ick und etwas 7 IV. tgege⸗ wieder r mich 4 An einem Sonntagsmorgen war die berühmte Ta⸗ verne, der goldene Schwan neben Serbraemsſtein , be⸗ in der Onderſtraet, voll Handwerker und Bürger, welche ß das unter fröhlichem und lautem Geſpräch an langen Tiſchen ze mit ſaßen und tranken, oder den ſteinernen Krug in der Hand urück, von einer Seite des Zimmers nach der andern gingen, durch um ihren Freunden den heilſamen Trank zuzutragen. gehe; Man hörte dort mit bewundernswürdiger Freiheit über anken die wichtigſten Dinge reden und ſtreiten. Jeder ſprach, kutter V ohne die mindeſte Rückſicht zu nehmen, ſeine Gedanken und aus, mochten ſie den Grafen, den König von Frankreich oder den Magiſtrat von Gent ſchmähen oder nicht. In dieſem Geräuſch und Gewühl lief die dicke Wir⸗ thin lachend hin und her, um ihre Gäſte zu bedienen, während ihr Mann bei der Kellertreppe ſich bereit hielt, um auf das geringſte Zeichen Wein oder Bier in großen 5 zinnernen Gefäßen heraufzuholen. Im goldenen Schwan befanden ſich auch einige Per⸗ — ſonen, welche man an ihrer abweichenden Kleidung und ihrem Stillſchweigen augenblicklich als Fremde erkannte, Jakob von Artevelde. II. 1 0 Jakob von Artevelde. Im hinterſten Winkel ſaß ſogar ein junger Mohr, mit pechſchwarzem Angeſicht, dickem und krauſem Kopfhaar und einem goldenen Ring in der Naſe. In der Nähe des Einganges verweilten ungefähr zehn Zunftgeſellen, welche ungemein luſtig ausſahen und für ſich allein mehr Lärm machten, als alle Uebrigen zu⸗ ſammen. Sie ließen ihre Becher wiederholt mit Wein füllen und ſangen hin und wieder ein fröhliches Lied, deſſen mächtiger Schall bis auf die Straße drang. Einer von ihnen endete das Volkslied: „Nach Oſterland wollen wir fahren, Nach Oſterland wollen wir ziehn,“ als ein kräftiger Geſelle, den man an ſeinen blauen Hän⸗ den als einen Färber erkennen konnte, jauchzend in die Schenke trat und rief: „Friſch, Wirthin! auf! vom beſten Wein!“ „Lieven, Lieven Comyne!“ riefen die Anderen, ihre Becher zu ihm emporhebend,„hier, Beſcheid gethan!“ Die Wirthin reichte dem Eintretenden den verlang⸗ ten Wein, und ſich zu ſeinen Freunden begebend, rief er mit ausgelaſſener Freude: „Heil, Heil dem freien Gent! Heil dem weiſen Manne! Flandern den Löwen!“ Alle Gäſte in der Schenke, ſelbſt die Fremden, wie⸗ derholten begeiſtert dieſen Ruf. Liepen's Antlitz offenbarte alle Kennzeichen tiefge⸗ fühlter Freude. Ein heiteres Lachen glänzte fortwährend auf demſelben, während ſeine Augen wie helle Kryſtalle funkelten. 8 4 41 5 3 — / T ſagte ei verſtänd 7„ K ſchon thränen Becher Ind zu und! Worten „S ſind alle ganz gle zählt in Genter j mit den ſtehen?“ Obn ſagte, ſo nes, der fühl und lichem La Zähne u doch gab den Kopf „W. ger;„ſ „Nu Wirthe z 8hr, mit Kopfhaar ungefähr ähen und rigen zu⸗ it Wein des Lied, g. en Hän⸗ d in die ren, ihre han!“ verlang⸗ , rief er weiſen in, wie⸗ tiefge⸗ vährend dryſtalle Jakob von Artcvelde. „Wir glaubten, wir wären ſchon ganz fröhlich,“ ſagte einer der Sänger;„aber es ſcheint, Lieven, als verſtändet Ihr es noch beſſer, als wir.“ „Das glaube ich wohl,“ rief der junge Blaufärber; „ſchon daß ich den Mohren ſehe, macht mich Freuden⸗ thränen weinen. Ach! der Afrikaner muß aus meinem Becher trinken.“ Indem er dies ſagte, lief er wirklich auf den Mohren zu und bot ihm ſein irdenes Trinkgefäß an, mit raſchen Worten zu ihm redend: „Seht Ihr wohl, Mher der Mohr? Im freien Gent find alle Menſchen Brüder, weiß oder ſchwarz, das iſt ganz gleich. Trinkt mit Eurem Freunde Lieven, und er⸗ zählt in Eurem Vaterlande, was für gute Jungen die Genter ſind! Kommt Ihr nicht aus dem Morgenlande mit den beiden Kameelen, die auf dem Freitagsmarkte ſtehen?“ Obwohl der Afrikaner nicht verſtand, was jener ihm ſagte, ſo las er doch auf dem Geſichte des jungen Man⸗ nes, der ihn anredete, daß dieſen ein wohlwollendes Ge⸗ fühl und keinesweges Spottſucht dazu trieb. Mit freund⸗ lichem Lächeln zeigte der Schwarze ſeine glänzend weißen Zähne und nahm den Becher aus der Hand des Genters; doch gab er ihn eben ſo raſch wieder zurück und ſchüttelte den Kopf, zum Zeichen, daß er nicht trinken wolle. „Wein iſt ihm verboten,“ bemerkte ein alter Bür⸗ ger;„ſo will es Mahomed's Geſetz.“ „Nun, ſo laßt Bier bringen!“ rief Lieven dem Wirthe zu. 1* Jakob von Artevelde. „Das mag er auch nicht trinken,“ ſagte der alte Bürger. „Da müſſen die Schenken in Afrika wenig Nah⸗ rung haben,“ ſcherzte Lieven;„aber das ſchadet nichts; der Mohr ſoll wiſſen, daß ich ſein Bruder bin.“ Er ſchlug den Arm um den Nacken des erſtaunten Afrikaners und küßte ihn auf die Wange, unter dem lauten Händeklatſchen und Jauchzen Aller, die es ſahen. „Wohl gethan! wohl gethan, Lieven!“ riefen ſeine Freunde, als ſie ihn den Mohr verlaſſen und zu ihnen zurückkommen ſahen; ſie waren jedoch erſtaunt, nachdem er ſich ihnen genähert hatte; denn obwohl er noch lachte, blinkten dennoch Thränen in ſeinen Augen. „Was iſt das?“ ſagte Einer;„Du thateſt es doch von ganzem Herzen. Nimm Dich nur in Acht, daß Du heute nicht noch verrückt wirſt, Lieven!“ „Das wäre nicht unmöglich,“ antwortete der junge Blaufärber, ſich hinſetzend;„ich werde wirklich noch ver⸗ rückt vor Freude; ich kann Euch gar nicht ſagen, was ich fühle; ein König kann nicht ſo hochmüthig ſein, wie ich es jetzt bin. Ich ging über den Freitagsmarkt; wenn ich da ſo ſehe, wie viele fremde Kaufleute jetzt in Gent ſind und welche unbegreiflichen Reichthümer unſer Jahrmarkt ausbreitet; wenn ich das Genter Volk in allen Straßen jauchzen und ſingen höre, dann pocht mir das Herz und ich möchte vor Freude tanzen.“ „Er hat Recht,“ rief ein Strohdeckergeſelle von ei⸗ nem andern Tiſche herüber;„wir haben Elend und Hun⸗ ger genug gelitten. Jetzt iſt Freiheit und Nahrung in Gent. danken. 1 9 entgegn decker 3 Ihr wif den an klagten die erſta 7 wohl we mein Le „A Genter; nicht vo Wer ha iſt Zeit, Wer ha ſchrieen, ven, der „Es geſehen! zu uns ſ dern wie „N ren mit das Voll von Ant Thränen der alte ig Nah⸗ t nichts; rſtaunten nter dem es ſahen. ffen ſeine zu ihnen nachdem ch lachte, es doch daß Du er junge doch ver⸗ was ich wie ich wenn ich ent ſind chrmarkt Straßen derz und von ei⸗ nd Hun⸗ rung in —,— 82— Jakob von Artevelde. 5 Gent. Frohlich müſſen wir ſein und Gott freudig danken.“ „Nun wißt Ihr, warum ich ſo aufgeräumt bin,“ entgegnete Lieven Comyne, mit Stolz auf den Stroh⸗ decker zeigend;„Jan, Ihr wart dabei, als es geſchah; Ihr wißt wohl noch, in der Hungersnoth.— Wir ſtan⸗ den an einem kalten Morgen bei dem Hochhauſe und klagten über das Loos der armen Frauen und Kinder, die erſtarrt auf dem Freitagsmarkte lagen.“ „Ob ich es weiß?“ antwortete der Strohdecker.„Ja wohl weiß ich, wovon Ihr reden wollt, und werde es mein Lebtage nicht vergeſſen.“ „Wer hat es geſagt,“ verſetzte Lieven,„daß ein Genter Zunftgenoſſe vom Schweiß ſeines Angeſichts, und nicht von Almoſen oder geraubtem Gut leben müſſe? Wer hat den weiſen Mann angeredet und geſagt:&Es iſt Zeit, Mher Jakob; es muß Blut oder Arbeit geben!) Wer hat zuerſt in Gent Freiheit und Nahrungy ge⸗ ſchrieen, als das Zeichen der Befreiung? Das hat Lie⸗ ven, der Blaufärber, gethan!“ „Es iſt wahr,“ ſagte der Strohdecker,„ich habe es geſehen und gehört; denn ich war dabei, als Mher Jakob zu uns ſagte:«Es wird Freiheit und Nahrung in Flan⸗ dern wiederkehren!»“ „Nun denn!“ fuhr Lieven fort,„als der erſte Kar⸗ ren mit Wolle von Dortrecht gekommen war, iſt ihm das Volk von Gent ſingend und tanzend auf der Straße von Antwerpen entgegengezogen. Ich, ich habe damals Thränen vergoſſen vor übermäßiger Freude. Das iſt 6 Jakob von Artevelde. noch gar nicht lange her, und es herrſcht bereits Ueber⸗ fluß in Gent; die Hungersnoth iſt vergeſſen, und der Jahrmarkt, den man jetzt eröffnet, wird einer der ſchön⸗ ſten und reichſten ſein, die wir je geſehen.“ „Das Tuch iſt geſtern um drei Grote geſtiegen,“ bemerkte ein Weber.„Man ſagt, daß nicht weniger als dreitauſend Stück feines Genter Roth für Deutſchland und Frankreich verlangt werden; aber wir haben es nicht, wir haben nichts mehr; die Kaufleute, die zu dem Jahr⸗ markt gekommen ſind, beſtellten faſt alles feine Roth.“ Lieven gab nicht Acht auf dieſe Unterbrechung, ſon⸗ dern ſetzte ſeine Rede fort:. „Es iſt wahr, der weiſe Mann hat unſere Erlöſung bewirkt und uns Freiheit und Nahrung geſchenkt; aber der arme Blaufärbergeſelle Lieven Comyne wird ſich noch auf ſeinem Sterbebette freuen, daß er Theil gehabt an dem großen Werke; dieſer Gedanke wird ihn tröſten und aufrichten bis an das Grab.“ Lieven hatte eine ergreifende Stimme und eine Be⸗ redſamkeit, die aus ſeinem tiefen Gefühle entſproß. Was er jetzt mit ſtolzer Begeiſterung ſagte, bewegte die Zu⸗ hörer tief, und es herrſchte nach ſeinen Worten eine ernſte Stille. Dieſe Stimmung war an ſolchem frohen Tage nicht natürlich; auch änderte ſie ſich bald, als ein Meiſter Zimmermann aufſtand und die Anderen, den Becher in der Hand, zum Trinken aufforderte, mit den Worten: „Heil Mher Jakob von Artevelde! Heil dem tapfern Geſellen Lieven Comyne!“ 1 von T mit ih daß n 11 ſollen Waſſe tentag roſten vliet? wirft / franzi iſt Zei und ie ts Ueber⸗ und der der ſchon⸗ eſtiegen,“ niger als eutſchland mes nicht, em Jahr⸗ e Roth.“ ng, ſon⸗ Erlöſung nkt; aber ſich noch gehabt an oͤſten und eine Be⸗ dß. Was die Zu⸗ rten eine m frohen ,als ein ren, den mit den n tapfern — Jakob von Artevelde. 7 Alle thaten Beſcheid und ſetzten ſich dann wieder hin. „Aber,“ bemerkte ein Böttcher,„wenn das ſchöne Wetter in Gent nur dauerhaft iſt! Es ſcheint, daß der franzöſiſche König ſich anſchickt, um mit einem furcht⸗ baren Heere gegen Flandern zu ziehen, und es muß wohl Etwas daran ſein, da die Leliaerds und die Franzoſen von Biervliet ſich gerühmt haben, ſie werden dieſer Tage mit ihren Schwertern an die Thore von Gent ſchreiben, daß wir Bauern und Feiglinge ſeien.“ „Mögen ſie nur bald kommen!“ lachte Lieven;„ſie ſollen ſchon ſchmecken, welcher Unterſchied zwiſchen dem Waſſer der Leije und dem der Schelde iſt. Unſere Gu⸗ tentags ſtehen ſchon lange hinter unſeren Thüren und roſten.... Und was bedeutet die Beſetzung von Bier⸗ vliet? Einige hundert Reiter! Bei dem erſten Stoße wirft Gent zehn Mal ſo viel um.“ „Man ſagt, es ſeien vor drei Tagen dreitauſend franzöſiſche Soldaten hineingezogen.“ Lieven wollte Etwas antworten; da ſah er aber den Strohdecker aufſtehen und das Zimmer verlaſſen. Er rief ihn zurück und ſagte:. „Warte noch, Jan, ich gehe mit; bleibe noch einen Augenblick!“ „Nein, nein!“ antwortete der Strohdecker;„es iſt Zeit; man wird gleich den freien Jahrmarkt ausrufen, und ich will dabei ſein. Das ſieht man nicht alle Tage.“ „In der ThatV ich hätte faſt die Stunde vorbeigehen laſſen,“ ſagte Lieven, und näherte ſich der Wirthin, um zu bezahlen. Jakob von Artevelde. Die anderen Gäſte ſtanden gleichfalls auf, und nach⸗ dem Jeder ſeine Zeche bezahlt hatte, gingen ſie Alle zuſammen aus dem Hauſe, wandten ſich um die Ecke der Wandelſtege nach dem Freitagsmarkte und dräng⸗ ten ſich durch das Volk durch, um die Mitte deſſelben zu erreichen. Der Anblick, welchen der Freitagsmarkt jetzt in ſei⸗ ner weiten Fläche dem Beſchauer darbot, war heiter und ſchön und machte das Herz vor Freude klopfen. Die ganze Ebene war von dem umherziehenden Volke bedeckt, das in Familien getheilt, Vater, Mutter und Kinder, von der einen Seite nach der andern zog und wartete, bis von dem Hochhauſe herab der freie Jahrmarkt aus⸗ gerufen wurde. Junge Zunftgeſellen liefen ſingend hau⸗ fenweiſe über den Markt und begrüßten ſich von ferne mit dem Ruf:„Freiheit und Nahrung! Haltet vlämi⸗ ſchen Muth!“ Aus allen Winkeln erhob ſich Geſang und Jauchzen, während unter den minder ausgelaſſenen Bürgern ein heiteres Gemurmel und Geſchwätz herrſchte. Alle Bürger und Zunftgenoſſen hatten ihre Sonn⸗ tagskleider angelegt und ſchritten nicht ohne Stolz neben ihren geſchmückten Frauen und Kindern einher. Auf dem Antlitz eines Jeden glänzte Freude und Zufrieden⸗ heit; Heiterkeit und Muth klangen in jeder Stimme. Auf dieſes Bild des beglückten Volksgewimmels ſandte eine helle Sonne heiteren Glanz und beleuchtete mit ih⸗ ren Strahlen dieſes bunte und farbenſatte Schauſpiel. — In Jakobs lange zum T legte” dern, konnte des Co laden! Deutſc ner vie Läden konnte. Di fleißes Entzüc markten Diener Tavern Franzo Erſtere Wolle begreif das fro heit un König und zu chener den Fr nd nach⸗ ſie Alle die Ecke dräng⸗ deſſelben in ſei⸗ iter und n. Die bedeckt, Kinder, wartete, kt aus⸗ nd hau⸗ 8n ferne vlämi⸗ Geſang laſſenen errſchte. Sonn⸗ az neben r. Auf frieden⸗ Stimme. Z ſandte mit ih⸗ ſpiel. 9 Jakob von Artevelde. In der Mitte des Marktes und rund um den Sanct Jakobskirchhof bis ans Sanct Jan⸗ten⸗-dulle ſtanden lange Reihen von Buden, Zelten und höͤlzernen Läden, zum Theil noch geſchloſſen und jedenfalls ohne ausge⸗ legte Waaren. Man ſah hier Kaufleute aus allen Län⸗ dern, ja ſelbſt aus dem Orient, wie man das merken konnte an zwei Kameelen, welche neben dem Thürmchen des Collatieſöllers knieten und von ihren Herren abge⸗ laden wurden. Da waren Oſterlinge von der Oſtſee, Deutſche aus Köln, Florentiner aus Florenz, und Män⸗ ner vieler anderen Nationen mehr, ſo daß man bei den Läden und Buden die verſchiedenſten Sprachen hören konnte. Die raſche Wiederkehr des Handels und Gewerb⸗ fleißes erfreute die Genter auf das Höchſte. In ihrem Entzücken über den unverhofften Reichthum des Jahr⸗ marktes brachten ſie den fremden Kaufleuten und deren Dienern ganze Kannen Weins aus den umliegenden Tavernen: vorzüglich umringten ſie die Engländer und Franzoſen mit den Beweiſen ihrer Freundſchaft; die Erſteren aus Dankbarkeit, weil die Einfuhr engliſcher Wolle wieder freigegeben war; die Anderen, um ihnen begreiflich zu machen, daß Flandern keinen Haß gegen das franzöſiſche Volk hege, obwohl es jetzt um der Frei⸗ heit und der Nahrung willen ſich gegen den franzöſiſchen König gewaffnet habe. Nichts war ergötzlicher zu hören und zu ſehen, als die Genter Bürger, wie ſie in gebro⸗ chener Rede und mit vielfältigen Geberden dies Alles den Fremden begreiflich zu machen ſuchten. Dieſe ver⸗ — Jakob von Artevelde. ſprachen ſich bei dem Anblick einer ſolchen Menge und bei der Freundlichkeit, welche ihnen Jeder erwies, einen guten Markt, und nahmen herzlich an der allgemeinen Heiterkeit Theil. Man konnte keine andern Bewaffneten in der Menge erblicken, als die ſechzehn Reiſigen des Sanct Jakobs⸗ kirchſpiels, welche mit ihrem Hauptmann, Ser Willem van Vaernewyck, ruhig über den Markt wandelten, und die Ribauden mit Muggelyn, ihrem Koͤnige, denen die Aufſicht über die Seiltänzer und Gaukler, welche ihre Zelte und Gerüſte in der Nähe der Baudeloobrücke auf⸗ geſchlagen hatten, übergeben worden war. Vor dem Thore des Hochhauſes ſtanden zweiund⸗ zwanzig Reiſige; es war die Wache des Sanct Jans⸗ kirchſpiels. Sie war mit Jakob von Artevelde, dem Oberhauptmann, gekommen, der ſich nun mit den Schöf⸗ fen der Stadt Gent und den Hauptdechanten der Zünfte auf dem Oberſaale des Hochhauſes befand, um, ſowie die Stunde käme, den freien Jahrmarkt auszurufen. Während Alles auf dem Markte jauchzte, ſang und ſich herumtrieb, ſtand Artevelde, der große Bürger von Gent, mit über die Bruſt geſchlagenen Armen und be⸗ trachtete dieſes Schauſpiel aus einem Fenſter. Das Ant⸗ litz des weiſen Mannes war in dieſem Augenblicke wie von einem unbekannten Lichte beglänzt. Seine Augen funkelten von edlem Stolz; ſeine Bruſt hob ſich in tiefer Rührung, und es ſchien ſelbſt, als ob ein leichtes Zit⸗ tern ſeine Glieder durchſchauerte. Was Jakob von Artevelde das Herz bewegte, kann nur de chen ſ terlan iſt me das ſt Freud bel erf geſchm ſo geſ ringen muthl feierte ihre 8 jetzt u Alles durch ſung! Selbſt glänze pfende geliebt A Freun griffer Bruſt falls: bei de je me Bürg ige und „einen emeinen Menge Jakobs⸗ Willem en, und nen die he ihre cke auf⸗ veiund⸗ Jans⸗ , dem Schöf⸗ Zünfte ſowie fen. ng und ger von nd be⸗ 6 Ant⸗ cke wie Augen n tiefer es Zit⸗ „kann 8 Jakob von Artevelde. 11 nur der empfinden, der im Stande iſt zu begreifen, wel⸗ chen ſeligen Genuß ein Held genießen muß, der ſein Va⸗ terland frei und glücklich ſieht und ſich ſagen darf:„Es iſt mein Werk!..... Hier war es ſo. Dieſes Volk, das ſingend über den Markt zog, das den Wein der Freude vor allen Tavernen trinkt, das die Luft mit In⸗ bel erfüllt; dieſe Frauen, die mit ihren Kindern jetzt ſo geſchmückt und froh umherwandeln; die Zunftgenoſſen, ſo geſund, ſo glücklich: Artevelde hatte ſie gefunden, ringend mit Sklaverei und Hungersnoth, erſchöpft und muthlos in einen Abgrund von Elend verſunken. Jetzt feierten ſie ihre Erloͤſung und ihre Freiheit; jetzt ſtiegen ihre Freuden⸗ und Danklieder gegen Gott in die Höhe; jetzt umarmten ſie einander vor Entzücken, und dies Alles geſchah vor den gerührten Blicken desjenigen, der durch die Macht ſeines Geiſtes das Wunder ihrer Erlö⸗ ſung bewirkt..... Bebend vor Seligkeit ſtarrte er in Selbſtvergeſſenheit auf ſein edles Werk und wiſchte eine glänzende Thräne von ſeiner Wange, während ſein klo⸗ pfendes Herz ihm noch mehr Größe und Ruhm für das geliebte Vaterland prophezeite. Alle, welche ihn umgaben, beſonders aber ſein Freund Ser Thomas van Vaernewyck, ſahen und be⸗ griffen, was in dieſem feierlichen Augenblicke in der Bruſt des weiſen Mannes vorging. Sie fühlten es eben⸗ falls tief; denn ſie hatten ihm mit ganzer Liebe geholfen bei der Befreiung des Volkes und des Vaterlandes, und je mehr ihre Bewunderung für dieſen heldenmüthigen Bürger erregt wurde, deſto mehr fühlten ſie ſich ſelbſt Jakob von Artevelde. erfreut über ihren Antheil an dem großen Werke. Den⸗ noch aber ſprach Keiner ſeine Rührung in Worten aus. Den ehrerbietigen Blick auf Jakob von Artevelde gerich⸗ tet, betrachteten ſie ſtumm ſein edles, von Rührung be⸗ wegtes Antlitz, als den Spiegel der Weisheit und des Heldenmuthes. Vielleicht wäre der weiſe Mann noch ſehr lange ein⸗ ſam vor dem Fenſter ſtehen geblieben, und hätte dort mit gerührtem Gemüthe den ſchönſten Lohn empfangen, der je einem Menſchen auf Erden zu genießen vergönnt iſt; aber jetzt ſtrömte eine neue Fluth aus der Sanct Jakobs⸗ kirche auf den Markt. Die zweite Meſſe war zu Ende und die Thurmglocke tönte ſchallend über das Kirchſpiel; die Stunde der Verkündigung war erſchienen. Man öffnete das große Fenſter des Hochhaufes, und zwei Trompeter zogen dort mit ſchmetternden Klängen die Aufmerkſamkeit der Menge auf ſich. Dann trat Ser van Vaernewyck mit dem Oberhauptmann und den Schöffen vor, und Jan van Loven, erſter Schreiber der Keure, las den gräflichen Freibrief des Jahrmarktes mit lauter Stimme dem Volke vor. Dieſe Verleſung dauerte ziemlich lange; die Menge achtete beinahe nicht auf die helle Stimme Jan van Loven's, indem ſie denſelben Freibrief vielleicht ſchon zwanzig Mal unter gleichen Umſtänden hatte verle⸗ ſen hören. Sobald der oberſte Schreiber geendet hatte, trat er zurück und verſchwand im Saal. Dann traten die Schöf⸗ fen bis an die Lehne des Fenſters, und der Oberſchöffe S' — rief n Stille Jahrm freiheit komme Art vr Völker bannte Vr ſtrumer Ka Volk ſt Markte Vom 4₰ öffnen legen: Art, S lande, und G. was Ku konnten Kauf an man die und nac Tromme Die Hochhau Den⸗ n aus. gerich⸗ ug be⸗ id des e ein⸗ rt mit , der t iſt; kobs⸗ Ende ſpiel; und ingen Ser den r der mit eenge van chon erle⸗ it er wf öffe Jakob von Artevelde. 13 rief nun feierlich zu dem Volke, während die tiefſte Stille herrſchte: „Im Namen des Grafen von Flandern und der Stadt Gent verkündige ich zu dieſer Stunde den freien Jahrmarkt. Es ſoll ein Jeder während dieſer Markt⸗ freiheit, zufolge der Geſetze von Gent, frei gehen, fahren, kommen, wiederkehren und handeln dürfen mit jeder Art von Gütern, aus welchen Landen oder von welchen Völkern ſie auch ſein mögen, ausgenommen die Ver⸗ bannten des Grafen und der freien Lande von Flandern.“ Von Neuem ließen hierauf die Trompeter ihre In⸗ ſtrumente ſchmettern. Kaum war dieſes Zeichen gegeben, als auch das Volk ſich mit lärmendem Jauchzen nach der Mitte des Marktes drängte, wo jetzt ein lautes Geräuſch entſtand. Vom Hochhauſe herab ſah man überall die Läden ſich öffnen und alle Kaufleute eilig ihre Waaren zur Schau legen: ſeidene Stoffe von jeglicher Farbe, Tuch aller Art, Sammet, Damaſt, Gewürze aus dem Morgen⸗ lande, in Gold und Silber gefaßte Juwelen, Zinn⸗ und Glasgeſchirr, Schnitzwerk, Waffen, kurz Alles, was Kunſt und Gewerbfleiß Auserleſenes hervorbringen konnten, wurde den Gentern und Fremden hier zum Kauf angeboten. Etwas ferner hinter St. Jakob lockte man die Kinder an durch Leckerbiſſen und Spielwaaren, und nach der Baudeloobrücke zu hörte man bereits die Trommeln und Pfeifen der Gaukler und Springer. Die meiſten Schöffen und Dechanten hatten das Hochhaus verlaſſen, um ſich auf den Markt zu begeben. Jakob von Artevelde. Artevelde wollte auch die Treppe hinabſteigen, da hielt ihn aber der Oberſchöffe zurück und führte ihn in den fernſten Winkel des Gemaches. „Mher Jakob!“ ſagte derſelbe, nicht ohne eine ge⸗ wiſſe Traurigkeit;„ich habe geſehen, wie Ihr am Fen⸗ ſter von edler Freude ganz hingeriſſen waret; mein Herz pochte auch ſehr bei dem Anblick des Volksglückes; aber, theurer Freund, es war mir nicht vergönnt, dieſe Freude ganz ungetrübt zu empfinden....“ Artevelde kannte den feſten Muth des Oberſchöffen, und es überraſchte ihn alſo ſehr, ſeinen Freund einen ſolchen Umweg einſchlagen zu ſehen, um ihm Etwas mitzutheilen. Er fürchtete daher, daß es eine ſchlechte Nachricht ſein müſſe. „Sprecht doch raſcher, Ser van Vaernewyck!“ ſiel er ihm in die Rede.„Ihr erſchreckt mich.“ „Ein furchtbares Ungewitter zieht ſich über unſeren Häuptern zuſammen,“ entgegnete der Oberſchöffe;„wäh⸗ rend wir uns hier an der Freude des Volkes ergötzen und alle Gefahr vergeſſen, wird vielleicht in dem Augen⸗ blicke, wo ich dieſes ſage, der Untergang Flanderns be⸗ ſchloſſen und in's Werk geſetzt.“ Artevelde betrachtete ſeinen Freund mit fragender Miene; dieſer fuhr fort: „Es kam ſo eben ein geheimer Bote von Ryſſel nach meinem Stein; ihn hat Ser Sander, unſer treuer Freund in Frankreich, geſchickt. Hört, Mher Jakob, was dort vorgeht, und Ihr werdet einſehen, daß wir am Rande eines Abgrundes ſtehen, ohne es zu wiſſen. Ein mächtig ſammel beſetzt; Schein, vliet ein „ 3 bemerkte einen A aus her das Re wenn m verſuche und wir pelmond freien. uns kein „D Mher 3 welchen hat. An in Fland das Gru genblicke wird die Ungehor Bann d die Waf baren G aus Ehr a hielt in den ine ge⸗ n Fen⸗ n Herz aber, Freude chöffen, deinen Etwas ſchlechte 1 7 fiel unſeren „wäh⸗ ergötzen Augen⸗ rns be⸗ agender Ryſſel r treuer ob, was wir am n. Ein Jakob von Artevelde. 15 mächtiges franzöſiſches Heer iſt an unſeren Gränzen ver⸗ ſammelt; man hat die Feſtungen im wäliſchen Flandern beſetzt; fünfhundert franzöſiſche Reiter ſind unter dem Schein, als wären ſie vlämiſche Parteigänger, in Bier⸗ vliet eingerückt.“ „Ich ſehe noch nicht, was wir zu fürchten haben,“ bemerkte Artevelde;„ich wünſche und erwarte ſchon lange einen Angriff, die Freiheit von ganz Flandern muß dar⸗ aus hervorgehen, und obendrein dürfen wir nicht, ohne das Recht zu verletzen, gewaffnet im Felde erſcheinen, wenn man uns nicht erſt feindlich angegriffen hat. Man verſuche das Mindeſte gegen Gent oder gegen Flandern, und wir rücken eben ſo raſch mit einem Heere nach Ru⸗ pelmonde, um den alten Segher de Cortrazyn zu be⸗ freien. Laßt die Franzoſen uns nur anfallen; ſie konnen uns keinen beſſeren Dienſt erweiſen!“ „Das iſt es auch nicht, was mich bekümmert macht, Mher Jakob! Aber laßt mich Euch weiter mittheilen, welchen mächtigen Plan Frankreich gegen uns entworfen hat. An einem der nächſten Tage ſoll das große Heer in Flandern einfallen und die Beſatzung von Bieryliet das Grundgebiet von Gent verwüſten; in demſelben Au⸗ genblicke aber, wo wir das Volk zu den Waffen rufen, wird die Nachricht eintreffen, daß die Vläminger wegen Ungehorſams gegen den König von Frankreich in den Bann der heiligen Kirche gethan ſeien. Wird das Volk die Waffen nicht demüthig niederlegen vor dem furcht⸗ baren Gebot im Namen des Papſtes? Wird es nicht aus Ehrerbietung und Gottesfurcht den Nacken beugen ——— — — Jakob von Artevelde. unter Frankreichs Willen? Geſetzt auch, wir wenden den erſten Angriff des Feindes ab. Wir ſind nicht weit von der heiligen Woche; es wird keine Meſſe in Flan⸗ dern geleſen werden; Niemand wird zur Beichte oder Communion gehen dürfen. Glaubt Ihr, daß Flandern Widerſtand bis nach Oſtern leiſten kann? O, der fran⸗ zöſiſche König iſt argliſtig und böſe; er fürchtet unſere Waffen und bekämpft uns durch die Religion!“ Artevelde hatte mit tiefem Nachdenken den Worten des Oberſchöffen zugehört. Vielleicht ergriff auch ihn ein Gefühl von Angſt, obwohl man auf ſeinem ruhigen und ſinnigen Antlitz nichts davon merken konnte. „Sollte der heilige Vater zu dieſem Verdammungs⸗ urtheil beſonderen Befehl gegeben haben?“ fragte er. „Das ſcheint mir unmöglich.“ „Das iſt auch nicht nöthig,“ antwortete Ser van Vaernewyck.„Als der franzöſiſche König von dem Papſt erſucht wurde, einen Kreuzzug gegen die Heiden zu unternehmen, verſprach er es unter der Bedingung, daß die Vläminger ihm Treue ſchwören ſollten. Die Gemeinen von Flandern, welche damals keine Macht hatten und dieſes Opfer für das Heil des Chriſtenthums bringen wollten, haben den Eid in die Hände des Pap⸗ ſtes abgelegt, und der heilige Vater verlieh den Köni⸗ gen von Frankreich eine Bulle, kraft welcher ſie Flan⸗ dern bei dem mindeſten Ungehorſam durch die franzöſt⸗ ſchen Biſchöfe in den Bann thun können. Die franzöſi⸗ ſchen Könige haben den Kreuzzug nicht unternommen, dagegen aber ſeit 1309 die Bulle des Papſtes heimlich 8 behalten. den Tag, Ser der mit ließ ihm und frag „Nu mert zu gegen un Arter „Phili dieſem S den Weg beſteigen! iſt gewiß tes Hülfe Freiheit b „Und Soll Flan „Unſe mit den 2 „Die vlän aus Gotte ſchworen, Frankreich weges Per ſaliſchen C iſt unrechtt Pabſt ſelbf Jakob von! ir wenden nicht weit in Flan⸗ eichte oder Flandern der fran⸗ htet unſere 1 n Worten auch ihn m ruhigen ite. ammungs⸗ fragte er. Ser van von dem die Heiden Bedingung, lten. Die eine Macht iſtenthums des Pap⸗ den Köni⸗ ſie Flan⸗ ie franzöſi⸗ ie franzöfi⸗ ernommen, es heimlich Jakob von Artevelde. 17 behalten. Dieſe heimliche Waffe bringt man jetzt an den Tag, und Gott weiß, wie ſie uns treffen wird.“ Ser van Vaernewyck betrachtete den weiſen Mann, der mit gebeugtem Haupte den Boden anſtarrte. Er ließ ihm noch einen Augenblick Zeit zur Ueberlegung, und fragte dann: „Nun, Mher Jakob, habe ich nicht Urſache, beküm⸗ mert zu ſein über das Unglück, das von allen Seiten gegen uns losbricht?“ Artevelde richtete das Haupt empor und antwortete: „Philipp von Valois wagt vielleicht ſeine Krone bei dieſem Spiel; vielleicht bahnt er Eduard von England den Weg, auf welchem dieſer den franzöſiſchen Thron beſteigen wird.... Was Ihr mir da mitgetheilt habt, iſt gewiß wichtig, Ser van Vaernewyck; aber mit Got⸗ tes Hülfe wird Flandern ſich durcharbeiten und ſeine Freiheit behalten.“ „Und unſer Eid, Mher Jakob, ſollen wir den brechen? Soll Flandern uns folgen auf dieſer gefährlichen Bahn?“ „Unſer Eid? Im Gegentheil, wir müſſen ihn ſelbſt mit den Waffen aufrecht erhalten,“ ſprach Artevelde. „Die vlämiſchen Gemeinen haben in Zeiten des Unglücks aus Gottesfurcht den Königen von Frankreich Treue ge⸗ ſchworen, bedingungsweiſe eigentlich nur der Krone Frankreich für einen beſtimmten Zeitraum, und keines⸗ weges Perſonen, die durch eine falſche Auslegung des ſaliſchen Erbgeſetzes den Thron beſtiegen. Der Bann iſt unrechtmäßig; wir berufen uns deswegen auf den Pabſt ſelbſt, und der heilige Vater wird uns Recht Jakob von Artevelde. II. 2 Jakob von Artevelde. geben; denn wir ſind ſelbſt gegen unſere Pflicht unſe⸗ rem Eide treu. Philipp von Valois iſt nicht König von Frankreich; Eduard von England allein kommt die fran⸗ zoſiſche Krone zu. Begreift Ihr, was das heißt, Ser van Vaernewyck?“ Der Oberſchöffe ergriff gerührt Artevelde's Hand und blickte ihm ſtumm in die Augen. „Was wir hier zu fürchten haben,“ fuhr der weiſe Mann fort,„iſt der nachtheilige Eindruck, den das Ausrufen des Bannes auf die Bürger von Gent aus⸗ uͤben kann. Nun denn, ich werde morgen früh zu dem Volke reden, und deſſen Gemüth waffnen gegen eine Nachricht, die es aus meinem Munde ſelbſt vernehmen ſoll. Verſammelt Ihr unterdeſſen heute gegen Abend die Schöffen auf dem Schöffenhauſe. Wir wollen ſo⸗ gleich Mher Jan van den Bosſche nach Luik(Lüttich) ſenden zu dem großen Gottesgelehrten daſelbſt, um uns Rathes zu erholen über die Berufung an den Papſt. Die Geiſtlichkeit iſt mit uns; wir wollen daher den De⸗ chanten der Chriſtenheit erſuchen, zu dem Biſchof von Doornik(Tournai) zu gehen, um Aufſchub des Urthels zu erlangen, bis der Beſchluß über unſere Berufung da iſt. Was auch geſchehe, der Zweifel über das Fortbe⸗ ſtehen des Bannes wird Flandern retten. Morgen ſchon befehle ich eine Waffenſchau des ganzen Heeres auf dem Kouter. Wir werden bereit ſein, Freund Maes; aber wir haben Zeit genug; man kommt nicht in einem Tage von Ryſſel nach Gent, namentlich wenn es unterweges noch Vläminger giebt.“* „ „Ich ſchöffe.„ reichs ſchr nicht, ob rechnen köt Privilegien meiſten Vl leicht wird müſſen.“ „Mög überzeugt wird bei de jeden Fall gen Genter gegenzuzieh Sieg; und ſtrafen, ſo um uns de zu helfen. Valois wei er weiß nich von Frankr „Hab⸗ von Neuem habt mir R Zukunft hat mächtiges T nen Augen Freiheit und cht unſe⸗ önig von die fran⸗ ißt, Ser s Hand der weiſe den das hent aus⸗ ih zu dem egen eine dernehmen en Abend vollen ſo— (Lüttich) , um uns hen Papſt. r den De⸗ iſchof von es Urthels erufung da as Fortbe⸗ ergen ſchon s auf dem kaes; aber inem Tage unterweges J on Arkevelde. 19 „Ich bewundere Eure Weisheit,“ ſagte der Ober⸗ ſchöffe.„In der That, auf dieſe Weiſe verliert Frank⸗ reichs ſchreckliche Waffe alle ihre Kraft. Doch weiß ich nicht, ob wir auch auf die anderen Städte Flanderns rechnen koͤnnen. Durch die Ertheilung von verderblichen Privilegien an Brügge und Ypern ſcheint der Graf die meiſten Vläminger von uns abgezogen zu haben; viel⸗ leicht wird Gent dem Unwetter allein Trotz bieten müſſen.“ „Möglich!“ antwortete Artevelde;„obwohl ich überzeugt bin, daß Flandern wie ein Mann aufſtehen wird bei der Annäherung des franzöſiſchen Heeres. Auf jeden Fall werde ich an der Spitze meiner heldenmüthi⸗ gen Genter nicht zaudern, dem franzöſiſchen Heere ent⸗ gegenzuziehen, mit der Hoffnung auf einen ruhmvollen Sieg; und ſollte hier der Erfolg das gute Recht Lügen ſtrafen, ſo rufen wir Eduard von England zu Hülfe, um uns den Ueberfall des flandriſchen Bodens rächen zu helfen. Er verlangt es nicht beſſer! O, Philipp von Valois weiß nicht, welches gefährliche Spiel er wagt; er weiß nicht, daß Flandern vielleicht den ächten König von Frankreich nach Paris führen wird!“ „Hab' Dank, Mher Jakob!“ ſprach der Oberſchöffe, von Neuem ſeinem Freunde die Hand drückend;„Ihr habt mir Ruhe und Muth wiedergegeben. Eine düſtere Zukunft hatte ſich vor meinem Geiſte ausgebreitet; Euer mächtiges Wort hat ein hoffnungsvolles Licht vor mei⸗ nen Augen entſtehen laſſen. Wohl denn! Vorwärts für Freiheit und Vaterland! Ich gehe, um Alles für die 2* 20 Jakob von Arkevelde. Verſammlung der Schöffen zu beſorgen und Mher van den Bosſche von ſeiner Sendung zu benachrichtigen.“ Bei dieſen Worten wollte der Oberſchöffe den weiſen Mann raſch verlaſſen, aber der Letztere faßte ihn bei der Hand, führte ihn an das Fenſter und ſagte: „Seht, Ser van Vaernewyck, wie vergnügt und heiter das Genter Volk ſich auf dem Markte dort ergeht. Vielleicht wird es binnen einigen Tagen ſchon ſein Blut für die Freiheit vergießen müſſen und manche dieſer Frauen ihren Gatten, viele dieſer Kinder ihren Vater zu beweinen haben. Es wäre ein Unrecht, nicht wahr? dieſe innige Freude zu zerſtöͤren, da man nicht weiß, ob nicht gar ſchon morgen Schrecken und Betrübniß an ihre Stelle treten. Laßt die muthigen Bürger wenigſtens eine Stunde reiner Freude genießen, Freund! Stoͤren wir jetzt mindeſtens die allgemeine Heiterkeit noch nicht!“ „Was wollt Ihr damit ſagen, Mher Jakob? 44 „Daß Ihr Niemanden auf der Welt Etwas mit⸗ theilt von dem, was Ihr wißt, als erſt am ſpäten Nach⸗ mittage. Denn wie geheim es auch bleibe, es verbreitet ſich doch wie der Wind unter dem Volke.“ „In der That, dieſer Tag iſt der ſchönſte, den wir ſeit unſerer Ermannung erlebt haben; ich will ihn auch nicht ſtͤren.“ „Habt Ihr vor Mittag noch dringende Sachen zu beſorgen, Ser van Vaernewyck?“ fragte Artevelde. „Nein!“ war die Antwort.„Ich hatte mir vorge⸗ nommen, einmal über den Jahrmarkt zu gehen; aber die wichtige Botſchaft hat mir die Luſt daran vertrieben.“ „Kl Lachen ſe hat ſeine noch Arl mir; me⸗ mit Mhe wir woll die Freut noch beſſe Wäh tergeſtiege „Wo Vorſchlag der Wacht „Mei kob.„Ih zahlten M Genter ſin fühltem treffen, w unter dem Furcht! C Nicht gen Munt Jakob's G ſtehen. G nem Fleiſch Lieven ſein Herz Mher van htigen.“ den weiſen ihn bei der gnügt und vort ergeht. n ſein Blut mche dieſer hren Vater nicht wahr? ht weiß, ob dniß an ihre igſtens eine Stoͤren wir hnicht!“ akob?“ Etwas mit⸗ päten Nach⸗ es verbreitet te, den wir ill ihn auch Sachen zu lrtevelde. mir vorge⸗ en; aber die ertrieben.“ Jakob von Artevelde. 3 21 4 „Kommt, kommt,“ rief Artevelde, mit freundlichem Lachen ſeinen Freund nach der Treppe führend;„Alles hat ſeine Zeit, Ser Maes! Vielleicht bekommen wir noch Arbeit genug; heute ſei ein Ruhetag; geht mit mir; meine Frau und Tochter erwarten mich dort unten mit Mher Ghelnoot und dem Sohne des Oberdechanten; wir wollen zuſammen plaudernd den Jahrmarkt ſehen; die Freude erhellt den Geiſt; vielleicht bekommen wir noch beſſere Gedanken!“ Während dieſer Worte waren ſie die Treppe hinun⸗ tergeſtiegen und hatten die Thür des Hochhauſes erreicht. „Wohl!“ ſagte der Oberſchöffe;„ich nehme Euern Vorſchlag mit Vergnügen an; aber wie wollen wir mit der Wache von Sanct Jan durch das Volk kommen?“ „Meine Wache bleibt hier ſtehen,“ antwortete Ja⸗ kob.„Ihr findet es unvorſichtig, nicht wahr? Die be⸗ zahlten Mörder, die man gegen mich ausſendet? O, die Genter ſind meine beſte Wache, und ich ſage mit tiefge⸗ fühltem Stolze: die Zeit, um Jakob von Artevelde zu treffen, wäre wirklich ſchlecht gewählt, wenn er mitten unter dem Genter Volk ſich befindet. Kommt! Keine Furcht! Gott beſchützt uns Alle!“ Nicht weit von dem Hochhauſe, bei der Ecke der Lan⸗ gen Munte, fanden ſie Frau Cathelyne van Drongene, Jakob's Gattin, mit ihrer Tochter und ihrer Dienerin ſtehen. Ghelnoot van Lens ſchwatzte und lachte mit ei⸗ nem Fleiſchermeiſter aus ſeiner Nachbarſchaft. Lieven Denys gab der ſchönen Veerle die Hand und ſein Herz klopfte vor Stolz und Freude, wenn er die 22 Jakob von Artevelde. Vorübergehenden bewundernde Blicke auf die ſchöne Jungfrau werfen ſah. Und in der That, etwas Zau⸗ berhaftes, gleich einem Nebelkreiſe von Glück und Liebe, umgab die junge Veerle in dieſem Augenblicke; ihr Ant⸗ litz glänzte mit dem hellen Lächeln, welches einer Freude vorausgeht; ihre dunkeln, ſchwarzen Augen ſtreiften fun⸗ kelnd über den Markt; ſtolz richtete ſie den ſchlanken Hals empor, als ob ſie fühle, daß Artevelde's Blut durch ſei⸗ nen Patriotismus auch in den Adern ſeiner Tochter ver⸗ edelt ſei. Gewiß, ſie bedurfte, um ſchön und reizend zu ſein, weder prächtiger Kleider, noch reicher Juwelen, ob⸗ gleich ſie dieſelben jetzt trug. Ein Gewand von himmel⸗ blauer Seide umwallte faltenreich ihre ſchlanken Glieder; eine künſtlich gearbeitete goldene Kette glänzte auf ihrer Bruſt; ihre Kopfbedeckung von feinem weißen durchſich⸗ tigen Zeuge zierte ihr Haupt und ihren Hals, während ſie die holde Röthe ihrer Wangen erhob. Lieven Denys ſtand neben ihr mit einer ganz ande⸗ ren Haltung; ihm pochte das Herz und Stolz erfüllte daſſelbe; dennoch wagte er nur dann und wann die Au⸗ gen zu Veerle zu erheben, und blickte meiſtens träumend vor ſich nieder. Es war, als ob er ſich gefürchtet hätte, irgend Jemanden in der Welt merken zu laſſen, was in ſeinem Herzen vorgehe, und als ob er beſorge, durch die Augen einen Theil der ſeligen Rührung zu verlieren, welche ihn jetzt mit ſüßer Gewalt gefangen hatte. Nicht ſelten ſtieg ein dunkles Roth in ſeinem Antlitz auf, wenn ein Vorübergehender durch langes Anſchauen in ſeine Seele dringen zu wollen ſchien, um dort die Tiefe ſeines .Entzüc ein Lie ſtieg, dieſer lende J nes Le ſchmerz um die ligung geboten haben. nen Ve Augen ſie ihm Gattin Na liche W Frau vr ſchen ih⸗ hinauf, andern der Hau lachen u Ueb noſſen Reihen frauen 1 Sie näl einige 3 die ſchöne twas Zau⸗ und Liebe, *; ihr Ant⸗ iner Freude reiften fun⸗ aanken Hals t durch ſei⸗ Tochter ver⸗ dreizend zu uwelen, ob⸗ on himmel⸗ ken Glieder; te auf ihrer en durchſich⸗ s, während ganz ande⸗ tolz erfüllte ann die Au⸗ is träumend erchtet hätte, ſen, was in ge, durch die zu verlieren, hatte. Nicht tz auf, wenn uen in ſeine Tiefe ſeines Jakob von Artevelde. Entzückens zu meſſen. Dann und wann, wenn irgend ein Lied zu Ehren ihres Vaters aus der Nähe empor⸗ ſtieg, drückte Veerle unbewußt Lieven's Hand, ſo daß dieſer vor ſüßem Schreck zuſammenbebte. Der tieffüh⸗ lende Jüngling würde ſeine Veerle gern auf Koſten ſei⸗ nes Lebens aus dem Gedränge fortgeführt haben; es ſchmerzte ihn tief, ſein Gefühl unterdrücken zu müſſen, um die Gluth, die ihn beſeelte, vor Spott und Enthei⸗ ligung zu bewahren, und dennoch, hätte man ihm Schätze geboten für dieſen Tag, er würde ſie ausgeſchlagen haben. Wandelte er nicht Hand in Hand mit der ſchö⸗ nen Veerle, der Tochter des weiſen Mannes, vor Aller Augen dort? Und war ihm dies nicht ein Pfand, daß ſie ihm allein, und keinem andern Manne auf Erden zur Gattin beſtimmt ſei?.... Nachdem ſie den gewohnten Gruß und einige freund⸗ liche Worte mit dem Oberſchöffen gewechſelt hatte, rief Frau von Artevelde ihre Dienerin zu ſich und ging zwi⸗ ſchen ihrem Manne und Ser van Vaernewyck den Markt hinauf, während Veerle mit Lieven ihr folgte. An der andern Seite der Dienerin ſchritt Ghelnoot van Lens, der Hauptmann von Sanct Nikolas, der nichts that als lachen und ſcherzen mit Allem, was er ſah. Ueberall, wo der weiſe Mann mit ſeinen Hausge⸗ noſſen ſich zeigte, öffnete das Volk ehrfurchtsvoll ſeine Reihen und ſprach frohe Grüße aus, während die Jung⸗ frauen und Jünglinge einander die ſchöne Veerle zeigten. Sie näherten ſich gleich darauf den Buden und blieben einige Zeit vor einer ſchönen Handlung von allen Sor⸗ 24 Jakob von Artevelde. ten golddurchwirkter Tücher ſtehen. Frau Artevelde hatte bereits mehr als einmal ein Stück mit Gold und Silber durchmengt, beſehen und angefaßt. Artevelde, der unter⸗ deſſen mit dem Kaufmanne ſprach, hörte plötzlich hinter ſeinem Rücken eine Stimme ſagen: „Was? Er würde mich nicht erkennen? Ich wette, was Ihr wollt, und ich werde ihn anreden, daß Ihr es Alle ſeht und hört; wartet nur, bis er ſich umdreht.“ Dieſe Stimme mußte Artevelde aufgefallen ſein; denn er wandte ſich mit freundlichem Lächeln zu den Handwerkern, die hinter ihm ſtanden, ging dann ge⸗ rades Weges auf Einen von ihnen zu, reichte ihm die Hand und ſagte: „Ah, guten Tag, kühner Freund! Ich freue mich, Euch zu treffen. Erinnert Ihr Euch noch, daß Ihr mir ſagtet, es müſſe Blut oder Arbeit geben?“ Lieven Comyne's Hand zitterte vor Rührung in der des weiſen Mannes und er blickte ihm ſprachlos in die Augen, während ein Ausdruck des Glückes ſein Antlitz gleichſam erleuchtete. „Arbeit iſt da,“ fuhr Artevelde fort,„Blut noch nicht! Aber wenn Flandern es verlangt, wird das gute Genter Blut ihm nicht fehlen, nicht wahr, Genoſſen?“ „Blut fehlen für das Vaterland?“ murrte der junge Blaufärber in hoöchſter Aufregung;„in Gent? Das wol⸗ len wir ſehen! Laß Perſemier vom Glockenthurm herab nur rufen: Feind! Feind! und Ihr werdet die Genter Löwen brüllen hören vor Freude!“ „Bis Flandern uns ruft, müſſen wir ruhig und fröhlich hat,“ ſ ben, w J wortete ſtand u iſt hier Art deckers; „N „Il Freude! Si geſchwor Blut für „Brüder bis in de Lieve geſicht zu mächtige ſich übern aus den? Der vollen M Schulter: „Frex und Ihr dern das dert, werd helde hatte nd Silber der unter⸗ ich hinter öch wette, aß Ihr es dreht.“ len ſein; n zu den dann ge⸗ ihm die reue mich, Ihr mir ng in der los in die in Antlitz Blut noch das gute enoſſen?“ der junge Das wol⸗ rm herab ie Genter uhig und Jakob von Artevelde. 25 fröhlich den Wohlſtand genießen, den Gott uns geſchenkt hat,“ ſagte Artevelde;„aber das Herz muß wacker blei⸗ ben, wie es das Eure iſt, kühner Geſelle!“ „Ihr habt geſagt: Haltet vlämiſchen Muth!“ ant⸗ wortete Jan, der Strohdecker, der hinter den Anderen ſtand und kräftig auf ſeine Bruſt ſchlug;„dies Wort i*ſt hier eingeſchrieben.“ Artevelde ließ Lieven's Hand los, um die des Stroh⸗ deckers zu ergreifen. „Noch Einer von meinen Freunden!“ ſagte er lachend. „Ihr erkennt mich alſo auch noch?“ rief Jan voll Freude und Stolz. „Sind wir nicht alleſammt Söhne von Gent, die geſchworen haben, einander beizuſtehen mit Gut und Blut für Flanderns Befreiung?“ antwortete Artevelde. „Brüder in Freuden! Brüder in Leiden! Brüder ſelbſt bis in den Heldentod!“ Lieven Comyne hatte ſich umgewandt, um ſein An⸗ geſicht zu verbergen; ſchon lange kämpfte er gegen das mächtige Gefühl, das ihn ergriffen; aber jetzt fühlte er ſich überwunden, und die Thränen ſtürzten ihm plötzlich aus den Augen. Der weiſe Mann betrachtete den muthigen, gefühl⸗ vollen Mann mit Bewunderung; er ſchlug ihm auf die Schulter und ſprach: „Freund! Ihr heißt Lieven Comyne, glaube ich, und Ihr wohnt bei der St. Veerlekapelle. Wenn Flan⸗ dern das Leben eines Helden zu ſeiner Erhaltung for⸗ dert, werde ich mich Eurer erinnern.“ 26 Jakob von Artevelde. „Dank! Dank, Mher Jakob!“ antwortete Lieven mit erſtickter Stimme;„ich werde warten, aber ich rechne auf Euer Wort!....“ Veerle zupfte in dieſem Augenblicke ihren Vater bei dem Arme und ſagte: „Aber, Herr Vater! Ihr laßt uns ſo allein; das iſt nicht wohlgethan; ſeht einmal, welch ein ſchönes Stück goldenes Laken die Mutter da hat!“ Artevelde drückte nochmals die Hand von Lieven Comyne und deſſen Genoſſen, und wandte ſich dann zu der Bude. Der entzückte Blaufärber Lieven wiſchte ſich plötzlich die Thränen aus den Augen und rief wie verrückt: „Kommt, kommt, Geſellen! Ich gebe vier Stübchen Wein im goldenen Schwan; trinken, trinken, denn es brennt mir das Herz! Wir wollen noch einmal tüchtig den frohen Tag feiern. Haltet ümiſchen Muth! Haltet vlämiſchen Muth!“ Mit dieſen Worten ſprang er voraus nach der Wan⸗ delſteege und machte ſeinen Freunden jauchzend Bahn durch das Volk. Als Artevelde ſich umwandte, verließ ſeine Geſell⸗ ſchaft gerade die Bude; er ſah, daß ſeine Frau ein Stuͤck golddurchwirktes Tuch ihrer Dienſtmagd Jaequemyne zu tragen gab, und ſagte freundlich ſcherzend: „So, ſo, Cathelyne! Das Angeld mag nicht gering ſein! Was zahlſt Du dafür?“ „Nichts!“ antwortete Frau Artevelde,„55 iſt ein Marktgeſchenk von Ser van Vaernewyck.“ 7„ nertm geſchlo zahlte, auf de Geſellſ Thürm über die zenden ſtehen, zur Sch Sklave Geträn deren C Ve ander ſie endl Perlenk ohne Z und leic Juwelel tete Lieven , aber ich Vater bei illein; das in ſchönes von Lieven ich dann zu ich plötzlich errückt: r Stubchen n, denn es nal tüchtig uth! Haltet )der Wan⸗ zend Bahn eine Geſell⸗ u ein Stuͤck ſuemyne zu nicht gering „es iſt ein Jakob von Artevelde. 27 „In der That, Ser Maes!“ ſagte Jakob,„Ihr erin⸗ nert mich daran, daß alle Freunde heute Geſchenke machen.“ „Aber ich bin Wittwer!“ lachte der Oberſchöffe; „da ſeid Ihr des Gegengeſchenkes quitt.“ „Das wollen wir doch ſehen,“ antwortete Arte⸗ velde, während er ſeine Tochter zur Bude führte; „Veerle, Du haſt Geſchmack! Wähle mir einmal ein Stück golddurchwirktes Tuch für Jungfrau Chriſtina van Vaernewyck.“ Die Wahl ward raſch getroffen und der Handel ab⸗ geſchloſſen. Artevelde öffnete ſeine Geldtaſche und be⸗ zahlte, worauf er das Geſchenk gleichfalls Jacquemyne auf den Arm legte, und dann plaudernd mit ſeiner Geſellſchaft längs den Buden fortwandelte. Bei dem Thürmchen, wo die Kameele mit ihren langen Hälſen über die Zelte hinausragten und die Neugier des jauch⸗ zenden Volkes anregten, blieb Veerle vor einem Laden ſtehen, auf welchem alle köſtlichen Juwelen des Orients zur Schau lagen. Ein Türke mit ſeinem afrikaniſchen Sklaven ſaß ruhig daneben und ſchlürfte ein warmes Getränk aus einer ſilbernen Schaale ein; an ſeiner an⸗ deren Seite ſtand ein Dolmetſcher. Veerle hatte bereits mehrere reiche Stücke nach ein⸗ ander aufgenommen und aufmerkſam betrachtet, bis ſie endlich unſchlüſſig zu ſein ſchien, welchen von zwei Perlenkränzen ſie wählen ſolle; der eine war ſchwer und ohne Zweifel ſehr koſtbar, der andere dagegen kleiner und leichter. Da ſie den Dolmetſcher fragte, was dieſe Juwelen koſteten, erhielt ſie zur Antwort: Jakob von Artevelde. „Der größere koſtet zehn Pfund Groot, den kleine⸗ ren wird man für drei Pfund laſſen.“ „Nun denn!“ ſprach Veerle, ſich zu Lieven wen⸗ dend und ihm den größeren Kranz zeigend;„Ihr ſucht ſchon ſo lange nach einem Marktgeſchenk für mich; hier iſt eins, das mir gefällt! Seht zu, ob der Kaufmann ſich nichts von ſeinem Preiſe will abdingen laſſen.“ Lieven Denys ließ Veerle's Hand fahren und ſenkte das Haupt, um die Röthe zu verbergen, welche ihm Stirn und Antlitz bedeckte. „Es iſt zu theuer, Veerle!“ ſeufzte er betrübt,„ſo viel Geld habe ich nicht in meiner Taſche.“ „O!“ rief Ghelnoot van Lens,„ſoll der Wunſch der ſchönen Veerle um ſolcher Urſache willen unerfüllt bleiben? Ich muß ihr auch ein Marktgeſchenk machen. ſo will ich denn das Halsband kaufen; Lieven findet ſchon etwas Anderes.“ Ein krampfhaftes Zittern ergriff Lieven; er warf einen blitzenden Blick auf Ghelnoot, der ihn erſtaunt anſah und die Urſache dieſes plotzlichen Zorns nicht be⸗ greifen konnte. Mittlerweile hatte Veerle wieder Lieven's Hand an⸗ gefaßt, und fühlend, wie der Jüngling zitterte, begriff ſie auch, was in ſeinem Gemüthe vorging. Sie ſprach daher, wie verwundert: „Ei! Ihr verſteht mich nicht, oder ich habe Euch das Unrechte gezeigt. Meint Ihr, daß ich die ſchweren Perlen um den Hals ſchlingen wolle? Das i*ſt ein Kranz für eine alte Matrone! Die lieben kleinen Perlen will ich hal auf kei anders Kaufte De hob mu lachte, die es weis de tief, un ſeiner el Ghelnoo „M ein Gefi aber ich und laßt „W Lieven! ſeid Ihr aber wied und mir det aber: wieder eit digen Wo ſteht Mhe Lieven gen, die v dem ſie ei der gewech den kleine⸗ ven wen— Ihr ſucht nich; hier raufmann ſen.“ und ſenkte elche ihm übt,„ſo Wunſch unerfüllt machen; en findet er warf erſtaunt nicht be⸗ and an⸗ begriff e ſprach be Euch chweren Kranz en will Jakob von Artevelde. 29 — ich haben... Und Mher Ghelnoot! ich würde doch auf keinen Fall ein erſtes Marktgeſchenk von Jemanden anders als von Lieven allein annehmen. Hört Ihr? Kauft es nur, Lieven! Ich hänge es gleich um den Hals.“ Der getröſtete Jüngling drückte ihr die Hand und hob muthig den Kopf auf;z während Ghelnoot freundlich lachte, bezahlte Lieven das Juwel und gab es Veerle, die es auch ſogleich um den Hals ſchlang. Dieſer Be⸗ weis der Auszeichnung und Liebe rührte den Jüngling tief, und verbannte gänzlich die Eiferſucht, welche ſich ſeiner eben ſo gewaltig bemeiſtert hatte. Er ging zu Ghelnoot, nahm ihn bei der Hand und ſagte: „Mher von Lens! Ihr müßt mir verzeihen; es giebt ein Gefühl, das ſich meiner wider Willen bemeiſtert; aber ich meine es nicht ſo; alſo denkt nicht mehr daran und laßt uns gute Freunde ſein!“ „Was das Letztere betrifft, auf immer und ewig, Lieven! Denn trotz allen Euren unbegreiflichen Grillen ſeid Ihr doch ein kühner und braver Burſche. Habt Ihr aber wieder Luſt aufzubrauſen, ſo müßt Ihr ſo gut ſein und mir das etwas früher ſagen! Nun, nun, das ſcha⸗ det aber nichts; ich weiß es ſchon nicht mehr, bis Ihr wieder einmal böſe geworden ſeid wegen eines unſchul⸗ digen Wortes. Kommt jetzt aber raſch; denn ſeht, dort ſteht Mher Jakob.“ Lieven und Veerle folgten Ghelnoot zu den Uebri⸗ gen, die vor einem Waffenladen ihrer warteten. Nach⸗ dem ſie einige Worte über Lievens Geſchenk mit einan⸗ der gewechſelt hatten, wollten ſie raſch weiter gehen, um Jakob von Artevelde. die Springer und Gaukler zu ſehen. Plötzlich hörte man⸗ aber von Weitem, in der Richtung des Steendamms, das Getrappel eines trabenden Pferdes, und unmittelbar darauf ſtrömte das Volk nach jener Seite, als ob es ahne, daß ſich dort etwas Wichtiges begeben müſſe. Der Reiter, der mit verhängtem Zügel über die Kerkbrücke ſprengte, traf mit dem dichtgedrängten Volke zuſammen, und ſah ſich genöthigt, ſein Roß anzuhalten. Sein Antlitz glühte vor Ermüdung; der Schweiß ſtrömte von dem rauchenden Leibe ſeines Pferdes herab. Mann und Thier waren mit Staub bedeckt und keuchten athemlos. Das Erſte, was der Reiter that, als er wieder et⸗ was Athem geſchöpft hatte, war, daß er ſich in den Steigbügeln aufrichtete und mit erhobenen Armen aus⸗ rief: „Wehe! Wehe über Gent!“ „Woher kommt Ihr?“ rief man von allen Seiten. „Von Rupelmonde!“ war die Antwort;„ich muß den Oberhauptmann ſprechen; wo finde ich ihn?“ „Er iſt auf dem Markte!“ rief man ihm zu. Ein Zunftgeſelle ergriff den Zügel des Pferdes und ſagte, ihm durch das Volk Bahn machend: „Kommt! Ich will Euch zu dem Oberhauptmann führen.”“ Tiefe Trauer zeigte ſich auf dem Antlitz aller umher⸗ ſtehenden Bürger; leiſe fragten ſie einander: „Sollte Segher de Cortrazyn getödtet ſein?“ Die Zunftgenoſſen liefen dagegen mit ſteigender Wuth? Wolke, Jak ihm ent gament. dete run Aller Au Der ſein An hatte er ſehen, n den Kopt ſchöffen er „De Segher's Rupelmo In d lichen Sch den Mark „Um er,„brin Der 8 Ort nicht ſchrecklichen dergedrück ſtehen und zu erkenne Währ die Menge örte man⸗ ims, das mittelbar [s ob es üſſe. über die en Volke zuhalten. ß ſtröͤmte .. Mann keuchten vieder et⸗ h in den nen aus⸗ n Seiten. „ich muß n?“ zu. erdes und auptmann er umher⸗ n?“ ſteigender Jakob von Artevelde. 31 Wuth dem Boten nach, und begleiteten ihn, wie eine Wolke, bis in die Nähe des Oberhauptmanns. Jakob von Artevelde ging mit Ser van Vaernewyck ihm entgegen und erhielt von ihm ein verſiegeltes Per⸗ gament. Ehrfurchtsvoll zog ſich das Volk zurück und bil⸗ dete rund um den Oberhauptmann einen weiten Kreis; Aller Augen blieben jedoch feſt auf ihn gerichtet. Der weiſe Mann öffnete das Schreiben, ohne daß ſein Antlitz die mindeſte Bewegung verrieth. Kaum hatte er jedoch das unglückliche Blatt entfaltet und ge⸗ ſehen, was es enthielt, als er todtenbleich wurde, tief den Kopf ſenkte, und krampfhaft die Hand des Ober⸗ ſchöffen ergreifend, zu dieſem mit dumpfer Stimme ſagte: „Der Marſchall von Gent enthauptet! Die Leiche Segher's de Cortrazyn in einem ble Rupelmondeſtein gebracht!“ In dieſem Augenblicke hörte Artevelde einen pein⸗ lichen Schrei aus einer Frauenbruſt aufſteigen und über den Markt dringen. iernen Sarge aus „Um Gottes willen, Ser van Vaernewyck!“ ſeufzte er,„bringt meine Frau nach Hauſe; es iſt ihr Vater!“ Der Oberſchöffe begriff, daß der Freitagsmarkt der Ort nicht ſei, wo Frau Artevelde die Beſtätigung ihrer ſchrecklichen Vermuthung erhalten dürfe; er ließ den nie⸗ dergedrückten Artevelde mit der Hand vor den Augen ſtehen und gab Ghelnoot und Lieven deſſen Verlangen zu erkennen. Während man die beiden Frauen fort und durch die Menge über den Markt führte, ſtand das Volk, mit 32 Jakob von Artevelde. Thränen in den Augen und ſprachlos, um Artevelde ge⸗ angränz ſchaart. Es fühlte, welcher Schmerz die Bruſt des wei⸗ Waffen ſen Mannes zerreißen mußte, und ehrte ſeine Pein, um Eini dieſe ſelbſt nicht durch einen einzigen Racheſchrei zu ſtören. Straßen Plötzlich erhob Artevelde das Haupt und horchte lächelnd Schwert auf ein fernes Geräuſch. Die Menge blickte gleichfalls zem ſo g erſtaunt nach oben. Da hörte man Perſemier auf dem Fahnen Glockenthume:„Feind! Feind!“ blaſen, und unmittel⸗ Farbe un bar darauf die eherne Stimme des Roland Sturm läu⸗ ſich zu de ten, daß ihre Klänge über die ganze Stadt hin Genoſſen ſchallten. wie man Es war ein ſchrecklicher, aber erhebender Augenblick, wohnt w als die Frauen und Kinder weinend und wehklagend ſich Mitt nach allen Seiten hin vom Markte entfernten, während ter durch die Männer mit aufgehobenen Armen:„Heil! Heil!“ und ſchrie riefen und ſich jubelnd um ihren Oberhauptmann ſchaar⸗ Bürger, ten, als habe der alte Roland ihnen ein Feſt verkündigt. dem Freit Plötzlich, indem noch Jeder zweifelhaft die Urſache Wäh des Sturms zu errathen ſuchte, kam ein Stadtbote von 3 ſtand Art dem Glockenthurme zu Artevelde geeilt, und ſagte haſtig: Schöffen! „Oberhauptmann! Perſemier ſieht eine Wolke Rei⸗ gen Berat ter auf der Straße von Biervliet nach der Stadt heran⸗ des Oberl ſprengen; ſie ſind jetzt in der Gegend von Everghem!“ ſah, daß „Ha, Freunde!“ rief Artevelde mit mächtiger Stim⸗ Muidetho⸗ me;„das ſind die Leliaerds von Biervliet! Jetzt wollen ren Seiten wir den ermordeten Segher rächen! Auf, Genter! zu verhindert den Waffen, zu den Waffen!“ Befehl, ein Dieſer Ruf war noch nicht einmal ganz ſeinem Er ſel Munde entflogen, als auch ſchon alle Männer durch die restheils 1 Jakob von “ evelde ge— des wei⸗ Pein, um zu ſtören. e lächelnd gleichfalls auf dem unmittel⸗ turm läu⸗ tadt hin ugenblick, agend ſich während I! Heil!“ nn ſchaar⸗ erkündigt. ie Urſache tbote von zte haſtig: zolke Rei⸗ idt heran⸗ erghem!“ ger Stim⸗ tzt wollen jenter! zu az ſeinem durch die Jakob von Artevelde. 33 angränzenden Straßen den Markt verließen, um ihre Waffen zu holen. Einige Augenblicke nachher ſah man aus denſelben Straßen die Geſellen mit Gutentags, Kreuzbögen oder Schwertern herbeieilen. Der Zufluß wurde binnen Kur⸗ zem ſo groß, daß der Freitagsmarkt gleich darauf von Fahnen und Pongoenen(Fähnlein) von verſchiedener Farbe und Geſtalt bedeckt zu ſein ſchien. Jeder geſellte ſich zu dem Fähnlein ſeiner Gilde, und je nachdem neue Genoſſen hinzukamen, bildete man regelmäßige Glieder, wie man es ſtets unter ſolchen Umſtänden zu thun ge⸗ wohnt war. Mittlerweile ſprengte in jedem Stadtviertel ein Rei⸗ ter durch die Straßen, das Blutbanner in der Hand, und ſchrie:„zu den Waffen! zu den Waffen!“ um die Bürger, welche zu dem Heere der Zünfte gehürten, nach dem Freitagsmarkte zu rufen. Während nun die Zünfte ſich zum Kampfe rüſteten, ſtand Artevelde mit den Hauptleuten der Kirchſpiele, den Schöffen und Dechanten neben dem Hochhauſe. Zu lan⸗ gen Berathungen fehlte es an Zeit; auch war der Plan des Oberhauptmanns bald gebildet. Obwohl er voraus⸗ ſah, daß die Reiter von Biervliet aus die Stadt bei dem Muidethore angreifen würden, indem ſie auf den ande⸗ ren Seiten durch die Arme der Schelve und Leije daran verhindert waren, ſo ertheilte er deſſenungeachtet den Befehl, eine ſtarke Wache nach jenem Thore zu ſenden. Er ſelbſt ſtellte ſich an die Spitze des größten Hee⸗ restheils und zog über die Ser Bodinsbrücke durch das Jakob von Artevelde. II. 3 34 Jakob von Artevelde. Grauwthor, und ſo zum Muidethor hinaus, bis er ſich mit ſeiner Schaar auf der Straße von Biervliet be⸗ fand. Dort ließ er queer über den Weg die Weber ihre Gutentags mit dem unterſten Ende in die Erde pflanzen und in dichten Gliedern gleichſam eine eiſerne Mauer bilden, welche keine Reiterei zu durchbrechen vermochte. Dann rief er dem Heere zu: „Genoſſen, habt guten Muth! Sie, die uns an⸗ fallen werden, haben ſich berühmt, ſie würden an die Thore von Gent ſchreiben, wir ſeien Feiglinge. Wir wollen ihnen nun zeigen, wie man in Gent ſolches Ge⸗ ſchwätz beantwortet.... Haltet Euch alle ſtill, und ſchweigt!“ Nachdem er dieſe wenigen Worte geſagt hatte, führte Artevelde die eine Hälfte ſeiner Streiter höher hinauf neben der Straße in ein Gebüſch, und gab Ghelnoot von Lens den Befehl, ſich mit der anderen Hälfte jen⸗ ſeits des Weges ebenfalls in einen Hinterhalt zu legen. Kaum war dieſe Anordnung ausgeführt, als ſich auch ſchon die Reiter in der Ferne zeigten. Da ſie nur einen kleinen Haufen Bürger auf der Straße halten ſa⸗ hen, ſo ſprengten ſie deſto kühner vorwärts und glaub⸗ ten die Weber mit ihren Gutentags durch einen einzigen Anfall über den Haufen zu werfen. Als ſie daher bis auf einige Bogenſchüſſe wirklich genaht waren, gaben ſie ihren Pferden die Sporen und jagten ungeſtüm auf die Spitzen der Gutentags zu. Durch dieſes heftige An⸗ prallen kam allerdings einige Unordnung unter die We⸗ ber, und ſchon jubelten die Reiter, wie über einen Sieg. Da b Artev⸗ halten und n was ſ A „Verꝛ konnte pliet f noſſen welche weiſez Di gänzlich den un kehrten gehoben 7/ G lohnt ſie haben n , bis er ervliet be⸗ Jeber ihre e pflanzen ne Mauer vermochte. uns an⸗ en an die ige. Wir olches Ge⸗ ſtill, und ttte, führte her hinauf Ghelnoot Bälfte jen⸗ t zu legen. , als ſich Da ſie nur halten ſa⸗ und glaub⸗ en einzigen daher bis gaben ſie uim auf die eftige An⸗ er die We⸗ linen Sieg. Jakob von Artevelde. 35 Da brachen aber die übrigen Geſellen mit Jakob von Artevelde und Ghelnoot von Lens aus ihren Hinter⸗ halten hervor, griffen den Feind auf beiden Seiten an, und warfen in wenigen Augenblicken Alles zu Boden, was ſie erreichen konnten. Als die hinterſten Reiter das ſahen, riefen ſie: „Verrath! Verrath!“ und flohen, ſo ſchnell ſie nur konnten, vom Schlachtfelde auf der Straße nach Bier⸗ vliet fort. Sie ließen ungefähr zweihundert ihrer Ge⸗ noſſen zurück, von wohl tauſend Vlämingern umzingelt, welche kurzes Spiel mit ihnen machten und ſie haufen⸗ weiſe zu Boden ſtreckten. Die Reiter wehrten ſich wüthend, bis ihre Zahl faſt gänzlich geſchmolzen war, und ſie ſich zwiſchen den Pfer⸗ den und Leichen nicht mehr vertheidigen konnten. Nun kehrten ſie ihre Schwerter um, den Griff in die Höhe gehoben, und baten um Gnade. Der Kampf hörte auf; man entwaffnete die Reiter, und ſtellte ſie, nebſt den noch übrigen Pferden, unter die Obhut einer ſtarken Wache. Nach kurzer Raſt, und nachdem die Stadt⸗Wund⸗ ärzte, Meiſter Spelligerde und Arnold von Leene, mit ihren Gehülfen, die Verwundeten verbunden hatten, ließ Artevelde zum Abzug blaſen. Sobald das Heer ſich wieder in Gliedern auf der Straße geordnet hatte, rief Artevelde ſeinen Leuten zu: „Genoſſen! was wir ſo eben gethan haben, ver⸗ lohnt ſich nicht der Mühe, um davon zu reden; jetzt aber haben wir freie Hand; man hat uns zuerſt angegriffen, 3* 36 Jakob von Artevelde. und uns bleibt das Recht, uns zu rächen. Bereitet Euch nun zu einem ernſten Kriege vor; wir wollen jetzt ſelbſt das Neſt Biervliet heimſuchen.“ Er gab darauf den Befehl zum Abzuge, und das Genter Heer zog nun ſingend mit der Beute und den Kriegsgefangenen durch das Muidethor in die Stadt. Sechs Flande Ebene hohen fange, als ein der Kö wählt, ſie zu⸗ zu wen mit de fallen! verſam Parteig M lois od ter, du dieſer Kriege Stadt W dert R et Euch zt ſelbſt nd das nd den tadt. Jakob von Artevelde. V. Sechs Stunden Weges von Gent, im zeeländiſchen Flandern, lag das Städtchen Biervliet, welches die Ebene ringsherum mit ſeinen feſten Wallthürmen und hohen Mauern beherrſchte. Obwohl von geringem Um⸗ fange, war es jedoch ſehr ſtark, und man rühmte es als eine faſt unbezwingliche Feſte. Dieſen Platz hatte der König von Frankreich auf den Rath des Grafen er⸗ wählt, um von hier aus die Genter zu beläſtigen, und ſie zu zwingen, einen Theil ihrer Macht nach dieſer Seite zu wenden, während er längs der hennegauiſchen Grenze mit dem großen franzöſiſchen Heere in Flandern ein⸗ fallen würde. Anfangs war Biervliet der Zufluchtsort geweſen für alle Verbannten, Leliaerds und franzöſiſchen Landläufer, welche unter dem geheimen Schutze Frankreichs ſich dort verſammelten und dem Anſcheine nach als unabhängige Parteigänger handelten. Man konnte alſo nicht ſagen, daß Philipp von Va⸗ lois oder der Graf die Vläminger angreife, und die Gen⸗ ter, durch dieſe Liſt gehindert, konnten in dem Entſtehen dieſer feindlichen Macht keinen Grund zum rechtmäßigen Kriege finden, ſo lange dieſelbe das Grundgebiet ihrer Stadt nicht anfiel. 3 Während der letzten Tage waren plötzlich fünfhun⸗ dert Reiter in Biervliet eingezogen, offenbar um mit den Jakob von Artevelde. Leligerds vereinigt den König von Frankreich bei dem Angriffe auf Gent, welchen er unternehmen wollte, zu unterſtützen. Dieſe fremden Söldner und Ritter gaben ſich gleichfalls für eine freie Schaar aus; doch konnte man an ihrer Zahl und ihrer Ausrüſtung unfehlbar wahrnehmen, daß ſie noch kürzlich im franzöſiſchen Heere geſtanden hatten. An und für ſich ſelbſt konnte Biervliet, ſo ſtark ſeine Beſatzung auch ſein mochte, den Gentern nicht die min⸗ deſte Furcht für ihre Freiheit einflößen. Aber das Vor⸗ handenſein eines ſolchen Mittelpunktes lockte alle Le⸗ ligerds und Unzufriedenen der vlämiſchen Städte an, und erweckte bei den Gentern die Beſorgniß, daß ſich rings um denſelben eine mächtige Partei gegen ihre wie⸗ dergewonnene Freiheit bilden werde. Dies um ſo mehr, als durch Frankreichs Geld unter den Parteigängern gro⸗ ßer Ueberfluß herrſchte, und Viele, in Hoffnung auf ein luſtiges Leben und großen Gewinnſt, angezogen wurden, ſich zu den Leliaerds zu geſellen. Artevelde hatte bereits die Zunahme der Beſatzung von Biervliet mit Kummer und Verdruß beobachtet; aber da er es ſich zur feſten Regel gemacht, das Geſetz und Recht der Gemeine nicht zu überſchreiten, blieb er un⸗ thätig gegen die feindliche Macht, überzeugt, daß die Le⸗ ligerds ihm dereinſt ſelbſt Veranlaſſung geben würden, ſie zu vernichten. Dies war jetzt durch den Anfall auf Gent ganz nach ſeinen Wünſchen geſchehen. Die Gemeine konnte ſich nun gegen ihre eigenen Feinde vertheidigen, und da dieſe als Freigät ſtanden Grafer reich he der Ge ſelbſt a De ſchlüpf zu übe er bere vliet e der fei außerh Er zur U Stadt Sehr glüͤcke! lich A tigkeit ſchaar allerd verlor nicht: 2 lich zu die F lich hi Geleg bei dem Ute, zu r gaben konnte nfehlbar Heere ark ſeine die min⸗ 1s Vor⸗ alle Le⸗ idte an, daß ſich hre wie⸗ ſo mehr, gern gro⸗ gBauf ein wurden, Beſatzung ztet; aber eſetz und b er un⸗ ß die Le⸗ würden, ganz nach eſich nun dieſe als ———— * 32 Jakob von Artevelde. Freigänger unter Niemandes offenem Befehle und Schutze ſtanden, durfte man ſie bekämpfen, ohne den Rechten des Grafen Abbruch dadurch zu thun. Der König von Frank⸗ reich hatte ſich alſo in ſeinen eigenen Netzen gefangen und der Genter Gemeine das unbeſtreitbare Recht verſchafft, ſelbſt außerhalb ihres Grundgebietes Krieg zu führen. Der weiſe Mann ließ ſich dieſe Gelegenheit nicht ent- ſchlüpfen, um, wie er geſagt hatte, das Neſt der Leliaerds zu überfallen. Sechs Tage waren kaum verſtrichen, als er bereits mit viertauſend unverzagten Gentern vor Bier⸗ vliet erſchien, und nach einem hartnäckigen Gefecht mit der feindlichen Reiterei ſeine Zelte im Angeſicht, doch außerhalb des Bereiches der Feſtung aufſchlug. Er wollte zuerſt die Beſatzung durch Hungersnoth zur Uebergabe zwingen, und ließ in dieſer Abſicht die Stadt umzingeln und auf allen Wegen ſtreng bewachen. Sehr bald ſah er jedoch ein, daß dieſes Mittel ihm nicht glücken würde, indem die Reiterei der Leliaerds faſt täg⸗ lich Ausfälle machte und das Genter Fußvolk mit Leich⸗ tigkeit durchbrach, um Lebensmittel und ſelbſt Hülfs⸗ ſchaaren in die Stadt zu bringen. Zwar fielen dabei allerdings blutige Scharmützel vor, und die Leliaerds verloren viele Reiter; die Belagerung ſelbſt ward aber nicht merklich dadurch gefördert. Artevelde ſchien ſein Verweilen vor Biervliet abſicht⸗ lich zu verlängern und ſich keinesweges zu beeilen, um die Feſte entſcheidend anzugreifen. Er befand ſich näm⸗ lich hier in der Nähe von Weſtflandern, und benutzte die Gelegenheit, um die anderen Städte zum Widerſtande 40 Jakob von Artevelde. und zum Bündniß mit den Gentern zu vereinigen. Die⸗ ſer Verſuch glückte ihm auch vollkommen. Täglich trafen Abgeordnete von Brügge, Ypern, Thourout, Dixmude, Veurne und anderen Gemeinen in ſeinem Lager ein, um ſich mit ihm heimlich über die Bedingungen des Bünd⸗ niſſes zu verſtändigen. Außer Artevelde befanden ſich vor Bieroliet noch ſieben der gewandteſten Schöffen von Gent, und dieſe reiſten nach allen Richtungen, um den vaterländiſchen Muth überall anzufeuern, wo die An⸗ hänger Frankreichs denſelben noch unterdrückt hielten. Binnen Kurzem beſtand zwiſchen allen Städten Flan⸗ derns ein mächtiges Bündniß, bei welchem jede geſchwo⸗ ren hatte, ſich zu erheben und die Waffen zu ergreifen, ſobald der Fremdling es wagte, ſeinen Fuß auf vlämi⸗ ſchen Boden zu ſetzen. Die Stadt Gent wurde als der Mittelpunkt der Vereinigung anerkannt, deren Anord⸗ nungen man bis auf Weiteres Folge leiſten würde. Sobald Artevelde ſeinen geheimen Entwurf ausge⸗ führt ſah, begann er ernſtlich auf die Mittel zu denken, um ſich Biervliet's zu bemächtigen. Seine Streiter murr⸗ ten täglich über ihre Unthätigkeit, und er fürchtete mit Recht, daß ihr Vertrauen und ihr Muth geſchwächt werden würden, wenn man ihnen noch länger den ſo feurig gewünſchten Kampf verweigerte. Er beſchloß alſo zur großen Freude der Genter, einen allgemeinen Sturm zu unternehmen, mit ſeinen Kriegern die Feſtungsmauern zu erſteigen und ſich durch einen ent⸗ ſcheidenden Verſuch zum Herrn der Stadt zu machen. — Ar gegen wöhnli Lagers ſchäftig rungsn pen die werden leute ſ Seiten herbei, ihren In reiche in den fällt h Biervl müller ſollte, jedem Befehl und al werfen Un viele Fleiſch boten. den S lied ge gen. Die⸗ lich trafen Dirmude, wein, um es Bünd⸗ unden ſich öffen von um den die An⸗ t hielten. ten Flan⸗ geſchwo⸗ ergreifen, uf vlämi⸗ e als der n Anord⸗ rde. rf ausge⸗ zu denken, tter murr⸗ ichtete mit geſchwächt er den ſo tter, einen Kriegern einen ent⸗ nachen. 41 Jakob von Artevelde. Am Morgen des Tages, an welchem der Sturm gegen die Feſtung beſtimmt war, herrſchte eine unge⸗ wöhnliche Thätigkeit in der einen Hälfte des vlämiſchen Lagers. Hier waren die Ribauden hinter den Zelten be⸗ ſchäftigt, den großen Bogen und die anderen Belage⸗ rungswerkzeuge fertig zu machen, während einige Knap⸗ pen die Pferde fütterten, welche vor dieſelben geſpannt werden ſollten. Nicht weit davon ſetzten die Zimmer⸗ leute ſchwere Sturmleitern zuſammen, und von allen Seiten trug man Stücke Holz, Stricke und lange Haken herbei, nach dem Platze, wo die Werkzeugmeiſter mit ihren Knappen ſich befanden. In verſchiedenen Winkeln des Lagers ſtanden zahl⸗ reiche Karren mit Reisholz und Buſchwerk, welche man in den Maldeghem'ſchen und Eccloo'ſchen Wäldern ge⸗ fällt hatte, da man auf der polderartigen Ebene von Bieroliet wenig Gehölz antraf. Die Zunft der Walk⸗ müller, welche bei dem Angriffe den Vortrab bilden ſollte, beſchäftigte ſich mit dem Abladen der Karren; jedem Geſellen wurde ein ſtarker Aſt gegeben, mit dem Befehl, dieſen bei dem Sturme vor ſich her zu tragen und auf der bezeichneten Stelle in den Stadtgraben zu werfen. Unter dieſer durcheinander wühlenden Menge liefen viele Händler umher mit Wein und allerlei gedörrtem Fleiſch und Fiſch, welche ſie den Gentern zum Kauf an⸗ boten. In Erwartung des Kampfes wurde fröhlich auf den Sieg gezecht und manches Muth weckende Kriegs⸗ lied geſungen. 42 Jakob von Artevelde. Dieſer Theil des Heeres ſollte den Angriff machen, und ſtand unter dem unmittelbaren Befehl Jakob's von Artevelde und Ghelnoot's von Lens. Er war meiſt aus Walkmüllern und Mitgliedern der kleinen Zünfte zu⸗ ſammengeſetzt*). Die andere Hälfte beſtand aus den Mitgliedern der Weberzunft, nebſt den berühmten Schützen der St. Joris⸗ gilde, und war dem Befehle des Oberdechanten Geeraert Denys anvertraut. Sie ſollte keinen Antheil am Sturm⸗ laufen nehmen. Da die Vläminger keine Pferde vor Bieroliet hatten, ſo ließ ſich vorausſehen, daß die Rei⸗ terei der Leligerds während des Sturms einen mächtigen Ausfall wagen und verſuchen würde, die Stürmenden von hinten anzugreifen. In dieſem Falle konnte es der Beſatzung nicht ſchwer werden, die Genter in Verwir⸗ rung zu bringen und vielleicht zu einem ſchimpflichen Ab⸗ zuge zu zwingen. Artevelde traf daher Maßregeln ge⸗ gen ein derartiges Ereigniß und beſtimmte, daß nur die Hälfte ſeiner Kriegsmacht die Mauern erklettern ſolle. Die andere Hälfte unter Geeraert Denys ſtellte er dem großen Thore von Biervliet gegenüber auf, um die Stürmenden vor jedem Ausfall zu beſchützen und, wenn es ſich nöthig machte, ein Treffen im offenen Felde zu liefern. Ihr wurde zugleich befohlen, aus ihrem Lager *) Die Zunfte von Gent waren in drei Hauptgilden eingetheilt, die der Weber, die der Walkmuͤller und die der kieinen Zünfte. In dieſer letzteren waren alle diejenigen einbegriffen, welche weder zu den Webern, noch zu den Walkmuͤllern gehörten, wie z. B. Metzger, Bäcker, Schmiede, Zimmerleute, Kupferſchmiede, Kraͤmer u. ſ. w. ein wachſe wo es ſich In d wegung. die Krani neben ihn ches jedem oder halfe vor den u zum Zeit ten ſah. Geere und die C vor ſeinen fehl mitge ihren Leu „Alſ prägen, ner von E weilen un durch kein daß mir geſſe! Ge ſchen Mu *) Kr. lernen Krei welchen ein fuͤhrer uͤber in der Stad machen, b's von eiſt aus rfte zu⸗ dern der . Joris⸗ Geeraert Sturm⸗ rde vor die Rei⸗ ächtigen menden es der Verwir⸗ hen Ab⸗- geln ge⸗ nur die n ſolle. er dem um die d, wenn Felde zu n Lager ngetheilt, nfte. In der zu den Metzger, r u. ſ. w. Jakob von Artevelde. 43 ein wachſames Auge auf den Sturm ſelbſt zu haben und, wo es ſich nöthig machte, hulfreich bei der Hand zu ſein. In dieſem Theile des Lagers ſah man wenig Be⸗ wegung. Die Schützen der St. Jorisgilde probirten die Kraniche an ihren Bogen; die Targenträger ſtanden neben ihnen in Bereitſchaft mit dem Buckelſchilde, wel⸗ ches jedem Schützen vor den Leib gehalten werden mußte, oder halfen ihnen ihre Rüſtung anlegen, während man vor den übrigen Zelten hin und wieder einzelne Haufen zum Zeitvertreib mit Gutentags und Schwertern fech⸗ ten ſah. Geergert Denys hatte die Dechanten, die Centeniers und die Conſtabel*), die unter ſeinem Befehle ſtanden, vor ſeinem Zelte verſammelt und ihnen Artevelde's Be⸗ fehl mitgetheilt. In dieſem Augenblicke ſandte er ſie zu ihren Leuten zurück und ſagte ihnen noch: „Alſo, Geſellen, ich kann es Euch nicht genug ein— prägen, was Ihr auch ſehen mögt, folgt ſtets dem Ban⸗ ner von St. Joris. Ich werde ſtets neben demſelben ver⸗ weilen und Euch führen, wohin es ſich gehört. Laßt Euch durch keine Reiterei aus Euren Gliedern locken.... und daß mir Niemand in dieſer Hinſicht meine Befehle ver⸗ geſſe! Geht jetzt zu Euren Genoſſen und wahret vlämi⸗ ſchen Muth!“ *) Kraniche, ein eiſernes Inſtrument, mit welchem die ſtäh⸗ lernen Kreuzbogen geſpannt wurden. Targe(CTartſche), Schild, welchen ein Knappe vor einem Schutzen hertrug. Centenier, An⸗ fuͤhrer uͤber hundert Mann. Conſtabel, Oberſter von zehn Mann, in der Stadt Gaſſenmeiſter. 44 Jakob von Artekelde. Sobald die Anführer ſich entfernt hatten, ſagte der Oberdechant Etwas zu einem Webergeſellen, der fünf oder ſechs Schritte von ihm Wache ſtand, und ging dann in ſein Zelt. Hier ſetzte er ſich auf eine Bank und hef⸗ tete die Augen in tiefem Nachdenken auf den Boden. Wahrlich, Freude mußte Geergert Denys' Seele erfüllen. denn auf ſeinem Antlitz ſchwebte ein Lächeln.... ein Lächeln voll Gift und hölliſcher Luſt, ſo bitter und hä⸗ miſch, daß man ſchon bei dem bloßen Anblick ſeiner bos⸗ haften und gehäſſigen Züge aus Angſt vor Verrath und Meuchelmord gebebt haben würde. Er war kaum einen Augenblick allein geblieben, als der Vorhang ſeines Zeltes zur Seite gezogen wurde; Jan Calevoet, der Dechant der Zwillichweber, trat ge⸗ heimnißvoll herein und ſagte zu dem Oberdechanten: „Ihr habt mir ſo eben in das Ohr geflüſtert, ich ſolle raſch zu Euch kommen. Habt Ihr gute Nachrichten?“ „Außerordentlich gute,“ antwortete Geeraert, ſich entzückt die Hände reibend.„Setzt Euch, Calevoet, und ſprecht leiſe, man möchte uns hören; auf jeden Fall habe ich befohlen, daß man Niemanden meinem Zelte ſich na⸗ hen laſſe. Ach! Mher Jan, heute noch wird Flandern von ſeinem Verführer und Tyrannen befreit werden. Ich hätte das große Werk allein ausführen können, um dies Verdienſt mit Niemanden zu theilen; aber Ihr ſeid mein Freund, und wir haben bis jetzt gemeinſchaftlich für das Vaterland gewirkt.“ „Das iſt wahr; ich bin Euch dankbar für Euer Wohlwollen, aber ich glaube, Ihr ſchmeichelt Euch mit einer fa unmögli derns R zu thun! „ K dieſes G Stürmer durch die nöthig ſi welcher ſi laſſen. 6 von Bier viele ihr, „Ab'e merkte Co „Und Denys. 2 O, in's Verd Zwillichwe „Arte den!“ ent Calevr fühle des antwortete „Es iſ Um die druck des mit Ungedr ſagte der der fünf ging dann und hef⸗ n Boden. erfüllen; . ein und hä⸗ iner bos⸗ rrath und eben, als 7 wurde; trat ge⸗ anten: ſtert, ich richten?“ eert, ſich oet, und fall habe ſich na⸗ Flandern werden. nen, um Ihr ſeid ſchaftlich ir Euer uch mit Jakob von Artevelde. 45 einer falſchen Hoffnung, Mher Geeraert; es ſcheint mir unmöglich, im Augenblick eines Sturmlaufens an Flan⸗ derns Rettung zu denken. Was ſeid Ihr denn Willens zu thun?“ „Kommt näher, Calevoet, und bewundert das Glück dieſes Gedankens. Der herrſchſüchtige Tyrann führt die Stürmer an; Ihr wißt, was ein Sturm ſagen will; durch die Schnelligkeit und die Kraft ſelbſt, die dazu nöthig ſind, entſteht eine allgemeine Verwirrung, in welcher ſich weder Befehle mehr geben, noch empfangen laſſen. Glaubt Ihr, Calevoet, daß, wenn die Reiterei von Biervliet die Stürmer ungehindert überfallen kann, viele ihr entwiſchen werden?“ „Aber wir ſind hier, um das zu verhindern,“ be⸗ merkte Calevoet. „Und wenn wir es nun geſchehen ließen?“ fragte Denys. „O, es wäre ein ſchnöder Verrath, ſo viele Genter in's Verderben zu ſtürzen,“ ſeufzte der Dechant der Zwillichweber. „Artevelde würde aber auch von der Welt verſchwin⸗ den!“ entgegnete der Dechant mit ſiegreichem Lächeln. Calevoet kämpfte in ſeinem Innern mit einem Ge⸗ fühle des Abſcheues; er ſchwieg einen Augenblick und antwortete dann: „Es iſt aber ein abſcheulicher Mord, Mher Geeraert!“ Um die Lippen des Oberdechanten zeigte ſich ein Aus⸗ druck des Mitleids oder der Verachtung, und er ſagte mit Ungeduld: Jakob von Artevelde. „Ihr habt alſo nicht mehr Muth noch Verſtand, Calevoet, als jeder unſerer Geſellen? Ihr würdet für das Glück unſeres Vaterlandes nichts unternehmen wol⸗ len, als was der gemeine Mann löblich nennt? Ihr fühlt Euch nicht ſtark genug, um für die Freiheit Alles zu opfern, Leben, Anſehen und Ehre? Ihr würdet zu⸗ rückweichen vor dem, was man in den gewöhnlichen Ver⸗ hältniſſen eine Miſſethat nennt? Ihr wißt nicht, daß die Liebe zum Vaterlande Alles rechtfertigt, ſelbſt den Mord?“ Bei dieſen Worten hatte Geeraert's Antlitz einen ſolchen fremdartigen und abſcheulichen Ausdruck ange⸗ nommen, daß Calevoet erſchrocken zurückfuhr und ver⸗ wirrt antwortete: „Nein, nein! Solche Grundſätze heiße ich nicht gut! Was mich vor mir ſelbſt beſchämen kann, das thue ich nicht.“ „Kindergeſchwätz!“ ſagte Denys ſpottend.„Oho, Freund Jan, Ihr wißt es noch nicht recht. Ihr wollt einen Grund haben, um Euch vor Euch ſelbſt zu ent⸗ ſchuldigen; jetzt, wo die Leidenſchaft Euch nicht blendet, verlangt Ihr ein Mittel, um Euer furchſames Gewiſſen zu befriedigen! Wohl denn! das will ich Euch geben.“ „Furchtſam?“ murrte der Dechant der Zwillich⸗ weber zornig.„Wenn mir ein Anderer das ſagte, ſo würde er es gleich zu bereuen haben. Der Feind ſoll es bald merken, ob Jan Calevoet dem Tode in die Augen zu ſehen wagt oder nicht!“ „Ja, ja! das weiß ich lange!“ fiel ihm der Ober⸗ dechant nicht ſo mich ni klugen Eurem Bei ſeinem Zeltes S ſeinem Er iſt e der Leli Alles n Zelt ru bringen gegen d Der Ol da man ihm an durch b mit Wt Leitern dem gro Feinde verfolge mern a der Rei in volle mann Verſtand, fürdet für men wol⸗ unt? Ihr heit Alles ürdet zu⸗ ichen Ver⸗ richt, daß ſelbſt den tlitz einen uck ange⸗ und ver⸗ nicht gut! s thue ich .„Oho, Ihr wollt ſt zu ent⸗ t blendet, Gewiſſen ) geben.“ Zwillich⸗ ſagte, ſo nd ſoll es die Augen der Ober⸗ mann mit ſeinen Banden die Wälle zu erklettern ſucht. Jakob von Artevelde. 47 dechant in die Rede.„Wen giebt es in Flandern, der nicht ſolchen Muth hätte? Aber ich ſehe, weshalb Ihr mich nicht begreift. Laßt mich Euch meinen wunderbar klugen Plan enthüllen, und Ihr werdet nicht mehr mit Eurem tugendhaften Gewiſſen in Zwieſpalt ſein.“ Bei dieſen Worten ſchob er mit dem Finger hinter ſeinem Rücken den zuſammengebundenen Vorhang des Zeltes etwas zurück und ſagte: „Seht, bemerkt Ihr dort den Weinhändler, der mit ſeinem Schubkarren neben meinem Sohne Lieven ſteht? Er iſt ein Sendling des Ser Raneel, des Befehlshabers der Leligerds von Biervliet. Nun horcht! Sobald Ihr Alles wißt, werde ich nach Abrede den Mann in mein Zelt rufen und ihm ſagen, was er Ser Raneel über⸗ bringen müſſe, damit unſer entſcheidendes Unternehmen gegen den Tyrannen glücke. Es beſteht in Folgendem: Der Oberhauptmann beginnt die Wälle zu erſtürmen; da man drinnen ſeinen ganzen Plan kennt, ſo leiſtet man ihm an dieſer Stelle unbezwinglichen Widerſtand. Hier⸗ durch bis zur Raſerei aufgebracht, laufen ſeine Krieger mit Wuth gegen die Feſtung an und verſuchen es, ihre Leitern aufzurichten. Nun ſprengen einige Reiter aus dem großen Eingangsthore in das Feld; ich greife dieſe Feinde nach Artevelde's Befehl an; ſie weichen; wir verfolgen ſie und kommen auf dieſe Weiſe den Stür⸗ mern aus dem Geſicht. Mittlerweile macht der ächte Kern der Reiterei einen Ausfall aus dem Thore, und ſprengt in vollem Rennen nach der Stelle, wo der Oberhaupt⸗ 48 Jakob von Artevelde. Jeder von ihnen hat Befehl, dem Tyrannen nach dem Leben zu zielen, und ſelbſt die Anderen zu ſchonen, um ihn allein zu treffen. Man hofft, daß mit Artevelde's Tode der Sieg unfehlbar erfochten iſt. Er ſoll demge⸗ mäß heute noch fallen..... 4* „Aber was Ihr da vorhabt, iſt verderblich und un⸗ beſonnen,“ rief Calevoet;„daß man den herrſchſüchti⸗ gen Volksverführer in Stücke hacke, daß man deswegen ſelbſt einige Genter aufopfere, dagegen würde ich nichts haben; ja, ich würde ſogar, aus Liebe zu meinem betro⸗ genen Vaterlande, unbedingt die Hand dazu reichen; aber den Sieg den Leliaerds in die Hände ſpielen und vielleicht den feigen Ludwig von Nevers als Sieger in Gent einziehen ſehen, nein, niemals! Lieber ſterbe ich auf der Stelle!“ „Gut geſprochen, Freund Calevoet!“ antwortete Denys mit ſeinem falſchen Lachen.„Ich bewundere Eure Vaterlandsliebe; aber ich bitte Euch, glaubt nicht, daß dieſes edle Gefühl minder feurig in meinem Buſen weile. Doch, laßt mich fortfahren: Sobald Artevelde tödtlich getroffen iſt, giebt Muggelyn mit ſeinem Fähnlein ein Zeichen nach unſerem Zelte zu; ich laſſe hier unſern treuen Geſellen Boudin Stichel zurück, der in einem Athemzuge zu mir gelaufen kommt, um mir die glück⸗ liche Nachricht zu bringen.... Wißt Ihr, was wir dann thun? Wir laſſen den kleinen Haufen Reiterei in die Hölle fahren, wenn er will, und wenden uns plötzlich mit jauchzendem Kriegsgeſchrei nach der Feſtung; wir ſtürzen raſend auf Ser Raneel und auf ſeine Banden, Alles nie die Wall die Leliac Der Tyre rühmt un „Ha rung;„ mir ein Kriegsliſ „Al Feind ga ges ſicher die Gent Kräfte ir „Un es beabſie „Un ich habe aufgeſtell Abſicht n Sobald müßt Ihr ßen und den Stur rücht aus rer Leute in Gefahr Ihr Euch das Einz Jakob vo⸗ nach dem nen, um rtevelde's I demge⸗ und un⸗ rſchſüchti⸗ deswegen ich nichts em betro⸗ reichen; ielen und Sieger in ſterbe ich untwortete dere Eure nicht, daß iſen weile. de tödtlich hnlein ein er unſern in einem die glück⸗ wir dann rei in die 1ss plötzlich ung; wir Banden, Jakob von Artevelde. 49 Alles niederwerfend, was ſich uns entgegenſtellt, befreien die Walkmüller und die kleinen Zünfte und vernichten die Leliaerds im offenen Felde bis auf den letzten Mann. Der Tyrann iſt getödtet, die Schlacht gewonnen und man rühmt uns als Befreier des Vaterlandes!“ „Ha, ha!“ lachte Calevoet mit froher Bewunde⸗ rung;„wie man ſich täuſchen kann! Zuerſt ſchien es mir ein ſchändlicher Verrath, und es iſt die geſcheidteſte Kriegsliſt!“ „Allerdings! Wir opfern einige Leute, um den Feind ganz und gar in das Netz zu locken und des Sie⸗ ges ſicher zu ſein. Bei dieſer Gelegenheit befreien wir die Genter Gemeine von dem Unterdrücker, der ihre Kräfte in leerer Prahlerei vergeudet.“ „Und Ihr ſeid ſicher, daß es glücken werde, wie Ihr es beabſichtigt?“ „Unfehlbar! Was Cuch betrifft, Mher Calevoet, ich habe Euch mit Euren hundert Mann ganz hinten aufgeſtellt; Ihr waret damit unzufrieden, weil Ihr meine Abſicht nicht kanntet. Nun ſeht, was Ihr zu thun habt! Sobald wir gegen den verſtellten Angriff ausziehen, müßt Ihr Sorge tragen, Euch ſtets kraftvoll anzuſchlie⸗ ßen und die Glieder, die vor Euch ziehen, zu verhindern, den Sturm beobachten zu können. Sollte nun das Ge⸗ rücht aus dem Streite zu Euch dringen und einige Eu⸗ rer Leute veranlaſſen wollen, weil der Oberhauptmann in Gefahr ſei, ſich nach jener Seite zu begeben, ſo müßt Ihr Euch mit aller Gewalt dagegen ſtemmen. Das iſt das Einzige, was ich von Euch verlange. Es iſt nicht Jakob von Artevelde II. 4 50 Jakob von Artevelde. viel; Ihr thut nicht mehr, als was ich jedem Anderen dort befohlen habe.“ „Ich bedaure, Mher Denys, daß mir nicht verſtat⸗ tet iſt, mehr zu dieſem wackeren Unternehmen beizutra⸗ gen. Jedenfalls danke ich Euch, daß Ihr an mich ge⸗ dacht habt.“ Der Oberdechant ergriff eifrig Calevoet's Hand und ſagte zu ihm, während ſeine Augen ſiegreich ſtrahlten: „Morgen ſind wir Herren in Gent, Freund Jan! und dann wollen wir zeigen, was wir unter Freiheit und Volksmacht verſtehen. Wir verjagen alle unſere feigherzigen Schöffen; wir verbannen die Leligerds und die Freunde des Tyrannen aus dem Lande, und ziehen ihre Güter ein zum Beſten der Gemeine. Dann bewaff⸗ nen wir alle Genter, möͤgen ſie wollen oder nicht, und zwingen ganz Flandern, unſerem Vorbilde zu folgen. Darauf ziehen wir gegen Frankreich, und thut es Noth, ſo rufen wir England zu Hülfe.... Binnen acht Tagen ſeid Ihr vielleicht ſchon Hauptmann von St. Michiels, Mher Calevoet.“ „Wie! vielleicht?“ „Ich meine, daß es auch wohl einige Tage länger währen kann, da eine ſo gründliche Umwälzung Zeit fordert, Hauptmann von St. Michiels und Stadtſeckel⸗ meiſter, Freund Calevoet!“ „Wohl zu verſtehen, daß ich es nicht annehme, wenn Mher Geeraert Denys nicht zum Oberhauptmann ge⸗ wählt wird.“ 3 „Ich danke Euch für Eure Anhänglichkeit, Mher — Calev kennt. nem( freien brüchi ſättlic 5 an die ligerd in gan mit de und tr van S 8 7 zeugt; 2 des He landes van S Herzen wir. zu erh n Anderen cht verſtat⸗ beizutra⸗ n mich ge⸗ Hand und rahlten: reund Jan! ter Freiheit alle unſere liaerds und und ziehen ann bewaff⸗ nicht, und zu folgen. ut es Noth, acht Tagen 5t. Michiels, Tage länger älzung Zeit Stadtſeckel⸗ nehme, wenn ptmann ge⸗ hkeit, Mher Jakob von Artevelde. 51 Calevoet; ich hoffe, daß Gent mich nicht zweimal ver⸗ kennt, und ich werde zeigen, daß ein Mann mit ſtähler⸗ nem Gemüth und eiſernem Arm beſſer geeignet iſt, einer freien Gemeine zu befehlen, als ein furchtſamer Wort⸗ brüchiger, deſſen einziges Verdienſt nur in ſeiner uner⸗ ſättlichen Herrſchſucht beſteht.“ Der Dechant der Zwillichweber fuhr mit der Hand an die Stirn, wie Jemand, dem ein Gedanke aufſteigt. „CEs iſt gut, daß ich mit Euch davon rede,“ ſagte er; „wir wollen die Schöffen abſetzen und die Leligerds ver⸗ jagen; aber was fangen wir mit Ser van Steenbeeke an? Ich ſehe Euch faſt täglich mit ihm ſprechen; er ſcheint Cuer guter Freund geworden zu ſein. Wie das möglich iſt, begreife ich nicht. Er iſt doch wohl der feurigſte Le⸗ liaerd und der wärmſte Anhänger Frankreichs, den ich in ganz Flandern kenne. Sollen wir ihn verſchonen?“ „Er iſt es, der mir die Mittel verſchafft hat, mich mit dem Befehlshaber von Biervliet zu verſtändigen— und trotz dem wird der Erſte, den wir verbannen, Ser van Steenbeeke ſein.“ „Ach!“ ſagte Calevoet verwundert,„warum be⸗ zeugt Ihr ihm dann ſo große Freundſchaft?“ „Weil ich die Kraft beſitze, meine eigenen Gefühle des Haſſes und des Abſcheues zum Beſten des Vater⸗ landes zu bezwingen und zu vergeſſen, Mher Jan. Ser van Steenbeeke iſt ein Leliaerd; ich verabſcheue ihn aus Herzensgrund; aber er haßt Artevelde eben ſo feurig, wie wir. Ich ſchmeichle ihm, um ihn auf der rechten Bahn zu erhalten und ihn unterdeſſen ſelbſt zu bewachen. 4* — 52 Jakob von Artevelde. Wenn ich ihn ſehe, kocht mir das Blut; aber doch be⸗ zwinge ich mich und bin freundlich gegen ihn, weil das Beſte der Gemeine es verlangt.“ „Alſo keine Gnade für Ser van Steenbeeke?“ „Nein! Alle Schöffen müſſen fort, ſage ich Euch. Wir wollen Männer wählen, welche gleich uns muthig und wahrhaft vaterländiſch geſinnt ſind.“ „Ich muß Euch doch noch Eins fragen, ehe ich zu meinen Mannen zurückgehe. Euer Sohn ſtand dort oben bei dem Weinſchenken. Weiß Lieven Etwas von unſerem Plane?“ „Kein Wort!“ „Ich meine aber, daß Euer Sohn ſchrecklich artevel⸗ diſch geſinnt ausſieht und überall das Lob des Betrügers verkündet. Ich traue ihm nicht ſehr; Ihr müßt ihn an⸗ ders belehren und ihn zwingen, dem Volke die Augen über ſeinen wahren Vortheil zu öffnen, ſtatt daß er zum Beſten unſeres Unterdrückers zu wirken ſucht.“ Sowie Calevoet den Namen Lieven's ausgeſprochen hatte, zeigte ſich auf dem Antlitz des Oberdechanten ein Ausdruck der Ungeduld und Trauer. Seine Stimme nahm ebenfalls einen anderen Ton an; er antwortete: „Laßt mir meinen Sohn in Frieden, Freund Jan! Er weiß noch nicht, was er thut; ſeine Neigung für den Tyrannen hat eine Euch bekannte Urſache, die man ent⸗ ſchuldigen muß. Darum mag er denken, was er will. Ich wünſche ihm Zeit zu laſſen, um durch Erfahrung ſich ſelbſt zu bilden.— Uebrigens, wüßte er auch etwas von unſerem Plane, ſo würde er ihn doch nicht hindern kön⸗ nen. weit v Zelten ſein G 7 laufen, angeko dem R 5 Bande mann „U Be und ju böſen 2 Ka trat G Der W und tho Kauf a beide ve Waͤ gers au ſeinem war ſtil einige U der Kar doch be⸗ veil das 2 ch Euch. muthig e ich zu nd dort vas von artevel⸗ etrügers ihn an⸗ 2 Augen zer zum eſprochen nten ein Stimme wortete: ind Jan! für den nan ent⸗ er will. rung ſich was von dern kön⸗ Jakob von Artevelde. 53 nen. Er ſteht in der St. Jorisgilde und wird alſo nie weit von mir entfernt ſein..... Geht nun zu Euren Zelten und trefft Eure Anſtalten wohl, damit Niemand ſein Glied verlaſſe.“ „Wir haben noch Zeit. Man kann doch nicht Sturm laufen, ehe die anderen Karren mit Reisholz von Eccloo angekommen ſind. Ich wollte noch mit Euch ſprechen von dem Ribaudenkönige; es ſcheint mir....“ „Nein, nein, Freund Calevoet! Der iſt durch feſte Bande an mich geknüpft. Nun geht in Frieden, Haupt⸗ mann von St. Michiels.“ „Und ſeid Gott befohlen, Oberhauptmann von Gent.“ Beide Freunde drückten einander entzückt die Hand und jubelten bereits im Voraus über die Früchte ihres böſen Anſchlages. Kaum war der Dechant der Zwillichweber fort, ſo trat Geeraert Denys einen Augenblick vor ſein Zelt. Der Weinhändler, der es raſch bemerkte, nahte ſich ihm und that, als ob er ihm das Eine und das Andere zum Kauf anbiete. Der Oberdechant rief ihn hinein, und beide verſchwanden im Zelte. Während man ſo in dem anderen Theile des La⸗ gers auf ſeinen Tod ſann, ſtand Artevelde ruhig vor ſeinem Zelte und betrachtete die Feſtung. Sein Antlitz war ſtill und gelaſſen; allein ſein männlicher Blick zeigte einige Ungeduld, während er über das lange Ausbleiben der Karren unzufrieden war. 54 Jakob von Artevelde. Nicht weit von ihm befand ſich ein Trompeter, der ihn nie verlaſſen durfte, ſelbſt nicht mitten im ſchrecklich⸗ ſten Gefecht. Schon lange hatte Artevelde dort geſtanden und war viele Mal auf⸗ und abgeſchritten, als Ghelnoot von Lens zu ihm kam und ſagte: „Oberhauptmann! die Karren mit Reisholz ſind keine zehn Bogenſchüſſe mehr von hier.“ „Endlich!“ ſagte Jakob, mit einem Ausdruck des Vergnügens.—„Wie ſind unſere Leute, Mher von Lens?“ „Wie wahre Genter!“ lachte Ghelnoot.„Ihr wer⸗ det ſie klettern ſehen wie die Katzen und fechten wie die Löwen. Es wird einen ſchönen Staub aufwirbeln, Ober⸗ hauptmann; ich wollte, wir wären ſchon dabei!“ Artevelde drückte ſeinem Freunde die Hand und ſagte: „Immer guten Muthes, Ghelnoot, ſelbſt vor einem Sturme! Es iſt wahrlich keine geringe Sache, Biervliet mit Leitern anzugreifen, ohne Sturmböcke und Fall⸗ thürme. Wir brauchen Gottes Hülfe und ächt vlämiſchen Muth; aber weder das Eine noch das Andere ſoll uns fehlen. Heute Nachmittag muß das Neſt erobert ſein; denn der König von Frankreich iſt mit ſeinem Heere be⸗ reits in Doornick eingezogen. Wir müſſen die Hände frei haben, um den Franzoſen einmal eine tüchtige Lection geben zu können, wenn ſie wirklich die Abſicht haben, Gent anzugreifen.“ „Zweifelt Ihr denn an ihrem Kommen?“ fragte Ghelnoot gleichſam verächtlich. es geth glückt, unſere reichen. ſeinem weiß er ohne G nehmen 2 Steenb es gan in Ann „S hen, Y richt, m ſeine ei wir ob Leije u Paſſe Vaern Dechan beſetzt, unſere Laßt d quem 8 2 55 Jakob von Artevelde. „Gewiß zweifele ich daran,“ antwortete Artevelde. ter, der Ich möchte ſelbſt wetten, daß der König von Frankreich hrecklich⸗ keinen Fuß auf vlämiſchen Boden ſetzen wird. Er hätte es gethan, wäre ihm ſeine Liſt mit dem Banne ge⸗ und wal glückt, weil er hoffte, uns dadurch zu entwaffnen und von Lens unſere volle Unterwerfung binnen einigen Tagen zu er⸗ 2 reichen. Jetzt aber, da unſere Berufung an den Papſt olz ſind ſeinem hinterliſtigen Verſuche alle Kraft geraubt hat, 3 weiß er nicht mehr, was er thun ſoll, und fürchtet nicht ruck des ohne Grund, König Eduard werde die Gelegenheit wahr⸗ cher von nehmen, um in Frankreich einzufallen.“ „Aber,“ bemerkte Ghelnoot,„der Schöffe Ser van Ihr Wex⸗ Steenbeeke ſagte eben noch in meinem Beiſein, er wiſſe wie die es ganz gewiß, daß der König ſeit geſtern gegen Gent 1, Dütr⸗ in Anmarſch ſei.“ „Ser van Steenbeeke geht nicht in ehrlichen Schu⸗ nd ſagte: hen, Mher von Lens; ich weiß mehr davon. Die Nach⸗ or einem richt, welche er verbreitet, iſt ungegründet; er ſpricht nur Biervliet ſeine eigenen Wünſche darin aus. Einen Ueberfall haben nd Fall⸗ wir obendrein nicht zu fürchten; die Brücken über die lämiſchen Leije und Schelde ſind überall abgebrochen; bei dem ſoll uns Paſſe von Deynze befindet ſich der Hauptmann van bert ſein; Vaernewyck; auf der Straße von Audenaerde iſt der Heere be⸗ Dechant Willem Yvens gelagert; alle Durchzüge ſind dände frei beſetzt, und Gent ſelbſt iſt ſicher genug bewahrt durch e Lection unſere muthigen Genoſſen van Huſe und van den Hovene. ht haben, Laßt den König von Frankreich nur kommen! So be⸗ 6 quem gelangt er nicht nach Gent.“ “ fragte„Aber ſeht, Mher Jakob,“ ſprach Ghelnoot plötz⸗ 56 Jakob von Artevelde. lich, dorthin zeigend,„wie man dort oben auf der Mauer V der Feſtung Alles zuſammenbringt an der Stelle, wo wir das z0 ſtürmen müſſen! Sollten die Schelme riechen, wo wir ſo viel hinaufklettern wollen? oder iſt Verrath mit im Spiele?“. große Artevelde richtete nachdenklich ſeinen Blick auf die auf ro Feſtung und ſchien nochmals die Erſtürmung in allen Dieſe ihren möglichen Wechſelfällen zu überrechnen. Nachdem hen la er dies gethan, klopfte er Ghelnoot auf die Schulter Grabel 4 und ſagte: zu hole „Es iſt Zeit, daß wir beginnen, Freund! Geht zu men. den Karren, und wenn ſie noch nicht ganz abgeladen geldecke ſind, ſo beſchleunigt die Arbeit. Sendet mir einen Bo⸗ Stricke! ten, wenn ſie gethan iſt.“ Erſteigt Ghelnoot von Lens lief vergnügt und lachend nach Gilden dem Lager und verſchwand hinter den Zelten. Er war und nic kaum einige Augenblicke fort, ſo meldete auch ſchon ein Gilde v 1 Geſſelle dem Oberhauptmanne, Alles ſei fertig. tern, die 4„Zu den Waffen!“ rief Artevelde dem Trompeter händler zu, der in ſeiner Nähe auf ſeine Befehle wartete. zen, die 5 Dieſer ſetzte ſein Inſtrument an den Mund und ließ Gutenta 1 einige lang ausgehaltene Töne über die Ebene hallen. net, abe Aus allen Ecken des Lagers, auch in der anderen Ab⸗ ferner in theilung, wurde auf dieſelbe Weiſe geantwortet. nen Zün Unmittelbar darauf ſah man die Kämpfer in Menge Die vor den Zelten erſcheinen und ſich, ſo viel wie jetzt thun⸗ ziemlich! lich war, in Gliedern oder wenigſtens in Reihen um ihre nen Rin Standarten ſchaaren. Sie nahmen ungewöhnlich viel Kleid ger Platz ein wegen des Sturmwerkzeuges, mit dem faſt welches b Jeder beladen war. Ihr Kop er Mauer e, wo wir „wo wir Spiele?“ auf die in allen Nachdem Schulter Geht zu abgeladen inen Bo⸗ hend nach Er war ſchon ein rompeter re. und ließ e hallen. eren Ab⸗ n Menge tzt thun⸗ um ihre rlich viel dem faſt Jakob von Artevelde. 57 Voran und am Nächſten nach der Feſtung zu ſtand das zahlreiche Corps der Walkmüller, von denen Jeder ſo viel Reisholz trug, als es ſeine Kraft erlaubte. Das große Banner ihrer Gilde, zwei gekrönte goldene Karden auf rothem Felde, erhob ſich mitten aus ihren Schaaren. Dieſe Geſellen hatten ihre Gutentags bei den Zelten ſte⸗ hen laſſen, und mußten, nachdem ſie die Büſche in den Graben geworfen hatten, zurücklaufen, um ihre Waffen zu holen, und von der Seite wieder zum Sturme kom⸗ men. Hinter ihnen befanden ſich die Strohdecker, Zie⸗ geldecker und Zimmerleute mit Leitern, Sturmhaken, Stricken und Allem, was weiter nöthig war, um die Erſteigung auszuführen. Dieſen folgten die übrigen Gilden und Zünfte, in geſchloſſenen Gliedern aufgeſtellt und nicht durch Sturmwerkzeug gehindert: die ſchöne Gilde von Sanct Sebaſtian mit ihren langen Schwer⸗ tern, die Metzger mit ihren glänzenden Beilen, die Fiſch⸗ händler mit ihren geſtreiften Kollern und langen Lan⸗ zen, die Bäcker, ganz in Weiß gekleidet und den ſchweren Gutentag kraftvoll führend, die Brauer, ebenſo bewaff⸗ net, aber mit halb weißen, halb rothen Kollern, und ſo ferner in der Tiefe des Lagers der größte Theil der klei⸗ nen Zünfte von Gent. Die Ausrüſtung aller Geſellen ohne Unterſchied war ziemlich dieſelbe. Sie trugen ein P anzerhemd, aus eiſer⸗ nen Ringen gebildet, die mit Riemchen auf ein ledernes Kleid genäht waren, und darüber ein Koller von Tuch, welches bei jeder Gilde in Farbe und Schnitt anders war. Ihr Kopf war gegen die Schwerter der Reiterei durch 58 Jakob von Artevelde. einen eiſernen Sturmhut geſchützt, ſowie ihr rechter Ellen⸗ bogen durch einen kleinen runden oder dreieckigen Schild, auf welchem zwei kleinere Schilde mit den Farben von Flandern und von Gent glänzten. Ueber dieſer dicht zuſammengedrängten Heeresmacht flatterten die zahlreichen Standarten der Gilden von Gent, und noch mannichfaltiger waren die rothen Pongoenen oder Fähnlein, von denen je hundert Mann eines führten. An dem rechten Flügel des Lagers hatte man die Sturmwerkzeuge hervorgeführt. Es waren Springböͤcke und Wurfmaſchinen, aus ſchweren Balken gezimmert und gebraucht, um große Steine über die Mauern zu ſchleudern. Das wunderlichſte Werkzeug, das man hier bemerken konnte, war jedoch der berühmte Stadtbogen von Gent. Vier Pferde zogen mit Mühe dieſes ſchreck⸗ liche Werkzeug. Man konnte jedes Mal, wenn man den Rieſenbogen abſchoß, zwanzig Pfeile ſo ſchwer wie Lan⸗ zen mit einem Schuß über die Mauern einer Feſtung ſen⸗ den. Die anderen Werkzeuge, ſämmtlich auf Rädern, waren gleichfalls mit Pferden beſpannt, und ihnen folg⸗ ten Wagen, mit Steinen und Pfeilen beladen. Bei den Sturmwerkzeugen befanden ſich die weißen Kaproenen, eine Bande muthiger Geſellen, welche frei⸗ willig im Heere dienten und ihm ſtets folgten, ſelbſt wenn ihre Pflicht als Mitglieder der Gilden ſie nicht zu den Waffen rief. Als Kennzeichen trugen ſie eine Art von faltiger Filzmütze, die man eine Kaproene nannte. Neben ihnen, und ganz beſonders bei dem Sturm⸗ zeug thätig, ſah man die luſtigen Ribauden mit ihrem Könige war, ſie Sie hie auf das neben Hagel? ſtung z0 So ren übe begab e St. Se Dat gen. Laſt, lie Graben ſelbe an man in gehen ke Kal um ihre Zimmer Leitern Ein ten zuer der Leite jedoch di nen wier ſich mit laſſen, r Ellen⸗ Schild, ben von resmacht on Gent, ongoenen führten. man die ringböͤcke ezimmert auern zu man hier adtbogen s ſchreck⸗ man den wie Lan⸗ tung ſen⸗ Rädern, dnen folg⸗ die weißen elche frei⸗ en, ſelbſt ee nicht zu eine Art ie nannte. n Sturm⸗ mit ihrem Jakob von Artevelde. 59 Könige Muggelyn, ganz in Weiß gekleidet. Ihr Banner war, ſicherlich aus Scherz, von grober Sackleinwand.— Sie hielten jetzt mit Ungeduld die Pferde am Zügel, um auf das erſte Zeichen, nach des Oberhauptmanns Befehl, neben den Stürmenden vorwärts zu eilen und einen Hagel von Pfeilen und Steinen auf die Mauer der Fe⸗ ſtung zu ſenden. Sobald Artevelde mit mächtigem Blicke die Schaa⸗ ren überſehen und Alles in Bereitſchaft gefunden hatte, begab er ſich mit ſeinem Trompeter an die Spitze der St. Sebaſtiansgilde und ließ zum Sturme blaſen. Das ganze Heer bewegte ſich nun in tiefſtem Schwei⸗ gen. Obwohl faſt erliegend unter dem Gewicht ihrer Laſt, liefen die Walkmüller doch in einem Zuge nach dem Graben und warfen das Buſchwerk hinein, ſo daß der⸗ ſelbe an der angewieſenen Stelle ganz gefüllt wurde und man in ziemlicher Ausdehnung trockenen Fußes hinüber⸗ gehen konnte. Kaum hatten die Walkmüller den Graben verlaſſen, um ihre Gutentags zu holen, als die Ziegeldecker und Zimmerleute ſich dem Fuße der Mauer näherten und ihre Leitern an dieſelbe legten. Einige Mitglieder der St. Sebaſtiansgilde verſuch⸗ ten zuerſt die Mauern zu erſteigen, ehe noch die Hälfte der Leitern angelegt ſein mochte; die Belagerten ſtürzten jedoch dieſe tapferen Genter unter einer Wolke von Stei⸗ nen wieder von den Leitern hinunter, ſo daß die Letzteren ſich mit großem Verluſte gezwungen ſahen, davon abzu⸗ laſſen, bis der allgemeine Sturm beginnen würde. —— 60 Jakob von Artevelde. Nicht weit von dem Graben ließ Artevelde einen Karren umwerfen, erſtieg denſelben, um Alles überſehen zu können, und gab alsbald den Befehl, die Feſte in ih⸗ rer ganzen Breite zu berennen. Auf dieſes Zeichen ließen die Ribauden die Springböcke und den großen Stadt⸗ bogen ſpielen, ſo daß die Pfeile und Steine mit Blitzes⸗ ſchnelle durch die Luft fuhren und ſie mit einem ſchnei⸗ denden Pfeifen erfüllten. Alle Gilden eilten jetzt vor⸗ wärts und warfen ſich mit Wuth auf die Leitern, bei dem Erſteigen derſelben einander ſo dicht folgend, daß der Körper des Erſten allen Uebrigen als Bruſtwehr diente. Bei heftigem Lärm und wüthendem Kriegsge⸗ heul ſah man die verwundeten oder erſchlagenen Ge⸗ ſellen von den Leitern herabfallen und die Mauer ent⸗ lang verſtümmelt oder todt auf den Boden ſtürzen. Bereits hatten Einige den Oberwall der Feſtung er⸗ reicht; doch waren ſie eben ſo raſch von dem Feinde wie⸗ der hinabgeſchleudert worden. Wie blutig und mörde⸗ riſch die Beſtürmung auch ſein mochte, dennoch deutete Alles darauf hin, daß die Genter binnen Kurzem in ziemlicher Anzahl die Mauer erſtiegen haben würden, um den Feind dort hinreichend zu beſchäftigen, ſo daß das ganze Heer ungehindert ihnen nachfolgen und die Feſtung erklettern könnte. In dieſem Augenblicke öffnete ſich das Thor von Biervliet und die Zugbrücke wurde niedergelaſſen. Ein kleiner Haufen Reiterei ſprengte in das offene Feld und rückte gegen das Corps an, welches Geeraert Denys be⸗ fehligte. Der Oberdechant zog ihm mit ſeinen Mannen entgegen Schritt tel die; Du Mannen durch eit chen Fei Mit zweiten im Felde nem Sch Auf mit Beſt ſich nähe viel wie dieſe Be ſtürzte ſi auf ſeine Der Vläming ten, daß würde. velde ſein ab, ſtürz ſeinen zur „Ger Vläminge Dieſe und drane Jakob von Artevelde. 61 entgegen; die Reiter wichen jedoch, obwohl fechtend, Schritt für Schritt zurück und lockten durch dieſes Mit⸗ tel die Weber ziemlich weit von dem Sturmplatze fort. lde einen überſehen eſte in ih⸗ ..* Durch ſein tolles Geſchrei regte Geeraert Denys ſeine zen hihen Mannen zu raſendem Jauchzen an und entzündete da⸗ n Viadi⸗ durch eine ſolche Kampfluſt in ihnen, daß ſie den ſchwa⸗ t Blitzes⸗— b ee. chen Feind beinahe blindlings verfolgten. 1 ſchnei⸗ Mittlerweile öffnete ſich das Thor von Biervliet zum jetzt Vur⸗ zweiten Male; die ganze Reiterei der Leliaerds erſchien kern⸗ be im Felde und ſprengte mit gefälltem Speer und gehobe⸗ ünd. daſ nem Schwerte auf die ſtürmenden Genter ein. ruſtwehr Auf dem Karren, auf welchem er ſtand, ſah Artevelde Kriegsge⸗ mit Beſtürzung dieſe unerwartete Wolke von Feinden Nen Ge⸗ ſich nähern. Er ließ raſch zum Abzug blaſen und ſo auer kni⸗ 3 viel wie möglich ein ſtarkes Carré bilden; aber noch ehe naient dieſe Bewegung nach ſeinem Willen ausgeführt war, ( er ſtürzte ſich die ganze Macht der Leligerds zerſchmetternd auf ſeine Banden. 8 Der erſte Stoß war ſchrecklich; mehr als hundert Vläminger fielen ſterbend nieder, und man mußte fürch⸗ ten, daß es ſehr bald um die Stürmenden geſchehen ſein inde wie⸗ d mörde⸗ h deutete urzem in würdon, würde. In dieſem entſcheidenden Augenblicke hob Arte⸗ ſ0 daß velde ſein Schwert empor, ſprang von dem Karren her⸗ und die ab, ſtürzte ſich den Leligerds entgegen und rief kraftvoll ſeinen zurückweichenden Mannen zu: hor vun„Gent! Gent! Haltet vlämiſchen Muth! Wer ein balt din Vläminger iſt, folge mir! Vorwärts! vorwärts!“ Feld u Dieſes rufend, hieb er drei oder vier Reiter nieder, e ys e⸗„„... 0. enys be und drang dann mitten in den Feind. Durch ſein Vor⸗ Mannen — Jakob von Artevelde. bild ermuthigt, machten die Genter einen neuen Verſuch, und einem Theile derſelben glückte es, mit dem Ober⸗ hauptmanne den Feind zu durchbrechen. Die Stellung dieſer unverzagten Kämpfer wurde jedoch bald höchſt bedenklich. Es ſchien, als ob die Reiter es hauptſächlich auf Artevelde abgeſehen hatten; denn die anderen Ban⸗ den verlaſſend, umzingelten ſie plötzlich den Oberhaupt⸗ mann und hieben unter lautem Jubelgeſchrei die Män⸗ ner, welche ihn umgaben, nieder. Artevelde hatte bereits eine leichte Wunde am Kopfe erhalten, und das Blut lief ihm die Wangen hinunter. Sicherlich würde er bald der Uebermacht des Feindes er⸗ legen ſein, denn alle Speere und Schwerter waren auf ihn gerichtet; aber der mächtige Ghelnoot von Lens ſtand dort neben ihm, wie ein unbezwinglicher Rieſe, gleich⸗ ſam im Blute watend und mit ſeinem Schwerte, das er im Kreiſe ſchwang, Alles niederſchlagend, was er er⸗ reichte. Unter ſeinem kräftigen Arme flogen die Speere entzwei, wie trockene Zweige, und er zermalmte die Körper der Reiter ſelbſt unter ihren eiſernen Harniſchen. Der heldenmüthige Genter verſpottete mitten in die⸗ ſem wilden Kampfe noch die Feinde, und rief ihnen mit höhniſchen Worten zu, daß ſie ſich des Oberhauptman⸗ nes nicht bemächtigen würden. Er war ganz mit Blut bedeckt und ſchnaubte wie ein wüthender Löwe. Allein, wie wunderbar tapfer ſich auch der mann⸗ hafte Ghelnoot zeigte, er täuſchte ſich doch über den wahrſcheinlichen Ausgang dieſes ſchrecklichen Kampfes. In der That, wie der Streit ſich jetzt zeigte, konnte nichts Tode ſen d währe ebenfa ſich ſe Y immer kleinen den g hörten Donne teniere vermur wieſen res Sc unter Strafe Obend Nachtre rend E jeden 9 Lie der St ſolchen währen Sturm; konnte; liebende Verſuch, em Ober⸗ Stellung ald höͤchſt uptſächlich ren Ban⸗ berhaupt⸗ die Män⸗ am Kopfe hinunter. eindes er⸗ vwaren auf kens ſtand ſe, gleich⸗ erte, das as er er⸗ lie Speere almte die darniſchen. n in die⸗ ihnen mit auptman⸗ mit Blut e. er mann⸗ über den Kampfes. e, konnte Jakob von Artevelde. 63 nichts weder den Oberhauptmann noch ihn vom gewiſſen Tode erretten. Sie waren auf allen Seiten eingeſchloſ⸗ ſen durch eine undurchdringliche Schaar von Feinden, während die überraſchten Genter auf anderen Stellen ebenfalls gedrängt wurden und Mühe genug hatten, ſich ſelbſt in der Verwirrung zu vertheidigen. Mittlerweile hielt Geeraert Denys ſeinen Trupp noch immer damit beſchäftigt, ein Scheingefecht gegen den kleinen Haufen Reiter zu führen. Seine Krieger hatten den großen Ausfall der Leliaerds wohl bemerkt und hörten jetzt das entſetzliche Kriegsgeſchrei gleich fernem Donner durch die Luft zu ihnen dringen. Viele Cen⸗ teniere und Conſtabel begannen Argwohn zu hegen und vermutheten mit Recht, daß der Angriff, den ſie zurück⸗ wieſen, nur eine Kriegsliſt ſei, um die Stürmenden ih⸗ res Schutzes zu berauben. Ein gleiches Gefühl herrſchte unter den Geſellen; doch wagten ſie, da beſchimpfende Strafe darauf ſtand, nicht ihre Glieder zu verlaſſen. Obendrein trieb der Dechant der Zwillichweber, der den Nachtrab führte, die Streitenden immer vorwärts, wäh⸗ rend Geeraert Denys durch ſein unaufhörliches Geſchrei jeden Rath und jede Bemerkung unmöglich machte. Lieven Denys befand ſich am Ende der dritten Schaar der St. Jorisgilde. Seine Haltung war ſeltſam unter ſolchen Verhältniſſen; er war bleich und zitterte ſichtbar, während er fortwährend die Augen nach der Seite des Sturmplatzes gerichtet hielt, obwohl er dieſen nicht ſehen konnte; nicht für ſich hegte er ſolche Furcht; in ſeinem liebenden Herzen ſprach eine geheime Stimme, welche 64 Jakob von Artevelde. ihm ſagte, daß Artevelde in Lebensgefahr ſchwebe und vielleicht ſchon zerſchmettert unter den Hufen der Pferde da liege. Dieſer Gedanke bereitete ihm furchtbare Qua⸗ len. Das Bild ſeiner angebeteten Veerle und die blutige Leiche ihres Vaters zeigten ſich wechſelsweiſe vor ſeinen inneren Blicken, und von dieſen gräßlichen Erſcheinungen erfüllt ſchritt er in dumpfer Selbſtvergeſſenheit vorwärts, ohne auf das zu achten, was ſich rings um ihn her ereignete. In dieſem Augenblicke nahte ſich der Trupp einer Art von aufgeworfenem Deich, vor welchem ſich ein ſchmaler Graben hinzog. Der junge Lieven, deſſen Höhe gewah⸗ rend, ließ ſich plötzlich von ſeiner Angſt fortreißen und lief bis an die Hüften in das Waſſer, um den Deich zu erſteigen. Als er ihn erklommen hatte, warf er einen Blick auf den Sturmplatz und ſah die Reiterei in vollem Gefecht mit Artevelde's Truppen. Der Anblick der flüch⸗ tenden Vläminger bewies ihm, daß der Feind die Ober⸗ hand hatte. Allein ſeiner grenzenloſen Liebe für den weiſen Mann Gehör gebend, ſtieß er einen ſchneidenden Schrei aus und rannte dann in vollem Laufe durch das Waſſer zu der Standarte von St. Joris zurück. Haſtig ſah er ſich nach ſeinem Vater um; da er aber dieſen nicht raſch genug gewahrte, ſo riß er dem Bannerträger die Standarte aus den Händen, eilte mit derſelben vorwärts und rief nun mit voller Kraft: „Mannen, Mannen! vorwärts! Folgt mir! Man ermordet den Oberhauptmann! Unſere Brüder! unſere Brüder! raſch! raſch!“ All Lieven's und All Als fehlen n ſei, ſein Kräfte a gelang il aus der platze, al Die Oberdech ſpringen. ſie zu gl ſehens au hinten ar Gutentag zerſchlugen Boden. das Gefec laufenden Feind mit immer en⸗ zuſammen ſtehlich ber zwei vläm ſich einen fechtend vo Blaufärber Jakob von vebe und er Pferde re Qua⸗ ie blutige dor ſeinen heinungen vorwärts, ereignete. einer Art ſchmaler ee gewah⸗ ißen und Deich zu er einen in vollem der flüch⸗ die Ober⸗ ſen Mann i aus und er zu der rſich nach ſch genug Standarte und rief nir! Man er! unſere Jakob von Artevelde. 65 Alle Schaaren und ſelbſt die Anführer jauchzten Lieven's That vollen Beifall zu; Jeder wandte ſich um, und Alle folgten ihm in vollem Laufe. Als Geeraert Denys bemerkte, daß man ſeinen Be⸗ fehlen nicht gehorche, und es ihm unmöglich geworden ſei, ſein Heer zurückzuhalten, ſtrengte er ſelbſt alle ſeine Kräfte an, um der St. Jorisgilde zuvorzukommen. Dies gelang ihm auch. Er nahm ſeinem Sohne die Standarte aus der Hand und lief mit derſelben nach dem Sturm⸗ platze, als ob er ſich beeile, Artevelde Beiſtand zu leiſten. Die Genter bedurften übrigens der Ermuthigung des Oberdechanten nicht, um ihren Brüdern hülfreich beizu⸗ ſpringen.— Wie ein losbrechendes Ungewitter ſtürzten ſie zu gleicher Zeit mit raſendem Rachegeheul unver⸗ ſehens auf die feindliche Reiterei, und da ſie dieſelbe von hinten anfielen, und nach ihrer Gewohnheit mit den Gutentags oder den Schwertern den Pferden die Beine zerſchlugen, ſo fiel von jedem ihrer Hiebe ein Reiter zu Boden. In weniger als einem Augenblicke änderte ſich das Gefecht in ein gräßliches Schlachten um; die Sturm⸗ laufenden, jetzt durch ihre Brüder befreit, griffen den Feind mit erneuter Wuth an, und dieſer, in einen ſich immer enger ziehenden Kreis eingeſchloſſen, ward erſt zuſammengedrängt und dann von allen Seiten unwider⸗ ſtehlich bekämpft. Während derſelben Zeit hatten noch zwei vlämiſche Helden, queer durch die Pferde hindurch, ſich einen Weg zu Artevelde gebahnt, und ſtanden dort fechtend vor ihm. Dies waren Lieven Denys und der Blaufärber Lieven Comyne, welche ihn vorn beſchützten, Jakob von Artevelde. II. 5 * Jakob von Artevelde. während Ghelnoot und ſeine Genoſſen von der Seite und hinten, die letzten Anſtrengungen des verzweifelteñ Feindes vereitelten. Gleich darauf bohrten ſich Lieven Comyne und der junge Denys mit anderen tapferen Ge⸗ ſellen durch die Reiterſchaar, welche Artevelde noch um⸗ zingelt hielt, befreiten den Oberhauptmann und führten ihn mitten in das vlämiſche Heer. Artevelde erkletterte raſch einen Haufen todter Pferde, hielt das Schwert in die Höhe, ſo daß das ganze Heer ihn ſah, und rief mit begeiſterter Stimme: „Heil Gent! Heil Gent! Unſer iſt der Sieg! Haltet vlämiſchen Muth!“ Eben ſo raſch ſprang er wieder von den Pferden hinunter; während ein unbeſchreiblicher Jubel ſeinen Worten folgte, ſagte er etwas zu Ghelnoot und zog ſich dann einige Schritte hinter den Kampfplatz zurück. Hier ſammelte er ſchnell eine ſtarke Schaar und eilte mit der⸗ ſelben von dem Schlachtfelde fort. Die Reiter, welche dieſe Bewegung merkten, glaub⸗ ten, es ſeien Flüchtlinge, und ſchöpften neuen Muth. Als ſie aber ſahen, daß der Oberhauptmann mit ſeiner Schaar nicht weit von dem Stadtthore Halt machte und dort ein Viereck bildete, bemächtigte ſich ihrer große Furcht. Für ſie gab es jetzt keine Rettung mehr; Flucht war eben ſo unmöglich, wie der Sieg, ſeit ihnen der Zugang zu der Brücke von Biervliet abgeſchnitten war. Dieſes glückliche Manoͤver von Seiten Artevelde's beſchleunigte ſichtbar die Entſcheidung der Schlacht. Die Griffe der Schwerter wurden allmählig hier und dort in die Gnade Uebrige ſchrei f Vlämit Ar! jubelnde war Ge velde fr Freude: J hauptme O war Zeit Ihr dem „M wortete Reiterei verfolgte, deckte me eilten wi „Die Denys!“ „der beſt Der ſchem Bli heit umſp „Du murmelte der Seite rzweifelten ſich Lieven pferen Ge⸗ noch um⸗ nd führten dter Pferde, ganze Heer ieg! Haltet en Pferden ubel ſeinen und zog ſich nrück. Hier lte mit der⸗ ten, glaub⸗ uen Muth. mit ſeiner machte und ihrer große ehr; Flucht t ihnen der nitten war. Artevelde's hlacht. Die r und dort Jakob von Artevelde. 67 in die Höhe gehoben, und die Leliaerds begannen um Gnade zu flehen. Bald nachher gaben ſich auch die Uebrigen gefangen, und auf das donnernde Kampfge⸗ ſchrei folgte jetzt der ungemiſchte Siegesruf der frohen Vläminger. Artevelde verließ die Brücke und näherte ſich dem jubelnden Heere. Der erſte, der ihm hier entgegenkam, war Geeraert Denys; der Oberdechant drückte Arte⸗ velde freundlich die Hand und ſprach mit erheuchelter Freude: „Ich wünſche Euch Glück zu dem Siege, Ober⸗ hauptmann!“ „O, Mher Denys!“ ſagte der weiſe Mann,„es war Zeit, daß Ihr zu unſerer Befreiung kamt; wo bliebt Ihr denn ſo lange?“ „Man hatte mich getäuſcht, ich bekenne es!“ ant⸗ wortete Geeraert demüthig;„man hatte ein Corps Reiterei gegen mich abgeſandt, und während ich dies verfolgte, überſtel man Euch. Glücklicher Weiſe ent⸗ deckte mein Sohn Lieven die Kriegsliſt; außer Athem eilten wir hieher und vernichteten raſch den Feind.“ „Dieſer Misgriff darf Euch nicht betrüben, Mher Denys!“ ſagte Artevelde, nach dem Schlachtfelde gehend; „der beſte Feldherr iſt der Täuſchung ausgeſetzt.“ Der Oberdechant ſah dem Oberhauptmann mit fal⸗ ſchem Blicke nach, und ein Lächeln mordſüchtiger Bos⸗ heit umſpielte ſeine Lippen. „Du ſollſt meiner Rache doch nicht entgehen!“ murmelte er heimlich. —— —. ——4—— 68 Jakob von Artevelde. In dieſem Augenblicke kam ſein Sohn Lieven zu ihm geeilt und umarmte ihn feurig. Der Oberdechant gab ihm ſeinen Kuß zurück und ſagte: „Lieven! Lieven! Du haſt Dich eines ſchweren Ver⸗ gehens ſchuldig gemacht, und ich ſollte Dich wenigſtens acht Tage mit den Schandeiſen an den Händen vor mei⸗ uem Zelte ſtehen laſſen; dennoch vergebe ich Dir wegen des guten Erfolges Deiner Vermeſſenheit; laß es aber nicht wieder geſchehen, denn ſonſt ſehe ich mich genöthigt, Dich auf immer aus der St. Jorisgilde zu verbannen.“ „Ach, Vater!“ rief Lieven Denys, mit vor Trotz funkelnden Blicken;„ich habe den Oberhauptmann und vielleicht das Vaterland gerettet. Schandeiſen an den Händen! Aber ich würde heute lachend ſterbend; ich bin jung, Vater, und kann noch nicht viel leiſten; allein den Befreier von Gent, den weiſen Mann, gerettet zu haben, iſt eine That, welche in meinem Leben Epoche macht!“ „So, ſo!“ ſagte Geeraert, mit unterdrückter Wuth, „es ſcheint, daß der Uebermuth Dich berauſcht hat. Wer Dich ſo ſähe, ſollte wahrlich glauben, Du hätteſt die Welt umgekehrt.“ Er bemerkte nun, daß dieſer Scherz ſeinen Sohn tief ſchmerzte, gab ihm daher die Hand, und fuhr fort: „Du haſt Dich jedenfalls heldenmüthig betragen, das geſtehe ich Dir gern zu. Begieb Dich nur nach Dei⸗ nem Zelte und reinige Dich von dem Blute. Ich muß jetzt für die Verwundeten ſorgen. Halte Dich ruhig, Lieven, und rühme Deine That nicht zu ſehr; es würde Dir nachtheilig ſein.“ Br begab ter dan Freund und ſie mit ihre Ung Fleiſcher und inn ligerds, Pfähle! Arte dem heft blutend, ſeine Ge⸗ deten zu mes Aug die Gilde hatte. 6. ſich zu YD ließ ſich Arzt hiel ſie würde Der um Arter ſchon erſt⸗ ganz beſo⸗ ſtanden au beſſer unte Jakob von Artevelde. 69 Lieven zu Bei dieſen Worten ließ er ſeinen Sohn ſtehen und verdechant begab ſich auf das Schlachtfeld, wo die meiſten Gen⸗ ter damit beſchäftigt waren, die Verwundeten, ſowohl eren Ver⸗ Freunde wie Feinde, unter den Pferden hervorzuziehen venigſtens und ſie nach dem Orte zu bringen, wo die Wundärzte vor mei⸗ mit ihren Gehülfen ſich befanden. dir wegen Ungefähr hundert Schritte weit davon ſtanden die ß es aber Fleiſcher und Bäcker in einem großen Viereck aufgeſtellt, genöthigt, und innerhalb deſſelben befanden ſich die gefangenen Le⸗ bannen.“ ligerds, deren Pferde, von den Sattlern bewacht, an die vor Trotz Pfähle der Zelte gebunden waren. nann und n an den d; ich bin allein den zu haben, Artevelde, obwohl auf das Aeußerſte ermüdet von dem heftigen Kampfe, und aus einer Wunde am Kopfe blutend, ging von einem Orte zum andern, um durch ſeine Gegenwart Jeden zu ermuthigen und die Verwun⸗ deten zu tröſten. Zu gleicher Zeit hatte er ein wachſa⸗ macht!“ mes Auge auf die Feſtung und das Thor, vor das er ter Wuth, die Gilde der Küfer und Weinmeſſer als Wache geſandt hat. Wer hatte. Erſt nachdem alles dies beſorgt war, begab er hätteſt die ſich zu Meiſter Spelligerde, dem Stadtchirurgus, und ließ ſich das Haupt unterſuchen und verbinden. Der nen Sohn Arzt hielt die Wunde nicht für gefährlich und meinte, fuhr fort: ſte würde binnen wenigen Tagen von ſelbſt heilen. betragen, Der Chirurgus hatte kaum einen kleinen Verband nach Dei⸗ um Artevelde's Kopf befeſtigt, ſo kehrte derſelbe auch Ich muß ſchon erſtaunt nach dem Schlachtfelde zurück, wo ſich eine ich ruhig, ganz beſondere Bewegung bemerken ließ. Alle Genter es würde ſtanden auf oder ſtiegen auf die gefallenen Pferde, um beſſer unterſcheiden zu können, wer dort in der Ferne 70 Jakob von Artevelde. auf der Straße nach Gent in vollem Rennen her⸗ ankam. Ehe noch Jemand dem Oberhauptmann melden konnte, was ſo die allgemeine Neugier wecke, erſchie⸗ nen zwei Reiter auf dem Schlachtfelde. Es waren dies Meiſter Auguſtyn, der Stadtſchreiber von Gent, beglei⸗ tet von einem königlichen Boten, den man augenblicklich als ſolchen an ſeinem Wappenzeichen und ſeinem Stabe erkannte. Meiſter Auguſtyn ſprengte mit frohem Antlitz voraus und rief den Gentern zu: „Der Oberhauptmann! der Oberhauptmann!“ Man wies ihn nach dem Zelte, wo Artevelde bei dem Meiſter Spelliaerde ſtand; aber eben ſo raſch um⸗ ringte man den Stadtſchreiber von allen Seiten und fragte ihn, was er Neues bringe? „Friede! Friede! Geſellen!“ ſchrie er eifrig;„Gent hat geſiegt! Heil, Heil dem freien Gent!“ Als man nun ſein Pferd bei dem Zügel faßte, um mehr zu erfahren, ſagte er: „Laßt los! der Oberhauptmann wird es Euch gleich ſelbſt verkündigen. Seid indeſſen froh und heiter, denn es iſt eine gute Nachricht.“ Man machte ihm nun Platz, und er ritt mit dem Herolde zu Artevelde, der ihm bereits einige Schritte weit entgegengekommen war. Meiſter Auguſtyn konnte noch nicht zehn Worte zu dem Oberhauptmann geſagt haben, als dieſer ſchon ſeinem Trompeter ein Zeichen gab, den Kriegsrath und die Dechanten zuſammenzu⸗ rufen, und mit den beiden Reitern ſich nach ſeinem Zelte begab, Gilden augen! M Schlac heurer und de Nachrie ſich ein der Kö von Fr Arbeit dann a⸗ nen la reichs 2 gen lec bis ihn macht n En Oberha aus der wurde a gerungs peter bli ner der alle Gef und Hu⸗ velde.. Wached nen her⸗ mmelden „erſchie⸗ aren dies , beglei⸗ enblicklich em Stabe m Antlitz lann!“ evelde bei raſch um⸗ eiten und g;„Gent aßte, um (zuch gleich ter, denn mit dem Schritte yn konnte un geſagt n Zeichen immenzu⸗ nem Zelte Jakob von Artevelde. 71 begab, wohin ſich die Schöffen und die Dechanten der Gilden auf die erſten Klänge der Trompeten ebenfalls augenblicklich verfügten. Mittlerweile liefen die Genter haufenweiſe auf dem Schlachtfelde zuſammen und unterhielten ſich mit unge⸗ heurer Neugier über die Ankunft des Meiſter Auguſtyn und des Heroldes. Jeder wollte rathen, welcher Art die Nachricht ſein möchte; aber ſo viel ſie auch ſuchten und ſich einbildeten, es lief immer auf den Gedanken hinaus, der König von England müſſe Frieden mit dem Könige von Frankreich geſchloſſen haben. Dieſes ſicherte wohl die Arbeit und die Nahrung in Flandern; aber was wurde dann aus der Freiheit? Sollten die Genter ſich entwaff⸗ nen laſſen und ſich wieder, wie früher, vor Frank⸗ reichs Willkür beugen? Dieſe und mehrere andere Fra⸗ gen legten ſie einander vor, während ſie warteten, bis ihnen der eigentliche Stand der Dinge bekannt ge⸗ macht würde. Endlich nach einer langen Viertelſtunde ſahen ſie den Oberhauptmann mit den Schöffen und den Dechanten aus dem Zelte treten. Das große Banner von Gent wurde auf dem Schlachtfelde aufgepflanzt und ein Bela⸗ gerungswerkzeug daneben aufgeſtellt. Artevelde's Trom⸗ peter blies zur Verſammlung. Die Standarten und Ban⸗ ner der Gilden ſtellten ſich in Schlachtordnung auf, und alle Geſellen bildeten, nach Anweiſung ihrer Dechanten und Hundertmänner, geſchloſſene Glieder ringsum Arte⸗ velde. Den Küfern ward der Befehl zugefertigt, ihre Wache vor dem Thore nicht zu verlaſſen. Jakob von Artevelde. Sobald Stille herrſchte, beſtieg Artevelde das Be⸗ lagerungswerkzeug; er hielt ein Pergament mit großen Siegeln in der Hand und gab dem Heere ein Zeichen, daß er reden wolle. Während Freude und Stolz aus ſeinen Blicken ſtrahlten, wies er mit dem Finger auf das Pergament und ſagte: „O, Geſellen! Ehre ſei dem tapferen Gent! Seht, was ich hier in der Hand halte, iſt nicht allein der Friede; es iſt die Anerkennung des unabhängigen Flan⸗ derns, der Sieg der Volksfreiheit über Unterdrückung und ſchnöde Liſt, die Niederlage des Fremdlings, der ruhmvolle Triumph unſerer Vaterſtadt!— Hört, unter welchen Bedingungen der König von Frankreich uns Frieden anbietet! Jubelt in Eurem Herzen, denn unſere Feinde weichen vor Eurem Heldenmuthe! Hört, es iſt ein Friedensantrag, den Frankreich ſelbſt Euch macht! „Erſtens, die Vläminger ſollen Handel treiben dür⸗ fen mit Kaufleuten jeder Nation; die fremden Kaufleute dürfen in Flandern mit ihren Familien ungeſtört und frei wohnen. „Zweitens, die Vläminger dürfen Handelsverträge abſchließen mit England und allen anderen Völkern, wie es ihnen gut dünkt. „Drittens, der König von Frankreich ſoll nie ge⸗ ſtatten, daß ſein Heer den fremden Boden betrete, noch ſollen die Vläminger des Königs bewaffnete Feinde in großer Anzahl in ihrem Lande empfangen. „Viertens, die Vläminger ſollen nie gezwungen werden können, die Waffen zu ergreifen, als nur, um 8 ihr eig tralitäͤ „ Frieder Krieg miſchen „2 Frankr bereits in Gen Wer ha lipp von So ſoll Zweifel werfen, alſo, F ein una mittelun Wir bel beſchützen dens, am Fürſt Lu minger z ſeinen W innig daß geſchenkt gewonnen digen wiſß Handel, 2 das Be⸗ nit großen n Zeichen, Stolz aus er auf das nt! Seht, allein der gen Flan⸗ rdrückung ings, der rt, unter rreich uns unn unſere rt, es iſt ch macht! iben dür⸗ Kaufleute ſtört und sverträge kern, wie lnie ge⸗ ete, noch Feinde in zwungen nur, um Jakob von Artevelde. ihr eigenes Grundgebiet zu vertheidigen und deſſen Neu⸗ tralität aufrecht zu erhalten. „Fünftens, wenn der König von England dieſen Frieden annimmt, ſoll er ſich verbindlich machen, nie Krieg in Flandern zu führen und ſeine Länder dem vlä⸗ miſchen Handel öffnen. „Dies ſind, Genoſſen! die Grundbedingungen von Frankreichs Vorſchlage; der Graf von Flandern hat ſie bereits angenommen und wird kommen und Hof halten in Gent, wenn wir ebenfalls damit übereinſtimmen. Wer hat aber dieſe Bedingungen gemacht? Iſt es Phi⸗ lipp von Valois, oder das freie Gent, das geſagt hat: So ſoll es ſein, und anders nicht! Hier bleibt kein Zweifel über unſern Beſchluß; wir können nicht ver⸗ werfen, was wir ſelbſt aufgeſtellt haben. Wir werden alſo, Freunde! von unſerem Feinde ſelbſt anerkannt als ein unabhängiges Volk, das ohne irgend eine Ver⸗ mittelung mit allen Nationen Bündniſſe ſchließen darf. Wir behalten unſere Waffen, um unſeren Boden zu beſchützen, und auch die geringſte Verletzung dieſes Frie⸗ dens, an wem es immer ſein möge, zu rächen. Unſer Fürſt Ludwig zeigt ſich bereit, die Liebe der freien Vlä⸗ minger zu gewinnen, und wird binnen wenigen Tagen ſeinen Wohnſitz unter den Gentern nehmen. Gott ſei innig dafür gedankt, daß er uns dieſen ſchönen Sieg geſchenkt hat! Wir haben unſere alte Freiheit wieder gewonnen; wir werden ſie zu bewahren und zu verthei⸗ digen wiſſen. Uns naht jetzt, Genoſſen, die Arbeit, der Handel, der Reichthum, der Friede! Gent wird unter 74 Jakob von Artevelde. den Städten ſtrahlen, wie eine prächtige Sonne; und wenn man von Freiheit und von Volksmacht ſpricht, wird man ehrfurchtsvoll auf unſere Vaterſtadt zeigen, als auf den Ort, wo vlämiſcher Löwenmuth und ächte Volksmacht weilt..... Heil Gent! Freiheit und Nah⸗ rung! Flandern den Löwen!“ Mit dieſem Rufe endete Artevelde ſeine Rede. Ein verwirrtes Jauchzen, ein ungeheures Siegsgeſchrei ſtieg aus dem Lager gen Himmel empor. Man ſprang vor Freude; man umarmte ſich einander; man vergoß Thrä⸗ nen der Rührung; denn jeder begriff die Bedeutung die⸗ ſes Friedens, durch welchen Frankreich ſeine übermüthi⸗ gen Forderungen fahren ließ, und der Graf von Flan⸗ dern zu Allem, was die Genter gethan hatten, ſeine volle Zuſtimmung gab. Sie waren alſo mehr als je frei, und obendrein durch die Macht, Bündniſſe zu ſchließen, ganz von Frankreichs nachtheiligem Einfluſſe erlöſt. Das Jubeln würde noch lange kein Ende gefunden haben, hätte der Trompeter nicht wieder geblaſen, um die Aufmerkſamkeit des Heeres zu wecken. Sobald die Stille wieder hergeſtellt war, erſchien Auguſtyn auf dem Sturmbocke, und rief dem Lager zu: „Von wegen der Obrigkeit der Stadt Gent! Ge⸗ ſellen, es muß heute ein fröhlicher Tag ſein, um unſe⸗ ren Sieg und die Rückkehr unſeres Grafen zu feiern. Die Hundertmänner ſollen ſogleich zu den Wagen ge⸗ rufen werden, um Wein zu empfangen. Jeder Geſelle erhält eine doppelte Maaß nebſt zwei Tagen Sold als Friedensgeſchenk. Des Königs Bote begiebt ſich nach der Feſtung das The von Bi kommen fen. W und was fiehlt, d ſtoß ſich dem Lag den Zelt Wunſche terlande Mit lief das⸗ und Jeder Gilde gel onne; und ht ſpricht, adt zeigen, und ächte und Nah⸗ Rede. Ein ſchrei ſtieg prang vor goß Thrä⸗ utung die⸗ bermüthi⸗ von Flan⸗ tten, ſeine als je frei, ſchließen, rlöſt. gefunden laſen, um Sobald die n auf dem ent! Ge⸗ um unſe⸗ zu feiern. Vagen ge⸗ der Geſelle Sold als ch nach der Jakob von Artevelde. Feſtung, um dort den Waffenſtillſtand auszurufen und das Thor öffnen zu laſſen. Die unbewaffneten Bürger von Biervliet dürfen ungehindert nach unſerem Lager kommen und daſſelbe verlaſſen, dort kaufen und verkau⸗ fen. Wir inzwiſchen ſetzen keinen Fuß über die Brücke, und was auch geſchehen möge, der Oberhauptmann be⸗ fiehlt, daß derjenige, welcher bei dem erſten Trompeten⸗ ſtoß ſich nicht dort ſtellt, wohin er gerufen wird, aus dem Lager entfernt werden ſoll. Jeder kehre nun nach den Zelten ſeiner Gilde zurück, und trinke zufolge des Wunſches der Obrigkeit von Gent, dem ſiegreichen Va⸗ terlande zu Chren!“ Mit noch gewaltigerem und lauterem Jubelgeſchrei lief das Heer wie ein verwirrter Schwarm auseinander, und Jeder begab ſich jauchzend nach dem Platze, wo ſeine Gilde gelagert war. Jakob von Artevelde. VI. Einige Tage nach dem Treffen von Biervliet begab ſich der Oberſchöffe, Maes van Vaernewyck, nach Brügge, von wo er den Grafen in das Gentiſche Lager brachte. Unter dem Klang der Trompeten und dem Singen von Freudenliedern zogen die vlämiſchen Schaaren, mit dem Grafen von Flandern an der Spitze, in Gent ein, deſſen Bewohner ihren Fürſten voll Eifer und mit ungewöhn⸗ licher Pracht empfingen. Vor dem Hochhauſe auf dem Freitagsmarkte ſchwur Ludwig von Neuem, die Freihei⸗ ten des Genter Volkes zu ehren, und die Gemeine legte gleichfalls in ſeine Hände den Eid der Treue und des Gehorſams ab. Der Graf, mit ſeinem Gefolge von Rittern und Rathsherren, ſchlug ſeinen Hof im Gravenſteen auf. Während der erſten Tage war die Freude der Gen⸗ ter über den glücklichen Ausgang ihrer Beſtrebungen ſehr groß. Sie hatten ſich jetzt mit ihrem Fürſten ver⸗ ſöhnt; Friede, Handel, Gewerbfleiß und Gedeihen ver⸗ breiteten Leben und Wohlſtand in ihrer Stadt; die Ge⸗ meine hatte ihre frühere Macht wieder gewonnen; ſie blieb gewaffnet gegen jeden Angriff, und die Zukunft verſprach dem Vaterlande Ruhm und Größe. Dem weiſen Rathe, dem Heldenmuthe Artevelde's verdankte man dies Alles; auch kannte jetzt die Dankbar⸗ keit der Genter für ihren Oberhauptmann keine Gränzen mehr; Höhe, hen mit Scharfſi Macht u Monate lung her Mitt Denys n wirkt, u Artevelde gen ihn; Verſtand keit. Wo zufriedenh war auger helfer bei anzuſchüre nungen zu findungen irgend Jer So bil eine Partei Partei, zuſ ſtrebendſten ken beſeelte ſtimmten, e ſchaftlich A Dieſe 9 begab ſich ch Brügge, ger brachte. Singen von i, mit dem ein, deſſen ungewöhn⸗ ſe auf dem die Freihei⸗ meine legte ne und des kittern und teen auf. de der Gen⸗ eſtrebungen kürſten ver⸗ deihen ver⸗ dt; die Ge⸗ vonnen; ſie die Zukunft Artevelde's ie Dankbar⸗ ne Gränzen Jakob von Artevelde. mehr; wo er ſich nur zeigte, ſtieg ein lauter Jubel in die Höhe, und man verbeugte ſich bei ſeinem Vorüberge⸗ hen mit tiefgefühlter Ehrfurcht vor dem Manne, deſſen Scharffinn wie durch einen Zauberſchlag Reichthum, Macht und Freiheit dort hervorgerufen hatte, wo einige Monate früher Hungersnoth, Sklaverei und Verzweif⸗ lung herrſchten. Mittlerweile war jedoch der misgünſtige Geeraert Denys wachſam geblieben und hatte im Dunkeln ge⸗ wirkt, um durch allerlei Mittel viele Perſonen gegen Artevelde aufzureizen, oder ſie zur Widerſetzlichkeit ge⸗ gen ihn zu beſtimmen. Haß und Neid ſchärften ſeinen Verſtand und begabten ihn mit einer raſtloſen Thätig⸗ keit. Wo irgend ein Genter ein einziges Wort der Un⸗ zufriedenheit über den Gang der Sachen fallen ließ, da war augenblicklich Denys ſelbſt oder einer ſeiner Helfers⸗ helfer bei der Hand, um mit hölliſcher Liſt das Feuer anzuſchüren, Leidenſchaften zu erregen, ehrgeizige Hoff⸗ nungen zu nähren, und Artevelde durch ſchändliche Er⸗ findungen alles deſſen zu bezüchtigen, was als ſchlecht irgend Jemandes Mißvergnügen erregt hatte. So bildete ſich im tiefſten Dunkel heimlicher Bosheit eine Partei gegen den großen Bürger von Gent, eine Partei, zuſammengeſetzt aus Menſchen, welche die wider⸗ ſtrebendſten Leidenſchaften und die feindſeligſten Gedan⸗ ken beſeelten, die aber in dieſem Augenblicke überein⸗ ſtimmten, einander den Judaskuß zu geben, um gemein⸗ ſchaftlich Artevelde's Sturz herbeizuführen. Dieſe Neider und Feinde des weiſen Mannes be⸗ 78 Jakob von Artevelde. griffen wohl, daß ihre feigen Anſchläge ihnen für's erſte in Gent nicht glücken würden; eine einzige Hoffnung blieb ihnen übrig, die Ausführung ſeiner großen Pläne zu hindern und vielleicht noch alle Früchte ſeines Sieges zu vernichten; ſie wußten nämlich, daß einige Städte von Weſtflandern auf den Grafen erbittert waren, ſowohl wegen des Friedens ſelbſt, als wegen der Aufrechthal⸗ tung gewiſſer Vorrechte, die er aus den böſen Frei⸗ heiten(kwade vryheden) für ſich behalten hatte. Die⸗ ſes Mißvergnügen benutzend, ſandten ſie Leute aus, um das Volk der Städte von Weſtflandern zum Widerſtande zu reizen, und verbreiteten dabei allerlei ſchändliche Ge⸗ rüchte über die angebliche Falſchheit und die meineidigen Abſichten des Grafen. Zu gleicher Zeit verſäumten ſie nicht, durch heimliche Mittel den Fürſten glauben zu machen, Artevelde ſei an Allem Schuld, ſo daß ſie mit dieſer doppelten Waffe ſicher wähnten ihr Ziel zu errei⸗ chen und dem Einfluſſe des weiſen Mannes merklichen Abbruch zu thun. Wirklich erfuhr man auch bald darauf, daß viele Städte Weſtflanderns es verweigerten, ſich mit dem Grafen zu verſöhnen und den Frieden anzunehmen. In einigen Gemeinen war ſogar die Widerſetzlichkeit ſo hoch geſtiegen, daß man einen verderblichen Bürgerkrieg zu fürchten begann, um ſo mehr, als ein Theil von Weſtflandern drohte, ſich auf Gent zu werfen. Artevelde täuſchte ſich nicht über die echte Quelle, aus der dieſes Uebel entſprang; er ſah deutlich, daß die Feinde ſeiner Politik ſich der Sendlinge des Königs von Frank Zahl Zwiſtig trauen ringen der Gr damit ſchaft n Als und De erreichte binnen annahm auch inn abhängig Der Scharfſit nie verga behalten, Während dem Gra Oberherr heit, übe und feſtz auf den e ſolle, wen eines ſolch die ſich di zuſammen für's erſte 2 Hoffnung oßen Pläne es Sieges Städte von en, ſowohl Aufrechthal⸗ ſen Frei⸗ hatte. Die⸗ te aus, um Widerſtande ndliche Ge⸗ meineidigen ſäumten ſie glauben zu daß ſie mit eel zu errei⸗ Bmerklichen „daß viele h mit dem nzunehmen. etzlichkeit ſo Bürgerkrieg Theil von t. hte Quelle, ich, daß die Königs von Jakob von Artevelde. Frankreich bedienten, welche ſeit dem Frieden in großer Zahl Flandern durchzogen, um Uneinigkeit zu ſäen und Zwiſtigkeiten anzuregen. Er hatte jedoch genug Ver⸗ trauen auf ſeine Macht, um nicht zu früh über dieſe ge⸗ ringen Umtriebe Beſorgniß zu hegen, und wartete, bis der Graf ſelbſt die Hülfe der Genter Gemeine forderte, damit alle Theile Flanderns der fürſtlichen Oberherr⸗ ſchaft wieder unterworfen würden. Als dies geſchah, zog Artevelde mit einigen Schöffen und Dechanten der Stadt Gent durch ganz Flandern und erreichte durch ſeine unwiderſtehliche Beredſamkeit, daß binnen Kurzem alle Gemeinen nicht allein den Frieden annahmen und dem Grafen Treue ſchwuren, ſondern ſich auch innig mit Gent verbündeten, um des Landes un⸗ abhängige Neutralität zu vertheidigen. Der große Bürger mußte mit außerordentlichem Scharfſinne begabt ſein; denn was er auch unternahm, nie vergaß er dabei, die anderen Vortheile im Auge zu behalten, die es ſeinem Vaterlande noch bringen könnte. Während er nun alle vlämiſchen Städte bereiſte, um dem Grafen den rechtmäßigen Beſitz ſeiner geſetzlichen Oberherrſchaft zu verſchaffen, benutzte er die Gelegen⸗ heit, überall eine bewaffnete Bürgerwehr einzurichten und feſtzuſtellen, wie viele Mannen eine jede Gemeine auf den erſten Ruf zum großen vlämiſchen Heere ſenden ſolle, wenn die Vertheidigung des Landes die Bildung eines ſolchen Heeres nöthig mache. Die Heeresmacht, die ſich die Gemeinden verpflichteten im Fall der Noth zuſammenzubringen, belief ſich auf die anſehnliche Zahl 80⁰ von ſechzigtauſend Kriegern. Zugleich veranlaßte Arte⸗ velde, daß die Stadt Gent von Neuem als Mittelpunkt der vaterländiſchen Bewegung und als Wahrerin des gemeinen Rechtes anerkannt wurde. Kaum hatte der weiſe Mann dieſe wichtige Sendung ausgeführt, als ein Bote die Nachricht nach Gent brachte, daß König Eduard von England mit einer anſehnlichen Flotte vor Sluis erſchienen ſei, und ſich anſchicke, an der vlämiſchen Küſte zu landen. Dieſe Nachricht brachte den Grafen in große Verlegenheit; zwar glaubte er nicht, daß Eduard mit Flandern Krieg führen wolle; denn man wußte wohl, daß die Engländer nur den Durchzug verlangten, um das franzöſiſche Heer im walloniſchen Flandern anzufallen; aber, ein Freund Frankreichs, und ein heftiger Feind der Engländer, zitterte er vor Wuth und Betrübniß bei dem Gedanken, daß Flandern, den Friedensbedingungen zuwider, dem Feinde geſtatten wür⸗ de, ſeinen Boden zu betreten, um Philipp von Valois dadurch zu ſchaden. Er hatte um ſo mehr Urſache, dies zu fürchten, als ſich in Gent ſelbſt eine ſtarke engliſch geſinnte Partei befand und über die Ankunft des Königs jubelte. Selbſt im Rathe der Schöffen befanden ſich Mit⸗ glieder, die den Wunſch äußerten, Eduard ungehindert durch Flandern ziehen zu laſſen, und wie gewöhnlich, verſäumten Artevelde's Feinde dieſe Gelegenheit nicht, ihm Verdruß zu bereiten. Sie wußten, wie viel ihm daran lag, daß Flandern eine unerſchuͤtterliche Neutra⸗ lität behaupte, und bemühten ſich daher, den Rath zu überreden, den Durchzug zu geſtatten. Der Oberhaupt⸗ Jakob von Artevelde. mann Schöff gewalt No mit der Früh a ſein He rold Ki von ihn freier n er ihm, ihres B Der und gab bringen. lichkeit ſ ſtand un ließ die o unbefleckt Das hanptmaꝛ ſeines An die Anhaͤ mehrten Gemeine. ohne vorl zu gebieten keit; aber nes Geiſte. Jakob von laßte Arte⸗ Nittelpunkt hrerin des e Sendung ent brachte, nſehnlichen icke, an der brachte den e er nicht, olle; denn Durchzug alloniſchen reichs, und vor Wuth dern, den atten wür⸗ on Valois ſache, dies ke engliſch des Königs n ſich Mit⸗ ngehindert gewöhnlich, heit nicht, eviel ihm he Neutra⸗ n Rath zu dberhaupt⸗ Jakob von Artevelde. 81 mann widerlegte jedoch ihre Gründe ſo ſiegreich, daß die Schöffen ihm den Befehl gaben, ſich im Falle der Noth gewaltſam der Landung der Engländer zu widerſetzen. Noch an demſelben Abende zog Artevelde aus Gent mit dem größten Theile der bewaffneten Zunftgenoſſen. Früh am anderen Tage, vor Sonnenaufgang, ſtellte er ſein Heer längs der Küſte auf und ließ durch einen He⸗ rold König Eduard daran erinnern, daß in Folge des von ihm ſelbſt angenommenen Vertrages Flandern ein freier neutraler Boden bleiben müſſe. Zugleich erklärte er ihm, daß die Genter Willens ſeien, ſelbſt auf Koſten ihres Blutes dieſer Neutralität Achtung zu verſchaffen. Der König kam darauf in einem Boote an das Land und gab ſich Mühe, Artevelde auf andere Gedanken zu bringen. Er ſah jedoch bald ein, daß dies eine Unmög⸗ lichkeit ſei. Voll Bewunderung von Artevelde’s Ver⸗ ſtand und Weisheit kehrte er nach ſeiner Flotte zurück, ließ die Segel aufziehen und ging nach Antwerpen, den unbefleckten Boden Flanderns mit Ehrfurcht verlaſſend. Das Glück, das die Unternehmungen des Ober⸗ hanptmanns beſtändig krönte, und die raſche Zunahme ſeines Anſehens in allen Städten Flanderns, wo man die Anhänger ſeiner Politik zu Tauſenden zählte, ver⸗ mehrten ſeinen unbegränzten Einfluß auf die Genter Gemeine. Zwar hatte er nicht das Recht, daſelbſt etwas ohne vorhergehenden Befehl des Rathes der Schöffen zu gebieten; auch überging er nie ſeine geſetzliche Obrig⸗ keit; aber die meiſten erkannten ſo ſehr die Macht ſei⸗ nes Geiſtes und die Tiefe ſeiner weiſen Vorſicht an, daß Fakob von Artevelde, II. 6 82 Jakob von Artevelde. ein Rath, ein Wort von ihm ſelten anders betrachtet wurde, denn als ein Urtheil, worauf wenig oder gar nichts zu antworten war. Dieſe Unterordnung unter den gro⸗ ßen Bürger entſproß jedoch nicht aus dem Mangel an Gewandtheit derjenigen, welche als Geſetzgeber über die Angelegenheiten der Gemeine zu entſcheiden hatten; im Gegentheil, noch nie hatte Gent eine Schöffenverſamm⸗ lung geſehen, in welcher ſo viele ausgezeichnete Männer und erfahrene Politiker ſaßen. Dies erkannten auch die Fürſten, welche mit der Stadt Gent wie mit einem mächtigen Reiche über die wichtigſten Intereſſen zu ver⸗ handeln hatten, bei jeder Gelegenheit an. Der große Einfluß Artevelde's und ganz beſonders die vollſtändige Unabhängigkeit der Genter Gemeine ſchienen dem Grafen auf das Höchſte zu misfallen, nicht deswegen, daß er perſönlich nach Oberherrſchaft geſtrebt hätte, ſondern weil der König von Frankreich, als deſſen Lehensmann und Unterthan er ſich betrachtete, ihm täg⸗ lich Ritter zuſandte, um ihn zu allerlei zu veranlaſſen, dem ſich Gent ſtets auf das Entſchiedenſte widerſetzte. Der Graf, in ritterlichen Anſichten aufgewachſen, konnte es nicht ertragen, daß ſein Anſehen in Flandern ſo be⸗ ſchränkt ward. Mehr als einmal hatte Philipp von Va⸗ lois ihm gerathen und ihn gebeten, die Gemeine durch eiſt für ſeine Pläne zu gewinnen, das heißt mit anderen Worten, ſie zu betrügen; aber der Graf war im Grunde ſeines Herzens ein rechtlicher Mann und konnte ſich da⸗ mals nicht dazu entſchließen, obwohl ihn der Hochmuth der Bürger von Gent auf das Tiefſte kränkte und verletzte. Se Mühe, Einrich Schuld bei der um ſein Die Läſterun licher A Die wid gen ihn dem Kö⸗ ſich von lich ſollt vom Th. gen; ſeis dargeſtel willen el gar ſon ſelbſt der So der feigſt aufzuwül und der ließ er ſe wühlen u derns Ge Mittl gereiſt, p betrachtet gar nichts den gro⸗ kangel an über die atten; im verſamm⸗ e Männer n auch die nit einem en zu ver— beſonders Gemeine Ulen, nicht ft geſtrebt als deſſen ihm täg⸗ eranlaſſen, widerſetzte. een, konnte ern ſo be⸗ p von Va⸗ neine durch nit anderen im Grunde ate ſich da⸗ Hochmuth nd verletzte. Jakob von Arteveldt. 83 Seine franzöſiſchen Höflinge gaben ſich dagegen alle Mühe, ihn für den König zu gewinnen, und da ſie, die Einrichtungen des Landes nicht kennend, Artevelde alle Schuld beimaßen, ſo ſtrengten ſie alle ihre Kräfte an, ihn bei der Obrigkeit und dem Volke verdächtig zu machen, um ſeinen Einfluß zu vernichten oder zu vermindern. Dies gab plötzlich ſeinen Feinden neuen Muth, und Läſterung und Ehrenſchändung, unter der Leitung heim⸗ licher Aufhetzer, begannen jetzt das Haupt zu erheben. Die widerſprechendſten Gerüchte wurden nun täglich ge⸗ gen ihn in Umlauf gebracht. Bald hatte er heimlich mit dem Könige von Frankreich unterhandelt; dann wieder ſich von dem Koͤnige von England beſtechen laſſen; end⸗ lich ſollte er die Abſicht haben, den rechtmäßigen Fürſten vom Throne zu ſtoßen, um den letzteren ſelbſt zu beſtei⸗ gen; ſein häusliches Leben ward auf das Schändlichſte dargeſtellt, ſeine Verwandten und Freunde um ſeinet— willen eben ſo abſcheulich verleumdet, und man ging ſo⸗ gar ſo weit, daß man ihn der verächtlichſten Laſter, ja ſelbſt der lächerlichſten Fehler bezüchtigte. So begannen zu den Füßen des großen Mannes der feigſte Neid und die gemeinſte Misgunſt den Boden aufzuwühlen. Ohne indeſſen die Angriffe der Eiferſucht und der Erbärmlichkeit nur eines Blickes zu würdigen, ließ er ſeine Neider im Schmutze ihrer Ohnmacht fort⸗ wühlen und bekümmerte ſich nur um die Mittel, Flan⸗ derns Gedeihen und Größe zu befördern. Mittlerweile war König Eduard nach Deutſchland gereiſt, wo er eine große Anzahl von Bundesgenoſſen 6* 84 Jakob von Artevelde. gegen Frankreich gewonnen hatte und ſelbſt von dem Kaiſer mit dem Titel:„Vicarius des deutſchen Reiches“ geſchmückt worden war. Dieſes Ehrenamt ſtellte einen Theil von Flandern, welchen man das kaiſerliche Flan⸗ dern nannte, unter ſeinen Befehl, und gab ihm zugleich einen großen und geſetzlichen Einfluß auf die anderen Provinzen der Niederlande. Da er nun auf dieſe Weiſe ſeine Macht vergrößert ſah, ſo rüſtete er ſich öffentlich, um einen entſcheidenden Krieg mit Frankreich zu begin⸗ nen, bis nach Paris vorzudringen und Philipp von Va⸗ lois der Krone zu berauben. Der franzöſiſche König begann jetzt ernſtlich Furcht zu hegen und unterließ ſeinerſeits nichts, um Bundesge⸗ noſſen zu gewinnen. Es ſchmerzte ihn ſehr, ſich der Hülfe Flanderns beraubt zu ſehen; denn dieſes Land war da⸗ mals mächtig genug, um allein die Wagſchale zum Vor⸗ theil des einen der beiden Könige ſinken zu machen. Deshalb hielt ſich Philipp von Valois, der im Grunde ſeines Herzens wohl fühlte, welches geringe Recht Frank⸗ reich auf Flanderns Freundſchaft habe, nicht für ſicher, daß die Vläminger ihren thatſächlichen Beiſtand Eduard verweigern würden. Er ſparte demgemäß keine Bemühungen irgend ei⸗ ner Art, um zu ſeinem Vortheile in Flandern eine Aen⸗ derung der öffentlichen Meinung hervorzubringen, und weder Geld noch Liſt, um ſeinen Zweck zu erreichen. Die vlämiſchen Städte wimmelten von franzoſiſchen Send⸗ lingen, welche manchen Bürger durch Geſchenke und Ver⸗ ſprechungen wankend machten. So zöſiſche men Le ten ſich Spitze, der tödt We richte a⸗ recht, 3 ihn umd velde me reich vie In lois ſich tevelde„ meinen von Fre Douai u leglich, rechtmäß landes lo Meineid. lichen vle nach, w⸗ durch M Herrſchaf Macht be alle Vlät Was au von dem Reiches“ lte einen he Flan⸗ zugleich anderen eſe Weiſe öffentlich, zu begin⸗ von Va⸗ ch Furcht undesge⸗ der Hülfe war da⸗ um Vor⸗ machen. Grunde ht Frank⸗ ür ſicher, d Eduard rgend ei⸗ eine Aen⸗ gen, und chen. Die en Send⸗ und Ver⸗ * Jakob von Artevelde. So wuchs die Partei der Leliaerds und der fran⸗ zöſiſch Geſinnten in kurzer Zeit merklich unter der gehei⸗ men Leitung des Ser van Steenbeke, und zu ihr geſell⸗ ten ſich natürlich die Neider Artevelde's, Denys an der Spitze, obwohl dieſe beiden Parteien im Grunde einan⸗ der tödtlich haßten. Während der König von Frankreich über die Be⸗ richte aus Flandern ſich freuete und, obwohl mit Un⸗ recht, zu hoffen begann, daß die Gemeinen ſich bald für ihn und gegen Eduard erklären würden, entwarf Arte⸗ velde mit tiefer Berechnung einen Plan, welcher Frank⸗ reich viel zu ſchaffen machen mußte. In dem Augenblicke nämlich, wo Philipp von Va⸗ lois ſich eines baldigen Sieges ſicher glaubte, ſchlug Ar⸗ tevelde plötzlich im Rathe der Schöffen vor, daß die Ge⸗ meinen von Flandern eine Geſandtſchaft zu dem Könige von Frankreich ſchicken ſollten, um die Städte Ryſſel, Douai und Orchies zurückzufordern; er bewies unwider⸗ leglich, daß Wälſch⸗Flandern durch Betrug und un⸗ rechtmäßige Gewalt von dem Grundgebiete des Vater⸗ landes losgeriſſen worden und daß Frankreich nur durch Meineid und Verrath ſo lange im Beſitze dieſes anſehn⸗ lichen plämiſchen Gebietes geblieben. Zugleich wies er nach, welche ſchändliche Feigheit es ſei, ſo viele Brüder, durch Mutterſprache und gleiche Abſtammung, unter der Herrſchaft des Fremdlings zu laſſen, da man jetzt die Macht beſitze, das verletzte Recht geltend zu machen und alle Vläminger von ausländiſcher Herrſchaft zu befreien. Was auch einige Mitglieder des Rathes der Schöffen Jakob von Artevelde. dagegen vorzubringen verſuchten, Artevelde's Vorſchlag ward mit Eifer angenommen, und wenige Tage nach⸗ her erklärten die bedeutendſten Städte Flanderns, daß ſie bereit ſeien, durch Geſandte und im Fall der Noth durch Waffenmacht Gent's patriotiſches Verlangen zu unterſtützen. Dieſer Beſchluß, durch ein Heer von ſechzigtauſend Mann befeſtigt, wirkte wie ein zermalmender Donner⸗ ſchlag ſowohl auf den Grafen, wie auf den König von Frankreich. Wälſch⸗Flandern abtreten? Die Frucht hundertjähriger Liſt und politiſcher Berechnung verlie⸗ ren? Das drohende Flandern noch mächtiger machen?— Dazu konnte Philipp von Valois ſich nicht entſchließen. Was den Grafen betrifft, ſo war dieſer im vollen Sinne des Worts ein Franzoſe. Er betrachtete ſich ſelbſt auch nicht anders. Flandern war für ihn nur ein Lehen, das ihm nicht mehr am Herzen lag als die Grafſchaften Rethel und Nevers, die er gleichfalls in Frankreich beſaß. Kein Wunder alſo, daß er das Gedeihen und die Macht Flanderns als ein beklagenswerthes Uebel betrachtete, ſobald dadurch der Größe ſeines vermeintlichen Vater⸗ landes Frankreich Abbruch geſchehen konnte. Die Geſandtſchaft der vlämiſchen Städte begab ſich nach Paris, um dort in kräftiger Sprache die Zurück⸗ forderung von Waelſch⸗Flandern geltend zu machen. Der franzöſiſche Hof durfte es nicht wagen, die Geſand⸗ ten abzuweiſen. Er zog daher vorſichtig die Verhand⸗ lungen eine Zeit lang in die Länge, ohne dieſelben zur Entſcheidung zu bringen. Dies konnte jedoch nicht lange währen gannen und ein wußte theiligen es zu er ſend Vl⸗ ben Au gebrauch noſſen S End flucht zu velde's 2 welcher folgte. Volksgr ſelbſt in Ein ſchä ſiſche Kö bezahlter vergießer Wir unbekann ſein Lebe meine vr den Wur ßen Vor Artevelde dermaßen vorſchlag ge nach⸗ is, daß er Noth ngen zu gtauſend Donner⸗ mnig von 2 Frucht g verlie⸗ ichen?— ſchließen. m vollen ſich ſelbſt in Lehen, afſchaften ich beſaß. die Macht etrachtete, n Vater⸗ begab ſich Zurück⸗ machen. Geſand⸗ Verhand⸗ ſelben zur icht lange Jakob von Artevelde. 87 währen; die Abgeordneten wurden ungeduldig und be⸗ gannen bereits von Waffen und von Krieg zu reden und eine drohende Haltung anzunehmen. Der König wußte nicht mehr, durch welches Mittel er dieſem nach⸗ theiligen Verlangen entgehen ſolle; denn weigerte er ſich, es zu erfüllen, ſo ſtellte er ſich ein Heer von ſechszigtau⸗ ſend Vlämingern feindlich gegenüber, gerade in demſel⸗ ben Augenblicke, wo er alle ſeine verfügbare Macht gebrauchte, um den Engländern und ihren Bundesge⸗ noſſen Widerſtand zu leiſten. Endlich beſchloß man, zu einer Miſſethat ſeine Zu⸗ flucht zu nehmen. Flanderns Macht beruhte auf Arte⸗ velde's Weisheit und auf der Liebe und Eintracht, mit welcher die große Mehrzahl des Volkes ſeinem Rathe folgte. Konnte man nun dieſe Stütze der vlämiſchen Volksgröße umreißen, ſo würde auch wohl der Tempel ſelbſt in Trümmer ſtürzen, man hoffte es wenigſtens. Ein ſchändlicher Anſchlag wurde entworfen; der franzöͤ⸗ ſiſche König rief den Meuchelmord zu Hülfe; der Dolch bezahlter Meuchelmörder ſollte das edle Blut Artevelde's vergießen. Wirklich ward er in kurzer Zeit mehrere Male von unbekannten Menſchen mit dem Mordſtahle bedroht, und ſein Leben war mehr als einmal in Gefahr. Die Ge⸗ meine von Gent vergrößerte ſeine Leibwache, und auf den Wunſch ſeiner Freunde zeigte er ſich nur mit gro⸗ ßen Vorſichtsmaßregeln öffentlich. Dieſe Anſchläge auf Artevelde's Leben erbitterten übrigens das Volk in Gent dermaßen, daß ſtets einige hundert bewaffnete Zunftge⸗ ͤſſ— Jakob von Artevelde. noſſen vor ſeiner Thür ſtanden, um ihn überallhin zu begleiten. Weder Rathſchläge noch Bitten konnten dieſe Leute davon abbringen; ſie hatten geſchworen, den Ober⸗ hauptmann zu bewachen, und würden Jeden, der ihm etwas Böſes hätte zufügen wollen, augenblicklich ver⸗ nichtet haben. Obwohl Ludwig von Nevers nur als ein unterthä⸗ niger Diener Frankreichs betrachtet werden kann, ſo läßt ſich doch nicht annehmen, daß er an den Mordplänen ir⸗ gend Antheil gehabt habe. Wahrſcheinlich war dies nur das Werk ſeiner franzöſiſchen Höflinge, oder der Send⸗ linge Philipp's, oder auch derer, die Artevelde’s Größe beneideten, vielleicht auch aller dieſer Feinde zuſammen. Nichts deſtoweniger wuchs im Herzen der Bürger ein tiefes Mistrauen gegen den Grafen, welchem man, we⸗ gen ſeiner bekannten Anhänglichkeit an Frankreich und an die Politik dieſes Reiches, die Verantwortlichkeit die⸗ ſer Anſchläge zum größten Theile zuſchob. Wie dem auch ſei, die Haltung der Genter Bürger⸗ ſchaft und die Maßregeln, welche Artevelde ſelbſt traf, ließen Frankreich nicht die mindeſte Hoffnung, ſich auf eine ſo ſchändliche Weiſe von dem Oberhauptmanne be⸗ freien zu können. Auf Philipps von Valois Verlangen, der nicht mehr wußte, wie er der Forderung der Gemeinen ausweichen ſolle, beſchloß Graf Ludwig, ſeine Zuflucht zu ſanfteren Mitteln zu nehmen. Um dies auszuführen, ließ er an einem beſtimmten Tage den Oberhauptmann von Gent heimlich erſuchen, zu ihm nach dem Gravenſteen zu kommen. A ſten zu davon andere wurde Volke Furcht, borgen De der Ste welcher gräfliche von Ge bedeuten Arme it gegen di Geſtalt geben, d von Sch ihm auf mit ihre ſteinerne die Feſte Der dieſen A ſowie di ten einen welcher, rallhin zu nten dieſe den Ober⸗ der ihm icklich ver⸗ unterthä⸗ n, ſo läßt plänen ir⸗ r dies nur der Send⸗ de's Größe zuſammen. zürger ein man, we⸗ kreich und ichkeit die⸗ r Bürger⸗ ſelbſt traf, , ſich auf manne be⸗ nicht mehr ausweichen i ſanfteren ließ er an von Gent u kommen. Jakob von Artevelde. 89 Artevelde zeigte ſich bereit, den Wunſch ſeines Für⸗ ſten zu erfüllen; aber er ſetzte die Schöffen der Stadt davon in Kenntniß, damit man dieſem Beſuche keine andere als die wahre Urſache zuſchreibe. Auf dieſe Weiſe wurde die Einladung des Grafen auch dem Gentiſchen Volke bekannt, und alle Gemüther entſetzten ſich, aus Furcht, daß ein Anſchlag gegen Artevelde dahinter ver⸗ borgen ſei. Der Gravenſteen lag über der Leije, in einem Theile der Stadt, welchen man die Alte⸗Burg nannte und welcher als fürſtliches Lehensgut unmittelbar von der gräflichen Gerichtsbarkeit abhing, ohne der Schöffenbank von Gent unterworfen zu ſein. Dieſer Steen war eine bedeutende Feſte, welche Baudewyn mit dem eiſernen Arme im Jahre 868 erbaut hatte, als einen Schutzort gegen die Einfälle der Normannen. Er hatte eine runde Geſtalt und war von außerordentlich hohen Mauern um⸗ geben, die zwiſchen den vorſpringenden Thürmen überall von Schießlöchern durchbohrt waren. Die Lieve beſpülte ihm auf der einen Seite und umgab ihn auf der anderen mit ihrem abgeleiteten Waſſer, ſo daß man nur über die ſteinerne Brücke und durch ein einziges enges Thor in die Feſte gelangen konnte. Der finſtere und trübe Ton, mit welchem die Zeit dieſen Aufenthaltsort der Lehensherren überzogen hatte, ſowie die Rauhheit und Schwere ſeines Bauſtyls mach⸗ ten einen eigenthümlichen Eindruck auf den Beſchauer, welcher, aus dem lebendigen Gent heraustretend, einen 90 Jakob von Artevelde. ſchüchternen Blick auf dieſes anſehnliche ſteinerne Ge⸗ bäude warf; ein Gefühl der Kälte und Angſt beklemmte ſein Herz, und es war ihm, als habe ihn ein Zauber zu⸗ rückverſetzt in die Zeiten der Knechtſchaft und Unter⸗ drückung des Volkes, deren Erinnerung in den gewerb⸗ fleißigen vlämiſchen Gemeinen ſchon ſeit Jahrhunderten erloſchen war. Die niedrigen und elenden Häuſer rings um das gräfliche Schloß, die Armuth und der Schmutz der dort wohnenden Unterthänigen, die tödtliche Stille, die hier herrſchte, vermehrten noch den peinlichen Eindruck, und wenn man ſich endlich von dieſem letzten Aufenthalte der lehensherrlichen Macht entfernte, fühlte man die Bruſt ſo beengt, als hätte man Stickluft eingeathmet. Oben auf der Feſtungsmauer wandelten die Schild⸗ wachen wie ſtumme Schatten hin und wieder. Selbſt am hellen Tage ſtörte hier nichts die Stille, welche den gefürchteten Lehensherrn umgab; nur dann und wann ward dieſelbe unterbrochen durch das eintönige und wie⸗ derhallende Gebell der Jagdhunde innerhalb des Steens. An dem Tage, an welchem Artevelde dort erſcheinen ſollte, boten die Straßen rings um die gräfliche Woh⸗ nung einen ganz anderen Anblick dar. Eine Menge Gen⸗ ter Bürger und Zunftgenoſſen ſtanden dort in Haufen verſammelt, ſich laut mit einander unterhaltend. Andere, welche bewaffnet waren, wandelten in kleinen Gruppen die Straßen ein und aus; denn da ſie ſich nicht auf dem Grundgebiete der Stadt befanden, ſo war es ihnen nicht erlaubt, hier mit Waffen zu verweilen. Um jedoch ihre Abſicht nur vo Veerlej Innerh Kirche; ſache, Stadt 77 J was Ih ges Hac morgen einander 7/ V Lieve ſch „Al dechant moͤchte d in den 4 Arteveld Verehru droht un einen ſei locken u laſſen! der That Nier nerne Ge⸗ beklemmte Zauber zu⸗ nd Unter⸗ en gewerb⸗ rhunderten 3 um das itz der dort e, die hier druck, und nthalte der die Bruſt net. die Schild⸗ er. Selbſt welche den und wann e und wie⸗ des Steens. t erſcheinen fliche Woh⸗ Nenge Gen⸗ in Haufen nd. Andere, en Gruppen cht auf dem ihnen nicht jedoch ihre Jakob von Artevelde. 91 Abſicht ausführen zu können, thaten ſie, als zögen ſie nur vorbei, entfernten ſich indeſſen nicht weit von dem Veerleplatz, auf den das Thor des Steens hinausging. Innerhalb der Feſtung mußte man nicht ohne Argwohn ſein; denn man hatte das Fallgatter vor dem Thore nie⸗ dergelaſſen und die Wachen auf den Mauern verdoppelt. In dem Winkel des Platzes, gegen Wenemgers neue Kirche zu, ſtritt man ſich beſonders lebhaft über die Ur⸗ ſache, welche die Genter Bürger nach dieſer Seite der Stadt gelockt hatte. „Ja!“ rief ein Fleiſchergeſelle,„Ihr mögt ſagen, was Ihr wollt, aber laß ſie nur Mher Jakob ein einzi⸗ ges Haar auf ſeinem Haupte krümmen, und Ihr findet morgen in der Alten⸗Burg nicht zwei Steine mehr auf einander.“ „Wir wollen die franzöſiſchen Herren lehren in der Lieve ſchwimmen!“ murrte ein Anderer. „Aber,“ antwortete mit erheuchelter Kälte der Ober⸗ dechant Denys, der ſich bei dem Haufen befand,„ich möchte doch wiſſen, Geſellen, wer Euch das nur wieder in den Kopf geſetzt hat! Unſer gnädiger Fürſt hat Mher Artevelde zu ſich entboten; das iſt ja ein Beweis der Verehrung und der Neigung, und Ihr ſteht hier und droht und flucht, als ob unſer Graf der Mann wäre, einen ſeiner Unterthanen betrügeriſch in eine Falle zu locken und ihn dann vor ſeinen Augen ermorden zu laſſen! Wer von Euch wagt zu ſagen, daß er das in der That denkt?“ Niemand antwortete auf dieſe Frage, wie ſich das 9² Jakob von Artevelde. Denys wohl denken konnte, anders, als mit größeren oder geringeren Zeichen der Ungeduld; zum Theil aus Ehrfurcht, welche man ſeinem hohen Amte ſchuldig zu ſein glaubte, theils weil keiner der Zuhörer ſolche ausdrück⸗ liche Beſchuldigung gegen den Grafen vorbringen wollte. Ein einzelner Geſelle nur ſchien erzürnt und mur⸗ melte mit dumpfer Stimme ſeinem Nachbar zu: „Nun, bei Sanct Lieven! Seit wann iſt denn der Oberdechant ein Freund des Grafen oder ein Leliaerd geworden? Da ſteckt etwas dahinter, das wahrlich nicht ſauber iſt!“ „Es wäre beſſer,“ hub Denys wieder an,„Ihr ginget Alle zuſammen nach Hauſe; denn durch dieſes unruhige Gewühl thut Ihr unſerm Oberhauptmanne großen Schaden. Wißt Ihr, was man dort, bei Sanct Veerle, ſagt? Man beſchuldigt Mher Artevelde, daß er ſelbſt durch ſeine Anhänger die Nachricht von der gräf⸗ lichen Einladung und die Furcht vor Verrath unter der Gemeine hat ausſtreuen laſſen. Ich glaube es nicht; allein man ſetzt hinzu, daß er ſchon lange den Fürſten bei den Gentern verhaßt zu machen ſucht, damit der Graf fortziehen ſolle und er allein den Herrn über uns ſpie⸗ len könne.“ In dieſem Augenblicke geſellte ſich ein junger Blau⸗ färber zu dem Haufen und hörte die letzten Worte des Oberdechanten. Man ſah deutlich auf ſeinem Geſichte, daß ein tiefer Unwille ſich ſeiner bemächtigte; doch unter⸗ drückte er denſelben und ſchien nur aus bloßer Neugier zuhoͤren zu wollen. „8 mit alle hauptm höchſt g ſchaft v ter zur ein Ger Könige ſich nich ſeinem ſelbſt ge terdrückt unſern g den wir einen ho „D „zum 2 Gent da als wäͤre waffnen? gen mit von Hent Gent dar Recht, de zu behan immer zu Als färber, u gen; denn nit größeren Theil aus uldig zu ſein e ausdrück⸗ igen wollte. und mur⸗ zu: iſt denn der ein Leliaerd ahrlich nicht an,„Ihr durch dieſes dauptmanne bei Sanct lde, daß er nder gräf⸗ ) unter der e es nicht; den Fürſten nit der Graf r uns ſpie⸗ nger Blau⸗ Worte des m Geſichte, doch unter⸗ zer Neugier Jakob von Artevelde. 93 „Deshalb, Geſellen!“ fuhr Denys fort,„werdet Ihr mit allen dieſen Beweiſen eurer Neigung unſern Ober⸗ hauptmann ſo verwöhnen, daß er das Volk am Ende höchſt geringſchätzt. Man ſagt ſchon, daß er die Bürger⸗ ſchaft verläßt und ſeine Tochter einem franzöſiſchen Rit⸗ ter zur Gattin angeboten habe. Es iſt wahrſcheinlich nur ein Gerücht; aber achtet doch darauf, daß Mher Jakob Könige und Grafen als ſeines Gleichen behandelt und ſich nichts Geringeres wähnt, als ob er eine Krone auf ſeinem Haupte trüge. Das iſt auch für Mher Artevelde ſelbſt gefährlich, und ſollen wir einmal geleitet oder un⸗ terdrückt werden, ſo iſt es doch beſſer, daß dies durch unſern geſetzlichen Fürſten geſchieht, als durch Jemanden, den wir zu dem gemacht haben, was er iſt, bloß um uns einen hochmüthigen Tyrannen auf den Nacken zu ſetzen.“ „Das iſt wahr,“ fiel ihm ein Weber in die Rede; „zum Beiſpiel, wer giebt dem Oberhauptmanne von Gent das Recht, ganz Flandern Befehle zu ertheilen, als wäre er der Graf ſelbſt, und die Gemeinen zu be⸗ waffnen? Wer giebt ihm das Recht, geheime Beziehun⸗ gen mit dem Herzoge von Brabant und dem Grafen von Hennegau zu unterhalten, ohne die Obrigkeit von Gent darum zu befragen? Wer gab ihm endlich das Recht, den guten König von England zu Sluis ſo barſch zu behandeln und ihn durch ſeinen Trotz vielleicht für immer zum Feinde Flanderns zu machen?“ Als er dieſe Worte hörte, erblaßte der junge Blau⸗ färber, und ein flammender Blick ſchoß aus ſeinen Au⸗ gen; dennoch aber beugte er das Haupt und ſagte nichts. 94 Jakob von Artevelde. „Und jetzt,“ ſprach Denys weiter,„was geht nun jetzt wieder vor? Ihr ſteht hier vor dem Gravenſteen, dem Fürſten mit einem Auflauf oder einer Belagerung zu drohen? Das muß ihn ſtark gegen uns erbittern; ſo lautete doch der Friede nicht. Daraus kann eine große Uneinigkeit zwiſchen dem Fürſten und der Gemeine von Gent ſich entwickeln. Sieht es nicht aus, als hätte man Recht, zu ſagen, Mher Artevelde habe dieſen Zwiſt al⸗ lein angefacht, in der Abſicht, den Grafen aus dem Wege zu ſchaffen und ihn zu zwingen, wieder nach Frankreich zu fliehen? Und wenn Ihr ſo Mher Artevelde Veran⸗ laſſung gebt, zu wähnen, daß er mehr ſei, als der Graf, wer könnte ſich dann wundern, wenn er einmal Luſt be⸗ käme, ſelbſt Graf von Flandern zu werden?“ Der Weber, der mit dem Oberdechanten gekommen war, ſteckte nun ſeinen Kopf mitten in den Kreis, als wolle er Jeden zur Verſchwiegenheit ermahnen. „Wißt Ihr, was ich habe erzählen hören von Je⸗ manden, der behauptet, dabei geweſen zu ſein?“ flüſterte er.„Es ſcheint, daß Mher Jakob zwiſchen vier Mauern ein ſehr fröhlicher Mann iſt und mehr Wein trinkt, als er vertragen kann. So ſoll er auch kürzlich bei einem Bürger es ſo weit getrieben haben, daß er ſich um den Verſtand getrunken, und dabei ſoll auch ausdrücklich von ihm erklärt worden ſein, er wolle Graf von Flandern werden und uns Alle....“ Zitternd, wie ein Schilfrohr, und weiß, wie Lein⸗ wand vor Zorn, ſprang nun der Blaufärber herbei und rief dem Weber zu: „2 unter im Sei fend, fu „A ſo ſchänd de, welg Ohnmac Rieſen h tige Biſſ wer Flan tete, wer ließ, wer Anſehen ſüchtiger, Weil ſeit Namen; reichen kö nen Füße Mögen a⸗ myne, der Der Ausfall, ſollte, da Läſterunge Worte, ar ſich mit ein Streit einle Platz längs s geht nun Bravenſteen, Belagerung bittern; ſo eine große emeine von hätte man Zwiſt al⸗ dem Wege Frankreich de Veran⸗ 3 der Graf, al Luſt be⸗ 7 gekommen Kreis, als en. en von Je⸗ 2 flüſterte er Mauern trinkt, als bei einem ich um den ücklich von Flandern wie Lein⸗ herbei und Jakob von Artevelde. 95 „Macht, daß Ihr fortkommt, oder ich zertrete Euch unter meinen Füßen, Ihr niederträchtiger Verleumder!“ Seine brennenden Blicke auch auf die Uebrigen wer⸗ fend, fuhr er außer ſich vor Wuth fort: „Wißt Ihr, was Ihr alle zuſammen ſeid, die Ihr ſo ſchändlich den Oberhauptmann begeifert? Feige Hun⸗ de, welche die Sonne anbellen, weil ihr Licht ſie blendet! Ohnmächtiges Ungeziefer, das ſich an den Leib eines Rieſen hängt, in der Hoffnung, ihn durch tauſend gif⸗ tige Biſſe zu tödten! Ihr habt alſo ſchon ganz vergeſſen, wer Flandern vor Hungersnoth und Unterdrückung ret⸗ tete, wer das Gold durch die Straßen von Gent ſtrömen ließ, wer unſerem erniedrigten Vaterlande Freiheit und Anſehen gab? Der Held, der Befreier iſt ein Herrſch⸗ ſüchtiger, ein Tyrann, ein Trunkenbold, nicht wahr? Weil ſeine Größe Euch erdrückt, beſchmuzt Ihr ſeinen Namen; weil Ihr weder ſein Haupt noch ſein Herz er⸗ reichen könnt, nagt Ihr, wie neidiſches Gewürm, an ſei⸗ nen Füßen. Undankbare Natterbrut, die Ihr ſeid!— Mögen auch Dechanten dabei ſtehen, es iſt Lieven Co⸗ myne, der das ſagt.“ Der Oberdechant ward ganz verlegen über dieſen Ausfall, und wußte nicht, was er darauf antworten ſollte, da er es nicht für räthlich hielt, ſeine ſcheinheiligen Läſterungen öffentlich zu bekennen. Er murmelte einige Worte, aus denen man nur entnehmen konnte, daß er ſich mit einem ſolchen verrückten Menſchen nicht in einen Streit einlaſſen wolle, wandte ſich um und verließ den Platz längs der Hoofbrücke. — ö— 96 Jakob von Artevelde. Lieven Comyne, noch bebend vor Wuth, ſah dem Oberdechanten nach, bis dieſer verſchwunden war. Dann ſich wieder zu dem erſchreckten Weber wendend, rief er aus: „Jetzt kommen wir Beide dran! Wißt Ihr, was man mit einer Schlange thut, welche Gift auf ihre Wohl⸗ thäter ſpeit? Man dreht ihr den Hals um und zer⸗ tiitt ſie!“ Bei dieſen Worten faßte er in der That den Weber mit beiden Händen am Halſe, wie mit einer Kneipzange, warf ihn halb erwürgt zu Boden und gab ihm noch ei⸗ nen Tritt in die Seite. Er ließ ihn jedoch wieder auf⸗ ſtehen und verſpottete lachend die Reden, welche dieſer zu ſeiner Vertheidigung vorbrachte. „Geht!“ ſprach Lieven Comyne verächtlich,„Eure Feigheit bezeugt, daß Ihr ein Elender ſeid.“ „Wollen wir den Schelm in der Lieve ertränken?“ fragten die Umſtehenden, die der That des Blaufärbers Beifall zujauchzten. Sie hatten den Weber bereits angepackt und zogen ihn mit Gewalt nach dem Rande der Lieve fort, um ihn ohne Gnade hineinzuwerfen; aber jetzt ſtieg von der Gra⸗ fenbrücke aus der Ruf:„Heil! Heil dem Oberhaupt⸗ mann!“ in die Luft, und jeder begab ſich nach jener Seite des Platzes, ohne ſich um den Weber weiter zu bekümmern. Jakob von Artevelde kam allein durch das Volk hergeſchritten. Seine Wache, von acht und zwanzig Mann, hatte er auf der Fürſten mn geziemte. ſelbſt ſeine dieſes jauc den Worte ſie ſich dor des Grafen und ſagte z zuhorchte, ſ „Lieben der ſo aufre erbietig vor delt von Er Ein Sch mer in der; rauhen Wor „Recht; mann nicht! ligerds und; nerne Neſt d ſein mag! und wenn ſt könnten, wie die dem Köt Jakob's Tode „Ihr bel durch dieſes velde.„Dürf Jakob von Arte th, ſah dem unden war. ber wendend, zt Ihr, was f ihre Wohl⸗ um und zer— at den Weber Kneipzange, ihm noch ei⸗ wieder auf⸗ welche dieſer tlich,„Eure 74 ertränken?“ Blaufärbers kt und zogen fort, um ihn von der Gra⸗ Oberhaupt⸗ h nach jener er weiter zu h das Volk Nann, hatte Jakob von Artevelde. 97 er auf dem Fiſchmarkte zurückgelaſſen, um ſich ſeinem Fürſten nur zu nähern, wie es ſich für einen Unterthan geziemte. Groß war jedoch ſeine Verwunderung, ja ſelbſt ſeine Betrübniß, als er auf dem Veerleplatze all dieſes jauchzende Volk auf ihn zuſtrömen ſah, und aus den Worten und Ausrufungen der Menge merkte, daß ſie ſich dort verſammelt habe, weil ſie der Rechtlichkeit des Grafen mistraue. Er blieb einen Augenblick ſtehen und ſagte zu dem Volke, welches ehrfurchtsvoll und ſtill zuhorchte, ſobald es merkte, daß er reden wolle: „KLieben Freunde! Was giebt es denn, das Euch wie⸗ der ſo aufregt? Warum verſammelt Ihr Euch ſo unehr⸗ erbietig vor dem Grafenhofe? Das iſt nicht recht gehan⸗ delt von Euch!“ Ein Schmied, der mit nackten Armen und den Ham⸗ mer in der Fauſt vor ihm ſtand, antwortete darauf mit rauhen Worten: „Recht gehandelt oder nicht! Wenn unſer Oberhaupt⸗ mann nicht binnen zwei Stunden aus der Höhle der Le⸗ ligerds und Franzoſen zurück iſt, ſo machen wir das ſtei⸗ nerne Neſt dem Erdboden gleich, mit Allem, was darin ſein mag! Es währt ſchon lange genug, Mher Jakob, und wenn ſie Euch auch einmal wirklich an den Leib könnten, wie ſie es mochten, ſie ſollen es doch nicht ſein, die dem Könige von Frankreich die frohe Mähr von Jakob's Tode bringen.“ „Ihr beleidigt unſeren edlen Fürſten mit Unrecht durch dieſes Mistrauen, Geſellen!“ antwortete Arte⸗ velde.„Dürfen wir unſeren Grafen verantwortlich ma⸗ Jakob von Artevelde. II. 7 98 Jakob von Artevelde. chen für die Miſſethaten von Fremdlingen, die aus an⸗ deren Landen hieher geſandt ſind? Nein, das wäre ein großes Unrecht von unſerer Seite. Wir ſind unſerem rechtmäßigen Fürſten mehr Ehrfurcht ſchuldig. Ihr ſeid Alle meine guten Freunde, nicht wahr? Nun denn, ſo hört auf meine Stimme! Verlaßt dieſen Platz und geht mit vollem Vertrauen nach Hauſe; Eure Furcht iſt un⸗ gegründet; geht, ich werde Euch dankbar ſein für dieſen Beweis Eurer Neigung!“ „Oberhauptmann! werdet Ihr über den Freitags⸗ markt gehen, wenn Ihr nach Hauſe kehrt?“ fragte der Schmied.„Verſprecht Ihr uns das, ſo wollen wir fortgehen.“ „Das will ich thun,“ antwortete Artevelde. „Gut!“ ſagte der Schmied,„wir werden dort bis zum Abend warten.— Nach dem Freitagsmarkt! nach dem Freitagsmarkt!“ Dieſer Ruf, welchen die Umſtehenden wiederholten, lief wie ein Signal über den ganzen Platz, während die Menge über die Grafenbrücke und längs dem Kraenlei nach dem Freitagsmarkte ſich begab. Einige Augenblicke nachher befand ſich in der Nähe der gräflichen Reſidenz Niemand mehr, als einige friedliche Bürger, die aus Neugier ſtehen geblieben waren. Der Wächter über dem Thore des Gravenſteens hatte ſchon das Zeichen gegeben; das Fallgatter ward aufgezogen, und Artevelde von zwei Dienern empfangen und nach nebſt ver Ludr Alter, w etwas Fe ſeiner Si blüt und ſchmückt! Haltung. träge Au Glieder li alle ander lichem Wi Bei 4 Rathshern ſchende B. aber der( Alle, den Befehles d ging der 8 der Hand, Franzöſiſch trefflich ſpr „Will Gent! Es i mit Euch Wunder vo haben mich es mir inde „die aus an- das wäre ein ſind unſerem dig. Ihr ſeid Nun denn, ſo Platz und geht Furcht iſt un⸗ ſein für dieſen den Freitags⸗ 2“ fragte der o wollen wir velde. erden dort bis smarkt! nach wiederholten, während die dem Kraenlei ge Augenblicke ichen Reſidenz ger, die aus Gravenſteens Ulgatter ward en empfangen Jakob von Artevelde. 99 und nach einem Saale geführt, in welchem ſich der Graf nebſt verſchiedenen anderen Perſonen befand. Ludwig von Nevers war ein Mann von mittlerem Alter, wohlgebaut und von angenehmen Geſichtszügen; etwas Feines und Edles lag in ſeinen Geberden und ſeiner Sprache. Man konnte ſehen, daß fürſtliches Ge⸗ blüt und fürſtliche Erziehung ihm Leib und Geiſt ge⸗ ſchmückt hatten mit ritterlicher Bildung und würdevoller Haltung. Seine verwiſchten Geſichtszüge jedoch, der träge Aufſchlag ſeiner Augen und die Magerkeit ſeiner Glieder ließen vermuthen, daß es ihm, wenn er auch alle anderen Gaben beſaß, doch wahrſcheinlich an männ⸗ lichem Willen und Kraft des Gemüthes fehle. Bei Artevelde's Eintritt warfen die Höflinge und Rathsherren, ſämmtlich Fremdlinge, höhniſche und for⸗ ſchende Blicke auf den berühmten Bürger von Gent; aber der Graf ſtand von ſeinem Seſſel auf und erſuchte Alle, den Saal zu verlaſſen. Sobald ſie in Folge dieſes Befehles durch die Seitenthüren verſchwunden waren, ging der Fürſt auf Artevelde zu, faßte ihn freundlich bei der Hand, führte ihn zu den Seſſeln, und ſagte ihm auf Franzöſiſch, das, wie er wußte, der Genter Bürger vor⸗ trefflich ſprach: „Willkommen, Oberhauptmann meiner guten Stadt Gent! Es iſt ſchon lange, daß ich über verſchiedene Dinge mit Euch Rath pflegen wollte; denn man erzählt ſich Wunder von Eurer großen Weisheit; einige Hinderniſſe haben mich aber bisher davon zurückgehalten. Jetzt iſt es mir indeſſen vergönnt, mit Euch allein zu ſein; Ihr 7*½ 100 ſeht es, mein Vertrauen iſt groß; ich hoffe, daß Ihr eben ſo redlich ſein werdet; ſetzt Euch in dieſen Seſſel; ich will als Freund mit Euch reden.“ Artevelde leiſtete der Einladung des Grafen einige Zeit lang Widerſtand; endlich ſetzte er ſich vor dem Für⸗ ſten nieder und ſagte: „Mein gnädiger Herr will es ſo; wohlan denn! redlich werde ich ſein, und möge mein Wunſch ſich er⸗ füllen, daß dieſe feierliche Zuſammenkunft den Ruhm meines Fürſten und die ewige Größe meines Vaterlan⸗ des zur Folge habe!“ „Ich hoffe es gleichfalls,“ entgegnete Ludwig. „Hört nun, was ich Euch ſage, Oberhauptmann; der Ruhm Eurer Weisheit iſt in ferne Lande gedrungen der König von Frankreich hat ſelbſt mehr als ein Mal in meiner Gegenwart geſagt, daß er die größten Opfer bringen würde, um einen ſolchen Mann in ſeinem Rathe zu haben, obwohl Ihr ein Bürgerlicher ſeid, wenn ich mich nicht irre.“ Auf dem Antlitz des weiſen Mannes zeigte ſich ein ſchwer zu deutendes Lächeln. „Ich habe weiter keine Abſichten dabei, wenn ich Euch dies ſage,“ fuhr der Graf fort;„ich wollte Euch nur beweiſen, daß der mächtigſte Fürſt Europa's ſelbſt Eure Verdienſte zu ſchätzen weiß. Was mich betrifft, ſo bedaure ich, daß ein Mann, wie Ihr, vom Schickſale an die Spitze einer unruhigen und aufrühreriſchen Menge geſtellt wurde, und ſich gezwungen ſieht, ſeine Fähig⸗ keiten gegen die geſetzliche Obrigkeit ſeiner Fürſten an⸗ Jakob von Artevelde. zuwenden den Kott! iſt dies n Menge? dem Amt den lächer lich giebt Fürſten 1 bringen, n dig iſt, z dern?“ Der C er eine An der tiefſten gelagert, u Boden. „Mein Graf,„da mit Freude dieſer Gede ſcheint?“ „Um C Graf; Ihr „Waru „O, m Flandern ſo bin Vlämin Frankreichs das nicht ver , daß Ihr iſen Seſſel; afen einige dem Für⸗ hlan denn! ſch ſich er⸗ den Ruhm Vaterlan⸗ e Ludwig. mann; der gedrungen; Is ein Mal ßten Opfer nem Rathe „wenn ich zte ſich ein wenn ich vollte Euch pa's ſelbſt betrifft, ſo chickſale an en Menge ine Fähig⸗ ürſten an⸗ Jakob von Artevelde. 101 zuwenden..... bis daſſelbe veränderliche Volk ihn in den Koth zieht und wie tolle Hunde zerreißt; denn i*ſt dies nicht ſtets das Loos der Abgötter der thoͤrichten Menge? Jetzt haltet Ihr Euch ſchon für ſehr geehrt mit dem Amte des Oberhauptmanns einer Stadt, die Euch den lächerlichen Gehalt von drei Stüber Groten wöchent⸗ lich giebt; würdet Ihr Eurem Vaterlande, Eurem Fürſten und Euch ſelbſt nicht weit größeren Vortheil bringen, wenn Ihr ein Amt bekleidetet, das Eurer wür⸗ dig iſt, zum Beiſpiel das eines Marſchalls von Flan⸗ dern?“ Der Graf betrachtete den weiſen Mann, als wollte er eine Antwort aus ihm herauslocken:— ein Ausdruck der tiefſten Betrübniß hatte ſich auf Artevelde's Geſicht gelagert, und er blickte, wie niedergeſchmettert, auf den Boden. „Meint Ihr nicht, Mher von Artevelde,“ fragte der Graf,„daß Flandern Eure Ernennung zum Marſchall mit Freude vernehmen würde? Woher kommt es, daß dieſer Gedanke Euch zu verdrießen und zu ſchmerzen ſcheint?“ „Um Gottes Willen, redet nicht mehr davon, Herr Graf; Ihr verwundet mich bis in das tiefſte Herz!“ „Warum?“ „O, möge Gott den ſtrafen, der dem Grafen von Flandern ſolche Worte in den Mund gelegt hat! Ich bin Vläminger und Bürger von Gent; um alles Gold Frankreichs und die franzöſiſche Krone ſelbſt würde ich das nicht vergeſſen.“ —— * ———— — n* —- ſ— 102 Jakob von Artevelde. Es iſt möglich, daß Ludwig es wirklich rechtlich meinte, da des Oberhauptmanns feurige Worte ihn mehr verwunderten, als erzürnten; deshalb erwiederte er mit großer Ruhe: „Ihr verſteht mich nicht, Mher von Artevelde; oder zweifelt Ihr vielleicht an meiner Aufrichtigkeit?“ „Keinesweges,“ antwortete Jakob gefaßter;„ich begreife, daß mein gnädigſter Herr, als Ritter und nach den Anſichten, die man in Frankreich darüber hegt, es fuͤr einen Bürgerlichen als ein großes Glück betrachten muß, wenn dieſer ſeinen niedrigen Stand verlaſſen und im öffentlichen Leben höher ſteigen kann; aber man hat Euch getäuſcht, Herr Graf; in Flandern iſt das nicht der Fall; man braucht hier weder Ritter noch Lehens⸗ herr zu ſein, um ſeinem Vaterlande mit Ehren dienen zu können und von der Gemeine geliebt und geachtet zu werden, im Verhältniß zu dem Guten, das man für des Landes Ruhm oder Wohlfahrt ſtiftet.— Ich bin bereit, zu Euren Dienſten zu thun, was ſich mit Flanderns Wohl, und alſo mit meinem Gewiſſen ver⸗ trägt; weder Verſprechungen noch Ehrenämter können mich aber auch nur einen Schritt von der Bahn verlocken, die ich zu wandeln habe. Alſo, wenn Eure Verſuche kein anderes Ziel haben, als mich zu etwas Anderem zu ma⸗ chen als einem Bürger von Gent und einem Vertheidi⸗ ger der Freiheit der Gemeinen, o dann gebt Euch keine Mühe, gnädiger Herr! ſie iſt unnütz.“ „Ich weiß nicht, zu welcher Art von Volk Ihr Leute gehört,“ verſetzte der Graf ungeduldig.„Man will Euch G laden, 1 mich den wecken, lohnen? „M velde;„ Diener d koͤnnte i bin, Eu Glück ber thun kan Ludy halben S Ich mann. regen, u dem Köt ſeinen un um dem gen läſtig wegen, il durch ehr iſt, zurü treue Va herrſchſü⸗ als ihn ſ derns B ſtelle; Il h rechtlich Vorte ihn viederte er elde; oder .* ßter;„ich r und nach r hegt, es betrachten rlaſſen und er man hat t das nicht öch Lehens⸗ hren dienen nd geachtet das man tet.— Ich as ſich mit wiſſen ver⸗ iter können on verlocken, Berſuche kein rem zu ma⸗ 1 Vertheidi⸗ t Euch keine lk Ihr Leute „Man will Jakob von Artevelde. 103 Euch Gutes thun, Euch mit Ehre und Reichthum über⸗ laden, und Ihr erzürnt Euch darüber. Verſucht man mich denn zu täuſchen, um in mir den Wunſch zu er⸗ wecken, Eure hohen Verdienſte zu erkennen und zu be⸗ lohnen?“ „Mit Eurer Erlaubniß, Herr Graf!“ ſagte Arte⸗ velde;„ich werde nie etwas Anderes ſein, als ein treuer Diener der Stadt Gent und des Landes Flandern; aber könnte ich Euch den Beweis liefern, wie ſehr ich bereit bin, Euch zu dienen, ſo würde ich es als ein wahres Glück betrachten. Sagt mir daher, Herr Graf, was ich thun kann, um mir Eure Gunſt zu erwerben.“ Ludwig von Nevers betrachtete dieſe Frage als einen halben Sieg und antwortete mit freundlichem Tone: „Ich will nichts, als was redlich iſt, Oberhaupt⸗ mann. Erſtens, Ihr ſollt die vlämiſchen Gemeinden an⸗ regen, unſerem natürlichen und verehrten Oberherren, dem Könige von Frankreich, Beiſtand zu leiſten gegen ſeinen ungeſitteten Feind, Eduard von England.— Und um dem Könige jetzt nicht mit ungegründeten Forderun⸗ gen läſtig zu fallen, ſollt Ihr die vlämiſchen Städte be⸗ wegen, ihre Forderung von Waelſch⸗Flandern, das doch durch ehrliche und rechtliche Verträge abgetreten worden iſt, zurückzunehmen; es iſt nicht mehr als billig, daß treue Vaſallen ihren Oberherrn vertheidigen gegen einen herrſchſüchtigen Fremdling, der nichts Geringeres will, als ihn ſeiner Krone berauben; obendrein verlangt Flan⸗ derns Beſtes, daß es ſich auf die Seite des Stärkſten ſtelle; Ihr ſeht doch wohl, daß Eduard dem Philipp von — ͦ ſſ o Jakob von Artevelde. Valois nicht Krieg erklären kann, ohne ſich überall in Europa nach Bundesgenoſſen umzuſehen; und iſt Flan⸗ dern nicht Frankreich ewige Dankbarkeit ſchuldig für den Schutz, welchen dieſes mächtige Land ihm immer ver⸗ liehen hat? Verdient Frankreich wohl den feurigen Haß, den Flandern ſo unrechtmäßig gegen daſſelbe hegt und der in Eurem Hauſe, Oberhauptmann, erblich zu ſein ſcheint?“ „Und iſt dies Alles, was man von mir verlangt?“ fragte Artevelde, in tiefes Nachdenken verſunken. „Dies iſt für den Augenblick wohl das Wichtigſte, doch iſt es noch nicht Alles,“ fuhr der Graf fort.„Er⸗ kennt mit mir an, Oberhauptmann, daß Flandern durch Aufruhr und Gewalt ſich in den Beſitz von Freiheiten geſetzt hat, die ſchädlich für ſein Gedeihen ſind und hier zu Lande die misbräuchliche Einrichtung eingeführt ha⸗ ben, daß die unedle und dumme Menge allein gebietet zur Erniedrigung alles ritterlichen Blutes;— Freihei⸗ ten, die hier einen Fürſten zum demüthigen Unterthan ſeiner Unterthanen machen würden, wenn ein Fürſt ein ſo ſchändliches Joch ſich auferlegen könnte. Ein ſol⸗ cher Zuſtand iſt gegen alles natürliche Recht und ruft zu Gott um Rache, zu Gott, welcher ſeinen Zorn ſichtbar genug zeigt in der Unruhe, dem Aufruhr und dem Blut⸗ vergießen, die nicht aufhören, Flandern heimzuſuchen. Seht, wie es in dem ſchönen Frankreich iſt; dort wenig⸗ ſtens iſt der Fürſt Herr und Gebieter, wie es dem ge⸗ ſetzlichen Regenten eines ſolchen Reiches geziemt; dort darf es ein unedler Bürger nicht wagen, ſich einem Rit⸗ ter gleie der glät lieder. desherrꝛ Glück. des Für ger die habe. 2 thes kar Anſehen ſolche G Landes, thun, th Oberhau liche Ziel liebt Eue ſehen, n fangs ar Hülfe un ſtark gen zu erhalt edler Eu ganzen n Königen Arte vor dem den Auss daß er es als der F h überall in nd iſt Flan⸗ ldig für den immer ver⸗ eurigen Haß, lbe hegt und blich zu ſein r verlangt?“ unken. s Wichtigſte, f fort.„Er⸗ landern durch 8n Freiheiten ſind und hier ngeführt ha⸗ lllein gebietet — Freihei⸗ en Unterthan nn ein Fürſt ite. Ein ſol⸗ t und ruft zu Zorn ſichtbar id dem Blut⸗ heimzuſuchen. dort wenig⸗ ees dem ge⸗ geziemt; dort ch einem Rit⸗ Jakob von Artevelde. 105 ter gleich zu wähnen; es iſt das Land der Höflihkeit, der glänzenden Waffenthaten und der ſchönen Minne⸗ lieder. In dem Gehorſam gegen den König und Lan⸗ desherrn findet das Volk dort ſeinen Frieden und ſein Glück. Hier im Gegentheil iſt jeder Bürger ein Feind des Fürſten, und man möchte ſagen, daß jeder Vlämin⸗ ger die Widerſetzlichkeit mit der Muttermilch eingeſogen habe. In dieſem Zuſtande verächtlichen Bürgerhochmu⸗ thes kann Flandern nicht länger beharren; des Fürſten Anſehen muß wieder hergeſtellt werden, dadurch, daß ſolche Gemeinderechte, welche ſowohl der Wohlfahrt des Landes, als der Obrigkeit des geſetzlichen Herrn Abbruch thun, theils beſchränkt, theils abgeſchafft werden.— Ihr, Oberhauptmann, könnt viel dazu beitragen, dieſes nütz⸗ liche Ziel zu erreichen; Euer Einfluß iſt groß; das Volk liebt Euch und wird in Folge Eures Rathes leicht ein⸗ ſehen, was billig und recht iſt, und ſollte es Euch an⸗ fangs an der nöthigen Macht fehlen, ſo würde meine Hülfe und der Beiſtand des Königs von Frankreich Euch ſtark genug machen, um die Widerſpenſtigen in Reſpect zu erhalten.— Bedenkt doch nur, wie viel ſchöner und edler Eure Sendung alsdann ſein wird, da ſie in der ganzen weiten Welt Euch die Gunſt und Achtung vor Königen und Rittern erwerben muß.“ Artevelde ſaß noch fortwährend mit geſenktem Haupte vor dem Grafen und hielt ſein Geſicht abgewendet, um den Ausdruck des Unwillens zu verbergen, welcher, ohne daß er es wollte, auf ſeinem Antlitz zu leſen war. Selbſt als der Fürſt ſchwieg, blieb er in derſelben Haltung ſitzen, ſſſ 106 Jakob von Artevelde. wie wenn er des Grafen Rede nicht für geendet halte. Ludwig fragte ihn nun: „Was ich da ſage, Oberhauptmann, iſt das nicht wahr und gegründet? Habe ich zu viel von Eurer Er⸗ gebenheit erwartet, wenn ich hoffe, daß Ihr mir Eure Hülfe und Euer Anſehen leihen werdet, um das An— ſehen, das mir zukommt, wieder zu erhalten?“ Entſchloſſen hob Artevelde plötzlich den Kopf empor, und während ſein Auge von unterdrücktem Eifer und Zorn flammte, ſprach er: „Herr Graf! was ich zu antworten habe, kann ich ohne Eure gnädige Erlaubniß nicht ſagen. Wahrſchein⸗ lich wird es mir nie wieder vergönnt werden, ſo allein mit meinem Fürſten zu ſein. Mein Herz iſt voll: voll Zorn, voll Unwillen, voll Betrübniß; aber die Ehr⸗ furcht, die ich meinem Landesherrn zolle, geſtattet mir nicht, freimüthig meine Meinung auszuſprechen über Euer Geſuch und die Gründe, auf welche ſich daſſelbe ſtützt.“ „Nedet ohne Furcht,“ ſagte der Graf lächelnd. „Und wenn Euch etwas darin verletzend ſchiene für Euch ſelbſt oder für den König von Frankreich, würdet Ihr mir demungeachtet Erlaubniß geben, bis zu Ende zu reden, aus Rückſicht auf meine perſönliche Ehrfurcht?“ „Ich gebe Euch volle Freiheit, Mher von Artevelde; ſprecht nach Eurem Gutdünken und ſagt, was Ihr wollt. Es wird mir angenehm ſein, ſelbſt über die politiſchen Anſichten eines Mannes, deſſen Weisheit man überall rühmt, ein Urtheil fällen zu können.“ Jako freiem B „Gn Fürſten Intereſſen alſo nicht über uns hintergan niken leſe und berich Leibeigen, den Geho haben. 2 franzöſiſe las— C waren un von Fran zu verder Erzürnt mit Eurer will ich landes Er fen von Vorfahre fälſchlich Volksfrei! Täuſchung Grafen v die hier n endet halte. t das nicht Eurer Er⸗ rmir Eure n das An- en?“ Kopf empor, Eifer und be, kann ich Wahrſchein⸗ n, ſo allein ſt voll: voll ber die Ehr⸗ geſtattet mir prechen über ſich daſſelbe lächelnd. id ſchiene für reich, würdet bis zu Ende e Ehrfurcht?“ on Artevelde; as Ihr wollt. die politiſchen man überall Jakob von Artevelde. 107 Jakob von Artevelde betrachtete den Fürſten mit freiem Blicke und ſprach nun folgendermaßen zu ihm: „Gnädiger Herr! Irrthum iſt der Menſchheit Theil; Fürſten und Völker ſind Misgriffen über die höchſten Intereſſen gleich ſehr preisgegeben. Es beleidige Euch alſo nicht, wenn ich beweiſe, wie abſcheulich man Euch über uns Vläminger und über Euch ſelbſt getänſcht und hintergangen hat. Herr Graf! Ihr habt gewiß oft Chro⸗ niken leſen gehört, welche Flanderns Geſchichte erzählen und berichten, wie wir, unedle Bürger und halsſtarrige Leibeigene, mit ſchmachvoller Hoffahrt unſeren Fürſten den Gehorſam verweigert und die Ritterſchaft erniedrigt haben. Ich weiß, daß man Euch in Eurer Jugend am franzöſiſchen Hofe viele Schriften und Chroniken vor⸗ las— Chroniken, die in franzöſiſcher Sprache abgefaßt waren und falſch ſind, geſchrieben auf Befehl der Könige von Frankreich, um die Söhne der vlämiſchen Grafen zu verderben und Franzoſen daraus zu machen..... Erzürnt Euch nicht, gnädiger Herr! der Beweis wird mit Eurer Erlaubniß folgen..... Statt aller Antwort will ich Euch ſagen, was die Chroniken unſeres Vater⸗ landes Euch erzählt haben würden, hätte man den Gra⸗ fen von Flandern nicht verhindert, die Sprache ſeiner Vorfahren zu lernen. Man hat Euch vorgelogen und fälſchlich bewieſen, daß Flandern ſeine Vorrechte und Volksfreiheiten gewaltſam ſeinen Fürſten entriſſen habe; Täuſchung und Betrug! In früheren Zeiten waren die Grafen von Flandern Vläminger mit Herz und Seele, die hier mit uns von Kindesbeinen an die vaterländiſche ——— = Jakob von Artevelde. Luft einathmeten, die unſere Sprache ſprachen, die uns kannten, wie wir waren, und uns liebten, weil wir ſo waren, wie wir waren, und nicht anders. Sie ſahen, daß Flandern dazu beſtimmt ſei, ein Land der Arbeit und des Handels zu ſein; ſie fühlten, daß die Freiheit hier Wunder des Volksfleißes, der Macht und des Reich⸗ thums erzeugen konnte, und gaben, zu ihrer eigenen Größe und zur Wohlfahrt ihrer Unterthanen, Vorrechte und Freiheiten, welche den arbeitenden Gemeinen die Früchte ihrer gewiſſenhaften Thätigkeit ſichern mußten. Euer ſeliger Vorfahr, Baudewyn der Junge war es, der die Wollenweberei hier in Gent ſtiftete und ihr die Vorrechte gab, durch welche ſie zu einer Quelle der Volksmacht, des Reichthums und des Ruhmes für ganz Flandern wurde. Dies iſt beinahe dreihundert und acht⸗ zig Jahre her!— Ihr ſeht es, gnädiger Herr, der Ge⸗ werbfleiß und die Freiheit ſind nicht mehr jung in Flan⸗ dern. Was man uns in Frankreich mit bitteren Worten als eine grobe Miſſethat andichtet, iſt, daß wir unedlen Bürger es wagen, Waffen zu führen, nicht mehr und nicht minder, als die Ritter allein in Frankreich es thun dürfen. Aber wer hat uns dieſe Waffen in die Hand gegeben? Dieſelben Waffen, welche man uns jetzt vor⸗ wirft ergriffen zu haben, um dem Willen unſerer Für⸗ ſten Widerſtand zu leiſten? Vor dreihundert Jahren ſtanden die Edlen und Ritter von Flandern gegen ihren geſetzlichen Grafen Baudewyn mit dem Barte auf, und wollten ihn ſeiner Krone berauben, um ſie einem herrſch⸗ ſüchtigen Lehensherrn auf das Haupt zu ſetzen. Der Graf rief erhielt We muthe zerf Alſo durch erhielten d und ſie w tragen, da 1063 Flaun Anhänglich kennt ſicher Er iſt das rungen alle in den glüc ſchen Fürſt Namen ihr ſamen Vat Alles mit l und man ſe lieder gen 4 „Das Graf halb wahr iſt, da ten und ihr Oberhauptn nähren und betrachten? aus Eurem „ Ich w Herr Graf! n, die uns weil wir ſo Sie ſahen, der Arbeit die Freiheit des Reich⸗ er eigenen „Vorrechte emeinen die rn mußten. ge war es, und ihr die Quelle der ies für ganz rt und acht⸗ er, der Ge⸗ ng in Flan⸗ eren Worten wir unedlen ht mehr und reich es thun in die Hand uns jetzt vor⸗ unſerer Für⸗ idert Jahren mgegen ihren rte auf, und inem herrſch⸗ ſetzen. Der Jakob von Artevelde. 109 Graf rief ſein Volk zu Hülfe; das Volk verlangte und erhielt Waffen,..... und mit unbezwinglichem Helden⸗ muthe zerſchmetterte es die Feinde ſeines guten Fürſten. Alſo durch einen Beweis ihrer Liebe zu ihren Grafen erhielten die Vläminger das Recht, Waffen zu führen, und ſie wußten dieſelben ſo mannhaft und ſo treu zu tragen, daß der ſelige Baudewyn van Ryſſel im Jahre 1063 Flandern als eine Belohnung für ſeine Liebe und Anhänglichkeit den herrlichen Frieden ſchenkte. Ihr kennt ſicherlich dieſen herrlichen Frieden, gnädiger Herr! Er iſt das Grundgeſetz, welches mit wenigen Verände⸗ rungen alle unſere Freiheiten enthält. Ach, Herr Graf! in den glücklichen Zeiten der Eintracht und Neigung zwi⸗ ſchen Fürſt und Volk ſegneten die Vläminger täglich den Namen ihres Grafen; ſie liebten ihn als den gemein⸗ ſamen Vater des Landes, und wo er erſchien, da eilte Alles mit liebreicher Verehrung auf ſeinen Wink herbei, und man ſandte bei ſeinem Durchzuge Lob⸗ und Dank⸗ lieder gen Himmel.“ „Das muß lange her ſein, wie Ihr ſagt,“ fiel der Graf halb lächelnd Artevelde in die Rede.„Wenn es wahr iſt, daß die Vläminger ehemals ihren Fürſten lieb⸗ ten und ihm unterthänig waren, wie kömmt es denn, Oberhauptmann, daß ſie jetzt nichts als Haß gegen ihn nähren und ihn als einen geborenen Feind des Volkes betrachten? Ich möchte dieſe ſchwierige Erklärung wohl aus Eurem Munde hören.“ „Ich werde ſie Euch mit Eurer Erlaubniß geben, Herr Graf! Flandegg drohte bei ſeiner gewerbfleißigen 110 Jakob von Artevelde. Bevölkerung und dem Schutze, den es durch die Für⸗ ſorge ſeiner Fürſten fand, ein mächtiges Land zu werden, und zwar nicht allein durch ſeine muſterhafte Thätigkeit und ſeinen blühenden Handel, ſondern auch durch den Heldenmuth des deutſchen Stammes, der es bewohnte. Freiheit hat etwas Anziehendes und in Frankreich ſelbſt begannen die Leibeigenen und Vaſallen die Blicke hoff⸗ nungsvoll nach Flandern zu richten und das Haupt em⸗ porzuheben. Die Eiferſucht und der Argwohn der fran⸗ zoͤſiſchen Könige wurden dadurch geweckt. Von dieſem Augenblicke an beſchloſſen ſie, dieſe drohende Grafſchaft zu vernichten, ſie zu beherrſchen oder Frankreich einzu⸗ verleiben, um dort nach Wohlgefallen die Freiheit und die Bürgermacht unterdrücken und zerſtören zu können. Es ward mehrere Male Gewalt verſucht; aber dieſes Mittel glückte nicht. Darauf beſchloß man, die vlämi⸗ ſchen Grafen ihren Unterthanen zu entfremden, Edelleute und Bürger unter einander zu Blutfeinden zu machen, Haß zu erregen und Uneinigkeit zu ſäen, um durch ſchlauen Betrug und ſchnöde Liſt das beneidete Flan⸗ dern zu erſchöpfen und zu lähmen. Dieſe Politik des Verraths und Betrugs beginnt bereits mit dem Jahre 1200. Um dieſe Zeit ließ Frankreich durch Beſtechung die Erbin der gräflichen Krone, die junge Johanna, heimlich aus demſelben Steene, wo ich jetzt die Ehre habe zu meinem gnädigen Herrn zu reden, entführen. Sie ward am franzöſiſchen Hofe erzogen, in franzöſi⸗ ſcher Sprache und Sitte unterrichtet, mit freiheithaſſen⸗ 8 den Gedanken genährt, damit ſie, wenn ſie ſpäter nach Flandern zeug Fra Sie erhi von Fran von Porn franzöſiſch dies ſpäter betrachtete zeug zu F den Kerke Jahren de ihm ſeine Melün, i ſinnige Gr terpfand d vielleicht d ſchen Chro hanna hat⸗ auch aus Frankreich ſo mußte? franzoſiſche entging, ve Edelmanne ſiſche Hof Auf Befeh gab damale gehorſames desrechte; d ſch die Für⸗ dzu werden, te Thätigkeit ch durch den es bewohnte. inkreich ſelbſt Blicke hoff⸗ 8 Haupt em⸗ ohn der fran⸗ Von dieſem de Grafſchaft nkreich einzu⸗ Freiheit und in zu können. ; aber dieſes t, die vlämi⸗ den, Edelleute en zu machen, n, um durch eneidete Flan⸗ zſe Politik des nit dem Jahre rch Beſtechung nge Johanna, jetzt die Ehre en, entführen. , in franzöͤſi⸗ freiheithaſſen⸗ ſie ſpäter nach Jakob von Artevelde. 111 Flandern als Gräfin zurückkehrte, dort als ein Werk⸗ zeug Frankreichs und als eine Fremde gehaßt würde. Sie erhielt einen Gemahl von der Hand des Königs von Frankreich. Dieſer Gemahl, ein Sohn des Königs von Portugal, ſollte gleichfalls der Helfershelfer der franzöſiſchen Fürſten ſein; es ſcheint jedoch, als ob er dies ſpäter als eine ſeiner Ritterlichkeit unwürdige Rolle betrachtete; denn er weigerte ſich, länger als ein Werk⸗ zeug zu Flanderns Untergange zu dienen. Er ward in den Kerkern des Louvre eingeſperrt, und nach zwölf Jahren der ſchmachvollſten Gefangenſchaft verkaufte man ihm ſeine Freiheit gegen den abſcheulichen Vertrag von Melün, in Folge deſſen der gequälte und halb wahn⸗ ſinnige Graf unſere Städte Ryſſel und Douai als Un⸗ terpfand den Franzoſen ausliefern mußte.— Iſt dies vielleicht der redliche Vertrag, von welchem die franzöſi⸗ ſchen Chroniken reden?— Ich fahre fort. Gräfin Jo⸗ hanna hatte eine Schweſter, Margaretha genannt, welche auch aus dem Gravenſteen entführt und mit ihr in Frankreich erzogen wurde. Da Johanna kinderlos blieb, ſo mußte Margaretha die Krone Flanderns erben. Die franzöſiſchen Könige, deren wachſamer Schlauheit nichts entging, vermählten Margaretha mit einem franzöſiſchen Edelmanne, Guy de Dampierre. Jetzt hatte der franzö⸗ ſiſche Hof freie Hand und nahm die unnütze Maske ab. Auf Befehl des Königs— der König von Frankreich gab damals Befehle in Flandern— legte der Graf, als gehorſames Werkzeug des Fremden, Hand an die Lan⸗ desrechte; daraus entſtand Auflauf, Aufruhr, Haß und — — 112 Jakob von Artevelde. Bürgerkrieg. Das wachſame Frankreich unterſtützte bald die Gemeinen, bald den Grafen, und hetzte ſie unauf⸗ hörlich gegen einander an. Auch dieſer Graf ward des erniedrigenden Spieles müde; er wagte zu klagen und Widerſtand zu leiſten; man lockte ihn verrätheriſch mit ſeinem Erben Robrecht nach Paris und ſperrte ihn dort im Louvre ein. Der Tod befreite ihn aus ſeiner Gefan⸗ genſchaft; aber ſein Nachfolger und Sohn Robrecht be⸗ zahlte für ihn und für ſich ſelbſt in den Kerkern des Louvre. Vielleicht im Angeſicht eines Giftkelches wurde das ſchnöde Bündniß der Ungerechtigkeit unterzeichnet, durch welches man zu erklären und zu verlangen wagte, daß Flandern Frankreich für jährlich 22,000 Pfund Pariſis zinspflichtig bleibe. Iſt das vielleicht der ehr⸗ liche Vertrag?“ Der Graf betrachtete den redenden Artevelde mit Verwunderung und ſchien durch deſſen mächtiges Wort und volle eindringliche Stimme unwiderſtehlich beherrſcht zu ſein. In tiefes Nachdenken verſunken ſchüttelte er das Haupt, wie Jemand, der ſich Gewalt anthut, um nicht zu glauben, was er hört. Artevelde wartete vergebens auf eine Bemerkung des Fürſten und fuhr dann fort: „Gnädiger Herr Graf! es bleibt mir noch der ſchmerzlichſte Theil meiner Erklärung übrig; aus Ehr⸗ furcht vor Euch würde ich ihn wohl verſchweigen....“ „Fahrt fort,“ antwortete der Graf;„ich kann mir denken, wovon Ihr reden wollt; aber ich wünſche Eure Gedanken ganz zu kennen. Fürchtet nichts; heute ver⸗ geſſe ich meinen Namen und Rang, um Euch zu hören. Wenn au Munde fle Arter „Und Euer ſeli klagte, de unaufhörl zogen wur Euch verb tet ein Fr auch Ihr 1 zöſiſchen K und die Li und Fürſt ausländiſch Ihr habt in dieſe mora haben Eue verrätheriſe geſeufzt; a Bündniß, die Herrſch ſo oft es de welches Ihr Orchies abe vielleicht de Frankreich Bei die Graf plötzlie Jakob von A ſtützte bald ſie unauf⸗ ward des klagen und heriſch mit te ihn dort ner Gefan⸗ obrecht be⸗ derkern des ches wurde tterzeichnet, gen wagte, 900 Pfund ht der ehr⸗ tevelde mit tiges Wort ch beherrſcht ttelte er das t, um nicht e vergebens dann fort: r noch der aus Ehr⸗ 1 ; eigen.... ich kann mir zünſche Eure ‚heute ver⸗ ich zu hören. Jakob von Artevelde. 113 Wenn auch nicht Alles wahr ſein mag, was aus Eurem Munde fließt, ſo iſt es doch eigenthümlich und bedeutend.“ Artevelde fuhr nun fort, wie er begonnen hatte: „Und Ihr, mein gnädiger Herr! wißt Ihr, daß Euer ſeliger Vater bis auf ſein Todesbette darüber klagte, daß Ihr gegen ſeinen Willen und trotz ſeinen unaufhörlichen Vorſtellungen außerhalb Flanderns er⸗ zogen wurdet? Ihr wißt es vielleicht nicht; man hat es Euch verborgen, und doch iſt es wahr. Auch Ihr muß⸗ tet ein Franzoſe ſein und die Vläminger nicht kennen; auch Ihr mußtet ein Werkzeug in den Händen der fran⸗ zöſiſchen Könige werden, die Freiheit des Volkes haſſen und die Liebe Eurer Unterthanen entbehren, damit Volk und Fürſt, einander entfremdet, beide ohnmächtig ſeien ausländiſcher Liſt und ſchnödem Betruge gegenüber. Auch Ihr habt in Eurem edlen Herzen Unmuth empfunden über dieſe moraliſche Sklaverei; aber die Kerker des Louvre haben Euer redliches Gemüth unterdrückt; auch Ihr ſeid verrätheriſch eingeſperrt worden und habt im Gefängniß geſeufzt; auch Ihr habt Eure Freiheit erkauft durch ein Bündniß, in welchem Ihr einwilligtet, Flandern unter die Herrſchaft franzöſiſcher Bevollmächtigter zu ſtellen, ſo oft es der König für gut fände; ein Bündniß, durch welches Ihr Frankreich die Städte Ryſſel, Douai und Orchies abtratet als Kaufpreis Eurer Freiheit. Iſt das vielleicht der ehrliche Vertrag, welchen der König von Frankreich gegen uns anführt?“ Bei dieſen letzten Worten Artevelde's wurde der Graf plötzlich roth vor Zorn; er ſprang auf, betrachtete Jakob von Artevelde. II. 8 114 Jakob von Artevelde. den Sprecher mit ſcharfem Blicke und ſchien in deſſen Zügen zu forſchen, ob er ihn habe verhöhnen wollen oder nicht. Das ruhige und unveränderte Antlitz des weiſen Mannes flößte ihm jedoch eher Achtung als Un⸗ willen ein. Da er ſich indeſſen durch den Sinn von Ar⸗ tevelde's Worten tief verletzt fühlte, ſo konnte er ſich nicht raſch bezwingen und ſchritt daher mehrere Male heftig im Saale auf und ab. Jakob war aus Ehrerbie⸗ tung aufgeſtanden, rührte ſich indeſſen nicht, ſondern wartete, bis der Graf ſelbſt wieder das Wort an ihn richten würde. Ludwig von Nevers beruhigte ſich langſam, näherte ſich endlich wieder Artevelde und gab ihm ein Zeichen, ſich von Neuem zu ſetzen. „Die Wahrheit, Herr Graf, iſt eine rauhe Jung⸗ frau, nicht wahr?“ ſagte Artevelde.„Es ſieht aus, als wolle ſie hhnen und die Ehrfurcht verletzen, und ſie reißt oftmals alte Wunden auf, die von Neuem wieder bluten. Verzeiht mir, gnädiger Herr! ich habe ſie nicht zu dem gemacht, was ſie iſt.“ „Ach, ja wohl!“ ſeufzte der Graf und warf ſich in ſeinen Seſſel.„Nochmals, Oberhauptmann! ich will Euch bis zu Ende anhören. Was auch die Folgen ſein mögen, ich vergeſſe dieſen Tag nie. Wunderbarer Bür⸗ ger, der Ihr ſeid! was gab Cuch die Macht, ſo unwider⸗ ſtehlich Jeden zu beherrſchen? Wer lehrte Euch ſo ge⸗ waltig den Schleier von vergangenen Zeiten abreißen und Dinge erklären, die mich verſtummen machen?“ „Ruhiger Eifer nach Wahrheit und warme Liebe für n tevelde. 5 712 Eurem Euren wenn j 7 C mir, T es thuu antwort Au alſo for „A um dor rechte zu ſchatzung als ein und den unterdrü⸗ tel zu ker ſucht die Geſchicht von Frau ter zur man Euc wänden; Gattin, z Es geſcha ben; alsd in deſſen en wollen Intlitz des g als Un⸗ von Ar⸗ te er ſich rere Male Ehrerbie⸗ , ſondern rt an ihn n, näherte e Zeichen, uhe Jung⸗ zt aus, als 7, und ſie nem wieder be ſie nicht wmarf ſich i! ich will Folgen ſein barer Bür⸗ o unwider⸗ Luch ſo ge⸗ in abreißen nachen?“ arme Liebe Jakob von Artevelde. 115 für mein Vaterland, Herr Graf!“ antwortete Ar⸗ tevelde. „Aber,“ fuhr Ludwig fort,„was iſt denn nach Eurem Urtheil Frankreichs Wille? Was wird denn nach Euren Gedanken die Folge dieſer liſtigen Anſchläge ſein, wenn ſie glücken?“ „Gnädiger Herr!“ ſagte Artevelde,„Ihr befehlt mir, Wunden noch ſchmerzlicher zu berühren. Darf ich es thuu? Gebt Ihr mir die Erlaubniß, Euch redlich zu antworten auf Eure Frage?“ Auf ein bejahendes Zeichen des Grafen fuhr er nun alſo fort: „Was Frankreich will? Es will Flandern beſitzen, um dort den Gewerbsfleiß und vor Allem die Volks⸗ rechte zu vernichten, um dort nach Wohlgefallen Brand⸗ ſchatzungen zu erheben, um unſern heimathlichen Boden als ein beſiegtes Land mit ſeinem Lande zu verbinden, und den deutſchen Stamm, der es bewohnt, langſam zu unterdrücken. Das will es. Wünſcht Ihr auch die Mit⸗ tel zu kennen, die es dazu anwendet? Nun, Herr Graf, ſucht die Löſung dieſer Frage nicht weiter, als in der Geſchichte Eures eigenen Lebens.— Der vorige König von Frankreich, Philipp der Lange, gab Euch ſeine Toch⸗ ter zur Gemahlin. Warum aber, meint Ihr wohl, hat man Cuch zehn Jahre lang unter allerhand ſchlauen Vor⸗ wänden gehindert, Euch unſerer gnädigen Gräfin, Eurer Gattin, zu nähern? Darf ich es Euch ſagen, Herr Graf? Es geſchah in der Hoffnung, Ihr würdet kinderlos ſter⸗ ben; alsdann würde man unſe re Gräfin mit einem mäch⸗ 8* 116 Jakob von Artevelde. tigen und treuen franzöſiſchen Vaſallen vermählen, und Flandern gehörte mit vollem Rechte der Krone Frank⸗ reich, da es dann durch Erbſchaft einer Tochter der fran⸗ zöſiſchen Könige anheimfiele und durch Heirath unter die Herrſchaft eines franzöſiſchen Fürſten geſtellt würde. Auf dieſe Weiſe, gnädiger Herr! ſtürbe der letzte Tropfen vlämiſchen gräflichen Blutes mit Euch aus; Euer Grab würde den letzten Zweig unſerer alten Fürſten in ſich aufnehmen und wir Kraft eines ſogenannten geſetzlichen Rechtes auf ewige Zeiten fremder Zwingherrſchaft an⸗ heimfallen.“ „Abſcheulich!“ rief der Graf;„es iſt nicht möglich! Ihr umgaukelt meine Sinne!“ „Es iſt abſcheulich und wahr!“ wiederholte Arte— velde.„Enguerrand de Marigny iſt der Rathgeber, der dieſen hölliſchen Plan ausgeſonnen hat. Wenn mein gnädiger Herr ſich erinnern will, wie genau meine Worte zuſammenpaſſen mit demjenigen, was er ſelbſt weiß, ſo wird er gewiß ſich nicht weigern, zu glauben, daß ich nicht ohne Grund ſo rede.— Und was wird nun das Ende von dem Allem ſein, wenn es Frankreich glückt?— Ihr hofft, Herr Graf, daß Eure Kinder nach Eurem Tode über uns herrſchen werden? Das Gegentheil hofft der franzöſiſche Hof. Flandern muß nach ſeinem ſchnö⸗ den Plane durch Heirath oder Tod einem anderen mäch⸗ tigen franzöſiſchen Vaſallen anheimfallen. Man ſtreitet ſich bereits insgeheim, wer es ſein ſoll.... Wahr⸗ ſcheinlich der Herzog von Burgund.“ Artevelde ſchwieg, um zu ſehen, welchen Eindruck ſeine 2 aber L tert du den Re 2 7△ reich h haſſen! franzöſt um der zöſiſche heit geg rum wu Geſchieh Macht veranlaf der Lehe haſſen, welche ſe len, um ben, nie nach dem um die in ewiger mich, gu ihre Fürf dert Jahr reichs, d rauben, ſern Gey plen, und ee Frank⸗ der fran⸗ unter die rde. Auf e Tropfen zuer Grab en in ſich geſetzlichen ſchaft an⸗ zt moglich! polte Arte⸗ geber, der Jenn mein eine Worte ſt weiß, ſo n, daß ich d nun das glückt?— dach Eurem entheil hofft nem ſchnö⸗ deren mäch- Man ſtreitet Wahr⸗ en Eindruck Jakob von Artevelde. 117 ſeine Worte auf das Gemüth des Grafen ausübten; aber Ludwig ſaß, mit geſenktem Haupte, wie zerſchmet⸗ tert durch dieſe wichtige Eröffnung, da, und blickte ſelbſt den Redner nicht mehr an. Jakob fuhr nun fort: „Ihr klagt über den Haß, den wir gegen Frank⸗ reich hegen? Ihr ſeid im Irrthum. Die Vläminger haſſen das franzöſiſche Volk nicht. Im Gegentheil, das franzöſiſche Volk ſetzt ſeine Hoffnung in die Vläminger, um dereinſt ſeine Freiheit zu erhalten, und auf das fran⸗ zöſiſche Volk hofft Flandern, um das Recht ſeiner Frei⸗ heit gegen ſpätere Bedrückung beſchützt zu ſehen. Wa⸗ rum wollen die Könige von Frankreich uns vernichten? Geſchieht es nicht aus Furcht, daß das Beiſpiel unſerer Macht und unſeres Gedeihens die franzöſiſchen Bürger veranlaſſe, ſich zu empören gegen das eiſerne Scepter der Lehensherrſchaft? Wenn wir etwas in Frankreich haſſen, ſo ſind es die Feinde der Freiheit, diejenigen, welche ſeit dreihundert Jahren Flandern verderben wol— len, um der Macht der Gemeinen den Todesſtoß zu ge⸗ ben, nicht das franzöſiſche Volk; denn das ſehnt ſich nach dem Augenblicke, wo es mit uns ſich erheben kann, um die Ketten zu zerbrechen, mit denen man die Völker in ewiger Kindheit gefeſſelt zu halten hofft.— Ihr fragt mich, gnädiger Herr, wie es kommt, daß die Vläminger ihre Fürſten zu haſſen ſcheinen. Ach! ſeit mehr als hun⸗ dert Jahren ſind unſere Grafen nur Abgeordnete Frank⸗ reichs, deren Auftrag iſt, uns unſerer Freiheiten zu be⸗ rauben, uns heimlich zum Bürgerkriege anzuhetzen, un⸗ ſern Gewerbfleiß zu tödten und unſer Vaterland, er⸗ 118 Jakob von Arteveld niedrigt, gelähmt, zerſtückelt und ausgeſogen, der Hab⸗ ſucht der franzöſiſchen Politik zu überliefern. Wenn hier Haß und Entfremdung herrſchen, wo Liebe und Ver⸗ trauen ſein müßten, wer trägt die Schuld? Ich berufe mich auf Euer ritterliches Gemüth, auf die Stimme Eures Gewiſſens, Herr Graf! Erkennt mit mir an, daß, wenn in dieſer Sache Miſſethäter und Betrüger ſich finden, ſie nicht auf Flanderns Boden wohnen. Ihr habt mich gefragt, ob ich nicht Frankreich dienen wolle, um die Freiheiten Flanderns beſchränken zu hel⸗ fen. Eure Güte hat mir erlaubt, darauf eine klare und deutliche Antwort zu geben. Ich habe vielleicht zu kühn geſprochen; aber mein gnädiger Fürſt hat es ſo gewollt.“ Der Graf faßte ſchmerzlich ſein Haupt mit beiden Händen und ſeufzte: „Wenn Ihr Wahrheit ſprächet, o, wehe mir! dann wäre ich umringt von Hinterliſt, Falſchheit und Betrug! Ein Spielball in der Hand des Königs! Seid Ihr deſ⸗ ſen ſicher, was Ihr ſagt? O, erklärt mir, daß Ihr zwei⸗ felt, daß Ihr das Alles nur aus dem Munde von Per⸗ ſonen vernommen habt, die dem Könige und mir feind⸗ lich ſind..... Ihr ſchweigt, Oberhauptmann? Ihr ſeid alſo überzeugt, daß es ſo iſt und nicht anders?“ „Es iſt ſo,“ antwortete Artevelde mit unerſchütter⸗ licher Ruhe. „Gott, Gott!“ rief der Graf;„es iſt ſchrecklich! Aber Ihr, tapferer Bürger, Ihr, der mich im Tiefſten meiner Seele erſchreckt hat und mir einen gähnenden Abgrund vor meinen Füßen zeigte, gleichviel, ob wahr —— oder grund Laßt im A zum erkläre len, n ihn zu einen Blüth ner G des Lao würde Limbu Münz ſchaftli Nieder überre dung mit ei Kriege gräflich Thron tigſter dern in über ſollte ſchaft der Hab⸗ Wenn hier und Ver⸗ Ich berufe e Stimme tmir an, Betrüger mwohnen. eich dienen en zu hel— e klare und ht zu kühn gewollt.“ mit beiden mir! dann nd Betrug! iid Ihr deſ⸗ ß Ihr zwei⸗ he von Per⸗ mir feind⸗ n? Ihr ſeid rs?“ nnerſchütter⸗ t ſchrecklich! im Tiefſten gähnenden el, ob wahr 1 Jakob von Artevelde. oder unwahr, was würdet Ihr thun, um dieſem Ab⸗ grunde zu entrinnen, wenn Ihr an meiner Stelle wäret? Laßt ſehen, ob Ihr eben ſo wohlberedt im Rathen, wie im Anklagen ſeid!“ „Was ich thun würde, Herr Graf? Ich würde mich zum Beſchützer der öffentlichen Freiheiten in Flandern erklären; ich würde mich an die Spitze des Volkes ſtel⸗ len, nicht um deſſen Fortſchritt zu hemmen, ſondern um ihn zu leiten; ich würde meine Intereſſen als Fürſt ver⸗ einen mit denen der Gemeinen, den Gewerbfleiß zur Blüthe bringen, den Handel durch alle Mittel nach mei⸗ ner Grafſchaft ziehen und ſo als Vater und Wohlthäter des Landes die Liebe meiner Unterthanen gewinnen; ich würde ein Bündniß ſchließen mit Brabant, Hennegau, Limburg und Lüttich, um gleiches Gewicht und gleiche Münze einzuführen, um Handelsfreiheit und gemein⸗ ſchaftliche Vertheidigung zu befeſtigen; ich würde die Niederlande zu einer allgemeinen Bundesgenoſſenſchaft überreden, und dann, wenn in dieſer mächtigen Verbin⸗ dung die alte Gallia Belgica Cäſar's wieder auflebte mit einer Macht von hunderttauſend heldenmüthigen Kriegern, dann würde ich ruhig herabblicken von dem gräflichen Stuhle von Flandern auf den königlichen Thron von Frankreich..... Als wichtigſter und mäch⸗ tigſter Theil dieſer Bundesgenoſſenſchaft würde Flan⸗ dern immer deren Haupt bleiben; meine Krone ſollte über ganz Europa ihre Strahlen ſenden; das Gold ſollte aus allen Winkeln der Welt nach meiner Graf⸗ ſchaft ſtroͤmen, und hier, auf dem Boden der Freiheit ———. —— Jakob von Artevelde. und der Volksgröße, ſollte ein Fürſt herrſchen, den die Könige mit Achtung und Ehrfurcht zu begrüßen ſich gezwungen ſehen ſollten..... Was ich Euch vorſchlage, iſt kein Rieſenwerk, Herr Graf! Es bedarf zu deſſen Ausführung nur eines guten Theils männlichen Willens und fürſtlichen Muthes..... Ha! Herr Graf! wenn Gott Euch das große Vorhaben einflößte, ſo Euren ei⸗ genen Ruhm mit der Größe unſeres ſchönen Vaterlan⸗ des zu verbinden, dann würde ich meine Gedanken, mein Gut und mein Blut Eurem Dienſte widmen; alle Vläminger ſollten freudig ſterben zu Eurer Vertheidi⸗ gung und, ich ſchwöre es Euch, Ihr binnen Kurzem einer der mächtigſten Fürſten Europa's werden. Nun denn, gnädiger Herr! jetzt kennt Ihr meinen Rath. Wollt Ihr das leitende Haupt werden des fleißigſten und freieſten Stammes der abendländiſchen Völkerſchaf⸗ ten? Soll Flandern unter Eurem väterlichen Geſetze und Eurer Leitung dieſe glänzende Laufbahn durchwan⸗ deln? Oder ſoll es ſeine Erhebung allein in dem Bür⸗ germuthe ſeiner Bewohner ſuchen müſſen? Redet, Herr Graf! Das Urtheil, das Ihr fällen werdet, iſt wichtig, und wird über Flanderns Schickſal, vielleicht über das Eure entſcheiden.“ Während Artevelde dieſes Gemälde von Flanderns möglicher Größe in raſchen Zügen entworfen hatte, trug ſich plötzlich eine eigenthümliche Veränderung in Lud⸗ wigs Haltung und Antlitz zu. Er hatte das Haupt ſtolz emporgehoben und ſeine Augen funkelten von edlem Feuer. Aber als ihm Artevelde nun ſo unerwartet eine Zuſtim⸗ mung ſchleien eigent zweifl danken wie I der Ki und n meine verbin! des ga allem kann n Si ſicht, d der Ha 8 „ habt J res Fü mir ger Ritter iſt mei Eid zur in ſein Bürger und du begreife unverm , den die üßen ſich vorſchlage, zu deſſen Willens af! wenn Euren ei⸗ Vaterlan⸗ Gedanken, zmen; alle Vertheidi⸗ n Kurzem den. Nun nen Rath. fleißigſten ölkerſchaf⸗ en Geſetze durchwan⸗ dem Bür⸗ tedet, Herr iſt wichtig, t über das Flanderns hatte, trug g in Lud⸗ Haupt ſtolz dlem Feuer. ne Zuſtim⸗ Jakob von Artevelde. 121 mung oder eine Weigerung abforderte, fiel der Zauber⸗ ſchleier von ſeinen Augen und es breitete ſich plöͤtzlich ein eigenthümlicher Ausdruck der Muthloſigkeit oder der Ver⸗ zweiflung über ſein Geſicht. Er blieb lange Zeit in Ge⸗ danken verſunken und ſagte dann mit dumpfem Tone, wie Jemand, der zerſtreut iſt und mit ſich ſelbſt ſpricht: „Es kann nicht ſein; es wäre ein Verbrechen, das der König blutig rächen würde; mein Eid bindet mich— und meine Grafſchaften Rethel und Nevers!— Und meine Gattin! Mich mit Bürgern gegen die Ritterſchaft verbinden? Vielleicht Schuld ſein an dem Untergange des ganzen Adels? Den Fluch von ganz Frankreich, von allem edlen Blute auf mich laden? Nein, nein! das kann nicht ſein!“ Sich dann emporrichtend, mit der deutlichen Ab⸗ ſicht, dieſe Unterredung zu enden, faßte er Artevelde bei der Hand und ſagte wohlwollend: „Oberhauptmann! ich glaube an Eure Redlichkeit; habt Ihr auch allzu kühn geſprochen in Gegenwart Eu⸗ res Fürſten, ich verzeihe es Euch gern; aber was Ihr mir gerathen habt, muß ich verwerfen. Ich bin ein treuer Ritter und will es bleiben; der König von Frankreich i*ſt mein geſetzlicher Oberherr und hat meinen feierlichen Eid zum Pfande. Was auch mit mir geſchehe, ich werde in ſeinem Dienſte ſterben.— Ich hatte gehofft, Euren Bürgerſtolz beſiegen zu können durch freundliche Worte und durch das Verſprechen eines höheren Amtes. Ich begreife jetzt erſt, daß dies nutzlos war und daß Ihr unvermeidlich ganz anders als ein Ritter über die Dinge 122 Jakob von Artevelde. urtheilen müßt, indem Eure Anſichten unendlich von den unſrigen abweichen.— Ich habe mich geirrt; es thut mir ſehr leid.— Oberhauptmann! Ihr ſeid auf mein Ritterwort gekommen, geht eben ſo ungehindert wieder fort, und gebe der Himmel Euch beſſere Gedanken!“ Artevelde verbeugte ſich ehrfurchtsvoll und ant⸗ wortete: „Ich danke Cuch, gnädiger Herr, für Eure Güte. Auch mir hatte dieſe feierliche Audienz eine lockende Hoff⸗ nung eingeflößt. Ach! ich muß dieſes wohlthätige Ge⸗ fühl für immer aufgeben. Es ſei! Was mich betrifft, ſo werde ich ohne Furcht noch Rückſicht mein Leben der Größe meines Vaterlandes widmen, und mit Got⸗ tes Hülfe vollbringen, was ich der Gemeine gelobt habe. Glück und Friede, Herr Graf!“ Nach dieſen Worten folgte der Oberhauptmann dem Höfling, welcher auf den Ruf des Grafen in den Saal trat, und befand ſich gleich darauf wieder außerhalb des Steens auf dem Veerleplatze. Er ward auf dem Frei⸗ tagsmarkte von den dort wartenden Zunftgenoſſen mit anhaltendem Jubel begrüßt; allein er dankte der Menge nur durch ein Zeichen mit der Hand und begab ſich, von ſeiner Wache begleitet, mit raſchen Schritten nach ſei⸗ ner Wohnung.. Ende des zweiten Bandes. Vlän ——— . 3 3 2—y= —