7 Uhr bis Abends 2. Lesepreis. jedem Tag 5 Pf. den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Enthegenneh me eines Buches, eine hinterlegen, welche wird. 4. Abonnement. beträgt: für wöchentlich Ku 1 Monat: 3 der, Bucher auf ih Schadene deferes Bücher namientiich bei ſolchen Iſt das zerriſſene, te Buch ein Theil eines größeren der Leder zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtg eſetzt und wird Ladenpreis erſe lorene oder deft . Ausleihezeit. darauf aufmerkſam der Bücher nicht ſtattfinden darf, 1. von mir 2hn. auch dafür zu ſtehen haben. heſondets — Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Teiſ 1. Offensein der pfangnahme und Räcgabe der.Baher jeden Tag von Aleſetedingden. 1 Rücke abe eines Jel liehenen welhos⸗ wird bei deſſen ulegbe bezahlt werden und Auswärtige Aonnelte: haben für Hin⸗ re eigenen Koſten und Gefahr Für beſchmutzte, zerrlllene! Nupfeen 7c.) muß! der indem D iejenigen, ll. Pzaree Atern 2 7 ⁸ 8 — 21 2 Taschenbibliothek der ausländischen Klassiker in neuen Verdeutschungen. Byron's Poesien. Viertes Bändchen. Lord Byron's Poesien. Viertes Bändchen. ftitter Harold's Pilgerfahrt. Erster Gesang. Ueberseitzt von August Schumann. ———————— Z wickau, im Verlage der Gebrüder Schumann. 1 32 1. Ritter Harold's a hr Eine Romanze. Erster Gesang. Motto. L'univers est une espèce de livre, dont on n'a In que la première page, quand on n'a vu que son pays J'en ai feuilleté un assez grand nombre, que j'ai trauvé égale- ment mauvaises. Cet examen ne m'a point été infruc- tueux. Je haissais ma patrie. Toutes les impertinences des peuples divers, parmi lesquels j'ai vécu, m'ont réconcilié avec elle. Quand je n'aurais tiré d'autre bénéfice de mes voyages que celui-là, je n'en regretterais ni les frais, ni les fatigues. Le Cosmopolite. ————ℳ————üuͤ⸗-⸗-⸗-—ð—ℳ—————— ℳℳ—ℳ—— Vorrede Byron's. Der gröſsere Theil dieses Gedichts wurde in der Mitte der Scenen, die es schildert, nieder- geschrieben. In Albanien wurde es begonnen, 6 und das, was Spanien und Portugal betrift, 4 ist nach des Verfassers eigenen Beobachtungen in beiden Ländern abgefafst. Um so mehr kann man auf die Richtigkeit der Schilderun- gen rechnen. Die Szenen, die man zu zeich- H1II nen suchte, sind in Spanien, Portugal, Epi- 5 rus, Akarnanien und Criechenland. Im letz- tern hält für jetzt das Gedicht inne; seine Aufnahme wird es entscheiden, ob der Ver- fasser es wagen darf, die Leser durch Ionien und Phrygien nach der Hauptstadt des Ostens zu führen. Die beiden ersten Gesänge sind also nur als Versuche anzusehen. Es ist ein erdichteter Character eingeführt, um der Sache einigen Zusammenhang zu ge- wã ben, wiewohl das Stück keinen Anspruch auf gel Regelmäfsigkeit macht. Freunde, deren Mei- nung ich hochschätze, äusserten mir: ich Ma 5 — würde in den Verdacht gerathen: aich habe in dem erdichteten Character des Childe Ha- be rold irgend eine wirkliche Person gemeint;“ aber ich mufs dieser Voraussetzung ein für IX allemal widersprechen. Harold ist blos ein, au meinem Zwecke geschaffenes, Kind meiner Einbildungskraft. Eine solche Vermuthung könnte zwar durch einige blos örtliche Eigen- heiten unterstützt werden; doch, vie ich hof- fen darf, durchans nicht in den Hauptpunkten. Fast überflüssig scheint es, zu bemerken, dafs das Wort Childe wie Childe Maters, Childe Childers etc. als mit der, von mir ge- wählten alten Versart mehr übereinstimmend, gebraucht wurde. Die«gute Nachto im An- fange des ersten Gesanges wurde durch Lord Maxwell's gute Nacht, in der von Walter Scott herausgegebenen Border Minstrelsy her- beigeführt. Befinden sich im ersten Gesang, welcher Spaniens Halbinsel in sich faſst, einige Stellen, die mit andern, in, über die damaligen Bege- benheiten, erschienenen Gedichten etwas Aehn- liches haben: so ist dies ein bloser Zufall, denn, indem er diesen Gesang im Morgenlande dichtete, konnte er von jenen nichts wissen. Die Spensersche Stanze ist, nach dem Ur- theile eines der beliebtesten englischen Dich- ters, für die gröſste Mannichfaltigkeit geschickt; und Dr. Beattie bemerkt darüber Folgendes: Vor einiger Zeit fieng ich ein Gedicht in dem Style und den Stanzen Spensers an, in welchem ich meiner Neigung einen ganz freien Spiel- raum zu gestatten dachte; es sollen darinn Scherz oder Pathos, Beschreibung oder Em- pfindung, Zärtlichkeit oder Spott, je nachdem die Laune mich führt, abwechseln; denn, irre ich nicht, so ist das gewählte Versmaas jeder XI dieser Dichtungsarten entsprechend(s. Beat- tie's Briefe). Durch solche Autoritäten in meiner Meinung unterstützt, und dem Beyspiel einiger der achtbarsten Dichter des Landes fol- gend, bedarf es für mich keiner Schutzrede, wenn ich in meinem Gedicht ähnliche Ab- wechslungen versuchte; und ich bin überzeugt, dafs, wenn ihnen kein Beyfall wird, der Grund des Mislingens eher in der Ausführung, als in der Unternehmung liegen muſs; denn letz- tere ist durch die Leistungen Ariost's, Thom- son's und Beattie's völlig sanctioniret worden.— 2—V—VℳʃR8iÜnnnnn Zusatz zur Vorrede. Ich habe bis jetzt gewartet, wo alle unsere periodischen Blätter ihren gewohnten Antheil von Kritik gezollt haben. Gegen die Gerech- tigkeit der Mehrheit derselben habe ich nichts einzuwenden; es würde mir schlecht bekom- men, wenn ich mich über ihren geringen Grad von Urtheil streiten wollte, und wenn sie auch weniger gütig als weise gewesen wären. Indem XIII ich nun Allen meinen besten Dank für ihre Güte zolle, so mufs ich blos hinsichilich ei- nes Punkts eine Bemerkung wagen. Unter den vielen gerechten Vorwürfen wegen des gleich- gültigen Characters des wandernden Childe, (der, ungeachtet mancher widersprechender Winke, dennoch eine erdichtete Person bleibt), wird auch behauptet, daſs neben den dabey waltenden Anachronismen er zu unritter lich sey, denn die Zeit der Ritterschaft sey auch die der Liebe, der Ehre und so weiter gewesen. Doch hält man dafür, daſs die gute alte Zeit, wo P'amour du bon vieux temps, T'amour antique blühete, eben die bö- seste aller Jahrhunderte war. Diejenigen, die'’s bezweifeln, mögen nur den St. Palaye beim Wort Passim, und besonders B. II. S. 69 zu Rathe ziehen. Die Gelübde der Ritterschaft wurden nicht besser gehalten, als jedes andere Gelübde, und die Lieder der Minnesänger waren nicht decenter und bestimmt weniger fein, als die Ovids. Die cours d'amour, par- lémens damour, ou de courtesie et gentilesse, hatten weit mehr von Liebe, als von Gefällig- keit und Artigkeit. Man vergleiche Rolland über denselben Gegenstand mit St. Palaye. — Was man auch sonst für Vorwürfe gegen den allerdings wenig liebenswürdigen Childe Harold aufbringen möge, so war er so fern doch ganz ritterlich in seinen Eigenschaf- ien;— kein Weglaurer, sondern ein Tem- pelherr.*) Dem sey, wie ihm wolle, so *) The Rovers antijacobin. 7 füre nich nocl ächt che. ban ter e SeSs. ganz viel sehr gleic hielt XV fürehte ich, dafs Sir Tristram und Sir Lancelot ſt 6 nicht besser waren, als sie seyn sollten, den- 3 noch aber wahrhaft poetische Personen und ächte Ritter sans peur, aber nicht sans repro- . che. Wenn die Geschichte des Strumpf- 9 bandes kein Märchen ist, so haben die Rit- e, ter dieses Ordens einige Jahrhunderte lang die- ses Zeichen von einer Gräfin von Salisbury, ganz gleichgültigen Andenkens getragen. 80 viel vom Ritterthum!— Burke beruhigt sich sehr über das Verschwinden jener Zeit, ob- gleich man Marie Antoinette für eben so keusch hielt, als die Mehrheit derer, zu deren Ehre sich Lanzen splitterten, und Ritter entsattelt wurden. Vor den Tagen Bayard's und bis zu de- nen Joseph Banks(der keuscheste und gefei- XVI erteste alter und neuer Zeit) wird man wenig Ausnahmen in diesem Punkte finden, und ich fürchte, die kleinste Untersuchung würde hin- reichen, uns zu lehren, dafs es nicht nöthig sey, den Verlust jener widernatürlichen Mum- mercien des Mittelalters zu beklagen. Ich lasse nun Childe Harold so seine Tage leben, wie er ist: gewiſs wäre es angenehmer gewesen, auch leichter wohl, einen liehens- Würdigen Character zu zeichnen. Leicht wäre es gewesen, seine Fehler zu übertünchen, ihn mehr handeln zu lassen, und weniger zu zeich- nen; doch er sollte nie für ein Beispiel gelten, vielmehr zeigen, daſs frühe Verdorbenheit des Gemüths und der Sittlichkeit zur Uebersätti- gung gehabter Genüsse und Fehlschlagen neuer führt, und daſs selbst die Schönheiten der Na- „, 17 ————A———⸗—— ℳ⸗òêòℳêqℳn——-õ————M—ᷣ—O Byron s Zueignung an Janthe. 4. Nicht in Climaten, die ich jüngst durch- schwärmt, b. fih Wo lang die Schönheit unerreicht gewaltet; ich- Nicht in Visionen, die das Herz erwärmet 3 ten, Durch Formen, ach! im Traum ihm blos des entfaltet: Die Phantasie fand nichts, Dir gleich ge- tli- staltet. uer Nachdem ich Dich geseh'n, mal' ich die Fa. Reize nicht, A Die Dich umfah'n, in Strahlen reich gespaltet: Für die, die nicht Dich schau'n, red' ich zu schlicht, Für die, die Dich gesch'n, an Worten es gebricht. 2 ₰. O mög'st Du, was Du bist, doch immer seyn! Und nicht vereiteln, was Dein Lenz ver- spricht; Schön an Gestalt, vom Herzen warm und rein, Der Liebe Bild, nur mit den Flügeln nicht; Treu, mehr als Hoſſnung wähnet, Deiner Pflicht! Und Sie, die jung Dich führt mit sich'rer Hand,— Erblickt sie Dich in Deinem schönern Licht,— Plaubt Dich für's spät're Leben ausgespannt Als Iris, deren Glanz all' ihre Sorgen bannt. 3. Des Westen junge Peri, ach für mich s Ist's gut, dafs doppelt meiner Jahre Zahl; Mein Auge hefü' ich regungslos auf Dich, Schau ohne Fahr erglüh'nder Schönheit — Strahl. Beglückt seh' ich im Leben nie ihn fahl! 1 Beglückter noch, indeſs jed' jüng're Brust ker⸗ Dir blutet, meine trotzt der süfsen Qual, 1 Bestimmt dem, der zu rühren Dich gewuſst: nd 8 Denn stets mit Schmerz mischt sich der Liebe 1 süſs'ste Lust. 4. O laſs' dies Aug,— das, nach Gazellen Art, l'rer Jetzt kühn erglänzend, jetzt so lieblich scheu, Siegt, wenn es schweift, und blendet, wenn lt,— es harr'’t— lnnt Schau'n auf dies Blatt!— und meinem Liede weih' Dies Lächeln, das umsonst die Brust, wär' frei Sie auch, erseufzt, dürft’ mehr als Freund ich seyn. Dies Viele, Theure, gieb's! Frag' nicht dabey, Wie ich'’s so zarter Jungfrau durfte weih'n; Flicht meinem Kranz nur eine reine Lilie ein!— 5. So mög Dein Nam' sich meinem Lied ver- weben;— Und jedes Aug’, das einst verweilet mild Auf Harold's Blatt, am ersten soll sich's he- ben, Am längsten hängen wird' auf Janthe’s Bild. Wenn einst mir, wo mein Aug' in Nacht sich hüllt, Aus alter Huld'gung Deine Lyra tönt, Auf der sich früher oft mein Schmerz ge- stllt; So hab ich Alles, was ich je ersehnt;— Kann Freundschaft wen'ger flehn, wenn Hoff- nung auch verpönt? — — 6 2:2A»NͤnAnn 1. Du, die der CGriech' von Himmels-Stammm gedacht, O Muse, du der Sängerlaune Bild! Seit schamroth spät're Leyern dich gemacht, Ruf' ich dich nicht aus heil'gem Berggefild; Doch ist mein Durst an deinem Quell ge- stillt, Und Delphi’'s öden Tempel sah' ich stehn Wo Alles sltill— nur rauscht dein Quell noch mild.— Auch will die müden Neun ich wach nicht . flehn, 3 So schlichtem, niederm Lied, wie mein's ist, beyzustehn. —— — 2. Einst lebt' in Albion ein junger Wicht, Der selten nur der Tugend Weg erkohr; In Schwelgerei sah ihn des Tages Licht, Mit Lust plagt' er der Nächte schläfrig Ohr. Genug, er war ein unverschämter Thor, Nur Schwärmen und gottloser Lust geweiht. 1am Für ird'sche Ding' er allen Sinn verlor, Doch zollt er Konkubinen seine Zeit, Und wählt' sich hoh' und nied're Schwelger zum Geleit.— 3. Childe Harold nannt' man ihn;— der Nam DHuell woher, Wie alt sein Stamm,— mir ziemt'’s zu sa- icht 3 gen nicht; 8 6 Berühmt war er vielleicht von ungefähr, 6 ist, In älurer Zeit von gröſserem Gewicht; Doch öfters schon hat nur ein einz'ger Wicht — Befleckt für je des schönsten Namens Glanz; Was auch, durch Heraldik, aus Särgen spricht,— Der Rede Schmuck, des Verses Eleganz, Sie tilgen Uebelthat und Schande doch nicht ganz! 4. Wie Fliegen sich der Mittagssonn' erfreu'n Sonnt' in des Lebens Lenz Childe Harold sich; Er dachte nicht, dafs so bald hinterdrein Vom Sturm getrieben er in's Elend wich. Hin war kein Drittel noch von seinem Seyn, So packt der Uebel allergröſstes ihn: Es trat der Sätt'gung Fülle bey ihm ein.— D'rum mocht' er nicht im YVaterland ver- zieh'n Das öder jetzt, wie Eremitenzell' ihm schien,— 5. Durchschnitten hat der Sünde Labyrinth Er ganz, doch nie gesühnt, was er geihan;— Geseufz't für Alle— Eine nur geminnt, Doch konnte er als Weib sie nie umſah'n. Wohl ihr! denn jeder Kufs von solchem Mann MHätt' ihre keusche Lippe nur befleckt; Geopfert hätt' er ihren Reiz dem Wahn, Mit gutem Land sein wüstes nur bedeckt; Denn stille Häuslichkeit hat nie sein Blick entdeckt. 6. Genug, des Ritters Harold's Herz war krank; Fort treibt es ihn von Lust und Bachanal, Oft aus der Tief' ihm zwar die Thräne drang, Doch Stolz vereis'te schnell des Tropfens Strahl, Und stets verfolgt' ihn düstrer Träume Qual; D'rum fliehen wollte er das Vaterland, 10 Fort über's Meer in Wüsten heiſs und kahl; Denn satt von Lust, im Leid Genufs er fand, Nur Scenenwechsel trieb ihn nach der Lethe Strand. 7. „Ein Lebewohl sagt' er dem Vaterhaus— Ein weit Gebäu „ ehrwürdig anzusehn, So alt „ als hielt's Jahrhunderte noch aus, Sah' man's auf hochgewölbten Säulen stehn; Ein Kloster sonst— längst zog das Heil'ge d'raus; Wo einst der Aberglaube sich versteckt, Lustdirnen jetzo lächelnd, singend gehn; 23) Und Mönchen möcht es däuchten, neu er- — weckt Sey jene alte Zeit, die sie— mit Ruhm be- deckt. Ve D'r Un Sucht 8. 4 Oft, wenn den Ritter tolle Laun' gefafst, uſs e1.... Zog Angst zugleich auf seiner Slirne hin: Lethe Als PLehit hn alte Uehelthat mit Hasr, Als schlich getäuschte Leidenschaft im Sinn; Kein and'rer wuſst's— noch wollb' an's Licht es ziehn. Verschlofsnen Herzens gieng er seinen Pfad, D'rum brachte Mittheilung ihm nicht Gewinn; Und nicht des Freundes Beyleid oder Rath -' Sucht' er für sich, wenn Leid ihn auch zu Bo- 1 den trat. 9. Kein's liebte ihn, obgleich in Hall' und Saal ;23) Von nah'’' und ſern manch Schwärmer zu ihm er- flog; Nur Schmeichler sind's— er wuſst's— ge⸗ be- lockt vom Mahl, Herzlose Schwelger, die Genuſs nur zog; Kein's liebt' ihn— selbst sein Liebchen ihn betrog; Denn Glanz und Macht nur reizt der Wei- ber Sinn; Leicht trägt, wo diese ziehn, man Amor'’s Joch; Gleich Motten, reifst der Glanz die Mäd- chen hin, Wo Engeln nichts gelingt, zieht Mammon leicht Gewinn. 10. Auch eine Mutter war dem Ritter noch, Doch scheidend, mied er sorgsam, sie zu sehn; Und eine Schwester liebt' er, aber doch Ohn’' Lebewohl sah man ihn von ihr gehn; Hatt' Freunde er, er liefs allein sie stehn. Doch seine Brust war deshalb nicht von Stahl, 13 Ihr, die ihr kennt des Scheidens bitt're Weh'n, Ihr wiſst, so leicht erliegt man solcher Qual, Denn Scheiden löscht uns oft der Hoffnung letzten Strahl. 11. Die Heimath, wie sein Erbe, Gut und Land, Die holden Schönen, die ihn sonst entzückt, Blauäugig, goldgelockt, schneeweifser Hand, — Sie hätten selbst des Klausners Sinn be- rückt— Von denen er der Wollust Blum' ge- pflückt; Die Humpen, oft mit Cöttertrank gefüllt, Und jede Lust, die früher ihn beglückt: Er flieht sie, um durch’'s Meer, durch fremd Gefild, Bis hin zum Pol, zu folgen seines Wahne⸗ Bild. 12. Die Segel bläh'te sanft ein leichter Wind, Um zu entführen ihn dem Vaterland; Der Strand entzog sich seinem Blick ge- schwind, Gehüllet in des Nebels Nachtgewand;— Vielleicht jeszt reut's ihn, dafs er, abge- wandt Der Heimath steur't— doch in des Busens Schrein Schläft der Gedanke, und der Lipp' ent- wand Nicht eine Klage sich,— indes sich Andre weih'n Dem Gram, und weibisch durch fühllose Lüfte schrei'n. 13. Doch als die Sonne sich getaucht in's Meer- Griff er die Harfe, die er oft gespielt, bge- hsens ent- V adre hllose 15 Nicht schulgerecht zwar, doch vorzüglicher, Wenn er des Lauschers Ohr fern von sich hielt;— Was jelzt die Finger greifen, tief gefühlt, Als Lebewohl verhallt's im Dämmerlicht; Indes das schnelle Schilf die Luft durch- wühlt, Und flieh'nde Küsten schwinden dem Ge- sicht, Singt er den Elementen noch dies Nachtgedicht. 1. ELeb' wohl, leb' wohl, mein Heimathsland Vom Blau der Flut bedeckt; Der Nachtwind heult, es braust am Strand, Es schreit die Möw' erschreckt; Die Sonne ruht in's Meer gesenkt, Wir folgen ihrer Macht, Lebwohl noch ihr und dir geschenkt! Du Heimaths-Flur— gut' Nacht! b —— 2. In kurzer Zeit ersteht sie hehr, Und weckt des Morgens Licht; Begrüfsen soll ich Licht und Meer, Doch Mutter Erde nicht. Verlassen steht mein gutes Haus, Kein Mensch am Heerde weilt, Der Wall,— Unkraut entsproeset d'raus, Der Hund am Catter heult. 3. kormam her, mein kleiner Knab'’, Was weinst und klagst du viel? Komm her, Scheu'st du der Wogen brausend Grab, Schreckt dich der Winde Spiel? Fort mit der Thräne aus dem Aug; Das Schiff ist schnell und dicht, Der Falk, so leicht und schnell er auch, Sein Flug ist lustger nicht.* rauðs, leiner rab, auch, 4. Des Wind's Gebrüll, der Wogen Schaum, Ich fürchte beides nicht; Herr, anders hat im Herzen Raum: Was Wunder, wenn es bricht! Denn scheiden mufst vom Vater ich, Seh' nicht die Mutter mehr; Auch blieb kein and'rer Freund für mich, Als ihr und— oben Der.“ 5. „Mein Vater segnet' innig mich Und klagte nicht so sehr; Doch sicher härmt die Mutter sich, Bis ich einst wiederkehr!“— Gut, gut mein Kind— doch wein' nur zu, Solch' Thräne ziert dein Aug'’, Hätt' ich so reine Brust wie du, Das meine weinte auch.“ 15. B — — — 6.— »Zu mir, zu mir, Kriegskamerad! Was siehst so bleich du aus P Scheust du den fränkischen Soldat? Schreckt dich des Wind's Gesaus 5— «Mir bangt, Herr, nicht für meinen Leib, So schwach bin ich nicht leicht, Doch der Gedank' an's ferne Weib, Die treue Wang erbleicht.“— 7. Samt meinem Buben wohnt sie dicht Bey deinem Schlofs am See; Sehn diese nun den Vater nicht, Mit was stillt sie ihr Weh 5— «Genug mein guter Kriegsgesell, Mit Recht betrau'rst du sie;. Doch leichtern Muths führt mich die Well, Ich lache, dafs ich flieh.* 8. Wer traut der Weiberseufzer Zoll, Des Liebchens Traurigkeitb Ihr Aug', das gestern Thränen voll, In neuer Glut schwimmt's heut. eib,. Mich macht nicht todte Lust betrübt, Noch künftige Cefahr; Nur schmerzt mich's, dafs ich nicht ge- liebt, Was werth der Thräne war.“ 9. „Nun bin ich in der Welt allein, Auf weiter, weiter See! Was soll ich Andern Seufzer weih'n, Wenn Keinen rührt mein Vych5 2 Mein Hund vielleicht nur heult um mich, h die Bis fremde Hand ihn ätz't; Doch kehr' zur Heimath später ich, Leicht mich sein Zahn verletzt.» 20 «D'rum will mit dir, mein Schiff, ich fliehn Quer durch der Woge Schaum; Wohin es sey, ich folge kühn, 10. Nur nicht zum heim'schen Raum.— Willkommen, blaue Wellen, ihr, Und— ist die Fahrt vollbracht— Willkommen Wüsrt' und Höhle mir, Du Heimath, gute Nacht! 14. Fort fliegt das Schiff, entschwunden ist das Land; Kalt weht's in Biscaja's stets reger Bai.— Vier Tage floh'n, doch schon am fünften fand Ein neues man, und jedes Herz schlug neu; Sie kamen Cintra's Bergen hart vorbey; Entgegen schwoll der Tagus schon dem Meer, Daſs seines goldnen Zinses sich's erfreu'; Der muntre Lotse eilt zum Schiffe her Und führt's durch Küsten, fruchibar— doch an Schnittern leer. 15. Für Christen ist's ein schöner Blick, zu sehn, Wie sehr dies Land der Himmel hat be- glückt! Von jedem Baume Wohlgerüche wehn, Von jedem Hügel schaut das Aug' entzückt: Doch frevelnd hat es Menschenhand ge- drück Wenn der Allmächt'ge einst die Geissel hebt, Zu strafen, die er reuig nie erblickt: lünften Der Gallier Heuschreckenheer entschwebt Dann schnell— es fällt der wild'ste Feind, neu; der je gelebt. 16. In welchen Reiz sieht Lisbon man gehüllt, Des Bild auf jenem edlen Strome schwimmt, Den Dichterwahn mit Goldsand angefüllt, t von tausend Segeln flimmt, Und welcher jetz ihren Schutz ihn Seit Albion's Macht in nimmt; 4 4 Zu Lusitaniens Volk sie hülfreich drang, 3 Doch dies, so stolz der Dummheit Höb' er- klimmt, Es leckt, doch scheu't die Hand, dies Schwert ihm schwang Zur Zeit, da Frankreichs Herrscher in sein Joch es zwang. 17. Doch tritt man in die Stadt, schön— — Der Cötter Auſenthalt, uns hat entzückt, Trostlos wird hin und her der Fremde gehn, Und Dinge schaun, vor denen er erschrickt; die fern so 4 W Pallast wie Hütte scheint im Schmutz er- stickt, Im Koth' versinkt, wer durch die Straſsen muſs; Kapu twie Hemd, gleich unrein man sie blickt Bey männiglich;— sie plagt zum Ueberfluſs Aegyptens kleines Heer vom Kopfe bis zum Fuſs. 18. Elende Sklaven!— doch im schönsten Land. Solch' Menschen schenkst du deine Huld, Natur 5 Sich' Cintra's Eden!— Herrlicher verband Sich Berg und Thalgrund wohl in keiner Flur. Der Kiel, der Pinsel kann zur Hälfte nur Das schildern, was im Schau'n der Blick genieſst, Durch Gegenden, worin der Cottheit Spur, Und schöner noch, als die der Bard' erkiefst, Wenn er Elysiums Thor der staun'nden Welt entschlielst. 19. Der Schreckenfels, auf dem ein Kloster ruht, Der weiſse Korkbaum, den der Abhang trägt, Das Bergmoos, schwarzbraun von der Sonne Glut, Die tiefe Schlucht, die sonnlos Stauden hegt, Das zarte Blau, auf's ruh'ge Meer gelegt, Das Pomeranzenbraun, vergoldend jeden Zweig, Der Wasserstrahl, der dort vom Felsen schlägt, Die Weinrank' an der Höh', die Weid' am Teich, Groſsartig ist die Szen', an jeder Schönheit reich!— 20. Der Wand'rer langsam nun den Felsweg steigt, Und bleibt, sich oftmals wendend, zaudernd stehn, en sen am neit meg rnd Weil gröſsre Höhe neue Reize zeigt,— Und ruht bey unsrer Frauen Haus der Wehn, 2) Wo mäſs'’ge Mönche mit Reliquien Und mancherley Legenden ihn erfreu'n. Bestraft hat Sänder man hier oft gesehn; Honorius wollt' in jener Höhl' Gestein, Die Erd' zur Hölle machend, sich dem Him- mel weihn. 21. Und hier und da, wo Klippen man ersteigt, Ragt manches roh gehau'ne Kreuz am Pfad; Glaubt nicht, daſs sich's als Weih' der An- dacht zeigt: Denkmale sind's verübter Uebelthat; Denn, wo der Mord auch statt gefunden hat, Wo auch das Blut von Meuchlers Dolch verspritzt, Errichtet's eine Hand, früh oder spat; Und Tausende Gehölz und Thal besitzt, In diesem Land, wo kein Cesetz das Leben schützt. 3³) 5 22. Auf Bergeshang, im nahen Thale auch, Stehn Schlösser, sonst der Kön'ge Aufenthalt,* Jetzt nur umweht von wilder Blumen Hauch, Doch blickt nach vor'ger Schönheit Allgewalt; I Die Thürme ragen stolz noch, wenn auch alt. Auch du einst, Vathek! Englands reichster Mann, Schufst hier ein Eden dir, 4)— doch fand'st du bald 3 Dafs, wenn die Ueppigkeit ihr Werk gethan, Da lock' die Wollust nicht mehr sanfte Freu- den an.— 23. Hier hausest du, auf Freuden nur bedacht, Dicht uater jenes mächt'gen Felsens Wand; en nan, reu- ht, Doch jetzt, als wär's mit dir zugleich in Acht, Steht nun dein lieblich Haus, kaum noch genannt; Durch Riesen-Unkraut führt, fast unerkannt, Ein Weg zur öden Hall’, zur ofl'nen Pfort';— Wie eitel ist des Erdenlebens Tand. Vergebens schirmet man des Glückes Hort: In Trümmern führt der Zeiten wilder Strom ihn fort. 24. 2 Schau jenes Schlofs, wo jüngst noch Cheſs vereint! 5) Das britt'schem Auge wenig Freude macht. Sieh' in der Narrenkapp' sitzt hier ein Feind, Ein kleiner Satan, der beständig lacht, Gehüllt in pergamentner Robe Pracht: Er hält ein Siegel, eine schwarze Roll', Worauf manch' strahl'nder Ritternam' ge- bracht, Und die von Unterschriften übervoll; Der Zwerg zeigt d'rauf, und lacht darüber sich halb toll.— 25. Vertrag heists, was der zwergsche Dämon log, Der hier im Haus die Ritter überwand, Sie um ihr Hirn— wenn sie’s gehabt— betrog, D Der eines Volkes Freud' in Trau'r gewandt. Des Sieges Fittig lähmt der Thorheit Hand, Der Politik gelingt's, wo's Schwert zerbricht; Solch' Feldherrn sich umsonst der Lorbeer wand. Weh' nur dem Sieger, dem Besiegten nicht, Seit eiteln Sieg in Lusitanien man erficht! 26. Seit dieser krieg'rischen Synod' erbebt Brittania, wenn Cintra's Nam' erklingt; In Wuth versetzt es, wer im Amte lebt, Und Scham— wer Scham noch hat— inis 4 Antlitz dringt, Denn schmachvoll sich die That zur Nach- welt schwingt; 2n Das In- und Ausland mufs erglühn von 1 Hohn, Zu sehn, wie dieser Kämpfer Ruhm versinkt Durch Feinde, die vorhin besiegt geflohn, Die, fingerzeigend, spottend, uns nun lang noch droh'n. 27. Dies denkt der Ritter, als die Bergeshöh'n Er einsam, tief in sich gekehrt, ersteigt, at, Doch eilt er, ob die Szene noch so schön, Der Schwalbe gleich, die durch den Azur streicht, Zum Denken aber war sein Sinn geneigt, Und gern gab er Betrachtungen sich hin; Bewustseyn lispelte, ihm sey verbleicht 3⁰ Des Lebens Lenz, verpraſst im tollsten Sinn; Doch dunkel ward sein Aug', als Wahrheit ihm erschien. 28. Zu Rofs, zu Rofs!— er flicht, er fliehet sie Des Friedens Szene, schmerzt's auch dem Cefühl! Auf springt er aus dem Traum der Phantasie, Sucht jetzt Gelage nicht, noch Minnespiel; Nur vorwärts will er„— ohne festes Ziel, Wo ruh'n er kann auf seiner Pilgerbahn.— O sicher wechseln noch der Szenen viel, Eh' Müh' den Durst zu Reisen stillen kann, Eh' ruhiger sein Herz,— und weis' des Le- bens Plan. 29. Doch Mafra hält auf Augenblicke ihn; 6) Da haus'te sonst die Königin vom Land,°) Ur 31 n; Der Kirch und Hof gemischt hier Glanz eit verliehn. Hier reichten Fest und Messe sich die Hand, Höfling und Mönch umschlang dasselbe Band! Hier baute Babels Hure sich ein Schloſs, Des Strahlenglanz so dicht ihr Haupt umwand, Sie t Dafs man des Bluts vergaſs, was sie vergoſs, lem Und kniete vor der Pracht, weil sie die Schuld . umflofs.— sie, el; 30. d Durch früchteschwere Au'n, romantsche Höh'n, (Möcht ihnen doch ein freies Volk entblühn!) aun, Wo sattsich kaum das trunk'ne Aug' kann sehn, Le. Durch manchen lustgen Ort, eilt Harold hin,— Für tolle Jagd hält's zwar des Faulen Sinn, Und Wen'’'ge lassen d'rum den weichen Pfähl, ) Um sauern Wegs durch Strecken Lands zu zieh'n;— Doch ihn umweht die Bergluft, süls und kühl, Ein Leben, weich und still, ist nicht für sein 3 Gefühl. 31 3 3 1 Verbleichend senkt sich jetzt der Hügel Heer, Verflächend, wen'ger üppig, wird das Thal. 1 D Zum Horizonte reicht der Ebne Meer, Und endlos,— kaum erreichts der Augen N Strahl,— GCle Liegt Spaniens Reich, wo Hirten ohne Zahl Der Heerde pflegen mit dem goldnen Vlies, Die Lämmer schützend mit der Waſfe Stahl, Denn Feinde droh'n jetzt diesem Paradies, Und kämpft nicht Jeder hier, ist Aller Joch gewiſs. 32. Wo Spanien sich an Lusitania schlieſst, Welch Gränze hemmt der Schwestern Eifer- sucht? sein Jeer, hal. ugen Zahl lies, Stahl, es, Joch Eifer- Hat's, eh' sie friedlich beide sich begrüſst; Vielleicht des Tajo's mächt'ger Strom ver- sucht P War's der Sierra hohe Felsenwucht? War’'s Werk der Kunst, gleich China'’s Rie- senwall P Nein, weder Schlagbaum ist's, nicht Fluſs noch Schlucht, Noch rauhe Klippen, Berge steil und kahl, Gleich Spanien's und Frankreich's Scheidungs- Maal. 33. Es ist, sanft gleitend, nur ein Silberbach, An dem entlang die Reiche scheidend ziehn, Obwohl von Eifersucht gereizt, stets wach.— Gelehnt auf seinen Stab, im müſs'gen Sinn, Steht hier der Schafhirt an des Bachs Gerinn, Der friedsam zwischen bittern Feinden fliefst. Auch scheint hier jeder Bau'r von Stolz zu glühn, 34 Denn selbst der span'sche Knecht verächtlich grüſst Den lusitan'schen, weil's der Sclaven schlecht- ster ist. 8) 34. Kaum überschritten liegt der Gränzen Maal Da rollt der dunkeln Guadiana Flut In mürr'schen Wogen, brausend, weit durch's Thal, Sie rühmen alte Lieder noch voll Glut; Der Mauren und der Ritter Heer' in Wuth An ihren Uſern einst die Lanzen brach, Hier liegt der Schnelle, hier der Tapfre ruht, Der Turban mit dem Helm des Christen lag Gemischt auf blut'gem Strom, und YVölker sanken nach. 35. O schönes Spanien, berühmtes Land! Wo ist die Fahne, die Pelag geschwenkt, 9) Als cht⸗ Maal weit uth ruht, 2 lag ölker Als Cava's Vater mit Verräther-Hand Der Rotte winkt', die deine Flur getränkt Mit goth'schem Blurb— Sind ewig denn gesenkt Die blut'gen Banner, die man rühmlich schwang Ob deinem Heer, bis es den Feind ver- drängt?— Roth glühte's Kreuz, der halbe Mond ver- sank, Als Afrika der Maur'schen Mütter Weh durch- drang. 36. Füllt die berühmte That nicht jedes Lied?— Ja, solch ein glänzend Schicksal hat der Held! Wenn Cranit stäubt, der Urkund' Licht verglüht, So sagt's des Landmann's Klaglied noch der Welt. Stolz! wende deinen Blick vom Himmelszelt! Schau', wie das Mächt'’ge schrumpft in ein Gedicht! Ist's Tempel, Säule, was dich grofs erhält? Mufst dem vertrau'n du, was die Sage spricht, Wenn Schmeichler mit dir todt,— treu die Geschichte nicht? 37. Erwacht ihr Söhne Spanien's, rückt vor! Hört Ritter, eure alte Göttin fleht. 4 Doch schwingt sie nicht, wie sonst, die Lanz' empor, Und nicht mehr himmelan ihr Helmbusch weht. Jetzt durch der Flammenröhre Rauch sie geht, Und ruft durch der Haubitze Donnerton, Durch jegliches Getös:«erwacht! ersteht!—* Ist ihrer Stimme Macht denn ganz entſflohn, Die sonst im Kriegslied hinrifs Andalusiens Sohn? 37 38. Horch! hört ihr nicht der Hufe grausen Schlag? Schallt von der Haide nicht der Schlacht Ge- wühl 5 Saht ihr schon, wer dem scharfen Schwert erlag?— Ward mancher noch gerettet, eh' er fiel In der Tyrannen Hand, undals ihr Spielb— Hoch auf flammt Todtenfeu'r; von Fels und Meer Erschallt's, daſs Tausende erreicht ihr Ziel; Auf Schwefel-Dampf reitet der Tod einher, Den Fuſs stampft blut'ge Schlacht, und Völker fühlen's schwer. 39. Schau dort den Riesen auf Gebirges Wand! Sein roth Gelock taucht in der Sonne Strahl, Und Todsgeschofs glüht in der heiſsen Hand; Sein Auge schweift versengend überall, Bald starrend, rollend bald ob Berg und Thal; Zu seinen Füfsen sich Zerstörung beugt, Als der vollbrachten Thaten scheuſslich Maal. Denn drei so mächt'ge Völker sind geneigt; Zu opfern von dem Blut, das ihm am süſs'sten däucht. 40. Bei'm Himmel, herrlich ist es anzusehn, (Für den, der Freund und Bruder sicher sieht) Wie ihre reichgestickten Scherpen wehn, Wie ihrer Wallen Glanz zum Himmel glüht,— Der wilde Kriegshund so sein Lager flieht, Die Fänge wetzt,— und laut nach Raube Vo ⸗„ All' eint die Jagd— der Sieg nur Wen'’gen plüht, Den besten Preis das finstre Grab erhält, Vor Freude zählt Verwüstung kaum, wWas zu ihr fällt. 41. Vereint drey Heere stehn zum Opfer schon; Seltsam tönt in drei Sprachen Siegs-Gebet; Drei Fahnen wehn zum Himmel auf mit Hohn. Sieg! Frankreich, Spanien, Albion, fleht.— Dem Feind, dem Opfer, dem, der Allen steht, Doch fruchtlos ficht, dem thörigten Genoſs— Fällt nun, als gäb's daheim kein Sterbe- bett, Auf Talavera's Feld ihr Todesloos, Sie düngen nun den Platz, um den ihr Herz- blut floſs. Da fault nun des Ehrgeizes thör'ger Troſs! Doch Ehre deckt den Rasen, der sie hüllt! Des Trugs! zerbroch'ne Werkzeug' sind es blos, Weg werfen sie Tyrannen, wenn erfüllt Unc Ihr hoher Zweck, und sie mit Herzen wild Gepflastert ihre Bahn— für Wahn allein! Hat je Etwas Despotengier gestillt; V Nennt wahr er eine Spanne Erde sein Als die, worin zuletzt zerbröckelt sein Ge- bein?— 43. O Alfuera, Feld von Ruhm und Leid! Als Harold über dich gespornt sein Roſs, Da dacht' er nicht des Bluts, das kurze Zeit Darauf, hier prahl'nder Feinde Schwert vergofs! Ruh' den Gefallnen! mag des Kriegers Loos 41¹ Und Siegesthrän' für sie Belohnung seyn.— Bis andre Chefs das Blut gerächt, was floſs, Wird doch dein Name stets den Pöbel 31 lt! freun; 8 Und als Gesanges Stoff in schlechten Liedern schrei'n.— ld 4 44. Weg Lieblinge der Schlacht;— Laſst spie- len sie Ge-— Für Athem tauschend Ruhm— ihr Le- bensspiel; Doch neu belebt der Ruhm den Staub wohl nie, Wenn auch für Eines Glanz manch Tau- send fiel. eit Hart wär's, zu hindern sie im Lauf zum Ziel, Fert Die Miethlinge, die streiten für ihr Land, Und sterben,— weil's gebeugt,— aus Schamgefühl: Statt ſallend, wenn ein inn'rer Streit ent- brannt, 4 Oder im engern Kreis, durch wilder Räuber Hand. 45. Schnell lenkt nun Harold seinen Weg dahin, Wo stolz Sevrilla prangt in Schönheits- Glut; Noch steht sie frey;— doch Plünd'rer lockt Gewinn! Bald, bald wird des Erob'rers wilde Fluth Ihr nah'n, die Prächt'ge opfernd roher Wuth Unmeidlich Schicksal, ha; wer kann dich flieh'n, Wo die Verwüstung pflanzet ihre Brut! Sonst würden Troja noch und Tyrus blühn, Die Tugend Sieger seyn, und Mordlust wen'’ger kühn. ahin, neits- Was kommen wird, kein Einz'ger denkt so weit; Man weihet Festen sich und schwärmt und singt; Die Stunden fliehn in toller Fröhlichkeit, Hlieher das Blut des Vaterlands nicht dringt. Nicht Kriegstromet’,— der Liebe Fiedel klingt. Hier sind der Thorheit Wünsche fesselfrei, Wollust zur mitternächtgen Stunde winkt, Der Hauptstädt' still Verbrechen eilt herbei Und Laster jeder Art klebt an Wall und Bastei. 47. Nicht so der Bau'r,— mit der erschrock'- nen Frau Lau'rt er— doch nicht in's Weite schweift sein Aug', 44 Damit des Weinberg'’s Trümmer es nicht schau, Verwüstet von des Krieges gift'gem Hauch; D Nicht mehr am Abend dreht nach altem V Brauch G Fandango sich bei'm lustgen Castannet. 22) 35 O Herrscher, fühltet ihr die Lust doch auch, Die ihr zerstört— ihr gäbt dem Ruhm Valet, N 1 3 Die heisch're Trommel schlief— und Wohl- seyn wär' erfleht. D IHI 48. DK Des Maulthiertreibers Lied, erklingt es noch? Von Liebe und von Andacht war sein Sang, D. Mit dem er fröhlich sonst des Weges zog Bey seiner Glöckchen regellosem Klang. Und Jetzt singt er blos:«Fernando lebe langl“ ¹0) Verwünscht den Hahnreykönig und Godoy, ; Und flucht des Tag’s, an dem zuerst gelang Des letztern Sturm auf der Monarchin Treu, U Und Hochverrath enisprang aus ihrer Buhlerei.— Dort auf der Eb'ne, fern von Felsen rund ltem Umgeben, wo manch maur'’sches Thürm- chen ragt, 22) Liegt, noch von Hufes Spur zerstampft, der auch, Grund; Falet, Vom Feu'r versengt das Kleid des Rasens Vohl- sagt, Dafs es als Gast dem Feinde hier behagt. Hier waren Lager, Wachtfeu'r und das Heer; Dort hat den Sturm auf'’s Drachennest ge- och? wagt ung, Der kühne Bau'r;— er brüstet d'rob sich 8 sehr Und zeigt der Klippen Reih', um die der Kampf so schwer. 50. eu, Und jeder, den ihr seht des Weges ziehn, Am Hut die karmosine Schleiſe trägt; ¹¹) Sie sagt, wen ihr zu grüssen, wen zu fliehn. Weh' dem, der durch die Straſsen sich be- Die wegt, Und dies loyalen Zcichens sich entschlägt: Scharf ist das Messer— plötzlich trift es auch; Und leichter wär der gall'sche Feind erlegt, 8 Wenn list'ger Dolch, gehüllt nach altem Brauch, 9 Den Säbel stumpfen könnt', zerstreu'n Geschüt- zes Rauch. U D 51. D Auf jedem Puncte von Morena's Höh'n C Ragt hoch der Batterien Eisenlast, Und überall, so weit das Aug' kann sehn: 3 v Die Berghaubitz', der Weg, zerstört in Une Hast, Die borst'ge Pallisad', des Walls Morast, 1 6. Die Roiten ausgestellt, die muntre Wacht, Die Magazine, in den Fels gefaſst, Das aufgezäumte Pferd bei Tag und Nacht, Die Kugelpyramid', und Lunten ange- facht.— ¹⁷) 52. legt, Sie zeigen, was bald kommt!— Doch der, des Blick Oft schwächerer Despoten Macht gebeugt, Hält kurze Zeit die Ruthe noch zurück, Und scheint Momente zum Verzug geneigt, Doch dann durchſegt sein Heer den Weg so leicht; Der West soll fallen in des Geiſslers Hand! O Spanien, schreckt dich nicht, was Zukunft zeigt, n. 3 Wenn Frankreich's Geier seine Fitt'ge spannt, in Und deine Söhne sind zum Tartarus gesandt?— 53. eu: Muſs Alles fallen denn,— jung, stolz und 3 kühn? Zu schwellen eines Herrschers böse Macht? 48 Ist zwischen Joch und Grab kein Pfad zu ziehn, Und Spanien's Fall dem Raub ganz darge- bracht!— Die Macht, von Menschen angebetet, lacht, — Verdammend sie,— der Unterdrückten Flehn 5 Ist so viel hoher Muth umsonst gebracht, Und kluger Rath,— der Bürger kühn Er- stehn, Der Jugend Feu'r, der Alten weis' Erfahrungen? H? Ih 54. 6 G Ist's darum, daſs die span'sche Maid erwacht, Die stumme Zitter an die Weide hängt, Di Entweibt ganz, sich zur Braut des Panzers V macht; die Kriegslieder singt und Waſfenthaten denktp Gela Sie, der sonst jeder Wunde Schein beengt Das Herz, die einer Eule Schrey geschreckt, Sieht Bajonnett' in Rotten jetzt gesenkt, Des Säbels Blitz— durch's Feld, das Blut bedeckt, rge- Geht sie Minervens Schritt,— wo Mars sich's ht kaum erkeckt. kten 3 55. Er- Ihr, die in Staunen setzt, was sie voll- bracht, 3 en? Hättet ihr sie gesehn in mild'’rer Zeit; Ihr Pechaug', das des Rabenschleyers lacht, Gehört im Sang der Stimme Lieblichkeit; Geseh'n ihr Haar, wie's Malern nie ge cht, deiht; Die zauberische Form, so schön und klar; kers Wer dächte, dafs in Saragossa's Streit Sie in’'s Gorgonenantlitz der Gefahr 5 Gelacht— durchbrochen Reih'n— im Kampf ngt die erste ward 15. D 5⁰ 56. Ihr Bräut'gam sinkt— sie spart die Thräne auf; Der Führer weicht— sie füllt den Posten kühn! Kamraden fliehn— sie hemmt der Feigen Lauf; Der Feind zieht ab— ausſallend treibt sie ihn. Gibt'’ für Geliebter Geist wohl gröſs're SühnP Und beſs're Rache für des Führer's Fallb Siegt's Weib noch da, wo Mannes Hoff- nung hin? — Verkolgt so rasch, wie sie, der Feinde Schwall, Besiegt durch Weibeshand vor dem zerstampf- ten Wall? ¹3) 57. Doch Spanien's Maida*) sind Amazonen nicht, Geformt vielmehr für Liebeszauberei'n; *) Mädchen, Jungkrau, Magd. Schon mehrere - GO—„ Neir B 51 . Wenn manche auch an Männergseite ficht, räne Und in dem Schreckensphalanx wagt zu seyn: So ist's nichts als der Taube zärtlich Dräu'n, lhn! Wenn sie die Hand pickt, die ihr Männ- eigen chen faſst. Die Maids stehn nicht an Kraft und Mild' ihn. allein ühnP Ob fernern Frau'n,— durch ſad' Geschwätz 5 verhafst,— Hoff- Nein, auch durch edlern Sinn— und gröfs're Reize fast. 514 Linde 58. hmpf- Das Grübchen, von der Liebe Hand geprefst, Beweis't, wie weich das Kinn, worin'’s ge- 8 4 drückt; ¹⁴) deutsche Dichter haben das Wort unähersetzt gebraueht. Der Mund, wo Küsse schmoll'n, zu flieh'n ihr Nest, Heischt Muth vom Mann, ch' letztre ihn be- glückt, Ihr Blick, wie wild und schön!— Wenn oft entzückt phöbus möcht schänden ihrer Wangen Paar, Glühen schöner sie von buhl'nder Klau ge- drückt! Wer mag des Nordens bläſs're F Wie klein sie sind, wie matt, wie bleich— rauenschaar! wie reizlos gar! 59. Vergleicht ihr Zonen, die der Dichter preis't, Ihr Harems jenes Land's, wohin mein Hang,— Nicht seiner Schönen hoher Ruf, mich reifst, Obwohl er Mürr'sche selbst zum Beyfall zwang— Vergleicht die Houri's, die ihr schützt so bang Vor jedem Lüftchen, 2) weil d'rauf Amor wacht— Mit Spanien's dunkelstrahl'nden Maids nicht lang! Hiecher scheint eures Mahom'’s Paradies ge- bracht, a e Worin manch schwarzes Aug' in Engelsschöne lacht. 4— 60. O du, Parnassus, den ich nun erschau,— 15) Nicht wie im Wahn vor Träumer's Aug er steht— Nicht wie ein Liedchen uns ihn trägt zur Schau, Nein, himmelhoch, vom Schneegewand um- breis't, mein weht, reiſst, In wilder Pracht gebirg'scher Majestät! Ist's Wunder, daſs auch ich ein Lied dir weih P Beyfall 54 Zollt nicht der schlechtste Pilger, der hier geht, Froh deinem Echo seine Melodei, Ob auch nicht eine Muse mehr sich deiner freu'. 61. Oft träumt' ich schon von dir,— wer dich nicht kennt, Glorreicher, kennt des Menschen Höchstes nicht! Und nun erblick' ich dichb— doch Scham enibrennt Bet' ich dich an im schwächesten Gedicht. Zähl' ich, die sonst dir opferten, gebricht Der Muth mir, und ich beug' die Knies allein; Die Stimme stockt, umsonst streb' ich zum Licht; Ich starr' in deines Dlimmels Wolk hin- ein— Stll deines Blicks mich freu'nd— und dir so nah zu seyn.— &— freu'. dich hstes cham cht. icht llein; àa Zzum ' hin- dir so Riſs ich mich los, dir Huldigung au weihn, Ich,— glücklicher als mancher Barde, traun! Den sein Geschick in ferner Heimath bannt— Sollt' ungerührt die heil'ge Stätte schaun, Die die entzückt selbst, die sie nie gekannt! Zwar längst aus seiner Grott' Apoll' ver- schwand, Der Musen Sitz ist nun ihr Grab schon lang; Doch milder Geist weht noch im schönen Land, Seufz't in der Luft, dringt in der Höhle Gang, Und schlüpft mit glas'gem Fufs melod'scher Well' entlang. 62 63. Von dir nachher!— denn mitten Weg's bereits Vergaſs ich Spanien's Land, und Söhn' und Maids, Ihr Schicksal, jeder freien Brust gemein, Und grüſste dich, und meine Thrän’—. war dein. Zurück zu meinem Them!— von heil'ger De Statt Mögst du nur ein Andenken mir verleih'n: Von Daphne's ewig grünen Baum ein Blatt: 2⁵) Nur achte eitel nicht, was dein Geweihter bat. 64. Doch schöner Berg! als Hellas noch geblüht, Warst du von keinem prächt'gern Chor um- ringt— Und Delphi— wenn, von Himmels Feu'r erglüht, Der Priest'rinn'n Schaar die Pyth'sche Hymne singt— Sah' keine Dirn', der leichter es gelingt 2)) lüht, um- Feu'r rmne Als span’'schen, zu begeistern zum Gesang, Wenn sie der Sehnsucht glüh'nder Schoos umschlingt; Ach schützt' auch sie des Friedens Schatten lang, Der noch in Hellas weilt, wenn auch der Ruhm entschwang. 65. Schon ist Sevilla, sey's auch, daſs sie prahlt Mit ihrem Glanz und Ruhm in alter Zeit. ¹6) Doch Cadiz, das auf ferner Küste strahlt, Sey süfs'res, wenn auch mind'res Lob, ge- weiht; 0 Laster, deine Lustweg' sind so breit! Wo junges Blut schäumt, kann man da entflieh'n Dem Zauber, den dein mag'scher Starrblick streut? Wie Cherub’s Hydern schnapp'st du nach uns hin, Und formest deine Truggestalt nach Jedes Sinn.— 66. Als Paphos fiel der Zeit, ²⁸)— dem LZeit- Tyrann, Fällt selbst die Königin, der alles weicht!— Da siedelt das Vergnügen neu sich an, Und Venus, treu dem Meer, das sie gezeugt, (Nur diesem treu,) nach Andalusien fleucht, Wo sie der'alten Macht sich neu erfreut; Be . 2 3 2... Doch nicht ein Tempel nur für sie êrsteigt, Wohl tausend Altär’, ihrem Dienst geweiht, Entsteh'n und lodern noch bis auf die spät'’ste Zeit. 67.. Von früh bis Nachis, und bis der Morgen blickt edes Zeit- rgen Erschreckt und schamroth auf des Schwär- mers Troſs; Hört man Gesang,— manch Blumenkränz- chen nickt, List, fein erdacht, und Streiche gleich gottlos, Sie stellen dem Gélächter jeden blos, Die mäſs'ge Freude, die hier haus't, ent- weicht, Nichts stört den Lärm,— Andacht ist hier nicht groſs, Statt ihrer jetat, nur mönch'scher Weih- rauch steigt; Bey Liebe und Gebet die flücht'ge Zeit ent- fleucht. 68. Der Sabbat kommt, o seel'’ge Ruhezeit?— Doch welch ein Lärm auf christlichem Ge- stad p Schaut, er ist einem heil'gen Fest geweiht. Horcht, wie des Walds Monarch dort brül- lend naht! Die Lanzen splitternd, schnaubt auf seinem Pfad In Er Blut auf Mann und Rofs, vom Horn ver- letzt.— Beyfall jauchzt der Arena Meng' der That, Von frischer Eingeweide Blick ergötzt; Auch zuckt kein weiblich Aug'— nicht Eine scheint entsetzt. ——— 69. Der sieb'nte ist's, des Menschen Jubeltag!— London, du hälist den Tag des Betens hehr, Denn schmuck geht deiner Bürger beſs'rer Schlag, Handwerker selhst verläſst ihr Wochenair! Miethkutschen, Phätons rollen wild einher, Demüth'’ge Gigs drehn durch die Strafsen hin, 29) Hamptstrad und Brenifort fassen kaum sie mehr; em Man jagt, so lang die müden Kracken zieh'n, Indeſs Fufsgänger d'rob von neid'schem Witz erglüh'n. 70. Manch' Schöne schifft auf deiner Themse her, Ane Und and're längs dem sichern Hochweg gehn; Ein’ge ersteigen Richmond, and're Wäre, Und manche klettern auch auf Highgätes Höhn. Fragt ihr, Bocotier, weshalb's gescheh'n p 7 Verehrung ist's für das gefey'rte Horn, dur. Das in der Mystik frommer Hand sie drehn, rer Dem Mann und Weib geschworen,— jetat . ein Sporn, . Zu heil'gen es durch Tanz und Trunk am Freu- de-Born. 71. Thorheiten haben All',— doch eigen sind Die deinen, Cadix! über'n blauen See; Denn kaum tönt Morgens Neun die Glock', 1 geschwind n Hebt Jedermann den Rosenkranz zur Höh'; Bel Die Jungfrau(hier die einz'ge, die ich sch'*) 7 Wird hart um Absolution geplagt, Für Sünden ohne Zahl und manches Weh; Dann wird zum vollen Circus hingejagt: Jung, Alt, Hoch, Niedrig jetzt die gleiche Lust behagt. 72. Die Schranken sind geöffnet, die Aren' Gefegt, von Tausenden die Bühn' ist schwer. Lang' eh' man hört der Trompet' erst Co- M tön „ Gibt's für Verspätete kein Plätzchen mehr. che Don’'s, Grand's sieht man— Damen wie Sand am Meer; Gleich Pfeilen trift ihr Blick aus schelm'- schem Aug': Doch heilen gern die Wunde sie nachher, Noch Keiner starb von ihrer Kälte Hauch; Beklagen's noch so sehr mondsücht’ge Barden auch. „ 73. Der Zungen Lärm verstummt,— auf mudl- gem Roſs', Mit weiſsem Busch,— Goldspor'n, stofsfert'- ger Lanz' Vier Ritter streben nach der Kühnheit Loos, Und nah'n der Schrank', wenn auch demü- thig ganz; Reich ist die Schärp', est strahlt der Cäule Glanz.— Wenn nun sie schimmern im gewagien Spiel, Schreit laut die Meng',— erglüh'n die Frau'n des Land's; Der beste Preiſs, der beſs'rer That je fiel, Was Kön'ge kaum erreicht, ist ihrer Mühen Ziel. 74. Im reichsten Glanz,— vom Mantel stolz umweht Erscheint der leichtglied'rige Matador 30) Im Mittelpunkt,— begierig anzugreifen, geht, Er auf der brüll'nden Heerde Herrn,— zu- Vor Jedoch durchspäht den Platz, den er erkohr, Er streng, daſs Zufall nicht sein Ziel ver- rückt; Zu Fuſs, nur mit dem Wurfspieſs, tritt er vor: Do Ohn’ freundlich Pferd der Sieg weit seluner glückt, Doch öfters hat man’s blutend auch für ihn erblickt. 75. Dreimal tönt die Trommet',— das Zeichen fällt, Auf gähnt der Stall,— stumme Erwartung schaut Im Aug' der Menge, die die Bühn' ent- hält: Hervor springt's Thier, dem vor der Geisel graut, Wild starrend, stampft's mit schall'ndem Fuſse laut Den Sand— nicht blindlings stürzt's auf.sei- nen Feind; Hier-— dorthin schweift die droh'nde Stirn, es baut 66 Auf sie zuerst,— wild auſgeregt erscheint Der zory'ge Schweif— sein Aug' in rother Flamme weint. 76. Schnell steht es still— sein Aug' ist starr— hinweg, Hinweg, sorgloser Wicht!— Erfaſs' den Speer,— Jeizt gilt's: verderbe, oder zeige keck, Ob's seinen Anfall abzuhalten dir nicht schwer; Ein Sprung des Gaul’ stärk' deine Gegen- wehr! Auf schäumt der Stier— doch wundlos er nicht bleibt, Von beiden Seiten strömt sein Blut einher; Er weicht, er dreht sich,— Todesangst ihn treibt, Pfeil folgt auf Pfeil, Lanz' Lanz',— laut brüb lend er sich sträuht, 7. er Er kommt zurück; nicht Pfeil noch Lanze nützt, Umsonst stürzt wild sich das gequälte Pferd, — So viel des Ritters Waſfe Blut verspritzt, Umsonst ist Kraft, vergeblich blitzt das Schwert; Tod liegt das eine Roſs, und hart versehrt, Weit aufgeschlitzt, ein anderes erscheint, Aus blut'ger Brust des Lebens Quell sich leert; Noch bäumt's, wenn auch dem Tod schon halb vereint, Und trägt, ob wankend auch, den Rciter in den Feind. 8. Bezwungen, blutend, athemlos— zuletzt Wie toll, trotzt in der Mitte noch der Stier, rük Lanz, Spies und Pfeile, die es erst zerfetzt, Und wunde Feinde liegen um das Thier; Da nah'n die Matador'’ sich voll Begier; Ihr rother Mantel fällt— der Säbel blinkt: Durch Alle stürzt der Bull mit wilder Gier. Umsonst! die Deck' der blut'gen Seit' entsinkt, Sein stolzes Aug' erlischt— zu ist's!— im Sand er ringt. 79. Da, wo der breite Hals zum Rückgrat geht, Tief eingedrückt die Todes-Waffe liegt; Still steht er— weicht— zu sinken er ver- schmäht, Bei Jubelschrei fällt langsam er besiegt; Das Leben lautlos, zucklos ihm entfliegt.. Der aufgeschmückte Karren kommt,— man hebt Den Körper d'rauf— für'’s Volk ein süſs Gesicht; Vier schnelle Rosse vorgespannt, entschwebt Der Karr'n, geseh'n kaum von der Meng', die freudig bebt.— rebt „die 80. Dies ist die rauhe Lust, die an sich zieht So oft die span'schen Maids— den Jüngling freut; Früh schon gewöhnt an Blut, sein Herz er- . glüht. In Rache leicht, kalt für des Andern Leid. Befleckt wird manches Dorf durch inner'n Streit, Doch jetzt, statt daſs ein Phalanx trotzt dem Feind, Steht mancher in der niedern Hütt' bereit, Und sinnt, wie er vernichte seinen Freund;— 5 Oft rinnt des Lebens Strom, so klein die Ur- sach' scheint. 81. Doch fort ist Eifersucht, samt ihrem Schlofs,— Die Riegel, der Duenna kluge Wacht, 3¹) 2 Alles, was edle Seelen je verdrofs, Was alte Herr'n in Käf'’ge gern gebracht; Sie sind vergessen mit der Zeit— verlacht: Die span'schen Mädchen sind dem Zwange feind, Und da, wo nicht des Krieg's Vulkan er- wacht'’, Sind frölich springend sie im Grün vereint, Indes verliebt Frau Luna zu dem Tanze scheint. 82. Ach oft hat-Harold auch geliebt— vielmehr Geträumt es— weil Entzückung blofser Traum. Zwar jetzt bewegt den Busen ihm nichts mehr, Doch trank er noch nicht Lethe's trüben Schaum; Vor kurzem erst gab er der Wahrheit Raum: Dafs Amors schönste Gabe Flügel sind: 7¹ Scheint noch so schön sie, jung und zart wie Flaum; Voll von dem süſsen Quell der Lüste, rinnt Ob Blumen Liebe oft gleich tödtend- gift'gem Wind. ¹⁸) 83. Für schöne Formen war er zwar nicht blind, Doch rührten sie nur, wie den Weisen, ihn; Auch nicht, dafs Weisheit auf solch Men- schenkind Ihr streng keusch' Aug' gewürdigt hätt zu zieh'n. Doch Leidenschaft will sterben eh', als flieh'n; Und Laster, das sich gräbt sein Grab im Glück, Kann, längst schon hoffnungslos, nicht mehr erglüh'n; 7² Der Lust bleich' Opfer!— in den dunkeln Blick Schrieb Lebenshaſs ihm Cain's gräfsliches Ge- schick. 84. Still schaut den Haufen er— mischt sich ihm nicht, Noch sah' er ihn gleich dem, der Menschen hafst; Ungern ihat er auf Sang und Tanz Ver- zicht;— Doch lächelt der, den hart sein Schicksal faſst n Was er auch sah, erlag der Sätlgung Last.— Einmal bekämpft er doch des Dämons Zwang: Und als er hält in dunkler Läube Rast, Entströmt, unvorbereitet, ihm ein Sang, Gleich lieblich dem, wie er in beſs'rer Zeit gelang. Zeit An Inez. 4. Nein, lächle nicht dem trüben Aug'! Ach, wiederlächeln kann ich nicht. Doch geb' der Himmel, dafſs dir auch Nie Thränen trüben das Gesicht! 2. Und fragst du, welch geheimes Weh Ich trag', das Freud und Jugend friſst? Willst kennen, was ich nicht gesteh', So übe nicht des Schmeichelns List. 3. Nicht Liebe ist es, Hafs auch nicht, Noch Ehrgeizes verlorner Preis, Was Ekel in mein Daseyn flicht, Und scheucht, was ich geliebt so heiſs. 4. Ermüdung ist es, die mich plagt, Bei Allem, was ich seh' und hör'; Das Schöne mir nicht mehr behagt, Dein Auge selbst reizt mich nicht mehr. 5. Der stete, ruhelose Wahn Ist's, den der ew'ge Jude trägt, Der über’'s Grab nicht blicken kann, Doch hier zu ruh'n nicht Hoffnung hegt. 6. Kann der Verbannte selbst sich flieh'n?— Mir folgt zu fernen Zonen ach! Und überall, wo ich nur bin, Der Dämon,— der Gedanke nach. 7. Die Andern reiſst wohl Lust noch fort,— Erstrebend das, wovor ich flich! Ihr Freudentraum sey lang ihr Hort, Nicht schreck, gleich mich, Erwachen sie! 8. e. Mein Schicksal ist: fern, fern zu flieh'n, Oft von Erinn'rung aufgescheucht; Der einz'ge Trost ist mir verlich'n, Daſs ich das Schlimmste läng erreicht. 9. Und dieses Schlimmste?— Nein, frag' nicht! Aus Mitleid forsch' nicht weiter aus! Lächle,— doch thu' zu schaun Verzicht In's Mannesherz— d'rin Höllengrauſs. — 85. Leb' wohl, o schönes Cadix,— Wohl und frei! Wer denkt nicht deiner Wälle Widerstand; Als Alles wechselnd fiel, bliebst du nur treu, Die Erste frei, im Joch' die Letzt' im Land Und wenn sich'’s auch im rauhen Kampf einst fand, Dafs Bürgerblut in deinen Straſsen rann; Nur Ein Verräther fiel von deiner Hand; ¹) All' edel hier— nur nicht der Edelmann: Legt' blos die Ritterschaft des Siegers Ketten an. 86. So sind die Spanier— vom Geschick ge- rafft; Für Freiheit streiten die, die niemals frey; Volk ohne Fürst,— im Staate ohne Kraft, Kämpft der Vasall, flieht auch der Führer scheu, Treu selbst den Sclaven der Verrätherei; In’s Land verliebt, dem er blos Leben dankt, Zeigt Stolz den Pfad, wo Freyheit heimisch sey. Lu, im apf 77 Ob räckwärts und verblüfft im Streit er wankt; Krieg ist sein Ruf— selbst Krieg, so weit das Messer langt. 2²0⁰) 87. Wer Lust, die Spanier mehr zu kennen, hegt, Der lese, was gescheh'n im blutgen Streit;— Was kühne Rache heischt, vom Feind' er- regt, Sind Spanier zu vollbringen stets bereit; Das flamm'nde Schwert, der Dolch sind nie- mals weit; Im Krieg ist ihnen jede Wafle gut.— So sey das Weib durch Manneshand, be- freit! Sie treff des bösen Unterdrückers Blut, Schuld'ge wie Schuldlose, eie fallen gleicher Wuth! 88. No Flielst eine Mitleidsthräne solchem Tod?— Schau die Verwüstung auf dem Schlacht- Kei geſild, Auf Schau jene Händ' von Weiberblut noch roth;. Wie Hunde-Gier sich an Erschlagnen stillt! Für Der Ueberrest den Gei'’r mit Lust erfüllt!— Os Ob gleich Raubvogels Gaumen mag ver- Nun schmäh'n Indeſs Ihr bleich Gebein, das Maal, wo Blut noch quillt: Doch zeigen lang sie noch des Schlachtfelds Weh'n, Nur so den Söhnen bleibt die Szen', die wir gesehn. 89. Doch ist das Schreckenswerk noch nicht ge- than; .,; Die Pyräne'n ein neues Heer durchzieht; Soll 79 Noch dunkler wird's— kaum daſs das Werk begann, Kein sterblich Aug' den ſernen Ausgang sieht. AufSpanien schaut, wer fiel,— wird's frei— erglüht Für Freiheit mehr’, als Pizarr' einst erschlug, O streng Vergeltungsrecht! Columbia blüht Nun frei, für's Leid, das Quito's Sohn er- trug, Indefs das Mutterland verheert der Plünd'rer Zug. 90. Nicht all' das Blut auf Talavera's Fel d, Nicht all' die Wunder von Barossa's Schlacht, Nicht was bei Albuer' der Tod zerschellt, Hat Spanien noch sein gutes Recht gebracht. Friſst Mehlthau stets an seines Oelzweig’ Pracht? Soll sich's erholen nie von seinen Müh'n?— Manch Zweifels Tag wird sinken noch in Nacht, 4 Eh' heim vom Raube fränk'sche Rotten Was flieh'n, Und hier der fremde Baum der Freiheit ist V gedieh'n. 9 91. Li Und Du, mein Freund, ²¹)— seit mir ver- geblich Leid K Am Herzen nagt— gemischt sich meinem 80 Seyn:— 6 Wärst mit dem Starken du gefall'n im 01 Streit: Stolz wehrte mir, dir Freundes Klag' zu V weih'n. Ur Doch, dafs umsonst du sankst, kein Lor- Bi- beer Dein— Und Vergessen Allen, nur nicht stiller Brust, Blutlos gemischt in der Erschlag'nen Reih'n, och in Rotten neit ist ir ver- aeinem dn im lag’ zu in Lor- ust, Reih'n, 81 Indes manch' Schlechter'n lacht des Ruhmes Lust: Was that'st du, daſs du sank'st— und ruhm- los ruhen must? 92. Den ich am höchsten schätzt', gekannt so früh, Lieb meinem Herz', das Theureres nicht kennt: Kehrst du in meiner Tage Nacht auch nie, So sey's, im Traum zu seh'n dich, mir vergönnt; Ob Morgens auch die Thrän' im Aug mir brennt, Wenn ich erwacht zu des Bewuſstseyns Wehn, Und Phantasie dein blutlos Grab erkennt,— Bis hin, woher er kam, mein Staub wird weh'n, Und Trau'rnder wie Betrau'rter Särg' beisam- men steh'n. 15. F 93. — Nehmt hin dies Stück von Harold's Pilger- fahrt.— Euch, welche reizt sein ferneres Geschick, Sey Neues für ein künft'ges Blatt gespart, Wenn, der's gereimt, auch ferner reimt mit Glück. Ist's schon zu viel?— Sey nicht zu streng, Kritik: — Ceduld, bald hört ihr, was im fernen Land— Wohin er floh— sich zeigte seinem Blick; Im Land, worin manch' altes Denkmal stand, Eh'’ Griech' und griech'sche Kunst erlag bar- bar'scher Hand. Ende des ersten Gesangs. — eimt eng, ruen ick; and, bar- —C—.——ℳ—-————-AA 1 Anmerk ungen aum ersten Gesange. 1. «Ja, Delphi's öden Tempel sah ich stehn, Wo tieſe Stille alles jetzt umhüllt.“ Stanze I., V. 6. 7. Das kleine Dorf Castri steht jetzt zumt Theil auf dem Platze des alten Delphi. Längs des Bergpfades von Chrysso trift man auf Ueberreste von Grabmälern, die in- und von dem Fel- sen gehauen sind. Dies eine, sagte der Füh- rer, ist das eines Königs, der hier jagend den Hals brach.“ Se Majestät hatte aat den geschicktesten Fleck zu so einem Ende ge- wählt.— Nicht weit unterhalb Castri befndet sich eine Höhle von unerforschlicher Tiefe, welche man für die pythische hält; der vordere Theil derselben ist gepflastert und jetzt ein— Kuh⸗ stall. Auf der andern Seite von Castri steht ein griechisches Kloster; etwas oberhalb dem- selben zeigt sich eine Spalte in dem Felsen, mit einer Reihe von Höhlen, die schwer zu besuchen, und anscheinlich in das Innere des Gebirg's führend sind, wo man vielleicht die corcyrische Höhle des Pausanias zu suchen hat. Auf dieser Seiter fällt die Quelle und der ca- stalische Thau herab.—(Von der Nym- phe Castalia, die, verfolgt von Apollo, sich in den Quell stürzte, soll er den Namen er- halten haben. U.) D der 8 einige der he der si Ueber See di nung ich vo der VW tet. lässigu denn 1 ich’s g aber 1 das KI Felse n hat. 2. „Uad ruht bey uns'rer Frauen Haus der Weh'n.» Stanze 20., V. 4. Das Kloster Nossa Senora de Pena auf der Spitze des Felsen.— Darunter liegt in einiger Entfernung das Korkkloster, wo der heil. Honorius sich seine Höhle grub, über der sich noch eine Grabschrift befindet.— Ueber die Hügel weg vermehrt die Ansicht der See die Schönheit der Gegend. Seit Erschei- nung der ersten Ausgabe des Cedichts wurde ich von der falsch angenommenen Bedeutung der Wörter Nossa Senüora de Pena unterrich- tet. Ich lieſs mich mifsleiten durch Vernach- lässigung des Zeichens über dem Wort Perña, denn nur ohne dasselbe bedeutet es, wofür ich's genommen(Pein, Leid, Trübsal), aber mit demselben heiſst es Fels. Wenn das Kloster auch in der That zur Frau zum Felsen heiſst, so halte ich's doch nicht für 86 nöthig, meine Stelle zu ändern, denn die in diesem Kloster ausgeübte Strenge dürfte die Benennung, die ihm ein Miſsverständniſs gab, wohl rechtfertigen.—(Byron.)(Das Kork- kloster unterhalb erhielt seinen Namen da- her, weil seine Mauern und Wände, zur Ab- haltung der schädlichen Feuchtigkeiten, mit Kork ausgetäfelt waren. Es liegt auf dem Gi- pfel des Cap Roch, und ist eigentlich eine aus mehreren Grotten gebildete Einsiedelei, in welche nur ein einziger gewölhter Weg durch die Felsen führt. U.) 3. «In diesem Land, wo kein Gesetz das Leben schützt.* Stanze 21., V. 9. Bekannte Thatsache ist's, dafs im Jahr 1809 das Meuchelmorden in Lissabons Strafsen und Umgebung sich nicht blos auf die Einge- bornen beschränkte, sondern dafs täglich Eng- lände Abphül nöthit Lands gen d um 8 spiel, ren, meine Freun wir n. sehen blick Tragõ Aber mord nicht Aben die I ein 8 ie in die gab, Srk- a da- Ab- mit Gi- aus „ in lurch länder gemordet wurden, und da nicht an Abhülfe zu denken war, so sahen wir uns ge- nöthigt, es nicht zu hindern, wenn unsere Landsleute zu ihrer eigenen Veriheidigung ge- gen diese Verbündete schritten. Eines Abends um 8 Uhr wurde ich auf dem Wege in'’s Schau- spiel, wo die Strafsen doch sehr lebhaft wa- ren, im Angesichte eines offenen Ladens, mit meinem Wagen, worinn noch einer meiner Freunde safs, plötzlich angehalten. Wären wir nicht glücklicher Weise mit Waſlen ver- sehen gewesen, so zweifle ich keinen Augen- blick, wir würden cher der Gegenstand einer Tragödie gewesen seyn, als sie erzählt haben. Aber nicht allein in Portugal wird gemeuchel- mordet; in Sicilien und Malta gieng es uns nicht besser, denn als wir beim schönsten Abend landeten, wurden wir meuchlings auf die Köpfe geschlagen; und nie wird deshalb ein Sicilianer oder Maltheser 4. «Auch du einst, Vathek! Englands reich- ster Mann, Schuf'st hier ein Eden dir;— Stanze 22, V. 6— 7. Arthur von Nordstern vermuthet, dies sey ein Pseydonim, unter welchem man vielleicht den Engländer Becford-Fonthils zu su- chen kabe, welcher nach Portugal auswanderte. Dieser war sechr reich, er erbaute auch in der angegebenen Gegend ein prächtiges Landhaus, welches späterhin, als Becford in sein Vater. land zurückgekehrt war, in Verſall gerieth.(U.) 5. «Schau jenes Schlofs, wo jüngst noch Chefs vereint.» Stanze 24., V. 1. Die Convention von Cintra wurde im Pa- laste des Markis Marialva unterzeichnet. Die si die T. Er ha- leicht gensei Feind Vorgã brach 18⁰8 von chen ten rere dch Die spätern Waſfenthaten Wellington's haben die Thorheiten von Cintra wieder verlöscht. Er hat wirklich Wunder gethan; er hat viel- leicht den Character eines Volks verändert, ge- genseitige Vorurtheile ausgesöhnt und einen Feind überwältigt, der vor keinem seiner Vorgänger gewichen war.(B.) (Zur Geschichte der Convention von Cintra diene noch folgendes, was in der Biographie Wellington’s(Lond. 1815. Vol. VII. p. 190) und in Bredow's Chronik (3. Bd. S. 663) uns dargeboten wird: Es war im Süden von Portugal, wo der Aufstand der Portugiesen gegen ihre ungebe- tenen Gäste aus Gallien zuerst allgemein aus- brach. Zu Villaviciosa fanden am zosten Juny 1808 blutige Auftritte statt, und obschon diese von den Franzosen gedämpft wurden, so bra- chen die Unruhen doch wieder auf dem rech- ten Ufer des Tajo aus. Es erfolgten nun meh- rere Cefechte, worin die Portugiesen den kür- 90 zern zogen, doch stets mit gröſsrer Erbitte- rung wieder kamen, bis auch ein neuer furchtbarer Feind den General Jünot unmit- telbar bedrohte. Es war nämlich im Anfange August'’s ein englisches Hülfsheer in Portugal gelandet, welches Jünot nöthigte, Lissabon zu verlassen, ihn von dem Rückzuge nach Sa- lamanca abschnitt, und ihn so zur Convention von Cintra nöthigte. Dies geschah besonders in Folge der Schlacht bei Vimiera, d. 21. Aug. 1808.(und des frühern Gefechts d. 17. Aug.) bei Roleja. In dieser wurde unter An- führung des Sir Arthur Wellesley(Welling- ton) vom brittischen Heer ein glänzender Sieg erfochten; mit Ausschlufs von 1600 Portugiesen betrug das engl. Heer 17,000 Mann. Jünot war Befehlshaber der französischen Truppen und verlor in dieser Schlacht 13 Kanonen, 23 Munitionswagen, 20,000 Patronen, und 4000 Tode. Der Chef des Generalstabs, General Thibaut blieb auf dem Schlachtfelde, und ein General Berthier gerieth verwundet in Ge- ſfangenschaft. Wenn die Sieger die Geschlagenen iesen fünot PPen 2 „ 23 4000 neral und 91¹ nachdrücklicher verfolgt hätten, so würde der französische Verlust noch gröſser gewesen seyn; und es hätten für England aus diesen Ereig- nissen weit mehr Vortheile hervor gehen müs- sen, wenn Wellesley blos seinem eigenen Urtheil hätte folgen dürfen. Aber am Tage vor der Schlacht war Sir Harry Burrard im Lager eingetroffen, um den Oberbefehl zu über- nehmen, und am Tage nach der Schlacht kam Sir Dalrymple an, um Sir Burrard abzulösen, und man sagt, ein dritter habe auch diesem folgen sollen. Es war ein Glück, daſs Burrard von seinem dreitägigen Komman- do keinen andern Gebrauch machte, als daſs er Alles liefs, wie es Wellesley angeordnet hatte.— Nur wenige Stunden nach Dalrymple's An- kunft begab sich General Kellermann in's brit- tische Hauptquartier, um einen Waffenstill- stand zu verhandeln, in dessen Folge ganz Portugal von den Franzosen geräumt werden sollte. General Wellesley wurde vom Ober- feldherrn zur Verhandlung mit Kellermana ernannt, und am 3. Aug. schloſs man einen aus 23 Artikeln bestehenden Walſfenstillstand ab, der der kurz nachher errichteten Conven- tion(von Cintra) zur Grundlage diente. Von Seiten der Engländer unterzeichnete der Gene- ral Murray diese Convention am 22. Aug., so wie Kellermann von französischer Seite; die Ratificationen der Oberbefehlshaber folgten noch an diesem Tage. Dieser Convention zu Folge wurden alle von den französischen Trup. pen besetzten festen Plätze des Königreichs Portugal übergeben, und die französischen Truppen darin verliefsen das Reich, aber nicht als Kriegsgefangene, sondern mit Waſfen und Kriegsgepäck, auch mit allem französi- schen Geschütz; sie durften in Frankreich sogleich wieder dienen, es wurde ihnen eine kostenfreie Ueberschiffung nach einem Hafen Frankreichs, zwischen Rochefort und l'Orient zugestanden, eine Bestimmung, die Napoleon so gut benutzte, daſs dieselbe Mannschaft we- nig Monate nachher wieder in Spanien focht. Ein fünfter Artikel gestand den abziehenden Truppen, bedeckt vom Preise der Plünderung, sogar zu, alles Armee-Eigenthum mit sich zu nehmen, und gestattete den Einzelnen die Freiheit, über ein Fahrnis jeder Art zu verfü- gen, wobei den Käufern völliges Eigenthum verbürgt wurde. Kein Wunder war's, daſs solcher Vertrag nach solchem Sieg das englische Volk mit dem gröſsten Unwillen erfüllte; d'rum wurde er nicht allein Gegenstand einer Parlamentserör- terung; auch einzelne Körperschaften des Volks ſafsten Beschlüsse über das Unheil, das er über die brittischen Waſſen verbreitete; die Stadt London bat in einer Adresse an den König um Untersuchung. Es kam aber zu kei- nem Resultate, und da man Wellesley aus früherer Zeit als einen erfahrenen Unterhänd- ler kennt, so darf man wohl annehmen, daſs ihn Ministerialbefehle beschränkt haben mögen. Als Wellesley und die beiden Obergene- rale nach England zurückgekehrt waren, dran- 94 gen sie insgesammt auf Untersuchung über die unterzeichnete Convention. Man gestand sie ihnen zu; ein aus 7 Generalen niedergesetzter Gerichtshof, in welchem General Dav. Dundas den Vorsitz führte, erstattete nach einer lan- gen Untersuchung(am 22. Dec. 1808) einen Hauptbericht, worin erklärt wurde, dafs man sich im Allgemeinen überzeuge,«die Generale Dalrymple, Burrard und Wellesley hätten um zweideutige Beweise von Eifer und Festigkeit in dieser Sache dargelegt.“ Aber diese Erklä- rung schien nicht befriedigend, und der Her- zog von York bemerkte, daſs die Beurtheilung der Bedingungen der Convention unerledigt geblieben sey; der Gerichtshof müsse also noch darauf Rücksicht nehmen: 1. ob ein Waßſfenstillstand rathsam gewesen seyb und 2. ob im Bejahungsfalle die Bedingungen als annehmbar anzusehen gewesen?— Der Ge- richtshof trat auf's neue zusammen und billigte einstimmig den am 22. Aug. abgeschlossenen Waffenstillstand; er endete hiermit sein Ge- schäft, doch wurde dem General Dalrymple eine förmliche Erklärung des Königs mitgetheilt, in welcher 8r Majestät Misfallen über die Convention ausgesprochen war. Man hatte während der Untersuchung viele Bemühungen angewendet, um den General Wellesley, auf Kosten des Generals Dalrymple, erale zu rechtfertigen. Aber Wellesley lehnte diese ihm widerstrebende Sachwalterkünste ab, und erklärte frei: er sey mit dem Oberfeldherrn Erklä- über den Grundsatz der Artikel einverstanden TIer. gewesen, ob er gleich in einigen Nebendingen iilung andere Meinung gehegt; er habe die Prälimi- ledigt narien auf Verlangen des Cenerals Dalrymple 3180 unterzeichnet. Eine solche aufrichlge Erklä- 2 ein rung wirkte auf's vortheilhafteste.— In Anse- und hung des mit Kellermann geschlossenen Wat- n als fenstillstandes verneinte er, die Verhandlungen Ge. geführt zu haben, wohl aber gestand er die lligte Unterzeichnung ein; er sagte, dafs ihm die Sien Räumung des Landes vortheilhaft geschienen, 1 Ge. doch sey er in einzelnen Puncten von den Ansichten des Obergenerals abgewichen. Als 96 ihn letzterer aus einem anderen Zimmer zu Unterzeichnung des Vertrags habe herbeirufen lassen, habe er ihn gelesen, dabey geäufsert: „daſs es eine Verhandlung ganz besonderer Art sey», und ihn unterschrieben, ohne sich für dessen Abschlufs im Mindesten verantwortlich zu halten. Nach allen diesen Umständen scheint es unverkennbar, dafs auf General Wellesley kein Antheil des Hasses fallen konn-. te, der sich an die Convention von Cintra hef- tete; denn er handelte blofs auf Befehl des Oberfeldherrn, und seine Einwendungen wur- den nicht berücksichtigt. Vergl. Elliots Life of Wellington. Lond. 1815. 8.—(U.) 6. Doch Mafra hält auf Augenblicke ihn; Stanze 29., V. a. Der Umſang von Mafra ist ungeheuer, es enthält einen Palast, ein Kloster, uncdk vor- züglich eine prächtige Kirche. Die 6 Sdarin r zu rufen sert: r Art h für rtlich nden neral konn- a hef- 1 des wur- Liſe befindlichen Orgeln sind die schönsten, die, was äussern Schmuck betrifft, ich jemals sahe; spielen hörte ich sie nicht, allein man versi- cherte, ihr Ton komme völlig mit ihrem Glan- ze überein. Man nennt Mafra das Escurial Portugals. — 1. „Da haus'te sonst die Königin vom Land.“ Stanze 29., V. 2. Es war die Königin Maria Franziska Isa- bella; sie fiel 1792 in eine Gemüthskrankheit, die im J. 1799 in Wahnsinn übergieng.[Sie war die älteste Tochter des Königs Joseph I., vermählte sich im Jahr 1760 mit ihres Vaters Bruder Don Pedro, bestieg 1777 den Thron und regierte bis 1792, wo ihr Sohn, der Prinz von Brasilien(geb. 1767), Juan Maria Joseph, Regent wurde.— Ueb.] 8. »Denn selbst der span'sche Knecht ver- ächtlich grülst Den lusitan'schen, weil's der Sclaven schlecht'ster ist.» Stanze 33., V. 3. 9. Ich habe den Portugiesen geschildert, wie ich damals ihn fand, daſs er seitdem wenig- stens an Herzhaftigkeit sich gebessert, ist offen- kundig. B.—[Für die Herzhaftigkeit sprechen besonders die Zeugnisse, welche Lord Wel- lington nach dem Treffen von Busaco der krie- gerischen Einsicht und der Unerschrockenheit der Portugiesen in dem Bericht vom 30. Septemb. 1810 ertheilte, und welchem auch Marschall Beresfort beistimmte. S. Elliot's Leben Wel- lington's. S. 331. etc.—(Ueb.)] Wo ist die Fahne, die Pelag geschwenkt, Als Cava's Vater mit Verräther Hand Der Rotte winkt“', die deine Flur tränktb“— ge- Stanze 35., V. 2— 4. Cava war die Tochter Graf Julian's, die Helena Spaniens; Pelagio bewahrte des Landes Unabhängigkeit in den festen Plätzen beider Asturien, und ſdie Abkömmlinge seiner Nach- folger errangen, nach einigen Jahrhunderten, den Preis des Widerstandes durch die Erobe- rung von Granada.(B) Diese nicht hinlängliche Angabe berichtigt Arthur von Nordstern also: Muhamed, Stifter der nach ihm benannten Religion, starb im J. 683, seine Landsleute, Araber und Saraze- nen, überschwemmten bald darauf den gröſs- ten Theil von Asien und Afrika, und bedroh- ten die ganze damalige Welt mit Unterjo- 100 chung. Im Jahr 710 veranlafste die Ruchlosig- keit und Grausamkeit Vitisa's, wesigothischen Königs von Spanien, einen bürgerlichen Krieg; Roderich(oder Rodrigo) sties ihn vom Throne, verlor ihn aber wieder durch das Volk, dem er nicht widerstehen konnte. Der Graf Julian, dessen Tochter Rodrigo entehrt hatte, lud die Sarazenen ein, in Spanien zu landen. und bot nebst dem Erzbischoffe zu Sevilla(Oppa) dem Feinde überall hülfreiche Hand. Beide giengen dann in offener Schlacht zu den Sara- zenen über. Muza, ein Vicekönig von Afrika, vollendete unter dem Califen Walid die gänz- liche Eroberung Spaniens. Die meisten Städte unterwarſen sich ohne Widerstand, die wider- spenstigen wurden mit Gewalt bezwungen und geschleift. Blos der einzige Pelagio, ein könig- licher Prinz, blieb seiner Pflicht getreu; als er sich nicht länger im Felde gegen die Ungläu- bigen behaupten konnte, zog er sich, von vie- len Christen begleitet, in die Gebirge Astu- rien's zurück. Hier stiftete er im J. 718 ein kleines Königreich, welches er mit Tapferkeit V V sen spa Dag an und dies sang Bad geb sche vig- hen ieg; one, dem lian, die und PPa) Seide ig- nig ls er gläu- vertheidigte und seinen Nachkommen hinter- lieſs. S. Zöllner Gesch. des heut. Europa. I. S. 18.(Ueb.) 10. Jetzt singt er blos: Fernando lebe lang!" Stanze 48., V. 5. Oder: Vioa el Rey Fernando!— In die- sem Ausrufe vereint sich der Chor der meisten spanischen Volkslieder patriotischen Inhalts. Dagegen drücken sie besonders das Misfallen an dem alten Könige Karl, dessen Gemalin, und dem Friedensfürsten aus; ich hörte viele dieser Lieder, und manche haben schöne Ge sangweisen. B. Godoy, Principe de la Paz, wurde zu Badajoz an der portugiesischen Gränze(1764) geboren, und diente anſänglich in der spani- schen Leibgarde, bis seine Persönlichkeit die Augen der Königin auf sich zog, die ihn zum 102 Herzog von Alcudia erhöhte. Diesem Manne schreiben die Spanier allgemein die Verwü⸗- stung ihres Landes zu. Godoy war als ein armer Junker, der gut sang und Guitarre spielte, nach Madrid gekommen; es war im J. 1787, als er in die Leibgarde trat. Der Ruf seiner Geschicklichkeit im Guitarrenspiel und Gesang brachte ihn unter die Augen der Königin; auch die Huld des Königs erwarb sie ihm; so wurde er im Jahr 1788 Adjutant der Conmpagnie, 1791 General-Adjutant der Leibgarden, 1792 Genceral-Lieutenant, Herzog von Alcudia, orster Minister an Aranda's Stelle, endlich im Jahr 1795 wegen des Friedens-Ab- schlusses mit Frankreich Friedensfürst(oder Prinzipe de la Paz). 1797 heyrathete er die Nichte des Königs Karl III. Im Jahr 18⁰4 wurde er Generalissimus der spanischen Land- und Seemacht; im J. 1807 befahl der König, ihn als seine eigne Person zu ehren; doch er war der König selbst. Das Volk hatte aber seinen Untergang geschworen, dem er nur da- durch entgehen konnte, dafs er sich(im April 180 dar flü und Roi ann Mai vert in 103 1808) in Napoleons Arme warf. Er muſste unne rwü⸗ dann mit Verlust seines gauzen Vermögens ein flüchten, lebte eine Zeitlang in Frankreich, tarre und zog sich mit der königlichen Familie nach r im Rom, wo er noch lebht, zurück. Man darf Der annehmen, dafs die Privatgeschichte dieses spiel Mannes durch den Haſs der Spanier ziemlich der verfälscht worden ist.—(Ueb.) warb utant 11. t der «Und jeder, den ihr seht des Weges zieh'n, Am Hut die carmosine Schleife tragt.“ Stanze 50., V. ½1— 2. erzog Btelle, (oder Die rothe Kokarde, mit Fernando septimo in der Mitte. 12. ch er Die Kugelpyramid' und Lunten ange- aber facht.» r da- Stanze 51., V. 9. Wer eine Batterie geschen, wird sich der 104 Pyramidalform(oder der spitzsäuligen), in wel- 8 cher die Kugeln und Ladungen aufgethürmt sind, erinnern. Die Sierra Morena war in je⸗ dem ihrer Engpässe, wodurch auch Harold's Weg nach Sevilla führte, stark befestigt.(U.) 13. Besiegt durch Weibeshand vor dem zer- stampften Wall.* Stanze 56., V. 9. So waren die Kriegsthaten des Mädchens von Saragossa. Als der Verfasser zu Sevilla war, gieng sie täglich im Prado, geschmückt mit Denkmünzen und Ordenszeichen, die sie von der Junta erhalten hatte.—(B) Arthur von Nordstern fügt noch folgendes zu dieser Notiz:«Bey der denkwürdigen Bela- gerung von Saragossa wurde die Batterie vor dem Portillo(Plörtchen), gegen welche der Fein theit eber herg eine dent fähr der bese Batt der letzt dere schli sollt stür- getõ bran schv feier rung ger, en wel- irmt je⸗ old's U.) Zer- 105 Feind vorzüglich anstürmte, heldenmüthig ver- theidigt. Sie wurde einigemal vernichtet, aber eben so oft unter feindlichem Feuer wieder hergestellt. Hier war's, wo dieses Mädchen eine, in der Kriegsgeschichte fast einzige, Hel- denthat vollführte. Augustina Saragossa, unge- fähr 22 Jahre alt, ein hübsches Mädchen aus der Volksklasse, hatte Erfrischungen an die besetzten Thorposten zu bringen; sie kam zur Batterie Portillo, eben als das Geschützfeuer der Franzosen die Batteriebesatzung bis auf den letzten Mann getödtet hatte. Bürger und an- dere Soldaten waren für den Augenblick un- schlüssig, ob sie das Geschütz ferner bedienen sollten, da entrifs Augustina, vorwärts sich stürzend, über Verwundete und Todte, einem getödteten Feuerwerker die Zündruthe, und brannte schnell einen 26 Pfünder ab. Dann schwang sie sich auf das Kanon, und legte das feierliche Gelübde ab, es während der Belage rung lebend nicht zu verlassen; ihre Mitbür- ger, angereizt von dieser kühnen That zu nen- en Anstrengungen, warfen sich stracks in die ——m 106 Batterie, und eröſſneten das Feuer gegen den Feind auf's neue. Augustina nennt sich selbst die«Frau von Saragossa.“ Ihre Gesichtsfarbe ist ge- bräunt, ihr Anstand sanft und geſällig; ihr Benehmen ächt weiblich, freundlich, unge- zwungen. Auf einer Armschleife trägt sie drei gestickte Auszeichnungen zur Erinnerung von drei Vorfällen, in denen sie ihre Uner- schrockenheit bewährte; sie erhielt sie vom General Palafox. Nie spricht sie von ihren eignen Heldenthaten, aber stets mit Begeiste- rung von den mannichfachen glorreichen Vor- fällen, an welchen Andere während dieser denkwürdigen Zeit Antheil hatten. Im Laufe der Belagerung von Saragossa brach ein bösar- tiges Fieber unter den Eingeschlossenen aus. Uebermaas von Ermattung und Kummer über den hoffnungslosen Zustand der Stadt versetzte deren heldenmüthigen Vertheidiger, Palafox, in Wahnsinn; er konnte, als die Franzosen die Stadt einnahmen, keine Anstalt für seine per- rau ge- ihr nge- sic rung Uner- vom hren ſeiste- Vor- 107 sönliche Sicherheit treffen. Auch Augustinen hemmte die Pest, die die Strafsen mit ihren Opfern deckte. Sie hatte sich aber zu sehr ausgezeichnet, um nicht die Aufmerksamkeit der Franzosen auf sich zu lenken; als Gefan- gene wurde sie in ein Lazareth geschafft, des- sen Aufseher aber wenig Acht auf sie hatte, die hier am Fieber schon halb todt niederlag. Dennoch siegte ihre starke Körperkraft über die mörderische Krankheit; sie bemerkte bald die Nachlässigkeit ihres Hüters, täuschte die Schildwacht;— der Zufall, das Glück— ihre Beistände in so auſserordentlichen Kriegsthaten — blieben auch jetzt ihr treu; sie entkam dem Feinde glücklich durch die Flucht.— Seitdem ist Augustina verheyrathet. Zuweilen trägt sie die Uniform der Waffe, unter der sie in Dienst trat, der Artillerie; doch legte sie den Prauenrock ab, und ihre gewöhnliche Tracht ist die schwarze Mantilla.(U.) 108 14. «Das Grübchen, von der Liebe Hand ge- preſst, Beweiſst, wie weich das Kinn, worin'’s gedrückt.» Stanze 58., V. 1— 2. Eine Nachbildung von: Sigilla in mento impressa amoris digitulo Vestigio demonstrant mollitudinem. „ Aul. Gel. 15. O du Parnassus, den ich nun erschau'.» Stanze 60., V. 1. Diese Stanzen wurden zu Castri(d. i. Del- phi) am Fufse des Parnassus, jetzt Liakura Qcang) genannt, niedergeschrieben.— «Schön ist Sevilla, sey's auch, daſs sie lge- prahlt in.s Mit ihrem Glanz und Ruhm in alter Zeit.“ Stanze 65, V. 1— 2. 2. Sevilla war das Hispalis der Römer.(B.) Noch früher war sie unstreitig das alte Tartassus. Sie lag an der Ostseite des Baetis, ulo der die gröfsten Schiffe zu ihr trug. An Cor- duba's(Cordova) Stelle trat sie später als Haupt- bl. stadt von Bätica; unter den Gothen war sie Hauptstadt des Südens, und unter den Mauren der Hauptsitz eines Königreichs und hier in ihrer gröfsten Blüte.—(Uebers.) 47. Del-«Fragt ihr, Böotier, weshalb's geschehn? Stanze 70., V. 5. Dies wurde zu Theben niedergeschrieben, und folglich auf der schicklichsten Stelle, so 110 eine Frage zu thun und darauf Antwort zu er- halten; nicht als der Geburtsort Pindar's, son- dern als die Hauptstadt Böotiens, wo das erste Räthsel gemacht und aufgelöſst wurde.— 18. — rinnt Ob Blumen Liebe oft gleich tödend-gift- gem Wind.» Stanze 82., V. 8— 9. Nach: Medio de fonte leporum Surgit amari aliquid, quod in ipsis flo- ribus angat.* Luc. 19. «Nur ein Verräther fiel von deiner Hand.* Stanze 85., V. 9. Dies spielt auf das Benehmen und den Tod So lano's, Gouverneurs von Cadiz, an. Don forder sich d Statt i Solano war Generalkapitain und Gouverneur von Cadiz, und da er in freundschaftlichem Vernehmen mit dem Admiral Rosilly, Befehls- haber der im Cadizer Hafen liegenden franzö- sischen Flotte, stand, so reichte das hin, ihn auf die Liste der Geächteten zu setzen. Am 28. May 1808 rottete ein wilder Haufe sich, angeführt von einigen spanischen Offizieren, vor dem Couvernementshause zusammen, und forderte Waſfen und Munition. Solano zeigte sich den Wüthenden, um sie zu besänftigen. Statt ihn zu hören, verlangte man Einlaſs für Abgeordnete. Dieser wurde gestattet, aber— unbegreiflich genug— schoſs Solano beim Ein- tritte einen der Abgeordneten nieder und den andern liefs er verhaften. Da brach bald die Wuth des Volks in lichte Flammen aus; man schlug die Thore ein, entwaffnete die Wachen, durchras'te die Gemächer, ergriff Solano und schleppte ihn auf den Markt, wo er dem Vol- ke fluchte und betheuerte, Napoleon's Sache treu zu seyn auf Leben und Tod. Da schlug man ihn mit Kolben todt, zerriſs dann den 112 Körper in Stücken, steckte sein blutend Herz auf eine Pike, und zog damit im Triumphe durch alle Straſsen.(Vergl. Bredow's Chro- nik V. B. S. 624.)(Uebers.) 20. — selbst Krieg, so weit das Messer langt.* Stanze 86., V. 9. „Krieg auf den Dolch!o antwortete Palafox dem französischen General bei der Belagerung von Saragossa.—(B.) Aus der Kriegsgeschichte Spaniens weiſs man, daſs es am 4. Aug. 1806 war, als die Franzosen in Santa Engrazia, einem Stadtvier- tel Saragossa's, eine fürchterliche Batterie öff- neten. Die Schanzen, die der Batterie entgegen aufgeworfen waren, verschwanden im Moment, das schöne Kloster Santa Engrazia gerieth in Flammen und sank in Trümmer. Durch die gemachte Oeffnung drangen die Franzosen nun schnell in die Stadt, nahmen mit dem rasch auſge cken, Corso und; len I franza tion i ral Sa eben tel G (Krieg nennt «Passa gen la auſgestellten Geschütz die Stadtpforten in den Rü- he cken, kamen, blutig kämpfend, bis zur Strafse ro. Corso vor, die fast in der Mitte der Stadt liegt, und waren so vor Einbruch der Nacht im vol- len Besitze der halben Stadt. Nun trug der französische Obergeneral Lefevre eine Capitula- tion in folgenden Worten an: Quartel Gene- S ral Santa Engracia— la capitulation!— Aber 5 eben so lakonisch lautete die Antwort: Quar- aſox tel General Saragoza— Cuerra el cuchillo! ung(Krieg auf's Messer!) Palafoc.— Der Spanier nennt aber auch den Degen so, denn er sagt: „passar ä cuchillo»— über die Klinge sprin- gen lassen.(Ueb.) 21. mein Freund.» cUnd du, Stanze 91., V. r. Der treffliche J. Wr. von der Garde, der nun zu Coimbra am Fieber starb. Ich kannte ihn 15. H 114 zehn. Jahre lang, in der bessern Hälfte seines, und in der glücklichsten meines Lebens. In dem kurzen Zeitraum eines Monats nachher verlor ich, was mir Daseyn gab und ſast Alles, wodurch dies Daseyn erträglich wurde. Was Young sagt, ist für mich keine Erdichtung: «Nie satter Schütze! Reicht nicht einer hin 5 Dein Pfeil flog dreimal— dreimal trat er’s Herz, Dreimal, eh' dreimal füllt' der Mond sein Ilorn.“*— Ich würde auch einen Vers zur Verewigung des verstorbenen Karl Skinner Matthew's, Mit- glied des Downing Collegiums zu Cambridge, gewagt haben, wäre er nicht zu erhaben über jeden Preis. Die Kräfte seines Geistes, die sieh in seinen gröfsern Ehrenbezeugungen ge- gen die geschicktesten Candidaten, als gegen blos graduirte Personen zu Cambridge, zeig- sein gung Mit- idge, über die ge- gegen zeig- 115 ten, haben seinen Ruf zu der Stelle, auf die er gelangte, vollkommen gerechtfertigt, wäh- rend seine liebenswürdigen Eigenschaften in der Erinnerung von Freunden leben, die ihn zu sehr lieben, als daſs sie seine Superiorität beneiden sollten. B.— 92 Nicht mehr am Abend dreht nach altem Brauch, Fandango sich, beim lust'gen Castannet.“ Stanze 47., V. 5— 6. Mit dem Fandango kann schwerlich ein anderer Tanz verglichen werden; er Spaniern eigenthümlich, seine ersten Akkorde, ist den und kaum beginnen so scheint ein Zauber- schlag ihr ernstes Wesen ganz aufzulösen. Alle Gesichter erheitern sich„ jede Falte schwin- det, jede Nerve ist bewegt, dem Creis scheint seine Jugend zurück zu kehren, der Misantrop selbst überläſst sich der Freude. Sogar des 116 Ausländers ungewohntes Auge folgt den üppi- gen Bewegungen, ohne sich zu schliefsen. Der Fandango wurde einst bei dem heili- gen Vater angeklagt; um über ihn den Stab zu brechen, versammelte sich ein spanisches Consistorium; als aber das tanzende Paar vor der frommen Versammlung sich zeigte, ver- breitcte sich Lächeln über alle Gesichter; Hände und Füſse geriethen unwillkührlich in Bewegung, und die Gerichtsstube wurde zum Tanzsaal. So war der Fandango gerettet.— Dieser Tanz wird immer nur von zwei Personen getanzt. Wenn er beginnt, ist er sehr einförmig; die Tänzer bleiben Minuten- lang auf einer Stelle und ihre Pas sind mehr ein bloses Balanciren; desto mannichfaltiger sind dabei die Bewegungen des Körpers. Bald wird der Tanz lebhafter, und zuletzt so hin- reiſsend, daſs der Tänzer ganzer Körper von ſeberhaften Erschütterungen ergriffen scheint. Die Bewegungen der Augen und des ganzen Gesie zes, drucl Furcl im se rühre in de den sind holz, festigt den u den. forder nen s schein aber So ha seine nend, Schön Glut Geber zwei st er uten- nehr tiger Bald hin- von neint. nzen 117 Gesichts bezeichnen alle Stellungen dieses Tan- zes, und man bemerkt den lebhaftesten Aus- druck der Begierde, sich einander zu nähern. Furcht, Verlangen und Entzüúcken beunruhigen im schnellen Wechsel die Gemüther. Nie be- rühren sich die Hände, diese schweben stets in der Höhe und begleiten mit Castagnetten den Takt des Tanzes. Die Castagnetten sind kleine Becken von Elfenbein oder Eben- holz, deren zwei an einer seidenen Schnur be- festigt, bei dem Tanz an die Daumen gehun- den und zu der Guitarre Ton geschlagen wer- den.— Der Tanz ist ein wechselseitiges Auf- fordern der Liebe; bald nähern, bald entfer- nen sich die Tänzer von einander; bisweilen scheint die Tänzerin sich ergeben zu wollen, aber plötzlich enischlüpft sie ihrem Anbeter. So hastig er sie auch verfolgt, sicht er doch seine Wünsche nicht erfüllt; zeigt er sich zür- nend, gleichgültig, ermüdend, so eilt die Schöne ihm auf’ neue entgegen. Die ganze Glut des Südens spricht sich hier in Blicken, Geberden und Stellungen aus. Die Andalu- 118 sierinnen tanzen den Fandango am be- sten.(Uebers.) 23. Lustdirnen jetzo lächelnd, singend gehn.“ Stanze 7., V. 7. Byron nennt sie Paphian girls apaphi- sche Mädchen oder Mädchen von Paphos. Letzteres ist eine bekannte Stadt Griechen- lands, von der schon Homer als dem Lieb- lingsaufenthalte der Venus spricht. Da Paphia deshalb ein Beiname der Venus ist, so dürften paphische Mädchen durch Lustdirnen wohl ganz richtig bezeichnet seyn.—(VUeb.) 24. „Entgegen schwoll der Tagus schon dem Meer, Dafs seines gold'nen Zinses sich's erfreu'.» Stanze 14., V. 6— 7. Die alten Geographen und Dichter geben dem Tagus(Tajo) GColdkörner; Pompon. schenm ist vo 119 be- Mela pflastert ihn sogar mit Edelsteinen.— (Uebers.) 25. n.»„Vergleicht die Houri's, die ihr schützt . so bang 1 Vor jedem Lüftchen.—" 08.* Stanze 59., V. 6. Houri's sind Jungfrauen von überirdi- schem Stoff in Mahom'’'s Paradiese, wo sie zur Belohnung der Besceligten dienen. Der Koran ist voll vom Lobe ihrer Schönheit. Sie büfsen nie ihr Köstlichstes ein; sind ihrem Geliebten 2 ausschliefslich treu und dennoch macht ihre Umarmung jeden glücklich.(Ueb.) 26. .„— Von Daphne's ewig grünem Baum ein Blatt.* Stanze 63., V. 8. Daphne war eine Nymphe Dianens. Apollo 120 liebte sie ohne Gegenliebe. Sie unaufhörlich verfolgend, hatte er sie einst am Flusse P. neus fast erreicht; da rief sie aber zu den Cöt- tern um Hülfe und vor Apollo's Augen wurden ihre Füſse zu Wurzeln, ihre Arme zu Zwei- gen, und statt ihrer umarmte Apollo den, ihm von da an heiligen, Lorbeerbaum.(Ueb.) 27. — wenn, von Himmelsfeu'r erglüht, Der Priest'rinn'n Schaar die Pyth'’sche Hymne singt.* Stanze 64., V. 3— 4. Diese Hymne wurde bey den Pythischen Spielen zu Delphi(früher Pytha genannt) ge- sungen. Sie bestand aus einem Lobgedicht auf den Sieg des Apollo über den Drachen Python, welches in fünf Akte eingetheilt war. Der Gesang wurde mit einer Lyra oder Flöte begleitet, oft auch mit Tanz. Pracht und Fei- erlichkeiten waren zur Auszeichnung der py- Verel welch hervo pel h thischen Spiele, die mehrere Tage dauerten, nicht gespart.(Ueb) 28. aAls Paphos fiel der Zeit.* Stanze 66., V. 1. Paphos(Alt-Paphos) war eine berühmte Stadt in Cypern, die sich besonders durch die Verehrung der Venus daselbst auszeichnete, welche nach der Mythe hier aus dem Meere hervorstieg, und hier ihren vorzüglichsten Tem- pel hatte. Schon Homer spricht von der Stadt. Alt-Paphos ging in Neu-Paphos über, einige Stadien von jenem entfernt; aber auch dies fand, besonders durch Erdbeben, seinen Un- tergang, und jert ist, statt ihrer, der Ort Baffa vorhanden.— Vergl. auch die Anmerk. Nr. 23.—(Ueb.) 29. «Demüth'ge Cig’ dreh'’n durch die Stras. sen hin.» Stanze 69., V. 6. Gigs sind einspännige, hochgestalte Chai- sen, deren sich gröſserntheils die gemeinere Volksklasse bedient.(Ueb.) 30. — vom Mantel stolz umweht Erscheint der leichtglied'rige Matador.* Stanze 74., V. 1— 2. Matador heiſst ursprünglich Todtschläger, Mörder; bei den spanischen Thiergefechten ist's derjenige Ritter, der bestimmt ist, dem unterliegenden Kampfstiere den leizten Stofs in den Hals zu geben.—(Ueb.) A⁵ D wöhnl. oder 1 Beglei lich u ger un „Die Riegel, der Duenna kluge Wacht,“ Stanze 81., V. 2. Duenna ist eigentlich, was Señora. Ge- wöhnlich heifst in Spanien also eine Matrone oder bejahrte Frau, welche die Aufscherin oder Begleiterin junger Frauenzimmer macht; folg- lich unsere Gouvernanten, nur vielleicht stren- ger und weniger französisch.—(Ueb.) 124 —V——Ü:ſêäêßö————»——T᷑qÜL ú:ſ8 e Anhang. (Ftimmen über das Gedicht.) Nach einem kurzen, aber eben so heltigen Streite der englischen Kritiker über Byron und seine Gedichte, entschied die Mehrzahl zu seinem Vortheil. Das frühere etwas über- triebene Lob wurde durch spätern Tadel blos gemäſsigt, und was Vorliebe oder Vorurtheil auch behaupteten, der Dichter ging aus dieser Feuerprobe geläutert und einer der ersten un- serer Zeit herror. Ueber den Childe Harold besonders sind die Stimmen sehr verschieden gewe über es ni hier stelle 1 (im 7 Art: origir Beat vorge spear und durc! auf Alles genhe Gemi ner, keine Leser von& denhe ε‿—2» gewesen, und um ein unpartheiisches Urtheil über den Gegenstand fällen zu können, dürfte es nicht ohne Nutzen für den Leser seyn, sie hier von den beiden Partheyen zusammen zu stellen. Eine Stimme für den Dichter äufsert sich (im 59. St. des Edinbourgh Review) auf folgende Art: Der Plan zu diesem Gedicht ist eben so originell, als die Ausführung, wenn gleich Beattie's Minstrel der Seele des Dichters vorgeschwebt zu haben scheint. Selbst Shak- spear unterwirft sich den Fesseln der Geschichte und der bürgerlichen Gesellschaft, aber Byron durchstreift die ganze Welt, einzig getragen auf dem Wirbelwinde seines eignen Geistes. Alles, was in der Gegenwart, in der Vergan- genheit und Zukunft kräftig genug ist, auf’s Gemüth zu wirken, liegt im Kreise dieser sei- ner, allumfassenden Dichtung. Da fesseln ihn keine Einheiten der Zeit oder des Orts. Der Leser folgt ihm leicht von Hügel zu Hügel, von einer Ruine zur andern, in die Abgeschie- denheit der Natur und zu den Prachtwerken 126 der Kunst. Vom Triumphgepränge der Vor- welt wendet er sich zu den glänzenden Welt- scenen unserer Tage, und die Bilder alter Kö- nige und Eroberer wechseln mit denen der Mitwelt. Bald umſafst er mit Sympathie die öffentliche Meinung, bald weicht er streng von ihr ab. Er zicht in den Kreis seiner Darstel- lung alle groſsen politischen Ereignisse, und in allen Ländern, die Harold durchwandert, weils der Dichter den Volksgeist seinem Ge- nius anzueignen.“ Eben so günstig urtheilt das Quarterly Re- view, und nimmt zu Ende seines krisischen Berichts über Harold von ihm in ſolgenden Worten Abschied: Wir trennen uns von Childe Harold, als von einem angenehmen ta- lentvollen Gefährden auf einer anzichenden Wanderung, der uns seine üblen Launen, sei- ne Hartnäckigkeit, seinen Eigensinn durch tief- gedachte Bemerkungen über die wichtigsten uns aufstoſsenden Gegenstände, und durch die glänzenden Farben der Scenen, die sich seiner Einbildungskraft darstellen, vergessen macht. — I. erste nur l mitte oſſen nunge tigen Publil sönlic den heilt Persor dem deren — Lord Byron war seit Cowpers Zeit der elt. erste Dichter, der in eigner Person, oder doch Kö- nur leicht verhüllt, bei seinen Lebzeiten un- der mittelbar vor dem Publikum erscheint, und die offen seine eignen Gefühle, Gedanken, Hoff- Fon nungen und Besorgnisse darlegt. Fast alle heu- Stel. ligen Dichter, welche die Aufmerksamkeit des und Publikums ansprechen, sind dem Leser per- lert, sönlich fast unbekannt, und können nur nach Ge- den Leidenschaften und Empfindungen beur- heilt werden, welche sie ihren erdichteten Personen beilegen. Childe Harold erschien in hen dem Character einer wirklichen Person, mit den deren Empfindungen, so wie sie dargelegt von wurden, das Publikum die des Lords zu ver- ta- gesellschaften geneigt war.— Mag indeſs Ha- rold auch nicht Lord Byron selbst seyn, so — 0◻ ⸗ sei. scheint er doch Byron's Bildniſs, skizzirt von Byron selbst, in ein phantastisches Ge- . 8 sten wand gekleidet, zwar entstellt, aber dennoch die dem Originale ähnlich genug zu seyn. iner Aber nicht allein der Neuheit eines Dich- hcht. ters, der in eigner Person spricht und in ei- 128 nem Tone, der sich Verachtung alles gewöhn- lichen Treibens im menschlichen Leben an- mafst, verdankt Childe Harold seine groſse Popularität; weit mehr wird die allgemeine Aufmerksamkeit gefesselt durch seine Dich- tungsart, in welcher der Sinn über die Töne vorherrscht, sein scharfes Auge im Anschauen der Natur, die kräftigen Züge, womit er ihre Schönheiten und ihre Schrecken zeichnet, sein Herz, glühend beim Ruſe der Freyheit und aller edlen Gefühle, und jeden Augenblick den eisigen Schrein, worin eine falsche Philosophie es einzwingen will, zu sprengen strebt.— Hat das Gedicht einen Plan, so schwankt es zwischen einer beschreibenden und einer philosophischen Dichtung. Der Pilger wandert von Land zu Land, bald beschreibend, bald sinnend und gedankenvoll, bald mit Pathos seine Gefühle ausströmend, bald moralisirend. Unwillkührlich wird der Leser Gefährte seiner Reise.— Der 1. und 2. Gesang beschäftigen sich mit Spanien und Griechenland. Spanien war damals der Schauplatz von Ereignissen, dere ber beid der ken folgt und runge Der- dann nen d reicht nach thos end. Liner tigen nien ssen, 129 deren Folgen Europa's(oder, wenn man lie- ber will, Napoleons) Schicksal entschieden. In beiden Ländern, zumal in Griechenland, fand der Pilger eine Fülle von Stoff, der Nachden- ken und Begeisterung erregt. Im 3ten Gesange folgt man dem Wanderer durch die Schweiz und Belgien. Vortrefflich sind seine Schilde- rungen der Rheingegenden und des Leman's. Der 4te Gesang beginnt in Venedig und führt dann nach Rom, wo die Beschreibung der Rui- nen der Vorzeit bis zum Schlusse des Ganzen reicht. Dieser Ate Gesang folgte erst acht Jahre nach Erscheinung des ersten. In diesem Ge- sang erscheint der Character Harolds weit ge- mäſsigter, versöhnter mit der Welt und klag- loser; ja der Held verschwindet selbst allmäh- lig von der Scene, gleich einem Gespenst.— Was den Versbau des Dichters betrifft, so ist derselbe, so wie die Wahl des Ausdrucks den Gedanken und Gefühlen in dem Crade untergeordnet, daſs dies alles verhältnifsmäfsig sehr am Gewichte verliert. Byron's Poesie ist gleich der Redekunst, die den Hörer 15. I 150 mit sich fortreifst, ohne dafs er deren Solöcis- men beachten könnte. Byrons Gegner— wenn man ihn so nen- nen kann— tritt in der Jen. A. L. Zeitung (1818. I. Nr. 1.) als Recensent seiner Werke auf; obschon er seine Kritik mit dem Ausrufe: die lautesten Lritiker hatten ja für ihn entschieden! wer wollte sich unterfangen, ihr Urtheil zu tadeln Po beginnt, so thut er letzte- res doch. Gleich der Titel des Gedichts hat seinen Beifall nicht. Er meint eine Wette ein- gehen zu können, dafs jeder Leser, dem Titel nach, eine Romanze aus dem anglodänischen Voralter erwarte; und glaubt, der Anfang des Gedichts liefse auf eine erzählende roman- tische Erzählung à la Oberon schlieſsen. Und liegt nicht— fährt er fort— in dem Na- men a Romant, welcher an Chaucer'’s Ro- maunt of the Rose erinnert, auch die Verheis- sung eines erzählenden, ein geschlossenes Gan- ze enthaltenden, Gedichisb Doch man irrt; denn von dem seyn sollenden Helden des Ge- dichts, von einer ihn betreffenden Begebenheit tur u Ehrge so bes mislei dem 6 würde nur fi ner ar nung, neuen schen. tur und der Reiz der Reisen(nur nicht der Ehrgeiz, der mächtigste unter allen) fär eine en- ung so beschaffene Seele verlohren, oder vielmehr 0...„... rke misleitet sind. Hätte ich diesen Character mit ife: hn dem Gedicht zugleich fortschreiten lassen, so ihr b würde er, je näher ich ihn dem Ende brachte, zte-—. 1 nur finsterer geworden seyn; denn nach mei- hat ein- ner anfänglichen Idee sollte ihn meine Zeich- . itel nung, nur mit einiger Ausnahme, zu einem hen 4e neuen Timon, oder vielleicht einem poeti- schen, Zeluco machen. XVIII —2-—ℳ———ℳ—ℳ—C—C—V—Y—öU Vorwort des Uebersetzers. Die VUebersetzung des trefflichen, einzigen Gedichts Childe Harold wurde von den Herausgebern der Urania auf 1820 bereits zum Gegenstand einer Preisaufgabe gemacht; aber von 3 eingelangten Verdeutschungen hatte auch nicht eine zur Auſnahme sich geeignet. Wenn bey der Aufgabe auch gefordert wurde, daſs die Uebertragung im Versmaafse des Originals gen den um aber auch Vvenn daſs sich bewegen müsse, so scheint, dem, im Jahrgange 1821 der Urania befindlichen, Be- richte über die Gründe der Nichtaufnahme zu Folge, dies doch nicht der Haupigrund gewesen zu seyn, aus welchem man sie verworfen hat; im Cegentheile erklären die Beurtheiler aus- drücklich, daſs eine Verdeutschung auch ohne Beachtung des Originalsylbenmaases, wenn sie nur sonst gelungen sey, den Preis erlangen könne. Was bei dieser Gelegenheit an jenem Orte(S. XXVII.) über die Schwierigkeiten einer Verdeutschung dieses Gedichts überhaupt ge- sagt wird, ist aller Beherzigung werth; aber wenn die Beurtheiler am Ende meinen, eine völlig unmetrische Uebersetzung könne die ge- lungenste werden, so möchten hierin schwer- lich ihnen viel Freunde der Dichtkunst bei- XX stimmen. Was früher von der Redaction der Urania behauptet wurde: eine Uebersetzung dieses Gedichts könne nur dann als gelun- gen gelten, wenn dabei die strenge Form der englischen Stanze beobachtet werde— gesteht auch Arthur von Nord- stern in dem Yorwort seiner Uebersetzung des ersten Gesanges(siehe Kind's Muse 1821 I. S. 3.) zu; doch nachdem dieser achtbare Dichter sich selbst befragt, was unter der Form der englischen Stanze eigentlich zu ver- stehen sey, so überzeugte er sich, sie müsse erst für deutsche Sprache und Dichtkunst ge- formt, folglich abgeändert werden. Er hat demnach versucht, in einer passenden Nachbildung der Spenserstanze seine Verdeut- schung abzufassen. — 4„ 7 4 erfäl ihn tisch weite als e tung sent sagt, Verw ner sche kenn Gedi aber sem ist ni nein! Bull der N pinse ist, Ehrw ten den eut- erfährt man sehr wenig. Handeln sieht man ihn nie. Kurz, das Gedicht ist nur eine poe- tische Reisebeschreibung, und Childe Harold weiter nichts(was freilich Byron selbst sagt) als ein erdichteter Character zur Zusammenhal- tung des Ganzen.“— Nun nimmt der Recen- sent das, was Byron über seinen Childe Harold sagt, alles für baare Münze und zeigt durch Verweisungen auf die gröfsten Characterzeich- ner der Vor- und Jetztzeit, dafs die Byron- sche Zeichnung ganz mislungen sey, und er- kennt endlich die grofse Wahrheit, dalſs das Gedicht gar keiae Helden habe. Das Wesen aber,— fährt er fort,— welches unter die- sem Namen darin hie und da herumspukt, ist nicht etwa ein Character aus der Sagenzeit, nein! ein ganz ordinairer Vetter von John Bull, der durch alle die Züge, welche ihm der Verf. in die nichtssagende Physionomie ge- pinselt hat, um nichts bedeutender geworden ist, ein sich durch vorwitzigen Tadel manches Ehrwürdigen und durch sauertöpfische Ansich- ten gelten machen wollender Zeitgenosse der 132 groſsen Ereignisse im lelzten Jahrzehend.“— Er meint, man müsse es für hämische Satyre halten, wenn Byron zu verstehen gegeben ha- be, dieser Childe Harold könne er selbst seyn; doch sey es fast unmöglich, etwas anders an- zunehmen, denn Harolds Reise sey die näm- liche, welche Se. Herrlichkeit gemacht, und Harolds Ideen wären die des Lord's.— Bey aller Unschicklichkeit der Verbindung des Hel- den mit dem Gedichte, lasse es sich doch nicht läugnen, dafs viele seiner darinn gege- benen Beschreibungen vortrefflich seyen. Unser Reisender(nicht Held)— beschlieſst Recensent— geht zu Schiffe. Die Sonne steigt nieder und er singt dem Vaterlande sein Ab- schiedslied, was lieblich genug und ganz im ächtromantischen Tone gehalten ist. Es cha- racterisirt dasselbe die Ansichten, die der Chil- de von Menschen und Leben hat.— Harold kommt an Portugals Küste. Der Anblick die- ses Landes veranlafst ihn zu recht frommen Be- trachtungen. Was er von Lissabon sagt, ist platt prosaisch; dagegen dichterisch schön, die 133 Ansicht von Cintra. Die Erinnerung an die da- sige Convention ist ihm so bitter, dafs er un- gerecht und grob wird.— Nun geht es nach Spanien. Freundlich ansprechend, fast idil- lisch schön, ist die Schilderung des Land- manns in der Gegend von Sevilla. Gleich schön das Gemälde eines Mädchens, das sich für das Vaterland bewaffnet.— Noch ist in dem ersten Canto eine malerische Beschrei- bung des Stiergefechts. Weniger spricht das Lied an Inez an, oflfenbar, weil sich der Verfasser selbst hier zu sehr durchscheinen läſst. Auch ist es zu deutlich, dafs es ihm nur darum zu thun gewesen ist, es irgendwo anzubringen; denn wie gezwungen ist die Ein- leitung dazu. Oft, sehr oft— sagt Childe— habe er geliebt; aber jetzt könne er's nicht mehr, weil er noch nicht aus Lethe's Strom getrunken habe. Cleichwohl habe er doch ein- mal, seinem Dämon ungehorsam, Reizen ge- sungen, die eben so bezaubernd gewesen, als die ihn in glücklichern Tagen beseligt.— So klingt das Echo aus solchen englischen 134 Journalen, die sich bestrebten, Byron’s Ce- dicht, durch Angriffe auf den Character des Verfassers, herabzusetzen. Wie wenig es ih- nen gelungen, weiſs die Welt, welche dieses poetische Erzeugnifs als einzig bewundert; und andere Kritiker haben jene Tadler zum Schweigen gebracht, was um so leichter war, da man sie durch die selbst gegebenen Blöfsen bekämpfen konnte. Eine gute Uebersicht der verschiedenen Urtheile über den Childe Harold, und eine unpartheiische Characteristik desselben giebt Jacobson in seinen Briefen über die neueste englische Literatur. gr. 8. Altoua, 1820. XXI Der Verfasser der hier abgedruckten Ver- 1 h-. 1 gute Zahl von Stanzen genau in der Spen- 8 1 e es deutschung des ersten Gesangs hatte schon eine es rt; serschen Form übersetzt, ehe er von um allen diesem etwas gelesen; und nachdem das letztere geschehen, mochte er sich dennoch der nicht entschliefsen, seine Ansichten zu ändern. Die Eigenthümlichkeit des Baues dieses, viel- die leicht in Deutschland früher nie nachgebildeten Versmaases, besteht darinn, dafs in seinen neun Zeilen nur ein dreyfach wechselnder Reim statt findet: nämlich einer für die erste und dritte, einer für die zweite, vierte, fünfte und siebente, und einer für die sechste, achte und neunte Zeile. Es scheint, daſs der Reim in dieser Versart immer männlich sey, we- nigstens findet man im ganzen Childe Harold XxII keinen weiblichen, bis auf die erste Stanze der san Zueignung an Janthe; und es mag ganz geh zweckmäſsig seyn, dafs in einem so ernsten Ke- Gedicht, als dieses, das Männliche auch in der nur Form vorherrsche. Freilich ist's in der engli- den schen, mit wenig weiblichen Reimen ausgestat- Dic teten, Sprache weit leichter, sogenannten Härten in und dem Einsilbigen auszuweichen, als in un- wür serer deutschen; zumal seitdem sie durch das bew Sonettengeklingel unser Ohr erschlafft zu haben scheint; aber dennoch wird, ungeachtet der nie wechselnden männlichen Endsilben, offen- bare Härte wohl zu vermeiden seyn, und der Character des Gedichts eben dadurch sich treuer in die Verdeutschung übertragen lassen.— Was ich gebe, ist ein schüchterner, anspruch- loser Versuch, das Erzeugniſs einiger mir spar- XXIII Jer sam zugemessener Musenstunden: ob ich mehr 1u2 geben kann und werde, hängt vom Beifalle der ten Kenner ab.— Uebrigens habe ich so treu, als der nur möglich war, wo nicht die Worte, doch gli- den Sinn, die Gefühle, den Character des tat- Dichters wieder zu geben gesucht, was freilich ten in einem noch höhern Grade geschehen seyn un⸗ würde, hätte ich in einer freyern Form mich das bewegen können. ben—— 4 Zwickau, im Mai der 1821. len- Der Uebersetzer. Verbesserungen in Nr. 15. der Taschen- Bibliothek. Seite Zeile r v durchschwärmet statt durchschwärmt 0. Sünder statt Sander noch statt nach . Schön statt Schon Viane 8 8 Taschenbibliothek . 1]— ausländisch Klassiker, neuen Byron's Poesien. Neuntes Bändchen. Lord Byron's Poesi e n.. Neuntes Bändchen. Ritter Harold's Pilgerfahrt Zweyter Gesang. Uebersetzt von . August Schumann. —————O— .. Z. wickau, * im Verlage der Gebrüder Schumann. 18˙22. Harold's fahrt. Eine Romanze. 7 7 7 2 F* Z weyter Gesang. ——————.-—M—— 4. Komm, blaugeäugte Himmelstochter!— zwar Ach! hast du lang kein sterblich Lied gelehrt Göttin der Weisheit! hier dein Tempel war, Noch steht er, was auch Krieg und Feu'r ver- heert ¹), die dich sonst verehrt! als Flamme, Stahl und Zeit, Des Schreckens Scepter, und der Herrschaft Schwert, Und Jahre— tilgend, Doch schlimmer sind, Wenn Menschen führen sie, die nie gefreut Das heil'ge Feu'r, von dir in fromme Brust ge- streut ²). 2. Uraltes, herrliches Athen! wo, wo Ist deiner Menschen Seelengröfs' und Machtb Fort!— schimmernd nur im Traum der Zeit, die floh; Die ersten stets am Ziel, wo Clorie lacht, So siegten— schwanden sie— so war's voll- bracht! Nun Schulbub's Mähr, das Wunder kurzer Zeit, Des Kriegers Wehr, Sophistens Stola-Tracht Sind hin;— ob jedem Thurm, zum Sturz bereit, Flimmt durch der Jahre Nebel alte Herrlichkeit. 3. Des Morgens Sohn, steh' auf! komm näher nun! Nur stör' nicht jene Urn', die schulzlos ragt, Schau diesen Ort, ein Grab, wo Völker ruh'n, Und GCötter, denen Tempel jetzt versagt; Sie sterben auch— am Glauben, Wechsel nagt; Auf Zeus folgt Mahom— aber Glaubensglut ³ Wozusein Weihrauch flieſst, sein Opferblut,— eit, Des Tod'’s, des Zweifels Kind, auf Rohr sein Hoſſfen ruht! „ 4. An Staub gebannt, sein Aug' schweift him- eit, melan! cht Ist's, was du bist, Armsel'ger, einzusehn urz Nicht g'nug?— so gütge Gab' ist deinem Wahn eit. Dies Seyn, dafs nochmals seyn du willst, und gehn f In Regionen, die du nie gesehn, un! Die, irdisch nicht, durch höh're Himmel gt, ziehn; n,. Träumst stets noch von der Zukunft Freud' und Wehn b tt;. Eh’ jener Staub verfliegt, schau, wäge ihn; Mehr sagt die kleine Urn', als tausend Homilien. 5. Seit des verschwundnen Helden Mal zerbrach, Schläft er, auf ferne Küste weggesetzt; ³3) Er fiel, gefallne Völker trau'rten nach, Doch kein's weint d'rum von Tausend Traur'- gen jeizt; Ob Halbgott auch ihn die Geschichte schätzt, Kein Kriegsverehrer mag ihm Messen weihn. Sieh' dort im Schutt den Schädel hart verletzt! Darf so die Wohnung eines Cottes seyn 5 Selbst Würmern eckelt endlich sein zerstreut Gebein! 6. Schau dort des Bogens Bruch, den Wall so grau, Die Zimmer öd', das Thor vom Schmuftz er- faſst ⸗ Hier prangte sonst der Ehrsucht luft'ger Bau, Des Denkens Dom, der Seele Lust-Pallast; Durch jeder Höhlung matten Schimmer fast Seht ihr, wo Weisheit sonst und Witz sich trieb Mit Leidenschaft, die stets den Zwang gehafst; Was der Sophist, der Weise, Heil'ge schrieb, ur’- Bevölkerts neu den Ort, den Grund, der öde blieb?— 7. Der Mensch weiſs nur, daſs er nichts wis- sen kann." So sagte einst dein weis'ster Sohn, Athen.*) Was meidlos ist, darf schrecken es den Mann 5 Sein Kreuz trägt Jeder, doch nur Schwache sehn In ihren Hirngespinsten wahre Wehn. Was Fatum, Glück dir beut, sey schnell erfafst; er Am Ach'ron nur kann Frieden man erflehn, Wo Zwanggelag nicht plagt den satten Gast, 3 Nur Still' ihr Lager streut für stets willkomm-- . ne Rast. *) Sokrates 8. Doch wenn, wie fromme Menschen wähnen, liegt Jenseit des ird'schen noch ein Seelenland,— Zur Scham der Zweifelslehr', womit betrügt Sophist und Sadducäer den Verstand—: Süfs wär's, dort anzubeten, Hand in Hand Mit den, die leicht gemacht uns ird'sche Mühn, Jed' Stimme hörend, die im Leben schwand; Zu schau'n auf so viel mächt'ge Schatten hin, Auf Samos*), Bactrians Weis', all' die für Recht erglühn. 9. Du, deren Lieb' und Leben floh'n zugleich, Mich lassend, dem nicht Lieb' und Leben nülzt, Kann's Herz dich wähnen in der Todten Reich, Wenn die Erinn'rung mein Gehirn durchblitztb — *) Pythagoras, Lafs träumen mich, dafs dort man neu be- nen sitzt . Was, ein Phantom, die leere Brust erfreut; — Wenn auch Erinn'rung dort nicht mehr ge- igt schützt, So sey's, wie es der Zukunft Macht gebeut: 3 Ad Glück g'nug für mich, zu schauen Deinc Se- ligkeit. 10. in, Hier lafst mich sitzen auf dem Riesenstein, für Der Marmorsäule Fufs, der fest noch ragt! Hier, Sohn Saturns! ein Lieblingsthron war dein 4, Der Mächt'gen Mächtigster! sey's nicht versagt . ₰ Mir, zu erspäh'n den Ort, wo dir's behagt'. ben Vergeblich ist's!— Selbst nicht die Phantasie Stellt her, was scharfer Zahn der Zeit benagt. 13 Doch stöhnt kein Seufzer stolzer Säulenreih', ats 6 Starr sitzt der Türk'— es trällert leicht der Criech' vorbey. 14 141. Wer war von Allen, die geplündert dort Den Tempel, wo lang Pallas weilt', zu fliehn Den kleinen Rest von ihres Reiches Hort,— Der letzte, schlimmste— und wie nennt man ihn P Dein Sohn ists, Schotiland, mögst vor Scham du glühn! Heil England, daſs es nicht der Deine war; Frey selbst, würd'st schonen du, was frey erschien. Doch seinem Raub fiel Tempel und Altar; Fort trugs der Ocean— mit Widerwillen zwar 5). 12. Und der moderne Pikt prahlt frech, daſs er Geraubt, was Gothe, Türk' und Zeit ver- schont 5); ... P Kalt wie der Fels an seinem Heimathsmeer, 4 L Sein Sinn von Erz, sein Herz von Eis bewohnt, 15 Ist der, des Kopf beschliefst, des Hand nicht schont Zu rauben, was Athene's Trümmer beut; Schwach, und sie zu vertheid'gen nicht ge. wohnt, Theilen die Söhne doch der Mutter Leid 7), Nie hat sie so gedrückt Despotengierigkeit. 13. Wie, sey's von britt'scher Zunge je gesagt, Athene's Zähr' erhöhte Albions Florp Ob, schallt dein Nam', auch Sklavenbrust ge r; r 5). zagt, 3 Doch hör' es nicht, aus Scham, Europa's Ohr: 8* Das letzte Gut des wunden Lands erkor Sich frey Brittania, Oceans Königin;— 3 er Sie, deren edlen Schutz man rühmt’ zuvor, ver- Griff mit Harpy'nhand nach den Trümmern hin, r, 4 Die neid'sche Vorzeit schont' und der Tyran- nensinn. 16 14. Wo war dein Aegis, Pallas, das geschreckt Den grimmen Klarich auf blut'ger Bahn? 8) Wo Peleus Sohn, hält Hades ihn versteckt, Dafs d'raus an jenem Tag' nicht langte an Sein Schatten, ganz mit höll'schem Schmuck bedeckt b Wie, sparte ihn nicht Pluto noch einmal, Daſs neue Räuber er zu Boden strecktb Dort geht er müſsig nun im Styg'schen Thal, Der ehmals ihm so lieb,— schutzlos steht jetzt der Wall. 13. Kalt ist das Herz, das nicht für Hellas schlägt; Was fär Geliebter Staub man fühlt, fühlt's nicht;— Schwach ist das Aug', das thränenlos erträgt, Wenn deine Wälle stürzt, die Tempel bricht Des Britten Hand, obschon es seine Pflicht, Zu seyn verwais'ter Heiligthümer Hort. 17 Fluch jener Stunde, wo, von Cier erpicht, hreckt Ihr Schiff nochmals durch deinen Busen bohrt, Und deine starren Götter führt zum kalten Nord. 16. te an Wo ist Childe Harold— darf vergessen ich chmuck 5 Des düstern Wandrers auf der hohen Seek Was kümmert's ihn, drob Menschen härmen nmal, sich; Kein Liebchen zollte ihm geheuchelt Weh, ehe; Nicht eines Freund's Hand hobsich scheidend, eh eht jetzt Der kalte Fremdling andre Zonen fand. Sein Herz ist hart, kein Zauben fesselt's je, Jetzt scheint ihm, was er sonst gefühlt, nur Tand, 1 13 chlägt 8,..„ — D'rum flieht er seufzerlos des Kriegs und Fre- fühlt's etilts vels Land. erträgt, 17, bricht Wer jemals schifft' auf dunkelblauer See, licht, Dem, glaub' ich, ward oft Herrliches zur Schau! 23. B 18 Das Wehn der frischen Luft, so süfs als je, Des Segels Weiſs, des Schiſfes stolzer Bau, Gerichtet, wie sich's ziemt, Mast, Spindeln, Tau, Das prächtge Schönfahrsegel ausgespannt, Die Convoy*), wie der Schwäne Zug genau; Der trägste Segler sich nun neu ermannt, Und kräuselnd bricht die Well' an Schiflfes Vorderwand. 18. Und o, nun d'rinn die kleine Kriegeswelt!- Das netz'ge Dach 9), gut aufgepflanzt Geschütz; Das Summen, wenn der Ruf des Obern fällt, Ein Wort bemannt der Masten Wolkensitz; Der Bootsmann ruft: da glitscht schnell wie ein Blitz Durch schreyender Matrosen Hand das Tau; Auch macht ein Schiffskadet dabey sich nütz: 4 *) Fahrzeuge zur Bedeekung. 8e Und — EiU 19 Sein Pfeifchen zeigt, was gut, was bös, genau, Und die gelehr'ge Schaar lenkt leicht ein Wicht so schlau. 19. ht, Weiſs, flecklos ist's durchsichtige Verdeck, enau; Wo auf der Wacht der finstre Lieutnant steht. t.* Schaut jenen, für den Hauptmann heil'gen chiſfes Fleck, Wie majesrätisch er, stumm, allgefürchtet, geht; Nicht oft spricht er zu Andern, er versteht velt.. Den strengen Zwang, der, bricht man ihn, chütz; so leicht fällt, Vereitelt Sieg und Ruhm— doch es umgeht nsitz;. Britanniens Sohn gar selten nur vielleicht ll wie Ein streng Gesetz, sobald's zu Englands Wohl gereicht. Tau; 20. nütz: Blas', hurtig blas', du Kiel fortweh'nder*) Wind! *) Kiel ist die eine der Grundlagen des Schiffes; gleichsam dessen Kückgrat. Bis scheidend löscht der Sonne letztes Clühn; Doch steu'rt der Wimpelträger*) nicht ge- schwind, Damit die faulern Boote nach sich ziehn. O schmerzensvolle Qual, lästges Verzichn, Den schönsten Wind zu opfern trägem Kiel! Viel Meilen raubt, noch vor des Tags Beginn, Dies Zaudern auf der Wellen flüchu'gen Spiel, Schon oft für schlechte Logs**) das wall'nde Segel fiel. 21. Der Mond geht auf, der schönste Abend traun Lichtströme glähen auf der Wogen Tanz, Jetzt seuſzt am Strand der Knab“,— und Maid's vertrau'n! So thun auch wir beym Wiederblick des Lands! *) Die Wimpel ist eine lang 2, schmale, und nur auf Kriegsschiffen erlaubte F **½) Logs sind schlechte Segler. — * lehn, Kiel! sinn, Spiel, l'nde l nur *) ganz, Ein roher Sänger, nicht Arion Wechkt jetzt des Scemanns heitre Melodei; Im Kreis der Lauscher blickt der Freude Glanz, Zum Walzer eilt die Menge froh herbey, So keck, als schwärmte sie auf sichrer Küste frey. 22. Durch Calpe's Enge**) blickt!— welch jä⸗ ber Strand! Hier starr'n Europ' und Afrika sich an! Der schwarzäugigen Maids***), der Mohren Land.— Schaut tief Hekate’s*◻**) blasse Fackel dann, *) Soahn Neptun'’s, der als Dichter und Lautenspieler glänzte. Sein Spiel rührte sogar die Delphine, und einer trug ihn, der Leben fahr entnommen, auf seinem Rücken übers Meer. **) Gibraltar. ) S. ierinnen. Diana **½) Selene, Wie mild sie spielt auf span'scher Küste Plan, Entschliefsend Abhang, Fels und dunkeln Wald, Erst hell, dann dunkler, als ihr Schein ver- 8 rann; Doch Mauritaniens Riesenschatten wallt Vom Felshang bis zur Küst' in mürrischer Ge- stalt. 23. Nacht ist's,— Nachdenken uus zu fühlen lehrt: Daſs wir geliebt, wenn Lieb' auch nicht mehr scheint Dem Herzen, welches stille Glut verzehrt; Ob freundlos jetzt, träumt's doch, ihm blieb ein Freund,— Wer wärc nicht dem Druck des Alters ſeind, Wenn früh schon stirbt der Lieb' und Freude Trieb P Ach, wenn verwandte Seelen nichts mehr eint, 3 Mäht wenig nur des Todes letzter Hieb; Oschöne Zeit, wer immer doch ein Knabe blieb — 0—— 8 Er 24. Wer schauet, über nassen Bord gebeugt, Dianens Stern*) in Wellen Wiederschein, Vergifst, was Stolz und Hoſfnung je gezeigt, Und schweiftbewufstlos durch vergangnes Seyn; So arm ist keiner, daſs nicht einstmals sein Ein Bild— ihm theurer als sein Selbst wohl nie— Und werth, ihm seiner Thränen Zoll zuù weih'n. Ein jäher Schmerz!— Doch dafs das Herz er flieh', Erstrebt die matte Brust nur mit vergebner Mäh’. lehrt: mehr 23 Auf Felshang stehn, nachsinnen Ebh' und Fluth,— Langsam des Waldes Schattenwelt durchgehn, Wo Wesen hausen, frey von Menschenhut, —;—:——— *) Luna. 26 Von Stille, Kühle, Wechsel, Rückfall d'rauf, Und wie’s auch Wind und Woge mit uns treibt; Ob Segler Lust erfüllt, sie Sorge reibt In ihrem Schlöfschen, meerumwogt, be- schwingt; Ob uuser Aug' ergötzt, das Ohr betäubt, Ob Wind und Well' der Wechsel auch be- zwingt: Wenn hold ein Morgen graut: sieh Land!— und Alles springt. 29. Doch auf Kalypso's Inseln ¹0) habet Acht, Die schwesterlich im Mittelmeer vereint, Wo Mücden noch ein sichrer Hafen lacht; Obschon die schöne Göttin nicht mehr weint, Noch fruchtlos wachend jetzt am Fels er- scheint, Für den, dem ird'sche Liebe mehr behagt*). *) Ulyst hatte demungeachtet bey der Göttin Kalypso Da 27 Bey ihr zu bleiben selbst der Sohn verneint, Und hat vom Felshang kühn den Sprung ge- wagt, Daſs, beyder nun beraubt, die Arme zwiefach klagt. 30. Ihr Reich ist hin, ihr Glorienreiz entflohn, Doch mag leichtgläub'ge Jugend ja nicht trau'n: Ein ird'scher Fürst schützt ihren Lieblings- thron, Dort neugezeugt kannst du Kalypso schau'n. Süfs Florenz! könnte Mitgefühl bethau'n Dies Herz, verwaist und kalt,— es wäre Dein! Doch darf ich nicht, erfafst von Leid und Grau'n, Mein werthlos Opfer deinem Tempel weih'’n; Wo wär'’ die seltne Brust, die theilte meine Pein? sieben Jahre lang ausgehalteo, und 2 Kinder mit ihr erzeugt. 31. So dachte Harold, als gedankenlos 40 Er einsog jener Donna Augenlicht; Harmlose Huldigung ergrifl ihn blos. Zwar wich die Liebe, aber weit doch nicht, Sie wuſst's, wie leicht Gelübd' er macht und 1 bricht, 1 Und ihr Verehrer nicht mehr wünscht zu seyn. 2 Lang schlofs sich seine Brust dem kleinen. 8 Wicht, Und seit er widerstrebt, sich ihm zu weihn, Dünkt schier dem blinden Gott sein Reich vor- bey zu seyn. 32. Schön Fiorenza staunte, als sie fand Er seufze blos zu dem, was er erblickt,— Dafs ihrem Reiz er fühllos widerstand, Der Andrer Herz mit Ehrfurcht oft entzückt, Ihr Hoffen, ihre Strafe war, der sie beglückt, Und was für Schönheit je ihr Sklave thut. 29 Sehr wundert sie’s, dafs rauh er unterdrü Vielleicht nicht fühlt, die allbekannte Clut, Die, wenn auch lästig oft, nie Weiber setzt in Wie wenig kannte sle dies Herz von Stein, Das Stolz nun bannet, oder Schweigen hüllt; Zwar übt des Truges Künste sie so fein, 2n Stellt fern und nab die Schlingen ihrem Wild; Und dann nur sich ihr freches Streben stillt, hn, Wenn'’s Keinen, ihrer Jagd werth, mehr er- for- blickt. Doch Amors Macht bey Harold nichts mehr gilt;— Hätt' jenes blaue Aug' ihn selbst entzückt, Doch mied der Liebeswinsler Troſs er unver- rückt. kt, 34. kt, Auch wenig kennt der Frauenbrust, der meynt, Solch' unkeusch Ding' erlieg' der Seufzer Macht; Sie frag' nach Herzen, die ihr sonst vereint! Zwar huld'’ge deiner Göttin Augenpracht, F Doch nicht zu viel, damit sie nicht verlacht Die Dich und dein Flehn, sey's auch im süſs'ten Ton; Willst klug du seyn, thu' Zärtlichkeit in Acht, n Kühn Selbstvertrau'n bezwang manch Weib- chen schon,— Reiz', liebkos' wechselnd sie, bald wird dir Minnelohn. 35. Die Lehr' ist alt, durch lange Zeit bewährt— Wer gut sie kennt, beklagt am meisten sie: Wenn alles auch, was Sehnsucht heischt, ge- währt, So lohnt der schlechte Preis doch kaum der Mäh’. Verwüstet Ehr’, Gemüth und Jugend sieh! Dies ist die Frucht beglückter Leidenschafs: 31 Wenn Hoffnung grausam ward gebeugt so früh, Fault endlich sie, von Krankheit hingerafft, Die nimmer heilt, da Liebereiz selbst ohne Kraft. 36. Fort! lafst mich nicht in meinem Sang ver- ziehn, Denn manchen Bergpfad müssen wir noch gehn Und segeln mancher bunten Küste hin, Geführt von Gram— nicht von der Dichtung Weh'n, Durch Lande, schöner, als je Sterbliche ge- rt— sehn sie: In ihres Kopf’s idealer Welt allein, . 88. Und die je darbot Neu-Utopien; 1 Zu lehren, was der Mensch möcht', sollte er seyn, Wenn dies verdorb'ne Ding könnt' solche Lehr' h- erfreu'n. 37. r Der Mutter gütgste ist doch Natur; Jed' Zwar wechselnd stets, doch immer mild und lind! Ruh'n will an ihrer offnen Brust ich nur, Ihr nie entwöhntes, doch nicht Lieblingskind. Ch VWie reizvoll ihre wild'sten Züge sind, W Wo keine Kunst besudelt ihre Spur! Er Mir war bey Tag und Nacht sie mild gesinnt; Ve Obschon ich ihrer Schrecken Macht erfuhr, Ac Such' ich und lieb' in ihrem Zorn sie inn'ger nur. To Mi 38. W Dere Albanien, wo Iskander einst erstand— Der Jugend Thema, Weiser Wachtsignal!— Und er sein Namgenofs, des kühne Hand Dich schützt' oft vor geschlagner Feinde Stahl. v Albaniens Land, dich saugt des Auges Strahl, 1 Du rauhe Amme von so wildem Kind!— 1¹¹) 4 u Das Kreuz sinkt, Thürmchen steigen überall, 33 Dein Halbmond scheint entlang dem Thal so lind, Jed' Hüttchen glänzt durch des Cypressenhain's Gewind. 39. Childe Harold schifft' vorbey dem öden Ort, Wo Penelope starrt' zur Wog' hinab, ¹⁷) Er sah den Berg, so unvergessen, dort Verliebter letzt' Asyl, der Lesbier Grab. Ach Sappho, wehr't unsterblich Lied nicht ab Tod von der Brust, wo Himmelsfeuer glühtf Muſs sterben sie, die ewig Leben gab?— Wenn ewig Leben für die Leyer blüht, Der einz'ge Himmel für des Erdensohn's Gemüth. 40. Ein griech'scher Herbstesabend lachte mild; Da stellte fern Leucadia's Kap sich dar; Wie sehnt er sich, zu schauen dies Gefild! Auch manch' berühmte Wahlstatt sah er zwar, 23. C dich, schrecklich Tra- falgar; ¹3) Doch blieb er unbewegt— ihn freuet nicht Actium, Lepant', (Sein ruhmloses Gestirn trägt's offenbar!) Der blut'ge Straus, Mars's glänzendes Gezücht; Er haſst des Bravo's Dolch, verlacht den Krie- geswicht. 41. Doch, wenn er sah den Abendstern, der dort Leucadiens fernen Schmerzensfels beschien, Grüßfst' eitler Liebe letzten Zufluchtsort: ¹4) Da fafst’,— er wähnt's,— ihn ungewohntes Glüh'n. Und als im Schatten grauer Berge hin Langsam das prächt'ge Schiff die Fluth durch- strich, Sah' gern die melanchol’'sche Wog' er ziehn, Und wenn der Brust sein Gram auch nicht entwich, Sein Aug' wird ruh'ger doch, die Stirn' entrun- zelt sich. Hi 35 Tra- 42 jcht Tag graut— auch rauh Albaniens Bergwall graut, Der Nachtfels Suli's, Pindus drin im Land, In Nebel halb, von schnee'ger Fluth bethaut, Umgürtet von der Dämm'rung Purpurband; . Und nun, kaum daſs der Wolken Nacht ver- schwand, 4 dort Sieht man, wo hauset des Gebirges Sohn. Hier schweift der Wolf, hier wezt die Kral- 14) lenhand Der Aar—; Raubthier', noch wildre Menschen drohn; Hier eilt das Jahr in kalter Stürme Kampf davon. 43. iehn, Da fühlt sich Harold endlich doch allein; nicht Ein lang Lebwohl der Christenwelt er sagt- Er wagt sich kühn ins fremde Land hinein, trun- Das All' bestaunt, Wen'ge zu sehn gewagt. Wünschlos, trotzt er dem Fatum unverzagt. Nie sucht' Gefahr er, doch nie sehreckt sie ihn, 5 Die Scen' ist wild, doch neu,— d'rum sie 4 behagt. E Dies macht so süſs des Reisens endlos Müh'n, I Mild rauhen Wintershauch, und kühl des Som- I mers Glüh'n. I 44. 8 Das rothe Kreuz— noch ist's hier, döch be- gafft, I Und oft von der Beschnitt'nen Hohn befleckt; I Fort jener Stolz, werth fetter Priesterschaft; Verachtung nun der Kirche Diener neckt. Ist O Aberglaub', welch' Kleid dich auch versteckt, — Cötz', Meilser, Jungfrau, Seher, Kreuz, Moschee— Durch was für ein Symbol wan dich auch deckt: Nur Priestern bringst du Heil, der Mensch- heit Weh; Wer schied vom Glaubensgold wohl deine Schlak- ken je? 2“ 37 t sie 45 Ambrasia's Busen*) sich', wo man verlor a sie Fäür eine Frau einst eine schöne Welt.— üäh'n Die Felsbay dort zur Zweifelsschlacht erkor * Jom⸗ Manch asiatscher Fürst, manch' röm'scher Held, ¹⁵) Das Blut nur war gewiſs, das sie geschwellt. Schau dort des zweyten Cäsars Kriegstro- 2 be- phäen, 46) Verwelkt, der Hand gleich, die sie aufgestellt ckt; Für Chefs der Willkühr, doppelnd Mensch- ft; heits Wehn! t. Ist Gottes Welt bestimmt, für solche sich zu drehn? — 46. eckt: Fort übers Gränzmal von so rauhem Land, sch- Bis hin, wo man IIlyriens Thal' erkennt, Stieg Harold über manche Bergeswand, *) In Epirus. Doch kaum sind dir, schön Attika, vergönnt So holde Gründe,— Tempe mag nicht glühn In höherm Reiz, selbst der Parnassus kennt, So lieblich auch, berühmt durch Dichtermüh'n, Nicht schön're Au'n, als dieser düstern Küst' entblüh'n. 47. Den bleichen Pindus, Acherusia's See ¹⁰) Vorbey, links von des Landes erster Stadt, Eilt fort der Pilger, dafs er endlich seh' Albaniens Haupt, 18) das Willkühr übt, anstatt Des Rechts, des blut'’ge Hand gefesselt hat Ein kühnes Volk, wenn auch dem Aufruhr hold; Denn manche Rott' in der Gebirge Grat Höhnt seine Macht;— aus ſels'gem Rückhalt rollt Von ſern ihr Schlachtenruf, den nichis ver- stummt als Gold. ¹9) Durch Lande, die kaum die Geschichte nennt; ₰ 8 ⏑ 8 HBNRN△ R ¶ 2——' — unt; ount ühn nt, h'n, Lüst' ver- 39 48. O klösterliches Ziza! 2²⁰) Fleck, zwar klein, Doch reich begabt, und auf so heil'gem Grund; Welch Zauberschmelz, welch mag'scher Reize Schein, Entzückt, wohin das Auge schweift im Rund! Fels, Strom, Wald, Berge wechseln bunt, Zum Canzen sich der blau'ste Himmel reih't; Tief unten macht des Stromes Rauschen kund Den Wasserfall durch Klippen hoch und weit, Wobey das Herz erbebt, doch sich zugleich erfreut. 49. Dort in dem Hain, den busch'ger Hügel krönt, Der— würd' von manchem nahen Berge nichtꝭ Noch luft'ger ragend, dieses Land verschönt— Verdient, daſs man der AnmuthKranz ihm flicht: Strahlt auf der Höh' das Kloster weifſs und licht. Hier haust der Kaloyer ²¹), er ist nicht rauh, Noch karg sein Mahl;— der Wandrer spricht Vergebens nie ihm zu, und zicht nicht lau Hinweg, liebt er Natur und ihrer Reize Schau. 50. Hier in der Schwül' gönnt ihm des Rastens Lust; Frisch unter alten Bäumen ist das Grün; Die mild'sten Lüftchen kühlen seine Brust, Des Himmels Düfte mag sie in sich ziehn. f E Fern ist die Eb'ne noch, lafst schlürfen ihn Noch lang die reine Lust;— hier dringt — 4— nicht ein Des Fieberschwangern Strahles sengend Glüh'n; D'rum laſst den Mäden hier sein Lager streu'n, Der Ruh',— ob Morgen, Mittag, Abend fliehn— sich weih'n.. † 31. b Trüb, hoch und höher, immer steigend ziehn, — Vulkanische Schaubühne der Natur!— 22) Chimära's Alpen links nach rechts sich hin, 1 Und drunten lebt des Thals beseelte Flur. 4¹ Au Scht Heerden ziehn, Hain's Wehn, der Strö- au. me Spur, Der Bergtann' Nicken,— schaut den Ache- ron. 23) ust; Wie schwarz er flieſst— sonst tragend To- ; 3 de nur. ust, 3 Pluto! ist Hölle dies P sie sey mir Lohn, Elysiums Thor verschliefst, mein Schatten bleibt hn davon! ingt 52. h'n; Kein Stadtgemäu'r befleckt der Aussicht Glanz; u'n, Janina sieht man nicht, doch liegts nicht weit, 4— Gebirg' hüllt's nur; es fehlt der Mensch fast f ganz; Arm ragt das Dorf— und Hüttchen stehn zer- streut; hn, Von Klipp' zu Klippe springend, nährt und .22) freut Die Geis sich doch;— es lehnt der kleine Hirt 4² An Fels den Knabenleib im weissen Kleid, 2² Der Heerde sinnend, die am Abhang irrt, Und drohet jäher Sturm, die Höhl' ihm Obdach wird. 53. Ach, wo, Dodona!*) ist dein Hain so alt, Prophet'scher Quell, und Zeus Orakel hinp Welch Echo noch von seinem Ausspruch hallt? Wo liegt des Donnerers Tempel im Ruin P Vergessen! darſs Herz drum in Unmuth glühn, Daſs dieses flücht'gen Lebens Band so schwach: Willst theil'n du Thor der GCötter Schicksal kühn Und Eich' und Marmor überleben,— ach! Wenn YVölker, Sprachen, Welten trift derselbe Schlagb— *) Ein durch sein Orakel berühmter Ort in Epirus, den Deukalion gründete. Der heilige Hain lag gleich neben dem Tempel des Jupiter; und drin- nen stand die heilige Eiche. Der Quell lag auch nahe beym Tempel-. »—ꝛ+ 43 54. Epirus Gränze weicht,—'s.Gebirg wird fahl, Müd' seiner Schau, das matte Aug' erfreu't — D'rauf ruhend nun— ein mildes, w eitesThal, Umhüllet von des Frühlings ros'gem Kleid; Denn flaches Land oft hohen Reiz auch beut, Wenn kühn ein Strom durchbricht den wei- ten Raum, Umweht von einem Walde hoch und breit, Des Schatten tanzt bald aufder Wogen Schaum, Bald mit dem Mondstrahl theilt der Nacht Ent- zückungstraum. 55. Die Sonne sank weit hinterm Tomerit, 25) Der Laos 2⁰) rauscht einher, stolz, wasserreich; In nächt'’ge Schatten schon der Tag verglüht, Als, bänglich folgend jähen Uſers Steig, Harold erschauet, Meteoren gleich, Die strahl'nden Minarets*) von Tepalen, *) Thürmchen. Das über'm Strome ragt;— er naht und gleich Hört er der Waffenübung wild Getön, I Die Lüftchen schwellend, die den Grund weit- C hin durchwehn. 1 I 56. Des heil'gen Harems stillem Schloſs vorbey,. Und stehend unterm weitgewölbten Thor, Bis Schaut er des mächt'gen Hauptes Prachtgebäu, Und wie rings strahlt sein hoher Rang hervor; Als Sitz des Glanzes Mitt' es sich erkor.— Schaut die geschäft'ge Meng' im Hofe dort, A Der Sklaven, Söldner, Fremden, Mönche Chor! D'rin ist's Pallast, doch aussen nur ein Fort, Für Menschen jeden Himmelstrichs ein Sammel- Ort. 57. Schaut unten in des Hofes weitem Kreis Der reichbedeckten Kriegesgäule Reih'n, leich weit⸗ 45 Den Waſſenvorrath hier gehäuft mit Fleifs, Im Korridor seltsamer Gruppen Schein! Oft zur Area hall'nden Thor herein Manch hochgehaubter Tartar spornt sein Roſs; Hier mischet sich im buntesten Verein Der Türken, Griechen, Moor'n, Albanier Trofs, Bis, sinkt der Tag, die dumpfſe Trommel tönt durchs Schlofs. 58. Der wild' Albanier, bis aufs Knie Bewams't, umschaulten Haupts, die Wafl' ge- schmückt, Im goldbrodirten Kleid— wie herrlich, sieh! Die rotbgeschärpten Macedonier blickt! Der Delhi, den die Schreckensmütze drückt, Mit krummem Schwert, der Griech' biegsam und leicht; Beschnitt'ne Schwarze, Nubien entrückt, Der bärt'ge Türk’, der stets verächtlich schweigt, Weil, machtvoll, aller Herr, nie gütig er sich zeigt: 39. Sind trefflich hier gemischt.— In Gruppen schau'n Ein'ge die Scen', so wechselreich und bunt; Hier ernste Moslems, die sich still erbau'n, Dort Andre rauchend, Ein'’ge spielend, und Albaniens Sohn, durchschreitend stolz den CGrund. Des Griechen Plaudern tönt halb lispelnd blos. Horch, der Mosqueen*) Festton thut sich kund, Das Thürmchen bebt von der Muezzin Stoſs: Kein Gott ist ausser Cott!“— Bet'— schau' ihn — Cott ist groſs!**) *) Türkische Kapellen,. **) Muczzin's sind Gebetausrufer, und an den grös sern Moskeen wohl ihrer zwölfe. weigt, r sich 2 grös 47 60. Zu dieser Zeit feyrrt man den Ramazzan,*) Büssungen ist der lange Tag geweiht; Doch rückt des Zwielichts träge Stund' kaum an, So herrschen Lust und Festgelag erneut; Der Troſs geschäft'ger Diener hält bereit Nun in dem Haus den Tisch zum leckern Schmaufs. Bald stehn die Gallerien so leer und weit; Doch aus den Zimmern schallt des Lärms Gebraus, Wenn Pag' und Sklav' geschäftig gehen ein und aus. 61. Hier hört der Frauen Stimm' man nicht;— abwärts, *) Der türkische Fastenmonat, nach welchem der Bai- ram, als Freudenfest folgt. Verschley'rt, bewacht, verdammt reglos zu seyn, Ist Einem sie geweiht mit Hand und Herz: 8 Im Bau'r gezähmt, mag sie sich nicht befrey'n, Das Denn glücklos nicht so ganz im Eh'verein, Und froh sich weih'nd der mütterlichen Müh'n, O süfse Müh'n! scheint nichis sie sonst zu freu'n, N Als sorgsam ihren Säugling zu erzieh'n, Stets an der Brust, worin nicht niedre Lüste glüh'n. 62. Im marmorreichen Pavillon, wo ein Quell Lebend'gen Wassers in der Mitte springt, Rings milde Kühle spendend, rauschend, hell; Wo manch’' wollüstig Bett zum Rasten winkt: Ruht Ali— stets von Krieg und Fluch um- ringt; Doch lesen kann in seinem Blick man nicht, 8 zu erz: ey'n, n* üh'n, t zu Lüste nell gt, hell; inkt: num- nicht, 49 —(Weil mit der Sanftmuth mildem Glauz geschmückt Sein hochbetagt', ehrwürdiges Gesicht—) Das Böse, das d'rin lau'rt— und ihm zur Schan- de spricht. 63. Nicht d'rum ist's, daſs der Bart, so lang und grau Schlecht kleide jugendlicher Leidenschaft; Lieb' siegt ob Alter— Hafiz*) sagt's genau, Der Tejer**) singt es, und er singt wahrhaft; Doch Schuld, die höhnt Ruth'’s***) sanfter Stimme Kraft, Steht jedem schlecht, zunächst dem alten Mann Ihn zeichnend, wie von Tigers Zahn gerafft; Blut folget Blut— auf kurzer Staubes Bahn Endet in blut'gen Thaten, wer mit Blut begann. *) Ein persischer Dichter des 14. Jahrhunderts. **) Anakreon. ***) S. das Buch Ruth. 23. D 5⁰ 64. In Mitte mancher Ding', meist Aug' und Ohr So neu, ruht Harold nun ermattet aus, Und schaut ringsum des Moslem üpp'gen Flor; Doch ihm wird lästig bald dies weite Haus Der Pracht und Lüste, wo, dem Stadtgebraus Entflohn, die satte Gröſse heischt nach Rast; Süſs wär’ der Ort, flöh' nur die Hoheit d'raus, Denn Ruh erkünsteltes Vergnügen hafst, Und beyder Schale springt, wenn Pracht die Freude faſst. 63. Wild sind Albaniens Söhne, doch nicht leer An Tugend, die nur reif mehr sollte seyn! Trieb je ein Feind besiegt sic vor sich herP— Wer trotat so leicht des Krieges Plackerey'n Nie schützten mehr des Landes Wüsteney'n, Als sie, in der Gefahr Verzweiflungszeit, Tod ist ihr Zorn— doch ihre Freundschaft rein; 5¹ Wenn Dank, wenn Muth ob ihrem Blut ge- 1Ohr beut, Gehn furchtlos sie, wohin ihr Chef auch führt, Flor; zum Streit. aus braus 66. Rast; Harold sah' sie im Kriegsgedräng' und Pracht, raus, In ihres Herrschers Stadt, umstrahlt von Glück; Dann sah er sie, als, ganz in ihrer Macht, t die Er fast als Opfer fiel dem Miſsgeschick: Was Schlechten däucht ein günst'ger Augen- blick; Doch diese schützten ihn im sichern Haus, t leer Als wen'ger Rohe wiesen ihn zurück, Pyn! Und Mitlandsleute schauten fern den Graus: 20) rö- Probt man das Herz, wie Wen'ge stehn die Probe aus. 67. bchaft Als seine Bark einmal ein böser Wind An Suli'’s fels'ges Küstenland verschlug, Wo ringsum Oeden nur und Schatten sind, War Landen fahrvoll— ſährlicher Verzug; D'rum hielt lang die Matrosen Furcht vor - 2 Trug, Bel Der dem Verderben schnell sie möchte weih'n. Doch endlich wagten sie's,— wohl bang genug:— 1 2 Denn die, die Frank' und Türken gleich be- dräu'n, 2 sie könnten leicht ihr altes Schlächterwerk er- I neu'n.— 1 68. 1 O eitle Furcht! Der Sulioten Hand( Bewillkommt, führt durch Moor sie, und Ge. 1 stein, F So gütevoll,— nicht sklavisch fein, galant; UnR Und schärt den Heerd, ringt nasse Kleider rein, Und füllt den Napf, hilft nach der Lampe 1 Schein; 53 Trägt auf die Kost— ihr Alles, wenn auch roh. Kann reiner wohl die Menschenliebe seyn? Wer Mücde bettet, macht die Traur'gen froh; Belehrt die Glücklichern, beschämt die Bösen so. 69. Zu trug sich's, daſs,— als Harold sich ent- be- schloſs, Zu lassen endlich dies gebirg'sche Land— K er- Den Ausgang sperrte wilder Räuber Troſs, Verheerend weit und breit mit Schwert und Brand; 5 D'rum einer treuen Schaar er sich verband,— (Um Akarnaniens Wälder zu durchziehn—) d Ge- Diie kriegserfahren und von starker Hand; Bis ihm des Achelous weiſser Strom erschien, ant; Und weit am Uſer hin Ketoliens Küstengrün. eider 70. ampe Wo rundet sich Utraikeys stille Bucht, Jed' müde Welle strahlend schlafen geht: 56 Welch braunes Laub, in grüner Hügel Schlucht, Des Nachts die Brust der stillen Bay umweht, Wenn leise flüsternd sanfter West sie bläht, Und küfst, nicht stört, der ruh'gen Tiefe Blau. Als gern geseh'ner Gast hier Harold steht; Auch ihn rührt dieser milden Scene Schau, Der Nachtgefilde süfse Lust läfst ihn nicht lau. 71. Hell flammten Nachtfeu'r auf dem schönen Strand: Vorbey ist's Fest— schnell kreifst der rothe Wein 2), Und er, den bloser Zufſall hergesandt, Sah ganz betroffen, fast erschaudernd, d'rein; Um mocht’ die mitternächt'ge Zeit kaum seyn, Da Tanz und Sang des muntern Trupps be- gann; Des Schwert's entledigt steht der Bursche Reih'n ²⁰); Es 1 FE E I Ind dnen othe ein; eyn, 57 Hand schlinget Hand, sich kettend Mann an Mann, Es gellt ihr rauhes Lied— und Tanz hält lang noch an. 72. In kleiner Fern' zeigt Harold sich die Schau; Ihm miſsfiel nicht die lärm'nde Fröhlichkeit, Er hafst harmlose Lust nicht, ob auch rauh; Kein nied'rer Anblick ist es, der sich beut, Was roh zwar, doch nie anstandslos sie . freut.— Seht ihrer Wangen Roth in Flammen glühn— Der Glieder Schwung, der schwarzen Augen Streit, Der Locken Gold, die wild zum Gürtel zieh'n, Indefs vereint dies Lied halb sangen sie, halb schrien: 30) 56 1. Tambourgi, Tambourgi, dein Lärmen erfreut 3³¹) Die Tapfern mit Hoffnung, und führt sie zum Streit; Die Söhn' der Gebirge erweckt dein Gebot: Illyrier, Chimariot, und schwarz Suliot. 2. O wer ist wohl tapfrer, als schwarz Suliot Im schneeigen Kriegskleid und rauhen Kapotf Dem Wolf und dem Gey'r bleibt die Heerde zur Hut, Sie stürzen zur Ebne, gleich Bergstromes Fluth. 3. Ihr Söhne Chimari's, die nie ihr dem Freund Die Fehler verzeiht, soll leben der Feind? Sind stumm denn die Röhre— gibt Rache nicht Lust Welch Ziel ist so schön als die feindliche Brustb? Lehr sie I- Und? Nicht Mein Gewi ManR 57 4. 39) Macedonien sendet die siegende Schaar um Eintauschend, für Höhl' und Jagd, Krieges- gefahr; Doch röthen die purpurnen Schärpen sich mehr, Eh's Schwert in der Scheid'— und das Schlacht- gefild leer. 5. ot. Dann Parga's Piraten, umwohnend den See, Lehr'nd bebenden Franken der Sklaverey Weh; gie lassen wohl Ruder und Boot in der Bay Und schleppen zur Höhl' die Gefang'nen herbey. 6. Nicht acht' ich der Freuden, die Reichthum ver- he spricht, Mein Säbel erficht, was muſs kaufen der Wicht; he Gewinnt die junge, langlockige Braut, Manch andere Maid, weinen Mütter auch laut Wie lieb' ich die Mädchen, schmückt, wenn Jugend sie Mich lullet ihr Kosen, ihr Sang mich entzückt, Wenn tonreiche Ley’r dem Gemach sie ent- zieht, Mir singend vom Fall ihrer Ahnen ein Lied. 8. Gedenket der Stund', als Previsa einst fiel; 32) Der Besiegten Schrey’n, der Erob'rer Gebrüll! Wie Häuser wir zündeten, Raub uns gelohnt; Wie Starke gemetzelt, die Zarten verschont. Tam Ihr sollt Da gibt'’s keine Cnade, keine Furcht gibt's hier; Der darf sie nicht kennen, der dient dem Vezier.— Seit Mahomed's Tagen der Halbmond nie sah So glorreichen Führer, wie Ali-Pascha. 10. sie Nach der Donau eilt Muchtar, sein finstrer Sohn; ekt. Mag sein Roſsschweif gelbhärige Giaur's*) be- ent- droh'n; Seinen Delhi's, durchstampfend den Strand im d. Blut, Mag wenig entflieh'n von Moskowiens Brut.— 11. Selictar!**) Dein Schwert nun der Scheide ent- flieg'! Tambourgi, dein Lärmen verspricht uns den Krieg! Ihr Berge, von denen in's Thal steigt das Heer, Sollt's wiederseh'n siegesvoll oder— nie mehr! *) Maskowiter.— Delhi's sind leichte Reit er. **) Schwertträger. 73. Schön Griechenland, verschwund'nen Ruhm's Ruin: 33) Unsterblich— doch nicht mehr;— gefall'n, doch grofs! Verfährt deine zerstreuten Söhn' jetzt kühn, Und macht vom lang gewöhnten Joch sie los? Sie können's nicht, die einst gestellt sich blos, Und hoffnungsleer sich weihend der Gefahr, Gestürzt in Thermopylä's Grabesschoofs. Wenn lebht neu auf die alte Heldenschaar, Schweift an Eurota's Strand— weckt dich im Grab sogar? 74. O Geist der Freyheit, der auf Phyle's Höh'n 3 Mit Thrasibul und seinem Zug erschien, Konnt'’st du die schwarze Stund' im voraus seh'n, Die nun hüllt deiner att'schen Eb'ne Grün b Wenn dreyſsig Herrscherketten nicht umzieh'n 6¹ Dich mehr*)— Dräckt jetzt doch jeder Wicht dein Land; m's Voll Spott'’s steh'n deine Söh'n, statt zu er- n glüh'n, Und zittern vor der Geisel türk'scher Hand, 7 n Gesäugt in Sklaverey— in Wort und That ent- . 885 1 mannt. os, 75. hr, Seht ganz verwandelt— nur an Form nicht — sie! Dochs Feu'r, das noch im Auge kund sich thut, im— Zeigt an, dafs ihre Brust auf's neu erglüh' Verlor'ner Freyheit unlöschbare Glut. Auch mancher träumt, das väterliche Gut Sey wieder in der nächsten Zeit erlangt, Doch thöricht bau'n sie nur auf Fremder Muth; Allein den Streit zu wagen Jeder schwankt, us Ob ewig auch ihr Nam' im Buch der Schande prangt. *) Zur Periode der 30° Tyrannen. 62 76. O angeerbte Sklaven, wiſst ihr nicht: Wer frey will seyn, muſs wagen selbst den Schlag, Und daſs gerechte Wafl' den Sieg erfchtp Wird Frank' und Russ' euch jemals helfen?⁵ — Ach Gern säh'n sie eure stolzen Plünd'rer schwach, Doch wird d'rum aurer Freyheit Altar glüh'nP Helotenschatten*) siegt ob eurer Schmach! Land, wechsle deine Herrn, um neu zu blüh'n: Dein Ruhm verschwand— magst du der Scham wohl auch entflieh'n 5 77. DieStadt, die Allah man sewann vom Giaour**) Mag dieser rüchgewinnen vom Osman; Und des Serail's undurchdringhare Mau'r ——— *) Heloten waren spartische Sklaven, oder Leibeigne. **) Giaour, oder Gebr, sind Ungläubige. gne. Mag stolzen Frank, den alten Gast, umſah'n 35) Wahab's rebell'sche Brut, die voller Wahn, Die fromme Beute Mahoms Grab entwand, 36) Mag längs dem Westen ziehn die blur'ge Bahn: Nie kommt die Freyheit in dies Schicksals Land, Wo Sklav dem Knecht nur folgt, in ew'ges Joch gespannt. 78. Doch schaut, wie fröhlich sie— eh' Fasten naht, Als Büsungszeit, wie's heil'ger Brauch gebeut; Wo Beichte tilgt der schwersten Sünde That, Wo Tags man darbt, und Nachts sich Beten weiht; Doch eh' die Reu' sich hüllt in's härne Kleid, Sind ein'ge Freudentag' geschenkt für All', Dafs Jedes sich noch weih'’ der Fröhlichkeit, Im Peyerkleid dem Tanz und Maskenball, Sich mischend deinem Zug, du lust'ges Car- neval! 64 79. Welch Carneval ist fröhlicher als Dein's, Stambul einst ihres Reiches Kaiserin! Doch höhnt der Turban nun Sopbia's Schreins; Der Griechen ächt' Altäre schwanden hin. (Soll Hella's Leid doch stets mein Lied durch- glüh'np) Weil frey die Meng', wie froh scholl ihr Gesang; Jetzt theilt die Lust sie nur mit Heuchler Sinn; Doch sah kaum schön'res ich, hört mildern Klang, Als was das Aug' reizt—- tönt den Bosphorus entlang. 80. Laut am Gestad' der fröhl'che Lärm erschallt, Oft wechselnd, schweigt nie der Musik Getön, Gemeſs'ner Ruderschlag d'rin wiederhallt, Und spiel'nde Wellen machen süfs Gestöhn; —,— Unc ern rus 65 Zusummend winkt der Vollmond oben schön; Und als die Well' ein leichter Wind durch- fegt. War's, als wenn er entrückt des Himmels Höh'n, Im lichten Widerscheine sich bewegt, Und leuchtend Wog' auf Woge an die Ufer schlägt. 81. Manch leicht Kaikchen gleitet durch den Schaum, Der Landestöchter Schaar tanzt auf dem Strand, An Ruh' und Haus denkt Bursch und Mäd- chen kaum, Indefs manch schmachtend Aug', manch heiſse Hand Den Blick wirft, dem die Brust nie wider- stand, Den Druck wagt, den man rückgibt so ge- schwind. 23. E Lieb', junge Lieb', in deinem Rosenband,— Lafst Weis' und Murrkopf schwatzen in den Wind— Ersatz für Jahre Leid's nur diese Stunden sind. I 82. Doch lauern in der Masken Mitte nicht Auch Herzen, die geheimes Leid benagt, Das g'rad' durch tiefern Brand halb kommt Du an's Licht? Solchen des Meeres sanft Gesumm behagt Nur d'rum, weil's wiederhallt, was sie beklagt; Des tollen Haufens Lust sie nicht erfreut, Nur Quell des Trübsinn's, Spottes, der sie plagt; Wie cekelt sie der Lacher Fröhlichkeit, Gern tauschten sie das Festkleid mit dem Ster- bekleid. 83. So mufs er fühlen, Hellas ächter Sohn, Zählt Hellas wahre Patrioten noch; 4,— den sind. 67 Nicht, die Krieg prahlen, doch die Ruh' nie floh'n, Des Sklaven Ruh, blos seufzend ob dem Joch, Die freundlich den Tyrann umbriechen doch, Und schwingen sklav'sche Sicheln, nicht das Schwert; O Hellas, schätzen dich so wenig hoch Die du erzeugt, in solchem Ruhm genährt, Durch Helden, die der nun verdorb'ne Stamm nicht werth? 84. Wenn Lacedämon's Muth sich wieder regt, Epaminondas Theben neu entsteigt, Ein frisches Herz Athena's Kindern schlägt, Die griech'sche Mutter wieder Männer zeugt; Dann magst du aufersteh'n— nur dann vielleicht! Jahrtausend' fordert's, eh' ein Staat gedeiht, Und eine Stunde oft in Staub ihn beugt; 66 Wo ist der Mensch, der seinen Glanz erneut, E 8. Ruft seine Kraft zurück, besiegt Geschick und N Zeitb p 83. D . Doch wie so lieblich noch in deinem Weh 1 Bist du, der Cötter und Cottmenschen Land;. Und Der Thäler Immergrün, der Berge Schnee, 3⁰) 3 Sind, Liebling der Natur, noch dein Cewand, Doch deiner Tempel,— Thürme Pracht ver- schwand, 1 N Sich mischend deiner Heldenerde nun, Die hart verletzt der Pflug barbar'scher Hand. Was irdischer Geburt, so mußs es ruh'n; Alles verdirbt, nur nicht, was Tugendhafte thun. V 86. Und nicht, wo manch' still trau'rnde Säule blickt Auf der gestüraten Schwestern Reih' herab; ³⁵) Nicht wo Tritonias luft'ger Tempel schmückt 69 Kolonna's Fels, und glänzt die Well' hinab, Nicht, wo manch halbvergeſs'nes Heldengrab, Des Stein und wuchernd Gras nur trolzen schwach Der Zeit, wenn bricht Vergessenheit den Stab; Indefs nur Fremde merken noch die Schmach, Und zöégernd, mir gleich, starren d'rauf, und seufzen: Ach! 87. Noch ist dein Himmel blau, dein Felsland wild, Die Thäler sind so schön, die Au'n so grün, Dein Oelbaum reift, als schütz' Minerv' ihn mild; Hymet reicht noch die süſse Gabe hin; Sich bau'nd ihr duft'’ges Fort noch Bienen zieh'n Als Freygeborne durch dein Berggebiet; Apoll, wie sonst, in deinem Sommer glüht, Sein Strahl Mendeli's Marmor noch umzicht, Kunst, Freyheit, Ruhm sind welk— nur die Natur noch bluht. 88. Wohin man tritt, ist alter, heil'ger Grund: Von nied'rer Form ist nichts in deinem Land, Es herrscht ein weites Wunderreich im Rund, Wahr scheint's, was durch der Musen Sang bekannt; Bis neu gewahrt, doch schmerzvoll, der Ver- stand Die Scenen, unsrer Jugend Träume schon; Berg, Thal, Schlucht, Fläche, Felsenwand, Spricht der Gewalt, die Tempel hinwirf, Hohn, Zeit stürzt Athena'’s Stadt— doch schont grau Marathon. 89. Der Sklav' nur nicht, doch Sonn' und Boden, steh'n Unwandelbar, blos wechselnd den Tyrann; Noch wahrend ihre Gränz', den Ruhm so schön; Das Feld, wo Persia's blutend Heer zerrann, Als Hella's blitzend Schwert den Sieg gewann, Am Morgen, der an Glorie keinem weicht, Wo Marathon als zaub'risch Wort begann. 39) Kaum tönt's, und gleich des Hörers Aug' sich zeigt Die Schlacht, das Heer, der Sieger und der Feind, der fleucht; 90. 2 Der flieh'nde Meder, bogenlos und wund, Der stolze Griech', nacheil'nd mit blut'gem Speer, Oben Gebirg’— Erd— Meeresfläch' im Grund, Tod im Gesicht, Verheerung hinterher: So war die Scen'— blieb denn von ihr nichts mehr? Welche Trophä' ziert jetzt dies Heiligthum, Wo Freyheit lächelte, trau'rt' Asia's Heer? Den Staub gestürzter Urn', des Walls voll Ruhm Streut, roher Fremdling, deiner Rosse Hluf herum! 7² 91. P Doch wird zu deinem Rest verblich'ner Pracht Müdlos, ob traur'nd auch, stets der Pilger 1 zieh'n; D Lang wird der Wand'rer, dem dein Eden lacht, Dir, Land der Schlachten und des Sang's, noch glüh'n; K Dein Schicksal, deine Sprach', dein Ruhm V ” wird blüh'n. Noch lang in aller Zonen Jänglingsbrust; Eis Der Alten Stolz, der Jugend Lehrgewinn, Land, das der Weise ehrt, des Dichters Lust, Und wer die Mus' und Pallas zu entschley'rn ewuſst. 3 Ei U . 92.. d. Gern an der Ileimath zwar hängt fern die ¹ 9 Be Brust, 4. 1 Ni Wenn ihr, was heim'schem Heerd verwandt, V. sich beut; 73 Doch Ihm, allein steh'nd, lafst des Schweifens Lust, d Daſs er des Schau'ns verwandter Erd' sich freut. Hellas zwar ist kein Land der Fröhlichkeit; Doch er, dem Wehmuth lieb, weilt gern , noch lang; deh Kaum dau'rt's ihn, dafs sein Vaterland so dm weit: Wenn steigend Delphi's heil'gen Bergeshang, Er's Feld erblickt, das Persier und Griech' ver- schlang. 93. Ein solcher nur soll nah'n dem heil'gen Land, Und friedsam durch die mag'sche Wüste geh'n; Doch schon' er ihre Trümmer— frevle Hand die Befleck' den Schauplatz nicht, im Untergeh'n; Nicht deshalb blieben die Altär' noch steh'n; dt, Verehrt sie, die einst Volker hochgeschätzt: So nur kann unsers Landes Ehr' besteh'n! Blüh', Land der schönsten Jugend, auch noch jeizt UnR Durch jede Lust des Lebens und der Lieb' er- Wa götzt. We 94. Seu Und du, der in wohl zu gedehntem Sang, 9 4 Ruhmlosen Lied, geschmeichelt müſs'gem Seyn, Fänd' Bald untergeh'n wird deine Stimm' im Drang Der lautern Sänger, die auf's neu gedeih'n; Sie mag der Kampf um welken Lorbeer freu'n! O d Denn solcher Streit füllt wenig den mit Lust, Wi Der Lob nicht achtet, noch wenn Tadler Und schrey'n. Doc Seit, Beyfall ihm zu weih'n, kalt jede Brust, Und Liebe von ihm ging, ist Lob ihm kein Sche Verlust. Die 80 o 93. f Und Auch du gingst, einzig liebreich und geliebt, Die Jugend, Jugend-Neigung au mich band; Fraſs s „,5 79 Die Lieb', wie keine, gegen mich geübt, Und den nicht floh, den sie so Dunwerth fand. Was ist mein Leben, seit das deine schwand? Wer külst, kehrt er zurück, des Wand'rers Mund, Seufzend der Stunden, ewig uns entwandt— O wären nie sie ihm geworden kund, Fänd' nimmer er, auf's neu zu schweifen, fri- schen Grund. 96. O du, geliebt stets, lieb'voll, lieb'erglüht! Wie hängt sich Gram an die Vergangenheit, Und weckt Gedanken, die man besser flieht; Doch dein Bild raubt zuletzt mir nur die Zeit, Schon sind die Meinen All' dir Tod! geweiht: Die Aeltern, Freunde, nun noch mehr als sie; So oft bracht Keinem deine Ruhe Leid; Und Gram, sich mischend Gram, doch endend nie, Prafs selbst das kleine Glück, das Leben noch verlich. 97. Soll nochmals ich denn tauchen in's Gewühl, Und suchen, was stets holder Friede mied? Wo Jubel schallt, laut Lachen ohn’' Gefühl, Das falsch dem Herzen, hohle Wangen ſiieht, DenGeistnoch matter macht, achl schonso müd; Bis im Gesicht— gezwungen zu der Qual, Daſs Freud' es lügt, den Groll birgt, der's durchglüht— Gräbt Lächeln künft'gen Thränen den Kanal, Verziecht im Krampf die Lipp', hüllt d'rauf des Hohnes Maal. 98. Was lauert als des Alters schlimmste Weh'n, Drückt tiefer runzelnd in die Stirne sich P Geliebt' im Lebensbuch verlöscht zu seh'n, Allein steh'n in der Welt, so wie nun ich!— Demüthig beug' ich vor dem Zücht'ger mich Auf Herzen blutend,— Hoffnungen zerstört: Rollt citle Tag'! flieht unabänderlich, Da, was mein Herz beglückt, die Zeit verheert, Und Alters Ungemach an meiner Jugend zehrt. — υε 77 —ℳNRnnn——ℳ—U—˖mnnę ühl, 15 lhl, Hicht, müd; Anmerkungen. 1. Was auch Krieg und Feu'r verheert!“ St. 1. V. 4. Ein Theil von Acropolis wurde durch die Ent- zündung eines Magazins bey der Belagerung der Venelianer zerstört. n, 2. h1—«Doch schlimmer sind, als Flamme, Stahl und nich Zeit ört: Des Schreckens Scepter und der Herrschaft Schwert, heert, Wenn Menschen führen sie, die nie gefreut zehrt. Das heil'ge Feu'r, von dir in fromme Brust ge- streut. Wir alle können fühlen, oder uns vorstel- len, welches Bedauern die Ruinen von ehema- ligen Hauptstädten erregen müssen. Die Be- trachtungen aber, die solche Gegenstände zu veranlassen pflegen, sind inzwischen so abge- schmackt, daſs es keiner Wiederholung dersel- ben bedarf. Aber nie erschien die Kleinheit des Menschen in der Eitelkeit auf seine schön- sten Tugenden, des Patriotismus, mit dem er erfüllt, des Muths zur Vertheidigung des Va. terlands, deutlicher, als in der Betrachtung dessen, was Athen war, und der Gewiſsheit dessen, was es nun ist. Dieser Schauplatz des Streits mächtiger Faktionen, der Kämpfe der Redner, der Erhebung und Erniedrigung der Tyrannen, des Triumphs und der Bestrafung der Generale, ist jetzt herabgesunken zu einer Bühne kleinlicher Ränke und beständiger Be- unruhigungen zwischen den sich neckenden Agenten gewisser brittischer Herren des hohen und niedern Adels.„Die wilden Füchse, die Nachteulen und Schlangen der Ruinen Baby- lons» waren gewiſs weniger beschimpfend, als solch Tyra und das kann faller das ten, der r Athe Xerx tique aufbe seine Da vom Theil und der seine heilii zung 79 orstel- solche Bewohner. Die Türken haben fär ihre hema. Tyranney die Ausflucht des Eroberungsrechts, ie Be- und die Griechen wichen nur dem Kriegsglück, de zu das auch der Tapferste nicht immer fesseln abge- kann; aber wie tief müssen die Mächtgen ge- dersel- fallen seyn, wenn zwey Mahler jetzt sich um einheit das Recht der Plünderung des Parthenon's strei- schön- ten, und wechselnd triumphiren, je nachdem em er der neuste Firman ihnen huldigt. Sylla konnte es Va- Athen wohl bestrafen, Philipp es unterjochen, chtung Xerxes es anzünden; aber für den elenden An- fiſsheit tiquar und seine elenden Helfershelfer war es 1z des aufbehalten, dasselbe so verächtlich, wie er und seine Bestrebungen selbst, zu machen. Das Parthenon war nach und nach, ehe es vom Feuer der Venetianischen Belagerung zum iner 2r Be- Theil zerstört wurde, ein Tempel, eine Kirche enden und eine Moschee. In jeder Rücksicht ist's ein hohen der Achtung werther Gegenstand, es wechselte e, die seine Verehrer, aber stets war es ein dreyfach Baby- heiliger Ort der Anbetung, und seine Verlez- d, als zung ist eine dreyfache Entheiligung. Doch «Der Mensch voll Stolz, So kurz geschmückt mit ärmlicher Gewalt, Spielt oft solch albern Spiel dem Himmel vor, Dafs Engel weinen.» (S. Shakspeare'’ Werke. Bd. II. S. 1744. übers. von P Abr. Voss.) cher sind . aber 3. gehd —«schläft er, auf ferner Küste weggesetzt.» St. 5, V. 2. Nicht immer verbrannten die Griechen ihre Todten; so wurde besonders der ältere Ajax ganz beerdigt. Fast alle Feldherren wurden, nach ihrem Tode, unter die Götter versetzt, und jeder war in der That vernachläſsigt, des- sen Andenken seine Landsleute nicht mit jähr- lichen Spielen bey seinem Grabe, oder andern Festlichkeiten feyerten, wie dies dem Achill, dem Brasidas, und sogar dem Antinous zu Theil wurde, obschon des Letztern Tod so he- roisch, als sein Leben schändlich war. 81 4. «Iier, Sohn Saturn's, ein Lieblingsthron war dein.“— St. 10. V. 3. Der Tempel des Jupiter Olympius, von wel- chem noch 16 ganz marmorne Säulen übrig sind; er hatte deren 150. Diese Säulen sollen aber, wie andere glauben, zu dem Pantheon gehört haben. 1zt.* 5. «Fort trug's der Ocean, mit Widerwillen zwar.“* ihre St. 11. V. 9. Aja* Das Schiff, welches die entwendeten Alter- irden, thümer trug, scheiterte im Archipelagus. rsetzt, „ des- jähr- 6. ndern„Und der moderne Pict prahlt frech, dafs er chill, Geraubt, was Gothe, Türk' und Zeitverschont." us zu St. 12. V. 1. 2. so he- In diesem Augenblicke(3. Januar 1809) be- findet sich ein Hydriot'sches Fahrzeug im Pi- räus, um jedes noch fortschaffbare Ueberbleib 23. F 82 sel auſzunehmen, und dem, was schon früher fortgeführt wurde, nach London nachzusenden. So mag Lord Elgin sich rühmen, Athen zer- stört zu haben!» hörte ich mehrere junge GCrie- chen urtheilen, denun so herunter sie auch sind, so bleiben sie bey so Etwas doch nicht fühllos. Ein italienischer Maler ersten Ranges, Namens Cusieri, ist der Mäckler der Verwüstung, und wie der griechische Finder des Verres in si. cilien, der dasselbe Geschäft übte, hat er als ein geschicktes Werkzeug des Raubes sich be- währt. Zwischen diesem Künstler und dem französ. Consul Fauvel, der die Ruinen für seine eigne Regierung zu flüchten wünscht, ent- stand ein heftiger Streit wegen eines Karrens, bey dessen Fortschaffung dessen eines Rad— ich wünsche, beyde wären zerbrochen— von dem Consul gehemmt wurde. Dafür hat Cu- sieri ihn förmlich bey dem Woywoden verklagt. Ueberhaupt ist Lord Elgin sehr glücklich in der Wahl des Herrn Cusieri gewesen. Wäh- rend eines z0 jährigen Aufenthalts zu Athen kam es ihm nie in den Sinn, nur bis Sunium zu gehe Zug sie g sind Cönt zu p zeich lange eben Mädc ande Schifl 1 am n Stadt sich Zeital wegg digen 1D zeich!] nern macht eben üher den. zer- Grie- sind, allos. mens und in Si- er als h be- dem n für „ent- rrens, ad— — von t Cu⸗ klagt. h in Wäh- kam m zu 83 gehen, bis er uns dahin auf unserm zweyten Zug begleitete. Seine Werke mögen, so weit sie gehen, wohl meistens schön seyn, aber sie sind fast alle unbeendigt! So lang er und seine Cönner sich darauf beschränken, alte Münzen zu prüſen, Cameen abzuschätzen, Säulen abzu- zeichnen, GCemmen wohlfeil zu erkaufen, so lange sind ihre kleinen Abgeschmacktheiten eben so harmlos, als Insekten- oder Fuchsjagd, Mädchengeschwälz, Kräuseltreiben oder eine andere Kurzweil; doch schalffen sie 3 bis 4 Schiffsladungen der schätzbarsten und gröſsten Trümmer fort, welche Zeit und Barbarey der am meisten gemiſshandelten und berühmtesten Stadt noch lieſsen: zerstören sie, um sie an sich zu reiſsen, nuizlos jene Werke, die jedes Zeitalter bewunderte, so kenne ich keinen Be- weggrund, der diese feigen Verwüster entschul- digen, keinen Namen, mit dem man sie be- 8* zeichnen könne. Es war nicht eins der klei- nern Verbrechen, welcher Verres sich schuldig machte, indem er Sicilien also plünderte; und eben so verfuhr man zu Athen. Kaum kann 84 die schamlose Unklugheit weiter gehen, als hier, Lo. wo der Plünderer seinen Namen an die Gemäuer sag von Akropolis geheftet hat, während der Beob- ane achter wegen der regellosen und nutzlosen gut Entstellung der ganzen Reihe der Basreliefs in etm einer Abtheilung des Tempels, einen solchen wOr Namen nur mit Abscheu nennen kann. ser Ich bin ganz unpartheyisch in der Sache, denn 3 Zwa 1 ich bin weder Sammler noch Bewunderer von Als Sammlungen, folglich kein Néeébenbuhler; aber Aus mich füllen seit der frühsten Zeit Vorurtheile zu Gunsten Griechenlands, und ich glaube nicht, dafs Englands Ehre durch den Raub, er geschehe in Indien oder Attika, vermehrt wird. Ein andrer edler Lord that besser, weil er B weniger that; aber einige andere noch, mehr oder weniger edele, doch alle ehrenwerthe Her- ren, thaten am allerbesten, weil sie, nach ei- nigen Auswühlungen und Verwünschungen, Be. stechungen des Woywoden und vergeblichen G Nachforschungen, von Allem nichts gethan ha- ben. Es gab oft schon Tinten- und Weinver- gieſsen, welches meist in Blutvergieſsen endete. ner, äuer eob- osen fs in chen denn von aber heile laube b, er wird. eil er mehr Her- ch ei- n, Be- lichen uin ha- einver- ndete. Lord Elgin's Dieb(Prig, was Priggismus ist, sagt Jonathan Wild) zankte sich wit einem andern, Namens Cropius*)(auch ein recht guter Name für sein Geschäft!) und murmelte etwas Genugthuung in einer mündlichen Beant- wortung eines Billets des armen Preussen; die- ser befand sich eben zur Tafel, und er lachte zwar darüber, doch schmeckte ihm kein Bissen. Als ich Griechenland verlies, war noch keine Aussöhnung erfolgt. Hätten sie mich zu ihrem Schiedsrichter gemacht, so würde ich hier ihres Gezänks nicht gedenken. Ueber Sunium habe ich noch nachzutragen, daſs es das jetzige Kap Colonna ist. In ganz Attika, nur Athen und Marathon ausgenommen, ist kein anziehenderer Schauplatz als dieses Kap- Auf demselben sind 16 Säulen, für den Anti- quar und Künstler eine unerschöplfliche Quelle der Beobachtung und des Abzeichnens: Dem Weltweisen wird die angebliche Scene einiger Gespräche Plato's nicht unwillkommen seyn, *²) Byron scheint ihn von grob abeuleiten. und der Reisende wird staunen über die Schön- heit der Aussicht über die Inseln, welche die Aegäische Tiefe krönen," aber für den Britten hat Colonna auch ein eignes Interesse, weil hier Falkoner Schiffbruch litt. Selbst Pallas und Plato werden vergessen bey der Erinnerung an Falkoner und Campbell. «Beym mächt'gen Tod hier an Colonna's Hang Erscholl des Scemann's Schrey die Tief entlang.» Der hiesige Tempel der Minerva kann, zur See, aus weiter Ferne gesehen werden. In zwey kleinen Reisen, die ich machte, und auf einer gröſsern nach Kap Colonna, war die Landan- sicht von allen ihren Seiten weniger anziechend, als bey der Annäherung auf der See. Auf un. serm zweyten Landzuge entgingen wir kaum einem Trupp Mainotten, die sich unten in Höhlen verbargen. Einer ihrer gelösten Gefan- genen erzählte uns nach der Zeit, daſs blos der Anblick unserer zwey uns begleitenden Albanier sie von einem Angriſſe abgeschreckt habez denn sch chön- e die ritten weil Hallas erung Jang lang.* r See, zwey Leiner andan- ehend, uf un- kaum ten in Gefan- los der lbanier denn 87 scharfsinnig genug, aber doch falsch, hatten sie vermuthet, dafs uns ein ganzer Trupp die- ser Arnauten zur Hand sey, daher blieben sie entfernt, und dies rettete unsern Zug, der zu klein war, um den nöthigen Widerstand leisten zu können. Colonna ist ebensowohl ein Zufluchtsort der Maler, als der Seeräuber;— «Doch pflanzt der Miethlingskünstler seinen Tisch, Macht die entstellte Schöpfung malerisch.* (S. Hodgson's Jane Grey.) Doch Natur hat, mit Hälfe der Kunst, dies schon für sich gethan. Ich war glücklich ge- nug, einen wirklich ausgezeichneten deutschen Künstler zu gewinnen; und ich hoſſe, meine Bekanntschaft mit dieser, so wie mit mancher andern Scene des Morgenlands, nach Empfang seiner Zeichnungen, zu erneuern. Der erwähnte Herr Gropius wurde von ei- nem edlen Lord blos als Zeichner gebraucht, und er ist Meister; aber es thut mir leid, zu 88 sagen, dafs er unter dem gemiſsbrauchten Schulze dieses höchst achtbaren Namens, in demüthiger Entfernung, in die Fufsstapfen des Herrn Gu- sieri getreten ist. Eine Schiffsladung seiner Beute wurde angehalten, und im J. 1610, wenn ich nicht irre, zu Konstantinopel weggenommen. Ich muſs nun versichern, dafs er zu diesem Ge- schäft vom Lord durchaus nicht verpflichtet war, sondern blos als Maler in seinem Dienste stand, und daſs sein achtbarer Gönner ihn blos als Künstler, nie aber in anderer Absicht, als von ihm angestellt betrachtete. Es thut mir sehr leid. wenn das von mir begangene Verschen in der ersten und zweyten Auflage dieses Gedichts dem edlen Lord nur einen unangenehmen Augen- blick gemacht hat; denn Herr Gropius hat Jahre lang sich den Namen eines Agenten des- selben beygelegt; übrigens theilte ich den Irr- thum mit noch vielen Andern, und bin nun um so glücklicher, da ich der zuerst Belehrte bin. Wirklich, ich widerrufe mit eben so grofsem Vergnügen, als der Verdruſs war, mit welchem ich es sagen mufste, hulze higer Cu- einer wenn men. n Ge- t war, stand, os als ls von r leid. in der is dem Augen- us hat n des en Irr— nun um te bin. roſsem elchem 39 7. „Schwach, und sie zu vertheid'gen nicht ge- wohnt, Theilen die Söhne doch der Mutter Leid.“ St. 12. V. 7. 8. Ich kann nicht widerstehen, die Erlaubnifs meines Freundes Dr. Clarke, des Name beym Publikum keiner Empfehlung bedarf, aber des- sen Bekräfligung meinem Zeugnisse ein zehnfa- ches Gewicht gibt, zu benutzen, und folgenden Auszug eines seiner verbindlichen Briefe an mich, als Note zu obigen Zeilen hier einzuschalten-— „Als der letzte der Metopen vom Parthenon ge- nommen und bey der Fortschaffung ein groſser Theil des Uebergehäudes, nebst einem der Tri- glyphen von Lord Elgin's gedungenen Arbeitern herabgestürzt wurde, so nahm der Disdar, füh- lend das dem Gebäude angethane Unrecht, seine Pfeife aus dem Munde, liefs eine Thräne fallen. und sagte mit bewegtem Tone: Téhos!(Für immer!)— ich war dabey!— 90 . 8. «Wo war dein Aegis, Pallas! das geschreckt Den grimmen Alarich auf blut'ger Bahn d St. 14. V. 1. 2. Dem Zozimus zu Folge, waren es Minerra und Achill, die den Alarich von Acropolis schreckten; aber andere berichten, daſs der Gothenkönig eben so böse war, als der schot- tische Peer.(8. Chandler.) 9. Das nelz'ge Dach—* St. 18. V. 2. Netzförmiges Tauwerk dient auf Schiffen zur Abhaltung der Stücke oder Splitter, die während der Gefechte oder Stürme auf das Verdeck fal- len würden. 10⸗ a Doch auf Kalypso's Inseln habet Acht!* St. 29. V. 1. Das jetzige Gozaciland wird für das alte Ka. kypso gehalten. reckt 9 1. 2. nerva opolis s der schot- 7. 2. en zur ährend ck fal- ht ¹* V. 1. lte Ka- 9¹ 11 „Albaniens Land, dich saugt des Auges Strahl, Du rauhe Amme von so wildem Kind!" St. 33. V. 5. 6. Albanien begreift in sich einen Theil(des al- ten) Macedoniens, IIlyriens, Chaoniens und Epi- rus. Iskander ist das türkische Wort für Alexander; und der im Zien und Aten Vers genannte ist der bekannte Scanderbeg(Lord Alexander), doch weiſs ich nicht, ob es recht sey, Scanderbeg zum Landsmann des groſsen KAlexanders zu machen, der zu Pella in Macedo- nien geboren war; ich folge Gibbon, der auch den Pyrrhus hicher zählt, indem er von seinen Thaten spricht. Gibbon sagt von Albanien, daſs dieses im Ge- sicht von Italien gelegene Land weniger bekannt sey, als das Innere Amerika's. Umstände von geringer Wichügheit führten Herrn Ho bhouse und mich in diese Provinz, bevor wir noch ie- gend einen Theil der ottomannischen Besitzun. gen besucht hatten; und, den einzigen Major 9² Leake ausgenommen, der damals englischer Resident zu Janina war, war kein Britte je- mals über die Hauptstadt hinaus ins Innere ge- kommen, so versicherte mir es wenigstens je- ner Herr nur kürzlich. Ali Pascha war damals (im Okt. 18⁰9) auf seinem Kriegszuge gegen Ibrahim Pascha, welchen er nach Berat, einer starken Festung, trieb, die er dann belagerte: Bey unserer Ankunft in Janina wurden wir nach Tepaleni, Ali's Geburtsorte und Lieblings- orte, nur eine Tagereise von Berat enifernt, eingeladen; es war unter den jetzigen Umstän- den das Hauptquartier des Veziers. Nach ei- nigem Verweilen in der Hauptstadt verfolgten wir unsern Weg. Doch, obschon wir mit al- lem, was nöthig ist, verschen waren und ei- ner der Sekretaire des Veziers unser Begleiter war, so muſsten wir doch(wegen des vielen Regens) 9 Tage für eine Reise haben, die wir bey der Rückkehr in nicht vollen 4 Tagen machten.— Auf unserm Wege kamen wir durch zwey Slädte, Argyrocastro und Libochabo, dem Anscheine nach weit hleiner als Janina; aber nug Del Epir von viel! eigne wird vorgr runge Die rasch mit Klei Ihre nur obsc ihre rauhe an M barn banid Chri scher e je- e ge- ns je- amals gegen einer gerte: a wir blings- sfernt, nstän- ch ei⸗- olgten nit al- nd ei- gleiter vielen lie wir Tagen en wir chabo, fanina; 9³ aber kein Pinsel, keine Feder kann schön ge- nug die herrlichen Umgebungen von Zitza und Delvinachi(letzteres ein Gränzdorf gegen Epirus) beschreiben. Ich spreche nichts weiter von Albanien und seinen Bewohnern, weil dies viel besser von meinen Reisegenossen in einem eignen bald erscheinenden Werke geschehen wird, dem ich nicht folgen will, noch weniger vorgreifen möchte. Blos noch einige Erläute- rungen des Textes sind hier nöthig. Die Arnauten, oder Albanesen über- raschten mich sehr wegen ihrer Aehnlichkeit mit den Hochländern Schottlands, sowohl in Kleidung und Gestalt, als in der Lebensweise. Ihre Gebirge selbst däuchten mir kaledonische, nur mit milderm Klima. Der Schurz(Kilt) obschon weiſs, die magere, lebhafte GCestalt, ihre Sprechart, ganz celtisch für's Ohr, und ihre rauhen Gewohnheiten— Alles erinnerte mich an Morven. Keine Nation wird von ihren Nach- barn so verabscheut und gefärchtet, als die Al- baniens; die Criechen sehen sie schwer für Christen, die Türken noch weniger für Moha- 94 medaner an; in der That sind sie eine Mischung beyder, auch zuweilen das nicht. Ihre Beblei- dung ist für den Raub eingerichtet; alle sind sie bewaflnet; und die rothschauligen Arnauten, die Montenegriner, die Chimarioten und Geg- den sind voll Verrath; die andern weichen et- was in der Tracht, und wesentlich im Charak- ter ab. Doch, so weit meine Erfahrungen ge- hen, kann ich nur günstig von ihnen sprechen. Ich wurde von Zweyen, einem Ungläubigen und einem Muselmann, nach Konstantinopel, und durch jede von mir bereiste Gegend des Türki. schen Reichs, begleitet, und selten wird man Treuere in Gefahr und Unermüdlichere im Dienste finden. Der Ungläubige hieſs Basi- lius, der Moslem D ervisch Tahiri; erste- rer war ein Mann mittlern Alters, leizterer hatte das meinige etwa. Ali Pascha hatte uns den Basilius ausdrücklich zur Bedienung geben lassen; und Dervisch war einer der Fünf, die uns durch die Waldungen Acarnanien's nach den Ufern des Achelous und weiter nach Mes- salunghi in Actolien begleiteten. Hier nahm ich i zu m über nach war, fallen mein Droh schne ten Z den Z entsch Romar herste verblie Dollm selbst, ten m feinste Sie b der M gezeich mit de nung klei- sind uten, Geg- n et- arak- n ge⸗- chen. nund und Türki. man e im Basi- erste- zterer ie uns geben f, die nach Mes- nahm 95 ich ihn ganz in meinen Dienst, und nie, bis zu meiner Wegreise, hatte ich Ursache, mich über ihn zu beklagen. Als ich im Jahr 1810, nachdem mein Freund Hobhouse weggerciset war, in Morea von einem schweren Fieber be- fallen wurde, retteten diese Menschen dadurch mein Leben, dafs sie meinen Arzt durch die Drohung wegschreckten, ihm den Hals abzu- schneiden, wenn er nicht bie zu einer bestimm- ten Zeit mich herstelle; denn dieser beruhigen- den Zusicherung künftiger Vergeltung und der entschlossenen Verweigerung der Recepte Dr. Romanelli's, schreib' ich allein meine Wieder- herstellung zu. Ich hatte meinen einzig mir verbliebenen Bedienten zu Athen gelassen; mein Dollmetscher befand sich so schlecht, als ich selbst, und meine chrlichen Arnauten verpfleg- ten mich mit einer Aufmerksamkeit, die der feinsten Civilisation Ehre machen würde.— Sie bestanden mancherley Abenteuer; denn der Moslem, der Derwisch Moslem, ein aus- gezeichnet schöner Mann, war stets in Zank mit den Ehemännern Athen's, so, daſs vier 1 der angeschensten Türken mich mit einem Besuche im Kloster beehrten, um mir Vorstel- lungen deshalb zu machen, dafs er ein Frauen- zimmer aus dem Bade gelührt habe, welches ganz wider den Anstand, obschon er solches rechtmäfsig gekauft habe.— Auch Basili war äusserst galant gegen seines Gleichen, und hatte die gröſste Verehrung gegen die Kirche, mit der höchsten Verachtung der Geistlichen ge- mischt, auf die er manchmal wie der ausge- machteste Ketzer loszog. Einer Kirche aber ging er nie vorüber, ohne sich zu kreuzigen, und ich denke noch der Gefahr, der er sich aussetzte, als er Stambuls St. Sophienkirche, als ehemaligen Platz seiner Verehrung, besuchte. Als ich ihm sein gewagtes Verfahren verwies, antwortete er mit Gleichmuth: unsere Kirche ist heilig, unsere Priester sind Spitzbuben!“ und dann kreuzigte er sich wie gewöhnlich, und falste drauf die Ohren des ersten Papas, der sich weigerte, ihm in einer Arbeit beyzustehen, und wirklich kann es auch keine verlassenern Kre- ster A mac ihre nah Zeic tigte nun wisc geſu Heri sche mei Bes plöt. Hän stür; setz! nocl hige (er Zzuvo 2 inem rstel- auen- elches olches li war hatte „ mit en ge- ausge- 2 aber zigen, r sich irche, suchte. erwies, Kirche 97 Kreaturen geben, als die untergeordneten Prie- ster der griechischen Klerisey. Als die Zubereitungen zu meiner Abreise ge- macht waren, lieſs ich meine Albaneser rufen, ihren Lohn in Empfang zu nehmen. Basili nahm den seinen mit einem etwas linkischen Zeichen seines Bedauerns über meine beabsich- tigte Rückreise, und ging fort in seine Woh- nung mit seiner Tracht Piaster, Ich lieſs Der- wisch rufen, aber er konnte eine Zeitlang nicht gefunden werden; endlich kam er, eben da Herr Logotheti, Vater des ehemaligen engli- schen Consuls zu Athen, und einige andere meiner griechischen Bekannten, bey mir zum Besuch waren. Derwisch nahm das Geld, aber plötzlich warf er's auf den Boden, und, die Hände ringend und sie gegen die Stirn haltend, stürzte er bitter weinend aus dem Zimmer. Er setzte sein Wehklagen bis zu meinem Einschiffen noch fort, und all unser Mühen, ihn zu beru- higen, brachte nur die Ausrufung: MA Ostvεεν (er verläſst mich!) hervor. Herr Logolheti, der zuvor gewiſs über nichts Thränen vergoſs, was 23. G *) war, stand unter dem Werthe eines Para's gerührt, der Pater des Klosters, meine Beglei- ter, meine Besucher,— und ich glaube selbst, daſs sogar Sterne's alberne, fette Küchenmagd zhren Fischkessel verlassen haben würde, um den unerzwungenen und unvermutheten Schmerz dieses Barbaren zu theilen.— Als bey dieser Gelegenheit ieh mich erinnerte, wie kurz vor meiner Abreise aus England ein edler und hochzuschätzender, mir verbundener Freund sich entschuldigte, nicht Abschied von mir nehmen zu können, weil er eine Bekannte zu einer Mo- dehändlerin begleiten müsse, fühlte ich mich eben so überrascht, als gedemüthigt durch des Derwisch Benehmen. Daſs er mich etwas traurig verlassen würde, durfte ich wohl erwarten; wenn Herr und Die- ner mit einander durch die Gebirge von wohl 12 Provinzen geklimmt sind, so mögen sie sich dann wohl nicht gern trennen, aber sein jetzi- ges Gefühl steht mit der ihm angebornen Wild- * Ein Para ist ein Viertels Farding(2 Pfen. sächs.) ₰ heit Meyr besse diese lehnk nas I Bedie Stof Schl sich Da w uns, auf e ich b Haup Brod Schwr Hund in dic Sache ganz wisch Lande tand eglei- elbst, magd um merz dieser z vor und d sich hmen r Mo- mich h des vürde, d Die- wohl .. Sächs.) 99 heit so sehr im Widerspruche, dafs meine Meynung über’' menschliche Herz nur eine bessere werden konnte. Ich halte dafür, dafs diese unter ihnen gewöhnliche Treue gleichsam lehnbar sey. Eines Tags, während wir den Par- nas bestiegen, gab ihm einer meiner englischen Bedienten im Streit wegen der Bagage einen Stofs, den er unglücklicherweise für einen Schlag hielt; er sprach nichts, sondern setzte sich nieder, den Kopf in die Hände legend. Da wir die Folgen vorhersahen, bemühten wir uns, die Beleidigung ihm auszuschwatzen; wor- auf er uns antwortete:«Ich war ein Räuber, ich bin ein Soldat; nie schlug mich je ein Hauptmann; Sie sind mein Herr, ich afs Ihr Brod, aber, bey diesem Brodl(ein üblicher Schwur) wäre es anders gewesen, würde ich den Hund, Ihren Bedienten, erstochen haben und in die Gebirge gegangen seyn.“ So endete die Sache; doch von diesem Tag an vergab er nie ganz seinem gedankenlosen Beleidiger.— Der- wisch zeichnete sich sehr in dem Tanze seines Landes aus, den man für einen Abkömmling des pyrrhischen hält; sey's, wie es wolle, er ist männlich, anständig, und erfordert wunder- volle Gelenksamkeit. Sehr unterscheidet er sich von dem dummen Romaik, und dem schläfri- gen Rundum der Criechen, von welchem un- ser atheniensischer Haufe so viel Arten hatte. Im Allgemeinen haben die Albanier(ich meyne nicht die Landbauer der Provinzen, die man auch so nennt, sondern die Gebirgsbewohner) eine feine Körperhaliung, und die schönsten Frauen, die ich je erblickte, gleich reizend an Gestalt und Gesicht, sahen wir als Strafsen- arbeiterinnen an dem Wege, den die Flüsse zwischen Delphinachi und Libochabo verdorben hatten. Ihr Gang ist ein wahrhaft theatrali. scher; doch das Vorstrotzende desselben rührt wohl von dem Kapot oder Mantel her, der von der einen Schulter hängt. Ihr langes Haar er- innert an die Spartanerinnen, und ihr Muth im wandelbaren Kriegsglück ist ganz unbestreitbar. Obschon es unter den Gegden cinige Reiterey gibt, sah ich doch nie einen guten arnautischen Reiter; mein eigner zog die englischen Sättel Acti Erläut wenige weltbe vor, Quich Häfri- n un- tie. neyne man bhner) önsten end an Isen- Flüsse eiterey tischen Sättel 101 vor, die sie vielleicht niemals haben können. Aber als Fufsvolk sind sie durch keine Beschwer- den zu überwältigen. 12. „Childe Harold schiffe' vorbey dem öden Ort, Wo benelope starrt' zur Wog' hinab." St. 39. V. 1. 2. Die Rede ist von Ithaka. 13. Auch manch' berühmte Wahlstattsah er zwar: Actium, Lepant', dich schrecklich Trafalgar!“ St. 40. V. 4. 5. Actium und Trafalgar bedürfen weiter keiner Erläuterung. Die Schlacht von Lepanto, nicht weniger blutig und erfolgreich, aber nicht so welibekannt, fiel in dem Meerbusen von Patras vor, und in ihr verlor der Dichter des Don Quichote die linke Hand. 14. —„Grüſst eitler Liebe letzten Zufluchtsort»— St. 41. V. 3. Leucadia, jetzt Santa Maura. Man behaup- tet, daſs Sappho sich hier vom Vorgebirge(Lie- bessprung) stürzte. 15. „Manch asiat'scher Fürst, manch röm'scher Held.“— St. 45. V. 4. Man sagt, daſs am Tage vor der Schlacht bey Actium Antonius 13 Könige bey seinem Lever gehabt habe. 16. „Schaut dort des zweyten Cäsars Kriegstro- phä'n!“— St. 45. V. 6. Nicopolis, dessen Ueberreste noch sehr aus- gebreitet sind, liegt in einiger Entfernung von Actium, wo die Ringmauer des Hippodrom'’s noch in einigen Bruchstücken sichtbax ist. 17. „Acherusia’'s See“— St. 47. V. 1. Pouqueville nach ist's der See von Janina; aber Pouqueville ist stets irre. 18. „Albania's Haupt, das Willkühr üht anstatt Des Rechts»— St. 47. V. 4. Der berüchtigte Ali Pascha. Auch über die- sen ausserordentlichen Sterblichen befindet sich in Pouquerille's Reisen ein fehlervoller Bericht. 19. aDoch manche Rott' in der Gebirge Grat Höhnt seine Macht;— aus fels'gem Rückhalt rollt Von ſern ihr Schlachtenruf, den nichts ver- stummt, als Gold.“ St. 47. V. 7— 9- Fünftausend Sulioten längs der Felsen und im Schlosse Suli, widerstanden 30,000 Albanesern 104 18 Jahre lang, und nur durch Bestechung wurde die Veste endlich genommen. In die- sem Kampfe zeickneten sich Handlungen aus, die der bessern Tage Griechenlands nicht un- werth waren 20. „0 klösterliches Zitza!“— St. 48. V. 1. Kloster und Dorf Zitza liegen nur 4 Stunden von Janina(Yanina), der Hauptstadt des Pa- schaliks, entfernt. Im Thale dabey fliefst der Kalamas(einst der Acheron), uad bildet un- fern Zitza einen schönen Wasserfall. Die Ge. gend hier ist vielleicht eine der zartesten Grie- chenlands, und nur die Umgebungen von Del- phinachi und einige Parthieen in Akarnanien und Acttolien mögen ihr die Palme streitig ma- chen. Delphi, der Parnas. und in Attika selbst Kap Kolonna und der Hafen Raphti, stehen weit unter ihr, so wie auch jede Parthie Jo- niens oder Troja's; fast bin ich geneigt, auch die Ansicht Konstantinopels in diese Reihe zu stelle Bildu gema Ka vulka W Es fluſs. un stellen, aber da diese von ganz verschiedener 8 die- Bildung ist, kann schwerlich eine Vergleichung aus, gemacht werden. un- 21⸗ «Hier haust der Kaloyer“— St. 49. V. 6. Kaloyers sind griechische Mönche. 1 nden 22. St. 51. V. 2. Es scheint, daſs die Chimariot’'schen Gebirge vulkanisch gewesen sind. 23. g ma- selbst— aschaut den Acheron, Wie schwarz er fliefst, sonst tragend Todte nur!"— St. 51. V. 6. auch Es ist jetzt, wie schon gedacht, der Kalamas- fluſs. ¹ «Vulkanische Schaubühne der Natur! 29. Des Schwerts entledigt, steht der Bursche Reih'n.— St. 71. V.„. Das Original hat Palikar, verkürat bey der Anrede eines Einzelnen aus IIaxiενααeς⁷, ein all. gemeiner Name für Soldat bey den Griechen und Albanesern, die romaisch sprechen; deutsch kann's am besten durch Bursche ge- geben werden. 30. aIndeſs vereint dies Lied halb sangen sie, halb schrie'n.— St. 72. V. 9. Als eine Probe des albanischen oder arnau. tischen Dialekts, des IIlyrischen, liefere ich hier einen ihrer volksthümlichsten Rundgesänge, welche man überall singt, indem Männer und Frauen dabey ohne Unterschied tanzen. Die Anfangsworte sind blos eine Art von absichts- losen Chorus, wie einige in der unsrigen und jeder andern Sprache. rsche 7- y der n all. echen chen; e ge- en sie, V. 9. re ich esänge, er und . Die bsichts- en und 1. Bo, bo, bo, bo, bo, bo, Naciarura popuso. 2. Naciarura na eivin Ha pe uderini ti hin. 3. Ha pe uderi escrotini Ti vin ti mar servetini. 4. Caliriote me surme Ea ha pe pse dua tive. Buo, 50, b0, bo, Do, bo, Giegem Spirta esimiro. 6. Caliriote vu le funde Ede vete tunde tunde. Sieh, sieh, ich komm', ich komm', sey still! Ich komm', ich eil'; mach's Thor auf, laſs mich ein!— Halb mach' es auf, daſs ich den Turban faſs'! Calirioten mit den schwarzen Augen, lafst zum Thor mich ein. Sieh', sieh', ich hör' dich meine Seele. Arnautenmaid, die schön gebleidet, geht mit Crazienstolz. 7. Caliriote me surme Ti mi put e poĩ mi le. 3. Se ti puta citi mora S&i mi ri ni veti udo gia. 9. Ea le ni il che cadale Celo more, more celo. 10. Plu hari ti tirete Plu huron cia pra seti. Gib, Caliriotenmaid, mir einen Kuſs. Was hast du gewonnen durch meinen Kuſs? Feu'r zehrt an meiner Seele. Tanz’ leicht, zärtlich, zärtlicher!— Bestaub' nicht so den Goldsaum deiner Strümpfe!— Einen Kommentator dürfte die letzte Stanze verlegen machen: Die Mannspersonen tragen gewifslich Halbstiefeln von der schönsten Arbeit, aber die Art Frauen(denen das oben Gesagte gilt), haben nichts unter ihren kleinen gelben Stiefeln und Halbschuhen, als einen wohlgerun- deten und sehr weiſsen Knöchel. Die arnauti- sche griee leris länge Man keine Wor her! schrie tig, 1 4T. 11¹ schen Mädchen sind weit lieblicher, als die naid, griechischen, und ihre Kleidung ist weit mah- lerischer; auch erhalten sie ihre Schönheit weit länger, weil sie immer in der freyen Luft leben. Man muls wissen, daſs das Arnautische onnen keine Schriftsprache ist; die Schreibart der Kuſs? Worte des gegebenen Gesangs gründet sich da- neiner her blos auf's Ohr, doch hat sie einer aufge- schrieben, welcher dieses Dialekts ganz mäch rtlich, ug, und ein geborner Athener war. 31. «Tambourgi, Tambourgi, dein Lärmen er- freut.“— St. 72. Gesang V. 1. so den deiner Diese Verse sind aus verschiedenen albani- schen Liedern gezogen, so gut ich sie aus dem Stanze Arnautischen in's Romaische und Italienische tragen übertragen konnte. Arbeit, 32. gelben«Gedenket der Stund', als Previsa einst fiel!* Ebend. V. 8. Es wurde von den Franzosen erstürmt. «Schön Griechenland, verschwund'nen Ruhms Ruin!“— St. 73. V. 1. Einige Gedanken über diesen Gegenstand ent- hält der Anhang zu diesen Anmerkungen. 34. 0 Geist der Freyheit, der auf Phyle's Höh'n Mit Trasybul und seinem Zug erschien.“ . St. 74. V. 1. 2. Phyle(in Böotien), eine schöneAussicht Athens beherrschend, bietet noch beträchtliche Ruinen dar; es wurde vom Trasybul vor Vertreibung der 30 Tyrannen eingenommen. 33. Und des Serails undurchdringbare Mau'r Mag stolzen Frank, den alten Gast, um fah'n.“ St. 77. V. 3. 4. Es wurde von den IL.ateinern genommen und einige Jahre lang behauptet. Vergl. Gibhon. ten e mitj D Au schmi der Sq auch Auf Athens Ruinen ng der . u’r fah'n.“ en und ibbon. 1¹3 36. „Wahab's rebell'sche Brut, die voller Wahn, Die fromme Beute Mahom's Grab entwand, Mag längs den Westen ziehn die blut'ge Bahn. St. 77. V. 5—7. Mecca und Medina wurden von den Wahabi- ien einige Jahre zuvor erobert; eine Sekte, die mit jedem Jahre sich vermehrt. 37. Der Thäler Immergrün, der Berge Schnee.“ St. 85. V. 3. Auf einigen der Berge, besonders in Liakura, schmilzt der Schnee nie ganz, so heifs auch der Sommer ist; aber in den Ebenen sieht man auch im Winter keinen liegen. 38. „Und nicht, wo manch' still trau'rnde Säule blickt Auf der gestürzten Schwestern Reih' herab.* St. 86. V. 1. 2. Auf dem Berge Pentelikus, auf welchem der Marmor zum Bau ölfentlicher Cebäude Athens 23. H gebrochen wurde. Heut zu Tage heiſst er Men- deli. Eine durch die Steinbrüche verursachte unermeſsliche Höhle ist noch vorhanden, und scheint füy die Ewigkeit zu klaffen. 39. „Wo Marathon, als zaub'risch Wort begann.“ St. 89. V. 7. 1 Fiste Viator— heroa calcas!*) war die Grab- schrift des berühmten Grafen Merci.— Man denke sich unser Gefühl, auf dem Grabhügel der zweyhundert, die zu Marathon fielen, zu stehen! Die vorzüglichste Grabstelle wurde erst neuer- lich durch Fauvel untersucht; man ſand beym Ausgraben nur wenig Ueberbleibsel, einige Va- sen u. dergl. Das Feld von Marathon wurde mir für 16,000 Piaster(9oo Pf. 8t.) angeboten. Ach! Expende— quot libras in duce summo— in- venies!» war der Staub des Miltiades nicht mehr werth P Schwerlich konnte er weniger eintragen, din 1 hätte man ihn nach dem Gewichte verkauft. *)„Steh' Reisender— hier liegt ein Held!“ —-— 22——————-———————————-— ℳ⸗—— ℳRℳ: A Anhang. Papiere, in Bezug auf die Anmer- kung Nro. 33. A. Bevor ich etwas über eine Stadt sage, die Je- der, Reisender oder nicht, zu schildern für nothwendig hielt, will ich Miſs Owenson bit- ten, wenn sie wieder eine atheniensische Hel- din für ihre 4 Bände borgt, die Güte zu ha- ben, sie lieber an jeden andern Herrn zu ver- heurathen, als an einen Disdar-Aga(der, ne- benher gesagt, kein Aga ist), den ungeschlif- 116 fensten der geringern Officiere, den gröſsten Diebshehler, den Athen jemals sah(den Lord E. ausgenommen) und den unwürdigen Besitzer von Acropolis, für eine schöne jährliche Besol- dung von 150 Piastern(50 Thalern), von wel- chen er blos seine Garnison, das schlechteste Korps in dem schlecht verwalteten ottomanni- schen Reiche, zu bezahlen hat. Ich spreche dies treuherzig, weil ich sehe, daſs ich einst die Ursache war, dafs der Eheherr der Ida von Athen fast Stockprügel erbielt; und weil der erwähnte Disdar ein ungestüämer Ehemann ist, der seine Frau schlägt, so ersuche und flehe ich Mifs Owenson, doch um einen besondern chelichen Unterhalt för ihre Ida nachzusuchen. Nachdem ich so viel über diesen, den Roman-. lesern so wichtigen Gegenstand, vorausgeschickt habe, so darf ich nun wohl Ida verlassen, und von ihrem Ceburtsorte etwas sagen. Wenn man auch nicht Rücksicht nimmt auf das Magische des Namens, und alle die daran sich reihende Erinnerungen, die herzuzählen pedantisch und überflüssig wäre, so wird doch chteste manni- spreche h einst Ida von veil der ann ist, nd flehe esondern usuchen. Roman- geschickt ssen, und mmt auf lie daran rzuzählen Fird doch schon die Lage von Athen dasselbe zu einem Lieblingsorte aller derer machen, die Augen für Kunst oder Natur haben. Das Klima er- schien(zum wenigsten mir) ein beständiger Frühling; acht ganzer Monden lang verging mir hein Tag, wo ich nicht wenigstens einige Stun. den zu Pferde war; Regen ist sehr selten. Schnee liegt nie in den Ebenen, und ein wol- kiger Tag ist eine angenehme Seltenheit. In Spanien, Portugall, und in allen Theilen des Ostens, die ich besuchte, nur Jonien und At- tika ausgenommen, nirgends bemerkte ich eine solche Superiorität des Klima's über das unsrige; und zu Konstantinopel, wo ich den May, Juny und einen Theil des July(1810) zubrachte, möchte man das Klima verwünschen, und von 7 Tagen fünf dem Spleen weihen. Die Luft in Morea ist schwer und ungesund, aber im Augenblicke, wo man die Landenge in der Richtung nach Megara vorüber kommt, ist der Wechsel auſfallend bemerkbar. Doch glaube ich, Hesiod wird in seiner Beschrei- 118 bung eines bœotischen Himmels immer unwi- derlegt bleiben. In Livadien fanden wir einen starken Geist an einem griechischen Bischoffe, den ausge- machtesten Freydenker. Dieser würdige Heuch- ler bespöttelte seine eigne Religion mit grofser Verwegenheit(aber nicht vor seiner Heerde), und sprach von einer Messe wie von einem Pos- senspiel. Unmöglich war's, deshalb besser von ihm zu denken; aber für einen Bœotier war er mit aller seiner Abgeschmacktheit munter ge- nug. Diese Naturerscheinung(mit der natürli- chen Ausnahme Thebens, der Ueberbleibsel von Chäronea, der Ebne von Platea, Orchomenus, Livadien und ihrer sogenannten Trophonischen Höhle) war das einzig Bemerkenswerthe, das uns vor unserm Zuge über den Berg Cithäron aufstieſs. Die Quelle der Dirce dreht jetzt eine Mühle, wenigstens behauptete mein Gesellschafter(wel- cher sich auf einmal entschlofs, sich rein und klassisch darin zu baden), daſs es derselbe Quell sey, wide einen trüb fried lisch so h. er u setzte dem Trün Auge licus polis blick die A und wohl Ich h chen ster hen, der C „ sey, und wer's der Mühe werth hält, mag ihm widersprechen. Zu Castri tranken wir aus wohl einem Dutzend Flüſschen, von denen manche trüb genug waren, bevor wir zu unserer Be- friedigung entschieden, welches der ächte casta- lische Quell sey; und selbst dieser machte ein so häfsliches Getös, vielleicht vom Schnee, daſs er uns keineswegs in ein episches Fieber ver- setzte, wie den armen Dr. Chandler.— Von dem Fort Phyle, von dem noch weitläuftige Trümmer vorhanden, drängen sich in jedes Auge auf einmal die Ebne von Athen, Pente- licus, Hymettus, das ägeische Meer und Acro- polis; nach meinem Gefühl ein herrlicherer An- blick, als selbst Cintra und Stambul. Auch nicht die Aussicht von Troja mit Ida, der Hellespont und der entferntere Berg Athos können ihr, ob- wohl sie gröſser sind, gleichgestellt werden.— Ich hörte viel von der Schönkeit Arkadiens spre- chen, doch, nimmt man die Aussicht vom Klo- ster Megaspelion(welches, von der Höhe gese- hen, die von Zitza übertrifft) und das Gehänge der Gebirge am Wege von Tripolitza nach Ar- gos aus, so bleibt Arkadien wenig mehr übrig, als der schöne Name. «ternitur, et dulces moriens reminiscitur Ar- gos.“ Nur in den Mund eines Argivers konnte Virgil dies gelegt haben; und(mit aller Ach- tung für ihn!) es verdient diesen Beysatz nicht. Und wenn der Polynices des Statius in mediis audit duo litora campis» wirklich zwey Ufer (Brandungen) hörte, indem er durch Korinths Landenge kreuzte, so hatte er bessere Ohren, als sie seit jener Zeit Einer auf dieser Reise trug. Athen, sagt ein berühmter Topograph, ist noch jetzt die feingebildetste Stadt Griechenlands, nur nicht der Criechen; denn Johannina in Epirus wird von allen dafür anerkannt, daſs sie an Wohlstand, Feinheit der Lebensart, Ge- lehrsamkeit und Dialekt ihrer Bewohner alle andere übertreffe. Merkwürdig sind die Athe- ner wegen ihrer Verschlagenheit; und die nie- dern Stände sind sehr richtg durch das Sprich- wort, welches sie mit den«Juden von Salo- nichi und den Türken von Negropont'y in ein griec schie den, saner sie ü dere franze ders als K mann werd daſs werd ihrer heit, heit o welch Malsr due, Anse mit Herr, Brig, Ar- onnte Ach- nicht. nediis Ufer brinths hren, Reise h, ist nlands, nina in daſs sie t, Ge- ſer alle e Aihe- Uie nie- V Sprich- h Salo- onty in eine Klasse wirft, bezeichnet. In Hinsicht des griechischen Charakters gab es nie eine ver- schiedene Meynung bey den verschiedenen Frem- den, Franzosen, Italienern, Deutschen, Ragu- sanern, die in Athen sich aufhielten, obgleich sie über alle andere Gegenstände so gern an- dere Ansichten hatten.— Herr Fauvel, der französische Consul, der gegen 30 Jahre beson- ders zu Athen zubrachte und dessen Talente als Künstler, so wie dessen Betragen als Welt- mann, von Allen, die ihn kannten, gepriesen werden, erklärte immer in meiner Gegenwart, dafs die Griechen nicht verdienten, erlöset zu werden; er stützte sich besonders auf den Grund ihrer nationellen und in dividuellen Verderbt- heit, vergaſs jedoch, dafs eben diese Verderbt- heit den Ursachen zugeschrieben werden mußs, welche blos durch die von ihm verworfenen Malsregeln entfernt werden können. Herr Ro- que, ein französischer Kaufmann, von vielem Ansehen, der lang zu Athen lebte, behauptete mit der belustigendsten Wichtigkeit: Mein Herr, es ist noch dasselbe Pack, das in den 1 22 Zeiten des Themistocles lebte!» gewiſs eine be- unruhigende Bemerkung für den Laudator tem- poris acti. Die Alten verwiesen den Themisto- cles; die Neuern prellen Herrn Roque; so hat man grofse Männer von jeher behandelt.— Ge- nug, alle dort wohnhaften Franken, und die meisten der Engländer, Deutschen, Dänen, die dort reisten, gingen nach und nach zu ihrer Meynung fast durch dieselben Gründe über, aus welchen ein Türke in England die ganze Nation des Wuchers anklagen würde, weil sein Lohnbedienter ihn betrog, und seine Wäscherin ihn übertheuerte. In der That, es war kein kleines Wunder, als die Herren Fauvel und Lusieri, die zwey grölsten Demagogen des Tags, welche zwischen sich die Gewalt des Pe- ricles und die Volksgunst Kleon's theilen, und den armen Woywoden mit unaufhörlichen Strei- tigkeiten belästigen, in die völlige Verdammung anulla virtute redemptum der CGriechen über- haupt und der Athener insbesondere mit ein- stimmten. Was meine eigne geringe Meynung anlangt, so we weiſs als 5 hends phiscl Ehre, sind; gen d und Jeder sehr s Eton preisu de P chen Die sie wq Gott sollte Unser frey chenl irisch ne be- r tem misto- so hat — Ge- ad die en, die a ihrer über, ganze eil sein scherin ar kein el und gen des des Pe- n, und n Strei- mmung a über- mit ein- anlangt, 123 so wage ich sie nur mit Widerwillen, da ich weils, dafs jetat im Manuscript nicht weniger als 5 Reisen der ersten Gröfse und des dro- hendsten Anschens, in dem schönsten typogra- phischen Kleid, von Personen von Witz und Ehre, und voll von Gemeinplätzen, vorhanden sind; aber, so fern ich's ohne Beleidigung sa- gen darf, es scheint mir eher hart, so bestimmt und halsstarrig zu erklären, wie es beynahe Jeder gethan hat,«daſs die Griechen, weil sie sehr schlecht sind, nie besser werden können.“ Eton und Sonnini haben durch ihre Lob- preisungen und Pläne uns irre gemacht; aber de Pauw und Thornton setzten die Crie- chen noch unter die Verdienstlosigkeit herab. Die Griechen wollen nie unabhängig seyn; sie wollen nie Souverain's seyn, wie früher, und Goit behüte, dafs sie's jemals werden. Doch sollten sie Unterthanen, und nicht Sklaven seyn. Unsere Kolonien sind nicht unabhängig, aber frey und gewerbsam, und so könnte auch Grie- chenland seyn.— Sie dulden jeizt, gleich den irischen Katholiken, und den Juden aller Ge- 124 genden, und gleich andern solchem geprügel- ten und irrgläubigem Volk, alle moralischen und physischen Uebel, über die die Mensch- lichkeit trauert. Ihr Leben ist steter Kampf gegen die Wahr- heit; sie sind lasterhaft in ihrer eignen Verthei- digung. Sie sind so wenig an Güte gewöhnt, dafs, wenn sie ihnen unerwartet begegnet, sie solche verdächtig anstarren, so wie ein oft ge- biſsner Hund nach unsern Fingern schnappt, wenn wir ihn liebkosen wollen.— Sie sind un- dankbar, weltkundig und abscheulich undank- bar!“ ist der allgemeine Ruf. Aber, im Namen der Nemesis, für was sollten sie dankbar seynb Wer kennt den Menschen, der noch je den Griechen eine Wohlthat erwiesb Sollen sie den Türken dankbar für ihre Ketten, den Franken fär ihre eiteln Versprechungen und lügenhaften Rathschläge seyn? Sollen sie dem Künstler es danken, der ihre Trümmer copirt; und dem Antiquar, der sie wegführt; dem Rei- senden, dafſs sein Janitschar sie peitscht, und dem Reischeschreiber, daſs sein Tagebuch sie herab alle, Un Polize ren a mehre wohne Sitten mit ei haben wenn tritt, kathol chen den e wenig die Me brügel- ischen lensch- Wahr. erthei- wöhnt, et, sie oft ge- hnappt, ind un⸗ indank- Namen nkbar r noch Sollen den Ln und copirt; ſem Rei- t, und uch sie 125 herabsetztb Dies sind die Verbindlichkeiten alle, die sie gegen Fremde hal en. B. Athen, den 23. Jan. 18tr⸗ Unter den Ueberbleibseln der barbarischen Polizey der ältern Zeit zeichnen sich die Spu- ren der Knechtschaft aus, die noch jetzt in mehrern Ländern vorhanden sind, deren Ein- wohner, so verschieden auch ihre Religion und Sitten seyn mögen, doch in der Unterjochung mit einander übereinkommen. Die Engländer haben endlich ihrer Neger sich erbarmt, und, wenn einst eine weniger bigotte Regierung auf tritt, so werden sie wahrscheinlich auch ihre katholischen Brüder befreyen; aber die Grie- chen können blos durch Einmischung der Frem- den erlöst werden, welche ausserdem eben so wenig durch die Türken, als die Juden durch die Menschen überhaupt entjocht werden därften. Die alten Griechen kennen wir hinlänglich; wenigstens weihen die jungen Leute in Europa ihre Zeit dem Studium griechischer Schriftstel- ler und Geschichte mehr, als ihnen die For- schung ihrer eignen erlauben kann. Was die Neuern betrifft, so behandeln wir sie weit nach- lässiger, als sie verdienen, und während jeder Mann von nur einigen Ansprüchen auf Gelehr- samkeit sich nicht nur in seiner Jugend, oft auch im Alter, im Studium der Sprache und der Reden der atheniensischen Demagogen zu Gunsten der Freyheit ermüdet, so läfst man die eigentlichen oder eingeschobenen Abkömm. linge doch der Tyranney ihrer jetzigen Herr- scher ausgesetzt, obgleichnur eine leich- te Anstrengung erforderlich seyn würde, ihre Ketten zu lösen. 80 wie die Griechen es selbst thun, von ihrem Aufer- stehen zu altem Glanz zu schwatzen, ist lä- cherlich, denn zuvor müfste die übrige Welt wieder in ihre alte Barbarey verſallen, ehe sie sich der Obermacht Griechenlands aufs neue unterwürfe: Doch scheinen der Hindernisse nicht pfindl nicht eine leistur te vie che, haupt Die loren ihrer schein gion mal s verlass die sie auf M. Den wohl dem 4 chische werder Hülfe glich; 2uropa iftstel- e For- Vas die t nach- d jeder Gelehr- ad, oft he und ogen zu Herr- leich- seyn So wie Aufer- ist lä- e Welt ehe sie ſs neue dernisse 127 nicht so viele zu seyn, wenn man die Unem- pfindlichkeit der Franken ausnimmt, um ihnen nicht eine nützliche Unabhängigkeit, oder selbst eine freye Verfassung mit besonderer Gewähr- leistung verschaffen zu können; doch dies müſs- te vielleicht mit Abänderungen geschehen, wel- che, wie viele wohlunterrichtete Männer be- haupten, nicht wohl auszuführen seyn möchten. Die Griechen haben nie ihre Hoffnung ver- loren, obschon sie jetzt mehr getheilt sind in ihrer Meynung über diejenigen, die sie wahr- scheinlicherweise befreyen werden. Die Reli- gion empfiehlt die Russen; aber schon zwey- mal sind sie von dieser Macht betrogen und verlassen worden, und die furchtbare Lehre, die sie erhielten, nachdem die Moskowiter sie auf Morea verliefſsen, können sie nie vergessen. Den Franzosen sind sie wenig geneigt, wie- wohl die Unterjachung des übrigen Europa's dem Anschein nach durch Befreyung der grie- chischen Provinzen des Festlandes herbeygeführt werden dürfte. Die Inselbewohner blicken nach Hälfe auf die Engländer, die denn auch ganz kürzlich sich in den Besitz der jonischen Re- publik, nur Corfu ausgenommen, gesetzt ha- ben. Aber jeder Bewaffnete, er sey, wer er wolle, ist ihnen stets willkommen, und bricht jener Tag einmal an, so sey der Himmel den Türken gnädig, weil sie von den Ungläubigen keine Gnade erwarten können. Doch, statt zu betrachten, was sie gewesen sind, und nachzusinnen, wäs sie seyn möch- ten, wollen wir sie so erblicken, wie sie sind. Aber hier ist's unmöglich, die Verschiedenheit der Meynungen zu vereinigen; Einige, beson- ders die Kaufleute, verschreyen sie mit der bö- sesten Zunge; Andere, besonders Reisende, dre- hen ganze Perioden zu ihrem Lobe, und ma. chen wahrhaft seltne Betrachtungen, gepfropft auf ihren ältern Zustand, bekannt, die freylich für ihren jetzigen nicht nützlicher sind, als das Daseyn der Inca's für die künftigen Glückstage von Peru. Eine sehr witzige Person nennt sie die natür- lichen Verbündeten der Engländer; eine andere, eben so feingebildete, will nicht zugeben, daſs sie läug alte als sisc alle ihre ob c oder so e oder ähne n Re- zt ha- wer er bricht el den ubigen ewesen möch- ie sind. denheit beson- 129 sie Verbündete von irgend Jemand scyen, und läugnet die Aechtheit ihrer Abkunft von den alten Griechen; cine dritte, noch sinnreicher als jene, schafft ein griechisches Reich auf rus- sischer Basis, und verwirklicht(auf dem Papier) alle Chimären Catharinens II. Was die Frage jhrer Abkunft betrifft, was hat es zu bedeuten, ob die Mainotten die geradlinigen Lakonier sind, oder nichtP oder die jetzigen Athenienser eben so einheimisch, als die Bienen des Hymettus, oder als die Heuschrecken, denen sie einst selbst ähneltenb Was kümmert'’s den Britten, ob dä- nisches, apgelsächsisches, normann’'sches oder Trojanerblut in ihm flieſsep oder wer, den Wel- schen ausgenommen, wünscht wohl von dem Caractacus abzustammen b Die armen Griechen haben so wenig Ueber- fluſs an den guten Dingen dieser Welt, als daſs zhre Ansprüche an's Alterthum ein Gegenstand des Neids seyn sollten, und folglich ist's sehr grausam, dafs Herr Thornton sie im Besitz des Wenigen stört, was die Zeit ihnen lieſs: nämlich ihren Stammbaum, den sie um so fe- 23. I ster halten, als er noch das Einzige ist, das sie das Ihrige nennen können. Werth wäre es wohl, die Werke der Herren Thornton und Pauw, Eton und Sonnini zusammenzustel- len und zu vergleichen; voll von Paradoxien auf der einen, und von Vorurtheilen auf der andern Seite. Herr Thornton begreift wohl selbst, daſs er Ansprüche auf das allgemeine Zutrauen haben müsse, da er 1¾½ Jahre lang zu Pera sich auf- hielt; was die Tärken anlangt, mögen sie gelten, aber dieser Aufenthalt konnte zu einer bessern Kenntnifs Griechenlands und der Griechen nicht mehr beytragen, als ein mehrjähriger Aufent⸗ halt in Wapping zur Kenntniſs der westlichen Hochländer. Die Griechen Konstantinopels le- ben im Fanal, und wenn Herr Thornton das goldne Horn nicht mehrmal durchkreuzte, als seine Brüder Kaufleute es zu thun gewohnt waren, so kann ich nicht viel Vertrauen zu sei- ner Kenntnifs haben. Ich sah wirklich einen dieser Herren sich wegen seiner wenigen Gemein- schaft mit der Hauptstadt brüsten, und hörte, wie er mit einer triumphirenden Miene versicher- te, Kor Tho den sie ein sche vers den Men- kenn daſs bey die S doch zum sie e es und stel- auf dern daſs aben aul- sern nicht fent- ſichen ſels le- n das ſeuzte, wohnt 131 te, dafs er in mehkrern Jahren nur viermal nach Konstantinopel gekommen sey.— Was Herrn Thornton’s Reisen in griechischen Schiffen auf dem schwarzen Meere anlangt, so verschafften sie ihm denselben Begriff von Griechenland, als ein Kreuzzug von Berwick aus in einer schotti- schen Schmacke von Johanna Grots Hause verschafft. Woher hat er also das Recht und den Grund, anmaſsend die ganze Masse einer Menschenart zu verdammen, die er so wenig kenntb Es ist vielmehr ein seltsamer Umstand, daſs Herr Thornton, welcher den Pouquerille bey allen Gelegenheiten, wenn von den Türken die Sprache ist, so verschwenderisch tadelt, ihn doch als Autorität bey Beurtheilung der Grie- chen gelten läfst, und ihn einen unpartheyischen Beobachter nennt. Aber Herr Pouqueville ist dazu gewiſs eben so wenig geeignet, als Herr Thornton, ihn dafür gelten zu machen.— Das Wahre ist, wir leiden an beklagungswerthem Mangel der Kenntniſs des Zustandes der Griechen, und besonders ihrer Literatur, auch haben wir zum Besserkennen nicht früher Hoffnung, bis 132 wir ölter mit ihnen umgegangen, oder ihre Un- abhängigkeit erlangt ist; auf die Berichte durch- eilender Reisender ist eben so wenigzu bauen, als auf die Schmähungen entrüsteter Factoren; aber so lang Etwas nicht auf einem bessern Wege zu erhalten ist, muſs man mit dem zufrieden seyn, was aus solchen Quellen flieſst, denn so unrein diese auch seyn mögen, so sind sie doch den paradoxen Meynungen solcher Menschen vorzu- ziehen, die von den Alten wenig gelesen, und von den Neuern nichts gesehen haben, wie zum Beyspiel Herr von Pauw, welcher, wenn er behauptet, daſs die brittischen Pferde durch Newmarket(wegen des Weitrennens) ruiniret wurden, und daſs die Spartaner auf dem Schlacht- felde Poltrons gewesen, so entwickelt er eine gleiche Kenntniſs von Englands Pferden und Spar- ta's Männern. Seine«philosophischen Beo- bachtungen» haben weit mehr Anspruch auf den Titel poetischer. Man darf nicht erwarten, dafs der, welcher so freygebig einige der be- rühmtesten Anstalten der Alten herabwürdigt, mit den neuern Griechen Gnade haben wird, Un- rch⸗ n, als aber ge zu seyn, nrein den vorzu- „ und 2 zum un er durch niniret ürdigt, wird, 133 aber glücklicherweise hat die Abgeschmacktheit seiner Hypdthesen über ihre Altvordern seine Aussprüche über sie selbst nichtig gemacht.— Lafst uns also, trotz den Vorhersagungen de Pauw's und den Zweifeln des Herrn Thorn- ton, dennoch auf die Erlösung einer Menschen- rage hoffen, welche— wie grofs auch ihre re- ligiösen Irrthümer, wie arg ihre Politik seyn mögen— doch schon seit viertehalb Jahrhun- derten durch eine bittere Gefangenschaft gestraft worden sind. C. Franziskanerkloster zu Athen, 17. März 18 1r. Einige Zeit nach meiner Rückkehr aus Kon- stantinopel in Theben, erhielt ich die 31. Num- mer des Edimburgh Reoiew— als ein groſses Geschenk, das in so beträchtlicher Ferne eins der annehmbarsten war— vom Capitain einer engl. Fregatte zu Salamis. In dieser Nummer, die im dritten Artikel eine Beuriheilung einer französischen Uebersetzung des Strabo in sich faſste, waren auch einige Bemerkungen über die neuern Griechen und ihre Literatur, und eine kurze Nachricht von Coray, einem der franzö- sischen Mitübersetzer. Ich fühle mich geneigt, über diese Bemerkungen einige Betrachtungen anzustellen, und der Ort, an dem dies geschieht, wird hinreichend seyn, mich zu entschuldigen, sie in ein Buch aufzunehmen, dessen Inhalt ge- wissermafsen mit dem Gegenstande verwandt ist. Coray, der berühmteste der lebenden Griechen, wenigsten; unter den Franken, wurde auf Scio geboren An dem Reptew ist Smyrna, aber, nach meiner Meynung, irrig, als Geburtsort genannt) und ausser den Uebersetzungen Beccaria's und andrer dort gedachter Werke(in's Neu- griechische) hat er auch ein romaisches und französisches Lexikon herausgegeben, so fern der Versicherung einiger dänischer Reisender, die kürzlich aus Paris kamen, zu trauen ist; unser zuletzt hier gesehenes französisch und griechisches Wörterbuch ist das von Gregory iner sich r die eine anzö- neigt, ingen leht, ligen, lt ge- dt ist. chen, Scio nach e⸗ 139 Zolikogloou.— Coray wurde neuerdings in einen unangenehmen Streit mit Herrn Gail verwickelt, einem Pariser Kommentator und Herausgeber einiger Ueberset ungen griechischer Dichter, weil jenem das NationalInstitut den Preis für dessen Version Hippocrates IIéçe ddaο‿τεν,»etc. zugetheilt hatte. Seinem literarischen und patriotischen Bestreben gebührt unstreitig groſser Dank; aber ein Theil desselben darf den Brüdern Zosimado(Kaufleuten zu Leghorn) nicht vorenthalten welche ihn nach Paris schickten, ihn da unterhielten, und zwar alten Untersuchun- in der einzigen Absicht, gen seiner Landsleute aufzuhellen, und die neuen zu vermehren. Coray wird vielleicht we- niger von seinen Landsleuten beachtet, als Ei- nige, die in den zwey letzten Jahrhunderten lebten; besonders der Dorotheus von Mitylene, dessen hellenische Schriften bey den Neugrie- chen so geachtet sind, daſs sie Miletius Méra ν Oυνmννοεν—ͤ⁴ι Zevo Ccvre dεαεαόασφο ENApvv„.(S. 224. Ecclestastical Histon Iol. TV.) nennt.— Pauagiotes Kodrikas, der Uebersetzer Fontenelle's und Kamarases, der den Ocellus Lucanus über's Universum in's Franzö- Christodoulus, und vor- sische übertrug; mit denen ich in Janina züglich Psalida, umging, sind unter ihren Gelehrten ebenfalls in hoher Achtung. Der Letztgenannte hat ein Werk über wahre Glückseligkeit in la- teinischer und romaischer Sprache bekannt ge- macht und es der Kaiserin Katharina II. zuge- eignet. Aber Polyzois,— den der Revie- wer, ausser Coray, für den noch einzigen Ge- lehrten, der sich durch seine Kenntnifs des Hellenischen ausgezeichnet, uimmt,— war, so fern es der Polyzois Lampaniziotes von Janina ist, der eine Menge romaik'’scher Aus- gaben bekannt machte, nichts mehr und weni- ger als ein wandernder Bächertrödler, der mit dem Inhalte seiner publicirten Bücher nichts gemein hatte, als seinen Namen auf dem Titel- platte zur Sicherung seines Eigenthums; über- dies war er ein Mann, dem alle gelehrten Kenntnisse abgingen. Es ist gewiſs ein ganz setzer den ranzö- 1 vor- ſanina enfalls at ein in la- unt ge- zuge- Revie- 137 anderer Polyzois, der die Brieſe des Aristöne- tus herausgab. Zu beklagen ists, dafs das Continentalsystem die wenigen Wege verschlossen hat, auf wel- chen die Griechen ihre literarischen Produkte erhielten, die besonders von Triest und Venedig kamen. Jetzt sind selbst die Schulbücher für die niedere Klasse zu theuer. Unter ihren Ori. ginalwerken zeichnen sich aus die«Erdbeschrei- bung des Meletius,“» Erzbischoffs von Athen, und eine Menge von theologischen Quartanten und poetischen Traktätchen; ihre Sprachlehren und Wörterbücher von zwey, drey und vier Sprachen sind zahlreich und trefflich. Ihre Poesie ist gereimt; das sonderbarste Stück, wel- ches ich letzlich sah, war ein satyrischer Dia- log zwischen einem russischen, englischen und französischen Reisenden und dem Woywoden der Wallachey(Schwarz Bey genannt), einem Erabischoff, einem Kaufmann und dem Cogia Bachi(oder Primas) nach einander, deren ge- genwärtige Ausartung der Dichter blos den Tür- ken zuschreibt. 138 Ihre Lieder sind zuweilen hübsch und ge- fühlvoll, aber ihre Melodieen überhaupt unge⸗ fällig für's Ohr eines Franken; das Beste ist das berühmte Aeuzs rAι⁸⁶ις T„ EAASvD» von dem unglücklichen Riga. Uebrigens finden sich in einem vor mir liegenden Verzeichnisse von mehr als 60 Verfassern nicht fünf, die von et- was anders als Theologie geschrieben haben. Ein Grieche in Athen, Namens Marmaro. touri, trug mir auf, daſs ich's, wo möglich, veraunstalten solle, ihm in London eine romai- sche Uebersetzung von Barthelemy's Reise des jüngern Anacharsis drucken zu lassen, weil ihm dazu eine andere Gelegenheit fehle, wenn er das Manuscript nicht nach Wien über das schwarze Meer und auf der Donau schicken wolle.— Der Herausgeber des Reoiews gedenkt einer zu Hecatonesi gestifteten und durch Se- bastiani's Anregung wieder unterdrückten Schul. anstalt: er meynt Cidonies, oder das tür- kische Haivali, eine Stadt auf dem Festlande, wo diese Schule, für 100 Studirende etwa, und mit 3 Professoren versehen, noch vorhanden ist. Es i beur vorv stun, einle opfer Der min lente ten. nd ge- unge⸗ este ist 9 von ſen sich sse von von et- ben. maro- nöglich, romai- s Reise ſen, weil 139 Es ist wahr, daſs dieses Institut von der Pforte beunruhigt wurde, weil sie lächerlich genug vorwendete, die Griechen erbauten da eine Fe- stung statt eines Collegiums; doch, da das W ahre ivan einige Beutel einleuchtete, und man dem I opferte, wurd Der erste dasi min(Benjamin)* auern zugestanden. Namens Venia- einen Mann von Ta- lenten, aber auch für einen Freydenker gehal- ten. Er war zu l„ hatte in Ita- lien studirt, und kennt kommen die grie- chische, lateinische und ige fränkische Spra- chen; nebenbey hat er von den Wissen- schaften einige Kenntn Obwohl es nicht meine Absicht ist, über die- sen Gegenstand hier mich weiter auszulassen, erfordert, so muſs als es der angezogene Ar ich doch bemerken, daſs des Reviewer's Klage über den Fall der Gri scheint, wenn er mit den Worten: Ihr Wech- etwas sonderbar nrem Miſsgeschick, als ihrer phy- en,» schlieſst. sel ist mehr i sischen Verdorbenheit zuzuschreil Es mag wahr seyn, daſs die Griechen nicht sind, und dafs Konstantinopel am Tage, wo es seine Herren physisch schlechter geworden wechselte, eben so viel Menschen von 6 und mehr Fuſs enthielt, als in der Zeit seiner Blü-. the; aber die alte Geschichte und die neuere Politik belehren uns, daſs zuweilen mehr als physische Kräfte nöthig sind, einen Staat in Macht und Unabhängigkeit zu erhalten; und die Griechen besonders sind ein trauriges Bey- spiel der nahen Verwandtschaft zwischen mo- ralischer Verdorbenheit und nationellem Verfall. Der Reviewer gedenkt, glaube ich, eines Plans Potemkins zur Reinigung des Romaicschen, und ich habe mir umsonst Mühe gegeben, von seiner Existenz einige Nachricht oder Spur zu erhalten. Sonst gab's eine Akademie für GCrie- chen zu St. Petersburg, aber Paul hob sie auf und seine Nachfolger stellten sie nicht wieder her. Ein Schreibfehler ist's— und weiter kanns nichis seyn— der in Nro. 31. des Edimburger Review's(S. 58) unterläuft in den Worten: E wurde uns gesagt, daſs, als die Hauptstadt des Ostens lyman men nach ner 4 würde. aber eB überha dere, weit er oder il dern 2 ist ja In der Au Hauptst in den len aſfe bilder 2 Sache b 1 daſs lerren 6 und r Blü- aeuere hr als aat in ; und 8s Bey- en mo- Verfall. s Plans cschen, Ostens von Solymann unterjocht wurde(So- lymann muſs Mahomet II. heiſsen), die vorneh- men Frauen in Konstantinopel dem Scheine nach einen Dialekt sprachen, der die Lippe ei- ner Athenienserin nicht geschändet haben würde.“ Ich weiſs nicht, ob dies wahr soy, aber es thut mir leid, zu sagen, daſs die Frauen überhaupt, und die Athenienserinnen insbeson- dere, jetzt sehr verändert sind; aber ich bin weit entfernt, irgend einer in ihrem Dialekt oder ihrem Ausdruck den Vorzug vor der an- dern zu geben, denn die ganze attische Raçe ist ja eine barbarische nach dem Sprichwort: In Gibbon(Vol. 10. p. 161.) steht folgen- der Ausspruch:«Der gemeine Dialekt der Hauptstadt war rauh und barbarisch, obschon in den Kirchen und den Pallästen man zuwei- len affectirte, die Reinheit der attischen Vor- bilder zu copiren.“ Was man auch über diese Sache behaupten mag, so ist's schwer zu begrei- 1 42 fen, daſs die«Frauen in Konstantinopel“ wäh- rend der Regierung des letzten Cäsars einen reinern Dialekt gesprochen haben, als ihn Anna Comnena dreyhundert Jahre früher schrieb; und selbst diese königlichen Seiten werden nicht als Muster der Composition angesehen, wiewohl rav νεινν AKPIBSH22 Arre- die Prinzessin 7*⁴³⁶ A*εαοωυασαν.— Im Fanal(bey Konstantinopel) und zu Janina spricht man jetat das beste Grie- chisch; in letzterer Stadt befindet sich eine blühende Schule unter der Leitung P s alida's. Zu Athen hielt sich eben ein Zögling Psalida's auf, der durch Griechenland eine Beobach- tungsreise macht; er ist einsichtsvoll und besser erzogen, als ein Student der mehresten Akade- mieen. Ich erwähne dies als einen Beweis, dals der Untersuchungsgeist unter den Griechen auch nicht schläft. Der Herausgeber des Reviews führt Herrn Wright, den Verfasser des schönen Gedichts Horæ Jonicæ“ als Einen an, der geeignet sey, mehr genaue Auskunft von diesen sogenannten Romaiken und ausgearteten Griechen, und also auch Hr. V tüchti wenn Roma nische gemac sche il Neape Jani sche ar des Ali sonderr gentlicl und Te man sc Ich wu ser son Mutters hörte i 20,000 gen ihr wegen lachen. wäh- inen Anna und at als wohl Arre- opel) Grie- eine da's. li da's bach- besser kade- ſeweis, echen Herrn dichts lei sey, hnnten Ad also 145 auch von ihrer Sprache geben zu können; aber Hr. Wright, obwohl ein guter Dichter und tüchtiger Mann, hat einen Mißssriff gethan, wenn er entscheidet, der albanische Dialekt des Romaikschen nähere sich zunächst dem Helle- nischen; denn die Albanesen sprechen ein aus- gemacht schlechteres Romaik, als das Schotti- sche in Aberdeenshire, oder das Italienische in Neapel. Janina(wo, so wie im Fanal, das Criechi- sche am reinsten ist), obschon die Hauptstadt des Ali Pascha, liegt aber nicht in Albanien, sondern in Epirus; und von Delvinachi im ei- gentlichen Albanien an, bis nach Argyrocastro und Tepaleon(bis wohin ich nicht kam) spricht man schlechter griechisch, als selbst zu Athen. Ich wurde 1 ½ Jahr hindurch von zweyen die- ser sonderbaren Bergbewohnern bedient, deren Muttersprache die illyrische ist, und nie hörte ich sie oder ihre Landsleute(die ich zu 20,000 in der Armee des Vely Pascha sah) we- gen ihres Griechischen loben, wohl oft aber wegen ihrer barbarischen Provinzialismen ver- lachen. In meinem Besitze sind gegen 25 Briefe, un- nug, ..; ter denen einige von dem Bey von Korinth, genon 8 andere an mich von Notaras, dem Cogia Bachi, vertraW noch andere von dem Dragoman des Caima. wird cams von Morea(der zuletzt in Vely Paschas die Fr Abwesenheit den Oberbefehl hatte) für gute bin ic Muster des Briefstyl's gehalten werden. Auch scher zu Konstantinopel erhielt ich einige von Priva. angels: ten, zwar in einem sehr rednerischen Styl, aber würde im Charakter der Alten geschrieben. andere Der Reviewer geht, nach einigen Bemerkun. Sprach gen über die ältere und neuere Sprache zu ei. mehres nem Paradoxon(S. 59.) über den grofsen Nach- dafs ni wenige ten Idi sinns theil über, den die Kenntniſs seiner eignen Sprache durch Coray erfahren hat, welcher, wie es scheine, das Aligriechische weniger ver- derfahr stehe, weil er ein vollkommener Meister im Neugriechischen sey. Dieser Bemerkung folgt ben, ein Paragraph, der in ausgesuchten Redensar. haupte 8 1* 5 ein lisch wohl ten das Studium des Romaibschen als mächtiges Hülfsmittel nicht nur dem Reiser- senden, und dem ausländischen Kaufmanne, sondern auch den Schulgelehrten empfiehlt; ge 23. riefe, un- Korinth, zia Bachi, s Caima- Pascha's für gute n. Auch on Priva. 3tyl, aber emerkun. he zu ei. sen Nach- r eignen welcher, niger ver- eister im ſkung folgt Redensar. als ein m Reisen- aufmanne, P fiehlt; ge⸗ 145 ge Person aus- nug, Jedermann, nur die einz genommen, welche mit ihrem Gebrauch allein vertraut seyn kann, und nach gleicher Folgerung wird unsere alte Sprache zugänglicher für die Fremden, als für uns selbst geachtet! Nun bin ich geneigt zu denken, daſs ein holländi- scher Tyro in unserer Sprache(obschon selbst angelsächsischen Stammes) sehr verlegen seyn würde über Sir Tristram,» oder irgend ein anderes Auchinlech Manuscript, mit oder ohne Sprachlehre oder Wörterbuch; und nach den mehresten Meynungen scheint es ausgemacht, dafs nur ein Eingeborner eine zulängliche, weit weniger vollständige Kenntnifs unserer veralte- ten Idiome erlangen könne. Wegen ihres Scharf- sinns kann man der Kritik Gerechtigkeit wie- derfahren lassen, darf ihr aber nicht mehr glau- ben, als Smollets Lismahago, welcher be- hauptet, zu Edinburg werde das reinste Eng- lisch gesprochen. Daſs Coray irren kann, ist wohl möglich, aber wenn er'’s thut, liegt der Fehler wohl mehr im Menschen, als in seiner 23. K 1646 Muttersprache, welche, wie sie soll, den Lan- . 8 3 ausg desstudirenden die gröfste Hülfe leistet. oder Hier geht der Reviewer zur Verurtheilung sylb der Uebersetzer des Strabo über, und hier lein schliefse ich meine Bemerkungen. liche Sir Will. Drummond, Herr Hamilton, Lord ser Aberdeen, Dr. Clarke, Capit. Leake, Herr Jernl Gell, Herr Walpole und noch andere, die jetzt in England leben, haben alles Erforderliche, um genauere Nachrichten von diesem gefalle- nen Volke geben zu können. Die wenigen Be- obachtungen, die ich darbot, würde ich da, wo ich sie machte, gelassen haben, hätte nicht der angeführte Artikel, und besonders der Ort, wo ich ihn las, mich verleitet, diese Zeilen zu berücksichtigen, welche ich, wegen meiner da- zu geeigneten Lage zu reinigen, oder wenig- stens es zu versuchen, mich geschickt fühle. Ich habe versucht, mein persönliches Gefühl zu unterdrücken, welches gegen meinen Wil. len auflodert, wenn irgend etwas mich mit dem Edimburger Review in Berührung bringt; nicht als ob ich wünschte, die Gewogenheit der Her- 147 Lan- ausgeber desselben mir dadurch zu verschalfen, oder auszulöschen die Erinnerung an nur eine iluns b sylbe, die ich frůher geschrieben, sondern al- hier lein aus Gefühl der Unschicklichkeit, persön- liche Beleidigungen in eine Untersuchung die- Lord ser Art zu mischen, besonders in dieser Ent- Herf fernung der Zeit und des Orts. jetzt liche, falle en Be- h da, nicht 148 —V——.«::ê:ê:êÿuęVu: ú ⸗ê⸗q—ℳq—⸗———ê—êꝙMWx5-—ꝑ—Vꝑ——— Schlussbemerkung über die Türken. Die Schwierigkeiten, die dem Reisen durch die Türkey sich entgegenstellen, sind sehr übertrie- ben worden, oder vielmehr haben sie in spätern Jahren sich um Vieles vermindert. Die Musel-⸗ männer haben ein Gepräge von ernster Höiich- keit, das für Reisende sehr erspriefslich ist. Es ist gewagt, viel über die Türken und die Türkey zu sagen, weil's möglich ist, zwanzig Jahre lang unter ihnen zu leben, ohne einige Belehrung zu erhalten, am wenigsten von ihnen selbst. Was meine eigne geringe Erfahrung betrifft, so habe ich keine Ursache zu Beschwerden. Dage- gen fühle ich mich für manche Höfliichkeiten (fast für Freundschaftsbezeugungen) und Gast- freundschaft dem Ali Pascha, seinem Sohne, Vel Ande Sule und als C terscl sche Engle und zu e Gros essen Cadi im e würd sen J In lems die! mit i raubu seldif so ge durcl erster W schen Verlu 8ꝑ rch die bertrie- spätern Musel- Höflich- ist. Es Türkey are lang lehrung selbst. rifft, so Sohne, 149 Vely Pascha von Morea und verschiedenen Andern von hohem Range, sehr verbunden. Suleyman Aga, erst Gouverneur von Athen, und nun von Theben, war ein bon vioant, und als Gesellschafter ein Wesen, als nur je mit un- terschlagenen Füfsen an einem Troge oder Ti- sche sals. Während des Carnevals, wo wir Engländer maskirt erschienen, waren beyde, er und sein Nachfolger, erfreuter, Masken zu empfangen, als irgend eine Wittwe in Grosvenor Square. Bey Gelegenheit eines Abend- essens im Kloster fiel sein Freund und Gast, der Cadi von Theben, unter den Tisch, trotz einem im ersten, besten christlichen Klubb, und der würdige Woywode selbst triumphirte über des- sen Fall. In allen Geldgeschäften, die ich mit den Mos- lems machte, fand ich stets die strengste Ehre, die höchste Uneigennützigkeit. Beym Handel mit ihnen findet man keine der niedrigen Be- raubungen unter dem Namen von Interesse, Wech- seldifferenz, Kommissionsgebüren u. s. f., die so gemein sind beym Umsatz der Cassenscheine durch einen griechischen Consul, sogar in den ersten Häusern zu Pera. Was die im Osten überall gebräuchlichen Ge- schenke betrifft, so wird man dabey selten in Verlust gesetzt; denn jede Gabe wird im All- gemeinen durch eine gleiche erwiedert;— ein Pferd,— ein Schawl. In der Hauptstadt und am Hofe werden die Bürger und Hofleute in derselben Schule mit den Christen zugleich gebildet; aber ęs gibt keinen ehrbarern, freundschaftlichern und hochgeisti- gern Charakter, als den des wahren türkischen Provinzial-Agas, oder des moslemischen Land- edelmanns. Hier ist nicht von den Befehlsha- bern der Städte die Rede, sondern von jenen Aga's, welche durch eine Art Lehnrechts, Län- dereyen und Häuser von gröſserm oder kleinerm Belang, in Griechenland und Kleinasien be- sitzen. Die niedern Klassen haben eine eben so er- ägliche Bildung, als der Pöbel in Ländern, die gröſsere Ausprüche auf Civilisation machen. Ein Moslem, der in englischen Städten die Strafsen durchwanderte, würde in England mehr belä- stiget werden, als ein Franke in gleicher Lage in der Türkey- Uniformen sind hier die besten Reisekleider. Die besten Nachrichten von der Religion und den verschiedenen Sekten des Islamismus mag wohl d'Olisson's(in's Französische übersetzte) Buch enthalten; und ihre Sitten und Gebräuche scheint Thornton(in seiner englischen Reise) am richtigsten zu zeichnen. Die Ottomannen sind, mit allen ihren Fehlern, kein der Verach- tung niern schw wir o nich brenr Meuc ihre so la- ergeb mal die F wer v nen verlie Rü so all digt Franl nützli ander den bensi scher oder nicht und 3chl — ein n die t den einen geisti- schen Land- hlsha- jenen Län- nerm n be- 151 tung werthes Volk. Wenigstens gleich den Spa- niern, stehen sie über den Portugiesen. Wenn’s schwer zu sagen ist, was sie sind, s0 können wir doch sagen, was sie nicht sind: sie sind nicht verrätherisch, nicht verzagt, sie ver- brennen nicht die Ketzer; sie sind keine Meuchelmörder, und noch nahte sich kein Feind ihrer Hauptstadt. Sie sind treu ihrem Sultan, so lange er regierungsfähig ist, und ihrem Gott ergeben, ohne Inquisition. Würden sie ein- mal aus der St. Sophieenkirche getrieben, und die Franzosen oder Russen kämen an ihre Stelle, wer weiſs, ob Europa bey denf Wechsel gewin- nen würde. England würde dabey durchaus verlieren. Räcksichtlich der Unwissenheit, der sie so allgemein, und oft wohl mit Recht, beschul- digt werden, ist’s wohl zweifelhaft, wenn man Frankreich und England ausnimmt, in welchem nützlichen Theile der Wissenschaften sie von andern Nationen übertroffen werden. Ist's in den gewöhnlichen Geschicklichkeiten des Le- bensb In ihren Manuſakturen Ist ein türki- scher Säbel schlechter als einer von Toledo? oder ist ein Türk schlechter gekleidet, wohnt er nicht eben so gut, ist er nicht eben so genährt und gelehrt, als ein Spanieri Sind die Pascha's schlechter erzogen als ein Grand? oder ein Ef- 152 fendi als ein Ritter von St. Jago?— Ich glaube nicht.. Einst fragte Mahmout, der Enkel Ali Pascha's, ob ich oder mein Reisegesellschafter Mitglied des Ober- oder Unterhauses sey? Diese Frage eines zehnjährigen Kindes beweifst, dafs seine Erziehung nicht vernachläfsigt wurde. Es ist zweifelhaft, ob ein englischer Knabe dieses Al- ters den Unterschied eines Divans und eines Kollegiums der Derwische weiſs; gewiſs, ein Spanier weiſs es nicht. Wie der kleine Mah- mout, ganz umgeben von seinen türkischen Er- ziehern, hat lernen können, was für ein Ding ein barlament sey, ist nur dann erklärbar, wenn man annimmt, daſs seine Lebrer ihren Unter- richt nicht auf den Koran beschränkt hatten. In allen Mosqueen sind auch Schulen einge- richtet, die sehr regelmäſsig besucht werden; die Aermern werden ausserhalb der Kirchen unterrichtet. Ihr Religionssystem ist, wie ich glaube, nicht gedruckt(obschon sie eine Art von türkischer Presse besitzen, und gedruckte Bücher über die neueste Verfassung des Nizam Gedidd); auch habe ich nicht gehört, dafs we- der der Mufti, noch die Mollas eingewilligt, noch der Kaimakan und der Tefterdar ein Auf- gebot erlassen, aus Furcht, die sinnreiche Ju- gend des Turbans würde gelehrt werden: nicht den Schutz des Höchsten zu erbitten. Auch scher zu N Hetei der e gium Wer maſse genar sie it sten sen 5 laube die möge Taxer in jer sere i verbie selmä jetzt suitis noch SGlaube scha's, tglied Frage seine Es ist es Al- eines , ein Mah- en Er- Ding wenn Unter- ten. einge⸗ rden; rchen ie ich e Art rGuckte Nizam V ſs we- jilligt, Auf- 153 Auch die Griechen, eine Art von östlichen ir- schen Papisten, haben ein Collegium für sich zu Maynooth— nein zu Haivali; worin die Heterodoxie dieselbe Art von Begünstigung von der ottomannischen, als das katholische Colle- gium von der englischen Gesetzgebung erhält. Wer kann nun behaupten, daſs die Türken an- maſsende Frömmler seyen, wenn sie so den genauen Antheil an der christlichen Liebe, wie sie in dem wohlwollendsten und rechtgläubig- sten aller Kön iche geduldet ist,— bewei- senb Doch, obwohl sie auch Alles dieses er- lauben, so wollen sie doch nicht leiden, die Griechen ihre Vorrechte theilen; nein, mögen sie in ihren Schlachten fechten, ihre Taxen bezahlen, in dieser Welt geprügelt und in jener verdammt seyn. Und werden wir un⸗ sere irischen Heloten wohl befreyen? Mahomet verbietet es. Wir würden dann schlechte Mu- selmänner und noch schlechtere Christen seyn; jetzt vereinen wir das Beste von beyden— je- suitischen Glauben und zuweilen Toleranz, die noch weit unter der türkischen steht. f —x nę— Uö An a. Bey einem gefesselten Volke, das seine Zu- flucht zu ausländischen Pressen, selbst für seine Gebetbücher, nehmen mufs, darf es nicht wundern, dafs wir bey ihm so wenig Bücher über allgemeine Gegenstände finden, sondern dafs wir überhaupt eins da finden. Die Ge- sammtzahl der Griechen, überall im türkischen Reiche und ausser demselben zerstreut lebend, mag höchstens auf 3 Millionen anzuschlagen seyn; und doch, trotz dieser kleinen Zahl, ist'’s unmöglich, eine Nation zu entdecken, die nach Verhältnifs so viele Bücher und Schriftsteller habe, als die Griechen der neuesten Zeit.«Ey jal» rufen die groſsmüthigen Sachwalter der Unterdrückung, welche, während sie die Igno- ranz der Griechen behaupten, wünschen, solche ihne aber aus, gut. sie ist's zu pfen auss nach ligiö mor: sie e Grie aus Wis ausg e Zu- seine nicht Bücher ondern ie Ge- ischen ebend, hlagen !, ist's ie nach tsteller .«Ey er der e Igno- „solche ihnen zuvorkommend zu vertreiben,—«ey ja!“ aber es sind gröſstentheils, wenn nicht durch- aus, theologische Scharteken, und also für Nichts gut.“— Wohl, aber ich bitte, was können sie auch ausserdem schreiben? Lustig genug ist's, einen Franken, besonders einen Britten, zu hören, der auf seine eigne Regierung schim- pfen mag; einen Franzosen, der jede Regierung, ausser die seinige, herabsetzat, und welcher nach Willkühr über jeden philosophischen, re- ligiösen, wissenschaftlichen, zweifelhaften oder moralischen Gegenstand sich ausläfst,— wenn sie die griechischen Legenden bewitzeln. Ein Grieche darf nicht über Politik schreiben, und aus Mangel an Unterrichtung kann er keine Wissenschaft berühren; zweifelt er, so wird er ausgeschlossen und verdammt; daher haben seine Landsleute noch nichts von dem CGifte der neuesten Philosophie gekostet, und was die Moral anlangt, Dank den Türken! so etwas gibt es da nicht. Was bleibt ihm nun, wenu ihn die Lust zum Schreiben anwandelt? Religion und Heil'gengeschichte;— auch ist's ganz na- türlich, dafs diejenigen, die in diesem Leben so wenig haben, gera auf ein besseres hinse- hen. Wundern darf es daher nicht, dafs in einem eben vor mir liegenden Verzeichnisse von 55 griechischen Schriftstellern, deren die meisten kürzlich noch am Leben waren, nur 15 über etwas anders, als Glaubensgegenstände, geschrieben haben. Dieses Verzeichniſs ist im 26. Kapitel des 4. Bandes von Meletius Kir- chengeschichte enthalten. Ich füge hier aus demselben einen Auszug solcher bey, die über allgemeinere Gegenstände schrieben, wobey die Namen der Verfasser nicht in chronologischer Ordnung, sondern auf's geradewohl, vorzüglich unter denjenigen genommen sind, welche von der Einnahme Konstantinopels an bis zur Zeit des Meletius blüheten: Verzeichnifs Romaikscher(Neugrie- chischer) Schriftsteller. Neophitus, Diakon von Morea, machte eine ausführliche Sprachlehre, so wie einige politische Anordnungen(dies laber unbeendigt geblieben) bekannt. Prokopius, zu Moscopolis(Stadt in Epirus), schrieb und liefs drucken: ein gelehrtes Grie- chenland, aber in Form eines Katalogs. Seraphin, von Periclea, Verfasser mehre- rer Werke in türkischer Sprache, aber mit griechischer Schrift gedruckt; denn die Christen von Karamanien, die nicht neugriechisch spre- chen, verstehen doch das Lesen der Schrift. Eustach Psalidas, zu Bucharest, ein Phy- siker, reiste nach England, um da zu studiren; „ die ob er gleich in der Liste aufgeführt ist, steht doch nicht dabey, was er geschrieben. von; Kallinikus Torgeraus, Patriarch von Zeit Konstantinopel, lieferte verschiedene Gedichte, auch prosaische Abhandlungen, und ein Ver- zeichnifs der Patriarchen seit der Einnahme Konstantinopels. grie- Anastasius Mazedon, auf Naxos, Mit- glied der königl. Akademie zu Warschau; ein Kirchen-Biograph. ——yy y nachte Demetrius Pamperes, ein Moscopolite, einige schrieb verschiedene Bücher, besonders einen 1. endigt Kommentar über Hesio d's Schild des Herkules und 200 Erzählungen(welcher Art, weiſs man pirus)) nicht), auch machte er seine Korrespondenz mit Grie. dem berühmten Georg von Trebizond seinen Zeitgenossen bekannt. mehre- Meletius, ein berühmter Biograph und er mit Verfasser des Buchs, aus welchem diese Nach- hristen richten stammen. Dorotheus, von Mitylene, ein aristoteli- scher Philosoph; seine hellenischen Werke ste- hen in grofsem Ruf. Ein wohlunterrichteter Grieche versicherte mir, er sey so berühmt un- ter seinen Landsleuten gewesen, daſs sie ge- wohnt waren zu sagen: gingen Thucydides und Xenophon verloren, er könne sie ersetzen. Marinus Craf Tharboures, von Cepha- lonia, Professor der Chemie an der Universität Padua, Mitglied derselben, so wie derer von Stockholm und Upsala; zu Venedig liefs er eine Nachricht über ein Seethier und eine Abhand- lung über die Eigenschaften des Eisens drucken. Marcus, Bruder des vorigen, als Mechani- ker berühmt. Er liefs zu St. Petersburg den ungeheuern Fels verrucken, auf welchem die Statue Peters des Groſsen im J. 1769 aufgestellt worden. S. seine diesfallsige Abhandlung, die im J. 1777 zu Paris erschien. CGeorge Constantine, gab ein vierspra- chiges Wörterbuch heraus. George Ventote, Verſasser eines franzö- sisch-italienisch- neugriechischen Lexikons.— Es sind auch noch verschiedene andere Wörter- bücher in lateinischer, neugriechischer, fran- zösischer etc. Sprache, nebst Sprachlehren in teli- ste- teter t un- ge- und epha- rsität r von r eine hand- cken. chani- den m die ſestellt , die rspra- ranzö- as.— örter- fran- en in 159 allen neuern Sprachen(mit Ausnahme der eng- lischen) vorhanden. Die berühmtesten noch lebenden Schriſtstel- ler sind folgende: Anathasius Parios schrieb im Altgrie- chischen ein Buch über Beredsambeit. Christodoulos, ein Akarnavier, lieſs zu Wien einige physikalische Werkchen altgrie- chisch drucken. Panagiotes Kodrikas, ein Athener, is: der neugriechische Uebersetzer von Fontenel- le's«Mehrheit der Welten“(ein Lieblingsbuch der Griechen) und zum Lehrer der griechischen und arabischen Sprachen zu Paris bestimmt; beyde kennt er als Meister. Athanasius, der Parier(von der Insel Pa- ros), ist Verfasser eines Buches über Rhetorik. Vizenzio Damedos, von Cephalonien, hat über Logik und Physik geschrieben. Johann Kamarases, aus Bizanz, über- trug Ocellus vom Universum ins Franzö- sische. Er wird für einen herrlichen Helleni- sten und Kenner des Lateinischen gehalten. 160 Gregor Demetrius gab zu Wien ein geographisches Werk heraus; auch hat er ei- nige italienische Schriſsteller übersetzt und sie zu Venedig drucken lassen. Von Coray und Psalidas ist weiter oben bereits gesprochen worden.