deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und JCeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ——————— auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 4 Mk.— Pf. 3—„— „„„ 1— u. 5„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und G yr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Lersſu neeeif. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Em⸗ gens von tun⸗ ihme mme attet und Der Geizhals. Von Hendric Conſcience. Aus dem Vlämmiſchen von Dr. Edmund Zoller. Zwei Bändchen. een Stuttgart. Verlag der Franckh'ſchen Buchhandlung. 1852. Es liches 4 waren 4 wMmar die 3 Erwach⸗ lofigkeit ur Himmel Natur zu Tau jedem 7 und ſo entſtand eigenen Ni Weiße unter de das dun Kronen den un Conſe Es war Winter; der Schnee lag wie ein jungfräu⸗ liches Leichentuch über der Natur: Heide und Felder waren eingeſchlummert: alles ſchlief... aber ſo ruhig war dieſer Schlaf, ſo voll Hoffnung auf ein fröhliches Erwachen, daß ſelbſt der Aublick dieſer eintönigen Leb⸗ loſigkeit das Herz mit unbegreiflicher Freude erfüllte. Und kein Wunder! Droben an dem ſtillen, blauen man Geräuſch und Stimmen. Hier erdröhnte der Bo⸗ den unter den Schlägen der Dreſchflegel, dort erklang Conſeience, der Geizhals. 1 2 das ungeduldige Raſſeln der Kornmühlen und in der Ferne hörte man das einförmige Hacken der Flachsbreche oder das dumpfe Aechzen der Butterfäſſer. Dazu das zarte Lied der Mädchen und das helle Pfeifen der Männer... das Wiehern der Pferde, das Brüllen der Kühe, das klagende und ſanfte Blöcken der Schaafe.... Ein unbegreiflich ſchöner Lobgeſang, der zu Gott aufſteigt und ihm ſagt, daß ſeine Geſchöpfe ſich der Arbeit freuen und ihm für ihr Loos auf Erden danken! Ein einziges Haus blieb, mitten in dieſem Geräuſche, ſtumm und öde wie ein Grab. Es ſtand einige Bogen⸗ ſchüſſe von dem Dorfe entfernt und war offenbar die Ruine eines ehemaligen Kloſters, deſſen größter Theil zerfallen und abgebrannt war; denn aus dem umherliegenden Boden erhoben ſich noch da und dort die Schutthaufen dicke Mauern. Die Wohnung beſtand nur aus einer übergeblie⸗ benen Seite des Kloſters, deſſen gothiſche Fenſter mit alten Ziegelſteinen grob zugemauert waren; hohe Mauern, von vorſpringenden Strebepfeilern geſtützt, umſchloſſen Wohnung und Hof. Aber dies Alles war es nicht, was den Vorüber⸗ gehenden bei dieſem ſonderbaren Hauſe feſſelte und ſchmerzliche Gedanken bei ihm erweckte. Es lag über dieſem geheimnißvollen Orte— dem traurigen Ueberreſte früheren Glanzes und Reichthümer— ein Ton des Verfalls, der das Herz mit Wehmnth er⸗ füllte. Der Boden rings umher ſchien von wilder Zer⸗ ſtörungswuth aufgewühlt, hohe Schutthaufen und tiefe Gruben machten ihn beinahe unzugänglich. Die nackten Mauern der Wohnung waren von der Zeit beinahe zer⸗ freſſen und mit langen Riſſen durchzogen; die Strebe⸗ pfeiler überall zerbröckelt, einige lagen ſogar zuſammen⸗ geſtürzt bei der Mauer, die ſie ſtützen ſollten. Nirgends konnte man bemerken, daß eine Menſchenhand verſucht — hatte, beuger 5 das nicht von und f noch Schne eines 8 Kami mit d den S Gefül 1 eingeſ ſein 9 Schw 1 Jahre Unreg und 1 einflöf einer und g Dunke bei je Hälfte Lippen unedle 1 Theile Verſta gier. in der )sbreche as helle de, das ken der zu Gott ich der danken! räuſche, Bogen⸗ e Ruine gerfallen egenden tthaufen rgeblie⸗ ter mit Nauern, chloſſen orüber⸗ te und — dem mer— uth er⸗ er Zer⸗ dd tiefe nackten hhe zer⸗ Strebe⸗ ammen⸗ irgends verſucht v — 4 3 hatte, den Schaden herzuſtellen oder dem Zerfalle vorzu⸗ beugen. 3Bei der tiefen Stille, die hier herrſchte, würde man das Haus für unbewohnt gehalten haben, hätte man nicht auf dem Schnee einen gebahnten Weg bemerkt, der von der Thüre der Wohnung nach dem Dorfe führte und ſich etwas weiter in dem breiten Wege verlor. Bei noch größerer Aufmerkſamkeit konnte man ſelbſt in dem Schnee zwiſchen größeren Männertritten die Spuren eines zarten Frauenfußes erkennen...... Innerhalb dieſes Hauſes, unter einem breiten Kaminmantel, ſaßen zwei Perſonen, ſtumm und ſprachlos, mit den Füßen an der Glut und den Kopf zwiſchen den Schultern eingezogen, als ob ihnen die Kälte alles Gefühl geraubt. Der Eine war ein alter Maun mit grauen Haaren, eingeſunkenen Augen und bleichen ausgehöhlten Wangen; ſein Rücken war gekrümmt und ſeine Hände zitterten vor Schwäche, wenn er ſie bewegte. Der Andere war ein Mann von ungefähr vierzig Jahren und noch in der Fülle ſeiner Kraft. In der Unregelmäßigkeit ſeiner Geſichtszüge lag etwas Fremdes und Unerforſchliches, was Mißtrauen und Widerwillen einflößte. Seine kleinen, grauen Angen lagen tief unter einer hohen Stirne und ſchwarzen Brauen eingeſunken und glänzten in ihren Höhlen wie Leuchtwürmer in der Dunkelheit; ſeine Naſe, nach unten breit, bewegte ſich bei jedem Athemzuge; ſein Mund war groß und bis zur Hälfte der Wangen geſpalten, während um ſeine dicken Lippen ein Lächeln ſpielte, das Gefräßigkeit und ähnliche unedlen Begierden verrieth. Das Geſicht dieſes Mannes deutete in ſeinem oberen Theile auf Bosheit und Argliſt,— vielleicht gar auf Verſtand,— in ſeinem unteren Theile auf dumme Be⸗ gier. Aus dieſer Miſchung von Zügen entſtand ein 4 Ganzes, das ſchrecklich durch ſeine äußern Formen, noch ſchrecklicher durch den fittlichen Ausdruck wurde. Alles, was in dieſem Gemache die beiden Mänuer umgab, ſchien mit ihnen ſelbſt und ihrer Gemüthsart im Einklang zu ſtehen. Das weite Zimmer war gewölbt und durch ein hoch in der Mauer angebrachtes Fenſter erhellt, das mit dichten Eiſenſtäben geſchloſſen war, aber bei dem Mangel an Glasſcheiben dem Wind und Regen freien Zugang bot. Es herrſchte im ganzen Zimmer die größte Unrein⸗ lichkeit; der Boden war mit einer Lage Erde bedeckt; lange Spinngewebe zogen ſich von dem Gewölbe an der Mauer herab; in den dunkeln Ecken lagen Haufen von allerlei altem Gerümpel, ohne Form noch Zweck, unter welchem man zerriſſene Schuhe erkennen konnte. Und hing an der ausgebröckelten Wand oder ſtand auf dem Schaubrette auch das eine oder andere Hausgeräthe, ſo war es mit einer ſo dicken Lage Staub bedeckt, daß es außer allem Zweifel blieb, dieſe Gegenſtände mußten ſeit einer langen Reihe von Jahren unberührt geblieben ſein. Obgleich die beiden Männer mit ſchlechtgeflickten und ſchweren Kleidern bedeckt waren, die ſcharfe Kälte beklemmte doch ihre Bruſt; auch war es ein widerlicher Anblick, zu ſehen, wie ſie ihre Füße nach dem einzigen Stücke Torf ausſtreckten, der im Kamin rauchte, und wie ſie ſich mit dem Körper darüber krümmten, um keinen Wärmeſtrahl in den Schornſtein ſtrömen zu laſſen, ohne ſeine ganze Kraft eingeſogen zu haben. Sie fingen ſogar mit den Händen die ſchwachen Dämpfe auf, die ſich aus einem ſteinernen Topfe erhoben, der neben dem Torf in der Aſche ſtand. Der alte Mann ſaß bewegungslos und den Blick nach dem Heerde gerichtet, da: obſchon der Andere ſich nuͤr ſehr ſelten bewegte, ſagte⸗das unheimliche Zucken 2 ſeiner war. E zu erw die leiſe D. zuhalte auf! 3 ihn aue kalt?“ „ acht Ul unſer 7 „9 und de dem T an der Eßluſt zuathm aus; in wel⸗ B brachte vollem Salz noch tänuer thsart ſcch ein , das ei dem freien inrein⸗ eedeckt; an der n von Zweck, konnte. id auf eräthe, t, daß mußten blieben efflickten Kälte erlicher inzigen nd wie keinen , ohne fingen uf, die en dem n Blick ere ſich Zucken 5 ſeiner Augen doch, daß er mit ernſten Dingen beſchäftigt war. Er ſchien mit Ungeduld das Erwachen des Greiſes zu erwarten und auf dem magern und lebloſen Geſicht die leiſeſten Bewegungen zu beobachten. Nach Verlauf von noch einigen Augenblicken nahm er das eiſerne Blaſerohr und blies an dem Torfe, bis eine blaue Flamme aus dem Heerde aufſtieg. Der Alte faßte ſieberhaft ſeine Hand, um ihn zurück⸗ zuhalten und ſprach zitternd: „Wie, was thuſt Du, Thys(Matthias)? Hör' auf! Iſt der Torf nicht raſch genug abgebrannt, daß Du ihn auch noch in Stücke blaſen mußt? Haſt Du denn kalt?“ „Im Gegentheil,“ antwortete Thys,„aber es ſchlägt acht Uhr auf der Kirchenglocke: es iſt Zeit, daß wir unſer Frühſtück nehmen.“ „Nun?“ „Ich meinte nur, warm' Eſſen würde Euch gut thun, Jan⸗Ohm.“ „Warm'’ Eſſen ſchwächt den Magen,“ murmelte der Alte.„Und dann iſt auch der Torf ſo entſetzlich theuer!“ Indeſſen hatte Thys den Topf auf den Tiſch geſetzt und dem Oheim einen Löffel gegeben. Dieſer rührte in dem Topfe und blies hinein, als fürchtete er, ſich an der Koſt zu brennen. Obwohl der Oheim mit großer Eßluſt und gierigem Lächeln die duftenden Dämpfe ein⸗ zuathmen ſchien, ſah es doch keineswegs ſehr appetitlich aus; denn es war nichts anderes, als warmes Waſſer, in welchem große Stücke ſchwarzen Brotes ſchwammen. Bei dem erſten Löffel, den er an ſeine Lippen brachte, ſah der Greis ſeinen Kameraden mit vorwurfs⸗ vollem Blicke an und ſagte: „Thys, Thys, ich weiß nicht, wie Du ſo für das Salz ſein kannſt!“ „Nur fünf Körner, Jan⸗Ohm.“ „Und, was ſehe ich da? Fett? Butter zu dem 6 Brei? Ach, Du wirſt mir noch in meinen alten Tagen auf das Stroh verhelfen? Thys, Thys, das iſt nicht wohl gethan.“ „Ihr ärgert Euch unnöthiger Weiſe,“ antwortete der Andere,„Cäcilie hat geſtern Erdäpfel in dem Topf gewärmt, und ein großes Stück Butter darin geſchmolzen.“ „Ein großes Stück.“ „Ich hätte ja den Topf können waſchen und aus⸗ egen..“ „Nein, nein, das ſollteſt Du nicht thnn.“. „Ich habe mich auch wohl gehütet, nun haben wir doch etwas von dem Fett, das ſonſt verloren gegangen wäre.“ „Ich habe Unrecht, Thys; Du biſt ein braver Junge; und wenn mir auf meinem Todtenbette etwas übrig bleibt, ſo werd' ich Dir für Deine Sorge und Anhänglichkeit lohnen: davon ſei überzeugt.“ In dieſem Augenblick klopfte Jemand leiſe an die Thüre; man hörte deutlich eine furchtſame Stimme, die das Vaterunſer betete. „Die Frau von Jan, dem Maurer,“ murmelte Thys mit einer Bewegung mürriſcher Ungeduld.„Sie hat noch nie etwas bekommen, und jeden Tag erſcheint ſie aufs neue. Was ſoll dieſe Hartnäckigkeit? Sie ſcheint bezahlt, um mich zu ärgern!“ Alle Wetter!“ rief Jan⸗Ohm,„geben! immer geben! Thys, ſteh' auf und jag die Faulenzer fort.“ Die Thüre ging langſam auf: eine arme magere Frau trat auf die Schwelle, ein Mädchen an der Hand führend, das vor Kälte zitterte. Sie ſprach nicht, ſondern betete fort. Thys war aufgeſtanden und rief der Frau barſch zu: „Zur Thüre hinaus! Hier wird nichts gegeben! Das ſchleicht nur ſo ins Haus herein! Ihr wollt wohl ſehen, ob nichts zu ſtehlen iſt? zu arbeiten ſeid ihr zu faul. Hinaus, hinaus, und das raſch!“ 1 herber Thys nicht ſo der Schn hende die 2 lachen Dieb Früh Very Nam mehr wird deriſ davo was anzü Jan⸗ böſe ziehe unſe ſchle verg dank n Tagen iſt nicht twortete em Topf molzen.“ ind aus⸗ aben wir gegangen braver te etwas erge und 2an die nme, die murmelte „Sie erſcheint ie ſcheint immer ort.“ magere der Hand „ſondern arſch zu: gegeben! ollt wohl d ihr zu 7 Die arme Frau kehrte ſich um und wollte die un⸗ herbergſame Wohnung verlaſſen: aber ſei es nun, daß Thys es aus bloßer Bosheit that, oder daß die Bettlerin nicht raſch genug fortging, er ſtieß ſie und ihr Kind ſo derb in den Rücken, daß das arme Mädchen in den Schnee fiel und laut zu ſchreien begann. Mit zornglü⸗ henden Augen und drohendem Finger ſagte die Mutter: „Das wird Euch Gott lohnen, Böſewicht!“ Aber Thys, ohne ihre Drohung zu beachten, ſchlug die Thüre mit heftiger Gewalt hinter ihr zu und kehrte lachend zum Tiſche zurück. Nach einer Reihe von Verwünſchungen gegen Bettler, Diebe und Faulenzer, fuhren ſie wieder ruhig mit ihrem Frühſtücke fort. Der Ohm fragte: „Wie findeſt Du den Brei?“ „O, ſehr ſchmackhaft, Jan⸗Ohm! Und Cäcilie, die Verwöhnte, ſie nennt es Hundekoſt!“ Man konnte es an ſeinen Augen ſehen, daß er den Namen Cäcilie mit Abſicht nannte. „Aber Thys, ſiehſt Du nicht, daß Cäcilie immer mehr vom rechten Pfad abirrt?“ fragte der Greis.„Sie wird üppig, hoffärtig in ihren Kleidern, verſchwen⸗ deriſch....“ „Ob ich es ſehe, Jan⸗Ohm! Ich ſpreche nur ſelten davon; denn Cäcilie iſt Euer Zuckerkind; ſie darf thun, was ſie will: Butter eſſen, ſchöne Kleider tragen, Feuer anzünden, Geld weggeben! Ich hab' Mitleiden mit Euch, Jan⸗Ohm, und erſchrecke, wenn ich daran denke, welch' böſe Folgen dieſe blinde Liebe zu ihr noch nach ſich ziehen kann; aber ich habe noch mehr Mitleiden mit unſerer armen Cäcilie, die verführt wird und auf der ſchlechten Bahn nach und nach zu Grunde geht.“ „Wie viel iſt noch von der Butter übrig, die Du vergangene Woche gekauft?“ fragte der Oheim in Ge⸗ danken verſunken. 8 „Das halbe Pfund iſt bereits wieder beinahe auf⸗ gezehrt,“ war die Antwort. „Aufgezehrt? Wir müſſen alſo ſchon wieder einen halben Silberfranken an ihre Ausſchweifung rücken? Ach Gott, ach Gott!“ „Morgen, Jan⸗Ohm.“ Thys ſah mit verborgener Freude, wie der Greis in der Verzweiflung die Hände an den Kopf ſchlug und ſich krümmte. Ein ſonderbares Lächeln lief über ſein häßliches Geſicht, indem er fortfuhr: „Ja, glaubt es oder glaubt es nicht, Jan⸗Ohm, aber ich ſage die Wahrheit. Cäcilie wird bei Mutter Ann in Grund und Boden verdorben. Sie geben ihr dort lauter üppiges Eſſen, ſie zünden ein Feuer an, daß man das Haus damit abbrennen könnte, und ſpotten über uns, um ihr Abſcheu gegen uns einzuflößen. Daß Cäcilia immer außer dem Hauſe iſt und ſich beträgt, als ob das Geld auf Eurem Rücken wüchſe, das iſt nur die Schuld der Wittwe; aber die ſcheinheiligen Leute wiſſen wohl, was ſie thun! Es iſt nur Geld, das ſie auf Zinſen legen und das ihnen tauſend vom Hundert bringen muß.“ „Nun, Thys, Mutter Ann iſt arm; bei dem Tode ihres Mannes konnte ſie die Kirchenſporteln nicht mal bezahlen;— freilich mußte ſie einen hartholzenen Sarg haben und vier Meſſen leſen laſſen. Du ſprichſt von Geld, von Verſchwenden, von auf Zinſen legen? ich be⸗ greife das nicht.“ „Seht, Jan⸗Ohm,“ antwortete der Andere mit verſtelltem Kummer,„ich mag es nicht verſchweigen, es liegt mir ſchon lange auf dem Gewiſſen! Und dann, die Liebe, die ich meinem Wohlthäter ſchuldig bin, gebietet mir.. „Was bedeuten dieſe unheimlichen Worte? Du machſt mir bange!“ „Es iſt Grund genug vorhanden, armer Jan⸗Ohm!— Horcht nur, ich will Euch etwas ſagen, das Euch ſtaunen lahe auf⸗ der einen ken? Ach er Greis hlug und über ſein an⸗Ohm, Mutter eben ihr euer an, ſpotten n. Daß rägt, als nur die te wiſſen if Zinſen n muß.“ em Tode icht mal en Sarg ichſt von ich be⸗ ſere mit gen, es ann, die gebietet u machſt Ohm!— ſtaunen —— 9 machen ſoll; aber um Gotteswillen, bleibt ruhig und kalt; wenn es Euch zu ſehr betrübte, ich könnt' es mir nie verzeihen.“ „Nun? Nun?“ „Ihr wißt wohl, Jan⸗Ohm, daß Mutter Ann einen Sohn hat?“ „Ja, den kleinen Bart(Bartholomäus); der diebiſche Schurke, der unſere Aepfel ſtahl, ehe die Mauer ihm den Weg verſperrte. Wenn er älter wird und nicht an den Galgen kommt, ſo hat er ſein Ziel verfehlt.“ „Ja, lieber Jan⸗Ohm, das iſt ſchon lange her; damals war ich noch nicht hier. Das Kind iſt ein junger Mann geworden. Nun treibt er anderes Zeug, das um kein Haar beſſer iſt. Sonntags und zuweilen in der Woche, wenn auch etwas zu thun iſt, geht er in die Wirths⸗ häuſer; er trinkt Bier in ganzen Kannen; er ſingt, tanzt, lacht und iſt vornedran, wo das Liedchen:„Freut Euch des Lebens“ erklingt.“ „Ja, ja,'s iſt'ne Schande! Und was ſagt Mutter Ann dazu?“ „Ja, die iſt vom ſelben Butter; die iſt ſo vernarrt in ihren Sohn, als ob er ſchon im Kalender ſtünde. Und wißt Ihr nun, warum man Cäcilia auf dem Kapellenhofe ſo verhätſchelt, warum man ihr das leckere Eſſen giebt, und ſie zu feſſeln ſucht, indem man ſie unerſättlich, hoffärtig und verſchwenderiſch macht?“ „Warum?“— „Weil die Wittwe etwas zwiſchen ihrem Sohn und Cäcilia anzuſchmieden ſucht; weil ſie ihren Sohn mit Surer Nichte verheirathen will. Begreift Ihr nun, Jan⸗ hm?“. Der Greis ſchüttelte bedenklich den Kopf, wie Jemand, der zweifelt und das Gehörte nicht zuſammenzureimen weiß. „Ich begreife wohl,“ ſagte er,„aber was iſt daran 10 ſo Schreckliches, was mich zittern machen ſollte? Ich kann Cäcilia doch nichts zum Brautſchatz mitgeben.“ „Guter Jan⸗Ohm!“ rief Thys mitleidig aus,„Euer gerader Sinn und edelmüthiges Herz kann ſo viel Falſch⸗ heit und Eigennutz nicht faſſen. Ich will klarer ſprechen 4 ic.Mutter Ann iſt arm; ihr Sohn auch. Ihr ſeid reich..... „Oh, oh!“ rief der alte Mann mit Entſetzen, als hätte er eine Gottesläſterung gehört.„Reich? Ich reich? Wer lehrt Dich ſolch' böſe Läſterworte?“ „Nun, nun, Jan⸗Ohm, ich weiß zur Genüge, wie viel Mühe wir haben, die beiden Enden des Jahres zu⸗ ſammen zu knüpfen. Aber Mutter Ann macht ihre Rech⸗ nung ſo.... Laßt mich eineu Augenblick verkehrt denken, wie die Wittwe... Sie iſt arm, Ihr ſeid reich; Cäcilia iſt Erbin der Hälfte von dem, was Ihr hinter⸗ laſſen werdet. Verheirathet ſie mit dem Sohn der Wittwe, dann bekommen dieſe Verſchwender einſt den ſchönſten Theil Eures Vermögens in die Hände. Kein Wunder drum, daß ſie ſich jetzt ſelbſt in Schulden ſtecken, um Eure Nichte zu verlocken; es iſt eine Leibrente auf Euch, die ihnen tauſend für hundert bringt. Begreift Ihr nun?“ Der Oheim ſah Thys mit aufgeriſſenen Augen und bangem Ausdrucke an. Dieſer ſchien Freude an der wachſenden Unruhe des Greiſes zu finden und fuhr mit heftigem Nachdruck fort: „Seht Ihr, Jan⸗Ohm, die Betrüger hoffen, daß Ihr nicht mehr lange zu leben habt. Kaum wird der alte Geizhals— ſo heißen ſie Euch— unter der Erde liegen, ſo wird auch der Spielmann bei ihnen auf s Dach kriechen, ſie werden trinken, praſſen, luſtig ſein; Bart wird in den Herbergen ſchlemmen und toben,— und ſo werden ſie, in Schande und Ausſchweifung, das Wenige vergeuden, was Ihr ſo mühſam zuſammenge⸗ ſpart.... Aber das Schlimmſte von Allem iſt, daß unſere arme Cäcilie am Ende vom Liede auf dem Stro irrun ehe aus bung Ohei währ glaul den mend bevol keit konnt Hand Stro Mitle Du! bisch mein ich ſ ach, beſit und Du theilt 2 Ich n.“* „Euer Falſch⸗ prechen ihr ſeid en, als reich? e, wie res zu⸗ e Rech⸗ verkehrt reich; hinter⸗ Wittwe, hönſten Wunder n, um f Euch, nun?“ gen und an der ihr mit n, daß dird der er Erde n auf's i ſein; ven,— ng, das menge⸗ ſt, daß uif dem 11 Stroh ſitzen und dann ihr Leben lang über ihre Ver⸗ irrung weinen wird. Der gute Gott möge das verhindern.“ Ein peinlicher und langer Huſten überfiel den Greis, ehe er ſprechen konnte; es war ein ſchrecklicher Ton, der aus ſeiner Bruſt hervorbrach und von der düſtern Wöl⸗ bung des Zimmers wiederhallte. Thys war aufgeſtanden und hielt dem leidenden Oheim eine hölzerne Kufe mit Waſſer vor den Mund, während er ihm ſanft auf den Rücken klopfte. Man hätte glauben ſollen, daß er wirklich eine grenzenloſe Liebe für den Greis fühle; ſeine Stimme war ſo ſanft und theilneh⸗ mend, er tröſtete den alten Mann ſo freundlich! Ein lie⸗ bevoller Sohn kann ſeinem Vater nicht mehr Aufmerkſam⸗ keit beweiſen. Endlich hörte der Huſten auf; der arme Oheim konnte wieder Athem holen. Er ergriff zitternd Thys“ Hand und ſagte in ſchmerzlichem Tone, während ein Strom von Thränen über ſeine Wangen rollte: „O habe Dank, mein guter Freund, Du allein fühlſt Mitleiden mit mir. Die andern wünſchen meinen Tod ... Cäcilia, die ich geliebt wie mein eigen Kind, auch Du biſt undankbar!... O wehe mir! ſie werden das bischen Geld, das ich mir vom Munde abgeſpart, nach meinem Tode im Uebermuth vergeuden.... Gott, wenn ich ſterben müßte, mit dieſer ſchrecklichen Furcht! Und, ach, ſie können ſagen, daß ich reich bin, Thys?“ „Sie heißen Euch den reichen Geizhals.“ „Sie denken vielleicht, daß ich hunderte von Gulden beſitze?“ „Fünfzig Tauſend, ſagt die Wittwe.“ „Ach, ach!“ rief der Greis,„ſo werden Armuth und Tugend verläſtert.— Aber Thys, mein Freund, Du weißt es wohl beſſer, nicht wahr, Du, der mein Elend theilt und mir in meiner Noth beiſteht?“ „Es ſind giftige Zungen, Jan⸗Ohm! Doch hätt' es 12 nicht viel zu bedeuten, wenn Ihr unſere unglückliche Cäcilie aus den Stricken ihrer Verführer retten könntet.“ „Ja unſere Cäcilia.... und mein Geld!“ ſeufzte der Greis.„Ach, Thys, wär' ich jünger, würd' ich Schlemmer, Praſſer und Verſchwender!... Aber nein, ich möchte am Ende Hungers ſterben müſſen.“ Es folgte dieſen Worten eine kurze Pauſe. Der alte Oheim ſchien vom Fieber gepackt und wurde zugleich von ſchlimmen Ahnungen gemartert. „Beruhigt Euch und ſchöpft friſchen Muth, Jan⸗ Ohm,“ ſprach Thys mit tröſtenden Worten.„Sie ſind noch nicht ſo weit, dieſe häßlichen Betrüger. Cäcilie weiß vielleicht von ihren böſen Abſichten noch nichts. Das Mädchen wird verführt, die Arme! Es iſt wahr, ſie ſteht am Abgruude, doch ſeid verſichert, mit gutem Willen und muthigem Entſchluſſe wird ſie noch zu retten ſein.“ Der Alte ſah ihn mit hoffnungsvollen Blicken an und ſagte bittend: „Ach ja, Freund, um Gotteswillen, rathet mir, was ich thun muß: mein Verſtand iſt ſchwach, der Kummer trübt meinen Geiſt.“ „Es iſt ganz einfach, Jan⸗Ohm. Wenn Ihr hindern wollt, daß Cäcilia jetzt, oder nach Eurem Tode, mit einem Verſchwender in die Ehe gehe, der ihr Erbe ver⸗ praßt und ſie in's Elend ſtürzt, nun, ſo verbindet ſie mit einem ſparſamen Manne, der ſie glücklich machen kann.“ „Mit einem ſparſamen Manne,“ wiederholte der Ohm nachdenklich,„in der That!.....“ Nach langer Ueberlegung ſeufzte er niedergeſchlagen: „Umſonſt! Ich ſuche vergeblich durch das ganze Dorf und finde Niemand. Die braven Leute, die ich kenne, ſind ſo alt als ich; die andern leben in Ueppigkeit und Uebermuth..... 4 „Ich doch nicht,“ murmelte Thys halb lächelnd. 6 und ſ allein Einzit nicht ſchien I reich, zu w I aber mit! ihrer die N und d . barker verab ihr S ſorger wird, kann Freur . Tone auf d Thys 1 der e Cäcil um o wirſt lückliche onntet.“ ſeufzte ürd' ich r nein, der alte ich von Jan⸗ Bie ſind lie weiß Das ſie ſteht len und 74 ken an det mir, h, der hindern ſe, mit be ver⸗ ndet ſie machen lte der chlagen: ganze die ich ppigkeit Ind. 13 Der Oheim ſah ihn mit freudigem Erſtaunen att und ſagte:. „Ach! wie kann ein Menſch ſo blind ſein? An Dich allein würd' ich nie gedacht haben und doch biſt Du der Einzige, der für ſie taugt. Aber Thys, Du wirſt ſie nicht wollen, Du liebſt ſie ja nicht?“ Thys ſenkte den Kopf auf die Bruſt herab und ſchien verlegen. „Ich weiß es nicht,“ ſeufzte er,„aber wäre ich reich, ich gäbe all' mein Vermögen her, um ſie glücklich zu wiſſen.“ „Dann muß Deine Liebe allerdings groß ſein, Thys, aber leider, mein Freund, mag ſie Dich nicht. Freilich mit Unrecht. Der Abſcheu ſcheint auch nur eine Krankheit ihrer Einbildung zu ſein.....“ „Ich weiß, daß ſie mich haßt,“ fiel Thys ihm in die Rede,„ich bin überzeugt, daß ſie mich haſſen wird und daß ich unglücklich mit ihr werden würde.“ „Und Du willſt ſie dennoch zur Frau?“ „Das Gefühl des Mitleidens mit ihr, meine Dank⸗ barkeit gegen Euch treiben mich zu dieſem Opfer. Sie verabſcheut mich in ihrem Wahne; aber ich will ſie retten, ihr Schutzengel ſein, ſo lange ſie lebt, für ſie ſparen und ſorgen; und wachen, daß das Wenige, was ſie bekommen wird, in Ehren erhalten bleibt.— Und vielleicht— wer kann es wiſſen— wird ſie mir am Ende mit ihrer Freundſchaft lohnen.“ Dieſe Worte, welche in großmüthigem und ſtolzem Tone geſprochen wurden, machten einen tiefen Eindruck auf das Gemüth des Greiſes; er ergriff die Hand von Thys mit Rührung und ſagte: „O habe Dank, edelmüthiger Jüngling; Du biſt der einzige aufrichtige Menſch, den ich kenne. Du wirſt Cäcilie heirathen, mit ihr bei mir wohnen, mir helfen, um ohne noch größer Elend mein Grab zu erreichen; Du wirſt noch nach meinem Tode ſorgen, daß mein erſparter Pfennig, wenn etwas uͤbrig bleibt, nicht vergendet werde? Gott ſegne Dich; ich nehme Dein Opfer als eine Wohl⸗ that an.“ „Iſt Euer Entſchluß gefaßt, Jan Ohm?“ „Unwiderruflich, guter Thys!“ „Aber wenn ſich Cäcilia weigert?“ Der alte Mann zog die Schulter in die Höhe und ſchwieg, wie Jemand, der nicht antworten mag. „Immer derſelbe!“ ſcherzte der Andere mit miß⸗ müthiger Ungeduld. „Sie bezaubert mich ſo leicht. Laß mir ein wenig Zeit, ſie zu überreden. Thu' inzwiſchen auch etwas; ſei freundlich gegen ſie, ſprich mit ihr, ſchelte nicht ſo heftig um ein Stückchen Butter mehr oder weniger, halte ein gutes Stück Torf bereit, wenn ſie nach Hauſe kömmt...“ „Wie ſeid Ihr ſo ſchwach, Jan⸗Ohm,“ ſpottete der Andere,„wenn die Untugend ſich irgendwo eingeniſtet hat, iſt ſie nicht mit einem Stückchen Butter wieder zu vertreiben“ „Nun, nun,“ antwortete der alte Maun halb ärger⸗ lich,„geht es nicht mit Güte..... ſo werden wir ſehen.“ Bei dieſen Worten ſtand er auf, ging nach einer Thüre und ſagte huſtend: „Ich gehe hinauf, ich bin müde. Bis Mittag... und thue nicht zu viel Salz in die Rüben.“ „Sie ſind gefroren, Jan⸗Ohm.“ „Dann ſind ſie um ſo mürber, Thys.... Und nimm denſelben Topf, er iſt noch vom Fett durchdrungen.“ Der Ohm verſchwand. Unmittelbar darauf hörte man das Geräuſch ſeiner Schritte auf der Treppe. Thys blieb lauſchend ſtehen, bis er zwei oder drei Thüren hatte ſchließen hören. Dann veränderte er plötzlich ſeine Haltung. Sein halbgekrümmter Rücken wurde wieder gerade, ein ſpöttiſches Lächeln umzog ſeine Lippen, ſeine Augen rollten ſchnell unter der ſie 2 Schra halbw ſtrich Blicke mit u Alles Schor Bindf Cent Stück alte E Fett Als Nacht in der bleibt mein beſor thun Nacht iſt de lieben einen das verde? Wohl⸗ he und t miß⸗ wenig as; ſei heftig lte ein mt...“ ete der geniſtet eder zu ärger⸗ in wir h einer G... . Und ungen.“ hörte e. der drei Sein öttiſches ſchnell 1⁵ unter den Brauen.... Er ſchien vergnügt, wie Jemand, der ſich eines errungenen Sieges freut. Auf den Spitzen ſeiner Zehen näherte er ſich einem Schrank, nahm ein Brot heraus, das zum mindeſten halbweiß ſchien, ſchnitt ein großes Stück Butter ab und ſtrich ſie einen halben Finger dick darauf. Mit ſtrahlendem Blicke ſetzte er die Zähne ein und verſchlang das Brot mit unbegreiflicher Gier. Er ſchloß den Schrank, ſtellte Alles wieder auf ſeinen Platz und ſetzte ſich unter den Schornſtein, wo er noch ein Torfſtück auf das Feuer legte, und mit dem eiſernen Rohr zu blaſen begann, daß eine rothe Flamme aus dem Kamin aufſtieg. Nachdem er ſich die Hände mit dem Ausdruck eines großen Ge⸗ nuſſes einen Augenblick gerieben, wurde er ruhiger und ſprach bei ſich ſelbſt, während ein boshaftes Lächeln ſein Geſicht verzog: „Ach, der einfältige Geizhals! Er würde einen Bindfaden in vier Fäden zerbeißen. Wenn er einen halben Cent ausgeben muß, kehrt er ihn zehnmal um, als ob's ein Stück von ſeiner Seele wäre. Bald wird er gar noch alte Schuhe kochen, weil ſie möglicher Weiſe mal mit Fett geſchmiert worden. Und er iſt ſo arm, ach ſo arm! Als ob ich nicht wüßte, warum er die Thüren ins Nachtſchloß legt, wenn er da oben iſt.— Nun wühlt er in den Zehnguldenſtücken, der Geizhals! Um ſo mehr bleibt aber zurück; und ich will ſchon machen, daß ich mein Theil davon kriege....“ Nach einer kurzen Pauſe fuhr er ſinnend fort: „ s iſt doch ſeltſam, daß der alte Geldteufel darum beſorgt iſt, was man nach ſeinem Tode mit dem Gelde thun wird. Er iſt im Stande wiederzukommen und des Nachts zu ſpucken. Unter allen Dummheiten der Welt iſt doch der Geiz die dümmſte Dummheit. Das Geld lieben, nur weil es glänzt! ebenſogut könnte man in einen Haufen Porzellainſcherben verliebt ſein. Nein, iſt das Geld der Gott der Welt, ſo thut ſein Glanz nichts 16 dazu. Es iſt der Teufel des Doctor Fauſtus: wer dieſen zu ſeinen Dienſten hat... ein Wunſch und es iſt da! Ach! ſo lieb' ich das Geld... mehr noch als Jan⸗ Ohm. Laß den Geizhals nur todt ſein; dann mag er kommen und ſehen, ob ich mir von Roggenbrot und Waſſer die Finger ablecke, um den Hunden aus der Nachbarſchaft in's Handwerk zu greifen!— Dieſes Spinnwebenhaus läßt ſich mit wenig Koſten in ein kleines Schloß umwandeln, ſchön bemalt von innen und von außen, bequeme Stühle, ſchöne Kleider, fette Küche, viel Fleiſch, immer gutes Bier— und wer weiß, wenn viel übrig bleibt— dann wohl auch mal Wein und Wildpret — und ein Pferd vielleicht,— und den gnädigen Herrn ſpielen, einen Bedienten halten und die Bauern ſchinden. Und deßhalb doch ſparſam leben; denn wer nichts verſchenkt, der kann es lange aushalten.... Cäcilie muß die Hälfte von allem erben; ſie iſt die Einzige von ihrer Familie, — und wenn die übrigen Erben uur nicht in den Weg treten, werde ich die andere Hälfte ſchon bekommen, bin ich auch nicht von der Verwandtſchaft. Wir werden ſehen! Als ich mich von Jan⸗Ohm auf dem Kloſterhofe an⸗ werben ließ, und mir zum niedrigſten Sclaven ſeiner geringſten Wünſche und Grillen machte, berechnete ich ſeine Lebenszeit auf vier oder fünf Jahre. Nun ſind bereits zehn Jahre verfloſſen; ich bin in meinen Kräften herabgekommen:— die Hälfte iſt nicht mehr genug, Alles muß ich haben.... Aber Cäcilie! da liegt der Knoten. Ich muß freundlich ſein, von Heirathen mit ihr ſprechen. Wie das anfangen? Aber, wenn ich ſie liebte? Ich glaube wirklich, daß ich etwas für ſie fühle. Nun, nun, keine Tollheiten; es würde mir nicht gelingen. Ich bin nicht ſchön genug, um es zu verſuchen. Es gibt andere Mittel, ebenſo wirkſam, vielleicht noch wirkſamer.“ Nach einer kurzen Pauſe verfinſterte ſich plötzlich ſein Geſicht, und die Augen zu Boden richtend, mur⸗ melte er: nen P C ſicht; d tend: 8 daß es andere Garter hervor Sprüch Ht In hauſung ſtand eir zeugten, der Bar aber aue Felder i rings un Treiben, der den poetiſche Bei die Luft chen, um Conſc r dieſen iſt da! 8 Jan⸗ mag er ot und ius der Dieſes kleines nd von he, viel enn viel Vildpret n Herrn en. Und rſchenkt, Hälfte Familie, en Weg en, bin nſehen! ofe an⸗ ſeiner tete ich un ſind Kräften genug, egt der hen mit mich ſie e fühle. elingen. Es gibt iſamer.“ plötzlich „ mur⸗ 17 „Wenn ſie unerſchütterlich bliebe? Wenn alles mei⸗ nen Plänen zuwider ginge!“. Ein hölliſcher Ausdruck verzog krampfhaft ſein Ge⸗ ſicht; doch faßte er ſich ſogleich wieder und ſagte ſpot⸗ tend: „Warum ſollte der Menſch ſich ärgern, ehe er weiß, daß es nöthig iſt. Erſt verſucht, und geht es nicht, dann andere Saiten aufgezogen. Indeſſen gehe ich in den Garten und hole für Jan⸗Ohm Rüben unter dem Schnee hervor, und unterwegs erſinne ich mir ein paar gute Sprüchlein, wenn Cäcilia nach Hauſe kommt.“ Hohnlachend verſchwand er durch die Hinterthüre. II. In einiger Entfernung von der unheimlichen Be⸗ hauſung des Geizhalſes, am Ende der nackten Haide, ſtand ein geringer Pachthof, deſſen Lehmmauern davon zeugten, daß ſeine Bewohner zu dem geringſten Stande der Bauern gehörten. Wie armſelig dieſe Wohnung aber auch ausſah, wie einförmig weiß die umliegenden Felder in dieſem Augenblicke waren, es herrſchte doch rings um die niedere Wohnung ein reges Leben und Treiben, ja über dem Ganzen lag ein heiterer Ton, der den Ort ſo reizend machte, wie ein Bild, das die poetiſche Phantaſie eines Künſtlers geſchaffen. ei dem Ziehbrunnen, der ſeine langen Arme durch die Luft auf und nieder bewegte, ſtand ein Bauernmäd⸗ chen, um Waſſer zu ſchöpfen, und die Wurzeln für das Conſcience, der Geizhals. 2 18 Vieh zu waſchen. Sie hatte ein friſches Geſicht, geſund und roſig, wie eine Blume. Sie ſcheute ſich nicht, ihre bloßen Arme in das halb gefrorene Waſſer zu tauchen, und ſang mit heller Stimme, ſo fröhlich und ſo laut, daß man durch ihr luſtiges Lied unwillkürlich von dem kommenden Mai träumte. Neben der Thüre der Wohnung ſtand ein junger Bauer, ebenſo geſund als das Mädchen. Seine ſchönen Augen verriethen ein friedliches Gemüth und ein liebe⸗ volles Herz; ſein ganzes Geſicht, voll klugen Ausdrucks, ſchien das Leben anzulachen. Es lag in ſeinen Zügen und ſeiner Haltung etwas ſo Geiſtiges, ſo Keckes und doch zugleich ſo Feines, daß man ihn unter hundert Bauernjungen ſeines Alters unbedingt als Denjenigen bezeichnet hätte, der in Hinſicht des Muthes und des Verſtandes der Begabteſte ſei. Er war damit beſchäftigt, lange Zweige eines Ha⸗ ſelnußbaumes zu Reifen zu ſpalten, und förderte raſch ſeine Arbeit. Seine Bewegungen waren flink: die Zweige flogen ihm durch die Hand. Er änderte jeden Augenblick ſeine Stellung: es war, als ob er Luſt hätte, bei ſeiner Arbeit zu tanzen. Und wirklich, während ſeine Schweſter bei dem Ziehbrunnen ihr trippelnd Liedchen ſang, pfiff er ihr nach, und bewegte, ohne es zu wiſſen, Hand und Fuß nach dem Tacte des Liedes. Ein ſchwarzer Hund wedelte um den Jungen her, ſprang ihm ſpielend an die Hand, und kläffte bisweilen, als wollte er ſeine Stimme gleichfalls mit dem Liede paaren. In den benachbarten Kirſchenbäumen ſaß das liebe Rothkehlchen; im Gebüſche des Ufers ſang die Bachſtelze ihr helles Lied, während der kleine Zaunkönig durch Strauch und Hecken hüpfte. Zwiſchen all' dies goß die Sonne ihren Lichtſtrom: der Schnee erglänzte in einem Diamantenfeuer auf dem Dach der mit Roſe ei ſich tiefer chen ſchm Der wieder a „Ba Narrenka mich zum „Ja junge M es arg m mehr Ge „St Oder ge „Ja wird Zeit ſehen.. geheim g Er und zo „Ecke des und mit „Nu murmelte ſcht, geſund nicht, ihre zu tauchen, id ſo laut, h von dem ein junger ine ſchönen ein liebe⸗ Ausdrucks, nen Zügen Keckes und er hundert Denjenigen und des eines Ha⸗ derte raſch die Zweige Augenblick bei ſeiner Schweſter ang, pfiff Hand und ungen her, bisweilen, dem Liede das liebe Bachſtelze nig durch Lichtſtrom: r auf dem 19 Dach der armen Wohnung, Garten und Felder ſchienen mit Roſen⸗ und Purpurfarbe übergoſſen. Sei es, daß das Lied zu Ende war, oder daß ſie ſich tiefer auf die Kufe herabbeugen mußte, das Mäd⸗ chen ſchwieg. Der Junge warf ſeine Mütze in die Luft, fing ſie wieder auf, und ſang zu einer hübſchen Melodie: „Laßt Verdruß und Kummer fahren, „Zieht die blaue Schürze an! Hört das Singen froher Schaaren, „Und das Blaſen der Fanfaren, „Flöt' und Trommel ziehn voran. „Fort mit Kummer und mit Pein, „Morgen ſoll die Kirmeß ſein!“ „Bart, Bart,“ ſcherzte das Mädchen,„du haſt deine Narrenkappe wieder auf; deine Poſſenſtreiche bringen mich zum Lachen!“ „Ja, liebe Wantje“(Johanna), antwortete der junge Mann„laß mich, oder ich mache Tollheiten, daß es arg wird.— Ach, ich bin ſo vergnügt, als ob ich mehr Geld hätte, denn Cäciliens Oheim.“ „So! und warum? Es iſt ja nichts geſchehen.“ Oder gehſt Du Montag vielleicht auf den Jahrmarkt?“ „Ja, auf den Jahrmarkt muß ich wohl gehen; es wird Zeit, Wanna, daß wir uns nach einem Ferkel um⸗ ſehen.... Doch, das iſts nicht. Ich hab' es ſo lange geheim gehalten: aber, komm', Du ſollſt es auch wiſſen.“ Er ging zu ſeiner Schweſter, nahm ſie an dem Arm, und zog ſie mit ſo geheimnißvoller Miene hinter die „Ecke des Hauſes, daß das Mädchen ihn ganz verwundert und mit aufgeriſſenen Augen anſah. „Nun, was bedeutet das? Was geht denn vor?“ murmelte ſie. 20 „Still!“ ſagte Bart mit halber Stimme, und dann ſeinen Mund zu ihrem Ohr neigend, fragte er: „In welchem Monat des Jahres ſtehen wir, Wantje?“ „Laß ſehen! Vergangene Woche waren wir noch in dem erſten Monate; ich glaube, daß wir nun ſchon in dem kurzen Monat ſtehen.“ „Morgen iſt der vierte Tag des kleinen Monats. Und weißt du wohl, Wantje, welcher Heilige auf dieſen Tag im Kalender ſteht?“ „Wie kann ich das wiſſen?“ „Die heilige Johanna!“ rief der Junge mit außer⸗ ordentlicher Freude. „Die heilige Johanna. Die Patronin der Mut⸗ ter!“ wiederholte das Mädchen, während ſie ihren Blick neugierig auf ihren Bruder heftete. „Ich bin ein Tollkopf, nicht wahr, Wantje?“ lachte der Junge,„und doch, wenn ich nicht daran dächie, Ihr hättet es vergeſſen.“ „Aber das iſt doch nichts, worüber man ſo ausge⸗ laſſen ſein könnte, wenn es auch eiue große Freude ſein muß. Wir werden Kuchen backen, Kaſtanien braten, Gerſtenbier trinken, Geſchichten erzählen und Räthſel aufgeben. Sieh zu, daß du was Neues kannſt, Bart.“ „Ja, Wantje. Das iſts Alles noch nicht, weßhalb ich ſo vergnügt bin. Willſt Du ſchweigen? Der Mutter nichts ſagen?“ „Nein, kein Wort.“ „Nun, ſo höre. Ich habe mit dem Reifenmachen ſchon einen hübſchen Stüber verdient, das weißt Du. Dieß Jahr werden wir zum erſten Mal, wenn Pacht und Steuer bezahlt ſind, etwas überbehalten. Ich hab' da nun wieder einen ganzen Karren voll Reifen bereit liegen— und die Mutter weiß es nicht; ich kriege von jedem Bündel einige Cents mehr, als früher. Morgen fahre ich nach der Stadt, ich liefere meine Reifen ab, ich werde Seite ſche „Pft das Wor „Nic reden,— ſo darfſt: geſehen, iſt, und d nahe, wer „Ja, ſchon gede Dieſe antwortet „Ich kaufen, ſo hofe kein gelb, blau ſehen kann „Ach, eine Freu „Ja, Mann for men haben ſieben Rät Fleiß gele Mutter g. wir lachen kommen m die Mutter Winter eit ihr das ſch und dann hen wir, r noch in ſchon in Monats. auf dieſen it außer⸗ der Mut⸗ hren Blick 2“ lachte n dächie, ſo ausge⸗ keude ſein braten, Räthſel „Bart.“ weßhalb r Mutter eenmachen eißt Du. an Pacht Ich hab; fen bereit riege von Morgen eifen ab, 21 ich werde bezahlt, und kann von dem Geld etwas bei Seite ſchaffen, ohne daß die Mutter es merkt.“ 1 „Pfui, Bart,“ fiel ihm das Mädchen unwillig in das Wort,„ich werde es gleich der Mutter ſagen.“ „Nicht ſo raſch zu Pferd, Wantje! Laß mich aus⸗ reden,— und wenn Du nicht ſelbſt vor Freude tanzeſt, ſo darfſt Du mich einen Lügner ſchelten. Haſt Du nicht geſehen, Wanna, daß der Mutter Halstuch abgeſchaben iſt, und daß ſie ſo arm ausſieht. Ich ſchäme mich bei⸗ nahe, wenn ich ſie damit in die Kirche gehen ſehe.“ „Ja, Bart, das iſt wohl wahr, daran habe ich auch ſchon gedacht.“ Dieſe Worte ſchienen den Jüngling zu freuen. Er antwortete mit Begeiſterung: „Nun, Wanna, weißt Du was?“ „Nein.“ „Ich will der Mutter ein großes ſchönes Halstuch kaufen, ſo ſchön, daß die Frau Meulemans vom Schloß⸗ hofe kein ſchönres haben ſoll. Ganz mit Blumen, roth, gelb, blau,— daß man ſie von hier bis an die Kirche ſehen kann!“ Das Mädchen ergriff ihres Bruders Hand und ſagte mit ſtiller Rührung: „Ach, das iſt brav, Bart. Was wird die Mutter eine Freude haben!“ „Ja, liebe Schweſter,“ fuhr der glückliche junge Mann fort:„das iſt noch nicht Alles. Wir müſſen Blu⸗ men haben, ich weiß drei Lieder, vier Geſchichten und ſieben Räthſel, aber ganz nagelneue. Ich habe ſie mit Fleiß gelernt und auf den Tag der Beſcherung für die Mutter geſpart. Ach, Wantje, Wantje, was werden wir lachen und ſingen und luſtig ſein. Die Thränen kommen mir in die Augen, wenn ich daran denke, wie die Mutter daſtehen wird, wenn Cäcilia ihr mitten im Winter einen ganzen Korb friſcher Blumen bringt, und ihr das ſchöne Halstuch um die Schultern hängt.“ 22 „Aber, Bart, ich ſehe rings umher, wo willſt Du leidend il Blumen finden? Ich glaube Du biſt von Sinnen?“ was Tra Der Jüngling gab ſeinem Geſichte einen Ausdruck Ernſtes uf freundlichen Scherzes, und ſagte lachend, während er Tiefe des ſeiner Schweſter in die Augen ſah: Sie „Wantje, keunſt Du keinen Jungen, der Franz ſchäftigt. heißt? So einen blonden, mit großen Augen, der Knecht Die? bei dem Gärtner des Schloſſes iſt?⸗ freundlich: Das Mädchen wurde roth bis hinter die Ohren„Cäci und ſah verlegen zu Boden. In di „Nu, nu,“ ſprach Bart mit ſanftem Tone:„Du reim ſang mußt nicht roth werden, Wantje; er iſt ein guter Junge, der ſein Geſchäft verſteht, und luſtig iſt.— Glaubſt Du nicht, daß er mir Blumen geben wird, weil ich Dein Bruder bin?“ Man hörte eine Stimme aus dem Hauſe, ehe das Kaum Geſicht vo und ſeine verlegene Mädchen antworten konnte; es war ihre Mut⸗ Gegenah ter, welche rief:„ Geß lle „Bart, Wanna, zum Eſſen!“ ebet, w und den Das Mädchen nahm die Gelegenheit wahr, ihrem 5 Bruder zu entſchlüpfen und ging nach der Thüre, wäh⸗ dehdüs en rend Bart, der ihr folgte, mit leiſer Stimme wieder⸗ Er awſel 1. holte:.. A ſtr „Wantje, Cäcilia darfſt Du's ſagen, aber der Mut⸗ Jlas ziin ter nicht, ja der Mutter nicht....“ fah. 4 „ Drinnen im Hauſe war die Mutter damit beſchäf⸗ verſteckte? tigt, den Brei in eine ungeheuer große Schüſſel zu die Tiſchge 1 ſchöpfen. 5 An dem Feuer ſaß ein Mädchen, deſſen Kleider, ob⸗. rrdütt wohl beinahe ganz gleich mit denen von Wanna, doch er wi 2 durch einen gewiſſen Schnitt in der Mache und die verzehren Art, ſie zu tragen, ſtädtiſches Weſen verrieth. Das der Thü blaſſere Geſicht, die feineren Züge des Mädchens und de Gs die Zartheit ihrer Glieder thaien gleichfalls das Ih⸗ inige N rige, um ſie auf den erſten Blick von einer Bäurin eich hab zu unterſcheiden. Sanft waren ihre Augen, ſtill und„ habe willſt Du nen?“ Ausdruck ährend er er Franz der Knecht ie Ohren ne:„Du eer Junge, laubſt Du ich Dein ehe das ihre Mut⸗ ſr, ihrem ire, wäh⸗ e wieder⸗ der Mut⸗ it beſchäf⸗ chüſſel zu leider, ob⸗ una, doch und die th. Das chens und das Ih⸗ er Bäurin , ſtill und 23 leidend ihr Ausdruck, und über dem Ganzen lag et⸗ was Traumartiges, das bezaubern konnte,— elwas Ernſtes und Nachdenkliches, das von Gemüthskraft und Tiefe des Gefühles zeugte. Sie war mit dem Nähen eines Frauenkleides be⸗ ſchäftigt. Die Mutter wandte ſich nach ihr um und ſagte freundlich: „Cäcilia, komm', wir wollen eſſen.“ In dieſem Augenblick trat Bart ein, der den Schluß⸗ reim ſang: Fort mit Kummer und mit Pein, Morgen ſoll die Kirmeß ſein. Kaum aber war ſein Blick auf das ſanfte, ernſte Geſicht von Cäcilia gefallen, als ſein Lied verſtummte und ſeine Schritte ſich verlangſamten, wie wenn ihn in Gegenwart des Mädchens ein Gefühl der Ehrfurcht erfaßte. Alle ſaßen um den Tiſch und begannen ein ſtilles Gebet, worauf jedes ſeinen Löffel in die Hand nahm und den ſchmackhaften Brei mit wahrem Appetite ver⸗ zehrte. Dann ſetzte die Mutter einen großen Haufen Erdäpfel und ein Stück gebratenen Specks auf den Tiſch. Die ganze Geſellſchaft ſah glücklich aus; aus aller Augen ſtrahlte Geſundheit, Zufriedenheit und Dankbar⸗ keit. Bart machte den einen und andern Scherz, ſtellte ſich, als ob er ſich gebrannt, oder machte komiſche und verſteckte Anſpielungen auf das morgende Feſt und brachte die Tiſchgenoſſen während der ganzen Mahlzeit zum Lachen. Hätte ein Millionär dies Mittagsmahl ſehen können, er würde ſicherlich dieſe armen Menſchen beneidet haben. Kaum hatten ſie ihr zweites und letztes Gericht zu verzehren begonnen, als man ein leichtes Klopfen an der Thüre vernahm. „s iſt die arme Wittwe des Maurers, der vor einigen Monaten todt gefallen iſt,“ ſagte die Mutter, nich habe ſie Sonntag bei der Kirche geſehen und ihr 24 geſagt, daß ſie jeden Dienſtag ein Almoſen holen dürfe. Wanna, ſchneide ein Stück Brod für ſie ab.“ „Kommt herein!“ rief ſie, ſich nach der Thüre wendend. Es erſchien eine Frau, noch ziemlich jung, aber mit abgezehrten Wangen und ſo armſelig dünnen Kleidern, daß man vor Kälte ſchauerte, wenn man ſie nur anſah. Ihr Geſicht, obwohl hager und blaß, trng den Stempel des Ernſtes und Verſtandes: etwas Edles, etwas Ge⸗ ſetztes zeugte deutlich davon, daß die Frau nicht zum Betteln beſtimmt war. Ein kleines Mädchen ging neben ihr her und zitterte vor Froſt. Ohne etwas zu ſagen und mit niedergeſchlagenem Blicke fuhr ſie fort, das Vaterunſer zu beten, das ſie ſchon an der Thüre begonnen. Wanna brachte ihr die Brotſchnitte und ſagte dazu: „Kaet(Katharine)! Das hätte ich nie gedacht, daß ihr noch Almoſen betteln müßtet. Ibr ſeid ſo klug und ſo fleißig! Das thut mir herzlich leid.“ „Der Winter iſt ſo lang,“ ſeufzte die Wittwe,„es gibt keine Arbeit für mich, Wanna..... Der Hunger treibt mich zum Hauſe hinaus; aber im Sommer, wenn es Arbeit gibt, wird es wohl beſſer gehen.“ Indeſſen hatte das arme Kind das Auge gierig auf den Tiſch gerichtet, während ſeine Lippen ſich vor Eßluſt befeuchteten. Cäcilia ſah dies mit tiefem Mitleiden. Plötzlich fuhr ihr ein Gedanken durch die Seele und ſie warf Bart einen bedeutungsvollen Blick zu. Und, ſei es nun, daß dieſer ſie verſtanden, oder daß er dem Triebe ſeines eignen Herzens folgte,— er ging zu der armen Wittwe hin, ergriff ſie bei der Hand und führte ſie zu dem Stuhle, den er verlaſſen. „Setzt Euch, liebe Kaet,“ ſprach er,„und eßt mit uns. Wo genug für fünf iſt, iſt auch genug für ſieben. ... Un Gott ausg Cäcili ihren Stul Ander ſich die D von der gr. Aber geſtillt hat keit ihr Ki den Speck Augen. Alle! ſie über d allein verſ „Ihr „Ja, „noch zwe allein zu Tagen no⸗ „Abe aus den 2 Die aufzuſeben „Ein Mädchen. ſo eſſen ſe ſind, habe Bart agte: 3„Ich Und fort:.. „Mu arbeiten: . A blen dürfe. der Thüre aber mit Kleidern, nur anſah. Stempel twas Ge⸗ nicht zum nd zitterte ſchlagenem , das ſie igte dazu: t, daß ihr ig und ſo ittwe,„es er Hunger ner, wenn gierig auf dor Eßluſt tlich fuhr varf Bart nun, daß ebe ſeines in Wittwe zu dem dd eßt mit für ſieben. 2⁵ . und iſt die Rechnung falſch, ſo wird ſie wohl Gott ausgleichen.“ Cäcilia hatte ebenſo raſch das kleine Mädchen auf ihren Stuhl geſetzt. Andere Seſſel wurden herbeigezogen, man verbat ſich die Dankſagungen der Wittwe und alle aßen fröhlich von der guten Speiſe. Aber ſobald die arme Frau ihren erſten Hunger geſtillt hatte, betrachtete ſie mit unbeſchreiblicher Zärtlich⸗ keit ihr Kind, das ſorglos und glücklich die Erdäpfel und den Speck genoß. Stille Thränen rollten aus ihren Augen. Alle betrachteten ſie mit Staunen, als wollten ſie ſie über die Urſache dieſes Kummers befragen. Cäcilia allein verſtand ſie und ſagte: „Ihr habt noch andere Kinder, Frau?“ „Ja, liebes Fräulein, antwortete die Wittwe, „noch zwei. Und die andern Schäfchen, die armen, ſitzen allein zu Hauſe, ohne Feuer..... ſie haben in acht Tagen noch nichts gegeſſen, als ein Bischen Roggenbrot!“ „Aber warum ſchießen Euch die Thränen ſo plötzlich aus den Augen? fragte Wanna. Die Frau ſenkte den Kopf und antwortete, ohne aufzuſeben: „Eine Mutter.... Ihr könnt' das nicht begreifen, Mädchen.— Es ſchmerzt mich, wenn ich mein Mieken ſo eſſen ſehe. Die armen Lämmer, die zu Hauſe geblieben ſind, haben ſo großen Hunger....“ 1 et ſtand plötzlich auf, wiſchte ſich den Mund und agte: „Ich begreife es ganz gut.“ furt Und indem er ſich an die Mutter wandte, fuhr er vrt:... „Mutter, ich werde alle Tage zwei Stunden länger arbeiten und Sonntags nicht mehr ins Wirthshaus gehen . Aber dann mußt Du auch erlauben, daß die 26 Wittwe von Jan, dem Maurer, alle Tage mit einem von ihren Kindern hierher zum Eſſen kommt, ſo lange ich es mit meinem Arbeiten und meinem Sparen ein⸗ bringen kann.“ Die Mutter ſah ihren Sohn einen Augenblick mit freudigem Blicke an und ſagte in ſtillem Tone, während eine Thräne aus ihrem Auge rollte: „Bart, Kind, ich habe Dich immer ſo lieb gehabt; aber jetzt habe ich Dich noch viel lieber.“ Auf dem Geſichte der Bettlerin malte ſich ein Gefühl der Ergebung; ſie ergriff feierlich die Hand von Bart und ſprach in bewegtem Tone: „Gott iſt gerecht. Ihr gebt Eurem Nächſten nicht allein Euern Schweiß, ſondern auch Eure Freundſchaft, Euer Herz; Ihr thut für die arme Wittwe, was Ihr für Eure Schweſter thun würdet.... Gott iſt gerecht, Ihr werdet glücklich ſein auf Erden! Bei dieſen Worten erhob ſie den Blick zu Cäcilien, als ob ſie dem Jüngling die Quelle ſeines künftigen Glückes zeigen wollte..... Die Augen Cäciliens hatten ſich voll inniger Dank⸗ barkeit auf Bart geheftet. Der Jüngling durch dieſen Blick und die Worte der Witiwe begeiſtert, hatte den Kopf ſtolz erhoben; doch die Rührung ſchien ihm läſtig zu werden, er ſprang auf und rief mit lautem Lachen: „Genug, laßt mich nun, oder ich werde noch toll davon! Glücklich, glücklich! Ich möchte mit keinem Könige tauſchen.— Kommt zum Feuer, Frau, und wärmt Euch mal tüchtig. Wanna, bring' Reiſig und dann geblaſen, geblaſen, daß es kracht!“ Cäcilia ſaß bereits einige Augenblicke mit dem armen Mädchen auf dem Schooß am Heerde. Und was ſie ganz in der Stille zu dem armen Lämmchen ſagte, das hörten die Andern nicht: aber ſie wechſelten ſicherlich engelſüße Worte, denn das Kind ſchlang den Arm um den Hals ſeiner Beſchützerin und küßte ſie. Die a einem himt Cäcili ging zu de was zu ih nach dem Wann neben ihre „Was thun? S führen?“ „Nur „Ach, thin aus bekommen. kann. W „Um geht uns „C Inde Cäcit und wün Mädchen Wittwe d Cäci Hauſe en die arme Seiten u dann mit „Ihl „Ja Mann he „Ick einem E „Vr die Finge mit einem „ſo lange paren ein⸗ enblick mit , während eb gehabt; ein Gefühl von Bart chſten nicht reundſchaft, was Ihr i*ſt gerecht, 1 Cäeilien, künftigen iger Dank⸗ urch dieſen hatte den ihm läſtig Lachen: e noch toll em Könige ärmt Euch geblaſen, dem armen d was ſie agte, das ſicherlich Arm um 27 Die arme Wittwe betrachtete dies Schauſpiel mit einem himmliſchen Lächeln auf dem Geſichte. Cäcilia ſetzte das Kind wieder auf den Boden; ſie ging zu der armen Frau hin und ſagte in aller Stille et⸗ was zu ihr. Offenbar erſuchte ſie die Wittwe, mit ihr nach dem Garten zu gehen. 1 Wanna, die es wie die andern bemerkte, ſtellte ſich neben ihren Bruder und fragte ihn ins Ohr: „Was will Cäcilia mit der Wittwe des Maurers thun? Sie wird ſie doch wohl nicht zu ihrem Oheim führen?“ „Nun, ſiehſt Du nicht? Sie will ihr Geld geben.“ „Ach, ja! Die ſieben Stüber, die ſie von der Wir⸗ thin aus dem Herzen für das Nähen der Kinderwäſche bekommen. Cäcilia gibt alles weg, was ſie verdienen kann. Wenn ihr Ohm das wüßte!“ „Um was Du Dich alles kümmerſt, Wanna! Das geht uns ja nichts an.“ „Es war auch nur ſo meine Meinung, Bart.“ Indeſſen dankte die arme Wittwe der Mutter Ann. Täcilia warf Bart noch einen dankbaren Blick zu und wünſchte allen guten Tag. Sie nahm das kleine Mädchen bei der Hand und verließ in Begleitung der Wittwe den Hof. Cäcilia ſchwieg, bis ſie ſich einige Bogenſchüſſe vom Hauſe entfernt hatten. Am Ende des Weges führte ſie die arme Frau hinter ein Gebüſch, ſah ſich nach allen Seiten um, ob man ſie nicht bemerken könnte, und ſprach dann mit gedämpfter Stimme: „Ihr heißt Kaet Melſens, glaube ich?“ „Ja, Fräulein,“ war die Antwort,„mein ſeliger Mann hat in ſeiner Jugend bei Eurem Vater gewohnt“ „Ich weiß es, Kaet. Und hat er Euch nichts von einem Ereigniſſe erzählt, das damals geſchehen iſt?“ „Von einem Brande, Fräulein? Ja davon waren die Finger ſeiner linken Hand krumm und ſteif.“ 28 Cäcilia ſah einen Augenblick unverwandt auf den Boden; ſie ſchien von einem großen Schmerze niederge⸗ beugt zu werden. Das kleine Mädchen ſah mitleidig zu ihr auf und zog ſie heftig an der Hand, als wollte ſie ſie aus ihrem Kummer wecken. Die Wittwe ſtand in ſtummer Verwunderung da und ſah das Mädchen an. Cäcilia ergriff plötzlich ihre Hand und ſagte: „Wißt Ihr wohl, Kaet, daß Euer ſeliger Mann mich mit großer Lebensgefahr aus dem Brand gerettet hat? Ohne ihn, den guten Mann, wäre ich zu Pulver verbrannt.“ „Aber, Fräulein, das würde Jeder gethan haben. Laßt Euch das keinen Kummer ſein.“ „Nein, das iſt es nicht, Kaet. Ich möchte Eure Kinder vor aller Noth beſchützen, und leider kann ich es doch nicht!“ „Ein gutes Herz, Fräulein, iſt das ſchönſte Almoſen.“ „Horcht, Frau,— aber ſagt nichts davon. Seht, hier habt Ihr ſieben Stüber.... und wenn Ihr morgen mit Eurem andern Kinde nach dem Kapellenhofe kommt, werde ich Euch vielleicht noch etwas geben können .. und werde Kleider für Eure Kinder aus den Kleidern machen, die meine ſelige Mutter getragen: warm und ſchön. Und vielleicht werd' ich ſonſt noch etwas finden, was gut für Euch iſt.— O möchte mir Wui behülflich ſein, vielleicht wäre Eurem Elende abge⸗ olfen.“ Die Wittwe, durch dieſe Worte tief ergriffen, begann vor Rührung zu weinen. Sie benetzte einen Augenblick die Hand des Mädchens mit heißen Thränen und ſagte dann:. „Ach, Fräulein, ich war ſo unglücklich, ſo unglück⸗ lich, daß ich bisweilen beinahe von Sinnen kam; ja, daß ich vielleicht ſchon lange geſtorben wäre, wenn ich ſterben könnte; aber wer würde dann meine armen Schäfchen verſorgt haben? Und nun macht mich die Güte Eures Herzens, plötzlich me für Euch b⸗ auf den K „Wäre das Mädch „Reich es, Fräulei „Ihr es zwar, a „Werd „Meir iſt das alte Capitalien. „Nein liegen. M dem Kloſter arbeitet.( rechten Fal Fräulein.“ Cäcilie „Und fuhr die W heißen, de Schweſter dem Dorfe man zerſtre ſuchen, und „Alſo mir?“ frag das Kind „Nur wortete die ginge, ſo Erbſchaft; dt auf den ze niederge⸗ nitleidig zu 3 wollte ſie e ſtand in hen an. igte: iger Mann id gerettet zu Pulver han haben. öchte Eure ann ich es Almoſen.“ dn. Seht, venn Ihr apellenhofe den können aus den getragen: onſt noch Löchte mir nde abge⸗ n, begann Augenblick und ſagte unglück⸗ ; ja, daß ich ſterben Schäfchen ite Eures 29 Herzeus, Eure Freundſchaft noch mehr als Eure Hülfe plötzlich mein Elend vergeſſen. O, wie will ich zu Gott für Euch beten, und in meiner Hütte mit meinen Kindern auf den Knieen Euch ſegnen.“. „Wäre ich doch reich! wäre ich doch reich!“ ſeufzte das Mädchen zerſtreut. „Reich?“ wiederholte die arme Frau,„Ihr werdet es, Fräulein, ſteinreich!“ „Ihr täuſcht Euch, Kaet. Die Menſchen glauben es zwar, aber ſie irren ſich, ganz gewiß.“ „Werdet Ihr denn von Eurem Ohm nichts erben?“ „Mein Ohm iſt arm, Frau. Alles, was er beſitzt, iſt das alte Haus, worin wir wohnen, und einige kleine Capitalien.“ „Nein, nein, Fräulein, er hat viel, viel Geld da⸗ liegen. Mein Mann war Maurer und hat früher auf dem Kloöſterhofe lang für Euren Ohm im Geheimen ge⸗ arbeitet. Es lebt vielleicht nur ein Menſch, der den rechten Faden von alle dem kennt, und das bin ich, Fräulein.“ Cäcilia ſtand ganz verwundert da. „Und nicht aus Hochmuth ſag' ich das, Fräulein,“ fuhr die Wittwe fort.„Aber ich darf Euch wohl Nichte heißen, denn die ſelige Frau Eures Ohms war die Schweſter der Mutter meines Mannes. So geht es auf dem Dorfe, der Eine hat Glück, der Andere Unglück; man zerſtreut ſich nach allen Gegenden, um ſein Brot zu ſuchen, und endlich kenut man einander nicht mehr.“ „Alſo wäre dies liebe Mieken ein Nichtchen von mir?“ fragte Cäcilia mit wahrer Freude, während ſie das Kind auf dem Kopfe ſtreichelte. „Nur ſehr fern, ſehr fern ſind wir verwandt,“ ant⸗ wortete die Wittwe.„Wenn Alles in der Welt richtig ginge, ſo bekäm' ich wohl auch meinen Theil an der Erbſchaft; aber Thys, der ſcheinheilige Betrüger, wird 30 wohl machen, daß Niemand von unſerer Seite etwaz bekommt.“ „Mein Oheim iſt gerecht,“ ſagte Cäcilia.„Iſt ſeine Lebensart auch ſonderbar, ſo iſt ſein Herz doch gut.“ „Ich weiß es, Fräulein, aber kennt Ihr Thys?“ Das Mädchen ſah ſie erſtaunt an. „Ich kenne ihn; er wohnte lange in meinem Ge⸗ burtsort. Thys iſt ein Mann, der früher das Gut ſeinen Aeltern vergeudet und ſeinen Vater zu Tode geplagt hat⸗ Da er ziemlich gelehrt iſt, wurde er aus Noth eine Anf Seelenverkäufer und Sachwalter, und ſo kam er auch, um eine krumme Sache grade zu machen, auf der Klboſterhof. Er ſah raſch, daß hier guter Boden zum Betrügen ſei. Der Verſchwender, der Frevler, der Böſewicht gab ſich fü geizig, mäßig und fromm aus..... Wißt Ihr warum Fräulein? Um Euch das Erbe, und das Erbe ſo viele anderer armen Menſchen, der Verwandten unſerer Seite. zu rauben. Und vielleicht,..... doch nein, Euer Ohm liebt Euch zu ſehr.“ Cäcilia ſtand geſenkten Kopfes da und ſah zu Boden⸗ Sie überlegte die ſeltſame Mittheilung der Wittwe. Dieſe fuhr fort: „Aber befürchtet nichts, Fräulein; ein Menſch hat bisweilen mehr Muth und Verſtand für Andere, als füt ſich ſelbſt. Thys weiß wohl, daß die arme Kaet ihn vielleicht doch noch im Wege ſſtehen wird. Ueberdieß ſeid Ihr die einzige und nächſte Erbin Eurer Linie, da Euet Vater der Bruder von Jan⸗ Ohm war.— Wir wollen ſpäter mal näher über die Sache ſprechen; ich wollte Euch nur vor dem falſchen Menſchen warnen.... Zu lange ſchon habt Ihr hier in der Kälte Eure Güte für eine arme Wittwe an den Tag gelegt. Ich gehe, um meine Kinder mit der freudigen Nachricht zu tröſten und für Euch zu beten, Fräulein.“ Cäcilia richtete ſich auf, ergriff die Bettlerin bei der Hand und fragte: „Kaet müßt es fe „Mit „Nun Ohm. W „Ich „Au Unter Wittwe ir nach Cäcil Die o „Mie geträumt. liche Thys Komm, lie Cäcil ein. Niem Einſamkeit auf das 2 Mit langſ ließ ihr A deckten We oder von einen Aug Gewiß ſte himmliſche in der Hü Seite etwas .„Iſt ſeine cch gut.“ Thys?“ neinem Ge⸗ Gut ſeinen geplagt hat dth eine An am er auch „ auf der im Betrügen üt gab ſich fü Ihr warum be ſo viele iſerer Seite nein, Euer ih zu Boden. Littwe. Menſch hah ere, als füt Kaet ihn bberdieß ſen ie, da Euet Wir wollen ; ich wollte 1....31 re Güte für gehe, um tröſten umd Bettlerin bei 31 „Kaet, wollt Ihr etwas für mich thun, aber Ihr müßt es feſt verſprechen.“ „Mit Freuden, Fräulein.“ „Nun, betet nicht für mich,— betet für meinen Ohm. Wollt Ihr es nicht vergeſſen?“ „Ich werde es thun.“ „Auf Wiederſehen.“ Unter Wiederholung des feurigſten Dankes trat die Wittwe in den Fußweg. Dann und wann ſah ſie ſich nach Cäcilien um, die nach Hauſe eilte. Die arme Mutter ſagte gerührt zu ihrem Kinde: „Miekchen, Du haſt die Nacht von einem Engel geträumt. Das iſt der Engel!.... Und der häß⸗ liche Thys auf dem Kloſterhof, das iſt der Teufel..... Komm, liebes Miekchen, laß uns laufen, Kind.“ III. Ciäcilia öffnete die Thüre ihrer Wohnung und trat ein. Niemand befand ſich in dem Erdgeſchoſſe. Die kalte Einſamkeit dieſes Ortes machte immer einen tiefen Eindruck auf das Mädchen, ſo ſehr ſte auch daran gewöhnt war. Mit langſamem Blicke ſah ſie in dem Zimmer umher und ließ ihr Auge gleichgültig über die mit Spinngeweben be⸗ deckten Wände hinlaufen. Ein Ausdruck von Verdruß oder von Mitleiden überzog das Geſicht und ſie blieb einen Augenblick gedankenvoll in dem Gemache ſtehen. Gewiß ſtellte ihr Geiſt einen Vergleich an zwiſchen dem himmliſchen Ton von Muth, Iunfriedenheit und Liebe, der in der Hütte der armen Wittwe herrſchte, und der gräß⸗ 3²2 lichen Todtenſtille des Zimmers, in welchem ſie ſich jetzt befand. Bald darauf ſetzte ſie ſich an den Heerd, in die Ecke des Kamines und ſah mit unſtetem Blicke in die Aſche. Einige Worte, die während dieſes Traumes um ihre Lippen ſchwebten, zeugten davon, daß ſie noch immer die Worte der Wittwe im Sinne hatte. Nachdem ſie einige Augenblicke dageſeſſen, zeigte ſich ein Männerkopf an der halb offen ſtehenden Thüre einer Nebenkammer hinter ihr. Sobald dieſe Perſon das Mädchen bemerkte, überflog ein wunderlicher Ausdruck ſein Geſicht. Die grauen Augen glänzten vor Freude unter den Brauen und deuteten auf boshafte Tücke, während ſein großer Mund, zu einem dummen Hohn⸗ licheln verzogen, die triumphirende Lüſternheit ver⸗ rieth. Er verſchwand ſogleich wieder und trat nach einigen Augenblicken mit drei Torfſtücken und einem Bündel Reiſich unter dem Arme in das Zimmer. Jetzt war ſein Geſicht ſo freundlich, ſo einfältig gutherzig, als ſeine zurückſtoßenden Züge es nur immer geſtatteten „Guten Tag, Cäcilia,“ ſagte er entgegenkommend. „Es iſt kalt, nicht wahr? Kommt, thut Eure Füße aus der Aſche, ich werde ein gut warm Feuerchen für uns anzünden.“ Das Mädchen ſah ihn verwundert an, der Ton dieſer Stimme war ihr unbekannt, dieſes ungezwungene offene Lächeln hatte ſie nie auf Thys' Geſicht geſehen. Da ihr aber die Worte der Wittwe noch lebhaft vor dem Geiſte ſtanden, wußte ſie nicht, was ſie über dieſe Ver⸗ änderung denken ſollte. Thys legte raſch den Torf in den Herd und legte abſichtlich den Brennſtoff ganz nahe zu Cäcilien hin. „Was thut Ihr, Thys,“ fragte dieſe,„Ihr legt das Holz ja vor den Kamin.“ „Nur damit Ihr Euch wärmen könnt, Cäcilia,“ antwortete das Holz „Sel meinetwil freut's au Ab Euch nes ganz an 9 3 Cä während mich. O „Ha mir Fure übler Lat es wohl, des Herze „Ih bin geral „Ih „Adk ich gezw Thun ur ganz unk bisher n Wohlthä möglich, wie Ihr Vergeher iſt's aber ſein Geld es iſt ei Leidenſch ihm ſeit Was ha ihm geg Conſc e ſich jetzt erd, in die ke in die aumes um och immer zeigte ſich hüre einer erſon das r Ausdruck or Freude afte Tücke, en Hohn⸗ rnheit ver⸗ ach einigen m Bündel Jetzt war , als ſeine nkommend. Füße aus en für uns der Ton gezwungene ſt geſehen. ft vor dem dieſe Ver⸗ und legte en hin. „Ihr legt Cäcilia,“ antwortete der Andere, während er das Blasrohr unter das Holz ſteckte und eine ſchöne Flamme emporflackerte. „Seht,“ fuhr er fort,„ſo muß es ſein. Nicht um meinetwillen; nur wenn es Euch Freude macht, Cäcilie, freut's auch mich und hätte ich ſelbſt gar nichts davon.“ „Aber, aber, Thys,“ rief das Mädchen,„ich begreif' Euch nicht, oder ſoll ich drüber lachen? Ihr ſeid ein ganz anderer Menſch geworden!“ *9„Cäcilie,“ ſeufzte Thys in ſchmerzlichem Tone, während er ihr bittend in die Augen ſah,„Ihr haßt mich. O, Ihr kennt mich nicht.“ „Haſſen? Pfui, welch' abſcheulich Wort. Ihr flößt mir Furcht ein, Thys, das iſt wahr. Ihr ſeid immer übler Laune und ſprecht mich ſo barſch an! Ibhr wißt es wohl, Thys, ich will Freundſchaft haben und Güte des Herzens ſehen: ſo iſt mein Gemüth.“ „Ihr werdet mir nicht glauben, Cäcilie; aber ich bin gerade, wie Ihr, und war immer ſo.“ „Ihr?“ rief das Mädchen ungläubig. „Ach, Cäcilie,“ ſeufzte er,„es ſchmerzt mich, daß ich gezwungen bin, Euch das Geheimniß all' meines Thun und Laſſens zu offenbaren. Ich liebe Jan⸗Ohm ganz unbeſchreiblich; das einzige Ziel meines Lebens war bisher nichts anderes, als die letzten Jahre meines Wohlthäters zu verſüßen, und allen Kummer, ſoviel möglich, von ihm abzuwenden. Ein einfaches Mädchen, wie Ihr, kann nicht begreifen, daß man ſich kleinere Vergehen erlaubt, um ein großes Gut zu gewinnen. Das iſts aber, was ich ſtets gethan. Jan⸗Ohm iſt geizig; ſein Geld iſt ſeine Seele. Ich klage ihn nicht an, Cäcilie; es iſt eine Schwachheit ſeiner Jahre. Ihn in dieſer Leidenſchaft bekämpfen oder ſich ihm widerſetzen, hieße ihm ſein Leben verbittern und ſeine Tage verkürzen. Was habe ich aus Liebe zu ihm gethan? Ich habe mit ihm gegeizt oder den Geizhals geſpielt; mich mit ſchlechter 3 Conſcienee, der Geizhals. 34 Speiſe genährt, Hunger und Kälte gelitten und gauz Tage hier wie in einem Grabe vertrauert. Ja, ja Cäcilie, mein Herz blutete, wenn ich einen Armen ſal und doch jagte ich ihn zur Thüre hinaus;— ich ſehnt mich nach dem Umgang mit Freunden und verbracht meine ſchönſten Jahre in dieſer Abgeſchiedenheit:— ich liebte Euch, wie das reine Bild einfacher Iugend, meim Seele dürſtete nach Eurer ſchweſterlichen Zuneigung, und dennoch ſprach ich Euch bisweilen hart und barſch an. Warum das Alles? Ach, Ihr begreift es wohl, Cäcilie! Geſchah es nicht einzig und allein, um Jan⸗Ohm zu gefallen und ihn in ſeinem ſchmerzvollen Alter zu tröſten?“ Das Mädchen ſchien von den eindringlichen Worten Thys' beſtochen. Sie ſah ihn mit ſprachloſer Verwunde⸗ rung an. „O, ich habe ſo viel gelitten!“ rief er mit tiefem Schmerze.„Ewig heucheln, nie ſein eigen Selbſt zeigen, verachtet und verflucht werden um dieſes Opfers willen und alles in der Stille verſchmerzen müſſen. Es iſt, als ob man kein Herz und keine Seele hätte!“ Er bedeckte ſeine Augen mit den Händen— beob⸗ achtete aber durch die Finger das Geſicht des gerührten Mädchens. „Armer Thys,“ ſeufzte Cäcilie,„warum ſagtet Ihr das nicht früher? Dann wäre ich nicht ſo ungerecht ge⸗ gen Euch geweſen.: „Und nun, nun Ihr es wißt?“ fragte Thys, indem er ſein Antlitz entblößte, und ſie bittend anſah,„werdet Ihr mich noch immer haſſen?“ „Ich habe Euch nie gehaßt, Thys,“ antwortete Cä⸗ cilie,„weßhalb ſollte ich mich ſonſt Eurer Freundlichkeit freuen? Ich muß hier mit Euch wohnen, als ob Ihr mein Bruder wärt. So will ich Euch auch gerne ſehen, und lieben wie meinen Bruder.“ 2„Ihr werdet Euch auch nicht mehr vor mir fürch⸗ ten?“ „War Eine offenbar et „Cäci ohne Zwei mert: es ſ „Dan das Mädch „Jan „Wie Ueberraſch „J „Got Mädchen „Ich rend er de „Nei than, um ſeinem W Da nahm ihr Thy Mädchen Dieſ angſtvoll: „Wr „Ih droben. den ganz Ver Stuhl un n und ganz t. Ja, ja Armen ſat — ich ſehnt d verbracht heit:— ich igend, meim eigung, und an. Warum ie! Geſchah gefallen und hen Worten Verwunde⸗ mit tiefem eelbſt zeigen, pfers willen Es iſt, als n— beob⸗ 3 gerührten ſagtet Ihr mgerecht ge⸗ hys, indem h,„werdet wortete Cä⸗ reundlichkeit als ob Ihr gerne ſehen, mir fürch⸗ 35 „Warum, wenn Ihr ein gutes Herz habt?“ Eine Panſe folgte dieſen Worten. Thys überlegte offenbar etwas, denn ſeine Augen ſchweiften unruhig umher. heajloßlich richtete er ſich auf und ſagte mit ſchein⸗ barer Gleichgültigkeit: „Cäcilie, ich muß Euch etwas mittheilen, was Euch ohne Zweifel ſtaunen machen wird; doch ſeid unbeküm⸗ mert: es ſind bis jetzt nur Worte.“ „Dann wird es auch ſo arg nicht ſein,“ bemerkte das Mädchen lächelnd.„Was iſt es, Thys?“ „Jan⸗Ohm will, daß ich Euch heirathe.“ „Wie, was ſagt Ihr?“ ſprach Cäcilie, zitternd vor Ueberraſchung und Schrecken.. „Ich habe mich geweigert,“ antwortete er. „Gott, was iſt das für ein Gedanke!“ ſeufzte das Mädchen noch ganz außer Faſſung. 1 „Ich habe mich geweigert,“ wiederholte Thys, wäh⸗ rend er das Mädchen aufmerkſam betrachtete. „Und er hat ſeinen Plan aufgegeben, nicht wahr, Thys?“ fragte ſie in bittendem Tone. „Nein,“ antwortete der Andere,„was ich auch ge⸗ than, um ihn zu überreden, er hält unerſchütterlich an ſeinem Willen feſt.“ Das iſt ſchrecklich!“ ſeufzte das Mädchen, und nahm ihre Schürze, um die Thränen zu verbergen. Thys lächelte wie ein Teufel, als er das weinende Mädchen anſah. Dieſe ſtand plötzlich von ihrem Stuhl auf und fragte angſtvoll: „Wo iſt mein Ohm?“ „Ihr wißt es wohl,“ war die Antwort,„er iſt droben. Wenn Ihr ihm ruft oder ihn ſtört, wird er den ganzen Tag verdrießlich ſein.“ Verzweifelnd ſetzte ſich Cäcilie wieder auf den Stuhl und bat; 36 „O Thys, lieber Thys, bringt ihm doch den Gedan⸗ ken aus dem Kopf!“ „Laßt uns mal mit kaltem Blute über die Sach ſprechen, Cäcilie. Vielleicht finden wir ein Mittel, all Theile zufrieden zu ſtellen.“ „Ach ja!“ ſeufzte das Mädchen,„helft mir, Thys ich werde Euch mein ganzes Leben dankbar ſein.“ „Seht, Cäcilie, ehe Ihr Euch betrübt, oder unſern Ohm der Unbeſonnenheit beſchuldigt, müßt Ihr wiſſen welche Gründe ihn zu dieſem Entſchluſſe brachten. Viel⸗ leicht wird dann noch ein Gefühl der Dankbarkeit in Euch erwachen. Unſer Ohm glaubt, daß er nicht meht lange leben werde: und ich glaube, daß er ſich darin nicht täuſcht. Seine größte Pein iſt die Furcht, daß er das Leben verlaſſen müſſe, ohne Euer Schickſal geſicher zu ſehen. Eure Verheirathung allein könnte ihn darüber beruhigen.“ „Aber, Thys, ich will nicht heirathen, ich bin noch viel zu jung!“ ſagte das geängſtigte Mädchen. „Ich meinte das auch: deßhalb habe ich mich an⸗ fangs geweigert,“ antwortete Thys. „Himmel!“ rief Cäcilie erſchrocken,„habt Ihr denn Euren erſten Gedanken geändert?“ „Ich weiß es ſelbſt nicht,“ fuhr er fort,„ſeit jenem Augenblick iſt ein Gefühl von Pflicht in mir erwacht, und ich bin mit mir im Zweifel, was Edelmuth und ge⸗ ſunde Gründe von mir fordern. Erwägt vor allem, Cä⸗ cilie, daß Euer Ohm ſich ſchon ſeit Monaten mit dieſen Gedanken trägt; daß er in ſeinem Geiſte Wurzel ge⸗ ſchlagen. Ihr kennt ihn: wenn er ſeinen Willen nicht aus⸗ führen kann, wird es ihn auf das Krankenlager werfen, — am Ende ſtirbt er gar. Und Ihr könnt doch die Schuld an ſeinem Tod nicht tragen wollen, Cäcilie?“ „Ach Gott! Ach Gott!“ rief das Mädchen, die Augen zum Himmel erhoben. „Möe derholte T „O n vor die Ar „Ihr zu verkürze „Aber gert?“ „Ich der Ander auf den Ki that erſlel ſterben, w Mitleiden, „Abe „Ich Und Ihr, „Ach „Ich wer benehmen Bitten ni „Da nen Plan er Euch „Acl mit einer Sie indem ſie Thr auf eine glaubte geräumt ſchienen, Mädchen ihn in machte i den Gedan⸗ r die Sache Mittel, alle mir, Thys ſein.“ oder unſern Ihr wiſſen ichten. Viel⸗ nkbarkeit in wnicht mehr r ſich darin rcht, daß er kſal geſicher ihn darüber ich bin noch en. ch mich an⸗ tt Ihr denn „ſeit jenem mir erwacht, nuth und ge⸗ r allem, Cä⸗ mit dieſen Wurzel ge⸗ en nicht aus⸗ ager werfen, h die Schuld A tädchen, die „Möchtet Ihr an ſeinem Tode ſchuldig ſein?“ wie⸗ derholte Thys. „O nein, nein!“ rief ſie, während ſie beide Hände vor die Augen preßte, und aufs neue zu weinen begann. „Ihr wollt mich alſo heirathen, um ſein Leben nicht zu verkürzen.“. „Aber Thys,“ rief ſie,„Ihr habt Euch ja gewei⸗ ert?“ 3„Ich habe mich allerdings geweigert,“ antwortete der Andere,„als aber Jan⸗Ohm verzweiflungsvoll und auf den Knieem'meine Einwilligung ſich als die letzte Wohl⸗ that erſlehte, als er mir ſagte, er würde vor Kummer ſterben, wenn ich unerbittlich bliebe, da habe ich meinem Mitleiden, meiner Liebe zu ihm Gehör geſchenkt.“ „Aber Ihr habt doch nicht eingewilligt?“ „Ich will nicht an ſeinem Tode ſchuldig ſein.. Und Ihr, Cäcilie?“ „Ach, ich auch nicht!“ rief das Mädchen ſchluchzend. „Ich werde meinem Ohm den ſchrecklichen Gedanken zu benehmen ſuchen. Er wird meinen Thränen, meinen Bitten nicht widerſtehen.“ „Das glaubt nicht, Cäcilie. Wann hat er je ei⸗ nen Plan aufgegeben? Nun, wenn er es verlangt? wenn er Euch ſelbſt ſagt, daß es ſein Tod wäre?“ „Ach, ich würde gehorchen,“ ſeufzte das Mädchen mit einem Strom von Thränen. Sie ſenkte den Kopf und weinte ſchluchzend fort, indem ſie die Schürze an die Augen hielt. Thys Antlitz glänzte vor Freude. Er hatte ſich auf einen größeren Widerſtand gefaßt gemacht, und glaubte die größte Schwierigkeit nun aus dem Wege geräumt zu haben. Was ihm ſelbſt zuvor unmöglich ge⸗ ſchienen, war nun möglich geworden. Die Thränen des Mädchens, wie ſehr ſie auch gegen ihn zeugten, ſtörten ihn in ſeinem Thriumphe nicht: ja ſo große Freude machte ihm dieſer Sieg, daß das rechtliche Gefühl, das 38 ſein Geſicht und ſein Herz geheuchelt, wieder verſchwand. Vielleicht hielt er die Maske für überflüſſig; vielleicht wollte er, zu ſeinem vollſtändigen Siege Mittel benützen, die ihm mächtig genug dünkten, die freie Zuſtimmung des Mädchens zu erhalten. Obgleich das Mädchen nicht zu ihm aufſah, ſprach er doch mit überzeugendem Tone: „Euer Kummer iſt grundlos, Cäeilie. Wir werden die glücklichſten Menſchen ſein, die man finden kann. Ihr ſollt ſchöne Kleider haben, in einem Schloſſe woh⸗ nen, in einer Kutſche fahren, in der Kirche auf dem Chor ſitzen, und als gnädige Frau begrüßt werden. Allle le⸗ ckeren Speiſen ſollen auf unſerem Tiſche ſtehen, wir wer⸗ den bedient werden, und an nichts zu denken haben, als an gut Eſſen und Trinken.... Ihr glaubt mir nichtz Jan⸗Ohm iſt reich, ſteinreich! Er hat mit Geizen und Scharren, und Gott weiß, wie noch, Tauſende und aber Tauſende von Gulden zuſammengebracht. Darum riegelt er alle Thüren zu, wenn er bei Tage hinaufgeht: er wühlt in ſeinem Gelde....“ Die Glieder des Mädchens durchrieſelte ein Schauer. „Ich ſehe an Eurer Bewegung, was Ihr ſagen wollt, Cäcilie,“ fuhr Thys fort,„Ihr tadelt mich, daß ich ihn in ſeinem Geize beſtärke. Ach, begreift ihr denn nicht, daß ich für Euch und für mich ſpare? Um ſo viel mehr bleibt für uns übrig.— Ihr könnt ſagen, daß ich nichts zu erben habe, und nichts erben werde. Es ſcheint ſo, aber es iſt nicht wahr. Jan⸗Ohm vermacht mir die Hälfte ſeines Vermögens. Das Uebrige kommt nach dem Rechte Euch zu.— Seht mal, Cäcilie, dann haben wir alles Geld, und das ganze Vermögen Jan⸗ Ohms für uns beide allein. Wie können wir alle Gelüſte be⸗ friedigen, und gnädigen Herr und gnädige Frau ſpielen!“ Er ſchien das Schweigen des Mädchens für Zuſtim⸗ mung zu nehmen; denn der Ton ſeiner Stimme verrieth. ſeine triumphirenden Gefühle, als er ſprach: „Und Cäcilie; J ſeine Bruß unterzeichn Dann wir wir könne ſeine See und man Das letzten Sh Thys wort von ſitzen blie „Nu Das drei Schr und wal daß dieſe recht, wa ſichte Cä „N „F achtung. „2 „Je muthiger nach ſeir ihres E graben rufen: 2 ſtolze M ſtand, d „8 werde? Euer H verſchwand. ; vielleicht el benützen, umung des ſah, ſprach Wir werden nden kann. hloſſe woh⸗ fdem Chor 1. Alle le⸗ „ wir wer⸗ haben, als mir nicht; Geizen und e und aber nriegelt er : er wühlt Schauer. Ihr ſagen mich, daß ft ihr denn e? Um ſo ſagen, daß verde. Es n vermacht cige kommt cilie, dann öͤgen Jan⸗ Gelüſte be⸗ u ſpielen!“ für Zuſtim⸗ me verrieth „Und wir werden nicht mehr lange warten müſſen, Cäcilie; Ihr hört, wie Jan⸗Ohm alle Tage ſchwerer athmet, ſeine Bruſt iſt ruinirt. Wir werden ihn ein Teſtameni en laſſen, in welchem er uns Alles vermacht. unterzeichn m Dann wird Alles gut gehen.— Und ſobald er ſtirbt— wir können ihn nicht davor ſchützen— der Herr möge ſeine Seele bewahren: dann erhalten wir das Geld— und man ſoll ſehen, ob wir zu leben verſtehen, oder nicht.“ Das Mädchen zitterte noch heftiger, als ſie dieſen letzten Spott hörte. Thys ſchwieg einen Augenblick und ſchien eine Ant⸗ wort von ihr zu erwarten. Als ſie ſprachlos und gebückt ſitzen blieb, fragte er: „Nun, Cäcilie, weint Ihr noch?“ Das Mädchen ſtand langſam auf, ging zwei bis drei Schritte zurück, hob den Kopf ſtolz in die Höhe und warf Thys einen Blick ſo voll Verachtung zu, daß dieſer vor Staunen aufſprang. Er wußte jedoch nicht recht, was er denken oder hoffen ſollte, da aus dem Ge⸗ ſichte Cäciliens eher Freude, als Kummer leuchtete. „Nun, nun? was ſagt Ihr?“ fragte er verlegen. „Falſcher Meuſch!“ ſprach das Mädchen mit Ver⸗ achtung. „Wie? Was iſt das? rief Thys verwundert. „Ich, Eure Frau werden!“ fuhr das Mädchen mit muthiger Feſtigkeit fort,„Euch helfen, meinen Ohm noch nach ſeinem Tode zu verſpotten,— Wittwen und Waiſen ihres Erbes zu berauben? Und müßt' ich lebendig be⸗ graben werden, am Rande der Grube würde ich noch rufen: Nein!“ Sprachlos und niedergeſchmettert ſah Thys das ſtolze Mädchen an, das ploͤtzlich ſo gewaltig vor ihm ſtand, daß er die Augen vor ihrem Blicke ſenkte. „Ihr glaubt, daß ich unter meiner Schürze weinen werde?“ ſagte ſie.„Darin täuſcht Ihr Euch, Ich habe Euer Herz aufgehen ſehen— und ein Gebet zum Himmel 40 geſandt und Gott gedankt, daß er Euch offenherzig machte. Nun kenn' ich Euch!“ 4 Noch einen Augenblick dauerte die Verwirrung des Betrügers, ſobald er ſich aber von dem unwiderruflichen Entſchluſſe des Mädchens überzeugt, verzog ſich ſein Ge⸗ ſicht krampfhaft zu einem rachſüchtigen Lachen. „Ah, ſo nehmt Ihr die Sache! Wir wollen mal ſeben, wie das anders wird: ich werde Euch zu zwingen wiſſen. Ihr ſagt, daß Ihr mich kennt? Wie täuſcht Ihr Euch. Ich bin noch viel ſchlimmer, als Ihr glaubt. Ihr ſollt mich noch auf den Knieen um Vergebung anflehen.“ „Das werde ich nicht thun, Thys,“ ſagte das Mädchen mit wunderbarer Kälte. „Nicht thun? Ach ich muß lachen. Hab' ich nicht all' Euer Gut in den Händen? Ich werde Euch alles rauben!“ „Raubt es,“ antwortete ſie. „Ich werde Euch von hier fortjagen!“ „Jagt mich fort.“ „Euer Ohm wird Euch auf dem Todtenbette ver⸗ fluchen.“ Schweigend beugte ſie unter dieſem ſchrecklichen Fluche das Haupt. zie f i 4 „So, Ihr laßt den Muth ſinken? Wo bleibt nun der Stolz?“ ſpottete Thys.„Noch empfindlicher werde ich Euch treffen. Weiß ich nicht, warum Ihr mich ver⸗ achtet? Einem gewiſſen Andern würdet Ihr ohne Thränen die Hand reichen, nicht wahr? Die Wittwe vom Kapellen⸗ hofe hat einen Sohn, einen leichtſinnigen Burſchen, einen Trunkenbold,— den müßt Ihr haben, nicht wahr? Nun, Ihr ſollt ihn haben! Ja, wohl, und dann könnt Ihr mit einander betteln gehen...... Ihr werdet Mühe haben, bis Ihr mich erreicht. Ich weiß es wohl: unter Eurem ſtillen und ſanften Geſicht verbergt ihr eine große Hals⸗ ſtarrigkeit; aber ich werde mich nicht an Euch allein rächen. Auch den Grund Eurer Weigerung wird meine Rache zu treffen wiſſen. Bart und ſeine Mutter werde ich verfolg Haſſe umk dem Stro wer wird Ihr alleir 3 Cäci Sie lehnt in tiefen Eine Es lag e daß man mit ihren mal den „In ſagte er, Euch wo Reich un betteln g Das weinend: . wird Eu Herz un N in die N Ihr es Euch ge herzensg was ich beſſer. Th Worten an dem halb ge ſeinen; ffenherzig rung des rruflichen ſein Ge⸗ ollen mal zwingen uſcht Ihr zubt. Ihr uflehen.“ Mädchen nicht all' rauben!“ ette ver⸗ recklichen leibt nun er werde nich ver⸗ Thränen Kapellen⸗ en, einen r? Nun, Ihr mit e haben, r Eurem ße Hals⸗ ch allein rd meine er werde ich verfolgen: ihn zum Sturz bringen, ſie mit meinem Haſſe umklammern und ſie nicht loslaſſen, bis ſie auf dem Stroh der Armuth ausgeſtreckt liegen. Und wer, wer wird die Schuld an ihrem Unglück tragen? Wer? Ihr allein!“ Cäcilie hatten dieſe Worte zu Boden geſchmettert. Sie lehnte mit dem Kopf an dem Schornſtein und ſchien in tiefen Schmerz verſunken. Eine wilde Freude lachte auf dem Geſichte Thys'. Es lag etwas ſo Unedles, ſo Rohes in ſeinen Augen, daß man eine Schlange vor ſich zu ſehen glaubte, die mit ihrem Giſtblick die Beute bezaubert und ſie tauſend mal den Tod koſten laſſen will, ehe ſie ſie verſchlingt. „In einer Vierteiſtunde kommt Jan Ohm herab,“ ſagte er,„noch einmal, Cäcilie, zum letzten Male, bedenkt Euch wohl, wollt Ihr mit mir Krieg oder Frieden haben? Reich und glücklich ſein oder Dienſtmagd werden, vielleicht betteln gehen? Eine Viertelſtunde iſt raſch vergangen.“ Das Mädchen erhob den Kopf und antwortete weinend: „Ich werde ſprechen, dem Oheim Alles ſagen. Er wird Eure Falſchheit kennen lernen. Er hat ein gutes Herz und Eure Bosheit wird ihn empören.....„ „Nun, uunn,“ fiel ihr Thys mit ſpöttiſchem Lachen in die Rede,„ſprecht ihm von meiner Falſchheit, wie Ihr es nennt, wiederholt ihm, Wort für Wort, was ich Fuch geſagt habe; er wird Euch nicht glauben. Er iſt herzensgut, nicht wahr? Gerade deßhalb wird er thun, was ich will. Klagt mich nur an: je mehr, deſto beſſer.... Thys hatte den Ton ſeiner Stimme bei dieſen letzten Worten ſinken laſſen, ſo daß Cäcilie, die mit dem Kopf an dem Schornſteine lehnte, das Ende ſeiner Rede nur halb gehört hatte. Inzwiſchen hatte ſich der Betrüger auf ſeinen Zehenſpitzen einer Nebenthüre genähert, das Zimmer 42 verlaſen und die Thüre von innen in aller Stille ver⸗ riegelt. Einen Augenblick ſpäter hörte Cäcilie etwas tiefer im Hauſe Thys' Stimme, welche rief: „Jan⸗Ohm! Jan⸗Ohm!“ Das Mädchen ſprang zitternd auf und ſeufzte mit beſtigen Erſchrecken, während ſie in dem Zimmer umher ſah: „Himmel, er iſt zu meinem Ohm gegangen, um ihn im Voraus gegen mich zu ſtimmen.“ Verzweifelt lief ſie nach der Nebenthüre und wollte ſie öffnen. Ein Schrei des Entſetzens entflog ihr, als ſie ſah, daß Thys den Riegel von innen vorgeſchoben. „Ach,“ rief ſie,„er wird mir nicht glauben! Meine einzige Hoffnung iſt verloren. Was thun? O, daß Gott mir beiſtände!“ Sie ſank auf einen Stuhl und ſah ſtarr vor ſich hin, während ſie von Zeit zu Zeit zitterte, wenn über ibr die Schritte des Oheims und Thys die Decke krachen machten.“ Sie hatte nur kurze Zeit dageſeſſen, als ſich die Thüre öffnete und ihr Ohm mit Thys in das Zimmer trat. Das Geſicht des Greiſes zeugte von Gram und Kummer; Thys aber ſchien die Maske der Einfalt wieder vorgenommen zu haben. Der Letzte ging langſam und ſcheinbar gleichgültig zu dem Schornſtein hin und ſetzte ſich an dem Heerde nieder. Der Ohm nahm gleichfalls einen Stuhl, ſetzte ſich unfern von dem weinenden Mädchen und ſprach mit ſchmerzlichem Tone: „O Cäcilie, ich hätte nicht geglaubt, daß Du ſo undankbar ſein könnteſt: ich glaube es noch nicht. Was ich thun will, iſt gut für Dich: aus Liebe zu Dir iſt der Wunſch in mir entſtanden, Dich mit einem Manne zu verbinden, deſſen Sparſamkeit mir die Gewißheit gibt, wieder zu Dein Uud wa wahr? nicht ar Dich, er wird Do war blo Faſt ar ich wil währen folger ein ge Blicke Stimn eines machte Greiſe „Alles haſt 2 mein 3 unwil Stille ver⸗ vas tiefer eufzte mit ner umher I, um ihn nd wollte ihr, als hoben. i! Meine daß Gott vor ſich enn über e krachen ſich die Zimmer ram und lt wieder ſſam und und ſetzte etzte ſich rach mit Du ſo t. Was r iſt der anne zu eit gibt, 43 daß Dich das Elend nicht nach meinem Tode treffen wird.— Und Du weigerſt Dich?“ Das Mädchen ſchluchzte heftiger, antwortete jedoch nich icht. Der Ohm fuhr mit ſanſterer Stimme fort: „Nun, Cäcilie, mein Kind, das Unglück läßt ſich wieder gut machen. Ich wußte wohl, daß Du aus Liebe zu Deinem alten kranken Oheim meinen Wunſch erfüllſt.— Uud was Du Thys geſagt haſt, ſind leere Worte, nicht wahr? Worte, die man in der Eile ſpricht, die aber nicht aus dem Herzen kommen? Nun, Cäeilie, ich bitte Dich, ſage Ja: nimm unſern guten Thys zum Mann: er wird Dich glücklich machen.“ Das Mädchen ſtand unbeweglich da; ihr Geſicht war blaß vor Angſt; ihre Wangen zuckten krampfhaft. Faſt außer ſich rief ſie: „Mein Mann? Er? Die giftige Natter.“ „Gott! Was habe ich ihr denn gethan?“ ſeufzte Thys in traurigem Tone.„Ihr ſeht wohl, Jan⸗Ohm, daß ich hier nichts machen kann. Laßt ſie nur in Frieden; ich will nicht die Urſache ihres Kummers ſein.“ „Scheinheiliger Heuchler!“ murmelte das Mädchen, während ſie einen Blick der Verachtung auf ihren Ver⸗ folger warf. Und das Mädchen, das er bis jetzt nur als ein geduldiges Lamm gekannt, ſtand mit flammendem Blicke und mit dem Tone der Hartnäckigkeit in ihrer Stimme vor ihm. Dieſer Ton, der von dem Aufruhr eines weiblichen Gemüthes gegen feige Bosheit ſtammte, machte einen ungünſtigen Eindruck auf den Geiſt des Greiſes. Zwei Thränen fielen auf ſeine hohlen Wangen. „So iſt denn alles Verrath und Betrug,“ ſprach er. „Alles, ſelbſt das Herz meiner Cäcilie! Kind, Kind, Du haſt Jahre lang die Heuchlerin geſpielt? O, das wird mein Leben verkürzen!“ Der Muth des Mädchens brach an dieſen Worten unwilligen Verweiſes; ſie fiel vor ihrem Oheim auf die 44 niteß und mährend ſie ſeine Hände mit Thränen benetzte, ſagte ſie: „O. Ihr, den ich wie einen zweiten Vater liebe, glaubt ihm nicht: er iſt ein Teufel von Falſchheit! Er liebt Euch nicht; er verſpottet Euch, alles iſt Heuchelei. Euer Geld will er haben, er wünſcht Euch den Tod. So eben ſprach er noch in einem Tone gegen Euch, der mich erſchreckte. Um Gottes Willen, glaubt ihm nicht: er iſt Euer Feind!“ Mehr und mehr wuchs das Erſtaunen des Greiſes. Die Worte Cäciliens machten die verkehrte Wirkung auf ſein Gemüth. Er hob das Mädchen von dem Boden auf und ſtieß ſie zurück. Dabei ſchüttelte er ſchmerzlich den Kopf und ſah Thys an, als früge er ihn etwas. „Grämt Euch nicht zu ſehr um ihretwillen, Jan⸗ Ohm,“ ſprach der Betrüger.„Ihr ſeid jung geweſen, vielleicht habt Ihr einmal geliebt. Dann werdet Ihr auch wiſſen, wozu blinde Liebe verführen kann, wenn habſüchtige Menſchen das böſe Feuer ſchüren. Aber laßt es dabei bewenden; Cäcilie iſt verführt, ſie verdient weit eher unſer Mitleiden, als unſern Zorn.“ Dieſe Schmähung und die Ungerechtigkeit ihres Oheims erweckten das Mädchen wieder aus ihrer Nieder⸗ geſchlagenheit. „O, es iſt zu viel!“ rief ſie entrüſtet aus,„ich will Euer Mitleiden nicht; es würde mich beflecken! Wie! Habt Ihr nicht ſo eben noch Euch gefreut, daß unſer Oheim nicht mehr lange leben werde?“ „Ich habe geſagt,“ antwortete Thys,„Ihr ſollt die wenigen Jahre, die Gott ihm noch vergönnen möge, nicht durch Widerſetzlichkeit gegen ſeinen Willen verkürzen.“ „Falſchheit, nichts als Falſchheit!“ rief das Mädchen. „Habt ihr nicht meines Ohms geſpottet und ihn Geizhals ge⸗ nannt. Habt Ihr mich nicht zu einer ſchändlichen Verbindung mit Euch zu verleiten geſucht, um das Vermögen meines Oheims in Ueppigkeit und Schlemmerei zu verpraſſen. Und hal mein Ol Dir das die Hät nichts!“ V fragte vergebl doch n Wittwe Warum D wöhnlit ſeinem wollte: neuer Hände Antwe gehob nach zu, u benetzte, er liebe, eit! Er deuchelei. den Tod. uch, der m nicht: Greiſes. ung auf den auf glich den „ Jan⸗ geweſen, det Ihr „ wenn ber laßt ent weit t ihres Nieder⸗ ich will Wie! unſer ſollt die ge, nicht en.“ Lädchen. hals ge⸗ vindung meines praſſen. 45 Und habt Ihr nicht, um mich zu verlocken, geſagt, daß mein Oheim viele tauſend Gulden zuſammengeſcharrt habe?“ „Wie? Was ſind das für ſchreckliche Dinge? Bläſt Dir das der Teufel ein, unſelig Kind?“ rief der Ohm, die Hände über dem Kopfe faltend.„Ich habe nichts, nichts!“ 1„Warum, Cäcilie, verdreht Ihr meine Worte ſo?“ fragte Thys mit wehmüthigem Tone.„Ihr macht Euch vergeblich ſolcher Sünden ſchuldig. Jan⸗Ohm wird Euch doch nicht glauben? Ich habe geſagt, daß Euch die Wittwe vom Kapellenhofe ſolche Dinge weis macht. Warum mir die böſen Gedanken Anderer aufbürden?“ Der Ohm begann zu huſten. Es war dies das ge⸗ wöhnliche Zeichen ſeiner Ermüdung. Man konnte auf ſeinem Geſichte bemerken, daß er raſch etwas hinzufügen wollte: und da der Schmerz ſeine matten Augen mit neuer Kraft belebte, ſagte Thys bittend, während er die Hände nach dem Greiſe ausſtreckte: „Lieber Jan⸗Ohm, laßt die Sache nur gehen: Cäci⸗ lie ſcheint auf ihrem Willen zu beharren. Wohlan, ſie heirathe Bart, ſie wird doch am Meiſten darunter lei⸗ den.“ „Schweig,“ ſprach der Oheim in ſeinem Zorne, „es ſcheint, daß Du dich dieſem Trotzkopf fügen willſt . Cäcilie, wenn Du nicht überlegſt und auf keine Gründe hörſt, ſo muß ich für Dich beſchließen: meine Erfahrung an die Stelle Deiner Thorheit ſetzen. Höre mich an! Ich frage Dich zum letzten Male: willſt Du⸗ Thys heirathen oder nicht.... Thränen ſind keine Antwort: ich will haben, daß du ſprichſt.“ „Ach, lieber Oheim,“ ſeufzte das Mädchen mit auf⸗ gehobenen Händen,„ach, wüßtet Ihr, was Ihr thut.“ „Antworte! willſt Du Thys zum Manne?“ „Ach!“ rief Cäcilie,„wenn man mich mit Gewalt nach der Kirche ſchleppte, ich hielte mir Naſe und Mund zu, um unterwegs zu erſticken!“ 46 „Pfui! welch entſetzliche Worte ſprichſt Du! Thys iſt ja ein Menſch, wie jeder Andere?“ ſagte der Ohm erſtaunt. „Ein Menſch? Er ein Menſch?“ rief das unglück⸗ liche Mädchen.„Er iſt der Teufel ſelbſt, der Teufel der Falſchheit und der Habſucht.“ „Cäcilie, unglückliches Mädchen, ich vergebe Dir,“ ſeufzte Thys.„Möge Gott im Himmel droben Dir dieſe Läſterung vergeben!“ „Nun?“ wiederholte der Oheim,„Du willſt ihn nicht zum Manne?“ „Nie!“ antwortete das Mädchen,„ich werde alles erdulden, und müßt ich auch eines ſchlimmen Todes ſterben, und müßte ich die Schande der ganzen Welt tragen, nie! nie!“ 2 Der Oheim ſtand auf und ſprach in entſchiedenem one: „Gut: ich werde Deiner Undankbarkeit lohnen. Dieſen Nachmittag gehſt Du nach dem Kapellenhofe und holſt, was Dir dort gehört. Du bleibſt drei Minuten „... und wenn Du fortan Jemand von jenen böſen Leuten anſprichſt, oder grüßeſt oder nur anſiehſt....“ Ein neuer Anfall von Huſten unterbrach die Rede des alten Mannes, das Urtheil, daß er ausſprechen wollte, that ihm ſichtlich wehe. Thys betrachtete inzwiſchen ſpöttiſch das Mädchen, das wieder auf dem Stuhle ſaß, und bitter weinte. Der Ohm fuhr, ſobald er Athem holen konnte, mit noch größerer Ungeduld fort: „Dann werde ich Dich.. ach, ich bringe es kaum über die Lippen. Kind, Kind! wüßteſt Du, welchen Schmerz Du mir bereiteſt.“ Der klagende Ton dieſer letzten Worte ergriff Cä⸗ cilien mächtig; ſie erhob ſich von dem Stuhl und kroch auf den Knieen bis zu dem Greiſe, deſſen Hand ſie er⸗ griff, und küßte, während ſie ſprach: „O gerne di verlänge Und hat gebt mi Eir Greiſes. des Me Stimme „A dein He uns All bisweile Cäcilie Be wollte Mädche gleichfal N Zi zurück; laſſen!“ T genäher 4 44 läßt ſie fiſſeu: glauben N in ein C wegte auf un du! Thys der Ohm 3 unglück⸗ der Teufel ebe Dir,“ oben Dir villſt ihn erde alles n Todes azen Welt chiedenem lohnen. nhofe und Minuten ien böſen ....“ die Rede en wollte, Mädchen, nte. Der mit noch es kaum welchen griff Cä⸗ ind kroch d ſie er⸗ 47 „O, ich liebe Euch noch! Noch wie zuvor! Ich gäbe gerne die Jahre meines Lebens hin, um das Eure zu verlängern! Ach, habt Mitleiden, Mitleiden mit mir! Und habe ich etwas geſagt, was Euch ſchmerzt, ſo ver⸗ gebt mir um Gotteswillen.“ Ein Lächeln der Freude übergoß das Antlitz des Greiſes. Er hatte ſich wahrſcheinlich über die Anſicht des Mädchens getäuſcht; denn er ſagte mit ſanfterer Stimme: „Alles ſei verziehen, Cäcilie. Ich wußte wohl, daß dein Herz nicht ſo plötzlich verändert ſein konnte. Laß⸗ uns Alles vergeſſen, mein Kind; der klügſte Menſch irrt bisweilen. Ach, Gott ſei Dank! daß ich meine gute Cäcilie wiederfinde.“ Bei dieſen Worten hob er ſie vom Boden auf und wollte ihr den Kuß der Verſöhnung geben; aber das Mädchen ſah ihn ſo fragend und ſo ſeltſam an, daß gleichfalls Zweifel in ihm erwachten.. „Nun?“ fragte er,„ich glaubte, Du ſageſt, Ja?“ Zitternd und krampfhaft zog das Mädchen den Kopf zurück und rief, mit abwehrenden Händen: „Er iſt behert! Gott, Gott, Du haſt mich ver⸗ laſſen!“ Thys war aufgeſtanden und hatte ſich dem Greiſe genähert. Er faßte ſeine Hand und ſprach: „Kommt, Jan⸗Ohm, Ihr könntet krank werden. Es läßt ſich nichts machen. Ruht aus und laßt Cäcilie ſich faſſen: vielleicht wird Alles noch beſſer gehen, als wir glauben.“ Mit dieſen Worten führte er den huſtenden Greis in ein Nebenzimmer und ſchloß die Thüre zu. Cäcilie lag mit dem Kopf an der Maner: ſie be⸗ wegte ſich nicht, nur ihre Bruſt wogte von dem Schluchzen auf und nieder.. IV. Als am folgenden Nachmittag die Sonne noch hell am Himmel ſtand, aber bereits ſich tief dem Weſten zu⸗ neigte, war die Glut ihrer Strahlen doch ſchon ſehr ſchwach. Der Schnee, ſeines funkelnden Feuers beraubt, ſah todt und farblos aus: ſchon hatten ſich die treuſten Winter⸗ vögel vor der Abendluft geflüchtet: eine traurige Stille lag auf der ſchlafenden Natur. Auf dem Kapellenhofe hörte man gleichfalls nichts: weder die Stimmen der Menſchen, noch das Geräuſch der Arbeit. Hätte nicht die Kuh im Stall von Zeit zu Zeit gebrüllt, man hätte glauben können, kein lebendes Weſen befinde ſich dort. Wanna ſaß neben dem Kuhkeſſel an einem Spinn⸗ rad. Ein ernſthafter Gedanke ſchien ſie zu feſſeln; denn der Faden in ihrer Hand brach oftmals ab, oder ſetzte ſie in der Zerſtreutheit den Fuß neben den Tritt und ſpann fort, obgleich das Rad ſich nicht mehr bewegte. Ihr Auge war auf das Uhrwert gerichtet: ſie ſchien jeden Tick des Pendels zu zählen, und betrachtete nicht ſelten den trägen Zeiger mit einem Ausdruck gramvoller Ungeduld, als ob das Uhrwerk etwas dazu thun könnte, daß er ſchneller ginge. Plötzlich erhob ſie ſich überraſcht aus ihrer Zer⸗ ſtreutheit: der Kuhkeſſel war übergekocht und hatte einen großen Theil des Waſſers in das Feuer verſchüttet. „Nun, Wanna, gib doch Achtung!“ rief Mutter Ann, die bei dem Geräuſch aus dem Stall gelaufen kam. „Dir wird das kochende Waſſer noch über den Leib laufen, ohne daß Du’s merkſt. Mädchen, Mädchen, ſeit der letzten Kirmeß biſt Du ſo träumeriſch geworden, daß ich Dich nicht begreifen kann.“ Das „Kon „laßt uns dann will Garn zu „We es wird ſ Wäh den Stall Wan ſchlug ein eilte mit Sol zweimal Lachen ar „Acl überlaufe Und laufen, d Sie reits hin „Ah iſt froh, davon, ſt Bal Karren Und obe rief ſie d als zuvo Der ſtand in daß ſie und er d Conſe noch hell Veſten zu⸗ ör ſchwach. raubt, ſah en Winter⸗ lige Stille Ils nichts: Geräuſch n Zeit zu i lebendes n Spinn⸗ eln; denn oder ſetzte Tritt und ewegte. ſie ſchien htete nicht gramvoller un könnte, hrer Zer⸗ hatte einen üttet. ef Mutter ufen kam. eib laufen, ſeit der I, daß ich Das Maͤdchen ſchien beſchämt und verlegen. „Kommt, kommt, Mutter,“ antwortete ſie raſch, „laßt uns den Kuhkeſſel in den Stall tragen... Und dann will ich raſch nach dem Dorf laufen, um graues Garn zu holen für Cäcilien: ſie hat mich drum erſucht.“ „Wenn Cäcilie es verlangt hat, ſo geh' nur raſch; es wird ſchon ſpät, Kind.“ 4 Während dieſes Geſvräches hatten ſie den Keſſel in den Stall getragen. Wanna kehrte allein in das Zimmer zurück; ſie ſchlug einen Blick voll Freude nach dem Uhrwerk auf und eilte mit halb erſticktem Jubel zur Thüre hinaus. Sobald ſie etwas entfernter war, und den Kopf zweimal nach dem Höſchen umgewandt, brach ſie in ein Lachen aus und ſagte zu ſich ſelbſt: „Ach! die Mutter! Was wird ſie aufſchauen! Dann wird ſie wohl begreifen, warum ich den Keſſel überlaufen ließ!“ Und damit begann ſie weiter zu ſpringen und zu laufen, daß der Schuee in Flocken hinter ihr aufflog. Sie hatte das Dorf noch nicht erreicht, als ſie be⸗ reits hinter den Tannen ein Pferd wiehern hörte. „Ah, da ſind ſie!“ rief ſie jauchzend.„Unſer Bleß iſt froh, weil es nach Hauſe geht; aber wüßte er etwas davon, ſo würde er noch ganz anders laufen.“ Buald ſah ſie ihren Bruder in der Ferne mit ſeinem Karren hinter dem Gebüſche in der Bahn erſcheinen. Und obgleich er ſie nicht von ſo ferne verſtehen konnte, rief ſie doch aus aller Kraft, während ſie noch raſcher, als zuvor lief: „Bart! Bart! Haſt Du es? Haſt Du das Hals⸗ tuch?“ Der Junge begriff gewiß ihre Geberden, denn er ſtand in dem Karren auf, warf ſeine Mütze in die Höhe, daß ſie in einiger Entfernung auf dem Wege niederfiel, und er das Pferd anhalten mußte, um ſie aufzuheben. Conſeience, der Geizhals. 4 50 Inzwiſchen kam die Schweſter ganz im Schweiße angelaufen. „Nun, Bart, haſt Du das Halstuch?“ rief ſie. „Wantje, Wantje,“ antwortete er mit freundlicher Aufregung,„ich habe großes Glück gehabt! Denke Dir; der Herr,— es iſt ein Zuckerbäcker— an den ich meine Reiſen verkaufe, der hat mich gefragt, warum ich ſo glück⸗ lich ausſah, als er mich bezahlte.“ „Nun, Bart?“ fragte das Mädchen, vor Ungeduld in dem Schnee trippelnd,„haſt Du das Halstuch?“ „Freilich hab' ich das Halstuch, aber höre doch,“ begann der Junge wieder.„Ich habe dem Kerrn von unſerer Mutter erzählt und von ihrem Namenstage.“ „O laß mich's doch ſehen, Bart, laß mich's ſehen!“ „Und der Herr, Wanna, weißt Du, was der gethan hat? Er hat geſagt, er wolle die Mutter auch beſchenken.“ „So? Ach Gott, das iſt hübſch.“ „Ja, und er hat mir gute Arbeit für den ganzen Winter gegeben.“ „Und iſt das der Mutter Geſchenk?“ „Nein, Wantje, er hat ein ſchönes neues Fünffran⸗ kenſtück in meine Hand geſteckt und geſagt, ich ſolle das zum Preis des Halstuches thun, damit ich ein recht ſchönes kaufen könne.“ „Fünf Franken? Und was koſtet denn das Hals⸗ tuch? „Acht und einen halben Franken, Wantje! Acht und einen halben Franken.“ „Der Herr ſteh' mir bei! Lieber Bart, davon können wir ja Alle zuſammen einen ganzen Monat leben. Ach, laß es mal ſehen!“ „Ja, aber ich muß Dir erſt noch etwas ſagen. Der Herr hat mich in ſein Haus gebracht, wo lauter kupferne Töpfe ſtanden:— wie die Milcheimer— wohl tauſend, glaub' ich. Und alle die Töpfe waren voll, voll Zucker.“ „To die Händ wenn D „Di ja groß Roc( Päcke 1. ſchwarze „J wiſſen, jetzt! ur ſehen la Bo tuch zu 2S chen nu halben Er von der nißvolle Schnur das Po gierde, auf ihr E wundern 3 T Plötzli und ve wie K n Schweiße rief ſie. freundlicher Denke Dir; en ich meine ich ſo glück⸗ r Ungeduld tuch?“ höre doch,“ Kerrn von nstage.“ ch's ſehen!“ der gethan beſchenken.“ den ganzen 3 Fünffran⸗ ch ſolle das )ein recht das Hals⸗ 21 Acht und wvon können eben. Ach, ſagen. Der wo lauter er— wohl n voll, voll „Tauſend Töpfe voll Zucker?“ rief das Mädchen die Hände über dem Kopfe zuſammenſchlagend.„Aber Bart, wenn Du die Wahrheit ſprichſt, wer ißt das auf?’’“ „Die reichen Leute, natürlich, Wan na. Die Welt iſt ja groß genug. Doch, aber das Beſte von Allem kommt noch. Er hat mir für die Mutter fünf oder ſechs große Päcke mitgegeben. Rothes, weißes, gelbes, braunes, ſchwarzes Zuckerwerk. Was weiß ich Alles?“ „Schwarzes?“. „Ja, ſo ſchwarz wie Pech. Die Mutter wird nicht wiſſen, was es iſt. Wir werden lachen!.... Komm jetzt! unſer Bleß kriegt kalt; ich will Dich das Halstuch ſehen laſſen. Aber vorſichtig. Zerkrümple es nicht. Laß Deine Hände mal ſehen, Wantje.“ „O, ich hab' erſt Rüben gewaſchen.“ Bart war auf den Karren geſtiegen, um das Hals⸗ tuch zu holen. Inzwiſchen murmelte er: „Siehſt Du, liebe Schweſter, man ſollte ſolche Sa⸗ chen nur mit Handſchuhen aurühren. Acht und einen halben Franken.“ Er kam mit einem papierenen Pack in der Hand von dem Karren herunter, und ſtellte ſich mit geheim⸗ nißvoller Geberde neben das⸗Rad, wo er vorſichtig die Schnur von dem Packe löſte. Wanna beugte ſich über das Packet herab, ihre großen Augen glänzten vor Neu⸗ gierde, ein helles Lachen freudiger Ueberraſchung ſtrahlte auf ihrem Geſichte. Endlich ſah ſie das Halstuch! Mit ſprachloſer Ver⸗ wunderung ſtarrte ſie in das Packet. „Nun, Wanna, was ſagſt Du dazu?“ fragte Bart. Das Mädchen blieb einen Augenblick ſprachlos.— Plötzlich begann ſie jauchzend in die Hände zu klatſchen nud vor Freude umherzuſpringen, Bart that das Gleiche . und ſie ſprangen in ihrer unſchuldigen Freude wie Kinder auf dem Schnee. 52 Das Pferd beugte ſeinen Kopf zurück, als wollte es fragen, was geſchehe. „Wie ſchön! Gott, wie ſchön!“ rief Wanna.„Ach! wie wird ſich die Mutter freuen! So roth, ſo blau und ſo gelb! Es iſt, um blind davon zu werden!“ Bart ſang mit leichter Stimme, daß es durch den Tannenwald klang⸗ „Fort mit Kummer und mit Pein, Heut noch ſoll die Kirmeß ſein!“ „Ach, Wantje! Wantje!“ „Ach, Bart! Bart!“ „Nun komme und ſteig auf den Karren,“ ſprach der junge Mann. „Ja, und laß den Bleß laufen.“ „Nein, Wantje, wir müſſen erſt überlegen, wie wir die Sache machen.“ Beide ſtiegen auf den Karren. Das Pferd trabte fort. „Haſt Du auch Blumen?“ fragte das Mädchen, während ſie in dem Karren umherſuchte. „Die liegen hier unter mir, in dem Korb neben dem Krug Gerſtenbier,“ antwortete Bart.„Ich hätte beinahe vergeſſen, daß ich einen Auftrag von Franz für Dich habe.“ „Für mich? von Franz?“ fragte Wanna mit errö⸗ thenden Wangen. Bart öffnete den Korb und holte einige ſehr kleine Blümchen heraus. „Sieh,“ ſprach er,„das hat Franz mich gebeten, Dir zu geben.“ „Was kann ich damit thun?“ fragte das Mädchen ſinnend. „Weißt Du, Schweſter, wie dieſe Blumen heißen?“ verſetzte der junge Mann.„Ich wußt es auch nicht; aber Franz hat es mir geſagt. Ach, ein gar ſchöner Name!“ „Wie heißen ſie denn?“ „Sie Das um das übergoß. wortete d um zu ſe mich zug⸗ „Un „Si Thys ge Hund, de „Nu und dann ſie etwas nun auf wir die Sie frohe G hervorrie mit eina davon he Vor dem Kax Pirr ar ſicht bra ich„Al Zimmer ein ſchör Wa ſah er r finſterte verkennen ls wollte es na.„Ach! o blau und 3 durch den ſprach der n, wie wir trabte fort. Mädchen, orb neben ‚Ich hätte Franz für mit errö⸗ ſehr kleine h gebeten, Mädchen heißen?“ icht; aber Name!“ „Sie heißen:„„Vergiß mein nicht!““ Das Mädchen kehrte plötzlich Bart den Rücken zu, um das glühende Roth zu verbergen, das ihre Wangen übergoß. Er lachte einen Augenblick in der Stille und fragte dann: „Wantje, iſt Cäcilie bei der Mutter?“ „Sie iſt heute noch nicht bei uns geweſen,“ ant⸗ wortete das Mädchen.„Ich ging nach dem Kloſterhof, um zu ſehen, woran es fehlt. Der barſche Thys iſt auf mich zugeſchoſſen, als ob ich ſtehlen wollte.“ „Und wird Cäcilie nicht kommen?“ „Sie wird kommen; doch erſt gegen Abend! hat Thys geſagt: aber mit einem Gelächter,— wie ein Hund, der beißen will.“ „Nun, das thut nichts, wenn ſie nur kommt.... und dann kann die Mutter ſie nach Hauſe begleiten, wenn ſie etwas lange bleiben ſollte. Komm', Schweſter, ſitze nun auf den Korb neben mich. Laß mal ſehen, wie wir die Sache machen.“ Sie ließen ſich nun in ein Geſpräch ein, das manche frohe Geberde, manches Händeklatſchen des Mädchens hervorrief: doch ſo ſtill und geheimnißvoll ſprachen ſie mit einander, daß ein Vorübergehender kaum ein Wort davon hätte verſtehen können. Vor der Thüre ihrer Wohnung ſprang Wanna von dem Karren und ging in das Haus; Bart ſpannte das Pferd aus und führte es in den Stall. Mit vieler Vor⸗ ſicht brachte er das Packet und den Korb in das Haus. „Ah, guten Tag, Mutter,“ rief er, als er in das Zimmer trat:„gebt mal Eure Hand her, ich hab' wieder ein ſchönes Stück Geld für Euch.“ Während er einige Geldſtücke in ihre Hand legte, ſah er rings in dem Zimmer umher; ſein Geſicht ver⸗ finſterte ſich plötzlich; ein tiefer Schmerz war nicht zu verkennen. „Du denkſt wohl,“ fragte die Mutter,„daß ich Dir 54 kein Trinkgeld geben werde, weil die Wittwe des Maurers mit ihren Kindern hierher zum Eſſen kommt? Nein, Bart, Junge, trinke Sonntags nur Deinen Schoppen, wie ge⸗ wöhnlich; Du biſt viel zu brav.“ Bart nahm die wenigen Cents gleichgültig hin, und als die Mutter nach der Schlafkammer ging, um das Geld aufzubewahren, trat er zu ſeiner Schweſter und ſagte ſeufzend: „Cäeilie iſt nicht da?“ „Sie wird nun nicht mehr kommen,“ ſprach das Mädchen,„in einer halben Stunde iſt es dunkel. Wir können ihr's ja morgen erzählen. Geh jetzt hinauf und plaudre mit der Mutter, wie wir ausgemacht, um ſie aufzuhalten.“ „Wollen wir noch etwas warten?“ fragte Bart. „Warten? Dann werden wir die Mutter nicht mehr aus der Kammer kriegen.“ „Wohlan,“ ſagte der junge Mann,„es iſt wahr. Ich hätte nur ſo gerne gehabt, daß Cäcilie dabei ge⸗ weſen.... Spute Dich ein wenig, Wanna,— und wenn Du fertig biſt, ſo ſchlage mit dem Blasrohr an die Zange.“ In aller Eile lief Wanna in den Stall, holte den Korb, ſetzte fünf bis ſechs Teller auf den Tiſch, ſchüttete die Zuckerwaaren darauf, legte das ſchöne Halstuch offen daneben, band die Blumen an den ſteinernen Bierkrug, und holte drei Kaffeetaſſen zum Trinken;— denn Gläſer waren nicht im Hauſe.“ Dann ſchlug ſie ſo heftig mit dem Blasrohr auf die Zange, daß die Mutter von oben rief: „Heh, Heh! zerbrich mir nichts da unten!“ Bart kam jauchzend die Treppe herabgelaufen, wäh⸗ rend ſeine Mutter ihm folgte. Es war ein eigenthümlich rührendes Schauſpiel, die Augen der erſtaunten Frau von der geſchmückten Tafel nach ihrer ſie alles „Lal Bart und Freude d einen wa Der los, ergr ſeiner M Spiegelc „S Nun dar nach der Nur Kinder; kein Wo trachtete Eir zog ihre falls. Stimme Wo lief Bar Bier un 1 Mögen Frömmi gute M geben, Er plötzlich welche . ſ Ir Thüre es Maurers Nein, Bart, u, wie ge⸗ ig hin, und , um das zweſter und ſprach das unkel. Wir hinauf und t, um ſie Bart. nicht mehr 3 iſt wahr. dabei ge⸗ na,— und llasrohr an holte den „ ſchüttete lstuch offen Bierkrug, denn Gläſer asrohr auf 14 ufen, wäh⸗ auſpiel, die ckten Tafel nach ihren lachenden Kindern wandern zu ſehen, während ſie alles genau betrachtete. 1 „Lang' lebe Johanna! Lange lebe Johanna!“ riefen Bart und ſeine Schweſter, indem ſie ganz außer ſich vor Freude der Mutter um den Hals flogen und mehr als einen warmen Kuß auf ihre Wangen drückten. Der junge Mann riß ſich zuerſt aus der Umarmung los, ergriff das neue Halstuch, hing es um die Schulter ſeiner Mutter, ſprang nach der Wand, um ein kleines Spiegelchen zu holen und rief dann: „Sieh, ſieh, Mutter, das iſt Deine Beſcheerung⸗ Nun darfſt Du nicht mehr mit dem häßlichen Halstuch nach der Kirche gehen.“ Nun erſt bemerkte die Mutter, was die Freude ihrer Kinder zu bedenten hatte. Sie war ſo gerührt, daß ſie kein Wort ſprechen konnte, und ſtumm das Halstuch be⸗ trachtete. Eine Thräne rollte endlich aus ihrem Auge. Sie zog ihre Kinder an ihre Bruſt und küßte ſie nun gleich⸗ falls. Stimme. Während ſie noch ihre Tochter in den Armen hielt, lief Bart nach dem Tiſche, ſchenkte die drei Taſſen voll Bier und ſprach mit inniger Rührung: „Liebe Mutter! Das geht auf Eure Geſundheit! Mögen wir noch lange zuſammen leben in Liebe und Frömmigkeit; möge ich geſund bleiben, um für meine gute Mutter zu arbeiten und Gott uns ſeinen Segen geben, jetzt und in Ewigkeit. Es lebe Johanna!“ Er wollte die Taſſe an den Mund ſetzen, als ihn plötzlich ein Freudenſchrei ſeiner Schweſter unterbrach, welche zur Thüre hinauslief und rief: „Dort kommt Cäcilie! Cäcilie iſt da!“ „Hurrah, Hurrah!“ jauchzte Bart, gleichfalls zur Thüre hinauslaufend. O! wie gut iſt Gott!“ ſeufzte ſie mit erſtickter Einen Augenblick nur war die Mutter allein ge⸗ blieben, als ihre Kinder mit Cäcilien guf der Schwelle des Zimmers erſchienen. 33 Aber, o Himmel! welche Veränderung war mit ihr vorgegangen: tiefer Schmerz ſprach aus ihren Augen; ſie gingen mit geſenktem Kopf und ſahen Cäcilie neugierig und theilnahmvoll an. Sprachlos trat Cäcilie an den Tiſch, ließ ſich auf einen Stuhl nieder und begann zu weinen, daß die andern gleichfalls verſtummten und zitternd zu ihr auf⸗ blickten. Die Mutter näherte ſich zuerſt dem Mädchen, ergriff ihre Hand und fragte: „Ach, meine liebe Cäcilie, was iſt geſchehen? Ein Unglück?“ Sie erhielt keine Antwort. Bart trat zu dem Mädchen und rief mit herzzer⸗ reißendem Tone und ſchmerzlichen Thränen: „Cäcilie! Cäcilie!“ Mag nun dieſer Ruf, der aus einem gequälten Her⸗ zen kam, das Mädchen ergriffen, oder mögen die Thränen ihren Buſen erleichtert haben, ſie erhob das Haupt und ſprach mit bebender Stimme: „O lieben Freunde, ich kann beinahe nicht ſprechen vor Kummer. Laßt mich weinen....“ „Ach, Cäcilie, Cäcilie, Du tödteſt mich!“ rief Bart ganz außer ſich.„Was iſts? Um Gottes Willen, ſprich!“ „Denkt mal, wie unglücklich ich bin,“ ſeufzte das Mädchen:„Ihr ſeht mich zum letzten Male.“ Ein Schrei des Schmerzes entflog bei dieſer uner⸗ warteten Erklärung Aller Bruſt. „Ich darf nicht mehr hierher kommen,“ fuhr Cäcilie unter einem Strom von Thränen fort.„Niemand von Euch darf mit mir ſprechen. Und leider! muß ich ge⸗ horchen!“ „Du ſollſt nicht mehr mit uns ſprechen?“ fragte die Witt haben doe „Ach prechen.“ 1 Bart Zähnen, ‿, von Thy⸗ noch nie ich dieſen wenn ich dann.. Die den Mun „Bo Freundſe Mein Ol machen; „G der Jun Tiſch les Antwort ganze T da werd weiß ich Di weinten wahrſche flößte, Gegenſt „ℳ Ich bin lebt wo allein ge⸗ r Schwelle ar mit ihr en Augen; neugierig iß ſich auf daß die iihr auf— Mädchen, hen? Ein it herzzer⸗ nälten Her⸗ ie Thränen Haupt und ht ſprechen rief Bart n, ſprich!“ eufzte das jeſer uner⸗ ihr Cäcilie mand von ß ich ge⸗ 2“ fragte die Wittwe erſtaunt und ungläubig.„Warum? Wir haben doch Niemanden etwas gethan?“ „Ach, fraget nicht,“ bat das Mädchen,„ich mag nicht ſprechen.“ Bart brach in Wuth aus; er knirrſchte mit den Zähnen, ballte die Fauſt und rief: „O, ich dacht' es wohl! Das hat dieſe Schlange von Thys wieder gethan! Sieh, ich bin gut, ich habe noch nie einem Froſch ein Leids gethan... aber wenn ich dieſen Menſchenquäler unter die Hand bekomme... wenn ich den neidigen Kopf ihm nicht vom Leibe reiße,— dann...“ Die alte Mutter legte ihm erſchrocken die Hand auf den Mund und unterbrach ſeine rachſüchtige Rede. „Bart,“ ſagte Cäcilie bittend,„wenn Du einige Freundſchaft für mich haſt, ſo laß die Gedanken fahren. Mein Ohm hat es mir ſelbſt befohlen. Es läßt ſich nichts machen; ich muß mich darein ergeben.“ „Gott, ich ſoll Dich dann nicht mehr ſehen!“ heulte der Junge verzweifelt, während er den Kopf auf den Tiſch legte und bittere Thränen weinte. „Hierher werde ich nie mehr kommen,“ war die Antwort,„aber wenn ich da, ſo allein und verlaſſen, ganze Tage auf dem Kloſterhofe ſitze, o lieben Freunde, da werde ich immer, immer an Euch denken. Nun erſt weiß ich, wie lieb ich Euch alle habe!“ Dieſe letzten Worte machten ſie noch trauriger. Alle weinten mit gebrochenem Herzen. Cäcilie ſah plötzlich ängſtlich zum Fenſter hinaus; wahrſcheinlich bemerkte ſie etwas, was ihr Schreck ein⸗ flößte, denn ſie richtete ſich zitternd auf und nahm einige Gegenſtände, die auf einem Kaſten lagen, raſch zuſammen. „Himmel!“ rief ſie,„ich hätte beinahe vergeſſen! Ich bin hieher gekommen, um mein Nähkiſſen zu holen; ſebt wohl, lebt wohl, ich muß gehen!“ 58 Bart wandte ſich um; die Aengſtlichkeit dieſer Worte machte ihn ſeufzen. Er blickte hinaus. Das Feuer des Zorues blitzte plötzlich aus ſeinen Augen. „Seht, dort in dem Wege ſteht er, der böſe Teufel,“ heulte der Jüngling,„geht weg, geht weg!“ Er wollte zur Thüre hinausſpringen, aber ſeine Mutter ſchlang ihre Arme um ſeinen Hals und hielt ihn kräftig zurück, obwohl er ſtöhnte wie ein wilder Stier und mit Gewalt zu entkommen ſuchte. Inzwiſchen hatte Cäcilie raſch ein goldnes Kreuzchen von ihrer Bruſt losgemacht. Dies Kleinod legte ſie in Wanna's Hand und ſagte: „Ich habe der Wittwe des Maurers geſagt, daß ich ihr helfen weerde. Ich kann es nicht. Hier iſt ein Kreuzchen von meiner Mutter. Sie möge es verwerthen und ihren Kindern dafür Brot kaufen. Mutter Ann, Bart, Wanna, lieben Freunde, lebt wohl, denkt an mich; betet, betet, daß Gott mich beſchütze. Ich werde vor Kummer auszehren, ſterben, denn...“ Die Stimme verſagte ihr den Dienſt; ſie lief ſchluch⸗ zend und die Hände vor den Augen zur Thüre hinaus. Einen Augenblick ſpäter weinten die Bewohner des Kapellenhofes, ſtill um den Tiſch ſitzend. Das Halstuch lag vergeſſen auf einem Tiſch,— und die Erde war in tiefes Dunkel gehüllt, ehe Eines von ihnen ſich aus der ſtummen Niedergeſchlagenheit, aus dem tiefen Schmerze ermannte. Cäc ſeine Ge brachte, Bar kaum me und nac gebeugt, Geſichte All auch wie und unſt von der Aufmerk Mutter tröſtung So Monate heimlich W nicht ſo wißheit allerlei er hört wachen dung, Dies w beſchäft oder vr die Au dieſer Worte rues blitzte ſſe Teufel,“ aber ſeine a hielt ihn dilder Stier 8 Kreuzchen egte ſie in eſagt, daß dier iſt ein verwerthen utter Ann, ktan mich; werde vor lief ſchluch⸗ e hinaus. vohner des ſch,— und Eines von „aus dem V. Cäcilie ſchien der Engel geweſen zu ſein, der durch ſeine Gegenwart dem Kapellenhofe Glück und Freude brachte,— denn alle Heiterkeit war mit ihr verſchwunden. Bart, der fröhliche, der muthige junge Mann, war kaum mehr zu kennen. Ganze Tage blieb er ſprachlos und nachdenklich; ſein Haupt, durch die Trauer tief gebeugt, hing nach vorne; auf ſeinem blaſſen und lebloſen Geſichte malte ſich Seelenpein und Verzweiflung. All' ſeine Lieder waren vergeſſen, und arbeitete er auch wie früher, ſo waren ſeine Bewegungen langſam und unſicher, denn ſeine Gedanken ſchweiften weit ab von dem, was ſeine Hände thaten. Kaum blieb ihm Aufmerkſamkeit genug übrig, um dann und wann ſeiner Mutter eine kurze, abweiſende Antwort auf die Ver⸗ tröſtungen zu geben. So wurde das liebe Höfchen in weniger als zwei Monaten ſo ſtill, ſo einſam und ſo traurig, als die un⸗ heimliche Wohnung des Geizhalſes. Was dem Jüngling das Herz ſchwer machte, war nicht ſo ſehr die Abwefenheit Cäciliens, als die Unge⸗ wißheit über ihr Schickſal. Seine Phantaſie malte ihm allerlei Schreckbilder vor; er ſah ſie leiden und weinen; er hörte ſie klagen und ſeufzen. Im Schlafe, wie im wachen Zuſtande quälten ihn dieſe Bilder ſeiner Einbil⸗ dung, und folterten ihn mit ewiger Pein und Unruhe. Dies war am deutlichſten zu ſehen, wenn er mit Arbeit beſchäftigt war und bisweilen plötzlich zu zittern begann, oder vor Aerger mit den Zähnen knirſchte, oder bittend die Augen zum Himmel erhob. Das Gefühl ſeiner Unmacht nagte wie ein Wurm —— 60 an ſeinem Herzen. Cäcllie hatte ihn ſo dringend gebeten, nicht gewaltſam in ihr Schickſal einzugreifen; er hatte in ihrem Blicke geleſen, daß eine geheime und ſchreckliche Macht ſie zur Unterwerfung zwinge. Vielleicht würde er ſie noch unglücklicher machen, wenn er Rache an ihren Peinigern nähme. Dieſer letzte Gedauke hielt ihn zurück, gegen Thys etwas zu unternehmen, wie ſehr ihm auch bisweilen das Blut vor Wuth und Entrüſtung zu Kopfe ſtieg. Während der Woche verließ Cäcilie den Kloſterhof nicht; ſie erſchien nicht mal auf der Schwelle der düſtern Wohnung, aber Sonntags ging ſie mit ihrem alten Ohm und mit Thys zur Kirche. Schon drei Wochen hinter einander hatte Bart in dem Wege geſtanden, welchen Cäcilie gehen mußte. Jedes Mal hatte das Mädchen, ſobald ſie ihn bemerken konnte, die Augen niedergeſchlagen und war an ihm vorüberge⸗ gangen, ohne ſeinen Gruß zu erwiedern. Konnte er von Cäcilie keinen einzigen Wink erhalten, ſo warf ihm dafür der Ohm unwillige Blicke voll bitteren Vorwurfs zu. Thys ſah den Jüngling ſpöttiſch und mit unheimlichem Blicke an, während er Cäcilie lachend am Arme faßte, den Kopf liebkoſend nach ihr überbog und ſich benahm, als ob zwiſchen beiden ein anderes Gefühl, als die Freundſchaft dieſe Vertraulichkeit rechtfertigte. Wie tief ein ſolcher Anblick das Herz des Jünglings verwundete, läßt ſich nicht ſagen. Schon die Bläſſe von Cäciliens Geſicht und die Thränen, die er auf ihren Wangen zu ſehen glaubte, quälten ihn mit unaus⸗ ſprechlichen Schmerzen; aber Thys abſcheulicher Spott durchbohrte ihm weit empfindlicher die Bruſt. Dreimal hatte er ſo auf dem Kirchwege geſtanden und dreimal hatte er den Platz verlaſſen, um im ſtillen Schoos des Tannenwaldes die Thränen zu verbergen, die aus ſeinen Augen wie aus Bronnen floßen. Seit dieſer Zeit hatte die Begegnung ein ſo unheim⸗ liches Gef und unbe wagte. Die und wann Herz zu die geheit wußte mi zens zu e chen konn Liebe v ſeiner He unverhole Cäcilien Freundin 2 Die eine erſta bis ſpät nen. Exr ſtand ſie blick mit um ihn Mußte fand er ſie die; Dorf, ſ an ihm liens Kit dem We obſchon abwieſen Wa gegen B gen The den; vie ſen Thy id gebeten, her hatte ſchreckliche würde er an ihren egen Thys weilen das - Kloſterhof der düſtern alten Ohm Bart in ßte. Jedes en konnte, vorüberge⸗ ate er von ihm dafür wurfs zu. deimlichem me faßte, benahm, als die Jünglings Gläſſe von auf ihren unaus⸗ der Spott geſtanden im ſtillen erbergen, unheim⸗ liches Gefühl in ihm erweckt, daß er nur von ſehr ferne und unbemerkt die Heimkehr des Mädchens zu belauſchen wagte. 3rpie Wittwe Jan's des Maurers vermochte dann und wann noch einen Lichtſtrahl in ſein beklommenes Herz zu werfen. Sie täuſchte ſich durchaus nicht über die geheime Krankheit, an der der Jüngling litt, und wußte mit berechnender Klugheit die Faſern ſeines Her⸗ zens zu erfaſſen, die das Gefühl der Hoffnung rege ma⸗ chen konnten. Mit voller Gewißheit ſprach ſie das Wort Liebe vor ihm aus und zwang ihn zum Geſtändniß ſeiner Herzensqual. Dies gab ihr das Recht, ihn mit unverholenen Worten zu tröſten, indem ſie immer von Cäcilien ſprach und ihn hoffen ließ, daß die abweſende Freundin daſſelbe Gefühl für ihn im Buſen trage. Die Bettlerin hatte ſeit dem Abſchiede von Cäcilien eine erſtaunliche Thätigkeit gezeigt. Von Morgens früh bis ſpät Abends war ſie mit ihrem Kinde auf den Bei⸗ nen. Erſchien Bart auf dem Felde, um zu arbeiten, ſo ſtand ſie augenblicklich bei ihm, tröſtete ihn einen Augen⸗ blick mit ſchönen Ausſichten und lief dann wieder fort, um ihn eine Stunde darauf nochmals heimzuſuchen. Mußte der Jüngling an dem Kloſterhofe vorüber, ſo fand er die Wittwe an der Ecke ſitzen, als beobachtete ſie die Wohnung des Geizhalſes. Ging er durch das Dorf, ſo ſah er ſie, es mochte naß oder trocken ſein, an ihm vorüber wandern; wartete er Sonntags Cäci⸗ liens Kirchgang ab, ſo ſah er die Wittwe mitten auf dem Wege ſtehen und Cäcilie um ein Almoſen anflehen, obſchon die finſteren Geberden des Greiſes ſie unwillig abwieſen. Wahrſcheinlich trieb ein Gefühl der Dankbarkeit gegen Bart und Cäcilie die arme Wittwe zu dieſer inni⸗ gen Theilnahme und Beſorgtheit für die beiden Lieben⸗ den; vielleicht war auch der Haß, den ſie gegen den bö⸗ ſen Thys nährte, eine Urſache ihrer Thätigkeit. 62 Und wirklich, wo ſie den Verfolger Cäciliens, den Feind Barts auch begegnen oder ſehen mochte, blickte ſie ihm ſo ſcharf und ſchneidend in die Augen, ſchien ſie ihm ſo herausfordernd zu drohen, daß Thys nach und nach unheimlich zu Muthe wurde, wenn er ihr begegnete, und er zu befürchten ſchien, die Wittwe, die er oft mit ſo großer Barſchheit fortgeſtoßen, möchte etwas von ſeinen Abſichten auf Jan⸗Ohms Erbſchaft ahnen. Was er von ihr zu fürchten hatte, wußte er nicht; um ſo peinlicher war das unheimliche Gefühl, das ſie ihm einflößte.— Es war ihm überdies nicht unbekannt, daß die Wittwe von ihres Mannes Seite ein kleines Anrecht auf die Erbſchaft hatte; dies war auch der eigentliche Grund ſeiner Barſchheit geweſen. Dieſe Unruhe und vor allem die augenſcheinliche Schwäche Jan⸗Ohms bewogen ihn, auf alle Weiſe und mit ſtürmiſcher Ungeduld in Cäcilien zu dringen, ihm ihre Einwilligung zur Heirath zu geben. Bald ſchmei⸗ chelte er ihr und verſprach ihr alles Glück; bald war er auffahrend und heftig und mißhandelte das unſchuldige Mädchen und ſuchte ſie durch Schrecken, ja ſelbſt durch Furcht für ihr Leben ſeinen Wünſchen geneigt zu machen. Aber was er auch anwandte und wie ſehr er durch feige Läſterung den Oheim gegen ſie aufhetzte, das Mädchen blieb unerſchütterlich und verharrte meiſt in geduldigem Schweigen, das ihr der Oheim als einen ſtörriſchen Eigenſinn verwies. Eines frühen Morgens ſaß Cälilie bei dem Schorn⸗ ſtein; ein Stück Tuch, an welchem ſie zu nähen begon⸗ nen, lag auf ihrem Schooße. Sie arbeitete aber nicht, ihre Hän unverwal ſprach lei ihres Oh von ihrer blieb lebl Plü terte, als nung. Wir und in d Cäc ſie ihr C Thl Lachen, übertrieb Oh dem ſche etwas z den Fuf per dur machte Nähe ih daß eine ſich zuſ in unm ergeben. Na welcher genſtand ſchem T „J Wege!“ Un iliens, den hte, blickte —, ſchien ſie znach und begegnete, roft mit ſo von ſeinen Las er von o peinlicher inflößte.— die Wittwe t auf die iche Grund enſcheinliche Weiſe und ngen, ihm ald ſchmei⸗ ald war er unſchuldige ſelbſt durch zu machen. durch feige s Mädchen geduldigem ſtörriſchen em Schorn⸗ hen begon⸗ aber nicht, ihre Hände ruhten müßig auf den Knieen; ſie ſah mit unverwandtem Blicke in den ausgebrannten Heerd und ſprach leiſe mit ſich ſelbſt. Barts Name und der Name ihres Oheims fielen bisweilen mit einem tiefen Seufzer von ihren Lippen. Ihr Geſicht bewegte ſich nicht und blieb leblos, wie das einer Statue. Plötzlich vernahm ſie ein Geräuſch von Tritten; die Bläſſe des Todes übergoß ihr Antlitz und ſie zit⸗ terte, als fürchtete ſie ſich vor einer ſchrecklichen Erſchei⸗ nung. Iirklich war es auch Thys, der eine Thüre öffnete und in das Zimmer trat. Cäcilie ließ den Kopf noch tiefer ſinken, als wollte ſie ihr Geſicht verbergen, ſonſt rührte ſie ſich nicht. Thys Geſicht zeigte ein ſo boshaftes und gottloſes Lachen, daß der Schrecken des Mädchens wirklich nicht übertrieben war. Ohne zu ſprechen, näherte er ſich Cäcilien unter dem ſcheinbaren Vorwande, mit der Zange im Heerde etwas zu ſuchen. Er trat dem Mädchen ſo plump auf den Fuß, daß ein heftiger Schmerz ihren ganzen Kör⸗ per durchzuckte. Aber ſie ſprach kein Wort. Dann machte er mit ſeinen Ellbogen eine Bewegung in der Nähe ihres Kopfes und ſtieß ſie heftig ins Geſicht, ohne daß eine Klage über ihre Lippen gekommen. Sie kauerte ſich zuſammen, und machte ſich ſo klein als möglich, um in limächtigen Unterwerfung ſich ihrem Schickſale zu ergeben. Nach mancherlei Mißhandlungen ſolcher Art, während welcher der Körper des Mädchens wie ein lebloſer Ge⸗ genſtand hin und her geſtoßen wurde, rief Thys in bar⸗ ſchem Tone: „Ihr ſitzt wie ein Stück Holz da! Geht aus dem Wege!“ Und bei dieſen Worten ſtieß er das Mädchen mit 84 ſolcher Kraft an die Schulter, daß ihr Kopf an del Schornſtein fiel. Sie nahm ſchweigend ihre frühere Haltung wieder ein, doch entſtrömten ihrem Auge reichliche Thränen. Der elende Marterer trat einen Schritt zurück, ſchlug die Arme übereinander, ſah ſie mit grinſendem Lachen an und ſagte: „Ich habe Euch geſtern geſagt, daß heute der letzte Tag iſt. Bedenkt Euch wohl! Wenn die Sonne unter⸗ geht, ohne daß ich Euer Ja habe, dürft Ihr das Schreck⸗ lichſte erwarten.“ Und als ſich das Mädchen weder bewegte, noch ſprach, ſteigerte ſich ſeine Wuth: „Ah!“ rief er,„Ihr ſchweigt? Es iſt der letzte Schein von Macht, der Euch bleibt. Ich werde Euern Starrſinn beugen. Ich weiß Mittel, Eure Zunge zu löſen! Laßt mich endlich eine Antwort hören!“ Er ſprang auf das Mädchen zu, ergriff ſie bei bei⸗ den Schultern mit der Fauſt und ſchüttelte ſie ſo hef⸗ tig hin und her, daß ihr Kopf ſchwindelte. Indeſſen ſah er ihr mit ſo giftigem Blicke in die Augen, daß das Mädchen an allen Gliedern zitterte, als fürchtete ſie ei⸗ nen Mord. „Sprecht!“ polterte er,„ſprecht, oder ich zerſchmet⸗ tere Eure Schultern.“ Eine dumpfe Klage entflog der Bruſt des Mädchens, ſie ſank auf die Kniee und ſeufzte mit aufgehobenen Hän⸗ den: „O Thys, was habe ich Euch gethan. Muß ich ſterben, ach, ſo tödtet mich nicht ſo langſam.“ Der Böſewicht betrachtete mit einer Art von Wol⸗ lag. „Ich habe es Euch ja geſagt, daß Ihr noch vor mir knieen werdet,“ lachte er.„Ihr glaubtet es nicht! Da liegt Ihr nun.“ luſt das leidende Mädchen, das zitternd zu ſeinen Füßen „Ver les thun, Wünſche Eure Mag „Das „Mei bitten, daf Zeugen ru den Beſitz laßt mich Mein Geiſ ich werde Sie aber auf „Das ein andere der Welt die Wahl Ihr nicht wohl ſage langſam v dem Feue daß Ihr rage: n 3 IDas wieder au Augen le „Cä gleichfalls ſchließe, begreife( jedes Mä ſpät. W nur im das Lebe Conſeci pf an dell ung wieder Thränen. rrück, ſchlug dem Lachen te der letzte onne unter⸗ as Schreck⸗ egte, noch der letzte erde Euern ge zu löſen! ſie bei bei⸗ ie ſo hef⸗ ndeſſen ſah „ daß das tete ſie ei⸗ zerſchmet⸗ Mädchens, denen Hän⸗ Muß ich von Wol⸗ nen Füßen noch vor es nicht! „Vergebung! Gnade!“ bat Cäcilie,„ich werde Al⸗ les thun, was Ihr wollt: mich zur Sklavin Eurer Wünſche machen, jedem Winke von Euch gehorchen, Eure Magd ſein....“ „Das iſt es nicht, was ich will.“ „Mein Erbtheil will ich Euch abtreten, meinen Ohm bitten, daß er es Euch auch gebe; und, wenn es nöthig, Zeugen rufen und die Schrift unterzeichnen, die Euch in den Beſitz von Allem ſetzt.— Aber um Gottes Willen, laßt mich in Ruhe, gönnt mir meinen Frieden..... Mein Geiſt umnachtet ſich.... ich fühle, ich fürchte..... ich werde wahnſinnig...“ Sie beugte den Kopf tief auf die Bruſt herab, blieb aber auf den Knieen liegen. „Das geht ſo nicht,“ antwortete Thys.„Es gibt ein anderes Mittel, um aus mir den beſten Menſchen von der Welt zu machen. Ihr kennt das Mittel. Heute ſteht die Wahl Euch noch frei: morgen iſt es zu ſpät. Willigt Ihr nicht ein, ſo mögt Ihr dem Lichte der Sonne Lebe⸗ wohl ſagen. Mein Haß wird Euch verzehren, Ihr werdet langſam vor Kummer verſchmachten, und wie Schnee unter dem Feuer meiner Rachſucht vergehen. Ihr ſeht wohl, daß Ihr mich noch nicht kennt. Antwortet auf meine Frage: werdet Ihr meine Frau oder nicht?“ Das Mädchen ſtand ſprachlos auf und ſetzte ſich wieder auf ihren Stuhl, wo ſie ſich die Hände vor die Augen legte. „Cäcilie,“ ſprach er in kaltem Tone, während er ſich gleichfalls niederſetzte,„ebe ich noch Schlimmeres be⸗ ſchließe, will ich Euch noch einmal Vorſicht rathen. Ich begreife Euch wahrlich nicht. Es liegt in der Beſtimmung jedes Mädchens, daß ſie einmal heirathe, es ſei früh oder ſpät. Was liegt daran, wie der Mann heißt, wenn er nur im Stande iſt, ſeine Frau gut zu erhalten, und ihr das Leben angenehm zu machen. Und daß ich es können Conſcience, der Geizhals. 5 66 werde, daran zweifelt Ihr gewiß nicht. Wir meinen zwar in unſern jungen Jahren, Liebe, Freundſchaft, Schönheit ſeien Dinge, die im Leben Werth haben. Das ſind Träume! Träume, die mit der Thorheit der Jugend vergehen! Nur ein Ding bleibt, ein Ding, das alles erſetzt und der unerſchöpfliche Quell von Allem bleibt. Dies Ding heißt Geld. Nun, Geld werden wir im Ueberfluſſe haben.— Weßhalb getrauert? weil Liebe, Zuneigung, Freundſchaft unſerer Ehe fehlen? Welchen Werth kann ein Eimer Waſſer für den haben, der den Brunen beſitzt, aus dem es beſtändig fließt? ſchaft in Euch weckten. Was ſagt Ihr?.... Muß ich wieder böſe werden und Euch das Wort mit Gewalt er⸗ Bei dieſen Worten, die in finſterem, drohendem Tone geſprochen wurden, begann das Mädchen auf's Neue zu zittern. Mit bittender Stimme antwortete es: „O vergebt mir: ich kann nicht lügen! Seht, Thys, wenn man Tage lang allein ſitzt und ſeinen Träumen nachhängt— ſo ergründet der Geiſt die Dinge tiefer und erfaßt das Weſen der Sachen, die ihm ſonſt fremd ge⸗ blieben. Wißt Ihr wohl, was Heirathen iſt?⸗ „Es iſt die Verbindung zweier Perſonen, die ein gemeinſchaftliches Leben führen, um mehr Vortheil daraus zu ziehen,“ ſagte Thys.„Nicht weniger und nicht mehr, als zwei Kaufleute, die ihr Geld zuſammenſchießen, um größeren Handel damit zu treiben.“ „Gäbe Gott, daß es ſo wäre!“ ſeufzte Cäcilie, viel⸗ leicht könnte ich mich dann Eurem Wunſche fügen.“ „Es it in die Red „Nein Weſens,“ Ausdruck fü durch das wendigkeit. ſitze einen ohne gegen ich vor Ku im Himme muß ich E ringſten Wi vin angehöt ken an En Thys ſehr über Ton, in r ſtutzig, noc Weſen zu hielt. Nac gegeben, o „Ich Sache. Brautkuß kindiſch!“ „Ach würde mie Grinſen: „Alſe Nadeln z Er danken v Wir meinen Freundſchaft, haben. Das der Jugend ,das alles illem bleibt. den wir im weil Liebe, 2 Welchen i, der den der Mangel „ den Ihr lin Traum! derſchwindet Luch quäle? ſein: Euer leſe Leiden Muß ich Gewalt er⸗ ndem Tone 's Neue zu ßeht, Thys, Träumen tiefer und fremd ge⸗ u, die ein heil daraus licht mehr, ießen, um 7 ilie, viel⸗ gen.“ „Es iſt nichts Anderes, glaubt mir,“ fiel Thys ihr in die Rede. „Nein, nein, es iſt die Vernichtung des weiblichen Weſens,“ fuhr das Mädchen mit einem eigenthümlichen Ausdruck fort. Vernichtung durch das göttliche Gebot, durch das Gefühl der Pflicht, durch die unerbittliche Noth⸗ wendigkeit. Unverheirathet genieße ich Freiheit; ich be⸗ ſitze einen eigenen Willen; ich darf mich Euch widerſetzen, ohne gegen Gott oder mein Gewiſſen zu ſündigen. Sterb ich vor Kummer unter Euren Qualen, werde ich vielleicht im Himmel dafür Belohnung finden. Als Eure Frau muß ich Euren geringſten Wunſch erfüllen, Eurem ge⸗ ringſten Willen mich unterwerfen, Euch als leibeigene Scla⸗ vin angehören!... Das iſt's, was mich ſchon den Gedan⸗ ken an Euer Verlangen fürchten macht.“ Thys ſchien verwundert über ihre Worte; nicht ſo ſehr über ihren Inhalt, als über den ernſten und kalten Ton, in welchem ſie geſprochen wurden. Es machte ihn ſtutzig, noch ſo viel Muth und Standhaftigkeit bei einem Weſen zu finden, das er für erſchöpft und entmuthigt hielt. Nachdem er einen Augenblick dieſem Gefühle Raum gegeben, antwortete er lachend: „Ich verſtehe Euch: wahrlich, Ihr ſeht tief in die Sache. Ich glaube, Ihr wäret im Stande, mir den Brautkuß zu verſagen, wenn Ihr einwilligtet. Wie kindiſch!“ „Ach!“ rief Cäcilie verzweiflungsvoll,„der Kuß würde mich tödten. Könnte ich dieſe Schmach nur einen Tag überleben, ſo müßte ich mich ſelbſt mehr haſſen, als ich Euch haſſe!“ Thys richtete ſich auf und fragte mit häßlichem Grinſen: „Alſo, Ihr wolltet lieber ſterben; langſam, wie von Nadeln zu Tode gemartert?“ Er bekam keine Antwort. Lange ſtand er in Ge⸗ danken verſunken da. Endlich ſagte er in keckem Tone: —— 68 1 „Gut; ich habe keine Hoffnung mehr, Euch zur Ver⸗ nunft zu bringen. Ich werde wohl auf eine andere Art zu meinem Ziele kommen.— Ich werde Euch noch einmal fühlen laſſen müſſen, ob meine Finger Fleiſch oder Eiſen ſind; dieſen Morgen iſt es nicht mehr nöthig; ich will meine Kraft auf Nachmittag ſparen. Ueberlegt in zwiſchen, was die Ehe iſt; es wird Euch vielleicht in der andern Welt zu etwas nütz ſein!“ Mit dieſen Worten trat er auf die Schwelle der Vorthüre, ſah nach allen Richtungen und murmelte vor ſich hin: „Das häßliche Weib iſt nicht da. Beeilen wir uns.“ Er kehrte in das Zimmer zurück und ſagte mit dro⸗ hendem Blicke zu Cäcilie: „Ich muß einen Augenblick ausgehen. Schließt die Thüre von innen zu. Vielleicht wird Franz Dalinckt kommen, um ſeinen Zins zu bezahlen. Gebt auf ihr Achtung.— Wagt es aber nicht, für Jemand anderen zu öffnen..... 4 Er hob ſeine Hand in die Höhe, krümmte die Finger wie Klauen zuſammen und ſprach, als wollte er ihr an den Hals greifen, mit dem Ausdruck tödtlichen Haſſes: „Ihr verſteht mich!“ Damit verließ er das zitternde Mädchen und ging auf den Weg, der nach dem Dorfe führte. Kaum war er zur Thüre hinaus, als Cäcilie auf⸗ ſtand, den Riegel vorſchob, in das Zimmer zurückging und in einer Ecke auf den Knieen liegend, Gott um ſeinen Schutz anflehte. Eine unheimliche Stille herrſchte rings um ſie her. In der tiefen Einſamkeit erleichterte ſie ihr Herz und weinte, das Gebet mit häufigem Schluchzen unterbrechend. Bisweilen blies der Wind durch das Kamin oder es krachte etwas an dem alten Gebäude. Dann ſah ſich Cäcilie zitternd nach der Thüre um und ihr Geſicht er⸗ blaßte vor zu innigem Plötzl o geheimn di⸗ S Pochen wi „Wer der Ton d hätte. „Cäci Schlüſſello „Ach, Stimme e fernt Euch „Ihr „Ich Euch ſehen Es f draußen f 0 beinahe v retten. U. nicht gebe Das Klage w ſah unver die Hand inne hiel brennen. „Me ſtirbt, es Cäci öffnete die Bewegun bemerkte, ruug durc 1 ich zur Ver⸗ andere Ar d Euch noch Fleiſch oder nöthig; ich eberlegt in vielleicht in zchwelle der urmelte vor nwir uns.“ te mit dro⸗ Schließt die az Dalinckr ebt auf ihr nd anderen die Finger er ihr an Haſſes: r und ging äcilie auf⸗ zurückging Gott um m ſie her. Herz und erbrechend. in oder es n ſah ſich Geſicht er⸗ blaßte vor Schrecken. Jedesmal beugte ſie ſich wieder u innigem Gebete. Plötzlich hörte ſie ein leichtes Klopfen an der Thüre, ſo geheimnißvoll und ſtill, daß man es kaum vernehmen tonnte. Sie ſtand auf und näherte ſich der Thüre. Das Pochen wiederholte ſich.„ „Wer iſt da ²“ fragte Cäcilie gleichfalls leiſe, als ob der Ton der Stimme von draußen ihr Furcht eingeflößt ätte. „Cäcilie, ſeid Ihr allein?“ fragte man durch das Schlüſſelloch.. „Ach, liebe Kaet!“ antwortete das Mädchen, die Stimme erkennend,„um Gottes Willen, geht fort! Ent⸗ fernt Euch von unſerer Thüre.“ „Ihr ſeid allein? Laßt mich ein!“ bat Kaet. „Ich mag nicht. O geht fort; ich zittere, er möchte Euch ſehen.“ Es folgte eine kurze Pauſe. Aber die Stimme von draußen fuhr in klagendem Tone fort: „O Cäcilie, mein armes Mieken liegt hier und ſtirbt beinahe vor Hunger: ein einzig Stückchen Brot kann es retten. Und Ihr, Cäcilie, wolltet mir das Stückchen Brot nicht geben?“ Das Mädchen, ohne zu überlegen, was an dieſer Klage wahr oder geheuchelt, begann zu zittern und ſah unverwandt auf den Riegel der Thüre, während ſie die Hand ausſtreckte, um ihn zu öffnen, aber plötzlich inne hielt, als ob ſie ſürchtete, der Riegel werde ſie brennen. „Macht raſch!“ ſeufzte die Stimme von draußen,„es ſtirbt, es ſtirbt!“ Cätilie ſchob mit großer Haſt den Riegel zurück und öffnete die Thüre halb; aber die arme Frau, die dieſe Bewegung beobachtet, drang mit Gewalt herein. Als ſie bemerkte, daß Cäcilie ſie fragend anſah und ihre Verwunde⸗ rung durch ein Wort des Staunens auszudrücken im Begriffe 70 war, legte ſie dem Mädchen die Hand auf den Mund umd ſagte in geheimnißvollem Tone: „Still!— Mein Kind? Es iſt auf dem Kapellenhof geſund und zufrieden. Ich habe Euch getäuſcht; ich mußt Euch ſprechen. Wo iſt Euer Oheim? Droben? Dan ſtill, er darf uns nicht hören.“ „O geht fort, geht; Thys kommt ſogleich wieder!“ bat das zitternde Mädchen. Die Frau trat an den Schrank, nahm ein Brot heraus, wie Jemand, der im Hauſe bekannt iſt, und ſchnitt ein kleines Stück ab. Dann ſchloß ſie den Schrank wieder und wandte ſich an Cäcilie, indem ſie ſagte: „Das iſt das Almoſen, das Ihr mir gegeben habt. Sagt ihm nichts anderes. Ich habe ihn geſehen; er ging zum Notar.— Zittet auch nicht, daß ich gehen ſoll, Schon drei Monate warte ich auf einen ſolchen Augen⸗ blick; darum allein habe ich täglich von Morgens bis Nachts den Kloſterhof umlauert. Ich will wiſſen, wa hier geſchieht. Nicht ohne Abſicht geht Thys zum Notar; er hat wichtige Sachen mit ihm zu verhandeln,— die ihre Zeit koſten.— Er wird nicht ſo bald zurückkehren .... Ich werde ſchon erfahren, was er dort will... Ihr ſeid blaß und mager wie eine Leiche. Was geſchieht hier, daß Ihr ſo abzehrt?“ „Kart, liebe Kart, ich darf nicht ſprechen!“ ant⸗ wortete das Mädchen. nach ſich Euch.. „Go Bart kra W Ihr ha weil Emn Das gann zu „Ko wenn ich mehr gel der, das hat eine Flüche wenn ihr ich ſehe fängniſſe Augen ſ Eir Frau; Mädchen ihn liel meines 5 damit 5 Seele Gottes n Mund umd Kapellenhuf t; ich mußt den? Dann ch wieder!“ n ein Brot „und ſchnitt rank wieder geben habt. en; er ging gehen ſoll hen Augen⸗ korgens bis diſſen, wa zum Notar; In,— die zurückkehren t will.... as geſchieht hen!“ ant⸗ nit bitterem ſieht ſchon ſprechen? gleich, auf Ihr wollt zu ſiegen? un Ihr die öhr werdet kuer Leben tes Andern nach ſich zöge? eines Andern, der vergeht vor Liebe zu Euch..... 3. „Gott, Gott!“ ſeufzte das Mädchen jammernd,„iſt Bart krank?“ „Wie mögt Ihr fragen, Cäcilie?“ verſetzte Kaet. „Ihr habt alſo nicht an ihn gedacht? Nicht getrauert, weil Eure Augen ihn nicht mehr ſahen?“ Das Mädchen ſank auf einen Stuhl nieder und be⸗ gann zu weinen. „Kaet,“ ſchluchzte ſie,„ich thue vielleicht Unrecht, wenn ich Euch in meinem Herzen leſen laſſe. O ich habe mehr gelitten, als er; denn er ſieht die Sonne, die Fel⸗ der, das Licht; er hört die Stimme von Freunden; er hat eine Mutter..... und ich, ich höre nichts als Flüche und Verwünſchungen.... ſeinen Namen nur, wenn ihn in der Einſamkeit mein Herz mir zuflüſtert.... ich ſehe nichts, als die vier nackten Wände meines Ge⸗ fängniſſes— und ſein Bild, das vor meinen verwirrten Augen ſteht“ Ein Lächeln der Freude erhellte das Geſicht der Frau; ſie ergriff mit zärtlichem Ausdruck die Hand des Mädchens und fragte: „Ihr liebt ihn alſo auch, Cäcilie?“ Das Mädchen ſenkte den Kopf, um die Schamröthe zu verbergen, die ihr Antlitz übergoß. „Ach, ſagt es mir, Cäcilie, ſagt es mir, daß Ihr ihn liebt?“. „Ich darf nicht, Kaet: Ihr würdet das Geheimniß meines Herzens nicht bewahren.“ „Aber Cäcilie, wenn ich das Leben eines Menſchen damit retten kann?“ „Ach, ſo wiſſe er, was ich mir ſelbſt noch nicht ge⸗ ſtehen durfte. Die Trennung von ihm war mein größ⸗ ter Kummer;— und, muß ich ſterben, ſo wird meine Seele ſein Andenken mit ſich nehmen in die Heimath. Gottes...“ 72 Kaet ſtand auf, öffnete die Thür halb und ſah in die Ferne. Dann kehrte ſie zurück und ſagte: „Ich ſehe Thys noch nicht, Cäcilie, habt Muth, ſtellt Euch ihm muthig entgegen; er iſt ein Feigling!“ „Aber Kaet, iſt es wirklich wahr,“ ſeufzte das Mäd⸗ hen,„iſt Bart ſo krank?“ „Krank iſt er nicht,“ antwortete die Frau,„aber bleich und mager, wie Ihr ſelbſt, Fräulein. Nahe ge⸗ nug ſteht er dem Grabe, um zu ſterben, wenn ihn nichts tröſtete. Aber nun, nun habe ich Balſam für ſeine Wunde .... Laßt mich hören, Cäcilie, ſprecht raſch, was iſt hier geſchehen, ſeitdem ich Euch nicht mehr geſehen?“ „„Horcht, Kaet, aber Ihr dürft niemand etwas da⸗ von ſagen, nicht wahr?— Und doch, wie Ihr ſagt, was Kn ſlünmer als der Tod. Thys will, daß ich ihn hei⸗ Trathe...„ „Ich dacht' es wohl!“ murmelte die Frau. „Mein Ohm befiehlt ſtürbe ich lieber tauſendmal!— Ich bin jeder Verfolgung ausgeſetzt. Ich werde geſcholten und beſchimpft; i leide Hunger; ich vergehe vor Angſt und Furcht, und .... aber, um Gottes Willen, Kaet, ſagt es Bart nicht.... man ſtößt, tritt, ſchlägt mich wie ein armes Thier!“ „Himmel, was iſt das!“ rief Kaet die Hände ring⸗ end.„Seid Ihr denn in einer Mördergrube? Gott be⸗ hüte mich, daß ich Bart etwas davon ſagte. Er würde Blut weinen, der Unglückliche.... Und Euer Oheim, iſt Euer Oheim denn von Sinnen?“ „Mein Oheim, ach der Arme, er wird betrogen und hinters Licht geführt. Alles, was ich ſage, dünkt ihm Lüge und Falſchheit: er iſt behext, Kaet. Könnt' ich ihn nur allein ſprechen; aber ganze Tage lang iſt er oben, in ein hinteres Gemach eingeſchloſſen und ſelbſt für Thys unzugänglich. Kommt er herab, um zu eſſen, ſo ſitzt Thys immer dabei und weiß meine Worte ſo zu es mir täglich. Und doch — verdrehen meines L nem Mur Oft habe wahrheit habe ich leide, ich dieſe Ma „Se Ihr der Ih den unbegreig Mauern Und die entläuft? Da⸗ um an d „d zurückkeh Stücke 2 nicht. 2 bald gen flucht ha Der Mädchen ihrer S Frau m Euch mi „I wohlgem Die Vor der deßhalb und ſah in abt Muth, Feigling!“ das Mäd⸗ au,„aber Nahe ge⸗ ihn nichts ne Wunde 9, was iſt ehen?“ etwas da⸗ agt, was ihn hei⸗ Und doch erfolgung npft; i ht, und es Bart in armes dde ring⸗ Gott be⸗ r würde Oheim, gen und ukt ihm ich ihn rr oben, bſt für ſſen, ſo ſo zu — verdrehen, daß Alles, was ich ſage und thue, den Zorn meines Oheims entflammt, als ob nichts mehr aus mei⸗ nem Munde käme, als Falſchheit, Betrug und Läſterung. Oft habe ich ſelbſt an mir gezweifelt, ob nicht Un⸗ wahrheit und Wahnſinn aus mir ſpreche.— Nun aber habe ich mich in mein Schickſal ergeben, ich ſchweige und leide, ich beuge mein Haupt und glaube, daß Gott mir dieſe Marter aufgebürdet....“ „Schrecklich!“ ſeufzte die Frau.„Warum entflieht Ihr der Hölle und Ihren Teufeln nicht?“ „Ach, Kaet, mehr als einmal habe ich, wenn eine unbegreifliche Furcht oder Zorn mich zittern machten, nach der Thüre geſehen aber....“ „Schwäche, Feigheit!“ rief Kaet in bitterem Tone. „Mein Oheim? Soll ich ihn in dieſen finſtern Mauern der Bosheit und Tücke dieſes Thys überlaſſen? Und die Schande? Ein Mädchen, das ſeiner Heimath entläuft?“ Das Mädchen ſchwieg; denn Kaet war aufgeſtanden, um an der Thüre nachzuſehen. „Dort hinten kommt er,“ ſprach ſie, unerſchrocken zurückkehrend.„Wenn er mich ſieht, ſo ſprecht von dem Stücke Brotes, das Ihr mir gegeben. Verliert den Muth nicht. Ich werde Euch helfen. Und kann ich es nicht bald genug, ſo flieht aus dieſem Hauſe, das Gott ver⸗ flucht hat.“ Der Schrecken hatie ſich wieder ganz des armen Mädchens bemächtigt. Die Rückkehr Thys' weckte ſie aus ihrer Selbſtvergeſſenheit auf. Sie zitterte und bat die Frau mit ausgeſtreckten Händen:„O geht fort! Er wird Euch mißhandeln.“ „Ich fürchte ihn nicht,“ antwortete Kaet.„Seid wohlgemuth, liebe Cäcilie, Ihr werdet mich wiederſehen.“ Die arme Frau verließ das Haus mit trägem Schritt. Vor der Thüre bemerkte ſie, daß Thys ſie geſehen, und deßhalb mit größerer Haſt nach Hauſe eilte. Sie ent⸗ ——-/———;;: — 74 fernte ſich bis auf zwei oder drei Bogenſchüſſe und blieb ſtehen, während ſie ſagte: „Er wird Cäcllie vielleicht mißhandeln, deßhalb will ich vor dem Schlüſſelloch hören, was geſchieht.“ ZBald ſah ſie, daß Thys den Fußpfad verließ und eine andere Richtung einſchlug, um nach dem Wege zu lomnen⸗ wo ſie ſich befand. Unerſchrocken erwartete jee ihn. Als Thys näher kam, ſchleuderte er ſeine Verwün⸗ ſchungen gegen ſie; aber ſie empfing ihn mit einem her⸗ ausfordernden Lachen und ſah ihm mit ſo viel Verach⸗ tung in die Augen, daß er plötzlich ſtehen blieb. „Wer hat Euch die Thüre geöffnet?“ rief er vor Wuth zitternd.„Was wollt Ihr auf dem Kloſterhofe?⸗ „Ach, erſchreckliche Dinge!“ ſpottete Kaet.„Ich habe eine halbe Stunde um ein Stück Brot gebettelt und Cäcilie hat es mir gegeben.'s iſt nicht jedermann ſo unbarmherzig, wie Ihr.“ „Laßt das Brot ſehen!“ gebot er in einem Tone, d davon zeugte, daß er nicht glaubte, was man ihm agte. Die Wittwe zeigte ihm das Brot. Er kehrte es wohl dreimal um, gab es zurück und ſagte: „Schon gut: aber ins Künftige bleibt Ihr fort, ſonſt werdet Ihrs bereuen.“ „Ich lache über Eure Drohungen,“ antwortete Kaet in unerſchrockenem Tone.„Ihr könnt mir nichts thun. Aber, ich arme Bettlerin, werde Euch zu finden wiſſen!“ „Ihr!“ rief Thys außer ſich und die Hand auf⸗ hebend, als wollte er die arme Frau mißhandeln.„Kein Wort mehr, oder ich breche Euch den Hals!“ Kaet zeigte mit der Hand nach dem Felde, wo drei bis vier Bauern an der Arbeit waren. „Seht Ihr dort auf dem Felde?“ ſprach ſie:„alle dieſe Menſchen lieben mich und haſſen Euch. Rührt mich mit einem einzigen Finger an, ſo ſchreie ich, Ihr wollt mich er! beſtätige Ihr al Hände Th ſtehen u gelächte S „2 täuſcht ſo wir Grund wohl, S mit la T kehrte Kloſter ſtehen, Füßen daß er befand ( Hinter und blieb jhalb wil derließ und Wege zu erwartete Verwün⸗ einem her⸗ el Verach⸗ b. ef er vor ſterhofe?“ net.„Ich gebettelt jedermann em Tone, man ihm kehrte es ort, ſonſt rtete Kaet hts thun. wiſſen!“ and auf⸗ 1„Kein wo drei ſie:„alle ihrt mich Ehr wollt mich ermorden. Es werden die Zeugen nicht fehlen, die beſtätigen, daß Ihr noch Schlimmeres fähig ſeid. Wenn Ihr alſo nicht gerne Gendarmen ſeht, ſo behaltet die Hände in der Taſche.“ Thys zitterte vor Aerger und Verdruß, doch blieb er ſtehen und ſah die arme Frau, die ihn mit ihrem Spott⸗ gelächter berausforderte, mit Staunen und Schrecken an. Sie fuhr fort: „Ah, Ihr glaubt wohl allein klug zu ſein? Ihr täuſcht Euch. Ihr meint wohl, daß man nicht wiſſe, was auf dem Kloſterhofe vorgeht? Wird Jan⸗Ohm noch heute oder morgen das Teſtament unterſchreiben ²⁰ „Was? Wer ſagt das 2“ rief Thys überraſcht und verlegen.„Es iſt nicht wahr.“ „Es iſt nicht wahr? Und Ihr ſteht da wie ein Schuljunge, der den Stock bekommen!— Aber gebt wohl Acht, was Ihr thut; jeder ſoll ſein Theil haben.— Haltet Ihr auch die Thüren des Kloſterhofes geſchloſſen, ſo wird ſie doch der Richter zu öffnen wiſſen“ „Der Richter? der Richter? Welchen Grund ſollte der, zu thun, haben, was Ihr ſagt?“ „Hört, Thys, Ihr wißt es ſo gut, als ich, wo kein Grund iſt, da macht man einen.... Und nun lebt wohl, auf Wiederſehen!“ Sie ließ den verſtummten Thys ſtehen und ſetzte mit lautem Lachen ihren Weg fort. Tief erſchrocken ſah er ihr eine Weile nach und kehrte dann, ganz in Gedanken verſunken nach dem Kloſterhofe zurück. Unterwegs blieb er noch mehre Male ſtehen, legte den Finger an die Stirne, ſtampfte mit den Füßen und war ſo ſehr in ſeine Gedanken verſunken, daß er durch das Zimmer ging, in welchem Cäcilie ſich befand, ſcheinbar ohne ſie zu bemerken. Er trat durch eine zweite Thüre und verſchwand im Hinterhauſe. VI. Am andern Tage erhob ſich die Sonne majeſtätiſch am Himmel. Bereits war das Jahr bis zur Hälfte des Mai's vorgeſchritten; man hatte bisher nur wenige ſchöne Tage gezählt und beinahe unbemerkt hatten ſich Bäume und Pflanzen langſam in ihr grünes Frühlingskleid gehüllt. Während der Nacht aber war der Wind von Nordweſt nach Süden umgeſprungen. Er wehte nun aus dem Mittelpunkte der Wärme mit ſanftem Hauche wie ein Balſam über die Erde. Das milde Licht der Sonne glänzte über der frohen Natur..... Es war ein Tag, ſo friſch, ſo lieblich, wie ein engelſchönes Mädchen, das ſein Haupt mit Blumen geſchmückt hat, um ſich dem Traualtar zu nahen..... Aus jedem Baum, aus jeder Hecke ſtiegen heitere Stimmen empor; die Lerche ſchwang ſich jauchzend durch die linde Luft; Tauſende von Thier⸗ chen, von allen Farben und Formen ſummten über dem Blattwerk,— oder flogen ſpielend im Graſe umher... der Boden ſelbſt bewegte ſich und wimmelte von Leben.— Es war Kirchweih in der ganzen Natur. Auch auf den Kapellenhof goß die Sonne ihr hei⸗ teres Licht; die Vögel ſangen voll Lebensluſt und Freu⸗ de;— aber inmitten des Gewühls und Gejauchzes ſtand die einſame Wohnung ſo ſchweigend und ſo ſtill, als ob ſie und ihre Bewohner noch immer im Winter⸗ ſchlafe lägen. Mutter Ann ſaß allein am Heerde und war damit beſchäftigt, einiges Gemüſe zu reinigen. Sie widmete ihrer Arbeit wenig Aufmerkſamkeit: ihre Augen irrten bisweilen unſtät umher, als wenn ſie von düſtern Ge⸗ danken Geſichtes loſigkeit. Wã mit eine ſchwere beugtem einen G haben ſe Die lich beti Kaum 1 Milchein Sie des Kuh die Thre Ein Geſichte. und ſchi Tone ſa „A det Ihr anze das ſoll Als Thränen „Li ſo ganze er geht Ihr alle ſelbſt, d hinter, ich lebe jeſtätiſch 8 Mai's ne Tage ime und gehüllt. kordweſt us dem wie ein Sonne var ein Lädchen, ich dem s jeder chwang Thier⸗ er dem her.. ben.— hr hei⸗ Freu⸗ uchzes o ſtill, Linter⸗ damit idmete irrten n Ge⸗ danken beherrſcht würde; und wirklich der Ausdruck ihres Geſichtes zeugte von tiefer Trauer, ſelbſt von Muth⸗ loſigkeit. 5 Während die gute Frau da ſaß und ſann, kam Bart mit einem Spaten in der Hand ins Haus getreten. Die ſchwere Arbeit hatte ihn ermüdet; denn er ging mit ge⸗ beugtem Rücken und langſam durch das Zimmer, ohne einen Gruß für ſeine Mutter, die er nicht geſehen zu haben ſchien. 1 Dieſe folgte ihrem Sohn mit den Augen und ſchmerz⸗ lich betroffen von der Achtloſigkeit ihres Jünglings. Kaum war er hinter der Thür verſchwunden, als dem Auge der Mutter ſtille Thränen entrollten, während ſie den Kopf über die Arbeit beugte. Nach einigen Augenblicken trat Wanna mit einem Milcheimer in das Zimmer. Sie ſetzte den Eimer nieder und wollte den Deckel des Kuhkeſſels lüften: aber hielt plötzlich inne, als ſie die Thränen auf den Wangen ihrer Mutter glänzen ſah. Eine verdrüßliche Ungeduld malte ſich auf ihrem Geſichte. Sie trat zu ihrer Mutter, faßte ſie am Arme und ſchüttelte ſie ziemlich heftig, indem ſie mit düſterem Tone ſagte: „Alle Wetter! Immer dieſelbe Geſchichte! So wer⸗ det Ihr alle Beide unter die Erde kommen, und mir die ganze Laſt laſſen. Wenn ich mich nicht aufrecht erhielte, was ſollte daraus werden?“ Als ſie ſtatt jeder Antwort einen neuen Strom von Thränen fließen ſah, fuhr ſie bitter fort: „Liebe Mutter, haltet ein. Es iſt nicht zu ertragen: ſo ganze Tage weinen zu ſehen! Bart ſpricht nicht mehr, er geht wie ein Schatten umher; Ihr, Mutter, ſobald Ihr allein ſeid, beginnt Ihr zu weinen. Sagt es nur ſelbſt, das iſt nicht recht.... oder es ſteckt etwas da⸗ hinter, was ich nicht begreife, Niemand ſagt mir etwas: ich lebe hier wie eine Verſtoßene....“ Die bekümmerte Frau ergriff die und drückte ſie, Hand ihrer Tochter um ihr zu zeigen, daß ſie ſie nicht minder ſie in ſchmerzvollem Tone: ſiehſt Du nicht, daß Dein ehſt Du nicht, wie tief ihm wie blaß und mager er hſt, zitterſt Du dann nicht größerem Unglück?“ rief Wanna voll armer Bruder verkommt? Si die Augen im Kopfe liegen wird? Und wenn Du ihn anſie bisweilen aus Furcht vor noch „Ach Gott, Mutter,“ rend ſie ſich gleichfalls eine Thräne aus dem „was ſind das für Dinge? Bart trauert, er wi ja; aber ich weiß wohl warum. uns wohl quälen, „Und ich, liebe Wanna, ich, ſeine Mutter, was in dem Herzen meines armen Kindes vo ich habe nicht das Herz, ihn zu quälen.. Wannaz; der eine Menſch i würde es ſelbſt vielleicht auch nicht nicht ſchon einmal in meinem Leben was die Liebe vermag, wenn man ihr Hinder⸗ es nicht begreifen, wiſſen, hätte ich niſſe in Würdeſt als er n kampfe l unſere E „Fr im Proch ein Feld geworder ſtehen ko mehr ſeh härmte ſt ſei Dank armen ju ſterbende aus den ich will darauf k⸗ der Kirch War „Si Vater w ſei verſich Andern auch ſein Das blickte tre Nach ſagte: „Oe abhärmen es nicht er Tochter cht minder daß Dein tief ihm mager er dann nicht ick?“ gſt, wäh⸗ ge wiſchte, d mager, mer kann ch wieder rade auf Seines⸗ ie ſchwer erdienen; zum ſucht bringen? en ſeinen Mutter, bringen neichelt: um ein, echt, er gT.“ zm auch he wohl, eht;— F 2 1 kannſt icht wie ch nicht 1 Leben niſſe in den Weg legt. Bart iſt ſtark wie ſein Vater. Würdeſt Du's glauben, Wanna, daß Dein ſeliger Vater, als er noch ein junger Mann war, bereits im Todes⸗ kampfe lag und das heilige Oel empfangen hatte, weil unſere Eltern uns getrennt und er mich nicht mehr ſehen ſollte?“ „Gott!“ rief Wanna erſchrocken. Bald jedoch faßte ſie ſich wieder und ſagte:„Aber er genaß wieder, nicht wahr, Mutter?“ „Freilich, Wanna; aber wie? Unſere Eitern lagen im Proceß wegen der Benützung eines Fußweges über ein Feld, und waren ſo erbittert und bös auf einander geworden, daß die Einen die Andern nicht mehr aus⸗ ſtehen konnten. Ich ſollte Deinen ſeligen Vater nicht mehr ſehen; und er, der mich mehr liebte, als ich wußte, härmte ſich ab, bis er anf dem Sterbebette lag. Gott ſei Dank! verſöhnte der Paſtor aus Mitleiden für den armen jungen Mann unſere Eltern und ich durfte den ſterbenden Freund beſuchen. Die Thränen ſchießen mir aus den Augen, wenn ich an jenen Tag denke..... ich will nicht davon ſprechen.... Aber einen Monat darauf konnte er doch mit mir und unſern Eltern nach der Kirche gehen, um mich zu ſeiner Braut zu machen...“ Wanna ſah ihre Mutter mit leuchtenden Blicken an. „Siehſt Du, Wanna!“ fuhr die Frau fort,„Dein Vater war ein armer Bauer, wie wir's noch ſind; aber ſei verſichert, es ſteckte etwas mehr in ihm, als in vielen Andern und ſo mag es mit unſerem armen Bart wohl auch ſein.“ Das Mädchen ſchüttelte bedenklich den Kopf und blickte träumend zu Boden. Nach einigen Augenblicken ſah ſie wieder auf und agte: „Das iſt ſeltſam, daß man aus Freundſchaft ſich abhärmen ſoll, wenn man doch ſonſt ſtark iſt. Ich kann es nicht glauben. Aber unſer Vater war doch vom ſelben 80 Stande, wie Ihr, Mutter. So geht es noch. Mit Bart und Cäcilie ſteht es ganz anders: das wird kein guͤtes Ende nehmen. Darum ſollte er die thörichten Ge⸗ Die Frau war indeſſen in tiefes Nachdenken ver⸗ ſunken: ſie horchte nicht auf das, was Wanna ſagte, und ſah verzweifelnd zu Boden. Nach einigen Augenblicken In dem Augenblicke, als dieſe letzten Worte ihrem Munde entfielen, und wie eine ſchmerzliche Klage durch das Zimmer tönten, kam Bart aus der Hinterthüre mit einem Reife in der Hand. Betroffen über den Ton der Stimme ſeiner Mutter blieb er ſtehen und blickte der weinenden Frau einen Augenblick tief in die Augen. Dann trat er langſam auf ſie zu, legte ſeine Lippen au ihre Stirne, benetzte ſie mit heißen Thränen und ſprach mit ſanfter, beinahe unhörbarer Stimme: „Arme, liebe Mutter, ach vergib mir, ich kann nicht anders!“ Und ſich umkehrend, ging er mit gebeugtem Haupte und die eine Hand vor den Augen, zum Hauſe hinaus. Aber auch unter dem helleren Sonnenlicht, inmitten der allgemeinen Freude, der Natur, die ihn umringte, erhob Bart den Kopf nicht. Gefühllos und mit ge⸗ beugtem Rücken ſchlich er in dem Fußpfad fort, wie ein alter, unter der Laſt ſeiner Jahre gebeugter Mann. Mau hätte glau im Graſe. Von in ſich hir es in ſein oder er ſt die ſo lu dem Wech Was nicht. D in eine Tu Wege lan Plöt haben, er ſich hiubli „Cäg weiß, wie vor Schn der Kum mehr. J was ich ſind verw Ein „Kr Feigheit! was wür mich liebe was denn Bruſt, al O ligkeit. Conſc noch. Mit wird kein richten Ge⸗ henken ver⸗ ſagte, und ugenblicken hm geſtern en machte; die Zähne Schlafe ge⸗ es zitternd , bleicher unruhig in art, mein orte ihrem lage durch tthüre mit Ton der blickte der e Augen. Lippen au nd ſprach kann nicht n Haupte e hinaus. inmitten umringte, mit ge⸗ „wie ein nn. Mau hätte glauben ſollen, er ſuche während des Gehens etwas im Graſe. Von Zeit zu Zeit blieb er ſtehen, murmelte etwas in ſich hinein, riß ein Blatt von dem Gehölz ab, zerrieb es in ſeiner Hand und ſchritt unmuthig weiter..... oder er ſtarrte ſelbſtvergeſſen auf die kleinen Thierchen, die ſo luſtig hinter einander und durch einander liefen ..... oder er entblätterte eine Blume und lauſchte dem Wechſelgeſange der Vögel. Was dies Alles ihm ſagte, wußte er vielleicht ſelbſt nicht. Doch ergriff es ihn ſehr lebhaft und hüllte ihn in eine Träumerei, bis er erwachend, auf's Neue in dem Plötzlich ſchien ihn ein mächtiger Gedanke erfaßt zu haben, er brach den Stab ab, und in den Fußweg vor ſich hinblickend, murmelte er mit tiefer Entrüſtung: „Cäcilie, ſeit geſtern weiß ich, was Du leideſt, Bruſt, als er fortfuhr: 8!— Droben lebt ein Gott.... Meine Se⸗ ligkeit.... meine Mutter!— Nein, nein; mich Conſcience, der Geizhals. 6 82 beugen, mich abhärmen vor Kummer; das Kreuz tragen, tragen bis auf den Kirchhof.... Ach! ach!“ Und er ſchritt muthlos weiter und preßte ſich der Kopf mit den Händen zuſammen, als fürchtete er, a würde berſten. Während der leidende Jüngling ſo voll Verzweif⸗ lung in dem ſchattigen Wege dahinſchritt und ohne es ſelbſt zu ſehen, ſich dem Kloſterhofe immer mehr näherte, geſchahen in der Wohnung des Geizhalſes noch weit Aunnihans Dinge, als der Jüngling ſich hätte träumer aſſen. Die Thüre des Kloſterhofes öffnete ſich. Auf d Schwelle erſchien ein Mädchen, blaß und mager, mi ſchwerem Packe unter dem Arme und die andere Hand vor den Augen. Ein Mann ſtieß ihr mit ſcheußlichem Gelächter in den Rücken, bis ſie zwei oder drei Schritte von der Schwelle entfernt war. Einen Augenblick blieb ſie dort ſtehen, als koſtete es ſie Ueberwindung, den Ort zu verlaſſen. Auf das drohende Gebot des Mannes ging ſie jedoch langſam über den Weg und trat neben einer Eichenhecke in die Felder, bis ſie aus dem Geſichte des Kloſterhofes verſchwun⸗ den war. Noch hatte ſie den Kopf nicht anfgerichtet, noch hielt ſie die Hand vor den Augen, um die Thränen zu ver⸗ bergen, die über ihre Wangen rollten. Mochten nun die Wärme der Sonne, das freundliche Licht, das ſie umgab, oder die Stimmen der jauchzenden Natur ihren Einfluß auf ſie geltend machen,— genug,. ſie blieb ſt ſinken. Verw Himmel un fallen übe zeigte ſich und iüre 3 lanken ſch ſie erho tief gerührl „Frei Und wollte ſie Sie bis ihre was ſie e Selbſtbew die Bruſt in einer dachte an Eine trat ſinne einem Gi Schrei de 3„Ba Der Die ein himm Freude m. Schrecken weinten l dreuz tragen, eßte ſich der chtete er, a I Verzweif⸗ ind ohne es ehr näherte, noch weit tte träumen .. Auf de nager, mi ndere Hand helächter in te von der s koſtete es s drohende über den die Felder, verſchwun⸗ noch hielt ein zu ver⸗ freundliche auchzenden — genug, ſie blieb ſtehen und ließ die Hand von den Augen herab⸗ ſinken. j Verwundert und überraſcht ſah ſie in den tieſen Himmel und ließ ihre Augen mit wachſendem Wohlge⸗ fallen über die Schöpfung hinfliegen. Nach und nach zeigte ſich ein unbeſchreibliches Lächeln auf ihrem Geſichte und ihre Bruſt ſchwoll, ihr Kopf erhob ſich über dem ſchlanken Halſe, ihre Augen leuchteten vor Begeiſterung; — ſie erhob die beiden Hände und ſprach in ſtillem, aber tief gerührtem Tone: „Freiheit! Freiheit!“ Und dann ſtreckte ſie die Arme in die Luft, als wollte ſie den weiten Raum mit ihren Händen faſſen. Sie ſchwelgte in dieſer begeiſterten Stimmung— bis ihre Augen Alles eingeſogen und genoſſen hatten, was ſie erreichen konnten.— Nach und nach kehrte ihr Selbſtbewußtſein zurück. Der Kopf ſank langſam auf die Bruſt herab, das Lächeln auf ihrem Geſichte erſtarb in einer kummervollen Miene: ſie ſah zu Boden und dachte an ihr ſchmerzliches Schickſal. Einen Augenblick ſpäter verließ ſie dieſen Platz und trat ſinnend in den Fußweg. Plötzlich, als ſie hinter einem Eichengebüſche umbeugte, entflog ihrer Bruſt ein Schrei der Ueberraſchung: „Bart?“ rief ſie. Der Jüngling ſtand zitternd vor ihr. Die unerwartete Begegnung rief auf Beider Geſicht ein himmliſches Lächeln hervor; aber bald wechſelte die Freude mit einem ſchmerzvollen Ausdruck, der von ihrem Schrecken zeugte. Sie ließen den Kopf ſprachlos ſinken und weinten bitter. Der Junge erhob zuerſt ſeine Augen und ſeufzte: „Cäcilie, Du armes Mädchen, wie biſt Du blaß und mager!“ „Und Du, Bart, ich erkenne Dich nicht mehr!“ ſchluchzte das Mädchen, ohne aufzuſehen. 84 „Mich?“ ſprach der Jüngling mit Verzweiflung. „Was hat das zu bedeuten? Aber Du, Du, Cäcilie, die Güte ſelbſt, ein Engel auf Erden, daß Du ſo leiden mußt. Daß du, wie ein ſtummes Opferlamm von der Hand dieſes falſchen Böſewichtes ſterben mußt! O, ich beiße mir die Fauſt blutig. Gott ſchütze mich, oder ich! zerſchmettere noch heute den res..... Aber Cäcilie, dieſer Pack? Wohin gehſt Du?“ „Man hat mich fortgejagt,“ ſeufzte das Mädchen unter neuen Thränen. „Fortgejagt!“ rief Bart mit Entrüſtung und Wuth in dem Geſichte. Aber dieſe erſte Aufwallung war bald vorüber. Lang⸗ ſam verwandelte ſich der Schmerz in wachſende Freude, bis er endlich ganz klar in der Sache ſah und mit Be⸗ geiſterung ausrief: „Fortgejagt?“ für immer?“ „Für immer,“ beſtätigte das Mädchen mit kummer vollem Tone. „Cäcilie, und Du weinſt?“ rief der junge Mann. „Wie? Du haſt Monde lang in einem düſtern Gefäng⸗ niß geſchmachtet, eine Beule hat er Dir geſchlagen, Dich zu Tode gemartert. Und, da wir verzweifeln, da nichts uns erlöſen kann, als der Kirchhof,— da ſchenkt Gott Dir die Freiheit wieder. Du biſt frei, frei und Du trauerſt? O ſieh, ſieh, was ich thue!“ Er warf ſich auf die Kniee, erhob die Hände zum Himmel und rief mit begeiſtertem Ausdruck: „Gott, Du haſt ſie erlöſt! O Dank, Dank für Deine Barmherzigkeit!“ Seine Stimme verſagte; er blieb auf den Knieen liegen und murmelte ein ſtilles und vielleicht um ſo innigeres Gebet. Das Mädchen ſah ihn erſtaunt und bewundernd an. Er war ſo ſchön mit dem milden Ausdruck ſeines frommen Herzens auf dem Geſichte und die leuchtenden Augen zum Kopf dieſes giftigen Thie⸗ Himmel e aus ſeinen zitternd, greiflicher Als d aufſtand, reudiger liche Selit Bart „Kor Freude ho ſteht noch bis jetzt d raſch 1 Cäcif blicklichen „Wa „Willſt 2 „Ich habe dor Arbeit ge „Bri Bart. 8 blicken, Muth ve Finger v uns ſein, „Um es darf i Der Erſtaunen wandlung und ſpra rzweiflung. Cäcilie, die ſo leiden m von der 1 O, ich 8, oder ich! igen Thie⸗ gehſt Du?“ 8 Mädchen und Wuth der. Lang⸗ de Freude, d mit Be⸗ t kummer ge Mann. i Gefäng⸗ gen, Dich da nichts enkt Gott und Du ände zum für Deine in Knieen t um ſo dernd an. frommen ugen zum Himmel erhoben! So innig war die Dankbarkeit, die aus ſeinem Antlitz ſtrahlte, daß Cäcilie vor Rührung zitternd, ihren Zuſtand vergaß und ein Gefühl unbe⸗ greiflicher Freude ſich in ihren Buſen ſenkte. Als der Jüngling nach beendigtem Gebete langſam aufſtand, überraſchte ihn auf dem Geſichte Cäciliens ein reudiger Ausdruck, nicht ein Lächeln: eine unausſprech⸗ liche Seligkeit und Himmelsluſt. Bart nahm das Mädchen bei der Hand und ſagte: „Komm, komm, meine arme Mutter wird eine große Freude haben! Komm, bei uns i*ſt gut ſein! Dein Stuhl ſteht noch immer auf demſelben Platz: kein Menſch hat bis jetzt darin geſeſſen, Alles trauert um Euch... komm raſch!“ Cäcilie widerſtand ihm und wollte nicht in der augen⸗ blicklichen Rührung gehen. „Was ſoll das, Cäcilie?“ fragte Bart erſchrocken. „Willſt Du nicht zu uns kommen?“ „Ich gehe nach der Stadt,“ antwortete ſie,„ich habe dort eine Nichte; ſie iſt Nähterin, ſie wird mir Arbeit geben, daß ich mein Brot verdiene.“ „Brot? Arbeit? O, was ſoll das heißen?“ rief Bart.„Jetzt, da ich Dich wieder ſehen, in Deine Augen blicken, Deine Worte hören kann— jetzt wird ſich mein Muth verdoppeln..... und müßt' ich mir auch die Finger von den Händen arbeiten, es wird Ueberfluß bei uns ſein, komm, o komm!“ „Um Gottes Willen, Bart, bitte mich doch nicht: es darf nicht ſein,“ ſeufzte das Mädchen. Der junge Mann betrachtete ſie mit ſchmerzlichem Erſtaunen. 3 „Sei überzeugt, lieber Bart,“ wiederholte ſie,„es darf nicht ſein.“ In dem Gemüthe des Jünglings ſchien eine Um⸗ wandlung vorzugehen, er ließ den Kopf mißmuthig ſinken und ſprach mit ſtiller Gelaſſenheit: 86 armer Bauernjunge; Du wirſt mal eine reiche Frau werden.... Sterben iſt mein Schickſal.“ Dieſe letzte Klage äußerte er in ſo ergreifendem Tone, daß es Cäecilie durch das Herz ſchnitt und ihre weibliche Scheue überwand. Sie ergriff des Jünglings Hand und drückte ſie, während ſie mit zärlicher Freund⸗ lichkeit ſagte: „Aber Bart, lieber Freund, Du täuſcheſt Dich: Das iſt nicht der Fall. Mein Oheim hat mich enterbt; er hat ein Teſtament gemacht und Thys Alles verſchrie⸗ ben; ich werde nie etwas beſitzen.“ Der junge Bauer erhob den Kopf und ſah ſie un⸗ gläubig an, während ein Lächeln um ſein Lippen ſpielte. „Ja, ja, lieber Bart,“ wiederholte das Mädchen, „ich bin jetzt arm, arm wie Du!“ „Arm, wie ich?“ ſagte der Jüngling mit ausge! laſſener Freude,„arm wie meine Mutter, arm wie meine Schweſter? Gott, welch ein Glück! Nun, laß die böſen Leute ihr Geld behalten; ich werde Dich reich machen: Schätze von Freundſchaft, von Liebe werde ich Dir ſchenken. Komm, komm!“ Er ergriff wieder die Hand des Mädchens und wollte ſie fortziehen: aber ſie ſprach mit ſchmerzlichem Tone: „Nein, Bart, es darf noch nicht ſein.“ „Aber um's Himmels Willen, warum?“ Schamröthe färbte die Stirne des Mädchens; mit niedergeſchlagenem Blicke fragte ſie: „Hat Dir die Wittwe Jan, des Maurers, geſtern Nachmittag nichts geſagt?“ „Ach!“ rief Bart,„ſie ſprach alſo die Wahrheit! Ich konnte es nicht glauben.“ „Was würden die Menſchen von uns ſagen, Bart? Du begreifſt nun wohl, daß es nicht ſein kann.“ „Du wollteſt alſo,“ ſagte der Jüngling mit tiefer Verzweiflut vielleicht ur werden. 2 krank wer Menſchen? Er w hatte die5 Der Jüng „Ach, und imme Liebe erze Ich werde Abends; Du wirſt; Haus wif komm, ko Kind meit Mit erflehen. den Menſ Unrecht tl Ein ſicht; ſie Entſchluß „Nu zitternd. „Nu Mutter u nen, als Ein als einen lings; er Wangen Fontänen ethört; ih ich bin ein eiche Frau greifendem und ihre Jünglings er Freund⸗ heſt Dich: h enterbt; verſchrie⸗ ah ſie un⸗ een ſpielte. Mädchen, nit ausge wie meine die böſen ) machen: ich Dir und wollte Tone: dens; mit 8, geſtern Wahrheit! en, Bart? mit tiefer! Verzweiflung,„nach der Stadt gehen, und uns verlaſſen 2 viellecht um neuen Kummer zu leiden und verſtoßen zu werden. Du würdeſt mich ſterben und meine Mutter krank werden laſſen— nur aus Rückſicht auf die Menſchen?“ Er wartete auf eine Antwort, aber das Mädchen hatte die Augen zu Boden geſchlagen und blieb ſtumm. Der Jüngling fuhr mit eindringlicherem Tone fort: „Ach, Cäcilie, Du wirſt bei meiner Mutter ſchlafen und immer mit ihr ſein; ich werde Dir Ehrfurcht und Liebe erzeigen, als wäreſt Du mein Schutzengel ſelbſt. Ich werde arbeiten, arbeiten von Morgens früh bis ſpät Abends; nichts ſoll uns fehlen, um glücklich zu ſein. Du wirſt Dich erholen, ſtark und blühend werden; unſer Haus wird durch Dich geſegnet ſein, wie ehedem. O komm, komm, ſei die Schweſter meiner Schweſter, das Kind meiner Mutter!....“ Mit gefalteten Händen ſchien er eine Antwort zu erflehen. „O, Cäcilie!“ rief Bart,„ſprich; bedenke, daß über den Menſchen im Himmel ein Weſen iſt, das weiß, wer Unrecht thut, auf Erden“ . Ein eigenthümliches Lächeln erleuchtete Cäciliens Ge⸗ ſicht; ſie athmete tief auf, und ſchien einen wichtigen Entſchluß zu faſſen. „ Nun, nun,“ fragte Bart, vor freudiger Erwartung zitternd. „Nun,“ antwortete das Mädchen,„möge Deine Mutter mir eine Mutter werden. Ich will bei ihr woh⸗ nen, als wäre ich ihr Kind.“ Ein geller Schrei, der mehr einem Schmerzenstone, als einem Freudenſchrei glich, entflog der Bruſt des Jüng⸗ lings; er preßte ſeine Hände an die Augen, über ſeine Wangen floſſen zwei Thränenquellen, ſo reichlich wie zwei Fontänen. 88 Das Mädchen begriff dieſe gewaltige Aufregung nicht und ſuchte ihn zu tröſten. „Ach,“ ſeufzte er mit fieberhaftem Lachen unter Thränen, die Freude iſt auch ein Schmerz! ſie wirkt erſchütternd und betrübend auf das Herz.... aber es iſt ſchon vorüber. Komm, liebe Freundin, komm!“ Sie ſchlugen einen andern Fußweg ein, Bart wa ganz verändert. Er trug den Kopf frei in der Luft und ſah mit ſtolzem Blicke um ſich her; ſeine Wangen varen zart geröthet, ſeine Augen leuchteten vor Seligkeit und Begeiſterung, Arme und Beine bewegten ſich ungeſtüm, als ſchüttelte er zum erſten Mal nach langer Zeſt ſeine ſchlafenden Glieder. Und häufig entflog ihm eir lauter Freudenruf. „Gott! Gott!“ rief er,„wie ſchön iſt doch das Leben! Siehſt Du, Cäcilie, ich werde das Feld bebauen, Reifen auf dem Hofe ſchneiden; Dn wirſt leben, wie zu⸗ vor: Kleider für die Leute machen; Wanna wird d Kuh beſorgen, Mutter bei Dir bleiben und das Eſſen kochen.... Und was wir gewinnen, kommt Alles zu⸗ ſammen und ſo machen wir eine Sparbüchſe, Wir kau⸗ fen noch eine Kuh und nehmen etwas mehr Land in Pacht.... Und wer weiß? Vielleicht gelingt es uns! wer weiß? wir nehmen eine Magd.— Vielleicht wird der Kapellenhof ſo ſchön werden, und Gottes Segen ſo darauf ruhen, daß Du an den häßlichen Kloſterhof gar nicht mehr deukſt.“ „Bart, wie kannſt Du ſchön ſprechen,“ murmelte das Mädchen gerührt.„Es wird ein Himmel auf Er⸗. den ſein.“ „Das muß es ſein,“ fuhr der junge Mann mit großer Freude fort.„Ich werde unſern Garten vobll ſchöner Blumen pflanzen, mit kleinen Wegen und Beeten; ich werde Vogelkäfige machen, um ſie überall ans Haus zu hängen..... alles ſoll ſingen und fröhlich ſein!— Auch werd' ich neue Lieder lernen und Geſchichten er⸗ zählen den Kn Himmel Leben! meine2 Be und lief ſeiner 3 noch di in zu h 3 erſtaunt wunder! Wanna ſer die Al in Wor und ke außer 8 geneſen kommt, iſt ente Mutter bereits mehr n D regung nicht achen unter ö! ſie wirkt .. aber 1, komn!“ Bart wa er Luft und ngen waren eligkeit und ) ungeſtüm, rZeſt ſeine ein lauter ſt doch das d bebauen, en, wie zu⸗ wird di das Eſſen Alles zu⸗ Wir kau⸗ r Land in t es uns! leicht wird Segen ſo terhof gar murmelte l auf Er⸗. Nann mit arten voll d Beeten; ans Haus ſein!— dichten er⸗ zählen und tanzen und ſpringen... und Gott täglich auf den Knieen dauken, daß er Dich zu uns kommen ließ. Himmel, welch' ein Leben! Liebe Cäcilie, welch' ein Leben! Siehſt Du, dort unten am Schöpfbrunnen ſteht meine Mutter mit Wanna!“ Bei dieſen letzten Worten verließ er das Mädchen und lief ſo ſchnell, als ein Pfeil vom Bogen fliegt, nach ſeiner Wohnung. Trotz ſeiner Ungeduld vermochte er noch die Worte:„Mutter! Wanna!“ über das Feld hin zu rufen. Die Mutter kehrte ſich bei dieſem Rufe um und ſah erſtaunt, wie er im vollen Laufe auf ſie zu kam. Seine wunderlichen Geberden, ſein unverſtändlicher Ruf ließen Wanna von Bart nach ihrer Mutter ſehen, um von die⸗ ſer die Erklärung dieſes ſonderbaren Räthſels zu erhalten. Aber die Frau hatte nicht die Zeit, ihr Erſtaunen in Worten auszudrücken; denn ihr Sohn kam jauchzend und keuchend in den Garten geſtürmt und rief ganz außer Athem: „Nutter, liebe Mutter, Wanna, Schweſter, ich bin geneſen! Lacht, ſingt, ſeid fröhlich! Da iſt Cäcilie! Sie kommt, man hat ſie fortgejagt; ſie iſt arm, wie wir; ſie iſt enterbt, ſie bleibt bei uns, ſie wird Dein Kind ſein, Mutter.... Seht, ſeht, da iſt ſie! Sie lacht Euch bereits entgegen, die Gute. Ach nun werdet Ihr nicht mehr weinen; ich bin ſo ſtark und ſo kräftig und ſo froh.“ „Fort mit Kummer und mit Pein, Nun ſoll immer Kirmeß ſein!“ Die arme Frau blickte ihrem Sohne mit unaus⸗ ſprechlicher Freude in die Augen. Anfangs hatte ſie für ſeinen Verſtand gefürchtet; aber der Ton ſeiner Stimme ließ ihr keinen Zweifel, um ſo mehr, als Cäcilie nun auch mit raſchem Schritt nach dem Hofe gelaufen kam. Zu gleicher Zeit ſtreckten die gerührte Frau und die 90 frohe Cäcilie die Hände einander entgegen. Das Mädchen ging auf ſie zu und ſchlang die Arme um ihren Hals. Der Kuß, den die Mutter ihrer zweiten Tochter gab, war freudig, wie der Funke, der der heiligen Liebes⸗ flamme des Herzens entſpringt. Bart ſtand bewegungslos und vor Seligkeit bebend bei dieſem rührenden Schauſpiel. Thränen rollten ihm über die Wangen; er blickte betend zum Himmel und lehnte erſchöpft mit dem Kopfe an dem Ziehbrunnen. Wanna tanzte, klatſchte jauchzend in die Hände und rief: „Ach Gott! ach Gott! das iſt ſchön, das iſt gut!“ Bart erwachte aus ſeinen Träumen. Es ſchien ihn ein unheimliches Gefühl anzuwandeln, er näherte ſich ſeiner Mutter und ſchob ſie, Cäcilie und Wanna nach der Thüre der Wohnung. „Hinein! hinein!“ rief er. Sie gehorchten dem Wunſch des Jünglings. Bart wollte die Thüre ſchließen; aber da ſah er plötzlich Kaet, die Bettlerin mit ihrem Kinde, aus einem Fußweg herbeilaufen. Er ſtreckte den Kopf zur Thüre hinaus und machte der armen Frau ungednldige Zeichen, daß ſie ſich beeilen ſolle. Als ſie in den Hof trat, rief er ihr zu: „Raſch, raſch, Kaet! Ihr ſollt große Freude haben. Cäcilie iſt hier, raſch!“. Und ſie hereinziehend, ſchloß er die Thüre hinter ſich. S die nier geword Al ganzen währen wachte Geſund Geſichte ermuth⸗ freude. W gung, Nur bit ſie an Vorſtell vielleich weder d Zuneigt ungeſtö⸗ verſchw wenn ſi ſie doch des Her Dorfes, andere, Dies m ihr und Hofes. Mädchen en Hals. hter gab, en Liebes⸗ lit bebend elten ihm nmel und unnen. dände und ſt gut!“ Es ſchien näherte — Wanna . ſah er us einem ur Thüre Zeichen, e haben. uter ſich. VII. Seit Cäcilie auf dem Kapellenhofe wohnte, war die niederige Wohnung wirklich ſo ſchön und angenehm geworden, als ſich Bart in ſeiner Freude geträumt hatte. Alles war Glück und Freude. Bart arbeitete den ganzen Tag mit frohem Muthe und ſang unaufhörlich während der Arbeit. Die friſche Kraft der Jugend er⸗ wachte wieder in ihm; mit der Röthe der erneuten Geſundheit miſchte ſich ein heiteres Lächeln auf ſeinem Geſichte; jedes Wort, das von ſeinen Lippen kam, war ermuthigend und herzlich: er war ein Bild der Seelen⸗ freude. Was ihn am heiterſten machte, war die Ueberzeu⸗ gung, daß Cäcilie gerne auf dem Kapellenhofe ſei. Nur bisweilen verſank ſie noch in trübes Sinnen, wenn ſie an ihren alten Oheim dachte und erſchrack bei der Vorſtellung, wie viel er jetzt im Dunkel des Kloſterhofs vielleicht zu leiden hatte; dieſer Schmerz konnte jedoch weder das Glück aufwägen, das ihr aus der innigen Zuneigung Barts und ſeiner Mutter erwuchs, noch die ungeſtörte Freude, die ſie umgab. Auch von ihren Wangen verſchwand nach und nach die Bläſſe des Schmerzes und wenn ſie auch ſehr ſtill und verſchloſſen blieb, ſo lächelte ſie doch bisweilen mit der Freudigkeit, welche den Frieden des Herzens characteriſirt.. Das Mädchen nähte Kleider für die Frauen des Dorfes, und da ſie geſchickter in dieſer Arbeit war, als andere, ſo erwarb ſie manchen ſchönen Stüber damit. Dies machte ihr viele Freude und hob nicht wenig in ihr und Bart die Hoffnung auf eine Vergrößerung des Hofes. Der Spartopf empfing jede Woche einige 92 Stüber; bisweilen auch keinen, bisweilen auch wieder eine ſilberne Münze; aber er wuchs doch auf dieſe Weiſe; und wenn Bart in das Zimmer kam und ſcherzweiſe die Büchſe ſchüttelte, worin die Pfennige der Liebe und der Arbeit waren, ſo raſſelte es ſchon ganz hübſch und ver⸗ ſprach eine glückliche Zukunft! Der junge Mann hatte nichts geſpart, um die Wohnung ſeiner Mutter zu ſchmücken, und ſie für die, die er ſo innig liebte, angenehm und heiter zu machen: er hatte an allem ſeine Freude, was in ſeinem Bereiche lag. In dem kleinen Garten hinter dem Hofe hatte er Wege und Beete angelegt, und ſie mit immerblühendem ſpaniſchem Gras eingefaßt. Ganz an der Hinterſeite, gegen den Buchenhag, hatte er eine Laube gebaut und mit Geisblatt und Jelängerjelieber beſchattet; in der Laube hatte er auf jeder Seite eine Bank gezimmert,— eine für Cäcilie und ſeine Mutter und eine für ihn und ſeine Schweſter, wohin ſie alle Sonntag nach der Vesper kamen und ſich Geſchichten erzählten und ſangen und in ſtillen Geſprächen über des Lebens Frieden und Gottes milde Güte ſich freuten. Im Garten ſtanden allerlei Blumen, ſowohl die Haide⸗ und Waldblumen des Kempenlandes, als die fremden Blumen anderer Gegenden.— Franz, der Knecht des Schloßgärtners, hatte ſie Bart gegeben. Am Hauſe ſelbſt hingen Vogelkäfige, aus welchen fortwährend luſtige Lieder erklangen:— Tauben, die aus Cäciliens Hand fraßen, hatten ſie unter dem Dache, und ſie ſtolzirten mit aufgeblaſener Bruſt durch die Wege. An den Ecken des Gartens ſtanden lange Stöcke und oben drauf waren Mühlen, und Schirm⸗ männchen und Jäger, die mit gefälltem Gewehre die Richtung des Windes anzeigten: lauter Dinge, die Bart, ſo gut er konnte, aus Liebe zu Cäcilien gemacht hatte. Wanna hatte gleichfalls ihr Theil an dem Genuß; ſie freute wie ein Die die Lebel Kinder 1 dem der Wa Erden. So Seit der Haus ſo von Got umgeben Die teten, ſe einmal ſ zerriſſene ihnen S Männer vorüber Sch Kirche g fragte, d Bette lier Obg an dieſer Wahrheit ſich um wegen ſ Nachricht h wieder ſie freute ſich über das eigne Glück und das der Ihrigen ſe Weiſe; wie ein Kind. weiſe die Die alte Mutter wurde verehrt und geliebt; ſie ſah und der die Lebensfreude bei jedem Blick aus den Augen ihrer und ver⸗ Kinder leuchten und würde gewiß ihr Schickſal nicht mit dem der Herrin des Schloſſes vertauſcht haben. um die Wahrlich, der Kapellenhof war ein Paradies auf für die, Erden. 3 5 machen: So ging es nicht in dem düſtern Kloſterhofe zu. Bereiche Seit dem Weggange Cäciliens war das unheimliche hatte er V Haus ſo einſam und ſo ſtill geworden, daß es wie ein ühendem voon Gott verfluchter Ort verlaſſen und von Todtenſtille nterſeite, umgeben daſtand.. daut und Die Bauern, die in der Nähe auf dem Felde arbei⸗ in der teten, ſahen bisweilen in zwei Tagen die Thüre nicht mert,— einmal ſich öffnen. Das geheimnißvolle Haus mit ſeinen ihn und zerriſſenen Mauern und zerbrochenen Scheiben flößte Vesper ühnen Schrecken und Bangigkeit ein. Nur die muthigſten und in Männer wagten es, Abends ihren Weg am Kloſterhofe Gottes voorüber zu nehmen. Schon zweimal war Jan⸗Ohm Sonntags nicht zur pohl die Kirche gekommen. Thys hatte Jeden, der nach ihm als die fragte, dahin berichtet, daß er mit der Gicht behaftet zu 9 r Knecht Bette liege. Obgleich man wußte, daß Jan⸗Ohm ſchon früher welchen an dieſer Krankheit gelitten, zweifelte man doch an der en, die Wahrheit der Ausſage des Thys, aber ſchien Niemand ter dem ſich um Jan⸗Ohm's Loos zu bekümmern, da man ihn ſt durch wegen ſeines Geizes haßte: nur Cäcilie hatte bei der 4 lange Nachricht von ſeiner Krankheit ſchmerzlich geweint. Schirm⸗ 1 hre die te Bart, hatte. Genuß; 94 Es war mitten in der Woche früh Morgens. Thys ſaß auf dem Kloſterhofe bei dem Heerde, in welchem ein ziemlich gutes Feuer brannte. Er hielt mit der Zange ein Stück Fleiſch über die Kohlen, um es zu braten und tauchte es bisweilen in einen Teller mit ge⸗ ſchmolzener Butter. Neben dem Heerd, in der glühenden Aſche, ſtand ein ſteinerner Topf, welcher dampfte. Als das Fleiſch gebraten war, brachte Thys es auf die Tafel und verſchlang es mit dem Lächeln gieriger Gefräßigkeit auf dem Geſichte. Er ſchloß den Teller und das Brot in den Kaſten, wiſchte ſich ſorgfältig den Mund und ſetzte ſich wieder an das Feuer. Mit der Zange hob er dann einiges kochende Ge⸗ müſe aus dem Topf, ließ es wieder hinein fallen und ſagte zu ſich ſelbſt: „Es ſieht lecker aus, das Eſſen für Jan⸗Ohm. Er meint, er werde davon zu Kräften kommen. Als ob ſich der Magen betrügen ließe, wie ein dummes Weib! Welcher Eſel mag das Buch geſchrieben haben, aus dem er ſolche Kochkunſt ſtudirt? Cichorie und Brun⸗ nenkreſſe, um neues Fleiſch an die alten Beine wachſen zu machen!— Ich muß die Brunnenkreſſe ſuchen, um die Leute aufmerkſam zu machen! Nun ja, ich habe ein Paar Hände Löffelkraut hineingethan, das iſt gut für den Scorbut. Geizig noch auf dem Todtenbette!— Aber was geht es mich an. Ich bin nicht da, um ihm zu widerſprechen. Will er verſuchen, ob er ohne zu eſſeen leben kann, ſo mag er's thun, je früher er's kann, deſto beſſer. Ich glaubte anfangs, er würde es nicht ſo nge aushalten; aber er hat ein Leben, ſo zäh wie eine atze....“ beer ſtarrte einen Augenblick in das Feuer und ver⸗ ſank in Gedanken. Während dieſes Hin⸗ und Herwägens wurde ſein Geſicht immer ernſthafter und bald ſprach er murmelnd: „Ja, er hat ein Leben, ſo zäh wie'ne Katze. Wer weiß, w ſpotte, n ehe er Klaes, d Paſtor gefragt ſchwatzt iſt an d Morgen entfernt, dem Ge die Bett der Bür Jan⸗Ok Erbe, ſie Jan Jan⸗O man d Haus 1s. kerde, in hielt mit im es zu mit ge⸗ glühenden e. s es auf gieriger n Teller ältig den ende Ge⸗ allen und hm. Er en. Als dummes en haben, ad Brun⸗ e wachſen hen, um habe ein gut für bette!— um ihm ohne zu er's kann, 3 nicht ſo wie eine und ver⸗ derwägens ſprach er tze. Wer weiß, wie lange das Lämpchen noch brennen kann! Ich ſpotte, wie ein Thor: ich verkaufe das Fell des Fuchſes, ehe er gefangen iſt..... Dieſen Morgen hat mir Klaes, der Pächter, geſagt, daß der Bürgermeiſter und der Paſtor im Kirchenrath nach dem Zuſtand von Jan⸗Ohm gefragt..... Und das dumme Weib, das überall ſchwatzt und die Leute gegen mich aufhetzt! Sie allein iſt an dem Haſſe der Bauern gegen mich ſchuldig. Dieſen Morgen war ich keine zwanzig Schritte von dem Hauſe entfernt, um etwas Cichorie zu ſtecken, als ſie mir hinter dem Gehölze zuſah. Ich weiß nicht, aber ich glaube, die Bettlerin wird noch Unheil über mich bringen.. Wenn der Bürgermeiſter und der Paſtor mal herkämen und Jan⸗Ohm ſähen! Ich beſitze ein Teſtament als alleiniger Erbe, das iſt Jedermann bekannt; aber wer weiß, was ſie Jan⸗Ohm ſagen würden? Der Paſtor namentlich würd' ihm wohl was Anderes in den Kopf predigen...“ Dieſer Gedanke machte ihn zittern. Er blieb einen Au⸗ genblick ſtille, die Hand am Kopfe, ſitzen und fuhr dann fort: „Es koſte, was es wolle, Niemand darf ihm nahen! Er hat bereits ſo ſonderbare Gedanken über das, was er gethan, und ſpricht beſtändig von Cäcilie. Es würde nicht viel dazu gehören, den alten Thoren umzuſtimmen. — Was thun? Die Leute zum Schweigen bringen;— aber wie? Daß ich hier ſo mutterſeelenallein mit Jan⸗ Ohm bin, macht ſie mißtrauiſch. Wäre Cäcilie noch hier, ſo würde man ſich nicht ſo ſehr um das Schickſal des Geizhalſes bekümmern: aber ſo dumm bin ich nicht, daß ich die Ratze in den Kaſten ſperrte, um das Fleiſch zu hüten! Und doch wäre es das einzige Mittel, den Paſtor, den Bürgermeiſter und die anderen Naſeweiſe zu beruhi⸗ gen: Jemand in's Haus zu nehmen, unter dem Vor⸗ wande eines Ausläufers, den wir brauchten, der aber Jan⸗Ohm nie zu ſehen bekäme. Von zwei Gefahren muß man die kleinſte wählen! Aber wie? Wen ſoll ich in's Haus nehmen?“ 96 Er überlegte einen Augenblick, ſchüttelte dann un⸗ halb ve zufrieden den Kopf, bis ſich endlich langſam ein Lächeln Gebäude auf ſeinem Geſichte zeigte. wuchſen „Welch' ein Gedanke!“ rief er,„wenn das gelänge! ſalz hin Es würde ziemlich viel koſten,— Verſprechen binden, N ſagen die Thoren;— und dazu iſt er noch gefährlich... Scheibe Deßhalb nicht ſo raſch entſchieden; das muß reiflich über⸗ einen S legt werden.... Nun wird das Löffelkraut für den das Au Alten wohl weich ſein.... Wenn ich mir die Sache darin noch mal überlege, ſo find' ich doch, ein verſtändiger freien? Feind iſt beſſer, als ein dummer Freund. Vielleicht geht es hier die Bettlerin williger in das Netz, als ich glaube.... beengte Doch ich will Jan⸗Ohm mal ſein Eſſen bringen.“ Tiſch; Er nahm den Topf vom Feuer und ging durch eine ſchwarm Nebenthüre über einen finſtern Gang bis zu einer Treppe, die dar die er hinaufſtieg. Nachdem er wieder durch einen langen daß hi Gang gegangen, trat er endlich in das gewöhnliche brechen Schlafzimmer Jan⸗Ohms. Da lag der unglückliche Greis in einem Bette, das wohl 6 ſelbſt einen Bettler angeeckelt hätte. Die Krankheit hatte krampf ſein Fleiſch beinahe ganz aufgezehrt; durch ſeine einge⸗ Etwas fallenen Wangen ſah man die Knochen; ſeine Augen ſtanden tief im Kopfe und leuchteten wie verglast aus ein ar ihren Höhlen; die ſchreckenerregende Farbe ſeines Geſichtes die O hätte man kaum Bläſſe nennen können: es war der zu ver Mangel aller Farbe, ein Ton, der keinen Namen hat, dampf wogegen die blauen Lippen des Greiſes wie hochgefärbt harten abſtachen. ö. Alles in dieſem Zimmer trug den Stempel der Ver⸗ 1 laſſenheit und beengte das Herz mit Mißmuth und liegen Trauer. Au den hohen überwölbten Mauern, die ſeit Körpe dem Verfall des Kloſters noch keine Menſchenhand be⸗ rührte, hatte Staub und Schutt eine ſo dichte Rinde Thys gebildet, daß man die urſprüngliche Farbe nicht mehr erkennen konnte. Die weſtliche Mauer war von Schimmel Händ bedeckt; das Waſſer ſickerte heraus und lief über den Co dann ün⸗ in Lächeln gelänge! n binden, ihrlich... flich über⸗ t für den die Sache rſtändiger leicht geht ibe.. u.“ zurch eine er Treppe, nen langen ewöhnliche Zette, das eheit hatte ine einge⸗ ne Augen glast aus Geſichtes war der amen hat, ochgefärbt l der Ver⸗ muth und n, die ſeit nhand be⸗ ihte Rinde nicht mehr Schimmel über den — halb vermorſchten Boden bis zu den Grundfeſten des Gebäudes hinab. An dem Rande dieſer ſchmutzigen Quelle wuchſen allerlei häßliche Schimmelpflanzen und Salpeter⸗ ſalz hing in glänzenden Flocken von der Mauer herab. Nur ein einziges hohes Fenſter, mit zerbrochenen Scheiben und mit dicken eiſernen Stäben geſchloſſen, warf einen Schimmer in das Zimmer, an deſſen Dunkelheit das Auge ſich gewöhnen mußte, um die Gegenſtände darin unterſcheiden zu können. Während draußen im freien Felde die Sonnenhitze den Boden ausdorrte, war es hier noch ſo kalt und ſo feucht, daß es den Athem beengte. Neben dem Bette ſtand ein Stuhl und ein Tiſch; auf dem letztern ein Topf mit Waſſer und eine ſchwarze Brotkruſte, die noch die Spuren der Zähne zeigte, die davon abgebiſſen.— Man hätte glauben können, daß hier ein Gefangener ſitze, der um eines großen Ver⸗ brechens zum Hungertode verurtheilt ſei. Jan Ohm ſchien zu ſchlafen; es war dies jedoch wohl nicht der Fall, da er bei Thys' Eintreten mit krampfhafter Bewegung etwas unter der Decke verbarg, Etwas, was wie Schlüſſel raſſelte, die man ſchüttelte. Thys ſah dieſe Bewegung und hörte das Geräuſch: ein argliſtiges Lächeln flog über ſein Geſicht und er ſchien die Ohren noch beſſer anzuſpannen, um des Klanges ſich zu verſichern Daun ging er nach dem Bette, ſetzte den dampfenden Topf auf den Tiſch und ſprach den Greis in hartem Tone an: Auf, Jan⸗Ohm, da iſt Euer Eſſen!“ Der Alte ſtrengte ſich an, um auf die Seite zu liegen; nach einem vergeblichen Verſuche ſiel jedoch ſein Körper erſchöpft und bleiſchwer zurück. „Ich bin dem Tode nahe,“ ſeufzte er.„O⸗ lieber Thys, dieſe Nacht war mir ſo ſchlecht!“ „Ich werde Euch helfen,“ ſagte Thys, indem er die Hände nach ihm ausſtreckte. Conſcience, der Geizhals. 7 98 „O nein, nein!“ bat der Alte voll Angſt und über die Hülfe erſchrocken. Aber Thys bea chtete es nicht, ſteckte ihm die Arme unter den Leib, hob ihn dann in die Höhe und ſetzte ihn wie ein Stück Holz auf das Ohrkiſſen. A„Oh weh, oh weh! Du thuſt mir weh!“ klagte der Alte. „Thu, ich Euch wehe?“ fragte Thys mit erheuchel⸗ tem Mitleiden.„Was kann ich dafür, daß Ihr ſo weh⸗ leidig ſeid? Ich muß Euch doch aufrichten, wenn Ihr nicht von ſelbſt aufſtehen wollt. Eſſet jetzt ein Wenig... Aber brennt Euch nicht: es iſt noch heiß.“ Der Greis ergriff mit zitternder Hand den Löffel und hob einige Blätter aus dem Topf, indem er ſagte: „Ach Gott! Thys, könnten mir doch die Kräuter etwas helfen: mir iſt ſo ſchwach, ich bin ſehr krank.“ Thys antwortete nicht auf dieſe Klage, ſondern be⸗ trachtete den Alten mit forſchendem Blicke. Obſchon ſich der Betrüger Mühe gab, die Gefühle ſeines Herzens zu verbergen, zeigte ſich doch ein Lächeln der Freude auf ſeinem Geſichte: die zunehmende Schwäche des Alten erfüllte ihn mit froher Hoffnung: aus ſeinen Augen leuch⸗ tete die Gewißheit, daß es nicht mehr lange dauern werde. Inzwiſchen hatte Jan⸗Ohm einen bis zwei Löffel von dem Kraute gegeſſen: er ſchüttelte den Kopf, ließ den Löffel fallen und ſah Thys tief in die Augen, als wollte er ihn etwas fragen oder ihm einen Vorwurf machen. „Nun, was gibt es?“ fragte Thys. Der Kranke antwortete mit Unwillen: „O, was iſt das ſchlecht! Es brennt mir in dem Munde wie Feuer, mein Eingeweide zieht ſich krampfhaft zuſammen.“ „Ihr werdet wohl meinen, Ihr ſeid vergiftet?“ ſpottete Thys.„Brunnenkreſſe brennt immer ſo; Ihr könnt ſie nur nicht gut ertragen.“ Der Alte entbloͤßte ſeinen Arm und ſagte, indem er darau mit mir? „Nu Arm! 2 Euch, a Sollte m „Bi „Ja Ihr glau leben an es Nicht „M Ein Wunſch. „, „N chwarze ſch n ſprach e Brot iſt „J noch vie Ich zitt Th ſich jed 77 heit bei der Ih 5 Fleiſch 8 her; ut daß ie habe.“ ind über die Arme ind ſetzte agte der rheuchel⸗ ſo weh⸗ enn Ihr denig... en Löffel r ſagte: Kräuter ank.“ dern be⸗ hon ſich zens zu ude auf s Alten ein leuch⸗ werde. i Löffel pf, ließ en, als machen. in dem mpfhaft giftet?“ ; Ihr indem -— er darauf zeigte:„Sieh, Thys, haſt Du kein Mitleiden mit mir? Sieh, ich bin ein Gerippe!“ „Nun, nun,“ antwortete der Andere,„bedeckt Euren Arm! Was ſoll das? Wer hat mehr Mitleiden mit Euch, als ich? Aber die Krankheit macht Euch toll. Sollte man nicht glauben, Ihr müßtet ſterben?“ „Bin ich nicht krank genug?“ „Ja, krank ſeid Ihr; aber nicht ſo gefährlich, als Ihr glaubt. Ihr ſeid noch ſtark, Jan⸗Ohm. Die Magern neben am längſten: wenn Ihr nicht kränker werdet, hat es Nichts zu bedeuten.“ „Möchteſt Du die Wahrheit ſagen, Thys!“ Eine kurze Pauſe folgte auf dieſen verzweifelten Wunſch. „O, ich habe ſo großen Hunger!“ ſeufzte der Greis. „Nun, ſo eßt!“ antwortete Thys, indem er die ſchwarze Brotkruſte dem Kranken in die Hand gab. Während dieſer an dem trockenen Biſſen nagte, ſprach er: „Thys, ich möchte wohl etwas anderes eſſen; das Brot iſt ſo geſchmacklos, wie Sand.“ „Nun, was wollt Ihr eſſen? In dem Buch ſtehen noch viele andere Kräuter, die man verſuchen kann.“ „Nein, Fleiſch, Fleiſchſuppe. O das muß gut ſein! Ich zittere, wenn ich daran denke.“ Thys' Geſicht verzog ſich mißmuthig. Er bezwang ſich jedoch und antwortete: „Fleiſch? Fleiſchſuppe? Das müßte Eure Krank⸗ heit beſchleunigen und Euch augenblicklich tödten. Ihr, der Ihr's in vielen Jahren nicht verſucht!“ „Doch, doch! Thys, um Gottes Willen, gib mir Fleiſch!“ 5 „Nun, Ihr ſeid Euer eigner Herr, gebt nur Geld her; und wär es auch Euer Tod, Ihr ſeid mein Zeuge, daß ich keinen Theil an dieſem unvorſichtigen Gelüſte abe.“ 100 „Geld,“ murmelte der Alte,„Geld! Das iſt immer Er das Erſte und das Letzte!“ auf der? Er ſteckte ſeine Hände unter die Decke und ſchien„Un einige Zeit damit beſchäftigt, Geld zu zählen. Endlich ich vor n G gab er Thys die Hand und ſagte: verganger „Da, hole etwas Fleiſch.“ ihr; und „Ha, ha!“ ſpottete Thys, das Geldſtück lachend be⸗ erſcheine: trachtend,„ein Stüber! Für einen Stüber Fleiſch? Das„Je wird ein hübſches Stück ſein. Man gibt gar nicht für rief Thy⸗ ſo wenig. Zwanzig Cents muß ich haben, oder ich hole Ihr kran kein Fleiſch.“ lacht Eu⸗ „Himmel, zwanzig Cents koſtet ein Bischen Fleiſch! treibt S. zwanzig Cents?“ murmelte der Greis verzweiflungsvoll. beſuchen „Aber es iſt ja nur für einmal.... Da, Thys, da wohl na ſind noch fünfzehn.... und bringe mir das Uebrige zu ſehen. zurück.... Du wirſt wohl einen Stüber oder ein paar Der Cents herunter handeln können.... Beiner ſind auch wiſchte ſü gut für die Suppe, Beiner koſten nicht ſo viel.“„N 6„Gut,“ ſprach Thys,„wenn etwas überbleibt, werdet ruft den Ihr's bekommen.“. wollen; Er ſtand auf und wollte das Zimmer verlaſſen, aber auf, die der Alte rief ihm zu: 3 Stübern „Thys, ich vergaß, Dich etwas zu fragen.“ Euch Gt „Nun, warum iſt's nicht ſchon geſchehen?“ fragte„Ach der Andere mit einer gewiſſen Ungeduld. der Grei „Ach, ſei nicht ſo barſch gegen mich,“ ſeufzte der im Bette Greis.„Sieh, Thys, dieſe Nacht fürchtete ich, daß ich„Au ſterben müßte, und der Todesſchweiß trat mir vor Angſt Muth;. in's Geſicht. Weißt Du, warum? Wenn ich ohne Beichte Mi hätte ſterben müſſen!“ die Trep „Was ſoll Das nun wieder?“ rief Thys mit ſchlecht blick nach verborgener Angſt.„D „Thys, lieber Thys,“ bat der Kranke,„wär es F Fleiſch. 1 nicht gut, wenn der Paſtor zu mir käme, daß er mir den Not beiſtünde? Denn wer weiß? Gott ruft uns ſo uner⸗ will, es wartet!“ meinem nd ſchien Endlich chend be⸗— ch? Das nicht für ich hole Fleiſch! ungsvoll. hys, da Uebrige ein paar ſind auch öt, werdet ſſen, aber 44 „ fragte ufzte der „daß ich vor Angſt ee Beichte it ſchlecht „wär' es ß er mir ſo uner⸗ iſt immer Er bekam keine Antwort. Thys kreuzte die Arme auf der Bruſt und ſah den Greis verwundert an. „Und Cäcilie,“ ſagte dieſer wieder,„Cäcilie möchte ich vor meinem Tode noch einmal ſehen. Sie hat ſich vergangen und iſt ſchuldig; aber ich träume immer von ihr; und muß ich ihr nicht vergeben, ehe ich vor Gott erſcheine?“ A „Je länger Ihr fortmacht, deſto hübſcher wird's,“ rief Thys ſpottend.„Nun glaube ich wahrhaftig, daß Ihr krank ſeid; nicht leiblich, ſondern geiſtig. Cäcilie lacht Euch aus; ſie wohnt bei ihrem tollen Freier und treibt Spott mit Euch. Ich habe ſie gefragt, ob ſie Euch beſuchen wolle und ſie hat mir geantwortet, daß Ihr wohl nach der andern Welt wandern werdet, ohne ſie zu ſehen.“ Der Greis ließ den Kopf auf die Bruſt ſinken und wiſchte ſich zwei Thränen ans den Augen. „Nun ja,“ fuhr der Andere fort,„ruft den Paſtor, ruft den Doctor; öffnet Euer Haus für alle, die kommen wollen; aber macht dann auch Eure Börſe für alle die auf, die hineinfühlen wollen. Ihr werdet nicht mehr mit Stübern fertig werden; jeder Beſuch, jedes Wort koſtet Euch Gulden.“ „Ach, dann laß' mich noch etwas warten,“ ſeufzte der Greis, indem er ſich verzweiflungsvoll und erſchöpft im Bette aufrichtete.. „Auf baldiges Wiederſehen,“ ſagte Thys,„und faßt Muth; Ihr ſeid nicht ſo krank, als Ihr meint.“ Mit dieſen Worten verließ er das Zimmer und ſtieg die Treppe hinab. Bei dem Kamine blieb er einen Augen⸗ blick nachdenklich ſtehen und ſprach: „Die Bombe iſt geplatzt! Der Paſtor, Cäcilie, Fleiſch..... und morgen den Doctor und übermorgen den Notar! Ho, ho! Er mag rufen laſſen, ſo viel er will, es hilft ihm nichts: ich hab' den Geizhals in meinem Banne und Niemand kann ihn hören. Aber wenn 102 man von Außen zu ihm kommen wollte? Wenn der Paſtor ihn ſelbſt ſehen wollte? Ein einzig Mittel: die Bettlerin! Aber mit Vorſicht..... Ohne Beichte ſoll er nicht ſterben; ich will das nicht auf meinem Gewiſſen haben. Er möchte nach ſeinem Tode gegen mich zeugen ..... aber es iſt noch Zeit genug, daran zu denken. Er möchte Fleiſch eſſen! Sich erholen! Und ſein Teſta⸗ ment verändern! Heute iſt Donnerſtag: es iſt kein Fleiſch zu finden; morgen iſt Freitag und übermorgen Samſtag: dann iſt das Fleiſch verboten.... nachher wird ers wohl nicht mehr nöthig haben..... Nun, zur Bettlerin, wir wollen ſehen, was ſich machen läßt. Geht es nicht nach meinem Sinne, daun wollen wir auf etwas Anderes denken. Mir iſt vor dem Weibe bange, aber mit Geld und Verſprechungen werde ich ſie vielleicht dazu gewinnen. Damit wären zwei Hinderniſſe auf einmal aus dem Wege geräumt: ihre Feindſchaft und das Schwatzen der Lente. Und iſt ſie mir treu, ſo hab' ich noch eine Schildwache die in meiner Abweſenheit wacht. Wir wollen ſehen, wer der Klügſte von uns Beiden iſt.“ Mit dieſen Worten verließ er den Kloſterhof und ſchloß die Thüre von außen. 3 „Würde doch Jan⸗Ohm ſterben, wäbrend ich fort bin!“ murmelte er,„dann wäre Alles abgemacht. ... Aber ſo klug iſt er nicht. Wer weiß? Es iſt Alles möglich.“ In dieſem Selbſtgeſpräch ſetzte er ſeinen Weg nach dem Dorfe fort. 4 Plötzlich ſah er von ferne Cäcilie ihm auf den Wege entgegenkommen. Er erſchrak bei dieſem Aublick, faßte ſich jedoch ſogleich wieder. Das Mädchen bemerkte ihn erſt, als ſie ganz nahe bei ihm war. Mit bebender Miene blieb ſie vor ihm ſtehen und ſagte:.— Ach, Thys, ich freue mich, daß ich Euch wieder „2 ſehe. mit mei De beruhigt Härte: „N Gicht: daran u aus ſeir 9 „2 nicht w und ihn 9 „ tete der D daß die ihm ſch geſchen zu ſpät . Miene, 5 22 5 ſo dan alten Ihr w habt 9 T 3 — 8 Weun der rittel: die Zeichte ſoll Gewiſſen ich zeugen zu denken. ein Teſta⸗ kein Fleiſch Samſtag: wird er's Bettlerin, ht es nicht s Anderes mit Geld gewinnen. dem Wege der Lente. childwache ſehen, wer terhof und brend ich abgemacht. 32 Es iſt Weg nach auf den em Aublick, ganz nahe vor ihm Fuch wieder ſehe. Seid ſo gut und ſagt mir ehrlich: wie ſteht es mit meinem Oheim?“ Der demüthige und freundliche Ton des Mädchens beruhigte Thys über ihre Abſichten; er antwortete ohne Härte: „Nun, Cäcilie, es geht ziemlich gut, er hat die Gicht: es iſt das Uebel vieler Menſchen. Niemand ſtirbt daran und auch er wird davon geneſen, obwohl er nicht aus ſeinem Zimmer kommt.“ „Und hat er viele Schmerzen?“ „Das geht wohl. Dann und wann ein wenig.“ Cäciliens Augen befeuchteten ſich mit Thränen. „Aber Thys,“ fragte ſie.„Ihr beſorgt ihn gut, nicht wahr? Es fehlt ihm doch nichts, was ihm helfen und ihm ſchmeicheln könnte?“ „Was ſollte ihm fehlen? Er iſt zufrieden,“ antwor⸗ tete der Andere. Das Mädchen ſah Thys ſo bittend in die Augen, daß dieſer ganz verwundert daſtand. Er dachte, ſie werde ihm ſchmeicheln wollen und ſagte „Ja, Cäcilie, hättet Ihr meiner Bewerbung Gehör geſchenkt, ſo wäret Ihr meine Frau geworden. Nun iſt's zu ſpät; ich bin Univerſalerbe. Das kommt davon!“ „Thys,“ ſprach das Mädchen mit der liebevollſten Miene,„darf ich Euch um etwas bitten?“ „Warum nicht?“ „Werdet Ihr meine Bitte erfüllen? Ich würde Euch ſo dankbar ſein!“ „Laßt die Bitte hören“ „Es iſt doch ſchmerzlich für mich, daß ich meinen alten Oheim in ſeiner Krankheit nicht mal beſuchen kann. Ihr wißt, wie ſehr ich ihn liebe. O! laßt mich zu ihm: habt Mitleiden! ich werde für Euch beten, Thys.“ Der Heuchler zuckte die Achſeln und antwortete: „Ich habe auch ſchon daran gedacht; und wenn es 104 von mir abhinge, ſo würdet Ihr ihn noch heute ſehen, Cäcilie.“ „Seht Ihr, Thys, vor mir braucht Ihr Euch nicht zu fürchten; und wolltet Ihr mir auch das ganze Erbe abtreten, ich würde es nicht annehmen. Es gibt ein anderes Mittel, um glücklich zu werden.“ Sie faltete die Hände und ſprach bittend: „Thys, lieber Thys, ach laßt mich ihn ſehen! Nur einen Augenblick; es wird ihn vielleicht in ſeinem Leiden tröſten.“ „Ihr täuſcht Euch,“ antwortete der Andere.„Ich ſelbſt habe ihn vielleicht zwanzig Mal gefragt, ob ich Euch zu ihm rufen ſollte: aber es gelang mir bis jetzt nicht, ihn dazu zu bewegen. Er iſt ſo aufgebracht gegen Euch, daß er Euren Namen nicht hören kann, ohne in Zorn zu gerathen:— das iſt nicht gut für die Gicht.“ Cäcilie weinte, mit der Schürze vor den Augen, und ſchluchzte in tiefem Schmerze: „Ach Gott, was habe ich denn gethan? Ihm, den ich wie einen Vater liebe, den ich noch immer in meinen Träumen ſehe! Gegen mich aufgebracht ſein, mich haſſen! Mich, die ſeit meinem Weggange keine Thräne vergoſſen, die nicht ihm galt. Wenn er wüßte, wie ſehr ich ihn liebe, er würde mich gewiß nicht verſtoßen.“ „Ja, Cäcilie,“ ſagte Thys,„es iſt wohl wahr, was Ihr ſagt: aber alte Leute haben ſeltſame Grillen. Tröſtet Euch doch; ich werde verſuchen, ihn doch noch zu über⸗ reden, ich bin ſchon dem Ziele etwas näher gerückt; er iſt nicht mehr ſo böſe, wie zuvor. Ich kenne ihn; in wenigen Tagen werde ich ihn wohl zu Euren Gunſten geſtimmt haben..... Und dann werde ich Euch rufen.“ „Wenn es Euch beliebt, Thys, ſeid doch ſo gut,“ bat Cäcilie,„ich werde Euch dankbar ſein, ſo lange ich lebe.“ „Nun, Cäcilie, ich muß gehen, habt nur guten Muth.“ „Und rend Thy „So glaube w zuſchlager thöricht w Gewiß de lang dies Samen z Ach! Sie es wohl Bei ſchlug er des Wal Jan, d Abſicht! ich ihr: Mi Wohnun bei ihm Da Stimme an und Eicheng „C gerne ſ liebens! M alles m. G 2„8 ute ſehen, Euch nicht unze Erbe gibt ein en! Nur em Leiden re.„Ich „ob ich bis jetzt icht gegen ohne in ie Gicht.“ ugen, und Ihm, den in meinen ich haſſen! vergoſſen, ich ihn hahr, was n. Tröſtet zu über⸗ erückt; er ihn; in u Gunſten ch rufen.“ )ſo gut,“ lange ich nur guten „Und wenn ſich ſeine Krankheit inzwiſchen ſehr ver⸗ ſchlimmerte, Thys?, „O, daun würde ich Ench holen, ob er wollte oder nicht.“ „Dank, Dank, Freund,“ ſagte das Mädchen, wäh⸗ rend Thys ſich bereits von ihr entfernte. „Sonderbar,“ ſprach dieſer weitergehend.„Ich glaube wirklich, ſie wäre im Stande, die Erbſchaft aus⸗ zuſchlagen, wenn ſie ihr angeboten würde. Sie iſt thöricht genng; andere Mittel, um glücklich zu werden! Gewiß die Liebe? Ich bin neugierig, zu erfahren, w ie lang dies Glück dauern wird. Ein Vogel, der keinen Samen zu ſeinem Waſſer hat, hat auch bald ausgeſungen! Ach! Sie möchte ihren Oheim gerne ſehen? Wir werden es wohl zu machen wiſſen, daß es nicht geſchieht.... Bei ſich ſelbſt über dies und Anderes nachdenkend, ſchlug er einen andern Weg ein, bis er an der Seite des Waldes eine Hütte ſtehen ſah. „Aufgepaßt!“ ſagte er,„da wohnt die Wittwe von Jan, dem Maurer. Laſſen wir nicht zu raſch unſere Abſicht merken. Sie muß zu Hauſe ſein, denn dort ſehe ich ihr Kind, das vor dem Hauſe im Sande wühlt. Mit raſchem Schritte näherte er ſich der lehmernen Wohnung. Das Kind hörte ihn nicht, bis er ganz nahe bei ihm war und ſagte: „Guten Tag, liebes Mieken, wo iſt Deine Mutter?“ Das Kind ſprang zitternd auf, als hätte es die Stimme eines böſen Geiſtes gehört, ſah Thys erſchrocken an und entfloh ſchreiend und heulend quer durch das Eichengehölz über die Felder. „Es ſcheint, daß man mich hier nicht außerordentlich gerne ſieht,“ murmelte Thys,„wenn die Mutter ebenſo liebenswürdig iſt, werde ich nicht viel ausrichten.“ Mit dieſen Worten trat er in die Hütte, betrachtete alles mit ſpöttiſchem Lächeln und ſagte: „Sie hat es auch nicht fett, die Wittwe; alles, was 106 ich hier ſehe, iſt keine zehn Stüber werth. Ich fange an Id zu glauben, daß es mir gelingt: Geld muß in ſolchem„Se Neſte doch etwas vermögen.... Ich werde mich ſetzen Mitleiden und warten; vielleicht iſt das Kind zu ſeiner Muſter ſo würde 1 gelaufen.“„St 1 Er täuſchte ſich nicht; das Mädchen war nach einen, Mitleid Felde gelaufen, wo ſeine Mutter für andere Leute arbei einen ar tete und hatte ihr, noch vor Schrecken zitternd, die„V Ankunſt von Thys berichtet. ändern Die Wittwe war anfangs über dieſe Nachricht er⸗ möcht' ſtaunt. Was mochte wohl der ſchändliche Betrüger mit Ich kan ihr zu ſchaffen haben?— Sie ſuchte lange, die Augen Unterſtü auf den Boden gerichtet, eine Antwort auf dieſe Frage. Di Nach und nach zeigte ſich jedoch ein Lächeln auff nicht, ihrem Geſichte: ein liſtiger Ausdruck, in den ſich ein ſchien. Gefühl der Freude miſchte. 2,2 Sie ließ ihr Kind auf dem Felde bei den anderen ſchaffte? Frauen und ging nachdeuklich in der Richtung ihrer Noth z1 6 Hütte fort. 2 „Thys ſucht mich auf,“ dachte ſie,„was mag das Wittwe . bedeuten? Es muß etwas geſchehen ſein, oder es iſt etwas Wichtiges im Anzug. Ich weiß, daß er mich daß ich fürchtet; er zittert, wenn er mich ſieht. Aus Freundſchaft von Er wird er alſo nicht kommen: es liegt eine Natter unter Erbſche dem Graſe. Aufgepaßt, Kaet! Er iſt klug und könnte fühltet, Dich leicht betrügen wollen. Ich will mal ſehen, was ſo böſe er im Aermel trägt.“ Cuch k „Sie hatte ſich der Hütte genähert und trat ein, D indem ſie zu Thys ſagte:„ „Seht da ſünie iſt! Ich hätte nie gedacht, daß V Jemar Ihr unter mein armes Dach kommen würdet: aber davon da Ihr nun mal da ſeid, was iſt zu Euren Dienſten?“ mit g. „Setzt Euch, Kaet,“ antwortete Thys, halb in Ver⸗ ſeid, legenheit durch den ſtolzen Ton der Wittwe,„ich muß Mann Euch von etwas Ernſtem ſprechen.“ glaubt Die Frau nahm einen Stuhl und ſagte: zeß al ch fange an Pin ſolchen mich ſetzen iner Mutter nach einen, Leute arbei⸗ ttternd, die Kachricht er⸗ etrüger mit die Augen ieſe Frage. kächeln auf en ſich ein den anderen ztung ihre 's mag das oder es iſt iß er mich Freundſchaft atter unter und könnte ehen, was „ trat ein, edacht, daß det: aber Dienſten?“ ilb in Ver⸗ „ich muß „Ich habe nicht viel Zeit; ſputet Euch, ich höre.“ „Seht, Kaet, ich weiß, daß Ihr arm ſeid; ich habe Mitleiden mit Euch, und könnte ich Euer Loos⸗ verbeſſern, ſo würde mir's herzliche Freude machen..“. „So!“ lachte die Wittwe,„habt Ihr vielleicht aus Mitleid mein armes Mieken mißhandelt und mich wie einen armen Hund zur Thüre hinausgejagt?“ „Vergeßt das, Kaet; die Zeiten und die Menſchen ändern ſich. Ich bereue meine Härte gegen Euch. Ich möcht' es wieder gut machen, wenn es möglich wäre. Ich kann Euch helfen und beiſtehen, wenn Ihr meine Unterſtützung nicht verwerft.“ 4 Die Wittwe ſah ihn mißtrauiſch an und ſprach nicht, obwohl er eine Antwort von ihr zu erwarten chien. ſc„Wenn ich,“ fuhr er fort,„wenn ich Euch Geld ſchaffte? Genug, um Euch und Eure Kinder vor aller Noth zu beſchützen, würdet Ihr mir dankbar ſein, Kaet?“ „Wollt Ihr mir ein Almoſen geben?“ fragte die Wittwe. „Nein, mehr als das.....Ihr wißt wohl, Kaet, daß ich der Univerſalerbe von Jan⸗Ohm bin. Ihr habt von Eures Mannes Seite ein kleines Anrecht an dieſe Erbſchaft. Ihr glaubt es wenigſtens. Weil Ihr nun fühltet, daß Ihr nichts kriegen werdet, war't Ihr immer ſo böſe gegen mich⸗ Nun, ſeht mal, wie gewogen ich Euch bin, ich komme, Euch Euer Erbtbeil anzubieten.“ Die Wittwe ſchien höchlich erſtaunt zu ſein. „Ja,“ fuhr Thys fort,„ob ich die Erbſchaft oder Jemand anders ſie bekömmt, Ihr würdet doch nie etwas davon ſehen; denn Euer Recht iſt zweifelhaft und nur mit großen Koſten zu beweiſen. Da Ihr nun die Einzige ſeid, die wirklich arm iſt, ſo komme ich als ehrlicher Mann, Euch den Theil anzubieten, der Euch, wie Ihr glaubt, zukommt, und ihn Euch ohne Beweis oder Pro⸗ zeß abzutret en. Was ſagt Ihr?“ 108 „Ihr ſeid ſehr gut,“ ſprach die Wittwe,„aber iſt 6 Ernſt und iſt es wahr und ehrlich gemeint, was Ihr agt?“ „Was ſollte mich zwingen, Euch dies Anerbieten zu machen? Nun, Kaet, nehmt Ihr es an?“ „Mit Dankbarkeit, mit tiefer Dankbarkeit, Thys... Aber ich möchte wohl wiſſen, ob Ihr einen Gegendienſt von mir verlangt: das Wegſchenken liegt nicht in Eurer Art, oder Ihr müßtet Eunch ſchrecklich verändert haben.“ „Nein, ich verlange keinen Gegendienſt dafür,“ ant⸗ wortete Thys. „Dann nehme ich es mit Freuden an, Euer Edel⸗ muth macht mich ſo ſehr ſtaunen, daß ich noch immer glaube, Ihr treibt Spott mit mir.“ „Weßhalb?“ „Wann ſell ich das Geld bekommen, Thys?“ „Sobald ich ſelbſt im Beſitze der Erbſchaft bin.“ „Und welche Sicherheit habe ich, daß Ihr Euer Verſprechen erfüllen werdet?“ „Mein Wort als ehrlicher Mann.“ „Das mag wohl einigen Werth haben, da Ihr ſagt, daß Ihr ſo ganz verändert ſeid. Alſo ich nehme es an für das, was es iſt und bedanke mich. Nun muß ich wieder an die Arbeit.“ Sie ſtand auf und wollte gehen, während ihr Lachen davon zeugte, daß ſie nichts von alle dem glaubte, was Thys ihr geſagt hatte. „Bleibt noch einen Augenblick,“ ſagte Thys,„ich werde Euch beweiſen, daß ich die Wahrheit ſpreche. Ihr wißt, oder Ihr wißt nicht, Kaet, daß Jan⸗Ohm krank iſt. Er hat die Gicht und kommt nicht mehr aus ſeinem Zimmer. Die Krankheit macht mir viel zu ſchaffen: da muß ausgegangen und das Eine und Andere gekocht werden— und das kann ich nicht gut. Jan⸗Ohm hat mich gebeten, eine Frau zu ſuchen, die den Tag über auf dem Kloſterhofe wäre, um mir zu helfen. Sie ſoll ein Geld.“ V V gutes Tag werden. Als 2 ihre ganze aus ſeinen möglich ih „Ich ob Ihr n Abends g kommt Ih Ihr jeden Felde gea Iſt das e „Du das ſind 1 ein Ungli Uebereink die Hand nen... ich Euch liebſten. „Vie „aber iſt „ was Ihr erbieten zu Thys... Gegendienſt t in Eurer rt haben.“ afür,“ an⸗ Fuer Edel⸗ noch immer 8 2⸗ ift bin.“ Ihr Euer Ihr ſagt, pme es an n muß ich V V ihr Lachen ubte, was hys,„ich teche. Ihr Dhm krank us ſeinem haffen: da re gekocht Ohm hat güber auf ie ſoll ein V gutes Taggeld bekommen und in Allem wohl verſorgt werden..... 4. Als Thys dieſen Punkt berührte, richtete die Wittwe ihre ganze Aufmerkſamkeit auf ihn; ſie ſchien jedes Wort aus ſeinem Munde zu erhaſchen, ſuchte jedoch ſo viel als möglich ihre Ungeduld zu verbergen. „Ich begab mich zu Euch, um Euch zu fragen, Kaet, ob Ihr nicht auf den Kloſterhof kommen wolltet?— Abends geht Ihr jedesmal nach Hauſe und Morgens kommt Ihr wieder zu uns. Für die geringe Mübe ſollt Ihr jeden Tag ſo viel bekommen, als ob Ihr auf dem Felde gearbeitet hättet. Dabei kriegt Ihr noch die Koſt. Iſt das ein ſchlechtes Anerbieten?“ „Durchaus nicht; es iſt gewiß das beſte. Das Erbe: das ſind ungelegte Eier, Thys; es könnte Euch ſelbſt noch ein Unglück geſchehen; aber der Tagelohn iſt gewiſſes Geld.“ 3 „Alſo Ihr nehmt es an?“ „Gewiß, gewiß, Thys; wer würde es ausſchlagen.“ „Aber Eure Kinder, Kaet? An die habe ich nicht gedacht!“ „Meine Kinder? Zwei ſind bei meiner Schweſter, wohl drei Stunden von hier; mein Mieken hütet die Kühe bei Pachter Klaes; man wird das Kind dort den Tag über verſorgen und Abends ſehe ich es ja wieder.“ „Dann iſt es gut!“ ſagte Thys mit Freude.„Die Uebereinkunft iſt alſo getroffen. Kommt, Kaet, gebt mir die Hand darauf, zum Zeugniß, daß wir es ehrlich mei⸗ nen.....Nun iſt die Sache abgemacht. Wann darf ich Euch erwarten? Sobald als möglich iſt mir am liebſten.— Dieſen Nachmittag noch?²“. „Vielleicht ſchon früher,“ antwortete die Wittwe. „Ich habe nur noch mit Pachter Klaes und ſeiner Frau wegen meines Miekchens und der Arbeit zu ſprechen.“ Thys erhob ſich und that, als ob er gehen wollte; — 11⁰ plötzlich blieb er ſtehen und ſagte mit ſcheinbarer Gleich⸗ Freundſcha gültigkeit: eine andere „Kaet, Ihr habt ſo eben geſagt, daß die Erbſchaſt ein Ende.“ mir ſelbſt noch entgehen könnte? Wenn das geſchähe,„Gehl könnte ich Euch Euer Theil nicht geben.“ ſagte die 2 „Das ſehe ich wohl ein,“ ſagte die Wittwe,„aber zufrieden ſ 6 fürchtet Euch nicht, ſie wird Euch bleiben.“„Gute „Deſto beſſer für Euch und für mich; aber Vorſicht oder noch iſt doch immer gut. Cäcilie hat mir ihr Theil aus freien piennig für Stücken abgetreten. Dieſen Morgen noch wollte ich iht geizig bin. einige Hoffnung machen: aber ſie weigert ſich hartnäckig. Er le Andere, die kein Recht auf Etwas haben, ſtreuen aus: die Hütte: Jan⸗Ohm ſei todeskrank, nur um in unſer Haus ein⸗ Die 2 dringen zu können. Ihr müßt den Leuten die Wahrheit, dann mit ſagen und Jedermann bedeuten, daß er unr die Gicht„.„Ha hat. Das werdet Ihr thun, nicht wahr?“ ihm meine „Ich werde thun und ſagen, was Ihr wollt,“ aut⸗ prechen.. wortete die Wittwe. daß er ein „Seht Ihr, Kaet, wenn wir die Leute darüber be⸗ halfen, Cä⸗ . 3 1 ſe ihres Erbt 6 ruhigen können, wozu wir auch allen Grund haben, ſo beilige In wecdanzſer ſich nicht mehr ſo viel mit unſern Sachen Schuft: 1 ch t ge.2 24. „Laßt mich nur machen, Thys; Ihr wißt, daß ich bene M 6 nicht auf den Mund gefallen bin.“ „Noch etwas, Kaet; ich muß es Euch ſagen. Ihr ſtehen; inz ihrem Geſie möchtet Euch ſonſt darüber verwundern.— Jan⸗Ohm zu geben. will nur von mir bedient werden: Ihr könunt ihn alſo Cäci nicht ſehen, wenn er nicht herunter kömmt.“ Lafi „Es war ſchon ſo, ehe er krank wurde; es wunder! wieden zu mich deßhalb auch nicht.“ V witra⸗ für „Ihr werdet Niemand auf den Hof laſſen, während kaſlraſen ich abweſend bin, und die Thüre von innen geſchloſſen Ac dasg halten, ob man klopft oder nicht.“ erſtau „Ich werde thun, was Ihr verlangt, mehr kann ich heit triunn nicht ſagen.“ d Hünſt „Das iſt gut. Denn ſeht, wenn Ihr nicht mit Dann erſ rer Gleich⸗ Erbſchaſt geſchähe, we,„aber eer Vorſicht aus freien llte ich ihr hartnäckig. teuen aus: Haus ein⸗ 2 Wahrheit die Gicht vollt,“ ant⸗ arüber be⸗ haben, ſo ern Sachen zt, daß ich agen. Ihr Jan⸗Ohm t ihn alſo es wunder! i, während geſchloſſen hr kann ich nicht mit Freundſchaft und Verſtand zu Werke giengt, müßt' ich eine andere Frau ſuchen und Alles zwiſchen uns hätte ein Ende.“. „Geht nur ruhig und wohlgemuth nach Hauſe, Thys,“ ſagte die Wittwe aufſtehend,„wenn Ihr mit mir nicht zufrieden ſeid, werdet Ihr's mit Niemanden ſein.“ „Guten Tag denn; ich ſehe Euch heute Nachmittag oder noch früher, wenn Ihr könnt. Hier iſt ein Gottes⸗ pfennig für Euch. Ihr ſeht wohl, daß ich für Euch nicht geizig bin.“. Er legte einen Doppelfranken in ihre Hand, verließ die Hütte und verſchwand raſch hinter dem Gehölze. Die Wittwe ſah ihm eine Zeitlang nach und ſagte dann mit ſpöttiſchem Lächelu: „Ha ha! Der falſche Teufel! Er glaubt, daß ich ihm meine Seele verkauft habe. Verkauft gegen eitle Ver⸗ prechen..... Was muß auf dem Kloſterhofe vorgehen, daß er eine Mitſchuldige nöthig hat? Ja, ich ſoll ihm helfen, Cäcilie, dieſen Engel von Güte, zu betrügen und ihres Erbtheils zu berauben? Was glaubt dieſer ſchein⸗ beilige Judas, daß ich bin?.... Nun hab' ich ihn, den Schuft! Das hat die Gerechtigkeit Gottes ihm einge⸗ geben. Mich gerade mußte er haben.“ Sie blieb einen Augenblick in Nachdenken verſunken ſtehen; inzwiſchen verſchwand das ſpöttiſche Lächeln auf ihrem Geſichte, um einem freundlicheren Ausdrucke Raum zu geben. Mit leuchtender Freude ſagte ſie: „Cäcilie ihre Erbſchaft und die Liebe ihres Oheims wieder zu gewinnen! Sie und Bart, meine guten Wohl⸗ whäter, für ihre Barmherzigkeit belohnen. Den Betrüger beſtrafen; das Böſe bekämpfen und überwinden..... Ach, das müßte ſchön ſein! Deßhalb will ich Gott um Verſtand bitten, daß er die arme Wittwe über die Bos⸗ heit triumphiren laſſe.“ Sie verließ das Haus und ſchlug den Fußweg ein. Dann erſt erinnerte ſie ſich des Geldſtückes, das Thys — 112 in ihre Hand gelegt. Sie ſah es einen Augenblick mit daß der a bitterem Lachen an, warf es weit fort und rieb ſich die Einhalt t Hände an ihrer Schürze rein, als fürchtete ſie, es hätte Am ſie beſchmutzt. hof verla 1 hatte Thr. gab, Jar müſſe de . Kae wieder n * daß Jan VIII. aber blei bekommen 1 den Dokf Die Bettlerin war bereits drei Tage auf dem Kloſter⸗ guter V hofe. Sie ſah nichts, was Verdacht in ihr hätte erregen ſchlimmer können: im Gegentheil, ſie glaubte ſich in Thys getänſch könne nic zu haben. Er zeigte ſo viel Sorgfalt für den alten Mam bei der H und ſprach mit ſolchem Mitleiden von ſeinem Wohlthäte gegen all daß Kaet auf die Vermuthung kam, ſein Herz könne nich Die ohne gute Regungen ſein. Auch glaubte ſie nicht mehr! täuſchen daß der Ohm erunſtlich krank ſei, denn Thys ließ ſiſe heit Jan zweimal des Tags für den kranken Greis Erdäpfel nahm ſich Braten und Fleiſch kochen und wenn dieſer die ſchwen Thys au Speiſe genießen konnte, mußte er ſicher noch ſtark um meiſter a munter ſein. ſchen Ge⸗ Kaet täuſchte ſich; wäre ſie dem Heuchler gefolgt ſetzes auf wie er das Eſſen zu Jan⸗Ohm zu bringen vorgab, ſ Sie hätte ſie geſehen, daß er unterwegs abbog und die kräftig der Obrig Nahrung nach ſeinem eigenen Zimmer brachte. Jan⸗Oh man ſich bekam nichts als etwas magere Koſt, die ihn aneckelte Erbtheils und er nagte noch immer mit Wolluſt an der alten Brorſ dazu ver kruſte, wie wenig ſie ihn auch erquicken konnte. und der Der Kranke verlangte zwar mit Ungeduld und ſoga Ende, z mit Unwillen andere Nahrung, da er den Hungerto reichen, immer näher herankommen ſah; aber Thys wußte ihn ſoc gehen kö gut zu beſchwatzen und horchte ſo wenig auf ſeine Bitten, geſehen. Conſe genblick mit ieb ſich die e, es hätte eem Kloſter⸗ ätte erregen ys getänſcht alten Mam Wohlthäte könne nicht nicht mehr, pys ließ ſi 3 Erdäpfel, die ſchwer hh ſtark um öler gefolgt vorgab, ſ die kräftig . Jan⸗Ohl n aneckelte alten Bror⸗ te. d und ſogat Hungertod vußte ihn ſte ſeine Bitten, 11³ daß der arme Greis erſchöpft und entmuthigt ſeinen Bitten Einhalt that. Am Abend des dritten Tages, als Kaet den Kloſter⸗ hof verlaſſen wollte, um nach ihrer Wohnung zu gehen, hatte Thys ſie erſucht, wieder zu kommen, indem er vor⸗ gab, Jan⸗Ohm wolle ein warmes Bad nehmen und man müſſe deßhalb viel heißes Waſſer machen. Kaet legte ihr Mieken ſchlafen und begab ſich dann wieder nach dem Kloſterhofe. Nun wurde ihr geſagt, daß Jan⸗Ohm das Bad nicht mehr haben wolle, daß ſie aber bleiben ſolle, um zu wachen, da der Alte das Fieber bekommen und man nicht wiſſe, ob man nicht plötzlich den Doktor holen müſſe; ja, ob man nicht vielleicht aus guter Vorſorge den Paſtor brauchte. Es ſei zwar nicht ſchlimmer mit Jan⸗Ohm geworden, aber ein alter Mann könne nicht viel ertragen. Darum ſei es klug, Jemanden bei der Hand zu haben; es könnte doch vielleicht plötzlich gegen alle Erwartung gefährlich werden. Die Wittwe hatte ſich durch dieſe Worte nicht ganz täuſchen laſſen; ſie vermuthete, daß es mit der Krank⸗ heit Jan⸗Ohms ſchlimmer ſtünde, als man ihr ſagte; ſie nahm ſich deßhalb vor, wenn es ſo fortginge, am Morgen Thys aufzuſagen und ihm den Paſtor und den Bürger⸗ meiſter auf den Leib zu ſchicken, um dem ſo verbrecheri⸗ ſchen Geheimniſſe im Namen der Religion und des Ge⸗ ſetzes auf den Grund zu kommen. Sie ſaß allein am Kamin und überlegte, wie ſie der Obrigkeit mittheilen ſollte, welche ſchändliche Betrügerei man ſich auf dem Kloſterhofe erlaubt, um Cäcilien ihres Erbtheils zu beranben; vielleicht würde ſich der Paſtor dazu verſtehen, Jan⸗Ohm auf den Weg des Geſetzes und der Billigkeit zu führen, und ſo gelänge es ihr am Ende, zum Vortheil ihrer Wohlthäter ein Ziel zu er⸗ reichen, das ihr auf dem Kloſterhofe leicht ganz ent⸗ gehen könnte, da ſie bis jetzt den alten Mann noch nie geſehen. Conſcienee, der Geizhals. 8 — 114 Bei dieſen Gedanken befiel ſie die Furcht, es möͤchte morgen zu ſpät ſein; denn wer konnte wiſſen, was da oben zwiſchen Thys und dem Greiſe geſchah. Dieſer Zweifel und die geheime Angſt machten ſie unruhig. Von Zeit zu Zeit ſtand ſie auf und ging auf den Zehenſpitzen nach dem Gang, der zu dem Zimmer Jan⸗Ohms führte. Hier lauſchte ſie einige Zeit; da ſie indeß Nichts hörte und Alles ruhig blieb, kehrte ſie wieder zu dem Kamine zurück und überließ ſich ihren Gedanken. Es ſchlägt Mitternacht auf dem Thurm der Dorf⸗ kirche; die dumpfen Töne der Glocken hallen durch die Lüfte und erſterben einer nach dem andern, bis Alles wieder ſtill iſt. In dem Zimmer Jan⸗Ohms brennt ein blechernes Lämpchen, deſſen rothe Flamme raucht und traurig flackert. Das Licht dringt kaum bis in die Ecken des Zimmers; ein unheimlicher und trauriger Eindruck; man ſiebt die Mauern nicht und möchte glauben, es ſei ein Raum ohne Grenzen, unendlich und grenzenlos, wie die Ewigkeit. Nur ein Theil des Bettes und des danebenſtehenden Tiſches empfängt den blutrothen Schein der Lampe. Der Greis liegt auf der Seite, das Geſicht nach dem Tiſche gerichtet. Er ſcheint zu ſchlafen; doch öffnet er von Zeit zu Zeit mechaniſch die Augen, um ſie wieder ebenſo gefühllos zu ſchließen. Sein Geſicht macht einen ſchrecklichen Eindruck; nichts bleibt an dem eckigen Schädel, als eine durchſichtige Haut, die über ſein Gebein gezogen ſcheint; ſeine Augen ſind verſchloſſen und leblos, ſeine Lippen ohne Farbe. Aber das Licht der rothen Flamme ſtrömt über ſein Geſicht: es gleicht über die An wollte bei der Rückl Seir ſcheint ſei doch ſein immer d ſich ſeine eckigen R Geſichte. Der er ſieht d Thys' An er ſeinen Bewußtſei ſieht in Lämpchen, licht in de wieder mi Dieſe und zieht ſeine Zäht zitternd ſe ihn jedoch Thys einige Töt ſicht verä lacht und geſchloſſen, wird ſeine Lippen, ol „Ein der alte viel! Mo was da .. Dieſer thig. Von ehenſpitzen us führte. chts hörte n Kamine eer Dorf⸗ durch die bis Alles plechernes g flackert. simmers; ſiebt die um ohne igkeit. ſtehenden Lampe. ach dem öffnet er 2 wieder k; nichts ge Haut, gen ſind . Aber Geſicht: es moͤchte 1 es gleicht der Grabesflamme, die ihren letzten Schein über die bleichen Wangen der Leiche wirft. An dem Tiſche ſitzt Thys in einem Stuhle. Er wollte bei dem Kranken wachen, iſt jedoch, den Kopf an der Rücklehne des Stuhles, eingeſchlafen. Seine häßlichen Geſichtszüge ſind grell beleuchtet: ſcheint ſein Körper auch in tiefe Ruhe verſunken, ſo lebt doch ſein böſes Herz und um ſeinen Mund ſpielt noch immer das häßliche Lachen. Ja, bisweilen bewegen ſich ſeine Lippen, bisweilen faltet ſich ſeine Stirne in eckigen Runzeln; Neid und Zorn malt ſich auf ſeinem Geſichte. Man ſieht deutlich, daß er träumt. Der kranke Greis hat die Augen wieder geöffnet; er ſieht die ſchrecklichen Gemüthsbewegungen, die ſich auf Thys' Antlitz malen. Mit Schrecken und Schauer hat er ſeinen Blick auf dies beängſtigende Schauſpiel geheftet. Bewußtſein und Ueberlegung kehren in ihm wieder, er ſieht in der dunkeln Kammer umher, betrachtet das Lämpchen, das mit dem ſchwachen Scheine wie ein Stall⸗ licht in der Dunkelheit ſchwankt, und wirft ſein Auge wieder mit unſäglicher Angſt auf Thys' Antlitz. Dieſer knirrſcht in ſeinem Traume mit den Zähnen und zieht die Lippen zurück, als wollte er Jemand beißen: ſeine Zähne ſind ſo blutgierig, daß der kranke Greis zitternd ſeine Augen ſchließt... etwas Anderes zwingt ihn jedoch wieder aufzuſehen. Thys Mund bewegt ſich: ſeiner Kehle entringen ſich einige Töne: er ſcheint zu ſprechen. Nun iſt ſein Ge⸗ ſicht verändert, der Zorn iſt daraus verſchwunden; er lacht und ſcheint vergnügt. Er ſpricht in der That mit geſchloſſenen Augen: nicht Alles iſt verſtändlich, bisweilen wird ſeine Stimme ſchwächer und bewegen ſich ſeine Lippen, ohne Töne zu bilden.— Er ſagt: „Ein Keller... hunderttauſend Gulden.... der alte Geizhals..... ich werde Euch viel geben, viel! Morgen, morgen iſt er todt... Fort mit dem — 116 Fleiſche..... er will nicht ſterben..... der Hunger wird ihm helfen..... ich hab ein Teſtament..... Geduld, er geht, er geht, er ſeufzt, er ſtirbt.... ah, nun gehört Alles mir!“ Ein furchtbarer Schrei entflog der Bruſt des Greiſes. Thys fuhr aus dem Schlaf auf, rieb ſich zitternd die Augen und ſah den Kranken erſtaunt an, der nun aus aller Kraft um Hülfe rief und das Zimmer mit ſeinem Angſtgeſchrei erfüllte. Sobald ſich Thys verſichert hatte, daß er keinen Ueberfall von Außen zu erwarten habe, begriff er die Urſache des Schreckens und errieth aus ſeiner eigenen Aufregung, daß er vielleicht im Traume geſprochen. Er ließ den Kranken einige Augenblicke fortſchreien, bis er ermüdet aufhörte; indeſſen faltete er die Arme über die Bruſt und ſagte mit zornigem Lachen auf den Lippen: „Nun, Jan⸗Ohm, wie lange wird das dauern? Macht Lärm, ruft und ſchreit, es nützt Euch nichts: Niemand kann Euch hören.“ Aber der Alte, von dem Ausdruck ſeines Geſichtes noch mehr erſchreckt, rief aufs Neue verzweiflungsvoll um Hülfe. Die Todesfurcht ſchien ſeine Kräfte verdoppelt zu haben: ſeine Bewegungen waren ſtark und ſeine Stimme kräftig. „Still!“ rief Thys, während er Jan⸗Ohm die Fauſt vors Geſicht hielt und ihn zu ſchlagen drohte.„Still, oder ich erſticke Euch die Stimme in der Kehle.“ Als Jan⸗Ohm mit Schreien aufhörte, zog Thys ſeine Fauſt zurück. „Soll ich endlich hören, was Ihr wollt?“ ſprach er drohend. Der Greis ſchwieg einen Augenblick, um Athem zu holen, denn ſeine Bruſt wogte ſichtbar; auch ſeine Angen blieben mit Schmerz auf Thys gerichtet. Dieſer fragte mit ſpottendem Tone: „St geſtochen Sinnen, gut, wei men, als Der „Dr Hungers Waſſer Du willſ Mörder!! Thy und ſchiel deckt war „Abe gelingen! Nein, ne Dich zu mein Teſt als meine laſſen un Gensdarn Ich werd Du glauk „Ha hören.“ „Mo „werde ic Jemand h Thye in die Au tiefen Ein fangs wo Nachdenke wieder zu an das 2 der Hunger 1t..... .. ah, s Greiſes. ch zitternd der nun mmer mit er keinen ff er die eigenen chen. rtſchreien, die Arme mauf den 2 Macht Niemand Geſichtes svoll um oppelt zu Stimme die Fauſt „Still, 44 og Thys “ ſprach lthem zu de Augen „Soll ich nun endlich erfahren, welche Wespe Euch geſtochen? Ich habe vielleicht geträumt? Seid Ibr von Sinnen, daß Ihr ſolches Leben davon macht? Es wäre gut, weun Ihr ſchlieft; das würde Euch beſſer bekom⸗ men, als das tolle Geſchrei.“ Der Zorn des Greiſes wuchs bei dieſen Worten. „Du Schlange!“ rief er.„Du läßſt mich hier Hungers ſterben, wie einen Hund! Ich lebe zu lange. Waſſer und Brot ſollen mich langſam aushungern! Du willſt mein Geld haben; darum muß ich ſterben, Mörder!“ Thys ſah den wüthenden Alten mit Staunen an und ſchien zu zittern, als er ſah, daß ſein Betrug ent⸗ deckt war. „Aber,“ fuhr Jan⸗Ohm fort,„es wird Dir nicht gelingen! Du glaubſt, ich werde dieſe Nacht ſterben? Nein, nein! Gott wird mir noch die Kraft verleihen, Dich zu ſtrafen, Böſewicht! Morgen, morgen, hebe ich mein Teſtament auf; Du ſollſt nichts haben, Du! Nichts, als meinen Fluch!— Morgen werde ich Cäcilie rufen laſſen und den Notar und die Zeugen..... uud Geusdarmen, um Dich nach dem Gefängniß zu ſchaffen. Ich werde Dich anklagen und zur Strafe bringen.... Du glaubteſt, ich ſeie todt? Du wirſt ſehen!“ „Ha, ha!“ lachte Thys,„kein Menſch kann Euch hören.“ „Morgen, wenn es Tag iſt,“ antwortete Jan⸗Ohm, „werde ich ſo lange ſchreien, ſo anhaltend, daß mich Jemand hören muß.“ Thys ſtarrte dem Greiſe lange, ohne zu ſprechen, in die Augen: die letzten Worte deſſelben ſchienen einen tiefen Eindruck auf ſein Gemüth gemacht zu haben. An⸗ fangs war ſein Geſicht ernſt und zeugte von tiefem Nachdenken. Nach und nach zogen ſich aber ſeine Lippen wieder zu einem ſauern Lachen zuſammen: er trat an das Bett des Kranken. Er ſchob den Tiſch weg, — 118 ſtellte ſich mit gekreuzten Armen dem Greiſe gegenüber und ſagte mit ſpöttiſchem Tone: „Ich muß über Eure Einfalt lachen. Glaubt Ihr denn, daß ich zehn Jahre wie ein Sklave hier gelebt und Euch zehn Jahre wie ein Hund geſchmeichelt.... aus Liebe zu Euch? Ihr glaubt, daß ich mich zum Ver⸗ gnügen mit Schmutz und Schweinekoſt genährt? Ihr glaubt, daß ich die zehn ſchönſten Jahre meines Lebens in öder Einſamkeit verbracht..... weil ich das Leben nicht liebte? Ihr glaubt, daß ich geheuchelt, betrogen, geflucht und was Ihr ſonſt noch wollt.... ohne Zweck und ohne Hoffnung auf Belohnung? Ihr haltet mich für thörichter und dümmer als ein Kind? Nein, nein, wenn ich meinen Willen, meine Tugend, mein Leben, mein Herz aufgeopfert,..... ſo ſollt Ihr es bezahlen, auf⸗ wägen mit Gold und bezahlen!“ „Nichts bekommt Ihr!“ murmelte der Kranke heftig. „Nichts?“ verſetzte der Andere,„das iſt leicht ge⸗ ſagt; aber Ihr ſeid von Sinnen. Ihr fürchtet Euch alſo nicht vor dem, was ich thun kann? Ihr vergeßt, daß Ihr in meiner Macht ſeid, als ſtünden wir zuſam⸗ men in einer Wüſte? Niemand kann ſehen, wie ich meine „Sättigt mich! ſättigt mich!“ rief Thys außer ſich und mit den Zähnen knirſchend, als wäre er im Begriffe, einen Mord zu begehen. „Hilf, Gott!“ rief der Kranke, die zitternden Hände ausſtreckend,„was willſt Du, Thys?“ „E. Schlüſſel Der jedoch ne hungen. das Bet dem Anf „H mir eher ich muß Eure Ha gebt her Dar ſeine Ha ſuchen. brüllte n krampften wirklich d ihm den Mü Gedankenr und unte Thy Ausdruck teufliſch, und Bos Wuth in verzogen Todtenble zu Berge Mit trock „Ha Nun, ſo Wie krümmte gegenüber blaubt Ihr hier gelebt heſt.... zum Ver⸗ hrt? Ihr ies Lebens 4 das Leben betrogen, ohne Zweck t mich für nein, wenn den, mein ihlen, auf⸗ unke heftig. leicht ge⸗ chtet Euch r vergeßt, dir zuſam⸗ ich meine Ihr beißt rten nicht, gen kann? n Hunger lde, Jan⸗ .ℳ4 „ſo ver⸗ dieſer mit außer ſich Begriffe, en Hände „Eure Schlüſſel will ich!“ polterte Thys,„Eure Schlüſſel!“ 3 Der Alte antwortete nicht: Thys Frage ſchien ihm jedoch noch mehr Schrecken einzuflößen, als ſeine Dro⸗ hungen. Er griff mit fieberhaften Bewegungen unter das Bett und blieb mit geſpannten Gliedern liegen, um dem Anfall zu widerſtehen. „Ha, ha,“ rief Thys,„ich weiß wohl: Ihr würdet mir eher Eure Seele geben, als die Schlüſſel: aber ich muß ſie haben, ich werde ſie haben; und hielte ſie Eure Hand, ich riſſe ſie Euch vom Leibe. Gebt her! gebt her!“ Damit warf er ſich auf den kranken Greis und ſteckte ſeine Hand unter die Decke, um die Schlüſſel dort zu ſuchen. Er rückte ſie hin und her, riß und ſchlug, und brüllte wie ein Stier... aber die Hände des Greiſes krampften ſich ſo feſt an den Schlüſſeln feſt, daß man ihm wirklich die Arme hätte vom Leibe reißen müſſen, um ihm den Gegenſtand des Kampfes zu entreißen. Müde und erſchöpft, vielleicht von einem ſchrecklichen Gedanken zurückgehalten, ließ Thys die Schlüſiel los und unterbrach den Kampf. Thys' Geſichtszüge nahmen einen unbeſchreiblichen Ausdruck an: einen Ausdruck, ſo wüſt, ſo grauſam, ſo teufliſch, daß er, deſſen Geſicht ſonſt von nichts als Haß und Bosheit zeugte, nun vollends nur noch Raſerei und Wuth in ſich zu beherbergen ſchien. Seine Wangen verzogen ſich krampfhaft, ſeine Zähne knirrſchten, eine Todtenbläſſe entfärbte ſeine Züge, die Haare ſtanden ihm zu Berge und bäumten ſich wie die Mähne einer Hyäne. Mit trockner, rauher Stimme rief er: „Ha, Ihr wollt mich nicht bezahlen? Ihr lebt noch! Nun, ſo bezahle mich der Tod!“ Wie ein wildes Thier ſprang er auf das Bett, krümmte ſich über den Kranken, ſtemmte ihm die beiden — ———— 120 Ellbogen auf die Bruſt und drückte ihn, um ihm den Athem zuſammenzupreſſen. Ein ſchrecklicher Ton entrang ſich der Bruſt des Alten, ſeine Glieder zogen ſich zuſammen und ſanken erſchöpft nieder. Thys ergriff die Schlüſſel und zerriß mit einem Ruck die Schnur, mit der ſie an dem Halſe des Greiſes befeſtigt waren.— Langſam erhob er ſich von dem Bette. So ſtand er nun da, mit der einen Hand auf den Tiſch ſich ſtützend und vor Schrecken und Ermüdung zitternd. Sein Auge haftete auf dem bewegungsloſen Körper. Wangen. Vielleicht fühlte er Reue; vielleicht machten die Folgen ſeiner ruchloſen That ihn beben. Er blieb lange wie vernichtet ſtehen, bis endlich ein ſchreckliches Stöhnen aus ſeiner Bruſt drang. Dann ergriff er mechaniſch die Lampe und näherte ſich langſam der Thüre. Endlich öffnete er. Im ſelben Momente entflog ihm ein Angſtſchrei.... Die Bettlerin ſtand mit fragenden Blicken vor ihm.— Sie hatte hinter der Thüre gelauſcht, ſie hatte durch das Schlüſſelloch geſehen, vielleicht ſogar geſehen, was ge⸗ ſchehen war! Mit zornglühenden Augen ſah Thys die Frau an, die nicht zu wiſſen ſchien, was die Urſache ſeiner Aufre⸗ gung war; er erhob die Schlüſſel, als wollte er ihr den Kopf einſchlagen. „Was wollt Ihr hier?“ heulte er. „Ich glaubte, Ihr hättet mir gerufen,“ antwortete die Bettlerin, während ſie zurücktrat und entfliehen zu wollen ſchien.„Oder hat Jan⸗Ohm gerufen; nun, nun, ſeid nicht ſo ungehalten, ich werde gehen, wie ich ge⸗ kommen bin.“ Kalter Schweiß floß ihm von Stirne und 3 Thi der Bette „Jo gar ſchor ſchließt o Eſfig. 3en mehr, n ſeiner ei Mit ſchweren und trat einen Er Lämpchen und umg kelheit ne Er den ihm befangen gerechte wäre er können, Viel ſah ſich! bis er ar rundes 2 und groß kaum zwi von Roſt. die Thür Schatzkan Mit Thys die Er ſtieg Keller. Hier m ihm den Bruſt des ud ſanken mit einem es Greiſes von dem dauf den Ermüdung zungsloſen tirne und ichten die lieb lange 8 Stöhnen d näherte ſchrei.... ihm.— durch das was ge⸗ Frau an, er Aufre⸗ wihr den utwortete liehen zu un, nun, eich ge⸗ Thys ließ die Schlüſſel wieder ſinken und ſagte zu der Bettlerin mit zitternder Stimme: „Jan⸗Ohm iſt ſchlimmer geworden; er iſt vielleicht gar ſchon todt. Geht zu ihm hinein; nein, geht hinunter; ſchließt alle Thüren zu; ſeht, ob er todt iſt; gebt ihm Eſſig...“ 1 IBer Böſewicht wußte in ſeiner Aufregung nicht mehr, was er ſagte, ſo ſehr hatte ihn der Abſcheu vor ſeiner eignen That erſchüttert. Mit ſchwankenden Schritten ging er nach einer ſchweren Thüre, fand nach einigem Suchen den Schlüſſel und trat in einen langen dunkeln Gang, der von dem einen Ende des Gebäudes nach dem andern lief. Das Lämpchen erhellte nur einen kleinen Theil der Mauern und umgab ihn mit einem matten Glanze, der die Dun⸗ kelheit nicht unterbrach. Er ſuchte taſtend und ſchwankend ſeinen Weg durch den ihm unbekannten Platz; vielleicht mochte ihn Furcht befangen, vielleicht malte ſich ſein Gewiſſen bereits die gerechte Strafe Gottes vor das bange Auge.... Wie wäre er erſchrocken, wenn er den Schatten hätte ſehen können, der ihm von ferne in dem Gange folgte! Vielleicht hörte er jedoch etwas hinter ſich, denn er ſah ſich um und blieb ſtehen. Er ging jedoch wieder fort, bis er an eine ſeltſame Thüre kam. Es war ein niederes, rundes Pförtchen, deſſen Fläche mit eiſernen Platten und großen Nägeln ſo überdeckt war, daß man das Holz kaum zwiſchen durch ſehen konnte. Lange Schlöſſer, roth von Roſt, hingen an der Mauer, ein eiſerner, quer über die Thüre gehender Stab, verſchloß den Eingang zu der Schatzkammer des Geizhalſes. Mit pochendem Herzen und ſchwerer Mühe öffnete Thys die Schlöſſer und räumte alle Hinderniſſe hinweg. Er ſtieg eine Treppe hinab und gelangte in einen großen Keller. Hier, an dem Orte ſelbſt, wo die Schätze Jan⸗ —y— 12² Ohms verborgen liegen mußten, vergaß der Böſewicht die verübte Frevelthat; ſein Gewiſſen ſchwieg, der Schrecken wich von ihm. Kein anderes Gefühl beherrſchte ihn, als das heiße Verlangen, Gold zu ſehen, Gold zu fühlen und Gold zu haben. Auf ſeinem Geſichte erglomm das Lächeln des Entzückens, in ſeinen Augen glühte das Feuer der Begierde. Mit der Lampe in der Hand wandelte er ſuchend im Keller umher. Er gewahrte nichts, als die vier nackten Wände und bei der Treppe einen ſchweren Stein, der offenbar zum Sitzplatz gedient hatte. Er begann zu zittern; Angſt und Verdruß malten ſich in ſeinen Zügen. „Wie?“ ſeufzte er muthlos.„Sollte das Geld nicht da ſein. Es iſt doch kein Ausgang mehr da. Unmöglich! Ha, was ſehe ich? Da, in der Mauer! Iſt das nicht ein Schlüſſelloch?“ Er lief lachend und vor Freude ſtrahlend nach der Mauer, während er den Schlüſſel ſuchte und endlich ein verborgenes Loch in der Dicke der Mauer öffnete: „Ah, hier liegt der Schatz! Sieh, ſieh, drei Beutel! Vier! Vier Beutel! Gold! Gold!“ Er nahm mit zitternden Händen und vor Freude jauchzend einen der Leinwandſäcke aus der Höhle und wollte die Schnur, womit ſie zugebunden waren, löſen, als ihn ein plötzlicher Schrecken überfiel und der Beutel ſeiner Hand entfiel. Er kehrte ſich nach der Treppe um und lauſchte ängſtlich zitternd. Er glaubte an der Thüre des Kellers ein Geränſch zu hören, wie wenn ein Eiſen zugeſchoben würde. Einige Augenblicke blieb er bewe⸗ gungslos und ſchauernd ſtehen; es ließ ſich nicht das mindeſte Geräuſch vernehmen. Nach und nach kehrte ſeine Ruhe wieder; er nahm die Börſe vom Boden auf und ſagte: 1„Ah, es iſt nichts; es war nur das Schloß, das jetzt erſt eingeſchnappt iſt! Raſch den Sack geöffnet.“ Aber ſein Geſicht nahm einen Ausdruck von Abſcheu und Vera eine Hau „Ku „Ku Enttäuſch Und bei jedem Seit immer bl ſeine Bre End ſeinen F ſich der Bruſt. Wä Hoffnung hafter G rechte H zu ſehen leer, ſein frieden, Mauerht Eir Bruſt; w darauf Eir Hand g hinſtarre Muthlof „E für zehr für eine der Sch ſtohlen. Der Re Böſewicht V hieg, der eherrſchte Gold zu erglomm lühte das ſuchend er nackten tein, der ꝛgann zu n Zügen. zeld nicht nmöglich! das nicht nach der adlich ein t e: Beutel! r Freude öhle und u, löſen, er Beutel reppe um er Thüre ein Eiſen er bewe⸗ nicht das hrte ſeine auf und loß, das öͤffnet.“ 1 Abſcheu und Verachtung an, als er in den Beutel hineingriff und eine Handvoll Münzen herauszog. „Kupfer!“ murmelte er,„Kupfer! Und er ließ den Sack zu Boden fallen, um einen zweiten zu öffnen. „Kupfer! nichts als Kupfer!“ rief er mit wachſender Enttäuſchung⸗ Und er wiederholte das traurige Wort„Kupfer!“ bei jedem Sacke, den er öffnete. 1. Seine Wangen wurden bei dieſer Unterſuchung immer blaſſer! der Angſtſchweiß perlte auf ſeiner Stirne, ſeine Bruſt athmete mit ſchwerer Mühe. Endlich ergriff er den letzten Beutel, und als er auf ſeinen Füßen ſchwankend, die Schnur losgeriſſen, entraug ſich der Angſtſchrei:„Kupfer! Kupfer!“ nochmals ſeiner Bruſt. Während er den unglücklichen Sack, der ſeine letzte Hoffnung auf Gold ſo ſchändlich getäuſcht, mit krampf⸗ hafter Gewalt in der linken Hand preßte, ſteckte er die rechte Hand in die Höhle und ſcharrte darin umher, um zu ſehen, ob nichts anderes darin verborgen ſei; ſie war leer, ſeine Hand ſtieß auf nichts. Damit noch nicht zu⸗ frieden, ſteckte er den Kopf und die Lampe in die Mauerhöhle.... er ſah nichts, als den rohen Stein. Ein ſchrecklicher Schrei der Wuth drang aus ſeiner Bruſt; wankend ging er zu dem Steine, ließ ſich erſchövft darauf nieder und ſetzte die Lampe auf den Boden. Einen Augenblick ſaß er ſo da, den Kopf auf die Hand geſtützt und mit den verglaſten Augen vor fich hinſtarrend. Dann ſagte er in einem Tone, der von Muthloſigkeit und Wuth zeugte: „Einige Pfunde Kupfer! Das ſollte alſo der Lohn für zehn Jahre Sclaverei und Elend ſein? Der Lohn für einen Mord!..... O Jan⸗Ohm, der Heuchler, der Scheinheilige, der Dieb! Er hat mich betrogen, be⸗ ſtohlen...... Das iſt nun das langerwartete Glück! Der Reichthum, der Ueberfluß, die Groͤße..... Ein 124 Er ſchwieg und ſah zitternd zu Boden. Bald ent⸗ floſſen Thränen ſeinen Augen. Der elende Böſewicht weinte und ſchluchzte wie ein Kind. Aber nicht lange ließ er ſich von dieſem Schmerzgefühle niederbeugen. Ein ſchrecklicher Fluch entflog ſeiner Bruſt; er ſprang auf, ergriff die Börſe, die zu ſeinen Füßen lag, murmelte unverſtändliche Worte und warf den ſchweren Sack wie raſend in die ferne Ecke des Kellers.— Ein hohler Klang, wie von Metall, ließ ſich bei dem Falle ver⸗ nehmen. „Ah!“ rief Thys mit freudiger Ueberraſchung.„Ah! was iſt das?“ Und mit der Lampe nach der Stelle hineilend, fiel er in der Ecke des Kellers auf den Boden, während er wahnſinnig vor Freude mit den Füßen auf den hohl⸗ klingenden Boden ſchlug und mit dem Kopfe nickte. In wenigen Augenblicken hatte er eine kleine Fall⸗ thüre geöffnet. Er ſah mit Wolluſt in dieſe Art von ausgegrabener Kiſte, deren Deckel er aufgehoben; auch darin lagen Leinwandſäcke mit Geld. „Dummer Betrüger!“ murmelte Thys, während er einen Beutel herausnahm.„Er hat ein Netz geſponnen und eine Lockſpeiſe gelegt; etwas Kupfer an einem offe⸗ nen Orte hingelegt....Aber es iſt ihm nicht gelungen, hier wird der Schatz ſein.“ „Gold! Hal! es iſt Gold!“ rief er plötzlich mit ſo ſeltſamer Stimme, daß man hätte glauben ſollen, man höre ein jubeludes Kind.„Gold! Und dieſer zweite? Was wird es fein? Ah, Gold! wieder Gold!.... Und dieſer Dritte? Gold, lauter Gold!“ Als er eine Anzahl Säcke heraufgeholt und geöffnet und ſah, daß nichts mehr übrig blieb, trat er etwas zurück, verſunke Ein auf die ein Aus keiten v⸗ beinahe 71 lebt vor der Pre ſie nicht nießen, in der K zu Stau Das alle Gelde, i fühlen, b Und wühlen, zählte do Nach geſſenheit Licht imn Keller un Stirne ri „We Geld raſe mand fin verlöſcht Inde nahm unt laden, di nieder ur Aber wie ſich nicht; ſie, obwol detl.. ngſam zu Bald ent⸗ Böſewicht cht lange igen. Ein ang auf, murmelte Sack wie n hohler falle ver⸗ ng.„Ah! end, fiel ährend er den hohl⸗ fte. ine Fall⸗ Art von en; auch ihrend er geſponnen nem offe⸗ gelungen, ch mit ſo en, man r zweite? ... Und geöffnet er etwas zurück, ſetzte ſich nieder und begann ganz in den Anblick verſunken, die Säcke zu leeren. 16 Einen Augenblick ſtarrte er mit unverwandtem Blicke auf die Goldhaufen: es malte ſich auf ſeinem Geſichte ein Ausdruck, als ſähe er den Himmel und ſeine Selig⸗ keiten vor ſich aufgehen; ſeine genußgierige Wolluſt glich beinahe dem Wahnſinne. Gelde, in dieſem funkelnden Metalle! Ich muß betaſten, fühlen, beſitzen....!“ Und ganz außer ſich begann er in dem Golde zu wühlen, während er vor Freude jauchzte: er zählte und zählte das Geld ohne Ziel und Zweck. Nachdem er ſich eine Zeitlang in voller Selbſtver⸗ geſſenheit an dieſem Spiele ergötzt hatte, wurde das Licht immer ſchwächer. Er blickte raſch und ängſtlich im Keller umher, ſtand auf und ſagte, indem er ſich die Stirne rieb: „Was thue ich? Bin ich wahnſinnig? Ich muß das Geld raſch an einen andern Ort bringen, daß es nie⸗ mand finden kann, als ich allein.... Raſch, das Licht verlöſcht und das Oel iſt verzehrt...“ Indeſſen füllte er die zwei größten Beutel mit Gold, nahm unter jeden Arm einen und betrat ſo, ſchwer be⸗ laden, die Treppe. Vor der Kellerthüre ſetzte er Alles nieder und ſteckte den Schlüſſel in das Schloß.... Aber wie ſehr er ſich auch auſtrengte, die Thüre bewegte ſich nicht; ſie ſchien feſtgemauert, ſo unbeweglich blieb ſie, obwohl der eiſerne Zahn vor⸗ und zurückſchnappte. 126 Thys begann ihm über den Körper. — der andern, als ſuchte er zu entfliehen; er ſeufzte, weinte, fluchte und raste mit unverſtändlichem Geſchrei; er klet⸗ terte die Treppe hinauf, rief Kaets Namen durch das Schlüſſelloch, drückte mit dem Körper gegen die Thüre, lief wieder durch den Keller und mattete ſich ab, bis er gegen den Stein lehnte und endlich darauf niederſank. „De Tone,„d geſpielt, ermordet . niem ich hier .. We auch Jan mitten u Goldes! Macht un wie ein reuen un Böſewicht brechens; Dies wölbe des Spät Dunkelhei Thys mehr als ſeinem erf der Maue loch in der Er ſi und rief vor freudig „Kae „Ich „„ Ach, iſt, ſie will „Ich vorgeſchobe „Wie! Gottes wil „So, hauer lief einer Be⸗ all ſeine rehte und die Thüre zu heben. Geſicht; wie ver⸗ Kopf vor .. Nein, . Wer heil.... kampe iſt Loch und ie Hände waren; verdrehte Stöhnen it ſeiner ch. ch waren, Wahn⸗ ze Dun⸗ ſchwäch⸗ u Grabe. zerſchlug ers nach , weinte, er klet⸗ irch das e Thüre, , bis er erſank. 127 „Das iſt alſo das Ende!“ murmelte er in finſterem Tone,„das Ende meines Mühens? Ich habe den Teufel geſpielt, um Gold zu bekommen; ich habe einen Menſchen ermordet! Und nun ſitze ich hier in einem dunkeln Loch . niemand kann mich hören! Vielleicht, vielleicht werde ich hier ſterben.... ſterben vor Hunger. Abſcheulich! .. Wenn Gott es beſchloſſen bätte? So wollte ich ja auch Jan⸗Ohm tödten, durch Hunger! Sterben, ſterben, mitten unter Geld! Seufzen und vergehen auf Haufen Goldes! Das Mittel zu beſitzen, um auf Erden Glück, Macht und Herrlichkeit zu genießen und nun zu ſterben wie ein Hund und zur Hölle fahren, um ewig zu be⸗ reuen und verflucht und verſpottet zu werden, wie ein Böſewicht, der zu dumm war, die Früchte ſeines Ver⸗ brechens zu genießen. Verflucht! Dies letzte Wort wiederhallte furchtbar an dem Ge⸗ wölbe des Kellers und verhallte wieder. Später ſchwebten Seufzer und Schluchzen durch die Dunkelheit: es ſchien Jemand in der Nähe zu weinen. Thys hatte ſchon lange auf dem Stein geſeſſen; mehr als einmal war er aufgeſtanden und wieder zu ſeinem erſten Sitzplatze zurückgekehrt, als er plötzlich an der Mauer einen Lichtſtrahl ſah, der durch das Schlüſſel⸗ loch in den Keller drang. Er ſprang jauchzend auf, eilte die Treppe hinan und rief dort den Mund an das Schloß legend und vor freudiger Hoffnung zitternd: „Kaet, liebe Kaet, ſeid Ihr es?2 „Ich bin es allerdings,“ lautete die Antwort. „„Ach, Kaet, ſeht doch, was draußen an der Thüre iſt, ſie will nicht aufgehen.“ „Ich glaube es wohl, ich habe den eiſernen Riegel vorgeſchoben,“ ward ihm zur Antwort. „Wie? warum? Kaet, liebe Kaet, ſpotte nicht, um Gottes willen öffnel“ „So, Ihr glaubt wirklich?“ ſprach die Stimme. 128 „„Ich hab' ein giftig Thier in einer Falle gefangen, und ich werde die Falle öffnen, um mich und andere hinein⸗ zulaſſen. Jetzt iſt die Reue an der Reihe; es iſt mit Euch vorbei; Gott und die arme Kaet haben Euch end⸗ V lich gefunden.“ Thys begriff die Abſicht der Bettlerin und zitterte vor Schrecken. Mit bebender Stimme rief er: 6 6„Kaet, ich habe hier einen Sack voll Gold. Er iſt V ner.“ „Ich will das geſtohlene Geld nicht.“ „Zwei Säcke voll Gold, Kaet. Macht auf, Kact, macht auf!“ Er bekam keine Antwort und fuhr fort: „Kaet, vier Säcke für Euch; hört, hört, es iſt lanter Gold!“ Und er ließ eine Handvoll Gold auf die Treppen rollen, um durch den Klang die arme Frau zu ver⸗ führen. 3 Ein ſchallendes Gelächter antwortete auf dies An⸗ erbieten. „Kaet,“ bat er aufs Neue,„ich werde Ench heira⸗ then, wir werden Alles zuſammen beſitzen. Es iſt ſo viel, ſo viel!“ „Dieb, Mörder, Scheuſal.“ „Ach, Kaet,“ ſagte er mit klagendem Tone,„ich liege hier in der Dunkelheit auf meinen Knieen, ich ſtrecke die zitternden Hände um Hülfe nach Euch aus. Habt Mitleiden mit mir, ſeid barmherzig. Oeffnet die Thür;). ich werde Ench lieben, Euch danken mein Leben lang.“ „Ich habe Mitleiden mit Euch,“ antwortete Kart. „Ach!“ rief Thys hoffnungsvoll,„ich wußte wohl, daß Ihr mich erlöſen würdet.“ „Ich habe Mitleiden mit Ench,“ fuhr die Frau ſpottend fort,„ſo viel Mitleiden, als Ihr mit Cäcilie gehabt; ich bin barmherzig gegen Euch, wie Ihr barm⸗ herzig gegen Jan⸗Ohm, Euren Wohlthäter geweſen.. ſeines Ihr g. nehmer Lade mein l. 7 verzwer ſterben für Euc dem Bi ſchickt, Conſ 129 ingen, und Aber deßhalb bin ich nicht hiehergekommen, Thys; ich ere hinein⸗ wollte Euch etwas zeigen. Seht durch das Schlüſſel⸗ es iſt mit loch, was ich in den Händen habe; ſeht, was ich thue.“ Euch end⸗ Thys legte ſein Auge an das Schloß und da das 3 Licht draußen war, konnte er ziemlich genau ſehen, was nd zitterte, die Bettlerin that. Dieſe entfaltete ein Papier und ſprach: d. Er iſt„Seht Ihr? Ihr habt einen alten Mann ermordet, weeil Ihr ein Teſtament beſaßet, das Euch zum Herrn ſeines Vermögens machte. Er ſtarb nicht raſch genug. uf, Kaet, Ihr glaubt wohl, daß man Euch die Erbſchaft nicht mehr nehmen kann? In Eurem Zimmer, in der unterſten Lade des Kaſtens lag das Teſtament. Kaet iſt arm, tt, es iſt aber ſie kann doch leſen. Horcht auf.“ Sie las Wort für Wort und mit deutlicher Stimme. Treppen„Ich erkläre, daß ich zu meinem Univerſalerben ein⸗ u zu ver⸗ ſetze Carolus⸗Dominikus Thys.... Und dies iſt maeein letzter Wille....“ dies An⸗„Mein Teſtament! mein Teſtament!“ heulte Thys . verzweiflungsvoll. uch heira⸗„Seht mal, was ich thue,“ fuhr die Bettlerin fort. Es iſt ſo„Himmel, Himmel!“ rief Thys,„ſie reißt es in Stücke! meine Hoffnung, mein Leben! Ihr ermordet 4 mich, Kaet!“ one,„ich Er bemerkte an einer Bewegung des Lichtes, daß ich ſtrecke die Frau fortgehen wollte. Er machte einen letzten Ver⸗ ¹s. Habt ſuch und rief mit herzzerreißendem Tone: die Thür;„Kaet, Kaet, ach geht nicht fort, macht auf, macht n lang.“ auf! Ihr wollt mich in dieſem ſchrecklichen Loche Hun⸗ tete Kart. gers ſterben laſſen?“ ißte wohl,„Es wäre eine gerechte Strafe Gottes,“ antwortete 3 die Bettlerin,„wenn Ihr ſtürbet, wie Ihr Jan⸗Ohm die Frau ſterben laſſen wolltet. Aber ein ſolcher Tod iſt zu ſanft it Särne für Euch, man wird Euch bald erlöſen. Ich bin bei ihr barm⸗ dem Bürgermeiſter geweſen; er hat dei Feldwächter ge⸗ veſen... 3 ſchickt, um Leute zu holen, die die Thüre des Kellers Conſeience, der Geizhals. 9 130 öffnen ſollen, um Euch herauszulaſſen; aber Eure Hände werden Euch auf den Rücken gebunden. Ihr müßt in's Gefängniß. Auf dem Schaffot ſollt Ihr düßen, auf dem Schaffst hingerichtet werden und als Mörder vor Gott erſcheinen, der weiß, welch' hölliſcher Böſewicht Ihr ſeid!“ Thys ſtand ganz verſteinert hinter der Thüre und ſah zitternd durch das Schlüſſelloch, wie Kaet ſich mit dem Lichte entfernte. Als der letzte Schein der Lampe vor ſeinem Auge verſchwand, entflog ſeiner Bruſt ein⸗ furchtbarer Schrei; er ſtürzte leblos zuſammen; ſein Pürper rollte die Treppen hinab auf den Boden des ellers. IX. Das erſte Morgenlicht drang mit blauem Schimmer in das Zimmer, in welchem Thys ſeinen Mordanſchlag auf den kranken Greis ausgeführt. Zwei Kerzen von gelbem Wachſe brannten bei ei⸗ nem Kreuze auf dem Tiſche. Ein Palmzweig ruhte in einem gläſernen Weihwaſſerfaſſe. Der bewegungsloſe Körper des Greiſes lag auf dem Rücken in dem Bette ausgeſtreckt. Seine blaſſen und unbeweglichen Geſichtszüge haätten den Glauben be⸗ kräftigen können, daß der Tod ſchon längſt den letzten Funken von Leben in der Leiche ausgelöſcht. Dieſe Ver⸗ muthung wäre jedoch nicht ganz gegründet geweſen, denn die Bruſt des Kranken bewegte ſich noch ſo heftig, als ob ſie den letzten Todeskampf kämpfte und ſeine Seele ſich mit Gewalt von den Banden des Körpers befreien wollte.. chen, lauſcl weint licher von ihren Leber Cäcit den niges und! war Erſch Er h Löffel verſch die be Fleiſe merke nach ſogar 3 gebra zurück beweg ihm e wegun 1 ihm 1 lichem re Hände üßt in's auf dem or Gott or ſeid!“ ire und⸗ ſich mit Lampe ruſt ein, n; ſein den des chimmer anſchlag bei ei⸗ ruhte in lag auf blaſſen ben be⸗ tletzten eſe Ver⸗ n, denn ig, als Seele befreien Ueber das Geſicht des Alten beugte ſich ein Mäd⸗ rhen, das mit wachſender Ungeduld jeden Athemzug be⸗ lauſchte und vor Schmerz oder Hoffnung zitterte und weinte, ſo oft der Kranke ruhiger oder ſein Athem deut⸗ licher wurde. Es war Cäeilie, die ſeit einer Stunde einen Strom von Thränen vergoſſen und erſchöpft von Schmerz mit ihrem Athem und ihren Küſſen den alten Oheim in’'s Leben zurückzurufen verſuchte. Wanna ſtand bei dem Kopfende des Bettes, um Cäcilien bei der Pflege des Verſcheidenden beizuſtehen. In einer Ecke ſaßen Bart und ſeine Mutter auf den Knieen und ſandten mit gefalteten Händen ein in⸗ niges Gebet zum Himmel. Der Paſtor war bereits bei dem Kranken geweſen und hatte ihm die letzte Oelung gegeben; der Doktor war gleichfalls gerufen worden und hatte erklärt, die Erſchöpfung des Greiſes ſei eine Folge des Hungers. Er hatte deßhalb befohlen, daß man ihm mit einem Löffel etwas Fleiſchbrühe nebſt einiger Medicin, die er verſchrieben, eingebe. Eine Taſſe und die Fleiſchbrühe, die bei dem Bette ſtanden, enthielten die beiden Heilmittel. Cäcilie hatte ihrem Oheim bereits viele Löffel der Fleiſchbrühe vorſichtig eingegeben; ſie glaubte zu be⸗ merken, daß es wohlthätig auf ihn wirkte und nach und nach leichter durch die Kehle floß; der Kranke ſchien es ſogar mit einer gewiſſen Begierde einzuſchlürfen. Als ſie nun wieder einen Löffel an ſeinen Mund gebracht und ihn nach dem Eingießen der Fleiſchbrühe zurückziehen wollte, ſchien es ihr, als ob die Lippen ſich bewegten. Dieſe Entdeckung machte ſie zittern. Sie gab ihm einen zweiten Löffel: er og ihn mitt ſichtbarer Be⸗ wegung des Halſes ein. Zitternd vor freudiger Hoffnung gab das Mädchen ihm noch mehr Fleiſchbrühe, während ſie ihm mit ängſt⸗ lichem Blicke in's Antlitz ſtarrte. —j y— 132 Plötzlich ſchien ein krampfhafter Schauer über die Glieder des Kranken zu laufen; er ſtreckte ſich und blieb bewegungslos liegen; ſein Athem ſchien auszubleiben. Cäciliens Bruſt entrang ſich ein Schrei, ſo herz⸗ erſchütternd und ſchrecklich, daß Bart und ſeine Mutter aufſprangen und an das Bett eilten. Cäcilie lag mit dem Kopf an der Bruſt ihres Oheims und ſchluchzte laut, während ihre heißen Thränen ſeinen Hals befeuchteten. Kummer und Schmerz, Liebe und Zärtlichkeit ſprachen aus ihren Worten und bisweilen küßte ſie die kalten Lippen des Mannes, deſſen Tod ſie betrauerte. Aber bald entflog ihr ein zweiter Schrei, ein Schrei der Ueberraſchung und Freude. Jan⸗Ohm bewegte die Lippen und öffnete und ſchloß den Mund, als ob ſein Körper mechaniſch Nahrung verlangte. Das Mädchen ſprang auf und flößte ihm mit fieber⸗ haften Bewegungen zwei bis drei Löffel Fleiſchbrübe ein; ſie hätte ihm in ihrer Freude wahrſcheinlich die ganze Taſſe gegeben, wenn ſie die Furcht, die Verordnung des Arztes zu verfehlen, nicht zurückgehalten. Deßhalb legte ſie den Löffel nieder, und beobachtete das Antlitz des Greiſes, um zu wiſſen, welche Wirkung die nene Nahrung auf ihn hätte. Da öffnete der Kranke plötzlich die Augen und blickte bun unbewußt in das ſanfte Antlitz, das ihm entgegen⸗ achte. „Ohm, Vater; Ihr lebt! Dank Dir, o guter Gott!“ rief Cäcilie mit ſanfter Stimme. Der Kranke ſchloß die Augen wieder und blieb einen Augenblick ganz bewegungslos. Dann erhob er auf's Neue den Blick zu dem Mädchen, ſah ihr lange in die Augen, und ſchien ſich zu fragen, wer ſie ſei. Sein Arm bewegte ſich unbemerkt; er bog ihn langſam um den Hals des Mädchens, zog ſie näher an ſich und küßte ſie, während ſeine Stimme faſt unhörbar ſprach: * Cäcil mit d Kniee ſterbe ſpran erſtar nach kniete mein ſeine 5 frager ſagte Wann verſta Mutte kennt 3 8 ruhen Jüngl dem d Er re mager Kopf der V ( über die und blieb leiben. ſo herz⸗ e Mutter iſt ihres Thränen 3, Liebe bisweilen Tod ſie n Schrei egte die ob ſein t fieber⸗ ibe ein; ie ganze ung des bachtete Wirkung d blickte itgegen⸗ Gott!“ eb einen r auf's in die in Arm um den d küßte —— „Cäcilie!“.. Dieſes Sprechen, dieſer Name, dieſer Kuß machten Cäcilie ganz überglücklich; ſie machte ſich los und ſank mit den Worten„Betet, betet!“ vor dem Kreuze auf die Kniee und hob die Hände dankend zu dem Bilde des ſterbenden Chriſt auf. Nachdem ſie einen Augenblick mit Innigkeit gebetet, ſprang Cäcilie wieder auf und ſtellte ſich neben das Bett. Der Greis hatte ſich auf die Seite gelegt und ſah erſtaunt in dem Zimmer umher; er zeigte mit dem Finger nach den drei Perſonen, welche noch auf dem Boden knieten. „Wer iſt das?“ fragte er mit ſchwacher Stimme. „Gott, Gott! er lebt, er ſpricht, er wird geneſen, mein armer Oheim, mein guter Vater!“ rief Cäcilie, ſeine beiden Hände ergreifend, um ſie liebevoll zu drücken. Der Krauke lächelte, wandte jedoch abermals ſeinen fragenden Blick auf die knieenden Perſonen. „Es iſt Bart, Bart, der für Euch betet, lieber Ohm,“ ſagte Cäcilie,„und ſeine Mutter, und ſeine Schweſter, Wanna, die Gott bitten, daß er Euch geneſen laſſe!“ „Bart?“ murmelte der Alte, als hätte er nicht recht verſtanden,„Bart? Er bittet Gott? Für mich?“ „Kommt, kommt!“ rief das Mädchen,„Bart, Mutter Ann! Ach Du Gott! mein Oheim geneſet; er kennt ſeine arme Cäcilie. Kommt!“ Alle ſtanden auf und näherten ſich dem Bette. Der Greis ließ ſeine Augen nach und nach auf Allen ruhen und ſchien mit beſonderer Aufmerkſamkeit den Jüngling zu betrachten, der dicht neben ihm ſtand, und dem die Thränen vor Freude über die Wangen rollten. Er reichte nach einigen Augenblicken dem Jüngling die magere Hand und zog ihn langſam näher, bis er ſeinen Kopf an ſeine Lippen gepreßt. Er gab ihm den Kuß der Verſöhnung. Cäcilie wankte anf den Füßen und mußte an den —————— 134 Tiſch lehnen, um nicht zuſammenzuſinken. Die liebevolle That ihres Oheims hatte ſie ſo ergriffen, daß ſie der Gewalt ihrer Gefühle zu erliegen ſchien. Auch die An⸗ dern waren nicht weniger gerührt; Aller Augen ent⸗ ſtrömte eine neue Thränenfluth. Pkötzlich trat die Bettlerin ungeſtüm in das Zimmer und rief: „Cäcilie, Wanna, Bart, kommt raſch! Raſch hinab!“ Und als ſie Niemand zu begreifen ſchien, und ihr zu folgen die Abſicht zeigte, nahm ſie Bart und Cäcilie bei der Hand und zog ſie mit Gewalt aus dem Zimmer. Unten vor der Thüre des Kloſterhofes ſtanden einige Perſonen, die auf Etwas zu warten ſchienen. Sie ſprachen mit Abſchen und Zorn von dem Mordverſuche des Thys an dem alten Manue und jauchzten, daß ihm nun die Belohnung ſeiner ſchlechten That werden ſollte. Die Gensdarmen waren durch das Dorf gegangen, und die Leute den Dienern des Geſetzes bis zum Kloſterhofe gefolgt. Cäcilie und Bart ſtanden mit der Bettlerin in dem untern Zimmer, ohne zu wiſſen, welches Schauſpiel ſie erwartete. Da hörten ſie plötzlich in dem Gang, der nach dem Hintergebäude des Hofes führte, ein Geräuſch von ſchwe⸗ ren Schritten erſchallen. Während ſie mit Staunen und Schrecken lauſchten, und die Bettlerin triumphirend lachte, erſchienen zwei Gensdarmen in dem Zimmer, und dann noch zwei und zwiſchen dieſen Thys, die Hände auf den Rüͤcken ge⸗ 1 bunde ſchaan einen dies C verſtei überze 7 und n 1 der T „ Das Schlu 3 hofe ſahen, daß e ob die Leiche, ſeinen er ſich Angeln ſchen dem 6 eine ſe Gensd gezoge T O jedoch den M auf de aus af liebevolle ſie der die An⸗ gen ent⸗ Zimmer hinab!“ inderung Mutter Wanna „kommt und ihr Cäcilie Zimmer. en einige t. Sie verſuche daß ihm n ſollte. en, und oſterhofe in dem ſſpiel ſie ach dem n ſchwe⸗ auſchten, en zwei wei und kken ge⸗ bunden und den Kopf auf die Bruſt herabgebeugt, blaß ſchaamvoll, bebend und vernichtet. Cäcilie ſchlug ſich die Hände vor die Augen, ſtieß einen Schrei aus und wandte ſich nach der Mauer, um dies Schauſpiel nicht mit anzuſehen; Bart blickte wie verſteinert auf das ſchreckliche Geſicht, das an ihm vor⸗ überzog. „Seht,“ rief die Bettlerin,„ſo ſtraft Gott das Böſe und müßte auch eine arme Bettlerin ſein Werkzeug ſein!“ Und als die Gensdarmen mit dem Gefangenen ſich der Thüre näherten, rief ſie noch: „Scheinheiliger Böſewicht, Mörder! Lauft, eilt? Das Schaffot. Die Guillotine..„. und dann zum Schluß die Hölle, die Hölle und das ewige Feuer!“ Thys wurde durch die Gensdarmen von dem Kloſter⸗ hofe abgeführt. Als die Bauern und Bäuerinnen ihn ſahen, ging ein ſolches Rachegeſchrei durch ihre Reihen, daß er den Kopf noch tiefer ſinken ließ und zitterte, als ob die letzte Stunde geſchlagen. Er war blaß, wie eine Leiche, ſein Haar verwirrt, ſein Kleid zerriſſen.... an ſeinen Händen klebte vertrocknetes Blut.... ſo hatte er ſich zerquetſcht und zerriſſen, um die Thüre aus ihren Angeln zu heben. Der Anblick des Blutes, dem ſie einen verbrecheri⸗ ſchen Urſprung zuſchrieben, machte die Bauern raſend. Sich gegenſeitig zur Rache anſpornend, wollten ſie dem Gefangenen an den Leib und würden ohne Zweifel eine ſchreckliche Juſtiz an ihm geübt haben, wenn die Gensdarmen, welche die Gefahr merkten, nicht den Säbel gezogen, um ſich nöthigenfalls zu vertheidigen. Die entrüſtete Menge ſtand von der Rache ab, folgte jedoch den Gensdarmen nach dem Dorfe, und überhäufte den Mörder mit Flüchen und Verwünſchungen, bis er auf dem Steinweg nach der Stadt mit ſeinen Begleitern aus aller Augen verſchwand. 136 Zehn Jahre ſind verfloſſen. Der Kloſterhof iſt in eine ausgedehnte Meierei umgewandelt. Drei Pferde und zwölf Kühe ſtehen in dem Stalle; Mädchen und Knechte laufen über den Hof; das Geräuſch der Arbeit ertönt freudig von Morgens bis Abends. Die Läden ſind grün bemalt; die Mauern ſind hergeſtellt und getüncht; Alles zeugt von Wohlhabenheit und Glück. Wenn die Sonne ſcheint, ſitzt dort auf der Bank neben der Thüre ein ſtark alter Mann, deſſen Hände zittern. Eine alte Frau ſtrickt neben ihm; der Greis ſpielt mit zwei kleinen Kindern, einem Knaben und einem Mädchen, und ſpricht mit ihnen von der Sparſamkeit, der Quelle alles Reichthums. Es ſind die Kinder ſeiner Nichte Cäcilie, Bart iſt ihr Vater und ſie nennen die alte Frau ihre Großmutter Ann. Der alte Mann hat Bart viel Geld geliehen..... auf Zinſen, auf kleine Zinſen. Den Zins, der ihm regel⸗ mäßig bezahlt wird, ſpart er für den kleinen Jungen, der auf ſeinen Knieen ſitzt. Er liebt den Jungen ſo ſehr! Er iſt ſein Liebling und heißt gleichfalls Jan. Er iſt ſo glücklich, der gute Ohm, in ſeinen alten Tagen. Er ſchilt zwar immer über das viele Eſſen der Dienſtboten und die leichtſinnigen Ausgaben aller Art; aber Bart und Cäcilie laſſen ihn reden und kehren ſich nicht an das, was er ſagt. So ſind ſie Alle zufrieden. Kaet, die arme Wittwe, wohnt auf dem Kapellen⸗ hof; ihre Kinder ſind bereits groß und arbeiten fleißig; Bart unterſtützt ſie; ſie wird noch eine wohlhabende Pächterin werden. Wanna iſt die Frau des Schloßgärtners: ſie lebt unter Blumen und wird von ihrer reichen Herrſchaft ge⸗ liebt. Auch ſie iſt zufrieden und glücklich. Nur die Bosheit leidet; ſie ſitzt im Gefängniß und muß dort bleiben, bis Gott ſie vor ſeinen Richterſtuhl ruft. Ende. f iſt in erde und Knechte t ertönt nd grün ; Alles er Bank Hände is ſpielt deinem ſamkeit, er ſeiner inen die 1..... n regel⸗ Jungen, ſo ſehr! Er iſt en. Er nſtboten er Bart an das, dapellene fleißig; habende ſie lebt haft ge⸗ b niß und hterſtuhl —.——— 2