—.-—= Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Leſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 n hr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen⸗ 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Jurültgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 3 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———— auf 1 Monat: 1 Mk.— öf 1 Mk. 50 Pf —— 2 Mk.— Pf. — 4 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Vücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. 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Uebersetzt von Theodor Hell. ———ÜAA 5 1 Z wickau, im Verlage der Cebrüder Schumann. 1 8 22. ——-—ͤͤ——'ͤ——-—-:—ͤ———˖— r Die Verschwörung des Doge Marino Faliero ist eine der werkwürdigsten Begebenbeiten in den Annalen einer Regierung, eines Staats und Volkes, welche ohnstreitig zu den sonderbar- sten der neueren Geschichte gehören. Sie er- eignete sich im Jahre 1355. Alles was Vene- dig angeht, ist, oder war auſserordentlich. Der Anblick dieser Stadt gleicht einem Traume, ihre Geschichte einem Romane. Die Begebenheiten jenes Dogen findet man in allen Chroniken Ve- nedigs, am genauesten auseinandergesetzt jedoch in dem Leben der Dogen von Marin Sanuto, VI und dieses enthält der Anhang. Sanuto's Er- 8 zählung ist einfach und klar, und vielleicht in sel sich selbst dramatischer als irgend ein Trauer- ser spiel, welches man darauf gründen könnte. te Marino Faliero scheint ein Mann von Ta- del lent und Muth gewesen zu seyn. Ich finde ihn sch er Landmacht bey der un als Oberbefehlshaber „.. Belagerung von Zara, wo er den König von Un bel garn und dessen Armee von 80,000 Mann schlug, Fr ihm 80 5e und zuglei li 3 ihm 8000 M. tödtete, und zugleich die Belager- we ten in Schach hielt. Ein Kriegsunternehmen, str wie ich kein ähnliches in der Geschichte kenne, lie 1. ausgenommen das des Cäsar von Alesia, und 8 der des Prinzen Eugen vor Belgrad. chher befeh-; 3 8 8 wir ligte er in demselben Kriege die Flotte. Er Lo nahm Capo d'lstria, Dann war er Gesandter in 1 Genua und Rom, an welchem letztern Orte er Ini die Nachricht von seiner Ernennung zum Doge 5 8 wã 3 erhielt. Seine Abwesenheit war der Beweis, daſs An er diese Würde nicht durch Intriguen suchte, lag denn er erfuhr den Tod seines Vorgängers und VII seine eigene Ernennung zu gleicher Zeit. Doch scheint seine Gemüthsart etwas unfügsam gewe- sen zu seyn. Sanuto erzählt uns eine Geschich- te, wie er viele Jahre zuvor, als er noch Po- desta und Hauptmann in Treviso war, den Bi- schoff, der die Hostie etwas zu spät brachte, unsanft bey den Ohren nahm. Um deswillen beurtheilte ihn der ehrliche Sanuto freylich et- was streng, aber er sagt uns nicht, ob Faliero wegen dieses Ungebührnisses vom Senate be- straft und zur Rede gesetzt ward oder nicht. Fa- liero scheint jedoch nachher seinen Frieden wie- der mit der Kirche gemacht zu haben, denn wir finden ihn als Gesandten in Rom und durch Lorenzo, den Bischoff von Ceneda, mit dem Lehn von Val di Marino in der Mark von Treviso und mit dem Titel eines GCrafen belehnt. Meine Ge- währsmänner dafür sind Sanuto, Vettor Sandi, Andreas Navagero und der Bericht von der Be- lagerung Zara's, welchen der unermüdete Abt Morelli zuerst 1796 in seinen Monumenli Venezia- ni di varia letteratura bekannt machte, Schriften, VIII welche ich alle in der Ursprache gelesen habe. Mit den alten Chronikenschreibern scheinen die Neuern, Daru, Sismondi und Laugier ziemlich übereinzustimmen. Sismondi schreibt die Ver- schwörung der Eifersucht des Dogen zu, doch finde ich dies bey den nationellen Geschicht- schreibern nirgends bestätigt. Vettor Sandi sagt allerdings:«Andere schreiben, daſs wegen eifer- süchtigen Verdachts des Dogen gegen Michael Steno es geschehen sey, u. s. w.» Doch scheint dies bey weitem nicht die allgemeine Meynung gewesen zu seyn, weder Sanuto noch Navagero spielen darauf an, und Sandi selbst setzt gleich nachher noch hinzu:«Dafs nach andern vene- tianischen Denkwürdigkeiten es wahrscheinlich, dals nicht das blofse Verlangen nach Rache, son- dern auch Faliero's angebohrner, gewöhnlicher Ehrgeiz, welcher ihn antrieb, sich zum unab- hängigen Fürsten zu machen, seinen Plan zur Verschwörung hervorbrachte.“ Der erste Be- weggrund scheint allerdings in der heftigen Be- leid Ster dur Vie ihre Die sich des bezi ſind wäl sen wir run Sey ang tun seir IX leidigung, durch die Worte welche Michael „ Steno an den herzoglichen Stuhl schrieb, und durch das unangemessene und gelinde Urtheil der Vierzig, gegen den Beleidiger, welcher einer ihrer drey Vorsitzenden war, gelegen zu haben. ut⸗ Die Aufmerksamkeiten Steno's selbst, mochten gt sich wohl nur auf eine Hofdame der Gewahlin des Dogen und nicht auf die Dogaressa selbst beziehen, denn gegen den Rul dieser Fürstin 8 nt findet man nicht die geringsten Ausstellungen, ng während sie stets ihrer Schönheit wegen geprie- ro 4 sen, und ihrer Tugend wegen ausgezeichnet ch wird. Auch finde ich nirgends die Versiche- ae- rung(Sandi's Wink mülste denn eine solche hh, seyn), daſs den Dogen Eifersucht auf sein Weib n- angetrieben habe, vielmehr geschah es aus Ach- er— tung für sie und für seine eigene b- seine ehemaligen Dienste, und ur Würde Gewähr leisteten. ze- So viel ich weiſs, hat man in Englaud frü- her auf diese geschichtlichen Thatsachen nicht Rücksicht genommen. Doctor Moore sprach in seinen Ansichten von Italien zuerst darüber. mas Seine Erzählung ist falsch und geschwätzig, voll dat von verbrauchten Scherzen über alte Männer vo und junge Weiber, und voll Verwunderung, ein daſs eine so grofse Folge aus einer so kleinen 0 Ursache habe entspringen können. Wie sich ſen ein so scharfsichtiger und strenger Menschen- de 3 kenner, wie der Verfasser von Zeluco, darüber da wundern konnte, ist unbegreiflich. Er wuſste ria ja, dals ein Glas Wasser, welches auf der Mrs. die Masham Kleid gegossen war, den Herzog von n Marlborough seines Oberbefehls beraubte, und Ner zu dem unrühmlichen Frieden von Utrecht führ- 4 Ca te,— daſs Ludwig XIV. in die unseligsten Ta Kriege verwickelt ward, weil sein Minister sich da ärgerte, daſs der König ein Fenster tadelte, und 8 ihm eine andre Beschäftigung zu geben wünsch- 2. te,— daſs Helena Troja den Untergang brachte, 80 ze. — daſs Lucretia die Tarquinier aus Rom ver- trieb,— und Cava die Mauren nach Spanien XI rief;— daſs ein beleidigter Gemahl die Callier nach Clusium und von da nach Rom führte,— dafs ein einziger Vers Friedrichs II. Königs von Preussen über den Abbé de Bernis, und ein Scherz über Frau von Pompadour die Schlacht von Roſsbach vefäânlafste,— daſs das Entlau- ſen Dearbhorgil mit Mac Murchad die Englän- der in die Sclaverey der Irländer brachte,— ₰* daſs ein persönlicher Widerwille zwischen Ma- ria Antoinette und dem Herzog von Orleans, die erste Vertreibung der Bourbons beschleu- nigte, und, um die Beyspiele nicht zu sehr zu ste,„ Ys vermehren,— dafs Commodus, Domitian, und nicht ihrer entlichen Ty- J Caligula, als Opf ranney, sondern einer Privatrache fielen, und dafs ein Befehl, wodurch Cromwell gezwungen ward, sich wieder auszuschiffen, als er schon am Bord war, um nach Amerika abzusegeln, sowohl das Königthum als das Volks-Wohl zerstörte. Sonach ist es mindestens sehr son- derbar, wenn D. Moore darüber erstaunt, dafs XII ein Mann, welcher gewohnt war zu befehlen, und der in den wichtigsten Aemtern gedient und geherrscht hatte, in einem noch ungebän- digten Zeitalter, eine unbestrafte Beleidigung, die gröſseste, die einem Manne geschehen kann, sey er Prinz oder Bauer, mit heftigem Unwillen empfand. Faliero's Alter thut dagegen nichts, vielmehr bekräftigt es dies nur noch; denn; Des jungen Mannes Zorn gleicht Stroh in Feuers Cluth, Dem rothgeglühten Stahl des ältern Mannes Wuth, 2 Die Jugend spendet und vergibt Beleid'gung schnell, Langsam in beyden ist das Alter.“» Laugier's Bemerkungen sind philosophischer. Er sagt: Dies war das schimpfliche Ende ei- nes Mannes, welchen Geburt, Alter und Cha- rakter von Leidenschaften, welche groſse Ver- brechen erzeugen, hätten entfernt halten sol- digu dadt nigt hafte daſs liche daſs scha ente um XIII len. Seine Talente, lang geübt in den wich- tigsten Anstellungen, seine Fähigkeiten, erprobt in Befehlsbaberstellen und bey Gesandtschaften, / hatten ihm das Vertrauen und die Achtung seiner Mitbürger erworben, und alles vereinte sich, um ihn an die Spitze der Republik zu stellen. Erhoben zu einer Stufe, auf der sich sein Leben glorreich würde geendet haben, 72 flöſste die Nachempfindung einer kleinen Belei- digung seinem Ilerzen ein solches Gift ein, dafs ds dadurch seine frühern Eigenschaften verunrei- nigt wurden, und er zu dem Ende der Laster- ung haften hingeführt ward. Ein ernstes Beyspiel, dafs es kein Alter gebe, in welchem mensch- liche Klugheit sich für sicher halten dürfe, und dafs in dem menschlichen Herzen stets Leiden- her. schaften zurückbleiben, die fähig sind, ihn zu ei- entehren, wenn er nicht äber sich selbst wacht.“ ha- Wo fand Dr. Moore, daſs Marino Faliero Ver- um sein Leben gebettelt habe? Ich habe in allen Chronikenschreibern nachgesucht, und nichts von der Art gefunden. Wahr ist's, er gestand alles ein. Er ward in die Marterkam- mer geführt. Aber nirgends ist gesagt, daſs er auf irgend eine Art um Cnade gebeten habe, und eben daſs man ihn zur Tortur führte, scheint eher alles Andere, als Mangel an Festigkeit bey ihm anzuzeigen, und jene, ins kleinste einge- henden Geschichtschreiber, die ihn keineswe- ges begünstigten, würden dies gewifs auch nicht verschwiegen haben. Dies wäre auch eben so sehr seinem Character als Soldat, und dem Zeitalter, in welchem er lebte und für das er starb, als der Wahrheit der Geschichte entge- gen gewesen. Als ein Unrecht erscheint es mir stets, einen historischen Character aus entfern- ten Zeiten anzuschwärzen, denn Wahrheit ge- hört den Todten, und besonders den Unglück- lichen, und diejenigen, welche auf einem Schaf- fot sterben, haben immer eigene Fehler genug zu vertreten, ohne daſs es nöthig wäre, ihnen noch diejenigen beyzulegen, welche eben jener 8 5„ Kam walt dern Schl. wo Doge er g. tet v druch riger sein und male zu m neres ihm liero Ol und auf e XV Kampf mit den Gefahren, der sie zu dem ge- waltsamen Tode führte, mehr als bey allen an- dern unwahrscheinlich macht. Der schwarze Schleyer, welcher über den Platz gemalt ist, wo Marino Faliero's Bild unter den übrigen Dogen hängen sollte, und die Riesentreppe, wo er gekrönt, der Krone beraubt, und enthaup- tet ward, machten einen eben so lebhaften Ein- druck auf meine Einbildungskraft, als sein feu- riger Character und seine seltsame Geschichte. Im Jahr 1819 suchte ich mehr als einmal sein Grab auf dem Kirchhofe von St. Johann und Paul auf, da kam, als ich vor dem Denk- male einer andern Familie stand, ein Priester zu mir, und sagte:«Ich kann Ihnen ein schö- neres Monument zeigen, als dies.» Ich machte ihm bemerklich, dafs ich das, der Familie Fa- liero, und besonders des Dogen Marino suche. „Ol» erwiederte er,«ich will es Ihnen zeigen, und führte mich nach der Aussenseite, wo er auf einen Sarkophag an der Mauer, mit einer XVI unleserlichen Iuschrift hinwies. Er sagte, daſs dieser in einem nahgelegenen Kloster gestanden habe, aber nach der Ankunft der Franzosen von dort weggenommen, und da hingestellt worden sey, wo er gegenwärtig sich noch be- ſinde. Die Reiter⸗Statue, von welcher ich im dritten Act, als vor jener Kirche stchend, spre- che, ist jedoch nicht die eines Faliero, son- dern irgend eines alten, jetzt vergessenen Krie- gers, obschon aus spätern Zeiten. Noch gab es vor Marino zwey andere Dogen aus dersel- ben Familie: Ortelafo, der 1117 in der Schlacht bey Zara fiel, wo sein Nachkomme späterhin die Hunnen schlug, und Vital Faliero, welcher im J. 1082 regierte. Die Familie stammte ur- sprünglich aus Fano her, und war an Alter und Wohlstand eine der berühmtesten in jener Stadt, wo sonst die reichsten Familien Euro- pens lebten, und noch jerzt die ältesten sich finden. Je weiter ich mich über diesen Gegen- stand ausgelassen habe, je mehr kann man dar- aus s Mag nennq nigst Sprac ist. J Werk Duell vielme Haupt jedocl und! Dram ich m gab ihm chen stelle mit s 21. XVII . aus sehen, wie sehr ich Theil daran genommen. gte, dafſs Mag mein Trauerspiel nun selbst gelungen zu estanden 4 nennen seyn, oder nicht, so habe ich doch we- ranzosen 4.; nigstens eine historische Thatsache in unsere ingestellt Sprache übergetragen, die der Erinnerung werth noch be- ist. r ich im Jetzt sind es 4 Jahre, seit ich über dies tnd, spre- Werk nachgedacht habe, und ehe ich alle ro, son- Quellen hinreichend untersucht hatte, war ich en Krie- vielmehr geneigt, in Faliero die Eifersucht als och gab Haupttriebfeder anzunehmen. Findend dafür as dersel- b Schlacht späterhin jedoch keinen Grund in historischer Wahrheit, und bemerkend, dals die Eifersucht für das Drama eine erschöpfte Leidenschaft sey, gab „welcher...— ich meinem Trauerspiele eine mehr historische nmte ur-.. 1 Gestalt. Auch der verstorbene Mathias Lewis an Alter. 8.—.. gab mir darüber, als ich 1817 in Venedig mit in jener 5 5... ihm über mein Vorhabean sprach, einen glei- en Euro-— 8 ich chen Rath.«Wenn Sie Faliero eifersüchtig dar- sten sic.. stellen,» sagte er,«so bedenken Sie, daſs Sie n Gegen-.— 3— mit schon anerkannten Schriftstellern, ich will man dar- 21. b nicht einmal Schakespeare nennen, sich in Wettstreit einlassen müssen, und einen er- schöpften Gegenstand zu behandeln haben. Blei- ben Sie fest bey dem alten, feurigen, natürli⸗ chen Character des Dogen, dieser wird Ihnen schon, wenn Sie ihn gehörig zeichnen, aushel- fen, und entwerfen Sie, vor allen Dingen, Ih- ig, als Sie können.* Sir William Drummond gab mir ſast denselben ren Plan so regelmä Rath. In wie ferne ich diesen Lehren gefolgt bin, und wie weit sie mir von Nutzen gewesen sind, habe ich nicht zu entscheiden. Ich be- absichtigte bey meiner Arbeit keinesweges die Bühne. Sie ist in ihrem gegenwärtigen Zustan- de wohl kein sehr hohes Ziel für Dichter-Ehr- geiz. Auch bin ich zu oft hinter den Coulis- sen gewesen, um sie je dafür gehalten zu ha- ben. Ueberdieſs kann ich mir nicht denken, wie jemand von reizbarem Gemüth sich selbst der Gnade einer Versammlung von Zuschauern hingeben kann. Der höhnische Leser und die laute (revie fälle, die, rem einen eine lichk man recht ten 1 te. ben, mir ungli chen. Zeit, Thea werd 2) 4 XIN sich in laute Kritik, so wie die herbe Beurtheilung uen er⸗(review) sind einzelne und entfernte Unglücks- en. Blei- fälle, aber das in Staub treten einer Arbeit, natürli⸗ die, sie mag gut oder schlecht seyn, doch ih- 1 Ihnen rem Verfasser geistige Mühe gekostet hat, von aushel- einem verständigen oder albernen Parterre, ist zen, Ih- eine handgreifliche, unmittelbare Unannehm- n.» Sir lichkeit, die noch dadurch erhöht wird, wenn enselben man über der Competenz dieser Richter ge- gefolgt rechte Zweifel hegen, und sich als unklug schel- gewesen ten muſs, dafs man sie sich selbst dazu erwähl- Ich be- te. Wäre ich im Stande, ein Stück zu schrei- eges die ben, dafs man für aufführbar hielt, so würde Eustan. mir ein günstiger Erfolg kein Vergnügen, ein ter-Ehr- unglücklicher aber den gröfsten Verdruſs ma- Coulis- chen. Defshalb machte ich selbst während der a zu ha- Zeit, dafs ich zu der Committé eines dieser denken, Theater gehörte, keinen solchen Versuch, und h selbst werde es nie thun*). schauern und die*) So lange als ich Mitglied des Sub- Com- mitté von Drurylane war, kann ich für XX Noch liegt in andern Dichtern volle dra- matische Kraft; wo eine Johanna Baillie, ein meiune Collegen, und, ich hoffe, für mich selbst einstehen, dafs wir unser Möglich- stes thaten, das anerkannte, ächte(legiti- mate) Drama wieder einzuführen. Ich ver- suchte, was ich nur konnte, um de Mont- fort wieder in's Leben zurükzurufen, und eben so vergebens Solheby'’s Ivan, wel- chen man doch für ein eſſektvolles Stück hielt; auch gab ich mir Mühe Mr. Cole- ridge dahin zu bringen, ein Trauerspiel zu schreiben. Diejenigen, welche nicht mit im Geheimnisse sind, werden schwerlich glauben, daſs die Lästerschule in Ver- gleich mit der Zahl der Vorstellungen, die sie seit ihrer Erscheinung erlebte, dasjeni- ge Stück ist, was am allerwenigsten Geld gebracht hat. Mindestens versicherte mich der Bühnen-Director Dibdin so. Was seit Mlarturini's Bertram erschienen ist, weifs ich nicht, so dafs ich leicht aus Unbe- kanntschaft einige treffliche Schriftsteller übergehen könnte. IsSt dem s so bitte ich um Verzeihung. Ich bin fast 5 Jahre von England abwesend gewesen, und seit 0„ Milmar der Bü e dra- e, ein mich öglich- (egiti- ch ver- Mont- „, und „ we Stück Cole- piel zu ht mit werlich n Ver- en, die asjeni- Geld mich Vas seit weiſs Unbe- tsteller o bitte Jahre d seit XXI Milman und ein John Wilson leben, kann es der Bühne nicht fehlen. Die Stadt der Pest“ meiner Abreise las ich bis vor'm Jahre niemals eine englische Zeitung, und erfahre jetzt alle theatralischen Gegenstände erst durch die Pariser Zeitung von Calignani, und dies auch erst seit den letzten 12 Mo- naten. Ich muſs also wegen jeder Belei- digung gegen Trauerspiel- sowohl als Lust- spiel-Dichter mich verwahren, indem ich ihnen allen das Beste wünsche, aber nichts von ihnen kenne. Doch liegt der Grund der vielen Klagen über den gegenwärtigen Zustand des Sehauspiels keineswegs in den Darstellern. Ich kann mir nichts Besseres denken, als Kemble, Cooke und Kean, in ihren verschiedenen Fächern, oder Ellis ton im feinerm Lustspiel, und in einigen an- dern tragischen Rollen. lif ONeill sah ich nie, denn ich habe den Entschlufs ge- fafst, und auch gehalten, nichts zu sehen, was meine Erinnerung an die Siddons thei- len oder stören könnte. Di dons und Kemble waren das Ideal ächttragischen Sp iels. lch sah noch niemand, der ihnen auch nur persönlich ähnlich gekommen wäre, des- und« Der Fall von Jerusalem» enthalten das beste Material für die Tragödie, das seit Horace Walpole, mit Ausnahme einiger Stellen in «Ethwald und Montfort“, dagewesen ist. Es ist Mo- de, Horace Walpole herabzusetzen, erstlich, weil er ein Edelmann, und dann, weil er ein edler Mann halb werden wir auch nie wieder Coriolan noch Macbeth mehr sehen. Wenn man Kean wegen Mangel an Würde tadelt, so sollte man bedenken, daſs Würde eine Gunst des Himmels, und nicht eine Kunst sey, auch nie durch Studium erlangt wer- den könne. In allen, nicht ausserhalb der Natur liegenden, Rollen ist er vollkommen, selbst seine Mängel gehören oder scheinen wenigstens zu manchen Rollen wesentlich zu gehören, und diese eben dadurch der Natur mehr zu nähern. Von Kemble kön- nen wir in Bezug auf sein Spiel sagen, was der Cardinal von Retz dem Marquis von Montrose sagte: dafs er der einzige Mann sey, der ihn jemals an Plutarchs Helden erinnert habe.“* war. Al und sei mufs ic norum* ter“, ei eines k der Sch des letz eines h lebende Ind Faliero den, u riolan man t, so eine Kunst t wer- lib der nmen, neinen ntlich Mann Helden XXIII war. Aber, ohne seiner unvergleichlichen Briefe und seines Schlosses von Otranto zu erwähnen, muſs ich nur sagen, dafſs er Ultimus Roma- norum der Dichter der« geheimnifsvollen Mut- ter“, eines Trauerspiels im höchsten Styl, nicht eines kläglichen Liebesgeseufzes war. Er ist der Schöpfer des ersten englischen Romans und des letzten englischen Trauerspiels, und gewiſs eines höhern Platzes werth, als jeder andere lebende Schriftsteller, sey er, wer er sey.“ Indem ich von meinem Trauerspiele Marino Faliero sprach, vergafs ich zu erinnern, dafſs ich, um dem Wunsche zu genügen, mich, ob- wohl immer noch zu entfernt, mehr der Ein- heit, als jener, den englischen dramatischen Dichtungen mit so vollem Rechte vorgeworſe- nen Unregelmäſfsigkeit zu nähern, dahin verlei. ten liels, die Verschwörung als schon vorhan- den, und den Dogen nur als beytretend vorzu- stellen, da doch, in der That, er und Israel Bertuccio, sie allein vorbereiteten. Die andern XXIV Charactere(mit Ausnahme des der Herzogin) und Begebenheiten, ja selbst die Zeit, welche für ein solches Vorhaben im wirklichen Leben selbst allerdings auch bewunderuswürdig kurz war, sind streng historisch, nur gingen alle Verhandlungen der Verschwornen im Pallaste selbst vor. Wäre ich dem so gefolgt, so hätte ich die Einheit noch besser beobachten können, aber ich wünschte den Doge in der vollen Versamm- lung der Verräther darzustellen, statt ihn ein- tönig sich stets im Zwiegespräch mit denselben persouen unterhalten zu lassen. In Betreff der Thatsachen verweise ich auf die Auszüge, die ich in dem Anhange gegeben babe. B. lätte ich Marino Falier 0, ſen, aber ersamm- Doge von Venedig. ihn ein- enselben ttreff der ige, die Personen. Marino Faliero, Doge von Venedig Angiolina„ seine Gemahlin. Marianna, ihre Freuindin. Bertaccio Falteno„ des Dogen Nelfe. Lioni, P Beni er und Senator. Lende„ VForsitzender des Raths der Zehn. NM. rel Steno„ einer der dreyr Häupter der Vierzig. Israel Bertziccio, Aafieher des Arsenals, Philipp Calendaro, Dagolino, SBertr am, Verrchworne. Ein Signone di Motte.(Saatsbeamter) Ernsten) Zuwe 2 Dritten Zincenzo, er Bärgen. Pielno 2 Diener im herzog ichen Tallaste. Setlista, Schreiber des Raths der EFier zig. Den Wachen, Verschworne, Bäirgen. Der Rath der Zelhun. Die Gienta. Weihliche Diener, ³. S. 1⁰. Scene: Venedig.— LZeit das Jahr 1355. Zenlg.—V—]x†ꝛVV——õ———õ Erster Act. 1355. Erster Auftritt. Iorzimmer im herzoglichen Pallaste.) Pietro spricht im ELintreten zu Battista. BPietro. Ist unser Bote nicht zuräck 5 Ballista. Noch nicht. Wie Ihr befahlt hab' oft ich hingesendet, Doch ist die Signoria über Steno's Anklage noch in langem Streit und tiefer Berathung. Pietrno. Allzulang— so dünkt es mind stens Dem Herzog 2 Ierz g. — Pa'ttista. Wie erträgt er diese Stunden Des Harrens 5 Pietro. Mit ankämpfender Geduld. An seinem herzoglichen Tisch, bedeckt Mit allem Staatsgeräth, Depeschen, Urtheln, Bittschriften, Acten, Gnadenbriefen und Berichten, sitzt er da, als sey versunken Er in sein Amt; doch wenn er das Geräusch Des Oellnens einer fernen Thüre, oder Das Murmeln einer Stimme hört, so eilt Sein Auge schnell umher, er springt vom Sessel Empor, steht still, und setat sich wieder nieder, Und heftet seinen Blick auf irgend ein Edict. Allein ich sah es wohl, daſs er In dieser letzten Stunde nicht ein Blatt Hat umgewendet, Batlista. Tief bewegt sey er, So sagt man, und es war auch ohne Zweifel Verruchter Hohn des Steno ihn so gröblich Zu kränken. Pietro. Ja, wär' er ein armer Teulel: Cew Daſs Doc! Doch Der Was Es ist Noch Das P Sessel nieder, eiſel Doch Steno ist Patrizier, ist jung, Gewandt, voll Pracht und Hochmuth. Batllsta. Also glaubt Ihr, Dafs man nicht streng ihn richten werdep Bietro. Wär's Doch schon genug, wenn man's gerecht nur thät. Doch es geziemt uns nicht, dem Urtheilsspruche Der Vierzig vorzugreifen. Batlista. Seht, da kommt er! Was bringst Du uns für Nachrichtb Freund Vincenzo! Zweyter Auftritt. Die Vorigen. Vincenzo. EZWincen=o. Es ist entschieden! aber wie P dies ist Noch unbekannt. Ich sah' den Präsidenten Das Pergament jetzt eben siegeln, welches 8 Der Vierzig Urtheil soll dem Doge künden. Ich eil' es ihm zu hinterbringen. (Alle gekhen ab.) Dritter Auftritt. (Zimmer des Doge.) Marino Falieno und sein Nefhe Bertucclo Falieno treten ein. Bert Fcliero. Es kann nicht seyn, man muſs Euch Recht gewähren. Doge. Ja, so wie die Avogadori thaten, Die meine Klage an die Vierzig sandten, Um durch sein eig'nes Trihunal, um ihn Durch seine Pairs zu richten. Bert. Falieno. Schwerlich werden Ihn seine Pairs beschützen, solche That Bedeckte jeden Richterstuhl mit Schande. . Doge. ennt Ihr Venedig nichte die Vierzig nicht 9 6 8 n, nun, wir werden's seh'n. Man h Zu hin Das U Sobald Dabey Nach Indess' Begrül. Gefälli Bewund Voll D Gefällt 6 8 Der Pr. Hinein Verlore cci Recht hto Vierter Auftritt. Die Forigen. LZincenzo(tritt ein). Hert. Faliero(szu Vincenzo). Was hring ich! Was bringst Dub Sprich! Vincenzo. Man hat mir aufgetragen, Euer Hoheit Zu hinterbringen, dafs von dem Gericht Das Urtheil ward gefällt, und dafs man es, Sobald die nöthigen Formalitäten Dabey bedacht, vollzogen Euch zu senden Nach Kräften eilen wird. Die Vierzig lassen Indess' das Oberhaupt der Republik Begrülsen, mit der Bitte ihre Pilicht Gefälligst aufzunehmen. Doge. Wohl— Sie sind Bewundernswürdig pflichtgemäfs, und stets Voll Demuth.— Nun das Urtheil also— ist Gefällt p Lincen=o- So ist es, Hoheit! Eben drückte Der Präsident das Siegel d'rauf, als man Hinein mich rief, damit kein Augenblick Verloren gehe, bis man schuld'’germafsen 10 Sowohl dem Ob haüps der Republik Als auch dem Kläg beyden hier vereint, Das Urtheil eingeteenclg Bert. Falierno. Könnt, nachdem Was Ihr vernahmt, Ihr auf das Urtheil schliefsen? Eincenzo. Das nicht; Ihr wilst wie zu Venedig jeder Gerichtshof in Geheimniſs sich verhüllt, Bent. Falieno. Wohl wahr, doch gibt es immer so etwas Zu rathen, das ein feiner Spürer, das Ein schnelles Auge fassen kann; ein Wispern, Ein Murmeln, oder eine mehr und minder Bewegte Stimmung bey dem Tribunal. Die Vierzig sind nur Menschen— allerdings Sehr ehrenwerthe, weise, vorsichtsvolle, Gerechte— das ist gar Lein Zweifel— und Geheimnifsvoll, so wie das Grab, zu dem Den Schuld'gen sie verdammen, doch ein Auge, Ein scharfes, solch ein Auge wie das Eure, Es hätte doch bey alledem aus ihrem Anblick— Bey einigen, zum mindesten den jüngern— Das Urtheil lesen können, ch' es noch Gesprochen worden. Im 4 Nicht Den! Hierzt Beklag Erzähl Er sta Es au Zu Eu Die I Dasth Dem Im Ma Vermd EVinceno. ut. Edler Herr! ich ward Im Augenblick entlassen, hatte also Nicht Zeit um zu bemerken, was sich unter 4 Den Richtern selbst im Aeufsern etwa zeigte. Hierzu noch machte mich, weil ich bey dem Beklagten Steno stand— Doge(Sohnell einſal ler Und wie sah ErP Erzählet! ZWincen 20. Ruhig, aber nicht betrübt, Er stand ergeben in das Urtbeil, welches Es auch wohl sey.— Doch still, es nahet sich Zu Eurer Hoheit Einsicht jetzo selbst. ispern, der dings . Fünfter Auftritt. und m Die Vorigen. Der Schreiben den Vier zig. a Auge, 8 ſure, Sohzeiben. blick— Dasthohe Tribunal der Vierzig läfst n— Dem Dogen Faliero, als dem Ersten Im Magistrat Venedigs, Heil und Ehrfurcht Vermelden, und ersuchet Seine Hoheit 12 Zu lesen und zu billigen das Urtheil, Das man gefällt hat, gegen Michael Steno, Geborenen Patrizier, beschuldigt Der That, die hier nebst der Bestrafung In dieser Schrift enthalten, die ich jetzt Euch übergebe. Doge. Geht, und wartet draufsen. (Der Schreiber geht mit Vincenzo ab.) Sechster Auftritt. Der Doge. Bertuocio Faliero. Doge. Nimm dies Papier!— Die trüben Lettern schwinden Mir vor den Augen.— Ich kann sie nicht fesseln. Bert. Faliero. Sogleich, mein theurer Ohm.— Was zittert Ihr 5— O zweifelt nicht, es wird so seyn, wie Ihr's Nur wünschen könnt. Doge. So lies. Entehrt Der Fü Das Ur Ich wi Cehal «In en Das Ur Bert. Falʒtero. 10,«Beschlossen in Dem Rathe, sonder Eine Gegenstimme, V Dafs Michael Steno, durch sein eigenes Geständnifs überwiesen, dafs er in Nacht des letzten Faschings an den Thron Doge folgendes geschrieben—» Doge. Willst 5.) Du's wiederbolen— Du es wiederholen— H Du Ein Faliero, Du! Vetweilen bey er schmählichen Entehrung unsers Hauses, t in seinem Oberhaupt— und die irst Venedigs, aller Städte F Das Urtheil!— Bent. EFaliero. Guter Ohm! vergebt es mir. Ich will gehorsam seyn.(liest) dafs Michael Steno „CGehalten werde einen Monat lang aIn engerem Gewahrsam.» stin?— zittert Ihr's Weiter! Bert. Faliero. Herr! Das Urtheil ist geendet. 14 Doge. Was sagst Du?— Geendet!— Träum' ich denn— Du lügst— Gib mir Die Schrift!(reiſst sie ihm aus der Hand und liest)«dafs Michael Steno— Deinen Arm! Bert. Falierno. Mein Oheim! Faſst Euch!— Diese Heftigkeit Ist allzustark für solch—— Ich will nach Hülfe Mich umsehn— Doge. IHalt!— Bleih hier— es ist vorüber. Bert. Falleno. Ich bin ganz mit Euch einverstanden, Ohm, Das Uriheil ist viel zu gelind für solche Beleidigung— es bringt den Vierzig wahrlich Nicht Ehre, eine solche leichte Strafe Für etwas zu erkennen, das für Euch So schwer bekränkend war, und auch für sie, Die Eure Unterthanen sind. Doch ist Die Sache ja noch abzuändern; denn Ihr könnt an sie noch einmal gehen, oder An die Avogadori, die nun, wenn Sie sehn, dafs man Gerechtigkeit Euch weigert, Die Klage, die sie früher abgewiesen, Jetzt ü Euch! Auch Ihr so Ich bit (rei Die Sa- So wol Und al Die Ge Dafs je Besiegt Es zien Daſs sc hub— ügst— nd und a Arm! ligkeit h Hülfe orüber. Ohm, 8 ahrlich für sie, der weigert, 15 Jetzt übernehmen, und am kecken Frevler Euch Recht verschaffen werden. Denkt Ihr nicht Auch so, mein guter Oheim Warum steht Ihr so bewegungslosf Ihr hört mich nicht.— Ich bitt' Euch, hört mich an, mein Ohm! Doge. (reiſot das herzogliche haret vom Haupte, winft's zu Boden, und will darauf treten. Jein Nefſfe hält ihn zurück, dann ruft er aus:) O daſs Die Saracenen in Sanct Markus wären! So wollt' ich ihnen huld'gen. Bert. Faliero. Um des Himmels Und aller Heil'gen willen— Doge. Fort! O dals Die Genueser in dem Hafen wären, Dafs jene Hunnen die bey Zara ich Besiegt', um den Pallast geschaaret stünden! Berk. Faliero. Es ziemt sich für Venedigs Herzog nicht Dals so er spricht. Doge. Venedigs Herzog! Wer Ist jetzat Venedigs He 2085 Lafs mich ihn Doch sehn, dals er mir Recht verschalft. Hert. Falieno. Wenn Ihr flicht und Würde dafs ein Manh Auch Euer Amt und seine P Vergelst, so denkt doch daran Ihr seyd, und kämpfet diese Y allung nieder. Venedigs Herzog— Dog ſe(ihn unterbrechend). Solch Ding — nein, nur ein werthlos Bey Es ist ein W wort: Der Aermste, Niedrigste, Verachtetste, Verworfenste, der sich sein Brod erbettelt, Kann doch, wenn einer es ihm weigert, es Von einem andern mildern Herzen heischen, Doch der, dem die sein gutes Recht verweigern, Die dazu eingesetzt, nicht Unrecht zu Begehn, ist ärmer 2ls der schlecht'ste Bettler— Er ist ein Sclav'— und der bin ich— und Du,— Und unser ganzes Haus, von dieser Stunde! Der mind'ste Handwerksmann wird mit dem Finger Vers] Hohn Für t Du si Nur Nur! Ich a Als(. Mich Zum Ein d Das I Und Dies Und Sie w Verru Das s Verm Zu le Das s 21. 1 7 Verspottend auf uns zeigen und der Adel Hohnlächelnd auf uns spucken— wo gibt's nun Für uns noch Zufluchto Bert. Faliero. Im Gesetz, mein Fürst— n Ahr Doge.(ihn unterbrechend.) Wüirde Du siehst, was es gethan— Ich bat um Hülfe Manh Nur vom Cesetz— ich suchte Rache nicht, eder. Nur Zuflucht im Gesetz— nur Richter rief Ich an, benannt von dem Gesetz— berief Als Oberherr auf meine Unterthanen Mich nur, dieselben Unterthanen, die Zum Oberherrn mich eingesetzt, und so Ein doppelt Recht dazu mir einst gegeben. Das Recht der Wahl, des Stand's, des Dienst's, der Herkunft, Und Ehrenämter, Jahre, diese Narben, elt,... 4. 1 Dies graue Haar, die Arbeit, Müh', Gefahren, 88 4 Und Blut und Schweifs von nahe achtzig Jahren, hen,. 5 1 Sie wurden abgewogen gegen den eigern,. 5 5 7. H.— 5 Verrucht'sten Hohn, die heftigste Beleidigung unl Das schändlichste Verbrechen eines schnöden, er—.. Vermessenen patriziers— und wurden — und. 1. z. Zu leicht befunden! Und dies soll man tragen? de! SBent. Falieno. t dem Das sag' ich nicht:— denn wenn sie Eure neue B Berufung auch verwürfen, wollen wir Schon and're Mittel finden, alles gleich Zu machen. 3 Hoge. — Abermalige Berufung! Hal bist Du meines Bruders Sohn? Ein Reis Des Hauses Faliero? Eines Dogen Nefle? Desselben Bluts, das schon drey Herzoge Venedig gab?— Doch Du sprachst gut— wir müssen Uns jetzt demüth'gen. Bert. Falieno. ärstlich edler Ohm! Ihr seyd zu sehr bewegt:— Ich geb' es zu, Wohl hart war die Beleidigung, und härter Nun noch, weil ihr gerehte Strafe fehlt; Doch seyd Ihr mehr erzürnt als diese Reitzung, Als irgend eine, je verdient: Wenn wir Beleidigt worden, so laſst Recht uns suchen, Verweigert man's, so nehmen wir es uns. Doch lafst uns ruhig alles dieses thun. Des tiefsten Schweigens Kind ist tiefe Rache. Ich zähle kaum das Drittheil Eurer Jahre, Ich liebe unser Haus, ich ehre Euch, Sein Oberhaupt, den Schirmer meiner Jugend, Und meinen Lehrer— doch, ob Euren Gram ich gleich verstehe und zum Theil eingeh' In E Wie Das Sich Denr Vers Gefü Berü Nich Für An n Und Für Die; Des Der Pasq Gere hm! 3 zu, irter 3 eitzung, chen, 1s. ache. re, Jugend, n Gram eh 19 In Euern Zorn, so schreckt mich's doch, Euch wild Wie Adrias empörtes Meer zu sehn, Das Ufer überschäumend und in Luft Sich selbst verspritzend. Doge. Soll ich— muſs ich Dir Denn sagen, was Dein Vater ohne Worte Verstanden hätten? Hast Du denn kein and'res Gefühl, als äufsern Sinn der Marter durch Berührung b Neffe! Hast Du keine Seele?!— Nicht Stolz— nicht Leidenschaft— nicht tie- fen Sinn Für Ehre 5 Bert. Falteno Jeizt zum erstenmale hat An meinem Ehrgefühle man gezweifelt, Und wahrlich auch zum letztenmale wär's Für jeden andern Zweiller. Doge. Wohl! Du kennst Die ganze Schandthat dieses Bösewichts, Des feigen, feilen— freygesproch'nen Buben, Der seinen Stachel in ein giftiges Pasquill versenkt' und auf die Ehre meines— Gerechter GCott!— auf meines Weibes Ehre, 20 Dem theuersten, dem engvertraut'sten Theil Von eines Mannes Ehre, einen Schandfleck Verspritzte, daſs, von Mund zu Mund er geht Des niedern Haufens mit den rohen, eklen Erläuterungen, und gemeinem Scherz, Und zuchtvergeſs'nem Schimpf, indefs recht heimlich Sich freuend uns're Edeln, austandsvoller Die Kunde zu einander lispeln und Die Lüge hold belächeln, die mich ihnen Gleich macht,— zu einem schnõöd' betrog'nen Gatten, Geduldig— ja wohl stolz— auf meine Schande. Bert. Faliero Doch war’s nur eine Lüge— Ihr erkennt Als falsch sie an— und jedermann mit Euch. Doge. Mein Neffe! Jener hohe Römer sagte: Des Cäsar Weib muſs selbst Verdacht nicht treflen!» Und stiefs sie von sich. Bert. Falieno. Wahr— Doch jetzt— Doge. Was könnte Ein Ein Der Des Des Wei Nein Für 80 86 Sich Lang Bescl Dem Sich Und Verfſe Der Auf Daſs Wie Der Der! Und eil k geht 2n recht n ognen hande. t Euch. nicht könnte Ein RBömer nicht ertragen wollen, das Ein Herzog von Venedig dulden sollte? Der alte Dandolo, er schlug die Krone Des Kaiserstuhles aus, und trug die Mütze Des Dogenamis, auf die ich jelzo trete, Weil sie entehrt. Bent. Faliero. Sie ist dieselbe noch. Doge. Nein!— nein!— Ich brachte nicht die Klage an, Für das unschuldige Geschöpf, das man So schändlich schmähte, weil zum Catten sie Sich einen alten Mann genommen, der Lang' ihres Vaters Freund und ihres Hauses Beschirmer war gewesen, als ob in Dem Herzen eines Weibes keine Liebe Sich finden könne als nur Lust an Jugend Und glatten Wangen— nein, nicht ihrentwegen Verfolgt' ich vor Gericht die Schmach, die ihr Der Bube zugefüget, sondern rufte Auf sein Haupt die Gerechtigkeit hernieder, Daſs so mein Vaterland recht herrlich zeige Wie es Cerechtigkeit gewähr’ dem KAermsten, Der hat ein Weib, des Treue lieblich ihm, Der hat ein Haus, des Heerd so theuer ihm, Und Namen hat, des Ehre alles ihm, 22 Wenn diese von dem pesterfüllten Athem Des Hohnes, der Verläumdung einst befleckt. Bert. Faliero. Und welche Strafe glaubtet Ihr, gebühre Dem Frevler? Doge. Tod!— War ich das Oberhaupt Des Staats denn nicht? Auf seinem Throne selbst Beschimpft, und zum Gespött von dem gemacht Der mir gehorchen sollte?— War ich nicht Beleidiget als GCatte? ausgehöhnt Als Mann? erniedriget, geschmäh't als Fürst? War nicht Beleidigung gleich dieser hier Verrath und Schmach zugleich?— und er!— lebt noch! Hätt er denselben Schimpf, statt an den Thron Des Dogen, an den Stuhl von einem Landmann Geschrieben, schon vergüldet hätte dann Sein Blut die Schwelle, denn der Kräluge hätte Im Augenblick ihn auch erschlagen. Bert. Falieno. Zweifelt Nicht daran; ch' die Sonne sinkt soll er Auch nicht mehr seyn!— die Mittel überlafst Dazu nur mir, und werdet ruhig, Ohm! naupt hrone Thron mann hätte Doge. Halt, Neffe! Gestern wäre dies genug Gewesen, heute hab' ich keinen Groll Mehr gegen ihn. [Bert. Falieno. Wie meint Ihr das? Ward nicht Nun die Beleid'gung noch verdoppelt durch Die schändliche— nenn' ich es so?— Ent- lassung; Denn schlimmer ist sie, da sie das Verbrechen Vollkommen anerkennt, doch es nicht Bestraft? Doge. Sie ist ver doppelt, aber nicht Durch ihn nunmehr. Die Viereig haben ihn Zu monatlicher Haft verurtheilt.— Wohl! Den Vierzig müssen wir Gehorsam leisten. Bert. Ealieno. Gehorsam leisten, ihnen! die der Pflicht Vergalsen, die dem Oberherrn sie schuldig? Doge. Nun denn— o Knabe, fassest Du es endlich! Als armer Bürger, welcher flehet um GCerechtigkeit, und als ihr Oberhaupt Der sie gebeut, ward ich um beyde Rechte Durch sie betrogen, denn hier ist der Fürst Ein Bürger!— Doch, trotz dessen krümme nicht Ein Haar auf Steno's Haupt— er wird es doch Nichtelang' mehr tragen. Hert. Faliero. Nicht zwölf Stunden länger, Wenn Ihr mir Art und Weise überliefser. O, hättet Ihr nur ruhig mich gehört, Nie meint' ich, dieser Bube soll' entschlüpfen; Ich wünschte nur, Ihr möchtet solch Empören Der Leidenschaft bekämpfen, daſs wir sicherer Ausdächten mit einander seinen Tod. Doge. Nein, Neffe! er muſs leben: mindestens Noch jetzt— ein so gemeines Leben als Das seine, wäre nichts für diese Stunde. In alter Zeit da heischten manche Opfer Den Tod von Einzelnen, doch groſse Sühnen Verlangten Hekatomben. Bert. Faliero., Eure Wünsche Sind mir Gesetz, und doch mögt' ich Euck gern Beweise Stets m Deshall Genug Sey nic Ich mie Verzeih Der Fe Des allg Ich wu In Eue Solch h Die Sac Vergiſs Laſs sie Und we rümme s doch änger. gd. üpfen; npören icherer s ihnen he à Euch Beweisen, wie die Ehre unsers Hauses Stets meinem Herzen theuer war. Doge. O fürchte Deshalb nur nicht, Du sollst noch Zeit und Raum Genug für den Beweis erhalten. Aber Sey nicht so rasch, als ich es war. Jetzt schäme Ich mich des frühern Zorns. Ich bitte Dich, Verzeihe mir. Bent. Faliero. Ich Euch p mein edler Oheim! Der Feldherr und der Staatsmann, der Be- rather Des allgemeinen Wohl's, sein eig'ner Herr! Ich wunderte mich nur dafs ich Euch 80, In Euerm Alter, aller Klugheit bey Solch heft'gem Zorn vergessen sah, obschon Die Sache selbst— Doge. Ja, denk' nur an die Sache— Vergifs sie nicht:— Wenn Du im Schlummer liegst, Laſs sie sich schwarz in Deine Träume drängen, Und wenn der Morgen kommt, so lafs sie zwi- schen 26 Der Sonne stehn, und Dir, gleich einer Wolke Von übler Vorbedeutung in der Frühe Des Sommerfest's.— Z0 wird sie mir sich zei- gen— Doch still— Sey ruhig— Mir lals alles über— eb“ Wir werden viel zu thun bekommen, und Auch Du sollst Deinen Theil dran haben— doch Doch Jetzt geh', ich wünsch' allein zu seyn. Der — Zu sch Bert. Faliero. Herab (Hebt die Dogen- Mülze vom Doden auf, und Dich¹ legt sie auf den Tisch.) Eh' ich Wier Noch gehe, bitr' ich Euch, was Ihr verachtet— Mir ſie Zurückzunehmen, bis Ihr es vielleicht Der ni 8 Mit einer Fürstenkrone könnt vertauschen. Ein D 6 Und jetzt entfern' ich mich, doch fleh' ich Des B 3 Euch, Einhu G Verlafst in allen Dingen treulich Euch Das V 6 Auf meine pflicht, wie Euerm nahen, treuen Den Verwandten und nicht minder wackern Bürger Nicht Und Unterthan sie ziemt. Ich se (geht ab.) 8 Mich Oln Der Der d Wolke ich zei- über— und treuen n Bürger Siebenter Auftritt. Der Doge.(allein) Leb' wohl, mein Neffe!(nimmt die Dogen- Mütze.) Nun, du hohles Spielwerk, Beseizt mit allen Dornen einer Krone, Doch ohne die gekränkte Stirn mit all Der Herrscher-Majestät der Könige Zu schmücken. Eitle, übergüldete Herabgesetzte Posse, lafs mich wieder Dich nehmen, wie ich eine Larve nähme. 1(setzt sie auf.) Wie mir das Hirn brennt unter dir; die Schläfe Mir fieb'risch zucken unter deiner Wucht, Der nun entehrten! Könnt' ich dich nicht in Ein Diadem verwandeln P Nicht den Scepter Des Briareus zertrümmern, welchen dieser Einhunderthändige Senat jetzt führt, Das Volk zu nichts, zum stummen Bildniſs nur Den Fürsten machend?— Unternehmen wohl Nicht minder schwierig hab' in meinem Leben Ich schon vollbracht— vollbracht für die, die jeizt Mich so belohnen!— Kann ich nicht vergelten? O! nur ein Jahr,— nur einen einz'gen Tag Der vollen Jugend, dafs mein Körper jetzt Der Seele diente wie ein edles Roſs 28 Dem Herrn, und stürzen wollt' ich unter sie Und wenig mich nach Beystand umschau'n, diese Geschwollenen Patrizier zu zermalmen. Doch jetzt mufs ich nach andern Händen blicken Um diesem grauen Haupt zu dienen.— Doch Es soll gar ämsig daran denken, dieses Herkulische Geschäft nicht aufzugeben, Sey's auch noch jetzt ein Chaos von Gedanken, Im Dunkeln gährend. Meine Phantasie Ist noch im ersten Schaffen, näher an Das Licht der Dinge schlummernde Gestalten Zu bringen, dafs die ruhige Besinnung Ausscheiden könne was ihr ziemt.— Der Truppen Sind wenig nur in— Achter Auftritt. Der Hoge. Vincen=o(critt ein). VZVinceno. Es bittet draufsen Ein Mann um Audienz bey Euer Hoheit. Doge. Ich bin nicht wohl— kann niemand sehn— selbst keinen Sagt'st Des 81 Im öfl. Den N Ich we un, ken och ken, lten bpen Patrizier— lafs ihm was er begehrt Dem hohen Rathe sagen. VZincen=o. Euer Hoheit, Ich werd's ihm hinterbringen.— Wichtiges Kann'’s kaum auch seyn— es ist nur ein Ple- bejer, Der Schiffsherr einer Galleone, wie Ich glaub'! Doge. Der Schiffsherr einer Galleone F Sagt'st Du nicht sop?— das ist— dächt' ich— ein Diener Des Staats. Lafs ihn herein, es könnte etwas Im öſſentlichen Dienste doch betreſfen. Vincen=o. (aε.) Neunter Auftritt. Der Doge.(alleia.) Den Mann mögt' ich doch prüfen— will's ver- suchen. Ich weiſs, das Volk ist unzufrieden— hat 3⁰0 Auch Ursach seit dem unglücksel’'gen Tage Bey Sapienza, wo es Genua Verlor, und doppelt Ursach auch deshalb Weil in dem Staat es nichts mehr ist und in Der Stadt noch weniger als nichts— Maschi- nen nur Der Edlen hochpatrizischem Vergnügen Zu dienen. Croſsen Rückstand Soldes haben Die Truppen, oft versprochen, nicht gehalten, Sie murren still— gäb's eine Hoffnung auf Veränd'rung, und sie brächen laut hervor, Durch Pländ'rung sich nun selbst bezahlt zu Allein die Priester— ich befürc Dafs uns die Priesterschaft wird abhold seyn. Sie hassen mich seit jener raschen Stunde Wo ich, erzürnet durch die faule Drohne, Den trägen Bischoff von Treviso schlug, ¹) So seinen Schneckenmarsch beschleunigend. Allein man kann trotz dessen sie gewinnen, Absonders auch ihr Oberhaupt zu Rom Durch Zeitberechnete Bewilligungen. Doch Schnelle gilt's vor allen Dingen jetzt. Bey meiner Dämmerstunde blieb mir nur Noch wenig Lebenslicht mehr übrig.— Könnte Venedig ich befrey'n, und die Beleid'gung, Die sie mir zuzufügen wagten, rächen, 1) Thatsache. s. Marino Sanuto's Leben der Dogen. So h. Im n Gern S0 W Den Wo Verlẽé Gewe Um 0 Erzun Mich Drey Der Wär' Ich an Verlat 54 ge So hätt' ich allzulange noch geleht und wolltee Im nächsten Augenblickebey meinen Vätern 3 5 Gern schlafen. Aber schlägt mir dieses ſehl, ad in So wär' es besser, sechzig Jahre von laschi- Den achtzig, die ich lebte, wären da, Wo— früher, später— gilt mir gleich— das Ganze aben Verlöschen mufs; wär' besser, dafs ich nie alten, Gewesen, als mich fortzuschleppen so auf Um das zu seyn, wozu so gern mich diese r., Erzunterdrücker machen wollten.— Lafst hlt zu Mich überlegen— Guter Mannschaft sind Drey Tausend aufgestellt am— Zehnter Auftritt. Doge. V'incen=o tritt mit Isrdel Berlzicclo ein. 1 VZincen=o. zt. Euer Hoheit! ar Wär’ es gefällig jetzt den Schiffherrn, den Ich angemeldet, gnädigst anzuhören b Doge. Verlafs' uns!(eu Vincenzo, welcher geht.) Eilfter Auftritt. Der Doge. Prael Bertuccio. Doge. * Tretet näher!— Was begehrt Ihr? Zrael. Gerechtlgkeit! Doge. Von wem 5 Israel. Von Cott und von Dem Doge. Doge. Ach, mein Freund, Ihr sucht sie bey Den beyden, die am wenigsten geehrt Und angeschen in Venedig sind. Ihr müfst Euch an den hohen Rath verwenden. Zsrael. Das wär' vergeblich, denn der Mann, der mich Beleidigte, ist einer seiner Glieder. Hoge. Dein Angesicht ist blutig?— Woker dast Nich Und Selbs Dem Sich So sa Gern Erael. 8 ist mein Blut, und das erste nicht, das für Venedig ich vergoſs, allein das erste Das ein Venetianer mir vergoſfs. t Ihr? Mich schlug ein Nobile. hr? Doge. Und— lebt er noch Irdel. Nicht lang'— Doch nur in Hoffnung die ich hatt' Und hab', dafs Ihr mein edler Herr, mein Fürst, von—.. Selbst ein Soldat, mich schützen werdet, mich, Dem das Gesetz und Kriegsrecht von Venedig Sich selbst zu schützen nicht erlaubt; wo nicht— sie bey So sag' ich weiter nichts. Doge. enden. Doch möchtest Du Gern etwas thun?— Nicht wahr?— Zrdel. Ich bin ein Mann. Doge. ? Der war auch einer der Euch schlugp a 21. C Israel. Man nannte Ihn so— ja, einen Nobile sogar, — Zum mind'sten in Venedig: Doch seitdem Er es vergessen, daſs ich einer bin, Und als ein Thier mich hat behandelt, heiſse Er auch ein Thier.— Man sagt, der Wurm selbst steche.— Doge. Sein Name— sein Geschlecht? ZErael. Ein Barbaro. Doge. Was war die Ursachp oder was der Vorwand? Ernael. Mir ist die Oberaufsicht anvertraut Im Arsenal, und jetzt gebraucht man mich Gewisse Galleonen auszubessern, Die in dem abgewich'nen Jahre von Den Genuesern hart sind mitgenommen. Heut' Morgens kommt der Nobile denn hin Zu mir mit gar gewalt'gem Schelten, weil Die Handwerksleute auf den Werften, um Des Staats Befehlen zu gehorchen, etwas Gar Unbedeutendes in seinem Hause Mic Hol Zun Sche Bey Und Gef Der Kam Ich Dem Aus Nocl Docl Der Gela 3⁵ Im Stich gelassen hatten. Ich erkühnte nannte Mich denn, die Leute zu vertheid'gen— Er— Hob seine Hand— Da seht mein Blut! es floſs itdem Zum erstenmal unehrenvoll. heiſse Doge. Wurm Ihr waret he.— Schon lang' im Dienst? Zrael. So lange daſs des Sieg's Bey Zara ich mich wohl erinnere, Und unter dem der dort die Hunnen schlug eo. Gefochten habe; dort mein Feldherr, jetzt, Der Doge Faliero. Doge. Wieb So wären Kameraden wird— Den Herzogs-Mantel trage Ich erst seit kurzen und Ihr wurdet in ich Dem Arsenale angestellt, eh' ich Aus Rom gekommen, darum kannt' ich Euch Noch nicht. Wer stellt' Euch an? Erael. eil Der vor'ge Doge: m Doch ward mein früheres Commando, als Der Schiffsherr einer Galleone, mir Gelassen. Meinen neuen Posten danke 1 0 6 Ich als Vergeltung ein'gen Narben— also Geftel es Eurem Vorfahr mir zu sagen— Und nicht hätt' ich gedacht, dafs seine Güte zZu dem, der ihm gefolgt, mich führen würde, Als hülfelosen Bittenden, am mindesten 4 In einer Angelegenheit gleich dieser. Doge. Seyd Ihr denn sehr verletzt? Inael. Unheilbar an Der Achtung meiner selbst. Doge. Sprecht weiter; fürchtet Euch nicht.— Da Ihr in’s Herz getroffen seyd, Was wollt Ihr thun um Euch an diesem Manne Zu rächen? Israel. Das was ich nicht nennen darf Und doch will thun. Doge. Und warum kam't Ihr dann Hieher? We Und Auf We Ein 80 Ihr Bey Und Nich Zuvoi Was Erael. Güte Um mir Gerechtigkeit zu flehn, vürde, Weil jetzt mein vor'ger Feldherr Doge ist, 1 Und es nicht dulden wird dafs man mit Füfsen Auf seinen alten Kriegs-Cam'raden trete. Wenn auf dem herzoglichen Throne Ein anderer als Faliero safs, So war dies Blut in Blut schon abgewaschen. Doge. Ihr kommt und sucht Gerechtigkeit bey mir? Bey mir! Der Doge bin ich von Venedig Und kann sie Euch nicht geben; kann sie ja Nicht für mich selbst erlangen!— Eine Stunde Zuvor ward sie mir feyerlichst verweigert. irchtet seyd, Manne ISrol. Was sagt Euer Hoheit? Doge. Steno ward verurtheilt Zu monatlicher Haft. Erael. Derselbe, der Es wagte Euern herzoglichen Thron Mit jenen schnöden Worten zu beflecken Die Scham in jedes Ohr Venedigs schrie'n? dann Doge. Wahrscheinlich drang zum Arsenale auch Ihr Echo hin, und hielt den Takt im Schlag Des Hammers, als ein feiner Spas für heit're Gesellen, oder ward zum Chorus mit Dem knarrenden Getös der Ruderstangen in Den Gassenliedern der Galeeren-Sclaven, Daſs jeder wenn die Schnurre lustig klang Sich freu'te dafs er nicht ein— Mann sey, wie Sein Doge. ISrdel. Ist es möglicht Einen Monat! Nicht mehr für Steno ⁵ Doge. Die Beleidigung Ist Euch bekannt, jeizt wifst Ihr auch die Strafe: Und doch begehrt Ihr Hülfe noch von mir! Geht zu den Vierzig welche über Steno Das Urtheil sprachen, ohne Zweifel werden sie gleiches auch bey Barbaro gewähren. Enael. O! därft' ich sprechen wie ich hier es fühle! Doge. Gebt den Cefühlen Worte, meine können Doch härtere Beschimpfung nicht erfahren. Mit Mein Ein Auf Das 59 Isrdel. Mit Einem Worte dann, an Eurem Worte alag Nur liegt’s, zu strafen und zu rächen.— Nicht dvre Mein kleines Unrecht; denn was ist denn doch Ein blofser Schlag, so bübisch er auch sey, in Auf solch ein Ding als ich bind— nein, die Schmach Die Euerm Stande, die Euch selbst geschah. — 2* , wie Doge. Ihr überschätzet meine Macht, die nur at!. Ein Puppenspiel. Nicht eine Fürstenkrone Ist diese Mütze; diese Kleider können Nur Mitleid wecken, gleich des Bettlers Lumpen; : Nein, mehr noch, denn des Bettlers Lumpen sind h die Sein Eigenthum, und diese Kleider wurden Der armen Puppe blos geborgt, die nun nir! In diesem Hermeline ihre Rolle Mit aller ihrer Hoheit spielen mufs. Iordel. Mögt'st Du ein König seyn? Doge. Ja,— eines Volks Das glücklich wär'. 40 ZErael. Mögt'st Du der unbeschränkte Gebieter von Venedig seyn 5 Doge. O ja, Wenn diese Oberherrlichkeit das Volk Auch mit mir theilte, so, daſs weder dies Noch ich hinführo Sclaven wären jener Aristokrat'schen überwachs'nen Hydra, Die aus den gift'gen Häuptern ihres Scheusals Die Pest entathmet über uns und alle. Znael. Und doch ward'st Du erzeugt und lebtest als Patrizier! Hoge. In böser Stunde ward Ich so geboren. Durch Geburt ward ich Zum Doge um beschimpft zu werden: Doch Ich lebte, wirkte als ein Krieger, als Ein Unterthan Venedigs und des Volks, Nicht des Senats Des Volkes Wohl, die Ehre In eig'ner Brust war mir dafür Vergeltung. Ich focht und blutete, gebot und siegte, Hab' als Gesandter Frieden oft gemacht Und oft gestört, wie es des Staates Wohl Verl Ia s Und Der Sich Die Zus Hab' Ein Docl So f Wes Der Für Euch Dazu Die Von Der Bish Für änkte och ²Ehre g. 4¹ Verlangte, habe sechzig Jahre lang In stetem Dienst so Land als Meer durchzogen, Und immer für Venedig nur, die Heimath Der Väter wie die meine, deren Zinnen, Sich hebend aus den bläulichen Lagunen, Die theuern Zinnen einmal wieder nur Zu sehn, mir Lohns genug schon war. Doch nimmer Hab' ich geblutet noch gewirkt für irgend Ein Meuschenknäul, noch Secte, Faction! Doch fragt Ihr mich, weshalb ich all dies that? So fragt denn auch den blut'gen Pelikan Weshalb er sich die Brust zerfleischt 5— hätte Der Vogel eine Stimme, würd' er sprechen: Für alle meine Kinder. Irdel. Und sie machten Euch doch zum Dogen? Doge. Ja, sie machten mich Dazu: Ich hab' es nicht gesucht, es kamen Die gold'nen Fesseln mir entgegen, als Von meiner römischen Gesandtschaft auf Der Rückkehr ich mich fand, und da ich nie Bisher verweigert, Arbeit, Müh' und Pflicht Fär diesen Staat, so wollt'' ich auch nicht weigern 42 In meinen letzten Jahren, was das Höchste Dem Schein nach ist, allein das Niedrigste In dem was es zu thun, zu dulden giht. Sey Du mir Zeuge des, mein Unterthan, So hart beleidigt, wenn ich weder mir Noch Dir kann Recht verschaffen. Erael. Beydes sollt Ihr können, wenn den Willen Ihr besitzt: Und viele Tausend and're noch, nicht minder Bedrückt, die nur das Zeichen noch erwarten— Wollt Ihr es geben? Doge. Räthsel sprecht Ihr mir. Irael. Die bald gelös't auf Kosten meines Lebens Euch werden sollen, wenn Ihr nicht verweigert Geduldig Euer Ohr zu leih'n. Doge. So sprecht! Erael. Nicht Du, nicht ich allein sind miſsbraucht, sind Beschimpft, verachtet und zu Boden höhnisch 43 te Getreten, nein, das ganze Volk ist sich te Des ihm gescheh'nen Unrechts wohl bewußst, Und murrt; die fremden Krieger vom Senat Besoldet, sind des langen Rückstand's wegen Höchst miſsverg die Landeseingebornen, Matrosen und die Bürgertruppen fühlen Wie ihre Freunde, denn wer unter ihnen Hat nicht in seinen Brüdern, Eltern, Kindera, ollt Weib oder Schwester Unterdrückung, oder t: Beschimpfung von Patriziern erfahren? inder Und jener hoffnungslose stete Krieg en— Mit Genua, der mit Plebejer Blute Und Schätzen die von ihrem schwererworb'nem Verdienste man erprefst, erhalten wird, Hat höher noch die Wuth entflammt.— Jetzt ir. aber— Doch ich vergesse, daſs ich also sprechend Vielleicht mein Todesurtheil selbst mir schreibe. Noch fürchten P Schweige denn, und lebe fort— Damit Dich die noch ferner schlagen mögen Für die Du blutetest. ISrael. hucht, Nein, ich will sprechen, Es koste was es wolle, und wenn auch Venedigs Doge selbst Verräther wäre, 44 So fall' die Schmach auf ihn und auch der Schaden, Denn er wird weit, weit mehr verlieren dann Als ich, Doge. Von mir befürchte nichts. D'rum sprich. Enael. So wisse denn, dafs insgeheim ein Bund Von Brüdern, tapfern, treuen Herzen, sich Verschworen hat;— von Männern die bestanden Ein jedes Schicksal, und die lang' ob dem Venedigs trauerten, und das mit Recht, Denn da sie ihr gedient in jedem Clima Und sie befreit von fremden Feinden haben, So mögten sie dies auch von denen thun Die sie in eignen Mauern hegt. Wir sind Nicht zahlreich, doch auch nicht zu wenig fär Solch einen grofsen Vorsatz, haben Waffen, Und Kraft und Herzen, Hoffnungen und Treue, Und dauerhaften Muth. Doge. Und warum zögern Sie nochp ZEndel. Sie warten bis die Stunde schlägt. San! Hab All' Geg Bele Dem Erze Jetz Wie Nic Gew Mic Doge(bey Seite) Sankt Markus soll die Stunde schlagen. i dann Isrdel. Jetzt Hab' ich mein Leben, meine Ehre, habe prich All' meine ird'sche Hoffnung Dir anheim Gegeben, in dem festen Glauben, daſs Beleidigungen wie die uns're, aus Demselben Grund entspringend, gleiche Rache ich Erzeugen. Ist dies so, wohlan, so sey ** ₰ anden Jetzt unser Oberhaupt— dann unser Fürst. Doge. Wie viele seyd Ihr? Irdel. Darauf werd' ich ehr' Nicht Antwort geben bis sie mir von Euch Geworden. Doge. Wie? Ihr droht? Irael. Nein ich bekräft'ge. Mich selbst verrieth ich, doch es gibt wohl weder 46 In jenen mystischen Cewölben, welche Sich hier in des Pallastes Tiefen winden, Noch in den schreckensvollen bleygedeckten Gemächern, eine Macht, die meinen Lippen Den Namen nur von einem Einz'gen andern Entreissen könnte. Pozzi und Piombi, Vergebens wären sie für mich, sie könnten Mir Blut wohl, aber nie Verrath entlocken, Und gehen würd' ich über jene Brücke Der Seufzer, die mit Schrecken drohet, froh, Dafs meiner nun der letzte wäre, den hier Die Stygischen Gewässer wiederhallen, Die zwischen Mördern und Gemordeten Dort fliefsend, des Pallastes Mauern wie Des Kerkers Boden waschen. Noch gibt’s Männer Die leben, daran denken und mich rächen. Doge. Wenn Eure Macht und Vorsatz diese sind, Wozu kommt Ihr hierher und suchet Euch Gerechtigkeit, da Ihr im Werk ja steht Euch selbst das schuld'ge Recht zu schaffen?— Irael. Weil Der Mann der von der Obrigkeit den Schutz Erfleht, wohl kaum, indem er sein Vertrau'n Und Unterwerfung unter sie bezeugt, In den Verdacht gerathen kann, darüber Zu! Mit Zu! Voll Den Geri Aucl Zu Docl Und Dals Wei Das Aucl Gedi Ihr Zu j Wie 801 Dals Zu t Ich; 47 Zu brüten, daſs er sie zerstöre. Hätte Mit diesem Schlag, ich allzu demuthtsvoll ten Zu Haus gesessen, würden mich die Stirn bpen Voll Unmuth und halbausgestofs'ne Flüche lern Den Vierzig bald bezeichnet haben zum Gericht; doch laute Klage, wie sie heftig ten Auch ihre Worte stelle, ist nicht sehr den, Zu fürchten, weckt noch minder selbst das Miſstrau'n. froh, Doch hatt' ich aufserdem noch einen Grund. ier Doge. Und dieser war? Enel. Es hatte das Gerücht, Daſs tief gekränkt der Doge müsse seyn, Weil die Avogadori an die Vierzig nd, Das Urtheil über Steno hingewiesen, uch Auch mich erreicht. Ich hatte unter Euch Gedienet, Euch geehrt, und fühlte, dafs Ihr schrecklich war't beleidigt worden, weil Zu jenen Seelen Ihr gehört, die Gutes Wie Böses zehnfach stets vergelten wollen. Weil So war es denn mein Wunsch Euch zu be- chut⸗ weisen, trau'n Daſs Hülfe möglich, und dazu Euch hin Zu treiben. Alles wiſst Ihr nun, und daſs Ich wahr gesprochen, dafür bürgt mein Leben. Doge Ihr habt ein kühnes Wagestück versucht. Doch wer will viel gewinnen, muſs das stets. Nur dies zur Antwort jetzt— in Sicherheit Ist das Geheimniſs. Isrdel. Und dies wäre alles? Doge. Was soll ich Euch für Antwort geben, bis Ihr alles mir vertraut? Israel. Ich wollte doch Ihr trautet dem, der Euch sein Leben traut. Doge. Doch muſfs ich Euren Plan, mufſs Namen, An- zahl Von Euch noch kennen, diese letzt're kann Verdoppelt dann, der erstere gereift, Gekräftigt werden. Endel. Wir sind schon genug; Ihr seyd der einzige Verbündete Nach dem wir streben. Laſs Sob: Zu Doc Der In g Ich Mic! Verl Alle bis traut. kann en, An- 49 Doge Eure Oberhäupter; Lafst mich sie kennen. ZInael. Das soll gleich geschehen, Sobald Ihr feyerlich gelobt, die Treue Zu halten, die wir Euch geloben wollen. Doge. Doch wenn, und wob Inael. Noch diese Nacht will ich Der Führer zwey in Eure Zimmer bringen. In gröfs'rer Anzahl wär's gewagt. Doge. Halt' ein, lIch mufs mir dies bedenken.— Wie? wenn ich Mich selbst Euch nun vertraute, den Pallast Verliefse, zu Euch käme? Isrdel. Doch Ihr müſst Allein uns nah'n. 21. D 5⁰ D0g9e. Mit meinem Neffen blos. Zrael. Und wär' es Euer Sohn! Allein! Doge. Verworf'ner! Du wagst es meinen Sohn zu nennen! ha! Er starb im Kampf vor Sapienza für Den treuvergeſs'nen Staat! O! dafs er noch Am Leben wär', und ich im Grabe! Oder Dafs er am Leben noch, eh' ich im Grabe! Ich würde dann der ungewissen Hülfe Von Fremden nicht gebrauchen! Irael. Wenn als Vater Du treu uns bist, wird jeder dieser Fremden, An denen Zweifel Du noch hegst, Dich liebend Mit eines Sohn'’s Empfindungen betrachten Doge. Der Würfel liegt.— Wo der Versammlungs- Ort Inael. Allein und wohl vermummt will Luer Hoheit ater emden, liebend ten mlungs- Hoheit 51 Um Mitternacht ich da erwarten, wo Es Euch gefällt den Platz mir zu bezeichnen, Und dahin dann Euch führen, wo empfangen Ihr uns're Huldigungen sollt, und selbst Entscheiden über uns're Plane werdet. Doge. Wenn geht der Mond jetzt auf b Erael. Sehr spät, allein Der Himmel ist bewölkt und trüb'; wir haben Sirocco. Doge. Nun, um Mitternacht also, Ohnweit der Kirche, dort wo meine Ahnherrn Im Schlummer ruhn, benennet nach Johannes Und Paul, wird eine GCondola im engen Canal daselbst, mit Einem Rud'rer nur 2²) Verschwiegen lauschen. Lafs Dich finden dort. Erael. Ich bleib' nicht aussen. 2) Um eines bessern Geheimhaltens willen, bediente man sich sonst nur Eines R del, jetzt der Ersparniſs we 2y der Gor Doge. Jetzt hinweg. Zrael. Mit voller, Gewisser Hoffnung, Euer Hoheit werde In Dero grofsen Vorsatz nicht mehr wanken, Mein Fürst, ich grüfs' Euch unterthänig! (Er geht ab.) Zwölfter Auftritt. Der Doge(allein). Um Mitternacht werd' ich erscheinen, bey Der Kirche Sankt Johannes und Sankt Paulus, Wo meine edlen Väter schlummern— und— Wozub— um in der Finsternifs, dort Rath Zu halten mit gemeinem Troſs, der sich Verbunden hat zum Untergang der Staaten! Und werden meine groſsen Ahnherrn nicht Aus ihren Gräbern, wo zwey Dogen liegen Die mir vorangegangen, sich erheben Und mich zu sich herabziehn!— O, daſs dies Sie könnten! Dann blieb ich in Ehren bey Den Ehrbegabten! Ach! an sie darf ich Nicht denken, nur an die, die eines Namens Unwürdig mich gemacht, der brav und edel 53 Wie einer ist der Consularen auf Den Marmorn Roms. Doch wieder will ich ihn In seinem alten Glanze strahlen lassen In den Annalen, durch erwünschte Rache oller, An alle dem was niedrig in Venedig, Und Freyheit allen andern, oder schwarz Kken, Ihn lassen für den immer höher'n Schimpf ¹ Der Zeit, die nie den Namen des verschont * Der unterliegt, und so den Cäsar wie Den Catilina auf dem ächten Prüfstein Gelungenen Erfolgs nur würdert. (Ende des ersten Acts.) Anneen—-nn ᷑ weyter Ack. Dn Erster Auftritt. Un. (LZimmer im Pallast des Doge.) Aus Angiolina und Marianna. Von Angiolina. Hat Und was antwortete der Doge? Di 16 Marianna. ve Daſs— 634— Er zur Berathung jetzt berufen sey. Ver Doch ist sie nun vorüber. Ich gewahrte Zu Nicht längst die Senatoren heimwärts schiſfend, 2 Und noch kann man die letzte Gondel sehn Wie zu dem Schwarm der Barken hin sie gleitet, Die glänzend dort die hellen Wogen schmücken. Angiolina. ich wollt' er wär' zuriick! Er war zuletzt So unruhvoll, und auch die Zeit, die seinen Gewalt'gen Geist nicht zähmte, ja wohl selbst Den Körper ihm nicht schwächen konnte, der Durch e Seele, die so ruhelos Und f ist.— dafs minder festen Ton Sie bald 2 W ürde,— nur noch mehr Genährt zu werden scheint,— die Zeit hat nur Geringe Kraft auf seinen Gram und Kummer. Unähnlich andern Geistern seiner Ant, Die in dem ersten Sturm der Leidenschaft Ausstofsen ihre Hitze oder Sorge, Trägt jedes Ding das in ihm kreifst, den Stempel Von Ewigkeit, und was er denkt und fühlt, Die Leidenschaften, gut und Böses, alles Hat nichts von Alter an sich, und es trägt Nur seine stolze Stirn des Geistes Narben, Die reifenden Gedanken langer Jahre, Nicht ihre Schwäche.— Doch war er zuletzt Unruhiger als ich ihn jemals sah. O! wär' er schon zurück! denn ich allein Vermag den sturmbewegten Geist ihm mild Zu sänſtigen. u Marianna. Wahr ist es, Seine Hoheit War über Steno's schnöden Hohn zuletzt Sehr aufgebracht, und das mit Recht; Doch sonder Zweifel wurde der Beleid'ger Jetzt eben auch verurtheilt, seinen Frevel Mit solchen Stralen zu verbüfsen, die Ihm Ehrfurcht für der Frauen Tugend, für Der edlen Abkunft Werth einflöfsen werden. Angiolina. Wohl grofs war die Beleidigung, doch ist Sie mir es minder ob der Schändlichkeit Des kühnen Spötters an sich selbst, als wegen Des tödtlich tiefen Eindrucks, den sie auf Die Seele Faliero's machte, stolz, Und wild und heftig— hektig gegen alle, Nicht gegen mich. Ich zitt're wenn ich denke, Wohin das führen kann, Marianna. Es kann der Doge Doch gegen Euch gewils Verdacht nicht hegen? Angiolind. Verdachte er, gegen mich? Selbst Steno wagte Das nicht! Als seine Lüg' er kritzelte, Nur bey dem Glimmerlicht des Mond's ver- stohlen Heran sich schleichend, schlug sein eigenes Gewissen ob der That, und Schande grinzte Wa 57 Für die abscheuliche Verläumdung ihm Jedweder Schatten an der Wand entgegen. Marianna. Doch sollte hart deshalb bestraft er werden! Angiolina. Er ist's. Marianna. Wieb ist der Ausspruch schon geschehn? Ward er verurtheilt? Angiolina. Das weiſfs ich noch nicht, Doch ist er ja entdeckt. Marianna. Und haltet Ihr Genügend das für solchen schnöden Hohn? Angiolina. Ich mögte nicht in eig'ner Sache richten, Auch weiſs ich nicht welch eine Art von Strafe Auf die Gemüther solcher kühner Gecken, Wie Steno, wirken könne, aber wenn Sich seine Unthat in der Richter Sinn Nicht tiefer prägt, als sie mich selbst ergriff, So wird, statt aller andern Straf' und Bufse, 'dc. Die Für gekränkte Ti bührt sich aber doch ein Op Angiolina. We s wäre Tugend, wenn sie das bedürfte Wenn sie auf eines Mannes Worten ruhte? Und Es sagte jener Römer sterbend! asie Ersc Sey nur ein Nar Könnte sie der Hauch Des Menschen schaffen und vernichten, freylich danr Doch würde manche treue, vorwurfslose Dame Mein Das ganze Unrecht solches Hohnes fühlen, Mit Und minder strenge Frauen, wie denn deren Venedig viele hat, in ihrem Schrey'n 15 1 5 Nach Recht und Rache unerbittlich seyn. Bedu G Angiolina. Dies zeigt nur, dafs es blos der Name ist Und nicht die Sache selbst, was hoch sie schäz- zen. Ich Die erstern haben es so schwer gefunden, Sich ihre Ehre zu erhalten, dafs Sie nun verlangen, überall sie reich Geschmückt und ausgeziert zu sehn, und jene, Die sie verloren, suchen sie dem Schein nach, Wie sie nach einem Schmuck sich umseh'n würden, Des Mangel sie wohl fühlen, aber nicht Weil sie für einen wahren Sghmuck ihn halten. Sie leben nur in den Gedanken and'rer, Und mögten sittsam scheinen, wie sie schön Erscheinen müssen. Marianna. Als Patrizierin Denkt Ihr sehr sonderbar! Angiolina. Und dennoch dachte Mein Vater auch nicht anders, hinterliefs Mit seinem Namen dies als einz'ge Erbschaft. Marianna. Bedürft Ihr derenb Gattin eines Fürsten, Des Oberhaupts der Republik! Angiolina. Und wär' Ich eines Landmann'’s Braut, ich hätte auch Nach keiner mich gesehnt, und fühle doch Für meinen Vater Lieb' und Dank nicht minder, Dafs meine Hand er seinem alten, treuen, Versuchten Freunde, Graf Val di Marino, Jetzt unser Doge, gab. Marianna. Und gab er ihm Mit dieser Hand auch Euer Herz? Angiolina. Er that's, Sonst hätt' er ihm auch nicht die Hand ge- geben. Marianna. Doch könnte wohl bey dieser Ungleichheit In Euren Jahren, und— laſst mich es sagen— In Euren Stimmungen die Welt le icht zweifeln, Ob solch ein Band auch würklich dauerhaft Euch glücklich machen könne. Angiolind. Immer wird Die Welt nach Weligebräuchen denken, doch Mein Herz war stets bey meinen Pflichten, die Zwar mannichfach, doch nimmer schwer. Marianna. Und liebt Ihr ihn inder, d , doch en, die Angiolina. Ich liebe alle Eigenschaften Des Edeln, welche Lieb' verdienen, und Ich liebte meinen Vater, der zuerst Mich lehrte, auszusondern was an andern Wir lieben sollten, und zu unterdrücken Jedwede Neigung die uns dahin führt, Die reinsten, herrlichsten Naturgefühle An nied're Leidenschaften zu verschwenden. Er gab an Faliero meine Hand; Er hatte edel, brav, hochachtbar, reich An allen Tugenden des Bürgers, Kriegers Und Freundes ihn erprobet, und so habe Auch ich in allen diesem ihn erfunden Wie mir mein Vater sagte. Seine Fehler Sind solche nur, wie in der hohen Brust Der Männer, die befahlen, stets sie wohnen; Zu vieler Stolz, und jene Leidenschaften Voll tiefer Kraft. wie sie die Sitte bey Patriziern verwildernd nährt, und ein In Staats- und Krieges- Stürmen reifes Leben, Wohl auch der rege Sinn für Ehre, der Bis zu gewissem Grade Pflicht, doch wenn Er überspannt, ein Laster, und dies fürchte Ich auch an ihm. Dann ist er von der Jugend Bis in das Alter rasch gew n, aber Durch Edelmuth doch so im Zaum gehalten, Dafs die vorsichtigste der Republiken All' ihre höchsten Aemter ihm vertraute, Von seinem ersten Fechten an bis zu Der letzten Abgesandtschaft, von der ihm Das Dogenamt bey seiner Rückkehr wurde. Marianna. Doch eh' Ihr Euch vermähltet, schlug da nicht Für einen edlen Jüngling Euer Herz, Der durch die Jahre mehr geeignet war Für eine Schönheit gleich der Eurigen? Und habt seitdem Ihr keinen Mann geseh'n Der, wenn noch frey wär' Eure schöne Hand Um Loredano's Tochter werben dürftep Angiolina. Auf Eure erste Frage gab ich Antwort Als ich Euch sagte, ich vermählte mich. Marianna. Und auf die zweyte? Angiolina. Braucht es keiner Antwort. Marianna.. Verzeiht mir, wenn ich Euch beleidigt habe. Angiolind. ht, allein verwundert etwas. 1 len möchte. e. Marianna. icht Seine früh're Wahl n nur zu oft es glauben, daſs e. ungescheh'n es jene machen könnte, l weiser wählen würde. vn Angiolina. dand Mag’s so seyn Mag; yr Doo ich die Art Gedanken nicht Marianna. Doge— soll Angiolina. wär’ wohl besser Ihr verlieſset mich. r scheint in tiefes Sinnen ganz verloren 5 nkenvoll einher er geht! Marianne 2 Zweyter Auftritt. Angiolina. Der Doge tritt ohne sie zu seh'n mit Pietro ein. Doge(für sich). Im Arsenal ist jetzo ein gewisser Filippo Calendaro, welcher das Commando über achtzig Männer hat, Und groſsen Einflufs auf die Ansicht aller Cam'raden. Dieser Mann soll, wie ich höre, Dem Volke zugethan und stolz, gar schnell Und unternehmend, doch verschwiegen seyn. Es wär' wohl gut, wenn diesen man gewönne. Ich hoffe zwar, dafs Israel Bertuccio Sich sein versichert hat, doch wenn dies nicht— Pietro. Verzeiht mir, Herr, daſs ich Euch unterbreche, Mir trug Bertuccio, Euer Neffe, auf Zu folgen Euch, und nachzufragen, wenn Es Euch gefällig eine Stunde ihm Zu schenken, wo er mit Euch sprechen könne. Doge. Zu Abend— wart' ein wenig— lals mich sehen. Sag' in der zweyten Stunde dieser Nacht. Pietro(ab). Meit Waꝛ leh Ced-. Verl Zu 1 Nich Und Du i Alleit 214 Sie 2u ler höre, inell seyn. wönne. icht— breche, nn könne. sehen. ht. Angiolina. Mein Herr! Doge. Mein theures, liebes Kind, vergib! Warum bist Du so lange fern geblieben? leh sah' Dich nicht. Angiolind. Du way'st verloren in Cedanken, und der Mann, der jetzo Euch Verliefs, er hatte wohl Euch wicht'ge Both- schaft Zu bringen vom Senat. Doge. Mir, vom SenatP Angiolina. Nicht unterbrechen wollt' ich ihn in seiner Und ihrer Pflicht. Doge. In des Senates Pflicht! Du irr'st Dich: Wir sind's, welche dem Senat Allein verpflichtet sind. 21. E 66 Angiolina. Ich glaubte, dafs Der Doge in Venedig herrsche. Doge. Ja, Er soll.— Doch lafs' das— Laſs uns fröhlich seyn. Wie geht es Dir?— War'st ausgefahren Du p Der Tag ist trüb', allein die stille Woge Begünstiget der Ruder leichtes Gleiten. Hast Du die Freundinnen bey Dir gesehn? Vielleicht lieſfs die Musik die Einsamkeit Dich suchenb Sprich, hast Du wohl einen Wunsch, Den Dir der Doge bey der kleinen Macht, Die ihm verblieben ist, erfüllen könnte?— Von Schmuck, der Dir gebührt, von edler Freude, Gesellig oder still, was Dir das Herz Ergötzte und Vergeltung wär' für viele Genussesarme Stunden, die Du einem Bejahrten Manne opferst, den gar oft Der Sorge viel belastet Sprich, und es Ist Dein! Angiolina. Du bist so gut stets gegen mich!— Ich Als Mich Nich 67 Ich habe nichts zu wünschen, noch zu bitten, Als dafs ich öft'rer, ruhiger Dich sehe. Doge. Mich ruhiger? Angiolinc. Ja, ruhiger, mein theu'rer Gemahl!— O, warum ziehst Du Dich so sehr Zurück und gehst allein, und lässest solche Gemüthsbewegung Deine Stirne drücken, Die zwar ihr völliges Gewicht verbirgt, Allein doch schon zu viel verrathen läſst. Doge. Wie b Zu viel verrathen!— Was b— Was gäb' es wohl Denn zu verrathen hier p Angiolinc. Ein Herz, das sich Nicht glücklich fühlt. Doge. Es ist ja nichts, mein Kind! Du weiſst ja, Was für Sorgen täglich lasten 68 Auf allen, die dies wankende Gemeinwohl Regieren, das, jetzt durch die Genueser Von aufsen, durch die Unzufriedenen Von innen leidet— dieses macht mich mehr, Als ich's gewohnt, bedenklich, minder ruhig. Angiolina. Doch fand dies längst schon statt, und dennoch sah Ich so Dich nicht, wie diese letzten Tage. Vergib mir, aber etwas liegt Dir auf Dem Herzen, das wohl mehr ist, als das blofse Vollzich'n der öffentlichen Pflichten, das Doch lange Uebung und Talent, gleich Deinem, Dir leicht, ja zur Nothwendigkeit gemacht, Um Deinen Geist vor'm Schlummer zu be- wahren. Nicht Feindes Staaten sind's, Gefahren nicht, Die so Dich trüben, Dich, der. allen Stürmen Gestanden ist, und nimmer sank, der klimmte Zum höchsten Cipfel auf der Macht, und nie Die Kraft verlor im Steigen, und d'rauf steht, Und fest kann sehen in die Tiefe unten, Und nimmer schwindeln. Schiflten in den Hafen Die Caleonen Genua's, entloderte Der Bürgerkrieg in Flammen aul Sankt Markus, Es würde Dich nicht niederbeugen, sondern Du würdest fallen, wie Du aufgestiegen, Mit ruh'ger Strne.— Was Du jetzt empfindest, Es Nic Hat Ha! Dies Und Der Der Ist e Ich Tief O n. Bishe Von Geh 1 nehr, (uhig. nnoch 8e. blofse einem, ürmen immte d nie steht, Hafen Harkus, ern ſindest, 69 Es ist ganz and'rer Art: Ein Etwas hat Nicht Dein Gefühl für's Vaterland, den Stolz Hat es verlelzt. Doge. Den Stolz! O Angiolina! Ha! Mir ist keiner übrig mehr. Angiolina. Und doch— Dieselbe Sünde die die Engel stürzte, Und unter allen Sünden sich am leicht'sten Der Sterblichen bemeistert, die am nächsten Der Engel Eigenschaften stehn. Der Schlechte Ist eitel blos, der Edle nur ist stolz. Doge. Ich trug den Stolz der Ehre, Deiner Ehre Tief in der Brust— Doch sprich von etwas anderm. Angiolind. O nein!— Ich theilte Deine Güte ja Bisher in allen Dingen, schliefse mich Von Deinem Kummer jetzt nun auch nicht aus. Gehörte öffentlichem Wohl er an, 70 So weilst Du wohl, dafs niemals ich gesucht, Und niemals suchen werde, Dir ein Wort Abzugewinnen, aber da ich fühle, Dafs er Dein Haus betrifft, so kommt mir's zu Ihn zu erleichtern, oder doch zu theilen. Seit jenem Tage, wo durch die Entdeckung Von Steno's thörichter Vermessenheit Sich Deine Ruhe trübte, bist Du sehr Verändert, und ich mögte doch so gern Zu dem Dich wieder schmeicheln, was Du war'st. Doge. Zu dem mich, was ich war b— Hast Du das Urtheil Gehört, das über Steno man gefällt? Angiolina. Noch nicht. Doge. Gelängnifs eines Monats. Angiolina. Nun, Das ist genug. Für Der, Empe Kalth Die! Selbs Mir Daſs Geni Wär Es he Sie h Dies Für e Nicht Doge. Genug?! Ja wohl, genug Für einen trunkenen Galeeren-Sklaven, Der, hartgepeitscht, sich gegen seinen Herrn — Empört, doch nicht für einen überlegten, ans Kaltblüt’gen, falschen Bösewicht, der so Die Ehre eines Weib'’s und eines Fürsten Selbst an dem Throne dessen Ansehns schändet. ir's zu as Du Angiolind. Mir scheint's, es liege in der Ueberzeugung, Dafs solcher Schandthat ein Patrizier schuldig, Genüge schon, denn jede and're Strafe u das Wär'’ gegen den Verlust der Ehre leicht. Doge. Es haben solche Menschen keine Ehre, Sie haben nur ihr nied'res Leben— und Dies ward gerettet. Angiolina. Hättest seinen Tod Für die Beleidigung Du denn begehrt? Doge. un, Nicht jetzt— da er noch lebt, so mag er leben, 7² So lang' er kann; den Tod verdient er nun Nicht mehr. Daſs sie den Schuld'gen retteten, Hat seine hundert Richter selbst zum Tod Verurtheilt, ihn gereinigt, denn jetat ist Das ihre sein Vergehn. Angioling. O, hätt' der falsche, Glattzüngige Verläumder doch für dieses Verächtliche Pasquill sein junges Blut Vergossen, denn seitdem er's schrieb, vermochte Ja doch ihn keine frohe Stunde, noch Traumloser Schlummer mehr zu laben. Doge. Sagt Das himmlische Gesetz nicht— Blut um Blut? Und der, der es befleckte, tödtet mehr Als der’'s vergofs. Ist es die Pein der Schläge, Ist's nicht die Schmach der Schläge, die so tödtlich Auf Männerherzen wirkt p Sagt das Gesetz Der Männer nicht: für Ehre Blutp und mind'res Als Ehr' für Gold? Und fodert das Gesetz Der Nationen Blut nicht Für Verrath 5 Ist's nichts, mit Gift die Adern hier gefüllt Zu haben, statt des einst gesunden Strom's? Ist's Und Ist's Verä Verle An F Der Gesc Die f Den Der! Befre. Im In Er wi Mag i an eten, ochte agt Blut? 73 Ist's nichts, befleckt zu haben Deinen Namen Und meinenb sie, die edelsten der Namen 5 Ist's nichts, vor seinem Volke einen Fürsten Verächtlich machen, und die Ehrerbietung Verletzen, welche jedermann der Jugend An Frau'n, am Mann dem höhern Alter widmet? Der Tugend Deines und der Würde meines Geschlechts?— Doch lals' sie's nur erwarten, sie, Die frey ihn sprachen. Angiolinc. Es befiehlt der Himmel Den Feinden zu vergeben. Doge. Und vergibt Der Himmel seinen eig'nen F Ward von ew ger Pein Befreyet Satanas? Angiolincd. O, sprich nicht so Im Irrwahn!— GCott wird Dir vergeben, wie Er wird vergeben Deinen Feinden. Doge. . Amen! Mag ihnen Cott vergeben. 74 Angiolind. Und auch Du! Doge. Ja, wenn sie dort im Himmel. Angiolina. Und nicht eker 5 Doge. Was kümmert sie denn mein Vergeben auch? Des alten, ausgestofs'nen, schnödverhöhnten, Mifsbrauchten Mann's! Was kümmert mein Verzeih'n Sie mehr als mein Erzürnen? Beydes ist Ja schwach und werthlos nur. Zu lang' hab' ich Gelebt.— Doch lafs' davon uns nicht mehr sprechen— Mein Kind! Mein schwer beleidigt Weib, Du Kind Von Loredano, ihm, dem ritterlichen, Dem braven, o! wie wenig dacht' er doch, Als er Dich seinem Freund vermählte, dals Er mit der Schande Dich verketten würde!— O! Schande sonder Sünde, denn Du bist Ja makellos. O hättest einen andern Gemahl, nur irgend einen in Venedig, Den Ha, o Verläã So ju Ertrag Ich b Mich Und Du bi Verla Und! Gesch Noch Waru Doch Dafs 75 Den Dogen ausgenommen, Du gehabt, Ha, dieser Mehlthau, dieses Brandmahl, diese Verläumdung, nimmer wäre sie Dir worden. So jung, so schön, so gut, so rein, dies, dies Ertragen müssen, und gerächt nicht werden! Angiolina. Ich bin ja sehr gerächt, denn Du, Du liebst Mich noch, und ehr'st mich, und vertrauest eber P mir, Und alle Menschen wissen, dafs gerecht Du bist, und ich bin treu; was konnt' ich mehr auch 5 Verlangen, oder Du gebieten? ten, Doge. mein Wohl, Und besser selbst vielleicht! allein— was auch Ab' ich Geschehen sey, zum mind'sten bleibe Du mehr. Noch freundlich, mild noch meinem Ange- denken. „ D Angiolina. Warum jetzt dies? h, aſs Doge. le!— Ich sprach es absichtslos. Doch wünscht' ich, was auch and're denken . mögen, Dafs Du mich jetzt und noch im Grabe ehr'test. Angiolina. Was zweifelst Du daranb Hast Du das je Vermiſst? Doge. Komm her, mein Kind! Ich mögte gern Ein Wörtchen mit Dir sprechen.— Freund war mir Dein Vater. Ungleichheit der Ciiter machte Ihn mir zum Schuldner für Gefälligkeiten, Die stets den Guten ſester binden. Als Ihn seine letzte Krankheit überfiel, Gab seinen Willen er in unsern Bund. Nicht um mir zu vergelten, that er es, Denn längst war mir durch seine Freundes- Treue Car reich vergolten, seine Absicht war, Dein reitzendes Erblühn vor den Gefahren, Die unbeschützte, mittellose Mädchen In diesem Scorpionennest des Lasters Bedroh'n, in ehrenvolle Sicherheit Zu beingen. Nicht gleich ihm dacht' ich, allein Ich wollte nicht mich dem Gedanken, welcher Sein Todtbett zu erheitern schien, entgegnen. Angiolina. Ich habe nicht den Edelmuth vergessen, Mit welchem Du mich batest, frey zu sprechen, Ob ei Mein Das. Zu ge Und Der! Verlic Verw Gelüt Nach Mich Der: Noch Behat Die! Statt Der Eins Zu h Zu fi Nich Ich Beste undes- en, „allein relcher guen. rechen, 77 Ob einem, der mich glücklicher wohl mache, Mein junges Herz den Vorzug gäbe; noch Das Anerbieten, eine Mitgift mir zu geben, gleich der höchsten in Venedig, Und zu vergessen allen Anspruch, den Der letzte Wille meines Vaters Dir Verlich. Doge. So war's denn eines alten Cecken Verworf'ne Crille nicht, noch des bejahrten Gelüstes ungezähmter Stachel, die Nach Mädchen-Schönheit einer jungen Braut Mich lüstern machten; denn selbst in der Fülle Der frischen Jugend zähmt' ich solche Triebe; Noch war mein Alter mit der Pest der Wol- lust Behaftet, die die grauen Jahre schändend, Die Lasterhaften bis zum letzten Hauch, Statt der entfloh'nen Freuden, noch die Hefen Der Sünde schlürfen läfst, erkaufend für Ein selbstisch Eheband ein junges Opfer, Zu hülflos einen Ehrenstand zu flieh'n, Zu fühlend, um nicht elend sich zu wissen. Nicht dieser Art war unsere Verbindung. Ich gab Dir freye Wahl, und statt der Ant- wort Bestandest Du auf Deines Vaters Willen. Angiolina. So that ich, würde noch so thun auch heut Im Angesicht von Erd' und Himmel: denn Ich habe niemals meine Wahl bereu't, Die Deine nur manchmal, mir überlegend Die Unruh dieser letzten Zeit. Doge. Ich wulste, Es würde nie mein Herz Dich hart behandeln; Ich wufst' es, meine Tage konnten Dich Nun nicht mehr lange stören, und dann würde Die Tochter meines ält'sten Freund's, die würd'’ge, Geliebte Tochter, frey für neue Wahl, Wohlhabender und weiser, in dem reifsten Erblühn der Frauen Anmuth, durch das Schwin- den Der Prüfungsjahre kliüger im Erkühren, Die Erbin eines Fürstenstand's und Namens, Durch kurze Qual, für ein Paar Sommer einen Bejahrten Mann zu dulden, nun gesichert Vor aller Hinterlist, die gegen ihr Begründet Recht, Gesetze oder neid'sche Verwandte noch erheben könnten; ja Dann würde meines besten Freundes Kind, In Hinsicht ihrer Jahre, angemeſs'ner Voll Auf n Durcl Mein Und Zurüc Durcl Der So w. Ich v Roma Ich Oft a Sie k Selbs Und ndeln; würde die ten chwin- ens, r einen Und minder wacker nicht, gält es ein Herz Voll Treue, wählen. Angiolina. Mein Gemahl, ich sah Auf meines Vaters Wünsche nur, geheiligt Durch seine letzten Worte, und nur auf Mein Herz, um alle Pflichten zu erfüllen, Und dem, dem ich verlobt, für Treue, Treue Zurückzugeben. Ehrsuchtvolle Hoſfnung Durchzückte meine Träume nie, und wenn Der Augenblick, von dem Du sprachst, einst käme, So würd' es noch so seyn. Doge. lch glaube Dir. Ich weifs, Du meinst es treu mit mir. Denn Liebe, Romantische, die schon in meiner Jugend Ich nur für Täuschung hielt, und, nimmer dauernd, Oft als des Unglücks einz'ge Quelle fand; Sie konnte keine Lockung seyn für mich, Selbst in den Tagen wild'rer Leidenschaft, Und würd' es jetzt nicht seyn, fänd' sie sich auch. 8⁰ Doch solche Achtung, solch ein mildes Ehren, Ein treuliches Gefühl für Deine Freuden, Und freyes Willigen in alle Deine Erlaubten Wünsche, inniges Ergötzen An Deinen Tugenden, und treues Wachen, Nicht sichtlich, sondern sanft versteckend, über Den kleinen Fehlern, welche Jugend leicht Begeht, so, daſs man nicht zurückhält plötz- lich, Vielmehr von ihnen abzieht das Gemüth, Eh' es noch weils, dafs es gezogen ward, Und glaubt, die Aenderung sey eig'ne Wahl; Ein Stolz auf Deine Schönheit nicht, nur auf Dein edleres Benehmen; ein Vertrauen Auf Dich— die Liebe eines Patriarchen, Nicht geckisch Huldigen— und Freundschaft, Treue— Auf so viel Achtung, als in Deinen Augen Dlir diese werben konnten, darauf hoff' ich. Angiolina. Und hast sie stets besessen, Doge. Ja, das glaub' ich. Denn als Du mich erwähltest, kanntest Du Den Unterschied in unsern Jahren, und Erw Auf Und Mei Des Das In D Die- Die Auf Zart Und Uad Für! Auch Desh: Du 81 Erwähltest dennoch mich. Ich baute nicht Auf meine Eigenschaften, hätte auch, Und wären fünf und zwanzig Lenze nur Mein Alter, nicht auf sie, noch äuſsern Schmuck Des Körpers je gebaut. Ieh baute auf Das Blut der Loredano, das so rein In Deinen Adern floſs, ich baute auf Die Seele, die Dir Gott gegeben, auf Die Rechtlichbeit, die Dich Dein Vater lehrte, Auf Deinen Glauben an den Himmel, Deine Zart milden Tugenden, auf Deine Treue Und Ehre selbst, als sey die meine sie. Angiolina. Uad Du that'’st wohl daran.— Ich danke Für Dein Vertrauen Dir, und höre nie, Auch nur in einem einz'gen Augenbliche, Deshalb Dich höher noch zu ehren auf. Doge. Wo Ehre wohnet eingeboren, kräftig Durch Grundsatz, da ist sie der Fels der Treue Des Eheband'’s; wo sie nicht ist, wo leicht Gedanken lauschen, oder Eitelkeiten Der weltlichen Vergnügung eitern in Dem Herzen, oder sinnlich Klopfen es Durchtobt, da weiſs ich wohl, es wäre für F 21. 8² Die Menschlichkeit vergebens noch von Sitte, In solchem angesteckten Blut zu träumen, Und wenn ihm auch wär' angetraut, was es Am heftigsten begehrte. Wenn die Cottheit Des Dichters sich in aller Schönkeit, die Der Marmor unter Meisters Händen gibt, Verkörperte, ja, wenn Alcid, der Halbgott, In seiner Majestät erhab'ner Mannheit lerniederstieg, sie würden nicht vermögen Ein Herz zu fesseln, das nicht Tugend kennt. Beständigkeit beweis't und bildet sie, Das Laster kann nicht festbestehn, die Tugend Nicht wanken. Einmal nur gefallen, muſs Ein Weib für immer fallen, denn es Muls Verschiedenheit das Laster haben, nur Die Tugend steht, der Sonne gleich, und alles Was um sie kreiset, trinkt sich Leben, Licht Und Glorie aus ihrem sel'gen Aunschau'n. „ Angiolind. Und wenn Du so an andern diese Treue Erschau'’st und fühlst, warum— verzeihe mir— Warum gibst Du der wildesten von allen Unsel'gen Leidenschaften ganz Dich hin, Und störst mit ruhelosem Hasse gegen Ein Ding, wie Steno, Dein erhab'nes Denken? Doge. Du miſsverstehst mich. Steno ist es nicht, Der r Es da Was Du fü Vened Und i Nimm es heit 3 2 ott, gen kennt. Lugend 1ſs nur d alles Licht, 83 Der mich so sehr erregen konnte, wäre Es das, er sollte— doch lafs das vorüber. Angiolind. Was ist es denn, das eben jetzt so tief Du fühlst 5 Doge. Die schnödverletzte Majestät Venedigs, hier zugleich in ihrem Herrn Und ihrem Recht beleidigt. Aungiolina. Ach! warum Nimmst Du dies 8o Doge. Ieh habe nachgedacht Darüber, bis— Doch lafs mich Dich zurück Auf das geleiten, wovon ich begonnen. Nachdem dies alles ausgeglichen war, Vermählt ich mich mit Dir. Es billigte Die Welt dies damals des Beweggrunds halber, Und mein Benehmen zeigte, dafs sie Recht D'ran that, indefs das Deine nicht genug Zu preisen war. Du hattest volle Freyheit, Verehrung und Vertrau'n von mir, und allen, 84 Und von den Männern stammend, welche Für- 4 sten Daheim erschaffen, und an fremden Küsten Von ihren Thronen Köpnige verjagen, Erschienst in allen Dingen würdig Du, Die erste uns'rer eingebornen Frauen Zu seyn. Angiolina: Wozu soll dieses alles führen P Doge. Dahin— daſs eines Bösewichtes Pesthauch Dies alles welken machen kann.— Ein Bube, Den ich in Mitte jenes Festes selbst Ob seines ungezügelten Betragens Von dannen führen hiefs, und lehrte, sich In herzoglichen Zimmern zu betragen, Ein Weggeworfener, wie dieser, kann Das Gift von seinem ausgebrannten Herzen An eine Mauer spritzen, und dies dann Sich selbst zu allgemeinem Gift verbreiten, Und Weibes Unschuld, Mannes Ehre zum Gespötte machen, und der doppelte Verbrecher(der erst jungfräuliche Sitte Durch grobe Unart gegen jene Mädchen, Die Dich begleiteten, vor der Versammlung In un Dafür Gewi Daſs Er sec Vortr- Er Wu Für ei Ein F Von s Verscl Mit D Ja, A! Ich ha Mein! Und s. 85 In uns'rer Edelfrauen Mitte schmähte) Dafür, dafs er mit vollstem Recht hinweg Gewiesen ward, sich selbst dadurch belohnen, Dafs öffentlich die Gattin seines Fürsten Er schwärzt, und losgesprochen wird durch seine Vortrefflichen höchstbiedern Mitgenossen. Angiolina. Er wurde zum Gefängniſs ja verurtheilt. Doge. Für einen seiner Art wird das Gefängnifſs Ein Freyheitsbrief, es wird die kurze Zeit Von seiner Spötterhaft ihn ein ballast Verschliefsen.— Doch mit ihm bin ich zu Ende, Mit Dir hab' ich's nur noch zu thun. Angiolina. Mit mir ð Doge. Ja, Angiolina! Wund're Dich nur nicht. Ich habe dies verschoben, bis ich fühlte, Mein Leben könne nicht mehr lange dauern, Und sähe gern, Du nähmst auf das, was Du —— 86 In dieser Rolle finden wirst, einst Rücksicht. (Er gibt ihr ein Papier.) Sey ruhig, Kind! Was ich darin bestimmt, Es ist zu Deinem Besten. Lies nachher Dies, wenn die Stunde dazu passend ist. Angiolina. O, mein Gemahl! Im Leben und nachher Sollst immer Du von mir geehret werden. Doch Deiner Tage mögen viel noch seyn, Und glücklicher, als Deine jetzigen. Vorübergehn wird diese Leidenschaft, Du wirst von neuem heiter werden, wieder Das seyn, was Du seyn solltest— was Du war'st. Doge. Ich will seyn was ich sollte, oder nichts. Doch nimmer mehr, ach! nimmer, nimmer mehr Wird auf die wen'gen Tage oder Stunden, Die das getrübte Alter Faliero's noch Zu hoffen hat, die sanfte Ruhe breiten Ihr Abendroth!— Die Sommerschatten, die Aus den Vergangenheiten eines Lebens, Das übel nicht, und nicht unrühmlich schwand, Entsteigen, und, wenn nun die Nacht sich naht, Die le Ach, Der! Ich h Zu ho Die n Mit d Geehr Sein I Wäãr’' Mit e. Cleicl 0, da Dein Nunm Ein T. Der s Die e Ersch Mein zicht. mt, 1s. nimmer en, die „ hwand, ht sich 87 Die letzten Stunden milder noch umgeben, Ach, nimmer werden sie zum Augenblick Der langen Ruhe sanft mich hingeleiten. Ich hatte wenig nur noch zu begehren, Zu hoſſen, auſser jener Ehrerbietung, Die man dem Blut, dem Schweifs, der Seelen- arbeit, Mit der ich angestrebt, mein Vaterland Geehrt zu machen, schuldig war, und als Sein Knecht— sein Knecht, obschon sein Ober- haupt— Wär' ich zu meinen Vätern heimgegangen, Mit einem Namen, rein und fleckenlos, Gleich ihrem— doch, dies wurde mir ver- sagt.— O, dals ich nicht bey Zara starb. Angiolina. Dort hast Dein Vaterland Du einst gereitet, lebe Nunmehr, um noch einmal es jetzt zu retten. Ein Tag, ein zweyter Tag wie jener, würde Der stärkste Vorwurf dann für sie, für Dich Die einz'ge Rache seyn. Doge. Ein solcher Tag Erscheinet in Jahrhunderten Einmal. Mein Leben war noch kürzer als ein solches, 883 Und g'nügend ist's, dafs Eiumal nur das Glück Mir gab, was kaum ein noch Beglückterer In vielen Staaten, vielen Jahren sich Gewinnen kann.— Doch, warum sprech' ich 80— Venedig hat vergessen jenen Tag, Weshalb soll ich mich noch an ihn erinnern?— Leb' wohl, geliebte, theure Angiolina! Ich mufs in mein Gemach; es gibt noch viel Für mich zu thun, und eilend drängt die Zeit. Angiolina. Bedenke, was Du war'st. Doge. Das wär’' vergebens, Erinnerung an Lust ist nicht mehr Lust, Doch der Gedank' an Sorge, Sorge noch. Angiolind. Zum mindesten, was Dich auch dränge, laſs Mich Dich erbitten, einer kurzen Ruhe Zu pflegen. Viele Nächte her, hast Du So unruhvoll geschlafen, dafs ich gern Geweckt Dich hätte, wenn ich nicht gehofft, Dafs die Natur doch die Gedanken, welche Den Schlummer Dir so ängstlich störten, endlich Noch überwält'gen werde. Eine Stunde Der Ruhe wird zu Deiner Arbeit Dich Meii Zut Das Zun In d ern?— viel e Zeit. 89 Mit heit'rer'm, froher'm Geiste dann, und mit Erneu'ten Kräften wieder rufen. 3 Doge. Ich Vermag es nicht.— Ich darf nicht, wenn ich's auch Vermögte, denn noch niemals gab es wohl So viele Ursach, wach zu seyn.— Jedoch Noch einige— nur wen'ge Tage noch Und traumgestörte Nächte, und ich werde Gar trefflich schlummern— aber wo?— Auch gleich! Leb' wohl, Du theure, liebe Angiolina! Angiolina. Laſs mich, nur einen Augenblick, nur Einen Noch bey Dir! Nicht ertragen kann ich es, Dich so zu lassen. Doge. Nun, so komm denn nur, Mein süfses Kind!— Vergib mir! Beſs'res Glück Zu theilen, wär'st Du wohl bestimmt, als meines, Das nun bey seinem Schlusse sich verdüstert, Zum tiefen Thale senkt, wo tief verhüllt In Schatten endender Vernichtung, sitzt 99 Der Tod.— Bin ich dahin,— es könnt'’ leicht früher Gescheh'n, als diese Jahre selbst verbürgen, Denn innen— oben— rings, tobt jener Auf⸗ ruhr, Der mehr in dieser Stadt die Leichenacker Bevölkern wird, als jemals es die Pest, Der Krieg zu thun vermochten— wenn ich nichts Dann bin, so lafs dann das, was ich gewesen, Auf Deinen süfsen Lippen manchmal noch Ein Name seyn der Einbildung, ein Schatten Von einem Etwas, das Du nicht betrauern, Dich pur daran erinnern sollst.— Doch laſs Uns geh'n, mein Kind!— Die Zeit ist dringend. (Gie gehen ab.) Dritter Auftritt. (Ein abgelegener Platz ohnweit des Arsenals.) Esrael Bertuccio und Philipp Calendaro (treten auf). Calendano. Wie ging's mit Deiner letzten Klage? Ist's Mit leicht Auf- enals.) daro 9¹ Lrael. Gut! Calendaro. Ist's möglich? Wird man ihn bestrafen? Frael. Ja! Calendaro. Mit was? Gefängnifs oder Geld? Irael. Mit Tod. Calendaro. Du bist verrückt entweder, oder willst Dich . selbst, Wie ich Dir rieth, mit eig'ner Hand nun rächen. ISrael. Ganz recht, und so für einen einz'gen Trunk Des Hasses, jene grofse Heilung opfern, Die wir für ganz Venedig vorbereiten; Und Leben, voll von Hoffnung, tauschen, für Ein Leben in Verbannung, Einen tödten Von jenen Scorpionen, und zehntausend Noch Freunde, Kinder, Bürger sterben lassen! Nein, Calendaro, diese Tropfen Blutes, 9² Die schmachvoll mir entströmten, sollen all⸗ Sein Herablut haben zur Vergeltung, doch Nicht sein's allein. Wir wollen sie nicht treffen Für Unthat, blos an Einzelnen verübt,— Das mögen selbstische, tolldreiste Menschen, Doch für Tyrannenmörder ziemt sich's nicht. Calendaro. Du hast fürwahr da mehr Geduld, als ich. War ich zugegen, als die Unbill Dich Betraf, ich mufst' ihn nur erschlagen, oder Selbst sterben, im vergeb'nen Kampf die Wutk Zurück zu drängen. Israel. Gott sey Dank, dafs Du Dort nicht dabey. Verdorben war dann alles, Und jetzt geht uns'’re Sache gut. Calendaro. Du sah'st Den Dogen?— Welche Antwort gab er Dir? Israel. Dafs es für einen Mann, wie Barbaro, Nicht Strafe gebe. Un Ge- Ge 93 Calendaro. Sagt' ich's nicht vorher? Und dafs vergebens es, von solchen Händen Gerechtigkeit zu hoffen. Isndel. Mindestens Lullt' ich Verdacht ein, solch Vertrauen zei- gend. Denn schwieg ich still, so gab es keinen Sbirren, Der nicht ins Auge mich gefafst, als einen, Der heimlich, tiefe, finstre Rache brüte. Calendaro. Warum Dich aber an den Rath nicht wenden? Der Doge ist nur eine Puppe, welche kaum Sich selbst kann Recht verschaffen. Weshalb sprachst Du denn mit ihm? Indel. Nachher. Calendaro. Warum nicht jetzt? Irael. Gedulde Dich bis Mitternacht. Jetzt must're 94 Die Deinen, und lafs ihre Compagnieen Die Freunde vorbereiten; alles mufs In Ordnung seyn den Plan nun auszuführen; Vielleicht in wenig Stunden.— Lange haben Auf rechte Zeit wir schon gewartet— nun Ist diese Stunde da, mit Sonnenauſgang Wohl morgen schon!— Ein längerer Verzug, Er könnte doppelte Gefahr uns bringen. Besorge, dafs auf dem Versawmlungs-Platze Sich alles pünctlich finde und bewalffnet, Die Sechszehn ausgenommen, welche bey Den Truppen bleiben, wartend des Signals. Calendaro. Es haben diese wackern Worte mir Ein neues Leben in die Brust gegossen. Ich bin des langen, zögernden Berathens Von Herzen satt. Ein Tag kroch nach dem andern Dahin, und jeder brachte neue Ringe Nur noch in uns're alten Ketten, neue Beleidigung unsern Brüdern, oder uns, Dafs der Tyrannen aufgebläh'te Stärke Nur höber schwoll. Lafs uns nun auf sie stürzen, Ich fürchte mich vor dem Erfolge nicht, Denn Freyheit muls er bringen, oder Tod, Und mücd' bin ich's, von beyden kein'’s zu haben. Win Das Ist Ver Wo Glei Bert Sora Im Dein So r Docl Oft Heg' Erael. Wir werden frey seyn, lebend oder todt! en; Das Grab ist kettenlos.— Die Musterung, ben Ist sie vollendetb? Sechszehn Compagnieen un Vermehrt bis sechszig? erzug, Calendaro. 4 Zweye gibt es nur, St2e Wo fünf und zwanzig mangeln an der Zahl. 1 Israel. ls.. 4„. Gleichviel; es geht auch ohne sie,— Wer sind sie 5 Calendaro. Bertram befehligt sie und der bejahrte 1 Soranzo, welche bevde minder eifrig à dem Im Werke scheinen, als die andern alle. ISndel. Dein feurig Wesen läfst Dich alle, die So rastlos nicht wie Du, als kalt betrachten. Doch in gehalt'nen Ceistern ist der Muth . 8.. 9 ürzen, Oft nicht geringer als in lautern Kämpfern. Heg' nicht Verdacht auf sie. Calendaro. Nicht aaf den ältern, 96 Allein an Bertram find' ich eine Milde, Die, zögernd stets, für Unternehmungen Wie uns're, schädlich wird. Ich sah den Mann Gleich einem Kinde weinen, bey dem Unglück Von andern, und das seinige vergessen, Das gröſser doch, und sah in einem Streite Ohnlängst ihn sich entfärben, bey dem Anblick Von Blut, an einem Schurken obendrein. Isndel. Die wahrhaft Braven können sauft wohl seyn An Herz und Augen, voll Gefühl bey dem, Was ihre Pllicht gebeut. Ich kenne Bertram Seit lange her. Es athmet ehrenvoller Kein Busen als der seine. Calendaro. Mag's so seyn. Ich fürchte minder noch Verrath als Schwäche. Doch, da er weder Weib noch Mädchen hat, Die auf sein Milchgemüthe wirken könnten, Mag er die Feuerprobe wohl besteh'n. Ist eine Waise, hat sonst keinen Freund Als uns. Ein Weib, ein Kind, sie hätten wohl Ganz anders ihm gerathen. 1 h den nglück reite Anblick en. hwäche. en hat, aten, 1 hätten Israel. Solche Bande Sind nicht für Männer, die berufen sind Zu jenen hohen Zwecken, die der Staaten Verdorb'ne Säfte wieder reinigen. Vergessen müssen jegliches Gefühl Wir bis auf Eins,— den Leidenschaften allen Entsagen, bis auf unsern Vorsatz nicht— Auf keinen Gegenstand mehr schauen, als Auf unser Vaterland— und auf den Tod Als Lust, so, daſs das Opfer auf sich schwinge Und uns herab auf ewig Freyheit bringe— Calendaro. Doch wenn wir untergehn— Erael. Nie Die für das Grofse sterben.— Ihr Blut auch saugen, mögen i Häupter Im Sonnenstrahl vertrocknen, Glieder Am Stadtthor, an dem Wall der Veste hangen,— Ihr Geist geht frey umher. Ob Jahre schwinden, Und and'’re gleiches finst're Schicksal theilen, Sie mehren doch die tiefen, kräftigen Gedanken, die all' and're überflügeln, Und endlich noch die Welt zur Freyheit führen, Was wären wir, hätt' Brutus nicht gelebtt 21. G er Bloch 9³ Er starb, indem er Rom die Freyheit gab, Doch liefs er eine Lebhre, die unsterblich, Und einen Namen, der schon Tugend ist, Und eine Seele, die sich selbst verdoppelt Durch jede Zeit, wo die Erbärmlichkeit Zur Macht gelangt, und Staaten Sclaven werden. Er und sein Freund, man nannte sie: Die letzten Der Römer!“ lafs uns denn die ersten, wahren Venetianer seyn, entsprossen aus Den Helden Roms. Calendano. Nicht flohen einst vor Attila in diese Eylande uns're Väter, wo auf Ufern, Dem Schlamm des wilden Meeres abgetrotzt, Palläste sich erhuben, um statt Eines Sich tausend von Despoten zu erkiesen; Viel lieber doch zu knien vor einem Hunnen, Und einen Tartar Fürst zu nennen, als hier diese Hochaufgeblas'nen Seidenwürmer Herrn! Ein Mann war jener doch, und schwang sein Schwerdt Als Scepter, aber diese kriechenden Unmännlichen Gestalten, wirken nur Durch uns'ne Schwerdter, und befehlen uns Mit einem Wort, als sey's ein Zauberspruch. Celẽ Bere Gew Du Hat Die Erlas Verd Gew. In's Zu b Die In E Verh Vers- Ich! Am Bis 7 Sie s Der Noch Mit cotzt, unnen, ls hier ; ng sein en uns pruch. Irael. Celöst soll bald er werden.— Alles sey Bereit, so sagst Du. Heute hab' ich die Gewohnte Runde nicht vollziehen können, Du weifst warum, doch Deine Wachsamkeit Hat besser wohl dafür gesorgt, als ich. Die neueren Befehle, die der Rath Erlassen, dafs wir uns're Anstrengungen Verdoppeln, die Galeeren auszubessern, Gewährten einen höchst willkomm'nen Vorwand In's Arsenal noch viele von den Unsern Zu bringen, als zu Hand-Arbeiten für Die Ausrüstungen, oder frische Söldner In Eil' geworben, zur Bemannung der Verhofften Flotte.— Sind mit Waflen alle Versehen 5 „ Calendaro. Alle, die vertrauenswerth Ich hielt. Es gibt noch einige, die man Am besten wohl noch ohne Kenntniſs läſst, Bis Zeit es ist zum Aufbruch, dann kann man Sie sicherer bewalluen, wenn sie bey Der Gluth und Eil der Stunde, weder Zeit Noch Raum zum Zögern finden, sondern fort Mit denen müssen, die sie dann umgeben. 100 Zrael. Sehr wohl gesprochen!— Hast Du alle diese Bezeichnet? Calendaro. Ich die meisten, und den andern Anführern hab' ich gleiche Vorsicht auch Bey ihren Compagnieen angerathen. So viel ich sehen kann, sind wir genug Zur Sicherheit für unser Unternehmen, Wenn morgen wir's beginnen, doch bis es Begonnen, ist jedwede Stunde schwanger Mit tausend von Gefahren. Isr-el. Lafſs die Sechszehn Zu der gewohnten Stunde sich versammeln, Mit Ausnahm' von Soranzo, Nicoletto, Biondo, Marco, Giuda, die die Wache Im Arsenale haben, und dort alles Uns ferug halten sollen, das Signal Das wir bezeichnen werden, streng erwartend. Calendaro. Wir werden kommen. Zrael. All' die andern sollen Zuge Dort Wei Du Dem Den Ich Meii Ein Gev Und In 1 Alle Doc diese 6es hszehn neln, vartend. sollen Zugegen seyn Ich habe einen Fremden Dort ihnen vorzustellen. Calendaro. Einen Fremden?! Weiſs er um das Geheimnifs? Erael. Ja. Calendaro. Und bast Du es gewagt, das Leben Deiner Freunde Dem unbesonnenen Vertrau'n auf einen, Den Du nicht kennest, also blos zu geben? Isndel. Ich wagie keines Menschen Leben, als Mein eig'nes— Dessen sey gewiſs.— Er ist Ein Mann, der, wenn er seinen Beystand uns Gewährt, die Sicherheit uns mehr als doppelt, Und wenn zurück er tritt, nichts desto minder In uns'rer Macht sich findet, denn er kommt Allein mit mir, und kann uns nicht entfliehn; Doch wankt gewifs er nicht. ₰ Calendaro. Bis ich ihn kenne 102 Kann ich kein Urtheil fällen. Ist er einer Von unserm Stand? Zydel. Im Geiste, ja, Obgleich ein Kind der Gröfse.— Er ist einer, Der einen Thron besteiget oder stürzt. Ein Mann, der grolse Thaten that, und groſse Veränderungen sah; nicht ein Tyrann, Obschon zur Tyranney erzogen; tapfer Im Krieg, und weis' im Rath; hochedeln Sinn'’s, Doch stolz, behend; allein behutsam auch; Bey alle dem jedoch mit Leidenschaften Gewisser Art, so tief getränkt, daſs wenn Er einmal nur verletzt ist und gereizt, Wie er es in den zart'sten Puncten ward, Es keine Furie gibt in Griechenlands Geschichte, jener gleich, die all' sein Inn'res Mit glühen Händen peitscht, bis er aus Rache Zu allen Dingen fähig wird. Und fügt Noch dem hinzu, dafs edelfrey sein Geist; Er sieht und fühlt des Volkes Unterdrückung Und theilt sein Leiden. Ganz so denk' ihn Dir. Wir brauchen solche Männer, und sie uns. Calendaro. Und welche Rolle hast Du ihm beslimmt? Auf r Erhal Als e In al 80 he Lern' Sollt Zu d Sey einer, groſse Sinn’s, anch; Inn'res Rache Zrael. Kann seyn die— unsers Oberhaupts. Calendaro. Wie das? Du wolltest auf die Führung dann verzichten? Erael. Ich will's.— Mein Zweck ist der, dafs Eure Sache Zum guten Ende geh', nicht eig'nes Ansehn. Erfahrung, einige Geschicklichkeit, Und Eure eig'ne Wahl hat mich bezeichnet, Dafs ich als Euer Führer treulich handle, Bis dafs ein würdig'rer erscheine. Wenn Ich einen nun gefunden habe, den Ihr selbst als würdiger bekennen werdet, Glaubt Ihr dann wohl, dafs ich, aus Selbst- sucht zögernd, Und geizend nach der kurzen Oberherrschaft, Auf meine einzelnen Gedanken unsern Erhab'nen Vorsatz lieber stützen wollte, Als einem mich zu unterwerfen, welcher In allen Eigenschaften eines Führers So hoch steht über mirb Nein, Calendaro, Lern' besser kennen Deinen Freund!— Doch ihr Sollt alle richten.— Jetzo fort! Lafst uns Zu der bestimmten Zeit uns wieder finden. Sey wachsam, und es wird noch alles gut. 104 Cœlendaro. Bertuccio, braver Mann! Ich habe stets Dich treu befunden und bewährt, mit Kopf Und Herz den Plan zu schaffen, den ich dann Bereit gern war hinauszuführen. Ich, Für meinen Theil, begehre keinen andern Als Oberhaupt. Was nun die übrigen Beschliefsen, weife ich nicht; allein ich bin Mit Dir, wie stets ich's war, in allem was Du unternahmst. Nun lebe wohl, bis uns Die Mitternacht versammelt wieder sieht. (Cie geken ab.) (Ende des sweyten Acts) 105 2—2:2 2———:——2nnnnnn nnn Lopf h dann rn. Dritter Act. bin Was uns . 4 Erster Auftritt. (Die Bühne stellt den Platz zwischen dem Ka- nale und der Kirche von&t. Johann und Paul vor. Lor der letztern eine Keuter- Statüe. In einiger Entfernung eine Gondel am Ufer des Kanals). Der Doge(tritt allein und oerkleidet auf). Noch vor der Stunde bin ich da, der Stunde, Die, dröhnend durch das Nachtgewölb', Pal- läste Mit ahnungsvollem Schwanken wird erschüttern, Und ihre Marmor aus den Fugen treiben, Die Schläfer schreckend aus verhaſstem Traume Von dunkler, doch furchtbarer Vorbedeutung 106 Des was geschehen wird.— Ja, stolze Stadt! Das schwarze Blut, das dich zum Siechhaus macht Der Tyranney, muſs abgelassen werden. Man zwang zu diesem Amte mich, ich hab' Es nicht gesucht. Und d'rum ward ich be- straft, Weil ich ihn sah, den Pestqualm der Patrizier, Wie rings er sich verbreitet, und mich Zuletzt auch selbst in tiefen Schlummer lullte, Und nun muſs ich, selbst angesteckt, die Flecken Hinweg im Heilquell waschen.— Hoher Tempel! Wo meine Väter schlaſen, deren dunkle Bildsäulen Schatten werfen auf den Boden, Der uns von diesen Schläfern trennt, wo all' Die kühnen Herzen unsers edlen Stammes, Vermodert sind zu einem Gran von Asche, Und was vordem so viele Helden machte, Jetzt eingeschrumpft ist in ein kleines Häuflein, Indefs was auch nur eine Handvoll ist Die Erd' erschüttert— Tempel jener Heil'gen, Die schützend über unserm Hause wachen! Gewölbe, wo zwey Dogen ruhn’— die Ahnen! Wovon erdrückt durch Arbeitslast der eine, Im Feld' der and're fiel, und lange Reih'n Von mir verwandter Feldherrn oder Weisen, Die mir vererbten ihre groſsen Mühen, Und Wunden und Vermögen, lafs die Gräber Solch Auf Die In n Ist E Laſs Wir Gesc Ihr Stadt! chhaus h hab' ch be- ktrizier, lullte, t, die empel! e en, vo all' nes, che, te, läuflein, leil'gen, hen! Ahnen! eine, ih'n eisen, Gräber 107 Aufklaſſen, bis all' deine Gänge voll Von Todten sind, und ströme dann sie aus Durch deine Pforten, dafs auf mich sie schau'n! Ich rufe sie, und dich und sie zu Zeugen, Was mich zu diesem Amt getrieben hat— Ihr reines, hohes Blut, ihr Wappenbrief Des Ruhm's, ihr mächt'ger Name, nun entehrt In mir, nicht durch mich, sondern durch den Undank Der Nobili, für die wir einst gefochten, Daſs sie uns gleich, nicht uns're Herren wür- den. Vor allen Du, Ordelafo der Brave, Der umkam in dem Feld, wo ich nachher Bey Zara Sieg errang, verdienten wohl Die Hekatomben Deiner Feinde und Venedigs, welche dort Dein Enkel häufte, Solch einen Lohn b Ihr Geister lächelt mild Auf mich herab, denn meine Sache ist Die Eure, wird die Eure ewig seyn; In mir, in unsers Stammes künft'gen Schicksal, Ist Euer Name, Euer Ruhm verschmolzen! Lafst mir's gelingen nur, und diese Stadt Wird frey, unsterblich, und der Name unsers Ceschlechtes, jetzt und immerdar, dem was Ihr einst gewesen, würdiger. Zweyter Auftritt. Der Doge. Erael Bertuccio(Kommt). Israel. Wer wandelt dort n Doge. Ein Freund Venedigs. Erael. Ha! Er ist's! Willkommen, Herr!— Ihr kamt noch vor Der Zeit. Doge. Ich bin bereit mit Euch zu Eurer Versammlung jetzt zu gehn. ISrael. Sehr wohl gethan. Ich bin vergnügt und stolz so fröhliches Vert Sind Vers Den Ges Auf Ersc Ich aſs Ben Sie Vers Gef. Dei We Gar Seh No Ha! mt noch Lurer fethan. 28 109 Vertrau'n in Euch zu sehen. Eure Zweifel Sind seit wir uns zuletzt besprachen also Verschwunden? Doge. Noch nicht ganz.— Allein ich habe Den kargen Rest von meinem Leben d'ran Gesetzt, das Loos war schon gezogen, als Auf die Verrätherey zuerst, ich hörte. Erschrick nicht— das ist ja das rechte Wort. Ich kann nicht meiner Zunge anbefehlen, Dafs schwarze That mit sanften Worten sie Benenne, ob ich schon dahin gebracht, Sie zu begehn. Als ich vernahm, daſs Du Versuchtest Deinen Herrn, und doch Dich nicht Gefangen nehmen liefse, ward ich schon Dein schuldigster Genosse. Jetzt kannst Du, Wenn Dir's gefällt, dasselbe thun an mir. Israel. Gar sonderbare Worte, Herr, und wohl Sehr unverdient. Ich bin nicht ein Spion, Noch sind Verräther wir. Doge. Wir— Wir!— Schon gut, 110 Du hast ganz recht gethan, von uns zu spre- chen.— Doch jetzt zur Sache.— Wenn das Unter- . nehmen Gelingt, und dann Venedig, frey und blühend Geworden, wenn wir ruh'’n in unsern Cräbern, Die Enkel führt zu unsern Mahlen hin, Und seine Kinder mit den Händchen läſst Auf der Befreyer Asche Blumen streu'n, Dann wird die Folge heil'gen uns're That, Und gleich den beyden Brutus werden wir In den Annalen künſftig glänzen,— doch, Wenn nicht, wenn wir es nicht vollführen sollten, Geheimen Rath und blut'ge kühne Mittel Verwendend, ob auch wohl zu gutem Zwecke, So sind wir doch Verräther, ehrlicher Bertuccio!— Du nicht weniger als der, Der seit sechs Jahren Dir Gebieter war, Und jetzt Dein würdiger Rebellen-Bruder. Endel. Es ist der Augenblick jetzt nicht, darüber Zu denken, sonst fänd' ich wohl Antwort d'rauf. Laſs' uns zu der Versammlung geh'n, wir wür- den Hier länger wartend, sonst wohl noch bemerkt. Wir Sag', Nicht Was Auf Des u spre- Unter- lühend räbern, führen 21 wecke, er. ber Antwort ir wär- emerkt. Doge. Wir sind es schon, und waren's. Israel. Wir, bemerkt! Sag', wop— und dieser Stahl— Doge. Steck' ein! Es gibt Nicht Menschen hier als Zeugen. Sieh' dort- hin: Was siehst Du da b Znael. Nur eines Kriegers Bildniſs, Auf einem kühnen Rofs, im Zwielichtschein Des blassen Mondes. Doge. Dieser Krieger war Der Ahnherr meiner Ahnen, und dies Denkmal Ward ihm vom Staat errichtet, den er zwey- mal Gerettet hatte.— Meinst Du, dafs er auf Uns niederblicke, oder nicht? Irael. Zun O Herr! Ein Das sind nur blofse Phantasien; Augen Noc Hat ja der Marmor nicht. Und Dari Doge 44 Die Todten doch! Das Ich sag’ Dir Mann, in solchen Dingen lebt Ist Ein Geist, der sieht und handelt, ungesehn, In I Und doch gefühlt, und gibt es, solche Todte Gere Zu wecken, einen Zauberspruch, so liegt 80 t In solchen Thaten er, wie wir jetzt sinnen Als Glaubst Du, die Seelen eines Stammes, gleich Tyra Dem Meinen, könnten ruh'n, wenn er, der Sind letzte Der Abkömmling dieser Hohen, an dem Rande Sie Von ihren reinen Gräbern steht, Complotte Mit— nieder’'m Pöbel schmiedend? Irdel.— 3 Die Besser war'’s Ihr hättet dies vorher erwogen, eh' An uns're groſse Unternehmung Ihr Euch angeschlossen.— Fühlt Ihr Reue? Dogęe. Nein— 2¹ doch! lebt sehn, Todte gt nen „gleich er, der nde Dlotte 110 Allein ich fühle, und so werd' ich'’s his Zum Schlufs. Ich kann mit einemmale nicht Ein ruhmbekröntes Leben von mir stofsen, Noch zu dem Ding, das jetzt ich bin, ver- schrumpfen, Und Menschenleben stehlen, ohne etwas Darüber nachzudenken. Aber heget An mir nicht Zweifel, eben dies Gefühl, Das Wissen was so weit mich hat getrieben, Ist Eure beste Sicherheit. Es gibt In Eu'rer tobenden Verschwörung keinen Gereizten Handwerksmann, der so beleidigt, So tief gestürzt, so laut zur Rache aufgeschrien, Als ich. Die Mittel, welche diese freche Tyrannenbrut mich zwang hier zu ergreifen, Sind so, dafs ich sie doppelt hasse, ob Der Thaten, die ich thun muſs, für die ihren Sie zu bezahlen. Irdel. Lafst uns gehen.— Horcht!— Die Stunde schlägt. Doge. Auf!— Auf! Dies ist entweder Venedigs oder uns're Todtenglocke. 21. H 114 Lrael. Sag lieber, dieses ist der Freyheit neues Triumphgetön!— Hieher— Wir sind ganz nah. (Cie gehen ab.) Dritter Auftritt. (Das Haus, worin die Verschwornen sich ver- sammeln.) Dagolino, Dono, Bertram, Fedele Tre- vise Calendaro, Antonio delle Bende .§. w. Calendaro(eintretend). Sind alle hier? Dagolino. Wir sind es, ausgenommen Die Drey, die Wache thun, und lsrael, Den wir erwarten jeden Augenblick. Calendaro. Und wo ist Bertram? d ganz h ver- Tre- Bende aen Bertram. Hier. Calendaro. Habt Ihr die Zahl, Die noch an Eu'rer Compagnie gefehlt, Nicht füllen können? Bertram. Einige hatt' ich Bezeichnet, doch ich wagt' es nicht, mit dem Ceheimnifs sie vertraut zu machen, bis Ich mich versichert, daſs sie wirklich treu. Calendaro. Es ist nicht nöthig, ihrer Treue sich So ängstlich zu versichern. Wer, als wir Und uns're auserwähltesten Cam'raden Ist ganz mit unserm Plan vertraute Sie glau- ben sich heimlich für die Signorie verpflichtet, Um ein'’ge junge Nobili zu strafen, Die das Gesetz in ihren Ausschweifungen Verletzten; doch, beym Werk nur erst, und in Der schändlichen, verhafstern Senatoren Herzblute ihre neuen Schwerdter gut 116 Getaucht, und zögern werden sie dann nicht, Wenn sie das Beyspiel ihrer Führer sehn, Auch auf die andern Opfer sich zu stürzen, Und ich vor allen will sie so schon stellen, Daſs sie aus blofser Scham und Sicherheit Nicht rasten, bis sie alle dann vernichtet. Bertram. Was sagt Ihr? Alle! Calendaro. Wen wollt Ihr denn schonen? Bertran. Ich schonenb Ich hab' keine Macht zum schonen. Ich fragte blos, bedenkend, dafs vielleicht Doch unter den Verworf'nen einige Sich finden könnten, deren Alter, oder Gemüthsart sie dem Mitleid anempföhle. Calendaro. Ja, solchem Mitleid, dessen, wenn die Schlange Zerhauen ist, die Stücke, die dann einzeln Mit letzter Kraft des gift'gen Lebens in Der d Wah Denj Als e Sie si Ein. Sie es Belus Nur i Als f Er so Ist's Es is Der: Ein e Am Im B Zu T Wir nicht, an, rzen, ellen, eit et. honen? ht zum icht Schlange azeln a 11 Der Sonne zucken, werth sind, und erhalten. Wahrhaftig, eh' würd' ich den Hieb bedauern, Den jemand in der Schlange Rachen thät, Als einen einzigen von diesen retten. Sie sind nur Glieder einer langen Kette, Ein Athem, Eine Masse nur und Körper. Sie essen, trinken, brüten stets zusammen, Belust'gen, lügen, unterdrücken, tödten Nur in Gemeinschaft; laſst sie denn auch ster- ben Als Eins. Dagolino. Wenn Einer übrig bliebe, wär' Er so gefährlich, als das Ganze. Ihre Zahl Ists nicht, mag's ihrer zehn seyn, oder tau- send, Es ist der Geist des Aristokratismus, Der ausgerottet werden muſs, und wenn Ein einz'ger Zweig des alien Baum's nur noch Am Leben blieb, so würd' er wieder fest Im Boden wurzeln, und entkeimen neu Zu Todtes-Grün und bittern Früchten— Ber- tram! Wir müssen ſest seyn. Calendaro(zu Bertram). Merk' darauf, ich habe Ein Aug' auf Dich. Bertkram. Wer miſstraut mir? Calendaro. Nicht ich, Denn thät' ich's, wär'st Du jetzt nicht hier und . spräch'st Von Mifstrau'n. Deine Sanftmuth ist es, nicht Der Treubruch, was Dich uns verdächtig macht. Bertram. Ihr solltet wissen, wer und was ich bin, Weil Ihr mich hört. Ein Mann, gleich Euch entbrannt Zum Sturz der Unterdrückung. Sanft viel- leicht, Ich möcht es glauben, da mich Einige Von Euch so nennen, ob ich brav, ob nicht, Darüber mögt Ihr, Calendaro, sprechen, Ihr habt mich auf der Probe ja gesehen, Und wenn Ihr doch noch Zweifel hegiet, wohl! Ich bin bereit sie an Euch selbst zu tilgen. Calendaro. Du bist willkommen mir, wenn uns're Sache Ceth: Nicht Kein Mich Nur Habt Anſü Beken Ich 1 So ri Gefü Das Für Der Woh Volll Durc Doch Vor 80 h. Der Daſs Gew: Veru Nich 19 ht ich, ier und ‚ nicht macht. , h Euch t ſt viel- nicht, 1, 1* , wohl! gen. Sache 119 Cethan, die durch den Zank der Einzelnen Nicht unterbrochen werden darf. Bertram. Ich bin Kein Zänker, aber auch hereit, so weit Mich mit dem Feinde einzulassen, als Nur irgend einer unter uns. Warum Habt Ihr mich sonst erwählt zu einem Eurer Anführenden Genossen? Doch nicht minder Bekenn' ich auch die Schwäche der Natur; Ich hab' bis jetzt noch nicht gelernt an Mord So rücksichtslos zu denken, sonder etwas Gefühl von Schauder, und der Anblick wie Das Blut aus grauen Schädeln strömt, ist nicht Für mich ein Anblick des Triumphes, noch Der Tod von überfall'nen Männern, Ruhm. Wohl nur zu gut weifs ich, dafs solches wir Vollbringen müssen an den Frevlern, welche Durch ihre Thaten solche Rächer weckten, Doch wenn es welche d'runter gäb', die man Vor diesem raschen Ende retten könnte, So hätt' ich es, um uns'rer selbst, und um Der eig'nen Ehre willen, wohl gewünscht, Dafs so von ihr Ein Flecken doch des Mordes Gewaschen würde, der sonst gänzlich sie Verunreint, und ich sehe darin wahrlich Nicht Grund zu Hohn, noch zu Verdacht. 120 Dagolino. Sey ruhig, Und fasse Muth, denn wir miſstrau'n Dir nicht. Die Sache fodert es, nicht unser Wille, Dafs so wir handeln müssen, in der Quelle Der Freyheit wollen dann wir alle Flecken Abwaschen. Vierter Auftritt. Die Forigen. LZrael Bertuccio (tritt mit dem verkleideten Dogen ein). Dagolino. Sey willkommen, Israel! Die Verschwonnen. Willkommen!— Hoch!— Bertuccio, Du kommst spät— So spät?— Wer ist der Fremde? Calendaro. Nun ist's Zeit 7 Daſs Ihn g Bekar Ein n Und Das? Wir Geht Wir Stofs Bertr Verk Entg ruhig, nicht. . elle ken 121 Daſs Du ihn nennst. Es wollen die Cam'raden Ihn gern als Bruder grüſsen, da ich ihnen Bckaamt gemacht, dafs uns'rer Sache Du Ein neues Mitglied bringst, von Dir bewährt, Und also auch von allen, denn dies fodert Das Zutrau'n, das in jede Deiner Thaten Wir setzen. Nun, laſs ihn sich selbst ent- hüllen. Erael. Geht vorwärts, Fremdling. Doge. (winft seine erkleidung ab.) Die Ferschwornen. Zu den Wallen!— Ha! Wir sind betrogen— das— das ist der Doge! Stofst Beyde nieder! den verräth'rischen Bertuccio, und den Dogen, dem er uns Verkaufte! Calendaro(sein Schwerdt ziehend). Haltet! Wer nur einen Schritt Entgegen ihnen wagt, der ist verloren.— 122 So hört doch erst Bertuccio!— Wie? er- schreckt Es Euch denn, einen unbeschirmten Und waſſenlosen alten Mann allein Hier unter Euch zu sehn?— Sprich, Israel! Deut' uns das Räthsel. Erael. Lafs sie nur sich nahen, Und in die eigne Brust das Schwerdt sich stofsen, Im undankbaren Selbstmord! Denn es hängt An unserm Leben jeizt ihr Eig'nes, ihr Gelingen, all' ihr Hoffen. Doge. Stofset zu!— Wenn ich vor'm Tod mich füchtete, vor ei- nem Weit schreckensvoller'm Tod, als Eure Wallen Mir geben können, so wär' ich nicht hier.— O! edler Muth! Der erstgeborne Sohn Der Furcht, der Euch so brav macht gegen dieses Ergraute Haupt! Seht doch die stolzen Führer, Die einen Staat umwälzen, und danieder Die Senatoren schmettern wollen, bey Dem Schor Ihr k Mit Du 8 Wah Verd Auf Daſs Und Und Sie s Gleie Und Die Den Sie s d5 er- srael! nahen, t sich ängt vor ei- Walſlen ier.— gegen Führer, r 123 Dem Anblick eines einzigen Patriziers Schon toll vor Furcht und Grauen.— Ermor- det mich, Ihr könnt's.— Mich kümmerts nicht.— Sind dies die Männer Mit grofsen Seelen, Israel, von denen Du mir gesprochenf Sich sie doch nur an! Calendaro. Wahrhaftig, er hat uns beschäntt, und wir Verdienten es.— War dies die Zuversicht Auf Euer treubewährtes Haupt Bertuccio, Dafs Eure Schwerdter Ihr auf ihn gezückt Und seinen Gast?— O! steckt sie in die Scheide, Und hört auf ihn. Irdel. Es widert mich zu sprechen. Sie sollten, mufsten wissen, dafs ein Herz, Gleich meinem, der Verrätberey unfähig, Und dafs ich nie die Macht, die sie mir gaben, Die Mittel alle anzuwenden, welche Den Zweck befördern könnten, mifsbraucht habe. sie sollten sicher seyn, dafs jedem, den 124 Ich zur Versammlung führte nur die Wahl Gelassen ward— als Bruder oder Opfer. Doge. Und was soll ick nun seyn? denn ein'ger Zweifel An Freyheit solcher Wahl entspriefst aus Euerm Benehmen. Endel. Herr! Wir wären beyde hier Getödtet worden, wenn sie tollkühn weiter Gegangen wären, aber seht, sie sind Beschämt ob dieses irren Augenblick's, Und senken ihre Häupter: glaubet mir, Sie sind so, wie ich's Euch beschrieb. Sprecht nur Zu ihnen. Calendaro. Sprecht, wir horchen staunend alle. EWyrael(die Verschwornen anredend). Ihr seyd jetzt sicher, ja! (Hoch triumphirend.) S0 hört und lernt, wie wahr ich sprach. Mich Bejal Und Des Der In P Aus Noch Patri Ihr, Ich! Absc Zertr O b Sein Ihn Keni Vers D'ro Ersp In n In e Nur Lahl ein'ger t aus precht alle. 125 Doge. Ihr seht Mich hier, wie einer aus Euch sprach, als einen Bejahrten, Unbewaffneten, Schuldlosen, Und gestern saht Ihr mich, vorsitzend in Des Herzogthums Gerichtshof, nach dem Schein Der Herrscher über uns're hundert Inseln, In Purpur prangend, und Befehle gebend, Aus einer Machtgewalt, die mein nicht ist, Noch Euer, sondern unsern Herren,— den Patriziern.— Warum ich dort war, wisset Ihr, oder glaubt'’s zu wissen, und warum Ich hier bin, mag statt meiner der, der am Abscheulichsten beleidiget, beschimpft, Zertreten ward, bis er nicht wuſste mehr Ob er ein Wurm, ob nicht, zur Antwort geben, Sein eig'nes Herz befragend, was hieher Ihn brachte. Meine neueste Geschichte Kennt ihr und jedermann, und urtheilt d'rüber Verschieden, von den Zehn, die zu Gericht D'rob safsen, Hohn auf Hohn zu häufen.— Aber Erspart mir die Erzählung— hier, ja hier In meinem Herzen wohnt der Schimpf— die Worte, In eitlen Klagen schon verschwendet, thäten Nur mehr noch meine Schwäche kund, und ich 186 Bin ja hieher gekommen, um die Stärke Nur mehr zu stärken noch, um sie zu Thaten Zu treiben, nicht zum Krieg mit Weiber- Waffen. Doch Euch bedarf ich nicht noch anzutreiben. Es flofs der Schimpf für uns, die Einzelnen, Aus allgemeinen Lastern hier in diesem— Ich kann's Gemeinwohl nicht benennen, noch Ein Königreich, was weder Fürst noch Volk Besitzt, doch alle Greu'l des alten Sparta Ohn' dessen Tugenden— das Maas, den Muth. Die Herrn von Lacedämon waren treu Und tapfer, uns're sind blos Sybariten, Indefs' Heloten wir, und ich darunter Der niedrigste, der sclavischste, obschon Gar schön herausgeputzt gleich einer Puppe, So wie die alten Griechen ihre Sclaven Betrunken machten, Zeitvertreib den Kindern. Ihr seyd vereint dies Ungeheu'r von Staat, Dies Gaukelspielwerk von Regierung, dies Gespenst, das man mit Blute bannen mufs, Zu stürzen, und dann wollen wir die Zeiten Der Wahrheit und Cerechtigkeit erneuen, In Ein Gemeinwohl, schön und grofs und frey Zusammenschliefsend, nicht voreil'ge GCleich- heit, Nur gleiche Rechte, regelrecht gewogen, Wie Jäulen eines Tempels, gegenseitig Die d Das 6 Befes Kann Des? Im V Ich r Wen Mein Will Als e Als d Zu sp Ich k Wie Sie k Ob ie Gefül Für I Wie Mit Um i Gem? Des Vork Beder Besch Besaf Ein H e Thaten Weiber- Gleich- 1, 187 Die Stärke gebend und empfangend, dafs Das Ganze so mit Anmuth und mit Schönheit Befestigt werde, und kein Theil getrennt Kann werden, ohne vollen Untergang Des allgemeinen gleichen Ebenmaſfses. Im Wirken dieses groſsen Wechsels, fod're Ich meinen Theil als Einer von den Euern, Wenn Ihr mir traut, wo nicht, so tödtet mich— Mein Leben hab' ich d'ran gesetzt, und lieber Will ich von freyer Männer Händen sterben, Als einen Tag noch leben, den Tyrannen Als der Tyrannen Abgeordneter Zu spielen.— Das zeugen Eure Chroniken. Ich kann berufen mich auf’s Regiment, Wie ich's geführt in Stadt und Land umher, Sie können sagen, ob ein Unterdrücker, Ob ich ein Mann war, der für seine Bürger Gefühlt hat und gedacht! Wohl besser wär's Für Euch gewesen, wenn ich einer war, Wie der Senat ihn suchte, solch ein Ding Mit Kleidungsstücken und Geschmeid' staffirt, Um im Senat als eines Oberhaupts Gemälde da zu sitzen, eine Geissel Des Volks, ein fert'ger Urthels-Unterzeichner, Vorkämpfer dem Senat und für die Vierzig, Bedenklichkeitenmacher bey jedwedem Beschlufs, der nicht die Sanction der Zehn Besafs, ein Speichellecker bey dem Rath, Ein Handwerkszeug, ein Narr, ein Puppendoge,— 128 Sie hätten nie den Buben unterstützt, der mich Beleidigte. Was ich erdulde, ward Für meine Lieb' zum Volke mir zu Theil, Die viele kennen schon, und die's noch nicht, In Zukunft kennen werden. Unterdessen, Was auch der Ausgang davon werde, weih' Ich meine letzten Lebens-Tage— meine Noch übrig mir geblieb'ne Kraft, nicht die Des Dogen, sondern die des Mannes, der, Eh' er herabgewürdigt ward zum Dogen, Einst grofs war, und noch eig'nen Willen hat Und Geist, ich setze meinen Ruhm(und ich Erwarb mir Ruhm)— mein Athmen—(wohl das schlechtste, Denn seine letzten Stunden nah'n)— mein Herz— Mein Hoffen— meine Seele— auf den Wurf! So wie ich bin, biet' ich mich Euch und Euern Anführern, nehmt mich oder werft mich weg, Ein Fürst, der Bürger gern wär', oder nichts, Und der den Thron verliefs, um dies zu seyn. Calendaro. Heil Faliero!— Frey wird nun Venedig! Die Verschwornen. Heil Faliero!— Iondel. Nun Cameraden! That Ich In s der mich heil, ch nicht, sen, weih’ eine ht die der, en, ſillen hat and ich —(wohl echtste, in Herz— n Wurf! nd Euern ich weg, er nichts, zu seyn. dig! 129 Ich wohl? Ist nicht der Mann ein ganzes Heer In solcher Sache? Doge. Nicht für Lob ist Zeit, Noch Raum hier zum Entzücken.— Bin ich einer Der Euren? Cælendaro. Ja, und so wie Du's Venedig war'st, Der erste unter uns— sey Ceneral Und Oberhaupt von uns nun.— Doge. Oberhaupt Und General!— Vor Zara war ich das, Und Oberbaupt in Rhodus und in Zypern, Fürst in Venedig.— Mich erniedern kann Ich nicht— das heilst, ich bin dazu nicht passend Um eine Bande anzuführen von— Von Patrioten. Wenn die Würden, welche Ich trug, beyseit ich lege, so geschieht Es nicht um and're über mich zu nehmen, Nur um den Brüdern gleich zu seyn.— Doch jetzt Zum Zweck. Es hat mir Euern ganzen Plan Bertuccio vorgelegt, wohl ist er kühn, Doch ausführbar, wenn ich ihm Beystand leihe, Und muſs im Augenblick vollzogen werden. 21. 1 130 Calendaro. Sogleich, wie Du es millst— ist's nicht so, Freunde b Ich hab' zum schnellen Ausbruch alles fertig. Wann soll's geschehn? Doge. Beym nächsten Sonnenaufgang. Calendaro. So bald? Doge. So baldb— So spät! Jedwede Stunde Häuft auf Gefahr Gefahr, und jetzt dies um So mehr, seit ich mit Euch verbunden bin. Kennt Ihr den hohen Rath, die Zehn noch nicht? Die Spürer, der Patrizier Augen, welche Mifstrauen ihren Sclaven, und noch mehr Dem Fürsten jetzt, den dazu sie gemacht.“ Ich sag's Euch, Ihr müfst treffen und das schnell, Tief in der Hydra Herz— die Köpfe folgen. Calendaro. Mit ganzer Seel' und Schwerdt geb' ich Dir Bey- fall. Die Compagnie'n sind fertig, sechszig jede, Und all' auf Israels Befehl bewaffnet. Auf angewies'nen Plätzen stehn sie wachsam, Erv Zu DoW Vol Bes (Da Mar Aut Jed Un Vor Vor Dar Ind Der Un⸗ Un Sa Ich Erwartend ein Ereigniſs. Lafs nun jede icht so, Zu ihrem Posten eilen, um zu handeln. Doch, Herr! das Zeichen fertig. Doge. Wenn die groſse Glocke Vom Thurm Sankt Markus tönt, die auf des Dogen aufgang. Besondere Erlaubnifs nur erschallt: (Das letzte arme Vorrecht dieser Fürsten) Marschiret auf Sankt Markus-Platz. Erael. Und dort? Stunde Doge. es um bin. Auf mehrern Wegen zieht dorthin, und zwar h nicht? Jedwede Sechszig durch verschied'nen Zugang, he Und unterweg'’s erhebet schon Geschrey ehr. Von Krieg, und von der Genueser Flotte, die cht.* Vor'm Hafen man beym ersten Zwielicht sah. 1 schnell, Dann stellt Euch rings um den Pallast, wo sich folgen. Indefs' mein Neffe wohlbewaffnet mit Den Freunden unsers Hauses, zahlreich, rasch Und tapfer, in den Höfen stellen wird, Dir Bey- Und während nun die Glocke tönet, ruft: «Sankt Markus!— Feinde hier in den Lagunen!“ jede 18, Calendaro. nchsam, Ich fafs' es schon— doch weiter, edler Herr. 152 Doge. Zum hohen Rath hineilend, werden alle 1 We Patrizier(denn dem darf keiner sich Das Entziehn, wenn das gefürchtete Signal Von ihres Schutzpatrones Thurme schallt), In Eine reiche Erndte wir dann sammeln, Und mit dem Schwerdt als Schnitter niedermäh'n. 2 Wenn einige auch spät nur kämen, oder Gef ef Entfernt sich hielten, werden sie dann einzeln Und schwach gar leicht genommen werden können, Wenn erst die Mehrheit nur zur Ruh' gebracht. Calendaro. Wär' nur die Stunde da! Wir wollen sie Nicht kitzeln, sondern schlachten. Bertran. Noch einmal, Wenn Ihr's erlaubt, möcht' ich die Frage thun, 1 Die ich gethan, eh' noch Bertuccio unserm 71 Beginnen diesen grofsen Bundsgenossen Hinzugefügt, der sich'rer es, und deshalb Wi Gefahrenloser macht, und also wohl Für einige von unsern Opfern noch Ein Abendroth des Mitleids schimmern läſst,— Mufs alles denn in diesem Schlachten sterben? rmäh'n. er einzeln werden ebracht. sie einmal, ge thun, serm alb lälst,— sterben? Calendaro. Was mir begegnet und den Meinen, sicher! Das Mitleid, das einst sie gezeigt, zeig' ich. Die Verschwornen. Ja! Alles! Ist's jetzt Zeit von Mitleid noch Zu sprechen? Wann wohl haben sie's gezeigt, Gefühlt, geheuchelt? ISrdel. Bertram! diese falsche Theilnahme ist nur Thorheit, Unrecht nur An Deinen Mitgenossen, Deiner Sache. Siehst Du denn nicht, daſs, wenn wir einzelne Auszeichnen zum Entflieh'n, sie dann nur leben Um die Gefallenen zu rächen? Und, Wie willst die Schuld Du von der Unschuld scheiden? Es sind all' ihre Thaten Eins, sind nur Ein einz'ger Ausfluſs Eines Körpers, fest In sich vereint für uns're Unterdrückung. Es ist schon viel, daſs ihre Kinder wir Am Leben lassen, und ich zweif'le, ob Wir alle die von ihnen sondern sollten. Der Jäger hebt ein Junges sich wohl auf Aus eines Tigers Wurf, wer aber suchte Das auſgejagte Thier, ob Mann ob Weib, Zu retten, um durch dessen Klau'n zu sterben? 134 Doch geb' dem Rath des Dogen ich's anheim, Laſs ihn entscheiden, ob man einen schone. Doge. Befragt mich nicht— versucht mit solchen Fragen Mich nicht— Entscheidet selbst. Irdel. Ihr kennet ihre Besondern Tugenden weit besser doch Als wir, die ob der öffentlichen Laster Und schnöden Unterdrückung tief sie hassen. So sprecht, ob unter ihnen einer, der Verdiente, dafs man seiner ehrend schone? Doge. Dolfino's Vater war mein Freund, und Lando Focht mir zur Seite, und Formaro ging Als Abgesandter mit nach Genua. Ich rettete dem Veneiro einst Das Leben— soll zum zweytenmal' ich's thun? Könnt' ich Venedig doch und ihn auch retten! All' diese Männer oder ihre Väter, Sie waren meine Freunde sonst, bis sie Mir Unterthanen wurden, dann— dann fielen Sie von mir ab, wie treulos Blätter fallen Vom abgeblühten Kelch, und liefsen mich Als einen einsam, welken, dorn'gen Stengel, Der, so verlassen, nichts mehr schützen kann. „ assen. bnep Lando 2 2 3 thun? retten! ſielen en aich engel, n kann. 135 So wie sie mich also verderben lieſsen, Lafst sie auch untergehn. Calendaro. Sie können nicht Zugleich bestehen mit Venedigs Freyheit. Doge. Ob Ihr schon unsern allerseit'gen Druck Von all' dem Unrecht kennt und fühlt, so wiſst Ihr doch noch nicht, welch fürchterliches Gift Für Lebensquellen, Menschenbündniſs, alles was Nur gut und edel ist, in diesen jetz'gen Verhältnissen Venedigs lauert.— Scht, All' diese Männer waren meine Freunde, Ich liebte sie, und sie vergalten ehrlich Mir dies Gefühl, wir dienten und wir fochten, Wir lachten und wir weinten nur vereint, Wir jubelten und sorgten Seit' an Seite, Wir schlossen Heyraths- Bündnifs- Blutsver- wandtschaft, Wir wuchsen stolz in Jahren auf und Ehren, Bis mich ihr eigmner Wille, meine Ehr- sucht, Beym Himmel! nicht, zu ihrem Fürsten wählte, Und dann, fahr' wohl! fahr' wohl all' freund- liche Erinnerung! All' ihr gemeinsamen 136 Gedanken, und ihr sanften Bande, welche Bejahrte Freundschaft mild umschlingen, wenn Nun die, die lange Jahre überlebten Und Thaten, welche jetzt nur der Geschichte Noch angehören, was von Tagen ihnen Noch blieb sich damit echmücken, daſs ein- ander Sie schätzen, und wenn sie zusammen kommen Ein jeder auf des Bruders Suirne sieht Den Spiegel eines halben Säkulums, Und hundert Wesen, jetat begraben, noch D'rum flattern sieht, von sonst'gen Tagen lis- pelnd, Und dann so lange sich ganz todt nickt scheint, Als zwey noch von der braven, fröhlichen, Sorglosen, ruhmbekrönten Bande, welche Sonst vielfach war und Eins, bey Athem sind, Um einen Seufzer noch für sie zu haben, Und eine Sprache noch, von Thaten zu Erzählen, die sonst stumm, als nur im Mar- mor!— O wehe! Weh!— und mußst' ich dies nun thun d Israel. Ihr seyd so tief bewegt. Jetzt isus nicht Zeit Bey solchen Dingen zu verweilen. Doge. Habt Ced Nicl Verl Von Micl Aus Ich Viel Vert Hinv Sier Sie! Sie Sie! Sie Sie! Vere Von Ein Uma Mit Mit Inqi Der Ich cheint, hen, che m sind, en, u im Mar- ies nun cht Zeit 137 Geduld nur einen Augenblick.— Ich weiche Nicht mehr von Euch. Doch lafst uns jetzt die schwarzen Verbrecher dieses Staates noch bezeichnen. Von jener Stunde an, wo sie zum Dogen Mich machten, jenen Dogen, welchen sie Aus mir gemacht— Hinweg mit dem Ver-. gang'nen! Ich starb für alles, was gewesen, oder Vielmehr, sie starben mir. Nicht Freunde mehr, Vertrauen nicht, noch Innigkeit des Lebens— Hinweg war alles; völlig abgeschnitten! Sie nah'ten sich mir nicht— das gäb' Bedenken; Sie konnten mich nicht lieben— weil's nicht Vorschrift; Sie waren gegen mich— Staatspolitik; Sie hintergingen mich— Patrizierpflicht; Sie thaten Unrecht mir— dem Staate Recht; Sie konnten mir nicht Recht verleih'n, das hätte Verdacht erweckt; so daſs ein Sclav' ich war Von meinen eig'nen Unterthanen, daſs Ein Feind ich war für meine eig'nen Freunde, Umgürtet mit Spionen statt mit Wachen— Mit Kleidern, statt mit Macht— mit Pomp, statt Freyheit— Mit Kerkermeistern, statt mit Räthen,— mit Inquisitoren, statt mit Freunden,— mit Der Hölle Pfuhl, statt Lebens!— Eins nur hatte Ich aufgefunden, als die letzte Zuflucht, 138 Und das vergifteten sie mir! Sie stürzten Die Götter meines reinen Haushalts um Auf meinem Heerd, und über ihrem Schrein Sitzt grinsend Unzucht, Zähne fletschend Hohn. Erael. Ihr wurdet tief verletzt, und werdet glorreich Gerächt nun werden vor der nächsten Nacht. Doge. Ich hatte alles das ertragen,— es Verletzte mich allein, ich trug's— bis nun Auf diesen Tropfen, überrinnend in Dem Kelch der Bitterkeit— bis nun auf diese zZum Himmel schreyende Beleidigung, Nicht nur nicht gut gemacht, geheiligt gar. Nun wohl, so werf' ich alles fernere Gefühl denn ab von mir— Gefühl, das sie Für mich zertraten, lange, lang' zuvor, Selbst bey dem Eid' der falschen Unterwerfung.— Recht eben in derselben Stunde, mit Demselben Eide schwuren ihren Freund sie ab, Und machten einen Fürst, wie Knaben sich Spielwerke machen, d'ran sich zu ergötzen Und dann sie zu zerbrechen! Seit der Stunde Sah' ich nur Senatoren mit dem Dogen Im Streite finsteren Verdachts, und brütend Mit ihm auf gegenseit'gem Hafs und Furcht. Sie, scheuend, dafs die Tyranney er reiſse Aus Für Nich Die Als! Für Als Und Und Gesc Beyr Sank Auf Denl Die Und Hor- Zun Bere Der Pall Bereé Und en hrein Hohn. reich Nacht. nun uf diese Sar. as sie . fung.— lsie ab, a sich tzen Stunde 7 rütend urcht. eiſse 139 Aus ihren Händen, er, Tyrannen hassend. Für mich besitzen also diese Männer Nicht eig'nes Leben, oder Recht auf Bande Die sie bey andern selbst zerrissen haben. Als Senatoren nur, verantwortlich Für Handlungen der Willkühr kenn' ich sie— Als solche lafst mit ihnen uns verfahren. Calendaro. Und jetzt zur That! Auf uns're Posten, Brüder! Und möge dies die letzte Nacht mit blofsem Geschwätze seyn— ich möchte gern nun handeln! Beym Morgenroth soll mich die grofse Glocke Sankt Markus wieder finden. Israel. So zerstreut Auf Eure Posten Euch. Seyd fest und wach- sam. Denkt an das Unrecht, das wir dulden, an Die Rechte, die wir fodern. Dieser Tag Und Nacht, sie sind die letzten der Gefahr! Horcht auf das Zeichen und dann fort! Ich gehe Zu meiner Compagnie. Lafst jeden sich Bereit zu seinem eig'nen Auftrag halten. Der Doge wird zurück nun gehn zu seinem Pallast, um alles zu dem Ausbruch zu Bereiten. Auf! Wir scheiden, um in Freyheit Und hohem Ruhm uns wiederum zu finden. 140 Calendaro. Wenn ich Euch wieder grüfse, Doge, soll Mein Huldigen der Kopf des Steno seyn Auf diesem Schwerdte. 1 Doge. Nein, hebt bis zuletzt Ihn auf, und geht nach solcher Beute nicht Zur Seite, bis Ihr edler Wild erlegt. Sein Hohn war blos der Cährungsqualm des Lasters, Das allgemeine Fäulnils durch die ecklen Aristokraten schuf In reinern Zeiten Hätt' er es nicht gewagt, nicht wagen dürfen! Ich habe jeden eig'nen Oroll aul ihn In den Gedanken uns'res groſsen Planes Versenkt.— Ein Sklav beleidigt mich— Ich fod're Von seines stolzen Herren Hand die Strafe, Wenn er sie weigert, so beleidigt er, Und mufs dafür mir Rede stehn! Calendarno. Doch als Unmittelbarer Grund von einem Bunde Der unser Unternehmen mehr noch heiligt, Bin ich so grofsen Dank ihm schuldig, daſs Ich gern es ihm vergelten möchte, wie Um uns er sich verdient gemacht. Darf ich? uletzt nicht alm des len dürfen! 8 — lch trale, ls 2 eiligt, , daſs e arf ich? 141 Doge. Du hautest nur die Hand ab, ich das Haupt. Du schlügst den Schüler nur, und ich den Meister. Du straftest Steno nur, ich den Senat. Ich kann bey'm Hafs auf Einzelne nicht zögern, In ganz vernichtender, endloser Rache, Die wie des Himmels Feuerstrom mufs sengen Ohn' Unterschied, wie damals er herab Sich glühend stürzte, als das todte Meer Die Asche zweyer Städte strudelnd löschte. Erael. Fort denn, auf Eure Posten. Ich nur bleibe Noch einen Augenblick, den Dogen wieder Dahin, wo wir uns trafen, zu geleiten, Zu sehn, dafs kein Spion uns auf der Spur, Und dann hinweg, wo meine Compagnie Schon unter Waffen steht. Calendaro. Leb' wohl denn, bis Zu Tagesanbruch. Irdel. Gutes Glück mit Euch! 142 Die Verschwornen. Wir ſinden uns!— Fort! fort!— Lebt wohl, Ihr Herrn! (Die Verschwornen grüſsen den Doge und Tsrael Bertuccio, und gehen dann ab, an ihrer Spitze Philipp Calendaro)- Fünfter Auftritt. Der Doge und Erael Bertuccio allein. ZErael. Sie gehn zur Arbeit— und es muſs gelingen. Jetzt bist Du in der That ein Fürst, und wirst Unsterblich einen Namen, größser als Den gröfsten machen. Freye Bürger haben Schon Könige verjagt, Cäsare fielen, Und Hände der Patrizier haben so Vernichtet Dictatoren, wie der Stahl Des Volkes hat patrizier getroffen; Doch welcher Fürst hat bis auf diese Stunde Für seines Volkes Freyheit sich verschworen? Gewagt das Leben für der Bürger Freyheit? Verschworen sind sie stets, und stets nur gegen Das Die Zut 80 œ Und Zwa Jetz Ist Ihr Wai Ents Die Und Ihr 80 8 bt wohl, n! doge und dJann ab, ero). allein. zelingen. und wirst haben Stunde chworen? eyheit? nur gegen 145 Das Volk, die Hand mit Ketten immer rasselnd, Die sie nur von sich legen, um die Waffen Zu führen gegen and're Nationen, So daſs durch Joch auf Joch, und Sclaverey Und Tod, der nie erwürgte Leviathan Zwar mehr gereizt, doch nie gesättigt wird.— Jetzt, Herr, zu unserm Unternehmen.— Grofs Ist es, und gröfser noch der Lohn.— Was steht Ihr so gedankenvoll Vor'm Augenblick War't Ihr ganz Ungeduld. Doge. Und ist es denn Entschieden p müssen sie denn sterben? Irael. Wer 5 Doge. Die Freunde, mir vertraut, durch Blut und Umgang, Und manche That und Zeit,— die Senatoren? Irael. Ihr spracht ihr Urtheil, und es war gerecht. Doge. So scheint es wohl, und ist es auch für Euch. 144 Ihr seyd ein Patriot, ein CGracchus der plebejer— das Orakel der Rebellen— Des Volk' Tribun— Ich tadl' Euch nicht, Ihr handelt In Euerem Beruf. Sie schlugen Euch, Und unterdrückten Euch, und schmähten Euch; So thaten sie auch mir; doch Ihr spracht nie Mit ihnen, brach't ihr Brod nie, theiltet nie Ihr Salz; Ihr hattet ihren Becher Weins An Euern Lippen nie; Ihr wuchs't nicht auf Mit ihnen, lachtet, weintet, jubeltet Gemeinsam nicht mit ihnen, war't nicht heiter, Weil Ihr sie heiter sah't, noch fodertet Ihr Lächeln zum gesell'gen Austausch für Das Eure, trautet ihnen Euch nicht an Und trugt in Euers Herzens Herzen sie, Wie ich's gethan! Ergraut sind meine Haare, So die auch von des Rathes Aeltesten, Noch weifs ich's gut, wie uns're Locken alb So schwarz wie Rabenfittig, als nach Beute Wir ausgezogen um die Inseln, einst Dem falschen Türken abgerungen.— Kann ich sie Mit Blut bespritzt nun sehn? Jedweder Stofs Auf sie wird mir ein Selbstmord scheinen. Irdel. Doge! Solch Schwanken ist unwürdig selbst dem Kinde. r h nicht, delt . en Euch; racht nie ltet nie ins cht auf ht heiter, et für en ie, ne Haare, m, ken alb Beute Kann ich er Stofs einen. Doge! em Kinde. Wenn Ihr nicht nochmals kindisch worden seyd Dringt Eure Nerven wiederum zurück Zum eig'nen Vorsatz und beschämt nicht so Euch selbst und mich. Beym Himmel! lieber wollte Ich unsern Plan aufgeben, oder scheiternd Erblicken, als den Mann, den ich verehre, Von hohem Entschlufs in so tiefe Schwachheit Versinken sehn! Ihr habt in Schlachten Blut Gesehn und es vergossen, eig'nes, fremdes, Könnt Ihr denn jetzt vor ein Paar Tropfen schaudern, Aus grau gewordener Vampyrn Adern, Die nur zurück nun geben, was vorher Aus Millionen sie gesogen haben n Doge. Hab' nur Geduld! Ich will ja Schritt vor Schritt Und Stofs für Stofs es mit Dir theilen. Denkst Du etwan, dafs ich schwanke? Wahrlich nicht: Nur die GCewifsheit alles dessen, was Ich thun muſs, macht mich beben. Aber laſs' Nur diesen letzten sehnenden Gedanken Noch ihren Lauf, Du, und die Nacht, ihr beyde Wilst nur darum, und achtet nicht darauf. An mir ist's anzuzieh'n die GClocke, und Den Stofs zu thun, der viele der Palläste Entvölkern wird, und die erhöht'sten Bäume 21. K 146 Der adlichen Geschlechter niederstürzen Zur Erde, mit den blutgetränkten Früchten Bestreut, und ihre Blüthen tödten zur Unfruchtbarkeit. Das will ich— muls ich, — das Schwur ich zu thun, und nichts kann ab mich wenden Von dem, wozu ich mich bestimmt, und doch Erbeb' ich, wenn ich so betrachte, was Ich seyn mufs, und was ich gewesen. Hab' Geduld mit mir. Erael. Ermannet Eure Brust. Ich fühle keinen solchen Vorwurf, ich Versteh' ihn nicht. Warum denn jetzt sich ändern? Ihr handeltet und handelt noch freywillig. Doge. Ja, ja, das ist es— Ihr fühlt nicht, noch ich, Sonst müſst' ich auf der Stelle Dich durch- stofsen Um tausend Leben zu erhalten, und, So tödtend nicht zu morden.— Fühlen könnt Ihr nicht— Ihr geht zu diesem Schlächterwerk, Als ob all' diese hochgebohrnen Männer Nur Stiere wären, gut genug zur Schlachtbank! Wenn alles dann vorbey, so werdet Ihr Vergt Schar Vorge In di Soll Und Meit Und Dies Der! Und Noch Mich In m Der Und Zu I Und Hab' Die Nur Eh' Von Des Des Ich rzen Füchten ur muls ich, 8 an ab mich en , und doch was n. Hab' ust. ch jetzt sich „noch ich, dich durch- n 1, len könnt ichterwerk, nner Qlachtbank! Ihr. 147 Vergnügt und frey seyn, und ganz ruhig diese Scharlachnen Hände waschen, aber ich, Vorgehend Dir und Deinen Mitgenossen In dieser schönen Metzeley, soll seyn, Soll seh'n und fühlen.— Cott! O Gott!— Wahr ist's, Und Du thust wohl, mir dies zu sagen, dafs „Mein eig'ner freyer Will' es war und Handlung,“ Und dennoch irr'st Du Dich, denn sieh, ich will! Dies thun!— Sey ruhig,— fürchte nichts.— Ich werde Der mitleidloseste Genoſs Euch seyn! Und doch thu' ich's nicht mehr nach freyem Willen, Noch eigenem Gefühl— denn beyde treiben Mich rückwärts, aber eine Hölle tobt In mir und rings umher, und gleich dem Teufel, Der glaubt und zittert, mufs ich mich entsetzen Und dennoch thun. Hinweg! Hinweg! Cch' Du Zu Deinen Miigenossen, ich will eilen Und meines Hauses Angchör'ge sammeln. Hab' keinen Zweifel, ganz Venedig wird Die groſse Clocke von Sankt Markus wecken, Nur die erschlag'nen Senatoren nicht. Eh' noch die Sonne glorreich in dem Meer 2zt, soll eine Stimme Von Adrium e Des Weinens hier ertönen, die das Rauschen Des Wassers in dem Blutgeschrey ertränkt. Ich bin entschlossen— Fort! 148 Erael. Von ganzer Seele! Halt' solchen Ausbruch Deiner Leidenschaft In festem Zügel. Denke d'ran was diese Dir zugefügt, und dafs auf dieses Opfer Jahrhunderte von Freyheit und von Glück In uns'rer fessellosen Stadt dann folgen. Es hätt' ein tüchtiger Tyrann wohl Reiche Entvölkert, und die sonderbare Angst Dabey nicht halb gefühlt, die Dich umgarnt, Sin paar Verräther an dem Volk zu züchtgen! Glaub' mir, ein solches Mitleid wäre schlechter Noch angewendet, als die letzte Gnade Die von dem Staat dem Steno wiederfuhr. Hoge. Ha! Mann! die Saite hast Du da berührt, Die jegliches Gefühl aus meinem Herzen Hinwegdröhnt. Fort zu unserm Unternehmen! (Gie gehen ab.) Ende des dritten Acts. er Seele! schaft 88e er lück n. eiche mgarnt,— 51. ücht'gen! chlechter le luhr. ihrt„ Zen nehmen! uünls Verbesserungen. 0. v. u. Kam'rad en statt Kameraden. 9. v. u. Eu'r statt Euer. 7. v. o. Wann statt Wenn. 9. v. u. and'res statt anders. 3. v. u. seh'n statt sehen. —— Sowohl diese Verdeutschung, als das Original, ganz gleich gedruckt, sind in folgenden Haupt- städten stets vorräthig: AHachen, b. Mayer. Amsterdam, bey Sülpke. Herlin, b. Enslin.— Schlesinger. Bremen, b. Kaiser. hrüssel, b. J. Frank. Copenhagen, b. Brummer. Floreus, b. Jos. Molini. Hamburg, b. Perthes u. Besser. Lausanne, b. Fischer. Leipzig, b. Barth. London, b. Bothe et Comp. Mailand, b. Giegler. Moskwa, b. Veh. Petersburg, b. Fchwelzschke. Riga, b. Deubner u. Treur.— Hartmann. Marschau, b. Glücksberg. Wien, b. Schaumburg et Comp.— Carl Gerold. übrigens durch alle andere Buchhandlungen zu haben. w, u Don Senedkig Va. W ene 3 Taschenbibliothek der ausländischen Klassiker, i n neuen Verdeutschungen. No. 22. Byron's Poesien. Achtes Bändchen. Lord Byron's Doesi en. 1 Achtes Bändchen. Der Doge von Venedig. Zweyte Abth. Uebersetzt von ſ Theodor Hell. ——————--————ℳ-——⸗ ℳqõℳ—'—— ℳ—é⸗B—éê—êqꝗç˖çℳRNℳ—ä Zwickau, im Verlage der Cebrüder Schumann. 1822. ——ℳMℳ—:WU——ͤ8ꝙò8* Vierter Aufzug- Erster Auftritt. (Zimmer im Pallast des Patriziers Lioni.) (Lioni tritt ein, legt die Maske und das Ue- berkleid ab, welches die venetianischen Nobili tragen. Ein Diener). Lioni. Ieh will nun rub'n, recht müde von dem Feste, Dem froh'sten, das seit manchem Mond wir 5 feiern, Und doch— weiſs nicht weshalb— war ich nicht heiter; Es warf sich mir auf's Herz solch' eine Last, Dafs in des Tanzes leichtester Bewegung, Ob Aug' in Aug', und Hand in Hand mit ihr 6 Die heiſs ich liebe, sie doch schwer mich drückte, Und durch den Geist mein Blut erkältete Bis in dem Hirn mir Düsteranheit entstand Dem. Tode gleich. Ich wollte den Gedanken Weglachen, doch vergebens. Durch die volle Musik, die rings zu meinen Ohren rauschte, Klang eine Todtenglocke so vernehmlich, Obschon nur leis' und ferne, wie die Wogen Des Adriat'schen Meer's, zur Nacht, der Stadt Getöse übertönen, wenn sie gegen Das äuſsere Bollwerk Lido's stürmend schlagen; Darum verliefs das Fest ich, eh' es noch Bis zum Zenith gedieh, und will mein Lager Nun suchen, ruhiger zu denken, oder Ganz zu vergessen. Hier, Antonio, Nimm Maske hin und Mantel und entzünde Das Licht im Schlafgemach. Antonio. Wohl, Herr! Befehlt Ihr nicht Erfrischung? TLioni. Keine, als den Schlaf, Und dieser läfst sich nicht befehlen; hoffen Will ich auf ihn, obgleich die Brust so ängst- lich ˙ O 8 8A Befehlt af, len ängst- 7 Mir pocht.(Antonio geht ab) Versuchen will ich, ob die Luft Des Kopfes Hitze kühlt.— Welch' schöne Nacht! Der Wind, der Wolken trieb von Osten her, Verkroch in seine Höhle sich, und glänzend Stieg nun der stolze Mond herauf! (er geht zu einem efenen Fenster) Wie still! Und welch ein Abstand von der Scene, die So eben ich verliefs, wo hoher Kerzen Fun- keln, Und längs der Teppichwände bläfs'res Strahlen Der Silber-Lampen über's scheue Dunkel, Das in den weiten, dichtvergitterten Gemächern wohnt, ein blendend Flackerströ- men Von künstlicher Erleuchtung giefst, daſs man Zwar alles sieht, doch nichts so wie es ist. Dort Alter, das, in dem Bemüh'n, Vergang'- nes Zurück zu rufen, unter langem Streben Nach Jugend-Farbe, groſser Arbeit an Der Toilette, und so manchem Blick In den, ach! nur zu treuen Spiegel, nun In allem Stolz des Schmuckes vorwärts prunkte, Sich selbst vergafs, und im Vertrauen auf Die Falschheit nachsichtsvoller Strahlen, die Zwar zeigen, doch verstecken, sich nun selbst Vergessen glaubt', und zum Gespötte ward. Hier Jugend, die solch' eitler Hülfen nicht Bedurfte, noch d'ran dachte, und nun in Dem ungesunden Drängen wild erhitzt Geschaarter Trunkenbolde ihren ächten Oehalt und Glanz verschwendete, und in Dem Wahn, dies sey die wahre Lust, die Stunden Der Ruhe hingab, und so geben wird Bis nun der Sonnenaufgang sich ergieſst Auf bleiche Wangen, eingeſall'ne Augen, Die viele Jahre noch nicht diesen Anblick Verschaffen sollten.— Die Musik, das Mahl, Der Wein, die Rosendüfte, Blumenketten, Die Feuer-Augen und die hellen Zierden, Die weiſsen Arme und das Rabenhaar, Die Flechten und die Spangen, diese Busen Gleich Schwanen, und die diamantnen Bänder, Ein Indien zwar selbst, doch nicht so blen- dend, Als das, was sie umschlieſsen, diese dünnen Gewänder, zwischen unsern Blicken und Dem Himmel, so wie leichte Wolken schwe- bend, Der schuellbewegte Fufs, so sylphengleich Und klein, der herrlich endend, schön'rer Formen Ceheim'rer Symmetrie noch ahnen läſst— „SSSe SASͤ8NSG=SRSSE selbst d. ht nen chwe- h ön'rer 6 9 Die ganze Täuschung dieser Schwindel-Scene, Mit ihren Zaubereien falsch und wahr,— Natur und Kunst, die vor dem trunk'nen Auge Mir schwammen, das der Schönheit Anblick trank, Wie der von Durst verzehrte Pilger in Arabiens Wüsten das betrügerische Gebild, das doch der Sehnsucht, hellen Sand Nur täuschend gibt— sie sind vorbei.— Ringsum Mich her sind Sterne,— Wasser— Welten Die sich im Oceane spiegeln: wohl Ein and'rer Anblick, als der Kerzen Licht Von bunten Gläsern strahlend rückgeworfen. Und jenes grofse Element, das sich Zum Raum verhält, wie Meer zur Erde, Es breitet seine blauen Tiefen aus, Vom ersten Frühlings-Athem sauft geküſst. Dort geht der Mond hoch seinen schönen Weg, Und lächelt heiter auf die stolzen Massen Der hohen Säulen, und der seebespühlten Palläste, deren schlanke Porphyr- Pfeiler Und prächtigen portale, mit dem Raube Des Orients im Marmorschmuck belastet, Altären gleich, stolz die Kanäle gürtend, Jedweder einer hocherhab'nen That, Trophäen scheinen, herausgezaubert aus Dem Wasser, minder sonderbar wohl kaum Als jene stärkern und geheimnifsvollern 10 Ciganten alter Baukunst, jene Werke Titanischer Gewalt, die in den Wäüsten Egyptens deuten auf vergang'ne Zeit, Von der Erinn'rung schweigt.— So ruhig alles! Nichts von Geräusch! Und was sich noch be- wegt, Es gleitet geistermäſsig, wie die Nacht, Dahin. Akkorde wachsamer Guitarren, Vom schlafgelloh'nen Liebenden der muntern Geliebten dargebracht, und sorgliches Eröffunen ihres Fensters, zeigend daſs Man wohl ihn höre: während ihre Hand So schön wie Mongdlicht, dessen Strahl sie scheint, Wohl zart und weiſs und jung, erzittert, wenn Sie das verbot'ne Gitter öflnet, um Die Liebe durch Musik hereinzulassen, Und wenn er's sieht, sein Herz wie seine Saiten Erbebt; das Phosphorleuchten eines Ruders, Das schnelle Blicken ferner Lichter von Vorübereilenden Gondelen und Die leis' sich Antwort gebenden Gesänge Der Schiffer, Vers um Vers; dort am Rialto Das Flattern duft'ger Schatten, Glimmerlichter Auf Dächern von Pallästen oder Spitzen Von Thürmen, diefs nur sind die Kläng' und Bilder, les! ater Die blieben in der Oceangebor'nen Und erdgebietenden, erhab'nen Stadt.— Wie mild und friedlich diese Ruhestunde! Ich danke dir, o Nacht, denn mir verscheucht Hast du die fürchterlichen Ahnungen, Die im Geräusch ich nicht verbannen konnte, Hast mit dem Segen deines freundlichen Beruhigenden Wirkens— Ja, ich will Zu Bett' nun gehn, obschon es völlig unrecht Solch' eine Nacht, wie diese, zu verschlafen.— (Man hört an die Thüre von auſsen Klopfen.) Horch! was ist dasb Wer kann wohl jetzt noch kommen P Zweyter Auftritt. Lioni. Antonio(tritt ein). Antonio. Ein Mann verlanget, Herr, in dringendem Geschäft, den Eintritt. Lioni. Ist's ein Fremder? Antonio. 12 Gesicht hat in den Mantel er verhüllt, Doch sind mir Stimme wie Cestalt bekannt. Ich fragte nach dem Namen ihn, doch nennen Wollt' er ihn niemand ander'm als nur Euch. Er bittet angelegentlichst, daſs er Euch nahen darf. Liond. Nicht passend ist die Stunde, Verdächtig auch sein Wesen, und doch ist Gefahr wohl kaum vorhanden, denn nicht in Den eig'nen Häusern stellt den Nobili Man nach. Ob ich nun gleich fürwahr nicht wülste, Dafs einen Feind ich hätte in Venedig, Ist's Weisheit doch ein wenig Vorsicht üben. Lafs ihn herein und geh, doch wecke schnell Der Diener Einige, zu warten aufsen.— (Antonio geht ab) Wer mag der Mann wohl seyn? Dritter Auftritt. Lioni. Antonio tritt mit Bertrain ein, der in seinen Mantel gehüllt ist. Bertram. Mein theurer Herr! Lic No All Mi W SO9SSOA hnell 15 Lioni! keine Zeit kann ich verlieren, Noch Du— d'rum heifs den Diener gehn.— Ich muſs Allein mit Euch mich unterreden. Lionl. Scheint RMir dies doch Bertrams Ton.— So geh'’.(2u Antonio, der abgeht.) — Nun Fremder, Was könnt Ihr jetzt verlangen? Bertram(sich enthüllend). Eine Gabe, Mein edler Herr! Ihr habht dem Bertram ja, Dem armen Angehörigen, so viele Bereits gewährt, fügt diese noch hinzu Und macht ihn glücklich. Lioni. Bertram! Du hast mich Von Kindheit an gekannt, und stets bereit Gesehn, Dir beyzusteh'n in allen Dingen, die In Deiner Lage Dich befördern konnten. So würd' ich denn auch jetzt, noch eh' ich sie Gehöret, Deine Bitte gern erfüllen, Wenn nicht die Stunde, Deine Tracht, und diese 14 So eil'ge Art des Suchens mir Verdacht Erweckten, dafs wohl in geheimniſsvoller Beziehung der Besuch mir werde.— Doch Sag' an— Was ist gescheh'nb— Wohl eine rasche Tollkühne Thatp— Ein Clas zu viel, ein Zank, Und dann ein Stofs?— Alltägliche Geschich- ten; So daſs, wenn edles Blut Du nicht vergossest, Ich Sicherheit gewähre. Aber wär' Es dies, so mufst Du fort, denn zorn'ge Freunde Und Anverwandten in dem ersten Sturme Der Rache, sind weit tödtlichere Dinge In uns'rer Stadt, als die Gesetze selbst. Bertram. Ich dank' Euch, Herr! doch— Lioni. Wasb Du hättest wirklich An einem meines Standes Dich vergriſſen 5 Dann eile, flieh, und sag' mir selbst es nicht; Ich würde Dich nicht tödten— doch Dich retten, Ich dürft' es dann auch nicht!— Wer Blut von einem Patrizier vergols— Bertram. Ich komme, um patrizierblut zu retten, nicht es zu Vergiefsen! und d'rum mufs ich eilig seyn, Da jegliche verlorene Minute Ein Leben kosten kann. Es hat die Zeit Die Sichel, welche langsam tödtete, Mit dem zweyschneid'gen Schwert vertauscht, Und will statt Sand's, den Staub der Gräber nehmen Ihr Stundenglas zu füllen.— Geh' heut' früh Nicht aus! Lioni. Warum denn nicht?— Wozu die Drohung? Bertram. Frag' nicht nach dem Warum! ihu, was ich bitte.— Verlasse nicht Dein Haus, was auch geschehe! Ob das Getös' des Pöbels— das Geschrey Von Weibern, und der Kinder Winseln,— ob Der Männer Jammern— das Geräusch der Waffen— Der Ton der Trommelwirbel, schallender Trommeten und der Glocken Angst-Geheul— Zu einem weiten Lärmen auf sich häufe!— 26 Geh' nicht eh'r aus, als bis die Glocke schweigt, Ja dann noch nicht, bis ich zurückgekom- men. Lioni. Noch Einmal: was bedeutet das? Bertram. Noch einmal Beschwör' ich Dich, frag' nicht darnach.— Allein Bey allem was Dir hier und droben theuer— Bey allen Seelen Deiner grofsen Ahnen Und Deiner Hoffnung ihnen nachzustreben, und Nachkommenschaft zu hinterlassen, Deiner Und ihrer würdig— ja, bey allem was Du heil'ges hast in Hoffen und Erinnern— Bey allem was Du hier und dort zu fürchten— Bey allem was Du Gutes mir gethan, Und das ich gern mit gröſserm Gut vergälte, Bleib' heut daheim— verlafs Dich auf die Götter Die Deinen Heerd beschirmen, und mein Wort Für Deine Sicherheit, wenn so Du thust Wie jeitzt ich Dir gerathen— thust Du’s nicht, Bist Du verloren! weigt, lekom- 27 Lioni. Bin ich doch schon jetzt Verloren in Verwund'rung. Mensch, Du rasestl Was hab' denn ich nur zu befürchten? Wer Sind meine Feinde? Oder wenn es wirklich Auch deren gäb'’, warum bist Du mit ihnen Verbunden?b— Dul! und bist Du's so, warum Kommst Du und sagst's in dieser Stunde mir Und früher nichtb Bertram. Ich habe d'rauf nicht Antwort.— Gehst Du, trotz treuer Warnung, dennoch aust Lioni. Geboren ward ich nicht dazu, zu beben Vor blofsen Drohungen, von denen ich Die Ursach selbst nicht kenne. Zu der Stunde Der Raths-Berufung, sey es früh, sey's spät, Bin bey den Fehlenden ich sicher nicht. Bertran. O, sprich nicht so! Noch einmal; bist Du fest Entschlossen auszugeh'n? Liond. Ich bin's. Auch gibt's Ja nichts hier, das mich hindern könnte. 22. B Bertram. Nun, So sey Goit Deiner Seele gnädig— Leb' wohl! (will gehn.) Lionl. Halt!— lier liegt mehr als meine sicher- heit Weshalb ich Dich zurücke rufe. So Lafs uns nicht auseinander gehen. Bertram, Ich kannte Dich schon lang'. Bertram. Von Kindheit an; Ihr war't ja mein Beschützer. In den Tagen Der unbefang'nen Jugend, wo den Rang Man wohl vergifst, vielmehr noch nicht gelehrt wird An seine kalte Oberhand zu denken, Da spielten wir zusammen. Es vermischten Sich unsre Scherze, Thränen, Lächeln oft. Mein Vater war Client des Euern, ich, Beynah' der Zwillings-Bruder seines Sohn's. So sahen Jahre uns zusamméen— schöne, Herzvolle Stunden!— O, mein Gott! welch' eine Verschiedenheit von diesen zu der jetz'gen! an; agen gelehrt 19 Lionl. Bertram, nur Du, Du nur hast sie vergessen. Bertram. Nicht jetzt und nie! Was auch geschehen wär', Ich hätte Euch gerettet.— Als zu Männern Wir aufgewachsen, und, wie's Euerm Rang Geziemte, Ihr dem Staat Euch widmetet, Da blieb der ärm're Bertram bey der Arbeit Der Aermern. Aber Ihr vergafst mich nicht, Und wenn mein Gut noch nicht hoch ange- wachsen, Ist's dessen Schuld nicht, der mich oft erhob Und stützte, wenn ich mit der Zeiten Stür- men Zu kämpfen hatte, die den Schwächern mit Sich fort wohl reifsen. Edles Blut flofs nie In ed'lerm Herzen, als das Deine sich Bewiesen hat an mir armseligen Plebejer. Wären Deine Senatoren- Genossen nur gleich Dir! Lioni. Wie so? Was hast Du gegen den Senat zu sagen? Bertran. Nichts. Lioni. Ich weiſs, es gibt erhitzte Geister und Unruh'ge Meuterer mit halbersticktem Verrath, die lauern auf den engen Plätzen, Und eingehüllt umhergehn, durch die Nächte, Verwünschungen zu flüstern; aufgelöste Soldaten, unzufried'ne Gauner und Verzweiflungsvolle Wüstlinge, die in Den Schenken Streit beginnen. Du hast nie Mit solchen Dich geschaart. Wahr ist's, ich habe Seit ein'ger Zeit Dich aus dem Aug' verloren, Allein Du warst gewohnt, ein mäſs'ges Leben Zu führen, und Dein Brod mit wackern Bur- schen Zu brechen, und stets ehrlich d'rein zu schau'n. Was ist aus Dir geworden? Denn Gewissen Und Scham und Sorge scheinen jétzt auk Deinen Blutlosen Wangen, in den hohlen Augen Im Kampf zu seyn, um so Dich zu verderben. Bertram. Vielmehr belauschen Scham und Sorge jetzt Die tiefverruchte Tyranney, die selbst Die Luft vergiftet in Venedig, und Die Menschen toll macht, wie bey einer Pest, Im rloren, Leben rn Bur- 21 Wenn in den letzten Stunden sich die Seele Im Wahnsinn von dem Leben reifst. Lioni. Du muſst Mit Schurken in Verkehr gestanden haben! Nicht ist dies Deine alte Sprache, noch Dein eig'nes Denken. Bösewichter haben Mit Mifsvergnügen trunken Dich gemacht. Doch so mufst Du mir nicht verloren gehn. Du warest gut und redlich, nicht gemacht Zu solchen schlechten Thaten, wie Dich Laster Und Bosheit jetzt begehen lassen wollen. Vertrau'— vertrau' auf mich— Du kennst mein Wesen— Wozu hast Du, habt Ihr Euch denn ver- schworen, Dem jetzt Dein alter Freund entgehen sollte, Der einz'ge Sohn des Mannes, der ein Freund Auch Deinem Vater war, so dafs nun unser Wohlmeynen eine Erbschaft ist, die wir, So wie wir sie empfingen, oder noch Vermehrt, forterben sollten unserer Nachkommenschaft p Ich frage Dich, was ist’s Wozu Du Dich verpflichtet, daſs ich Dich Zu fürchten hätte und das Haus müſst' hüten, Gleich einem kranken Mädchen? Bertram. Quäl' mich nicht! Ich muſs jetzt fort— Lioni. Und ich ermordet werden! sag' an, sprachst Du nicht so, mein edler Bertram 5 Bertram. Wer spricht von Mord?— was sagte ich von Mord?— Es ist nicht wahr! Ich sprach nicht solch ein Wort. Lioni. Du that'st es nicht. Allein aus Deinem Wolkfs. Blick, So ganz von dem verschieden, wie ich sonst Ihn kannte, leuchtet schon der Gladiator. Willst Du mein Leben, nimm es hin— ich bin Ganz ohne Waffen— und dann fort!— Ich ma Mein Leben nicht um solche Preise wie Die eigensinn'ge Gnade jener Wesen Gleich Dir und denen, die zu diesem Tag'werk Dich riefen. rerden! edler h von ch ein Wolfs. sonst br. — ich — Ich ag' werk Bertranm. Ehe ich Dein Blut vergieſse, Mög' eh'r das meine fliefsen, ehe nur Ein Haar gekrümmt Dir wird, will tausend Häupter, Und manche d'runter edel wie das Deine, Ja, und wohl edler noch, daran ich setzen. Lioni. Ha, ist es sop Entschuldige mich, Bertram; Ich bin nicht werth, dafs man allein mich ausnimmt Von solchen Hekatomben.— Wer sind die, Die in Gefahr, und die woher sie kommt? Bertram. Venedig, und was d'rinnen wohnet, gleicht Dem Haus im Streite mit sich selbst, und so Wird eh’' der Morgen tagt es untergehn. Lioni. Noch mehr Geheimnisse, und schreckliche! Doch jetzt bist Du entweder, oder ich, Vielleicht wir Beyde an dem Rande der Vernichtung; sprich's d'rum aus, und Du bist sicher Und ruhmbekrönt, denn es ist rühmlicher Zu retten als zu tödten, und noch dazu 25 Im Dunkeln tödten.— Pfui, mein Bertram, das War kein Geschäft für Dich! Wie würd' es ausseh'n, Wenn Deine Hand auf einem Speer das Haupt, Von dem des Herz Dir offen war, vor'm Volke, Das sich voll Abscheu von Dir wendet, trüge? Und dies wär' doch mein Loos; denn hier beschwör' ich's, Was auch in dem, das Du errathen lässest, An Schrecken liege und Gefahr, ich gehe Doch vorwärts, wenn Du mir es nicht ent- hüllest, Und den Zusammenhang von dem, was Dich Hieher geführet, zeig'st. Bertram. So gäb' es denn Um Dich zu retten keinen Weg?— Minuten Entfliehen, und Du bist verloren!— Du! Der Einz'ge, der mir wohlgethan, das Einz'ge Von allen Wesen, das in jedem Wechsel Mir treu geblieben!— Doch— mach' mich nicht zum Verräther!— Lafs mich Dich erretten— aber Erhalte meine Ehre! We Zu: Zu Bede Daſs Noc ertram, ird' es Haupt, vor’'m trüge b n hier 2, est, e at ent- Dich linuten Lioni. Kann die Ehre denn In einer Mordverschwörung sich begründen? Wo gibt's Verrath, gilt es den Staat zu retten? Bertram. Verschwörung auch ist ein Vertrag, und um So bindender in redlichen Gemüthern, Wenn Worte statt Gesetzen gelten müssen, Und meiner Ansicht nach gibt's keinen grös- sern Verräther je, als den, durch dessen stillen Verrath der Dolch in die Brust wird gestofsen Die seiner Treue traute. Lioni. Und in meine, Wer wird den Stahl da stofsen? Bertran. Ich gewiſs nicht. Zu allem wäre meine Seele fähig, nur Zu diesem nicht. Du darfst nicht sterben! Und Bedenke, wie theuer mir Dein Leben ist, Dafs ich so viele Leben, ja was mehr Noch ist, der Leben Leben, Freiheit künft'ger Geschlechter daran wage, um nur nicht— Der Meuchelmörder Dir zu seyn, wie Du Mich fälschlich nennst.— Noch einmal, ein- mal nur Beschwör' ich Dich, verlasse nicht Dein Haus. Lioni. Es ist umsonst!— Jetzt augenblicklich geh' ich. Bertram. Dann sterbe eh'r Venedig, als mein Freund! Ich will entdecken— hintergehn— verrathen— Vernichten— ol was für ein Bösewicht, Werd' ich um Deinetwillen! Lioni. Sage lieber, Der Retter Deines Freundes und des Staats! Sprich— steh' nicht an— Dein jeder Bürg- schaft Pſand Für Deine Sicherheit!— Belohnung, reicher Als seinen treusten Dienern je der Staat Verlieh; ja selbst den Adel bürg' ich Dir, Wenn oſſen Du und reuig alles sagest. Bertram. Ich habe mich bedacht; es darf nicht seyn— Ich 1 Gestar Der s An D Auch Leb' Leb' Fort Den Die Ihm 27 3 Ich liebe Dich— Du weifst es— dafs ich „ ein- hier Gestanden, ist der letzte zwar, doch nicht Haus. Der sechlechteste Beweis: Ich habe nun An Dir nach Pflicht gehandelt, jetzt muſs ich Auch meine Pflicht dem Vaterland erfullen. Leb' wohl!— im Leben seh'n wir uns nicht wieder— Leb' wohl! Lioni. Wien Ha!— Antonio! Pietro! Fort an die Thüren!— Niemand laſst heraus.— Den Mann hier haltet fest. Vierter Auftritt. ats! Bürg-.. Die Vorigen. Antonio und andre bewaßfe icher nete Diener treten ein, und ergreifen Ber- z˖ran. 1. Lioni. Tragt Sorge, daſs Ihm Leides nicht geschehe. Bringt mein Schwert Und Mantel mir. Vier Ruderer zur Gondel. 28 Macht schnell!(Ankonio ab) Hin zu Giovanni Grandenigo, Nach Marc Cornaro dann gesendet.— Fürchte Dich nichtl(zu Bertram) Dafs ich hier durch Gewalt Dich nöth'ge, Geschieht um Deiner Sicherheit und um Das Wohl des Staates willen. Bertr ana. Wohin willst Du als Gefangenen mich führen? Lioni. Erst Hin zu den Zehn, und dann zum Dogen. Bertram. Zu Dem Dogen? Liond. Ja. Ist er das Oberhaupt Des Staates nicht? Bertran. Vielleicht nach Sonnenaufgang— Was Erfal Gewi Und Die Sank Auch Bevol Noch Des Die 29 . Tioni. Nanm Was meynst Du damit P— Doch wir wollen's 4 bald irchte Erfahre durch rrtahren. öth'ge, V Bertram Seyd Ihr dessen so gewiſs P Lioni. Gewifs, wie milde Mittel es im Stande, Und wenn uns die nicht helfen, kennt Ihr ja Die Zehn und ihren Richterstuhl, und daſs 1 Sankt Markus Kerker hat und diese Kerker Auch Foltern. Berktram. Nun, so wendet sie denn an Bevor der Morgen an den Himmel eilt— Noch einmal solch ein Wort, und Ihr soll einzeln Des Todes sterben, den Ihr mir jetzt droht. Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Antonio. Antonio. Die Gondel wartet, alles ist gescheh'n. 3⁰ Lioni. Gib Acht auf den Gefangnen.— Bertram, ich Will mit Dir näher sprechen, während wir Zum weisen Grandenigo uns begeben. (Alle gehen ab.) Sechster Auftritt. (Herzoglicher Pallast.— Des Doge Zimmer.) Der Doge und sein Neſfe, Bertuccio Faliero. Doge. Sind alle Leute unsers Hauses nun bereit? Bertuccio. Sie sind in Ordnung und erwarten im Pallaste bey Sankt Paolo ¹) das Signal. Ich will nun hören, was Ihr noch befehlt. Doge. Es wäre besser noch gewesen, wenn Wir Zeit gehabt, aus meinen Lehnen in Val di Marino mehrere von unsern Anhängern zu versammeln— Doch nun ist'’s Zu spät. Deni Verr Und Wol Zur Die Bis Bedi Das Für Den Ihr Für Die Nur Die Auf Vol Ohn Für Mar Ein Sie n, ich wir mer.) aliero. it? hlt. in n ist's — 31 Bertuccio. Mich däucht, es sey so besser, Herr! Denn wenn wir unsern Haushalt allzuschnell Vermehrt, so hätte dies Verdacht erweckt. Und ob zwar die Vasallen jener Gegend Wohl ehrlich sind und kühn, so sind sie doch Zu roh und gleich bereit zum Streit, um lange Die stille Zucht, die wir für solchen Dienst, Bis uns're Feinde dadurch hintergangen, Bedürfen, zu erdulden. Doge. Recht! doch wenn Das Zeichen einmal ist gegeben, sind Fär uns're Unternehmung dies die Menschen. Denn jene städt'schen Sklaven haben alle Ihr eig'nes Treiben, ihre Vorurtheile Für oder gegen jene Nobili, Die da, wo Gnade Wahnsinn wäre, sie Nur allzuleicht zur Schonung wohl verleiten. Die rohen Landbewohner, Unterthanen Auf meinen Lehnen in Val di Marino, Vollzögen einzig ihres Herrn Geheis, Ohn' UEnterschied von Licebe oder Haſs Für seine Feinde. Gleich wär's ihnen, ob Marcello, ob Tornaro falle, ob Ein Grandenigo oder ein Foscari. Sie sind nicht d'ran gewöhnet, zu erschrecken 32 Vor solchen blofsen Namen, noch das Knie Vor einem städtischen Senat zu beugen. Ihr Oberbaupt ist ein Bewallneter Und nicht ein Ding im bürgerlichen Kleide. Berltuccio. vFir sind genug, und für die Stimmung uns'rer Clienten gegen den Senat verbürg Ich mich. Doge. Nun wohl! Es ist das Loos gezogen, Doch für den kriegerischen Dienst im Felde Verlafs ich mich auf meine Bauern nur. gie lieſsen durch der Hunnen dichte Haufen Die Sonne scheinen, während sich zurück Die blassen Bürger zu den Zelten schlichen, Und vor dem Schall der eig'nen Siegs-Trom- peten gich fürchteten. Wenn schwachen Widerstand Es gibt, wirst diese Städtischen Du alle Wie Löwen finden, ihrer Fahne gleich, Doch gibt es viel zu thun, wirst Du mit mir In unserm Bücken eine Bande eig'ner Landleute wünschen. Bertzacci. Seyd Ihr so gesinnt, S0 m So0 sc Sie n Als i Das An d Nun Zu s ami Nach — D Nich Von Der Verr Der Sie e In il Obi Insti In je Verb Knie leide. uns'rer gezogen. Felde Jaufen rück lichen, as-Trom- iderstand lle h, mit mir 53 So mufs ich mich verwundern, daſs den Schlag So schnell Ihr fallen lasset. Doge. Solche Schläge, Sie müssen schnell geschehen, oder nie. Als ich die schwache, falsche Regung, die Das Herz umgarnte, das zu innig noch An den Cefühlen alter Zeiten hing, Nun übermannt, da war ich eben recht Zu solchem Schlage aufgelegt: und erstlich, Damit ich solchen Wallungen nicht wieder Nachgeben möchte, und dann zweytens, weil, — Den Iésrael und Philipp Calendaro Nicht mit gerechnet,— ich den Muth, die Treue von allen diesen Menschen noch nicht kenne. Der heut'ge Tag kann unter ihnen einen Verräther seh'n an uns, wie am Senat Der gestrige wohl tausend sah, doch sind Sie einmal d'ran, den heifsen Degengriff In ihrer Hand, so müssen sie auch weiter Ob ihrer selbst, und jener angestammte Instinkt des erstgebornen Cain, der In jedem Menschenherzen irgendwo Verborgen liegt, ob auch Verhältnisse 22. C 34 Ihn ungebraucht noch lassen, wird gleich Wölfen Die übrigen schon treiben. Solchen Haufen Erzeugt des Blutes Anblick stets den Durst Nach mehrerm, wie der erste Becher Wein Zu langer Trunkenheit verleitet, und Du wirst es schwerer finden, wenn sie einmal Begonnen haben, sie dann zu besänft'gen Als sie zu reitzen. Aber bis dahin Kann sie ein bloſser Ton, ein Halm, ein Schatten Auch schon verscheuchen.— Welche Zeit ist's wohl 9 Bertuccio. Bald die der Morgenröthe. Doge. Dann ist's Auch Zeit, die Glocke anzuzieh'n.— Sind alle Auf ihren Posten? Bertuccio. Alle sind's, allein Sie ha Bis sie Schr Die n. Zur R Und f Die de Zu re Selbst Cewei An di Hab'* Und’s Wie Und c Cab's Ich N Cefecl Von e Umko Schma Von e gleich ufen urst Vein einmal gen n, ein keit ist's — Sind 55 sie haben den Befehl, nicht eher loszubrechen, Bis sie von Euch durch mich dazu gerufen. Doge. Schr gut.— Will denn der Morgen diese Sterne Die noch am weiten Himmel funkeln, niemals Zur Ruhe bringen P Ich bin nun gefaſst Und fest, und da ich's, hält die Anstrengung, Die der Entschlufs mich kostete, mit Feuer Zu reinigen das allgemeine Beste, Selbst jetzt nur um so wackrer mein Gemüth. Geweint hab' ich, gezittert bey'm Gedanken An diese färchterliche Pflicht, doch jetzt Hab' ich jed' falsche Neigung weggeworfen Und schau' dem Sturm, der nun beginnt, in's Antlitz, Wie der Pilot vom Schiff des Admirals. Und doch— magst Du's wohl denken, Neſſe! — doch Cab's gröfsern Streit dabey in mir, als wenn Ich Nationen sah im nahenden Gefecht, ihr Schicksal finden, und ich Führer Von einem Phalanx war, und Tausende Umkommen mufsten.— Ja! das giftige Schmachvolle Blut zu zapfen aus den Adern Von einer Handvoll aufgeblasener 56 Despoten, brauchte mehr der Stählung für Solch einen Vorsatz, wie Timoleon Er einst unsterblich machte, als entgegen Zu treten all' den Mühen und Gefahren Von einem ganzen Leben unter Waflen. Bertuccio. Ich freue mich, dafs Eure sonst'ge Weisheit Die Furien besiegte, die so wildi Euch peinigten, eh' der Entschlufs gefafst. Doge. So war es stets mit mir. Der Unruh Stunde Trat in dem ersten Dämmern eines Plans Heran, wo Leidenschaft zu weiten Spiel- raum Noch hatte, mich zu fassen, aber in Der Stunde, wo die That nun selbst geschah, Stand ich so ruhig wie der Tod, der um Mich lag. Dies kannten die mich zu dem, Was ich geworden, machten, und vertrau- ten Der siegenden Gewalt, die über mein Gemüth ich stets behielt, wenn nur das erste Auftol Es nic Der P Man's Des If Gerec Gemü Dem 1 Rechtü Mich Sieh Erhell Und Die 80 Der N eisheit alst. Stunde àn6 n spiel- eschah, um dem, vertrau- nur das 357 Auftoben ausgebraufst. Doch sie bedachten Es nicht. dafs es auch Dinge gibt, die aus Der Rache eine Tugend machen, wenn Man's überlegt, und nicht blos einen Trieb Des Hasses. Wenn auch die Gesetze schlafen, wacht Gerechtigkeit doch noch, beleidigte Gemüther üben oft durch Unrecht an Dem Einzelnen ein öffentliches Recht, Rechtfert'gend ihre Thaten durch sie selbst.— Mich däucht, der Tag bricht an— ist's nicht so?— sieh hin! Dein Aug' ist von der Jugend noch Erhellt.— Die Luft bekommt schon Morgen- kühle Und mir zum wenigsten scheint durch dies Fenster Die See schon grau herauf zu dämmern. Bertzcclo. Ja, Der Morgen streift den Himmel schon. Doge. Dann fort! 38 Gib Acht, daſs sonder Aufschub sie's nun thun, Und mit dem ersten Tone von Sankt Markus, Zieh mit der ganzen Stärke uns'rer Leute Nach dem Pallast. Dort treff' ich Euch. Die Sechszehn Und ihre Compagnieen werden in Demselben Augenblick in einzelnen Colonnen sich bewegen. Aber stelle Dich selbst an's grofsè Thor; ich mag die Zehn Nicht andern anvertrau'n, als nur uns selbst. Die übrigen, die Hefen der Patrizier, Mag der Verbund'nen sorgenlos'res Schwert Vertilgen. Merke wohl, das Feldgeschrey Ist:«Nach Sankt Markus! Genueser in Der Stadt!— Auf, zur Erlösung! Auf! Sankt Markus, Und Freyheit!»— Jetzt— zur That! Bertuccio. Lebt wohl! Lebt wohl, Mein edler Ohm! Wir sehen uns in Frey- heit Und ächter Herrschaft wieder, oder nie! Er g Es i Zerst Bis e Markus, ute ich. Die mag die selbst. khwert hrey in uf! Sankt at! lebt wohl, in Frey- nie! Doge. Komm, mein Bertuccio!— Eine einzige Umarmung noch— dann fort!— denn heller wird Der Tag.— Schick bald mir einen Boten, daſs Ich weiſs wie alles geht, wenn bey den Trup- pen Du bist, und dann, dann ſäute— läute sehnell Das Sturmgeläute auf Sankt Markus Thurme. Bertuccio (geht ab). Siebenter Auftritt. Der Doge(allein). Er ging!— an jedem Fuſstritt hängt ein Le- ben.— Es ist geschehn!— Jetzt schwebt der Engel der Zerstörung über dieser Stadt und wartet Bis die Phiole er läfst auf sie strömen; So wie der Adler über seiner Beute Für einen Augenblick in mittler Luft Verweilt, und seine mächt'’gen Schwingen aus- ruht, Und dann herab stürzt mit dem sichern Schna- bel.— Du Tag! der langsam über die Gewässer sich Erhebet,— schreite— schreite vorwärts— In Der Finsternifs möcht' ich nicht tödten, son- dern Es lieber sehen wie kein Stofs sich irrt. Und ihr, ihr blauen Wogen dieses Meer's! Ich habe euch vordem und tief genug Gefärbt gesehn mit Genueser Blut, Und Blut der Saracenen und der Hunnen, Indeſs auch das Venedigs flofs, doch sieg- reich; Jetzt mülst ihr ungemischten Purpur tragen, Mit euerm fürchterlichen Incarnat Kann jetzt versöhnen kein barbarisch Blut, Im Bürger-Kampf stürzt Freund und Feind in euch.— Und lebt' ich achtzig Jahre deshalb nur P lch]), den man den Beschützer dieses Staats Genannt P— Bey dessen Namen Millionen Von Hüten in die Höhe flogen. und Geschrey von Hunderttausend sich erhob, gen aus- a Schna- er sich färts— , son- er's! en, ch sieg- ragen, zlut, Feind in ir P taats onen ob, 441¹ Um von dem Himmel Segen mir herab, Und Ruhm und lange Jahre zu erſleh'n— Um diesen Tag zu seh'n? Doch diesem Tage, Der schwarz bezeichnet im Kalender, sollen Aeonen stolz und grofs und glücklich folgen. Es überlebte mehr als neunzig Sommer Der Doge Dandalo, um Reiche zu Besiegen und ibre Kronen auszuschlagen, Auch ich will einer Krone jetzt entsagen, Um wieder so dem Staat die alte Freyheit Zzu schenken— Aber, o! durch welche Mittel Der edle Zweck mufs sie rechtfertigen.— Was sind denn ein Paar Tropfen Menschen- bluts? Und nicht einmal, denn der Tyrannen Blut Ist menschliches ja nicht: sie nähren sich CGleich rothen Molchen von dem unsern, bis Es Zeit ist in die Gräber sie zu stürzen, Die selbst sie sich bevölkerten.— O Welt! O Menschen! was seyd Ihr, und uns're besten Vorsätze, daſs wir noch Verbrechen müssen Verüben, um Verbrechen zu bestrafenb! Und tödten, als ob nur dies einz'ge Thor Dem Tode offen stünde, da das Schwert Doch wen'ge Jahre überflüssig machten. Und ich am Rand' des unbekannten Jenseits; Ich sende doch noch so viel' Herolde 4² Vor mir voraus.— Ich muſs nicht d'rüber grübeln.— (Pause.) Horch! war das nicht ein Murmeln ferner Stimmen, Und kriegerischer Tritte gleicher Ton? Wie uns're Wünsche doch selbst dem Ge- hör phantome schaffen!— Es kann ja nicht seyn— Das Zeichen ist noch nicht erschollen— doch Warum verweilt es?— meines Neffen Bote Er sollte auf dem Weg' zu mir schon seyn, und er, Eröffnet eben jetzt vielleicht wohl selbst In seinen schweren Angeln jenes Thurms Portal, wo sich die ungeheu're, düst're Orakel-Glocke schwingt, die nur ertönt Bey eines Fürsten Tode, oder wenn Die Stadt ist in Gefahr, nur Ahnungen Furchtbarer Dinge dumpfer weiter tönend. Mög' ihre Pflicht sie thun, und dieses Läuten Ihr ahnungsvollstes aber letztes seyn. Ha, töne! bis der stärkste Thurm erbebt!— Doch wie?— Noch alles stillb— Ich würdoe geh'n, Allei Der Getr Verh Und Den Denm In d D'ru Dem Er k Was Hat Nun d'rüber ferner m Ce- nicht len— Bote n seyn, nd. Läuten bebt!— h würdo 45 Allein mein Platz ist hier, der Mittelpunkt Der Wiedereinigung, der nur zu oft Getrennten Elemente, welche solche Verbindungen erzeugen so zu seyn, Und wenn'’s zum Kampfe kömmt, den Schwa- chen, wie Den Schwankenden hier wieder fest zu hal- ten. Denn wenn sie ſechten sollten, würde hier, In dem Pallast, der Streit am dicht'sten wer- den. D'rum muſs mein Posten dieser seyn, so wie's Dem ersten Führer ziemt.— Doch horch!— er kommt! Er kommt der Bote meines braven Neffen!— Was wird er bringen P Ist er vorgerückt 5 Hat er so sehr geeilt?—(die Eintretenden er- blickend) Sie hier!— Verloren Nun alles!— Doch, noch Ein Versuch ge- wagt. Achter. Auftritt. Der Doge. Ein Signor di Notte ²) (tritt mit Machen ein). Sign. di Nolke. Ich nehm' Euch wegen Hochverrath gefan- gen! Doge. Mich— Deinen Fürsten— wegen Hochver- rathb— Wer sind die, welche unter dem Belfehl Es wagen, ihren eigenen Verrath Zu bergen 5 SCign, di Volle. (ihm den schriftlichen Befehl vorzeigend.) Seht hier den Befehl der Zehn, Die schon versammelt. Vers« Berat Den Und Zu l⸗ Vers: Kann Cew Im 1 So W Ich gefan- end.) 45 Doge. Wo sind sie, weshalb Versammelt? Nicht gesetzlich kann solch eine Berathung seyn, wenn nicht der Fürst dabey Den Vorsitz führt,„und das ist meine flicht. Und Deine ist's, das sag' ich Dir, mich geh'n Zu lassen, oder zu dem Zimmer der Versammlung zu geleiten. Sign di Notte. Herzog! das Kann nicht gescheh'n. Auch sind sie nicht in dem Gewohnten Saal des Rathes, sondern sitzen Im Kloster Sankt Salvador jetzt zu Recht. Doge. So wagt Ihr's ungehorsam mir zu seyn Sign. di Votte. Ich dien' dem Staat, und muſfs ihm treulich . dienen, Es leistet mir Gewähr der Wille derer, Die d'rin gebieten. Doge. Und bis die Gewähr Mit meiner Unterschrift verseh'n, ist sie Ungültig, und, wie jetzo angewendet, Rebellisch.— Hast Du Deines Lebens Werth Auch wohl erwogen, daſs Du's wagst ein sol- ches Geschäft zu unternehmen gegen das Gesetz? Sign. di Notte. Es ist nicht meine Pflicht zu sprechen; zu handeln blos. Ich bin als Wache Deiner person hier angestellt, nicht um als Richter Zu hören oder zu entscheiden. Dogeèe(bey Seite). Ich Mufs Zeit gewinnen.— Wenn die Glocke stürmt (laut Miet. Cew Euch Nun Für Auf Wer Zum Verl Werth in sol- chen; Wache chter Glocke 47 Kann alles gut noch geh'n— Mein Neffe!— eile!— O eile— eile! Unser Schicksal schwanket Jetzt in der Wage, und besiegt seyn wär' Verderben! Jetzo gilt es: Fürst und Volk— Senat und Sclaven— (Man hört die gro ſse Glocke von Sankt HMarkus läuten) Still!— es tönt— es schallt! (laut) Hörst Du, Sigunor di Notte? und Ihr andern Miethlinge, die Ihr Eure käuflichen Gewehre furchtsam tragt, die Glocke tönt Euch Tod! Schwell' höher an du, lust'ger Klang! Nun, Buben, was gebt Ihr mir Lösegeld Für Euer Leben? Gign. di Notte. Ha! Verwirrung! Bleibt Auf euern Posten und bewacht das Thor. Wenn diese fürchterliche Glocke nicht zZum Schweigen baldigst wird gebracht, ist alles Verloren!— Hat der Hauptmann seinen Weg Verfehlet, oder stiefs ein Hindernifs Unvorgeseh'n, und böser Art ihm aufd— Anselmo, eil' mit Deiner Compagnie Grad' in den Thurm; die übrigen und ich, Wir bleiben hier. (Ein Theil der Mache geht ab). Doge. Unglücklicher! wenn Du Dein schlechtes Leben Dir erhalten willst, So fleh' darum; nicht sechszig Athemzüge Sind jetzt noch Dein! Ha, sende Deine schnö- den Banditen nur hinweg, sie werden nimmer Zurück mehr kehren. Sign. di Notle. Mögen sie! dann sterben In ihrer Pflicht sie, wie auch ich es werde. . Doge. Du Thor! der hohe stolze Adler fliegt Nach edlerm Wild, als Du und diese niedern Durc Und Ertra Zu 8. Gefar Das Die Auf i Ersch Nun Jetzt ich, terben verde. niedern 49 Pygmäen sind.— So lebe, wenn Du nicht Durch Widerstand selbst die Gefahr herbey ruf'st, Und lerne— wenn so dunk'’le Seelen es Ertragen können in der Sonne Glanz Zu sehen— frey zu seyn. Sign. di Votte. Und lerne Du Gefangener zu seyn.(die Sturmglocke schweigt) — Es hat geendet Das staatsverräth'rische Signal, womit Die blutbegier’ge Meute ward gehetzt Auf ihren edlen Fang.— Die Todesglocke Erscholl, doch die nicht des Senates. Doge(nach einer Pause). Alles Nun still— und alles nun verloren! Sign. di Notte. Doge Jetzt zeig' mich als Rebellensclaven dein 22. D Rebellenrath doch an!— Hab' meine Plflicht Ich nicht gethan? Doge. Sey ruhig, Ding! Du hast Gar würd'ge That vollbracht, und eingeärnd- tet Den preis des Blut's, und die, die Dich ge- brauchten, Sie werden Dich belohnen. Doch, Du wur- dest, Wie eben Du gesagt, zum Wachen, nicht Zum Schwatzen abgesendet— nun, so thu- Denn Deine Pflicht, doch schweigend, wie's Dir ziemt, Denn obschon Dein Gefang'ner, bin ich doch Dein Fürst. Sign. di Notte. Es war mein Wille, nie an dem Respect, den Euerm Rang ich schuldig bin, Zu fehlen. Darin werd' ich Euch gehor- chen. Nun Zu s Erfol In d 82 Die Im 4 Wo Vom Pflicht nast ngeärnd. Dich ge- Du wur- nicht — thu' d, wie's ich doch dem ig bin, h gehor- Sind alle Wege zum Pallast gesichertt 51 Doge(bey Seite). Nun bleibt mir nichts mehr übrig, als Zu sterben.— Und so nahe doch schon am Erfolge! Gern und stolz wär' ich gefallen In des Triumphes hoher Stunde, doch ihn So zu verlieren—! Neunter Auftritt. Die Vorigen. Andre Signori di Molte ktreten ein, und bringen Bertauccio Fa⸗ liero als Gefangnen. Zuwegten Sign. di Notte. Wir ergriffen ihn Im Augenblick als aus dem Thurm er kam, Wo man auf sein Ceheis, als abgesendet Vom Dogen, das Signal ertönen lassen. Erster Sign. di Notte. 5² Zwegter Sign. di Notle. Sie sind's: Doch thut's nicht Noth, denn alle Führer Sind schon in Ketten, einige sogar Schon vor Gericht. Den Trofs hat man zer- streut, Und viele sind geſangen. Bertuccio. Ohm! Doge. Es ist Vergebens, mit dem Glücke sich zu streiten: Der Ruhm hat treulos unser Haus verlassen. Bertuccio. Wer hätte das vermeint?— Ach! einen einz- sen Moment nur früher! Doge. Der Moment, er hälte Ich Wi CGes Bis denn alle man zer- streiten: erlassen. inen einz- er hälte 5³ Das Antlitz von Jahrhunderten verändert; Der jetz'ge sendet uns zur Ewigkeit.— Wir wollen ihm entgegengeh'n wie Männer, Die zwar durch glücklichen Erfolg Triumph Nicht feyern, doch des Innern Herrscher blei- ben, Und jegliches Geschick mit Muth ertragen.— Sey nicht so traurig, nur ein kurzer Gang Ist's ja.— Ich ging ihn gern allein, doch wenn Sie uns, wie's wohl geschehen kann, zusam- men Zu gehen heiſsen, so lafs' uns es würdig Der Ahnen und der eig'nen Ehre thun. Bertuccio. Ich werd' Euch keine Schande machen, Ohm! Ersten Sign. di Notté. Wir sind befehligt, edle Herrn, Euch in Gesonderten Cemächern zu bewahren, Bis Euch der Rath bescheidet vor Gericht. Doge. Gerichtb— So wollen sie denn ihren Scherz 54 Bis zu dem letzten Augenblicke treiben? Mt v Doch lafs sie über uns Gericht nur halten, Wie wir's gehalten hätten über sie, Zu 15 Mit minder'm Pompe blos. Es ist ja nur Gesch Ein Spiel um Wechselmord; auf wen das Wird Loos Des frühern Todes falle, und sie haben Und! Mit falschen Würfeln es gewonnen.— Wer Zunzc War unser Judas? Die 3 Desha ..„ Indess Erster Sign. di Notte. Iäen .. TarpeI Ich bin nicht beauftragt pe. Zur Antwort d'rauf. Bertuccio. Verra Ich will es thun für Dich.— Es war dies ein gewisser Bertram, der Er re So eben in geheimer Rathsversammlung Was Bekenntniſs ablegt. Doch Doge. E Bertram! der Bergamaske!— dich.— aske!— 5⁵ Mit welchem schlechten Werkzeug wir doch wirken, gu tödten oder zu erhalten!— Dieses Ceschöpf, von doppeltem Verrath geschwärzt, Wird Dank und Ehrenstellen nunmehr ärnd- ten, Und hoch gepriesen seyn in der Ceschichte, Zunächst den Gänsen auf dem Capitol, Die schnatterten bis Rom erwachte, und Deshalb alljährlichen Triumph begingen, Indessen Manlius, der niederwarf Die Gallier, herabgestürzt ward vom Tarpej'schen Felsen Erster Sign. di Notte. Dieser brütete verrath, und wollte herrschen in dem Staate. Doge. Er rettete den Staat, und wollte nur Was neu belebt er hatte, auch verbessern.— Doch wozu dies?— Thut, Euer Werk, Ihr Herrn! Erster Sign. di Notte(zu Bertuccio). Wir müssen in ein inneres GCemach Euch bringen. 56 Berltauccio. Lebet wohl denn, Oheim! Ob Wir uns in diesem Leben wiederfinden, Das weils ich nicht, doch lassen sie vielleicht Sich uns're Asche wiederum vereinen. Doge. Ja wohl, und uns're Geister, welche vorwärts Sich schwingen werden, zu vollbringen, was Der schwache Leib, so schwer belastet, nicht Vermochte! Ganz verlöschen können sie nicht das Angedenken derer, die Von ihren schuldbefleckten Thronen sie Herabgestofsen hätten, und es findet Solch Beyspiel Erben, wenn auch erst dereinst. Ende des oierten Aufzugs. 222 Di 57 ————————————:nê-A-— 0Ob elleicht Fünfter Aufzug. orwärts „ was , nicht Erster Auftritt. . Die Halle, worinn sich der Rath der Zehn dereinst. nebst den übrigen Senatoren versammelt hat, die bey dem Gericht über den Zer- rath des Marino Faliero die Giunta bil- den.— Wachen. Hauptleute, u. 5. w.— 5 Erael Bertuccio und Philibp Ca- lendaro als Gefangene.— Rertran und Llonl als Zeugen.— Andre Zeugen. Benintende(der Oberste der Zehn). Nach Ueberführung so gehäufter, wie Veröllentlichter Ungebührnisse, Bleibt nun nichts übrig, als den Rechtsspruch über Die Bösverhärteten zu sprechen. Wohl Ein trauriges Geschäft für die, die hören Und die, die sprechen. Ach! dafs ich be. stimmt Bin es zu thun! und dafs die Tage meiner Verwaltung dieses Amts gebrandmarkt werden Zu Durch alle Jahre künft'ger Zeit als Träger Wii Des Angedenkens dieser schändlichsten Bek Und tiefverschlungensten Verschwörung, Viel Entgegen einen Staat, gerecht und frey, Der ganzen Welt bekannt als Bollwerk wider Die Saracenen und abtrünn'’gen Griechen, Die wilden Hunnen und nicht mildern Fran- ken; Zu Und eine Stadt, die Indiens Schatz geöffnet Den Europäern, Roma's letzte Zuflucht Vor Altila's gewalt'ger Ueberschwemmung, Die Königin des Oceans, des stolzen Genua's stolz're Nebenbuhlerin!— Und um den Thron von einer solchen Stadt Dur Zu untergraben, wagten und verwirkten Ver Ihr werthlos Leben diese Schändlichen. Der So lafst sie sterben! . Vor ZErael Berkucclo. Ges Wir sind vorbereitet; tsspruch Es thaten Eure Foltern dies für uns. So laſst uns sterben. 1— en. ich be. Benintende. iner Wenn Ihr etwas werden Zu sagen habt, zur Mind'rung Eurer Strafe, ger Wird Euch die Giunta hören, wolltet Ihr Bekennen, ist die Zeit jetzt dazu da, Vielleicht kann es Euch nützen. , „ wider Irael Bertaccio. en, rn Fran- Wir sind hier Zu hören, nicht zu sprechen. Benintende. Voll bewiesen Stadt Durch Eure Mitgenossen sind schon Eure Verbrechen, jeder Umstand ist erörtert, Der sie bestät'gen konnte, doch wir wün- schen Von Euern eig'nen Lippen unumwund'nes Geständnifs der Verrätherey zu hören. Am Rand' des fürchterlichen Abgrund's, den 6⁰ Kein Mensch zurückemifst, kann blos die Wahrheit Auf Erden wie im Himmel, Euch noch hel. fen. So sprecht denn, was war der Bewegungs. grund p ISrael Bertucclo. Gerechtgkeit! Benintende. Und was war Euer Zweck? ISraeld Berticclo. Die Freyheit. Benintende. Ihr seyd kurz. Erael Bertucclo. So wie mein Leben. Ich ward zum Krieger, zum Senator nicht Erzogen. Toll Best Ver Ich Ver Den Unc Sie Uns Ein Zer blos die noch hel- ewegungs- Fveck? in Leben. nicht Benintende. Meynt Ihr etwa durch diese Tollkühne Kürze Eure Richter zu Bestürzen, dafs den Urthelsspruch sie noch Verschieben? Erael Bertntccio. Seyd so kurz wie ich, und glaubt, Ich werde solche Huld vorziehen Eurer Vergebung. Benintende. Ist dies alles, was Ihr vor Dem Tribunal zu sprechen habt? Frael Bertuccio. Geht nur Und fraget Eure Foltern, was aus uns Sie denn herausgeschraubet, oder spannt Uns noch einmal darauf: es ist uns noch Ein Tropfen Blutes übrig, und in diesen Zerriſs'nen CGliedern noch ein leis Gefühl 6² Für Qual. Allein dies wagt Ihr nicht zu thun, Denn, wenn wir dort Euch stürben— und Ihr liefset Uns wenig Leben nur noch übrig, um Auf Euern schon von Martern satten Leitern Es zu verhauchen— so verlört Ihr ja Das öffentliche Schauspiel, womit Ihr Einschrecken wollt zu fern'rer Sclaverey Dann Eure Sclaven! Seufzer sind nicht Worte, Und Todesangst ist Eingeständnifs nicht, Noch die Bejahung Wahrheit, wenn das Zucken Der menschlichen Natur zu einer Lüge Die Seele übermannt, um Ruhe nur Für einen Augenblick sich zu erkaufen. Benintende. Wer war mit Euch verschworen? Erael Bertuccio. Der genat! Benintende. Was soll das heifsen? Darn Patrii 63 icht zu Zrael Bertuccio. 5 8 Volk Frag das arme Vo Darnach, das zum Verbrechen trieben Eure patrizischen Verbrecher. — und Bendintende. 12 Kennst Du Worte, Den Doge P G Erael Bertuccio. Unter ihm dient' ich zu Zara . Im Feld, als Euern Weg Ihr fort Euch schwatztet 4 Zu Eurer jetz'gen Stelle: uns're Leben, Wir setzten sie daran, indefs Ihr nur Das Leben and'rer wagtet, gleich, ob durch Vertheid'gung oder Klage. Ueberdies Kennt ganz Venedig seinen Dogen durch Sein Heldenthum und des Senat's Beleid'gung. enat! Benintende. Zusammenkünfte hieltet Ihr mit ihm? 64 Erael Bertuccio. Ich bin es müd'— ja, müder Eurer Fragen Als Eurer Martern— seyd so gut und sprecht Das Urtheil. Benintende. Es wird kommen.— Und nun Ihr, Filippo Calendaro, was habt Ihr zu sagen, Um Euch der Strafe zu entzieh'n? Calendaro. Ich war Niemals von vielen Worten, und auch jetat Hab' nichts ich, das der Mühe werih, zu sagen. Benlntende. Nochmaliger Gebrauch von jener Folter dürfte Wohl Euern Ton ein wenig ändern. Calendarno. Ja, Das dürft' er wohl, schon früher that er es, Docl Nich Wär Erpr We Besc Auf 65 Doch wird er meine Wonte deshalb doch Nicht ändern, oder wenn er's thät'— Fragen sprecht Benirntende. Nun denn? Calendano. nun Ihr, Wär' mein Geständnifs, von der Folter mir gen, f Erpreſst, geselzlich gültig? Benintencdle. Ohne Zweiſfel. 1; Calendaro. h jetzt erih, zu Wer auch der sey, den ich des Mitverraths Beschuldigte? Benintende. er dürfte Sogleich auch vor Gericht Wird er gezogen. Calendaro. Und zum Tod' verurtheilt er es, Auf dieses Zeugniſs? 22. E Benintende. Wenn genau und g'nügend Des Ihr das Bekenntniſs ablegt, wird er hier Une In dringender Gefahr des Lebens stehn. 3 Euc Calendaro. Ua Dann hab' wohl Acht auf Dich, Herr bräsi. de dent! Denn bey der Ewigkeit, die vor mir liegt, 5 Schwör' ich, dafs Du, und einzig Du, nur Ent Du 4 8 Sollst der Verräther seyn, den auf der Folter Der Ich nennen werde, wenn zum zweytenmale Une Man d'rauf mich spannt. 4 Einer von der Giunta. Es wär', Herr Präsident, Am besten wohl, zum Urtheilspruch zu scehrei. ten, Denn nichts mehr doch gestehen diese ein. Lel An Benintende. Unglückliche! bereitet Euch denn vor lerr Präsi- liegt, Du, nur ler Folter enmale Präsident, zu schrei. ese ein. 67 zum schnellen Tod, denn dies Verbrechen selbst— Des Staates gegenwärtige Gefahr— Und das Gesetz, vergönnen keine Slunde Euch längern Aulschub. Wachen!— führt sie fort, Und auf dem Austrirt auf den rothen Säu- 3 len, Wo am geweih'’ten Dienstag 3), um die Jagd Der Stiere anzuseh'n, der Doge steht, Lafst sie den Tod erleiden. Auf der Stelle, Wo das Gericht vollzogen, sollen ihre Entseelten Glieder ausgestellt dann werden Dem ganzen Volke, das sich dort versam- melt—— Und Cott sey ihren Seelen gnädig! Die ganze Giuntæ. Amen! Wrael Bertuccio. Lebt wohl, Ihr Herrn! Wir werden alle nicht An Einem Ort uns wiedersehn. Benintende. Und wenn 68 Sie es versuchen sollten, aufzuwiegeln Die Masse Volks, dann knebelt ihren Mund h) Selbst in dem Augenblick der Hinrichtung.— Jetzt führt sie fort!— Calendaro. Wie? nicht ein Lebewohl Für einen theuern Freund ist uns erlaubt, Noch mit dem Beichtiger ein letztes Wort? Benintende. Ein Priester wartet in dem Vorgemach, Doch, was die Freunde anbelangt, so wär' Solch' eine Unterredung peinvoll nur Für sie, und nutzlos ganz für Euch. Calendaro. Ich weiſs Wohl, dafs wir schon geknebelt sind im Le. ben, Zum mind'sten die, die nicht den Muth be⸗ sitzen, Ihr Leben d'ran zu wagen, um Gedanken Frey zu bekennen, aber dennoch hofft' ich, Daſs Diese Zu 8. Auch So la Mein Auch Den EsS W Zum Von Ein g Gespr Sie zi Noch In Fr Gedar Nach Mund 4 ung.— ebewohl ubt, Vortd wär’ weiſs d im Le- Muth be- aken t' ich, Dafs in den leizten wenigen Minuten Dieselbe unverfängliche Erlaubniſs Zu sprechen, die man Sterbenden vergönnt, Auch uns versagt nicht würde seyn, doch seit— Israel Bertuccio. So lafs sie ibhren eig'nen Weg doch geh'n, Mein braver Calendaro! Was ist's denn Auch um so ein Paar Sylben? Lafs uns ohne Den kleinsten Hauch der Gunst von ihnen sterben, Es wird dann um so eher unser Blut Zum Himmel steigen gegen sie, und besser Von ihrer Hlärte Zeugnifs geben, als Ein ganzes Buch von unsern Sterbe-Worten Gesprochen oder aufgeschrieben thät. Sie zittern, wenn wir sprechen— mögen sie Noch stärker unser Schweigen fürchten — lals In Furcht sie leben!— Uebergib sie ihren Gedanken, und laſs uns die unsern jetzt Nach oben richten.— Führt uns, Wir sind ſertig. 69 7⁰ Calendarno. Hätbst Du auf mich gehört nur, Israel, Es wär' nicht so mit uns gekommen; jener Blafsangestrich'ne Schuft, der feile Bertram— Frael Bertuocio. Sey ruhig, Calendaro; warum noch So etwas überlegen? Bertram. Ach! ich hoffte Ihr solltet ausgesöhnt mit mir dahingeh'n. Ich strebte nicht nach dem Ceschäft: es ward Mir aufgezwungen. Sagt mir, dafs Ihr mir Vergebt, ob ich schon selbst mir nimmer- mehr Vergeben kann.— O! zürnt nicht so mit mir! Wrael Bertuccio. Ich sterbe und verzeih'! Vera Verb Daſs Verrà Noch Bewe Verſæ Here- Calendaro(nach ihm Spuckend). 1 Ich sterbe und jener Verabscheu' Dich. ertram—„.—. (Wachen führen Israel Bertuccio und Ca- lendaro ab.) Zweyter Auftritt. Die Vorigen, ohne die Abgegangenen. eh'n. chäft: es. 5 Henintende. hr mir—. Senimmer. Nachdem wir über diese Verbrecher nun gerichtet, ist es Zeit, 1t So mit Dafs wir ein Urtheil fallen über der Verräther gröfsten, welchen die Annalen Noch je gezeigt, den Doge Faliero. Beweise sind genug vorhanden; schnelles Verfahren fodern Zeit und That. Soll er Hereingerufen werden, um sein Urtheil Zu hören 9 Die Giunta. Ja. Benintende. So lafst den Dogen bringen Vor das Gericht. Einern aus der Giuinta. Und wann wird man die andern Verhören d Benintende. Wenn man mit den Führern fertig. Entfloh'n sind einige zwar nach Chiozza, Doch werden sie von Tausenden verfolgt, Und auf dem festen Lande, wie den Inselu, Sind so viel Vorsichtsregeln angewendet, Dafs keiner uns entwischen wird, um sein Geschwätze von Verrath an dem Senate In fremdem Lande schimpflich zu verbreiten. Die Da i Und Als Die Vom Selbs Nich Verr. Die, Cewe Den War Auskfi Bewe bringen ie andern ern fertig. za, lgt„ nselu, et, sein te breiten. Dritter Auftritt. Die Vorigen. Wachen bringen den Do- gen, als Gefangenen. Benintende. Da ist er!— Doge! denn der bist Du noch, Und mufst nach dem Gesetz gehalten wer- den Als solcher, bis die Stunde kommen wird, wo Du Die herzogliche Mütze nehmen mufst Vom Haupt, das eine Krone, welche edler Selbst Kaiserreiche nie verleihen können ,3½ Nicht tragen konnt' in ruh'ger Ehre, sondern Verrath anspinnen mufste, um zu stürzen Die, Deines Gleichen, Dich, zu dem was Du Geworden, machten, und in Blut zu tauchen Den Ruhm von dieser Stadt.— In Deinem Zimmer Ward Dir von den Avogadori ganz Ausführlich alles vorgelegt, was an Beweisen gegen Dich erschienen ist, 74 Und wie dergleichen überzeugender Nie ihre blut'gen Schattenbilder zeigten, Um einen Staats-Verräther zu verdammen. Was habt Ihr anzuführen noch zu Eurer Vertheidigung P Doge. Was kann zu Euch ich sagen, Da mich vertheid'gen Euch verdammen heiſst? Ihr seyd zugleich Beleidiger und Kläger, Seyd Richter und auch Henker!— Fahrt nur fort Nach Eurer Macht. Benintende. Gestanden haben Eure Hauptmitgenossen, keine Hoffnung gibt Es mehr für Euch. Doge. Und wer sind sie? Benintende. An Zahl Gar Vor Aus Neir Und Daſs Une Nun Für 75 Gar viele. Doch der erste stehet hier * vor Euch in dem Gerichtshof, Bertram dort, aen. Aus Bergamo.— Wollt Ihr ihn noch be- 5 fragen? Doge(bliokt ihn verächtlioh an). Nein. sagen, heiſste. heilst? Benintende. . ahrt nur Noch zwey and're, Israel Bertuccio Und Calendaro haben eingestanden, Dals mit dem Dogen sie Verrath geschmiedet- Doge. Und wo sind sie? Benintende. An ihren blatz gegangen, Nunmehr dem Himmel Antwort zu eertheilen Für das, was sie auf Erden thaten. Doge. Ha! 76 Ist er dahin, der Brutus der Plebejer? Sie Der schnelle Cassius vom Arsenal!— In i Wie nahmen sie ihr Urtheil auf b Noc 70 Henintende. der Denkt an An Das Eurige, es naht sich schon. So wollt 4 Ihr Euch denn nicht vertheidigen? Nur Auf Doge. Zur 9 Zul Ich kann In Vor meinen Untergebenen das nie, Kann Eure rechtliche Gewalt mich zu Cen Verhören, niemals anerkennen. Zeigt Wa Mir das Gesetz! Benintende. Ven Bey wichtigem Ereigniſs Mufs das Gesetz man formen und erweitern. Ja, Es hatten uns're Väter eine Strafe Auf solch Verbrechen nicht bestimmt, so Aus wie Doc In den zwölf Tafeln Roms das Urtheil gegen Ruh Den Vatermord durchaus vergessen war. 77 1 sie konnten das nicht peinlich machen, was In ihren groſsen Seelen weder Namen Noch selbst Gedanken hatte. Wer wohl konnte Voraussehn, dafs Natur zu solcher Unthat sich je vergessen könnte, wie sie Söhne An Vätern, Fürsten üben an dem Staat? an So hat denn Eure Unthat ein Gesetz wollt Uns erst gegeben, das bestrafen wird Nun künftig solche Hochverräther, die Aufsteigen wollen durch Verrätherey Zur Tyranney, und mit dem Scepter selbst Zufrieden noch nicht sind, bis sie's inn In ein zweyschneid'ges Schwert verwandeln können. Genügte Euch des Dogen Platz denn nicht Was gibt es edler's, als Venedigs Herrschaft? Doge. Venedigs Herrschaft!— Ihr betrogt mich— (s Ihr! veitern. Ja, Ihr!— wie Ihr hier sitzt, Verräther Ihr! mt, 230 Aus meiner GCleichheit der Geburt mit Euch, Doch Ueberlegenheit an That, aus meinem 6 gegen Ruhmvollen Werk in fremdem Land— zur G See— Im Feld— in Städten— zogt Ihr mich— und laset Gleich einem Opferthier mich aus, um zwar Gekrönt, doch hülflos und gebunden, am Altar zu steh'n, wo Ihr allein die Priester. Ich kannte— suchte— wünschte— träumte nichts Von dieser Wahl, die mich zuerst in Rom Erreichte. Ich gehorchte, aber fand Bey meiner Ankunft schon, dafs aufser Der eifersücht'gen Wachsamkeit, mit der Ihr Eures Herrschers beste Absicht stets Verspottet und vereitelt, selbst noch in Der Zwischenzeit von meiner Reise bis Hieher, die kargen Privilegien, Die noch dem Dogen übrig man gelassen, Vermindert und verstümmelt worden. Ich Ertrug dies alles, hätt' es stets ertragen, Wär' nicht mein eig'nes Herz beſleckt dann worden Vom Schmutze Eurer Schändlichkeit, und er, Der Schimpfliche, den unter Euch ich sehe,— Ein würd'ger Richter in dem Tribunal— Benintende(ihn unterbrechend). Kraft seines Amts, als einer von den Vierzig, Ist Michael Steno hier. Die Zehn erbaten Patr In e Wie War Verl Der Er j. Von Und mich— zWar am 'ster. träumte Rom r der Vierzig, paten Sich vom Senate eine Giunta von patriziern, um unsern Urtheilsspruch, In einem Fall so schwierig und so neu, Wie dieser hier, zu unterstützen. Er Ward von der Strafe, die man über ihn Verhängte, freygesprochen, weil der Doge, Der die Gesetze schützen sollte, wenn Er jed' Gesetz zu untergraben strebt, Von den Statuten, die er selbst verletzt. Und höhnt, nicht Strafe fodern kann für and're. Doge. Die Ftiafe ihm!— Ich seh' ihn lieber hier, Wo jetat er sitzt, um meinen Tod auch ihm Auf's Herz zu wälzen, als in jenem Spott Von Züchtigung, den Euer schändlicher, Verstellter Heuchelschein von Recht als Ur- theil Ihm zuerkannte. Niedrig wie auch sein Verbrechen immer war, es war doch Reinheit Mit Euerm Schutz verglichen. Benintende. Und ist's möglich, 80 Dafs der erhab'ne Doge von Venedig, Mit drey Viertheilen eines Säkels Jahre Und Ehren auf dem Haupte, seine Wuth, Gleich einem bösgeword'nen Knaben so Kann gehen lassen, dafs sie jede Weisheit, Gefühl und Treu' und Furcht, bey solchem Anlafs, Vrie eines jungen Mannes lust'ge Laune, Besiegt? Doge. Ein Funken zeugt die Flamme: nur Vom letzten Tropfen rinnt der Becher über, Und meiner war schon voll. Ihr unterdrück tet Den Fürste wie das Volk, ich wollte beyde Befrey’n, und unterlag in Beyden. Clorreich Wär’ des Erfolges Lohn fürwahr gewesen, An Rach' und Sieg und einem Namen, der Erhoben hätte dieses Staats Geschichte, Zur Nebenbuhlerin von Syrakus Und Criechenland, als sie befreyt geworden Und viele Menschenalter dann noch blüh'ten, Und mich zu Gelon und zu Trasibul.— Allein es miſslang, und ich weils es wohl Mifsli Brand Wenr Bis de D'rum Gezei Auf e Mein Was Ia Mi Ihr k D'rau So la Und Dafs Das( th, heit, olchem 2, nur Becher erdrück- beyde lorreich sen, „ der hte, vorden lüh'ten, 1.— wohl Mifslingens Strafe ist der GCegenwart Brandmahl und Tod.— Einst wird die Zukunft richten, Wenn dieser Staat nicht mehr ist, oder frey. Bis dahin bleibt die Wahrheit aufgeschoben. D'rum zögert nicht. Ich hätte Mitleid nicht Gezeigt, und such' es jetzt auch nicht. Es war Auf einen mächt'gen Zuſall eingesetzt Mein Leben, da's verloren, nehmt denn hin, Was ich genommen hätte. Einsam hätte In Mitten Eurer Cräber ich gestanden, Ihr könnt Euch jetzt um meines schaaren, und D'rauf treten, wie Ibr's auf mein Herz ge- than So lang' ich lebte. Benintencle. So bekennt Ihr denn, Und erkennt unsers Richterstuhles Recht? Doge. Dafs es mir miſslang, das bekenn' ich blos. Das Clück, es ist ein Weib; mit seiner Gunst F 22. 8ν 82 Belchnt' es meine Jugend, und es war Mein Fehler, dafs ich noch im Greisen-Alter Auf jenes früh're Lächeln hoffen konnte. Benintende. So klagt Ihr uns're Billigkeit nicht an? Doge. Iur edlen Venetianer plagt mich nicht Mit Fragen! Auf das Schlimmste bin ich zwar Gefafst, doch fliefst in mir noch etwas von Dem Blut der stolzen Tage und ich bin Nicht zu geduldig. Darum bitt' ich Euch, Erspart mir fernere Befragung, die Zu gar nichts nützen kann, als ein Verhör Zu einer Zänkerey umzugestalten. lch werde nur Euch solche Antwort geben Die Euch beleidigt, Euren Feinden aber Gefällt, denn ich bin selbst ein Feind jetzt Euch. Zwar ist es wahr, es sollten diese düstern Gemächer hier kein Echo geben, aber, Auch Mauern haben Ohren— ja, noch mehr; Sie h Auch Zu s Dien Nicht Was Verne Zu g. Es in Begel Als d Verith Hätt' Denn Und Die 1 Darut Mich Und Mich Ihr k Ich l n-Alter 8. bin ich s von n uch, erhör geben ber ind jetzt tern r, a, noch 83 Sie haben Zungen, und wenn's für die Wahr⸗ heit Auch keinen andern Weg gäb' über sie Zu schreiten, würdet Ihr, ja, ja, Ihr selbst, Die mich verdammen, fürchten, tödten, doch es schweigend Nicht bis zu Euern Cräbern tragen können, Was Gutes oder Böses Ihr von mir Vernehmen würdet. Das Geheimniſs wär' Zu groſs für Eure Seelen. Darum lafst Es in der Meinen schlafen, oder Ihr Begebt Euch in Gefahr, die doppelt gröſser Als die, aus der Ihr jetzt entrinnt. So würde Vertheidigung von mir sich Euch gestalten, Hätt' volle Frey heit ich sie laut zu thun. Denn wahre Worte sind lebend'ge We- sen, Und von den Männern nah' am Tod, sind's Wesen, Die lange fort noch lebend oft sie rächen. Darum begrabt die meinen, wenn Ihr wünscht Mich noch zu überleben. Hört den Rath, Und ob Ihr schon in Unmuth nur zu oft Mich leben liefs't, lafst mich in Ruh' doch sterben. Ihr könnt mir das ja wohl bewilligen— Ich läugne nichts— vertheidige mich nicht— 84 Ich bitt' Euch auch um nichts, als nur um Schweigen Für mich, und Urtheilsspruch von Euch. Benintendle. 1 Dies volle Bekenntnifs sparet uns die bittere Nothwendigkeit die Folter anzuordnen, lhec Um alles wahrhaft von Euch zu erfahren. Die Doge. Die Folter! Ol Ihr habt mich schon darauf Sagt Gelegt, und täglich, seit ich Doge war. Sie f Doch wollt Ihr auch die körperliche Marter Annoch gebrauchen, thut es, diese Glieder Erliegen wohl dem harten Stahl aus Alter, Doch hier in meinem Herzen lebt etwas Das Eurer Folterkammern kräftig spottet. dies volle ren. darauf ar. Marter Tlieder Alter, was btet. Vierter Auftritt. Die Vorigen. Ein Hauptmann. Hauplmann. Ihr edlen Venetianer! Es begehrt Die Herzogin den Einlaſs zu der Giunta. Benintende. Sagt, Väter dieses Staats, soll man herein Sie führen P Einen aus der Giunta. Wichtige Entdeckungen Will sie vielleicht uns machen, darum dünket Es mich, dem Staats-Wohl angemessen, daſs Sie komme. Beninkende. Ist dies allgemeine Meynung? 86 Alle. Sie ist's. Doge. O ihr bewundernswürdigen Gesetze von Venedig! die ein Weib Ihr zulafst, in der schönen Hoffnung, dafſs Sie zeuge gegen ihren eig'nen Gatten! Für dieses Staates keusche Damen, welch' Ein Ruhm! Doch solche Läst'rer gegen alles Was Ehre heifst, wie hier zu Rathe sitzen, Sie thun ganz recht— die Damen herzurufen. Nun, niederträcht'ger Steno! wenn dies Weib Auch wankte, will ich Deine Lüge Dir Verzeih'n, und Deine Lossprechung und mei- nen Rechtlosen Tod und Dein gemeines Leben. daſs lch' n alles itzen, rzurufen. es Weib ir und mei- eben. Fünfter Auftritt. Die Vorigen. Die Herzogin(critt ein). Benintende. Frau Herzogin, das ordnungsmaäfsige Gericht beschlofs, ob das, was Ihr begehrtet, Schon Ungewöhnliches, es doch Euch zu Gewähren, und ein ruhiges Gehör Für das, was Euch dazu vermocht mag ha- ben, Mit jener Ehrfurcht, die wir Euern Ahnen Und Eurem Rang und Euern Tugenden Verschulden— doch, Ihr werdet blafs.— Gebt Acht Auf sie!— Geschwind ihr einen Sessel. Angiolina. Nur Ein Augenblick der Schwäche.— Es ist schon Vorüber. Ihr verzeihet mir, ich sitze In Gegenwart von meinem fürstlichen Gemahle nie, wenn er nicht sitzet. Benintende. Euer Begehren, gnäd'ge Frau? Angiolinæ. Es wurden mir Gerüchte hinterbracht, so sonderbar, Doch nur zu wahr, wenn alles, was ich höre Und sehe, Wahrheit ist, und so bin ich Cekommen um im schlimmsten Falle selbst Das Schlimmste zu erfahren. O, vergebt Den raschen Eintritt, allem was ich thue, Es ist— ich kann nicht sprechen— kann sie nicht Vorbringen meine Frage— doch Ihr gebt Mir Antwort, eh' ich sie noch sprach, mit Euern Trübabgewandten- Augen, dästern Stirnen— O Cott! dies ist das Schweigen ja des Grabes! Benintende(nach einer Pause). Ersparet uns und Euch die Wiederholung Der traurigsten, doch unerläſslichen Verpflichtung gegen Cott und gegen Menschen. Fraf Die Die Wi Ger Doc Abl Für 89 Angiolina. er Nein! Sprecht! Ich kann nicht— kann nicht — nein— noch jetzt Nicht diese Dinge glauben. Ist— ist er Verurtheilt? mir Benintende. ch höre Ach! ich selbst gebt Angiolina. thue, kaun sie Und war— und var er schuldig? Benintende. nen— Frau Herzogin! Wir müssen der Zerstreuung, s Crabes! Die so natürlich Euch den Geist verwirrt, Die Frage wohl verzeih'n, sonst wär' ein Zweifel, e). Wie dieser gegen ein gerechtes, hohes Gericht die schmählichste Beleidigung. lung Doch fraget nur den Dogen selbst: kann er Abläugnen die Beweise, o, dann haltet ihn lenschen. Für schuldlos so wie Euern eig'nen Busen. 90 Angiolina. Ist es dem sonb— Mein Herr!— mein Fürst — O Freund Von meinem armen Vater.— Mächtiger Im Feld, im Rathe Weiser, widerlege Was diese sagen!— Ha, Du schweigst! Benintende. Er hat Bereits die eig'ne Schuld gestanden, auch Verläugnèt er noch jeizt, Ihr sehts, sie nicht. Angiölina. Doch lasset ihn nicht sterben! Schonet noch Die wen'gen Jahre, welche Gram und Kum- mer Abkürzen werden bald zu Tagen nur! Ein Tag unglücklichen Vergeh'ns muſs nicht Fast sechszehn Lustern löschen, überfüllt Mit Edelthaten. Benintende. Was ihm zuerkannt Muls Erfül Er he Sie k In di Ist g Wen Diek Bestr n Fürst Er hat ch e nicht. noch d Kum- nicht illt 9¹ Muſs ohne Nachlaſs, ob an Zeit, an Strafe, Erfüllt nun seyn; es ist ein Urtheilsspruch. Angiolina. Er hat gefehlt, doch gibt's ja noch auch Gnade. Benintende. Sie kann nicht mit Gerechtigkeit besteh'n In diesem Fall. Angiolina. O Herr! wer nur gerecht, Ist grausam. Wer noch lebte auf der Erde, Wenn alle nur nach Recht gerichtet würden? Benintende. Die Sicherheit des Staats beruht auf seiner Bestrafung nur. Angiolinæ. Er war ein Unterthan 9² Und hat dem Staat gedient; er war Euch Feld- herr, Und hat den Staat gerettet; er ist Euch Fürst, Und hat den Staat regiert. Beninkende. Er ist Verräther, Und hat den Staat verrathen. Angiolind. Und doch hätte Es keinen Staat zu retten oder zu Verrathen, ohne ihn gegeben, und Ihr alle, die Ihr hier sitzt, auszusprechen Das Todesurtheil über Euern Retter, Ihr heultet jetzt an einer Ruderbank Der Moslems, oder grübt, gefesselt, in Der Hunnen Bergwerk. Einer den Giuinkc. Nein, es gibt noch solche, Die lieber stürben, als in Sklaverey Zu athmen. Da es Des I Du e Doch Schor Cebe Ich h Gewe Um( Erhal Für I Gewe ch Feld- zt Euch ſch hätte chen solche, Angiolinæ. Cibt's in diesen Mauern solche, Gehörst Du nicht dazu; der wahre Brave Ist gegen den Geſallenen voll Grofsmuth.— Ist keine Hoffnung Benintende. Herzogin! Es kann Nicht seyn! Angiolina(zum Dogen sich wendend). Dann stirb, mein Faliero! stirb! Da es so seyn mufs, aber mit dem Geiste Des Freundes meines Vaters. Schuldig hast Du einer grofſsen Unthat Dich gemacht, Doch dieser Männer Härte hat sie halb Schon wiederum verlöscht. Ich würde sie CGebeten,— angefleht— gebettelt würde Ich haben, wie Verhungerte um Brod,— Gewein't, so heifs wie sie zu ihrem CGotte Um Gnade einst, und hätte Antwort d'rauf Erhalten, wie sie Antwort geben— wär's Für Deinen Namen und für meinen ziemend Gewesen, hätte nicht die Grausamkeit 9³ 94 In ihren kalten Blicken schon die inn're Hartherz'ge Wuth verkündet. So ergib Dich als ein Färst denn in Dein herbes Schicksal. Doge. Zu lang' lebt' ich, um sterben nicht zu wis. sen! Die Bitte wär' an diese nur das Blöcken Des Lammes vor dem Schlächter, nur der Schrey Des Schiffers an die Woge. Selbst ein Leben Für Ewigkeit möcht' ich nicht nehmen, wenn Es dieser Buben Hände mir gewährten, Aus deren ungeheuern Frevelthaten Ich Nationen suchte zu befrey'’n, Laut jammernd. Michael Steno. Doge, noch ein Wort mit Dir Und dieser edlen Frau, die schwer ich habe Beleidigt. Könnte Kummer und Sorge Und Scham und Reue meinerseits verülgen Das, ach! unwiederrufliche Vergang'ne! Doch, da das nicht geschehen kann, so laſst Als In F Vera Und Hoch Jetzt Als Sag' In de Nicht Für Ihn a Ich i Ich t In m Doch Verlo Nie e Der n Zu n herbes zu wis- en nur der a Leben n, wenn „ mit Dir h habe 95 Als Christen Lebewohl uns sagen und Iua Frieden. Tief zerknirscht begehre ich Veraeihung nicht, nur Mitleid noch von Euch, Und wag’, ob schwach, um beydes doch zu bitten. Angiolina. Hochweiser Benintende, erster Richter Jetzt von Venedig, lafs zu Dir mich sprechen, Als Antwort auf die Rede dieses Mannes. Sag' dem Entarteten, dafs seine Worte In dem Gemüth der Tochter Loredano's Nichts würken konnten, als ein kurzes Mitleid Für einen Mann gleich ihm. O, daſs doch and're uch nur so verachtet hätten, wie hm mein Mitleid schenke. Meine Ehre ziehe Ich tausend Leben vor, wenn sie gehäuft In meinem werden könnten, möchte aber Doch nicht ein einz'ges Leben anderer Verloren seh'n für das, was Menschliches Nie anzutasten mächtig— den sSinn für Tu- gend, Der nicht auf das, was guten Namen man Zu nennen pflegt, als Lohn blickt, sondern nur Ihn a 1 Ich 96 Auf Tugend selbst. Der Spötter Worte wären Mir, was der Wind dem Felsen. Da es aber— Ach! Geister gibt, die leichter aufzureitzen, Auf welche solche Dinge wirken, wie Der Wirbelwind auf die Gewässer, Seelen, Für die der Schatten einer Unehr' wird zZum Wesen selbst, das ihnen schrechlicher Als Tod ist hier und jenseits, Männer, deren Verbrechen ist, bey des Verbrechers Spotten Hochaufgeregt zu werden; Männer, welche Ob unbestechlich gegen jedes Schmeicheln Der Freude, jeden Dolch der Pein, doch schwach sind, Wenn der erhab'ne Name, welchem all' Ihr Hoffen sie vertrauten, angehaucht wird, So eifersüchtig wie der Adler auf Ihr Felsennest, so lafst das, was wir jeizt Hier seh'n und fühlen und erdulden, eine Belehrung seyn für die Verworfnen, welche Von jenen in dem Unmuth oft mit Wesen Aus höher'’n Ordnungen verwechselt wurden. Insekten brachten schon vordem den Löwen Zum rasen; einem Pfeil in seiner Fers' erlag Der Tapferste der Tapfern; eines Weibes Entehrung gab den Untergang von Troja, Und die Entehrung eines Weibes trieb Die Könige für immerdar aus Rom; Es fi Die Nach Ein 1 Calig Die! Zur 1 Durc In 2y Geſãl Gefal- Acht! Entkr Sein! Gesch Gleic Verbr D'rau Ein 8 Ihm Die le Der, Nicht 22. e wären Da es itzen, elen, d licher r, deren potten elche Löwen . s' erlag eibes Es führte ein beleidigter Gemahl Die Gallier nach Clusium und dann Nach Rom, das unterging für ein'ge Zeit; Ein unanständiges Bewegen raubte Caligula das Leben, während doch Die Erde seine Grausamkeit noch hegt; Zur maurischen Provinz ward Spanien Durch einer Jungfrau Schimpf, und Steno's Lüge, In zwey nichtswürd'gen Zeilen aufgeschrieben, Gefährdet hat sie jetzt Venedig, in Gefahr gestürzet den Senat, der ruhig Achthundert Jahre lang gestanden, hat Entkronet einen Fürsten, abgeschlagen Sein kronenloses Haupt und neue Fesseln Geschmiedet für ein jammernd Volk.— Lafst denn, Gleich jenem Höfling, der Persepolis Verbrannte, auch dem armen Bösewicht D'rauf stolz seyn, wenn's ihm so geſfällt— es wWare Ein Stolz der seiner würdig! Aber laſst Ihm nicht, selbst durch den Andrang seiner Bitten, Die letzten Stunden eines Mannes trüben, Der, was er auch jetzt ist, ein Held doch war. Nichts Gutes kann aus solcher Quelle kommen, 22. C — 98 Noch wollen jetzt noch je von ihm wir etwas. Wir überlassen ihn sich selbst, der tiefsten Tiefe Der menschlichen Erniedrigung:; Verzeihung Ist nur für Menschen, für Insekten nicht,— Wir haben keine, aber auch nicht Groll Für Steno. Wesen, ihm gleich, müssen ste- chen, Und höh're Wesen dulden. Das ist einmal Gesetz des Lebens. Wen die Schlange sticht zZum Tod, der kann sie wohl zertreten, doch Er fühlt nicht Zorn. Es war des Wurm’s Natur. Und manche Menschen sind an Seele Wür- mer, Mehr als die Dinger, die in Gräbern leben. Doge(zu Benintende). Erfüllet, Herr, was Eure Pflicht Ihr glaubt. Benintende. Eh' wir der Pflicht Genüge leisten können, Ersuchen wir die Herzogin, zu scheiden: Es würde sie zu sehr erschüttern, Zeugin Davon zu seyn. Mut Ich We Ja * Ges lch In r Mar Ven Sena Des Ven Mit Verr Und 99 etwas. Angiolina. niefsten Ich weiſs es wohl, und doch ung Muſs ich’s erdulden, denn es ziemt mir so. 9t,— Ich will nicht weichen von des Gatten Seite, Wenn nicht Gewalt von ihm mich reifst.— Fahrt fort! n ste- Ja, fürchtet nicht Geschrey, noch Thränen, einmal 4 oder sticht Gestöhn; ob auch mein Herz mög'’ brechen, „ doch werd' Wurm's lch still doch seyn.— So sprecht!— Ich habe das 2 Wür- In meiner Brust, was allem andern obsiegt. tben Beninkende. Marino Faliero, Doge von Venedig, Graf von Val di Marino, laubt. Senator, und vordem der Flotte wie Des Kriegsheers General, auch Nobile Venedigs, oft, und viel betraut vom Staate Mit hohen Aemtern, ja, selbst mit dem höch- G nen, 4 sten; 3 en: Vernimm den Urthelsspruch. Durch viele Zeu- di e Und andere Beweise, wie durch eig'nes 100 Geständnifs, überführet des Verbrechens Der Staatsverrätherey und Hochverraths, Wie noch bis heut' sie nicht gehört sind wor- den,— Verurtheilt Dich der Ciunta Spruch— zum Tode. Dem Staate fallen Deine Güter heim, Dein Name wird verlöscht aus der Erinn'rung, Bis auf den Tag des öffentlichen Dankes Für diese wunderbarlichste Befreyung, Wo man in den Kalendern Dich bemerkt Bey Erderschütterung, Pestilenz und Feinden Von aufsen, und den andern Landesplagen, Als Gegenstand der dankerfüllten Messen, Dem Himmel dargebracht, der unser Leben Und Land von Deiner Bosheit hat errettet. Die Stelle, wo bey Deinen hochberühmten Vorfahren Du gemalt einst werden solltest, Als Doge, bleibe leer, ein schwarzer Schleyer Verbreite sich darüber, und darunter Sey's eingegraben, finstern Worts: Der Platz „Gehört Marino Faliero, welcher Enthauptet wegen seiner Vergehungen.“ Doge. Vergehungen?— Und welche? Wär's nicht 8 5 besser, d wor- — zum n'rung, kt inden gen„ st, hleyer Platz nicht 101 Dort gleich die Thaten selber zu erzählen, Damit doch, wer es lies't, was hier gescheh'n, Belobe, oder doch zum mind'sten wisse Woher entstand, was Ihr Verbrechen nennt! Wenn der Betrachter weiſs, daſs sich ein Doge Verschworen hat, lafst ihm die Ursach' auch Erfahren— dies ist Euere Geschichte. Benintende. Die Zeit allein mufs darauf Antwort geben. Einst werden uns're Söhne richten über Der Väter Urtheil, das ich jetzt verkündige. Als Doge, im herzoglichen Gewand, Wird man von hier Dich zu der Riesentreppe Geleiten, wo gleich Dir, all' uns're Fürsten Bestallt sind worden. Dort, am selben Ort Wo Dir die Herzogskrone aufgesetzt Ist worden, wird man wieder ab sie nehmen, Und dann das Haupt abschlagen Dir: und gnädig Mög' Gott auch Deiner Seele seyn. Doge. Ist dies Der Giunta Urthelsspruch? 102 Benintende. Er ist's. Doge. Ich werde Ihn willig dulden— Und die Zeit? Benintende. Es drängt Der Augenblick.— Mach' Deinen Frieden denn Mit Gott. In einer Stunde Frist steh'st Du Vor ihm. Doge. Ich bin bereit, und steigen wird Mein Blut zum Himmel eh' als deren Seelen Die's jetzt vergiefsen.— Fallen meine Güter Dem Staate alle heim 5 Benintende. So ist's; und Geld 103 Und Schmuck und jede Art von Schatz, bis auf Zweytausend Stück Dukaten— über welche Du frey bestimmen kannst. Doge. Das ist wohl hart! Ich hätte doch so gern die Ländereien Nah' bey Treviso, welche Lorenz, Bischoff Und Graf von Ceneda mir übergab drängt Zum unveräufserlichen Lehn für mich den denn Und meine Erben vorbehalten, daſs st Du Ich sie,(was in dem Staate selbst ich habe, Pallast und Schätze Euch ganz überlassend) Getheilet zwischen Gattin hätt' und Neſfen. 9 Benintende. Es ist Beschlag gelegt auf sie vom Staat. Dein Neſſe selbst ist in Gefahr des Lebens, Doch setzt der Rath für jetzt sein Urtheil aus. Willst der verwittweten Frau Herzogin Ein Witthum Du bestellen, thu' es nur, Wir werden ihr Gerechtigkeit verleih'n. 104 Angiolina. Ich mag nicht Eure Beute theilen, edle Herrn! Von nun an, wiſst, bin ich nur Gott ge⸗ weiht, Und nehme meine Zuflucht in ein Kloster. Doge. Wohlan!— Die Stunde wird zwar hart seyn, doch Auch sie wird enden.— Hab' ich sonst etwas Annoch zu dulden, als den Tod p Benintende. Ihr habt Nichts mehr zu thun, als noch zu beichten und Zu sterben. Angekleidet ist der Priester, Das Schwert entblöfst, und beyde warten draus- sen.— Vor allem aber denkt nicht etwa, noch Zum Volk zu sprechen. Zwar bey Tausen- den Geschaart umdrängen sie die Thore, aber Es sind geschlossen diese. Nur die Zehn, — Die Die Gerie Berei Den Als k Zum Vom Die! Hast Dich Nicht Als F Gefãäh- Und Durcl 2 Herrn! Sott ge- ster. art seyn, ust etwas habt beichten ter, en draus- Die Ciunta, die Avogadori und Die Obersten der Vierzig werden bey'm Gericht zugegen seyn, und schon sind sie Bereit, dahin den Dogen zu begleiten. Doge. Den Dogen 9 Benintende. Doge! Ja! Du hast gelebt Als Fürst und sollst als solcher sterben. Bis zZum Augenblicke, der des Hauptes Tren- nung Vom Rumpf vorausgeht, soll vereinigt blei- ben Die herzogliche Kron' und Haupt. Vergessen Hast Deine Würde Du, da Du herabstieg'st, Dich mit gemeinem Volke zu verschwören, Nicht wir, die selbst noch in der Straſe Dich Als Fürsten anerkennen. Deine schlechten Gefährten starben schon den Tod der Hunde Und Wölfe, Du sollst fallen wie der Leu Durch Jäger, noch begleitet von den Män- nern, 106 Die stolzes Mitleid für Dich fühlen, und Selbst noch den Tod beklagen, der durch Deine Entbrannte Wuth und königliche Wildheit Doch unvermeidlich ward.— Jetzt überlassen Wir Deiner Vorbereitung Dich. Lafs kurz Sie seyn. Wir selbst sind Deine Führer zu Der Stelle, wo zuerst wir Dir vereint Als Deine Unterthanen wurden, Dein Senat, und jetzt für immerdar als solche Von Dir uns trennen an derselben Stelle.— Ihr Wachen folgt dem Herzog auf sein Zim. mer! (Alle gehen ab.) Der Jetzt und er durch ldhet berlassen Sechster Auftritt. kurz arer zu (Zimmer des Dogen.) che Der Doge und Angiolina treten herein. elle.— Wachen bleiben drauſsen. sein Zim. Doge. Die ärmlichen Minuten durchzutrauern; Ein Schmerz noch, der, von Dir getrennt zu werden, Und ich will gern die wen'gen Körner Sand'’s, Die an der zugestandnen Stunde fehlen, Dahin noch geben.— Meine Zeit ist aus. Jetzt da der Priester fort, wär' nutzlos es 1 Angiolina. 0O Cott! und ich war Ursach' d'ran, ich war Die unbewulste Ursach', und für dieser Unseligen Vermählung, dieser finstern 168 Verbindung, die Du, meines Vaters Wün. schen Nachgebend, noch bey seinenn Tod ver. sprachst, Hast Deinen eig'nen Du besiegelt. Doge ·. Nein, Nicht so: Es lag in meinem Geiste von je⸗ her Etwas, das irgend einen groſsen Unfall Ihn ahnen liefs, das Wunder ist nur dies, Dafs er bis jetzt noch nicht geschah.— Und doch War er vorausgesagt mir worden! Angiolina. Wie?— Vorausgesagt! Doge. Vor langen Jahren schon— So lang', dafs das Gedächtnifs daran zweifelt, Und in Annalen doch sie wirklich leben.— Der, Dani Von Die In vL Des „Soll Bey 109 Als ich in meiner Jugendblüthe stand, Und dem Senat, der Signoria diente Als Podesta und Hauptmann von Treviso, ers Wün. Tod wer PEPrweckt' an einem Tage eines Fest's It. Der träge Bischoff, der die Hostie trug, Den raschen, jugendlichen Unmuth mir Durch sonderbares Zögern und anmafsendes Erwiedern meiner Mahnungen so sehr, Nein, Dafs ich die Hand hob 8 ihn schlug, bis sts von Danieder unter seiner heil'gen Bürde fall Gesunken war; und als er wieder von ar dies, Der Erde auſgestanden, hob er zu 4. ah.— Und Dem Himmel auf in frommer Wuth die Hände, Noch zitternd, zeigte nach der Hostie dann, Die ihm entfallen, wandte sich zu mir Und sprach: Es wird die Stunde kommen, l wo z65— Der, den Du jetzt daniederwarfst, Dich selbst Daniederwerfen wird. Es wird der Ruhm «Von Deinem Hause weichen, aus der Seele W Die Weisheit Dir gerissen werden, Deiner, „In voller Geistes Reife, sich die Tollheit Des Herzens wild bemächt'’gen. Leidenschaft chon—„Soll Dich ergreifen, wenn die Leidenschaf- zweifelt, ten leben.— Bey andern Männern alle schweigen, oder 110 2u Tugenden beschwichligt worden sind. Der n «Es soll die Majestät, die Schützerin Bereu' „Für alle and're Häupter, Dich nur krönen, War's „Um hauptlos Dich alsdann zu lassen, Ehren, «Sie sollen Dir die Herolde nur werden Was «Des Untergang's, und graue Haare, die „Der Schmach, und beyde die des Tod's, doch Nicht nicht „Solch' eines Tod's, wie er dem Greise ziemt. Wohl So sprechend ging er weiter.— Diese Stunde Noch Ist nun gekommen. Als D. Rückk Angiolina. V Ganen Und Du konntest nicht, Biist 1 Nach dieser Warnung, streben abzuwenden Da 8 Den unglückseligen Moment und g'nug thun Ans. 8 Durch Büfsungen für das, was Du gethan? ussch Hinricl Doge. Statt, Der Ri Gestehen will ich's, diese Worte drangen So daſs So sehr mir an das Herz, daſs ich mich ih-. Erbebte rer Im Labyrinth des Lebens oft erinnert, Als wären eine Geisterstimme sie, Die mir in einem Traum erschollen sey, An sole nd. Der mehr, als ein natürlicher. Und ich Bereu'te meine That. Doch meine Art öͤnen, War's nicht, an dem Entschlufs noch lang' zu Ehren, mäckeln. n Was muſste seyn, ich konnt's nicht ändern, ie mogt's ''s, doch Nicht fürchten.— Ja, noch mehr, Du kannst es selbst 2 ziemt.» Wohl nicht vergessen haben, woran alle Stunde Noch denken, dals an jenem Tage, wo Als Doge ich hier landete, nach meiner Rückkehr von Rom, ein solcher dichter Nebel Canz ungewöhnlich, vor dem Buzentaur Sich herzog, gleich der Wolkensäule, die Einst Israel geführet aus Egypten, La, Dafs der Pilot den Weg verfehlte, und G den Uns an den beyden Säulen von Sankt Markus aun Ausschiffte, wo, nach dem Gebrauch, der han? 2 Staat Hinrrichten lässet seine Schuldigen, Statt, wie's sonst zu geschehen pflegt, uns an Der Riva della Paglia zu landen, gen So dafs bey diesem Omen ganz Venedig mich ih. Erbebte. Angiolina. Achl es frommt jetzt wenig, sich An solche Dinge zu erinnern. Doge. Nein, Und doch find' einen Trost ich d'rin, zu denken, Dafs diese Dinge Werk des Schicksals sind. Denn lieber unterläg’ den Göttern ich, Als Menschen, oder klammerte mich lieber An einem Glauben an Bestimmung fest, Als dafs ich diese Sterblichen, von denen Die meisten ich so völlig werthlos kenne Wie Staub, und schwach wie werthlos halten sollte Für mehr als Instrumente einer Macht, Die über alles berrscht; denn sie, an sich, Sie wären ja nicht fähig— nein, sie könnten Nicht Sieger seyn von dem, der oft für sie Gesiegt hat. Angiolina. Wende die Minuten an, Die Dir noch übrig, nur zu Ausrufungen Von heiligerer Art, und nimm in Frieden, Auch selbst mit diesen Elenden, den Aufflug Zum Himmellicht empor. Doge. Ich bin im Frieden. Noch in der letzten Stunde strömt er über In Dir. Du hintergehst Dich so nur selbst, Und kannst nicht ihnen schaden.— D'rum sey ruh'’ger. in, zu In Frieden an Gewifsheit, dafs dereinst Noch eine sich're Stunde kommen wird, siad. Wo ihrer Söhne, Söhne, diese Stadt In ihrem Stolz, und die azurnen Wasser ieber Und alles, was sie hoch und herrlich macht, t, Zerstörung werden seyn und Schutt, und den Hohn ne Und Spott der Nationen, ein Carthago, s halten Ein Tyrus, und ein meerumfloſs'nes Babel. zich, Angiolind. könnten Sprich jetzt nicht so. Der Quell der Leiden- ir sie schaft, Doge. Aufflug Ich stehe an der Ewigkeit und sehe Gen Ewigkeit, und ich erblicke— ja, So deutlich als ich noch zum letztenmale H 22. 114 Dein mildes Antlitz schaue— jene Tage, Die ich verkünde allen Zeiten, über Die Wälle dieser Fluthgegürteten Und alle die, die in ihr wohnen. Eine Wache(tritt näher). Doge! Die Zehn erwarten Euer Hoheit. Doge. Dann Leb' wohl, o meine Angiolina!— Eine Umarmung noch— vergib dem alten Manne, Der Dir ein theurer, aber ungläcksel'ger Gemahl— halt' mein Gedächtnifs werth— ich würde So viel nicht von Dir fodern, lebt' ich noch, Doch milder kannst Du känkftig von mir den- ken„. Da Du jetzt siehst, daſs meine bösen Ge- fühle Zur Ruhe sind. Von allen Früchten dieser So langen Jahre, Ruhm, Vermögen, Macht, Nachruf und Name, die doch sonst wohl noch Ein Hab Ein Nein Verx In FE Meir Den Das Mit Du Kein Ich Es b Wo Wen Wer Ruft Ist il 1e lacht, 115 Ein Blümchen geben auf dem[Grab zu blü- hen; Hab' ich nichts hinterlassen, selbst nicht ein- mal Ein wenig Liebe, Freundschaft, oder Achtung, Nein, nicht so viel, um einem prahlenden Verwandten, Stoff zur Grabschrift zu gewäh- ren. In Einer Stunde hab' ich ausgerottet Mein ganzes vor'ges Leben, und so alles Denn überlebt, nur nicht Dein Herz, das reine, as gute, edle, welches mich noch oft Mit ungeschwächtem, aber stillem Kummer— Du wirst so bleich— O Cott!— sie fällt in Ohnmacht— Kein Athem mehr— kein Pulsschlag— Wa- chen!— Helft! Ich kann sie so nicht lassen, und doch wär' Es besser, da ihr jeder Augenblick, Wo sie bewuſstlos, eine Qual erspart.— Wenn sie von diesem kurzen Tod erwacht, Werd' ich dort oben bey dem Ew'gen seyn.— Ruft ihre Frauen.— Noch ein Blick— wie kalt Ist ihre Hand! so kalt, wie meine seyn wird 116 Bevor sie sich erholt.— Tragt milde Sorge Für sie, und nehmet meinen letzten Dank.— Ich bin bereit nunmehr. (Angiolinas Frauen sind hereingetreten, und haben die Herzogin abgefährt. Der Doge verläſst nun mit den Wachen das Ge- mach.) Siebenter Auftritt. (Haf im herzoglichen Pallaste. Die änms sern Thore oor dem Andrange des Volls verschlossen. Der Doge tritt im her. zoglichen Schmucke herein, in Beglei. tung des Raths der Zehn und andrer Pa- trizier. machen umher. SJo gehen sie bis auf die oberste Ftufe der Riesen. treppe, wo die Dogen vereidet wurden; dort steht der Nachrichter mit entblöſs 80 Für Ich Mit Auf Das Verlb 1 47 Sorge tem Schwerdte. Einer der Obersten der Dank.— Zehn nimmt dem Dogen die herzogliche Mütze vom Haupte.) ten, und Der Doge Doge. das Ge- So ist der Doge denn jetzt nichts, und wie- der Bin ich zuletzt Marino Faliero. Wohl thut es mir, daſs es so ist, sey's auch 5. Für einen Augenblick allein. Hier ward t. Ich einst gekrönt, und hier— sey Zeuge, Himmel!— . Mit wie weit gröſs'rer Freude ich verzichte Die äus Auf dieses herzogliche Puppenspiel, des Volks Das glänzend äfft, als ich ihn annahm, die- sen t im her- Verhafsten Schmuck. gehen sie, Snen 3i Einer der Zehn. Niesen- t wurden; 4 Du zitterst, Faliero! ie ent blõſo 118 Doge. Aus Alter nur 5). Benintende. Hast, Faliero, Du Noch den Senat um etwas zu ersuchen, Das sich mit der Gerechtigkeit verträgt? Doge. hte meinen Neffen dessen Milde, Ich möc htlichkeit empfehlen, Die Gattin dessen Rec Denn meynen sollt' ich, solch Ein Tod, ausgleichen müsse alles, Dem Staat und mir. zwischen Benintende. Man soll dafür besorgt seyn; Ja selbst trotz Deiner unerhörten Unthat. dafs mein Tod, und We Der Agi Nur n, gt? Ide, fehlen, Tod, und wischen zorgt seyn; nthat. Doge. Wohl unerhört! denn jegliche Geschichte Zeigt tausend von gekrönten Hochverräthern, Die gegen ihre Völker sich verschworen, Doch um sie zu befrey'’n, starb nur bis jetzt Ein einz'ger Färst, und einer wird jetzt sterben- Benintende. Wer waren die, die darin untergingen? Doge. Der König Sparta's, und Venedigs Doge, Agis und Faliero. enintencle. Hast Du mehr Nun noch zu sprechen oder thun? Doge. So darf Ich sprechen? Benintende. Ja, Du darfst. Bedenke aber Dafs ausserhalb das Volk nur steht, vom Schall Der Menschenstimme so nicht zu erreichen. Doge. Ich spreche zu der Zeit und Ewigkeit, Von der ein Theil ich werde, nicht zu Men- schen. Ihr Elemente, ihr, in welche aufgelöst zZzu werden ich nun flehe, lasset meine Stim- me Gleich eines Geistes seyn, der auf euch webt. Ihr blauen Wogen, die meine Banner tru. gen, Ihr Winde, die darüber scherzten, als Ob ihr es liebtet, und die Segel mir Mit eurem Athem schwelltet, als ich sie Aucl Aus In d Hina Ihr Auf Anfa Unsc Deni Nich Vom Bevo Das Geb An Sind Wo Geb Und Und Zu i e aber , vom chen. zu Men- t ine Süum- ich webt. iner tru. ls sie Aufzog zu manchem Sieg! Du, Muttererde, Für die ich blutete, und fremde Erde Auch Du, die dieses gern vergofs'ne Blut Aus mancher tiefen Wunde trank! Ihr Steine, In die mein Blut nicht dringen, sondern rau- chen Hinauf zum Himmel wird! Ihr Wolken, die Ihr es empſangen sollt! Du Sonne, die Auf diese Dinge scheint, und Du! der Son- nen Anfachet und verlöscht!— Bezeugt es mir! Unschuldig bin ich nicht— allein sind diese Denn schuldlos?— Ich muſs untergeh'n, al- lein Nicht ungerächt. Es steigen ferner Jahre Vom Abgrund auf der künft'gen Zeit, zu zei- gen, Bevor sich diese Augen schliefsen, ihnen Das Schicksal dieser stolzen Stadt, und ich Geb' meine Rache auf für immerdar An ihr und an den ihren.— Ja, die Stunden Sind schweigend schwanger schon mit jenen Tagen, Wo sie, die gegen Attila als Bollwerk Gebaut, wird unterliegen, blutlos doch Und schmählich, einem Bastard«Attila, Und unterliegen, ohne so viel Blut Zu ihrem letzten Schutze zu vergiefsen, 122 Wie diese alten Adern, oft gespannt Sie zu vertheid'gen, jetzt vergielsen werden, Als Opfer.— So wird sie gekauft dann werden Und verkauft, denen überlassen als Abfindung, die sie nur verachten werden!— Erniedrigen wird sie sich zur Provinz Von einem Kaiserthum, ein Flecken nur Statt einer Hauptstadt, Sclaven statt Senats, Statt Edler, Bettler, Kuppler statt des Volks, 9) Wenn die Hebräer dann in den Pallästen, 7) Die Hunnen in den Festungen, die Criechen Auf deinen Märkten geh'n, und dich verla- chen! Wenn ihren kargen Bissen Brodes deine Patrizier in engen Straſsen betteln, In ihren schamerfüllten Mangel selbst Den Adel zu des Mitleids Weckung brau. chend! Dann, wenn die Wenigen, die noch die Trüm- mer Von ihrer groſsen Väter Erbschaft bargen, Um einen fremden Vice-König kriechen, In dem Pallaste selbst, wo sie als Herrscher Gebohren einst, auf jener Stelle selbst Wo ihren Fürsten sie erschlugen, stolz Auf irgend einen Namen, welchen sie Entehrten, oder stammend aus dem Treubruch rden, aft dann len!— nur enats, Volks. 5 Sen, 5 riechen ch verla- ne 123 Mit einem Rud'rer oder fremden Krieger, Bis zu der dritten dunklen Abstammung Noch im Triumphe tragend ihre Schmach,— Wenn deine Söhne, auf der Wesenleiter Am niedrigsten, nur Sclaven sind, als solche Vom Sieger den Besiegten übergeben, Verhöhnt von Feigen ob noch gröſs'rer Feig- heit, Und von den Lasterhaften selbst gefloh'n Ob solcher Laster willen, welche in Dem ungeheuern Werke ihrer Zeugung Umsonst von jeglichem Gesetzbuch heischen, Sie auszudenken oder zu benennen,— Dann, wenn von Cyprus, jetzt dir unterthan Als Königreich, dein ganzes Erbtheil nur Die Schande seyn wird, heimgefallen deinen Von Tugend abgewich'nen Töchtern, daſs Zum Sprichwort für Entehrung es geworden,— Wenn alles Unglück unterjochter Staaten Sich an dich ketten wird, glanzloses Laster Und Sünde sonder Schmuck, selbst den nicht, welchen Der Schmelz der Liebe darauf giefset, son- dern In ihren schnöden Lüsten der Gewohnheit, Aufsprudelnd aber ohne Leidenschaft, Nur kaltstudirte Wollust, der Natur Gebrechlichkeit zu einer Kunst verschlechternd— 124 Wenn dies und mehr noch auf dir lastet, wenn Dich Lächeln ohne Lust, und Zeitvertreib Ohn' Freude, Jugend ohne Ehre, Alter Ohn’' Ehrfurcht, Niedrigkeit und Schwäche Und ein Gefühl von Weh'’, dem du entgegen Nicht kämpfen willst und nicht zu murren wagst, Zur letzten und verworfensten von Völker- Einöden hat gemacht, dann in dem letzten Aufröcheln deines Todeskampf’s, in Milte Von deinen vielen Mördern— denk' an michl Du Höhle, wo die Trunkenbolde sich Am Blut der Fürsten laben! 8) Du Cehenna Der Wässer! Sodoms See! Ich weihe dich Den unterird'schen Göttern so! Ja, dich Und deinen Schlangen Samen!(zum Sohauf richter)— Sclave! Thu' deine Pflicht! triff mich, wie ich die Feinde! Triff mich, wie ich getroffen hätte diese Tyrannen! Triff mich tief, so wie mein Fluch! Triff— und nur einmal! (Der Doge kniet nieder, der Machrichter hebt das Schwert; der Hintervorhang füllt schnell vor) Ich Nun Rins So s Laſs Ist r lastet, treib Achter Auftritt. er äche..— entgegen Piazza und Piazetta oon Jankt Markus. raesen Volk, u. s. w. in Gruppen vor den Gitter- thoren des herzoglichen Pallastes, die ge- lker- schlossen sind. etzten f litte n michkl Erster Bürger. 1 Gehenna Ich drängte mich zum Thor, und kann die dich Zehn lich Nun unterscheiden, in den Staatsgewändern Seharf. Rings um den Dogen. Sclave! ich die Zaweyter Bürger. ese in Fluch! Ich kann nicht zu Dir, 1 So sehr ich mich auch mühe. Nun wie ist'’s Lafs uns zum mind'sten hören, denn dem chter hebt Volke ng Füllt Ist so das Seh'n verboten, ausgenommen Den Wen'gen, die dort in die Schranken ka- men. 126 Ersten Burgern. Man hat dem Doge sich genah't— jetzt neh. men Die herzogliche Mütze sie vom Haupte Ihm ab— und jeizt erhebt er seine Augen Beherzt zum Himmel— glänzen seh' ich sie, Die Lippen sich bewegen— Still!— Suill!— Nein, Es war nur ein Geräusch!— Verdammt, daſs man So weit davon— die Worte kann ich nicht Verstehen, doch die Stimme schwellet an, Wie ferner Donner! Wenn wir doch nur Eine Von seinen Reden hören könnten, Zweghten Bürgen. Still! Wir hören's doch dann noch vielleicht. Erster Birgern. Vergebens, Ich konnt' nichts hören.— Wie sein graues Haar Im Winde strömt, gleich Schaum auf Wellen. — Jetzt— Jetzt sich Verbe Seh' Nun Befre. Er für Sie tha Wenn Eh' w Wir n Cewils 127 Jetzt kniet er nieder— und jetzt stellea sie Sich um ihn her im Kreis, und alles ist dat neh. Verborgen— doch das aufgehob'ne Schwert eh' ich jetat in der Luft— Ach, horch! es . fällt. ngen(Gemurmel des Volks.) ich sie, a., Su Dritter Blrger. . mt, daſs Nun haben sie doch den gemordet, der — Befreyt uns haben würde. nicht t an, Eierter Bürger. nur Eine Immer war Er für's gemeine Volk ein milder Mann. Fünften Bünger. at. Sie thaten wohl, die Thore zu verschliefsen. Wenn wir gewuſst, was sie beginnen wollten Eh' wir hieher beschieden, hätten Wallen Wir mitgebracht, und sie gesprengt. n graues Sechsten Büärger. Wellen.. Ist er Wall⸗ Gewifslich todt? 128 22 Erster Büurger. Ich sah das Schwert ja fallen — Hal was ist dies (Auf dem Balkon des Pallastes, der nach dem St. Markus-Platze zu geht, tritt einer der Obersten der Zehn, mit einem blutigen Fehwert. Er schwenket es dreymal gegen das Volk, und ruft dann aus:) Es hat Gerechtigkeit Den mächtigen Verräther nun gerichtet! (Die Pforten werden geöſfnet, das Volk strömt zu der Riesentreppe, wo die Hinrichtung 2) ℳ₰ vor sich ging. Die Vordersten rufen denen, die weiter hinten sind, Zzu:) Das bluu'ge Haupt rollt ab die Riesenstufen! (Der Vorhang fällt.) Ende. 129 —-—ℳ—-—-——õn— ja fallen nach dem einer der 5 67 Anmerkungen des Verfassers. n blutigen mal gegen—— 1) Ack 4. Auftrite 6.«m Pallaste bey Sankt Miskeir Paolo" tet! Des Dogen Familien-Pallast. olk strömt 1 inrichtung 2) Act 4. Auftritt S. Signor di Nottes en denen, Die Signori di Notte waren wichtige Staats- .:.. Beamte in der Vormaligen venetianischen 1: stufen! Republik. 3) Act 5. Auftritt 1. geweihten Dienstag“ 3 Am Fastnachtsdienstage. 1 Mund“ 4) Eben daselbst. nebelt ihren Historisch wahr, nach Sanuto's Aussage. 1 22. 5) Act 5. Auftritt 7. Aus Alter nur² So antwortete der Maire von Paris Bailli einem Franzosen, der ihm in den frühern Jahren der Revolution auf dem Wege zur Hinrichtung diesen Vorwurf machte. 6) Eben daselbst.«Kuppler statt des Tolks» Sollte dies dramatische Gemälde zu grell scheinen, so mag der Leser den Historiker hören, der einige Jahre vor der Periode, auf welche der Doge hindeutet, schrieb: Voltaire berechnete die dortigen nostrae bene meritae meretrices» auf 12000 vom Staate anerkannte. Sonst ſafste Venedig 200,000 Einwohner, jetzt kaum 90, 00O0 und diese! 2) Eben daselbst.«ᷣHekräer dann in den Pak lästen“ Die schönsten Palläste an der Brenta gehö- 42 ris Bailli frühern Wege zur hte. Volks»* 2 zu grell Hlistoriker periode, schrieb: «n08trae 000 vom Venedig 0,000 und den Pal- ſenta gehö- 131 ren jetzt Juden, welche in den frühern Zeiten der Republik blos in Mestri wohnen durften, und denen der Eintritt in die Stadt untersagt war. Eben daselbst. αich am Blutk der Fürsten laben“ Unter den ersten 50 Dogen Venedigs dank- ten 5 ab; 5 wurden verbannt, nachdem ihnen die Augen ausgestochen worden wa- ren, 5 ermordet und 9 abgesetzt, so daſs 19 davon den Thron durch Gewaltthat ver- loren, zwey nicht gerechnet, die im Tref- fen fielen. Dies geschah lange vor Marino Faliero's Regierung. Einer seiner unmittel- baren Vorfahren, Andreas Dandolo, starb aus Kummer und Verdrufs. Marino Faliero fiel, wie dieses Trauerspiel selbst besagt. Unter seinen Nachfolgern mufste Oscari seinen Sohn wiederholt foltern und dann Z 192 verbannen sehen, ward abgesetzt, und starb, ‿᷑‿ als er die Glocke von Sankt Markus die Wahl seines Nachfolgers verkünden hörte, am Zerspringen eines Blautgefäfses. Maro- sini ward wegen des Verlust's von Candia angeklagt, und doch war dies vor Erhaltung seiner herzoglichen Würde geschehen, wäh- rend deren er Morea erobert hatte, und der Bru u⁴ Pelopenneser genannt ward. und starb, rkus die en hörte, s. Maro- in Candia Erhaltung hen, wäh. „ und der 133 —zℳ2ö2õ—ℳ—————ℳ—:õͤ„-A’ Anh an Bruchstück aus der Cronica di Sanulo, in Muratori Seriptoribus rerum italicarum. Vol. XXII. rino Faliero. P.. «r ward von den 41 Wahlherren erwählt, war ein Cavalier und C af von Val di Marino, im *) Byron gibt unter dieser Ueberschrift: 1) das Originalbruchstück aus Sanuto's Chro- nik, das wir hier ins D che übertragen mittheilen; 2) eine eng ne freye Ueber- 154 Trevisanischen, und reich, und eben als Ge. sandter in Rom. Und am 9. September, nach. dem sein Vorfahrer begraben worden, wurde der grofse Rath zusammen beruſen, und die Wahl eines nex Art vorgenommen, Und Dogen nach gewöhnlicher nf Correttori ardo Giustini-⸗ Pro. wurden ernannt, Ser„ curatore, Ser Paolo Loredano, Ser Filippo Au- rio, Ser Pietro Trivisano und Ser Tomaso Via. dro. Und am voten legten sie ſol besserungen vor, die der Doge elle aus Petrarks eflend; 4) ei. chte von Ve. 5) eine an. setzung davon; Briefen, Marino nen Auszug aus nedig. Tom. N vXIV dere aus de Livre XXXIV. uené Geschichte Tom IX. Chap. 1 s dersel. bitel. Der Ue. Bruchstück hier aöthig erachtet. au 6) einen Ausz 1 der Litteratur in Iialien. XXXVI. und 7) einen he ell bersetzer ha „im eben 1 das er wieder mitzutheilen für habe Bote die und nich beſä rien Doge die daſs als a stim Vier tenen chen gebe. viele Und besse serhz (i Sa n als Ge. ber, nach. n, wurde und die röhnlicher Correttori 1 aiani, Pro- ilippo Au. dmaso Via. gen de Ver. ſersprechen s Petrarks d; 4) ei- von Ve- cine an. re XXXIV. (Ceschichie IX. Chap. laus dersel- Der Ue. hstück hier rachtet. 135 habe, nämlich: dafs die Räthe die Redner und Boten der Signoria nicht anhören sollten, wenn die Obersten der Vierzig nicht zugegen wären, und daſs sie auf nichts antworten könnten, wenn nicht sich 4 Räthe und 2 dieser Obersten dabey hefänden: und dals sie die Form ihrer Kapitula- rien dabey beobachten sollten: und dafs der Doge sich auf die mildere Seite wende, wenn die Richter nicht einig werden könnten: und auſen könne, dafs er seine Darlehen nicht v ndeten Ursachen und mit der Ein- als aus geg stimmung von 5 Räthen und zwey Obersten der Vierzig, und zwey Theilen des Raths der Erbe- tenen(Pregati) und dafs statt der 3000 Kanin- chenfelle, welche die Zarentiner dem Doge zu 1 geben haben, er jährlich, wenn sich nicht so viele Felle fänden, 30 Ducaten erhalten solle. Und am Miten brachten sie noch folgende Ver- besserungen: daſs, wenn der erwählte Doge aus- serhalb Venedig sich befände, die Weisen (i Savi) für seine Rückkehr Sorge tragen sollten, 136 und wenn der Doge krank, einer der Räthe, den sie unter sich selbst wählten, Vice-Doge seyn sollte, und dafs er Vicestatthalter des Herrn Doge genannt werden solle in den Urkunden der Richter, und zu bemerken ist, dafs weil jetzt ein Abwesender zum Dogen ernannt, Vice- Doge ward, Ser Marino Badoero, der älteste der Räthe: und daſs die Re rung des Herzog. thums übergeben werde den Räthen und den bersten der Vierzig, sey, und bis der neue Dog so lange kein Herzog da üihlt. Und der vorge- also so ward denn am 11ten September c nannte Marino Faliero zum Dogen erwählt. Die Regierung aber ward den Räthen und den Ober- sten der Vierzig übergeben, die so lange im Pallaste bleiben sollen, bis der Doge kommt, so dafs stets darin 2 Räthe und ein Oberster der Vierzig zugegen. Und es wurden sogleich Brie- fe an besagten Doge erlassen, welcher in Rom Gesandter bey dem Legaten des Pabst Innocenz VI., der sich in Aviguon aufhielt, war. Der äthe, den oge seyn es Herrn Urkunden dafs weil unt, Vice- er älteste s Herzog. und den Herzog da hlt. Und ller vorge- ählt. Die den Ober- lange im e kommt, erster der eich Brie- in Rom Innocenz ſrar. Der 137 groſse Rath beschlofs auch 12 Abgeordnete zu wählen und sie dem Doge Marino Faliero ent- gegen zu senden, wenn er von Rom komme. Als er zu Chioggia ankam, sandte der Podesta zhm Taddeo Ciusüniani, seinen kleinen Sohn mit 15 jungen Mädchen entgegen. Und als er nach Sankt Clemens mit dem Bucentaur kam, entstand ein so grofser Nebel, dafs der Bucen- taur nicht vorwärts konnte. Von da kamen der Doge mit seinem Gefolge am 5. October 1354 hier ans Land. Und ob sie wohl an dem Ufer della Paglia hätten aussteigen sollen, landeten sie doch wegen des Nebels an der Piazza, zwi- schen den beyden Säulen, wo die Hinrichtun- üble Vorbe- 1. welches eine gen geschehen, deutung war. Und am éten früh begab er sich um diesen zu in die Kirche von Sankt Markus, preisen. Zu der Zeit war Kanzler mein Herr Beni (es folgen nunmehr deren Namen, die wir weg- lassen.) 4*½ 5 138 Traktat von dem Dogen Marino Fa- lienro, ds einen lten Chironik. «Als der Dienstag der Jagd angebrochen war, ward die Jagd wie gewöhnlich gehalten. Und nachdem dieses geschehen, begab sich der Doge in den Pallast in einem der Sàâle daselbst, und hielt mit den Damen ein Fest, wo man ianzte bis zum ersten Glockenschlag, dann aber folgte eine Collation, wie sie der Doge oft zu halten pflegte, wenn die Dogaressa zugegen war, Und dann ging jeder nach seiner Heimath. Bey diesem Feste, scheint es, beging Herr Michele Steno, ein sehr junger und armer, aber kühner und verschlagener Adelicher, welcher in ein gewisses Hoffräulein der Dogaressa verliebt war, als er auf dem Zimmer der Damen war, etwas Unschickliches, so dafs der Doge anbeſahl, ihn aus dem Gemach zu werfen. Und so trieben auch die Wachen des Doxge ihn aus jenem Ge- 1 mach. Aber Herr Michele glaubte, dals ihm ren war, . Und er Doge „st, und n tanzie er folgte u halten . Und 8. Bey lar Michele r kühner r in ein lebt war, r, elwas ahl, ihn trieben nem Ce- dals ihm 159 dadurch zu grofser Unglimpf zugefügt worden. Und sonach nicht an die Folgen denkend, son- dern nur ergeben dem Zorne, den ihm dieses Fest hervorgebracht, begab er sich, als die an- dern alle weggegangen waren, noch in dieser Nacht wieder dahin, und schrieb an den Sessel, worauf der Doge im Audienzsaale zu sitzen pfleg- te— weil die Dogen damals keine seid'ne Bedek- kung über den Sessel hatten, sondern auf einem solchen von blossem Holze safsen— einige Wor- te, gar ehrenrührig für den Dogen und die Do- : Marino Faliero dalla bella garessa; mantien.(M magli: Altri la gode, ed egli la rino Faliero hat ein schönes Weib, er unterhält sie, ein andrer genieſst den Leib.) Und am an- dern Morgen sah man die e angeschriebhnen Wor- te. Und es war dieses eine sehr häfsliche Sache. heit W Und diese Angeleg von der Signoria i der Gemeinde überg ben, mit gar den Avogado groſsem Nachdruck. Die Avogadori untersuchten nun schnell und sehr genau, Wer jene Zeilen 140 geschrieben haben möchte, und endlich erfuhr man, daſs dieses Michele Steno gewesen sey. Und die Vie beschlossen ihn zu verhaften. dem Angesichte seiner Geliebten aus mer getrieben worden zu seyn. Es w in besagtem ber gerathschlagt, und es bedünkte unnelden ihn sowohl in Betracht sei. nes Alters als lner L. iebesgluth zu einem ZwWey- monatlichen se zu verurtheilen, und dafs er dann auf ein aus Venedig und sei. Durch diese nem Gebiete verbannt aber sehr erzü d der Doge so geringe St so geringe Stra vermeinend, die Sache sey nicht so hoch geach- tet worden, als die Würde seines herzoglichen Ansehns es erfodere. Und sagie, sie hätten ihm nothwendig an die Kehle kommen, oder ihn we- nigstens auf ewig aus Venedig verbannen sollen. Und weil es nun einmal so bestimmt war,(denn wenn eine Wirkung vorgehen soll, muſs auch a. G h erfuhr ‚sen sey. erhaften. abe, vor em Zim- ra dal rd daher t, und es en, und und sei- ch diese rerzürnt, ch geach- zoglichen ätten ihm er ihn we- en sollen. ar,(denn nufs auch 141 nothwendig die Ursache vorhanden seyn, aus velcher eine solche Wirkung entstehen kann) dafs dem Dogen Marino das Haupt solle abge- schlagen werden, so geschah es, daſs, da indeſs die Fastenzeit eingetreten war, einen Tag nach- dem Michele Steno verurtheilt worden, ein Edel- mann aus dem Hause Barbaro, der von Natur sehr heftig war, ins Arsenal ging, und von den Aufsehern etwas begehrte. Es geschah dieses aber in Gegenwart des Admirals des Arsenals. Dieser hörte das Begehren, und versicherte, daſs solches nicht geschehen könne. Darauf kam der Edelmann mit dem Admirale zu Worten, und gab ihm einen Schlag auf's Auge. Und weil er einen Ring am Finger trug, so riſs er damit die Haut auf, daſs das Blut flofs. Und der Ad- miral ging, also blutig geschlagen, zum Dogen, und beklagte sich bey demselben, damit dieser den Adlichen aus dem Geschlechte der Barbare aber sagte: Was gsoll hart bestrafe. Der Dog ich dir thun? Betrachte nur die schimpflichen 142 M orte, die man gegen mich geschrieben hat, und die Art, wie jener Bösewicht, Michele Steno, der sie schrieb, ist bestraft worden, und welche Ackhtung die Iierzig gegen meine Person gehabt haben. Darauf antwortete der Admiral: EHerr Doge, wenn Ihr Herrscher werden, und alle jene schändlichen Edelleute in Ftücken hauen lassen wolle, so habe ich, mit Euerm Beystande, Muth genug, Euch zum unumschränkten Herrn dieses Landes zu machen. Und dann könnt Ihr diese alle züchtigen. Als der Doge dies gehört hatte, entgegnete er: Mie Kännte denn so etwas ge- schehen? Und darauf liefsen sie sich in ein wei- teres Oorpräch ein. „Der Doge aber liefs seinen Neſſen Ser Ber- tucci Faliero rufen, der bey ihm im Pallaste wohnte, und darauf gingen sie in dieses Unter- nehmen ein. Da gingen sie nicht eher aus ein. ander, bis sie nach Filippo Calendaro, einem Seemann von grofsem Anhange, und Bertucci Israello, einem Ingenieur und sehr verschlagnen hat, und Iteno, welche a gehabt : Herr alle jene n lassen Ze, Muth n dieses hr diese rt hatte, was ge- ein wei- Ser Ber- Pallaste s Unter. aus ein- , einem Bertucci chlagnen 145 Mann, geschickt hatten. Und als sie sich mit diesen vereint, gaben sie Befehl, noch einige andre zu rufen. Und so besprachen sich alle einige Nächte hindurch im Familien-Pallaste des Dogen zusammen. Und nahmen nach und nach noch andere zu sich, nämlich: Niccolo Fagiuolo, Giovanni da Corfu, Stefano Fagiano, Niccolo dalle Bende, Niccolo Biondo und Ste- fano Trivisano. Und sie ordneten 16 oder 17 Anführer in verschiedenen Gegenden der Stadt an, deren jeder wieder 40 bewaffnete Männer bereit halten sollte, ohne ihnen doch zu sagen, was man vorhabe. An einem bestimmten Tage sollten sie an verschiednen Orten untereinander öffentliche Zänkereyen anfangen, damit der Doge auf Sankt Markus die Glocke könne läuten las- sen, welche nicht geläutet werden konnte ohne seinen Befehl. Und beym Schalle dieser Glocke sollten die 16 oder 17 mit ihrer Mannschaft nach Sankt Markus auf den Straſsen kommen, welche auf die Piazza gehen. Und so sollten die edelsten und vornehmsten, welche auf den Platz kommen würden, um zu erfahren was es gäbe, in Stücken gehauen werden. Une nachdem dieses geschehen, solle Messer Marino Faliero, der Doge, zum Fürsten ausgerufen wer- den. Und nachdem sie dies unter sich festge- setzt hatten, ward beschlossen, daſs es gesche- hen solle, am 15. April 1355, einer Mittwochen. Diese Verabredung ward aber unter ihnen so ge- heim gehalten, dafs man nicht nur nichts davon erfuhr, sondern nicht einmal etwas Aehnliches vermuthete. Aber Gott der Herr, der immer die- se ruhmreiche Stadt schützte, und sie nach seiner Gnade und Gerechtigkeit nie verlassen hat, flöſste einem gewissen Beltramo aus Bergamo, welcher von einem der genannten Verschwornen zum Anführer von 40 Mann auserlesen worden war, und welcher einige Worte des Vorhabens ge- hört, es auch wohl begriſſen hatte, was für ei- nen Erſolg solches haben werde, und der aus dem Hause des Herrn Niccolo Lioni von Santo Stefl besa uhm als e dan: te, 1 nun groſ in d zu 8 ihm ger, welche zu erfahren erden. Une esser Marino gerufen wer- sich festge- s es gesche- littwochen. ihnen so ge- nichts davon Aehnliches immer die- nach seiner a hat, flöſste mo, welcher vornen zum vorden war, prhabens ge- was für ei- ind der aus ni von Santo 145 Steffano war, es ein, am.. April in das Haus des besagten Niccolo Lioni zu gehen. Und er sagte ühm alles von den gegebenen Befehlen. Dieser, als er es gehört, blieb für Staunen gleich als ein Todter, und nachdem er noch viele Einzeln- heiten vernommen, bat ihn besagter Beltramo, es geheim zu halten, und daſs Herr Niccolo den 15ten nicht aus dem Hause gehe, ansonst er sterben werde. Als er aber gehen wollte, liefs ihn ser in seinem Hause behalten, und in ein Gemach verschliefsen. Er selbst aber ging in das Haus des M. Giovanni Grandenigo Nasone, welcher dann Doge ward, und auch in St. Stefano wohn- ie, und erzählte ihm die ganze Sache. Da ihm nun dieses, wie es denn auch war, von gar groſser Wichtigkeit schien, so gingen sie beyde in das Haus des Ser Marco Cornaro, welcher zu San Felice wohnte. Und nachdem sie auch ihm alles gesagt, beredeten sich die drey, wie- der in das Haus des Niccolo Lioni zu gehen, und dort den gedachten Beltramo zu verhören- K 22. 146 Dies thaten sie auch, erfuhren noch Mehreres, und hielten ihn ferner verwahrt. Und gingen alle drey in die Sakristei von San Salvatore, und sandten ihre Diener aus, um dahin zu berufen die Räthe der Avogadori, die Obersten der Zehn und des hohen Raths. Und als sie gekommen waren, entdeckten sie ihnen alles. Diese blieben wie todt. Und sandten nach dem besagten Bel- tramo, und lieſsen ihn heimlich kommen, und befragten ihn, und als sie alles bestätigt fanden, schmerzte es sie sehr, sie gedachten jedoch der Vorsicht. Und sandten daher nach den Obersten der Vierzig, den Signori di Notte, den Obersten der Sestieri und den Cinque della Pace. Und ordneten an, daſs diese mit den Ihrigen noch andere Guigesinnte zu sich nähmen, und sich in die Häuser der Anführer der Verschworenen begäben, und ihnen die Hände bänden. Und sie zogen die Gewerkschaften aus dem Arsenale hinweg, damit diejenigen der Verschwornen, wel- che schon mit Waſſfen rersehen, nicht sich an ta b der. 292 — aber erwäl bey. len tester ehreres, gingen Dre, und berufen er Zehn ommen blieben ten Bel- en, und fanden, och der Sbersten Dbersten . Und en noch nd sich vorenen Und sie Arsenale en, wel⸗- sich an 147 diesen vergreiſen konnten. Und so begaben sie sich, als der Abend anbrach, in den Pallast. Als sie dort beysammen, liefsen sie die Thore zu dem Hoſe des Pallastes verschlieſsen, und dem Thürmer anbefehlen, dafs er die Clocke nicht läuten solle. Und so geschah es denn, dafs alle die Obengenannten gebunden und in den Pallast gebracht wurden. Und als der Rath der Zehn sah, dafs der Doge mit in die Ver- schwörung verwickelt sey, beschlossen sie zwan- zig von den Angesehensten des Staates auszu- wählen, damit sie dem besagten Rathe als Ciun- ta beystehen möchten, ohne jedoch das Recht der Abstimmung zu haben. „Es waren aber die Räthe folgende Personen —(es folgen die Namen) der Rath der Zehn aber bestand aus:—(es folgen die Namen) diese erwählten unter sich in der Nacht, fast schon bey Anbruch des Tages, eine Ciunta aus 20 ed- len Venetianern, der besten, weisesten, und äl- testen, um mit zu rathen, nicht aber abzustim- 148 men. Und sie wollten keinen aus dem Hause Faliero dabey haben, daher denn aus dem Rath gestofsen wurden, Niccolo Faliero, und ein an- drer Niccolo Faliero von San Tommaso, weil sie aus der Familie des Dogen waren. Und die- cht, sich 20 Personen zur Giunta zu se Vors wählen, wurde überall für sehr löblich erachtet. Folgendes waren aber die z0 der Giunta:(es folgen die Namen, unter denen auch Niccolo Lioni.) Und nachdem diese z0 in den Rath der Zehn berufen worden, ward nach Messer Mari- no Faliero, dem Dogen, gesendet, welcher zu dem Pallaste mit groſsem Gefolge von Edelleu- ten und andern Personen ging, die noch nicht der wuſsten, was gesch Zud elben Zeit ward herbeyg rt, gefangen und gebunden, Bertucci der Hä bce, auch ward gefangen Zanello Israello, bter des Verraths für die in Santa(. del Brin, Nicoletto di Rosa, und Nicoletto Al- berto der Oberauf und andre Seeleute, so nc wie Männer andern Standes. Sie wurden ver- hört und die Wabrheit der Verrätherey gefun- den. Am 16. April urtheilte der besagte Rath der Falie then aus Pfleg beln Tage Nicc Jaco des Israe grita alle ten, dene Rath und welc dem losge von ten, bewa Hause :m Rath ein an- o, weil Ind die- lunta zu Prachtet. nta:(es Niccolo Rath der er Mari- lcher zu Edelleu- ch nicht eit ward Bertucci s für die Zanello bletto Al- leute, so den ver- y geſun- gte Rath 5 149 der Zehn, daſs Filippo Calendaro und Bertucci Faliero auſgehangen werden sollten, an den ro- then Säulen des Balkons des Pallastes, von wo aus der Doge das Fest der Jagd mit anzusehen pflegt. Und so wurden sie denn auch mit Kne- beln im Munde aufgehängt. Und am folgenden Tage wurden verurtheilt: Niccolo Zuccuolo, Nicoletto Blondo, Nicoletto Doro, Marco Guida, Jacomello, Dagolino, Nicoletto Fedele, Sohn des Filippo Calendaro, Marco Torello, genannt Israello, Steſano Trevisano, Wechsler in S. Mar- grita, und Antonio dalle Bende. Sie wurden alle in Chioglia, wohin sie sich geflüchtet hat- ten, gefangen genommen, und dort an verschie- denen Tagen, nach dem Uriheilsspruch des Raths der Zehn, je zwey und zwey und einer und einer am Halse auſgehangen an den Säulen, welche von den rothen Säulen an, bis nach dem Canale zu gehen. Andre Gefangne wurden losgelassen, weil sie wohl dabey gewesen, aber von dem wahren Anschlage nichts erfahren hat- ten, indem ihnen jene Anführer gesagt, daſs sie bewaffnet kommen sollten, um im Dienste der 15⁰ Signoria einige Missethäter zu fahen. Weiter wulsten sie nichts. So wurden auch Nicoletto Alberto, der Oberaufseher, und Bartolommeo Ciriuola und sein Soha, so wie viele andre, relche schuldlos waren, befreyt. «Und am 16. April, Freytags, sprach der besagte Rath der Zehn das Urtheil, dafs Messer Marino Faliero, dem Dogen, das Haupt solle abgeschlagen werden, auf der Höhe der stei- nernen Treppe, wo die Dogen den ersten Eid schwören, wenn sie zum erstenmale in den Pal. last treten. Und nachdem der Pallast am fol- genden Tage um 3 Uhr geschlossen worden, ward besagtem Doge das Haupt abgeschlagen, am 17. April. Und zuerst ward ihm die Mütze abgenommen, ehe er unten an die Treppe kam. Uad nachdem das Urtheil vollzogen, soll einer der Zehn an die Säulen des Pallastes über der Piazza gegangen seyn, und allen das blutige Schwert gezeigt, und dazu gesprochen haben: Es ist groſse Gerechiligkeit gehandhabt worden, an dem Verräther! Und als die Thore geöffnet, stürzte alles mit grofser Wuth hinein, um den Dog sen sich gege nacl lotir der Güt nen docl nach mög daſs sowe welc die sollt, Grac das! fen, zeit, stehe diese Weiter icoletto lommeo 2 andre, ach der „Messer pt solle ler stei- ten Eid den Pal. am fol worden, hlagen, e Mütze pe kam. Il einer ber der blutige haben: 151 Dogen zu sehen, der gerichtet worden. Zu wis- sen ist auch, dafs bey diesem Urtheilsspruche sich Ser Ciovanni Sanudo, der Rath, nicht zu- gegen befand, weil er, wegen Uebelbofinden, nach Hause gegangen wer, so daſs nur 14 bal- lotirten, nämlich 5 Räthe, und g vom Rathe der Zehn. Und es ward beschlossen, dafs alle Güter des Dogen wie der übrigen Verschwor- nen, dem Staate anheim fallen sollten. Aber doch wurde vom Rathe der Zehn besagtem Doge nachgelassen, über 2000 Dukaten seines Ver- mögens zu verfügen. Auch ward beschlossen, dafs alle Räthe und Avogadori der Gemeinden sowohl als des Raths der Zehn und der Giunta, welche gedachtes Urtheil über den Dogen und die anderen gefällt hatten, Freyheit genieſsen sollten, Tag und Nacht in Venedig und von Gradofino bis nach Cavarzere, welches noch in das Herzogthum gehört, Waffen tragen zu dür- fen, auch zwey Knappen zu haben auf Lebens- zeit, welche zu Haus in ihrem Lohn und Brode stehen. Und die keine Knappen haben, können diese Erlaubnils ihren Kindern oder Brüdern 15² tiberlassen, jedoch nicht mehr als zwey. Eben so wurde Erlaubnils zum Tragen der Waflen ertheilt 4 Notarien der Cancellaria, das heiſst des obern Gerichtshofes, welche die Anklagen und Untersuchungen zu führen haben, auf im. merwährende Zeit. Und als sonach die Verrä- ther aufgehängt und dem Dogen das Haupt ab- geschlagen worden, blieb der Staat in grofser Ruhe und Frieden. Und der Leichnam des Dogen ward, wie ich in einer Chronik gefunden habe, in einer Barke mit 8 Fackeln in das Familienbegräbniſs nach S. Giovanni und Paolo gebracht. Das Grabmal ist noch in dem Gange, mitten in der kleinen Kirche von Santa Maria della Pace zu sehen, welche der Bischoff Ca. briel von Bergamo baute. Auf dem Steine dar- über liest man die Worte: Heic jacet Domi- nus Marinus Faletro Dux.(Hier ruht der Her- zog Marino Faliero.) In der Halle des groſsen Raths ist er nicht abgebildet worden, sondern der Platz ist leergelassen, und die Unterschrift lautet: Hic est locus Marini Faletro, decapi- tati pro criminibus.(Dies ist der Platz für 153 Eben Marino Faliero, enthauptet wegen seiner Ver- Waſſen gebungen.) Und sein Haus soll der Kirche di heiſst. Sant Apostolo geschenkt worden seyn, W elches aklagen das groſse ohnweit der Brücke war. Doch f 6..— aut Im. scheint das Gegentheil davon, dies anzuzeigen, Verrä- dafs es noch ein Haus Faliero gibt, die Faliero upt ab-„ müfsten es denn von der Kirche wieder gekauft grofser haben. Einige begehrten, daſs unter die Stelle, am des wo sein Gemäl te hängen sollen, geschrie- funden ben werde: Marinus Faletro Dux. Temeritas in das „ 1 Paolo bus.(Marino l Gange, iollkühne Keckheit. Ich b Maria enthauptete mich ob meiner Vergehungen.) An- off Ca. dre machten ein Dis ne dar-„ auf se me cepit. Poenas lui, decapitatus pro crimini- ero, Herzog. Mich fafste die ſste dafür, man chon, das wohl verdiente inen Grabs ein geselzt zu werden: Domi- er Her- Dux Venetum jacet heic, patriam qui prodere groſsen tentans, ondern Sceptra, Decus, Censum, perdidit, atque Caput. 1 Hier liegt Vene Fürst; im Streben den Staat zu verrathen Ging ihm Scepter und Ehr, Reichthum verloren und Haupt. «Uuvergessen sey es auch noch zu bemer- ken, was ich in einer andern Chronik las, näm- lich, dafs, als Marino Faliero Podesta und Hauptmann von Treviso war, bey einer Pro- cession der Bischoff mit der Monstranz zu lange auf sich warten lieſs. Da ging gedachtem Fa- liero solcher Uebermuth und Stolz bey, dafs er besagtem Bischofle einen Backenstreich gab, dergestalt, dafs dieser zur Erde fiel. Darum verstattete auch Gott, dafs Faliero den Ver- stand verlor und sterben mufste, wie oben be- schrieben.“ ichthum d Haupt. Verbesserungen des Ersten Bändchens bemer-.. 2 dieses Trauerspiels. as, näm- sta und ner Pro- S. VI. lies vor Alesia statt von. — XIX.— dem Comitté statt der zu lange 4 5— 27. lies gekrönte statt gekränkte. tem Fa-— 91.— stechen statt sterben. „dafs er— 125.— Schutzlosen statt Sehnldlosen. ch gab— 12, ist nach den Worten„zu spielen“ ei chalten: 4 Denn der bin ich nicht, und war Darum Es niec. en Ver-— 138. lies: U n d machten einen Fürsten, so Wie Knahen. ben be- ————