— — K 3 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur ² von Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Cäution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat:— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 3* ſ„— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stelling. Aus dem Franzoͤſiſchen des Buͤrgers Lucian Bonaparte von 3 weyter Theil. —— Muͤnchen und Amberg, in der Kommerzienrath Seideli ſchen Kunſt⸗und Buchhandlung, 1802. 3 „ . Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stellinc. Sechstes Buch. Der Mord. Nahe bey ihm liegt ſein Bogen und ßeine Keule. S . Während an den Ufern des Gardels die Seuf⸗ zer der Liebenden mit dem Geſchrey der Jaͤger . vereinigt wiederhallten, erhob ſich an den ufern . der Sanga ein weit widrigeres Getoͤſe. ₰ Riamir, deſſen Herz von Wuth uͤber⸗ ſtroͤmte, hatte ſich gleich nach der Entſcheidung des hundertjährigen Greiſes zuruͤck begeben: er wollte gegen Tenor ziehen, Ditulans Tochter entfuͤhren, und ſich ſo an dem Oberprieſter und — 4— Hrixa raͤchen. Er wurde erſt, nachdem ſich das heftige Aufwallen ſeiner Hitze etwas gelegt hatte, fuͤr den Rath ſeiner Freunde empfänglich, welche ihm die Entſcheidung der Alten als heilig und unverbruͤchlich darſtellten. Er ſelbſt hatte ſich darauf berufen, und wuͤrde er ihnen itzt trotzen: ſo duͤrften leicht alle Bedas gegen ihn aufſtehen, ſein Nebenbuhler ſich zu Stellinens und ihrer Familie Beſchuͤtzer aufwerfen, ſelbſt mehrere ſeiner Krieger ihn verlaſſen, und ſich auf des Itobars und der Goͤtter Seite bege— ben.... Er mußte daher nachgeben, und einige Zeit davon abſtehen; allein hiedurch entſlammte ſein Grimm nur um ſo heſtiger. Kaum erfuhr er, daß ſeine Geliebte den Huͤgel verlaſſen habe, als er auch die Entwuͤrfe ſeiner Rache eben ſo ſchnell erneuerte, feſt entſchloſſen, ſie dieſesmahl nicht aufzugeben. Coſmoes Gegenwart unterbrach ſeinen Eifer nicht einen Augenblick. Er wußte, daß die Wei⸗ ber, ſich ſelbſt uͤberlaſſen, den Tag hindurch in den angraͤnzenden Wäldern herumſchweiften. Dieſe Gelegenheit, ſich mit dem Tapferſten ſeiner Nebenbuhler meſſen zu koͤnnen, war noch ein Sporn fuͤr ſeinen Ehrgeitz. Nach reifer Ueberlegung ſeiner entworfe— nen Gedanken, ſchien ihn nur noch eine einzige Beſorgniß zuruͤckzuhalten. Unter ſeinen Freun⸗ * den durfte nemlich nur einer ſchwach genug ſeyn, ſeine Kuͤhnheit fuͤr ſtraͤflich zu halten: ſo waͤre er leicht im Stande, den ganzen Stamm gegen ihn aufzubringen..„. um dieſer Gefahr zu entgehen, und des erwuͤnſchten Erfolgs ſeines Unternehmens ſich zu verſichern, lud er die ge⸗ pruͤfteſten ſeiner Krieger zu ſich ein, welche ſich nun auͤch um den väterlichen Heerd verſammelten. Aufmerkſam hoͤrten ſie ihrem Anfuͤhrer zu. Stolz darauf, die Vertrauten ſeines Geheimniſſes zu ſehn, brannten alle vor Ungeduld, in ſeinem Unternehmen ihm beyſtehen zu duͤrfen. Alle waren beynahe durch Blutsbande an ihn gefeſſelt, und die ihm zugefuͤgte Beleidigung gieng daher per⸗ ſoͤnlich auf ſie uͤber. In der nemlichen Stunde wollten ſie ſchon ausziehen, um in der Nacht „Die ufer der Sanga, ſprachen ſie mit „wildem Laͤcheln, ſind der Jagd eben ſo guͤnſtig, „als die Ufer des Gardels; und der Pallaſt in „Fetan iſt wenigſtens eben ſo bequem, als „Coſmoͤes Lager.“ noch die junge Itobarin mit ſich zuruͤckzufuͤhren. Ihre Zuſammenkunft war kein Geheim⸗ niß geblieben. Der Oberbramin in Furcht fuͤr ſich ſelbſt, ließ Riamirs Schritte ſtets belau⸗ ſchen, und durch ſeine Vertrauten deſſen Woh⸗. nung genau beobachten. Ueber die auſſerordent⸗ liche Bewegung, welche ſie darin wahrnahmen, erſtaunt, hatte einer unter ihnen die Verwegen⸗ heit, ſich bis an die Thüre zu nahen. Einige Worte, die er vernahm, waren hinreichend, das ganze Geheimniß zu enthuͤllen, und ſchnell eilte er nach dem Tempel, um es daſelbſt kund zu machen. Deli hatte gleich bey dieſer Nachricht ſei⸗ nen Entſchluß gefaßt: er fuͤhlt, daß jeder Au⸗ genblick ihm koſtbar ſey, und daß, wenn er dem Anfuͤhrer der Fetans nicht zuvor kaͤme, er ſelbſt das Opfer werden koͤnnte. Sanft ruhte Hrixa ſchon: weder der Reitz der Ehre, noch die Sehnſucht der Liebe, hatten ſeinen Schlummer geſtoͤhrt. Feſt uͤberzeugt,. der kuͤnftige Nachfolger Ditulans zu werden, uͤberließ er Delt allein die Sorge, ihm ſein⸗ Groͤſſe zu gruͤnden. Er wurde aufß deſſen Befehl erweckt und eilte gleich zu ihm. Deli theilte ihm Riamirs Entwürfe mit. . „Dein Nebenbuhler, ſprach er zu ihin⸗ „kennt keine Granzen meht: morgen will er „Stellinen entfuhren. Benachrichtigen wir auch „Coſmoe hievon, ſo wird dieſes den Triumph „des Schaͤndlichen nur etwas verzoͤgern: der „Tod allein kann ihm Einhalt gebieten.„ „Stellen wir uns itzt, nichts von allem dieſem „zu ahnden, bis zu dem Augenblicke, wo ſich „der Verwegene ſeines Sieges gewiß zu ſeyn „waͤhnt, dann falle er; und ſeine er— „ſchrocknen Freunde ſollen noch ſelbſt in ſeinem „Sturze die Hand des Brama erkennen.“. „Jede Minute hat Eile, hoͤre: „Von allen unſern Vertrauten weiß Nor⸗ „mis unſtreitig den Pfeil am geſchickteſten zů „ſchieſſen; er erwartet nur meinen Befehl „und kennt laͤngſt ſchon jenen, den er treffen ſoll.. „Ein Fußſteig windet ſich durch den Wald „um aus Fetan nach den Ufern des Gardels „zu gelangen.... Da ſoll er ihn beim Auf⸗ „gange der Sonne erwarten.— Wo moͤglich „ſoll er ſich verborgen halten; entdeckte man „ihn hingegen doch: ſo mag er dieſes geheiligte „Unterpfand, das jeden Grimm entneevt, vor⸗ — „zeigen und laut bekennen, er habe auf meinen „Befehl dieſen Schaͤnder der Gottheit gemordet. Bey dieſen Worten knuͤpfte er das ge⸗ weihte Band von ſeiner Stirne. Zitternd uͤber⸗ nahm es Hrira, und floh damit zu dem Abge⸗ ſandten des Oberprieſters. So wurde in Bramas Heiligthum der Meuchelmord gebruͤtet, und zu dem nämlichen Zeitpunkte in Riamirs Pallaſt der Buͤrgerkrieg beſchloſſen; allein in der Grotte entſpann ſich ein weit ſchrecklicheres Verbrechen.. Der Undank der Liebe, erzeugt durch die genoſſenen Freuden und die Langeweile, keimte in der Seele des Europaͤers; der Undank,. ſchreck⸗ licher als Buͤrgerkrieg und Meuchelmord, zer— reißt nicht wie jene auf einmahl unſern Lebens⸗ faden, ſondern traͤufelt ein ſchmerzliches Gift in unſre Adern, das langſam herumſchleicht, uns mit jedem Tage tauſendmahl toͤdtet, und wenn alle Kraͤfte zu noch laͤngern Leiden in uns ver⸗ ſiegt ſind, erſt unſer Daſeyn endiget.... Mit jedem Abend, an welchem die zaͤrtli⸗ che Stellina nach dem Lager am Gardel zuruͤck⸗ kehrte, fuͤhlte ſie den Schmerz der Trennung von der Seite des Gatten fuͤr die lange Nacht —— —— ————— —————— —————————————— immer lebhafter. Der erſte Schall der Kriegs⸗ hoͤrner erweckte ſie nie, und die Morgenroͤthe beſtrebte ſich vergebens, ſie auf ihrem Lager zu uͤberraſchen; Stellina erhob ſich weit fruͤher als die Morgenroͤthe, und ihre Sehnſucht wuͤnſchte die Stunde befluͤgeln zu koͤnnen, in welcher die Hoͤrner die Krieger zur Jagd riefen. Aus ihrem Zelte belauſchte ſie ihren Auszug, ihr Auge ver⸗ folgte ſie bis zu Ende der Ebene, dann eilte ſie ſchnell an ihren Gefaͤhrtinnen, die ihr folgen konnten, voruͤber, und floh allein mit leichten Schritten auf dem Fußſteige hin, auf welchem ſie am Abende lange nicht ſo raſch und vergnuͤgt zuruͤckkehrte.... Milford harrt ihr nicht mehr wie ehemals entgegen. Das Vergnuͤgen, welches den Reiz der Neuheit fuͤr ihn verloren hatte, brachte ihn wieder zu ſich ſelbſt. Ihm konnte die Erde, auf der er ruhte, und die kalte Nahrung, welche die Kokos ihm gewaͤhrten, bey ſeiner weichlichen Erziehung nicht mehr genuͤgen: alle Beduͤrf— niſſe, welche er bisher vergeſſen hatte, fuͤhlte er von neuem erwachen.. Auf das Wehen des Zephirs, bey deſſen leiſen Faͤcheln ex ehemahls Stellinens Annaͤherung ahndete, lauſcht er niche mehr ſo aufmerkſam.. Erwacht er itzt zu⸗ weilen vor ihrer Ankunft, ſo umſchwebt ihn nicht wie chemahls ihr zauberiſches Bild; Europa, die Einoͤde von Ceylon, Colombo ſind dagegen ſeine erſten Gedanken geworden, durch Stellina kann er ſich Gold und Diamanten verſchaffen. Ihren Reitzen huldigt er nun nicht mehr, ſon— dern er betet blos ihre Schaͤtze in ihr an.. Der kaufmaͤnniſche Geiſt, der ihn von jeher be⸗ ſeelte, belebt aufs neue ſein ganzes Weſen; ſelbſt die Geſtalt ſeiner Gattin verdraͤngt nicht ein— mahl zuweilen ſeine merkantiliſchen Ueberſchlaͤge, mit denen er von nun an ausſchluͤßlich beſchaͤf— tiget iſt. Stellina wollte Milfords Veraͤnderung nicht bemerken. Sie ahndete noch nicht ſeine Unbeſtaͤndigkeit; fuͤr krank hielt ſie ihn, ver⸗ doppelte daher um ſo mehr ihre Liebkoſungen, und ſuchte ein heiteres Laͤcheln auf ſeinen Mund zuruͤckzurufen. Zärtlich umarmt ſie ihn, ſpielt mit ſeinen Locken, fragt nach dem Kummer, der ihn quaͤlt, und Thranen quillen aus ihren Au⸗ gen. Ednard, durch den Reiz ihres Schmer⸗ zens geruͤhrt, fuͤhlt ein neues Verlangen in ſich vege werden... Er ſchmiegt ſich an ihren — ſchoͤnen offnen Buſen.... Stellina lebt blos durch das Vergnuͤgen, das ſie ihm gewaͤhrt, und ihr Mund ſaugt verlangend ſeinen Athem ein.... Eines Morgens, als er noch in tiefem Schlafe ruhte, uͤberraſchte ſie ihn. Still ließ ſie ſich an ſeiner Seite nieder, harrte auf ſein Erwachen, und beſchuͤtzte indeſſen ſeine Ruhe. Eduards Geſichtszuge geriethen plötzlich in eine heftige Vinht er wurde unruhig, wand ſich bald hin, bald her, und einzelne verworrene Wor⸗ te, die ihm entſchluͤpften, verriethen ſeine unbe⸗ queme Lage, welche ihm der Raſen verurſachte, auf dem er ruhte. Stellina bemerkt ſeinen Zuſtand, eilt nach den naͤchſten Baͤumen, fuͤllt ihr aufgeſchuͤrztes Gewand mit Blaͤttern, und ſchuͤttet ſolche in die Grotte, um ihm hier ein weicheres Lager zu bereiten.... Sie entblät⸗ tert die Albetre, den dichtbelaubten Pikas, und die nahrhafte Celia: alles Geſtraͤuch iſt ihr nun gleich, da ſie es zum Lager ihres Freundes be⸗ ſtimmt. Ihre unbedachtſame Hand beugt ſelbſt die Myrthe nieder,... von Blumen und Blaͤttern beraubt, fährt endlich der kahle Aſt zuruͤck, welche dem jungen Weibe zuzufluͤſtern ſcheint: bald wird deine Liebe mir aͤhnlich ſeyn... Als Milford die Augen aufſchlug, erblickte er dieſes Lager von gruͤnen Blaͤttern, mit bun⸗ ten Blumen beſtreut. Stellina hatte ſo eben aufgehoͤrt, ſeine reizende Oberflaͤche zu ebnen. „Komm, mein Eduard, hier wirſt Du „beſſer ruhen!“ Sie reicht ihm den Arm. Er fpl gt ihr auf dieſen laͤndlichen Aitar, uͤberläßt ſich von neuem dem Schlafe, der ihm durch die unruhvolle Nacht zum Beduͤrfniß geworden, und lehnte ſei⸗ nen Kopf auf ihre Kniee. Durch dieſe zaͤrtliche Sorgfalt war des Europaers unbequemer Zuſtand um vieles erleich⸗ tert. Allein ſein Durſt nach Gold und die Langeweile waren itzt fuͤr ihn um ſo druͤcken⸗ der geworden: dieſes Metall und Colombo allein konnten ihm wieder Zufriedenheit und Geſund⸗ heit verſchaffen. Durch wiederholte Bitten taͤg⸗ lich beſtuͤrmt, will er nun nicht laͤnger derjeni⸗ gen, die er doch einmal zu verfuͤhren hofft, ſeine Entwuͤrfe verheimtichen. Stellina, neugierig die Urſache ſeindt Leiden zu erfahren, hoͤrt ihm aufmerkſam zu. „Zwar ſchmuͤckt uns die Liebe dieſe Ein⸗ „oͤde; allein welches Schickſal erwaptet uns? „Koͤnnen wir hoffen, daß ein undurchdringlicher „Schleier uns den Augen der Inſulaner auf „ewig entziehen wird? Und wuͤrde mein Auf⸗ „enthalt entdeckt!.„Kaum wag' ich es, in „die Zukunft zu blicken. „Wir haben uns vergebens geſchmeichelt, „in Tenor unſrer Tage verleben zu duͤrfen. „Meine Geburt, und meine Liebe ſind zwey „Verbrechen, welche auf Dich zuruͤckfallen.. „Alle Herzen, ſelbſt jenes deines Vaters, wuͤr⸗ „den Dir verſchloſſen bleiben. „Meine Worte machen Dich wehmuͤthig; „allein meine Pflicht heiſcht es von mir, nun „fuͤr deine Sicherheit zu wachen. Blos da⸗ „durch entgeht man dem Ungluͤcke, wenn man „ihm vorzubeugen ſucht. „Nein, laͤnger kannſt Du nicht mehr bey „dem Itobar leben. Du mußt izt deinen Va⸗ „ter, oder deinen Gatten verlaſſen. Es iſt ein „hartes Opfer, aber auch nothwendig. Man „duͤrfte nur einmal die Bande entdecken, wel⸗ che uns vereinigen, und es wäre beſſer, dieſe „Grotte wuͤrde noch heute unſer Grab. „Und dann, wie koͤnnen wir noch laͤn⸗ „ger hier leben? Dieſe Fruͤchte haben zwar „meinen Hunger geſtillt, allein ſie vermoͤgen „nicht, die heilſamen Nahrungsmittel Europens „bey mir zu erſetzen. Dieſer immerwaͤhrende „ſchlafloſe Zuſtand, und die Verwirrung mei⸗ „nes Kopfes, beweiſen mir deutlich, daß mei⸗ „ne Geſundheit geſchwaͤcht iſt, und meine Kraͤfte „ſchwinden. „Du kennſt nun die Urſachen meiner „Leiden; oͤffne die Augen an«dem Abgrund, „an dem wir beyde ſchweben, und laß uns „nach Colombo fliehen: von dort kehren wir „dann nach Europa zuruͤck, wo Du einen Va— „ter wieder finden wirſt, in deſſen Augen Lie⸗ „be und Geburt fuͤr kein Verbrechen gelten. „Jeder Augenblick droht uns mit ewiger Tren— „nung. Dieſer Aufenthalt iſt zwar heilig; al⸗ „lein Liebe und Eiferſucht kennen keine Graͤn⸗ „en Nach dieſer Anrede uͤberſtroͤmte ſie Edu⸗ ard mit Liebkoſungen. Er unterhielt ſie den ganzen Tag uͤber von den liebenswuͤrdigen Ge⸗ braͤuchen der Europaͤer, von den Annehmlich⸗ keiten des Lebens, die in Ceylon unbekannt waͤ— ren, von der Macht ihrer Schoͤnheit, von der Dauer ſeine Liebe... Da er ſie nun in ein 15 aufmerkſames Nachdenken verſunken ſah, er⸗ griff er dieſe guͤnſtige Gelegenheit, von ihren Schaͤtzen zu ſprechen: er belehrte ſie, wie man anderwaͤrts gegen Gold, das man bey den Te⸗ nadaren nicht achte, alle erdenkliche Produkte der Welt eintauſche. Zwar war ihr wohl be⸗ kannt, daß die Portugieſen wegen dieſes Me⸗ talls die Meere durchſegelten, und Indoſtan verheerten, allein, daß man ohne ſolches in Europa nicht leben koͤnne, wußte ſie nicht. Was ihr Eduard ſo eben ſagte, vermehrte ihr Erſtau⸗ nen noch mehr. Sie verſprach ihm die ſo ſehn⸗ lichſt gewuͤnſchten Schätze, dachte aber nur mit einem geheimen Schauer an die vorgeſchlagene Flucht, und wiederholte jedesmal den Schwur, ihn nie zu verlaſſen. Eduard, von Schrecken ergriffen, unter⸗ brach ſie. In der Ferne waͤhnte er die ſchnel⸗ len Schritte eines zahlreichen Haufens zu hö⸗ ren. Sie lauſchen aufmerkſam, und konnten wirklich nicht laͤnger zweifeln, daß man ſich ih⸗ rem verborgenen Aufenthalte naͤhere. Stellinens Name erſcholl tauſendmal durch den Wald, und der ganze vereinigte Stamm ſchien in vollem Aufruhr. —— — n. — Eduard, von Bangigkeit auſſer ſich, zog ſich zuruͤck in die Grotte. Stellina, welche die Stimmen ihrer Frauen erkannte, ſuchte ihm durch ein gegebenes Zeichen wieder Muth ein⸗ zufloͤſſen, ergriff ihren Bogen, und eilte ſchnell dahin. Sie erblickt Coſmoe, deſſen widriges Ausſehen ihr zu drohen ſchien, in Begleitung des ganzen Lagers. Unbeſorgt fuͤr ſich, allein um Milford zitternd, harrte ſie am Eingange des Bezirkes, ohne weiter voran zu gehen... Die Weiber und Jaͤger draͤngten ſich um ſie her. Thränen glaͤnzten in aller Augen. Coſinoͤe macht ihr endlich kund, daß Riamir unter dem Pfeile eines Verraͤthers gefallen ſey. 3 An den Ufern des Gardels „fiel er, dort ruht er nun entſeelt. Seine „Krieger verfolgen den Moͤrder, und wir eil⸗ „ten nach der die Ihr Euch den „Tag uͤber gewaͤhlt habt. Wir werden Euch „dem Itobar zuruͤckfuͤhren. Der Moͤrder, deſ⸗ „ſen Arm mit Blut befleckt iſt, irrt durch „dieſe traurigen Thaͤler.. Da er nun den „Anfuͤhrer der Fetans getoͤdet hat, ſo verfolgt „er vielleicht auch Euch, und den Goͤttern ſind „wir fuͤr euer Leben verantwortlich.“ Bey dieſen Worten floſſen ſeine Thraͤnen, die Zeugen ſeines lebhaften Schmerzens. Coſ⸗ moͤe beweinte blos den tapferſten Krieger des Stammes in ſeinem Nebenbuhler. Stellina, als ſie ſich von ihrer erſten Be— ſtuͤrzung erholt hatte, vergoß Thraͤnen uͤber den ungluͤcklichen Riamir; und da ſie die Unruhen ahndete, welche ſein Tod verurſachen duͤrfte, wurde ihre Angſt um Eduard vermehrt. Von tauſend widerſprechenden Gefuͤhlen beſtuͤrmt, wußte ſie nicht, wozu ſie ſich entſchlieſſen ſollte. Allein ihr Zögern, konnte ſelbſt die Gefahren, die ſie befuͤrchtete, herbeyfuͤhren. Sie giebt endlich nach, und folgt ihren Freunden eiligſt, die ſich um ſie her verſammelt hatten. Coſ⸗ moͤe gieng an ihrer Spitze, und ſo zog das Lager geſichert in Tenor ein. Beſtuͤrtzung und Schmerz hatte alle Ge⸗ muͤther erfuͤllt. Mit Blitzes Schnelle verbrei⸗ tete ſich durch alle Huͤtten die traurige Nach⸗ richt. Jede Familie rief, indem ſie den edel⸗ ſten Krieger beweinte, uͤber den Verraͤther den Fluch Bramas. Und der Diener des Bra⸗ ma. freuete ſich in Ruhe ſeines gelunge⸗ nen Mordes, und war nur ungehalten uͤber den 2 ——— feigen Orixa, der die innern Vorwuͤrfe ſeines Gewiſſens nicht erſticken konnte. Der Itobar, ganz in Verzweiflung, hatte laͤngſt die Beleidigungen im Tempel vergeſſen. Einen Hauffen Krieger ſchickte er ſogleich nach dem Gardel, um ſich mit jenen aus Fetan zu ver⸗ einigen, und Stellinens Ruͤckkehr zu beſchleu⸗ nigen. Seine Blicke verweilten nach und nach auf Riamirs Nebenbuhlern. In ſeinem ge⸗ rechten Abſcheu wagte er ſogar, ſie auf den Oberprieſter zu wenden; allein er ſuchte eben ſo ſchnell wieder dieſen ſtraͤflichen Gedanken zu unterdruͤcken. Der Anblick ſeiner Tochter beruhiget ihn einigermaſſen: er umarmt ſie viel zaͤrtlicher, als waͤre ſie ihm durch den Verluſt ſeines Freundes noch theurer geworden, und als muͤß⸗ ten alle ſeine Gefuͤhle nun allein auf ſie hin⸗ ſtroͤmen. Stellina, feſt an den Buſen des Greiſes gepreßt, uͤberhaͤufte ſich mit Vorwuͤr⸗ fen, jemals einen Gedanken an Flucht gehegt zu haben: kindliche Ehrfurcht und Liebe kaͤmpf⸗ ten heftig in ihrem Herzen... Ihr Schwei⸗ gen und ihre Unruhe waͤren zwar zum Arg⸗ wohne ſchon hinreichend geweſen, wenn ein Va⸗ 5 — — 19— ter gegen ſein Kind Verdacht zu ſchoͤpfen im Stande waͤre. Einſam in ihr Gemach zuruͤckgezogen, fand ſie die gute Emora: ungeduldig uͤber ihre lange Abweſenheit jagte eine theilnehmende Frage die andere. Mit Muͤhe nur ertraͤgt Stellina ihre Gegenwart. Ehemals, da ſie ih⸗ re Liebe unter dem Namen Ehrfurcht verſchlei⸗ ern konnte, durfte ſie nicht vor dieſer Liebe er⸗ roͤthen, und der Rath ihrer Mutter konnte zu⸗ weilen ihr Aufwallen maͤſſigen.... Allein izt hat ſie keine Mutter mehr. als Weib eines Europaͤers iſt Tenor nicht mehr ihr Vater⸗ land..... Aller freundſchaftlichen Theilnahme beraubt, muß ſie ſich nun in der Nacht des Verbrechens verkriechen.... Ihre Blicke wen⸗ den ſich von Emora ab, die ihre Leiden zu eh⸗ ren wußte. Coſmoͤe kehrte indeſſen nach den ufern des Gardels zuruͤck, wohin Onemo ihn beglei⸗ tete. Sie boten gemeinſchaftlich fuͤr ihren Ne⸗ benbuhler die edelmuͤthigſte Sorgfalt auf. De⸗ li wollte zwar, daß Orixa ihr Beyſpiel nach⸗ ahmen ſollte; allein ſein Bitten war vergebens: denn er konnte ihm nicht die noͤthigen Kraͤfte einfloͤſſen, ſein Schlachtopfer anzulaͤcheln.— — tiamir hatte an der Bruſt eine Wunde erhalten. Jene ſeiner Freunde, welche Normis nicht mit den Uebrigen verfolgten, bereiteten ihm in groͤßter Eile ein Lager..... Sie flochten entlaubte Aeſte und Reiſer, und bedeckten ſie mit den Gewaͤndern der Bedas. Riamir ruht hier ausgeſtreckt, ſich ganz ergebend, druͤckt er ſeine Hand an den Pfeil, der ihn gluͤhend brennt. Nahe bey ihm liegt ſein Bogen, und ſeine Keu⸗ le...... Vier Krieger mit finſterm Blicke, und zerſtreuten Haaren, erheben ihn langſam.... Der Zug beginnt. Onemo und Coſmoe folgen ihm mit den Tapfern aus Tenor. Das Volk von Fetan hatte ſich an die ufer der Sanga herbeygedraͤngt; Weiber, Kin⸗ der und Greiſe weinten alle laut, und nann⸗ ten dabey mit dumpfer Stimme Riamirs Na⸗ men; mit trocknem Auge ſtarrten die Krieger nach der Bahre. Allein ihre Stellung und Ge⸗ berden ſprachen lauter, als Thraͤnen, und ihr Schweigen war weit fuͤrchterlicher, als das Ge⸗ heul der wilden Ungeheuer. Riamir wird in ſeinem Pallaſte, von wel⸗ chem einige Krieger den herbeyſtroͤmenden Hau⸗ fen abzuhalten ſuchen, niedergeſezt. Der Bra⸗ min, welcher in der Kunſt die Wunden zu hei⸗ len eingeweiht war, kam aus dem Tempel. Bey dem Namen Bramin bebte Riamir zuſam⸗ 1 men, und fuͤhlte wieder ſeine Staͤrke erwa⸗ e chen; ſein ganzes Weſen gerieth in Zuckun⸗ t gen... Gewaltſam hob er ſich in die Hoͤ⸗ * he. Und kaum gelang es noch dem Ein⸗ geweihten, ſeiner Wuth zu entgehen. Dieſe Anſtrengung hatte ihn aber auch voͤllig entkraͤftet, ſchwaͤcher als vorher ſank er wieder zuruͤck, und nur muͤhſam brachte er Stellinens und Ditulans Namen hervor: ſei⸗ ne angeſchwellte Bruſt trieb das Blut zuruͤck, ie es ſchien zu ſtocken, und ſtroͤmt dann uͤber die Caros Polſter herunter. Er reichte Cosmoͤe, der ihm das Haupt unterſtuͤzte, und ſeinen Freunden, welche in . Thraͤnen zerfloſſen, die Hand; ſein halberloſche⸗ ner Blick ſagte ihnen das lezte Lebewohl; als 5 ihn auf einmal die Ankunft des Itobars und ſeiner Tochter wieder neu zu beſeelen ſchien.... Er wendet ſeine Augen gegen den Itobar, druͤckt l⸗ Stellinen die Hand, rief noch einmal ſeine Le⸗ bensgeiſter auf ſeine Lippen zuruͤck, und ſprach muͤhſam dieſe lezten Worte: „Der Streich, der mich traf, drohet auch Euch. u trauet dem Braminen nicht.“ Mit dieſen wenigen Silben ſchwanden ſeine Kraͤfte. Alles Bemuͤhen ſeiner Freunde war vergebens... Er wies ſie zuruͤck, und ein Schauer ergriff ihn bey dem Nahen des Todes; laͤnger konnte er den brennenden Schmerz nicht ertragen, der ſeine Bruſt zuſammenpreßte, er riß den Pfeil heraus, und ſein Geiſt floh dahin..... Ver⸗ giftet war der Pfeil geweſen.. Stellina und Ditulan entfernten ſich. Coſmoͤe, uͤberraſcht von Allem, was er hier ver— nahm, gieng ein fuͤrchterliches Licht auf..... Durch Thraͤnen und Seufzer oͤffnete er ſeinem Schmerz einen freyern Lauf... Der entſeelte Leichnam wurde den folgen⸗ den Tag unter dem Eingange des Pallaſtes aus⸗ geſezt. Alle Maͤnner von den Ufern der San⸗ ga kamen hieher, um die Zuͤge des Tapfern zum leztenmale anzuſtaunen. Der Holzſtoß erhob ſich auf der Mitte des Platzes. Bey dem Untergange der Sonne verſammelte ſich hier alles Volk. Man hoͤrte nicht das dumpfe Getoͤſe, welches bey groſſen Ver⸗ ſammlungen gewoͤhnlich iſt.... Die Stille, eine Gefaͤhrtin des Todes hatte ihren bleiernen Seepter uͤber Fetan ausgeſtreckt. Nun naͤherte man ſich mit Riamir ſei— nem Leichenbette. Seine Krieger zogen voran, und um ihn her ſeine Verwandten... Man bringt ihn auf den Holzſtoß, wo ihn die Flam⸗ men verzehren... Bey den Tenadaren iſt es nicht Sitte, die Toden zu beerdigen; ſie wiſſen zu gut, daß ſie ſolche hiedurch nur dem Schooſe der Verwe⸗ ſung, und dem Raube der Inſekten uͤbergeben wuͤrden. Sie goͤnnen den feiner geſitteten Voͤlkern gerne dieſen Gebrauch.... Das rein⸗ ſte aller Elemente, das Feuer, verzehrt ihre ehr⸗ wuͤrdigſten Ueberreſte..... Die Aſche wird von der zitternden Hand der Wittwe, oder des Soh⸗ nes geſammelt,. welche in einer einfachen Urne unter dem Dache oder Gewoͤlbe des Tem⸗ pels aufbewahrt wird. Nach langen Jahren richtet ſich dann hier ein freundſchaftlicher Blick nach dem Helden, Vater, oder Gatten, zollt ih⸗ nen eine Thraͤne der Liebe, und ihr Andenken erhaͤlt ſich unausloͤſchlich bey den nachfolgenden Generationen. Riamir hatte nur noch einen Bruder, wel⸗ cher vergebens Orixas Vertrauten zu verfolgen ſucht.— Sidras, ſein naͤchſter Verwandter, traͤgt daher die Urne von Ebenholz. Nachdem er ſie zweymal gekuͤßt hat, begiebt er ſich mit den An⸗ fuͤhrern zuruͤck, und ſezt die Aſche ſeines Freun⸗ des in dem Pallaſte jener ſeiner Voreltern bey. Auf dieſe Weiſe pflegten die Inſulaner ihre Begraͤbnißfeyer zu begehen. Moͤgte mir einſt eine gleiche Ehre zu Theil werden!... Ja! ich fuͤhle mich gedrungen, die Wilden aus Tenor um ihre lezte Stunde zu beneiden! Taͤg⸗ lich ſehe ich leider durch gedungne Maͤnner un— ter froͤhlichem Laͤcheln meine Freunde auf der Bahr dahin tragen. Keine Verwandten umge⸗ ben ſie, eine Thranen, e kein Schmerz. O! unverzeihliche Schande fuͤr ein ehemals ſo empfindſames Volk!. 0O ſtraͤfliche Nachlaͤſſigkeit der Geſetze!.. Ge⸗ ben wir uns izt noch die Muͤhe, unſre Leichen zu beerdigen, ſo geſchieht es blos, um ſie un⸗ ſerm Blicke zu entziehen. Kalt und einſam iſt ihre Begleitung: unſre Haͤnde haben verlernt, Blumen auf die Graͤber zu ſtreuen; und un⸗ geachtet der ſittenverderbliche Aufwand die Wohl⸗ — 25— geruͤche aller Art taͤglich mehr in Aufnahme bringt, ſo vergeſſen wir dabey doch den Schat— ten unſrer Gattinnen und Väter davon zu opfern.*) Darf man wohl der Freyheit dieſes La— ſter einer ganzen Nation zuſchreiben?— NRein! gewiß nicht. Die Freyheit heiſcht Sitten; al— lein der Durſt nach Reichthuͤmern giebt dem Verderbniſſe Nahrung, und die Selbſtliebe be— darf Sittenloſigkeit, ſo folgen dann nicht ſelten den abgelegten Vorurtheilen noch weit ſchänd⸗ lichere nach.. Die Nacht war finſter, und nur noch ſchwach flimmerte der Holzſtoß. Im Zirkel um⸗ her ſaſſen Riamirs Freunde, und unterhielten ſich von ihrem Verluſte.... Theuer war ih⸗ *) Der Verfaſſer hat, während er die Stelle als Mini⸗ ſter des Innern bekleidete, das National⸗Inſtitut auf die Leichenbegängniſſe aufmerkſam gemacht; dabey den Wunſch geäuſſert, daß ſie künftig mit mehr Anſtand begangen werden möchten, und daſſelbe eingeladen, folgende Frage vorzulegen: welche Gebräuche ſind bey den Leichenbegängniſſen, und was iſt in Anſehung der Begrähnißorte ſelbſt zu heobachten? Anmerk. des Ueberſ. nen ihr Schmerz, und weit entfernt, den Ge⸗s„ genſtand deſſelben zu fliehen, ſtarrten ihre Au⸗ zen nach dem beynahe ſchon erloſchnen Feuer hin.— Der Tag ſieng bereits an zu grauen, als ſie ſich trennten. Coſmoͤe wiederholte den Schwur der Krieger, und alle betheuerten, nicht eher zu ruhen, bis der Moͤrder, der durch ſeine Gegenwart die Erde von Ceylon verunreinigte, nicht mehr ſeyn wuͤrde. —— .— —————— c Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stellina. ———— Siebendes Buch. Die Flucht. Auf ſie geſtüzt geht er einher. Das ſtuͤrmiſche Annaͤhern des Lagers in die Gegend der Grotte hatte Milford nicht wenig beſtuͤrzt. Mit jedem Augenblicke glaubt er, die Wilden vor ſich zu ſehen, und vergebens ſchweift ſein unruhiger Blick nach einem gufluchtsorte umher, der ihn ihrer Wuth entziehen koͤnnte. Seine Gattin, welche ſelbſt in jener Augen ſtrafbar iſt, wird nichts zu ſeiner Vertheidi⸗ gung vermoͤgen. — 28— Sein ganzes Weſen war ſo lebhaft mit dieſer Furcht erfuͤllt, daß er erſt lange nach dem Ruͤckzuge der Inſulaner die herrſchende Stille um ſich her wieder bemerkte. Befreyet endlich von dieſer nahen Gefahr, wurde er allmaͤhlig beru⸗ higter, und konnte ſeine Gedanken mit dem, was ihm noch drohte, beſchaͤftigen.— Viel⸗ leicht kehrt die Indianerin nicht wieder zuruͤck. Jeder ihrer Schritte wird mißtrauiſch beobach— tet werden. Dieſer Haufen, welcher ſie eben mit ſich fortzog, beweist, daß man Argwohn gegen ſie geſchoͤpft hat. Die Fackel der Eifer⸗ ſucht hat ſich zuverlaͤſſig bey einem ihrer Lieb— haber entzuͤndet... Bhre ununterbrochene Gewohnheit, dieſen Aufenthalt täglich zu beſu⸗ chen, mußte auffallen, und man verſucht nun die Urſache zu ergruͤnden..... Noch ehe der Tag ſich endet, koͤnnten ihn die Flammen ver⸗ 53 zehren. ——— Er ſtand auf, und verfolgt von den Schreckbildern, welche er ſich ſelbſt ſchuf, wollte er ſchon in dem naͤmlichen Augenblicke ſich ei⸗ nen ſichern Aufenthalt erſpaͤhen; allein ſeine Habſucht beſiegte die Furcht. Wenn Stel⸗ lina mit Schaͤtzen beladen inder Nacht ankaͤme! Dieſer Gedanke haͤlt ihn zu⸗ ruͤck, und verſchiebt noch die Ausfuͤhrung ſeines Vorhabens. Die ganze Nacht durchwachte er unter Furcht und Hoffnung. In Tenor war man nicht minder unruhig. Der Oberprieſter, auf welchem aller Verdacht ruhte, bot nun Alles auf, die Spuren ſeines Verbrechens zu vertil⸗ gen. Die Maͤnner der Sanga, in mehrern Haufen vertheilt, verfolgten noch immer Nor⸗ mis. Calitur, Riamirs Bruder, der kaum aus den Kinderjahren hervorgetreten war, fuͤhrte den betraͤchtlichſten davon an, und ſuchte ſie mit ſeiner graͤnzenloſen Wuth zu entflammen: er wollte die Thaͤler des Argias und das Ufer von Colombo durchziehen. Im Gewuͤhle dieſer Unruhen konnte ſich Stellina nicht entfernen. Sie waͤhnte Eduard vor allen Gefahren in Sicherheit. Schon hatte ſich die dritte Racht genaht, und Eduard wollte fliehen; allein er verſchob es jedesmal auf den andern Morgen. Eben endigte er ſein Abendmahl, als der Schall meh⸗ rerer Hoͤrner ganz nahe bey ihm wiederhallte, und zugleich alle Schrecken in ihm zuruͤck⸗ rief.. Es war der alte Talahor, der grim⸗ migſte der Schmiede aus Fetan, welcher in Be— gleitung einiger ſeiner Freunde mißmuthig uͤber ſein vergebliches Nachſuchen hier ankam.. Talahor, mit Riamirs Dolch und Keule be⸗ waffnet, bewies, daß er ſie zu fuͤhren verſtand. Er haͤlt vor der Grotte ſtill, deutet mit ſei⸗ nem verwegenen Arme nach ihr hin, und ſucht durch folgende Anrede die Seinigen zu einem Einfalle anzufeuern. „Ein Europaͤer wuͤrde nie den Muth „gehabt haben, in unſern Waͤldern auf den „Fruchtbarſten unſrer Krieger zu lauſchen. Wie „konnte er wiſſen, daß er dieſen Morgen durch „das Gehoͤlz des Gardels kommen wuͤr⸗ „de?.„ Freunde, zweifelt nicht laͤnger, die „Hand eines Tenadaren hat dieſen Pfeil abge⸗ „druͤckt, und die Braminen verſuchen nicht ohne „Grund, uns zu uͤberfuͤhren, der Verraͤther „waͤre aus Colombo hieher gekommen... „Ihr habt doch nicht das Opfer, und jenen „Tag, an welchem der Name des neuen Ito⸗ „bars durch das Gewoͤlbe des Tempels wieder⸗ N— X — 31— „hallen ſollte, vergeſſen 7.. Calitur ver⸗ „folgt den Moͤrder auf dem portugieſiſchen Bo⸗ „den; und vielleicht lacht er, in unſern Waͤl⸗ „dern verborgen, uͤber ſeine Nachſuchungen, „vielleicht rechnet er auch auf unſere Ehrfurcht „vor dieſem Aufenthalt, und lebt hier indeſ— „ſen ſicher. Dieſer Ort iſt nicht weit von dem „Gardel entlegen, und noch der einzige, welcher „unſern forſchenden Blicken entgieng.. „Folgt mir, Freunde, keine Freyſtätte darf den „Mann aus dem Stamme unſerm Haſſe ent— „ziehen... Befaͤnde er ſich auch ſelbſt un⸗ „ter der Bildſäule des Brama, er muß ſter⸗ „ben Dieſe drohenden Worte verſezten des Eu⸗ ropaͤers ganzes Weſen in Erſtarren. Er ſuchte vergebens nach einem Steine, um den Eingang ſeines Aufenthaltes zu verſperren..... In den dunkelſten Winkel zuruͤckgezogen, waͤhnt er ſchon den Dolch in ſeiner Bruſt zu fuͤhlen. Der alte Cyklop war inzwiſchen vorange⸗ ſchritten, er erſtaunte aber, als er ſeine Gefaͤhr— ten unbeweglich zuruͤckbleiben ſah. Sidras, Be⸗ zel, Wiperon verwieſen ihm ſeine gottesſchaͤnde⸗ riſche Kuͤhnheit.„Wenn ſich die Tochter des — ———— „Itobars in der Grotte befaͤnde, was haͤtteſt „du wohl fuͤr eine Entſchuldigung“? Dieſe wenigen Worte reichten hin; und die Volksmei⸗ nung hielt Talahors Freunde entfernt,.. die Volksmeinung, ſtaͤrker, als eherne Pforten. Nichts vermochte auf aͤhnliche Weiſe ein ganzes Volk, welches durch den erſten Freyheits⸗ taumel berauſcht, nach dem praͤchtigen Garten ſeines lezten Koͤnigs hinſtroͤmte, zuruͤckzuhal⸗ ten... Ploͤtzlich erſcheint ſein Magiſtrat, umgiebt den Pallaſt mit einem dreyfarbigen Bande, das kaum dem leiſen Zephir widerſte⸗ hen konnte: allein die Zaubergewalt der Mei⸗ nung ſchaft dieſes ſchwache Band zu unuͤber⸗ ſteiglichen Schranken..... Dieſer Faden haͤlt ſtaͤrker, als Wachen und Waͤlle die ſtuͤrmenden Wogen auf. Eduard horcht auf, erhebt ſich, und traut kaum dem Gluͤck, welches ihn dem Tode ent⸗ rieß. Er verzichtet auf alle ſeine Hoffnungen, verlaͤßt die Grotte, und eit tief in den Wald. Zwar bedauert er den Verluſt des Goldes, welches ihm ſeine Gattin verſprochen hatte; allein er fuͤhlt ſich izt durch das Tageslicht ſchon geaͤngſtigt, welches ihn den Augen der Wilden preis giebt. Bekannt Bekannt war es ihm, daß ſich der Gab⸗ del Fluß nahe bey Colombo in dus Meer er— gieſſe, er folgte daher in groͤßter Eile ſeinem Laufe. Der Unbedachtſame waͤhnt, alles ruhe izt in der tiefen Finſterniß um ihn her; er wußte nicht, daß die Rache nie ſchläft. Traurig ſchritt der junge Calitur uͤber die Ebene einher. Hinter ihm lag der Berg Ar⸗ gias, er gieng ſtill in ſich gekehrt, und in Hoff⸗ nung, noch den lezten Seufzer ſeines Bruders erhaſchen zu koͤnnen, immer weiter voran. Auf einmal waͤhnt er auf der andern Seite des Ufers unſichre Tritte uͤber die Kieſel rauſchen zu hoͤren.. WMit ſeiner Hand gicbt er ein Zei⸗ chen, und die Krieger halten ihre Schritte ein. Die wilden Thiere pflegen doch zu dieſer Stun⸗ de in ihren Hoͤhlen zu ruhen. Indeſſen ver⸗ mehrte ſich das Getoͤs.— Er naͤhert ſich ganz allein dem Ufer.. ſtreckt ſeinen Kopf uͤber das Gebüſch empor, als wollte er den finſtern Schleier, der uͤber die Natur ausgebreitet war, durchſchauen. Ein rothes Gewand ſcheint er zu bemerken.— Aus Furcht, dieſer theuere Gegenſtand moͤgte ihm entgehen, ſpannt er ſti— nen Bogen, ohne weiter darnach zu ſchauen, buͤckt 2 3 ſich bis zum Fluſſe hinunter, druͤckt dann den Pfeil ab, und verfolgte ihn mit unruhigem Blicke. Eduard ſchleppte ſich aͤuſſerſt ermuͤdet an dieſen ihm unbekannten Ufern fort. Ohne es zu bemerken, kam er dem Schuſſe entgegen, der ihn in den Arm verwundete, und einen lauten Schrei erpreßte.. Calitur erkannte ſogleich die Stimme des Europaers... Er antwortete dieſem Schreie, der ihm weit verhaßter war, als jener des Tie⸗ gers, durch ein fuͤrchterliches Gebruͤll, warf ſich in die Fluthen, bekaͤmpfte ſie, und ſtuͤrzte ſich auf das jenſeitige Ufer... Allein er hoͤrt und erblickt nichts mehr. Er verlor waͤhrend dem Schwimmen den unſi—⸗ chern Schatten. Seine Freunde ſchoſſen eine Wolke vergeblicher Pfeile auf das Ungefaͤhr durch die Luͤfte. Da ſie nun nicht mehr zwei⸗ felten, daß ihre Beute gegen Colombo ſey, kehr⸗ ten alle wieder auf ihrem Wege zuruͤck, dehn⸗ ten ſich der Laͤnge nach an den Ufern des Gar⸗ dels aus, und verfolgten alle ſeine Kruͤmmun⸗ gen. . n 8 2. Milford hatte kaum noch einige Schritte gemacht, als er auf die Erde miederſank, wo er vor Schwaͤche unbeweglich liegen blieb.— Die finſtre Nacht entzog ihn jedem Blicke, und das Blut floß aus ſeiner Wunde. Fetans Krieger fanden ſich endlich, durch ihre blinde Wuth fortgetrieben, an dem Fuſſe des Berges Argias wieder, wo ſie ſich vereinig— ten, und um ihren Anfuͤhrer herdraͤngten. „Der Verraͤther, ſprach er zu ihnen, iſt „uns entkommen, und empfaͤngt nun ſeinen „Lohn fuͤr den Mord meines Bruders in Co⸗ „lombo „Bey unſerer Ruͤckkehr werden wir ihn „mit dem Tode ringend finden. Er wird uns „fragen, ob er geraͤcht ſey. Was koͤnnen „wir ihm antworten?.. „Nein, kehre nach Fetan zuruͤck, wer da im⸗ „mer will, ich bleibe und irre umher, um Schlacht⸗ „opfer auszuſpaͤhen.. Die erſte Feſtung un— „ſerer Feinde liegt auf dieſem Berge.... „Ihre Vorpoſten ſtehen naͤchſt bey uns... „Ich will mich in ihrem Blute baden, um „nicht ehrlos nach den Ufern der Sanga zu— „ruͤckzukehren.. Die Finſterniß, welche „uns ſo eben verrieth, wird uns nun beguͤnſti⸗ „gen. Der Jtobar, durch Alter niedergebeugt, „erhält uns in einem ſchaͤndlichen Frieden. Die „Streiche, welche wir izt verſetzen, ſollen die „Loſung zum Kriege ſeyn..... Auf den Rui „nen von Corli“) wollen wir unſern Moͤr⸗ „der ſchlachten; und giengen wir auch dabey „zu Grunde, ſo wird ſich unſre Aſche wenig⸗ en mit jener unſrer Voreltern vereinigen, „welche ſie auf der Ebene von Malvana**) „zerſtreuten.“ Die Kriger waren alle geruͤhrt, als ver⸗ nähmen ſie wirklich die Stimme Riamirs: dieß ſind ſeine eignen fuͤrchterlichen Ausdruͤcke, und ſeine wilden Blicke. Alle wollen nun ihrem jungen Anfuͤhrer folgen; er mußte einen erwaͤh⸗ ——————————— *) Corli war ein beträchtliches Dorf bey Colombo, wel⸗ ches die Portugieſen in dem Augenblicke, wo ſie es erobe rten, in Flammen ſteckten. *) Nachdem ſie ſich durch Verrätherey von Colombo Meiſier gemacht hatten, wurden die Portugieſen in der Ebene von Malvana nächſt Corli angegriffen, ſie machten aber in dieſem Treffen mehr als Drey⸗ tauſend Indianer nieder. Beſturzt uͤber die len, welcher bey dem Stamme Lärm verbreiten ſollte.— Hakmar traf die Wahl. Mit Muͤhe gehorcht er, und in wenigen Augenblicken war er in Tenor. Der J befand ſich bey Stellinen. Trauer, welche die Tage ſei⸗ nes einzigen ihm noch uͤbrigen Kindes truͤbte, und welche er nicht zu ergruͤnden im Stande war, verſuchte er alles, um ihren Schmerz zu lindern.— Man meldet ihm einen Boten. Die ungewoͤhnliche Stunde ließ ihn im minde— ſten nicht zweifeli ſeine Botſchaft muͤßte von Wichtig keit ſeyn; er zoͤgerte daher nicht, ihn zu empfangen. Hakmar wird eingefuͤhrt. Er erzaͤhlt ihm das Zuſammentreffen mit dem Portugieſen, ſei⸗ ne Verwundung, ſeine Flucht, und Caliturs Vorhaben.„Die Feinde wollen vielleicht zer— „ſtreut in dem Gebuͤrge einen neuen Angriff „„wagen; vielleicht ruͤcken ſie in der Finſterniß „an,“ ſezte er noch hinzu. Mit Vergnuͤgen vernimmt der Itobar, daß ein Europäer Riamirs Moͤrder ſey.— Der Verdacht, welchen er gegen den Brami⸗ nen geſchoͤpft hatte, erfuͤllte ihn izt mit Entſe— tzen, und ließ ihn fuͤrchterliches Ungluͤck ah— nen. Weniger ſchreckbar ſchien ihm ſelbſt der Krieg.— Zwar entſinnt er ſich noch der lez⸗ ten Worte des gefallenen Riamirs; allein er hielt es fuͤr die Beſchuldigung eines Menſchen, welchen der Gebrauch ſeiner Vernunft verlaſſen hatte. Er ſchickte Hakmar ſogleich nach Fetan zu ſeinen Gefahrten, um ihnen Aufſchluß zu ertheilen, und wieder Vertrauen einzufloͤſſen. Zehn junge Krieger, welche man Horas nannte, bewachten unaufhoͤrlich den Pallaſt. Ditulan berief ſie zu ſich. Einige erhielten den Befehl, die Feuer auf dem Huͤgel anzuͤnden zu laſſen, und die uͤbrigen ſchritten vor dem Ito⸗ bar her, welcher ſich nach dem Tempel erhob. Er wollte, um das drohende Ungewitter zu ver⸗ ſcheuchen, den Oberprieſter und die Goͤtter zu Rathe ziehen. Stellina konnte ſich nun einſam und al— lein den Gefuͤhlen, mch' ſich aus ihrer Seele draͤngten, ungeſtoͤrt uverle ſſen..... Waͤhrend Hakmars Erzahlung wunden ihre Lippen bleich, und ein kalter Schweiß ſtand auf ihrer Stirne. Ein Portugieſe verwundet!..... Ein rothes „ Gewand! Ein kläglicher Schrey!... Alles dieſes vereinigt, uͤberzeugte ſie nur zu ge⸗ wiß, daß es ihr Gatte ſey. Iſt er unter dem Pfeile geſunken, ſo wird ihn der Tag den Krie⸗ gern der Sanga uͤberliefern. Hat er wirklich fliehen koͤnnen: ſo iſt er auf ewig von ihr ge⸗ trennt.„ Haͤuffige Thraͤnen floſſen uͤber ihre Wan⸗ gen..„ Sie zuͤrnt auf dieſe Thraͤnen, und fuͤhlt ſich von einem maͤchtigen Gefuͤhle durch⸗ drungen, welches ſie uͤber ihr Geſchlecht erhebt. Sie iſt entſchloſſen ihren Gatten zu retten, oder ſelbſt zu fallen, indem ſie ihn vertheidiget. Alle ihre Empfindungen ſtroͤmten nun auf ihre Liebe uͤber: Vater, Leben und Ehre wa⸗ ren izt fuͤr ihren Geiſt nur ſchwache Hinder⸗ niſſe, gleich dem Strome, welcher das Schilf entwurzelt, hin und her wiegt, und dann mit ſich fortreißt. Alle Augenblicke ſind ihr koſt⸗ Der groſſe Stein des Tempels hat⸗ te bereits die neunte Stunde geſchlagen.. Bewaffnet huͤllt ſie ſich in eine grobe Decke, und flieht nach den Ufern des Gardels. Nachdem ſie dem Fluſſe einige Zeit folg⸗ te, befand ſie ſich in einem engen Thale, das 3 er durchſchnkt, mund deſſen Boden ſteinigt und unfruchtbar war. Hakmar hatte in ſeiner Et⸗ zaͤhlung diefen Ort genannt... Sie trit an das entgegengeſezte Ufer, haͤlt in ihrem Laufe inne, und ſchweift mit ihren Blicken vergeblich umher.„ Kein Schihmer unterbrach das traurige Einfoͤrmige dieſer Nacht. Sie fühlt ſich gleichwohl durch einen un⸗ erwarteten Muth geſtaͤrkt. Befindet er ſich an dieſem Geſtade, ſo konnte ihm ihr Ruf die Na⸗ he ſeiner Gattin verkuͤndigen.. Allein ihr Schreyen könnte ſie auch leicht einigen Inſula⸗ nern verrathen.„. Dieſe Idee war nicht ähig, ſie zurſckzuhalten. Sie erholte ſich von neuem, rieß mit durchdringender Stimme Edu⸗ ards Namen durch die Thaͤler, und wiederholte oft ihren Ruf. ₰ Der junge Y tenſch pell wieder ſein Be⸗ wußtſehn cihalte n: der Schmerz war weniger heftig, und er hatte wieder ſo viele Kraͤfte ge⸗ rit t, um ſich aufrichten zu koͤnnen. Ganz in Veérzweiflung verſunken, unw iſt end, wohin er ſeine Shhlic lenken ſollte, war er entſchloſſen, Tode entgegen zu harren. Bey dem erſten Lau⸗ te ſeines Namens, welcher durch die Echo wie⸗ derhallte, erſchrickt er, haͤlt inne, und lauſcht aufinerkſam.. Da er aber von neuem durch die Luͤfte erſcholl, und ſich oͤfters wieder⸗ holte„„ Dieß iſt. er konnte nicht mehr zweifeln dieß iſt Stellinens Stimme. „ So in das Leben zuruͤckgeruffen, achtet er ſeine Schmerzen nicht mehr. Er nahet ſich,.. ruft ſeiner Gattin zu,„hoͤrt ſie, ruft ihr wieder, und fuͤhlt ſich endlich en gedruckt.— Nichts, als ſeine Wunde beſchaͤſtiget ſie nun, die ſie mit ihren Thraͤnen benezt; ſie zerreißt einen Theil ihres Gewandes, verbindet ihm den Arm, verſucht das Blut zu ſtillen, und ihren Freund zu be⸗ rühigen. Der Schuß hatte blos die obere Haut verlezt. an ihren Buſen 3 „Komm! ſprach ſie, ich will deine Fuͤh⸗ „rerin, und deine Stuͤtze ſeyn. Wir koͤnnen „unmoͤglich dieſem Weg laͤnger folgen. Man „vermuthet, du ſeyeſt gegen Colombo geflohen. „Die Feuer, welche von allen Seiten auflo⸗ „dern, verkuͤnden den Aufſtand des Stammes.— „Dieſe Ufer werden bald von wüthenden Fein⸗ ———— „den uͤberſchwemmt ſeyn.— Wir koͤnnen blos „noch in dem Gebirge unſer Heil ſuchen.— „Der Berg Adam gewaͤhrt uns einen ſichern „Aufenchalt. Seine Thaͤler ſind oͤde. Halten „wir uns den Tag uͤber da verborgen, und in „der Nacht koͤnnen wir dann, wenn wir den „Berg Argias zwiſchen uns und unſern Fein⸗ „den laſſen, die Graͤnzen von Colombo errei⸗ Komme! mein Eduard: zwar biſt du „ohne Waffen, allein Pfeile ſollen dich „ſchuͤtzen“. Stellina nähert ihre gluͤhenden Wangen den Lippen des zaͤrtlich bewegten Eduards, wel⸗ cher auf ſie geſtuͤtzt einhergeht. Sie durchkreuzen die Felder von Suffre⸗ gam, das Gehoͤlz von Corvitt, erklimmern mit Anbruch des Tages die unzähligen Huͤgel des Openaca, und befinden ſich einige Stunden nach Sonnenaufgang am Fuſſe des Berges Der Itobar befand ſich zu dieſer Zeit noch in dem Tempel verſchloſſen: durch Gewohnheit unterjocht, war er nicht im Stande, ſich ſelbſt zu leiten. Er fuͤhlte wohl, daß die blinde Wuth von Riamirs Bruder den Frieden brechen wuͤr— de; gleichwohl haͤtte er nicht gewagt, ihn zu⸗ —— 8— —— ruͤckzurufen. Allein der Oberprieſter fuͤrchtete einen unvorgeſehenen Angriff.„. In der Ueberredungskunſt geuͤbt, ſucht er durch folgen⸗ de Rede den langſamen Alten zu beſtimmen. „Das Schickſal von Tenor hienge alſo „von einem Juͤnglinge ab?. Und mor⸗ „gen wuͤrden wir uns in einen neuen Krieg „vexwickelt ſehen? Sind wir dazu geruͤſtet? „Was duͤrfen wir hoffen? Wuͤrden wir mit „unſern Keulen ihre Feſtungen erſtuͤrmen, und „mit unſern Pfeilen den Ausbruch ihres Bli— „tes hemmen koͤnnen?„ Habt Ihr ver⸗ „geſſen, daß der Itobar von Candyen den Un⸗ „tergang dieſer furchtbaren Tyrannen heimlich „bereitet?.„ Ein anders Volk jenſeits der „Meere*) hat ſich bereits in der Bay von „Trinquemale niedergelaſſen. Dieſes Volk ſteht „mit dem Radaſinga**) in freundſchaftlicher *) Die Holländer, welche ſich dem Könige von Candyen erboten, die Portugieſen in der Abſicht zu vertreiben, um ihn in ihre Stelle zu ſetzen, hatten ſich mit ſei⸗ ner Bewilligung in der Bay von Dos⸗ Artos oder Trinquemale niedergelaſſen. **) Der Radaſinga iſt das Oberhaupt der Braminen in Cey⸗ lon, und hält ſich bey dem Könige von Candyen auf. 6 .* 3 5* 9 „Verbindung. Es verabſcheut unſere Unterdruͤ⸗ „cker, und hat ſich erboten, ſie aus Colombo „zu vertreiben. In wenigen Tagen ſollen ſich „die Stamme von Mature, Tafana und Pa⸗ „tan in Candyen vereinigen, um mit den Hol⸗ „ländern einen unverbruͤchlichen Frieden zu be⸗ „ſchwören. Ihr habt in euerm Namen den „weſſen Onemo dahin zu ſenden beſtimmt. „Schiffe mit Feuergewehren beladen, Regen „ſchon am Geſtade von Dos⸗ Arcos, u nd Ihr „wuͤrdet nun blos aus Schwäche, ehe noch die „Loſung gegeben iſt, den Angriff beginner „Fuͤrſt, man muͤß uͤnſern Feinden eine lange „Ruhe und volle Sicherheit gönnen! „Dann treffen wir ſie um ſo ger wiſſer, raͤchen „den tapfern Riamir, und ihr kehrt nach Co⸗ „lombo, dem Lande eurer Voreltern zuruͤck.“ Ditulan war izt nicht langer unentſchloſ— ſen. Er befiehlt einem Hoas, dem Werkz euge ſeines Wille gen Mannes fuͤrchtéte, vertraute dem Anfuͤhrer Onemo die 4Gbr ihn zuruͤck uführen, und ſei⸗ ner Wuth Schranken zu ſetzen. Der Hoas und Onemo verlieſſen Tenor. Der Itobar ſchickte auf allen Seiten Krieger — —— — .—— umher, um die Wälder bis an die Ruinen von Corli zu e und alle Bewegungen der Portugieſen genau zu beobachten. Dieſe lärmenden Haufen bevoͤlkerten bald die Wälder des Argras und Galkiſſe am Ufer des Meeres: allein zur Rechten waren Eduard und Stellina bis in des Innere der Inſel ge⸗ drungen. Sie ſaſſen bereits gegen ihre eigne Erwartung auf dem Huͤgel von Movea, wo der Paradigg*) und der Jombos ihre nahr⸗ haften Fruͤchte darbieten. In der Mitte dieſer niedern Baͤume der Vellas und der Jak die gruͤnen Stachelhaͤupter empor: andere Baͤu⸗ me trugen Aepfel, Safte und Geſchma⸗ cke nach der Ananas aͤhnlich. Der untere Bu nen beſchattet, welchen man vor allen uͤbri⸗ gen zu Verfertigung des Caroszeuges den Vor⸗ — *) Der Paradigg hat den Geſchmack unſrer Birnen.— Der Jombos iſt unſern Aepfeln ähnlich; ſeine Farbe iſt weiß und roth, die man für gemahlt hält.— Die Frucht des Jack gleicht unſerm Kohl, und man genießt ſie ungekocht: es giebt deren, welche die Gröſſe eines achtpfündigen Brodes haben. Der Saamen iſt ſeinem Geſchmacke nach den Kaſtanien ähnlich. zug giebt.— Der Schnee, welcher die niedern Gipfel des Berges bedeckt, ſchmolz in den Sonnenſtralen, und ſchlaͤngelte ſich durch tau⸗ ſend kleine Rinnen den Abhang des Huͤgels bis zum Strome in die Tiefe des Thales her— ab, wo er ſich mit dieſem vereinigte. Die junge Indianerin bereitete augen⸗ bliklich das Mahl. Eduard genoß aus ihren Haͤnden den Feldapfel, der ihm bisher noch unbekannt war, und ſog ſeinen koͤſtlichen Saft ein. Die Schmerzen an ſeinem Arme hatten ſich zwar gelindert; allein das Holz von dem Pfeile hemmte noch alle ſeine Bewegungen. Stellina ſucht die breitblaͤttrigte, glaͤnzende und ſpitzige Eller,*) welche an den Baͤchen waͤchſt, und deren balſamiſche Kraͤfte ſie oft bewundert hatte. Freudig zeigte ſie ihrem Freunde die heilſame Pflanze, und loͤſte das blutige Tuch auf; ſie fuͤhlte, daß der Pfeil unter ihren Fingern ſich bewegte, und zog ihn ſchnell heraus...... Eduard ſchrie, allein der Schmerz war mit dem Zuge verſchwunden. Er druͤckte dankbar die *) Eine heilſame Pflanze für die Wunden. Hand, welche ihm Linderung verſchafte, und blickte mit einem gefuͤhlvollen Auge ſeine Gat⸗ tin an... Nachdem ſie zwey Ellerblätter auf ſeine Wunde gelegt hatte, verſprach ſie ihm nun eine baldige Geneſung. Dieſer Aufenthalt war indeſſen zu unſi⸗ cher, um hier die Nacht erwarten zu duͤrfen. Man erblickte in der Ferne Tenor, welches uͤber die Waͤlder hervorragte, und den Gardel, welcher ſie durchkreuzte, und abwechſelnd ſich zuweilen uͤber die Ebene ergoß. Um nun vor den Streifereien und dem Ausſpaͤhen der Be⸗ das ſicher ruhen zu koͤnnen, mußte man den Berg von der Nordſeite umgehen, um ſich durch eine Menge enger Thaͤler, welche die Abhaͤnge der Huͤgel bildeten, unzahligemal winden. Stel⸗ lina floͤßte dem jungen Menſchen Muth ein, und ſuchte ſeine Kraͤfte zu den neuen Beſchwer— den, welche ſich bis zur Mitte des Tages ver⸗ laͤngern duͤrften, zu beleben. Endlich kamen ſie in dem Thale des Ganar an, welchen man die Schulter des Berges nennt, weil deſſen Spitze auf ihm zu ruhen ſcheint. Die Winde brauſen unaufhoͤr⸗ lich durch dieſes Thal: die ihn umgebenden Eis⸗ waͤlle ſenken ſich nur gegen die Thaͤler zu et⸗ was herab; der Valgam- See iſt ganz mit die⸗ ſer Eismaſſe bedeckt, und ohne das Rauſchen des Mawelongne Fluſſes“), der in der Mitte deſſelben entſpringt, ſich gegen die mittägige Seite hin in einem Waſſerfalle herabſtuͤrzt, und ſeinen majeſtätiſchen Lauf bis in den Meer⸗ uſen von Trinquemale fortſezt, wo er ſeine Fluthen mit dem Oceane vereinigt, wuͤßte man 6 einmal, auf welcher Seite er ſich befaͤnde. In der Ebene, welche ſich längſt des S hin ausdehnte, erblickte man den Raſen. Neu belebt durch die Sonnenſtralen, erhob ſich das Gras wieder; allein der Raſen war gelb und welk!— Wenn das Eis des Alters uns niederbeugt, und die Wolluſt noch unſere lezten Tage zu bezaubern verſuchen will: ſo ſin⸗ det ſie weder das naͤmliche Feuer in unſrer Seele, noch die Jugendfarbe auf unſern Zugen. Erſtaunt uͤber ihr Unvermoͤgen ſchaukelt ſie uns hin und her, und unſte abgeſtumpften Sinnen vermoͤgen kaum noch den voruͤbereilenden Schat⸗ ten *) Der Mawelongue Fluß, welcher von dem Berge Adam herabſtrömt, iſt der beträchtlichſte der Inſel. — 43— ten zu erhaſchen.— Die Geſetze der Jahrs⸗ zeiten ſind unveraͤnderlich.— O Ihr! die ihr noch in dem Lenze eurer Jahre ſeyd, das Le⸗ ben iſt nichts, als ein Vergnuͤgen, und die dahin fliehende Stunde kehrt nie wieder zuruͤck! Eduard bemerkt am Ende der Ebene eine verfallene Huͤtte, deren Farbe die Weiſſe des Schnees erhob: er zitterte bey ihrem Anblicke, und ſeine Gebaͤhrden bezeichneten zugleich ſeinen Schrecken, und die Huͤtte. Seine Freundin ſuchte ihn aufzurichten. Sie war entzuͤckt uͤber dieſe Entdeckung; da ſie wußte, daß die Bedas zuweilen die Naͤchte in dieſen Gebuͤrgen zubrin⸗ gen, und daß ohne Zweifel auch die lezten Jaͤs ger darin geruhet haͤtten.... Dieſe Huͤtten der Jaͤger, und die Hoͤhlen des Tiegers ſind die einzigen Wohnungen, welche in den Thaͤlern dieſes Berges zerſtreut liegen. Der junge Menſch folgt ſeiner Fuͤhre⸗ rin.— Einige Brodbaͤume und zuſammenge⸗ flochtene Aeſte bildeten die Huͤtte: die breiten Blaͤtter des Pandang*) dienten ihr zur Decke. *) Der Pandang iſt eine Gattung Palmbaum, deſſen äuſſerſt hreiter Blätter man ſich zum Dache der Hütten bedient⸗ 4 — 50— Das Dach beugte ſich unter der Laſt des Schne⸗ es; allein die Sonnenhitze erleichterte es, und gab ihm ſeine natuͤrliche gruͤne Farbe wieder. Sie vermochte Milford zu beſchirmen, und ſeine Ruhe zu ſchuͤtzen.... Durch dieſen Gedan⸗ ken wurde Stellinen die Huͤtte theuer; mit duͤr⸗ ren Blaͤttern ſucht ſie den Boden zu bedecken, und wacht an der Seite ihres Gatten⸗ Er iſt in Sicherheit Er ruht.. Sie freute ſich ihres Werkes. Jezt erinnerte ſie ſich ihres Vaters... Ihre Thraͤ⸗ nen flieſſen: ſie erblickt den Greis vor Beſtuͤr⸗ zung auſſer ſich, wie er ihr mit lauter Stimme ruft, und ſucht mit ihren Angen den Huͤ⸗ gel von Tenor zu erſpaͤhen. Tenor war verſchwunden: der Huͤgel be⸗ fand ſich hinter dem Berge; die Gebirgs⸗Spi⸗ tzen, und das darauf ruhende Gewoͤlk, das ſich herabſenkte, hatten zwiſchen ihrem Vater und ihr eine furchtbare Scheidewand gebildet... Vergebens ſchaut ſie umher: ihre Blicke treffen nichts, als ihnen unbekannte Gegenden. Das ganze Land, welches ſich gegen Rorden aus⸗ dehnt, iſt das Königreich Candyen, das der Ma⸗ welongne Fluß der Laͤnge nach durchſtroͤmt. Eine lange ſchmale Ausſicht durch das Gebirge zeigt in der Ferne den tiefen Meerbuſen von Dos⸗Arcos, in welchen ſich mehrere Stroͤme ergieſſen, und der wegen ſeiner ſteten Ruhe von dem hohen Meere, deſſen Wogen ſich unauf— hoͤrlich auf den hervorragenden Klippen brechen, auffallend abweicht. Die Indianerin uͤberſieht den Raum, wel⸗ cher ſie von Colombo trennet. Von dieſer Seite iſt der Abhang des Berges weniger ſteil; die Huͤgel neigen ſich ſanft hinab, und die Flaͤchen wechſeln in einer lichtbraunen Farbe mit dem mannigfaltigen Gruͤn der Waͤlder bis an das Ufer hin mit einander ab, wo ſich die Stadt, beynahe ganz von dem Ocean umgeben, erhebt. Die Spitze von Mandakinde, des Kry— ſtallgebirgs, und des Pagod, jene von Torwit, deſſen krummgewundner Gipfel ſich von der Hauptmaſſe des Berges zu theilen ſcheint, und welchen Kryſtall-Lava, und Eiſen-Sand voͤllig uͤberzieht;... alle dieſe Gegenſtaͤnde waren nicht im Stande, Stellinens Blicke zu feſſeln, welche ununterbrochen gegen Colombo hinſtarr⸗ ten, und deſſen Anblick Verwirrung und Kum⸗ mer in ihrer Seele erregte.— Eine ſanfte Daͤmmerung umſchleierte allmaͤhlig die Land⸗ ſchaft.— Von innern Leiden gequält, vermochte ſie nicht ihre Augenlieder zu ſchlieſſen. Der Schlaf hatte Milfords Kraͤfte wie⸗ der geſtaͤrkt, und ihm zugleich den Schatten ſeiner ſo ſehnlichſt gewuͤnſchten Schaͤtze gezeigt.— Durch dieſes täuſchende Bild erweckt, erfuͤllte der Gedanke ſeiner Armuth ſeine Seele mit pitterm Kummer..... Bald feig, bald hab⸗ ſuͤchtig, wich das Ungluͤck, welches ihn zernich⸗ tet hatte, jedesmal vor ſeinen ungeſtuͤmmen Wuͤnſchen zuruͤck.. Sein durch den Durſt nach Gold lechzender Mund war gefuͤhllos fuͤr die Liebkoſungen ſeiner Gattin, und beſchuldigte ſie hoͤchſt unwillig, ihm ihr Wort nicht gehalten zu haben. Sie ſchilderte ihm dagegen dir Ei⸗ le, mit welcher ſie durch Hakmars Erzaͤhlung ganz beſturzt, ihn zu retten geflohen ſey. „Konnte ich, da dir und mir mit jedem „Augenblicke der Tod drohte, wohl ſaumen? „Freund! verſcheuche den Kummer, der auf „deiner Stirne ruht. Die Goͤtter und die Lie „be haben uns gewiß nicht allen Gefahren ent— „zogen, um uns nun zu verlaſſen. Du biſt „mein Reichthum, ich der deinige, ——— „—„.—— 6 d nd⸗ hte i⸗ ten lite mit ab⸗ ich⸗ en urſt fuͤr igte ten Ei⸗ ung dem en? auf Lie⸗ ent⸗ biſt —— „und vielleicht wird bald ein Kind, das Dir „aͤhnlich ſieht, unſer Gluͤck noch vermeh⸗ „ren. „Unſer Elend wird es verdoppeln, ver⸗ „ſezte der Kaufmann, wie du bereits das mei⸗ „nige erhoͤhſt.,, Stellina erblaßte bey dieſem Vorwurfe.. Thraͤnen floſſen uͤber ihr Geſicht. Ganz neue Ideen ſtuͤrmten heftig auf ſie ein. Eduard hat⸗ te ohne ſie die Grotte verlaſſen, um ſich zu ent⸗ fernen; der Wunde allein verdankt ſie noch ſei⸗ ne Gegenwart.. Er koͤnnte undankbar werden!„ Ihre Thraͤnen brachten Eduard wieder zu ſich ſelbſt zuruͤck. War es nun berechnete oder wirkliche Empfindung, er wurde geruͤhrt, und troͤſtete ſeine Geliebte, welche in ſeinen Armen bald die ſchwarzen, an dem Horizonte aufgeſtiegnen Wolken vergaß. Bey einbrechender Nacht verließ das Paar die Huͤtte am See, und ſtieg auf der mittägi⸗ gen Seite nach dem Thale des Ganao hinab. Der weiſe Onemo war inzwiſchen mit ſeinem Gefaͤhrten auf den Berge Argias ange⸗ — 4 kommen. Auf dem Ruͤcken des Berges erhob ſich das Fort. Calitur war die ganze Nacht uͤber um die Walle herumgeſchlichen, und lauſchte nach dem erſten Soldaten, der ihm in den Schuß kaͤme. Allein die Waͤlle waren oͤde. Die Portugieſen, ohne Mißtrauen und ohne Kriegszucht, pflegten zur Noachtzeit dieſelbe nicht zu beſetzen. Calitur, in der Hoffnung ſei⸗ ner Rache getaͤuſcht, fuͤhlte hiedurch ſeine Wuth nur lebhafter entflammt; und ungeachtet des Tages, welcher ihn dem Feuer der Feinde aus⸗ ſezte, verließ er doch nur ungerne dieſe Mauern. Dem hungernden Wolfe aͤhnlich, welcher ſich in der Mitternacht, und durch den Schnee den Wohnungen naht, auf ſeine Beute lauert, und vor üngeduld mit ſeinen ſpitzen Zaͤhnen knirſcht..... Auf einmal erſcheinen die be⸗ waffneten Landleute: die Strohfackeln erleuch⸗ ten die Gegend umher, und das Ungeheuer, zur Flucht genoͤthiget, zittert, und wendet noch flie⸗ hend ſeinen widrigen Blick nach den Veh⸗ nungen, die er nicht uͤberraſchen konnte. Auf ähnliche Weiſe kehrte Calitur nach dem Walde zuruͤck. Bey dem Anblicke des Ho⸗ as haͤlt er ſtille, und vernimmt ſchweigend den zur flie⸗ zoh⸗ nach den Befehl des Itobars. Onemo ahndete ſeine Antwort, umarmte ihn, und ſuchte ihn durch folgende Worte zu uͤberreden: „Du haſt noch nicht einmal die Trauer⸗ „arne mit deinen Thraͤnen benezt. „Durch einen Haufen Krieger willſt Du den „entfernten Feind, der kein Mißtrauen gegen „uns hegt, uͤberfallen; als wenn die Rache „einen Meuchelmord entſchuldigen koͤnnte.. „Die Rache! wollen wir alle. Di⸗ „tulan, Coſmoͤe, die Braminen, die Greiſe, „alle verlangen nach ihr; allein ſie fodern ſie „ſchreklich, und nicht auf eine entehrende „Art. WNicht das Blut des einzelnen un⸗ „wiſſenden Soldaten, ſondern jenes der Anfuͤh⸗ „rer in Colombo, muß dem Schatten Riamirs „geopfert werden. Nicht einen Europaͤer, nein, „Tauſende heiſcht unſere Wuth.„ Er zog nun Caliturn mit ſich fort. In einem einſamen Geſpraͤche entwarf er ihm die Ver⸗ bindung von Trinquemale, unterrichtete ihn fer⸗ ner, daß er ſelbſt in einigen Tagen nach Can⸗ dyen abgehen, und ein europaͤiſches Volk durch das andere bald aufgerieben ſeyn wuͤrde.— Der junge Menſch durchgieng mit ihm alle Theile der Verſchwörung, welche ſich gegen jene, die er fuͤr die Moͤrder ſeines Bruders hielt, entſponnen hatte; er zitterte vor Ungeduld, und ſchlug ſich wieder zu ſeinen Kriegern, welche uͤber die wilde, aus allen ſeinen Zuͤgen hervor⸗ ſtrahlende Freude hoͤchſt erſtaunt waren. Zum Zeichen ſeines Gehorſams neigte er ſich vor dem Hoas, befahl den Ruͤckzug nach Fe⸗ tan. Der Hoas kehrte zu dein Itobar zuruͤck, und Onemo begleitete ſeinen Freund, welcher ihm unermuͤdet mit groͤßter Aufmerkſamkeit zuhorte. Sie kamen an die Ufer der Sanga, ohne das kleinſte Getoͤſe vernommen, noch einen ein⸗ zigen Menſchen erblickt zu haben.— Man hätte glauben koͤnnen, Fetan waͤre zur Eindde geworden. Caliturs Thraͤnen ſtrömten auf die Caros⸗ Polſter, welche noch von dem bruͤderlichen Blute befeuchtet waren. Er wandelt zu dem Holzſtoſſe, als wenn er dieſe Trauerfeierlichkeit noch allein erneuern koͤnnte,. dann kuͤßte er die theuern Reſte Riamirs. Der Weiſe von Tenor uͤberließ ihn ſei⸗ nem Schmerz, und bewunderte die Trauer ei⸗ w er e⸗ m nes ganzen Volkes bey dem Tode ſeines gelieb⸗ ten Anfuͤhrers. Der Trauerflor war in allen Huͤtten und uͤber jedes Geſicht verbreitet: jede Familie vermißt in ihm den Vater. Man vernimmt zwar nicht jenes laͤrmende Klagge⸗ ſchrei einer nicht ſelten nachgeahmten Verzweif⸗ lung, allein noch am Mittag ſcheint die Stille der Mitternacht auf Fetan zu ruhen. 7 Die Ankunft des jungen Anfuͤhrers wurde indeſſen ruchbar. Dieſe Nachricht verbreitete ſich allmaͤhlig unter den Daͤchern der Palm— baͤume. Die Einwohner von Fetan verſam⸗ melten ſich um Calitur. Sidras und Talahor uͤberreichen ihm den Bogen und die Keule ſei⸗ nes Bruders. Entſchloſſen ergriff er dieſe furcht⸗ baren Waffen, ehrwuͤrdige Zeichen der Oberge⸗ walt, legte den Eid ab, welchen alle nochmahls wiederholten, und begab ſich mit Onemo nach Tenor, die Beſtättigung ſeiner Wuͤrde von des Stammes Haupte zu erlangen, welches ſie je⸗ desmahl ertheilen muß. Am Ende der Ebene bemerkten ſie einen Inſulaner, deſſen befluͤgelter Schritt ſie in Er⸗ ſtaunen ſezte. Onemo erkannte ihn fuͤr einen Vertrauten von Stellinens Vater. Er naͤherte ſich, und ein neues Ungluͤck ahndete ihnen. Die erſten Worte des Hoas beſtättigten dieſes Vorgefuͤhl. „Die Tochter des Itobars, ſchriee er, iſt „verſchwunden. Vergebens ſind wir bis in die „Grotte der Weiber gedrungen. Man befuͤrch⸗ „tet, die Portugieſen moͤchten ſie entfuͤhrt „haben.„ Erſtarrt blieben die beiden Anfuͤhrer bey dieſer Erzaͤhlung ſtehen: allein da ſie das, was ſie eben erfuhren, fuͤr unglaublich hielten, eilten fie den Hugel hinauf. Ditulan beklagte ſich uͤber die Abweſenheit ſeiner Tochter Die alte Emora, welche ſeinen Kummer mit ihm theilte, vermochte jedoch nicht, ihn zu troſten. Alle Weiber des Stammes be⸗ weinten mit ihnen ihren Liebling. Sie koͤnnte ſich vielleicht in der Mitte der ungeheuern Waͤl⸗ der verirrt haben..... Man befiehlt ſogleich, wiederholt ſie aufzuſuchen, und hundert junge Bedas durchſtreifen die Ufer und das Gebirge. Der Oberbramin, uͤberraſcht durch dieſen unerwarteten Schlag, bedauerte izt nur die oberſte Gewalt, welche er durch die Vermaͤh— lung Hrixas mit ihr an ſich zu ziehen hoffte. i⸗ 6 ie h 8 —„— Befreit von dem furchtbaren Riamir, glaubte er ſchon den ſchuͤchternen Geiſt des jungen Maͤdchens unterjocht zu haben. Ihr Vermiſſen zerriß den Faden ſeiner angeſponnenen Verraͤ⸗ therey. Sobald ſie wieder erſcheint, will er die ſo ſehnlichſt gewuͤnſchte Verbindung beſchleu⸗ nigen. Vergebliche Entwuͤrfe! Stellina ſollte nicht mehr in Tenor erſcheinen.„ Tage ver⸗ ſtrichen. Die Boten kehrten ohne die mindeſte Nachricht von ihr zuruͤck. Man zweifelte izt nicht mehr, daß ſie ſich in der Gewalt der Por⸗ tugieſen befinde. Deli fuͤhlte es nun, daß der Krieg unver— meidlich ſey; aber ein Stamm allein konnte ihn nicht beginnen.... Wenn er die Un⸗ terſtuͤtzung der zoͤgernden Hollaͤnder betrieb, ſo konnte er ſeine Beute noch in den Mauern von Colombo finden, und auch den entgangenen Scepter wieder erhaſchen.„. Der Prieſter war weit entfernt zu ahnen, daß die Liebe längſt gegen ſeinen Willen uͤber Stellinen ent⸗ ſchieden habe.. Die Liebe, weit geſchick⸗ der, als der Ehrgeitz, ſcheint bald ſeine Plane zu beguͤnſtigen, bald wieder zu verwirren. — 60— Die Anfuͤhrer wurden in den Tempel be⸗ rufen— Coſmöe von Wuth kochend, Calitur nach Blut lechzend, ja ſelbſt die Greiſe foder— ten mit lauter wiederholter Stimme Krieg. Deli ſaß ſtill, in tiefes Nachdenken verſunken, an der Seite des Fuͤrſten, und leitete den ſtuͤr⸗ miſchen Kriegsrath. Nachdem er nun dieſen Verwuͤnſchungen freien Lauf gelaſſen hatte, ſprach er im Namen des Itobars, der durch ſein Schweigen alles zu beſtättigen ſchien: „Freunde! ruͤſtet euch zum Kriege; er iſt „gerecht, und die Götter werden die Moͤrder „und die Entfuͤhrer zuͤchtigen. „Ihr koͤnnt euch freuen; denn durch mei⸗ ne Fuͤrſorge ſind alle Staͤmme: von Ceylon „hegen ſie im Aufſtande. Der oberſte Heer⸗ „fuͤhrer,*) und der Radaſinga werden in we⸗ „nigen Tagen hier ſeyn, und mit ihren zahl⸗ „loſen Kriegern den und die Thäler be⸗ „ſetzen. Mit ihnen werden jene fremden Maͤn⸗ „ner vom fernen et pieher kommen, wel⸗ —————————— *) Der König von Candyen hät eine entſchiedene Oberge⸗ walt über die übrigen Könige der Inſel, vorzüglich während des Kriegs. ————— ——————— „che die Gerechtigkeit lieben, Brama ehren, „und gemeine Sache mit uns gegen die Portn⸗ „gieſen machen. Sie werden ihre europaͤiſchen Waffen mit ſich bringen, und auch wir wer— „den mit dem verheerenden Feuer verſehen „ſeyn.„ „Sie ſind bereit, und harren blos auf „das Zeichen. „Der weiſe Onemo wird ſich nach Dos „Arcos begeben. Sobald er ſte ſtro⸗ „men wir, wie das Fener des Hit mit „unſern Verbuͤndeten nach ihrem e. e hin. „Weiber und Kinder moͤgen Sago zur „Nahrung der Tapfern bereiten: allein der „Muth muß auch heute noch der kluͤgern Ueber⸗ „legung weichen... Unſer Unternehmen gliche „fuͤr izt einer unreifen Frucht. welche den „Mund, der unklug genug waͤre, ſie zu koſten, „mit Bitterkeit erfuͤllen wuͤrde. „Alles verſpricht uns einen gluͤcklichen „Erfolg, und Brama wird ſeine Kinder ſeg⸗ „nen. „Allein unſer Sieg koͤnnte fuͤr Stellinen „traurig werden. Faͤnde ſie nicht unter den — 623— „Ruinen von Colombo ihr Grab, ſo könnten ſie „ihre fluͤchtigen Raͤuber mit nach Europa ſchlep⸗ „pen. Freunde! man muß ſie durch Guͤte „zu erhalten ſuchen, und dann ſie fuͤrchterlich „raͤchen. „Gold ſoll unſere Bitten unterſtuͤtzen, „und die Portugieſen werden ſie uns zuruͤckge⸗ „ben. Morgen wird der tapfere Coſmoͤe, zwey „Greiſe und zwey Braminen ſich zu ihnen „verfuͤgen, und ihnen einen Theil der hellglaͤn⸗ „zenden Steine, welche an den Saͤulen des „Tempels ſchimmern, zum Tauſche anbieten. „Dieſe Friedensbotſchaft wird die geliebte „Tochter des Stammes retten, und unſer de— „muͤthiges Betragen die Tieger am Rande des „Abgrundes einſchlaͤfern. „So lautet der Wille des Itobars, und „der Goͤtter.“ Dieſem Ausſpruche ſtimmten alle Meinun⸗ gen vereinigt bey. Den andern Morgen nahm der weiſe Onemo und Coſmoͤe, beladen mit dem Löſegeld ihrer Geliebten, einen entgegen geſezten Weg.— Die Krieger von Tenor ruͤ— ſteten ihre Pfeile und Keulen.— Der groſſe Hanfen ſchlaͤgt Sago herab, deſſen mehligtes *N *7 Mark eine heilſame Nahrung gewaͤhrt; und der Oberprieſter ſchmeichelt ſich im Geiſte, Stel⸗ linen bald wieder zu ſehen, durch ihre Verbin— dung die Fruͤchte ſeines Verbrechens zu ernd⸗ ten, und uͤber die Bedas zu herrſchen, welche in ihre alten Beſitzungen wieder zuruͤckkehren werden. ————— Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stellina. Ach tes B ch — Der undank. Freunde! eure Wahl iſt frei⸗ —— D Vitzekoͤnige von Ceylon ahndete das Un⸗ gewitter nicht, er genoß in ſeiner Hauptſtadt eine zufriedene Ruhe. Mehr als drey tauſend Mann Fußvolk in den Mauern von Colombo, und eine gleiche Anzahl in den uͤbrigen Fakto⸗ reyen, ſicherten den Portugieſen, die ſich ſchon anfaͤnglich als friedliche Handelsleute betragen — hatten, ſeit zwanzig Jahren her ihre Beſitzungen. Die Indianer nahmen ſie mit ihrem gewoͤhnli⸗ ne chen Zutrauen auf. Allein kaum waren jene in dem Beſitz einiger vortheilhafter Poſten, als ſie auch die Maske herabriſſen, und trotzend auf ihre kuͤnſtlichen Waffen, die Kuͤhnheit ſo weit trieben, denjenigen, die ſie gaſtfrey behan⸗ delten, ungeheure Auflagen aufzubuͤrden. Der alte Fuentes war, da ſie dieſe Er⸗ oberung machten, ihr Anfuͤhrer. Unter den Waffen grau geworden, war ſeine Seele eben ſo ſehr fuͤr die Thraͤnen der Menſchheit, als ſein Koͤrper fuͤr die Beſchwerden des Krieges abger haͤrtet: mit dem Schwerdte in der Hand eilte er bald von einem Ende der Inſel zu dem an⸗ dern, und bot alles Erdenkliche auf, um Schä⸗ te zuſammen zu raffen; allein er blieb bey ei⸗ nem Einfalle in Negombo auf dem Schlacht⸗ felde, und ſtarb den Tod, welchen er ſo oft ausgeſpendet hatte. Der Hofvon Liſſabon, mit ſeinen Fortſchritten zufrieden, ernannte deſſen Sohn zu ſeinem Nachfolger.*) * Die Portugieſen lieſſen ſich gegen Ende des ſechszehn⸗ ten Jahrhunderts auf der Inſel Ceylon nieder. Nach⸗ dem der berühmte Albuquerque die Macht ſeiner Na⸗ tion auf dieſer Inſel gegründer hatte, ließ er den aleen Fuentei als Gouverneur in Colombo zurück.— 5 — 66— 2 Dieſes Ereigniß entzuͤckte die Indianer, und floͤßte ihnen zugleich das Verlangen ein, das ſchaͤndliche Joch, welches er ihnen aufge⸗ legt hatte, izt wieder abzuſchuͤtteln. Der Koͤ⸗ nig von Candyen war der erſte, bey welchem der Haß, den er laͤngſt im Innern genaͤhrt hatte, wirklich ausbrach; die Agenten der hol⸗ ländiſchen Kompagnie hielten dieſen Augenblick fuͤr guͤnſtig, den Portugieſen ihre Eroberungen zu entreiſſen und ihre Fehler zu benuͤtzen: ſie boten dem Koͤnige von Candyen im Namen ih⸗ rer Republik reiche Geſchenke an, und erklaͤr⸗ Im Jahre 1602. errichteten die General⸗ Staaten von Holland, eiferſüchtig auf die Fortſchritte der Portugieſen, die indiſche Kompagnie. Dieſe Kom⸗ pagnie legte Kolonieen in Java an, und reizte alle Rationen von Indoſtan gegen die Portugieſen zum Aufſtande. Endlich gelang es ihr nach vielem Be⸗ ſtreben, den größten Theil ihres Handels an ſich zu reiſſen, und bald nachher verfolgte die Republik Hol⸗ land auch ihre Fortſchritte im Hrient. Der junge Fuentes wurde 1595. zum Gouver⸗ neur von Ceylon ernannt Das Bündniß von Trin⸗ quemale iſt 1608. durch den Holländer Spilbergen errichtet worden. In dem Monate Juny deſſelben Jahres landete der Belerophon an der Küſte von Ceylon. ren der m⸗ alle um Be⸗ zu ol⸗ e⸗ en en on — 65— ten ſich fuͤr ſeine Freunde und Beſchuͤtzer; als ſie ihn nun um ſeine Einwilligung erſuchten, eine Feſtung in der Bay von Trinquemale, oder Dos⸗ Arcos zu erbauen, antwortete ihnen der Itobar: „Verſichert die Staaten meiner Freund⸗ „ſchaft: ſagt ihnen, daß ich alles bewillige, und „daß ich, meine Weiber, meine Kinder und „mein ganzer Hof, wenn es noͤthig waͤre, das „erfoderliche Holz und die Steine zum Bau „an das Ufer tragen wuͤrden.*) Der junge Fuentes glich nur wenig ſei⸗ nem Vater. In dem Schooſe einer beruͤhmten Familie erzogen, hatten ſich Geiſt und Herz gleich vortreflich gebildet, und ſeine Erziehung an dem portugieſiſchen Hof, an welchem damals Verſtand und feine Sitten glänzten, ihre hoͤchſte Volltommenheit erreicht; ſeine Seele war jeder andern niedern Leidenſchaft verſchloſſen, und blos fuͤr die Liebe nach Ruhm und den Wei⸗ *) Dieſe Antwort des Königs von Candyen findet ſich in dem zweyten Buche der philoſophiſch⸗ poliriſchen Ge⸗ ſchichte von Raynal. Er hatte ſolche dem Kapitain Spilbergen, Agenten der holländiſchen Kompagnie zu Trinquemale, ertheilt. — 68— bern empfaͤnglich geblieben. Als er Liſſabon verließ, hatte er gleich den Entſchluß gefaßt, ſich bey den Indianern beliebt zu machen, und in ſeinem Gouvernement alle Vergnuͤgen des Luxus und des Friedens zu vereinigen. Bey ſeiner Ankunft hatten ſich die Hol⸗ lander ſchon auf der Inſel niedergelaſſen, und alle Stämme waren bereits in vollem Aufſtande. Die ungeheuern Schätze, welche er hier erbte, erweckten ſein ganzes Erſtaunen, er ſah wohl ein, daß ſie der Grund dieſer Unruhen waͤren, und beſchloß auf der Stelle, ſich derſelben zu ihrer Daͤmpfung wieder zu bedienen. Die Be⸗ ſatzung von Colombo war mißvergnuͤgt, und die Offiziers mußten alle Schätze der Inſulaner in die Hände ihres Anfuͤhrers ſtroͤmen ſehen. Der neue Vicekoͤnig hatte ſich durch ſeine Freygebig⸗ keit bald alle Herzen eigen gemacht. Er vr theilte die mitgebrachte Verſtärkung an Trup⸗ pen in die nächſtgelegenen Faktoreien von Sin⸗ galen, wo genauere Aufmerkſamkeit und Vor⸗ ſicht erfoderlich war. Nachdem er alles zu ſei⸗ nen Abſichten vorbereitet hatte, ſtellte er ſich an die Spitze einer kleinen, ihm mit unbegraͤnztem Zutrauen ergebnen Armee, erſchien damit vor n ſich in rus ole und de. bte, oh en, zu Be⸗ die in Der big⸗ ver⸗ rup⸗ Sin⸗ Vor⸗ ſei⸗ an ztem vor der Bay von Trinquemale, uͤberraſchte die Hol⸗ laͤnder, bot dem Koͤnige von Candyen eine neue Allianz an, und verſezte Alles bald durch Stren⸗ ge, bald durch Guͤte wieder in den vorigen Zu⸗ ſtand. Je verwegener die Tenadaren waren, deſto furchtbarer wurden ſie auch. Er draͤngte ſie bis an den Berg Argias zuruͤck, wo er eine Fe⸗ ſtung erbaute, verfolgte ſie bis in ihren Hinter⸗ halt; und nachdem er die uͤberwundnen India⸗ ner von ſeiner Macht vollkommen uͤberzeugt hatte, erkannte er das Verſehen ſeiner Nation, verminderte die zu druͤckenden Abgaben, und zeigte ſich eben ſo gerecht im Frieden, als ſchreck⸗ bar im Kriege. Sein Betragen wuͤrde ihren Haß ohne die Hollaͤnder, welche ihn mit ihrer Politik ge⸗ ſchikt zu unterhalten verſtunden, bald verloſcht baben.. Seit drey Jahren bemuͤhten ſie ſich, ein anſehnliches Buͤndniß zu errichten, und alle ihre Schritte in ein geheimnißvolles Dun⸗ kel zu huͤllen. Fuentes zufrieden mit dem Guten, das er zu Stande gebracht hatte, lebte in dem Schooſe des Vergnuͤgens: mit ihm herrſchte ——„ Freude und Ueppigkeit in den Mauern von Colombo. Seine Offiziere, die er an ſeinen Un⸗ terhaltungen Theil nehmen ließ, liebten ihn, und uͤberlieſſen ſich nach ſeinem Beyſpiel dem ſuͤſſen Rauſche der Wolluſt. Der Graf Arpos, welcher Liſſabon in der Hoffnung verlaſſen hatte, ſeine durch das Spiel und alle erdenklichen Ausſchweiffungen zu Grun⸗ de gerichteten Gluͤcksumſtaͤnde hier wieder in etwas aufzurichten, war unſtreitig unter allen der Erſte, welcher ſich den Zerſtreuungen und dem Vergnuͤgen ergab. Sein einziger Zweck gieng blos dahin, ſich zu bereichern, ſeinen Ge⸗ ſchmack in allem, was er nur immer wuͤnſch⸗ te, zu befriedigen, und die Schaͤtze der Indianer an ſich zu reiſſen. Seine Fehler wurden durch einen ritter⸗ lichen Much, und durch die alte Freundſchaft, welche ihn an die Familie des Fuentes feſſelte, gemindert; ihn ſelbſt hatte er in Portugall ken⸗ nen und ſchätzen gelernt: kriechend, wie Epheu, verſtand er, ſich geſchickt einzuſchmeicheln, und bald gelang es ihm, ſich ſein ganzes Herz ei⸗ gen zu machen. Der Hoͤfling liebte ſo ſehr, als der Vice⸗ koͤnig die ſchoͤnen Kuͤnſte, und ward theils aus — 71— Geſchmack, theils aus Politik ihr Beſchuͤtzer. Cr leitete die Arbeiten der Kuͤnſtler, welche Fu⸗ entes aus Portugall hieher gebracht hatte, und voruͤber dieſer oͤfters wegen wichtiger Beſchaͤf⸗ tigungen die Aufſicht nicht ſelbſt fuͤhren konn⸗ te. Dieſe Sorge des Grafen ſpornte alle Ta⸗ lente zu einem Wetteifer an. Die Kolonie, welche anfaͤnglich blos aus Soldaten und Kauft leuten beſtand, näherte ſich mit ſtarken Schrit⸗ ten ihre Verfeinerung. Die Buchdruckerey ver⸗ breitete Auftlärung, und die Werkſtaͤtten der Mahler und Bildhauer wimmelten bald von Zoͤglingen. In den melodiſchen Concerten be— rauſchten die verfuͤhreriſchen Stimmen der eu⸗ ropäiſchen Saͤngerinnen die Soͤhne des Plutus und der Bellona, und dieſe Prieſterinnen Apol⸗ lo's hatten zugleich auch die Beſtimmung, den Dienſt an Citherens Altare zu verrichten.. So viele neue Vergnuͤgungen reizten den Durſt nach Gold nur heftiger, und der Handel gedieh durch die ſchoͤnen Kuͤnſte, und wurde immer bluͤhender. Betraͤchtliche Kauf⸗ farthey⸗Flotten giengen jaͤhrlich mit indiani⸗ ſchen Produkten nach Liſſabon, und brachten da⸗ füͤr Gegenſtäͤnde des Lurus, Kriegsvorraͤthe, Kuͤnſtler und Soldaten zuruͤck. — 23— Auf dieſe Weiſe erhob ſich eine volkrei⸗ che und bluͤhende Stadt in der Mitte des wil⸗ den Taprobane,*) gleich einem Dattelbaume, welches allein und majeſtätiſch in der Ebene von Afrika heranwaͤchſt, und deſſen gruͤne Aeſte und glaͤnzende Fruͤchte von dem roͤthlichen, bren⸗ nenden Sande, der ihn umgiebt, auffallend ab⸗ weichen. Die Bewohner von Colombo harrten mit Ungeduld auf den Geburtstag thres Vice⸗ koͤnigs. Das Ende des Auguſtes nahte allmäh— lig. Der Graf Arpos hatte nicht das mindeſte vergeſſen, was ſeinem Freunde Vergnuͤgen ge⸗ waͤhren konnte. Die Hauptſtadt ſollte an die⸗ ſem Tage, wie die junge Braut im Augenblick der Hochzeitfeyer, alle ihre Reize und Schon⸗ heiten darbieten. Die Tenadaren waren weit entfernt zu glauben, daß die Portugieſen mit den Zuberei⸗ tungen eines glaͤnzenden Feſtes beſchäftiget ſey⸗ en, welche ſie in dem naͤmlichen Augen⸗ ——— *) Die Inſel Ceylon war vor der Ankunft der Portugieſen in den indianiſchen Gewäſſern unter dem Namen Taprobane bekannt. blick als Moͤrder Riamirs und Entfuͤhrer Stel⸗ linens anklagten!... Fruentes, ohne Ahndüng des Unheils, wel⸗ ches man ihm zuſchrieb, uͤberließ ſich ganz den liebevollen Verſicherungen, mit welchen man ihm von allen Seiten entgegenkam. Den Auf⸗ gang der Sonne verkuͤndigte ein Donner der Feuerſchluͤnde, durch deren fuͤrchterlichen Knall die Echos weheklagten, und die beiden Fluͤcht⸗ linge, welche ſich Colombo ſo eben naͤherten, ihr ganzes Weſen mit Entſetzen durchſchauert fuͤhlten. Das Volk umſtroͤmte den Potugieſi⸗ ſchen Pallaſt; das Gold, welches von allen Bal⸗ kons herabregnete, ſtimmte es zur Froͤhlichkeit. Die Magiſtrate und Offiziere erſchienen bey dem Aufſtehen des Vicekoͤnigs, welcher mit einem gefälligen Laͤcheln die Blumen und Fruͤchte, die Gluͤckwuͤnſche und Anreden empfieng. Der Wirbel der Trommeln verkuͤndiget, daß die Eroberer von Bengalen ihre geſchickten Kriegsuͤbungen beginnen. Der Hof verſugt ſich nach den Platze von Coromandel, wo die Trup⸗ pen alle Kuͤnſte der Taktik entwickeln. Ihre Anfuhrer nahen ſich, um zu huldigen, dem Throne, auf welchem Fuentes ihren Monarchen * vertratt. Die Fahnen wehen, und der Eid der Treue hallt mit dem Frohlocken der Menge Zur Mittagszeit verſammelten ſich die Oſſiciere in dem Palſaſ. wo ſie die Tiſche ver⸗ ſchwenderiſch und rceichlich mit einheimiſchen Gerichten beſezt fanden. Kriegszucht und Stolz bl Thuͤre, der verſchiedne Rang die fuͤſſe Freiheit nahm bey die⸗ ſem Feſte den Vorſitz. Die unter die Truppen und das Volk —* 7 vertheilten Schaͤtze verbreiteten aller Orten Ue⸗ berfluß und Freude. Allein das Gluͤck verweilt nicht gerne in zu groſſer Geſellſchaft... Bey Anbruch der Nacht zerſtreuten ſich die Gaͤſte; die Liebe fuͤhrte die jungen Leute zu ihren Schoͤnen, und die Alten unterhielten ſich von den Heldenthaten Fuentes entzog ſich dieſem läſtigen Ge⸗ tuͤmmel, um ſich zu ſeinem Freunde zu begeben, welcher nicht errothete, der Befoͤrderer und der Vertraute ſeiner Vergnuͤgen zu ſeyn. Der Pallaſt des Grafen Arpos ibernf alle uͤbrigen in Colombo an Reichthum.— Eu⸗ er ropaͤiſche Verzierungen glaͤnzten mitten durch die⸗ vrientaliſche Pracht; die Tapeten, und das koſt⸗ bare Geraͤthe wetteiferten mit dem vergoldeten Getaͤfel; Wohlgeruͤche verbreiteten ſich aus ſil⸗ bernen Rauchpfannen..... Ueberall erblickte man Fresko⸗Mahlereyen ganz eines Albans und Corregios wuͤrdig; die regelmaͤſſigſt geform⸗ ten Bildſaͤulen ruhten auf funkelnden Fußge⸗ ſtellen: welche zum Theile Momus, die unkeu⸗ ſche Cypris, den Sohn der Semele, und andre die koͤnigliche Familie von Portugall, und den Vicekoͤnig ſelbſt, durch Sieg und Frieden ge⸗ kroͤnt, vorſtellten. Arpos erhielt zur Belohnung ſeines Be⸗ ſtrebens ein freundliches Laͤcheln. Allein Fuen⸗ tes war nicht hieher gekommen, um ſeine Schaͤ⸗ tze zu bewundern. Mit ſchnellem Schritte eilt er durch die prachtvollen Saͤle, und zieht das beſcheidne Bondoir ihrem ſchimmernden Glanze vor, in welchem Leoniſe ihn erwartet. Leoniſe, eine Spanierin und die beruͤhm⸗ teſte Buhlerin, hatte ihm zu gefallen gewußt: es lange ihn zuweilen nach ihr; und an die⸗ ſem Lage, wo alles Blendwerk ſeiner Macht ihn umgaukelt hatte, ſehnte er ſich mehr, als jemahls nach Wirklichkeit, welche er in ihren lieb⸗ koſenden Umarmungen wieder findet... Sie ſpielt die Harfe, welche ſie mit halb bebender Stimme begleitet, als wenn dieſe ſuͤſſe Melodie das Vorſpiel ihrer ſchmachtenden Seuf⸗ zer geben ſollte..... Ihr Koͤrper lehnt ſich etwas voran, ihre Kniee ſind halb geoͤfnet.. Ihre Finger ſchweben uͤber die ſilbernen Sai⸗ ten.... Der durchſichtige Flor verhuͤllt kei⸗ nen ihrer Reitze.... Sehnſucht ſtrahlt aus ihren Blicken, Verlangen umſchwebt ihre Lip⸗ pen, und ihre nachlaͤſſige Stellung verſpricht al⸗ les Entzuͤcken der Wolluſt. Fuentes tratt in dieſes geheimnißvolle Ka⸗ binet. Die Blicke ſeiner Hoͤflinge vermoͤgen nicht hieher zu dringen. Mit ſeiner Spanierin ſinkt er einſam, ſchweigend auf die Ottoma⸗ ne...... und die kuͤnſtlich angebrachten Spie⸗ gel wiederholten unzaͤhligemal die wolluͤſtige Gruppe. In den angraͤnzenden Gemaͤchern überlaͤßt ſich der Graf Arpos, welcher auf die Wuͤrde des Throns keine Ruͤckſicht zu nehmen hatte, dem Vergnuͤgen mit weniger Zuruͤckhaltung. Mehrere ſeiner Freunde umgeben ihn. Die ßt e e⸗ g. — Trinktiſche ſind mit beranſchenden Getraͤnken beſezt. Nackende Weiber ſchenken ihnen die Weine ein; andere trinken in aͤhnlichen Grup⸗ pen mit ihnen.. Dieſe hier ſind Sklavin⸗ nen aus Colombo, deren Schoͤnheit nichts mehr zu wuͤnſchen uͤbrig laͤßt, jene ſind zwar weni⸗ ger reizend, allein um ſo gefallſuͤchtiger, und lachen uͤber das naive Betragen ihrer Gefaͤhr⸗ tinnen, welche ſie ungeachtet ihr europaͤiſchen Liebkoſungen nicht zu verdunkeln vermoͤgen. Uns ter dieſen Schoͤnen, deren Weiſſe das Auge blen⸗ det, bieten einige Afrikanerinnen mit ihren Feuer⸗ blicken, Korallenlippen und ſchneeweiſſen Zaͤh⸗ nen auf ihrem gleich Ebenholz ſchwarzen Koͤr⸗ per viel kernhaftere Reitze dar. Dieſes verſchie⸗ dene Gemiſch gewährt eine Abwechslung in dem Vergnuͤgen, und die afrikaniſchen Maͤdchen er⸗ halten nicht ſelten den Vorzug von den jungen Portugieſen, welche ihrem Vornrtheile entſag⸗ ten, und nun wohl fuͤhlten, daß ein feuri⸗ ges Temperament leicht die Farbe vergeſſen läßt. Die Kronleuchter verbreiteten uͤber dieſe in Freudentaumel verſunkne Geſellſchaft ihr Licht. Sie verloͤſchen auf ein Zeichen des Gra⸗ fen. Das wolluͤſtige Ringen beginnt, und verlaͤngert ſich, wie bey den naͤchtlichen Fe⸗ ſten der guten Goͤttin*) gewoͤhnlich iſt. Das Unvermogen brachte endlich die Ord⸗ nung wieder zu Stande. Ein ſanftes Licht er— hellte die Finſterniß. Arpos und ſeine Freunde machen ſich nun bey dem Anblicke der Roſen, welche noch zu pfluͤcken uͤbrig ſind, Vorwuͤrfe uͤber ihre Schwaͤche, dem geſättigten Zecher aͤhnlich, welcher wehmuͤthig auf die vorgeſezten Gerichte blickt, die er nicht mehr zu verſchlin⸗ gen vermag; er verſchlingt den Geruch, welchen ſie ausdampfen, und ruft vergeblich dem Hun— ger, der nicht mehr zuruͤckkehrt. Ein Sklave erſchien in dem Augenblicke, und verkuͤndete dem Grafen, der wachthabende Officier an dem Thore von Corli verlange ihn zu ſprechen. Erhizt durch die bachantiſchen Duͤnſte, welche in ſeinen Adern gährten, ſchlug ——— ) Die gute Göttin war ehemahls Iſis oder Cybele.— Ihre Tempel wurden zu gewiſſen Zeiten durch alle er⸗ denklichen Ausſchweifungen geſchänder und entweiht⸗ Juvenal ſchildert in der ſechsten Satyre des zwenten Buches die üppigen Stenen, von welchen ſie der Schau⸗ platz waren⸗ rd⸗ er⸗ de en, her Fe⸗ er trotzig dieſen unbeſcheidnen Beſuch ab. Der Sklave kommt zuruͤck, und berreſcht ihm ei⸗ N enen Zettel. Er ſammelte alle ſeine Kräfte, um ihn zu durchleſen, und rief dann freudig: „Freunde! man bringt uns eine junge „Wilde. Wir befinden uns eben am gelegen⸗ „ſten Orte, dieſelbe zu empfangen: man fuͤhre „ſie ohne Anſtand herein.“ Der Officier erſcheint mit Milford und 4 der Indianerin. Man draͤngt ſich um ſie her. l ina iſt traurig; allein Stolz blickt aus ihrem Auge. Dieſer Saal,.. dieſe Män⸗ ner, von deren Stirne die Schaam gewichen, und welche mit dem Glas in der Hand ihrer Natur wieder aufzuhelfen trachten, dieſe Bachanten mit entflammten Geſichtern,... *„ 2„ alles, was ſie hier erblickt, erregt ihr Erſtau⸗ nen.— Sie ſchmiegt ſich an Eduard. Einige der Portugieſen, die Verwegenſten unter ihnen, belcidigten ſie durch ihre vertrau⸗ lichen Liebkoſungen, allein der Officier ver⸗ wuͤnſchte den Laͤrmen, der ſeine Stimme er— ſtickte, vertheidigte ſie mit ſeinem Schwerdte, und ſchriee in vollem Unwillen: „Ich fuͤhle mich nur verpflichtet, an Fu⸗ „entes meine Gefangene zu uͤbergeben. Da „er ſich nun nicht hier befindet, ſo fuͤhre ich „ſie zuruͤck. Denn die Tochter des Itobars „von Tenor iſt ohne Zweifel nicht dazu beſtimmt, „Ihr Serail zu vermehren.„ Bey dieſen Worten entfernt er ſich.— Der Hoͤfling erholt ſich und fuͤhlt den Ge⸗ brauch ſeiner Sinne zuruͤckkehren; er folgt dem Offizier, ſucht ihn zu beſaͤnftigen, und eilt, nach⸗ dem er die beiden Fluͤchtlinge in ein entlege⸗ nes Gemach gebracht hatte, den Vicekoͤnig da⸗ von zu benachrichtigen, welcher ungeſäumt mit ihm zuruͤckkommt. Fuentes ſuchte dem jungen Weibe Muth einzufloͤſſen, und ließ ſie neben ſich niederſitzen. Ihre Thraͤnen und Milfords Erzaͤhlung ruͤhr⸗ ten ihn. Er verſprach ihr, ſie nicht von ihrem Gelicbten zu trennen; und nachdem er den Grafen beauftragt hatte, in ſeinem Pallaſte al— les aufzubieten, was man nur immer der Schoͤnheit und dem Ungluͤcke ſchuldig wäre, zog er ſich zuruͤck, und durchlief mit einem un⸗ ruhigen Geiſte die neue Laufbahn, welche das Ungefaͤhr ſeiner Politik Zeoͤffnet hatte. Arpos, ars t, Arpos, den Befehlen ſeines Herrn treu, unterließ nichts, ſeinen Gaͤſten gefaͤllig zu er⸗ ſcheinen. Er raͤumte ihnen ein reiches Gemach ein: Sklaven deckten die Tafel mit einem Tuche, weiſſer als der Schnee, und beſezten ſie mit ei⸗ ner Menge ſchoͤn geformten Silbergeſchirrs. Er machte ſich ein Vergnuͤgen daraus, die India⸗ nerin von dem Gebrauche dieſes mannigfaltigen Geraͤths zu unterrichten. Allein mit weit wich⸗ tigern Gegenſtaͤnden beſchaͤftigt, hoͤrt ſie ihm kaum zu. Die innern Vorwuͤrfe ihres Gewiſ⸗ ſens uͤber die verlezte kindliche Liebe betruͤbten ſie: und nur in den Troͤſtungen ihres Gatten konnte ſie einige Linderung finden; der ſich aber blos mit unbedeutenden Fragen und Berechnun⸗ gen beſchaͤftigte, fuͤr welche ſie keinen Sinn hat⸗ te. Den Reichthum eines jeden Geraͤths be⸗ wundert er; das Geſchmeide, mit welchem der Graf geſchmuͤckt iſt, reizt ſeine Blicke; er wuͤnſcht den Werth jedes Gegenſtandes zu ken⸗ nen, verſucht ihn zu ſchaͤtzen, und laͤchelt uͤber die Ideen, welche ſein Gehirn ganz mit Zahe len erfuͤllen. Er erkundigte ſich hier um Nachrichten aus Java und Sumatra, und ob nicht ein 6 Schiff in dieſe Gegenden abſegeln wuͤrde..... Mit Bedauern vernimmt er, daß gar kein Ver⸗ kehr zwiſchen jenen Inſeln und dieſer portugie⸗ ſiſchen Kolonie beſtehe. Der Hoͤfling, geuͤbt in allen Geſichtszu⸗ gen zu leſen, bemerkte Alles. Die Habſucht, welche Eduards ganzes Weſen in Bewegung ſezte, ſeine Gebehrden, und ſeine ſchnell auf ein⸗ ander folgenden Fragen, gaben ihm das Anſehen eines Menſchen, der mit einem hitzigen Fieber befallen iſt. Allein das Schmachtende der Ito⸗ baren druͤckte die Unruhe eines durch die Liebe irregeleiteten ſchwachen Geſchoͤpfes aus. Sie wollte einzig ihren Freund hoͤren und ſehen, und die Gegenwart ihres aufgeblaſenen Wir⸗ thes war ihr läſtig. In groͤßter Eile hatte man die koͤſtlichſten Speiſen zubereitet. Stellina verſchmaͤhte ſie, genoß nur einige Fruͤchte, und der Saft der Ko⸗ kosnuͤſſe war ihr einziges Getraͤnke. Der Eng⸗ länder hingegen, entzuͤckt europaͤiſche Speiſen und Weine zu finden, brachte dem Gott der Feſte ein reichliches Opfer. In dieſer froͤhli⸗ chen Stimmung erhielt Arpos alle moͤgliche Aufklaͤrung von ihm, welche er nur immer N — wuͤnſchen konnte; und als er ſich hinwegbegab, verſprach er ihm ein Schiff, und alle noͤthige Unterſtuͤtzung um zu Herrn Vindeck zu reiſen, wo er den Belerophon vielleicht noch antreffen koͤnnte. Ehe ſich Milford dem Schlafe uͤberließ, uͤberdachte er das Verſprechen des Grafen noch einmal. Seine Gedanken verſezten ihn zu Ri⸗ neald: er rief ſich alle Theile ſeiner ungeheu⸗ ern Ladung in das Gedaͤchtniß zuruͤck; und er⸗ blickt ſich ſchon in Java als einen der erſten Negotianten der Faktorei. Seine Wohe nung iſt eben ſo prachtvoll, als dieſe hier in Colombo, er hat Sklaven und Freun⸗ de,„ und die Vergnugen erſchoͤpfen nie ſeine Schaͤtze. Gerne verirrt er ſich auf dieſem blumigten Pfade, welcher ihn unbemerkt zu Stellinen hin⸗ leitete.— Was ſoll nun aus ihr werden?.. In einem Walde konnte ſie ſeine Gefaͤhrtin ſeyn; dort hatte er ſie noͤthig!.„ Allein heute kann der reiche Eduard keine arme Indianerin an ſeinem Gluͤck Theil nehmen laſſen, die ihm ſeine Religion ohnedieß ſchon als Gattin zu ber trachten unterſagt. Er konnte ſie verlaſſen? allein ſie naͤhrt ein Kind in ihrem Schoo⸗ ſe!.. Dieſes Kind gehoͤrt ihm, und weder Gluͤck, noch Religion vermoͤgen die Wohl⸗ thaten ſeiner Mutter, noch ſein Daſeyn zu ver⸗ tilgen.— Nein, er darf ſie nicht von ſich ent⸗ fernen. Sie wird ihm folgen.— Er will ſie in ſeinem neuen Stande vor allem Man⸗ gel ſichern: eine Freiſtaͤtte ſoll ſie in ſei⸗ ner Wohnung finden, und ihren Sohn dort erziehen. Dieß iſt die ganze Belohnung des Eng⸗ laͤnders. Er fuͤrchtet izt weder Hunger, noch Tod mehr. Die Tochter des Itobars, niedergebeugt durch Gewiſſensbiſſe und Beſchwerden, bot ihm nun nichts, als verbluͤhte Reize dar.... Keine Schaͤtze konnte ſie ihm mehr verſchaffen..... Die Buhlerinnen, deren baldigen Beſitz er hoft, ſind alle weit ſchoͤner, als Stellina.„ Ihrem Kinde blos, und dem Mitleide hat ſie die Freiſtaͤtte zu danken, welche ſie in dem Pal⸗ laſte zu Batavia erhalten ſoll..„. Milford betrachtet ſie nicht mehr als ſein Weib, ſondern als ſeine Sklavin: nicht einen Blick wendet er auf die arme Wilde, welche an ſeiner Seite ſchlummert, ungluͤckliche! Sie ruht! Warum waͤhrt ihre Ruhe nicht ewig? Milfordg erſter Blick hat ſie gefeſſelt; ſeine ſuͤſſen Wprte ihre Furcht verſcheucht; die Liebe hat ſie ohne Schleier und ohne Schutz ihm in die Haͤnde gekiefert; Milford hat zu den Goͤt⸗ tern geſchworen, daß ſie auf ewig ſeine Gefaͤhr⸗ tin ſeyn wuͤrde.. Thraͤnen folgten ſeinen Schwuͤren..— Sie wußte nicht, daß der Meineid bey den europaͤiſchen Maͤnnern alle Zuͤge von der Wahrheit erborge!⸗ Milford benüzte den andern Fueite Großmuth, waͤhlte ſich von den Sclaven und Kleidern, welche man ihm anbot, und ſchmuͤckte ſich geſchmackvoll. Er war ſelbſt auf den Feſt⸗ tagen in Plymouth nicht glaͤnzender. Stellina beobachtete ihn, ohne ihn nach⸗ zuahmen: ſie verſchmaͤhte allen kuͤnſtlichen Putz, nahm blos ein leinenes Gewand, und ein Weib zu ihrer Bedienung, und war erſtaunt, ihren Freund von ihr ſich entfernen zu ſehen, ohne ſie an ſein Herz zu druͤcken. Der Vicekönig frohlockte, die Tochter ſeines Feindes in Haͤnden zu haben, und ſah im Geiſte ſchon alle die Vortheile voraus, die — 86— ihm dieſes Ereigniß gewaͤhren koͤnnte allein unfaͤhig, zu einem verhaßten Zwange zu ſchrei⸗ ten, haͤtte er gerne ſeinen Vortheil mit der Ge⸗ rechtigkeit vereint, Er konnte nicht wuͤnſchen, daß ein Auslaͤnder Stellinens Gemahl wuͤrde, und jedesmal verwarf er Arpos Rathſchlaͤge, welchem Alles, was ihm vortheilhaft daͤuchte, auch gerecht ſchien, und daher Fuentes durch folgende Gruͤnde zu bereden ſuchte. „Dieſes Weib iſt das Band, welches uns „mit dem Staimme von Tenor vereinigen muß: „ſie ſoll den Portugieſen den ganzen Beſitz von „Ceylon verſchaffen; die Minen des Bergs „Adam ſind der Brautſchatz, welche ſie uns „mitbringt“... Ihr wuͤrdet euch bey dem „Hofe von Liſſabon verantwortlich machen, wenn „Ihr eine ſo guͤnſtige und unerwartete Gele⸗ „genheit vernachlaſſigtet. „Der Englaͤnder iſt ihr Verfuͤhrer, und „nicht ihr Gatte. Man muß ihn befriedigen „und nach ſeiner Faktorei nach Java ſchicken. „Wolltet Ihr wohl eure Pflicht verletzen, um „einige verliebte Thraͤnen zu erſparen? Nicht „ſelten verſchaft das Ungluͤck des Ohnmaͤchtigen „der Politik den Sieg. „Eure Freygebigkeit wird uͤbrigens den „Kaufmann zu troͤſten ſuchen. Hat er Euch „einmal alle ſeine Rechte auf ſeine Geliebte „abgetretten, dann erſt wird ſie in euern Haͤn⸗ „den zum Werkzeuge der Eroberung werden.— „Da Ihr nun dieſem herumziehenden indiani⸗ „ſchen Volkshaufen gewogen ſeyd, ſo muͤßt Ihr „Euch dieſer einzigen Perſon verſichern, um „zu einer Verbindung mit ihnen zu gelangen, „welche ſie bisher ſtets verworfen haben. Wol⸗ „len die Bedas dem Koͤnige von Portugal „auch wirklich nicht huldigen, ſo werdet Ihr „doch wenigſtens einen Handelstraktat von ih⸗ „nen erhalten; und, indem Ihr dem Vater „eine Tochter zuruͤckgebt, erlangen wir dagegen „ein Land und Reichthuͤmer, wornach uns „ſchon laͤngſt luͤſtete.“ Fuentes konnte die Staatsgruͤnde, welche ihm der Graf frey entwickelte, nicht verkennen. Eine Verbindung mit den Tenabaren wuͤrde ſein Anſehen auf dem feſten Lande ſichern; ja ſie iſt ſogar ſelbſt fuͤr ſeinen Ruhm erfoder⸗ lich. Er hatte ſchon oͤfters Befehl erhalten, den Stamm anzugreifen und zu unterwerfen. Er verſchob bisher immer einen Krieg, den er fuͤr unnöthig hielt, und ſein Zogern gab ihn daher der Bosheit an einem Hofe preis, an welchem man zwar jaͤhrlich den Werth der Kauffartheyflotte aus Bengalen zu ſchätzen, al⸗ lein nie in der Rechnung das Blut der Menſchen von dem Ertrage abzu⸗ ziehen verſtand. Er kann ſich in⸗ deſſen doch nicht entſchlieſſen, das junge Weib von ihrem Verfuͤhrer zu trennen. Da ſich bey⸗ de in ſeiner Gewalt befanden, konnte er noch immer einige Zeit anſtehen, eine Ungerechtigkeit zu begehen, da ihm ohnehin die Gelegenheit nicht mehr entſchluͤpfte. Der Widerwille des Vicekoͤnigs ent⸗ gieng ſeinem. ſchlauen Vertrauten nicht. Dieſer entſchloß ſich, ihm zu dienen, und zugleich ſei⸗ ner Schwachheit zu ſchonen: um welchen Preis es auch immer ſey, wollte er Stellinen zu er⸗ halten trachten, und ſie dann ſeinem Freunde als Eigenthum uͤbergeben. Er war uͤberzeugt, daß ſeine Großmuth nicht unbelohnt bleiben wuͤrde, und hoffte, jene unerſchoͤpflichen Minen, in welche noch kein Eiſen gedrungen war, ein⸗ ſtens auszubeuten. Arpos hatte in dem Herzen des Englan⸗ ders geleſen, und zweifelte nicht an dem Erfol⸗ ge ſeines Unternehmens. Er ließ ihn zu ſich beruffen, uͤberhaͤufte ihn mit erkuͤnſtelten Freund⸗ ſchaftsverſicherungen, und befließ ſich durch ſeine Unterredung und Betragen die Leidenſchaft, wel⸗ che in ihm loderte, zur Flamme anzufachen.— Nachdem er ihm Bedauern uͤber den Ver⸗ luſt des Belerophon, der ſchwer wieder zu erſetzen ſey, geäuſſert hatte, oͤffnete er nach— laͤſſig vor ſeinen Blicken ungeheure Kiſten mit verſchiedenen Muͤnzen, und gab ihnen alles preis, was ſein Pallaſt an Koſtbarkeiten ent— hielt; er verwies ihm, daß er von ſeiner Sklavin keine Edelſteine, die man in Tenor ohnehin nur wenig ſchätze, zu erhalten, und dadurch ſei⸗ nem Gluͤcke wieder etwas aufzuhelfen geſucht haͤtte; er fragte, wie ihn dieſe Indianerin fuͤr die Aufopferungen, welche ſie ihm koſte, ent— ſchaͤdigen werde... Sie beſizt wenig Reitze, keine friſche Geſichtsfarbe, ſie hat keine Grazte, nichts Liebenswuͤrdiges.— Unter den zwanzig Sklavinnen, die ihm zugehören, iſt keine einzige, welcher er nicht den Vorzug gäbe. Er behielt ihn den ganzen Tag uͤber bey ſich. Nach dem Abendeſſen, lud er ihn ein, ſich unter ſeinen Weibern eine zu wäh⸗ len, nach welcher ihm geluͤſtete. Der Reitz der Neuheit berauſchte den jungen Menſchen: er findet das fein Erkuͤnſtelte weit uͤber die Natur erhaben.„ Der Graf bediente ſich nur ungerne der Raͤnke eines Verfuͤhrers.— Haͤtte er nicht ſei⸗ nen Herrn gefuͤrchtet, ſo wuͤrde er Milford in eine Barke oder einen Kerker geworfen, und durch das Recht des Stärkern ſein Weib ſich zuge⸗ eignet haben. Allein er mußte die Geſinnun⸗ gen des Vicekoͤnigs ehren. Der Englaͤnder hatte die verderbliche Luft eingeſogen.... und Stellinens Bild ſein Entzuͤcken nicht getruͤbt.... „Hoͤre, ſprach Arpos zu ihm: Du biſt „von Plymonth abgeſegelt, um Gold zu er⸗ „werben, und nicht um deinem Vater eine „Wilde aus Ceylon zuruͤckzubringen.— Das „Gluͤck, welches Dich pruͤfen wollte, laͤchelt „Dir noch, da ich mich fuͤr Dich verwende. „Ich verſprach Dir ein Schiff nach Batavia. „Ich will noch mehr thun, und Dich mit „Reichthuͤmern uͤberſtroͤmen. In wenigen Ta⸗ „gen kannſt Du reiſen; und iſt der Belero⸗ „phon nicht bey Vindek angekommen, ſo wer⸗ ——„— v. „ ——„* iſt „den Dir meine Geſchenke ſeinen Verluſt er⸗ „ſetzen. „Allein ich ſetze einen Preis auf meine „Wohlthaten. Dieſes Weib, das Dir zur Laſt „ſeyn wuͤrde, kann uns nuͤtzen: ich fodere ſie „und biete Dir dagegen eine meiner Sklavi⸗ „nen, welche Du auch immer waͤhlen willſt, „zum Tauſche an.“ Dieſe Worte riefen in Eduard Stellinens Bild zuruͤck; ſie erregten in ſeiner Seele eine unerwartete Beklemmung..... In einer Stun⸗ de kann er reich ſeyn!„. In einigen Ta⸗ gen nach Java reiſen!.... Nur ein einzi⸗ ges Wort, und er beſizt Schaͤtze!— Allein ſein Weib,„ſein Find!„ Arpos wußte nicht, daß Stellina bald Mutter werden wuͤrde, und erſtaunte uͤber die Unentſchloſſenheit des Kaufmanns. Mag ſich der Erfolg auch etwas verzögern, er giebt ihn deßwegen doch nicht auf, und der folgende Tag ſoll ihm zur Ausfuͤhrung ſeines Verbrechens die⸗ nen, durch welches er ſich das vorgeſteckte Ziel zu erreichen denkt. Die Nacht war ſchon weit vorgeruͤckt.— Milford begab ſich zu ſeines Freundin, welche weinend ihn erwartete. Seine Ankunft beru⸗ higte ſie wieder. Sie wirft ſich ihm in die Arme, und fragt, warum er ſo lange abwe⸗ ſend geweſen ſey. Durch eine erborgte Zaͤrt⸗ lichkeit, erheiterte er ſie. Die Taͤuſchung ſollte nur zu bald verſchwinden... Fuentes wurde durch die Vorpoſten vom Argias und Corwitt benachrichtiget, daß ſich viele Inſulaner auf den Gebirgen ſehen ließ⸗ ſen; er fuͤhlte nun doppelt den Werth ſeiner Gefangenen. ih Natur und Habſucht ſtritten beyde um Eduards Beſitz. Der ſchlafloſe Zuſtand, in welchem er ſich befand, entſchied nicht einmal ſeine Ungewißheit. Zwey Kämpfern ähnlich, welche ſich mit gleicher Stärké und abwech⸗ ſelndem Vortheile auf dem Kampfplatze meſ— ſen; allein ihre Kräfte werden erſchoͤpft, das Ringen ausgeſezt, und der Sieg bleibt unent⸗ ſchieden. ₰ Ein Offizier befiehlt dein jungen Men⸗ ſchen, ſich zu dem Grafen zu verfügen, deſſn Geſicht nun nicht mehr, wie am Abende zuvor, mit der Maske der Freundſchaft bedeckt war. Er ſagt zu Milfobd: 7. we⸗ aͤrt⸗ ollte vom ſich lieſ⸗ iner um in mal ech⸗ meſ⸗ das ent⸗ den⸗ vor, vak. die „Wahrſcheinlich habt Ihr mein Anerbie⸗ „ten und meine Bitte nicht vergeſſen.— Ihr „muͤßt Euch augenblicklich entſchtieſſen. Seyd „Ihr unklug genug, meine Wohlthaten zu ver⸗ „ſchmaͤhen: ſo werde ich eben ſo nachſichtsvoll „eure Verwegenheit entſchuldigen..... Ich „uͤberlaſſe dann dem Mangel die Sorge, Euch „zu zuͤchtigen. Ihr werdet weder Java, noch „Plymouth wiederſehen, und mit eurer fluͤch⸗ „tigen Schoͤnen blos von dem Mitleide der „Portugieſen in Zukunft leben. Auf ſolche Art mißbraucht der Hoͤfling den Schatten der Gewalt, indem er ſich einer Drohung bedient, welche Fuentes zuverlaͤſſig nicht gebilligt haben wuͤrde.. Die Quelle, welche auf dem Gebirge entſpringt, iſt rein, allein indem ſie ſich durch das Thal ſchlaͤn⸗ gelt, loͤst ihr Kryſtallwaſſer den Leim auf, und der Strom wird bald truͤbe. Der Englaͤnder bebte bey dem Gedanken an Armuth zuruͤck..... Der Graf, welcher ihn beobachtete, fuhr in einem ſchmeichelnden Tone fort: „Ich fuͤhle Mitleid mit eurer Jugend⸗ „Weiber werdet ihr aller Orten wiederfinden, „allein nirgends, was ich Euch hier zum lezten⸗ „mahle nun anbiete. Bey dieſen Worten ſteht er auf, oͤffnet die Seitenthuͤre eines Kabinets, und zeigte dem jungen Menſchen einen Tiſch mit Goldſtuͤcken gehaͤuft. „Mein Freund! eure Wahl iſt frey,.. „entſcheidet.“ Der Teppich war ganz mit Guineen und Dabraons bedeckt... Der Englaͤnder erblickt ſie, und zoͤgert nicht langer. „Gnaͤdiger Herr! ſchrie er, ſie iſt Eu⸗ „er, und ich uͤberlaſſe mich ganz eurer Fuͤr⸗ ſorhe. Arpos triumphirt... „Dieſes Gold gehoͤrt Euch. Ihr verdient „euer Gluͤck, da Ihr es zu benuͤtzen verſteht.— „Bleibt hier, und bedient Euch dieſer Woh⸗ „nung. Stellina iſt nun meine Sklavin, und „ich verlange, daß Ihr ſie nicht mehr ſeht.— „Sie liebt Euch noch, folglich wuͤrde ihre Ge⸗ „genwart Euch nur Kummer machen. Ich „will ſie von eurer Abreiſe unterrichten. In „einigen Tagen wird ein Schiff bereit ſeyn, „mit Euch dahin zu ſegeln, wohin es Euch ge⸗ ————, c—— — „ ten⸗ net dem cken ind lickt uͤr⸗ — 95— „faͤllig iſt. Wenn Ihr heute um die Geneh⸗ „migung des Vicekoͤnigs anſucht, ſo theilet „ihm unſere Bedingniſſe mit, damit niemand „in mein offenes Betragen Zweifel ſetzen koͤn⸗ „ne.— Junger Mann, euere fruͤhzeitige Klug⸗ „heit iſt der ſichere Buͤrge einer kaufmaͤnniſchen „Erziehung.. Ich prophezeye Euch groſſe „Fortſchritte in der betrettenen Laufbahn. Eduard glaubt das Seufzen ſeiner Freun⸗ din zu vernehmen... Um dieſes lezte Ge⸗ fuͤhl der Natur zu erſticken, zaͤhlt er ſein Gold, und ſondert die verſchiedenen Sorten ab.„ Ihr Klang betaͤubt und bezaubert ihn. Nach mehreren Stunden fand ihn Arpos noch in der naͤmlichen Beſchaͤftigung. Fuentes konnte dieſen ſchaͤndlichen Han⸗ del nicht glauben. Milford beſtaͤttigte ihm ſol⸗ chen, und bat um ſeine Befehle.„Nieder⸗ „traͤchtiger, antwortete er ihm, verlaſſe eilends „dieſen Aufenthalt, und entferne Dich aus mei⸗ „ner Gegenwart. Dein Anblick iſt mir uner⸗ „traͤglich.“ Der Graf, welcher den wahrſcheinlichſten Vorwand angefuͤhrt hatte, ſagte Stellinen, daß ſie erſt den folgenden Morgen ihren Eduard wieder ſehen wuͤrde. Den Tag und die Nacht brachte ſie kummervoll dahin.„Mein Gemahl „iſt vielleicht Gefahren ausgeſezt.. Viel⸗ „leicht ſein Leben bedroht, und ich befinde mich „nicht an ſeiner Seite, ihm beyzuſtehen.“— Man benachrichtigte ſie zur beſtimmten Stun⸗ de, in welcher er zuruͤckkommen ſollte, daß er nach Europa abgereiſt ſey.„ Sie wollte es nicht glauben. Sie verwarf dieſe niedrige Be⸗ ſchuldigung mit Entſetzen, und hielt alle, wel⸗ che ſie umgaben, eher fuͤr Verraͤther, als ihren Freund fuͤr undankbar..„ Sie klagt Arpos als ſeinen Moͤrder an. Erblickt ſich al⸗ lein in der Mitte unter den Moͤrdern ihres Gatten! ohne Emora! ohne Va⸗ ter! ohne ihre Geſpielinnen! Sie fodert Milford zuruͤck und will ihm in das Grab folgen. Alle Sorgfalt, welche Fuentes aufbot, konnte ihren Schmerz nicht lindern. Sie wur⸗ de in den portugieſiſchen Pallaſt gebracht, und wie die Schweſter des Vicekoͤnigs da⸗ ſelbſt bedient. Verſchiedene Frauen verſuch⸗ ten vergebens ſie zu uͤberreden, daß ihr Freund ſie verlaſſen haͤtte. Nichts, als die Einſamkeit ſuchte cht ahl iele ich un⸗ er llte Be⸗ vel⸗ en pos al⸗ res Va⸗ Sie das bot, vur⸗ cht, da⸗ uch⸗ und keit chte — 97— ſuchte ſie. Gefuͤhllos gegen alle Achtung, mit welcher man ſie uͤberhaͤufte, ſagte ſie:„So be⸗ „handelten ſie auch meinen Eduard, und ſie „haben ihn gemordet.“ Fuentes bedauert ſie, und verzweifelt nicht an ihrer Heilung. Sein ganzes Herz empoͤrt ſich gegen den Kaufmann, und wuͤnſcht nichts ſehnlicher, als daß die Zeit den Schmerz dieſer ungluͤcklichen lindern, und ihr wieder heitre Ta⸗ ge zuruͤckfuͤhren moöge. — 95— Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stellina. —— Neuntes Buch. Die Rache. Du wieſ unſrer Leiden nicht mehr ſpotten⸗ Noch waren wenige Tage nach Milfords Verra⸗ the verfloſſen. Das Schiff, welches ihn nach Ba⸗ tavia bringen ſollte, lag auf der Rheede. Stel⸗ linens Leiden hatten den Eindruck ihrer Reize um vieles erhoͤht. Alle Officiere nahmen leb⸗ haften Antheil an ihrem Kummer: ſe wuͤrden willig ihr Gluͤck zu ſeiner Linderung aufgeopfert haben.„Nein, ſagten ſie, nie war je „ein Portugieſe niedrig genug, die Liehe und NN — — „die Schoͤnheit ſo ſtraͤflich zu beleidigen. We⸗ „der Italien, noch Spanien, noch Gallien er⸗ „zeugen ſolche Menſchen. Ein Speku⸗ „lant aus Plymouth, ein Engländer allein, „war faͤhig, ſein Gluͤck durch die Thraͤnen ſei⸗ „ner Geliebten zu berechnen.“ Das Volk von Colombo bezeigte ſich nicht weniger gefuͤhl⸗ voll, als ſeine Vorgeſezten. Aller Orten ſprach man von Stellina, und lauſchte beſtändig um den Pallaſt, ſie zu erſpaͤhen. Der reiche Eduard wagt' es nicht, ſich von ſeinem Schatze zu entfernen, noch ſich der allgemeinen Verachtung preis zu geben; verließ er auch zuweilen ſeine Wohnung, ſo waren alle Blicke auf ihn geheftet. Die Soldaten, die Kinder, die Greiſe zeigten veraͤchtlich mit den Fingern nach ihm, und die Weiber, indem ſie ſich entfernten, ſagten unter ſich:„ſeht ihn hier, „der ſein Weib und ſein Kind verhandelte.“ Coſmoͤe, der Anfuͤhrer aus den Waldern des Ariſem, kam mit ſeinen Gefaͤhrten auf dem Berge Argias an.— Eine ſtarke Wache beglei⸗ tete ſie nach Colombo. Durch dieſes neue Schauſpiel herbeygelockt, verſammelte ſich das Volk auf den Waͤllen. Bey ihrem Einzuge gab — 100— es durch ein verworrenes Geſchrey ſeine unruhige Neugierde zu erkennen, und ſteömte mit ihnen nach dem portugieſiſchen Pallaſte. Coſinde ſchritt voraus. Sein wilder Blick ſchwebte hin uͤber die Menße, die ſchon von dem Schatten ſeiner Keule zuruͤckwich. Stolzes La cheln erheiterte ſeine Zuͤge, und er dachte bey ſ6 ſelbſt:„unter allen dieſen hochgeprieſenen Fein⸗ „den erblicke ich nicht einen, der ſtark genug „waͤre, ſich meiner Waffen zu bedienen,.. „nicht einen, der meinen Bogen zu ſpannen ver⸗ „moͤchte;„ und ſie ſind die Sieger! „Haͤtte der Geiſt des Boͤſen, welcher ſie beguͤn⸗ „ſtigt, ihnen nicht den Blitz verliehen, ich wollte „ſie heute noch alle meinen Voreltern ganz al⸗ „lein zum Opfer bringen.“ Zwey Krieger und zwey Braminen ſolg ten Coſmoͤe. Einer der Braminen hielt einen Kokoszweig, das Sinnbild der Friedensbot⸗ ſchaft; der andere trug ein Käſtchen von Eben⸗ holz, welches Stellinens Löfegeld enthielt. Sie ſchritten einher, als befaͤnden ſie ſich im Tem⸗ pel. Ihr ehrwuͤrdiges Anſehen, ihr langes zeugenes Gewand, verkuͤndigte die Diener der Goͤtter in ihnen. Mit Achtung betrachteten ſie die Portugieſen. — er ſie Die beyden Krieger ſind Termor und Me⸗ lut, beruͤhmt unter den Tapfern, und die erſten, welche am Tage des Opfers ſich fuͤr Riamir er⸗ klaͤrten. Sie lieben den Anfuͤhrer aus den Waͤl⸗ dern des Ariſem, und ihre Lenden ſind wie die ſei⸗ nige kaum mit einem Stuͤck Caroszenge bedeckt. Ihre Bloͤſſe giebt ihre Staͤrke zu erkennen: die nervigten Muskeln enthuͤllen ſich, welche man auf ihren brauen Koͤrpern gewahr wird. Sie kommen an den Pallaſt, wo ſich die vornehmſten Einwohner und der Magiſtrat, um ihrem Empfange mehr Feyerlichkeit zu ge⸗ ben, verſammelt hatten. Man wollte ihr Er⸗ ſtaunen rege machen. Die TDruppen, auf dem Platze von Liſſabon aufgeſtellt, gaben ihnen zu Ehren ein Lauffeuer, deſſen Blitz, Knall und Rauch die Braminen, welche mit der euro⸗ paͤiſchen Art Krieg zu fuͤhren wenig bekannt waren, in ihrem Gange zuruͤckhielt. Coſmoͤe, welcher alles mit einem widrigen Blicke beobach⸗ tet, hoͤrt und uͤberſieht, tritt in die Saͤulengaͤnge. Der Vicekoͤnig, umgeben von ſeinen Haus⸗ offizieren, ſaß mit allen Ehrenzeichen ſeiner Wuͤr⸗ de behangen, unter dem Thronhimmel. Nahe bey ihm befand ſich der chriſtliche Praͤlat, der 1 Erzbiſchof von Taprobane, und der die Brami⸗ nen, die er bemerkte, ſchon der Hoͤlle uͤbergeben zu wollen ſchien. Gluͤcklicher Weiſe hatte der Groß⸗Inquiſitor wenigen Einfluß bey Fuentes, und die Prieſter Indoſtans waren daher ſeinem Gerichtszwange nicht unterworfen.. Einige Sitze ohne Lehnen ſtanden vor dem Throne bereit. Coſmoͤe nahte ſich, und ſeine Stimme hallt durch das Gewoͤlbe. „Fuͤrſt! Du haſt den Frieden mit meinem „Stamm in den Waͤldern von Suffraga*) be⸗ „ſchworen: Du gelobteſt bey deinen Goͤttern, ihn „nie zu verletzen. Der groſſe Viſnou**) ver⸗ „nahm unſern Schwur.“ „Warum biſt du meineidig geworden? War⸗ „um irren Portugieſen in unſern Gebirgen um⸗ „her? Ein vergifteter Pfeil, von ihren Haͤnden „abgedruckt, toͤdete den tapfern Riamir. Stellina „wurde in der Nacht uͤberfallen, und in dieſe „Mauern gefuͤhret.“ *) Der Wald von Suffraga liegt nahe bey dem Berge Ar⸗ gias.— hier ſchloß Fuentes im Jahre 1597. nach der Schlacht von Malvana mit drey Abgeordneten des Stammes Frieden. **) Viſnou iſt der Gott des Krieges: die Singalen ruffen ihn auf dem Schlachtfelde an. „Nur ein Feiger beſchuͤzt die Moͤrber, „und ich uͤberlaſſe dir die Sorge, ſie zu ſtraf⸗ „fen. Im Namen meines Stammes begehre ich „die Tochter des Itobars von dir zuruͤck. Be⸗ „trachteſt du ſie als deine Gefangne, ſo bringe „ich dir ein koſtbares Loſegeld fuͤr ſie.“ „Nimm meine Bitte auf, und ſey nicht „ungerecht.— Wir verweigern zwar das Buͤnd⸗ „niß, welches du uns anbieteſt, da die Gebeine „unſerer Freunde, welche das Feuer verzehrte, „noch an dem Geſtade umher zerſtreut liegen; „allein wir lieben doch den in den Waͤldern „von Suffraga beſchwornen Frieden. 4. Die Braminen ſetzen zu den Fuͤſſen des Thrones den Kokoszweig und das Kaͤſtchen von Ebenholz nieder. „Indianer, rief der Vicekoͤnig, wer die „Macht in Haͤnden hat, bedarf keiner Argliſt: „Tod den Moͤrdern und den Entfuͤhrern. „Schon lange ſind die Namen Riamir und „Coſine bey uns beruͤhmt: ihr Ruf hat ſich „bis uͤber die Meere verbreitet.— Ihr ſagt, „Riamir ſey unter dem Pfeile eines Verraͤ⸗ „thers gefallen. Ich beklage das Schickſal die⸗ „ſes Tapfern... Er kam, wie Ihr, oͤfters im — 6— „Namen des Itobars in dieſe Mauern. „Hätten wir meineidig ſeyn wollen, welche „Macht konnte ihn unſern Streichen entzie⸗ „hen?.. Um ſchnell zu toͤdten, beduͤrfen wir „wohl giftiger Pfeile? Iſt das Bley nicht „weit raſcher und ſichrer? „Indianer! ich bin euer Freund. Eure „Klagen ſind ungerecht. Ich haſſe den Krieg, „und eine Luͤge hat meine Lippen noch nie be⸗ „ſchmuzt. „Die Portugieſen haben die Tochter des „Itobars nicht uͤberfallen. Sie ſelbſt iſt in Be⸗ „gleitung eines europaͤiſchen Mannes, der mit „unſerer Nation keine Gemeinſchaft hat, hie⸗ „her gekommen, um bey mir eine Freyſtaͤtte zu „begehren. Ich ſchenkte ihr die Gaſtfreyheit. „Eben jener, welchen ſie ihren Gatten nannte, „hat ſie verlaſſen, er reiſt nach fernen Laͤndern. „Man behandelt ſie in meinem Pallaſte, wie „eine Fuͤrſtin. „Coſmoͤe ich nehme den Zweig des Friedens. „Allein nicht gegen Gold tauſcht man Stellinen „aus. Ich verlange nichts, als die Freundſchaft „des Itobars, und die deinige: das Loͤſegeld wel⸗ „ches du mir anbieteſt, iſt unnothig. 105— „Erholung wartet deiner und deiner Ge— „faͤhrten in der Wohnung, die man fuͤr Euch „bereitet hat. Entſprichſt du morgen meinen „Wuͤnſchen, ſo hoffe ich Stellinens Vater Freu— „de, und den Tenadaren wieder Gluͤck zu ſchen⸗ „en Als er dieſes geſagt hatte, gieng die Ver— ſammlung auseinander. Coſmöe begab ſich nach dem Pallaſte des Malespi, welcher nach dem Meerbuſen hin ſeine Ausſicht hat. Er hielt Fu⸗ entes fuͤr unfaͤhig, ihm die Wahrheit zu verheimtt chen. Wer kann wohl Riamirs Moͤrder ſeyn, wenn es kein Portugieſe iſt? Er entſinnt ſich ſeiner lezten Worte, und von neuem erwacht ſein Verdacht auf den Oberprieſter... Eine weit lebhaftere Unruhe verdraͤngte die— ſen Die— 1 6 iſt der Mann, „„ Sein e beantwortete alle ſeine Fra⸗ gen; er machte es ſich zum Vergnügen, ihn von der Liebe der beyden Fluͤchtlinge, von ihrer An⸗ kunft in Colombo, und von Eduards Untreue zu unterrichten.„Der Undankbare, ſagte er, iſt „bey uns verabſcheut: er verbirgt ſich, gleich „dem kriechenden Ungeziefer, welches ſich nicht ——— — 106— „mehr aus ſeinem Schlupfwinkel hervor⸗ „wagt. Er hat, wie dieſes, den Buſen, „welcher ihn erwaͤrmte, zernagt.“ Coſ⸗ moͤes Erſtaunen glich ſeinem Grimme Ei⸗ ne elektriſche Bewegung durchbebte ihn bey Maolespis Erzaͤhlung: ſeine Adern ſchwellen an, erheben ſich und durchkreuzen in blaͤulich⸗ ten Linien die furchtbare Geſtalt. Er erinnert ſich des Lagers am Gardel. Die abſcheuliche Lei⸗ denſchaft ſeiner Geliebten war damahls die Ur⸗ ſache ihrer ſteten Unruhe..... Geſtern war ſie ſtrafbar,... heute iſt ſie Sklavin! Täglich in die Grotte zuruͤckgezogen. harrte ihrer dort ohne Zweifel das europaͤiſche Ungeheuer!.... Allein nicht weit von da erhielt Caliturs Bruder den toͤdlichen Schuß. Stellina war ihm beſtimmt. Vielleicht druͤckte ſein gluͤcklicher Neben⸗ buhler durch die unverletzbare Freyſtaͤtte, welche nur ihmoffen ſtand, kuͤhn gemacht, den Pfeil ab.... Er iſt daher ihr Entfuͤhrer und der Moͤrder zu⸗ gleich..... Er athmet noch in den Mauern von Colombo, und wird in den weſtlichen Laͤndern in Frieden die Fruͤchte ſeines Verbrechens genieſſen! Die geſchaͤndete Tochter des Itobars lebt nun nicht mehr fuͤr die Bedas: nur Verachtung, oſ⸗ i⸗ ey r⸗ — 107— und Tod wuͤrde ſie unter ihnen finden.... Coſmdͤe verzichtet, ſie von Fuentes zu erhalten; allein den Kopf des Verfuͤhrers kann er zum Tauſche zuruͤckbringen, ob es gleich ein trau⸗ riges Opfer fuͤr den allgemeinen Schmerz und die vaͤterliche Verzweiflung waͤre! Der Anfuͤhrer vom Ariſem war nach Riamir der Erſte unter den Tenadaren. Seine 1 zahlreichen Freunde verſchmaͤhten den Aufent⸗ halt in Tenor und Fetan. Waͤhrend die Heer⸗ den unter der Hut ihrer Weiber in den Waͤl⸗ dern weideten, bekriegten ſie unaufhoͤrlich die wilden Thiere: zuweilen ſteckten ſie ein Ziel aus, uͤbten ihre Staͤrke und Gewandtheit, und der, deſſen Pfeil oder Wurfſpieß am erſten es erreichte, kehrte am Abende im Triumphe in die Mitte der Seinigen zuruͤck. Waffen und Muͤſſiggang genuͤgten ihnen zu ihrem Gluͤcke. Ihre Huͤtten befanden ſich bey ihren Heerden; wenn die Gegend keine Weide mehr fuͤr ſie hatte, ſo ſuchten ſie eine andere, und erbauten ſich neue Huͤtten, ohne die verlaßnen zu vermiſſen. Dieſes Hirtenvolk, obgleich weniger vereinigt, war doch weit wilder, als die uͤbrigen der Sin— galen. Cosmoͤe ſcheint der einzige Anfuͤhrer zu * ſeyn, der wuͤrdig war, ſich mit jenem der San⸗ ga um den Seepter des Itobars zu meſſen. Kein Bedas konnte ihn izt mehr ungeſtraft be⸗ leidigen. Der Oberprieſter hatte ihn auch deß⸗ wegen zu dieſer Geſandtſchaft nach Colombo ge⸗ waͤhlt. Seine Abweſenheit iſt ihm erwuͤnſcht, und die portugieſiſche Unredlichkeit kann ihm Ge⸗ fahren zuziehen, mit denen er ihn gerne be⸗ droht ſieht. Der Vicekoͤnig kannte die Macht des An⸗ fuͤhrers vom Ariſem: er verſuchte in dem Tref⸗ fen bey Corli ſeinen Muth und die Wuth ſei⸗ ner Tapfern...... Kann er ſeine Freund⸗ ſchaft erhalten: ſo zweifelt er auch nicht an jener des ganzen Stammes. Der alte Ditulan wird nichts unmoͤglich finden, um Stellinen wieder zu beſitzen. Wenn der Vicekoͤnig das erwuͤnſchte Buͤndniß wird geſchloſſen haben, dann will er es ſelbſt in dem Tempel des Brama beſchwoͤ⸗ ren, und ſeine Gefangene in die Arme ihres Vaters zuruͤckfuͤhren. Seine Geſchenke und ſein gefaͤlliges Betragen werden ihm das Zu⸗ trauen der Indianer erwerben. Die Wuͤnſche des Hofes zu Liſſabon werden erfuͤllt, ohne ei⸗ nen Krieg zu erneuern, welchen die hollaͤndi⸗ *X—— — 1——— N* ſche Kompagnie ſchon laͤngſt in der feſten Ue⸗ berzeugung anzufachen bemuͤht war, daß ſelbſt der Sieg den Portugieſen nachtheilig ſeyn, und der Nationalhaß ihnen auf ewig, das Gebirg von Ceylon zu erſteigen, verſagen wuͤrde. Milfords Geliebte zweifelte nicht mehr an ſeiner Ermordung. Die Weiber, welche ſie bedienten, konnten ſie nicht vom Gegentheile uͤberzeugen. Der Graf Arpos und der Vice⸗ koͤnig waren ihr gleich verhaßt. Haͤtte ihr Ge⸗ mahl noch gelebt, dann wuͤrde ſie mit Zittern die Annaͤherung der Geſandten des Stammes vernommen haben: der feyerliche Empfang in dem portugieſiſchen Pallaſte, wo ſie ſich befin⸗ det, waͤre fuͤr ſie peinigend geweſen, und aus Furcht, man moͤchte ihren Eduard von ihr tren⸗ nen, wuͤrde ſie Fuentes Kniee umfaßt haben, um ſeinen Beyſtand zu erflehen..... Allein da er nicht mehr iſt, hat ſie nichts mehr zu fuͤrchten, und nichts zu verlieren. Die Gegen⸗ wart der Krieger, der Greiſe aus Tenor, wuͤrde ſie wenig erſchrecken, die Verachtung ihrer Ge⸗ ſpielinnen ihr gleichguͤltig ſeyn... Bramas unwiderrufliches Geſetz, welches die ſtraͤfliche Mutter zum Holzſtoſſe verurtheilt, ſchont zwar 3 ——— ———————— —————— —— des Kindes, das ſie gebiert,*) allein blos um es zur Sklaverey und zum Elende zu ver⸗ dammen. Es iſt beſſer, daß es ihren Schoos gar nicht verlaͤßt. Der Tod ſcheint ihr izt als das Ziel ihrer Leiden willkommen; er ſcheint ihr weniger bitter, als die Reue, und die Gewiſſensbiſſe, welche ſie quaͤlen, und als die traurige Einſamkeit, die ſie umgiebt. Sie hoft durch das angebotene Loͤſegeld von den Portugieſen befreyt zu werden. In wenigen Tagen glaubt ſie ihren Vater umarmen, und ſich mit ihrem Gemahle wieder vereinigen zu koͤnnen.. Das Bild des Greiſen, der ſich vielleicht zu ſeiner lezten Stunde hinneigt, und ſie von ſeinem Herzen zuruͤckſtoͤßt, wirkt eben ſo ſtark auf ſie, als die Leiden, welche ſie fuͤr ihr Kind ahndet. Sie kann nicht mehr weinen.... Neue Qualen ſind ihr inzwiſchen vorbehalten. Die grauſame Liebe wollte ſich ihre Beute nicht *) Das Geſetz verurtheilt das Weib, welches mit einem fremden Manne in einem unerlaubten Verkehre ſteht, zum Tode; wurde ſie aber Mutter, ſo hatte die Strafe erſt nach der Geburt des Kindes Statt, welches als⸗ dann verkauft, oder in den Wäldern ausgeſezt wurde⸗ entreiſſen laſſen. Vergebens nahet ſich der Tod, und fodert das Opfer... Ihren Gatten ſollte ſie wieder ſehen, und neue Thraͤnen finden... Coſinoe verlaͤßt ſeine Wohnung, und folgt der Straſſe nach dem portugieſiſchen Pallaſte. Der Schatten der Rache war der unzertrennli⸗ che Gefaͤhrte der Nacht: er wandelte an ſei⸗ ner Seite her; und damit ſein Anblick kei⸗ nen Argwohn erwecke, mildert er ſeine grauſe Geſtalt durch ein verſtelltes Laͤcheln.. Der Vicekoͤnig, welcher ihn mit Wohlwol⸗ len empfaͤngt, oͤffnet ihm ſein Herz, und bezeigt ſein Verlangen, den Haß der beyden Voͤlker end⸗ lich beendigt zu ſehen; er bedient ſich abwechſelnd aller Beredſamkeit, um ihm bald die Vortheile, die daraus entſpringen, zu ſchildern, bald ihm an das Herz zu reden; er erbot ſich, den Bedas die Gegenden von Corli und Suffraga, welche ſie vor dem lezten Kriege beſeſſen hatten, wie⸗ der einzuraͤumen; verlangt dagegen ein Buͤnd⸗ niß mit ihnen, einen Handelstraktat, und das nöthige Zutrauen, welches ein beiderſeitiges Ver⸗ kehr erfodre. Wenn der Itobar ſeiner Toch⸗ ter vergiebt, will er ſie ſelbſt nach Tenor be⸗ —— — 112— geliten, und in ſeine Haͤnde uͤbergeben. Sollte das Geſetz unwiderruflich ſeyn, ſo verſpricht er ihr unter den erſten Groſſen ſeines Hofes einen Gemahl zu geben, der ihr Eduards Undank ver⸗ geſſen machen wuͤrde. Gluͤcklich wird ſie in Co⸗ lombo leben, und der alte Ditulan koͤnnte ſie zuweilen an ſein Herz druͤcken, und ſich in den Liebkoſungen ihrer Kinder ergoͤtzen. Fuentes wußte nicht, daß er mit dem Ge⸗ liebten Stellinens ſpreche... Es war ihm unbekannt, daß dic Indianerin unter ihrem Herzen die Frucht des Englaͤnders trage, und daß ſie unter den Ihrigen nur ein Gegenſtand des Abſcheues ſeyn wuͤrde.. „Ihr ſeyd ein Held in dem Kriege, ſprach „er zu Coſinöe; werdet nun auch eine wohlthaͤ⸗ „tige Gottheit des Friedens, indem ihr den „Haß erſtickt, welcher nur den Tod vervielfäl⸗ „tigt, und das Leben vergiftet.. Euer Fuͤrſt „hat keine Familie mehr. Ihr ſeyd wahrſchein⸗ „lich zu ſeinem Nachfolger beſtimmt. Bereitet „einem Volke, daß Euch ſchon angehört, ſein „Gluck, und nothigt euern Freund nicht, Euch „bekämpfen zu muͤſſen. Ich habe bisher ſtets, „den Befehl des groſſen Monarchen zu vollziehen, äl⸗ rſt in⸗ itet ein uch s, en, „gezogert. Seyd nicht taub fuͤr eine Stimme, „Ein fruchtloſer Friede hat keinen Werth fuͤr „uns. Euren Bund, oder Krieg... Und „wie wollt ihr unſern Waffen trotzen?. „Euer Muth wird blos euern Untergang ver⸗ „zoͤgern;.„und ich kann eben ſo fuͤrchterlich „werden, als mein Vater.“ Coſinse, dem Geſetze getreu, welchem er zu folgen ſich vorgenommen hatte, heuchelte eine ungewoͤhnliche Sanftmuth. Die Ueßerredung ſchie ſein ganzes Weſen erfuͤllt zu haben. Er kann mit kaltem Blute von einem Frieden, den er verabſcheut, und von einer Verbindung Stelli⸗ nens mit einem Portugieſen reden hoͤren... Er vernahm ſogar die Drohung. Allein als Fuentes den Namen ſeines Vaters ausſprach, glaubte er ſich zu verrathen. Er zitterte bey dieſem Namen, auf welchem bey allen Bewoh⸗ nern von Ceylon der Fluch ruhete.... Kaum hat er ſich von dieſem unwillkührlichen Gefuhle erholt, ſo verlangte er die Gefangne zu ſehen, um ſich von der Achtung, welche man ihr erweiſe, uͤberzeugen zu koͤnnen. Fuentes ſchlug es ihm ab⸗ „Dein Anblick, ſprach er zu ihm, koͤnnte „nur die Unruhe der Ungluͤcklichen vermehren. 3 „Mein Wort, daß ſie hier wie meine Schwe⸗ „ſter behandelt werde, muß dir genuͤgen. Ver⸗ „ſcheuche dieſe Zweifel, welche mich beleidigen. „Geh! uͤberbringe dem Itobar mein freund⸗ „ſchaftliches Anerbieten, und ſey beſorgt, daß „dieſe Edelſteine, als ein unnoͤthiges Loͤſe⸗ „geld, in dem Tempel des groſſen Brama „wieder in ihre alte Stelle geſezt werden. „Deine Ruckkehr ſoll mir Krieg oder Frieden „bringen. Mit Sehnſucht werde ich die Tage „deiner Abweſenheit berechnen.“ Der Anfuͤhrer vom Ariſem verſchluckt den Unwillen, der ihn druͤckt. Die Verweigerung, die er eben erhaͤlt, macht ihn nicht muthlos. Er antwortet Fuentes: „Du entziehſt Steh inen meinem nöl⸗ cke!. Dieſes geheimnißvolle Betragen be⸗ mich. Duͤrfte ich deiner Aufrichtig⸗ „keit trauen, in dieſem Augenblicke ſollte das „Bunduiß geſchloſſen ſeyn⸗ Allein ich geſtehe „es, ich ſetze Mißtrauen in deine Wor⸗ „te. Milfords Geſchichte, ſein Name kön⸗ „nen leicht Fabel ſeyn.... Ich kann es nicht „bekraͤftigen, daß er wirklich lebt. Vielleicht „athmet Stellina ſelbſt nicht mehr hier, oder iſt den ng, os. bli⸗ tig⸗ das che or⸗ icht icht — 115— „als Sklavin nach Europa verſchickt wor⸗ „den. Ehedem waren wir leichtglaubiger; „allein eure oͤftere Wortbruͤchigkeit lehrte uns „Zweifel in eure Verſicherungen ſetzen. „Ich wuͤnſche den Kaufmann zu ſehen: „er ſoll kommen, und ſich erklaͤren. Dann „werde ich die Portugieſen fremd von dem Verbre⸗ „chen halten, deren ſie der Stamm beſchuldigt.“ Der Vicekoͤnig iſt unentſchloſſen. Sein Stolz iſt durch den beleidigenden Argwohn, den man gegen ihn hegt, gekraͤnkt: allein ein zwei⸗ tes Verweigern waͤre Beſchimpfung. Er will den neuen Freund, welchen er zu erobern gedenkt, ſcho⸗ nen, und befiehlt, den Englaͤnder vorzufuͤhren. Ein fuͤrchterliches Laͤcheln ſchwebt auf Coſ⸗ moͤes Lippen. In der Nacht hatte der Englaͤnder abrei⸗ ſen ſollen. Seit der Ankunft der Wilden ver⸗ ließ er den Pallaſt des Grafen Arpos nicht. Er zitterte furchtſam bey den Worten von Fu⸗ entes Abſchickten, dem er ungerne folgt. Durch die Gegenwart des Tenadaren er⸗ ſtarrt ſein ganzes Weſen vor Schrecken. Obe gleich er ſich ohne Waffen befindet, ſo fuͤrchtet der Niedertraͤchtige doch ſein Annaͤhern: er — 116— horte kaum, und mit Muͤhe nur konnte man ſeine zitternden Antworten verſtehen. Der Anfuͤhrer vom Ariſem vernimmt das Geſtaͤndniß ſeiner Treuloſigkeit. Er zoͤ⸗ gert nicht laͤnger.— Seine Hand ſucht lang⸗ ſam den Dolch, welcher in den Falten ſeiner Schaͤrpe verborgen war.... Vergebens ſtuͤrzt Fuentes nach ihm hin, vergebens weicht der aufmerkſame Englaͤnder zuruͤck; Coſ⸗ moe trift das Herz.. WMit der einen Hand draͤngt er den Vicekoͤnig, welcher ihn abhalten wollte, von ſich, ſtoͤßt noch einmal, und ruft: „Du wirſt unſrer Leiden nicht mehr ſpotten.“ Eduard ſinkt, und kruͤmmt ſich auf den Stuffen des Throns. Die Wachen umringen den Wilden, welcher zu Fuentes Fuͤſſen den blu⸗ rigen Dolch hinſchleudert, und ſagt: „Wiſſe, daß die Tochter des Itobars mir „zur Gemahlin beſtimmt war.. Ich habe „die Liebe, und das Vaterland geraͤcht. Du, „der du mich nun in Feſſeln wirfſt, und un⸗ „aufhörlich von Gerechtigkeit und Großmuth „ſprichſt, du beſchuͤtzeſt dieſes Ungeheuer..... „Indem du ſeine Rechte erhandelteſt, haſt du „ſein Verbrechen gebilliget..... Lege meinen — 6 w—*— *„ 6 e 1* „Kopf zu jenem Riamirs, und ſtraffe mich, „deiner geſchont zu haben.“ Fortgeſchleppt durch die Wachen, heftet er noch einen zufriedenen Blick auf den erſtarrten Fremdling, und zertrit, indem er nahe bey ihm voruͤbergeht, veraͤchtlich das Blut, welches ſich uͤber den Fußboden ergießt.. Die Weiber aus dem Pallaſte laufen hinzu. Man legt Eduard auf eine Stufe, und die Söhne Aeskulaps verſuchen ihre Kuͤnſte an ihm. Der Laͤrmen,„ das Geſchrey,— Eduards Name dringt bis zu Stellinens Ge⸗ mach. Ihre Haare ſtraͤuben ſich empor, ſie zittert, ſtuͤrzt ſich nach Fuentes Saale, draͤngt den Haufen auseinander, erhebt einen fuͤrch⸗ terlichen Schrei, und wirft ſich auf den Leich⸗ nam ihres Gemahls. Der Vicekoͤnig iſt bey dieſem Schauſpiele fuͤr Stellinens Leben beſorgt. Vergebens ſucht man ſie aufzurichten: ſie preßt Eduard an ihre Bruſt, und umſchlingt ihn feſt mit ihren Ar⸗ nen, gleich einem Bande, das man nur muͤh⸗ ſam trennen konnte. Todesblaͤſſe ruht auf beyden Geſichtern. „ Die Anſtrengung, welcher man ſich bedie⸗ nen mußte, um ſie zu trennen, brachten ſie wieder zu ſich. Nur durch Gewalt konnte man ſie von der Leiche entfernen. Schwer draͤngt ſich ihr kläͤgliches Schluchzen aus ihrer Bruſt hervor.... Ihr umherirrendes Auge, ihre todenbleiche Stirne, und ihre mit dem Blute des Undankbaren gefaͤrbten Lippen entlockten ſelbſt dem Gefuͤhlloſeſten Thränen.... Erwacht aus ihrer Ohnwacht lebte auch der erneuerte Schmerz wieder in ihr auf; al⸗ lein der Gebrauch ihrer Sinne war dahin: ſie erkennt ihre Frauen nicht mehr, und wußte nicht, was ſie mit ihr ſprachen; ſie glaubt, der entſeelte Körper ihres Eduards ruhe auf ihrem Bette; zeigt jedem ſeine Wunden; ſie ſpricht mit ihrem Vater, mit ihrer guten Emora, und wicderholt mit einer herzbrechenden Stim⸗ me dieſe Worte: „Die Abſcheulichen beſchuldigten ihn „mich verlaſſen zu haben,„ nach Europa „abgereiſt zu ſeyn!... Sie haben ihn getoͤ⸗ „det. Hieher, dahin haben ſie ihn mit „vielen Stichen getroffen..... O! ich werde „ihrn mit meinem Kinde nachfolgen, ich „werde ihm folgen.“ XV pa tö⸗ nit de i6 So ſprach ſie, und ſog“ von dem Tu⸗ che das Blut auf, welches ſie bey voruͤber⸗ laufen zu ſehen glaubte. 4 E Wenn ihr die Ruhe keine grleichtetung gewährt, ſo zittert man fuͤr ihr Lebem— Die ſie umgebenden Gefahren machten das Anden⸗ ken an den Kaufmann nur noch gehaͤſſiger: der allgemeine Fluch ruht auf ſeinem Grabe; ſein Tod ſchien vielmehr, ohne das mindeſte Bedauern zu erregen, eine zu gelinde Stra⸗ fe... Er haͤtte langſam, durch das Gift der Verzweiflung verzehrt, dahin ſterben, und ein Todeskampf haͤtte wenigſtens eben ſo Fne⸗ als jener ſeines Schlachtopfers ſeyn ſollen. Der Vicekoͤnig bedauert dieſes unerwar⸗ tete Ereigniß, welches alle ſeine friedlichen Geſinnungen zerſtoͤrt. Mit Muͤhe nur ent⸗ ſagt er ihnen. Milford war immer der Ge⸗ genſtand ſeiner Verachtung; allein ein Ver⸗ rechtfertiget das andere nicht... Vor ſeinem Richterſtuhle hat der Tenadar den Europaͤer gemordet... Nichts kann ihn ver⸗ theidigen.. Die Braminen und Krieger eilen nach dem Pallaſte. Sie fodern die Freyheit ihres — 120— Anfuͤhrers, oder auch Feſſeln.— Fuentes be⸗ ſiehlt ihnen, ſich aus Colombo zu entfernen. Die rohen Wachen geſtatten ihnen nicht ein⸗ mahl ſo wiel Zeit, das Loſegeld Stellinens zu— ruͤck zu nehmen. Unter einem Strome von Drohungen entfernen ſie ſich. Der indianiſche Volksſtamm, oder Eduard und Stellins. Zebntes Buſcch. ————— Die Sroberung. Geliebter Stellinens, du biſtfrei. Coſmse harrt in dem Kerker auf ſein urtheil. Das portugieſiſche Geſetz verdammt ihn, allein die Politik, welche bald ſchonend, bald ſtrenge verfaͤhrt, deckt ihn mit ihrem Schilde. Mehrere Hoͤflinge werden ſeine Verthei⸗ diger. Durch Ruhe und Vergnuͤgen zu Weich⸗ lingen umgebildet, fuͤrchteten ſie, das Blut des Anfuͤhrers vom Ariſem moͤgte auf ſie zuruͤck⸗ ſlieſſen, und verlangten daher ſeine Freyheit. Der Graf Arpos war der einzige, welcher aus dieſem ungluͤcke Vortheil zog. Er nahm das Gold, welches Eduard zum Lohne ſeines Verbrechens erhalten hatte, zuruͤck. Keiner war zwar weniger grauſam, als er; allein in der Schlacht zagte er nicht. Stellinens Ruͤckkehr zu den Ihrigen ſchien ihm unmoͤglich. Da nun das Buͤndniß nicht eingegangen werden kann: ſo haͤlt er es fuͤr unklug, die Feſſeln des Te⸗ nadaren zu loͤſen, und glaubt, daß man ihn als Geiſel zuruͤckbehalten muͤſſe. Fuentes war mit ihm einverſtanden. Noch eine ſchwache Hoffnung blieb ihm, den Frieden, welchen Coſmoͤes Dolch zerſchnitten hatte, wie⸗ der von neuem anknuͤpfen zu koͤnnen.— Waͤh⸗ rend ſeine Offiziere, wie gewoͤhnlich bey ver“ ſchiednen Meinungen zu geſchehen pflegt, ſich unter einander ſtritten, gab man von dem groſ⸗ ſen Wartthurme das Zeichen der Annaͤherung eines Schiffes. Es erſchien in wenigen Au⸗ genblicken vor dem Meerbuſen, und lief mit vollen Segeln in den Hafen ein. Der tapfere Almendro, Gouverneur von Ockande, war es. Das Heil der Portugieſen vaͤngt von der Na hricht ab, welche er mit⸗ bn it⸗ bringt.... Ockande, zwiſchen der beruͤhmten Pagode von Trinkaly und dem Fluſſe Köbok iſt die naͤchſtgelegene Faktorey von Trinquemale. Die Zuruͤſtungen der Amſterdamer Kompagnie ſind bekannt.. Enthuͤllt iſt der Bund... Almendro entdeckt dem Vicekoͤnige die Urſache ſeiner Reiſe. „Ja, gnaͤdiger Herr, in drey Tagen iſt „Euer Untergang geſchworen. Die ganze Staͤr⸗ „ke unſerer Feinde verſammelt ſich in der Bay „von Dos⸗Arcos. In Kurzem werdet Ihr an⸗ „gegriffen. Die unverſoͤhnlichen Bedas haben „alle Staͤmme aufgewiegelt, welche ſich in Te⸗ „nor vereinigen muͤſſen. Mehrere Truppen, wel⸗ „che hollaͤndiſche Fahrzeuge aus ihren Beſitzun⸗ „gen herbeyfuͤhrten, ſollen die Inſulaner un⸗ „terſtuͤtzen. Nicht meiner Füͤrſorge, ſondern „dem Zufalle, oder vielmehr der Vorſehung ha⸗ „ben wir die Entdeckung dieſer Verſchwoͤrung „zu danken. Ich bin dieſen Morgen aus „der Faktorei abgeſegelt, und die guͤnſtigen „Winde haben mein Verlangen unterſtuͤzt.“ Er erzaͤhlte ihm hierauf, wie ein Sklave aus Trinquemale dieſen ſchaͤndlichen Bund ent⸗ deckt habe. Fuentes l Siegte dem Gouverneur ſeine Zufriedenheit. Was er eben vernahm, belebte ſeinen Se Wut h von neuem. Er mach⸗ te ſich Vorwaͤrfe üͤber ſeine Schwaͤche, und das zu lange Zoͤgern gegen die Befehle ſeines Ho⸗ fes. Die Gedanken an Frieden verloͤſchen in ſeinem Geiſte, gleich einem ſch wachen Traum⸗ bilde, von welchem man blos am Tage die Er⸗ innerung zuruͤckbehaͤlt. Der Vortheil gebietet der Menſchheit, zu ſchweigen. Er überlegt izt nichts, als die herannahende Gefahr, und den Ruhm, der ihn erwartet. Da das Schickſal nun einmal das Ge⸗ heimniß der Holländer zu entſchleiern verhaͤngt hat, ſo iſt es ihm guͤnſtig... Allein der Au⸗ genblick hat Eile. Jeden Tag ſind die zwer Elemente mit ſeinen entruͤſteten Feinden ange⸗ fuͤllt. Keine Zeit bleibt ihm uͤbrig, ſich zu ei⸗ ner regelmaͤſſigen Vertheidigung zu bereiten. Er muß einen jener entſcheidenden Streiche wa⸗ gen, welche dem Gotte der Schlachten nicht ſelten angenehm ſind: dieß iſt das einzige Mit⸗ tel, den Sieg, e ihm zu entflichen droht, zu erhaſchen.— Der Portugieſe fuͤhlt mit dem heiligen Feuer, welches den Helden belebt, ſeine Seele durchgluͤht.... Er entwirft, und ſein Entſchluß iſt gefaßt.— An die Stelle der reifern Ueberlegung tritt Verwegenheit. Der ſorgloſe Schwimmer wagt ſich zu⸗ weilen auf aͤhnliche Art bey Sommertagen in das hohe Meer: der Sturm, den er nicht ahn dete, erhebt ſich ſchnell, wie der Blitz „% der Ote⸗ an wuͤthet, und iſt in vollem Aufruhr; von je⸗ der Seite her droht ihm Untergang, und den Tod erblickt er in jeder Welle. Ergreift F ſpinp ppl[rrſ b nun Verwirrung ſeine Seele, ſchwaͤcht die Furcht ſeine Kraͤfte, ſo iſt ſein Schickſal ent⸗ r† ſchieden: er wird erſchoͤpft, und unterliegt all⸗ maͤhlig dem druͤckenden Feinde.— Allein der erfahrne Schwimmer, weit entfernt ſich durch den Sturm uͤberwaͤltigen zu laſſen, bietet ihm Trotz. Die Gefahr verleiht ihm neue Stär⸗ ke.— Er ſchwimmt der furchtbaren Wel entgegen, die ihn zu verſchlingen droht, kommt ihr zuvor, zerſchlaͤgt ſie mit ſeinen nervigten Armen, ſchwingt ſich empor,„ und ſchwebt uͤber das bekaͤmpfte Meer, das ihn als ſeinen Sieger erkennen muß. . 1 Mit gleicher Schnellkraft handelte Fuen⸗ tes. Der Graf Arpos iſt der einzige, den er — 126— zu Rathe ziehen will. Arpos kennt keine Furcht; er wußte das Weichliche eines Hoͤflings mit der Unerſchrockenheit des Soldaten genau zu ver⸗ weben: eben ſo tapfer im Kriege, als wollu ſtig im Frieden, verdient er ganz das Zutrau⸗ en ſeines Freundes, welcher ihn durch folgende Anrede von ſeinem Vorhaben unterrichtet: „Ich habe bisher einen Krieg, der leicht „zu beenden war, nur verſchoben, weil ich die „Inſulaner nicht fuͤr unverſoͤhnlich hielt. Die „Holländer haben mein Vertrauen benuͤzt. „Wenn ich mich auch in die Mauern von Co⸗ „lombo zuruͤckziehe: ſo kann mich doch die eh⸗ „renvollſte Vertheidigung nicht rechrfertigen. „Ich bin ſtrafbar, wenn ich den Sieg nicht „erhalte. „ „Verſammle dieſen Augenblick die Garde „von Ayamonte und eile mit ihnen nach dem „Fort des Argias. Gegen Abend werde ich „Dir nachfolgen. Da unſere Feinde Tenor zu „ihrem Sammelplatze gewaͤhlt haben: ſo läß „uns nach Tenor eilen, damit morgen die por⸗ „tugieſiſche Fahne auf dem Gipfel des Huͤgels „wehe.“ t; der er⸗ luͤ⸗ au⸗ ide Schnell wird durch die naͤchtliche Stille alles belebt. Offiziere werden eilends mit dem Befehle nach den Faktoreien von Makoͤene, Negombo, Chilaw und Marabel verſchickt, um nur die noͤthigen Truppen zu Beſetzung der „ Forts daſelbſt zu laſſen, die uͤbrigen hingegen zuſammenzuziehen, und ſchlennigſt nach Colom⸗ bo zu fuͤhren. Arpos hatte Alles vorausgeſehen. Brod und ſtaͤrkende Getränke ſind ſchon bereitet. An⸗ dere Wagen mit folgen ih⸗ nen, und das geſchwaͤrzte Eiſen, welches ſie be⸗ deckt, vermag kaum ſie vor der Entzuͤndung des Salpeters zu ſchuͤtzen.— Die Therſiten, we⸗ niger verwundbar, als Achilles, berechneten ehe⸗ mahls nicht den Unterhalt der Tapfern und die Guͤte des Pulvers...— Arpos zieht mit ſeinen Truppen aus der Stadt. Fuentes bedurfte nur einiger Stunden. Das Regiment von Braganza, jenes von Al⸗ garbien, und die Artillerie von Portalegre ſind auf dem Platze von Coromandel aufgeſtellt. Zwar iſt ihnen die Urſache ihres Ausruͤckens unbekannt, allein ihr Vertrauen iſt graͤnzenlos. Die Anfuͤhrer eilen durch die Reihen, und ma⸗ „ — 6— * 128 chen ihnen bekannt, daß den Indianern der Krieg angekuͤndiget ſey... Dieſe Nachricht beantworten die Soldaten mit einem Freuden⸗ goſchrey: ſie ziehen gegen die Verwegnen, und wollen jene beſiegen, welche mit Verachtung das Buͤndniß der Eroberer von Bengalen verwor⸗ fen haben. Sie werden ſich nach lange genoſ⸗ ſener Ruhe jeden Frevel und Pluͤnderung wieder erlauben.. Auf gleiche Weiſe gluͤht die wilde Docke vor Ungeduld und Freude, wenn ſie nach langer Zeit von der Kette befreyt endlich in Freyheit gelaſſen wird⸗ Der Vicekonig erſcheint mit dem Korps von Luſitanien, welches ſtets ſich an ſeiner Sei⸗ te befindet. Die Truppen empfangen ihn mit freudigem Jauchzen, das er durch ein Laͤcheln erwiederte, welches den gewiſſen Sieg zu ver⸗ ſprechen ſchien, und gab das Zeichen zum Auf⸗ bruch. Die ganze Beſatzung folgt ihm. Auß ſeinen Befehl waren unter die Einwohner Waf⸗ fen vertheilt worden, deren Vortheil es nun erheiſchte, auch Krieger zu ſeyn. Sollten die Hollaͤnder erſcheinen, ſo iſt der groſſe Thurm zu ihrem Empfange bereit. Dem Gouverneur von — von Ockande iſt die Vertheidigung Colombos ubertragen, und er entfernt ſich unbeſorgt dar⸗ aus. Noch vor Sonnenuntergang trift er in dem Fort des Argias ein, wo ihn Arpos er⸗ wartete. Seine kleine Armee lagert ſich auf dem Ruͤcken des Berges. Indeſſen waren Coſmöes Gefaͤhrten zu⸗ ruͤckgekehrt, und verkundeten, daß ihr Anfuͤh⸗ rer in Feſſeln laͤge. Sie theilten Alles mit, was ſie in dem Pallaſte des Maleſpi er⸗ fahren hatten. Die Krieger bebten, und die traurige Nachricht verbreitete ſich von Mun⸗ de zu Munde. Blos mit dumpfer Stimme nannte man den Namen der Vielgeliebten des Stammes, als fuͤrchte man, ihn durch Ver— läͤumdung zu verunreinigen.— Die Alte Emo⸗ ra ſeufzet. Als ſie Stellinens Flucht vernahm, erinnerte ſie ſich des Europäers: heute uͤber⸗ haͤuft ſie ſich nun mit Vorwuͤrfen, ihr Ver⸗ trauen ſo muͤhſam in ihrem Herzen verſchloſ⸗ ſen, und das Verbrechen dem Diener der Göt⸗ ter nicht enthuͤllt zu haben..... Ditulan ahn⸗ dete bey dieſen traurigen Muthmaſſungen eher ihren Tod, als ihre Entehrung.... In ſei⸗ nen Pallaſt zuruͤckgezogen, beweint er die Ver⸗ 5 1 ———— ——— — r30— aͤnderung, welche in dem Geſchlechte der Ito⸗ baren ſich nun ereignen wuͤrde. In ſeinen bittern Thraͤnen blos findet er einige Linderung. Das Buͤndniß von Trinquemale, das ihm zwar Hoffnung zur Rache gewaͤhrt, vermag izt nicht mehr, den Schimpf von ſeiner Familie zu ver— tilgen: der Tod allein kann ihn fuͤr die Schan⸗ de gefuͤhllos machen. Der Oberprieſter vernahm die Erzaͤhlung der beyden Braminen mit einer entgegengeſez⸗ ten Empfindung. Er war uͤber Coſmoͤes Un⸗ tergang, den er als unvermeidlich betrachtete, erfreut. Stellinens Schickſal, mit welcher er ſich durch die Bande des Bluts bald verwandt zu ſehen hofte, geht ihin zwar nah, allein da ſie nun zu einer Sklavin ohne Unterſtuͤtzung und Macht, ohne alle Verbindung mit ihren Verwandten herabgeſunken iſt, ſo verweilen ſei⸗ ne Gedanken nicht lange bey ihr, und er trach— tet izt, Vortheil aus ihrem Ungluͤcke zu zie⸗ hen. Der Itobar bedarf mehr, als jemals, ei⸗ nes Nachfolgers, und der Scepter gehoͤrt dem⸗ jenigen, der Stellinens Gemahl werden ſollte.... Der Unſinnige glaubt das Ziel zu errei⸗ chen, und waͤhrend er nur von ſeiner kuͤnftigen — — 1737— Macht traͤumt, dringen die Portugieſen ver⸗ einigt in das Gebirge. Der Graf Arpos fuͤhrte mit fuͤnf hun⸗ dert Mann den Vortrabl. Er zieht ſich an den Ufern des Gardels hinauf, und durch die Paͤſſe von Suffraga, welche durch den geleiſte⸗ ten Widerſtand der Inſulaner beruͤhmt ſind. Allein heute, da Riamir und Coſmoͤe nicht mehr ſind, und Tenor einer Heerde, welche die wachſamen Hunde verlaſſen, aͤhnlich iſt: drin⸗ gen die Woͤlfe, ohne daß ein Laut den ſchla⸗ fenden Hirten erweckt, in den Schaſſtall, der nun zum Opfer ſeiner Sorgloſigkeit wird. Der Graf ſollte, nachdem er durch dieſe Päſſe gedrungen waͤre, Halt machen: allein durch den gluͤcklichen Erfolg angefeuert, will er, ohne Fuentes zu erwarten, den Stamm an⸗ greifen. Nur einige Stunden trennten ihn noch von Tenor, als der Blick eines Tenadaren, welcher von dem Huͤgel herabſtieg, durch das Blitzen ihrer geſtählten Waffen, auf welchen die Strahlen des Mondes zuruͤckprallten, aufnerk⸗ ſam gemacht wurde,„ das Feuer, welches er bemerkte, durchkreuzte ſich abwechſelnd. ——————— —————————— — 132— Er kehrt auf der Stelle zuruͤck und erregt Laͤr⸗ men... In dem naͤmlichen Augenblicke er⸗ toͤnt der Schall der Hoͤrner von allen Seiten. Der Itobar und der Bramin glaubten die Verbuͤndeten aus Candyen naheten heran. Aber durch das Entſetzen jener, die ſie umgaben, wurden ſie grauſam aus ihrem Irrthum ge⸗ ſen. Die Portugieſen ſind durch die Paͤſſe von Suffraga gedrungen!..... Sie ſind im Anzuge!— Ditulan iſt zu ſchwach, um einen yeldenmüthigen Entſchluß zu faſſen. Der Ober⸗ prieſteèr, welcher zwar vor keinem Verbrechen zu⸗ ruͤckbebt, zagt bey der nahen Gefahr.. Der Haufen, ohne Anfuͤhrer, ſchwankt unentſchloſ⸗ ſen, und harret auf einen, der ſie in das Tref⸗ fen fuͤhre. Die Krieger vom Ariſem und Fetan klimmen den Huͤgel heran. Das Kriegsgetuͤm⸗ mel, welches bis zu ihren Ohren dringt, ent⸗ zuͤckt ihre nach Rache lechzende Seele.... Ca⸗ litur, im Gefolge von tauſend Tapfern, hoͤrt izt keinen Rath, als ſeine Wuth. Termor und Melut ſtuͤrzen ſich mit den uͤbrigen Krie⸗ gern nach der Ebene hin. Man muß unterlie⸗ — gen, oder die Europaͤer uͤber die Paͤſſe zuruck⸗ werfen. Die Portugieſen ruͤcken gerade gegen ſie an. Ihr erſtes Feuer ſtreckte mehr als einen Wilden zu Boden... Dringen ſie weiter vor, ſo werden ſie durch das Bley getroffen: und bleiben ſie in dieſer Entfernung, ſo ſind ihre Bogenſchuͤſſe unwirkſam. Vergebens waͤchſt noch immer ihre An⸗ zahl. Ein Feuerſchlund an der Spitze der Ko⸗ lonne aufgefuͤhrt, ſpruͤhet ihnen Kartaͤtſchen entge⸗ gen: der junge Malespi leitet dieſe moͤrderi⸗ ſche Exploſion. Unordnung geräth unter die Tenadaren. Dann wichen die Krieger des Ariſem zuruͤck, und ſammelten ſich um ihre Anfuͤhrer. Calitur haͤlt in ſeinem Laufe nicht inne; er will die Moͤrder ſeines Bruders nicht flie⸗ hen..... Sein Grauſen erweckender Blick er⸗ preßte ſeinen Freunden einen verzweiftungsvol⸗ len Schrey. Talahor ſchritt mit ihm gleich voran. Sidras, Wiperon und Bezel draͤngten ſich nach. Er ſtuͤrzt ſich im Gefolge der Sei⸗ nigen dem losgebrannten Schlunde entgegen. — 134— Jene, welche fielen, dienten den vorruͤckenden zu Waͤllen. Schon erreichten ihre Pfeile die Portugieſen... Riamirs Bruder trift die vordern Soldaten der Kolonne.„ Er ſchleudert Malespi in den Staub.„ Gleich Wogen draͤngen ſich die Krieger feſt auf einan⸗ der, und der Blitz war nicht mehr vermoͤgend ſie zuruͤckzuwerfen... Die glaͤnzenden Schwer⸗ der brachen auf den ſchweren Keulen.... Viſt⸗ nous Name erſcholl durch die Luͤfte, und die Krie⸗ ger aus Fetan umringten den ehernen Schlund, welchen ſie erobert hatten.— Der angeſchwellte Strom ſtuͤrzt ſich im Winter nicht mit ſolchem Ungeſtuͤmm von den Hoͤhen des Gebirgs, und ergießt ſich durch die Tiefe des Thales. Der Graf weicht endlich der Uebermacht und Verzweiflung, und zieht ſich in guter Ord⸗ nung auf eine Anhoͤhe zuruͤck, wo er ſich ver⸗ theidigen zu koͤnnen hofft. Die Garden von Ayamonte ſchloſſen ſich in ein Viereck. Gleich der beruͤhmten Phalanx dienten ihnen ihre auf allen Seiten gefaͤllten Gewehre zu Bruſtwehr. Fuentes iſt erſtaunt, ſeinen Vortrab nicht auf dem beſtimmten Poſten zu finden. Der Donner des Geſchuͤtzes, und das Wirbeln der Trommeln verkuͤnden ihm die Uebereilung ſei⸗ nes Freundes. Nachdem er den Portugieſen befohlen hatte, ihre Schritte zu verdoppeln, eil⸗ te er mit den Luſitaniern, welche alle gut be— ritten waren, voraus, und durchflog mit ihnen, gleich dem Sturme, die Ebene. Bey dem Anblicke der Luſitanier und des Vicekonigs, griff die Garde von Ayamonte mit neuem Muthe belebt die Wilden an, und er⸗ oberte die verlorne Strecke wieder.... Das Handgemenge wurde noch moͤrderiſcher: die Erde war mit Leichen der Indianer beſaͤet. Alle Männer des Stammes kaͤmpften in die⸗ ſer Gegend; in Tenor blieben nur Kinder, Wei⸗ per und unbrauchbare Greiſe zuruͤck. Der Vicekoͤnig verlaͤngerte die Schlacht. Er befiehlt den Grafen Arpos, ſich mit der Armee zu vereinigen, und dann mit dem Re⸗ gimente Braganza auf Tenor loszugehen. Schnell vollzog der Graf den Befehl. In weniger als einer Stunde kommt er ohne eini⸗ gen Widerſtand auf den groſſen Platz. Alles flieht bey ſeinem Annaͤhern. Das Volk ver— kriecht ſich in das Gehoͤlz. Die Portugieſen — 136— dringen in den Tempel.... Nachdem ſie ihn gepluͤndert haben, legen ſie Feuer an... Bald lodert die Flamme empor, und verzehrt die Huͤtten, und den Pallaſt des Itobars. Die Bedas ſahen hinter ſich den brennen— den Huͤgel. Vergebens wachſt auch ihre Wuth mit der Feuersbrunſt..... Die Luſitanier wa⸗ ren ſchon hinreichend, ſie zu uͤberwaͤltigen..... Die Artilleriſten von Portalegre, und das Re⸗ giment Algarbien vollbrachten noch gänzlich ih⸗ re Niederlage.— Deli, Hrira, die Braminen und ihre Anhänger flohen nach dem Gebirge von Can⸗ dyen. Durch dieſe fortgezogen, folgte Ditulan, um ſich bey dem Könige eine Freyſtaͤtte zu ſu⸗ chen.— Die Hollaͤnder, erſtaunt durch die raſche Thätigkeit ihrer Feinde, verloren die Hoffnung, ſie zu beſiegen. Sie verſchoben die Ausfuͤhrung ihrer Anſchlaͤge auf einen guͤnſtigern Zeitpunkt, und waren nun blos mit der Sorge fuͤr ihre eigene Sicherheit in der Faktorei von Trinquemale beſchaftiget. Der Bund trennte ſich, und der weiſe Onemo ſammelte den Ueber— reſt ſeines Stammes, den elenden Truͤmmern aus dem Schiffbruche aͤhnlich! * — 137— Calitur und jene aus Fetan verlieſſen das Schlachtfeld zulezt. Sie zogen ſich nach den Ufern der Sanga zuruͤck, entſchloſſen, ihren Heerd zu vertheidigen. Der Graf Arpos erhielt den Auftrag, ſie zu verfolgen. Die ehernen Ku— geln ſezten die Wohnungen von Fetan in Flam— men..... Calitur und Talahor ſchlugen ſich zu ihren Freunden in das Gebirge.— Selbſt Riamirs Pallaſt wurde nicht verſchont, und ſeine Urne unter den Ruinen begraben..... Allein ſein Andenken entgieng der Verheerung... Auf der Hohe des Huͤgels, wo Bramas Tempel ſtand, erbauten die Portugieſen eine Feſtung, und die portugieſiſche Fahne wurde dar— auf gepflanzt. Fuentes nahm mit dem Regi⸗ mente Braganza, welches er zu ſeiner Beglei⸗ tung gewäͤhlt hatte, den Ruͤckweg nach der Hauptſtadt. Der Stamm der Bedas war bisher un— uͤberwindlich geweſen: allein er wurde unter einem ſchwachen Greiſe durch den ehrgeizigen Braminen beherrſcht. Das Laſter konnte den Muth nicht erſetzen.. Durch Zwiectracht ge— ſchwaͤcht, ſah er ſich endlich auf dieſe Art der Zerſtoͤrung preis gegeben..... 9 — 138— Colombo's Einwohner zogen unter Anfuͤh⸗ rung des Gouverneurs von Ockande den Sie⸗ gern entgegen. Selbſt in den Päͤſſen von Suffraga ſind Triumpfboͤgen von gruͤnen Zwei⸗ † gen errichtet... Durch Geſaͤnge, und den harmoniſchen Klang der Inſtrumente wird Fu⸗ entes Ruhm gefeiert: allein in das melodiſche Fallen und Steigen ihrer Tone, verwebt ſich ein langgedehntes Aechzen... Tauſend india⸗ niſche Leichen, welche die Ebene bedecken, ſeh⸗ nen ſich nach dem Holzſtoſſe, und die gebleichten Gebeine ihrer Voreltern ſcheinen ſich zu bele⸗ ben, um den Untergang von Tenor zu beweinen. Das Freudengeſchrei, und der Jubel der Menge troͤſtete Fuentes nicht uͤber das vergoſ⸗ ſene Blut.... Fuentes beſaß weder die Grau⸗ ſamkeit eines Tiegers, noch die Seele eines Eroberers. Als er in den Mauern von Colombo ein⸗ zog, beſchäͤftigte er ſich ſogleich mit ſeiner jun⸗ gen Gefangenen: er wollte nicht, daß ſie die Niederlage ihres Stammes erfahre, und ließ den laͤrmenden Haufen weit von dem Pallaſte hinweg leiten. Er nimmt Antheil an Stelli⸗ nens Schickſal..... Eines Tages vielleicht!.. vN — 339— Vergebliches Mitleid!.... Stellina war nicht mehr. Sie ſprach den Namen ihres Vaters und ihres Gemahls aus, und gab ih⸗ ren Geiſt auf. Mit jedem Tage hatte ſich ſeit dem Auszuge der Portugieſen ihre heftige Gemuͤthsbewegung und ihr Wahnſinn ver— mehrt. Unter den ſchrecklichſten Herzbeklemmun— en ſank ſie am Tage des Triumphes da in 6 ph Das Kind, welches in ihrem Schooſe lebte, machte ihre lezten Augenblicke nur qualvol⸗ e Sie unterlag, und Riamirs Möͤrder uͤberlebte ſie!.... Wenn der Tenar und das Elyſium blos Hirngeſpinnſte ſind, wo waͤre denn die Gerechtigkeit der Goͤtter? Stellina wurde von Fuentes betrauert, als waͤre ſie durch die Bande der Freundſchaft ſchon lange mit ihm vereiniget geweſen. Wuͤrde er dem chriſtlichen Prieſter in Colombo gefolgt haben, ſo haͤtte er den Körper der Unglucklichen den Wellen des Meeres uͤbergeben. Eine In— dianerin, Bramas Goͤtzendienerin, verdiente, nach der Meinung des Prieſters, die traurige Ehrenbezeugung des Begraͤbniſſes nicht... Allein Fuentes ſah in Stellinen nur die Toch⸗ — 10— ter des Itobars, und das Schlachtopfer der Liebe... Ein Holzſtoß, welcher auf ſeinen Be⸗ fehl errichtet wurde, verzehrte ihre Ueberreſte.. Das Volk ehrte ſie durch ſeine Trauer.. Coſinoe ſchmachtete in dem groſſen Thur⸗ me, wo ihn ſeine Wächter genau von allem unterrichteten. Er erwartete nichts gewiſſer, als den Tod, indem man ihm ſeine Freyheit anzu⸗ kuͤndigen kam.. Der Krieg hatte dem Vi⸗ cekoͤnig noch das Beduͤrfniß vergonnet, großmuͤ⸗ thig zu ſeyn..... Indianer in Menge hatten ihm zum Opfer gedient... Er befiehlt, den Anfuͤhrer vom Ariſem ihm vorzufüͤhren, und ihm das Loͤſegeld zu erſtatten, welches die Bra minen in dem Pallaſte des Malespi S lieſſen. Coſmoͤe erſcheint ohne Feſſeln. Sein wil— des Auge, und ſein ſtolzes Weſen beweiſen, daß das Mißgeſchick ihn nicht niedergebeugt habe. „Geliebter Stellinens, ſprach Fuentes, „du biſt frei. Obſchon du einen Europaer mordeteſt, ſo hatte doch dieſes Ungeheuer auch „ſeine Gattin verhandelt, und Europa ver— „achtet ihn.— Deine Leiden laſſen mich „deine Verwegenheit vergeſſen.— Dieſes „ — 141— „Käſtchen enthaͤlt das Loͤſegeld derjenigen, wel⸗ „che ich dir nicht mehr zuruͤck zu geben ver⸗ „mag.. Nimm es mit meiner Hochachtung, „und kehre zu deinen Freunden nach Hauſe... „Ich wuͤrde ohne den Bund von Trinquemale „nie mit Feuer und Schwerd in eure fried⸗ „lichen Gebirge gedrungen ſeyn.“ Ein Portugieſe uͤberreichte Coſmoͤe das koſtbare Loͤſegeld. „Dieſe Steine, ſprach der Tenadar, als „er ſie mit be bender Hand ergriff, dieſe Steine „zierten Bramas Bildſäule. Sie haben uns „vor ſeinem Zorne nicht gerettet! Ihre „Schwere iſt dem, der ſie verachtet, nur lä⸗ „ſtig.— Ihr, die ihr, um ſie zu erlangen, kein „Verbrechen ſcheuet„ behaltet ſie „Schaͤtze, und geſteht nur, daß der Geber weit 7 „reicher iſt, als Ihr. Bey dieſen Worten ſchleudert er veraͤcht⸗ lich das Käſtchen von Ebenholz zu Fuentes Fuͤſ⸗ ſen, daß es zerbrach, und den funkelnden Stei⸗ †p nen einen freyen Ausgang oͤffnete, welche auf dem Fußboden dahin rollten... Die Hoͤflinge haſchten begierig nach ihnen, und verſchloſſen ſie, nachdem ſie alle bis auf den lezten aufe — 142— gerafft waren, mit Sorgfalt..... Ihr heiteres Weſen druͤckt Erſtaunen aus. Mitleidsvoll beob⸗ achtet ſie Coſmoͤe.— Der freie Mann ſchaut mit aͤhnlichem Blicke auf den unter dem Dru⸗ cke ſchwerer Feſſeln niedergebeugten Ungluͤckli⸗ chen herab. Er nahte ſich hierauf dem Vicekoͤnig und erwiederte ihm: „Ich nehme die Freiheit an, die du „mir nie haͤtteſt rauben ſollen: ich nehme ſie „an, um die Ueberreſte meines Stammes neu „zu beleben. Ich werde dir beweiſen, daß ich „deine Achtung verdiene.— Wenn das Gluͤck, „welches auch zuweilen das Unrecht anlaͤchelt, „Euch treu bleibt, ſo wird es Euch wenigſtens „fruchtlos ſeyn. Ihr muͤßt in unſern Gebirgen „die Erndte eurer Siege ſuchen: wohlan denn, „in eben dieſen Gebirgen werdet Ihr aller Or⸗ „ten Coſinoͤe finden. Jene unter Euch, welche „es wagen, ihr Eingeweide zu durchwuͤhlen, „treffen meine Pfeile, und ihr niedergekruͤmm⸗ „ter Nacken wird ſich nie wieder aufrich— „ten. Und entreißt Ihr auch der Erde „ohne meinen Willen einiges Gold, ſo ſoll es „von eurem Blute triefen; und dieſelbe „Erde, deren Eingeweide Ihr zu verſchlingen „trachtet, ſoll auch der Reihe nach Euch ver— „ſchlingen.“ So ſprach er, und draͤngte ſich mit ein⸗ nem wilden Geſichte durch den Haufen der Por⸗ tugieſen, welche uͤber ſeine Dreuſtigkeit hoͤchſt erſtaunt ſind. Seine unerwartete Ankunft an dem Hofe des Koͤnigs von Candyen brachte einen ſchwa⸗ chen Schimmer der Freude in die Seele der Singalen. Er wurde nach einigen Jahren das Haupt des umherirrenden Stammes, welcher ſich in dem Lande von Cottiar bey Trinquemale niederließ. Ditulan folgte ſeiner Tochter nach, und der junge Itobar errichtete mit Einver⸗ ſtaͤndniß der Holländer ein neues Buͤndniß, wel⸗ ches die Herrſchaft der Portugieſen auf Tapro⸗ bane zerſtoͤren ſollte. Der Oberbramin lebte noch lange Zeit, allein von Coſmoͤes Argwohn ſtets verfolgt, wurde ihm Verachtung und Ohnmacht ſtatt des Scep⸗ ters zu Theil.. Hier, meine Eleonore, empfange die Erzaͤh⸗ lung, welche ich Dir verſprach.— Die Liebe miſcht auch zuweilen unter die lieblichen Fruͤch⸗ te, die ſie uns reicht, vergiftete....— Der unmaͤſſige Durſt nach Reichthuͤmern erſtickt die Natur, und das Gold, das im Schooſe der Erde verborgen liegt, ruft alles Uebel hervor. Gluͤcklich jene wilden Laͤnder, welche den civiliſirten europaͤiſchen Rationen unbekannt ſind, und nichts beſitzen, das ihre habſuͤchtigen Speku⸗ lanten anzuziehen vermag. End e. 5 ———— — — — 4 — —„ ½ — 1