— Leihbibliv hek deutſcher, engliſcher und franzöſ ſiſcher Literatur von Eduard Oktmann in Sieien, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 25 Leih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Eun pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepre Bei Rücige be eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 f. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. . Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem W Jerthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:; für obchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— auf 1 Monat: 1 Mk.—— Pf. 1 Mt. 59 Pf. 2 Mk.— Pf. Auswärtige AKonnenten fhabrn für Hin⸗ und Zurückſendung der Bawer auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Nach mehrern nur Einzelnes umfassenden Ueber- setzungen von Lord Byrons Childe Harold wagt der Schreiber dieses hiemit eine Verdeutschung des Ganzen herauszugeben*). Zur Unterneh- 8 *) Den ersten und zweiten Gesang seiner Uebersetzung hat Herr Witthaus vor der Hand noch in seinem Pulte zurück- behalten, weil, da er den Verlegern' seine VI mung derselben wurde er durch verschiedue di Beweggründe, die nicht hieher gehören, unter h andern durch die Aufforderung in der Urania be veranlaſst; doch verhinderte ihn die beschränkte te Zeit(es war der Tag vor Ostern vorigen Jahrs, g als er damit anfing), seine Uebersetzung an 3 w — er Handschrift antrug, diese jene beiden Ge- d. sänge, von Aug. Schumann übersetzt, es bereits in die Druckerei gegeben hatten; der gleiche Versbau, der Wunsch, dieses 36 Gedicht möglichst bald vollständig zu lie- 4. fern, und Hindernisse, die dem Ueber- 5 B I1 setzer der beiden ersten Gesänge hinsicht- 86 lich der schnellern Beendigung sich ent- 3 gegen stellten, haben die Verleger be- stimmt, die nicht gewöhnliche Erschei- 6 nung eines Gedichts zweier Uebersez- 1 e zer zu begünstigen. VII die Redaction derselben einzuschicken. Anfang⸗ hatte er blos den ersten Gesang zu übertragen beschlossen; nur die anerkannten Schwierigkei- ten einer solchen Arbeit und ihr daraus fol- gender Werth trieben ihn, das Begonnene, wenn irgend möglich, zu beendigen, zumal da er durch seine äuſsre Lage an der Verfertigung des Eignen verhindert wurde. Schwerlich gibt es aber eine bessere Vorbereitung zur Schaffung selbständiger Werke, als die Uebersetzung eines ausgezeichneten Schriftstellers. Und wie sehr Byron wenigstens diesen Namen verdiene, ist schon lange allgemein anerkannt worden. Alle seine Werke charakterisiren mehr oder weniger eine wohllautende Sprache, ein edles Gemüth, eine unerschütterliche Kraft, ein zartes Gefühl, eine Fülle der schönsten und erhabensten Ge- danken, und eine unverkennbare Originalität sowohl in Form als Gehalt— eine Originalität, d die, in seinen herrlichen Anlagen begrändet, 21 durch seine Schicksale noch mehr befestigt wur- de, indem diese zu öfterer Einkehr in sich selbst ihn nöthigten. Wie so viele ausseror- 4 dentliche Naturen, wurde nämlich auch er durch leidenschaftliche Jugend zu groſsen Verirrungen fortgerissen; aber je entehrender diese für ihn waren, um so schrecklicher war auch sein Er- wachen: härter als gewöhnlich strafte ihn die Verachtung der Aussenwelt und der Vorwurf* seines gekränkten, edlen Geistes. Das Gefüb! der Reue erweckte darauf in ihm den Gedan- ken, das Schimpfliche einer solchen frühern Verblendung und ihre unglücklichen Folgen im Childe Harold darzustellen(s, des Verfassers IX Vorrede gegen das Ende), um dadurch die an der Menschheit begangnen Frevel gleichsam ab- zubüſsen*). Doch nicht blos warnen, auch *) Nur einen Beweis, wie boshaft der Neid 1 und wie neidisch die Bosheit seyn könne, liefert die neuliche Beschuldigung von Lord Byrons Plagiaten. Gewifs nicht jeder groſse Schriftsteller, der es nicht für unter sei- . ner Würde hielt, eines andern Gedan- ken zu borgen, bekennt so aufrichtig wie 2 4 er, wem er ihn danke. Daſs er manche 1 5 seiner Reflexionen nicht Schiller und Wie- 1 land geraubt habe, wird der Deutsche ihm 4 bezeugen; dafs er sie nicht aus den Wer- ken der Frau von Staél geschöpft habe, 6 widerlegt ihre eigne Erklärung, wie sie n durch Lesung von Byrons Erzeugnissen zu ermannen und erheben wollte er durch seine Dichtung; und schildert er in der Zeichnung des Childe Harold die Gefahr, in welcher er selbst zum Theil früher schwebte, so bewies er durch ein besonnenes Zurückziehen aus der Zerstreuung der Welt, durch seine Zuflucht 5 zur Philosophie, durch seine zwar nicht mysti-— sche, aber so gern glaubende Religiosität, durch seinen Zorn gegen das Schlechte und seine Freu- de am Moralischschönen, durch seine Erhebung den ihrigen aufgeregt worden sey. Daſs übrigens zwei Schriftsteller, ohne von ein- ander zu wissen, denselben Gedanken bei- nahe auf dieselbe Weise ausdrücken kön- nen, ist eine bekannte Thatsache. zum Idealischen, durch seine rege Theilnahme am Wohle seines Vaterlandes und der Mensch- heit, durch seine fast schwärmerische Anhäng- lichkeit an die Natur, durch seine Treue gegen Freunde, durch seine zärtliche, wenn gleich verkümmerte Liebe als Kind und Gatte und Vater, und überhaupt durch seinen beständig ausgesprochenen Sinn für alles Vortreffliche, wie der sich fast für verloren haltende Mensch zur angebornen Würde sich wieder läutern und emporringen könne. Hierin besteht der Unterschied zwischen Childe Harold und dem Dichter desselben, hierin die Moral seines Liedes. Ist es zwar unleugbar, daſs bei einem Manne von seinen Anlagen und seiner Sehnsucht nach Unsterb- XII lichkeit es nicht erst seiner Schicksale bedurft 3 hätte, um ein solcher Mann und Dichter zu werden, daſs einen edlern Schwung ihm die Gefahr gegeben hätte, welche stets, wie Schil- ler schon so früh sang, um der Gröfse Adler- 58 flügel sich windet, daſs seine Kraft sich freier 5 entfaltet hätte, wenn kein Mehlthau auf die Blüthe seiner Jahre gefallen wäre: so kann uns dies doch nicht abhalten, mit den Britten sei- nen«göttlichen Geist» zu bewundern und ihn zu den Herrlichsten unsers Geschlechts zu zäh- len*). *) Eine ausführliche Beurtheilung Lord By- rons und seiner Werke enthalten des Herrn Obergerichts-Advokaten Jakobsen Briefe u. s. w. Altona, 1820. XIII Dals nun bei einer Verdeutschung von Lord Byrons klassischem Werke, das er selbst sein vorzüglichstes nennt, der Uebersetzer nur das Beste und Höchste zu erreichen strebte, das war er dem Publikum, der Ehre des Verfassers und seiner eignen schuldig. Er hat daher das Kraftvolle wie das Zarte, das Erhabene wie das Einfache, das Stürmische wie das Friedliche, das Erschütternde wie das Sanftrührende, das Verherrlichende wie das Tadelnde so treu und klar und rein wie möglich wiederzugeben ge- sucht; daſs er nicht weniger als der Dichter auch auf die Nebensache treuen Fleifs gewandt, und die gröfsern Ansprüche der deutschen Spra- che, als der englischen, in Hinsicht der Pro- sodie ernstlich berücksichtigt habe, werden ge- XIV rechte Richter nicht verkennen. Beibehaltung.« männlicher Reime war(ausser wo der Verfasser in zum Ausdrucke des Lieblichen, Ernsten und m. Würdevollen sich der weiblichen bediente, wie le er sie z. B. so treffend in seine israelitischen ſa Gesänge verwob), dabei unerläſsliches Erfor- ¼ dernifſs, weil durch Abwechselung mit weibli- ke chen durchaus die Kraft des Gedichts zu mild vo und der ernste Gang der Spenserschen Stanze 4 3. zu sehr aufgehalten wird; und obgleich ich 4: selbst beinahe anfangs an der Ausführbarkeit dieses Gesetzes verzweifelte, so hat doch län- gere Uebung und Erfahrung mich gelehrt, daſs sie sehr möglich und leichter und unsrer Spra- che angemessener sey, als eine Verdeutschung wi Reimen.— des Petrarcha in blos weiblichen XV «Childey habe ich nach vieler Ueberlegung auch im Deutschen beibehalten; es schien zweck- mäſsiger, als«Kindo und«Herrꝰ und«Ritter;“ letzteres mufste schon des Verses wegen weg- fallen. Endlich werden noch wegen der Einsylbig- keit der englischen Sprache einzelne Freiheiten vorkommen, z. B. roch» für«rächte,“(Ges. 3. Stanze 19.)«Schatte“ für Schatten(Ges. 4. Stanze 179.), ob für über; vielleicht gilt von ihnen, was Wieland über die Wörter Gaum und Gaumen“» gegen Adelung im 2. Theile seiner Uebersetzung von Horazens Saty- ren sagt, dafs nämlich der Gebrauch des einen wie des andern statt finde, je nachdem man einsylbige oder zweisylbige Wörter brauche; wie dem auch sey, 80 hofft der Uebersetzer wenigstens für diese auf die Nachsicht des Le- sers, da auch bei dem standhaftesten Willen die Sprache einmal dunüberwindlich“ pleibt. Osnabrück, den 23. April 1821. J. L. Witthaus. gerfahr k. Dritter Gesang. Afin que cette application vous forcãät de pen- ser à autre chose; il ny a en vdrité de re- mède que celui- là et le temps." Lettre du Roi de Prusse à d'Alembert, Sept. 7, 1776. V222—— ℳMu nnnnnn Dritter Gesang. 1. Mein schön Kind, A dal gleichst der Mutter dup Alleinz'’ge Tochter für mein Herz und Haus! Mir lächelte dein jung blau Auge zu, Als jüngst ich schied; mit Hoffnung zog ich aus, — Nicht so, wie jetzt wir scheiden.— Mit Gebraus Aufstarren um mich her die Wasser; hoch Erwacht der Windsbraut Ruf; ich zieh' hinaus; Weiſs nicht, wohin; jedoch die Stund' entflog, Wo Lust und Leid mein Aug' von Albion fern noch sog. Noch einmal, ja nochmal Lebwohl dem Strand! Gleichwie ein Roſs, das seinen Reiter sieht, Grüſst mich die Fluth. Willkommen ihr Ge- brand! Schnell sey ihr Lauf, wohin sie mich auch zieht. Ob der zerschellte Mastbaum ächzt wie Ried, Der Leinwand flatternd Tuch die Luft zerzaust: Fort mufs ich, wie auf Ocean's Gebiet Vom Fels geschleudert fort die Ranke saust, Wohin die Woge fegt, des Sturmes Fittlg braust. 3. In meiner Jugend Sommer sang ich Ihn, Den ächtend traf sein eigner düstrer Sinn; Aufs Neue folg' ich ihm in seinem Ziehn, Die Sage trag ich mit mir, wie dahin Der Sturm die Wolke trägt; ich finde drin Des Grübelns Furchen, trockner Thränen. Gleis, Fittig lrin Gleis, 5 Das, flieſsend ab, läſst Dürre zum Gewinn, Wo dann durchmühn die Wanderjahr' im Schweifs Des Lebens letzten Sand— wo prangt kein Blüthenreis. 4. Seit glüh'nder Jugend Freud' und Schmerz, verlor Wohl Herz und Harf' auch einer Saite Klang; Vielleicht, daſs Beides schwirrt, dafs wie zu- vor Zu singen ich seitdem vergebens rang. Doch wähl' ich diesen, wenn gleich düstern Sang, Der mich kein undankbares Thema deucht, Ob jeden sonst, sobald es ihm gelang, Daſs er Vergessenheit in mir erzeugt, Dafs eignen Harms und Glücks schwermüth'gen Traum er scheucht. 5. Wen That, nicht Zeit, in Lebens Tiefen rief, Wer so gealtert in der Welt der Qual, Daſs sein kein Wunder wartet, dafs ihn tief Lieb', Ehrsucht, Ruhm, Schmerz, Streit nicht noch einmal Durchbohren können mit dem scharfen Stahl Des stillen, bittern Duldens; er sieht ein, Warum Gedanke Höhlen sucht, so kahl, Doch wo Gestalten, luft ger Bilder Reih'n Steis ungeschwächt, ob alt, durchziehn der Seele Schrein. 6. Zu schaffen dann, zu leben schöpferfroh Ein angestrengter Seyn, drum kleiden wir In Form ein Bild, gewinnen, gaben s0 Wir ein erdichtet Leben, wie ich hier. Was bin ich? Nichts; doch so ist's nicht mit dir, 7 Geist meines Denkens, der mit mir durch- schwärmt Die Erd' unsichtbar, aber klar in mir, Wenn dein Hauch mich beseelt; von dem er- wärmt, Ich fühl', auch wenn sich ganz mein arm Ge- fühl zerhärmt. 7. Doch mufs ich denken minder wild;— zu schwarz, Zu lang hab' ich gedacht, bis mein Gehirn Im eignen Strudel kocht und trieb; da ward's Ein Golf, drin Flamm' und Phantasie sich wirr'n. So, ungelehrt noch jung mein Herz zu kirr'n, Quoll in mein Leben Gift. Es ist zu spät! Ein andrer bin ich; doch nicht fehlt's der Stirn An Kraft, zu tragen, was nicht Zeit wegmäht, Zu kosten bittre Frucht, die Schuld nicht aus- gesä't. 8. Doch schon zu viel davon: aus ist es jetzt, D Es schloſs der Vers, er sey's auch, der mich kühlt. V Lang fern, zeigt wieder Harold sich zuletzt, P Er, dessen Brust so gern nicht mehr gefühlt, B2 Wo Schmerz, nicht tödtlich, doch unheilbar wühlt. Doch Zeit, allwandelnd, hatt ihn umgewandt An Scel' und Leib, wie Jahren; Alter spült Fort Geistes Gluth, wie'’' Kraft der Glieder Ge bannt; Sic Und Lebens Zauberbecher funkelt nur am Rand. Un Un 9. bs Der seinige war ausgeleert zu schnell, Da Und Wermuth war die Hef'; er füllte zwar Zur Auf heil'germ Grund ihn dann aus lautrerm W Quell, An Und wähnte jetzt, sein Born rinn' immerdar. zt, mich letzt, ühlt, heilbar wandt pült Plieder Rand. Ewar ut'rerm erdar. Doch eine Kett' umdröhnt' ihn unsichtbar, Die schwer und schmerzlich lastet, doch nie . klirrt Und ewig scheuert, sichtlos fesselnd zwar; Die martert, doch nie spricht und schärfer wird Bei jedem Schritt, mit dem er manchen Raum durchirrt. 10. Gehüllt in Kaltsinn, hatt' er seiner Art Sich neu gesellt im Traum der sicherheit, Und wähnte seinen Geist so fest verwahrt, Umgürtet so mit Unverwundbarkeit, Dafs, wenn nicht Glüäck, so laur' auch jetzt kein Leid, Dafs er, o guter Plan! auf neuer Spur, Zum groſsen Schwarm so unbemerhkt gereiht, Wohl fände, was er dort auf fremder Flur An Wunderwerken fand von Gott und der Natur. 11. Doch wer kann reif die Rose schau'n, der nicht sie trüge gern? wer kann in seinem Glanz Mit Wonn' ansehn ein lächelnd schön Gesicht, Der nicht auch fühlt, alt wird das Herz nie ganz? Wer kann gewahren, wie der Ruhm den Kranz Aus Wolken hält, der gäh' nicht klimmt' hinan? Noch einmal rifs im krausen Wirbeltanz Zum Strudel Harold Zeit in ihrer Bahn; Nur edler war sein Ziel, als da sein Lenz be- sann. 12. Doch bald hielt er's für unausführbarlich, Zu weiden mit dem Menschen; ihm verflocht Ihn wenig, weil sein Sinn vor andern sich Noch nie gebeugt, und jung sogar vermocht, Zu zwängen seinen Geist; nie unterjocht, 11 Wollt' er nicht, daſs sein Herz sich knechtisch wand icht Vor Geistern, gegen die es laut gepocht; Noch in Verwüstung stolz, die in sich fand ht. Ch Ein Leben, welches ohne Menschen auch em- nie pfand. 43. Wo Berge ragten, Freunde grüſst' er dä; Wo Ocean rollte, fühlt' er sich zu Haus; Wo blaue Himmel, glüh'nde Land' er sah, Da hatt' er Lust und Macht, zu ziehn hinaus. Wald, Höhl' und Wüst', und Oceans Ge- braus, Sie waren ihm Gesellschaft, sprachen ihn ocht Mit reinern Sprachen an, als Schriften aus h Der Heimath, und Natur schien vorzuziehn cht, Mit schön verglas'tem Buch, wenn Sonn' im See erschien. 14. Chaldäern gleich wacht er' bei Sternen, bis Vis Er sie bevölkt mit Wesen, stralend so Wie ihre Pracht;— die Erd', ihr Aergernils Und Menschenschwächen dann vergaſs er froh. Mit Beglückt, wenn immer nur sein Geist so floh! Faſ Doch dieser Staub zog ihn aus sel'ger Luft Die Herab, ihn neidend und die reine Loh, Und Zu der er stieg, als bräch' er so die Kluft, Zwa Die uns vom Himmel itrennt, defs Saum hin- Das auf uns ruft. 15. Doch wenn zu Menschenwohnungen er kam, Ward rastlos, müd' und matt er, fühlte Pein, Gleich wildem Falken, der, jetzt Flügellahm, Sonst heimisch war in freier Luft allein. Noch einmal drängt es ihn, sich zu befrei'n; Sieh! wie der Vogel scharf die Brust zerbeiſst Und wild pickt auf den Drath des Kerkers ein; is erniſs froh. floh! 13 Bis Blut die Federn färbt: so auch zerreiſst Die Brust ihm Gluth, die in gepreſster Seele kreist. 16. Mit keiner Hoffnung, doch mit minderm Graus Fafst selbst gebannt er neu den Wanderstab; Die sichre Kenntniſs, alles sey jetzt aus, Und daſs er leb' umsonst diesseits dem Grab, Zwang der Verzweiflung selbst ein Lächeln ab, Das, obgleich wild— wie, wenn ein Wrak ist leck, Die Mannschaft unwirsch blickt zum Schlund hinab, Und taumelnd zecht auf sinkendem Verdeck— Ihn doch mit Muth durchdrang, den er nicht scheuchte keck. 17. — denn auf eines Reiches Staub trittst du! Halt! 14 Verscharrt ist Raub dort eines Erdendrucks! Ruft dies kein kolossal Brustbild uns zu P Nicht Siegessäule voll Triumphesschmucks P Nein, einfacher lehrt die Moral uns flugs: Was war der Grund, das bleib' er unentstellt;— Seht, wie die Aerndt' nach blut'gem Regen wuchs! Isr's dies blos, was durch dich gewann die Welt, Du Königmachend, erst und letztes Siegesfeld? 18. Und Harold steht auf diesem Schädelraum, Wird Frankreichs Grab, wird Waterloo gewahr! Wie in der Stund' oft nimmt die Macht, die kaum Noch gab, und Ruhm verleiht so wandelbar! Im«Stolz der Höhe“ flog hier jüngst der Aar, ¹) Mit blut'ger Krall' im wunden Plan dann lag 15 Er da, durchbohrt vom Pfeil der Völkerschaar; Umsonst der Ehrsucht Leben, Müh'’n! Mit Schmach Trägt er entflogne Ring', als die Weltkette brach. 19. So recht, Vergeltung! Gallia schäum' im Joch„ Käu' ihr Gebiſs;— doch Erd' ist mehr sie frei P War's Völkerkampf, der sich an Einem roch, Ob Bund für aller Herrscher Tyrannei ⁵ Wie! wach auf's Neu' soll werden Sklaverei, Der hellern Tage aufgestutzt Idol? Wie! brachen wir des Löwen Macht entzwei, Zu huldigen dem Wolfp und hnechtisch hohl Zu knien vor Thronenb Nein! prüft, eh ihr *. 11 preiset, wohl! 126 20. Wo nicht, nicht jauchzt, weil Ein Despot ſiel, mehr! Umsonst dann schöne Wang' einst heiſs be- zährt Europa's Blüthen wegen, welk, eh er Stampft' ihre Weingefild'; umsonst ernährt Sind Furcht, Tod, Oed' und Knechtschaft, die gewährt Manch langes Jahr, bis all' ein Sturm zerklaubt Von Millionen; was zumeist verklärt Den Ruhm, ist, wenn die Myrth' ein Schwert umlaubt, Wies schwang Harmodius auf Athens Tyran- nenhaupt. 2) 21. Des Jubels Töne rauschten durch die Nacht; Die Hauptstadt Belgiens lud zum Fest heran Despot ils be- hrt ft, die rklaubt V Bchwert Tyran- 17 Die schön' und Ritterwelt, und Lampenpracht Schien auf die holde Frau, den tapfern Mann. In tausend Herzen wogte Glück; und wann Musik sie schwellte, wonnigsüfs und traut: Sah Aug' und Aug' sich Liebelächelnd an; Und froh war alles wie am Fest der Braut. ³) Doch still! horch! dumpf tönt's da, wie Tod- tenglockenlaut! 22. Ihr hörtet's nicht?— Nein, das war Windes- stofs, Ob Wagenrasseln auf dem stein'gen Grund; Tanzt ſort! Vergnügen walte Schrankenlos; Kein Schlaf vor Tag, wenn Jugend, Freud' im Bund Die glüh'nden Stunden jagen fliegend rund!— Doch horch!— noch einmal dröhnt der Hall so schwer, Als rief sein Echo nach der Wolken Schlund; 24. B Und wahrer, klarer, tödilicher, als der! Ja! ja!— Kanonendonner ist's— zur Wehr! zur Wehr! 23. In jener hohlen Hall' am Fenster stumm Safs Braunschweigs Fürst, gebeugt vom Schick- sal tief; Zuerst hört er den Hall im Festgesumm, Der wie mit Todesahnung ibn durchlief. Und, ob verlacht, als er's für nah' ausrief, Sein Herz verstand den Ton, von dem durch- kracht, Sein Vater auf der blut'gen Bahr'’ entschlief, Der Rache, die nur Blut kühlt, angefacht; Er rauscht' in's Feld und fiel, vorkämpfend in der Schlacht. Ach! da und dort war Hurrah, kreuz und quer, Und Thränenflieſsen, zitternd Wehgeklag, 19 Ganz bleiche Wangen, drauf noch kurz vorher br Bei ihrer Anmuth Lob Schamröthe lag; Und dort scholl plötzlich manch Lebwohl, das brach Manch junges, warmes Herz und Aechzen, traun Wohl niesmehr ausgestoſsen; wer versprach, ick Ob je sich würden neu die Augen schau'n, Da auf so süſse Nächt' es tagte so voll Grau'nb 2 Und dort brach's auf in heiſser Hast; das Roſs, Die rüstige Schwadron, des Karr'ns Gekrach f, Ergoſs sich fort mit Sturmeseil' und schlofs 5 Den Kriegesreih'n sich an, geordnet jach; d in Und fern der tiefe Donner, Schlag auf Schlag, vereint Und nah die Trommel rief, eh Der Morgenstern, die Krieger lärmend wach; Indefs die Bürger rannten „Angstversteint kommt! luer, Und zischten, blafs die Lipp':—«Er Der Feind! Der Feind!“ . — Und Kamerons Schaar heran!" klang's wild und hock! Die Losung Lochiells, die einst Albions Feld 4 Und auch der Sachsen feindlich Heer durch- Ei flog:— 5 Hi Wie in der Mitternacht der Pibroch gellt So wild, so rauh! Doch jener Hauch, der schwellt Ihr Bergrohr, rief der Berge Söhn' hervor; Und jeder kam, wie ein geborner Held: So mahnt sie tausendjähr'ger Väter Chor, Und Evan's 4), Donald's 5) Ruhm füllt jedes Enkels Ohr! 27. Und der Ardennen Laub wogt grün, bethaut 4) Von Thränen der Natur, hoch über sie; Mit Schmerz, wenn je Seelloses Schmerz fühlt, schaut, Es auf die Braven, die heimkehren nie. Ach wohl vor Abend schon zertreten, wie Das Gras jetzt unten, doch das oben bald Auf ihnen wächst, wenn diese Tapfern, die Ein Feuerstrom, von Hoffnung hoch durch- wallt, Hinrollen auf den Feind, dort modern tief und kalt. 28. Sie sah der Mittag lust'gen Lebens voll, Stolz froh sie Abend in der Schönen Kranz, Um Mitternacht war's, wo der Kampfruf scholl, Der Morgen d'rauf erschlofs den Waffentanz, Der Tag— die Schlacht in düsterprächtgem . Glanz! Drob hingen Donnerwolken, die, zersprengt, Mit anderm Staub die Erd' umhüllten ganz, Der lag auf ihrem Staub, gehäuft, gesengt, Roſs, Reiter— Freund und Feind— in Ein roth Grab gemengt! 29. U Wohl höh're Harl', als meine, pries ihr Lob, Doch wähl' ich Einen aus dem Hochverein, 1 Theils, weil sein Stamm mit meinem sich ver- wob, Theils, weil sein Herz durch mich gelitten Pein, Theils, weil sich Sänger grofsen Namen weihn. Und er war von den braysten: als geschauert V Tödtlichste Todespfeil' auf dünn're Reih'n, Da, wo der dickste Kriegssturm schon gelauert, 1¹ Fiel kein so Edler, als, du junger, wackrer 5 Howard! 30. Und Herzen ächzten, brachen blos für dich; Meins wäre nichts, hätt' ich zu geben dies. Doch als zum frischbelaubten Baum ich strich, Der lebend wogt, wo Leben dich verlieſs, Und zah das weite Feld, das neu verhiefs 23 Und trug so reiche Frucht, wie hell besonnt Des Lenzes Fittig Wonne keimen hieſs, Lob,. Die heitern Vöglein all' um's Haupt so blond: 4 88 Lieſs das ich suchte, die er bringen nicht ge- ver- konnt 7. litten 31. Ich suchte dich und Tausende, durch die, Und durch sie all' die Ihrigen, ihr Blut Ein Geisterspalt traf; und zu lehren sie Vergessenheit, wohl wär' es für sie gut. Trotz des Erzengels, trotz des Ruhms Klang, ruht, ch; Ihr Heifsersehnten! fort; ob euch verschönt Ps. Die Ehre; nie löscht' sie die Fiebergluth trich, Der eitlen Sehnsucht; stärker, hittrer stöhnt Die Klage nur, wenn Ruhm so eure Namen krönt. 32. Bis— Klage lächelt, lächelnd klagt zuletzt, Der Baum welkt, lang ch wir ihn fallen sehn; Der Rumpf treibt fort, sey Segel, Mast zerfetzt; Des Dachs Baum sinkt, doch seine Moder wehn Weiſs, massig durch den Hofraum; Trümmer stehn, Sind die Windmüden Zinnen lang verdorrt; Der Kerker bleibt, mag auch sein Fang ver- gehn; Der Tag bricht durch, ob Sonn' umwölkt der Nord: So lebt das Herz, das brach, auch noch gebro- chen fort. 33. Wie ein zerbrochner Spiegel, der, zerkracht, In jedem Bruch vervielfacht zeigt das Glas, VUnd tausend Bilder so aus Einem macht, Je mehr es brach, so mehr und stets nur das, Gar 25 So auch das Herz, das, wenn gleich Todesblafs, Noch fort, wie Trümmer, lebt, und still und ⸗ kalt Und blutlos mitseufzt, weint manch Aug' sich naſs, Dann fortwelkt, bis umher ist Alles alt, . Weil nichts mehr sichtbar ist, denn solches ist verhallt. 34. In der Verzweiflung giebt's ein Leben noch, Die— Lebenskraft des Gifts— die Wurzel ist, bro- Und todte Zweige; nährt ein Nichts jedoch, Wenn todt wir sind; doch du, solch Leben, ht, bist .. Dem Gram gemäſs, deſs Odem dich zerfriſst, Wie Aepfel, die gereift am todten Meer 8), Ganz Asche an Geschmack: So jemand miſst 26 Dies Daseyn nach Genufs, und zählt er her Die Stunden in den Jahren— sagt, nennt sechzig er? 35. Ext Des Menschen Jahre zählte der Psalmist: Du Es sind genug; und ist an die nichts Lug, Loosschwangres Waterloo! das ihm die Frist, So kurz nicht mal gegönnt, dann mehr als snug. Dich preist der Millionen Zungen Flug, Und so hallt's ihrer Kinder Lipp' einst nach:— Hier, wo verbundner Völker Schwert drein schlug, «Hier kämpften unsre Brüder an dem Tag!“ Und dies ist Viel, was all zu löschen Zeit zu schwach. 36. nennt.: 6 Dort sank der gröfste, nicht der schlechste Mann, Deſs Geist, sich widersprechend immerdar, Jetzt einer war der mächtigsten, und dann Am Kleinen festhing gleich unwandelbar. Extrem in Allem so! dein Thron, er war Noch dein, ob nie dein, liefst du mäſsiger; Durch Wagen stiegst und sankst du: jetzt so- g, gar rist, Strebst wieder du zu werden Aller Herr, hr als Die Welt zu schütteln als des Raumes Don- nerer! 37* Der Erd' Erobrer und ihr Knecht bist du! ag* Sie zittert noch vor dir; nie scheuchte mehr eit zu Dein wilder Name Menschen aus der Ruh, Als jelzt, da blos du Spiel des Ruhms bist, der 28 Wie ein Vasall um dich gebuhlt vorher, Geschmeichelt deinem Stolz; bis du gewagt, Selbst Cott zu seyn, obgleich du wohl so sehr Die schlaffen Königreich' all' aufgejagt, Die glaubten eine Zeit, was fest du zugesagt. 38. O, mehr als Mensch, kein Mensch! ob tief, ob hoch, Mit Völkern kämpfend, flüchtend aus der Schlacht; Der Schemel jetzt aus Herrschernacken bog, Drauf ärmer als dein ärmster Knecht, an Macht. Ein Reich hast du gestürzt, erbaut, bewacht; Und konntest nicht beherrschen deine Brust; Ob tief du drangst in Menschengeistes Schacht, Nicht dich durchschaun, nicht bänd'gen Krie- geslust, Nicht lernen, wie durch'’s Loos ein Stern hinab gemuſst. Doc Aus Die, Wie Als 1 Schw Mit s Als( Ihn So we Durcl 29 Mit stillem, alles duldendem Gesicht: Als Glück vom kahlen Lieblingssohne floh, s. Ihn beugte nicht der Schmerz, jetzt auf ihn lastend so. 39. D st, ſr Doch als der Strom sich wand, dein Geist zer- schmolz agt. Aus angeborner, inn'rer Weisheit nicht, Die, sey es Weisheit, Kält', ob tiefer Stolz, Wie Gall' und Wermuth stets den Feind durch- sticht. tief Als um dich stand der Groller Heer so dicht, b 2 Schwarz hütend, höhnend dich, du lachtest Jor froh 40. So weiser als im Gläck; dort trugst, erfrecht inab Durch Ehrsucht, du zu sehr den Spott zur Schau, Den Menschen und ihr Denken höhnt, mit Recht. Zwar weise war's, zu fühlen so, nicht schlau, Es stets zu tragen auf der Lipp' und Brau, Die zu verachten, die dich schufen groſs, Bis sie sich wandten, stürzend deinen Bau. Der Welt Gewinn, Verlust ist ärmlich blos, Das lehrst uns du und Jeder, der sich wählt solch Loos. 41. Wenn, wie auf einem steilen Fels ein Thurm, Allein du warest in der Höh', im Fall, Dann half dir trotzen Menschenspott dem Sturm; Doch Menschensinn war deines Tbrones Wall, Und ihr Bewundern Wehr dir überall. Du muſßstest gleichen damals Philipps Sohn, Nicht starr(warfst du nicht weg den Purpur all), Erd Doc Und Und Ihr 31 Diog'nes gleich, den Menschen nahn mit Hohn: mit Erd' ist zu groſs als Loch Cynikern auf dem lau Thron 9). . 42. 1. Doch Ruh ist rascher Busen Höllenpein; los,. Und dies war deine Qual; es giebt ein Glüh'n wählt Und Drängen in der Seele, der zu klein Ihr eignes, enges Seyn dünkt; sie will kühn Für, was hinaus der guten Mitt' ist, glüh'n; Und nie erlöschend, einmal angekerzt, Jagt sie nach hohen Fahrten, nie durch Müh'n, Blos matt durch Ruh, die sie wie Fieber herzt, aurm, Die arg den, der'’s erträgt, und all', die's tru- gen, schmerzt. turm; Wall, 43. * Dies macht Wahnwitzge, Andre füll'nd mit Wahn, Wie eine Seuch'; Erob'rer, Könige, 32 System- und Sektengründer, Staatsherrn sah'n Wir so, auch Weis' und Barden; all', die je Den Geist zu tief gereizt, wie Sturm die See; Selbst Gecken derer, welche sie geneckt, Beneidet, doch wie unter'm Neid! welch Weh Drückt sie! Würd' Eine Brust so aufgedeckt, Wohl würdest, Mensch, du dann von Glanz und Macht geschreckt. 44. Erschütt'rung ist ihr Hauch, ihr Leben ist Sturm, der sie trägt und dann hinab sie fährt, Doch so genährt und fromm erbaut vom Zwist, Daſs, wenn ihr Tag trotz der Gefahr fortwährt Und schmilzt zum milden Zwielicht; dann 8* durchgährt 4 Gram, Ueberdrufs ihr Herz, bis so es stirbt: Wie eine Flamm'’ erlischt, wenn nicht ge- nährt, sah'n die je e See; Weh deckt, Glanz ckt. 3³ Im eignen Flackern; wie ein Schwert ver- dirbt, Und rostend sich zerfriſst, wenn es um Ruhm nicht wirbt. 43. Wer auf Berg⸗Scheitel klimmt, der sieht zu- meist Die steilsten Höh'n in Schnee und Wolken stehn; Wer Menschen überragt und beugt, defs Geist Muſs nieder auf den Hafs der Untern sehn: Ob Ruhmessonnen auf hoch oben gehn, Und unten tief ruht Erd- und Oceans-Pracht, Um ihn sind eis'ge Felsen, laut umwehn Sein nacktes Haupt die Stürm' und wehn mit Macht, Und lohnen so den Müh'n, die ihn hinauf ge- bracht. 4 24. C 46. Hinweg mit diesem! ächter Weisheit Welt v Ist nur in ihrer Schöpfung,— oder dein, pe Mutter Natur! wer prangt so Fruchigeschwellt, Vn Als du, um deinen majestät'schen Rheinè Ke Ein Cottesgarten lädt dort Harold ein, Ein Schmelz von allen Reizen; Ströme, Seen, Frucht, Laub, Fels, Waldung, Kornſeld, Ber- ge, Wein, Herrnlose Burgen, die Lebwohl ernst wehn 4 Aus Mauern, grau, doch grün, wo laubig wohnt De 4 W Vergehn. Dort stehen sie, wie steht ein hoher Sinn, Morsch, doch dem niedern Haufen nicht ver- wandt; Ganz unbewohnt, blos Stürme hausen drinn, Oft düster ragend in das Wolkenland. hn wohnt 55 ½ Ein Tag war’s, wo, mit Bannern hoch am Rand' Und Schlachten tief, sie standen jung und hehr. Doch die gekämpft, hüllt blutig Grabgewand, Und die gewogt, sind öder Staub nunmehr: Kein künftger Schlag triſft noch die bleichen Zinnen schwer. 48. Um diese Zinnen, in der Wälle Mark, Der Macht und ihrer Willkühr Aufenthalt,, Wacht' um sein wehrhaft Schlofs der Raubherr stark, Uebr aus den bösen Sinn, von Stolz durch- wallt, Trotz ältrer Helden, gröſser durch Gewalt. Was ſehlt dem Raubgraf am Erobrerslauff ¹0) Blos, daſs in feiler Sag' sein Lob nicht hallt Ein weitrer Platz, ein Grab mit Prunk darauf? Sein Hoffen war gleich warm, das Herz so brav vollauf. 36 49. In Freiherrnfehden und im Zweikampf wie Viel tapfre Thaten starben unerzählt! Und Liebe, die den Schildern Wappen lieh Nach Bildern, wohl vom Liebesstolz gewählt, Clitt doch durch Herzen, so von Erz gestählt. Doch wild war ihre Flamm' auch und zog an Den scharfen Streit und Oede, nah vermählt: Oft sah die Burg, die ein schön Glück gewann, Wie unter ihrem Sturz der Rhein blutfarbig rann. 50. Doch du, entzückter, reichbegabter Fluſs! Deſs Wogen, wie sie fliefsen, Segen thau'n Auf Ufer, wo stets blühte Hochgenufſs, Liels nur der Mensch so deiner Schöpfung Au'n, Wagt’ er nicht, von der Flur die Frucht zu hau'n 39 Mit scharfer Streitessense; dann so hier Dein Thal mit süfsen Wassern sehn, hiefs 8 schau'n Den Himmel auf der Erde; und was fehlt dir, O Stromb— dafs du jetzt nicht erscheinst als Lethe mir. 51. Einst stürmten tausend Schlachten auf dich ein, Doch fort nebst ihrem halben Ruhm sind die; Hoch häufte Blutbad wälzend seine Reih'n, Dahin sind ihre Grüft', und was sind sieb? j Wusch ab dein Strom das Blut von gestern, ¹ wie h'n War alles rein! Verglasend Sonnenlicht Tanzt' auf der klaren Wogen Harmonie; Au'n, Nur schwarzer That mehlthauig Traumgesicht cht zu Rollt nicht dein Strom hinweg, wie er auch fegt und bricht. 38 In sich sprach Harold so, und zog entlang, Obschon er hier für das nicht fühllos blieb, Was früh die Vögel lud zum Wonnesang, In Thalen, selbst noch der Verbannung lieb. Ob seine Stirn mit Trauerschrift beschrieb Die düstre Ruh, die längst den Platz einnahm Der Gluth, die, nicht do streng, ihn mehr zerrieb, Doch wich nicht Freude stets vor seinem Gram, Sie kam auf solchen Au'n, doch ging, kaum daſs sie kam. 53. Auch floh nicht Lieb' ihn ganz, ob sich zu Staub Längst seine Leidenschaft zehrt' im Genuſs. Vergebens sehn wir kalt auf die und taub, Die uns anlächeln; ungre Seele muſs eb. nahm mehr 39 Hold lächeln gegen Huld: ob Ueberdrufs Den Weltling defs entwöhnt. Dies fühlt' er traut, Dacht'’ er so sanft, schickt' er so treuen Grufs Der lieben Brust, dran sein' oft aufgethaut, Zu der sein Busen oft voll Zärtlichkeit geschaut. 34. Und lieben konnt’ er jetzt— ich weiſs nicht wie P Bei solchem Sinn ist dies wohl Seltenheit— Hilflose Blicke blum'ger Kindheit, die In ihrem früh'’sten Keim ist; was so weit Ein Herz umschuf und zwang, d'rin Menschen- streit So tief gewurzelt, frommt zu wissen kaum; Doch war es so, und ob in Einsamkeit Der glüh'nden Triebe Macht bleibt wenig Raum, Stets glomm in ihm, wenn sonst auch nichts mehr glomm, der Traum. 40 53. Und Eine süſse Brust, so wird erzählt, War seiner Brust durch stärkres Band vereint, Als je sie knüpft die Kirch'; ob unvermählt, Aecht war die Lieb', und so von Trug gereint, Daſs sie erschütterte kein Erdenfeind, Dafs wankend nie, nur fester sie verband Gefahr, die sonst Frau'naugen angstversteint; Doch stark war dies', und von entferntem Strand Drang wohl in's Herz der Gruſs, den er ihr zugesandt. Der Drachenfels, gethürmt so wild 1¹¹), Starrt auf den weitgewundnen Rhein, Defs Brust vom Wasser wogend schwillt Um Uſer, wo sich rankt der Wein. Und Höh'n, in blüh'nder Bäume Glanz, 1 Geſiid', wo Traub' und Korn gedeih'n, 0 reint, hlt, reint, 4¹ Und um sie Städt' im bunten Kranz, Und drin der weissen Mauern Schein— Sie zaubern sine Scene hier, Mir doppelt lieb, wärst du bei mir! 2. Und Dirnen,— deren Aug' tiefblau— Früh Blumen bietend in der Hand, Gehn lächelnd durch die Himmelsau; Da droben stehn mit grauer Wand Oft Ritterthürm' im grünen Holz, Und mancher Fels mit gähem Rand, Und edler Bogen, modernd stolz, Sehn auf den weinbelaubten Strand; Doch Eins fehlt diesem Thal des Rheins, Dafs dein schön Händchen drücke meins! 3. Ich sende Lilien, mir geschenkt, Ob lang, ch deine Hand sie flicht, 42 Gewiſs sie welk ihr Haupt gesenkt, Jedoch verwirf darum sie nicht; Ich habe sie gepflegt mit Lust, Weil sie doch grüfsen dein Gesicht, Selbst dann zieh'n dein' an meine Brust, Siehst du, wie ihre Blüthe bricht Und weiſst, sie sind vom Strand des Rheins, Es sandte sie mein Herz an deins! 4· Es braust und rollt der Flufs so hehr, Der Reiz auf diesem Zaubergrund, Und tausend Wechsel rund umhber, Thun immer neue Schönheit kund; «Könnt' Lebenslang ich wohnen hier!» So spräche wohl der stolz'ste Mund; So theuer der Natur und mir, Birgt keinen Raum das Erdenrund, Säh' nur dein theures Aug', was meins Versüfsend noch dies Thal des Rheins! Kurz Zwei Du, Dem 43 56. Bei Koblenz, wo sein Grund sich hebt gar schön, Steht eine Pyramide, schmal und schlicht Und krönet der begrünten Schanze Höhn; Sin Auf Heldenasche ruhet ihr Gewicht, 8335 Zwar unsers Feindes;— doch dies hindre nicht, Zu ehren Marceaul auf deſs frühes Maal Des rohen Kriegers Thränen quoll'n so dicht, Betrauernd und doch neidend seine Qual, Der fiel für Frankreich, schwang für dessen Recht- den Stahl. 57. Kurz, brav und glorreich war sein junger Lauf,— Zwei Heere,— Freund und Feind stand Schmerz gerührt; Du, Fremdling, wünsche, wandernd hier hin- auf, Dem wackern GCeist die Ruh', die ihm gebührt; 44 Der Freiheit Fahne hat er treu geführt, Der Seltnen Einer, welchen nicht versteint Ihr Ruf zu züchtigen, wozu sie kürt Den, der für sie sich waffnet; stets gereint Hat er sein Herz, drum ward von Männern er beweint ¹2). 58. Und Ehrenbreitstein ¹³) mit gestürztem Wall, Schwarz von der Minen Loh auf Felsenwand, Zeigt noch, was da sie war, als Bomb' und Ball Abprallend, fruchtlos ihre Stärk' umbrannt; Des Sieges Burg! von wo der Feind gebannt, Beachtet ward, floh er durch ihren Hof; Doch Friede warf, was Krieg umsonst berannt, Und Sommerregen drang durch's Dach, so schroff,— Auf das der Eisenschau'r seit Jahren fruchtlos troff. Leb' wohl, o schöner Rhein! Mit welchen Schmerzen Verläſst der Fremdling dich, so lang hier froh! Dein ist ein Raum, wo gern verbundne Her- zen, Wo einsam gern Betrachtung wandelt so; Und wenn nie flieh'nder Geier jemahls floh Von selbst verdammten Busen, wär' es hier, Wo ernst, doch sanft, Natur, wild, doch nicht roh, Zu düster nicht, zu hell nicht, wär' an dir, Du reife Erde! wie der Herbst am Jahr die Zier. 60. Leb’ wohl nochmal denn! ach, leb' wohl um- sonst! Nein, solchem Platz läfst kein Fahrwohl sich weih'n, 46 Der du das Herz auch fern durch Schönheit FrI sonnst; No Wenn Augen, die entzückt sich freuten dein, Dann sträubend dir entsagen, holder Rhein! Sind funkelnd sie von Dank und Lob erhellt; Ob Räume mächt'ger, strahlender sich reih'n, Doch keiner, der in Einer Mass' auſstellt Die Anmuth, Mild' und Pracht, die Clorie alter Welt. 61. Das scheinlos Hoh', der reichen Blüthen Duft Zukünſt'ger Frucht, der weiſsen Städte Glanz, Der roll'nde Strom, des Abhangs Schreckens- gruft, Um Cothisches Gemäu'r der Waldung Krans, Die wilden Felsen, alten Thürmchen ganz Gleich an Gestalt, der Menschenkunst zum Hohn; 4 Doc Und Anutlitze, so gläcklich, wie des Lands 47 nheit Fruchtfülle, die, reich alles segnend schon, Noch in dein Beet springt, ob nah Thronen dein, Umsturz droh'n:— in! ellt; 2 2. eih'n, Doch flieh'n sie!— Alpen heben ihre Stirn, Die Schlösser der Natur; ihr Mauernbrast Glorie—— Thürmt in die Wolken auf das Schneegehirn, Baut, Ewigkeit, dir Thron' im Eispallast Der kalten Majestät; wo stürzt die Last Der Alp-Lavin', des Schneees Donnerkeil! Und all das schwellt den Geist, doch er er. Duſt blafst, lanz, Zu schwärmen auf den Gipfeln, und ob steil ckens- Zum Himmel Erde dringt, Staub bleibt, o Mensch, dein Theil. 63. Doch ech' ich klimme zu den Wunderhöh'n, Erscheint ein edler Platz auf ebner Bahn,— 48 Morat! dein stolzes Schlachtfeld ist zu sehn! Lafst uns der Todten Schau'rthropheen nahn! Nicht rath' der Sieger wegen auf dem Plan; Das unbegrabne Heer Burgund'’s ruht dort: Beinhaufen, nicht den Zeiten unterthan, Sich selbst ihr Monument;— den Styg'schen Port Umschwärmten gruftlos sie, die Ceister scheu- chend fort ¹⁴). 64. Kämpft Waterloo mit Kannä's Blutbad weit, Sind Morat, Marathon sich eng verwandt, Der ächten Siege reines Ehrenbett, Erkämpft durch unehrsüchtig Herz und Hand Von Bürgern, die stolz Brudersinn verband. Sie all', nicht Söldner in dem Fürstenzwist Erbsünd'gen Frevelmuths; durch die kein Land zu Weh'n der Rechtschändung verurtheilt ist, Die göttlich Königsrecht macht durch Drakon sche List. Als Stel An Und Der Docn Ein Da d Zerst 6§. hn! Als morscher Jahre letzter Trümmerrest, n; Steht grau und traurig in der Gegenwart An stillem Wall ein still'res Säulchen fest, Und blickt, wie wild verwildert einer starrt, schen Der auf einmal zu Stein vor Staunen ward, Doch mit Bewuſstseyn noch: so lebt es fort cheu- Ein Wunder traun, daſs es nicht liegt ver- scharrt, Da der gleichalt'ge Stolz der Menschen dort, Zerstört Aventikum bestreut hat rings den eit, Ort 15). 66. Hand nd. Und dort— o süſser, heil'ger Name!— gab 1st— Die Tochter, die geweihte— Julia Land Dem Himmel ihr jung Herz, das auf dem Grab lt jst, Des Vaters brach, dem Himmel stets so nah. akon Recht schwur ab Thränen; ihre flossen da Um’s Leben, d'in sie lebte; doch blieb's taub: 24. D 50 So starb auf ihm sie, den sie frei nicht sah. Ihr Grab war schlicht und ohne Büst' im Laub, Und Beider Urne füllt Ein Sinn, Ein Herz, Ein Staub ¹6. 67. Doch diese Thaten sollten nicht verwehn, Die Namen müſsten sterben nie; und weiht Mit Recht Erd' ihre Reiche zu vergehn, Herrn, Sklaven, ihre Werdens-, Todeszeit: Das Hoh', des Werthes Bergerhabenheit, Sie muſs, wird länger dauern, als ihr Weh, Und schau'n aus ihrer Unvergänglichkeit In's Sonnenantlitz, wie der Alpenschnee 15, Unsterblich reiner, als was barg die Tiefe je. 68. Ich schau', See Leman, dein Krystallgesicht, Du Spiegel, wo die Stern' und Berg' anlacht Ihr Nacl Hier Erns Doch Tief Eh N Die N Nicht Nicht Nicht Im he Der e Wir s eiht 51 Ihr Frieden, den dein klarer Grund so licht Nachstrahlt von ihrer fernen Höh' und Pracht: Hier ist zu viel vom Menschen, um die Macht Ernst sinnend zu durchschaun, die hier mich grüfst; Doch bald in Einsamkeit ist neu erwacht Tief Denken, das wie einst sie mir versüſst, Eh Mischen mit der Heerd' ich eingepfercht gebäfst. 69. Die Menschen fliehn, ist noch nicht Menschen- hafs; Nicht all' erf t mit ihnen Kampf und Zorn; Nicht Miſsmuth ist's, den Sinn zu hüten, dals Nicht aus den Tiefen überkocht sein Born Im hefligen Gedräng, wo uns verworr'n Der eigne Sturm macht, bis zu spät, zu lang Wir seufzen, blutend von des Lebens Dorn, 2 2 schlecht und Für Unrecht Unrecht wechseln, bang, Ia zänk'scher Welt, wo stark nicht Einer ist, im Drang. 70. Dort tauchen unsre Jahr' oft auf einmal Wir in heillose Reu'; all unser Blut Wird dann zu Thränen in der Seele Qual; Nachtfarb' umhüllt selbst, was in Zukunft ruht. Des Lebens Strom wird hoffnungslose Fluth Dem, der so fährt im Finstern, auf dem Meer Schifft nach dem Hafen blos der kühnste Muth; Doch über Ewigkeit hinaus zieht der; Fort, fort treibt seine Bark' und ankert nim- Ich mermehr. Thei 71. 22* Ist's drum nicht besser, dafs, der Welt entflohn, Mit i Wir blos der Erd' halb, gern auf Erden sind? 53 und Beim blauen Rauschen der pfeilschnellen Rho- ne ¹8), ist, Und wo sein klarer See vollbusig rinnt, Ihn pflegend, wie ein schön, doch mürrisch Kind Mit eigner Sorgfalt eine Mutter wahrt, Wegküssend sein Geschrei, wie es beginnt;— Ist denn nicht besser solche Lebensart, 18 Als thun und dulden Weh, zum schnöden ruht. th Meer uth; Schwarm geschaart? 79 72. nim Ich lebe nicht in mir, doch werde ich Jebe ni eh werde ich Theil deſs, was um mich; hohe Berge wehn,; Mir ein Gefühl zu, doch es martert mich Der Menschenstädte Lärm: mit Ekel sehn Kann nichts 1 in der Natur ich. als zu Ltehn Mit Sträuben in der Fleischeskeit' als Glied, Blos Krealur, wenn sich die Scel' ergehn 54 Und mischen kann des schwell'nden Meers Ge- biet, Und so und nicht umsonst Höh'n, Stern' und Luft durchzieht. 73. So werd' ich eingeschlürft,— was Lehen ist: Ich seh' auf die bewölkte Wüste blos Zurück wie einen Platz von Angst und Zwist, Wo Cram für manche Sünde war mein Loos,— Und Müh' und Dulden; doch wind' ich mich los Mit frischem Fittich, der in mir entspringt Zwar jung, doch wie der Sturm schnell stark und groſs, Der ihn zum Kampfe reizt, und froh be- schwingt, Trotz des lehmkalten Bands, das unser Seyn umringt. 55 74. Wenn dann zuletzt ganz frei wird seyn mein Sinn Von dem, was jeizt in niedrer Form er hafst, Sein fleischlich Leben ausser dem, was in Der Flieg', im Wurm beglückter lebt, er- blaſst;— Wenn Element dann Element umſaſst, Werd' ich nicht wärmer das, was mich um- kreist, Und reiner fühlen, frei von Staubeslast b Entkörpert denkendp Jedes Raumes Geist? Der, wie schon jetzt zur Zeit, sich dann ganz selig preis't? 75. Sind Berge, Wogen, Lüfte nicht von mir Und meiner Seel' ein Theil, wie ihrer ichf Gläht Lieb' für sie nicht rein und tief, in dir 56 Mein Herz? Dünkt Alles mir, wenn ich's ver- glich Mit diesem, nicht verächtlich? Sollt' ich mich Nicht lieber stemmen gegen Leid, als daſs Die Gluth dem harten Weltschleim derer wich, Die auf den Boden starr'n, ohn' Unterlafs, Was sie auch denken, doch erglühend nie für was? 76. Doch dies ist nicht mein Thema, und zu dem Kehr’' ich zurück, was naht unmittelbar; Gibt zur Betrachtung Stoff die Urne wem, Er seh' auf ihn, der, Feu'r einst ganz und gar, Sohn war des Lands, wo ich die Luft so klar Ein Weilchen athm', als Pilger wandelnd nun, Wo er ein Wesen ward, defs Sehnsucht war Sei Berühmt zu seyn; wohl thöricht war sein Thun, Der, dals er's ward und blieb, nie rasten konnt' mich und ruh'n. 5 derer 77. Der seltne Rousseau, der sich marternde .. e för Sophist, des Grams Apostel, der umfing Mit Zauber Leidenschaften und aus Weh Gewalt'ge Rede prefste, hier empfing Den Hauch er, d'raus hervor sein Jammer ging. Doch mahlt' er schön den Wahn, da um Irr- that, Irrdenken himmelfarb'ge Wort' er hing, dem Die blenden, wie Sonnstrahlen, treffend grad' Das Aug', das über sie netzt heiſser Thränen Bad. 78. der Gluth Loh Sein Lieben war Geist— wie die 58 Des Blitzdurchzuckten Baums; vom Aethers- strahl War er entzündet und durchbrannt; und so, So war auch seiner Liebe Wonn' und Qual. Doch nicht ein lebend Weib war sein Gemahl, Nicht Todte, deren Geist zu uns sich hebt, Auf Träumen— nein! der Schönheit Ideal, Das er sich schuf, das überströmend lebt Auf seinem Feuerblatt, ob's gleich oft krank- haft bebt. 79. Dies haucht' in Juliens Leben seinen Hauch, Dies war es, was so wild und schön sie pflog; Dies weihte den denkwürd'gen Kuſs ihm auch, Den morgens seine Fieberlippe sog Von ihrer, die an sie blos Freundschaft zog; Doch bei dem sanften Druck brannt' Hirn und Brust G! Sic Als nuch, flog; uch, 083 und Gluth, die Licbzehrend seinen Ceist durch- flog, Sich in des Seufzers Hauch wohl höh'rer Lust, Als niedrer Sinn im Rausch des gröfsten Glücks bewuſst ¹9). 80. Sein Leben war ein Krieg mit Feinden, d'rum Er selbst warb,— Freunden, die er selbst ge- bannt; Sein Sinn, geworden Argwohns Heiligthum, War grausam gegen Günstige gewandt, Von seltsam blinder Wuth aukf sie entbrannt. Doch er war Wahn— und wie dahin er kamf Wer wülst' es, da den Grund kein Forschen ſand; Doch er war Wahn, aus Krankheit oder Gram, Bis zu der schlimmsten Höh', die Weisheits- schein annahm. 81. Denn dann war er begeistert, sprach erhellt,— Wie sie der Pythia dunkle Höhle sprach,— Orakel, die entflammten rings die Welt, Nicht loschen, bis ein Reich in Asche lag. That er dies nicht für Frankreich, das voll Schmach Vor Tyrannei sich bog viel Jahre lang, Deſs Kraft im Joch erzitternd bebt und brach, Bis sein' und seiner Helfer Stimm' erklang, Aufrief zu heifsem Zorn, dem Furcht folgt über- bang. 82. Ein furchtbar Denkmal bauten sie sich auf! Das Wrak verjährter Meinung— die entstehn Die früh'’re Zeit liefſs; sie zerrissen d'rauf Den Schlei'r und was er barg, sollt' Erde sehn. Doch stürzten sie das Gute mit dem Weh'n, Blos Trümmer lassend, um so neuen Flor Auf selbem Grund zu bau'n aus dem Vergehn, Da kamen Thron’' und Kerker wie zuvor, Zur selben Stunde just, weil Selbstsucht sie durchgor. 83. Doch bleibt dies nicht, und bleiben kann es nicht! Der Mensch, Kraft fühlend, liefs auch fühlen sie; Ob besser sie ihn brauchen hieſs die Pflicht, Doch froh der Stärke, übte finster die Der ein' am andern; Mitleid schmolz sie nie, Sie mildernd sonst. Sie aber, welchen lang Der Unterdrückung Dunkel Schutz verlieh, Nicht Adler waren's, satt vom Tagesfang; Was Wunder denn, wenn auch einmal ihr Raub miſfslang? 62 84.. Der ... Liel Schlofs narblos je die Wunde, die schwer siehti Das Herz, am längsten blutend, heilt nur, um Was es entstellt, zu tragen; und wer kriegt Daſ Mit eignem Hoffen und erliegt, wird stumm Es dulden, nicht sich beugen knechtisch krumm: An hält im Lager Zorn den Hauch, bis schallt f Die Stund', die Jahren lohnet; zagt nicht drum, Es kam, es kommt, wird kommen— die Ge- walt. Sieh Zu strafen, zu verzeihn— Eins thun wir dann Un n mehr kalt. 3 0 O Lemanl! du, der mir so sanft, so hell Nach der bewohnten wilden Welt, erschien, Du stiller, warnest mich, um reinern Quell Der Erde stürm'schen Wassern zu entllieh'n. Harmlosem Flügel gleicht dein ruhig Ziehn, ehtö Der von mir weht Zerstreuung; Oceans Groll Liebt' einst mein Geist; doch du ummurmelst ihn So sanft, wie wenn der Schwester Tadel scholl, Dafs an so schaur'ger Scen' ich hing so won- nevoll. 86. Sieh, es ist Nacht! all was umschliefst dein Raum Und jene Berg', ist schwarz, doch klargeaugt, Gemengt zwar und gemischt, doch wohl er- kannt, Nur nicht der düstre Jura, der, getaucht In Wolken, steil emporragt; um ihn raucht Aus Strandesblumen ein lebend'ger Duft, So frisch, so süfs, wie sie die Kindheit haucht. Ans Ohr tröpft sanft die Ruh' aus freier Luft, irpend wohl Gut' Nacht! das Graspferd 1. noch zuruft. Der ist Nachtschwärmer, der's Leben gleich Der Kindheit macht, fort dichtend Nacht und Tag; Zuweilen läſst ein Vogel das Gezweig, Aufstarrt dann seine Stimm', und schweigt dar- nach. — Es scheint am Hügel schwimm'’ ein feuchtes Ach; Doch ist es Trug; vom Licht der Sterne zährt Ihr Thau von Liebesthränen, allgemach Sich selbst wegweinend, bis durchströmend nährt Die Brüste der Natur, der Geist, der sie ver- klärt. 88 O Sternel ihr, des Himmels Dichtungsreih'n! Wenn euern strahl'’nden Blättern wir verwebt 65 Der Reich' und Menschen Schicksal— zu ver- h zeih'n 3 4 Ist's, daſs von Sehnsucht, groſs zu seyn, durch- un bebt, b Wir über unsre Sterblichkeit gestrebt, b Aar. Und uns verwandt mit euch geträumt so gern; Denn ihr seyd schön, geheimniſsvoll, belebt chiss So heil'ge Lieb' und Scheu in uns von fern, Dafs Glück, Ruhm, Leben, Macht sich nann- Aubre ten einen Stern. nend 89. Ganz still sind Erd' und Himmel— nicht im 1 Schlaf, Doch schweigend, so wie wir, wenn denkend schwer, Hauchlos wie wir, wenn etwas tief uns traf; Ganz still sind Erd' und Himmel— hoch vom h'n! Heer bt Der Sterne bis zur Klipp', zum ruh'nden Meer 24 E 66 Eint kraftvoll Leben jeden Weltenball; Kein Strahl, kein Hauch, kein Blatt vergeht, vielmehr Hat's Theil am Daseyn, einen Sinn im All, Das von dem Ganzen ist der Schöpfer und sein Wall. 90. Dann schwillt das Hochgefühl, das, wenn allein Und wenigst doch allein wir sind, so schwillt; Die Wahrheit schmilzt dann ganz durch unser Seyn Und reinigt es vom Selbst; ein Ton entquillt, Die Seel' und Quelle der Musik, ein Bild 4 Des ew'gen Einklangs, und so zauberhaft, Wie Cythereens fabelhaft Gefild,— 1 Defs Schönheit alles band;— hier stünd' er- schlafft Stur Des Tod's Gespenst, hätt' er zu schaden wirk- Doc lich, Kraft. 91. Die ersten Perser wählten zum Altar Umsonst nicht hohe Plätz', und den Altan sein Der Erdumschau'nden Berge ²⁰); herrlich war Der Tempel ohne Mauern, dort zu nah'n Dem Geist, deſs Herrlichkeit nicht Dom' um- fah'n, Gebaut von Menschenhand. Vergleichend schau, Goth' oder Grieche, Säulen, Tempel an, Und Erd' und Luft, die hehre Schöpfungsau, Und häng'’ nicht betend blos am lieben Men- llein ellt; nser schenbau! illt, 92. — Neu ist der Himmel!— und wie neu! 0 er- Nacht 2²¹), Sturm, Dunkel, eure Kraft ist wundergrofs! irk- Doch schön ist eure Stärke, wie die Macht Des dunkeln Frauen-Augs! Fern bricht so los 68 Auf knarr'nde Felsen reger Donner Stofs, Und hüpft von Fels zu Felsen. Sprache fand Ein jeder Berg, nicht Eine Wolke blos, Und Jura grüfst aus nebligem Gewand Die frohen Alpen, die ihm laut den Gruſs ge- sandt! 93. Und dies zur Nachtzeit:— Glorreich schöne Nacht! Du lockst zum Schlummer nicht! o, laſs mich ein Theilnehmer deiner stolzen, fernen Pracht, Ein Theil des Sturms und dein Theil lafs mich seyn! Wie glänzt der See, ein Meer von Phosphor- schein! Und dicker Regen tanzt zur Erd' im Schwung, Und jeizt ist's wieder schwarz— und jetzt tos: drein 69 Der Hügel Lust mit Bergbeseligung, nd Als jauchzten sie, dafs hier ward ein Erdbeben jung. ge- 6 94. „ Wo spaltet jene Höh'n die schnelle Rhone, Wie scheidet Liebende des Hasses Kochen, Ach, deren Tiefen so dazwischen droh'n, höne Dafs nimmermehr sie nah'n, ob Herzgebrochen, Ob in der Seelen Füreinanderpochen mich Lieb' ihres süfsen Rasens Wurzel war, Die schied, als ihre Blume sie zerstochen:— gie selbst starb, doch für sie zum Lohn gebar nich* sie innern Krieg,— ein Seyn von Wintern ganz und gar. 95. Wo so die schnelle Rhone klaubt seine Spur, Dort nahm der Slürme mächtigster den Stand; 7⁰ Denn viele hausen hier, nicht einer nur, Und schleudern, Blitzdurchglüht, von Hand zu Hand, Bald hier, bald dort der Donnerkeile Brand. Der hellste furchte dieser Hügel Kluft Mit heiſsen Pfeilen, wie wenn er verstand, Dafs, wo Verwüstung wühlte solche Gruft, Dort müss' er brennen, was drin lugt, zu Mo- derduft. 96. Luft, Berge, Strom, See, Winde, Blitz und Nacht! Ihr seyd wohl mit den Wolken, Donnern all, Mit dem Geist, der euch fühlt und fühlend macht, Das, was mich nicht lieſs schlafen; fern der Schall Von euerm Abschiedsrollen ist der Hall Von dem, was in mir wachet— wenn ich ruh'; 1 7 ½ Doch wo, o Sturm, verweilst du nach dem d zu Fall Bist gleich des Menschenbusens Stürmen du? Ob fleugst zuletzt, wie Adler, hohem Neste zu? 97. Könnt' ich verkörpern und entdecken klar, Was meist in mir ist— könnt' ich rächen an Dem Ausdruck die Gedanken, werfen bhaar Seel', Herz, Sinn, Drang, Gefühl, schwach, und ob als Mann, All' was ich wollt' und noch ich will fortan, all, f Weiſs, trage; fühl' und athm' und— in Ein lend Wort, Und wär' ein Blitz dies Wort: wohl spräch’ ich der 4 dann; Doch ungehöret leb' und sterb' ich fort, Da lautlos, wie zur Scheid' ein Schwert, mein Leben dorrt. 98. Der Morgen ist im frischen Thau erwacht, Sein Odem Weihrauch, Wang' ein Blumen- saum, Der weg die Wolken scherzhaft spielend lacht, Lebendig, als hegt' Erd' ein Crab noch kaum— Und glühend nach dem Tag; er setzt im Traum Uns in des Lebens März: und so find' ich An deinem Strand wohl, schöner Leman! Raum Und Stoff zum Denken noch; es fesselt mich Viel, das wohl Ruh' uns gäb', erwogen wür- „22 Die rosig sieht der Abenddämm'rung Aug' ²²) diglich. Den Der ’ Nicl 99. Zur Klarens! wo Liebe aufsproſs, du bist schön! Stra 4 Luft ist hier heifsen Denkens junger Hauch; In Liebe wurzeln Bäum', und die Schneehöhn, Wi Die Gletscher selbst verschönt ihr Weiherauch. Sieg 73 Durch Strahlen, eingewiegt vom Liebesmohn; Selbst Felsen, ew'ge Klippen künden auch, Wie Lieb' hier sey dem Sturm der Welt ent- floh'n, Die reizt und spornt den Geist durch Hoffnung, dann durch Hohn. 100. Klarens! bei dir weilt ein unsterblich Kind,— Himmlischer Liebe Gott, der hier ersteigt Den Thron, zu welchem Berge Stufen sind, Der sich als wandelnd Licht und Leben zeigt,— Nicht auf den Bergen nur, nicht blos so neigt Zur süllen Höhl' er sich, zum Wald; sein Aug' Strahlt Blumen auch, sein Hauch umweht sie leicht, Wie säfser Sommer, und der zarte Hauch Siegt ob der Stürme Macht, selbst wenn sie flich'n den Schlauch. 101. Ihm dient hier Alles; von dem Fichtenhain, Defs Nacht ihm schattet auf der Bergesbrau, Vom Brüll'n der Ströme, dem er horcht, zum Wein, Der bis zum Strand schmückt seine grüne Au'“, Wo sich anbetend bückt der Wasser Thau, Die Füfs' ihm murmelnd küssend; dicht ver- streut Steht alter Bäume Wald, ihr Stamm ganz grau, Ihr Laub licht, jung wie Freude, das noch heut Bevölkte Einsamkeit ihm und den Seinen beut. 102. Wo ihn der Bienen, Nög'lein Einsamkeit, Vielfarb'ger, schöngeformter Ding' umringt, Was all ihm süfs're Tön', als Worte weiht, Die Flügel froh, unschuldig offen schwingt, Furchtlos und lebensvoll; und luftig sprengt 75 Manch Bächlein, rauscht manch Börnlein, spie- 3 lend wehn Die regen Zweig' all, wo die Knospe bringt Der Schönheit Fluggedanken: all das sehn Durch Lieb' in Einem mächt'gen Bund vereint wir stehn. 103. Hier lieben lernt, wer nicht geliebt vorher; Sein Herz wird dann zum Geist; wer schon be- greift Dies zärtliche Geheimniſs, liebt hier mehr. Der Menschen Weh, die wüste Welt durch- schweift, Ist Liebe, flüchtend fern, hieher gestreift; Denn Wachsthum ist ihr Wesen, oder Tod; Sie steht nicht still, vielmehr sie welkt, ob reift Zu unbegrenztem Heil, defs himmlisch Roth Den ew'gen Lichtern gleich, unsterblich seg- nend loh;t. 76 104. Zte Au Den Platz erkohr sich Rousseau nicht im GiK Traum, rit Ihn füllend mit Gefühlen; ihm ward kund, Ge Gewähren müsse Leidenschaft den Raum En Den Wesen lautern Sinns; es sey der Grund,„ Wo junge Liebe kos'te Psyche's Mund Als Und ihr den Gürtel löst' hier schwebt ein Ton Und Sinn und Strahl der Anmuth; tief ist's und So still, so wundervoll; hier hat die Rhone Sich selbst ihr Bett gebaut, die Alpen einen Thron. 103. Lausanne und Ferney 33)! Namen nahmt ihr auf, Durch die ein Nam' als Erb' euch ward zu Theil, 77 Sterbliche, die gesucht— gefunden drauf Auf Schreckensbahnen ew'gen Nachruhms Heil. Gigant'sche Geister waren's, thürmend steil, Titanen gleich, auf kühner Zweifel Heer Gedanken, die des Himmels Donnerkeil Entflammten, stürmend neu, wenn Himmel mehr Als lächeln mocht', ob Menschen und ob Men- schenwehr. 106. Der Ein' ein Kind, ein feurig Flatterbild, Stets reich an Wünschen, doch nur innerlich, An Witz gleich wechselnd— froh, ernst, zahm, ob wild,— Geschichtsheld, Bard' und Weiser war sein Ich, Und so vervielfacht' er bei Menschen sich, Der Proteus ihrer Köpfe; seiner zwar Haucht aus meist Spafs; der wie der Wind hinstrich, 78 Wo ihm gefiel, und legend Alles baar,— Droht' er bald Thoren Sturz, bald einem Thron Gefahr. 107. Der andre langsam, tief, erschöpfend Geist Und hebend Weisheit, so wie fort er drang, Im Denken heimisch, Wissenschaft durchhkreist, Der eine Wehr mit scharfer Schneide schwang, Mit ernstem Hohn des Kredo's Ernst bezwang, Als Herr des Spotts, des Zaubers, drob ent- flammt Der Feinde Wuth glomm, die aus Furcht ent. sprang Und zu der Eifrer-Höll' ihn hat verdammt, Die tilgt so schön beredt die Zweifel allesammt. Doch Friede sey mit ihrer Asche— sie Hat, wenn verdient, schon ihre Straf' erreicht, 79 Uns ziemt nicht Richten— und Verdammen nie; Nah'n muſs die Zeit, wo klar das all sich zeigt Vor Allen— oder Furcht mit Hoffnung neigt Sich schlummernd auf Ein Kissen— in den z Staub, is.... „ Der, so viel wissen wir, zu Asch' erbleicht; Und lebt einst neu er, wie's glaubt unser Glaub“, Ihn wird begnaden Recht, ob strafen streng und taub. 109. mt Doch Menschenwerke lassend, les' ich neu . mmt. Die seines Schöpfers um mich, schlieſse hier Dies Blatt, d'rauf meine Träumerei'n ich streu', Bis fort es scheint zu wachsen, endlos schier. Die Alpen grüfsen Wolken über mir, Und durch sie mufs ich, daſs mein Auge sieht, Was ihm vergönnt, erstreb' ich wandernd ihr 8⁰ Gewaltigstes und wachsendes Gebiet, Wo Erd' in ihren Arm der Luft Gewalten zieht. 110. Italial auch, Italia! schau' ich an dich, Sieht der Zeitalter Licht mein Geist hell krei- sen, Seit, da fast des Karthagers Stolz gewann dich, Zum Sonnenhof der letzten Helden, Weisen, Die glorreich deine heil'gen Blätter preisen, Warst du der Reiche Thron und auch ihr Grab; Noch flieſst der Quell in strömend vollen Glei- sen, Der lechzend durstgen Geistern Labung gab, Von Roma's Herrscherhöh'’, dem ew'gen Born hinab. 81 111. So weit führt' ich mein Thema, ach! erneut Mit keinen Aussichten auf Lebens Scherz:— Zu fühlen, nicht, was einst, sey'n wir noch heut, Zu glauben, nicht sey, was es soll das Herz,— Zu panzern selbst uns gegen uns mit Erz, Zu bergen stolz behutsam Lieb' und Haſs,— Gefühl und Leidenschaft, Drang, Zorn und Schmerz— Und ist sonst unsers Geist's Tyrann noch was, Ist schweres Seelenwerk:— Geduld,— es lernt sich das. 112. Und diese Wort', ins Lied verwoben so, Vielleicht, dafs da als harmlos Spiel sie stehn,— Das eine Scene malt, so wie sie floh, Doch die im Zug'’ ich festhielt, um die Wehn Von meiner, andrer Brust zu hintergehn. 24. F 82² Ruhm ist der Durst der Jugend,— doch ich bin So jung nicht, um auf Huld und Groll zu sehn, Glorreichen Looses Schaden, ob Gewinn; leh Ich steh und stand allein,— fortlebend,— oder hin. Docl 113. Obsc Ich liebte nicht die Welt, die Welt nicht 3 mich; Die Ich schmeichelt' ihrem Gifthauch nicht; mein Daſ Knie Nach Bog nie geduldig ihren Götzen ich, Grub nie der Wang' ein Lächeln— laut nicht Daſs 8 schrie Daſ 4 Ich ihrem Echo nach; nie konnten sie Dals Im Schwarm ihm gleich mich wähnen; stand ich doch Zwar, wo sie, nie gleich ihnen, Leichen, die Nie dachten Selbstgedachtes, könnt' es noch, 0 me Hätt' ich mich nicht zerfeilt, mich selbst ge- Mit stürzt in's Joch ²*. 114. sehn, Ich hab' die Welt nicht, noch sie mich ge- 1,— liebt,— Doch scheiden wir als Freund'; ich glaube dies, Obschon ich'’s so nicht fand, daſs Wort' es nicht 3. sibt, Die Sachen sind— Hoſſnungen, die gewifs, . Daſs Tugend warm oft ist, nicht lauernd, bis mein Nach Fehl sie Schlingen werf'; ich wähn'’s da- bei, Daſs Ein'gen weh thu' andrer Kümmerniſs 2); nicht 3 1 3 Dafs zwei, ob Einer, was er scheint, fast sey,— Dafs Cüte sey kein Nam' und Glück nicht Träumerei. stand 115. O meine Tochter! jüngst mit dir begann— st ge- Mit dir auch, meine Tochter! schlieſst mein Lied— ‧ 2 Dich seh' ich nicht,— dich hör'’ ich nicht,— doch kann Keins so in dir entzückt seyn; zu dir flieht Der Schatten ferner Jahr', als theuerm Glied. Schaust du auch meine Brau' wohl nie hinfort, Doch meine Stimm' ist's, welche zu dir zieht, Und reicht bis an dein Herz,— ist meins ver- dorrt— Von deines Vaters Asch' auch noch ein Gruſs, ein Wort. 116. Dein Geistentfalten fördern— wahren ernst Dein Frühroth kleiner Freuden— sehn, wie sich Vorm Aug' fast hebt dein Wuchs— sehn, wie du lernst Die Dinge fassen— Wunder noch für dich! Dich wiegen auf dem Knie herzinniglich, Auf dein sanft Wänglein drücken Vaters Kuſs,— Dies, Doch Ist's Doch Ich v Mein Mit 6 Schlö Ich1 Mein Und Doch Dies, scheint es, war nicht aufbewahrt für mich; Doch war in meinem Wesen der Genuſs;— Ist's noch— wasb weiſs ich nicht, ob's schon ihm gleichen muſs. 117. Doch würd' auch dumpfer Haſs als Pflicht ge- lehrt, lch weiſs, du liebst mich; ob mit Stumpf und Stiel Mein Name von dir schwand, wie Fluch, be- schwert Mit Oede nur— wie Sehnsucht, die zerfiel; Schlöfs' auch das Grab sich zwischen uns,— gleich viel, Ich weifs, du liebst mich doch, ob abzuseih'n Mein Blut aus deinem Daseyn, wär' ein Ziel Und ein Erfolg,— all würd' umsonst es seyn,— Doch liebtest du mich, doch blieb mehr als Leben dein. 86 118. Du liebes— zwar im Schmerz gebornes Kind, Und dann gesäugt im Krampf. Es waren so Einst deines Vaters Element',— es sind Auch dein', und dein' noch jetzt,— doch dei- ne Loh Wird milder seyn, viel höh'r dein Hoffen.— 2 1 Froh 3 8 Sey deiner Wiege Schlummer! Gern möcht' ich Hin über See und von den Bergen, wo Ich athme, meinen Segen wehn auf dich, Da, wenn ich seufz', ich wähn', auch du um- gebest mich! Ende des dritten Gesanges. . 80 A8 88 25 O 8 0 — — .,— — 8 z u m —ö—:2A————ð—— ℳzℳʃM9 1. Im Stolz der Höhe“ flog hier jüngst der Aar. Stanze 18. Zeile 5. „Stolz der Höhe» ist ein Ausdruck der Fal- kenjagd und bezeichnet die höchste Ferne des Flugs.— Siehe Makbeth, u. s. w. Ein Aar, im Stolz des Raums sich thürmend, ward Von mäusefah'nder Eule todt gehackt.* 2. „Wie'’s schwang Harmodius auf Athens Ty- rannenhaupt." Stanze 20. Zeile 9- Siehe den berühmten Gesang auf Harmo- dius und Aristogiton.— Die heste englische 90 Uebersetzung ist in Bland's Anthologie, von Herrn Denman. V «Mein Schwert will ich kränzen mit Myr. then,» u. s. w. 3. Und froh war Alles, wie am Fest der Braut.“ Stanze 21. Zeile 8. In der Nacht vor der Handlung wurde, wie es heifst, ein Ball zu Brüssel gegeben. 4 und 5. 21 «Und Evan's, Donald's Ruhm füllt jedes En- kels Ohr. Sir Evan Cameron und sein Abkömmling, I Donald, der«edle Lochiel“ von den«Fünfund. schig vierzigen.“" Plat von drit 6. zers der „Und der Ardennen Laub wogt grün, bethaut star. «Mit Thränen der Natur hoch über sie.“ iste Stanze 27. Zeile 1 und 2. 91 Die Waldung von Soignies wird für ein Ueberbleibsel des«Waldes der Ardennen“ ge- halten, der durch Bojardo's Roland berühmt und durch Shakespeare’s«Wie es euch gefällt“ unsterblich ist. Sie wird auch beim Tacitus verherrlicht, der sie für den Platz hält, wo die Deutschen gegen die Römischen Anmaſsungen sich glücklich vertheidigten.— Ich habe den Namen mit edlern Verknüpfungen, als denen des blofsen Schlachtens zu verbinden versucht. „ 7⸗ Liefs das ich suchte, die er bringen nicht 8 gekonnt. Stanze 30. Zeile 9. Mein Führer von 8t. Jean über das Feld schien einsichtsvoll und genau zu seyn. Der Platz, wo Major Howard fiel, war nicht weit von zwei schlanken und einsamen Bäumen(ein dritter war niedergehauen, oder in der Schlacht zersplittert), welche wenige Yarden von einan- der an einem Fuſssteige stehen.— Bei ihnen starb und wurde er begraben. Der Leichnam ist darauf nach England gebracht worden. Eine kleine Höhlung zeigt noch jetzt, wo er lag, 92 wird jedoch wahrscheinlich bald verschwunden seyn; der Pflug ist darauf gewesen, das Korn noch jetzt⸗ Nachdem er verschiedne Stellen, wo Pikton und andre wackre Männer umgekommen wa- ren, ausgezeichnet hatte, sagte der Führer: „Hier liegt Major Howard; ich war nahe bei ihm, als er verwundet wurde.“* Ich erzählte ihm meine Verwandtschaft, und jetzt schien er noch ängstlicher zu seyn, die eigentliche Stelle und die Umstände auszuzeichnen. Der Plalz ist einer der bemerklichsten wegen der Eigen- thümlichkeit der obenerwähnten zwei Bäume. Ich ritt zweimal über das Feld und verglich es mit meiner Sammlung ähnlicher Scenen. Als Ebne scheint Waterloo zum Schauplatz einer grofsen Handlung bestimmt, obschon dies auch bloſse Einbildung seyn kann. Ich habe mit Aufmerksamkeit die von Platäa, Troja, Manti- nea, Leuktra, Chäronea und Marathon betrach- tet; und dem Felde um St. Jean und Hougou- mont scheint wenig ausser einer bessern Ver- anlassung und jenem unbeschreiblichen, aber ergreifenden Sonnenhof zu fehlen, den die ver- ronnenen Zeitalter um einen berühmten Platz werfen, dafs es, das letzterwähnte vielleicht ausgenommen, mit einem oder allen von die- sen wetteiferte. E T unse daſs an a ihne keit sam! niscl 1 liche zeln sich nden Korn ikton wa- hrer: bei ählte n er Stelle Plalz igen- me. glich Als einer auch mit Ianti- rach- ugou- Ver- aber ver- Platz eicht die- h 9³ 8. Den Aepfeln gleich, gereift am todten Meer.“ Stanze 34. Zeile 6. Die(fabelhaften) Aepfel am Rande des Sees Asphaltes sollten aus- und inwendig ganz Asche seyn. Siehe Tacitus, Histor. I. 5. 7. 9. «Erd' ist zu groſs als Loch Cynikern auf dem Thron.» Stanze 41. Zeile 9. Der groſse Irrthum Napoleons, awenn wir unsere Annalen wahr geschrieben haben,“ war, dafſs er beständig den Menschen seinen Mangel an aller Gemeinschaft des Gefühls für oder mit ihnen aufdrang, welches die menschliche Eitel- keit vielleicht mehr, als die wirkliche Grau- samkeit einer noch zitternderern und argwöh- nischern Tyrannei beleidigte. Eine solche Sprache führte er gegen öffent- liche Versammlungen sowohl, als gegen Ein- zelne; und der einzige Ausdruck, dessen er sich bei der Rückkehr nach Paris bedient 94 haben soll, als der Russische Winter seine Ar- mee zerstört hatte, wo er, die Hände über dem Feuer reibend, sagte:«Dies ist angeneh- mer, als Moskau," wandte wahrscheinlich mehr die Gunst von seiner Sache, als die Zerstörung und Umwälzungen, welche zu der Bemerkung leiteten. 0⸗. «Was fehlt dem Raubgraf am Erobrerslauf? Stanze 48. Zeile 6. «Was ſehlt dem Knaben, «Das ein König sollt' haben P war König Jakobs Frage, als er Johnny Arm. strong und seinem Gefolge im vollen Staate be- gegnete.— Siehe die Ballade. 11. «Der Drachenfels, geibürmt so wild.» Stanze 55.(1.) Zeile 1. Die Burg Drachenfels steht auf dem höch- sten Gipfel«der Siebengebirge“ über den Rhein- Brude gen strom net 8o e Ar- über eneh- mehr 90 ufern; sie ist eine Ruine und mit einigen be- sondern Sagen verwebt: sie fällt auf dem Wege von Bonn zuerst in's Auge, aber an der ent- gegengesetzten Seite des Flusses; auf diesem Ufer, ihr beinahe gegenüber, stehen die Reste einer andern, genannt der Godesberg, und ein groſses Kreuz zum Andenken eines von seinem Bruder ermordeten Herrn. Die Menge von Bur- gen und Städten auf beiden Seiten des Rhein- stroms ist sehr groſs und ihre Lage ausgezeich- net schön. 12. «Stets gereint „Hat er sein Herz, drum haben Männer ihn beweint.» Stanze 57. Zeile 8 und 9. Das Denkmal des jungen und betrauerten Generals Marceau(den eine gezogene Kugel zu Altenkirchen am letzten Tage des vierten Jahres der französischen Republik tödtete, steht, so wie es beschrieben ist, noch da. Die Inschriften auf diesem Denkmale sind zu lang und überflüssig: sein Name war genug, 96 Frankreich betete ihn an und seine Feinde be-. wunderten ihn: beide weinten über ihn.— Sein Leichenbegängnifs ward von den Genera- len und den Abtheilungen beider Armeen be- gleitet. In demselben Grabe ist General Hoche beerdigt, auch ein tapferer Mann in jedem Sin- ne des Worts; aber wie sehr er sich auch in der Schlacht auszeichnete, so hatte er nicht das Glück, drin zu sterben; sein Tod war vom Verdacht der Vergiftung begleitet. Ein besondres Denkmal(nicht über seinem Leichnam, der bei dem Marceau's begraben liegt) ist ihm bei Andernach errichtet worden, dem gegenühber eine seiner merkwürdigsten Hel- denthaten, das Werfen einer Brücke nach ei- ner Insel auf dem Rheine, verrichtet wurde. Die Gestalt und der Styl sind von dem Mar- ceau's verschieden und die Inschrift einfacher und gefälliger. Die Armee der Jambre und Maas ihrem Oberbefehlshaber Hoche.* Dies ist alles, und so sollte es seyn. Hoche ward als einer der ersten von Frankreichs frü- hern Generälen geachtet, ehe Bonaparte ihre Triumphe allein an sich riſs.— Er war zum Befehlshaber der angreifenden Armee von Irland bestimmt. 13. V«Und Ehrenbreitstein mit gestürztem Wall.“* V Stanze 58. Zeile 1. Ehrenbreitstein, d. h. der breite Stein der Ehre,“ eine von den stärksten Festungen in Europa, wurde von den Franzosen in dem Waf- ſenstillstande von Leoben niedergerissen und in die Luft gesprengt. Sie ist und konnte nur durch Hungersnoth oder Verrath eingenommen— werden. Sie ergab sich jenen, die durch eine 1 Ueberrumpelung unterstützt wurden. Da ich die Festungen von Gibraltar und Malta gesehen habe, so überraschte sie mich nicht sehr durch Vergleichung; doch ist die Lage General Marceau belagerte sie eine Ze gebens, und ich schlief in einem Zimmer, wo mir ein Fenster gezeigt wurde, an welchem er ge- standen und den Fortgang der Belagerung beim Mondeplichte beobachtet haben soll, als eine Kugel unmittelbar unter demselben hinschlug 44. Umschwärmten gruftlos sie, die scheuchend fort. Irland Stanze 63. Zeile 9. Die Kapelle ist zerstört, und die Dyramide 24. G von Cebeinen zu einer kleinen Anzahl von der Burgundischen Legion in französischen Dien- sten verkleinert, die ängstlich das Andenken an ihres Vorgängers minder glücklichen Angrillen auslöschten. Einige wenige sind ungeachtet des Kummers, den die Burgunder seit Jahrhunder- zen darüber empfunden(indem alle des Weges Kommenden ein Gebein ihres eignen Landes wegschafften), und ungeachtet der weniger zu rechtfertigenden Diebereien der Schweizerpostil- lione zurückgeblieben, welche sie wegtrugen, um sie zu Messergriffen zu verkaufen, ein Zweck, für welchen die durch das Bleichen der Jahre eingesogene Weiſse sie sehr tauglich gemacht hatte. Von diesen Ueberbleibseln wagte ich, so viele wegzubringen, als den vierten Theil eines Helden ausgemacht haben werden, wofür die einzige Entschuldigung die ist, dals, wenn ich es nicht that, der nächste Wandrer sie zu schlechterm Gebrauche verwandt haben möch- te, als die sorgfältige Aufbewahrung, die ich für sie beabsichtige. 15. „Zerstört Aventikum bestreut hat rings den Ort.* Stanze 65. Zeile 9. J sterir mühe räthe war. enide der ien- n an riflen t des nder- Veges andes er zu postil- ugen, weck, Jabhre macht ich, Theil wofür wenn sie zu möch- ie ich s den 99 Aventikum(nahe bei Morat) war die römi- sche Hauptstadt der Schweiz, wo Avenches jetzt steht. 16. „Und Beider Urne füllt' Ein Sinn, Ein Herz, Ein Staub." Stanze 66. Zeile 9. Julia Alpinula, eine junge Aventische Prie- sterin, starb bald nach einem vergeblichen Be- mühen, ihren Vater zu retten, der zum Ver- räthertode von Aulus Cäcina verurtheilt worden war. Ihre Grabschrift wurde vor vielen Jahren enideckt;— sie beifst so— Julia Alpinula Hic jaceo, Inſelicis patris infeliæ proles, Deae Auentiae Sacerdos; Ewxorare patris necem non potui, Male mori in fatis illi erat. FVixi annos XXIII. Ich kenne keine menschliche, so rührende Dichtung, wie diese, und keine Geschichte von 100 Heferm Interesse. Dies sind Namen und Hand- lungen, welche nicht untergehen sollten, und zu welchen wir mit einer wahren und gesunden Zärtlichkeit von der elenden und glänzenden Auseinandersetzung einer verwirrten Masse von Eroberungen und Schlachten uns wenden, durch die das Gemüth eine Weile zu einem falschen und fieberhaften Mitgefühle aufgeregt wird, von wo es am Ende mit all' dem Ekel, der auf sol- che Berauschung folgt, zurückkehrt. 17. Iu's Sonnenantlitz, gleich dem Alpenschnee.“ Stanze 67. Zeile 8. Dies ist im Auge des Nont Blanc(den 3. Juni 1816.) geschrieben, der selbst in dieser Entfernung das meine blendet. (Den 20. Juli.) Ich bemerkte an diesem Tage eine Zeitlang den deutlichen Widerstrahl des Mont Blanc und Mont Argentiere in der Ruhe des Sees, welchen ich in meinem Boote durchkreuzte; die Entfernung dieser Berge von ihrem Spiegel beträgt 60 Meilen. 4⁴ Hand. 18. Beim blauen Rauschen der pfeilschnellen Rhone.» Stanze 71. Zeile 3. Die Farbe der Rhone zu Genf ſist blau- und seine Tinte so tief, wie ich sie nie im Wasser, im salzigen oder frischen, ausgenom- men im Mittelländischen Meere und im Archi- pelagus, gesehen habe.— 19. «Als niedrer Sinn im Rausch des gröſsten Glücks bewuſst.» Stanze 79. Zeile 9. Dies bezieht sich auf die Erzählung in sei- nen Confessions“" von seiner Leidenschaft für die Gräſin d'Houdetot(der Geliebten des St Lambert) und seinem langen Spatziergange je: den Morgen des einzigen Kusses wegen, wel ches der gewöhnliche Grufs französischer Be- kannten war.— Rousseau's Beschreibung sei ner Gefühle bei dieser Gelegenheit ist als die 102 leidenschaftlichste, doch nicht unreine Beschrei- bung und Erklärung der Liebe anzusehen, die je in Worte hervorloderte, von welcher man nach Allem und wegen ihrer besondern Gewalt fühlen mufs, dafs sie der Schilderung ungleich ist: ein Gemälde kann keine hinreichende Idee von dem Ocean geben. 20. „Der Erdumschau'nden Berge; herrlich war» u. s. w. . Sanà Stanze 91. Zeile 3. eine Es ist bemerkenswerth, dafs die schönsten ven und ergreifendsten Lehren des göttlichen Grün- äch ders des Christenthums nicht in dem Tempel, me) sondern auf dem Berge vorgetragen wurden. der Um dies von der Andacht Erwähnte auch auf gen die meunschliche Beredsamkeit anzuwenden,— Erg so wurden die wirksamsten und glänzendsten Reden nicht in Mauern gehalten. Demosthenes— wandte sich an die öflentlichen Staats- und nigs Volksversammlungen. Cicero sprach auf dem ricl Forum. Dalfs dies die Wirkung aul das Ge- ihre war* e 3. önsten Grün- mpel, rden. ich auf en,— ndsten sthenes - und if dem as Ce- 103 müth sowohl des Redners, als der Zuhörer ver- mehrte, kann man aus dem Unterschiede ab- nehmen, der zwischen dem herrschtf, was wir von den hier und dort hervorgebrachten Rüh- rungen lesen, und denen, die wir selbst beim Durchlesen und im Kabinet erfahren. Es ist etwas andres, die Iliade zu Sigäum und auf den kumuli, oder bei den Quellen des Berges Ida, ihm gegenüber; und die Ebne und Flüusse und den Archipelagus um uns, zu lesen; und ein andres, unsre Wachskerze über sie in einem engen Buchladen aufzustutzen— dies weiſs ich. Wäre der frühzeitige und reissende Fort- gang dessen, was Methodismus genannt wird, einer andern Ursache, als der Begcisterung bei- zumessen, welche durch ihren heftigen Glau- ben und Lehren(deren Wahrheit ich weder zu sichten, noch zu untersuchen mir herausneh- me) geweckt wurde: so möchte ich wagen, ihn der Gewohnheit, auf den Feldern zu predi- gen, und den unstudirten und extemporirenden Ergiefsungen seiner Lchrer zuzuschreiben. Die Muselmänner, deren irrige Andacht(we- nigstens in den niedern Ständen) höchst auf- richtig und daher ergreifend ist, sind gewohnt, ibre vorgeschriebenen Gebete und Bitten, wo sie nur an den bestimmten Stunden seyn mö- gen— demnach häufig in der freien Luft, auf einer leichten Matte knieend(die sie nach ih- rem Bedürfnifs, anstatt eines Bettes oder eines Kissens, bei sich führen), zu wiederholen: die Ceremonie dauert einige Minuten, in welchen sie ganz in sich vertieft sind und nur in ihrem Flehen leben: nichts kann sie stören. Auf mich machte die einfache und gänzliche Aufrichtig- keit dieser Menschen, und der Geist, welcher in und bei ihnen zu seyn schien, einen weit gröfsern Eindruck, als irgend ein allgemeiner Gebrauch an den Plätzen der Verehrung, wel- che ich fast von jeder Ueberzeugung unter der Sonne, die meisten unsrer eignen Sektirer und die Griechen, die Katholiken, die Armenier, die Lutheraner, die Juden und die Mahomeda- ner mit eingeschlossen, gesehen habe. Viele Neger, deren es im türkischen Reiche eine Menge gibt, sind Cötzendiener und haben freie Uebung ihres Glaubens und seiner Gebräuche; einige der letztern habe ich in der Ferne zu Patras betrachtet; und nach dem, was ich da- von ausſindig machen konnte, schienen sie von wahrhaft heidnischer Art und nicht sehr ange- nehm für den Zuschauer zu seyn. 105 1 mö- 21. t, auf ch ih-— Neu ist der Himmel!— und wie neu! eines O Nacht.* 2: die Stanze 92. Zeile 1. elchen ihrem Die Gewitter, auf welche sich diese Zeilen mich beziehen, ereigneten sich am dreizehnten Ju- ichtig⸗ nius 1816, um Mitternacht. Ich habe zwischen elcher den Akroceraunischen Gebirgen Chimari's eini-— n weit ge schrecklichere, aber kein schöneres gesehen. 4 neiner 4 22. Die rosig sieht der Abenddämm'rung Aug'.“ 3 Viele b Stanze 99. Zeile 5. ² eine freie Rousseau's Heloise. Brief 17, Theil 4. An- uche; merkung. Ces montagnes sont si hautes qu'- rne zu«une demi-heure apres le soleil couché, leurs ch da. asommets sont encore éclairés de ses rayons; ie von dont le rouge forme sur ces cimes blanches ange- une belle couleur de rose, qu'on appergçoit de ccefort loin.” Dies gilt besonders von den Höhen über Meillerie: 106 «Jallai à Vevay loger à la Clef, et pendant „deux jours, que j'y restai sans voir personne, «je pris pour cette ville un amour, qui m'a «suivi dans tous mes voyages, et qui m'y a fait Gtablir enfin les héros de mon roman. Je di- «rois volontiers à ceux, qui ont du goùt et qui sont sensibles: allez à Vevay!— visitez «le pays, examinez les sites, promenez vous „sur le lac, et dites, si la nature n'a pas fait «ce beau pays pour une Julie, pour une Claire det pour un St. Preux: mais ne les y cherchez «pas.“ Les Confessions livre IV. page 306. Lyon, ed. 1796. Im Julius machte ich eine Reise um den See von Genf, und so weit meine eignen Be- obachtungen mich bei einer nicht uninteressan- ten und nicht unachtsamen Beschauung aller von Rousseau in seiner Heloise“ gefeiertsten Scenen geführt haben, kann ich mit Gewiſsheit sagen, daſs darin nichts übertrieben ist. Es würde schwer sein, Clarens(mit den Scenen umher, Vevay, Chillon, Boyeret, St. Gingo, Meillerie, Eivan und den Einfällen der Rhone) zu sehen, ohne gewaltig von seiner hesondern Geeigneiheit für die Personen und Begebenhei- ten, mit denen es belebt ist, ergriffen zu wer- den. Aber dies ist nicht Alles; das Gefühl, mit über ist, als o eines der I Erha Güte Grur aber wir verlie misc W hätte mind das! me heit das sen l I mes, (wo währn Prac er ge ndant onne, i m'a a fait Je di- put et visitez vous as fait Claire erchez 306. mn den n Be- essan- aller risten iſsheit Es Pcenen ingo, chone) ndern benhei- wer- efühl, 107 mit welchem Alles um Clarens und die gegen- über liegenden Felsen von Meillerie bekleidet ist, ist noch höherer und umfassenderer Art, als die blofse Sympathie mit der Leidenschaft eines Einzelnen; es ist ein Gefühl des Daseyns der Liebe in ihrer möglichsten Ausdehnung und Erhabenheit, und unsrer Theilnahme an ihrer Güte und ihrem Ruhme; es ist der groſse Grundsatz des Weltalls, der dort gedrängter, aber nicht minder offenbar waltet, und obgleich wir uns als einen Theil desselben erkennen, so verlieren wir doch unsre Eigenthümlichkeit und mischen uns mit der Schönheit des Canzen. Wenn Rousseau nie geschrieben und gelebt hätte, so würden dieselben Verknüpfungen nicht minder solchen Scenen gehört haben. Er hat das Interesse seiner Werke durch ihre Annah- me vermehrt; er hat das Gefühl für ihre Schön- heit durch die Wahl bewährt; aber sie haben das für ihn gethan, was kein menschliches We- sen für sie thun konnte. Ich hatte das Schicksal(gutes oder schlim- mes, wie man es nennen will) von Meillerie (wo wir eine Weile landeten) nach St. Gingo während eines Seesturms zu segeln, der die Pracht von Allem umher vergröſserte, obschon er gelegentlich dem Boote, welches schmal und 108 überladen war, Gefahr brachte. Grade an die- ser Seite des Sees war es, wo Rousseau das Boot des St. Preux und der Madame Wolmar nach Meillerie gerudert hat, um Schutz wäh- rend eines Sturms zu suchen. Als wir den Strand von St. Gingo erreich-. ten, fand ich, daſs der Wind stark genug ge- wesen war, um einige schöne alte Kastanien- bäume an der untern Seite der Berge nieder- zuwehen. Auf der gegenüber liegenden Höhe von Cla- rens ist ein Schlofs. Die Hügel sind mit Wein- bergen bedeckt und zwischen durch mit eini- gen kleinen, aber schönen Holzungen bestreut; eine von diesen wurde der«Busch Juliens“ genannt, und es ist merkwürdig, dafs, obschon er lange durch die thierische Selbstsucht der Mönche von St. Bernhard(denen das Land ge- hörte), niedergehauen war, damit der Grund in einen Weingarten für die elenden Dronen eines verwünschten Aberglaubens eingeschlossen würde,'die Einwohner von Clarens noch den Ort auszeichnen, wo seine Bäume standen und ihn bei dem Namen nennen, der sie weihte und überlebte. Rousseau ist nicht besonders glücklich in der Erhaltung der«örtlichen Wohnplätze“ ge- wese hat. einig wege eine als e Strat mit über que aI ich. 8 ge- ien- der- Cla- Vein- eini- eut; !n8* chon der 1 ge- rund dnen bssen den und eihte à in 109 wesen, die er den«luftigen Nichts» gegeben hat. Der Prior vom grofsen St. Bernhard hat einige seiner Waldungen, einiger Fässer Wein wegen, niederhauen lassen, und Buonaparte hat einen Theil der Felsen von Meillerie geebnet, als er die Strafse zum Simplon verbesserte. Die Straſse ist berrlich; aber ich kann nicht ganz mit einer Bemerkung, die ich machen hörte, übereinstimmen, daſs ᷣla route vaut mieux que les souvenirs.» 23. Lausanne! und Ferney! Namen nahmt ihr auf.* Stanze 105. Zeile 1. Voltaire und Gibbon. 4 24. «Hätt' ich mich nicht zerfeilt, mich selbst gestürzt in's Joch.* Stanze 113. Zeile 9. 110 —«Wenn dem so ist, Hab' ich mein Herz zerfeilt für Banquo's En- kel.“ Makbeth. 25. «Dafs Ein'gen weh thu' Andrer Kümmerniſs.“ Stanze 114. Zeile 7. Es ist von Rochefaucault gesagt, daſs«im- mer Etwas in den Unglücksfällen ihrer besten Freunde ist, was den Menschen nicht miſsfällt.» Herli Hrem Hrũüs. Copen Flor Hamt Laus Leip ZLond. Mail Moss⁵ Peten Riga I ar WMie übrig haber Sowohl diese Verdeutschung, als das ganz En. gleich gedruckte Original, sind in folgenden Hauptstädten stets vorräthig:. th. AHachen, b. Mayer. Amsterdam, bey Sülpke. Herlin, b. Enslin.— Schlesinger. Hremen, b. Kaiser. niſs.“ Hrässel, b. J. Frank. Copenhagen, b. Brummer. 7- Florenz, b. Jos. Molini. 4 Hamburg, b. Perthes u. Besser. Lausanne, b. Eischer. Leipzig, b. Barth. ZLondon, b. Bothe et Comp. Mailand, b. Giegler. Moskwa, b. Veh. 4 Petersburg, b. Schwetzschke. 1 Riga, b. Deubner u. Treup.— Hartmann. II arschau, b. Glücksberg. Wien, b. Schaumburg et Comp.— Carl Gerold. übrigens durch alle andere Buchhandlungen zu haben. kaut Il. S S S 2 7 Taschenbibliothek der ausländischen Klassiker 2 in neuen Verdeutschungen. Na. 25. Byron's Poesien. Eilftes Bändchen. Lord Byron's Poesien. Eilftes Bändchen. Ritter Harold's Pilgerfahrt. Vierter Gesang. Uebersetzt von J. L. Witthaus. 2——ℳU—— ł——⸗———q ℳêqꝙPY4́—-————y——— Zwickau, im Verlage der Gebrüder Schumann. 1822. 2—V—2qêA2VAn‚nnnnnnnnnnAnAnnn Venedig, den 2. Januar 49s. An John Hobhouse, Esqu, Magister der Künste, Mitglied der K. Societät, u. s. W. u. S. W. u. s. W. Mein theurer Hobhouse! Nach einem Zwischenraume von acht Jahren, zwischen der Verfertigung der ersten und letz- ten Gesänge des Childe Harold, soll jetzt der Schluſs des Gedichts dem Publikum übergeben werden. Beim Scheiden von einem so alten Freunde ist es nichts Ausserordentliches, wenn 6 ich zu einem noch ältern und bessern mich hinwende— zu ihm, der die Geburt und den Tod des andern gesehen hat, und dem ich für die geselligen Vortheile einer erleuchteten Freundschaft weit mehr verbunden bin, als ich — obgleich nicht undankbar— dem Childe Harold für einige öffentliche Gunst, die vom Gedichte auf den Dichter zurückfiel, seyn konnte oder seyn kann— zu ihm, den ich lange ge- kannt und weit begleitet habe, den ich wach- sam in meiner Krankheit und freundlich in meinem Kummer, froh in meinem Glücke und standhaft in meinem Unglücke, treu in seinem Rathe und zuverlässig in der Gefahr gefunden habe— zu einem oft erprobten und stets be- währten Freunde;— zu Ihnen. Ich wende mich deswegen von der Dichtung zur Wahrheit, und indem ich Ihnen in seiner vollendeten, oder wenigstens geschlofsnen Ge- stalt ein dichterisches Werk widme, welches das längste, das durchdachteste und umfassend- 7 ste meiner Erzeugnisse ist, wünsche ich durch die Erwähnung der vielen mit einem Manne von Gelehrsamkeit, von Talent, von Festigkeit und von Ehre vertraut durchlebten Jahre mich selbst zu ehren. Gemüther, wie die unsrigen, wollen nicht schmeicheln, oder geschmeichelt seyn(doch ist das Lob der Aufrichtigkeit im- mer der Stimme der Freundschaft erlaubt ge- wesen); und nicht deswegen, weil Sie und so- gar andre ein Herz nicht blos erleichterten, dem es schon früher und auch neulich nicht eben sehr oft zu Theil-ward, gutem Willen zu begegnen, um den Schlag standhaft zu ertra- gen, versuche ich hier, Ibre guten Eigenschaf- ten, oder vielmehr die Vortheile zu erwähnen, welche ich durch ihre Wirksamkeit erfahren habe. Selbst die Wiederkehr des Datums von diesem Briefe, des unglücklichsten Jahrstages meines verflossenen Lebens, welcher jedoch mein künftiges nicht vergiften kann, so lange die Zu- flucht Ihrer Freundschaft und meiner eignen —— 8 Kräfte mir bleibt, führt daher in sofern eine angenehmere Erinnerung für uns beide mit sich, als er uns stets an diesen meinen Versuch erinnert, Ihnen für eine so unermüdliche Auf- merksamkeit zu danken, wie sie wenige Men- schen erfahren haben, und keiner erfahren kann, ohne besser von seinem Geschlechte und sich zu denken. Es ist unser Loos gewesen, zu verschiednen Zeiten, die Gegenden des Ritterthums, der Ge- schichte und der Dichtung— Spanien, Crie- chenland und Kleinasien— zu duarchreisen; und was Athen und Konstantinopel uns einige wenige Jahre gewesen sind, das waren uns neu. lich Venedig und Rom. Auch das Gedicht, oder der Pilger, oder beide, haben mich vom ersten bis zum letzten begleitet, und vielleicht ist es eine verzeihliche Eitelkeit, wenn ich mit Wohlgefallen auf eine Dichtung zurückkomme, die gewissermaſsen mich mit dem Raume, wo sie entstand, und den Gegenständen, die sie besch jener den 1 Auffas nachst Achtu fühls Quelle gung einer 9 beschreiben wollte, verbindet; und mag sie auch jener bezaubernden und denkwürdigen Gegen. den unwürdig erscheinen und unsern frühern Auffassungen und unmittelbaren Eindrücken nachstehen: so ist sie doch als ein Zeichen der Achtung für das, was ehrwürdig, und des Ge- fühls für das, was glorreich ist, für mich eine Quelle des Vergnügens bei ihrer Hervorbrin- gung gewesen; und ich scheide von ihr mit einer Art von Wehmuth, welche ich kaum von Gegenständen der Einbildungskraft erwartet hätte. Was den Gang des leizten Gesanges betrifſft, so wird in ihm der Pilger weniger als in irgend einem der vorhergehenden, und wenig oder gar nicht getrennt von dem Verfasser erscheinen, der in seiner eignen Person spricht. Ich war es wirklich endlich müde, eine Linie zu zie- hen, welche ein jeder durchaus nicht bemer- ken zu wollen schien; gleich den Chinesen in Goldsmiths«Weltbürger,“ von dem niemand 10 glauben wollte, daſs er ein Chinese sey, be- hauptete und meinte ich vergebens, daſs ich einen Unterschied zwischen dem Verfasser und dem Pilger gemacht habe; und eben die Aengst- lichkeit, diese Verschiedenheit beizubehalten, und mein Unmuth, darüber, daſs es vergebens war, quetschte so sehr meine Bemühungen in der Verfertigung, daſs ich beschlofs, ihn ganz wegzulassen— und ich habe dies gethan. Die Meinungen, welche über den Umstand entstan- den sind, oder vielleicht noch entstehen, sind jetzt gleichgültig; das Werk soll von sich selbst und nicht von seinem Verfasser abhängen; und der Schriftsteller, der in seinem Innern keine Zuflucht ausser dem vorübergehenden oder blei- benden Rufe hat, den seine wissenschaftlichen Bestrebungen einernten, verdient das Schicksal der Schriftsteller. In dem gegenwärtigen Gesange war es mei- ne Absicht, entweder im Texte, oder in den Noten, den gegenwärtigen Zustand der Litera- tur u liäner Text, kaum sern flexio gen be zesten und d läutern Es lohner Charae reden und 1 viellei und n unter bekan theile 11 tur und vielleicht auch den Charakter der Ita- liäner zu berühren. Aber ich fand bald den Text, nach den von mir gezogenen Crenzen, kaum hinreichend für das Labyrinth der äus- sern Gegenstände und der daraus folgenden Re- flexionen; und was die sämmtlichen Anmerkun- gen betrifft, so bin ich, wenige von den kür- zesten ausgenommen, Ihnen dafür verbunden; und diese beschränkten sich blos auf die Er- läuterung des Textes. Es ist auch ein delikates und nicht sehr be- lohnendes Geschäft, über die Literatur und den Character einer sich so unähnlichen Nation zu reden; und es erfordert eine Aufmerksamkeit und Unpartheilichkeit, die uns— obgleich wir vielleicht keine unaufmerksamen Beobachter, und mit der Sprache oder den Sitten des Volks, unter welchem wir neulich wohnten, nicht un- bekannt waren— bewegen kann, unserm Ur- theile zu miſstrauen, oder wenigstens damit zu 12 zögern und strenger unsre Nachrichten zu prü- fen. Der Zustand der Literatur, wie der po- litischen Parthei scheint so hoch zu steigen, oder gestiegen zu seyn, daſs es für einen Fremden beinahe ganz unmöglich ist, unpar- theiisch zwischen ihnen hinzusteuern. Es sey daher, wenigstens für meinen Zweck, hinrei- chend, in ihrer eignen schönen Sprache zu sa- gen—«Mi pare che in un paese iutto poeti- co, che vanta la lingua la più nobile ed in- sieme la più dolce, tutte le vie diverse si pos- sono tentare, e che sinche la patria di Alfieri e di Monti non ha perduto l'antico valore, in tutte essa dovrebbe essere la prima.“ Italien hat noch groſse Namen— Canova, Monti, Ugo Foscolo, Pindemonti, Visconti, Morelli, Ci- cognara, Albrizzi, Mezzophanti, Mai, Musto- xidi, Aglietti und Vacca werden dem jetzigen Geschlechte einen ehrenvollen Platz in den mei- sten Fächern der Kunst, Gelehrsamkeit und schönen Wissenschaften sichern; und in eini- lunqu litti cl Ohne schrei Wahr den m Rücks 13 gen der allerhöchsten— Europa— die Welt — hat nur Einen Canova. Alfieri hat irgendwo gesagt, dafs«La pianto uomo nasce più robusta in Italia che in qua- lunque altra terra— e che gli stessi atroci de- litti che vi si commeitono ne sono una prova.» Ohne den letzten Theil seines Satzes zu unter- schreiben, einer gefährlichen Lehre, deren Wahrheit mit bessern Gründen unterstützt wer- den mag, dafs nämlich die Italiäner in keiner Rücksicht wilder als ihre Nachbaren sind, daſs der Mensch vorsetzlich blind, oder gegen sein besseres Wissen sorglos seyn müsse, wer ist nicht von der ausserordentlichen Fähigkeit, oder wenn das Wort erlaubt ist, von ihren Fähig- keiten überrascht, von der Leichtigkeit ihrer Auffassungen, der Schnelligkeit ihres Empfan- gens, dem Feuer ihres Genius, ihrem Sinne für Schönheit und von ihrer unter allen den Nach- theilen wiederholten Revolutionen, der Verwü- stung der Schlachten und der Verzweiflungsvol- 14 len Zeiten noch nicht erloschenen«Sehnsucht 59 lans nach Unsterblichkeit,“— der Unsterblichkeit bemiſs der Unabhängigkeit. Und wenn wir selbst, um ein ste Roms Mauern fahrend, die einfache Klage der he C Arbeiterchöre hörten: Roma! Roma! Roma! Teichen Roma non èe più come era prima,“ so war kir das es schwer, diesen melancholischen Klagegesang— Süden nicht dem bacchanalischen Gebrüll der Jubel- lehnun lieder entgegenzusetzen, welche noch aus den Eehr fe Londoner Weinhäusern über das Blutbad von Ind Mont St. Jean und den Verrath von Genua, Llne 8 von Italien, von Frankreich und der Welt Men- jenem schen gellen, deren Betragen Sie selbst in einem kahrt Werke, das der bessern Tage unsrer Geschichte vidme würdig ist, geschildert haben. Was mich be⸗ lnleie mal, trifft: No «Ooe la turba di sue ciance assorda.“ n movero mai corda Was ltalien bei der neulichen Uebertragung der Nationen gewonnen habe, ist für Engländer nua, Men- Winem nichte h be⸗ 10 so lange eine unnütze Untersuchung, bis es gewiſs wird, daſs England etwas mehr als ein stehendes Heer und eine auſgehobene Ha- beas-Corpus-Akte gewann; es ist für sie hin- reichend, auf ihr Vaterland zu sehen. Denn für das, was sie draussen und insbesondere im Süden thaten,«werden sie wahrlich ihre Be- lohnung empfangen,“ und in einer nicht sehr fernen Periode. Indem ich Ihnen, mein theurer Hobhouse, eine sichere und angenehme Rückkehr nach jenem Lande wünsche, dessen wirkliche Wohl- fahrt keinem theurer, als Ihnen seyn kann, widme ich Ihnen dieses Gedicht in seinem vol- lendeten Zustande; und wiederhole noch ein- mal, wie treu ich immer bin Ihr ergebener und herzlicher Freund Bpron. Ritter Harold's Pilgerfahrt. Vierter Gesang. Visto ho Toscana, Lombardia, Romagna, Quel Monte che dioide, e quel che serra Italia, e un mare e Taltro, che la bagna. Ariosto, Satira III. 212222Vbö-AͤnAnnnnnneenenenennnn Vierter Gesang. 1. Dort auf Venedigs Seufzerbrücke, d'rau Ein Pallast hier, und da ein Kerker stehn ¹), Trat ich, und sah, als wirkt's des Zaubrers Bann, Hervor die Bauten aus den Wellen gehn. Wohl tausend Jahr' in Wolkenflügeln wehn Hier um mich, und ein Ruhm, der jetzt stirbt, lacht Der Zeit, da manch gebeugtes Land gesehn Zu des beschwingten Marmorlöwen Macht, Als auf den hundert Inseln thront' Venedigs Pracht! 2. Als Cybele der See steigt aus dem Meere ²) Mlit stolzer Thürme Krone sie noch heute; Aus luft'ger Ferne naht sich dann die Hehre, ——,„ Die Ocean einst sammt seinen Mächten scheute, Als war der Töchter Brautschatz Völkerbeute, Und in den Schooſs der Ost ihr, nimmer leer, All sein Geschmeid' in strahl'nden Schauern I streute; A Ihr Kleid war Purpur, Herrscher zogen her Zu ihrem Fest und wähnten sich geehrt so mehr. 3. Nicht Tasso's Lied schallt noch Venedig rund 3), Gesanglos fährt der stille Gondelier; Es brökeln ihre Palläst' auf den Crund, Nicht immer tönt noch jetzt Musik in ihr; Die Tage floh'n— doch Schönheit weilt noch hier. Ein Staat fällt, Kunst welkt— doch Natur lebt fort, 2;. 2 Sie denkt noch an Venedigs alte Zier: w Einst aller Festlichkeiten Lieblingsort, are, Der Erde Jubel und Italia's Freudenport! eute, ute, 4. leer, auern Doch ihren Namen tilgten wir wie Bann Aus der Geschicht'; als düstre Formen stehn aer Jelzt ihre Mächt'gen da, sehn trauernd an mehr. Der alten Dogelosen Stadt Vergehn. So modern nicht einst unsere Tropheen, Wie der Rialto;— Shylock, Pierre, der Mohr*), *) Die Haupipersonen berühmter englischer Schauspiele, welche in Venedig spielen, des Kaufmanns von Venedig, Othello's und des geretteten Venedigs. Der Rialto ist die prächtige Brücke gleichen Namens, welche aus einem einzigen, 187 Fuſs lan- gen und 43 Fuſs breiten Bogen besteht. D. Ueb. 22 Des Bogens Säulen, werden nicht verwehn, Nicht fallen! und für uns ward, wie zuvor, Der öde Grund bevölkt, ob Alles er verlor. 3. Des Geistes Wesen sind von Erde nicht; Unsterblich dauern sie, und durch sie tagt, Vervielfacht sich, in uns ein strahlend Licht Und schön'res Seyn, was das Geschick versagt Dem dumpfen Erdenleben, das uns plagt Mit Knechtschaftsdruck, gewährt uns dieser Geist, Der uns verjüngt, fort, was wir hassen, jagt, Das Herz tränkt, das an Blüthen früh verwaist, Und frischen Wachsthum aus der Oede spros- sen heifst. 6. Dahin flieht Jung und Alt wie zum Asyl, Von Hoffnung jen’ und von der Leere die; 23 Und manches Blatt füllt ihrer Qual Gefühl, Auch dies vielleicht vor meinem Aug' füllt sie. Doch gibt'’ wirkliche Dinge, welchen nie Gleicht unser Schönheitsland, die kräft'ger blüh'n, Als der Prachthimmel unsrer Phantasie, Als die seltsamen Sterngebilde glüh'n, Die durch ihr wild Weltall die Mus' ausgeulst so kühn. „ 7. Ich sah und träumte davon;— flieh'n sie nur!— Wie Wahrheit nahend, ſloh'n sie Träumen gleich, Und wie auch war— jetat so ist ihre Spur: Ich könnt' erneuern sie, wollt' ich's; noch ist reich An mancher Form mein Geist, die er zugleich Wie die ich sucht' und auch wohl fand, mir malt; 24 Flieh'n sie auch nur; denn, wenn Vernunft wacht, bleich Steht dann, womit die Phantasie geprahlt, Und andre Stimme spricht und andrer Anblick strahlt. 8. Ich lernte andre Sprachen— und nicht fremd Schien ich in Fremder Augen; der Geist, der Er selbst bleibt, wird durch Wechsel nicht be- klemmt, Noch ist zu schaffen und zu finden schwer Ein Land voll Menschen— oder Menschenleer; Doch ward ich, wo der Mensch ist stolz, zu seyn, Nicht ohne Grund; und wohn’ auch nie ich mehr Im Eiland, das die Weisen schützt und Frei'n, Weih’ ich am fernern Meer ein Land zur Hei, math ein. Ich Auc Dan Ein Die Mit Zu ick bi'n, Hei- 25 9. Ich liebt' es dennoch wohl, und bett' ich mich Auch einst als Asch' in meinem Boden nicht, Dann schwebt mein Geist dort— kann entkör- pert sich Ein Heiligthum er wählen. Hier durchſlicht Die Hoffnung fortzuleben mein Gedicht Mit meines Landes Sprach'; und wenn zu fern, zZzu kühn mein Geist durch seine Schranken bricht, Und ist mein Ruhm gleich meinem Glückesstern, Schnell strahlend auf— dann bleich; wird dumpf Vergessen sperr'n. 10. Glänzt auch mein Nam'’ nicht in dem Heiligthum, Wo YVölker Todte ehren— es mag seyn— Und krönt auch manches höh're Haupt der Ruhm, Und ist die Grabschrift des Spartaners mein— sSparia trägt manches würd'gern Sohns Ge- bein:* ₰o 26 Doch such' ich, brauch' ich keine Sympathie; Ich pflanzte selbst den Baum, der Dornen ein Mir trug, und blute jetzt, durchbohrt durch sie, 14t⸗ Weil ich vergaſs, daſs nur die Frucht die Ein Saat verlieh. 80 s0 Und 11. 5 Stür. Um ihren Herrn klagt eh'los Adria, Die jedes Jahr nicht neu zur Braut mehr weiht; Den Vermodernd liegt der Bucentauro*) da, Wie Als ihres Wittwenstands verblichnes Kleid. 0 E Noch steht, wo einst, St. Markus Leu zur Zeit 5); Der Doch Hohn spricht seiner Macht, die welkt, ergraut, Der Prachtplatz, wo ein Kaiser einst gefrey't, Indefs Monarchen neidisch zugeschaut, Wie dort Venedig thront' als reichste Fürsten. braut. *) Die reich vergoldete Galeere, in welcher bei der Vermählung des Dogen mit dem Adriati- schen Meere gefahren wurde. D. Ueb. die eiht; 3. ir 5; welkt, 12. Jetzt herrscht der Austrier, wo der Schwabe bat— Ein Kaiser stampft, wo Kaisers-Knie sich bog 6); So schrumpft zum Ländchen ein der Königsstaat, Und durch Hauptstädte rasseln Ketten; hoch Stürzt von dem Berg der Macht ein Volk, das sog Den Sonnstrahl eine Zeit; d'rauf fort es so Wie Schneelawinen vom Berggürtel flog; 0O Eine Stund' ein blinder Dandolo 9)! Der achtzigjähr'ge Held, dem nicht Byzanz ent- floh. 13. Noch glüh'’n St. Markus Rosse dort von Erz Im Sonnenlicht, die Koller goldig glatt; Doch ward auch Doria's ernstes Droh'n zum Scherz 8) P Zäumt sie kein Zaum?— Besiegt und Sieger- stadt, 28 Nach dreizehnhundert Freiheitsjahren matt, Sinkt sie wie Seegras hin, woher sie kam! Ja! besser, dafs in's Meer sie stürzt', und statt Zu betteln demüthig um Ruh' voll Scham, Dafs zum Zerstörungsschlund sie selbst die Zu. flucht nahm. 14. Jung war ganz Ruhm, ein zweites Tyrus sie; Drum hieſs sie Pflanzerin des Leu'n 9); es kroch Vor ihr im Staub die Erd' und Ocean, die Durch Blut und Brand sie siegreich stürzt' in's Joch, Stets Sklaven machend, selber frei jedoch, Europa’s Bollwerk gegen Osmans Macht; Zeug's, zweites Troja, Kandia! zeug' es noch, Unsterblich Meer, das sah Lepanto's Schlacht! Denn euch begräbt nicht Zeit, noch Tyrannei in Nacht, 29 15. „ Der todten Dogen lange Reih' steht grau— Statt Wie Glasstatü'n— ganz morsch— zu Staub verzehrt; Zu- Doch thut ihr Schloſs, der wüste, prächt'ge Bau, Den Glanz kund, drin sie thronten, hoch ge- ehrt; Bis ihr gebrochnes Scepter, rostend Schwert, Sich bog vor fremder Macht; und Hallen wüst, 818 Und dünne Strafsen, Fremder Anblick lehrt zu oft Venedig, wie, durch wen sie büſst 10), Die Knechtschaft jetzt umwölkt, die Anmuth einst versüſst. 16. Da's Heer Athens bei Syrakus erlag och, Und Tausende Kriegsſesseln drückten hart, acht! Löscht' aus die Muse Attika's die Schmach 1¹¹), annei Die blos durch ihre Stimm' Erlös'rin ward. sieh! wie der Trauerhymnus tönt, da harrt 30 Des überwundnen Siegers Wagen, ſlieht Der Zaum aus seiner Hand— am Gürtel starrt Glei’ Sein Schwert— er lös't des Feindes Ketten, Des zieht Und beut dem Barden Dank für Freiheit und Ihr 1 sein Lied. Mir 17. f Drum So— rief, Venedig! nichts dir stärker zu, Wenn all dein stolzer Thatenruf verscholl— So hättest, deinen Tasso liebend, du, Als d- Vom Lied des Gottbegabten Barden voll, Vernichten sollen der Tyrannen Groll. Doch schändet dein Geschick die Völker all', Zumeist dich, Albion!— Ocean's Kön'gin soll Behüten Ocean's Kinder; bei dem Fall Venedigs denk' an dich, trau' nicht des Was- sers Wall. Und 18. Sie liebt' ich schon als Knab'— und wohl so sehr, as- nl 80 31 Wie jetzt glüht für die schöne Stadt mein Herz, Gleich Wassersäulen ragend aus dem Meer, Des Reichthums Markt, der Tummelplatz für Scherz. Ihr Bild hatt' eingeprägt tief wie in Erz Mir Otway, Radkliff, Schiller, Shakspeare's Aar ¹²), Drum schied ich nicht, obschon ich jetzt im Schmerz sSie fand, so war sie mir wohl theurer gar, Als da sie noch ein Stolz, ein Glanz, ein Wun- der war. 19. Ich kann erneuern mir Vergangnes— und Vom noch Vorhandnen zeigt für Aug' und Sinn Und Denken, das sich zähmet, gnug der Grund, Und mehr wohl, als ich hofft' und suchte drin. Zu einem Theil des Köstlichsten, das in Mein Daseyn vom Geschick verwoben ward, Gabst, schön Venedig! du die Farben hin: 3² Es gibt Gefühl, das nicht die Zeit verscharrt, Noch Marter schreckt, sonst wär' auch meines kalt, erstarrt. 20. Aus ihrem Stoff wächst nur die Tann' empor ¹³), * Die höchst' auf höchstem, mindest sicherm Hang, Gewurzelt in Unfruchtbarkeit, wo vor Der Alpenstürme heft'gem Wirbeldrang Kein Grund sie hält; jedoch der Stamm ent- sprang Trotz Orkansheulen; bis der starke, hoh' Fest steht, des Bergblocks würdig, dem entlang Aus bleichem, grau'm Granit sproſs seine Loh Und wuchs zum Riesenbaum;— wüchs' auch der Geist doch so! 21. Mag Daseyn denn entstehn, mag wurzeln d'rum Das Leben und das Leiden tief und dicht Ein d'rum In öden und verlafsnen Busen; stumm Schleppt das Kameel das lastendste Gewicht, Und schweigend stirbt der Woll;— umsonst nicht spricht Zu uns solch Beispiel; tragen sie ihr Loos, Erbeben die unedlern, rohern nicht: Dann sollen wir aus edlerm Stoff so groſs Auch im Ertragen seyn,— für einen Tag isuvs blos. 9 9 Ein jeder Harm friſst, oder wird zerstört Vom Dulder selbst, und trifft dann stets sein Grab. — Die zieh'n, von Hoffnung neu geschwellt bethört, Dieselbe Bahn, aufs Neue wickelnd ab Des Lebens Knäu'l;— die wachsen, krumm hinab Gebückt, geistartig, grau, welk vor der Zeit 25. C 3 4 Und sterben mit dem Rohr, ihr einz'ger Stab; Die suchen Andacht, Muh'’, Glück, Schuld und Streit, So wie zum Sturz, zur Höh' das Schicksal sie geweiht. 23. Doch immer läſst der überwundne Schmerz, Wie Skorpionenstich ein Merkmal nach, Trifft, sichtbar kaum, mit frischem Weh das Herz; Und scheinen solche Dinge wohl nur schwach, Doch vwärfen ihr Gewicht so gern wvir, ach! Auf immer von uns; sey'’s ein Laut— Akkord— Der Wind— der Ocean— eine Blum'— ein Bach— Ein Sommerabend— was uns dann durchbohrt Und trifft der Kett' elektrisch Band, die uns umflort. ab; und sie 24. Wie und warumb wer weiſs es und kann heim In sein Gewölk des Geist's dann 5 Der neu den Schlag fühlt, nicht den schwarzen Seim Blitz scheuchen Des Mehlthau's, den er nachläſst, tilgen kann, Der uns vom Trauten, Absichtslosen, wann Wir wenigst es gedacht, fortreiſst, mit Grau'n Gespenster, die beherrscht kein Talisman, Was kalt— was fremd— was todt gar— neu zu schau'n Was wir geliebt, beseufzt— zu viel!— doch wenig traun! 25. Doch wanderst du, mein Geist;— noch steh' ich hier, Ruin' in dem Ruin; hieher gewandt, Denk' unter Moder nach; ich seh' vor mir 36 Der Staaten Fall, begrabne Gröſs', ein Land, Das einst als mächtigstes der Reiche stand, Und ist und muſs seyn stets das lieblichste, Das Meisterwerk aus deiner Himmelshand, Natur! das stets das Frei', Heroische, Das Schön' und Brave trug— die Herrn der Erd' und See, „ 26. Der Männer Roms, der Kön'ge freies Land! Und stets noch, schön Italial seit der Zeit Bist der Welt Garten du, das Vaterland Von Allem, was Natur schenkt, Kunst verleiht. Was gleicht dir selbst in deiner Niedrigkeit? Dein Unkraut gar ist schön; du ragest wüst Weit über andrer Länder Fruchtbarkeit; Dein Wrack ist glorreich, und dein Trümmer grüfst, Mit unbeflecktem, nie vergeh'ndem Reiz ver- süſst. 37 27. Der Mond ging auf, und doch ist's keine Nacht— Denn Spätroth färbt die Luft mit ihm vereint; Friulis blaue Alpenhöh'n umlacht Ein Glorienmeer; der Himmel ist gereint Von Wolken, doch mit all den Farben scheint Er Eine hehre Iris Westens mir, Wo grauer Ewigkeit der Tag sich eint, Indefs der scheu'n Diana Locken hier Durchwall'n das Luftazur— der Sel'gen Eiland schier! 28. Ein Stern blos steht zu ihrer Seit' und er Beherrscht mit ihr die weite, schöne Luft ¹4); Doch noch schwillt strahlend jenes sonn'ge Meer, Und weilt so lang gerollt um Rhätiens Schluft, Als kämpfen Tag und Nacht. Jetzt aber ruft Natur zurück die Ordnung;— dunkler sprüht Die dunkel wall'nde Brenta, drin voll Duft 38 Die neugeborne Purpurrose blüht, Die strömt auf seinem Strom, verglas't nur in sich glüht, 29. Voll von des Himmels Antlitz, der von fern Die See mit seiner nah'nden Pracht erfreut; Vom reichen Spätroth zum aufgeh'nden Stern All seiner Farben bunten Zauber streut. Jetzt wechseln sie; ein bleichrer Schatten beut Den Bergen seinen Mantel; Tages Roth Stirbt wie ein Delphin, defs Pracht sich erneut Mit jedem Schmerz in seiner Todesnoth, Zuletzt am schönsten, bis— ganz bleich er ist — und todt. 30. In Arqua ist ein Grab;— dort ruhet in Dem Sarkophag, der hoch aufsteigt vom Sand, Der Staub von Laura's Liebendem; dohin Zieh'n viele, mit des Sängers Wehn bekannt, Die Pilger seines Genius. Er erstand, Zu heben eine Sprach', und von dem Feind, Der rauh es drückte, zu befrei'n sein Land: Den Baum, der seiner Dame Namen eint ¹5), Mit Thränen wässernd so, die er dem Ruhm geweint. 31. Und Arqua's Bergdorf, dicht umgrünt vom Holz ¹6), Wo flog hinab sein letzter Lebenshauch Zum Thal der Jahr', hegt sein Gebein; ihr S1olz — Ein edler Stolz ist's— und ihr Loh sey's auch, Daſs sie enthüllen vor des Fremdlings Aug' Sein Wohnhaus und sein Grabmal; beide schlicht Und ohne Kunst, nach ehrwürdigem Brauch, D'raus wärmer, inn'ger zu uns sein Gedicht“, Als aus der Pyramide Ehrentempel spricht. Uud jenes Dörſchen, sanft und still und kühl, Wo er gewohnt, wohl scheint'’s für sie gemacht Die floh'n in ihrer Sterblichkeit Gefühl, Von Hoffnungsöd' auf ein Asyl bedacht, „ In grüner Höh'n tief dunkle Schattennacht; da Wo fern zwar ruh'n geschäft'’ge Städt' im Thal, 2 .. Die Doch deren Schein sie jetzt umsonst umlacht: 1 Sie können nicht mehr locken; und der Strahl Soh Die Der prächt'gen Sonne schafft Festtage reich an Zahl. 33. Die Berge, Laub und Blüthen schliefsend auf, Und glänzend zu dem Murmelbach gekehrt, An dem die Stunden flich'n, klar wie sein Lauf, Mit süfsem Schmachten, das, zwar ungeehrt hat sittlich hohen Werth. Und lernen leben in Gesellschaft wir, Vom Menschenaug', Ist Einsamkeit es, die uns sterben lehrt; ühl, hacht, 8; Thal. lacht: Strahl ch an 41¹ Sie hat nicht Schmeichler; Eitelkeit reicht hier Nicht sichre Hilf'— allein kämpft. Gott! der Mensch mit dir: 34. Oder Dämonen, die entkräften nur ¹⁷) Das bess're Denken und zur Beut' erseh'n Die melanchol'schen Busen, die Natur Schon wob aus düsterm Stoff gleich im Entstehn, Die gern in Trauer wohnen und in Weh'n, Sich wähnen nur zur Qual bestimmt voraus: Das ist kein Schmerz, gleich denen, die ver- geh'n, Der Blut aus Sonn', aus Erd' ein Grab schafft, aus Dem Grab die Höll', aus Hölle selbst noch düst'rern Graus. 33. Ferraral mit den Strafsen grün und breit, Deſs Ebenmaafs zur Einsameit nicht paſst, 4² Es scheint, ein Fluch ruh' auf der Herrlichkeit Der frühern Herrscher und dem alten Ast Der Este, der Jahrhunderte die Last Von seiner Kraft dich fühlen liefs, und war, Wie nur so kleine Macht, stets wechselnd fast, Sie antrieb, Gönner, auch Tyrann der Schaar, Die trug den Kranz, der einst blos schmückte Dante's Haar. 36. Und Tasso ist ihr Ruhm und ihre Scham. Horcht seinem Lied! schaut seine Celle dann! Und fühlt, wie theu'r sein Ruhm Torquato kam, Welch Haus Alfons wies seinem Dichter an: Auslöschen wollt' er dem gekränkten Mann Den Geist, zu Wahnen in der Höll' ihn reihn, D'rin ihn getaucht der elende Tyrann. Doch konnt'’ er's nicht; endloser Glorienschein Trieb weg die Wolken all— und seinen Na- men weihn Das 1 Verm Wert Dem! Blos: Dein Alfon- Schne Du w Du! Die T 37. Das Lob, die Thränen aller Zeit; da du ar, Vermoderst lang vergessen— im Gebiet fast, Werthlosen Staubes, der vom Ahnstolz zu zar, Dem Nichts dahinsank; und die Nachwelt sieht.— ckie Blos weil du warst in seiner Kett' ein Glied,— Dein elend Grollen an, und zollt dir Hohn. Alfonso! sieh' dein Herzogsschimmer flieht Schnell weg!— Kaum wär’st, wenn niedern Standes Sohn, Du werth, defs Sklav' zu seyn, dem Gram du gabst zum Lohn: 38. Du! essend, ein Gespött, dann todt, wie all ſeihn, Die Thiere, die vergehen— blos, daſs dein Ein schön'rer Trog war und ein gröſs'rer Stall: hein Er! um gefurchte Stirn ein Glorienschein, Na- Der damals ausfloſs, und jetzt all', die sein Gehöhnet, blendet; Crusca's Polterer, 44 Und Boileau, dessen Neid nicht litt, dafs ein ¹⁸) Gedicht beschämte Frankreichs Lei'rgeplärr, Den Schleifstein für die Zähn'— eintönig Drath- gezerr! 39. Ruh' sanft, Torquato's tieſfgekränkte Brust! Auf die im Tod und Leben Bosheit schwang All ihrer Pfeile Gift, doch mit Verlust. O unerreichter Bard' im neuen Sang! Millionen zeugt ein Jahr schon! doch wie lang Auch manch Geschlecht noch von Geschlech- tern stammt, Wann schafft der ganze, endlos grofse Drang Ein solch Gemüth, wie deins? ob insgesammt Vereint, doch bilden keine Sonne sie, die flammt, 40. So grofs, wie du!— doch trug dein Vaterland Schon vor dir Männer, die der Kranz umflicht, Des Le Zerriſs Doch Denn? Ist von Blos fe Und w Wilst, Auch; Der Höll' und Ritter Barden; erst erstand . Des Vaters von Toskana Gottgedicht; rath- Doch weicht vor ihm, dem Florentiner, nicht Des Südens Skott, der Minstrel, der erhob Die neue Schöpfung, d'rin mit Zauberlicht Er wie der Ariosto Nordens wob 1 Romanzen, Frauenlieb' und Krieg und Ritterlob. 41. Des Lorbeerkranzes eisern Laubgeflecht ¹9) Zerrifs der Blitz um Ariosto's Haupt; ang Doch war das Schicksalsfeu'r nicht ungerecht, mmt Denn ächter Lorbeer, womit Ruhm umlaubt 2²⁰), die Ist von dem Baum, den nie der Blitz zerklaubt; Blos falscher Schein hat seine Stirn verletzt, Und was auch Aberglaub' aus Wehmuth glaubt, Wiſst, dafs der Donnerkeil, was er verletzt 2¹), rland Auch weiht;— Ariosto's Haupt ist doppelt hei- lig jetzt. 46 42. Italia! o Italia! du, das Reiz ²2), Die Schicksalsgab' als Brautschatz, einst bekam, Bald Leichenbrautschatz alt- und neuen Leids; Ach! deine süfse Stirn' durchfurcht mit Gram Dir der Annalen Flammenschrift und Scham. O wärst in deiner Nacktheit du auch arm An Schönheit, oder nicht an Macht so lahm! Und heischtest Recht, schlügst fort den Räu. berschwarm, Der zapft dein Blut und Thränen trinkt, die weint dein Harm; 43. Dann wärst du furchtbar, oder häfslich und in Frieden; nicht ersehnt, beweint so sehr Zerstörter Schönheit wegen, müder Grund; Dann schössen keine Waſlenströme mehr Hoch von den Alpen, und kein feindlich Heer Verbundner Räubervölker tränk' im Po Dann Dient' Der 81 Die hel Und vo Aegina Und lin Aufs V In Trär bekam, Leids; Gram ham. m lahm! n Räu. t, die Dann Blut und Wasser; nicht des Fremdlings Wehr Dient' als Schutzwaſfe dir, nicht wärst du so Der Sklav' des Freunds, wie Feinds, so wie er siegt' und floh. 44. Als junger Wandrer folgt' ich dessen Bahn 23), Der Freund des Römers, dem kein Römer gleicht, Der Tullius Freund war; sanft durchschnitt mein Kahn Die hellblau'n Wasser, Lüftchen hauchten leicht; Und vor mir hebt Megara, hinten zeigt Aegina sich, rechts steht Piräus da, Und links Korinth: so lag ich hingeneigt Auf's Vorderschiff und sah das alles nah In Trümmern, so wie er einst die Verwüstung sah; 45. Stellt Denn Zeit erneu'rte sie nicht, baute nur Ale e Wral Barbar'n Gebäude aus der wüsten Pracht, Wo herber, seltner blos die letzte Spur Von ihren ferngeworfnen Strahlen lacht, Und ihres Trümmerrests verschwundner Pracht. Doch Der Römer sah die Grüft' in seiner Zeit, Durch Der Städte Grabesmäler, wo erwacht Mutter Ernst Staunen, und sein Blatt, noch jetzt da, Ist urn weiht Schoof Der Sittenspruch, den solche Pilgrimschaft ver. Die V leiht. V Einst Bereu 46. 1 lHleim Dies Blatt liegt vor mir jetzt, doch zählet meim Zu der zerstörten Länder Trauerschaar, Die fallend er beklagt', ich wüst',— auch seins E Doch Sein Vaterland; und all', was damals war, Ist ach! Zerstörung; und jetzt beugt sich gar Roma! die Kais'rin Rom der Sturmsgewalt, Stellt sich gleich staubig und vermodert dar, Als ein Geripp Titanischer Gestalt ²), 4r Wrak einer andern Welt, als Asche selbst nicht ht, kalt. r k 17. Pracht. Doch sollt' Italia! dein Weh jedes Land eit, Durchschallen und wird's einst, so hier wie dort, Mutter der Künst' und Waflfen! deren Hand jetzt da, Ist unser Führer, war einst unser Hort; Schoofs unsrer Religion! der fort und fort haft ver- Die Völker für des Himmels Schlüssel knie'n! Einst wird Europa, ihren Muttermord Bereuend, dich befrei'n, dann rollend flieh'n Heim auf barbar'schem Strom, im Traum, ihr . sey verzieh'n. et mein „ 48. ſch seins, Doch Arno lockt uns zu schön weiſsen Mauern, war—— ar, Wie zum Athen er der Etrusker*) rollt, bich gar walt,*) Florenz. D. Ueb. 25. 50 Die sanftere Gefühl' in ihr durchschauern. Ein Hügelkranz umgürtet sie und zollt Ihr Korn und Wein und Oel, die Fülle hold Aus reichem Horn der Lebensfrohen gab; Durch neu're Pracht verschönt des Handels Cold Den Strand, den Arno lächelnd fegt hinab, Und Wissenschaft wacht' auf, erlöst aus langem Grab. 49. Dort liebt die Götiin auch in Stein und schwellt Blut Mit Schönheit rings die Luft; das Auge saugt Ein den Ambrosiaanblick, Wonn'erhellt, Der ihr unsterblich Seyn auch uns einhaucht; Halb lüpft den Himmelsschlei'r sie; starrgeaugt Erschi Stehn wir und sehn in Form und Antlitz, wie Nicht Der Geist, was kaum Natur, zu bilden taugt, b Sah vo Die liebenden Abgött'rer neidend, die b So dei Der, Seel' ihr lieh. Im Sal 1 Der Blitz durchglomm, der einst solch eiae 50. Wir’staunen, sehn, wohin kaum wissend, fort, e hold. Das IIerz berauscht und blind vom Schönheits- 5. 0 1 bronn, s Co. Bis so es taumelt; dort— für immer dort nab,. 4.. Stehn wir wie Beut' am Siegeswagen von langem Der Kunst gefesselt, können nicht davon. Doch still!— Nicht braucht's Kunstnamen, Wörter hier, (Des Marmormarkts armseligen Jargon, — Wo Dünkel Narr'n prellt)— Augen haben wir, 3 wellte) Blut— Puls— Brust gibt den Preis mit Ida's augt.. saus Schäfer, ihr. 51. Erschienst du Paris nicht in der Ge z, Wie Nicht so Anchises, dem noch seligerr augt, Sah vor dir deiner Gottheit Allge So deinen überwundnen Kriegesherrn eine Der, aufseh'nd in dein Anitlitz, wie zum Stern, Im Schoofs dir ruht, defs Augen weidend schau'n 5² Die süfse Wang' ²⁰), indeſs die Lippen gern Wie Wie Lavaküsse brennend ihm bethau'n, Die! Wie einer Urn' entschau'rt, Mund, Augenlied Mögt und Braun'! Nur 52. Wo O Glüh'n in sprachlosen Umarmungen! Dem Selbst ihre ganze Cottheit nennend nicht, Doh 1 Erhöh'nd nicht solch Gefühl: den Sterblichen Sind Götter gleich; ihr Köstlichstes qurchflicht Oft kurz der Menschen Loos; doch das Gewicht Des Staubs beugt dann uns wieder;— mag es Die h gehn! Ein 8 Wir können neu doch schaffen solch Gesicht, Durch Dals einstge und erträumte Ding' entstehn, Zwar Die, deiner Statue gleich, auf uns wie Cötter Ein T schn. Schon Der 8 53. Von 8 Lehrt uns, gelehrter Finger, weise Hand, Heim Sagt, Künstler und ihr äffenden Gesellin, rrn Wie ihr versteht mit kennendem Verstand Die holde Biegung, das wollüst'ge Schwell'n, nlicd Mögt dar ihr das Undarstellbare stell'n, Nur trübt mit schlechtem Hagch nicht jenen Raum, Wo wohnen sollt' ihr Bild in ew'gen Well'n, Dem klaren Spiegel für den schönsten Traum, Den je tief in die Brust gestralt des Himmels chen Saum. flicht.54. gwicht. ag es Die heil'ge Flur von Santa Croce weiht 2 Ein Staub noch heil'ger, Asche, die verlieh .; hr—.„ 71 1., sicht, Durch ihre eign' auch ihr’ Unsterblichkeit; n, Zwar ist's der Vorzeit Asche nur, und sie öuer Ein Theilchen der Erhabenheiten, die Schon heim zum Chaos kehrten:— hier fand Ruh Der Staub von Angelo, Alfieri, wie 28) Von Schmerz, gestirnter Galilei, du! Heim kehrt hier Machiavelli's Staub dem 8 0 Staube zu*9). 54 55. Vier Geister traun, die, Elementen gleich, Die Schöpfung nährten:— O Italia! Zeit, welche mit zehntausend Klau'n dein Reich Des Schmucks entblöfst, nie wird sie sehn, nie sah Sie unter andern Himmeln fern und nah, Dafs Geister, vom Ruin so aufgesprüht:— Im Fall selbst stehst voll Göttlichkeit du da, Durch sie mit neuem Lebensstrahl durchglüht; Jetzt blüht Canova, wo die Crofsen einst ge- blüht. 56. Allein wo ruh'n Etruriens hohe Dreif— Dante, Petrarch und, kaum von niederm Glanz, Der Prosa Bard', ein Schöpfergeist, der frei Schuf hundert Liebessagen,— welcher Kranz Verklärt sie als nicht unsers niedern Stands Im Ta Sagt n Reicht Schläf. Undan Fern I. Befleck Verbar Den fr Jahrh Petrare Nur fe Sein Bocca 55 Im Tod wie Leben?— Sind sie Staub allein? Sagt nichts der Marmor ihres Vaterlands P Reicht' Eine Bäste her nicht sein Gestein P Schläft nicht an seiner Brust ihr kindliches Ge- bein 5 57. Undankbar Florenz! Wie einst Scipio ruht 30), Fern Dante auf dir schmachvoll'm Strand ver- scharrt 31); Befleckt mit ärgerem, als Bürgerblut, Verbanntest deinen Barden du so hart, Den fruchtlos Kindeskinder, Reu'durchstarrt, Jahrhunderte anbeten;— ob das Haupt 32) Petrarchs der Lorbeer endlich krönt', er ward Nur fern auf fremdem Grund so schön belaubt; Sein Leben, Ruhm, sein Grab ist dein nicht, ob geraubt. 58. Boccaccio wünscht' ein Grab im Heimaths- schooſs 33); 5 Ꝙ Ind schläft bei ihren Hoh'n er nichte pries manch Erhabnes, schönes Requiem ihn nicht groſst Der formte jener Töne Zauberklang, Toskana's Herrschersprache, den Gesang, Der Sprache Dichtkunstb Nein;— sein Grab sogar Rifs auf der Frömmelei Hyänenfang; Nicht Raum fand's bei der nied'rern Todten- schaar, Nicht durft's um Seufzer fleh'n, plos weil für ihn es war. 59. Und Santa Croce fehlt ihr mächt'ger Staub, Doch durch den Fehl bekannter, als wohl eh'r*) *) Das alterthümliche Colorit des Originals erforderte auch im Deutschen bier und da einen veralteten Ausdruck. In Joh. v. Mällers Allgemeinen Geschichten, Band Von Rom Begl’ Auf Fronm Porp Von Der Aufff 57 Von Brutus Büste Kaiserschmuckes Raub Rom denken hiefs des besten Sohns so mehr. Beglückt Ravennal morschen Reiches Wehr! Auf deinem grauen Strand schläft Ruhmgekrönt Der hohe Dulder;— Arqua auch preist hehr Grab Und wahrt die Reste, die Gesang verschönt, Und Florenz fleht umsonst um ihre Söhn' und stöhnt. 60. Frommt’ ihr die Pyramid' aus Prachtgestein 3 5 Porphyr, Agat und Jaspis, all der Strahl Von Marmor und GCeschmeid', der das Gebein Der Kaufmannsherzög' ehrtb— Dem Thau, b, der mal, eh'r* Auffunkelnd zu des Himmels Sternensaal . ginals 3 II, Seite 377 heiſst es:«Wohl eher und hat er auf Ansuchen auswärtiger Fürßt oh. v. ein Fürwort bei ihnen, vergeblich, ein- Band gelegt» u. s. w. D. Ueb. Erfrischend auf der Todten Rasen glitt, Die dort ruh'n als der Muse Grabesmal, Naht sanft der Fufs und mit weit scheuerm Tritt, Als er auf Marmor, der ein Fürstenhaupt deckt, schritt. 61. In Arno's fürstlichstem, Kunstheil'gem Bau, Wo labt Sculptur durch Vieles Herz und Sinn Und ihrer Regenbogenschwester Schau, Viel Wunder sind noch— nur für mich nicht d'rin; Denn mein Ceist ist gewohnt, dafs lieber in Dem frcien Feld er die Natur umschlingt, Als Kunst in Galerie'n; reifst ihn auch hin Ein göttlich Werk zur Huld'gung, dennoch bringt Er wen'ger, als er fühlt, weil eine Wehr er schwingt, Von ⸗ Nach Der R Und v Dem Der se Wo Und Rauch Gleic Und 62. 15 Von andrer Mischung, und ich zieh' hinaus rm Nach Thrasymene's See, zum Feld, das Grau'n eckt,. 3 Der Römer Raschheit trug, noch mehr zu Haus; Und vor mir wähn’' ich neu das Heer zu schau'n, Dem nachstellt zwischen Strand und Berges- brau'n Der schlauen, krieg'rischen Karthager Groll, Wo Muth verzweifelnd fiel in ihre Klau'n, Und Fluth, die von dem Blut zu Strömen schwoll, Raucht durch den schwülen Plan, von Legio- nen voll, 63. Gleich einem Wald, gefällt vom Bergorkan; Und solcher Siurm war's, der die Schlacht r er durchrief, So blind für Alles der krampfhafte Wahn, 60 Blos nicht für Mord, dafs ungeachtet tief Ein Erdstoſs fort zu ihren Fülsen lief 3⁵)! Keins fühlte, wie Natur erdröhnte wild, Und gähnt' als Grab auf für die Schaar, die 3 schlief, Statt eines Leichentuchs, auf ihrem Schild; So zehrend ist der Hafs, wenn's Kampf der Völker gilt! 64. Für sie war Erde eine Bark' im Lauf, Die sie zur Ewigkeit trug; sie sah'n nur Den Ocean; achten konnten sie nicht auf Des Fahrzeugs Roll'n; kein Schau'r, der sie durchfuhr, Womit durchbebt sonst dein Gesetz, Natur, Wenn Berge zittern, in Gewölk sich hüllt Geflügel und die Nester fleucht, die zur Erdtiefe taumeln, und wenn stolpernd brüllt Die Heerd' auf schwell'ndem Plan, Angst stumm die Menschen füllt. Ein Be Benant Und S Den 1 Doch Kristal Je ein Die G Grün 65. Weit andre Scen' ist Thrasymene jetzt, Sein See ein Silberstreif,— von keinem Schlag, die Als dem des edlen Pflugs sein Plan verletzt; ; Dick wachsen graue Bäum', als wurzelnd ach! der Wo die Erschlag'nen ruh'n; doch ward ein Bach, Ein Börnlein, klein an Bett und arm an Muth, Benannt vom rothen Regen an dem Tag; Und Sanguinetto kündet, wo das Blut Den Boden roth gefärbt, roth die unwill'ge Fluth. 66. Doch du, Klitumnus! der lebendigste ³⁰ Kristall der süfs'sten Wassergrotte, drein Je eine Nymphe taucht' und badete lt Die Glieder, die nichts birgt, du hebst hier mm dein Grün Ufer, wo gras't so milchweis und rein, 6² Als ächter Wassergott, der Fürst der Rinder Was anzuschau'n so heiter und so fein: Nein, dich entweihte frech kein Ueberwinder— Du Spiegel und du Bad für Schönheits jüngste Kinder! 67. Und einen Tempel, klein gebaut und zart, Hegt dein beglücktes Ufer, der noch jetzt Auf eines Hügels mildem Abhang wahrt Sein Andenken von dir, deſs Fuſs benetzt Der Frieden deines Raums. Oft aus ihm setzt Der schuppige Schwertschütze, Glanz beschwingt, Der sich in deiner glas'gen Tief ergetzt, Indeſs die Wasserlilie segelnd dringt Hin, wo die seicht're Wog' ihr sprudelnd Lied noch singt. 68. Hier segne euch der Genius von dem Raum! Wenn durch die Luft ein heitrer Wehn ihr fühlt Um e Entlaf Wen Der e Vom Mit d Mäſst Wass Velir Der 1 Schäut Der W Und! Der A ader ler— ingste t setzt wingt, ILied um! 63 Um eure Brau, ist's seins; wenn seinem Saum Entlang es im beredtern Grase wühlt, Wenn euer Herz der Hauch der Scene kühlt, Der euch umfächelt, und es kurz nur rein Vom trocknen Staub des müden Lebens spült Mit der Natur Kindtaufe,— ihm allein Mäüſst ihr Gebet' für den Erlafs vom Ekel weih'n. 69. Wassers Gebrüll!— von gäher Höh' durch- 4 bricht Velino spaltend den durchwogten Gischt; Der Wasser Fall! Ein Glanzschwall, schnell wie Licht, Schäumt zu dem Schlund, der bebend ihm sich mischt; Der Wasser Hölle! wo es heult und zischt, Und kocht endlos gemartert, wo ihr Schweiſs Der Angst, den dieser Phlegethon abwischt, 64 Umwogt die Felsen von Cagat so heiſs, Die gürten rings den Colf, ein gnadlos grauser Kreis, 70. Und sprüh'nd zum Himmel steigt, dann wie- derkehrt In unabsehbar'm Schauer, das, weil rund Nie seine sanfte Regenwolk' es leert, Ein ewiger April ist für den Grund, Ganz zum Smaragd ihn bildend:— welch ein Schlund Der Golf! und wie der Riesenurstoff braust, Von Fels zu Fels wahnsinnig fortspringt und Die Klippen quetscht, die, oft zerstampft, zer- zaust Von seinem furchtbar'n Fuſs, hier spalten, daſs ihr grauſst. Die 8 Als Q Der 1 Von e Hier! Vielſa Dort Als ri Enlzü Entse Entlar Sitzt Wie Von Der V 25 71. Die Säule, die breit fortrollt, anzusch'n Als Quell mehr junger See, die sich vom Schooſs Der Mutterberge los rang durch die Weh'n Von einer neuen Welt, als daſs sie blos Hier Flüss' erzeugt, die stürzen, klein und groſs, Vielfach gekrümmt durch'’ Thal:— Seht jetzt den Schwall! Dort bricht wie eine Ewigkeit er los, wie- Als riſs er fort mit sich die Dinge all, Entzückt das Aug' durch Angst— als schönster Wasserfall 37), mein 72 st, nd Entsetzlich schön! doch wo der Morgen blitzt zer- Entlang der Woge dieser Unterwelt, Sitzt eine Iris an dem Rand, und sitzt 38) dals Wie Hoffnung auf dem Todtenbett, erhellt Von daur'nder Farb'; ob Alles rings zerschellt „ Der Wasser Sturz, doch schwebt die heit're Pracht E 25. 66 All ihrer Strahlenglorie unentstellt, Vergleichbar in der Scene Schauermacht Der Liebe, die den Wahn mit steter Treu' be- wacht. 73. Noch mal zur wald'gen Apennin' hinauf, Den Kinderalpen,— doch sah ich vorher Nicht ihre mächt'gern Eltern schon, wo auf Noch rauhern Höh'n die Fichte schwebt und schwer 3. 8 Geden Lawinen donnern, chrt' ich wohl sie mehr ³). Cleich Doch sah ich fern und nah, wie auf du drangst, Montblanc! mit grauen Gletschern, sah, wie Noch hehr Im nie betretnen Schnee du, Jungfraul prangst, 1 e,„e eegeret d8 1he drhese, Aes zusamt Hört' in Chimari einst die Donnerhöh'n der Angst, 2²) E 74. 8 3. er Acroceraunia's Berg' voll Alterthum; st 44... Und sah auf dem Parnassus Adler, wie eu' be- rangst, 'n der Des Raumes Geister, fliegen wie nach Ruhm; Denn unerreichbar hoch noch rauschten sie: Am Ida bog ich Trojern gleich das Knie; Olympus, Athos, Aetna, Atlas, ihr Schafft, dafs die Berg' unwürd'ger scheinen, die Ich schau', nur du nicht, still Sorakte*) hier, Das, jetzt in Schnee nicht, macht, daſs an Roms Sänger wir 73. Gedenken, und vom Plan steigst du noch heut Gleich lang gefegter Well', die bricht und schwach Noch an der Fluth hängt rastend; mag, wen'’s freut, Zusammen sein Erinnern harken, mag *) Ein von Horaz gefeierter und dem Apollo geheiligter Berg nahe bei Rom. Jetzt heifst er Monte di Silvester und liegt im Kirchen- staate beim Kloster St. Sorasto. D. Ueb. 68 In klassisch süfser Wonn' er singen wach Die Höh'n mit Latiums Echo's; mir war das Ein CGreu'l, des Dichters halb zu jagen nach Der Lehr', die jung man Wort für Wort so kraſs 40), Mir sträubend eingezwängt, um froh zu feiern, was 76. Zurück die Arz'nei ruft, die sonst durchkreist Mein krank Gedächtnifs; zwar hat Zeit gelehrt, Auf Einstgelerntes achten meinen Geist; Doch früh durch Denkens Ungeduld verzehrt, Ward nur noch meines Geistes Qual gemehrt; Daſs, eh' er prüfen konnte, schon verletzt Durch das, was sonst vielleicht er hoch geehrt Bei freier Wahl, er nicht gesunden jetzt, Nur scheuen kann, wovor er damals sich ent- Lebw Nicht Den, Versteé Ob ur Dies Kein Drob, Doch 0 Ro Die B Einsar Vergr 1* Lebwohl, Horaz denn, den ich so gehafst; Nicht deine Schuld ist's, mein'; es trifft ein Fluch Den, der dein lyrisch Feu'r nie fühlt,— nur fafst, Verstehen nur, nie lieben kann, dein Buch. Ob uns kein tief'rer Moralist vortrug Dies dürfi'ge Seyn, dir gleich kein Barde sang, Kein reg'rer Spötter das Gewissen schlug, Drob, doch nicht wund, das Herz erbebt so bang: Doch fahre wohl— wir scheiden auf Sorakte's Hang. 78. O Rom! der Seele Stadt! mein Vaterland! Die Herzverwaisten müssen flieh'n zu dir, Einsame Mutter todter Reich'! als Tand Vergraben dann den Schmerz im Busen wir. ¹„5 Was sind die Weh'n, das Dulden? Kommt, seht hier Ver( Cypressen, hört die Eule, müh't darnach 5 Euch durch gebrochne Thron' und Tempel, Ihr! 2ertru Le u Die Schmerzen dulden blos für einen Tag— cel ebeu Vor uns liegt eine Welt, wie unser Staub so Barbar schwach. 1 Zum F Stürzt 70 79. Lin Tr Der Völker Niobe! im stummen Harm hts. 3 „ d⁵ 8 Steht dort sie kinderlos und kronenlos, 4 Und sa Mit leerer Urn' in ihrem welken Arm, Dem heil'gen Staub, drin fiel des Staubes Loos; Selbst aschenleer steht's Grab der Scipio's 41), Nicht wohnen seine Helden mehr im Dom Der Grabesmäler: flieſst, o Tiber, blos Die Na- Durch Marmorwüsten jetat dein alter Strom? Auf! und mit gelber Fluth bedeck' die Schmach Unyisse von Rom! Wir füf * Ihr! — ub so 80. Der Goth' und Christ, Zeit, Krieg, Fluth, Feuer hat Zertrümmert ihre Glorie, Stern bei Stern; Gebeugt den Stolz der Siebenhügelstadt; Barbarische Monarchen sah als Herrn Zum Kapitol sie fahren; nah und fern Stürzt' ein so ganz der Thürm' und Tempel Pracht:— Ein Trümmerchaos! Wer, möcht’ er's auch gern, Ist's, der ein Mondlicht in der Oed' anfacht, Und sagt:«hier war, hier ist,“ wo doppelt herrscht die Nacht. 81. Die Nacht der Jahr’'— und der Nacht Toch- ter, der Unwissenheit— hüllt, was da ist und war; Wir fühlen nur, wir irren hier; das Meer 7² Hat seine Kart' und hoch die Sterne gar, Und Kenninifs spreizt auf weitem Schooſs sie baar; Doch eine Wüst' ist Rom, wo hier und da Wir strauchelnd durch Erinn'rung steu'rn; jetat zwar Schrei'n Händeklatschend: Hell ist's! Heu- reka!»— Wenn nur ein falscher Glanz aufstieg von Trümmern nah. 82. Ach! der erhabnen Stadt! und ach den drei Mal hundert Siegs-Triumphen 4²)! und dem Schlag, Da Brutus Dolchesspitz' an Ruhm vorbei Dem Schwerte des Erobrers drang! ein Ach Ruft. Tullius Stimme und Virgils Lied nach, Uud Livius mal'ndem Blatt!— sie sind je- doch— Sank Alles einst— ihr Auferstehungstag. — Ac So fur 0 du Du iri Des L Für se Das 8. Durch Senate Trotz Da lä 73 — Ach selbst der Erde! denn nie sehn wir noch ſs sie So funkeln Roma's Aug', als da sie frei vom Joch! da jelst 83. O du, defs Wagen rollt' am Glückesrad 48), Ileu- Du triumphir'nder Sylla! der erst bog Des Landes Feind', eh er die volle Saat Vvon Für seine Kränkung erntete, nicht zog Das Schwert der Rache, bis sein Adler flog Durch das zertretne Asien— du, defs Droh'n Senate schuf zu Nichis— ein Römer doch rei Trotz deiner Laster; Sühne gabst du schon, dem Da lächelnd ab du trat'st vom mehr als ird'- schen Thron— 84. Dem des Diktators— ahntest du vorher, Zu was einst schwinden würde, was zuvor Dich mehr als sterblich machte? daſs sonst wer, Als Römer mähen könnte Roma'’s Flort Sie, die genannt ward ewig, die erkor Ihr Heer zum Sieg blos, die die Erd' im Schlei'r Hüllt ihres mächt'gen Schattens, und empor, Wie in des Himmels fernste Höh' der Gei'r, Die Flügel schwang— ol die Allmächtig pries die Lei'r! 83. Sylla war erster Sieger; doch ſort trieb Ihm mi Auch unsers Cromwells Schwert sein Regi- Schien' ment, Der weiseste Machthaber, der zerhieb Den Thron zum Block— unsterblich kühn! Erkennt, Was es fär Schuld braucht, frei für den Mo- Und du ment, Im Ern Berühmt durch alle Zeit zu seyn; doch dann Die sah Denkt auch der Lehre, die sein Schicksal nennt: An ihre Sein Tag zwiefachen Siegs und Tods gewann Faltend Zwei Reich' ihm, dann das Orab ihm als be- Der Cö glücktern Mann. Die Ner alei'r or, i'r, pries 86. Der dritte Tag und in demselben Mond, Deſs Lauf so herrlich ihn gekrönt vordem, Setzt' ihn sanft von der Höh', d'rauf er gethront, Und legt' ihn zu der Erde früherm Lehm 49. Lehrt so das Glück nicht, wie Ruhm, Diadem Und Alles, drum wir ab uns müh'n, was zu Besitzen, uns erscheint so angenehm, Ihm minder süfs dünkt, als des Grabes Ruh? Schien's dir, o Mensch, doch so, wie anders trau'rtest du! 87. Und du, o Statuel die mit düst'rer Brau 4⁵) Im Ernst der nackten Majestät noch droht, Die sah, wie Cäsar in der Mörder Klau' An ihrem nassen Fufs sank, blutig roth, Faltend sein Kleid mit Sterbens Würd'., Ihn bot Der Götter, Menschen grofse Kön'gin dir, Die Nemesis als Opfer dar! Ist er todt? 76 Auch du, Pompejusb Wuaret Sieger ihr Zahlloser Kön'ge, oder Schauspiels Puppenzier? 88. Und du, die Blitzgeschlag'ne Amme Roms ⁴9 O Wölfin! der aus eh'rnen Eutern floſs Die Milch der Sieger; innerhalb des Doms, Für den dich alte Kunst zum Denkmal goßs; Du, der des mächt'gen Gründers Herz entsproſs, Das sog der Stark' an deiner wilden Brust, Die schwarz des Römer-Zeus himmlisch Ge. schofs, Wie deinen Leib gesengt— wahrst du mit Lust Noch dein unsterblich Blut, dir süſster Phflicht bewuſstb 89. Ja;— doch die ehrnen Männer, deine Zucht, Sind todt; und Enkel legten Städte an Aus ihren Gräbern, bluteten aus Sucht, Zu seyn was sie, auf die mit Schreck' sie sah'n, Und si In läp Zu sol Ein ei Doch Der TI Von B Mit kl- Geforr Sein M Unster Sein s⸗ Alcid Kuie'n hr azier? 30ſs; proſs, 5t, h Ge-. it Lust Pllicht zucht, sah'n, 77 Und siegten kämpfend, zich'nd dieselbe Bahn In läpp'scher Ferne; doch, ob sie gekriegt, Zu solcher Hoheit konnte nur sich nah'n Ein eitler Mensch, der noch im Grab nicht liegt, Doch seiner Sklaven Sklav' und durch sich selbst besiegt, 90. Der Thor der falschen Herrschsucht— eine Art Von Bastard-Cäsar, folgend ihm, der alt, Mit kleinern Schritten; denn der Römer ward Geformt aus minder irdischem Gehalt 4), Sein Muth war wilder, doch sein Urtheil kalt, Unsterblich sein Instinkt, das, was verletzt Sein sanft, doch kühnes Herz, zu sühnen bald; Alcid am Spinnrocken schien er zuletzt, Kniend vor Cleopatra,— und selber strahlt' er jetzt, 91. Und kam— und sah— und siegte! Doch der Mann, Der seine Adler schiefsen lehrt' im Streit, Kunstfalken gleich für Gallia's Heeresbann, Den er zum Sieg geführt traun lange Zeit, Mit taubem Herzen, das nie schien bereit, Auf sich zu lauschen, war er arg durchwebt, Mit Einer schwächsten Schwäche— Eitelkeit; Kokett im Ehrgeiz— hatt’ er stets gelebt— Für was?— Kann er's enthüll'n— kund thun, was er erstrebt? 92. Wollt' Alles seyn, ob nichts— und konnte blos Des Grab's nicht harren, das zum Nichts gesellt; Schnell ward sein Loos gleich der Cäsaren Loos, Auf die wir treten: Dafür baut der Held Triumphesbogen! dafür quoll und quellt Die Bl. Als W Dann, Zeugt r Was er Beengte Kurz IL. Gewohr Die Me Die Erd Mehr R Eh' auc Und Sc. l der onnte sellt; 10os, zogen Als Weltalls-Sündfluth, keine Arche stellt Daun, armer Mensch, dich sicher; gröſs're Wogen Zeugt nur die Ebb'!— Erneu', Cott! deinen Regenbogen! 93. Was ernten wir von diesem kargen Seyn? Beengte Sinnen, und hinfäll'gen Geist 48), Kurz Leben, Wahrheit, Abgrunds Edelstein, Gewohnheits falsch'ste Schale wiegend meist; Die Meinung eine Allmacht,— hüllend dreist Die Erd' in dunkelm Schlei'r, bis kein Gewicht Mehr Recht vor Unrecht hat, der Mensch er- greist, Eh' auch sein Urtheil durch zur Klarheit bricht, Und Schuld frei Denken ist, und Erd' hat zu vfel Licht. Die Blut- und Thränenfluth, kömmt dann ge- 80 94. S8o mäl'n sie sich auf trägen Elends Bahn, Bis sie erliegend modern unterm Gras, Auf ihr getrampelt Wesen stolz; der Ahn, Vermachend durch Zeitalter seinen Haſs Dem neu'n Geschlecht geborner Sklaven, das Um Ketten Kriegt, doch statt des Freiheitstraums Wie Fechter blutet,— ob ohn’ Unterlaſs 3 Es fortkämpft innerhalb desselben Raums, Wo's ſallen sieht die Freunde, Blätter eines Baums. 93. Nicht mein' ich Menschenglauben,— die an. geh'n Geschöpf und— Schöpfer; nur was tief und hoch Bekannt ist— was wir täglich, stündlich sehn, Das Joch, mit welchem doppelt uns umzog Die Tyrannei, der Plan, den sie erwog, Der E Deſs A Sie rif Zu glo Fällt de Ward, Wie sa Als Pal Ob wac Der Kat Des W. Dich, Der Erd 25. 81 Der Erdgebieter Machtgebot, die nun Deſs Affen sind, der einst die Stolzen bog, 4, Sie rifs vom Schlaf, d'rin auf dem Thron sie ruh'n: 3, Zu glorreich wäre dies blos des Gewalt'gen das Thun. traums ſs 3 s, 96. Fällt der Tyrann Tyrannen nur zum Fang? Ward, Freiheit! dir kein Sohn, kein Hort gewährt, Wie sah Columbia, da hervor sie sprang, Hie an- Als Pallas unter Waffen, muthverklärtb Ob wachsen solche Geister nur, wo gährt ſef und Der Katarakt durch tief verwachs'ne Schlucht Des Wald's, wo lächelnd einst Natur genährt sehu, Dich, Washingtom Hegt nicht mehr solche zog Frucht Der Erde Brustp hat nicht Europa solche Zucht? F 25. 8² 97. Doch Frankreich, blutberauscht, spie' Sünden aus, Und ihre Saturnalien brachten rund In jedem Land und Volk der Freiheit Graus; Denn jener Todestage Trauerbund, Und Ehrsucht, die trat zwischen Menschen und Ihr Hoffen, wie ein diamantner Wall, Und jüngst der niedre Prunk, sie sind der Grund Und Vorwand für die ew'gen Ketten all, D'raus wächst das Uebelste, des Menschen zwei- ter Fall. 98. Doch strömt dein Banner, Freiheit! zwar zer- fetzt, Dem Wind entgegen, kühn, Gewittern gleich, Und deine Stimm', ob sterbend, brechend jetzt, Spricht, dröhnt am laut'’sten sie, zum Donner: schweig'! Dein E Der A* Doch l Und tie 80 brii Dort sté Fest wi So säun So steht Zweitau Ein Kra Die grü Was w⸗ In seine 85 Dein Baum ist Blüthenlos und scheint, vom Streich ünden Der Axt zerhauen, rauh und werthlos zwar; Doch blieb der Saft,— und Saat noch seh'n wir reich raus; nd tief gesä't, in Nordens Brust sogar; So bringt wohl bess're Frucht uns einst ein en und „ bess'res Jahr. Grund 99. Dort steht ein runder, alter, düstrer Thurm 49), Fest wie ein Fort mit seiner Wehr von Stein, So säumt ein Heer, warf's auch der Schlach- tensturm: So steht mit halben Zinnen er allein, Zweitausendjähr'ger Epheu hüllt sie ein, Ein Kranz der Ewigkeit, d'rin auf und ab gleich, Die grünen Blätter sich schön wogend reih'n;— jetet, Was war der mächt'ge Thurmb was ward hinab onner: In seine Gruft gesenkt so tief— Ein Frauen- grab. 84 100. Doch deren Gruft ein Pallast ist, wer war Die Todte?b War sie keusch und schön, und werth Des Königs- oder Römerbettes gar? Zog Feldherr'n und Hero'n ihr Hausesheerd? Ward einer Tochter Reiz durch sie bescheert? Wie lebt' und liebt' und starb sie?— Ward so grols Sie an dem Ort gepriesen und geehrt, Wo mindres Trümmer nicht darf modern blos, Dahin gestellt zu feir'n ein mehr als sterblich LoosP 101. Liebt' ihren Herrn sie, oder liebt' auch den Der Andern sieb Solch' Frau'n hat Rom selbst in Der alten Zeit der Sage nach gesehn. War sie Matrone von Cornelia's Sinn, Wohl gleich Egyptens bolder Königin? Ausströmend Freude— oder feind dem Scherz, Ergraut Gern a Floh Li vielleie Gewich Das ihr Mocht Die Sch Das Zeu Doch sel Als Hes! Und ihr Vielleich Reiz, F. 85 Ergraut in Tugend? Lehnte sie sich hin Gern an die sanfte Brust, ⸗b klug ihr Schmerz var 1 unt Floh Liebe ganz— denn bald schlägt so, bald 4 so das Herz. 102. eerd? fein 3—. Neeris Vielleicht, dafs jung sie starh, daſs ihres Leids c Ward Gewicht viel schwerer, als das Grabmal war, ar Das ihren edlen Scaub drückt; ihren Reiz Mocht eine Wolk' umzieh'n, ihr Augenpaar Die Schwermuth, welche sagt das Schicksal wahr, Das Zeus gewährt den Seinen— frühen Tod 50); Doch schwebt um sie ein Spätrothsreiz, der klar, Als Hesperus der Todten, zitternd loht Und ihre bleiche Wang' umspielt wie Herbst- laubs Roth. 103u Vielleicht starb alt sie— länger lebend als Reiz, Freund' und Kinder— mit dem Silber- weils 86 Der langen Lockes, die noch allenfalls Erinnern an den Tig, wo Kunst und Fleiſs Sie schön geflochten; und Neid, Staunen, Preis Ihr stolzer Schmuck und ihre Schön' erwarb Von Rom— Doch träumst, mein Ceist, du, der blos weifs: Des reichsten Römers Velb, Metella, starb; War's Liebe, oder Stolz, was ihr dies Maal er- warb P 104. Ich weifs nicht was— doch stehend so bei dir, Scheint's mir, ich kannte deine Todte schon, Du Crab! und früh're Tage nah'n sich mir Mit trauten Klängen; anders naht der Ton Und fei'rlich zwar, wie stöhnt der Wolke Sohn, Der Donner, treibt der Wind fort sterbend ihn; Doch könnt' ich ruh'n auf diesem Epheuthron, Bis ich dem glüh'nden Geist Gestalt verlieh'n, Die gleicht dem Wrak der Fluth, das nachläfst blos Ruin; Bis vo Cebau Noch 1 Der B Und b Wo a Doch C'nug Nicht Heult Soll m Soll N. Den je Der di 87 Doch fänd' in dem auch, was die See durch- 1 fleuſst, 103. leiſs 1—. Prei Bis von den Planken rings ich auf dem Hang 1 166 Gebaut mir einen Hoffnungskahn, um dreist lat Noch mal zu kämpfen mit dem Meer, dem Drang tt, du, 4. Der Brandung, die laut tobend sich ergeuſst 1 8 Und brüll'nd auf das einsame Ufer scheufst, . Atarh; Wo alles liegt versenkt, was je war theu'r; laal er- C'nug mein rauh Boot, wohin trieb dann mein Steu'r P bei dir, Nicht Heimath, Leben, Hoffnung lockt— als schon, dies Gemäu'r. mir 106. Heult denn, ihr Winde! eure Melodei Soll mir hinfort Musik seyn, und den Laut rlieh'n, Soll Nacht mir mildern mit der Eule Schrei, Den jetat ich höre, wo das Zwielicht traut Der düstern Vögel Wiegensitz umgraut, a chläſst 88 Die sich antworten am Palatium Mit klotzgem Aug', das grau und glänzend schaut, Und Segelfit''gen.— In dem Heiligthum Sind klein nur unsre Weh'n P— nicht meine zähl' ich d'rum. 107. Cypress' und Epheu, Mauerblum' und Moos Verwachsen und verwuchert, keine Spur Von Zimmern, morsche Bogen, Säulen blos Ruin, Gewölb' im Schutt, und Fresko's zur Dampfnacht gewandelt, wo die Eul' auffuhr, Als wär' es Nacht schon:— Tempel? Bäder? Hallen ũ Was waren einst sien— da die Forschung nur: Dafs Mau'rn jetzt sind's,— fand nach den Fra- gen allen— Seht dort der Kaiser Berg! so muſs das Mächtge fallen 5¹). Dies is Dies a Erst F Pracht Und o Sie ha Wo 8 Die Sc Aug',( Bewun Denn 0 Me Reich' 89 108. nzend 3 Dies ist der Spruch, den Weise nicht verhehlt5), Dies aller Zeiten warnend Einerlei: 1 5 . Erst Freiheit und dann Ruhm— wenn dieser meine fehlt, Pracht, Schuld, Verderben— endlich Barbarei. Und ob Geschichte Bänd' an Bände reih', Sie hat Ein Blatt nur— deutlicher steht’s da, Wo so gehäuft hat stolze Tyrannei Die Schätz' und Freuden all, die je ersah AAug', Ohr, Herz, Sinn und Wort— doch Wort' hinweg! kommt nah, 109. Bewund'rung, Jubel— Ueberdrufs— Lust, nur: Schmerz; Fra- Denn hier ist's, wo all die Gefühle nah'n:— 0 Mensch! du Pendul zwischen Gram und chl'ge Scherz, Reich' und Zeitalter schliefst ein dieser Plan 90 Des Bergs, auf deſs zertrümmertem Altan Der Thronen Pyramid' einst hoch geragt, Des Ruhmes Flimmer auf zur Sonne sah'n, Bis ihre Strahlen flammender getagt! Wo ist der Dächer Coldb? wo, die den Bau gewagt 5 110. Nicht so beredt, wie du, war Tullius traun, Namlose, tief versunkne Statue hier! Was ist der Lorbeerkranz um Cäsars Brau'n? Kränz’, Epheu! mich, jetzt seiner Wohnung Zier. Weſs Bogen, Pfeiler grüfst mein Auge hier, Des Titus, des Trajan? Nein— den der Zeit, Die, wo stand Bogen, Pfeiler, Siegspanier, Mit Hohn jetzt der Apostel Statuen reiht, Dafs Kaiserurnenstaub flieht aus Erhabenheit 8), Versc D'rin In de Als d Der 1 Gab Als b Durc Als b 111. Verscharrt in Luft, Roms tiefblau'm Wolken- land, Bau D'rin schlief ihr Staub, schau'nd zu der Sterne Zelt, In deren Mitt' ein Geist die Heimath ſand, Als deren letzter, die beherrscht die Welt, Der Römer Globus; d'rauf erhielt kein Held,— Gab hin nur, seine Siege:— er war mehr, Als blofser Alexander, unentstellt Durch häuslich Blat und Wein, thront heiter er 4 Als bester Fürst— noch blüht Trajanus Ruhm so hehr 59. 112. Wo ist der Felsen des Triumphs, wo fiel in Arm Rom ihren Helden? wo der Hang . Tarpejans des Verrathes passendst Ziel, 1 . Das Vorgebirg, von dem der Falsche sprang, Ccheilt vom Ehrgeiz. Häuften ihren Fang 9² Die Sieger hierb Ja; und dies Feld ist's, wo Still schläft der tausendjähr'gen Kämpfe Drang— Das Forum, durch die Red' unsterblich so, Wo noch die Luft beredt haucht— brennt mit Cicero! 113. Das Feld für eines stolzen Volkes Ruhm, Kampf, Freiheit, Blut, der Leidenschaften Heer, Seit da zuerst geknospt sein Königthum, Bis keine Welt war zu erobern mehr. Eger Doch Freiheits Aug' war lang verschlei'rt vorher Für s Und Anarchie statt ihrer herrscht' im Staat; Bis jeder Krieger mit rechtloser Wehr Al d Trat auf dem stummen, sklavisch scheu'n Senat, Linst Und feil den Mund auf für noch ſeil're Wichte Wahi that. Barg b Die d 1 14. Und Dann zu dem letzten der Tribunen schau'n Du s Von dem Zehntausend der Tyrannen wir, „, wo ng— so, t mit 9⁵ Zum Retter von Jahrhunderten voll Grau'n, Italia's Hoffnung— Freund Patrarchs, zu dir— Rienzil letzter Römer!— Seht, wie hier 55) Der Freiheit welken Stamm ein Blatt belaubt! Gleichwie ein Kranz sey'’s deines Grabes Zier— Des Forums Kämpfer und des Volkes Haupt, Sein zweiter Numa, ach! zu früh dem Reich geraubt! 1 13. Egeria! süfse Schöpfung, Bild der Ruh 5⁵) Für solch ein Herz, das kennt nicht schönern Raum, Als deine Idealbrust;— bist, warst da Einst eine jung' Auror' am Himmelssaum, Wahnsinn'ger Zärtlichkeit Verzweiflungstraum? Barg deine Schön' ein irdisches Gefild, Die dort geliebt ward wie auf Erden kaum, Und zu sehr angebetet?— welch Gebild Du seyn magst, schön warst du gedacht, ge- formt so mild. 94 116. Das Moos um deinen Himmelsquell durchfunkelt Noch deiner Wasser Grottumwölbter Flufs, Deſs Antlitz, durch Jahrrunzeln nicht verdun. kelt, Sanft wiederstrahlt des Raumes Genius; Den grünen, wilden Rand, wo schritt sein Fufs, Ritzt Kunst nicht mebr: wie jetat das zarte Feucht Vom Marmor frei, mit lieblichem Erguſs Aus der gespaltnen Statue Grund auffleucht! Hier Und Farnkraut, Epheu, Blumen rings der Bach— umkreucht, Wperia Nach „ Undn 117: Mit st Phantastisch hier verstrickt! die grünen Höh'n Dich, Bekleiden frühe Blüthen, auf dem Grund Gewit- Rauscht die schnellseh'nde Eidechs, und seyd Für ei schön Cewei Willkommen! singt der Sommervögel Mund; nkelt rdun. Fufs, zarte at! Bach löh'n seyd Und tausend Blumen flehn so frisch, so bunt Euch, hier zu säumen; sanft vom Wind be- haucht, Weh'n tanzend sie im farbig schönen Bund; Das süſse Veilchen scheint, tiefblaugeaugt, Als wenn beim Himmelskuſs es seine Farb' ein- saugt. 118. Hier wohntest du in dieser Zauber Mitten, Egeria! deine Himmelsbrust verlangend Nach deines sterblichen Geliebten's Tritten; Und nahte Mitternacht, still, purpurn prangend Mit sternenreichstem Baldachin umfangend Dich, deinen Liebenden, was sah sie dort? Gewiſs die Höhle war so überhangend Für einer Göttin Minnegrufs, der Ort Geweiht durch heil'ge Lieb'— als früh'stes Götterwort! 95 119. Und eintest, dein' an seine Brust geschlossen, Ein himmlisch du und menschlich Herz; und weil Die Lieb' hier stirbt in Seufzern, kaum ent- sprossen, Ward ihr durch dich Unsterblichkeit zu Theil? Schufst du unsterblich sie, wobst du solch Heil, Des Himmels Rein' in diese Erdenlust? Vertriebst das Gift, abstumpfend nicht den Pfeil, Des Ueberdrusses allverzehr'nden Wust, Und zogst das Todeskraut, den Ekel, aus der Brust? 120. Ach! Oed' ist unsrer Jugendtrieb' Erfolg; Sie wässern kaum die Wildniſs noch, die zeugt Blos düster wuchernd Unkraut, hast'gen Lolch, Der zehrt das Herz, ob süſs dem Aug' er deucht, Wild duft'’ge Blumen, d'rob das Inn're keucht, Und I Sproſs Erseu 0 Lie Du Se EinC! Kein gie se. Wie« 80 hat sie eir Wie: Nicht Drum ossen, ; und n ent. Theil? 7 Heil, t den us der ; zeugt Lolch, eucht, eucht, 97 Und Bäume, d'ran Gift knospet: solche Zucht Sprofst, wo die Leidenschaft gohr, die durch- fleucht Die wüste Welt, und eitel auf der Flucht Erseufzt die unserm Loos verbotne Himmels- frucht. 121. 0 Liebe! nein, auf Erden wohnst du nicht— Du Seraph, den wir glauben, sahen nie, EinGlaub', deſs Märt'rer ist das Herz, das bricht; Kein bloses Aug' sah deine Form so, wie Sie seyn soll und seh'n wird es nimmer sie. Wie einen Himmel sich die Seel' entfaltet, So hat mit sehnsuchtsvoller Phantasie Sie einen Traum sich so geformt, gestaltet, Wie träumt der Geist, erhitzt— wund— matt — gedörrt— zerspaltet. 122. Nicht seine Schöne kann den Geist dann laben, Drum fiebert er sich falsche Schöpſung:— wo, G 25. 98 Wo ist, was Künsiler schön gebildet haben? Allein in ihnen. Schafft Natur es sop Wo sind die Reiz' und Tugenden, die froh Der Knab' erstrebt und ernst verfolgt der Mann? Der Schwermuth Paradies, das ewig floh, Das kein Kiel und kein Pinsel schildern kann, Das selbst dem Blatt entschlüpft, wo's ncu zu blüh'’n begann? 123. Wer liebt, ras't— Jugendwahn ist's— doch die Kur Ist bitt'rer noch; da Reiz auf Reiz verblüht, Der unsr' Idol' umgab, und wir sehn nur, Nicht ausser deinem Ideal, Gemüth, Blüh' Schönheit, Werth; doch unverändert glüht Es für den Zauber, hängt so treu ihm an, Bis Wirbelwind es erntet, säend Süd; Das harte Herz, defs Alchemie begann, Scheint immer nah dem Preis— wenn's bricht, am reichsten dann. Und je All' sir Und T. Kaum Ob Zut Des Li Antipat 99 enb 124. oh Wir welken von der Jugend, keuchen weg— lann? Schwer krank; noch dürstend— erntend nicht die Frucht, kann Obschon zuletzt an Abgrunds Todessteg . eu z2u Ein Irrlicht lockt, wie wir zuerst gesucht— Zu spät doch— so sind doppelt wir verflucht. Lieb', Ehrsucht, Ruhm, Geiz,— was sind all sie?— Tand— Und jedes schlecht— doch keins zumeist ver- rucht— All' sind's Meteore, anders blos benannt, ſ Und Tod der schwarze Rauch, darin verlischt der Brand. 125. Kaum einer trifft, was liebt er, könnte lieben, 0b Zufall, blind Berühren, die Gewalt. icht, Des Liebenmüssens scheinbar weggetrieben Antipathien— sie kehren wieder bald 100 Mit gifi'gem Schmerz, für immer machend Halt; Und Ungefähr, der miſsgestaltende, Ungeist'ge Gott, er schafft und fördert kalt Mit seinem Krückenstock manch kommend Weh, Kehrt Hoffnung schnell in Staub— und wer entfloh ihm je? 126. Das Leben ist ein falsches Seyn,— nicht schickt Sich's zum Welteinklang— dieser Sündengrind, Der ewig fortsiecht, dieses hart' Edikt, Endloses Müh'n, der Baum, den zaust der Wind, Defs Wurzel Erd' ist, defs Laub, Astgewind Sind Wolken, d'raus wie Regen thaut der Schmerz— Tod, Ekel, Knechtschaft— Weh'n, die sicht- bar sind, Und ärgre noch, die unsichthar— so zerrt's Mit immer neuer Qual das unheilbare Herz. Doch Abläu Auf u Zu de Ob diU Sperrt. Die du Zu hel Der St Auf Bo Aus ihr Aus de Steht d’ Umstra Darf ni Solch 1. Halt; alt Weh, d wer chickt grind, 127. Doch denken lafst uns kühn— esistein schlecht 5 Abläugnen der Vernunft, zu thun Verzicht Auf unser einzig, letzt Asyl, das Recht Zu denken; und dies fahren laſs ich nicht; Ob diese Gottkraft von Geburt an dicht Sperrt, fesselt, einschliefst, martert und zerreiſst Die dunkl' Erziehung, dafs der Wahrheit Licht Zu hell nicht leucht' in den betroffnen Geist: Der Strahl dringt durch, denn Zeit und Kraft die Blende reifst. 128. Auf Bogen, Bogen! gleich als wollte Rom Aus ihrer Haupttropheen grauem Reih'n, Aus den Triumphen all' bau'n Einen Dom, Steht da ihr Colliseum; Mondenschein Umstrahlt's, wie seine Fackeln; göttlich seyn 4 Darf nur das Licht, wodurch erleuchtet glimmt Solch lang ersehnt und nie erschöpft Gestein 102 Für die Betrachtung, und im Aether schwimmt Zeit! Italia's tief Nachthlau, das Farben jetzt annimmt. Die, Und t 129. Die st Wie Worte, die gehört zum Himmel heben 0 Zei Und das dies wunderweite Denkmal schmückt, Hand, Fortschattend seinen Ruhm. Es ist gegeben Der Erde Dingen, so die Zeit gebückt, Ein Geist's Gefühl— und was deſs Schwert Bei di zerstückt, .. Den g Doch d'rauf dann seine Hand ruht, eine Macht Ie in Und Zauber ist den Trümmern eingedräckt, Jahr' Wofür der jetz'ge Pallast muſs der Pracht Entsagen, eh' sein Brautschatz wird der Zeiten Sah'st Nacht. 130. Dan O Zeit! du Sterbendes Verschönernde, Still, Du Trösterin, die das Zersltörte ziert, Der mi Und wenn das Herz brach, dann blos heilt das Umson Weh— Macht ſickt, cht Zeiten Zeit! welche Wahrheit, Liebestreu probirt, Die, wenn nichts weis' ist, blos philosophirt, Und unser Urtheil reint, verirrt' es sich, Die stets zwar abträgt, aber nie verliert— 0 Zeit, du wcherin! zu dir heb' ich Hand, Aug' und Herz und fleh' um eine Gabe dich: 131. Bei diesem Wrak, wo du gebaut hast dir Den göttlichen zerstörten Tempel, zoll' lch unter mächt'gern Gaben meine hier, Jahr' im Ruin— nicht viel, doch Schicksals voll:— Sah'st je du, daſs mein Geist von Hochmuth schwoll, Dann hör' mich nicht; doch trug das Glück mein Herz Still, und bewährt' ich stolz mich gegen Groll, Der mich nicht fäll'n wird: gib, daſs ich dies Erz Umsonst nicht in mir trug— soll treffen sie kein Schmerz? 104 132. Selbst Und du, die stets der Menschen Unbill wog Die ie In heil'ger Wage, groſse Nemesis 58)! Hier, wo die Vorzeit lang' vor dir sich bog; Ich sc Die rief die Furien aus der Finsterniſs Und um Orest sie zischen, heulen hiefs, 1 Wo der entmenschte Rächer nun gefufst Vnd b — Gerecht, that's minder nahe Hand— durch Weil dies Er sp. 5 Dein altes Reich ruf ich, entsteig' dem Wust! Wer Vernimmst du nicht mein Herz? Wach' auf, V du wirst, du muſßst. Doch Nicht 133. Ward Die ii Nicht, daſs nicht wohl fär meine Ungebühr Häuft Und meiner Väter ich die Wund' empfand, Daran ich blut', o sie floſs für und für, Ward sie geschlagen von gerechter Hand. Doch jetzt sinkt nicht mein Blut hin in den Sand; Der F Dir weih' ich es, auf daſs die Rache du 105 Selbst nehmest, die ich noch nicht sucht' und fand, No Die ich nicht nahm, weil— doch ich deck es zu— bog; Ich schlafe, aber du wirst wachen, wenn ich ruh'. V 134. Und bricht jetzt meine Stimm' hervor, ist's nicht, durch Weil ich vor Einsigelitt'nem schaudre; mag Er sprechen, wer je matt sah mein Gesieht, Wer nach dem Krampf je meinen Geist sah schwach; Doch dies Blatt halle dies mein Wort einst nach; Nicht in der Luft verweh's aus meinem Buch, Ward ich zu Asch'; einst rächt ein ferner Tag Die tief prophet'sche Füll' in diesem Spruch, Häuft Menschenhäuptern dann den Berg von meinem Fluch! 135. Sand; Der Fluch soll seyn Vergebung.— Hab' ich nicht— — 8 106 Hör', Mutter Erde! mich, sieh, Himmel! d'rein— IHab' ich gekämpft nicht, wie der Starke ficht, Hab' nicht geduldet, was war zu verzeih'n? Litt ich nicht Hirnsbrand, Läugnung von Seyns Seyn, Des Namens Schmach, Herzspalten, Hoffnungs Hohn? Und fühlte blos nicht der Verzweiflung Pein, Weil ich nicht war ganz von demselben Thon, Wie die ich überseh', die lebend faulen schon. 136. Von mächt'gem Unrecht bis zur Falschheit klein, Was Menschen können, ward ich's nicht gewahr? Von schäumender Verläumdung brüll'ndem Schrei'n Zum leisen Flüstern der armsel'gen Paar Und feinerm Cift der Staubeskriecherschaar; Ihr, deren Janusblick im sinnvoll'n Aug' Durch Schweigen lügend, doch will scheinen wahr, Und stu Sein spr Doch le Und ob Und gra- Doch de Wenn Z Ein Ueb Wie eir Durchdr Ihr jetzt Das Sieg. Namlos, Ernst wa Zwar Eh 107 n- Und stumm durch Achselzucken, Seufzerhauch cht,PB Sein sprachlos Uebles nach spricht dem beglück- 1 tern Gauch. 137. Doch lebt' ich, und hab' nicht umsonst gelebt: 1 Und ob mein Geist verliert an Kraft und Drang, b Und grad, wenn er den Schmerz bezwang, ent- schwebt; Doch dem, was in mir, droht nicht Untergang, . Wenn Zeit und Marter meinen Hauch verschlang; Ein Ueberirdisches, zwar ihnen neu, Wie einer stummen Lei'r Erinn'rungsklang, Durchdringt einst ihren sanftern Sinn mit Scheu, u Ihr jetzt ganz felsig Herz mit letzter Liebe Reu'. b 138. Das Siegel steht.— Willkommen jetzt, o Macht! ; Namlos, doch so allmächtig, die du hier PErnst wallst im Schatten tiefer Mitternacht; 1 (nen Zwar Ehrfurcht, doch nicht Furcht weckst da in mir; 108 Dein Raum ist, wo die todten Mauern ihr 4 Epheukleid anzieh'n; so tief und klar Ich Sek' Wird dieses heil'gen Platzes Sinn von dir, Auf sein 6 Daſs selbst ein Theil wir werden defs, was war Die Mar Und werden an dem Ort ganz seh'nd, doch unsichtbar. Und lang 4 Und dur 139. Die let⸗ Kampflust'ger Völker Schwarm zog hier heran, Wie de Mitleid stöhnt', oder Beifall brüllt' ihr Mund, Jetzt scl So wie ein Mann ward von dem Nebenmann 3 Eh' sein Geschlachtet; und warumf aus welchem Grund? Des blut'gen Cirkus froh Gesetzbuch und Der Kaiser Lust heischt dies.— Warum auch nicht b Was liegt d'ran, wo wir füll'n der Würmer Er hört; Schlund; War, — Ob hier das Aug', ob's auf dem Schlachtfeld Nicht K bricht? Beid' sind's nur Bühnen, wo der Tapfre todt sich ficht. Doch w Dortsp 6 140. Ich seh', wie da der Gladiator liegt 59) Auf seine Hand gelehnt— dem Tod ergab Dortspielt' sein junges Häullein an dem Strand, war Die Mannsstirn sich, doch nicht von Angst be- doch siegt, Und langsam sinkt sein welkend Haupt herab— Und durch der Seite Wunde flieſsen ab Die letzten Tropfen, einzeln, schwer und roth, ſeran, Wie des Gewitters erste fall'n hinab; and, Jetzt schwimmt ihm die Arena— er ist todt, ſ inn Eh' sein letzt Heil! das Volk dem armen Sie- und? ger bot. d auch 141. rmer Er hört' es, doch er achtet's nicht— sein Aug' War, wo sein Herz, und dies weit weggewandt; atfeld Nicht kümmert ihn der Preis, der flieh'nde 1 Hauch; 1 todt Doch wo sein Strohdach an der Donau stand, 110 Dort war sein Dazisch Weib— er, ihre Hur Gemetzelt, daſs Rom einen Festtag fand— ⁰⁰) All dieses rauscht' hinweg mit seinem Blut— Pin Iri Rann'’s ungerächt?— Wacht auf! kühlt, Co. bind Sc. then, euern Muth! Snd e — Ward's 142. Ach! kl 1;. Der W Doch hier, wo Mord, in blutgen Dampf sie die zche hüllmd, ; 1. Der str Einst schaarte summ'’nder Völker sperr'nden Kreis, Der wie ein Bergstrom, murmelnd oder brüll'nd, Sich wand, und stürzte, ohne hemmend Cleis; Ilier, wo Roms Million durch Hohn und Preis Doch w Tod, Leben gab, das Spielwerk von dem Schwallbl) Zum hö Tönt laut mein Wort— bescheint matt Ster- Wenn nenweiſs Die Wüste, öde Sitze, morschen Wall— 1.. 7. Und Gänge, wo mein Tritt scheint lauter Wie- derhall. — 6⁰) t— Go- öf sie nden 6 1ll*¹), Ster- Wie- 143. Ein Trümmer— doch welch Trümmer’ aufgebaut Sind Schlösser, Wäll’, Halbstädt' aus seiner Welt; Und wenn das riesige Skelett ihr schaut, Staunt oft ihr, ob's auch wirklich Raub zerschellt; Ward's einst geplündert, oder nur erhellt? Ach! klar wird der Ruin, wenn kolossal Der Werkstatt Form sich nahe vor uns stellt; Sie scheuet jetzt des Tages Flammenstrahl, Der strömt zu sehr auf all, was Zeit, der Mensch bestahl. Doch wenn der Mond aufgeht und auf er klimmt Zum höchsten Bogen, wo sanft Halt er macht; Wenn Sternlicht durch der Zeit Luftlöcher glimmt, Und in der Luft, umspielt vom Hauch der Nacht, Der greisen Mauern Waldkranz wogt so sacht, Wie Lorbeern einst um Cäsars Kahlkopfschier*)! 112 Wenn heiter glänzt das Licht, doch ohne Pracht, — Dann weckt die Todten auf, der Zauber hier: Hier standen einst Hero'n— auf ihrem Staub steht ihr. 145. «§o lang das Colliseum steht, steht Rom 65); «Wenn fällt das Colliseum, wird Rom ſallen; «Und wenn Rom ſällt— die Welt.“» So sprach, o Dom, Englischer Pilger Mund in deinen Hallen, In grauer Vorzeit, bei der Sachsen Wallen Nach Albion; und o! der Grund steht noch Von diesen drei sterblichen Dingen allen; Rom und ihr Trümmer ein gleich starkes Joch, Die Welt— für wen ihr wollt, doch stets ein Diebesloch: 146. Hoch, einfach, ernst, erhaben, Würd'umthront- Sitz aller Heil'gen, aller Götter Heerd (Von Z Der Ru Rings Durch Glorreis Zerbric! Der Kur Rest sch Beraubt Ein heil Du Vorl Nach Ro Licht du 25. 113 acht,(Von Zeus bis Jesus), den Zeit segnet, schont 62), hier: Der Ruhe blickt, indefs wankt, fällt, verheert Staub Rings Reich und Bogen, und der Mensch selbst kehrt 8 Durch Dornen heim zum Staub— sinkst du nicht um? 55); Glorreicher Bau! Zeit's Sense, Herrschers Schwert Zerbricht an dir, du Heimath, Heiligthum Der Kunst und Frömmigkeit— o Pantheon! — Roms Ruhm! 147. Rest schön'rer Tag' und schönster Künste! du Joch, ts ein Ein heil'ger Leben allen Herzen zu— Du Vorbild für die Kunst, und wen Begier Nach Roms Ruhm drängt, für den gieſst Glo- rie ihr licht durch dein still GCemäu'r; für frommes Fleh'n Beraubt, vollkommen doch, es fliefst von dir II 114 Und Rosenkränze steh'n Altäre hier; Und die der Genius freut, ihr Aug' mag sehn der U. Auf edle Formen, die als Büsten um sie steh'n 65). 148. Dort ist ein Kerker mit schwarzschau'rgem Licht 66); Was seh' ich drinp Nichts; blick' noch mal hinein! 9 Zwei Schattenformen sieht schwach mein Ce- sicht— Doch gab mein träumendes Gehirn sie ein:— Es ist nicht so; ich werde klar und rein Doch' hi Um einen Greis ein jung, schön Weib gewahr, Die Milc Frisch, wie die still'nde Mutter; Nektarwein cit, . R.. 1* Ist ihrer Adern Blut; ich seh sie gar Dem ve Mit unbedecktem Hals und Busen weiſs und baar „. So lang 149. Dein rei Ihr warr Wo jungen Lebens reiner Quell voll schwillt, 2 Steigt he Trink', „ Wenn an dem Herzen und vom Herzen auch Uns unsre erst' und süſs'ste Nahrung quillt, 115 Wenn Mutterselig dann das Weib am Aug' ehn Der Unschuld, an der Lippen zartem Hauch,- 169.— Die Gram und Sorg' nicht quälet, hängt, und lind lIm Arm ihr Knösplein schaukelnd, gleich dem Lem Strauch, Froh, wie kein Mann, sieht, wie's sein Laub mal gewinnt: Ce Was wird's für Frucht?— Ich weifs nicht— Kain war Eva'’s Kind. 130. Doch hier beut Jugend grauem Alter dar „ Die Milch der eignen Brust: ihr kindlich Blut— Gibt, dem sie's von Geburt an schuldig war, Dem Vater sie zurück, dem Tod nichts thut, aar,. So lang Gesundheit, heil'ger Liebe Gluth Dein reicher Nil, Natur! sich geufst durch dies Ihr warmes, schönes Herz, deſs tiefe Fluth Steigt höher als Egyptens Strom:— Geniefs, 4 Trink'’, Greis! und leb'; nichts hegt dem gleich das Paradies. 116 134. Grau Die Sternenfabel der Milchstrafs' hat nicht, V Dir 8 Sie hat nicht deines Zuges reinen Sinn, Du Sterngebild mit einem süfsern Licht! Siehn Und heilige Natur fei'’rt mehr sich in Der Uebertretung, als im Abgrund, d'rin Fern Welten gläh'n: Kein Tropf' aus deinem Dochs hellen Strom irr' im Weg, du heil'ge Sängerin! Für de Zum Vaterherzen, füllend seine Quellen Mit Leben, während wir uns frei'r dem All ge- sellen. 1352. Naht jetzt dem Wall, den Hadrian hoch ge- reiht 670, Der Kaiseraffe grau'n Egypt'schen Stils, Er, defs gereis'ter Phantasie gefiel's, Doch g Die Künstler zu verdammen, nach des Nils Kopist der kolossalen Häſslichkeit, 117 Grau'nvorbild, Riesen gleich, den Dom zu bau'n Für seine eitle Asche:— wie des Ziels Der Weise denkt mit Lächeln um die Brau'n, Sieht er, wie solchem Plan entsprang der Masse Grau'n! 133. nem Doch seht! der Dom— der Wunderdom der Luft 68), Für den Diana's Pracht ein Zellchen war— Die mächt'ge Hall' auf Christus Martyrgruft! Il ge- Ich sah zu Ephesus das Wunder zwar, Sah streu'n defs Säulen rings die Wildniſs, gar In ihrem Schatten Hyänen, Schakals zieh'n; Ich nahm Sopbia's strahl'nde Dächer wahr, Als auf der Masse Glanz die Sonne schien, Indefs der herr'sche Moslem d'rin lag auf den Knie'n; 134. Doch sonder Gleichen stehst nur du allein Von alten Tempeln, neu'n Altären hier, 118 Als würdigster für Cott, so hehr, so rein. Als er nach Zions Untergang von ihr, Von seiner vor'gen Stadt hinzog zu dir, Welch Erdenwerk, gethürmt zu seinem Lob, War je erhabner? Kraft und Macht und Zier, Ruhm, Majestät, all dies, wie lauter wob Es Andacht d'rein, als sie die ew'ge Arch' erhob! 133. Tritt ein; denk' nicht, die Gröſs' ertrügst du kaum; Und wieb ward sie denn kleiner? nein, doch stimmt Dich fei'rlicher der Genius von dem Raum,— Dein Geist wird kolossal und er erklimmt Ein Heiligthum, wo schöner, reiner glimmt Sein Hoſfen auf Unsterblichkeit, und spricht: Du wirst einst, treu erfunden, so bestimmt Gott schau'n von Angesicht zu Angesicht, Wie jeizt der Heil'’gen Heil'ges, und erbeben nicht. Du na Wie Hinauf Doch Und V. Die M. D'rin Die, w Trägt Du siel Cetren Und w Das A Hier vq Dein Wards 119 136. Du nahest— doch fühlst mächt'ger seine Macht: Wie wächst die hohe Alp' bei deinem Schreiten Hinauf, so täuscht dich die gigant'sche Pracht; Doch werden Einklang die Erhabenheiten; Und Wohllaut all die Unermeſfslichkeiten; Die Marmorpracht— die Malerei'n, Kapellen, D'rin goldne Lampen glüh'n— des Domes Weiten, Die, wie der Erde höchste, Luftan schwellen: Trägt sie der Grund— er mufs den Wolken sich gesellen. 157. Du siehst nicht Alles— einzeln mufst du nah'n, Cetrennt nachsinnen diesem Paradies; Und wie viel Buchten wölbt der Ocean, Das Aug' zu weiden: so betrachte, wie'’s Hlier vor dir tritt, ein Jedes, und verschlieſs Dein Denken, bis du mehr und mehr durchglüht Wardst vom beredten Herzen; dann genieſs' 120 Die Gröſse stufenweise, die hier sprüht, Die Glorie, die zugleich nicht faſste dein Ge- müth; 158. Nicht seine Schuld war’s— dein'; allmählig nur Ergreift, was ihn umgibt, der äufs're Sinn: Wie ein Gefühl, das mächtig uns durchfuhr, Der matten Sprach' entfleucht: so kommts, daſs hin Der Kirchen strahl'nde Ueberwinderin, Sie, alles Groſsen Gröfstes, fort uns reifst, Und höhnet unsre Kleinheit im Beginn; Bis wachsend, so wie sie wuchs, unser Geist Sich ausdehnt zu der Höh', die sinnend er durchhkreist. 139. Dann weile hier begeistert; es liegt mehr In dem Schau'n, als im satten Staunen ob Der Wunder und der Lieblichkeit umher, Der K Was Der 80. Fällt, Oder 2 Laoke Des Va D'rin d Doch f Kneipt Der Ka Lebene Verstär 121 In Andachtsehrfurcht und im blofsen Lob Der Kunst und Künstlergröſse, die erhob, Was Vorzeits-Kunst nicht schuf, nach Geist ersann: Der Schlei'r, der die Erhabenheit umwob, Fällt, und aus ibrer Tiefe schöpfe dann, 0 Geist, dein Gold, und lern', was groſses Fassen kann. 160. Oder zum Vatikan geh', dort zu sehn Laokoons Marter im Verklärungslicht, Des Vaters Lieb', der Sterblichen Angstweh'n, D'rin der Unsterblichen Geduld sich flicht. Doch fruchtlos ringt der Greis; die Viper sticht, Kneipt und umwindet ihn, und nichis vermag Der Kampf; die gift'’ge Kette schlingt jetzt dicht Lebend'ge Ring'— und der furchtbare Drach' Verstärket Schmerz auf Schmerz, ersticket Ach auf Ach. 161. Den Herrn des Bogens, der nie fehlt, auch schau' Den Gott des Lebens, Lichts, der Poesie,— Die Sonn' in Menschengliedern, seine Brau Ganz strahlend vom Triumph im Kampfe, sieh! Grad schofs den Pleil er ab; sein Bogen spie Ein göttlich Rachefeu'r; im Augenpaar Und Nasloch flammet schöner Zorn, und die Erhabne Macht der Majestät,— und klar Stellt in dem Einen Blick sich seine Gottheit dar. 162. Doch in der zarten Form— ein Liebestraum, Den einsam eine Nymph' sich ausgeschmückt, Die sich ihr Lieb ersehnt' aus höherm Raum, Verzückt in dem Gesicht— ist ausgedrückt, Womit ideale Schönheit nur beglückt Den Busen, fühlt er überirdisch zart, Wenn jed' Empfängniſs himmlisch ihn entzückt — Als Strahlen der Unsterblichkeit— geschaart Um sie wie Sterne, bis ein Gott aus ihnen ward! Und Das F Von d Der d Mit es Ihn sc Ihn we Im Ste Hauch Doch Den ie Ja, wa — Er i Aus is Er selb Mehr ⸗ 123 163. schauux. 1 Und wenn Promelheus einst vom Himmel stahl 1 4 Das Feu'r, wofür wir dulden, so entband zzieh Von dieser Schuld deſs Kraft uns auf einmal, 35 Der den poetischen Marmor einst umwand Tis Mit ew'ger Glorie— und wenn Menschenhand die Ihn schuf, hat ihn kein Menschengeist erdacht: 1 Ihn weihte selbst die Zeit, kein Löckchen schwand Im Staub, berührt nicht von der Jahre Nacht, Haucht er die Flamme, die so göttlich ihn ge- b macht. 164. Doch wo ist er, der Pilger, den ich sang, Ja, wahrlich! er kommt spät und säumet lang. — Er ist nicht mehr— hin stirbt sein letzter Ton, kt, Den ich so oft genannt im Liede schon? V ückt Aus ist sein Wandern und sein Geist entfloh'n, haart Er selbst wie nichts; und glaubt ihr, dafs er sey Mehr als ein Traum und auch ein Erdensohn, 124 Der lebt und duldet— jetzt ist's einerlei; 163. Sein Schatten fährt hin zur Zerstörungswüstenei, V Die Schatten, Wesen, Leben häuft, und all, Was unser Erb' im Lebens-Grabtuch war, Und wirft den dunkeln Mantel überall, Dafs Alles zum Phantom wird; dann sinkt zwar Die Wolke, doch auch das, was je schien klar, Dis selbst die Glorie wird zum Dämm'rungslicht, Sich stell'nd als melanchol'schen Mondhof dar, Der schwebt am Rand des Grau'ns; so schwarz ist nicht Die schwärz'ste Nacht selbst, denn sie raubt ganz das Gesicht, 166. Und schickt uns grübelnd in die Finsterniſs, Zu werden, was win soll'n, wenn dies Gebein Zu etwas Schlechterem zerfällt, als dies Sein armes Leben, neu um Ruhm zu frein, Von 81 Den n Wir k Es ist So sch Horch! Lang, Wie w Anu tief Durch Es starr Ihr Har Ist schö Sie her: 1; tenei, all, T, t zwar klar, slicht, f dar, hwarz raubt 125 Von Staub den eitlen Namen zu hefrei'n, Den nie wir hören mehr,— doch wohlgemuth! Wir können nie auch mehr dasselbe seyn: Es ist genug, daſs einmal auf uns lud So schwere Last das Herz— das Herz, deſs Schweifs ist Blut. 167. Horch! eine schauerliche Stimme dröhnt Lang, fern, tief murmelnd aus dem tiefen Schlund, Wie wenn ein trauernd Volk vor Schmerzen stöhnt, An tiefer, unheilbarer Wunde wund. Durch Sturm und Nacht gähnt der gespaltne Grund; Es starrt der GColf von Geistern, doch noch zeigt Ihr Haupt sich königlich, ob kronlos, und lstschön, wenn gleich von Mutterharm gebleicht, Sie herzt ein Kind, dem nicht ihr Busen Nah- rung reicht. — 126 168. Du Hoffnung vieler Völker, todt bist dub Der Fürsten, Kön'ge Pfropfreis ist entlaubt? Vergafs dich nicht das Grab und deckte zu Ein minder majestätisch, theures Haupt? Um Mitternacht, als du, des Sohns beraubt, Schwer ächztest, Mutter für so kurze Zeit, Schlofs ganz der Tod dein Weh, mit dir zer- klaubt Liegt jetz'ges Glück und künft'ge Fröhlichkeit, Die auf den Herrscherinseln sprofste weit und breit. 169. Landleute zeugen sicher.— Aber war Ein'’s so geliebt, ein'’s angebeteter P Wer nicht um Kön'ge weint, bringt Thränen dar; Und Freiheit! ach, dein Herz traf bitterer, Als deine Schmerzen all, ein einziger; Du flehtest für sie, deine Iris war Ob ihrem Haupt.— Auch du, einsamer Herr! Vergeb Der To Ach, h Und As Der Ins Der MiK Und ihn Auch ei Als uns: Traf dic Wie 8t. Doch we Der luft Der, wie Schon wW 127 Vergebens ward sie dein am Traualtar! . Der Todten Vater du, der Gatte für ein Jahr! bt„ 3 170. Ach, hären war dein hochzeitlich Gewand bt, Und Asche deiner Hochzeit Frucht, o Braut! t, Der Inseln schöngehaarte Tochter schwand, Der Millionen liebend sich vertraut Und ihre Zukunft! Zwar die Grabnacht graut akeit, Auch einst ob uns, doch schwebt' ihr Kind und uns vor Als unsrer Kinder König, Segenslaut Traf dich dann und dein Kind, das strahlt' empor, Wie Stern' in's Schäferaug':— es war blos Meteor. 171. r, Doch wehe uns, nicht ihr; denn sie schläft wohl: Der luft'ge Hauch der Volksgunst, arger Rath, Der, wie ein fſalsch Orakel, schallt so hohl, Schon wenn geboren wird ein Herrscherstaat, 128 Ans Fürstenohr, bis wild den Waffen naht Das ganz zertretne Volk; dies fremde Loos 99)), Das mächt'’ge Herrscher stürzt früh oder spat, Wenn in der Gegenschaale ward zu groſs Die Last, die ihrer blinden Allmacht giebt den Stols— 172. Das war vielleicht ihr Schicksal; doch verneint Dies unser Herz; so schön, so jugendlich, Gut ohne Müh', grofs ohne einen Feind; Jetzt Braut und Mutter gar— als sie erblich! Wie viele Bande löst' der Todesstich! Von deines Herrn bis zu der Knechtes-Brust Schlingt der Verzweiflung Keit' elektrisch sich, Die, wie ein Erdstoſs, rührte der Verlust; Du, deines ganzen Land's, doch Keines höch- ste Lust! 28 473. 70) Sich, Nemil der sich so in Waldhöh'n bohrt, Daſs der empörte Sturmwind, welcher zaust Die E Den( Mit sei Dein s Das ru Den ni Und, Und n. Alban Krümm Wäsch Die V Auf übe Einst T Die Auf Des Sär Die Eich' aus ihrem Grund und über Bord Den Ocean fegt, und auf gen Himmel saust— Mit seinem Schaum, nur sträubend nicht durch- braust Dein spiegelnd Eirund, das hier glasig wallt, Das ruhig, wie geliebter Haſs, hier haufst, Den nichts erschüttern kann, tief, fest und kalt, Und, wie die Schlange schläft, rund, ganz in sich geballt. 174. Und nah aus einem Schwesterthal glänzt her Albano's kaum getheilte Fluth; und fern Krümmt sich die Tiber, und das breite Meer Wäscht Latium; da weilt das Kriegslied gern, Die Waffen und der Mann,“ deſfs neuer Steryn Auf über ein groſs Reich ging;— rechts dort fand Einst Tullius Ruh von Rom; und dort, wo sperrn Die Aussicht jener Berge Reih'n, dort stand Des Sängers Lust, da ward gepflügt Sabinums Land 7). 150 175. Doch halt!— Vollbracht ist meines Pilgrims Bahn, Und scheiden müssen er und ich,— wohlan! Sein und mein Tagwerk sind gleich weit gethan; Doch laſst die See uns schau'n noch einmal an; Auf ihn und mich bricht'’ Mittelmeer heran, Und von dem Berg Albano's sehn wir jetzt Den Ocean, unsern Jugendfreund, dem, wamn Wir wall'n ihn sah'n durch Kalpe's Fels zuletat, Wir folgten, bis wo schwarz, roll'nd der Eu. rinus netzt 176. *): Jahre, lang, Die blauen Symplegaden Lang, doch sehr viel nicht, sind seitdem ver. ronnen, ) Zwei Inseln, dem Thracischen Bosphorus, 2 dem heutigen lons 1 von Konstantinopel ge- genüber(25 Plin.N. IV. 13. Orid. Met. XV. 24.) D. Ueb. Und hi sich ur Doch v Sie war Uns fro Und fre Als trül 0! daſs D'rin o Möcht' Und sie Ihr Eler Mich so Solch 80 Wohnp Ob gleit lgrims ohlan! ethan; aal an; eran, 212z t „wann zuleut, er Eu. „ m yer Phorus, pel ge- d. Met. ſeb. 131 Und hin durch ein'ge Weh'n und Thränen rang sich unser Leben fast, wo es begonnen; Doch waren unsrer Wallfahrt Lohn auch Won- nen, Sie war nicht fruchtlos;— und hier ist's, wo wir Uns froh noch weiden können an der Sonnen Und freu'n der Erd' und See, so innig schier, Als trübten Menschen nicht uns das, was klar ist, hier. 177. 0!l dafs die Wüste meine Wohnung ward, D'rin dient' Ein sanfter Geist blos meinem Wollen! Möcht' ich vergessen ganz der Menschen Art, Und sie blos liebend, auf nicht Einen grollen! Ihr Elemente!— deren edles Rollen Mich so erhebt, könnt ihr mir nicht fortan Solch Seyn gewähren? Wenn ich zu den vollen Wohnplätzen diese zähle, irr' ich dann b Ob gleich der Mensch nicht oft bei ihnen wei- len kann. 132 178. Schön ist der Wald, der pfadlos sich verschlingt, Und der einsame Strand ist süfs und hehr, Gesellschaft ist, wo keiner auf sich dringt, Und Wohlklang in dem tiefen, brüll'nden Meer: D'rum lieb' ich Menschen doch, Natur blos mehr, Wenn so ich bei ihr weil' und mich entzieh' Dem Allen, was ich bin und war vorher, Und fühle, mit dem All in Harmonie, Was ich ganz bergen zwar nicht kann, doch schildern nie. 179. Roll' fort, du tiefer, schwarzblau'r Ocean— roll“ Zehntausend Flotten fegten dich— furchtbleich! Die Erde füllt der Mensch mit Schutt— sein Groll Hört auf am Ufer;— auf der Wasser Reich Sind dein Werk all die Wraks; und vom Schwertstreich Des Menschen bleibt kein Schatt', als seiner blos, Wenn plötzlich, einem Regentropfen gleich, Er bubbelnd, stöhnend sinkt in deinen Schoofs, Bekannt, beläutet nicht, sarglos und grabeslos. Sein si Sind de Und sec Schwin Von de Schicks Und he Die bir Zur Erd Kriegsfl Hindon Und da Die eicl Schuld? Sich He Sie sind Schneef Cleich f 135 180. hlingt, Sein sind nicht deine Pfade; sein Raub nicht hr, Sind deine Felder— du erhebst dich schwellend, gt, Und scheuchst ihn von dir, höhnst ihn, wenn Meer: der Wicht mehr, Schwingt seine Kraft, der Erde Bau zerschellend; tzieh Von deinem Busen ihn gen Himmel schnellend, r, Schickst du ihn zitternd in dein Schaumspiel fort Und heulend, seinen Göttern ihn gesellend, doch Die birgt vielleicht die Bucht, ein naher Port; Zur Erdestöfs'st du ihn zurück: dort lieg' er, dort. 181. roll'¹ Kriegsflotten, die auf Städt', aus Fels gebaut, bleich! Hindonnern, daſs erbebt der Völker Knie, Groll Und daſs Monarchen in Hauptstädten graut, Keich Die eichenribb'gen Leviathans, die vom Schuld sind, daſs ihr Staubschöpfer, stolz auf sie, Sich Herr von dir und Kriegsgebieter wähnt, r blos, sie sind dein Spielzeug und es schmilzt sie, wie ich, Schneeflocken, dein Fluthschwall, der, weils 9 hoofs, gemähnt, eslos. Cleich für Armada's Stolz, Trafalgars Beute gähnt- 182. Der Küsten Reiche; sie vergehn, du nie— Assyriä, Hellas, Rom, Carthago, all Da frei sie waren noch, begrubst du sie, Daun die Tyrannen; jetzt beugt sich ihr Wall Vor Sklaven oder Roh'n, durch ihren Fall Verdorrten Reich' in Oeden;— du jedoch Bleibst gleich dir, bis auf'’s Spiel von deinem Schwall— 4 Zeit bog nicht dein azurnes Haupt in's Joch— Wie dich der Schöpfungsmorgen sah, so rollst du noch. 183. Glorreicher Spiegel, wo im Sturm verglas't Thront des Allmächt'gen Form; du immer- dar, In Ruh, im Krampf— behaucht, durchweht, durchras't, Den Pol vereisend, oder roll'nd schwarz klar Als Südsee;— gränzlos, endlos, wunderbar— Das Bild der Ewigkeit— der Wiederschein Des Unsichtbar'n; aus deinem Schleim sogar Entste lst jee Und( War! Wie Ich ke Mich Vor'm Denn Und f Und l Es ist? Starb Mein! Die P Entstehn der Tiefe Ungeheuer; dein — Ist jedes Land; du wallst ernst, unerforscht, allein. e, r Wall 184. all Und Ocean! ich liebte dich; und Lust loch Wuar mir's in Knabenspielen schon, wenn mich, deinem Wie deine Blasen, forttrug deine Brust; Ich koste deine Brandung— königlich Joch— Mich freuend; und entsetzte diese sich o rollzt Vor'm Sturm des Meers— ein süfser Schreck war's mir, Denn so wie es dein Kind war, war's auch ich, Und fern und nah vertraut' ich freudig dir as t ud legt' auf deine Mähnen meine Hand— immer. wie hier. 183. Esist gethan— mein Thema schliefst— mein Lied rbar— Siarb wie ein Echo; mit ihm endige hein Mein Träumen, das zu lang schon fort sich zicht. Die Fackel lösch' ich, die mir leuchtete 136 Um Mitternacht— und was da steht, es steh'— O wär' es besser! doch ich bin einmal Nicht der ich einst war— meine Bilder seh' Ich minder deutlich vor mir— und der Strahl, Der meinen Geist durchglomm, ist flatternd, matt und fahl. 186. Lebwohl! ein Wort, das seyn muſs und schon war, Drum Lebewohl! wie'’s oft auch schmerzen kann: Ihr! die dem Pilgrim folgtet zum Altar, Wo war sein Ziel, wenn Etwas, das er sann, Euch im Gedächtnifs blieb, denkt ihr nur an Ein Einz'ges noch, umsonst nicht trug einstmal Er die Sandalen und die Muscheln dann; Lebwohl! bei ihm allein ruh seine Qual, Wenn solch' es gab— bei euch ruh' seines Lieds Moral! Dec Eix Der h von V. gelegte verbur einen Staats! el’— seh' trahl, ernd, schon kann: Anmerkungen zum vierten Gesange. 1. Dort auf Venedigs Seufzerbrücke, d'ran „Ein Pallast hier, und dort ein Kerker stehn.“ Stanze 1. Zeile 1 und 2. Der herzogliche Pallast ist mit den Geſängnissen von Venedig durch eine hoch über das Wasser gelegte, düstre Brücke oder bedeckte Gallerie verbunden, die durch einen steinernen Wall in einen Weg und eine Zelle getheilt ist. Die Staatskerker,«pozzi“ oder Brunnen genannt, 22—ð—ð êℳqMMℳ-—ℳ—-— N⸗—ℳ 6———————— 138 senkten sich in die dicken Mauern des Pallastes; und der zum Todte heraufgezogene Geſangene wurde quer über die Gallerie nach der andern Seite geführt, dann nach der andern Abtheilung der Brücke, oder der Zelle gebracht, und dort erwürgt. Das tiefe Portal, durch welches der Verbrecher in diese aufgenommen wurde, ist jetzt vermauert; aber der Weg ist noch offen und unter dem Namen der Brücke der Seufzer bekannt. Die Brunnen sind unter dem Fußs. boden des Gemachs am Fufse der Brücke. Vor- mals waren deren zwölf, aber bei der ersten Ankunft der Franzosen verstopften die Venetia- ner hastig die tiefern von diesen Kerkern, oder brachen sie auf. Man kann jedoch noch durch eine Fallthüre herabsteigen und durch halb von Schutt versperrte Löcher zwei Stockwerke tiel unter der ersten Reihe herunter kriechen. Wer Trost für die Vernichtung patrizischer Gewalt sucht, kann sie dort vielleicht finden; kaum ein Lichtstrahl flimmert in den engen, zu den Zel- len führenden Gang, und die Geſänauisse sind 3⸗ durchaus dunkel. Ein kleines Loch in der Mauer lieſs dient Gefa von Gerä nich fünk Fuſs in d. schw Repu lichen zehn hatte Reue diese astes; ngene ndern eilung 1 dort es der 2, ist oflen euſzer Fuls- Vor- ersten enetia- „oder durch e sind Mauer 139 lieſs die dunstige Luft der Gänge herein und diente zur Herablassung der Nahrung für die Gefangenen. Ein hölzernes, einen Fufs hoch von der Erde ragendes Brett war das einzige Geräthe. Die Führer erzählen, dafs ein Licht nicht gestattet wurde. Die Zellen sind ungeſähr fünf Schritt lang, drittehalb breit, und sieben Fufs hoch. Sie sind gerade neben einander und in den tiefen Löchern ist das Athemholen etwas schwer. Nur Ein Gefangner wurde von den Republikanern gefunden, als sie in diese scheufs- lichen Winkel herabstiegen, und er soll sech- zehn Jahre eingeschlossen gewesen seyn. Doch hatten die Bewohner der Kerker Spuren ihrer Reue oder ihrer Verzweiflung zurüchgelassen; diese sind noch sichtbar und mögen zum Theil von der neuern Freimüthigkeit herrühren. Ei- nige Geſangne hatten gegen die heilige Priester- schaft gesündigt, andre zu ihr gehört; dies geht nicht nur aus ihren Unterschriften, sondern aus den Kirchen und Glockengerüsten hervor, die sie in die Mauern gekratzt haben. Der Leser wolle nicht zürnen, eine Probe der durch eine 140 so schreckliche Einsamkeit eingegebenen Sprüche hier zu sehen. So gut als sie von mehr als ci- nem Bleistift abgeschrieben werden konnten, lauten sie, wie folgt: 4. NON TI FIDAR AD ALCUNO PENSA e TACI SE FUCIR VUOI DE SPIONI INSIDiE e LACCI IL PENTIRTI PENTIRTI NULLA GIOVA MA BEN DI VALOR TUO LA VERA PROVA 1607. ADI 2. CENARO. FUI RE- TENTO P' LA BESTIEMMA P'AVER DATO DA MANZARA UN MORTO IACOMO. GCRITTI. SCRISSE 2. UN PARLAR POCHO et NEGCARE PRONTO et UN PENSAR AL FINE PUO DARE LA VITA A NOIALTRI MESCHINI 1605 ECO IOIIN BAPTISTA AD ECCLESIAM CORTELLARIUS halte so ge im F beme die v nem schri muſs pfarr ist, offen! beder 141 rüche 3. ls ei- DE CHI MI FIDO GCUARDAMI DIO nten, DE CHINON MI FIDO MI GCUARDARO I0 A V. LA 814A. CII. KA. RNA. Der Abschreiber hat die Sprachfehler beibe- àCI halten, nicht verbessert; einige sind jedoch nicht A0C0CI so ganz àusgemacht, da die Buchstaben offenbar im Finstern eingekratzt wurden. Es braucht nur VA bemerkt zu werden, daſs in der ersten Inschrift, I RE. die wahrscheinlich ein Gefangener, der bei ei- Ar0 nem Leichenzuge eine Gotteslästerung begangen, schrieb, Bestemmia und Mangiar gelesen werden 188E muſs; daſs Cortellarius der Name eines Einge- pfarrten auf dem festen Lande nahe am Meere ist, und daſs die letzten Anfangsbuchstaben offenbar Viva la SCanta Chiesa Kattolica Romana bedeuten. 2. «Als Cybele der See steigt aus dem Meere „Mit stolzer Thürme Krone sie noch heute- St. 2. Z. 1 u. 2. 142 Ein alter Schriftsteller, welcher die Aussicht auf Venedig schildert, hat sich des obigen Bil. des bedient, das, wäre es nicht wahr, nicht dichterisch seyn würde: Quo Jit ut qui superne urbem contempletur, turritam telluris imaginem medio Oceano Jigura. tam se putet inspicere*).» 3. «Nicht Tasso's Lied schallt noch Venedig rund.“ St. 3. Z. 1. Der wohlbekannte Gesang der Gondelfahrer in abwechseluden Stanzen aus Tasso's Jerusalem ist mit der Unabhängigkeit Venedigs gestorben. Ausgaben des Gedichts mit dem Original auf der einen Seite, und mit den Abänderungen, so wie sie die Bootsleute sangen, auf der an. dern, waren einst gewöhnlich und finden sich noch. Folgender Auszug wird dazu dienen, den *) Marci Antonii Sabelli de Venetae Urbis situ narratio, edit. Taurin. 1527. lib. I. fol. 202. Unien gedic zeigen ssicht n Bil. nicht letur, igura. rund.⸗ 5. 1. fahrer isalem orben. al auf ungen, ſer an. in sich n, den dis situ l. 202. 1 45 Unterschied zwischen dem Toskanischen Helden- gedichte und der«Canta alla Barcariola" zu zeigen. Original. Cantol' arme pietose, e l capitano Che l gran Sepolcro liberò di Cristo. Molto egli oprò col senno, e con la mano Molto sofrt nel glorioso ac³uisto; E in van!' Inferno a lui s' oppose, e in vano ' armò d' Asia, e di Libia il popol misto, Che il Ciel gli diè. favore, e sotto a i Santi SFegni ridusse i suoi compagni erranti. Venetianisch. L' arme pietose de cantar gho vogia, E de Goffredo la immortal braura Che al fin l' ha libera co strassia, e dogia Del nostro buon Gesu la Sepoltura De mezo mondo unito, e de quel Bogia Missier Pluton nol' ha bu mai paura: Dio l' ha agiutãâ, e i compagni Sparpagnai Tutti I gh' i ha mes i insieme i di del Dat. 144 Einige ältere Gondelfahrer fangen jedoch eine Stanze von ihrem einst vertrauten Barden an und fahren damit fort. Am siebenten Januar dieses Jahres ruderten der Verfasser des Childe Harold und ein ande- rer Engländer, der Schreiber dieser Bemerkung (Hobhouse), mit zwei Sängern nach dem ILi. do: der eine war ein Zimmermann, der andere ein Gondelfahrer. Ersterer stellte sich vorn, der andere hinten in das Boot. Kurz nach un- serer Abfahrt von dem Damme der Piazetta fingen sie an zu singen und fuhren damit fort, bis wir an der Insel ankamen. Sie gaben uns unter andern Versuchen den Tod der Clorinda und den Pallast der Armida und sangen nicht die Venetianischen, sondern die Toscanischen Verse. Der Zimmermann aber, welcher der geschicktere war und häufig seinem Gefährten aushelfen muſste, erzählte uns, er könne des Original übersetzen. Er tüe Niwan. daſs er beinahe dreihundert Stanzen singen könne, aber nicht die Lebensgeister habe(morbin war qas Wort, dessen er sich bediente), noch mehr zu le gen: zu e Sie,“ an, j rende allein war hinte Hülfe des einen bar e seinen unter. wir, rer be niede bekan mals, Es gewöh gleich 25. h eine en an derten ande- erkung em Li- andere vorn, ich un- diazetta it fort, den uns lorinda nicht ischen er der fährten ne das „ daſs 145 zu lernen, oder was er bereits wüfste, zu sin- gen: ein Mann müsse überflüssige Zeit haben, zu erlernen oder zu wiederholen,«und sehen Sie,“ sagte der arme Mensch,«meine Kleider an, ich leide Noth.* Diese Sprache war rüh- render, als sein Vortrag, den die Gewohnheit allein anziehend machen kann. Das Recitativ war gellend, schrillend und eintönig, und der hintenstehende kam seiner Stimme dadurch zu Hülfe, dafs er seine Hand an die eine Seite des Mundes hielt. Der Zimmermann sang mit einem ruhigen Geberdenspiel, welches er offen- bar einzuschränken suchte, aber zu sehr von seinem Gegenstande belebt war, um es ganz zu unterdrücken. Von diesen Menschen lernten wir, daſs Singen sich nicht auf die Gondelfah- rer beschränkt, und daſs verschiedne unter den niedern Klassen mit einigen wenigen Stanzen bekannt sind, obgleich diese selten, wenn je- mals, freiwillig singen. Es ist nicht wahrscheinlich, dafs die Sänger gewöhnlich zugleich rudern und singen. Ob- gleich die Verse aus dem Jerusalem nicht län- 25. K 146 ger von selbst gehört werden, so ist doch viele Musik auf den Venetianischen Kanälen; und an Festtagen können Fremde, die nicht nahe, oder nicht hinreichend unterrichtet sind, sich wohl einbilden, daſs viele Gondeln noch von Tasso's Liedern wiederhallen. Der Schreiber einiger in den Neuigkeiten der Literatur erschienenen Be- merkungen muſs entschuldigen, dafs ich ihn zweimal anführe, denn einige ein wenig zu an. mafsende und übertreibende Stellen ausgenom- men, hat er eine sehr genaue und auch sehr angenehme Beschreibung geliefert. In Venedig wissen die Gondelfahrer lange Stellen aus Ariosto und Tasso auswendig und singen sie oft nach einer besondern Melodie. Aber dies Talent scheint jetzt abzunehmen:— wenigstens konnte ich nach einiger Bemühung nicht mehr als zwei Personen finden, welche mir auf diesem Wege eine Stelle aus Tasso an. führten. Ich mufs noch erwähnen, dafs der verstorbene Herr Berry mir einst eine Stelle im Tasso nach Sitte der Gondelfahrer, wie er ver- sicherte, vorsang. a Es Strop. fällig gedru sche Mitte Jigura citativ durch Sylbe «Ich der ei hinten Einer phe ge abwecl zu End zurück Strophe bald at und in ganzen Gedich 1 147 Es sind immer zwei, welche abwechselnd die Strophen singen. Wir kennen die Melodie zu- fällig durch Rousseau, unter dessen Liedern sie gedruckt ist: sie hat eigentlich keine melodi- sche Bewegung, und steht gleichsam in der Mitte zwischen dem canto fermo und dem canto figurato; dem erstern nähert sie sich durch re- citativenartige Declamation, und dem letztern durch solche Stellen, worin wechselsweise Eine Sylbe aufgehalten und verschönert wird. «Ich bestieg eine Gondel beim Mondàlichte; der eine Sänger stellte sich vorn, der andre hinten, und so fuhren wir nach St Ciorgio. Einer begann den Gesang; hatte er seine Stro- phe geendigt, so fiel der andre ein und so ging abwechselnd der Gesang fort. Von Anfang bis zu Ende kehrten dieselben Weisen unverändert zurück, doch legten sie nach dem Inhalte der Strophe einen gröfsern oder geringern Nachdruck bald auf die eine, bald auf die andre Weise, und in der That wechselte die Aussprache der sanzen Strophe, so wie der Gegenstand des Gedichts wechselte. 148 Im Ganzen waren jedoch die Töne heisser- Hi und schrillend; sie schienen, wie alle rohe, sStarke ungebildete Menschen, die Vortrefflichkeit ihres Ton Gesangs in der Stärke ihrer Stimme zu setzen; Aufm einer schien begierig, den andern durch die Ueber 1¹ Kraft seiner Lunge zu übertreffen; und weit fern2 entfernt, an dieser Scene mich zu ergötzen, vie KF befand ich mich(wiewohl in der Loge der Gon- rung del verschlossen), in einer sehr unangenehmen dre, Lage. mittel „Mein Gefährte, gegen welchen ich diesen tete il Umstand äufserte, und welcher den Credit sei- wie es ner Landsleute aufrecht zu erhalten wünschte, schlaf versicherte mir, dieser Gesang sey sehr ergötz. Glanz lich, wenn er in der Ferne gehört werde. Wir nigen stiegen daher an's Ufer und lieſsen einen der und d Sänger in der Gondel, während der andre sich fende einige hundert Schritte von ihm entfernte. Sie allen begannen nun gegen einander zu singen, und Charal ich wandelte zwischen beiden auf und nieder, stimm so daſs ich immer den verlieſs, welcher die Es Rolle anfing. Häufig stand ich still und horchte mann auf den einen und auf den andern. einem lisser ohe, ähres tzen; die weit tzen 3 Gon. hmen Hier war eigentlich die Scene eröflnet. Der starke, deklamatorische und wirklich schreiende Ton traf das Ohr von ferne und belebte die Aufmerksamkeit; die sich schnell folgenden Uebergänge, welche nothwendig in einem tie- fern Tone gesungen werden muſsten, schienen wie Klagelaute den Ausbrüchen der Erschütte- rung oder des Schmerzes zu folgen. Der an- dre, welcher aufmerksam zuhörte, begann un- mittelbar, wo der erste aufhörte, und antwor- tete ihm in mildern oder heftigern Tönen, so wie es der Inhalt der Strophe erforderte. Die schlafenden Canäle, die hohen Gebäude, der Glanz des Mondes, die tiefen Schatten der we- nigen GCondeln, die wie Geister sich hierhin und dorthin bewegten, vermehrten das ergrei- fende Auſserordentliche der Scene; und unter allen diesen Umständen war es leicht, in den Charakter dieser wundervollen Harmonie einzu- stimmen. «Es kleidet einen müſsigen, einsamen See- mann sehr gut, wenn er in seinem Schiffe auf einem dieser Canäle sich der Länge nach zur 150 Ruhe legt und so auf seinen Gefährten oder ein zwiscl Fuhrlohn wartet; das Langweilige dieser Lage an de wird einigermaſsen durch die Lieder und poe- Di tischen Geschichten, die er im Gedächtnisse groſse hat, gemindert. Okft erhebt er seine Stimme, bezau so laut er nur kann, welche sich ungeheuer legen! weit über den ruhigen Spiegel ausbreitet; und klager da Alles umher still ist, so ist er gleichsam mit. ist es ten in einer grolsen und volkreichen Stadt in halten Einsamkeit. Hier schallt kein Wagenrasseln, sehr 2 kein Geräusch der Fufsgänger: eine schweigende e sing Gondel, deren plätschernde Ruderstangen kaum piu qu hörbar sind, gleitet dann und wann an ihm«ML vorüber. jener Meer «In der Ferne hört er eine andre, vielleicht die F ihm völlig unbekannte. Melodie und Vers ver- gleiche binden sogleich die beiden Fremden, und spor- ähnlic nen ihn gehört zu werden, so wie er den an. dern hörte. Nach einer stillschweigenden Ueber-— einkunft wechseln sie Vers auf Vers und unter-*) L halten sich unermüdet, sollte der Gesang auch ei die ganze Nacht dauern; die Zuhörer, welche r ein Lage poe- nisse ame, neuer und mit. dt in sseln, 151 zwischen den beiden durchfahren, nehmen Theil an der Belustigung. «Diese Stimmen schallen am besten in einer groſsen Ferne, und sind dann unaussprechlich bezaubernd, da sie blos im Gefühl der Ent- legenheit ihre Absicht erreichen. Die Töne sind klagend, aber nicht erschütternd, und zuweilen ist es kaum möglich, sich der Thränen zu ent. halten. Mein Geſährte, der sonst eben nicht sehr zart gebaut war, sagte ganz unerwartet: e singolare come quel canto intenerisce, e molto piu quando lo cantono meglio «Man sagte mir, dafs die Frauen von Libo, jener langen Inselreihe, welche das Adriatische Meer von den Lagunen trennt*), vornehmlich die Frauen von Malamokko und Palestrina auf gleiche Art die Werke Tasso's nach diesen und ähnlichen Melodieen singen. *) Der Verfasser meinte Li do, welches nicht eine lange Reihe von Inseln, sondern Eine lange Insel ist: littus, das Ufer. 152 Wenn ihre Männer an der See fischen, so pflegen sie des Abends längs dem Ufer sitzend, mit groſser Heftigkeit so lange diese Lieder zu schreien, bis jede von ihnen die Antworten ih- res Mannes aus der Ferne unterscheiden kann*).“ Durch Liebe zur Musik und Dichtkunst zeich- nen alle Classen der Venetianer sogar unter den gesangreichen Söhnen Italiens sich aus. Die Siadt selbst kann im nöthigen Falle zwei oder drei Opernhäuser mit achtungswerther Musik besetzen, und es gibt wenig Vorſälle im Pri. vatleben, welche nicht ein gedrucktes und cir- kulirendes Sonnett in's Daseyn rufen. Wird ein Arzt oder Rechtsgelehrter Doctor, hält ein Geistlicher seine Antrittspredigt, hat ein Wund- arzt eine Operation vollbracht, will ein Hans- wurst seine Abreise oder sein Benefiz ankündi- gen, will man zu einer Heirath, oder Geburt, *) Neuigkeiten der Litteratur, Bd. II. S. 156. 180; und Anhang XXIX. zu Blanks Le- bensbeschreibung des Tasso. oder den Sylbet Indivi bunte Stadt stigter diesen Räum tern sich 2 tianer in des gen 1 Dicht nücht, so ver Pflich gen Theil wird keit m hande , 80 end, 2r zu n ih- n*).* eich- 153 oder einem Processe Glück wünschen: so wer- den die Musen angerufen, dieselbe Zahl von sylben zu verleihen, und die Triumphe der Individuen fliegen in jungfräulich weiſsen oder bunten Papieren in den Winkeln der halben Stadt umher. Die letzte Artigkeit einer begün- stigten«prima donna» bringt einen Erguſs von diesen poetischen Tributen aus jenen höhern Räumen herab, aus welchen in unsern Thea- tern nichts als Liebesgötter und Schneestürme sich zu senken pflegen. Im Leben des Vene- tianers selbst liegt etwas Dichterisches, welches in dessen alltäglichen Lauf jene Ueberraschun- gen und Veränderungen bringt, die in der Dichtung so empfeblungswerth, aber von der nüchternen Eintönigkeit des nordischen Daseyns so verschieden sind; Belustigungen werden zu Pflichten erhoben, Pflichten durch Belustigun- gen versüfst; und da jeder Umstand als ein Theil des Lebensgeschäfts angesehen wird, so wird er mit derselben ernstesten Gleichgültig- keit und frohen Emsigkeit angekündigt und be- handelt. Die Venetianische Zeitung schlieſst 154 beständig ihre Columnen mit folgender dreiſa. cher Bekanntmachung. Charade. Austheilung des heiligsten Sacraments in der Kirche von St.——— Theater. St. Moses, Oper. St. Benedikt, ein Familienstück. St. Lukas, Ruhe. Der Invalie 1 Evang Wenn man erwägt, was die Katholiken unter jetzt 1 ihrer geweihten Hostie verstehen, so werden wir Pferde diese vielleicht einer anständigern Stelle als zwi- von w schen Dichtkunst und Schauspielhaus würdig hen, halten. Portal 155 dreifa. 4. Sparta trägt manches würd'’gern Sohns Ge- bein."» St. 10. Z. 8. Die Antwort der Mutter des Brasidas gegen die Fremdlinge, die das Andenken ihres Sohnes n der priesen- 5. «Noch steht, wo einst, St. Markus Leu zur Zeit.» St. 11. Z. 5. u. 6. Der Löwe hat durch seine Reise nach den Invaliden(in Paris) nichts verloren, als das Evangelium, auf welchem die Pfote stand, die unter jetzt mit dem andern Fufse gleich steht. Die n wir Pferde sind auch zu dem übel gewählten Platze, s zwi- von wo sie ausgingen, zurückgekehrt, und ste- fürdig hen, wie vorher, halb verborgen unter dem Portalſenster der St. Markuskirche. Ibhre Geschichte ist, nach einem verzweifelten Kampfe, zur Genüge erforscht. Die Entschei- dungen und Zweifel von Erizzo und Zanetti und jüngst des Grafen Leopold Cicognara woll- ten ihnen einen Römischen Stammbaum und eine nicht ältre Abkunft als die Herrschaft des Nero geben. Aber Herr von Schlegel trat auf, um die Venetianer den Werth ihrer eignen Schätze zu lehren, und ein Grieche vertheidigte endlich für immer den Anspruch seiner Lands- leute auf diefs edle Erzeugnifs*). Herr Musto- idi ist von einer Entgegnung nicht frei geblie- ben; aber eine Antwort hat er bisher nicht er- halten. Es scheint unwidersprechlich, dafs die Pferde aus Chios sind und von Theodosius nach Constantinopel gebracht wurden. Lapidarschrift ist ein Lieblingsspiel der Italiäner und hat mehr als einem ihrer wissenschaftlichen Schriftzüge *) Sui quattro cavalli della Basilica di 8 Marco in Venezia. Leitera di Andrea Mustoxidi Corcirese. Padua per Bettoni e compag... 1816. Ruhm Bodon mit In ciaudi der en hoffen folgene das Po 00 NETIS tigkeit Pferd Franz führte felten tschei- anetti woll- und ft des t auf, ignen eidigte Lands- Musto- geblie- ht er- ſs die 6nach schrift mehr ftzüge Marco toxidi bag... 197 Ruhm erworben. Eine der besten Proben von Bodoni's Typographie ist ein ansehnlicher Band mit Inschriften, alle von seinem Freunde Pac- ciaudi geschrieben. Einige waren für die wie- der empfangenen Pferde verfertigt. Man muſs hoffen, dafs nicht die beste gewählt ward, als folgende Worte mit goldenen Buchstaben über das Portal der Hauptkirche angebracht wurden. OQUATUOR. EOUORUM. SICNA. A. VE- NETIS. BYZANTIO. CAPTA. AD. TEMp. D. MAR. A. R. S. MCCIV. POSITA. QUAE. HOSTILIS. CUPIDITAS. A. MDCCIIIC, AB- STULERAT. FRANC. I. IMP. PACIS. ORBI. DATAE. TROPHAEUM. A. MDCCCXV. VIC- T0R. REDUXIT. Kein Wort hier von dem Latein; aber es sey die Bemerkung erlaubt, daſs die Ungeréch- tigkeit der Venetianer bei Fortschaffung der Pferde von Constantinopel wenigstens der der Franzosen gleich war, als diese sie nach Paris führten, und dafs es klüger gewesen wäre, alle 158 Anspielung auf Räuberei zu vermeiden. Viel. leicht sollte ein apostolischer Fürst sich der An- bringung einer Inschrift, die auf andre Trium- phe als die der Religion sich bezog, über den Haupteingang einer Metropolitankirche wider- setzt haben. Nichts Geringeres als eine fried- liche Aussöhnung der Welt kann ein solches Sprachvergehen entschuldigen. 6, Jetzt herrscht der Austrier, wo der Schwa- be bat, 6 Ein Kaiser stampft, wo Kaisers Knie sich bog St. 12. Z. 1 u. 2. Nach vielen vergeblichen Anstrengungen von Seiten der Italiäner, das Joch Friedrich Bar- barossa’'s gänzlich abzuwerfen, und nach eben 1 so fruchtlosen Versuchen des Kaisers, sich zum unumschränkten Herrn über alle seine Cisalpi- nischen Herrschaften zu machen, wurden die blutige in der Verhan Papst 4 worden tung ei Königs bardiscl gekomn Punkte man, d werden. richt, Meilen gelangt. ruhr, u schaften Viel- r An. rium. den jider- fried- lches 159 blutigen Kämpfe von vier und zwanzig Jahren in der Stadt Venedig glücklich beendigt. Die Verhandlungsartikel waren vorläufig zwischen Papst Alexander III. und Barbarossa genehmigt worden, und der erste war schon, nach Erhal- tung eines sichern Geleits, in Gesellschaft des Königs von Sicilien und der Consuln des Lom- bardischen Bundes über Ferrara zu Venedig an- gekommen. Dort blieben jedoch noch viele Punkte zu schlichten, und einige Tage glaubte man, der Friede könne unmöglich geschlossen werden. In dieser Lage kam plötzlich die Nach- richt, der Kaiser sey zu Chioza, einer funfzehn Meilen von der Hauptstadt liegenden Stadt, an- gelangt. Die Venetianer erhoben einen Auf. ruhr, und bestanden darauf, ihn sogleich nach der Stadt zu führen. Die Lombarden wurden unruhig und reisten nach Treviso. Der Papst selbst fürchtete ein Unglück, wenn Friedrich plötzlich auf ihn losrückte; doch wurde er durch die Klugheit und Gewandtheit des Dogen Seba- stian Ziani beruhigt. Es wurden einige Gesandt- schaften zwischen Chioza und der Hauptstad: 160 gewechselt, bis zuletzt der Kaiser, in seinen Forderungen etwas nachlassend, seine Löwen- wildheit ablegte und die Milde des Lamms an- nahm“*). Am Sonnabend, den 23. Juli des Jahres 1177. brachten sechs Venetianische Caleeren Friedrich in groſsem Pompe von Chioza nach der Insel Lido, eine Meile von Venedig. Früh am fol- genden Morgen begab sich der Papst, begleitet von den Sicilianischen Gesandten und den Lom-. bardischen Consuln, welche er vom festen Lande zurückgerufen hatte, aus dem Pallaste des Pa- triarchen, unter einem ungeheuern Zusammen. flusse des Volks nach der St. Markuskirche, und sprach den Kaiser feierlich von dem gegen ihn ausgestofsenen Bannfluche los. Der Kanazler des Reichs entsagte von Seiten seines Herrn den *)«Quibus auditis, imperator, operante eo, qui corda principum sicut vult et quando vult humiliter inclinat, leonina feritate de- posita, ovinam mansuetudinem induit.“ Ro- mualdi Salernitani Chronicon apud Scripto- res Rer. Ital. Tom. VII. p. 229. Gege gern. einen Laien Fried meine stadt. Piaze triarc das V zen u her n vor de seiner triarcl und I und i drich griſfen ders v entäuf streck ste zu 25. wen- s an- 1177. drich Insel n fol- gleitet Lom- Lande es Pa- n den Gegenpäpsten und ihren schismatischen Anhän- gern. Unmittelbar darauf lieſs der Doge unter einem groſsen Geſolge von Geistlichen und Laien die Galeeren ans Ufer kommen, und Friedrich aufwartend, ruderte er ihn in unge- meiner Pracht von dem Lido nach der Haupt- stadt. Der Kaiser stieg bei dem Damm der Piazetta aus der Galeere. Der Doge, der Pa- triarch, seine Bischöffe, die Geistlichkeit und das Volk von Venedig schritten mit ihren Kreu zen und Fahnen in feierlichem Aufzuge vor ihm her nach der St. Markuskirche. Alexander saſs vor dem Vorhofe des Säulenganges, umringt von seinen Bischöffen und Cardinälen, von dem Pa- triarchen von Aquileja, von den Erzbischöſffen und Bischöffen der Lombardei, alle im Staate und in ihre Kirchengewänder gekleidet. Frie- drich nahte—«von dem heiligen Geiste er- griffen, den Allmächtigen in der Person Alexan- ders verehrend, seiner kaiserlichen Würde sich entäuſsernd, seinen Mantel von sich werfend, streckte er sich, so lang wie er war, dem Pap- ste zu Füſsen. Alexander hob ihn mit Thränen 25. L 162 in den Augen gütig auf, küfste ihn, segnete ihn, und zugleich sangen die Deutschen des Zuges mit lauter Stimme:«Herr Gott, dich loben wir.“ Der Kaiser ergriff darauf des Papstes rechte Hand, führte ihn zur Kirche, empfing dort seinen Segen und kehrte zum herzoglichen Pallaste zurück*). Die Ceremonie der Ernie- drigung wurde am nächsten Tage wiederholt. Der Papst selbst las auf Friedrichs Bitte in der St. Markuskirche die Messe. Der Kaiser legte wieder seinen Kaisermantel ab, und, einen Stab in die Hand nehmend, verrichtete er den Dienst des Stabträgers, trieb die Laien vom Chore und ging vor dem Ohberpriester her zum Altare. Nach Ablesung des Evangeliums predigte Ale- xander vor dem Volke. Der Kaiser stellte sich nahe vor der Kanzel in dem Aufzuge eines Zu- hörers; und der Papat, gerührt über diesen Beweis seiner Aufmerksamkeit, denn er wuſste, dafs Friedrich kein Wort von dem, was er *) A. a. O. Seite 231. sagte Aquil Sprac gesun küſste BeenR weiſse würde führt für di seiner lichste Salern tig w⸗ gende einen nicht Aberg dankte und A gen zu losen 163 sagte, verstand, befab! dem Patriarchen von Aquileja, die Lateinische Rede in die Deutsche Sprache zu übersetzen. Dann wurde das Credo gesungen. Friedrich brachte sein Opfer und küfste des Papstes Füſse, und führte ihn, nach Beendigung der Messe bei der Hand zu seinem weiſsen Pferde. Er hielt den Steigbügel und würde des Pferdes Zügel nach dem Wasser ge- führt haben, hätte nicht der Papst den Willen für die That genommen und freundlich ihn mit seinem Segen entlassen. Dies ist das Wesent- lichste aus der Erzählung des Erzbischoffs von Salerno, welcher bei der Ceremonie gegenwär- tig war und dessen Geschichte durch jede fol- gende Erzählung bestätigt wird. Sie würde nicht einen so genauen Bericht verdienen, wäre sie nicht sowohl der Triumph der Freiheit wie des Aberglaubens. Die Staaten der Lombardei ver- dankten ihr die Bestätigung ihrer Privilegien; und Alexander hatte Ursache, dem Allmächti- gen zu danken, welcher einen schwachen, wehr- losen Grcis in den Stand gesetzt hatte, einen 1 funchtbaren und mächtigen Herrscher zu unter- jochen*). 7. , Eine Stund' ein blinder Dandolo! Der achtzigjähr'ge Held, dem nicht Byzanz entfloh.“ St. 12. Z. 8. u. 9. Die Leser werden sich des Ausrufs jenes Schottländers erinnern: O Eine Stunde des Dundeel Heinrich Dandolo war, als er i. J. 1192. zum Doge erwählt wurde, fünf und acht- zig Jahre alt. Er war folglich ein Sieben und neunzigjähriger, als er die Venetianer bei der Einnahme von Constantinopel beſehligte. In diesem Alter fügte er den 4 ½. Theil des gan- *) Siehe den oben erwähnten Romuald von Salerno. In einer zweiten Predigt, die Alexander am ersten August vor dem Kai- ser hielt, verglich er Friedrich mit dem verlornen Sohne und sich mit dem verge- benden Vater. zen I mals Gebie Achte bis 21 beibel nung ater- zanz 166 zen Reichs von Romania*)(denn so hieſs da- mals das Römische Reich), zu dem Titel und Gebiete des Venetianischen Dogen. Die drei Achtel dieses Reichs wurden in den Urkunden bis zu dem Herzogthum des Giovanni Dolfino beibehalten, welcher von der obigen Bezeich- nung im Jahre 1357 Gebrauch machte*). *) Herr Cibbon hat das wichtige ae weggelas- sen und hat Romani anstatt Romaniae ge- schrieben. Verfall und Untergang u. s. w. Cap LXI. Anmerk. 9. Doch der von Dandolo angenommene Titel kommt so in der Chronik seines Namensverwandten, des Dogen Andreas Dandolo vor. Ducali titulo additit:«Quartae partis et dimidiae totius imperii Romanine.“ And. Dand. Chronicon. cap. III. pars XXXVII. ap. Script. Rer. Ital. tom. XII S. 331. Und das Romaniae steht auch in den folgenden Verhandlungen der Dogen. Wirklich waren die Besitzungen der Griechen auf dem festen Lande von Europa unter dem Namen von Romania bekannt, und die Benennung sieht man noch auf den Karten von der Türkei auf Thracien angewandt. *) Siehe die Fortsetzung von Dandolo's Chro- 166 Dandolo führte den Angriff auf Constantino- pel in eigner Person an: zwei Schiffe, das Pa- radies und der Pilgrim wurden an einander gebunden, und eine Zugbrücke oder Leiter führte von ihren obern Räumen zu den Mauern. Der Doge stürzte unter den ersten in die Stadt. Da wurde, sagten die Venetianer, die Prophe- zeihung der Erythräischen Sybille erfüllt:«Eine Versammlung der Mächtigen wird zwischen den Wogen des Adriatischen Meeres unter einem blinden Führer statt finden— sie werden die Ziege einschlieſsen— sie werden Byzanz ent- heiligen— sie werden ihre Gebäude schwärzen — ihre Beute wird zerstreut werden; eine neue Ziege wird blöken, bis sie vier und funfzig Fuſs und einen halben Zoll ausgemessen und durch- laufen haben“*). nik, ebendas. Seite 498. Herr Gibbon scheint Dolfino nicht mit einzuschliefsen; er folgt dem Sanudo, welcher sagt,«il qual titolo si usò fin al Doge Ciovanni Dolfino.» Siehe Vite de Duchi di Venezia ap. Script. Rer. Ital. tom. XXII. 530. 641. *) Fiet potentium in aquis Adriaticis congre- Da einer naten che 81 derban reriscl bekan nichte 167 ino- Dandolo starb am ersten Junius 1205, nach Pa- einer Regierung von dreizehn Jahren, sechs Mo- der naten und fünf Tagen, und wurde in der Kir- äiter che St. Sophia zu Constantinopel begraben. Son- 4 ern. derbar genug muls es klingen, daſs der aufrüh- adt. rerische Apotheker, welcher des Dogen Schwert phe- bekam und die alte Regierung 1796— 7 ver- Line nichtete, auch Dandolo hieſs. den nem 8. die«Doch ward auch Doria's ernstes Droh'n zum ent⸗ Scherz 5 rzen«Zäumt sie kein Zaum? St. 13. Z. 3 u. 4. Nach dem Verlust der Schlacht bei Pola und der Einnahme von Chioza am 16. August 1379. gatio, caeco praeduce, Hircum ambigent, qual Byzantium prophanabunt, aedificia denigra- no.* bunt; spolia dispergentur, Hircus novus ba- ript. labit usque dum LIV pedes et IX pollices et semis praemensurati discurrant.“(Chro- nicon, ibid. pars XXXIV.) 168 durch die vereinigte Flotte der Genueser und Francesco's da Carrara, des Herrn von Padua, wurden die Venetianer zur äussersten Verzweif- lung gebracht. Eine Gesandtschaft wurde mit einem weilsen 8tück Papier an die Erobrer ge- schickt, nebst der Bitte, welche Puncte sie nur wollten, darauf zu schreiben und Venedig blos seine Unabhängigkeit zu lassen. Der Fürst von Padua war geneigt, auf diese Vorstellung zu hö- ren; aber die Genueser, die nach dem Siege bei Pola gejubelt hatten:«nach Venedig, nach Venedig, und lange lebe der H. Georg», be- schlossen ihre Nebenbublerin zu vernichten, und Peter Doria, ihr Hauptanführer, gab den Fle- henden folgende Antwort:§0 wahr als ein CGott ist, ihr Herren von Venedig, sollt ihr nicht eher Frieden von dem Herrn von Padua, noch von unsrer Verbindung von Genua erhal- ten, als bis wir jenen euern ungezäumten Pfer. den einen Zügel angelegt haben, die auf dem Portal des Evangelisten St. Markus stehen. Wenn wir sie gezäumt haben, wollen wir euch in Ruhe lassen. Und dies ist unsre und unsrer Verbun: dene Geni zulie met ich 1 dem die Meile Gefa netia ͤ——',—„— 169 und Aenen Absicht. Was diese meine Brüder von dua, Genua, welche ihr mitgebracht, um sie uns aus- weif- zuliefern, anbetrifft: so will ich sie nicht; neh- mit met sie zurück, denn in wenig Tagen werde e ge- ich kommen und selbst sie und alle andern aus nur dem Gefängnisse führen*).“ Wirklich rückten blos die Genueser bis Malamocco innerhalb fünf von Meilen von der Hauptstadt vor; aber ihre eigne 1 hö- Gefahr und der Stolz ihrer Feinde gab den Ve- netianern Muth; sie machten ungeheure Zurü- *) Alla ſè di Dio, Signore Veneziani, non ha- 4 varete mai pace dal Signore di Padoua, ne Fle- dal nostro commune di Genova, se primie- ein ramente non mettemo le brigiie a quelli vo- stri cavalli sfrenati, che sono su la Reza 10n del Vostro Evangelista S. Marco. Imbre- f ua, nati che gli havremo, vi faremo stare in rhal- buona pace. E questa eè la intenzione no- Pfer. stra, e del nostro commune. Questi miei fratelli Genovesi che havete menati con voi per donaroi, non li voglio; rimanetegli in dietro, perche io intendo da qui a pochi uhe giorni venirgli a riscuoter dalle vostre pri- . gioni, e loro e gli altri.“ 170 stungen, brachten einzeln viele Opfer, welche ihre Geschichtschreiber sorgfältig aufgezeichnet haben. Vettor Pisani ward an die Spitze von vier und dreifſsig Galeeren gestellt. Die Ge- nueser brachen von Malamocco auf und zogen sich im October nach Chioza zurück; aber sie bedroheten Venedig abermals, welches dadurch aufs Aeusserste gebracht wurde. In dieser Zeit, den ersten Januar 1380, kam Carlo Zeno an, welcher an der Genuesischen Küste mit vierzehn Galeeren gesegelt hatte. Die Venetianer waren jetat stark genug, die Genueser zu belagern. Doria wurde den 22. Januar durch eine stei- nerne Kugel, die 195 Pfund wog, und aus einer Bombarde, der Trevisaner genannt, abgeschos- sen wurde, getödtet. Chioza wurde dann enge eingeschlossen: 5000 Häülfstruppen, unter denen einige Englische Condottieri waren, die ein Capitain Ceccho befehligte, verbanden sich mit den Venetianern. Jetzt baten die Genueser um Bedingungen; aber es wurden keine gewährt, bis sie sich endlich auf Cnade und Ungnade ergaben: darauf hielt der Doge Contarini am 24. Viert Schif Wafl die I Antw re, g einge diese ke, niel schri lche 24. Juni 1380 seinen Triumpheinzug in Chioza. hnet Viertausend neunzehn Galeeren, viele kleinere von Schiffe und Barken mit allem Kriegsvorrath und Ge- Waſfen und der Zurüstung des Feldzugs fiel in dgen die Hände der Sieger, welche, wenn nicht die r sie Antwort des Doria so unerbittlich gewesen wä- urch re, gern ihre Herrschaft auf die Stadt Venedig Zeit, eingeschränkt haben würden. Eine Erzählung an, dieser Verhandlungen findet sich in einem Wer- zehn ke, der Krieg von Chioza genannt, welches Da- aren niel Chinazzo, der damals in Venedig war, ge- schrieben hat*). 9. ſchos- D'rum hieſs sie Pflanzerin des Leu'n.“ enge St. 14. Z. 3. G enen Pflanzt den Löwen— d. h. den Löwen ein von St. Markus, die Fahne der Republik; da- mit von stammt das Wort Pantaloon— Piantaleo- na, Pantaleon, Pantaloon. *)«Chronaca della guerra di Chioza“?, etc. Script. Rer. Italic. tom. XV. p. 699— 804. 10. „Und dünne Straſsen, Fremder Anblick lehrt «.2˙u oft Venedig, wie, durch wen sie büſst." St. 15. Z. 7 u. 8. Die Bevölkerung von Venedig am Ende des siebenzehnten Jahrhunderts belief sich beinahe end Seelen. Bei der auf zweimal hundert ta letzten, vor zwei Jahren vorgenommenen Schäz- zung waren es nicht mehr als ein hundert und dreitausend; und sie vermindern sich täglich. Der Handel und die Dienstgeschäfte, welche eine unerschöpfliche Quelle Venetianischer Gröſse waren, sind beide erloschen*). Die meisten patricischen Wohnungen sind verlassen und wür- *) Nonnullorum e nobilitate immensae sunt opes, adeo ut vix aestimari possint: id quod tribus e rebus oritur: parsimonia, commer- cio, aique iis emolumentis, quae e Repub. percipiunt, quae hanc ob causam diuturna fore creditur.“— Siche de Principatibus Italiae Tractatus edit. 1631. den: gieru siebe ruhig Armt netia jetzt zerst Uferr uome das i nem lich. gern der I Frem ihres keit selbsi Niem so ei die I sie 21 lehrt iſst.“ 3. des nahe der chäz- und gich. eine röſse isten wür- 275 den allmählig verschwinden, hätte nicht die Re- gierung, durch das Abbrechen von zwei und siebenzig in den letzten beiden Jahren beun- ruhigt, ausdrücklich diese traurige Zuflucht der Armuth verboten. Mehrere Ueberreste des Ve- netianischen Adels, deren palladische Palläste jetzt versunken sind oder versinken, sind jetzt zerstreut und mit den reichern Juden an den Ufern des Brenta vermischt. Von dem agentil uomo Veneto ist der Name noch bekannt, und das ist Alles. Er ist blos der Schatten von sei- nem vorigen Selbst, aber höflich und freund- lich. Es ist ihm gewiſs zu verzeihen, wenn er gern klagt. Von welcher Art auch die Laster und obgleich der Republik gewesen seyn m n — Fremde glauben, daſs die entliche Benennung ihres Daseyns zu der ihr g hrenden Sterblich- keit gelangt sey: so kann von den Venetianern selbst nur Eine Gesinnung erwartet werden. Niemals waren die Unterthanen der Republik so einmüthig in ihrem Entschlusse, sich um die Fahne des H. Markus zu sammeln, als da sie zuletzt aufgerollt war; und die Feigheit und 174 Verrätherei der wenigen Patrizier, welche die fatale Neutralität empfahlen, beschränkten sich auf die Personen der Verräther selbst. Von dem gegenwärtigen Geschlecht kann man nicht sagen, daſs es den Verlust der aristokratischen Formen und der zu despotischen Regierung be- dauert: es denkt nur an seine verschwundne Unabhängigkeit Sie zehren sich durch die Er- innerung ab, und verlieren dadurch auf einen Augenblick ihre frohe, gute Laune. Von Ve- nedig kann man mit den Worten der Schrift sagen:«sie stirbt täglich»; und der Verfall ist so allgemein und so deutlich, daſs er für den Fremden, der sich nicht mit dem Anblicke, eine ganze Nation so vor seinen Augen sterben zu sehen, aussöhnen kann, schmerzlich wird. Nachdem eine so künstliche Schöpfung jenen Grundsatz, der sie ins Leben rief und ihr Da- seyn stützte, verloren hatte, mufste sie auf ein- mal in Stücken zerfallen und reifsender sinken, als sie empor stieg. Der Abscheu vor Sklaverei, der die Venetianer zur See trieb, hat seit ihrem Unglücke sie zum Lande gezwungen, wo sie wenig übers drige Kette haftig liche schaff trach den thüm ben s licher Herre nicht samke Zeich ten s keit me, genor Woh Ergel welch 175 die wenigstens unter der Menge der Unterworfenen sich übersehen werden mögen, um nicht das ernie- d Von drigende Schauspiel einer ganzen mit frischen nicht Ketten beladenen Nation abzugeben. Ihre Leb- 4 chen haftigkeit, ihre Freundlichkeit und jener glück- g be⸗ liche Gleichmuth, welchen die körperliche Be- ndne scchaffenheit allein geben kann(denn Philosophie e Er. trachtet vergebens darnach), sind nicht unter einen den Umständen versunken; aber viele Eigen- 1 VWe. thümlichkeiten der Sitte und des Charakters ha- hrift ben sich nach und nach verloren, und die Ad- Il ist lichen, welche mit allen Italiänern, die meist 1 den Herren waren, den Stolz gemein haben, waren icke, nicht dahin zu bringen, mit ihrer Unbedeut- samkeit zu paradiren. Jenen Glanz, der. ein Zeichen und ein Theil ihrer Macht war, woll- ten sie nicht zum Schmuck ihrer Unterwürfig- enen .. 1.... 8 Da. keit erniedrigen. Sie zogen sich von dem Rau- ein- me, den sie in den Augen ihrer Mitbürger ein- genommen hatten, zurück; denn ihr längeres ken * 7.„.. lerei Wohnen in demselben wäre ein Zeichen von „ hem Ergebung, und eine Kränkung für die gewesen, 0 sie welche durch das allgemeine Ungläck litten. von den in der erniedrigten Stadt Zurückgeblie- benen kann man cher sagen, sie besuchen die Scenen ihrer geschwundenen Gewalt, als dafs sie unter ihnen leben. Die Reflexion«wie, durch wen sie büfst", wird kaum eine Erläu- terung von dem verstatten, welcher der natio- nale Freund und Verbündete des Siegers ist. Doch sey nur so viel zu sagen erlaubt, dafs für die, welche ihre Unabhängigkeit wieder zu er- 1 langen wünschen, irgend ein Herr ein Gegen- stand des Ahscheu's seyn muſs; und man kann sicher vorhersagen, dafs diese nichts helfende Abneigung nicht eher sich bessern werde, als bis Venedig in den Schlamm seiner verstopften Kanäle versunken ist. 11. St. 14. Z. 3. Die Geschichte wird in Plutarchs Lebensbe- schreibung des Nicias erzählt. ein a Löscht aus die Muse Attika's die Schmach.* Da der C von «ℳ‿ Die Tar den A sehr hinrei An di 12 — Otway, Radeliſf, Schiller, Shakspeare's Aar.“— St. 18. Z. 5. ; Adolph's Mysterien; rmenier; der Kaufmann «wie, Das gerettete Ven Erläu- der Geisterseher oder natio- von Venedig; Othello rs ist. 3 3.. 3⸗ aſs für 1 zu er- Aus ihrem Stoff wächst nur die Tann' empor, acen. Die höchst' auf höchstem, mindest sicherm 8 Hang."— St. 20. Z. 1 u. 2. 4 kann 8. 3... Hende Tannen ist der Pluralis von Tanne, einer Art ellen den Alpen eigenthümlichen Tannen, die nur in e, als sehr felsigen Gegenden treibt, wo sich kaum topften hinreichender Boden zu ihrer Nahrung findet. An diesen Stellen wächst sie höher, als irgend ein andrer Bergbaum. 14. 1„Ein Stern blos steht zu ihrer Seit', und er mach.* Beherrscht mit ihr die weite, schöne Luft.» 3. Sr. 28. Z. 1 u. 2. Obige Beschreibung könnte denen phantastisch scheinen, welche nie einen Orientalischen oder Italischen Himmel gesehen haben; doch ist sie 25. M bensbe- 178 eine buchstäbliche und kaum genügende Dar- stellung eines Augustabends(des achtzehnten), wie ich ihn auf einem von den vielen Ritten G längs den Ufern des Brenta, nahe bey La Mira, d betrachtete. ti r. — V; 13. 9. «Den Baum, der seiner Dame Namen eint, ol Mit Thränen wässernd so, die er dem Ruhm di geweint.“— St. 30. Z. 8 u. 9. d. Dem kritischen Scharfsinn eines Schotten dan- 4. ken wir es, dafs wir so wenig wie immer, jeitzt von Laura wissen*). Die Entdeckungen des Abbé de Sade, seine Triumphe, sein Hohn 3 können länger weder unterrichten, noch er- *) 8. Ein historischer und kritischer Versuch über das Leben und den Charak- ter Petrarchs; und eine Dissertation über eine historische Hypothese des Abbé de Sade; die erste erschien im Jahre 1784 die andre ist in den vierten Band der Verhandlungen der Königl Societät zu Edin- burgh eingetragen, und beyde sind einem Werke, welches unter dem ersten Titel von Balantyne im Jahre 1810 herausgegeben wurde, einverleibt- Dar- nten), Aitten Mira, int, Ruhm 1. 9. n dan- „jeizt n des Hohn h er- cher harak- htion Abbé Jahre ad der Edin- einem . 179 freuen*). Wir müssen jedoch nicht glauben, dafs diese Memoiren so gut wie Belisarius oder die YInkas ein Roman sind„ ob gleich Dr. Beat- tie, ein groſser Name, doch eine kleine Aucto- rität, dies sagt**). Seine Arbeit» ist nicht vergeblich gewesen, obgleich seine« Liebe», wie seine meisten andern Leidenschaften, ihn lä- cherlich machten***). Die Hypothese, welche die kämpfenden Italiener überw ältigte und min- der interessirte Kritiker in ihrem Laufe fortriſs, ist zu Ende. Wir haben einen andern Beweis. dafs wir nie gewiſs seyn können, ob nicht das sonderbarste Paradoxon, das eben deswegen die angenehmste und glaubwürdigste Miene hat. dem wiederhergestellten, alten Vorurtheile Platz machen werde. ———ã *) Memoires pour la Vie de Pétrarque. **) Life of Beattie, by Sir. S. Forbes. tom. II. p. 106. ***) Herr Gibbon nannte seine Memoiren ei- ne Arbeit der Liebe“(s. Verfall und Unter- gang, Cap. LXX. Anmerk. 1.), und folgte ihm mit Vertrauen und Entzücken. Der Sammler eines sehr bändereichen Wenrks mufs sehr prüfend bey seinem Zutrauen zu Werke gehen; Herr Cibbon hat dies ge- * Es scheint erstens, daſs Laura nicht in Avig- non, sondern auf dem Lande geboren wurde, lebte, starb und begraben wurde. Die Quellen der Sorga, die Dickichte von Cabrières mögen und der verworfene ihre Ansprüche erneuern, de la Bastie wieder mit Woblgefallen gehört werden. Die Hlypoibese des Abbé hat keine stärkre Stützen, als das Pergamentsonnet nebst dem am Sbelett der Frau des Hugo de Sade ge- fundenen Schaustück und Petrarchs Manuscript- note zum Virgil, die jetzt in der Ambrosischen Bibliothek sich beßndet. Wären diese Beweise unbestreitbar, so würde binnen zwölf Stunden dies Gedicht geschrieben, das Schaustück ver- ossen und niedergelegt seyn, und en wären einer Person er- fertigt, ge diese überlegten Ehr die an der Pest starb und eiligst am Todes begraben wurde Diese Ur- her zu entscheidend; sie bewei- sen nicht die Thatsache, sondern die Verdrehung. Entweder das Sonnet oder die V gilische An- merkung müssen eine Verfälschung seyn. Der Abbé führt beyde als unbestreitbar ächt an; der daraus folgende Schlufs ist unvermeidlich— sie sind beyde augenscheinlich falsch*). wiesen, Tage ihre kunden sind da than, obgleich nicht so bereitwillig, als ei- nige andre Schriftsteller. *) Das Sonnet hatte schon vorher den Verdacht Zweytens war Laura nie verheirathet; sie war vielmehr eine stolze Jungfrau, als jenes zärt- liche und kluge Weib, welches Avignon dadurch ehrte, daſs sie diese Stadt zum Schau- platz einer ehrbaren Französischen Leidenschaft machte und ein und zwanzig Jahre ihre kleine Maschinerie abwechselnder Gunst und Sprödig- keit*) gegen den ersten Dichter des Zeitalters spielte. Es war in der That gar nicht schön, daſs eine Frau wegen eilf Kindern auf die Treue einer miſsgedeuteten Abkürzung und der Ent- scheidung eines Bibliothekars verantwortlich ge- des Herrn Horace Walpole erweckt. Siehe 1 er- seinen Brief an Wharton im J. 1763. t am*) Par ce petit manège, cette alternative de Ur- faveurs et de rigueurs bien ménagée, une eWel. femme tendre et sage amuse pendant vingt* zuns et un ans, le plus grand poëte de son siecle, n- sans faire la moindre brèche à son honneur.“ Memoires pour la Vie de Pétrarque, Préſace aux François. Der Italienisch der Londoner Ausgabe Petrarch's, welche Lord Woodhouselee übersetzt hat, gibt das . zärtliche und kluge Weib» durch«raffina- als ei- ta civetta.“ KRiflessioni intorno a Madonna Laura, p. 234. vol. III. cd. 1811. Herausgeber 182 macht werden sollte*). Indeſs ist es hinrei- chend, zu glauben, dafs die Liebe Petrarch's nicht platonisch war. Die Glückseligkeit, um deren Besitz er nur einmal und einen Augen ⸗ blick bat, war gewiſs nicht geistig**); und et- *) In einer Unterredung mit St. Augustin hat Petrarch Laura so beschrieben, als wäre ihr Körper von wiederholten Geburten erschöpft worden. Die alten Herausgeber lasen und druckten perturbationibus, aber Herr Cap- peronier, Bibliothekar des Königs v. Frank- reich im Jahre 1762, welcher das MS. in der Pariser Bibliothek sah, bezeugte daſs on lit et qu'on doit lire, partubus exhau- stum.“ De Sade fügte die Namen der Herrn Boudot und Bejot zu Herrn Capperonier, und zeigte in dem ganzen Streite über diese Geburten sich geradezu als einen litera- rischen Schurken. S. Kiflessioni etc. p. 267. Thomas Aquinas wird aufgefordert, zu be- stimmen, ob betrarch's Geliebte ein keu- sches Mädchen oder eine züchtige Frau gewesen sey. **)„Pigmalion, quanto lodar ti dei Dell' imagine tua, se mille volte N'avesti quel ch' i' sol una vorrei.“ Sonetto 58. Quando giunse a Siwon l'alto concetto. Le Rime etc p. 169. edit Ven. 1756. 183 ei- 1 was so durchaus Wirkliches, wie ein Heiraths- h's entwurf mit einer vergebens eine schattige Nym- am phe Genannten läſst sich vielleicht in wenigstens en- sechs Stellen seiner eignen Sonnette entdecken. V1 et- Petrarch's Liebe war nie, weder platonisch noch poetisch; und wenn er sie in einer Stelle seiner Werke amore veementissimo ma unico ed one- ston nennt, so bekennt er in einem Briefe an „ einen Freund, daſs sie sündlich und verderbt sey, daſs sie ihn gänzlich verzehre und sein Herz überwältige*). In diesem Falle war er jedoch vielleicht über das Schuldige seiner Wünsche unruhig; denn der Abbé de Sade selbst, der gewiſs nicht ängst- lich zart gewesen seyn würde, hätte er seine Abkunft von Petrarch so gut wie von Laura be- weisen können, vertheidigt mit gröſster Anstren- gung seine tugendhafte Grofsmutter. Was den Dichter betrifft, so haben wir weiter keine Si- cherheit für seine Unschuld, als etwa die Beharr- lichkeit in seinem Streben. Er versichert uns 1 in seinem Briefe an die Nachwelt, daſs er beym Einritt in sein vierzigstes Jahr nicht blos jede unsittliche Handlung verabscheut, sondern auch .*) Quella rea e perversa passione che solo tutto mioccupava e mi regnava nel cuore.* 18 jede Erinnerung und jedes Bild davon verloren habe*). Aber die Geburt seiner unehelichen Toch- ter kann erst in sein neun und dreiſsigstes Jahr verlegt werden; und entweder das Gedächtniſs, oder die Sittlichkeit müssen ihn getäuscht haben, als er diesen Fehltritt vergaſs oder desselben schuldig war**). Der schwächste Beweis für die Reinbeit seiner Liebe ist aus der Fortdauer der Wirkungen her- geleitet worden, welche den Gegenstand seiner Leidenschaft überlebten. Der Gedanke des Herrn de la Bastie, dals Tugend allein Eindrücke machen könne, welche der Tod nicht auslösche, ist einer von denen, welchen jedermann Beyfall gibt, und die jedermann nicht wahr findet, so- bald er seine eigne Brust oder die Schilderungen 8 menschlicher Gefühle zu Rathe zieht***). Solche *) Azion disonesta sind seine Worte. **½)«A questa confessione cosl sincera diede forse occasione una nuova caduta ch' ei fece.“ Tiraboschi Storia, etc. tom. V. lib. IV. par. II. pag. 492. ***) Il n'y a que la vertu seule qui soit capable de faire des impressions que la mort n'efface pas. M. de Bimard, Baron de la Bastie, in den Memoires de l'Académie des Inscrip- Aussprüche können nur bey den sehr Schwachen und sehr Jugendlichen für Petrarch oder für die Sache der Moralität entscheiden. Wer nur et- was über Unwissenheit und Unmündigkeit hinaus ist, kann durch nichts als Wahrheit überzeugt werden. Das, was Ehrenrettung eines Einzel- nen oder einer Nation genannt wird, ist das Läppischste, Eckelhafteste und Unbelehrendste aller Schreiberey, wenn es auch immer mehr Beyfall als jene nüchterne Prüfung einerntet,. der die boshafte Absicht beygelegt wird, dafs sie einen grofsen Mann unter das gemeine Richt- mafs der Menschlichkeit stellen wolle. Nach allem diesen ist es nicht unwahrscheinlich, daſs unser Geschichtschreiber recht that, wenn er seinen hypothetischen Lieblingsvorbehalt beybe- hielt. welcher den Schriftsteller sichert, obgleich es die Ehre der noch unbekannten Geliebten Pe- trarcha's kaum rettet*). tions et Belles Lettres, 1740 und 1751. S. auch Riflessioni etc. p. 295. *)«Und wenn die Tugend oder Klugheit der Laura unerbittlich war, so erfreute er sich doch und mochte stolz darauf seyn, daſs er sich der Braut der Poesie erfreute.“ Verfall und Untergang. Cap. LXX. S. 327. Bd. XII. Oct. Vielleicht ist unter dem wenn hier obschon verstanden. 186 16. Und Arqua's Bergdorf, dicht umgrünt von Holz, Wo sterbend,“ u. s. w,— St. 31. Z. 1. Petrarch zog sich unmittelbar nach seinem un. glücklichen Versuche, Urbin V. in Rom zu be- suchen, i. J. 1370 nach Arquà zurück, und mit Ausnahme seines berühmten Besuches zu Vene- dig, in Gesellschaft von Francesco Novello da Car- rara, scheint er seine vier letzten Lebensjahre zwischen jener bezaubernden Einsamkeit und bracht zu haben. Vier Monate vor nem Tode war er in einem Zustande bestän- iger Mattigkeit, und am Morgen des 19. July im Jahre 1374 wurde er in seinem Bibliotheks- stuhle, mit seinem Kopfe auf einem Buche ru- hend, todt gefunden. Der Stuhl wird noch un- ter den kostbaren Ueberresten Arqua's gezeigt, die, wegen der ununterbrochenen Verehrung, welche mit allem, was sich auf diesen grofsen Mann bezieht, von dem Augenblicke seines To- des bis zur jetzigen Stunde verknüpft worden ist, sich hoffentlich einer glücklichern Glaub- würdigkeit als die Shakspear'schen Denkzeichen zu Stratford am Avon erfreuen. Arquà(denn die letzte Sylbe wird in der Aussprache accentuirt, obschon die Analogie der on 187 Englischen Sprache im Verse beybehalten ist), liegt zwölk Meilen von Padua, und ungefähr drey Meilen rechts von der Landstrafse nach Rovigo, im Busen der Euganeischen Hügel. Nach einem Spaziergange von zwanzig Minuten über eine flache, holzreiche Wiese kommt man zu einem kleinen, blauen, aber unergründli- chen Teich, und an den Fuſs einer Reihe von Hügeln und Abhängen, die mit Weinbergen und Obstgärten bekleidet, und an Tannen, Gra- natäpfelbäumen und jeglichen sonnigen Frucht- sträuchen reich sind. Von dem Rande des Teichs windet sich der eg in die Hügel, und bald erscheint zwischen einer Kluft, wo zwey Berg- kuppen sich gegen einander neigen, und das Dorf beynahe einschliefsen, die Kirch von Ar- quà. Die Häuser stehen hier und da asf den steilen Gipfeln verstreut, und das des Dichters erhebt sich auf dem Saum eines kleinen Hü- gels, der zwey Abhänge überschaut, und nicht nur eine Aussicht auf die glühenden Gärten unmittelbar in den untern Thälern, sondern auch auf die weiten Ebnen gewährt, über de- ren tiefliegende und durch die Fruchtscheuren der Weinberge zu einer dunkeln Masse ver- dickte Maulbeer- und Weidenwälder einzelne schlanke Cypressen und die Spitzen der Städte in der Ferne hervorragen, die sich his zu den Mündungen des Po und den Ufern des Adriati- 188 schen Meers erstreckt. Das Klima dieser vul- Rite canischen Hügel ist wärmer, und die Weinlese beginnt eine Woche früher als in den Ebenen vnd von Padua. Petrarch wurde in einen Sarkophag abe von rothem Marmor gelegt(denn beerdigt kann ein man nicht sagen); dieser erhob sich auf vier ey Pfeilern von einer erhöhten Basis und schützte ven ihn vor einer Vermischung mit geringern Grä- wißs 1 bern. Er steht auf eine ausgezeichnete Art al- 1 lein, wird aber bald von vier neulich gepflanz- er 4 ten Lorbeerbäumen überschattet werden. Pe- trarcha's Quelle(denn hier ist Alles Petrarchisch), entspringt und breitet sich unter einem kleinen Bogen, etwas unterhalb der Kirche, aus, und hat auch in der trockensten Jahrszeit Ueberflufs an jenem sanften Wasser, das den alten Reich- thum der Euganeischen Hügel ausmachte. Sie würde anziehender seyn, wäre sie nicht zu ge- wissen Zeiten von Hornissen und Wespen um- schwärmt. Keine andre Aehnlichkeit konnte zwischen den Gräbern des Petrarcha und Ar- chilochus statt finden. Die Umwälzungen von Jahrhunderten haben diese abgesonderten Thä- ler verschont, und die einzige, der Asche Pe- trarch's angethane Gewalt, wurde nicht durch Hafs; sondern durch Verehrung herbeygeführt. Ein Versuch wurde gemacht, den Sarkophag seines Schatzes zu berauben, und Ein Arm von x*) einem Florentiner aus einer noch sichibaren * 189 Ritze gestohlen. Die Beleidigung ist noch nicht vergessen, aber sie diente dazu, den Dichter mit dem Lande, wo er geboren war, wo er aber nicht leben wollte, zu vereinigen. Als ein Bauerknabe gefragt wurde, wer Petrarch sey, so erwiederte er: die zur Pfarre Gehö- renden wülsten Alles, was ihn beträfe, er aber wisse blos, dafs er ein Florentiner sey.“ Herr Forsyth*) ist nicht ganz correct, wenn dafs er nie nach Toscana zurückkehrte, nachdem er es einmal als Knabe verlassen hatte. Offenbar reiste er auf seinem Wege von Parma nach Rom durch Florenz, so wie bey seiner Rückkehr im Jahre 1350, und blieb dort lange genug, um Bekanntschaft mit dessen ausgezeich- neisten Bewohnern zu machen. Ein vornehmer Florentiner schämte sich des Widerwillens des Dichters gegen sein Vaterland, und war eifrig darauf bedacht, diesen gemeinen Irrthum bey unserm gebildeten Reisenden auszurotten, den er kannte und achtete wegen ausserordentlicher Talente, ausgebreiteter Gelehrsamkeit und ei- nes verfeinerten Geschmacks, verbunden mit jener anziehenden Einfachheit der Sitten, wel- *) Bemerkungen u. s. w. über Italien, 8. 95. Anmerk, 2. Aufl. 190 che so oft als der sicherste, obgleich gewiſs nicht als ein unerläfslicher Zug des höhern Ge- nius erprobt ist. Jeder Fufsstapfe von Laura's Liebendem ist ängstlich aufgesucht und aufgezeichnet worden. Sein Wohnhaus wird in Venedig gezeigt. Die Bewohner von Arqua haben, um den langen Streit zwischen ihrer Stadt und dem benach- barten Ancisa, wohin Petrarch in einem Alter von sieben Monaten gebracht wurde und bis zum siebenten Jahre blieb, zu schlichten, durch eine lange Inschrift den Platz bezeichnet, wo ihr grolser Mitbürger geboren wurde. Eine Tafel ist ihm in Parma in der Capelle St. Aga- tha bey der Hauptkirche*) errichtet worden, *) D. O. M. Francisco Petrarchae Parmensi Archidiacono Parentibus praeclaris genere perantiquo Ethices Christianae scriptori eximio Romanae linguae restitutori Etruscae principi Africae ob carmen hac in urbe peractum regibus accito S. P. Q. R. laurea donato. . weil er Archidiaconus jener Verbindung war, und nur durch einen auswärtigen Tod seine entworfene Beerdigung in ihrer Kirche vereitelt wurde. Eine andre Tafel nebst einer Büste ist ihm zu Pavia errichtet worden, weil er den Herbst 1368 in jener Stadt mit seinem Schwie- gersohne Brossano verlebr hatte. Die politische Lage, die, Zeitalter hindurch, die Italiener an der Beurtheilung der Lebenden verhinderte, hat ihre Aufmerksamkeit auf die Verklärung der Todten concentrirt. Tanti Viri Juvenilium juvenis senilium senex Studiosissimus Comes Nicolaus Canonicus Cicognarus Marmorea proxima ara excitata. Ibique condito Divae Januariae cruento corpore H. M. P. Suffectum Sed infra meritum Francisci sepulchro Summa hac in aede efferri mandantis Si Parmae occumberet Extera morte heu nobis erepti. 17. Oder Dämonen* St. 34. Z. 1. Der Kampf mit Dämonen ist vollkommen so wahrscheinlich, wie mit unsern bessern Gedan- ken. Satan wählte die Wildnifs, zur Versu- chung unsers Heilandes. Und unser unbefleck- ter John Locke zog die Gegenwart eines Kin- des der vollkommnen Einsamkeit vor. —— —y— —;— —