.,.-— bliothe Leihbi * deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von 6 Eduard Otftmann in Gießen, 3 Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Ceſebedingungen. 8 ¹ 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 5 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen B ſ jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe d 2 . . Buches wird von 4 Tages iſt zu 24 Stun 1 hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus beträgt:. 4 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 3 auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Nr 50 Pf. 2 Mr. Pf. „ 3 2 3 4 bezahlt werden und 5„—„ 5 1„—„„—„ 18 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und f d defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ ſſ lorene oder defecte Buch ein Theil eines gröͤßeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verp flichtet. „7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird ſ.) beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen — der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſe ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 2——— A,— 2 ——— imme tattet und dlt— 2 72 .Fl, 7 X 3 —71 7 Taschenbibliothek d er ausländischen Klassiker, i n neuen Verdeutschungen. Nꝰ. 26. Byron's Poesien. Zwölſtes Bändchen. Lord Byron's Doesien. Zwölftes Bändchen. Ritter Harold's Pilgenfahrt., Vierter Gesang. Uebersetzt von J. L. Witthaus. 2öAöͤ-—OA— Z wickau, im Verlage der Gebrüder Schumann. 1822. —ęBV—VBAAee—AA—:ͤnnA Beschluss der Anmerkungen. 0 «Die all, die sein Gehöhnet, blendet, Crusca's Donnerer, Und Boileau, dessen Neid nicht litt,» u. s. w. Stanze 38. Z. 6. u. 7. Vielleicht dienen die beyden Verse, in wel- chen Boileau Tasso heruntersetzt, so gut, wie jede andre Probe dazu, die gceäusserte Meynung über die Harmonie des Französischen Verses zu rechtfertigen: A Malerbe, à Racan préſerer Theophile Et le elinquant du Tasse d tout T'or de Zirgile. Sat. IX. vers 176. Der Biograph Serassi*) bemerkt aus Zärtlich- keit fär den Ruf des italienischen oder franzö- d sischen Dichters, sorgfältig, der Satyriker habe r. diesen Tadel widerrufen oder wegerklärt, und m folglich den Verlasser des Jerusalems für einen w gerhabenen, groſsen und glücklich für den hö- d hern Flug der Dichtkunst geborenen Genius* p. erkannt. Wir wollen hierauf antworten, dafs A Widerrufung fern von Genugthuung ist, wenn un wir die ganze Anekdote so, wie sie Olivet be- so richtet**), prüfen. Das von Bohours über ihn 10 — de ur *) Histoire de l'Académie Frangoise depuis 1652, jus qu'à 1700 par l'Abbé d' Olivet, p. 181, edit. d'Amsterdam, 1730.«Mais, ensuite, venant à l'usage qu'il a fait de ses talens, j'aurois montré que le bon sens n'est pas toujours ce qui domine chez lui.“ p. 182. Boileau sagte, er habe seine Meynung nicht geändert.«Ich habe mich darin so wenig geändert, sagte er,“ u. s. W. S. 161. **½) La manière de bien penser dans les ou- vrages de l'esprit sect. dial. p. 39. edit. 1692. — 7 - ausgesprochene Urtheil ist nur zur Verwirrung der Kritik erwähnt, deren palinodia(Wider- be ruſe) der Italiener sich nicht zu entdecken be- d müht und vielleicht nicht einmal annehmen en würde. Was den Widerstand betrifft, welcher ö- dem Jerusalem von der Akademià della Crusca lus 4 begegnete, die, Tasso alles Wettstreits mit aſs Ariosto unwürdig erklärend, ihn unter Bojardo nn und Pulci setzte: so muſs die Schande eines be- solchen Verfahrens auch einigermafsen auf Al- hn fonso und den Hof von Ferrara geworſen wer- den. Denn Leonard Salviati, der vornchmste und beynahe der einzige Urheber dieses An- . Philantes ist für Tasso, und sagt im An. ns, fange:«de tous les beaux espri que l'Ita- Pas lie a portés, le Tasse est peut-èêtre celui qui 82. pense le plus noblement.“ Aber Bohours. cht scheint im Eudoxus zu sprechen, der mit ni8 der albernen Vergleichung schlieſst:«Faites valoir le Tasse tout qu'il vous plaira, je ou- m'en tiens pour moi à Virgile,“ eic. ibid. p. 102. 8 griffs war, was nicht bezweifelt werden kann*), von der Hoffnung, die Gunst des Hauses der Este dadurch zu erlangen, dazu verleitet: ein Ziel, welches er durch die Verherrlichung des Ruhms eines Nationaldichters auf Kosten eines Nebenbuhlers, der damals Staatsgefangener war, zu erreichen hoffte. Salviati's Hoffnungen und Bemühungen müssen dazu dienen, der Zeitgenossen Meynung über die Beschaffenheit von des Dichters Gefängunisse auseinander zu selzen, und sie werden ganz das Maas unsers Zornes über den tyrannischen Kerkermeister**) *) La Vita, etc. lib. III. p. 90. tom. II. Der englische Leser findet eine Erzählung von dem Widerstande der Crusca gegen Tasso in Dr. Blacks Lebensbeschreibung, u. s, w. Cap. XVII. Band II. **½) Einen ausführlichern und hoffentlich ent- scheidenden Beweis, daſs Tasso weder mehr, noch minder als ein Staatsgefangener war, findet der Leser in den Historischen Exr- läuterungen des IV. Gesanges des Childe Harold,“ Seite 5 u. folg.(im engl. Original.) 9 füllen. Der Gegner Tasso's hatte sich wirklich nicht in der Aufnahme seiner Beurtheilung ge- täuscht; er wurde an den Hof von Ferrara be- rufen, aber bald nach einigen Bestrebungen, seine Ansprüche auf Gunst durch Lobreden auf die Familie seines Fürsten zu erhöhen, wieder verlassen und starb in vernachlässigter Armuth*). Der Widerstand der Cruscaner wurde sechs Jahre nach dem Anfange des Streites geschlos- sen; und wenn die Akademie ihren ersten Ruhm dem Umstande verdankte, daſs sie mit einem solchen Paradoxon beynahe anfing**), so ist es wahrscheinlich, dafs auf der andern Seite die Sorge für scinen Ruf die Gelangenschaft des *) Orazioni funebri.. delle lodi di Don Luigi Cardinal d'Este... delle lodi di Donne Al- fonso d'Este. 8. die Lebensbeschreibung, Buch III. S. 117. .**) Sie wurde 1582 gegründet, und der Crusca Antwort auf Pellegrino's Caraſſa oder epica poesia Wurde 1584 bekannt gemacht. 10 gekränkten Dichters vielmehr erleichterte, als V erschwerte. Die Vertheidigung seines Vaters sh und seiner selbst, denn beyde waren in dem cl Tadel des Salviati verwickelt, ward für ihn eine Sc Beschäftigung in vielen seiner einsamen Stun- den, und der Gefangne konnte durchaus nicht in Verlegenheit seyn, auf Beschuldigungen zu antworten, worin, unter andern Vergehungen, ihm zur Last gelegt wurde, dafs er gehässig in 1 seiner Vergleichung zwischen Frankreich und Italien, die Kuppel von St. Maria zu Florenz Be zu erwähnen vergessen habe*) Der letzte Bio- ra graph Ariosto's scheint willens-, den Streit zu sei erneuern, indem er die Auslegung von Tasso's Selbstschätzung, die in Serassi's Lebenbeschrei- bung des Dichters enthalten ist, in Zweifel zieht. Aber Tiraboschi hatte vorher jenen *) Cotanto potè sempre in lui il veleno della sua pessima volontà contro alla nazion Fio- rentina. La Z ita, lib, III. p. 96, 98, tom. II. 11 als Wettstreit schon dadurch, daſs er zeigte, zwi- ers shen Ariosto und Tasso sey nicht von Verglei- em chung, sondern von Vorzug die Rede, zum ne Schweigen gebracht*). un- cht 19. zu Des Lorbeerkranzes eisern Laubgeflecht en, Zerriſs der Blitz um Ariosto's Haupt. in 5 St. 41. Z. 1. 2. und Ehe die Ueberbleibsel von Ariosto aus der enz Benediktinerkirche nach der Bibliothek von Fer- 10- rara gebracht wurden, ward seine Büste, die zu sein Grab überragte, vom Blitze getroſſfen, so 80˙s dafs ein Kranz von eisernen Lorbeern zer- rei- schmolz. Die Begebenheit ist von einem Schrift- bifel steller des vorigen Jahrhunderts erzählt wor- nen den**). Die Fortschaffung dicser heiligen Asche *) Storia della. Lett. etc. lib. III. tom. VII. par. III. p. 1220. sect. 4. **)«Mi raccontarono que' monaci, ch'essendo am 6. Junius 1801 war eins von den glänzend- sten Schauspielen der kurzdauernden Iialieni- schen Republik, und um das Andenken an die Ceremonie zu heiligen, wurden die einst be- rühmten gefallenen Intrepidi wieder ins Leben gerufen und zur Ariostischen Akademie umge- bildet. er grofse, öffentliche Plat= wel- bildet. D ſse, öffentliche Platz, auf wel chem die Procession mit Gepränge einherzog, wurde damals zum erstenmale Ariosto'splatz ge- nannt. Den Verſfasser des Roland eignet nicht, wie Homer, sich Italien, sondern Ferrara ei- fersüchtig zu*). Ariosto's Mutter war aus Reggio, — caduto un fulmine nella loro chiesa schian- 10 esso dalle tempie la corona di lauro a quell' immortale poeta.“ Op. di Bianconi vol. III. pag. 176. ed. Milauo 1802; lettera al Siguor Guido Saoini Artificiocritco, sull' indole di un fulmine caduto in Dresda l'an- 9. *) Appassionato ammiratore ed invitto apolo- gista dell' Omero Ferrarese.“ Der Titel wurde ihm zuerst von Tasso beygelegt, und 110 175 Da er 13 d- und das Haus, in welchem er geboren war, ist i- sorgfältig durch eine Tafel mit diesen Worten ie. unterschieden:«Qui nacque Ludovico Ariosto e- il giorno 8 di Settembre dell' anno 1474·» Doch en die Ferrareser nennen es unbedeutend, dals ihr e- Dichter auswärts geboren wurde, und nennen el- ihn ausschliefslich den ihrigen. Sie besitzen 8, seine Gebeine, sie zeigen seinen Armsessel, sein Schreibzeug und seine Handschrift. . K...... AMie llas anma Hic currus fuit„» Das Haus, drin er wohnte, das Zimmer, drin er starb, sind durch sein eignes wieder auſge- richtetes Denkmal*) und durch eine neue In- zwar zur Verwirrung der Tassisti. Buch III. S. 262. 265. Lebensbeschreib. von Ariosto. u. s. w. *)«Parva sed apta mihi, sed nulli obnoxia, sed non Sordida, parta meo sed tamen aere domus.» 14 schrift bezeichnet. Die Ferrareser sind eifer- süchtiger auf ihre Ansprüche, seitdem die Hitze des Denina, welche aus einer Ursache entsprang, die, wie ihre Apologisten geheimnifsvoll zu ver- stehen geben, ihnen wohl bekannt war, ihren Boden und ihr Klima zu einer Böotischen Un- fähigkeit für alle geistige Schöpfungen herunter- zusetzen wagte. Ein Quartband ist durch diese Verläumdung hervorgebracht, und diese Ergän- zung zu Barotti's Memoiren über den be- rühmten Ferraresen ist als eine triumphirende Entgegnung auf den Quadro Storico Statistico dell' Alta Iialia“ angesehen worden. 20. «Denn ächter Lorbeer, womit Ruhm umlauht, Ist von dem Baume, den kein Blitz zerklaubt.» St. 41. Z. 4. u. 5. Der Adler, das Seekalb, der Lorbeer*) und *) Aquila, vitulus marinus, et laurus ful. mine non feriuntur. Plin. Hist. Nat. lib. II. cap. LV. der tes: der Tih zu wil nicl rey verl ser des haft bene er 15 der weisse Wein*) gehörten unter die bewähr- testen Dinge gegen den Blitz. Jupiter wählte 2ze den ersten, Augustus Cæsar den zweyten**), und 1g,.. r:. 4. 5 Tiberius verfehlte nie, einen Kranz vom dritten Er- zu tragen, wenn der Himmel mit einem Ge- — witter drohete***). Dieser Aberglaube werde nicht in einem Lande verhöhnt, wo die Zaube- reyen der Haselruthe noch nicht allen Kredit verloren haben; und vielleicht erstaunt der Le- ser nicht sonderlich darüber, daſs ein Ausleger des Suetonius es auf sich genommen hat, ernst- haft die dem Kranze des Tiberius zugeschrie- benen Tugenden dadurch zu widerlegen, daſs er anführt, es sey wenige Jahre, bevor er schrieb, zu Rom wirklich ein Lorbeer vom bt, Blitze getroffen worden****). t.» ʒÿyᷓꝙ *) Columella, hb. NX. nd**) Sueton. in Vit. August cap. XC. ***) Id. in Vit. Tiberii, cap. LXIX. ***) Not. 2. p. 409. edit. Lugd. Bat. 1667. 16 21. «Wiſst, daſs der Donnerkeil, was er verletzt, Auch weiht.— St. 41. Z. 8 u. 9. Als der Curtische See und der Ruminalische Feigenbaum vom Blitz getroſſen waren, wurden sie für heilig gehalten, und das Andenken an den Vorfall wurde durch ein puteal oder einen Altar, welcher der Oeffnung eines Brunnens glich, aufbewahrt, und eine kleine Kapelle be- deckte die Oeffnung, welche von dem Donner- keil gemacht seyn sollte. Verbrannte Leichna. me und todtgeschlagene Personen galten für un- verweslich*), und ein nicht unglücklicher Schlag brachte beständige Würde über den so vom Himmel ausgezeichneten Menschen**). Solche vom Blitze Getödtete wurden in ein *) Vid. J. C. Bullenger, de Terrae motu et Ful- minib. lib. V. cap. XI. **) Odusels ² vvc O Ar4ℳοο εσ τνα, 3 98“ ual 05 96G rips raœ. Plut. Sympos. vid. J. C Bulleng. ut. sup. Herzc wirkli eine! chen die al stig at scheir glaube wenn sehr i ken, 17 weiſses Gewand gehüllt, und da, wo sie fielen, begraben. Dieser Aberglaube beschränkte sich Bia nicht auf die Verehrer des Jupiter. Die Lom- .9 barden glaubten an die durch den Blitz ange- See kündigten Vorbedeutungen; und ein Christen- rdeh priester gesteht, dafs durch eine teuflische Kunst 1 an die Donner zu erklären, ein Seher dem Agilulf, Aen Herzoge von Turin, eine Begebenheit, die sich dbe wirklich zutrug, und ihm eine Königin und Uners eine Krone gab, vorhersagte*). In diesem Zei- „chen war jedoch etwas Zweydeutiges, welches die alten Bewohner Roms nicht immer als gün- stig auslegten; und da die Beängstigungen wahr- lag hlas scheinlich länger als die Tröstungen des Aber- vor glaubens fortwähren: so ist es nicht sonderbar, . wenn die Römer in dem Zeitalter Leo's X. so eln sehr über einige mifsgedeutete Stürme erschra- Ful- ken„ daſs es die Ermahnungen eines Gelehrten *) Pauli Diaconi, de gestis Langobard. lib III. cap. XIV. fo. 15. edit. Taurin. 1527. 18 bedurfte, welcher alle seine Gelehrsamkeit über Donner und Blitz aufbot, um die Vorbedeu- tung günstig zu deuten: er begann mit dem Blitze, welcher die Mauern von Veliträ traf, und schlofs mit dem, welcher über einem Thore „2 von Florenz spielte, und das Pontifikat eines seiner Bürger vorhersagte*). 2 2* :. Gege Italia, o Italia ,» u. s. w.— St. 42. Z. 1. 86 Aegi 1 v. 2 4 1 1 Die beyden Stanzen 42 und 43 sind, mit rech Ausnahme von einer oder zwey Zeilen, eine ten Uebersetzung des berühmten Sonnet Filicaja's: und Ilalia, Itali 1 te.“ Auss Ilalia, Italia, O tu cui feo la sorte. unten 23. uns . 6 Pr Als junger Wandrer folgt' ich dessen Bahn Freu Q 8„ Der Freund des Römers, dem keinRömer gleicht, oder Des Tullius Freundwar.*— St. 44. Z. 1, 2 u. 3. *) I. P. Valeriani, de fulminum significatio- über deu- dem traf, hore ines 19 Der berühmte Brief des Servius Sulpicius an Cicero über den Tod seiner Tochter, beschreibt einen Weg, wie er damals war und wie er jetzt ist, welchen ich oft in Griechenland auf verschiednen kleinern und gröfsern Reisen ein- geschlagen habe. «Bey meiner Rückkehr aus Asien begann ich, als ich von KAegina nach Megara segelte, die Gegenden um mich her in's Auge zu fassen; Kegina lag hinter, Megara vor mir; Piräus rechts, Korinth links: alle diese einst berühm- ten und blähenden Städte lagen jelzt zerstört und in ihren Trämmern begraben. Bey dieser Aussicht konnte ich nicht den Gedanken in mir unterdräcken: Ach! wie wir armen Sterb ichen uns abzehren und quälen, wenn einer unsrer Freunde, dessen Leben doch so kurz ist, stirbt oder getödtet wird, während hier die Gerippe —— nibus declamatio, ap. Græv. Antiq. Row. tom. V. p. 593. Die Anurede ist an Julian von Medicis gerichtet. 2⁰ so vieler edlen Städte in ELinem Anblicke vor mir ausgebreitet liegen*. 24. «Als ein Geripp Titanischer Gestalt.“ St. 46. Z. 7. 8. Poggio ist es, welcher, von dem Kapitolini- schen Hügel auf das zerstörte Rom sehend, in die Worte ausbricht:«Ut nunc omni decore nudata, prostrata, jacet, instar gigantei cada- veris corrupti atque undique exesi"*), 23. „Dort liebt die Göttin auch in Stein.» St. 49. Z. 1. Der Anblick der Venus von Medicis erinnert *) Dr. Middleton— Lebensbeschreibung des M. Tullius Cicero. Abtheil. VII. S. 371. Band II. *) Dè fortunæ varietate urbis Romeæ et de rui- nis ejusdem descriptio, ap. Sallengre. The- saur. tom. I. pag. 501. heit sehr Zart Nyn klär Stur a 21 cke vor sogleich an die Zeilen in den Jahrszeiten, und die Vergleichung des Gegenstandes mit der . Schilderung beweist nicht nur die Richtigkeit der Darstellung, sondern auch die eigenthüm- 3 liche Wendung des Gedankens, und, wenn der 7. 8. Ausdruck erlaubt ist, die geschlechtliche Ein- pitolini- bildungskraft des beschreibenden Dichters. Der- end, in selbe Schlufs kann aus einer andern Anspielung decore in derselben Episode der Musidora gezogen ei cada- werden; denn Thomson's Begrifl über die Frey- heiten begünstigter Liebe müssen entweder noch sehr frühzeitig, oder vielmehr mangelhaft an Zartheit gewesen seyn, wenn er seine holde Nymphe gegen ihren bescheidnen Damon er- Z. 1. erinnert klären läſst, er würde in einer glücklichern Stunde vielleicht der Genosse ihres Bades seyn: ung des Die Zeit wird kommen, wo du flich'n nicht S. 371. darfst.**) de rui-*) S. Thomson'’s Jahrszeiten. Sommer, V. 1269— re. The- 1370. Anmerk, des Uebers. 22 Der Leser wird sich der in Dr. Johnson’'s Le- bensbeschreibung erzählten Anekdote erinnern. Wir wollen die Florenünische Gallerie nicht ohne ein Wort über den Wetzer verlassen. Es scheint sonderbar, dafs der Charakter jener pestrittenen Statue nicht wenigstens in der Seele dessen völlig entschieden ist, der einen Sarko- phag in dem Vorhofe der St. Paulskirche, aus- serhalb den Mauern, in Rom gesehen hat, wo die ganze Gruppe aus der Geschichte des Mar- syas, noch erträglich erhalten, zu sehen ist; und der Scythische Sklave, der das Messer wetzt, ist genau in derselben Stellung, wie dieses be- rühmte Meisterstück, aufgeführt. Der Sklave ist nicht nackend; aber es ist leichter, diese Schwierigkeit wegzuräumen, als vorauszusetzen, das Messer in der Hand der Florentiner Statue sey ein Werkzeug zum Scheeren, was es seyn muſs, wenn, wie Lanzi vermuthet, der Mann kein andrer, als der Barbier des Julius Cœsar ist. Winkelmann folgt, bey Erklärung eines 4* 's Le- nnern. nicht Sarko- „ aus- t, wo s Mar- ist; wetzt, es be- klave diese elzen, eines 23 Basreliefs mit demselben Gegenstande, der Mey- nung Leonard Agostini's, und sein Ansehn könnte schon für entscheidend gelten, wenn auch die Aehnlichkeit den sorglosesten Beob- achter nicht überraschte*). Unter den Bronzen derselben fürstlichen sammlung beſindet sich noch die mit einer In- schrift versehene Tafel, welche Herr Gibbon abgeschrieben und ausgelegt hat**). Unser Ge- schichtschreiber fand einige Schwierigkeiten, stand jedoch von seiner Erklärung nicht ab: er würde sich wahrscheinlich ärgern, wenn er hörte, dafs sein Scharfsinn an einer Inschrift verschwendet sey, deren Verfälschung jetzt all- gemein anerkannt ist. *) Siehe Monum. Ant. ined. par. I. cap. XVII. n. XLII. pag. 50; und Storia delle arti, etc. lib. XI. cap. I. tom. II. pag. 314. nof. B. **) Nomina gentesque antiquæ Italiæ, p. 204¾, edit. oct. 26. «Defs Augen weidend schau'n Die süfse Wang'.“— St. 51. Z. 6 u. 7. „O9a⁵μφμοε So Tay. Atque oculos pascat uterque suos.» Ovid. Amor. lib. II. 27. «Die heil'ge Flur von Santa Croce weiht.» beso St. 54. Z. 1. terie Dieser Name wird nicht nur an diejenigen Nuns erinnern, deren Gräber Santa Croce zum Mit- Schn telpunkt der Pilgrimschaft, zum Mekka Italiens aufh erhoben haben; sondern an sie, deren Bered- Gasc samkeit über die berühmte Asche sich ergoſs, derx und deren Stimme jetzt so stumm vie jene ist, heite welche sie besang. Korinna ist nicht mehr; We und mit ihr sollte auch die Furcht, die Schmei- und cheley und der Neid erlöschen, die eine zu für blendende oder zu dunkle Wolke um die Schritte zahl des Genius warfen, und den festen Blick un- schy 25 eingenommener Beurtheilung verhinderten. Wir haben ihre Schilderung verschönert oder ver- dreht, je nachdem Freundschaft oder Verläum- 4 dung den Pinsel führte; ein unpartheyisches Gemälde war kaum von einem Zeitgenossen zu 1I. erwarten. Auch die unmittelbare Stimme der sie Ueberlebenden wird wahrscheinlich fern da- von seyn, uns eine gerechte Schilderung ihrer ht.» besondern Vorzüge zu schenken. Die Golan- Z. 1. terie, die Liebe, die Bewunderung und die Hoſf- enigen nung auf gemeinschaftlichen Ruhm, welche die m Mit- Schneide des Tadels abstumpften, müssen erst ltaliens aufhören zu seyn.— Die Todten haben kein Bered- Geschlecht; sie können durch keine neue Wun- derwerke überraschen; sie können keine Frey- ergoſs, ne ist, heiten ertheilen: Korinna hat aufgehört, ein mehr; Weib zu seyn— sie ist nur Schriftstellerin; und es ist wohl vorherzusehen, daſs viele sich chmei- für frühere Gefälligkeit durch eine Strenge be- ine zu zahlt machen werden, der ihr früheres, aus- schweifendes Lob vielleicht die PFarbe der Wahr- chritte ck un ⸗ 26 heit ertheilen wird. Die späteste Nachwelt, denn bis zur spätesten Nachwelt werden sie ge- wiſs gelangen, wird über ihre verschiednen Erzeugnisse eine Sümme haben; und je entle- gener der Gesichtskreis ist, aus dem sie be- trachtet werden, desto sorgsam genauer wird der Inhalt, desto sicherer die Gerechtigkeit der Entscheidung seyn. Sie wird zu dem Daseyn übergehen, in welchem die grölsten Schriftstel- ler aller Jahrhunderte und Nationen gleichsam wie in ihrer eignen Welt vereinigt sind und von jener erhabnern Sphäre ihren ewigen Ein- fluſs auf die Bildung und die Tröstung der Menschheit äussern. Aber das Individuum wird allmählig verschwinden, so wie der Schriftsteller deutlicher hervortritt; und defswegen sollte irgend einer von allen denen, welche die Reize unwillkührlichen Witzes und bereitwilliger Gastfreundschaft in Copper's freund- liche Kreise zogen, jene Tugenden der Verges- senheit entreissen, die zwar, wie man sagt, schar verhe liche telpu ange dem benb dies³ lich grän Freu achwelt, n sie ge- hiednen je entle- sie be- er wird gkeit der Daseyn hriftstel- leichsam ind und ten Ein- ang der iduum wie der t; und denen, tzes und s freund- Verges- lan sagt, 27 den Schatten lieben, aber in der That durch die häuslichen Sorgen des Privatlebens häufiger erkalten, als belebt werden. Irgend einer sollte die unverstellte Anmuth schildern, mit der sie diese theuern Verbindungen schmückte, da die Ausübung dieser Pflichten besser in den innern Gemächern entdeckt, als in der äussern Anord- nung des Familienlebens erkannt wird, und wirklich das Zartgefühl ächter Zuneigung er- fordert, um dem Auge des unbefangnen Zu- schauers wohlzuthun. Irgend einer sollte nicht verherrlichen, sondern beschreiben die freund- liche Herrin einer oflenen Wohnung, des Mit- telpunkts einer stets wechselnden und immer angenehmen Geselligkeit, deren Schöpfer, von dem Ehrgeize und den Künsten öffentlicher Ne- benbuhlerey befreyt, blos hervorleuchtete, um diensie Umgebenden neu zu beleben. Die zärt- lich liebende und zärtlich geliebte Mutter, die gränzenlos edelmüthige, doch stets geachtete Freundin, die mitleidige Beschützerin alles Unglücks, kann nicht von denen vergessen wer- den, die sie werth hielt und beschützte und nährte. Ihr Verlust wird am meisten da be- klagt werden, wo sie am besten gekannt war; und zu dem Kummer sehr vieler Freunde und noch mehrer Abhängigen möge sich die un- eigennützige Trauer eines Fremden gesellen, welcher, unter den erhabnern Scenen des Le- mansees, seine vorzüglichste Freude in der Be- trachtung der anzichenden Eigenschaften der unvergleichlichen Korinna*) fand. 28. «Alfieri's, Angelo's Gebein ruht hier.“ St. 54. Z. 6. Alfieri ist der groſse Name dieses Jahrhun- derts. Die Italiener betrachten ihn, ohne auf die hundert Jahre zu warten, als«einen aner- kannt guten Dichter.“ Sein Andenken ist ih- *) Ftaél-Holstein. hervo rühm ......„„ 29 nen um so theurer, weil er der Barde der e und Freyheit ist, und weil seine Tragödien eben da be- deswegen sich nie der Gunst irgend eines ihrer t war; Herrscher erfreuen können. Nur sehr wenige e und von ihnen(und diese nur sehr selten), dürfen die un- auſgeführt werden. Cicero hat bemerkt, daſs esellen, nirgends die wahren Meynungen und Gefähle es Le- der Römer so deutlich wie auf dem Theater er Be- hervortreten*). Im Herbste 1616 zeigte ein be- rühmter Improvisatore seine Talente in dem *) Der freye Ausdruck ihrer edlen Gesinnun- gen überlebte ihre Freyheiten. Titius, der r. ² Freund des Pompejus, spielte vor ihnen in Z. 6. dem Theater des Pompejus. Aber ungeach- tet des prangenden Schauspiels, vergafsen sie nicht, dafs der Mann, der sie uanter- hne auf hielt, den Sohn des Pompejus ermordet hat- te: sie trieben ihn mit Flüchen vom Thea- ter. Das moralische, freywillig ausbrechen- ist ih- de Gefühl einer Volksmenge ist niemals ir- rig. Sogar die Soldaten der Triumvirn stimmten in die Verwünschung der Bürger dadurch ein, daſs sie um den Wagen des hrhun- aner- 30 Opernhause zu Mailand. Die Vorlesung der als Stoff zu seiner Dichtkunst ihm eingehändig- ten Sätze wurde von einem zahlreichen Audi- torium gröfstentheils mit Stillschweigen oder mit Gelächter angehört; doch als der Vorleser, eins der Papiere entfaltend, ausrief:«die Ver- um sc götterung von Viktor Alfieri,“ brach das ganze nomm Theater in Jubel aus, und der Beyfall dauerte keine einige Augenblicke fort. Das Loos ffel nicht auf AlGeri; und Signor Sigricci mufste seine ex- temporirenden Gemeinplätze über die Belage- rung von Algier vortragen. Die Wahl ist wirk-«II lich nicht so sehr dem Zufall überlassen, als man beym ersten Anblicke der Ceremonie den- Der Inschr . ob der Lepidus und Plancus, welche ihre Brüder zur Au proscribirt hatten, ausrieſen: De Germanis. 4 6. ein ei non de Gallis duo triumphant Consules; ein erzählungswerther Ausruf, wäre es auch dern I. nichts als ein Wortspiel.(Vergl. Vell. Pa- velli's terculi Hist. lib. II. cap. LXXIX. pag. 78. Zei edit. Elzevir, 1639. Ibid. lib. II. cap. LXXVI.) Eit 36 g der ändig- Audi- oder rleser, e Ver- ganze lauerte nicht eine ex- Belage- t wirk- Brüder ken sollte; und die Polizey ist nicht nur so vorsichtig, auf die vorgelegten Papiere zu se- hen, sondern sie verbessert auch, im Fall ei- ner klüglichen Reue, die Blindheit des Zufalls. Der Vorschlag zur Vergötterung Alferi's wurde um so mehr mit lebhafter Begeisterung auſge- nommen, weil man vermuthete, es würde sich keine Gelegenheit finden, sie zu verwirklichen. 29. «IHier kehrt' auch Macchiavelli's Staub dem Staube zu.“— St. 54. Z. 9. Der Hang zur Einfachheit bey Begräbniſs- Inschriften, welcher uns so oft ungewiſs läſst, ob der vor uns stehende Bau ein wirklicher Ort zur Aufbewahrung, oder ein Kenotaphium, oder ein einfaches Denkmal nicht für Todtes, son- dern Lebendes sey, hat auf dem Grabe Macchia- velli's keine Nachrichten über den Ort und die Zeit seiner Geburt oder seines Todes, das Al- 3² ter oder die Verwandtschaft des Geschichtschrei- bers angeführt: TANTO NOMINI NULLUM PAR ELOGIUM NICCOLAUS MACCHIAVELLI. Es scheint wenigstens kein Grund vorhanden zu seyn, warum der Name nicht über dem Spruch, welcher auf ihn anzielt, gesetzt wurde. Man kann leicht denken, daſs die Vorurtheile, welche den Namen Macchiavelli in ein sprich- wörtliches Beywort von Ungerechtigkeit verwan- delt haben, nicht länger in Florenz fortwalten. Sein Andenken wurde, so wie sein Leben, we- gen einer Anhänglichkeit an Freyheit verfolgt, die mit dem neuen Systeme des Despotismus, gen Iialiens eintrat, unverträglich war. Er wurde gefoltert, weil er ein«Freysinniger“(li- bertine) war, d. h., weil er die Republik von Florenz wieder herzustellen wünschte; und die welcher nach dem Sturz der freyen Regierun- tschrei- CIUM nden zu Spruch, rtheile, sprich- verwan- twalten. en, we- verfolgt, 33 unsterblichen Anstrengungen derer, welche nicht nur das Wesen der Handlung, sondern auch den Sinn der Wörter zu verderben suchen, ha- ben es dahin gebracht, daſs, was einst Patrio- tismus war, allmählig Ausschweifung zu bezeichnen anfing. Wir haben selhst die alte Bedeutung von Liberalität» überlebt, welches jetzt in Einem Lande ein andres Wort für Ver- rätherey und für Bethörung in allen ist. Es scheint ein sonderbarer Irrthum gewesen zu seyn, den Verfasser des Fürsten anzuklagen, er sey ein Kuppler für Tyranney, und zu glauben, die Inquisition verdamme sein Werk wegen eines solchen Vergehens. Das Factum ist dies, dafſs Macchiavelli, wie es gewöhnlich bey denen, wel- chen kein Verbrechen bewiesen werden kann, der Fall ist, des Atheismus verdächtig gemacht und angeklagt wurde; dabey waren die ersten und letzten heftigsten Gegner des Fürsten Je- suiten, von denen einer die Inquisition über- redete, benchè fosse tardo," die Abhandlung 25. C 34 zu verbieten; und ein andrer erklärte den Se- kretär der Florintinischen Republik für nichits Besseres, als einen Narren. Vom Vater Posse- vin wuſste man, daſs er das Buch nie gelesen, und vom Nater Luchesini, daſs er es nicht ver- standen hatte. Es ist jedoch klar, daſs solche Beurtheiler nicht die Sklaverey der Lehren, son- dern die vorausgesetzte Absicht eines Satzes ge- rügt haben müssen, welcher zeigt, wie die Vor- theile cines Monarchen von der Glückseligkeit der Menschheit unterschieden sind. Die Jesui- ten sind in Italien wieder eingesetzt, und das letzte Kapitel des Fürsten veranlafst wohl am Ende noch eine besondre Widerlegung von de- nen, welche noch einmal dazu erwählt sind, die Gemüther der kommenden Geschlechter so zu formen, dafs sie die Eindrücke des Despo- tismus aulnehmen. Das Kapitel führt die Ue- berschrift: ᷣEortazione a liberare la Italia dai Barbari,» und schliefst mit einer freysinni- gen(libertine) Aufforderung zur künftigen Er- lõsu Pass 8 oegs⸗ tore. rioeve tito di ve crime popol liano POZZ 35 den Se- lösung Italiens: Non si deve adunque lasciar nichis passare questa occasione, acciocchè la Italia r Posse- oegga dopo tanto tempo apparire un suo reden- gelesen, tore. Noè posso esprimere con qual amore ei. fusse icht ver- ricevuto in tutte quelle provincie, ohe hanno pa- s solche tito per queste illuvioni esterne, oon qual sete ren, son- di vendetta, con che ostinata fede, con che la- atzes ge- crime. Quali porte se li serrerebeno? Quali die Vor⸗ popoli li neg herebbeno la obbedienza? Quale Ita- seligkeit kiano li negherebbe l'ossequio? AD OGNUNA ie Jesui- PUZzZA QUESTO BARBARO DOMINIO.»*) und das ohl am 30. von de-«Undankbar Florenz! Wie einst Scipio ruht ult sind, Fern Dante auf dirschmachvoll'm Strand ver- scharrt.— St. 57. Z. 1 u. 2. Dante wurde im Jahre 1261 zu Florenz ge- *) Il Principe di Niccolò Macchiavelli, etc. con la prefazione e le note istoriche e politiche di Mr. Amelot de la Houssaye e l'esame e confutazione dell' opera... Cosmopoli, 1769. 36 boren. Er focht in zwey Schlachten, war vier- zehnmal Gesandter, und einmal der erste in der Republik. Als die Parthey Karls von Anjou über die Bianchi triumphirte, war er auf einer Gesandtschaft nach dem Papste Bonifaz VIII. abwesend, und wurde zu einer zweyjährigen Verbannung nebst einer Geldstrafe von 8,000 Lire verurtheilt; bey deren Nichtbezahlung sein ganzes Vermögen eingezogen wurde. Die Re- publik war jedoch nicht mit dieser Genugthuung zufrieden, denn im Jahre 1772 wurde in den Archiven zu Florenz ein Urtheilsspruch entdeckt, in welchem Dante der eilfte auf einer Liste von funfzehn ist, die 1302 lebendig verbrannt zu werden verdammt wurden. Talis perveniens igne comburatur sic quod moriatur. Der Vorwand zu diesem Urtheile war ein Beweis von uned- lem Tausche, Erpressungen und unerlaubtem Gewinne. Baracteriaram iniquarum, extorsio- num, et illicitorum lucrorum*), und es ist *) Storia della Lett. Ital. tom. V. lib. III. nich chen Unge Sein ande der Auss Er h nung reiste Tar vier- erste in Anjou jährigen n 8,000 ung sein Die Re- gthuung in den entdeckt, iste von annt zu iens igne Vorwand n uned- rlaubtem eæt orsio- d es ist lib. III. 37 nicht befremdend, dafs Dante bey einer sol- chen Anklage immer seine Unschuld und die Ungerechtigkeit seiner Mitbürger behauptete. Seine Appellation an Florenz war mit einer andern an den Kaiser Heinrich begleitet, und der Tod jenes Fürsten war die Losung zum Ausspruche seiner unwiderruflichen Verbannung. Er hatte vorher nahe bey Toskana in der Hoff- nung, zurückgerufen zu werden, gesäumt; er reiste darauf nach dem nördlichen Italien, und lieſs sich zuletzt in Ravenna, welches sein ge- wöhnlicher, aber nicht sein beständiger Auf- enthalt bis zu seinem Tode war, nieder. Die Weigerung der Venetianer, ihm ein öſſfentli- ches Gehör zu geben, und zwar von Seiten des Guido Novello, seines Beschützers, soll die Hauptursache seines im Jahre 1321 erfolgten Hinscheidens gewesen seyn. Er wurde(ain par. 2. p. 448. Tiraboschi ist incorrect; die Datums der drey Verordnungen gegen Dante sind A. D. 13⁰2, 1314 und 1316. — 38 sacra minorum ade“) zu Ravenna in einem schönen Grabe beerdigt, das von Guido errich- tet, von Bernardo Bembo, dem Prätor jener Republik, welche ihn anzuhören sich geweigert hatte, im Jahre 1483 wieder hergestellt, vom Kardinal Corsi 1692 erneuert, und 1780 auf Kosten des Kardinals Luigi Valenti Gonzaga durch ein prachtvolleres Grabmal ersetzt wurde. Dante's Vergehen oder Unglück war seine An- hänglichkeit an eine erliegende Parthey, und wie seine ungünstigsten Biographen gegen ihn bezeugen, eine zu groſse Freyheit der Sprache und ein hochfahrendes Wesen. Aber das nächst- folgende Zeitalter erwies dem Verbannten bey- nahe göttliche Ehre. Die Florentiner krönten nach einem öftern, slets vergeblichen Versuche, seinen Leichnam wieder zu erhalten, sein Bild- nifs in einer Kirche*), und sein Gemälde ist *) So erzählt Ficino; doch halten einige seine Krönung blos für eine Allegorie. S. Storia u. s. w. wie vorher S. 453. noch Sie sc richte über zankte und d daſs ehe si Ein u richte ner V triotis von I Ausleg teratur Vereh sche schen Gebur licher der V einem errich- jener reigert vom zo auf onzaga wurde. ne An- „ und In ihn prache ächst- 3 9 noch eins von den Götzenbildern ihres Doms. Sie schlugen ihm zu Ehren Medaillen; sie er- richteten ihm Statuen. Da die Städte Ilaliens über seine Geburt nicht streiten konnten, so zankten sie sich über sein gröfstes Cedicht, und die Florentiner rechneten es sich zur Ehre, dafs er den siebenten Gesang geendigt hatte, ehe sie ihn aus seiner Geburtsstadt vertrieben. Ein und zwanzig Jahre nach seinem Tode er- richteten sie einen Lehrstuhl zur Erklärung sei- ner Verse, und dem Boccaccio wurde dies pa- triotische Amt übertragen. Das Beyspiel wurde von Bologna und Pisa nachgeahmt, und die Ausleger vermehrten, wenn sie auch der Li- teratur nur einen geringen Dienst leisteten, die Verehrung, welche eine heilige oder morali- sche Allegorie in allen Bildern seiner mysti- schen Muse sah. Man entdeckte, daſs seine Geburt und seine Kindheit von denen gewöhn- licher Menschen unterschieden gewesen sey: der Verfasser des Dekameron, sein erster Bio- 40 graph, erzählt, seine Mutter sey im Traume Veron wegen der Wichtigkeit ihrer Schwangerschaft haben gewarnt worden; und andre fanden, dafs er im Schrif Alter von zehn Jahren seine vorzeitige Leiden- zwei fe schaft für jene Weisheit oder Theologie gezeigt Der 1 1 habe, welche unter dem Namen Beatrice glaube irrig für eine wirkliche Geliebte gehalten sey. gen d Nachdem die göttliche Comödie als ein habe. blos sterbliches Werk anerkannt war, und nach ker he zwey Jahrhunderten Beurtheilung und Mitbe- pulari werbung das Urtheil der Italiener gemäfsigt schien 1 hatten, wurde Dante ernstlich über Homer ge- Studir setzt*); und obgleich der Vorzug einigen Ge- einst wissensräthen«als eine ketzerische, der Flam- rauher men würdige Cotteslästerung“ erschien: so mö di wurde doch der Streit kräftig beynahe funſzig genwä Jahre fortgesetzt. In spätern Zeiten wurde die götter Frage auſgeworfen, wer von den Herrn von der a *) Von Zarchi in seinem Ercolano. Die Streit-*) 6 frage dauerte von 1570 bis 1616. S. Storia 8 u. s. w. tom. VII. lib. III. par. III. p. 1280. aume schaft er im iden- ezeigt rice Sey. s ein nach Hlitbe- 41 Verona sich rühmen könne, ihn beschützt zu haben*); und der eifersüchtige Zweifel eines Schriftstellers wollte Ravenna nicht den unbe- zweifelten Besitz seiner Gebeine einräumen. Der Kritiker Tiraboschi war sogar geneigt, zu glauben, dafs der Dichter eine der Entdeckun- gen des Galilei vorhergesehen und vorhergesagt habe. Wie die groſsen Originale anderer Völ- ker hat er sich nicht immer in derselben Po- pularität behauptet. Das letzte Jahrhundert schien geneigt, ihn zu einem Muster, zu einem Studium herabzusetzen; und Bettinelli warf einst seinem Zögling Monti vor, daſs er die rauhen und veralteten Uebertreibungen der Co- mödie übersehen habe. Nachdem sich das ge- genwärtige Geschlecht von den Gallischen Ab- göttereyen des Cesarotti erholt hat, ist es zu der alten Verehrung zurückgekehrt, und das *) Gio. Jacopo Dionisi canonico di Verona. Serie di Aneddoti, n. 2. Siehe Storia, etc. tom. V. lib. I. par. I. p. 24. — —-—-—— ——— 42 Dantisiren der nördlichen Italiener wird so- gar von den neuern Toskanern für unbeschei- den gehalten. Es gibt noch viele genaue Nachrichten über das Leben und die Schriften dieses grofsen Dich- ters, welche noch nicht einmal von den Ita- lienern gesammelt worden sind, aber der be- rühmte Ugo Foscolo sinnt darauf, diesen Feh- ler zu ergänzen, und es ist nicht zu bedauern, daſs dies Nationalwerk für einen Mann aufbe- wahrt blieb, der sich so seinem Vaterlande und der Sache der Wahrheit gewidmet hat. 31. Undankbar Florenz! wie einst Scipio ruht Fern Dante auf dir schmachvoll'm Strand ver- scharrt; Befleckt mit ärgerem als Bürgerblut Verbanntest u. s. W.— St. 57. Z. 1, 2, 3 u. 4. Der ältre Scipio Africanus hatte ein Orab, wenn er nicht zugleich dort begraben wurde, A* 43 rird so- zu Liternum, wohin er sich zur freywilligen eschei- Verbannung begeben hatte. Das Grab war nahe am Seestrand, und die Erzählung von ei- ber das ner Inschrift auf demselben: Ingrata Patria, Dich- welche einem neuern Thurme einen Namen ge- en Ita- geben hat, ist, wenn nicht wahr, doch eine der be- artige Dichtung. Ward er dort nicht begraben, n Feh- so lebte er doch gewifs dort*). lauern, aufbe- In cost augusta e solitaria villa de und Erat granch uomo che d'Africa Sappella Perchè prima col ferro al vivo aprilla**). Undankbarkeit ist das gewöhnlich den Republi- ken vorgeworfene Laster, und es scheint ver- gessen zu seyn, daſs für Ein Beyspiel der Un- *) Vitam Literni egit sine desiderio urbis. S. Tit. Liv. Hist. lib. XXXVIII. Livius er- zählt, dafs einige sagten, er sey zu Liternum, Crab, andere zu Rom begraben. Ebend. Cap. LV. **) Trionfo della Casttaà. 44 beständigkeit des Volks wir hundert Beyspiele des Falls von Hoſgünstlingen haben. Ausser- dem hat ein Volk oft Reue gezeigt— ein Mo- narch selten oder nieé. Viele bekanntere Be- weise für diese Thatsache werden hier übergan- gen, und nur eine kurze Erzählung zeige den Unterschied zwischen der Aristokratie sogar und der Menge. Vettor Pisani war nach seiner Niederlage im Jahre 1354 bey Portolongo und viele Jahre nachher in der entscheidenden Schlacht bey Pola mit den Genuesen von der Venetianischen Re- gierung zurückberufen und in Ketten geworſen. Die Avvogadori schlugen vor, ihn zu enthaup- ten, aber das oberste Gericht war mit der Ver- urtheilung zum Gefängnisse zufrieden. Wäh- rend Pisani diese unverdiente Ungnade erdul- dete, war Chioza, in der Nähe der Haupt- stadt*), durch den Beystand des Herrn von *) Siehe Aumerk. 6, 8S. 102. Jahre 45 Padua, in die Hände des Pietro Doria gefal- len. Bey der Nachricht von diesem Unglücke ward mit der groſsen Glocke auf dem St. Mar- kusthurme zu den Waſlen geläutet, und das Volk und die Soldaten der Galeeren wurden zur Vertreibung des herannahenden Feindes auf- gefordert; diese betheuerten aber, sie würden eher keinen Schritt thun, als bis Pisani befreyt und an ihre Spitze gestellt wäre. Sogleich wur- de der grofſse Rath versammelt und der Gefangne vorgeladen; der Doge, Andrea Contarini, mach- te ihm die Forderungen des Volks und die Noth des Staats bekannt, dessen einzige Hoff- nung der Rettung auf seinen Bemühungen beru- he und der ihn jetzt anflehe, die unwürdige Behandlung, die er in seinem Dienste ausge- standen, zu vergessen. elch habe mich,» er- wiederte der hochherzige Republikaner,«ich habe mich euern Beschlüssen ohine Klage un terworſen; ich habe die Beschwerden der Ge- fangenschaft geduldig ertragen, denn sie waren 46 auf euern Befehl auferlegt: es ist jetzt nicht für Zeit, zu fragen, ob ich sie verdiente— die sei Wohlfahrt der Republik mochte es. zu fordern sch scheinen, und was die Republik beschlieſst, ist* ger immer weise beschlossen. Sehet mich bereit, Dei mein Leben für die Erhaltung meines Vater- den landes hinzugeben.“ Pisani wurde zum Ober- noc feldherrn ernannt, und durch seine und Carlo ters Zeno's Bemühungen bekamen die Venetianer Slac die Ueberlegenheit über die Nebenbuhler zur dur See wieder. ist, Die Italienischen Cemeinheiten waren nicht we- he niger ungerecht gegen ihre Bürger, als die Grie- sey chischen Freystaaten. Freyheit scheint bey den Un einen wie bey den andern ein Volks- nicht ein Privatgut gewesen zu seyn, und ungeachtet der gerühmten Gleichheit vor den Gesetzen, welche ein alter Griechischer Schriftsteller*) *) Der Crieche rühmte, dafs er 1α⁶à G½ sey. S. das letzte Kapitel des ersten Buchs im Diomysius von Halicarnas. 47 t nicht für das Hauptunterscheidungezeichen zwischen — die seinen Landsleuten und den Barbaren ansieht, fordern scheinen die gegenseitigen Rechte der Mitbür- ſst, ist ger nie das vornehmste Augenmerk der alten bereit, Demokratieen gewesen zu seyn. Die Welt hat Vater- den Verfasser der Italienischen Freystaaten wohl 2 Ober- noch keinen Versuch machen sehen, den Un- d Carlo terschied zwischen der Freyheit der frühern netianer Slaaten, und der Bedeutung, die mit dem Worte ler zur durch die Constitution von England verbunden ist, sinnreich zu entwickeln. Die Italiener sa- icht we- hen jedoch, als sie aufgehört hatten, frey zu e Grie- seyn, mit einem Seufzer auf jene Zeiten der ey den Unruhe, wo jeder Bürger zu einem Theil un- cht ein umschränkter Macht sich erheben konnte, und Atet der wo sie nie ganz gelernt hatten, die Ruhe einer etzen, Monarchie zu preisen. Als Francis Maria II., eller*) Herzog von Rovere, die Frage vorlegte:«Was . besser sey, die Republik cder das Fürsten- ,05 sey. thum— das Vollkommene und nicht Dauer- hafte, ode rdas minder Vollkommene und nicht 48 so dem Wechsel Unterworfenen: so erwiederle Sperone Speroni:«unsre Glückseligkeit mufs nach unsrer Beschaffenheit, nicht nach unsrer Dauer gomessen werden; und ich ziehe vor, Ei- nen Tag wie ein Mann zu leben, als hundert Jahre wie ein Thier, ein Stock oder ein Stein.* Dies wurde für eine prächtige Antwort, bis auf die letzten Tage der Italienischen Knecht- schaft gehalten*). 32. Ob das Haupt Petrarch's der Lorbeer endlich krönt; er ward Nur fern auf fremdem Grund so schön belaubt.“ St. 57. Z. 6, 7 u. 3. Die Florentiner nahmen bey dem kurzen Be- suche Petrarcha's in ihrer Stadt im Jahre 1350 nicht Gelegenheit, das Dekret zu widerrufen, *)«E intorno alla magnifica risposta," etc. SFerassi Vita del Tasso, lib. III. pag. 149. tom. II. edit. 2. Bergamo. * viederte it muſs unsrer vor, Ei- hundert Stein.* ort, bis Knecht- er ward elaubt." re 1350 errufen, „» etc. g. 149. 49 welches seines Vaters Eigenthum, der kurz nach dem Exile Dante's verbannt worden war, ein- zog. Sein Kranz blendete sie nicht: als sie aber im folgenden Jahre seines Beystandes zur Bildung ihrer Universität bedurften, bereuten sie ihre Ungerechtigkeit, und Boccaccio wurde nach Padua geschickt, um den Lorbeergekrön- ten zu bitten, seine Wanderungen in dem Schoofse seiner Heimath zu beschliefsen, und bey seinen wiedererlangten Besitzungen die Ach- tung aller seiner Mitbürger zu geniefsen. Sie überlieſsen ihm die Wahl des Buchs und der Wissenschaft, die er erklären wollte; sie nann- ten ihn den Ruhm seines Vaterlandes, der ih- nen theuer sey und noch theurer werden wür- de; sie fügten endlich hinzu, wenn etwas in ihrem Briefe ihm nicht gefiele, so möchte er nur zu ihnen zurückkehren, um ihren Styl zu verbessern*). Petrarch schien endlich auf ihre *)«Accingiti innoltre, se ci è lecito ancor l'e- 26. 5⁰ Schmeicheley und auf die Bitten seines Freun- des zu achten; aber er kehrte nicht nach Flo- renz zurück, und zog eine Pilgerschaft nach dem Grabe Laura's und den Schatten Vauclü. se's vor- 33. Boccaccio wünscht' ein Grab im Heimaths- schoofs.“— St. 58. Z. 1. Boccaccio wurde in der Kirche St. Michael und St. Jakob zu Certaldo, einer kleinen Stadt in der Valdelsa, begraben, welches von einigen für seinen Geburtsort gehalten wird. Dort brachte er den letzten Theil seines Lebens mit mühsamem Studiren zu, welches sein Daseyn ———xãx sortarti, a compire limmortal tua Africa . Se ti avviene d'incontrare nel nostro cid debb' essere stile cosa che ti dispiaccia, esiderj della un altro motivo ad esaudire i d tua patria.“ S&toria della Lett. Ital. tom. V. par. I. lib. I. pag. 76. verki nicht die« Grab Jakol Veral gsung eines igt es den I Unwi dem solche liener sen, Chara- mehr den. der le nahm so in Freun- h Flo- nach auclü- imaths- J. Michael n Stadt einigen Dort ens mit Daseyn Africa nostro p' essere Prj della tom. V. 51 verkürzte, und dort hätte seine Asche, wenn nicht sicher, doch geehrt ruhen können. Aber die«Hyäne Aberglaube» von Certaldo rifs den Grabstein Boccaccio auf, und warf ihn aus St. Jakobs und St. Michaels heiligem Bezirke. Die Veranlassung und hoffentlich die Entschuldi- gung für dies Herauswerfen war die Anlegung eines neuen Flurs für die Kirche; aber wahr ist es, daſs der Grabstein aufgenommen und in den Hintergrund des Gebäudes geworſen wurde. Unwissenheit theilt vielleicht die Sünde mit dem Aberglauben. Schmerzlich wäre es, eine solche Ausnahme von der Verehrung der Ita- liener für ihre groſsen Namen erzählen zu müs- sen, könnte ihr nicht ein für den allgemeinen Character der Nation ehrenvollerer und ihr mehr angemessener Zug zur Seite gestellt wer- den. Die vornehmste Person in dem Bezirke, der letzte Spröſsling des Hauses der Medici, nahm das Andenken dieses entehrten Todten so in Schutz, wie ihre besten Vorfahren alles 52 gleichzeitige Verdienst beschützt hatten. Die Gräfin Lenzoni rettete den Grabstein Boccac- cio's von der Verachtung, in welcher er eine Zeitlang da gelegen hatte, und fand für ihn eine chrenvollere Stelle in ihrer eignen Woh- nung. Sie that noch mehr: Die Wohnung des Dichters ist so wenig wie sein Grabmal geach- iet worden, und fällt über den Kopf eines ge- gen den Namen ihres vorigen Bewohners gleich- gültigen Besitzers zusammen. Sie hat Mafsre- geln zum Ankaufe dieses Hauses getroffen, und trägt darauf an, ihm jene Sorgfalt und Ach- tung zu widmen, die der Wiege und dem Aufenthalte des Genius gebühren. Es ist hier nicht der Ort, die Vertheidigung Boccaccio's zu übernehmen; aber der Mann, der sein kleines Erbgut zur Erwerbung von Kenntnissen erschöpfte, der einer der ersten, wenn nicht der erste war, welcher die Wissen- schaft und die Dichtkunst aus Griechenland in den Schoofs Italiens lockte;— der nicht nur dient und v Die einen neuen Styl erfand, sondern eine neue occac- Sprache gründete, oder gewiſs befestigte; der eeine ausser der Achtung jedes gebildeten Hofes von ir ihn Europa von der vorherrschenden Republik sei- Woh- nes Vaterlandes eines Amtes, und, was mehr ng des sagen will, der Freundschaft Petrarchs würdig geach- geachtet wurde, der das Leben eines Philoso- nes ge- phen und eines freyen Mannes lebte und unter gleich- der Vervollkommnung seiner Kenntnisse starb, Mafsre-— ein solcher Mann hätte mehr Achtung ver- „ und dient, als ihm von dem Priester von Certaldo Ach- und von einem neuen Englischen Reisenden zu dem Theil wurde, der sein Bild als das eines ge- hässigen, verächtlichen, zügellosen Schriftstel- digung lers entwirft, dessen unreine Reste ohne Erwäh- nung vermodern sollten*). Dieser Englische *) Klassische Tour, Cap. IX. Band II. S. 355. issen- 3te Aufl.„Von Boccaccio, dem neuern Petronius, sagen wir nichts; der Miſsbrauch des Genius ist gebässiger und verächtlicher, ht nur als sein Mangel, und es liegt wenig daran, — 54 Reisende ist zum Unglücke für diejenigen, wel. che den Verlust einer sehr liebenswürdigen Person zu beweinen haben, unter aller Kritik; aber die Sterblichkeit, welche Boccaccio nicht — wo die unreinen Reste eines zügellosen Schriftstellers ihrem verwandten Staube über- liefert werden. Aus demselben Grunde möge der Reisende vor dem Grabe des boshaften Aretino, ohne darauf zu achten, vorüber gehn. Diese zweydeutige Stelle ist kaum hinrei- chend, den Touristen von dem Verdachte eines andern Schnitzers, hinsichtlich des Begräbnifsplatzes Aretino's, zu retten, des- sen Grab in der St. Lukasbirche zu Venedig war, und zu dem berühmten Streite, wo- von Einiges im Bayle aufgeführt ist, An. lafs gab. Die Worte des Herrn Eustace werden uns aber verleiten, zu glauben, das Grab sey zu Florenz oder wenigstens irgend. wo wiedergefunden. Ob die so oft bestrit- tene Inschrift je auf dem Grabe angebracht war, kann nicht entschieden werden; denn jedes Erinnerungsmal an diesen Schriftstel. ler ist aus der St. Lukaskirche verschwunden. vor nich Nacl gend und er n Mens Bocc- no u vorrie entlas 55⁵ a, wel- vor Herrn Eustace schützte, muſs Herrn Eustace rdigen nicht vor dem unpartheyischen Urtheile seiner Critik; Nachfolger sichern.— Der Tod mag seine Tu- nicht genden, nicht seine Irrthümer heilig sprechen, und bescheiden sey es hier ausgesprochen, daſs er nicht nur als Schriftsteller, sondern als Illose. ehen Mensch zu weit ging, wenn er den Schatten e möge Boccaccio's in Gesellschaft mit dem des Areu- shaften no unter den Grabmälern von Santa Croce her- vorüber vorrief, um ihn blos mit Verächtlichkeit zu hinrei- entlassen. Was II Hlagello de' Principi, II divin Pietro Aretino, angeht, so ist es an sich unbedeutend, was für Lanch ein Tadel über einen Narren ausgestofsen wird, irgend.„.„ bStrtt der sein gegenwärtiges Daseyn dem obenerwähn- ebracht ten possierlichen Charakter verdankt, welchen 1 deun der Dichter, dessen Ambra viele andre Zwerge unden. und Würmer erhalten hat, ihm gab; aber den 56 Boccaccio mit einer solchen Person in eine Klasse zu stellen, und sogar seine Asche zu excommuniciren, dies mufs in der That gegen die Fähigkeit des klassischen Touristen über Italische oder gar über irgend eine andre Li- teratur zu schreiben, Zweifel erregen; denn Unwissenheit in Einem Punkte kann allein ei- nes Schriftstellers Untauglichkeit zu jenem be- sondern Gegenstande beweisen; aber Unterwer- fung unter einem bekannten Vorurtheile muſs ihn zu einem unsichern Richter in allen Fällen machen. EinigeUngerechtigkeitundVerkehrtheit, welche gewöhnlich«Gewissenssache» heifst, mag begangen werden; und diese arme Entschuldi- gung ist auch Alles, was für den Priester von Certaldo oder den Verſasser der Klassischen Tour angeführt werden kann. Diesem Zwecke hätte eine Beschränkung des Tadels auf die No- vellen Baccaccio's entsprochen; und Dankbarkeit für jene Quelle, welche der Muse Dry dens Stofl zu ihren letzten und harmoniereichsten Stücken gab, sigen (Decæ Hinsi endig nert nem mit d camer wegen einen der 2z2 ihn i Obern 57 eine gab, sollte vielleicht den Tadel auf die anstös- 2 zu sigen Eigenschaften der hundert Erzählungen egen(Decameron) beschränkt haben. In gewisser über Hinsicht könnte die Reue Boccaccio's seine Be- e Li- endigung verhindert haben, und es sollte erin- denn nert und erzählt worden seyn, dafs er in sei- n ei- nem hohen Alter einen Brief an seinen Freund n be- mit der Bitte schrieb, von der Lesung des De- rwer- cameron, der Sittsamkeit und des Verfassers wegen abzuschrecken, weil dieser nicht immer einen Vertheidiger an der Hand haben würde, muſs ällen der zu seiner Entschuldigung erklärte, dafs er in seiner Jugend und auf Befehl seiner theit, mag ihn huldi- Obern geschrieben hätte*). Weder die Zügel- gecke*)«Non enim ubique est, qui in excusationem meam consurgens, dicat, juvenis scripsit, No- et majoris coactus imperio.“ Der Brief war an Maghinald von Cavalcanti, Marschall des Königreichs Sicilien, gerichtet. S. Tirabo- Stoff 4 8 86— schi, Storia eic. tom. V. par. II. lib. III. pag. 525. ed. Ven. 1795. 5³ losigkeit des Verfassers, noch die schlechten Neigungen der Leser haben dem Decameron allein unter allen Werken Boccaccio's eine fortwährende Popularität erworben. Die Be- Sründung eines neuen und entzückenden Dia- lekts machten die Werke, in welchen er zu- erst begründet war, unsterblich. Die Sonette des Petrarcha waren aus demselben Grunde vom Schicksale bestimmt, sein von ihm selbst bewundertes Afrika, das Lieblingswerk der Kö- nige“, zu überleben. Die unwandelbaren Züge der Natur und des Gefühls, an denen die No- vellen, wie die Verse so reich sind, waren ohne Zweifel die Hauptursache der auswärtigen Berühmtheit beyder Schriftsteller; aber Boccac- cio, als Mensch, darf nur in so fern nach je- nem Werke geschätzt werden, wie Petrarcha aus keinem andern Gesichtspunkte, als dem von Laura's Liebendem betrachtet werden darf. Wenn aber auch der Vater der Toskanischen Prose nur als Verfasser des Decameron bekannt war, so würde ein bedächtiger Schriftsteller vorsichtig gewesen seyn, ein Urtheil auszuspre- chen, das mit der nie irrenden Stimme vieler Zeitalter und Völker unvereinbar ist. Ein Werk, Dia- das sich allein durch Unreinheit empfiehlt, ist zu- nie mit unwiderruflichem Werthe gestempelt. ette Die ächte Quelle des Geschrey's gegen Boc- nde caccio, welches sehr früh begann, war die Ibst Wahl seiner anstöſsigen Personen aus den Klö- Kö- stern wie von den Höfen; aber die Fürsten Züge lachten nur über die so ungerecht der Königin No- Theodelinda aufgebürdeten Abentheuer, wäh- aren rend die Priesterschaft über die aus dem Klo- igen ster und der Einsiedeley geschöpften Ausschwei- cac- ſungen Zeter schrie, höchst wahrscheinlich aus je⸗- dem entgegengesetzten Grunde, weil nämlich cha die Schilderung nach dem Leben war. Von lem zweyen der Novellen wird eingeräumt, daſs sie arf. nützlich in Erzählungen verwandelte Thattachen hen seyen, um die Heiligsprechung von Schurken und Layen zu verhöhnen. Sir Ciappelletto und 60 Marcellinus sind mit Beyfall selbst von dem sittsamen Muratori erwähnt*). Der grofse Ar- naud, wie er im Bayle genannt wird, sagt, daſs eine neue Ausgabe der Novellen vorge- schlagen sey, in welcher die Reinigung in Weglassung der Wörter«Mönch' und«Nonne“ bestände und andern Namen die Unsittlickkei- ten angeheftet würden. Die Literärgeschichte Italiens weiſs von keiner solchen Ausgabe; aber nicht lange vorher hatte das ganze Europa blos Eine Meynung über den Decameron; und die Freysprechung des Verfassers scheint wenigstens vor hundert Jahren ein ausgemachter Paunkt ge- wesen zu seyn: n se feroit siſſler si Von pretendoit convaincre Boccace, de n'avoir pas &tε honnéte homme, puis qu'il a fait le Decame- ron.“ Dies sagte einer der besten Menschen *) Dissertazioni sopra le antichità Italiane. Diss. LVIII p. 253. tom. III. edit. Milan. und — G keit ſang beha ausg zu k wenn chen trast und tuge welc ane. lan. 61 und vielleicht der beste Kritiker, der je lebte — der eigentliche Märtyrer der Unpartheylich- keit*). Doch da diese Erzählung, dafs im An- ſfange des vorigen Jahrhunderts jemand, der behauptete, Boccaccio sey kein guter Mensch, ausgezischt seyn würde, von einem jener Feinde zu kommen scheint, die verdächtig sind, selbst wenn sie uns ein Geschenk der Wahrheit ma- chen: so kann man einen zuverlässigeren Con- trast mit der Achtung des Leichnams, der Seele und Muse Boccaccio's in wenigen Worten des tugendhaften, patriotischen Zeitgenossen finden, welcher eine der Erzählungen dieses unreinen Schriftstellers einer Lateinischen Uebersetzung durch seine eigne Feder werth hielt.«Ich ha- be bemerkt,» sagt Petrarcha in einem Briefe an Boccaccio, dafs das Buch selbst von gewis- *) Eclaircissement, etc. p. 638. edit. Basle, 1741. in dem Supplement zu Bayle'’s Wör- terbuche. 62 sen Hunden zerrissen, aber standhaft durch daſs Ihren Stock und Ihre Stimme vertheidigt ist chen. Auch wunderte ich mich nicht darüber, denn Gebe ich habe Ihre Seelenstärke erprobt, und ich die 0 weiſs, daſs Sie jenem verwegenen, verstockten phiur Geschlechte der Sterblichen in die Hände ge- Padu: 8 fallen sind, welche, was sie selbst nicht wol- derts len, nicht wissen, oder nicht können, an an- genül dern tadeln; die in diesen Fällen allein gelehrt caccie und beredt sich zeigen, übrigens aber ganz erwie stumpf sind*). Es liegt eine Genugthuung darin, zu finden, *)«Animadyverti alicubi librum ipsum canum dentibus lacessitum, tuo tamen baculo egre- giè tuàâque voce defensam. Nec miratus sum; nam et vires ingenii tui novi, et scio exper- tus esses hominum genus insolens et igna- vum, qui quicquid ipsi vel nolunt vel nes- ciunt, vel non possunt, in aliis reprehen- dent; ad hoc unum docti et arguti, sed clin- gues ad reliqua.»... Epist. Joan. Boccatio. opp. tom. I. pag. 540. edit. Basil. urch ist denn ich kten ge⸗ wol- an- lehrt ganz den, num egre- Sum; per- igna- nes- hen- clin- atio. 63 daſs alle Priester nicht denen von Certaldo glei- chen, und dafs einer von ihnen, welcher die Gebeine Boccaccio's nicht besafs, doch nicht die Gelegenheit versäumte, ihm ein Kenota- phium zu errichten. Bevius, Kanonikus von Padua, errichtete im Anfange des 16. Jahrhun- derts, dem Grabe des Lorbeergeschmückten ge- genüber, eine Tafel, auf welcher er dem Boo- caccio mit Dante und Petrarcha gleiche Ehre erwies. 34. Frommt ihr die Pyramid' aus Prachtgestein? St. 60. Z. 1. Unsre Verehrung für die Medici beginnt mit Cosmo und erlischt mit seinem Enkel; jener Strom ist nur an der Quelle rein, und wir be- suchen die St. Lorenzokirche zu Florenz nur, um ein Andenken von den tugendhaften Repu- blikanern der Familie zu finden. Die fiitter- reiche, glänzende, unbeendigte Kapelle in jener 64 Kirche, welche zum Crabmale der Herzoge der von Toskana bestimmt ist, erzeugt nur Empfin- unse dungen der Verachtung über die verschwende- Gem rische Eitelkeit eines Geschlechts von Despoten, rung während die Marmorplatte, die einfach dem cana Vater des Vaterlandes gewidmet ist, uns mit phen dem Namen der Medici aussöhnt*). Es war liche sehr natürlich, dafs Corinna**) vermuthete, die stark dem Herzoge von Urbino errichtete Statue in Taua der capella de depositi sey für seinen groſsen Jahre Namensverwandten bestimmt gewesen; aber dem Ceer prächtigen Lorenzo ward nur ein halb verborg- jener ner Sarg in der Nische der Sakristey zu Theil. 63 Der Verfall von Toskana beginnt mit der Un- umschränktheit der Medici. Von dem Crab- ähnlichen Frieden, welcher auf die Festsetzung *) Cosmus Medices, Decreto Publico, Pater Patriæ. **) Corinne. Liv. XVIII. cap. III. rol. III. Page 284. Theil. er Un- Crab- etzung Pater 1. III. 6⁵ der herrschenden Familien in Italien folgte, hab unser Sidney uns ein glühendes, aber treues Cemälde entworfen.«Ungeachtet aller der Gäh- rungen in Florenz und in andern Städten Tos- cana'’s, der schrecklichen Partheyen der Guel- phen und Chibelinen, Neri und Bianchi, Ade- lichen und Gemeinen blieben sie volkreich, stark und ausnehmend reich; aber in dem Zeit- raume von nicht einmal hundert und funfzig Jahren soll die feindliche Regierung der Medi- ceer neun Theile von zehn unter dem Volke jener Provinz zerstört haben. Unter andern ist es merkwürdig, daſs, als Philipp der Zweyte von Spanien Sienna dem Herzoge von Florenz gab, sein damaliger Gesandter zu Rom ihn be- nachrichtigte, er habe mehr als 650,000 Unter- thanen weggegeben; und jetzt glaubt man, daſs keine 20,OOo jene Stadt und das Gebiet bewoh- nen. Pisa, Pistoja, Arezzo, Cortona und andre damals gute und volkreiche Städte haben in gleichem Verhältnisse abgenommen; Florenz 26. E 66 aber mehr als irgend eine andre. Als jene Stadt durch Aufruhr, Tumulte und meistens unglückliche Kriege beunruhigt worden war, behielt sie noch eine solche Kraft, daſs, als Karl VIII von Frankreich mit seiner ganzen Armee, die bald darauf das Königreich Neapel eroberte, als Freund aufgenommen, sie zu überwältigen dachte, das Volk die Wallen er- griff und ihm einen solchen Schrecken einjagte, daſs er froh war, unter solchen Bedingungen, wie sie ihnen gut dünkten, abzureisen. Mac- chiavelli berichtet, daſs in jener Zeit Florenz allein mit dem Val d'Arno, einem kleinen zur Stadt gehörigen Gebiete, in wenigen Stunden durch den Schall einer Glocke 135,000 wohlbe- wallnete Männer versammeln konnte; da jetzt die Stadt und alle andern in jener Provinz zu einer so verächtlichen Schwäche, Leere, Ar- muth und Niedrigkeit gesunken sind, dals sie weder den Unterdrückungen ihres eignen Für- sten widerstehen, noch ihn, oder sich, wenn . lene sie von einem fremden Feinde angegriffen wür- 1stens den, vertheidigen könnten. Das Volk ist zer- War, streut oder vernichtet, und die besten Familien , als werden nach Venedig, Genna, Rom, Neapel anzen und Lucca geschickt, sich dort Wohnungen zu leapel suchen. Nicht Krieg, oder Pest ist Schuld dar- ie zu an; sie geniefsen eines vollkommenen Friedens 2.. zu er. und leiden an keiner andern Plage, als der Re- jagte, gierung, unter welcher sie stehen.“*) Von e. ingen, dem Machihaber Cosmo bis auf den schwachen Mac- CGaston sehen wir uns umsonst nach einer von orenz den ungemischten Eigenschaften um, die einen un zur Patrioten zum Befehlshaber über seine Mitbür- nden ger erheben könnten. Die Groſsherzoge, und ohlbe- vorzüglich der dritte Cosmo, hatten den Tos- jetzt canischen Character so ganz umgeschaſfen, daſs die offenberzigen Florenüner zur Entschuldigung hls sie*) Ueber Regierung, Kap. II. Abtheil. XXVI. Fär- 8. 208. Ausg. 1751. Sidney ist, zugleich mit Locke und Hloadley, einer von Hume’s wenn«verächtlichen“ Schriftstellern. 63 für einige Unvollkommenheiten in dem men- schenfreundlichen Systeme Leopolds zu dem Bekenntnisse genöthigt sind: der Fürst sey der einzige freysinnige Mann in seiner Herrschaft. Doch hatte selbst jener vortreffliche Fürst kei- nen andern Begriff von einer Nationalversamm- lung, als von einer Gesammtschaft, die Bedürf- nisse und Wünsche, nicht den Willen des. Volks vorzustellen. 33. «Dafs ungeachtet tief Ein Erdstofs fort zu ihren Füfsen lief.“ St. 63. Z. 5. «Und so grofs war ihr Eifer, so auf den Kampf gerichtet das Gemüth, daſs jenes Erd- beben, welches viele Städte Italiens groſsen- theils niederwarf, welches den Lauf reissender Ströme umwandelte, das Meer in die Flässe zwang, und Berge unter groſsem Gekrache nie- derstürzte, keiner unter den Kämpfenden be- f.* Z. 5. uf den s Erd- roſsen- sender Flüsse ne nie- en be- 59 merkte*). Dies ist Livius Beschreibung. Es ist zu bezweifeln, ob neuere Taktik eine solche Entäusserung zulassen würde. Ueber die Gegend der Schlacht bey Thrasy- mene ſindet kein Irrthum statt. Der von dem Dorfe unter Cortona nach Casa di Piano Rei- sende(welches die nächste Station auf dem Wege nach Rom ist), hat die ersten zwey oder drey Meilen, rund um sich herum, doch be- sonders zur rechten Hand jenes flache Land, welches Hannibal verwüstete, um den Con- sul Flaminius zur Räumung Arezzo's zu bewe- gen. Zu seiner Linken und vor ihm ist eine Reihe Hügel, die sich zum See Thrasymene *) Tantusque fuit ardor animorum, adeo in- tentus pugnae animus, ut eum terræ mo- tum, qui multarum urbium Italiæ magnas partes prostravit, avertitque cursu rapido amnes, mare fluminibus invexit montes lap- su ingenti proruit, nemo pugnantium sen- serit... Tit. Liv. lib. XXII. cap. XII. 7⁰ neigen, und die, von Livius montes Cortonen- gel. ses» genannt, jetzt Gualandra heiſsen; diesen Sch Hügeln nähert er sich bey dem Dorfe Ossaja, ses von welchem die Reisebeschreibungen behaup- wät ten, dafs es von den dort gefundenen Gebeinen wal den Namen führe; es sind aber keine Gebeine der dort gefunden, und das Treffen wurde an der ner andern Seite des Hügels geliefert. Von Ossaja ein erhebt sich die Landstrafse ein wenig; aber 4 Jade erst bey dem sieben und sechzigsten Meilen- ner steine hinter Florenz geht sie in die Wurzeln stre der Berge. Von da steigt sie nicht steil, aber ein beständig und zwanzig Minuten lang in die Hö- che he. Der See erscheint bald unten rechts bey die Borghetto, einem runden, dicht am Wasser bal- stehenden, Thurme; und die Wellenschlagen- dur den, zum Theil mit Waldung bedeckten, Hü-— gel, zwischen welchen sich die Strafse durch- 2 windet, senken sich allmählig zu den Morästen bey diesem Thurme. Niedriger als die Land- straſse tief rechts zwischen diesen waldigen Hü- 7¹ onen- geln stellte Hannibal seine Reiterey*), in dem iesen. Schlunde des, oder vielmehr oberhalb des Pas- ssaja, ses, welcher zwischen dem See und der gegen- haup- wärtigen Landstrafse sich befindet, und höchst einen wahrscheinlich sich an Borghetto grade unter beine dem tieſsten der Hügel anschloſs*** Auf ei- a der nem Gipfel links oberhalb der Landstrafse ist Dssaja eine andre runde Ruine, welche die Bauern aber 4 den Thurm Hannibals des Carthaginiensers» eilen- nennen. Auf dem höchsten Punkt der Land- rzeln straſse angelangt, hat der Reisende zum Theil aber eine Aussicht auf die unglückliche Ebene, wel- Hõö- che aber völlig sich vor ihm öffnet, so wie er b bey die Gualandra herabsteigt. Er befindet sich asser bald links und vorn und hinten in einem Thale durch die Gualandrahügel eingeschlossen, wel- *²)«Equites ad ipsas fauces saltus tumulis apte tegentibus locat.“ T. Lioii, lib. XXII. cap. IV. 5**)«Ubi maxime montes Cortonenses Thrasy- Hü- menus subit.“ Ibid. 7² che sich in einem gröſsern Segment als ein Halbzirkel senken und auf beyden Seiten nach dem See laufen, welcher schief sich zur rech- ten Hand erstreckt und die Sehne dieses Berg- bodens bildet. Von den Ebenen von Cortona aus kann man sich die Lage nicht so denken, und nur dem, welcher sich ganz innerhalb der Hügel befindet, scheint sie so vollkommen ein- geschlossen zu seyn. Sie erscheint dann in der That als«ein zur Schlinge geschaffener Ort.“ Locus insidiis natus. Man findet dann, dals Borghetto in einem engen sumpfigen Passe na- he bey dem Hügel und bey dem See steht, während kein andrer Ausgang an der enigegen- gesetzten Seite der Berge, als durch die kleine Stadt Passignano, welche von dem Fuſse eines hohen Felsenhanges in's Wasser geschoben ist"*). Dort ist eine Waldhöhe, die sich von den Ber- gen nach dem obern Ende der Ebene und bis *)«Inde colles assurgunt.“ Ibid. s ein nach rech- Berg- ‚Prtona enken, lb der n ein- in der Ort.* 1, daſs se na- steht, gegen- kleine nahe vor Passignano ausbreitet, und auf dieser steht ein weiſses Dorf, Torre genannt. Poly- bius scheint auf diese Höhe als die eine anzu- spielen, wo Hannibal sich lagerte und seine schwerbewaffneten Afrikaner und Spanier in ei- ner offenen Stellung absonderte*). Von diesem platze aus vertheilte er seine Balearischen und leichtbewaflneten Truppen rechts auf den Gua- landrahöhen, um so ungesehen anzufallen und einen Hinterhalt zwischen den zerbrochenen Abhängen zu bilden, durch welche jetzt die Landstrafse sich zieht, und zum Angriſſe auf die linke Flanke und oberhalb dem Feinde be- IGα 50 8 Aτ Hist. lib. III. cap. 33. Die Erzählung des Polybius läfst sich nicht so leicht mit den gegenwärtigen Ansichten vereinigen, wie die im Livius: er spricht von Hügeln zur Rechten und Linken des Passes und des Thales; als aber Flaminius hereinkam, hatte er den Sce zur Rechten von beyden. und⸗ reit zu seyn, während die Reiterey den hintern die ungeheure Armee auf dem Hügel zu Torre den Platz versperrte. Flaminius langte bey Sonnen- je we untergang an dem See bey Borghetto an; und tertre ohne einige Spione vor sich her zu senden, vom 1 marschirte er am folgenden Tage durch den über Paſs, ehe der Tag völlig angebrochen war, 80 Plätze dafs er nichts von der Reiterey und den leich- alle d ten Truppen über und um sich bemerkte, und halte 1 nur die schwerbewaffneten Carthaginienser vor hend, sich auf dem Hügel von Torre sah*). Der gab d Consul begann seine Armee auf der Fläche aus- der 1 zudehnen, und unterdessen besetate die Reite- rauscl rey im Hinterhalte den Paſs hinter ihm bey hinter Borghetto. So waren die Römer völlig einge- zur E V schlossen, indem sie den See zur Rechten und ordnu Gl vor sich, die mit den Leichtbewaffneten ge- jeder füllten Gualandrahügel zu ihrer Linken hatten, *)«A tergo et super caput decepere insidiæ.» T. Liv. etc. niern nnen- und nden, den r, so leich- „und r Vor 75 und am Rückzuge durch die Cavallerie, welche, je weiter sie vorrückte, alle Ausgänge im Hin- tertreffen verstopfte, verhindert waren. Ein vom See aufsteigender Nebel verbreitete sich über die Armee des Consuls; aber die höhern Pplätze waren von der Sonne beschienen, und alle die verschiednen Abtheilungen im Hinter- halte warteten, nach dem Hügel von Torre se- hend, auf den Befehl zum Angriff. Hannibal gab das Signal und zog von seinem Posten auf der Höhe hinab. In demselben Augenblicke rauschten alle seine Truppen auf den Hügeln hinter und zur Seite des Flaminius einmüthig zur Ebene. Die Römer, welche ihre Schlacht- ordnung im Nebel bildeten, hörten plötzlich den Juhel des Feindes in ihrer Mitte und auf jeder Seite, und ehe sie in ihre Reihen fallen, oder ihre Schwerter ziehen, oder sehen konn- ten, von wem sie angefallen waren, fühlten sie auf einmal, sie seyen umringt und verloren. Von den Gualandra laufen zwey Bäche in 76 den See. Den ersten von ihnen durchkreuzt der Reisende ungefähr eine Meile, nachdem er zur Ebene gelangt, und dieser theilt das Toscanische vom Päbstlichen Gebiet. Der zweyte, ungeſähr eine Viertelmeile weiter, heiſst ader Blutbach» und die Bauern deuten einen offenen links zwischen dem«Sanguinetto» und den Hügeln befindlichen Platz als die Haupt- scene des Blutbades an. Die andre Seite der Ebene ist mit dick gepflanzten Oelbäumen auf Kornboden bedeckt, und nirgends, als nahe am Rande des Sees, ganz eben. Es ist in der That höchst wahrscheinlich, dafs die Schlacht nahe am Ende dieses Thals geschlagen wurde, denn die sechstausend Römer, die beym Anfang der Handlung durch den Feind brachen, retteten sich auf den Gipfel einer Höhe, die in diesem Revier gewesen seyn mufs; sonst würden sie die ganze Ebene durchkreuzen und durch die Haupt- armee Hannibals haben dringen müssen. Die Römer fochten drey Stunden lang ver- 77 zweiflungsvoll; aber der Tod des Flaminius war kreuzt chdem das Zeichen zu einer allgemeinen Zerstreuung. It das Die Carthaginiensische Reiterey brach darauf Der in die Flüchtigen ein, und der See, der Sumpf „heiſst um Borghetto, doch vorzüglich die Ebene des einen Sanguinetto und die Pässe der Gualandra, wa- 9 und ren mit Todten bestreut. Bey einigen alten Haupt- Wällen auf einer bleichen Kuppe, links ober- ite der halb des Baches, sind viele Menschenknochen 1en auf wiederholt geſunden worden, und dies hat die ahe am Ansprüche und den Namen des«Blutstroms“ er That bekräftigt. Jeder Distrikt Italiens hat seinen Helden. Im t nahe Norden ist irgend ein Maler der gewöhnliche denn ng der Genius des Platzes, und der Ausländer Julio etteten Romano theilt nicht blos Mantua mit dessen diesem Sohne Virgil*). Nahe beym Thrasymene ist sie die Haupt.*) Um die Mitte des 12. Jahrhunderts trugen die Münzen Mantua's auf der einen Seite . das Bild und die Gestalt Virgils. Zecca g ver- d'Italia. pl. XVII. I. 6. Voyage dans le die Sage noch dem Ruhme eines Feindes ge- treu, und Hannibal, der Carthaginienser, ist der einzige Name, dessen man sich an den Ufern des Perugianischen Sees noch erinnerte. Flaminius ist ungekannt; aber den Postillions ist angewiesen worden, den Fleck zu zeigen, wo il console. Romano erschlagen wurde. Von allen den in der Schlacht bey Thrasymene Käm- pfenden und Gefallenen hat der Geschichtschrei- ber selbst ausser den Generälen und Maharbal in der That nur einen einzigen Namen aufbe- halten. Dem Cartbaginienser begegnen wir noch einmal auf derselben Straſse nach Rom. Der Antiquar, d. h. der Stallknecht in dem Post- hause zu Spoleto, erzählt uns, dafs seine Stadt den siegreichen Feind zurücktrieb, und zeigt uns das noch jetzt Porta di Annibale genannte Thor. Es ist kaum bemerkenswerth, dafs ein Milanais, etc. par. A. Z. Millin. tom. II. pag. 294. Paris, 1817. ten den cher nach zwey Cipf des ge- ger, ist an den innerte. stillions zeigen, . Von ne Käm- tschrei- lah arbal aufbe. Pir noch Der m Post- 79 Französischer, unter dem Namen des Präsiden- ten Dupaty wohlbekannter, Reisebeschreiber den Thrasymene im See von Bolsena sah, wel- cher bequem auf seinem Wege von Sienna nach Rom lag. 36.— Doch du, Clitumnus.“— St. 66. Z. 1. Keine Reisebeschreibung hat unterlassen, bey dem Tempel des Clitumnus, zwischen Foligno und Spoleto, zu verweilen; und keine Gegend und kein Schauplatz ist einer Beschreibung wür- diger. Ueber den Verfall dieses Tempels sehe der Leser Hobhouse's historische Erläute- rungen zum IV. Gesange des Childe Harold. 37. Entzückt das Aug' durch Angst— als schön- sten Wasserfall.— St. 71. Z. 9. Ich sah die«Cascata del marmore von Terni zweymal zu verschiednen Perioden; einmal vom Gipfel des Abgrundes, und dann unten vom 80 Thale. Die untere Aussicht ist weit vorzuziehen, wenn der Reisende nur für Eine Zeit hat; aber aus jedem Gesichtspunkte betrachtet, von oben, wie von unten, ist er so viel als alle Wasser- fälle und Bergströme der Schweiz zusammen werth; der Staubbach, Reichenbach, Pisse Va- che(Kuhpisse), der Fall von Arpenaz u. s. w. sind in Vergleichung mit ihm nur Bäche. Vom Wasserfall von Schaffhausen kann ich nicht sprechen, weil ich ihn noch nicht geschen habe. 38. Entlang der Woge dieser Unterwelt Sitzt eine Iris.“— St. 72. Z. 2. u. 3. Ueber die Zeit, die Gegend und Eigenschaf- ten dieser Art von Regenbogen hat der Leser vielleicht eine kurze Bemerkung in einer Note zum Manfred gelesen. Der Wasserfall sieht ader Hlölle der Wasser» so ähnlich, daſs Ad- dison den erwähnten Sturz für den Golf hielt, in welchen Alecto in den unterirdischen Räu- men der sind voli. len, der! Das Tem ten die t Ein; Distr 81 iehen, men sich tauchte. Es ist sonderbar, daſs zwey ; aber der schönsten Wasserfälle in Europa künstlich oben, sind— dieser des Velino und der eine zu Ti- Vasser- voli. Dem Reisenden wird dringend empfoh- mmen len, auf den Velino, wenigstens so hoch wie se Va- der kleine See Pie' di Zup genannt, zu steigen. . s. VW. Das Reatinische Gebiet war das Italienische . Vom Tempe*), und die alten Naturforscher bemerk- nicht ien unter andern mannigfaltigen Schönheiten n habe. die täglichen Regenbogen des Sees Velina**). Ein gelehrter von groſsem Namen hat diesem Distrikte allein eine Abhandlung gewidmet***). *)«Reatini me ad sua Tempe deduxerunt.»— Cicero epist. ad Attic. XV. lib. IV. Leser Note**) In eodem lacu nullo non die apparere ar- 3 cus.»“ Plin. Hist. Nat- lib. II. cap. LXII. all sieht ***) Ald. Manut. de Reatina urbe agroque. ap. hſs Ad- Sallengre, Thesaur. tom. I. p. 773. 26. F 39. Lawinen donnern.“— St. 73. Z. 5. In dem gröſsern Theile der Schweiz sind die Aralanchen unter dem Namen der Lawinen be-. kannt. 40. «Mir war das Ein Greu'l, des Dichters halb zu jagen nach Der Lehr', die jung man Wort für Wort so kraſs Mir sträubend eingezwängt.“» St. 75. Z. 6, 7. 8 u. 9. DieseZeilen werden wahrscheinlich den Leser an des Fähnrich Northerton's Bemerkungen: D—n Homo,“ u. s. w. erinnern, doch der Grund unsers Miſsfallens ist nicht ganz dersel- be. Ich will damit sagen, daſs wir von der Arbeit ermüdet werden, ehe wir die Schönheit fassen können, dafs die Frische dahin ist, und daſs der künftige Genufs und Nutzen durch das lerne und: tunge schen weil Bekar demse in ei (z. B weil! bung Gedät daſs, zu ge Verla des fe wöhn sie le Reife. nicht len g ad die n be- nach ort so 3³ lernende Vorgreifen in jenem Alter ertödtet und zerstört wird, wo wir die Macht der Dich- tungen, sowohl der Lateinischen als Griechi- schen, weder fühlen noch verstehen können, weil ihr Geschmack und ihre Beurtheilung eine Bekanntschaft mit dem Leben erfordert. Aus demselben Grunde können wir nie die Fülle in einigen der schönsten Stellen Shakspear's (z. B.«Seyn oder Nichtseyn), wahrnehmen, weil man sie uns im achten Jahre als eine Ue- bung nicht für das Gemüth, sondern für das Gedächtniſs einzuhämmern gewohnt ist, so daſs, wenn wir alt genug geworden sind, sie zu geniefsen, der Geschmack dahin und das Verlangen erschlafft ist. In einigen Gegenden des festen Landes werden junge Leute aus ge- wöhnlichern Schriftstellern unterrichtet, und sie lesen die besten Classiker erst in ihrer Reife. Ich spreche über diesen Punct gewiſs nicht aus irgend einem Hasse oder Widerwil- len gegen meinen Erzichungsort. Ich war kein 34 träger, wenn gleich ein unnützer Kuabe; und ich glaube, keiner konnte und kann mehr an Harrow hängen, als ich stets und mit gutem Grunde ihm anhing;— ein Theil der dort ver- lebten Zeit war der glücklichste meines Daseyns; und mein Lehrer(der verehrungswürdige Dr. Joseph Drury), war der beste und würdigste Freund, den ich je besaſs, an dessen Warnun- gen ich mich stets zu wohl erinnerte, obschon zu spät— wenn ich irrte, und dessen Rath ich nur befolgte, wenn ich gut oder weise han- delte.— Wenn je diese unvollkommne Keus- serung meiner Gefühle gegen ihn vor seine Au- gen kömmt, so möge sie ihn an den erinnern, der noch freudiger stolz darauf seyn würde, sein Zögling zu seyn, wenn er durch genauere Befolgung seiner Vorschriften einige Ehre auf seinen Lehrer zurückwerfen könnte. zen 8 läuter 2 0 Gew erwäh halb w 85 und 41 ürsan Selbst aschenleer steht's Grab der Scipio's.» zutem St. 79. Z. 5. it Ver- Ueber diese und die beyden folgenden Stan- eyns; zen sehe der Leser nach die historischen Er- he Dr. läuterungen zum IV. Gesange des Childe Harold. digste arnun- 42. 'schon „Den dreymal hundert Siegstriumphen.“ th ich St. 32. Z. 2. han- Orosius gibt drey hundert und zwanzig als Seus die Zahl der Triumphe an. Ihm folgt Panvi- e Au- nius; und dem Panvinius Herr Gibbon und die neuern Schriftsteller. 43. re auf du, deſs Wagen rollt’ am Glückesrad, etc. St. 33. Z. 1. Cewiſs sind es diese beyden in dieser Stanze erwähnten Züge im Leben Sylla's nicht, wes- halb wir ihn als ein durch keine bewunderns- 86 würdige Eigenschaften aussöhnendes Ungeheuer betrachten müfsten. Die GCenugthuung sei- ner freywilligen Entsagung auf die Herrschaft kann vielleicht von uns angenommen werden. so wie sie die Römer befriedigt haben mufs, die ihn, hätten sie ihn nicht geachtet, vernich- tet haben müfsten. Keine Mittelstrafse, keine Theilung der Meynungen konnte hier statt fin- den: sie mufsten alle denken, wie Eukrates, dafs, was Ehrgeiz geschienen hatte, Liebe zum Ruhme war, und das, was irrig für Stolz ge- halten wurde, wirkliche Seelengröfse war*). *)«Seigneur, vous changez toutes mes idées de la fagon dont je vous vois agir. Je croyois que vous aviez de l'ambition, mais aucun amour pour la gloire: je voyois bien que votre ame étoit haute; mais je ne soupgon- nois pas quelle fùt grande.“ Dialogue de Sylla et d' Eucrate. a U Am Sieg aseine wenig er in hatte, Ur Im heuer g sei- schaft erden. mufs, rnich- keine tt fin- rates, e zum lz ge- 87 44. aUnd legt ihn zu der Erde früherm Lehm.“ St. 86. Z. 1. Am dritten September gewann Cromwell den Sieg bey Dunbar; ein Jahr darauf erhielt er aseine krönende Cnade“ von Worcester; und wenige Jahre nachher an demselben Tage, den er immer fäür seinen glücklichsten gehalten hatte, starb er. 45. „Und du, o Statue! die mit düstrer Brau Im Ernst der nackten Majestät noch droht. St. 87. Z. 1 u. 2. Die entworfene Theilung der Spada Pompeji hat schon der Geschichtschreiber des Verſalls und Untergangs des Römischen Reichs erwähnt. Herr Gibbon fand sie in den Memorialen des Flaminius Vacca*), und zu seiner Bemerkung. — *) Memoire, num. LVII. pag. 9. ap. Mont- faucon Diarium Italicum. 88 werde nur noch dies hinzugefügt, daſs der Papst Julius III. den streitenden Eigenthümern fünfhundert Kronen für die Statue gab, und sie dem Cardinal Capo di Ferro schenkte, wel- cher der Vollstreckung von Salomon’s Urtheil über die Bildsäule zuvorgekommen war. In ei- nem gebildeten Zeitalter wurde diese Statue einer wirklichen Operation ausgesetzt; denn die Franzosen, welche Voltaire's Brutus auf dem Colliseum aufführten, beschlofsen, daſs ihr Cäsar an dem Fuſse jenes Pompejus, wel⸗ cher mit dem Blute des eigentlichen Dictators bespritzt war, fallen sollte. Der neun Fuſs ho- he Heros wurde daher nach der Arena des Am- phitheaters gebracht, und, um die Fortschaffung zu erleichtern, erduldete er auf kurze Zeit das Abnehmen seines rechten Armes. Die repu- blikanischen Trauerspieler gaben vor, der Arm sey ein angesetzter gewesen; aber ihre Ankläger glauben nicht, dals die Unverletztheit der Sta- tue ihn geschützt haben würde. Die Freude, jede ächter dem 1 Beurtl auch bus dA dem Rom: nicht, Bürger beynal nackte 89 der jede Uebereinstimmung auſzufinden, hat den mern ächten Cäsarischen Ichor in einem Flecke an und dem rechten Knie entdeckt; aber eine kältere wel⸗ Beurtheilung hat nicht nur das Blut, sondern etheil auch die Abbildung verworſen, und den Glo- In ei- bus der Macht vielmehr dem ersten Kaiser, als tatue dem letzten der republikanischen Herrn von denn Rom zuerkannt. Winkelmann*) getraut sich auf nicht, eine heroische Statue einem Römischen daſs Bürger zuzugestehen; aber der Grimani Agrippa, wel. eynahe sein Zeitgenosse, ist heroisch; und ators nackte Römische Statuen waren nur selten, nicht ho- durchaus verboten. Das Gesicht stimmt viel Am- besser zu dem minem integrum et castum et ffung gravem,“*½) als zu irgend einer von den Büsten t das des Augustus, und ist zu düster für ihn, wel- cher, wie Suetonius sagt, durch alle Perioden *) Storia delle arti, etc. lib. IX. cap. I. p. 321, Sta- 322. tom. II. **) Cicero Epist. ad Atlicum, XI. 6, 9⁰0 seines Lebens schön war. Die behauptete Aehn. spric lichkeit mit Alexander dem Crofsen kann nicht die c entschieden werden, aber die Züge gleichen sen* der Medaille des Pompejus*). Der erwähnte Schat Globus war wohl keine übel angebrachte Schmei- 15. J cheley für ihn, der die Gränze von Kleinasien noch fand und es als den Mittelpunkt des Römischen dem Reichs verliels. Winkelmann scheint darin zu tue s irren, daſs er meynt, es könne von der Stelle, würd wo sie gefunden wurde, kein Beweis für die die 4 Identität dieser Statue mit der, welche das läſst, blutige Opfer empfing, hergeleitet werden*). ist, mäch Flaminius Vacca sagt: sotto una cantina, und diese cantina war, wie bekannt, in dem Vicolo de' Leutari nahe bey der Cancellaria, einer 3 Stelle, welche vollkommen der des Janus vor-) dem Säulengange vom Pompejus-Theater ent- *) Von Kauseus in seinem Römischen Ma. seum bekannt gemacht. **) Storia delle arti, eic. ibid. Aehn- nicht eichen wähnte hmei- nasien ischen rin zu Stelle, ür die ne das n**). , und Vicolo einer us vor. r ent⸗ n Mu- 91 spricht, wohin Augustus die Statue brachte, als die curia entweder verbrannt oder niederger' s- sen war*). Ein Theil von dem Pompejischen Schatten**), dem portico, war zu Anſange des 15. Jahrhunderts noch da, und das atrium hief: noch Satrum, So erzählt Blondus***). In je dem Falle ist aber die düstre Majestät der Sta- tue so ergreifend und die Geschichte so merk- würdig, dafs das Spiel der Einbildungskraft für die Anwendung der Eeurtheilung keinen Raum läfst, und die Dichtung, wenn sie Dichtung ist, wirkt auf den Zuschauer nicht minder mächtig, als die Wahrheit. *) Fueton. in vit. August. cap. 31. und in vit. C. J. Cæsar. cap. 58. Appian sagt, daſs sie niedergebrannt war. S8. eine Anmerkung des Pitiscus zu Suetonius, S. 224. 5 ½)«Tu modo Pompeja lenta spatiaresub umbra.* Ovid. ar, amand. ***) Roma instaurata. lib. II. fo. 31. 9² 46. «Und du, die Blitzgeschlag'ne Amme Roms!“ St. 88. Z. 1. Das alte Rom hatte, wie das neuere, höchst wahrscheinlich Ueberfufs an Bildsäulen der Pfle- gemutter ihres GCründers; aber zweyer Wölfin- nen erwähnt besonders die Geschichte. Eine von diesen, von Erz in alter Arbeit, wurde von Dionysius*) bey dem Tempel des Romulus, unter dem Palatium, gesehen, und wird allge- mein für die von dem Lateinischen Schriftstel- ler erwähnte gehalten, welche von den Münzen einer den Wucherern auferlegten Geldstrafe verfertigt wurde, und unter dem Ruminalischen Feigenbaume stan 1 ie andre war die, Feigenb tand** D dre die, *) XAXuνα rονπνο⁊QBzxraXa αiαs, Antiq. Rom. lib. I. *)«Ad ſicum Ruminalem simulacra infantium conditorum urbis sub uberibus lupae posue- runt.“ Ziv. Hist. lib. X. cap. LXIX. Dies war im Jahre der Stadt 455 oder 457. ms!? 1. bchst Pfle- lfin- Eine urde ulus, allge- tstel- welche Cicero*) in Prosa und Versen verherr- licht hat, und von welcher der Geschichtschrei- ber Dion auch anführt, derselbe vom Redner**) berührte Umstand habe sie getroffen. Die von )«Tum statua Nattae, tum simulacra Deo- rum, Romulusque et Remus cum altrice bellua vi fulminis icti conciderunt.“ De Divinat II. 20o.„Tactus est ille etiam qui hanc urbem condidit Romulus, quem inau- ratum in Capitolio parvum atque lactantem, uberibus lupinis inhiantem fuisse memini- stis.“ In Caczlin. III. 8. „Hic silvestris erat Romani nominis altrix Martia, quae parvos Mavortis semine natos Uberibus gravidis vitali rore rigebat Quae tum cum pueris flammato fulminis ictu Concidit, atque avulsa pedum vestigia liquit.» De Consulatu lib. II.(lib. I. de Divinat ) E⸗ 7⁰½ 2⁶ aA‿ν Aεο d2⁸ι§ρ⁷νν(⁸ . ae Ur sdνναν σωωοσόďννπνενε 5 8ℳ 5.,,, d-ανλαα λeν⁷αuχ, u d36 4 78% gEvOv, SNGdv T T10 AUIEAvne ν 7 τ 2 Ge u⁴ ½ 7( Meaa⸗ 8 Q. Dion. Hist. lib. XXXVII. pag. 37. edit. Rob. 94 den Antiquaren bestrittene Frage ist, ob die jelzt in dem Conservators-Pallaste befindliche Steph. 1543. Er fährt fort zu bemerken, dafs die Buchstaben der Säulen, auf wel- chen die Gesetze geschrieben wurden, ge- schmolzen und 2/½νιυο σ geworden seyen. Alles, was die Römer thaten, war, dalſs sie dem Jupiter eine groſse Statue errichieten, die nach Osten sah; von der Wölſin ist nachher nichts erwähnt. Dies geschah im Jahre der Stadt 689. Der Abate Fea sagt, indem er diese Stelle des Dion anführt(Sto- ria delle arti, etc. tom. I. pag. 22. not. X.) Non ostante, aggiunge Dione, che fosse ben Ffermata(die W Slün), woraus erhellt, daſs der Abate die Xylandro-Leuclavische Version übersetzte, welche quamois stabilita für das ursprüngliche 79„ setzt, ein Wort, wel⸗ ches nicht ben-fermata, sondern blos er- hoben bedeutet, wie deutlich aus einer andern Stelle desselben Dion zu seben ist: HSX79⸗ 28 00„ 5 ATνas nal 7„ Ab-obατπον ⁸νντιαηο˙Ʒασ 486 αν. Hist. lib. LVI. Dion sagt, daſs Aarippa eine Statue des Augustus in dem Pantheon zu erhe- ben wünschte.»* die dliche ſerken, f wel- hteten, Iſin ist ah im s einer den ist: 141 7³„ b. LVI. Statue erhe- 95 Wölfin die des Livius und Dionysius, oder die des Cicero, oder ob sie weder das eine noch das andre sey. Die frühern Schriftsteller wei- chen eben so sehr, wie die neuern, von einan- ander ab. Lucius Faunus*) sagt, es sey die von beyden erwähnte, welches unmöglich ist, und auch die vom Virgil berührte, welches seyn kann. Fulvius Ursinus**) nennt sie die Wölſin des Dionysius, und Marlianus***) spricht *)«In eadem porticu oenea lupa, cujus ube- ribus Romulus ac Remus lactantes inhiant, conspicitur: de hac Cicero et Virgilius sem- per intellexere. Livius hoc signum ab Ae- dilibus ex pecuniis qurbus mulctati essent foeneratores, positum innuit. Antea in Co- mitiis ad Ficum Ruminalem, quo loco pueri fuerant expositi locatum pro certo est. Luc Fauni de Antiq. Urb. Rom. lib. II. cap. VII. ap. Sallengre, tom. I. p. 217. In seinem XVII. Kapitel wiederholt er, daſs die Sta- tuen da waren, aber nicht dort gefunden wurden. **) Ap. Mardini. Roma Vetus. lib. V. cap. 4. ***) Marliani Urb. Rom. topograph. lib. II. cap. 96 von ihr, als der einst von Cicero erwähnten. Ihm slimmt Rycquius zitternd bey*). Nardini ist zu der Vermuthung geneigt, es sey vielleicht eine von den vielen, im alten Rom aufbe- wahrten, Wölſinnen; aber unter den beyden **) erklärt er sich mehr für Cicero's Statue Montfaucon***) erwähnt sie als etwas Unbe- IX. Er erwähnt eine andere Wölfin und Zwillinge in dem Vaticane lib. V. cap. XXI. *)«Non desunt qui hanc ipsam esse putent, quam adpinximus, quae comitio in Basi- licam Lateranam, cum nonnullis aliis anti- m reliquiis, atque hinc in Capitolium quitatur Marlianus anti- postea relata sit, quamvis quam Capitolinam esse maluit a Tullio de- scripiam, cui ut in re nimis dubia, trepidè adsentimur.“ Just. Hequii de Capit. Ro- man. Comm. cap. XXIV. pag. 250. edit. Lugd. Bat. 1696. **) Nardini Roma Vetus, lib. V. cap. 4. ***)«Lupa hodieque in capitolinis prostat aedi- bus, cum vestigio fulminis quo ictam narrat Cicero.“ Diarium Italic. tom. I. p. 174. anten. zweiſeltes. Von den neuern Schriftstellern er- ardini klärt der entscheidende Winkelmann*) von lleicht ihr, sie sey in der Kirche der h. Theodora ge- aufbe- ſfunden worden, wo, oder in deren Nähe, der eyden Tempel des Romulus war, und folglich macht e**). er sieè zur Wölfin des Dionysius. Er stützt Unbe- sich dabey auf Lucius Faunus, welcher jedoch blos sagt, dafs sie neben dem Ficus Ruminalis in und bey dem Comitium aufgestellt, nicht ge- ö. XXI. funden war, wodurch er nicht auf die Kirche putent, n Basi- is anti- beging zuerst den Irrthum, und Winkelmann der h. Theodora anzuspielen scheint. Rycquius tolium folgte dem Rycquius. llio do. Flaminius Vacca erzählt eine ganz andre Ge- trepidè schichte und sagt, er habe gehört, die Wölfin *) Storia delle arti, etc. lib. III. cap. III.§. II. not. 10. Winkelmann hat einen sonderba- ren Fehler in der Note begangen, indem er at aedi- sagt, die Wölfin des Cicero sey nicht im narrat Capitol, und daſs Dion irre, wenn er das 174. behaupte. 26. G 98 mit den Zwillingen sey nahe bey dem Bogen des Septimius Severus geſunden worden. Der Ausleger des Winkelmann ist mit diesem Ge- lehrten Einer Meynung, und ist entrüstet auf Nardini, dafs er nicht bemerkt habe, wie Ci- cero über die vom Blitz gerührte Wölfin im Capitol redend, sich des Tempus der Vergan- genheit bedient habe. Aber mit Erlaubnils des Abate! Nardini behauptet nicht geradezu, die Statue sey die von Cicero erwähnte, und, thäte er es, so möchte die Annahme doch wohl nicht so ausnehmend unbescheiden seyn. Der Abate selbst muſs eingestehen, daſs an den Hinter- beinen der noch vorhandenen Wölfin dem *)«Intesi dire, che l' Ercolo di bronzo, che oggi si trova nella' sala di Campidoglio, fu trovato nel foro Romano appresso l'arco di Settimio; e vi fu trovata anche la lupa di bronzo che allata Romolo e Remo, e sta nella Loggia de' conservatori."“ Flam. acca. Memoric. num. III. pag. I. ap. Montfaucon diar. Ital. tom. I. ogen Der Ge- t autf e Ci- n im rgan- s des „ die thäte nicht Schlage des Blitzes sehr gleichende Zeichen sich befinden; und fügt, um sich herauszuhelfen, hinzu, daſs die vom Dionysius gesehene Wölfin auch vom Blitz getroffen, oder sonst beschädigt seyn könnte. Wir wollen die Sache durch Beziehung auf Cicero's Worte untersuchen. Der Redner scheint an zwey Stellen den Romulus und Remus ab- zusondern, zumal den ersten, von dem er er- wähnt, er habe seinen Sitz auf dem Capitol ge- habt, als er vom Blitz getroffen sey. In seinen Versen erwähnt er, daßs die Zwillinge sammt der Wölſin fielen, und daſs die letztere die Spuren ihrer Füfse zurücklieſs. Cicero sagt nicht, daſs die Wölfin verzehrt wurde: und Dion erwähnt nur, daſs sie niederfiel, ohne, wie der Abate meynt, auf die Stärke des Schlags, oder die Festigkeit, mit welcher sie aufgestellt war, anzuspielen. Der ganze Nachdruck von des Abate Beweise hängt daher vom Tempus der Vergangenheit ab; dieser wird jedoch ei- 100 nigermaſsen durch die Bemerkung geschwächt, dafs die Phrase nur andeutet, die Statue habe damals nicht in ihrer vorigen Stellung gestan- den. Winkelmann hat bemerkt, die Zwillinge seyen neu; und es ist doch eben so klar, dafs Zeichen von Vergoldung auf der Wölüin sich befinden, weshalb man vermuthen sollte, daſs sie einen Theil der alten Gruppe ausmachte. Es ist bekannt, dafs die heiligen Bildsäulen des Capitols nach ihrer Verletzung durch Zeit oder Zufall, nicht zerstört, sondern in gewisse un- terirdische Höhlen, faoissae*) genannt, aufbe- wahrt wurden. Es ist möglich, dafs die Wöl- ſin dahingebracht und öffentlich wieder aufge- stellt worden ist, als das Capitol von Vespasian neu aufgebaut wurde. Rycquius erzählt ohne Erwähnung seiner Quelle, daſs sie vom Comi- tium nach dem Lateran und von da nach dem Capitol gebracht sey. Wenn sie nahe bey dem *) Luc. Faun. ibid. sie Bogen des Severus gefunden wurde, so mochte sie eine von den Bildsäulen seyn, die, wie Oro- sius*) sagt, der Blitz auf dem Forum nieder- warf, als Alarich die Stadt einnahm. Von ih- rem sehr hohen Alterthume ist die Arbeit selbst ein entscheidender Beweis; und dieser Umstand bewog Winkelmann, sie für die Wölfin des Dionysius zu halten. Die Capitolinische Wöl- fn mag jedoch aus eben so früher Zeit, wie die im Tempel des Romulus, stammen. Lac- tantius**) behauptet, daſs zu seiner Zeit die *) 8. die Anmerk. zu Stanze 80 in den histo- rischen Erläuterungen. **) Romuli nutrix Lupa honoribus est affecta divinis, et ferrem si animal ipsum fuisset, cujus figuram gerit.“ Lactant. de falsa re- ligione. Lib. I. cap. 20. pag. 101. edit. varior. 1660, d. h., er wolle lieber eine Wölfin, als eine feile Dirne anbeten. Sein Ausleger hat bemerkt, dafs die Meynung des Livius, unter dieser Wölfin werde die Laurentia vorgestellt, nicht allgemein war. Strabo glaubte es. Rycquius hat unrecht, 102 Römer eine Wölſfin verehrten, und es ist be- kannt, daſs die Lupercalia bis zu einer sehr späten Periode*) sich erhielten, als jede andre Feyerlichkeit des alten Aberglaubens ganz aus- gestorben war. Dies ist wohl der Grund, daſs die alte Bildsäule sich länger als die frühern Symbole des Heidenthums erhielt. Es sey jedoch die Bemerkung erlaubt, dafs die Wölfin ein Römisch Symbol war, daſs aber die Verehrung jenes Symbols ein vom Eifer des Lactantius daraus gefolgerter Schluſs sey. Den frühern Christlichen Schriftstellern darf in ih- ren Beschuldigungen gegen die Heiden nicht wenn er sagt, Lactantius bemerke, daſfs die Wölfin in dem Capitol sey. *) Im Jahre Christi 496. Quis credere posit, sagt Baronius(Ann Eccles. tom. 1 III. p. 602. in ann. 496.) viguisse adhuc Romae ad Ge- lasii tempora, quae fuere ante exordia urbis allata in Italiam Lupercalia P Gelasius schrieb einen Brief, der vier Folioseiten ein- nimmt, an Andromachus, den Senator, und andre, um zu zeigen, dafs die Gebräuche aufgegeben werden sollten. geglar in ih MaguB Insel wahrs Perso obglei schich Luftst lassen der T Simon gott, Als S 8 ₰ 8 geglaubt werden. Eusebius klagte die Römer in ihrer Gegenwart an, daſs sie den Simon Magus verehrten, und ihm eine Statue auf der Insel der Tiber errichteten. Die Römer hatten wahrscheinlich vorher nie von einer solchen person gehört, welche jedoch eine bedeutende, obgleich anstöſsige, Rolle in der Kirchenge- schichte spielt, und einige Merkmale seines Luftstreits mit dem h. Petrus in Rom hinter- lassen hat; da doch eine auf diesem Eilande der Tiber gefundene Inschrift zeigte, daſs der Simon Magus des Eusebius ein gewisser Landes- gott, Namens Semo Sangus oder Fidius, sey 2). Als sogar die Verehrung des Gründers von ) Eusebius Worle sind diese: ua dg Qidvre rxaςν /υeme⁷αe 4⸗ 920&, TSTraA?, 82 25 2igse, 6v, 5Gu Se- Eaie Geaμ rduε μᷣμ Biche d8 TdA-yurc. Ecolesi. Hist. Lib. II. cap. XIII. p. 40. Justin der Märtyrer bat die Geschich- te vorher erzählt; aber Baronius war ge- neigt, seine Pabel zu enthüllen. S. Nardini Roma. lib. VII. cap. XII. 104 Rom ein Ende genommen hatte, wurde es, um den guten Matronen der Stadt zu willfahren, für passend gehalten, sie mit ihren kranken Kindern nach der Kirche des h. Theodor zu schicken, da sie vorher sie zum Tempel des Romulus gebracht hatten*). Dies geschieht noch bis auf den heutigen Tag, und die Lage der obigen Kirche scheint dadurch mit der des Tempels eins zu seyn, so dafs, wenn die Wöl. fin wirklich dort geſunden wäre, wie Winkel- mann annimmt, darüber, daſs sie von Diony- sius gesehen worden sey, kein Zweifel statt fin- den könnte**). Aber Faunius spricht, wenn *)«In essa gli antichi pontefici per toglier la memoria de' giuochi Lupercali intituiti in onore di Romolo, introdussero l'uso di por- tarvi Bambini oppressi da infermitaà occulte, acciò si liberino per l'intercessione di ques- to Santo, come di continuo si sperimenta.“* Rione XII. Ripa accurata e succinta descri- zione, etc. di Roma Moderna dell Ab. Ki- dolf. Venuti, 1766. **) Nardini, lib. V. cap. 11. überführt den Pom- ponius Laetus crassi erroris, dafs er den das Cor auf die ria Li auf das Es is wo die um er sagt, dals sie neben dem Ficus Ruminalis tren, bey dem Comitium stand, nun von ihrer alten, aken vom Plinius erwähnten, Stellung; und hätte er r zu sogar bemerkt, wo sie gefundea wurde, so des würde er nicht auf die Kirche der h. Theodore, 3 nieht sondern auf einen ganz verschiednen Platz, bey Lage welchem damals der Ficus Ruminalis und auch r des das Comitium war, angespielt haben, nämlich Wöl. auf die drey Säulen bey der Kirche Santa Ma- nkel- ria Liberatrice, die am Winkel des Palatiums ony V auf das Forum hinsehen. ſin- Es ist in der That eine blofse Vermuthung, wo die Bildsäule wirklich aufgegraben wurde*), Ruminalischen Feigenbaum nach der Kir- i in che der h. Theodore versetzt: aber, da Li- por- vius sagt, dafs die Wölfin bey dem Ficus ulte, Ruminalis war, und Dionysius bey dem Tem- pel des Romulus, so ist er(cap. IV.) zu dem Geständnisse genöthigt, dafs die bey- den dicht bey einander, und eben so wie V die Lupercalische Höhle von dem Feigen- baume gleichsam überschattet waren. *)«Ad comitium ficus olim Ruminalis germi- nabat, sub qua lupae rumam, hoc est, mam- 106 und im Canzen sind die Zeichen der Vergol- dung und des Blitzes ein besserer Beweis da- für, dafs sie die Wölfin des Cicero sey, als irgend einer für die entgegengesetzte Meynung beygebracht werden kann. Wie dem auch sey, so ist sie im Texte des Gedichts als eins der interessantesten Ueberbleibsel der alten Stadt*) mit Recht gewählt worden, und sie ist gewiſs mam, docente Varrone, suxerant olim Ro- mulus et Remus; non procul a templo ho- p die D. Mariae Liberatricis appellato ubi a aenea statua lu- Forsan inventa nobilis pae geminos puerulos lactantis, quam ho- die in capitolis videmus.“ Olai Borrichii antiqua Urbis Romana ſacies, cap. X. Sie- he auch cap. XII. Borrichius schrieb nach Nardini im Jahre 1687ö. Ap. Græv. Antiq. Rom. tom. IV. p. 1522. *) Donatus, lib. XI. cap. 18. enthält eine Medaille, welche auf der einen Seite die Wölſin in derselben Stellung, wie die auf dem Capitolium vorstellt; und auf der Kehr- seite die Wölfin mit dem nicht zurückge- bognen Kopfe. Sie ist aus der Zeit des An- tonius Pius. die Ges ches Vi Lude Impa MulcC Ge Es is und do detsten Bacon scheint gungen Vergol- eis da- ey, als eynung ch sey, ins der Stadt*) gewiſs lim Ro- plo ho- rrichii Sie- b nach Antiq. die Gestalt, wo nicht das Thier selbst, auf wel- ches Virgil in seinen schönen Versen anspielt: Geminos huic ubera circum Ludere pendentes pueros et lambere matrem Impavidos: illam teriti cervice reflexam Mulcere alternos, et fingere corpora lingua.**) 47. «Denn der Römer war Geformt aus minder irdischem Gehalt.* St. 90. Z. 3 u. 4. Es ist möglich, ein grofser Mann zu seyn, und doch weit unter Julius Cäsar, dem vollen- detsten Charakter, zu stehen: so urtbeilte Lord Bacon über das ganze Alterthum. Die Natur scheint zu solchen ausserordentlichen Vereini- gungen, wie seine schnell fassenden Talente gemeinschaftlich bildeten, unfähig, welche so- *) Aen. VIII. 631. S. Dr. Middleton in seinem Briefe aus Rom, welcher sich zu der Wöl- ſin des Cicero hinneigt, ohne den Gegen- stand zu untersuchen. 108 gar die Bewunderung der Rôömer selbst waren. Der erste General— der blos triumphirende Staatsmann— keinem nackhstehend an Bered. samkeit— einem jeden vergleichbar in den Anlagen zur Weisheit, in einem Zeitalter, das die gröſsten Feldherren, Siaatsmänner, Redner und Philosophen, die je in der Welt auftraten, hervorbrachte— ein Schriftsteller, der eine vollkommne Probe kriegerischer Annalen in gei. nem Reisewagen verfertigte— bald im Streite mit Cato, bald eine Abhandlung über Witze. leyen schreibend, und eine Reihe guter Sprüche sammelnd— in demselben Augenblicke fech- tend*) und seine Liebe erklärend, und Willens, ——— *) In seinem zehnten Buche zeigt Lukan ihn mit dem Blute der Pharsalia bespritzt in den Armen der Kleopatra: Sanguine Thessalicae cladis perfusus adulter Admisit Venerem curis, et miscuit armis. Nachdem er mit seiner Geliebten geges- sen, bleibt er die ganze Nacht auf, um mit den Aegyptischen Weisen sich zu unterhal- ten, und sagt zu Achoreus: beydes, Anschau So erscl und den geneigt zu bewe Doch lenden seinen sehr ble unparth Er waren. hirende Bered. in den ter, das Redner ftraten, ſer eine in sei. Streite Wite- Sprüche e fech- Villens, kan ihn ritzt in lulter mis. geges- um mit nterhal- beydes, sein Reich und seine Celiebte, für das Anschauen der Quellen des Nils zu verlassen. So erschien Julius Cäsar seinen Zeitgenossen und denen der folgenden Zeitalter, welche höchst geneigt waren, seinen verhängniſsvollen Genius zu beweinen und zu verwüunschen. Doch wir müssen uns von seinem überstrah- lendef Ruhme oder von seinen groſsmüthigen, seinen liebenswürdigen Eigenschaften nicht zu sehr blenden lassen, um den Ausspruch seines unpartheyischen Landsmanns zu vergessen: Er ward gerecht erschlagen). Spes sit mihi certa videndi Niliacos fontes, bellum civile relinquam. )« Jure coesus existemetur,» sagt Suetonius nach einer schönen Schätzungseines Charak- ters, und bedient sich darin einer Phrase, welche in Livius Zeit eine Formel war. Me- lium jure coesum pronunciavit, etiam si regni crimine insons fuerit:“(lib. IV. cap. 48.), und in gesetzmäfsigen Urtheilen über rechtmäfsige Mörder, wie die, welche ein- 7 48. «Was ernten wir von diesem kargen Seyn? Beengte Sinnen und hinfäll'gen Ceist. St. 93. Z. 1 u. 2. .... omnes pene vetere ; qui nihil cog. nosci, nihil percipi, nihil sciri posse dixerunt; angustos sensus; imbecillos animos, brevja cur- ricula vitæ; in profundo veritatem demersam; opinionibus et institutis omnia teneri; nihil ve. ritati relinqui; deinceps omnia tenebris circum- fusa esse dixerunt.“*) Die achtzehnhundert Jahre, welche, seitdem Cicero dieses schrieb, verflossen, haben keine von den Unvollkom. menheiten der Menschheit entfernt: und die Klagen der alten Philosophen können ohne Un. gerechtigkeit, oder Affectation, in ein gestern geschriebenes Gedicht übertragen werden. —ã brechende Diebe tödteten, beybehalten wur- den. Siehe Sucton. in vit. C. J. Cæsar mit dem Commentar des Pitiscus 8S, 134. *) Academ. I. 13. Dor Dies Metella schen S rungen J. 3 5„Dort steht ein runder, alter, dustrer Thurm.“ eyn? St. 99. Z 1. Dies bezieht sich auf das Grab der Cecilia u. 2. 1l Metella, Capo di Bove genannt, auf der Appi- 11 cog-....—.12 5 schen Strafse. Siehe die historischen Erläute- xerunt; 8— 1 3 rungen zum IV. Gesange des Childe Harold. via cur- nersam; 5. 30. nihil ve- circum.«Die sagt das Schicksal wahr, 5 g 35— fra cc hundert Das Zeus gewährt den Seinen— frühen Tod. schrieb, St. 102. Z. 5. u. 6. ollkom.„O„&e Sso SeXODo Aroνασνημνε vos nd die TS hA ανεν vuν dσφάρμν ⁴e ⁴αρον daνs v. ne Un. Rich. Franc. Phil. Brunck. Poetæ Gno- mici, p. 231. edit. 1784. 51. „Seht dort der Kaiser Berg! so mufs das Mächt’- ge fall'n.— St. 107. Z. 9. Das Palatium ist eine Masse von Ruinen, vor- züglich auf der nach dem Circus Maximus zu 112 liegenden Seite. Der Boden selbst besteht aus zerbröckelten Ziegeln. Nichts ist noch gesagt worden und nichts kann gesagt werden, um dem Glauben eines andern, als Römischen An- tiquars zu genügen. S. historische Erläuterun- gen Seite 206. 52. „Dies ist der Spruch, den Weise nie verhehlt, Dies aller Zeiten warnend Einerley; Erst Freyheit und dann Ruhm,“ St. 113. Z. 1, 2 u. 3. Der Verſasser der Lebensbeschreibung des u. s. W. Cicero schreibt, als er von der Meynung der Britten über jenen Redner spricht, folgende be-. redte Stelle:„Bey ihren Scherzen dieser Art über die Rohheit und Aermlichkeit unsrer In- sel kann man nicht unterlassen, über das über- raschende Schicksal und die Umwälzungen der Königreiche nachzudenken, wie Rom, einst die Herrin der Welt, der Sitz der Künste, der Macht und des Ruhms, jetzt in Trägheit, Un- wissenheit und Armuth versunken liegt, eine Sclavi: sten T giösen einst e Römern und V allen l lichen Bahn, fend, von R zur V derbni Ausart Zerstöt Untere Verlus rend, zurücl 113 ht aus Sclavin des grausamsten, wie des verächtlich- gesagt sten Tyrannen, des Aberglaubeus und des reli- , um giösen Betrugs; während dies entfernte Land, en An- einst der Spott und die Verachtung der feinern tterun- Römer, der glückliche Sitz der Freyheit, Fülle und Wissenschaften geworden ist; blühend in allen Künsten und Verfeinerungen des bürger- lichen Lebens; und doch vielleicht dieselbe rhehlt, Bahn, die Rom vor ihm durchlief, durchlau. fend, von tugendhaftem Fleiſs zu Reichthum, von Reichthum zur Ueppigkeit, von Ueppigkeit .3. zur Widerspenstigkeit gegen Zucht und Ver- derbniſs der Sitten; bis es durch eine völlige Ausartung und den Verlust der Tugend fär de be. Zerstörung reif geworden, zuletzt einem kühnen Unterdräcker zur Beute fällt, und mit dem Verluste der Freyheit alles Werthvolle verlie- rend, allmählig in seine ursprüngliche Barbarey zurücksinkt.“*) *) Die Lebensbeschreibung des M. Tullius Ci- „ Un. cero, Abtheil. VI. Band II. S. 102. Der Contrast zeigte sich neulich in einem ausser- 26. H 3 114 33. «Der Apostel Statuen reiht, Dafs Kaiserurnenstaub flieht aus Erhabenheit.“ St. 110. Z. 8 u. 9. Ueber der Säule des Trajanus ragt der heil. Petrus; über die des Aurelius der h. Paulus, S. histor. Erläut. des IV. Gesanges u. s. w. 54. «Noch blüht Trajanus Ruhm so hehr.“ St. 111. Z. 9. Trajanus war sprichwörtlich der beste unter den Römischen Fürsten*), und es würde leich- ter ein Herrscher zu finden seyn, der genau ordentlichen Falle. Ein Herr wurde zu Pa- ris in's Gefängniſs geworſen; Anstalten zu seiner Befreyung wurden getroffen. Der Französische Minister entlieſs ihn nicht, un- ter dem Vorwande, weil er kein Engländer, sondern nur ein Römer sey. S.„Interes- sante Vorfälle, in Bezug auf Joachim Mä- rat.§. 139, *)«Hujus tantum memoriae delatum est ut die en einigte sem K säſse. Geschi Körper keines aus fre ehrte z her ko Furcht auf An er enth sungen mehr g walt ge ehrerbi liebt ve seines heit.“ 9. heil. aulus. unter leich- 115 die entgegengesetzten Charakterzüge in sich ver- einigte, als einer, der alle die glücklichen, die- sem Kaiser zugeschriebenen, Eigenschaften be- säſse.„Als er den Thron bestieg,“ sagt der Geschichtschreiber Dion,„war er von starkem Körper, von kräftigem Geiste; das Alter hatte keine seiner Anlagen geschwächt; er war durch- aus frey von Neid und von Verläumdung; er ehrte alle Guten und beförderte sie, und da- her konnten sie nicht der Gegenstand seiner Furcht oder seines Hasses seyn; er horchte nie“ auf Angeber; er gab seinem Zorne nicht Raum; er enthielt sich eben so sehr häfslicher Erpres- sungen als ungerechter Bestrafung; er war viel mehr geliebt als Mensch, als wegen seiner Ge- walt geehrt; er war freundlich gegen sein Volk, ehrerbietig gegen den Senat, und allgemein ge- liebt von beyden; Niemanden als den Feinden seines Vaterlandes flöfste er Schrecken ein.“ usque ad nostram actatem non oliter in Se- natu princrpibus acclametur, nisi: Feli- cior. Augusto. Melior. Trajano. Eutrop. Brev. Hist. Rom. lib. VIII. cap. 5. 116 53. „Rienzi, letzter Römer.“— St. 114. Z. 5. Der Name und die Heldenthaten Rienzi's müs- sen dem Leser Gibbons bekannt seyn. Einige Details und noch nicht herausgegebene, auf diesen unglücklichen Helden sich beziehende Manuscripte finden sich in den Erläuterungen zum IV. Gesange. 56. „Egeria! süfse Schöpfung, Bild der Ruh, Für solch ein Herz, dem war so schön kein Raum Als deine Idealbrust.“— St. 115. Z. 1, 2 u. 3. Das achtungswerthe Ansehen des Flaminius Vacca macht uns geneigt, an die Gründe für das Daseyn der Grotte der Egeria zu glauben*). *)«Poco lontano dal detto luogo si scende ad un casaletto, del quale ne sono Padroni li Cafarelli, che con questo nome è chiamato il luogo; vi è una fontana sotto una gran volta antica, che al presente si gode, e li Er vers dem Pfl von der sey. Di Monifau einem 8 welchem derselbe 117 Er versichert uns, daſs er eine Inschrift auf dem Pflaster fand, welche anzeige, daſs sie die von der Egeria den Nymphen gewidmete Quelle sey. Montfaucon führt zwey Zeilen des Ovid*) von Die Inschrift ist jetzt nicht mehr da: aber einem Steine in der Villa Giustiniani an, von welchem er anzunehmen scheint, daſs er aus derselben Grotte gebracht sey. * — Romani vi vanno l'estate a ricrearsi; nel pavimento di essa fonte si legge in un epi- taffio essere quella la fonte di Egeria, de- dicata alle ninfe è questa, dice l'epitaffio, essere la medesima fonte in cui fu conver- tita.“ Memorie, etc. ap. Nardini, p. 13. Die Inschrift führt er nicht an. «In villa Justiniana extat ingens lapis qua- dratus solidus in quo sculpta haec duo Ovi- dii carmina sunt: Aegeria est quae praebet aquas dea grata Ca- moenis Illa Numae conjunx consiliumque fuit. Qui lapis videtur ex codem Egeriae fonte, aut ejus vicinia isthuc comportatus.“ Dia- rium. Italic. p. 153. 148 Diese Grotte und dieses Thal waren früher im Sommer, und vorzüglich am ersten Sonnta- ge im May, von den neuern Römern besucht, welche der Quelle heilsame Kräfte zuschrieben, die aus einer Oeflnung am Boden des Gewölbes tröpfelt, und, über die kleinen Pfuhle flieſsend, die grasigen Matten herunter zu dem untern Bache kriecht. Der Bach ist der Ovidische Al- mo, dessen Name und Eigenschaften sich in dem neuern Aquataccio verloren haben. Das Thal selbst wird Valle di Caflarelli von den Herzogen jenes Namens genannt, welche ihre Quelle den Pallavicini für sechszig rubbia des daranstofsenden Landes überlieſsen. Es ist fast kein Zweifel, dafs dieses lange Thal das Egerische Thal des Juvenal und der Ruheplatz des Umbritius ist, obschon die Mehr- heit seiner Ausleger vermuthet hat, der Satyri- ker sey nebst seinem Freunde in dem Arici- schen Haine entsprossen, wo die Nymphe dem Hippolitus begegnete und wo sie vorzüglich ge- ehrt wurde. Der Gang von der Porta Capena nach dem Albanis zehn M etwa d der das es, wie der Ké Hain g schrum zurück stein, zieht, versunl Die Grotte schen Albanischen Hügel, eine Entfernung von fünf- zehn Meilen, ist zu beträchtlich, wenn wir nicht etwa der wilden Vermuthung des Vossius sind, der das Thor von seiner jetzigen Stellung, wo es, wie er behauptet, während der Herrschaft der Könige stand, so weit, wie der Aricische Hain geht, reisen, und es dann zu der ein- schrumpfenden Stadt nach seiner alten Stelle zurückweichen läfst*). Aus Tuffstein oder Bims- stein, welchen der Dichter dem Marmor vor- zieht, besteht das Ufer, in welchem die Grotte versunken ist. Die neuern Topographen**) finden in der Grotte die Statue der Nymphe und neun Ni- schen für die Musen, und ein neuerer Reisen- *) De Magnit. Vet. Rom. ap. Græv. Ant. Rom. tom. IV. p. 1507. **½) Echinard. Descrizione di Roma e dell' agro Romano corretto dall' Abate Venuti in Ro- ma, 1750. Sie glauben an der Grotte und Nymphe.«Simulacro di questo fonte, es- sendovi sculpite le acque a pie di esso.“» der*) hat entdeckt, daſs die Höhle zu der Einfachheit, welche, wie der Dichter bedauer- 1 te, mit unvernünftigem Schmucke beladen war, wiederhergestellt ist. Aber die hauptlose Statue ist handgreiflich vielmehr eine männliche Sta- tue, als eine Nymphe, und keins von den ihr zugeschriehenen Attributen ist jetzt an ihr sicht- bar. Die neun Musen konnten kaum in sechs Nischen stebhen; und Juvenal spielt gewiſs nicht in.. 6 auf eine besondre Höhle an**). Aus dem Sa- *) Klassische Tour. Cap. VI. S. 217. Bd. II. .. **)«Substitit ad veteres arcus, madidamque Capenam, Hic ubi nocturnae Numa constituebat amicae. 4 Nunc sacri fontis nemus, et delubra locantur Judaeis quorum cophinum foenumque suppellex Omnis enim populo mercedem pendere jussa est 1 Arbor, et ejectis mendicat silva Camoenis 5 In vallem Egeriae descendimus, et speluncas Dissimiles veris: quanto praestantius esset Numen aquae, viridi si margine clauderet undas Herba, nec ingenuum violarent marmora to- phum.“»— Sat. III. iyriker! gendwo war, wo Berathur ein Hair Musen daſs von der Eger Höhlen der Mus. machten len schle ausdrück Cottheit, uns über um den hielt ma chustemy Nardini: zu seiner Es ist *) Lib iyriker kann nur geschlossen werden, dals ir- gendwo nahe bey der Porta Capena ein Platz war, wo, wie man glaubte, Numa nächtliche Berathungen mit seiner Nymphe hielt, und wo ein Hain und eine heilige Quelle und einst den Musen geweihte Tempel sich befanden, und daſs von diesem Flecke ein Abhang in das Thal der Egeria sich senkte, drin einige künstliche Höhlen waren. Es ist klar, dafs die Statuen der Musen keinen Theil der Verzierung aus- machten, welche der Satyriker für diese Höh- len schlecht angebracht hielt; denn er zeigt ausdrücklich andre Tempel(delubra) dieser Cottheiten oberhalb dem Thale an, und erzählt uns überdies, dafs sie herausgeworſen wurden, um den Juden Platz zu machen. Wirklich hielt man den kleinen Tempel, der jetzt Bac- chustempel heifst, für den der Musen, und Nardini*) versetzt sie in einen Pappelhain, der zu seiner Zeit oberhalb dem Thale war. Es ist wegen der Inschrift und Lage wahr- *) Lib. III. cap. III. 122 scheinlich, dafs die jetzt gezeigte Höhle eine von den«künstlichen Höhlen» ist, so wie es wirklich eine solche ein wenig höher im Thale unter einer Gruppe von Erlenbüschen gibt: aber eine einzelne Grotte der Egeria ist blos eine neuere Erfindung, gepfropft auf die An. wendung des Beyworts Egerisch auf diese mym- phea überhaupt, die uns nach den Ufern der Themse schicken könnte, um die Lieblings. plätze des Numa aufzusuchen. Unser Englischer Juvenal wurde durch seine Bekanntschaft mit Pope nicht zu einer verkehr- ten Uebersetzung verfährt: er behält sorglältig den richtigen Pluralis bey— «Dann sanft in's Thal sich senkend, offenbaren Egeria'ss Grotten sich; o, wie ungleich den 8 wahren!“ Das Thal ist reich an Quellen*), und über diese Quellen, welche die Musen aus ihren be- *)«Undique e solo aquae scaturiunt.» Nardini, lib. III. cap. III. nachbart, Egeria d sagt, sie die Nym leitet wu schaft de men em] dert wor keine Sp Saturnus, könne, hoffte. I der Tem des Bacc Gottes f Antiquar Der C Medaille Kaisers a der jedo« mus gehe *) EchiU eine 2 es hale ibt: blos An- Wwm- der ings seine ehr- nachbarten Hainen besuchen mochten, hatte Egeria den Vorsitz, daher wurde von ihr ge- sagt, sie versehe sie mit Waffen; und sie war die Nymphe der Grotten, durch welche sie ge- leitet wurden. Alle Denkmäler in der Nachbar- schaft des Egerischen Thals haben wirkliche Na- men empfangen, welche nach Willkühr verän- dert worden sind. Venuti*) gesteht, dafs er keine Spuren von den Tempeln des Jupiter, Saturnus, der Juno, Venus und Diana sehen könne, welche Nardini fand oder zu finden holfte. Das mutatorium von Caracalla's Circus, der Tempel der Ebre und Tugend, der Tempel des Bacchus, und vor allen der Tempel des Gottes Redivivus, sind die Verzweiflung der Antiquare. Der Circus des Caracalla hängt von einer Medaille jenes von Fulvius Ursinus angeführten Kaisers ab, deren Kehrseite einen Orcus zeigt, der jedoch von einigen für den Circus Maxi- mus gehalten wird. Sie gibt einen sehr guten *) Echinard, etc. Cic. cit. p. 297. 296. 124 Begriff von jenem Uebungsplatze. Der Boden ist nur etwas erhöht, wenn wir von dem klei- nen Cellenähnlichen Bau am Ende der Spina, welcher wahrscheinlich die Capelle des Gottes Consus war, den Schluſs ziehen därfen. Diese Celle ist halb unter dem Boden, wie sie in dem Circus selbst gewesen seyn muſs; denn Dionysius*) war nicht zu bereden, daſs diese Cottheit der Römische Neptun sey, weil sein Altar unter dem Boden war. 57. «Doch denken laſst uns kühn." St. 127. Z. 1. Was auch kommen mag,“ sagt der Verſas- ser der Akademischen Questionen, so hege ich das Vertrauen, dafs, welches Schicksal auch meine philosophischen Untersuchungen treffe, daſs Philosophie die Achtung, die ihr gebührt, wieder erhalten wird. Der freye und philoso- *) Anliq. Rom. lib. II. cap. XXXI. phische die Bex die sto leuchte wir de sinnung der Sp. unsre g ist nich heit zu wie un den uns Vorurth schützer schlumn Schlafsu eine Fal Weishei der, we gläubigen und der Vorrede den klei- iina, ottes Hiese e in Jenn giese sein phische Geist unsrer Nation ist das Thema für die Bewunderung der Welt gewesen. Dies war die stolze Auszeichnung der Engländer und die leuchtende Quelle ihres ganzen Ruhms. Sollen wir denn die männlichen und verehrten Ge- sinnungen unsrer Vorfahren vergessen, um in der Sprache der Mutter oder Säugamme über unsre guten alten Vorurtheile zu plaudern. Dies ist nicht der Weg, um die Sache der Wahr- heit zu vertheidigen. Dies ist nicht die Art, wie unsre Väter sie in den glänzenden Perio- den unsrer Geschichte aufrecht erhielten. Das Vorurtheil mag die Aussenwerke kurze Zeit be- schützen, während die Vernunft in der Vestung schlummert: aber wenn die letztre in eine Schlafsucht versinkt, so wird das erste schnell eine Fahne für sich aufrichten. Philosophie, Weisheit und Freyheit unterstützen einander; der, welcher nicht denken will, ist ein Aber⸗ gläubiger; der, welcher es nicht kann, ein Narr; und der, welcher es nicht darf, ein Sklave.“ Vorrede S. XIV, XV. Band I. 1805. 58. „CGrolse Nemesis! Hier, wo die Vorzeit lang vor dir sich bog.“ St. 132. Z. 2 u. 3. Wir lesen im Suetonius, dafs Augustus nach ceiner in einem Traum*) erbaltnen Warnung einmal im Jahre den Bettler vorstellte, der mit einer hohlen und nach Mitleid ausgestreckten Hand vor dem Thore seines Pallastes saſs. Eine früher in der Villa Borghese, und, wie man sagt, jetzt in Paris befindliche Statue stellt den Kaiser in dieser Stellung der Demuth vor. Der *) Sueton. in vit. Augusti, cap. 91. Casaubon, in der Note verweist auf Plutarchs Lebens- beschreibungen des Camillus und Aemilius Paulus, und auch auf seine Apophthegmen über den Character dieser Coeitheit. Die gehöhlte Hand wurde für den letzten CGrad der Erniedrigung gehalten; und als der Leichnam des Präfecten Rufinus vom Volke im Triumphe umher getragen wurde, wurde die Unwürdigkeit dieses Auſzugs dadurch vermehrt, dafs sie seiner Hand jene Rich- tung gaben. Zweck d der Nem Glücks, rer auch gen befes Symbole (Klapper) entdeckt verursach sarius gal terstützun kelmann’“ Eben die des Glüc Egypten, warnte, *) SFtor: tom. jedoc Clem Abat. etc. sippu Zweck dieser Erniedrigung war die Versöhnung der Nemesis, der beständigen Begleiterin des Glücks, an deren Macht die Römischen Erobe- 3 rer auch durch gewisse, an ihrem Triumphwa- 3. gen befestigte, Symbole erinnert wurden. Die nach Symbole waren die Geisel und der crotalo nung(Klapper), welche an der Nemesis des Vaticans mit entdeckt wurden. Die Stellung des Bettelns kten verursachte, dafs obige Statue für die des Beli- Eine sarius galt, und ein Mährchen wurde zur Un- man terstützung eines andern erfunden, bis Win- den kelmann’'s*) Scharfsinn den Irrthum berichtigte. Der Eben diese Furcht vor dem plötzlichen Ende des Glücks machte, dafſs Amasis, König von Egypten, seinen Freund Polycrates von Samos warnte, daſs die Götter diejenigen liebten, de- *) Ftoria delle arti, etc. lib. XII. cap. III. der tom. II. p. 422. Visconti nennt die Statne olke jedoch eine Cybele. Sie ist im Museo Pio- Clement. tom. I. par. 40 abgebildet. Der Abate Fea(Spiegazioni dei Romi. Storia, eic. tom. III. p. 513.) nennt sie einen Chry- sippus. ren Leben aus Gläck und Unglück bunt ge- mischt sey. Man glaubte von der Nemesis, daſs sie vorzüglich auf die Klugen warte; das heifst auf die, deren Vorsicht sie nur für blose Zu- fälle zugänglich machte; und ihr erster Altar wurde ihr an den Ufern des Phrygischen Aeso- pus von Adrastus, wahrscheinlich dem Prinzen dieses Namens, welcher aus Irrthum den Sohn des Crösus tödtete, errichtet. Daher hieſs die Cottheit Adrastea*). Die Römische Nemesis war heilig und er- haben: ein Tempel war ihr auf dem Palatium unter dem Namen Rhamnusia**) gewidmet; und wirklich waren die Alten so geneigt, auf eine Umwälzung der Dinge zu bauen und an die Göttlichkeit des Glücks zu glauben, dals auf eben dem Palatium das Glück des Tages***) *) Dict. de Bayle, article Adrastea. **) Sie ist von dem Topographen Victor aufge- zählt worden. ***) Fortunae hujus dici. Cicero erwähnt sie de legib. lib. II. einen T glaube, Herz be so natü genstane stärkster Unersch vorausge mit Sch ihrer rà? sie unter 129 Dies ist der letzte Aber- glaube, der seine Gewalt über das menschliche Herz behauptet, und weil er die dem Menschen so natürliche Leichtgläubigkeit auf Einen Ge- einen Tempel hatte. genstand concentrirt, so hat er sich immer am stärksten bey den durch andre Glaubensartikel Unerschütterlichen gezeigt. Die Antiquare haben vorausgesetzt, dafs diese Göttin mit Glück und die mit Schicksal*) synonim sey; aber es lag in ihrer rächenden Eigenschaft der Grund, dals sie unter dem Namen der Nemesis verehrt wurde. *) DEAE NEMESI „, auf SIVAE FORTUNAE PISTORIUS d an 5 9 qaſs RUGIANUS V. C. LECAT. 3 LEG. XIII. G. CORD. Siehe Questiones Romanae etc. Ap. Græv. Antiq. Roman. tom. V. p. 942. S. auch uſge- Muratori. Nov. Thesaur. Inscript. Vet. tom. I. p. 88, 89. wo drey Lateinische und eine t sie Griechische Inschrift auf die Nemesis, und andre auf das Schicksal sich befinden. 26. 1 13⁰0 59. aIch sehe, wie der Fechter vor mir liegt.» St. 140. Z. 1. Ob die wundervolle Statue, die zu diesem Bilde den Stoff gab, ein laquearischer CGladiator, was trotz Winkelmanns Untersuchung steif und fest behauptet worden ist, oder ob es ein Grie- chischer Herold sey, wie der grofse Antiquar bestimmt erklärte, oder ob er für einen Spar- tanischen oder Barbarischen Schildträger, nach der Meynung seines Italienischen Herausgebers, gehalten werden müsse:— wie dem auch sey, so muſs sie doch gewils eine Copie jenes Meisterstücks des Ktesilaus zu seyn scheinen, welches s einen verwundeten Mann sterbend' vorstellte, der vollkomraen ausdrückte, was vom Leben noch in ihm blieb*). Montfau- con**) und Maffei***) hielten sie für eine und *)«Vulneratum deſicientem fecit in quo possit intelligi, quantum restat animae.“ Hlin. Nat. Hist. lib. XXXIV. cap. 8. **) Antiq. tom. III. par. II. tab. 155. ***) Raec. stat. tab. 64. dieselbe Der Gla vizi, un Der recl wieder h Geschl Es gal gene unc schiedne gekaufter aus barb Kriege g und für fen und aus freye torati), zuletzt w *) Mus. 131 dieselbe Statue; aber jene Statue war von Erz. Der Gladiator war einst in der Villa Ludo- vizi, und wurde von Clemens XII. gekauft. Der rechte Arm ist ganz von Michael Angelo wieder hergestellt*). 60. Er, ihre Hut Geschlachtet, dafs Rom einen Feststag fand.“ St. 141. Z. 6 u. 7. Es gab zwey Arten von Gladiatoren, gezwun- gene und freywillige; und sie wurden aus ver- schiednen Ständen, aus den zu diesem Zwecke gekautten Sklaven genommen; aus Verbrechern; aus barbarischen Gefangnen, die entweder im Kriege gemacht, dann im Triumphe aufſgeführt und für die Spiele aufbewahrt, oder die ergrif- fen und wie Rebellen verdammt wurden; auch aus freyen Bürgern, die theils aus Lohn(auc- torati), theils aus falschem Ehrgeiz fochten: zuletzt wurden sogar Ritter und Senatoren auf- *) Mus. Capitol. tom. III. p. 154. edit. 1755. geführt, eine Schande, deren Erfinder der erste Tyrann war*). Am Ende fochten Zwerge und selbst Weiber, ein vom Severus aufgebrachter Greuel. Unter diesen waren die barbarischen Gefangenen unstreitig am meisten zu bedauern; und dieser Gattung legt ein Christlicher Schrift- steller**) mit Recht das Beywort«unschul- digo» bey, um sie von den Gladiatoren von Profession zu unterscheiden. Aurelian und Claudius bestimmten grofse Schaaren zu diesen unglücklichen Schlachtopfern, der eine nach seinem Triumphe und der andre nach einer vorgeblichen Empörung***). Kein Krieg, sagt *) Julius Cæsar, der durch den Fall der Ari- stokratie emporstieg, brachte Curius Lep- tinus und A. Calemus auf die Arena. **) Tertullian«certe quidem et innocentes gladiatores in ludum veniunt, ut voluptatis publicae hostiae fiant.“ Just. Lips. Satur. Sermon. lib. II. cap. III. ***) Vopiscus. in vit. Aurel. und in vit. Claud. Ebendas. Eipsius“ liche G der Ges lebten C dete Rel verdankt the eine lenden« dem Fla lichen, Volks ge machus, von seir Rom rei bemühle bringen. an diese gleich d 133 Eipsius*), war je so zerstörend für das mensch- liche Geschlecht, wie diese Spiele. Ungeachtet der Gesetze des Constantinus und Constanz über- lebten Gladiatorschauspiele die alte, festgegrün- dete Religion länger als siebenzig Jahre, und verdankten ihre endliche Ausrottung dem Mu- ul⸗ the eines Christen. Im Jahre 404 an den Ka- von lenden des Januars sollten die Schauspiele auf und dem Flavischen Amphitheater vor dem gewöhn- sen lichen, unermeſslichen Zusammenlaufe des ach Volks gehalten werden. Almachius oder Tele- iner machus, ein morgenländischer Mönch, welcher. . sagt von seinem heiligen Vorhaben beseelt, nach Rom reiste, stürzte in die Mitte der Area und bemühte sich, die Kämpfenden aus einander zu Ar. bringen. Der Prätor Alypius, eine unglaublich ep-.. E an diesen Spielen**) hängende Person, gab so- gleich den Gladiatoren den Befehl, ihn zu er- ntes. tatis tur. *)«Credo imo scio nullum bellam tantam cla- dem vastitiemque generi humano intulisse. quam hos ad voluptatem ludos.» Just. Lips. aud. ibid. lib. 1. cap. XII. **) Augustinus(lib. VI. confess. cap. VIII.) 134 schlagen, und Telemachus errang die Krone des sten ap Märtyrerthums und den Namen des Heiligen, rend d- der gewiſs weder vor, noch nach ihm für eine nzung u edlere Heldenthat zuerkannt ist. Honorius V Doch e schaffte sogleich die Schauspiele ab, die seitdem der Ve nie wieder auflebten. Die Geschichte wird von V ertans Theodoret*) und Cassiodorus**) erzählt, und Yernie) scheint, ungeachtet ihrer Stelle in der Römi- knüpft schen Märtyrergeschichte, glaubwürdig**⁴. Ausser den Blutströmen, welche bey den Lei- chenbegängnissen auf dem Amphitheater, dem«Hiei Circus, dem Forum und andern öffentlichen Plätzen floſsen, wurden Gladiatoren bey Fe- «Alypium suum gladiatrii spectaculi inhiatu incredibiliter abreptum, scribit., ib. lib. I. cap. XII. *) Hist. Eccles. cap. XXVI. lib. V. ** Cassiod. Tripartita. lib. X. c. XI. Saturn. ib. ib. ***) Baronius. ad ann. et in notis ad Marty- rol. Rom. I. Jan. Siehe Marangoni delle memorie sacre èe profane dell' Anfiteatro Flavio, p. 25. edit. 1746. sten aufgeführt, und rissen sich einander wäh- rend der Abendmahlzeiten, zur groſsen Ergöz- zung und zum Beyfall der Gäste, in Stücken. Doch erlaubt sich Lipsius die Vermuthung, dafs der Verlust des Muths und der ofenbaren Aus- artung des Menschengeschlechts nahe mit der Vernichtung dieser blutigen Schauspiele ver- knüpft sey*). 61. «Hier, wo Roms Million durch Schimpf und chen Preis 1 Fe- Tod, Leben gab, das Spielwerk von dem Schwall.— St. 142. Z. 5 u. 6. am Wenn ein Gladiator den andern verwundete, ib. *)«Quod b non iu Lipsi momentum aliquod habuisse censes ad virtutem? Magnum. turn. Tempora nostra, nosque, ipsos videamus. 6 Oppidum ecce unum alterumve captum, di- reptum est; tumultus circa nos, non in no- arty-— us no. elle bis: et tamen concidimus et turbamur. Ubi robur, ubi tot per annos meditata sapientiae Latro studia? ubi ille animus, qui possit dicere, 136 so schrie er: er hat es,“ hoc habet" oder habet.“ Der verwundete Kämpfer lieſs seine Waſfe fallen, und, dem Rande der Arena sich nähernd, wandte er sich flehend an die Zu- schauer. Hatte er gut gefochten, so begnadigte ihn das Volk; wo nicht, oder wenn es grade nicht die Laune hatte, so kehrten sie ihre Dau- men um und er ward erschlagen. Sie waren zuweilen so roh, dafs sie ungeduldig wurden, wenn ein Kampf länger, als gewöhnlich, ohne Wunden oder Tod fortdauerte. Des Kaisers Gegenwart rettete die Besiegten; und als ein Zeichen von Caracalla's Grausamkeit wird es angeführt, dafs er die, welche um ihr Leben in einem Schauspiele bey Nicomedia ihn an- flehten, wegschickte, um das Volk zu bitten, mit andern Worten, sie dem Tode überlieferte. Eine ähnliche Ceremonie wird bey den Spani- schen Stiergefechten beobachtet. Der Magistrat hat den Vorsitzs, und wenn die Reiter und si fraetus illabatur orbis 2 etc. ibid. lib. II. cap. XXV. Das Urbild von Herrn Wind- ham'’s Lobrede auf die Stierhetze. picca tet d. ihm ten. oder Schul jauch Schn. Die mit e berde weib! auch gleite Verſa ser 4 Engle den. gen l des S theat Tod vollk oder seine a sich e Zu- adigte grade Dau- waren irden, ohne aisers s ein rd es Leben a an- bitten, ſerte. 3pani- gistrat und ib. II. Vind- 137 piccadores mit dem Stier gefochten haben, schrei- tet der Matador hervor, und verbeugt sich vor ihm wegen der Erlaubniſs, das Thier zu töd- ten. Hat das Thier durch Umbringung zweyer oder dreyer Pferde, oder eines Menschen seine Schuldigkeit gethan, so mischt sich das Volk jauchzend drein, die Damen wehen mit ihren Schnupftüchern, und das Thier ist gerettet. Die Wunden und der Tod der Plerde werden mit den lautesten Ausrufungen und vielen Ge- berden des Entzückens, vorzüglich von dem weiblichen Theile der Zuschauer, zu welchen auch die vom edelsten Geblüte gehörem, be- gleitet. Alles hängt von Cewohnheit ab. Der Verfasser des Childe Harold, der Schreiber die- ser Anmerkung, und einer oder zwey andre Engländer, welche in andern Tagen wahrlich den Anblick einer hartnäckigen Schlacht ertra- gen hatten, befanden sich im Sommer 1809 in des Statthalters Loge auf dem groſsen Amphi- theater von Santa Maria, Cadiz gegenüber. Der Tod von einem oder zweyen Pferden g'nügte vollkommen ihrer Neugier. Ein anwesender 138 Herr, der sie schaudern und blafs werden sah, gab diese ungewöhnliche Aufnahme eines so entzückenden Vergnügens einigen jungen Da- men zu erkennen, welche staunten und lächel- ten und mit ihrem Beyſalle fortfuhren, als ein andres Pferd blutend zu Boden stürzte. Ein Stier tödtete drey Pferde blos mit seinen Hörnern. Er wurde durch ein lautes Ge- schrey gerettet, welches noch verdoppelt wurde, als man erfuhr, daſs er einem Priester gehörte. Ein Engländer, welcher sich sehr freuen kann, wenn er zwey Menschen sich in Stücken zer- schlagen sieht, kann nicht den Anblick eines in einer Arena umhergallopirenden Pferdes mit seinen auf dem Boden hängenden Eingeweiden ertragen, und wendet sich von dem Schauspiele und den Zuschauern mit Schrecken und Wider- willen. 62. Wie Lorbeern, einst um Cäsars Kahlkopf schier!“— St. 144. Z. 6. Suetonius erzählt uns, dafs dem Julius Cä- . sar der den Stæ nen Lo nehm zu zeig sonderr Fremde ohne 1 weggru 480 Dies des Rö merbur historis des Ch Ob sah, es so Da- chel- s ein Ein inen Ge- urde, Lörte. kann, zer- eines s mit eiden piele ider- 159 sar der Beschlufs des Senats, welcher ihn in den Stand setzte, bey allen Gelegenheiten ei- nen Lorbeerkranz zu tragen, vorzüglich ange- nehm war. Es lag ihm sehr am Herzen, nicht zu zeigen, daſs er der Eroberer der Welt war, sondern zu verbergen, dafs er kahl war. Ein Fremder in Rom würde eben so wenig, wie wir, ohne Hülſe des Geschichtschreibers, den Be- weggrund esrathen haben. 63. So lang das Colliseum steht, steht Rom.» St. 145. Z. ¹. Dies wird im: Verfall und Untergange des Römischen Reichs angeführt, eine Be- merbung über das Colliseum sehe man in den historischen Erläuterungen zum IV. Gesange des Childe Harold. 64. .....„Den Zeit segnet, schont.“ St. 146. Z. 3. Obgleich alles seines Erzes beraubt, ausge- 140 nommen des Ringes, welcher nothwendig war, die obere Oefflnung zu erhalten; obgleich wie- derholten Flammen ausgesetzt, obgleich zuwei- len von dem Strom überfluthet und immer dem Regen offen: so hat sich doch kein Monument von gleichem Alterthume so gut wie dies HRo- tundo erhalten. Es ging mit weniger Verände- rung von den Heiden zu der jetzigen Verchrung über, und seine Nischen waren zu einem christ lichen Altar so passend, dafs Michael Angelo, immer die antike Schönheit studirend, ihren Plan als ein Muster in der katholischen Kirche einführte.“ Forsyth's Bemerkungen u. s. w. über Ita. lien. 8. 137. 2. Aufl. 65. Und die der Genius freut, ihr Aug' mag seh'n Auf edle Formen, die als Büsten um sie steh'n. St. 147. Z. 8 u. 9. Das Pantbeon ist zum Behältniſs für die Bü- sten der grofsen oder wenigstens ausgezeichne- ten neuen Künstler gemacht. Die Lichtflatb, welche auf der jetzt a Sterblic die Vei göttert Dor Diese hen sic Tochte: Ort, o heit, in carc keiten, lung tr rungen Nal Das! 141 welche einst durch die groſse Rundung von oben war, wie. auf den ganzen Kreis der Gottheiten ſiel, scheint nwei- jetzt auf eine zahlreiche Versammlung von dem Sterblichen, von denen einer oder zwey durch ment die Verehrung ihrer Landsleute beynahe ver- No. göttert sind. inde- 66. Sung„Dort ist ein Kerker mit schwarzschaur'gem Aiist Licht.“— St. 148. Z. 1. gelo, Diese und die drey folgenden Stanzen bezie- hren hen sich auf die Geschichte der Römischen rche. Tochter, an welche der Reisende durch den Ita- Ort, oder den vorgeblichen Ort jener Begeben- heit, die man jetzt in der St. Nicolauskirche in carcere zeigt, erinnert wird. Die Schwierig- keiten, welche die Glaubwürdigkeit der Erzäh- lung treſfen, sind in den historischen Erläute- rungen u. s. W. angege ben. 67. Naht jetzt dem Wall. den Hadrian hoch ge- reiht.“— St. 152. Z. 1. Das Schloſs St. Angelo.— S. histor. Erläut.- 68. St. 153. Diese und die sechs folgenden Stanzen bezie- hen sich auf die St. Peterskirche. Um einen Begriff von der Länge dieser Basilica, in Ver- gleichung mit andern grofsen Kirchen Europa’s, zu erhalten, siehe: das Pflaster der St. Pe- terskirche, und die Classische Tour, Band II. S. 125 u. folgd. Cap. IV. 69. «Dies fremde Loos, Das mächt'ge Herrscher stürzt, früh oder spat.“— St. 171. Z. 6 u. 7. Maria starb auf dem Schaffot; Elisabeth ge- brochnen Herzens; Karl V. als Einsiedler; Lud- wig XIV. bankerott an Mitteln und Ruhm; Cromwell vor Angst; und der grölste fehlt noch,» Napoleon lebt als Gefangner. Zu die- sen Herrschern könnte noch eine lange, aber überflüssige Liste, gleich berühmter und un. glücklicher Namen hinzugefügt werden. samkeit welche auf dice nung: nen A haus A Krür Wäs Der ist unv auf de Tempe faſst d rührten die ga 143 70. Sieh, Nemi! der sich so in Waldhöh'n bohrt.“ St. 173. Z. 1. einen Das Dorf Nemi lag bey der Aricischen Ein. à Ver. samkeit der Egeria, und hat von den Schatten, opa's, welche den Tempel der Diana umhüllten, bis t. Pe. auf diesen Tag seine unterscheidende Benen- nd II. nung: Der Hain behalten. Nemi ist nur ei- nen Abendritt von dem erfreulichen Wirths- haus Albano's entfernt. 71. oder«Und fern 7. Krümmt sich die Tiber, und das breite Meer Wäscht Latium u. s. w.— St. 174. Z. 2, 3 u. 4. th ge- 3 Lud- Der ganze Abhang des Albanischen Hügels uhm; ist unvergleichlich schön, und von dem Kloster fehlt auf dem höchsten Punkte, welches auf den 1 die- Tempel des Jupiters von Latium folgte, um- aber faſst die Aussicht alle in der citirten Stanze be- un. rührten Gegenstände; das Mittelländische Meer, die ganze Scene der letzten Hälfte der Aeneide 144 und die Küste von der jenseitigen Mündung der Tiber bis zum Vorgebirge Circaeum und dem Cap von Terracina. Die Villa Cicero's lag wahrscheinlich bey der Grotta Ferrata, oder bey dem Tusculum des Prinzen Lucian Buonaparte. Die erste wurde vor einigen Jahren für die wirkliche Stelle derselben gehalten, wie aus der Lebensbeschreibung des Cicero von Middloton erhellt. Jetzt hat sie etwas in ihrem Anseben, nur nicht bey den Domenichino's, verloren. Neun Mönche vom Griechischen Orden wohnen dort, und die daran stossende Villa ist eines Cardinals Sommerhaus. Die andre Villa, Ru- finella genannt, steht auf dem Gipfel des Hä- gels oberhalb Frascati, und viele reiche Ueber- reste des Tusculums sind dort gefunden wor- den, ausserdem zwey und siebenzig Statuen von ungleichem Werthe und ungleich erhalten, nebst sieben Büsten. Von demselben Abhange sind die Sabinischen Hügel, in welchem das lange Thal Sabinum eingesc Umstän Thals 1 den; u pflaster die Er ner Vil sproche wir ihn ist verr als daſs Thales, dert ha gesetzte ist es Rustica Bauern können Die berge⸗ ten Hü und ob 26. g der dem y der a des r die s der leton ehen, oren. hnen eines „Ru- 3 Hä- eber- wor⸗ atuen alten, schen inum 145 eingeschlossen liegt, sichtbar. Einige besondre Umstände zielen darauf, die Identität dieses Thals mit dem Usticav des Horaz zu begrün- den; und es scheint möglich, dafs das Mosaik- pflaster, welches die Bauern entdeckten, als sie die Erde eines Weinberges aufwarſen, zu sei- ner Villa gehörte. Rustica wird kurz ausge- sprochen, nicht mit einem Nachdrucke, wie wir ihn auf—«Usticae cubantis»— legen. Es ist vernünftiger zu glauben, wir haben unrecht, als daſs die Einwohner dieses eingeschlossenen Thales, ihre Betonung in diesem Worte geän- dert haben sollten. Die Hinzufügung des vor- gesetzten Consonants macht nichts aus; doch ist es nothwendig, nicht zu übersehen, dals Rustica vielleicht ein neuer Name ist, den die Bauern von den Antiquaren aufgefangen haben können. Die Villa oder das Mosaik ist in einem Wein- berge auf einem mit Castanienbäumen bedeck- ten Hügel. Ein Fluſs flieſst zum Thal herab, und obschen die Behauptung der Reisebücher 26. K nicht wahr ist, dafs dieser Flufs Licenza heiſse, so liegt doch ein Dorf auf einem Felsen zum Haupte dieses Thals, welches so genannt wird und seinen Namen aus Digentia erhalten haben mag. Licenza enthält 700 Einwohner. Auf ei- ner Spitze, ein wenig höher, liegt Civitella, das 300 enthält. An den Ufern des Anio, kurz vorher, ehe wir herauf zu dem Valle Rustica uns wenden, links, ungefähr eine halbe Stunde von der Villa, liegt eine Stadt, Namens Vico- varo, eine andre Lieblingszusammenkunft des Dichters mit der Varia. Am Ende des Thals, nach dem Anio zu, steht ein kahler, mit einer kleinen Stadt, Namens Bardela, bekränzter Hü- gel. Am Fuſse desselben fliefst das Bächlein Licenza, das von einem grofsen Sandbette bey- nahe eingesogen wird, ehe es den Anio erreicht. Nichts kann glücklicher mit den Zeilen des Dichters im bildlichen oder wirklichen Sinne zusammentreffen: Me quotiens reficit gelidus Digentia rious, Quem Mandela bibit rug osus frigore pagus.* Der F ehe e sieht e aus. Roc- Hügelt dem 1 gezeigt der V. Inschr schen stellt bey ei nem 1 chende len, v VI 147 eiſse, Der Fluſs ist hoch in dem Thale klar; aber, zum ehe er noch die Hügel von Bardela erreicht, wird sieht er wie ein Schwefelbach grün und gelb aben uf ei- tella, Rocco Giovane, ein zerstörtes Dorf auf den kurz Hügeln, einen halbstündigen Spaziergang von stica dem Weinberge entfernt, wo das Pflaster vor- unde gezeigt wird, scheint der Ort für den Tempel Vico- der Vacuna zu seyn, und eine dort gefundene des Inschrift sagt, daſs dieser Tempel der Sabini- hals, schen Siegsgöttin von Vespasian wieder herge- einer stellt wurde*) Bey diesen Hülfsmitteln und Hü- bey einer allem dem, was der Dichter von sei- hlein nem Erholungsorte gesagt hat, genau entspre- bey- chenden Lage können wir ziemlich sicher füh- eicht. len, wo wir sind. des sinne *) MP. CAESAR. VESPASIANUS. PONTIFEX. MAXIMUsS. TRIB. POTEST. CENSOR. AEDEM. 45, VICTORIAE. VETUSTATE. ILLLAPSAM. gus.* SUA. IMPENSA. RESIITUIT. 148 Der Hügel, welcher Lucretilis seyn sollte, wird Campanile genannt, und wenn wir dem Bache bis zur vorgeblichen Bandusia folgen, so kommen wir zu den Wurzeln des höhern Ge- birgs Gennaro. Sonderbar genug ist die ein- zige Stelle von gepflügtem Lande in dem gan- zen Thale, auf dem Hügel, wo diese Bandusie entspringt, „.... ku frigus amabile Fessis vomene tauris Praebes, et pecori vago.“ Die Bauern zeigen eine andre Quelle nahe bey dem Mosaikpflaster, welche sie«Oradina“ nennen, und welche von den Hügeln in ein Becken oder einen Mühldamm flieſst, und von da in die Digentia hinübertröpfelt. «Doch wir müssen nicht hoffen, dadurch Den Musen bis zu ihren Quellen zu folgen,“ dafs wir die Wendungen des romantischen Thals durchsuchen, um die Bandusische Quelle zu finder mand gebalt hören unläu gute! der M Gerva höchst den* wie n biehe tische jst ke sen, Ode* dabey den IT *) Si 3*) Si 8 149 finden. Es scheint sonderbar, dals irgend Je- mand Bandusia für eine Quelle der Digentia gebalten hat.— Horaz hat kein Wort davon hören lassen; und dieser unsterbliche Quell ist unläugbar in dem Besitze derer, die so viele gute Sachen in Italien inne haben, nämlich der Mönche. Er war mit der Kirche von St. Gervais und Portais, nahe bey Venusia, wo er höchst wahrscheinlich zu finden war, verbun- den*). Wir werden aber nicht so glücklich, wie neulich ein Reisender seyn, welcher die bieher gehörige Fichte noch auf der poe- nahe tischen Villa hängen sah. In dem ganzen Thale= ina“ ist keine einzige Fichte, sondern zwey Cypres- ein sen, welche er offenbar für den Baum in der von Ode**) ansah, aber verkehrt sah. Das Wahre dabey ist, dafs die Fichte jetzt, wie sie es in den Tagen Virgils war, ein Gartenbaum ist, *) Siche histor. Erläut. zum IV. Gesange. 8. 43. thals**) Siehe klassische Tour, u. s. w. Kap. VII. 2 zu S. 250. Band II. 150 und daher war es durchaus nicht wahrschein- lich, dalfs sie auf den schroffen Abhängen des Thals Rustica zu finden sey. Horaz hatte wahr- scheinlich eine derselben in dem Obstgarten dicht über seinem Meyerhof stehn, wo er un. mittelbar seine Villa überschattete, nicht auf den Felsenhöhen in einiger Entfernung von sei- ner Wohnung. Es war leicht, daſs der Tou- rist obige Cypressen für diese Fichte hielt, denn die Orangen- und Citronenbäume, welche ei- nen solchen Bläthenreiz über seine Beschrei- bung der Königlichen Cärten zu Neapel wer- ſen, waren, wenn sie nicht seitdem umgestellt sind, sicherlich nur Acazien und andre gemei- ne Gartengesträuche*). Wegen einer mir wie- derfahrnen, ausserordentlrchen Täuschung, da *) Unter unsern Fenstern und an den Strand stossend, ist der Königliche Garten, wel- cher in Blumenstücken und Spaziergängen sich ausbreitet, die durch Reihen von Oran- genbäumen beschattet sind.“ Klass. Tour, u. s. w. Kap. XI. Bd. II. S. 365, ich der Italien nigen v die, o sagt, e dasselhe Verfass; sten ur in unse erlangt zu trau die er thümer offenba uns argd beschri blos a lassen. Kennze Bemer den pe jenen sich le ich den Klassischen Touristen zum Fährer in Italien wählte, sey es mir erlaubt, mir in ei- nigen wenigen Bemerkungen Luft zu machen, die, ohne Furcht vor Widerspruch sey es ge- sagt, ein jeder, der denselben Führer durch dasselhe Land wählte, bestätigen wird. Dieser Verfasser ist in der That einer der ungenaue- sten und unbefriedigendsten Schriftsteller, die in unsern Zeiten einen vorübergehenden Ruf erlangt haben, und selbst dann ist ihm selten zu trauen, wenn er von Gegenständen spricht, die er doch gesehen haben müſste. Seiner Irr- thümer, von der blofsen Uebertreibung bis zur offenbaren Verfälschung, sind so viele, daſs sie uns argwöhnen lassen, er habe entweder die beschriebenen Plätze nie besucht, oder sich blos auf die Treue früherer Schriftsteller ver- lassen. Wirbklich hat die Klassische Tour jedes Kennzeichen einer blosen Compilation früherer Bemerkungen, die auf einem sehr dünnen Fa. den persönlicher Beobachtung gereiht und von jenen Verzierungen auſgeblasen sind, welche sich leicht auffinden lassen bey einer systemati- 152 schen Annahme aller der Gemeinplätze des Eo- Bes, die bey jeder Sache angebracht werden, und daher nichts bedeuten. Der Styl, den Eine Person für klotzig, be- schwerlich und unschicklich hält, mag ganz nach dem Geschmacke anderer seyn, und solche können wohl etwas heilsam aufgeregt werden, wenn sie die Perioden der Klassischen Tour durchpflügen. Es muſs aber erinnert werden, dafs Politur und Gewicht im Stande sind, Er- wartungen von Werth zu erzeugen. Es gehört unter die Qualen der Verdammten, mit einem ungeheuern runden Steine eine Anhöhe hin- auf au arbeiten. Der Tourist durfte seine Worte wählen, aber ihm stand nicht eine solche Breite bey der Auswahl seiner Empfindungen frey. Die Liebe zur Tugend und Freyheit, welche den Charak- ter auszeichnen müssen, schmückt gewiſs die Seiten des Herrn Eustace, und der männliche, bey einem Schriftsteller und seinen Erzeugnis- —— sen S Klassi müthi ner s so he gebra Fruch wüns des 89 sten k serem einem diese kende schen den durch lutior stung Allge sehr Gege Wer sen so empfehlende Geist leuchtet in seiner Klassischen Tour stark hervor. Aber diese grofs- müthigen Eigenschaften sind das Laubwerk ei- ner solchen Darstellung, und können um diese so hervorstechend und so verschwenderisch an- gebracht seyn, dafs sie denen, welche die Frucht mit der Hand zu suchen und zu finden wünschen, beschwerlich werden. Die Salbung des Sehers und die Ermahnungen des Morali- sten haben dies Werk zu etwas mehr und Bes- serem, als einem Reisebuche gemacht; aber zu einem Reisebuche machten sie es nicht; und diese Bemerbung geht vorzüglich auf jene lok- kende Methode, welehe beständig einen Galli- schen Heloten aufführt, der vor dem kommen- den Geschlechte taumelt und poltent, und es dunch Schilderung der Ausartungen der Revo- lution zum Anstande hinschreckt. Eine Entrü- stung gegen Atheisten und Königsmörder im Allgemeinen, und Franzosen insbesondre, kann sehr heilsam als eine Urkunde seyn; aber dies Gegengift sollte entweder in einem ganz andern Werke, als einer Tour, angewandt, oder we- 154 nigstens besonders aufgetischt, und nicht mit der ganzen Masse der Belehrung und der Re- flexion so vermengt seyn, dafs jede Seite eine Bitterkeit enthält; denn wer möchte gern die Antiphatieen eines Menschen, selbst wenn sie gerecht sind, zu seinem Reisegefährten haben. Ein Tourist ist, wenn er nicht nach dem An- sehen eines Propheten trachtet, nicht für die Wechsel verantwortlich, die in dem Lande, welches er beschreibt, statt finden können; aber sein Leser darf alle seine politischen Ge- mälde und Folgerungen sehr wohl für eben so viel weilses Papier halten, sobald sie aufhören. ihm zu nützen, und vorzüglich, wenn sie ihm seine wirkliche Uebersicht verdüstern. Keine Regierung und keine Herrscher sollen hier gelobt noch angeklagt seyn; und doch ist es als ein unwiderlegliches Factum erwiesen, daſs der Wechsel, welcher entweder durch die Anwendung des letzten kaiserlichen Systems, oder durch die, welche auf den Italienischen Thronen folgten und jede Erwartung täuschten, herbeyg sichtbar Antigall Datums auf die Verlasse spiel fin logna, Papst u in so st Rache el pete des logna is war seit liens we nären einzige zu Gun te. Di seyn, suchte; einst be der St. 155 herbeygeführt wurde, so bedeutend und so sichtbar ist, dals er nicht nur Herrn Eustace's Antigallicanische Philippica's ganz aus ihren Datums rückt, sondern auch einigen Verdacht auf die Zulänglichkeit und Aufrichtigkeit des Verfassers selbst wirfſt. Ein merkwürdiges Bey- spiel findet sich in den Aeusserungen über Bo- logna, über dessen Anhänglichkeit an den Papst und daraus folgende Verwüstung er sich in so starken Ausbrüchen des Mitleids und der Rache ergiefst, welche durch die erborgte Trom- pete des Herrn Burke noch lauter schallen. Bo- logna ist aber bis auf diesen Augenblick, und war seit einigen Jahren unter den Städten Ita- liens wegen seiner Anhänglichkeit an revolutio- nären Grundsätzen bekannt, und sie ist die einzige Stadt gewesen, welche einige Beweise zu Gunsten des unglücklichen Märat vorbrach- ie. Dieser Wechsel mag jedoch entstanden seyn, seitdem Herr Eustace dieses Land be- suchte; wenn er aber den Reisenden durch einst beschlossene Abstreifung des Kupfers von der St. Peters-Kuppel so entsetzlich erschüttert 156 hat. so muſs dieser sich sehr erleichtert fühlen, wenn er findet, daſs diesen Kirchenraub weder die Franzosen, noch irgend ein andrer Räuber zu ihrer Macht haben, da die Kuppel mit Bley gedeckt ist*). Wenn nicht die vereinte Stimme anders weit- eifernder Critiker der Klassischen Tour einen bedeutenden Umlauf verschalft hätten: so wäre es unnöthig gewesen, dem Leser zu sagen, daſs sie ihm, wenn sie auch seine Bibliothek *) Wie grols wird daher das Erstaunen oder vielmehr der Schrecken meines Lesers seyn, wenn ich ihm berichte... dafs die Französische Committee ihre Aufmerksam- keit auf die St. Peterskirche richtete und eine Gesellschaft Juden dazu brauchte, das Gold, Silber und Erz, welche das Innere des Gebäudes schmücken, zu schätzen und zu kaufen, so wie das Kupfer, welches die CGewölbe und die Aussenseite des Doms be- deckt.“ Kap. IV. S. 130. Bd. II. Die Ce. schichte mit den Juden ist besäimmt in Rom geläugnet. 157 schmücke, auf der Reise geringen oder gar kei- nen Dienst leisten könne; und hätten jene Cri- tiker ihr Urtheil bis dahin aufgeschoben, so wäre kein Versuch ihrer Entscheidung vorzu- greifen gemacht worden. Wie es nun ist, so sey denen, welche in dem Verhältnisse von Nachwelt zu Herrn Eustace stehen, erlaubt, von den gleichzeitigen Lobeserhebungen zu ap- pelliren, und sie sind vielleicht in dem Maſse gerechter, als die Ursachen der Liebe und des Hasses weiter entfernt sind. Diese Appellation ist zum Theil schon gemacht, che die obigen Bemerkungen geschrieben wurden; denn eiuer der achtbarsten Florentinischen Verleger, wel- cher durch die wiederholten Nachfragen der südwärts Reisenden überredet war, eine wohl- feile Ausgabe der Klassischen Tour neu zu druk- ken, wurde durch den einstimmigen Rath der zurückkehrenden Reisenden bewogen, sein Vor- haben aufaugeben, obschon er Lettern und Pa- pier bereits geordnet und einen oder zwey der ersten Bogen abgedruckt hatte. 158 Der Schreiber dieser Anmerkungen wünscht (wie Herr Gibbon) von dem Papste und seinen Cardinälen in freundlichen Ausdrücken zu schei- den, aber er hält es nicht für nöthig, dasselbe bescheidne Stillschweigen auf ihre niedrigen Partheygänger auszudehnen. 8 g 8 . 2 Taschenbibliothek Byrons Poesien Fünftes Bändchen. 1 n neuen Verdeutschungen. — D — .,— 8 5 — —₰‿ 2 .,— —₰ ◻ — N2 e 0 Lord Byron's Pöesien. 2 Fünftes Bändchen. Mazeppa.— Der Vampyr. Uebersetzt von Christian Karl Meissner. 2——————ℳ-———ℳ M——————— ℳ———— qõℳM:O—— ℳ—— ℳʃM₰öͤA Zwickau, im Verlag der Gebrüder Schumann. 1 3 2 1. 8 ₰ — ₰ 8 Ꝙ — A8 — ◻½ ., 8 + ₰ VII —õℳkB——Mℳ—:— ℳℳM—MO':ͤBBA Vorerinnerung. — Der, welcher damals diese Stelle bekleidete, war ein polnischer Edelmann, Namens Ma- zeppa, in der Woiwodschaft von Podolien ge- boren; er war Page beym Könige Johann Ca- simir gewesen, und hatte an diesem Hofe eine oberflächliche Kenntniſs der schönen Wissen- schaften sich zu eigen gemacht.— Ein in sei- ner Jugend mit der Gattin eines polnischen Edelmanns gehabtes Liebesverständnifs war ent VIII deckt worden; dieser liefs ihn nackt auf ein wildes Pferd binden, und es dann fortjagen.— Das Pferd, aus der Ukraine stammend, rannte mit dem von Ermattung und Hunger halbtodten Mazeppa dahin zurück.— Bey einigen Bauern, die ihm zu Hülfe kamen, verweilte er lange,* und zeichnete sich in mehreren Streifzügen ge- gen die Tartaren aus.— Seine höhere Geistes- bildung verschaffte ihm unter den Kosaken ein g1. bedeutendes Ansehen; und da sein Ruhm täg- br lich zunahm, sah sich der Czaar genöthigt, ihn 4 ste zum Fürsten der Ukraine zu ernennen.“— vẽ Voltaire's Geschichte Karls XII. S. 196*). V „— Als der König fliehend verfolgt ward, K *) Mehr über Mazeppa's Verhältnifs zu Karl XII. und über sein Schicksal lese man nach in der neuen IX wurde sein Pferd unter ihm getödtet; der Oberst Gieta, selbst verwundet und verblutend, gab . ihm das seinige.— So mufste der Eroberer, der während der Schlacht kein Pferd hatte be- steigen können, zweymal nach der Reihe sie wechseln.“— Voltaire, ebend. S. 216. btes-„— Der König nahm mit einigen seiner Be- ein gleiter einen andern Weg.— Der Wagen zer- täg. brach unterwegs, und er muſste ein Pferd be- ihn 3 steigen.— Um das Unglück noch zu vergrölsern, — verirrte er sich während der Nacht in einem *). Walde; da konnte sein Muth die erschöpften rd, Kräfte nicht mehr ersetzen; die Schmerzen sei- Uebersetzung der Voltaire'schen Geschichte Karls XII. und Bändchen II. S. 96 u. f,(Zwickau, bey Gebr. Schu- — mann, 1821. 16.) ner Wunden waren durch die Anstrengungen noch unerträglicher geworden, sein Pferd war vor Müdigkeit gefallen, und so legte er sich einige Stunden unter einen Baum, um zu schlafen, in Gefahr, jeden Augenblick von den Siegern, die ihn rings umher aufsuchten, überfallen zu werden.*— Voltaire, ebend. S. 218. 11 22—ℳMℳAnA M a z2 e p p a. I Als nach der Schlacht bey Pultawa Vom Glück sich ganz verlassen sah Der Schweden König, lag sein Heer, Zerschmettert, blutend lags umher; Des Krieges Macht, des Kampfes Ruhm, Die nichtge ihm geweihte Schaar War hold dem unbesiegten Zaar, Gefahrlos Moskau's Eigenthum, Bis ein noch düstrer Schreckenstag, Noch ein des Denkens würd'ger Jahr, Dem Feind, der mächrger, stolzer war, 12 Zu Schimpf gedieh und höchster Schmach, Wie zu Verlust ohn' rettend Heil— Sturz Einem, Allen Donnerkeil! II. So ſiel das Loos von Schicksals Hand: Entfliehend Karl, gefärbt mit Blut Durch seinen und der Seinen Muth, Liefs hinter sich so Fluth als Land; Es deckt ein tausendfacher Tod Die Flucht; kein Laut des Vorwurſs droht 20 Dem Ruhm in schmacherfüllter Nacht, Wo furchtlos Wahrheit stand vor Macht.— Todt lag sein Roſs, Gieta gab Ihm's eigne, sich der Russen Grab.— Auch dieses sinkt, nachdem's ihn trug Noch Meilen im verschnauften Flug; Und tief in der Wälder nie dämmernder Nacht Bey fernem Gefunkel der Feuer der Wacht,— Das Zeichen der Feinde, rings strömend herzu— Ist endlich ein König gezwungen zu strecken 30 13 Die Glieder.— Das wäre der Lorbeer, die Ruh, Für welche die Völker sich gaben dem Sckreckenp Am wilden Baume hingelegt, In ihm das Leben sich kaum noch regt; Die Glieder steif und starr die Wunden, Fühlt er die traurigste der Stunden, Im Blute das Fieber, verscheuchend die Ruh, Liefs lindernden Balsam des Schlummers nichtzu. So stand's um ihn:; doch nahm er sich Im Drang der Leiden königlich, 40 20 Er blieb, wo Menschlichkeit erliegt, Vom höchsten Drangsal unbesiegt, Und schweigend unterwürßg war Ihm All', wie sonst der Völker Schaar.— III. Der Führer Häuflein winzig, ach! Vom einz'gen flüchtgen Tage nach Geblieben, aber treu und rein An Rittersinn— das nannt' er sein.— 14 Um den Monarchen und sein Roſs Lag jeder stumm— ein Ehrentrofs! 50 Gefahr und Noth sind einend reich— Sie machen Thier' und Menschen gleich.— Sich unter ihnen Mazeppa macht Sein Bett in alter Eiche Nacht, Kaum minder alt und rauh wie sie Ukrainer Hettmann, bangend nie.— Doch der Kosacken Fürst zuvor Dem Pferd, das längst die Rast verlor, Ein Lager macht von grünem Laub, Und Mähn' und Huf befreyt von Staub.— 60 Und löst was Gurt und Zügel ist, Sieht freudig, daſs es munter friſst, Denn Furcht bis jetzt ihm fragend blieb: Hat auch der matte Renner Trieb Zum Frafs im Thau der Mitternacht 5 Doch wie für seinen Herrn gemacht, War hart, wie er, das Rofſs— und Mahl Und Bett nicht ihre Sorg' und Wahl.— Auch muthig war's doch und gewandt, That, was zu thun sich immer fand. 5⁰ Vermögend, schnell und gliederfest, Wie'’s der Tartar erwarten läſst; Ihm horcht es, kommend auf sein Wort, Und wären beysammen auch Tausende dort, Es kenn't in der Mitt' ihn, und würd' auch ge- macht Die Flucht ohne leuchtende Sterne der Nacht, Dem Hirschkalbe gleichend, verläſst es ihn nicht, Ob Mond oder Sonne erfüllen die Pflicht.— IV. Nun breitet Mazeppa den Mantel sich aus, Die Eiche, sie dienet der Lanze zum Haus, Auch prüftt er die Waffen, ob gut sie im Stand, 80 Denn weit sich der Marsch ja erstreckte durch's Land, Ob voll auch des Pulvers die Pfanne noch sey, 1 b Der Stein noch fest am Schloſs auch säſs, Befühlend des Säbels so Schneid' als Gefäfs, Von Reibung ob der Gürtel frey— 16 Nun erst der Ehre würd'ge Mann Aus Mantelsack und Trinkgefäſs Sein Mahl, kaum dem Bedarf gemäſfs, Sich holt; dem König, Jedermann 3 Beut ganz er's oder theilend an, 9⁰ Mit wen'ger Sorg' für künft’gen Tag, Als wohl ein Schwelger beym Schmaus vermag. Und Karl, er nahm doch lächelnd hin Ein wenig von dem kargen Mahl, Und gröſser erschien er im fröhlichen Sinn Und weit über Wunden und Geistesqual;— Dann sagt' er:—«Von dem ganzen Heer «Wohl kräft'gen Muths in Will' und Speer «Hat Keiner bey Schlacht, bey Marsch und Fahn' «Wohl wen'ger sprechend mehr gethan 100 «Als du, Mazeppa! Auf Erden weit «Seit Alexander bis heut'gen Tag «Kein Paar für einander geboren seyn mag, «Als du und Buzephal, dein Pſerd, es seyd.— Ganz Scythien's Ruhm dem deinen mußs weichen, We Maze Die Karl Wo Und Wi «&Vor «Unc «Der «Jen «Und aIch Euc Sprie «Vie Du 64 Die „Nic 16 inn 17 «Wenn'’ gilt, über Felder und Fluthen zu streichen.“— Mazeppa nun:«Wo den Ritt ich gelernt, «Die Schul' ist nicht mehr weit entfernt.“— Karl drauf:—«Alter Hettmann, sag' es mir, «Wo ward so vertraut die Kunst mit dir»— 110 Und Er:— Das duldet nicht die Zeit,— «Wir haben streng uns vorzuseh'n «Vor Ueberfall noch Meilenweit, «Und doch zuletzt eins gegen zehn «Den Feind, eh' die Rosse grasend gehn «Jenseits des schnellen Borysthen’— Und, Herr, die Rauh Euch nöthig thut,— «Ich aber leiste wachend Huth Euch und der Schaar.“—«Doch hört' ich gern,» Spricht Schweden's Fürst,„jetzt dein Geschick, «Vielleicht kehrt der Natur zurück 121 Durch dein Erzählen Schlummers-Rast, «Die, noch der leisen Hoffnung fern, „Nicht der Sekunde Raum umfaſst.* 16. B Es sey: so setze demnach ich Zurück mich Jahre siebenzig.— «Ich war, mich dünkt, nicht zwanzig Jahr, «Zur Zeit, als Casimir König war— Johann Casimir— sechs Jahre weiht' «Ich Pag' ihm meine Jugendzeit; 13⁰ Er, traun, ein Fürst an Kenntniſs reich, «Doch Ew. Majestät nicht gleich: «Nicht Kriege führt' er, und gewann «Nicht Land, es zu verlieren dann; «Und ausser in Warschau beym Landtagsstreit Regiert' er in Ruh' und Friedlichkeit; «Doch miſst er nicht selten die heitere Ruh’— «Er liebte die Musen, die Weiber dazu, «Wohl waren zuweilen so mürrisch auch die, «Dafs mit sich selbst ihn entzweyten sie, 140 «Doch wenn sein Zorn zum Schweigen kam, Ein and'res Mädchen und Buch er nahm, Dann gab er gewöhnlich die festlichsten Feste, Ganz Warschau erschien als geladene Gäste, «Bewundernd die Gröfse des Glanzes zu schau'n In Er Es «Nur «Sicl Es Wc 19 «In Gruppen der fürstlichen Männer und Frau'n. Er war der Polen Salomo, r,«Es sangen auch die Dichter so, «Nur einer— nicht Söldling— satyrisch ward laut, 130«Sich brüstend, er sey nicht mit Schmeicheln vertraut. 150 Es war ein Hof von Sang und Spielen, Wo jeder den Lorbeer sich wollte erzielen;. „Ich selbst auch verstieg mich zum dichtenden sstreit Schwarme, a Und nannte am Schlusse mich: Thirsis der uh’— Arme.— ¹„Dort war ein gewisser Woiwod' auch erschienen, die,«Entstammend aus altem und edlem Geschlecht, 140„Reich— ähnlich dem Salze und Silber der am, Minen.*)— n., Feste,*) Der Vergleich mit einer„Salzmine“ mag wohl ei- nem Polen erlanbt seyn, da der gröſste Reichthum scines Vaterlandes hauptsächlich in diesen besitcht. chau'n Byron. Gäste, 20 «Und stolz— wohl für ihn ein verzeihlich Er- kühnen, «Als sey seine Sendung ein himmlisches Recht.— «Sein nannt' er so viel Gold und Rang, 160 «Dafs Keiner am Thron'’ ihm gleich konnte stehn; «Doch sah' er auf den Schatz so lang «Und auf des Stammbaums Pergamen, «Bis er verführt durch Irrigkeit, «Vereint mit etwas Albernheit, «In beyder Verdienst gar sein eigenes sah'’.— Doch anders es bey seinem Weibe geschah— «An dreyfsig der Jahre sie jünger als er, «Ward täglich zum Joche sein Herrschen ihr mehr; Nach Wünschen und Hoſſen und äugstlicher Scheu, 170 Zum Abschied der Tugend ein Thränchen dabey, «Zwey ruhlose Träume, der Blicke Glänzen «Auf Warschau's Jugend bey Chören und Tänzen «Erharrte sie nur, wie gewöhnlich sich's macht, «Den glücklichen Zufall, durch welchen Bedacht 21 aUnd Kälte der Frauen zu Flammen erwacht.— „Um ehrend mit Würden den Grafen zu heben, ht.—„Die fördern die Pässe zum himmlischen Leben, 160 Doch derer— wie seltsam!— am mind'sten stehn; sich rühmt, «Für wen solch ein Schmuck sich am meisten geziemt.“ 180 V. „ —«Ein wack'rer Spröſsling ich derzeit war, hah— Wohl darf ich sagen, daſs mit siebenzehn Jahr „ Von Knab' und Mann die kleinste Zahl— en ihr«Ob Ritter, ob Vasallen, zu gleichen «Vermochte mir an eitlen Streichen, stlicher«Der Jugend und des Leichtsinns Wahl.— 17⁰ Denn jung und froh lag Kraft in mir, dabey, Mein Antlitz, jetzt verwandelt schier, azen„War mild und sanft, wenn'’s rauh nun ist; Tänzen Denn Zeit und Sorg' und Krieg— sie haben 190 macht, Mir Furchen in Seel' und Stirn' gegraben, Bedacht o, dafs nun wohl zu dieser Frist «Mit «Von Allen, die jene Zeit mir nennt, «Wohl schwerlich auch Einer mich wieder er- Dui kennt.— Doc „Zwar hat sich verändert dies lange zuvor, Wi « Eh' ich sie, die Züge, durch Alter verlor; «Doch haben mich Jahre, Euch ist's ja bekannt, Gro «An Geist, wie an Kraft und an Muth nicht Das entmannt, Gan «Sonst könnt' ich Euch jetzt die Erzählung nicht Wi weihn«Noc «Der alten Geschicht' hier im Schattenverein, 200«Als soll «Wo sternenleerer Himmel mir Bettdach seyn.— «Doch weiter nun: Theresens Gebild— «Dünkt es mich doch, als schwebe wie Traum Es zwischen mir und jenem Kastanienbaum, 4 «o lebend mich noch die Erinn'rung erfüllt, «Und doch sind Worte mir arm und kalt V 3 «Zu schildern der schönen Geliebten Gestalt. „Sie hatte das Auge aus Asia, «So, wie's die Nachbarschaft der Türken 23 «Mit pol'schem Blute vermäg zu bewirken, 210 er- Dunkel, wie über uns der Himmel da, «Doch stahl sich aus ihm ein mildes Licht, Wie wenn der Mond durch die Mitternacht bricht, Grofs, dunkel und schimmernd in dem Fluſs, icht«Das schmelzen in eignen Strahlen mufs, «Ganz Lieb', halb Schnee, halb Feuergluthen icht Wie Heil'ge, die duldend am Pfahle verbluten, «Noch richtend ihr Auge nach Oben hinan, „ 200«Als sey so es Wonne, den Tod zu empfahn.— soll«Eine Stirn wie die See im Sommerbrand, 220 „Wenn sich das Bildniſs der Sonn ihr vertraut, «Kaum plätschernd die Wellen berühren den aum. Strand, m,«Und spiegelnd der Himmel in ihr sich beschaut. üllt, Eine Wang', eine Lippe— doch mehr kein t Wort, talt.«So liebt' ich sie da— noch lieb' ich sie fort „Und vwie ich so bin, so lieb' ich mit Glut Und ganz ohne Maals, sey's schlecht, sey's gut.— Denn selbst im Zorn nicht Lieb' uns weicht, „Und so nah'n wir dem Alter All', «Von nichb'gen Schatten der Zeit gebleicht— 230 „Und dies ist auch mit mir der Fall.— VI. „Ein Nah'n— ein Blick— ich seufat' und sah, „Sie schwieg, und doch war Antwort da; „Von Tönen, von Zeichen zu Tausend gar „Erklärung imschmachtenden Schweigen nur war, „Ohn’ Willkühr Funken des Gedanken, „Die der gepreſsten Seel' entwanken „Und knüpfen ein Herzensverständnifs an „Nach innigem und geheimem Plan, „Das schürzet das glühende Band und ein't 240 „Der Jugend Herz ech' selbst sie's meynt, „Und leitet wie der elektrische Draht „Das zehrende Feuer auf heimlichen Pfad.— «Ich sah' und seufzt' und weinte leise „Und blieb doch ungern aus ihrem Kreise, „Bis näher ihr bekannt ich war, war, 240 „Da konnten zuweilen wir ohne Gefahr «Uns finden— da, ja eben da «Hob Sehnsucht zum Entschlufs mich schon eu sprechen, doch der schwache Ton 250 «Starb zitternd kaum der Lippe nah, «Bis einstmals— Nun, man hat ein Spiel, Zum Zeitvertreib, gar täppisch geringe, Dafs man den lieben Tag verbringe, Es heiſst— der Name mir gänzlich entfiel, «Und hierbey neben ihr ich saſs «Durch Zufall, den ich auch vergaſs.— «Gewinn und Verlust— mir war's gleich viel, «Mir war's genug, ihr nah'’ zu seyn, «Mich nur dem Wonnegefühl zu weih'n, 260 Das für dies Wesen mein höchstes Ziel.— aIch wahrte sie wie eine Wacht, (Mögen's uns're nur so in der finstern Nacht!) «Bis ich bemerkt', und ich irrte nicht, «Dafs sie gedankenvoll, nicht achtend d'rauf, Ob günstig ihr des Spieles Lauf, «Dennoch nicht leistete Verzicht «Auf's Spiel noch stundenlang, als wär' «Verdrängt vom Willen mehr und mehr„Ue «In ihr des Gewinnstes Geldbegehr.— 270„Ue «Gleich einem hellen Blitze fuhr„Icl «Durch's Hirn mir der Gedank': es sey„Vo «So was in ihrer sanften Natur 1„Hi «2zu machen mein Sehnen zweifelfrey.—„Do «Mit dem Gedanken sich Worte erhoben, Mi a Verworren wohl ohne geordneten Sinn,„lcl Beredsamkeit war nicht an ihnen zu loben;„Es «Sie horchte doch d'rauf— mir reichster Gewinn.„Do «Wer ein Mahl horcht, stellt's wohl nicht ein— Ihr Herz ist, wahrlich, nicht von Stein, 280 — «Und Sträuben kann nicht Weig'rung seyn.— VII. aIch liebte und ward wieder geliebt!— „Man sagt mir, Herr, Ihr kanntet nicht Die süfse Schwäche.— Wenn wahr mamspricht, Erwähn'’ ich kurz, was erfreut und betrübt; «Es dünkt wohl albern und thöricht Euch; 1, 2n; winn. ein— 280 27 „Doch Gabe zu herrschen ward Jedem nicht gleich „Ueber die Leidenschaft, oder wie Ihr „Ueber Euch selbst und die Völkerschaft hier.— „Ich bin ein Fürst— oder vielmehr ich war— 290 „Von Tausenden Herrscher, und konnte fürwahr „Hinführen einen Jeden zum sichern Tod, „Doch über mich selbst stand zu Gebot „Mir keine Macht.— Doch, ich fahre fort: „Ich liebte und ward wieder geliebt; „Es ist ein schönes, ein herrliches Wort, „Doch wenn'’s am schönsten— höchst das Ende betrübt.— „Wir sah'n uns verstohlen, und der Augenblick „Der zu ihrer Laube mich führte, vom Geschick „Mir geschenkt war als das höchste Glück.— 300 „Nichts waren alle Zeiten der Nacht und Sonne, „O, nichts gegen die einzige Stunde der Wonne „Die in dem Laufe vom Jüngling zum Creis „Ihrer selbst zu erinnern er sich noch lebhaft weiſs— „Diese Stunde, ja die Ukraine setzt ich ein, „Könnt' ich noch ein Mahl sie leben— und ein Page seyn,„80 „Der glückliche Page, deſs Sehnsucht genährt„D „Vom liebenden Herzen und guten Schwert,—„L. «Der nichts besaſs an Edelsteinen und Gut„D „Als der Natur Geschenk an Jugend und Muth.—„Ic «Wir sah'n nur geheim uns.— Wohl Mancher„V mag meynen 311„V „Es sey doppelt süſs ein solches Vereinen;— „Nicht dacht' ich so— ich hätte mein Leben „Sie mein nennen zu dürfen, hingegeben, „Vor Himmel und Erde mein, nur mein! — „Denn mir war es herbe und quälende Pein, »Verstohlen nur immer ihr nahe zu seyn.— VIII. „KAuf Liebende sind Aller Augen gespannt; „So ging's auch uns:— Es sollte der Teufel „Sich artig bey so was betragen ohne Zweifel. 320 „Der Teufel?— ich fürcht ihm Unrecht zu thun; „Es war wohl ein mürrischer Heil'ger genannt, „Der nicht mehr länger wollte mülsig ruh'n, „Sondern der frommen Galle That verleih'n— „Denn in einer liebeglücklichen Nacht drangen ein „Lauschende Späher und hielten uns fest.— „Der Graf war wilder als es sagen sich läfst— „Ich unbewaffnet, doch wenn auch in Stahl „Vom Kopſe zum Fufs, bey der Ueberzahl „War ich nur der Schwache, mir blieb keine Wahl.— 330 „Bey seinem Schlosse war, sehr weit „Von der Stadt, keine Häülfe bereit, „Und eben war'’s um des Frühtag's Zeit; „Ich glaubte nun schon meinen letzten zu leben, „Meine Augenblicke schienen gezählt zu seyn, „Und suchte zur Mutter Maria zu heben «Mein Fleh'n und zu ein Paar Heiligen mein; „Als ich nun dem Schicksal mich duldend ergab, „Da führte zum Schlofsthor man eilig mich ab. «Theresen's Geschick, ich erfuhr es nimmer, 340 „Wir blieben verloren einander für immer.— «Leicht könn't Ihr denken, wie zornentbrannt 30 „Und wild der Kopf des Grafen stand, „Auch wohl mit Recht gab er Zorn hier Raum; „Am meisten darüber ergrimmt er war,„Da „Daſs dieser Zufall möcht bringen Gefahr„Fü „Des künft'gen Stammes Ahnenbaum,„Ei „Und wenig nicht staunt' er, daſs solch' eine„De Schand'„In „Sollte treffen sein Wappen so rühmlich be-„W kannt, „Da seines Stammes Höchster er war; 35b0 „Und weil er den Höchsten sich selber vermeynt’, —— „So glaubt' er, auch Andern sey's offen und klar, „Am mindesten glaubt' er's von mir wohl ver- neint.— „Verwünscht! mit einem Pagen!— ein König vielleicht, „Er hätt' ihm wohl gar noch zum Troste gereicht, „Doch von einem Pagen, noch so jungen Blut— „Ich fühlte— kann aber nicht schildern die Wuth.“— IX. „Das Roſs führt vor!“— Es ward gebracht, „Fürwahr, von Gestalt ein seltenes Thier, „Ein Tartar aus der Ukraine Gestüt, 360 „Der wohl der Gedanken Urschnelle verrieth „In seinen Schenkeln! Doch wild war das Thier, „Wild, wie der wilde Hirsch, nicht folgsam ge- macht, „Durch Sporn und Zügel nicht sklavisch entweiht „War's eingefangen erst eine Tageszeit; „So schnaubend, gesträubt die Mähnen mit Macht, „Sich ungestüm bäumend ward's zu mir gebracht; „In vollem Schaum stand vor mir da schon „DerWildnifsgeborne mit fammendem Drohn.— „Es band mich nun fühllos mit hundert von Stricken 370 „Die Schaar des Gesindes dem Roſs auf den Rücken; „Dann gab's ihm die Freyheit mit peitschendem Hieb «Und fort! fort! nun fort es, in's Weite uns trieb.— 3 „Nichtschneller jeströmende Wassernoch flohn.“ X. «Fort!— fort!— Kein Athem in mir mehr— «Ich sah' nicht, wohin es eilte so sehr: «Kaum graute Morgendämm'rung dort, «Und fort nur schäumt’ es, fort, fort, fort! «Der letzte vernehmliche Menschenton, «Als feindlich sie jagten mich fort mit Hohn 380 «ᷣWarx schallend Gelächter der höllischen Brut, Das nach mir noch schickte verräth'rische Huth, Vom Winde dem Ohr aus der Ferne gebracht— «Da wandt' ich das Haupt um mit Wuth und Veracht «Und biſs in den Strick, der den Nacken mir «Statt Zügel gezogen zur Mähne vom Thier, Zurück halb mich drehend in Flugesritt Heult' ich Verwünschung; doch unter dem Tritt «Des donnernden Hufes verschwand mein Geheul; ite uns flohn. nehr— fort! ohn 380 en Brut, he Huth, racht— uth und len mir hier, itt lem Tritt Geheul; 33 So ward ihrem Ohr wohl der Fluch nicht zu Theil.— Es wär' mir leid— ich wollte mit Schelten „Die Schmach ihnen gern noch wüthend vergelten. Doch später wohl bezahlt' ich's voll: Denn da ist von des Schlosses Thor, Der Zugbrück' und dem Fallgatter davor, Von Riegel, Stein und Festungsgeboll «Nicht Spur— kein Halm im Felde weit «Als was auf dem Rücken der Mauer gedeiht, «Der Kuppel der Halle eins tragend geweiht;— Und weiltet Ihr dort wohl auch manches Jahr 400 Nicht würd' es Euch träumen, dafs Festung da war. Die Thürme, ich sah sie in Flammen stehn, «Zerspaltend die krachenden Zinnen vergehn, Wie Regen hinströmen das Bley von den Höhn, Herab vom schwarzen verbrannten Dach, Defs Festigkeit Rache wie Röhrlein zerbrach.— „Sie dachten des Tags der Vergeltung nicht— 16. C 34 «Als forigeschleudert gleich Blitzeslicht «Sie zur Vernichtung mich sandten im grausen 3 Flug— 4V «Daſs wieder mich brächte der rächende Hohn 410 eN «Mit zweymal fünftausend Rossen, zum Lohn N Dem Crafen für seinen unhöflichen Ritt.— «Sie spielten zu häfslich mir derzeit mit, dd «Als sie das Rofs mir gaben zum Ritt 4 «Und fort in die Wildniſs der Wilde mich trug. V «Ich vergalt ihnen die That aber reichlich g'nug. N 1«Denn Zeit macht endlich alle Dinge wieder eben, «Und wenn man der Stunde nur harret und wacht .So gab es noch keine menschliche Macht, 3«Die widerstand da, wo nicht wurde vergeben, «Dem ruhigen Suchen und wachsamen Trieb 421 Deſs, dem die Beleid'gung im Innersten blieb." XI. «Fort! immer fort! mein Roſs und ich «Lassen auf den Schwingen des Wind'’suns treiben, Alle menschliche Wohnungen hinter uns bleiben, h trug. g'nug. er eben, d wacht cht, ergeben, ieb 421 blieb.“ 1 treiben, bleiben, 35 „Wir eilen, wie Meteore durch Himmel jagen, «Wenn bey brinkelndem Laufe die Nacht Vom zückenden Nordlicht wird heller gemacht. „Nicht Stadt noch Dorf auf dem Weg uns lagen, «Nur Fläche der Wildniſs, gedehnet weit, 430 «Umgeben von des Waldes Dunkelheit; «Und ausser einer Mauer, die kaum man noch sah «Auf fernem Gebirge, dem Einsturze nah, «Vor Zeiten errichtet zum Schutz vor Tartaren, „Nicht Spur von Menschen.— Ein Jahr zuvor waren Die Türken vorübergezogen im Heer, «Und da, wo der Spahi Huf geschritten einher, «Auf blutigem Rasen kein Gräschen nun mehr.— «Der Himmel war dunkel und neblich und grau, «Ein klagendes Lüftchen, es wehte so flau— 440 Erwiedern hätt' ich können mit Seufzerswort, aAber schnell wir flogen fort und fort— „Und wederseufzen noch beten konnt' ich dort.— «Auf die Mähne des Renners, die borstig sich steilte, «Gleich Regen der Schweifs von der Stirn miy eilte.— Doch schnaubend vor Wuth und Furcht das Thier „Verfolgte den Landweg durch's wilde Revier; «Zuweilen wohl dacht' ich, es müſst' in der That Den Renner ermüden die Länge vom Pfad, «Doch nein,— seiner Wuth hemmt es nicht den Flug Dafs er matt und gebunden mich auf sich trug, Vielmehr die Versuche, mir zu befreyn «Die geschwollnen Glieder von marternder Pein, «Sie schienen zu werden ihm treibender Sporn «Die Furcht zu vergröſsern, zu mehren den Zorn. «Versucht ich'’s zu lauten nur leis' und schwach, «So eilt er, als trieb ihn ein Peitschenhieb 3 nach, «Und horchend auf jedes Getön' er dann sprang «Als fordr' es ein schneller Trompetenklang.— «Nun wurden die Bande vom Blute genäſst, 460 «Durch's Reiben mir aus den Gliedern gepreſst, r Pein, Sporn 37 „Und auf der Zunge der Durst mir stand ANoch hefu'ger als glühender Flammenbrand.*— XII. «Wir nah'ten dem wilden Walde.— So groſs er war «Dafs dem Auge kein Ziel ward offenbar; aIhn zierten wohl Stämme so stark und alt «Dafs sie nicht wankten bey Sturmesgewalt, «Der heult aus Sibiriens Wüsteney «Und bricht in der Eile die Wälder entzwey.— „Doch wenig nur derer, und zwischen hin 470 War Dickichtvon Buschwerknochzart und grün «Schön prangend mit seiner Belaubung Pracht „Eh' der Abend des Herbstes sie welken macht, «Der die Blätter der Bäume nach festem Gebot Entfärben sich lässet mit leblosem Roth, «Das auf ihnen steht wie geronnenes Blut Auf den Erschlag'nen, wenn's Treffen nun ruht, „Und eine lange Winternacht ihren Frost ergoſs VUeber jedes Haupt, das kein Grab verschloſs, «ᷣSo kalt und stark, daſs der Schnabel selbst nicht 48⁰ «Des Raben die gefrorne Wange zerbricht.— «Es war eine Wüste von buschiger Wand, «Und hier und da eine Kastanie stand «Und Eichen und Fichten festwurzelnd im Land; «Doch weit von einander— das war mein Glück, «Sonst wär' mir geworden ein härter Geschick— «Hielt mich nicht auf der Bäume Verband, „Schonend den Körper, und ich vermocht' zu überstehn «Die Wunden, vernarbend von der Kälte Wehn, „Und die Bande lieſsen mich nicht verloren gehn.— 49⁰ «Wir rauschten durch die Blätter wie Wind dahin, Rücklassend Hölaung mit Wölfen darin; In der Nacht ich sie am Wege vernahm, «Ihlre Schaar uns in den Rücken kam, Mit ihrem langsamen Galopp, der ermüden kann Des Hundes Hafs und den eifrigen Jägersmann,— and; lück, ick— d, t' zu Vehn, rloren 49⁰ Wind 3 ., kann nn.— 39 „Wohin wir auch flohen, da folgten sie nach «Und verliefsc uns nicht, als der Tag anbrach; «Ich sah sie hinter mir kaum eine Ruthe weit Durch den Wald sich ziehen zur Morgenzeit, 500 «Und hatt' in der Nacht ihren Fuſstritt gehört «Verstohlen rauschend nach uns gekehrt.— O, wie wünscht' ich da mir Schwert und Speer, «Zu sterben doch wenigstens unter dem Heer, «Und umzukommen,— müſst' es so seyn— Im Kampfe vernichtend den Feindesverein.— Als zuerst mein Renner den Lauf begann, «Wünscht' ich zu laugen am Ziel erst an; «Doch miſstrauend ich auf Kraft und Eile sah’.— Thör'chtes Mifstrauen! Wie des Berges Reh 510 «Hatt' ihn seine wilde Abkunft gestählt.— «Nicht schneller fällt der schimmernde Schnee, «Der sich thürmt an des Landmanns Thür' in die Höh', «Dafs dieser verblendet den Weg verfehlt «Und über des Hauses Schwelle nicht tritt, „Als er durch die Pfade des Waldes glitt, 4⁰0 «Ungezigelt, ungezähmt und schlimmer als wild, So wüthend, wie wenn man den Wunsch nicht erfüllt «Verzogenem Kinde,— und wär' dies zu matt,— «Wie ein gereiztes Weib— das seinen Wil. len hat.— 520 XIII. Der Wald war durcheilt, Nachmittag es war, «Doch kalt die Luft, ob auch mitten im Jahr; «Vielleicht rann auch nur kalt mein Blut, «Langes Leiden bezähmt den Stolz recht gut, «Und nicht war ich damals, was jetzt man glaubt, Warein Strom im Winter, der reissend schnaubt, «Und meine Gefühle nutzt' ich ab «Eh' ich von ihren Gründen mir Rechnung gab: Und was mit Wuth und Furcht und Pein «Die Qualen, die meinen Pfad umdräun, 530 «Scham, Kälte, Hunger, Sorge, Noth, «Beschränkten so auf mein wehrloses Seyn, Entsprang einem Stamm, deſs heiſses Blut, bwild, nicht att,— Wil. 520 4¹ Wenn's aufgereizt wird aus stillerm Muth «Und hart zertreten, vergleichet sich «Der Klapperschlange, bereit zum Stich.— Was Wunder, wenn der halbverbrauchte Ast «Den Leiden erlag einen Augenblick fast.— «Die Erde floh, der Himmel drehte sich rund, «Ich glaubte zu sinken auf den Grund; 540 «Doch die Bande hielten mich fest, ob auch wund.— „Mein Herz ward matt, mein Hirn ward schwer, Erst klopft' es noch, dann schlug's nicht mehr.— Die Wolken spannen wie ein mächtiges Rad, „Die Bäume vertraten wie trunken den Pfad, „Und ein Blitz fuhr plötzlich über's Auge mir, «Das nun nichts mehr sah'.— Wer stirbt, kann schier «Nicht mehr noch sterben, als ich hier starb.— «Durch den grausen Ritt ich mir wieder Be- wufstseyn erwarb, «Ich fühlte die Dunkelheit kommen und gehn 55 —— «Und strebte zu wachen; doch konnt's nicht geschehn «Dafs die Sinne klommen mehr in die Höh', «Ich glaubte mich auf einem Brett auf offner See, «Wenn die Wogen, die dich hinabgebannt, Nun wieder wirbelnd werden hinaufgewandt «Und dich werfen an ein wüstes Land.— «Mein schwankendes Leben kam mir vor «Wie meinen Augen durch der Mitternacht Flor «Das geträumte Bild, das in Nichts verrinnt, «Wenn das Fieber auf den Verstand zu wirken beginnt. 550 «Doch bald ging's vorüber, der Schmerz war nicht groſs, «Das Irrseyn jedoch viel schlimmer als er; «Ich gesteh's, es wäre mir äusserst schwer, «Sterbend noch einmal zu erdulden dies Loos; «Und doch fürcht' ich, wir werden zum Raub «Nach gröſserm Leid, eh' wir uns wandeln in Staub.— Ma De s nicht Höh', offner annt, wandt or ht Flor rinnt, wirken 550⁰ erz war er; er, Loos; Raub deln in 43 Mag' denn so seyn,— in's Auge ja „Dem Tod' ich früher und heut noch sah.— XIV. „Gedanken kehrten zurück; wo war ich? Kalt „Und erstarrt und schwindlich; Puls bey Puls erhielt 570⁰ Das Leben wieder den langsamen Halt „Und Tropfen bey Tropfen; bis ein Schmerz nur war, „Was vorher ich als Zuckung gefühlt; „Mein Blut floſs wieder, jedoch dick wie Eis; „Mein Ohr rang mit Tönen, mir nicht ganz klar, «Mir schlug das Herz, doch sanft und leis, «Mit den Augen konnt’ ich sehen, obgleich nur schwach, „Und dieses fast wie durch verdichtetes Glas.— „Mich dünkte, das Rauschen der Wogen war nah, „Es war auch ein Glanz am Himmel da, 580 „Mit Sternen geziert:— es ist kein Phantom; „Das wildeRofsschwimmtdurch denwildernstrom! 44 «Des breiten Flusses hellschäumender Lauf « Toset in steter Eile weit hinauf, «Und wir mitten drin, hinstrebend durch die Fluth «Zur fremden Küste, die schweigend ruht.— Das Wasser riſs mich aus dem hohlen Traum Und badete, Stärkung gebend für Augenblicke, «Die Glieder, erstarrt vom Drucke der Stricke. „Mein stolzer Renner durchschwimmt den Raum, «Der breiten Brust die Woge weicht 591 Und mit Schnelligkeit kommen weiter wir leicht, Bis am Ende wird dieschlüpfrige Küste erreicht. «Einen Hafen wünscht' ich mir jetzt kaum mehr, „Denn hinter mir war alles finster und graus Und Nacht und Furcht nur voraus.— «Wie viele Stunden von Nacht oder Tag «In dieser verlängerten Angst ich lag, «Das kann ich nicht sagen; kaum war'’s mir bewuſst, Ob menschlichen Athem ich sog in die Brust.»— 45⁵ XV. „Mit triefender Mähn' und glänzendem Haar, „Mit taumelnden Schenkeln und rauchender Flank «Das wilde Roſs sich auf's steile Ufer schwang —„Mit der letzten Kraft, die in den Nerven war.— raufn«Wir haben'’s erklimmt; ein weiter Plan blicke,«Breitet sich hin durch die Schatten der Nacht- icke. Weit, weit, weit, wie bey der Träume Macht aum, Wir oft einen schaurigen Abgrund sahn, 591«Dessen Ende der Blick sich nicht konnte nahn; leicht, Und hie und da ein weifser Streif 610 reicht. cVon dunkelm Grün ein verstreuter Reif mehr, aIn Masse trat in's Licht hinein, raus«Als rechts aufging des Mondes Schein.— «Doch nichts, was in der dunkeln Natur 3 V«Man deutlich sah, zeigte auch nur «Von einer Hütte die mindeste Spur.— 's mir«Kein blitzendes Licht aus weiter Fern «Stand da wie ein gastfreundlicher Stern, 1st.*—«Selbst nicht einmal des Irrlichts Schein aVergnügte sich an meiner Pein;— «Und selbst der Betrug hätt' erfreut mich doch, «Ob auch entdeckt, doch willkommen mir, „Hätt' er mich bey allem Elend hier «Erinnert an menschliche Wohnungen noch.“ XVI. «Vorwärts wir eilten— doch müd und matt «Nahm die wilde Kraft am Ende ab «Bey dem Renner; schwach und entkräftet er «Schleicht schaumbedeckt und sacht einher, Ein schwaches Kind hätte jetzt das Thier «Führen können, wohin's ihm beliebt, 630 „Doch alles dieses half nichts nun mir; «Seine Zahmheit mir keinen Vortheil giebt; « Gefesselt war ich, und wär' ich vielleicht «Frey gewesen, es hätte die Kraft nicht aus- gereicht.— «Mit schwacher Müh'’ versucht' ich's doch «Zu lösen der stark geknüpften Bande Joch, «Indefs vergeblich war dieses eben, «Nur schärfer schnitt' in die Glieder ein; ftet er her, 47 Bald gab ich auf das thörichte Streben, «Welches mir nur vermehrte die Pein.— 640 Der schwindliche Lauf schien jetzt vorbey, Ob auch kein Ziel erreichet sey.— „Ein Streif die Sonne kündigt an— «Wie langsam, ach! kam sie heran! „Mir schien's, dafs der Nebel von Dunkelgrau «Sich nicht wandeln wollte in Tagesblau; «Wie rollt' er sich so schwer doch fort— «Bis der Strahl aus Osten dort «Hochroth aufstieg und die Sterne vertrieb, „Dafs Keiner derselben mehr glänzend blieb, 65⁰ «Und erfäüllte die Erde mit einsamem Schein «Vom tiefen Thron, der aber einzig sein.“— XVII. Die Sonne ging auf; von der ruhigen Welt „Welche neben, hinter und vor mir lag, „Hatte die Nebel gerollet der Tag.— „Was half mir das Durchkreuzen von Feld, Wald und Fluſs P Weder Mensch noch Thier, Weder Spur vom Huſe noch Fufs war sicht- bar hier; «Auf dem wilden, üppigen Plan Kein Merkmal von eines Menschen Nahn; 660 «Selbst die Luft wehte nur stumm, „Und keines Insekts kleines Horn erklang, «Noch eines Vogels Morgengesang Aus Gras und Dickicht.— Noch manches Werst Keuchend, als ob ihm das Herz zerberst', Wankte das müde Thier jetzt fort, „Und noch waren oder schienen allein wir dort; „Endlich aber, wie wir taumeln den Weg entlang, «Dünkt mich's, als hört' ich Wieherns Klang «Aus jener Tannen dunkelm Wald.— 670 „Ist's der Wind, der weht durch die Zweige kaltb „Nein, nein, aus dem Forste sprengt hervor Ein gallopirender Schwarm.— Ich, nach ihm um! „Er rückt jetzt näher im starken Chor! Ich suche zu schreyn— die Läppen sindstumm! „Die Rosse schiefsen fort mit stolzer Hast, „Wer aber hält ihre Zügel gefaſst? rsicht- ir dort; entlang, Klang 670 ge kalt? ervor ihm um! stumm! last, 49 Tausend Rosse— und kein Reiter darauf!— „Es ſliegt die Mähne, der Schweif weht im Wind, «Die weiten Nüstern von Arbeit nie ausgedehnt sind, 68⁰ Das Maul nie blutete vom Gebiſs im Lauf, «Das Eisen die Füſse beschlug noch nie, Kein Sporn, keine Peitsche berührte sie.— «Tausend Rosse, so wild und so frey Wie Wogen, strömend über’s Meer herbey, «Gallopirten dicht donnernd heran, «Als kämen sie entgegen uns Müden zum Gruſs.— Dieser Anblick gab Kraft des Renners Fuſs, Er stutzt einen Augenblick, dann eilt er nach, «Noch einen Augenblick, dann wiehert er schwach Zur Antwort, und dannstürat er auf's Gras.— 691 So lag er, die Augen trüb' und von Glas, Mit dampfenden Gliedern unbeweglich da; «Sein erster und letzter Wurf war gethan!— «Der Haufe kam näher— gestürzt er ihn sah «Und mich, wie seltsam, gebunden fest 16. D „Auf dem Rücken mit Banden von Blut genäſst. Sie halten— stutzen— und schnauben nach Wind, Eilen bald dahin, bald dorthin geschwind, «Kommen und gehen, drehen sich um im Schwung 700 „Und stürzen dann zurück im schnellen Sprung, «Angeführtvon einem schwarzen, mächt'gen Roſs, Das als Patriarch erschien vom ganzen Troßs, «Ohne auch nur einen einz'gen Fleck oder Haar «Von weiſser Farb' auf dem scheckigen Fell; «Sie schäumen,— schnauben,— springen zur Seite schnell Und eniflichen dann zurück in den Wald «Durch Instinkt, vor dem menschlichen Auge bald.— «Sie lieſsen mich da, zur Verzweiflung mir, «Befestigt an das todte und steife Thier, 710 „Welches unter mir die leblosen Glieder streckt, „Befreyt von der Last, die es bis jetzt er- schreckt.— genäſst. n nach ind, am im 700 Sprung, en Roſs, 1 Troſs, ler Haar Fell; gen zur ald n Auge mir, 710 streckt, etzt er- 51 Doch von ihm mich loszuwinden, gelang mir nicht, „Noch ihm von mir,— und so muſsten wir nun, «Der Sterbende auf dem Gestorb'nen, ruhn, «Ich glaubte schon, daſs auf's Tageslicht «Mein mattes Auge müſste leisten Verzicht.— «Und so gebunden vom Morgen bis Dämmrungs- schein, «Fühlt' ich der traurigen Stunden Pein, «Mit Leben genug, um noch zu sehn 72⁰ «Wie meine letzte Sonne sollt' untergehn, „Die Seele in hoffnungslose Gewiſsheit versenkt, «Die uns zuleizt Ergebung schenkt aIn das, was der Jahre prophetischer Lauf „Uns als die schrecklichste Furcht stellt auf, «Unvermeidlich,— eine Wohlthat sogar Istnicht schlechter, wenn früher sie beut sich dar, „Und doch gemieden, gefürchtet so sehr, «Als ob es blos eine Schlinge wär', Der man weichen könnte mit Klugheit aus, 730 Zu Zeiten gewünscht und erbeten zugleich «Und gesucht mit des eignen Schwertes Streich, «Doch immer ein Ende, schrecklich und graus, «Selbst für unerträgliche Leiden «Und unter keiner Gestalt voll Freuden.— Und, sonderbar ist's, die Söhne der Lust, «Die sich des übermäfsigen Schwelgens bewufst In Schönheit, Wein und Schätzen hie, «Sterben ruhig, oder ruhiger doch als die, «Denen das Schicksal Elend zum Erbtheil ver- lieh. 740 Denn die, welche genossen im vollen Maſs, Was die Welt nur Schönes und Neues besaſs, „Haben nichts zu fürchten, auf nichts sich zu freun, «Und ausser der Zukunft—(die Jeder sich denkt, «Nicht wie der Vergeltung Waage sich senkt, «Sondern wie die Nerven mit Spannkraft be- schenkt) «Vielleicht auch gar nichts zu bereu'n.— «Der Elende hofft immer auf’s Ende der Leiden, Der Ersc Nur Des «Der «Verg Der Den Wen aSich Als Am 1 «Zu he Und 8 Die 8 Gefes 53 „Der Tod, den er als Freund sollt' nehmen mit treich, Freuden, graus, E;; Pranlks 7 Erscheint seinen kranken Augen im Traum, 750 „Nur gekommen, zu rauben ihm des Genusses — Macht, t,; 8«Des neuen Paradieses Baum.— wuſst «Der folgende Tag hätt' ihm alles gebracht, «Vergolten die Qualen so mancher Nacht; «Der morgende Tag der erste wär', l ver.«Den er nicht bereut und verwünscht hätte mehr, 740 V„Wenn durch der Thränen Nebelgrau aSich zeigte denkwürdiger Jahre Blau besafs,«Als Belohnung der Stunden in Kummer verlebt; ich zu«Am folgenden Tage hätt' er's erstrebt 760 «Zu herrschen, zu glänzen, zu tödten und verzeihn, denkt,«Und sollte der nicht tagen über seinem Grabe senkt, herein?" XVIII. «Die Sonne war im Sinken— noch lag ich da, „Gefesselt an'’s kalte und steife Rofs; „Dort bliebe sich unsre Asche noch nah', «So glaubt ich's, und wohin mit trüben Blicken- ich sah, „Liefs es sich denken, daſs der Tod mir die Augen schloſs; „Meinen letzten Blick gen Himmel ich trug, «Und dort, zwischen der Sonne und mir, „Sah ich den wartenden Raben im Flug, 770 „Der kaum konnte harren, bis todt nun wir, Ehb' er seine Mahlzeit verzehrte hier;— Er flog, setzte sich und flog dann von neu, «Und immer näher als vorher herbey, „Ich sah durch die Dämm'rung die Schwingen voll Hast „Und einmal kam er so nah', dals ich fast Ihn tödten konnt, hätts nicht gefehlt an Kraft; «Aber die leise Bewegung der Hand, «Und ein schwaches Kratzen im Sand, „Der trocknen Kehle mattes Geräusch, 73⁰ „Kaum ein Ton zu nennen, so leise und heisch, „Dies alles am Ende ihn fortgehn macht.— Ohne Wal Wel Er g Und Des Und «Und «Ein Ein «Und Ein Ein aIch Ein neu, wingen fast n Kraft; 730 heisch, t.— 5⁵ Ohne Besinnung ich war— mein letzter Traum War etwas von einem freundlichen Stern, «Welchen die Augen erblickten von fern; Er ging und kam im dunkelnden Raum, Und vom Gefühl der Wiederkehr Des Bewuſstseyns, kalt, schwindlich, matt und leer, Und dann, als ob des Todes Stunde schlug, «Und dann wieder ein schwacher Athemzug, 790 «Ein leises Zittern, ein kurzer Zeitgewinn, Ein eisiger Krampf, der mir rann über's Herz, «Und Blitze, durchzuckend das Hirn im Schmerz, «Ein Schnappen, ein Klopfen des Herzens, ein Auflfahren so schwer, Ein tiefer Seufzer-— und dann— nichts mehr.— XIX. Ich erwachte— Wo war ichb Sehe ich nicht „Ein menschliches Wesen, auf mich gewandt das Gesicht? «Und schlieſst sich nicht über mir zusammen ein Dach 5 «Ruhen meine Glieder denn in einem Gemach? „Ist dies nicht eine Stube, in welcher ich ruh'’? «Und jene Augen, die freundlich blickend mir nahn, 801 «Gehören sie einem sterblichen Wesen anb «Ich schlofs die meinen noch einmal zu, Zweifelnd, es möchte die vorige Pein «Vielleicht noch nicht vorüber seyn.— «Ein reizendes Mädchen, langhaarig und schlank, Safs wachend dort auf der Hüttenbank, „Das Feuer ihrer Augen mich ganz einnahm, «Als ich zuerst wieder zur Besinnung kam; «Denn sie warf immer und beständig font 8 10 „Mit ihren schwarzen Augen, so mild und min- niglich, „Einen betenden, mitleid'gen Blick auf mich; „Ich sah und sah, bis ich wuſste, daſs dort Dies Wesen nicht blose Erscheinung sey, «Und dafs ich lebte und wurde nicht mmen mach? rruh'’? ad mir 801 57 Dem Geyer ein schmackhaftes, schönes Gericht, „Und als das Kosackenmädchen nun frey „Sich machte und meine Augen oſſfen sah, „Da lächelte sie— und sprechen wollt' ich da, «Doch vergebens, und sie kam näher herbey, 820 „Und gab ein Zeichen mit Finger und Mund, Dafs das Schweigen nichtsollte brechen ich jetzt, „Bis ich durch Pflege erst wieder gesund, „Und die Kraft zur Rede völlig ersetzt.— „Dann legte auf meine sie ihre Hand, Und schob mir das Kissen unter'mKopſfe gewand, Und öffnete sachte die Thür und schlich fort, „Und sprach im Gehen noch ein leises Wort. Noch nie eine Stimme so lieblich mir klang, „Musik selbst folgt' ihrem schwebenden Gang— „Doch, die sie rief, waren noch nicht wach, 832 „Und sie ging fort; doch ehe sie ging aIch von ihr noch einen Blick empfing „Und ein Zeichen, welches sprach: „Nichts fürchten sollt ich, sie alle hier „Wären nah auf meinem Ruſe mir, „Und auch sie würde zurück bald seyn.— „Als ich nicht mehr sah ihrer Augen Schein, „Dünkt es mich, ich wäre zu sehr allein.»— XX. „Sie kam mit Mutter und Vater zurück.— 840 „Was braucht's noch mehr? Mit meinem Glück, „Seitdem ich geworden der Kosacken Gast „Will ich nicht ermüden eure Rast.— Das „Sie fanden ohne Besiunung am Boden mich,— V Für 9„Und trugen mich in die nächste Hütte hinein, Er er „Und brachten wieder in's Leben mich— Nich „Mich— eines Tages ihr Herrscher zu seyn! Bald „So schickte der Thor, der an meiner Pein Und „Zu sättigen sich bestrebte die Wuth, Beda- „Mich fort, gebunden, nackt und voll Blut, 850 Denr „In die Wildnifs hinein mit kränkendem Hohn, „Durch die Wüste zu zeigen den Weg mir zum Thron.— „Wer kann wissen, was sein Schicksal seyn mag? „Drum verzweifle keiner und keiner verzag!— „Schon morgen kann der Dnieper schaun wein,„Unsere Rosse in völliger Ruhe grasen —„An seinem türkischen Ufer,— und traun! „Nie hiefs ich so willbommen einen Fluſs „Als diesen, wenn hinüber nur erst mein Fuſs.— — 840„Kameraden, gute Nacht.“— Der Hettmann Mlück, streckt 86⁰ st Sich lang hin unter des Eichbaum'’s Hut, Das Lager war von Blättern gemacht, recht gut h.,— Für ihn, den solch' ein Bett nicht schreckt, inein, Er erwartet das Ende, wenn'’s Stündlein schlägt, Nicht nach Zeit und Ort er frägt.— yn! Bald schloſs der Schlaf der Augen Licht, in Und wundert ihr euch, daſs Karl sich nicht Bedankt für die Geschicht', ihn wundert' wenig, Denn schon seit einer Stunde— schlief der König. . 8 —‿ — d — — Lor d 63 ————————————¶i———-——-—ℳ3K Einleitung. Der Aberglaube, worauf sich nachfolgende Erzählung gründet, ist im Oriente sehr gemein. Unter den Arabern trifft man ihn besonders häufig an; zu den Griechen hat er sich jedoch erst nach der Einführung des Christenthums er- streckt und seine gegenwärtige Gestalt erst seit der Trennung der lateinischen und griechischen Kirche angenommen.— Zu dieser Zeit fing die Idee an herrschend zu werden, daſs ein latei- nischer Körper nicht verwesen könne, wenn er in griechischer Erde begraben worden sey; nach und nach nahm sie immer mehr zu, 64 und wurde der Inhalt mancher wundervollen Geschichten, die sich noch erhalten haben, von Todten, welche aus ihren Gräbern aufstünden, und sich von dem Blute junger und schöner Leute nährten.— Im Westen verbreitete er sich mit geringen Abweichungen über Ungarn, Polen, Oesterreich und Lothringen, wo sich nun der Glauben erhielt, dafs Vampyre zur Nachtzeit eine gewisse Menge Blut von ihren Schlachtopfern einsaugten, welche dann mager würden, ihre Kraft verlören und bald an Aus- zehrung stürben, indefs diese menschlichen Blut- sauger fett würden und sich ihre Adern so sehr anfüllten, dafs das Blut aus allen Oeffnungen ihres Körpers herausdränge und selbst aus den Poren der Haut.— Im Londoner Journal vom März 1732 befin- det sich eine seltsame und doch glaubwürdige Erzählung von einer ganz besondern Art Vam- pyrismus, der sich zu Madreyga in Ungarn zu- getragen haben soll.— Es scheint, daſs nach mager an Aus- en Blut- so sehr nungen aus den 2 befin- würdige zt Vam- zarn zu- ſs nach 65 genauer Befragung des Ober-Commandanten und und der Magistratspersonen des Orts, diese be- stimmt und einmüthig versichert haben: dals vor ungefähr fünf Jahren ein gewisser Heyducke, Namens Arnold Paul, gesagt habe, er sey zu Cassovia an der Grenze des türkischen Serviens von einem Vampyr gequält worden, habe jedoch ein Mittel gefunden, sich von demselben zu be- freyen, da er etwas Erde vom Grabe des Vam- pyrs gegessen und sich selbst mit seinem Blute gewaschen habe. Diese Vorsicht schützte ihn jedoch nicht davor, dafs er selbst ein Vampyr wurde*); denn ungefähr zwanzig bis dreyfsig Tage nach seinem Tode und Begräbnisse be- klagten sich einige Personen, daſs sie von ihm geplagt worden seyen, und sagten sogar vor Ge- *) Es findet allgemein der Glaunbe statt, dafe eine von einem Vampyr ausgesaugte Person selbst ein Vam- pyr werde und nun wieder sauge. 16. E 66 richt aus, dafs vier Personen durch seine An- griffe des Lebens beraubt worden wären.— Um ferneres Unglück zu verhüten, fragten die Ein- wohner ihren Hadagan(Amtmann) um Rath, gruben den Leichnam aus und ſanden ihn(wie dieses bey Vampyren gewöhnlich der Fall seyn soll) noch frisch und ohne Spuren der Verwe- sung, indem er zugleich aus Nase, Mund und Ohren reines und klares Blut ausströmte.— Nachdem nun hinlänglicher Beweis da war, grill man zu den gewöhnlichen Mitteln dagegen. Es wurde nämlich durch das Herz und den Kör- per des Arnold Paul ein Pfahl gestofsen, wo- bey er so heftig geschrieen haben soll, als wenn er noch lebte. Hierauf schnitt man ihm den Kopf ab, verbrannte den Körper und streute die Asche in das Grab.— Dieselben Mafsregeln ergriff man bey allen Leichnamen derjenigen Personen, welche vorher an dem Vampyrismus gestorben waren, damit sie nicht auch an den Ueberlebenden ihren Blutdurst stillten sollten.— l seyn Verwe- d und te.— r, grifl gegen. n Kör- „, wo- wenn n den Streute regeln enigen rismus n den ten.— 67 Diese gräſsliche Geschichte ist hier mitgetheilt worden, weil sie dem Gegenstande dieser Be. merkungen mehr Deutlichkeit zu geben scheint, als jedes andere Beyspiel, welches sich hätte anführen lassen.— In manchen Gegenden Griechenlands wird es als eine Art von Strafe nach dem Tode für ir- gend ein schauderhaftes im Leben begangenes Verbrechen betrachtet, daſs der Verstorbene nicht nur zum Vampyrismus verurtheilt ist, son- dern seine höllischen Besuche blos auf diejeni- gen beschränken muſs, die er auf der Erde am meisten liebte, oder mit denen er durch die Bande der Verwandtschaft am nächsten verei- nigt war.— In dem Gedichte: the Giaour» kommt fol- gende Anspielung auf den Vampyrismus vor, welche Arthur von Nordstern also giebt: — als Vampyr zur Erde geschickt, Wird dein Leichnam seiner Grube entrückt; Dann wanderst, ein Scheusal, in's vor'ge Haus Saugst das Blut deinen Hinterlaſs'nen aus. Von Tochter, Schwester, Gattin quillt Um Mitternacht das Blut; es schwillt Vom grausend aufgedrung'nen Mahl Dein Leichnam, lebend, erdefahl. Deine Opfer, bevor sie der Tod erfafst, Erkennen den Vater im Höllengast, Sie fluchen dir, sind von dir verflucht! So fällt dein Stamm, fällt sonder Frucht. Aber sie, von Opfern des, was du verübt, Die Jüngste,— von Allen am meisten geliebt, Sie fleht dir im Vaternamen! Dies Wort Reifst ja dein Herz zu den Flammen fort. Doch enden sollst du, du sollst sehn Der Wangen lelztes Roih verwehn, Den letzten Blick vom Auge blau, Jetzt Glas, erstarrt im Todenthau. Dann reisse mit verruchter Hand Das Geflecht ihr ab, so die Stirn umwand, Das blonde Haar— ach ein Löckchen schon War im Leben der Empfindung Bürgschaft und Lohn! se Haus n aus. llt ſst, ht! cht. übt, n geliebt, les Wort 1 fort. 4 wand, ſen schon ürgschaft 69 Nun hast du's entrissen mit frechem Muth, Als Bürgschaft und Lohn für Laster und Wuth! Dir enttropft, denn dein Herzgeblüt feuchtet sie an— Die fletschende Lippe, der knirschende Zahn. Dann schleiche zum Grabe, schwankend und stumm— Geh,— tummle mit Gol's dich d Afrit's herum! Bis diese, entschwirrend mit Ingrimm und Hohn, Vor dir, dem verfluchten Gespenst, entflohn! Auch Herr Southey hat in seinem wilden aber schönen Gedichte: Thalaba“, den Vampyrkör- per eines arabischen Mädchens, Oneiza, ein- geführt, welche aus dem Grabe rückkehrend dargestellt wird, um den zu quälen, den sie im Leben am meizten lichte. Allein dieses kann nicht als Strafe für ihr sündhaftes Leben ange- sehen werden, da sie in dem ganzen Gedichte als ein Muster von Reinheit und Unschuld er. scheint.— Der Wahrheit liebende Tournefort giebt in seinen Reisen eine lange Erzählung von mehreren Staunen erregenden Fällen von Vam- pyrismus, von denen er Augenzeuge gewesen zu seyn vorgibt, und Calmet, in seinem groſsen Werke über diesen Gegenstand, liefert, ausser mehreren Anekdoten und Sagen, die sich auf denselben beziehen, einige gelehrte Abhandlun- gen, welche beweisen sollen, dafs dies eben sowohl ein klassischer als barbarischer Irrthum sey. Es liefsen sich noch manche sonderbare und interessante Nachrichten von diesem einzig schrecklichen Aberglauben anführen: doch die hier mitgetheilten mögen für die Grenzen einer Bemerkung hinreichen, die nothwendigerweise der Erklärung gewidmet ist und jetzt dadurch beendigt werden mag, dafs hinzugefügt wird, obgleich der Ausdruck: Vampyr ein für alle- rnefort ng von a Vam- esen zu groſsen ausser ich auf andlun- es eben rrthum are und einzig och die en einer gerweise dadurch t wird, ür alle- —õ'ꝛ-ꝛ-— 71 / mal angenommen ist, es dennoch verschiedene andere gleichbedeutende Wörter giebt, die man in verschiedenen Theilen der Welt hört: wie z. B. Vroucolocha, Vardoulacha, Goul, Brou- coloka u. s. w. B. 72 ——õℳRNNA——ͤ ℳℳõõ—— Der Vam P y r. 1s ereignete sich, dafs mitten unter den Zer- streuungen eines Winters zu London, in den verschiedenen Gesellschaften der tonangebenden Vornehmen ein Edelmann erschien, der sich mehr durch seine Sonderbarkeiten, als durch seinen Rang auszeichnete.— Er blickte auf die laute Fröhlichkeit um ihn her herab, als sey ihm die Theilnahme an derselben nicht ver- gönnt. Nur das sanfte Lächeln der Schönen schien seine Aufmerksamkeit zu erregen, doch schien es auch, als ob ein Blick es hemme und Furcht in die Brust der Fröhlichen streue. Diej kon nige zu, Men drin das tete Stra nich keit alle welc und freu ches Trof wele nocl mal’ — durch auf die als sey ht ver- chönen „ doch hemme streue. 73 Diejenigen, welche diesen Schauder empfanden, konnten nicht angeben, woher er entstehe; ei- nige schrieben ihn dem erloschnen grauen Auge zu, das, wenn es sich auf das Gesicht eines Menschen richtete, obschon an sich nichts Ein- dringendes zu haben, doch oft mit einem Blicke das innerste Herz zu durchbohren schien; rich- tete es sich aber auf die Wange, so schien der Stral schwer wie Bley zu seyn, der die Haut nicht durchdringen könne.— Seiner Sonderbar- keit wegen wurde er in jedes Haus eingeladen; alle wünschten ihn zu schen, und diejenigen, welche an lebhafte Aufregung gewöhnt waren und nun das Drückende der Langeweile fühlten, freuten sich, ein Wesen um sich zu sehen, wel- ches ihre Aufmerksamkeit zu fesseln vermochte. Trotz der todtenbleichen Farbe seines Gesichts, welches weder von dem Erröthen der Scham, noch von dem Aufwallen der Leidenschaft, je- mals ein wärmeres Colorit bekam, obgleich die Form und Umrisse desselben sehr schön waren, 74 versuchten es doch einige weibliche Glücksjäger, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um wenigstens einige Beweise von dem zu erhalten, was sie Zuneigung nennen mochten: Lady Mercer, welche seit ihrer Verheirathung der Gegenstand des Spottes jeder Häſslichen in der Gesellschaft gewesen war, stellte sich ihm in den Weg und suchte auf alle Weise, selbst durch den auffallendsten Anzug, seine Aufmerk- samkeit zu erlangen:— doch umsonst— wenn sie vor ihm stand und seine Augen dem An- scheine nach auf die ihrigen gerichtet waren, schien es doch immer, als würde sie nicht be- merkt;— selbst ihre freche Unverschämtheit wurde endlich verwirrt, und sie verliefs das Feld.— Allein obgleich eine so berüchtigte Dame nicht einmal die Richtung seiner Augen bestimmen konnte, schien das weibliche Ge- schlecht ihm doch keinesweges gleichgültig zu seyn; es war jedoch die anscheinende Vorsicht, mit der er ein tugendhaftes Weib, ein unschul- sjäger, , um halten, Lady ag der in der hm in selbst fmerk- wenn fs das An- 75 diges Mädchen anredete, so grofs, daſs sich nur wenige überhaupt dessen rühmen konnten.— Er behauptete jedoch den Ruf eines einnehmen- den Sprechers, und es sey nun, daſs dieses selbst die Furcht vor seinem seltsamen Charak- ter überwand, oder dafs man sich von seinem anscheinenden Hasse gegen das Laster rühren lieſs, genug, er befand sich eben so oft unter solchen Frauen, welche den Glanz ihres Ge- schlechts in häuslichen Tugenden suchen, als unter solchen, die ihn durch ihre Laster be- flecken.— Um diese Zeit kam ein junger Edelmann, Na- mens Aubrey, nach London. Er war verwaist; seine Eltern, die er schon in früher Jugend verlor, hatten ihm und seiner einzigen Schwe- ster ein sehr groſses Vermögen hinterlassen.— Er hatte daher Vormünder erhalten, und diese nahmen sich mehr der Verwaltung seines Ver- mögens, als der Sorge für seine Erziehung an, und so blieb diese in den Händen von Mieth- 76 4 lingen, welche mehr seine Phantasie als seinen Verstand zu bilden suchten.— Er besafs daher jenes hohe, romantische Gefühl für Ehre und Aufrichtigkeit, welches täglich so viel hundert Lehrlinge zu Grunde richtet. Er glaubte, alle Menschen müſfsten die Tugend lieben, und dachte, das Laster sey von der Vorsehung blos des scenischen Effectes wegen geschaffen wor- den, wie wir es in Romanen erblicken; er dachte, das Elend in den Hätten bestehe blos in der Kleidung, die doch warm sey und dem Auge des Malers durch die unregelmäſsigen Fal- ten und bunten Flecke besser zusage.— Kurz, er hielt die Träume der Dichter für die Wirk- lichkeiten des Lebens.— Er war hübsch, frey und reich; defshalb umringten ihn beym Ein- tritt in frohe Gesellschaften viele Mäütter, und suchten alles hervor, ihre schmachtenden oder wilden Günstlinge mit den lebhaftesten Farben zu schildern, während die Töchter durch ihre freundliche Miene, wenn er sich ihnen näherte, Da schn sein liche habe Erx lichl eines und durch ihre blitzenden Augen, wenn er die Lippen öffnete, ihn zu falschen Vorstellungen von seinen Talenten und seinem Verdienste ver- leiteten.— Seiner romantischen Einsamkeit ganz hingegeben, staunte er nicht wenig, als er fand, dafs, die Talg- oder Wachslichter ausgenom- men, welche nicht von der Gegenwant eines Geistes, sondern aus Mangel an Lichtputzen flackerten, in dem wirklichen Leben durchaus kein Grund zur Anhäufung jener lachenden Ge- mälde und Beschreibungen vorhanden sey, wie sie sich in den Büchern fanden, die er zum Gegenstande seines Studiums gemacht hatte.— Da er jedoch einige Vergütung in seiner ge schmeichelten Eitelkeit fand, war er im Begriſf, seine Träume aufzugebem, als das ausserordent- liche Wesen, welches wir oben beschrieben haben, ihm in den Weg trat.— Er beobachtete ihn, und die völlige Unmög- lichkeit, sich einen Begriff von dem Charakter eines Mannes zu bilden, der blos in sich selbst 78 versunken, wenig andere Zeichen seiner Beach- tung äusserer Gegenstände von sich gab, als die stillschweigende Anerkennung ihres Daseyns, vollendete die Vermeidung gegenseitiger Beräh- rung.— Da er seiner Phantasie gestattete, jedes Ding, das seiner Neigung zu seltsamen und aus- schweifenden Ideen schmeichelte, sorgfältig aus. zumalen, so bildete er auch bald dieses Wesen zum Helden eines Romans um, und betrachtete nun den Spröſsling seiner Phantasie als die le- bende Person ausser ihm.— Er wurde mit ihm bekannt, bewies ihm Aufmerksamkeit und er langte doch so viel dadurch, dafs er seine Ge- genwart anerkannte.— Er erfuhr nach und nach, daſs Lord Ruthven's Angelegenheiten zerrüttet seyen, und schloſs bald aus den Nachrichten von Zurüstungen in der— Strafse, daſs er eine Reise machen wolle.— Voll Verlangen, über diesen seltsamen Charakter, der jetzt seine Neu- gier nur noch mehr gereizt hatte, genauere For- schungen anzustellen, gab er seinen Vormündern zu mõöc Jahr den rascl macl dami schei Gege je ne darat Einw dem und trag. mach Zeich schei- mein und » Meer Beach- als die aseyns, Berüh- e, jedes ind aus- ltig aus- Wesen rachtete ine Ge- d nach, ſerrüttet richten er eine * Meer überschritten.— Bisher hatte Aubrey keine 79 zu verstehen, dafs es uun Zeit für ihn seyn möchte, die Reise zu machen, die man seit Jahrhunderten für nöthig gehalten habe, um den Jüngling in den Stand zu setzen, einige rasche Fortschritte auf der Bahn des Lebens zu machen, und so den Aeltern gleich zu kommen, damit er nicht wie aus den Wolken gefallen scheine, wenn man empörende Intriguen als Gegenstände des Spottes oder Lobes behandele, je nachdem mehr oder weniger Geschicklichkeit darauf verwandt worden sey.— Da sie ihre Einwilligung dazu gaben, so gab Aubrey sogleich dem Lord Ruthven seine Absicht zu erkennen, und erstaunte nicht wenig, von ihm den An- trag zu erhalten, die Reise gemeinschaftlich zu machen.— Geschmeichelt durch ein solches Zeichen der Achtung von dem, der dem An- scheine nach mit andern Menschen nichts ge- mein hatte, nahm er ihn mit Vergnügen an, und in wenig Tagen hatten sie das trennende Gelegenheit gehabt, Lord Ruthven'’s Charakter zu studiren, und nun fand er, dals, da er mehrere seiner Handlungen beobachten konnte, die Resultate verschiedene Schlüsse auf die scheinbaren Bewegungsgründe seines Betragens darboten.— Sein Gefährte trieb seine Mild. thätigkeit bis zur Verschwendung;— der Träge, der Landstreicher, der Bettler erhielt aus seinen Händen mehr als genug, um das augenblickli. che Bedürfniſs zu befriedigen.— Aubrey be- merkte jedoch auch, daſs er den Tugendhaften, welche durch die von der Tugend selbst beglei- teten Unglücksfälle verarmt waren, kein Almo- sen gab;— diese wurden mit höhnischem La- chen abgewiesen;—— wenn aber der Böse- wicht um eine milde Gabe bat, nicht zur Be- friedigung seiner nothwendigsten Bedürfnisse, sondern um seinen thierischen Lüsten zu fröh- nen und noch tieſer in den Schlamm der Aus. schweifungen zu versinken, so ward er reickh beschenkt entlassen.— Ein Umstand war jedoch? 1 bey ſiel fand den Sch. tung un d führ harakter „ da er konnte, auf die etragens ne Mild. er Träge, as seinen nblickli- brey be- adhaften, st beglei- in Almo- hem La- der Böse- zur Be- lürfnisse, zu fröh- der Aus- er reich. ar jedoch? 81 bey des Lords Mildchätgkeit, der ihm sehr auf- fel; alle die, welche sich derselben erfreueten, fanden, daſs offenbar ein Fluch darauf ruhe, denn sie wurden dadurch entweder auf das Schaffot gebracht, oder in das tiefste, verach- tungswertheste Elend versenkt.— In Brüssel und andern Städten, durch welche ihr Weg sie führte, erregte es Aubrey'’s Erstaunen, dafs sein Gefährte mit anscheinender Begierde die Zirkel der groſsen Welt aufsuchte; hier mischte er sich in die Gesellschaft am Pharaotische, wettete und spielte immer mit Glück, ausser wenn ein bekannter Gauner sein Gegner war, dann ver- lor er mehr als er gewonnen hatte; allein sein Gesicht behielt dieselbe Unveränderlichkeit, wo- mit er gemeiniglich die Gesellschaft umher be- obachtete.— Wenn er aber dem raschen, un- besonnenen Jünglinge begegnete, oder dem un- glücklichen Vater einer zahlreichen Familie, dann schien sein Wunsch Fortunens Gesetz zu werden,— die anscheinende Abstractheit seines 16. F Gemüths verschwand, und seine Augen glänzten wie die der Katze, wenn sie mit einer halb. todten Maus spielt.— In jeder Stadt hinterlieſs er einen vormals begüterten Jüngling, den er aus dem Zirkel, dessen Schmuck er war, her- ausgerissen, und der nun in einem einsamen Gefängnisse das Schicksal verwünschte, welches ihm seinen Feind zugeführt hatte; und man- cher Vater safs in Verzweiflung unter den spre- chenden Blicken seiner stummen, hungernden Kinder, ohne von seinem vorigen unermeſsli- chen Vermögen auch nur noch einen Pfennig zu besitzen, um dadurch ihre jetzigen Bitten erfüllen zu können.— Indessen nahm er kein Geld vom Spieltische mit, sondern verspielte zum Ruin manches Andern auch sogleich noch die letzte Münze, die er eben aus der verzwei- felten Hand eines Unglücklichen gewonnen hatte; dieses mochte das Resultat eines gewissen Gra- des von Einsicht seyn, die jedoch nicht im Stande war, einen erfahrenen Mann zu täuschen. Au vorzu bigke ches keine doch sein azten halb. rlieſs en er her- amen lches man- spre- onden neſsli- ennig Bitten kein pielte noch rzwei- hatte; Gra- at im schen. 83 Aubrey wünschte oft, seinem Freunde dieses vorzustellen und ihn zu bitten, einer Freyge- bigkeit und einem Vergnügen zu entsagen, wel ches alle Menschen unglücklich mache und ihm keinen Vortheil verschaffe;— er schob es je- doch noch immer auf— denn er hoffte täglich, sein Freund würde ihm eine recht passende Gelegenheit dazu geben; diese zeigte sich jedoch nie.— Lord Ruthven war in seiner Laufbahn, und mitten unter den mannigfachen, bald wil- den, bald reichen Naturscenen, immer derselbe; sein Auge sprach noch weniger als seine Lippen, und obgleich Aubrey nun dem Gegenstande sei- ner Neugier so nahe war, hatte er doch dadurch nichts mehr als eine slärkere Anreitzung zur Enthüllung des Geheimnisses erhalten, das seiner exaltirten Einbildungskraft immer mehr wie etwas Uebernatürliches vorkam.— Sie kamen bald in Rom an, und Aubrey ver- lor seinen Geſährten einige Zeit aus den Augen; dieser befand sich täglich in den Morgenzirkeln einer italiänischen Gräfin, während er die Denk- mäler einer längst verödeten Stadt aufsuchte.— Als er sich nun so beschäftigte, erhielt er Briefe aus England, die er mit der gröfsten Ungeduld offnete. Der erste war von seiner Schwester und athmete die reinste Zärtlichkeit; die andern wa- ren von seinen Vormündern, und diese setzten ihn in Erstaunen; hatte er schon vorher den Gedanken gehegt, dafs in seinem Geſährten ir- gend ein böser Geist wohnen möge, so erhielt derselbe nun dadurch volle Bestätigung.— Die Vormünder drangen in ihn, er möchte sich so- gleich von seinem Freunde trennen, denn da dieser eine unwiderstehliche Macht der Verfüh- rung zu besitzen scheine, so werde sein Umgang höchst gefährlich.— Man hatte nämlich ent- deckt, dafs sich seine Verachtung gegen Lady Mercer nicht auf ihren Charakter gegründet, sondern dafs er, um seine Gunstbezeugung zu erhöhen, verlangt habe, dafs sein Schlachtopfer, die Theilnehmerin seiner Schuld, von dem Cipfe grunc heralb man er de gesuc worfe ihre! stelle: Denk- te.— Briefe geduld er und on wa⸗ etzten er den en ir- erhielt — Die ich so- nn da erfüh- mgang h ent- Lady ündet, uing zu ropfer, dem 8⁵ Cipfel unbefleckter Tugend in den tiefsten Ab- grund des Lasters und der Erniedrigung habe herabgeschleudert werden sollen; endlich habe man sich auch überzeugt, dafs alle Frauen, die er dem Scheine nach ihrer Tugend wegen auf- gesucht, seit seiner Abreise ihre Maske abge- worfen und kein Bedenken getragen hätten, alle ihre Laster den Blicken des Publikums bloszu- stellen— Aubrey beschloſs nunmehr, einen Mann zu verlassen, dessen Charakter auch nicht einen LEichtstrahl zeigte, auf dem das Auge mit Lust weilen konnte.— Er beschlolfs, auf einen schein- baren Vorwand zu sinnen, und sich auf immer von ihm zu trennen, doch in der Zwischenzeit ihn noch genauer als vorher zu beobachten und nicht den geringsten Umstand aus der Acht zu lassen.— Er begab sich in denselben Zirkel und sahe, daſs der Lord versuchte, auf die un- erfahrne Tochter der Dame, deren Haus er oft besuchte, zu wirken.— In Iialien ist es selten, 86 dafs man unvermählte Damen in der Gesell- schaft trifft, daher mufste er seine Pläne im Geheim auszuführen suchen.— Allein Aubrey's Auge folgte ihm in allen seinen Wendungen, und bald bemerkte er, dafs es bis zu einer heimlichen Zusammenkunft gekommen sey, wo wahrscheinlich die Unschuld des verdachtlosen Mädchens geopfert werden sollte.— Ohne Zeit- verlust trat er zu dem Lord Ruthven in's Zim- mer und fragte ihn unverholen nach seiner Ab- sicht mit dem Mädchen, indem er ihm sagte, er wisse um seine beabsichtigte nächtlrche Zu- sammenkunft mit demselben.— Der Lord ver- setzte, seine Absicht sey die bey solchen Gele- genheiten gewöhnliche; und auf die abermalige Frage, ob er denn das Mädchen zu heirathen gedenke, lachte er laut.— Aubrey entfernte sich, schrieb ihm aber auf der Stelle einen Brief, worin er ihm anzeigte, von diesem Au- genblicke an gebe er sein Vornehmen auf, ihn auf dem übrigen Theile seiner beabsichtigten Reis eine rich auch kunf schic seino sich Hier eines mit, lichk sich vor schü Gest dem vesell- ne im brey's ungen, einer y., Wo atlosen e Zeit- s Zim- aer Ab- sagte, he Zu- rd ver- Gele- malige irathen atfernte einen em Au- uf, ihn htigten 87 Reise zu begleiten, befahl seinem Bedienten, eine andere Wohnung aufausuchen und unter- richtete die Mutter von Allem, was er wuſste, auch von des Lords Charakter. Die Zusammen- kunſt ward verhindert; am folgenden Tage schickte Lord Ruthven seine Erklärung, daſs er mit der Trennung wohl zufrieden sey, lieſs aber nicht das Geringste merken, daſs er wisse, sein Plan sey durch Aubrey vereitelt worden. Nachdem Aubrey Rom verlassen, wandte er seine Schritte nach Griechenland, und befand sich nach Durchstreifung der Halbinsel zu Athen. Hier nahm er seine Wohnung in dem Hause eines Griechen und beschäftigte sich bald da- mit, die erbleichenden Erinnerungen alter Herr. lichkeit auf den Denkmälern aufzusuchen, die, sich schämend, die Thaten freyer Menschen vor Sklaven zu erzählen, sich entweder in die schützende Erde versteckt, oder hinter rankende Gesträuche verborgen hatten.— Mit ihm unter demselben Dache lebte ein Wesen, so zart und 88 schön, daſs es einem Maler hätte zum Modell dienen können, der die den Gläubigen in Ma- homets Paradiese versprochne Hoffnung hätte lebend abbilden wollen, nur daſs ihr Auge zu viel Seele zeigte, als dals man es denen hätte zutheilen können, welche keine Seele haben.— Wenn sie auf der Ebene tanzte, oder längs den Gebirgen hinsprang, glaubte man eine Gazelle zu sehen; aber ihr Auge, aus dem die ganze beseelte Natur zu sprechen schien, konnte vir- gends seines Gleichen finden.— Janthe's leich- ter Schritt begleitete Aubrey oft auf seinen for- schenden Wanderungen, und nicht selten ent- hüllte das unbefangne Mädchen, bey Verfolgung eines Schmetterlings, alle Reize seiner schönen Gestalt dem gierigen Blicke des Fremdlings, der nun gern die kaum entzifferten Buchstaben auf einer halb verloschnen Tafel über dem Anschauen dieser lebenden Schönheit vergafs. Oft zeigten ihre wallenden Haarlocken bey ihren muntern Bewegungen in den Sonnenstrahlen so sanft glänz daſs Antiq nem Erklä Wiel Doch schrei Jugen besucl Bälle Ueber künfti bey if die lä bend; Kreisd mit d Phant Kindl lich Modell in Ma- ; hätte uge zu n hätte ben.— gs den Gazelle 2 ganze nte pir- s leich- nen for- en ent- folgung chönen ngs, der ben auf schauen zeigten nuntern o sanft 3⁰ glänzende und sich schnell verändernde Farben, dafs diese das Hinsinken in Vergessenheit des Antiquars wohl entschuldigèen konnten, der sei- nem Geiste den Gegenstand, den er vorhin zur Erklärung einer Stelle im Pausanias von groſser Wichtigkeit gehalten, fremd werden lieſs.— Doch wozu der Versuch, Unbeschreibliches be- schreiben zu wollen.— Sie besafs Unschuld, Jugend und Schönheit, noch nicht durch stark- besuchte Prunkgesellschaften und verführerische Bälle verstellt.— Wenn er bemüht war, die Ueberreste der alten Welt in Zeichnungen für künftige Stunden auſzubewahren, so stand sie bey ihm, seine Arbeit bewundernd und ihm die ländlichen Tänze ihrer Heimath beschrei- bend; dann belehrte sie ihn über den Tanz im Kreise auf einem ebenen Platze, und malte ihm mit den glühenden Farben einer jugendlichen Phantasie die Heirathstänze, die sie in ihrer Kindheit gesehen zu haben sich erinnerte; end- lich kam sie au solchen Dingen, die auf ihr 90 Gemüth einen augenscheinlich gröſsern Ein- druck gemacht hatten, und machte ihn mit den Geistergeschichten ihrer Wärterin bekannt.— Der Ernst und die Glaubwürdigkeit ihrer Er- zählung nahmen Aubrey's Interesse in Anspruch; und oft, wenn sie von einem lebenden Vampyr sprach, der Jahre lang unter seinen Freunden und Verwandten herumgegangen sey, gezwun- gen, alle Jahre durch Auſfzehrung des Lebens eines schönen Weibes seine Existenz für die nächste Zeit zu verlängern, gerann ihm das Blut in den Adern, indeſs er jedoch versuchte, sie wegen ihrer thörichten und furchtbaren Phan- tasie auszulachen.— Janthe aber nannte ihm die Namen alter Leute, welche ein solches We- sen erst unter sich entdeckt hatten, als viele ihrer nächsten Verwandten und Kinder mit den Zeichen des gestillten Appetits ihres Feindes ge- funden worden waren; zund als sie ihn so un- gläubig fand, bat sie ihn, ihr doch ja zu glau- ben, denn man habe bemerkt, daſs die, welche es ge bezwe broch gestel Aeuss grõſse Schile unge⸗ ob er das h ben Ruth imme Unscl gende seine sein daſs chisc imme Gest Ein- it den nt.— er Er- pruch; ampyr unden zwun- ebens ir die as Blut e, sie Phan- e ihm es We- viele it den des ge- so un- a glau- welche 91 es gewagt hätten, das Daseyn des Vampyrs zu bezweifeln, genöthigt worden waren, mit ge- brochnem Herzen endlich die Wahrheit einzu- gestehen.— Sie beschrieb ihm das angebliche Aeussere dieser Wesen, und sein Entsetzen ver- gröfserte sich noch, als er darin eine treue Schilderung des Lord Ruthven erkannte; dessen ungeachtet suchte er ihr die Furcht auszureden, ob er sich gleich über so Manches verwunderte, das hier zusammengetroſfen war, um den Glau- ben an eine übernatürliche Macht des Lord Ruthven zu begründen.— Aubrey neigte sich immer mehr und mehr zu Janthe hin; ihre Unschuld, im Contraste mit den affectirten Tu- genden der Weiber, unter denen er Urbilder seiner romantischen Ideen gesucht hatte, gewann sein Herz, und während er es lächerlich fand, daſs ein junger Engländer ein unerzogenes grie- chisches Mädchen heirathen wolle, fand er sich immer stärker und stärker von der schönsten Gestalt angezogen, die er je gesehen hatte.— — —— 92 Zuweilen war er Willens, sich von ihr loszu- reissen und wollte, nachdem er sich einen Plan für antiquarische Untersuchungen entworfen, ab- reisen, entschlossen, nicht eher zurückzukehren, als bis er seinen Zweck erreicht hätte; er fand es jedoch unmöglich, seine Aufmerksamkeit auf die ihn umgebenden Alterthümer zu richten, während in seinem Gemüthe ein Bild zurück- blieb, welchem er allein seine Gedanken wid- men zu müssen glaubte.— Janthe ahnete seine Liebe nicht und blieb sich in ihrer ersten kind- lichen Unbefangenheit immer gleich.— Sie trennte sich zwar immer ungern von ihm, allein meistens defshalb, weil sie nun Niemand hatte, mit dem sie ihre Lieblingsorte besuchen konnte, indem ihr Führer beschäftigt war, einige Frag- mente, die der zerstörenden Hand der Zeit ent- gangen waren, aufzusuchen und abzuzeichnen. In Hinsicht der Vampyr's hatte sie sich auf ihre Eltern berufen und beyde beslätigten, indem mehrere Zeugen gegenwärtig waren, bleich vor Schre Wahn brey nige L aber ihn d kehre: ren n pflege ihre 1 den h nete. und! daſs s unteri Blat s setzter Am alle B derte nes V loszu- Plan n, ab- hren, fand Sit auf chten, rück- wid- seine Schrecken schon bey Nennung des Wortes, die Wahrheit der Sache.— Kurz darauf wollte Au- prey wieder einen Ausflug machen, der ihn ei- nige Stunden beschäftigen konnte; als die Leute aber den Namen des Ortes hörten, baten sie ihn dringend, nur nicht des Nachts zurücbzu- kehren, weil er nothwendig einen Wald passi- ren müsse, wo sich kein Grieche zu verweilen pflege.— Hier hielten nämlich die Vampyre ihre nächtlichen Orgien und droheten dem mit den härtesten Strafen, der ihnen dabey begeg- nete.— Aubrey spottete ihrer Vorstellungen und lachte nur darüber; als er jedoch sahe, dafs sie sich über sein Erkühnen, einer höhern unterirdischen Macht, deren bloser Name ihr Blat schon erstarren machte, zu spotten, ent- setzten, schwieg er.— Am nächsten Morgen begab sich Aubrey ohne alle Begleitung auf seine. Wanderung; er wun- derte sich über das schwermüthige Ansehen sei- nes Wirthes und war sehr bewegt, als er hörte, 94 dafs seine Worte, womit er den Glauben an jene furchtbaren Feinde verspotten wollte, auf die Familie schreckend gewirkt hatten.— Als er sich nun zu Pferde setzte, bat ihn Janthe nochmals recht dringend. vor Nacht zurückzu- kehren, und er versprach es ihr auch.— Seine Nachforschungen beschäftigten ihn indessen der- gestalt, dals er das Abnehmen des Tages nicht bemerkte, und wie sich am Horizonte eine von den kleinen Wolken zeigte, die in wärmeren Climaten so schnell zu furchtbaren Gewittern anwachsen und oft Verheerung über ganze Ge- genden verbreiten.— Er bestieg dessen unge- achtet sein Pferd, um durch Eile die versäumte Zeit nachzuholen,— allein es war zu spät.— Die Dämmerung ist in jenen südlichen Gegen- den fast ganz unbekannt; sogleich nach Unter- gang der Sonne wird es Nacht; und er war noch nicht weit geritten, als das Ungewitter mit Sturm, Regen, Blitz und Donner losbrach.— Sein Pferd wurde scheu und stürmte mit furcht- barer Endli Schei der M der N büsch Er sti entwe nigste Als er Auger Gesch mit e unter! aufges Donn streng dichte Er wa dauert zu be 2, auf — Als Janthe ückzu- -Seine en der- s nicht ine von rmeren wittern hze Ge- unge- tsäumte spät.— Gegen- Unter- er War 9⁵ barer Schnelligkeit durch den finstern Wald hin. Endlich blieb es ermüdet stehen, und beym Scheine der Blitze erkannte er, daſs er sich in der Nähe einer Hütte befinde, die kaum aus der Masse welker Blätter und verworrenen Ge- büsches hervorsah, womit sie umgeben war.— Er stieg ab und näherte sich in der Hoffnung, entweder einen Führer nach der Stadt oder we- nigstens Schutz vor dem Ungewitter zu finden. Als er ganz nahe war und der Donner einen Augenblick schwieg, vernahm er das schreckliche Geschrey einer weiblichen Stimme, untermischt mit einem höhnischen Gelächter, das fast un- unterbrochen fortdauerte.— Er stutzte, aber aufgeschreckt von dem über ihn hinrollenden Donner, erbrach er mit einer gewaltigen An- strengung die Thür der Hütte.— Er stand in dichter Finsternifs; doch leitete ihn der Schall. Er war dem Anscheine nach allein; als er rief, dauerte der Ton fort und Niemand schien ihn zu bemerken.— Endlich stiefs er mit Jemanden 96 zusammen, den er sogleich fafsle.— Da schrie eine Stimme: Abermals getäuscht!“ worauf ein lautes Gelächter folgte.— Nun fühlte er sich selbst von Jemand ergriſffen, der eine über- menschliche Stärke zu haben schien; er be- schlofs, sein Leben so theuer als möglich zu verkaufen, und kämpfte, allein vergebens; seine Füſse glitten aus und er wurde mit ungebeurer Gewalt zu Boden geworfen.— Sein Feind warl sich auf ihn und stemmte ihm die Hand auf die Brust, da fiel der Schein einiger Fackeln durch das Loch, wodurch das Tageslicht eindrang; sogleich sprang jener auf, lieſs seine Beute los, rannte zur Thüre hinaus, und bald vernahm man das Geräusch der Zweige nicht mehr, durch die er sich Bahn gemacht hatte.— Der Sturm war nun vorüben, und Aubrey, der sich nicht rühren konnte, wurde von denen gehört, die draulsen waren.— Sie traten herein; das Licht der Fackeln fiel auf die schmutzigen Wände, und die Hütte von Stroh war mit groſsen Haufen von sucht ihn ⸗ im IL zen, Fack erkar Er tr sey e seiner abern wirkl ren V Farbe Ruhe als d- Nacke an ih die ei fen di tend: 16. schrie worauf lte er über- er be- lich zu ; seine beurer m man durch 97 von Rufs angefüllt.— Auf Aubrey'’s Wunsch suchte man nach derjenigen, deren Geschrey ihn angezogen hatte.— Er blieb nun wieder im Dunkeln; allein wie groſs war sein Entsez- zen, als er beym Lichte der zurückkehrenden Fackeln die reizende Gestalt seiner Führerin erkannte, die jetzt ein lebloser Leichnam war. Er traute seinen Augen kaum und glaubte, es sey eine blose Erscheinung, die ihren Grund in seiner aufgeregten Phantasie habe; doch ein abermaliges Hinstarren überzeugte ihn, daſs es wirklich das liebliche Geschöpf sey.— Auf ih- ren Wangen, selbst auf ihren Lippen war keine Farbe mehr; doch war über das Gesicht eine Ruhe verbreitet, die fast so anzichend schien, als das sonst hier wohnende Leben; auf ihrem Nacken und ihrer Brust war Blut sichtbar, und an ihrem Halse sogar das Zeichen von Zähnen, die eine Ader geöffnet hatten.— Plötzlich rie- ſen die Männer, mit Entsetzen darauf hindeu- tend: ein Vampyr! ein Vampyr! Man machte 16. G 98 eine Tragbahre und legte Aubrey an die Seite derjenigen, welche vor Kurzem noch der Ge- genstand manches süfsen Traumes gewesen war, der nun nach ihrem Hinscheiden in sein Nichts zurückfiel.— Er wuſste nicht, was er denken sollte, sein erstaunter Geist floh das ernste Nachdenken und versank in Betäubung; auf einmal ergriff er fast bewuſstlos einen bloſsen Dolch von ganz besonderer Bildung, der in der Hütte gelegen hatte.— Es erschienen auch ver- schiedene Leute, welche die Mutter zur Auf- suchung der Vermiſsten abgeschickt hatte.— Ihr klägliches Geschrey, als sie in die Stadt kamen, bereitete die Eltern schon auf eine traurige Botschaft vor.— Ihren Schmerz zu schildern, wäre unmöglich; als sie sich von der Ursache am Tode ihres Kindes überzeugten, sa- hen sie Aubrey an und zeigten auf den Leich- nam.— Sie waren untröstlich und starben beyde vor Gram. Als Aubrey zu Bette gebracht worden, wurde er v oft Loro klärl frühe nigen Zeite Haui Lord Athe hörte dems rende seine und desse verwe ihn 1 freun er üb veranl Seite r Ge- 2 war, Nichts lenken ernste 4; auf »lofsen in der ch ver- r Auf- 99 er von einem hitzigen Fieber befallen, und hatte oft Geistesabwesenheiten; in diesen rief er den Lord Ruthven und Janthe— durch eine uner- klärliche Verbindung der Ideen schien er seinen frühern Gefährten zu bitten, das Leben derje- nigen zu schonen, die er liebte.— Zu andern Zeiten schüttete er Verwünschungen über sein Haupt aus und fluchte ihm, als ihrem Mörder. Lord Ruthven kam um diese Zeit selbst nach Athen, und sobald er von Aubrey’s Zustande hörte, nahm er seine Wohnung gleichfalls in demselben Hause und wurde sein immerwäh- render Gesellschafter.— Als der Kranke aus seiner Geistesabwesenheit zu sich kam, erschrack und erstaunte er über den Anblick desjenigen, dessen Bild er stets mit dem eines Vampyrs verwechselt hatte; allein Lord Ruthven versöhnte ihn bald mit seiner Gegenwart, durch seine freundlichen Reden und durch die Reue, die er über den Fehler bezeugte, der ihre Trennung veranlafst hatte, mehr aber noch durch die 100 Aufmerksamkeit, Besorglichkeit und Theilnahme, die er ihm bewies. Der Lord schien wirklich ganz verändert.— Er war gar nicht mehr das theilnahmlose We- sen, das so furchtbar auf Aubrey gewirkt hatte; allein so wie dessen Genesung vorschritt, fiel jener auch wieder in sein voriges Wesen zurück und Aubrey bemerkte keine Veränderung an ihm, als dafs zuweilen sein Blick mit einem Ausdrucke von höhnischem Lächeln um die Lippen fest auf ihm zu ruhen schien.— Dieses Lächeln erfüllte ihn mit geheimem Schauder, ohne daſs er es wufste warum.— Während der letzten Zeit seiner Genesung war Lord Ruth- ven eifrig bemüht gewesen, die heftigen Wellen, die durch den kühlenden Wind entstanden, zu beobachten, so wie auch das Fortschreiten der Kreise, die, wie unsere Erde, sich um den stillestehenden Mond drehen, zu gewahren;— und er schien in der That den Wunsch zu hege Aubr äusse Span schie ein e und sein der D sucht die e ihm so gl Bäun Veilo sich sicht selige Er be solch her ahme, rt.— We- hatte; , fiel urück ag an einem n die Dieses auder, hrend Ruth- Fellen, en, zu en der n den 2n;— ch zu 104 hegen, den Augen Aller verborgen zu bleiben.— Aubrey’s Gemüth war durch diese Erschütterung äusserst angegriffen worden, und jene geistige Spannkraft, die ihn sonst ausgezeichnet hatte, schien auf immer verschwunden.— Er war jetzt ein eben so groſser Liebhaber der Einsamkeit und Wortkargheit, als Lord Ruthven; allein sein Gemüth konnte dieses Verlangen nicht in der Nachbarschaft von Athen erfüllt bekommen; suchte er die Einsamkeit in den Alterthümern, die er früher besuchte, so stand Janthe's Gestalt ihm zur Seite, suchte er sie in den Wäldern, so glaubte er ihren leichten Schritt unter den Bäumen zu bemerken, wie sie das bescheidne Veilchen aufsuchte; dann schien sie, indem sie sich umwandte, ihm plötzlich ihr bleiches Ge- sicht und ihre verwundete Brust mit einem hold- seligen Lächeln auf den Lippen zu zeigen.— Er beschlofs, eine Gegend zu flichen, wo ihn solche Erinnerungen verfolgten und machte da- her dem Lord Ruthven, dem er sich für die 102 zarte Theilnahme verbunden fühlte, die er ihm während seiner Krankheit bewiesen hatte, den Vorschlag, diejenigen Gegenden Griechenlands zu besuchen, die sie noch nicht gesehen hatten. Sie durchstreiften das Land nun in allen Rich. tungen und suchten jeden Fleck auf, an den sich eine Rückerinnerung knüpfen liefs; da sie nun so von einem Orte zum andern eilten, so beachteten sie das nicht sehr, was sich ihren Blicken darbot.— Sie hörten viel von Räubern, fingen jedoch an, wenig auf diese Nachrichten zu achten, weil sie sie für Erfindung eigennüz- ziger Personen hielten, welche ihren Schutz theuer verkaufen wollten.— Die Warnung der Einwohner übersehend, reisten sie auch einst nur mit weniger Bedeckung, die ihnen mehr zu Führern als zum Schutze diente.— In einem engen Hohlwege, in dessen Tiefe ein Bach hin- rauschte, mit groſsen Felsmassen, die von den benachbarten Abhängen herabgestürzt waren, enge angefüllt, hatten sie Ursache, ihre Nach- läſsi Zug Pfeit und das In e verla bega die d brey einen wäne mene sollte schie ber ken schlo gen: Schu Schu er ihm „den alands atten. Rich- n den da sie n, 80 ihren abern, ichten ennüz- Schutz g der einst hr zu einem h hin- a den aren, Nach- 103 läfsigkeit zu bereuen; denn kaum war der ganze Zug in den Engweg hinein, als sie durch das Pfeifen von Kugeln dicht über ihren Häuptern und durch den Kuall von Flintenschüssen, die das Echo wiederholte, erschreckt wurden.— In einem Augenblicke hatten ihre Wachen sie verlassen, und hinter die Felsen sich stellend, begannen sie in der Richtung zu feuern, woher die Schüsse tönten.— Lord Ruthven und Au- brey, ihr Beyspiel nachahmend, zogen sich für einen Augenblick hinter die schützenden Seiten- wände des Hohlweges zurück; allein sich schä- mend, daſs sie sich vor einem Feinde verstecken sollten, der sie durch Schüsse herauszufordern schien, und überlegend, daſs wenn einige Räu- ber die Felsen ersteigen und ihnen in den Rük- ken fielen, sie gänzlich verloren wären, be- schlossen sie, den Angreifenden muthig entge- gen zu gehen.— Allein kaum hatten sie ihren Schutzort verlassen, als Lord Ruthven einen Schufs in die Schulter erhielt, der ihn zu Bo- 104 den streckte.— Aubrey eilte ihm zu Hülfe und sahe sich, den Kampf und seine eigne Gefahr nicht mehr beachtend, bald von den Räubern um- ringt; denn die Begleiter hatten, sobald Lord Ruthven die Wunde bekam, ihre Waffen weg- geworfen und sich ergeben. Durch Versprechung einer groſsen Belohnung brachte Aubrey die Räuber dahin, seinen ver- wundeten Freund in eine nahe Hütte zu tragen, und nachdem er ein Lösegeld versprochen hatte, wurde er nicht mehr durch ihre Gegenwart be- lästigt; denn sie begnügten sich, blos den Ein- gang zu bewachen, bis der Abgeschickte mit dem Lösegelde zurückgekehrt seyn würde. Lord Ruthven's Kräfte nahmen schnell ab; in zwey Tagen war er dem Tode nahe und er fühlte diesen mit schnellen Schritten sich nahen. Sein Ansehen und Benehmen hatte sich nicht verändert; er schien weder der Schmerzen noch seiner Umgebungen zu achten; gegen Ende des letzten Abends wurde er aber sichtbar unruhig und ihm Erns Helfé Sie 1 nicht nicht mein Ehre W in m Ich schne Wen berge rede mein bliebe Es Sch sich 7 105 und sein Auge heftete sich oft auf Aubrey, der ihm seinen Beystand mit mehr als gewöhnlichem Ernst anzubieten sich gedrungen fühlte.—— Helfen Sie mir!— Sie können mich retten!— Sie können mehr als das thun!— Ich meyne nicht mein Leben; diesen Verlust achte ich nicht höher als den des scheidenden Tages; aber meine Ehre können Sie retten, Ihres Freundes Ehre! Wie? Reden Sie! Ich werde Alles thun, was in meinen Kräften steht, versetzte Aubrey. Ich bedarf nur wenig— mein Leben entflieht schnell— Ich kann nicht Alles enthüllen— Wenn sSie aber, was Sie von mir wissen, ver- bergen wollen, so würde meine Ehre vom Ge- rede der Welt unbeſleckt bleiben— und wenn mein Tod einige Zeit in England unbekannt bliebe— ich— aber das Leben— Es soll nicht bekannt werden!— Schwören Sie! rief der Sterbende; indem er sich mit ungewöhnlicher Heftigkeit aufrichtete. 106 Schwören Sie bey Allem, was Ihnen heilig ist, bey Allem, was Sie fürchten, daſs Sie binnen Jahr und Tag keinem lebenden Wesen auf ir- gend eine Art das mittheilen wollen, was Ihnen von meinem Verbrechen und meinem Tode be- kannt ist, es mag sich ereignen, was da vill, und Sie mögen sehen, was Sie wollen. Seine Augen schienen sich bey dieser Rede aus ihren Kreisen zu drehen.— Ich schwöre! rief Aubrey, und jener sank sterbend auf sein Kissen zurück und athmete nicht mehr. Aubrey begab sich zwar zur Ruhe, konnte aber nicht schlafen; die mancherley Umstände, wovon seine Bekanntschaft mit diesem Manne begleitet gewesen war, wurden wieder klar in seiner Seele und er wuſste nicht, wie es zuging, wenn er sich seines Schwures erinnerte, über- fiel ihn ein kalter Schauer, wie das Vorgefühl von etwas Schrecklichem, das ihn erwartete.— Er stand frühe des Morgens auf und war eben im Begriff, die Hütte zu betreten, wo er den Leich entge; mehr nen 1 barten sprech ben, des, ausges nahm den B dem( als er Spurer dern, dersell hätten Vermo in der die Kl Uebe 107 g ist, Leichnam verlassen hatte, als ihm ein Räuber innen entgegenkam und meldete, daſs sich jener nicht uf ir- mehr dort befinde, indem er von ihm und sei- Ihnen nen Kameraden auf den Cipfel eines benach- le be- barten Berges getragen worden sey, dem Ver- will, prechen gemäſs, welches sie dem Lord gege- ben, daſs er dem ersten kalten Strale des Mon- Rede des, der nach seinem Tode aufgehen würde, wöre! ausgesetzt werden sollte. Aubrey erstaunte und f sein nahm einige der Männer mit sich, entschlossen, den Berg zu besteigen und den Leichnam an onnte dem Orte zu beerdigen, wo er läge.— Allein ände, als er den Gipfel erreicht hatte, fand er weder Hlanne Spuren von dem Leichnam, noch von den Klei- llar in dern, obgleich die Räuber schwuren, das sey ſuging; derselbe Felsen, wohin sie den Todten gelegt über- hätten.— Er verlor sich einige Zeit in seltsame efühl Vermuthungen, allein endlich kehrte er zurück, Lte.— in der Ueberzeugung, dafs sie den Körper, um die Kleider zu bekommen, beerdigt hätten. Ueberdrüssig einer Gegend, wo er so furcht- 2 108 bares Miſsgeschick erfahren hatte und wo sich alles verschworen zu haben schien, jene zum Aberglauben sich neigende Schwermuth zu näh- ren, die sich seines Gemüthes bemächtigt hatte, beschloſs er abzureisen und in Kurzem befand er sich in Smyrna.— Indefs er auf ein Schiff wartete, welches ihn nach Otranto oder Neapel überführen sollte, beschäftigte er sich mit Ord- nung der Sachen, die er, als dem Lord Ruthven zugehörig, mitgenommen hatte.— Unter den- selben befand sich auch eine Kiste, welche ver- schiedene Angriffswaſfen enthielt, die mehr oder weniger geschickt waren, einen unfehlbaren Tod zu geben. Auch mehrere Dolche und kurze Schwerter waren dabey. Indem er ihre seltsa- me Gestalt betrachtete, erschrack er heftig, da er eine Scheide fand, in derselben Art verziert, wie der Dolch, den er in der Hütte gefunden hatte.— Er schauderte— noch weitere Beweise suchend, fand er auch die Waffe, und man kann sich seinen Schreck denken, als er ent- deckt genar hielt. Bewe Dolcl nen; auf d lieſse⸗ waren Er nach Gesch digen zu be im El hatte ihr ge den 8 fürcht Mörde Er wa sich zum näh- natte, efand Schiff eapel Ord- thven den- ver- oder n Tod kurze eltsa- ig, da rziert, 109 deckte, daſs sie, wenn auch besonders geformt, genau in die Scheide passe, die er in der Hand hielt.— Seine Augen schienen keines andern Beweises zu bedürfen. Er starrte fest auf den Dolch hin; noch wünschte er zweifeln zu kön- nen; doch die seltsame Form, die Farbe, die aul der Scheide und dem Griffe dieselbe war, lieſsen keinen Zweifel aufkommen; auf beyden waren Blutstropfen sichtbar. Er verliefs Smyrna, und auf seinem Rückwege nach der Heimath war es in Rom sein erstes Geschäft, sich nach der jungen Dame zu erkun- digen, die er aus Lord Ruthven's Fallstricken zu befreyen gesucht hatte. Ihre Eltern lebten im Elende, ihr Vermögen war dahin und man hatte seit des Lords Abreise nichts wieder von ihr gehört.— Aubrey’s Gemüth erlag fast unter den Stürmen so wiederholter Schrecknisse; er fürchtete auch, dieses Mädchen möchte dem. Mörder Janthe’'s zur Beute geworden seyn.— Er ward düster und einsylbig; sein Geschäft 110 bestand blos darin, die Postillons zur Eile an- zutreiben, als ob er im Begriffe wäre, das Le- ben eines ihm theuren Wesens zu retten.— So kam er in Calais an; ein Landwind, der seinen Wünschen günstig war, brachte ihn schnell an England's Küste.— Er eilte nach dem väterlichen Hause und hier schien er, we- nigstens auf Augenblicke, in den Umarmungen seiner Schwester, die Erinnerungen des Vergan- genen aus den Augen zu verlieren.— Hatte sie schon früher durch ihre kindlichen Liebkosun- gen seine Zuneigung gewonnen, so erschien sie ihm jetat als Jungfrau noch reizender und lie- benswürdiger.— Mifs Aubrey besaſs nicht jenes einnehmende Wesen, welches die Aufmerksamkeit und den Beyfall groſser Gesellschaften zu erregen im Stande ist. Nichts von jenem glänzenden Schim- mer, der nur in der erhitzten Atmosphäre ei- nes von Menschen angefüllten Zimmers leuchtet. Ihr blaues Auge verrieth nichts weniger als ein leicht cholis Ungli herzu sen li wuſst Hũüpfe reizen sinner sicht klärt; bewies zu ver Ruhe gegen es, als dem L stand e nicht i ihre Vo Vorstel r, we- ungen ergan- tte sie Kkosun- lien sie 111 leichtsinniges Gemüth. Es wohnte ein melan- cholischer Reiz in demselben, der nicht von Unglück, sondern von einem tiefern Gefühle herzurühren schien, das auf eine Seele schlies- sen lieſs, die sich eines höhern Vaterlandes be- wuſst war. Ihr Schritt war nicht ein leichtes Häpfen, durch einen Schmetterling oder eine reizende Blume angezogen, sondern ernst und sinnend. Wenn sie allein war, wurde ihr Ge- sicht nie durch das Lächeln der Freude ver- klärt; aber wenn ihr Bruder ihr seine Liebe bewies, wenn er in ihrem Umgange jenen Gram zu vergessen suchte, der, wie sie wuſste, seine Ruhe untergrub, wer hätte dann ihr Lächeln gegen das der Wollust vertauscht! Dann schien es, als glänzten diese Augen, dieses Gesicht in dem Lichte ihres schönern Geburtslandes. Sie stand erst im achtzehnten Jahre und war noch nicht in die Welt eingeführt worden, indem es ihre Vormünder für besser gehalten hatten, ihre Vorstellung daselbst so lange zu verschieben, bis ihr Bruder, vom festen Lande zurückgekehrt, als ihr Beschützer würde auftreten können.— Es war nun bestimmt worden, dafs der nächste Hofzirkel, der nicht mehr weit entfernt war, die Epoche ihres Eintritts auf den geräuschvol. len Schauplatz werden sollte.— Aubrey hätte sich freylich lieber auf sein väterliches Haus beschränkt und der Melancholie Nahrung gege- ben, die sich seiner ganz und gar bemächtigte. Er konnte keine Theilnahme empfinden an dem leichtfertigen Gespräch modischer Fremder, da sein Gemüth durch die Begebenheiten, von de- nen er Augenzeuge gewesen war, zexrissen wurde; allein er beschloſs seine eigne Bequem- lichkeit der Beschützung seiner Schwester auf- zuopfern. Bald trafen sie in der Stadt ein und bereiteten sich für den nächsten Tag, an dem die Festlichkeit statt fnden sollte, vor. Die Menschenmenge war ausserordentlich; seit langer Zeit war kein Hofzirkel gewesen und Al- les, was sich an dem Lächeln der Hoheit zu sonne sich g den. die U in die den L Da fü und e ins Ol kaum er mö einigen welche tritte i Er star mehr eines die Me nach B das Zit 16. ehrt, 1.— chste war, chvol- hätte Haus gege- htigte. n dem 113 sonnen trachtete, eilte herbey.— Aubrey hatle sich gleichfalls mit seiner Schwester eingefun- den.— Indeſs er einsam in einer Ecke stand, die Umgebung ein wenig beachtend, versank er in die Erinnerung, daſs er an derselben Stelle den Lord Ruthven zum erstenmale gesehen habe. Da fühlte er sich plötzlich am Arme ergriffen und eine nur zu bekannte Stimme raunte ihm ins Ohr: Gedenke deines Eides!»— Er hatte kaum den Muth, sich umzusehen, fürchtend, er möchte ein Gespenst erblicken, als er in einiger Entfernung dieselbe Gestalt wahrnahm, welche seine Aufmerksamkeit beym ersten Ein- tritte in diesen Saal auf sich gezogen hatte.— Er starrte darauf hin, bis ihn seine Füſse nicht mehr tragen wollten, dann ſaſste er den Arm eines Freundes, bahnte sich einen Weg durch die Menge, warf sich in den Wagen und eilte nach Hause. Hier ging er mit raschen Schritten das Zimmer auf und ab, die Hand an die Stirn H 114 gelegt, als fürchtete er, die Cedanken möchten diese zersprengen.— Lord Ruthven stand wie- der vor ihm— Umstände aus der Vergangen- heit belebten sich— der Dolch— sein Eid!— Es schien ihm eine Unmägxglichkeit, daſs die Todten auferstünden!— Er glaubte, seine Phantasie habe blos das Bild belebt, welches in seiner Seele wohnte.— Es konnte unmöglich Wirklichkeit seyn,— er beschloſs daher, wie- der in Gesellschaft zu gehen; denn ob er gleich versucht hatte, sich nach Lord Ruthven zu, er- kundigen, so erstarb doch der Name auf seinen Lippen und er vermochte nichts über ihn zu erfahren.— Einige Tage nachher besuchte er mit seiner Schwester eine Gesellschaft bey einem nahen Verwandten. Er lieſs sie unter dem Schutze einer ältern Dame und begab sich an einen einsamen Ort, wo er seinen Gedanken nachhing. Da er aber endlich bemerkte, dabs schon Viele Abschied nahmen, erhob er sich, ging in ein anderes Zimmer, und fand hier seine dert, durchd wieder: denke umzuse sich for Aubr Geist s versunk stand v dafs de müth b 115 hten Schwester von Mehreren umgeben, und, wie es wie- schien, im ernsthaften Gespräche; er suchte sich agen- platz zu machen und zu ihr zu gelangen, da d1— wandte sich Jemand um, den er bat, ihn die durchzulassen, und er erkannte dieselben Züge, seine die er so sehr verabscheuete.— Schnell ergriff lches er den Arm seiner Schwester und zog sie eilig glich mit sich auf die Strafse hinaus. An der Thüre wie- wurde er durch die Menge der Diener verhin- gleich dert, vorwärts zu kommen, und indem er sich u. er- durchdrängen wollte, hörte er die Stimme ihm einen wiederum ganz in der Nähe zuflüstern: Ce- n zu denke deines Eides.“— Er wagte es nicht, sich te er umausehen, sondern eilte, seine Schwester mit finem sich fortziehend, schnell nach Hause. dem Aubrey wurde fast wahnsinnig. War sein h an Geist schon vorher in einem einzigen Gedanken Enken versunken gewesen, wie sehr wurde dieser Zu- dals ztand verstärkt, da er nun die Gewiſheit hatte, sich, dafs des Ungeheuers Leben von neuem sein Ge- seine müth belaste. Er beachtete kaum seiner Schwe- 116 ster Zärtlichkeit, und vergebens drang sie in ihn, nach der Ursache seines sonderbaren Be- nehmens forschend. Er stiels blos wenige Worte aus, und diese erschreckten sie.— Je mehr er nachsann, um so verstörter wurde er. Sein Eid machte ihn schaudern;— sollte er denn gestatten, daſs das Ungeheuer, Verderben hau- chend unter Allem, was ihm theuer war, um- hergehe, und es nicht versuchen, seine Fort. schritte zu hemmen? Seine eigne Schwester konnte ja von ihm erreicht werden. Aber ge- setzt auch, er wollte seinen Eid brechen und seine Vermuthungen laut werden lassen, wer würde ihm glauben? Er kam wohl auf den Gedanken, seine eigne Hand zu brauchen, um die Welt von solch einem Elenden zu befreyen, allein der Tod, erinnerte er sich, hatte ja keine Gewalt über ihn.— Mehrere Tage blieb er in diesem Zustande, schloſs sich in seinem Zimmer ein, sahe Niemanden und genoſs blos einige Nahrung, wenn seine Schwester zu ihm kam und ihrety Endli keit Wohn ängstl imme: seine len T: erkann dem ie in n Be- Vorte ehr er Sein denn hau- , um. Fort- wester ber ge- n und einige m kam 117 und ihn mit thränenden Augen bat, doch um ihretwillen seine Kräfte nicht sinken zu lassen. Endlich konnte er selbst die Stille und Einsam- keit nicht länger ertragen; er verlieſs seine Wohnung und eilte von Strafse zu Strafse, ängstlich fliehend vor dem Bilde, welches ihn immerwährend verfolgte.— Er vernachläſsigte seine Kleidung und wanderte eben so am hel- len Tage, wie um Mitternacht umher. Man erkannte ihn kaum; anfangs kehrte er erst mit dem Abende nach Hause zurück, allein endlich legte er sich da nieder, wo ihn die Ermüdung überfallen hatte.— Seine Schwester, besorgt für seine Gesundheit, stellte Leute an, die ihm folgen mufsten, allein sie verloren ihn bald aus dem Gesichte, denn er floh vor jedem Verfol- genden schneller, als mancher vor— Gedan ken.— Indessen änderte sich plötzlich sein Be- nebmen.— Ergriſſen von der Idee, daſs er in seiner Abwesenheit alle seine Freunde mit ei. nem Feinde allein lieſs, dessen Gegenwart sie 2 18 nicht ahneten, beschlofs er, wieder in Gesell- schaft zu gehen und ihn genau zu bewachen, in der Absicht, trotz seines Eides, Jeden zu war- nen, dem sich Lord Ruthven auf eine vertrau- liche Art nähern möchte. Allein wenn er in eine Gesellschaft trat, waren seine lauernden, spähenden Blicke so ergreifend, sein innerlicher Schauder so sichtbar, daſs sich seine Schwester endlich genöthigt sahe, ihn zu bitten, er möge ihretwegen doch nicht eine Gesellschaft besu- chen, welche einen so unangenehmen Eindruck auf ihn zu machen scheine. Da jedoch alle Vorstellungen fruchtlos waren, glaubten die Vormünder sich in's Mittel schlagen zu müssen, und fürchtend, daſs sein Geist zerrüttet werden möchte, hielten sie es für hohe Zeit, ein Amt wieder zu übernehmen, das ihnen schon vorher von Aubrey’s Eltern übertragen worden war. Voll Verlangen, ihn vor den Beleidigungen und Unannehmlichkeiten zu schützen, die er mäglich auf seinen Wanderungen erfuhr, und den 4 was sit anlaſs: wohne Er sch sein G Gegen worrer sein Z lag er dafs er äussers ein glä Zeichen beym! er zuw er sie drange: 0O!» s deine I ja nich vester möge besu- druck h alle 119 den Augen der Menge nicht das blos zu stellen, was sie für Zeichen des Wahnsinns hielten, ver- anlaſsten sie einen Arzt, in seinem Hause zu wohnen und ihn in stete Obhut zu nehmen.— Er schien dies kaum zu bemerken, so sehr war sein Geist nur mit dem einzigen furchtbaren Gegenstande beschäftigt.— Seine innere Ver- worrenheit wurde endlich so grofs, dafs er auf sein Zimmer beschränkt werden mufste. Hier lag er denn oft auf einer Stelle Tage lang, ohne dafs er im Stande war, aufzustehen. Er war äusserst mager geworden, seine Augen hatten ein gläsernes Ansehen bekommen; das einzige Zeichen von Gefühl und Erinnerung bewies er beym Eintritte seiner Schwester; dann sprang er zuweilen auf, und ihre Hand ergreifend, bat er sie mit Blicken, die sie im Innersten durch- drangen, sie möchte ihn nicht berühren.— 40l» sagte er,«berühre ihn ja nicht! Wenn deine Liebe zu mir aufrichtig ist, berühre ihn ja nicht!“— Wenn sie nun forschte, Worauf 120 sich diese Bitte bezöge, war seine einzige Ant. wort: Gewiſs! gewiſs!“— und dann sank er wieder in einen Zustand zurück, aus dem auch sie ihn nicht erheben konnte.— So blieb es mehrere Monate; so wie indefs das Jahr all-. mählig vorüberging, wurden auch seine Ge- müthgzerrüttungen minder häufig und sein Geist befreyte sich zum Theil von seiner Verdüste- rung; seine Wächter bemerkten auch, daſs er des Tages zuweilen eine gewisse Zahl an den Fingern berechnete und dann lächelte.— Fast war die Zeit verſlossen, als am letzten Tage des Jahres einer seiner Vormünder in das Zimmer trat und mit dem Arzte über den trau- rigen Umstand sprach, dals sich Aubrey noch immer in einer so schrecklichen Lage befinde, indefs seine Schwester nächstens verheirathet werden würde. Dieses erregte sogleich Aubrey's Aufmerksamkeit und er fragte ängstlich: an wen?— Voll Freude über diesen Beweis des räckkehrenden Verstandes, dessen sie ihn schon ſfür ganz beraubt gehalten hatten, nannten sie nker ihm den Namen des Grafen von Marsden.— auch Da er dachte, dafs dieses ein junger Edelmann ieb es sey, den er in Gesellschaft gesehen habe, schien r all. Aubrey zufrieden, und setzte die Vormünder e Ge- dadurch noch mehr in Verwunderung, daſs er Geist den Wunsch äusserte, bey der Hochzeit zuge- düste-. gen zu seyn und seine Schwester zu sehen.— laſs er Sie antworteten nichts, allein in wenig Minuten n den war seine Schwester bey ihm. Er war dem An- scheine nach noch fähig, von der Wirkung ih- etzten res lieblichen Lächelns gerührt zu werden, denn in das er drückte sie an seine Brust und küſste ihre h trau- Wange, welche Thränen benetzten, die dem noch Gedanken flofsen, daſs ihres Bruders Gemüth den Empfindungen der Liebe wieder geöffnet sey. Er begann nun mit aller seiner gewöhn- lichen Wärme zu sprechen und ihr Glück zu 1 ihrer Vermählung mit einem durch Rang und andern Vollkommenheiten so ausgezeichneten Manne zu wünschen, da bemerkte er plötzlich 122 ein Medaillon auf ihrer Brust; er öffnete es, und wie groſs war sein Erstaunen, als er die Züge des Ungeheuers erkannte, welches einen so langen Einfluſs auf sein Leben gehabt hatte. In einem Anfalle von Wuth ergrifl er das Por- trait und trat es mit Füſsen. Als sie ihn fragte, warum er so die Abbildung ihres künftigen Ge- mahls zerstöre, sahe er sie an, als ob er sie nicht verstünde— dann ergriff er ihre Hände und blickte sie mit einem Ausdrucke wilder Verwirrung an, indem er sie bat, zu schwören, daſs sie nie dieses Ungeheuer heirathen wolle— denn er—— Er konnte nicht weiter sprechen— es schien, als ob die Stimme ihn wieder auf- forderte, seines Eides zu gedenken— schnell wandte er sich um und dachte, Lord Ruthven zu erblicken, allein er sahe Niemand.— Un- terdessen waren die Vormünder und der Arzt eingetreten, welche Alles mit angehört hatten, und da sie es für eine Rückkehr seines Wahn- sinns hielten, trennten sie ihn mit Gewalt von Miſs Nun sie n dadu dem stärk fernt 123 Mifs Aubrey und baten sie, sich zu entfernen. Nun fiel er vor ihnen auf's Kuie, bat, beschwor sie nur einen Tag um Aufschub. Sie wurden dadurch nur noch mehr in ihrer Meinung von dem rückkehrenden Wahnsinne Aubrey's be- stärkt, versuchten ihn zu beruhigen und ent- fernten sich. Lord Ruthven hatte am folgenden Morgen dem Hofzirkel seinen Besuch machen wollen, war jedoch, so wie Niemand, angenommen worden.— Als er von Aubrey'’s Uebelbefinden hörte, fühlte er wohl, daſs er es verursacht habe; als er aber vollends erfuhr, er sey wahn- sinnig geworden, konnte er seine Freude kaum vor denen verbergen, von denen er diese Nach- richt erfahren hatte.— Er eilte nach der Woh- nung seines frühern Gefährten, und durch be- harrliche Aufmerksamkeit, so wie durch Aeusse- rung einer groſsen Zärtlichkeit gegen den Bru- der und Theilnehmer an seinem Unglücke, ge- lang es ihm allmählig, bey Miſs Aubrey Gehör 124 zu finden.— Wer vermochte auch seinen Kün- sten zu widerstehen?— Er hatte Gefahren und Beschwerden zu erzählen— sprach von sich selbst, als von einem Wesen, welches durchaus mit keinem andern auf der Welt, ausser mit der, an die er seine Worte richtete, überein- stimmend empfinde,— erzählte ihr, wie nur, seitdem er sie kenne, sein Daseyn ihm der Er- haltung werth geschienen habe, gleich als ob er nur ihren schmeichelnden Tönen habe lauschen wollen,— mit einem Worte, er wußste die Schlangenkünste so trefflich zu brauchen, oder es war vielmehr der Wille des Schicksals, dafs er ihre volle Zuneigung gewann.— Da der Titel des ältern Zweiges der Familie mit der Zeit auf ihn fiel, so erhielt er einen ansehnli- chen Gesandtschaftsposten, der ihm zur Ent- schuldigung diente, daſs er die Vermählung (trotz des Bruders zerrütteter Gesundheit) be- schleunigte, denn sie sollte den Tag vor seiner Abreise nach dem festen Lande statt finden. Aubrey versuchte, als ihn die Vormünder und der Arzt verlassen hatten, die Diener zu beste- chen, allein vergebens. Er verlangte Feder und Papier; es wurde ihm gereicht; er schrieb ei- nen Brief an seine Schwester, in welchem er sie beschwor, so werth ihr ihre eigene Glück- seligkeit, ihre eigene Ehre und die Ehre derer sey, die nun im Grabe schlummerten, sie einst aber als ihre und des ganzen Hauses Hoffnung in ihren Armen hielten, nur um wenig Stunden eine Vermählung zu verschieben, auf die er die schrecklichsten Verwünschungen ausschüttete.— Die Diener versprachen ihm, den Brief zu be- stellen, übergaben ihn aber dem Arzte, der es für besser hielt, das Gemüth der Miſs Aubrey nicht noch mehr durch das zu ängstigen, was er für Anfälle eines Wahnsinnigen hielt.— Die Nacht verstrich den geschäftigen Bewohnern des Hauses ohne Ruhe und Aubrey hörte mit einem Entsetzen, das man sich eher vorstellen, als 126 beschreiben kann, die Zeichen geschäftiger Vor⸗ bereitungen.— Der Morgen kam und das Ge. räusch der ankommenden Wagen berührte sein Ohr. Aubrey gerieth ganz ausser sich.— Die Neugier der Diener besiegte endlich ihre Wach- samkeit; sie stahlen sich allmählig weg und lieſsen Aubrey unter der Auſsicht eines alten, schwachen Weibes. Er benutzte diese Gelegen- heit; mit einem Sprunge war er aus dem Zim- mer und in einem Augenblicke stand er in dem, wo sich alles zur Festlichkeit versammelt hatte. Lord Ruthven war der erste, der ihn bemerkte; er trat sogleich zu ihm hin, ergriff ihn heſtig beym Arme und riſs ihn, sprachlos vor Wuth, mit sich aus dem Zimmer. Auf der Treppe raunte ihm Lord Ruthven in's Ohr: Erinnern Sie sich Ihres Eides, und bedenken Sie, dafs, wenn Ihre Schwester nicht heute meine Gemah- lin wird, sie entehrt ist! Die Weiber sind schwach!“— Mit diesen Worten drängte er ihn alte Ware recl fand sogl. sein- nem der Verr Bräu Ar der! hend Vorn und hatte geles Die Vor⸗ Ge- e sein Die Vach- und alten, legen- 2 Zim- dem, hatte. erkte; 127 ihn gegen seine Diener hin, welche, durch das alte Weib aufgeregt, ihn zu suchen gekommen waren.— Aubrey konnte sich nicht länger auf- recht halten. Seine Wuth, die keinen Ausbruch fand, hatte ein Blutgefäfs zerrissen und er wurde sogleich zu Bette gebracht. Dieses wurde jedoch seiner Schwester verschwiegen, welche bey sei- nem Eintritte nicht zugegen gewesen war, denn der Arzt wollte sie nicht beunruhigen.— Die Vermählung wurde vollzogen und Braut und Bräutigam verlieſsen London. Aubrey's Schwäche nahm immer mehr zu; der Blutverlust erzeugte Symtome des heranna- henden Todes. Er wünschte, seiner Schwester Vormünder möchten zu ihm gerufen werden, und als die Stunde der Mitternacht geschlagen hatte, erzählte er alles, was die Leser vorher gelesen haben— und starb augenblicklich. Die Vormünder eilten fort, Miſs Aubrey zu 128 retten; allein es war zu spät. Lord Ruthyen war verschwunden, und Aubrey’s Schwester hatte den Durst eines Vampyrs gestillt. Ruthven chwester Auszug aus einem Brieſe, V eine. Nachricht über Lord Byrons Aufent- halt auf der Insel Mitylene enthaltend. 129 ——————— ℳ—ℳV—:Q——————————ℳℳ——V Die Welt lag vor ihm da, in der er sich ei- nen Platz zur Ruhe, und die Vorsehung zur Führerin wählen sollte.“— Als wir am Bord eines königlichen(englischen) Schiffes im Jahre 1812 durch den griechischen Archipelagus segelten, liefen wir in den Hafen von Mitylene, auf der Insel gleiches Namens, ein. Die Schönheit dieses Ortes und die Ge- wifsheit, sich daselbst immer mit Vieh und Vegetabilien versorgen zu können, lockte viele brittische, sowohl Kriegs- als Kauffahrtheyschiffe, an, denselben zu besuchen; und ob er gleich von dem Wege der nach Smyrna bestimmten 132 Schiffe ziemlich weit abliegt, so ersetzt sein Reichthum jene Abweichung von dem eigentli- chen Wege.— Wir landeten, wie gewöhnlich, im Hintergrunde der Bay, und während die Mannschaft mit Wasserholen beschäftigt war und der Handel um Vieh mit den Einwohnern betrieben wurde, machten der Geistliche und ich einen Spaziergang nach der Höhle, die man Homer's Schule nennt, und andern Orten, wo wir vorher schon gewesen waren.— Auf der Spitze des Berges Ida(eines kleinen Hügels die- ses Namens) trafen wir einen jungen Griechen und nahmen ihn zu unserm Führer an. Dieser sagte uns, er sey mit einem englischen Lord von Scio gekommen, der die Insel vier Tage vor unserer Ankunkt in seiner Felucke verlassen habe.«Ich sollte ihm zum Piloten dienen,* sagte der Grieche,«xund er würde mich mitge- nommen haben, allein ich wollte Mitylene nicht verlassen, da ich mich wahrscheinlich hier ver- heirathen werde. Er war ein wunderlicher, aber — sein gentli- nlich, d die t war hnern e und le man en, wo uf der dls die- .„1 lechen Dieser Lord mitge- ne nicht ier ver- er, aber 133 ein sehr guter Mann. Das Landhaus auf dem Häügel, mit der Vorderseite nach dem Flusse zu, gehört ihm, und er hat einen alten Mann als Aufseher in demselben zurückgelassen. Er gab dem Weinhändler Dominique 600 Zechinen dafür(ungefähr 250 Pfund Englisch) und hat ungefähr 14 Monate hier gewohnt, obgleich nicht fortwährend, denn er segelte in seiner Felucke sehr oft nach verschiedenen andern Inseln.“— Diese Nachricht erregte unsere Neugier im hohen Grade und wir verloren keine Zeit, uns nach dem Hause zu begeben, wo unser Lands- mann gewohnt hatte. Von einem alten Manne wurden wir freundlich empfangen und im gan- zen Hause herumgeführt. Es bestand aus vier Zimmern auf ebener Erde, einer Eintrittshalle, einem Gesellschaftszimmer, einem Wohn- und Schlalzimmer, an welches ein geräumiges Cabi- net stieſs. Alle waren ganz einſach verziert; die Wände einſach grün, an jeder Seite Mar- mortische, in der Mitte ein breiter Myrtenbaum und unter demselben eine Springquelle, welche durch eine in einer kleinen Venusstatue von Bronze angebrachte Feder in Bewegung gesetzt werden konnte, so daſs sie die Zweige des Bau- mes benetzte, und endlich ein breites Sopha,— dies machte das ganze Hausgeräth aus. In der Vorhalle standen ein halbes Dutzend englische Rohrstühle und ein groſser Bücherschrank; nir- gends war aber ein Spiegel oder Gemälde zu sehen.— Das Schlafgemach enthielt blos eine grofse Matratze auf den Boden gelegt, mit zwey ausgefütterten baumwollenen Decken und einem Kissen,— das gewöhnliche Bett in ganz Crie- chenland.— In dem Wohnzimmer bemerkten wir eine marmorne Nische, die, wie der Alte sagte, sonst mit Büchern und Papieren angefüllt gewesen, welche sich jetzt in einem groſsen Schifferkoffer in dem Cabinette befanden; er war offen, allein wir hielten uns nicht für be- rechligt, den Inhalt zu untersuchen. Auf dem lor abe daum elche von esetzt Bau- a,— a der ische nir- de zu eine zwey einem Grie- rkten r Alte gefüllt roſsen 1; er ür be- if dem 135 Tische in der Nische lagen Voltaire's, Shakspeare’s. Boileau's und Rousseau's sämmtliche Werke;— Volney'’s Ruinen der Reiche, Zimmermann in deutscher Sprache, Klopstock'’s Messias, Kotze- bue'’s Novellen, Schiller's Räuber, Milton's ver- lornes Paradies, eine italiänische Ausgabe, ge- druckt zu Parma 1810, mehrere kleine Schrif- ten aus griechischen Pressen zu Koustantinopel, aber kein englisches Buch irgend einer Art.— Viele dieser Bücher waren voll Randanmerkun- gen mit einem Pinsel geschrieben, in italiäni- scher und lateinischer Sprache. Der Messias war überall beschrieben und mit Papierzeichen ver- sehen, worauf sich ebenfalls Bemerkungen be- fanden. Der alte Mann sagte: Der Herr hat in diesen Büchern noch den Abend zuvor gelesen, ehe er abreisete, und nur vergessen, sie zu den andern zu stellen; aber, setzte er hinzu, sie müssen hier liegen bleiben, bis er wieder kommt; er ist ein sonderbarer Mensch, wollte ich nur das 136 Geringste ohne seinen Befehl verrücken, so könnte er eine ganze Woche böse auf mich seyn; sonst ist er sehr gut. Ich leistete ihm einmal einen Dienst und dafür habe ich nun den Er- trag seiner Meierey, dafs ich sie verwalte, aus- genommen 2o Zechinen, die ich einem alten Armenier zahle, der in einer kleinen Hütte im Walde lebt und den der Herr einst mit von Adrianopel brachte, ich weiſs nicht aus welchem Grunde.— Von aussen sahe das Haus recht hübsch aus. Der Säulengang an der Vorderseite war funfzig Schritte lang und vierzehn breit, die cannelirten marmornen Pfeiler mit schwarzen Unterplatten und hohlgearbeiteten Cornichen(wie es jetzt in Griechenland Mode ist) waren beträchtlich hö- her als das Dach. Dieses aber, umgeben von einer leichten steinernen Balustrade, war mit einem feinen türkischen Teppiche bedeckt, un- ter welchem noch eine schlechte Leinwanddecke lag.— Die meisten Dächer der Häuser sind so 137 eingerichtet, weil die Griechen auf denselben jhre Abende mit Tabackrauchen, Weinirinken (2z. B. Lacrymä Christi), Früchteessen und im Genusse der Abendkühle zubringen. Links beym Eingange des Hauses glitt ein Bach dahin; Weinstöcke, Orangen und Linden wuchsen dicht an seinen Ufern empor, und un- ter dem Schatten zweyer groſser Myrtenbäume stand ein marmorner Sitz mit einer hölzernen Lehne, worauf, wie uns der Alte sagte, der Herr manche Abende und Nächte bis um 12 Uhr lesend, schreibend und im Selbstgespräche zu- zubringen pflegte.—«Ich vermuthe," sagte der Alte, zer betete; denn er ist sehr fromm und besucht, ausser Sonntags, unsere Kirche immer zweymal in der Woche.“— Die Aussicht von diesem Silze war, was man eine Vogelperspec- tre nennen möchte. Eine Reihe üppiger Wein- gärten leitet das Auge zu dem Berge Calcla, der, mit Oliven und blühenden Myrtenbäumen be- deckt, auf seinem Cipfel einen alten griechi- 138 schen Tempel in majestätischen Ruinen trägt. Ein kleiner Flufs rauschte in mehrern Fällen von den Trümmern herab, bis er sich in dem Gebüsche am Fuſse des Felsens verlor. Die spiegelglatte See und ein von keinem Wölkchen beschatteter Horizont, schlossen die Aussicht von vorn; ein wenig links erblickte man durch die Stämme von Wallnufsbäumen und Palmen mehrere kleine Eilande, welche auf den blauen Wogen wie smaragdene Flächen schimmerten. Selten hatte ich eines so reizenden Anblicks genossen; all unser Forschen aber nach dem Namen der Person, welche diese romantische Einsamkeit bewohnt hatte, war vergebens; kei- ner wulste seinen Namen, ausser Dominique, sein Banquier, der sich nach Candia begeben hatte.— Der Armenier,“ sagte unser Führer, könnte etwas sagen, aber ich weiſs gewiſs, er wird es nicht thun.“— Und könnt ihr's denn nicht, alter Freund, fragte ich ihn.—«Könnt ich's auch," erwiederte er, uso wagte ich es -9— doch Arme kehr zelne hatte sel ei mit i dem und b ben d ein n verlor chisch uns, seltsar Einen alter hatte. der m ren ge einem rägt. ällen dem Die chen sicht urch men auen rten. licks dem sche kei- que, eben hrer, „Ber denn önnt' h es 139 doch nicht.“— Wir hatten keine Zeit, den Armenier zu besuchen, allein bey unserer Rück- kehr nach der Stadt erfuhren mir mehrere ein- zelne Züge von dem einsam lebenden Lord. Er hatte bey seiner letzten Anwesenheit auf der In- sel eilf junge Mädchen ausgestattet und selbst mit ihnen bey ihrer Hochzeit getanzt. Er gab dem eine Kuh, jenem Pferde und Baumwolle und Seide den Mädchen, welche von dem We- ben dieser Stoffe leben. Er kaufte einem Fischer ein neues Boot, der das seine in einem Sturme verloren hatte, und gab armen Kindern oft grie- chische Bibeln. Mit einem Worte, er erschien uns, so viel wir von ihm hörten, als ein zwar seltsamer, aber sehr wohlwollender Charakter. Einen Umstand erfuhren wir noch, den unser alter Freund in dem Landhause verschwiegen hatte. Er hatte eine sehr schöne Tochter, mit der man den Lord oft an der Seeküste spazie- ren gehen sahe, und er lehrte sie die Musik auf einem Fortepiano, das er ikr gekauft hatte. 140 Dies war alles, was wir bey unserer Abreise von der friedlichen Insel Mitylene erfahren hat- ten.— Unsre Phantasie verlor sich in Vermu- thungen, wer wohl dieser in Griechenland her- umstreifende Mann seyn möchte. Daſs er Geld hatte, war offenbar, und alle seine Einrichtun- gen deuteten auf eine ganz besondere Natur.— Als wir nach Palermo kamen, wurden alle un- sere Zweifel zerstreut. Wir machten Bekannt- schaft mit Herrn Foster, einem Mäündel von Wyatt's, der Aegypten und Griechenland durch- reiset hatte. Der Mann, der Sie so lebhaft interessirt,“ sagte er,«ist Lord Byron; ich traf ihn auf meinen Reisen auf der Insel Tene- dos und besuchte ihn nachher auf Mitylene.— Damals hatten wir noch nichts von diesem be- rühmten Lord gehört, da wir mehrere Jahre von Hause abwesend gewesen waren; allein als uns«Childe Harold“ in die Hände gekommen war, erkannten wir auf jeder Seite die Einsam- keit von Calcla.— Wir bedauerten es nun sehr dem ren; künf inde füllt ich Lord läum als e Sang Kum höhe aber Geſü Gedi seine fühl Hand Einsz ein( 141 sehr, dafs wir bey unsern Nachforschungen in dem Landhause nicht sorgfältiger gewesen wa. ren; doch tröstete uns der Gedanke, dafs wir künftig wieder nach Mitylene kommen würden; indefs wird diese Hoffnung nun wohl nicht er- füllt werden.— Ich theile dieses alles mit, weil ich es für nicht uninteressant halte, und um des Lords guten Namen zu retten, der so sehr ver- läumdet worden ist. Man hat ihn beschrieben als ein gefühlloses Wesen, abgeneigt allem Um- gange mit Menschen, unbekümmert, ihren Kummer zu lindern, oder ihre Freuden zu er- höhen.— Aus den erzählten Anekdoten geht aber grade das Gegentheil hervor. Alle feineren Gefühle des Herzens, wie sie sich in des Lords Gedichten so herrlich ausprägen, scheinen in seinem Busen zu leben. Zärtlichkeit, Mitge- fühl und Wohlthätigkeit scheinen alle seine Handlungen zu leiten; ja, seine Neigung zur Einsamkeit und Entfernung von der Welt, ist ein Grund mehr, zu glauben, dafs Religion in 142 seinem Herzen wohnt und allgemeines Wohl- wollen sein ganzes Wesen durchdringt.— Kein Engländer wird die vorhin erzählten guten Züge lesen, ohne einen heimlichen Stolz zu fühlen, sein Landsmann zu seyn.— In Hinsicht seiner Liebschaften und Vergnügungen wage ich es nicht, eine Meynung zu sagen. Bey Nachrich- ten, die gegen die Moralität eines Menschen gerichtet sind, mufs man behutsam seyn und nur der, welcher sich getraut, ohne Fehler und Vergehungen vor dem Richter zu erschei- nen, der uns alle einst vor sich laden wird, mag die Verirrungen seiner Mitgeschöpfe streng beurtheilen.— Lord Byron'’s Charakter ist sei- nes Genie's würdig. Gutes thun im Stillen und den Beyfall der Welt verachten, ist das sicherste Zeugniſs eines tugendhaften Herzens und eines ruhigen Selbsibewufstseyns. 1 Vohl- Kein Züge ihlen, einer ch es hrich- schen und Lehler schei- wird, streng st sei- Suillen st das erzens ———— ————— —“ —