deutſcher, engliſcher und franzöſi 385 Literatur Eduard Ottman n in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buche jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 2 den angenommen. 3.(aution. Unbe kannte Perſonen müſſen, b eines Buches, eine dem Werthe deſſelben hinterlegen, welche de deſſen Zurückgabe v wird. 8 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———44——— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Nk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3 2 3— 4 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Vchor auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſor rgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil ein größeren Werkes, ſo iſt der Leſer un Erſatz des Ganzen verp flichtet. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtatrfinden darf, indem D Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen auch dafür zu ſtehen haben.. zur Em Morgens 8 wi ei Entgegennahme entſprchende Summe von mir zurückerſtattet hme ime 2 — ₰ 2 — 4 1 Zweites Bändeben. erster Gesang.— 2. Gedichte. Don Juan, Ueberscetzt von 5 Wilhelm Reinhold.— ——ðℳMℳsé;——-——————O'——— Z wickau, „ im Verlage der Gebrüder Schumann. 1 8 Ernst Ihner niale 8 —nU e ene ne* Allerdings, schöne Henriette, war's mein voller Ernst, als ich bey dem Spaziergange, wo ich Ihnen Einiges aus dem neusten Werke des ge- nialen Lord Byron in freyer ungebundener Uebersetzung mittheilte, Ihnen vertraute, daſs ich mit einer dichterischen Nachbildung des Ganzen umginge.— Nein, nein— ich scherze nicht— lesen Sie doch den TiteltaDon Juan, Erster Gesang. Sagen Sie, was haben Sie denn dagegen?— Schönes Kind! Ihr Augennieder- schlagen macht mich nicht irre! Wir Männer wissen recht gut, dafs dies in tausend Fällen nichts Schlimmes zu bedeuten hat! Es ist ein böses Buch!“ Da haben Sie Recht— es ist ein böses Buch! Haben Sie Hamlet bey der Hand? Die Mausefalle— Sie kennen dies Stückchen in dem Stück— war auch ein böses Ding— doch sagt Hamlet seinem Stiefvater eben in die- sem Bezug, sehr treſfend:«Was macht das? Eure Majeslät und wir übrigen haben ein gutes Gewissen! Uns geht das nichts an; der mag zich kratzen, den es juckt!“ Wir Männer ha- ben überhaupt bey dem Ganzen nichts zu wa- gen;— Alſons ist ein Grobian, allerdinge— tocht Unse. Ding verst ande nung zur mit VII aber jeder von uns dankt hier mit pharisäischem Entzücken seinem Sterne, daſs er nicht ist, wie dieser. Und Don Juan selbst ist ein junger Mann— wie alle junge Männer, die Geist und Herz in reicherem Maaſse empſangen haben; edel, tieffühlend, aber deſshalb auch ein Opfer der süfssprechenden, süfslächelnden Exvens- tochter. Das eben, meinen Sie, Verehrteste!— .... Unsern lieben Frauen geht es zu schlimm hier! Tas Dinge, von denen sie znicht» meinten— ich utes verstehe darunter nicht Sie, sondern sie, die ma; andern Frauen— daſs ein Mann nur eine Ah- . nung hätte— sind hier sonnenklar, gleichsam e. zur Warnung, dargestellt. Sie fürchten nicht mit Unrecht, daſs jeder, der dies Buch gelesen, VIII in Zukunft an keinen Ernst des Sprödethuns, gesc an keine Festigkeit weiblicher Grundsätze, an derg keine Kälte des äufsern Scheins mehr glauben V ten wird; ja ich weils wahrhaftig nicht, was ich liche Ihnen hier zum Trost sagen soll,— als eben die jene Worte Hamlets— was geht das Sie an etc erob Nein, erheben Sie Sich über die kleinliche niger Rachsucht des Beleidigten! Stehen Sie da, frey nich von aller Partheylichkeit— ich verlange viel von Ihnen. Die Rach' ist süſs, absonderlich die den Frauen— urtheilen Sie: Weht im Gan- zen nicht der heiterste Ton von der Welt? Und cben Erheiterung suchen Sie bey dem Dich- tor! Ist nicht mit treffender Wahrheit das Er- wachen der Liebe«in eines Neulings Brust» hier IX Aber was interessirt mehr, als bey geschildertt dergleichen Vorfällen einem Herzen in die Kar- ten blicken zu därfen b Ist nicht die gewöhn- liche— was sag' ich— ich meine, ist nicht die ideale Sitte schöner Frauen, zu gefallen, zu erobern— erobert zu werden,— zu beschö- nigen— zu wagen— zu verlieren— ist das frey nicht alles so schön und doch so wahr beschrie- viel ben, dafſs wir alle wetten möchten, es wäre lich die oder die gemeint? Und— ja wenn er ran- 1 alles für voll hinaus gehen liefse, der sinnige elt? Dichter! Aber, o welch ein Schicksal trifft die ich- liebliche Julie! Wie viel kann dabey so man- Er- che lernen— sich vorsetzen etc.— Sie lächeln und meinen, wozu solche üppige Gemälde, um sie als Vordergrund für bessernde Scenen eines Hintergrundes hinzustellen? Lassen Sie Sich von Rousseau, diesem homme de la nature, die Ant- wort geben; sie steht in seiner herrlichen pr e- face de Julie: Rabaisses un peu v mode- Ies, si vous voulez qu on cherche à les imiter. Aæh qui vantez vous la purélé qu'on n'a point souillée? Eh! parles-nous de celle quon peùët recouvrer; peut g&tre au moins quelqu'un pourra vous entendre. Und selbst sein Gegner gesteht ihm dabey zu: Fi votre Héloise eile&tε toujours sage, elle instrui- roit beaucoup moins; car à qui serviroit-elle de modèle? Sie wissen, wie Rousseau in seiner Heloise die Gefallenen zuletat Engel werden läſst, we- nig verg Mer sein nodée- r. AA il!e? strui- le de XI nigstens die Hauptheldin! Auch Lord Byron verspricht, wenn nicht dasselbe, doch: aIm zwölften Buche sollt ihr sehen Die Stelle selbst, wohin die Schlechten gehen!* Merken Sie, Freundinb In die Hölle läſst er seine Frevler kommen! Ist das nicht Strafe ge- nug? Uns allen zum abschreckenden Beyspiel? Wo also bliebe das Gefährliche des Buches? Lord Byron erzählt Dinge, wie sie allerdings häufig sich zutragen— das sollt' er nicht? Aber, oh’'s niemand thäte, sie geschehen doch! Er er- zählt sie, nicht um einem Unschuldigen die ge- heimen Sehliche der Schuld kund zu thun, oder der Phantasie ein üppiges Bild als Weihnachts- XII abendpuppe zu gében— er erzählt, um an die und That die Folge der That zu reihen! Ja, ver- Wel knüpfte er mit dem Bösen gute Folgen, wehte Daſs jener Ultra-Epikureismus—(wären Sie ein Ge- saher lehrter, sprache ich jener Euthydemeismus—) 1 schei in dem Buche, der des Lebens Zweck in un- theile umschränkte Befriedigung der unumschränkten habe Begierden setzte— ich würde meine Uebersez- lacht zung in'’s Feuer, so viel Fleifs und Mühe sie über: mich gekostet— aber es ist wahrhaftig anders! nahe Läfst Byron seine Personen ein Gebot brechen, so geschieht es blos, um sie alsdann zu ihrer Strafe gelangen zu lassen. Seine Bösen, anstatt dem Glücke, streben ihrem Untergang entgegen. Ist das anders gedichtet, als Sokrates glaubte un- akten ersez- e sie ders! chen, ihrer nstatt egen. aubte AXIII und lehrte? Als wir alle, die wir moralische Weltordnung glauben, glauben und lehren? Daſs die englischen Blätter dies gehässig über- sahen, kümmere Sie nicht! Sie lasen wahr- scheinlich jene Pröbchen englischer Kunstur- theile, die uns das Morgenblatt mittheilte? Ich habe mich halb todt vor Freude darüber ge- lacht! Ich wurde zum Erstenmale ganz deutlich überzeugt, daſs man zum Recensiren, wie bey- nahe zu den meisten Berufsgeschäften, zwe y Hände braucht. Die Eine giebt, die andre nimmt. Lob und Tadel, Schmähung und Erhebung war hier so allerliebst gemischt, daſs ich freudig die alte Blutsverwandtschaft zwischen Britten und Deutschen anerkannte! Lord Byron hat unter de thüm Feinde habe, und Feindschaft— das aber gehört thümlich— führt häufig die gland nicht eig n Feder der Recensenten. Lord Byron ist ein st— und wir kühner, reicher, wissen, daſs es solchen bisweilen geht, wie den Oberhäupterh mancher wilder Völker— sie werden erst nach harten Qualen in ihre Wür- den eingesetzt. Der Uebersetzer. und Don Juan. 83 Di Micile est proprie communia dicere.“ Hor. Epist. ad Pison. —V—-—————ℳ—ℳ—ℳ—V———ℳ6õõ——ℳ——-—GõAA Don Juan. 1. Mir fehlt ein Held,— ein sonderbarer Fall, Da jeden Mond im Jahre wir neu empfahn, Bis, füllten die Zeitungen lang sie mit Schall, Die Welt sich betrogen sieht in ihrem Wahn; Dergleichen Helden stehen mir nicht an— D'rum wähl' ich unsern alten Don Juan. Ihr sah't ihn auf der Bühne, sonder Zweifel Im besten Alter noch, geholt vom Teufel. 2. Vernon, Wolf, Hawke, der Metzger Cumberland, Howe, Granby, Burgoyne, Keppel, Ferdinand— Es hatte gut und bös des Rufes Zoll, (Wie jetzt von Wellesley all' Ecken voll) Der Reihe nach, wie Banquo's Königschau, Ilofstaat des Ruhms, neun Ferkel dieser Sau.“ Im Moniteur, Courier von Frankreich ward So Dümouriez gelobt, und Buonaparte. 3.. So star .— Treff' Barnare, Condorcet, Petion, Mirabeau, Der fü Clootz, Marat, La Fayette, Danton, Brissot— Franzosen sind's, und hochberühmte Leute; Drum Viel andre kennen wir, genannt noch heute, Joubert, Hoche, Marceau, Lannes, Dessaix, Moreau, Den stehen die Herrn vom Militair zur Seite— In me 1 Entsetzlich ruhmeswerth zu andern Tagen— Das, s. Nur wollen sie dem Dichter nicht behagen. Dann, Ein, W 4. Indem Ihr wiſst, wie Britanniens Kriegsgott Nelson war, Er zu: Noch sollt' er's seyn— doch die Zeit will's an- In Gro ders haben: Vo k Man hört kein Wort jetzt mehr von Traſalgar, Es ist mit unserm Helden ganz begraben; Denn die Armee ward jetzt mehr populär, Ja, 50 Und dies bekümmert die Marine sehr! Mein Auch ist der Prinz auf Landdienst ganz besessen, Ich str / Und so ward Dunkan, Nelson, Jervis, Howe Und v vergessen. S0, 9: Soll d Vor Agamemnon ¹) lebten wackre Helden, Von] Und nach ihm, auserlesen bray und klug, Auch, Wenn auch nicht alle ganz ihm ähnlich gelten; Dann freylich pries sie keines Dichters Buch, 5 So starb ihr Nam'; ohn'’ einen d'rum zu hassen— Treſf' ich nur gegenwärtig niemand an, Der für mein Werk, mein neues, recht wollte passen— D'rum, wie gesagt, wähl' ich Freund Don Juan. Dessaix, 1 5 Seite— In medias res" zieht sonst der Heldendichter, gen— Das, spricht Horaz, sey richtige Eposmode, gen. Dann, wie ihr's eurem Helden vorgebt, flicht er Ein, was vorher sich begab, als Episode, Indem nach Tische, süfser Ruh' zu warten, Er zu dem Liebchen irgendwo sich setzt In Grotte, Paradies, Schlofs, oder Garten, Wo köstlich das glückliche Paar sich letzt. Ison war, will's an- FTrafalgar, 8 en; 7. lär isr Ichr hay mir .„ lär, Ja, so ist's sonst Gebrauch, doch nicht bey mir; Mein Weg ist, bey dem Aufang anzufangen, besessen, Ich strebe nach des Regelmäſs'gen Zier, is, Howe Und verpönt ist alles Sprüngemachen hier. 80,— mag dies Werk ein Stündchen auch ver- langen,— Soll denn ein Stammbaum jetzt mein Erstes seyn. den, Von Juan's Vater sollt ihr Kund' empfangen, klug, Auch, wollt ihr's, web' ich von seiner Mutter eh gelten; ein'ges ein. Buch, Sevilla war die Stadt, wo er geboren, Berühmt durch Weiber und Orangen; wer Nie selber es gesehn, hat viel verloren, So sagt das Sprüchwort, ich bestätg' es sehr; Der span'schen Städte kein' ist lieblicher, Cadix vielleicht— doch später mehr hierüber; Von Juan's Eltern war ein Haus erkoren Am Rand des edeln Stromes Guadalquivir. 9. Sein Vater hiefs Jose— Don, das bemerk' ich kaum!— Es lief des edlen Hidalgo Familienbaum Vom Fleck des jüd'schen, maurischen Geblütes fern, Durch den der ächten gothisch-span'schen Herrn. Kein bess'rer Cavalier safs je zu Pferde, Und stieg, nachdem darauf er gesessen, zur Erde, Als Jose, der erzeugte Juan, der Erzeugte— doch jetzt weiter— das nachher! 10. Gelehrt war seine Mutter und berühmt Durch alle Wissenschaften, die bekannt; In allen Christensprachen, nur beniemt, Durch Tugenden, so hoch als ihr Verstand, Und’s In ihn Von Ihr Ke Den( Schau Konnt Feinag Er sel Gelän Als da Ihr m Und è Ihr V Ihr er Kurz Battis War Nebst erk' ich Deblütes n Herrn. ur Erde, aher! Beschämte sie die tüchtigsten Gelehrten, Und selbst die Guten fühlten bittern Neid, In ihrer eigenen Vortrefflichkeit Von dieser übertroffen noch zu werden. 11. Ihr Kopf glich einem Schachte; sie sagt auswendig Den Calderon, den halben Lopez her; Schauspielern, denen das Gedächtniſs unbeständig, Konnt’ oft sie dienen zum Souffleur. Feinagle's Kunst war ohne Werth für sie, Er selbst gestand, hier müſs' er weiter ziehn, es Geläng' ein solch Gedächtniſs ihm selbst nie, Als das, wie's thron' im Kopfe der Donna Ines. 12. Ihr meistes Wissen doch war mathematisch, Und Seelenadel ihre schönste Tugend; Ihr Witz—(oft war sie witzig)— war ächt attisch, Ihr ernst Gespräch nach hohem Dunkel suchend. Kurz zu den Wundern schien sie zu gehören. Battist trug morgens sie, ihr Abendkleid War Seide, auch Muslin zur Sommerzeit, Nebst andrem Stoff— zwar das soll jetzt nicht stören. 13. Lateinisch verstand sie..«das Gebet des Herrn;“* Kurz Und griechisch— bis zum Alphabet mocht’s Ganz seyn; Nach Französische Romane las sie gern, Des Doch ihr' Aussprache war nicht rein; Die: Das Span'’sche war durchaus nicht ihre Soche, Selbs Zum wenigsten war dunkel ihre Sprache; Auf a K Problem und Theorem war, was sie sagte, Sie he Als ob die Dinge schön das Myst'sche machte. 14. Englisch, Hebräisch auch litt' sie nicht übel, Hlooh Und witterte hier eine Sprachverwandschaft; Sie meint' es zu erhärten aus der Bibel, Entscheide, wer hiermit hat mehr Bekanntschaft. Nur das hört' ich von ihr— mir schien's ganz Wi richtig, Au2 Und selbst für Gegner ist die Sache wichtig—: Nur „Seltsam, was im Hebrä'schen heiſst: I am, Das setzen die Engländer stets vor damn.“ lerrn;“* mocht's che, . 2 3 2, nachte. übel, haft; . atschaft. n's ganz atig—: am, in.* 16. Kurz, sie war ein leibhaftiges Exempel Ganz nach Mils Edgeworths Charakterstempel, Nach Madame Trimmers Buch von Kinderzucht, Des Hagestolzen Weib,“ das Freyer sucht, Die widerlich verkörperte Moral. Selbst für den Neid ganz ohne Mahl— Auf andre mögen Weiberfehler fallen, Sie hatteselbst— den schlimmsten nicht von allen! 17. O ganz vollkommen war sie, ohne Cleichen, Hoch über neurer Frauen Ieiligkeit, Sie konnte keiner Hölle Macht erreichen, Längst sparte sie dem Schutzgeist sein Geleit; So fromm war jedes Regen, jedes Neigen, Wie in den frömmsten Stücken neu'ster Zeit; All' andre Tugend war vor ihrer— Wasser— Nur deine nicht, du einz'ges Oel, Macassar. ²) 18. Vollkommen war sie— wie Vollkommnes ist— Unschmackhaft nieden in der argen Welt; Wo kaum die ersten Eltern sich geküſst, Eh'’ sie verjagt aus Edens Zelt, Wo Frieden, Unschuld sich zum Glück gesellt, (Wie schlich wohl den Armen die zwölfstünd'ge Frist!). Don Jose, Evens ächter Sohn, verlangte Sie! Nach Früchten bisweilen, wo Donna Ines zankte. Den n Steht 19. Daſs Er war ein Mann von unbesorgtem Sinn, v Mit mäſsigem Hang für Wissen und Gelehrte; n3 Wo ihn die Lust hintrieb, da ging er hin, Dolc] Und meinte nicht, daſs dies sein Weib be- 512 schwerte; War. Die Welt, wie stets, geneigt, das Untergehn Von Thronen oder— von einem Haus zu sehn, Raunte von Einem Liebchen, dann gar von zwey'’'n— Doch Eins schon kann zum Hauszwist gnügend seyn! 20. Nun, wie auch Donna Ines sonst vollkommen, War doch sie für sich selbsthöchst eingenommen; Ein Engel nur erträgt mit Gleichmuth Kälte, sagt Und wie ihr Werth als solchen sie gepreilst, So hatte sie doch einen Teufelsgeist, Wo oft zur Wirklichkeit sich Wahn gesellte, Lieb war ihr, jegliche Gelegenheit Zu ihres Eheherrn Verlegenheit. mmen, ommen; Kälte, iſst, gesellte, 21. Sie hatte leichtes Spiel bey einem Mann, Der öfters fehlt, und niemals vor sich sah; Und selbst der Klügste, thu' er, was er kann, Steht so verblüfft zu Tagen, Stunden, da, Dafs mit dem Fächer ihn die Frau erschlagen könnte; Und manchmal schlägt ein Weib ganz schreck- lich drein, Dolch wird der Fächer ihrer niedlichen Hände— Warum denn P.. Wofür denn P.. Kein Mensch sieht's ein! 22. Gelehrte Jungfrau'n wählen meistens leider Personen von nicht viel Erziehung weiter, Oder— wie gut geboren und erzogen, Nur dem gelehrten Reden nicht gewogen; Verlangt nicht, daſs ich mehr hierüber sage, Ich bin ein schlichter Mann, einfach von Stand— Ihr Herrn von Fraun mit schimmerndem Ver- stand, Sagt redlich, waren sie nicht eure Plage? 23. Don Jose stritt mit seiner Frau, wofür 5 Das konnte von den Vielen keines ergründen, Ob tausende das Geheimniſs wollten finden, Was ging die Sach' auch ihnen an und mirf Neugierd' ist mir die niedrigste der Sünden, ES 8 Wenn irgend etwas mir gereicht zur Zier, Soh ich So ist's, gern schlicht' ich meiner Freunde Streit, 1 Da ich für mich nicht habe häuslich Leid. Siel 24 Gut . Daſs D'rum legt' ich mich in bester Meinung Adrein, Bis Doch ihr Betragen zeigte sie unwerth dessen, Und Das närrische Volk, war, glaub' ich, ganz be- sessen, Sie anzutreſfen, sollt'' unmöglich seyn, Obgleich der Pförtner nachmals mir gestand— Don Doch davon still— das schrecklichste war das, Achtlos warf einst der kleine Juan ein Fafs Waschwasser über mich her vom Treppenrand. 23. Ein kleiner lockenköpf'ger Taugenichts, Ein Schelm vom ersten Schein des Lebenslichts, Die Eltern, stets in Widerspruch befangen, Nur Eins— im Hätscheln dieses Rangen— Sie hätten, wenn sie klug gewesen wären, Den jungen Herrn zur Schule fein geschickt, Oder daheim den Rücken ihm gespickt, Um für die Zukunft Sitten ihn zu lehren. 26. Es scuſzten Donna Ines und Don Jose, Schon länger unter schwerem Eheloose, ; Nicht Scheidung— Eins hofft' auf des Andern Streit, 5 n Tod; Sie lebten ehrbar wohl als Mann und Weib, Gut war vor Andrer Augen ihr Betreib, Daſs sich kein Zeichen innern Zwistes hot, drein, Bis die verhaltene Gluth am Ende sich fachte, sen, Und ihre Händel offenkundig machte. 27. nd— Donna Ines rief nach Aeraten und Quacksalbern, ar das, Um darzuthun, ihr theurer Mann sey albern; aſs Doch da er helle Stunden hab' im Tage, nrand. Sprach sie nachher, er sey nur ernstlich krank, Und that man nach Beweisen eine Frage, So war das Einz'ge, was man ihr entrang: Ihr Pflichtgefühl für Menschen und für Cott, . Schreib ihr dies vor— doch das erregte Spott. slichts, gen, — 28 1 lt Sie hielt ein Buch, wo seine Sünden standen, cht. Und schlofs ein Fach mit Schriften, Briefen auf, VWas alles zeugen konnt' im Sachverlauf, a. Aufhetzer in Sevilla g'nug sich fanden, Auch eine alte Muhme(ziemlich toll); Magister nahmen ihren Streit zu Ohren,. Dann Richter, Rechtsg elehrt', Inquisitoren, Bring Zur Kurzweil Ein'ge, Andr' aus altem Groll. Obe Daſü 29. Noch Nun war die beste, die sanfteste der Frau'n Es föl Stets heiter bey des Gatten Leid zu schau'n, Durc Ganz wie die Spartschen Frau'n in vor'gen Auch Jahren, Hier Die, sahn sie todt die Männer, stark g'nug waren, Kein Wort von ihnen zu erwähnen mehr; Still hört' auf ihren Mann sie bittern Tadel, Sah auf sein Quälen hin so ruhig hehr, Dafs alle Welt rief: Welcher Seelenadel! Die F 30. So ist's, die Ruhe bey der Menschen Schelten, Sehn unsre Freund' als philosophisch an; Auch ists recht schön, für hochgeherzt zu gelten, Mehr noch, erreichen so wir unsern Plan; Als Von malus animus» in Rechtessprache, Kann so verfahrend, nicht die Rede seyn, Zwar keine Tugend ist und bleibt die Rache, Doch, ist die Schuld, wenn andre schaden, mein? 31. Bringt unser Streit Vergangnes auf den Weg, Ob obendrein mit Lügen er's verstärkt— Dafür kann ich nicht, wie ihr wohl bemerkt, Noch sonst wer; früher schon war's Stadtge- spräch, Es fördert unsern Ruhm dies Auferstehn, Durch den Contrast- was wir doch gerne sehn; Auch kann die Wissenschaft es weiter führen, Hier lohnt sich reich das Anatomisiren. 32. Die Freunde strebten, friedlich es zu enden, Verwandt' auch— die’s doch schlimmer erst gemacht; Schwer ist die Antwort, wenn diesſalls ihr fragt, An wen man sich am besten könne wenden; 3 Freund' und Verwandte kann ich hier nicht loben; Um Scheidung sich ihr Advokat bewarb; Doch kaum hatt' er die erste Post erhoben, Als— unglückscl'ger Fall— Don Jose starb. 33. Er starb, und sehr zur ungeleg'nen Stunde, Da allen Andeutungen nach, Die ich empfieng aus Rechtsgelehrter Munde, (Ob klare Oſfenheit sonst nicht ihr Fach) 16 Sein Tod den trefflichsten Prozefs zerstörte; Die öffentliche Theilnahm' auch entbehrte Gar viel so, die bey'm Vorfall dieser Art Besonders lebhaft sich geollenbart. 34. Doch ach er starb! begraben mit ihm ruhte Der Neugier Hoffnung, der Juristen Lehn; Sein Haus ward feil, die Diener mufsten gehn; Das Eine seiner Liebchen nahm ein Jude, Das andr' ein Pfaff,(so sprach man laut darüber). Die Aerzte fragt' ich, was hinweg ihn nahm, Es war ein schleichendes dreytägiges Fieber; So liefs die Wittw' er ihrer eignen Schaam. 33. Doch Jose war ein chrenwerther Mann, Ich kannt ihn g'nau, und darf es nicht verhehlen, Drum will ich seine Schwächen nicht weiter zählen; Gewils man traf auch wenig mehr noch an; Wark seine Leidenschaft oft den Verstand, War Numa's(auch Pompilius genannt) Weit friedlicher in jedem Falle—: Er hatte wenig Bildung, und viel Galle! Als ei Recht Hlat e Wird Die k Daſs Ganz (Casti Und 13. rruhte hn; gehn; de, arüber). nahm, ieber; naam. erhehlen, at weiter h an; and, 36. Doch wie'’s mit seinen Fehlern stand und Werrhe, Der Arme, muſste dulden manchen Schmerz; Gestehn wir’'s, da entflohn er dieser Erde; Allein sich finden an dem öden Heerde, War doch ein Zustand ausser allem Scherz; Des Hauses Götter um ihn her in Scherben— Behielt sein Stolz, sein Fühlen zwischen Sterben Und-Arztes Kost die Wahl, er wählte Sterben. 37. Nicht war testirt; so ward Juan von Kleidern, Vorwerken, Fluren, Erb' insonderheit, Was, bey so grofser Minderjährigkeit, Sich noch versprach dem Eigner zu Bu eitern; Als einz'ger Vormund ward Ines ernannt, Recht war's so, die Natur verlangt's auch schon: Hat einzig Mutterzucht ein einz'ger Sohn, Wird er erzogen stets mit viel Verstand. 38. Die keuscheste der Fraun und Wittwen wollte, Dafs ihr Juan ein Muster werden sollte, Ganz seiner vortrefflichen Ahnen werth, (Castil'scher Vater, die Mutter von Arragon) Und daſs er sey ein ritterlicher Sohn, 13. B 18 Zög' unser Herr der König einst das Schwerdt, Liefs sie ihm Reiten, Fechten, Schiefsen zeigen, Auch wie zu Burgen und— Klöstern sey zu steigen- 39. Was Donna Ines doch zumeist begehrte, Wo selbst sie prüft', ch jeder Lehrer kam, Wovon sie eine Zahl in Miethe nahm— War, daſs die Bildung ganz moralisch werde; Sie blickt' in alle Studien hinein, Ihr mufste vorher Alles zu Cesichte, Kein Zweig des Wissens sollt entzogen seyn Des Knaben Aug', als— die Naturgeschichte. 40. Die Sprachen— und besonders zwar die todten, Die Wissenschaften— recht gehüllt in Dunst, Und, fufse sie nicht auf gemeinem Boden, (Das muſst entschieden werden) auch die Kunst— In allem dem ward Kenniniſs ihm verschafft, Doch nicht ein Blatt, das Schlüpfrigkeiten führte, Oder Fortpflanzung des Geschlechts berührte, Litt sie, aus Furcht, er werde lasterhaft. Die Ob fr Die ei Nicht Die w Und Verbr. Denn Ovid i Wer v werdt, werde; seyn ichte. todten, Dunst, en, Lunst— chafft, gkeiten ührte, ft. 19 41. Die Wahl der Classiker war äusserst schwierig, Ob frechem Betragen der Olympier, Die einst die Erde durchschwärmtensehrberührig, Nicht Pantalons und Schnürbrust um sich her; Die würd'gen Lehrer hatten Kampf genung, Und muſfsten Aeneiden, Odysseen Verbrämen mit seltsamer Vertheidigung, Denn Ines konnte Mythen nicht ersehen. 42. Ovid ist, halbem Nachlaſs nach, ein Wiehr, Wer wollt'’' Anakreon zu loben wagen? Catull hat kaum Ein züchtiges Gedicht; Von Sappho kann man nicht viel beſsres sagen, Obgleich Longin von ihren Oden spricht, Es gäbe keine von erhabner’'m Ton; ³) Virgil singt rein, nur in dem Scheusal nicht, Wos heifst: Formosum pastor Corydon. 43. Zu stark herrscht Atheismus bey Lukrezen, Um junge Magen wohl damit zu äzen; Auch Juvenal war nicht auf rechten Wegen, War auch sein' eigentliche Absicht gut; Welch wohlerzogner wird die Dinge pflegen Zu nennen, g'rad heraus, wie er es thut? 20 Und wer ist so verkehrt, dafs seine Wakl Die Epigramme eines Martial? 44. Die best Ausgabe ward gewählt für ihn, Gesäubert durch Gelehrte, welche weise Des Schülers Blick die gröbsten Ding' entziehn, Doch aus Besorgnifs, daſs auf diese Weise Dem züchtgen Barden man den Schmuck ent reifse, Auch die Verstümmlung fndend gar zu hart, Sie hinter stellen— nach Appendixart, 4) Was trefflich eines Index Mäh’ erspart. 43.— Da haben wir sie all' auf einen Schlag, Statt dafs sie sonst im Buche vereinzelt waren, Schön paradierend dort der Reihe nach, Des pfifl'gen Jünglings Fand in künft'gen Jahren, Bis ein Gelehrter, wen'ger unerbittlich, Jedwedes in den eignen Käfig steckt, Statt dafs, so beysammen stehend, sie geschreckt, Wie Gartengötter— und nicht einmal so sitt- lich. Dafs! War, Sehr Sehr; Vom Zur 4 Dies 1 Darun Er las Und 1 Bey f Fand Doch Ist in Des h Die Le Auch Die M. 46. Dafs Meſfsbuch auch(s war ein Familienstü ck) War, vorigen Meſsbüchern gleich, geputzt Sehr seltsam, und mit Gruppen ausgestutzt, Sehr grell beleuchtet;— wie des Betenden Blick . Vom Kusse der Bilder auf des Buches Rand, 1 Zur Andacht überging— faſst kein Verstand! tziehn Dies wollte Juans Mutter selber haben, eise Darum besorgt' ein andres sie dem Knaben. ick ent — hart, 47. 4) Er las der Heil'gen Leben, Homilien, Und Reden, Predigten zum Ueberdrufs; Bey Hieronymus, Chrysostomus Fand nirgends er Verbotenes für ihn— Doch Glauben lernen, und sich deſs versichern, Ist in den lieblichen Bekenninifsbüchern waren, Des heil'gen Augustins weit schöner als dort zu 1 finden, Jahren, Die Leser lernen ihn neiden um seine Sünden. . 48. chreckt, so sitt- Auch dies war Juan ein verbotnes Buch, Die Mutter, glaub' ich, that dran recht genug, Sollt' ihre Erziehung im Ganzen etwas laugen; Sie lieſs das Söhnchen nicht aus ihren Augen; 22 Alt ihre Frau'n, kam eine neue an, So glich sie wahrlich einer Vogelscheuche, Das that sie schon bey ihrem sel'gen Mann, Auch rieth' im Ernst ich jeder Frau das Gleiche. 49. Juan nahm zu an Schön' und Huldgebehrden; Mit sechs ein liebliches Kind, im eilften Jahr Lag in dem Antlitz das Versprechen klar, Schön, wie des schönsten Mannes dereinst zu werden. Er lernte fleifsig, wuchs sehr schnell heran, Auf gradem Wege zum Himmel, so schien es, wär' er; Den halben Tag war er zur Kirch', und dann Umgaben stets ihn Mutter, Beicht'ger, Lehrer. 50. Mit sechs, sprach ich, war er ein liebliches Kind, Mit zwölf ein schöner, aber stiller Knabe; Ob früherhin wohl wild, wie Kinder sind, So hatten, ihn zu bänd'gen, sie die Gabe. Dem Anschein nach war wenigstens zu hoffen, Er sey gebessert; freudig ward erklärt Von seiner Mutter, wie gesetzt, gelehrt, Das Wesen schon des jungen Philosophen. Ich Dockl Wol Ich Vom Er u Doch Wär Ichn Jedoc Hätt“ Zur d Ich v Zur I Ich t Dort Dort 23 51. ha Ich war ungläubig, bin es noch vielleicht, 31. e Doch meine Gründe sind nicht sehr erheblich; lelche. Wohl kannt ich seinen Vater,— und Charak- ter gleicht— Ich hab' Erfahrung— doch es ist nicht löblich, hrden; Vom Vater auf den Sohn zu schlieſsen. en Jahr Er und sein Weib— sie paſsten nicht; ar Doch Lästern ist mir Gerulz ein Wort, das 2 sticht, einst au Wär's Scherz auch, kann mich entsetzlich ver- ran, drieſsen. hien es, 32. d dann Ich meines Theiles sag' nichts— nichts— als— Lehrer. Jedoch der Grund bleibt mein— das allenfalls, Hätt' einen einz'gen Sohn ich, ihn zu schicken Zur Schule(wie Gottlob ich keinen nun) . Ich würd' ihn nicht zu Donna Ines thun es Kind, Zur Lehre in den Catechismusstücken! hbe; Ich thät zur Hochschul' ihn bey guter Zeit, Dort las auch ich mir meine Gelehrsamhkeit. 53. Dort— nicht mich defs zu rühmen jetzt— dort hat.. Ja— ich erwarb dort.. übergeh' ich das, So wie das Criech'’sche, das ich drauf vergaſs, Dort, sag' ich, ist der Ort.. doch verbum sat, Ich las dort auf, denk' ich, was mancher las, Des Kenniniſs von Dingen— wenig kümmert's was?— Verr Ich war niemals beweibt, allein es schien Ihr Mir längst, ein Sohn sey anders zu erziehn. Und Als 54. Boab . Nach Der junge Juan war nun sechzehn Jahr, Uand Groſs, schön, schlank, gut gebaut— er war Flink, wie ein Page, doch nicht ganz so keck; Als Mann stellt' er sich Aller Augen dar, Nur seiner Mutter nicht; der war's ein Schreck, Sie n Sie bifs(sonst hätte sie geschrien grad weg) Die Lippen, sagt' es eins; denn frühes Reifen Schien an's Entsetzliche ihr anzustreifen. 55. Zur Menge ihrer Freundinnen— erlesen, Durch ihr sittsames und gar frommes Wesen, Gehörte die Donna Julia; nenn ich Sie hübsch, so ist's nur ein dürftiger Pinselstrich Für Reize, die so eigenthümlich ihr, Wie Salz dem Meere, der Blume Farbenzier, Der Gürtel der Venus, der Pfeil dem Cupid, (Doch der letzte Vergleich ist verbraucht und stupid) 56. n sat, 2:. r las Des orientalischen Auges schwarze Tinten as?— Verriethen klar das maurische Geschlecht; en Ihr spanisch Blut, war(nebenbey) nicht ächt. hn, Und das gehört in Spanien zu den Sünden; Als fiel Grenada's Stolz, und, weggetrieben, Boabdil weinte, flohn die Verwandten der Julia Nach Afrika theils, theils blieben sie da, , Und ihr' Ureltermutter war geblieben. war so keck; 57. Schreck, sie nahm(den Stammbaum hab' ich wieder ver- weg) gessen) Einen Hidalgo, deſs Blut, zu Folge dessen, Nicht so rein sich erhielt, wie's sollte seyn, Und gewiſs hat er drob der Seinen Zorn er- Reifen fahren, Die in dem Punkte so bedenklich waren, ben, Daſs sie pflegten, sich unter einander zu frey'n, Wesen, Heirathend die Nichten, ja Muhmen, Cousinen, Was, öfter geschehn, zum Verderb des Ge- selstrich schlechtes muſs dienen. 38. D'rum war der Heidenbund für das Geschlecht sehr gut, Das Fleisch gewann, der Schaden iraf das Blut So kam's, dafs dem häſslichsten aller Geschlechter In Spanien, ein schöner frischer Zweig entstieg, Die Söhne waren nicht kurz mehr, und platt nicht die Töchter; Nur sagt ein Gerücht, das lieber ich verschwieg, Der Mann von Juliens Eltermutter hatte Mehr Erben von ihr als Bräut gam, denn als Gatte. 59. Wie dem auch sey, aufblühte das Geschlecht, In jedem Alter edler, schön und stolz, Bis es auf Einen Sohn zusammenschmolz, Der Eine Tochter hinterlieſs; mit Recht Solle ich bemerken, dafs dies niemand anders war, Als Donna Julia(die zur Geschichte Gar sehr gehört in gegenwärtigem Gedichte) Sie war vermählt, keusch, schön, und drey und zwanzig Jahr. 60. Ihr Aug'(und schöne Augen sind mir theuer) War grofs und schwarz, und wenn sie redte, brach Ilervor ein früher halb ersticktes Feuer, Das mehr von Stolz als Zorne sprach; hlechter entstieg, nd plati schwieg, te denn als eschlecht, olz, ht d anders dichte) drey und theuer) sie redte, er, ; 27 2 Und mehr von Lieb', als beyden; seinem Glanze Lag etwas bey— wohl nicht sehnsücht'ger Drang, Doch konnt er's werden— allein die Seele rang Sich hindurch, und hauchte Keuschheit auf das CGanze. 61. Die Stirn von glänzend schwarzem IIaar umflogen, War Spiegel ihres Geistes, sanft und schön, Der Brau'n Gestalt wargleich dem Himmelsbogen, Der Jugend Roth sahst du der Wang' entweh'n, Bisweilen sich steigernd zu schimmernder Gluth, Als entblitzt' es den Adern; in Wahrheit, aus- erlesen War ihre Mien'’ und ihr holdselig Wesen, Lang war sie— butz'gen Frau'n bin ich nicht gut. 62. Sie war an einen Funfziger vermählt— g'nug hat Man solcher Eheherrn von Rom bis Danzig; Jedoch dächt' ich, an solches Einen Statt, Sey's besser, zwey zu haben von fünf und zwanzig; Besonders in den Au'n der Sonnenwende; So eben denk' ich dran,«mi vien in mente,“ Wie Frauen, selbst mitsteif erzwung'ner Tugend, Sich Männer loben von noch rüst'ger Jugend. Ein Uebelstand, ich muſs es wohl gestehen! Und nur die leid'ge Sonne wirket das; Denn nie läfst unsern schwachen Staub sie gehen, sie bäckt, und kocht, und brennt ohn’ Unter- laſs; Und wie die Leute fasten, beten können— Das Fleisch bleibt schwach, und so der Geist besiegt; Was Menschen ſeine Sitt, und Götter Eh'bruch nennen, Iet häuf’ger an den Orten, wo viel Sonne liegt. 64. Drum Heil den Völkern in dem frommen Norden! Wo Tugend nur, wo kalte Winierzeit Erfrieren läfst die Sünde ohne Kleid; (Vernünftig ist durch Schnee der heil'ge Anton worden) Wo Weiberwerth geschworne Richter wägen, Als Strafe vom Verführer fordernd— wie'’s ge- fällt Ein Sümmchen— ja, den Preiſs muſs er er- legen, Denn dort verkauft dies Laster man für Geld. 63. Alfons hiefs Juliens Gatte; sein Gesicht Sah für sein Alter noch recht leidlich aus; e gehen, Sie liebt ihn weiter nicht, und hafst ihn nicht, Unier- Sie lebten, wie man pflegt in manchem Haus. Sie litten ihre Schwächen nach Vertrag, — Ob ein', ob zwey— ward nicht so g'nau ge- er Geist nommen; Doch Eifersucht verborgen in ihm lag; (Eh'bruch Sie will ja stets dem Blick der Welt entkommen. ne liegt. 66. Die wärmste Freundschaft(weils nicht, wie'’s ge- schah) 2 War zwischen Ines und der Julia; Verschiedenes schien ihr Geschmack zu lieben, Denn Julie hatte nie ein Wort geschrieben; Es wispern ein'ge(doch gewifs erlogen, Die Bosheit wittert stets von Absicht was) Dafs Ines, eh' Alfonsens Bund vollzogen, Den Vorsatz keusch zu seyn— mit ihm vergals, n Nordenl! it b 'ge Anton wägen, wie'’s ge- ufs er er- 67. Und daſs, das alte Bündniſs zu erhalten, ir Geld. Was durch die Zeit mehr Unschuld stets bekann, Sie seine Gattin auch zu Gunsten nahm; Unläugbar war's das klüglichste Verhalten; Der Julia schwur sie Schutz für allemal, Alfonsen lobte sie ob seiner Wahl, Dämpft' auch nicht ganz die Schmähsucht die- Sie wu sen Pfiff, Das W. So liefs er ihr doch einen engern Griff. Ihr Bli Und be 68. Wohl Ich weiſs es nicht, ob Julia in den Dingen Pals Do Mit andrer Leute Augen sah, ob sie 5. 2 Für sich entdeckt— keins war im klaren hie, S, We Kein Zeichen wenigstens wollt' ihr entdringen; Sie wuſst' nicht, oder achtet' es nicht sehr, Gleich anfangs kalt— verhärtet vielleicht nach- Allein im her— Die klei Ich bin verlegen, was ich hier soll sagen, Der sei Es war zu tiefverschlossen ihr Betragen. Ei 69. Sie sah den Juan; und als schönen Jungen Liebkoste sie ihn— solche Liebkosungen Wobhl konnten sie von Herzen schuldlos seyn, Als er noch dreyzehn Jahr alt, und sie zwanzig; Doch würd' ich mich auch dann noch drüber freu'n, Und tra Als sechzehn er, und Julie drey und zwanzig? Jedoch Die wen'gen Jahre machen groſsen Unterschied, Besonders da, wo heiſse Sonne glüht. Und ob n n s seyn, wanzig; drüber nzig? schied, 31 70. Sie wurden anders, was der Grund auch sey; Das Weibchen wurde ernst, der Jüngling scheu, Ihr Blick schlug nieder sich, ihr Grufs ward stumm, Und beyder Augen schienen höehst verlegen. Wohl werden manche keinen Zweifel hegen, Daſs Donna Julia gut verstand warum b Doch mehr begriſf davon nicht Don Juan, Als, wer die See nie sah, vom Ocean. 71. Allein in Juliens Kälte selbst lag Güte, Die kleine Hand, wie sie sich schüchtern mühte, Der seinen zu entfliehn, liefs doch zurück Ein sanftes Drücken, bebend, und so süfs, Und leis— so leis, daſs es die Seel' in Zweiſel lieſs; Doch keiner Zaub'rin, selbst mit dem Geschick Armidens, vollte die Veränd'rung glücken, Die Juans Herz empfand nach diesem Drücken. 72. Und traf sie ihn— ihr Lächeln war vergessen, Jedoch ein Schmerz— weit süſser noch als Lä- cheln, sprach; Und ob ein Tieferes in ihrem Herzen lag— 32 Verhehlt mufst's werden— doch dies Insich- pressen Verstärkte nur des Busens heifse Triebe.— Sogar die Unschuld auch hat ihre List, Und will verläugnen, was doch Wahrheit ist, Von Jugend auf lernt Heucheley die Liebe, 73. Doch Leidenschaft verräth sich, auch verstellt, Selbst durchihr Dunkel, wie der dunkelste Himmel Verkündigt des Sturmes wildestes Getümmel— Das Auge zeugt, das schlechte Wache hält! Und wie sie sich auch immer mag gestalten, Es ist und bleibt dieselbe Heucheley, Sey's Kälte, Zorn, Hafs— ob's Verachtung sey— Nur Masken sind's wohl oft— zu spät nur vor- gehalten. 74. Da giebt es Seufzer, tiefer nur durch Unterdrücken, Verstohl'ne Blicke— süfser noch durch das Be- rücken, Ein hoch Erröthen, sonder alle Schuld, Bey'’m Sohn ein Zittern, fern— die Ungeduld! Vorspiele, welche auf Besitzung deuten, Stets da, wo junge Leidenschaft erwacht, Sie zeigen nur— die Unbeholfenheiten, Wenn Läeb' in eines Neulings Brust sich facht. Mit Ir Sie fü Die sc Um G Und d Fast k Auch 1 Als bes Sie sch Und gi Und bl. Doch g Sie dar Da geh Gewiſs Zur Ju nsich- hur vor- rücken, das Be- geduld! „ 79⸗ Mit Juliens Hergen stand es kümmerlich; Sie fühlt es fliehn, allein sie wollt' erfüllen Die schwerste Pflicht für ihren Mann und sich, Um GColtes, Glaubens, Ehr' und Tugend willen. Und dies Gelübde ward sehr ernst gethan, Fast konnt' es einen Tarquin zaghaft machen, Auch rief die Jungfrau sie um Beystand an, Als beste Führerin in Frauensachen. 76. Sie schwur, den Juan niemals mehr zu sehen, Und ging zu seiner Mutter Tags darauf, Und blickte scharf bey’m ersten Thüregehen, Doch glücklich that sie sich für jemand anders auf; Sie dankte süll— doch— wie betrübt gemacht; Da geht sie nochmals— wer kann's anders seyne Gewifs jetzt kommt Juan— o Himmel, nein! Zur Jungfrau, glaub' ich, fleh't sie nicht heut Nacht! 77 441 Ein Weib von wahrer Tugend mufs, so meynts Sie nunmehr, schauen und besiegen seine Feinde; 13. C 54 Plucht sey gemein und feig, und sicher sey so viel, Kein Mann sollt' ihr entlocken ein Gefühl, Das heifst Gefühl, was über jenem allgemeinen Vorzug, der immer Raum in uns gewinnt, Sehn Leute wir, die häbscher noch als Andre sind, Die dann als so viel Brüder uns ersch einen. 78. Und sollte sie,— wer kann das sagen? Der Teufel ist gar ränkevoll— zufällig sehn, Es woll' ihr eigen Herz nicht recht mehr sicher stehn; Und— ganz noch frey— es könnte wohl be- hagen Der oder jener— 0,⸗ ein edles Weib kann dämpfen edler durch's Bekämpfen! Dergleichen Hang, nur n?— gut!— fort- VUnd fragt' ein Mann gar ar geschickt! Ihr Mädchen, seht, wie der Versuch euch glückt. 79. Dann giebt's ja eine Art von geistgem Lieben, Hell, unbefleckt, und unvermischt, und rein, Wie selbst die Seraphim sich seiner freun, Und ältre Frau'n, die auch gern sicher blieben! , ehn„ sicher ohl be- kann mpfen! fort- glückt. 35 Platonisch, göttlich—«gerade wie das meine“ So sprach, gewifs im vollen Ernste, Julia, Und so möcht' ich ihr Herz, war ich der Eine, Defs Bildniſs sie in frommen Träumen sah. 80. Schuldlos ist solches Lieben, und bestehen Kann'’s zwischen jungen Leuten ohne Fahr, Der Kuſs der Hand magzu denLippen übergehen— Fremd sind mir solche Dinge ganz und gar, Doch diese Freyheit sey— so hört' ich sprechen— Die letzte Grenz' in dieser Liebe Reich; Gehn manche drüber— ist es ein Verbrechen; Doch meine Schuld ists nicht, das sag' ich gleich! 81. D'rum Liebe, Lieb' in ihren richt'gen Grenzen, War Juliens frommer endlicher Entschlufs Zu Gunsten Don Juans; der himmlische Genuſs, Er könne seine Bildung selbst ergänzen; Und, an zu heil'’ger Flamm' entzündet, um ihr Licht Je zu verlieren— bey des Worts Magie, Wie könn'’ er lernen durch die Lieb' und sie— Ich weiſs nicht was, auch Julie wuſst es nicht! 89 2. Voll dieses schönen Plans, und wohl versehen Mit sicherm Harnisch— Seelenreinigkeit— Und ihrer Kraft gewils für jede Zeit— Ihr' Ehr', ein Schlofs auf schroffen Bergeshöhen— Glaubt sie, sie könne jede Art von läst'gem Zwang, Mit dieser Stund' an, gut entbehren, Ob Julia unter'm schweren Wagstück sank, Das muſs die Folgezeit uns lehren. 83. Den Plan bielt sie für schuldlos und ausführlich, Und wohl! bey einem sechzehnjähr'gen Fant, Sieht selhst die Schmähsucht nichts, was unge- bührlich, Und wenn... sie wuſste, das, was sie empfand, War gut, und so bekümmert sie's nicht weiter. Ein ruhiges Gewissen macht uns heiter. Die Christen haben sich verbrannt, im festen Wahn, Die sämmilichen Apostel hätten's auch gethan. 84. Wenn mitilerweil' ihr Ehemann entschlief— Doch Gott bewahre sie, und wär's im Schlummer, Vor dem Gedanken nur,(sie seufzte tief,) sie stürbe, bey dem häuf'gen Fall, vor Kummer, Doc Ich (Soll Frar Ich Juan Für In si Und Wär Die; Die ührlich, Fant, mpfand, t weiter. m festen Alummer, 2) Kummer, 37 Doch setzt es, daſs ihr Stern es so beschlofs, Ich sage ja nur: selzt es, inter nos. (Sollr' entre nous mehr seyn, denn Julie dachte Französisch— doch der Reim es mit sich brachte.) 83. Ich sage nur: setzt die Voraussetzung: Juan, nun Mann geworden, wär' unstreitig Für eine Wittwe passend, hübsch und jung; In sieben Jahren wär'’ noch vollauf zeitig! Und unterdefs(das Traumbild fortzuspinnen) Wär'’ auch die Sache nicht so schlimm bestellt. Die Anfangsgründe lernt er in dem Minnen, Die Seraphssitten mein'’ ich jener Welt. 86. So viel von Julien, nun zu Don Juan. Dem armen Teufel blieb es unentschieden, Wie'’s mit ihm sey; er sann umsonst und sann— Leicht reizbar, wie Medea bey Oviden, Verwirrt ihn jed' erwachendes Gefühl; Noch kam er nicht darauf: die ganzen Sachen, Sey'n zu natürlich, um ihm bang zu machen. Und führen, durch Geduld, zum schönsten Ziel. 87. Stumm, mülsig, unstät, schleichend und zerstreut, Das Haus vertauscht mit ödem Waldesgrunde, Gequält von einer unbekannten Wunde, Entwich sein tiefer Gram zur Einsamkeit. Ich selbst bin gern in Einsamkeit zu Hause Doch mein' ich— dies euch allen zum Be- scheid— Darunter eines Sultans Einsamkeit, Nicht eines Mönchs, mit Harem statt der Klause. 88. 0 Liebe, hier in diesen wilden Gründen, „Wo Sicherheit sich um Entzücken schlingt, „Hier ist dein schönstes Zauberreich zu finden, „Hier bist du Göttin, die vom Himmel dringt!“ 5) Nicht übel spricht der Barde, der dies singt, Die zweyte Zeile ausgenommen, „Wo Sicherheit sich um Entzücken schlingt“, Hier scheint das Klar' in's Dunkle mir ver- schwommen. 89. Der Dichter meinte wohl— und rufet an Derganzen Menschheit richtgen Sinn und sinne— Dasselbe, was ein jeder leicht wird inne, Wie All' Erfahrung lehrt' und lehren kann: streut, ade, se uim Be- Klause. len, lingt, finden, ingt!„ 5) singt, lingt“„. nir ver- an Sinne— ne, ann: 39 Daſs niemand will gestört seyn bey dem Essen, Und bey dem Lieben— nichts mehr vom„sich schlingt», Und vom Entzücken, wie wir's auch besessen, Nur Sicherheit“, daſs nicht die Thüre klinkt. 90. Juan schlich an den murmelnden Krystallen, Voll von Gedanken, die kein Wort faſst; bald Wark er sich hin in dichtbelaubten Hallen, Wo wild der Zweig sich rankt im Korkbaumwald. Dort finden Dichter Stoff für ihre Lieder, Wir lesen sie, und lesen sie gar wieder, Und Plan und Versmaas Beyfall wohl gewinnt, Wenn nicht, wie Wordsworth, sie unfalslich sind. 91. Er, Juan(und nicht Wordsworth) pflog Mit eigner hoher Seele so Verkehr, Bis, starker Kraft, sein tapfres Herz dem Joch Des Uebels ihn zur Hälft' entzog, Obschon nicht ganz, doch that das Beste er, Was möglich ist bey unfreywill'gen Dingen, Er ward—(wohl konnt' er nicht in'sKlare dringen) Wie Coleridge, ein Meitaphysiker. 5 2. Nachdenkt er über sich, die weite Welt, Den wundervollen Menschen, die gesurnten Höhen, Und wie zum Henker all dies konnt' entstehen; Auf Krieg, Erdbeben dann sein Denken fällt, Wie viel wir Zahlen für des Mondes Umfang brauchen—, Auf Luftballons; wie's fast unmöglich sey, Ganz zu durchspäh'n des Himmels Mancherley— Zuleizt dacht' er an Donna Julia's Augen. 93. Dem Weisen muſs sein gar erhab'nes Streben Sein hoch Verlangen aus dem Denken sich er- geben; Natürlich Vielen, andre müssen's lernen, Und quälen sich, und wissen nicht wofür? Seltsam, daſs ein so junger Kopf, wie hier, Sich mühte mit dem Gang der Himmelsfernen, Meint ihr, bewirkt hab's die Philosophie, Mein' ich, das reif're Alter half wohl hie. 94. Er starrt auf Blumen, Blätter hin; vernahm In allen Winden eine Stimm', und dachte Au ew'ge Lauben, wo ein Nymphchen wachte, Und Von Und Fane Fand Biswe War Vor'r S0, 0 Die 8 Als d Gescl Also Den Nehs Jetat t, Sirnten stehen; fällt. Umfang ey. erley— en. treben sich er- 4¹ Und wie zum Liebling manche Göttin kam; Vom Pfad irrt' er; vergafs, die Stunde flieht, Und als nach seiner Uhr er wieder sieht, Fand er, wie viel die alte Zeit gewonnen, Fand er zugleich, der Mittag sey verronnen. 93. Bisweilen blickt' er in sein Buch, Boskan War's, oder Garcilasso— wie die Schriften Vor'’m Auge zittern, überweht von Lüften, So, durch die Poesie des Herzens, rann Die Seele bebend auf dem myst'’schen Blatte, Als ob ein Zaubrer seinen Spruch dahin Geschrieben, und in Wind gestreuet hatte, Nach manchen Mütterchens treugläub'gem Sinn. 96. Also verträumt' er einsam seine Stunden, Verstimmt, nicht wissend, was sein Sehnen war; Kein Schwärmen reichte, und kein Dichter dar Das Eine, wo die Seel' ihr Glück gefunden, Den Busen, dran zu schmiegen sanft sein Haupt, Zu hören da des Herzens liebend Wallen, Nebst andern Dingen, die mir nun entſfallen, Jetzt wenigstens zu nennen nicht erlaubt. 97. Die stillen Gäng' und langen Träumerey'n, Nicht konnten Juliens Blicken sie entgehen, Sie sah, dem Juan muſste etwas seyn! Doch was zumeist wir mit Befremden sehen, Ist, dafs die Donna Ines nie vom weiten Mit Fragen neckte ihren einz'gen Sohn, Ob sie's nicht wollt', ob ihr das Ganz' entflohn? Ging's ihr, wie allen hochgelahrten Leuten? 98. Das scheint befremdend, doch ist's ganz gemein; Zum Beispiel, Männer, deren Frauen sich er- frechen, Vom Zwang der Frauenpflicht sich zu befrey'n, Und brechen— welch'Gebot ist's, das sie brechen? (Die Zahl hab' ich vergessen; wer citirt, Muſs auf der Hut seyn, Irrthum zu vermeiden;) Ich sage Männer, wenn an Eifersucht sie leiden, 50 fehlen sie, was gut ihr Weibchen spürt. 99. Stets ist ein rechter Eh'mann eifersüchtig, Nur meistens da, wo seine Zweifel nichtig; Er mifstraut dem, der keine Absicht hat, Oder, zu seinem Unglück selbst verschworen, Indem er einen theuern schlechtenFreund erkoren, 45 Das letzte Beywort giebt ihm seine That; Wenn Freund und Weib mit Flucht die Lieb- schaft enden, Staunt er die Bosheit an, nicht sein Verblenden. 100. So Blindheit auch der Eltern Blick oft hält! tflohn F Nichts sehn sie, ob wie Falken sie zu Platz; ten? Und lachend sieht ganz klar die böse Welt Des Hoffnungsvollen Liebchen, Fannys Schatz; Bis endlich, ach! ein Burzelbaum zerstört 4 Den zwanzigjährgen Plan— und alles nun ver- Lmein; dorben, sich er- Da schreyt die Mutter auf, der Vater schwört: Zum Teufel, wie er Enkel schon erworben! befrey'n, prechent 101 „ neiden;) Doch Ines war so ängstlich, sah so rein, leiden, Dafs ich bey diesem Falle lieber glaube ürt. Es mufst' ein andres hier zur Absicht seyn, Warum sie ihn der Lockung lieſs zum Raube. Y Doch was die Absicht war— nichts davon jetzt! . Vielleicht sollt's zur Vollendung Juans taugen, tig., Vielleicht wollt' öffnen sie Alſonsens Augen, hgs Im Fall, er hab' sein Weibchen überschätzt. hat, hworen, erkoren, 102. Es war einstmals an einem Sommertage— Und Der Sommer traun! ist eine schlimme Zeit, Daſs Der Lenz auch, wenn der Juny nicht mehr weit, Die Sonne trägt die Hauptschuld sonder Frage! Doch was die Schuld auch sey, man könnte meinen, Sie sa Und keck behaupten, daſs es richtig sey, Wie Daſs wir zu Monden fröhlicher cheinen— Und Der März will Hasen, seine Schäferin der May. Das 80 103. Kurzu An einem Sommeriag— den letzten May— Sie sa Solch Ich liebe, streng die Datums anzugeben, Nicht blos welch' Jahr, auch welcher Tag es sey, Sie sind ein' Art von Posthaus, oft erheben Die Parzen neue Pferde d'rin, und ändern Der Dinge Lauf, fortjagend dann ob Au'n und Ländern Und kaum mehr lassend als Chronologie, Und die Todtenlisten der Theologie. 104. Den letzten May war's, und die Glocke stand Schon über sechs— beynahe auf der sieben, 1 Als Julie sich in einer Laube fand— Der A So baut den Huris nur sie Edens Land, 2— Zeit, ehr weit, — Frage! könnte ey, nen— der May. May— en, Pag es sey, heben bidern Au'n und pgie, ke stand sieben, 45 Wie Mahom und Anakreon Moore beschrieben: Ihm ward verliehen Laut' und Lorbeerkranz, Und Ihm der Dichtung heller Siegesglanz— Dafs die verdienten Zierden lang ihm bleiben! 103. Sie saſs dort, nicht allein; ich weiſs nicht recht Wie dies Beysammenseyn sich zugetragen, Und wüßst ich's auch, ich würd' es d'rum nicht sagen, Das Schwatzen ist von Manchen äusserst schlechul Kurzum, wie auch die Sächelchen geschah'n, Sie safs dort, Angesichts mit Don Juan. Solch zwey Gesichter— würnd's am besten taugen, Sie schlöſsen, wenn's auch schwer sey, fest die Augen. 106. Wie hold sie blickt'! Es glüht' auf ihren Wangen Ihr schuld'ges Herz— ihr kam's unschuldig vor! Wie hoch schwingt deine Kunst, o Liebe, sich empor! Wirſst Starke, läſst die Feigen Kraft empfangen! Die meisten, die du hältst auf deinem Schooſs, Von welchem Selbstbetrug sind sie befangen? Der Abgrund, wo sie stand, war Zreneenlos— Ihr Glaub an ihre Unschuld auch so groſs! 107. Sie dacht' an ihre Stärk', an Juans Jugend, Gan-⸗ Und an die Thorheit zümpferlicher Qual; An angebor'ne Treu' und Weibertugend, Auch an den funfzigjährigen Gemahl. Von letztem wünscht' ich, dals hinweg es bliebe,, Phr 1 Die Zahl gilt selten einen hohen Preis, Wau 1 „ In allen Zonen, schneeig oder heiſs, nur T. Klingt gut beym Geld sie, übel in der Liebe. W 2 Allein 108. Sie, c Heifst es:«ich hab's euch funfzigmal gesagt! Ist eines Wischers man sogleich gewärtig. Spricht Stax:«ich habe funfzig Reime fertig!“ Graut uns, dafs mit Vorlesen er uns plagt. Zu funfzig üben Gräul die Räuberhaufen, Wahr ists, mit funfzig wird die Liebe rar; Doch zweifelsohn' ist dieses gleichfalls wahr, Mit funfzig Louisd'or läfst sich viel kaufen. 109. OS Julie hatt' Ehre, Tugend, Lieb' und Treue, Für Don Alfonsen, und sie schwur bey sich, Bey allem, was auf Erden feyerlich, Daſs nichts den Trauring jemals ihr entweihe, Kein Wunsch sogar, der Sittsamkeit verläugne; 47 Wie dies erwog, und andres, ihr Verstand Legt' achtlos sie die eine Hand auf Juans Hand, d Ganz aus Verseh'n, sie hielt's für ihre eigne. * 1; 5 110. . Ihr Haupt, bewuſstlos, auf der andern lag, sbliebe,, Die mit den Ringeln ihres Haares spielte; b Sie rang, schien'’s der zerstreuten Miene nach, Mit dem, was sie, trotz allen Sträubens, fühlte; Liebe- Wie falsch es doch von Juans Mutter war, Allein zu lassen dies unkluge Paar, Sie, die so lang das Söhnchen scharf bewacht! Gewiſs, so hätt's die meine nicht gemacht! gesagt!“ rtig- 111. Die Hand, die Juans Hand noch hielt allmählig Verstärkte sanft, doch fühlbar sie den Druck; rar; Als spräche sie: halt mich, wenn dir's gefällig! wahr, Platonisch rein— das ist wohl klar genug, ufen. War dieses Fingerdrücken nur gemeint, Sie wär' erbebt, wie vor dem bösen Feind, Wenn sie geglaubt, so etwas könn' erwecken Gefühle, die ein ehrsam Weib erschrecken. 112. Fragt nicht, was dachte sich dabey Juan? Er that, was ihr wahrscheinlich auch gethan, Und Die Iäppen zollten Dank mit einem Kusse, 1 Doch wie beschämt vom zaub'rischen Cenusse, Hine Fuhr er zurück, verzweifelt, als war's ein Ver- brechen— Lieb' ist so schüchtern, wenn zuerst sie wach! Roth ward sie, doch nicht zornig— wollte. sprechen, Und Und schwieg, denn ihre Stimme wurde schwach. Und 1 Der! Daſs 113. Sonst Die Sonne schwand, der gelbe Mond erschien; Deeh Indc Der Teufel hat sein Spiel im Mond, die ihn Keusch nannten, cilten mit dem Namengeben Glaub' ich, zu rasch! Kein Tag, und selbst der längste muſs, Und wär's der ein und zwanzigste des Junius, Nur halb so viel ruchlose Ding' erleben, 0 Als sie bestrahlt dreystünd'ger Mondenschein, Und stets blickt er so unbefangen d rein! Schon 114. zu dieser Stund' ist ein gefährlich Schweigen, Die L Die Stille läfst der vollen Seele Raum Sich zu erschliefsen ihrem süſsen Traum, Ein C Sie fühlt die Kraft zum Widerstehn entweichen; Rin F Das Silberlicht, umschleyernd Höh'n und Bäume, Streut Mild' und Zauber über alle Räume, 13. 49 Und dringt auch in das Herz, und gieſst Hinein, ein liebend Schmachten, das nicht Ruhe ist. 115. wollte Und Julie saſs bey Juan— halb umfangen, Und halb dem glüh'nden Arm sie sich entbrach, chwach. Der bebte, gleich dem Busen, wo er lag; Daſs unrecht dies, war ihr wohl noch entgangen, Sonst war's ja leicht, den Leib zurück zu beugen, Doch dieser Zustand hatte Süfsigkeit, erschien; Und dann,— Gott weiſs was dann— ich möchte Lie n n schweigen, ded d Schon daſs ich anfing, thut beynah'’ mir leid! Junius, 116. 2n, O plato, Plato! das thatst du, mit deinen nschein, Verworr'nen Phantasieen! Es verführt ein! Dein System, wobey wir so fahrlos uns meinen, Weit mehr zum Betragen, das nicht sich gebührt, Ein sicher gewordenes menschliches Herz, als 4 alle ſchweigen, Die Dichter und Romanenschreiber; geh! Du n bist aum, Ein Charlatan, ein Schwärmer, ein Sophist, ntweichen; Ein Kuppler— noch im besten Falle! und Bäume, 13. D läume, 117. Und Juliens Stimme war nur leises Stöhnen, Bis es für nützliches Gespräch zu spat, Aus ihren schönen Augen stürzten Thränen, Ich wollt', es war nicht nöthig, in der That! Ach wer kann lieben, und doch weise bleiben? Ein Vorwurf will der Lockung Reiz vertreiben— Sie ringt ein wenig noch— bereuet sehr Und— giebt sich, füsternd:«nein doch! nim. mermehr!* 118. NXerxes liefs einen Preis, sagt man, verkünden, Wer eine neue Lust ihm würd' erfinden; Die Ford'rung zahlte, dächt’ ich, harte Bufse, Und kostete dem Schach wohl einen Schatz; Ich, mäſsigreicher Bard', an meinem Platz, Ich halt's mit einem Liebchen, Namens Muse, Und mag nicht neue Lüste, da die alten Mir sattsam g'nügen, wenn nur Stich sie halten. 119. 0 Lust, fürwahr du bist ein köstlich Ding, Kommt man auch deinetwegen in die Hölle! In jedem Lenz schwör' ich, auf alle Fälle Mich zu bekehren, ch' das Jahr zu Ende ging— Allein Ich sol Und b. Und he Hier mi Still, k Es gieb Die Fre Doch k Im Plan Den Me Daſs icl Aus Ma Indem Behalten Es War Bin ich en, lünen, hat! lleiben? iben— hr hl nim- ns Muse, lten sie halten. Ding, ne Hölle! Fälle ade ging— 51 Allein bald ist des Schwures Kraft gelähmt; Ich sollt' ihn halten, das fühl' ich nicht minder, Und bin nun traurig, grenzenlos beschämt, Und hoffe volle Aend'rung auf den Winter. 120. Hier muſs die keusche Muse eine Freiheit nehmen; Still, keusch're Leser! Nur diesmal vergönnt's! Es giebt hierbey auch weiter nichts zu schämen, Die Freyheit ist poetische Lizenz; Doch könnte sie Unregelmäſsigkeiten Im Plane wirken, und bey meiner Achtung für Den Meister Aristoteles, heischt's die Gebühr, Dafs ich Verzeihung suche, will vom Gleis ich schreiten. 121. Die Sach' ist diese: mit des Lesers Gunst Will ich vom letzten May(dem Schicksalstag, Ohn' welchen meine dichterische Kunst, KAus Mangel an Geschichte, leicht erlag) Indem das Paar ganz fest im Auge wir Behalten, ein'ge Monde hüpfen— wollen sagen, Es war November— aber in den Tagen Bin ich nicht klar— die Zeit wird dunkler hier. 122. Wir sprechen gleich hiervon.— Süſs ists Gesang Und Ruderschlag des welschen Gondoliers zu hören, Wenn nächtlich, blauen monderhellter Tief enllang, Aus Fernen weicher, er der Fluth entdrang, Süſs ist's, zu schau'n den Stern der Abendsphären, Süfs ists, zu lauschen, wie der Nachtluft Gang Von Blatt zu Blatt schleicht— süſs, den Regen- bogen wie er vom Meer die Himmelshöhe umzogen. Zu sehn, 423. Süls, wenn des Kettenhundes treues Bellen Willkommen ruft dem Wand'rer nah' am Haus; Süfs, wissen wir, ein Auge schaut heraus, Das wird bey unserm Nahen sich erhellen. Süfs ist's, singt uns die Lerch' am Morgen wach, Lullt ein der Wasserfall, süſs ist der Mädchen Stimme, Der Vögel Lied, süſs das Gesumm der Imme, Des Kindes lispelnd Wort— das erste, das es sprach. Süſs ig Zur E Purpu vor Süſs is Dem Süſs is Dem 1 Süſs eil esang liers zu ellen am Haus; raus, ellen. gen wach, Mädchen r Imme, te, das es 124. Süſs ist der Monat, wo der Trauben Wucht Zur Erde fällt in wildem Ueberflusse, Purpurn und platzend; süfs ist unsre Flucht Vom Stadtgetös zu ländlichem Genusse; Süfs ist's dem Geizhals auf sein Geld zu schauen Dem Vater süſs sein ersigeborner Sohn, Süſs ist die Rach', absonderlich den Frauen, Dem Krieger Raub, dem Seemann Prisenlohn. „ 125. Süſs ein Vermächtniſs, und noch mehr als süfs, Wenn unerwartet wir erfahren, Es starb der oder die mit vollen siebzig Jahren, Das schon zu lang uns Junge“ warten lieſs, Auf eine Kafs', ein Gut, Haus auf dem Lande; Gebrechlich stets, doch von so starkem Lebens- bande, Dafs nun den neuen Herrn die bösen Juden all' Umlagern, längst vertröstet auf den Todesfall. 126. Süſs, And'rer Lorbeer zu gewinnen, wieb gleich⸗ viel, Mit Tinte oder Blut; süfs ist's, setzt man ein Ziel Dem Streite, süfs oft selbst die Streitigkeit, Mit einem läst'gen Freund insonderheit; 54 Süfs alten Wein in Fässern, Kle in Tonnen; Die Waise wird als Schützling lieb gewonnen, L.ieb ist der Ort, wo wir als Knabe gesessen, Ob wir vergessen dort, bleibt er uns unvergessen! 127. Doch süfser als dies, als alles je kann seyn— Ist Erste, heiſse Liebe— ach! sie steht allein, Gleich Adams Rückerinn'rung seines Falles— Gepflücket ist der Erkenntnifsbaum— erkannt ist Alles! Nichts hat das Leben weiter, was so theuer, Als diese ambrasische Sünde— fabelhaft Geschildert als das nievergeb'ne Feuer, Das uns Prometheus' kühner Raub verschafft. 128. Ein seltsam Wesen ist der Mensch, und pflegt Sein Wissen, seine Kräfte seltsam anzuwenden, Für neues Schaffen ganz besonders hegt Er Lust— damit es zeuge von seinen Talenten. Das Wunderliche hat jetzt freyen Lauf, Und ihren Absatz finden alle Gaben; Beginne redlich— und solltest du dich haben Umsonst gemüht— der Trug hat seinen Kauf. Falles— . rschafft. ad pflegt luwenden, gt Talenten. uſ, h haben nen Kauf. 55 129. Welch' streitende Entdeckungen sind nicht er- schienen P (Ein Zeichen, der Geist sey reich, die Taschen leer,) Der machte neue Nasen, jener Guillotinen; Der bricht die Bein' entzwey, ganz macht sie der; Doch waren die Kuhpocken ohne Widerreden Einsanfter Gegensatz mit Congreves Brandraketen. ***X**** A△* X&.* X* 130. Kartoffeln buk erträglich man zu Brode, Zum Crinzen brachte Galvanismus Todte, Obgleich sich hier die Wunder nicht ergaben, Wie bey des Menschlichkeits Vereines Apparat, Wo gratis man Erstickt' entsticket hat; Welch künstliche Maschinen jüngst gesponnen haben! X& **** X**** X* 132. Die Zeit hat das Patent, ganz neue Weisen Das Für Leibestod, und Seclenheil zu holen, Kaurn Dabey mufs Alles beste Absicht heiſsen; nd’ Humphrey Daoy's Laterne, wo man Kohlen Gefahrlos graben kann, nach dem Verheiſsen; Tombuktu's Reisen, Fahrten nach den Polen— Sind Mittel, Menschen zu beglücken, eben so E Sicher fast, als erschiefst man sie bey Waterloo. Keibe ein l 133. In 816 Der Mensch ist eine Erscheinung— was? bleibt 1 unbewuſst, Durch Ist wunderbar ob aller Wunder Maas; Nur Schad' in dieser prächt'gen Welt ist's, daſs Eiwas Lust eine Sünd' ist, und die Sünd' oft Lust! Wies Der Mensch weifs selten, welches End' er habe, Ich li Ob Ruhm, Macht, Liebe, Glückesgabe— Und K Durch Krümmungen zieht sich sein Pfad— und wann Am Ziele— stirbt er, ganz gewiſs— und dann— 134. Was dannb Ich weiſs so wenig hiervon, als du, D'rum, gute Nacht— wir eilen der Ceschichte zu: November war's— vorbey mit den schönen Tagen, Die fernen Berge waren leis bereift, 57 Und trugen um blauen Mantel weiſsen Kragen, Das Vorgebirge ward von der See umkeift, en Am Felsen kochte der Brandung lautes Getümmel, . Und die nüchterne Sonne verliefs schon um fünf den Himmel.* len eiſsen;— olen— 133. eben so Es gab, nach Wächterausdruck, wolkige Nacht, aterloo. Kein Mond, kein Stern— der Sturm schwieg— lärmte, In Stöſsen— und mancher Heerd ward licht ge- 2 pleibt macht Durch Holz, wo dann der Familienkreis sich wärmte; Etwas Ergötzliches hat dieses Licht, Wie Sommerhimmel, die kein Wölkchen zeigen, Ich liebe Feuer, Grillen und dergleichen, Und Kosen bey Champagner und Hummergericht. us, daſs Lust! 136. Es war Mitternacht; und Julie lag im Bette, Und schlief wahrscheinlich— als ein Lärm sie erschreckt ‚ als du, An der Thüre, der Todt' erweckt hätte, ichte zu: Wenn nie vorher ein Todter aufgeweckt, een Tagen, Doch lasen wir alle, daſs sich's zugetragen, Und lesen wenigstens noch Einmal, daſs es ist, Die Thäre war zu, doch ward ein Rufen und Schlagen Gehört, und dann:„Madame, Madame— bst— 4 bst! 137. Um Cotteswillen, Madame, es ist der Herr! Mehr als die halbe Stadt folgt hinten nach— Was war verfluchter jer was schrecklicher P Schuldlos bin ich— ich wachte ordentlich— ach! Den Riegel, ich bitte sie, schneller zurücke, Sie sind schon auf der Trepp', im Augenblicke, sind sie zur Stelle, vielleicht entflieht er noch, Das Fenster ist nicht so entsetzlich hoch!* 138. Alfons war mittlerweile angekommen, Mit Fackeln, Freunden, groſser Dienerschaft, Die meisten hatten Weiber längst genommen, D'rum waren sie nicht sehr gewissenhaft Den Schlaf zu stören einer Frevlerin, Die diebisch ihres Gatten Heiligthum entehret, Solch Beyspiel wird durch Ansteckung vermehret, Blieb Eine straflos— jede würde zur Sünderin. (Nich 59 und 139. Ich weifs nicht wie, und welcher Argwohn hier bst— Die Seele Don Alfonsens hat durchflogen— Allein gewils für einen solchen Cavalier, War das Betragen höchlich ungezogen; Ohn’' ihr ein Wort zu melden, sammelt er Den Morgenzuspruch um der Gattin Bette, err! Und bringt Lakey'’n mit Schwert und Feuer her, — Dafs er von dem, was ihn entsetzet, Kundoe hätte! 140. Die arme Julie, wie erschrocken bey'm Erwachen- (Nicht sag' ich, daſs sie nicht gewacht, merkt's euch!) Fing an zu schreyen, gähnen, weinen allzu- gleich— Die Zof Antonie— eingeweiht in allen Sachen, Warf emsig ihre Betten auf einander, schaft, Als wenn sie d'raus geschlüpfet eben jetzt; mmen, Ich weifs nicht, was sie so in Flucht gesetzt, Zu zeigen, ihre Frau schlief heut zuwander. blicke, noch, 1p 141. inderin. Doch Dienerin und Herrin thaten, wie Zwey arm'’ unschuld'ge Frauen, die Vor Geistern, und noch mehr vor Männern bange, Geglaubt, Ein Mann würd' abgeschréckt von zweyen, Und d'rum zusammen sich gelegt, so lange Bis überstanden wäre das Einsamseyn, Und der Nachtschwärmer käm', und spräche: ᷣchatz, «Ich war der Erste, der sich schlich vom Platz!“ 142. Erst jetzt fand Julie ihre Stimm', und rief: „Um'’'s Himmelswillen, Alfonso, was soll das heiſsenb „Seyd toll ihrb o läg' ich begraben tief, Eh' solch ein Unthier kam mich zu zerreiſsen? «„Was soll dies mitternächt'ge Toben bedeuten? ISt es von Trunkenheit ein Anfall, oder Spleen? «Mich in Verdacht— die tödtete— nur der Ge- danke vom weiten? Wohl, sucht!» Alfonso sprach: adas soll ge- scheh'n!* 143. Er stöberte, sie stöberten in allen Ecken, Im Cabinette, Kisten, Schrank, auf Fenster- stöcken, Da gab es Leinwand, Schnüre viel, nebst ein- gen Paaren leifsen? leuten? Spleen der Ge- 5 soll ge- en, Fenster- bst ein- 61 Pantoffeln, Strümpfen, Bürstchen, Kamm zu schau'n, Sammt übrigen Artikeln hübscher Frau'n, Die schön erst machen— oder schön bewahren:; Zerhau'n ward mit dem Schwert Vorhang, Ta- peten, Und Balken wurden wund nebst ein'’gen Fenster- läden. 144. Sie suchten unter'm Bett— da fanden sie— Gleichgültig was, es war nicht, was sie suchten; Sie rissen die Fenster auf, und lugten Ob keine Tritte sichtbar— nichts war hie! Und nun sah'n alle sich betroffen an— Daſs keinem Sucher beyfiel, ist ein Wunder, Und scheint beynah' wir fehlerhaft gethana— In'’s Bett hinein zu sehn, so gut als drunter! 143. Nicht müſßsig war, bey diesem Ortumschwenken, Die Zunge Juliens„Sucht nur»— schrie sie laut, «Häuft Schmach auf Schmach, häuft Kränken nun auf Kränken, «Defshalb bin ich geworden eine Braut? Deſshalb litt ich so lang mit Schweigen Ein Scheusal, wie Alfonsen um mich her? 6² „Mehr trag' ich's nicht— nicht bleib' ich län- ger mehr, Deſs „Giebts Recht und Rechtsgelehrt' in Spaniens„Vine 3 3 Reichen..„Deß .„Zu 146. „Ja, Don Alfons, nicht länger mehr Gemahl! De „Verdientet jemals ihr den süfsen Namen; 7So „Ziemt sich's für den, deſs Jahr' in'’s Schocken-Wene 4 kamen, „— Denn funfzig oder sechzig, das ist ganz egal!— „Ist's weis' und recht gethan, zu späh'n nach Thaten, „Die eines edeln Weibes Rufe schaden? „Unwürd'ger, roher, undankbarer Don Alfonso, „Denkt ihr, ich laſs' dies alles hingehn schon so? 147. „Delshalb pflegt' ich Freyheiten zu verschmähn, „Die unserem Geschlechte all' erlauben? „Defshalb erkohr ich mir den alten, tauben „Beichtvater, den kein andres Weib erseh'n? „Der hat kein Einz'ges Mal mich ausgeschmählt, „Fand meine Unschuld so seltsam vollwichtig, «Dafs stets ihm's zweifelbaft, ob ich vermählt, „Wie wird's euch leid thun— geht mir's nun unrichtig. Hatt' Den 6 Und 4 Gern mäh'n, 1 ben h'n? hmählt, ichtig, rmählt, ir's nun 63 148. «Defshalb wählt' ich nicht längst schon ebenfalls „Einen Cortejo von Sevilla's Schmuck mir aus? »Defshalb ging ich kaum anders wo hin, als „Zu Stierkampf, Meſs', Theater, Fest und Schmaus: «Deſshalb bin unter meinen Werbern allzumal Ich kalt, beynahe grob einher gewandelt? Sprach Graf Oreilly so, der General, „Der Algier nahm 5), ich hab' ihn schlecht be- handelt? 149. „Deſswegen sang der welsche Musiker Cazzani «Ein halbes Jahr mir vor zum wenigsten 5 «Hiefs mich sein Landsmann nicht, Graf Corniani, «Das einz'ge keusche Weib in Spanien? Engländer, Russen waren g'nug zu Platz, „Was litt' Strongstroganoff um mich für Pein „Und Irlands Pair d'rauf, Lord Mount Kaſſeesatz, «Der sich vor'm Jahr aus Lieb' ertränkt(in Wein). 130. .Hatt' ich nicht auch zwey Bischöfe zu Füfsen P «Den Herzog von Ichar, und Don Gerondesb «Und so darf man ein treues Weib begrüfsen P Gern wülst' ich traun: welch' Viertel wir des Mondes? Der Mäſsigung, ihr schlagt mich nicht! Ich meyne nur, Weil doch die Zeit se schön dazu gelegen! 0 tapfrer Held! mit Ketten und mit Degen! Gefällt euch eure liebliche Figurb 131. «Das war's, dafs plötzlich eine Reis' euch kam, «Die viel zu wichtig, um sie abzuwenden, „Mit dem Hauptschurken dort, mit dem Agenten, Den ich da stehen seche, voller Schaam, «Daſs er den Narr'n gespielte dient' Beyd' ihr mir zum Hohne, Er doch zumeist— sein Thun, wie schand- barlich! Bey ihm war's nur die Sucht nach schmutz'gem Lohne, „Nicht etwa Liebe gegen euch und mich! 1352. „Kommt er hieher, ein' Aussag' abzuhören, „So bitt' ich, laſst den Herrn doch nicht sick stören; Das Zimmer habt sehr passend ihr gewählt— Hier Tint und Feder, wenn ihr schreiben wolltet, „Mögt alles g'nau verzeichnen, daſs nichts fehlt! aIch wünschte nicht, daſs ihr umsonst besoldet— 0*, *Dort r Die 4A «Dort Der 8 83 Ich 80 „Nicht Gefun ℳ Und f. Und'n 4e Verwi 6 N un V Wer «Jung, 13. Ich en! gen! kam, 1, genten, 2. yd' ihr chand- atz'gem 41 ren, cht sich wählt— wolltet, ats fehlt! soldet— 65 Doch, meine Zof ist nackt— hinaus die Späher, dächt' ich, „ O“, schluchzt' Antonie,«ihre Augen kratzen möcht' ich!" 133. «Dort ist das Cabinet, der Putztisch, drauſsen „Die Antichamber— sucht durch Tief' und Höh“, Dort der Grofsvaterstuhl, das Kanapee, „Der Schornstein— da wohl könnt' ein Freyer hausen, Ich schlafe nun, aus Rücksicht macht hinfort „Nicht solchen Lärm um mich, bis ihr den Ort Gefunden, wo der tiefverborg'ne Schatz begraben, «Und fandet ihr— so laſst auch mich die Freude haben. 134. «Und nun Hidalgo! da einmal ihr brachtet «Verwirrung rings umher, Verdacht auf mich, „Nun wünscht' ich, daſs ihr gütig kund auckh machtet, „Wer ist'’s, nach dem ihr sucht? Wie nennt er sich 5 «Jung, hoff ich, hübsch ist er— und ist er groſs? 13. E 66 Ist er von Adel? Lafst hervor ihn kommen! Sprecht doch, und glaubet, nicht zum Scherze bloſs, Une Habt ihr mir meine Ehre jetzt genommen! 4 Das 155. „Vielleicht ist er noch nicht ein Sechziger, iDas „So alt dürft' er zu alt für Morden seyn, eIch «Oder für solches Jünglings Eifersüchteley’n! Ea «Antonie hol' ein Glas Wasser her! Gort „Ich schäme mich, dafs Thränen mir entſlossen,„Antor Unwerth des Vaters ist's, dem ich entsprossen; „Nicht träumte meiner Mutter, als sie mich gebar, «Dafs solchem Ungeheuer ich beschieden war. Sie sch 156. Die d «Euch fafst wohl Eifersucht Antonien wegen, Gleich «Von der ihr saht, dafs sie bey mir gelegen, „Als ein ihr stürmtet, ihr und eure Schergenf «Sucht alles durch— wir haben nichts zu bergen. «Nur melden, hofl' ich, werdet künftig ihr, Oder im Vorsaal kurz verzieh'n, nach Sitte, Der L. So treten wenigstens bekleidet wir «In so viel trefflicher Gesellschaft Mitte! nen! cherze en! ger, 1, ley'n! flossen, rossen; e mich n war. egen, legen. thergent bergen. ig ihr, Sitte, e! 67 437. Und nun mein Herr, genug still, «Das wen'ge, was ich sprach, hin reich's, zu zeigen, «Das reine Herz erträgt den Gram in Schweigen, «Den es nicht weiter jetzt erörtern will! «Ich lafs' euch dem Gewissen— wie vor Tagen, Es wird euch meinethalb um Antwort fragen, «Cott geh', ihr fühlt dann nicht der Reue Fluch! «Antonie, wo ist mein Taschentuch 5 „ nun schweig' ich 158. Sie schwieg, und drehte sich um; bleich lag sie da, Die dunkeln Augen sprühten durch Thränen Feuer, Gleich Wolken, die blitzen und regnen; wie ein Schleyer Umwallte die Wang;,, auf der kein Roth man sah, Ihr flielsend Haar; vergebens strebte die schwarze Hülle Der Locken die glänzende Schulter zu bergen, sie stach Wie Schnee hindurch— die sanften Lippen lagen stille, Und lauter als ihr Odem war des Herzens Schlag. Alfons stand, wie entrückt in fremde Zonen, Antonie fuhr durch's Zimmer, das wild durch- wühlte, Und rümpfte die Nas', und mit Verachtung schielte gSie auf den Herrn und seine Myrmidonen, Von denen wohl sich befand der Agente, Der, gleich Achates, treu bis an das Ende, Jedwedes gern sah, gab's dabey nur Streit, Wohl wissend, das Gesetz thu' dann Bescheid. 160. Mit spürender Mopsnas' und kleinen Augen, Antonien folgend, wie sie sich bewegt, Stand er, gleich dem, der stark Vermuthung hegt. Nie pflegr er Schonung gegen Ruf zu brauchen; Konnt er nur Händel und Prozefs erreichen Hatt' er, trotz Schön' und Jugend, Mitleid nie, Und glaubt' an keine Abläugnung, bis sie Bekräftigt sattsam war durch falsche Zeugen. 161. Allein Alfons sah schweigend hin zur Erde, Und nahm höchst lächerlich sich aus, fürwahr! Nach An s Hatt' Zu d Die 8 Rasch Entsch Erwied Und M Geht s Und— Er sah Auch i Er wall Anhub Antoni Eh' au Und ba. Sie stir 69 Nachdem fünfhundert Winkel er durchstörte, An seinem jungen Weib that als Barbar— Hatt' er nichts weiter, als Gewissensbisse, Zu den Vorwürfen seiner Frau gehäuft, htung Die sie 0b dieser Stund' ihm zugekeift, Rasch, dick und schwer, wie Donnerwolken- güsse. 3 162. eit, scheid. Entschuldigung zu stammeln fieng er an,— Erwiedertward's mit Schluchzen nurund Thränen, Und Meldung naher Krämpſe— denn voran Geht stets ein Zucken, Stechen, Stöhnen, Und— weſs sich die Behafteten bedienen; igen, Er sah sein Weib, und dacht' an das des Job; Auch ihre Sippen ihm im Geist erschienen— ng hegt- Er waflnete sich mit Geduld darob. auchen; Lichen leid nie, 163. sie augen. Anhub die Red' er— vielmehr das Gestammer, Antonie doch war weislich hinter her, Eh' auf der Rede Ambos fiel der Hammer, Und bat:«verlafst das Zimmer, sprecht nicht Prde. 1 mehr: ürgabr. Sie stirbt!« Alfons brummt was vom Teufel- holen, Doch weiter nichts, für Worte war's zu spat, Warf reuig ein— zwey Blicke hin— und that, Er wuſste nicht wefshalb— was ihm befohlen! 164. Mit ihm entfernten seine Haufen sich; Der letzte der Agent, er blieb so lange Die Zof' es litt, hartnäckig am Eingange, Stets zögernd, und nicht wenig ärgerlich, Ob diesem unerklärlich garst'gen Riſs Im Thun Alfonsens— der sich nun entblöſst— gewils! Und wie er nachsann dieser widrigen Geschichte, Schlofs sich die Thür vor seinem Amtsgesichte. 165. Kaum war verschlossen sie, als— o der Schande! O Sünd', o Leid! So ist das Weib bestellt? Das seyd ihr unentlarvt zu thun im Stande, Wenn blind nicht dies' und auch die andre Welt p Ein guter Name doch zumeist beglückt! Doch weiter— denn es steckt gar viel dahinten! Kaum kann ich Wort', es auszusprechen, finden— Dem Bett' entschlüpfte Juan— halb erstickt! Er wa Verma Jung, Ein kl. Bedaue Vom Traun! Mit Sät b 4 bſst— nichte, sichte. hande! ellt? a2de, andre 1 hinten! rechen, ickt! 166. Er war versteckt gewesen— kaum Vermag das wie? und wop ich euch zu sagen, Jung, schlank, und leicht gepackt— konnt ihn umschragen Ein kleiner, runder auch viereck'ger Raum; Bedauern ihn, dafs so den Odem ihm gehemmet Vom holden Paar— nicht muſs, nicht mag ich das! Traun! besser sterben so, als eingeklemmet Mit Säufer Clarence seyn im Portweinfaſs. 167. Und ich bedaur' ihn zweytens defshalb nicht, Weil eine Sünd' er ohne Noth begangen, Die Hohn der Gottheit uns den Menschen spricht, Zum wenigsten— heiſst dies früh angefangen! Doch nagt mit sechzehn so nicht das Gewissen, Als, wollen wir die alten Schulden wissen Mit sechzig, und bey’m Facit unsrer Sünden Ein höllisch Gleichgewicht mit Satanselber finden. 168. Ich weiſs nicht— wie verborgen er geblieben; Es wird erzählt im Buch der Könige, Wie einst die Aerzte, lassend Pill'n und Thee, Statt Blasenpflaster eine Maid verschrieben, Als dick das Blut des alten Davids ward, Und wie die Kur man trefflich wirken sahe; Vielleicht dort angewandt auf ganz verschied'ne Art, Denn David lebt' und Juan starb beynahe! 169. Was ist zu thunk Alfonso ist zurück, So bald entfernt des tollen Zugs Gepolter; Antoniens ganze Kunst lag auf der Folter, Jedoch kein Einfall hatte recht Geschick! Und wie dem neuen Angrifl auszuweichen? Dazu war schon die Nacht beynah'’ vergangen, Angst war Antonie, Julie lag in Schweigen Und schlofs die bleiche Lipp' an Juans Wangen! 170. Er wandte seine Lippen zu den ihren, Und ordnete ihr wildzerstreutes Haar; Selbst jetzt wollt' ihre Liebe sie verführen, Vergessend halb der Angst und der Gefahr. Nun war Antonien die Geduld entfahren— «Fort fort! jetzt ist nicht Zeit zum Narrenthey'n!* Sprach sie in Wuth, ains Cabinet hinein! «Dahin will ich den saubern Herrn verwahren. Das We Was Es s Ist „Seht Ihr Um Thee, 1, e; ied'ne 1 en 6 gangen, n 8e. angen! 171. Das dumme Zeug! Spart's doch auf ruh'gre Nacht!— „Wer meinen Herrn nur auf den Sinn gebracht? Was wird d'raus werden!— Ach! ich beb' und zittre, „Es steckt der Satan in des Buben Muth! Ist das die Zeit, der Zustand für Gekittre? „Seht nicht ihr, dafs es enden kann mit Blut? «Ihr kommt um's Leben, ich um Brod und Pflicht, „Um alles meine Herrin— für das Milchgesicht. 172. Ja, wär'’s ein männlich schöner Cavalier, Von zwanzig, fünf und zwanzig!— macht ge- schwinde! «Doch so ein Kind, was giebt’s zu lieben hier? Traun, Gnäd'’ge, den Geschmack ich seltsam finde! «Nur rasch hinein! mein Herr muſs nahe seyn! «So! ist der doch für jetzt in sicherm Hafen! «Hat nur bis früh die Sach' ihr gut Gedeih'n— (Juan, das sag' ich euch, ihr dürft nicht schlafen.») 173. Alfons, der jetzt hereintrat, doch allein, Beschwichtigte der treuen Zofe Kehle; gie zögerte, er hieſs sie eilig seyn, Sie fügt' etwas erbost sich dem Befehle; Jedoch— welch' Mittel jetzt, das ihn befreyte? Und schlimmes schien zu folgen, blieb sie dort; Sie mafs mit langsam groſsen Augen beyde, putzte das Licht, und knixt, und eilte fort. 174. Alfons schwieg kurze Zeit, dann fieng er an Etwas wie von Entschuldigung herzusagen; Rechtfert'gen wollt' er nicht, was er gethan, Denn glimpflich noch, war bäurisch sein Be. tragen; Wohl hätt er trif'ge Gründe— einen War im Verlauf zu nennen ihm genehm, Sein Reden war ein trefflich Stück von dem, Was die Rhetoren unter« Mischmasch“» meinen, doch nicht 173. Julie blieb stumm, wie leicht ihr längst gewesen Ein' Antwort, wo das Weib den Vortheil hat, (Wen Mit we Die, Ob ihrn Umkeh Auf Ei Wahrl Alfons Doch, Nein, Ein VW Noch Für za Sie wu Noch! An Jus Er spr. r an n; han, ein Be- a nicht m., dem, meinen, gewesen eil hat, 75 (Wenn sie des Mannes Schwächen nur durch- lesen), Mit wen'gen Worten schnell zu drehn das Blatt; Die, macht sie still nicht, doch verwirrt gar sehr, Ob ihr auch Mährchen die Entstehung leihen— Umkehren müſst das Ding ihr, und wenn er Auf Einen Argwohn, kommt ihr mit Dreyen. 176. Wahrhaftig, Julie konnt'’, nicht ohne Gründe! Alfonsens Bund mit Ines war bekannt; Doch, ob verwirrte das Gefühl der Sünde— Nein, das wohl nicht— wie man'’s schon oft nicht fand; Ein Weib bringt stets Rechifertigung hervor! Noch eher, dafs ihr Schweigen man erkläre Für zarte Schonung gegen Juans Ohr, Sie wuſste, theuer war ihm seiner Mutter Ehre. 477. Noch Ein Grund mochte seyn, und das macht zwey, An Juan dacht' Alfons noch nie, gewiſslich, Er sprach von Eifersucht, doch nie bemerkt' er schlüfslich, 76 Wer der beglückte Günstling sey; Es blieb bey’m Vordersatze nur; zwar er Sann über dem Geheimniſs um so mehr— Doch, das ist klar, von Ines ein Gespräch, Hiefs Juan stofsen in Alfonsens Weg. 178. Bey zarten Fällen ist ein Wink schon g'nüglich, Besser, man schweigt; es giebt so einen Takt, (Dies neue Wort zwar lieb' ich nicht vorzüglich, Doch meine Stanze wird dadurch compakt) Der eine Frau, hart zugesetzt mit bösen Anfragen, von der That weit ferne hält; Mit soviel Anmuth lügt das holde Wesen, Dafs ihr Gesicht, wie nie vorher, gefällt. 179. Scht, sie erröthet— und wir glauben!— Al-. lemal That mind'stens ich's— auch ist in keinem Fall Des Widerspruchs Versuch sehr von Erspriefsen— Denn dann pflegen die Worte wie Ströme zu flieſsen, Fehlt endlich Oden, fäng sie an zu stöhnen, Schlägt schmachtend nieder den Blick— ein Thränchen jetzt Lüglich, n Takt, züglich, akt) 1— Al. nem Fall rieſsen— tröme zu öhnen, kK— ein 77 Wird losgelassen— da eilen wir zu versöhnen— Und dann— und dann— wird sich zu Tische gesetzt.— 180. Alfons schlofs bittend, ob sie ihm verzich'n 5 Was Julie halb verneinte, halb gewährte, Doch mit Bedingungen, die hart für ihn— Versagt ward mancherley, das er begehrte; Er stand, wie Adam, lüstern vor dem Paradies, Verwirrt, gefoltert von vergeb'nem Nagen, Und bat, nicht länger möchte sie versagen— Als stolpernd er an ein Paar Schuhe stieſs. 1841. Was ist denn ein Paar SchuheP Nichts, wenn sie So sind, wie sie für Weiberfüſse passen— Doch,(das zu sagen schmerzt, ihr wiſst nicht Wle!) Die waren männlichl— Sie zu sehn, zu ſassen, War nur ein Augenblick! Himmel und Hölle, Die Zähne klappern mir, mein Blut wird kalt!— Alfonso prüfte wohl erst die Gestalt. nd and'’re Leidenschaft fuhr an der vor'gen Stelle. ———— 182. Sein Schwert zu holen draufsen, rannt' er fort, Und Julie huscht' ins Cabinet hinein: Um Cotteswillen, flieh, Juan! Kein Wort! Die Thür ist oflen, leicht kann's möglich seyn, „Noch zu entfliehn durch oft betret'nen Ort! „Hier ist der Gartenschlüssel, flieh! Bleib mein! Rasch rasch, ich höre schon Alfonsen rasen, „Noch ists nicht Tag, kein Mensch ist auf den Straſsen!» 183. Niemand kann sagen, daſs nicht gut der Rath, Das einz'ge Unglück war, er kam zu spat; Als Preis muſs dies Erfahrung meistens geben, Das Schicksal will Einkommentar! erheben! Juan war an der Stubenthür' im Nu, Gleich schnell wär' er der Gartenthüre zu, Da trat im Weg, gerüstet, der Gebieter, Und drohte Mord, doch Juan warf ihn nieder. 184. Die Balgerey war hart, das Licht ging aus, Julie schrie Feuer, und Antonie Diebe, Dach kam zum Beystand keine Seel' im Haus; Alfons nach Herzenslust erlabt durch Hiebe, Das Sch Entsan! Zum C Da sein So wäre Alfons; Bedenkt Wie lei r fort, rt! seyn, Ort! mein! asen, uf den r Rath, at; geben, ben! zu, er, nieder. aus, 3 * Haus; Hiebe, Schwur kühn, Morgens Licht, Auch Juan fluchte, höher nun acht Töne, Sein Blut war reg', ob jung, wünscht er doch nicht, Ein Tartar, daſs der Märbrerruhm ihn kröne. 183. Das Schwert, ch's noch Alfonso konnte brauchen, Entsank, sie fochten weiter Hand in Hand, Zum Glück fiel's nicht dem Juan in die Augen; Da seine Wuth nicht unter Leitung stand, So wäre, wenn zuſällig er's erfasset, Alfons wahrscheinlich heute noch erblasset— Bedenkt des Gatten, des Geliebten Leben— Wie leicht konnts doppelt eine Wittfrau geben. 186. Alfons rang festzuhalten seinen Mann, Und Juan drosselt' ihn, um zu entspringen, Und Blut(es war nur aus der Nase) rann, Zuletzt, als schwächer wurde Beyder Ringen, Hielt Juan räthlich einen tücht'’gen Stofs, Der aber seinen Mantel lieſs entgleiten; Er floh und liels ihn dort, wie Joseph— blos Dies Eine, glaub' ich, ähnelt zwischen Beyden. sich rächen würd' er vor des Endlich kam Licht, mit ihm Bedient' und Frauen, Den ungeheuern Auftritt zu beschauen; In Krämpfen die Zof', in Ohnmacht Julieschwer— Alfons lehnt' an der Thüre, ausser Oden, Zerstreute Fetzen waren auf dem Boden, Bluttropfen, ein'ge Tritte— sonst nichts mehr, Juan gewann die Thür' und drehte den Schlüs- sel um, Und schloſs, dem Innern gram, die Aussenseite d'rum. 188. Hier endigt dieser Cesang: wollt ihr erkunden, Wie Juan nackt, begünstigt von der Nacht, Die Frevel gern begünstigt, seinen Weg ge- funden, Und kam zu Haus in unanständ'ger Tracht— Des nächsten Tages lust'ge Stadtgeschichte, Des neunten Tages Wunder, das sich fand, Und wie auf Scheidung Don Alfons bestand— Natürlich meldeten's die englischen Berichte. 189. Wenn ihr den ganzen Hergang wolltet wissen, Aussagen, des Prozesses vollen Lauf, Der na Doch I Eins vo Das seit Zum mi Gelobu Der Mu Und dan Sollt' ih 81 Mit Namen aller Zeugen, wie Anwälde drauf Der Abweisung, des Niederschlags beflissen— Giebt's der Ausgaben mehrere; man trifft Verschied'ne Lesart auch, doch jed' ist klar; Die best' ist Gurney'’s, nachgeschrieben mit . schneller Schrift, mobr Der nach Madrid gereist blos deſshalb war. mehr, chlüs- 190. Doch Ines, um verredet bald zu sehn Eins von den weitverbreitetsten Skandalen, Das seit Jahrhunderten bekannt in Spanien, Zum mind'sten seit Entfernung der Vandalen, unden, Gelobt' erst(und nie war Gelübd' ihr Scherzen) cht, Der Mutter Gottes ein'ge Dutzend Kerzen, eg ge- Und dann, nach ein'ger Mütterchen belobter Regel, Sollt' ihr Juan nach Cadix unter Segel. enseite 191. Durch alle Länder Europens, wollte sie gerne, Sollt' er zu Wasser oder Lande gehn, Daſs die alten Sitten er beſs'r und neue lerne, . Vornehmlich in Frankreich und Italien, wissen,(Ein Ding, dem alle Welt beynah' geneigt.) 13. F Die arme Julie muſst in's Kloster, tieſes Weh faſste sie— doch besser, glaub' ich, zeigt, Sich ihr Gefühl durch Abschrift ihres Briefes. 192. „Hinweg gehst du,— zch hör', es sey entschieden! „Weis' ist's und gut— und dennoch bleibt es Pein. Herzen zu gebieten, „Nichts hab' ich deinem möcht's noch Einmal «Meins ist das Opfer, seyn! r, die ich nicht gemieden, 1 Schnell schreib' ich; ein Schein ck, nicht mag er dich bethören, und bebt— doch hars nicht Zähren! „Die einz'ge Kunst wa «Zu sehr zu lieben Von einem Fle Mein Auge brennt 193. dichl Dafür hab ich ver- loren die eigne Achtung, Himmel, Stand; „Doch reut mich nicht, wie theuer ich's erkoren, „So werth ist meines Traums Erinnerungs pfand! „Ich liebr, ich liebe „Der Welt, Ich «Nich Getra «Sie „Hof, „Mit a Er Pr. «We 6 So m. Zu lie In Lu aVie hieden! bleibt lieten, Einmal ethören, ch hars ich ver- Hlimmel, 85 „Nicht brüst' ich mich mit meiner Schuld, wie Thoren, «Mein härt'ster Richter, glaub's, ist mein Verstand. «Ich schreibe, denn ich kann nicht Ruh’' em- pfangen, «Nichts hab' ich vorzuwerfen, zu verlangen! 194. Getrennt vom Ich des Mann's ist seine Liebe,— «Sie ist des Weibes Selbst!— Der Mann durchrauscht „Hof, Feld, Schiff, Kirche, Marktgetriebe, «Mit Ruhm, Gewinn, Schwert, Friedens- kleide, tauscht aEr Pracht, Ruf, Gröſs', und füllt des Herzens Triebe; «Wer ist, der diesem nicht abtrünnig lauscht? So manchen Ausweg hat der Mann— wir Einen, «Zu lieben wieder,— und uns zu beweinen! 195. aIn Lust und Stolz wird dir dein Leben fliefsen, «Viel' liebend, und geliebt! Für mich ist hin 34 «All Ird'sches; mein nur Jahr’, um zu ver- schliefsen Entehrung, Gram in tiefverborg'nem Sinn! Dazu bin stark ich— nur nicht todt zu giefsen „Die Gluth, von der, wie sonst, verzehrt ich bin! Und so leb' wohl! Vergieb mir! Lieb mich— wehe! Dies Wort ist leer geworden— doch, es stehe! 196. «Mein ganzes Herz war Schwachheit— ist's noch immer, „Doch hoff' ich, dafs mein Innres Kraft ge- winnt, „Noch tobt mein Blut— fiel auch mein Wahn in Trümmer, So rauscht die Woge noch, schweigt auch der Wind; Mein Herz ist weiblich, drum vergifst es nimmer! «Für Alles, ausser Ein Bild, krankhaft blind; „So steht der Pol, und so die Nadel schwebet, „Wie weich mein Herz zur starren Seele bebet. Noch Me Doch 6 Wa Könnt Den nn! efsen rt ich ch— stehe! s noch aft ge⸗ Wahn z: auch zilst es t blind; ebet, e bebet. 197. „Noch sinn' ich, und nichts hab' ich mehr zu sagen; «Mein Siegel darf nichtzeichnen diesen Brief! „Doch möcht' ich gern dies letzte Werk noch wagen, «Was bleibt noch, da man mich gekränkt so tief P „Könnt’ Elend tödten— schwiege wohl mein Klagen. Den flieht der Tod, der ach wie gern ent- schlief! „Dies letzte Leb'wohl selbst muſs ich bestehen, „Das Leben tragen, lieben, für dich flehen!“ 198. Sie schrieb den Brief auf Papier mit goldnem Rand, Mit netter Krähenfeder, ganz dünn und neu, Zum Iicht gelangte kaum die kleine Hand, Sie bebt, als ob sie Compafsnadel sey! Doch keine Thrän' ist ihren Augen entbrochen! Das Siegel war brennende Liebe; elle vous suit pPartout Als Motto, in weiſsen Carneol gestochen, Sie nahm roth superfeines Lack dazu. 199. Dies war Don Juans frühster Gram— allein Ob mehr ich singe von seinen Abenteuern Vird einzig vom Publikum abhängig seyn; Schu wir jedoch, welch Lob es dem wird steuern. Sein Beyfall ist der Busch auf des Dichters Hut; Doch schadets auch nicht viel, wenn's spröde thut! Nun, wenn ich seine Billigung erſahre, Hat es was Neues vielleicht nach einem Jahre. 200. Mein Gedicht ist episch, und sein Plan gestellt Bis auf zwölf Bücher; jedes Buch enthält, Nebst Liebe, hefl'gem Seesturm, Kriegesthaten, Marschällen, Schiffverzeichniſs, Potentaten— Ganz neue Charakter,— Episoden sind drey; Ein Panorama der Hölle folget bey, Wie schon Homer und d'rauf Virgil gepllogen, So dafs mein Beywort episch nicht erlogen. 201. AlL' dies erörtr' ich näher— wollt nur harren! Mit stetem Blick auf Aristoteles, Ihr Har Auch h Sammt Von m Trennt Und hie (Nochm Doch di Sie schm Ihr Lab) Dagegen Und ma Weis' a Zeitunge Auf Stü * wird Hut; b-röde Jahre. eestellt haten, n— drey; ogen, ogen. harren! 87 Dies vade mecum für ächt Erhabenes, Das soviel Dichter macht nebst manchen Narren, Prosa'sche dichten reimlos— ich reime gern— Ihr Handwerkzeug zu schmäh'’n, sind gute Zimm- rer fern; Auch hab' ich neue mytholog'sche Maschinerie, Sammt schöner überird'scher Scenerie. 202. Von meinen ep'’schen Brüdern, die vor mir waren, Trennt mich Ein Unterschied,(er ist nur klein) Und hier ist, schmeichl' ich mir, der Vortheil mein, (Noch manch'Verdienst kann sonstsich oſfenbaren, Doch dieses liegt besonders vor'm Gesichte) Sie schmücken so sehr aus, dafs nur mit Müh'n Ihr Labyrinth von Fabeln wir durchzieh'n, Dagegen wirklich wahr ist die Geschichte. 203. Und machte Zweifel irgend wem Vergnügen, Weis' auf Geschichte, Sag' und Thaten ich, Zeitungen,(deren Wort glaubt männiglich,)— Auf 8tück' in fünf, und Opern in drey Auf- zügen, Was alles mein Behaupten ganz bestätigt; Doch was bey weitem mehrzum Glauben nöthigt— Ich selbst, und ein'ge die noch in Sevilla leben Sahn Juan sich mit Satan wegbegeben. 204. Lieſs jemals ich zur Prosa mich herab, Würd' ich der Welt poet'sche Regeln bringen, Die ohne Zweifel, was man früher gab, Zurück weit lieſsen— hier würd' ich mit Dingen Den Text bereichern, die geahnet kaum; Den Cipfel setz' ich auf der Regeln Baum; Das Werk nenn' ich: Longinus mit dem Trichter, Auch: aSelbst sein Aristoteles jeder Dichter.“ 205. Bey Milton, Dryden, Pope bleibe stehen, Nicht woll' auf Wordsworth, Coleridge, Sou- they sehen! Der Erst' ist über jedes Maafs verworren, Der zweyte berauscht, der dritte breit und leer; Der Kampf mit Crabbe ist ein'germafsen schwer; Und Campbell's Hippokrene scheint zu dorren, Von Samuel Rogers sollst du nichts entschreiben, Auch nicht mit Moore's Muse Buhlschaft treiben. Sollst lü Und se Nicht fa- (Der Ei Du solls Das ist Die Rutl- Doch thr Wenn e Es wäre t— ben gen, ngen 3 dem ter.“* 89 206. Sollst lüstern nicht auf Sotheby's Muse schauen, Und seinen Pegasus, was sonst ihn nennt als Herrn, Nicht falsches Zeugnifs reden, wie die«Blauen,“ (Der Eine wenigstens, thut's gar zu gern;) Du sollst nur schreiben, wie ich dir befehle; Das ist die richtige Critik— nun mögt Die Ruth' ihr küssen—(zwar, wie Lust ihr hegt,) Doch thut ihr's nicht— so zücht'’g' ich, meiner S— e! 207. Wenn eins mit Dreistigkeit behaupten sollte, Es wäre nicht moralisch dies Gedicht— Bitt' ich zuerst, nicht schrey' er, eh's ihn sticht! Und dann, daſs er's noch Einmal lesen wollte— Und nachher sage— doch wer ist so schwierig? Ob's nicht moralisch— nur etwas berübrig! Im zwölften Buch sollt ausserdem ihr sehen Die Stelle selbst, wohin die Schlechten gehen. 208. Und wäre dennoch jemand blind so weit, Zu seinem Heil der Weisung nicht zu trauen, 90 Zu glauben nicht, aus Sinnverschrobenheit, Abläug Dem was ich sag', und was er selbst wird Und st schauen, Ist alles Und schrie, Moral fänd hier er nimmermehr— Sag' ich, er lügt, und wär's ein Geistlicher! Wär's eines IIauptmanns, eines Critikers Be- .. kenntniſs,— 1 Ich den So liegt auch dieser unter Miſsverständniſs. Kann ie All' ühr Sieht m 209. Nicht su Ich hoff' auf öffentliche Billigung; Auch m Mit der Moral mögtihr bey'm Wort mich mahnen, Und dat Ich will sie einen mit Belustigung, Den ket So giebt Korallen Kindern man bey'm Zahnen; Einstweilen bitt' ich, dals man sich entsinne, Wie ich im Ernst um ep'schen Lorbeer minne— Ich hab', daſs spröde Leser keine Furcht an- wandelt— Im britt'schen Reoiew ein Kunsturtheil erhandelt. 210. Ich sandt's nebst Schreiben an den Redakteur, Der mit umgehender Post den Dank mirzollte, Und bin für gutes Lob sein Gläubiger; Doch wenn er meine Muse höhnen sollte, Und brechen, was er erst versprochen hat, 9¹ Abläugnend, daſs der Preis ihm zugestellt, „ wird Und statt mit Honig mit Galle tüncht das Blatt— Ist alles, was ich sagen kann— er hat das Geld! 211. Ich denk', mit diesem neuen heil'gen Bund Kann ich das Publikum beruh'gen, und All' übrige Kunstblätter wohl entbehren, Sieht man Tag-, Monat-, Viertelj ahrweis sie; Nicht sucht' ich ihre Schätelingszahl zu mehren, Auch meynte man, es sey vergebens hie, Und dafs the Edinburgh Review und Quarterly hnen, Den ketz'rischen Verfasser hart bekehren. 212. t an. Non ego hoc ferrem calida juventa, Consule Planco, sagt Horaz; gleichfalls Sag' ich's, und meine damit soviel, als Dafs(längst eh' ich mein Haus träumt an der Brenta) Vor sechs bis sichen Jahren— ich behend da kteur, Zur Wehr, wenn jemand wollte mir zu Hals, zollte, Und nichts von solchen Späfsen ich gelitten In hitz'ger Jugend, unter Georg dem Dritten. 213. Doch jetzt mit Dreyfsig ist mein Haar erblaſst, Worein wird's erst mit vierzig sich verwandeln? (Ich wollte jüngstschon ein Perückchen handeln!) Mein Herz ist nicht viel frischer; kurz, ver- prafſst Im May hab' ich die ganze Sommerzeit, Mich reizt nicht mehr der Schmähung Wieder- eben; Mit Zins und Capital zehrt' ich mein Leben— Und glaub' nicht mehr an inn'’'re Unbesiegbar- keit! 214. Nie mehr— nie mehr— o nie erquickt mich mehr, Des Herzens Frische, gleich des Thaues Kühle, Die jedem schönen Gegenstand umher Entsog— welch' neue wonnige Gefühle! Gehäuft im Innern, wie der Biene Saft!— Machst du den Honig zu der Dinge Eigenthume? Ach, er war nicht darin— doch stand'’s in deiner Kraft— Zu doppeln— selbst die Süſsigkeit der Blume. Nicht Kannst Einst a Kannst Die Ta Ist dein Statt de Obgleic Der Li Kann I Ihr Rei- Kurz, Dahin Auch is S0— 93 215. Nicht mehr— nicht mehr— o nimmermehr, mein Herz, Kannst du mein All seyn— meine einz'ge Welt! Einst all' in allem— jetat verwaist gestellt!— Kannst du nicht mehr mein Gläck seyn und mein Schmerz! Die Täuschung ist entflohen— und erstorben Ist dein Cefühl— doch nichts ist d'rum ver- dorben! Statt deiner, lernte Urtheil der Verstand— Obgleich nur Gott weiſs, wie dies Wohnung fand! 216. Der Liebe Tage sind mir hin! Nicht mehr 7) Kann Lust mir Jungfrau, Weib, noch Wittwe geben! Ihr Reiz bethört mich nimmer, wie vorher— Kurz, an dem Ende steht mein vor'ges Leben! Dahin der Hoffnungsglaub' an gleichgestimmte Seelen! Auch ist zu viel Burgunder mir verwehrt! So— daſs Ein Sündchen nur, das alte Herren ehrt— Muſs ich den Geiz am Ende mir erwählen! 217. Mein Götze war der Ehrgeiz— ach er liegt Zerschellet am Altar der Lust und Leiden! Doch liefsen mir genug zurück die Beyden, Was sich erwägen läſst— wenn Zeit es ſügt! Bey mir— es spricht's Mönch Bako's ehr'nes Haupt— es heiſst: „Zeit ist, Zeit war, Zeit ging,“ der Jugend Geist Ist chem'scher Schatz— schnell liefs ich ihn verschäumen— Mein Herz in Leidenschaft— mein Hirn mit Reimen. 218. Was ist des Ruhmes Ziel? Mit Lettern Wird ein unbestimmter Haufen Papier gefüllt; Ihn suchen manch', um einen Berg zu erklettern, Defs Gipfel, wie alle Berge, Dunst umhüllt; D'rum schreiben, reden, pred'gen sie, und miorden, Der Barde brennt— er nennt'’s sein„nächtlich Licht“— Dafs bleibe— wenn der Leib ist Staub geworden, Ein Nam'— ein schlechtes Bild— ein schlech- tes Gypsgesicht. Was Die er Egypto Das 81 Doch Brach O laſst Da von egt n! en, fügt! ehr'nes lugend ch ihn rn mit gefüllt; lettern, aüllt; 2, und ächtlich worden, schlech- 95 219. Was ist des Menschan Hoffen b— Es baute vor Jahren Die erst' und gröſste der Pyramiden Cheops, Egyptens uralter König, der Meinung, als ob's Das Sicherste wäre, Namen und Mumie zu be- wahren— Doch dieser, oder der— den Neugier trieb, Brach mit Gewalt des Sarges Deckel offen— O laſst uns nichts von einem Denkmal hoſſen, Da von Cheops kein Quentchen Asche blieb! 220. Doch der ich ächter Weisheit zugeschworen, Ich sage zu mix selbst sehr oft—„ach was! „Geboren ist dem Grab, all' was geboren, „Das Fleisch(der Tod mäht es zu Heu) ist Gras! „Die Jugend schwand dir nicht so freudlos doch! „Ob nochmals dein— flöh' sie— ach alles eitel! „Dank Gott, daſs nicht die Dinge schlimmer noch, »Und lies die Bibel, und bedenk' den Beutel!» 96 221. ò́ Allein für jetzt, mein theurer Leser und Noch theurer Käufer, drückt, wenn dir's nach Sinn, Der Barde dir die Hand(der selbst ich bin), Und so dein Diener, bleibe stets gesund! Anm Verstehn wir uns, so treffen wir uns wieder, Wo nicht— so werd' ich, die Geduld zu plagen, Mit mehr als dieser Probe, nimmer wagen— p O thäten gleich doch and're meiner Brüder! 222. „Geh', kleines Buch, aus meiner Einsamkeit, «Geh' deinen Weg, dich werf' ich auf die Fluth; Wenn, wie ich glaube, deine Ader gut „Wird man dich finden, noch in künft'ger Zeit.“ Liest Southey, und verstehet Wordsworth man, Wird man auch meinen Ruhm mirzu ertheilen— Southey’n gehören die vier ersten Zeilen, Nro. 4 Sieh', Leser, ja für meine sie nicht an! —B2——ͤ——õõnnn Anmerkungen zum ersten Gesang. Nro. 1. Stanze 5. Vor Agamemnon etc. Vixere fortes ante Agamemnona etc. Horat. Nro. 2. Stanze 17. Du einz'ges Oel, Macassar. Deseription des vertus incomparables de P'huile de Macassar.“ Siche die Vorrede. Nro. 3. Stanze 43. Obgleich Longin etc. Siehe Longin. Sect: 10.&νέα 1ς&:ναmτικρ dAuτννↄ*πα*ριος ˙ννεα, αιένσν ⁴νοοοε.“ Nro. 4. Stanze 44. Sie hinter stellen etc. Wirkliche Wahrheit. Es giebt oder gab so eine Ausgabe, mit allen anstöſsigen Epi- srammen des Martial der Reihe nach am Ende. Nro. 5. Stanze 88. Hier bist du Cöttin etc. Diese Verse sind aus Campbell's Gertrude 13. C of I oming, ich denke aus dem Anfang des zten Gesangs, doch citire ich aus dem Gedächtniſs. Nno. 6. Stanze 148. Sprach Graf Oreilly so etc. Hier thut Donna Julia einen Miſsgriff. Graf Oreilly nahm nicht Algier, sondern Algier nahm beynahe ihn. Er und seine Armee und seine Flotte zogen sich mit grofsem Verlust, .. A. 4 5 und nicht viel Anschen von den Mauern die- K 1 ser Stadt zurück, im Jahr 17.— Nro. 7. Stanze 216. Der Liebe Tage sind mir hin etc. Me nee femina, nec puer Jam, nec Spes animi credula mutui Nec certare juvat mero Nee vincire novis tempora Hloribus. Könnte W Schlum 101 7-——b—-———õ—ℳℳ————ℳ—ℳnn Das Lebewohl. Lebe wohl, und ob auf immer,— Selbst auf immer lebe wohl! Wenn auch unerbittlich, nimmer Dich mein Herz verklagen soll! Könntest in die Brust du blicken, Wo, wenn sanft daran du lagst, Schlummer kam, dich zu beglücken, Wie du nie mehr schlummern magst. Daſs die Brust jed' inn'res Regen Zeigte deiner Augen Späh'n, Endlich würdest du erwägen, Unrecht war's, sie so verschmäh'n. Ob dich d'rum die Welt erhoben, Ob zum Schlag sie lächelte: Kränken mufs dich selbst ihr Loben, Fufsend auf des Andern Weh! 102 Schmäht' auch mich, was ich begangen— Gab's denn keinen andern Arm, Als, der einstmals mich umfangen, *Der mir schlug den ew'gen Harm? Rette dich aus Täuschungsschmerzen! Mählich löscht der Liebe Licht; Doch, daſs schnellen Bruches Herzen Sich entreiſsen— glaub' es nicht! Ist das deinen Schlag ersticket? Mein's, darf'’s stäl, ob blutend, steh'n 5 Und was nimmer sterbend drücket, Ist: dafs wir uns nie mehr seh'n! Dies ein' Wort von bängerm Sorgen, Als das Weinen an der Gruft, Beyde leben— jeder Morgen Aus verwaistem Bett' uns ruft! Hörst du einst mit Wohlbehagen Unsers Kindes erstes Wort; Willst du's lehren„Vater“ sagen, Da sein Vater trauernd fort? Wenn die kleine Hand dich drücket, Wenn ihr Mund den deinen drückt, Denk', der fleht, dafs du beglücket, Denk defs, den dein Hera beglückt! Sollt' ein Zug im Antlitz schweben, W elcher dem Verbannten glich— Dann wird sanft dein Herz erbeben, Noch ein Puls, der treu für micke! Einsam K Meine Fehl' du all' verstehest, All mein Weh kein Mensch versteht— All mein Hoſfen, wo du gehest, Und wohin— mit dir es geht. Jed' Gefühl hiefst du erblassen, Stolz, den keine Welt gebeugt, Beugt sich dir— von dir verlassen, Meine Seele selbst entfleucht. Doch es ist— umsonst das Sprechen, Mehr, da ich das Wort verlor; Doch die Schmerzgedanken brechen, Alle Zügel reifsend, vor. Lebe wohl! Ach so eninommen Jedem näheren Verein, Einsam, schwer, und schmerzbeklommen— Kann mir Tod kaum mehr noch seyn. —————-—-—õð⸗— ℳ—ℳℳ MVV————BêAę Der Traum. Zwiefach ist unser Leben; seine Welt hat 4 Der Schlaf, das Mittelding falschnam'ger Dinge— Des Tod's und Seyns;— der Schlaf hat seine Welt, Ein weites Reich von wilder Wirklichkeit. Und frey geword'ne Träume haben Oden, Und Thränen, Foltern, und der Freude Schmeicheln, Sie legen Druck auf unserm wachen Dünken Sie nehmen Last von unsern wachen Müh'n; Sie theilen unser Wesen, ja sie werden Von uns, wie uns'rer Zeit, ein wirklich Theil, Und gleichen Herolden der Ewigkeit. wWie Geister des Vergang'nen Mall'n sie, sprechen Vielleie Ein scl Und 2u Ich sah Stehenc Grünn Gleichs seine it. 2 reude ken R'n; Theil, sie, — 105 Ven Künft'gem, wie Sibyll'n; sie haben Macht, Die Herrschaft über Lust und über Weh, Sie machen and'res aus uns— was sie wollen; Erschüttern mit vorbeygegang'nem Bild uns, Dem Schreck entwich'ner Schatten— sind sie das 5 Ist nicht, was war, ein Schatten?b Was sind sieb Gemüthsschöpfungen? Das Gemüth kann Leben Erschaffen, und aus sich Planeten füllen Mit schönern Wesen, als noch waren! Ge- stalten Beleben, die all' Ird'sches überdauern!— Ich möcht ein Bild erneu'’n, wie ich's ge- träumt Vielleicht im Schlaf— denn ein Gedank' an sich, Ein schlummernder Gedank', kann Jahre fassen, Und zwängt lang Leben ein in Eine Stunde. 2. Ich sah zwey Wesen in der Jugend Farben Stehend auf einem Berg, anmuth'gem Berg, Grün und von sanftem Abhang; er, der letzte, Gleichsam das Vorgebirg von langer Bergreih, 106 Nur daàfs kein Meer zum Bad des Fufses dort, Vielmehr höchst üpp'ge Landschaft, und das Wogen Von Wald und Korngefild; und Menschen- hütten, Zerstreut und einzeln, und des Rauches Wir- beln Entstieg dem Strohdach dort— als Krone trug Der Berg ein eigenthümlich Diadem Von Bäumen, in Kreisordnung, so gestellt Nicht durch die Laune der Natur— des Men- schen! Die zwey, ein Mädchen und ein Jüngling, standen Dort schauend, sie auf all', was unten lag, Schön, wie sie selbst,— der Jüngling schaut' auf sie; Und beyde waren jung, und Eine schön, Und beyde jung, doch gleich an Jugend nicht. Wie an des Himmels Saum der sanfte Mond, Stand an der Weibheit Abende die Maid; Er sah noch wen'gre Sommer, doch sein Herz Weit überwuchs die Jahr' es, und Ein Antlitz Nur war auf Erden lieblich seinem Auge, Und eben strahlt's hinein; er hatte d'rauf Geblickt, bis es nicht weichen wieder konnte; Sein Oden, all sein Leben war in ihrem, Sie war sein Reden, doch nicht sprach er auf sie, Bey ih Sein A Es färl Hatt' e Der O0 Der all Ein To Der W Erkann Die N Ihr Ser Ganz, Denn 1 Hatt' il Sie sell Von ei Der ihr Zeit lel- Sie liel Und au dort, 1 das chen- Wir- 107 Bey ihrem Wort nur bebt' er;— sie sein Schau'n Sein Auge folgte ihrem, sah mit ihrem, Es färbt ihm seine Welt— ja aufgehört Hatt' er in sich zu leben— sie sein Leben, Der Ocean dem Strome seines Denkens, Der alles einschlofs; ein Berühren, nur Ein Ton von ihr, bracht' Ebb' und Fluth dem Puls, Der Wang' ein schnell Verfärhen, doch sein Herz Erkannte seines Krampfes Ursach nicht. Die Maid theilt' aber nicht sein zärtlich Fühlen, Ihr Seufzen galt nicht ihm, für sie war er Ganz, wie ein Bruder, doch nicht mehr; viel war'’s, Denn bruderlos war sie, nur dieses Namens Hatt' ihm als Kind schon Freundschaft sie ge- schenkt; Sie selbst, der übrige einsame Sprofs Von einst berühmtem Stamm.— Ein Name war'’'s Der ihm gefiel, auch nicht gefiel— warum? Zeit lehrt' ihn ernste Antwort, da'nen Andern Sie liebt', auch jetzt liebt' einen Andern sie, Und auf der Höhe dieses Berges stand sie, 108 Schauend zur Fern', ob ihres Trauten Roſs Mit ihrem Harren Schritt hielt— ob es flöge? 2 3. Verändert wurde meines Traumes Leben. Es war ein altes Haus da, und ein Roſs Hielt vor den Mauern mit des Zeuges Zier, In einem alten Betsaal stand der Jüngling, Von dem ich redete; allein war er Und bleich, und auf und ab schritt er; als- bald Setzt' er sich hin; nahm eine Feder, und Schrieb Worte, die mir unverständlich, stützte Sein sinkend Haupt dann mit der Hand, und bebt'* Als wär’'s in Zuckung, stand dann wieder auf, Zerriſs mit Zähnen und mit Händen, zitternd, Was er geschrieben— aber ohne Thränen! Und er ermannte sich, in eine Art Von Ruh zwang er die Brau, als slill er ward, Trat dort auch ein, die er geliebt, das Weib; Sie lächelt' und war heiter jeizt, und wuſste Doch, dafs von ihm geliebt sie war, und. wulste, Denn¹ Sein H Unglüc Auf sta Nahm Ward Gedanl Er lieſs Entfern Sie läcl Hinaus Und zo- Und tra Verände Mann w Heiſsglä Und ihr. Derselbe 109 8 Denn schnell kommt solches Wissen, dafs ihr öge? Schatten Sein Herz verdüstert hatte, und sie sah, Unglücklich war er, doch nicht alles sah sie! Auf stand er, und mit kaltem, sanftem Fassen Nahm ihre Hand er, einen Augenblick Ward sein Gesicht ein Blatt von unaussprech- bar'n 4 Gedanken, dann verschwand's, wie es ent- r, stand; 6, Er liefs die Hand, die er gefafst, und langsam Entfernt' er sich, nichté wie Lebwohl ihr sa- ; als- gend, Sie lächelten bey'm Abschied beyd', er ging d Hinaus zur schweren Thür' der alten Halle, tützte Und zog, scin Roſs besteigend, Zeines Wegs, und Und trat nie mehr ob dieser grauen Schwelle. 4 * lill er Verändert wurde meines Traumes Leben. Mann war der Jüngling worden, in der Wild- Weib;. niſs ſste HHeifsglüh'nder Zonen siedelt' er sich an, und. Und ihre Gluth trank seine Seel', er war nicht Derselbe, der er einst war, auf dem Meer 110 Und am Gestade war ein Wand'rer er. Und eine Masse mannichfacher Bilder War wogengleich, auf mich gehäuft, doch er Ein Theil von allen, und zuletzt lag er, Sich labend nach des Mittags schwülem Druck, Bey Säulentrümmern hingestreckt, im Schatten Verfall'ner Mauern, die die Namen ihrer Erbauer überlebten; es umgrasten Den Schlummernden Kameel', und edle Rosse War'’n an dem Quellrand angebunden, und Ein Mann, in weitem Kleid, wacht' unterdeßs, Dalfs Viele seines Stamms daneben schliefen; Vom blauen Himmel war'n sie überwölbt, So wolkenlos, so klar, so flecklos schön, Dals Gott allein zu schauen war im Himmel. 5. Verändert wurde meines Traumes Leben. Die er geliebt, das Weib, vermählt war sie, Doch höher nicht geliebt! In ihrem Haus, Wohl tausend Meil'n von ihm,— dem Vater- haus Wohnte, umringt von Kinderaufblüh'n, sie, Töchtern und holden Knaben— aber schau! In ihrem Antlitz war des Kummerrs Schrift, Der ste Und ei Als pre Was k Und er Mit bös Dem la Was ko Ihm auc Er konn Bedräng Der stete Schatten innerlichen Kampfs, Und ein unruhig Senken ihrer Augen, Als prefst' ihr Lied die rückgehaltne Zähre. Was konnt' ihr Gram seyn? Ihr, all' was sie liebte, Und er, der so sie liebte, war nicht da, Mit bösem Hoſfen, argem Wünschen, oder Dem lauten Harm ihr reines Herz zu trüben. Was konnt es seyn? Sie hatt' ihn nicht ge- liebt, Ihm auch der Liebe Hoffnung nicht erregt, Er konnte das nicht seyn, was ihre Brust Bedrängte, ein Gespenst vergang'ner Zeit. 6. Verändert wurde meines Traumes Leben. Heim war gekehrt der Wand'rer, am Altar Sah ich ihn steh'n mit einer holden Braut. Schön war ihr Antlitz, doch nicht das, was einst Des Jünglings Stern war; als am Altar selbst Er stand, flog über seine Brau derselbe Anblick, es kam das bebende Durchschüttern, Wies in dem alten Betsaal ihn gefaſst Die Brust in ihrer Einsamkeit, und dann Wie zu der Stunde, ward sein Angesicht 112 Ein Blatt voll unaussprechlicher Gedanken, Und dann verschwand's, wie es entstanden war, Und ruhig stand und still er, und er sprach Das übliche Gelübd', ohn' es zu hören, Und alles wirbelte vor ihm, nicht seh'n Konnt' er, was war, nicht was da sollte seyn; Das älte Haus doch, die bekannte Halle, Die wohl behalt'nen Kammern, und die Stelle, Der Tag, die Stunde, Sonnenschein und Schatten, All' was gehörte jener Stell' und Stunde, Und ihr, ihr, seinem Schicksal, kam zurück, Und drängte zwischen Licht und ihn sich ein, Was hatt' es dort zu thun, zu solcher Zeit? 7 Verändert wurde meines Traumes Leben. Die er geliebt, das Weib, o wie verändert War sie, von Seelenkrankheit schien's; ihr Geist War seinem Sitz entwandert, und ihr Aug' Nicht hatt' es eig'nen Glanz, vielmehr den Blick, Wie dieser Erd' er fremde; Kön'gin war Von einem Traumreich sie geworden, und Ihr Denken— Einigung getrennter Dinge. Gestalten, unſaſsbar und unvernommen Von and’'rer Augen, waren ihrem traut. Das nennt Wahnsinn die Welt, doch Weise haben Weit Melanc Was a Die Fe Und b. Die ka Veränd Der W Und de Ilielt e 13. en, n war, rach seyn; Stelle, hatten, . urück, ch ein, Zeit? dert hr Geist Aug' en Blick, ar und 1ge. t. se haben 113 Weit tiefern Aberwitz; das Starren der Melancholie ist eine schaur'ge Gabe, Was and'res, als der Wahrheit Fernglas, ist's? Die Ferme zieht's von seinen Phantasien, Und bringt das Leben noch in ganzer Nackt- heit, Die kalte Wirklichkeit zu wirklich machend! 9 8. Verändert wurde meines Traumes Leben. Der Wand'rer war allein, wie früherher, Was ihn umgeben, alles war verschwunden, War gar im Krieg mit ihm, ein Bild war er Von Oed' und von Entsetzen, rings umhaufst Von Haſs und Feindeskampf, Schmerz war ge- mischt In Alles, was gereicht ihm wurde, bis, Wie Mithridat, der alte pont'sche Fürst, Von Cift er lebt', und nicht versehrt' es ihn, War nur ein’' Art von Nahrung, und er lebte Durch das, was vieler Menschen Tod gewesen, Und macht' aus Bergen Freunde, mit den Sternen Und dem lebend'gen Geist des Weltenalls Hielt er sein Zwiegesprach, die lehrten ihn HI 13. 114 Die Zauberey geheimer Wissenschaft, Ihm war das Buch der Nacht weit aufgethan, Und Stimmen aus des Abgrunds Tief entdeckten Ein Wunder, ein Geheimniſs ihm— so sey's! AA 9. Mein Traum war aus, nicht mehr verändert ward er; Seltsam war das gefügt, dafs das Geschick Der beyden Wesen ausgezeichnet war, Beynah' wie eine Wirklichkeit, dafs Eins In Wahnsinn enden muſfste, beyd' in Elend. 119 —õ—Nͤ—ℳq́êö——MÄ..——— nan, ckten sey's! ändert Finsterniss. k 1d. Ich sah ein Traumbild, doch nicht ganz war's Traum. Der Sonne Glanz war ausgelöscht, es zogen Die Sterne dunkel in dem ew’gen Raum, Bahnlos und strahlenlos; die eis'ge Erde Schwang blind und finster in mondloser Luft; Der Morgen kam und ging— und gab nicht Tag; Und seiner Leidenschaft vergaſs der Mensch Im Schauer dieser Oed', und jedes Herz Erstarret' in ein Angsigebet um Licht. Man lebte bey Wachtfeurungen, und Throne, Gekrönter Könige Paläste, Hütten, Die Hausung aller Wesen, welche wohnen— Gezündet ward's zum Leuchten; Städte brannten, 116 Die Menschen traten an ihr lodernd Haus, Noch Einmal sich in's Angesicht zu schau'n. Beglückt war, wer im Auge des Vulkans Und seiner Bergesfackel wohnete. Nur banges Hoffen schritt noch durch die Welt. Man brannte Wälder an, doch Stund' an Stunde, Stürzten, verschwanden sie, die Stämme, kni- sternd, Löschten mit einem Krach, und Nacht war Alles. Der Menschen Brauen hatten bey dem grausen Licht einen wilden Anblick, wenn in Blitzen Die Flammen auf sie schlugen; Ein'ge lagen Verhüllt zur Erd' und weinten, Ein'ge stemmten Ihr Kinn auf die geballten Hände, lächelnd, Noch And're jagten hin und her, und nährten Den traur'gen Kohlenstofs mit Reis, und sahn Mit Wahnsinnsangst zum dunkeln Ilimmel auf, Dem Sargtuch einer todten Welt, und warfen Dann wieder flehend hin sich in den Staub, Und heulten zähneknirschend; Geyer schrien Und flatterten erschröcken auf dem Boden, Unnütz die Schwingen schlagend; zitternd nahten UÜUnd zahm die wild'sten Thier', und Nattern krochen Ind mengten zischend sich den Haufen bey, Doch stachellos; man würgte sie zum Mahl; Und Krieg, der augenblichlich aufgehört, Schlang Ward In Haf Nur Ei Unrühn Des H Der M. Vom I Selbst) Nicht, Die Võ Bis Hu Den sc Nur mi Und h Nicht 1 Das V Aus ein Und Fe An ein Wo ei- 8, „ un. Welt. tunde, „ kni- t war rrausen litzen agen minten elnd, nährten d sahn nel auf, warlen aub, nrien en, nahten Nattern bey, Iahl; t, 117 Schlang voll sich wieder, denn mit Blut er- kauft Ward eine Mahlzeit, jeder safs unwirsch In Haſs sich sätt'gend— keine Liebe mehr. Nur Ein Gedank' auf Erden— der war Tod, Unrühmlich, unverzüglich, und der Schmerz Des Hungers frafs all' Eingeweid', es starb Der Mensch— kein Grab den Knochen wie dem Fleisch, Vom Magern ward der Magere verzehrt, Selbst Hunde fuhren auf die Herrn, nur einer Nicht, treu blieb er der Leich', und hielt ent- fernt Die Vögel, Raubthier', und heifsgier'ge Men- schen, Bis Hunger sie gezehrt, bis fall'nde Todte Den schlaffen Rachen lockten; nichts mehr fraſs er, Nur mit beständ'gem kläglichen Geheul Und hellem Schmerzgeschrey leckt' er die Hand, Nicht lohnend seiner Liebkosung— und starb. Das Volk kam mählig Hungers um, doch zwey, Aus einer grofsen Hauptstadt blieben leben, Und Feinde waren sie; sie trafen sich An eines Altars letztem Kohlenglüh'n Wo eine Menge heil'ger Dinge war, 118 Oehäuft zu unheiligem Zweck, sie wühlten Und störten zitternd mit den Knochenhänden In matter Asche, und ihr matter Hauch Bliefs dürft'ges Leben ein, und machte Flamme, Die nur ein Höhnen war; dann huben sie, Wie's heller ward, die Augen auf, und sah'n Ihr beyder Angesicht, sah'n, schrien, und 1 starben, An gegensecit'gem Abscheu starben sie, Nicht wissend, wer es war, auf dessen Stirn Der Hunger«Teufel“ schrieb. Die Welt war leer, Die menschenreich' und mächt'ge war ein Klump, Jahrzeitlos, halmlos, baumlos, menschlos, leblos, Ein Klumpen Tod— ein Chaos harten Thons. Die Flüss' und See'n, der Occan stand still, Nichts regte sich in ihren ruh'gen Tiefen. Die Schiffe faulten seglerlos im Meer; Die Maste fielen stückweis, wie sie ſielen Versanken sie, und keine Welle schlug, Todt war die Wog', im Grabe Fluth und Ebbe, Der Mond, ihr Zwingherr, war vorher ver- blichen. Der Sturm verwittert' in stillsteh'nder Luft, Die Wolken schwanden selbst; nicht förder noth Hatt' ihrer Finsternifs— sie war das All. — 11. n aden mme, e, sah'n und tirn er leer, lump, leblos, Thons. till, 1. Nachricht. Die früher erschienenen Bändchen dieser T a- schenbibliothek enthalten: Nro. 1. 2. Voltaire's Candide; übersetzt von Sigismund. 2 Thle. 3. Molière's Tartüffe; übers. v. Dr. Langenbeck. . 6. Voltaire's Karl XII. übersetzt von M. Stein. 8 Thle. 7. Byron'’s Poesien; 1s Bdchn. übers von Jul. Körner. 3. Shakespear's Timon; übers. von M. Regis. . 10. Tasso's lyrische Gedichte; übers. von C. Förster. 2 Thle. . 12. Virgil'’s Aeneide; übers. von Dr. Nürnberger. 1— 2 Thl. — — Taschenbibliothek der ausländischen Klassiker, in neuen Verdeutschungen. N. 17. V Byron's Poesien. Sechstes Bändchen. Lord Byron's PoG sSi e H. Sechstes Bändchen. Don Juan, zweyter Gesang. Ueber tzte „ Wilhelm Reinhold. 0 n +ͤ————:ͤ—ℳ—ℳ—ℳℳℳAn Ziwicka u, im Verlag der Gebrüder Schumann. 1 3 2 1. Ich s benslu ehrtes nach auf d unend samer de„. was freut V —ͤ—ℳℳ——A—AO§ᷓꝗ——— VoöorWox. I. Ich sende Ihnen den zweyten Gesang des le- benslustigen Don Juan sofort nach, meine Ver- ehrteste, weil Sie mir versicherten, Sie seyen 1 nach Lesung des ersten Gesanges sehr begierig auf die Fortsetzung geworden. Mich freuet unendlich, dafs Sie nicht zu jenen Ultratugend- samen gehören, die jedes fröhliche, verrathen- de, vielleicht etwas mahlerische Wort für et- was ganz Entsetzliches nehmen; um so mehr freut mich dies, da ich voraussehe, daſs Einige VIII in heiligem Eifer behaupten werden, dieses gottlose Büchelchen sey besser unübersetzt, noch besser ungedruckt geblieben; und geben Sie Acht, ob hier nicht unsre lieben Frauen das meiste Geschrey erheben werden? Ja ja, wir zürnen sehr oft den Worten, welche gewissen stillen Ideen und Genüssen den Namen geben. Die armen Worte!— Quicquid delirant reges, plectuntur Achivi— doch, ich schreib' an eine Dame, und das war lateinisch— ich meyne, um bey der Hauptsache etwas durch die Finger sehen zu können, sind wir oft übertrieben streng in Nebensachen. Vor allen Dingen sag' ich Ihnen denn: er lebt noch, unser lieber Don Juan. Sie waren besorgt um ihn, dafs er nicht, bey seinem lebhaften Temperamente, nach der gewaltsamen Trenn seines sich wir v den, er we groſse Herz neue sehr mit ex Gesan nun— gel au dings terhaf doch dieses t, noch en Sie en das a, wir wissen geben. reges, an eine neyne, Finger trieben an: er waren seinem tsamen IX Trennung von seiner Julie, dieser ersten Liebe seines Herzens, sich in Gram verzehren, oder sich gar ein Leid anthun werde. Doch— ob wir vielleicht auf dem Meere ganz anders wer- den, als wir auf dem Festlande gewesen?— er weiſs sich männlich zu trösten, ja, wie sein groſses, der ganzen Menschheit schlagendes Herz beynah voraussehen lieſs, er macht eine neue Bekanntschaft, und findet ein, allerdings sehr schöunes, Mädchen ganz wunderschön— mit einem Worte: Julie ist in dem zweyten Gesange seine Geliebte nicht mehr, sie heifst nun— ob für ewige Zeiten, weiſs ich aus Man- gel an Nachrichten nicht— Haidee. Aller- dings zeigt sich hier Don Juan als einen Flat- terhaften, auf welchen nicht viel zu bauen ist— doch jeder Mensch, auch der beste, hat seine X Schwächen. Wohl uns, Verehrteste, dafs wir Beyde g'rade diese Schwäche nicht haben, aber wir leiden gewifs dafür an einer andern wun- den Stelle! Also richten wir nicht. Aber eh' er so glücklich ist, in den Armen dieser holden CGriechin zu erwarmen, Cott, was hat er zu bestehen! Lesen Sie und schau- dern Sie! Sturm, Schiffbruch, Lebensgefahr, Hungersnoth, Verzweillung,— Menschenschlach- ten! Sie schaudern in der That, und fragen, wie kommt solches Entsetzen, das Ungeheuerste, was Leser erschüttern kann— in ein launiges Gedichtb? Ich frage dies mit Ihnen, und leugne nicht, dafs ich die ganzen Gräuelscenen, so meisterlich sie gezeichnet sind, weg wünsche Doch g'rade dies Zusammenstellen der Extreme, dies Mischen von Schauder und Ergötzen, isl's nicht Muse die Sc der D Wirk Ort n der N eines hungri den v lichen sen— verma auf d die ar lig ar Feind aſs wir , aber a wun⸗- Armen Cott, schau- sgefahr, chlach- fragen, ſeuerste, auniges leugne XI nicht der bleibende Charakter der Byronschen Muse 5 In der That glaub' ich, hier war für die Schilderung solcher erschütternder empören- der Dinge(wie sie leider wohl selbst in der Wirklichkeit vorfallen mögen) der schicklichste Ort nicht;— aber das Steigern der Ereignisse, der Noth, der Verzweiflung; das treue Gemälde eines auf'’ äusserste gebrachten Zustandes heils- hungriger Menschen; das Geheimniſs, uns in den wilden Tumult ihres von jedem Schreck- lichen aufgeregten Innern hineinblicken zu las- sen— dies verdient hohe Anerkennung; dies vermag nur ein Dichtergenie, wie Byron. Liegt auf der einen Wagschale Schauder, so wiegt die andere, worauf das Ergötzen liegt, sie völ- lig auf. Haidee ist neu, und was auch die Feinde des groſsen Dichters sagen, sie ist sein XII Geschöpf; mit welchem Zauber ist sie ausge- stattet; wie herrlich ist die Beschreibung des Spazierganges bey Mondenschein, der süſsen Stunde in der erhabenen Einsamkeit des Mee- resstrandes! Doch ich greife Ihrem Urtheil nicht vor. Nur noch ein'’ges über die Grund- sätze, die ich beym Uebersetzen befolgte. Das Gedicht ist, wie leicht abzusehen, ein launi- ges; das Scherzen mit Gemüthsbewegungen ist sein Charakter. Der Ton ist äusserst leicht und gefällig, die Form des Originals sind Oktaven; das Versmafs regelmäfsige fünffüfsige Jamben. Diese Form beyzubehalten, schien mir nicht rathsam; unsre Sprache hat bey weitem bey ib. ren Reimen so leichtes Geschäft nicht, als die englische; denn die Menge einsylbiger Wörter dieser Sprache läſst sie in einem einz'gen fünf- mir m und de hinter jeder, beit ar Gelung schwer überset ausge- ing des süſsen 2s Mee- Urtheil Grund- 2. Das launi- gen ist ht und ktaven; lamben. nicht bey ih. als die Vörter n fünf- füfſsigen Jamhus so viel zusammen drängen, was uns in demselben Raum unmöglich ist. Ich wählte daher für meine Uebersetzung die Wie- landische Stanze, d. h. ich liefs den Jambus mit Daktylen und Anapässen abwechseln, band mich nicht an die Zahl der Füfse, sondern ge- brauchte 4, 5, 6 füſsige Verse; mein Hauptau- genmerk ging auf das Flieſsende der Uebersez- zung, und ich kann Ihnen versichern, daſs mir manche Stanze unendliche Mühe machte, und doch bin ich hie und da noch bey weitem hinter der Idee zurückgeblieben. Ich glaube, jeder, der die Schwierigkeit einer solchen Ar- beit aus Erfahrung kennt, wird das weniger Gelungene billig beurtheilen. Byron ist oft schwer zu verstehen, und noch schwerer zu übersetzen. Dafs ich hinsichtlich der Reime XIII XII den neuern Puristen nicht angehöre, zeigt Ih- nen ein flüchtiger Blick. Es ist sehr fraglich, ob diese übertriebene Strenge im Reime(wir finden sie bey keinem unsrer Classiker, selbst Matthisson nicht ausgenommen) überhaupt an- in N wendbar, und besonders im Komischen und Launigen anwendbar sey? Der Uebersetzer. igt Th- aglich, e(Wir selbst Verbesserung apt an- in Nro. 13. der Taschenbibliothek. n und . 5. v. u. lies: Seh'n statt Sohn. Ihr, d Von H Haut s Scheut Der M Erwies Da er, Der an Wär'’' e Nach 1 Blieb s. Zum w 17. —V—3M3Q—————MℳU—————ℳ ℳ ℳʃ4ͤ—n 1. Ihr, die ihr lehrt der Völker edle Jugend Von Holland, England, Deutschland, Spanien, Frankreich; Haut sie bey jedem Anlaſs, bitt' ich euch, Scheut nicht die Mäh', es ſördert ihre Tugend. Der Mütter— der Erziehungsweisen Krone Erwies sich nur in Juans Fall zum Hohne Da er, wahrhaftig auf seltsame Art, Der angebornen Keuschheit ledig ward. 2. Wär'’ er geschickt zur Fürstenschule worden, Nach Tertia, Quarta,(hier gält' es gleich viel,) Blieb seine Phantasie durch täglich Lernen kühl, Zum wenigsten wenn er gesäugt im Norden; 17. A 2 Spanien mag sich als Ausnahm' offenbaren, Doch zeigen dann Ausnahmen ihren Werth; Scheidung durch einen Fant von sechzehnJahren, Da stutzten doch wohl die, die ihn gelehrt! 3. Nicht sagen könnt' ich, daſs, wenn alles wohl erwogen, Ich im geringsten stutzte; denn erstens, ein— Unverstand War die Frau Mutter, mathematisch benannt; Ein alter Esel der Lehrer, der ihn erzogen,— Ein hübsches Weibchen—(das ist leicht ab- zusehn, Sonst wäre wohl das Ganze nicht geschehn) Ein Eh'mann, ziemlich alt— nicht sehr in Ei- nigkeit Mit seiner jungen Frau— Zeit und Gelegen- heit— Ja, ja Und h Wir! Und d Der F Der P. Ein we Gebet Nach Ein sch Dort is (War Und M: en, erth; ahren, ehrt! es wohl ein— lenannt; gen,— icht ab⸗ elegen- 4. Ja, ja! um ihre Axe muſs die Welt sich drehn, Und hoch und niedrig müssen mit ihr gehn! Wir leben, sterben, lieben, zahlen unsre Steuer, Und drehn die Segel, wie der Wind sich dreht; Der Fürst beherrscht, der Arzt macht's Leben theuer, Der Pred'ger unterweist uns— so das Leben geht— Ein wenig Oden, Liebe, Wein, Kampf, Ehr- geiz, Glanz, Gebet und Staub— vielleicht des Nachruhms Kranz. 5. Nach Cadix, sagt' ich, sollte Juan fahren; Ein schöner Ort, wohl denk' ich seiner noch, Dort ist der Markt der Colonieenwaaren, (War’s mehr, eh' Peru brach sein Joch;) Und Mädchen— ich meyne solche holde Frau'n, 4 Ihr Gang schon mufs das Blut in's Herz dir treiben, Ich kann ihn, wie er hinreiſst, nicht beschreiben, Ein Araber, ein Barbar, erst gebändigt, Gazelle, schlanker Hirsch, Cameelopard— Ach alles nichis! Dann die Bekleidungsart, Ihr Schleyer und ihr Röckchen— traun geendigt Würd' ein Gesang, wollt' ich hiebey verweilen; Ihr Füſschen dann, der Knöchel— könnt mich freun, Daſs sich kein Gleichnifs will mir grad' ertheilen! 4(Und so, vernünft'ge Muse, laſs gesetzt uns seyn; Ja, keusche Muse, mufst du, so muſst da!) der Schleyer, Zurückgeworfen leicht mit weiſser Hand, Auch nicht vergleichen— gleich ist nichts zu. schaun. 6. Und ih Indem In's H Der L Der M Wora Als die Nun zu Sandt' Dort b Waru Zu reis Als ob Das vo 5 erz dir Indem, wovor du erbleichst, des Auges gewal- tiges Feuer rreiben, In's Herz dir blitzt;— o du sonniges Land chts zu. Der Liebe, vergefs' ich dein— so entfalle dem Verstand— Der Morgensegen— doch nie ersann man ein Gewand, Woraus das Auge schösse so volllöthig, Als die Fazzioli höchstens in Venedig. 8. Nun zur Geschichte; um ein Schiff zu besteigen Sandt' Ines hin nach Cadix ihren Sohn; Dort bleiben— war dem Plan zuwider schon, Warumb Hierüber, Leser, will ich schweigen. Zu reisen sollte der junge Mann an Bord, Als ob ein spanisch Schiff die Arche Noah's wäre, st da!) Das von der Erde Schlechtigkeit ihn kläre, Und ihn heraus liefs, wie die Taube dort. 9. Jaan befahl dem Diener, das Felleisen, Erhaltner Weisung nach, zu packen; dann empfing vermahnung er und Cold; er sollt' auf Reisen Vier Lenze durch; ob's Ines nah' auch ging, (Wie jede Art von Trennung Bitt'res hat): sie hoffte, glaubte fest, so würd' er weiser; Sie gab'nen Brief ihm auch mit gutem Rath, Und zwey bis drey an reiche Wechslerhäuser. 10. sich mittlerweile Zeitvertreib zu schaffen, Legt' eine Sonntagsschule die wackre Ines an Für böse Kinder, die, auf Müssiggänger Bahn, „Den Teufel lieber spielen, oder den Affen. Dreyjähr'ge Kleine wurden klug gemacht, Piusel gehauen, oder auf den Gehorsam gewiesen, Weil Juans Erziehung so sich selbst gepriesen, Ward sie auf Bildung kommenden Geschlechts gebracht. Juan Dort s Spanie Es ist Sein N Durch Beson Ich we Doch Wann Hinsel dann Reisen ing, at): ser; Rath, näuser. 11. Juan stieg ein, das Schiff begann die Fahrt, Der Wind war gut, doch äusserst wild die Wogen, Die See ist in der Bay von Teufelsart, Sehr gut weiſs ich's, der ich sie oft durchzogen; Steht man auf dem Verdeck, fliegt in's Gesicht Der sprüh'nde Schaum, und macht es wetter- dicht; Dort stand er, um zu wiederholten Malen Spanien vielleicht das letzte Lebewohl zu zahlen. 12. Es ist ein bang Gesicht, ich muſs gestehn, Sein Vaterland zurückzufliehn zu sehn Durch Wassermassen— es entmannt uns ganz, Besonders, glüht noch zarter Jugend Glanz; Ich weiſs noch, Englands Küste sieht wie Kreide, Doch blau die aller andren Länder schier, Wann, bey dem Anfang unsers Schifferlebens, wir Hinsehn auf die Verdunkelten durch Weite. 13. So stand verwirrt Juan auf dem Verdeck, Der Wind püfff, Seile dröhnten, Matrosen fluchten, Es krachte das Schiff, die Stadt ward nur ein Fleck Von welcher so schnell und leicht die Ferne „. sie suchten.— Ein Beefsteak ist der sicherste Gebrauch Vor Seekrankheit; eh' ihr wollt kichern, Versucht's, mein Herr, ich kann den Werih versichern; Denn trefflich fand ich's selbst,— ihr könnt es auch. 14. Don Jüan stand, und in stets weitre Fernen Sah er zurück sein heimisch Spanien fliehn Der ersten Trennung Lehr' ist hart zu lernen, Solbst Völker fühlen's, wenn in Krieg sie ziehn; Ein ei Ein Dr Ob vor Wir sã So mar Die Mu Dafs m Als man Entsch Ein A So wein Bis tief 1 k, latrosen nur ein 2 Ferne 1, Werih r könnt rnen hn lernen, ie ziehn; Ein eigener unausgesprochner Schmerz, Ein Drang ist's— der weit aufreifst unser Herz! Ob vom geringsten Volk und Ort wir gehen,— Wir säumen— um den Thurm nur noch zu sehen. 15. So manches liefs dahinten Don Juan, Die Mutter, und— kein Weib— doch die Geliebte, Dafs mehr er hatte, was die Seel' ihm trübte, Als manch'auf weiter schon durchschrittner Bahn; Entschlüpft sogar nach denen dann und wann Ein Ach, die wir verlieſsen unter Streiten, So weinen wir um die, die lieb das Herz ge- wann, Bis tielrer Gram erstarrt der Thränen Gleiten. 46. So weinte Don Juan, wie die gefangnen Juden Geweint, Sions gedenk, an Babels Fluthen; 10 Auch ich thät's, wenn am Weinen die Muse Geschmack Und— man pllegt bey so leichtem Schmerz noch nicht zu erliegen; Jünglinge solien reisen, wenn nur zum Ver- gnügen; Und das nächstemal, wenn wieder den Mantelsack Die Dieuer hinter ihre Kutsche binden— Wird dieser mein Gesang vielleicht darin sich finden. 17. Und Juan weint, und seuſzte tef, und sann; Die salz'ge Thrän' in salz'ge Seefluth rann. Der Sufsen Süſs'stes(ich zitire gern, Verzeiht den Auszug— s ist, wo zu Opheliens CGrabe Die Kön'gin Dän'marks bringst der Blumen Gabe) Und, oftmals schluchzend, der Geliebten fern, Betrachtet' er sein gegenwärtig Wesen, Und schwur sich fest, zur Bess'rung zu genesen- Leb' W Vielle Verzel Zu scl Leb' v Leb' v Auch «Er vo Und Unmõö- Eh' sc Eh' da Als mi «Als flu lie Muse Schmerz liegen; um Ver- antelsack 4— arin sich genesen. 18. Leb' wohl, mein Spanien, lang leb' wohl“, riefer, „Vielleicht sch' ich im Leben nie dich mehr, «Verzehre mich, wie manch Vertrieb'ner sich verzehret, Zu schaun verlangend deinen Küstenrand! Leb' wohl, wo man des Guadalquivirs Brausen höret, Leb' wohl, o Mutter, und, weil alles schwand, „Auch du, geliebte Julie!“ hier zog ihren Brief «Er vor, daſs er ihn nochmals überlief. 49. Und ol wenn ich dich je vergess'— ich schwöre— Unmöglich ist', und kein Gedanke dran,— Eh' schmilzt in Luft der blaue Ocean, Eh' dafs in Meer der Erdball sich verkehre, Als mir dein Bild, o Schöne, könnt' enteilen, «Als flüchtig nur, mein Denken von dir lieſs; 12 Ein Th Ernstvo Wenn „Ein krankes Herz kann durch nichts andres heilen“— (Hier ward er seekrank, weil das Schiff sich stiels) 20. „Eh' küfst die Ros' ein Stern“(hier ward er Lieb' i kränker); „0 Julie, was ist jeder andre SchmerzP— Ein Fie («Ein Glas Liqueur, beym ew'gen Himmelslenker! Doch h „Pedro, Battista, helft mir niederwärts!) „Julie, Geliebte!(Pedro, Fletz, gelenker!) Und eir „Julie!(das Schif. das schaukelt so, zum Henker!) Bey jed „Geliebte Julie, höre doch mein Sprechen!“ Gemein (Hier ward er unvernehmlich durch Erbrechen.) Damit; 241. Nicht in Er fühlte jene kalte Schwer' im Herzen, 1 (Vielmehr im Magen) die begleitet, ach!— (Wie viel des Apothekers Kunst vermag,—) Allein d Verrath der Freund', entzog'ner Liebe Schmerzen, Im Eing Tod unsrer Lieben; sinkt in Nacht mit ihnen V Liebe, 13 s andres Ein Theil von uns, und alle Hoſfnungskerzen 7 Ernstvoller wär' er herzlich gern erschienen, h sujefs) Wenn nicht die See als Brechwein mufste dienen. 22. ward er lLieb' ist ein launiges Ding! Ich sah sie be- stehen, 5— in Fieber, zugezogen durch eigne Gluth, Islenker! Doch hab' ich durch Schnupfen und Husten ver. 1.. 0) wirrt sie gesehen, Und eine Bräune nahm ihr ganz den Muth. Bey jeder edlen Krankheit ist sie kühn, Gemeine Krankheit nur kann sie verdrieſsen, Damit ihr Seufzen nicht unterbrech' ein Niesen, Nicht ihre blinden Augen roth entzündet glühn! 23. Allein das Schlimmst' ist Uebelkeit, und drängen merzen, Im Eingeweide niederen Bereichs; Liebe, die kühn sich läfst'ne Ader sprengen, Schaudert beym Umschlag warmgemachten Zeugs; Rhabarber drohet ihrem Reich Gefahr, SeekrankheitTod!— VollkommenwarseinLieben, Wie wär's im Wogenbrüllen sonst geblieben, Trotz einem Magen, der noch nie zu Schiffe war. 24. Das Schiff— ˙s hieſs die hochheil’ge Trinidada, Lief, wie es sollte, nach Livorno's Port; Es liefs die spanische Familie Moncada, Vor Jose's Zeiten schon, sich nieder dort; Mit ihr war er verwandt, er hatt' an sie Empfehlungsbriefe, zugesendet, früh Vor seiner Reise, von spanischen Bekannten, An diese italienischen Verwandten. 23. Sein Hof bestand aus drey Bedienten, und Dem Lehrer, dem Herrn Lizentiat Pedrill; Der, obwohl mehrer Sprachen kund, Jetzt s Er wü Weil e Und N Sein La Das wa Begann Nicht v Doch I Weil e Und ei n Zeugs; „ Lieben, leben, aiſfe war. rinidada, und 19 Jetzt sprachlos lag und krank auf seinem Pfühl. Er wünschte Land, gewiegt aus seiner Hange- matte, Weil er bey jedem Stoſs mehr Kopfweh hatte, Und weil das Wasser, das durch's Thürloch drang, Sein Lager nafs macht', und ihn selber bang. 26. Das war nicht ohne Ursach, denn der Wind Begann verstärkt, zur Nacht als Sturm zu wehen; Nicht viel für die wohl, die zu Schiff stets sind, Doch Landgewohnte mochten bläfslich sehen; Seevolk ist traun besondre Art von Leuten.— Die Segel fing man Nachts an einzuziehn, Weil ernst der Himmel fernen Sturm zu deuten, Und einen Mast mehr, oder sonst, zu kosten schien. 27. Ein Uhr war's, als des Sturmes plötzlich Weh'n, 16 Das Schiff wie in den Trog des Meeres schmils, Das Hintertheil prallt' an, die Folg' ein böser Rifs; Die Fugen wichen, ja es splitterten Die Balken all' des Hintertheils, und ehe Das Schiff sich half aus gegenwärt'gem Stand Brach weg das Ruder; dafs die Pumpen man besehe, War Zeit, da man vier Fuſs schon Wasser fand. 28. Ein Theil des Volkes ward an sie sofort Gestellt; die Andern, wie nur möglich, rangen Die Schiffslast wegzuräumen, und was sonst dort, Doch konnten sie zum Lecke für jetzt nicht ge- langen. Zuletzt gelang's, dazu zu kommen, doch Blieb ihre Rettung eine Wette noch, Bedenklich war des Wassers stürmend Wallen, Zwar warf man in die Oeffnung Hemden, Baum wollballen, Betltüc Gegang Trotz ⸗ Wenn' Sämmtl Denn s Auf fur Ohne 1 Am Mo Und zu Und flo Zwey H. Der W. Kam eir 17. pen man sser fand. ort h, rangen onst dort, nicht ge- loch 1 Wallen, en, Baum- 29 2. Betttücher, Jacken,— und doch gewiſs vergebens, Gegangen würden alle seyn zu Grund, Trotz aller Retlungsmittel, allen Strebens, Wenn's nicht die Pumpen thaten—; gern mach' ich sie kund Sämmtlichem Mitseevolk bey nöth'’gem Falle, Denn stündlich ward von ihnen ausgebracht Auf funfzig Tonnen Wasser, und sterben muſs- ten alle, Ohne Herrn Mann in London— welcher sie gemacht. 30. Am Morgen schien's, als ob der Sturm sich legte, Und zu bewält'gen hofften sie das Loch 2 Und flott zu bleiben, ob dr- F Fufs Wasser noch Zwey Hand- und eine Kettenpumpe bewegte.— Der Wind blies wieder frisch, zur Abendzeit Kam ein Orkan, losbrachen etliche Kanonen, 17. B 18 Ein Sturmstofs— über jeder Schildrung weit, Warf in dem Nu das Schiff auf seine Balken- bronen. 31. Da lags bewegungslos, wie ausser Brauch gestellt Vom Kielraum drang die Fluth, und wusch die Verdecke, Ein Auftritt, wie er Menschen nicht entfällt; Denn sje gedenken Schlachten, Feuer, Wrecke, Und jedes Dinges, das vereint mit Schmerz, Das ihre Hoffnung bricht, ihr Haupt, den Hals, das Herz; So wird von Tauchern, Schwimmern, oft be- schrieben Ertrinken Andrer, wo sie leben blieben! 32. Die Maste wurden eilends abgehauen, So Haupt- als Besanmast— erst ging der Be- san fort, Darauf Stets w Der B0 Dies h Hinopf Nun sp Leicht So drol Daſs es Ihr Lel Dafs se Sein En Wie me Und Ri Gewiſs Als Rur g weit, Balken- gestellt, usch die tfällt; Wrecke, 2rz, en Hals, oft be- n! der Be- 19 Darauf der Hauptmast, doch das Schiff lag dort Stets wie ein Klotz, getäuscht war das Vertrauen. Der Bowspritt ward gefällt, der Vordermast— Dies half zuletzt(ob Alles gleich man nimmer Hinopfern wollte, so lang ein Hoffnungsschimmer) Nun sprang das alte Schiff empor mit Hast. 33. Leicht wird man glauben, daſs, als die Gefahr So drohend, manchem bange war; Daſs es zuwider sehr den Passagieren, Ihr Leben und ihr Mahl so zu verlieren; Dais selbst der ächte Seemann, ahnend, dals Sein Ende nah', zum Schwelgen Lust empfangen; Wie meistens dann Matrosen Grog verlangen, Und Rum bisweilen trinken aus dem Faſz. 34. Gewifs beruhigt mehr nichts die Gemüther, Als Rum, und— wahre Gottesfurcht; so kam es, daſs Eins raubt, eins trank, eins sang Gesangbuch- lieder, Der Wind pfiff den Diskant; Takt schlug als Baſs Die heisere rauhe Woge; Graus trieb Uebelseyn Aus armen Festlandvolks seekranken Magen; Es mischte sich ein Chor von Lästrung, Beten, Klagen, In das Gebrüll der See mit wildem Schrey'n. 35. Schlimmres geschah wohl, wenn Juan nicht war, Der mit Verstand, wie er nur Aeltern eigen, An's Rumgemach drang, und mit einem Paar Pistolen sich davor gestellt; die Feigen, Als sey durch'’s Flammenthor mehr, als durch das der Fluth, Der Tod entsetzlich, plieben, trotz Geheul und Wuth, Doch immer fern, wie sie's vor'm Untersinken Auch rathsam hielten, erst sich zu betrinken. In laute Bereut' That er Nie sollt agbuch- hlug als belseyn gen; „ Beten, rrey'n. licht war, eigen, m Paar 1, hls durch heul und hersinken rinken. 36. „Gieb uns mehr Grog!“ schriein sie;«all' eins wird's seyn aIn einer Stunde;“ Juan sagte: Nein! „Wahr ist's, der Tod erwartet mich und euch, „Doch sterben wir als Menschen, nicht dem Viehe gleich!" Und so behauptet' er den schweren Posten, Und keines wollte den Tod voreilig kosten; Und selbst Pedrill, sein hochverehrter Lehrer, Ward abgewiesen als Arakbegehrer. 37. Der gute alte Herr war ganz entsetzt; In lautem frommem Schmerz sprach der Betrübte, Bereut' all seine Sünden, und zuletzt That er der Bessrung heiliges Gelübde. Nie sollte sich's, nur hier gerettet, mehr begeben, Dafs nochmal er verliefs' sein akademisch Leben, In den Klöstern des gelehrten Salamanka, Um Juan nachzuziehn wie Sancho Panca. 38. Ein neues Hoffnungslicht nochmals erschien; Tag war's, es schlief der Sturm;— die Maste hin, Das Leck vergröſsert, rings Untefen, doch kein Strand, Es schwamm das Schiff, erhielt sich selbst jer doch; Man griſf zum Pumpen wieder, ob kurz vorher noch Man jed' verzweifelt Mühen fruchtlos fand; Ein Sonnenschimmer liefs die Händ' ans Schö- pfen sich machen, Die Starken pumpten, ein Segel knüpften die Schwachen. 39. Das Segel ward beym Kiel hineingepafst, Anſänglich schien die Auskunft gut getroffen; Miteiuem Lccke doch, und keinem Stab von Mast, Doch Denn Ob au Ist's d Dort h Jetzt, Dem 8 Kein r Wo ru Ein Ru Das Sc. Noch s Der W hien; le Maste och kein . öelbst je- rz vorher and; uns Schö- n, Pften die st, Ltroffen; von Mast, 23 Und keinem Fetzen Segeltuch— was stand zu hoffen p Doch recht ist Kampf bis zu dem letzten Zug, Denn ganz zu scheitern ist stets Zeit genug! Ob auch der Mensch nur Einmal sterben kann, Ist's doch im Löwengolph nicht gut gethan! 40. Dort hatte Wog' und Wind sie hingeschlagen Jetzt, wider Willen, trieb heraus der Lauf; Dem Steuren mufsten sie von selbst entsagen; Kein ruh'ger Tag ging annoch ihnen auf, Wo ruhn man konnte, oder anzufangen wagen Ein Ruder, oder Nothmast— ja nur sprechen hönnte, Das Schiff schwämm' noch ein Stündchen, das (vom Glück zu sagen) Noch schwamm, ob eben nicht wie eine Ente. 41. Der Wind war schwächer in der That vielleicht; 24 So schwer doch ging das Schiff, daſs wenig Hoffnung sich bot, Noch lange flott zu bleiben, groſs war auch die Noth, Die sie nun ebenfalls erreicht, Ob Wassermangel; ihr gesetzt Cericht War karg genug; durch'’s Teleskop zu schauen Half nichts, kein Land, kein Mast kam zu Ge- sicht, Nur stürm'sche See und abendliches Grauen. 42. Das Wetter drohte wieder, wieder blieſs Ein Sturm, und im Vorder- und Hinterraum er- schien Das Wasser; wuſsten All' auch dies, Doch waren ruhig die Meisten, und Ein'ge kühn, Bis Leder und Ketten durchgerieben waren An allen Pumpen— nun mußsten wir fahren Im blofsen Wrack auf Gnade der Wellen, die ähnlich ist Der Gnade der Menschen zu Bürgerkrieges Frist. Da kan Nafs se „Ich ka Und ha Und we Daſs feu Der arn Zwey D Das Sch Im Vore Fleht' e Gelobt'* Damit z Die hu 43. „ Da kam der Zimmermann zuletzt; es waren wenig r auch Nafs seine rauhen Augen: Capitän, sprach er, Ich kann nun nichts mehr thun!» er war ein Mann in Jahren, Und hatte lang durchschifft manch' stürm'sches chauen Meer; zu Ge- Und weint' er endlich, that'’s nicht Furcht und 6 Zittern, auen. Daſs feucht, wie eines Weibes, jetzt sein Blick; Der arme Tropf liefs Weib und Kind zurück, Zwey Dinge, die beym Sterben iief erschüttern. um er- 44 . Das Schiff sank augenscheinlich itzt Im Vordertheil mit Hast, und ohne Unterscheid e kühn, Fleht' ein Theil wieder, und dem Heil'gen, der hren beschützt, fabren Gelobt' er Kerzen, ob keine gleich bereit, en, die Damit zu zahlen; Ein'ge blickhten über den Bug, Die huben die Boot' aus, und Einer bat Pedrillen, s Frist. Dafs er ihn absolvir' um Cotteswillen; Und der, verwirrt, ertheilt' ihm einen Fluch. 43. Diepeitschten auf dem Lager sich, und zogen an Die besten Kleider, als gält's zum Markt zu eilen; Die fluchten dem Tag, wo sie die Sonne sahn, Und knirschten die Zähn’, und rauften ihr Haar mit Heulen, Noch Andre thaten, was sie schon gethan, Sie schafften die Boote heraus, defs wohl versehen: Das stürm'sche Meer selbst könn' ein dichtes Boot bestchen, Treibt nicht der Wind zu nah' die Wogen heran. 46. Das schlimmste war, daſs es in ihrer Lage, Da sie in grofser Noth schon mehre Tage,. Sehr schwer hielt, so viel Nahrung auszuschiffen jetzt, Dem D Durch' Zwey T War a In's gre Ein Paa Und V. Sechs Etwas Und leH Doch rT Dann Gleich Hatte n Als ihr lang Leid zu mindern, reichend wäre, Fluch. Dem Menschen, wenn er stirbt selbst, widert Leere; Durch's Wetter war ihr Mundvorrath verletzt, ogen an Zwey Tonnen Zwieback-und ein Fäſschen Butter, arkt zu War alles, was sie brachten in den Kutter. e sahn, 47. hr Haar In's groſse Boot zu bringen ward beschlossen: Ein Paar Pfund Brod, obgleich beträchtlich naſs, an, Und Wasser, ungefähr ein Eimerfaſs, rsehen: Sechs Flaschen Wein; sie holten unverdrossen dichtes Etwas von ihrem Pöckelfleisch herauf, Und legten ein Stück Salzschwein oben drauf, heran. Doch reicht' es kaum zu einem Frühstück um— Dann war in einem Fafs noch acht Mals Rum. 48. ge, Gleich anſangs, als der Sturm schien Ernst zu schiffen machen, Hatte man vollgepackt Pinass' und Nachen; 28 Des langen Boots Gehalt war ziemlich schlecht, Statt Segels dienten nur zwey Deckenstücke, Statt Mast ein Ruder, das ein junger Knecht Noch über das Geländer warf zum Glücke; Weit wen'’ger selbst beladen, reichten nicht zwey Bote, Halb so viel Volk zu retten von dem Tode. 49. Es graute, denn es schwand der sonnenlose Tag Auf Wasserwüsten; wie ein Schleyer, der, ver- rücket, Nur zeigen würde, wie ünster auf uns blicket Des Hasses Auge, so die Nacht weitschleyernd lag, Und häüllte zu die bleichverstörten Mienen, Und den Verzweiflungsblick, der düster, bang Zur Tiefe starrt'; es war zwölf Tage lang Furcht ihr Genosse,— Tod stand nun vor ihnen. 50. Versuch ward auch gemacht mit einer Fähre, Mit wenig Hoſfnung bey so stürm'’schen Meere, Man hä Wenn Doch p Und sit Halb kr Nur W Halb ne Und all- Ob ſloti Wornac Nur wer Die Boc Da neig Kurz, u chlecht, icke, echt cke; a nicht ode. lose Tag er, ver- blicket Fähre, b Meere, Man hätte drüber lachen fast gemufst, Wenn man zum Lachen solcher Zeit Gedanken; Doch pflegen's Leute, welche zu viel tranken, Und sind in einer Art von schaurig wilder Lust, Halb krampfhaft, melancholisch halb— es hätten Nur Wunder es vermocht, sie so zu retten. 51. Halb neun Uhr wurden Stiegen, Sparren, Stangen Und all' Geräth auf Glück geworfen in die Fluth, Ob flott hielt der Matrosen Kampf und Muth, Wornach, mit wenig Frucht zwar, noch sie rangen; Nur wenig Sterne leuchteten am Himmel, Die Boote stiefsen ab, gedrückt vom Volksge- tümmel— Da neigte sich das Schiff, umstürat' es gänzlich drauf, Kurz, unterging's, versinkend Kopf vorauf. 30 32. Ein wild Lebwohl! begann die Luft zu füllen; Still stand der Tapfere, der Feige schrie, Dem Bord entsprangen Ein'g' im grausenßrüllen, Früher das CGrab zu finden, gierig sie; Es gähnt’ um's Schiff die See, gleichwie ein Höllenschlund, Und schlang mit ihm die wirbelnde Wog' in den Grund, Gleich einem, welcher ringet mit seinem Feind, Vor eignem Tod ihn zu erwürgen noch gemeint. 53. Zuerst entbrach ein allgemein Gekreisch, Noch lauter, als das laute Meer; gleich dem Gebrüll, Des hallenden Donners, und drauf ward alles still,— Der Sturm, der Wogen empfindungsloses Ge- 3 räusch Nur nic (Vom 8 Ein ein Von eine Die Bote Und Ein Doch ha Als früh Nur dürt Da, ob sd Man zäh Neun in All' Andr Entflohen Wenn K 31 Nur nicht; doch dröhnt' entlang bisweilen, (Vom Sprilzen begleitet, erregt von Sterbender füllen; Krampf,) 83 Ein einzelner Schrey, das Wellaufsprudelnde Brüllen, Heulen Von einem wackern Schwimmer im Todeskampf. vie ein 54. Wog in.. Die Bote waren, wie gesagt, schon weggelenkt, n Feiud, Vnd Ein'ge hatten sich hineingedrängt; Doch hatten jetzt sie kaum zu hoſſen mehr Als früherhin, es stürmte gar zu sehr, Nur dürft'ge Aussicht war, an's Land zu fahren Da, ob so wenig, doch zu viel schon ihrer waren; 3 Man zählte ihrer dreyfsig in dem Boot, ch dem Neun in dem Kutter, als sie wieder ſlott. hrd alles 35. All' Andre kamen um, an die zweyhundert Seelen Entflohen ihrem Körper; doch was schlimmer ist, bses Ge Per; Wenn Katholiken Meerestief' umschlieſst, 4 3² So müssen wochenlang sie warten, eh' dem Hatt' il Quälen Fegfeueriger Kohlen sie eine Mess' entnimmt, Als db Weil, eh' die Leute vom Gescheh'nen sichre 3 Boten, So fand Sie nicht ihr Geld hingeben mögen für die Todten, Da, wie Für jedes Messelesen sind drey Franken bestimmt. Denn h 56. Und in Juan kam in das groſse Boot, und dort Verschafft' er auch Pedrillen einen Ort, Es schien, als ob ihr Amt vertauschet war, Ein alten Denn Juan hatte die Miene des Beschützers, Dem Vat Die Muth einflöfset, während das Augenpaar Pedrillos, weinend die Sache führte seines Be- Auf solch sitzers; Mit Innig Battista doch— man hiefs ihn kürzer Tita,— Bemerker Kam um ob dem Genuſs von etwas Aquayita. Das Schi Und Juar 57. DenDiener Pedro hätt' ergern auch mitgenommen, Der Fahr Dasselbe doch, herführend seinen Untergang, h' dem Hatt' ihn so schwer berauscht, daſs in das Meer er sprang, limmt, Als über'n Rand des Kutters er bemüht zu sich re kommen; So fand er denn ein Wein- und Wassergrab, Todten, Da, wie so nah dabey, doch keine Hülf' es gab; estimmt. Denn höher stieg die See in jedem Augenblick, Und in dem Boote war die Menge schon zu dick. 58 Ein alter kleiner Mops, von Jose’'s Hand, war, 4 1. Dem Vater, schon gepflegt— ihm lieb, ihr könnt fützers, 9 es denken— enpaar— 3 ⸗Auf solcherley weilt gern das Angedenken leines Be 4. 3 4 4 Mit Innigkeit,— stand winselnd auf dem Rand, Tita Bemerkend(denn fein ist die Nas' der Hunde) ita,— 2 Das Schiff geh' sicher nun zu Grunde, quavita.— Und Juan griff ihn auf, und warf, ch' er eut- drang nommen, Der Fahr, hinein ihn, und ihm nach er selber sprang. 34 59. Er steckt auch, wie's nur ging, sein Geld Um sich herum; gleichfalls das von Pedrillen, Der ihm fürwahr in allem läfst den Willen, Weil Red' und Thatkraft gänzlich ihm entfällt; Jedwede Welle schreckt' auf' neu' ihn wieder, Doch Juan hoffte, trotz aller Fährlichkeit, Und glaubte, Mittel gäb's für jedes Leid— Einschifft er also Mops und Lehrer wieder. 60. Die Nacht War rauh 68 stürmte heftig noch, „ 3 1 Kein Wind traf's Segel in dem Thal der Welle Und ob zur Fahrt die Wogen viel: So wagten doch sie nicht, das Segel ei Einschlug jedwede Woge, so daſs sie troffen, Sie mufsten schöpfen sonder Ruh und Rast, ihr Daſs sie geschwächt, und ihnen Hoffen; a sank das arme Kutterchen mit Hast V b Mit ihm Hielt sic Zwey an Als gege Ob jede Und jet⸗z Doch be- Desgleicl Die Sonn Des länge Bis endlic War alle Ein Paar Ward un ld rillen, llen, ntfällt; wieder, eit, 61. Mit ihm neun Seelen mehr; noch ob der Fluth Hielt sich das lange Boot; ein Ruder war sein Mast, Zwey angenähte Zügen, übel nur und gut Als Segel, waren an das Ruder angepaſst. Ob jede Wog' es anzufüll'n gedroht, Und jetz'ge Fahr vergang'ne überbot— Doch beweinten sie die Sterbenden im Kutter, Desgleichen auch den Zwieback und die Butter. 9 2. Die Sonn' erglühte feurigroth, zum Zeichen Des längerwährenden Sturms; den Wellen aus- zuweichen, Bis endlich ruhiger es würde seyn, War alles, was bis jetzt geschehen konnte; Ein Paar Theelöffel voll von ihrem Rum und Wein Ward unter's Volk vertheilt, das nun begonnte 36 Zzu schmachten nach Brod, durchnäfst durch alle Säcke; Beynah' die Meisten hatten Fetzen statt der Röcke. 63. sie zählten dreyfsig, eingezwängt in einen Raum, Wo Platz zum Regen und Bewegen kaum; Ihr Bestes thaten sie in ihrem Schreckensfalle, Die eine Hälfte safs, ob starr vom Wasser- schwalle, Daſs sich ihr Platz den andern als Lager bot, Nachtwachenweis; so, schaudernd wie bey'm kalten Fieber In seinem Froste, füllten sie das Boot, Zur Decke nichts als nur den Himmel drüber. 64. Der Wunsch zu leben, das ist sicher wahr, Erhält das Leben.— o das sehn die Aerzte klar, Wenn! Am Leb Weilsie Das Mes Lang Le Und läſs Man sagt Gesetzt, Wenn ni Im Ernst Ein Jude Und ihre So liehen Was spät durch tt der Raum, uim; nsfalle, Wasser- 1 t er bot, bey'm drüber. 3⸗ 97 7 Wenn Kranke, die nicht plagen Freund' und Weib, Am Leben bleiben, trotz zerstörtem Leib, Weilsie noch Hoffnung hegen, auch die Scheeren, Das Messer Atropos' nicht vor sich sehn; Lang Leben nimmt Verzweiflung am Erstehn, Und läſst auffallend kurz des Menschen Leiden währen. 63. Man sagt, es leben Leut', auf Jahrgehalte ger als Andere: Gott weiſs wofür? Gesetzt, lä Wenn nicht zur Qual der Zahler, so scheint es mir Im Ernst, unsterblich gar sind manche Alte; Ein Jude drückt als Gläubiger am meisten, Und ihre Art ist's doch, Vorschub zu leisten; Was später schwer mir zu bezahlen war. V So liehen Geld sie mir, dem Jüngling, dar, 38 66. Bey Leuten in ofſ'nem Boot sieht Gleiches man; Sie leben von der Liebe zum Leben, und be- stehen Mehr als man glauben, ja nur denken kann; Wie Felsen stehn sie gegen Sturm und Wehen; * Von jeher war das Ungemach am Bord, Seit Noah's Arche kreuzte hier und dort; Sie hatt ein sorglich Volk so gut als Cargo, Wie Hellas' erstes Caperschiff, die Argo. 67. Jedoch der Mensch ist ein fleischfressend Wesen, Und mufſs Tags haben mind'’stens Ein Gericht; Holzwürmern gleich, vom Saugen leben, kann er nicht, Wie Hai und Tiger muſs er Beute sich erlesen; Obgleich sein anatomisches Gebäude Auch Pflanzenkost verträgt— nur mit etwas Geräusch, So halt Für bes So war“ Denn V Schien Ob sie Dafs sie Meerwei sie fieler Anstatt Was dar Sie zehrt Trotz jec Wesen, ſericht; „ kann rlesen; etwas 39 So halten doch gewiſs die Arbeitsleute Fär besser zu verdaun Rind-, Kalb- und Schöp- senfleisch. 68. So war's bey unserm unglücksel'gen Haufen, Denn Windesstille kam am dritten Tag; Schien sie auch anfangs sie mit Kraft zu taufen, Ob sie wie Balsam auf den Müden lag, Dafs sie entschliefen, Turteln gleich auf blauen Meerweiten, doch, erwacht, war ihnen übel sehr, Sie fielen wüthend über ihren Vorrath her, Anstatt davon zu spar'n mit weisem Umsich- schauen! 69. Was daraus folgte, siehet leichtlich man, Sie zehrten auf, und tranken allen Wein, Trotz jeder Gegenvorstellung, und dann— 4⁰ Was sollt auf morgen ihre Mahlzcit seyn? Es würd' ein Wind sich erheben, so hofften sie verwegen, Und sie an's Ufer treiben;— so schön die Hoff- nung war, War's doch bey Einem Ruder— und das höchst brechlich gar, Viel weiser, Nahrung sich zurück zu legen 70. Es kam der vierte Tag, doch nicht ein Hauch von Wind;— Es schlief die Fläch', wie ein gestilltes Kind; Der fünfte Tag— ihr Boot wiegt' auf der Fluth Und See und Himmel waren blau und klar; Mit ihrem Einen Ruder(wenn'’s nur wär' ein Paar!) Was war zu machen? Wilder ward des Hun- gers Wuth— So wurde Juans Mops, trotz seinem Bitten, Geschlachtet, und zum jetz'gen Mahl zerschnitten. Am sed Und J. Weil s Jetzt fü Und na Als gro Die mi Sie hint Der siel Versengt Sie still Das letz Eins blie b offten Hoff- nöchst en Hauch Kind; Fluth lar; lär' ein s Hun- ſen, hnitten. 74 7 1 Am sechsten Tag ward seine Haut verzehrt, Und Juan, der sich'’'s immer noch verwehrt, Weil seines Vaters Hündchen war das Todte; Jetzt fühlt' er ganz den Geyer in seinem Magen, Und nahm mit Schmerz— trotz früherem Ver- sagen— Als grofse Gunst— die eine Vorderpfote, Die mit Pedrill'n er theilte, der Sie hinterschlang, sich wünschend auch die zweyte her. 72. und noch kein Wind; der Sonne Glüh'n Versengt und brennt', und wie Gerippe lagen Der siebente Tag, Sie still auf weiter See; all' Hoffen eitel schien, Das letzt' auf bald'gen Wind, noch droht' es fehlzuschlagen. Eins blickte wild auf's andre,— Wasser, Wein, 42 Eſswaaren— alles auf! Schon konnte man entstehen In ihrem Wolkfesblick, trotz ihrem Schweigend- seyn, Das cannibalische Verlangen sehen. 73. Und endlich wispert einer seinem Nachbar, der Dem andenn, und so ging es rund und quer, Bis man zuletzt ein heiser Murmeln hörte— Ein droh'nder, wildrer, zweiflungsvolfer Ton. Und wies zum Nachbar sprach der Nothgefährte, Fand er, daſs gleiches, unterdrückt, er früher nährte; Man sprach vom Loos auf Tod und Leben schon, Wen es zum Mahl der Andern kühren werde. 74 74. Doch eh's so weit kam, theilten sie für diesen Tag, Was ül Dann b Doch w Die Lod Allein Aus Ma Ward D Sie sind In stillen War sell Die wie Kein's ei sie folter Wo keir Und Jua man gend- ährte, früher diesen 43 Was übrig noch an Schuh'n und Ledermützen, Dann blickten sie um sich, Wahnsinn aus ih- nen sprach, Doch wollte kein’'s sein Blut zuerst verspritzen. Die Loose macht' am Ende man bereit, Allein woraus, dies bringt der Muse Leid! Aus Mangel an Papier— da man nichts bess'- res fand,— Ward Don Juan gewaltsam Juliens Brief entwandt. 76. Sie sind gemacht, bemerkt, gemischet, einge- händigt, In stillem Graus;— als jeder nahm sein Theil, War selbst die wilde Hungersgier gebändigt, Die wie Prometheus Geyer, angab diesen Gräu'l, Kein's einzeln hatt' erdacht, gelegt ihn unter'm Fuſs, Sie folterte Natur zu diesem Schluſs, Wo keinem frey gestellt, daſs er neutral—: Und Juans armen Lehrer traf die Wahl. 40. Er bat, man möchte zu Tod ihn bluten lassen. Sein Werkzeug hatte der Chirurg, und schlug Pedrillo's Adern, und so sauft war sein Erblassen, Kaum merkte man des Oden's letzten Zug. Er starb, wie er geboren, als kathol'scher Christ, Wie meist der Glaube bleibt, wo man gebo- ren drin, Erst hat ein kleines Crucifix er noch geküſst, Dann hielt er Arm und Kehle hin. 77 Der Wundarzt, weil's nichts andres gab als Dank, Bekam das Recht, daſs er das erste Stück sich kor, Doch, da er heftig durstig, zog er einen Trank Aus den gewaltig quell'nden Adern vor. Zerstüch Und an Ergötzte Des arm Sie afsen Die wen Zu dieser Von sein Unmöglic Man kon Und ob Mitspeiser Sehr weis. Die Folge sen. hlug sen, cher gebo- Ist, 45 Zerstückelt ward ein Theil, das andre fraſs das Meer, Und an den Dingen, wie Gehirn und Eingeweide, Ergötzten sich zwey Hai's, die folgten neben her;— Des armen Pedrill's Rest verzehrten die Schiffes- leute. 592 7.8 48. Sie afsen Alle, nur drey bis viere nicht, Die wen'ger lüstern nach einem Fleischgericht; Zu diesen gehörte Don Juan, der schon vorher Von seinem Mopse nichts geniefsen wollte, Unmöglich, dafs sein Appetit für jetzo mehr; Man konnte nicht erwarten, daſs er sollte— Und ob verschworen alle bösen Geister,— Mitspeisen hier von seinem Hirtem, seinem Meister Sehr weislich, dals er's unterlieſs, denn traun! Die Folgen war'n entsetzlich anzuschaun! 46 Denn, die am gierigsten hineingeschlungen, Sie wurden rasend.— Gott, die Lästerungen! Zuvõ LZuvörde Sie schäumten, wälzten sich in heft'gem Zucken, Als den Seewasser sah man stromweis sie verschlucken Weil Mit Grinzen, Heulen, Schreyen, Fluchen, Spreiten, Noch amd — 1; 193 3 ge geife 81 2„. Und mit Hyänengelächter verzweifelnd sie ver Er hatt scheiden.. Weshalb 80. s war ein Der Unſall bracht' in ihre Zahl ein groſs Ver- dünnen, Durch all, Und dünn gnug war der ganze Rest, weiſs Gott! Und Einige verloren das Besinnen, Beglückter, als die fühlten ihre Noth! Noch ein' Koch eing Doch Andre sannen auf neu Blutvergieſsen, Doch af h aſs Als ob sie nicht genug gewarnt von diesen, .. Soe en— Die schon in Wahnsinn endigen gemuſst, Und Andre Veil sie 8 ae geeii dgsens. Weil sie so graus gestillt des Essens Lust. Bnuad nahm 81. a! Zuvörderst hielt man auf den Untersteuermann, ken, Als den Beleibtesten, doch er entging der Fahr, ken Weil— ausserdem, dafs man ihm keinen Dienst hen, gethan— Noch andre Gründ' es gab; der erste war, ver- Er hatt' erst eine Krankheit durchgemacht;— Weshalb einstimmig doch sie ihn dem Loos entnahmen,— s war ein Geschenkchen, ihm in Cadix darge- bracht, Durch allgemeine Unterschrift der Damen Noch ein'ges war vom armen Pedrill n, Doch afs man spärlich,— so manchen die Furcht ge Und Andre bekämpften noch des Hungers Fieben Und nahmen manchmal nur ein kleines Abend brod 48 Don Juan blieb enthaltsam fort dabey, Beym 8 Und kaut' ein Stückchen Bambus oder Bley; ein'ge Vögel zu bethören, Erkennt Warst d Oder be Hast du g Zuletzt gelang es, Nun lefs man ab, den Leichnam zu verzehren. 83. Und wem bedrill's Geschick anstöfsig scheint, Hiuwüns Bedenke, wie Ugolino sich nicht entblödet, Gleich drauf, als höflich er zu Ende geredet, Zu nagen an dem Haupt von seinem Feind, 3 Sind in der Höll' uns Nahrung unsre Feinde, Es gols n Ist's auf dem Meer erlaubt, zu essen seine. Freunde,. Bis 816 8 Nachdem der dürf'ge Vorrath auf dem Wrack I. Pie: liem zu Rande,— Ohne viel scheuslicher zu seyn als Dante Und als s So preſfste 24 84. Den dürf Dieselbe Nacht noch fielen Regengüsse, Wornach sie lechzten, wie der Erde Risse 17 n, hren. 49 Beym Sonnenstaub; nur erst durch Noth be- lehrt, Erkennt der Mensch des guten Wassers Werth; Warst du in Spanien, oder der Türkey, Oder bey Nahrungsnoth zu Schiff dabey, Hast du gehört in Wüsten der Kameele Schelle— Hinwünschst du dich, wo Heil in einer Quelle. 85. Es goſs mit Krügen; jedoch sie waren um nichts gebessert, Bis sie gefunden noch ein Lümpchen Tuch, Dies dient’ als Art von schwamm’'gem Wasser- krug; Und als sie glaubten, es sey genug durchwässert, So prefsten sie's aus; und hielt ein durst'ger Häuer Den därft'gen Trunk wohl schwerlich eben so theuer, D 50 Als eine Kanne Porter, doch ihres Bedünkens Empfanden sie jetzt zum ersten die Wonne des Trinkens. 86. Und die gebacknen Lippen, blutig aufgesprungen, Einschlürften sie das Wasser, das gleich Nek- tar lief; Glühofen war ihr Schlund, schwarz die ge- schwollnen Zungen, Wie die des Reichen in der Qual, der frucht- los rief, Den Armen anzuſlehn, der nicht hinabzuträufeln Nur einen Tropfen Thau vermocht', ob Him- melskost Ein Tropfen war;— steht dies nicht zu be- zweifeln, Hat traun manch Christenherz viel Glaubens- trost! Zwey V. Und ihre Trotz sei Doch fri Sagt' es Wart ein Sprach er Ihn werfe Ersprach Ob er ni inkens ne des ungen, 2 Nek lie ge⸗ 1, frucht- räufeln » Him- zu be- aubens- 87. Zwey Väter waren in der Srausen Schaar, Und ihre beyden Söhne, von denen der Eine Trotz seinem kräftgen frischen Aussenscheine, Doch früher starb— und als er Leiche war, Sagt' es der Nachbar seinem Vater, der Warf einen Blick auf ihn;«Der Wille des Herrn geschehe,» Sprach er,«ich kann nichts thun!“» und „ sah in’'s Meer Ihn werfen ohne Thrän' und ohne Wehe! 88. Der andre Vater hatt' ein schwäch' res Kind, Von weicher Wang', und zärtlicherem Blick Doch lang ertrug der Knabe, sanft gesinnt, Und durch Geduld hielt fern er sein Geschick; Er sprach nicht viel, sah lächelnd dann und wann, Ob er nicht einen Theil des Schmerzes abge- wann, . 5² Denn mehr und mehr sah er den Vater leiden, Durch den tieftödtenden Gedanken an das Scheiden. 89. Der Vater bog sich über ihn, und nimmer Sah weg er, sondern wischt' ihm ab den Cischt Von bleicher Lipp', und auf ihn starrt' er immer, Und als, ersehnt, der Regen sie erfrischt, Und seine Augen, halb schon baar des Lebens Erglänzten, und, wie kurz es schien, umblick- ten rund, Da prefst' aus einem Lumpen in des Kindes Mund Er ein'ge Tropfen Wasser— doch vergebens. 90. Der Knabe starb, der Vater hielt die Leich' umfaſst, Und blickte lang darauf, und als, daſs todt er sey, Kein Zweifel mehr, und steif die todte Last AufseinerBrust, undPuls undHoffnung nun vorbey, Sah er il Worein Dann san Und nur g Jetzt trat Zerstreute Und stütz Und all', Viel heller War breit Darauf ver Bis er den Natürlich v Des Dunst Lischt hmer, bens blick- Mund Sah er ihr sorgsam nach, bis rauhe Wogen Worein man sie gelegt, sie ihm entzogen; Dann sank er selber nieder, stumm und bebend, Und nur sein Zittern sprach, daſs noch er lebend. 91. Jetzt trat ein Regenbogen im Zinith zur Schau, Zerstreute Wolken durchbrechend, umfin Meer, Und stützte die glänzende Bas' auf zittern des Blau; Und all', was er umspannet, schien daher das Viel heller, als was ausserhalb; sein Glanzrevier War breit und wogend, wie ein frey Panier, Darauf verengt' er sich, gleich wie ein krum- mer Bogen, Bis er den Blicken der Schiffbrüchigen entzogen. 2 92. Natärlich wandelte sich dies Himmelscameleon, Des Dunstes und der Sonne luft'ger Sohn, 54 In Purpur geboren, in Scharlach eingeschlagen, In Gold getauft, umbändert mit Braun, Glanzvoll, wie über dem Türkenaelt Halbmon- des Ragen, Verschmelzend alle Farben, wie Eine zu schaun, Ganz wie ein schwarzes Aug im hitz'gen Streit— Denn oft gilt Boxen ohne der Binde Geleit. 93. Ihn nahmen die Schiffbruchsleut' als Glückes- zeichen; Oft ist's recht gut, nimmt man die Meynung an; Denn Griech' und Römer that vordem desgleichen; Das kann sehr nützlich sich beweisen, wann Die Menge zagt; und ohne Widerreden War niemand mehr erneuter Muth vonnöthen, Als diesen! Drum als Hoffnung sich der Bo- gen wob, Ganz wie ein himmlisches Caleidoskop- Ein schö Den Tau (Verirrt; Zu dieser Aufflieger Im Boot Kam er Die Nach Jedoch hi Gut war's Weil Sch So sicher Und wär' Von gutei lückes- ung an; eichen; wann nöthen, der Bo- 94. Ein schöner weiſser Wasservogel strich, Den Tauben gleich an Bau und an Geſieder, (Verirrt wahrscheinlich hatt' im Flug er sich) Zu dieser Zeit vor ihnen auf und nieder. Auffliegen wollt' er, sah und hört' er drinnen Im Boot auch Menschen und mit dem Beginnen Kam er und ging, und flattert' um sie, bis Die Nacht kam— bess'res Zeichen schien noch dies. 93. Jedoch hierbey mufs ich sofort bemerken, Gut war's, daſs fern blieb dies Verheisungsvö- gelein, Weil Schlaf auf morscher Barke Takelwerken So sicher nicht, als auf dem Kirchdach, dürfte seyn. Und wär's die Taub' aus Noah's Schiff gewesen, Von guter Kundschaft eben rüchgekehrt, 56 Die hier zufällig ihre Rast erlesen, Sie hätten Oelzweig, sie, und alles aufgezehrt. 96. Bey’m Morgendämmern fig es an zu wehn, Doch heftig nicht; die Sterne glänzten schön, Das Boot ging vorwärts, doch so schwach war jetzt ihr Denken, Nicht wof nicht wasf wollt' ihnen deutlich seyn. Land säh'n sie, sprachen Ein'ge; Andre: Nein!“ Und zweiflig war's ob häuf'gen Nebelbänken. Die schwuren, Schüsse zu hören, die, fernes Branden, Jedoch bey'm erstern hatten unrecht sie ver. standen. 97. Mit Tagsbeginn erstarb das leichte Wehen, Und der die Wache hatte rief und schwor, Wär's Land nicht, was dort mit der Sonne tauch' empor, So woll Die AnU Sie säh Denn U Und ho Bey Ein Noch Ar Sie kon Und we Noch E Und dre Wie sel Den Ko- gezehrt. eehn, schön, ich war . th seyn. Nein!* nken. „ fernes sie ver- hen, wor, —r Sonne 57 So woll' er Lebenslang kein Land mehr sehen. Die Andern rieben die Augen, und sahen, oder dachten, sie sähen eine Bay, und Lauf zum Ufer sie machten; Denn Ufer war's, und mählig stellt' es, klar Und hoch und sichtbar, ihrem Blick sich dar 98. Bey Ein'gen fingen Zähren an zu gleiten, Noch Andre, dumm hinstarrend, wie im Traum, sie konnten Angst und Hoffnung noch nicht scheiden, Und weit'res Denken fand, so schien's, nicht Raum. Noch Ein'ge beteten— nach Jahren einmay wieder— Und dreye lagen auf dem Boote nieder, Wie schlafend, und man rüttelte die Hand, Den Kopf, um sie zu wecken— als man todt sie fand. V 1 1 58 99. Sie fanden eine Turtel von Habichtsschnabelart Die Su Tags vorher, die fest auf dem Wasser schlief, Und fingen sie, da leis die Barke lief; Tric 4 Auk einen Tag gab Leben sie, und ward Wie L Um desto mehr für sie nahrhafte Gabe, 49 N Ermuthigung liels ihnen sie zurück; Und n Es sey, so meynten sie, nicht Zufallsglück,. Was ihrer Noth zuführte diese Labe. Sie, vo Stets fol Gischt 100. Das Land erschien als hohe fels'ge Küste, Die Berge wurden höher, wie sie mehr Die Strömung nahe trieb; wenn man nur wüßtste, (Man machte Muthmaſsungen hin und her) An welchem Theil der Erde jetzt man lande? Beständig wechselte des Windes Drehn— Die hielten'’s für den Aetna, jene für die Höh'n NVon Candia, Cypern, oder andrer Insellande. belart chlief, wüſste, er) andeF Höh'n lande. 101. Die Strömung, mit entsteh'ndem Wind ver- bunden, Trieb vorwärts sie zum theuern Landbereich, Wie Charons Geisternachen, trüb' und bleich; Auf vier war ihre Anzahl hingeschwunden, Und noch drey Todte; doch die Kraft gab's nicht mehr her, Sie, vor'gen gleich, zu werfen in das Meer; Stets folgten zwar die beyden Hai's, und dichter Gischt traf, so oft sie schnelzten, die Gesichter. 102. Abwechselnd hatte Hunger, Hitze, Kälte, Verzweiflung, Durst auf sie gewirket, und ent- stellte Sie so, daſs, sah sie dieser Mageren Skelette, Die Mutter nicht erkannt den Sohn mehr hätte. Zur Nacht erstarrt, am Tag versenget, endigten Sie, eins auf's andre, bis auf diese wenigen, 60 Die Meisten doch auf eine Selbstmordart, Sein gi Indem Pedrill hinabgespühlt mit Salzfluth ward. Aus Ma Euhren 103. Als nah dem Land sie kamen, das, wie's schien, Abwechselnd hier und dort vor'm Blick sich hob, Im heir Erquickte sie sein werdend frisches Grün, War si Das luftbesänft'gend um Waldgipfel wob; Lnd sch Und wie ein Lichtschirm wohlthat ihren Blicken, V Und dio Vor Wogenglanz, und nächt'ger Himmel Gluth Kaum Wie Willkommen war, was kam, sie zu entrücken Durchse Dem Anblick weiter, grauser, ew'ger Fluth. L 104. eande Wild sah das Ufer, ohne Menschenspuren, Von Wellen furchtbar eingefafst; allein Sie waren toll auf Land, und so hinan sie So hie fuhren, Wie arg der Brandung Toben mochte seyn, Ja, zwischen ihnen fing ein Riff ingleichen t, h ward. schien, lich hob, ſlin, b; Blicken, el Gluth atrücken Fluth. aren, in inan sie seyn, ichen Sein gischend Wogenspritzen an zu zeigen; Aus Mangel doch an bess'rem Landungsfleck Euhren sie, strandwärts steuernd, drüber weg. 105. Im heim'schen Strome nun, dem Guadalquivir, War sich zu Baden Don Juan gewohnt, Und schwamm gar oft den sanften Flufs hinüber, Und diese Kunst ward oft ihm schon belohnt; Kaum traf man einen bessern Schwimmer an, Durchschwommen hätt' er wohl den Hellespont; Wie einst— selbst ich mufs deſshalb Ruhm empfahn— Leander, Ekenhead und ich gethan 106. So hier,— ob schwach, verzehrt und steif er war,— Sprang er in's Meer, und suchte mit der Welle Zu kämpfen, und zu nahn, ech'’s dunkel gar, 62 Dem Strand, der vor ihm lag als hohe trockne Stelle; Hier droht' ein Hai die schrecklichste Gefahr, Verschlingend den, der Juans Schwimmgeselle; Da keins der andern zwey die Kunst verstand, Kam niemand, als er selber, an das Land. 107. Doch nur das Ruder half ihm hingelangen, Das, wie wenn'’s Gott gefügt, herausgespühlt Ward, eben als ihm alle Kraft entgangen, Und ihn die Well', an ihn zerschellt, gewühlt Beynah zur Tief'; er schlang sich drum, und sehr Peischt' ihn die Fluth, als er daran sich hielt; Zuletzt durch Schwimmen, Waden, Klettern, wühlt Am Strand er sich halb sinnlos aus dem Meer. Dort ſaſs Mit seine Die ungen Zurück il Dort lag Vor'm Ei) Mit soviel Und wie Auf wollt' Doch san Auf seine Nach dene 108. Dort faſst' er odenlos die sand'ge Stelle Mit seinen Nägeln, dafs nicht die rückkehrn'de Welle, Die ungern, brüllend nur sein Leben gab, Zurück ihn würf' in ihr nie sattes Grab; Dort lag er, wie er fiel, der Länge lang, Vor'm Eingang einer Felsenhöhle, Mit soviel Leben, um zu fühlen, was es quäâle, Und wie es wohl umsonst dem Tod entdrang. 109. Auf wollt' er, langsam und mit Wanken, stehen, Doch sank er auf sein blutig Knie, zurück Auf seine matten Händ', und um wollt' er sich sehen Nach denen, die lang theilten gleich Geschick, Doch keins erschien, ihm Schmerzgenoſs zu seyn! Ein Leichnam nur von den verstorb'’nen drey'n, Die Tags vorher verhungert, und nun fand Sein Grab auf unbekanntem Küstenland. —— ——y—— 64 110. Sein Auge Und wie er sah, begann sein Kopf zu drehen, Er sank zur Erd', und wie er hinsank, schwamm der Sand Noch sey Rund um, und alle Sinne fühlte er vergehen; Er fiel auf seine Seite, die gestreckte Hand Sank auf das Ruder, ihren Nothmast, schwach; Da lag er, gleich der Lilie, welche brach, So schlank, so bleich auf ödem Strandgefilde, Wie je nur war ein schönes Thongebilde. Denn Zw Verzweiſl Tod möc Und wied Und langs Ein holde 111. Wie lang in dumpfem Scheintod Juan lag, Das wufst' er nicht; die Erde war ihm hin, Dicht bog Nichts hatte mehr die Zeit von Nacht und Tag Für sein gerinnend Blut, und dunkeln Sinn. Der kleine Auch wulst' er nicht, wie diese Ohnmacht ihn Ihn reiber Verliefs, bis jeder Puls, jed' Glied, jed' Steigen Der Adern schmerzhaft aufzuleben schien; Der Jugen Der Tod, ob auch besiegt, nur kämpfend wollt' er Sie suchte weichen. 17. drehen, chwamm ergehen; Hand schwachi prach, dgefilde, ilde. n lag, n hin, und Tag h Sinn. acht ihn H' Steigen ien; wollt' er 112. Sein Auge schlug er auf, zu, auf dann wieder, Denn Zweifel nur, nur Schwindel gab'’s für ihn; Noch sey im Boot' er, hab' geträumt(ihm'’s schien) Verzweiflung fühlt' er, beugt' auf' neu ihn nieder; Tod möcht' er, daſs die Ruhestunden waren, Und wieder dann kam sein Gefühl zurück, Und langsam sah sein schwimmend matter Blick Ein holdes Frau'ngesicht von siebzehn Jahren. 113. Dicht bog sich's über sein's, und ängstlich schien zu spüren Der kleine Mund in seinen, ob noch Oden? Ihn reibend, rief das sanfte warme Handbe- rühren Der Jugend, Regung in den scheinbar Todten. Sie suchte jeden Puls mit Leben zu durchglühn 17. E — 66 Die Schläfe bähend, bis nach bangbesorgtem Fleiſs Und unter ihrer weichen Hand, ein Seuſzer leis Antwort gab diesem zärtlichen Bemühn. 114. Jetzt flöfst sie Stärkung ihm; der Mantel ſiiegt Um kaum Bedeckten leis, der schöne Arm Er hebt das schwache Haupt, das auf ihm liegt, Und die durchsichtge Wange, so rein und warm, Dient seiner kalten Stirn als Kissen, darauf presset Sie seine Locken, lang von jedem Sturm durch- nässet; Und jeden Puls sie emsiglich bewacht, Der seine Brust, und ihre seufzen macht. 115. Mit Sorglalt trugen sie zur Grott' ihn hin, Die holde Maid, und ihre Zof',— auch eine Jungfrau Und stär Ein Feu'r Der sie b Noch traf War, au Längs ihr Erglänzen Ihr Ringe In Zöpfer Der höchs Ging docl Lag Etwas Gleich Eir sorgtem zer leis el ſliegt Arm im liegt, d warm, darauf n durch- ht. Jungfrau, doch älter, und von minder hohem Scheine, Und stärker von Figur— und machten drin Ein Feu'r, und als die neue Gluth dem Felsen- Sang, Der sie behauste, Licht gab, den kein Sonnen- schimmer Noch traf, erschien das Mädchen, oder was sie immer War, ausgezeichnet schön und schlank. 116. Längs ihrer Stirne liefen goldne Spangen, Erglänzend durch das dunkelbraune Haar, Ihr Ringelhaar, defs läng're Lockenschlangen In Zöpfen hinterhingen— ob sie war Der höchsten weiblichen Gestalten Eine,— Ging doch fast auf die Fers'; in ihrem Aussen- scheine Lag Etwas, wo man Herrschaft drinnen fand, Gleich Einer, die die Fürstin ist im Land. 68 117. Ihr Haar, sprach ich, war braun, ihr Augenpaar Doch kohlschwarz, gleiche Farbe die Wimpern hatten, Herablangfallend— in ihrem seid'nen Schatten Liegt tiefster Zauber! denn, wird offenbar Der ganze Blick aus seinem Rabenvorgehänge, Der schnellste Pfeil nicht so gewaltig trifft! So liegt die Schlange gerollt, sie schiefst in ihre Länge, Und schleudert hin in Einem Stärk' und Gift, 118. Die Stirn war weiſs und niedrig, dem Zwielicht gleich, Noch rosig von der Sonne die Reinheit ihrer Wangen; Die Oberlippe— süfse Lippen! mit Verlangen Denkt schon an euren Anblick man!— sie schickte sich, Als all Hört, w Etwas be Ich kann Ich nie g Der üblie Dem rur Zerstört Noch we So stand Ihr Anz agenpaar Vimpern Schatten abar gehänge, trifft! st in ihre d Gift. Zwielicht eit ihrer rlangen !— sie 69 Bildhauern als Modell zu stehen; (Ein Blos Betrügervolk ists, besten Falls! Viel üpp'g're, schön're Frau'n hab' lebend ich gesehen, Als all der Unsinn ihres Marmorideals.) 119. Hört, weſshalb ich dies sag'(es sollte kein's Etwas bespötteln, wenn’s nicht Ursach' wülste!) Ich kannt' ein Weib in Irland, deren Büste Ich nie getroffen sah, und dennoch war sie ein'’s Der üblichen Modell'; und sollte jemals weichen Dem runzelnden Geschäft der Zeit ihr Ruf, Zerstört es ein Gesicht— kein Mensch wagt’s zu vergleichen, Noch wen'ger dafs ein Meisel gleiches schuf.— 120.. So stand das Fräulein von der Grotte vor'm Ge- sicht; Ihr Anzug Var vom spanischen verschieden, 7⁰0 Einfacher, und die Farben doch so ernsthar nicht; Denn alles Bunte wird, wie euch bekannt, ge- past ähn mieden Von span'schen Frauen ausser'm Haus; im Weh'n Nur von Jedoch— und diese Tracht geht nie wohl unter— Der Basquira und der Mantilla, sehn Zu gleicher Zeit sie klösterlich und munter. 121. Bey unsrer Holden war dies nicht der Fall, Sie war im feingewebten bunten Kleide, Ihr Haars Nachlässig hing um das Gesicht der Locken Ihr schw Schwall, Doch blitzte reichlich Gold durch und Geschmeide, Ihr Gürtel glänzt'; vom reichsten Spitzengrunde Und ihn war Mit Spei Ihr Schleyer, und mancher Stein von schönster Lymphe, Die nur Schmückt' ihre niedliche Hand; doch sonderbar, Und taus Am schnee'gen Füſschen Pantoffeln, aber keine Sie koch Strümpfe. Ein Din nicht; nt, ge- Weh'n nter— ater. ocken meide, 122 . Fast ähnlich war die Tracht der zweyten von den Frauen, Nur von geringerm Stoff, und so mancherley Geschmeide lockt' an ihr nicht zum Beschauen, Nur Silber hatt' ihr Haar, das einstmals sey Ihr Heirathsgut; ihr Schleyer, mit jenem schein- bar Einer, War gröber, ihre Mien', ob fest, doch wen'- ger frey, Ihr Haarwuchs dichter, doch wen'ger lang dabey, Ihr schwarzes Auge lebendiger, doch kleiner. 123. Und ihn versorgten, pflegten diese beyden, Mit Speis' und Kleidung, und all' den Aufmerk- samkeiten, Die nur(gesteh' ich's) Frauen eigen sind Und tausendfach erfinden, zärtlich und geschwind. Sie kochten eine treffliche Supp' aus Brüh', Ein Ding, das selten vorkommt in der Poesie, Doch dies Gericht war unbestritten das beste, Seit einst Homers Achill auftrug für neue Cäste. 124. Ich will euch sagen, wer sie waren diese beyden, Ihr nehmt sie sonst für vermummte Prinzessin-. nen noch! Zudem kann ich das Heimlichthun nicht leiden, Das Fangenwollen— die Neuern halten's so hoch. Und somit kurz, was wirklich die Mädchen sind, So will ich vor eure Neugier hin sie stellen: Herrin und Zofe— die erste das einzige Kind Von einem Creise, der lebte von den Wellen. 125. Als Fischer hatt' in seiner Jugend er gelebet, Und noch war eine Art von Fischer er, Doch andere Betriebe hatt' er eingewebet In seine Geschäftsverbindung mit dem Meer, Vielleicht so eigentlich etwas verhaſster: Ein we Schafft' Von ein Ein Fisc Wie Peti Die unte Und was Die Ladt beste, Rin wenig Paschen nebst Seeräuberey e Gäste. Schafft' ihm zuletzt alleinigen Besitz herbey Von einer schlecht erworb'nen Million Piaster. 126. beyden, 89 Ein Fischer also war er, Menschenſfischer zwar, nzessin.— Wie Petrus der Apostel; nach Kauffahrerschiffen, t leiden Die unterwegs, sein Netz gestellt bisweilen war, elden, 8. Und was er wünschte, hatt' er oft ergriffen. so hoch. E . Die Ladung confiscirt' er, und Gewinn en sind, Sucht' er im Sklavenhandel auch, manch gute llen: ge Kind Stücke Für diesen Türkenhandel, sandt' er hin; Traun ein Geschäft von sehr ergieb'gem Glücke. 127. lebet, Er hatt', ein Griech', auf seiner Insel sich er- baut et(s war eine der kleinern wilden Cykladen) Deer, Ein hübsches Haus aus seinen Räuberthaten, Und lebte ganz gemächlich dort und traut. 74 Gott weiſs, wie viel er raubie, wie viel Blut vergofs, Er war gewiſs ein alter böslicher Genoſs; Ich weiſs nur, ein geräumiges Gebäu War's, voll von rohem Schnitzwerk, Gold und Mahlerey. 128. Er hatt' ein einz'ges Kind, das hieſs Haidee, Die reichste Erbin in dem Inselkreis, Mehr noch, begabt mit höchster Schönheit Preis, So daſs ihr Reichthum nichts vor ihrer Reize Höhe. In ihren Zehnern noch, und wie ein junger Baum, Wuchs sie zum Weib heran, und wußste zu entfernen Schon wahre Freyer in der Zeit, blos um zu lernen Wie einem bessern sie nach ihnen gebe Raum. Da g'rade Am Klip. Sie fühlu Don Juar Ihr wiſst, Jedoch g. Hineinzur Nur thun Allein ihr War nich Das hieſs Hieſs sche Weil dies Nicht wie Hätt' er i Und ihn Sld und lee, t Preis, Reize junger ſste zu um zu 129. Da g'rade heut sie hinging längs dem Strand Am Klippenfufs bey'm Abendwerden, fand Sie fühlungslos, nicht todt— doch so beynah „ Don Juan, halb verhungert, halb ertränket; Ihr wiſst, sie scheute sich, da sie ihn nackend sah, Jedoch gemeines Mitleid heischt(so schnell sie denket) Hineinzunehmen ihn, den Fremden, sey's Nur thunlich, sterbend und so lilienweis. 130. Allein ihn schaffen in des Vaters Haus, War nicht der beste Weg grad' ihn zu retten, Das hiefs der Katze bringen eine Maus, Hieſs scheintodt in das Grab jemanden betten, Weil dieser gute Alte zu viel νυςιν Nicht wie die braven ehrlichen arab'schen Diebe, Hätt' er ihn wohl gepflegt mit aller Liebe, Und ihn verkauft nach der Gefahr Verfluſs. 131. * hatt' Drum meynte mit der Zofe sie, gut würd' es Er a. Denn ih taugen, 2 (Ein Fräulein gern Vertraun auf ihre Jungfer setzt) u sene 2, 1:.. Sollte zu Ihn in die Höhle zu bringen, dals er ruhe jetzt;. 1 Und als er endlich aufschlug seine Augen, de Luſ Vermehrte sich ihr Sorgen um den Gast, 1s un .. ,1: Besuchte Und so fing sich ihr Mitleid an zu heben, 2u deck 1 Daſs es des Himmels Schlag geöffnet fast, u deche (Das sey als Weggeld, spricht St. Paul, zu geben.) 132. o lieſse .... Juan sel Sie machten ein Feuer; ein Feuer, wie vor der Ein Tod Hand N 1l Zu machen es erlaubten solche un Kel .. Im sanff Brennstoffe, wie zerstreut sie lagen auf dem Strand, Zerbroch'ne Planken, ein'ge Ruder, die zufolge Wie of Auf frül Bis sich Des langen Liegens, weich beynah wie Zunder, Ein Mast auch bröckelte zu einem Stock herunter; V Kurz Gottes Huld bot so viel Wrecke dar, Dafs Holz genug für zwanzig Feuer war. Strand, zufolge under, runter; lar, 77 133. Er hatt' ein Bett von weichen Pelzwerksachen, Denn ihre Zobel gab Haidee her Zu seinem Lager, dafs läg' weicher, wärmer er, Sollte zufällig er vielleicht erwachen. Sie gaben einen Unterrock auch jede, Sie und die Zof, und sagten: mit der Morgenröthe Besuchten sie ihn wieder, um den Morgentisch Zu decken mit Caffee, Brod, Eyern, Fisch. 134. So lieſsen sie ihn seiner Einsamkeit, Juan schlief— wie ein König, oder wie Ein Todter, die am Ende(weis' ist GCott nur hie) Nur weilig schlafen— selbst der Traum blieb weit Im sanftgewiegten Haupt von frühern Fährlich- keiten; Wie oftmals Schreckgestalten unsern Blick Auf früh'rer Jahre unwillkommne Bilder leiten, Bis sich das Aug' erschliefst, getäuscht und thränendick, 78 133. Der junge Juan schlief ganz traumlos,— doch Die Maid, die ihn gebeittet, wandte ihre Blicke Beym Gehen aus der Höhl', ein wenig weilend noch, Und kehrte um; er rief sie, kam ihr's vor, zurücke. mal hören) Gerufen hätt' er ihren Namen— ihr entschwand, Daſs Juan jetzt ihn gar noch nicht gekannt. 136. Zurück in Vaters Haus ging sinnend sie undsachte, Streng Zoe'n Schweigen auferlegend; die Verstand in Wahrheit besser, was sie dabey dachte, Da weiser um ein Jahr bis zweye sie. Ein, zwey Jahr, ist ein Alter, richtig angewandt, Erschlief; doch glaubte sie, sie wollte schwören, (Das Herz kann, wie das Ohr, falsch manch. Und Zo Sie strel Den die Der Mo In seine Das Plä Der jung Es weck Des Sch Kein's 1 Sind, N — doch re Blicke 3 weilend Ihr's vor, shwören, h manch. — Und Zoe wandte sie an, wie Frauen pllegen, Sie strebte nach jenem nützlichen Verstand, Den die Natur verleiht auf alten guten Wegen. 137. Der Morgen kam, noch war Juan nicht wach In seiner Grott', ihn störte nichts im Schlaf; Das Plätschern in dem nachbarlichen Bach, Der junge Sonnenstrahl, der nicht den Schlumm- rer traf, Es weckt' ihn nicht; auch mocht' er satt sich schlafen, Des Schlummers war bedürftig er genug! Kein's litt, was er; die Leiden, die ihn trafen, Sind, wie sie stehn in Groſsmama's Geschich- tenbuch. 138. Nicht so Haidee, sie warf sich umher auf ihrem Pfühl, 8⁰ Fuhr auf vom Schlaf, und legte sich auf die andre Seite, Und träumte von tausend Wrecken, worüber beynah sie flel, Und schönen Leichen, die die Fluth an's Uker streute; Und riefihr Mädchen so früh, dafs drob höhnisch Und weckte die alten Sklaven, die in verschied'- nem Eid Beschwuren, türkisch, griechisch und armenisch, Sie wuſsten nicht zu deuten diese Seltsameit. 139. Doch stund sie auf, und auf lieſs Alle sie stehen, Die Sonn' als Vorwand, die schönen Himmel macht Bey ihrem Auf- und Untergehen. Und traun, es lohnt das Sehn, wenn frühe Phöbus' Pracht Sich hebet, während feucht noch alle Höhen Vom Nebel, und jed' Vöglein mit erwacht, Und Nac Getragen Die Sonn Oft sah i Blieb ich Was Toe Und so il Stets rüs Und ob: Schreibt Haidee s Das ihre Mit rascl Vom He 17. auf die worüber n's Ukfer höhnisch rschied“ menisch, mkeit. e stehen, Himmel n frühe Höhen acht, 81 Und Nacht hinweglliegt wie ein Morgenrock, Getragen für den Eh'mann oder sonst'gen Stock. 140. Die Sonne— sag' ich— bietet hohe Pracht, Oft sah ich aufgehn sie; vor wen'gen Tagen Blieb ich deſswegen auf die ganze Nacht, Was Tod beschleunigt, wie die Aerzte sagen; Und so ihr alle, die ihr Kass' und Wohlbehagen Stets rüstig wünscht, beginnt den Tag, wenn's 3 tagt! Und ob mit vierzig ende euer Lauf— Schreibt auf den Leichenstein: ich stand um vier Uhr auf. 141. Haidee sah dem Morgen Gesicht in Gesicht, Das ihre war das frisch'st', ob Fieberglühen Mit raschem Blut es färbte; dessen Fliehen Vom Herzen zu den Wangen sich röthend un- terbricht, 17. Gleich einem Strom, den eines Berges Fuſs, sie, schl Der überragt des Alpenbaches Guſs, Und still Zum See ausdehnt— die Welle kreiselt und droht; Denn, ha Oder dem rothen Meer— das Meer doch ist nicht roth*). gie ihm, „ 142. Die rauh Die Klippé herab die Inseljungfrau kam, Und zu der Höhle den Weg gar leicht und Hin über schnell sie nahm; Die Sonne belächelte sie mit ihrem ersten Schein, Die junge Eos sie mit thaugem Kuſs berührte, Für ihre Schwester sie nehmend; euch verführte So lehnts Derselbe Wahn, saht ihr die beyden im Verein. 1 2 Verschei Obgleich die sterbliche, gleich frisch und schön, Lag der Den Vortheil hatte, nicht als Dunst vor euch zu 1 So ruhig stehn. Zoe sott 143. Und wie Haidee schüchtern und doch rasch dabey Hineintrat in die Grotte, sah „. t und Schein, erührte, erführte Verein. Ischön, euch zu h dabey 83 sie, schlummernd, wie ein Kind, lag Juan da, Und stille stand sie, wie in heil'ger Scheu; Denn heilig ist der Schlaf; und auf den Zehen nahte sie ihm, und deckt' ihn zu, damit dem Blut nicht schade, Die rauhe Luft, dann bog sie stumm sich, wie die Todten, Hin über ihn, und trank den kaum gezog'nen Oden. 144. 80 lehntz sie über ihn, gleich einem Engel über Verscheidenden, die selig enden; 2☚⁴ ruhig fort Lag der Schiffbrüchige am sichern Ort, So ruhig, wie der milde stille Himmel drüber. Zoe sott ein'ge Eyer mittlerweile, Da doch gewiſs das junge Paar frühstücken würde; Und ch' sie es verlangten, nahm in Eile Dem vollgepackten Korb sie seine Bürde- 145. Sie wuſste, Nahrung wollen auch die Hochgefühle, Und hungern würde den jungen Schiffbruchmann! Auch kam, da wen'ger sie verliebt, ihr Gähnen an, Und schauernd fühlte sie des nahen Meeres Kühle. So ward das Frühstück pünktlich von ihr bestellt, Ob Thee sie reichte, kann ich nicht berichten. Doch Eyer, Caffee, Honig, Brod, nebst Früchten Und Scio-Wein; und allôs aus Liebe, nicht für Geld! 146. Und als die Eyer fertig, der Caſfee gekocht, Hätte Zoe Don Juan wecken gern gemocht; Haidee hielt sie doch mit ihrer kleinen Hand, Und gab ihr mit dem Finger ein Bedeuten Aufihren Lippen, das wahrscheinlich sie verstand; Ein zweytes Frühstück ging sie zu bereiten, Weil dies verdarb, indem die Herrin nicht litt, . dafs sie Den Schläfer störte, der schlief, als erwacht' er nie. Noch ir Die abg Schneel- Noch in Die Ad Die schu Der sch Gemisc! kocht, nocht; n Hand, uten verstand; reiten, nicht litt, ht'er nie. 147. Noch immer lag er, und ein hektisch Roth um- wallte Die abgezehrte Wange, wie sterbender Tag Schneekoppen ferner Berg' auf seiner Stirne lag, Noch immerdar die Kummerfalte, Die Adern schattend drauf, verschrumpft und schwach, Die schwarze Locke, noch vom Schaum durch- weicht, Der schwer darinnen hing, und salzig, feucht, Gemischt mit Dunst, wie er aus Klüften steigt. 148. Und über ihn lag sie und er lag unten, Beschwichtigt, wie an Mutterbrust ein Kind; Matt wie der Weidenzweig, regt sich kein Wind, Wie Meerfluth eingewiegt, wenn Ruhe sie ge- funden, Schön, wie des Kranzes Krone, wie die Rose, Sauft, wie der nackte Schwan in Nestes Schoose, 36 b Zum küssen schön, so lag er dorten, Ihn irre Obgleich durch diestrapazen etwas gelb geworden. Und gu «Nicht 149. Aufwacht er, schaut', und wieder schlief er gern, V Das Huldgesicht doch trieb den Schlummer fern, Ob fern'rer Schlaf gleich ferneres Vergnügen Mit keir Ihm wegen Mühsal und Anstrengung war. Da er k Für Juan war kein Frau'ngesicht von schönen Und ihr Zügen So sanft Umsonst da; wenn er betete sogar, Nicht eil Wandt'’ er von garst'ger Heil'ger, bärtger Märt- Ein Klar rergilde, Wir wis Sich zum holdseligen Marienbilde. Dem M 130. Und auf dem Ellenbogen stützt' er sich, Und Jua Und blickte auf das Mädchen, auf deren Wangen Durch 3 Abwechselnd Bleich' und Purpurröthe strich, Als sie mit Kampf zu sprechen angefangen. Ihr Auge sprach: ihr Wort— es könnte worden. er gern, Cer fern, aügen ar. schönen er Märb- 2 Wangen strich, agen. nte Vom Wächterodersonstdergleichen Wirklichkeit, 87 Ihn irren, sprach sie auch im ionischen Accente, Und gut neugriechisch, leis und sanft dabey: Nicht reden, essen eollt' er, weil so schwach er sey.* 4341. Mit keinem Wort verstand zwar Juan dies, Da er kein Grieche war; allein er hatt' ein Ohr, Und ihre Stimme quoll wie Sprossersang hervor, So sanft, so zärtlich klar, so süſs. Nicht einfach schönere Musik als diese Töne; Ein Klang war'’s, der uns rührt zu einer Thräne, Wir wissen nicht warum, ein allgewalt'ger Ton, Dem Melodie entsteigt, wie einem Thron. 132. Und Juan siarrt', wie einer, der erwacht Durch fernes Orgelflöten, und dem's Zweiſfel macht, Ob wach'’, ob träum' er, bis der Zauber gebrochen 88 Oder von eines frühen Dieners lästigem Pochen; Ich mindestens wünsche diesen Klang stets weit, Da ich die Morgenträume liebe— denn die Nacht Zeigt Stern und Weiber in erhöhter Pracht. 133. Auch Juan ward geholfen aus dem Traum, Dem Schlaf, was sonst es Wwar, durch heftge Stiche, Des Hungers, und ohne Zweifel reizte seinen Gaum Der süfse Duft aus Zoe's Küche; Und dann des neuen Feuers zündender Strahl, Das Zoe knieend immer schürte, Die Speisen zu bereiten, macht' ihn wach zumal, Dafs Lust nach Essen, besonders nach Beefsteak, ..———— er spürte. 154. Doch Rind ist rar auf diesen ochsenlosen Inseln— Bockfleisch und Zicklein, Schöps ist üblich dort; Und kommt ein Feyertag einmal, sofort Läſst m. Doch di Denn F. Fruchtb Diese, 2 Rind ist Die alte Wovon Verdamr Die Kuh- Ein Sinr Pasiphar Daſs Kr Pochen; ats weit, le Nacht cht. um, heft'ge 2 seinen Strahl, h zumal, eefsteak, — Inseln— ich dort; et 89 Läſst man ein Stück an rohen Spieſsen brinseln; Doch dies geschieht zuweilen nur, höchst selten, Denn Felsen sind ein'ge, kaum sieht darauf ein Hüttchen man, Fruchtbar und schön sind andre, unter welchen kann Diese, zwar klein, als eine der reichsten gelten. 135. Rind ist, so sprach ich, rar, und möchte bey- nahe wähnen Die alte Fabel von dem Minotaur, Wovon die neuern Moralen sich wenden mit Schau'r, Verdammend den Geschmack der königlichen Schönen, Die Kuhgestalt als Maske trug— sie sey Ein Sinnbild nur, daſs,(wenn das Bild hinweg dabey) Pasiphan die Rindviehzucht vermehrte, Daſs Kreta's Volk sich krieg'rischer bewährte. —— Denn alle wissen wir, daſs Englands Völker sich nähren Von Rindfleisch— Bier erwähn'’ ich hier nicht gern, Denn das ist ein Getränk, und da dies fern Von meiner Absicht ist, kann's nicht hieher gehören;— Wir wissen auch, gar hold sind sie dem Kriegen, (Wie alle Vergnügen, ein etwas theures Ver- gnügen) So waren die Kreter, und drum kann man er- achten Dafs sie auf beydes bedacht, auf Rindſfleisch und auf Schlachten. 137. Jedoch zurück!— Juan fing an sein Haupt zu erhöhen Auf seinem Ellenbogen, und gewahrte so, Und da Fiel übd Er wie Er afs, Als Mut Jed' Ma: Welch Doch Zo (Doch ni Man soll¹ Nur löſl So nahm Durch T Was er in jenen Tagen nicht gesehen, b Da alle seine letzten Mahle roh, 45 zich Drey bis vier Dinge, wofür den Herrn er lobte; . Vnd da noch wild der Hungergeyer tobte, er nicht. Fiel über jede dargebotne Gabe Er wie ein Pfaff', ein Hai, ein Rathsherr, oder fern Rabe. hieher 138. eiegen, Er afs, und wurde gut versorgt, und die res Ver- Als Mutter ihn bewachte, würde gereicht ihm haben, man er- Jed' Maaſs verletzend, denn sie sah mit Laben, Welch Appetit in dem, den todt geglaubet sie. dfleisch Doch Zoe wuſste, da älter, als Haidee sie war, (Doch nicht durch Lesen, nur durch Sagenhören) Man soll Heiſshungerige langsam nähren, Nur löſfelweis, sonst bersten sie wohl gar. 139. So nahm sie sich die Freyheit zu bestimmen, Durch That mehr als durch Wort(der Augenblick Wollt Eile) daſs das Herrchen, deſs Geschick Sie mac Ihr Fräulein, statt zu schlafen, den Fels herun- terklimmen Ein neu- Am Meerstrand hieſs zu dieser Zeit, das Essen lieſse Wenn er nicht auf der Stelle zu sterben erkiese; 2 Nun fing Weg nahm sie's, ein Stück selbst nur ward 5 1 1 Doch ni ihm verwehrt. . 5 Obgleich sie sprach: gegessen hätt er, kaum vertrüg's ein. Die jung Pferd. 3 Sie wan Stets eifri 160. . 4 Bis endli Tags drauf,— da nackt er, bis auf ein zer-. Sie sah, lumptes Paar Kaum schicklicher Pumphosen,— ſingen sie an zu wirken; gie boten dem Feuer seine Lumpen dar, gie nahm Und putzten ihn für jelzt zum Türken— Und Lacl — Zum Griechen mehr, das heiſst:(der Unterschied Und las liegt nicht im Groſsen) Die züg Weglieſsen sie Pistolen, Pantoffeln, Dolch, Turban; reschick herun. 1s Essen erkiese; ur ward füg's ein ſein zer- 93 Sie machten ihm fertig,— nur ein'ge Stiche fehlten dran— Ein neues Hemd, und sehr geräum'ge Hosen. 161. Nun fing das holde Mädchen an zu sprechen, Doch nichts verstand von allem Don Juan, Obgleich er so aufhorchte, dafs in ihrem Wahn Die junge Griechin sprach ohn’ Unterbrechen; Sie wandte, da er sie nicht stört', ihr Wort Stets eifriger an ihren Freund und Schützling fort, Bis endlich, innehaltend, dafs sie Oden fände, Sie sah, daſs er neugriechisch nicht verstände. 162. Sie nahm die Zuflucht nun zu Zeichen, Nicken, Und Lächeln, und zur Flammensprach' in Blicken, Und las(das einz'ge Buch, das sie verstand) Die Züg' im schönen Gesicht, und beredte Ant- wort fand 94 Sie sympatheusch da;— da strahlt die Seele Sind Lel zurück Wie we Sie läch Ein reiches Gegenwort in Einem flücht'gen Blick; So sah in jedem Blick sie zugesprüht Sich eine Welt von Worten— und Dinge die sie rieth. 163. Und jeizt, vermittelst der Finger und Augen, und Auf diese Ihr nachgesproch'ner Worte, nahm in ihrer Sprach' Das heiſst Er Unterricht, jedoch dem Scheine nach, Noch mehr von ihrem Aug', als ihrem Mund. Toskaniscl Wie der, der für die Himmelskunde glüht, Weit öfter, als in's Buch, hin nach den Sternen VielEnglis sieht, Da ich d So lernte Juan trefflicher sein Alphabet Vom Blick Haidee'ns, als wo es in Lettern steht. Barrow, 8 464. ah les, Im Styl, Ergötzlich ist das Lernen einer fremden Sprache Die Dicht Durch Frauen Lipp' und Blick; nur ist's die Frage: Seele Blick; nge die en, und n ihrer pprache Frage: Die Dichter hab' ich, aber mag sie nicht. 95 Sind Lehrerin und Lehrling noch ein junges Paar, Wie wenigstens der Fall bey mir es war. Sie lächeln, ist man richtig; und wenn Fehl' entwischen, So lächeln sie noch mehr;— dann kommt da- zwischen Ein Händedruck, wohl gar ein sittsam Küſschen, Auf diesem Weg erlernt' ich selbst mein Bischen. 165. Das heifst: im Span'schen, Griech'schen, Türk'- schen— Radebrechen; Toskanisch— da fehlten die Lehrerinnen,— blieb entfernt, VielEnglisch kann ich nichtbehaupten zu sprechen Da ich die Sprach' aus ihren Pred'gern meist gelernt; Barrow, South, Tillotson, die jede Woche Ich les', auch Blair; sie machen all' Epoche Im Styl, den man in Pros' und Andacht spricht; 96 166. Die Frau'n anlangend, hab' ich nichts zu sagen, Der britt'schen schönen Welt abtrünnig weit, Wo ich wie Andre«Hunde gehabt zur Zeit, Hatt' ich, wie Andre auch, mein leidenschaft- lich Jagen, Doch diefs, wie andres, es ist nun verglommen, Auch seine Narren sind's— wie könnt' ich geiſseln hier! Feind, Freund, Mann, Weib, nun ist's nichts weiter mir, Als Traum von einstmals, der nicht mehr wird kommen. 167. Zurück zu Juan;— neue Worte fing er an Zu hören, und sie nachzusprechen bald begann; Doch manch’ Gefühl, gemeinsam wie die Sonne Verschloſs in sich so wenig seine Brust, Als es vermag der Busen einer Nonne; Er war verliebt, wie ihr es auch gemuſst, 97 Bey einer jungen Wohlthäv'rin,(das war sie ja) Und wie dies oft geschicht, und schon geschah. 168. Und jeden Tag mit Tagesanbruch— etwas zeitig Für Don Juan, dem Schlaf ein süfses Fest— Kam in die Grotte sie; sie that's unstreitig, Ihr Vöglein ruh'n zu seh'n in seinem Nest. Gern wühlt' in seinen krausen Locken sie, st's nichts Weckt' doch den lieben Gast vom Schlafe nie; Ihr Oden sanft ob Mund und Wange flieht, mehr wird Wie ob dem Rosenbeet der milde Süd.— 169. Und jeden Morgen schwand sein früh'res Blaſs, er an Und jeden Tag er sichtbarlich genaſs; d begann; Recht gut! Denn Wohlseyn gibt der menschli- die Sonne chen Gestalt ust, Viel Anmuth; Liebe kann es nicht entbehren; 1e; Wohlseyn und Müssiggang sind ihrer Glutgewalt nuſst, 17. G 98 Oel und Schiefspulver;— manche gute Lehren Doch Kann man von Ceres auch und Bacchus lernen, Unklug Ohn' welche Venus pflegt sich eilig zu entfernen. Rurau- Eilt' er 170. Weil Venus füllt das Herz— denn ohne Herz verlör' es, Jang w Das Gut der Lieb', obh's immer gleich ein Gut— P B Naht sich mit einer Nudelsuppe Ceres, Das W Liebe will Nahrung ja wie Fleisch und Blut; Von ge Bacchus bringt Wein und Brüh'n als seine Steuer; Auch Austern gehn als Liebeskost und Eyer; Doch wer ihr Schaffner ist von obenher, rphe Weiſs Cott, ob Pan, Neptun, ob Jupiter. 171. Juan erwachte stets umringt von holden Dingen, Von Bad, und Frühstück, und den schönsten Augen, die Nur jemals jungem Blute gaben Schwingen, Auch die der Zofe, schöngestaltet sie! 99 le Lehren Doch alles dieses habt ihr schon vernommen, s lernen, Unklug ist Wiederholung, und ermüdet sehr; —ntfernen. Kurzum, so oft Juan gebadet sich im Meer, Eilt' er zum Caffee, und zu ihr zu kommen. 172. Jung waren beyd', und sie so schuldlos rein, Daſs Baden ihr für nichts galt; Juan schien 5, d Blut; Das Wesen, ihr gesandt, zu seyn, Von dem sie Nachts geträumt zwey Jahre hin; ne Steuer; Etwas, dem Liebe gebührt', ein Wesen, auser- nd Eyer; koren, her, Ihr Glück zu seyn, und das sie auch begläckt Iupiter. Will machen;— theilen mufs Entzücken, wer entzückt Seyn will, als Zwilling ward das Glück geboren. en Dingen, schönsten 173. Es war so wonnevoll, ihn anzuseh'n, vingen, So viel Bereicherung des Lebens, auszutauschen 21 Mit ihm das Wesen, zu leben in trauten Näh'n, 100 Sein Wachen, seinen Schlummer zu belauschen; Mit ihm auf ewig leben, war zu viel, Doch der Gedank' an Trennung, er entsetzte! Ihr war er, Meergewinn, der zu ihr fiel, Gleich reichem Wrecb, ihr' erste Lieb' und ihre letzte. 174. So ging ein Mond dahin; die liebliche Haidee Besuchte täglich ihren Trauten, und benahm So sorgsam sich, damit ihn niemand sehe, Daſs kein's den Grottenfremdling kund bekam. Jetzt stiefsen ihres Vaters Schiff' in's Meer, Denn elliche Kauffahrer blinkten her, Nicht, wie einst zu entführen eine Io, Nein, drey Raguser Schiffe, bestimmt nach Scio. 173. Nun hatte Freyheit sie; denn, da sie mutterlos, War sie— so oft ihr Vater Schiffe jagte— Frey wie ein Ehweib, oder anderes, und bloßs War ihr Auch dri Die Frey In dem Wo docl Ihr Kom (Denn spi Soviel, u Nicht vie Wo, wie Er matt, So ginger Und sah' Es war ei Mit Klipp tsetzte! ſiel, und ihre e Haidee benahm sehe, ad bekam. Meer, * 0, nach Scio. mutterlos, jagte— und blols 10¹1 War ihr gestellt, zu thun, was ihr behagte. Auch drückte sie nicht eines Bruders Zügel, Die Freyste sie, die je sich putzt' am Spiegel; In dem Vergleich sprech' ich von Christenlanden, Wo doch die Frauen selten sind in Banden. 176. Ihr Kommen und ihr Sprechen ward nun mehr, (Denn sprechen müssen sie!) gelernt hat er, zu sagen Soviel, um ein Spaziergehn vorzuschlagen, Nicht viel ging er seit jenem Tage her, Wo, wie die Blume, die vom Stengel brach, Er matt, durchnässet lag am Strande; So gingen aus sie in dem Nachmittag Und sah'n, dem Mond g'rad' über, die Sonne gehn zu Rande. 177. Es war ein wildes wogengepeitschtes Küstenland, MitKlippen d'rüber, und breitem sand'gen Strand, 102 Bewacht von Riff und Sandbank, wie von Hee- resschaar, Mit einer Bucht stellweise, die willkommenl rief Den Sturmgetrieb'nen, und dem Anblick theuer war; Doch selten nur der Wogen Brüllen schlief; Nur an den Tagen todter Sommergluth, die gleich Das weite Meer macht einem stillen Teich. 178. Das Wellengekräusel am Ufer, leis und klein, Kaum übertraf's dasPerlen von Champagner Wein, Wenn über'n Rand das Glas, das sprühende, quillt, Der Seelenregen, der hüpfende Thau des Lebens! Wenig geht über alten Wein! Wer es gewillt, Der pred'ge— mehr, je mehr er predigt ver- gebens; Laſs Wein und Weiber uns, seyd lust'ge Prasser; Auf morgen Predigten und Sodawasser. Jed' Volk Nimm w Der Stam Doch wi Ihr früh 1 Schellt de Rheinwei Ein Trän! Denn nic Der erste on Hee- en! rief theuer hlief; e gleich eich. klein, rWein, ühende, (Lebens! gewillt, igt ver- DDPrasser; 103 179. Der Mensch, vernünftig, muſs betrunken werden, Des Lebens Bestes ist die Trunkenheit, Ruhm, Trauben, Lieb' und Gold ist's, dem auf Erden Jed' Volk und jeder Mensch sein Hoffen weiht; Nimm weg den Saft— wie zweiglos säh' sich an Der Stamm des Lebensbaums, der oft so Süfses beut! Doch wieder zurück; betrinket euch, und wann Ihr früh mit Kopfschmerz aufsteht, horcht, was dann. 180. Schellt dem Bedienten, hurtig soll er nehmen Rheinwein und Sodawasser, und ihr schmeckt Ein Tränkchen, defs sich Xerxes nicht zu schämen; Denn nicht der beste Scherbet, schneebedeckt. Der erste Tropfen nicht, der euch in Wäüsten erfrischet, 104 Burgunder nicht in aller dunkeln Gluth, Nach langem Marsch, Langweilen, Liebe, Kam-. pfeswuth, Ist Rheinwein gleich mit Sodawasser gemischet. 181. Die Küst', ich denke beschreiben wollt' ich eben Die Küste— recht, die Küste war es; ja! Sie lag heut' ruhig, wie der Luftraum, da; Nicht regte sich der Sand, sanft war der Wel- len Heben, Rings herrschte Stlle, nur die Möwe schrie, Es schnellzte der Delphin, es stiefs die kleine Welle An's Riff, die Sandbank sich— das drängte sie Hin an die kaum benetzte Uferstelle. 182. Sie schlenderten dahin,— da fern ihr Vater, Auf einem Ausflug, wie erzählt bereits; Wasser Und da Es war 2 Die rund Der dan Einschlie Vom fern Auf eine Zur ande Mit einer 105 1, Ihr blieb nicht Mutter, Bruder, sonstiger Be- be, Kam- 3 rather, Nur Zoe, die erhaltenen Bescheids, mischet. Der Herrin pünktlich diente von Sonn'aufgehn, Doch glaubt! ihr Amt sey nur vom Tage zu ver- stehn, Wasser zu bringen, ihr das Haar zu machen, ich eben ; ja! Und dann und wann zu fragen nach abgelegten b 34, Sachen. ler Wel. 183. chrie, Es war zur Abendkühle, g'rade wenn erblasset kleine Die runde rothe Sonne hinter Berges Blau; Der dann erscheint, als ob die Welt er grän- ngte sie zend fasset, Einschlieſsend weit die dunkle stille Au, Vom fernen Berges-Halbmond halb umflossen Auf einer Seite, vom kalten Meer umschlossen Zur andern, und die rosenrothen Höh'n Mit einem Stern, der wie ein Auge anzusehn. 184. S0 schlenderten sie weiter, Hand in Hand, Ob blinkenden Kieseln und den Muscheln dorten, Sie schlichen längs dem sanften festen Sand, Und in gehöhlten wilden Zufluchtsorten, Die Stürme machten, doch machten, wie auf Bestellen, In hohlen Küsten, mit Tropſstein-Dach und Zellen, Kehrten zur Rast sie ein, und Arm in Arm gelegt, Sehn sie den Zauber, den des Zwielichts Purpur hegt. 183. Sie sahn zum Himmel auf, der, wie ein ros'- ges Meer, In reger Gluth sich wölbte licht und behr; Sie blickten nieder in's Geflimmer der Wogen, Woher der volle Mond so glanzvoll kam gezogen. Sie hörten die Luft so leis, der Wellen plät- schernden Fluſs, Und sah Eins in Nahten Ein lange Und Sché Die Stral Der Kuf Wo Her:z Der Puls Erdbeben Nach seit Durch Laà Gott wei d. lorten, 107 Und sah'n in's Auge sich, das glühte so licht Eins in das andre— und bey dem Gesicht Nahten sich ihre Lippen, sich schlingend in ei- nen Kuſs. 186. Ein langer Kufs— der Jugend Kuſs— der Liebe Und Schön', all' einend, wie des Brennpunkts Macht Die Strahlen, aus den Höhen angefacht; Der Kufs gehört des Lebens jungem Triebe, Wo Herz und Seel' und Sinn wie Eines webt, Der Puls wie Feuer, das Blut, wie Lava strebt, Erdbeben jeder Kuſs— des Kusses Kraftvermögen Nach seiner Läng' ist's, glaub' ich, abzuwägen. 187. Durch Länge meyn' ich Dauer; bey den Beyden— Gott weiſs, wie lang die Dauer; sie wogen'’s wohl nicht ab, 108 Wrär's auch geschehn, die Summe des Gefühles gab Doch keinen sichern Maſsstab für denzweyten; Sie hatten nicht gesprochen, doch zog sie's lok- kungsvoll, Die Seelen und die Lippen zu winken schienen, Die, fafsten sie sich, sich schlangen wie schwär- mende Bienen, Ihr Herz, die Blume, d'raus der Honig quoll. 188. Sie waren allein;— allein wie die doch nicht, Die wähnen allein zu seyn, in Kammern sich verschliefsend; Das schweigende Meer, die Bay, so sternenlicht, Das Abendroth, stets mehr und mehr verflieſßsend; Der stumme Sand, die tropfenden Höhlen, die Umher— nur näher preſst' es an einander sie, Als wenn im weiten Raume sonst kein Leben, Als ihr's, und dürfts für dies kein Ende geben- Von d Dies Al Sie spr Und g⸗ Daſs m Nichts Sie wad Flog W Und d Kein h nicht, ern sich enlicht, ieſsend; len, die ader sie, Leben, 2 geben. 10⁰9 189. Kein Ohr, kein Auge dort auf öder Strandesflur; Sie kam kein nächt'gesGrau'n an; all ihr Trachten Ging eins auf’s andr'; ob ihre Sprache nur GebrochneWorte,— einesprachesiesich dachten. Und wie die Gluth sie lehrt, die Sprachen alle;— Der beste Künd'ger war ein Ach! gewiſs Von dem Naturorakel, erste Liebe— dies, Dies All liefs Eva ihren Töchtern nach dem Falle. 190. Sie sprach von keinem Miſstrau'n, wollte kein Gelübde, Und gab auch keins; nie hatte sie gehört, Daſs man zur Braut mit Eid und Pfand sich schwört, Nichts von Gefahren, wenn ein Mädchen liebte, Sie war so ganz die liebe Einfachheit, Flog wie ein Vöglein hin, wo lockt der Catte, Und da sie nie geträumt von Falschheit, hatte Kein Wort sie ihm zu sagen von Beständigkeit. 191. Sie liebt' und ward geliebt,— sie huldigte, sie ward Verehrt; die aufgeregten Seelen floh'n, nach Art Der Lieb', ein' in die andre über, Wenn Seelen sterblich, sterbend in dem Wonne- fieber; Und mählig wieder jeder Sinn erstand, Daſfs neu er sänk', und neu er würfe nieder; Haideens Herz an Juan's Herz empfand, Als könnts allein nie schlagen wieder. 192. So jung, ach! waren sie, so schön, allein, So schutzlos, liebend, und zu jenen Stunden, Wo unser Hera stets pflegt so voll zu seyn, Und jeder fern're Selbstzwang ihm entschwunden, Wo'’s Schuld häuft— ewig wird es nicht von ihr entbunden, Momente tauscht für ew’ge Höllenpein—— Das all Freud' Ach! ü So lieb Die ers: Gefahr; Da Sché So hört Und Hõ Ward'’s Eins bli Im Mor Das Hal Halb in Er trinl digte, sie nach Art Wonne- Das alles ist für Leute, welche geben Freud' oder Leiden einem andern Leben. 193. Ach! über Juan und Haidee! Jedes war So liebend und so lieblich! So ein Paar, Die ersten Eltern ausgenommen, hatte nimmer, Gefahr gelaufen, verdammt zu werden auf immer! Da Schönheit gleich mit Frommseyn bey Haideen, So hörte sie vom Styx doch offenbar, Und Höll' und Fegefeuer— dennoch, übersehen Ward'’s g'rad' im Augenblicke der Gefahr. 194. Eins blickt auf's andr', und ihre Augen leuchten Im Mondenlicht; ihr weifser Arm umschmiegt Das Haupt Juans, der sein' um ihren liegt, Halb in den Locken versteckt, die weit herun- ter reichten, Er trinkt ihr Seufzen, sie das sein“, ihm auf dem Knie, 112 Das Seufzen wird ein Stöhnen, gebrochen, tief; So machten eine ächt antike Gruppe sie, Halb nacket, zärtlich, griechisch und naiv. 193, Und nach den inn'gen glüh'nden Augenblicken, Genofs Juan in ihrem Arm des Schlummers Lust, Nicht schliefsie, sondern liebend, mit Entzücken, Hub sie sein Haupt auf ihre volle Brust; Zum Himmel dann und wann ihr Augeschwärmte, Dann zu der Wange, die ihr Busen wärmte, Gebettet auf das übervolle Herz, gedrängt Von dem, was es geschenket, und noch immer schenkt. 196. Ein Kind, das hinschaut nach dem Lichte, Ein Säugling, der die Brust der Mutter fſaſst, Ein Frömmler, kommt die Hostie zu Gesichte, Ein Araber, der schützt den fremden Gast, 4 Ein Seemann, macht er feindlich Schiff zu nichte, Ein Geiz Sie sind Als, was Denn ruh Bey uns i So sanft, So ahnung Es schweigU In süller Da liegt, Und allen So wacht'« Der Einsa- 17. ablicken, ners Lust, tzücken, 3t;3 awärmte, h immer chte, faſst, 113 Ein Geizhals, mehrt er seiner Kiste Last— Sie sind entzückt; doch nichts kann so viel Freude machen, Als, was man liebt, in seinem Schlummer zu bewachen. 197. Denn ruhig liegt es da, und heiſsgeliebt, Bey uns ist, alles was es hat von Leben; So sanft, so still, so ohne Hilf' und Streben, So ahnungslos, welch' hohe Wonn' es gibt! Es schweigt all' was es fühlte, that, erfuhr, be- stand, In stiller Brust; dem Wächter unbekannt! Da liegt, was theuer uns, mit allen Flecken, Und allen Reizen, wie der Tod, ohn' seine Schrecken. 198. So wacht' ob ihrem Trauten sie, und diese Stunde Der Einsamkeit der Liebe, See und Nacht, 17. H 114 Ergriff das Herz ihr mit vereinter Macht; In öden Sandes, rauher Felsen Runde, Ruht' ihr von Wogen müder Liebling neben ihr, Und nichts konnt' ihren Wahnsinn stören hier, Und alle Sterne, die hoch oben schienen, Sahn sel'ger nichts, als ihre glüh'nden Mienen. 199. Der Frauen Liebe— ach sie ist bekannt Wohl als ein lieblich, aber bänglich Ding! Ihr All bau'n sie in diesen Zauberring, Und nichts mehr hat das Leben, wenn sie schwand, Als kränkendes Gefühl vergang'ner Tage; Und wie des Tigers Sprung ist ihre Rache, Zermalmend, tödtlich, schnell, so sicher eben, Qual haben sie, sie wollen gleiches geben! 200. Und recht! Der Mann, mit Männern ungerecht so oft, Ist stets n Ein einz' Gelehrt 2 Um ihren Dann Put Die wähl Die liegt Die renn Dabey de Kein We Weil unr Vom düst Die spic t; ben ihr, en hier, en, Mienen. 115 Ist stets mit Weibern so! Das Weib, es holflt Ein einz'’ges Band— dafür Verrath und Schmer- zen;— Gelehrt zu bergen, zehrt sie sich im Herzen Um ihren Liebling ab, bis sie als Weib in's Haus Ein reicher Lüstling kauft— was bleibt ihr über? Fin undankbarer Mann, ein treulosword'ner Lieber, Dann Putzen, Stillen, Beten— so ist alles aus! 201. Die wählt Liebhaber, die ein Gläschen, die Gebet; Die liegt dem Haushalt ob, die dem Zerstreuen, Die rennt umher, ihr Leid austauschend zu er- neuen, Dabey der Vortheil guten Ruf’s entgeht, Kein Wechsel hebet ihres Lebens Plage, Weil unnatürlich immer ihre Lage, Vom düstern Palast, bis zur schmutz'gen Schwelle; Die spiclt den Teufel, und schreibt drauf eine Novelle. 116 202. Durch V Haidee war Naturkind, wufſste solches nicht; gie war das Kind der Gluth, denn dreyfach Licht Vareh Entströmt der Sonne dort, und senget selbst den. Jed' gute 1 Kuſs Mich Von ihren holden Töchtern; sie war Eine, CMich w Die blos zum Lieben geschaffen, zum Fühlen, daſs die Seine Sie ihres Lieblings; alles Ueberflufs, Was sonst man sagt und thur; sie hatte keinen Nun wa Schmerz, Kein Hoffen, Sorgen Lieben mehr— hier Auf still schlug ihr Herz. 03. Und o! dies Schlagen des Herzens, dieses Streben, Was kostet's uns?— Und doch ist jed' entste- hend Leben In seiner Ursach, wie in seinem Wirken, so süſs, Daſs Weisheit, wie sie angelegen seyn sich's lieſs, 117 Durch Wunderkunst zu beglücken, wie sie uns erhebt Durch hohen Sinn; daſs selbst das Gewissen vergebens strebt, Jed' guten Gedanken uns so gut einzuprägen; (Mich wundert, daſs Castlereagh nicht mit Tax' es wollte belegen!) 204. Nun war’'s gescheh'n, der Herzensbund ge- schlossen Auf stillem Strand; die Stern', als Hochzeits- kerzen, gossen Schön' auf die Schönen herab aus blauer Luft; Ihr Zeuge der Ocean, ihr Bette die Kluft; Durch ihr Gefühl verbunden und geweiht, reben,.. 3 1; en tüle. Sie waren getraut, ihr Priester— die Einsamkeit; Sie waren glücklich, ihrem jungen Auge wies 0 süſ Jedes als Engel sich, die Erd' als Paradies. „ s lieſs, 118 203. O Liebe, von der Cäsar eifriger Begehrer, Titus der Meister, Antonius war Satrap, Horaz, Catullus Schüler, Ovid der Lehrer, Sappho die weise Priesterin— in ihr Grab Kann jeder springen, der lieber neutral vielleicht, (Leukadia's Fels die Fluth noch überreicht); O Lieb', des Bösen Göttin bist du ohne Zweifel, Doch können wir dicb nimmer nennen Teufel. 206. Du machst den keuschen Ehebund zweydeutig, Und machtest finstern Heldensinn geschmeidig; Cäsar, Pompejus, Mahom, Belisar, Liefsen die Feder Clios sehr ermüden; Ihr Leben, ihr Geschick war höchst verschieden, Wer weiſs, ob solche Würd'ge wieder offenbar? Doch wartete dreyfaches gleiches Glücksgut ihrer, sie alle waren Helden, Sieger— Hörnerführer Machst. I Die Epil Sie locke Durch I. O könnt Wie hül «IIs, trit So sprac Doch Ju Hätt' er Ich kanrU Ein schl Der Mo In unse hrer, Grab ielleicht, eicht); e Zweifel, n Teufel. veydeutig, chmeidig; 1; rschieden, offenbar? Glücksgut nerführer 207. Machst Philosophen, so die Aristippe, Die Epikur's, die materielle Sippe! Sie locken uns zu sündlichem Verfahren, Durch Theorie'’n, so ausführbar dabey; O könnten sie vor'm Teufel nur bewahren, Wie hübsch der Wahlspruch wäre(nicht ganz neu): Ifs, trink' und liebe, denn der Rest ist schaal,“ So sprach der weise Fürst Sardanapal. 208. Doch Julien? Vergaſs Don Juan gänzlich sie? Hätt' er vergessen sie gekonnt so frühb Ich kann nicht anders sagen, als es scheint mir dies Ein schlimmer Fragepunkt! Doch thut gewiſs Der Mond für uns all das; kommt neue Re- Sung In unser Herz— er setzt es in Bewegung, Wie hätten sonst zum Henker neue Gesichter Den Zauber auf uns armes Mannsgelichter! 209. Ich hasse Wankelmuth; mir ekelt, grauet; Ich fluch', entsetze mich, ich schaudre vor dem Mann, Defs Herz so aus Quecksilber ist gebauet, Dafs man auf seine Treu'’ nicht fuſsen kann. Ich hegte treue Liebe, jetzt und weiland, Und doch auf einem Maskenballe gestern Nacht Sah ich das schönste Kind, nur erst aus Mai- land, Da fühlt ich, was mich schamroth fast gemacht. 210. Philosophie doch unterstützte mich, Und raunte: denk' an jedes heil'ge Band zurück! «Das will ich, theuerste Philosophie!» sprach ich; Dann ihre Zähn’, und dann, o Himmel, ihr Blick! aIch will Ob keir Bleib! ri Obgleich Bleib'! u Mit War Als Huld Auf eine Und wie Beynah' Ist die V Ein höh' Wirkt d. So werde Platonisc 121 Ich will nur sehn, ob Mädchen oder Weib, Ob keins von beyden sie— blos Zeitvertreib! Bleib! rief Philosophie, in griech'schem Wesen, Obgleich Venedigs Tracht als Maske sie erlesens 211. Bleib'! und ich blieb; zurück doch! was die Leute Mit Wankelmuth bezeichnen, ist nichts mehr, ——— Als Huld'’gung, wo Natur verschwend'rischer n Nacht Auf einen Liebling schöne Jugend streute; Und wie oft einer Niche lieblich Bild Beynah' uns mit Vergötterung erfüllt, us Mai- Ist die Vergötterung etwas Realen emacht. Ein höh'res Huld'gen nur dem«schönen Idealen.“» 212. zurückt Wirkt das Gefühl des Schönen auf uns ein, ch ich; So werden alle Kräft' in uns erweitet, Blick! Platonisch wunderbar ist's, allgemein, 1 22 Kommt von den Sternen, durch die Luft ge- leitet; Ein The Wär's nicht, wie schaal würd' unser Leben seyn, Kurz der Gebrauch der Augen gibt's— be- Und, gleitet Von ein, zwey schwachen Sinnen, dafs wir klar Jetzt m Einsehn, wie Gluthstaub unser Urstoff war. Und G Doch n 213. Löst 2 Der Blic Doch ists ein schwer Gefühl, nicht eigne Wahl; Wie he Gewifs wenn unser Blick in dem Idol jedmal Den gleich in's Elend führ'nden Reiz vernähme, Als ob zu uns auch eine Eva käme— Die Le Es kostete manch Kopfweh, manchen Thaler Doch s nicht Weil j (Denn Haben gilt es, oder schmerzliche Ver- Dals al zicht!) Wie N Während, könnt Eine Huldin uns auf immer Wuth binden, Entspri Sich Herz und Leber würden wohl befinden. Wie d 123 214. Ein Theil des Himmels ist das Herz, dem Luft- raum gleich, Und, wie im Luftraum, theilt sich Tag und Nacht in'’s Reich; wir klar Jetzt müssen Stürm' und Donner es umtoben, War. Und Grauen und Verwüstung, wie hoch oben, Doch nach dem Sengen, Drängen und Versehren Löst sich sein Sturm in Tropfen— überfliefst Der Blick von Herzblut, wandelndsich inZähren— e Wahl; Wie heut zu Tag in England üblich ist. jedmal ernähme, 215. Die Leber ist der Calle Lazareth, n Thaler Doch selten pflegt ihr Amt sie zu verwalten, Weil jede erste Leidenschaft nicht fürbafs geht, che Ver- Daſs alle nach sich schleichen, und gestalten, Wie Viperknoten auf des Düngers Ort, if immer V Wuth, Furcht, Hafs, Eifersucht— von dort Entspringet jedes Ungeheuer, inden. Wie die Erdbeben vom central'schen Feuer. —ᷣ—ÿ—ÿ;— 124 216. Einstweilen, ohne weiter fortzugehen In der Zerglied'rung, sind geendigt jetzt Zwey hundert und ein'ge Stanzen, wie vorker geschehen, Und diese Zahl will jedem ich— dies ist ge- setzt— Derzwölf bis vier und zwanzig Canto's zugestehen. So lege die Feder ich weg, und verbeuge mich; Haidee'n und Juan überlass' ich selber sich, Sie mögen günst'ger Leser sich verschen. Stanz. 14 Die Eu Arabien S. busen gem Doch ha das schwal welchen d oder irgen Fände mal dieses Mee lehrte glau ist es nich benannt h: einigen F von der k pfeiſen ger welche in u. dgl. 8 vorker ist ge- stehen. 125 —-—————V————ℳqꝛqꝛ:—·———ℳ————K . Anmerkung. Stanz. 141. Das Meer doch ist nicht roth. «Die Europäer,» sagt Niebuhr(Beschreib. von Arabien S. 417.)«nennen den arabischen Meer- busen gemeiniglich das rothe Meer. Doch habe ich es nicht röther gefunden, als das schwarze Meer, oder den Archipelagum, welchen die Türken das weilse Meer nennen, oder irgend ein anderes Meer in der Welt. Fände man aber auch wirklich auf dem Boden dieses Meers ein rothes Kraut, wie einige Ge- lehrte glauben; so ist dieses doch selten. Also ist es nicht wahrscheinlich, dafſs man es davon benannt habe; so wenig es diesen Namen von einigen Flecken rötblichen Sandes hat, oder von der kleinen hellrothen Art Corallen, Orgel- pfeifen genannt, von einigen wenigen Bergen, welche in der Ferne etwas röthlich scheinen, u. dgl. Die Meynung derjenigen Gelehrten, * ———-— 126 welche geglaubt haben, daſs der arabische Meer- busen von dem Reiche Edom, oder Idumäa, das edomäische, oder idumäische, und daher das rothe Meer genannt worden sey, ist mir sehr wahrscheinlich; denn das Reich Edom gränzte an den nördlichen Theil dieses Meer- busens.“ Edom bedeutet nämlich im Hebräi- schen roth. Edam, Idumäa, das röthliche Land, hat den Namen vom Anblick des rothen Sandes sei- ner Gebirge. Auch Esau, da er als Emir einer streifenden Nomadenhorde dort sich niederliefs, bekam ohne Zweifel den Namen Edom, der Röthliche, als Bewohner dieses röthlichen Landes. Eben so ist natürlich der arabische Meerbusen von Edom oder Idumäa benannt worden, da in diesem Lande, wenigstens zu Salomon's Zeit, Seehäfen, dieses Meer zu befahren, angelegt worden sind. Fragte der Grieche nach der etymologischen Bedeutung des Namens Idumäa, so sagte man ihm: roth. Er nannte also das Land und das angränzende Meer: Erythräa, das rothe» H. E. G. Paulus Anmerk. zu Belons Reise, in der Sammlung der merkwürdigsten Reisen in den Orient II Th. S. 251. S- Rosenmüllers altes u. neues Morgenland; zter Band, p. 2. A. d. U. — V Kle daher Kleinere Gedichte. 17.. Wie äl Ein N So halte Wenr Und wir Vielle Denk' a Mein 129 ————-———éℳℳ MV—;——————ℳ—————-———ℳ——Ai In ein Stammbuch geschrieben. Wie äber'm kalten Leichensteine Ein Name still den Wandrer hält, So halte deinen Blick der meine, Wenn einsam auf dies Blatt er fällt. Und wird von dir er dort gelesen, Vielleicht in einem künft'gen Jahr, Denk' an mich, als ein todtes Wesen, Mein Herz— begraben hier es war. IL 1 e d. Zals, oo, ds Aανκέ. ¹) (Athen, 1810.) Maid Athens, vor'm Trennungsschmerz Gib, o gib zurück mein Herz! Oder, weil mir das entwich, Halt's, und nimm den Rest für dich; Eh, ich geh', gelob' ich so: Zou νωο, σ /ανκ. Bey der Locken losem Flug, Leis umkost von Windes Zug, Bey dem Lied, deſs schwarzer Mund Külst der Wangen bplühend Rund, Beym Gazellenblick, so froh: Za ⁴μα̈ο ς αυ. Bey dem Kuſslich schönen Mund, Bey dem Leib, umgürtet rund, Bey dem Zeichenstraufs 2), der spricht, Sprichts kein Wort so innig nicht, Bey der Liebe Weh und Froh: Zaun ον dαꝶ. icht, Maid Athens, schon bin ich weit, Denk' mein, Traut'! in Einsamkeit! Flieg ich auch nach Istambol, ³) Herz und Seel'— Athen hält's wohl; Kann mein Lieben enden sop Zal, aoν, ds Araν. Uebersetzung des berühmten griechischenGchlache- v EANp, verfaſse von Riga, der beym Zersuche, Griechenland gesanges: Asors πααες⁷ zu reyolutioniren, umkam. Die folgende Ue- bersetzung ist so wörtlich, als der Verfasser sie in Versen machen konnte; Fie ist in dem- selben Versmas, als das Original. 4. Ihr Griechensöhn', erstanden! Der Ruhmestag brach an, Und würdig solcher Banden, Thut kund, wer ener Ahn. Chor. Griechensöhne! mit Muth Lafst auf den Feind uns ziech'n, Bis strömt sein verhafstes Blut Ueber unsre Füfse hin. 2. Mit männlichem Verschmähen Der Türk'schen Tyranney, Lafst's Land Euch aufstehn sehen, Schnell bricht all' Joch entzwey. Der Weisen, Helden Geister! Auf jetz'gen Kampf den Blick; Hellenen, hier einst Meister, In's Leben eilt zurück! Wenn mein Horn nun ertönet, störend Vom Schlaf euch, kommt herbey; Euch zur Siebengehügelten ⁴) kehrend, Kämpft, sieget, bis wir frey. Griechensöhne! mit Muth etc. 3. Sparta, Sparta, wier du liegest Todt ohn' aufzustehn ⁵ Wach' auf, dafs deine Schaar du fügest Der alten Bündnerin Athen. Leonidas, der Lieder Uralt Gefeyerten, Einst euer Hort, ruft wieder Den Starken, Schrecklichen; Auf Der keck den Zug sich kührte Hin gen Termopylä, Krieg mit dem Perser führte, Dafs frey sein Land er säh'. Mit heil'ger Schaar stand, wagend Die Schlacht, er lang voll Muth, Und wie ein L.eu sich schlagend, Starb er in See'n von Blut. Griechensöhne! mit Muth etc. d Auf ein Carneolherz, das zerbrochen war. Unglücklich Herz! und kann es seyn, Bist du gebrochen entzwey 5 Und Jahr', in Liebe sorgend dein, Sie schwanden ohne Nutz vorbey? S5t Doch jedes Bruchstück theuer ist, Mit höher'm Antheil es erfüllt, Da, der dich träget, fühlt, du bist Des eignen Herzens schicklich Bild! —— Aus dem Portugiesischen. Ihr ruft, von Liebeslust entzücket, „Mein Leben“ in süſstrunk'nem Sinn; Das theure Wort! mich hätt'’ berücket, Schwänd', stürbe Jugend nicht dahin! D Zum Tod auch solche Stunde rauscht; Der O drum sprecht diese Worte nimmer! Zur Mit«meiner Seele“ sie vertauscht, Da m: Die lebt, wie meine Lieb', auf immer! sie —— Willst Mir Lang Doc Impromptu, 1 einem Freunde zur Antwort. — Wenn aus der Brust, wo Kummer weilet, Sein düst'’rer Schatten aufwärts schwillt, 1 Und wechselnd durch das Antlitz eilet, Die Stirne wölkt, das Auge füllt: Acht' nicht des Grams, bald sinkt er nieder, Mein Sinn kennt seine Haft zu gut; In's Herz entflieht der Wandrer wieder, 3 In seiner Klaus' er schweigend ruht. ——— Als ich gefragt wurde, was der Liebe Quell? sey? 1 Der Liebe Quell? Warum erkiesen ¹ Zur Lösung dieser Frage mich? Da mancher Blick dir schon bewiesen, r! Sie sprang in's Leben, sah er dich! Willst du nach ihrem Ende fragen? Mir sagt's das Herz, mir klagt's der Sinn, Lang wird sie schmachten ohne Klagen, Doch leben, bis ich nicht mehr bin. Anmerkungen. 1) ZG* ον, d ⸗ανν. Zoé mu, sas agapo, oder Zcur οο, d-ar, ein romaischer Ausdruck der Zärtlichkeit. Ue- bersetz ich ihn, werd' ich die Herrn beleidigen, da es scheinen kann, ich trau' ihnen, es zu können, nicht zu; und thu' ich's nicht, kann ich die Frauen beleidigen. Aus Furcht vor ei- nem Miſsverständnisse von Seiten der Letzteren, will ich's thun, indem ich die Gelehrten des- halb um Verzeihung bitte. Es heifst: Mein Leben, ich liebe dich!“ was in allen Sprachen ganz hübsch klingt, und heut zu Tage in Grie- chenland eben so üblich ist, als, nach Juvenal, die ersten beyden Worte unter den Römerinnen waren, deren Liebesausdrücke alle hellenisiret wWaren. 2) Bey dem Zeichenstraufs, der spricht. In dem Osten,(wo man Frauen nicht schrei- ben lehrt, damit sie nicht etwa Bestellungen kritze die zwar des N sagt: mit I aber verm Co Ue- igen, es zu kann or ei- teren, a des- Mein achen Grie- venal, innen nisiret der chrei- ungen 137 kritzeln) werden durch Blumen, Kohlen, Kiesel die gegenseitigen Verständnisse gemacht, und zwar vermittelst jenes allgemeinen Stellvertreters des Mercurius, eines alten Weibes. Eine Kohle sagt:«ich brenne für dich;“ ein Blumenstrauſs mit Haar gebunden: nimm mich und flieh;“ aber ein Kiesel erklärt— was nichts anderes vermag. 3) Flieg' ich auch nach Istambol. Constantinopel. 4) Euch zur Siebengehügelten keh- rend. Constantinopel; ETra³⁴οo.» Der Zauberspruch. (Das folgende Gedicht war ein Chor in einem unvollen- deten Zauberdrama, welches vor einigen Jahren an- gefangen wWurde.) 1. Wenn der Mond auf Wellennaſs, Auf dem Grab das Meteor, Und der Glühwurm in dem Gras, Und der Irrwisch ist im Moor; Wenn die Sternenschnuppen eilen, Und im Wechsel schreyn die Enlen, Wenn die Blätter nicht mehr wehn Auf des Berges Schattenhöh'n, Soll auf deinem seyn mein Geist, Macht und Zeichen dir's verheiſst. 2. Liegst im tiefen Schlummer du, Hätte doch dein Geist nicht Ruh'; Schatten gibt's, die nicht von dannen, Und Gedanken, nicht zu bannen; Eine Macht, dir unkennbar, Läfst allein dich nimmerdar; Bist in's Sargtuch mir gelegt, Bist von einer Wolk' umschrägt; Und dich läſst nie wieder frey Dieses Geistes Zauberey. 3. Sähst nicht mich vorübergeh'n, Sollst mich fühlen durch dein Seh'n, Wie ein Ding, das, unsichtbar, Nah dir seyn muſs, und es war. Und wenn, leis von Furcht durchrannt, Du dein Haupt herumgewandt, Staunest du, daſs ich nicht hier, Wie dein Schatten neben dir. Und die Macht, der du bewufst, Ist's, was du verhehlen muſßst. 4. Und ein Zauberruf und Spruch Taufte dich mit einem Fluch: Und ein Geist vom Luftrevier Warf die fah'nde Schlinge dir. Aus dem Wind ein Rufen dröhnt, Das die Freude dir verpönt, Und die Nacht theilt dir nicht zu Ihres Odens milde Ruh'; Eine Sonne bringt der Tag, Wünsch'st, dafs sie verlöschen mag! 5. Ich kocht,— er hat zu todten Kraft— Aus deinen falschen Thränen Saft, Aus deinem Herzen nahm ich dann Schwarz Blut, wie es am schwärz'sten rann, Dein Lächeln gab die Schlange mir, Denn, wie im Bruche, lag sie hier; Den Zauber hat dein Mund gebracht, Der alles dies so tödtlich macht. Ich prüfte jed bekanntes Cift, Und fand, daſs dein's am stärksten trifft. 6. Dein kaltes Herz, die Schlangenhuld, Dein bodenloses Meer der Schuld, Dein Aug'— es scheint so fromm und frey— Der Brust verschloss'ne Heucheley— Bey deinem hohen Kunstbereich, Dein Herz sah Menschenherzen gleich— Bey deiner Lust ob Andrer Pein, Bey deinem Cain's Schwester-Seyn, Bey all' dem ruf' ich dich— herein, Du sollst dir selber Hölle seyn! an, »y— Und auf dein Haupt schütt' ich die Schaalen, Sie weihen dich für diese Qualen: Schlummern nicht und sterben nicht, Hat bestimmt dir dein Gericht. Wirst zwar Tod stets nah dir schau'n, Deinem Wunsch nach, doch mit Grau'n. Sieh! die Macht hat dich gefunden; Dich klanglose Kett' umwunden; In dein Herz und Haupt zusammen Drang der Zauber— jetzt in Flammen! —-⸗-— A.. 1. Als alles rings ward trüb' und dunkel, Und halb Vernunft ihr Licht entzog, Und Hoffnung gab nur matt Gefunkel, Das mehr mein Gehn in Irre log; 9 2. In dieser Mitternacht der Seelen, Bey diesem Kämpfen im Gemüth, Wo vor dem schuldbewufsten Quälen Der Feige bebt, der Kalte flieht; 3. Als Glück und Liebe floh'n in Ferne, Ich wild vom Halſsgeschofs umhetzt, Warst du, gleich einsam zieh'nden Sterne, Der kam, und weilte bis zuletzt. 4 Heil deines Lichtes treuer Nähe, Das mich wie Seraphsblick bewacht, Und immer nah aus seiner Höhe, Mild zwischen mich trat und die Nacht. 5. Und zogen Wolken sich zusammen, Bedrohend dich mit Düsterkeit, Entloderte nur rein'res Flammen, Und scheuchte all das Dunkel weit. 6. Dein Geist sey meinem stets zum Horte, Wo kühn ich, lehr' er, wo gemach; Mehr ist in Einem deiner Worte, Als in der Welt getrotzter Schmach! 7 1* Du stand'st, gleich einem holden Baume, Der ungebrochen, ob gebeugt, Stets treu ob eines Grabes Raume In Wehmuth seine Zweige neigt. 8. Ob Windsbraut tobt', ob goſs der Himmel, Du warst und bist, der Fahn zum Trutz; Und machtest in des Sturms Getümmel Dein weinend Laubwerk mir zum Schutz- 9 N₰. ¹ Doch dich, die Deinen hüte Schonen, Was mir mein Schicksal auch verheifst; 3 Mit Sonnschein zahlt der Himmel Lohnen An Gut', und dich zu allermeist. 10. Dann lafs das Band betrog'ner Liebe Zerbrechen— deine, nie bricht sie! Dein fühlend Herz— treu seine Triebe, Dein sanft Gemüth— es wanket nie! 11. Dies fand, als Alles rings sich fernte, In dir ich, und noch ist's in dir; Treu Herz, seit ich dich kennen lernte, Ist öde nicht die Welt— selbst mir! O Licht sey deiner Seele Stätte! Es brach kein schön'rer Geist, als du, Noch jemals seines Körpers Kette, Und schien im Land der sel'gen Ruh'. ₰ Du warest göttlich schon. auf Erden, 1 Lebst nun im ew'gen Lichtrevier; Ach! still mag unser Klagen werden, Wir wissen ja, Gott ist mit dir! Dein Grab mag Rasen leicht umweben, Sein Thränen glänze wie Smaragd; Nicht darf des Kummers Schatten schweben Um das, was dein gedenk uns macht. Nur Blumen, Bäume, die grün bleiben, 1 Lafst ihre Ruhestätt' umwehn;— Pflanzt nicht Cypressen und nicht Eiben! Ziemt Gram uns um Sdie Seligen? —— ———