— Spaniſche Seeraͤuber⸗Admiräl Don Velasco da Gaſton. Eine 3 Geſchichte voller Lbentheuer kuͤhner Thaten. Dritter Sh i „ e mſtedt, Verlag der Fleckeiſen ſchen vuhe 4 8 3 0 —— hihe Xl. Abſchnitt. Nach einem unruhigen Schlafe mit fuͤrch⸗ terlichen Traͤumen vermiſcht, erwachte der Admiral, und ſchlug die Angen auf. Noch immer umgab ihn tiefe Finſterniß; zu neuen Verſuchen erhob er ſich, ſchritt die ihn hin⸗ dernde Wand hinab und hinauf, aber ver⸗ geblich, unbelohnt blieb ſeine Muͤhe, er fand keinen Ausweg und verzweifelnd griff er ſein Schwert. So will ich denn zuruͤck zu meinen 8 den, S Alvars Nit ſterben, als vom Hunger in einer Todten⸗ gruft aufgerieben zu werden. Er ſprach's und ging entſchloſſen zu⸗„ ruͤck, als in der Ferne der Schein eines Lichts ſich zeigte. Unwillkührlich erſchrak 5 der Eingekerkerte, druͤckte ſich in einen Win⸗ kel des Ganges und erwartete mit gehobe⸗ nem Schwerte den Kommenden. Daher ſchritt eine bleiche Geſtalt in uralter ſpa⸗ niſcher Tracht, wie ſie im vierzehnten Jahr⸗ hundert die Vornehmen des Hofes trugen, wenn ſie zum Kriege mit ihren Mannen zogen. In der linken Hand trug ſie eine 2 Ampel, deren Flamme die naſſen Mauern 3 vbeleuchtete. Ein langer ſchwarzer Bart 6 ———— — — 5 fiel bis zum Guͤrtel hinab und ſchwere Stie⸗ fel mit klirrenden Sporen deckten die Füͤße. Die Geſtalt war unbewaffnet und ſchritt langſam bei dem ſpaͤhenden Velasco vor⸗ öber, der ſie ſcharf beobachtete.— FJetzt war ſie bei der ungluͤckſeligen Wand ohne —— M M M 1*— M ** v— v 5 Thuͤr, die Urſache der baldigen Verzweif⸗ lung des Admirals, ſchritt ſie entlang, buͤckte ſich und verſchwand ſammt dem Scheine des Lichts, der ſie umgab. Eilig ſprang Velasco hinzu, allein die dickſte Finſterniß herrſchte wieder und keine Spur von einem Ausgange zeigte ſich dem Su⸗ chenden. Er ſtand da, erſtaunt und voll Verdruß. Ha! ſprach er zu ſich ſelbſt, der baͤr⸗ tige Spanier kehrt ſicher wieder, er iſt un⸗ bewaffnet, mein Leben iſt hier ſchon in Ge⸗ fahr, er ſoll den Weg aus dieſein Laby⸗ rinthe mit Gewalt mir zeigen. Um deſio ſicherer den Zweck zu errei⸗ chen, lehnte ſich Velasco an die Wand und horchte. Eine lange Stunde verging, end⸗ lich ſah der Gefaßte den Schein der Am⸗ pel wieder und gleich darauf die bleiche Geſtalt dem Gange mit ſtarken Schritten 1 — ———— ——— * trat ihm den Weg und ſtreckte das bli⸗ tzende Schwert dem Unbekannten entgegen, der zuſamenſchrack und ſtand. Wer Du auch ſei'ſt, ſprach Velasco mit Nachdruck, biſt Du ein Menſch, ſo zeige mir den Weg aus dieſer Moͤrdergrube, wo der Hunger zernagt, was Dolche uͤberlaſſen. Keine Antwort.— Er fuhr fort: Du ſiehſt hier einen Verzweifelten, Du ſiehſt, was er vermag, zeig' mir den Weg, ſonſt fuͤrchte Alles fuͤr Dein Leben. Die Geſtalt laͤchelte. Wer biſt Du? fragte ſie mit dumpfer Stimme. Ein Fremder auf der Inſel, der den Haͤnden der Morder, die bieſes Raubneſt bewohnen, entfloh, jetzt aber keinen Aus⸗ gang findet und ſchon den ſcharfen Zahn des Hungers und des Durſtes fuͤhlt. Folge mir. Mir mißtrauiſchem Blicke und argwoh⸗ Eilig ſprang der Admiral hinzu, ver⸗ niſchen Schritten folgte Velasco. Die Ge⸗ ſtalt hob einen Stein aus der Wand, den Velasco in der Finſterniß nicht bemerkt, trat auf eine Fallthuͤr und glitt einige Fuß tief in die Erde. Velasco zoͤgerte, dann folgte er mit nicht ganz dreiſtem Muthe.— Sie befanden ſich in einein Felſenge⸗ woͤlbe. Hier, ſprach der Unbekannte zum Ab⸗ miral, nimm die Ampel, ich finde leicht im Dunkel zuruͤck, jetzt biſt Du frei aus dieſen Gruͤnden, Du kannſt nicht irren. Leb' wohl! Halt! rief Velasco, und trat vor den Gehenden. Wer buͤrgt mir, daß dieſer Weg ins Freie fuͤhrt, begleite mich bis in den Wald, dann gehe ungehinbert heim.— Ich darf nicht, die Zeit iſt mir 1— meſſen, der Morgen bricht 3 wohl! 3 Du weichſt nicht von der S nerte der bewaffnete Admiral entſchloſſen entgegen, glaubſt Du, ich ſei ſo thoͤricht, Dich jetzt von mir zu laſſen, damit Du meinen Feinden mich von Neuem uͤberlie⸗ ferſt, wer weiß, ob nicht ein zweites Hinderniß meinen Weg heinmt, das Dir zu gut nur bekannt. Dann koͤnnten die Banditen dieſes Schloſſes, die meines Ar⸗ mes Kraft empfunden, ſehr leicht Rache nehmen, die furchtbar iſt. Nein, die ei⸗ gene Wohlfahrt und Rettung verlangt es, Dich nicht eher von mir zu laſſen; Du folgſt mir ohne Weigerung und zeigſt mir den Ausgang bis dahin, wo uͤber uns der blaue Himmel ſich erhebt. Bei der All⸗ macht! ſonſt ſtoß ich Dich nieder. Kannſt Du auch Schatten, kannſt Du Abgeſchiedene toͤdten, die vor vierhundert Jahren lebten? Du ſchreckſt mich nicht, Alter! ſprach Velasco hohnlachend, mit Kindern ſpricht 9 man ſo, doch Maͤnner wiſſen's beſſer, bleib und gehorche! Du kleiner Menſch, fiel die Geſtalt mit duͤſterm Blicke ein, ich koͤnnte Dich ver⸗ nichten. Hoͤre mich, die wenigen Augen⸗ blicke ſollen Alles Dir enthuͤllen. Du biſt ein Spanier, Deine Sprache ſagt es mir, haſt Du wol je von Don Juan Gonſalvo Zarco gehoͤrt? Ich erinnere mich des Namens, doch dieſe Frage? Genannter Juan entdeckte im Jahre 1417 dieſe Inſel. Ich war der Flotte er⸗ ſter Admiral, Don Mendoze de las Reyes; mit Barbarei und Unmenſchlichkeit erwuͤrgt ich die Bewohner dieſer Inſeln, die einſt von Roms Gewalt bis hierher getrieben. Die ruhigen Inſulaner fielen unter meinem moͤrderiſchen Schwerte. Dieß Schloß, in grauer eit erbaut, war der noch ubrige gufluchtsort einiger Hundert. 16 3 es, eroberte es mit ſtuͤrmiſcher Hand und ein ſcheußliches Blutbad entſtand. Die Be⸗ lagerten vertheidigten es mit Verzweiflung, ſie fielen, keiner entkam, da ſchleuderte ein ſchon Verwundeter einen ſchweren Stein, ihre beſte Waffe, gegen mich, er traf die Bruſt und ſetzte meinen Graͤuelthaten ein Ziel.— Seit jenem fuͤrchterlichen Tage fuͤhl' ich die Pein des quaälenden Gewiſſens und kenne keine Ruhe. Bei Nacht durchirre ich die finſtern Gaͤnge dieſes alten Schloſ⸗ ſes, das nach meinem Tode an den Sohn des Don Juan Gonſalvo Zarco fiel, der es jedoch ſehr bald verließ, weil ich bei finſterer Nacht die Schlafenden erſchrecke. — Doch ſchon iſt es Tag,„ fuͤhle es, leb' wohl! Halt! rief Velasco, gut augedh iſt t Maͤhrchen, doch glaubt's nicht Don Velasco; i Du ein Geiſt, ein Weſen ohne Fleiſch und Blut, ſo fuͤhlſt Du nichts, wo nicht, ſo will ich dieſer Klinge Stahl verſuchen, weil Du nicht weilen willſi. Gott moͤge es mir verzeihen, der Mord iſt noͤthig. Willſt Du mich fuͤhren? Nein! Bei dieſen Worten fuͤhrte der Admiral einen gewaltigen Hieb gegen den alten Spa⸗ nier, ſein Schwert fuhr pfeifend durch die Luſt, verſchwunden war die Geſtalt. Die Ampel ſtand am Boden und brannte hell, nichts ſah Velasco. Er ſchauderte, ergiff eilig das Licht und ging fort. Eine morſche verſchloſſene Thuͤr hemmte ſeinen Fortgang; ach eini⸗ gen ſtarken Stoͤßen fiel ſie ein und der Ad⸗ miral befand ſich in einem unterirdiſchen großen Gemache, ſehr ſchoͤn ausgeſchmuͤckt mit hohen Gemaͤlden bon glten ſpanſiſchen Kriegern. Der Einſame leuchtete umher, ſand das Portrait des Entdeckers Oo ſeinen weiter fort. lin Conſtantia Rodreguez de Sa, auch ſei⸗ nes aͤlteſien Sohnes und der Toͤchter He⸗ lena und Beatrix; ſeine Blicke weilten auf den Geſichtern, die, obgleich ſchon meh⸗ rere Jahrhunderte alt, doch noch im Stande waren, die Zuͤge darzuſtellen. Er entdeckte auch das Ebenbild des Weſens im Gange, das aus ſeinen Augen ſchnell entſchwun⸗ den. Ein Grauen uͤberfiel ihn, er verließ das Gemach, durchkroch auf Haͤnden und Fuͤßen eine dieſer Erdhoͤhlen und befand ſich dann zwiſchen ſteilen Felſen im Thale und im Freien. Froh erſtieg er einen nahen Felſen, hieb ein Zeichen in den naͤchſten Baum und ſank dann entkraͤftet nieder. Seine Augen ſpaͤ⸗ heten umher und fanden einen ſuͤßen Ka⸗ ſtanienbaum; begierig eilte der Hungrige in ſeine Aeſte, faͤttigte ſich und ſetzte dann Juan Gonſalov Zarco und ſeiner Gemah⸗ Endlich erreichte er das Ende des Wal⸗ des, vor ihm lag eim kleines Dorf. Der Halbnackte hielt Rath mit ſich ſelbſt, und ging den Haͤuſern zu. Vor dem Dorfe begegnete ihm eine leere Saͤnfte. Ein willkommener Anblick fuͤr den Entkleideten! Er gab bei den Traͤgern vor, von Raͤubern gepluͤndert zu ſein, und ließ ſich von denſelben nach ſeiner Wohnung tra⸗ gen, wofuͤr er ſie fuͤrſtlich bezahlte. Altamor, Centilles und Zapato ſturz⸗ ten ihm entgegen. Voll Unruhe hatten ſie die Nacht und einen Tag verlebt, denn waͤhrend dieſer Zeit ſaß der Admiral in dem kerkerartigen Gewoͤlbe, und ſahen jetzt mit Erſtaunen den Halbentbloͤßten. Velasco reichte ihnen die Haͤnde. Gott ſei gelobt! ſprach er, jetzt bin ich wieder bei Euch, es fehlte wenig, ſo haͤtten wir uns hier nicht mohr geſehn. Die Zeit der Trennung war eine det i vielleicht ein Bewohner des unterirdiſchen terlichſten; eine ſchreckliche Nacht hab' ich durchlebt, doch hoͤrt und ſtaunt, mit Gei⸗ ſtern umzugehn, bie vor vierhundert Jah⸗ ren lebten, das iſt doch ſonderbar genug, nicht wahr? Die Wißbegierigen hoͤrten geſpannt zu und Velasco erzaͤhlte den ganzen Vorgang. Iſt's möglich! rief Centilles bei Enbi⸗ gung, ſo lebt dieſer Ben Hasran noch, den ich ſo gut zu treffen geglaubt. Ich ſah ihn mit dieſen Augen vom Felſen ſtuͤrzen. Ich ſah ihn mit zerſchmettertem Haupte, fiel Velasco ein, als die Strandfiſcher ſei⸗ nen Leib begruben, doch das Geſicht war unkenntlich, vielleicht war es ein Anderer, der von der Höhe auf die Klippen geſtuͤrzt, ein Ungluͤcklicher.—— Doch was den alten baͤrtigen Mann betrifft, ſo ſage ich frei, ich ſtoße hier auf Raͤthſel. Betrug iſi's ſicher, ſprach Centilles, — 15— Gewoͤlbes, der jenes Bildes Zuͤge nachge⸗ ahmt? Die Geſchichte des Don Mendeze de las Reyes, bemerkte! Altamor, iſt mir ſehr gut bekannt, er war der Admiral des ta⸗ pfern Zarco, der einſt dieſe Inſel entdeckte. Laß dieſen Umſtand bisjetzt noch dun⸗ kel ſein, ſprach Velasco, vielleicht erhellt er ſich, ſobald wir das zerſtorte Schloß burchſuchen. Das ſei ſobald wie moͤglich, endete Cen⸗ tilles; ich brenne vor Begierde, mit dem Renegaten einen Kampf zu unternehmen, der ihm das Leben nun ſicher koſten ſoll. Laß mich die Freude erſt ganz genießen, ſprach Velasco ſanft, Euch, Freunde, und den Sohn der theuern Jenny wieder zu umarmen, dann folge ich gern zu neuen Gefahren.— Centilles ſchwieg und der ticht⸗ Ad⸗ miral, dem ein herrliches Mahl ſetzte ſich zum Eſſen, das er ſo lange ſchon entbehrt hatte. Darauf ſtreckte ſich der Muͤde auf eine Ottomane und entſchlief lieblich traͤumend, Bei ſeinem Erwachen war der Abend angebrochen, er raffte ſich verwundert auf, ließ Altamor und Zapato zuruͤck und ging mit Centilles nach Palma. Der Statthalter empfing ihn wie im⸗ mer. Velasco berichtete den Vorfall im alten Schloſſe, bat ſich von der Garde des Statthalters einige zwoͤlf handfeſte Kerle aus, und machte ſich mit dieſen in der Daͤmmerung des Abends auf den Weg, den Don Alvar zu uͤberfallen. Nach lan⸗ gem Suchen fand er endlich den bezeichne⸗ ten Weg, den Baum und das Loch im Felſen, das verſteckt im Thale ſich befand. Mit möglichſter Stille und verſehen mit Leuchten, ſchlichen die Bewaffneten durch den Gang, hielten ſich nicht auf in dem un⸗ terirdiſchen Gemache, ſondern eilten, ins Innere der Raͤuberhoͤhle zu kommen. End⸗ lich erreichten ſie die Tafel, Velascd ließ ſie heben und alle krochen in den großen Saal, der finſter wie die Nacht war. Von dem Admiral geleitet fanden ſie das Zim⸗ mer, wo Velasco als Sieger entfloh. Die Leichname waren fortgeſchafft und man ſah nur noch die Blutflecken an den Waͤnden und am Boden. Man horchte, alles war ſtille, kein Laut eines Bewohners ließ ſich vernehmen, bie Soldaten durchſuchten das ganze Schloß, Centilles ſchwur Rache, und fand nichts, er durchſtoͤberte alle Gemaͤcher, alle Win⸗ kel, beſtieg die Thuͤrme, durchſuchte die fin⸗ ſtern Keller und Gewoͤlbe, alles umſonſt. — Unverrichteter Sache zogen die Suchen⸗ den heim, nachdem Velasco den Centilles mit acht der Soldaten im Schloſſe zuruͤck⸗ gelaſſen hatte. „ Am andern Tage ging Velasco nach dem Strande, wo Vanhord als Aufſeher der Arbeiter die Ausbeſſerung des Barba⸗ roſſa betrieb; Centilles, des Auflauerns muͤde, zehrte am Mittage heim, ohne eine Seele im Schloſſe gefunden zu haben und Don Pedroſa, der Statthalter, den dieſer fehlgeſchlagene Auszug hinterbracht, ſchickte Arbeiter hin mit dem Befehle, das alte Schloß abzubrechen und die Gemaͤlde ihm zu uͤberliefern. Mehrere⸗ Male ging der Admiral nach Palma, die Statthalterin, die ſchöne Laura, allein zu ſprechen, aber vergeblich; er um⸗ ſchlich bei Nacht ihre Villa, allein auch hier war ſie nicht. Ungeduldig verſuchte er Alles, doch blieb ſeine Ungeduld, und er die Geliebte nicht. Das Schiff, der Barbaroſſa, war fer⸗ tig; Vanhord hatte es wieder in den beſten Stand geſetzt; die von Centilles angewor⸗ *— 2 V2— M — 40— bene Mannſchaft, auf zwanzig ſich belau⸗ fend, ſtand bereit ſich einzuſchiffen und alle, reichlich beſchenkt, jubelten dem Admiral, ſobald ſie ihn erblickten, entgegen und ſchwenkten die Huͤthe. Altamor, Centilles, Zapato und Van⸗ hord erinnerten den verdruͤßlichen Velasco ſtundlich an die Abreiſe. Von ihren Bit⸗ ten beſtuͤrmt, willigte er endlich ein und gab ſein Wort, in drei Tagen die Inſel zu verlaſſen, wo ſein Lieblingswunſch mit der Brittin begraben lag. Er hatte ſein Wort gegeben, und Frohlocken Lerbreitete ſich unter ſeine Freunde. Velasco, entſchloſſen, ging nun nach Palma, dem Gebieter ſeine Abreiſe bekannt zu machen. Dieſer erſchrack, verſuchte aber dennoch vergeblich, ſeine Freude zu ver⸗ bergen, die dem forſchenden Auge des An⸗ baluſiers nicht entging. Er empföhlt ſich bald. Auf den Stiegen des Pallaſtes lie machte ſich bewaffnet auf den Weg zum 20— ein Frauenzimmer bei ihm voruͤber, druͤckte ein Papier in ſeine Hand und eilte hinauf. Die ſchon zunehmende Dunkelheit er⸗ laubte ihm nicht, den Inhalt kennen zu lernen, deshalb beeilte er ſich, ſeine Woh⸗ nung am Strande zu erreichen; hier ent⸗ faltete er das geheimnißvolle Papier und fand von einer Weiberhand folgende Worte geſchrieben: „Da ich mich nicht wohl befinde, ſo „kann ich die Zeit einiger Tage in Al⸗ „mabero verleben, willſt Du mich ſpre⸗ „chen, ſo komm um Mitternacht in die „Arme Deiner Laura.“ Entzuͤckt verbarg der Admiral den Zet⸗ tel, ſprach mit ſeinen Freunden von der nahen Abreiſe und der gluͤcklichen Inſel Formentera, bis die beſtimmte Zeit ſich nahte. Er verließ ſchnell den Strand und Walde. Der Garten war offen, in dem Gange empfing ihm Roſette und fuͤhrte ihn zu ihrer Gebieterin, die bleich und entſtellt auf der Ottomane ruhete. Velasco erſchrack bei ihrem Anblicke und trat zuruͤck. Geliebter, ſprach ſie, Du erſchrickſt, dieß Zeichen Deiner Liebe entzuͤckt die Lei⸗ dende. Du ſiehſt ſo blaß, ſo geiſterhaft aus, ſtotterte der Erſchrockene, Dein Ausſe⸗ ben— Beruhige Dich, Theurer! Seit geſtern fuͤhl' ich eine Uebelkeit und bin ſehr matt; der Leibarzt am Hofe nennt es einen ge⸗ woͤhnlichen Zufall, doch fuͤrchte ich es als die Folgen Deines Hierſeins in der Villa. Ha! ich verſtehe, fiel Velasco ruhiger ein, Gott ſei gelobt, daß es nichts meres iſt. treffen? Du ſprichſt ſo ruhig, iſt dieß, was mir ahnet, wahr, dann bin ich ohne Graͤnzen ungluͤcklich, verloren bin ich dann auf ewig und des Don Pedroſa Rache wuͤrde fuͤrchterlich mich treffen, da er zu gut nur weiß, daß er nicht Vater ſei zu dem, was ich unter meinem Herzen trage. Du machſt mich nachdenkend, ſprach Velascv.— Doch ſag' ich Dir, Velasco, Theurer! fuhr die Statthalterin fort, ich hoffe, dieſe Unwohlheit ruͤhrt nicht von jener Stunde her, ach, wie theuer muͤßt' ich ihre Suͤ⸗ ßigkeit bezahlen!— Doch hoͤr', vor ei⸗ nigen Tagen brachte mir der Gaͤrtner eine Schuͤſſel Ananas, ich liebe dieſe Frucht und ziehe ſie den andern Fruͤchten dieſer Inſel zehnmal vor.— Die Schuͤſſel kam mir ſehr gelegen, ich aß,— und aß zu iel Stit jener Zeit füͤhl' ich mich matt Kann mich noch etwas Schrecklicheres und uͤbel und meinen Kopf fuͤllt ein inner⸗ liches Brennen. Gelobt, geprieſen ſei der Gott der Liebe! rief Velasco, ſo iſt's, ich hoͤre es, nur eine Strafe für Uebertretung der Enthalt⸗ ſamkeit, in wenig Tagen wird ſich Alles geben. Ich hoffe, ja, nun ſetze Dich zu mir, Geliebter, in wenigen Augenblicken zwingt mich meine Fett von Dir zu ſcheiden, weil ich den Arzt hier jede Stunde erwarte. Noch in dieſer Nacht?— Sein Wohnort iſt außerhalb Palmg und ſeine Sorge fuͤr mich und mein Wohl aroß. — Ich yorte von dem Tode der Brittin— Er hat mir Thraͤnen gekoſtet, warum erwaͤhnſt Du ihrer? Ich war ſo gläcklich bei Dir in dieſer Stunde, und nun veißt Du die noch friſche Wunde von Neuem wieder auf. Was verloreſt Du in ihr, Velasco? 4 Eine Freundin, meiner Hoffnung ſchoͤn⸗ ſten Plan, die herrlichſte Zukunft. In die Arme des Geliebten ſie zu fuͤhren, war mein eifrigſtes Beſtreben, es war ſchon halb gegluͤckt, da griff der Tod mit ſchwarzer Hand in meine Plaͤne und die Vernichtung folgte nur zu bald. O koͤnnt' ich ſie noch lebend aus dem Grabe ziehen, ich gaͤbe alle Schaͤtze Formentera's willig fuͤr ſie Sie hat gelebt, es war Beſtimmung, wie bald kannſt Du, kann ich ihr folgen? Ich ahne, wir muͤſſen bald und ſchmerz⸗ lich von einander ſcheiden.— Ihr Weiber ahnet ſtets, ſproch Ve⸗ lasco gezwungen laͤchelnd, ſeiner nahen Ab⸗ reiſe gedenkend.— Es ſagt's mein Herz mir, redete Laura weiter, doch eh' ich von Dir ſcheide, wird ein Geheimniß ſich enthuͤllen, das ſchreck⸗ ch Dich zu hintergehen angeſponnen i. 6½ 12 6% o 1 uon 6 51 an l 8 ] 7 oud H aun 80 6 1.10 on⸗ die ar alb er ng ch ſie 94½ 12% poj unn 9% 6 an gw g Ein Geheimniß? fragte Velasco er⸗ ſtaunt, mich zu betruͤgen? Ich fuͤrchte es, doch iſt's bis jetzt nur bloß Vermuthung von meiner Seite; in kurzer Zeit wird Alles ſich enthuͤllen; dann ſollſt Du es erfahren, und handeln kann Velasco ſelbſt. Geliebte, Du haſt meine Neugierde außs hoͤchſte geſpannt, ſag' mir, was iſt's, das Du bis jetzt vermutheſt, ſag' mir——— Vergieb mir! fiel die Statthalterin ein, und zuͤrne nicht, denn ich muß ſch durch einen bloßen menſchlichen Geda der noch nicht halb gegruͤndet, will ichenicht Deinen Zorn erregen, nicht Deine ſchnelle Rache aus ihrem Schlummer reißemly die Anſtifterin von vielleicht blutigen Tha⸗ ten ſein. Nein, ſobald es mir Gewißheit wird, was mir noch dunkel ſcheint, dann iſt es Zeit genug, dem Raͤcher das Sun Schaͤndliche zu offenbaren. III. Theil. Geliebten Arme, haͤlſt Du mich fuͤr eine — 26— Du fuͤhrſt mich hin zum Scheine, doch das Licht ſelbſt ſeh' ich nicht.— Es wird vielleicht zu bald Dir ſchreck⸗ lich leuchten. Entdecke mir, was Du ahneſt, ich for⸗ dere es von Deiner Liebe, Deiner Treue; denn die Nuͤtzlichkeit davon ſiehſt Du nicht ein.— Sie zwingt mich zu ſchweigen und zu harren. Du haſt mich nie geliebt! Velgsco! ich warf mich willig in des ———„—— 3 — — Buhns? Entdecke mir das noch verborgene Ge⸗ horhenach ſchwöre Dir, ich werde han ſ eln, ſo wie es ſich geſährt. Fuͤrchte nicht die ſchnelle Rache, nicht Uebereilung; d der Admiral da Gaſton uͤbt nur das Recht it und ſtraft dann ſchrecklich, ſobald ihn ſeine eigenen Augen und nicht fremde uͤberzeu⸗ doch reck⸗ eue; icht zu des eine Ge⸗ an chte ng; echt eine gen. Wozu verhehlſt Du mir, was ich unlaͤngſt doch erfahren werde? Waͤr' es nur Vermuthung, ſo hat man ſich zu fruͤh gequaͤlt, erquickend iſt die Fett. Du ſchweigſt, Laura? Velasco kann Dich mit Btembeſtuͤrmen, wie er noch bei Nie⸗ manden gethan; Dein Kebt bleibt noch verſchloſſen? Du fit nur halb!— Du haſt mich beſiegt, fiel die Statt⸗ 6 halterin ein und ſank in des Fenden Arme; ich kann nicht widerſtehen, der Triumph iſt Dein; doch ungern entdecke ich Dir, was ich nur fuͤrchte, hoͤre denn—— Sie wollte fortfahren, da ſtuͤrzte Ro⸗ ſette athemlos ins Zimmer. Sennor! rief ſie, entfernt Euch eilig, der Prinz in des Leibarztes Begleitung ſind im Garten eben angekommen. O, ſehr zur ungelegenen Zeit! ſprach Velasco,—.* Was mag der Statthalter ſo ſpaͤt noch wollen, fragte ſie. Morgen entdeckt ſich das Geheimniß. Eile! Er iſſchon im Schloſſe und naͤhert ſich ſchnell, fort! Roſette brachte den geſtoͤrten Abntal in ein Seiteugemach, durch mehrere Zim— mer bis in den Phr, wo er bald einen Ausgang fand und dann voll von dem Gedatu an das Geheimniß der ſchoͤnen Laura ſeine Strandwohnung erreichte. Kaum brach der Morgen an, als der unrühige Centilles die Mannſchaſt des Bar⸗ baroſſa am Meere verſammelte, und dann den Admiral benachrichtigte, man wuͤnſche ihn zu ſehen und zu ſprechen. Velasco fleidete ſich in die Kaper⸗Uniform und zeigte ſich dem jubelnden Volke, das ihn begruͤßend empfing.— Was begehrt Ihr? fragte er, Ihr habt nach⸗ mir Verlangen.„ S— —„ noch ſich hert al im⸗ nen dem nen der ar⸗ ann ſche 5co und ihn Ihr Einer der aͤlteſten Seeleute trat ehrer⸗ bietig hervor, zog den Hut und ſprach: Admiral! ich, wie die ganze Mann⸗ ſchaft, die durch meinen Mund redet, koͤn⸗ nen es nicht erwarten, unter Euch in See zu gehen und zu fechten; wir duͤrſten nach Thaten. Jeder Augenblick in Ruhe und Unthaͤtigkeit daͤucht uns hier ein Tag der Ewigkeit. Drum fragen wir Euch, ver⸗ gebt der Ungeduldigen Kuͤhnheit, wann werden wir in See gehen, wann wird unz ſer Wunſch erfuͤllt werden? Der Alte ſchwieg, und Velasco, der Admiral, antwortete: Euer lobenswerther Eifer muß mich freuen, drum ſag' ich Euch, noch dieſe Woche hoff' ich in See zu gehen, doch iſt es mir nicht moͤglich, den Tag der Ab⸗ fahrt ſchon heut zu beſtimmen.— Ueber dieſe Worte erfreut jauchzten die Seeleute und zeigten die groͤßte Sufttt⸗ heit. Velasco gruͤßte ſie nach Seegebrauch und ging; Centilles, der dieſen Auftritt veranſtaltet, fuͤhrte entzuͤckt uͤber das Ge⸗ lungene die Seeſoldaten nach dem Hafen zuruͤck. Velasco nahm ſeinen Sohn, fuͤr den der Mohr eine Waͤrterin geſucht, und ging dem Felſen zu, mit dem Gedanken an die geheimnißvollen Worte der Geliebten. Er wollte nicht nach Palma, und doch zog ihn ein gewiſſes Etwas dahin. Der Tag war brennend heiß, ſchwarze Gewitterwolken ſtanden am truͤben Him⸗ mel und das Meer ging hoch, die Schiffe flohen in den ſichern Hafen. Velasco warf ſich auf den Felſen und an ihn ſchmiegte ſich ſein Sohn Altamor. Der holde Va⸗ tername klang ſeinen Ohren lieblich, er dachte an die Mutter auf Formentera und feſt war der Entſchluß in ſeiner Bruſt ge⸗ faſt, in einigen Tagen die Inſel zu ver⸗ la re he ſei ro m in gi ſic un fei leg da Al det ſes ſo ge laſſen, die ihn ſo lange ſchon von dem trau⸗ ritt renden Weibe entfernt.— Das ſich naͤ⸗ He⸗ hernde Ungewitter zwang den Traͤumenden, fen ſeine Wohnung zu ſuchen. Der Donner rollte ſchon und der Regen fiel in Stroͤ⸗ den men herab, dieß machte dem Admiral den ing Weg nach Palma unmoͤglich, er ſetzte ſich die in den Kreis der Freunde und die Zeit Er ging ſchnell dahin. ihn Gegen Abend fing das Ungewitter an, ſich zu legen. Velasco verließ das Haus rze und trat unter freien Himmel, der noch von m⸗ feurigen Blitzen erhellt wurde; der Sturm iffe legte ſich, und ruhiger ward das Meer; arf da ſah er in der Daͤmmerung des truͤben gte Abends eine weiße Geſtalt mit ſchnellen a⸗ Schritten die Straße von Palma herab er dem Strande zueilen. Wild flog ihr naſ⸗ nd ſes Haar um das bleiche verſtoͤrte Antlitz, e⸗ ſo daß die zitternden Glieder kaum Kraft genug beſaßen, den wankenden Korper zu — tragen. Velasco, der eine Ungl ͤckliche in ihr vermuthete, die durch einen Verzu lungsſturz ins Meer ihre Leiden zu en i⸗ gen glaubte, eilte ihr entgegen und ſah& ſetten, die Vertraute der Gebieterin Laura de Baeſo; er erſchrack heftig und bebte zu⸗ ruͤck; ſie erkannte ihn und ſank zu Boden. Sennor! ſchrie ſie mit lauter Stimme, todt iſt die Prinzeſſin, die Ihr noch geſtern lebend ſaht!— Gerechter Gott! rief der Admiral und ſtand erſtarrt, iſt's moͤglich! Der Graͤuelthaten graͤßlichſte raubte ihr „das Leben, ſie ſtarb vergiftet durch des Statthalters moͤrderiſche Hand, fuhr Ro⸗ ſette fort. O Hoͤllenthat! dieß ſchoͤnſte Werk der ſchaffenden Natur durch dich zerſtoͤrt, dieß Weib in der Geſundheit Fuͤlle, in ihrer holden Bluͤthe durch einen Niedertraͤchtigen dahingeſtreckt! Sie war geſchaffen, den ura zu⸗ e me, ern ind . Ro⸗ Gatten zu begluͤcken, und nun?— doch beim ſtrafenden Gotte! die Rache ſei fuͤrch⸗ terlich.— Sag' mir, Roſette, wie ward die Schandthat vollbracht? Um Ruhe bitte ich, Sennor, dann ſollt Ihr Alles wiſſen⸗ Ich faſſe mich, erzaͤhle, ſprach Velasco mit verbiſſenem Ingrimm und geballter Fauſt. Roſette fuhr mit thraͤnenden Augen fort: Als geſtern Nacht uns des Gebieters Ankunft, wie die des Arztes am Hofe uͤberraſchte, begabt Ihr Euch hinweg, um dem Auge der Eiferſucht zu entgehen.— Ungewoͤhnlich freundlich, herablaſſend, bald beinahe zaͤrtlich und beſorgt war Don Pe⸗ droſa, der Leibarzt fuͤhlte nach dem Puls der Leidenden und ſprach mit Kenner⸗ miene: Ein heſtig Fieber wuͤhlt in der Sen⸗ nora Blute, denn brennendheiß iſt ihre Hand, ein Kuͤhlungstrank kann hier die Wirkung nicht verfehlen. Ich bitte ſelbſt darum, ſprach die Statt⸗ halterin und der Arzt fuhr fort: Ich hatte dieſe Hitze ſchon vorhergeſehn. Bei dieſen Worten zog er eine Flaſche Medicin hervor, fuͤllte damit einen Becher und ließ ihn die Gebieterin leeren. Mich noͤthigten jetzt anderweitige Ge⸗ ſchaͤfte zur Entfernung; die weitere Unter⸗ redung hoͤrt' ich nicht und gegen Morgen ging der Prinz mit ſeinem ſchaͤndlichen Begleiter. Nicht achtend die vorgefallene Schandthat, verging die Zeit bis dieſen Mittag. Immer ſchwaͤcher fuͤhlte ſich die Gebieterin, bis endlich ſich die Ine chen nahten.— Roſette! ſprach ſie mit leichenblaſſem Geſichte, erſchrick nicht, ſondern lerne ſtandhaft ſein. Ich fuͤhle Gift in mir, ſchon zeigen ſich die Spuren deutlich in dem ſc eit gl ſet mi na we ich nei Se leit der ie Innern und qualvolle Schmerzen ſtehe ich aus, die Eingeweide ſind zerriſſen, ich ſterbe bald! der Tod naht ſich und der, den Gott mir gab zum Gatten, der iſt mein Moͤrder! Ich ſank erſchrocken zu ihren Fuͤßen. Sie fuhr fort: Sei ruhig, ich ahnete ſchon laͤngſt dieſe ſchwarze That, doch noch einen Verſuch. Bei dieſen Worten ergriff ſie das un⸗ gluͤckliche Glas, auf deſſen Boden ſich ein Satz von dem Giſttranke befand, mit die⸗ ſen benetzte ſie das Futter eines im Zim⸗ mer haͤngenden Papagey's, der aber bald, nachdem er gefreſſen hatte, ſtard. Nun war's Gewißheit; knieend und weinend lag ich vor der Goͤttlichen, ſie bat mit thraͤ⸗ nenden Augen um Schreibzeug, um Euch, Seunor, das Schreckliche zu berichten; al⸗ lein kaum ergriff die ſchwache Hand die Fe⸗ der, als ſie ohnmaͤchtig in meine Len ſank und nie wieder erwacht.— Kaum war der ſchoͤne Koͤrper entſeelt, als der Moͤrder der Statthalterin erſchien; man meldete mir, er wuͤnſche mich ſogleich zu ſprechen; allein ich, ſeine Liſt und ſchlaue Rache fuͤrchtend, entfloh und eilte zu Euch, Sennor. Verbergt mich vor des Tyran⸗ nen Wuth. Du biſt in meiner Wohnung ſicher, re⸗ dete Velasco mit Ruhe, komm, hier wird Dich Niemand ſuchen. Mich laß jetzt, geh und weine, die Welt hat einen Engel we⸗ niger. Roſette gehorchte. Bewegt ſtand Ve⸗ lasco auf dem Flecke, wo ihn die Ver⸗ traute fand, ſeine Gedanken waren Rache, einer draͤngte den andern, und zehnmal verwarf der Admiral, was er doch ſchon ſo feſt beſchloſſen; endlich trieb ihn ſeine Unruhe zu den Freunden, die beim herrli⸗ chen Weine der Inſel noch den Admiral an zu ue ch, n re⸗ ird eh ve⸗ Be⸗ er⸗ he, nal o0n ine rli⸗ ral erwarteten. Dieſer ließ ſich bei ihnen nie⸗ der und theilte den Forſchenden die ſchreck⸗ liche Nachricht mit. So trog mich doch meine Ahnung nicht! ſprach Centilles wild, als Velasco geen⸗ det; ich ſehe hell in jedes Menſchen Herz, Don Pedroſa war mir laͤngſt verhaßt. Er ſterbe! redete Velasco; ich habe Al⸗ les uͤberdacht und raͤchend falle meine Hand auf ihn. Du haſt nicht Alles uͤberlegt, fiel Al⸗ tamor ein. Don Pedroſa iſt ſchuldig, ein ſchreckliches Verbrechen belaſtet ſeine Seele, er hat den Tod verdient;— doch wer hat Dich zum Richter uͤber ihn gemacht? Du ſprichſt ſehr ſonderbar, ſagte Ve⸗ lasco mit gerunzelter Stirn, ſoll ich den Buben nicht beſtrafen, durch den noch mehr Verbrechen geſchehen koͤnnen? ein Ziel den Schandthaten hier zu ſetzen, iſt eine lo⸗ — 1 3 4 3 ¹ benswerthe That; Dein Widevſpruch macht, daß ich Dich verkenne. Das thuſt Du!— Wohlan, Du haſt recht, er falle als ein gerechter Lohn des Laſters Fulle; doch, haſt Du auch die Fol⸗ gen ſchon erwaͤgt?— Hoͤre mich an und ſchenke mir Geduld.— Der Herr der In⸗ ſel, den Du zum Tode beſtimmt, iſt von dem Koͤnige in Spanien erwaͤhlt, er iſt im Schutze des Erzbiſchofs, der Geiſtlich⸗ keit und Glied der Inquiſition; ja, er iſt Fuͤrſt, wenn gleich nicht durch Geburt. Von ſeinen treuen Dienern, die ihm glei⸗ chen, wird er ſiets bewacht, und um Ca⸗ naria fließt ein weites Meer. Ich weiß, was Deine Worte ſagen wol⸗ len, fiel Velasco ein, doch das hab' ich auch ſchon von Wort zu Wort mir ſelbſt geſagt.— Mein Dolch trifft ſicherlich ihn allein; ſobald er ſeinen letzten Lebensfun⸗ ken ausgehaucht, verlaſſen wir die Inſel. Sv— — 1 M Velasco hat recht, ſprach Centilles, er hat gemordet, und ihn treffe gleiches Loos. Wann ſoll der Plan vollfuͤhrt werden? In der naͤchſten Nacht. Zuvor will ich zum letzten Male nach Palma eilen, und nach der Etiquette dem Statthalter meine Aufwartung machen, um ihn weiter zu erſorſchen. Auch der Leibarzt muß ſeine Belohnung erhalten, Dir, Centilles, uͤber⸗ trag ich die Beſtrafung; dieſe Boͤſewich⸗ ter moͤgen beide in einer Stunde fallen. Ich morde ungern, entgegnete Centil⸗ les, wenn mich nicht im Gefechte die ei⸗ gene Selbſterhaltung zwingt, doch hier iſt Mord Gerechtigkeit. XII. Abſchnitt. Der Tag brach an und die Freunde gin⸗ verſunken. Velasco traf Roſetten weinend im Garten. Trockne Deine Thraͤnen, ſprach er, und geh' mit mir nach Formentera, Du bald den Verluſt verſchmerzen wirſt. Beträbte mit einem frohen Blicke, der durch ben fruͤh und meine Freunde kann ich leicht verlaſſen. Freudig nehm' ich Euren Vor⸗ 5 gen auseinander, jeder tief in Gedanken ich will Dich zu meinem Weibe fuͤhren, wo Mich haͤlt hier nichts zuruck, redete die Thraͤnen brach. Vater und Mutter ſtar⸗ ſchlag an, Sennor! und gehe mit Euch.— Velasco ging, noch ehe die Sonne ihre brennendheißen Strahlen auf die Erde her⸗ abſenkte, nach der Hauptſtadt.— Dumpf toͤnte ihm der Kanonendonner von der Ci⸗ tadelle des Hafens entgegen; die Glocken heulten, den Tod der Statthalterin an⸗ kuͤndigend, und der Admiral erinnerte ſich jenes ungluͤcklichen Tages, da er als Sie⸗ ger ans Land ſtieg und den Tod. Eng⸗ laͤnderin erfuhr. 0 So mußten denn in kurzer Zeit zwei Engel von der Erde ſcheiden, rief er mit Webmuth aus, um dort nur ſchoͤner noch zu glaͤnzen! Sie ſind dahin, vielleicht einſt Zhen wir uns wieder!— In Palma war Alles in Bewegung, die Diener des Vice-Koͤnigs rannten in tieſer Trauer durch die Straßen. Mit rachevollen Gefuͤhlen betrat der Admiral den Pallaſt und ließ ſich dem Statthalter melden, der ihn in Trauerkleidung empfing. 3 Kaum vermochte Velasco beim Anblicke des Moͤrders ſeinen Unwillen und Zorn zuruͤckzuhalten, doch zwang er ſich, an die Vergeltung denkend. Der Gebieter ſchien außer ſich und klagte ſogar mit einigen Thraͤnen dem Ad⸗ miral das Geſchehene, er war untroͤſtlich; Velasco ſparte daher ſeine Verſuche, em⸗ pfahl ſich condolirend, und ging, ſeine Rache weiter zu verfolgen. Wie weit, ſprach er zu ſich ſelbſt, als er mit Eile das Schloß des Henkers ver⸗ laſſen, kann es der Menſch in der Kunſt ſich zu verſtellen bringen! er kann Thraͤ⸗ nen aus den heuchleriſchen Augen preſea⸗ mit einer gedrechſelten Außenſeite ſeine Bruͤ⸗ der hintergehn und in einer Viertelſtunde alle Eytreme des menſchlichen Charakters darſtellen. Das Geſicht zwingt er zu Mie⸗ nen und Gefuͤhlen, wovon ſein Herz auch nicht ein Einziges gekannt, und alle Tu⸗ . S⸗ e S„ 70) nblicke Zorn an und n Ad⸗ ſtlich; em⸗ ſeine „als ver⸗ dunſt hraͤ⸗ ſſen Bruͤ⸗ unde kters Mie⸗ auch Tu⸗ genden uns kuͤnſtlich vorzumalen, iſt ihm ein Spiel, der Freundſchaft, der Liebe Gluͤck, von ihm kann man ſie lernen, ob⸗ gleich er nichts davon gefuͤhlt, er zeigt den groͤßten Haß gegen alle Laſter, und uͤbt ſie doch im Geheimen.— Mnd ſol⸗ cher Menſchen giebt es viele zum Verder⸗ ben fuͤr die Welt und zum Ungluͤck S die Schwachen. Bei dieſem Selbſtgeſpraͤche hatte ſich Velasco von dem Pallaſte entfernt. In einer nahen engen Gaſſe redete ihn ein jun⸗ ger Mann in einem langen Mantel gehuͤllt an: Sennor Admiral! ſprach er, ſich ſchuͤchtern und mit Furcht umherſehend, Euch haͤtt' ich etwas zu berichten, das keine weitern Zeugen braucht. Laßt Euch vor dem Thore, das nach Cindad el Raggio fuͤhrt, in jenem Waͤldchen finden, und ſchenkt mir Gehoͤr, ich komme ghich Euc nach. 44— Du wirſt mich finden, entgegnete Ve⸗ lasco, und der Andere eilte ſchnell davon. Velasco erinnerte ſich, das Geſicht des Abgehenden ſchon geſehen zu haben, er ging gedankenvoll dem Thore zu. Centil⸗ les begegnete ihm. Gut, redete dieſer ihn an, daß ich Dich finde, Admiral! den Wohnort des Leibarztes, der ſo ſchoͤne Kuren macht, hab ich ſchon ausgekundſchaſtet; jetzt frag ich Dich, wie waͤr's, wenn ich den Thaͤ⸗ ter lebend finge? auf unſerm Schiffe kannſt Du dann nach Gutbuͤnken ihn beſtrafen und er hat Zeit, ſich ſeiner Suͤnden zu erinnern, mit deren Centnerlaſt er ſonſt ſich ſchnell der Welt entzoͤge. Wenn's moͤglich iſt, entgegnete Ve⸗ lasco, und ohne Aufſehen ausgefuͤhrt wer⸗ den kann, ſo thue es. Ich hoffe, es ſoll gluͤcken, wohin fhrt * Bih Dein S ch ge 9l ni be un ba be na Vi vo wo Ve ar ſuc Ein Unbekannter hat mich in das Waͤld⸗ chen bei el Raggio beſtellt, dort ohne Zeu⸗ gen mich zu ſprechen. Du kannſt mich be⸗ gleiten, Verrath und Hinterliſt herrſcht auſ der Inſel und der Statthalter traut uns nicht. Er ahnet ſeinen Lohn, wann wird's beginnen? In dieſer Nacht noch, ſo Gott es will. So ſei der Arzt am Abend ſchon in unſern Haͤnden. Hoͤr' meinen Plan: So⸗ bald die Dunkelheit das Land und Meer bedeckt, gehn Vanhord, Altamor und ich nach des Moͤrders Wohnung, die eine kleine Viertelſtunde von einer ſchoͤnen Villa liegt, von einem portugieſiſchen Edelmann be⸗ wohnt, der reich, wie Croͤſus, iſt.— Vanhord, verkleidet,(ihn ſah der Leib⸗ arzt nur ein einziges Mal in Palima) er⸗ ſucht den teufliſchen Medicus um ſchleunige Hilfe bei ſeinem Herrn, einem Portugie⸗ ſi entgegen. ſen, dem er zu dienen vorgiebt, und dich⸗ tet ihm einen ſchweren Zufall an. Schnell folgt der Arzt, eine reiche Ernte hoffend, ohne Begleitung, ſobald wir uns dann auf eine Strecke von der Wohnung entfernt haben, feſſeln wir ſeine Haͤnde und brin⸗ gen ihn nach unſern Felſen und gegen Mor⸗ gen auf das Schiff. Dein Plan iſt gut, ſprach Velasco, er wird nicht fehlſchlagen. Trag' kein Bedenken, es wird mir ſicher gluͤcken. Bei dieſem Geſpraͤche erreichten die beiden Freunde das Thor und bald das Waͤldchen, wo ſie ſich ins hohe Gras war⸗ fen und des Kommenden harrten. Der Fremde erſchien bald, ſtutzte beim Anblicke des zweiten ungebetenen Zeugens, und ſtand furchtſam in einiger Entfernung ſtille. Ve⸗ lasco, ſein Bedenken merkend, ging ihm we rie Ce der in les kon De Sie ſoll niß Euc Ser doch bliel Was Du auch willſt, ſprach er, in welcher Abſicht Du auch hier mich herbei⸗ riefſt, ſo wiſſe, dieſer hier iſt mein Freund Centilles, vor dem ich kein Geheimniß habe, der alles wiſſen kann, was mich betrifft, in ſeiner Gegenwart kannſt Du mir Al⸗ les ſagen. Beruͤhmter Admiral! fing der Ange⸗ kommene an, Du willſt und ich gehorche. Der tapfere Centilles, der Streiter und Sieger uͤber des Tuͤrken Lemalma Flotte, ſoll mich nicht abhalten, Dir ein Geheim⸗ niß zu entdecken, das ich erſt ſpät erfuhr. — Kennt Ihr mich nicht mehr? ſind Euch meine Zuͤge nicht mehr bekannt? Sennor! Ich ſah Dich einſt, antwortete Velasco, doch nur dunkle Erinnerung iſi's, was mip blieb. Ich war der Ungluͤckliche, den Ihr einſt auf der hohen See aus des Temalns Ketten befreitet, und den Ihr ſo reich be⸗ ſchenktet; mein Name iſt Pedrillo und mein Vaterland Andaluſien. Ha, jetzt beſinne ich mich des Juͤng⸗ lings, fuhr Velasco auf, wie geht es Dir auf dieſer Inſel?— Sennor, Ihr ſollt Alles hoͤren. Die Dankbarkeit blieb in meinem Herzen; Gott ſei gelobt! ich kann Euch jetzt einen Ge⸗ gendienſt erweiſen.— Als wir Befreiete das Schiff verließen, zerſtreueten ſich die ehemaligen Sclaven auf der Inſel und ſuch⸗ ten ihr Leben durch Arbeit zu friſten. Ich fiel durch Zufall in die Haͤnde Don Pela⸗ gez, des Haushofmeiſters ſeiner Herrlich⸗ keit und geſellte mich zur Zahl der Die⸗ ner des Statthalters, die alle mir miß⸗ fallen. Zur Sache jetzt. Sennor! Ihr habt gewiß den Tag noch nicht vergeſſen, an dem Ihr, nach dem errungenen Siege, auf Canaria an's Land ſtiegt und den Tod fo: eir Eu und es Zun Nur kurz kaun einer Englaͤnderin erfuhrt, die Euch die beſte Freundin war.— Nie werde ich ihn vergeſſen, ſprach Velasco mit duͤſterm Blicke, doch ſehr zur Unzeit erinnert Ihr mich an das, was meinem Herzen ſo wehe thut. Zur Unzeit wahrlich nicht, fuhr Pedrillo fort, wenn Ihr in dieſer Brittin mehr als eine Freundin betrauert habt, ſo ſag' ich Euch: ſie lebt. Sie lebt? rief Velasco aufſpringend, waͤr's Möglichkeit! Sie lebt! wiederholte der Erzaͤhler, und iſt in Don Pedroſa's Gewalt. Jetzt wird mir Alles klar, haͤtt' ich es ahnen koͤnnen! der Tod band ihr die Zunge, der Goͤttlichen, die er gemordet. Nun iſt mir Alles deutlich; doch fahr' in kurzen Worten fort; belohnen will ich Dich, kaum iſt's mir moͤglich, das Ende zu er⸗ ur Cheil. 5 — warten; gewaltſam ſchlaͤgt das Herz in meinem Buſen. Ein zweiter Dolchſtoß mehr fuͤr den Verraͤther! rief Centilles, ſein Maaß iſt voll zum Ueberlaufen, mich duͤrſtet nach des Heuchlers Blute. „ Rede weiter, ſprach Velasco mit Un⸗ geduld, und ſag' mir, wie Du dieß er⸗ gruͤndet; es wechſeln alle Empfindungen jetzt in mir. Pedrillo fuhr fort: Ihr kennt den Pallaſt des Statthalters, der linke Fluͤgel iſt unbewohnt, und ſtoͤßt an die Citabelle des Hafens, wo ein runder Thurm am Fuße des Meeres ſich erhebt.— Der Weg dahin iſt von den Wachen verſperrt, allein durch den Fluͤgel des Schloſſes kann man leicht und unbemerkt dahin gelangen. 5 waͤhlte, ſobald die Sonne ſich zu neigen anfing, einen Ort auf den Schan⸗ zen, lagerte mich in's hohe Gras und 2 „— e e—. — in en lle —— ſchauete auf das wogende Meer, wo ſich die goldenen Strahlen dann verſenkten; der Anblick erfreute das Herz des Fuͤhlenden, der von der Heimath entfernt, in fremden Haͤnden ſich befindet. Ihr kennt ſelbſt die Schoͤnheit der Natur und ihren Einfluß auf unſere Empfindungen.—— Ich kenne ſie, nur fahre fort, ich flehe Dich an. Geſtern am Abende, es war ſchon ſpaͤt, als ich den Wall beſtieg, machte mich die herrſchende Daͤmmerung dreiſt, mich wei⸗ ter an jenen Thurm zu wagen, wo ſich die Baſtionen ſchroff herab in's Meer ver⸗ ſenken.— Ich war dem Thurme nahe, der ſchon vom Zahn der Zeit gelitten hat; den hoͤchſten Gipfel des Walles zu erſiei⸗ gen, war mein Wunſch; es war mir ſchon gelungen, allein auf der Hoͤhe ſank ich er⸗ ſchoͤpft vom Klimmen und der Anſtrengung zu Voden, die ſchon untergehendt Sonnt Der Anblick der See, des Hafens, der Schiffe, Alles war zu erhaben fuͤr des Stauners Auge, ich raffte meine Kraͤfte zu⸗ ſammen und wagte mich zu nahe an den ſteilen Abhang, das lockere Erdreich gab nach und der entzuͤckte Spaͤher rollte hinab in die fuͤrchterliche Tiefe!— Der Schreck, der nahe Tod raubte mir mein Bewußtſein. Als ich erwachte, lag ich am Fuße des Thurmes im Sande des Meers, der mich faſt bedeckte. Unbegreiflich war es mir, wie ich dem Tode entronnen, allein nach genauer Betrachtung fand es ſich, daß ich an der Baſtion hinabgeglitten und der Sand einen jaͤhen Sturz verhindert hatte, dem⸗ ungeachtet juͤhlte ich mich wie zerſchlagen. Kaum war es mir moͤglich, mich zu erhal⸗ ten, um nicht von den Wellen, die nahe an den Thurm ſchlugen, weggeſpuͤhlt zu wer⸗ den. Es war jetzt duͤſtre Nacht, ich konnte warf ihren letzten Schein in's Meer hinab. es nicht mehr wagen, einen Weg zum Hin⸗ aufklimmen zu ſuchen, denn mir bangte vor einem neuen Falle, der ſicher nicht ſo gluͤcklich geweſen ſein wuͤrde.— Was war zu thun? ich ertrug mein Schickſal mit Geduld, ſetzte mich an den hohen Thurm und beſchauete das Meer, auf dem nun die ſilbernen Strahlen des aufgehenden Mondes ſpielten. Im Nachdenken verſun⸗ ken, vernahm ich einige menſchliche Toͤne, ich ſtutzte, horchte und erblickte in einiger Entfernung von meinem Platze eine ver⸗ gitterte Heffnung in dem Thurme, aus dem der matte Schein einer Lampe hervorſchim⸗ merte. Neugierig ſchlich ich leiſe hinzu und erblickte durch das Gitter ein unter⸗ irdiſches Gemach, in welchem eine weib⸗ liche Figur vor einer maͤnnlichen auf den Knieen lag, in der ich den Statthalter er⸗ kannte. Sie bat, ſie flehete, aber die Tiefe verhinderte, alles genau zu verſtehen 54— nur hoͤrte ich oſt Euren Namen, Sennor, ke dann Marry u. ſ. w. nennen. Mit einem r Worte, ich vernahm ſo viel von dem Ge⸗ ir ſpraͤch, daß man Euch betrogen habe und l daß die beweinte Brittin noch lebe. Nach langen Reden, nach Thraͤnen, von der ſ Verlornen vergoſſen, die Don Pedroſa mit v hartem Herzen nicht bemerkte, entfernte n ſich der Unmenſch und ich klomm, ſobald 3 der Morgenſtrahl das Meer erhellte, mit Muͤhe auf den Wall und kam ſo, unbe⸗ 2 merkt von allen Wachen, wieder in dem h Pallaſt an. Euch, Sennor, Alles zu ent⸗ e decken, war mein erſter Vorſatz; ich that's, ich wage viel, doch dem Wohlthaͤter konnte d ich es unmoͤglich verſchweigen.— Du wagſt nichts, Getreuer! fiel Ve⸗ 1 lasco ein, mit Inbrunſt den Erzaͤhler in 1 ſeine Arme druͤckend; Du machſt mich gluͤck⸗ e lich, doch rechne auf meine Erkenntlichkeit. In Palma, auf dieſer Inſel bluͤhet Dir t kein Gluͤck, geh mit uns nach Formente⸗ ra's friedlichen Felſen, ſobald wir gluͤcklich in der Bucht gelandet, will ich Dich be⸗ lohnen. Begleite mich! Es iſt mein Wunſch ſchon laͤngſt gewe⸗ ſen, Admiral; Ihr habt mich von der Scla⸗ verei errettet, behaltet mich und ſichert mich vor Don Pedroſa's fuͤrchterlichem Zorne. Du haſt nichts mehr zu fuͤrchten, ſprach Velasco mit rollenden Augen, der Statt⸗ halter ſieht den Morgen ſicher nicht, wenn es uns gelingt, was ſchon beſchloſſen. Gerechter Himmel, ein Mord! rief Pe⸗ drillo mit Schrecken und Entſetzen⸗ Er ſtirbt! fuhr Velasco fort, und mit ihm ſein Leibarzt, der, als Helfer ei⸗ nes Bubenſtuͤcks, einen Engel der Welt entruͤckte.— Durch des Verdammten Gift ſtarb Donna Laura, die Statthal⸗ Iſt's moͤglich? fragte Pedrillo erſtaunt. Nur zu wahr! fuhr der Admiral fort, ihr Raͤcher iſt nahe!— Abmiral! ſprach Centilles, die Zeit verſtreicht bei dem Geſpraͤche, der Mittag iſt nicht fern und noch iſt die Hauptſache zwiſchen uns nicht im Reinen. Zu Alta⸗ mor und Zapato laßt uns eilen und ihnen ſagen, was Pedrillo uns berichtet. Vor Lauſcher ſind wir dort am Meere ſicher, hier nicht. Du haſt recht! redete Velasco, kannſt Du uns begleiten? Ich kann es; der Dienſt bei dem Ge⸗ bieter trifft heute einen Andern und ich bin ohne Arbeit. Doch flehe ich Euch an, Sen⸗ nor, laßt uns die Menſchen heiden; ent⸗ deckt man mich bei Euch, ſo koͤnnte doch Pedroſa leicht ein Einverſtaͤndniß ahnen. Er liebt Euch nicht.— Das iſt mir laͤngſt bekannt, doch wird ₰ er ſicher in dem Admiral Velasco ſeinen Richter nicht vermuthen.— kach Mittag langte man beim Strande an. Altamor und Zapato eilten dem Ad⸗ miral freudig entgegen, dieſer zeigte auf Pedrillo und ſprach? Ein neuer Freund iſt uns geſchenkt in dieſem. Truͤgt mich mein Auge nicht, rief Al⸗ tamor mit Staunen aus, ſo waren wir ſchon Ungluͤcksbruͤder, als uns Temalma's Ketten druͤckten. So iſt's, Sennor! erwiederte Pedrillo. Velasco fiel ein: Freunde, reichhaltig an Geheimniſſen und Bubenſtuͤcken iſt dieſe Inſel. Durch dieſen iſt uns ein neues ent⸗ deckt, das mich zum Gluͤcklichſten der Men⸗ ſchen macht.— Eine Todte iſt aufer⸗ ſtanden! Die Statthalterin? fragte Altamor er⸗ ſtaunt. 3 Sie bleibt in jener Welt, redete Ve⸗ lasco mit einem Seufzer. Die Englaͤnde⸗ rin Browes ſtieg aus dem Grabe hervor und legt ein neues ſchweres Gewicht auf die Schaale des Verbrechers, fuͤr den der Dolch geſchliffen. Sie lebt! rief Altamor, iſi's moͤglich! Geprieſen ſei Allah! ſchrie Zapato auf⸗ ſpringend, er ließ ein Wunder geſchehen. Kein Wunder, ſprach der Admiral laͤ⸗ chelnd; Lieber, Pedrillo war dem Tode nahe, an ſeines Schlundes Rachen fand er die ſchon Betrauerte, doch nicht Ver⸗ geſſene. Er mag nochmals das Sonder⸗ bare Euch erzaͤhlen; ich muß ans Meer, um mich zu freuen, wohl dem, der noch Empfindung in dem Herzen hegt.— Velasco ging, und Pedrillo, von Alta⸗ mor und Zapato beſtuͤrmt, wiederholte das ſchon Erwuͤhnte. Mit Verwunderung horch⸗ ten die Freunde auf feine Erzaͤhlung; Za⸗ e— e——— ₰— — pato weinte vor Freude und Altamor, gleich Centilles, kochte Rache im Buſen. Velasco kehrte wieder, er ſetzte ſich in f den Kreis ſeiner Freunde und nun entwarf man den Plan, der reiflich von dem Ad⸗ 4 mirale uͤberdacht, von Allen gebilligt und angenommen wurde. ⸗ Pedrillo kehrte nach Palma zuruͤck. Ehe er ging, ſprach Velasco mit Ernſt im Bei⸗ 3 ſein der Uebrigen: S Du gehſt, Pedrillo, um, ſobald es d„ Abend geworden, wieder zu kehren. Ich traue Dir, Du weißt Alles, unſer ganzes r. 8 Geheimniß kannſt Du verrathen an den * Statthalter, um großen Lohn zu ernten; doch wiſſe, uns faͤngt man nicht ſo leicht und Dich ereilen wir mit fuͤrchterlicher Hand. Jetzt geh.— Sennor, redete Pedrillo mit Abſcheu e und Schmerz auf dem Geſichte, verkennt Ihr mich, ſo will ich bleiben zu Eurer — Sicherheit. Doch ſchwoͤr' ich Euch beim Himmel, der uns umgiebt, in dieſem Her⸗ zen wohnt nicht Verraͤtherei, nicht ſchwar⸗ zer Undank. Hat mein Betragen Euch die⸗ ſes nicht gezeigt, ſo glaub' ich, irren wir uns beide in einander. Fort, Getreuer! vergieb, rief Velasco, und komm, ſobald es Dir erlaubt, zuruͤck, Du wirſt uns nicht verrathen. Pedrillo ging und Velasco eilte in Cen⸗ tilles Begleitung um Palma nach dem Ha⸗ fen, wo Vanhord das Commando auf dem Barbaroſſa fuͤhrte. Mit treuer Herzlichkeit druͤckte dieſer des Admirals und Centilles Haͤnde. Velasco fuͤhrte ihn in die Kajuͤte und ſprach: Die Zeit iſt da, der Plan wird heute noch vollfuͤhrt; iſt Alles fertig zur Ab⸗ ſahrt? denn ehe der Morgen anbricht, ſind wir in der hohen See. Es iſt Alles in dem beſten Stande, keit les uͤte ute Ab⸗ ind erwiederte Vanhord, die Mannſchaft jubelt der nahen Abfahrt ſchon entgegen, in die⸗ ſer Stunde koͤnnen wir die Anker lichten. Haſt Du nach weiſer Pruͤfung Dir nicht Einige auserleſen, auf die Du bauen koͤnn⸗ teſi? Ganz bauen kann ich auf drei, die, wie ich, in Holland geboren ſind, ſie dien⸗ ten jahrelang dem Statthalter als Matro⸗ ſen; allein als er einſt, eines nicht nen⸗ nenswerthen Verbrechens wegen, zwei von ihnen mit Haͤrte beſtrafen ließ, ſo fielen die ſonſt ſo Treuen, belohnt mit Undank, ab und dienen Dir. Dem Dritten entehrte Don Pedroſa ſeine einzige Tochter, die bald darauf mit ihrer Schande ſtarb. Die⸗ ſer ſchwur blutige Rache und auf ihn kann ich mein Vertrauen ohne Grenzen ſetzen. Wohl! ſprach Velasco, ſo laß ſobald die Abenddaͤmmerung auf das weite Meer ſich geſenkt, ein Boot ausheben, in dieſes wirſſt Du Dich mit zwei Deiner Getreuen; der Dritte kann die Herrſchaft bis zu Dei⸗ ner Ruͤckkehr auf dem Schiffe fuͤhren. Du umgehſt den Theil der Inſel, haͤltſt Dich am Ufer, als ob Ihr mit Fiſchen Euch beluſtigen wolltet, und landeſt bei unſerer Wohnung am Strande. Das Weitere bis dahin. Er reichte dem Hollaͤnder die Hand und ging zuruͤck in den Hafen, beſah den inhaltsreichen Thurm, verſah ſich mit den noͤthigen Werkzeugen und kehrte, von Cen⸗ tilles begleitet, nach dem Strande zuruͤck. Roſette, die verſteckt den obern Theil des Hauſes bewohnte, ließ er zu ſich kom⸗ men. Mit noch truͤbem Geſichte trat ſie vor den Admiral. Iſt Dein Entſchluß noch nicht wan⸗ kend? fragte Velasco, willſt Du mich be⸗ gleiten uͤber's Meer? Mit frohem Herzen, ſprach die Trau⸗ ri 20 15 ch ch er is rige, es wird ſich wiederfinden, ſobald die Inſel meinem Geſichtskreiſe ſich entzieht. So halte Dich bereit, in einer Stunde gehſt Du auf das Schiff, und morgen ſchon, ſo es der Allmaͤchtige will, auf im⸗ mer von der Inſel. Mach' Dich bereit; eine neue Gebieterin, Hie Du ſchon kennſt, will ich Dir geben, ſie mag den Verluſt der noch Beweinten Dir erſetzen. Wird ſie es koͤnnen? fragte Roſette mit Thraͤnen. Gewiß, troͤſtete der Admiral, jetzt geh' und mach' Dich und meinen Sohn nebſt ſeiner Waͤrterin reiſefertig. Roſette ging und Velasco unterhielt ſich mit Altamor, Centilles und dem Mohren bis der Abend anbrach, er hatte ſeine Be⸗ fehle Allen ſchriftlich uͤbergeben und t nur der Ankunft Pedrillo's. Endlich kam dieſer verkleidet, den Verſammelten die Haͤnde und warf d einen gefullten Mantelſack in den Winkel⸗ T Schon gepackt? fragte Velasco mit 2 Lächeln, Du biſt prompt. d Sennor! erwiederte Pedrillo, ich bin ſe bereit, jetzt zu jeder Stunde Euch zu be⸗ d gleiten; doch wahrlich, ich verhehl' es nicht, es druͤckt mich eine nie gefuͤhlte Angſt, wenn li ich an dieſe blutige Scene meine Gedan⸗ f ken richte. Ein Fuͤrſtenmord iſt fr mich ſi ein graͤßlicher Gedanke! d Fuͤr Dich! fiel Centilles ein; Du haſt noch keinen Mord auf Deiner Seele, Du d haſt noch nicht geſtunden, wo Blut auf allen Seiten fließt und jeder ſeinen Mann gewiß zu faſſen ſucht. Ein Fuͤrſtenmord? Du irrſt, Don Pedroſa iſt nur ein bloßer Edelmann von altem Adel. Zum Regen⸗ 11 ten auf der Inſel hat ihn der Koͤnig in— 9 Madrid ernannt; wir geben ihm ein neues ₰ 1 Reich in der Holle. Er hat hier ausge⸗ 4₰ arf dient und ihm muß Belohnung werden⸗ el. Du ſchauderſt bei dem Gedanken, bei dem nit Namen Mord, Tod, und bebſt nicht bei dem Worte Schlaf? was iſt der Unter⸗ in ſchied?— Freund, dieſer Don Pedroſa e⸗ de Baeſo muß mit kalter Hand von uns zu t, dem Orte befoͤrdert werden, wo er ſchon un laͤngſt erwartet wird. Bei ſolchem Morde n⸗ fuͤhlt man eine ſonderbare Luſt; man ſieht ch ſich ſatt an des Getroffenen Geberden, an den Verzerrungen des Geſichts, der Mus⸗ ſt keln und ſtirbt er dann, ſo geht man heim, denn eine gute That iſt ja vollbracht—— Haltet ein, unterbrach ihn Pedrillo mit Grauſen, Ihr ſeid ein graͤßlich⸗fuͤrchter⸗ 18 licher Menſch! r Verwildert iſt ſein Kopf, ſprach Ve⸗ 1⸗ lasco und laͤchelte, ſein Herz iſt gut. Du, n Pedrillo, wirſt ihn kennen lernen. Das 5 Uungluͤck, eine harte Sclaverei, barbariſche Behandlung hat ihn wider Menſchen auf⸗ 66 gebracht und einem Menſchenhaſſer gleich gemacht, doch glaub', es giebt keinen waͤr⸗ mern Freund. Centilles Sinn iſt hart und ſtarr, doch nicht unbiegſam. Im Streite, wo es blutige Arbeit giebt, iſt's ihm zwar lieber, als ein ewiges Sitzen ohne Thaͤ⸗ tigkeit; doch hat ſein Herz zum Morden keinen Trieb. Die Tapferkeit, der Muth, die Unerſchrockenheit und Gleichheit des Geiſtes, wer ſie nicht kennt, der ſuche ſie in ihm; ihnen gegenuͤber ſteht auch Menſch⸗ lichkeit, Gefuͤhl und Mitleid, Barbarei iſt ſeinem Buſen fremd. O ſtill, Admiral! ſprach Centilles be⸗ ſchaͤmt, Du mahlſt mich hier auf eine Art mit Farben, die ich in mir wahrhaftig nie geſucht hätte. Du kennſt Dich ſelbſt zu wenig. Vanhord, mit einem weiten Mantel umhangen„unterbrach das Geſpraͤch. Sehr puͤnktlich, ſprach Velasco. ir⸗ wozu der Mantel? nd Vanhord ſchlug ihn auseinander und te, ſtand in Bedienten⸗Livree da. ar Was ſoll denn das? fragte der Admi⸗ aͤ⸗ ral verwundert. en Haſt Du das Stuͤckchen ſchon vergeſ⸗ h ſen, antwortete Centilles, das dieſen Abend es dem Leibarzte ſoll geſpielt werden? Hierzu ſie dient die Masquerade. h⸗ Ha, ich begreife! ſprach Velasco; doch iſt jetzt zur Ausfuͤhrung, es iſt ſchon dunkel und die Zeit verſtreicht. Auf, Freunde! e⸗ bald naht die Stunde der Rache und die rt der Abfahrt folgt ihr ſchnell. ie O, waͤre ſie ſchon da! ſeufzte Centilles. Auf Velasco's Befehl beſtieg Vanhord nochmals das Boot, das mehr als zwoͤlf Mann ſaſſen konnte. Ihm folgte Roſette, el 3 dann die Waͤrterin, in ihren Armen den kleinen Altamor haltend. Doch Vanhord erhielt 55— den Befehl, ſobald er den Inhalt an den Bord des Barbaroſſa gebracht haͤtte, mit dem Boote zuruͤckzukehren, worauf man vom Ufer abſtieß. Gott geleite Euch! rief Velasco den Schiffenden nach, ſeines Sohnes kleine em⸗ porgeſtreckten Arme wahrnehmend. Der Admiral, Centilles, Altamor, Za⸗ pato und Pedrillo gingen heim in die Woh⸗ nung; der Erſiere ſetzte ſich allein und ſchrieb, bis ihn der zuruͤckgekommene Van⸗ hord von der unbeendeten Arbeit unter⸗ brach. Sie ſind an Bord wohlbehalten ange⸗ langt, ſprach er; doch nun zu unſerm Fange. Es wird ſchon ſpaͤt und noch iſt nichts beendet. Centilles, Altamor und Zapato erho⸗ ben ſich, reichten dem Admiral die Haͤnde; er empfahl ihnen nochmals Vorſicht und warnte ſie vor Uebereilung. Alles ver⸗ ſp zu Ar ne de ve ſch D da dr wo St get ſin in ab mit lan den m⸗ Za⸗ oh⸗ ind an⸗ er⸗ ge⸗ rm iſt ho⸗ ſprechend gingen ſie mit dem Hollaͤnder, zuruͤck blieb der aͤngſtliche Pedrillo. Der Admiral ſetzte ſich von Neuem zur Arbeit; er ſchrieb, indeß Pedrillo am offe⸗ nen Fenſter mit Herzklopfen in die wer⸗ dende Nacht hinausſchauete.— Velasco verſiegelte nun ein großes Paquet und be⸗ ſchrieb es mit der Addreſſe: An Don Ro⸗ que de las Cabezas, Capitain der Marine⸗ Dann wandte er ſich zu dem ſtillen, ge⸗ dankenvollen Pedrillo. Biſt Du noch aͤngſtlich, Freund Pe⸗ drillo? fragte er ſanft. Ich bin es und werde es bleiben, ant⸗ wortete jener ſeufzend, bis auf der hohen See, wenn ich Canaria aus meinen gen verloren habe. Du biſt noch jung, wol Dir; noch ſind in Deinem Buſen die Empfindungen in ihrer erſten Sanftheit, noch nicht halb abgeſtumpft, wie in der Bruſt des Set⸗ — manns; Du kannſt noch furchtſam ſein.— be In welcher Stadt von Andaluſien biſt Du g geboren? erzaͤhle mir, es wird die unge⸗ ſe gruͤndete Angſt von Dir verſcheuchen. ſe In Cadix lebten meine Eltern, die mich 3 zur Kaufmannſchaft erzogen, weil mein Va⸗ u ter ſelbſt Handel trieb.— Fruͤh hatte ich 2 alle Vortheile ſchon begriffen und ſah dem it Zeitpunkte entgegen, wo mein Vater als Mitglied ſeiner Handlung mich erheben ſi wuͤrde, als dieſer mich noͤthigte, mit ei⸗ 2 nem ſeiner Freunde, einem Schiffskapitain, g die weite Reiſe nach den Antilliſchen In⸗ d ſeln zu unternehmen. Ich gehorchte un⸗ ſ gern, denn die Trennung ward mir ſchwer, und uͤberdieß empfand ich keine große Luſt t nach fremden Laͤndern: doch war ſein Wille mir Befehl und wir verließen unſer Vater⸗ land. Sehr gluͤcklich war die Fahrt, wenn ich die Beſchwerden nicht rechnen will, die ein unerfahrner Jungling auf der See zu bekaͤmpfen gezwungen iſt. vohint lan⸗ gen Monaten erreichte unſer Schiff die In⸗ ſel Cuba mit der Hauptſtadt Havanna, un⸗ ſerm Beſtimmungsorte, woſelbſt das Fahr⸗ zeug eine Ladung von Zucker, Kaffee, Wachs und Baumwolle einnahm und nach einem Aufenthalte von zwei Monaten von Neuem in See ging. Auch gluͤcklich war die ie Heinfahrt, ſchon ſah der Sohn den Armen des liebenden Vaters, der Mutter, der Geſchwiſter ent⸗ gegen, als unweit der azoriſchen Inſeln des Temalma Flotte uns begegnete. Zu ſchwach ſich fuͤhlend, wagte es unſer Ka⸗ pitain mit dem tuͤrkiſchen Korſaren zu un⸗ terhandeln, indem er ihm die Haͤlfte der Ladung verſprach, allein Temalma, unſer Fahrzeug und die reiche Ladung ſchon als ſein Eigenthum anſehend, verwarf mit Hohngelaͤchter des Kapitains guͤtlichen Vor⸗ ſchlag und befahl ihm, im Nu die Segel zu ſtreichen oder er wolle unſer Schiff in den Grund bohren. Verzweiflungsvoll er⸗ griff die Mannſchaſt unſers Fahrzeugs die Waffen, Alle zogen den Tod, den Erloͤ⸗ ſer, einer harten Sclaverei, vor und das Gefecht begann. Wuͤthend uͤber dieſen Trotz und Widerſtand fielen des Piraten Schiffe uͤber uns Arme her, ſein Geſchuͤtz raffte die verzweifelte Mannſchaft reißend fort, und auch der brave Kapitain fand ſeinen Tod. Mit Barbarei befahl der Muſel⸗ mann, die ganze noch uͤbrige Mannſchaft, ſelbſt die Verwundeten, niederzumetzeln und nur die Juͤnglinge unter zwanzig Jahren zur Sclavenkette aufzubewahren.— Wie er befohlen, geſchah, ich war Zeuge dieſes Mordens. Mich(ich zaͤhlte achtzehn Jahre) verſchonte der Unmenſchen Schwert, um ein noch haͤrteres Schickſal zu empfinden. Man ſchmiedete mich, nachdem mir die Fleidungsſtuͤcke vom Leibe geriſſen waren, 3) 8„„ — te a A er⸗ die lo⸗ as fte an die Ruderbank. Das Viertel eines Jahrs verlebte ich in Ketten, es duͤnkte mir eine Ewigkeit, da erſchient Ihr, Sen⸗ nor, und Euch dank ich meine Freiheit.— Dieß ſind meine wenigen Schickſale in ge⸗ draͤngter Kuͤrze. Beruhige Dich, Pedrillo, und ſei hei⸗ ter, ſprach Velasco, ſobald wir gluͤcklich auf der Inſel angekommen, nach der die Fahrt beſtimmt iſt, fuͤhr' ich Dich in die Arme Deines Vaters, Deiner Mutter. Zu ſpaͤt, Sennor, redete Pedrillo und Thraͤnen fuͤllten ſein Auge. Mein Vater, durch den Verluſt des Schiffes, deſſen La⸗ dung ſein ganzer Reichthum war, ſah ſich gezwungen, zu falliren. Dieſe Schande, durch die ſich andere weislich hoͤher noch empor zu ſchwingen wiſſen, indem ſie des Schurkentitels wenig achten, warf den Red⸗ lichen auf's Krankenbett. Er ſtarb und II. Theil. 4 hinterließ ſein Weib mit zwei noch jungen Toͤchtern in harter Duͤrftigkeit. Ich ſelbſt arm, zum Dienen gezwun⸗ gen, kann ihnen wenig helfen; ich ſcheue den Anblick der Ungluͤcklichen; ſie betrauern mich als todt. Nur dann erſt, wenn durch Thaͤtigkeit und Fleiß, die mir nicht man⸗ geln, Gott mich in den Stand geſetzt, ſie aus der Noth herauszureißen, nur dann erſt ſoll der verlorne Sohn ſich zeigen. Er wird zu ihren Fuͤßen ſinken und ganz des Wiederſehens Entzuͤcken empfinden. Das ſollſt Du bald, gute, edle Seele, unterbrach ihn der Admiral nicht ohne Ruͤh⸗ rung. Ich, Herr von Schaͤtzen, die Spa⸗ niens Monarch nicht verſchmaͤhen wuͤrde, wozu die ganze Erde beigetragen, ich will Dich lohnen fuͤr das, was Du mir thatſt. Ein Piſtolenſchuß unterbrach die Un⸗ terredung. Das Signal! rief Velasco, ſie haben ihn! gen un⸗ ee tern urch tan⸗ ſie ann Er des eele, tuͤh⸗ pa rde, will atſt. Un⸗ ihn! — 75— Er eilte hinaus, in der Thuͤr kamen ihm die Erwarteten entgegen⸗ in ihrer Mitte der Leibarzt Sarconez geſeſſelt und mit verbundenen Augen. Der Fuchs ging in die Falle, ſprach Centilles, hier iſt er. Die Memme kann kein Wort mehr reden, der Schreck hat die Zunge ihr gelaͤhmt. Die Sprache wird ſich finden, ſobald ich nur dem feinen Arzte ein Wort ſage, redete Velasco mit Laͤcheln, klopfte dem Verbrecher derb auf die Schulter und ſchrie mit lauter Stimme: Giftmiſcher! Moͤrder! Heſtig ſchauderte der Sohn Aesculaps zuſammen. Erbarmen! rief er und ſank hin auf die Kniee. Erbarmen iſt bei Gott! ſprach der Ad⸗ miral, fort mit ihm auf's Schiff. Eilig ging es nun an das ufer des Meers, wo das bereitſtehende Boot ſie auf⸗ 6 nahm. Velasco legte das Paquet fuͤr Dan 4 Roque auf den erſten Tiſch, verſchloß die Wohnung und warf den Schluͤſſel in die See. Nahe war's an Mitternacht, der Mond ging auf und eilig ruderten die Hollaͤnder dem Hafen zu, bald war der Barbaroſſa erreicht. Vanhord mit ſeinen Landsleuten und dem gefangenen Arzte ſtieg an Vord. Werft den Verdammten in den unter⸗ ſten Schiffsraum, befahl Velasco, und Du, Vanhord, buͤrgſt mir fuͤr ſein Leben* und lieferſt ihn mir zuruͤck. Sorgt nicht, Admiral, ſprach Van⸗ hord, er iſt zum Selbſtmorde zu feig, und an Flucht, glaub' ich, iſt nicht zu denken. Nun ſo leb' wohl, ſagte Velasco, Du ſiehſt mich bald wieder! Mit dieſen Worten ſtieß er ſeinen Na⸗ chen vom Schiffe ab und eilte auf den Wel⸗ len fort. Centilles, Altamor, Zapato und Pebrillo befanden ſich mit in demſelben, ſonſt Niemand. Mit Pfeilesſchnelle fuhr — 0 die ee. on der ſſa ten ter⸗ ind ben an⸗ ind Du Ka⸗ el⸗ und en, uhr — das Boot um den Eingang des Haſens weg und bald hielt es am geheimnißvollen Thurme. Es war eine ſchoͤne Nacht, der helle Mond beſchien den Wall, die hohen Ba⸗ ſtionen, die Citadelle des Hafens, und ſein Licht ſpiegelte ſilberfarbene Wellen auf dem Meere. Alles war ſtill um die naͤchtlichen Schiffer, nichts ruͤhrte ſich und kein wi⸗ driges Luͤftchen wehte. Velasco zog den Nachen mit Hilfe ſeiner Freunde auf den Sand am Fuße des Thurmes, und naͤ⸗ herte ſich, von Pedrillo unterrichtet, dem Gitterfenſter. Seine Stimmung war nicht zu beſchreiben; hoch ſchlug das Herz des Ungeduldigen, der das Verlorne wieder⸗ zufinden traͤumte. Er blickte in das In⸗ nere des Thurms und ſah ein Zimmer mit allen Nothwendigkeiten verſehn, im Pinter⸗ grunde ruhete auf einem Lager eine weib⸗ liche Geſtalt, die zu erkennen, die 3 brennende Ampel dem beklommenen Admi⸗ ral unmoͤglich machte. Auf ſeinen Wink naͤherte ſich der ner⸗ vige Centilles mit Feilen. Beide arbeiteten mit Schnelligkeit, doch uͤbertraf Velasco vor Ungeduld den Mitgehilfen. Von Schweiß triefte ſeine Stirn, als erſt die Haͤlfte der dicken eiſernen Staͤbe zerſchnitten waren; auch Centilles entfuhr unwillkuͤhrlich ein ſchwerer Seufzer. Das Reiben und Raſſeln der Feilen erweckte die Schlummernde, ſie ſtutzte und eilte hinzu. Velasco erkannte jetzt das holde Ge⸗ ſicht der Podtgeglaubten, und gewaltſam riß er das Gitter weg. Die Englaͤnderin naͤherte ſich mit der Ampel; ihr Schein fiel auf Centilles baͤrtiges Antlitz, das ſie nicht erkannte; mit einem lauten Schrei fioh ſie in den Hintergrund zuruͤck. Fliehet nicht,„ unterdruckte . „ ————— 2—— ————— Unſchuld! rief Velasco außer ſich, Eure Retter nahen. Welche Stimme! ſchrie die Brittin, Velasco? Er iſt's! Bei dieſen Worten ſprang Velasco in den Kerker und an die Bruſt des Freundes ſank die Unſchuldige, keine giererei kennend. Voll Empfindung blick⸗ ten die Freunde durchs offene Gitter⸗ O Gott der Gerechtigkeit! ſtammelte endlich die Gerettete, ſo haſt du doch mein vieles Flehen erhoͤrt, und haſt nicht ver⸗ geſſen die Dulderin, die jammervoll hier litt. Ich ſehe Freunde wieder, nie haͤtt' ich es geglaubt und nie traͤumte ich, die⸗ ſen Kerker zu verlaſſen, der mir zum Grabe ſicher dienen ſollte, ſobald nur meine Un⸗ ſchuld unerkannt geblieben waͤre. Der Niedertraͤchtige! fiel Velasco ein, er gab fuͤr todt Euch aus, Sennora, und taͤuſchte ſo den Freund, der ſtets den ten Verluſt mit Thraͤnen betrauerte. Doch ein Engel erſchien, er zeigte uns den Thurm, in dem Ihr ſchmachtend die Zeit verleb⸗ tet. Befreiung war nun unſer einziger Gebanke, ſobald wir wußten, was uns lange ein Geheimniß blieb, und Rache war der zweite. Vergebung iſt ſo ſuͤß, bat die Holde. Hier iſt ſie nicht am rechten Orte, ſprach Velasco mit Heftigkeit, des Buben Zeit iſt um und ſeiner Suͤnden Zahl iſt voll. O Retter meiner Tage! Befreiung iſt das Koͤſtlichſte, was ich beſitzen kann; ſeid menſchlich und denkt, es lebt ein Gott, der ſtrafen kann und wird, und Ihr ſeid nicht berufen, ihm vorzugreifen. Er ſtraft durch mich und ich diene hier zum Werkzeuge. Ja, durch mich wird er Gerechtigkeit beweiſen und zeigen die Erndte, die der Saat gefolgt. Kein Wort verliert, Sennora, Ihr kennt Velasco und ſeine Gefaͤhrten, iſt einmal der Entſchluß feſi gefaßt, ſo bringt Nichts ihn von ſeinem Gange. Velasco wollte fortfahren, da raſſelte es in des Thurmes Mauern; die Brittin bebte und liſpelte mit Zittern: Er naht, der Raͤuber, mein Peiniger, der Unmenſch naht! Seid ruhig, es iſt nichts vorgefallen, ſprach Velasco und ſprang eilig hinter ei⸗ nen Vorhang, der im Zimmer das Lager der Gefangenen verbarg. Bald wurde die Thür geoͤffnet und Don Pedroſa de Baeſo in Nachtkleidung trat ein mit dem Degen umguͤrtet. Stillſchwei⸗ gend verſchloß er die Thuͤr, trat der Aengſt⸗ lichen naͤher und fragte mit drohender Stimme: Habt Ihr Euch beſonnen? Die Englaͤnderin ſchwieg, er fuhr ſort: Soͤll ich laͤnger noch mit Bitten, Fle⸗ — 82„ hen und Drohungen Euch beſtuͤrmen? Soll ich laͤnger noch hier ſchmachten, wo ich nur zu zwingen brauche? Redet, aber bedenkt Euch, zum letzten Male, ſo wahr mir Ge⸗ walt gegeben iſt! zum letzten Male frag⸗ ich Euch, was habt Ihr beſchloſſen? Ihr wißt mein letztes Wort, Ihr kennt meinen Entſchluß, Sennor, redete Lady Browes mit feſter Stimme; Ihr moͤgt mich morden; aber nie, nie gelangt Ihr zum Zwecke. Kennt Ihr Gewalt, Uebermacht und Staͤrke? rief der ergrimmte Statthalter. Ich kenne ſie; doch hoff' ich zu Gott, mein Retter naht. Laut lachte der Statthalter auf. Der Troſt iſt loͤblich und Hoffnung erhaͤlt; doch um des Retters wegen ſchlaf ich ruhig, dafuͤr iſt geſorgt. Noch lebt Velasco! ſprach die Englaͤn⸗ derin.——— —— —— —, Der Koͤnig der Freibeuter! fiel Don Pedroſa ein, er lebt, wahr iſt's, um bald die Inſel zu verlaſſen. Sehr klug von ihm, dem Vagabond, denn auch ihn kann mein maͤchtiger Arm ereilen.— Verruchter Bube! rief Velasco hervor⸗ ſpringend, mein iſt die Rache und mein Arm iſt's, der Dich jetzt ereilt! Der Statthalter erſchrak, zog eilig den Degen und wehrte mit Entſchloſſenheit und Verzweiflung des Wuͤthenden Angriffe ab. Beide fochten, die Englaͤnderin zitterte, da zog der Statthalter mit der linken Hand unvermerkt ein Stilet aus dem Buſen und ſtieß es in die Bruſt des Fechtenden. Velasco taumelte, die Englaͤnderin ſchrie laut auf; Centilles, der Alles bemerkte, brannte ſein Piſtol durch's Fenſter ab und zerſchoß dem Don Pedroſa de Baeſo die Schulter. neuerte den Angriff und ſtieß dem Statt⸗ Velasco, nur verwundet, er⸗ — halter nach kurzem Gefechte den Degen tief in die Bruſt; roͤchelnd ſank er blutend zu Boden und verſchied. Heiliger Gott! ſchrie die Brittin. Velasoo ergriff ſie ſchleu⸗ nig, hob ſie mit ſtarker Hand an's Fenſter empor, wo ſie Centilles empfing. Unvorſichtiger! ſprach zuͤrnend der Ad⸗ miral zu dem braven Centilles, Dein Schuß wird uns verrathen. Er rettete Dein Leben, antwortete die⸗ ſer ruhig und Velasco ſchwieg, das Ge⸗ ſagte wohl einſehend. Die Wachen auf den Baſtionen hatten das Schießen gehoͤrt, machten Laͤrm und kaum hatten die See⸗ fahrer mit der holden Geretteten das Boot beſtiegen, als ein Kanonenſchuß von der Citabelle als Laͤrmzeichen durch die ſhnwß Nacht donnerte. m Augenblicke hingen Laternen am äußerſten Ende des Hafens, und auf der Rhede umher ſchweiften Boͤte, ein nahes tuͤrkiſches Fahrzeug vermuthend. Auf eins dieſer Boͤte ſtieß der Rachen des Andalu⸗ ſiers. Wer da? ſchallte es ihm entgegen. Admiral Velasco da Gaſton! antwor⸗ tete der Spanier. Was giebt's im Ha⸗ fen? uns hat der Donner des Geſchuͤtzes aufgeſchreckt. Ein Schießen an der hohen Baſtion gegen Suͤden iſt von uns gehoͤrt, wir ſu⸗ chen nach. Weiter nichts? laͤchelte Velasco, ſo geht zur Ruhe; vielleicht entlud durch Zufall ſich das Feuerrohr, das auf den Waͤllen ſteht. Leicht moͤglich, Sennor Admiral! ant⸗ wortete man ehrerbietig und ließ das Boot ungehindert paſſiren; bald langte es bei dem Barbaroſſa gluͤcklich an. Voll Furcht hatte Vanhord ſeine Freunde erwartet, freudig und entzuͤckt drückte er den Kommenden die Haͤnde und zog die Gerettete in die Kajuͤte. Nun, fragte der Entzuͤckte, wie lief es ab? Sehr gluͤcklich! war Velasco's Ant⸗ wort, er ſtarb von meiner Hand. Doch hilf mir jetzt die Wunde an der Bruſt ver⸗ binden. Ihr ſeid verwundet, Admiral! doch nicht gefaͤhrlich? rief Vanhord erſchreckt. Es hat nichts zu bedeuten, des Bu⸗ ben Dolch drang mir nur in das Fleiſch; traf er das Herz, ſo haͤtt' ich Dich gewiß nicht mehr geſehn. Doch jetzt zur Ruhe, Freunde, Ihr Alle beduͤrft ihrer, und Ihr, Sennora, nicht minder. Du, Vanhord, kennſt Deine Pflicht, ſobald der Morgen graut—— Ich kenne ſie. Du gruͤßeſt das Caſtell und ohne Wei⸗ teres fahren wir von dannen. Velasco gab ſeine Befehle und ließ der Englaͤnderin die eigene Kajuͤte anwiſen. Schlaf, Holde, ſprach er beim Ab⸗ ſchiede, und danke Gott, der Dich erret⸗ tete, Du biſt geborgen, aus meinen Haͤn⸗ den reißt Dich Niemand mehr. Entzuͤckt ſtreckte ſich die Gerettete auf das Schiffsbette und entſchlief. Ihrem Bei⸗ ſpiele folgten die Befehlshaber und das ganze Schiffsvolk. Kaum grauete der Morgen, als 66 fruͤh wache Hollaͤnder die Mannſchaft weck⸗ te; mit drei Schuͤſſen gruͤßte er das Ca⸗“ ſtell und der Barbaroſſa lief nach der Be⸗ antwortung eilig aus dem Hafen auf's hohe Meer. Als Velasco erwachte, war ſchon der Anblick der Inſel aus ſeinen Augen ver⸗ ſchwunden. Mit frohem Herzen ſah er um ſich her und der Gedanke an ſein Wet machte ihn die Statthalterin e 4 Die Brittin kam zu ihm auf's Verdeck, in ihre Arme legte der Admiral den jungen Altamor und freudig druͤckte ſie den Klei⸗ nen an ihre Bruſt, dann ſtellte ihr Ve⸗ lasco die trauernde Roſette vor und bat, ſolche als Geſellſchafterin anzunehmen. Marry Browes kannte Roſetten ſchon fruͤ⸗ her und ihr Entzuͤcken wuchs bei dem Ge⸗ danken, auf dem Schiffe jetzt nicht ganz allein unter Maͤnnern zu leben. Sehr geſchwind ging die Fahrt, Cen⸗ tilles, Altamor, Zapato und Vanhord ver⸗ trieben der ſchoͤnen Begleiterin ſo gut als moͤglich die Zeit. Am zweiten Tage erblick⸗ ten die Seefahrer vier Fahrzeuge auf der hohen See weſtwaͤrts, die man bald fuͤr ſpaniſche erkannte. Sobald ſie ſich genä⸗ hert, wurde von den Angekommenen ein Boot ausgeſetzt, das gegen den Barbaroſſa anruderte. Es enthielt einen Oſficier mit einigen Seeſoldaten und Matroſen. Erſte⸗ — —— rer verlangte den Befehlshaber des Fahr⸗ zeuges zu ſprechen und bat, als Velasco ſich gezeigt, um deſſen Beſuch bei Don Feria de Malverda, Ritter von Calatrava, der aus Spanien nach den Canariſchen Inſeln abgeſendet ſei. Velasco folgte ſogleich, beſtieg das Boot und ruderte, von ſeinen Officieren Altamor und Centilles begleitet, nach dem Haupt⸗ fahrzenge der kleinen Flottille. Seiner Wuͤrde, als ſpaniſcher Korſa⸗ ren⸗Admiral gemaͤß, empfing ihn Don Malverda umgeben von ſeinen Hauptleu⸗ ten, fuͤhrte ihn in die Kajuͤte, und nach einem gewoͤhnlichen kurzen Geſpraͤche be⸗ gann der Don: Ihr kommt von der Inſel Canaria, wo Don Pedroſa de Baeſo herrſcht? Ich verließ ſie vor wenigen Tagen. Ich weiß, fuhr der Erſtere fort, Sen⸗ 90 nor, Ihr ſeid ein Mann, den nichts be⸗ ſtechen wird, der weltbekannt durch ſeine Thaten und furchtbar ſeinen Feinden ward, der des Temalma Kopf erbeutete, der un⸗ ſrer Krone großen Schaden zugefuͤgt, doch kurz und gut, Ihr ſeid ein Biedermann im ſtrengſten Sinn des Worts. Sagt mir, Ihr habt den Statthalter gekannt, was haltet Ihr von ihm, was ſpricht das Volk; iſt ſein Anhang groß und fuͤrchtet man die Macht, die ihm die Majeſtaͤt verliehen? Laßt durch den Mund des Herzens Sprache gehn und verhehlt mir nichts, verbannt alles Mißtrauen. Sehr viel liegt mir an Wahrheit. Redet, durch mich fraͤgt Euch der Koͤnig in Madrid.— Trug und Luͤgen, redete Velasco, ſind mir nur dem Namen nach bekannt, denn nie⸗ mals nahm ich meine guflucht zu ihnen. Ihr fordert Wahrheit, Sennor, mit einem Worte kann ſie Euch werden. Ein Tyrann — e E h — nen Wink und wenige Augenblicke nachher herrſcht auf der Inſel; nicht als Abgeord⸗ neter des Koͤnigs ſeiner glorreichen mäch⸗ tigen Majeſtaͤt, uͤbt er die Macht und die Gewalt, die ihm verliehen, er mißbraucht ſie und uͤberſchreitet alle Graͤnzen Ein Wuͤſtling iſt er ohne Gleichen und alle La⸗ ſter haben Obdach in ſeiner Bruſt. Doch genug der Worte, ein einziges noch, das wird Euch, edler Don, genaue Kenntniß geben, wie ſehr des Volkes Wohl bei die⸗ ſer Wahl bedacht;— durch Gift, das ihr Don Pedroſa de Baeſo durch Helfer bei⸗ gebracht, ſtarb ſeine goͤttliche Gemahlin, der Abgott ganz Canariens.— O ſchrecklich! rief Don Feria mit Ent⸗ ſetzen aus; iſt moͤglich, dieſe Graͤuelthat könnt' er begangen haben! So iſi's; doch Ueberzeugung ſchadet nicht. Velasco gab dem nahen Centilles ei⸗ ruderte ein Bvot an des Abgeſandten Schiff und der Leibarzt, in ſchweren Ketten, ward in die Kajuͤte geſchleppt. Was ſoll das? fragte Don Feria mit Staunen. Ich bitte um Geduld, erhabner Ritter, fuhr Don Velasco fort, und wandte ſich zu dem Verbrecher: Wer biſt Du, Ungluͤcklicher? Sarconez, Leibarzt des Statthalters auf Canaria. Weswegen biſt Du hier in Ketten? Ein offenes, freies Geſtaͤndniß kann nur Deine Strafe mildern. Auf Don Pedroſa's Geheiß und Be⸗ ſehl miſchte ich durch meine Kunſt den Gift⸗ trank, der der Sennora de Baeſo beige⸗ bracht iſt. Weswegen griff der Statthalter zu die⸗ ſeb Schandthat?—— Sich eines laͤſtigen Zeugens zu entle⸗ digen und ſeiner Wolluſt freien Zuͤgel zu laſſen.— Es iſt genug, ſprach Velasco, fuͤhrt ihn zuruͤck. Ihr, Sennor, habt jetzt ge⸗ nug gehoͤrt. Mein aber bleibt's, die Straſe dieſem Giftmiſcher zu ertheilen; mit Muͤhe gelang es uns, ihn zu fangen.— Abſcheulich! fiel Don Feria de Malver⸗ da ein, herrſcht dieſer Don Pedroſa uͤber die Sr. Majeſtaͤt ſo theuern Inſeln, mit Schandthaten ſitzt er auf dem Throne, doch auch das Ende dieſer Greuel iſt gekommen, denn wißt es, Admiral da Gaſton! mich hat der Koͤnig, von dieſes Baeſo niedrigem Charakter und ſeinen Laſtern uͤberfuͤhrt, zu ſeinem Nachfolger ernannt, und den Be⸗ fehl mir zuertheilt, den Schuldigen, nach genauer Unterſuchung und Wahrfinden des Gehoͤrten in Ketten ſelbſt zu ihm nach Ma drid zu ſchicken, wo man den ungerechten, laſterhaften Statthalter Sr. Majeſtät ſcharf zu beſtrafen weiß.— Er hat die Macht, die fuͤrſtliche Gewalt gemißbraucht, des Moͤrders Blut klebt an ſeinen Haͤnden, verfuͤhrter, entehrter Unſchuld Flehen kla⸗ gen ihn an, und bis zum Throne iſt ohn⸗ laͤngſt ſchon das Wimmern des tiefgebeug⸗ ten, ſehr gekraͤnkten Volks gedrungen.— Streng werde ich unterſuchen, und gut zu machen wiſſen, was meines Vorfahren La⸗ ſter verdarben. Gott ſchenk' Euch Gluͤck und Heil da⸗ fuͤr, ſprach Velasco, der Koͤnig hat in der zweiten Wahl den erſten Mißgriff ſchon verbeſſert; das edle Haus Almaverde, ein Mitglied von Calatravens alten und ſehr beruͤhmten Orden, verdient vor allen An⸗ dern dieſen Platz und nur durch Heuchelei und verſteckte Abſichten iſt er ihm bis jetzt entzogen. Sennor! unterbrach ihn Don Feria mit ſpaniſcher Grandezza, doch nicht ſtolz, ich —— c e ht, werde des gnaͤdigſten Vertrauens mich wuͤr⸗ es dig zu machen ſuchen, mein eifrigſtes Be⸗ n, ſtreben ſei Wohl und Gluͤck dem Volke auf a⸗ den Inſeln zu geben, die uns mit allen n⸗ Schoͤnheiten in Spanien verſorgen. g⸗ Man redete noch Mehreres; Velasco und ſeine Begleiter blieben bis zum Abend zu auf des neuen Vice-Koͤnigs Schiffe, nah⸗ g⸗ men dann Abſchied und begaben ſich auf den Barbaroſſa, um ihre Reiſe, unter einigen Kanonenſchuͤſſen, die man dem Don Feria 4 er zu Ehren erſchallen ließ, weiter fortzuſetzen. on Den Tod des Statthalters hatte Velasco in wohlweißlich bei Don Feria de Malverda hr verſchwiegen. n⸗ Am andern Morgen ließ Velasco Al⸗ lei tamor, Centilles und Vanhord, als ſeine tzt Seeoffiziere, zuſammenberufen und trug ihnen auf, Gericht zu halten uͤber den Leib⸗ tit arzt, der im tiefen Raum des Schiffes ſchon zu kränkeln anfing.— Vanhord und Al⸗ tamor ſtimmten zum Erſchießen, allein Centilles fand dieſe Todesart zu ehrend und ſchlug den Strang vor. Velasco hoͤrte gelaſſen zu; als die Freunde geendet hat⸗ ten und Centilles Urtheil genehmigt war, ließ er den bleichen Verbrecher auf's Ver⸗ deck bringen. Suͤnder! rief ihm Velasco zu, bereite Dich vor, Du biſt verurtheilt zu ſterben. Gnade! Gnade! ſchrie der Erſchrockene, allein die Seeſoldaten, auf Centilles Wink, verſtopften ihm den Mund. Du haſt den Tod verdient, fuhr der Admiral fort, und einen ſchrecklichern, als man Dir zuerkannt; doch ſey's, Du ſollſt leben, ich begnadige Dich. Bei dieſen Worten ſank der Verbrecher zu Boden, Velasco blickte umher auf ſeine Freunde, welche ſtumm da ſtanden, nur in Centilles Blicken ſah man ſeinen Widerwillen, zu ſch in ten. tet, Ver — 6— Der Arzt ſuchte des Begnadigers Kniee zu umfaſſen, Velasco ſtieß ihn zuruck. Jubele nicht, ſprach er mit Ernſt, ich ſchenke Dir Dein Leben, doch nur ein hal⸗ bes Wunder kann es Dir erhalten. Dein Blut ſoll unter uns nicht fließen, nicht unſern reinen Boden hier verderben. Nicht Einer von uns ſoll Dein Henker ſein. Ihr Er zeigte auf einige Matroſen, die umher⸗ ſtanden) bindet den Ungluͤcklichen auf ein Brett und werft ihn ins Meer, ſind dann die Wellen ſeine Freunde und iſt der Wind ihm guͤnſtig, ſo kann er einſt zu neuen Schandthaten ſeine Wiſſenſchaft gebrauchen, wo nicht, ſo iſt's des Himmels Wille, der ihn vernichtet. Nach dieſen Worten ging der Admiral in die Kajuͤte, und die Matroſen gehorch⸗ ten. Alles Bittens und Flehens ungegch⸗ tet, geſchah, was Velasco befohlen; hen Verbrecher umfaßte munſonſt des naheſtehen⸗ ur. Their. 5 des beſchädigten Barbaroſſa's. Die Segel den Centilles Kniee, man blieb unerbitt⸗ lich; bald ſchwamm der Giftmiſcher auf der hohen See und verlor ſich aus den Augen der Nachſpaͤhenden⸗ Acht Tage verſtrichen dem Admiral und ſeinen Freunden in der Geſellſchaft der hol⸗ den wiedergefundenen Marry, wie Stun⸗ den, am neunten erhob ſich ein heftiger langer Sturm, der, da er drei Tage wuͤ⸗ thete, das Schiff ſehr weit nach Nordoſt verſchlug. Als er ſich endlich legte, ſah man durch genaue Berechnung ein, daß man die Straße von Gibraltar ſchon paſ⸗ ſirt und nicht weit von der portugieſiſchen Kuͤſte entfernt ſein koͤnne. Die Sonne brach endlich nach dem Un⸗ wetter, mit ihren goldenen Strahlen wie⸗ der aus den Wolken hervor, ein ſchoͤner ruhiger Tag erſchien und plaͤtſchernd ſchlu⸗ gen die ſilbernen Wellen wieder am Rumpfe uf en nd ol⸗ un⸗ ger vuͤ⸗ doſt ſah daß aſ⸗ chen Un⸗ wie⸗ oͤner hlu⸗ npfe ee wurden wieder ausgeſpannt, da preßte es dem Admiral heftig um die Bruſt, er ging mit ſeinen Freunden auf das Verdeck, Van⸗ hord reichte ihm die ſo lange geruhte Gui⸗ tarre und er ſang: Gluͤck zu, Gluͤck zu auf der ſpiegelnden Bahn; Gott laſſe die Fahrt uns gelingen! s brauſen die Wellen, es ſchaukelt der Kahn, Und die froͤhlichen Schiffer ſingen, Und zu der Ruder gedoppeltem Schlag Flammt auf den Wellen der freudige Tag. Der Schiffer zieht durch die ſchimmernde Fluth Im friſchen Leben und Treiben, Ihn jagt ein ewig gluͤhender Muth, Er kann nicht raſten, noch bleiben, Er muß zu den freundlichen Wellen hinausz Das iſt ſeine Heimath, ſein Vaterhaus. Und wenn ihm daheim auch was Liebes gchört, Er ſcheidet mit leichterem Sinne. Wenn er gluͤcklich iſt, wenn er wiederkehrt, Holt er's ein mit verdoppelter Minne, und koſet er mit Andern, und küßt er ſie frei Er bleibt doch iin Herzen Feinliebchen gecu. Und wo er wandert, und wo er ſchifft, Er findet wackre Geſellen⸗ Auch wenn er nichts Lebendiges trifft, Er hat einen Freund an den Wellen. Zwar iſt er fremd auf dem feſten Land', Mit dem Waſſer aber vertraut und bekannt. Gern hort er der Freude Aufgebot und mag nicht voruͤber gehenz Doch wenn ihm ein feindlich Verhängniß droht, Er wird wie ein Mann es beſtehen. Wer das Leben liebt und den Tod nicht ſcheut, Geht froͤhlich und frei durch die ſinkende Zeit. So wollen wir wandern auf ſpiegelnder Fluth und Wellen und Wogen durchſchiffen. Wohl froͤhlich durch's Leben fuͤhrt froͤhlicher Muths Drum friſch und die Freude ergriffen! und tobt es auch finſter auf uns herein, Nach Sturm und Regen kommt Sonnenſchein. Bewegt legte er das Inſtrument zur Seite und eilte nach der Kajuͤte, um ver⸗ ſchiedene Anordnungen zu treffen. Der Barbaroſſa hatte in dieſem See⸗ —— —— —— toben ſehr gelitten und einige betraͤchtliche Lecke im tiefen Roofe machten es zur Noth⸗ wendigkeit, ſobald als moͤglich in einen ſichern Hafen einzulaufen und an Ausbeſ⸗ ſerung zu denken, ohne jetzt wieder zu⸗ ruͤck durch die Straße und nach Formen⸗ tera zu ſteuern. Ungern entſchloß ſich der Admiral da⸗ zu, allein nur zu ſehr die Noth einſehend, willigte er gezwungen ein. Man fing da⸗ her an, ſich langſam der Kuͤſte zu naͤhern, entdeckte ſie am dritten Tage und lief bald darauf in den Hafen von Lagos ein, der Hauptſtadt vom Reiche Algarbien. Da Spanien und Portugal in ſehr gutem Ver⸗ nehmen ſtanden, ſo konnte es Velasco ohne Gefahr wagen, als Admiral der Piraten das Caſiell zu begruͤßen, die beiden Schan⸗ zen Bandaira und Pinhao, welche den Hge fen decken, beantworteten ſeinen Gruß und der General⸗Kapitain von Algarbe fanbte nachdem er die Ankunft eines ſo beruͤhm⸗ ten Mannes erfahren hatte, einige ſeiner Officiere an ihn, um Velasco zu bewill⸗ kommen und zu ſich einzuladen; allein der Admiral entſchuldigte ſich hoͤflichſt und machte die Abgeſandten mit ſeinem Ent⸗ ſchluſſe bekannt, ſich naͤmlich, ohne ſeinen Stand und Namen zu entdecken, in der Stadt einige Tage aufzuhalten und dann ſogleich wieder unter Segel zu gehen.— Mit dieſem ſeinen Vorhaben bat er den General-Kapitain bekannt zu machen und empfahl ſich ſeiner Gunſt.—— Nun ſtiegen ſie Alle ans Land, bloß Vanhord und einige Matroſen blieben auf dem Schiffe zuruͤck, um mit Schnelligkeit die Ausbeſſerung deſſelben anzufangen. Ve⸗ lasco, Centilles, Altamor, die Englaͤnde⸗ rin Marry Browes, nebſt dem ihr an⸗ vertrauten Zoͤglinge und ihrer Begleite⸗ rin Roſette bezogen ein am Hafen gelege⸗ — e 6— — uu* M — 403— nes Haus, und Zapato begleitete ſie als Diener. Am andern Tage ließ der Admirgl den jungen Pedrillo vom Schiffe zu ſich bringen⸗ Freund, redete er ihn an, Du biſt zum Kaper nicht geſchaffen, Dein weiches Herz⸗ Dein junges Blut und Dein ſchwaͤchlicher Koͤrperbau ſind nicht gemacht, das Le⸗ ben auf der See, ihre Gefahren und Be⸗ ſchwerden, der Drangſale ſo viele zu er⸗ tragen. Zum Fechten biſt Du nicht gebo⸗ ren, ich weiß es, und fern ſei von mir, Dich wider Deinen Willen und Reigung zu einem Handwerke zu bereden, das keine große Lorbeeren ſchafft, wol aber den Tod und Sclaverei, als Daͤmonen, ſtets bei ſich fuͤhrt. Daheim in Cadix barten Deiner eine gute Mutter, zwei theure Schwoſeßn⸗ die jetzt in Duͤrftigkeit leben, Du wirſt zu ihnen eilen, durch mich in ben Stanh geſetzt, ſollſt Du aus ihrer Wmuth ſie be — vorziehen und ihnen Wohlthaten und beſ⸗ ſere Tage bereiten. Im Kaufmannswe⸗ ſen ſchon geſchickt, ſollſt Du die Handlung Deines Vaters, den Ungluͤck und harte Schlaͤge ſie zu vernichten zwangen, von teuem auferſtehen heißen und bald durch Deinen Fleiß und meine Dankbarkeit ſie bluͤhen ſehen.— Den guten Namen Dei⸗ nes Vaters, der gelitten, ſollſt Du wie⸗ derherſtellen durch die Bezahlung ſeiner Schulden, die noch in ſeinen Buͤchern offen ſtehn In kuͤhler Erde wird's der Redliche Dir danken und Dein Bewußtſein in Dir Gluͤck und hohen Sinn erheben.— Auf Formentera's Felſeninſeln bluͤhet Dir kein Paradies, wie es im Schooße der Familie Dich erwartet, ein gutes, holdes Weib wird bald dann Dir zu Theil und Deine Va⸗ terſtadt durch mich um einen guten Buͤr⸗ ger reicher. Der Gedanke ſchon iſt Geldes werth. Nein, Freund Pedrillo, jetzt durch e — 5 ₰ unſern Aufenthalt hier iſt die Guteet erſchienen, Dich fort nach Deiner lang entbehrten Heimath zu ſenden. Du durch⸗ reiſeſt Portugal, gehſt von hier uͤber Ta⸗ vira, St. Lucas, Almonte, durchſchiffſt den anmuthreichen Guadalquivir, ſiehſt dann Frontera, Arcos, Maria und biſt dann in Cadix zu Hauſe, ſchmeckſt nun die Wonne des Wiederſehens ganz, und fuͤhlſt ganz das Entzuͤcken, die Deinen gluͤcklich und ſorgenfrei zu machen, kein Ruhm und keine Glorie wiegt dieſes auf; ein haͤuslich Gluͤck im Kreiſe ſeiner Lieben iſt Himmel hier auf Erden.— Ich hoffe, bald wird es mir auch zu Theil.— Drum nochmals, Al⸗ les iſt bereit, man wartet Deiner nur, um von Lagos abzugehn, Centilles wird Dich fuͤhren, und fuͤr das Reiſegeld und eine Anleihe zum neuen Handlungshauſe träͤgt er Sorge.— Doch findeſt Du nach mei⸗ nen Worten es dennoch beſſer, vortheilhafß ter und Allem vorzuziehn, mich zu beglei⸗ ten, ſo fuͤrchte nicht, daß ich Dich werde von mir weiſen. Nein, burch Dich fand ich die verlorne Freundin wieder und meine Dankbarkeit bleibt ſtets. Auf immer kannſt Du bei mir bleiben, Gluͤck und Gefahren, auch den Tod mit mir theilen, ich werde freundſchaftlich Dich lieben und nie ver⸗ geſſen, was ich durch Dich gewann. Sag' mir nun, zu welcher Du Dich ent⸗“ ſchloſſen? Sag' dreiſt d ſprich.— Großer Admirät! Pedrillo mit naſſen Augen, Du laſeſt fruͤh in meinem Herzen, wahrlich fruͤher ſchon als ich. Warum es Dir verhehlen? Ja, es iſt wahr.— Seitdem wir Europens feſten Boden wieder ſahen und unſer Fuß ihn betrat, nach allen dieſen Fahrten auf dem Meere erhebt ſich jetzt mit Allgewalt der Wunſch in meiner Bruſi, die Geberin mei⸗ ner Tage wieder zu umarmen, die Schwe⸗ * N ſtern zu ſehn, die ihren Bruder lange ſchon vermißten. Ich trenne mich zwar mit Wehmuth von Dir und ſtark klopft hier im Buſen die Dankbarkeit fuͤr meinen Ret⸗ ter; doch ſtaͤrker noch klopft etwas, das man Kindesliebe nennt und Liebe fuͤr die theuern Glieder der ſo nahen Verwand⸗ ſchaſt.— Die Trennung wird mir Thraͤ⸗ nen koſten, mag ſie der Genuß des Wie⸗ derſehens trocknen. Gewiß, fiel Velasco ein, Du haſt ge⸗ waͤhlt, was ich von Dir erwartete, nicht abgeſtumpft ſind die Empfindungen des Her⸗ zens, fuͤr ſie noch haſt Du Gefuͤhl. Ich bin mit Dir zufrieden.— Stets bleibſt Du feſt in meinem Andenken, auch Meilen weit von mir entfernt, wie ich in Deinem. Wenn Du einſt des Kaper⸗Admirals be⸗ darſſt, ſo weißt Du ihn zu ſinden, w Formentera's Kuͤſten ſich erheben. Doch jetzt fort, ſaͤume nicht und reiſe, denk an „ — 108— die Duͤrſtigkeit, in der die Deinen leben, ſie wird Dir Flugel geben und Deine Reiſe nur von kurzer Dauer ſein. Leb' wohl! ſei gluͤcklich! das iſt mein Wunſch, iſt er befriebigt, dann theile ich Dein Wohl. Vielleicht in kurzer Zeit und unverhofft ſiehſt Du mich wieder. Leb' wohl! Nicht ohne Ruͤhrung ſchloß Velasco den weinenden Juͤngling in ſeine Arme, druͤckte ihn an ſeine Bruſt und entfernte ſich dann eilig.— Pedrillo umarmte jetzt die Freunde alle, verging faſt in Thraͤnen, kuͤßte der Eng⸗ laͤnderin Haͤnde, und verließ, von Centil⸗ les gefuͤhrt, die Wohnung des Admirals. In einiger Entfernung hielt ein beſpann⸗ ter Wagen mit Gepäck. Hier, rief Centilles dem Kutſcher zu, dieß iſt Euer Herr, und hier, Pedrillo, ſich zu dem Erſtaunten wendend und auf einen ſchweren Geldkaſten voller Goldſtuͤcke —— und aſiatiſcher Edelſieine zeigend, hier iſt das Reiſegeld und die Anleihe, die Dir der Admiral verſprochen, nuͤtze ſie, wie er Dir geſagt. Du biſt beſchenkt und reich wie keiner noch; doch nicht unerſchopflich iſt der Kaſten, ſehr weiſe handelt ſtets Ve⸗ lasco, behalte ſeſt die guten Lehren und leb' wohl! Er umarmte den Bewegten und ging⸗ Nach Pedrillo's Abreiſe erſchien Van⸗ hord bei dem Admiral und meldete, der Boden des Barbaroſſa habe ſehr gelitten und unter einigen Wochen ſei an keine Ab⸗ reiſe zu denken. Verdruͤßlich hoͤrte Velasco den Bericht; um ihn zu zerſtreuen, that Altamor den Vorſchlag, Portugal und Spa⸗ nien eilig zu durchreiſen, und ſich dann in einem Hafen in der Naͤhe der Baleariſchen Inſeln wieder einzuſchiffen. Die Englän⸗ derin fand Gefallen an dieſem Verh und willigte ein.— Vanhord erhielt Befehl, die Ausbeſſe⸗ rung des Barbaroſſa zu beſchleunigen, dann in See zu ſtechen und ſtets an Spaniens Kuͤſte hinabzuſegeln, den Hafen von Car⸗ thagena zu erreichen und dann des Abmi⸗ rals und ſeiner Freunde Ankunft dort zu harren.— Er erhielt ſeine Ordre ſchrift⸗ lich, nahm Abſchied und ging dann, mit Allem verſehen, den Befehlen des Admi⸗ rals Folge zu leiſten. Bald darauf, als Alles von Zapato beſorgt worden war und der Admiral von dem General⸗Kapitain Abſchied genommen hatte, reiſeten Velasco, Centilles, Alta⸗ 2 mor, der Mohr, die Englaͤnderin mit Ves lasco's Sohne und ihrer Begleiterin von 6 Lagos ab und nahmen ihren Weg nach Portugals Graͤnze. Schnell ging die Reiſe, in kurzer Zeit erreichten ſie St. Lucas, die erſte Stadt auf Spaniens, des holden Va⸗ terlandes Boden. Ohne ſich aufzuhalten, 6 den Cer mohtien und den vielen Luſtbarkei⸗ Orten beigewohnt; ſie⸗ 74 zu erheiternUnb zu zerſtreuen entſchloß qat —— durcheilte man Hiſpaniens ſchoͤne Gefilde und kam endlich in Cordova, der weltbe⸗ ruͤhmten Stadt aus dem Alterthume, an. Man ſeierte in dieſer Stadt das Feſt des heiligen Hyppolits, deſſen Kirche 1736 ge⸗ ſtiftet worden, mit aller Pracht. Alles wimmelte voller Fremden und reichen Be⸗ wohnern der umliegenden Staͤdte, als Ve⸗ lasco und ſeine Begleiter in die Stadt fuh⸗ ren, um den Solennitaͤten mit beizuwoh⸗ nen.— Fuͤr die junge Lady Browes war dieſes Alles neu und angenehm; ſie war noch nie in Spanien geweſen, hatte nie ſich der Admiral, einige Tage in der Stadt zu bleiben, Vid ſelbſt Centilles, deſſen Geiſt nur auf dem Meeitch erfreute, S den Vorſatz des Freundes. 2 einiger Erholung von a „ 5 —— verließ Velasco, in des Mohren Beglei⸗ tung, das Gaſthaus, ſich in der Stadt umzuſehen, ihr Weg fuͤhrte ſie zu der Kir⸗ che des Heiligen, deſſen Feſt man feierte. Er trat hinein, ſchuͤchtern folgte ihm Za⸗ pato, den die Muſik bezauberte. Auch Velasco fuͤhlte ſich hingeriſſen; doch be⸗ merkte er, daß ihn von der oberſten Gal⸗ lerie der Kirche Jemand genau beobachtete; er richtete ſeinen Blick dahin, allein im Nu verſchwand der Spaͤher, kaum behielt der Admiral Zeit, ein bekanntes Geſicht und ſchon geſehene Zuͤge zu erkennen, aber unmoͤglich war es ihm, ſich deſſelben zu erinnern. Voll von Gebanken und Uy ruhe verließ er bald das Haus Gottes und kehrte zu den Freunden zuruͤck⸗ Nach dem Umzuge terhſiſtt Luich, die den heiligen lit zur Schau tru⸗ gen, machte die Art von einem dreitaͤgigen Carneval den Beſchluß der Feierlichkeiten. „—„——(f—. dennoch, ſo verzeiht. — 113— Die muͤſſigen Seefahrer, von Langerweile geplagt, folgten der Mode der Stadt, ver⸗ mummten ſich und wohnten dem Feſie bei, das mit ausgelaſſener Freude begann.— Die Freunde durchſtrichen das bunte Ge⸗ tuͤmmel der Masken und die Englaͤnderin ſchien uͤber dieſes Alles erſtaunt.— Al⸗ lein der Admiral fuͤhlte bald die Pein der Langeweile auch in dieſer Volksmenge und machte Anſtalt zuruͤckzukehren mit dem fe⸗ ſten Entſchluſſe, am andern Tage die Stadt zu verlaſſen, als er ſich auf einmal am Arme ergriffen fuͤhlte und im umkehren eine Maske erblickte, die ihm winkte. Du irrſt, ſprach er zurechtweiſend, ich bin nicht der, den Du in mir vermutheſt, Du ſuchſt ſicher einen Andern. Ich ſuche den beruͤhmten Abmiral da Gaſton, antwortete der Andere, und glaube ihn gefunden zu haben; doch irre ich 8 Ich bin der Admiral, Du kommſt beim Rechten! doch ſeltſam iſts, daß Du mich kennſt. Was willſt Du? Wenn Ihr mir folgen wollt, Euch zu einem Freunde fuͤhren, der Euch mit offe⸗ nen Armen Jahre ſchon erwartet. Velasco ſtutzte, erinnerte ſich des be⸗ kannten Geſichts in der Kirche des heiligen Hyppolits, entſchuldigte ſich bei der Ge⸗ ſellſchaft ſeiner Freunde, ließ die Brittin am Arme Altamors und folgte dem Fuͤh⸗ rer, der ihn durch einige Straßen leitete und dann die Thuͤr eines Hauſes öffnete, das ſeine Außenſeite nicht anziehend machte. Das Zimmer, wohin ihn der Unbe⸗ kannte brachte, war ganz geſchmackvoll ausgeziert. Jener zeigte auf einige Er⸗ friſchungen und ſprach: Sennor! ſetzt Euch und genießt; ich werde gehn, den Wartenden durch die Nach⸗ richt Eures Hierſeins zu erfreuen. — c c c— 8 c 8 8 — —— Er ging und Velasco blieb allein. Er? mattet vom Gehen, warf er ſich auf ei⸗ nen Stuhl und ließ ſeinen Gedanken freien Lauf; unmoͤglich war es ihm, ſich des Fremden zu erinnern, er ſann und ſann, allein beim Sinnen und Erwarten blieb's. Eine gute Viertelſtunde war ſchon vergan⸗ gen, er ſah im Zimmer umher und er⸗ blickte Wein und Fruͤchte. Durſtig von der druͤckenden Hitze, machte der Wartende von der Einladung des Fuͤhrers Gebrauch, ſchenkte ein und leerte in kurzer Zeit eine Flaſche. Muͤde war er ſchon, allein der Genuß des Weines wirkte noch kraͤftiger. Velasco fuͤhlte eine ungewoͤhnliche Schlaf⸗ ſucht, kaum konnte er ſeine Augen noch offen erhalten. Nach einer kleinen Weile entſchlief er feſt. Einen ganzen Tag warteten Centilles, Altamor, Zapato und die Englaͤnderin auf die Zuruͤckkunft des Admirals, ſein langes — 6— Ausbleiben beunruhigte ſie; am Abend brachte ein Unbekannter ein Billet ohne Addreſſe und entfernte ſich ſchnell. Cen⸗ tilles oͤffnete das geheimnißvolle Schrei⸗ ben und las folgende Worte: „Ein unabaͤnderliches Schickſal und „ein gewiſſer unvorhergeſehener, doch „bis jetzt noch fuͤr Euch dunkelbleiben⸗ „der Zufall zwingt mich, auf einige Zeit „Euch Theuern zu verlaſſen, ſetzt Eure „Reiſe fort, vielleicht bald ſeht Ihr „wieder Euern „Velasco.“ Die Leſenden ſahen einander erſtaunt an, Centilles warf den Zettel duſter auf den naͤchſten Tiſch und ſprach verwunde⸗ rungsvoll: Das kann ich nicht verſtehn, mir iſt's ein Raͤthſel! Er will's, unterbrach ihn Altamor, und ſeine Abſicht ſei, welche ſie wolle, uns li ſe — 115— 6 muß ſein Wille Beſehl ſein. Wir reiſen nach Carthagena, dort wird ſich's toſſet lich erklaͤren. Den treuen Mohr nahm er nicht mit! ſeufzte Zapato, und wiſchte ſich eine Thraͤne von den ſchwarzen Wangen. XIII. Abſchnitt. Vrasco erwachte und ſah erſtaunt um ſich her. Er befand ſich in einem Keller und ſeine Haͤnde und Fuͤße waren gebun⸗ den. Seine Verwunderung zu beſchreiben iſt unmoͤglich, er glaubte, ein lebhafter Traum aͤffe ihn; ſo gut es ihm ſeine ge⸗ Dunkeln an den Waͤnden umher, bis ihn endlich ſein Gefuͤhl uͤberzeugte, daß es Wirklichkeit ſei. Dennoch konnte er nicht begreifen, in weſſen Gewalt er ſich befaͤnde, und warum?— Sehr gut erinnerte er bundenen Fuͤße erlaubten, fühlte er im um eller un⸗ iben fter ge⸗ im ihn es icht de, er — ſich, in einem Hauſe geweſen zu ſein, wy ihn ein Unbekannter hinberufen, auch wußte er, ihn habe Muͤdigkeit zum Schlafe ge⸗ zwungen, nachdem er eine Flaſche Wein geleert.— Bei dieſem peinigenden Gedanken und in dieſer Ungewißheit blieb er, bis ihn ein nahes Poltern aus ſeiner Traͤumerei auf⸗ ſchreckte. Die Thuͤr des Kellers ward ge⸗ oͤffnet und Sarconez, Leibarzt des Statt⸗ halters auf Canaria, trat mit einer bren⸗ nenden Lampe hinein. Velasco's Kopf ſchwindelte bei dieſem Anblicke, er ſtaunte und ſchauderte un⸗ willkuͤhrlich, die Rache des Verbrechers fuͤrchtend.— Sarconez, der Wiederauf⸗ erſtandene, trat hohnlaͤchelnd hinzu. Ungluͤcklicher! ſprach er, die Worte des Admirals nachahmend, ich ſchenke Dir Dein Leben, doch nur ein halbes Wunder kann es Dir erhalten, Dein Blut ſoll in⸗ „ — 4120— ter uns nicht fließen, nicht unſern reinen Boden hier beflecken, nicht Einer ſoll Dein Henker ſein; ſind die Wellen Deine Freunde und iſt der Wind Dir guͤnſtig— ſo wirſt Du leben.— Ich lebe noch, Admiral, Euch zu verderben! Velasco biß ſich in die Lippen und ſchwieg.. Ein engliſches Schiff war das halbe Wunder, wovon Ihr ſpracht. Der gu⸗ fall fuͤhrte es herbei und es nahm mich auf.— Der zufall fuͤhrte Euch nach Cor⸗ dova und in die Kirche des heiligen Hyp⸗ polit. Ich ſah Euch, Euer Aufenthalt war leicht zu erfahren, man lockte den Admiral durch ſehr unſchuldige, erlaubte Mittel, ließ ihn des Weines Kraſt em⸗ pfinden, der weislich mit etwas Opium gemiſcht war, und ſo auf bieſe Art beſin⸗ det Ihr Euch in der Gewalt des Sarco⸗ nez, den Ihr vom Meere ſchon verſchlun⸗ de vor Leil ich Dic es e I inen ein nde irſt ral, und be Zu⸗ ich or⸗ P⸗ alt te — 4— gen glaubtet. Seht nun, Korſar, ſo aͤn⸗ dert ſich die Sache; wer haͤtte das ge⸗ glaubt! Jetzt ſteht es bei mir, Vergel⸗ tungsrecht zu uͤben, Euch zu vernichten, und zwar auf eine untruͤgliche Manier den Lebensfaden zu zerreißen.— Doch ich will menſchlich ſein znd Euch die Freiheit ge⸗ ben— wozu Kich Niemand zwingen kann, denn Euer Hierſein iſt nur mir und mei⸗ nem Diener bekannt. Eure Freunde, die Korſaren, konnen Euch nicht retten, denn ſchon mit Tages⸗Anbruch verließen ſie, von mir betrogen, die Stadt. Was bleibt Euch alſo uͤbrig, ſagt? Velasco ſah zu Voden und ſchwieg. Was denkt und uͤberlegt Ihr? fuhr der Leibarzt fort. Ich denke, redete der Admiral, waͤre ich Centilles klugem Rathe gefolgt und haͤtte Dich haͤngen laſſen, wie er rieth, ſo waͤre es auch beſſer fur Dich geweſen. Zu einer Ur. Theil. 6 neuen Schandthat waͤre Dir der Weg ver⸗ ſperrt geweſen und die Rache von den Un⸗ ſrigen, die ſchrecklich ſein wird, faͤllſt Du noch einmal in unſere Haͤnde, haͤtteſt Du nicht mehr zu leiden. Laßt dieſe Prahlerei, fiel Sarconez laͤ⸗ chelnd ein, ſie geziemt Euch nicht und klei⸗ det ſchlecht in Euerm Zuſtande. Der ſo be⸗ ruͤhmte Admiral Velasco ſpricht jetzt nicht mehr, denn ſein Glanz und ſeine Macht iſt dahin, beruhige Dich! Doch wozu ſolche Reden, die mir das Blut erhitzen und Galle machen.— Gebt mir 30,000 goldene Pe⸗ ſos und Ihr ſeid frei und konnt dann ge⸗ hen, wohin es Euch beliebt; mir liegt an Euerm Tode wenig, doch viel an dieſem Gelde, was hinreichend ſein muß, mich bis zum Ende meines Lebens vor Mangel zu ſchuͤtzen. Kurz und gut alſo, mit die⸗ ſem Golde kauft Ihr Euch los, Euch frei aus meinen Haͤnden, bei ſeinem Klange ——„— — 2—„ c — fi em ich gel ie⸗ rei ge oͤffnet ſich des Kerkers Thuͤr, ſonſt nicht Sagt mir, wo kann ich es ohne Gefahr erhalten?— Ihr ſchweigt? Bube! knirſchte der Korſar vor Wuth und verſuchte, ſeine Haͤnde von den Ban⸗ den zu befreien, aber vergeblich.— Ihr wollt nicht? fuhr der Leibarzt fort, gut, ſo kenn' ich Jemand, der gern und willig auch das Doppelte fuͤr Euch zahlt. Die Britten werden meinen Antrag nicht verwerfen; den maͤchtigen Admiral Velasco da Gaſton zu beſitzen, der ihrer Schiffe Zahl ſo ſehr vermindert, iſt ihnen ſicher mehr werth, als eine Tonne Goldes.— Bei dieſen Worten ſchanderte Velasco heſtig, es entging dem Forſcher nicht, er fuhr fort: Der Kapitain James Burley iſt mein Freund, mein Retter aus den Meereswo⸗ gen; mit ihm werd' ich den Handel ſicht ſchließen; er kennt den tapfern da Gaſton 6* 124 auch, und England, ha! ja England das wird dem Burley fuͤrſtlich zahlen, wenn er im herrlichſten Triumph den ſo gefuͤrch⸗ teten Korſaren nach London fuͤhrt. Den Einzug moͤcht' ich ſehen. Und dann kann leicht die Reihe zu haͤngen an Euch kommen. Voll innerer Wuth maß Velasco mit ſeinem Blicke die Laͤnge des Kerkers; Sar⸗ conez irrte dieß nicht, er ſprach weiter: Noch einmal! Euch morden und mei⸗ nen Durſt nach Rache herrlich kuͤhlen, ſei fern von mir, mit Euerm Blute will ich meine Haͤnde nicht beſudeln und mein Giſt ſoll Euch nicht zur Donna Laura ſchicken, nein, noch andre Mittel giebt es. In's Amt der brittiſchen Henker werde ich auch nicht greifen, nicht durch meine Voreilig⸗ keit dem Londoner Poͤbel ein Schauſpiel entziehen, fuͤr deſſen Vorſtellung die ganze Raufmannſchaft ihren großen Beitrag gern entrichtet. Mit Neid wird's dann Europa ——„——,—„———„—— — a8 en, ig⸗ iel nze ern — in den Journalen leſen: Heute hat man in London auf Old Bailey*) den beruͤhm⸗ ten Piraten-Admiral da Gaſion durch den Strang in's andere Leben expedirt. Nichtswuͤrdiger! ſchrie Velasco, vor Wuth ſchaͤumend, und fuhr gegen den Ver⸗ hoͤhnenden ein; dieſer zog ſich zuruͤck, ver⸗ lachte den Ohnmaͤchtigen undobetſchloß die Thuͤr. Bald darauf warf man dem Ge⸗ fangenen Speiſe durch eine Oeffnung in ſein Gefaͤngniß.— Seine Nachſicht und ſein Mitleid gegen den Giftmiſcher verfluchend, ſtreckte ſich Velasco auf's Strohlager und entſchlief nach langen Qualen und Martern. Drei bange Tage vergingen ihm auf gleiche Art, er dachte an ſein Schickſal, erinnerte ſich des Kerkers in Larache, in ²) O1d Bailey, öffentlicher Platz in London, wo uͤber die Miſſethäter Gericht gehalten wird. den ihn durch Gewalt und Liſt der Rene⸗ gat Ben⸗Hasran gelockt, und alle ſeine Schickfale kehrten in ſein Gedaͤchtniß zu⸗ ruͤck. In der vierten Nacht oͤffnete ſich ſein Gefaͤngniß und ſein Peiniger, Sarconez, von mehreren bewaffneten Maͤnnern beglei⸗ tet, tratz— Hier, ſprach er und zeigte auf einen von den Angekommenen, der ſich durch ſeine Kleidung vor den Andern auszeich⸗ nete, P. Sennor, fuͤhr' ich Euch den tapfern Kapitain James Burley zu, wir ſind des Kaufs einig worden und Ihr ſeid jetzt in ſeiner Gewalt. Gehabt Euch wohl und denkt an mich!— Auf einen Wink des Britten ergriffen die handfeſten Kerle den Admiral, beraub⸗ ten ihm durch einen Knebel des Gebrauchs ſeiner Zunge und ſchleppten ihn fort aus dem Kerker in einen bereitſtehenden ganz —„„„— — 1— —„——„— ir — verdeckten Wagen. Zu ihm ſetzte ſich der Kapitain Burley nebſt drei Andern und in moͤglichſter Eile ging's aus Cordova. Velasco's Stimmung war nicht zu be⸗ ſchreiben, ſein Gedanke war Selbſtmord, er gedachte Temalma's Ende und beneidete den Gluͤcklichen; aber ein Finkchen Hoff⸗ nung glimmte noch in— Es Spa⸗ niers, o an Kondon, an ſeinen Ruhm und ſein Schickſal, das ihm unbewußt war, haͤtte ihn zur trei⸗ ben koͤnnen. Seine Begleiter unterhielten ſich in eng⸗ liſcher Sprache von gleichguͤltigen Dingen, ſie wußten zu gut, daß er ſie verſtaͤnde. Auf den unbetretenen Wegen, entfernt von der Stadt, entledigte man den Gefange⸗ nen des Knebels und Burley ſuchte ſich mit ihm zu unterhalten. Stets ſchwieg der Admiral, dem ungeſchliffenen Britten mit Verachtung begegnend. Dieſer käm⸗ 1 2 8—— e„. 8 ₰ — merte ſich darum nicht, lachte und ſprach mit ſeinen Gefaͤhrten. Die Reiſe ging ſchnell, und, ohne ſich nur im geringſten aufzuhalten, erreichte man bald eine Kette von Bergen, die Ve⸗ lasco fuͤr einen Arm des Gebirges Montes Marliangs erfannte und als Kenner vom Innern Einſt bei der Unterredung ſeiner Be⸗ gleiter Pernahm der Gefangene, die Reiſe ginge uͤber Carthagena. Er ſtaunte, hielt dieß fuͤr einen gluͤcklichen Zufall vom Schick⸗ ſal geſandt, und uͤberzeugte ſich jetzt, die Reiſe ſeiner Freunde und der Zuſammen⸗ kunftsort in Carthagena ſei von dem Arzte Sarconez nicht ausgekundſchaftet worden. — Ein Strahl von Hoffnung ſchimmerte ihm, er gedachte ſeiner Freunde, des krie⸗ geriſchen Centilles und der holden Brittin, die jetzt Alle ſeinetwegen in Sorge ſein „ ehr richtig ſchloß man ℳ muͤſſe ſich im Knigreiche ien ₰ in la de di er G S. iſe elt die ⸗ wuͤrden und wuͤnſchte ſich mit dem Degen in der Hand ſeinen Verfolgern gegenuͤber, ihnen zu zeigen, daß man nur durch Liſt allein den tapfern Velasco faͤngt. Nach einigen Tag- und Nachtreiſen er⸗ blickte er einſt gegen Abend in einer wei⸗ ten Entfernung eine Stadt, die er ihrer Lage nach fuͤr das erwuͤnſchte Carthagena erkannte. Daß er ſich nicht geirrt hatte, erfuhr er durch die Reden des Kapitain Burley, auch vernahm er, man ſei hier Willens in See zu gehn und die Holy Margryth, das Schiff des Britten, liege im Hafen bereit, ſie aufzunehmen.— Ve⸗ lasco glaubte ſich ſchon frei aus den Haͤn⸗ den der Englaͤnder, eine frohe Ahſung flog durch ſeinen Kopf und ſtaͤrkte ſein Herz; er traͤumte ſich in die Mitte ſeiner Freunde, als ploͤtzlich der Wagen von einem hatten Stoße bebte, umſchlug und faſt ganz fi t Velasco fiel mit e genannten Lieutenant gab er auch dem Bo⸗ — 1301— den neben ihm Sitzenden, doch ohne Scha⸗ den zu nehmen.— Der Käpitain Burley war am Kopfe ſtark beſchaͤdigt und einer der Andern fuͤhlte heftige Schmerzen am Arme. Wuͤthend fluchte Burley auf den Kutſcher, der auch eine Kreatur der Brit⸗ ten war, und wenig fehlte, ſo haͤtte er ihm, wenn nicht die Uebrigen ihn abge⸗ halten haͤtten, eine Kugel durch den Kopf gejagt. Als endlich einigermaßen die Ruhe und Einigkeit wieder hergeſtellt war, bemerkte man, daß der Wagen ganz unbrauchbar ſei und man ſich im tiefen Walde befinde. Es war ſpaͤt am Abende und an kein Wei⸗ terreiſen zu denken.— Voll Unwillen und Verdruß befahl der Kapitain dem Ei⸗ nen, nach der Stadt zu reiten, dort den Lieutenant Theborn aufzuſuchen und ihn von ihrem Unfalle zu benachrichtigen. An —— — ten ein mit Bleiſtift geſchriebenes Billet mit. — Er entſchloß ſich im Walde zu bleiben und einer ſeiner Gefaͤhrten wurde zum Kundſchaften umhergeſchickt. kach einigen Stunden kehrte dieſer zu⸗ ruͤck und berichtete, er habe ein kleines Haus im Forſte entdeckt, doch habe er nicht gewagt hineinzugehn. Iſt's weit von hier? fragte der Kapi⸗ tain forſchend. Eine kleine Stunde. Bequemlichkeit iſt vorzuziehn, redete Burley weiter. Serry, bleib Du bei dem Gefangenen.— Du zeigſt mir das Haus, fuͤr Eſſen will ich dann ſchon Sorge tragen⸗ — Zu gefaͤhrlich waͤr's, den Spanier hier jetzt unter Menſchen zu bringen; behalt ihn hier und nimm Dich wohl in Acht, er ko⸗ ſtet ſchweres Gold, geht er durch Dich verloren, ſo fuͤrchte Alles. Du kennſt den großen Maſt auf Holy Margryth.— Seid ohne Sorgen, Sir, Ihr kennt mich ja, zu fuͤrchten habt Ihr nichts. Burley, beruhigt, verſah ſich mit ei⸗ nigen Flaſchen Rum und folgte dem An⸗ dern, der ihn zur Huͤtte fuͤhrte, die ein lebensſatter Klausner bewohnte; zuruͤck blieb Velasco mit ſeinen Huͤther, der ein Feuer anzuͤndete. Die Nacht war einge⸗ brochen, der Fuͤhrer des Burley kam mit einem Korbe Fruͤchte und Wein, reichte es Serry und ging dann zuruͤck. Velasco ſireckte ſich unmuthig in's hohe Gras und ſpeiſ'te, waͤhrend ſich ſein Waͤch⸗ ter bei den Weinflaſchen beluſtigte und ſeine Augen beſiaͤndig auf den ihm Anvertrau⸗ ten ruheten. Der Unfall im Walde hatte den ganzen Mißmuth des Admirals wieder hervorgelockt, er haderte mit dem Schick⸗ ſale, das ihn, als ſeinen Guͤnſtling, aus ſo mancher Gefahr gerettet hatte und jetzt verließ. Seine Haͤnde waren von den Ban⸗ it e te 8 ſe — 133— den ſtark zerrieben, ſein Kopf braunte hef⸗ tig und ſeine koͤrperliche Staͤrke ſchien ihn verlaſſen zu haben; er ſank in tiefes Hin⸗ bruͤten, und ohne es zu wollen, preßte ſein Zuſtand ihm eine Thraͤne aus den Au⸗ gen. Der Gebanke an ſeine Jenny wachte auf in ſeinem Gedaͤchtniſſe, er dachte an den herrlichen Plan, den er ſich unlaͤngſt geſchaffen, ſah ihn vernichtet und biß ſich in die Lippen voll Schmerzen der Seele. Da ſiel ploͤtzlich in einiger Entfernung ein Schuß, dem ein zweiter folgte. Der Admiral horchte und ſeine Wache auf. Eine tiefe Stille herrſchte wieder, die bald ein Raſſeln im Gebuͤſche unterbrach; der Britte, der den Kapitain hinweggelei⸗ tet, ſtuͤrzte hervor ohne Huth, wild hin⸗ gen die blutigen Haare um ſein Haupt, und ſein Geſicht verrieth Ent⸗ ſetzen und Verzweiflung⸗ — 134— Serry rette Dich! rief er dem Andern athemlos zu; dieſe verwuͤnſchte Huͤtte iſt das Obdach von Banditen und Moͤrdern;z James Burley liegt erſchlagen in ſeinem Blute und ich entrann mit Muͤhe und von Wunden bedeckt ihren Dolchen, ſicher ver⸗ folgt man mich. Heiliger Gott! ſprach Serry, ſo laß uns eiligſt fliehen. Indem die Erſchrockenen zwiſchen den Pruͤmmern des Wagens ihre Effecten und die des Kapitains eiligſt hervorſuchten, ſtrengte der erfreute Velasco alle ſeine Kraͤfte an, ſich der Stricke zu entledigen, die ſeine Haͤnde zuſammenhielten; wenig achtete man auf ſeine Bewegungen und ſchon war es ihm halb gelungen, als die Englaͤnder geendet hatten und zum Fluͤch⸗ ten bereit waren. Da blieb Serry plotz⸗ lich ſtehen. Halt! ſprach er, Freund, noch einen er an un de en d ne — 135— Augenblick verweile. Sir Burley befahl mir, dieſen zu bewachen, er ſchaͤrſte mir es ein; wir koͤnnen uns unmoͤglich länger mit ihm noch belaſten, doch waͤr' es meine Schuld, wenn er der Freiheit Suͤßigkeit von Neuem ſchmeckt, ich ſtech' ihn nieder, man glaubt die Raͤuber als die Thaͤter und ich that doch halb meine Pflicht. Velasco's Haare ſtraͤubten ſich, der Sprecher zog ſein Schwert, da nahm der Admiral die ganze letzte Kraft der Arme noch einmal zuſammen, ein Herkules haͤtte ihn bewundert, braunroth faͤrbte ſich ſein Geſicht, die Adern ſchwollen krampfhaft an, und— frei waren ſeinen Haͤnde.— Geſchickt ſprang er zur Seite, dem mor⸗ deriſchen Stoße des Britten auszuweichen, ergriff mit einer Fauſt den Moͤrder, die andere fuhr ihm pfeilſchnell ins Angeſicht und ſtreckte ihn mit einem Schlag zu Bo⸗ den.— 5 Der Andere floh, indeß der Sieger des Gefallenen Schwert ergriff. Auf ſeine Kniee fiel der Erſchoͤpfte, dan⸗ kend hob er die blutenden Haͤnde; ein Mur⸗ meln ſchreckte ihn von Neuem auf, er ſah Lichter ſchimmer durch die Zweige, die Banditen naͤherten ſich. Schnell zerſchnitt Velasco die Straͤnge des Kutſchpferdes, ſchwang ſich hinauf und eilte davon. Doch bald ſtuͤrzte ſein Pferd uͤber einen Baumaſt, er ſah zu gut ein, daß er zu Fuß weit beſſer durch das Dickicht dringen wuͤrde, obgleich er in der Finſterniß gegen Baͤume und Straͤuche rannte, welches beritten noch weit aͤrger geweſen waͤre.— Sein Fuß ſtrauchelte oft, er drang aber tiefer in den Wald, bis er ſich plotzlich wieder auf dem Platze befand, wo der von ihm Getroffene betaubt, am Boden lag. Jetzt hoͤrte er Stimmen und ſah Maͤn⸗ ger ur⸗ ſah die titt es, och ſt, eit e, me ch uß m ne ner durch's Gebuͤſch bringen; zu entfliehen war unmoͤglich, eilig und geſchickt erklet⸗ terte der Admiral einen nahen Baum und harrte des da Kommenden; bald ſah er fuͤnf bewaffnete Maͤnner, ganz Raͤubern aͤhnlich, die in ihrer Mitte einen jungen Mann als Gefangenen fortſchleppten, der matt und verwundet ſchien⸗ Wer denkt ſich aber das Erſtaunen des Spaniers, als er, vom Baume herab, in ihm dem Graſen William Larry erkannte, den er einſt in England zuruͤckließ, und welchen aufzuſuchen, er den Kapitain Don Nones de Madragon, der in Livorno ge⸗ ſtorben, ausgeſandt hatte. Im erſten Au⸗ genblicke der Hitze wollte Velasco hinabei⸗ len, uͤber die Bewaffneten herfallen und den Grafen befreien oder ſterben; allein zu bald nur ſah er die Unmoͤglichkeit ein und dachte weißlich auf andere Mittel. Leiſe kletterte er an den Aeſten hinab — 5— und folgte mit hochklopfendem Herzen dem er Zuge der Banditen. Tief in den Wald ſtr gingen dieſe, mit Aengſtlichkeit Velasco hin⸗ rei ter ihnen, jedes Geraͤuſch von ihm maochte ihn beben, nicht fuͤr ſich zitterte er, nur en fuͤr das Leben des Bruders ſeiner Jenny; de: ihn zu retten wuͤrde er ſich gern großmuͤ⸗ Fr thig aufgeopfert haben. me Nach einer langen Stunde erreichten ſpe die Raͤuber mit ihrem Gefangenen ein Fel⸗ Pf ſenthal, in deſſen Mitte ſich eine kleine ſtr Hütte, von Stroh und Zweigen erbaut, ge an einen Abhang lehnte. In dieſe gingen ſich ſie und bald verſchwand das Licht. Zu gut nur ſah der Admiral, daß dieſe Huͤtte ei⸗ be nen Gang in den Felſen verdeckte; ſo viel die als moͤglich, bezeichnete er den Weg, den 6 Ort, und ſchlich ſich dann davon, das 6 Ende des Waldgebirges zu erreichen. Der hol Tag ſing an zu grauen, und Velasco's Stimmung war ſchrecklich; vielleicht, dachte dem zald hin⸗ chte nur 9 muͤ⸗ ten Fel⸗ eine zut, gen gut ei⸗ viel den das Der co's — 63— er bebend, faͤllt Larry unter den Moͤrder⸗ ſtreichen, bevor es moͤglich iſt, ihn zu ent⸗ reißen. Dieſer Gedanke war graͤßlich und faſt entſchloß er ſich, zuruͤckzukehren zum Orte der Banditen und Alles zu wagen, ſeinen Freund zu befreien. Allein, ohne es be⸗ merkt zu haben, ſah er ſich von einer Rotte ſpaniſcher Wegreuter umgeben, die ihre Pferde am Zuͤgel hinter ſich fuͤhrten. Alle ſtreckten ihm ihre kurzen Spießgewehre ent⸗ gegen und riefen ihm zu, ſeine Waffen von ſich zu werfen und ſich binden zu laſſen. Velasco gehorchte und wandte ſich zu dem Anfuͤhrer, alles entdeckend, was in dieſer Nacht ihm begegnet, zugleich ver⸗ ſchwieg er nicht ſeinen wahren Namen und ſein Gewerbe. Nach Endigung ſeiner Rede hob der Anfuͤhrer an: Sennor da Gaſton! feſt bin ich über⸗ —— zeugt, daß Eure Worte Wahrheit ſind und daß ich wirklich mit dem großen Manne rede, den ganz Spanien bewundert und ganz Europa fuͤrchtet; doch verargts dem Diener der heiligen Hermandad nicht, wenn er ſich dennoch gezwungen ſieht, bis nach Carthagena Euch zu fuͤhren, dort werdet Ihr Euch ſehr leicht rechtfertigen koͤnnen. Wir finden Euch hier blutend im Gebirge, den bloßen Degen in der Hand, zerriſſen ſind Eure Kleider und die Bedeckung Eu⸗ res Kopfes fehlt. In dieſem Zuſtande kann mancher ſich befinden, der nicht ganz rei⸗ nen Herzens iſt. Drum grollt nicht, Sen⸗ nor, denn meine Pflicht heiſcht es, die ich erfuͤlle. Gern willigte Velasco ein, bat dann die Wegreuter ihm zu folgen zum Aufent⸗ haltsorte der Baditen. Sie willigten ein; er fuhr fort, den ganzen Vorgang zu er⸗ zaͤhlen, ſelbſt die Gefangenſchaft des jungen —, Gt fuͤt fuͤh der zu al ſei ſind inne und dem enn ach rdet nen. rge, ſſen Eu⸗ ann rei⸗ en⸗ ich ann ent⸗ ein; k — 5 4— Grafen theilte er ihnen mit, und gab ſich fuͤr ſeinen Bekannten aus. Auf ihre Anzahl bauend, S4 die Wegreuter und der ſchon uͤberzeugte An⸗ fuͤhrer reichte dem Admiral ſeine Waffe wie⸗ der mit der Bitte ſich ja nicht von ihnen zu entfernen, um den Schein zu meiden, als ſei ſeine Erzaͤhlung nur erdichtet und ſein Name und Stand ſalſch. Laͤchelnd verſprach er, bis nach Carthagena ihnen zu folgen, weil grade dahin ſein Weg ihn fuͤhre. ticht weit vom ſchon benannten Fel⸗ ſenthale der hohen Montes Marliarios, das der Admiral mit ſeiner Suite bald gluͤck⸗ lich erreichte, ließen die Wegreuter ihre Pferde und zur Bedeckung derſelben zwei Mann zuruͤck, dann ſchlichen Alle, von dem Rache ſchnaubenden Piraten gefuͤhrt, durch Felſenkluͤfte und uͤber Abgruͤnde in die Mitte dieſes Thales, wo ihnen bald d Huͤtte in die Augen fiel. An ihrem Ein⸗ gange lehnte einer der Banditen ſchlafend, geſchickt warfen ihm die Diener der heili⸗ gen Hermandad einen Strick um den Hals und im Schlafe erdroſſelte man ihn ohne Umſtaͤnde. Von einem der Begleiter lieh Velasco einen weiten Mantel, um ſich nicht ſogleich dem Grafen, ſollte er noch leben, zu ent⸗ decken, und ſchritt dann in das Innere der Felſen. Bald ſah man Lampenſchein, mehrete Feuergewehre brannten die Raͤu⸗ ber auf die Eintretenden ab, die Kugeln durchlöcherten Velasco's Mantel und ſtreck⸗ ten zwei der Wegreuter ſchwer verwundet zu Boden. Erbittert drangen die Uebrigen murhig vor, den Bewohnern der Felſen nicht Zeit zum zweiten Gruße zu laſſen. Es kam zum Gefechte, und wahrlich es oß viel Blut, denn wuͤthend vertheidig⸗ ten ſich die Räuber, die nichts verlieren, abe chet der ten ter gen ruck zu zwe ſchn mit roͤch leich nich Gef faͤnd Hoͤh ihm Ung in⸗ nd, ili⸗ als hne 6co eich nt⸗ ere ein, aͤu⸗ eln eck⸗ det gen lſen ſen. es dig⸗ — 143— aber viel gewinnnen konnten. Dennoch wi⸗ chen ſie bald und flohen tiefer in die von der Natur ausgehoͤhlten Felſen, ihnen ſolg⸗ ten ſtets mit gleichem Feuer die Wegreu⸗ ter, die ſchon uͤber drei verloren hatten. Der kluge Admiral, ſolcher Auftritte gewohnt, rieth ſeinen Kriegern, ſich zu⸗ ruͤckzuziehen, um ihre Waffen gebrauchen zu koͤnnen. Es geſchah und that die Wir⸗ köng, die Velasco vermuthete. Bei der zweiten Salve ſtreckten noch drei Banditen, ſchwer verwundet, ihre Waffen und fuͤnf mit dem Hauptmann der Bravo's hauchten roͤchelnd ihr Leben aus. Velasco trug eine leichte Verletzung am Kopfe davon, dieſe nicht achtend, fragte er mit Heftigkeit die Gefangenen, wo ſich der junge Britte be⸗ faͤnde, den man in tiefer Nacht in dieſe Hohle gefuͤhrt habe. Aengſtlich zeigten ſie ihm noch einen Nebengang. Hier lag der 3 Ungluͤckliche feſt gebunden und blutend am — 144— Boden. Velasco nahm den Grafen auf ſeine Schultern und trug ihn aus der Raͤu⸗ berhoͤhle. Die ſiegreichen Wegreuter durch⸗ ſuchten unterdeß die Felſengaͤnge, um Schaͤtze zu ſuchen, aber fanden keine. Der Admi⸗ ral rief und zeigte auf den Britten, und mahnte ſie zum Aufbruche. Die Nothwendigkeit einſehend, gehorch⸗ ten ſie, ließen die Haͤlfte der Mannſchaft und die ſchwer Verwundeten im Felſen⸗ thale zuruͤck, trieben die Gefangenen feſt gebunden vor ſich her und kamen ſo wie⸗ der bei ihren Pferden an. Hier erholte ſich der Graf Larry⸗ blickte dankbar auf ſeine Retter, und aus ſeinen Augen blitzte Freude, als er ſich befreit und ſeine ſchmerzende Wunde verbunden ſah. Man ſetzte ihn auf eins der Pferde, und Velasco, den Wegreutern einige Maͤhr⸗ chen aufhaͤngend, verbarg ſich vor den Augen des theuern Anverwandten, ihn, ſobo raſt gefu Str Zug eine fen gen lag ihne Her eing beſc Cor co's auf äu⸗ rch⸗ aͤtze mi⸗ und rch⸗ haft lſen⸗ feſt wie⸗ lickte einen efreit nden erde, taͤhr⸗ den ihn, ſobald es ſein Zuſtand lrrbt⸗ zu über⸗ raſchen. Als man den Ausgang des Watdes gefunden hatte und ſich jetzt auf grader Straße nach der Stadt befand, ging der Zug bequemer von Statten und bald ward eine Saͤnſte gefunden, in die man den Gra⸗ fen legte und ſo den Weg fortſetzte. Ge⸗ gen Mittag, als die Sonne heftig brannte, lag Carthagena, die ſchoͤne Seeſtadt, vor ihnen und freudig ſchlug Velasco's Herz. Beim Einzuge der Diener der heiligen Hermandad verſammelte ſich das Volk, die eingefangenen Banditen der Heerſtraße zu beſchauen; dieſe fuͤhrte man ſogleich zum Corregidor des Stadtviertels, der Velas⸗ co's Papiere, die ihm gluͤchlicherweiſe die glaͤnder nicht nahmen, durchſah und ihm Fann mit der tiefſten Höflichkeit anzeigte, er konne gehn, wohin es ihm beliebe. Ve⸗ asco bat, ſeinen Stand nicht in Cartha⸗ II. Theil. — 146—. gena wiſſen zu laſſen, weil er wuͤnſche, unerkannt zu bleiben in den Augen des Volks, und entfernte ſich dann, das Ho⸗ tel zu erreichen, in welches man den ver⸗ wundeten Grafen Larry gebracht.— Er uͤberzeugte ſich bald von deſſen Wohlbefin⸗ den und nun war ſein zweiter Weg nach dem Hafen, um zu ſehn, ob der Barba⸗ roſſa, von Vanhord gefuͤhrt, noch nicht eingelaufen ſei. Seine Augen durchliefen die ruhig vor Anker liegenden Schiffe, er ſah ſo viele, aber nicht das Geſuchte. Unmuthig lehnte er ſich an eine nahe Säule, die am Caſtell angebracht war, und blickte traurig auf das Meer, als hin⸗ ter ihm die Worte erklangen: Der große Admiral Velasco ſucht b gebens ſeine Diener auf der See. Velasco kehrte ſich erſtaunt um, Cen tilles lag in ſeinen Armen. ral folg ger fahl o um chel dur jetzt ſchr des der mir ich ſtatt des ver⸗ Er fin⸗ nach rba⸗ icht efen „er ahe var, hin⸗ Du hier, Centilles? ſprach der Admi⸗ ral, das haͤtt' ich nie vermuthet! Freund, war Centilles Antwort, wir folgten Deinem Schreiben, wenn gleich un⸗ gern, und verließen Cordova, wie Du be⸗ fahlſt. Ein Schreiben? fragte Velasco erſtaunt, o, zeig' es mir! Sehr gut, daß ich das Papier behielt um mir die Raͤthſel loͤſen zu laſſen. Obgleich Betruͤgerei, fuhr Velasco laͤ⸗ chelnd fort, ſo muß ich ſie doch loben, durch ein bloßes Ungefaͤhr find' ich Dich jetzt in Carthagena;— denn dieſe Zeilen ſchrieb ich nicht; Sarconez, der Leibarzt des ehemaligen Tyrannen von Canaria, iſt der Verfaſſer.— Du ſtaunſt und glaubſt mir nicht? Ja, Freund Centilles, waͤr ich Dir gefolgt und haͤtte ſeinen Koͤrper, ſtatt dem Meere, dem großen Maſte an⸗ vertraut, ſo haͤtte er mich ſicher nicht von 7½ ze Euch getrennt.— Doch fuͤhre mich zur Brittin, zu Altamor und meinem Sohne und dem treuen Neger, ſie ſind doch wohl? Es ſchmerzt ſie nichts, ſprach Centil⸗ les immer noch verwundert, als die Ent⸗ fernung von Dir. Geliebter, fiel Velasco ein, ich kann Dir jetzt nicht alle meine Abentheuer er⸗ zaͤhlen, die Freude iſt zu groß, harre alſo noch ein Weilchen, bis ich im Kreiſe Al⸗ ler, die mich lieben, Dir die Raͤthſel loͤſe. Centilles ſchwieg und fuͤhrte den ent⸗ zuͤckten Admiral in die Wohnung der Freun⸗ de, dicht am Hafen. Jubelnd empfingen ſie ihn und an ſeinen Buſen druͤckte er Al⸗ tamor, den Kleinen, der mit dem lieblichen Worte: Vater! Vater! laut aufſchrie; die Englaͤnderin war entzuͤckt und Zapato au⸗ Per ſich vor Freude. — Nach dem Mahle erzaͤhlte Velasco nun ſeine Abentheuer, die allgemeines Staunen er ſa fe ta A ei he er eit 0) 3— di es ur ne 12 til⸗ lſo Al⸗ ſe. nt⸗ n⸗ zen Al⸗ en die tun erregten. Als die Brittin auf einige Au⸗ genblicke das Zimmer verlaſſen, fuͤgte der Admiral die Erzaͤhlung des ſonderbaren Zu⸗ ſammentreffens mit dem langgeſuchten Gra⸗ fen Larry hinzu, welche er bei der Lady Gegenwart ſehr weislich verſchiegen. Al⸗ tamor erſtaunte und freuete ſich auf den Anblick der Liebenden. Tiefſinnig ſtarrte bis jetzt Centilles in einen Winkel des Zimmers, dem Alles ſe⸗ henden Auge des Admirals entging es nicht, er fragte um die urſache.— Der er⸗ ſchreckte Centilles ſprang auf und beugte ein Knie vor dem Verwunderten. Admiral! ſprach er, ich bitte und flehe ſelten, es iſt nicht meine Art.— Du nennſt mich Freund, ich glaub's, doch willſt Du jetzt die Wichtigkeit des Wortes durch die That beweiſen, ſo erfuͤlle meine Bitte, es iſt die erſte, ſchlag ſie mir nicht ab⸗ Sprich, theurer Centilles! erwiederte Velasco, Alles ſei Dir im Voraus ſchon gewaͤhrt. So erlaube mir, daß ich mich auf zwei⸗ mal acht Tage von Dir und Euch Allen ⸗ entferne. Wenn wirklich auch Vanhord vor der Zeit ſeine Anker im Hafen wirft, ſo erlaubt Dir doch die Wunde des Gerette⸗ ten, von dem Du ſprachſt, die Fortſetzung der Reiſe nicht. Sag' mir, giebſt Du mir Zeit, vergoͤnnſt Du mir dieſe Friſt?— Gern, ſprach Velasco, wenn auch der Zweck uns ein Geheimniß bleibt, ich weiß gewiß, auf ewig ſcheidet Freund Centilles nicht. O ſicher nicht! fiel dieſer ein. Der Zweck der Reiſe iſt auch kein Geheimniß. Ich nehme hier in Carthagena zwei der ſchnell⸗ ſten Renner unter allen Pferden, die nur aufzutreiben ſind; Zapato wird mich gern begleiten, wenn er nur meinen Wunſch ver⸗ nimmt. Im Fluge gehts zuruͤck nach Cor⸗ n ei⸗ len vor ſo tte⸗ ing mir der eiß lles veck Ich ell⸗ nur ern er⸗ — 451— dova, der lebende Sarconez, Leibarzt auf Canaria, Dein Verkaͤufer, wird aufgeſucht und hingeſchickt nach einem Orte, deſſen Pforten er ſchon betrat, doch dieſes Mal werde ich ſie feſter hinter ihm verſchließen; er ſtirbt von meiner Hand.— Kein Wort, Abmiral, ich bitte Dich, auch keine Wi⸗ derrede, ich habe Deine Einwilligung und mache gleich zur Abreiſe Anſialt. Lebt Alle wohl, Ihr ſeht mich bald wieder! Zapato folge mir. Bald hatte der Eilige die noͤthigen Roſſe gefunden und fort ging's noch an demſel⸗ ben Tage aus Carthagena, kaum konnte Zapato folgen. Ohne den geringſten Auf⸗ enthalt durchflog man die Geſilde und Gr⸗ birge, und am fuͤnften Tage war Cordova erreicht. Die Straße und das Haus des teufliſchen Leibarztes hatte Centilles vom Admirale genau erfahren, er bezog ein Wirthöhaus in der Naͤhe und ging verklei⸗ —— det auf's Kunbſchaften aus; der zu gut bekannte Mohr blieb in der Wohnung. Bald hatte der ſchlaue Centilles den Auf⸗ enthalt des noch practicirenden Arztes aus⸗ geſpuͤrt, er kehrte zuruͤck und erfuhr durch Fragen bei ſeinem Wirthe, der Medicus ſei erſt kuͤrzlich in Cordova angekommen, und habe einige gluͤckliche Kuren gemacht, auch ſei er reich, wie das Geſpraͤch gehe. Centilles klagte uͤber Beſchwerden und bat den Herrn des Hauſes zu dieſem geſchickten Mann zu ſenden; mit Freuden gehorchte er.— Bald meldete man des Doctors An⸗ kunft, er trat ein, und ſchnell verſchloß Centilles die Thuͤren. Sieh da, ſprach er, Sarconez, Du Judas Iſcharioth!— Der Angeredete war dem Sinken nahe. Ohne Weiteres ergriff ihn der ſtarke Rä⸗ cher, ſchleppte ihn ins Nebenzimmer und hier erhaͤngte man den ſchon Halbtodten, zut ng. uf⸗ us⸗ rch cus en, ht, he. bat ten hte Un⸗ — 153— dem Centilles das Schreien verhinderke, an der Wand auf. Ueber ſeinen Kopf ſchrieb ſein Richter: „Hier haͤngt Sarconez, vormaliger „Leibarzt des Statthalters Don Pedroſa „de Baeſo von Canaria, zu gelinde nur „geſtraft fuͤr Giftmiſcherei. Verbrennt „den Leib, damit er nicht die Stadt ver⸗ „peſte.“ Centilles blieb nun noch eine Stunde bei dem Erhaͤngten, ſich von ſeinem Tode zu uͤberzeugen; dann verſchloß er ſein Ka⸗ binet, ſteckte den Schluͤſſel zu ſich, bezahlte den Wirth, ließ ſich die Pferde vorfuͤhren und verließ eilends Cordova. Groß war die Freude der Verſammel⸗ ten, ihren Velasco wieder zu haben, ſie prieſen den ſonderbaren Zufall, der ſie, von dem falſchen Briefe Sgetaͤuſcht, doch nach Carthagena gefuͤhrt hatte und ſo den Admiral finden ließ. Velasco ging nach —— einiger Zeit in die Wohnung des Grafen Larry, erkundigte ſich nach ſeinem Befin⸗ den und erfuhr, er wuͤrde in einigen Ta⸗ gen im Stande ſein, das Zimmer zu ver⸗ laſſen. Jetzt konnte der Admiral es ohne Ge⸗ fahr wagen, ſich ihm zu erkennen zu ge⸗ ben. Er ging daher bald zu ihm und ließ ſich als einen ſeiner alten Bekannten an⸗ melden. Larry beſchied ihn ſogleich vor ſich. Mit Herzklopfen trat Velasco ein, kaum erblickte ihn der junge Englaͤnder, als ihm ein lauter Schrei entfuhr und er aufſpringend nach ſeinen Piſtolen griff. Feſt und unerſchrocken ſtand Velasco; Larry ließ die Hand ſinken und warf ſich matt auf einen Stuhl. Was wollt Ihr thun, Graf, mich er⸗ morden? ſprach jetzt der Admiral mit ſanf⸗ ter Stimme, doch ohne Furcht. Eeinen Niedertraͤchtigen beſtrafen, fuhr — 355 der Graf auf, der ſich unter fremden Titel und Namen bei mir einſchlich, meine theure Schweſter verfuͤhrte und mit ihr entfloh. Haltet ein, Sir! redete der Admiral erzuͤrnt, ſie ward mein Weib vor Gott und Menſchen, und floh ich, ſo war's zu meiner Rettung und ihreim Wohle noͤthig. Wahr iſt es, mein Name war nicht Ma⸗ nuel di Sarago, die Welt nennt mich Ve⸗ lasco da Gaſton, Fuͤrſt der ſpaniſchen Kor⸗ ſaren, und Euer Volk hat meines Armes Kraft und die Macht meiner Schiffe nur zu gut empfunden. Doch was iſt mein Verbrechen? Eure Schweſter liebt mich wie ich ſie, ein holder Knabe iſt uns ge⸗ ſchenkt, und kann mein Handwerk Euch mißfallen, ſo ſag' ich Euch hiemit, doch bleibt's bis jetzt Geheimniß, vielleicht in kurzer Zeit leg ich es nieder, begebe mich nach meinem Vaterlande und lebe ganz nur meiner Jenny, denn Schaͤtze haͤuft — 456— ich laͤngſt auf wo ich die holde Gattin zuruͤckließ. Velasco. und Larry nahm das Wort: Weswegen eniſlohet Ihr, ohne nur eine Aufklaͤrung mir zu hinterlaſſen? warum ließt Ihr mich ſo lange ohne Nachricht von der ſo geliebten Schweſter? Euch Undankbarer aufzuſuchen, durchirrte ich ſchon halb Europa. Wenn hier von Undank die Rede ſein ſoll, fiel der Admiral bitter ein, ſo glaub' ich, Euer Antheil davon iſt groͤßer als der meine. Hoͤrt, nicht um Dank zu verdie⸗ nen, ſprech' ich zu Euch, Sir, doch ſeid verſichert, ohne mich ſtarbet Ihr unter den Streichen der Banditen im Gebirge, ich war die Hauptperſon, die Euch befreiete. Larry ſiutzte und Velasco fuhr fort: Euch die Geliebte zuzufuͤhren, die John Browes, von Eurem Vater ſchlecht belohnt, de s ne ht — 437 Euch entriß, landete ich in Afrika an den Kuͤſten der Barbaresken, trug die Selaven⸗ ketten lange Zeit im Lande der Unglaͤubigen und war dem Tode nahe; doch endlich ge⸗ lang es mir, gelobt ſei Gott! die Holde aufzufinden, auch ſie ertrug den Druck der Selaverei, bis ſie ſich, einer Helbin gleich, der Feſſeln entlebigte. Aus Lfrika fuͤhrt' ich ſie, verfolgt von Hinderniſſen ohne Zahl, ſtets Tod und ewige Leibeigenſchaft vor Au⸗ gen, gepeinigt von Hunger und Durſt, gaͤnz⸗ lich abgeſchnitten von Europas geliebten Ufern, bis hier nach Spanien. Mit eigner Hand focht ſie, die junge Miß, fuͤr ihre Frei⸗ heit, in Mannskleidern ihr Geſchlecht ver⸗ ſteckend, das ich durch Zufall nur entdeckte. — Auf den gluͤcklichen Canariſchen Inſeln raubte der Fuͤrſt, ein Wolluͤſiling, ſie mir und ſtellte mit Liſt und Gewält der holden Unſchuld nach. Im finſtern Kerker ſchmach⸗ tete ſie ohne Freund, indeß man mich durch 35 die graͤßliche Erzaͤhlung taͤuſchte, ſie ſei todt; bis auch hier die Vorſehung mich zum Retter erkor.— Mit Liſt und Ge⸗ walt brach ich des Thurmes Gitter, von meiner Hand fiel Don Pedroſa de Baeſo, ihr Peiniger, und ſo entfloh ſie zum an⸗ dern Male ihrem Verderben.— Rein und unſchulbsvoll, wie ich ſie fand, blieb ſie bis dieſe Stunde, und——— Velasco wollte weiter reden, allein Larry lag in ſeinen Armen. Vergebt, theurer Bruder! rief er mit Thraͤnen, ich ſehe es ein, ſehr großes Un⸗ recht that ich Euch, doch Erbitterung und ſtarker Groll ſind meine Verfuͤhrer.— Doch ſprecht, iſt's⸗moͤglich, hab' ich recht gehoͤrt, Miß Marry iſt in Euren Haͤnden? Ihr taͤuſcht mich nicht? i Sie iſt mit Euch in einer Stadt, nicht ahnend Euer Hierſein; die Aufwallung, d die Ihr mir bewieſen, vergeb' ich Euch — fe— — —₰„—„—— — ie ht g — gern, ich kenne das edle Herz, das in dem Grafen Larry ſchlaͤgt und weiß es ſicherlich zu ſchaͤtzen. Ihr macht mich unbeſchreiblich gluͤck⸗ lich, unterbrach der Graf. Die Geliebte aufzufinden, verließ ich Englands Kuͤſten, Gram und Verzweiflung warfen mich auf's Krankenlager, in Moͤrderhaͤnde ließ mein Mißgeſchick mich fallen; zum zweiten Male ſchickt mir die guͤtige Vorſehung Euch zum Retter und Befreier. Mein lebenslanger Dank iſt Alles, was ich Euch nebſt mei⸗ ner ewig dauernden Freundſchaft bieten kann, doch ſoll ich ganz als Schoͤpfer mei⸗ nes Gluͤcks Euch kennen, ſo fuͤhrt mich hin zu ihr, die ich ſo lange ſchon vermißt und die mein Herz beſitzt, wie ich das ihre. Halt, theurer Freund! ſprach Velasco, die Wonne laͤßt Euch vergeſſen, daß Eure Geliebte nichts, als ein ſchwaches Weib iſt. — 160— Wollt Ihr ſie durch Euren Anblick ploͤtzlich r uͤberraſchen, ſo habt Ihr nicht die ſchlim⸗ d men Folgen uͤberdacht, die eine ſchnelle Freude oft genug erzeugt. Erlaubt mir, daß ich ſie vorbereite, Euch zu ſehen, daß ich den Eingang mache, wie leicht koͤnntet Ihr das Ende ſonſt bereuen. Erzaͤhlt mir lieber jetzt, wie's Euch ergangen, nachdem Wilſon, der treue Diener, auf dem Cook, Fahrzeuge des Kapitain Hawſer Blaack, von Euch getrennt wurde. Ihr wißt's? ſragte der Lord erſtaunt. Euer Kammerdiener Wilſon lebt bei meiner Jenny, eins meiner Schiffe war's, das mit dem Euren heftig ſtritt. 5 Wie voll iſt dieſer Tag von ſeltſamen Ereigniſſen, aber doch ſehr erfreulichen Kunden fuͤr mich, da ich ſeit Eurer Ab⸗ reiſe von England mit nichts als Wider⸗ wärtigkeiten und Ungluͤck zu kaͤmpfen hatte. Kaum glaublich iſt, was Ihr mir ſagt, — —— — — — romanhaſt daͤucht es meinen Ohren und doch iſt's Wahrheit, was ich hoͤre. Sie iſt es, und lautere, reine Wahr⸗ heit, doch laßt mich wiſſen, Graf, wie's weiter Euch ergangen; wenn ihr geredet, werd' ich ein Gleiches thun und Eüre Ver⸗ wunderung ſpannen. Ihr wollt, begann Larry, ſo pbet⸗ Ihr wißt, daß uns die Mannſchaſt des ſpa⸗ niſchen Schiffes mit ſtarker Macht zuruͤck auf Cook's Verdeck trieb. Ich, wirklich lebensſatt, focht neben Maſter Blaak und Wilſon, der mir ſtets tapfer zur Seite ſtritt. Bald erhielt ich einen Schuß durch das Bein, der mich zum Ruͤckzuge noͤthigte. Wilſon, der treue Ungluͤcksgefaͤhrte ward geſangen und unſer Schiff entfloh mit vol⸗ len Segeln. Bald kamen wir in Livorno's Hafen gluͤcklich an, die kleine Wunde hin⸗ derte mich nicht, ſogleich nach Parma auf⸗ zubrechen, wo ich den Commodore John — Browes und ſeine, Marry zu fin⸗ den hoffte. Schon waͤhrend Eures Aufenthalts auf Williamscaſtle hatte ich im Geheimen flei⸗ ßig daran gearbeitet, bei Hofe und der Abmiralitaͤt in London die Zuruͤckberufung des Commodore, deſſen Unſchuld ich end⸗ lich bewies, zu bewirken. Nach langer Muͤhe gelang es meinem Anſehn bei dem Landſtande, dem Parlamente und Sr. Ma⸗ jeſtat dem Koͤnige, ein voͤlliges ehrenvol⸗ les Zuruͤckberufungsſchreiben zu erhalten, in welchem dem Commodore eine gaͤnzliche Wiedergabe ſeiner Ehre angekuͤndigt und Freiſprechung von aller Schuld ertheilt wurde. Am Schluſſe bat man den Ver⸗ wieſenen, nach London zuruͤckzukehren und den Rang eines General-Kapitains von ſechs Linienſchiffen der Koͤniglichen Marine nebſt dem Gehalte von 600 Pfd. Sterl. jaͤhrlich ic ir le ——„„„— — 63— fin⸗ Dieſes ehrenvolle Schreiben wuͤnſchte ich mit Sehnſucht dem Vater meiner Marry auf in Parma ſelbſt uͤberreichen zu koͤnnen, al⸗ lei⸗ lein mein Wunſch war vergeblich, er war der nicht auszufragen. Nach langer Muͤhe ung erfuhr ich, der unuͤberwindliche Haß ge⸗ nd⸗ gen Brittannien habe den alten Commo⸗ ger dore zum ſicilianiſchen Korſaren umgeſchaf⸗ em fen und er kreuze unter dem Namen Ce⸗ Na⸗ veto gegen ſeine ehemaligen Freunde und ol⸗ Bundesbruͤder.— Mein Verdruß graͤnzte en an Verzweiflung und wurde noch verdop⸗ iche pelt, als ich in Parma einen Brief von und meinem Correfpondenten aus London er⸗ eilt hielt, der mir das ganze Geheimniß und er⸗ den wahren Stand des Gemahls meiner und Jenny, des Don Manuel di Sarago, auf⸗ von klaͤrte. Meine Erbitterung war groß, Ihr ine kennt die Aufwallung, den Zorn der Brit⸗ eml. ten, ſchnell reifte der Entſchluß, nicht eher in mein Vaterland zuruͤckzukehren, bis ich ———— ——— — 164— Euch gefunden, meine Schweſter Euren Armen entriſſen und Euch beſtraft haben wuͤrde.— Ich ging nach Spanien zuruͤck, und gleich nach Madrid, von da wollte ich nach Andaluſien, Eurem Geburtslande. In der Hauptſtadt Spaniens, wo ich mich einige Zeit aufhielt, weil ich daſelbſt mehrere Brit⸗ ten traf, ließ ich einſt einige unvorſichtige Reden gegen den Koͤnig fallen, ohne Ar⸗ ges zu denken. Zu ſpaͤt bereuete ich meine Unvorſichtigkeit; denn bei ſpaͤter Nacht drangen die Diener der Inquiſition in meine Wohnung und ſchleppten mich in die Ge⸗ faͤngniſſe dieſes furchterlichen Gerichts; halb todt kam ich an und nie hoffte ich je wie⸗ der mich frei nennen zu koͤnnen. Ein ein⸗ ziges Mal fuͤhrte man mich vor den Groß⸗ Inquiſitor, Cardinal Mareszo, einen wuͤr⸗ digen Greis. Dieſer allein erkannte meine Unſchuld und verſprach, mich, ſollte es da de de ſch Re na erl die wi che wr gir vil ra ba fo ha un ge it⸗ — 165— moͤglich ſein, zu retten, obgleich er ſelbſt daran zweifelte. Ich erhielt Erlaubniß, an den engliſchen Geſandten, Lord Roſiffkurn, der ſich damals in Madrid aufhielt, zu ſchreiben; dieſer wandte ſich an die gnaͤdige Rey Catholico de Espanna, und endlich nach einer ſiebenmonatlichen Einkerkerung erhielt ich meine Freiheit und meine Sachen, die mir die Inquiſition genommen hatte, wieder zuruͤck.— Wer fuͤhlte ſich gluͤckli⸗ cher als ich; ſogleich verließ ich Madrid, wo es mir ſo ſchrecklich ergangen war, und ging nach Andaluſien. Hier war man auf Don Velasco da Gaſion ſiolz und in Se⸗ villa ſagte man mir, der beruͤhmte Admi⸗ ral der Korſgren lebe auf den Fluthen des Meeres und kreuze in den Gegenden der baleariſchen Inſeln. Auch hier ihn zu ver⸗ folgen, blieb mein Vorſatz, allein ich mußte harte Pruͤfungen erdulden. Im Gebirge unweit Carthagena, wo ich mich wieder einzuſchiffen gedachte, uͤberfielen mich eine Anzahl Raͤuber, mein Kutſcher entfloh und ich erhielt bei meiner Gegenwehr einen Schuß durch die Seite. Man nahm mir Alles, nur hundert Guineen und dieſes Patent des Commodore, das ich beſtaͤndig verborgen bei mir trug, blieben unentdeckt. — Anfangs war man Willens, mich zu erſchießen, allein der Anfuͤhrer der Ban⸗ diten hoffte, meine Wunde werde mich ſchon ſelbſt ins Reich der Todten befoͤr⸗ dern; man ſchleppte mich deshalb in die Felſengruft, um meinen Koͤrper nicht im Walde finden zu laſſen. Hier ſah ich kei⸗ nen Ausweg, bis Ihr als Engel mir er⸗ ſchient und mein Befreier wurdet. Jetzt ſind meine traurigen Reiſeſchick⸗ ſale zu Ende, doch ihre Folge macht mir al⸗ les Leid vergeſſen, ich werde meine Schwe⸗ 3 ſter wiederſehen, die holde Marry werde ich mein nennen koͤnnen, der Gedanke allein wie Th ein unt Gl Er ich Fo gek hal gen lig ren zu. ger Br ral ne nd en nir es ig e — 167— wiegt alle gehabten Leiden ac. Nun, Theuerſter, laßt auch meiner Wißbegierde ein Gleiches wiederfahren, befri und laßt mich auf einige Augenblicke mein Gluͤck vergeſſen, um deſto ſchoͤner wird die Erinnerung ſein. Gern, Graf, fing Velasco an, will ich Euch Alles wiſſen laſſen. Ich hoͤre, Fortuna hat Euch oſt genug den Ruͤcken gekehrt, doch hoͤrt auch mir nun zu, ich habe ihre Launen aͤrger noch empfunden. Der Admiral erzaͤhlte nun dem wieder⸗ geneſenen Larry Alles, was ſeit ſeiner ei⸗ ligen Abfahrt von England ihm wiederfah⸗ ren. Stumm und verwundert hoͤrte der Graf bis in die ſpaͤte Nacht dem Freunde zu. Stets ſtieg die Verwunderung des jun⸗ gen Britten hoͤher, und als er vernahm, daß auch der langgeſuchte Commodore John Browes ſich auf Formentera bei des Admi⸗ rals Hauptleuten befaͤnde, brach er laut aus: — 8668— 3 ig dieſe ſonſt ſ oͤde Inſel? die ich durch alle Wren zerſtreutglaubte, find' ich auf tnſ dicht be ſammen! Der Zufall, ſprach Velasco, ſp pielt oft wunderbar und i ſd ſeine Spaͤt trent/ n man ſich, n chy lasco dem Gruffi ſobald die juſge Miß vorbere 6 der Angebeteten zu fuͤhren. Am andefn Pa ral unter einem; wande die 6 Brittin allein. den und bli nora, ſpraq den, als uns einf i Afrika's Ber⸗ gen die Hand des Schickſals dicht ver⸗ knüpfte, als wir de in Maͤnnerkleidern Euer liebenswuͤrdiges Geſchlecht entdeckten un“ — S„— r1 ke pi ur ine den die te, en! oft ine Ve⸗ hn, zu or⸗ der ch ol⸗ er⸗ er⸗ er NX Ihr Eure v alle offen und frei , da, glaub' ich, o vzrſprgch ich Euch, einſt zu dem verlornen. zu fuͤhren. Ja, fiel die Frohe ein, ja, das tha⸗ tet Ihr, doch verbot mir Euer Wort, mit Fragen und Bitten Euch zu beſtuͤr⸗ men. Ich gehorchte, mit Muͤhe hielt ich mich bis jetzt, und gelobt ſei Gott, daß Ihr dieß Schweigen jetzt ſelbſt brecht. Wo iſt der geliebte, ſo lang entbehrte Vater, ach fuͤhrt mich hin zu ihm, er wird die Freude kaum faſſen koͤnnen, ſeine todt oder in der Sclaverei geglaubte Marry zu um⸗ armen. Maͤßigt Eure Freude, unterbrach ſie ruhig Velasco, noch eine kurze Reiſe zur See und Ihr ſeid in ſeinen Armen. Mit keinen Gefahren weiter haben wir zu kaͤm⸗ pfen und kein Unglaͤubiger wird hoffentlich uns hindern. Doch jetzt genug hiervon, III. Theil. 8 — 170— von etwas Anderm gleich Wichtigem wollt' ich mit Euch reden. Wollt Shunir d Offenherzihkeit ſchenken? 3 ſe Gewiß! erwiederte die Miß erwartungs⸗ voll. l Sagt mir, fuhr Velasco etwas leb⸗ haft fort, ihre Hand ergreifend, iſt dieſes Herz noch frei, beantwortet offen, klar 5 und rein die Frage, ich glaube, ich habe 2 einiges Recht, nach Wahrheit zu forſchen. 5 Die Brittin erſchrak heftig, Velasco lo bemerkte es und laͤchelte. g Ihr irrt, Sennora, ich mache keinen a Anſpruch auf Euer ſchuldloſes Herz, ich. in habe ein mich liebendes Weib, gleich ſchoͤn C und hold wie Ihr; nicht darum that ich dieſe dreiſte Frage, nein, ſeid nicht beſtuͤrzt, S ich achte, liebe in Euch die Freundin, doch u weiter verſteigt ſich mein Gedanke nicht. at D Drum ſchenkt, noch einmal bitt' ich, ſchenkt — ch kt — 171— dem treuen Freunde nicht Euer Herz, ſon⸗ dern in ſein Inneres laßt ihn ohne Schleier ſchauen. Sagt mir, iſt es nochefrei?— Ach leider— nein! ſeufzte die Eng⸗ laͤnderin mit Thraͤnen, ich habe es unlaͤngſt ſchon verſchenkt an einen Juͤngling, der zu Oyford ſtudirte. Er war des Lord⸗Ma⸗ jors Larry Sohn, der meinen Vater durch ſeine Macht das Land zu meiden zwang. Mein Vater billigt dieſe Liebe nicht, er haßt die Familie Larry, wie er ganz Eng⸗ land haßt, und wird nie ſeine Zuſtimmung geben. Doch kann er dieſe Leidenſchaft nie aus meinem Herzen reißen, ſie wird ewig in ihm leben und ſtets mit ihr des jungen Grafen Bild anbeten? Der junge Graf, von dem Ihr ſprecht, Sennora, redete Velasco, iſt mein Freund, und ſeine Schweſter Jenny mein Weib, auch Euer Vater iſt mir gut bekannt. Durch ſeine Tapferkeit verlor ich einſt den 8* wuͤrdigſten meiner Offiziere, die je die See getragen. Der⸗Graf hat Euch durch halb Europa bis jetzt geſucht, er bietet ſeine Hand Euch an, koͤnnt Ihr die Eure ihin verſagen? i So lange, bis mein alter Vater mir nicht die Einwilligung dazu giebt, werd' ich mich ſtets beherrſchen koͤnnen; laͤßt er ſich erweichen und⸗ verbannt den tieſen Groll aus ſeinem Herzen, ſo werde ich durch des Graſen Liebe und ſeine Hand die Gluͤck⸗ lichſte auf Erden ſein. Das ſollt Ihr ſicher, ſprach der Ad⸗ miral, Graf Larry iſt hier in Carthagena, und fuͤhrt das Verſoͤhnungsmittel mit ſich, ein hohes, ſehr herablaſſendes Schreiben der Staͤnde und des Koͤnigs in London, worin man den Commodore John Bro⸗ wes als einen Unſchuldigen, Tiefgekraͤnkten nach ſeinem Vaterlande zuruͤckberuft, ihn mit Ehrenſtellen uͤberhaͤuſt und fuͤr ſeine * See alb ine hin mir ſich roll des — 8 M Ad⸗ na, ich, ben on, r⸗ kten ihn — 173 letzte Lebenszeit auf's beſte und ehrenvollſte ſorgt. Der Graf iſt hier? rief erſchreckend die junge Miß⸗ Ja, er lebt wenige Schritte von der Angebeteten, und harret nur des Augen⸗ blicks, zu ihren Fuͤßen hinzuſinken und das Geſtaͤndniß ſeiner ſteten heißen Liebe ihr zu wiederholen. Um Gotteswillen nicht! ſchrie die Er⸗ blaßte, Sennor und theurer Freund, ich flehe Euch an, haltet den Kuͤhnen ab von dieſem Schritte, ich darf ihn nicht ſehen, der Zorn des haſſenden Vaters wuͤrde mich verſtoßen, wenn auch der Lord noch ſtaͤr⸗ kere Verſoͤhnungsmittel bei ſich fuͤhrte. Ihr ſollt ihn ſehen, den ſchon ſo Gluͤck⸗ lichen, doch bei meinem Worte, nicht von Liebe ſoll er zu Euch ſprechen, als Freund ſoll ihn die Freundin, die Bekannte, wie⸗ derſehen und ſo ſoll auch Euer Umgang ſein 1— bis wir auf Formentera angekommen.— Fuͤrchtet nicht den Zorn des Vaters, ich habe Gewalt uͤber ihn, denn er iſt mein Vaſall. 4 Bei dieſen Worten entfernte ſich Ve⸗ lasco und eilte zum Grafen Larry, den er von dem Vorgefallenen unterrichtete und ihm gute Verhaltungsregeln gab. Noch war die junge Brittin in der aͤu⸗ ßerſten Beſtuͤrzung, als Larry an der Hand Velasco's eintrat. Sie ſah ihn und war einer Ohnmacht nahe, er ſelbſt ſtand er⸗ ſtarrt und leblos, dann ſank er zu ihren Fuͤßen, ergriff ihre Hand und bedeckte ſie mit heißen Kuͤſſen; vergeblich ſuchte Marry ſie ihm zu entreißen. Miß Browes! ſprach er mit Thraͤnen, hier unſer Freund hat mich von Eurem Entſchluſſe unterrichtet; ſo hart und pei⸗ nigend er auch fuͤr mich iſt, ſo werde ich dennoch willig ihm gehorchen; kein Wort ich ſie — von Liebe ſoll aus meinem Munde Euer Ohr beleidigen. Hab' ich ſo lange ſchon geharrt, ſo wird die kurze Zeit auch noch verſtreichen, wenn aber dann Euer uner⸗ bittlicher Vater mir ſelbſt zum Mittler dient, und meine Hand Euch, Theuren, entgegen fuͤhrt, kann ich dann zu hoffen wagen? wird dann ſich Euer Blick nicht von mir wenden, der Euch Alles darbietet? freilich zu wenig fuͤr ein Herz, wie dieſes. Don Velasco, ſprach die Schluchzende, weiß meinen Entſchluß und kennt meine Ge⸗ ſinnungen, von ihm werdet Ihr erfahren haben, wie ich geſinnt war und noch bin, bis dahin, Graf, ſoll nur das Freund⸗ ſchaftsband unſern umgang ſchließen und ihm feſte Graͤnzen ſetzen⸗ Iſt's aber den⸗ noch Suͤnde in den Augen meines Va⸗ ters, ſo traͤgt Velasco alle Schuld, ich. kann nicht anders handeln⸗ Ich trage ſie, ſiel der Admirol geruͤhrt — 176— ein, auf Formentera bluͤht Euer Gluͤck, ſo wahr ein Gott uͤber uns wohnt. Er ging und ließ die Liebenden allein. Im Hafen entſtand ein Auflauf des Volks, der Admiral draͤngte ſich hinzu und ſah in einer Saͤnfte den Kapitain James Burley ſchwer verwundet nach dem Strande tra⸗ gen. Verzeihung, Rache, eigne Sicher⸗ heit kaͤmpften in der Seele Velasco's, die erſtere ſiegte. Mag er nach ſeiner Heimath ſchiffen, ſprach der Großmuͤthige zu ſich ſelbſt, er iſt beſtraſt genug und ich bin nicht mehr in ſeinen Haͤnden. Mag England wiſſen, daß ich an ihn verhandelt worden, mag auch an meinem Ruhme ſich ein Flecken zeigen, was ſchadets mir, wer weiß, wie bald werf' ich ihn ganz dahin und lebe gluͤck⸗ lich auch auf feſtem Lande. Viel Uebel, aber auch manches Gute hab' ich geſtiftet, haͤlt es gleiche Waage, ſo iß mein Herz 477— zufrieden, und um das Getuͤmmel dieſer Welt kuͤmmert ſich dann der Buͤr⸗ ger nicht mehr. So dachte Velasco und fühne ſich be⸗ lohnt durch den Gedanken, verziehen, und keine Rache ausgeuͤbt zu haben, auch da⸗ wo ſie zur Gerechtigkeit ſich umwandelte! Centilles kam zuruͤck zu den Freunden, er erzaͤhlte mit blitzenden Augen den Vorfall und Velasco ſchalt ihn einen Tollkuͤhnen; der Triumphirende ſchwieg und kannte nur die Suͤßigkeit der Rache. Noch war der Hollaͤnder Vanhord nicht im Haſen angekommen, gern haͤtte Ve⸗ lasco, von Ungeduld getrieben, Carthagena verlaſſen, um ſein treues Weib wiederzu⸗ ſehn, allein der Wille des unabaͤnderlichen Schickſals gebot ihm zu harren und wies ihn zuruͤck zur † noͤthigen Geduld. Sich faſſend ging er in Gedanken zum Thore hinaus; ſein Weg ſuͤhrte ihn am Hochge S 8 — richte vorbei, wo man ſo eben ſdie beiben ein⸗ gefangenen Banditen in jene Welt ſchickte. Der Anblick war ihm zuwider, er bog links ein, und kam in anmuthige Gegen⸗ den, Thaͤler und kleine Waldungen; ſehr reizend fand er es dort, denn ſein Auge hatte ſich ans Meer und an die verhaßten afrikaniſchen Wuͤſten gewoͤhnt, deſto ſchoͤ⸗ ner und anziehender war ihm der An⸗ blick ſo vieler gaͤnzlich vergeſſener Natur⸗ ſchoͤnheiten. Er weidete ſich an Gottes ſchoͤner Erde und dachte an das Gluͤck, ſie einſt friedlich zu bewohnen im Kreiſe ſeiner Geliebten.— Sein Fuß fuͤhrte ihn in die nahen Gebirge, auch hier fand er es anmuthig; immer tiefer ging er in den Wald hinein, bis er ſich endlich am Fuße eines hohen Berges befand, auf deſſen Gi⸗ pfel ihm Gebaͤude hervorzuragen ſchienen. Die Gegend umher war einſam, dicht be⸗ wachſen der Berg und deutlich ſah man den M W— W v — 179— Mangel an Bewohnern. Velasco erſtieg ihn und erblickte die Ueberreſte eines ſonſt ſchoͤnen Kloſters; er erinnerte ſich ſeines Abentheuers im Walde auf der Inſel Ca⸗ naria und ſchauderte unwillkuͤhrlich. Die in der Ferne ſich noch erhebenden Ruinen eines Kloſters ſchienen zum Theil noch der verwuͤſtenden Macht der Zeit entgangen zu ſein. Der Anblick war neu fuͤr Velasco⸗ er ſetzte ſich auf einen Stein, den Ruinen gegenuͤber, und betrachtete ſie mit ſonder⸗ baren Gefuͤhlen in der Bruſt. Da drang ein Geſang, von einer Laute begleitet, in ſein Ohr, er blickte umher und entdeckte in einer Entfernung einen alten Eremiten mit ſilberweißen Haaren, der am Rande des Berges ſich gelagert hatte, und ſein Geſicht der Stadt zukehrte. Der Admiral ging auf ihn zu, der Saͤnger erſchrak und wollte ſich erheben. Bleibt, Vater, redete ihn Velasco mit 4 ſanfter, einnehmender Stimme an, ich ſtöre Riemand gern und werde willig gehn, ſo⸗ bald Ihr es verlangt. Verzeiht, Sennor, erwiederte der Greis, ich bin hier keines Menſchen Geſtalt ver⸗ muthend, darum erſchrak ich bei Eurem Anblick, jetzt iſt die Furcht voruͤber, ſetzt Euch zu mir, ich ſpreche gern mit Men⸗ Lebt Ihr in dieſen Ruinen? fragte der Admiral. Das wolle Gott verhuͤten, ſtotterte der Greis, nein, ich habe meine Huͤtte am Fuße dieſes Berges im Thale. Ihr bewohnt ſchon lange dieſe Waͤlder, Vater? Schon drei Jahre. Ich war ein Paͤch⸗ er einige Meilen von hier und hatte ein ——- Weib und zwei hoffnungsvolle Soͤhne; eine Art von Peſt raffte ſie alle hin und Un⸗ gluͤcksfälle brachten mich alten Mann an r * — 481— den Bettelſtab. Seitdem zog ich bierher⸗ die Landleute verſorgen mich mit Lebens⸗ mitteln und ich vergeſſe nach und nach des boͤſen Schickſals Tuͤcke⸗ Und Ihr gedenkt nicht mehr zuruckzu⸗ kehren in die Welt, wenn auch das Gluͤck von Neuem Euch laͤcheln wuͤrde? Nein, ich bin beinahe in meinem acht⸗ zigſten Jahre und ſterbe ſicher bald und gern; ein neues Gluͤck konnte ſehr leicht neuen Widerwillen und neue Furcht vor dem Tode in mir ſchaffen, die 9 ganz verlernt habe. Was ſind dieß fuͤr Ruinen? is 8 Admiral abbrechend. Ein Franziscaner-Kloſter ſtand vor vie⸗ len Jahren hier, man ſagt, es ſei im Jahre 1471 von den Mauren zerſtoͤrt und als die Vermählung des Erbprinzen Ferdinand von Arragon mit der Prinzeſſin von Caſti⸗ lien die vielen innerlichen Kriege endete, ſo — 182— habe man an eine Wiebererbauung der vie⸗ len Koſten halber nicht wieder denken konnen. Sind dieſe Reſte unbewohnt? Sie waren es in alter Zeit und ſelbſt in den erſten Jahren meines Hierſeins ſah ich nie einen Bewohner; doch jetzt, ſeit einigen Monden, treibt ein Phantom in ihnen ſeinen Spuk und beunruhigt mich oft in meiner Huͤtte, deshalb entſchloß ich mich, ſo weh mir's thut, den Aufenthalt hier am Berge zu verlaſſen und weiter in bie Gebirge zu ziehen, wo ich ruhig und ſicher meine Tage kann verleben. Es wird mir Muͤhe koſten, meine Huͤtte wieder zu erbauen, doch iſt's die Noth, die mich zu dieſer harten Arbeit zwingt. Ihr ſollt nicht fortziehen, guter Va⸗ ter, troͤſtete Velasco den Alten, ich werde dieſen Geiſt zu bannen wiſſen, denn ſicher hat er Fleiſch und Blut, wie Ihr und ich. ch, unternehmt es nicht, bat der Ere⸗ — mit, es koͤnnte Euch gereuen, ſtets ſchleicht das Geſpenſt mit bloßem Schwerte und puͤrchterlichem Blicke umher; ein menſch⸗ lich Weſen iſt es nicht, das ſagt mir ſein aſchgraues Antlitz und ſeine ſtarren, halb⸗ geſchloſſenen Augen. Wie leicht koͤnnte ich alter Mann an Eurem Tode Schuld ſein durch meine unſchuldige Erzaͤhlung. Nein, Sennor, laßt mich nur ungehindert zie⸗ hen, ich gehe gern von hier, es iſt mein letzter Gang; laßt dieſem Unholde ſeinen Willen, er wird ſo lange toben, bis der Allmaͤchtige ihm ſein Ziel geſieckt und kei⸗ nes Menſchen Hand darf hier vorgreifen.— Velasco verſprach es und nahm bald darauf Abſchied von dem Greiſe mit dem Verſprechen, ihn am andern Tage wieder zu beſuchen und bat ihn, ſeinen Aufent⸗ halt noch nicht zu veraͤndern. Bei ſeiner traf er den Gra⸗ — 184— fen Larry, der auf ſeinen Arm den jun⸗ gen Altamor trug, umgeben von ſeinen Freunden. Hier find' ich meine Schweſter Jenny wieder! rief ihm Larry entgegen, den Klei⸗ nen emporhaltend. hr ſollt ſie bald im Originale ſehen, ſprach Velasco, ſo Gott will, wird der Barbaroſſa endlich unſern Hafen finden und dann geht's hin nach Formentera, der glůcklichen Inſel, wo ehemals die alten Vorfahren gluͤcklich lebten. Velasco ſchwieg und winkte Centilles, der ihm folgte. Der Admiral erzaͤhlte ihm, was er von dem alten Eremiten erfahren hatte und hoͤrte dann Centilles Meinung. Ich merke es wohl, Velasco, ſprach dieſer, Du haſt ein groß Geluͤſte, mit bie⸗ ſem Geiſte in den Kloſtermauern ein Wort zu wechſeln. D haſt's getroffen. —— „ Und mir geht es nicht beſſer; doch ver⸗ giß nicht Deine Ungluͤcksfaͤlle in Canaria, wie wenn von Raͤubern——— Nicht doch, unterbrach Velasco den Rathenden, der Alte lebt Jahre ſchon dicht neben den Ruinen und vormals hat er von dergleichen nie etwas geſehn; ich vermuthe, daß irgend ein Verbrechen unter dieſer Maske ſich verbirgt. Wir wollen's ſchon entbecken, ſprach Centilles, Du weißt ja, Abentheuer auf⸗ zuſuchen, iſt ganz mein Element. Nicht gern ſetz' ich mich wi?der Ge⸗ fahren aus, doch moͤcht' ich wol auf den Grund kommen; auch ſoll der alte Eremit, ein ſtiller Lebensmuͤder, von dieſem Pla⸗ gegeiſt nicht geſtoͤrt werden. Darum halt Dich bereit, wenn ſich die Sonne neigt⸗ gehn wir aus Carthagena. Centilles gehorchte und beim Anbruch des Abends machten beide mit einigem — * — 1856— Mundvorrath verſehen ſich auf den Weg. Altamor und die Uebrigen hatte Velasco von ſeinem naͤchtlichen Außenbleiben unter⸗ richtet, doch ohne ihnen den Grund da⸗ von mitzutheilen. Sehr ſchoͤn war der Abend, die un⸗ tergehende Sonne ſpiegelte ſich auf dem Meere und warf ihre rothen Strahlen ge⸗ gen die Gebirge. Die Hitze verlor ſich und die herrlichſte Tageszeit in Spanien fing an. Velasco und ſein Gefährte, mit den noͤthigen Geiſterbannungs-Inſtrumenten verſehen, durchſtreiſten die anmuthigen Gaͤnge zwiſchen den Landſitzen der Großen des Staats und gelangten erſt ſpoͤt an den Wald und die Gebirge. Stillſchweigend ſchritt Velasco vorwaͤrts, Centilles folgte ihm gedankenvoll, ſeine Piſtolen unterſfu⸗ chend. Am Fuße des Berges fanden ſie, unter Gebuͤſch verſteckt, die Huͤtte des . Greiſes feſt verriegelt. W n —— — Velasco klopfte und gab ſich zu erken⸗ nen. Der Alte oͤffnete todtenbleich und zitternd die Thuͤr, der Admiral erſchrak bei ſeinem Anblicke. Was iſt Dir? fragte Velasco betroffen⸗ Gottlob, daß ich mich nicht irrte, ſprach der Greis mit zitternder Stimme, kein Engel kann mir gelegentlicher jetzt erſchei⸗ nen, als Ihr, Sennor! Was giebt es denn? fragte Velasco noch haſtiger. Der Unhold aus dem Kloſter war eben meiner Huͤtte nahe, erwiederte der Erſchro⸗ ckene, die Spuren ſeines Schwertes ſind auf meiner Thuͤr tief eingehauen. Er fand die Huͤtte ſchon verſchloſſen, und, ſtatt ſie wie gewoͤhnlich zu umgehen, ſuchte er ſie mit Gewalt zu oͤffnen, und wuͤthete hier eine lange Zeit; in Todesſchweiß gebadet lag ich auf meinen Knieen, inbruͤnſtig be⸗ tend zu dem Allmaͤchtigen um Erlöſung ———— ——— — ——————— 188— von dieſem boͤſen Geiſte. Sie ward mir endlich, er entwich und nun ſoll morgen ſchon die erſte Arbeit ſein, die Huͤtte ab⸗ zureißen, ſonſt kommt der Unhold mir zu⸗ vor.—— Guter Alter! ſprach Velasco, das ſollſt Du nicht, wir kommen her, von allen die⸗ ſen Schrecken Dich auf immer zu befreien. Ihr wolltet tollkuͤhn genug— Halt ein, fiel ihm der Abmiral ins Wort, Du huldigſt noch dem falſchen Gotte Aberglauben, wir nicht, denn ſehr gut iſt es uns bekannt, daß dieſer Geiſt, Unhold, wie Du ihn nennſt, ein Menſch wie An⸗ dere iſt. Es zeigen's deutlich ſeine Hiebe an der Huͤttenthuͤr, ſprach Centilles laͤchelnd. Ein ſonderbares Geſpenſt, das an todten Koͤr⸗ pern zu wuͤthen Gefallen findet, wir wol⸗ len ihm eine beſſere Beſchaͤftigung ertheilen. Ach moͤgtet Ihr es nicht bereuen, ſeufzte ———————— — 5— der Eremit, Euch zwingt hier nicht Be⸗ ruf zu dieſem gefahrvollen Unternehmen nichts kann dieß eigene tollkuͤhne Wagſtuͤck entſchuldigen; Ihr geht in Euren Tod! Nun ja, ſprach Centilles bitter, wenn's ſein muß, ſo fallen wir als Maͤrtyret der Auftlaͤrung und klaͤrt ſich's auf, ſo falle Beſchaͤmung auf Dein graues Haupt. Still, Freund Centilles, unterbrach ihn Velasco, laß die Bitterkeit; wie es unſer Schickſal will, ſo mag's kommen, indeß wir das Abentheuer beſtehen, kannſt Du fuͤr unſer Wohl recht chriſtlich beten, und bis dahin wollen wir den Leib verſorgen⸗ Auf dieſe Worte hatte Centilles gewar⸗ tet; jetzt packte er aus, beſetzte den mor⸗ ſchen Tiſch mit einer Flaſche Wein und kalten Speiſen, indiß der Greis Früchte hervorſuchte, die ihm die Landleute gebracht hatten. Er mußte ſich zu ihnen ſetzen unb hier beim Mahle, wo die Flaſche geleert ch will gehn und beten, mein Wohl⸗ wurde, vergaß der alte Einſiedler bald den ſchrecklichen Geiſt. Als nun die Nacht einbrach, ſtanden die Geiſterbanner auf und verließen die Huͤtte, vom alten Manne begleitet, den der Wein beherzt gemacht hatte. Er zeigte ih⸗ nen den naͤchſten Weg zum Berge hinauf und druͤckte dann wehmuͤthig den Schei⸗ denden die Haͤnde. Guter Alter, ſprach Velasco geruͤhrt, will es der Herr, ſo ſehn wir Dich mor⸗ gen wieder und fruͤhſtuͤcken bei Dir, wenn nicht, ſo nimm hier dieſen Brief und laß ihn, wenn gegen Mittag keiner von uns zu Dir zuruͤckgekehrt, durch einen der Land⸗ leute, die Dich beſuchen, an die Addreſſe in Carthagena beſorgen. Hier iſt das Bo⸗ tenlohn. Bei dieſen Worten reichte er dem Al⸗ ten einige Golbſtuͤcke und ging. iht la: V He 8 4— thaͤter! moͤge die Geſahr von Eurem Haupte wen⸗ den.— Er wuͤnſchte noch lange den Wanderern gutes Gluͤck bei ihrem Unternehmen, ob⸗ gleich ſie dieſe ſeine Stimme nicht mehr hoͤren konnten, denn der Wein gab ſei⸗ ner Zunge Kraft. Sie beſtiegen den Berg und freueten ſich auf den Geiſt im Kloſier. Sie erreichten die Ruinen bald, die jetzt im Nachtdunkel dem Beſchauer einen ſchau⸗ erlichen Anblick darboten. Die Kloſterpforte und der Kirchthurm waren noch nicht ver— fallen; links an den Thurm lehnte ſich die ſchon mehr zerſtoͤrte Kloſterwohnung, welche bom Zahn der Zeit verwittert war und aus deſſen Heffnungen Eulen und Fledermaͤuſe ihr aͤngſiliches Geſchrei erthnen ließen. Ve⸗ lasco trat von Centilles begleitet in den Vorhof, der hoch gewölbt ſich äber ihren Haͤuptern erhob und in deſſen Mauern ſich * vief ihm der Beſchenkte nach. Gott — Bald war dieſer noch ziemlich unzerſtoͤrte behutſam weiter, allein die vielen Steine und Mauerſtuͤcke, die ihre Schritte hemm⸗ ten, machten es nothwendig, die mitge⸗ brachte Leuchte anzuzuͤnden. Jetzt ging es beſſer. Dreiſt gemacht durch etwas Helligkeit, gelangten ſie in die Zellen des Kloſters, die vom langen Widerſtande gegen Sturm, Wetter und Zeit zeugten. Kein Stuhl, kein Tiſch war hier zu finden, alles ſchien wie ausgepluͤn⸗ dert und nichts machte es ihnen auch nur halb wahrſcheinlich, daß hier Jemand ſich aufhalten koͤnne. Dicker Staub, vermiſcht mit trocknem Laube, bedeckten alle Ge⸗ genſtaͤnde unb die Waͤnde waren kahl und leer. In vielen Zellen hatte ſchon der Bo⸗ den ſehr gelitten und oft rit Gefahr durch⸗ gingen die Suchenden die ſonſt ſo dauer⸗ haften Wohnungen der Religionsbruͤder. tiefe Spalten zeigten. Die Freunde gingen ſich ein II gen ine ht — 3— Fluͤgel ohne Erfolg durchirrt und man fing an, den Weg zum Thurme zu ſuchen, als Centilles, der umherleuchtete, eine kleine Treppe entdeckte, die noch faſt ganz unver⸗ ſehrt geblieben. Velasco und ſein Freund ſtiegen hinab und fanden eine Thuͤr, welche von außen verriegelt war und woran ſich mehrere blutige Stellen zeigten; beim Be⸗ ſchauen ſchauderte Centilles zuruͤck. Velasco rief: Hier iſt Blut, jetzt iſt's erwieſen, hier hauſen Menſchen, vielleicht Banditen! Doch Centilles, ſei es wie es wolle, wir haben begonnen, laß uns nun auch vollenden. Ich folge Dir bis ins Innere der Erde, erwiederte Centilles, auch im Tode bleiben wir zuſammen. Er oͤffnete die Thuͤr und ſie traten in einen tiefen Gang. Auf dem Boden zeigte ſich die Spur von Blut von Neuem, man UI. Theil. 9 .————— ——————————— ——— —— folgte ihr, bis Centilles ſtill ſtand und mit Entſetzen nach einem Winkel zeigte. Ein Menſchenhaupt! prach er, und hob mit ſeinem Degen das Schreckliche empor. Velasco voller Verwunderung er⸗ blickte ein noch blutiges naſſes Fell einer wilden Katze. Kaum konnte ſich Centilles des lau⸗ ten Lachens enthalten. Aergerlich ſchritt Velasco meiter. Bewohnt ſind dieſe Steinkluͤfte, ſprach er, das iſt ſicher. Aus dem Gange ſtiegen ſie endlich auf 6 einer verfallenen Treppe in die ehemalige Kirche, oder vielmehr Kapelle des Kloſters. Hier ſtand noch der Altar, der Beichtſtuhl, ½ das große Crucifix und mehrere nothige 3 Sachen zum Gottesdienſte. In einer Ecke der Kapelle lag ein Haufen kuͤrzlich erſt gefällten Holzes und nebenbei war eine — —— Brandſielle. Alles dieſes ließ auf einen menſchlichen Bewohner ſchließen. Aus der Kapelle gelangten Velasco und Centilles in den eigentlichen Thurm, wo aber nur wenige Zimmer, oder vielmehr Zellen, in Stande waren, ohne augenſcheinliche Le⸗ bensgefahr betreten werden zu koͤnnen. In einer dieſer Zellen war ein Lager von alten Teppichen zurecht gemacht, um zur Schlafſtelle zu dienen. Neben ihr la⸗ gen einige Lumpen alter Kleidungsſiuͤcke, ein tuͤrkiſcher Dolch und Knochen von Thie⸗ ren, von denen das Fleiſch abgenagt war. Centilles hob den Dolch auf, beſah ihn, fand ſeine Spitze gut und ſteckte ihn zu ſich. Jetzt waren die Ruinen durchſucht, Mitternacht vorbei und nichts von einem lebenden menſchlichen Weſen entdeckt. Von keuem kehrten die Spaͤher zuruͤck, durch⸗ ſpuͤrten jeden Winkel, durchkrochen die 196 feuchten Keller, bis endlich Centilles den Rath gab, in die Kapelle zuruͤck zu gehn, da die Nacht uͤber zu verweilen und des⸗ jenigen zu harren, fuͤr den die Lagerſtelle bereitet ſei, und zu welcher kein andrer Weg, als durch die Kapelle, fuͤhrte. Ve⸗ lasco billigte den Vorſchlag und folgte dem Freunde. Centilles ſetzte auf den Altar eine mitgenommene Flaſche Wein und fing an zu trinken, indeß Velasco, auf je⸗ des Geraͤuſch hoͤrend, immer ungeduldiger wurde. Hore, Velasco, ſprach Centilles end⸗ lch leiſe, wie waͤr's, wenn wir die Leuchte auslöſchten; von ihrem Lichte geſchreckt, kann, leicht der Ruinenbewohner im Walde uͤbernachten, indeß wir hier wie Narren mit Ungeduld uns peinigen und kein lau⸗ tes Wort aus unſerm Munde gehen darf. — Oer Leuchte brauchen wir nicht, der Mond ſcheint hell genug durch die Bogen⸗ — fenſter, in denen die zerſtoͤrende Zeit auch nicht ein Stuͤckchen Scheibe ließ; und Feuer⸗ zeug iſt hier, ſobald es noͤthig wird. Velasco nickte bejahend und Centilles loͤſchte die Leuchte aus. Lange ſtand der Admiral harrend, dann ſetzte er ſich zu Centilles, der fleißig trank und ſich um nichts kuͤmmerte.— Da hoͤrten beide ein entferntes Gepolter; Cen⸗ tilles griff nach ſeinen Waffen, legte die geſpannten Piſtolen vor ſich hin, und beide warteten des Kommenden. Die Stille kehrte wieder, ſchon glaubte man, daß das Her⸗ abfallen des alten morſchen Mauerwerks ſie aufgeſchreckt habe, als nahe an der Kapellenthuͤr ſich der Tritt eines Nahen⸗ den deutlich hoͤren ließ. Sie ward geoͤff⸗ net und eine bleiche Geſtalt mit wankendem Schritt trat hinein; in der rechten Hand hielt ſie ein entbloͤßtes Schwert, in der lin⸗ ken eine Wachskerze, wie ſie zum Gottes⸗ 6 — 198— dienſte gebraucht werden; ihre Kleidung war eine ſpaͤrliche Bedeckung von einem Mantel, umguͤrtet mit einem Stricke, wild hingen die ſchwarzen langen Haare um das Haupt und bedeckten zur Haͤlfte das bleiche, todtenuͤhnliche Geſicht; den groͤßten Theil der andern Haͤlſte entſtellte ein zolllanger ſtruppiger Bart. Der unerſchrockene Cen⸗ tttilles ſchauderte beim Anblicke dieſer Figur, und Velasco erwartete, was da kommen ſollte. Die Geſtalt ſchritt mit halbgeoffneten Augen, wie im Schlafe, an den beiden Staunenden vorbei nach dem Ausgange der Kapelle, wo die Treppe hinauf in den Thurm führte. Ehe ſie dieſelbe erreicht hatte, ſprang Velasco mit gezogenem De⸗ gen ihr nach. Steh! rief er, wer biſt Du? B Der Angerebete ſchrat heftig zuſammen —— ——„ e— r n t ließ die Kerze fallen, die nicht verloͤſchte, kehrte ſich ſchnell um, ſtrich ſich die her⸗ abhängenden Haare aus dem Geſichte und Velasco wie Centilles erkannten die Zuͤge Don Alvars, des Renegaten Ben⸗Has⸗ ran; ihr Entſetzen war unbeſchreiblich, auch der ehemalige Lieutenant erkannte Velas⸗ co's Geſicht. Erwuͤnſchter Augenblick! ſchrie er faſt raſend, und ſchwang das Schwert, auch hier muß ich Dich treffen, verruchter Ad⸗ miral! Stifter meines Ungluͤcks! Jetzt iſt Deine Stunde da, wo Du zur Hoͤlle fah⸗ ren mußt, denn wiſſe, mir widerſteht kein Menſch, der Teufel iſt mein Freund und ich ſein Bundesbruder!— Mit dieſen Worten ſtuͤrzte Don Alyar gauf den Admiral ein, allein Centilles, ſchäumend vor Wuth, ſchoß zu rechter Zeit beide Piſtolen auf den Raſenden ab und bebten von dem Knalle und mit einem fuͤrch⸗ terlichen Schrei ſank Alvar zur Erde. Er lag leblos auf dem Pflaſter der Kirche, Centilles ergriff die noch brennende Kerze und beleuchtete den Ungluͤcklichen. Die eine Kugel hatte ihm den Arm zer⸗ ſchmettert, die zweite war durch die Bruſt gegangen, dicht an der rechten Schulter. Nach einigen Augenblicken ſchlug Don Al⸗ var die Augen auf, und uͤberzeugte die ihn Beſchauenden, daß er noch lebe. Er blickte matt auf Velasco, ſtreckte dann die unverwundete Hand dem Admiral entgegen, und liſpelte; Verzeihung. Jetzt fuͤhlte dieſer wahre Reue und in⸗ niges Mitleid mit dem Ungluͤcklichen; ſelbſt Centilles, der ſonſt faſt Grauſame, ſchien ihn zu bedauern, denn in ſeinen Mienen lag ſein Herz. Velasco ſuchte das her⸗ vorſtroͤmende Blut der Bruſtwunde zu ſiil⸗ len, indeß Centilles den zerſchoſſenen Arm —₰ — verband. Dankbar ſuh der ungluͤckliche Don Alvar auf die Geſchaͤftigen und Augen wurden naß⸗ Lehnt mich an jenen Pfeiler, ſprach er matt, ſterb' ich nicht dieſe Nacht und läßt mir Gott noch Zeit, ſo will ich Euch gräßliche, empoͤrende Thäten erzuͤhlen. Ve⸗ lasco, mein ehemaliger Admiral! ich habe Euch ſchwer beleidigt, waͤre gern Euer Moͤrder geweſen und Ihr lohnt mir mei⸗ nen Durſt nach Eurem Blute mit dieſen Wohlthaten noch im Scheiden! Ich fuͤhle die ganze Zahl meiner Verbrechen, doch alles das, was ich an Euch gethan, iſt Nichts gegen einen Vatermord. Velasco und Centilles ſchauderten, letz⸗ terer runzelte mit Abſcheu die Stirn⸗ Don Alvar bemerkte die Bewegungen in dibr Herzen und fuhr mgtt fort; 6 Verdammt den Sohn, der ſuen u 202— ter das Leben nahm, er hat es nur zu ſehr verdient, doch hoͤrt ihn auch, bevor ihr ſtrenge richtet. Es giebt auch Faͤlle, wo er noch auf Entſchuldigung hoffen darf; war Troſt iſt's nicht fuͤr ihn, doch ſeine Strafe kann ſich mildern, wenn ſeine Reue wahrhaft rein iſt.— Ich bin ſchwer ver⸗ wundet und ſchwerlich ſehe ich noch den Morgen wieder, darum Admiral und Ihr, den ich in Afrika als meinen Sclaven kannte und peinigte, ſchenkt mir, den Al⸗ les haßt, nur eine kurze Friſt, damit ich Euch meinen ganzen Lebenslauf erzaͤhlen kann. Ich bin ein Spanier, wie Ihr, und Rache war ein Hauptzug meines Charak⸗ ters, ſie iſt an Allem ſchuld, was mich betroffen, iſt die Urſach meines Wahnſinns, meines Todes. Leiht mir Euer Ohr, ich werde ſchwach. WMit dem geſunden Arme druͤckte ſich Don Alvar den Verband feſt auf die Bruſt⸗ — 203 wunde und fuhr roͤchelnd mit vielen Pau⸗ ſen fort: Segovia iſt meine Geburtsſtadt. Mein Vater, ein Edelmann von altem Adel, war Kapitain von dem da liegenden Regimente de la Calzada, und hatte drei Soͤhne, von denen ich der juͤngſte bin. Die beiden aͤl⸗ teren erwaͤhlten den Militairſtagd und der aͤlteſte ging nach Madrid, verlor aber bald darauf ſein Leben unweit Gibraltar. Auch ich fuͤhlte die groͤßte Luſt zu den Waffen, allein Don Antonio de Ancos, mein Va⸗ ter, durch den Tod ſeines Erſigebornen ſehr betruͤbt und aller Neigung beraubt, ſeinen noch uͤbrigen freien Sohn auch die⸗ ſem gefaͤhrlichen Stande zu widmen, zwang mich wider meinen Willen zu einem an⸗ dern Fache und ſchickte mich zu dieſem Behufe auf die Univerſitaͤt nach Valla⸗ dolid. Hier konnte mir es ſehr he 3. 2 — 204— Strenge meines Vaters, der Aufſicht mei⸗ ner Mutter entzogen, lebte ich hier frei und nach meinen Launen. Ans Studium ward nicht gedacht, ich bergeudete die Zeit mit andern meines Gleichen und ſo verging ein Jahr. Schlag hat es mich bis auf dieſe ſchre Stets liefen Klagen ein von meinem Vater, bald Drohungen und endlich ſogar der Befehl, nach Segovia zuruͤckzukehren. O woaͤr' ich ihm gefolgt, viel Ungluͤck haͤtte das Schickſal mir erſpart, doch es war beſchloſſen!— Dieſe Ordre kam mir ſehr zur Unzeit, ich weigerte mich zu gehorchen, und, von meiner mich liebenden Mutter mit Geld hinreichend noch verſehen, zer⸗ riß ich den Brief des zornigen Don An⸗ tonio und blieb in Valladolid. Von jetzt ging mein Ungluͤck an, und Schlag gu iche Stunde berfolgt.— Einige meiner Cameraden, ich an ihrer Spitze, veruͤbten — MN — 5— einſt in der Nacht am Hauſe eines Kauf⸗ manns die ſchaͤndlichſten Streiche, weil er den ſchlechten Bezahlern, die mehrmals ihn betrogen, den Credit aufgekuͤndet hatte⸗ Wir zerſchlugen ihm die Fenſter, die Thuͤr des Hauſes und als der Herr ſich endlich zeigte, dem Unweſen zu ſteuern, wirft ihm einer der Unſern einen Stein gegen die Stirn, wovon er betaͤubt zur Erde ſank. Die Diener der Polizei zwangen uns endlich zur Flucht. Mich hatte man mit Meh⸗ reren erkannt und am andern Tage erhielt ich den Befehl, vor dem Gerichte der Uni⸗ verſitaͤt zu erſcheinen⸗ Schon laͤngſt war ich in den Augen der Mitglieder des Conſiliums verrufen und nur aus Liebe gegen meinen Vater hatte man mich bis jetzt ungeſtraſt die tollſten Dinge begehen laſſen. Doch kaäun zog Don Antonio ſeine Hand zuruch, ſo fielen die Richter mit aller Schwers auf — 206— den Sohn. Ich ward nicht zur Verthei⸗ digung gelaſſen und Don Aladino, erſter Prieſter von Valadolid, Abt mehrerer Kloͤ⸗ ſter und Mitglied der heiligen ſo gefuͤrch⸗ teten Hermandad, verurtheilte mich zu ſechsmonatlicher Gefaͤngnißſtrafe bei er⸗ baͤrmlicher Koſt und ohne Zutritt meiner Freunde. Ich wuͤthete, allein was half's, ich mußte gehorchen, und erſt nach Ver⸗ lauf der mir beſtimmten Zeit oͤffnete ſich das Gefaͤngniß wieder und ich wurde frei, aber Rache in meinem Buſen kochend. Su Hauſe fand ich einen Brief von mei⸗ nem Vater, er hatte ſchon laͤngſt meine Einkerkerung erfahren und bat mich jetzt nach Segovia zuruͤckzukehren, mir voͤl⸗ lige Verzeihung und Wiederaufnahme an⸗ zeigend. 6. Gedankenlos uͤberſuh ich bieß väterlichs Schreiben, aber mein Sinn blieb nur — Rache, denn meine Bruͤder fachten die — 207— Flamme noch heftiger an. Einen ganzen Monat lauerte ich mit Pein auf einen guͤn⸗ ſtigen Augenblick, endlich kam er und ich benutzte ihn leider zu ſehr. Don Aladino, mein ſtrenger Richter und Todfeind, ward einſt zum Biſchofe von Valladolid einge⸗ laden, der die Sommerzeit auf ſeinen Guͤ⸗ tern, einige Meilen von der Stadt, verlebte. Ich erhielt bald Kunde von dieſer kleinen Reiſe, begab mich, in Begleitung eines Portugieſen, der arm war und von mir ernaͤhrt, nur mir diente und alle meine Plaͤne, ſie konnten gut oder boͤſe ſein, aus⸗ fuͤhren half, auf den Weg, den der Praͤ⸗ lat paſſiren mußte. Sein Wagen kam bald, ein einzelner Bediente nebſt dem Kutſcher waren ſeine ganze Bedeckung; einem Ra⸗ ſenden gleich ſtuͤrzte ich auf den Ungluͤck⸗ lichen. Der Portugieſe ſchoß den Kutſcher vom Sitze herab, ich riß den Schlag auß indeß der Diener eiligſt entfloh; ihn ein⸗ S — zuholen und zi ermorden) war meĩnes Be⸗ gleiters Arbeit. Zitternd ſaß Don Aladino im Wagen. Kennſt Du mich, Tyrann! vief ich ihm ſchäumend zu, er ſtreckte ſeine Haͤnde bit⸗ tend mir entgehen, ich fuͤhlte Mitleid, doch war es hier am unrechten Orte angebracht, kam der Praͤlat lebend zuruͤck, dann war ich ja verloren.. Ohne mich alſo weiter zu bedenken, ſtieß ich ihm mit ben Worten:„So raͤcht ſich ein zu hart Beſtraſter!“ den Dolch tief in die Bruſt; er gab ſeinen Geiſt ſo⸗ gleich aͤchzend auf.—— Der Portugieſe kam zuruͤck. Bruder, ſchrie er, wir ſind verloren! der Bebiente entfloh aller meiner Anſtrel⸗ gung üngeachtet, doch wäre es dennoch mir gelungen, ihn wieder zu erhaſchen, allein ein Haufen Jaͤger, die der Schuß herbeigelockt, naͤherte ſich und nahm ihn —,—— im Schutz. Faͤngt man uns, 6 W ohne Rettung verloren. Wir flohen in den Wold, allein die Jaͤger waren doch ſchneller als wir. Der Portugieſe, ein ſchlechter Laͤufer, fiel ver⸗ wundet von einer Kugel getroffen und nur ich allein entkam gluͤcklich. In Megor de Ramental, einem Flecken am Fluſſe Pisu⸗ erga, wohin ich mich wandte, erfuhr ich, der Portugieſe ſei in Valladolid vom In⸗ quiſitionsgerichte oͤffentlich verurtheilt und gehangen, mein Name ward bekannt ge⸗ macht durch's ganze Koͤnigreich und auf meinen Kopf ſtand eine Belohnung von mehr als tauſend Goldſtuͤcken. Jetzt war ich nirgends ſicher; die Her⸗ mandad iſt zu ſchlau und ihre Helfer ſpuͤ⸗ ren allenthalben.— Ich eilte nach der Kuͤſte, in Falconera kam mir Euer Ruf zu Ohren, Admiral Velasco, und ſchnell ſaßte ich den Entſchluß, Euch zu dienen — 210— auf Euren Schiffen; kreuzend in den Flu⸗ then, entfernt von Spanien hoffte ich ſicher zu ſein. Nach langem Suchen fand ich Euch in Cadir, erzaͤhlte Euch ein gut aus⸗ gedachtes Maͤhrchen, und Ihr nahmt mich zum Korſaren auf. Nie war ich furcht⸗ ſam ober feig, meine Tapferkeit in den Ge⸗ fechten gegen die tuͤrkiſchen Fahrzeuge er⸗ warb mir Euer Zutrauen und die Stelle eines Lieutenants auf Eurem Schiffe. In dieſer Zeit ſchien endlich mein Un⸗ gluͤcksſtern verſchwunden, ich athmete wie⸗ der freier und fuͤhlte nur die Pein des ſtra⸗ fenden Gewiſſens, das mir oſt genug zu⸗ rief: Du haſt einen Prieſter erſchlagen, ei⸗ nen Geſalbten des Herrn, keine Ruhe wird Dir je wieder zu Theil werden! Doch end⸗ lich gewoͤhnt man ſich an Alles, ich hatte bald im Gewuͤhle der Seegefechte und des Sturms auch dieſen Mord vergeſſen; bis ich bald nur zu ſehr die Wahrheit der — c 8— 52—— c„„— —— Worte des Gewiſſens einſah. Ihr, Ad⸗ miral, war't auf einmal aus unſern Au⸗ gen entſchwunden, man ſuchte Euch al⸗ lenthalben und endlich gelang es uns, in England den ſpaniſchen Piraten wieder auf⸗ zufinden. Ich ſtand damals unter Kapi⸗ tain Don Altamor, Befehlöhaber des Del⸗ phins, der Euch nach Formentera zuruck⸗ fuͤhrte. Bei dieſer Ruͤckreiſe ſah ich Eure ſchoͤne, tugendhafte Gattin, Donna Jenny, und fuͤhlte bald die heftigſie Neigung fuͤr dieſen Engel. Zu ſtark war die unreine Flamme, die in mir loderte, ſie zu erſti⸗ cken war unmoͤglich und jetzt ward ich von Neuem Boͤſewicht und nahm meine Zuflucht zu allen Laſtern. Bald hatte ich noch ei⸗ nige meines Gleichen gefunden, denn was iſt wohl leichter? Wir machten ein Com⸗ plott, der Plan war teufliſch, aber fein geſponnen, und waͤre ſicher ausgeführt worden, wenn er nicht verrathen waͤre; kaum behielt ich Zeit mit zwei meiner Ver⸗ buͤndeten, Pedro und Talvez, durch die Flucht aus dem Forte mich zu retten. Wir bemaͤchtigten uns eines Bootes und verbargen uns in den Felſen auf der entgegengeſetzten Seite der Inſel. Hier ent⸗ deckte einer von meinen Begleitern durch den groͤßten Zufall eine unterirdiſche Fel⸗ ſenhoͤhle, die, obgleich Natur daran das Meiſte gethan, doch auch von Menſchen⸗ haͤnden ſchien verbeſſert zu ſein. Keinen ſichrern Zufluchtsort konnte uns das Unge⸗ faͤhr finden laſſen, hoch jubelten wir, vor aller Nachſtellung geborgen.— Stets umſchlich einer von uns das Fort Rado, und lauerte, Euch, Admiral, oder Eure Gattin in unſer Netz zu ziehen; mit ge⸗ ſpanntem Rohre lagen wir verſteckt in den Gebuͤſchen und dennoch ſchlug Alles fehl. Einſt erſchoß Talvez einen Eurer Vor⸗ poſten und zerſtach ihn wuͤthend. Dieſe —— e 6b — 1 — 213— ſchaͤndliche Handlung brachte Euch und die ganze Inſel in Aufruhr, man duvchſtreifte ſie ſorgfultig, war uns oft ſehr nah und wir verloren dabei unſern Gefaͤhrten Pedro⸗ Kein groͤßeres Ungluͤck konnte uns treffen eiligſt verließ ich mit Talvez die Hoͤhle, und gab ſchon unſern Zufluchtsort verloren, als wir erfuhren, daß ſich der Gefangene, ohne das Geringſte zu geſtehen und zu ver⸗ rathen, erhaͤngt habe. Jetzt wachte unſer Muth wieder auf, und mit verſtaͤrkter Kraft ſuchten wir Euch, Admiral, und den Euri⸗ gen zu ſchaden. Kurze Zeit nach dem Tode Pedros, unſers Freundes, landete Kapitain⸗Paſcha Ebn Khani mit ſeinem Schiffe am noͤrdlichen Ufer Formentera's, um friſches Waſſer einzunehmen; zu ihm ging ich, verſprach meine Religion abzu⸗ ſchwoͤren und die ſeinige anzunehmen; ſo⸗ bald er mir zur Rache behilflich waͤre. Er gab mir ſein Wort und ich ward Mu⸗ ſelmann. Alle Anſtalten wurden auf's heimlichſte getroffen, in einigen Tagen das Fort Rado mit Gewalt anzugreifen, Ebn Khani hatte Volk genug mit ſich, und ſeine Tapferkeit war nur zu gut bekannt. Un⸗ ſere Hoͤhle fuͤhrte durch einen zweiten Aus⸗ gang in ein Thal; hier fanden wir einen Felſen, in welchem eine Treppe gehauen war, die zu dem hoͤchſten Gipfel deſſelben fuͤhrte. Von hier aus ſah man deutlich das Fort und die Wohnungen der Solda⸗ ten, wie die Eure. Auf dieſen Felſen brach⸗ ten wir mit vieler Muͤhe ein Feldſtuͤck und Bomben von dem tuͤrkiſchen Schiffe, die leicht Alles in Brand ſiecken konnten; und nur durfte das Schiff noch ausgebeſſert werden, um das Fort auch von der Waſ⸗ ſerſeite anzugeifen. Alles war gut ausge⸗ dacht und konnte nicht fehlſchlagen, ſchon glaubte ich mich geraͤcht, Euch, Admiral, und die Euren in meiner Gewalt, als M — 245— Ihr mit einem Male alle unſere Plaͤne zerſtoͤrtet, uns Sichere in der Nacht uͤber⸗ fielet und einen gaͤnzlichen Sieg uͤber die Mahomedaner erfochtet. Kaum gelang es mir, fliehend das tuͤrkiſche Schiff zu er⸗ reichen, mein ungluͤcksgefaͤhrte, der ſei⸗ nen Glauben noch nicht abgelaͤugnet, blieb zuruͤck, abgeſchnitten durch Euch von dem Ufer. Schnaubend vor Zorn ſah ſich Ebn Khani gendthigt, mit vollen Segeln zu fliehen, er ſchwur Euch, Admiral, blutige Rache; allein eine noch nachgeſandte Stuͤck⸗ kugel haͤtte bald ſeinem Leben ein Ende gemacht. Sie nahm dem tärkiſchen Ka⸗ pitain das Bein und ſtreckte ihn faſt leb⸗ los auf's Verdeck hin. Keiner bon ſeinen Untergebenen glaubte an ein Erwachen. Doch noch einmal erholte ſich der Moslem und mit Hilfe eines geſchickten Arztes ward. er einigermaßen wieder hergeſtellt, er zwar noch immer leidend an ſeinem Korper, doch endlich den Hafen von Sale an der afrikaniſchen Kuͤſte erreichte. Unweit der Stadt Larache lagen die Beſitzungen des reichen Ebn Khani, dahin brachte man ihn. Ich nahm die Maske eines eifrigen Mahomedaners an, las ſtets im Alcoran und meine Liſt gelang; Ebn Khani fuhlt ſich nach langem ſieten Kraͤn⸗ keln dem Tode nahe und da er keine Kin⸗ der, aber mehrere reiche Beſitzungen hin⸗ terließ, ward ich ſein Erbe, doch auf dem Sterbelager nahm er mir den Schwur ab, ihn zu raͤchen an ſeinen Feinden, den Chri⸗ ſten; welchen Schwur haͤtte ich freudiger und wahrhafter thun koͤnnen, als dieſen2 Er war zu ſehr mit meinen Gefuͤhlen ver⸗ wandt, auch ohne ihn war Rache mein einziger Gedanke. Ebn Khäni ſtarb und ich ward ſein Rachfolger, obgleich mehrere ſeiner ehe⸗ —— —+— c——„— — 217— maligen Freunde mir dieß Gluͤck mißgönn⸗ ten, ſo waren ſie doch zu ſchwach, es mir zu entreißen, denn die tuͤrkiſche Kirche nahm mich in ihren Schutz, und wer war da ſicherer als ich? Ich lebte hier in Larachens Nuͤhe in ungeſtoͤrtem Frieden, die Chriſten⸗Sclaven, die ich kaufte, em⸗ pfanden nur allein meine Wuth und Bar⸗ barei; ich uͤbertraf die wahren Moslems und kein Tyrann glich mir in Afrika. Einſt zog ich mit einer Caravane nach Mekinez, dort neue Sclaven einzukaufen, man nannte mich jetzt Ben⸗Hasran. Bei meiner Heim⸗ reiſe fuͤhrte uns der Weg bei Arcapolis, dem Sitze des Baſſa voruͤber; hier ſah ich Euch, Velasco, kaum konnte ich mei⸗ nen Augen trauen und haͤtte die groͤßte Aehnlichkeit beſchworen, drum zog ich Er⸗ kundigung ein und erfuhr, daß ich mich nicht geirrt hatte, und daß der beliebte Gaͤrtner des beſehlenden Baſſa's Soroman III. Theil. 10 — 218— kein Anderer, als der Admiral da Gaſton, mein Todfeind, ſei⸗ Kein Zufall konnte mich mehr begluͤcken, als dieſe Entdeckung. Schon glaubte ich Euch in meinen Haͤn⸗ den; meine Plaͤne wurden angeordnet und gelangen. Durch Liſt fing man Euch und mit Gewalt ſchleppte man den Gefange⸗ nen mir zu⸗ Gewiß war jetzt Euer mar⸗ tervoller Tod, nichts konnte Euch retten. Allein auch hier triumphirtet Ihr, und ent⸗ kamt meinen Haͤnden und meiner Grau⸗ ſameit. Mit Gewalt durchbrachen die Sclaven ihre Ketten, Ihr und Centilles an der Spitze, und flohen, nachdem meine Woh⸗ nungen und Gebaͤnde ein Raub der Flam⸗ men geworden. Sehr wenig blieb mir, und nur durch ſchnelle Flucht hatt' ich mein Leben noch gerettet; mein Reichthum war ßoſt ganz dahin, doch meine Wuth war deſto groͤßer. Ich glich einem Raſenden und 0— ven der oh⸗ amn⸗ nir, nein war war und — meine Diener fuͤhlten meinen Zorn; die Feinde in Larache jubelten. Mit dem Reſie meines Gluͤcks ruͤſtete ich ein Schiff aus, bemannte es und ging in See, Euch, Admiral, zu verfolgen⸗ Was mir in Afrika noch blieb, war we⸗ nig, ich ließ einen treuen Diener als Auf⸗ ſeher der Laͤndereien zuruͤck, und hoffte bald, vielleicht aber auch nie, zuruͤckzukeh⸗ ren. Mein Weg ging ſchnell ins mittel⸗ laͤndiſche Meer und hin nach Formentera, das ich ohne Hinderniß erreichte. Liſtig und verwogen war meine Mannſchaft, wel⸗ che ſelten das Land betrat und die Inſel nur als unbewohnt zu kennen ſchien; wir nahmen nur friſches Waſſer ein und hatten weislich an der Weſiſeite Formenteras ge⸗ landet. Ich glaubte Euch hier und fand mich betrogen; doch wegzuſegeln ohne meine Rache zu kuhlen, war nicht mein Wille. Am undern Tage ließ ich meine Mannſchaft * 6* 8* 2* 112 ...* —½ an Bord gehen und blieb mit einigan⸗ zu⸗ ruͤck. Schon glaubte man im Forte, die Gefahr ſei voruͤber und Eure Gattin, in 35 Begleitung einer Frau und des Sohns, hatte ſich in das Waͤldchen begeben, als ich hervorbrach, blind vor Wuth die unſchul⸗ dige Begleiterin erſtach, ihr Euren Sohn entriß und ſchnell mit ihm ans Ufer eilte. Zu ſpaͤt ſah ich meinen Mißgriff ein und ein neuer Mord belaſtete meine Seele. Doch hoch entzuͤckt, jetzt den Sohn des Admi⸗ rals in meinen Haͤnden zu haben, hatt' ich fuͤr alles Andere kein Gefuͤhl und ſchuf nur neue Plaͤne. Unſer Lauf ging zurti; in den großen Ocean, doch waͤre hier bald auf einmal aller meiner Laſter und Schandthaten Ziel gekommen, denn einer der fuͤrchterlichſten Orkane erhob ſich und zerſchmetterte das Schiff. Ich, nebſt drei Andern, in mei⸗ nen Armen das Opfer meiner hoffentlichen „——— M aus den drei Tuͤrken geworden iſt, die ſich — 221— Rache, warf mich in's Boot, die ganze uͤbrige Mannſchaft ging mit der Fregatte unter. Fuͤnf lange Tage ſchwammen wir zwi⸗ ſchen Luft und Waſſer, nur noch mit we⸗ nig Lebensmitteln verſehen; der Hunger⸗ tod ließ in der Ferne ſich erblicken und alle Suͤnden fielen jetzt dem Uebelthaͤter mit Centnerlaſt auf's Herz, da ſahen wir end⸗ lich Land und kamen gluͤcklich auf's Tro⸗ ckene. Es war Canaria, das unſer Fuß betrat, die reiche Inſel, beherrſcht vom Statthalter Don Pedroſa de Baeſo. Was ich von Gold aus Afrika mitgenommen hatte, war mir bis jetzt geblieben; heim⸗ lich verließ ich meine Begleiter, die Maho⸗ medaner, warf mich in europaͤiſche Tracht und ging mit dem Sohne des Kaper⸗Ad⸗ mirals nach der Hauptſtadt Palma. Was mit mir gerettet haben, weiß ich nicht. — 222— Genug, ich entzog mich ihren Blicken und wandelte mich von Neuem in einen Chri⸗ ſten um. In der Hauptſtadt ſuchte ich mir eine einſame Wohnung an dem Hafen, um ſobald als moͤglich die Inſel wieder verlaſ⸗ ſen zu koͤnnen, hier hielt ich mich verſteckt, alle Menſchen meidend. Einſt, bei meinen heimlichen Wegen, erblickte ich Euch, Ad⸗ miral, und mein Erſtaunen und Erſchre⸗ cken war ohne Grenzen. Zum Gluͤcke ent⸗ ging ich Eurem ſonſt ſo ſcharfem Auge und kehrte heim auf Rache ſinnend. Euch hier auf ſpaniſchem Boden offen anzugreifen, um meinen Durſt nach Eurem Blute zu befriedigen, waͤre nur Thorheit geweſen, deßhalb nahm ich zur Hinterliſt und Schlau⸗ heit meine Zuflucht. Ich lockte Euch auf jenen Felſen, wo leider meine Kugel das Ziel verfehlte, das Uebrige wißt Ihr; meine zunehmende Schwachheit erlaubt mir nicht, dieß alles ———„— v—————— —* 223— nochmals zu erwaͤhnen. Genug, Centilles Kugel traf beſſer, ſie ging mir ſtark am Halſe durch und nur ein halber Zoll noch weiter, ſo waͤr' ich fort aus dieſer Welt geweſen, und haͤtte keinen Vater mehr er⸗ mordet. Ich war dem Sinken nahe, doch gluͤck⸗ lich erreichte ich noch den Fuß des Felſens, hier verband ich ſchwach und kaum noch athmend meine Wunde und ſchleppte mich fort in den nahen Wald, wo ich bewußt⸗ los niederfiel. Bei meinem Erwachen be⸗ fand ich mich in einem alt ausgeſchmuͤckten Zimmer, umgeben von Bewaffneten. Kurz, ich war in den Ruinen des alten Schloſſes, wohin Ihr nachher gelockt wurdet, unter Banditen. Meine ſchmerzhafte Wunde war verbunden, ich wuͤnſchte mir den Tod, doch ſollte ich noch leben. In kurzer Zeit ge⸗ naß ich wieder und blieb bei meinen Pfle⸗ gern; was haͤtt' ich anders thun ſollen F dert Jahren gelebt zu leben, zeigte mir — In Palma hatte man das Wenige, was mir noch blieb, zu ſich genommen, ich war arm, entbloͤßt von Allem und in Raͤuber⸗ haͤnden.— Auch hier entwarf ich neue Plaͤne, Euch, Admiral, zu ſchaden. Stets ſpuͤrten wir umher und jeder Eurer Tritte war uns bekannt, auch Eure Wege zur Statthal⸗ terin Laura kannten wir. Ihr ahntet nichts, denn ein im Meer aufgefiſchter, entſtellter Koͤrper, den Ihr fuͤr den mei⸗ nigen hieltet, machte Euch ſicher. Auch hier, und zwar zum letzten Male lockte ich Euch in die Falle. Der Tod war Euch zugedaͤcht, und Ihr entkamt durch Eure Tapferkeit, beguͤnſtigt von Gott und ſeinen Engeln.—— Hoͤrt, Alvar, fiel Velasco ein, ein al⸗ ter Spanier, der ſich Don Mendoze de las Reyes nannte, und vorgab, vor vierhun⸗ begab mich auf ein heimkehrendes Fahr⸗ — 225— einen Gang aus den Ruinen; war es ein Gaukler, auch zu Euch gehorend? Er war es nicht, ſtets ſpukte dieſer Greis in den Gewoͤlben und ſchreckte uns, doch weiter weiß ich von ihm nichts. Hoͤrt weiter: Als Ihr verſchwunden wart, verließ ich mit den Raubgeſellen eiligſt das Schloß, theilten den erbeuteten Reichthum und zer⸗ ſtreuten uns, keinen ſichern Auſenthalt mehr findend. Ich ging nach Arline und hielt mich hier verkleidet auf, Euch ſiets noch folgend. Auf einmal durchlief das Geruͤcht die ganze Stadt, der Statthalter ſei nach dem Tode ſeiner Gattin unſichtbar gewor⸗ den. Ich forſchte und erfuhr Eure Abfahrt von Canaria; jetzt war hier auch fuͤr mich nichts mehr zu thun, ich glaubte mich in Spanien nach ſo langer Abweſenheit ſicher, — 226— zeug und kam an im Vaterlande mit rei⸗ chen Schaͤtzen beladen In Madrid, wo ich die groͤßte Rolle zu ſpielen dachte, erkannte mich der ehe⸗ malige Diener Don Aladino's, Abts von Vallabolid, den ich ermordete; er hatte ſich damals durch die Flucht gerettet und war jetzt in der Hauptſtadt. Ich war mir nichts vermuthend, als mich die Die⸗ ner des peinlichen Gerichts aus meiner Wohnung riſſen und in den Kerker fuͤhr⸗ ten. Zu bald nur bemerkte ich den Zu⸗ ſammenhang. Das Inquiſitionsgericht in Valladolid beſtand auf die Auslieferung des Verbrechers, ſie ward ihm zugeſtanden, und nun wurde ich mit ſchweren Ketten belaſtet, nach dem Orte geſuͤhrt, wo ſich der Suͤnde Fluth uͤber meinem Haupte ſchrecklich verſchworen hatte. Im Kerker zu Valladolid befand ſich neben mir ein an⸗ derer Verbrecher, der ſeinem Urtheil jeden ———+—„„———„— — e„ „—„— * Tag entgegen ſah. Die Liebe zur golde⸗ nen Freiheit gab ihm Muth, er ſuchte ſich einige Inſtrumente zu verſchaffen, zerfeilte damit ſeine Banden und brach endlich durch Kraft und Gewandheit des Kerkers Mauern. Da wir unſer Schickfal beide bruͤderlich theilten, ſo erloͤſte er auch mich von mei⸗ nen Ketten, befreiete mich und wir ent⸗ wichen gluͤcklich in die Gebirge. Mein Retter war Alfredo Torvalez, ein beruͤchtigter Bandit und Schrecken von ganz Spanien. Kaum war bei ſeinen An⸗ haͤngern das Geruͤcht ruchbar geworden, er ſei wieder frei, ſo ſammelten ſich mit der groͤßten Eilfertigkeit ſeine Treuen um ihn her und er ſtand bald an der Spitze von mehr als zwanzig Auswuͤrfen der menſchlichen Geſellſchaft; ich ward ſein Buſenfreund. In großer Anzahl unſerer Leute beraubten und pluͤnberten wir die Kloͤſter, und oft geſchah zu unſerer Selbſi⸗ erhaltung oder aus Durſt nach Rache ein Mord.— Es ergreift mich jetzt noch ein Schauder, wenn ich alle dieſe grauſenvollen Scenen mir ins Gedaͤchtniß rufe. End⸗ lich drangen alle dieſe Graͤuelthaten zu des Ohren des Erzbiſchofs von Burgos, den Beſchuͤtzers der Kloͤſter und Abteien in Alt⸗ kaſtilien. Erzuͤrnt ſammelte er ſeine ganze WMacht und ſchickte Soldaten gegen uns aus, doch ohne Erſolg; denn Alfredo Tor⸗ alez, unſer Hauptmann, verſchmitzt und kuͤhn, zog ſich ſtets in die Gebirge zuruͤck, die viele nur ihm bekannte Schlupfwinkel enthielten. Dort waren wir ſicher und lachten der Einfalt unſerer Verfolger, die uns zu fangen ausgegangen.— Einſt erfuhr Alfredo durch ſeine Kund⸗ ſchafter, daß in einigen Tagen die reich⸗ beladenen Wagen eines Kaufmanns aus Maxora die Heerſtraße der Gebirge paſſi⸗ ren wuͤrden, nach dieſem guten Fange luͤ⸗ ————— — 229— ſterte uns und wir trafen Anſtalten, die beſten Poſten zu beſetzen. Den Haupt⸗ mann zwang zum Ungluͤck eine Unpaͤßlich⸗ keit, in unſerm Hinterhalte zu verweilen, und mir die Unternehmung dießmal ganz zu uͤberlaſſen. Ich verließ ihn mit dem groͤßten Theile unſerer Leute und lauerte dem guge auf, der ſich uns bald naͤherte. Doch, was mir anfangs geahnet hatte, wurde wahr; die ſchwer bepackten Maul⸗ thiere und Wagen umgab eine gut bewaff⸗ nete Miliz in großer Zahl, welche vor je⸗ dem Anfalle ſie ſchuͤtzen ſollte. Wir ſa⸗ hen, ſtaunten, und waren unſchluͤſſig, ob wir angreifen ſollten. Feig war ich nie, nur der Gedanke quaͤlte mich, ob vielleicht Alfredo angegriffen haben wuͤrde? Mein ſchneller Entſchluß zum Angriff war ge⸗ faßt, und ich trug den Bravo's meine Meinung vor, ſie lobten ſie und ſpotteten der Miliz, die ſelten den erſten harten An⸗ — 230— griff auszuhalten fahig waͤren. Wir ga⸗ ben deshalb unſern Leuten Verhaltungs⸗ regeln, und ſtuͤrzten dann wie ein Strom wilder Thiere aus unſern Schlupfwinkeln, den Gebirgen, uͤber unſere Beute her. Was wir vermuthet, geſchah. kach ei⸗ nem hitzigen Gefechte fing die Miliz an zu weichen, unſer Muth verdoppelte ſich, ſie floh, nur der Anfuͤhrer mit noch Weni⸗ gen vertheidigte ſich tapfer gegen die ihm uͤberlegene Zahl der Unſern. Ich, blind vor Wuth, ſtuͤrzte auf den Kaͤmpfenden und ſtieß mit meinem Degen den ungluͤck⸗ lichen in das Herz, er ſank und die Uebri⸗ gen entrannen. Jetzt Sieger, warf ich ei⸗ nen Blick auf den Sinkenden, er ſtarrte mich an, und ach, gerechter Gott! es war — mein Vater, Kapitain aus Segovia. O um des heiligen Himmels willen! ſchrie er, es iſt mein Sohn! ich danke Dir fuͤr dieſe That erbitte nun von Gptt ——— Dir die Verzeihung, die meinige will ich Dir geben. Mein Leben haſt Du mir mit Bitterkeit gefuͤllt und Schande auf mein ehrenvolles Haupt geſammelt, jetzt iſts vorbei, ſch ſehe Dich am Rabenſtein nicht ſterben, denn Deine ſichere, mordgewohnte Hand hat mir den letzten ſchrecklichen An⸗ blick noch entzogen, um den ich oft ge⸗ zittert habe; kehre zuruͤck zum Frieden! Aus dem halberſtarrten Koͤrper toͤnten bloß noch die weinend ⸗ſchluchzenden Worte: „Mein Sohn! O Barmherziger, ende! ende! Jetzt ſterbe ich ruhig!“ Da hauchte er ſeine Seele aus und verſchied. Verzweiflungsvoll ſank ich auf ſeinen blutenden Koͤrper und meine Sinne ver⸗ ließen mich. Bewußtlos lag ich uͤber der Leiche und ſo fanden mich einige Bauern. Kaum kam ich zu mir ſelbſt, als fuͤrch⸗ terlicher Wahnſinn ſich meiner bemaͤchtigte; es ſchien mir, als habe der Teufel ſeine Rechte mir gegeben und ſtreckte ſeine Klauen nach mir aus. Kein Menſchenarm konnte mich halten, von Furien getrieben floh ich in die Waͤlder und kehrte nicht zuruͤck zu dem Banditen Alfrebo.“ Mein Inneres war zerruͤttet und in meiner Phantaſie erſchienen ſtets die von mir Ermorbeten in graͤßlichen Geſtalten, an ihrer Spitze bebte meines Vaters blu⸗ tige Geſtalt und mir zur Seite ſtand der ſchwarze Geiſt, der mich verfuͤhrte, der ſeine blutigen Krallen nach ſeiner Beute ſtreckte. Fuͤrchterlich ſchlug mir die Stunde des Gewiſſens, denn ſelten kehrte meine ruhige Beſinnung wieder. In dieſem Zu⸗ ſtande durchirrte ich das halbe Koͤnigreich, vor Menſchen fliehend, bis endlich mein Auge hier in den Gebirgen die alten Mauern gluͤcklich entdeckte. Sie wurden mein Aufenthalt und werden mein Grab. Sobald Centilles Kugel zu Boden imn hi uen inte ich zu in n en, lu⸗ der ute de u⸗ h, in en en b. wayf und ich aus der Betaͤubung wiedep erwachte, ſchenkte mir der A llmaͤchtige den Verſtand wieder, damit ich nicht in Loll⸗ heit meine Tage enden und noch die Pein des ſtrafenden Gewiſſens fuͤhlen ſollte. Doch er, der Guͤtige, rief Euch hieher, dem reuigen Suͤnder Verzeihung zu ge⸗ waͤhren, dem, der ſo oft nach Eurem Le⸗ ben und Blute duͤrſtete. Das Schickſal hat es beſchloſſen, ich ſollte fruͤh ein Uebelthaͤter werden und eine Ausart von dem Menſchen ſein. Dieß war Beſtimmung, die unabaͤnderlich die rauhen Wege fuͤhrt. Die Rache hat zu allem Boͤſen mich verleitet, hat mir das Herz verdorben und meinen Kopf verwirrt. Von meiner Jugend an fiel ich in ſchlechte Haͤnde, durch Beiſpiele und ſchlechte Thaten raffte man die ſchoͤnſten Bluͤthen meines Geiſtes hin und ich behielt nur die verwelkten, nur den Mißwachs. Ich wußt' es wohl, als ich den Abt erſtach, daß keine Ruhe wie⸗ derkehren wuͤrde, daß keine Beſſerung mehr fuür mich zu hoffen ſei; drum Ihr, die ich oft durch Hinterliſt und Qual gepei⸗ nigt, vergebt dem Suͤnder nicht, ich habe ija den Vater ermordet und keine Gnade iſt von oben zu erwarten.— Bei dieſen Worten riß Don Alvar wuͤ⸗ thend den Verband von ſeiner Bruſtwunde, ſtromweiſe ſchoß das ſchwarze Blut her⸗ vor. In der Todesangſt ſtieß er einen tiefen Seufzer aus, ſank roͤchelnd zuſam⸗ men und ſtarb.— Velasco und Centilles ſtanden geruͤhrt und beklommen um ihn her. Lange ſtarrten ſie den Leichnam mitleidsvoll an, bis endlich der Admiral das Stillſchweigen unterbrach. Freund Centilles! ſprach er tief Athem holend, es ſtarb ein großer Uebelthaͤter ein Moͤrder! Auch wir haben der Suͤn⸗ denzahl viel auf uns. de Le de rt ich 235 Wir kaͤmpften fuͤr das Gute, und iſt das auch ein Laſter, dem Boͤſewicht das Lebenslicht zu rauben? Rechneſt Du ſo⸗ dann haſt Du freilich recht! Velasco knieete und legte ſeine Hand auf Don Alvars blutigen Koͤrper, hob den vom Blute gefaͤrbten Saͤbel uͤber ſein Haupt und ſprach feierlich: Bei dieſer Leiche ſchwoͤre ich, ich kehre um von meiner Bahn, es gehe mir, wie ihm, wenn ich je den Schwur breche und in meinem Entſchluſſe wanke! Bewegt ſtand er auf und eilte fort, ihm folgte Centilles mißvergnuͤgt. Es war ſchon Tag, als ſie das Kloſter verließen, der alte Einſiedler lag betend vor ſeiner Huͤtte; als er ſie erblickte, kam er ihnen freudig entgegen. Gottlob! ſo iſt doch mein Gebet er⸗ hoͤrt, ſprach er, ich ſehe Euch geſunb lebend wieder. — 2356— Und auch gebeſſert, ſetzte Velasco hinzu. Fetzt, Alter, brauchſt Du vor keinem Un⸗ holde mehr zu zittern. Er iſt nicht mehr; was Dich ſo oft erſchreckt, war nur ein Menſch, wie wir, ein Ungluͤcklicher, ein Moͤrder; wir haben ihn beſtraft, er iſt ſehr reuevoll geſtorben und fuͤr ihn beten, iſt jetzt Deine Pflicht. Frage nicht nach umſtaͤnben, die Dir ein Geheimniß bleiben muͤſſen, nur einen Dienſt verlange ich von Dir, Gott wird ihn Dir einſt lohnen. Wei⸗ gere Dich nicht. Was iſt's, was Ihr von mir verlangt? fragte der Greis erſtaunt. Geh hin in die Ruinen, ein noch gang⸗ barer Weg fuͤhrt zur Kapelle des Kloſters, dort findeſt Du einen mit Blut befleckten menſchlichen Koͤrper, mach' ihm ein Grab und gieb ſeinen Leib der Erde. Lohn ihm mit Großmuth. Verſprich mir's Alter. Gern, erwiederte der Einſiedler, es iſt —.—— eit fů — 237— u. ein Menſch, ich werde gern gehorchen n⸗ fuͤr ihn beten. Hier nimm die Boͤrſe! Der Greis e in gerte ſich, aber Velasco druͤckte ſie dem in alten Biedern mit den Worten in die Hanb iſt Nimm es zur Erinnerung und pflege den Reſt Deiner Tage. ch Velasco und Centilles ſagten dem Al⸗ en ten ein Lebewohl, und beide eilten in die Gebirge. cnitt Hoch verwundert hoͤrten die Freunde in Carthagena der Erzaͤhlung Velasco's zu, die Brittin ſchauderte bei jedem Worte, wie Centilles den verblichenen Alvar le⸗. bend ausmahlte, auch Larry, der entzuͤckte Geliebte, war angegriff enund ſtumm. Als Velasco geendet hatte, ſprach Altamor zu ihm:“ Du haſt uns da das trauß Ende 9 eines Ungluͤcklichen ſehr gut geſchild ert, Du wirſt ſie ſol Dir wer⸗ u, te, te 8 zu de u 1 — — 239— Bei dieſen Worten offnete er eine Thür und Vanhord trat hinein, mit ausgeſtrick⸗ ten Haͤnden. Gelobt ſei Gott! rief der Admiral freu⸗ dig aus und druckte den Hollaͤnder feſt an* ſeine Bruſt, daß er Dich Zauderer uns endlich ſchickte und den Hafen von Car⸗ thagena finden ließ. Mit Gunſt, Admiral! erwiederte treu⸗ herzig Vanhord, nicht meine Zauderei war Schuld am lähgen Außenbleiben, ſondern der ganz beſchaͤdigte Barbaroſſa und der auch etwas widrige Wind ſind Urſach' mei⸗ ner Zoͤgerung. Seid verſichert, ich eile gern zu Euch. Ich weiß es, laͤchelte Velasco, und kenne Dich; doch nun, Freunde, da Alles jetzt bereit iſt, ſo ſag' ich hiermit, ſchon morgen gehen wir in See und nn unſern Lauf nach Formentera. Entzuͤckt genehmigten Alle ben S 4— ſchlag des Admirals und machten Anſtalt zur Abreiſe. Am Mittage ging Velasco zum Commandator der Marine, ließ ſei⸗ nen Kaperbrief von Neuem wohl beſehn und unterzeichnen, ſagte dann dem Herrn des Hafens Lebewohl und erhielt von dem⸗ ſelben einen prachtvollen Degen zum Ge— ſchenk; ſeine Gegenerkenntlichkeit war gleich koſihhr. Kaum ward es grau in Oſten, als die Reiſofertigen Carthagena verließen und ſich in dem Haſen ſammelten. Velasco, Cen⸗ tilles, Altamor, Graf Larry, Zapato, die Englaͤnderin, der junge Altamor und Ro⸗ ſette gingen an Bord des Barbaroſſa, wo ſie Vanhord und das Schiffsvolk mit lau⸗ n Freudenrufe empfing. Es donnerten vom Caſtell die Kanonen bei ihrer A bfahrt und der Admiral machte ſeinen Gegengruß. An Spaniens Kuͤſte hinabſegelnd erreichten Fe n bald Alicante und einige . —„ 8 ( c9— ſe li talt 5co ſei⸗ hn rn m⸗ e⸗ ich — Tage darauf die Hoͤhe von Dema. Jetzt ging der Lauf des Schiffes oſtwaͤrts, und einſt am Morgen lag Formentera, die Hei⸗ 5 math, in weiter Ferne vor den Augen der Entzuͤckten, alles ſchrie aus voller Kehle: dort iſt das gluckliche Land, Land!„ Velasco machte den Plan, in der Nacht am weſtlichen Ufer der Inſel vor Anker zu legen und ſo, wenns moͤglich ſei, die Freunde und ſeine Jenny zu uͤbevraſchen⸗ Er, der Felſen und Klippen kundig, fuͤhrte ſein Vorhaben gluͤcklich aus, brachte den Barbaroſſa geſchickt in eine verdeckte Bucht, ließ die Maſten abnehmen und ſtieg den Morgen darauſ, nur von Centilles beglei⸗ tet, an das heimathliche uſer. Wer beſchreibt die Empfindungen ſei⸗ ner Bruſt, als ſein Fuß den Felſenboden Formentera's wieder betrat, von dem er ſo lange ſchon entfernt geweſen war. Nur an ſeiner Stelle wuͤrde es leicht ſein, die III. Theil. 14 Regungen ſeines Herzens niederzuſchreiben; doch wer es nicht ſelbſt fuͤhlt, der ſchweige und uͤberlaſſe Andern zu denken. Mecha⸗ niſch ſank er auf die Kniee und dankte fuͤr ſeine Zluͤckliche Erhaltung; dann eilten beide durch die Waldungen der Inſel, ſich dem Forte zu naͤhern. Da erſchallte dumpf der Donner der Feldſtuͤcke von den Baſtionen Rado's in ſein Ohr⸗ er erſchrak und horchte. Es ſchien ihm dieß Getoͤſe trauerverkuͤndend, er fuhlte ſich beklommen und eng war ſeine Bruſt. Zufaͤlligerweiſe wandte er ſich zu⸗ ruck und ſtand auf einem freien Platze, wo ſich einige Grabhuͤgel erhoben. Hier ru⸗ heten die Gebeine des Kapitain Raphael Gardez von Bartelona, Befehlshaber des Scipio, den der Commodore Joln Bro⸗ wes im Gefechte toͤdtete. Gleich neben dieſem Grabe fand Velasco den Gedaͤcht⸗ nißſtein des Kapitain Nones von Madra gor ben nei ger erb tet bel ein un Si um du: ſch zu in' ſtuͤ — — e 1. 1r de m — 243— gon, der in Livorno geſtorben und ben war. Tiefes Schweigen bemaͤchtigte ſich ſi⸗ ner, er wollte weiter gehen, als ſeine Au⸗ gen eine neue eben gegrabene Ruheſtätte erblickten, die nur des Eigenthuͤmers war⸗ tete. Velasco ſprach die Worte Jenny— bebte und eine Blaͤſſe uͤberzog ſein Geſicht, eine graͤßliche Ahnung durchflog ſeinen Kopf und ſeine Kniee wankten, er war dem Sinken nahe. Dunkel und finſter war es um ihn her, da hoͤrte er in der Ferne dumpfen Trommelſchlag und ein Leichenzug ſchien ſich langſamen feierlichen Schritts zu naͤhern. Velasco erholte ſich vom tieſen Nach⸗. ſinnen, ergriff Centilles Hand und zog ihn in's Gebuͤſch. Du zitterſt, Admiral, ſprach n be ſtuͤrzt, was haſt Du? 3e Fuͤr wen iſt dieſes Grab bereitet? e 11* —— meine Jenny waͤre, der dieſe Trauer auf der Inſel gilt! Du ahneſt ſtets das Schlimmſte, troͤ⸗ ſtete Centilles, erwarte ruhig das Ende. Der dumpfe Ton der Trommel kam näher ünd bald erblickten die Verborgenen den Trauerzug. Voran ſchritten die See⸗ ſoldaten und Matroſen, ihnen folgte ein ſimpler Sarg, getragen von einigen Offi⸗ zieren, auch John Browes war unter ih⸗ nen. Auf dem Sarge lag der Degen des Beſitzers und Velasco, der Spaͤhende, lebte rieder auf. Am Ende des Zuges folgte 4 Louis von Ortillo, Kapitain des Delphins, und noch einige Offiziere deſſelben Fahr⸗ zeugs. Die Soldaten ſchloſſen einen Kreis um das friſche Grab, der Prieſter auf Rado ſegnete den Leichnam formlich ein, die Krie⸗ ger feuerten ihre Gewehre dreimal ab und man ſenkte den Sarg ein⸗ Den Degen nahm Louis von Ortillo zu ſich; dann gin⸗ —— c — — 245— gen die Leichenfolger heim, zwei der Be⸗ gleiter blieben zuruͤck und ſetzten ſich in's hohe Gras, mit dem Meißel ein glattes Felſenſtuͤck zu bearbeiten. Velasco und Centilles traten aus dem Gebuͤſche hervor und gingen auf die Ar⸗ beitenden zu, dieſe griffen erſchrocken zu ihren Waffen. Laßt Eure Buͤchſen ruhen, redete der Admiral, wir ſind nicht Eure Feinde⸗ Wer ſeid Ihr denn? fragte der Andere ſich zuruͤckziehend und ſiets ſchußfertig. Freunde und Bundesgenoſſen des Ka⸗ pitain Louis von Ortillo, an der Weſtkoͤſte der Inſel eben erſt gelandet; wir bringen Nachricht vom Admiral Velasco. So? ſprach der Soldat, nun dann werdet Ihr willkommen ſein. Weſſen Grab iſt dieſes? Eines alten braven Mannes. Sein Name? — 246— Don Leyhva de Rado⸗ Iſts moͤglich, der tapfere Greis todt! mein zweiter Vater, verblichen! ach ſo ſeh ich ihn nicht wieder, den biedern Leyva. Velasco ſchwieg, in Schmerz verſun⸗ ken, Centilles ſtand geruͤhrt und die Ar⸗ beiter vergoſſen Thränen, die auf den kah⸗ len Felſen rollten. Dann fragte Velasco weiter: Was war die urſach' ſeines Todes. Er kam verwundet, auf der Inſel an, eine franzoſiſche Fregatte hatte unſerm Del⸗ phin hart zugeſetzt, bis er ſie endlich zur Flucht trieb, da erhielt er einen Schuß⸗ der endete ſein Leben. Der tapfere ungeſtuͤme Krieger! ſprach Velasco mit Ruͤhrung, ſchon einen Arm verlor er auf der See und jetzt das Leben; konub' ich es ihm zuruͤckrufen, ich wuͤrde viele Schaͤtze fuͤr ein bischen Athem geben. c e 7 rach Arm ben; uͤrde ſei ſeiner gewaͤrtig, verſehn mit guten Kun⸗ — 3 Dieſer Leyva, Freund Centilles, wat gleich Dir, ein Held, ſein Geiſt war nur fur Krieg geſchaffen; im Donner des Goſchu⸗ tzes ward ihm wohl; er zaͤhlte zwei und achtzig Jahre als ich zum letzten Male ihn umarmte, und feſt wie Eiſen, war ſein Koͤrper. Er hat mich ſehr gelkebt, ich war ihm theuer, und ſeine letzte Stunde ohne mich verleben zu muͤſſen, wird ihn geſchmerzt haben. Er, der nur auf der See ſich gluͤcklich fuͤhlte, der das Land ſtets verachtete, ruht jetzt in kühler Erde, die ſein Fuß ungern betrat. Doch weg mit der Erinnerung an ihn, den Todten, da uns die Lebenden mehr noch angehn und Freude unſerer wartet. Du Eer wandte ſich zu den Arbeitenden), der Du dieſen Greis beweinſt, geh hin nach Rado und beſcheide den Kapitain Louis von Hrtillo zu dieſer Staͤtte her; ſag ihm, ein Freund — den von dem Admiral und Herrn der Inſel doch ſpute Dich, einſt will ich Dich be⸗ lohnen. er Soldat gehorchte verwundert und Velasco ſetzte ſich auf Leyva's Grabhuͤgel, ſeinen Gedanken, ſeiner Trauer freien Lauf zu laſſen. Centilles, wißbegierig, erſtieg einen nahen Berg und ſchauete umher, das Fort betrachtend, das in der Ferne ſich er⸗ hob. Stillſchweigend ſaß Velasco und gebachte des Greiſes, den unter ihm ſanft ſchlief, keiner Widerwaͤrtigkeit des Schick⸗ ſals mehr unterworfen⸗ Da ſtoͤrte ihn das Trappen eines Reiters aus ſeinen Traͤu⸗ mereien, er ſah empor und Louis von Or⸗ tillo ſprengte daher. Kaum erblickte er den Admiral, als er jubelnd vom Roſſe ſprang und ſich in die Arme W. ſtuͤrzte Mein Admiral! rief er voll Eutzücken, ſo ſeh ich endlich Euch auf Formentera wie⸗ ieg as er⸗ und nft ick⸗ das äu⸗ Hr⸗ r toſſe co's cken, — der, dieſer Augenblick iſt doch der ſchoͤnſte, den ich je erlebt. Don Louis, ſprach Velasco, auch ich vergeß ihn ſicher nicht. Doch ſagt mir ſchnell, was macht mein Weib? Sie iſt geſund, aber trauert um i und Euren Sohn. Gott ſei geprieſen! redete Velasco mit einem tiefen Athemzuge, ſie lebt, und den Sohn bring' ich ihr wieder Ich weiß nun Alles. Altamor iſt bei mir, und nichts ver⸗ bittert mir die Freude des Wiederſehens, als jener Huͤgel dort. Er deckt des braven Leyva's Huͤlle, fiel Don Louis ein, ſein Eifer trieb ihn ſiets auf die offene See, er kam einſt verwundet zuruͤck und ſtarb drei Tage darnuf. Eüch, Admiral, zu ſehn, war ſein letzter ſter Wunſch. Jetzt, Ortillo, ſprach der Admiräl, auf ſeinem Grabe ſollt Ihr in kurzen Worten 8 — Alles hören und dann will ich zu meiner Jenny eilen Unterbrecht mich nicht und wenn Ihr dann und wann meine Worte nicht verſieht⸗ ſo denkt, ein Wonnetrunke⸗ ner iſis, der zu Euch ſpricht. In der groͤßten Eile theilte er dem Ka⸗ pitain Louis Alles mit, dann verabredeten beide, wie die Gattin des Admirals vor⸗ zubereiten ſei, und trennten ſich. Centilles ging mit Don Louis nach Rado, fuͤr ei⸗ nen Schiffbruch Leidenden ſich ausgebend, und Velasco warf ſich auf das Pferd des Fapitains und eilte dem Strande zu, wo die Freunde ſeiner warteten. Zu lang ward ihm der Weg, er zuͤrnte mit ſich und mit dem Renner, ſo daß dieſer bald keuchend unter ſeiner Laſt zu Boden geſunken waͤre. Endlich erreichte er die Bucht und ſeine Freunde. Mit wahrer Theilnahme und mit Thraͤ⸗ nen hoͤrten Altamor und Zapato den Tod — nd des Kapitain Leyva da Rado; er war ihnen theuer geweſen, obghich ſein un⸗ biegſamer Sinn ihnen oft genug getrptzt. tun machte Velasco Anſtalt, nach Rado zu gehn. Seine Mannſchaft warf ſich auf ſeinen Befehl in ihre beſte Seekteidung, die Vanhord in Lagos hatte verfertigen laſſen. Altamor fuͤhrte ſie an. Ihm folgte Ve⸗ lasco, Zapato und Roſette mit dem jun⸗ gen Altamor. Panhord, zwei ſeiner Ma⸗ troſen, die Englaͤnderin und Graf Larry blieben auf dem Barbaroſſa; der Erſtere erhielt Befehl, ſobald er den erſten Kano⸗ nenſchuß hoͤrte, ſogleich die Anker zu lich⸗ ten, an der Kuͤſte hinabzuſegeln und in den Hafen des Forts Rado einzulaufen. Die Sonne brannte ſehr heiß, doch Ve⸗ lasco fuͤhlte vor Freude nichts, er trieb ſeine Krieger zur Geſchwindigkeit an und am Abend lag Rado vor ihren Augen. So⸗ bald die Wache vom Thurme den Zug be⸗ — 852— merkte, wurde der Kapitain Louis davon benachrichtigt. Mit den Auserleſenſten ſei⸗ ner Mannſchaft zog er dem Admiral ent⸗ gegen und von den Waͤllen des Forts don⸗ nerte das Geſchuͤtz. Beim Zuſammentref⸗ fen umarmten ſich die beiden Befehlshaber, die Soldaten aus Rado erkannten ihren Admiral, und jetzt war an keine Ordnung mehr zu denken, ſie eilten auf ihn zu, die alten Krieger druͤckten ſeine Hand und be⸗ netzten ſie mit Thraͤnen des Wiederſehens, die juͤngeren ſchwenkten die Huͤte und ein lautes: Es lebe unſer Admiral Velasco da Gaſton, der Heimgekehrte! erſcholl auf der ganzen Inſel. Velasco ſah mit naſſen Augen„ ſeine alten grauen Krieger, er reichte Jedem die Rechte und blickte wehmuͤthig nach Rado; da ötblickte er eine weiße Geſtalt, die mit ſchnellen Schritten von den Waͤllen der Ebene zueilte. Velasco's Herz ſchlug ſtark, — 20 7.0 — die as, ein 6co auf ine die do; mit der — er riß ſich los aus der Mitte der Korſa⸗ ren und eilte mit ſeinem Sohne in die Arme ſeiner Jenny. Weib! Mutter! Sohn! war alles, was das Herz ausſtieß. Za⸗ pato lag knieend zu der Gluͤcklichen Fuͤ⸗ ßen. Eine Stene, die ben iſt. Die gluckliche Jenny war einer Lhn⸗ macht nahe, ſie hing am Halſe des Gatten und kein Wort entfuhr ihren Lippen. Vanhord erreichte die Bucht, ließ ſeine Kauonen donnern, und die von Rado's Waͤllen beantworteten den Gruß; die See⸗ fahrer brannten ihre Gewehre ab und der Jubel auf Formentera war allgemein. So biſt Du endlich wieder mein! ſprach Jenny, ſich langſam erholend, auch mein Sohn, den ich fuͤr verloren, den ich in meiner Angſt ermordet glaubte, iſt mir wiedergeſchenkt. Nun trennk mehr. Treue Liebe bis zum S — 25— richts! vedete der Abmiral wonnetrun⸗ ken; ruhig und friedlich hat ſich Alles ge⸗ wendet. Der Allmaͤchtige hat auch einmal mich verſucht durch der Gefahren Menge, er ließ mich ſie alle uͤberſtehn, doch nur der Unbeſonnene, Lollkuhne ermuͤdet ſeine Guͤte. Ich kam gluͤcklich wieder an bei Dir, mein treues Weib, um nimmer Dich wieder zu verlaſſen. Wohin mich Gott und meine Pflicht auch ruft, Du wirſt mich ſtets begleiten. Empfunden habe ich, wie lange Trennung ſchmerzt, der Tod allein kann dieſen Schmerz einſt wiederholen. Er endete und Arm in Arm mit ſeiner Jenny zog er in Rado ein, wo neuer Ju⸗ bel ihn empfing. Auch John Browes, der alte Britte, war hocherfreut, als ihm Ve⸗ lasc die Hand reichte; er blickte in die WMenge der den Admiral Umgebenden⸗ ſeine Augen ſuchten die verlorne geliebte Toch⸗ ter, die zu retten Velasco ausgesogen. Er hei erſ Ad der vo au i ra de er la be ur ta — 255 Er ſuchte ſie vergeblich: und ſchlich truutig * heim in ſeine Wohnung. Kaum war der l erſte Freudetaumel voruͤber, ſo ſandte der Admiral den Mohren nach der Bucht, mit r dem Befehle an Vanhord, es ſolle Keiner e vom Borde des Barbaroſſa ſich entſernen, ei auch wenn der Hollaͤnder mit Bitten be⸗ ch ſtuͤrmt wuͤrde. d Bis in die Nacht erzaͤhlte der Abmi⸗ 6 ral, was ihm begegnet, ſeitdem er mit ge dem Catalonier Formentera verlaſfen, dann in erinnerte ihn ſeine Jenny an die noͤthige Ruhe; die Freunde entfernten ſich und Ve⸗ er lasco, der Gluͤckliche, entſchlief in den Ar⸗ u⸗ men der inniggeliebten und langentbehtten er Gattin. ze⸗ Am andern Morgen ging der Admiral, die begleitet von ſeiner Jenny und ſeinem Sohn, iugeben den Seeoffizieren, Louis, Als ch⸗ tamor, Centilles, dem Kammerbiener Wil⸗ ſon und den Uebrigen, Rado in Augen⸗ — 256— ſchein zu nehmen; uͤberall empfing ihn ein Vivat. Im Hafen des Forts lag der Cen⸗ taur, das Admiralſchiff, voͤllig ausgebeſ⸗ ſert. Louis von Ortillo hatte noch meh⸗ vere Wohnungen erbauen laſſen, denn die Inſel zaͤhlte jetzt beinahe fuͤnfhundert ſtreit⸗ vare Seoſahrer, worunter viele verheira⸗ thet waren. Velasco kehrte zuruͤck, ent⸗ ieß ſeine Freunde und ſchickte nach dem S Englaͤnder John Browes, der bald dar⸗ zuf erſchien. Der Admiral reichte ihm ei⸗ nen Stuhl' ußd begann dann: John Browes! Ihr werdet Euch er⸗ — en weshalb ich⸗ zuletzt dieſe Inſel verließ, warum ich lange Zeit abweſend war. Zu gut nur blieb's in meinem Gedaͤcht⸗ uiſſe, erwiederte der Vater Marry's, Ihr „Pofftet die geliebte Tochter, die mir Maff⸗ ta, Kapitain des Timur, entriß, auſzu⸗ finden und ſie in die Arme ihres alten Va ſich lun r ht⸗ hr ff⸗ zu⸗ ten — 257— Vaters zuruͤckzufuͤhren; an Euch liegt's ſicher nicht, daß dieſes 6. lungen, Ihr— Haltet ein! unterbrach ihn. hoͤrt mich ruhig anz unterbrecht mich nicht, auf keine Art, fonſt werde ich ewig ſchwei⸗ gen.— Wahr iſt es, ich verließ mein Weib, mein Kind und meine Freunde aus dieſem Zwecke, ich duldete der Wider⸗ waͤrtigkeiten viele, erfuhr des Schickſais ſchlimmſte Launen und harte Schlaͤge, doch endlich nach langem Suchenz nach langer Sclaverei im heißen Afrika, nach ofterer⸗ Gefahr, das Leben zu verlieren, gelang es mir, die junge Miß aufzufinden Ihr fadet ſie, meine Tochter? fiel John Browes heftig ein. Ihr unterbrecht mich, redete Velasco. fort, und das iſt wider unſere Abredez⸗ doch ja, ich fand ſie, und ſie, die geliebte Tochter, iſt Euch naͤher, als Ihr glaubt. — 256— H Gott! rief der Britte, ſo laßt michh Er die Theure ſehn, die ich ſo lange ſchon tet vermißt habe. boͤ Hoͤrt erſt das Ende, ungeſtuͤmer Al⸗ de ter! fuhr der Admiral hitzig auf; nur Eu⸗ rer Liebe zu der Tochter kann ich es ver⸗— zeihen, daß Ihr der Bitte Eures Admi⸗ rals wenig achtet. Ihr ſchweigt und laßt ſte mich bis zum Schluſſe ruhig reden. ſet Der ehemalige Commodore gehorchte de ei und gluͤhend heiß ſchien ihm des ha hie S zu werden; Velasco fuhr YM ort; Als Ihr Euch imat in Oxfort auf⸗ w hieltet, entſpann ſich Liebe zwiſchen Eurer ſe ochter und dem jungen Grafen Larry⸗ de Ihr wißt das noch ſehr gut und werdet ze hoffentlich nicht zum dritten Male mich ni zu erzuͤrnen ſuchen durch Unterbrechung.— Gure Tochter, ein holdes, unſchuldiges Ge⸗ er ſchdpf, liebt dieſen Grafen, deſſen Vater ei Euch ſchwer beleidigte; doch was der Va⸗ on ter hat verſchuldet, kann der Sohn nicht buͤßen. Auch hoffe ich, liegt das Glätkt l⸗ des einzigen Kindes Euch am Herzen. u⸗ Gewiß! ſprach John doch er⸗ meine Einwilligung— ni⸗ Schweigt! befahl der Abnital mit ern⸗ ßt ſter Stimme, der Zufall ließ mich den Gra⸗ ſen William Larry in Spanien finden, nach⸗ hte dem ich ihn lange Zeit vergeblich geſucht des hatte. Noch immer brennter für die junge hr Miß, wie ſie fuͤr ihn, ſeine Liebe blieb eben ſo ſtark, wie ſie früͤher in Opyfort ge⸗ uf⸗ weſen, der Beſitz Euter Cochter iſt ſein b ſehnlichſter Wunſch, er bittet Euch bdaher, ry. den Haß zu vertilgen, der in Eurem Her⸗ det zen wohnt und ihm Eure ER nich nicht zu verſagen. i — Sie wird ihm nie zu Theil wi Ge⸗ erwiederte der Commodore. Bringt mir einen Bewohner des kalten Nordpols, ſei — 260— er aus dem entfernteſten Welttheile, liebt meine Tochter ihn, ſo werde ich gern ge⸗ nehmigen, daß ſie die Seine wird; doch von dieſem Britten ſprecht mir nicht, Ad⸗ miral, er buͤße, was ſein ſchaͤndlicher Va⸗ ter, was ganz England mir gethan; ſo lange Leben in mir iſt, werd ich mich ſtets hier widerſetzen. 5 O harter Sinn! fiel Velasco aͤrgerlich ein, unmenſchlicher Haß, ſo übel ange⸗ Bracht, ich ſehe, ich kann durch Richts ihn tilgen, ſo muß ich denn zum Aeu⸗ ßerſten mich wenden⸗ Wohlan, John Bro⸗ wes, Iht ſeid Eures Dienſtes jetzt ent⸗ laſſen, geht, wohin es Euch beliebt und bekriegt Euer Vaterland, wenn' Ihr Ver⸗ gnuͤgen findet. 5 Ich gehe gern, ſprach der Stolze be⸗ leidigt, mich haͤlt hier N ichts; doch meine Tochter? Sie bleibt bei mir und dem Grafen; 261 ihr Gluͤck zu machen, iſt jetzt meine Pflicht; denn nicht umſonſt verließ ich Weib und Kind, ſetzte mich Gefahren aus, die Gott durch ſeine Hilfe gluͤcklich mich beſtehen ließ. Belohnung will ich haben, ich bin in dieſem Punkte geizig; ſie wird mir durch das Gluͤck Eurer Tochter. Mit Euch hab' ich jetzt weiter nichts zu reden.— Doch, noch einen Verſuch, noch einmal wende ich mich an dieſeßs unbiegſame harte Herz, viel⸗ leicht wird dieſes Euren Stolz beſiegen, hier leſet, dieß ſchenkt Euch der gehaßte Graf Larry, durch ihn kam es in meite Haͤnde. 3 Bei dieſen Worten reichte der Abmirot dein Commodore das Zuruͤckberufungsſchrei⸗ ben aus London. Dieſer entfaltete es mit duͤſterem Blicke und las. Seine Augen hingen auf dem Papiere, die Falten ſei⸗ ner Stirn verſchwanden, verwundert heſ⸗ tete er ſeine Augen auf die Schrift und wieberholte es, ſeinen Blicken nicht trau⸗ end; plotzlich ergriff er mit haſtigen Un⸗ geſioͤm und doch freundlicher Miene, die Hand des Admirals, und hielt das Ge⸗ empor. Fa, Abmiral! rief er mit Begeiſterung und ſchlug die ſunkelnden Augen zum Him⸗ mel empor, er hat geſiegt, ich bin ge⸗ rechtfertigt in den Augen Großbrittanniens S nd ſchon das iſt mir genug. Er mag die gochter nehmen, mit Freuden geb' ich ſie ibm, denn mein Vaterland verkennt, ver⸗ achtet mich nicht mehr, es erkennt ja meine unſchul d; Verläumdung nur konnte mich ai Verbreher mahlen, doch jetzt iſt Alles at und helt. Durch dieſes Schreiben iſt der ſchwarze, unwuͤrdige Flecken von mei⸗ ner Ehre, meinem guten Namen, meinem Ruhme verwiſchr. Mein altes Haupt darf keine unverdiente Schande tragen, kein Sterblicher mich verachten; denn ich bin jar lohn gelei altet laͤun Pfli chen Gla war meir eilen ten. jetzt an den ſein nehr er ſ ein ja rein von aller angedichteten Schuld, be⸗ bohnt fuͤr meine trenen, dem Vaterlande geleiſteten Dienſte und eingeſetzt in meine alten Rechte. Hat England durch Ver⸗ laͤumdung ſehr gefehlt, ſo war es ſeine Pflicht, das Unrecht wieder gut zu ma⸗ chen. Es that's, und ich bin verſoͤhnt. Glaubt mir nur, Admiral, im Perzen war ich ſtets ein guter Britts, obgleich mein Haß mich zwang, nach Italien zu eilen und dort, gegen die Meinen zu fech⸗ ten. Es iſt vorbei und feſier knͤpft mich jetzt das Schickſal durch dieſes Schreiben an mein verlaſſenes Vaterland.— Velasco fiel dem entzuͤckten Alten in den Strom ſeiner Rede. Kann alſo Larry gluͤcklich ſein? fragte er, Wenn ihm Marry's Beſitz hinreichend iſt, ſein Gluͤck zu ſchaffen, ſo mag er es ganz nehmen, ihr Herz und ihre Hand beſitzt er ſchon, jetzt willige ich gern ein. Welch — 264— Gluͤck! des Sohnes Anſehn ruft mich jetzt zuruck nach dem geliebten Vaterlande, wo ich, durch ſeines Vaters Macht verbannt, Gerechtigkeit und Ehre wiederfinde. So ſollt Ihr Eure Tochter ſehn, ſprach Velasco, ſchellte den Mohren und befahl ihm, die Vornehmſten der Inſel zu ver⸗ ſammeln, dann ſchickte er ihn hin zu Van⸗ hord, der ſtreng auf ſeine Ordre hielt und 1 Keinen vom Vord ſich entfernen ließ. Als Alle verſammelt waten, nahm Ve⸗ sto die Hand ſeiner Gattin und fuͤhrte ſie aus Rado; Altamor, Don Louis, Cen⸗ tilles, John Browes, Wilſon, der Mohr und die übrigen Ofſiziere folgten.— In der Ebene zm Strande, nahe an der Bucht blieb Velasco ſtehen. Jetzt, ſprach er zu Jenny, mach' Dich ereit, Geliebte, Du ſollſt den Bruder wiederſehen. ei ſtaunte; allein da erſchien Graf — Larr Bro Hert lag kuͤßt ohnn Velo te: wont den ſtehe Thro Haͤn der den Him 2 nt, ahl er⸗ an⸗ und hrte en⸗ ohr In ucht Dich uder Hraf Larry, an ſeiner Hand ging Miß Marry Browes, Vanhord folgte. Mein Bruder! meine Jenny! geliebter Herr! war Alles, was man hoͤrte. Larry lag an ſeiner Schweſter Bruſt, Wilſon kuͤßte ſeine Hand und die holde Marry ſank ohnmaͤchtig zu den Fuͤßen ihres Vaters. Velasco wandte ſein Geſicht weg und dach⸗ te: kein Seegefecht, noch ſo glorreich ge⸗ wonnen, kann ſchoͤner ſein, als dieſe Scene. Marry erholte ſich, Larry riß ſich aus den Armen ſeiner Schweſter, ihr beizu⸗ ſtehen; ſie laͤchelte, dem Vater lief eine Thraͤne uͤber die Wange, er ergriff die Haͤnde der Liebenden, legte ſie in einan⸗ der und ſprach: Seid gluͤcklich! nichts ſtöre Eiren Feic⸗ den und kein Verlaͤumder verdunkle den Himmel, den die Eintracht in Euch ſchuf⸗ Der entzuͤckte Graf eilte aus den Ar⸗ men der Geliebten in die der Schweſter; III. Theil. 12 — 5 Pieutenants Gonſalvez angen Jahren warſiß ko6— wechſelſeitig umarſilen ſie ſich. Louis von Ortillo ſeufzte, uhd vergaß dabei nicht die Geliebte im Vaterlande.„ Lange waͤhrte dieſ Freudetaumel, dann kehrten die Entzuͤckte nach ado zuruͤck. Velasco ließ ſie allei ee Offi⸗ Zieren, die ihm in eit ſe legents Thal folg⸗ ten. Auf ſeine Bittt 6 tten ſi Altajnor, Louis von Ortillo, Ce uh V lnhord die d Offdedo um ihn eine Gruppe, und erchartet waß ih⸗ 3 nen ihr Admiral miſzuthellen. ¹ Freunde und Büjdes enoſſeß! hegann er mit Ernſt und irde, Ihrſ wi. ſeit orſar/ tri b das Räuberhandwerk auf der See und ear mir den Namen des M berwindlichen Ad⸗ mirals der Piraten Sr ajeſtaͤt von Spa⸗ nien. Jetzt iſt die Zei ch, wo ich meine Wuͤrde niederlege. Staunt nicht und hort: Ich habe ein Wei iſt, Tod Ban ſpric von werd die 2 Seer Faht lich werd ſuche ſern ruhet den finde Ich ſein, bis was die ann uͤck. olg⸗ nor, die ihn ih⸗ ann ſeit das warb Ad⸗ Spa⸗ neine e ein Weib, einen Sohſi, fuͤr welche es Pflicht iſt, mich zu srho fn. Ich habe nie den Tod gefuͤrchtet, och jetzt, da mich ein Band an Weib, uid Kind knuͤpft, jett ſpricht ein friehli her Genius; Kehre umn von Deiner u rſchigen Lebensbahn und werde ein ſor aner Vater den Deineſ die Dir am naͤch ei ſtehn. Als Fuͤrſt der Seeraͤuber iſt dieſes unmoglich, denn je Fahrt kann mich zum Fobe ſchicken. lich entrann ich einmal den Gefahren, ich werde zum eſene nicht tollkuͤhn ſuchen, was ich ſ ſern Feſſenhoͤhlen li en Schaͤtze, die lange ruheten, ſie ſollen t hervorgeholt wer⸗ den und eine Theilung ſoll unter uns Statt finden, denn Ihr habt leiche Rechte daran. Ich olhhe, die Bene wird hinlaͤnglich ſein, umtmich dann— immer noch ʒuͤrſtlich bis an mein Ende vwhahren zu kinnen, was brauch ich alſo mehr? ft gewagt. In un⸗ Hört daher meinen Entſchluß. Ich gehe nach Spanien zuruͤck, waͤhle eine un⸗ ſerer herrlichſten Provinzen zum ſteten Auf⸗ euthalte und werde Buͤrger. Noch blieb mein Ruhm ganz ohne Flecken, mit Eh⸗ ren zieh ich mich zuroͤck vom Seeſchau⸗ platz und lebe in Frieden, den mir Gott ſicher verleihen wird. Nichts wird mich wankend machen; was ich jetzt zu Euch ſpreche, meine Freunde, meine Bruͤder, iſt ange ſchon vorher reiflich bedacht und ge⸗ pruͤft worden. Mein unruhiger Geiſt, der ſich im Schlachtgewuͤhle und im Gemetzel nur ergotzte, wird ſich ſehr bald an Haͤus⸗ ſſchkeit gewoͤhnen; es iſt uns Alles moͤg⸗ lich, wenn wir nur mit Feſtigkeit wollet. Was haͤtte ich am Ende zu gewinnen in dieſer Laufbahn? Ein freundlicher Daͤmon meines Lebens wird Alles wieder verſoͤhnen, und hoffentlich die Dornen verſcheuchen und um herrlichen innern Frieden die Tage meit Kni wild meit wer Zuft Ein gebt doch Die ligſt mei Ihr ſein nun was ſei( tet( Ich un⸗ luf⸗ lieb Eh⸗ au⸗ Zott mich Fuch „iſt ge⸗ der netzel äus⸗ moͤg⸗ let. en in amon hnen, nund Tage — 169— meines Lebens fuͤhren. n Ich beuge meine Kniee und nehme Abſchied von dem fruͤhern wilden Leben. Mein großer Name wiegt mein Gluͤck nicht auf, die beſſern Menſchen werden meinen Entſchluß loben und innere Zufriedenheit iſt mein ſchoͤnſies Loos.— Ein freier, ledigloſer Mann hat freien, un⸗ gebundenen Willen, kann nichts verlieren, doch jetzt iſt es anders mit dem Admiral.— Die Zeit iſt umauf mir liegt jetzt die hein ligſte der Pflichten, ſie zu erfuͤllen, ſei mein Zweck und mein Beſtreben⸗ Ihr, Freunde, ſeid noch frei, noch kennt Ihr nicht des Eheſtandes Pflichten, nicht ſeine Suͤßigkeiten und Leiden. Ihr konat nun waͤhlen, ich werde Keinen uͤberreden, was aus Euch werden ſoll. Euer Wille ſei Euer Herr, raͤth er Euch uͤbel, ſo hal⸗ tet Euch an ihn allein, die Schuld iſt Euer — Was ſpricht Don Louis von Hrtillo? — c—. Abmiral! entgegnete dieſer, Ihr ſeid mir in dieſer Stunde ſchon zuvorgekom⸗ men, unlängſt ſchon wollte ich um meine Entlaſſung bitten. Einſt bei meinen Fahr⸗ ten lernt ich in einer Seeſtadt Spaniens ein Mäbchen kennen, die mich bezauberte; ſie ſoll mein Weib werden, ihre Eltern wuͤnſchen unſere Verbindung; doch als Ka⸗ pitain der Korſaren werden ſie meinen Wunſch nicht erfuͤllen; ich ſehe ſelbſt zu gut nur ein, der Hindergiſſe Zahl wuͤrde ſich mir wiberſetzen, drum bitt' ich Euch, großer Admiral! entlaßt den Freund, ver⸗ geßt ihn nicht und nehmt den Rang des 63 zuruͤck. Gern, Louis, redete Velasco mit Ent⸗ zuͤcken, ſchon Einer tritt auf meine Seite, auch uns Korſaren lacht der Gott der Liebe freundlich an. Seid gluͤcklich, Fröund, wir ziehen heim nach Spanien, doch nun, Altamot, was wirſt denn Du mir ſagen? Nur eine Bitte laß mich thun. nes Kind ſchaf Tren der ſen. ben ſo ſi den Uns ſes Pla Auz ich ne hr⸗ ns te; ern Na⸗ nen zu rde ch⸗ oer⸗ des Ent⸗ eite, iebe und, nun, en Sprich! Vergoͤnne mir, bei Dir das Ende mei⸗ nes Lebens zu beſchließen. Von fruͤher Kindheit an verknuͤpfte uns der Freund⸗ ſchaft engſtes Band, zerreiß es nicht durch Trennung. Biſt Du des Lebens muͤde auf der hohen See, ſo bin ich's laͤngſt gewe⸗ ſen. Mit Dir zu leben, bei Dir zu ſter⸗ ben iſt mein Wunſch, gewaͤhrſt Du mir's, ſo ſind wir einig. Du fraͤgſt? rief Velasco, mit Wonne den Freund an ſein Herz druͤckend, biſt Du denn der Freundſchaft ſo ungewiß2 Uns ſoll nichts trennen, als der Tod! Doch hier, auf Centilles zeigend, die⸗ ſes kriegghiſche Herz paßt nicht in unſern viun leſ' es in Centilles 3 Augen. Du haſt recht, ſprach ich wi, ich darf es nicht verhehlen. Vorhin ſprachſt Du ſehr recht, Du ließeſt Deinen Freun⸗ *. den freien, ungezwungenen Willen, iſt die⸗ ſes ſo, und vedete Dein Herz mit dieſen Worten, ſo ſchenke mir Dein Ohr auf we⸗ nig Augenblicke. In der verwuͤnſchten Zeit, ſicher kennen lernen, wie ich geſonnen bin, Du haſt mich oft mit wahren Farben treu geſchildert, das Colbrit war ſtark, doch ſahſt Du richtig in Centilles Herz.— Kurz, Du weißt, für ein ruhiges, einſa⸗ mes Leben bin ich nicht geſchaffen; Still⸗ ſitzen auf dem friedlichen Lande, iſt nicht meine Sache, die Langeweile, von Unthaͤ⸗ tigkeit erzeugt, wuͤrde mich bald zu Grabe tragen und mich von Deiner theuern Seite reißen. Stetes Getuͤmmel alleig kann mir behagen; auf Erden bluͤht kein fuͤr mich; der Liebe warme Flamme ſchlaͤgt nicht mehr in meinem kalten Buſen; ver⸗ wildert iſt mein Kopf in Afrika's Sela⸗ die wir in Afrika verlebten, haſt Du mich verei, dort ging mir die Empfaͤnglich⸗ keit lore und Ohr Ver wie irge zub ſieg mir und ſo tige ſelt die ver M die⸗ ſen we⸗ eit, bin, reu och nſa⸗ till⸗ icht haͤ⸗ abe eite mir fuͤr laͤgt ver⸗ cla⸗ ich⸗ nich — 53— keit, und das Gefuͤhl im Buſen rein ver⸗ loren; nichts blieb, als rauhe Schlacken, und nichts ſchallt lieblicher vor meinem Ohr als Krieg und Donner der Kanonen. Verwirfſt Du mich und meine Gräade, wie meine Lebensweiſe, ſo geheich dennoch irgend einer kriegeriſchen Mocht mich an⸗ zubieten und erndte Lorbeeren im Gefechte, ſiege oder ſterbe! Du biſt mir theuer, Ad⸗ miral, nie, nie kann ich Dich vergeſſen, und billigſt Dr auth meinen Entſchluß nicht, ſo bleibt mir doch die Freiheit ein gewal⸗ tiger Magnet. Zieht Dich nun gleich Dein Weib, Dein Kind vom Meere ab, mich feſ⸗ ſelt meine Leidenſchaft, denn alle Schaͤtze dieſer Weltz auf trockner Erde verſchwelgt, veracht' nn gern. Kein Vater, keine Mutter harren meiner, ich habe nichts in Spanien zu verlieren, doch K der Kuſte Mahomeds iſt Alles zu gewinnen.— Du machſi vielleicht den W Sirz als gize ich nach Ruhm, als buhle ich um Bewun⸗ derung? Gern will ich's Euch geſtehn, auch Ruhm iſt eine Haupttriebfeder mei⸗ nes Handelns, neben ihr ſteht Rache an alle Moslems, die Allah in unſere Meere fuͤhrt. Du, Admiral biſt jetzt beruͤhmt genug, von Dir ſpricht ganz Europa, auch wenn in ſteten Frieden Du Dein Ende nahen ſiehſt, ſo biſt Du dennoch nicht ver⸗ geſſen; laß mich auch erſt ſo weit gekom⸗ men ſein. Wenn dant der Name Cen⸗ tilles, dem Deinen beigeſtellt, Bewunde⸗ rung erregt, und wir die Glorie dann thei⸗ len, ja, dann vielleicht werd' ich es auch wol muͤde ſein; doch noch liegt alles Große weit in Dunkel eingehuͤllt, es b* nen erfordert Handeln. Doch wenn Du unterliegſt? fiel Ve⸗ lasco ein.“ So verliere ich mein bißchen Leben, was iſt's denn weiter? und unſre große Erde iſt nen ſiet— ſchr Lor wer mei nich kuͤh glei ich ein ma las in Ley ten fert hn, nei⸗ an eere hmt opa, nde ver⸗ om⸗ Cen⸗ nde⸗ thei⸗ auch roße euen was Erde hat einen Menſchen weniger.— Was iſt alſo zu verlieren und was iſt zu gewin⸗ nen?— Der Tod iſt arm, ihn hab' ich ſtets verachtet, und nichts kann mich er⸗ ſchrecken. Drum, Admiral, laß mir den Lorbeerkranz erringen, er bleibt mir gruͤn, wenn auch der Baum vermodert. Nie wird mein Vorſatz mich gereuen, verwirf ihn ½ nicht.— Sollte aber Fortuna einſt den kuͤhnen Streiter anders laͤcheln und ich gleich Dir ein Weib nehmen, dann ziehe ich heim zu Euch und alles Treiben hat ein Ende,— bis dahin doch vergeht noch manche ſchoͤne Stunde. Ich habe es wohl gewußt, ſprach Ve⸗ lasco, bei Dir ſcheiterte meiner Rede Kunſt, in Dir lebt auch ein Feuer, wie einſt in Leyva's Huͤlle, Du gehſt den Dir gewaͤhl⸗ ten Weg, auf keine Gefahren achtend, und fern ſei von mir, Dich abzuhalten; ich kenne Dich, und Deine Antwort ſah ich. ——————— —. — — Ruhm erlangen⸗ und zeige Dich als Menſch bei Deinen ren ihn umgeben, und trifft Dich dann laͤngſt voraus. Dein Feuergeiſt kennt keine Graͤnzen, auch mir ging es einſt ſo, doch damals war ich Admiral, der iſt jetzt ſchon begraben. Wohlan denn, in Dir erwache er von Neuem. Sei Du mein Nachfolger auf dem Meere, kein Wuͤrdigerer weigert Dir den Rang, Dein Ungeſtuͤm reißt Dich dahin, es wird Dir Keiner Einhalt thun⸗ — Handle beſſer noch als ich, vertilge nicht die Menſchlichkeit aus Deinem Her⸗ zen, ein Barbar kann nie vollkommenen Sei tapfer im Gefechte Bruͤdern, auch wenn ſie unſern Gott nicht ehren. Mau muß Dich fuͤrchten, aben nicht verachten, erinnere Dich an Temaltä, an Ben⸗Hasran und mehrere Andere. Ueber⸗ triff Deinen Vorgaͤnger, ſo wird ganz Eu⸗ ropa Dich achten und bewundern. Waͤhle ſtets den graden Weg, auch wenn Gefah⸗ auc ruh ſel noc Va daſ ich 1e ch n he auch unverhofft der Tod, ſo ſtirbſt Du ruhig. Genug fuͤr jetzt; ehe ich dieſe In⸗ ſel auf ewig verlaſſe, hab' ich mit Dir noch mehr zu reden.— Wozu hat ſich Vanhord, der brave Steuermann, ent⸗ ſchloſſen? Wenn Ihr es wollt, großer Admiral, daß ich offen meine Meinung ſage, ſo muß ich frei geſtehn, daß mich die Sehnſucht nach meiner Vaterſtabt Harlem zieht; dort wartet meiner ein gutes Weib mit ſechs Kindern in Armuth, ſie werden ihren Va⸗ ter, den Erhalter, wiederſehn, ich war zu lange ſchon von ihnen, haͤlt mich Dein Wille nicht zuruͤck, ſo eile ich ſobald als moͤglich nach Hollands Fluren. Zieh hin in Frieden, Du ſtets theuer, ich werde Dich belohnen S Und Ihr, Gonſalvez und Offredo, vas gedenkt Ihr zu beginnen? Sennor! ſprach der wutt S — 78— es, ſo diene ich von Neuem dem tapfern Centilles, er ſei mein zweiter Admiral und Fuͤhrer. Auch ich bin geſonnen wie Gonſalvez, ſprach Offredo, von fruͤher Jugend an dient' ich auf hoher See, ſo will ich auch auf ihr die letzten Tage noch beſchließen. Ihr thut, wie Euch beliebt, redete Ve⸗ lasco; doch jetzt bleibt alles, was hier vorgegangen, noch Geheimniß, morgen aber kann's die ganze Inſel wiſſen, bis dahin reinen Mund. Er endete, entließ die Verſammelten und ging zu den entzuͤckten Geliebten, die er ebenfalls mit ſeinem feſten Entſchluſſe be⸗ kannt machte. Seine Gattin fiel ihm froh in die Arme und auch Lord Larry, der Gluͤckliche, billigte die Ablegung der Ad⸗ miralswuͤrde. John Browes konnte den Augenblick nicht erwarten, ſich in Lonbon gerechtfertigt zu zeigen, ſein alter grauer rq bi te — 279— Kopf ſchwindelte vor Freude bei dem Ge⸗ danken an ſeine Heimath, er bat um bal⸗ dige Abfahrt. Tief in Gedanken ſaß Velasco, der Graf fragte um die Urſache. Freund! Bruder! ſeußzte der Exadmi⸗ ral, ich gedenke ſchmerzhaft der Trennung von Euch Theuren. Wie, rief Larry erſchrocken, Du woll⸗ teſt uns verlaſſen 2 Ja! ſprach Velasco mit feſter Stimme. Dich ruft Dein Schickſal mit Deiner Marry und ihrem Vater hin nach Englands Kuͤ⸗ ſten, ich gehe mit meiner Jenny und dem Sohne nach dem theuern Vaterlande; in Großbrittannien bin ich zu bekannt, und keinen ſichern Aufenthalt wuͤrde ich dort finden. Wenn aber der Korſar in einen guten Buͤrger ſich verwandelt? fragte Larry⸗ Auch dann nicht! den Schaden, der * S. — 20— durch mich oft Eurem Lande zugefuͤgt wur⸗ de, verſchmerzt der Britte nicht. In Neu⸗ kaſtilien bluͤht mir Gluͤck, in England wuͤrde ich es vergeblich ſuchen. Ich bin feſi uͤberzeugt, auch meiner Jenny Liebe ſieht die Wahrheit meiner Worte ein. Wird gleich die Trennung von dem Bruder ſchmerzlich werden, ſo iſt es doch die ei⸗ ſerne Nothwendigkeit, die dazu zwingt. Ich bin es meiner Jenny, ich bin es mei⸗ nem Kinde ſchuldig; gefuͤrchtet, auch ge⸗ haßt kann ich mich ſehn, nur Sicherheit verlange ich von dem Lande. Und Dei⸗ nem Anſehn bei dem Koͤnige, lieber Larry, will ich auch nichts verdanken; nicht fal⸗ ſcher, unrecht angebrachter Stolz iſt es, der mir's verbietet. Zu gut nur kenn ich ja des Commodore, unſers Freundes, Le⸗ benslauf, wer ſichert mich auf Feindes Bo⸗ den vor Hinterliſt, Verlaͤumdung, Rache? Leicht koͤnnte mein noch nicht verloſchner ſch ter Et un tin de lat un ſt he ge Of ler ird Name auch Dein Verderben nach ſich ziehn.— Nein feſt beſchließt es Velasco, wir ziehen nach dem Vaterlande, nach Caſtiliens goldenen Freiheits⸗Fluren; ver⸗ geblich iſt's, den einmal feſt gefaßten Ent⸗ ſchluß des Korſaren wankend, ihn ſchei⸗ ternd zu machen. Du, Larky biſt reich, Dir iſt ja Alles moͤglich, der Weg von Euch zu uns iſt ja der laͤngſte nicht, laß uns jeden Fruͤhling Dich und Deine Gat⸗ tin in Spanien ſehen, damit⸗ der Freund den Freund, die Schweſier den geliebten Bruder nicht vergeſſe, doch von mir ver⸗ lange weiter nichts. Feſt bleibt mein Wille, unerſchuͤtterlich wie dieſe Felſen. Er endete und eilte davon, den be⸗ ſtuͤrmenden Bitten der Freunde zu entge⸗ hen.— Kaum grauete der goldne Mor⸗ gen, als der fruͤh wache Velasco ſeine Offiziere zuſammenberief und von den Waͤl⸗ len Rado's die Feldſtuͤcke abzufeuern befghl. In kurzer Zeit war Alles unter den Waffen, tuͤrkiſche Fahrzeuge vermuthend. Auf ſeine Ordre verließen die Bewohner vol⸗ lig bewaffnet das Fort und ſammelten ſich in der Ebene; ſogar Weiber und Kinder eilten herbei, etwas Ungewoͤhnliches erwar⸗ tend: auch Jenny, Marry Browes, Ro⸗ ſette, Wilſon und die Uebrigen hatte das Schießen aufgeſchreckt. Velasco befahl, alle Wachen in und um Rado einzuziehen; bald ſtand dieſes leer, nur von einigen Kranken bewohnt. Als die ganze Colonie Formentera's im Freien beiſammen war, ließ Velasco, ge⸗ ſchmuͤckt als Kaper⸗Admiral, die bewaff⸗ neten Seeſoldaten und Matroſen ſich in einen halben Zirkel ſtellen, die Offiziere an ihre Plaͤtze; die Mannſchaft des Centaurs ſtand oben am erſten Range, ihr folgten die des Delphins, des Scipio und Bar⸗ baroſſa.— Die Befehle des Admirals ern der die ſch lich ſeit wů zu er He ſch me un de un lie un erwartend, ſtanden die Seefahrer und je⸗ der fragte ſeinen Nachbar um die Urſache dieſer fruͤhzeitigen Verſammlung. Velasco gebot jetzt allgemeines Still⸗ ſchweigen und keine Unterbrechung. Puͤnkt⸗ lich gehorchte das Volk. Nun machte er ſeinen gefaßten Entſchluß, die Admirals⸗ wuͤrde niederzulegen und ſich nach Spanien zu begeben, laut bekannt. Alles ſtaunte, er fuhr fort: Freunde und Bruͤder! mit geruͤhrtem Herzen danke ich Euch fuͤr Eure Dienſte, Eure Treue und Euren Gehorſam; ich ſcheide ungern von Euch, doch zwingt mich meine Pflicht als Gatte und Vater. Auch unter Euch, vermuthe ich, ſind Mehrere des unſtaͤten, kriegeriſchen Seelebens muͤde und wuͤnſchen zuruͤckzukehren in das ge⸗ liebte Vaterland, nach langer Entfernung und vielen großen Gefahren. Wir haben Schaͤtze durch unſere Kaperei geſammelt, ——— 3 — die ein Konigreich bezahlen; noch heute ſollen ſie getheilt werden und Jeder mit Zufriedenheit geſtehen, daß er belohnt, daß er nicht umſonſt ſein Leben, ſein hoͤchſtes Gut, die Freiheit, wagte. Hinlaͤnglich ver⸗ ſehen mit dem Metalle, das das Leben angenehm macht auf Erden, kann er zur Heimath eilen, keine Noth und Armuth fuͤrchtend, wenn er nur Muaͤſſiggang und Schwelgerei vermeidet, die auch den Ocean erſchoͤpfen Foͤnnen. Lebt ihm ein Vater, eine Mutter oder ein Verwandter noch zu Hauſe, die nicht das Lebensgluͤck genießen, ſo wird er ſie von ſeinem Ueberfluſſe gern gluͤcklich zu machen ſuchen, und findet er dann auch, wie ich, ein gutes Weib, ſo iſt er fuͤr die ausgeſtandenen ii Drangſale ganz belohnt. Doch, glaub' ich auch, giebt's unter Euch noch virle, die dem lange ſchon ge⸗ fuͤhrten freien Leben den Vorzug geben und die Sc ſch ihr tau ath Se pfe un erb ma dig ger koͤn wil ſtre ble an r, zu n, 285 die Mühſeligkeiten, die boͤſen Launen des Schickſals mit Verachtung und kriegeri⸗ ſchem Muthe leicht ertragen; die ungern ihre jetzige Laufbahn mit einer andern ver⸗ tauſchen; die freie Luft des Meeres lieber athmen, als die des Landes, und alles Gold nicht achten. Fuͤr dieſe hab'ich auch geſorgt; nehm' ich auch Abſchied von der See, ſo wird ein Anderer, kuͤhn und ta⸗ pfer, gleich mir, die Stelle uͤbernehmen und unter ihm zu dienen, kann nur den Seemann ehrend ſein. Mit Heldenmuth erbeutete der Sclave in Afrika ein gut be⸗ manntes Schiff, zerriß die ihm ſo unwuͤr⸗ digen Ketten und bahnte ſich einen bluti⸗ gen Weg ins Land der Freiheit.— Ihr koͤnnt jetzt waͤhlen; wer Buͤrger werden will im Vaterlande, der trete vor und ſtrecke ſein Gewehr; wer noch Korſar zu bleiben denkt, behalte 6e ſ pſe ——. ———.— ————— — 3 — Mehr als die Haͤlfte traten zu Velasco uͤber, unter ihnen fand der Admiral die grauen, biedern Krieger, die lange ihm gedient, die Narben ſich geholt im blutig⸗ ſten Gefechte, und jetzt ihm folgten, ihren Stand verließen, weil er nicht mehr ihr Fuͤhrer war. Velasco war geruͤhrt, er wandte ſich zu den Andern und fuhr fort: Ihr habt das Meer als Element von Neuem Euch erkoren. Wohlan denn(auf Centilles zeigend), hier ſeht den Admiral, dem Ihr gehorchen ſollt, er ſei mein Nach⸗ folger, ich lege meine Wuͤrde nieder⸗ Wer dieſe Wahl nicht billigt, wer ſich weigert, ſie anzunehmen und Gruͤnde anzufuͤhren weiß, der trete vor und rede; noch iſt es geit, auf die Seite Jener dort zu treten. Keiner ruͤhrte ſich. Velasco ſprach weiter: Ihr ſeid zufrieden, bereut es nie!— Hier, Centilles, nehmt meinen Degen, fuͤhrt ihr un Au mi hei tig Eu der Ge co't den Aft me ich Haͤ Au nie wiß pfe t on ihn wie ich, ſo wird Euch meine Achtung und die der Euren niemals fehlen. Seid 5 Menſch; nie mehr, doch auch nie weniger. 3 Auch hier den Kaperbrief uͤbergeb' ich Euch, mir iſt er unnuͤtz; er enthaͤlt große Frei⸗ 2 heit, mißbraucht ſie nicht, beim Allmaͤch⸗ 5 tigen, der uͤber uns thront, beſchwoͤr' ich Euch. Ich will mein Volk in guten Haͤn⸗ den wiſſen; uͤbt Strenge ohne Barbarei, Gerechtigkeit ohne Haͤrte, dann koͤnnt Ihr in der groͤßeſten Gefahr auch auf Velas⸗ co's Krieger rechnen; wer Euch verlaͤßt, 4 den treffe die haͤrteſte Gefangenſchaft in Afrika's heißen Zonen. Vergeßt Ihr aber meine Worte und geht ab vom Wege, den ich Euch gezeigt, ſo indge Gott Euch mit daͤrte ſtrafen; doch fuͤrcht' ich's nicht. Aufwallung und Stolz gebuͤhrt dem Spa⸗ nier, nur nicht zu uͤberhaͤuft, ich hin ge⸗ wiß, Centilles Herz iſt brav wie ſeine Ta⸗ pferkeit und weiß, ich haͤtte keine beſſere können. Er wird das zu n„ was ich in ſeine Haͤnde — d Gluͤck ihm, er lebe lange! P Centilles, der neue Admi⸗ Friefen pie Seeſoldaten und Matroſen, ſhpeſhle die Huͤte und jubelten. Der Eitzůͤckte Hankte dem Volke. Pelasco! ſprach er, Ihr wißt, Worte und Jeben zu fuͤhren iſt eine Gabe, die mir nict gegeben iſt, nur durch Handeln hoffe — ich Euch, hier Verſammelte, bald zu be⸗ weiſen, wie gut ich unſers Admirals Worte zu ehren weiß. Centilles ſchwieg und Velasco befahl, die in den Felſenhoͤhlen geſammelten Schaͤtze herbeizuſchaffen und zur Theilung zu ſchrei⸗ ten. Zu Aller Zufriedenheit theilte Velasco ans. D Der Anblick ſo vieler Reichthuͤmer befeſtigte den Vorſatz der Enſchloſſenen.— Der Exadmiral bemerkte die Empfindun⸗ gen in den Herzen der rohen Seefahrer, . ——— er in til ne er e at ba fe ſp in he til tet un nir hl, tze rei⸗ 5co ner un⸗ rer, — 280— er eilte zum Ende und beſchenkte dann die ins Vaterland Gehenden reichlich von dem Antheile des ihm Gewytbenen. Auch Cen⸗ tilles, der Großmuthihe verſchenkte ſei⸗ nen Theil unter die ihm Zugethanen und erwarb ſich durch ſeine Freigebigkeit die Herzen ſeiner neuen Krieger. Velasco ließ nun die Verſammelten auseinander gehen und machte ſich zu ſeiner baldigen Abfahrt fertig. Seinem Freunde Centilles verehrte er jetzt ſeine beſten Waf⸗ fen und uͤberreichte ihm das Regiſter aller ſpaniſchen Korſaren und das der tuͤrkiſchen Bundesgenoſſen. Er verſchloß ſich dann in ſein Zimmer und ſchrieb mehrere Ver⸗ haltungsregeln und Bedingungen fuͤr Cen⸗ tilles, die der neue Admiral unterſchreiben mußte. Eine der letztern lautete alſo: Sollteſt Du, Centilles, einß nach tha⸗ tenvollen Jahren, des unruhigen Lebens und des ſteten 6 dem Meere II. Theil. muͤde n S Bir die Sehnſucht nach dem Vaterhbe mch dem Freunde erwa⸗ chen, ſo verla mentera: doch ehe Dein Fuß zur Abfahb äs Schiff betritt, laß das von mir erbauete Fort von Grund aus zer⸗ ſtören, es abbrennen, und nur die kahlen Felſen moͤgen bleiben. Ich will nicht ein ſicheres Obdach fuͤr chriſtl iche, nicht fuͤr tuͤr⸗ riſche Raͤuber, die ich nicht kenne, errich⸗ tet haben; die Welt ſoll einſt nicht ſagen: Velasco hat auf Formentera eine Raͤuber⸗ Republik errichtet, die jeder Macht ſcha⸗ det.— Nein, es bleibt mein Wille, fuͤr Dich, Centilles, mogen Rado's feſte Woh⸗ nungen immer bleiben, doch ſobald Du ſie verlaͤſſeſt, ſo ſollen ſie in ihr voriges Nichts verwandelt werden⸗ tichts in der Welt muß Dich von der Ausfuͤhrung abhalten. Ich befehle es! Dieß iſt eine Hauptbedin⸗ gung mänes letzten nctri es als Fß der Piraten⸗„ 8 h⸗ ſie s elt en. in⸗ als ———Ü — — Centilles, der Freudige⸗ ſah ſich ge⸗ noͤthigt, auch dieſen Pln einzugehen; er dachte dieß neue Amt nicht nieder⸗ zulegen und bauete au e Staͤre ſeiner kleinen Feſtung. Fetzt hatte Velasco wei⸗ ter nichts mehr auf Formentera zu ſchaffen; er beſtimmte den Tag ſeiner Abreiſe und ließ den Centaur, als das großte Schiff, zum Auslaufen in Stand ſetzen⸗ Der alte Commodore John Browes war voller Freu⸗ den, er traͤumte ſich hin nach London und ſein alter grauer Kopf ſchwindelte vor lau⸗ ter Freude.— Endlich kam die Stunde der Abreiſe. Am fruͤhen Morgen als noch der Nebel das Firmament verdunkelte, donnerten die Felbſtuͤcke von den Waͤllen des Forts und Alles war in Bewegung und unter den Waffen. Die Reiſeſertigen brachen auf und der Zug begann. Voran ging Velasco mit ſeiner Gattin und dein Sohne, neben ihn ſcheit Atamor, — 292— Louis von Ortillo und Roſette, dann folgte Graf Larrh mit dr jungen Miß Marry hord, der Ho zn et Neger. An der Bucht hatten ſich die Be⸗ wohner des Forts geſammelt und krauernd ſahen ſie dem Augenblicke entgegen, der ih⸗ nen den ſo theuern Admiral entreißen wuͤrde. Die Aelteſten unter ihnen empfingen die Ankommenden mit der großten Stille; kein Jubel, kein Freudengeſchrei ertoͤnte auf der Inſel, kein Getuͤmmel ließ ſich hoͤren⸗ Velasco verbarg kaum ſeine Thraͤnen beim Anblicke der baͤrtigen Krieger, die er jetzt auf immer verlaſſen ſollte; er redete zum letzten Male mit ihnen, empfahl noch⸗ mals den bei Centilles Bleibenden Gehor⸗ ſam und Treue, ruͤhmte ihre Auffuͤhrung unter ſeinem Befehle und bat ſie, ſeinem Nachfolger zu dienen wie ihm. gelobten es die Korſaren it „——, W— * —— — 293— alles ſchrie:„Wir ſchwoͤren treu zu ſein!“ Velasco war zufrieden. Dann wandte er ſich zu denen, die gleich ihm ins Vater⸗ land zuruͤckzugehen Willens waren; er ver⸗ ſprach ihnen, da das Schiff zu klein ſei, auch nur die Haͤlfte von ihnen zu faſſen im Stande waͤre, einen Theil der Aelteſten aus⸗ zuwaͤhlen und dann nach glucklicher Ankunft in Spanien die Uebrigen holen zu laſſen. Zu dieſem Endzwecke ſuchte er funfzig der Aelteſten fuͤr ſich aus der Menge und ließ ſie an Bord gehen, dann nahm er Centilles Hand, druͤckte die biedere Rechte mit Feuer und ſagte laut mit gepreßtem Herzen:„Wir ſehn uns wieder!“ Ein dichter Kreis der Krieger hatte ſich um Velasco geſchloſſen: da ſchwenkte Cen⸗ tilles ſeinen Hut, ſeine treuen Streiter ge⸗ horchten dieſem Wink und aus Centilles barſcher Kehle erſcholl ein Geſang, den ſein Volk accompaghirte: — 294— Pinaus, hinaus in's raſche Leben, Die Bruſt dem Sturme Preis gegeben, Friſch durch die Brandung, kuͤhnes Herz! Die Maͤnnerfauſt zertheilt die Wellen, An Klippen mag die Kraft zerſchellen, Des Auges Strahl fliegt himmelwärts! Hab' ich doch laͤngſt in heilgen Stunden Des Lebens Zaubergruß gefunden, Er jauchzte Muth und Sehnſucht wach, und haucht nun durch des Sturmes Wuͤthen Den ganzen Fruͤhling ſeiner Bluͤthen Mir in melod'ſcher Ahnung nach. An ihrer Bruſt, an ihrem Herzen Zur Freude werden meine Schmerzen, und meine Frelde, Seligkeit. 6 Mein Himmel bluͤht auf ihren Wangen, Von ihren Armen treu umfangen, Vergeſſ' ich Deine Donner, Zeit! und drum hinaus ins raſche Leben, Drum durch die Brandung ohne Beben, Drum ohne Furcht hinaus, hinaus! Zwei Herzen, die ſich treu verſchlungen, Zichn, nicht von Tod, doch Zeit bezwungen, Getrennt, und dann in's Vaterhaus. —— Nach Beendigung des Geſanges um⸗ armte der bewegte Velasco den neuen Ad⸗ miral noch einmal und ſprach vernehmlich mit aufgehobenen Haͤnden;„Ja, Kinder, in's Vaterhaus!“ Centilles, ſonſt ſo trocknen Auges, wiſchte ſich eine Throͤne bon ſeinen Wan⸗ gen, es war ihm, als verldre er Alles; feſt hielt er immer noch den Freund, der ihn verlaſſen wollte, bis ſich dieſer endlich aus ſeinen Armen riß, Allen ein ewiges Le⸗ bewohl zurief und eilig an Bord des Cen⸗ taurs ſprang. Ihm folgten die Freunde, von Centilles umarmt, auch den treuen Zapato, den guten Neger, druckte der ge⸗ ruͤhrte Centilles ans Herz und folgte dem Beiſpiele des Admirals, der es mit den Vorzuglichſten des Corps eben ſo gethan⸗ Lange ertoͤnte das Lebewohl der Schei⸗ denden noch vom Verdecke herab, bis end⸗ lich die Anker gelichtet wurden, die Segel — 296— flatterten und der Centaur ſuͤdweſtwaͤrts in's gruͤne Meer hineinrauſchte. Velasco begab ſich in die Kajuͤte, ſei⸗ ner Trauer freien Lauf zu laſſen, indeß Altamor die Kanonen abzufeuern befahl. Jenny hing ſich an den Hals des Gatten und verſcheuchte bald ſeine Schwermuth; auch John Browes, der Entzuͤckte, kam zu ihm und redete nur von Londons Gerech⸗ tigkeit und ſeiner neuen Wuͤrde. Bald verſchwand Velasco's Truͤbſinn, er kuͤßte ſeinen Sohn, ſeine Jenny und kam zuruͤck auf's Verdeck, als Formentera ihren Au⸗ gen entſchwunden war. Gluͤcklich ging die Fahrt; ein friſcher guͤnſtiger Wind trieb die Segel und bald erblickten die Heimkehrenden Spaniens Ku⸗ ſten und erreichten den Hafen von Alicante, in welchen ſie ohne Hinderniß einliefen. Velasco ſtieg hier ans Lanb, begleitet von ſeinen Freunden, und der Lieutenant Of⸗ k 2———— „.———————— —— — —— — —„* M V— —— — 297— fredo, der dazu beſtimmt war, den jun⸗ gen Grafen Larry und ſeine Geliebte nebſt ihren Vater nach England zu bringen, blieb auf dem Centaur zuruͤck⸗ Die Mannſchaft des Schiffes nahm nun Abſchied von dem Admiral, der ſie zum Guten ermahnte, und zerſtreuete ſich in Spaniens Provinzen. Jetzt nahete guch der Augenblick heran, wo der Bruder von der Schweſter, die Freunde von dem Freunde und nahe Ver⸗ wandte ſich trennen ſollten. Gern haͤtte Graf Larry ſeine Schweſter und ihren Gat⸗ ten bis nach Neukaſtilien, ihrem baldigen ſteten Aufenthalte, begleitet; allein John Browes, der Ungeduldige, drang auf die Abreiſe und ſein Wort mußte gelten⸗ Thraͤnen floſſen bei dem Abſchiede und der Schmerz begann auf's Neue in Velas⸗ co's Herzen; allein er blieb Mann, und Larry's Verſprechen, alle Jahre ihn in — Spanien zu beſuchen, war ihm troͤſtend; er entriß die Schweſter den Armen des Bruders, fuͤhrte ſie hinweg, umarmte die unſchuldige Marry, ſeine Gluͤcks⸗ und Un⸗ gluͤcksgefaͤhrtin, den Lord und den Britten Browes; dann eilte er fort, die Reiſen⸗ den begaben ſich betruͤbt an Bord, und der Alte vergaß bald der Trennung Schmerz bei dem Gedanken an ſeinen glaͤnzende Em⸗ pfang. Gleich nach der Abfahrt der Freunde verließ Velasco mit den Seinigen Alicante und begab ſich auf den Weg nach Madrid. In einigen Wochen erreichten ſie es und bald darauf das Ziel ihrer Reiſe. Hier trennte ſich Louis von Ortillo von ihnen; Vanhord war ſchon mit den Britten fort⸗ geſegelt. Velasco verlor auch dieſen treuen Freund ungern, doch wollte es das Schickſal. In der Naͤhe der Hauptſtadt lag eine reizende, ſchoͤne große Villa, ſie gefiel der 5 „ ie „Gattin, ſeine Kinder⸗ Nie entſtand in —„* — „ ⸗ — 299— Gattin Velasco's; er kaufte ſie und man bewohnte ſie in kurzer Zeit. Velasco, Jenny und ihr Sohn, Alta⸗ mor, Roſette und Zapato waren unzer⸗ trennlich und lebten in ſteter Einigkeit.— Bald vergaß Velasco die Fährten und Ge⸗ fahren auf der See; er lebte nur fuͤr ſeine ihm der Gedanke, der Wunſch wieder, nach 6 5 dem großen Elemente, auf dem er ſonch gelebt und Ruhm erworben, zuruͤckzukel ren; ſein Gluͤck war jetzt faſt ganz vollkom men und keine Trennung, als die des bit tern Todes, fuͤrchteten die Gluͤcklichen. Auch Altamor fand bald ein gutes, holdes Maͤdchen und machte ſie zu ſeiner Gefaͤhrtin durch's Leben⸗ Nie verließ er den Freund Velasco und in ungeſtòttem Frieden verging ihnen das Leben. Faſt jaͤhrlich beſuchte Lord Larry mit ſeiner Gattin die ſpaniſchen Verwandten. John Browes kam aber nicht mit; er hatte ſich feſt entſchloſſen, England nie wieder zu verlaſſen. Auch Graf Larry ward bald Pater und theilte das Gluͤck ſeines Freundes. Der ehemalige Admiral ſah ſich in ei⸗ nigen Jahren an der Spitze einer Familie von fuͤnf Soͤhnen und einer Tochter, die juͤngſte von allen; er erzog ſie nicht zu See⸗ räubern und Piraten, ſondern zu guten Mitbuͤrgern des Staats, bis ihn endlich per Tod aus ihrer Mitte riß. Centilles, der neue Admiral, ſchwaͤrmte apfer auf den Meeren umher, erwarb ſich Ruhm, wie ſein Vorgaͤnger, und wenn er dann und wann an Spaniens Kuͤſte lan⸗ dete, ſo unterließ er nicht, auf einige Tage den Freund zu beſuchen und von ihm gute Lehren anzunehmen. Ende des dritten und letzten Theils⸗ „ 4 Gedruckt bei J. R. G. Leuckart in Helmſtädt. * * 7 6