versa Er st. Verw Und Als s Was So si Doch Die War Die? Alfor nd ich, üglich, 2 Takt, üglich, kt) 1 n, t. — Al- 2m Fall ſsen— öme zu nen, — ein Wird losgelassen— da eilen wir zu versöhnen— Und dann— und dann— wird sich zu Tische gesetzt.— 180. Alfons schloſs bittend, ob sie ihm verzieh'n? Was Julie halb verneinte, halb gewährte, Doch mit Bedingungen, die hart für ihn— Versagt ward mancherley, das er begehrte; Er stand, wie Adam, lüstern vor dem Paradies, Verwirrt, gefoltert von vergeb'nem Nagen, Und bat, nicht länger möchte sie versagen— Als stolpernd er an ein Paar Schuhe slieſs. 181. Was ist denn ein Paar Schuhe b Nichts, wenn sie 3 So sind, wie sie für Weiberfüſse passen— Doch,(das zu sagen schmerzt, ihr wiſst nicht wie!) Die waren männlichl— Sie zu sehn, zu fassen, War nur ein Augenblick! Himmel und Hölle, Die Zähne klappern mir, mein Blut wird kalt!— Alfonso prüfte wohl erst die Gestalt. nd and're Leidenschaft fuhr an der vor'gen Stelle. 182. Sein Schwert zu holen draufsen, rannt' er fort, Und Julie huscht' ins Cabinet hinein: Um Gotteswillen, flieh, Juan! Kein Wort! „Die Thür ist offen, leicht kann's möglich seyn, «Noch zu entfliehn qurch oft betret'nen Ort! „Hier ist der Gartenschlüssel, flieh! Bleib mein! «Rasch rasch, ich höre schon Alfonsen rasen, «Noch ist's nicht Tag, kein Mensch ist auf den Strafsen!“ 183. Niemand kann sagen, daſs nicht gut der Rath, Das einz'ge Unglück war, er kam zu spat; Als Preis mufs dies Erfahrung meistens geben, Das Schicksal will Einkommentav' erheben! Juan war an der Stubenthür' im Nu, Gleich schnell wär' er der Gartenthüre zu, Da trat im Weg, gerüstet, der Gebieter, Und drohte Mord, doch Juan warf ihn nieder. 184. Die Balgerey war hart, das Licht ging aus, Julie schrie Feuer, und Antonie Diebe, Doch kam zum Beystand keine Seel' im Haus; Alfons nach Herzenslust erlabt durch Hiebe, Schw Auch Sein Ein Das S Entsa Zum Da s So W. Alfor Bede Wie Alfor Und Und Zulet Hielt Der Er fl Dies er fort, ort! h seyn, Ort! mein! rasen, auf den r Rath, at; geben, en! zu, r, nieder. 79 Schwur kühn, sich rächen würd' er vor des Morgens Licht, Auch Juan fluchte, höher nun acht Töne, Sein Blut war reg', ob jung, wünscht er doch nicht, Ein Tartar, dafs der Märt'rerruhm ihn kröne. 4 85. Das Schwert, eh's noch Alfonso konnte brauchen, Entsank, sie fochten weiter Hand in Hand, Zum Glück fiel's nicht dem Juan in die Augen; Da seine Wuth nicht unter Leitung stand, So wäre, wenn zufällig er's erfasset, Alfons wahrscheinlich heute noch erblasset— Bedenkt des Gatten, des Geliebten Leben— Wie leicht konnt’s doppelt eine Wittfrau geben. 186. Alfons rang festzuhalten seinen Mann, Und Juan drosselt' ihn, um zu entspringen, Und Blut(es war nur aus der Nase) rann, Zuletzt, als schwächer wurde Beyder Ringen, Hielt Juan räthlich einen tücht'gen Stofs, Der aber seinen Mantel lieſs entgleiten; Er floh und lieſs ihn dort, wie Joseph— blos Dies Eine, glaub' ich, ähnelt zwischen Beyden. 80 187. Endlich kam Licht, mit ihm Bedient' und Frauen, Den ungceheuern Auftritt zu beschauen; In Krämpfen die Zof, inOhnmacht Julie schwer— Alfons lehnt, an der Thüre, ausser Oden, Zerstreute Fetzen waren auf dem Boden, Bluttropfen, ein'ge Tritte— sonst nichte mehr, Juan gewann die Thür' und drehte den Schlüs- sel um, Und schlofs, dem Innern gram, die Aussenseite d'rum. 188. Hier endigt dieser Gesang: wollt ihr erkunden, Wie Juan nackt, begünstigt von der Nacht, Die Frevel gern begünstigt, seinen Weg ge- funden, Und kam zu Haus in unanständ'ger Tracht— Des nächsten Tages lust'ge Stadtgeschichte, Des neunten Tages Wunder, das sich fand, Und wie auf Scheidung Don Alfons bestand— Natürlich meldeten's die englischen Berichte. 189. Wenn ihr den ganzen Hergang wolltet wissen, Aussagen, des Prozesses vollen Lauf, Mit! Der Gieb Verse Die Der Doch Eins Das Zum Gelo Der UÜUnd Sollt' Durc Sollt' Daſs Vorn (Ein 13. mehr, Schlüs- senseite kunden, facht, Veg ge- acht— lte, ſand, Stand— ichte. wissen, 81 Mit Namen aller Zeugen, wie Anwälde drauf Der Abweisung, des Niederschlags beflissen— Giebts der Ausgaben mehrere; man trifft Verschied'ne Lesart auch, doch jed' ist klar; Die best' ist Gurney's, nachgeschrieben mit schneller Schrift, Der nach Madrid gereist blos deſshalb war. 190. Doch Ines, um verredet bald zu schn Eins von den weitverbreitetsten Skandalen, Das seit Jahrhunderten bekannt in Spanien, Zum mind'sten seit Entfernung der Vandalen, Celobt' erst(und nie war Gelübd' ihr Scherzen) Der Mutter Gottes ein'ge Dutzend Kerzen, Und dann, nach ein'ger Mütterchen belobter Regel, Sollt' ihr Juan nach Cadix unter Segel. 191. Durch alle Länder Europens, wollte sie gerne, Sollt' er zu Wasser oder Lande gehn, Daſs die alten Sitten er befs'r und neue lerne, Vornehmlich in Frankreich und Italien, (Ein Ding, dem alle Welt beynah' geneigt.) F 13. 82 Die arme Julie muſst' in's Kloster, tiefes Nich Weh faſste sie— doch besser, glaub' ich, zeigt, Sich ihr Gefühl durch Abschrift ihres Briefes. M 192. Ich «Hinweg gehst du,— ich hör', es sey entschieden! Nich Weis' ist's und gut— und dennoch bleibt es Pein. «Nichts hab' ich deinem Herzen zu gebieten, «Meins ist das Opfer, möcht'’s noch Einmal Getr seyn!«Sie Die einz'ge Kunst war, die ich nicht gemieden, «Zu sehr zu lieben! Schnell schreib' ich; ein„Hof, Schein* M «Von einem Fleck, nicht mag er dich bethören, «Mein Auge brennt und bebt— doch hat’s Er 1 nicht Zähren! 193. «Ich liebt, ich liebe dich! Dafür hab' ich ver- loren Der Welt, die eigne Achtung, Himmel, Stand; Doch reut mich nicht, wie theuer ich's erkoren, aIn I So werth ist meines Traums Erinnerungs- pfand! h ver- mmel, oren, ungs- 95 „Nicht brüst' ich mich mit meiner Schuld, wie Thoren, «Mein härt'ster Richter, glaub's, ist mein Verstand. «Ich schreibe, denn ich kann nicht Ruh' em- pfangen, «Nichts hab' ich vorzuwerfen, zu verlangen! 194. «Getrennt vom Ich des Mann's ist seine Liebe,— «Sie ist des Weibes Selbst!— Der Mann durchrauscht „Hof, Feld, Schiff, Kirche, Marktgetriebe, «Mit Ruhm, Gewinn, Schwert, Friedens- kleide, tauscht &Er Pracht, Ruf, Gröſs', und füllt des Herzens Triebe; «Wer ist, der diesem nicht abtrünnig lauscht? So manchen Ausweg hat der Mann— wir Einen, «Zu lieben wieder,— und uns zu beweinen! 193. aIn Lust und Stolz wird dir dein Leben flieſsen, «Viel' liebend, und geliebt! Für mich ist hin 94 All Ird'sches; mein nur. Jahr', um zu ver- schliefsen „Entehrung, Gram in tiefverborg'nem Sinn! Dazu bin stark ich— nur nicht todt zu giefsen „Die Gluth, von der, wie soust, verzehrt ich bin! Und so leb' wohl! Vergieb mir! Lieb mich— wehe! Dies Wort ist leer geworden— doch, es stehe! 196. Mein ganzes Herz war Schwachheit— ist’s noch immer, „Doch hoff ich, daſs mein Innres Kraft ge winnt, „Noch tobt mein Blut— fiel auch mein Wahn in Trümmer, „So rauscht die Woge noch, schweigt auch der Wind; Mein Herz ist weiblich, drum vergifst es nimmer! Für Alles, ausser Ein Bild, krankhaft blind; «So steht der Pol, und so die Nadel schwebet, „Wie weich mein Herz zur starren Seele bebet. ver- inn! iefsen rt ich ch— stehe! s noch aft ge Wahn gt auch siſst es blind; ebet, bebet. 197. „Noch sinn' ich, und nichts hab' ich mehr zu sagen; „Mein Siegel darf nicht zeichnen diesen Brief! „Doch möcht' ich gern dies letzte Werk noch wagen, „Was bpleibt noch, da man mich gekränkt so tief „Könnt' Elend tödten— schwiege wohl mein Klagen. „Den flieht der Tod, der ach wie gern ent- schlief! „Dies letzte Leb'wohl selbst mufs ich bestehen, 1ee „Das Leben tragen, lieben, für dich flehen! 198. sie sehrich den Brief auf Papier mit goldnem Rand, Mit netter Krähenfeder, ganz dünn und neu, Zum Licht gelangte kaum die kleine Hand, Sie bebt, als ob sie Compaſsnadel sey! Doch keine Thrän' ist ihren Augen entbrochen! Das Siegel war brennende Liebe; elle vous suit partout Als Motto, in weiſsen Carneol gestochen, Sie nahm roth superfeines Lack dazu. 86 199. Dies war Don Juans frühster Gram— allein Ob mehr ich singe von seinen Abenteuern Wird einzig vom Publikum abhängig seyn; Sehn wir jedoch, welch Lob es dem wird steuern. Sein Beyfall ist der Busch auf des Dichters Hut; Doch schadet's auch nicht viel, wenn's spröde thut! Nun, wenn ich seine Billigung erfahre, Hat es was Neues vielleicht nach einem Jahre. 200. Mein Gedicht ist episch, und sein Plan gestellt Bis auf zwölf Bücher; jedes Buch enthält, Nebst Liebe, heft'gem Seesturm, Kriegesthaten, Marschällen, Schiffverzeichnifs, Potentaten— Ganz neue Charakter— Episoden sind drey; Ein Panorama der Hölle folget bey, Wie schon Homer und d'rauf Virgil gepflogen, so dafs mein Beywort episch nicht erlogen. 201. All' dies erörtr' ich näher— wollt nur harren! Mit stetem Blick auf Aristoteles, Von Trei Und (No Doc Sie Ihr Da ein n n; wird 3 Hut; pröde Jahre. festellt haten, 2— Irey; gen, gen. arren! Dies oade mecum ſür ächt Erbabenes, Das soviel Dichter macht nebst manchen Narren, Prosa'sche dichten reimlos— ich reime gern— Ihr Handwerkzeug zu schmäh'n, sind gute Zimm- rer fern; Auch hab' ich neue mytholog'sche Maschinerie, Sammt schöner überird'scher Scenerie. 202. von meinen ep'schen Brüdern, die vor mir waren, Trennt mich Ein Unterschied,(er ist nur klein) Und hier ist, schmeichl' ich mir, der Vortbeil mein, nstkann sonstsich oſfenbaren, ders vor'm Gesichte) dafs nur mit Müh'n (Noch manch'Verdie Doch dieses liegt beson Sie schmücken so sehr aus, Ihr Labyrinth von Fabeln wir durchzieh'n, Dagegen wirklich wahr ist die Geschichte. 203. Und machte Zweikel irgend wem Vergnügen, Weis' auf Geschichte, Sag' und Thaten ich, Zeitungen,(deren Wort glaubt männiglich,)— Auf Stück in fünf, zügen, und Opern in drey Auf- 88 Was alles mein Behaupten ganz bestätigt; Doch was bey weitem mehrzum Glauben nöthigt— Ich selbst, und ein'ge die noch in Sevilla leben Sahn Juan sich mit Satan wegbegeben. 204. Liefs jemals ich zur Prosa mich herab, Würd' ich der Welt poersche Regeln bringen, Die ohne Zweifel, was man früher gab, Zurück weit lieſsen— hier würd' ich mit Dingen Den Text bereichern, die geahnet kaum; Den Cipfel setz' ich auf der Regeln Baum; Das Werk nenn' ich: Longinus mit dem Trichter,* Auch: aSelbst sein Aristoteles jeder Dichter.“ Wer Es V Bitt' 205. Und Bey Milton, Dryden, Pope bleibe stehen, Bu Nicht woll' auf Wordsworth, Coleridge, Sou- No 6 they sehen! Die Der Erst' ist über jedes Maaſs verworren, Der zweyte berauscht, der dritte breit und leer; Der Kampf mit Crabbe ist ein'germafsen schwer; Und Campbell's Hippokrene scheint zu dorren, Von Samuel Rogers soilst du nichts entschreiben, Und Auch nicht mit Moore's Muse Buhlschaft treiben. Zu: 89 4 206. higt— leben Sollst lüstern nicht auf Sotheby'’s Muse schauen, Und seinen Pegasus, was sonst ihn nennt als Herrn, Nicht falsches Zeugnifs reden, wie die«Blauen,“ (Der Eine wenigstens, thut's gar zu gern;) Du sollst nur schreiben, wie ich dir befehle; Das ist die richtige Critik— nun mögt ngen, 3 5 1 1 8 8 Die Ruth' ihr küssen—(zwar, wie Lust ihr hegt,) „ 1.. ,5; ingen Doch thut ihr's nicht— so Lüchtg ich, meiner S— e! 9; dem 207. hter.* Wenn eins mit Dreistigkeit behaupten sollte, Es wäre nicht moralisch dies Gedicht— Bitt' ich zuerst, nicht schrey' er, eh's ihn sticht! Und dann, daſs er's noch Einmal lesen wollte— Und nachher sage— doch wer ist so schwierig? 1 8 Ob'’s nicht moralisch— nur etwas berührig! L Im zwölften Buch sollt ausserdem ihr sehen Die Stelle selbst, wohin die Schlechten gehen. leer; wer; 9 Drren, 298. liben, Und wäre dennoch jemand blind so weit, äiben. Zu seinem Heil der Weisung nicht zu trauen, 90 Zu glauben nicht, aus Sinnverschrobenheit, Dem was ich sag', und was er selbst wird schauen, Und schrie, Moral fänd hier er nimmermehr— Sag' ich, er lügt, und wär's ein Geistlicher! Wär's eines Ilauptmanns, eines Critikers Be- kenntniſs,— So liegt auch dieser unter Miſsverständniſs. 209. Ich hoff' auf öffentliche Billigung; Mit der Moral mögtihr bey'm Wort mich mahnen, Ich will sie einen mit Belustigung, So giebt Korallen Kindern man bey'm Zahnen; Einstweilen bitt' ich, dafs man sich entsinne, Wie ich im Ernst um ep'schen Lorbeer minne— Ich hab', daſs spröde Leser keine Purcht an- wandelt— Im britt'schen Reoiew ein Kunsturtheil erhandelt. 210. Ich sandus nebst Schreiben an den Redakteur, Der mit umgehender Post den Dank mir zollte, Und bin fär gutes Lob sein Gläubiger; Doch wenn er meine Muse höhnen sollte, Und brechen, was er erst versprochen hat, hnen, hnen; ane, ine— t an- ndelt. kteur, zollte, it, 9¹ bläuguend, dafs der Preis ihm zugestellt, Und statt mit Honig mit Calle tüncht das Blatt— Ist alles, was ich sagen kann— er hat das Geld! 211. Ich denk', mit diesem neuen heil'gen Bund Kann ich das Publikum beruh'gen, und All' übrige Kunstblätter wohl entbehren, Sieht man Tag-, Monat-, Vierteljahrweis sie; Nicht sucht' ich ihre Schützlingszahl zu mehren, Auch meynte man, es sey vergebens hie, Und dafs the Edinburgh Resiew und Quarterly Den ketz'rischen Verfasser hart bekehren. 212. Non ego hoc ferrem calida juventa, Consule Planco, sagt Horaz; gleichfalls Sag' ich's, und meine damit soviel, als Daſs(längst eh' ich mein Haus träumt' an der Brenta) Vor sechs bis siehen Jahren— ich bebend da Zur Wehr, wenn jemand wollte mir zu Ials, Und nichts von solchen Späfsen ich gelitten In hitz'ger Jugend, unter Georg dem Dritten, 213. Doch jetzt mit Dreyfsig ist mein Haar erblaſst, Worein wird's erst mit vierzig sich verwandeln? (Ich wollte jüngstschon ein Perückchen handeln!) Mein Herz ist nicht viel frischer; kurz, ver- praſst Im May hab' ich die ganze Sommerzeit, Mich reizt nicht mehr der Schmähung Wieder- geben; Mit Zins und Capital zehrt' ich mein Leben— Und glaub' nicht mehr an inn're Unbesiegbar- keit! 214. Nie mehr— nie mehr— o nie erquickt mich * mehr, Des Herzens Frische, gleich des Thaues Kühle, Die jedem schönen Gegenstand umher Entsog— welch' neue wonnige Gefühle! Gehäuft im Innern, wie der Biene Saft!— Machst du den Honig zu der Dinge Eigenthume? Ach, er war nicht darin— doch stand's in deiner Kraft— Zu doppeln— selbst die Süſsigkeit der Blume. plaſst, adeln? deln!) „ ver- ieder- den— legbar- t mich Thaues 9³ 213. Nicht mehr— nicht mehr— o nimmermehr, mein Herz, Kannst du mein All seyn— meine einz'ge Welt! Einst all' in allem— jetat verwaist gestellt!— Kannst du nicht mehr mein Glück seyn und mein Schmerz! Die Täuschung ist entflohen— und erstorben Ist dein Gefühl— doch nichts ist d'rum ver- dorben! Statt deiner, lernte Urtheil der Verstand— Obgleich nur Gott weiſs, wie dies Wohnung fand! 2416. Der Liebe Tage sind mir hin! Nicht mehr 5 Kann Lust mir Jungfrau, Weib, noch Wittwe geben! Ihr Reiz bethört mich nimmer, wie vorher— Kurz, an dem Ende steht mein vor'ges Leben! Dahin der Hoffnungsglaub' an gleichgestimmte Seelen! Auch ist zu viel Burgunder mir verwehrt! So— dals Ein Sündchen nur, das alte Herren ehrt— Muſs ich den Geiz am Ende mir erwählen! 21 Mein Götze war der Ehrgeiz— ach er liegt Wa Zerschellet am Altar der Lust und Leiden! Doch lieſsen mir genug zurück die Beyden, Die Was sich erwägen läfst— wenn Zeit es fügt! Egy) Bey mir— es spricht's Mönch Bako's chr'nes Das Hlaupt— es heifſst: „Zeit ist, Zeit war, Zeit ging,“ der Jugend Doc Geist Brac Ist chem'scher Schatz— schnell liefs ich ihn 0 verschäumen— Da Mein Herz in Loidenschaft— mein Ilirn mit Reimen. 218. Was ist des Ruhmes Ziel? Mit Lettern Wird ein unbestimmter Hauſen Papier gefüllt; Ihn suchen manch', um einen Berg zu erklettern, Defs Gipſel, wie alle Berge, Dunst umhüllt; D'rum schreiben, reden, pred'gen sie, und morden, Der Barde brennt— er nenntés sein„nächtlich Licht“— Dafs bleibe— wenn der Leib ist Staub geworden, Ein Nam'— ein schlechtes Bild— ein schlech- tes Gypsgesicht. 2gt n! 2n, fügt! hr'nes ugend h ihn en mit gefüllt; ettern, lllt; und chtlich vorden, chlech- 95 219. Was ist des Menschen Hoffen 5— Es baute vor Jahren Die erst' und gröſste der Pyramiden Cheops, Egyptens uralter König, der Meinung, als ob's Das Sicherste wäre, Namen und Mumie zu be- wahren— Doch dieser, oder der— den Neugier trieb, Brach mit Gewalt des Sarges Deckel offen— O lalſst uns nichts von einem Denkmal hoffen, Da von Cheops kein Quenichen Asche blieb! 220. Doch der ich ächter Weisheit zugeschworen, Ich sage zu mir selbst sehr oft—„ach was! „Geboren ist dem Grab, all' was geboren, „Das Fleisch(der Tod mäht es zu Heu) ist Gras! „Die Jugend schwand dir nicht so freudlos doch! „Ob nochmals dein— flöh' sie— ach alles eitel! „Dank Gott, dafs nicht die Dinge schlimmer noch „Und lies die Bibel, und bedenk' den Beutel!⸗ 221. Allein für jetzt, mein theurer Leser und Noch theurer Käufer, drückt, wenn dir's nach Sinn, Der Barde dir die Hand(der selbst ich bin), Und so dein Diener, bleibe stets gesund! Verstehn wir uns, so treſfen wir uns wieder, Wo nicht— so werd' ich, die Geduld zu plagen, Mit mehr als dieser Probe, nimmer wagen— O mhäten gleich doch and're meiner Brüder! 222. „Geb', kleines Buch, aus meiner Einsamkeit, .Geh' deinen Weg, dich werf' ich auf die Fluth; «Wenn, wie ich glaube, deine Ader gut „Wird man dich finden, noch in künft’ger Zeit.“ Liest Southey, und verstehet Wordsworth man, Wird man auch meinen Ruhm mirzu ertheilen— Southey'’n gehören die vier ersten Zeilen, Sieh', Leser, ja für meine sie nicht an! d 's nach bin), d! leder, plagen, gen— üder! mkeit, e Fluth; ut er Zeit.“ th man, eilen— 12, V —V——-——— ℳℳℳNNVNANAõõAASA Anmerkungen zum ersten Gesang. Nro. 1. Stanze 5. Vor Agamemnon etc. Viæxere fortes ante Agamemnona etc. Horat. Nro. 2. Stanze 17. Du einz'ges Oel, Macassar. Deseription des vertus incomparables de l'huile de Macassar.“ Siche die Vorrede. Nro. 3. Stanze 43. Obgleich Longin etc. Siche Longin. Sect: 10: eοα Q&ν τα mꝓτςκρν dvrijꝰ rdνσος Oæντα, rεεένν s ⁴νοεο."* Nro. 4. Stanze 44. Sie hinter stellen etc. Wirkliche Wahrheit. Es giebt oder gab so eine Ausgabe, mit allen anstöſsigen Epi- grammen des Martial der Reihe nach am Ende. Nro. 5. Stanze 88. Hier bist du Cöttin etc. Diese Verse sind aus Campbell's Gertrude 13. G 98 gf EWyoming, ich denke aus dem Anfang des zten Gesangs, doch citire ich aus dem Gedächtniſs. Nro. 6. Stanze 148. Sprach Graf Oreilly so etc. Hier thut Donna Julia einen Miſsgriſſ. Graf Oreilly nahm nicht Algier, sondern Algier nahm beynahe ihn. Er und seine Armee und seine Flotte zogen sich mit grofsem Verlust, und nicht viel Ansehen von den Mauern die- ser Stadt zurück, im Jahr 17.— Nro. 7. Stanze 216. Der Liebe Tage sind mir hin etc. Me neo Femina, nec puer Jam, nec Spes animi credula mutui Nec certare juvat mero Wec vincire novis tempora floribus- m Anfang aus dem illy so etc. riſf. Graf ern Algier rmee und m Verlust, tenn die. Kleinere Gedichte. sind mir 101 ——B—öö4Vöv2ö-ꝛ:ê:—òℳ Niͤ—ð—ℳ ℳqℳ ℳꝛ:ͤ—ℳ—ℳ———V—ßq-—:ßBAͤ Das Lebewonl. Lebe wohl, und ob auf immer,— Selbst auf immer lebe wohl! Wenn auch unerbittlich, nimmer Dich mein Herz verklagen soll! Könntest in die Brust du blicken, Wo, wenn sanft daran du lagst, Schlummer kam, dich zu beglücken, Wie du nie mehr schlummern magst. Daſs die Brust jed' inn'res Regen Zeigte deiner Augen Späh'n, Endlich würdest du erwägen, Unrecht war's, sie so verschmäh'n. Ob dich d'rum die Welt erhoben, Ob zum Schlag sie lächelte: Kränken muſs dich selbst ihr Loben, Fufsend auf des Andern Weh! 102 Schmähr' auch mich, was ich begangen— Gab's denn keinen andern Arm, Als, der einstmals mich umfangen, Der mir schlug den ew'gen Harm? Rette dich aus Täuschungsschmerzen! Mählich löscht der Liebe Licht; Doch, daſs schnellen Bruches Herzen Sich entreiſsen— glaub' es nicht! Ist das deinen Schlag ersticketb? Mein's, darf's still, ob blutend, steh'n? Und was nimmer sterbend drücket, Ist: dafs wir uns nie mehr seh'n! Dies ein Wort von bängerm Sorgen, Als das Weinen an der Gruft, Beyde leben— jeder Morgen Aus verwaistem Bett' uns ruft! Hörst du einst mit Wohlbehagen Unsers Kindes erstes Wort; Willst du's lehren„Vater“ sagen, Da sein Vater trauernd fort? Wenn die kleine Hand dich drücket- Wenn ihr Mund den deinen drückt, Denk', der fleht, dafs du beglücket, Denk defs, den dein Herz beglückt! Sollt' ein Zug im Antlitz schweben, Welcher dem Verbannten glich— Dann wird sanft dein Herz erbeben, Noch ein Puls, der treu für mich! g 100 — Meine Fehl' du all' verstehest, All mein Weh kein Mensch versteht— All mein Hoffen, wo du gehest, Und wohin— mit dir es geht. Jed' Gefühl hiefst du erblassen, Stolz, den keine Welt gebeugt, Beugt sich dir— von dir verlassen, Meine Seele selbst entfleucht. Doch es ist— umsonst das Sprechen, n 9 Mehr, da ich das Wort verlor; Doch die Schmerzgedanken brechen, Alle Zügel reifsend, vor. Lebe wohl! Ach so eninommen Jedem näheren Verein, Einsam, schwer, und schmerzbeklommen— Kann mir Tod kaum mehr noch seyn. 104 22222ö— ℳ 6ℳ-—ò ₰ qê ſLH—VVöG:: êA::ſ:nnuennnnnnnn Der Traum. Zwiefach ist unser Leben; seine Welt hat Der Schlaf, das Mittelding falschnam'ger Dinge— Des Tod's und Seyns;— der Schlaf hat seine Welt, Ein weites Reich von wilder Wirklichkeit. Und frey geword'ne Träume haben Oden, Und Thränen, Foltern, und der Freude Schmeicheln, Sie legen Druck auf unserm wachen Dänken Sie nehmen Last von unsern wachen Müh'n; Sie theilen unser Wesen, ja sie werden Von uns, wie uns'rer Zeit, ein wirklich Theil, Und gleichen Herolden der Ewigkeit. Wie Geister des Vergang'nen wall'n sie, sprechen 22 2 hat eit. n, Freude nken ih'n; Theil, 105 Von Künft'gem, wie Sibyll'n; sie haben Macht, Die Herrschaft über Lust und über Weh, Sie machen and'res aus uns— was sie wollen; Erschüttern mit vorbeygegang'nem Bild uns, Dem Schreck entwich'ner„Shatten— sind sie das f Ist nicht, was war, ein Schattenb Was sind sie? Gemüthsschöpfungen b Das Gemüth kann Leben Erschaffen, und aus sich Planeten füllen Mit schönern Wesen, als noch waren! Ge- stalten Beleben, die all' Ird'sches überdauern!— Ich möcht' ein Bild erneu'n, wie ich'’s ge- träumt Vielleicht im Schlaf— denn ein Gedank' an sich, Ein schlummernder Gedank', kann Jahre fassen, Und zwängt lang Leben ein in Eine Stunde. 2. Ich sah zwey Wesen in der Jugend Farben Stehend auf einem Berg, anmuth'gem Berg, Grün und von sanftem Abhang; er, der letzte, Gleichsam das Vorgebirg von langer Bergreih, Nur daâfs kein Meer zum Bad des Fufses dort, Vielmehr höchst üpp'ge Landschaft, und das Wogen Von Wald und Korngefild; und Menschen- hütten, Zerstreut und einzeln, und des Rauches Wir- beln Entstieg dem Strokdach dort— als Krone trug Der Berg ein eigenthümlich Diadem Von Bäumen, in Kreisordnung, so gestellt Nicht durch die Laune der Natur— des Men- schen! Die zwey, ein Mädchen und ein Jüngling, standen Dort schauend, sie auf all', was unten lag, Schön, wie sie selbst,— der Jüngling schaut' auf sie; Und beyde waren jung, und Eine schön, Und beyde jung, doch gleich an Jugend nicht. Wie an des Himmels Saum der sanfte Mond, Stand an der Weibheit Abende die Maid; Er sah noch wen’'gre Sommer, doch sein Herz Weit überwuchs die Jahr' es, und Ein Antlitz Nur war auf Erden lieblich seinem Auge, Und eben strahlt's hinein; er hatte d'rauf Geblickt, bis es nicht weichen wieder konnte; Sein Oden, all sein Leben war in ihrem, Sie war sein Reden, doch nicht sprach er auf sie, Bey i Sein Es fär Hatt' Der C Der a Ein T Der V Erkan Die Ihr 80 Ganz Denn Hatt' lag, schaut' 1, l nicht. Mond, d; n Herz Antlitz e, uf vonnte; ., auf sie, Bey ihrem Wort nur bebt' er;— sie sein Schau'n Sein Auge folgie ihrem, sah mit ihrem, Es färbt' ihm seine Welt— ja aufgehört Hatt' er in sich zu leben— sie sein Leben, Der Ocean dem Strome seines Denkens, Der alles einschlofs; ein Berühren, nur Ein Ton von ihr, bracht' Ebb' und Fluth dem Puls, Der Wang' ein schnell Verfärben, doch sein Herz Erkannte seines Krampfes Ursach nicht. Die Maid theilt' aber nicht sein zärtlich Fühlen, Ihr Seufzen galt nicht ihm, für sie war er Ganz, wie ein Bruder, doch nicht mehr; viel war'’s, Denn bruderlos war sie, nur dieses Namens Hatt' ihm als Kind schon Freundschaft sie ge- schenkt; Sie selbst, der übrige einsame Sproſs Von einst berühmtem Stamm.— Ein Name war’'s Der ihm geſiel, auch nicht gefiel— warum? Zeit lehrt' ihn ernste Antwort, da'nen Andern Sie liebt', auch jetzt liebt' einen Andern sie, Und auf der Höhe diescs Berges stand sie, 108 Schauend zur Fern', ob ihres Trauten Roſs Mit ihrem Harren Schritt hielt— ob es flöge? 3. Verändert wurde meines Traumes Leben. Es war ein altes Haus da, und ein Roſs Hielt vor den Mauern mit des Zeuges Zier, In einem alten Betsaal stand der Jüngling, Von dem ich redete; allein war er Und bleich, und auf und ab schritt er; als- bald Setzt' er sich hin; nahm eine Feder, und Schrieb Worte, die mir unverständlich, stützte Sein sinkend Haupt dann mit der Hand, und bebt' Als wär'’s in Zuckung, stand dann wieder auf, Zerriſs mit Zähnen und mit Händen, zitternd, Was er geschrieben— aber ohne Thränen! Und er ermannte sich, in eine Art Von Ruh zwang er die Brau, als still er ward, Trat dort auch ein, die er geliebt, das Weib; Sie lächelt' und war heiter jetzt, und wuſste Doch, dafs von ihm geliebt sie war, und wuſste, Denn Sein Unglü Auf st Nahm Ward Gedar Er lie Entfer Sie lä Hinau Und: Und Verär Mann Heiſs- Und Derse Roſs es flöge? und ch, stützte and, und eder auf, zitternd, rränen! 3 still er as Weib; wuſste ar, und 109 Denn schnell kommt solches Wissen, dafs ihr Schatten Scin Herz verdüstert hatte, und sie sah, Unglücklich war er, doch nicht alles sah sie! Auf stand er, und mit kaltem, sanftem Fassen Nahm ihre Hand er, einen Augenblick Ward sein Gesicht ein Blatt von unaussprech- bar'n Gedanken, dann verschwand's, wie es ent- stand; Er lieſs die Hand, die er gefaſst, und langsam Entfernt' er sich, nicht wie Lebwohl ihr sa- gend, Sie lächelten bey’m Abschied beyd' er ging Hinaus zur schweren Thür' der alten Halle, Und zog, sein Rols besteigend, seines Wegs, Und trat nie mehr ob dieser grauen Schwelle. 4. Verändert wurde meines Traumes Leben. Mann war der Jüngling worden, in der Wild- 2 niſs Heiſsglüh'nder Zonen siedelt' er sich an, Und ihre Gluth trank seine Seel', er war nicht Derselbe, der er einst war, auf dem Meer 110 Und am Gestade war ein Wand'rer er. Und eine Masse mannichfacher Bilder War wogengleich, auf mich gehäuft, doch er Ein Theil von allen, und zuletzt lag er, Sich labend nach des Mittags schwülem Druch, Bey Säulentrümmern hingestreckt, im Schatten Verfall'ner Mauern, die die Namen ihrer Erbauer überlebten; es umgrasten Den Schlummernden Kameel', und edle Rosse War'n an dem Quellrand angebunden, und Ein Mann, in weitem Kleid, wacht' unterdefs, Dals Viele seines Stamms daneben schliefen; Vom blauen Himmel war'n sie überwölbt, So wolkenlos, so klar, so flecklos schön, Daſs Gott allein zu schauen war im Himmel. 9. Verändert wurde meines Traumes Leben. Die er geliebt, das Weib, vermählt war sie, Doch hôher nicht geliebt! In ihrem Haus, Wohl tausend Meil'n von ihm,— dem Vater- haus Wohnte, umringt von Kinderaufblüh'n, sie, Töchtern und holden Knaben— aber schaul In ihrem Antlitz war des Kummers Schrift, Der Und Als Was Und Mit Dem Was Ihm Er k Bedr Verä Hein Sah Schö Des Er si Anbl Wie Die Wie r. 3 doch er er, 2m Druck, Schatten hrer 2dle Rosse n, und unterdefs, hliefen; Fölbt, hön, Himmel. Haus, em Vater- d'n, sie, r schau! bchrift, Der stete Schatten innerlichen Kampfs, Und ein unruhig Senken ihrer Augen, Als prefst' ihr Lied die rückgehalt'ne Zähre. Was konnt ihr Gram seyn? Ihr, all' was sie liebte, Und er, der so sie liebte, war nicht da, Mit bösem Hoffen, argem Wünschen, oder Dem lauten Harm ihr reines Herz zu trüben. Was konnt es seyn? Sie hatt ihn nicht ge- liebt, Ihm auch der Liebe Hoffnung nicht erregt, Er konnte das nicht seyn, was ihre Brust Bedrängte, ein Gespenst vergang'ner Zeit. 6. Verändert wurde meines Traumes Leben. Heim war gekehrt der Wand'rer, am Altar Sah ich ihn steh'n mit einer holden Braut. Schön war ihr Antlitz, doch nicht das, was einst Des Jänglings Stern war; als am Altar selbst Er stand, flog über seine Brau derselbe Anblick, es kam das bebende Durchschüttern, Wies in dem alten Betsaal ihn gefaſst Die Brust in ihrer Einsamkeit, und dann Wie zu der Stunde, ward sein Angesicht 112 Ein Blatt voll unaussprechlicher Gedanken, Und dann verschwand's, wie es entstanden war, Und ruhig stand und still er, und er sprach Das übliche Gelübd', ohn' es zu hören, Und alles wirbelte vor ihm, nicht seh'n Konnt' er, was war, nicht was da sollte seyn; Das alte Haus doch, die bekannte Halle, Die wohl behalt'nen Kammern, und die Stelle, Der Tag, die Stunde, Sonnenschein und Schatten, All' was gehörte jener Stell' und Stunde, Und ihr, ihr, seinem Schicksal, kam zurück, Und drängte zwischen Licht und ihn sich ein, Was hatt' es dort zu thun, zu solcher Zeit? 72 Verändert wurde meines Traumes Leben. Die er geliebt, das Weib, o wie verändert War sie, von Seelenkrankheit schien's; ihr Geist War seinem Sitz entwandert, und ihr Aug; Nicht hatt es eig'nen Glanz, vielmehr den Blick, Wie dieser Erd' er fremde; Kön'gin war Von einem Traumreich sie geworden, und Ihr Denken— Einigung getrennter Dinge. Gestalten, unfaſsbar und unvernommen Von and’rer Augen, waren ihrem traut. Das nennt Wahnsinn die Welt, doch Weise haben Wei Melæ Was Die Und Die 113 Weit tiefern Aberwitz; das Starren der nhen, Melancholie ist eine schaur'ge Gabe,. sprach 1 Was and'res, als der Wahrheit Fernglas, ist's? n, Die Ferne zieht’s von seinen Phantasien, 3 un Und bringt das Eehen noch in ganzer Nackt- 4 heit, nle Shn; Die kalte Wirklichkeit zu wirklich machend! die Stelle, Schatten, ade, 3. n zurück, sich ein, Verändert wurde meines Traumes Leben. er Zeit? Der Wand'rer war allein, wie früherher, Was ihn umgeben, alles war verschwunden, War gar im Krieg mit ihm, ein Bild war er Von Oed' und von Entsetzen, rings umhaufst Von Haſs und Feindeskampf, Schmerz war ge- den. mischt rändert In Alles, was gereicht ihm wurde, bis, ; ihr Geist Wie Mithridat, der alte pont'sche Fürst, r Aug Von Gift er lebt', und nicht versehrt' es ihn, den Blick, War nur ein'’ Art von Nabrung, und er lebte war Durch das, was vieler Menschen Tod gewesen, , und Und macht' aus Bergen Freunde, mit den Dinge. Sternen en Und dem lebend'gen Geist des Weltenalls aut. Hielt er sein Zwiegesprach, die lehrten ihn feise haben 13. II 114 Die Zauberey geheimer Wissenschaft, Ihm war das Buch der Nacht weit auſgethan, Und Stimmen aus des Abgrunds Tief' entdeckten Ein Wunder, ein Geheimniſs ihm— so sey's! 9. Mein Traum war aus, nicht mehr verändert ward er; Seltsam war das gefügt, dafs das Geschick Der beyden Wesen ausgezeichnet war, Beynah' wie eine Wirklichkeit, dafs Eins In Wahnsinn enden mufste, beyd' in Elend. 2̈ ν Ich gethan, tdeckten so sey's! verändert hick . Lins lend. 115 2——8:ͤð-——ℳ6ͤ—A Finstenniss. Ich sah ein Traumbild, doch nicht ganz war's Traum. Der Sonne Glanz war ausgelöscht, es zogen Die Sterne dunkel in dem ew'gen Raum, Bahnlos und strahlenlos; die eis'ge Erde Schwang blind und finster in mondloser Luft; Der Morgen kam und ging— und gab nicht Tag; Und seiner Leidenschaft vergaſs der Mensch Im Schauer dieser Oed', und jedes Herz Erstarret' in ein Angsigebet um Licht. Man lebte bey Wachtfeurungen, und Throne, Gekrönter Könige Paläste, Hütten, Die Hausung aller Wesen, welche wohnen— Gezündet ward's zum Leuchten; Städte brannten, 116 Die Menschen traten an ihr lodernd Haus, Noch Einmal sich in's Angesicht zu schau'n. Beglückt war, wer im Auge des Vulkans Und seiner Bergesfackel wohnete. Nur banges Hoſfen schritt noch durch die Welt. Man brannte Wälder an, doch Stund' an Stunde, Stürzten, verschwanden sie, die Stämme, kni- sternd, Löschten mit einem Krach, und Nacht war Alles. Der Menschen Brauen hatten bey dem grausen Licht einen wilden Anblick, wenn in Blitzen Die Flammen auf sie schlugen; Ein'ge lagen Verhüllt zur Erd' und weinten, Ein'ge stemmten Ihr Kinn auf die geballten Hände, lächelnd, Noch And're jagten hin und her, und nährten Den traur'gen Kohlenstofs mit Reis, und sahn Mit Wahnsinnsangst zum dunkeln Himmel auf, Dem Sargtuch einer todten Welt, und warfen Dann wieder flehend hin sich in den Staub, Und heulten zähneknirschend; Geyer schrien Und flatterten erschrocken auf dem Boden, Unnütz dieSschwingen schlagend; zitternd nahten Und zahm die wild'sten Thier', und Nattern krochen Und mengten zischend sich den Haufen bey, Doch stachellos; man würgte sie zum Mahl; Und Krieg, der augenblicklich aufgehört, Schl. Wai In 1 Nur Unri Des Der ie Welt. Stunde, ne, kni- cht war grausen Blitzen lagen temmten helnd, nährten ind sahn mel auf, 1 warfen Staub, chrien den, d nahten Nattern en bey, Mahl; ört, 117 Schlang voll sich wieder, denn mit Blut er- kauft Ward eine Mahlzeit, jeder saſs unwirsch In Haſfs sich sätt'gend— keine Liebe mehr. Nur Ein Gedank' auf Erden— der war Tod, Unrühmlich, unverzüglich, und der Schmerz Des Hungers frafs all' Eingeweid', es starb Der Mensch— kein Grab den Knochen wie dem Fleisch, Vom Magern ward der Magere verzehrt, Selbst Hunde fuhren auf die Herrn, nur einer Nicht, treu blieb er der Leich', und hielt ent- fernt Die Vögel, Raubthier', und heifsgier'ge Men- schen, Bis Hunger sie gezehrt, bis fall'nde Todte Den schlaffen Rachen lockten; nichts mehr fraſs er, Nur mit beständ'gem kläglichen Geheul Und hellem Schmerzgeschrey leckt' er die Hand, Nicht lohnend seiner Liebkosung— und starb. Das Volk kam mählig IHungers um, doch zwey, Aus einer grofsen Hauptstadt blieben leben, Und Feinde waren sie; sie trafen sich An eines Altars letztem Kohlenglüh'n Wo eine Menge heil'’ger Dinge war, Gehäuft zu unheiligem Zweck, sie wühlten Und störten zitternd mit den Knochenhänden In matter Asche, und ihr matter Hauch Bliefs dürft'ges Leben ein, und machte Flamme, Die nur ein Höhnen war; dann huben sie, Wie'’s heller ward, die Augen auf, und sah'n Ihr beyder Angesicht, sah'n, schrien, und starben, An gegenseit'gem Abscheu starben sie, Nicht wissend, wer es war, auf dessen Stirn Der Hunger«Teufel“ schrieb. Die Welt war leer, Die menschenreich und mächt'ge war ein Klump, Jahrzeitlos, halmlos, baumlos, menschlos, leblos, Ein Klumpen Tod— ein Chaos harten Thons. Die Flüss' und See'’n, der Occan stand still, Nichts regte sich in ihren ruh'gen Tiefen. Die Schiffe faulten seglerlos im Meer; Die Maste fielen stückweis, wie sie fielen Versanken sie, und keine Welle schlug, Todt war die Wog', im Grabe Fluth und Ebbe, Der Mond, ihr Zwingherr, war vorher ver- plichen. Der Sturm verwittert' in stillsteh'nder Luft, Die Wolken schwanden selbst; nicht förder noth Hatt' ihrer Finsternifs— sie war das All. In e Verbesserungen Flamme, n sie, in No. 13. der Taschenbibliothek. und sah'n len, und In einigen Exemplaren lese man: S. 31. Z. 7. v. u. wollte statt vollte. en Stirn t war leer, in Klump, 4 los, leblos, en Thons. ad still, efen. — XII. Z. 5. v. o. spräche— sprache. Relen alug, und Ebbe, orher ver- r Luft, cht förder das All. Verbesserung in Nro. 13. der Taschenbibliothek. S. 32. Z. 5. v. u. lies: Seh'n statt Sohn. Nachrient. Die früher erschienenen Bändchen dieser T a- schenbibliothek enthalten: Nro. 1. 2. Voltaire's Candide; übersetzt von Sigismund. 2 Thle. 3. Molieèere's Tartüffe; Langenbeck. . 6. Voltaire'’s Karl XII. übersetzt von übers. v. Dr. M. Stein. 3 Thle. 7. Byron'’'s Poesien; us Bdchn. übers. von Jul. Körner. 8. Shakespear'’'s Timon; übers. von M. Regis. . 10. Tasso's lyrische Gedichte; übers. von Carl Förster. 2 Thle. . 12. Virgil'’s Aeneide; übers. von Dr. Nürnberger. 1— 2 Thl. Lord Byron's POoGsicef. Sechstes Bändchen. Don Juan, zweyter Gesang. Uebersetzt von Wilhelm Reinhold. —V-—-—ℳ—BV——-VAõn+B—————õͤ́́— ℳ—V:-ͤAn Zwicka u, im Verlag der Gebrüder Schumann,. 1 8 2 V ——————ℳ—-V—ℳ ℳʃNͤͤnn Vorwork. Ich sende Ihnen den zweyten Gesang des le- benslustigen Don Juan sofort nach, meine Ver- ehrteste, weil Sie mir versicherten, Sie seyen nach Lesung des ersten Gesanges sehr begierig auf die Fortsetzung geworden. Mich freuet unendlich, dafs Sie nicht zu jenen Ultratugend- samen gehören, die jedes fröhliche, verrathen- de, vielleicht etwas mahlerische Wort für et- was ganz Entsetzliches nehmen; um so mehr freut mich dies, da ich voraussehe, dafs Einige VIII in heiligem Eifer behaupten werden, dieses gottlose Büchelchen sey besser unübersetzt, noch besser ungedruckt geblieben; und geben Sie Acht, ob hier nicht unsre lieben Frauen das meiste Geschrey erheben werden? Ja ja, wir zürnen sehr oft den Worten, welche gewissen stillen Ideen und Genüssen den Namen geben. Die armen Worte!— Quicquid delirant reges, plectuntur Achivi— doch, ich schreib' an eine Dame, und das war lateinisch— ich meyne, um bey der Hauptsache etwas durch die Finger sehen zu können, sind wir oft übertrieben streng in Nebensachen. Vor allen Dingen sag' ich Ihnen denn: er lebt noch, unser lieber Don Juan. Sie waren besorgt um ihn, daſs er nicht, bey seinem lebhaften Temperamente, nach der gewaltsamen Trenn seines sich g. wir vie den, er wei groſses Herz 1 neue sehr s mit ei Gesang nun gel a dings terhaft doch IX Trennung von seiner Julie, dieser ersten Liebe seines Herzens, sich in Gram verzehren, oder sich gar ein Leid anthun werde. Doch— ob wir vielleicht auf dem Meere ganz anders wer- den, als wir auf dem Festlande gewesen?— er weiſs sich männlich zu trösten, ja, wie sein groſses, der ganzen Menschheit schlagendes Herz beynah voraussehen liefs, er macht eine neue Bekanntschaft, und findet ein, allerdings sehr schönes, Mädchen ganz wunderschön— mit einem Worte: Julie ist in dem zweytén Gesange seine Geliebte nicht mehr, sie heifst nun— ob für ewige Zeiten, weiſs ich aus Man- gel an Nachrichten nicht— Haidee. Aller- dings zeigt sich hier Don Juan als einen Flat- terhaften, auf welchen nicht viel zu bauen ist— doch jeder Mensch, auch der beste, hat seine X Schwächen. Wohl uns, Verehrteste, dafs wir Beyde g'rade diese Schwäche nicht haben, aber wir leiden gewiſs dafür an einer andern wun⸗ den Stelle! Also richten wir nicht. Aber eh' er so glücklich ist, in den Armen dieser holden Griechin zu erwarmen, Gott, was hat er zu bestehen! Lesen Sie und schau- dern Sie! Sturm, Schiffbruch, Lebensgefahr, Hungersnotlh, Verzweiflung,— Menschenschlach- ten! Sie schaudern in der That, und fragen, wie kommt solches Entsetzen, das Ungeheuerste, was Leser erschüttern kann— in ein launiges Gedicht? Ich frage dies mit Ihnen, und leugne nicht, dafs ich die ganzen Gräuelscenen, so meisterlich sie gezeichnet sind, weg wünsche Doch grrade dies Zusammenstellen der Extreme, dies Mischen von Schauder und Ergötzen, ist's nicht d Muse? die Schi der Dir Wirkli Ort nie der No eines a hungrigW den W lichen sen— vermag auf de die an lig au Feinde Armen Gott, schau- fragen, euerste, launiges lleugne nen, so Fünsche xtreme, n, ist's XI nicht der bleibende Charakter der Byronschen Muse? In der That glaub' ich, hier war für die Schilderung solcher erschütternder empören- der Dinge(wie sie leider wohl selbst in der Wirklichkeit vorfallen mögen) der schicklichste Ort nicht;— aber das Steigern der Ereignisse, der Noth, der Verzweiflung; das treue Gemälde eines auf’s äusserste gebrachten Zustandes heiſs- hungriger Menschen; das Geheimnifs, uns in den wilden Tumult ihres von jedem Schreck- lichen aufgeregten Innern hineinblicken zu las- sen— dies verdient hohe Anerkennung; dies vermag nur ein Dichtergenie, wie Byron. Liegt auf der einen Wagschale Schauder, so wiegt die andere, worauf das Ergötzen liegt, sie völ- lig auf. Haidee ist neu, und was auch die Feinde des grofsen Dichters sagen, sie ist sein Geschöpf; mit welchem Zauber ist sie ausge- stattet; wie herrlich ist die Beschreibung des Spazierganges bey Mondenschein, der süſsen Stunde in der erhabenen Einsamkeit des Mee- resstrandes! Doch ich greife Ihrem Urtheil nicht vor. Nur noch ein'’ges über die Grund- sätze, die ich beym Uebersetzen befolgte. Das Gedicht ist, wie leicht abzuschen, ein launi- ges; das Scherzen mit Gemüthsbewegungen ist sein Charakter. Der Ton ist äusserst leicht und gefällig, die Form des Originals sind Oktaven; das Versmaſs regelmäfsige fünflüfsige Jamben. Dicse Form beyzubehalten, schien mir nicht rathsam; unsre Sprache hat bey weitem bey ib. ren Reimen so leichtes Geschäft nicht, als die englische; denn die Menge einsylbiger Wörter dieser Sprache läſst sie in einem einz'gen fünf. füfsiger uns in wählte landisc mit Da mich n braucht genmer zung, mir m und do hinter jeder, beit au Gelung schwer überset XIII fülsigen Jambus so viel zusammen drängen, was ng des uns in demselben Raum unmöglich ist. Ich süſsen wählte daher für meine Uebersetzung die Wie- s Mee- landische Stanze, d. h. ich liefs den Jambus Urtheil mit Daktylen und Anapässen abwechseln, band (Crund- mich nicht an die Zahl der Füfse, sondern ge- B. Das brauchte 4, 5, 6 füſsige Verse; mein Hauptau- launi- genmerk ging auf das Flieſsende der Uebersez- gen ist zung, und ich kann Ihnen versichern, daſs cht und mir manche Stanze unendliche Mühe machte, ktaven; und doch bin ich hie und da noch bey weitem amben. hinter der Idee zurückgeblieben. Ich glaube, nicht jeder, der die Schwierigkeit einer solchen Ar- bey ib. 1 beit aus Erfahrung kennt, wird das weniger als die Gelungene billig beurtheilen. Byron ist oft Wörter schwer zu verstehen, und noch schwerer zu n fünf. übersetzen. Dafs ich hinsichtlich der Reime XII den neuern Puristen nicht angehöre, zeigt Th- nen ein flüchtiger Blick. Es ist schr fraglich, ob diese übertriebene Strenge im Reime(wir ſinden sie bey keinem unsrer Classiker, selbst Maithisson nicht ausgenommen) überhaupt an. wendbar, und besonders im Komischen und Ihr, ; Von 1 Launigen anwendbar sey? 8 Haut Der Uebersetzer. Scheut Der MN Erwies Da er Der a Wär! Nach Blieb Zum 17. igt Ih- raglich, e(wir selbst upt an- en und tzer. — ö:⸗————— ℳʃ4·—— ℳzꝛ uB 1. Ihr, die ihr lehrt der Völker edle Jugend Von Holland, England, Deutschland, Spanien, Frankreich; Haut sie bey jedem Anlaſs, bitt' ich euch, Scheut nicht die Mäh'’, es fördert ihre Tugend Der Mütter— der Eraichungsweisen Krone Erwies sich nur in Juans Fall zum Hohne Da er, wahrhaftig auf seltsame Art, Der angebornen Keuschheit ledig ward. 2. Wär' er geschickt zur Fürstenschule worden, Nach Tertia, Quarta,(hier gält’ es gleich viel,) Blieb seine Phantasie durch täglich Lernen kühl, Zum wenigsten wenn er gesäugt im Norden; 17. A Spanien mag sich als Ausnahm' oſfenbaren, Doch zeigen dann Ausnahmen ihren Werth; Scheidung durch einen Fant von sechzehnJahren, Da stutzten doch wohl die, die ihn gelehrt! 3 3. Nicht sagen könnt ich, daſs, wenn alles wohl erwogen, Ich im geringsten stutzte; denn erstens, ein— Unverstand. War die Frau Mutter, mathematisch benannt; Ein alter Esel der Lehrer, der ihn erzogen,— Ein hübsches Weibchen—(das ist leicht ab- zusehn, Sonst wäre wohl das Canze nicht geschehn) Ein Eh’mann, ziemlich alt— nicht sehr in Ei. nigkeit Mit seiner jungen Frau— Zeit und Gelegen- heit— en, erth; Jahren, ehrt! benannt; egen,— eicht ab- ehn) hr in Ei- Gelegen- „ 4. Ja, ja! um ihre Axe muſs die Welt sich drehn, Und hoch und niedrig müssen mit ihr gehn! Wir leben, sterben, lieben, zahlen unsre Steuer, Und drehn die Segel, wie der Wind sich dreht; Der Fürst beherrscht, der Arzt macht’'s Leben theuer, Der Pred'ger unterweist uns— so das Leben geht— Ein wenig Oden, Liebe, Wein, Kampf, Ehr- geiz, Glanz, Gebet und Staub— vielleicht des Nachruhms Kranz. 5. Nach Cadix, sagt' ich, sollte Juan fahren; Ein schöner Ort, wohl denk ich seiner noch, Dort ist der Markt der Colonieenwaaren, (War'’'s mehr, eh' Peru brach sein Joch;) Und Mädehen— ich meyne solche holde Frau'n, Ihr Gang schon mufs das Blut in's Herz dir treiben, Ich kann ihn, wie er hinreiſst, nicht beschreiben, Auch nicht vergleichen— gleich ist nichts zu schaun. 6. Ein Araber, ein Barbar, erst gebändigt, Gazelle, schlanker Hirsch, Cameelopard— Ach alles nichts! Dann die Bekleidungsart, Ihr Schleyér und ihr Röckchen— traun geendigt Würd' ein Gesang, wollt' ich hiebey verweilen; Ihr Fülschen dann, der Knöchel— könnt mich freun, Daſs sich kein Gleichnifs will mir grad' ertheilen! (Und so, vernünft ge Muse, laſs gesetzt uns seyn; 7. Ja, keusche Muse, mufst du, so mulst du!) der Schleyer, Zurückgeworfen leicht mit weiſser Hand, Indenm In's H Der IL. Der M Wora Als die Nun zu Sandt' Dort Warun Zu reig Als o Das v Und i 5 Indem, wovor du erbleichst, des Auges gewal- rz dir tiges Feuer reiben, In's Herz dir blitzt;— o du sonniges Land Dlts Lu Der Liebe, vergefs' ich dein— so entfalle dem Verstand— Der Morgensegen— doch nie ersann man ein Cewand, Woraus das Auge schösse so volllöthig, 3— Als die Fazzioli höchstens in Venedig. zart, leendigt 8. weilen; Nun zur Geschichte; um ein Schiff zu besteigen au mich Sandt' Ines hin nach Cadix ihren Sohn; Dort bleiben— war dem Plan zuwider schon, theilen! Warum Hierüber, Leser, will ich schweigen. ns seyn; Zu reisen sollte der junge Mann an Bord, Als ob ein spanisch Schiff die Arche Noah's 4 wäre, lst du!) Das von der Erde Schlechtigkeit ihn kläre, Und ihn heraus lieſs, wie die Taube dort. d, 9. Juan befahl dem Diener, das Felleisen, Erhaliner Weisung nach, zu packen; dann empfing vermabnung er und Gold; er sollt' auf Reisen Vier Lenze durch; ob's Ines nah' auch ging, (Wie jede Art von Trennung Bitt'res bat): Sie hoffte, glaubte fest, so würd' er weiser; Sie gab'nen Brief ihm auch mit gutem Rath, Und zwey bis drey an reiche Wechslerhäuser. 10. Sich mittlerweile Zeitvertreib zu schaffen, Legt eine Sonntagsschule die wackre Ines an Für böse Kinder, die, auf Müssiggänger Bahn, „Den Teufel lieber spielen, oder den Affen. Dreyjähr'ge Kleine wurden klug gemacht, Pinsel gehauen, oder auf den Gehorsam gewiesen, Weil Juans Erziehung so sich selbst gepriesen, Ward sie auf Bildung kommenden Geschlechts gebracht. 143 Juan stieg ein, das Schiff begann die Fahrt, Der Wind war gut, doch äusserst wild die Wogen, Die Sce ist in der Bay von Teufelsart, Sehr gut weifs ich's, der ich sie oft durchzogen; Steht man auf dem Verdeck, Hiegt in's Gesicht Der sprüh'nde Schaum, und macht es wetter- dicht; Dort stand er, um zu wiederholten Malen Spanien vielleicht das letzte Lebewohl zu zahlen-. 12. Es ist ein bang Gesicht, ich muſs gestehn, Sein Vaterland zurückzufliehn zu sehn Durch Wassermassen— es entmannt uns ganz, Besonders, glüht noch zarter Jugend Glanz; Ich weiſs noch, Englands Küste sieht wie Kreide, Doch plau die aller andren Länder schier, Wann, bey dem Anfang unsers Schifferlebens, wir Hinsehn auf die Verdunkelten durch Weite. 13. So stand verwirrt Juan auf dem Verdeck, Der Wind pliff, Seile dröhnten, Matrosen fluchten, Es krachte das Schiff, die Stadt ward nur ein Fleck, Von welcher so schnell und leicht die Ferne sie suchten.— Ein Beefsteak ist der sicherste Gebrauch Vor Seekrankheit; eh' ihr wollt kichern, Versucht's, mein Herr, ich kann den Werth versichern; Denn trefflich fand ich's selbst,— ihr könnt es auch. 14. Don Juan stand, und in stets weitre Fernen Sah er zurück sein heimisch Spanien fliehn Der ersten Trennung Lehr'’ ist hart zu lernen, Selbst Völker fühlen's, wenn in Krieg sie ziehn; Ein e Ein D Ob vo Wirs. So ma Die M Dafs n. Als ma Entsch Ein A So we Bis tie So we Gewei Ein eigener unausgesprochner Schmerz, Ein Drang ist's— der weit aufreiſst unser Herz! 8 Ob vom geringsten Volk und Ort wir gehen,— Wir säumen— um den Thurm nur noch zu sehen. 13. Ferne So manches liefs dahinten Don Juan, Die Mutter, und— kein Weib— doch die Geliebte, Dafs mehr er hatte, was die Seel' ihm trübte, Werth Als manch' auf weiter schon durchschrittner Bahn; Entschlüpft sogar nach denen dann und wann könnt Ein Ach, die wir verlieſsen unter Streiten, So weinen wir um die, die lieb das Herz ge- wann, Bis tiefrer Gram erstarrt der Thränen Cleiten. en 4 16. enen, So weinte Don Juan, wie die gefangnen Juden Geweint, Sions gedenk, an Babels Fluthen; Auch ich thät's, wenn am Weinen die Muse Geschmack 3 4«Leb' Und— man pflegt bey so leichtem Schmerz Viell 2 1 noch nicht zu erliegen; . 8 8& Verze Jünglinge sollen reisen, wenn nur zum Ver- nügen; 3 3 1— 8 Se 3 Zu sc Und das nächstemal, wenn wieder den Mantelsack Leb“ 6 12 Die Diener hinter ihre Kutsche binden— Wird dieser mein Gesang vielleicht darin sich Eeb finden. 47. Und Juan weint, und seuſzte tief, und sann; Die salz'ge Thrän' in salz'ge Seefluth rann. Der Süfsen Süſs'stes(ich zitire gern, Und Verzeiht den Auszug—'˙s ist, wo zu Opheliens Grabe Die Kön'gin Dän'marks bringst der Blumen Gabe) Und, oftmals schluchzend, der Geliebten fern,„Eh' Betrachtet er sein gegenwärtig Wesen, Als n Und schwur sich fest, zur Bess'rung zu genesen. 18. «Leb' wobl, mein Spanien, lang leb' wohlꝰ, riefer, „Vielleicht seh' ich im Leben nie dich mehr, «Verzehre mich, wie manch Vertrieb'ner sich verzehret, «Zu schaun verlangend deinen Küstenrand! Leb' wohl, wo man des Guadalquivirs Brausen höret, „Leb' wohl, o Mutter, und, weil alles schwand, „Auch du, geliebte Julie!» hier zog ihren Brief Er vor, daſs er ihn nochmals überlief. 19 Und ol wenn ich dich je vergess'— ich heliens schwöre— „Unmöglich ists, und kein Gedanke dran,— n Gabe) Eh' schmilzt in Luft der blaue Ocean, in fern,„Eh’' daſs in Meer der Erdball sich verkehre, Als mir dein Bild, oSchöne, könnt' enteilen, genesen.„Als flüchtig nur, mein Denken von dir liefs; „Ein krankes Herz kann durch nichts andres Ein heilen“— Ernst (Hier ward er seckrank, weil das Schiff sich stiefs) Wen 20. Eh' küfst die Ros' ein Sternn(hier ward er kränker); Lieb 0 Julie, was ist jeder andre Schmerz?— («Ein Glas Liqueur, beym ew'gen Himmelslenker! Ein I Doch „Pedro, Battista, helft mir niederwärts!) „Julie, Geliebte!(Pedro, Fletz, gelenker!) „Julie!(das Schiff, das schaukelt so, zum Henker!) Und Bey j „Geliebte Julie, höre doch mein Sprechen!“ (Hier ward er unvernehmlich durch Erbrechen.) Geme Dami 21. Nicht Er fühlte jene kalte Schwer im Herzen, (Vielmehr im Magen) die begleitet, ach!— (Wie viel des Apothekers Kunst vermag,—) Allein „„„ Verrath der Freund', entzog'ner Liebe Schmerzen, Im E Tod unsrer Lieben; sinkt in Nacht mit ihnen Liebe ndres tiefs) 1 .—) nerzen, hnen 13 Ein Theil von uns, und alle Hoſfnungskerzen „,».. 2 Ernstvoller wär' er herzlich gern erschienen, Wenn nicht die See als Brechwein mufste dienen. 22. Lieb' ist ein launiges Ding! Ich sah sie be- stehen, Ein Fieber, zugezogen durch eigne Gluth, Doch hab' ich durch Schnupfen und Husten ver. wirrt sie gesehen, Und eine Bräune nahm ihr ganz den Muth. Bey jeder edlen Krankheit ist sie kühn, Gemeine Krankheit nur kann sie verdrieſsen, Damit ihr Seufzen nicht unterbrech' ein Niesen, Nicht ihre blinden Augen roth entzündet glühn! 23. Allein das Schlimmst' ist Uebelkeit, und drängen Im Eingeweide niederen Bereichs; Liebe, die kühn sich läfst ne Ader sprengen, 14 Schaudert beym Umschlag warmgemachten Zeugs; Jetz Rhabarber drohet ihrem Reich Gefahr, Er SeekrankheitTod!— Vollkommen warseinLieben, Wie wär'’'s im Wogenbrüllen sonst geblieben, Wei Trotz einem Magen, der noch nie zu Schiffe war. Und . 24. Seln Das Schiff— s hieſs die hochheil'ge Trinidada, Lief, wie es sollte, nach Livorno's Port; Es liefs die spanische Familie Moncada, Vor Jose's Zeiten schon, sich nieder dort; Mit ihr war er verwandt, er hatt' an sie Empfehlungsbriefe, zugesendet, früh Vor seiner Reise, von spanischen Bekannten, An diese italienischen Verwandten. 23. Sein Hof bestand aus drey Bedienten, und Dem Lehrer, dem Herrn Lizentiat Pedrill; Der, obwohl mehrer Sprachen kund, Zeugs; Liecben, ben, iffe war. inidada, annten, und 2drill; 19 Jetzt sprachlos lag und krank auf seinem Pfühl. Er wünschte Land, gewiegt aus seiner Hange- matte, Weil er bey jedem Stofſs mehr Kopfweh hatte, Und weil das Wasser, das durch's Thürloch drang, Sein Lager nafs macht', und ihn selber bang. 26. Das war nicht ohne Ursach, denn der Wind Begann verstärkt, zur Nacht als Sturm zu wehen; Nicht viel für die wohl, die zu Schiff stets sind, Doch Landgewohnte mochten bläſslich sehen; Seevolk ist traun besondre Art von Leuten.— Die Segel fing man Nachts an einzuziehn, Weil ernst der Himmel fernen Sturm zu deuten, Und einen Mast mehr, oder sonst, zu kosten schien. 27. Ein Uhr war’s, als des Sturmes plötzlich Weh'n, Das Schiff wie in den Trog des Meeres schmifs, Das Hintertheil prallt' an, die Folg' ein böser Rifs; Die Fugen wichen, ja es splitterten Die Balken all' des Hintertheils, und ehe Das Schiff sich half aus gegenwärt'gem Stand Brach weg das Ruder; dafs die Pumpen man besehe, War Zeit, da man vier Fufs schon Wasser fand. 28. Ein Theil des Volkes ward an sie sofort Gestellt; die Andern, wie nur möglich, rangen Die Schiffslast wegzuräumen, und was sonst dort, Doch konnten sie zum Lecke für jetzt nicht ge- langen. Zuletzt gelang's, dazu zu kommen, doch Blieb ihre Rettung eine Wette noch, Bedenklich war des Wassers stürmend Wallen, Zwar warf man in die Oeffnung Hemden, Baum- wollballen, Betttü Gegan Trotz Wenn Sämmt Denn Auf fu Ohne Am Ma Und 2 Und fl. Zwey f Der V Kam e 17. tand en man er fand. t rangen 18t dort, icht ge⸗ ch Wallen, „Baum- 29. Betttücher, Jacken,— und doch gewiſs vergebens, Gegangen würden alle seyn zu Grund, Trotz aller Rettungsmittel, allen Strebens, Wenn's nicht die Pumpen thaten—; gern mach' ich sie kund Sämmtlichem Mitseevolk bey nöth'’gem Falle, Denn stündlich ward von ihnen ausgebracht Auf funfzig Tonnen Wasser, und sterben mufs- ten alle, Ohne Herrn Mann in London— welcher sie gemacht. 30. Am Morgen schien’s, als ob der Sturm sich legte, Und zu bewält'gen hofften sie das Loch, Und flott zu bleiben, ob drey Fufs Wasser noch Zwey Hand- und eine Kettenpumpe bewegte.— Der Wind blies wieder frisch, zur Abendzeit Kam ein Orkan, losbrachen etliche Kanonen, 17. B 18 Ein Sturmstofs— über jeder Schildrung weit, D — 1— Sk5 arau Warf in dem Nu das Schiff auf seine Balken- Stei kronen. Der B 31 Dies 1 u. Hinop Da lags bewegungslos, wie ausser Brauch gestellt, Nun su Vom Kielraum drang die Fluth, und wusch die Verdecke, Ein Auftritt, wie er Menschen nichi entfällt; Leicht eic Denn sie gedenken Schlachten, Feuer, Wrecke, 8— o dr. Und jedes Dinges, das vereint mit Schmerza, 1 Daſs e Das ihre Hoffnung bricht, ihr Haupt, den Hals, Ihr 1 hr Le das Herz; .. Daſs s So wird von Tauchern, Schwimmern, oft be- hriek Sein E . schrieben Vyie n Ertrinken Andrer, wo sie leben blieben! Vnd 32. Die Maste wurden eilends abgehauen, Gewifg So Haupt- als Besanmast— erst ging der Be- Als Ru san fort, weit, lken- der Be- 19 Darauf der Hauptmast, doch das Schifl lag dort Stets wie ein Klotz, getäuscht war das Vertrauen. Der Bowspritt ward gefällt, der Vordermast— Dies half zuletzt(ob Alles gleich man nimmer Hinopfern wollte, so lang ein Hoflnungsschimmer) Nun sprang das alte Schiff empor mit Hast. 33. Leicht wird man glauben, dafſs, als die Gefahr So drohend, manchem bange war; Dafs es zuwider sehr den Passagieren, Ihr Leben und ihr Mahl so zu verlieren; Daſs selbst der ächte Seemann, ahnend, daſs Sein Ende nah'’, zum Schwelgen Lust empfangen; Wie meistens dann Matrosen Grog verlangen, Und Rum bisweilen trinken aus dem Faſs. 34. Gewifs beruhigt mehr nichts die Cemüther, Als Rum, und— wahre Cottesfurcht; so kam es, daſs Eins raubt'“, eins trank, eins sang Gesangbuch- lieder, Der Wind pfiff den Diskant; Takt schlug als Ciel Baſs Die heisere rauhe Woge; Graus trieb Uebelseyn In e Aus armen Fesitlandvolks seekranken Magen; Wal Es mischte sich ein Chor von Lästrung, Beten, Dock Klagen, In das Gebrüll der See mit wildem Schrey'n. Und s Und k 35. Und s Schlimmres geschah wohl, wenn Juan nicht war, Der mit Verstand, wie er nur Aeltern eigen, An'’'s Rumgemach drang, und mit einem Paar Der g Pistolen sich davor gestellt; die Feigen, In laut Als sey durch's Flammenthor mehr, als durch Bereut das der Fluth, That e Der Tod entsetzlich, blieben, trotz Geheul und Nie sol Wuth, Daſs n Doch immer fern, wie sie's vor'm Untersinken In de Auch rathsam hielten, erst sich zu betrinken. Um JA buch- 36. „Gieb uns mehr Grog!“ schriein sie;«all' eins ig als wird'’'s seyn aIn einer Stunde;“ Juan sagte: Nein! Lseha„Wahr ist's, der Tod erwartet mich und euch, k1;„Doch sterben wir als Menschen, nicht dem Belen, Viehe gleich! n Und so behauptet' er den schweren Posten, Und keines wollte den Tod voreilig kosten; Und selbst Pedrill, sein hochverehrter Lehrer, Ward abgewiesen als Arakbegehrer. 37. Paar Der gute alte Herr war ganz entsetzt; In lautem frommem Schmerz sprach der Betrübte, durch Bereut' all seine Sünden, und zuletzt That er der Bessrung heiliges Gelübde. ſeul und Nie sollte sich's, nur hier gerettet, mehr begeben, Dafs nochmal er verlieſs' sein akademisch Leben, sinken In den Klöstern des gelehrten Salamanka, Um Juan nachzuziehn wie Sancho Panca. 38. Ein neues Hoffnungslicht nochmals erschien; Tag war’s, es schlief der Sturm;— die Maste Doch hin, Denn Das Leck vergröſsert, rings Untiefen, doch kein Ob au Strand, Ist's d Es schwamm das Schiff, erhielt sich selbst je- doch; Man griff zum Pumpen wieder, ob kurz vorher Dort noch Jetzt, Man jed' verzweifelt Mühen fruchtlos fand; Dem d Ein Sonnenschimmer liefs die Händ' ans Schö- Kein pfen sich machen, Wor Die Starken pumpten, ein Segel knüpften die Ein R Schwachen. Das Sc 39. Das Segel ward beym Kiel hineingepafst, Anfänglich schien die Auskunft gut getroffen; Miteinem Lecke doch, und keinen Stab von Mast, Noch s 25 Und keinem Fetzen Segeltuch— was stand zu hoffen P n⸗ ſaste Doch recht ist Kampf bis zu dem letzten Zug, Denn ganz zu scheitern ist stets Zeit genug! Lein Ob auch der Mensch uur Einmal sterben kann, 4 Ist's doch im Löwengolph nicht gut gethan! 'st je- — 40. vorher Dort hatte Wog' und Wind sie hingeschlagen Jetzt, wider Willen, trieb heraus der Lauf; d; Dem Steuren mufsten sie von selbst entsagen; Schö- Kein ruh'’ger Tag ging annoch ihnen auf, Wo ruhn man konnte, oder anzufangen wagen en die Ein Ruder, oder Nothmast— ja nur sprechen könnte, Das Schiff schwämm' noch ein Stündchen, das (vom Glück zu sagen) Noch schwamm, ob eben nicht wie eine Ente. . bollen; 41. n Mast, Der Wind war schwächer in der That vielleicht; so schwer doch ging das Schiff, daſs wenig Hoffnung sich bot, Noch lange flott zu bleiben, grofs war auch die Noth, Die sie nun ebenfalls erreicht, Ob Wassermangel; ihr gesetzt Gericht War karg genug; qurch's Teleskop zu schauen Half nichts, kein Land, kein Mast kam zu Ge- sicht, Nur stürm'sche See und abendliches Grauen. 42. Das Wetter drohte wieder, wieder blieſs Ein Sturm, und im Vorder- und Hinterraum er- schien Das Wasser; wuſsten All' auch dies, Doch waren ruhig die Meisten, und Ein'ge kühn, Bis Leder und Ketten durchgerieben waren An allen Pumpen— nun mußsten wir fahren Im blofsen Wrack auf Gnade der Wellen, die ähnlich ist Der Gnade der Menschen zu Bürgerkrieges Frist. Da kal Nafs s. Ich k Und h Und w Daſs fe Der ar Zwey I Das Sch Im Vor Fleht' e Gelobt' Damit: Dieh 43. Da kam der Zimmermann zuletzt; es waren auch Nafs seine rauben Augen: Capitän,» sprach er, „Ich kann nun nichts mehr thun!“ er war ein Mann in Jahren, Und hatte lang durchschifft manch' stürm’sches auen Meer; Ge- Und weint' er endlich, thats nicht Furcht und Zittern, en. Dafs feucht, wie eines Weibes, jetzt sein Blick; Der arme Tropf liefs Weib und Kind zurück, Zwey Dinge, die beym Sterben tief erschüttern. 4. Das Schiff sank augenscheinlich itzt Im Vordertheil mit Hast, und ohne Unterscheid Fleht' ein Theil wieder, und dem Heil'gen, der beschützt, Gelobt' er Kerzen, ob keine gleich bereit, Damit zu zahlen; Ein'ge blichten über den Bug, Die huben die Boot' aus, und Einer bat Pedrillen, Dafs er ihn absolvir' um Cotteswillen; Und der, verwirrt, ertheilt' ihm einen Fluch. Dem 45. Durc Diepeitschten auf dem Lager sich, und zogen an Zwey Die besten Kleider, als gält's zum Markt zu War eilen; Die fluchten dem Tag, wo sie die Sonne sahn, Und knirschten die Zähn', und rauften ihr Haar Ia's mit Heulen, Ein Noch Andre thaten, was sie schon gethan, Sie schafften die Boote heraus, defs wohl versehen: Das stürm'sche Meer selbst könn' ein dichtes Boot bestehen, Treibt nicht der Wind zu nah' die Wogen heran. 46. Das schlimmste war, daſs es in ihrer Lage, Da sie in grofser Noth schon mehre Tage, Sehr schwer hielt, so viel Nahrung auszuschiffen jetzt, uch. gen an kt zu sahn, r Haar Als ihr lang Leid zu mindern, reichend wäre, Dem Menschen, wenn er stirbt selbst, widert Leere; Durch’s Wetter war ihr Mundvorrath verletzt, Zwey Tonnen Zwieback und ein Fäſschen Butter, War alles, was sie brachten in den Kutter. 47. In's grofse Boot zu bringen ward beschlossen: Ein Paar Pfund Brod, obgleich beträchtlich naſs, Und Wasser, ungefähr ein Eimerfaſs, Sechs Flaschen Wein; sie holten unverdrossen Etwas von ihrem Pöckelfleisch herauf, Und legten ein Stück Salzschwein oben drauf, Doch reicht' es kaum zu einem Frühstück um— Dann war in einem Fafs noch acht Maſs Rum. 48. Gleich anfangs, als der Sturm schien Ernst zu machen, Hatte man vollgepackt Pinass' und Nachen; Des langen Boots Gehalt war ziemlich schlecht, Statt Segels dienten nur zwey Deckenstücke, Statt Mast ein Ruder, das ein junger Knecht Noch über das Geländer warf zum Glücke; Weit wen'ger selbst beladen, reichten nicht zwey Bote, Halb so viel Volk zu retten von dem Tode. 49. denn es schwand der sonnenlose Tag Es graute, wie ein Schleyer, der, ver- Auf Wasserwüsten; rücket, Nur zeigen würde, wie finster auf uns blicket Des Hasses Auge, so die Nacht weit schleyernd lag, Und hüllte zu die bleichverstörten Mienen, Und den Verzweiflungsblick, der düster, bang Zur Tiefe starrt'; es war zwölf Tage lang PFurcht ihr Genosse,— Tod stand nun vor ihnen. 50. Versuch ward auch gemacht mit einer Fähre, Mit wenig Hoffnung bey so stürm'schen Meere, Man Wer Doch Und Halb Nur Halb. Und a Ob fl. Worn Nur v Die B Da ne Kurz, se Tag r, ver- licket nd lag, en, bang 8 ihnen. Fähre, Meere, 29 Man hätte drüber lachen fast gemufst, Wenn man zum Lachen solcher Zeit Gedanken; Doch pflegen's Leute, welche zu viel tranken, Und sind in einer Art von schaurig wilder Lust, Halb krampfhaft, melancholisch halb— es hätten Nur Wunder es vermocht, sie so zu retten. 51. Halb neun Uhr wurden Stiegen, Sparren, Stangen Und all' Geräth auf Glück geworfen in die Fluth, Ob flott hielt der Matrosen Kampf und Muth, Wornach, mit wenig Frucht zwar, noch sie rangen; Nur wenig Sterne leuchteten am Himmel, Die Boote stiefsen ab, gedrückt vom Volksge- . tümmel— Da neigte sich das Schiff, umstürzt es gänzlich drauf, Kurz, unterging's, versinkend Kopf vorauf. 52. Ein wild Lebwohl! begann die Luft zu füllen; Still stand der Tapfere, der Feige schrie, Dem Bord entsprangen Ein'g' im grausenrüllen, Früher das Grab zu finden, gierig sie; Es gähnt um's Schiff die See, gleichwie ein Höllenschlund, Und schlang mit ihm die wirbelnde Wog' in den Grund, Gleich einem, welcher ringet mit seinem Feind, Vor eignem Tod ihn zu erwürgen noch gemeint- 53. Zuerst entbrach ein allgemein Gekreisch, Noch lauter, als das laute Meer; gleich dem Gebrüll, Des hallenden Donners, und drauf ward alles still,— Der Sturm, der Wogen empfindungsloses Ge- räusch üllen; . rüllen, ie ein Vog in Feind, emeint. h, ich dem ard alles oses Ge- 31 Nur nicht; doch dröhnt' entlang bisweilen, (Vom Spritzen begleitet, erregt von Sterbender Krampf,) Ein einzelner Schrey, das Wellaufsprudelnde Heulen Von einem wackern Schwimmer im Todeskampf. 54. Die Bote waren, wie gesagt, schon weggelenkt, Und Ein'’ge hatten sich hineingedrängt; Doch hatten jetzt sie kaum zu hoſfen mehr Als früherhin, es stürmte gar zu sehr, Nur dürfu'ge Aussicht war, an's Land zu fahren Da, ob so wenig, doch zu viel schon ihrer waren; Man zählte ihrer dreyfsig in dem Boot, Neun in dem Kutter, als sie wieder ſlott. 53. All' Andre kamen um, an die zweyhundert Seelen Entflohen ihrem Körper; doch was schlimmer ist, Wenn Katholiken Meerestief' umschlieſst, 3² So möüssen wochenlang sie warten, eh' dem Quälen Fegleueriger Kohlen sie eine Mess entnimmt, Weil, eh' die Leute vom Gescheh'nen sich re Boten, Sie nicht ihr Geld hingeben mögen für die Todten, Für jedes Messelesen sind drey Franken bestimmt. 56. Juan kam in das groſse Boot, und dort Verschafft' er auch Pedrillen einen Ort, Es schien, als ob ihr Amt vertauschet war, Denn Juan hatte die Miene des Beschützers, Die Muth einflöfset, während das Augenpaar Pedrillos, weinend die Sache führte seines Be- sitzers; Battista doch— man hiefs ihn kürzer Tita,— Kam um ob dem Genuſs von etwas Aquavita. 57. DenDiener Pedro hätt er gern auch mitgenommen, Dasselbe doch, herführend seinen Untergang, IIatt' i Als ül So fan Da, w Denn! Und in Ein alt, Dem V. Auf sol Mit Inn Bemerk Das Sch Und Ju Der Fal 17. dem mmt, sichre LCodten, timmt. war, zers, Lpaar nes Be- Tita,— navita. mmen, Sang, Ilatt' ihn so schwer berauscht, daſs in das Meer er sprang, Als über'n Rand des Kutters er bemüht zu kommen; So fand er denn ein Wein- und Wassergrab, Da, wie so nah dabey, doch keine Hülf' es gab; Denn höher stieg die See in jedem Augenblick, Und in dem Boote war die Menge schon zu dick. 58. Ein alter kleiner Mops, von Jose’s Hand, 31 Dem Vater, schon gepflegt— ihm lieb, ihr könnt * 8 8 8 es denken— Auf solcherley weilt gern das Angedenken / 8 8 Mit Innigkeit,— stand winselnd auf dem Rand, Bemerkend(denn fein ist die Nas' der Hunde) Das Schiff geh' sicher nun zu GCrunde 8„ Und Juan grill ihn auf, und warf, ch' er ent- drang Der Fahr, hinein ihn, und ihm nach er selber sprang 17. 59. Er steckt' auch, wie's nur ging, sein Geld Um sich herum; gleichfalls das von Pedrillen, Der ihm fürwahr in allem läfst den Willen, Weil Red' und Thatkraft gänzlich ihm entfällt; Jedwede Welle schreckt' auf's neu' ihn wieder, Doch Juan hoffte, trotz aller Fährlichkeit, Und glaubte, Mittel gäb's für jedes Leid— Einschifft' er also Mops und Lehrer wieder- 60. Die Nacht war rauh, es stürmte heftig noch, Kein Wind traf's Segel in dem Thal der Wellen; Und ob zur Fahrt die Wogen viel zu hoch, So wagten doch sie nicht, das Segel einzustellen; Einschlug jedwede Woge, so dais sie troffen, Sie muſsten schöpfen sonder Ruh und Rast, Daſs sie geschwächt, und ihnen gleich ihr Hoffen; Auch sank das arme Kutterchen mit Hast. Mit ih Hielt Zwey a Als Seg Ob jed Und je Doch Desglei Die Sor Des län Bis end War al Ein Paa Ward 35 61. 4 Mlit ihm neun Seelen mehr; noch ob der Fluth rillen, Hielt sich das lange Boot; ein Ruder war sein len, Mast, ntfällt; Zwey angenähte Zügen, übel nur und gut iedor, Als Segel, waren an das Ruder angepaſst. 1 Ob jede Wog' es anzufüll'n gedroht, Jer Und jetz'ge Fahr vergang'ne überbot— er. Doch beweinten sie die Sterbenden im Kutter, Desgleichen auch den Zwieback und die Butter. 62. Die Sonn' erglühte feurigroth, zum Zeichen Des längerwährenden Sturms; den Wellen aus- zuweichen, Bis endlich ruhiger es würde seyn, War alles, was bis jetzt geschehen konnte; Ein Paar Theelöffel voll von ihrem Rum und Wein Ward unter's Volk vertheilt, das nun begonnte 36 Zu schmachten nach Brod, durchnäfst durch alle Säcke; Ten Beynah' die Meisten hatten Fetzen statt der AuJ Röcke. Weil Das D 63. Lang Sie zählten dreyfsig, eingezwängt in einen Raum, Und! Wo Platz zum Regen und Bewegen kaum; Ihr Bestes thaten sie in ihrem Schreckensfalle, Die eine Hälfte safs, ob starr vom Wasser- schwalle, Dafs sich ihr Platz den andern als Lager bot, Nachtwachenweis; so, schaudernd wie bey'm kalten Fieber-⸗ In seinem Froste, füllten sie das Boot, Zur Decke nichts als nur den Himmel drüber. ( Der Wunsch zu leben, das ist sicher wahr, Erhält das Leben— o das sehn die Aerate klar, t durch latt der n Raum, um; fensfalle, Wasser- ger bot, e bey'm „ 1 drüber. wahr, rate klar, 37 Wenn Kranke, die nicht plagen Freund' und Weib, Am Leben bleiben, trotz zerstörtem Leib, Weil sie noch Hoſfnung hegen, auch die Scheeren, Das Messer Atropos' nicht vor sich sehn; Lang Leben nimmt Verzweiflung am Erstehn, 8 Und lälst auffallend kurz des Menschen Leiden währen. 65. Man sagt, es leben Leut', auf Jahrgehalte Gesetzt, länger als Andere: Gott weiſs wofür? Wenn nicht zur Qual der Zahler, so scheint es mir Im Ernst, unsterblich gar sind manche Alte; Ein Jude drückt als Gläubiger am meisten, Und ihre Art ists doch, Vorschub zu leisten; So liehen Geld sie mir, dem Jüngling, dar, Was später schwer mir zu bezahlen war. 66. Bey Leuten in oſſ'nem Bootsiecht Gleiches man; Für Sie leben von der Liebe zum Leben, und be- stehen Mehr als man glauben, ja nur denken kann; Wie Felsen stehn sie gegen Sturm und Wehen; Von jeher war das Ungemach am Bord, L „. Den Seit Noah’'s Arche kreuzte hier und dort; 3 Schi Sie hatt' ein sorglich Volk so gut als Cargo, 4 5 Ob’ Wie Hellas' erstes Caperschiff, die Argo. H77. Jedoch der Mensch ist ein fleischfressend Wesen, Und mufs Tags haben mind'’'stens Ein Gericht; Holzwürmern gleich, vom Saugen leben, kann er nicht, Wie Hai und Tiger muls er Beute sich erlesen; Obgleich sein anatomisches Gebäude Wa Aucha, Pflanzenkost verträgt— nur mit etwas Geräusch, So halten doch gewiſs die Arbeitsleute Für besser zu verdaun Rind-, Kalb- und Schöp- s man; 1 und he- senfleisch. kann; 68. F. e eMei So war's bey unserm unglücksel'gen Haufen, 4 Denn Windesstille kam am dritten Tag; 45 Schien sie auch anfangs sie mit Kraft zu taufen, ar⸗ Ob sie wie Balsam auf den Müden lag, 50. Dafs sie entschliefen, Turteln gleich auf blauen Meerweiten, doch, erwacht, war ihnen übel sehr, Wesen, Sie fielen wüthend über ihren Vorrath her, 1 Anstatt davon zu spar'n mit weisem Umsich- Gericht; schauen! en, kann 50 erlesen; 69. Was daraus folgte, siehet leichtlich man, ait etwas Sie zehrten auf, und tranken allen Wein, Trotz jeder Gegenvorstellung, und dann— 4⁰ Was sollt auf morgen ihre Mahlzeit seyn? Es würd' ein Wind sich erheben, so hofften Am 81e verwegen, Unc Und sie an's Ufer treiben;— so schön die Hoff- W nung war, Jet⸗ War's doch bey Einem Ruder— und das höchst VUnd brechlich gar, Viel weiser, Nahrung sich zurück zu legen. Als Die 70. Es kam der vierte Tag, doch nicht ein Hauch von Wind;— Es schlief die Fläch', wie ein gestilites Kind; Der fünfte Tag— ihr Boot wiegt' auf der Fluth Und See und Himmel waren blau und klar; Der Mit ihrem Einen Ruder(wenn's nur wär' ein Paar!) Was war zu machen? Wilder ward des Hun- Sies gers Wuth— So wurde Juans Mops, trotz seinem Bitten, 2 Geschlachtet, und zum jetz'gen Mahl zerschnitten. yn? » hofften die Hoff- as höchst legen. in Hauch es Kind; der Fluth d klar; r wär' ein des Hun- Bitten, rschnitten. 41¹ 742 Am sechsten Tag ward seine Haut verzehrt, Und Juan, der sich's immer noch verwehrt, Weil seines Vaters Hündchen war das Todte; Jetzt fühlt' er ganz den Geyer in seinem Magen, Und nahm mit Schmerz— trotz früherem Ver- sagen— Als grofse Gunst— die eine Vorderpfote, Die mit Pedrill'n er theilte, der Sie hinterschlang, sich wünschend auch die zweyte her. 72. Der siebente Tag, und noch kein Wind; der Sonne Glüh'n Versengt und brennt', und wie Gerippe lagen Sie still auf weiter See; all' Hoffen eitel schien, Das letzt' auf bald'gen Wind, noch droht' es fehlzuschlagen. Eins blickte wild auf's andre,— Wasser, Wein, Efswaaren— alles auf! Schon konnte man entstehen In ihrem Wolfesblick, trotz ihrem Schweigend- seyn, Das cannibalische Verlangen sehen. 73. Und endlich wispert' einer seinem Nachbar, der Dem andern, und so ging es rund und quer, Bis man zuletzt ein heiser Murmeln hörte— Ein droh'nder, wildrer, zweiflungsvoller Ton. Und wie's zum Nachbar sprach der Nothgefährte, Fand er, daſs gleiches, unterdrückt, er früher nährte; Man sprach vom Loos auf Tod und Leben schon, Wen es zum Mahl der Andern kühren werde. 74. Dochi eh'’s so weit kam, theilten sie für diesen Tag Wa Dan Doc Die Allei Aus War Sies In 81 War Die: Kein Sie 1 Wo Und uate man weigend- bar, der nd quer, Prte— r Ton. gefährte, er früher n schon, werde. ir diesen 43 Was übrig noch an Schuh'’n und Ledermützen, Dann blickten sie um sich, Wahnsinn aus ih- nen sprach, Doch wollte kein's sein Blut zuerst verspritzen-. Die Loose macht' am Ende man bereit, Allein woraus, dies bringt der Muse Leid! Aus Mangel an Papier— da man nichts bess'- res ſand,— Ward Don Juan gewaltsam Juliens Brief entwandt. 75. Sie sind gemacht, bemerkt, gemischet, einge- händigt, In süllem Graus;— als jeder nahm sein Theil, Var selbst die wilde Hungersgier gebändigt, Die wie Prometheus Geyer, angab diesen Gräu'’l, Kein's einzeln hatt' erdacht, gelegt ihn unter'm Fuſs, Sie folterte Natur zu diesem Schluſs, Wo keinem frey gestellt, dafs er neutral—: Und Juans armen Lehrer traf die Wahl. 7756 70. Er bat, man möchte zu Tod ihn bluten lassen. Sein Werkzeug hatte der Chirurg, und schlug Pedrillo's Adern, und so sanft war sein Erblassen, Kaum merkte man des Oden's letzten Zug. Er starb, wie er geboren, als kathol'scher Christ, Wie meist der Glaube bleibt, wo man gebo- ren drin, Erst hat ein kleines Crucifix er noch geküſst, Dann hielt er Arm und Kehle hin. 77. Der Wundarzt, weil's nichts andres gab als Dank, Bekam das Recht, daſs er das erste Stück sich kor, Doch, da er heftig durstig, zog er einen Trank Aus den gewaltig quell'nden Adern vor. Von Unm Man Und Mits] Sehr Die 45 Zerstückelt ward ein Theil, das andre fraſs das Meer, a lassen...... 1 1 1 Und an den Dingen, wie Gehirn und Eingeweide, lu 2... 3 schne Ergötzten sich zwey Hai's, die folgten neben her;— lassen.—.. Mlaßssn. Des armen Pedrill's Rest verzehrten die Schiffes- Zug. leute. hol'scher 78. an gebo- Sie afsen Alle, nur drey bis viere nicht, küfs Die wen'ger lüstern nach einem Fleischgericht; ebützt, Zu diesen gehörte Don Juan, der schon vorher Von seinem Mopse nichts geniefsen wollte, Unmöglich, dafs sein Appetit für jetzo mehr; Man konnte nicht erwarten, daſs er sollte— Und ob verschworen alle bösen Geister,— gab als Mitspeisen hier von seinem Hirten, seinem Meister. lück sich. 79. Sehr weislich, dals er's unterliefs, denn traun! Die Folgen war'n entsetzlich anzuschaun! Denn, die am gierigsten hineingeschlungen, die Lästerungen! Sie wurden rasend.— Cott, heft'gem Zucken, Sie schäumten, wälzten sich in is sie verschlucken Seewasser sah man stromwe Fluchen, Mit Grinzen, Heulen, Schreyen, Spreiten, Uad mit Hyänengelächter verzweiſelnd sie ver- scheiden. 80. Der Unfall bracht in ihre Zahl ein grofs Ver- dünnen, Und dünn gnug war der ganze Rest, weils Goutt Und Einige verloren das Besinnen, Beglückter, als die fühlten ihre Noth! Doch Andre sannen auf neu Blutvergiefsen, Als ob sie nicht Penug gewarnt von diesen, muſst, Lust. Die schon in Wahnsinn endigen ge Weil sie so graus gestillt des Essens ungen, 81. ungen! Zuvörderst hielt man auf den Untersteuermann, Zucken, Als den Beleibtesten, doch er entging der Fahr, chlucken Weil— ausserdem, dafs man ihm keinen Dienst Fluchen, gethan— Noch andre Gründ' es gab; der erste war, d sie ver- Er hatt' erst eine Krankheit durchgemacht;— Weshalb einsämmig doch sie ihn dem Loos entnahmen,—. 's war ein Geschenkchen, ihm in Cadix darge- bracht, 1.—.. 3. grofs Ver- Durch allgemeine Unterschrift der Damen. weiſs Coutl 82. e 21 1 Noch ein'ges war vom armen Pedrillo äber, gieſsen, Doch afs man spärlich,— so manchen die diesen, Furcht gebot, nuſst, Und Andre bekämpften noch des Hungers Fieber, Lust. Und nahmen manchmal nur ein kleines Abend- brod. 48 Don Juan blieb enthaltsam fort dabey, Und kaut' ein Stückchen Bambus oder Bley; Zuletzt gelang es, ein'ge Vögel zu bethören, Nun liefs man ab, den Leichnam zu verzehren. 83. Und wem Pedrill's Geschick anstöfsig scheint, Bedenke, wie Ugolino sich nicht entblödet, Gleich drauf, als höflich er zu Ende geredet, Zu nagen an dem Haupt von seinem Feind, Sind in der Höll' uns Nahrung unsre Feinde, Ist's auf dem Meer erlaubt, zu essen seine Freunde, Nachdem der dürft’ge Vorrath auf dem Wrack S zu Rande, Ohne viel scheuslicher zu seyn als Dante 84 Dieselbe Nacht noch fielen Regengüsse, Wornach sie lechzten, wie der Erde Risse . Bley; hören, erzehren. scheint, lödet, geredet, Feind, Feinde, ben seine m Wrack ante. 49 Beym Sonnenstaub; nur erst durch Noth be- lehrt, Erkennt der Mensch des guten Wassers Werth; Warst du in Spanien, oder der Türkey, Oder bey Nahrungsnoth zu Schiff dabey, IHlast du gehört in Wüsten der Kameele Schelle— Hinwünschst du dich, wo Heil in einer Quelle. 2 83. Es gofs mit Krügen; jedoch sie waren um nichts gebessert, Bis sie gefunden noch ein Lümpchen Tuch, Dies dient' als Art von schwamm'gem Wasser- krug; Und als sie glaubten, es sey genug durchwässert, So prefsten sie's aus; und hielt ein durst'ger Häuer Den dürft'gen Trunk wohl schwerlich eben so theuer, D 2⁵ Als eine Kanne Porter, doch ihres Bedünkens Empfanden sie jetzt zum ersten die Wonne des Trinkens. 86. Und die gebacknen Lippen, blutig aufgesprungen, Einschlürften sie das Wasser, das gleich Nek- tar lief; Glühofen war ihr Schlund, schwarz die ge- schwollnen Zungen, Wie die des Reichen in der Qual, der frucht- los rief, Den Armen anzuſlehn, der nicht hinabzuträufeln Nur einen Tropfen Thau vermocht', ob Him. melskost Ein Tropfen war;— steht dies nicht zu be- zweifeln, Hat traun manch Christenherz viel Glaubens- † trost! dünkens onne des sprungen, eich Nek 2 die ge- gen, er frucht- zuträufeln ob Him. 87. Zwey Väter waren in der grausen Schaar, Und ihre beyden Söhne, von denen der Eine, Trotz seinem kräftgen frischen Aussenscheine, Doch früher starb— und als er Leiche war, Sagt es der Nachbar seinem Vater, der Warf einen Blick auf ihn;«Der Wille des Herrn geschehe, Sprach er,«ich kann nichts thun!“ und sah in's Meer Ihn werfen ohne Thrän' und ohne Wehe! 88. Der andre Vater hatt' ein schwäch'res Kind, Von weicher Wang', und zärtlicherem Blick, Doch lang ertrug der Knabe, sanft gesinnt, Und durch Geduld hielt fern er sein Geschick; Er sprach nicht viel, sah lächelnd dann und wann, Ob er nicht einen Theil des Schmerzes abge- wann, 5² Denn mehr und mehr sah er den Vater leiden, Durch den teftödtenden Gedanken an das Scheiden. 89. Der Vater bog sich über ihn, und nimmer sondern wischt' ihm ab den Cischt Sah weg er, und auf ihn starrt' er immer, Von bleicher Lipp', Und als, ersehnt, Und seine Augen, halb und, wie kurz es schien, umblick der Regen sie erfrischt, schon baar des Lebens Erglänzten, ten rund, Da prefst aus einem Lumpen in des Kindes Mund r— doch vergebens. Er ein'ge Tropfen Wasse 90. Der Knabe starb, der Vater hielt die Leich' umfaſst, Und blickte lang darauf, und als, daſs todt er sey, Kein Zweifel mehr, und steif die todte Last AufseinerBrust, undPuls undHoffnung nun vorbey, Sah Wo Dan Jetzt Zerst Und Und; Viel! War Darau Bis er Natür Des I. er leiden, an das mmer len Gischt er immer, Ischt, 2s Lebens ‚umblick. ndes Mund ergebens. die Leich' todt er sey, te Last nun vorbey, 53 Sah er ihr sorgsam nach, bis rauhe Wogen Worein man sie gelegt, sie ihm entzogen; Dann sank er selber nieder, stumm und bebend, Und nur sein Zittern sprach, daſs noch er lebend. 91. Jetzt trat ein Regenbogen im Zinith zur Schau, Zerstreute Wolken durchbrechend, umfing das Meer, Und stützte die glänzende Bas' auf zitterndes Blau; Und all', was er umspannet, schien daher Viel heller, als was ausserhalb; sein Glanzrevier War breit und wogend, wie ein frey Panier, Darauf verengt er sich, gleich wie ein krum- mer Bogen, Bis er den Blicken der Schiffbrüchigen entzogen. 92. Natürlich wandelte sich dies Himmelscameleon, Des Dunstes und der Sonne luft'ger Sohn 54 In Purpur geboren, in Scharlach eingeschlagen, In Gold getauft, umbändert mit Braun, Glanzvoll, wie über dem Türkenzelt Halbmon. des Ragen, Verschmelzend alle Farben, wie Eine zu schaun, Ganz wie ein schwarzes Aug' im hitz'gen Streit— Denn oft gilt Boxen ohne der Binde Geleit. 93. Ihn nahmen die Schiffbruchsleut' als Glückes. zeichen; Oft ist's recht gut, nimmt man die Meynung an; Denn Griech' und Römer that vordem desgleichen; Das kann sehr nützlich sich beweisen, wann Die Menge zagt; und ohne Widerreden War niemand mehr erneuter Muth vonnöthen, Als diesen! Drum als Hoffnung sich der Bo- gen wob, Ganz wie ein himmlisches Caleidoskop. Ein Den (Ver Zu d Aufll Im I Kam Die! Jedo Gut Wei So si Und eschlagen, n, Halbmon- au schaun, n Streit— Geleit. 3 Glückes. ynung an; esgleichen, a, wann den vonnöthen, ch der Bo- op. 94. Ein schöner weifser Wasservogel strich, Den Tauben gleich an Bau und an Gefieder, (Verirrt wahrscheinlich hatt' im Flug er sich) Zu dieser Zeit vor ihnen auf und nieder. Auffliegen wollt' er, sah und hört' er drinnen Im Boot auch Menschen und mit dem Beginnen Kam er und ging, und flattert' um sie, bis Die Nacht kam— bess'res Zeichen schien noch dies. 95. Jedoch hierbey mufs ich sofort bemerken, Gut war's, daſs fern blieb dies Verheisungsvö- gelein, Weil Schlaf auf morscher Barke Takelwerken So sicher nicht, als auf dem Kirchdach, dürfte seyn. Und wär's die Taub' aus Noah's Schiff gewesen, Von guter Kundschaft eben rückgekehrt, 56 Die hier zufällig ihre Rast erlesen, Sie hätten Oelzweig, sie, und alles aufgezehrt. 96. Bey’m Morgendämmern fing es an zu wehn, Doch heftig nicht; die Sterne glänzten schön, Das Boot ging vorwärts, doch so schwach war jetzt ihr Denken, Nicht wof nicht wasp wollt' ihnen deutlich seyn. Land säh'n sie, sprachen Ein'ge; Andre:„Nein!? Und zweiflig war's ob häuf'gen Nebelbänken. Die schwuren, Schüsse zu hören, die, fernes Branden, Jedoch bey'’m erstern hatten unrecht sie ver- standen. 97. Mit Tagsbeginn erstarb das leichte Wehen, Und der die Wache hatte rief und schwor, Wär’s Land nicht, was dort mit der Sonne tauch' empor, Den Und Bey Nocl Sie ifgezehrt. wehn, en schön, wach war n, lich seyn. Nein!? bänken. ie, fernes t sie ver- Fehen, chwor, der Sonne 57 So woll' er Lebenslang kein Land mehr sehen. Die Andern rieben die Augen, und sahen, oder dachten, sie sähen eine Bay, und Lauf zum Ufer sie machten; Denn Ufer war's, und mählig stellt' es, klar Und hoch und sichibar, ihrem Blick sich dar. 98. Bey Ein'gen fingen Zähren an zu gleiten, Noch Andre, dumm hinstarrend, wie im Traum, Sie konnten Angst und Hoffnung noch nicht scheiden, Und weil'res Denken fand, so schien's, nicht Raum. Noch Ein'ge beteten— nach Jahren einma] wieder— Und dreye lagen auf dem Boote nieder, Wie schlafend, und man rüttelte die Hand, Den Kopf, um sie zu wecken— als man todt sie fand. 58 99. Sie fanden eine Turtel von Habichtsschnabelart Tags vorher, die fest auf dem Wasser schlief, Und fingen sie, da leis die Barke lief; Auf einen Tag gab Leben sie, und ward Um desto mehr für sie nahrhafte Gabe, Ermuthigung liels ihnen sie zurück; Es sey, so meynten sie, nicht Zufallsglück, Was ihrer Noth zuführte diese Labe. 100. Das Land erschien als hohe fels'ge Küste, Die Berge wurden höher, wie sie mehr Die Strömung nahe trieb; wenn man nur wüſste, (Man machte Muthmaſsungen hin und her) An welchem Theil der Erde jetzt man lande? Beständig wechselte des Windes Drehn— Die hielten’ für den Aetna, jene für die Höh'n Von Candia, Cypern, oder andrer Insellande. Die Trie Wi Auf Und Sie, Steta Gisc 5⁹ 101. . 3—. 5 mnabelart Die Strömung, mit entsteh'ndem Wind ver- schlief, bunden, Trieb vorwärts sie zum theuern Landbereich, Wie Charons Geisternachen, trüb' und bleich; rd 4 Auf vier war ihre Anzahl hingeschwunden, . Und noch drey Todte; doch die Kraft gab's ; 3 lück, nicht mehr her, Sie, vor'gen gleich, zu werfen in das Meer; Stets folgten zwar die beyden Hai's, und dichter Gischt traf, so oft sie schnelzten, die Gesichter. 102. Abwechselnd hatte Hunger, Hitze, Kälte, Verzweiflung, Durst auf sie gewirket, und ent- stellte Sie so, dafs, sah sie dieser Mageren Skelette, Die Mutter nicht erkannt den Sohn mehr hätte. Zur Nacht erstarrt, am Tag versenget, endigten kellande. 4 Sie, eins auf's andre, bis auf diese wenigen, 6⁰ Die Meisten doch auf eine Selbstmordart, Indem Pedrill hinabgespühlt mit Salzfluth ward. 103. Als nah dem Land sie kamen, das, wie's schien, Abwechselnd hier und dort vor'm Blick sich hob, Erquickte sie sein werdend frisches Grän, Das luftbesänft'gend um Waldgipfel wob; Und wie ein Lichtschirm wohlthat ihren Blicken, Vor Wogenglanz, und nächt'ger Himmel Cluth Willkommen war, was kam, sie zu entrücken Dem Anblick weiter, grauser, ew'ger Fluth. 104. Wild sah das Ufer, ohne Menschenspuren, Von Wellen furchtbar eingefafst; allein Sie waren toll auf Land’, und so hinan sie fuhren, Wie arg der Brandung Toben mochte seyn, Ja, zwischen ihnen fing ein Riff ingleichen 61 t Sein gischend Wogenspritzen an zu zeigen; 2 h ward Aus Mangel doch an bess'rem Landungsfleck Fuhren sie, strandwärts steuernd, drüber weg. schien, 10⁰5 ich hob, Im heim'’schen Strome nun, dem Guadalquivir, in, War sich zu Baden Don Juan gewohnt, b; Und schwamm gar oft den sanften Flufs hinüber, Blicken, Und diese Kunst ward oft ihm schon belohnt; el Cluth Kaum traf man einen bessern Schwimmer au, trücken Durchschwommen hätt' er wohl den Hellespont; luth. Wie einst— selbst ich mufs deſshalb Ruhm empfahn— Leander, Ekenhead und ich gethan. 106. So hier,— ob schwach, verzehrt und steif er war,— Sprang er in's Meer, und suchte mit der Welle Zu kämpfen, und zu nahn, ch'’s dunkel gar, 6² Dem Strand, der vor ihm lag als hohe trockne Stelle; Hier droht' ein Hai die schrecklichste Gefahr, Verschlingend den, der Juans Schwimmgeselle; Da keins der andern zwey die Kunst verstand, Kam niemand, als er selber, an das Land. 107. Doch nur das Ruder half ihm hingelangen, Das, wie wenn's Gott gefügt, herausgespühlt Ward, eben als ihm alle Kraft entgangen, Und ihn die Well', an ihn zerschellt, gewühlt Beynah zur Tief'; er schlang sich drum, und sehr Peischt' ihn die Fluth, als er daran sich hielt; Zuletzt durch Schwimmen, Waden, Klettern, wühlt Am Strand er sich halb sinnlos aus dem Meer. Dort Mit s Die u Zurüc Dort Vor'n Mit se Und Auf w Doch * Auf 8 Nach Doch 108. trockne Dort fafst' er odenlos die sand'ge Stelle Gefahr, Mit seinen Nägeln, dafs nicht die rückkehrn'de ngeselle; Welle, erstand, Die ungern, brüllend nur sein Leben gab, and. Zurück ihn würf' in ihr nie sattes Grab; Dort lag er, wie er fiel, der Länge lang, Vor'm Eingang einer Felsenhöhle, Mit soviel Leben, um zu fühlen, was es quâle, Und wie es wohl umsonst dem Tod entdrang. gen, spühlt gen, gewühlt m, und 109. Auf wollt' er, langsam und mit Wanken, stehen, Doch sank er auf sein blutig Knie, zurück Auf seine matten Händ', und um wollt' er sich ch hielt; sehen Klettern, Nach denen, die lang theilten gleich Geschick, Doch keins erschien, ihm Schmerzgenoſs zu seyn! ;. 8 m Meer. Ein Leichnam nur von den verstorb'nen drey'n, Die Tags vorher verhungert, und nun fand Sein Grab auf unbekanntem Küstenland. 64 110. Und wie er sah, begann sein Kopf zu drehen, Er sank zur Erd', und wie er hinsank, schwamm der Sand Rund um, und alle Sinne fühlte er vergehen; Er flel auf seine Seite, die gestreckte Hand Sank auf das Ruder, ihren Nothmast, schwach; Da lag er, gleich der Lilie, welche brach, So schlank, so bleich auf ödem Strandgefilde, Wie je nur war ein schönes Thongebilde. 111. Wie lang in dumpfem Scheintod Juan lag, Das wuſst' er nicht; die Erde war ihm hin, Nichts hatte mehr die Zeit von Nacht und Tag Für sein gerinnend Blut, und dunkeln Sinn. Auch wulst' er nicht, wie diese Ohnmacht ihn Verliefs, bis jeder Puls, jed' Glied, jed' Steigen Der Adern schmerzhaft aufzuleben schien; Der Tod, ob auch besiegt, nur kämpfend wollt' er weichen. Sein Denn Noch Verzv Tod: Und Und I Ein h 65 * 112. drehen, Sein Auge schlug er auf, zu, auf dann wieder, hwamm Denn Zweifel nur, nur Schwindel gab'’s für ihn; Noch sey im Bool' er, hab' geträumt(ihm'’s rgehen; schien) Hand Verzweiflung fühlt' er, beugt' auf's neu ihn nieder; bchwach; Tod möcht' er, daſs die Ruhestunden waren, rach, Und wieder dann kam sein Gefühl zurück, dgefilde, Und langsam sah sein schwimmend matter Blick 8 8 ilde. Ein holdes Frau'ngesicht von siebzehn Jahren. n lag, 113. n hin, Dicht bog sich's über sein's, und ängstlich schien und Tag zu spüren 4 n Sinn. Der kleine Mund in seinen, ob noch Oden? nacht ihn Ihn reibend, rief das sanfte warme Handbe- d' Steigen rühren* hien; Der Jugend, Regung in den scheinbar Todten. 1 wollt' er Sie suchte jeden Puls mit Leben zu durchglühn 17. E 66 Die Schläfe bähend, bis nach bangbésorgtem — Jung Fleiſs Und unter ihrer weichen Hand, ein Seulzer leis Und Antwort gab diesem zärtlichen Bemühn. Ein! 114. Der. Jetzt flöſst sie Stärkung ihm der Mantel fliegt Um kaum Bedeckten leis, der schöne Arm Noch Er hebt das schwache Haupt, das auf ihm liegt, War Und die durchsicht'ge Wange, so rein und warm, Dient seiner kalten Stirn als Kissen, darauf presset Sie seine Locken, lang von jedem Sturm durch. nässet; Und jeden Puls sie emsiglich bewacht, Der seine Brust, und ihre seufzen macht. 413. Mit Sorglalt trugen sie zur Grott' ihn hin, Die holde Maid, und ihre Zof',— auch eine tel fliegt Arm hm liegt, d warm, , darauf m durch. hin, 67 Jungfrau, doch älter, und von minder hohem Scheine, Und stärker von Figur— und machten drin Ein Feu'r, und als die neue Gluth dem Felzen- sang, Der sie behauste, Licht gab, den kein Sonnen- schimmer Noch traf, erschien das Mädchen, oder was sie immer War, ausgezeichnet schön und schlank. 116. Längs ihrer Stirne liefen goldne Spangen, Erglänzend durch das dunkelbraune Haar, Ihr Ringelhaar, deſs läng’re Lockenschlangen In Zöpfen hinterhingen— ob sie war Der höchsten weiblichen Gestalten Eine,— Ging doch fast auf die Fers'; in ihrem Aussen- scheine Lag Etwas, wo man Herrschaft drinnen fand, Gleich Einer, die die Fürstingist im Land. 68 417. Ihr Haar, sprach ich, war braun, ihr Augenpaar Doch kohlschwarz, gleiche Farbe die Wimpern hatten, Herablangfallend— in ihrem seid'nen Schatten Liegt tiefster Zauber! denn, wird offenbar Der ganze Blick aus seinem Rabenvorgehänge, Der schnellste Pfeil nicht so gewaltig trifft! So liegt die Schlange gerollt, sie schiefst in ihre Länge, Und schleudert hin in Einem Stärk' und Gift. 118. Die Stirn war weiſs und niedrig, dem Zwielicht gleich, Noch rosig von der Sonne die Reinheit ihrer Wangen; Die Oberlippe— süſse Lippen! mit Verlangen Denkt schon an euren Anblick man!— sie schickte sich, Bildh (Ein Viel Als a Hört, Etwas Ich k. Ich nie Der ül Dem 1 Zerstõ Noch So sta agenpaar Vimpern Schatten abar gehänge, trifft! st in ihre d Gift. Zwielicht eit ihrer erlangen !— sie Bildhauern als Modell zu stehen; (Ein blos Betrügervolk ist's, besten Falls! Viel üpp'g're, schön're Frau'n hab' lebend ich gesehen, Als all der Unsinn ihres Marmorideals.) 119. Hört, welſshalb ich dies sag'(es sollte kein's Etwas bespötteln, wenn's nicht Ursach' wüſste!) Ich kannt' ein Weib in Irland, deren Büste Ich nie getroffen sah, und dennoch war sie ein's Der üblichen Modell'; und sollte jemals weichen Dem runzelnden Geschäft der Zeit ihr Ruf, Zerstört es ein Gesicht— kein Mensch wagt's zu vergleichen, Noch wen'ger dafs ein Meisel gleiches schuf.— 120.. So stand das Fräulein von der Grotte vor'm Ge- sicht; Ihr Anzug war vom spanischen verschieden, 69 70⁰ Einfacher, und die Farben doch so ernsthaft nicht; Denn alles Bunte wird, wie euch bekannt, ge- mieden Von span'schen Frauen ausser'’m Haus; im Weh'n Jedoch— und diese Tracht geht nie wohl unter— Der Basquira und der Mantilla, sehn Zu gleicher Zeit sie klösterlich und munter. 121. Bey unsrer Holden war dies nicht der Fall, Sie war im feingewebten bunten Kleide, Nachlässig hing um das Gesicht der Locken Schwall, Doch blitzte reichlich Gold durch und Geschmeide, Ihr Cürtel glänzt'; vom reichsten Spitzengrunde 2 war Ihr Schleyer, und mancher Stein von schönster Lymphe, Schmückt' ihre niedliche Hand; doch sonderbar, Am schnec'gen Füfschen Pantoffeln, aber keine Strümpfe. Fast Nur Gesch Nur Ihr E Und ft nicht; ant, ge- Weh'n unter— unter. all, 6, Locken chmeide, engrunde schönster onderbar, ber keine 122. Fast ähnlich war die Tracht der zweyten von den Frauen, Nur von geringerm Stoff, und so mancherley Geschmeide lockt' an ihr nicht zum Beschauen, Nur Silber hatt' ihr Haar, das einstmals sey Ihr Heirathsgut; ihr Schleyer, mit jenem schein- bar Einer, War gröber, ihre Mien', ob fest, doch wen'’- ger frey, Ihr Haarwuchs dichter, doch wen'ger lang dabey, Ihr schwarzes Auge lebendiger, doch kleiner. 123. Und ihn versorgten, pflegten diese beyden, Mit Speis' und Kleidung, und all' den Aufmerk- samkeiten, Die nur(gesteh' ich's) Frauen eigen sind Und tausendfach erfinden, zärtlich und geschwind. Sie kochten eine treffliche Supp' aus Brüh', Ein Ding, das selten vorkommt in der Poesie, 7² Doch dies Gericht war unbestritten das beste, Ein Seit einst Homers Achill auftrug für neue GCäste, Schat Von 124. Ich will euch sagen, wer sie waren diese beyden, Ihr nehmt sie sonst für vermummte Prinzessin- Ein I nen noch! Wie! Zudem kann ich das Heimlichthun nicht leiden, Die u Das Fangenwollen— die Neuern halten's so hoch. Und Die I Und somit kurz, was wirklich die Mädchen sind, So will ich vor eure Neugier hin sie stellen: Herrin und Zofe— die erste das einzige Kind Von einem Creise, der lebte von den Wellen. 123. Als Fischer hatt' in seiner Jugend er gelebet, Er ha Und noch war eine Art von Fischer er, Doch andere Betriebe hatt' er eingewebet Cs wa In seine Geschäftsverbindung mit dem Meer, Ein h Vielleicht so eigentlich etwas verhaſster: beste, ie Gäste, beyden, inzessin- t leiden, so hoch. nen sind, ellen: ige Kind Wellen. 73 Ein wenig Paschen nebst Sceräuberey Schafft' ihm zuletzt alleinigen Besitz herbey Von einer schlecht erworb'nen Million Piaster. 126. Ein Fischer also war er, Menschenſischer zwar, Wie Petrus der Apostel; nach Kauffahrerschiffen Die unterwegs, sein Netz gestellt bisweilen war, Und was er wünschte, hatt' er oft ergriſfen. „ Die Ladung confiscirt' er, und Gewinn Sucht' er im Sklavenhandel auch, manch gute Stücke Für diesen Türkenhandel, sandt' er hin; Traun ein Geschäft von sehr ergieb'’gem Glücke. 127. Er hatt', ein Griech', auf seiner Insel sich er- baut Es war eine der kleinern wilden Cykladen) Ein hübsches Haus aus seinen Räuberthaten, Und lebte ganz gemächlich dort und traut. 74 Gott weifs, wie viel er raubte, wie viel Blut vergofs, Er war gewiſs ein alter böslicher Genoſs; Ich weiſs nur, ein geräumiges Gebäu War's, voll von rohem Schnitzwerk, Gold und Mahlerey. 128. Er hatt' ein einz'ges Kind, das hiefs Haidee, Die reichste Erbin in dem Inselkreis, Mehr noch, begabt mit höchster Schönheit Preis, So dafs ihr Reichthum nichts vor ihrer Reize Höhe. In ihren Zehnern noch, und wie ein junger Baum, Wuchs sie zum Weib heran, und wußste zu entfernen Schon wahre Freyer in der Zeit, blos um zu lernen Wie einem bessern sie nach ihnen gebe Raum. Da g' Am 1 Sie fü Don. Ihr wi Jedocl Hineii Nur il Allein War Das h Hiels Weil Nicht Hätt' Und i iel Blut 8; old und dee, eit Preis, er Reize junger fuſste zu s um zu be Raum. 129. Da g'rade heut sie hinging längs dem Strand Am Klippenfufs bey’m Abendwerden, fand Sie fühlungslos, nicht todt— doch so beynah, Don Juan, halb verhungert, halb ertränket; Ihr wiſst, sie scheute sich, da sie ihn nackend sah, Jedoch gemeines Mitleid heischt(so schnell sie denket) Hineinzunehmen ihn, den Fremden, sey's Nur thunlich, sterbend und so lilienweis. 130. Allein ihn schaffen in des Vaters Haus, War nicht der beste Weg grad' ihn zu retten, Das hiefs der Katze bringen eine Maus, Hieſs scheintodt in das Grab jemanden betten, Weil dieser gute Alte zu viel νοςιν Nicht wie die praven ehrlichen arab'schen Diebe, Hätt' er ihn wohl gepflegt mit aller Liehe, Und ihn verkauft nach der Gefahr Verflußs. 76 131. Drum meynte mit der Zofe sie, gut würd' es taugen, (Ein Fräulein gern Vertraun auf ihre Jungfer setzt) Ihn in die Höhle zu bringen, dals er ruhe jetzt; Und als er endlich aufschlug seine Augen, Vermehrte sich ihr Sorgen um den Gast, Und so fing sich ihr Mitleid an zu heben, Dafs es des Himmels Schlag geöffnet fast, (Das sey als Weggeld, spricht St. Paul, zu geben.) 132. Sie machten ein Feuer; ein Feuer, wie vor der Hand Zu machen es erlaubten solche Brennstoſfe, wie zerstreut sie lagen auf dem Strand, Zerbroch'ne Planken, ein'ge Ruder, die zufolge Des langen Liegens, weich beynah wie Zunder, *Ein Mast auch bröckelte zu einem Stock herunter; Kurz Gottes Huld bot so viel Wrecke dar, Daſs Holz genug für zwanzig Feuer war. Er ha Denn Zu se Sollte Sie ga Sie un Besucl Zu de So lief Bis sic rürd' es er setzt) e jetzt; en, st, en, 8t, geben.) vor der Strand, zufolge Zunder, erunter; dar, -. 133. Er hatt' ein Bett von weichen Pelzwerksachen, Denn ihre Zobel gab Haidee her Zu seinem Lager, dafs läg' weicher, wärmer er, Sollte zufällig er vielleicht erwachen. Sie gaben einen Unterrock auch jede, Sie und die Zof, und sagten: mit der Morgenröthe Besuchten sie ihn wieder, um den Morgentisch Zu decken mit Caffee, Brod, Eyern, Fisch. 134. So liefsen sie ihn seiner Einsamkeit, Juan schlief— wie ein König, oder wie Ein Todter, die am Ende(weis' ist GCott nur hie) Nur weilig schlafen— selbst der Traum blieb weit Im sanftgewiegten Haupt von frühern Fährlich- keiten; Wie oftmals Schreckgestalten unsern Blick Auf früh'rer Jahre unwillkommne Bilder leiten, Bis sich das Aug' erschlieſst, getäuscht und thränendick, 78 135. Und Der junge Juan schlief ganz traumlos,— doch de Die Maid, die ihn gebettet, wandte ihre Blicke Beym Gehen aus der Höhl', ein wenig weilend noch, Und kehrte um; er rief sie, kam ihr's vor, Der I zurücke. In sei Er schlief; doch glaubte sie, sie wollte schwören, Das P (Das Herz kann, wie das Ohr, falsch manch. Der ju mal hören) Gerufen hätt' er ihren Namen— ihr entschwand, Es weP Daſs Juan jetzt ihn gar noch nicht gekannt. 136. Zurück in Vaters Haus ging sinnend sie undsachte, Streng Zoe'’n Schweigen auferlegend; die Verstand in Wahrheit besser, was sie dabey dachte, Da weiser um ein Jahr bis zweye sie. Nicht Ein, zwey Jahr, ist ein Alter, richtig angewandt, — doch re Blicke weilend ihr's vor, schwören, h manch. tschwand, ekannt. undsachte, die sie dabey . ungewandt, Und Zoe wandte sie an, wie Frauen pflegen, Sie strebte nach jenem nützlichen Verstand, Den die Natur verleiht auf alten guten Wegen. 137. Der Morgen kam, noch war Juan nicht wach In seiner Grott', ihn störte nichts im Schlaf; Das Plätschern in dem nachbarlichen Bach, Der junge Sonnenstrahl, der nicht den Schlumm- rer traf, Es weckt' ihn nicht; auch mocht' er satt sich schlafen, Des Schlummers war bedürftig er genug! Kein's litt, was er; die Leiden, die ihn trafen, Sind, wie sie stehn in Groſsmama's Geschich- tenbuch. 138. Nicht so Haidee, sie warf sich umher aul ihrem Pfühl, 8⁰ Fuhr auf vom Schlaf, und legte sich auf die Und 4 andre Seite, Getra Und träumte von tausend Wrecken, worüber beynah sie ffel, Und schönen Leichen, die die Fluth an's Ufer Die 8 streute; Oft s- Und riefihr Mädchen so früh, dals drob höbnisch Blieb Und weckte die alten Sklaven, die in verschied' Was nem Eid Und s Beschwuren, türkisch, griechisch und armenisch, Stets: Sie wufsten nicht zu deuten diese Seltsamkeit. 139. Doch stund sie auf, und auf lieſs Alle sie stehen, Die Sonn' als Vorwand, die schönen Himmel macht Bey ihrem Auf- und Untergehen. Und traun, es lohnt das Sehn, wenn frühe Phöbus' Pracht Mit Sich hebet, während feucht noch alle Höhen Vom Vom Nebel, und jed' Vöglein mit erwacht, auf die worüber un's Ufer höbnisch erschied' rmenisch, amkeit. sie stehen, Himmel un frühe Höhen wacht, Und Nacht hinwegfliegt wie ein Morgenrock, Getragen für den Eh'mann oder sonst'gen Stock. 140. Die Sonne— sag' ich— bietet hohe Pracht, Oft sah ich aufgehn sie; vor wen'gen Tagen Blieb ich defswegen auf die ganze Nacht, Was Tod beschleunigt, wie die Kerzte sagen; Und so ihr alle, die ihr Kass' und Wohlbehagen Stets rüstig wünscht, beginnt den Tag, wenn'’s tagt! Und ob mit vierzig ende euer Lauf— Schreibt auf den Leichenstein: ich stand um vier Uhr auf. 141. Haidee sah dem Morgen Gesicht in Gesicht, Das ihre war das frisch'st', ob Fieberglühen Mit raschem Blut es färbte; dessen Fliehen Vom Herzen zu den Wangen sich röthend un- terbricht, 17. 82 Gleich einem Strom, den eines Berges Fuſs, Der überragt des Alpenbaches Guſs, Zum See ausdehnt— die Welle kreiselt und droht; Oder dem rotlien Meer— das Meer doch ist nicht roth*). 142. Die Klippe herab die Inseljungfrau kam, Und zu der Höhle den Weg gar leicht und schnell sie nahm; Die Sonne belächelte sie mit ihrem ersten Schein, Die junge Eos sie mit thaugem Kuſs berührte, Für ihre Schwester sie nehmend; euch verführte Derselbe Wahn, saht ihr die beyden im Verein. Obgleich die sterbliche, gleich frisch und schön, Den Vortheil hatte, nicht als Dunst vor euch zu stehn. 143. Und wie Haidee schüchtern und doch rasch dabey Hineintrat in die Grotte, sah Sie, so Und s Denn Sie ihn Die ra Hin ül So lehn Versch Lag de So ruh Zoe so Da do Und el Dem v droht; och ist „ at und Schein, trührte, rführte Verein. schön, uch zu dabey sSie, schlummernd, wie ein Kind, lag Juan da, Und stille stand sie, wie in heil'ger Scheu; Denn heilig ist der Schlaf; und auf den Zehen nahte Sie ihm, und deckt' ihn zu, damit dem Blut nicht schade, Die rauhe Luft, dann bog sie stumm sich, wie die Todten, Hin über ihn, und trank den kaum gezog'nen Oden. 144. So lehnte sie über ihn, gleich einem Engel über Verscheidenden, die selig enden; und ruhig fort Lag der Schiffbrüchige am sichern Ort, So ruhig, wie der milde stülle Himmel drüber. Zoe sott ein'ge Eyer mittlerweile, Da doch gewiſs das junge Paar frühstücken würde; Und eh' sie es verlangten, nahm in Eile Dem vollgepackten Korb sie seine Bürde. 84 145. Sie wufste, Nahrung wollen auch die Hochgefühle, Und hungern würde den jungen Schiffbruchmann! Auch kam, da wen'ger sie verliebt, ihr Gähnen an, Und schauernd fühlte sie des nahen Meeres Kühle. So ward das Frühstück pünktlich von ihr bestellt, Ob Thee sie reichte, kann ich nicht berichten. Doch Eyer, Caffee, Honig, Brod, nebst Früchten Und Scio-Wein; und alles aus Liebe, nicht für Geld! . 146. Und als die Eyer fertig, der Caſfee gekocht, Hätte Zoe Don Juan wecken gern gemocht; Haidee hielt sie doch mit ihrer kleinen Hand, Und gab ihr mit dem Finger ein Bedeuten Aufihren Lippen, das wahrscheinlich sie verstand; Ein zweytes Frühstück ging sie zu bereiten, Weil dies verdarb, indem die Herrin nicht litt, dafs sie Den Schläfer störte, der schlief, als erwacht er nie. Noch i Die ah Schnee Noch Die A Die sc Der sec Gemis Und Besch- Matt Wie Schön Saunft, fühle, mann! nen an, Kühle. estellt, hten. üchten chi für ſcht, cht; Hand, en rstand; ten, cht litt, 'er nie. 85 147. Noch immer lag er, und ein hektisch Roth um- wallte Die abgezehrte Wange, wie sterbender Tag Schneekoppen ferner Berg' auf seiner Stirne lag, Noch immerdar die Kummerfalte, Die Adern schattend drauf, verschrumpft und schwach, Die schwarze Locke, noch vom Schaum durch- weicht, Der schwer darinnen hing, und salzig, feucht, Gemischt mit Dunst, wie er aus Klüften steigt- 148. Und über ihn lag sie und er lag unten, Beschwichtigt, wie an Mutterbrust ein Kind; Matt wie der Weidenzweig, regt sich kein Wind, Wie Meerfluth eingewiegt, wenn Ruhe sie ge- funden, Schön, wie des Kranzes Krone, wie die Rose, Sauft, wie der nackte Schwan in Nestes Schoofse, Zum küssen schön, so lag er dorten, Obgleich durch diestrapazen etwas gelb geworden. Und 3«Nic 149. Aufwacht er, schaut', und wieder schlief er gern, Das Huldgesicht doch trieb den Schlummer fern, Ob fern'rer Schlaf gleich ferneres Vergnügen Mit! Ihm wegen Mühsal und Anstrengung war. Da e Für Juan war kein Frau'ngesicht von schönen Und Zügen So sa Umsonst da; wenn er betete sogar, Nicht Wandt' er von garst'ger Heil'ger, bärt'ger Märt'- Ein 1 rergilde, Wir Sich zum holdseligen Marienbilde. Dem 150. Und auf dem Ellenbogen stützt' er sich, Und blickte auf das Mädchen, auf deren Wangen Abwechselnd Bleich' und Purpurröthe strich, Als sie mit Kampf zu sprechen angefangen. Ob w. Ihr Auge sprach: ihr Wort— es könnte 87 Ihn irren, sprach sie auch im ionischen Accente, worden. Und gut neugriechisch, leis und sanft dabey: «Nicht reden, essen sollt' er, weil so schwach er sey.* fer gern, ner fern, 131. znügen Mit keinem Wort verstand zwar Juan dies, war. Da er kein Grieche war; allein er hatt' ein Ohr, schönen Und ihre Stimme quoll wie Sprossersang hervor, So sanft, so zärtlich klar, so süſs. Nicht einfach schönere Musik als diese Töne; er Märr- Ein Klang war's, der uns rührt zu einer Thräne, Wir wissen nicht warum, ein allgewalt'ger Ton, Dem Melodie entsteigt, wie einem Thron. 132. h, Und Juan starrt', wie einer, der erwacht à Wangen Durch fernes Orgelflöten, und dem's Zweiſel strich, macht, hngen. Ob wach', ob träum' er, bis der Zauber gebrochen VomWächterodersonstdergleichen Wirbklichkeit, 88 Oder von eines frühen Dieners lästigem Pochen; Läſst Ich mindestens wünsche diesen Klang stets weit, Doch Da ich die Morgenträume liebe— denn die Nacht Denn Zeigt Stern und Weiber in erhöhter Pracht. 153. Frucl Auch Juan ward geholfen aus dem Traum, Diese Dem Schlaf, was sonst es war, durch heft'ge Stiche, Des Hungers, und ohne Zweifel reizte seinen Ber. ind Gaum Der süfse Duft aus Zoe's Küche; Und dann des neuen Feuers zündender Strahl, Das Zoe knieend immer schürte, V Die Speisen zu bereiten, macht' ihn wach zumal, Dafs Lust nach Essen, besonders nach Beefsteak, V er spürte. 154. Doch Rind ist rar auf diesen ochsenlosen Inseln— Bockfleisch und Zicklein, Schöps ist üblich dortz Und kommt ein Feyertag einmal, sofort Pochen; eets weit, lie Nacht acht. aum, h heft'ge e seinen r Strahl, h zumal, Beefsteak, Inseln— lich dort; rt Läfst man ein Stück an rohen Spieſsen brinseln; Doch dies geschieht zuweilen nur, höchst selten, Denn Felsen sind ein'ge, kaum sieht darauf ein Hüttchen man, Fruchtbar und schön sind andre, unter welchen kann Diese, zwar klein, als eine der reichsten gelten. 155. Rind ist, so sprach ich, rar, und möchte bey- nahe wähnen Die alte Fabel von dem Minotaur, Wovon die neuern Moralen sich wenden mit Schau'r, Verdammend den Geschmack der königlichen Schönen, Die Kuhgestalt als Maske trug— sie sey Ein Sinnbild nur, daſs,(wenn das Bild hinweg dabey) Pasiphan die Rindviehzucht vermehrte, Dafs Kreta's Volk sich krieg'rischer bewährte. 9⁰ 136. Denn alle wissen wir, dals Englands Völker sich nähren Von Rindfleisch— Bier erwähn' ich hier nicht gern, Denn das ist ein Getränk, und da dies fern Von meiner Absicht ist, kann'’s nicht hieher gehören;— Wir wissen auch, gar hold sind sie dem Kriegen, (Wie alle Vergnügen, ein etwas theures Ver- gnügen) So waren die Kreter, und drum kann man er- achten Dafs sie auf beydes bedacht, auf Rindfleisch und auf Schlachten. 137. Jedoch zurück!— Juan fing an sein Haupt zu erhöhen Aufseinem Ellenbogen, und gewahrte so, Fiel Als N Jed'! Welc Doch (Doch Man: Nur! So na Durch lker sich ier nicht 3 fern at hieher Kriegen, ures Ver- man er- indfleisch ten. Haupt zu Was er in jenen Tagen nicht gesehen, Da alle seine letzten Mahle roh, Drey bis vier Dinge, wofür den Herrn er lobte; Und da noch wild der Hungergeyer tobte, Fiel über jede dargebotne Gabe Er wie ein Pfaſf', ein Hai, ein Rathsherr, oder Rabe. 138. Er afs, und wurde gut versorgt, und die Als Mutter ihn bewachte, würde gereicht ihm haben, Jed' Maaſs verletzend, denn sie sah mit Laben, Welch Appetit in dem, den todt geglaubet sie. Doch Zoe wuſste, da älter, als Haidee sie war, (Doch nicht durch Lesen, nur durch Sagenhören) Man soll Heiſshungerige langsam nähren, Nur löffelweis, sonst bersten sie wohl gar. 139. So nahm sie sich die Freyheit zu bestimmen, Durch That mehr als durch Wort(der Augenblick 92 Wollt' Eile) dafs das Herrchen, defs Geschick Ihr Fräulein, statt zu schlafen, den Fels herun- terklimmen Am Meerstrand hieſs zu dieser Zeit, das Essen lieſse Wenn er nicht auf der Stelle zu sterben erkiese; Weg nahm sie's, ein Stück selbst nur ward ihm verwehrt, Sie sprach: gegessen hätt' er, kaum vertrüg's ein Pferd. 160. Tags drauf,— da nackt er, bis auf ein zer- lumptes Paar Kaum schicklicher Pumphosen,— fingen sie an zu wirken; Sie boten dem Feuer seine Lumpen dar, Und putzten ihn für jetzt zum Türken— Zum Griechen mehr, das heiſst:(der Unterschied liegt nicht im Groſfsen) Weglieſsen sie Pistolen, Pantoffeln, Dolch, Turban; Sie m. Ein ne Nun fii Doch r Obgleic Die jur Sie war Stets eif Bis en Sie sah Sie nah Und Lä Und la Die Zä 93 Leschick Sie machten ihm fertig,— nur ein'ge Stiche Siherun. fehlten dran— Ein neues Hemd, und sehr geräum'’ge Hosen. as Essen 161. erkiese; Nun fing das holde Mädchen an zu sprechen, ur ward Doch nichis verstand von allem Don Juan, Obgleich er so aufhorchte, daſs in ihrem Wahn rüg's ein Die junge Griechin sprach ohn' Unterbrechen; Sie wandte, da er sie nicht stört', ihr Wort Stets eifriger an ihren Freund und Schützling fort, Bis endlich, innehaltend, daſs sie Oden fände, ein zer- Sie sah, dafs er neugriechisch nicht verstände. ſen sie an 162. ar, Sie nahm die Zuflucht nun zu Zeichen, Nicken, — Und Lächeln, und zur Flammensprach' in Blicken, terschied Und las(das einz'ge Buch, das sie verstand) rofsen) Die Züg' im schönen Gesicht, und beredte Ant- wort fand 94 Sie sympathetisch da;— da strahlt die Seele zurück Ein reiches Gegenwort in Einem flüchtgen Blick; So sah in jedem Blick sie zugesprüht Sich ceine Welt von Worten— und Dinge die sie rieth. 163. Und jeizt, vermittelst der Finger und Augen, und Ihr nachgesproch'ner Worte, nahm in üihrer Sprach' Er Unterricht, jedoch dem Scheine nach, Noch mehr von ihrem Aug', als ihrem Mund. Wie der, der für die Himmelskunde glüht, Weit öfter, als in's Buch, hin nach den Sternen sieht, So lernte Juan trefflicher sein Alphabet Vom Blick Haidee'ns, als wo es in Lettern steht. 164. Ergötzlich ist das Lernen einer fremden Sprache Durch Frauen Lipp' und Blick; nur ist's die Frage: Sind Le Wie w Sie läc So läch Ein Här Auf dies Das heit Toskani VielEng Da ich Barrow, Ich les', Blick; age die en, und n ihrer hb, Hund. lüht, Sternen t rn steht. Sprache lie Frage: Sind Lehrerin und Lehrling noch ein junges Paar, Wie wenigstens der Fall bey mir es war. Sie lächeln, ist man richtig; und wenn Fehl'* entwischen, So lächeln sie noch mehr;— dann kommt da- zwischen Ein Händedruck, wohl gar ein sittsam Küſschen, Auf diesem Weg erlernt' ich selbst mein Bischen. 163. Das heifst: im Span'schen, Griech'schen, Türk- schen— Radebrechen; Toskanisch— da fehlten die Lehrerinnen,— blieb entfernt, VielEnglisch kann ich nichrbehaupten zu sprechen Da ich die Sprach' aus ihren Pred'gern meist gelernt; Barrow, South, Tillotson, die jede Woche Ich les', auch Blair; sie machen all' Epoche Im Styl, den man in Pros' und Andacht spricht; Die Dichter hab' ich, aber mag sie nicht. 96 166. Die Frau'n anlangend, hab' ich nichts zu sagen, dun Der britt'schen schönen Welt abtrünnig weit, Wo ich wie Andre«Hunde gehabt zur Zeit,» Hatt' ich, wie Andre auch, mein leidenschaft- Vndj lich Jagen, Für 1 Doch diefs, wie andres, es ist nun verglommen, Kam Auch seine Narren sind's— wie könnt' ich Ihr V. geiſseln hier! Cern Feind, Freund, Mann, Weib, nun ist’s nichts Weck weiter mir, Ihr O Als Traum von einstmals, der nicht mehr wird Wie kommen. 167. Zurück zu Juan;— neue Worte fing er an Zu hören, und sie nachzusprechen bald begann; Doch manch' Gefühl, gemeinsam wie die Sonne Verschloſs in sich so wenig seine Brust, Als es vermag der Busen einer Nonne; Er war verliebt, wie ihr es auch gemuſst, u sagen, g weit, Zeit, enschaft- lommen, ount' ich st's nichts nehr wird er an d begann; die Sonne ust, le; nuſst, 97 Bey einer jungen Wohlthät'rin,(das war sie ja) Und wie dies oft geschieht, und schon geschah. 168. Und jeden Tag mit Tagesanbruch— etwas zeitig Für Don Juan, dem Schlaf ein süfses Fest— Kam in die Crotte sie; sie that's unstreitig, Ihr Vöglein ruh'n zu seh'n in seinem Nest. Gern wühlt' in seinen krausen Locken sie, Weckt' doch den lieben Gast vom Schlafe nie; Ihr Oden sanft ob Mund und Wange flieht, Wie ob dem Rosenbeet der milde Süd.— 169. Und jeden Morgen schwand sein früh'res Blafs, Und jeden Tag er sichtbarlich genaſs; Recht gut! Denn Wohlseyn gibt der menschli- chen Gestalt Viel Anmuth; Liebe kann es nicht entbehren; Wohlseyn und Müssiggang sind ihrer Glutgewalt C 17. G 98 Oel und Schiefspulver;— manche gute Lehren Kann man von Ceres auch und Bacchus lernen, Ohn' welche Venus pflegt sich eilig zu entfernen. 170. Weil Venus füllt das Herz— denn ohne Herz 3 verlör' es, Das Gut der Lieb', ob's immer gleich ein Gut— Naht sich mit einer Nudelsuppe Ceres, Liebe will Nahrung ja wie Fleisch und Blut; Bacchus bringt Wein und Brüh'n als seine Steuer; Auch Austern gehn als Liebeskost und Eyer; Doch wer ihr Schaffner ist von obenher, Weiſs Gott, ob Pan, Neptun, ob Jupiter. 471. Juan erwachte stets umringt von holden Dingen, Von Bad, und Frühstück, und den schönsten Augen, die Nur jemals jungem Blute gaben Schwingen, Auch die der Zofe, schöpngestaltet sie! Doch Unklu Kurzu Eilt' e Jung Dafs I Das V Von d Etwas; Ihr GI Will: Seyn V Es war So viel Mit ih! 99 Lehren Doch alles dieses habt ihr schon vernommen, lernen, Unklug ist Wiederholung, und ermüdet sehr; fernen, Kurzum, so oft Juan gebadet sich im Meer, Eilt er zum Caffee, und zu ihr zu kommen. ne Herz 172 G Jung waren beyd', und sie so schuldlos rein, Gut—.:„. Dafs Baden ihr für nichts galt; Juan schien Das Wesen, ihr gesandt, zu seyn, Blut;... 4 8 Von dem sie Nachts geträumt zwey Jahre hin; teuer;..„.— 5 Etwas, dem Liebe gebührt', ein Wesen, auser- Eyer; koren, 2 Ihr Glück zu seyn, und das sie auch beglückt iter. 5.... 5 Will machen;— theilen mufs Entzücken, wer entzückt b Seyn will, als Zwilling ward das Glück geboren. Dingen, hönsten 173. Es war so wonnevoll, ihn anzuseh'n, gen, So viel Bereicherung des Lebens, auszutauschen Mit ihm das Wesen, zu leben in trauten Näh'n, 100 Sein Wachen, seinen Schlummer zu belauschen; Mit ihm auf ewig leben, war zu viel, Doch der Gedank' an Trennung, er entsetzte! Ihr war er, Meergewinn, der zu ihr fiel, Gleich reichem Wreck', ihr' erste Lieb' und ihre letzte. 474. So ging ein Mond dahin; die liebliche Haidee Besuchte täglich ihren Trauten, und benahm So sorgsam sich, damit ihn niemand sehe, Dafs kein's den Grottenfremdling kund bekam. Jetat stiefsen ihres Vaters Schiff' in's Meer, Denn etliche Kauflahrer blinkten her, Nicht, wie einst zu entführen eine Io, Nein, drey Raguser Schiffe, bestimmt nach Scio. 475. Nun hatte Freyheit sie; denn, da sie mutterlos, War sie— so oft ihr Vater Schiffe jagte— Frey wie ein Ehweib, oder anderes, und bloſs War Auch Die F. In der Wo d Ihr K (Denn Soviel. Nicht Wo, Er ma So gin Und s Es war Mit KI 1schen; setzte! el, nd ihre Haidee nahm he, bekam. eer, ch Scio. utterlos, zte— ad bloſs 10¹ War ihr gestellt, zu thun, was ihr behagte. Auch drückte sie nicht eines Bruders Zügel, Die Freyste sie, die je sich putzt' am Spiegel; In dem Vergleich sprech' ich von Christenlanden, Wo doch die Frauen selten sind in Banden. 176. Ihr Kommen und ihr Sprechen ward nun mehr, (Denn sprechen müssen sie!) gelernt hat er, zu sagen Soviel, um ein Spaziergehn vorzuschlagen, Nicht viel ging er seit jenem Tage her, Wo, wie die Blume, die vom Stengel brach, Er matt, durchnässet lag am Strande; So gingen aus sie in dem Nachmittag Und sah'n, dem Mond g'rad' über, die Sonne gehn zu Rande. 4 77. Es war ein wildes wogengepeitschtes Küstenland, MitKlippen d'rüber, und breitem sand'gen Strand, Bewacht von Riff und Sandbank, wie von Hee- resschaar, Mit einer Bucht stellweise, die willkommen! rief Den Sturmgetrieb'nen, und dem Anblick theuer war; Doch selten nur der Wogen Brüllen schlief; Nur an den Tagen todter Sommergluth, die gleich Das weite Meer macht einem stillen Teich. 178. Das Wellengekräusel am Ufer, leis und klein, Kaum übertraf's dasPerlen von Champagner Wein, Wenn über'n Rand das Glas, das sprühende, qauillt, Der Seelenregen, der hüpfende Thau des Lebens! Wenig geht über alten Wein! Wer es gewillt, Der pred'ge— mehr, je mehr er predigt ver- gebens; Lafs Wein und Weiber uns, seyd lust'ge Prasser; * 8ey 8; Auf morgen Predigten und Sodawasser. Der M. Des L Ruhm Jed' V Nimm Der St Doch Ihr frü Schellt Rhein Ein Tr. Denn Der er 2 Hee- n! rief theuer lief; gleich ich. klein, Wein, ihende, Lebens! gewillt, igt ver- Prasser; Der Mensch, vernünftig, muſs betrunken werden, Des Lebens Bestes ist die Trunkenheit, Ruhm, Trauben, Lieb' und Gold ist's, dem auf Erden Jed' Volk und jeder Mensch sein Hoſfen weiht; Nimm weg den Saft— wie zweiglos säh’ sich an Der Stamm des Lebensbaums, der oft so Süfges beut! Doch wieder zurück; betrinket euch, und wann Ihr früh mit Kopfschmerz aufsteht, horcht, was dann. 180. Schellt dem Bedienten, hurtig soll er nehmen Rheinwein und Sodawasser, und ihr schmeckt Ein Tränkchen, deſs sich Xerxes nicht zu schämen; Denn nicht der beste Scherbet, schneebedeckt, Der erste Tropfen nicht, der euch in Wüsten erfrischet, 104 Burgunder nicht in aller dunkeln Gluth, Nach langem Marsch, Langweilen, Liebe, Kam- pfeswuth, Ist Rheinwein gleich mit Sodawasser gemischet. 184. Die Küsr, ich denke beschreiben wollt' ich eben Die Küste— recht, die Küste war es; ja! Sie lag heut' ruhig, wie der Luftraum, da; Nicht regte sich der Sand, sanft war der Wel- len Heben, Rings herrschte Stille, nur die Möwe schrie, Es schnellzte der Delphin, es stiefs die kleine Welle An's Riff, die Sandbank sich— das drängte sie Hin an die kaum benetzte Uferstelle. 182. Sie schlenderten dahin,— da fern ihr Vater, Auf einem Ausflug, wie erzählt bereits; Ihr bli Nur Z0 Der H Doch g Wasse Und d Es war Die ru Der da Einsch Vom f. Auf ei Zur an Mit ein „Kam- aischet. ch eben ja! da; r Wel. chrie, kleine ngte sie 105 Ihr blieb nicht Mutter, Bruder, sonstiger Be- rather, Nur Zoe, die erhaltenen Bescheids, Der Herrin pünktlich diente von Sonn'aufgehn, Doch glaubt! ihr Amt sey nur vom Tage zu ver- stehn, Wasser zu bringen, ihr das Haar zu machen, Und dann und wann zu fragen nach abgelegten Sachen. 183. Es war zur Abendkühle, g'rade wenn erblasset Die runde rothe Sonne hinter Berges Blau; Der dann erscheint, als ob die Welt er grän- zend fasset, Einschlieſsend weit die dunkle stille Au, Vom ſernen Berges-Halbmond halb umflossen Auf einer Seite, vom kalten Meer umschlossen Zur andern, und die rosenrothen Höh'n Mit einem Stern, der wie ein Auge anzusehn. 106 184. 80 schlenderten sie weiter, Hand in Hand, Ob blinkenden Kieseln und den Muscheln dorten, Sie schlichen längs dem sanften festen Sand, Und in gehöhlten wilden Zufluchtsorten, Die Stürme machten, doch machten, wie auf Bestellen, In hohlen Küsten, mit Tropfstein-Dach und Zellen, Kehrten zur Rast sie ein, und Arm in Arm gelegt, Sehn sie den Zauber, den des Zwielichts Purpur hegt. 183. Sie sahn zum Himmel auf, der, wie ein ros- ges Meer, In reger Gluth sich wölbte licht und hehr; Sie blickten nieder in's Geflimmer der Wogen, Woher der volle Mond so glanzvoll kam gezogen. Sie hörten die Luft so leis, der Wellen plät- schernden Fluſs, Und sal Eins in Nahten Ein lang E Und Scl Die Str- Der K Wo He Der Pul Erdbebe Nach se Durch] Gott w hd orten, . hnd, ie auf h und gelegt, Purpur 107 Und sah'n in's Auge sich, das glühte so licht Eins in das andre— und bey dem Gesicht Nahten sich ihre Lippen, sich schlingend in ei- nen Kuſs. 186. Ein langer Kufs— der Jugend Kuſs— der Liebe Und Schön', all' einend, wie des Brennpunkts Macht Die Strahlen, aus den Höhen angefacht; Der Kufs gehört des Lebens jungem Triebe Wo Herz und Seel' und Sinn wie Eines webt, Der Puls wie Feuer, das Blut, wie Lava strebt, Erdbeben jeder Kuſs— des Kusses Kraftvermögen Nach seiner Läng' ist's, glaub' ich, abzuwägen 187. Durch Länge meyn’' ich Dauer; bey den Beyden— Gott weiſs, wie lang die Dauer; sie wogen's . 8 8 wohl nicht ab . 108 Wär's auch geschehn, die Summe des Gefühles gab Doch keinen sichern Mafſsstab für denzweyten; Sie hatten nicht gesprochen, doch zog sie's lok- kungsvoll, Die Seelen und die Lippen zu winken schienen, Die, fafsten sie sich, sich schlangen wie schwär- mende Bienen, Ihr Herz, die Blume, d'raus der Honig quoll. 188. Sie waren allein;— allein wie die doch nicht, Die wähnen allein zu seyn, in Kammern eich verschliefsend; Das schweigende Meer, die Bay, sosternenlicht, Das Abendroth, stets mehr und mehr verflieſsend; Der stumme Sand, die tropfenden Höhlen, die Umher— nur näher preſst' es an einander sie, Als wenn im weiten Raume sonst kein Leben, Als ihr's, und dürft's für dies kein Ende geben. Kein O. Sie kam Ging ei Gebrocl Und wi Der bes Von de Dies Al¹ Sie spr- Und ga Daſs m Nichts Sie war Flog w Und d- Kein 1 h nicht, ern sich enlicht, ieſsend; en, die der sie, eben, geben. 189. Kein Ohr, kein Auge dort auf öder Strandesflurn; Sie kam kein nächu'gesGrau'n an; all ihr Trachten Ging eins auf's andr'; ob ihre Sprache nur Gebrochne Worte,— einesprachesie sich dachten. Und wie die Gluth sie lehrt, die Sprachen alle; Der beste Künd'ger war ein Ach! gewiſs Von dem Naturorakel, erste Liebe— dies, Dies All lieſs Eva ihren Töchtern nach dem Falle. 190. Sie sprach von keinem Miſstrau'n, wollte kein Gelübde, Und gab auch keins; nie hatte sie gehört, Daſs man zur Braut mit Eid und Pfand sich schwört, Nichts von Gefahren, wenn ein Mädchen liebte, Sie war so ganz die liebe Einſachheit, Flog wie ein Vöglein hin, wo lockt der Gatte, Und da sie nie geträumt von Falschheit, hatte Kein Wort sie ihm zu sagen von Beständigkeit. 191. Sie liebt und ward geliebt,— sie huldigte, sie ward Verehrt; die aufgeregten Seelen floh'n, nach Art Der Lieb', ein' in die andre über, Wenn Seelen sterblich, sterbend in dem Wonne- fieber; Und mählig wieder jeder Sinn erstand, Dafs neu er sänk', und neu er würfe nieder; Haideens Herz an Juan's Herz empfand, Als könnt'’s allein nie schlagen wieder. 192. So jung, ach! waren sie, so schön, allein, So schutzlos, liebend, und zu jenen Stunden, Wo unser Herz stets pflegt so voll zu seyn, Und jeder fern're Selbstzwang ihm entschwunden, Wo'ss Schuld häuft— ewig wird es nicht von ihr entbunden, 1. Momente tauscht für ew'ge Höllenpein—— Das al Freud' Ach! i So lieh Die ers Gefahr Da Sch 8o hör Und H Ward'’s Eins bl Im Mo Das Ha Halb ir Er trin Das alles ist für Lcute, welche geben Freud' oder Leiden einem andern Leben. igte, sie 193. ach Art. Ach! über Juan und Haidee! Jedes war „ So liebend und so lieblich! So ein Paar, Wonne-. 6 Die ersten Eltern ausgenommen, hatte nimmer, Gefahr gelaufen, verdammt zu werden auf immer! 3 Da Schönheit gleich mit Frommseyn bey Haideen, der; 8o hörte sie vom Styx doch offenbar, Und Höll' und Fegefeuer— dennoch, übersehen Ward's g'rad' im Augenblicke der Gefahr. 194. ein Eins blickt auf's andr', und ihre Augen leuchten . Im Mondenlicht; ihr weiſser Arm umschmiegt unden, 5 Das Haupt Juans, der sein' um ihren liegt 1, Halb in den Locken versteckt, die weit herun runden, ht von ter reichten, 1 2A: Er trinkt ihr Seufzen, sie das sein, ihm auf dem Knie, 112 . Das Seufzen wird ein Stöhnen, gebrochen, lief; So machten eine ächt antike Gruppe sie, Halb nacket, zärtlich, griechisch und naiv. 196. Und nach den inn'gen glüh'nden Augenblicken, Genoſs Juan in ihrem Arm des Schlummers Lust, Nichtschliefsie, sondern liebend, mit Entzücken, Hub sie sein Haupt auf ihre volle Brust; Zum Himmel dann und wann ihr Augeschwärmte, Dann zu der Wange, die ihr Busen wärmte, Gebettet auf das übervolle Herz, gedrängt Von dem, was es geschenket, und noch immer schenkt. 196. Ein Kind, das hinschaut nach dem Lichte, Ein Säugling, der die Brust der Mutter faſst, Ein Frömmler, kommt die Hostie zu Gesichte, Ein Araber, der schützt den fremden Gast, Ein Seemann, macht er feindlich Schiff zu nichte, Ein C Sie si Als, Denn Bey u So san So ah Es sch In stil Da lie Und ⸗ So wac Der f n, Uef; blichen, tzücken, t; eers Lust, wärmte, rmte, ngt immer 113 Ein Geizhals, mehrt er seiner Kiste Last— Sie sind entzückt; doch nichts kann so viel Freude machen, Als, was man liebt, in seinem Schlummer zu bewachen. 197. Denn ruhig liegt es da, und heiſsgeliebt, Bey uns ist, alles was es hat von Leben; So sanft, so still, so ohne Hilſ' und Streben, So ahnungslos, welch' hohe Wonn' es gibt! Es schweigt all' was es fühlte, that, erfuhr, be- stand, In stiller Brust; dem Wächter unbekannt! Da liegt, was theuer uns, mit allen Flecken, Und allen Reizen, wie der Tod, ohn' seine Schrecken. 198. So wacht' ob ihrem Trauten sie, und diese Stunde Der Einsamkeit der Liebe, See und Nacht, 17. H 114 Ergriff das Herz ihr mit vereinter Macht; In öden Sandes, rauher Felsen Runde, Ruht ihr von Wogen müder Liebling neben ihr, Und nichts konnt ihren Wahnsinn stören hier, Gele Und alle Sterne, die hoch oben schienen, Um Sahn sel'ger nichts, als ihre glüh'nden Mienen. Ein Ein 199. Der Frauen Liebe— ach sie ist bekannt Dar Wohl als ein lieblich, aber bänglich Ding! Ihr All bau'n sie in diesen Zauberring, 6 1 Und nichts mehr hat das Leben, wenn sie Pi schwand,. Als kränkendes Gefühl vergang'ner Tage; 9 Und wie des Tigers Sprung ist ihre Rache, Pi Zermalmend, tödtlich, schnell, so sicher eben, Qual haben sie, sie wollen gleiches geben! d5 200.* W Und recht! Der Mann, mit Männern ungerecht vo so oft, Di 115 Das Weib, es hofft Ein einz'ges Band— dafür Verrath und Schmer- Ist stets mit Weibern so! „ zen;— Gelehrt zu bergen, zehrt sie sich im Herzen 2 M Um ihren Liebling ab, bis sie als Weib in's Haus Ein reicher Lüstling kauft— was bleibt ihr über? Ein undankbarer Mann, ein treulosword'ner Lieber, Dann Putzen, Stillen, Beten— so ist alles aus! 201. Die wählt Liebhaber, die ein Gläschen, die Gebet; Die liegt dem Haushalt ob, die dem Zerstreuen, Die rennt umher, ihr Leid austauschend zu er- , eben, neuen, 1 Dabey der Vortheil guten Ruf's entgeht, 4 Kein Wechsel hebet ihres Lebens Plage, Weil unnatürlich immer ihre Lage, recht ſ Vom düstern Palast, bis zur schmutz'gen Schwelle; Die spielt den Teufel, und schreibt drauf eine 116 202. Haidee war Naturkind, wuſste solches nicht; Sie war das Kind der Gluth, denn dreyfach Licht Entströmt der Sonne dort, und senget selbst den Kuſs Von ihren holden Töchtern; sie war Eine, Die blos zum Lieben geschaffen, zum Fühlen, dafs die Seine Sie ihres Lieblings; alles Ueberfluſs, Was sonst man sagt und thur; sie hatte keinen Schmerz, Kein Hoffen, Sorgen Lieben mehr— hier schlug ihr Herz. 203. Und o! dies Schlagen des Herzens, dieses Streben, Was kostets unsb— Und doch ist jed' entste- hend Leben In seiner Ursach, wie in seinem Wirken, so süſs, Daſs Weisheit, wie sie angelegen seyn sich's lieſs, 117 Durch Wunderkunst zu beglücken, wie sie uns erhebt Durch hohen Sinn; dals selbst das Gewissen vergebens strebt, Jed' guten Gedanken uns so gut einzuprägen; (Mich wundert, daſs Castlereagh nicht mit Tax' es wollte belegen!) 204. einen Nun war’'s gescheh'n, der Herzensbund ge- schlossen Auf stillem Strand; die Stern', als Hochzeits- hier kerzen, gossen Schön' auf die Schönen herab aus blauer Luft; Ihr Zeuge der Ocean, ihr Bette die Kluft; eben, Durch ihr Gefühl verbunden und geweiht, tste- 4 Sie waren getraut, ihr Priester— die Einsamkeit; Sie waren glücklich, ihrem jungen Auge wies Jedes als Engel sich, die Erd' als Paradies. 203. O Liebe, von der Cäsar eifriger Begehrer, Titus der Meister, Antonius war Satrap, Horaz, Catullus Schüler, Ovid der Lehrer, Sappho die weise Priesterin— in ihr Grab Kann jeder springen, der lieber neutral vielleicht, (Leukadia's Fels die Fluth noch überreicht); O Lieb', des Bösen Göttin bist du ohne Zweifel, Doch können wir dich nimmer nennen Teufel. 206. Du machst den keuschen Ehebund zweydeutig, Und machtest finstern Heldensinn geschmeidig; Cäsar, Pompejus, Mahom, Belisar, Liefsen die Feder Clios sehr ermüden; Ihr Leben, ihr Geschick war höchst verschieden, Wer weiſs, ob solche Würd'ge wieder offenbart Doch wartete dreyfaches gleiches Glücksgut ihrer, Sie alle waren Helden, Sieger— Hörnerführer. 207. Machst Philosophen, so die Aristippe, Die Epikur's, die materielle Sippe! Sie locken uns zu sündlichem Verfahren, Durch Theorie'’n, so ausführbar dabey; O könnten sie vor'm Teufel nur bewahren, cht); Wie hübsch der Wahlspruch wäre(nicht ganz Zweifel, neu): Teufel.«IIs, trink' und liebe, denn der Rest ist schaal,“ So sprach der weise Fürst Sardanapal. ydeutig, 208. meidig; Doch Julien P Vergaſs Don Juan gänzlich sie? Hätt' er vergessen sie gekonnt so frühb Ich kann nicht anders sagen, als es scheint mir hieden, 4 dies fenbarb Ein schlimmer Fragepunkt! Doch thut gewiſs ücksgut Der Mond für uns all das; kommt neue Re- sung führer. In unser Herz— er setzt es in Bewegung, 120 Wie hätten sonst zum Henker neue Cesichter Den Zauber auf uns armes Mannsgelichter! 209. Ich hasse Wankelmuth; mir ekelt, grauet; Ich fluch', entsetze mich, ich schaudre vor dem Mann, Defs Herz so aus Quecksilber ist gebauet, Dafs man auf seine Treu' nicht fuſsen kann. Ich hegte treue Liebe, jetzt und weiland, Und doch auf einem Maskenballe gestern Nacht Sah ich das schönste Kind, nur erst aus Mai- land, Da fühlt' ich, was mich schamroth fast gemacht, 210. Philosophie doch unterstützte mich, Und raunte: denk' an jedes heil'ge Band zurück! «Das will ich, theuerste Philosophie!* sprach ich; Dann ihre Zähn’, und dann, o Himme!l, ihr Blick! a Ich Ob Bleil Obg. Bleil Mit Als Auf Und Beyr Ist o Ein Wi 80 121 aIch will nur sehn, ob Mädchen oder Weib, Ob keins von beyden sie— blos Zeitvertreib!“ Bleib! rief Philosophie, in griech'schem Wesen, Obgleich Venedigs Tracht als Maske sie erlesens 241. Bleib'! und ich blieb; zurück doch! was die Leute Mit Wankelmuth bezeichnen, ist nichts mehr. 4 Als Huld'gung, wo Natur verschwend'rischer * Nacht Auf einen Liebling schöne Jugend streutet Und wie oft einer Niche lieblich Bild 1s Mai- Beynah' uns mit Vergötterung erfüllt, macht. Ist die Vergötterung etwas Realen Ein höh'res Huld'gen nur dem«schönen Idealen.“ 4 212. arück! Wirkt das Gefühl des Schönen auf uns ein, h ich; So werden alle Kräft' in uns erweitet, Blick! Platonisch wunderbar ist's, allgemein, 2 22 Kommt von den Sternen, durch die Luft ge- leitet; Ein Wär's nicht, wie schaal würd' unser Leben seyn, Kurz der Gebrauch der Augen gibt's— be⸗ 1 Und gleitet Von ein, zwey schwachen Sinnen, dafs wir klar Jetz Einsehn, wie Gluthstaub unser Urstoff war. Und Doc Löst 213. Der Doch ists ein schwer Gefühl, nicht eigne Wahl; Wi Gewifs wenn unser Blick in dem Idol jedmal Den gleich in's Elend führ'nden Reiz vernähme, Als ob zu uns auch eine Eva käme— Die Es kostete manch Kopfweh, manchen Thaler Doc nicht We (Denn Haben gilt es, oder schmerzliche Ver- 1 Dal zicht!) Wi Während, könnt Eine Huldin uns auf immer Wi binden, Ent Sich Herz und Leber würden wohl befinden. wir klar b War. e Wahl; 5 123 214. Ein Theil des Himmels ist das Herz, dem Luft- raum gleich, Und, wie im Luftraum, theilt sich Tag und Nacht in'’s Reich; Jetzt müssen Stürm' und Donner es umtoben, Und Grauen und Verwüstung, wie hoch oben, Doch nach dem Sengen, Drängen und Versehren Löst sich sein Sturm in Tropfen— überſlieſst Der Blick von Herzblut, wandelnd sich inzähren— Wie heut zu Tag in England üblich ist. 215. Die Leber ist der Calle Lazareth, Doch selten pflegt ihr Amt sie zu verwalten, Weil jede erste Leidenschaft nicht fürbaſs geht, Dals alle nach sich schleichen, und gestalten, Wie Viperknoten auf des Düngers Ort, Wuth, Furcht, Hafs, Eifersucht— von dort Entspringet jedes Ungeheuer, Wie die Erdbeben vom central'schen Feuer. 124 21 6. A Einstweilen, ohne weiter fortzugehen In der Zerglied'rung, sind geendigt jetzt Zwey hundert und ein'ge Stanzen, wie vorher geschehen, Und diese Zahl will jedem ich— dies ist ge- setzt— Derzwölf bis vier und zwanzig Canto's zugestehen. Stanz So lege die Feder ich weg, und verbeuge mich;«Di Haidee'n und Juan überlass' ich selber sich, 2 Sie mögen günst'ger Leser sich versehen, 125 ————u— u——————u———öu V»6 Anmerkung. Stanz. 141. Das Meer doch ist nicht roth. e mich;«Die Europäer,“ sagt Niebuhr(Beschreib. von Arabien S. 417.)«nennen den arabischen Meer- 5 busen gemeiniglich das rothe Meer. Doch habe ich es nicht röther gefunden, als das schwarze Meer, oder den Archipelagum, welchen die Türken das weiſse Meer nennen, oder irgend ein anderes Meer in der Welt. Fände man aber auch wirklich auf dem Boden dieses Meers ein rothes Kraut, wie einige Ge- lehrte glauben; so ist dieses doch selten. Also ist es nicht wahrscheinlich, dafs man es davon benannt habe; so wenig es diesen Namen von einigen Flecken röthlichen Sandes hat, oder von der kleinen hellrothen Art Corallen, Orgel- pfeifen genannt, von einigen wenigen Bergen, welche in der Ferne etwas röthlich scheinen, u. dgl. Die Meynung derjenigen Gelehrten, 126 welche geglaubt haben, dafs der arabische Meer- busen von dem Reiche Edom, oder Idumäa, das edomäische, oder idumäische, und daher das rothe Meer genannt worden sey, ist mir sehr wahrscheinlich; denn das Reich Edom gränzte an den nördlichen Theil dieses Meer- busens.“ Edom bedeutet nämlich im Hebräi- schen roth. «Edom, Idumäa, das röthliche Land, hat den Namen vom Anblick des rothen Sandes sei- ner Gebirge. Auch Esau, da er als Emir einer streifenden Nomadenhorde dort sich niederliefs, bekam ohne Zweifel den Namen Edom, der Röthliche, als Bewohner dieses röthlichen Landes. Eben so ist natürlich der arabische Meerbusen von Edom oder Idumäa benannt worden, da in diesem Lande, wenigstens zu Salomon'’s Zeit, Seehäfen, dieses Meer zu befahren, angelegt worden sind. Fragte der Grieche nach der etymologischen Bedeutung des Namens Idumäa, so sagte man ihm: roth. Er nannte also das Land und das angränzende Meer: Erythräa, das rothe» H. E. G. Paulus Anmerk. zu Belons Reise, in der Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Orient II. Th. S. 251. S- Rosenmüllers altes u. neues Morgenland; zter Band, p. 2. A. d. U. — e Meer- lumäa, daher ist mir Edom Meer- Hebräi- de m Kkleinere Cedichte. erbusen 8, da in 's Zeit, angelegt nch der dumäa, also das räa, das in der in den altes u. A. d. U. Maid Athens, schon bin ich weit, Denk’' mein, Traut'! in Einsamkeit! Flieg ich auch nach Istambol, 3) Herz und Seel'— Athen hält's wohl; Kann mein Lieben enden so? Zcd, αο σ dννανρν. Uebersetzung des berühmten griechischenchlacht- gesanges: Asòzs οεας τπνιν EHλQe νον verfaſae von Riga, der beym Versuche, Griechenland zu repolutioniren, umkam. Die folgende Ue- bersetzung ist so wörtlich, als der Venfasser sie in Versen machen konnte; Fie ist in dem- selben Versmas, als das Original. T. Ihr Griechensöhn', erstandem! Der Ruhmestag brach an, Und würdig solcher Banden, Thut kund, wer euer Ahn. Chor. Griechensöhne! mit Muth Lafst auf den Feind uns zieh'n, Bis strömt sein verhafstes Blut Ueber unsre Füfse hin. 2. Mit männlichem Verschmähen Der Türk'chen Tyranney, Lafst's Land Euch aufstehn sehen, Schnell bricht all' Joch entzwey. Der Weisen, Helden Geister! Auf jetz'gen Kampf den Blick; Hellenen, hier einst Meister, In’s Leben eilt zurück! Wenn mein Horn nun erxtönet, störend Vom Schlaf euch, kommt herbey; Euch zur Siebengehügelten 4) kehrend, Kämpft, sieget, bis wir frey. Griechensöhne! mit Muth eic. 3 Sparta, Sparta, wier du liegest Todt ohn’' aufzustehn 5 Wach' auf, dafs deine Schaar du fügest Der alten Bündnerin Athen. Leonidas, der Lieder Uralt Gefeyerten, Einst euer Hort, ruft wieder Den Starken, Schrecklichen; . Auf uth eic. ügest Der keck den Zug sich kührte Hin gen Termopylä, Krieg mit dem Perser führte, Dafs frey sein Land er säh'. Mit heil'ger Schaar stand, wagend Die Schlacht, er lang voll Muth, Und wie ein IL.eu sich schlagend, Starb er in See'n von Blut. Griechensöhne! mit Muth eic. —— Auf ein Carneolherz, das zerbrochen war. Unglücklich Herz! und kann es seyn, Bist du gebrochen entzwey 5 Und Jahr', in Liebe sorgend dein, Sie schwanden ohne Nutz vorbeyb Doch jedes Bruchstück theuer ist, Mit höher'm Antheil es erfüllt, Da, der dich träget, fühlt, du bist Des eignen Herzens schicklich Bild! ——— 5. Aus dem Portugiesischen. Ihr ruft, von Liebeslust entzücket, „Mein Leben» in süfstrunb'nem Sinn; Das theure Wort! mich hätt’s berücket, Schwänd', stürbe Jugend nicht dabin! D Zum Tod auch solche Stunde rauscht; ᷑ Der O drum sprecht diese Worte nimmer! Zur Mit meiner Seele“ sie vertauscht, Da me Die lebt, wie meine Lieb', auf immer! gie 3 Wills Mir Impromptu, Lang Doc einem Freunde zur Antwort. — Wenn aus der Brust, wo Kummer weilet, Sein düstrer Schatten aufwärts schwillt, Und wechselnd durch das Antlitz eilet, Die Stirne wölkt, das Auge füllt: Acht' nicht des Grams, bald sinkt er nieder, Mein Sinn kennt seine Haft zu gut; In's Herz entflieht der Wandrer wieder, In seiner Klaus' er schweigend ruht. veilet, villt, t, nieder, 3 ler, t. 135 Als ich gefragt wurde, was der Liebe Quellꝰ sey? «Der Liebe Quell 5 Warum exrkiesen Zur Lösung dieser Frage mich? Da mancher Blick dir schon bewiesen, Sie sprang in's Leben, sah er dich! Willst du nach ihrem Ende fragen? Mir sagt's das Herz, mir klagts der Sinn, Lang wird sie schmachten ohne Klagen, Doch leben, bis ich nicht mehr bin. kritze die g zwar Anmerkungen. des M sagt: mit H .——— aber 1) Za o, ς ⸗ανσ⁵. verma Zoé mu, sas agapo, oder Zcν εον, ds dννασα, 3 ein romaischer Ausdruck der Zärtlichkeit. Ue-. bersetz' ich ihn, werd' ich die Herrn beleidigen, Con da es scheinen kann, ich trau' ihnen, es zu 8 können, nicht zu; und thu' ich's nicht, kann 4 ich die Frauen beleidigen. Aus Furcht vor ei- nem Mißſsverständnisse von Seiten der Letzteren, Con will ich's thun, indem ich die Gelehrten des- halb um Verzeihung bitte. Es heifst: Mein Leben, ich liebe dich!“ was in allen Sprachen ganz hübsch klingt, und heut zu Tage in Grie- chenland eben so üblich ist, als, nach Juvenal, die ersten beyden Worte unter den Römerinnen waren, deren Liebesausdrücke alle hellenisiret waren. 2) Bey dem Zeichenstraufs, der spricht. In dem Osten,(wo man Frauen nicht schrei- ben lehrt, damit sie nicht etwa Bestellungen Jar, t. Ue- idigen, es zu kann vor ei- ateren, 137 kritzeln) werden durch Blumen, Kohlen, Kiesel die gegenseitigen Verständnisse gemacht, und zwar vermittelst jenes allgemeinen Stellvertreters des Mercurius, eines alten Weibes. Eine Kohle sagt:«ich brenne für dich;» ein Blumenstrauſs mit Haar gebunden:«nimm mich und flieh;“ aber ein Kiesel erklärt— was nichts anderes. vermag. 3) Flieg' ich auck nach Istambol. Constantinopel. 4) Euch zur Siebengehügelten keh- rend. Constantinopel;«Erraloos.» Der Zauberspruch. (Das folgende Gedicht war ein Chor in einem unvollen- deten Zauberdrama, Welches vor cinigen Jahren an- gefangen wurde.) 1. Wenn der Mond auf Wellennaſs, Auf dem Grab das Meteor, Und der Glühwurm in dem Gras, Und der Irrwisch ist im Moor; Wenn die Sternenschnuppen eilen, Und im Wechsel schreyn die Eulen, Wenn die Blätter nicht mehr wehn Auf des Berges Schattenhöh'’n, Soll auf deinem seyn mein Geist, Macht und Zeichen dir's verheiſst. 2. Liegst im tiefen Schlummer du, Hätte doch dein Geist nicht Ruh'; Schatten gibt's, die nicht von dannen, Und Gedanken, nicht zu bannen; Eine Macht, dir unkennbar, Läfst allein dich nimmerdar; Bist in's Sargtuch mir gelegt, Bist von einer Wolk' umschrägt; Und dich läſst nie wieder frey Dieses Geistes Zauberey. 3. Sähst nicht mich vorübergeh'n, Sollst mich fühlen durch dein Seh'n, Wie ein Ding, das, unsichtbar, Nah dir seyn muſs, und es war. Und wenn, leis von Furcht durchrannt, Du dein Haupt herumgewandt, Staunest du, daſs ich nicht hier, Wie dein Schatten neben dir. Und die Macht, der du bewuſst, Ist's, was du verhehlen muſst. 4. Und ein Zauberruf und Spruch Taufte dich mit einem Fluch: Und ein Geist vom Luftrevier Warkf die fah'nde Schlinge dir. Aus dem Wind ein Rufen dröhnt, Das die Freude dir verpönt, 140 Und die Nacht theilt dir nicht zu Ihres Odens milde Ruh'; Eine Sonne bringt der Tag, Un Wünsch'st, daſs sie verlöschen mag! dis ch 5. Hat Ich kocht,— er hat zu todten Kraft— d Aus deinen falschen Thränen Saft, Lier Aus deinem Herzen nahm ich dann 16 Schwarz Blut, wie es am schwärz'sten rann Di⸗ 4„* In Dein Lächeln gab die Schlange mir, Dr. Denn, wie im Bruche, lag sie hier; 1 Den Zauber hat dein Mund gebracht, Der alles dies so tödtlich macht. Ich prüfte jed bekanntes Cilt, Und fand, dafs dein's am stärksten trifft. 6. Dein kaltes Herz, die Schlangenhuld, Als Dein bodenloses Meer der Schuld, Un Dein Aug'— es scheint so fromm und frey— Und „ Der Brust verschloss'ne Heucheley— Das Bey deinem hohen Kunstbereich, Dein Herz sah Menschenherzen gleich— Bey deiner Lust ob Andrer Pein, In di Bey deinem Cain's Schwester-Seyn, Bey Bey all' dem ruf' ich dich— herein, Wo Du sollst dir selber Hölle seyn! De 141 5 7 Und auf dein Haupt schütt' ich die Schaalen, Sie weihen dich für diese Qualen: Schlummern nicht und sterben nicht, Hat bestimmt dir dein Gericht. Wirst zwar Tod stets nah dir schau'n, Deinem Wunsch nach, doch mit Grau'n. Sieh! die Macht hat dich gefunden; Dich klanglose Kett' umwunden; In dein Herz und Haupt zusammen Drang der Zauber— jetzt in Flammen! 1 Als alles rings ward trüb' und dunkel, Und halb Vernunft ihr Licht entzog, Und Hoffnung gab nur matt Gefunkel, Das mehr mein Gehn in Irre log; 9 2. In dieser Mitternacht der Seelen, Bey diesem Kämpfen im Gemüth, Wo vor dem schuldbewuſsten Quälen Der Feige bebt, der Kalte flieht; Als Glück und Liebe floh'n in Ferne, Ich wild vom Haſsgeschofs umheizt, Du Warst du, gleich einsam zieh'nden Sterne, Und Der kam, und weilte bis zuleitzt. De- 4. Heil deines Lichtes treuer Nähe, Das mich wie Seraphsblick bewacht, Doch Und immer nah aus seiner Höhe, W Mild zwischen mich trat und die Nacht. W8 5. Und zogen Wolken sich zusammen, Bedrohend dich mit Düsterkeit, Dann Entloderte nur rein'res Flammen, Zer Und scheuchte all das Dunkel weit. Dein 6. Dei Dein Geist sey meinem stets zum Horte, Wo kühn ich, lehr' er, wo gemach; 1 Mehr ist in Einem deiner Worte, Dies Als in der Welt getrotzter Schmach! In Treu 7. Ist Du stand'st, gleich einem holden Baume, Der ungebrochen, ob gebeugt, Stets treu ob eines Grabes Raume In Wehmuth seine Zweige neigt. 143 8. Ob Windsbraut tobt', ob gofs der Himmel, Du warst und bist, der Fahn zum Trutz; Und machtest in des Sturms Getümmel Dein weinend Laubwerk mir zum Schutz. 9. Doch dich, die Deinen hüte Schonen, Was mir mein Schicksal auch verheiſst; Mit Sonnschein zahlt der Himmel Lohnen An Gut', und dich zu allermeist. 40. Dann laſs das Band betrog'ner Liebe Zerbrechen— deine, nie bricht sie! Dein fühlend Herz— treu seine Triebe, Dein sanft Gemüth— es wanket nie! 41. Dies fand, als Alles rings sich fernte, In dir ich, und noch ist's in dir; Treu Herz, seit ich dich kennen lernte, Ist öde nicht die Welt— selbst mir! Nachruf. 0 Licht sey deiner Seele Stätte! Es brach kein schön'rer Geist, als du, Noch jemals seines Körpers Kette, Und schien im Land der sel'gen Ruh'. Du warest göttlich schon auf Erden, Lebst nun im ew'gen Lichtrevier; Ach! still mag unser Klagen werden, Wir wissen ja, Gott ist mit dir! Dein Grab mag Rasen leicht umweben, Sein Thränen glänze wie Smaragd; Nicht darf des Kummers Schatten schweben Um das, was dein gedenk uns macht. Nur Blumen, Bäume, die grün bleiben, Lafst ihre Ruhestätt' umwehn; Pflanzt nicht Cypressen und nicht Eiben! Ziemt Gram uns um die Seligen? aa Jauee, ſ S 0 — — — Lord Byron's Poecsilien. Dreyzehntes Bändchen. Don Juan, dritter und vierter Gesang. Uebersetzt von Wilhelm Reinhold. a2—é——é————ℳ ⸗éð—õℳꝛref———-ͤIõ——- Zwickau, im Verlag der Gebrüder Schumann. 1 8 2 4. JqJuan. d . 2 ◻⏑̈ O d — — — η Don Heil, Cebet Bewac Celiel Das( Zu al Hat i In Th 2-—-—VönnennAn 4. Heil, Muse! und so fort.— Wir sahen, Juan schlief, Gebettet auf ein weiches sel'’ges Herz, Bewacht von Augen, woraus noch nie geweint der Schmerz, GCeliebt von junger Seele, die beglückt zu tief Das Gift zu fühlen, das im Innern zehret, Zu ahnen, wer hier ruh'; ein Feind, der rast- los weckt, Hat ihres sündenlosen Lebens Lauf befleckt, In Thränen ihres reinen Herzens Blut verkehret. 2. O Liebe! Was macht hier auf unsrer Welt, Geliebt zu werden, so verhängnifsvollb Warum Schlangst du Cypressen deinen Lauben um? Warum ein Ach! als besten Herold dir gesellt? Wie die, so Düfte lieben, Blumen pflücken, Und an die Brust sie stecken, daſs sie sterben, So wird das schwache Wesen— unsrer Seel' Entzücken, In unsre Brust geschlossen— nur ihm zum Verderben! 3. Das Weib, in Erster Leidenschaft, liebt ih- ren Lieben, In allen andern— Lieb' ist, was sie liebt. Das wird zur Sitte, die sie stets mufs üben, Und ihr bequem ist, weil sie leicht sich übt, Was jeder, der sie prüft, erfahren kann; Anfangs bewegt ihr Herz ein einz'ger Mann, Dann liebt sie diesen Einen im Plural, Nicht sehr belästigt durch vermehrte Zahl. 4. Ich weiſs nicht, wem die Schuld ich hier soll geben. Doch Eins ist wahr gewiſs, ein rechtes Weib— Wird Verlar Obglei Die is Zwar, Doch Es Von u Dafs Ob E Ehsta Wei gesellt? ücken, sterben, er Seel' hm zum liebt ih- liebt. üben, ich übt, nn; Mann, . ahl. ich hier Weib— 9 Wird plötzlich nicht Betschwester sie für's Le- ben— Verlangt nach sitt'ger Frist galanten Zeitver- treib. Obgleich ganz sicher der Liebschaften Erste Die ist, wobey ihr Herz empfand das mehrste; Zwar, sagt man, hatten Einige gar keine, Doch wenn— so war das Ende traun nicht Eine. 5. Es ist höchst traurig, und ein schlimmes Zeichen Von unsrer Schwäch' und Thorheit— auch Sünd- haftigkeit, Dafs Lieb' und Ehstand meistens sind in Streit, Ob Ein Geburtsland gleich den Beyden eigen. Ehstand wird aus der Liebe, wie aus Wein Weinessig— saurer Trank, schlecht und ge- mein— Durch Zeit herabgesäuert von hoher Nektarlabe Zu rauher schlechter Hausmannsgabe! 6. Es herrscht Antipathie, dafs ich so sage, Zwischen vorhand'ner und zukünft'ger Lage; Was löblich kaum, ein' Art von Schmeicheley Gebraucht man— bis die Wahrheit kommt, zu spät doch nun. Doch was, wenn nicht verzweifeln, ist zu thun? Den Dingen legt man neue Nahmen bey, So ist die Gluth bey'm Freyer ruhmesvoll, Und glüht ein Ehmann, heiſst er weibertoll! „7 7. Die Männer schämen sich der Zärtlichkeiten, Oft werden sie wohl auch etwas geplagt, (Doch das ist selten nur) da werden sie verzagt; Nicht kann bewundern man Ein Ding für ew'ge Zeiten! Doch im Contract ist's deutlich angegeben:" Verbunden bleiben sie so lang sie leben; O Schmerz, die Braut, die Zierde unsrer Tage, Verlieren, dafs die Dienerschaft dann wein' und klage! 3 Es 1 Das bi Roman Dochà Wer a Beym Denkt Sein L Mit Am So Das Je Der D Der Z1 Und B So läff Und w 8. er Es liegt etwas im häuslichen Betriebe, eicheloy Das bildet Gegensatz mit wahrer Liebe; kommt Romane schildern breit genug die Freythe, 1 4 Doch geben nur ein Brustbild von den Ehi; u thun? Wer achtet auf das Girr'n der Eheleute? . Beym Gattenkufs ist Sünde nicht zu seh'n! 81 Denkt Laura'n als das Weib Petrarka's, hätte 8 Sein Lebelang geschrieben er Sonette? rtoll! 9. hkeiten, Mit einem Tode enden alle Tragödieen, t, Am Schlufs der Comödie heyrathet man; veraugt; Das Jenseits Beyder liegt dem Clauben an. ür ew'ge Der Dichter meynt: Beschreibung könn’ etwas 1 entziehen Geben:. Der Zukunft Beyder, oder nicht erreichen, n; Und Beyde könnten rächen zugefügtes Leid; er Tage, So läfst er Priester, Psalmbuch zum Bescheid, ein' und Und wahret über Tod und Weib ein Schwei- 1 gen. 10. Die Einz'gen sind, die, was ich mich besinne, Von Höll' und Himmel sangen, und von Eh'n, Dante und Milton, Beyd' in chelicher Minne Nicht eben glücklich; ein Vergeh'n, Vielleicht ihr Wesen liefs das Band zerstört seyn; (Dem Dinge kann gar leicht etwas befahren) Doch Dante's Beatrice, Miltons Evaà waren Nicht Abbild ihrer Frau'n, das seht ihr selber ein. 11. Man sagt, es meynte Dante unter Beatricen Theologie, nicht eine Huldin— kaum, Zwar fordert meine Meynung ihre Stützen, Scheint mir das mehr als Scholiastentraum, Wenn nicht die tiefe Wissenschaft es sprach, Und wies' sie nicht dafür vollgilt'ge Gründe nach! Ich denke, Dante hat, abstract und exaltirt, Die Mathematik personiſfccirt. Getr. Nicht Drum, Im Fal Wenn Das B Eh du Es brit Doc Verbo: Doch Vergat Hat n Im An So ka Vähr besinne, n Eh'n, Minne örtseyn; ahren) ven r selber Seatricen . zen, aum, sprach, Gründe jaltirt, 13 12. Cetrauet waren nicht Haidee und Don Juan; Nicht meine Schuld, die ihr'; es ist nicht fein Drum, keuscher Leser, klagst du mich drob an, Im Fall du wünschtest, daſs sie's möchten seyn. Wenn das ist, möcht' ich zuzumachen rathen Das Buch, das handelt von dem sünd'gen Paar, Eh durch das Folgende du läufst Gefahr— Es bringt Lektüre von verbotner Liebe Schaden. 13. Doch waren sie beglückt— in unschuldvol- ler Triebe Verhbotener Befriedigung beglückt; Doch da jed' Rendez-vous das Köpfchen mehr verrückt, Vergaſs die Maid, dafs hier ihr Vater Herr- schaft übe; Hat man sein Kleinod, ist Entbehrung hart, Im Anfang mind'stens, eh man's überdrüssig ward; So kam sie oft, mit dem Moment sie geizte, Während ihr Alter auf dem Seeraub kreuzte. 14. Nennt nicht das Kassenfüllen ungeheuer, Ob alle Flaggen gleich ihm fangrecht kamen; Verkehrt nur in Finanzminister seinen Nahmen Und traun! ihr findet nichts, als eine Steuer; Doch er, bescheid'ner, trat in nied're Gleise Des Lebens, und in besserer Berufeswahl, Macht' er auf Meeren seine Wasserreise, Verfahrend bloſs hier als ein Seeſfiskal. 15. Durch Wind und Wog' und ein'’ge wicht'ge Fänge Zog sich des Guten Wegseyn in die Länge; Und, mehr noch hoffend, er zur See verweilte, Ob mancher Windstofs gleich ihm Schaden that, (Der Prisen Ein' entkam ihm); angekettet hat Er seine Beut', und numerirt in Loose, theilte Er gleich Capiteln sie; all' hatten Kraus' und Kragen, Von zehn bis hundert Thaler mochte Jedes tragen. Er s2 zu seit Nach 1 Der übe Den Re Es ihne Ward Ihm A Die Sie ord Nur m Als kla Pariser Guitarn Zurück Geraub uer, kamen; Nahmen Steuer; Gleise ahl, 36, wicht'ge äinge; erweilte, den that, ettet hat theilte aus' und e Jedes 16. Er sandte Ein'ge vom Cap Matapan Zu seinen Freunden, den Mainotten; auch, nebst Preis, Nach Tunis Andre; bis auf Einen Mann, Der über Bord flog, unverkäuflich fals ein Greis.) Den Rest— nur aufbewahret wurden Reiche, bis Es ihnen glückt' einmal sich loszukaufen— Ward gleich geschlossen; da für den gemeinen Haufen Ihm Auftrag ward vom Dey von Tripolis. 17. Die Waaren nutzt er auf dieselbe Art, Sie ordnend für die Märkte der Levante, Nur manche Stücke wurden aufbewahrt Als klassisch in des Frauenputzes Tande, Pariser Stoffe, Spitzen, Zängchen für den Bart, Cuitarren, Castanietten aus Alikante; Zurückelegen dieses Alles mocht' er, Geraubt vom besten Vater für die liebe Tochter. 16 18. Ein Aeſffchen, einen Kettenhund, Mackaw, Zwey Papageys, nebst Zibethkatz' und Kitzen, Wählt' aus dem Vieh er, das er sah; 6 Auch einen Dachshund, den ein Lord einst thät besitzen, Der an der Küste starb von Ithaka; Doch Gnadenbrod erhielt das Hündchen da: Damit der kalte Sturm nichts ihnen thue, Sperrt' er zusammen sie in eine groſse Truhe. 19. Nachdem die Seegeschäfte so erledigt, Auch Kreuzer abgesendet hier und dort, Fuhr er(sein Schiff war manchen Bau's be- nöthigt) Dahin, wo seine hübsche Tochter immer fort In gastfreundlicher Sorge noch begriffen; Doch weil untief und wüste dieser Ort, Auch weit in's Meer besä't mit Felsenriffen, Hatt' er auf andrer Seite seinen Port. Hier Indem Dafs all Ballast, Gelan Der übe Verweilt Fühlt,* Welch! Für Vie Empfind Und ste 102. kaw, Kitzen, nst thät da: ne, Pruhe. Hier stieg er ohne Säumen an das Land,“* Indem nicht Zollhaus, Quarantaine nicht zur Hand, lim in den Weg zu treten mit böser Frage Nach Zeit und Ort, wo er gewesen sey, Sein Schiff sollt' auf den Stapel früh mit Tage, Es zu kalfatern sollten Leute herbey, Dafs alle Hände vollauf jetat zu raffen, Ballast, Gewehre, Güter auszuschaſfen. 21. Gelangt auf eines Berges Höh'n, Der überragte seines Hauses weilse Mauern, Verweilt' er: welch ein seltsam Schauern Fühlt, welcher fern lang war, sein Herz durch- weh'n, Welch Zweifeln, wie's daheim wohl stehen mag? Für Viele Liebe, dann für Ein'ge Bangen! Empfindung überfliegt, was längst vergangen, 102. Und stellt uns wieder an den Abschiedstag! B 18 22. Wenn Väter, Gatten nah zur Wohnung kom- men, Nach langen Reisen über Berg und Thal, Fühlt sich natürlich wohl ihr Herz beklommen, Bedenklich ist ein weiblich Personal, Doch keiner traut den Frauen mehr, und eh- ret sie— (Sie hassenschmeicheley, drum schmeichl'ich nie,) Die Frau wird oft, ist lang ihr Mann abwesend, dreister, Und Töchter fliehen mit dem Kellermeister. 23. Nicht jedem Wackern, kommt daheim er an, Wird gleiches Glück bevorsteh'’n mit Ulyssen, Nicht weint jed' einsam Weib nach ihrem Mann, Und zeigt den Abscheu vor der Freyer Küssen! Er findet, als verschiedenen Betreib, Ein Urnchen, ihm geweiht, und zwey, drey Kleine, Ein Freund besitzet jetzt sein Gut und Weib, Und selbst sein Argus beifst ihn in die Beine. Und da Macht Und, Von die Ein ehre Von all- Ein Bün Der wal Dafs eue Betrogen g kom- mmen, nd eh- ch nie,) wesend, ster. Kleine, Veib, 24. War ledig er, ist sicher seine Braut Inzwischen einem alten Geizhals angetraut; Doch desto besser, das beglückte Paar Kann uneins seyn, sie, klüger nun im Trach- ten— So macht den Hof er, wie es früher war, Als Cavalier servant,— will er sie nicht ver- achten; Und dafs nicht sprachlos sey sein Herzeleid, Macht Oden er, auf Weiberunbeständigkeit. 23. Und, o ihr Herrn, die ihr so keuschen Zeit- vertreib Von dieser Art schon habt— ich meyne Ein ehrsam Freundschaftsband mit einem Weib, Von all' den Dingen währet nur diefs Eine, Ein Bündnifs, sonst'gem Unbestand zum Trutz, Der wahre Hymen das,(der erst' ist nur zum Schutz)— Dafs euer Wegseyn nicht zu lang seyn mag— Betrogen sah den Fernen ich viermal am Tag! 26. Lambro, der Seefiskal, mehr mit dem Brauch Zur See vertraut, als dem zu Land, Ward freudig, schauendseines SchornsteinsRauch, Jedoch, nicht Metaphysiker, verstand Den Crund er nicht, weshalb er nicht betrübt, Noch den von irgend heftiger Bewegung; Des Kindes Tod hätt' er beweint, er hatt's gelieht, Nicht mehr, als Platon doch, kannt' er den Grund der Regung. 27. Er san sein weifses Haus, wie drauf die Sonne schien, Die Gartenbäume, so schattenreich und grün, Er hörte seines Bächleins sanftes Gemurmel flieh'n, Das ferne Hundgebell', und durch das Dunkel Des kühlen dichten Wäldchens sah er zieh'n Bestalten, sah der Wasser hell Gefunkel, (Im Osten— Wasser männiglich) und bunter . Dinge Vielfache Farben, glänzend wie die Schmetterlinge. Un⸗ Verwi Da hé Vielm Ein F Da ül Auch Durch Une (Er st Sah er Daſs Er ko Cleicl Und! So lei n Brauch nsRauch, betrühbt, g; s geliebt, *her den ng. lie Sonne nd grün, el flieh'n, Dunkel zieh'n kel, d bunter tterlinge. 28. Und als er naht dem frohbewegten Drang, Verwundert, ob des Müſsigganges Zeichen, Da hört er— ach nicht etwa Sphärenklang, Vielmehr unheil'’ge irdische Töne von Geigen, Ein Klang, er zweiſelte, ob recht er höre, Da über sein Versteh'n der Anlaſs lag; Auch eine Pfeife, Trommel, und gleich darnach Durchaus unmorgenländische Gelächterchöre, 29. Und immer mehr dem Platze näher rückend, (Er stieg den Hügel schneller nun hinab,) Sah er, durch wankende Zweig' in'sGrine blickend, Dafs es wohl eine Festlichkeit dort gab. Er konnte seine Leute tanzen seh'n, CGleich Derwischen, die sich, wie um die An- gel, dreh'n Und kurz, den Pyrrh’schen Kriegestanz, den die Levante So leidenschaftlich liebt, er bald erkannte, 30. Und weiter stand ein Griech'scher Mädchenzug, (Die erste, schlank'ste schwenkt' ihr weiſses Tuch) Gleich einer Perlenschnur, gereiht, Und tanzend Hand in Hand; bey einer jeden Flofs schwarz Gelock den weiſsen Hals hinun- ter weit, Die mindeste verrückte zehn Poeten; Die erste sang, es folgte dem Gesang, Im Chore Stimm' und Schritt, der Mädchendrang. 31. Und hier, die Füfs' im Kreuz, auf ihren Plätzen, Sollt' eben zugelangt von Ein'gen seyn; Gerichte, Pilau's standen zum Ergötzen, Und Flaschen Samier- und Chierwein; Auch Scherbet, in porösen- Krügen, daneben Wuchs das Desert noch an den Reben; Von Goldgranate, von Orang' umnickt, Fiel reif die Frucht zum Schoofse, kaum ge- pflückt. henzug, es Tuch) r jeden hinun- uf ihren 32. Mit Blumenbändern schmückt ein Kinderheer Die stolzerhab'nen Hörner einem Stähr, Indem ganz ruhig, wie, wenn noch ein säugend Lamm, Der Patriarch der Heerde sanft verneiget Sein denkend Haupt, so majestätisch zahm, Auch aus der Hand friſst, oder beuget Die Stirn', als wollt' er stofsen, doch im Au- genblick, Geht, weichend den kleinen Händen, er zurück. 33. Ihr schön Gewand, ihr klassisches Profil, Die grofsen schwarzen Augen, die sanften Se- raphswangen, Roth, wie Granaten innen; die Lockenschlangen, Der sprechende Blick, die Anmuth in ihrem Spiel, Die Unschuld, die die Kinderzeit beglückt— Schufsie zum Bild; der philosophische Beschauer Besah nur ihretwegen es mit Trauer, Blos weil ihr Alter vorwärts rückt. 24 34. Fern stand, erzählend, ein scherzhafter Zwerg, Um ihn die alten Schmaucher in der Runde; Von Schätzen, eingeschlossen in Thal und Berg, Von Zauberworten aus Arab'scher Gaukler Munde, Sprach er, von Alchymie, geheimen Mitteln, Wie Wunderbergen Manche Cold entrütteln, „ Von Zauberinnen, die schnell und wunderbar In Thiere verkehrten ihre Männer,(wirklich wahr!) 35. An dem, was unschuldsvoll ergötzt die Sinnen Und Phantasie, schien hier nichts abzugeh'’n; Gesang, Tanz, Wein, Musik, Erzählungen von Fee'n, Jedweder Zeitvertreib, sofern kein Anstofs drinnen; Doch Lambro sah mit Aerger alles diefs, Abwesend er, und diese tolle Verschwendung! Und nah, das schlimmste fürchtend zur Vol- lendung, Die Wocherzettel all' verbrannt gewiſs! siren' i Will, Lambr. Gliche Er w Zuriel (Meist Die To Ihn an Sehr le (Mehr Waru Sinnen geh'n; gen von trinnen; 8, endung! ir Vol- Warum es hier wohl herging so vollauff 25 36. Was ist der Mensche Wie viel Cefahren kreisen Um Glücklichste sogar, selbst nach genoſs'nem Mahl! Ein goldner Tag aus einem Alter von Eisen— Das gibt das Leben; mehr nicht an einen Sar- danapal! Siren' ist,(mind'stens, wenn es singt) das Ver- gnügen, Will, lebend ihn zu schinden, den jungen Gast betrügen, Lambro's Empfang bey seines Volkes Gelag, Glich dem, wie Feu'r dem Wasser geben mag. 37. Er war ein Mann, der selten nur ein Wort Zuviel gebrauchte; überraschen wollt' er heute (Meist überrascht er mit dem Schwert die Leute) Die Tochter, keinen Boten schickt' er fort Ihn anzumelden; niemand stand auch jetzo auf. Sehr lange stand er, sich's zurecht zu setzem, (Mehr in Verwundrung freylich als Ergötzen,) 26 38. Er wufste nicht(ach! wie die Menschen lügen) Viell Daſs ein Gerücht(absonderlich die Griechen) Ihn todt gesagt,(solch Volk stirbt nie!) Und Trau'r in's Haus gebracht auf ein'ge Wochen; Doch Augen, Lippen, wieder trocken waren sie, Die Ros' auf Haid'chens Wangen wieder auf. gebrochen, Die Thränen bleiben endlich aus, Auf eig'ne Rechnung hielt sie nunmehr Haue. Ward Nicht 39. Bewa Daher all diefs Cefiedel, Essen, Wein und Der je Tanz, Mit sol Das auf die ganze Insel Sonntag brachte, Daſs n Und alle Diener trunken, oder müfsig machte; Kein Ein Leben,— es beglückte sie so ganz, Des Vaters Gastfreyheit war weit zurückgeblieben, Soviel Verglichen, wie Haidee an es fing; Nur se O wunderbar, wie Alles besser ging, Während jed' Stündchensie verwandt zum Lieben. Verlus Wochen; aren sie, der auf. Haue. ſein und te, machte; 2, eblieben, Lieben. 97 40. Vielleicht denkt ihr, beym Treffen auf dieſs Fest Ward er entsetzlich hitzig; traun es läſst Nicht eben Grund sich denken zum Ergötzen! Ihr werdet schnellen Querstrich prophezeih'n, Wie peitschen, foltern, in's Gefängniſs setzen, Damit die Leute künftig weiser sey'n, Wie er, damit sein Thun Erhabenheit erreichte, Sein königlich Vergnügen an Piraten zeigte. 41. Bewahr'! er war der fein gesittet'ste Mann, Der jemals Schiffe bohrt'’, und abschnitt Kehlen! Mit solchem echten Benehmen eines Gentleman, Dafs nie ihr riethet das Denken seiner Seelen; Kein Hofmann könnte— ja ein Weib selbst kann Soviel Verstellung unterm Mieder kaum verhehlen, Nur schlimm, daſs so verweg'nes Handwerk ihm ergötzlich, Verlust, wie er, war feinen Zirkeln unersetzlich! 28 42. Indem er zu dem ersten Eſstisch trat, Zupfte den nächsten Gast beym Ermel er, Mit eig'nem Lächeln, das, ich sag' es nebenher, Nie Gutes deutete, was es gedeutet hat, Und fragte nach dem Anlaſs zu dem Feyertage; Der trunk'ne Griech', an den er diese Frage Gerichtet, viel zu lustig, wer der Frager seyn Wohl mag, zu rathen, füllte ein Glas Wein, 43. Der, sc Und ohne daſs sein Köpfchen er gewandt, Antwortet' er ihm mit bacchant'schen Mienen; alch Und reicht' das volle Glas ihm mit der Hand: „Reden ist trockne Arbeit, hier gibt’s zu ver- Er ist dienen!* Ein zweyter schluckste:«Todt ist ja der Alte; Doch „Fragt nur die Herrin, wer die Herrschaft Nickts haltep“„Und h „Die Herrin P sprach ein Dritter, pah! Lafst Du meynst den Herrn, den alten nicht, den„Der wW neuen da?“ Denn t, er, ebenher, t, yertage; Frage er seyn Wein, andt, Mienen; r Hand; zu ver- er Alte; errschaft A! ht, den 29 44. Die Burschen waren neu, und wuſsten nicht Mit wem sie red'ten; lang ward Lambro's An- gesicht, 3 Und schnelle Finsternils lag über seinen Blicken, Den Ausbruch doch strebt' er zu unterdrücken Als feiner Mann, und ein höchst freundliches Be- tragen Auf's neue zeigend, bat er Einen, ihm zu sagen Den Rang und Namen von dem Hauspatrone, Der, schien's, gemacht Haideen zur Matrone. 45. alch weiſs nicht,» sprach der Kerl, awer oder was «Er ist, woher er kam— das kann mir gleich viel seyn! Doch der Capaun ist gut, das weiſs ich, das! „Nichts Befs'res wusch hinunter guter Wein!! „Und hört, im Fall', es g'nügte Euch nicht das— „Lafst Euch dahier mit meinem Nachbar ein, „Der wird in Breit' und Länge Euch gewähren, „Denn keiner kann sich selber lieber hören,*¹) 46. Lambro, sagt' ich, ein Mann der Nachsicht zeiget; Gewifs zeigt' er die tiefste Bildung da, Die Frankreich selbst, dem doch kein Land sonst gleichet, In seinem Hub kaum überboten sah! Er trug Verspottung seiner Lieben ganz gelassen, Sein blutend Herz und seinen Gram, Den Hohn, der ihm von knecht'schen Schwelgern kam, Die frisch dabey von seinen Hammeln afsen. 47. Bey einem Mann nun, an Befehl gewöhnt, Heiſst kommen er, so kommen, gehn, so gehn sie, Wie er Geheifse ausspricht, so gescheh'n sie, Ob Tod sein Wort, ob es nur Ketten dröhnt, Kann es befremden, trifft man sanfte Sitten an, Allein— es ist— und alles kann nichts helfen Ob zuverlässig gleich, wer sich beherrschen kann, So gut zur Herrschaft tauget, als die Guelphen. So the Und gin Kein's a So wenig Ob Lieh Sich reg Doch tr- Fand in Lachsicht nd sonst gelassen, awelgern afsen. wöhnt, gehn sie, „ 'n sie, lröhnt, tten an, s helfen n kann, lelphen. 48. Nicht daſs er niemals kam wie in Ergrimmung, Doch war's nie seine wahre ernste Stimmung; Verschlossen, langsam, still, wie ohne Regen, Wie es die Boa in den Wäldern thut; Nie kam von Worten es bey ihm zu Schlägen, War schnell sein Wort, vergoſs er niemals Blut. Sein Schweigen nur liefs auf Furchtbares deuten Ein Schlag von ihm— macht' unnütz einen zweyten. 49. So that er weiter keine Frage, Und ging in's Haus, doch durch geheime Thür, Kein's achtet sein, wen er auch antrifft hier, So wenig war man sein vermuthend an dem Tage. Ob Lieb’' in seinem Herzen für Haideen Sich regt, ist mehr, als ich zu sagen weiſs; Doch traun, ein Todtgeglaubter bey dem Aufer- stehen, Fand in dem Schmaus neumod'schen Trau'rbe- weis! 32 30. Könnt' jeder Todte wieder auferstehen, (Verhär' es Gott) nur Ein'ge, eine Zahl, Ein Mann zum Beyspiel oder sein Cemahl, (So gut, wie andre, sind Beyspiel' aus Ehen)— pühlt Wie auch der früh're Cram soschwer und peinlich, Das jetz'ge Wetter würde trüber seyn; 4 91... Hier w. Thränen, geweint, grub man den Gatten ein, Sie flöſsen auch bey'm Aufersteh'n wahrscheinlich. 51. Hinblicl Dem Ei Er trat in's Haus, sein Haus nicht länger, Der herbste Kummer für des Menschen Heral Vielleicht macht er es schlagen bänger, Als selbst der innere Todesschmerz; Ein se Der Stein des Heerdes ward zum Leichenstein, Sein Ae8 Um sein' einst warme Näh' in bleichem Schlum. Hielt M mers Mit Mäl Die Asche unsres Hoſfens, ist ein tiefer Kum- Er fühlt mer— Meynt' Das sieht ein led'ges Herrchen gar nicht ein. Der Hei Trieb ihr 102. en, hl, nahl, hen)— peinlich, ten ein, heinlich. länger, 2n Herz! „ nenstein, Schlum- er Kum. ht ein. 52. Er ging in's Haus hinein, nicht mehr das seine, Denn ohne Herzen sind wir hauslos— und alleine Fühlt er sich, weil kein froh Willkommen Ihm scholl! So lang hat er gewohnet d'rin, Hier waren ihm die wen'’gen Freudentag' ent- schwommen, Hier schmolz sein scharfer Blick, sein wunder Sinn, Hinblickend nach dem schuldlos lieben Kinde, Dem Einz'gen, wo sein Fühlen ohne Sünde. 63. Ein seltsam Temp'rament war ihm beschieden, Sein Aeufs'res mild, wie rauh auch seine Brust, Hielt Maafs in allen Dingen, war zufrieden Mit Mäſsigkeit in Nahrung und in Lust; Er fühlte schnell, und trug mit tapfrem Muth, Meynt' es mit Ein'gen besser, ob nicht gut; Der Heimath Leiden, es zu retten Drang, Trieb ihn zum Zwingherrn aus dem eig'nen Zwang. 102. 34 54. Die Lust zu herrschen, schneller Geldgewinn, Nocl Durch lang Cewöhnen hart gewordner Sinn, Die(. Die Fährlichkeiten, d'rinnen er ergraut, Geschenkte GCnade, misbraucht oft gesehen, Bey ih Der Anblick, den beynah' er tüglich schaut, Geschn ’. Die wilden Fahrigenossen, wilden Seen, Gefalle Machten zum Schreckbild ihn in vielen Lan- Liebha den, Der ne Zum guten Freund, doch böslichen Bekannten. Dieſs 55. Docl Der Geist des alten Hellas doch oft lieſs Auf die Durch seine Scele Heldenstrahlen gleiten, gie, we So wie er hintrieb nach dem gold'nen Fliets Inmitte Die Urvorältern zu Medeens Zeiten; Ein eir Nicht grofse Friedensliebe zwar ihn regte, Hinreie Kein Weg zum Ruhm war frey daheim ge- Die M . stellt; Krieg jeder Nation, Hafs aller Welt Und ræ Aus Rache für sein Vaterland, er hegte. dgewinn, Sinn, t, hen, chaut, n, en Lan. kannten. lieſs en, Fliefs gte, eim ge- 66. Noch gofs das Clima über seine Sinne Die Criech'sche Feinheit, welche manches Mahl Bey ihm erwacht, er ward's nicht inne, Geschmack, sichtbar in seiner Wohnung Wahl, Gefallen an Musik, erhab'nen Scenen, Liebhaberey an Blumen, Lust am Bach, Der neben ihm dahinfloſs hell, gemach,— Diefs pflegte seine Mufse zu verschönen, 37. Doch alle Liebe ruhte, alles Hoffen Auf diesem theuren Kind; das Einz'ge war Sie, welches hielt sein Inn'res offen Inmitten seiner Thaten, seiner Schaar; Ein einzeln, friedlich, rein Gefühl der Brust, Hinreichend war der Einzige Verlust, Die Milch der Menschlichkeit ihm ganz zu nehmen, Und rasend ihn zu machen, wie dort Polyphe- men. 58. Der Tigrin Wuth, der ihre Jungen wegge- raubet, Verkündigt Hirten und den Heerden Tod, Das Meer, wenn schäumend sein Gebrülle schnaubet, Es bringt dem Schiff am Felsenriffe Noth; Doch stürmendes wird eh' zur Ruh' gekehrt, Indem sein Toben seine Wuth verzehrt, Als finstrer, tiefer, stummeinsamer Hader In einem kräft'’gen Herzen— einem Vater. 59. Wohl ist es hart, doch pflegt's oft zu ge- scheh'n, Daſs Kinder Kränkung ihren Eltern geben, In denen wir den eignen Frühling wieder leben, Das eigne Selbst, in schönerm Stoff nur, woll- ten seh'n, Sie, grade wenn das Alter nah' uns hinket, Und Wolken thürmen, wie die Sonne sinket, Verlass In treff Ein] (Nur r Schön Mit Na Sie drä sich un Ein We Ist's eir Laml Zur Zei Derweil Bey Lit wegge od, Gebrülle bth; kehrt, 2 der ater. t zu ge- ben, er leben, r, woll. nket, sinket, 37 Verlassen freundlichst uns, wenn auch nicht ganz allein, In trefflicher Gesellschaft— Gicht und Stein. 60. Ein hübsch Famil'chen ist doch eine Lust, (Nur ruhig, wenn wir uns zum Mittagsschlaf gelagert) Schön ist's, wenn sie die Mutter an der Brust Mit Nahrung labt(wird sie dadurch nicht ab- gemagert), Sie drängen, wie um Altarstücke Hulden, sich um's Camin(solch Anblick machet Frer- ler weich), Ein Weib mit ihren Töchtern, Nichten— gleich Ist's einem Species und ein'gen halben Gulden. 61. Lambro ging heimlich durch besondre Thür, Zur Zeit, wo rings die Abendschatten grauten, Derweile safs die Braut mit ihrem Trauten Bey Limonad' in Stolz und Zier. 38 Vor ihnen stand ein Tisch, belegt mit Elfen. beine; Prachtvoll gedeckt, rechts, links, der Sclaven vier, Gold war meist das Service, und Silber, Edel- steine; Perlmutter und Korallen das gemeine. 62. Wohl hundert Schüsseln kamen auf den Tisch, Lammfleisch, Pistacien, kurz jede Speise, Auch Safransuppe, Bröschen, und der Fisch— So gut man je ihn fing in Netz und Reuse; Alles nach leckrer Sybaritenweise, Und das Getränk war mancherley Gemisch Aus Wein, Orangen, und Cranatensaft, Geprefst in Schaalen, was viel Wohlschmack schafft. 63. Rings stand es, jedes in krystall'ner Schaale, Und Obst und Dattelbrod kam nach dem Mahle, Zuletzt Auf kö Dann; Die H. Zimmt Im Cat Tape Aus sa Ceput- Und e Die ol Höchs Persisc Aus D Insc (Sehr Sind: t Elfen. Sclaven r., Edel- auf den se, Fisch— euse; nisch , schmack Schaale, a Mahle, 59 Zuletzt erschienen feine Mokkabeeren Auf köstlichem Chines'schen Porzellan; Dann goldne Tassen, wie sie nicht versehren Die Hand, greift man die heifsen unten an, gimmt, Nelken, Safran, waren auſgekocht Im Caffee— so hätt' ich ihn nicht gemocht. 64. Tapeten schmückten rings das Zimmer, Aus sammtnen Stücken, lieblich bunt, Geputzt mit seid'ner Damastblumen Flimmer, Und eine gelbe Kant' umgab sie rund; Die ob're reiche Kante trug zur Schau, Höchst zierlich überstickt mit Blau, persische Sprüch', in Lettern von Zinnobern, Aus Dichtern, oder Weisen— ihren Obern. 66. Inschriften, die man an den Wänden sieht (Sehr üblich in dem Morgenland)— zu sagen Sind sie geeignet dem Gemüth, 4⁰ Gleich Schädeln bey den Memphischen Ge- lagen, Die Worte, die Belsassern schreckten in der Halle, Und ihm sein Reich entnahmen; traun ihr Drey seht, Wie Weis' auch nah'n mit Würd' und Ma. jestät— Lust ist der ernsteste der Moralisten alle. 66. Ein Huldgesicht, im Herbst des Lebens hek Krys tisch, Das ih Ein Kraftgenie, sich trinkend Untergeh'n, Die sc Ein Schalk, als Quäker, oder auch eklektisch, Ein eit (Denn unter diesem Nahmen pflegen sie zu fleh'n) Gazell Doch meist ein Aldermann, der apoplektisch, Sind Dinge— der Verstand bleibt dabey steh'n—. Und v Sie zeigen: späte Stunden, Liebe, Wein, Durch Sie können, wie die Taſel, schädlich seyn. Sie, a nen Ce. in der aun ihr ind Ma. le. us hek- 67. Fufstepp'che lagen für Haidee und Don Juan, Von karmoisinem, rothgestreiften Taffet, Drey Viertel des Gemaches füllte an Das Canapee, ganz neu schien's angeschaffet, Die Sammetkissen,(eines Thrones werth) Scharlachen waren sie, aus ihrer Mitie kehrt, Mit Gold gesticket, eine Sonne ihre Schimmer, Meridianen gleich entströmten ihr die Flimmer. 68. Krystall und Marmor, Silber, Porzellan— Das ihre hatten zur Verzierung sie gethan; Die schönsten Teppiche— das Herz zerreiſst Ein einz'ges Fleckchen— lagen auf dem Bo- den, Kätzchen, Gazellen, Zwerge, Mohren, die ihr Brod, wie Schätzchen, Und wie Minister sich verdienen(das heiſst Durch Degradation)— so häufig waren dort Sie, als bey Hof', und auf dem Jahrmarktsort. 4² 69. Nicht fehlt' es dort an hohen Spiegeln, und An Tischen, aus Ebenholz meist, und mit El. fenbein, Perlmutter, ausgelegt; auch Cold und Silber rund, Aus Schildkröt, oder Holz, ganz fein; Der grölste Theil von ihnen, auf Geheiſs, War schon gedeckt, und reichlich stunden Ein Schloſ- Daſs e Gerichte drauf, Fleisch, Scherbet, Eis,— Für alle Gäste, willkommen zu allen Stunden. Was e So sch Und h Umgal 70. Die je Von allen wählt' ich mir Haideens Tracht,“ Zwey Jelicks trug sie, blaſsgelb war der Eine, Ihr Busentuch war weiſs mit blau und gelbem Als Scheine, Umlie Der Busen d'runter wogt' in sanfter Macht, Dem! Mit Perlenknöpfen, wie die Erbsen groſs, Von E Prangte der zweyte, roth, viel Gold daran, n, und mit El. 1 Silber 16. den 43 Umbunden war von farb'gem gas'nen Barakan Sie, welcher, wie den Mond Lichtwölkchen, sie umflofs. 71. Ein gülden Band umfing die Arme lieblich hold, Schloſslos, doch so gefügig aus gedieg'nem Cold, Dafs es die Hand schlofs, dehnt' ohn' Wider- streiten, Was es umfing, gab Eng' ihm und Erweiten, So schön, es reizte schon die herrliche Gestalt, Und haftend, als umschläng's mit ew'gem Halt, Umgab die feinste Haut der reine Ring, Die jemals köstliches Metall umfing. 2) 72. Als Fürstin, die des Vaters Recht geniefst, Umlief ein goldner Reif des Fufses Riest, 3) Dem Rang gemäſs; zwölf Ring' an jeder Hand, Von Edelsteinen glänzt' ihr Haar, des Schleyers Falten, 44 Sie wurden unterm Busen festgehalten Von prächt'ger Perlenschnur, die über Schätzung stand; Des Knöchels wunderliebliche Gestalt Ward reich von seid'ner Türkenhos' umwallt. 73. Des dunkeln Haares Welle, bis zum Fuſs Flofs sie, gleich eines Alpenstromes Guſs, Den Morgenstrahl vergoldet, und sie würden Versteckt sie haben, durften frey sie flieh'n,*) Und immer schienen zürnend sie den Bürden Des seid'nen Netzes; suchten immer zu entzieh’n Den Fesseln sich, so oft ein Zephyr, dort ge- fangen, Sie fächelnd sich zu regen angefangen. 74. Rund um sie her entschwommen Lebens- hauche, Die Luft ward heller durch ihr schönes Auge“ Dem Alles, was aus höh'rer Ceister Land Der M. Wie f Zu reit Der sü Nicht Die (So ist' So war Rebelli Um in Die Nä Doch h Sie kor Die Scheine chätzung awallt. Fuſs fs, urden eh'n,*) ürden atzieh'n lort ge- ebens- Auge“ d 45⁵ Der Mensch sich schwärmt, schien reichlich zu entflieſsen, Wie Psyche rein, eh' sie zum Weib erkiesen— Zu rein, selbst für das reinste ird'sche Band— Der süſsgewalt'ge Zauber sagte Allen, Nicht Cötzendienst sey's, hier auf's Knie zu fallen. 75. Die Brau war noch geſfärbt, ob nächtlich schwarz ihr Prangen, (So ist's dort üblich) aber ohne Zweck, So waren die Schwarzaugen schon umfangen, Rebellisch höhnten sie den schwarzen Fleck, Um in der eig'nen Pracht gerächt zu steh'n, Die Nägel sind mit Henna überstrichen, Doch hier auch war der Kunst die Macht ent- wichen, Sie konnten ros'ger nicht, als früher, seh'n. 76. Die Henna sollte hoch seyn, um die Haut Scheinen zu lassen noch erhöhter schön— 46 Das war ganz ohne Noth, denn nimmer graut So weiſs als sie, der junge Tag auf Höh'’n, Man zweifelte, ob Träume nicht verirren, Als: Die glich dem Bild des Traums. Ich möchte irren, Was 2 Doch sagt auch Shakespeare, gar nicht wär' er hold: Lilien zu malen, zu vergülden Gold.“* Von Schwarz und Cold trug einen Shawl Juan, Doch weifsen, so durchsicht'’gen Barakan, Man sah die hellen Edelsteine drunten, Er! Wie der Milchstrafse kleine Sternenschaar; Und h Den Turban überragte, faltenreich gewunden. Er wan Und schön, als Heftel,(drin Haideens Haar) Pe 0 Emailaigrette, ein glüher Halbmond dort, Vor ei Defs Strahlen zitternd glänzten immerfort. Daſs se nimmer h'n, en, möchte wär' er Shawl 47 78. Nun wurden sie durch ihr Gefolg vergnügt, Als: Zwerge, Tänzerinnen, Schwarze und ein Dichter, Was zu dem neuen Hof Vollendung fügt, Der letzte hatte Ruf, auch war auf Ruhm er- picht er; Sein Vers,— meist hatt' er richt'ge Füfsezahl, Sein Thema pflegt' er selten zu verderben, Satyre, Lob— er liefs für Geld sich werben, Wie dort es heifst— zu guten Stoſfes Wahl. 79. Er lobte Jetz'ges, schimpfte was vorüber, Und höhnte Biederart der alten Zeit, Er ward zuletzt ein Antijakobiner Des Osten, Pudding wählend und Ruhmlosig: keit; Vor ein'gen Jahren bracht' es ihm Gefahr, Dafs seine Dichtung zu freysinnig war; 48 Doch jetzt sang er den Sultan, wie den Pa- scha, Wahrhaft, wie Southey, und im Vers, wie Crascha. 80. Er hatte manchen Wechsel mit gesehen, Stets wechselnd wie die Compafsnadel treu; Doch sein Polarstern liebt' etwas das Drehen, Es war der Fixe nicht— er brauchte Schmei- cheley So feil, entging er dem Geschick der Rache, Und da er flieſsend sang(nur nicht bey schlech- tem Lohn) Log er mit solcher Gluth der Dichtersprache— Traun, werth war er der Laureatenpension! 81. Doch Geist hatt' er, wohnt solcher in den Feilen; Der Fates irritabilis— er sorgt, Dafs selten Mond' ihm, ohne Ruhm enteilen, Selbst Doch h 0! drit Die Fes Ihr Leb Ihr I In der Der Lie Hielt Wuſst' Doch p Viel Be Den C 102. en, reu; rehen, Bchmei- tache, chlech- ache— ion! in den teilen, 49 Selbst Edle freu'n sichk, wenn die Menge horcht Doch halt, mein Stoff! Will sehen, was es war! O! dritter Canto, und das hübsche Paar, Die Fest', ihr Haus und Anzug, ihre Liebe, Ihr Leben in dem insularischen Betriebe; 82. Ihr Dichter,(zwar ein Achselträger, doch dabey In der Gesellschaft von beliebter Weise, Der Liebling er in manchem Männerkreise,) Hielt dort, wenn halb er mürbe, Reden frey; Wulst' auch man selten, was der Sinn wohl sey, Doch pflegte man dem wackeren Gesellen Viel Beyfall zuzuschlucken, und zu gellen— Den Grund des Lob's weiſs keins in solchen Fällen. 102. 50 Doch jetzt, erhoben zu vornehmen Kreisen, Mit manch freysinnigem Gedanken durch die Reisen Versehn, um nicht eintönig stets zu seyn, Dacht' er, bey Freunden, auf der Insel hier allein, Dafs er, nicht mehr befürchtend Volksauf. stände, Für langes Lügen sich entschäd'gen könnte, Und singend wie er sang in Jünglingsjahren, Kurz Waffenstillstand schlieſsen mit dem Wah- ren. 84. Gereist war er durch Franken, Türken, Araber, Der Gusto jedes Volks ihm gegenwärtig, Und da verkehrt mit allen Ständen er, Hatt' er etwas auf alle Fälle fertig; Diefs schafft' ihm manchen Dank und manch Geschenk, Auc 5¹ Die Schmeicheleyen formt' er um mit viel Ce- schick; In Rom,«wie Römer," thun, das war ein Stück Von seiner Art, der er in Hellas eingedenk. 83. Drum wenn zum Sang der Ruf an ihn er ging, hren, Wuſst' er volksthümlich jedem Volk zu dich- Wah- ten, Ihm war ganz einerley: God save the king,“ Und„Caira,» er liebte, sich nach Zeit und Ort zu richten; Türken, Und Nutz in Allem seine Muse fand, Vom hohen Lyrischen, bis nieder zum Ver- „ stand; Warum denn nicht sang Pindar Kampf und Roſs, Auch so gefügig seyn, wie Pindaros P 5² 86. Die In Frankreich würde so Chansons er sehreit- Di ben, Wer In England:«eine Dichtung, sechs Gesäng,, Di in Quart,» Die In Spanien Balladen, aus dem Treiben Al Des letzten Kriegs, in Portugal auf gleiche 3 Art, Auf Göthe's Pegasus würd' er sich brüsten Auf In Deutschland(sieh, was von der Staél be- U merket ward), Eins In Welschland äfft' er nach die Trecentisten, D. In Hellas klang es etwa dieser Art: Auf Hi Heil, Heil den Criech'schen Insellanden, Sin Wo Sappho glüht'’, und glühend sang, p. Des Kriegs, des Friedens Künst' entstanden, Vnd Delos erstieg, Apoll entsprang; v Noch schmückt sie ew'ges Sommerprangen, Sie Doch all das Andre ist vergangen! chrei- esäng', kleiche en él be- sten, Die Scier- und die Tejerleyer, Die Liebe sang und Kriegsgewalt, Wenn Euch nicht, ist sie Fremden theuerz Die Töne sind daheim verhallt, Die suchten westlichere Bahnen Als«Sel'ger Inseln“ curer Ahnen. Auf Marathon die Berge schauen, Und Marathon schaut auf das Meer; Einsam durchschweifend diese Auen, Dacht' ich, dafs Hellas frey noch wär'! Auf Grüften, wo die Perser schlafen, Hielt ich mich nicht für einen Sclaven! Ein König safs auf hohem Riffe, Das überraget Salamis, Und drunten— an die tausend Schiffe, Und Nationen— Sein all diefs! Sie zählt' er, als der Tag erglommen, Wo war'n sie Abends hingekommen? 4 Und wo sind sie? und wo, du traute Ceburtslandsflurb Auf todtem Strand Ist klanglos nun die Heldenlaute, All Heldenleben dort entschwand. Und muſs die Harfe, hehr wie deine, In Hände sinken jetzt, wie meine 5 Es ist etwas, wo Ehre selten, Bey Kettensclavischem Gezücht, Zu fühlen, wie die Schaam des Helden Dem Singenden färbt das Gesicht! Wozu, daſs hier ein Dichter wäre 9 Dem Volke Schimpf, dem Land— die Zähre! Ob wir nur Einstges Klagen müſfsten? Nur uns die Schmach?— Ihr Väter starbt! Heraus aus tiefer Erde Brüsten, Ihr Sparten, die ihr Ruhm erwarbt! Von den Dreyhunderten nur Dreye, Daſs sich Thermopylä erneue! 55 Wier Schweigend noch, und schweigend Alle? O, nein! Der Todten Stimme, her Dringt sie, gleich fernem Stromesfalle, Und spricht: o nur Ein Lebender Ersteh', wir kommen, ja, wir kommen— Die Kraft ist Lebenden verglommen! Umsonst, umsonst! rührt andre Saiten, Schenkt hoch in's Glas den Samier ein! Den Türkenhorden lafst das Streiten, Die Becher voll von Chieerwein! Horch! Schlechter Ruf versammelt Cäste, Zähre! Wie jubeln sie beym Zecherfeste! Den Pyrrh'schen Tanz habt ihr noch immer, starbt! Warum der Pyrrh'sche Phalanx fern? Warum von Beyden grade nimmer Den edlern und den männlichern? Buchstaben habt ihr, Cadmus Gabe, Ob Sclaven er bestimmt sie habe? 56 Schenkt Samier in die Becher wieder! Ein solch Gespräch, verbannt sey esl Cöttlich macht' er des Tejer's Lieder, Dient' er, war's dem Polykrates! Dem Herrscher— jene Herrscher waren Landsleute mindstens, nicht Barbaren! Es war des Chersoneses Herrscher Der Freyheit bester, bravster Freund, Miltiades war dieser Herrscher. O daſs der Tag, der heute scheint, Noch einen solchen Zwingherrn brächte, Solch Kette man ertragen möchte! Das Glas voll Samier gegossen! Auf Suli's und auf Parga's Au'n, Sind noch von dem Geschlechte Sprossen, Wie einst geboren Doris' Frau'n. Dort sind vielleicht gesäet Saaten Die Heraklidenblut verrat hen. Der F Des In heit Nur 84 Die Ich sel Docl Fühl' Die Das i Wo Des 8t Dor Ein 80 Stür Der Franke wird Euch nicht befreyen, Des Handele ist sein Fürst gewohnt, In heim'schen Schwertern, heim'schen Reihen, Die einz'ge Mutheshoffnung wohnt, Durch Türkenmacht, und wälsche Ränke, 1 Nur eure beste Sache sänke! Nur Samier in die Gläser immer! Die Jungfrau'n tanzen schön gereiht, Ich seh' der schwarzen Augen Schimmer, Doch plickend auf die glühe Maid, 1 Fühl' ich die Thräne mir entweichen— Die Brüste sollen Sclaven säugen!!! Dafs ich auf Suniums Marmor stünde! Wo nichts, als ich und Meeresplan Des Stöhnens Wechselklang verstünde, Dort säng' ich, stürb' ich, gleich dem Schwan. Ein Sclavenland ist nicht das meine, Stürzt um den Krug mit Samierweine! 87. So war, so konnte, sollte seyn das Singen Des Griechen im erträglichen Gedicht; Wenn ganz der Orpheus jungen Hellas' nicht, Doch konnt' er jetzt des Unheils mehr voll- bringen! Sein Lied enthielt Gefühl, gut oder schlecht, Gefühl beym Dichter zündet gar behende Gefühl bey Andern— doch, ein lügnerisch Geschlecht, Nimmts alle Farben, wie der Färber Hände! 88. Worte sind Ding', auf den Gedanken senket Wie Thau, ein Tropfen Dinte sich, und macht, Daſs eine Millionenzahl auch denket! Seltsam! der kleinste Brief, wovon Gebrauch man macht, Anstatt des Redens, wird vielleicht ein dauernd Band Für Weltenalter! Zeit, zu welchem Stand Bringst Ihn übe Ward Sein Sta Ein Etv In chro Kann ei Ein Ste Als dra Den Ma Ruhn Ein Et Das me Als von Singen 3 1s' nicht, eehr voll. hhlecht, nde ignerisch Hände! en senket d macht, Gebrauch a dauernd tand Bringst du den Menschen, wenn ein Blatt, wie hier das Meine, Ihn überlebt, sein Crab und all das Seine? 89. Ward sein Gebein zu Staub, sein Grab längst schlicht, gein Stand, Geschlecht, sein Volk sogar Ein Etwas nur, ein Nichts— nur offenbar In chronologischem Bericht, Kann ein Ms, das längst vergessen war, Ein Stein, gefunden unter dürftiger Baracke, Als drang in ein Closet des Gräbers Hacke, Den Mann zurückebringen, wie ein Kleinod rar! 90. Ruhm machte lang die Weisen lächeln; Ein Etwas, Nichts, Wahn, Worte, Windes fächeln— Das mehr von Schreibers Styl abhängig ist, Als von dem Nahmen, der da bleibt zurücke; 60 Troja verdankt Homeren, was Herrn Hoyle das Whist; Verschlossen waren des Jahrhunderts Blicke Für grofsen Marlborough's Kunst im Stöſse Geben, Bis Coxe ganz neuerlich beschrieb sein Leben. 91. Der Dichter Fürst ist Milton, so wir sagen, Ist göttlich, mag auch etwas schwer er seyn, Lebt' unabhängig hin in seinen Tagen, Gelehrt, fromm, mäſsiglich in Lieb' und Wein; Doch Johnson gab sein Leben dann heraus, Da finden wir: es ward der hohe Musenpriester Gepeitscht auf Schulen, war als Vater, Catte düster, Frau Milton floh aus ersterm Grund das Haus. 92. Gewiſs, all dieses unterhält uns nun, Wie Shakespeares Wilddeub', und Lord Bakons Schenken, Wie Titu Wie Bun Wie Cro Vom 8e Als wese Doch wi Wie d Als er g Und W. Sein Trö Und Col Der Mor Als er u Zwey Sc Hoyle das Blicke im Stöſse in Leben. vir sagen, er seyn, * nd Wein; neraus, benpriester er, Catte las Haus. n„ rd Bakons 61 Wie Titus Jugend, Cäsars früh'stes Thun, Wie Burns(gut sorgte Currie für sein Angeden- ken) Wie Cromwells Ränke;— Wahrheit wohl be⸗ gehrt Vom Schreiber, all diefs Löbliche zu melden, Als wesentlich im Leben seines Helden, Doch wird sein Ruhm dadurch nicht sehr ge- mehrt; 93. Wie Southey sind nicht alle Moralisten, Als er geschwatzt von«Pantisokrasie;“ Und Wordsworth, ohne Zoll und Sold, der zum Gelüsten Sein Trödlerdichten würzte mit Demokratie, Und Coleridge, lang eh'’ sein feurig Schreiben Der Morgenpost liefs ihr aristokratisch Treiben, Als er und Southey, 8 wandernd Einen Pfad, Zwey Schwestern eh'lichten,(Putzmach'rinnen von Bath.) 6²2 94. Die Nahmen wollen sich der Schuld'gen Au. sehn geben, Botany-Bay?) wird uns ein Ort gar tugendhaft Cesetzlicher Verrath, und Renegatenkraft, Gibt Stoff, beschreibt man einst ihr trocknes „ Leben; Dicker ist Wordsworth'’s letzter Band(das ne- benbey) Als einer seit Erfindung der Buchdruckerey! Die«Excursion“— ein plump und trüb Ce- dicht, In der Manier, die wenig an mich spricht! 95. Da baut er zwischen Anderer Verstande Und zwischen seinem einen hohen Deich; Doch Wordsworth's Dichtung und sein Aufang gleich Dem Schiloh der Southcott, und ihrer Bande, Aeufsern auf's Publikum gar keine Kraft Für jet Die Au Hat Ge Doch Thu’' Si Mein N Und ha Jedoch Auf nä Jedwed Ist für Zwar d'gen Ac. gendhaft raft, trocknes „ 1(das ne- kerey! trüb Ce- pricht! ande eich; n Aufang er Bande, 63 Für jetzt— so wenig sind, die auserkiesen! Die Ausgeburt von Beyden alter Jungfernschaft Hat Götter nicht— nur Wassersucht gewie- sen! 96. Doch zur Geschichte fort! Ich mufs gesteh'n, Thu' Sünd' ich, kommt's vom Schweifen aus dem Cleise; Mein Völkchen lafs' ich so allein hingeh'n, Und halte Monologe wider Sitt' und Weise! Jedoch vom Thron' erhielt ich die Addressen, Auf nächste Session weist man die Post; Jedwede Auslassung, das scheint man zu ver- gessen, Ist für die Welt Verlust, fast wie des Ariost. 97. Zwar was longueurs die Fränk'schen Nachbarn heifsen, (Das Wort fehlt uns, die Sache haben wir In höchlichster Vollendung, was jed Epos schier Von Robert Southey kann beweisen,) Nicht ist's der ächte Köder, der zum Tempel Die Schaaren lockt, doch brächt' ich ohne Müh' Von Epopöen ein’ge Prachtexempel, Zu zeigen: Hauptbestandtheil ist ennui. 98. Horaz sagt uns: bisweilen schläft Homer; Wir fühlen ohne ihn, dafs Wordsworth 9) öf. ters wache, Zu zeigen, wie ihm Kriechen Freude mache Mit seiner lieben Kärnern um die Sceen her. Er wünscht ein Boot, die Tiefen zu durchwal- len Des Mecres? nein! der Luft, und dann ent. hallen Ihm andre Ach! nach einem kleinen Boot, Er geifert Seen, daſs es wacker- flott! Wü Und v Wie, Spricht Und w Er mit Und n Kann Tempel ch ohne omer; rih 9) öt⸗ mache n her. urchwal- ann ent. Boot, Wünscht er so sehr zu fahren durch die Höh'n, Und will sein Pegasus im„Wagen“ Streiche machen, Wie, nimmt nicht eine Fuhr' er sich bey Wain? Spricht nicht Medeen an um ein'ge Drachen? Und wenn, zu klassisch für gemein Gehirn, Er mit dem Vieh Bedenken wollte tragen, Und müſste näher zu dem Nachtgestirn— Kann nicht nach einem Luftballon der Stroh- kopf fragen? 100. „Hausirer,“„Böte,“ Wagen!“ o ihr Manen Von Pope und Dryden, kamen wir dahin? Dergleichen Ausbund kann nicht nur entflieh'n Dem Hohn', er zieht aus Tiefen seine Bahnen Sogar, wie Schaum, zu oberst! Diese Dum- men 102. E 66 In Geist und Lied ob Euern Gräbern summen; Der akleine Bootsmann, und sein Peter Bell* 9), Sie spotten defs, der sang Ahitophel. 101. Zur Sache! Geendigt war das Fest, hinweg die Sclaven, Die Zwerg' und Tänzerinnen all' hinaus, Die Märchen und des Dichters Vortrag aus, Und jeder Ton des rauschenden Mahls ent- schlafen: Die Lady und ihren Trauten, ganz allein, Entzückte die ros'ge Fluth im Abendgrauen, Ave Maria! Diese Himmelsstund', ob Auen Und Meer die schönste, ist die werthste dein. 102. Ave Maria! Segensgrufs der Stunden, Der Zeit, dem Land, dem Ort, wo oftmals ich ummen; ᷣPeter „hinweg us, g aus. ahls ent- lein, rauen, Auen ste dein! tmals ich 67 Den Augenblick in vollster Kraft empfunden Wie sanft er niederschwebt' und wonniglich! Aus ferner Stadt die tiefe Clocke dröhnte, Oder des müden Tages Crablied tönte, Von keinem Hauch die ros'ge Luft durchweht, Und doch jed' Blatt wie bebend im Gebet! 103. Ave Maria! Betensstund' ist diefs! Ave Maria! diefs ist der Liebe Stunde! Ave Maria! ach im Geiste süſs Gewahren wir der höhern Heimath Kunde! Ave Maria! ach diefs Huldgesicht, Unter der Taube die sittsamen Blicke! Ob ein gemahltes Bild auch so entzücke, Zu gleich ist's, und Idol solch Bildnifs nicht! 104. Es sagen freundlichst ein'ge Casuisten, Doch anonym, ich sey ein Atheist. Dafs sie doch einmal mit mir beten müſsten Ihr solltet sehen, wer am weit’sten ist, Auf nächstem Weg in's Himmelreich zu kom- men! Mir sind Altäre— Meer und Ocean, Luft, Erde, Stern', und was dem All entglom- men, Das Seelen schuf, und nimmt sie wieder an 103. Des Zwielichts traute Stund'! Im Eichen walde, Canz einsam und auf stillem Strandgebiet, Welches Ravenna'’s alten Forst umzieht, Der wurzelt, wo die Meeresfluth einst wallte, Wo stand der Kaiser letzter fester Platz, Stets grüner Wald! den Lehrspruch des Boc- caz, Und Dryden'’s Lied mit Geist erfüllet mir— Wie hold war ich der Zwielichtsstund' und Dir! u kom- utglom- er an Eichen . let, wallte, 2* 2s Boc- 106 Cicadgezirp, des Fichtenwald's Gefährte, (Ihr Sommerleben ist endloser Sang) Mit meinem Roſs und mir allein man hörte, Nebst Vesperglocken durch die Zweig' entlang. Der wilde Jäger aus Oresti's Stamme, Die Höllenhunde, Jagd, der Schönen Zahl, Die lernten: fliehe nicht vor reiner Liebe Flamme— Umflorten meines innern Auges Strahl. ¹⁰) 107. O Hesperus, du darfst all Gutes bringen! ⁵) Dem Müden Heimath, dem Efslust'gen Mahl, Dem Vögelein der Mutter warme Schwingen, Dem matten Stiere den ersehnten Stall, Was Friedliches sich anschmiegt unserm Herde, Was die Penaten schützen als von Werthe, Das grüfst uns, strahlt dein Blick voll Ruh, Das Kind auch legst an Mutterbusen du! 7⁰ 108. Ein s OStunde! weck'’st den Wunsch, schmilz'st das Gemüth 5 Fure Des Seglers, ist der erste Tag verglommen, Der ihn von trauten Freunden weggenommen, Erregst so sanft den Pilger, wenn des Wegs er Do 7 zieht, Und Vesperglock“, ihn tiefergreifend, tönt, Und Als weinte sie beym hingestorb'nen Tage; Zu tl Ist das ein Wahn, den die Vernunft verhöhnt? Mehr Ach, nichts stirbt, dafs nicht etwas darum 5 klage! Mein 80 W (Mit 109. Sang Als Nero durch'’s gerecht'ste Walten starb, Das jemals den Verderber noch verdarb, Inmitten des befreyten Roms Gebrülle 1 lo Von Volkserrettung, und hochsel'ger Welt— Sie Empfng sein Grabmal Blumen in der Stille! Daſ Vielleicht ein Herz, dem doch noch beygesellt 12'st das aen, bymmen, Wegs er rhöhnt? darum tarb, „ elt— tille! 5 ygesellt 7¹ Ein sanft Gefühl, wohl schwach— liefs ihm sein Stand Nur eine Stunde, wo es frey sich fand. 110. Doch schweif' ich ab! Was auf der Welt hat Nero Und alle Herrschergaukler, diesem gleich, Zu thun mit dem Benehmen meines Herop Mehr als der Mond nicht, das versichr' ich Euch! Mein Kunstberuf erliegt auf alle Fälle! So werd' ich ein Holzlöffel“-Versler schier! (Mit diesem Namen, wiſst, bezeichnen wir Sangmeister unsrer Grade kleinste Stelle!) 111. Ich fühl', ein Gräul ist diese lange Weile, Sie ist zu episch! d'rum ist's wohlgethan, Dafs beym Abschreiben den Gesang in zwey ich theile, 7² Man wird's nicht merken, sag' ich selbst nicht an Die Sach', ausnehm' Erfahrner ich ein Paar; Dann stellt man als Fortschritt der Kunst es dar, Ich zeige, diefs sey Lehrsatz der Aesthetik, Aus Aristoteles, sieh die Poetik! nicht an Paar; Lunst es etik, 73 ——⸗—— ₰nn—-———ℳ-ℳBA Anmerkungen des Verfassers zum dritten Gesang. ¹) Stanze 45. Denn keiner kann sich selber lieber hören. Risponse allor' Margatte, a dir tel tosto, Jo no credo piu all nero ch'all' azzurro; Ma nel capone, o lesso, o vuogli arrosto, E credo alcuna volta anco nel burro; Wella ceroigia, e quando io n'ho nel mosto, E molto piu nell' espro che il mangurro; 74 Ma sopra tutto nel buon vino ho fede, E credo ohe sia saloo chi gli crede. Pulci, Morgante Maggiore, Cant. 16. Itanza 151. 2) Stanze 71. Die jemals köstliches Metall um- fing. Dieser Anzug ist den Mohren eigenthümlich; die Armbänder und Reifen trägt man, wie hier beschrieben. Der Leser wird später erfahren, daſs, da Haideens Mutter aus Fez war, ihre Tochter in Landestracht ging. 3) Stanze 72. Umlief ein goldner Reif des Fufses Riest. Der goldne Reif über dem Riest ist ein Zei- chen der Oberhoheit bey den weiblichen Fami- liengliedern der Beys, und wird als ein solches von ihren weiblichen Angehörigen getragen. Verst Das 4 Frau cher F länderi Haar es, her: schatte machte die Ori unter l1l um- hümlich; wie hier erfahren, var, ihre Fufses ein LZei- nen Fami- in solches ragen. 4) Stanze 73. Und sie würden Versteckt sie haben, durften frey sie flieh'n. Das ist keine Uebertreibung! Ich erinnre mich 4 Frauen gesehn zu haben, deren Haar in sol- cher Fülle strömte; drey von ihnen waren Eng- länderinnen, die vierte eine Morgenländerin. Ihr Haar war von solcher Länge und Menge, daſs es, herabgelassen, beynahe die ganze Person über- schattete und die Bekleidung ſast überflüssig machte. Nur eine von ihnen hatte dunkles Haar, die Orientalin hatte vielleicht die leichteste Farbe unter den Vieren. 5) Stanze 107. 0O Hesperus, du darfst all Gutes bringen! Eorsgs, raura Osget, (Osgsοςᷣ Oνον, OsOS16 d*α, (Os98 H.ατεςσε τπα⁸οα. Aus den Fragmenten der Sappho. ——— — 6) Stanze 108. O Stunde, weck'st den Wunsch, schmilz'st das Gemüth. Era gia l'ora, che oolge disio, A' naviganti, e'ntenerisce il ouore; Lo d ch'han detto a' dolci amici a dio; E che lo nuooo peregrin' d'amore Punge, se ode Squilla di lontano, Che paia'l giorno pianger, che si muore. Dante's Purgat. Cant. VIII. Diese letzte Zeile ist die erste in Gray's be- kannter Elegie, doch ohne weitere Anmerkung zugeeignet.„ Von laureat) 7) Stanze 109. de, da welche Empfing sein Grabmal Blumen in der Moral g Stille. seinen! endigter Entwur: Amerik- Oxford — Schwest Begrifle S. den Sueton wegen dieser Thatsache. unsch, .. Semüth. 2uore. VIII. Pray's be- amerkung in der he. 77 ——ℳ—6V—ℳN—n§AA Anmerkungen des Uebersetzers 2z um dritten Gesang. 8) Stanze 93. Von dem gekrönten Dichter Englands(Poet laureat) Robert Southey, behaupten seine Freun- de, dafs er nie eine Zeile geschrieben habe, welche der heiligen Sache der Tugend oder der Moral geschadet haben könne.— Er machte mit seinen Freunden Coleridge und Lovell(nach be- endigten Studien in Oxford) den romantischen Entwurf, sich an den Ufern der Susquebanna in Amerika niederzulassen. Sie reis'ten 1794 von Oxford ab, verliebten sich in Bristol in drey Schwestern, Namens Fricker, und waren im Begriffe sich mit der Mutter ihrer Bräute und 78 den Bräuten nach Amerika einzuschiffen, eine Pantisokrasie(wie sie eine Einrichtung nannten, die derjenigen ähnlich war, welche die ersten Christen hatten— Gleichheit der Cü- ier— und die nun durch Würtemberger in der Stadt Harmonice realisirt ist) zu stiften, als ein Onkel von Southey in Bristol aus Lissabon eintraf, der dem Dichter den idealischen Einfall ausredete, und ihn mit nach Lissabon nahm, Southey fürchtete aber seine Geliebte zu verlieren, und war nicht zu bewegen, cher in's Schiff zu steigen, als bis er mit ihr getraut war, worauf er ruhig abscgelte. Im September 1813 wurde Southey zum gekrönten Dichter ernannt. Vor ihm hatte das Amt dem Beamten Ehre gemacht, und nicht der Mann dem Amte. Canz anders ist es mit Southey. Wie er auch getadelt werden mag, alle Welt erkennt ihn für einen Dichter, und da er immer schwärmerisch die Freyheit liebte, so macht es der Krone Ehre, seine Ta. lente ohne seine politischen Gesinnungen, be- rücksichtigt zu haben. Man hat ihn von der Pflicht, den Geburtstag des Königs zu besingen, dispensirt. Er lebt frey und ungebunden in einer der schönsten Gegenden Englands, einzig den Wissenschaften und den Musen. Bey ihm wohn- ten seine Schwägerinnen, die Gattin des Dichters Coleridge und die Wittwe seines Freundes Lovell, los gen Nicht v genwar gegeben chen C kindisc. ten soa- gen, wi Brief von Ja- ern Dicl Werke zu frül Sout worth fen, eine nrichtung „ welche t der Cü. ger in der iften, als Lissabon en Einfall on nahm, verlieren, Schiff zu -, worauf 13 wurde ant. Vor gemacht, anders ist lt werden Dichter, Freyheit seine Ta. ngen, be- a von der besingen, in in einer inzig den hm wohn. s Dichters les Lovell, 79 diese erzieht seine 4 Töchter, und es herrscht die seltenste Harmonie unter den 3 Schwestern. Ein Englischer Kunstrichter behauptet von ihm, er sey unstreitig ein Dichter, aber nicht von der ersten Klasse. Es ist mehr von Rhetorik in ihm, als von Begeisterung, und wir haben öfter Gele- genheit, seinen Ceschmack und seinen Fleifs in Erborgung und Ausschmückung, als seine Kühn- heit und sein Glück im Erfinden zu bewundern. Erist weder klar, noch bestimmt, noch anspruch- los genug. Im Edinburgh Review heifsts von ihm: Nicht viel Dichter, weder der Vorzeit noch der Ge- genwart, haben Proben einer schönern Phantasie gegeben etc.— aber wenige haben auch diese rei- chen Gaben durch hartnäckige Anhänglichkeit an kindische Affectation und unangenehme Eigenhei- ten soarm gemacht, wie Southey. Diese Bemerkun- gen, wie mehrere folgende, sind wörtlich aus den Briefen an eine Deutsche Edelfrau eic. von Jakobsen, einem für das Studium der neu- ern Dichter Englands nicht genug zu empfehlenden Werke, genommen. Der treffliche Verfasser starb zu früh fär die Seinen und für die Wissenschaſt. 9) Stanze 94. Southey schrieb Botany-Bay Eklogues. Words- worth gehört zu der sogenannten Zake&choot, 80 so benahmt, weil er und Southey an Seen wohnen, worauf in der 98. Stanze angespielt wird. Diese Dichtungsart, welche Jakobsen mit der Fouqué's und Brentano's vergleicht, hat in England heflige Gegner. Das groſse Gedicht Wordsworth's, Eæcursion, ist die Geschichte ei- nes Hausirers, der in den Gebirgen von Nordeng. land herumwandert, und sich uber die Begeben. heiten des Lebens mit dem Dichter und mit ei- nem abgedankten Feldprediger, der Frau eines un- glücklichen Werbers, einem Dienstmädchen, und einigen andern Leuten von gleichem Stand und Würde unterhält. Das Gedicht, sagt die Edinburgh-Reoiew, ist zum Theil voll trivialer Stellen, Sund dann oft wieder über das Vorstel- lungsvermögen der Leute, denen sie in den Mund sind, und über die gewöhnlichen Begriffe 2 gröfsten Theils dieser Cesellschaft erhaben. Diese Excursion ist eigentlich der erste Theil ei- nes gröſsern Werkes, Recluse betitelt, dessen zweyter Theil the white doo † Wylstone,(das weiſse Reh von Rylstone) bildet. Eine vorzüg. liche, überaus zarte Dichtung. Seine neuesten Dichtungen sind Peter Bell, und Bejamin the mMagoner, worauf Stanze 100 die Anspielung. Seine Feinde werfen ihm vor, daſs er zu kindlich und einfach in seinen Gedichten ist, seine Freunde lieben ihn gerade deshalb am meisten. Ein Eng. lischer wohnhe und eir den Ab und sei gemein Gesinnt für die dungski geist B. entgege des ers Diese rinnen wenden können eben sc che wir in Vers Dryden Unte berühm Schönh Trefflic 102. an Seen ngespielt bsen mit t, hat in Gedicht hichte ei- Nordeng. Begeben. d mit ei- eines un- nädchen, 2m Stand sagt die trivialer Vorstel- len Mund n Begriffe erhaben. Theil ei- „ dessen bne,(das e vorzüg- neuesten amin the spielung. kindlich Freunde Ein Eng. 8¹ lischer Kunstrichter sagt über ihn: lange Ge- wohnheit, sich von den Menschen abzusondern, und eine Sucht nach Originalität können allein den Abstand, der zwischen des Dichters Genius, und seinem Geschmack ist, erklären. Aber all- gemein zugestanden wird ihm: Erhabenheit der Gesinnung, Zartheit des Herzens, warmes Gefühl für die Schönheiten der Natur, glühende Einbil- dungskraft, Einfachheit. Freylich ist der Dichter- geist Byron's dem des Wordsworth diametrisch entgegen gesetzt, daher wohl die beifsende Satyre des erstern auf leiztern 10) Stanze 105— 106. Diese Anmerkung gilt meinen schönen Lese- rinnen, mögen sie sie zu Nutz und Frommen an- wenden! Die arme Honoria, wie hätt' ihr's gehen können! Unser Dichter bezieht sich hier auf eine eben so schauerliche als wahre Geschichte, wel- che wir zuerst im Bokkaz und aus diesem zierlich in Verse gebracht, bey dem Englischen Dichter Dryden finden. Hier ist sie im Auszuge. Unter den trefflichen Bewohnern der alten berühmten Stadt Ravenna war durch Tapferkeit, Schönheit, Stand und Reichthum Theodor der Trefflichste. Dieser— wer sollte das bey so 102. F vielen Vollkommenheiten meynen— hatte eine unglückliche Liebe. Unglaublich, so schön, so vornehm, so reich, so tapfer, so bis zur Raserey verliebt(denn so eben les' ich in einer alten Pergamentrolle, dafſs er sogar Sonette zum Preise seiner Geliebten gefertigt hat) war doch gerade er der Einzige, welchen die schöne, aber spröde, und entsetzlich stolze Honoria hafste, während sie ihre übrigen Anbeter blos verachtete. Je mehr er warb, desto gehässiger ward er zurückgewie- sen. Das verdrofs ihn doch endlich, und er sann auf Mittel, in die Sache eine Aenderung zu brin- gen. Er wollte sich erschiefsen; aber nach rei- ferer Ueberlegung fand er, das sey zu gemein; lieber wollt' er sie hassen, aber da traten einige Hindernisse in den Weg; jetzt hat er's! er be. schliefst, sich sofort in eine andere, weit schö- nere zu verlieben— aber, nachdem er mehrere Tage gesucht, überzeugte er sich, dafs es keine Schönere, ja keine so Schöne gebe. Für's Beste hält er jetzt, sie nach und nach zu vergessen— aber dabey zehrt er sichtbarlich ab durch Harm und Kummer. Seine Freunde bestürmen ihn, zu verreisen. Nur mit Widerstreben willigt er ein. Er nimmt Wechsel, läfst packen und macht alle Veranstaltungen zu einer groſsen langen Reise durch Frankreich und Spanien. Aber— schon wieder ein Aber!— kaum anderthalb Stunde von ihm ges ſort sei chondri nur un kann— ges in d Wohnr Melanc des, di mälde samkeit die Ged fesseln nicht h rinthe, weiter? digen E Wipfel schwärr eo fürc Rausche Donner Heulen tte eine hön, so Raserey er alten m Preise h gerade r spröde, während Je mehr ckgewie- d er sann zu brin- nach rei- gemein; n einige ! er be. ſeit schö- mehrere es keine lir's Beste essen— h Harm nihn, zu gt er ein. acht alle der Stadt befällt ihn ein unsägliches Weh, er hat in der Nähe ein Landhaus, hier beschliefst er zu bleiben. Besucht von Freunden, abgeschieden vom Geräusch des Lebens, hätte er hier sich wohl befunden, wenn die leidige Liebe die Erlaubniſs ihm gegeben hätte. Sie aber beschäftigt fort und fort seine Cedanken, macht ihn still und hypo- chondrisch, treibt ihn in Einsamkeiten, wo er nur ungestörter den Ciftgedanken nachhängen kann— und so wandelt er denn auch eines Ta- ges in dem dichten einsamen Wald, der anseine Wohnung gränzt. Der Gesang der Vögel, die Melancholie des Ortes, das Helldunkel des Wal- des, diese so günstige Beleuchtung für die Ge- mälde der Schwärmerey, die wohlthätige Ein- samkeit, in der, wie in einer idealen Welt, nur die Cedanken, rastlos, ununterbrochen, verkehren, fesseln mit Allgewalt sein Gemüth, er kann sich nicht herauswinden aus lieblichem Waldlaby- rinthe, die Stunden fliehen, aber weiter und weiter vertieft er sich in die grüne Nacht der wal- digen Einsamkeit, das Flüstern der rauschenden Wipfel stimmt wic eine Begleitung zu seinem schwärmenden Cefühle— da, horch! erdröhnt es fürchterlich, wie wenn die Erde bebt, das Rauschen der Wipfel wird ein Krachen und Donnern, das Flüstern spielender Lüftchen ein Heulen und Sausen, dazwischen erschallt ein 84 Weinen und Hälferufen von weiblicher Stimme — der erschrockne Theodorraffte alle Seelenstärke zusammen. Die jammernde Stimme kommt nä- her, er blickt auf, und sieh, eine schöne Jung-. frau stürzt aus dem Gesträuche hervor, nackt, zerstreuten Haares, blutig von den Dornen, und hinter ihr zwey Bullenbeiser, die mit grimmen Zähnen ihre weiſse Hüfte anfallen. Erbarmen, o Himmel, Erbarmen, schrie sie,— und so oft sie das Wort Himmel sprach, lieſsen die Blut. hunde ihren Fang los, sie sprang fort— und gie- rig folgten sie ihr. CGleich dahinter kam auf pech. schwarzem Roſs ein schwarzer Reiter gesprengt, ein blutiges Schwert in seiner Hand, rachsüchtig hetzt' er die Hunde auf die Fliehende. Das geht unserm Theodor doch zu weit; er war ein Ritter, mithin verpflichtet zum Schut der Schönen; in Ermangelung eines Schwertes (Pistol und Büchse führte man damals noch nichi) bricht er eine Fichte ab—(d. h. einen Fichten-. schöfsling, es sey ferne von mir, diese wahre Ge- schichte durch irgend eine Unv ahrscheinlichkeit zu entstellen.) So erwartet er den wüthenden Verfolger. Dieser spricht: Theodor, ich bin dei- nes Stammes. Ich heifse Guido Cavalcanti und liebte einst, die ich jetzt mit unvertilgbarem Haſs verfolge— ihre Sprödigkeit machte mich zum Selbstmörder, in dieses Schwert stürzte ich mich. Kurz n trafen täglich ich ihr fangen, worein reiſs' il ihre Ei An ein Stelle, Blutrac einwen spiele 2 ging na aus. A Festin ihren 4 Walde, die Tafe bestimm die letzt stellte s der Wi Theodon schen I ganze N schien. der kan Stimme lenstärke mmt nä- ne Jung. ‚nackt, nen, und grimmen barmen, nd so oft die Blut- und gie- auf pech- eesprengt, chsüchtig weit; er h Schutz pchwertes hch nichi) Fichten- rahre Ce- nlichkeit lithenden bin dei- lanti und ſilgbarem hich zum 8⁵ Kurz nachmir starb sie, ohne Reue. Wir beyde trafen uns in der Hölle, dort ward ihr bestimmt, läglich auf's neue aufzuleben, zu fliehen, und ich ihr nachzujagen. So oft sie meine Rüden fangen, mufs sie sterben; mit dem Schwerte, worein ich einst mich stürzte, durchbohr'ich sie, reifs' ihr Felsenherz aus der Brust, und werf ihre Eingeweide den Hunden hin, so täglich! An einem Freytag starb' ich hier, auf dieser Stelle, und jeden Freytag üb' ich hier meine Blutrache.— Dagegen lieſs sich nun freylich nichts einwenden! Theodor sah dem furchtbaren Schau- spiele zu, fragte sich, ob er wach’ oder träume, ging nach Hause, und sann sich folgenden Plan aus. Auf nächsten Freytag woll' er ein groſses Festin geben. Seine Freunde, nebst Honoria und ihren Angehörigen sollten geladen seyn— im Walde, an jener unheimlichen Stelle, sollte die Tafel gedeckt werden. Der Freytag, als der bestimmte Tag, erschien, Honoria— es war ja die letzte Gunst, die sich Theodor von ihr erbat, stellte sich ein. Ueberflufs und Frohsinn herrschte, der Wildpretsbraten war verzehrt, schon winkte Theodor nach den Torten und den beyden Fla- schen Lacrymae Christi— als, o Himmel, die ganze Welt nur ein furchtbarer Orkan zu seyn schien. Hülfe, Erbarmen, dröhnt' es, und wie- der kam, wie vor 8 Tagen, die Jungfrau und hin- 86 ter ihr die wilde JagFd. Wiederum warfen sich Ritter auf zu ihrer Vertheidigung, da erzählte der schwarze Ritter abermals den ganzen Hergang der Sache, wie wir ihn bereits vernommen haben. Aber Honorien ward es ganz sonderbar dabey— als sie vollends die Fliehende vom Schwerte durch. bohrt, ihr Eingeweide von den heiſshungrigen Hunden verschlingen sah, verfärbte sie sich. Sie lieſs die Torte unberührt an sich vorüber gehn, stand auf, ging sinnend heim, und sah die ganze Nacht entweder das Gesicht des Tages, oder sich selbst statt der Dame, und statt des schwarzen Ritters den Theodor. Das wolle Gott verhüten, — sie sandte eiligst ihre vertraute Zofe an den schönen Einsiedler, und liefs anfragen, ob er sie denn noch liebe— er würde doch ihre ver- stellte scherzhafte Sprödigkeit nicht für Ernst ge- nommen haben u. s. w.; nach 3 Stunden hatte sie erwünschte Antwort, und nach 3 Tagen feyerte das glückliche Paar der«Brautnacht süfse Freu- den, die die Götter selbst beneiden!“* ngrigen ich. Sie tr gehn, der sich nwarzen frhüten, an den , ob er hre ver- enst ge- en hatte feyerte ge Freu- Vierter Gesang. 89 ————-—---——— ℳêℳ êℳqʃℳ—₰ i———B Beym Dichten bleibt das Schwierigste von Al len Der Anfang, ausgenommen nur den Schluſs. Oft scheinet anzulaufen Pegasus, Da renkt sich aus ein Flügel, und wir fal len. Wie Lucifer, gestürzt vom Himmel, ob Ver- gehen, Das unsr' ist gleich, gleich wenig Beſs'rung leicht, Stolz ist's, er spornt den Geist zu Schwindel- höhen, Bis, was wir sind, die eigne Schwäch' uns zeigt. 9⁰ 2 2. Die Zeit doch, die jed' Ding in Ordnung setzt, Und herbes Unglück, lehren wohl zuletzt Den Menschen, und den Teufel, wie wir hoffen wollen, Daſs ihre Geisteskräfte mäfsig sind. So lang durch Adern heiſse Jugendströme rollen, Däucht's uns nicht so— das Blut fliefst zu geschwind; Dochb wie der Strom sich breitet nach der Mün- dung, Grübeln wir nach jed' einst'ger Gluthempfin- dung. 3. Ich dacht', ein Kind, mich als gescheidten Jungen, Von Andern wünschte Gleiches ich gethan, Sie thaten's, als mein Alter vorgedrungen, Die Ce Jetzt ſã Der He Mein Und m Und Ceschie Geschie Stets ur Im Let Eh sc Im Sty Die ird dnung 1 hoffen tröme Ist zu Mün- npfin- eidten 9¹ Die Ceister kannten meine Herrschaft an. jetzt fällt auf dürre Phantasie hernieder Der Herbst, Einbildung senkt ihr Fluggefieder Mein Pult umschwebt die Wahrheit, traurig, kahl, Und macht burlesk, was einstens ideal! ‿ Und wenn ich lach’' ob vielen ird'’schen Dingen, Geschieht's, weil ich nicht weinen mag; wein' ich, Geschieht's, weil wir zu Apathie nicht brin- gen Steis unser Wesen können. Das mufs sich Im Lethefluſs erst übereiset haben, Eh schlafen will, was wir mit KRummer seh'n. Im Styxe taufte Thetis ihren Knaben, Die ird'sche Mutter mag zur Lethe geh'n! 9² 5. Es sch Man hat mich angeklagt, mein Absch'n. Frau'n gehe Auf dieses Landes Glauben und Moral, Das weis't man im Gedicht nach überall; Ich gebe zu, daſs ich mich nicht verstehe, Da, bi —. 5 Hab“ sd Leg' ich einmal ein Plänchen an— recht I fein! Doch bleibt gewiſs, daſs ich nichts weiter suche, Als fröhlich einen Augenblick zu seyn, 3 Ein neues Wort in meinem Wörterbuche. Wie vielleie 6. Die ein Dem güt'gen Leser hier in unserm ernsten Nicht, Land Erscheint die Art zu schreiben wohl exotisch. Doch, Pulci, der die halbernste Dichtungsweis' er- fand, Nachsic Sang, als die Ritterschaft mehr donquixo- Derwei tisch; Und m bsch'n ; 3 7 recht weiter rusten sch. „ 3 er- 93 Es schwelgten, wie damals Ceschmack man fand, Frau'’n, Ritter, grause Recken, Herrn despo tisch; Da, bis auf letztre, aufser Mode die gekom- men, Hab’ schicklicher etwas Neumod'sches ich ge- nommen. 7 1 Wie ich'’s behandelt habe, weifs ich nicht, Vielleicht nicht besser, als von Solchen mir ge- schehen, Die eine Absicht unterlegt, die spricht, Nicht, was sie seh'n, was sie gewünscht zu schen. Doch, wenn es ihnen Spaſs macht, wohl, es sey! Nachsichtig ist die Zeit, und der Gedanke frey. Derweilen zupft Apoll mich bey den Haaren, Und mahnt mich im Erzählen fortzufahren. 94 8 Haidec und Juan waren hingegeben Nur ihrer Herzen wonnigem Verkehr. Die Zeit, die rauhe, schnitt mit ihrer bösen Wehr In solche Herzen nur mit Widerstreben. Sie seufzte, dafs sie raubte ihre Stunden, Obgleich der Liebe feind. Doch alt zu werden schien Nicht recht für die; zu sterben mehr im Len- zesblüh'n, Eh noch ein Schmuck, ein Hoffen Flügel sich gefunden. 9. Für Runzeln nicht war ihr Gesicht gemacht, Für Stockung nicht ihr Blut, ihr Herz für Ra- sten, Das Weiſfsgrau nicht für ihrer Locke Pracht; Wie Zonen, wo nicht Schnee und Hagel la- sten, So wa- Und si Ein lan War ni Sie War il Von U Der Ba- Von sei Der Me Nicht d Ach, g Das! Dreyma bösen verden Len- 2l sich nacht, ür Ra- acht; gel la. 9⁵ So waren sie ganz Sommer. Mögen Blitze glüh'n, Und sie zu Asche schmettern— doch zu zieh'n Ein langes Schneckenleben voll Beschwerde War nicht für sie— sie hatten nicht g'nug Erde. 10. Sie waren wieder einsam. So zu seyn War ihnen ein zweyt Eden. Nie ein Traum Von Unlust, aufser wenn das Ein' allein! Der Bach, beraubet seines Quells; der Baum Von seinen Wurzeln weg, das Kind, dem Knie, Der Mutterbrust auf immerdar entwinkt— Nicht darbt' es so, als wenn getrennet die; Ach, gleich dem Herzen, ist doch kein In- stinkt! 11. Das Herz, so leicht gebrochen! o begläcket, Dreymal beglückt, bey denen, morscher Art, 96 Das edle Porzellan aus Menschenthon zer- stücket— Beym ersten Falle! Da wird nicht gewahrt Das lange Jahr, mühvoller Tage Kette, All' was getragen seyn will, ungenannt; Während das Leben tiefste Wurzel fand Bey dem, der, ach! so gern sein Ende hätte! 42. Früh stirbt der Gottgeliebte, laut der Alten;) Entgeht viel Todten, die er so nicht sah, Dem Tod der Freund' und, was noch mehr uns macht erkalten, Der Freundschaft, Liebe, Jugend, all, was da, Den Odem ausgenommen!— Da die dunkle Kluft Auch die zuletzt hinabschlingt, die die Pfeile Des Schützen lang verfehlten— ist die frühe Gruft, Auf der man weint, vielleicht bestimmt zum Heile.— Sah es Und W Warf 97 non zer- 13. Des Todten ward von Beyden nicht gedacht. wahrt Erd' Himmel, Luft, für sie schien es gemacht. ¹⸗ Die Zeit, bis auf ihr Flieh'n, war tadellos, t; An sich auch fanden nichts sie zu verdammen; ad. Eins war des Andern Spiegel, Wonneflammen de hätte! Sah es, wie Schmelz, im schwarzen Auge blos, Und wuſste, nur die gegenseit'gen Liebesblicke Warf dieser Glanz, als Widerschein, zurücke. r Alten;*) 14. sah, mehr uns Durchbebendes Berühren, sanfter Druck, . Der kleinste Blick, weit sprechender als „ was da, Worte, lie dunkle Die Alles sagten und doch nie genug— Auch eine Sprache, doch wie die Akkorde e Pfeile Der Vögel, ihnen nur verständlich, so die frühe Dafs Liebende nur ihres Inhalts froh; Süfsholde Reden— sinnlos doch für Jene, mmi zum Die nicht mehr, oder nie vernahmen diese Töne. 102. G 98 13. All diefs war ihr! Sie waren Kinder noch, Und Kinder sollten immerfort sie bleiben. Sie taugten nicht, im Wirklichkeitenjoch Als handelnde Personen mitzutreiben. Zwey Weesen sie, aus einem Bach geboren, Ein Nymphchen und ihr Trauter, unsichtbar. Am Blüthenquell zu feyern leichte Horen, Dem Druck des Lebens fern auf immerdar. 16. Die Monde wechselten, und fanden wech- sellos Die, denen ihr glanzvoll Erglühen Freuden Geschenkt, wie sie auf ihrem Zug schau'n seb ten bloſs, Nicht so, wie sie zu Uebersätt'gung leiten! Ihr Geist schwamm auf, die Sinn' allein Beherrschten nicht, und was die meiste Liebe Zerstört, Besitz, schien ihnen ein Etwas zu seyn, Das jeden Reiz, wo möglich, mehr noch hübe. O scl An eine So0 gern Und wie Die Rär Die kle Wo br- Die ihre Ja, h Genug! Dem k Wie ke Ein jung en wech- euden nau'n seb iten! ein e Liebe s zu seyn, ch hübe. 17. O schön, und selten eben so, als schön! An eine Lieb', wie ihre, hält sich das Gemüth So gern, wenn Nacht die alte Welt umzieht, Und widrig wird ihr Schein, ihr Misgetön, Die Ränke, die gemeinen Aventüren, Die kleinen Leidenschaften, Ehre, das Ent- führen; Wo brandmarkt eine Metze Hymens Leuchte Die ihrem Gatten eine Jungfrau deuchte. 18. Ja, harte Worte, schlimme Wahrheit! Viel- erfahren! Genug! Das treue, genienart'ge Paar, Dem kein einsames Stündchen schleichend war, Wie kam’s, daſs sie so frey von Trübsinn waren P Ein jung, inwohnendes Gefühl empfand 100 Wohl jedes— doch, es starb! in ihnen blieb's lebendig; Romantisch wird'’s von Sterblichen genannt, Beneidet stets, obgleich gehöhnt als unverstän. dig. 19. Er Diefs ist bey Andern ein unächtes Wesen, Ein Opiumtrunk durch zu viel Jugend oder Lesen; In ihnen war's Natur, wenn nicht ihr Loos; Ihr Herz schwamm bey Novellen wie im Blute, Haideens Kenniniſs war nicht eben groſs, Ein Zögling er aus heil'gem Institute; Kein andrer Liebesgrund war hier zu glauben, Als der bey Nachtigallen und bey Tauben. 20. Sie sah'n die Sonne scheiden. Allen theuer Ist diese Stunde, ihnen doch zumehrst, Sie ma Der Li Die Se Das Zy Von si Was g Ich Selbst Ein ple Dem Wenn Durch Aus Ju Ihr At 2n blieb's genannt, unverstän. Wesen, tend oder Loos; im Blute, roſs, ; glauben, uben. n theuer 3, 101 sie machte sie das, was sie sind, das Feuer Der Lieb', aus solchen Himmeln fiel's auf sie zuerst. Die Seligkeit ihr einz'ger Reichthum da, Das Zwielicht sie vereint in Wonne sah, Von sich bezaubert, vom Zauber Alles um- fangen, Was gegenwärtig war, und was vergangen! 21. Ich weiſs nicht wie, doch zu der Stunde heute, Selbst wie sie schauten, fuhr durch ihre Brust Ein plötzlich Grausen, hemmend ihre Lust, Dem Wind gleich ob dem Licht, der Har- fensaite, Wenn jenes sichtbar, diese hörbar bebt; Durch beyde so ein Vorempfinden zückte, Aus Juan's Brust sich tief ein Seufzer hebt, Ihr Auge eine neue FThrän' erdrückte. 22. Stets gröſser diefs prophet'sche Aug' er- schien, Und folgte fern der untergehenden Sonne, Als schwänd' ihr letzter Tag voll süſser Wonne Mit ihrem sinkend, glanzvoll breitem Kreis dahin; Er sah sie an, als fragt' er sein Ceschick, Er fühlt', und wuſste nicht warum, ein Sor. gen; So fragt', als um Rechtſfertigung sein Blick Den ihren für Cefühle, deren Grund ver. borgen. 23. Sie bog sich lächelnd zu ihm, doch der Art, Wie's Andre nicht zum Lächeln stimmt, sie wandte Sich seitwärts,— was ihr Innres jetzt gewahrt, Gezügelt wurd's vom Stolze, vom Verstande; Von il «Wenr Das a Juar An ihn Aus ih Ob all Das is Mancl Beydes Ob er Nac 5 103 Als Juan sprach, selbst(wohl im Scherz V Das anzuseh'n, ich überlebt' es nie!“* allein) Sr Von ihrer jetz'gen Stimmung, sagte sie: „Wenn so es wäre— doch— es kann nicht 8 seyn!— Wonne 24. Juan will weiter fragen, doch sie drückte An ihre seine Lippen, daſs er schwieg: lick Aus ihrer Brust jed' Ahnen fort sie schickte, nd ver- Ob aller Furcht erhielt der Kuſs den Sieg. Das ist der beste Weg gewiſs! Manch Andrer räth den Wein, wohlan, auch dieſs! Beydes hab' ich versucht; wer will, der mag Sch der entscheiden, Ob er sich wähle Kopf- ob Herzensleiden. mt, sie 25. Fewahrt, Nach Eurer Wahl müſst Einem ihr von Beyden nde; Euch unterzieh'n, Weib oder Wein; 104 Beyd' Krankseyn ist ein Zoll auf unsre Freu- den, Doch was zu wählen, dürfte schwierig seyn. Sollt' ich als Richter diese Frag' entscheiden, So hätt' ich manchen Grund auf beyden Seiten. Ich spräche, ohne sehr zu kränken eines, Viel besser Beydes hahen, als gar Keines. 26. Haidee und Juan sahen auf einander Mit trunknen Blicken stummer Zärtlichkeit, Worin jed' Regen lag, Kind, Freund, Ver- wandter, All' was die Besten süſsvermischt erfreut, Wenn sich zwey reine Herzen an einander drücken, Zu sehr glüh'n, weniger— wie soll's ge- scheh'nb Und durch die Macht, den ew'gen Willen zu beglücken, Das süſse Uebermaſs fast heiligen. Und Warun Sollt's Die Ze Die W Für V Mit i War Sie Verbo. Für di Beniel d, Ver- at, einander ll's ge- illen zu 27. Und Arm in Arm gelagert, Herz an Herz, Warum nicht starben sieb Zu lang war schon ihr Leben, Sollt's einen Tag der Trennung für sie ge⸗ ben! Die Zeit brächt' ihnen Bittres nur und Schmerz! Die Welt war nicht für sie, des Weltlaufs Gang Für Wesen nicht, voll Gluth, wie Sappho's Sang; Mit ihnen ward die Lieb', in ihnen— und tief innen, War ihre Seel' und keiner von den Sinnen. 28. Sie sollten leben tief in Waldesnacht, Verborgen, wie die Lerche singt; sie waren Fär die gedrängte Leerheit nicht gemacht, Beniehmt, gesell'ge, wo mit Hafs sich La- ster paaren, 1⁰6 Wie einsam jedes freye Wesen lebt! Die lieblichsten Singvögel nisten paarweis, Der Adler fliegt allein— doch Kräh' und Möre schwebt, Wie Menschen thun, ob ihrem Aase schaar- weis. 29. Jetzt, Wang' an Wange gelegt, zu trautem Schlaf, Sollt' ihnen Ruhe ihr Erquicken geben; Ein sanfter Schlummer, aber tief nicht eben, Denn alle Augenblicke traf Juan ein Schreck mit innerem Erschüttern, Wortlose Töne, wie ein Bächlein, murmelten Haideens Lippen, ihr Gesicht, so schön, Erbebte, wie durch Lüfte Rosenblätter zittern. 30. Oder, wie sich ein tiefer, klarer Strom bewegt, In einer Alpenschlucht, streicht drüber hin Der V Den d Uns zv Der Se Seltsam Bewuſs Sie t Geschn (Seltsa Stets dr. Schon Sie sch Schäun Braus't veis, nd Möre schaar- trautem ; eben, tern, rmelten n„ zittern. bewegt, rhin 107 Der Wind, so ward sie durch den Traum er- regt, Den dunkeln Machtherrn für den innern Sinn, Uns zwingend das zu seyn, was grade taugen Der Seele will, gerückt aus ihrem Joch. Seltsame Art des Seyns(ein Seyn ist's immer noch) Bewuſstlos fühlen, sehen mit geschlofsnen Augen. 31. Sie träumte sich am Seegestad' allein, Geschmiedet an ein Riff, und regen von der Stelle (Seltsam) war ihr unmöglich; auf sie ein, Stets drohender, drang brüllend Well' auf Welle, Schon an der Oberlipp' es rauscht und wallt, Sie schnappt nach Luft, an ihrem Haupte bald Schäumt das Gewoge, wild sie zu verderben Braus't jede Welle— doch sie kann nicht sterben. 108 Doch jetzt! Sie ist erlös't! Sie nimmt den Zug Ob scharfen Kieseln, ach mit blut'gem Tritte; Sie stürzt zu Boden fast bey jedem Schritte, Da rollt etwas vor ihr in einem Tuch, Verfolgen mufs sie es, wie ihr auch banget, Undeutlich ist's und weifs, doch hält's nicht Stich Der Hand, dem Auge; ob sie abmüht sich Und läuft, entschlüpft ihr's, wie sie darnach langet. Es ein 33. Lag J Des T. Drauf stand in einer Schlucht sie, deren In der Seiten Der k Mit Marmorstücken rings belegt, der Zeiten Werk an den fluthgepeitschten Mauern, Drin mochten Wogen waschen, Robben lauern. Nur Thränen schien ihr schwarzes Aug' zu Wi Sein seyn, 109 Es troff ihr Haar, es sah der scharfe Stein Stets düstrer, traf ein Tropfen ihn, hervor, Der, schien ihr's, mit dem Fall zu Marmor fror. mt den 34. Und naſs und kalt, leblos zu ihren Füſsen,— nicht Bleich wie der Schaum, der auf der Strn' ihm . starrt, ich Umsonst wischt sie ihn ab— ihr Müh'n, wie arnach ward Es einst belohnt, ach jetzt, wie ohn’ Erspries- sen!— Lag Juan, nichts macht wieder beben Des Todten Herz; der See Gestöhne klang deren In der Betrübten Ohr wie Meerfrau'n Sang; Der kurze Traum schien ein zu langes Leben! eiten 33. lauern. ug' zu Wie hin sie starrte, schien's, dafs sich verzehrte Sein Antlitz, oder in ein neues sich verkehrte, 110 In ihres Vaters Bild, bis jeder Zug Stets mehr die Aehnlichkeit mit Lambro trug; Juan Die Griech'sche Anmuth, der durchbohrende Fing s Blick— Rifs er Sie wacht mit Beben auf— daſs sie gewahre? Durch Welch ünst’res Aug' trifft ihres? Schmerzge- schick! Da läc Das ihres Vaters, stierend nach dem Paare. Hatt Willfa Wirf, 36. Auf fuhr mit einem Schrey sie, fiel mit Schrey, Vor Freud' und Kummer, Furcht und Hoffnung, den zu sehen, Den sie geglaubt im Meer begrab'ner Nähen,„Jua Vom Tod' erstanden, dafs vielleicht er sey„Es ist Der Tod von dem, den sie zu sehr geliebet. Er wi So warm Haidee dem Vater zugethan, Doch war sie seltsam jetzt erfreut, betrübet, Ich kenne das, doch denk' ich nicht gern ·0 be dran! ro trug; ohrende ewahre? merzge- Paare. gel mit offnung, lähen, sey ebet. übet, t gern 37. Juan sprang auf bey ihrem lauten Schreyen Fing sie im Fallen auf, und von der Wand Rifs er sein Schwert, der Rache den zu weihen, Durch dessen Schuld all' dieser Schreck ent- stand. Da lächelte verächtlich Lambro(noch verwehrt Hatt' er zu reden sich) und sprach: dort an der Pforte Willfahren tausend Säbel meinem Worte! Wirf, Jüngling, weg, wirf weg dein harmlos Schwert. 38. Juan, es ist“(rief sie, umklammernd ihn.) Es ist mein Vater,— Lambro!— Lafs uns knie’n!— Er wird— er kann nicht anders— uns ver- zeih'n. „0 bester Vater!— in dem Kampf des Lei- des, 112 Der Freude— während ich den Saum des Kleides «Dir küsse mit Entzücken, dürft' es seyn, „Daſs Zweifel meine Freude mir verwiesen. „Thu', was du willst mit mir— nur schone gZuan s diesen!* Der Creis stand hoch und unergründlich dort, .—. 2..(Das 8 Die Stimme ruhig, Ruh' in seinen Blicken, Das pflegte nicht stets inn're Ruhe auszu- Dann drücken! Er sah auf sie, versetzte doch kein Wort! Drauf wandt' er sich zu Juan, der bald roth Bald bleicher ward, entschlossen für den ES1 Tod, Das A Bewaſfnet mind'stens, auf den ersten Feind zu Nach springen Sofort Bereit, den Lambro's Rufen würde bringen. Nicht 102 aum des yn, esen. r schone ründlich ken, 2 auszu- ort! d roth lür den Leind zu 40. „Jüngling, dein Schwert!“ zum zweyten Mal erscholl; Juan sprach:«Nimmer, bis in Banden ich ge- schlagen! Da ward der Alte bleich, doch nicht vor Za- gen, Und aus dem Cürtel ziehend ein Pistol, Sagt' er:«So komme über dich dein Blut!⸗ Drauf sah er scharf zum Stein', als prüf' er ihn, (Das Schlofs war neugebracht) ob er noch gut, Dann schritt' er fort, ganz ruhig aufzuzieh'n. 41. Es macht dem Ohr gar bösliche Empfindung Das Aufzieh'n des Pistolhahns, wenn Ihr wiſst, Nach Euerer Person dreht sich die Mündung Sofort, die Fern' etwa zwölf Ellen ist; Nicht gar zu nah, wie's ziemt für Ehrenmänner, 102.. H 114 Ward Feind mit Euch ein vor'ger Freund und Gönner, Doch wenn zugleich, auch zwier gefeuert ward, Wird Irländ'scher das Ohr, und wen'ger zart. 42. Lambro hielt hin— zwey Augenblicke mehr, Schlofs den Gesang er,— und Don Juans Leben! Da warf Haidee sich vor dem Liebling her, Ernst, wie ihr Vater:«Mir muſst Tod du geben!“ Rief sie,«die Schuld ist mein! Dem bösen Strande Schwamm wider Wahl er zu! Mein Wort ihn schützt'. „Ich lieb' ihn, mit ihm sterb' ich! Deine Fest- heit kannte „Ich, kenne du die deiner Tochter itzt!“ Und Und K Als säl Blaſs, Und ri Erhub Ein soh Des V. Sie Wie s Wild In Fl’à bösen Wort ne Fest- 43. Und im Moment,(vorker ganz Lieb' und Thränen Und Kindlichkeit) stand dort sie, gleich Als säh' auf alle Furcht sie mit Verhöhnen, Blafs, wie ein Bild, und ernst, sie warb den Streich, Und ries'ger als ein Weib und ihres Gleichen Erhub sich die Gestalt, wie um zu zeigen Ein schönes Ziel, sie maafs mit festem Blick Des Vaters Antlitz, aber hielt nicht seine Hand zurück. 44. Sie blickten auf einander; ungewöhnlich, Wie sie sich glichen! Ganz der Ausdruck ähn lich; Wild heiter, nur ein kleiner Unterschied In Flammen, die das schwarze Aug' im Weck- sel sprüht'. 116 Sie war gleich einer, die wohl Rache mochte 2.*. 3 Wenn's seyn mufst„eine Löwin, obgleich zahm, Des F. Des Vaters Blut in Vaters Antlitz kochte Und wies, daſs Daseyn sie von ihm bekam. Das Die K 43. aIch m Ich sprach, sie glichen sich, an Wuchs, Das d Gesicht Ganz ähnlich, nur Geschlecht und Jahre nicht; Selbst bis zur Zartheit ihrer Hände War Kehnlichkeit, wie's ist bey ächtem Blut.„Hei Jetzt stehen sie zu seh'n in stummer Wuth, Feindselig, wenn in Freudenthränen könnte, Rollt In süfser Regung jedes'sein Willkommen! spre- chen— Er nah Zeigt, bis wohin die wilden Triebe brechen! Und b „ Und w 46. Beweh Dey Vater zögerte, und zog zurück Auf zv Die Waſl', und barg. sie in den Gurt; doch stille«Fang 117 Stand er, durchdringend sie mit seinem Blick: . Des Fremden Leid,» sagt' er,«ist nicht mein Wille! Das Unheil ist mein Werk nicht! Wen’ge trügen, «Die Kränkung, ohne sie mit Tod zu rügen. aIch mufſs das meine thun, wie du gethan «Das deine— Jetz'ges klagt Vergangnes anl* 47. „Heifs' ihn entwaffnen, sonst, beym Him- . mel dort, unte,«Rollt vor dir hin sein Haupt, gleich einem n! spre- Balle!* Er nahm sein Pfeifchen, wie er sprach diefs hen! Wort Und blies; ein andres gab Antwort dem Schalle, Und wild einbrechend, ob geführt, sofort, Bewehrt vom Fufs zum Turban Ein und Alle, Auf zwanzig seiner Leut' in Reih'’n erschienen, h stille«Fangt, oder würgt den Franken! rief er ihnen. Drauf riſs er seine Tochter schnell von dan- nen, Und während er sie hielt mit fester Hand, Da drängten zwischenein sich seine Mannen, Vergeblich sie in seinem Arm sich wand, Er war, wie Schlangenknoten! Und es kommen Wo Zu ihrer Beute— wie die Natter schiefst— Man sc Die Räuberreih'n, den ersten ausgenommen, Vom? Der mit zerspaltner Brust gefallen ist. Wo ei Sie wa 49. Bis sie Dort Dem Zweyten ward die Wang' geschlitzt; der Dritte, Und Ein kluger, kühler, ältlicher Banditte, Empfing mit kurzem Schwert die Hieb', und dann Führt' er so gut den seinen, daſs, eh' man 3 Es sah, der Feind zu Boden, hülflos ihm zu Die Füfsen; Und! 119 Das Blut fing, wie ein Bächlein, an zu fieſsen, Aus zwey schmerzvollen Wunden, tief und on dan- roth, Von denen Kopf und Schulter eine bot. 30. Wo er gefallen, banden sie Juan; st— Man schleppt' ihn fort, Greis Lambro wies sie an, nen, Vom Zimmer ihn zum Ufer hinzutragen, Wo ein’'ge Schiffe segelfertig lagen, Sie warfen in ein Boot ihn, die Ruder wurden bewegt, Bis sie erreichten ein'ge Galeoten. Dort brachten sie ihn an Bord, da wurd' er chlitzt; hingelegt, Und streng der Mannschaft Wachsamkeit ge- boten. , und 31. nan ihm zu Die Welt hat sonderbare Wandelungen, Und hier ist eine von gar traur'ger Art, rungen, Jung, hübsch, im Vollgenufs der Gegenwart, Wird, grad' als er am mind'sten Zugang giht lich; Verwundet, und geschnürt höchst unergötzlich, Und alles blos— weil sich ein Weib ver- lieht. 62. Hier brech' ich ab, ich werde zu pathetisch, Von China's Thränennymph' erregt, vom Thee; Mehr war, als sie, Cassandra nicht prophetisch; Wenn ich Trankopfer über drey begeh', Da wird mein Inneres so sympathetisch, Dafs schnell mir nöthig dunkeler Boheh', Dafs sie dem Weine so viel Cift zuschrei- ben! Denn Thee und Kaſſee läſst zu ernst uns blei- ben, Ein Herr, vom Reichthum dieser Welt um. Dergleichen Furcht, zur See gebracht, urplötz- Wer Najade Warur Warur Ich wi Wenn Und N Weck hetisch, n Thee; netisch; . . aschrei- as blei- 63. Wenn nicht mit dir, o Cogniac, sie ver mengt; Najade aus den phlegethon'schen Bächen, Warum die Leber so von dir bedrängt Warum, wie andre Nymphen, deine Buhler schwächen? Ich wählte dünnen Punsch, allein der Rack, Wenn mich einmal verleitet mein Geschmack, Und Mitternachts ich ein Paar Gläser wage, Weckt mich am Morgen mit des Kopfweh's Plage. 54. Und so verlass' ich Juan jetzt, am Leben, Doch krank, der Arme litt an Wundenschmerz; Zur Hälfte mochte sich sein Körperleid er- heben Von dem, was preſfste seines Mädchens Herz. Nicht Eine sie, die weint, und ras't, und schreyt, 122 Besiegt dann weicht, weil sie ringsher um- geben! Aus Fez war ihre Mutter, eine Mohr'sche Maid, Wo sich nur Eden, oder Wildniſs beut. 55. Der hohe Oelbaum schüttet dort den Am- braregen In Marmorbecken, Blumen, Obst und Saat Beladen dort das Land mit üpp'gem Segen, Doch mancher Ciftbaum auch dort Wurzel hat. Dort füllt die Nacht das Leugebrüll mit Schrek- ken, Sengt des Kameles Huf der Wüste Sand, Und hebt sich, arme Caravanen zu bedecken— Das Herz des Menschen gleicht dem Land. 56. Der Sonn' ist Afrika, und angezündet Wie das Geländ', ist dort der Mensch; für Cut Und B Mohrise Und g Der M Dem Doch Ihr Wie O Bis, 1 Entset- Bisher Doch Die F Wie d zel hat. Schrek- ken— ad. ür Cut 123 Und Böses stark, von Anbeginn in Gluth, Mohrisch Geblüt sich dem Planetenstand ver- bündet, Und gleich dem Boden pflegt es Frucht zu zeugen. Der Mutter Hab' in Lieb' und Reiz bestand, Dem schwarzen Blick war Leidenschaftgluth eigen, Doch schlafend, wie ein Leu am Quellen- rand. 57. Ihr Kind, umglänzt von sanft'rer Milde, Wie Sommerwolken, silbern, zart und schön, Bis, langsam voll, sie donnernd dem Gefilde Entsetzen spenden, und der Luft Gedröhn; Bisher war's seinen stillen Weg gegangen, Doch von Verzweiflung übermannt und Gluth Die Flammen aus den Lib'schen Adern spran- gen, Wie dürre Au'n ſegt des Sirokko's Wuth. 124 58. Juan's Geblüt ist's, was zuletzt sie schaut, Zerhau'n er und bewältigt durch die Vielen; Sein Blut, es strömet auf denselben Dielen, Wo jüngst er stand, ihr Eigenthum, ihr Traut. So viel sah flüchtig sie; nichts mehr hernach, Ihr Ringen endete mit schwerem Ach; Sie sank auf ihres Vaters Arm,(der kaum Bis jetzt sie festhielt,) wie ein Cederbaum. 59. Gesprengt war eine Ader, und der Lippen Roth 2) Des Blutes Drüberfliefsen überlegte; Ihr Haupt bog sich, wie eine Lilie, todt Durch Güss', es trugen die gerufnen Mägde Die Herrin auf das Bett mit nassen Blicken, Begannen sie mit Tropfen, Kräutern zu be- schicken; Doch allen beut sie Hohn, was man ihr bringt, Wie eine, die mit Tod und Leben ringt. So b Nicht 1 Noch sd Kein g Verwes In jede So seele Zu reic Die: Mit Ku Dochs Ueber 60. So blieb sie Tage wechsellos; oh kalt, Nicht leichengelb, die Lippen annoch roth; Noch schien sie lebend, ob kein Puls mehr wallt, Kein gräſslich Zeichen hiefs sie wirklich todt. Verwesung kam nicht, daſs all Hoffen sie ver- nichte In jeder Brust, auf ihrem Huldgesichte, So seelenvoll, erstarkte neuer Lebensglaube, Zu reich sie! Nicht der Erd' all diefs zum Raube! 61. Die rege Leidenschaft, wie sie der Marmor deutet, Mit Kunst gemeiselt, lag noch immer dort, Doch starr, wie sie des Marmors leblos Ansehn breitet Ueber die schöne Venus, schön doch immer- fort 126 Ob des Laokoon all' ew'ge Pein, Des immersterbenden Gladiators Mienen; Ihr Ruhm allein, dafs Kraft— gleich Leben ihnen, Doch Leben nicht, sie müssen stets dieselben seyn. 62. Sie wacht— doch nicht wie Schlafende er- wachen, Wie Todte mehr, das Leben schien ihr neu; Ein Schmerzgefühl, das sie aus Zwang er- tragen Mufs, kein Erinnern dessen, was vorbey Das Auge ging; doch schwere Qualen la- gen Auf ihrem Herzen, dessen erster Schlag, noch treu, Das Weh, doch nicht den Grund, zurückge- bracht, Denn kurz Verzich'n ward von den Furien ge- macht. Auf m Auf man Sie sah! Achtlos Nicht s. Erleicht' Und frud Aufser d Sie ac Der Vat Kein W Ob wert Man wes Leben 'selben Me er- neu; ng er- en la- „noch rückge- ien ge- 127 63. Auf manch Gesicht sah kalt ihr Aug' herum, Auf manches Zeichen, ohn' etwas zu wissen; Sie sah bewacht sich— fragte nicht warum? Achtlos auf die, die safsen um ihr Kissen, Nicht sprachlos, ob sie schwieg, kein Seuf- zen gab Erleicht'rung ihrem Innern, Red' und Schweigen Und fruchtlos von den Frau'n erprobt, kein Zeichen, Aufser dem Odem, daſs sie nicht im Grab. 64. Sie achtet's nicht, als Pfleg' ihr ihre Frau'n bereiten, Der Vater wacht— sie kehrt den Blick hin- weg; Kein Wesen kannte sie, und keinen Fleck, Ob werth und liebgekos't in bessern Zeiten. Man wechselt Zimmer— alles ist ihr vernichtet, 128 Sanft, aber ohn' Erinn'rung lag sie da, Und doch der Blick, den man so gern gerichtet Auf früh're Bilder— Böses deutend sah. 65. Zuletzt war eins auf Harfenspiel gefallen, Der Harfner kommt, und stimmt sein Instru- ment, Und bey den ersten planlos schrillen Hallen, Kehrt augenblicklich sie sich hin behend, Dann dreht sie sich zur Wand, um sich zu schützen Vor Schmerzgedanken, die auf's neu' ihr Herz durchblitzen, Und er begann ein lang tief Insellied Von alter Zeit, eh' Tyranney entschied. 66. Gleich schlugen ihre hagern Finger an der Mauer Den Takt zur alten Weis'; ein andrer Sang— Er singt Durchbe Sie, was So seyn Aus ihre Wie we Verge Und trie Als ob s Und stuü Doch nie Ob dem Ein Wah Als man erichtet 1. llen, Instru- Hallen, d, sich zu ar Herz an der Sang— 129 Er singt von Liebe! Dieses Wortes Schauer Durchbebt ihr Inn'res, deſs ein Traum durch- drang Sie, was sie war— und ist! wenn anders heiſst So seyn mit Seyn, es stürzt ein Strom von Zähren Aus ihrem Hirn, von Wolken dicht umkreis't, Wie wenn sich Bergesdünst' in Regen kehren. 67. Vergebner, kurzer Trost! Zu schnell kam der Gedanke, Und trieb ihr Hirn zu Wahnsinn, sie stand auf, Als ob sie nie gewesen eine Kranke, Und stürzt' auf All', als wären's Feind', im Lauf. Doch niemand hörte sprechen sie und schrey'n, Ob dem gleich nah ihr Anfall mochte seyn. Ein Wahnsinn war es, der verschmäht zu wüthen, Als man sie schlug selbst, hoffend, so sie zu behüten. 1 102. 68. Doch öfters schien Verstand sie auszudrücken, Durchaus mied sie des Vaters Angesicht, Auf And'res starrte sie mit langen Blicken, Es zu erkennen doch, vermag sie nicht. Nahrung und Anzug weis't sie fort, dazu N Bringt sie kein Müh'n; es gab kein Tausch der In's Gr Zimmer, Zweig, Nicht Zeit, nicht Kunst und nicht Arzney für Ruh, Des Ab Ihr Sinn, die Macht schien ihr geraubt aufimmer. 69. So zehrte sie zwölf Tag' und Nächte; endlich Von Scl Ohn' Aechzen, ohne Seufzer, ohne Blick, der weis't Zu trag Auf Todeskampf, entfloh dem Leib der Geist. Das käl Jedoch den Wächtern allen war nicht kenntlich Durch Das wahre Ende, bis der Wechsel, der Wohl Umwölkt das Huldgesicht, langsam und düster, Erstarrt' ihr schwarzes Aug', so schön und hehr, Nicht 1 Nun ach, verloschen das so reiche Lüster! Ihr das drücken, t, ken, 2u usch der für Ruh' fimmer. endlich ick, der Geist. enntlich T düster, nd hehr, ter! 131 70. Sie starb, doch nicht allein— ein zweytes Wesen Umschloſs sie; eines Kind's der Sünde, schön Und sündlos, wäre nochmals sie genesen, Nun muſfste vor dem Lichtschau'n es vergeh'n. In's Grab sank's ungeboren, dort verwesen Zweig, Blüth'— auf Eins geknickt vom Föhn! Des Abendhimmels Thau vergebens sucht Der Liebe blut'ge Pflanz' und welke Frucht. 74. So lebte, starb sie! Frey für alle Zeiten Von Schand' und Kummer! Sie war nicht ge- macht, Zu tragen langer Jahr' und Monden Leiden, Das kältre Herzen dulden, bis zu Grab gebracht Durch Alter, ihre Tag' und Seeligkeiten, Wohl kurz, doch wonnig! Wie des Schicksals Macht Nicht lang' ihr lassen konnte; Ruh' ertheilte Ihr das Gestad, wo einst so gern sie weilte. 72 72. Das Eyland ist verlassen jetzt und öde, Die Häuser nieder, die Bewohner fort, Nur ihr' und ihres Vaters Grabesstäte; Doch deutet nichts auf Menschenasche dort; Wo liegt so Schönes— nichts, was Kunde böte, Kein Stein ist da, der zeugt, es sagt's kein Wort, Kein Trauerlied, nur dafs des Meers Gestöhne Beweinet der Cykladen todte Sehöne 73 Doch ihrer denkend seufat im Liebessange Manch Griech'sche Jungfrau; mancher Inselmann, Vom Vater sprechend, täuscht die Macht, die lange; Mit Stärk' er, sie mit Schönheit angethan. Sie zahlt' es, folgte sie zu raschem Drange, Der Sünde hanget schwere Büfsung anl Wies’s sey, Keins glaube, daſs es fahrlos bliebe— Sich selber rächt früh oder spät die Liebe.— Zu An Den Leie Nicht ge Aus Fur Auch wel Und da So lenk Mit Juan Mit V Verginge In seine Und als Sechs K ort; le böte, Wort, estöhne sauge lmann, ht, die an nge, liebe— ebe.— 133 74. zu Anderm doch, weil dieſs zu traurig wird; Den Leidensbogen hin zum Bücherschreine! Nicht gern beschreib' ich die, die Wahn ver- wirrt, Aus Furcht, dafs angesteckt ich selber scheine; Auch weiſs ich drüber weiter nichts zu sagen, Und da mein Mus'chen äufserst laun'scher Art, gSo lenk' ich um, zu einer neuen Fahrt Mit Juan, den ich oben lieſs halb todtgeschlagen 7 Mit Wund' und Fesseln, fest versperrt, 8e bunden, Vergingen ein’ge Tag' und Nächt, eh er In seinem Denken sich auf's neu' zurecht ge- funden, Und als es nun geschah, fand er sich auf dem 1 Meer; Sechs Rnoten vor dem Wind ging's alle Stun 134 Dort unterm Wind ragt' Ilions Küste her, Wohl lieb zu sehen ihm zu andrer Zeit, Jetzt ward er durch Sigäum nicht erfreut. 76. Dort ist auf dörflich grünem Berggebiete, Woran der Hellespont, das Meer sich bricht, Der Helden Held begraben, der Pelide, Man sagt so;(aber Bryant widerspricht) Und weiter abwärts, hoch und thürmend, ragen Die Hügel— welcherf Cott weiſs das! Vielleicht Patroklus, Ajax's, des Protesilas', Helden, die, lebten sie, uns würden All' er- schlagen. 77. Grabhügel ohne Marmor, ohne Nahmen, Ein weiter öder Plan, mit Bergesrahmen, Und fern der Ida, immer noch sich gleich, Auch blieb(ist er es) weiland der Skamander, Die Lag' Noch kär Bequem; Da gras Das W Ein kleit Ein Hir- Die Eur Ihr Sche Ein Tür Vertieft Das far Don Aus sei e⸗ cht, ragen „* 5 7 l' er- 135 Die Lag' ist noch gemacht dem Ruhm zum Steig, Noch kämpften Hunderttausend miteinander Bequem; doch wo ich suchte Troja's Stäte, Da gras'ten Schafe, kroch die Meerschild- kröte; 78. 5 Das wilde Pferd in Truppen, hier und dort Ein kleines Dorf, deſs Nahmen widrig schnarret, Ein Hirt,(kein Paris) der Moment' anstarret Die Europä'sche Jugend, welche zu dem Ort Ihr Schulbankfühlen hingedrungen, Ein Türk', mit Rosenkranz und Pfeife, sehr Vertieft in seine Betübungen— Das fand ich dort— doch Teufel nicht von Phrygier! 79. Don Juan, dem zu schlüpfen hier gestattet Aus seinem Kerker, fand, dafs Sclave er! 136 Trostlos hinblickend auf das tiefe blaue Meer, Von manches Helden Crab dort überschattet, Noch schwach vom Blutverlust— kaum eine Frage Vermag zu stottern er, und was er hört, Ihm kein befriedigendes Licht gewährt Für seine frühere und jetz'ge Lage. 88. Er sah noch Mitgefang'ne, Welsche schie- nen, Wie sich's auch später zeigte, sie zu seyn; Da hört' er mind'stens, was begegnet ihnen, Und das war sonderhan sie gingen, zu er- freu'n Durch Spiel Sicilien, Sänger, gut erzogen Zu ihrem Fach; kein Raubschiff brachte auf Die Segler von Livorno auf geneigten Wo- gen, Der Unternehmer gab sie wohlfeil zu Ver- kauf. 3) Von Erfuhr Obgleic Blieb fraä Der Mut Durch Besiegene Die Prin Er sa „Seht, u Gab au aRief e „Wir w Kein G Doch Soll u eer, tet, eine 81. Von Einem(dieser Truppe Harlekie) Erfuhr Juan, wie's eben stand mit ihnen; Obgleich dem Türkenmarkt bestimmet sie, Blieb fröhlich der, so wenigstens an Mienen, Der Muth des kleinen Kerls blieb ohne Lähmen, Durch Lust und Anmuth that er sich hervor, Besiegend durch sein männliches Benehmen Die Prima Donna, wie auch den Tenor. 83. Er sagte kurz ihm ihren Unglücksfall: „Seht, unser Macchiavell'scher Impresario „Gab auf den Höhen eines Caps Signal, aRief einer fremden Brigg: Corpo di Cajo Mario! „Wir wurden über Kopf an Bord gebracht, Kein Groschen von Salar ward ausgemacht, Doch wenn dem Sultan Lust Gesänge geben, „Soll unser Glücksstern bald sich wieder heben 138 83. „Die Prima Donna, sieht sie auch schon ält. lich aus, „Und hälfslich durch manch liederlich Betreib- chen, „Und ist gleich schupfig, wenn zu leer das Haus, „Hat manchen guten Ton; des Tenoristen Weib- chen „Ist, taugt die Stimm' auch nichts, hübsch an- zuseh'n, „Letzt Carneval gab sie zu Streit' Entsteh'n: «„Sie zog von einer alten Fürstin in Bologna „Zu sich den Grafen Cesare Cicogna.* 84. „Und dann die Tänzerinnen! Da die Nini, „Die stets erwirbt durch mehr als ein Geschick; „Da ist das lustge Ding, die Pellegrini, „Sie macht' am letzten Carneval auch Glück! Sie bracht' auf tausend Thaler den Gewinn! Die Die and „Die Ein Jedoch „Aus ihr Um s0 Die I Der Mr Doch g. 139 „Doch, schnell verthan, hat jetzt sie keinen ält. Dreyer; „Dann die Groteska, eine Tänzerin!! reib-„Der MännerSeel' und Leib— sie fangen Feuer.“ das 85. Veib-„Die Figuranten— nun sie sind gleich allen „Dergleichen Volks, ein hübsches Wesen dort h an.„Und hier, das mag vielleicht gefallen, „Die andern kaum fär einen Messenort „Die Eine, wie ein Pfahl, noch steifer, Jedoch etwas Sentimentales spricht „Aus ihr, das wäre gut! Doch tanzt sie nicht mit Eifer, Um so mehr Schad' um Wuchs und um Ge- sicht. 86. „Die Mannspersonen sind ein Mittelschlag, ück!„Der Musikus, ein alt zerbrochnes Becken; „Doch ganz besonderer Zurichtung nach, 140 „Kann man ihn füglich in'’s Seraglio stecken, „Dort kann er Voraug haben als ein Knecht, Wozu ihn kaum berechtigt mehr seih Gir- ren;«Verdi „Drey wackre Stimmen aufzuſinden im dritten Geschlecht, „Das jährlich schafft der Pabst, würd' uns ver wirren! 4) „Die Stimme des Tenors verdirbt Cezier,„Ceht „Den Bafs betreffend, brüllet nur das Thier! Auch hat er Sang-Erziehung nicht gefun- den, „Ein dummer Stümper, ohne Takt und Klang, „Der Prima Donna als Sippe doch verbunden,«Bald „Die schwur, sehr voll und lieblich sey sein„Ein hi Sang;. „Sie nahmen ihn, doch solltet Ihr ihn hören, Anmut «Nicht „Ihr wündet, dafs ein Esel blöcke, schwören-. 141 8 cen, 8 ht,«Nicht schicklich wär's, erwähnt' ich selber Gir- meiner „Verdienst’, und ob Ihr jung, doch merk icl tten gleich, «Ihr seyd gereis't, mein Herr! Ihr seht, wie s ver Einer, «Dem Opern nicht ein unbekanntes Reich! Von Raukokanti hörtet ihrn?— Der Mann bin ich!. „Die Zeit wo Ihr mich hört, kommt sicherlich. „Seyd Ihr vor'm Jahr zum Luger Markt gekom- menb? r—.... —„Geht hin, wenn nächst ich dort in Sold ge- ere nommen gefun- 89 lang, 1 den„Bald hätt' ich unsers Barytons vergessen! Sein„Ein hübscher Mensch, doch ganz von sich be- 6 sessen! ren«Anmuth'’'gen Wesens, aber kenntniſslos; ren. Nicht lieblich ist die Stimm’, und ohn’ Um- fassen; 142 Er klagt ohn’ Unterlaſs ob seinem Loos, «Auch taucht er zu Balladen kaum auf Gassen! „Und Wirkung als Liebhaber zu erreichen, Pflegt er die Zähn', ihm fehlt das Herz, zu zeigen!!* 90. Hier wurde Raukokants Beredsamkeit Gehemmet von dem Räuberschwalle, Die nieder zu dem traur'gen Schiffraum alle Gefang'ne trieben zu gesetzter Zeit. Sie blickten traurig auf die Meerfluth, wie so helle! Vom Himmel doppelt Blau ihr aufgedrückt, Sie hüpft' im Sonnenstrahl, wie fröhlich und beglückt— Dann stiegen einzeln sie zur düstern Stelle. 91. Sie hörten Tags d'rauf, in den Dardanellen, Bis käm' von Seiner Hoheit der Firman, (Der st Jeder u Da soll Sie meh Geschlo Als Scle Nun Von Fr- Die ma Ob der Gab ma Zusamn. Ist Juar Ein Pas assen! en, z, zu ellen, (Der strengste unter fürstlichen Befehlen, Jeder umgeht ihn, wer es irgend kann) Da sollten Weib an Weib, und Mann an Mann, Sie mehr zu sichern in den Schiffraumzellen, Geschlossen werden, und verkauft so Paar und Paar Als Sclaven nun auf Stambuls Haupt-Bazar. 92. Nun traf sich's, dafs, als man zum Loos ge- schritten, Von Frau'n und Männern Eines überley, Die man(nachdem gezweifelt und gestritten, Ob der Sopran als Mann zu rechnen sey, Gab man den Weibern ihn als Wachehalter) Zusammenband; der Mann— wie seltsam nicht!— Ist Juan, der, kein Spaſs in seinem Alter, Ein Paar ward mit bacchant'schem Huldge- sicht. 93. Zum Unglück ward mit Raukokanten Gebunden der Tenor; die zwey entbrannten D In Hafs, wie nur die Bühne hat! Mehr Qualen bot D Der Nachbar jedem, als die eig'ne Noth. 0 Viel Zank entstand, die Feindschaft ging so 4 weit, Daſs, statt zu tragen mit Gelassenheit,( Ein jeder fluchend riſs zur andern Seite; E Arcades amboz» id est, Schurken beyde 94. Juans Cenofs war eine Römeriu, Erzogen in der Mark von Altancona; Mit Augen, die bis in die Seele sprüh'n, (Nebst andern Stücken einer bella donna*) Hell, brennend, und so schwarz wie Rabe, Verlangen sprach aus bräunlicher Gestalt, Zu fesseln— eine zauberreiche Gabe! Zumeist, wenn sie vereint mit Reizgewalt. 145 95. Doch alle Macht verschwendet ohne Nutzen! Die Sinne hielt ihm fest des Kummers Band. Das seine schwieg, wie ihre Augen blitzen; Ob so gebunden, dafs von selbst die Hand An seine rührt— nicht sie— kein andres hüb- sches Glied, (Sie hatte viel, wo schwer zu widerstreben) Erregt ihn, oder irrt sein treu Gemüth; Es mochten seine Wunden Beystand geben! 96. Gleichviel! Wer wird so auf den Grund auch stören! Wahr bleibt doch wahr, kein Ritter gab mehr Treu, Kein Liebchen kann mehr Festigkeit begehren, Wir übergeh’n Beweis' auf einen oder zwey. DMan sagt, es halte niemand glühen Brand Gedenk des eis'’gen Kaukas in der Hand; Doch manchmal! Dann gereichte Juans Probe, Sehr wenig leichter, ihm zu gröſs'rem Lobe 102. K 146 97. Hier könnt' ich eine keusche Schild'rung geben, Da ich, als Jüngling, in Versuc hung treu; Doch hör' ich, dafs sie Widerspruch erheben 4 1 Zu Den ersten beyden Büchern— als zu frey; D .. 2„. 8 Drum schiff' ich aus bald möglichst Don Juan, W Denn mein Verleger sagt im Ernst mir an, In Dafs ein Cameel durch's Nadelöhr eh dränge, Als in Familien jene zwey Cesänge. 98 Mir alles recht, ich thue, was Ihr wollet! Den reinern Schriften überlass' ich Euch Von Prior, Ariosto, Fielding, Smollet, So reiner Zeit oftmals verfänglich gleich! Einst schwang ich meinen Kiel mit Lust als Wehr, Ich liebt' und suchte gern poet'sche Fehde, Ich weifs die Zeiten, wo all diefs Gerede Ich abgefertigt hätte!— Jetzt nicht mehr! 2288 147 Wie Knaben Kriege, liebt' als Knab' ich Streite, Zur Stunde wünsch' in Frieden ich zu geh'n, Der Wuth sie lassend der gelehrten Leute; Will das Geschick den Sangruhm mir verweh'n, Indem der Hand, die schrieb, noch bleibt die Macht; Ob ein'ge hundert Jahr' ich nehm' in Pacht— Das Gras auf meiner Gruft wächst d'rum so lang, Und seufzt der Nachtluft, doch nicht dem Gesang. 100. Bey Dichtern, Pfleglingen des Ruhms, die auf uns kamen, Durch Sprach' und Zeit fern, ist das Leben nur Von ihrem Daseyn eine kleine Spur; Wo ganze Alter steh'n bey einem Nahmen, Cleicht er dem Schneeball, der von jeder Flocke sich 148 Vergröſs'rung nimmt stets unveränderlich; Und stieg' er auf zu eines Eisbergs Höh’— Er ist doch weiter nichts, als kalter Schnee! 101. Und so sind grofse Nahmen nichts als Halle, Und Ehrbegier ist eine Freud' an Luft, Die oft in ihrer Wuth zurückläfst Alle, Die ihren Raub entzögen gern der Gruft, Und der Zerstörung, welche, schlingend stets hinab, Nichts läfst als Wandlung, bis das Recht' er- scheinet. Ich hörte, stehend auf Achilles' Grab, Troja verneint— die Zeit vielleicht einst Rom verneinet! 102. All die, die von der Todten Stamm' entsprangen, Sie sind dahin, und Grab ererbet Grab, Bis das Gedächtniſs einer Zeit vergangen, Und sie, versenkt, Raum ihrer Nachkunft gab. 149 Die unsre Väter lesen— wo die Epitaphe? Nur wen'’g' entrissen dem Begräbniſsschlafe, Der tausend, einst berühmt, umhüllt— die ihren Im allgemeinen Tode sich verlieren. 103. alle,. Zur Stelle trab' ich jeden Nachmittag, Wo voller Ruhm der Heldenknab' erlag, De Foiæ; für Menschen ein zu langes Leben Wardihm; zu kurz für menschlich eitles Streben; Eine verfall'ne Säule, hübsch gehauen, (Allein Nachlässigkeit ruft den Ruin) Läſst uns Ravenna's Blutbad schauen, RNom Indem den Fufs Unkraut und Koth umzieh'n. ³) ainab, at' er-. 104. Ich gehe täglich, wo Dante begraben; angen, Ein Kuppelchen, mehr nett als ernsterhaben, Beschützt den Staub; doch Achtung zollt man hier . Des Barden Grab, der Säule nicht des Helden t gab. Die Zeit kommt einst, wo beyde sie zerschellten, 15⁰ Des Dichters Schriften, und des Kriegers Zier, V Und zu den Kriegern und Gesängen gehen So Vorm Tod Achilles und Homers Entstehen. St 106, 1 Sc Die Säule war geleimt mit Menschenblut, Jetzt ist mit Menschenkothe sie beklecket, Als lieſs sich aus des Landmanns roher Muth, Zu zeigen Abscheu dem, was er beflecket; Vo So geht's dem Denkmal; und diefs Klaglied nur All den Blutdürstigen, durch deren wilden Ehrsucht«und Mord» Drang, Qual die Erd'erfuhr, Wie Dante sie nur sah in höllischen Cefilden! 106. Doch stets wird's Dichter geben, ist Ruhm gleich Rauch, 1 Als Weihrauch lobt sein Dampf des Menschen. Sinne, Die tobenden Gefühle, die seit Anbeginne Gesang erschufen, thun's in Zukunft auch. 191 Wie sich am Strande bricht der Wogen Kraft, So, wenn die Leidenschaften jach sich heben, Stürzen in Dichtung sie— die auch nur Leiden- schaft, So mind'’stens, eh' sie ward zum Modestreben. 107. Wenn Männer— die durchlebet eine Zeit, Voll von Betrachtung und Begebenheit, nur Auf aller flächt'gen Leidenschaften Flügel— Die hohe traur'ge Macht empfah'n, zu geben, fuhr, Was sie geschauet, wie in einem Spiegel, den! Und so gefärbet, daſs es scheint zu leben: Recht, wenn ihr wollt: sie zeigen solches nicht! Doch fürcht' ich, ihr zerstört ein hübsch Gedicht. 108. chen. Ihr Schöpferinnen aller Buchgeschicke, Blauaugen, Schön' im anderen Geschlecht, b Die künden neue Dichtungen durch Blicke— Wie Stehts um Euer Imprimatur schlecht? 152 Maſs zu vergefs'nen Kochfrau'n ich hinein?(C Die gern die Wrecke des Parnasses plündern? D Ach, mufs ich denn der einz'ge Sänger seyn, Ur Den an kastil'schem Theetrunk Ihr wollt hindern? Un 4 109. Wie, kann ich nicht als Leu mich zeigen länger? Als Euer Närrchen, Liebling, Ballsaalsänger? Und mancher Schwätzerin Lobspruch Empfänger? 2 Der seufzt,«ich kann nicht raus* wie Yoricks 11 Staarb D So will ich schrey'n, wie Dichter Vordy schrie, (Weil der stets Närr'sche ohne Leser war) Geschmack ist hin, Ruhm blose Lotterie, Gezogen von Blauschleppen einer Cotterie! 110. O Ihr atief, dunkel, lieblich Blauen!“ Wie jemand singt im weiten Weltbereich, 4 Und ich, gelehrte Frau'n, ich sag's von Euch! Eur' Strümpfchen(raunt man) sey so blau zu schauen, 153 (Gott weifs, warum s So farbig hab' ich keine Durchforschet) als das Hosenband, das schön Umfängt des hohen Adels linke Beine, Und glänzt bey mächt'’gen Mahlen und Leveen 111 Manch’ unter Euch weicht einem Seraph nicht Doch— andre Zeiten!— Ein poet'scher Lieber— Ihr meine Vers'’, und ich läs' Eu'r Gesicht— Doch, lafst es gut seyn! Alles ist vorüber. 4 Dafs ich zuweilen an gelahrten Frau'n noch hange— Oft wohnt in ihnen eine Welt voll Tugendglanz! Ich kenn' aus dieser Purpurschul ein Weibchen lange, So lieb, so keusch, so gut— doch Närrin ganz 112. * 1 uch! Humboldt, der Erste Reisende,“ der Letzte u zu nicht, Darf man vertrau'n manch neuerem Bericht 154 Erfand— wie er es hieſs, hab' ich vergessen, Wie auch den Tag, wo er das Hohe fand— So ein Luftinstrument, mit dem, durch Messen, Er Kund' erhielt vom atmosphär'schen Stand, Abmaſs er«die Intensität vom Blau,“ Dich lafs mich messen, Daphne, schöne Frau!*⁴) 113. Doch zur Erzählung! Das Schiff mit seinen Sclaven, Die in die Hauptstadt sollten zum Verkauf, Soll liegen, nach gehör'gem Lauf, Nah bey den Mauern des Serails im Hafen. Man schafft, die Quarantaine ward erlassen, Die ganze Ladung auf den Markt an's Land, Wo mit Georgiern, Russen und Cirkassen, Man sie zu Brauch und Lustbegehr erstand. *) Man vergleiche den Beppo, St. 74 nebst der Anmer- kung daselbst. inen amer- 114. Oft theuer! Funfzehnhundert Thaler ward für eine Cirkasserin, ein hüßsches Kind, gezahlt, Befund'ne Jungfrau. Aller Glanz des Himmels strahlt' In ihrer Schönheit sonnenlichtem Scheine. Ihr Kauf war wider ein'ger Schreyer Plan, Die, bis die Hundert elf erreichten, stiegen, Jedoch als mehr geboten wurde, sah'n Sie, dafs es für den Sultan sey, und schwiegen. 115. Zwölf Neg'rinnen aus Nubien bringen jetzt Ein Geld, Westindien würde kaum es geben! Macht' auch zweymal dort Wilberforce zuletzat Sein Glück vor dem Verbot;— nicht zu ver- wundern eben! Das Laster ist freygeb'ger als ein König; Die Tugenden, und selbst Barmherzigkeit, Die hochgespannteste— sie zahlen wenig, Laster spart nichts für eine Seltenheit! 156 146.— Doch wie der jungen Trupp' es hier erging, Wie Eines kauft' ein Pascha, Eins ein Jude, Wie Einigen man Lasten überhing, Und Andre standen unter strenger Ruthe Der Renegaten; weil in bangen Haufen, Daſs nicht ein ältlicher Vezier sie mög' erkaufen, Die Frauen standen, und folgten einzeln hin Als Opfer, viertes Weib, Beyschläferin; 117. ¹ All dieſs verbleibt dem folgenden Gesang; Auch unsers Helden Loos, wie unerquicklich, sc (Weil dieser Canto fast etwas zu lang) Bescheiden tritt zurück er augenblicklich; Ein Fehler liegt, weiſs ich, im Ueberley’n, Doch konnt’s nicht, ob der Muse, wen'ger seyn. So schieb' ich auf das Weit're vom Don Juan, Bis, was bey Ossian heifst der fünfte Duan. D 197 —.————-————⸗—-—ℳq ꝛℳH˖m— ng, le, 4 Anmerkungen zum vierten Gesang. ifen, in ¹)[Stanze 12. Früh stirbt der Cottgeliebte, laut 5 der Alten. 8; Siehe Herodot(bey der Erzählung der Ge- ich schichte von Cleobis und Biton.) 2) Stanze 59. 2 Gesprengt war eine Ader. Sn Das ist keine eben seltne Folge der Heftigkeit lan, 4 verschiedenartiger stürmischer Leidenschaften. 1. Da der Doge Franz Foscari bey seiner Absetzung im Jahr 1457 die Glocken von St. Markus die Wahl seines Nachfolgers verkündigen hörte, il mourut subitement d une héemorragie causée par 158 une veine, qui s' éclata dans sa poitrine,“(S. Sis- mondi und Daru Vol. I. und II.) in einem Alter von 80 Jahren, wo«Wer hätte gedacht, dafs der alte Mann so viel Blut hät- tebo Eh ich 16 Jahr alt war, war ich Zeuge eines traurigen Beyspiels derselben Wirkung mehrfacher Leidenschaften auf ein junges Mäd- chen, die, ob sie gleich daran nicht sogleich starb, doch einige Jahre nachher ein Opfer des- selben Zufalls wurde, der aus Ursachen, sehr eng mit Cemüthsbewegungen verwandt, entsprang. 3) Stanze 3o. Der Unternehmer gabsie wohlfeil zu Verkauf. Diefs ist Thatsache. Vor einigen Jahren en- gagirte ein Mensch eine Gesellschaft für ein auswärtiges Theater, schiffte sie in einem Italie- nischen Hafen ein, und nach Algier steuernd, verkauft' er sie dort. Eine der Frauen, aus ih- rer Gefangenschaft zurückgekehrt, hört' ich durch ein seltsames Zusammentfeffen in Rossini's Oper T' Italiana in Algeri, zu Anfang des Jahres 1817 in Venedig singen. L Rav jens Ga. dari Ma und 159 Sis- 4) Stanze 86. lter ht. Drey wackre Stimmen aufzufinden, b5 t- im dritten Geschlecht. euge 1 Das jährlich schafft der Pabst, würd ung uns verwirren Mäd- Seltsam, dafs der Pabst und der Sultan die eich seyn sollen, welche besonders zu diesem Han- des. delszweige aufſmuntern, da Weiber als Sänge- sehr rinnen in der Peterskirche nicht zugelassen, und lang. als Haremswächter nicht des Vertrauens werth geachtet werden. 1 5) Stanze 103 Indem den Fufs Unkraut und Koth zu. umziehen Die Säule zum Andenken an die Schlacht von en- Ravenna, ist ungefähr 2 Meilen von der Stadt. em jenseits des Flusses auf der Strafse nach Forli. alie- Gaston de Foiæx, der die Schlacht gewann, ward rnd. darin getödtet, auf beyden Theilen fielen 20000 s ih- 4 Mann. Der gegenwärtige Zustand der Säule urch und ihre Umgebung ist im Texte beschrieben. —— 4— 1 1 ——