Leihbibliothek 33 * deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von „— Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und eſebedingungen. . 1. oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet S — wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt:.. für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: „ 8 3„„„ 5 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und vefecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ ſſi lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt z 3 . der Leſer ſic Erfatz des Ganzen verpflichtet. . 7. Aus B eihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen auch dafür zu ſtehen haben. Der Spaniſche Seeraͤuber-Admiral Don Velasco da Gaſton Eine Geſchichte voller Abentheuer und kuͤhn Thaten. Th Dritte — Verlag der Fleckeiſenſchen Buchhandſün 1 ———————— 4 ———— VI. Abſchnitt. ——— Der Spanier durchſtreifte denkend den Garten, und formte Plaͤne, bis die Mit⸗ tagszeit ihn auf ſein Zimmer rief. Er ſetzte ſich und ſchrieb.— Bis an den Abend ſtritt ſeine Vernunft mit dem Her⸗ zen voll Theilnahme und Unbeſonnenheit; dann eilte Velasco in den Garten, und ſuchte Bernardo, vergebens.— Auch ſtieg er noch einmal hinauf zu den obern Zim⸗ mern, wo die Bewohner von Mekinez ehe mals bluteten, hinein zu ſchauen in weiten Raum, der das Serail un Tiefe Stille herrſchte in den laubigen Gaͤn⸗ gen, ſelbſt? die Voͤgel⸗ſchwiegen, und nur die ſchwälen Abendwinde regten die Blaͤt⸗ ter der Baͤume.— Keine menſchliche Ge⸗ ſtalt zeigte ſich, nur in der Naͤhe des Ha⸗ rems liefen die geſchaͤſtigen Eunuchen um⸗ her.— Velasco harrte hier der einbrechenden Nacht, und die funkelnden Sterne bezau⸗ berten den dunkeln Horizont. Von Ferne drang das Gebruͤll der Lowen, das Schnau⸗ ben der Leoparden, die auf dem Hofe la⸗ gen, in ſein Ohr.— Der Waͤchter be⸗ ſtieg den Thurm, und zeigte an, daß es Zeit ſei, das letzte Gebet zu verrichten. Der Spanier eilte in ſeine Wohnung hinab, von Gedankenheeren verfolgt. Eendlich kam die Mitternacht und trieb den ihrer Wartenden in den Garten, dem Palmengange zu. Ein Rauſchen, und ha⸗ priff Velases in die Stiten der mit⸗ geno nahe rief: und ger and und Ste dec Gaͤn⸗ d nur Blaͤt⸗ he Ge⸗ Ha⸗ en um⸗ chenden bezau⸗ Ferne chnau⸗ oe la⸗ ter be⸗ daß es richten. ghinab, nd trieb n, dem und ha⸗ der mit⸗ genomenen Guitarre, als eine Stimme nahe im Gebuͤſche folgende ſpaniſchen Worte rief: Cui gardo à ti!*) Der geſtoͤrte Virtuoſe ſchrak zuſammen⸗ und ſtuͤrzte in die Buͤſche, den Verkuͤndi⸗ ger dieſer Warnung zu finden. Vergebens bog er jeden Zweig von ein⸗ ander, umſonſt durchlief er die Gegend und durchſtoberte jeden Winkel, jede dunkle Stelle des Palmenganges.— Er ent⸗ deckte nichts, und kehrte in der Meinung zu der Mauer zuruͤck, die Stimme ſei aus des Harems Bezirke, ihn zu waͤr⸗ nen, erſchollen. Kaum harrete er einige Augenblicke, als der Laute Saite erklan⸗ gen, und— alles wieder ſtill wurde⸗ Er horchte, verſtand dieſe Aufmunterung, und nicht ohne Aengſtlichkeit, die dumpfen Worte wiederholt zu hoͤren, ſang er —— *) Auf deutſch: Huͤte Dich! Schönſte Ines, ſchon die Hälfte Deiner Klagen Haͤtte ihres Zweckes nicht verfehlt! Dich zu retten,— kannſt Du den Begluͤckten fragen,„ Den Dein holdes Auge Dir erwählt? Sieh' das Mißgeſchick Verſchwinden, Sieh' ein neues Gluͤck Sich gruͤnden! Soll verfolgte hohe Tugend unterliegen, Weil kein Rettungsengel ſich ihr zeigt? Sollen des Tyrannen grobe Laſter ſiegen, Weil ſchon laͤngſt der Menſchheit Stimme ſchweigt? Weg mit dem Trauern, Sieh' auf mich, Aus todten Mauern Rett' ich Dich! Nein, verjag' die ſchwarzen furchterlichen Träume, Die den Sinn mit Nebel eingehuͤllt; Zeigt ſich Rettung, zwar im Morgenkeime, Doch wird Dein Verlangen bald erfullt. Den Harm verſenke In das Meer, Die Freude lenke Zu Dir her! Schon dient Freiheit mit des hohen Glanzes Schtide, Gegen aller Feinde Schaaren Dir! Nicht im Traum, auch in der Wirklichkeit Geſilde Flattert hoch der Göttlichen Panier. Es bluͤh'n auch Freuden Auf Erden; Sie ſollen nach Leiden Dir werden! Soll die Bluͤthenzeit uns ungenuͤtzt verſtreichen, Die durch keines Kerkers Mauern dringt? Soll der holde grune Fruͤhling von uns weichen, Der der unſchuld Kranz mit Roſen flicht?— Sieh' neue Wonne Entſtehen! Sieh⸗ Deine Sonne Aufgehen! Schoͤnſte Ines, laß den Thraͤnenbach verſiegen⸗ Meide dieſen finſtern, truben Blick Nach des langen, harten Kampfes ſchonſten Siegen, Bleibt der leere Kerker nur zurůͤck. 3 Sieh' Aurora dort! Ich ende. 2 Reiche mir Antwort Behende! —— 5— — erheitert, und ſchmeichelt ihr mit an⸗ Als er geendet, wurden die letzten Toͤne ſeiner Guitarre in dem Garten des Serails wiederholt, und ein Brieſchen, feſtgebun⸗ den an einen Stein, fiel zu den Fuͤßen des lauſchenden Andaluſiers.— Noch harrete er einige Augenblicke, dann jagte ihn die Neugierde auf ſein Zimmer, den Inhalt die⸗ ſes Zettels zu erfahren. Er las folgendes: „Gewalt und Staͤrke tritt das Hei⸗ „ligſte der Menſchen mit Fuͤßen, und „raubt ihnen Freiheit und Unſchuld; „willſt Du den erſteren trotzen, und „eine Sclavin, die wie Du in Europa „geboren, aus den Haͤnden ihres Ty⸗ „rannen befreien? ſo laß es uns wiſſen! „— In unſere Haͤnde gelange Deine „Antwort, wie unſere Anfrage in die „Deinen.— Der Inhalt Deines Ge⸗ „ſanges laͤßt die troſtloſe Ines und ihre „Freundin Alles hoffen, was ihre Seele — 9 „genehmern beſſern Tagen. Wir kennen „Deine Macht bei dem Beherrſcher, und „nur Du kannſt die Unmoͤglichkeit zur „Moͤglichkeit umſchaffen.— Morgen „Mitternacht erwartet Deine Antwort: die Ungluͤckliche und ihre Freundin.“ Velasco griff zur Feder und antwortete: „Gewalt, Staͤrke und Bosheit ſind „drei faſt unbezwingliche Weiber, und „doch will ich, von Amor geſtaͤrkt, es „wagen, mit ihnen den Streit zu be⸗ „ginnen, des glaͤnzenden, prunkvollen „Kerkers Mauern zu brechen, um dem „Vaterlande eine Tochter, dem Gelieb⸗ „ten eine Geliebte wieder zu geben, die „des erſtern Zierde und des andern Gott⸗ „heit iſ.— „Schone Ines, laß mich ein Mittel „wiſſen, Dich und die Freundin 6* * „von Theilnahme gluͤhet, zu ſehen, zu „ſprechen; denn leicht kann das duͤnne „Papier vom Steine losgeriſſen, vom „Winde entfuͤhrt, ein Verraͤther werden, „mir den Tod und Dir noch haͤrtere „Feſſeln bereiten.— Auch ſchlafen des „ſchwarzen Argus Augen nie, und in „Arcapoli's dunkelſten Mauern lauert „oft des Verraths Pfeil und ſchlaͤgt un⸗ „heilbare Wunden.“— Der Spanier verwahrte beide Papiere, in ſpaniſcher Sprache geſchrieben, und ſuchte dann die Ruhe; mit ihr ſtellten ſich lieb⸗ liche und furchtbare Träume ein.— Er ſah Formentera's Felſenthaͤler und die Ker⸗ ker des Baſſa's, ſein holdes Weib, ſeinen Sohn und das blinkende Schwerdt des lechzenden Henkers. Kaum begruͤßte der muntere Hahn die hervorbrechende Sonne, als Velasco das Lager verließ. Izar, Bewohner der Stadt 11 Mekinez, trat auf ſein Zimmer; der Se ſank in ſeine Arme. Sei gegruͤßt! theurer Haſſan! S der Unglaͤubige, ſich des Spaniers Armen entwindend. Allah mache Dich gluͤcklich! redete Ve⸗ lasco; was fuͤhrt Dich zu mir nach Arca⸗ polis? Dich zu ſehen, verließ ich Mekinez und kam hierher; weil die große Feier des Haraphat Dich ohne Arbeit, ohne Be⸗ ſchaͤftigung laͤßt.— Was machſt Du, wie gefaͤllt es Dir in des edlen So⸗ roman's Bezirken? Mein Aufenthalt iſt ſchön; der Baſſa, glaube ich, achtet mich und will mir wohl, ſeine Zufriedenheit iſt mir gewiß. Keine druͤckende Arbeit belaſtet michz auf den kleinſten Wink meiner Hand eilt der Stla⸗ ven Schaar, meine Befehle zu vollziehen — aber meiner Heimath goldene Se ſind mir ein Eden gegen dieſe duͤrren Wuͤſten.—. Immer unzufrieden! ſprach Jzar, auch ſie wirſt Du einſt wiederſehen; harre aus! denn das Ende iſt nicht fern. Doch hoͤre, was die Haupturſache iſt, die mich zu Dir 3 fuͤhrt: Der Neger, Dein Freund,— Was iſt's mit ihm? fiel Velasco haſtig ein, wie lebt, was macht er? Halt ein! redete der Unglaͤubige ruhig, alle dieſe Fragen hoffe ich von Dir beant⸗ 3 . wortet zu horen. 6 Du ſprichſt ſonderbar! Dieſer Neger, dieſer Zapato, iſt ſeit geſtern meiner Gewalt entflohen, und ver⸗ 3 gebens ſind meine Nachforſchungen; ſeine Spur blieb unentdeckt. Entflohen? rief Velasco erſtaunt. Entflohen! wiederholte Jzar. Weil 3 ich fuͤr gewiß hielt, ſein Weg habe ihn zu Dir gefuͤhrt, kam ich hieher. Ich ſah ihn nicht. Deines Aufſehers Grauſamkeit hat ihn angetrieben, des de⸗ ſpotiſchen Druckes Feſſeln abzuwerfen. Sei es. Nach allen Weltgegenden ſind berittene Boten ausgeſandt: ſicher bleibt ſein Weg, ſeiner Fuͤße Spur nicht verbor⸗ gen, und bringt man ihn zuruͤck, ſo ko⸗ ſtet ihm ſein Verbrechen das Leben. Unmenſch! Du wollteſt Deines Bru⸗ ders Blut vergießen? Nie war ein Verbrecher dieß mir! er iſt——— Ein Menſch! Haſſan, laß uns abbrechen! meiner Zeit Lauf iſt gemeſſen. Beim großen Pro⸗ pheten ſchwoͤr' ich Dir, liefern meine Ge⸗ treuen den unbeſonnenen Mohren zurück in meine Haͤnde, ſo ſoll doch erſt, wehn Du ihm Lebewohl geſagt, det Fue Pflicht erfuͤllen. Verſprichſt Du mir das?2 So wahr Mekinez Mauern ſtehen! Dann hoff' ich Deinen harten Sinn zu erweichen, und Deinen Buſen ſanftern Ge⸗ fuͤhlen empfaͤnglicher zu machen. Hoffe nichts, Du wuͤrdeſt Dich betro⸗ gen finden! Dann mache Allah des Negers Schritte unſichtbar, und entziehe ihn den Augen ſeiner blutduͤrſtigen Verfolger. Er beguͤnſtigt keinen Verbrecher! Doch genug hievon.— Was denkſt Du vom Baſſa? Er iſt edel und ſcheint großmuͤthig zu ſein! Und Dellhi, ſein Vertrauter? Erlaß mir mein Urtheil! Sprich! Du redeſt mit dem Freunde. Iſt eine Schlange, die der Gebieter in ſeinem Buſen erwaͤrmt und mit ſeinem Blute nahrt!—— Du urtheilſt hart! Aber wahr! Es geziemt mir nicht, die Vi Deiner Worte zu unterſuchen.— Wie behandelt er Dich?— Er uͤberhaͤuft mich mit Schmeicheleien, die nur den Weg zum Ohre, nicht zum Herzen finden. Haſſan! ich rathe Dir, ſei auf Deiner Huth! Laß Deine Meinung von Dieſem oder Jenem nicht laut werden; vertraue Dich Keinem an, denn der Verraͤther iſt ſtets wach, und in dem großen Arcapolis umgeben Dich manche Gefahren. Ich weiß es; ſobald meine Arbeit hier vollendet, dann haͤlt mich nichts mehr in Afrika zuruͤck. Auf Jzar's Verlangen fuͤhrte ihn Ve⸗ lasco in die Gaͤrten, und zeigte ihm die Anlagen und Verſchoͤnerungen, die an die⸗ ſen drei Feſitagen unbearbeitet blieben. Der Bewohner Mekinez's ſtaunte, und wuͤnſchte ſeinem Freunde zu einer großen Belohnung Gluͤck. Als der Mittagsſonne heftige Strahlen die Erſchlafften in die Wohnun⸗ gen trieb, verließ Jzar den Spanier, weil des Feſtes Feier ſeine Gegenwart in der Stadt forderte, und er, als eifriger An⸗ haͤnger Mahomeds, ſolche Feierlichkeiten nie verſaͤumte. Noch einmal praͤgte der Freund dem Freunde noͤthige Verhaltungs⸗ regeln ein, und beſtieg dann das harrende Kameel.— Velasco fuͤhlte ſich ohne Beſchaͤftigung und verließ am Abende das Schloß, die Gegend umher zu durchſtreifen. Ungehin⸗ dert paſſirte er die ſchwarzen Senegam⸗ bier, und nur die Beſtien auf dem Hofe bruͤllten dem Fremden entgegen.— Rechts von Arcapolis fand er eine Gebirgskette, die ſich weit hin, bis ans Meer, er⸗ ſreckte.— Mehrere praͤchtige, ſogar geſchmackvolle — . M Luſthaͤuſer ſchmuͤckten die Gegend rings um Mekinez, und der Gaͤrten Menge ließ den Andaluſier die Wuͤſten des Landes vergeſ⸗ ſen. Er dachte an ſeinen treuen Moh⸗ ren, und des Entflohenen Schickfal fullte des Freundes Herz mit Angſt und Be⸗ ſorgniß. Eine Karavane von mehr als funßzig Thieren zog beladen voruͤber; Velasco ſtaunte den regelmaͤßigen Zug, die Ord⸗ nung der Reiſenden an; als hinter ihm das Trappen eines eilenden Dromedars, deſſen Reiter ſich verſpaͤtet hatte, ſchallte. Der Voruͤberreitende faßte den Spanier feſt ins Auge und ſchien verwundert. Auch Velasco glaubte ſeine Zuͤge zu kennen, und doch wußte er ſich desjenigen nicht zu be⸗ ſinnen. Es ſchien ihm, als habe er den Reiter ſchon geſehen, und doch konnte ſeine 8 Phantaſie ihn truͤgen.— Das Glied ber Karavane ſpornte ſein Thier und er⸗ ſchwand, ſo wie in des Exadmirals Kopfe der Gedanke an dieſen Vorfall. Er ſetzte ſeinen Weg fort, und gelangte oͤſtlich aus dieſen anmuthigen Thaͤlern in eine ſandige Ebene, die, ſo weit das Auge reichte, ſich nach allen Weltgegenden ausbreitete.— Keinen Baum, keinen Strauch ſah des forſchenden Velasco's Blick, nur Wolken von Sand, die der heiße Wind vor ſich her trieb; auch keine Quelle labte hier den muͤden Wanderer.— Der Spanier wandte ſein Geſicht weg von den oͤden Wuͤſten und eilte dieſelben zu verlaſſen. Es war ſchon ſpaͤt, als er Arcapolis wieder erreichte; ſeine Gedanken waren bei dem ungluͤcklichen Zapato, und die Leiden der Sclavinnen waren vergeſſen.— Die Mitternachtsſtunde ruͤckte naͤher; Velasco verſah ſich mit dem Briefe und eilte in den Garten, fuͤrchtend, das ſchreckbare cui gardo a ti! wieder zu hoͤren. Allein —— —— ungegruͤndet war ſeine Furcht, er hoͤrte nichts, als nach einiger Zeit das Signal, einige Griffe in die Saiten der Laute. Ve⸗ lasco warf den Brief hinuͤber, weilte noch kurze Zeit, und eilte dann auf ſein Zimmer. Seine Ruhe war kurz, mit der Sonne war er wach, und Bernardo, der Italie⸗ ner, trat in ſein Zimmer. Du hier? fragte der Andaluſier er⸗ ſtaunt. Ja! verſetzte der Greis. Unſer erſter Gaͤrtner Hicar, ſchickt Euch durch mich eine Ananas von ſeltener Schoͤnheit. Hicar iſt galant! ſprach Velasco. Wo⸗ zu das? Der Gebrauch bringt es mit ſich. Am dritten Tage dieſes Feſtes pflegen ſich die Muſelmaͤnner einander Geſchenke zu ma⸗ chen. Ihr ſeid nun freilich kein Anhaͤnger des Propheten, aber man Kh Euch hier als ſolchen. —— Muß ich das Geſchenk erwiedern? Wenn Ihr nach der Regel des Ge⸗ brauchs Euch richten wollt. Ich will es! Erlaubt mir die Frage: Wie ſteht es mit Eurem Plane, die Rettung der ſchoͤ⸗ nen Ines betreffend? Wir ſtehen in Briefwechſel! Die ſichere Folge ſolch' einer Ueberein⸗ kunft! Warſt Du geſtern um Mitternacht in dem Garten, der an den des Serails graͤnzt? Iſt Euch denn unbewußt, daß wir Scla⸗ ven, ſobald die Mahomedaner ihr letztes Abendgebet verrichtet haben, in unſere Ker⸗ ker gebracht werden, die ſich erſt mit Son⸗ nenaufgang oͤffnen? Nein! Aber eine Ausnahme dieſer Regel? Findet nicht Statt!— Doch wozu Eure Frage? um Mitternacht wurde ich von einer 5 unbekannten dumpfen Stimme, in ſpani⸗ ſcher Sprache, mich zu huͤten, gewarnt. Sonderbar! Vielleicht eine Taͤuſchung? 6 dein! Vergeblich war mein Suchen in den Gebuͤſchen, vergeblich mein For⸗ ſchen, der Warnende blieb meinen Augen verborgen. Ihr folgtet ſeiner Warnung? * Nein! Eurem Haupte droht Verderben. Ihr ſeid tollkuͤhn und werdet mit Zittern das Ende Eurer Tage ſehen. Ich habe begonnen und—— wrill vollenden! Noch iſt es Zeit zuruͤckzutreten. Ihr macht Euch unverzuͤglich auf nach Mekinez, entdeckt dem Baſſa Alles, zeigt ihm die erhaltenen Briefe, und ſchwort beim Barte Mahomeds, nur um den Ret⸗ tungsplan ganz zu erfahren, und dem 6 Baſſa zu dienen, waͤret Ihr mit den Weibern des Serails in Unterhandlung ge⸗ treten. Nimmermehr! Die Strafe der Scla⸗ vinnen wuͤrde fuͤrchterlich ſein. Der Sultanin All⸗Zaba Kopf faͤllt, und der Europaͤerin droht die ſchrecklichſte Einkerkerung, wenn nicht gar auch ihr Blut das Verbrechen abwaͤſcht. 3 Und Du kannſt mich ſolch' eines Ver⸗ rathes faͤhig halten? 33 Beſſer ihr Blut fließt, als das Eure. Ueberdenkt meine Worte wohl und reiflich; ich gehe. Lebt wohl! Bernardo ging, und der Spanier machte Plaͤne. Am Mittage erwiederte er die Geſchenke der Gaͤrtner und Untergebenen, und ſtreiſte in der Gegend um Arcapolis umher.— gwiſchen den Bergen fand er ein Haͤuschen⸗ 2 von Gaͤrten geziert, deſſen Bauart ihm aͤgyptiſch ſchien.— Vier Saͤulen, in Ge⸗ ſtalt von Krokodillen, hielten das platte Dach, und an der Thuͤr ſah man Hiero⸗ glyphen in Menge.— Auf des Hauſes Zinne erhob ſich ein mittelmaͤßig großer Obe⸗ lisk, in Form einer ſtumpfen Pyramide.— Velasco ſtaunte die ſeltſame Bauart an, und warf ſich dem Hauſe gegenuͤber auf ei⸗ nen Huͤgel, den drei gleich hohe und dicke Palmen beſchatteten. Lange lag er hier ohne einen Bewohner oder das Daſein ei⸗ nes Menſchen zu ſehen, als eine kleine Glocke, die an der Thuͤr hing, dreimal er⸗ tonte.— Die Thuͤr des Gebaͤudes oͤffnete ſich langſam und ein Greis in aͤgyptiſcher Kleibung, von edlem Anſehen, trat noch langſamer heraus. Ein weißer Bart be⸗ ruͤhrte ſeine Bruſt, und ein Turban von derſelben Farbe bedeckte ſeinen Scheitel. ——— An ſeiner Seite ſteckte ein bloßer Soſch, und uͤber ſeinen Schultern hing ein hellgruͤ⸗ ner Mantel bis zu den nackten Fuͤßen herab. Der Spanier bewunderte dieſe ſonder⸗ bare Geſtalt, die ihn freundlich gruͤßte und hinter der Wohnung verſchwand. Bald darauf ſah Velasco den Aegyptier auf der Spitze des Obeliskes. Er verrichtete ſtehend ſein Gebet, und ſetzte dann ein Rauchfaß auf die Pyramide, deſſen Rauch ſich hoch emporhob und balſamiſche Duͤfte verbrei⸗ tete; dann kehrte der ſeltſame Alte zuruͤck, wandte ſein Geſicht gegen Velasco und ſetzte ſich auf eine der ſteinernen Baͤnke vor der Wohnung. Der neugierige Spanier naͤherte ſich ehrfurchtsvoll, erwartend die Anrede des Greiſes. Allein dieſer zeichnete mit einem kleinen Staͤbchen Figuren in den Sand, und ſchien den Ankoͤmmling nicht zu be⸗ merken. Die Sonne iſt druͤckend heiß! ſprach 2 Velasco endlich, u'a den Anfang eines Ge⸗ ſpraͤchs zu machen. Bete ſie an, ſprach der Greis ernſt, und ſie wird Dir weniger heiß ſcheinen⸗ Du biſt wol ſehr alt? redete Velasco weiter. Nimm die Jahre Deines Lebens fuͤnf⸗ mal und ſetze fuͤnf hinzu, ſo weißt Du mein Altter! Hundert und funßzig Jahre! rief der Andaluſier mit Erſtaunen aus. So iſt es! Wie nennſt Du Dich? Chriſt, Du fraͤgſt viel! Vergieb! Doch woher kennſt Du mich? Kannſt Du durch dieſe Kleidung in mein Herz ſehen? Ja Eben toͤnte die Glocke am Obelisk drei⸗ mal, der ſilberharige Alte ſtand ig auf⸗ — Chriſt! ſprach er, willſt Di, daß ich II. Theil. 2 — Dich lieben ſoll, ſo gehe heim in Deine Wohnung und kehre morgen, wenn die Mittagsſonne die Spitze jenes Felſens ver⸗ goldet, zuruͤck; dann will ich alle Deine Fragen beantworten, ganz Deine Wißbe⸗ gierde befriedigen. Geh, jetzt biſt Du mir ſehr laͤſtig! Der Sprecher ging eilig in ſeine Woh⸗ nung, und Velasco erſtaunt Arcapolis zu. — Zwiſchen den hohen Mauern der Gaͤr⸗ ten begegnete ihm eine kleine Mohren⸗Scla⸗ vin mit einem Korbe voll Fruͤchte. Dieſe neigte dreimal ihr wolliges Haupt, und ſprach ernſt und feierlich: Sei gegruͤßt, Auserwaͤhlter, Mäͤchtiger, Starker! Schoͤn biſt Du und weiſe! Al⸗ h mache Dich noch ſchoͤner und weiſer! 0) Und Dich mache er weißer! ſprach Ve⸗ lasco laͤchelnd. Doch was willſt Du? 2 wer biſt Du? ine Ich bin Zazzel, die Slavin der Scla⸗ die vvin, und diene der Dienenden! er⸗ Rede deutlicher! ine Ich bin die Dienerin der Sultanin All⸗ be⸗ Zaba! mir So2 Kennſt Du die Sultanin? Nein! ich ſprach ſie nie. 2 Nicht?— Traueſt Du mir? 2 Warum nicht! Mich ſchickt die Favoritin! ieſe An mich? 3 An Dich! Setzt Du Zweifel in mei⸗ ner Worte Wahrheit und in mich ſelbſt, ſo nimm dieſen Brief und Dein Mißtrauen wird verſchwinden! S Velasco nahm und las: „Dein Wunſch ſoll erfüͤllt werden, Ve⸗„aber erfuͤlle dann auch den unſern. Dn?„Dieſer Sclavin kannſt Du Dich ganz „anvertrauen, ſie wird mir Deine Ant⸗ „wort bringen.— Theurer! wenn um „Mitternacht Chriſt und Osman ruhet, „dann ſchwinge Dich uͤber die nicht hohe „Mauer am Palmengange, wo Dich er⸗ „wartet Ines und ihre Freundin. Liſt, „Vorſicht und Tapferkeit muͤſſen Dich „begleiten.“ un? fragte die Schwarze, als Ve⸗ lasco den Zettel einſteckte. Ich komme! und der ſchoͤnen Ines! terliege! ſag' es Deiner Gebieterin Ich ende oder un⸗ Das verhuͤte Allah! Kehrſt Du jetzt ins Serail zuruͤck? Ja! Beſchaut noch einige Zeit die Ge⸗ gend umhet, dann folgt, ſonſt konnte leicht Verdacht entſtehen!— Die Selavin eilte davon⸗ und der Spa⸗ nier nahm ſeinen Weg rechts.— Abende kehrte er nach Am Arcapolis zuruͤck. — „— „e— — N Im Garten ſtand Bernardo und begoß die Blumenbeete. Noch heute, Bernardo! liſpelte der Spanier, ſpreche ich die Sultanin All⸗ Zaba und die Geliebte des Baſſa's. Iſt's moͤglich! ſprach dieſer erſchre⸗ ckend. Auf welche Art? Mauern ſind zu erſteigen, und wenn ſie an Hoͤhe der des Berges Ararat gli⸗ chen, und hundert Waͤchter mit tauſend Augen ſie bewachten. Ich zittere!— Wo waret Ihr? In den Bezirken um Arcapolis ſtreifte ich umher, und fand dort eine ſeltſame Wohnung eines noch ſeltſamern Alten. Sicher meint Ihr den Aegypter, der öſtlich zwiſchen Felſen und Bergen hauſet⸗ Denſelben! Wer iſt er? Man kennt ihn unter dem Namen Mes⸗ rour, und macht ihn zum Wahrſager 30 Er will ein Jahrhundert und die Haͤlfte des zweiten erlebt haben. Sehr alt iſt dieſer Mesrour, denn die aͤlteſten der Bewohner dieſes Schloſſes ken⸗ nen ihn und haben ihn nie juͤnger gekannt. — Habt Ihr mit ihm geredet?— Nur wenige Worte!— Morgen will er alle meine Fragen beantworten.— Gehet nicht zu ihm! Warum? Fragt ihn nichts! Die Urſache? Er wuͤrde in Eurem Geſichte leſen. Mag er doch. Wuͤrde Euch wahrſagen, die dunkle Zukunft vor Euren Augen ausbreiten. Ich bin begierig! Und ſeine Prophezeihungen treffen ein. Der Aberglaube meines Volks, meiner Nation iſt fern von mir. Ihr zweiſelt an der Wahrheit meine⸗ le er Ausſage?— Dieſer Mesrour ſagte dem Vater dieſes Baſſa's ſeinen Tod vorher⸗ Das beweiſt nichts!— Spracheſt Du dieſen Propheten?— Seit den ſechszehn Jahren, die ich als Soromans Sclave verlebte, betrat mein Fuß nie die Bezirke außerhalb Arcapolis. Wovon ernaͤhrt ſich dieſer ſonderbare Felſenbewohner? Von Fruͤchten, Wurzeln und Kraͤutern! auch verſorgt ihn die von Cahiro kommende Karavane mit Lebensmitteln und dem Noͤ⸗ thigen.— Die Muſelmaͤnner verehren ihn, und ganze Wallfahrten ziehen zu ſei⸗ nem Aufenthalte, obgleich dieſer Aegypter nicht zum Mahomed, ſondern zur Sonne ſeine Gebete ſchickt.— Der Veroneſer wollte weiter echen, al⸗ lein einer der Aufſeher trat hinzu und er derſtummte.— Velasco ging auf ſein gimmer und erwartete die Nacht. Eine ſonderbare ahnungsvolle Empfindung ſchien ihn von ſeinem Vorhaben abhalten zu wol⸗ len; ein Zittern uͤberfiel ihn, als er den dunkeln Garten betrat; er ſchob es auf die kalten Luͤfte, die gegen ihn eindrangen, und ſchlich durch die duͤſtern Gaͤnge, der Palmen⸗Allee zu.— Die Nacht war ungewoͤhnlich dunkel, und verkuͤndete ein Ungewitter.— Heftig rauſchten die Buͤ⸗ ſche, und der halbe Mond auf den Ge⸗ baͤuden drehte ſich klirrend und ſchauer⸗ voll.— Der Spanier blickte mit Aengſtlichkeit und Unruhe in die ſchwarzen Gefilde. Kaum hatte er den beſtimmten Ort erreicht, als auch ſchon die Toͤne der Laute ſein Ohr trafen.— Mit Eile ſuchte der Auserwaͤhlte einen zum Erſteigen geſchickten Baum. Er fand ihn. Die rauhe mit Abſaͤtzen gezierte Rinde des Palmbaumes diente ihm zur Lei⸗ ter; ein ſtarker Schwung, und er war auf . 12 der nicht niedrigen Mauer. Im Garten wandelten zwei weiße Phantome. Ihr Heiligen ſchuͤtzt mich! liſpelte Ve⸗ lasco, und—— ein Schuß im Gebuͤſche, deſſen Kugel die Luft in ſeiner Naͤhe durch⸗ pfiff, machte ihn wankend. Der Obenſte⸗ hende verlor das Gleichgewicht und ſiuͤrzte hinab, zum Gluͤcke nicht in den Garten des Harems; mit lautem Geſchrei flohen die Weiber. Der harte Fall hatte den Abentheurer betaͤubt, er lag lange ſeiner Sinne unbe⸗ wußt, bis ihn das heftige Rollen des Don⸗ ners erweckte.— Der ganz Durchnaͤßte erhob ſich, und horchte in die brauſende Natur; Stroͤme von Regen floſſen auf ihn herab, helle Blitze durchzuͤckten die Luͤſte, und der Donner hallte in den Gebirgen in vielfachem Echos fuͤrchterlich wieder. Mit aͤngſilichen, eiligen Schritten durch lief der Gefallene den Garten, und langte ———— — von Niemand geſehen, zitternd vor Froſt, in ſeiner Wohnung an.— In den Gebaͤuden war es lebhaft ge⸗ worden; die Glocken des Harems klangen, der Donner rollte, und noch fuͤrchterlicher bruͤllten die vom Schlafe aufgeſchreckten Loͤwen des Hofraums. Velasco warf die naſſen Kleider ab, und ſuchte ſich auf das Schrecklichſte ge⸗ faßt zu machen.— Kein Schlaf wollte ihn laben; umſonſt raſſelte der Regen, bruͤllte der Donner; nichts verſchaffte ihm Ruhe.— Gegen Morgen legte ſich das verwuͤſtende Ungewitter und die Sonne wieder hervor. Nen belebt ſchien die Natur nach die⸗ ſem Urwetter; tauſend Blumen Duͤfte ſtie⸗ gen empor, und der Spanier, hingezogen von der neubelebten Schoͤnheit,„eilte in die Gaͤrten. Die Zeit des guraphutfeſes war vor⸗ uͤber und die Zahl der Sclaben Velascos Beſehlen gewaͤrtig. Der Spanier ſuchte den Veroneſer Ber⸗ nardo und fand ihn von den Andern ab⸗ geſondert arbeiten. gornig faßte ihn Velasco, zog den blan⸗ ken Dolch und ſprach: Geſteh es, alter Graubart, Du ver⸗ rietheſt mich! Stoßt zu! redete der Greis ruhig.— Noch ſtammelnd werde ich Euch danken, daß dieſes ſcharfe Meſſer ſo geſchwind die harten Ketten meines Sclavenlebens zer⸗ ſchnitt. Undankbarer! fuhr Velasco fort, das Stilet einſteckend, ſo velehnieß Du mein Zutrauen! Koͤnnt Ihr richten, koͤnnt Ihr verbam⸗ men, ohne erſt zu hoͤren? fragte Bernardo. Niemand als Di wußte mein Geheimniß, und Du wurdeſt mein Ver⸗ Ich kann! räther.— Ich glaubte Deinen weißen Haa⸗ ren trauen zu koͤnnen, aber betrog mich. Signor! ſprach der Alte ſehr feierlich, ſo gewiß Gottes milde Sonne Euch und mich beſcheint, ſo gewiß wir einſt am ho⸗ hen Weltgerichte belohnt oder beſtraft wer⸗ den, ſo gewiß ich Vergebung meiner man⸗ nichfaltigen Suͤnden zu erlangen hoffe, ſo gewiß irrt Ihr Euch.— Glaubt Ihr mich undankbar? glaubt Ihr mich dennoch ſchuldig?— Ich ſchaͤme mich, es geglaubt zu ha⸗ ben, redete Velasco. Vergieb mir Ber⸗ nardo!— Aber Du ſelbſt wirſt mein Miß⸗ trauen in etwas billigen. Ihr ſpracht von Verraͤtherei? fragte der Veroneſer, ſagt mir, was iſt geſche⸗ hen!— Haͤtte es das Schickſal gewollt, ſo koͤnn⸗ teſt Du heute meinen Leichnam finden! Wie!2. —*— n V5 — In der Mitte der vergangenen fuͤrch⸗ terlichen Nacht erſtieg ich die Maner des Gartens am Palmengange, einer vb redung gemaͤß. Welche unerhoͤrte Kuͤhnheit! Kaum war ich oben, ſo brannte man ein Gewehr ab, deſſen Kugel dicht bei mir vorbei flog. Schrecklich! Ich ſchrak zuſammen, wankte und ſtuͤrzte hinab. Und? Der Fall betaͤubte mich, doch kam ich bald wieder zum Beſitze meiner Sinne, denn ich fuͤhlte mich ganz durchnaͤßt, ſah die zuckenden Blitze und hoͤrte des Don⸗ ners Krachen. Eure Erzaͤhlung macht mich ſchaudern. Der Schuß fiel nicht weit von Euch?. Keine zwanzig Schritte. Macht Euch auf das Schums 5 faßt! Ein Ungewitter, fuͤrchterlich und zerſtoͤrend, gleich dem der vergangenen Nacht, thuͤrmt ſich uͤber Eurem Haupte, und bricht es mit Gewalt los, dann ſeid Ihr ſein erſtes Opfer. Alter und Erfahrung ſind Geſchwiſter, ſag' Bernardo, was raͤthſt Du mir? In Arcapolis zu bleiben und das Kom⸗ mende mit Standhaftigkeit zu erwarten! Aber, wenn der Chef der Verſchnitte⸗ nen, wenn Moloc?—— Weiß er, was nur uns und den Scla⸗ vinnen bekannt iſt, dann ſeid Ihr verlo⸗ ren!— O, daß wir nicht in die Zukunft ſehen koͤnnen!— Mesrour, der Aegypter, kann es. Wohl! Ich will zu ihm gehen, mir wahrſagen laſſen, und mit Ernſt ſeine Gau⸗ keleien ſehen und hoͤren. M Unruhig uͤber das bevorſtehende Schick⸗ ſal ſuchte der Spanier einen einſamen Ort im Garten, fand eine bequeme Lagerſielle und entſchlief. Als er erwachte, war es Mittag und der Garten leer. Er ging auf ſein Zimmer, ertheilte dann ſeine Be⸗ fehle und verließ Arcapolis, dem Aufent⸗ halte des Aegypters zuwandernd.— Die⸗ ſer ſaß nachdenkend vor ſeiner Wohnung, und ſchien die Koͤrner des Sandes zu zaͤhlen. Sei gegruͤßt, Vater! ſprach Velasco. Der geprieſene Prophet ſah auf, und winkte dann dem Spanier, ſich neben ihn auf die ſteinerne Bank zu ſetzen. Was fuͤhrt Dich zu mir in die Berge? ſragte er den Fremdling. Der Wunſch, den weiſen Mesrour ken⸗ nen zu ſernen, antwortete Velasco. Biſt Du der Erfuͤllung dieſes Wunſches gewißy fragte der Aegypter weiter. ch habe Dein Verſprechen! Wahr! das iſt heilig.— Frage, ich antworte! Geſtern hießeſt Du mich gehen,— weswegen? Ich feierte ein Feſt, wobei ich keines Ungeweiheten Blick, keinen Chriſten, keinen Moslem dulde! Dieſes Feſi? — Iſt die Feier des Kroͤnungstages mei⸗ nes Stammvaters, Kurudes, des großen Menes Sohn. Wer war dieſer Menes? Der Stiſter des aͤgyptiſchen Reichs!— Hore:„Nach ſeinem Tode hinterließ er ſeinen Soͤhnen Athodis, Necherophes und Kurudes ſein großes Reich, das weſtlich die Wuͤſte umſchloß, ſuͤdlich an Nubien ſtieß, gegen Oſten an das rothe Meer und nordlich das eingeſchloſſene Meer zu Nach⸗ par hatte.— Als die Sohne die Schätze des Vaters, Menes, theilten, fanß ſich 4 % der ein beſ ihn ber car rat zu un lich zu 2 zal ich cat le der Dabour*) des Koͤnigs, deſſen Spitze ein Talisman des weiſen Kaſſanack zierte. — Jeder der Sohne wollte dieſes Kleinod beſitzen, und es entſtand ein Streit unter ihnen, der ſich wuͤrde blutig geendet ha⸗ ben, wenn nicht Athodis, der aͤlteſte, den Vorſchlag that, den großen Aſtrologen San⸗ cariba, der in den Gebirgen am See Kai⸗ ran wohnte, die Entſcheidung des Streites zu uͤberlaſſen. Der Vorſchlag fand Beifall, und Menes Soͤhne, verſehen mit dem koͤſt⸗ lichen Dabour, machten ſich auf den Weg zum Richter, dem ſie das Vorgefallene er⸗ zaͤhlten, und ihn um Entſcheidung baten.“ Soͤhne des großen Menes, Ihr wollt, ich ſoll entſcheiden! ſprach der weiſe San⸗ cariba, wöhl, es ſei! Aus den Sternen lete ich, dieſer Dabour, den der unver⸗ hliche Kaſſanack verfertigte, iſt Euch *) Eine Art orientaliſcher Scepter⸗ —— 42 Dreien beſtimmt. Jeder iſt wuͤrdig, ſich ſeines Beſitzes zu freuen, und ihn zu ge⸗ brauchen, wie Euer großer Vater ihn nuͤtzte. — Hoͤrt mich an: Eine Frage, die ich an Euch thue, ſoll den Bruͤderſtreit enden und entſcheiden. Wer dieſe Frage mir beant⸗ wortet, wie ſie die Aſche des Weiſen wuͤn⸗ ſchet, deſſen Hand ziere das Kleinod!— Begierig ſtanden die Bruͤder, und er⸗ warteten die entſcheidende Frage des Aſtro⸗ logen, als dieſer begann: Soͤhne, Koͤnige der Koͤnige, Beherr⸗ ſcher des großen Aegyptens! ſagt mir, was iſt der hoͤchſte Grad menſchlicher Un⸗ gluͤckſeligkeit? Ich thue dieſe Frage an Euch, deren Entſcheidung um ſo ſchwerer ſein wird, da Ihr, als Soͤhne eines Fuͤr⸗ ſten, nur Ungluͤck dem Namen nach kennt. — Keine lange Bebenkzeit gebe ich Euch, ſondern ich will ſogleich Eure Meinung hoͤ⸗ ren und pruͤſen.— Nach einigem Bedenken ſprach der Vel⸗ 5 teſte der Bruͤder: e⸗ Weiſer Sancariba! ich glaube, der iſt in der Ungluͤcklichſte der Sterblichen, der bei nd hohem Alter die druͤckendſte Armuth fuͤhlt, it⸗ und auch die kleinſte der Bequemlichkeiten n⸗ entbehren muß.— . Deine Antwort, Athodis! iſt nicht uͤbel, r⸗ und zeiget von Deinem Verſtande. Der ₰ Druck der Armuth iſt fuͤr den Greis eins der ſchrecklichſten Uebel.— Doch, was r⸗ meinſt Du, Necherophes? ir, Wenn der Mann die groͤßte, tiefſte Nie⸗ ln⸗ derſchlagenheit fuͤhlt und ein fuͤrchterlicher an Körperſchmerz ihn peinigt, iſt auch dieß rer nicht einer der hoͤchſten Grade des Un⸗ uͤr⸗ glucks?— nt. er iſt es, Necherophes! Auch Du ch, waͤhlteſt nicht uͤbel, doch jetzt laßt uns hö auch Eures juͤngſten Bruders Meinung hoͤ⸗ pen— ——— — 44 Weiſeſter der Weiſen! redete dieſer mit ſt Beſcheidenheit, kaum getraue ich mir, Deine d Frage zu deuten, da ſchon meine Bruͤder,„ älter an Jahren und Erfahrung, auch kluͤ⸗ ger, Dir Deinen Beifall entlockten. Sprich! ermunterte ihn Sancariba, und fuͤrchte nicht, durch die Auslegung mir zu mißfallen. Wohl! ſprach Kurudes, Du gebeuſt und ich gehorche: Ich halte den fuͤr den 1 ungluͤckſeligſten Menſchen, der ſchaͤndlich die Jahre durchlebt, bann Buße zu thun 3 anfaͤngt, wenn ſein Leben zu Ende, wenn 7 er ſeiner Aufloſung nahe iſt. Wahr! rief trunken vor Freude der weiſe Sancariba, den Juͤngſten der Soͤhne Menes umarmend.— Dir gebuͤhrt der Dabour des verewigten Vaters, trage ihn, wie er, und ſtets wird Dein Reich bluͤ⸗ hen und Deine Weisheit goldene Fruͤchte tragen. Bruͤder! Soͤhne Aegyptens! Ihr ₰———— it ſprachet weiſe und verſtaͤndig, aber Kuru⸗ ne des, dem Weiſeren, haben die Gotter das Kleinod beſtimmt. u⸗ ba, Sieh', Chriſt! fuhr der erzaͤhlende Mes⸗ ng rour fort, ſo kam Kurudes in den Beſitz des Scepters, und von ihm ſtammen meine Vorfahren, ſiamm' ich ab.— Lange den herrſchte Kurudes weiſe uͤber das ausge⸗ lich breitete Reich, bis ihm ſein Sohn Achim hun folgte. Nach dieſem gelangte Arbariſſer enn auf den Thron, und ſo mehrere⸗ Einer der Nachfolger Kurudes, ein Pharaone, der bauete die groͤßte der Pyramiden, bei Groß⸗ hne Cahiro.— Nach und nach verkleinerte der ſich das ſo große Reich; die untreuen ihn, Statthalter fielen ab, und endlich kamen bluͤ⸗ die Aegypter unter die Kaliſen der Maho⸗ chte medaner, die einen Schwaͤrmer aus Mecca zu ihrem Propheten machten weil dieſtr F2 ———— ——— 2* Mahomed ſich geſchickt genug zeigte, aus drei Religionen eine zuſammen zu flicken, die noch jetzt die halbe Welt in Dunkel huͤllt.— Auch meine Vorfahren haben zu ſeiner blutigen Fahne geſchworen, und die Nachkommen des weiſen erhabenen Menes arteten nach und nach aus.— Zwar fin⸗ det man noch einige aͤgyptiſche Voͤlker⸗ ſtämme unter den Namen Kopten, die abet ihren Stammaͤltern gleichen, wie der Monb der Sonne. Mesrour ſchwieg, und der aufmerkſame Velasco nahm das Wort: Warum, weiſer Aeghpter! fragte er⸗ verließeſt Du das Land Deiner Vaͤter, und begabſt Dich hieher, wo man Mahomed mit der groͤßten Andacht verehrt?— Schon vor hundert und dreißig Jah⸗ ren ſah mein Vater, Jemal, aus dem Laufe der Geſtirne vorher, daß nach hun⸗ 5 Jahren Fremdlinge, Gribeaz Deine mut den en, kel zu die nes fin⸗ ker⸗ ond ame er, und med Jah⸗ dem hun⸗ 3 3 ten Name fuͤllt mein Herz weder mit An⸗ Bruͤder, das Land der Pharaonen mit Krieg uͤberziehen und verheeren wuͤrden⸗ Ihre verkehrte Wißbegierde, ihr Eifer nach nichts nuͤtzenden Entdeckungen wuͤrde nichts, ſelbſt die heiligſten Alterthuͤmer nicht ver⸗ ſchont laſſen. Ihnen zu entgehen, verlie⸗ ßen wir Aegypten und baueten uns hier an.— Nach mehreren dahingeeilten Jah⸗ ren traf Jemal's Vorherverkuͤndigung ein, und das Reich der Mamelucken wurde zer⸗ ſtoͤrt.— Der Aegypter Mesrour ſchwieg, weh⸗ muthsvolle Blicke hob er zum Himmel, dann fragte er den Spanier mit forſchen⸗ dem Auge: Chriſt! willſt auch Du, wie Tauſende Deiner Bruͤder, dem Glauben entſagen und zu der Fahne Mahomeds ſchwoͤren?— Nein! antwortete Velasco feſt, ich be⸗ harre bei dem Meinen, und des Prophe⸗ . — — 5 ſ .+ dacht und Verehrung, noch mit 8 und Verachtung. . 3 Du kennſt den Baſſa Soroman, dienſt ſ 1 ihm 2 r Nicht als Sclave! Ich weiß es. Willſt Du meinem Rathe Folge leiſten? Ja, wenn eine ſtrenge Pruͤfung ihn gut 3 findet. Wohin fuͤhrt Dich Dein Fuß, wenn 6 3 Du dieſe Gebirge verlaͤßt? 3 Nach Arcapolis, dem Sitze des Baſ⸗ ſa's!— 4 Kehre nicht zuruͤck! 2 33 Warum das? Bleib neun Tage bei mir; dann kannſt Du Deine Wohnung wieder ſehen, eher nicht.— Weswegen neun Tage? 5 1 Dann aͤndert ſich der Lauf der Sterne. er Was kuͤmmert mich der Lauf der Sterne. 1 enſt nſt er ne. e. Dich nichts, weil Du ihn nicht kennſt, mich alles, denn er iſt das Buch der Wahr⸗ ſager. Nimmſt Du vor Ablanf dieſer neun Tage Deinen Weg zuruͤck, ſo biſt Du verloren. Wie? Dir drohet Gefahr, wol gar der Tod! Wer ſagt Dir das? Der große Planet und die ſieben, die ihn umgeben. Alſo nach neun Tagen? Iſt die Gefahr voruͤber!— Was haſt Du beſchloſſen? Ich werde gehen. Wohin? Nach Arcapolis. Und in Dein Verderben.— Ein geind harret Deiner, den Du kennſt und nicht erwarteſt. Sage mir——— II. Theil. 3 — uͤber der Kenntniſſe Grenzen hinaus. Der Feind, der meiner wartet, glaubt er an Mahomeds Lehren? Sein Herz kennt keine!— Umſchließen ihn Arcapoli's Mauern? Nein! Nicht? Truͤgt Dich nie das Buch der Geſtirne? Nie! Zu leſerlich⸗iſt ſeine Schrift fuͤr den Verehrer. Dann muß ich ſtaunen! Wirſt Du bei mir bleiben? Nein! Noͤthig iſt meine Gegenwart in Arcapolis. Alter! floͤßten mir Deine edeln Zuͤge, Deine Silberhaare nicht Zutrauen ein, ſo wuͤrde mein Herz zum Argwohne gegen Dich geneigt ſein. Du zweifelſt? Gehe ich von hier, dann lauert der Tod meiner in den Wuͤſten, bleibe ich bei „ Ich antworte, frage Du; nur nicht di fa che He zu W net ver hal bed wa unk lein ht bt r Dir, dann erregt mein Ausbleiben in des Baſſa's Gebaͤuden Verdacht, und auch auf dieſer Seite winkt mir ein Heer von Ge⸗ fahren. Dein Wille handle! Am Obelisk ertoͤnte der Klang des Glock⸗ chens. Chriſt! ſprach Mesrour, des Spaniers Hand faſſend, dieſer Silberſchall ruft mich zum Gebete; bleibe, uͤberdenke was Dir Mesrour ſagte, bald kehre ich wieder. Wiſſe, bis in dieſe Berge hier dringt kei⸗ nes Verraͤthers Stahl, keines Feindes Scla⸗ venkette, hier biſt Du ſicher, aber außer⸗ halb meines Bezirkes kann ich Dich nur bedauern, nicht retten. Bleibe und er⸗ warte mich! Der Wahrſager ging in ſeine Wohnung und ließ den gedankenvollen Spanier al⸗ lein. Lange ſaß Velasco, bis die Sonns mit ihren letzten goldenen Strahlen die 5 38 Spitzen der hohen Felſen umſaͤumte und es dann in den Gebirgen zu dunkeln anfing; doch Mesrour kehrte noch nicht zuruͤck. Der ungeduldige Spanier verſuchte die Thuͤr des Hauſes zu oͤffnen; allein ſie war feſt verſchloſſen. Er klopfte erſt leiſe, dann ſtaͤrker an, aber vergeblich. Der Aegyp⸗ ter ſchien das Gehoͤr verloren zu haben, oder eine Stoͤrung ſeiner Andacht abſicht⸗ lich vermeiden zu wollen; denn die Thuͤr blieb verſchloſſen. Die Dunkelheit der Nacht nahm zu, und mit ihr bei dem Exadmiral der Vor⸗ ſatz, trotz Wahrſagerei von Ungluͤck und Tod, die Thuͤr mit Gewalt zu offnen und nach Arcapolis zuruͤckzukehren; obgleich er nur mit einem Kanjar*) bewaffnet war. Als er die Ebene errreichte, die ſich vor dem Felſen ausbreitete, ſah er in einer klei⸗ *) Ein kurzer breiter Säbel. u, r nen Entzernung fuͤnf Muſelmaͤnner auf ra⸗ ſ en, die den Weg zu ihm nah⸗ men.— Eine gewiſſe Ae maͤchtigte ſich des herzhaften Andaluſiers, er wuͤnſchte die Reiter ſchon voruͤber und verdoppelte ſeine Schritte. Assulam alekum!*) ſprach Velasco, und wollte voruͤber. Bruder! redete einer der Reiter, den Gruß erwiedernd, ſag' uns, iſt die Straße nach Teſebit? Du irreſt, mein Bruder! antwortete der Spanier in arabiſcher Sprache. Suͤdli⸗ cher iſt der Weg dahin, und fuͤhrt durch die Wuͤſte. Wir ſind hier fremd, gehoͤren zu dem Zuge von Murſuck, ſprach der andere, ha⸗ ben uns verſpaͤtet, und koͤnnen kein Ob⸗ dach finden. In den Wuͤſten iſt es bei *) Der gewoͤhnliche Gruß der Mahomedaner. 3 5 L 54 Nacht gefaͤhrlich: die Beduinen ſigriſen bis hieher, und greifen gar oft die n n.— Iſt hier keine Stadt, kein Dorf in der Naͤhe?—— Nein! antwortete Velasco. Aber, fuhr der Frager fort, dort uͤber den Baͤumen und Bergen ſahen wir die Kuppeln von Gebaͤuden, auch Minareten der Moſcheen, ſollte eine Stadt—— Nein, Bruder! ſprach Velasco, das iſt Arcapolis, des Baſſa Soroman's Som⸗ merſitz. Des Baſſa Soroman's aus Mekinez? Deſſelben! Das iſt der beſte, der gaſtfreieſte der Rechtglaͤubigen, dorthin laßt uns eilen, ſicher verſtattet uns der Gebieter einen Winkel zum Ruheplatze in ſeinem großen Arcapolis.— N ½—. Die Gefaͤhrten des Moslem waren es zufrieden, und ritteh langſamen Schrittes 7 ½) ——(— uͤber die eten das om⸗ ez2 der ilen, inen oßen vorwaͤrts; an ihrer Seite ſchritt der un⸗ befangene Velasco einher. Und wohin willſt Du, mein Bruder! noch ſo ſpaͤt? fragte nach einigem Still⸗ ſchweigen einer der Berittenen. Auch mein Weg geht nach Arcapolis, ſprach der Spanier; ich diene dem edeln Baſſa Soroman.— Deſto beſſer! ſo koͤnnen wir des We⸗ ges nicht fehlen.— Aber, Bruder, Du wagſt viel, ſo ſpaͤt am Abende dieſe bergige wuͤſte Gegend zu durchwandern. Fuͤrch⸗ teſt Du Dich nicht?— Nein! ſprach Velasco, der Prophet ſchuͤtzet mich.— Der ſchuͤtzet keinen Unglaͤubigen! riefen die Moslems, und eine feſte Schlinge, die man dem Spanier uͤberwarf, ſeſſelte ſeine Arme, und machte ihn wehrlos⸗ 3 7 ——————— — Laut auf lachten die Raͤuber und riſ⸗ ſen dem Wuͤthenden den Säͤbel von der Seite; dann ſtieg einer von ihnen vom Roſſe, ſagte den andern Lebewohl und ging Mekinez zu, indeß ſeine Begleiter den knir⸗ ſchenden Velasco feſtbanden, auf's Pferd hoben, in ihre Mitte nahmen und ſo im ſtarken Trabe die Straße durch die Gebirge nach Melime eilten. Der Weg fuͤhrte ſie vor des Aegyp⸗ ters Wohnung vorbei, der, vom Monde beſchienen, auf der Spitze des Obelisks ſtand. Erkennſt Du jetzt meine Wahrſagung, Ungehorſamer? rief er dem Spanier zu. Dieſer biß die Zaͤhne zuſammen und ver⸗ wuͤnſchte ſeinen Gang zum Aegypter Mes⸗ rour, ſeine Reiſe nach Afrika, ja ſein gan⸗ zes Leben. Gegen Morgen erreichten die Reiter und ihr Gefangener eine unermeßliche Sand⸗ wuͤſte. Heftiger Durſt plagte den Spanier, er bat ſeine Begleiter um einen Trunk Waſ⸗ ſer, und wunderte ſich, ſeine Bitte erfuͤllt zu ſehen.— Aber auf ſeine Fragen folgte nur die Antwort: Schweig Chriſenbund! 2 Am Mittage machte man Halt und hielt ein kaͤrgliches Mahl, das aus geddrretem Fleiſche, gn und etwas Vest beſtand; dann wurde die Reiſe fortgeſetzt, ſo daß man ſchon am Abende die Mitte der Wuͤſte erreichte. Hier wurde das Nachtlager auf⸗ geſchlagen, und dem, von dem ſtarken Ritte ermuͤdeten Velasco, ſeine Banden abgenom⸗ men.— Bald war das Abendbrot ver⸗ zehrt, worauf die Moslems ihrem Beglei⸗ ter die Banden wieder anlegten und ſ dann bewaffnet der Ruhe uͤberließen.— Der ermuͤdete Velasco fiel nieder auf ſen Lager und wiegte ſich bald in einem tiefen Schlummer, der ihn ſeine Leiden af. eine S Zeitlang vergeſſen n 58 Am Morgen weckte ihn ein heftiges Ruͤtteln ſeiner Peiniger zum Abzuge. Man beſtieg die Roſſe und trabte vorwaͤrts, von der Kuͤhle des Morgens erquickt. Allein am Mittage brannte die Sonne ſo heftig auf ihre Scheitel, daß es die Moslems un⸗ moͤglich fanden, ihre Reiſe in der heißen Mittagszeitfortzuſetzen. Mam lagerte ſich und einer ging umher, eine Quelle zu ſu⸗ chen, um die Roſſe, welche vor Durſt und Mattigkeit faſt verſchmachteten, zu er⸗ quicken. Velasco's Zunge klebte faſt am Gau⸗ men; fuͤr einen Trunk Waſſer haͤtte er jetzt mit Freuden den großen Diamant Jzar's, den er verborgen bei ſich trug, gegeben. Endlich erfullte der Himmel ſeinen Wunſch und ließ den Suchenden zuruͤckkehren.— Renga hatte eine Quelle mit dem friſche⸗ ſten Waſſer im Sande entdeckt, wie auch einen guten ſchattigen Platz fuͤr die matten — 6 — Roſſe. Man brach ſogleich dahin auf, und die Durſtigen eilten dem Elemente zu, wo⸗ nach ſie alle ſo ſehr ſchmachteten. Dann beſtieg man die Pferde wieder und eilte weſtwaͤrts, bis die Reiſenden am ſpaͤten Abend das Ende der Wuͤſte erreichten.— Froh hieruͤber machte man Halt und ſchlug ſich ein Nachtlager auf. Die Flaſchen des berauſchenden Buſes) gingen fleißig im Kreiſe umher, aber ſtets vor dem Spa⸗ nier voruͤber, den die Muſelmaͤnner keines Trunkes wuͤrdigten.— Am andern Mor⸗ gen, vor Sonnenaufgang, wurde der Marſch fortgeſetzt. Endlich, nach einer Reiſe von fuͤnf Ta⸗ gen, ſchien man ſich ſeinem Ziele zu naͤ⸗ hern. Am Ende des fuͤnften erhückte der Spanier einige hohe Gebaͤude, voh Gaͤr⸗ ten umgeben, die am Rande des Mesres *) Ein aus Zrflegepreßtes Getraͤnk. lagen, auch ſchien ſich in der Ferne hinter den Bergen eine Stadt zu erheben. Aus der Mitte der Gebaͤude ragte ein runder Thurm mit ſpitzem Dache hervor, den der Halbmond zierte. Die Mahomedaner zogen in die Pforte ein, und erhoben ein Geſchrei, das meh⸗ rere Bewohner herbeilockte. Von oben rief eine Stimme: Er iſtia Der Spanier, ſein Schickſal erwartend, warf ſeinen Blick hinauf und ſah jenen Moslem der Karavane, deſſen Zuͤge ihm bekannt zu ſein ſchienen. Fuͤhrt ihn herauf! rief dieſer nochmals, und warf das Fenſter zu. Es geſchah. Man ſprang von den Pferden; zwei der Begleiter leiteten den in tuͤrkiſcher Tracht gekleideten Velasco die Stiegen hinauf, zu dem Herrn der Gebaͤude.— Mit ruhi⸗ gem Auge und freier Stirne trat der Spa⸗ nier ins Zimmer.— Der Moslem hieß —— —————— ** M ——* 5 M ſeine Diener das Zimmer verlaſſen, und wandte ſich dann mit hoͤhniſchen Blicken an den erwartungsvollen Velascv. Das Blatt hat ſich gewendet! ſprach er, und durch dieſe Wendung iſt der Tag der Vergeltung mir gekommen. Velasco ſchwieg, und der Tuͤrke fuhr fort: Du ſcheinſt meiner vergeſſen zu haben, Ungluͤcklicher, ſprich! ſind meine Zuͤge Dir unbekannt? Sie ſind es nicht! antwortete der An⸗ daluſier. Eine dunkle Ahnung ſagt mir, daß ich Dich einſi ſah; doch Deinen Na⸗ men kann ich nicht nennen. Dieſe dunkle Ahnung truͤgt Dich nicht! ſprach der Moslem; aber ſage mir, geſellt ſich zu ihr nicht ein gewiſſes inneres Ge⸗ fuͤhl, das Dir ungluͤck prophezeihet? Mein Schickſal, wie das Deine, ſieht in des Allmaͤchtigen Hand, redete Velasen 8 ruhig.— Unumſtoͤßlich iſt ſein Wort, und unausloͤſchlich ſeine Schrift im Buche des menſchlichen Schickſals eingezeichnet!— Du irreſt! unterbrach ihn Mahomeds Anhaͤnger. Dein Leben liegt in meiner Hand, und aus der Liſte der Lebenden biſt Du getilgt.— Doch daß Dein Gedaͤchtniß meiner ſobald vergeſſen hat, daß dieſer Turban und Bart mich ſo entſtellt, und unkenntlich gemacht, das wundert mich.— Sieh her und zittere! Der Sprecher warf den Turban ab, und der ſtaunende Velasco erkannte ſeinen ungetreuen Lieutenant Don Alvar. Das hatte er nicht vermuthet; ſein Erſchrecken entging dem ſpaͤhenden Auge des Feindes nicht. Admiral Velasco da Gaſton! rief er hohnlachend, wie der kurze Zeitraum ei⸗ niger Jahre die Scenen auf dem Weltthea⸗ ter aͤndern kann.— Noch vor kurzer geit — 5 . zwang mich Eure Wuth, Euer Blutdurſt * zur Flucht, zur Veraͤnderung meiner Re⸗ ligion,— aber zehnmal geprieſen ſer der Islam, ſei Mahomeds Glaube: durch mei⸗ nen Uebertritt ſind mir Mittel geworden, mich und den Tod meiner Gefaͤhrten zu raͤchen. Euer Leben ſteht in meiner Hand, keine Macht kann Euch meiner Gewalt ent⸗ . reißen. Zittert! Elender, Abtruͤnniger! ſprach Velasco mit Abſcheu. Wuͤthend zog der Renegat den breiten ſpitzen Dolch ſeines Guͤrtels und drohete des Gebundenen freie Bruſt zu durchſtoßen, der nicht erſchrak beim Anblicke des glaͤn⸗ zenden Stahls und der nahen Gefahr. Nein! ſprach der erbitterte Alvar, das Stilet einſteckend. Vergeblich meint Ihr, mich zur Wuth zu reizen, vergeblich glaubt Ihr, die erſtere wuͤrde ſich einer bemeiſtern, und ich dann durch eins fen richtigen Stoß Euer Leben enden. Ihr betruͤgt Euch. Euch ſind Qualen vorbehal⸗ ten: Qualen, wie ſie nur der erfinderiſche Geiſt eines Phalaris zur Welt bringen kann.— Schon damals, als noch For⸗ mentera's Felſenhoͤhlen mich verbargen, hatte mein rachekochendes Blut Euch den Tod geſchworen, nur der guͤnſtige Zufall entzog Euch mehrere Male dem ſcharfge⸗ ladenem Rohre, das, wie mich, die Buͤſche deckten. Gelobt ſei Allah! daß ich dort meinen Zweck verfehlte; jetzt zum Ziele, und nachdruͤcklicher dahin zu gelangen, gab mir der Gott der Vergeltung die ſchonſte Gelegenheit. Zermalmen will ich Euch, wie Ihr einſt mich zu zermalmen gedach⸗ tet; den Wurm zertreten, der ſich erdrei⸗ ſtete, an meinem Lebensfaden zu nagen, mit Menſchenleben zu ſpielen. Bereitet Euch zum Tode! ehe noch die Erde ſich zehnmal drehet, ſchlaͤgt Eure letzte Stunde. ——„— —————„——.— Velasco ſchwieg, und warf einen ver⸗ ͤchtlichen Blick auf den Droher, der, die⸗ ſes nicht achtend, ſeine Untergebenen rief. Fuͤhrt ihn fort! ſprach er, in des Thur⸗ mes Tiefe kann dieſer Chriſtenhund, der Mahomeds reine Lehren laͤſterte, das Ende ſeiner Tage erwarten. Seine noch zu wei⸗ chen Banden vertauſcht mit feſterem Ge⸗ ſchmeide, deſſen Geklirre ihm in ſeinem ſtil⸗ len Kerker zur Todesmuſik werden ſoll.— Man fuͤhrte den Exadmiral fort, be⸗ legte ihn mit ſtarken Ketten, und brachte ihn in den Thurm, deſſen Fuß das Meer beſpuͤlte. Der Kerker war von großen Fels⸗ ſtuͤcken erbauet, und fuͤr jeden Ungluͤcklichen ein ſchaudererregender Aufenthalt. Hier uͤberdachte der ungluͤckliche Velasco ſeine nunmehrige Lage, und fand ſie ſchrecklich, verzweiflungsvoll. Reuevoll verwuͤnſchte er ſeinen Unglauben und Ungehorſam ge⸗ gen den Aegypter Mesrour, und ſeine Abe — reiſe vom friedlichen Formentera. haft wuͤnſchte er in die hohlen Augen des herannahenden Todes zu ſehen, und Zit⸗ tern ergriff ihn bei dem Gedanken an ein qualvolles Ende. Auf dem Hofraume, den er durch das Gitterfenſter ſeines Gefaͤng⸗ niſſes ſah, wurde am andern Tage ein oben zugeſpitzter Pfahl in die Erde befeſtigt. Velasco ahnete die fuͤrchterliche, marter⸗ volle Todesart, die in Europa unbekannt, hier ihm den Weg zum andern Leben oͤffnen ſollte. Seine Standhaſtigkeit bedurfte ei⸗ ner neuen Pruͤfung. Jeden Abend des durchbrachten Tages oͤffnete ſich die Thuͤr ſeines Kerkers und der ſtumme Waͤchter brachte ihm Speiſe, die kaum hinreichte, ſein Leben zu friſten. Gieb mir Gift! rief einſt Velasco au⸗ ßer ſich. Der Eunuch zeigte ſchweigend auf den „ — Stand⸗ * — „—„— 31 des Zit⸗ ein den ng⸗ ein igt. er⸗ n, nen ei⸗ ges ind iſe, au⸗ den Pfahl des Hofes, ſchnitt ein graͤßliches Geſicht und ging. Sieben Tage ſchon harrte der Spanier, daß man ihn zum Tode abholen wuͤrde, und noch immer harrte er ohne Erfolg. Immer gewohnter ward er es, das Hin⸗ richtungs⸗Inſtrument zu ſchauen, und gleichguͤltig gegen ſein widriges Schickſal, ſchlief er auf den harten Steinen, wie auf Flaumen⸗Pfuͤhlen. Nur der Gedanke an ſeine Jenny, an ſeinen Sohn, an das Scheiden auf immer, brachte ihn dem tief⸗ ſten Abgrunde der Verzweiflung nahe, und ſchreckte ihn vom harten Lager auf. Er⸗ innerte er ſich aber an das Geſtade bei England, wo er freiwillig den Tod erkor, ſo kehrte ſein ganzer Muth, ſeine voͤllige Standhaftigkeit zuruͤck, und er lachte der Martern, die die Menſchen, ihre Bruͤder zu quaͤlen, erfanden. Spaͤt am Abende des achten — wurde die Thuͤr ſeines Gefaͤngniſſes zur ungewohnten Zeit geoͤffnet. Standhaſt er⸗ wartete Velasco ſeine blutgierigen Henker. — Herein trat, ein Mann in Sclavenklei⸗ dung, mit bloßem Saͤbel, ihm ſolgten zwei andere, gekleidet und bewaffnet wie er. Der erſtere ließ den Schein einer ver⸗ ſteckten Leuchte im Gefaͤngniſſe umher, und dann ganz auf Velasco fallen. Ha! ſprach er, der Herr ſei gelobet, ich irrte mich nicht! Biſt Du Velasco da Gaſton, Fuͤrſt der ſpaniſchen Korſaren? Einſt war ich das! antwortete der Be⸗ fragte feſten Tones, jetzt bin ich ein Ver⸗ urtheilter, der mit ruhigem Auge und noch rühigerer Seele in die dunkle Zukunft des Todes ſchauet.— Kommt Ihr, mich abzuhvlen? 27 Ja! ſprach der andere. Wer iſt mein Henker? fragte Velasco⸗ Du betruͤgſt Dich! Wir nahen uns d. zu ſei ſet kei ve zu tr — er mi Ri fle Ar au he Tl zur t er⸗ nker. klei⸗ gten wie ver⸗ und obet, a 2 69— Dir nicht, um Dich zum ewigen Schlafe zu fuͤhren, wir kommen, Dich in den Stand zu ſetzen, der Henker Deines Henkers zu ſein. Wie? Eine lange umſtaͤndliche Erklaͤrung un⸗ ſerer Worte bringt Gefahr. Laͤngſt ſchon keimte der Gedanke in uns, die man Scla⸗ ven nennt, das ſchwer druͤckende Joch ab⸗ zuſchuͤtteln, und den Tyrannen, den ab⸗ truͤnnigen Barbaren Ben⸗Hasran zur Hoͤlle zu ſenden, der in den Sclaven nur das Thier, nicht den Menſchen ſiehet. Jetzt iſt er zur voͤlligen Reife gediehen, und ſtuͤr⸗ miſch bricht die Bluͤthe auf.— Hat unſer Ruͤcken gleich die fuͤrchterlichſte Geißel zer⸗ fleiſcht, ſo ſtaͤhlet doch noch Muth unſern Arm und unſer Herz. Admiral Velasco! auch mich gebar das milde Spanien, ich heiße Centilles und kenne Euch und Eute Thaten, ſtellt Euch an unſere S W beſtraft das Ungeheuer, das aͤrger, als die lernaͤiſche Schlange mit hundert Koͤpfen, wuͤthet.— Nur der Ausbruch unſerer geheimen Verbindung hat Euch vom Tode gerettet;— denn ſchon morgen wuͤrdet Ihr jenes Pfahles ſchreckliche Spitze geziert haben, wenn nicht ein Wunder es verhin⸗ dert hoͤtte.— Ueber dreißig ruͤſtige Chri⸗ ſten, Bruͤder, harren Eurer Ankunft und des Signals, mit Ungeſtuͤm auf die ſorg⸗ loſen Mahomedaner zu fallen, die uns an Zahl zwar uͤberlegen ſind; allein macht uns dieſe ſchwach; ſo macht uns Wuth, Verzweiflung, Raſerei, zu Loͤwen, und das Dunkel der einbrechenden Nacht beguͤnſtigt unſer Vorhaben. Sprecht, Admiral Ve⸗ lasco! wollt Ihr mit uns der Rache ſchar⸗ fes Schwert ergreifen, und dem Tyran⸗ nen, der nach Eurem Blute lechzt, zei⸗ gen, daß auch die Unmoͤglichkeit zur Moͤg⸗ lichkeit werden kann?— . ———— un un an un ner ver der ſer fen der Au Fre Ket mit gen am ſich gen de und voll Wonne aus.— Mein Leben ſei an das Eure gekettet; uͤber Leichen laßt uns den Weg zum Lande der Freiheit bah⸗ nen, den Tyrannei und Deſpotismus uns verſperrt. Recht ſo, Admiral! ſprach Centilles, der Spanier. Freiheit oder Tod! ſei un⸗ ſer Zuruf, wenn Eines Muth zu erſchlaf— fen beginnt, oder ein Feiger ſeinen Bruͤ⸗ dern im Gefechte den Ruͤcken kehrt.— Auf, Freunde! rief der Sprechende ſeinen Freunden zu, zerbrecht unſers Anfuͤhrers Ketten, und bewaffnet ſeine ſtarke Hand mit einem Saͤbel. Die Sclaven traten hinzu: einige Au⸗ genblicke, und des Spaniers Feſſeln lagen am Boden. Wie ein Herenles ſiark fuhlte ſich Velasco, Freude glaͤnzte aus ſeinen Au⸗ Ich will! rief der ſtaunende Velaseo, und ſeine gepreßte Bruſt dehnte ſich frei gen, wie der ſcharfe Stahl in ſeiner Rechten Jetzt folgt uns, Velasco! ſprach Cen⸗ tilles, die Stunde nahet; morgen, wenn der Tag ſich neigt, muͤſſen wir frei, oder ſchon hinuͤber gegangen ſein ins Land der Ruhe. Velasco folgte. Der Fuͤhrer loͤſchte die Leuchte, und leitete den Befreieten durch des Thurmes unterirdiſche Gaͤnge, hin an den Rand des Meeres, wo mehrere ſich zu ihnen geſellten, alle bewaffnet mit brei⸗ ten Kanjaren, und nur eines Winkes ge⸗ waͤrtig, um ſolche zu gebrauchen. Jetzt, Admiral! redete Centilles, blei⸗ bet hier unter Euren neuen Freunden, ich eile, die andern Ungluͤcksbruͤder zu befreien, die nach Rettung duͤrſten, wie der Wan⸗ derer nach einer kuͤhlen labenden Quelle. Hier iſt unſer Sammelplatz, und die Mit⸗ ternacht die Stunde, wo Blut die Ty⸗ ranuei und ihre Schandthaten abwaſchen muß.— Er ging und ließ den uͤber das Vor⸗ gefallene erſtaunten Velasco in der Mitte der Sclaven von allen Nationen zuruͤck⸗ Ein Greis⸗ mit wankendem Haupte trat zu ihm und rief freudig aus: Gebenedeiet ſei der Name des Herrn! Wenn auch der beruͤhmte tapfere Korſar Velasco da Gaſton zur Fahne der Freiheit ſchwoͤrt und ſich mit uns vereint, dann iſt uns der Sieg gewiß. Wie! fragte Velasco erſtaunt, auch Du bewaffnet, auch Deine ſchwache, zitternde, nur des Stabes, der Stuͤtze gewohnte Hand hat das Schwert ergriffen, das mit Vortheil zu fuͤhren Du laͤngſt verlernt haſt!—— Mag ich es verlernt haben! ſiel ihm der Alte ins Wort, mag meine Hand zit⸗ tern; noch ſind des Armes Muskeln und terven ſtark genug, einen richtigen Stoß zu fuͤhren, und eines Stoßes bedarßs 3 IH. Theil. S= — nur, um den Feind in jene Welt zu ſen⸗ den.— Sollen meine Bruͤder, juͤnger als ich, mich an Tapferkeit uͤbertreffen, da ſie doch an Erfahrung mir weit nachſiehen? — Nein, Admiral Velasco! das Alter hat meinen Koͤrper geſchwaͤcht, aber meinen Muth nicht.— Fall ich in dieſer Nacht und meine Freunde ſiegen, ſo iſt das ein Gott gefälliges Opfer, das ich ihnen, das ich der Freiheir bringe; ſiegen ſie nicht, dann mag ich das ihrer und meiner, auch Deiner harrende Elend, den peinlichſten, qualvollſten Tod nicht ſehen, der ſie mit langſamen Schritten ereilt. Die lange ge⸗ tragenen Sclavenketten haben, ſtatt mich langſam zu toͤdten, mich hart, gefuhllos gemacht; aber das Gefuͤhl fuͤr Freiheit iſt in meinem Buſen noch nicht erloſchen und iſt Snh. Dir, gleich dem nit ich os iſt d em. zu augenſcheinliche Tod machte ſie tapſer, wie die Verzweiflung die Sclaven. Der letzte⸗ ren Wuth artete in Barbarei aus. Man hieb einen Theil der Muſelmaͤnner nieder⸗ ſtuͤrmte in den Harem, und Alles, was dem tollen Haufen begegnete, wurde ein Opfer ſeiner Wuth. Velasco und Centilles ſtuͤrzten rache⸗ ſchnaubend nach des Renegaten A llvar Zim⸗ mer. Man fand ihn nicht; umſonſt durch⸗ ſuchten die Mordgierigen den kleinſten Win⸗ kel; aber er ſchien verſchwunden zu ſein In dem groͤßten der Hoͤfe hinter dem Serail hatten ſich die geflohenen Moslems wieder geſammelt und warfen ſich jetzt auf die ſchon Sieg ſchreienden Sclaven. Ein hef⸗ tiges blutiges Gefecht begann von Neuem. Mit geſpaltenem Haupte ſank der jugend⸗ liche Greis zur Linken an Velascos Seite. Wie ein Lowe focht der brabe Centilles, und ſeines Schwertes Schärſe Tod und Verderben um ſich her. Aber auch die Unglaͤubigen zeigten nicht Feigheit; — Verzweiflung focht gegen Verzweiflung, Wuth gegen Raſerei. Endlich ſiegten die Europaͤer, und ihr Freudengeſchrei ertoͤnte durch die Nacht, das durch ein ſechsfaches Echo von den Bergen graͤßlich wiederhallte; nur Centil⸗ les ſtimmte nicht mit in den lauten Jubel ein. — Was ſuchſt Du, Tapferer? fragte ihn einer ſeiner freien Bruͤder, als er mit truͤ⸗ bem Blicke die Leichen uͤberſchauete. Vergebens ſuche ich unter den Todten den Renegaten Ben⸗Hasran, unſern Tod⸗ feind, den Barbaren; er allein iſt unſerer ſeiner Anhaͤnger triefenden Saͤbeln, antwor⸗ tete der Sieger. Laßt uns ſein ganzes Ei⸗ genthum zerſtoren, die Flammen, die das ½ gerechten Rache entflohen, und ein verſteck⸗ ter Ort ſchuͤtzt ihn vor unſern, vom Blute „ — 59— eſt ergreifen, moͤgen auch ihn verzeh⸗ ren!—— 5 Er ſprach's, und man gehorchte. Im Augenblicke faͤrbten die Flammen den Him⸗ mel, und hoch empor ſchlug die Feuerſaͤule von dem Orte der ehemaligen Barbarei; mit Jammer und Angſigeſchrei flohen die Weiber des Serails in die nahen Gebirge, ſich wenigſtens vor den verheerenden Flam⸗ men zu retten. Im nahen Larache läutete man die Glo⸗ cken der Moſcheen und loͤſte die Kanonen des Hafens; denn die Einwohner furchte⸗ ten, ein Feind aus Europa ſei gelandet und verheere die Gegend⸗ Jetzt! ſprach Centilles, und ergriff Ve⸗ lasco's Hand, jetzt zu Schiffe, ſonſt uͤber⸗ fallt uns triumphirend Larachens ganze Macht! Sein Rufen verſammelte die jetzt Freien⸗ von denen zehn gefallen und noch drei und S 80 zwanzig uͤbrig waren.— In der mög⸗ lichſten Geſchwindigkeit beſtiegen die Ueber⸗ winder die bereitliegende Schaluppe, und ſtießen vom Lande ab; weder verſehen mit Compaß, noch mit den noͤthigen Lebens⸗ mitteln. VII. Abſchnitt. Be an den hellen Morgen beleuchteten die Flammen das Meer, und roͤtheten den Horizont. Noch jubelten die ehemaligen Sclaven Ben⸗Hasran's; Velasco brachte ſie zum Schweigen. Die nicht unbeſiegbaren Moslems habt Ihr beſiegt! ſprach er;z aber ſeid Ihr auch gewiß, die Gefahren der See bezwingen zu koͤnnen, habt Ihr Macht genug, dem Sturme Einhalt zu gebieten; ſind Mittel in Euren Haͤnden, die verborgenen Felſen und Klippen im tiefen Meere wegzüſcha 8— fen, oder ſeid Ihr ſtark genug, den Hee⸗ ren der Schiffe, die Mahomeds Fahne zieret, die Spitze zu bieten?— Erſt, wenn unſer kleines Fahrzeug uns an Eu⸗ ropas herrliches Geſtade gefuͤhrt, und un⸗ ſer Fuß, von keiner Sclavenkette mehr ge⸗ bruͤckt, den vaterlaͤndiſchen Boden betritt, dann frohlockt und dankt dem Erloͤſer.— Die Geretteten verſtummten, und Cen⸗ tilles, der Spanier, nahm das Wort: lug und weiſe redete unſer Freund, unſer Mitſtreiter, der tapfere Velasco da Gaſton, der beſſer als einer von uns die tuͤckiſche See und ihre Gefahren kennt. Er, der alle Meere geſehen, deſſen Na⸗ men alle Nationen kennen, ſei unſer An⸗ fuͤhrer, unſer Kapitain, ihm uͤbertragt die Leitung unſerer Schaluppe, deren Lauf zu regieren er allein nur verſteht. Mit Freuden willigten die Seefahrer ein, erkannten den Andaluſier fuͤr ihr Ober⸗ M M —— haupt und ſchwuren ihm Treue⸗ Dieſer ließ nun weſtwaͤrts von der Kuͤſte ſteuern⸗ um die Feſtung Larache und ihren Hafen zu vermeiden. Am Mittage hatte man ſchon Aſeikas Geſtade aus dem Geſichte verloren, und ſegelte mit gutem Winde weiter, hoffend⸗ bald eine der canariſchen Inſeln zu ent⸗ decken. Unter der Ladung der Schaluppe befan⸗ den ſich einige Faͤſſer mit ſeltenem Weine und andern hitzigen Getraͤnken, denen die vormaligen Sclaven Ver⸗Hasrans fleißig zuſprachen. Bald erkrankten mehrere der Seefahrer, die, des Waſſers in der Scla⸗ verei nur gewohnt, zu viel davon getrun⸗ ken, und ſich dadurch den Tod zugezogen hatten. Am dritten Tage ſtarben zwei, denen man die noͤthige Arzuei und Hilfe nicht reichen konnte; am vierten wieder ei⸗ nige, und mit jedem Tage vtigei ſich 5— die Mannſchaft der Schaluppe.— End⸗ lich entdeckte der Admiral Velasco den Grund der boͤsartigen Krankheit und des haͤufigen Sterbens. Sogleich ließ er alle Faͤſſer mit den ſo gefaͤhrlichen Getraͤnken ins Meer werfen, obgleich die meiſten der noch Geſunden uͤber dieſe Vorſicht mur⸗ reten. Centilles billigte des Hauptmanns Hand⸗ lungsweiſe, und warf den Unzufriedenen ihr thoͤrichtes Betragen vor. Ungeachtet des Admirals kluger Vorſicht, ſtarben dennoch mehrere der Kranken, ſo daß ſich am Ende des ſiebenten Tages nur noch dreizehn le⸗ bende Maͤnner im Schiffe befanden. Als man am achten Tage nach der Ab⸗ fahrt von Afrikas Kuͤſte noch kein Land ent⸗ deckte, ſtieg beim Admiral Velasco ſowohl, als bei ſeinen Untergebenen der Glaube auf, daß ſie in der Fahrt zu weit ſuͤd⸗ lich geſteuert waͤren, deshalb wandte man —— das Schiff weiter ſuͤdoſtlich. Schon fingen die wenigen mitgenommenen Lebensmittel an zu ſchwinden, und man ſah einer gaͤnz⸗ lichen ſchrecklichen Hungersnoth entgegen⸗ Endlich, am Morgen des zehnten Ta⸗ ges, ſah man ein Geſtade vor ſich liegen, das, mit Felſen und Klippen umgeben, den Reiſenden einen fuͤrchterlichen Anblick gab. Velasco hielt es fuͤr die Kuͤſte von Afrika, und irrte ſich darin nicht.— Man beſchloß zu landen, und ſich durch Guͤte oder Gewalt Lebensmittel zu ver⸗ ſchaffen.— Mit vieler Muͤhe gelang es den Seefahrern, ſich durch die Klippen und Sandbaͤnke hindurch zu ſchlagen, um dem Lande naher zu kommen.— Velasco ſtieg mit zehn ſeiner Gefaͤhrten ans Land⸗ drei wurden in der Schaluppe zurückgeloſſen⸗ Ohne einen Bewohner zu finden, durch⸗ ſtrichen ſie die Waͤlder am Ufer⸗ die aus Palm⸗, Mangle⸗ und Maſiir⸗Bumen ie 86 beſtanden, und fanden Fruͤchte im Ueber⸗ fluß. Man belud ſich mit Honig, Waſſer⸗ Melonen, Datteln und Andern, die hier wild und in Menge wuchſen. Der Abend brach ein, und Centilles rieth, nach dem Schiffe zuruͤckzukehren. Allein da man ſich zu weit vom Ufer entfernt hatte, war es den Wanberern unmoͤglich, aus den Waͤldern hinaus, und die Stelle wieder zu finden, wo die Schaluppe und ihre drei Gefaͤhrten ihrer harreten. Die Nacht kam, und mit ihr Muͤdig⸗ keit bei den Reiſenden; man beſchloß, im Walde zu uͤbernachten, und zuͤndete ein helles Feuer an, Afrikas wilde Thiere zu verſcheuchen, auch mußte wechſelsweiſe Ei⸗ ner wachen.— Kaum fing der Morgen zu grauen an, ſo brachen die Erwachten auf, den Ort zu ſuchen, wo die aͤngſt⸗ lichen Gefaͤhrten ſie erwarteten.— End⸗ lich war man ſo gluͤcklich, das Ende des —— c— 84 T* er m n r n er ei 8 n Waldes zu erreichen, aber wie groß war der Schrecken und das Erſtaunen der Wan⸗ derer, als ſie ſich am Fuße eines ſehr ho⸗ hen Gebirges befanden, deſſen Spitzen bis in die Wolken zu reichen ſchienen. Stumm und verwirrt ſtanden die be⸗ freieten Chriſten⸗Sclaben beim Anblick die⸗ ſer Steinmaſſe; ſelbſt Velasco ſchwieg be⸗ troffen. Was iſt das? ſprach Centilles zuerſt. Hat uns der Himmel darum Land erbli⸗ cken laſſen und uns die Freiheit gegeben, damit wir in Eindͤden unſere Tage beſchlie⸗ ßen, oder von Afrikas Beſtien gefreſſen wer⸗ den ſollen? denn ſicher befinden wir uns an einem Theile des Gebirges Sierra Leone. Einer ſeiner Gefährten machte den Spre⸗ chenden auf eine Rauchſaute aufmerkſam, die hinter den niederen Beigen emporſtieg. Wo Rauch iſt, ſind Menſchen, rebete Velascv. Laßt uns ſie aufſuchenz wir ſind 88 bewaffnet und der Sprache des Landes maͤchtig. Man willigte ein. Mit Muͤhe uberſtie⸗ gen die Europaäer die ſteilen Berge und Fel⸗ ſen, die gar keine Spur vom Daſein eines menſchlichen Geſchoͤpfes zeigten. Der noch immer emporſteigende Rauch zeigte ihnen den Weg. Endlich ſtanden ſie vor einer Huͤtte, die unter einem Fels gebauet, mit Thierhaͤuten bedeckt und wohl verwahrt war.— Velasco klopfte an die Thuͤr, und erwartungsvoll ſtanden ſeine Gefaͤhr⸗ ten umher. Wer klopſt? fragte der Bewohner auf arabiſch. Es iſt nur ein Gott, und ſein Pro⸗ phet iſt Mahomed! antwortete Velasco in derſelben Sprache. Mach' auf, Bruder! Reiſende, die ſich verirrt haben, harren vor der Thuͤre Deiner Wohnung. Sie ſoll geoͤffnet werden. — — —— — des Es geſchah, und ein Mann in Der⸗ wiſch⸗Kleidern trat heraus. Seine Bruſt tie⸗ uͤberfloß ein weißer Bart, und um ſeinen el⸗ Hals hing der Mosphahe.*) Er ſtaunte, nes als er die Menge der Fremden, die mei⸗ och ſten in Sclaven⸗Kleidung, und nur den en Admiral in tuͤrkiſcher Tracht vor ſich ſah⸗ ner Tretet herein! ſprach er, und ſeid mit nit dem zufrieden, was Euch der arme Il⸗ Caben beut.— r, Die Verirrten traten ein, der Derwiſch fuhrte ſie durch die Huͤtte, tiefer in den Felſen, und ſetzte ihnen dann Datteln, uf Waſſer-Melonen und Luigibi**) vor. Heiliger Bruder! ſprach Velasco, als er einige Datteln genoſſen, ſag' uns, wo 0⸗ in wir uns befinden?—— I n ²) Eine Art Roſenkranz, den die Derwiſche und andere mahomedaniſche Geiſtliche tragen. **) Saft der Dattelbäume. „ 90 Ihr ſeid jetzt in dem Gebirge Claros, an der Grenze des maroccoſchen Reiches, und funfzehn Tagereiſen von der Stabt Tafilet. An des Meeres Geſtade harret unſer ein Schiff, das nach Tanger beſtimmt iſi, ſprach Velasco weitéer. Auf unſerer Nach⸗ ſuchung in dieſen Waͤldern haben wir uns verirrt, und bitten Dich jetzt, uns den Ruͤckweg zu zeigen. Ihr ſeid ſehr irre gegangen, redete Il⸗ Caben, der Derwiſch, und vom Meeres⸗ ſtrande beinahe drei Tagereiſen entfernt; doch gebt Euch zufrieden und laßt Euch das kaͤrgliche Mahl wohl ſchmecken, wenn die Mittagsſonne nicht mehr ſo heftig un⸗ ſere Scheitel brennt, will ich Euch einen Wes zeigen, der Euch naͤher zum Ziele fuͤh⸗ ren ſoll. Der Sprecher hielt einige Augenblicke iine, dann fuhr er fort: Seid Ihr aͤchte Moslems?— Pre Alc An Ge Kle m bi be — 91— an Wir erkennen Mahomed als unſern nd Propheten! antwortete Velasco. et. Stillſchweigend holte der Derwiſch den ſer Alcoran, legte ihn aufgeſchlagen vor den ſt, Andaluſier hin, und bat ihn, das neunte h⸗ Gebet laut zu leſen. nð Dieſer gerieth in Velegenheit, die dem 65 Klausner nicht entging. Du zwingſt Dich vergebens, ſprach er, Deine Unruhe zu verbergen, Du und Deine 5 Freunde ſind Chriſten und—— meine t Bruͤder!— ich Staunend ſahen die Europaͤer auf den 85 Redner, der fortfuhr: n Ihr ſeid verwundert, und nicht ohne en Grund; aber wiſſet: Europa iſt ſo gut h⸗ meine Heimath, wie die Eurige. Siciliens Gefilde ſahen meine Augen bei der Ge⸗ cke burt.— Schon zwei und zwaüzig Jahre te bewohne ich das Gebirge Claros, und weit und breit bin ich als ein guter Muſelmann bekannt. Fuͤr die Moslems bin ich ein Moslem, aber mein Herz erkennet eben den Gott, den Ihr anbetet. Iſt es moͤglich! rief Centilles aus. Es iſt ſo!— Seit zwei und zwanzig Jahren ſeid Ihr die erſten Chriſten, de⸗ nen ich mich ohne Scheu entdeckt habe, ſeit zwei und zwanzig Jahren die erſten Bruͤder, die ich umarmen darf. Zwar bin ich der Derwiſch Il⸗Caben, aber fuͤr Euch der Sicilianer Romez de Shedoni.— Glaubt Ihr, ich habe die Sprache mei⸗ nes Vaterlandes verlernt? Nein!— Ober zweifelt Ihr dennoch an meiner Ausſage? trauet Ihr meinen Worten nicht?— Wir zweiſeln nicht! ſprach Velasco; doch in dieſen Felſen einen Chriſten als Mahomedaner, als Geiſtlichen zu finden, ſetzt uns in nicht geringes Erſtaunen. Lieben Freunde und Bruͤder! redete der Eremit weiter, Eure Verwunderung iſt ver⸗ —„„— c ein zeihlich wie Euer Mißtrauen. Ich koͤnnte ben Euch meine Lebensgeſchichte erzaͤhlen, und Ihr wuͤrdet ſie ſeltſam genug finden, ſo wie meinen Entſchluß, hier meiner Tage nzig Ende zu erwarten. Aber wozu?— Sie de⸗ wuͤrde Euch nur zeigen, was Ihr gewiß abe, ſchon kennt, mehr als dem Namen nach⸗ ſten Ungluͤck und Mißgeſchick, Barbarei und bin Sclavenketten ſpielen die Rollen, die Haupt⸗ uch charaktere in dem Trauerſpiele meines Le⸗ bens. Den letzteren habe ich ein freies, wie⸗ nei⸗ wohl ein odes Sein vorgezogen, das mich der weniger druͤckt, als das Joch der Leibeie ge? genſchaſt, und weniger Schmerzen verur⸗ ſacht, als die Peitſche der Peiniger.— co; Mein neun und ſiebenzigſtes Jahr habe als ich erreicht, und hoffe, bald von allen Lei⸗ en, den befreit zu ſein; dann mag meine Hutte mein Grab werden.—— Doch, Freunde! der jetzt, da wir uns kennen, wollen wir die Zeit nicht mit Reden und Erzaͤhlen ver⸗ ſchwenden, ſondern es uns auch wohl ſchme⸗ cken laſſen. Mit dieſen Worten ging der alte Eu⸗ ropäer tiefer in ſeine Hoͤhle, und kehrte dann mit einigen Flaſchen Meth, mehre⸗ ren Stuͤcken gedoͤrreten Fleiſches und tro⸗ ckenen Trauben zuruͤck. Damit, ſprach er, verſorgt mich jaͤhr⸗ lich die von Zorgan kommende Karavane; denn meine Waͤlber liefern dergleichen nicht. So! Llſo kommen doch Muſelmaͤnner in dieſe Gebirge? fragte Centilles.— Nicht ſehr weit von meiner Wohnung geht eine Straße durch die Felſen und Berge nach Todga, welche die Karavane jedes Jahr zieht. Außer dieſer ſieht mein Auge ſelten einen Menſchen; obgleich oſt Europaͤer an der Kuͤſte landen, die nach dem Kap oder den andern europaͤiſchen Beſitzungen ſegeln, aber bis zu mir ſind un alt der ker ſta Ae ein hr⸗ ne; cht. ner ung und ane nein oft tach chen noch keine gekommen, der Anblick des furch⸗ 95— terlichen Gebirges haͤlt ſie ab. Der alte Derwiſch redete fort, und unterhielt ſeine Gaͤſte bis an den Mittag, als Velasco aufſtand. Gefaͤhrten! ſprach er, laßt uns bei der Unterhaltung, beim Eſſen und Trin⸗ ken nicht unſere Freunde daheim am Ge⸗ ſtade vergeſſen, die unſertwegen gewiß in Aengſten ſind. Wohl geſprochen! fiel Centilles ein.— Lebt wohl! alter Einſiedler; Dank fuͤr Eure Bewirthung, Dank fuͤr—— Halt ein! unterbrach ihn Il⸗Caben. Unmoͤglich koͤnnt Ihr mich jetzt ſchon ber⸗ laſſen wollen; kaum daß die Freude, in Geſellſchaft von Freunden, von Bruͤdern, ſich meiner Bruſt zu bemaͤchtigen anfaͤngt! Gern, ſprach Velasco, blieben wir noch einige Tage in Deiner gaſifreien Huͤtte; al⸗ 96 lein die groͤßte Nothwendigkeit zwingt uns, ans Ufer zuruͤckzukehren. Dieſe Nothwendigkeit ſoll gehoben wer⸗ den. Ich zeige einigen von Euch einen ſchmalen Weg durch die Gebirge, den die Natur gebildet, und der Euch ans Geſtade fuͤhrt.— Der Pfad iſt kurz, ſpaͤteſtens am Abende koͤnnt Ihr bei dem zuruͤckge⸗ laſſenen Schiffe ſein. Theilt den Eurer Harrenden mit, was Euch abhaͤlt, ſchon dieſe Berge zu verlaſſen, und kehret dann wieder zuruͤck.— Eine gute Bewirthung erwartet Euch. Aber gehet in Geſellſchaft, denn mit mir bewohnen mancherlei Art der reißenden Thiere das Gebirge, die am Abend und im Dunkel der Nacht gefaͤhr⸗ lich ſind. Velasco ſah ſich genoͤthigt, den ſtuͤr⸗ miſchen Bitten des alten Sicilianers nach⸗ zugeben, und ſechs ſeiner Gefaͤhrten mach⸗ — c——— 8 e e e— wer⸗ inen die ſtade ſtens ckge⸗ urer chon dann ung haft, der am aͤhr⸗ ſtur⸗ ach⸗ ach⸗ ten ſich auf den Weg, nachdem ihnen Fl⸗ Caben dieſen gezeigt hatte. Freunde! ſprach der alte Europaͤer, Eure Ankunſt in Claros hat mich vergnuͤgt und geſpraͤchig gemacht, hoͤrt alſo in kur⸗ zen Worten die merkwuͤrdigſten Begeben⸗ heiten meines Lebens: Ich bin aus einem vornehmen und gl⸗ ten ſicilianiſchen Geſchlechte. Mein Va⸗ ter, der mehr Ahnen und Soͤhne als Gu⸗ ter hatte, beſtimmte mich, den juͤngſten, zum Stande der Malteſer.— Als ich mein zwanzigſtes Jahr erreicht hatte, ging ich nach Malta und nahm das Ordens⸗ Kreuz.— Auf den Streifereien und Kreuz⸗ zuͤgen gegen die osmaniſchen Raubſtaaten bewies ich mich tapfer, und erhielt bald die Wuͤrde eines Comthurs.— Bis in mein ſieben und vierzigſtes Jahr lebte ich gluͤcklich, wenn man ein eheloſes Leben ein gluͤckliches nennen will. Da fuͤhrte mich I. Theil. 5 22 mein kriegeriſcher Eifer, meine Unruhe noch einmal auf die See.— An Lfrika's Kuͤſte ſpuͤrte ich ein Schiff auf, verfolgte es zu weit, und ſahe mich bald durch meh⸗ rere Fahrzeuge vom Ruͤckzuge abgeſchnit⸗ ten.— Nach einem heftigen blutigen Ge⸗ fechte mußten wir ſtreichen und uns erge⸗ ben. Die erbitterten Tuͤrken hieben faſt die ganze Mannſchaft nieder, nur ich und einige andere entgingen dem Tode. Das eine Schiff, ein Maroccaner, fuͤhrte uns nach Tefza, und hier verkaufte man uns gleich Thieren, um uns als ſolche zu be⸗ handeln.— Ich war noch ruͤſtig und ſtark; ein rei⸗ cher Bewohner dieſer Stadt kaufte mich, und nun erſt lernte ich Ungluͤck kennen.— Dieſer Mahomedaner, dem einſt die Eu⸗ ropaer fuͤnf ſeiner beſten Schiffe genommen und ſeinen Sohn getödtet hatten, war ein Teufel.— Er hatte den Schwur gethan, e e ——„„ — M — 1 — jedem Chriſten, der in ſeine Haͤnde gera⸗ then wuͤrde, den Verluſt ſeines Sohnes und ſeiner Schiffe entgelten zu laſſen. An ihren Leiden, an ihrem Schmerze hoffte er Entſchaͤdigung zu finden; und wenn ſeine Sclaven unter der blutigen Peit⸗ ſche des Unmenſchen ſich kruͤmmten, dann frohlockte dieſer Barbar, und ermunterte die Vollſtrecker ſeiner Grauſamkeit, die Hiebe zu verdoppeln, und ihre nervigen Arme zu ſchwingen, damit ſeine Augen an dieſem Spiele ſich weiden konnten. Dieſem Ungeheuer diente ich— zehn Jahre! Bedenkt! zehn Jahre, welche Ewig⸗ keit im ungluͤcke!— Mehrere meiner Mit⸗ Sclaven ertrugen ihre ſchwere Buͤrde nicht, und ſanken dahin. Mein Koͤrper, der lei⸗ der zu ſtark war, denen der Ungluͤcklichen zu folgen, widerſtand mit eiſerner Feſtig⸗ keit allem Ungemache, das, ſtatt ihn zu ſchwaͤchen, ihn dauerhafter und geſchickter 5* 100 machte, das zu leiden, was die andern dahin raffte.— Nach zehn langen Jahren zeigte ſich mir eine guͤnſtige Gelegenheit zur Flucht; ich benutzte ſie, und entzog mich den Hen⸗ kershaͤnden meines Gebieters. In dieſe Waͤlder fuͤhrte mich mein Fuß, dieſe Gebirge ſchienen mir geſchickt zu ſein, den Fluͤchtling vor der Verfolger Augen zu ſichern, den Selaven vor des Barbaren Blicken zu verbergen.— Bei meinem umherirren und Durchſu⸗ chen der Felſen fand ich dieſe Huͤtte, und einen Greis in ihr.— Es war der Der⸗ wiſch Ell⸗Bendur. Dieſer mahomesaniſche Geiſtliche erkannte in mir den Chriſten, den entlaufenen Sclaven, und nahm mich lieb⸗ reich auf. Sei Chriſt, ſei Moslem oder Heide! ſprach er, ſei was Du willſt, Du biſt ein Menſch, und ungluͤcklich, haſt ein Recht, — le le — 101— meinen Beiſtand zu fordern, und auf ihn zu rechnen. Bleibe bei mir, ſei mein Freund, mein Bruder und Erbe dieſer Fel⸗ ſenhoͤhle.— Wenn ich ſterbe, dann lege meinen Leib in die Erde.—— Ich blieb bei dem Weiſen Ell⸗Bendur, und lebte mit ihm zwei Jahre. Am Ende des zweiten ſtarb mein Vater. In ſeiner letzten Stunde nahm er den Alcoran und las einige Zeilen. „Jetzt, Prophet, ſprach er dann, „geprieſener Prophet, werde ich ſehen, „ob Du wahr geredet haſt, ob Deine „Worte Trug ſind.— Wahr oder „unwahr, ſo weiß ich, ich werde gluͤck⸗ „lich ſein, wenn Tugend die beſte von „allen Religionen iſt.“ tach dem Tode dieſes Weiſen lebte ich einſam unter dem Namen des Derwi⸗ ſches Il⸗Caben; ſo kennen mich die hier durchreiſenden Mahomedaner, und vereh⸗ ren in mir den Heiligen. Vor ſechs Jahren tobte auf der See einer der ſchrecklichſten Orcane, die ich je erlebt. Am Morgen jener fuͤrchterlichen Nacht wanderte ich nach dem Ufer des Meeres, die Verheerungen des Sturmes zu ſehen. Auf der Spitze eines weit uͤber dem Waſſer hervorragenden Felſens ſchlief ein Moslem in reicher Kleidung. Ich klomm hinan, den Unbeſonnenen zu wecken, und er⸗ blickte bekannte Zuͤge.— Es war der Be⸗ wohner Tefza's, deſſen Tigerklauen ich ent⸗ wich, es war mein Peiniger.— Die ſuͤße Wonne der Rache, der gerechten Vergel⸗ tung wuchs in meinem Herzen; ein ſchwa⸗ cher Stoß, und dieſer Unmenſch ſtuͤrzte hinab auf die ſpitzen Felſen und Klippen, die aus dem Meere hervorragten. Die geſchaͤftige Einbildungskraft mahlte mir des Feindes zerſchmetterte Glieder, mahlte mir — den weiſen, tugendhaſten Ell-Bendur und das große Weltgericht an jenem Tage; ent⸗ ſchwunden war der Gedanke an Rache, an Vergeltung.— Ich erweckte den, dem Tode 1 nahen Muſelmann, zeigte ihm die drohende 6 Gefahr und fuͤhrte ihn in meine Huͤtte. 6 Mein ehemaliger Gebieter erkannte mich r nicht, Jahre, Bart und Kleidung verſtell⸗ f ten mich,— und wie haͤtte er auch ſeinen n Selaven in dem Derwiſch Il⸗Caben wie⸗ der zu finden, nur koͤnnen?— Ich bewirthete meinen Feind, und er ⸗ erzaͤhlte mir:„Sein Schiff ſei an dieſen 5 Felſen geſcheitert, und uͤber hundert Men⸗ l⸗ ſchen und große Schaͤtze ſeien verloren ge⸗ ⸗ gangen.“— Als ich den Moslem er⸗ e quickt hatte, zeigte ich ihm den Weg aus 5 dem Gebirge, und dankte dem Schoͤpfer, e daß er mich ſolch' einer ſtarken Verſuchung 8— hatte widerſiehen laſſen. Den Feind der kuͤhlenden Rache opfern, — 1— iſt eine Wonne; aber ſich auch dann nicht raͤchen, wenn Rache gerechte Vergeltung waͤre, iſt erhaben!!—— Sehet, Freunde! nun lebe ich gluͤcklich in dieſen Einoͤden, und lache der Men⸗ ſchen. Meine Huͤtte und Felſenhoͤhle ſind mir um alle Schaͤtze der Welt nicht feil. Sie lehren mich die Thoren von Menſchen bemitleiden, die nur im ſchnoͤden Tande, Hoheit, Adel, ihr Gluͤck, und nur in wei⸗ chen Daunen⸗Betten ihre Ruhe ſuchen; die um den Beſitz geringer Felder, kleiner Staͤdte und Landſchaften, Millionen von Menſchen opfern, die, ihre Schaͤtze zu ver⸗ mehren, Leben, Ehre, Gluͤck und Freiheit aufs hohe Spiel ſetzen.— Gleich wie durch ein feingeſchliffenes Glas erſcheint mir auf dem Welttheater, das ich zwar jetzt nicht mehr ſehe, aber geſehn habe, Alles heller, deutlicher;— ich ſehe Maͤn⸗ gel und Fehler, die noch keiner entdeckte, — und der Gedanke, hier zu ſterben, nie wie⸗ der ins Getuͤmmel zuruͤckzukehren, ſchlagt tiefe, die tiefſten Wurzekn.— Mein maͤßiges Leben und der Saft der Kraͤuter, die Zeit und Fleiß mich kennen lehrten, ſchuͤtzen mich vor Krankheit und Schwaͤche des Alters.— So erwarte ich meinen Tod mit Ruhe, weil ich mit freier, offener Stirn mich vor den Richter dort oben ſtellen und mein Urtheil erwarten kann.—— Hier in dieſen Gebirgen reizt weder eine edle That meine Bewunderung und mein Erſtaunen, noch die Schandthat eines Buben meinen Unwillen und meine Verachtung.— Ich ſehe weder die an⸗ haͤngliche Liebe, die Zaͤrtlichkeit meiner Freunde, noch den Neid, die Luſt zu ſcha⸗ den, der Feinde; die Geburten ihrer elen⸗ den, verlaͤumderiſchen Zungen dringen nicht zu mir.— Die Trennung von der Ge⸗ liebten macht mich nicht untroͤſilich, weil — 106— ich keine beſitze, meine Schaͤtze brauchen keines Waͤchters und keiner Schloͤſſer; ich renne nur eine ſehr geringe Zahl von Be⸗ duͤrfniſſen, da doch der Menſch ſo viele zu kennen pflegt.— Wenn die milde Sonne den Thau des Graſes ſaugt, verlaſſ' ich mein Lager, be⸗ kenne vor dem Erhalter der Welten meine Suͤndenſchuld und flehe um Vergebung. Hingegen Andre beſturmen ihn mit Bitten und Gebeten, deren Zweck ſie ſelbſt nicht einſehen.—— Lange werde ich dieſe Felſen nicht mehr bewohnen, denn ſchon naͤhert ſich mein Al⸗ ter den Achtzigen.— Der Alte endete, und Centilles nahm das Wort: Wahrlich! ſprach er, nie haͤtte ich in dieſen Felſen einen europaͤiſchen Weiſen ge⸗ ſucht; Deine Worte umfaſſen Wahrheit; — aber dennoch ziehe ich das Leben unter . Menſchen dem in Eindoͤden vor. Freund! ſprach der Einſiedler, noch biſt Du jung, und haſt des Ungluͤcks ganze u Macht, den vollen Druck der Sclaverei 8 nicht gleich mir empfunden.—— ⸗ Halt ein! unterbrach ihn Centilles, auch e ich, auch wir empfanden ihn!— Drei . Jahre habe ich das Joch getragen, bis n unſere Haͤnde, mit dem Schwerte bewaff⸗ t net, es abwarfen, und wir uns bis hie⸗ her einen Weg bahnten. Hoch loderten die Flammen unſerer Kerker empor, und das Blut unſerer Peiniger umfloß die Leichen der Erſchlagenen!—— Der Abend war gekommen, und Il⸗ Caben trug Speiſe fuͤr ſeine Gäſte auf. Velaseo horchte auf die Reden des weiſen in Greiſes, der es ſich angelegen ſemn Ueß, e die Fremdlinge zu unterhalten. erklaͤrte ihnen den Inhalt des Korans, des 108— Islams und anderer mahomedaniſchen Re⸗ ligionsbuͤcher, die er geleſen und reiflich gepruͤft hatte; machte ſie mit den Fehlern und dem Guten der Religion bekannt, und ſprach von ihrem Stifter, den er einen nicht unwiſſenden Schwaͤrmer nannte. Bis ſpaͤt in die Nacht redeten die Freunde, bis ihnen der Einſiedler in den Felſenkammern ihre weichen Lager zeigte, und ſanft zu ruhen wuͤnſchte.— Der muͤde Admiral entſchlief bald, ſo wie ſeine Gefaͤhrten, und traͤumte von ſeiner Jenny daheim. Ein ferner Donner weckte ihn in den fruͤhen Morgenſtunden, er horchte, und glaubte deutlich Kanonenſchuͤſſe zu verneh⸗ men. Eilig ſprang der Erſchrockene auf, und eilte vor die Huͤtte. Zu ihm geſellte ſich der ſchon fruͤh wache Greis Il⸗Ca⸗ ben.— — Hoͤrſt Du das ſerne Schießen? fragte — Velasco. Gebe der Himmel, daß ſeine Bedeutung fuͤr uns nicht nachtheilig iſt. Auch mich befremdet der Laͤrm, ant⸗ wortete der Alte. Sicher ſind es Hilfs⸗ Signale eines Schiffes. Erklimm' jenen Felſen, ſo wird Dein Auge bis ans Meer reichen. Velasco kletterte mit Gefahr ſeines Le⸗ bens hinan, und blickte in die ferne Daͤm⸗ merung. Auch Centilles hatte das Lager, Ungluͤck ahnend, verlaſſen und war ſeines Freundes Spur gefolgt. Beide verſuch⸗ ten in der Ferne die Gegenſtaͤnde zu er⸗ kennen, aber vergeblich.— Das Schie⸗ ßen ſchwieg, und ein Nebel, dick genug, um die Ausſicht zu verfinſtern, ſiieg aus den Thaͤlern herauf.— Velasco! ſprach Centilles, was hat das zu bedeuten?— Sollte jener Donner gegen unſere Schaluppe, gegen das Werkzeug un⸗ ſerer Befreiung, unſerer Reiſe zum gläͤck⸗ lichen Europa gerichtet ſeyn?— Schon der Gedanke kann uns der nahe bringen.— Laß uns das Beſte hoffen, und des Schlimmſten gewaͤrtig ſein! troͤſtete der be⸗ aͤngſtigte Velasco, und beide klommen den Felſen hinab.— Ihre beiden andern Ge⸗ faͤhrten harrten angſtvoll der Nachricht der Herabkommenden, und der Greis hoffte begierig, daß Velasco das er⸗ zaͤhlen moͤgte. Unmoͤglich iſt's dem Auge des Sterbli⸗ chen, redete der Spanier, den dichten Ne⸗ bel zu durchſchauen, der Berge und Thaͤ⸗ ler deckt. Zeige uns, Il-Caben! den kuͤr⸗ zeſten Weg zum Strande, damit unſere Augen ſich uͤberzeugen, ob wir verzwei⸗ feln oder Gott danken ſollen. Der Alte gehorchte.— Gehet, ſprach er, unterrichtet Euch, und kehret bald wieder! „—————„ —„——„„N„— (— Fort eilten die Europaͤer durch Felſen, uͤber Berge und Thaͤler; bange Ahnungen gaben ihren Schritten Fluͤgel, und der Wunſch nach einer baldigen Ueberzeugung verdoppelte ſie.— Gegen Mittag, als die Sonne ihre Macht auf die Erde und ihre Bewohner ausbreitete, kamen die vom Schweiße Triefenden aus den Gebirgen, dem Meeresrande naͤher.— Aller Augen ſuch⸗ ten das Schiff, man fand den Ankerplatz, aber nicht die Schaluppe; mit verwirrten Blicken ſpaͤheten die Suchenden umher. Zwiſchen den Felſen am Meere erblickte Centilles einen menſchlichen Koͤrper ohne Zeichen des Lebens. Ungluͤck ahnend lie⸗ fen ſie hinzu, und erkannten in dem dort Liegenden einen ihrer Mitbruͤder von der Schaluppe, deſſen rechte Seite eine Stuͤck⸗ kugel ſtark beſchaͤdigt hatte. Centilles be⸗ goß den Ungluͤcklichen mit Seewaſſer, und Velasco bemuͤhte ſich das Blut zu ſiillen. Der ſtark Verwundete ſchlug die Augen auf und ſah auf ſeine Gefaͤhrten, die mit angſt⸗ vollen Geſichtern um ihn herum ſtanden. Freund! ſprach Velasco, wenn noch ein Lebensfunke in Dir glimmt, wenn Dein Blut in den Adern noch nicht erkaltet, und Deiner Zunge Kraft noch nicht gelaͤhmt iſt, ſo flehen wir Dich an, uns zu ſagen, wer Dich in dieſen erbarmungswuͤrbigen Zu⸗ ſtand verſetzt hat, wo unſere Schaluppe, wo unſere Gefaͤhrten ſich befinden?— Der Schwache oͤffnete den Mund und bat mit matter Stimme ſeine Freunde, ihn mit dem Ruͤcken an den Fgelſen zu legen. Es geſchah, und er begann zu re⸗ den, jeboch ſchwach und mit Abbrechun⸗ gen.— Jedes Wort begleitete ein Strom von Blut. 2 Eure Freunde, Euer Schiff werdet Ihr nicht wieder ſehen: Algierer, die hier lan⸗ deten, nahmen es mit ſich.— Tapfer (3 ( 8 Z1 jet — 11— wehrten wir uns, allein ohne guten Er⸗ folg.— Meine Bruͤder traf Gefangen⸗ ſchaft und mich eine Kugel, die mich von der Sclaverei befreiet, welche die Erſteren jetzt leiden muͤſſen.— Lebt wohl, und harret aus!— Der Verwundete verſtummte und ſtarb. Verzweiflung mahlte ſich auf den Geſich⸗ tern ſeiner Zuhoͤrer. Erſtarrt ſtand Ve⸗ lasco; des tapferen Centilles Auge entfiel eine Thraͤne, und ſeine Gefaͤhrten, beide Hollaͤnder, rangen voll Verzweiflung die Haͤnde.— Zuerſt ermannte ſich Velasco. Freunde, ungluͤcksgenoſſen! redete er, wollt Ihr verzagen, da dieſer harte Schlag des Schickſals uns darnieder beugt?— Ermannet Euch, und ruft des Greiſes weiſe Reden in Euer Gedaͤchtniß zuruͤck.— Seid Maͤnner! wie bald kann nicht der Zufall(deſſen ſcharfer Ungluͤckspfeil uns jetzt getroffen, ſchrecklich verwundet hat) — 114— ein Schiff an dieſe Kuͤſte fuͤhren, das Freunde traͤgt, das uns den Weg mit Zu⸗ verſicht betreten laͤßt, den der Algierer Barbarei uns jetzt verſperret.— Wollt Ihr darum dem Schickſal fluchen, weil es vielleicht nur, Eure Standhaftigkeit, Eure Ausdauer zu pruͤfen, dieſen Streich er⸗ dacht!— Obgleich die Fahrt zur Freiheit, uns verhindert worden, ſo ſind wir den⸗ noch freie Maͤnner, und unſer Loos iſt drei⸗ mal beſſer, als das unſerer Freunde, die vielleicht in Eiſen an die Ruderbank ge⸗ ſchmiedet, uns beneiden und willig mit uns tanſchen wuͤrden.— Auch Du, Centilles, der doch Ungemach nicht bloß dem Namen nach kennt, auch Du weilſt am dunkeln Rande der Verzweiflung?— Komw'! laß uns zu dem Greiſe in den Gebirgen eilen, der mit beſſern Troſtesworten, wie mit kuͤhlenden Balſam unſere Wunden ge⸗ neſen machen wird! ——) rer 415— Ja! ſprach Centilles, die Augen vom Boden erhebend, Du ſprachſt recht. Iſt gleich vielleicht auf immer die Freude, das Entzuͤcken, den vaterlaͤndiſchen Boden zu betreten, aus unſerer Bruſt geraubt, ſo muß doch Hoffnung mit dem ſtarken Arme uns im Sinken noch ergreifen und aufrecht halten.— Ich bin gefaßt auf Alles, ſelbſt auch, wenn der Allmaͤchtige dieſe oden Fel⸗ ſen zum ſteten Aufenthalte, zum Grabe uns beſtimmt hat.— tach dieſen Worten eilte Centilles mit ſtarken Schritten dem Walde zu, ihm folgte Velasco und die verzweifelnden Hollaͤnder. Der Abend war angebrochen, als ſie die Huͤtte des Greiſes erreichten. Il⸗Ca⸗ ben trat ihnen entgegen. Die Schrift Eurer Geſichter, ſprach et wehmuͤthig, iſt zu leſerlich, als daß ich mich truͤgen koͤnnte. Euer Schiff haben Korſaren davon gefuͤhrt, und Eure Ge⸗ fährten, die nur kurze Zeit die Wonne, frei zu ſein, genoſſen, mit Ketten belaſtet.— Doch, Freunde, Bruͤder, ſeid nicht troſt⸗ los! dieſes Ungluck iſt vielleicht der Grund⸗ ſtein eines neuen dauerhaftern Gluͤcks, das Eurer wartet.— Bald vielleicht erſcheint ein Fahrzeug an dieſen Kuͤſten, und Eure Reiſe wird ſicherer ſein, als ſie es in Eu⸗ rem geraubten Schiffe war.— Es iſt keine kleine Kunſt widriges Schickſal leicht zu er⸗ tragen!— Lebet bei mir, bis ſich eine gunſtige Gelegenheit zeigt, Euch von dem Greiſe zu trennen, der Euch liebt.— Bei mir habt Ihr nichts zu fuͤrchten, als die reißenden Thiere des Waldes, die ſich mei⸗ ner Huͤtte ſelten nahen. Hier lauſcht kein Verraͤther, der in Euch Chriſten erkennen konnte, und zieht die Karavane durch dieſe Gebirge, dann giebt es nur mir bekannte Felſenhohlen genug, Euch einige Tage zu verbergen.— Ein Gang durch die Berge — ſe vo de tzu na get W zer — 117— fuͤhrt in ein kleines Thal, und von da auf den hohen Felſen, deſſen Spitze uͤber ſeine Bruͤder hervorragt. Von hier aus kann man das Meer uͤberſchauen, und bei hel⸗ lem Wetter jeden Gegenſtand erkennen. Kein Fahrzeug kann unbeobachtet voruͤber ſegeln, keines ſich dem Geſtade nahen, ohne von uns erblickt zu werden. Ihr wißt, der Weg hier vorbei geht nach den Beſi⸗ tzungen der Europaͤer, geht nach dem Kap, nach Oſtindien.— Laßt alſo die truͤben Blicke ſich verziehen, und hofft auf eine baldige Erloͤſung. Ergebung in ſein Schickſal iſt ſchon ein halbes Gluͤck! Die Weisheit Deiner Worte, weiſer Greis! redete Velasco, ſehen wir ein, doch noch zu neu iſt der Schmerz fehlgeſchla⸗ gener Hoffnung, die unſere Herzen mit Wonne erfuͤllte, und jetzt in ein Nichts zerronnen iſt. Die Zeit wird auch dieſen Schmerz lin⸗ dern und ſtillen, ſprach Fl⸗Caben. Sie lehrte mich die Ketten eines Tyrannen lange Jahre tragen, ſo wie ſie Euch lehren wird⸗ eine kurze Zeit in Geſellſchaft eines abge⸗ lebten Greiſes oͤde Waͤlder zu bewohnen.— Seid meine Soͤhne! Das wollen wir! unterbrach ihn Cen⸗ tilles. Hat uns gleich der Himmel weit von dem zu erlangenden Ziele entfernt, ſo ſollſt Du uns doch üicht muthlos finden. Heftig iſt unſer Schmerz; aber von kur⸗ zer Dauer; Deine Weisheit wird ihn ganz von uns entfernen. Der Alte trug aufs Beſie ſeinen Gaͤ⸗ ſien auf, aber nur wenig wurde genoſſen, und man ging fruͤh, Ruhe zu finden, die ſo manches Ungemach vergeſſen laßt. —— —,— Einige Wochen ſchon lebte Velasco bei ſeinem Freunde, dem Greiſe, ohne daß ——— S— — Sie nge ird⸗ e⸗ en⸗ weit „ſo den. kur⸗ ganz Gaͤ⸗ ſſen, die o bei — ſich ihm und ſeinen Gefaͤhrten ein Fahr⸗ zeug zeigte. Nach und nach verlor ſich der Truͤbſinn und die Ruhe kehrte bei ih⸗ nen wieder ein.— Man erweiterte die Hoͤhle, legte Gaͤrten an, durchſtreifte weit die Gebirge und hoͤrte am Abende die wei⸗ ſen, klugen Erzaͤhlungen Il-Cabens, der den Admiral und Centilles gleich ſeinen Soͤhnen liebte.— Nach Verlauf zweier Monden ſprach eines Tages der Greis zu ſeinen Mitbewohnern Claro's: In dieſen Tagen, Freunde! erwarte ich die Karavane von Zorgan; ihre Mitglie⸗ der duͤrfen Euch nicht erblicken. Man wuͤrde in Euch Europaͤer, Chriſten erken⸗ nen, und mich einen falſchen Moslem ſchel⸗ ten; Euch auch mit Ketten behaͤngen und hinfuͤhren, wo Rettung nicht leicht iſt. Die⸗ ſem zu entgehen, muͤßt Ihr einige Tage eine Hoͤhle bewohnen, die Euch vor den Augen der Mahomedaner verbirgt. Keiner — — von Euch darf es wagen, dieſen Zufluchts⸗ ort eher zu verlaſſen, bis ich komme, Euch e.— Mit Lebensmitteln in Menge ſollt Ihr verſorgt werden. Folgt mir! Velasco, Centilles und die beiden Hol⸗ laͤnder folgten dem Greiſe, der ſie eine Strecke in die Gebirge fuͤhrte, und dann das Geſtraͤuch vor einem nicht ſehr hohen Felſen auseinander bog. Es zeigte ſich ih⸗ nen der Eingang einer Hoͤhle, den ſo bald keines Menſchen Auge entdecken konnte, wenn nicht der Zufall ihn dahin fuͤhrte.— Die Hoͤhle war tief und hoch genug, die reinſte, kuͤhlſte Luft zu enthalten. Man bereitete ein Lager fuͤr die Be⸗ wohner darin: der Alte verſorgte ſie mit Lebensmitteln, und verließ ſie dann, noch⸗ mals mit der Ermahnung, ja den Ort nicht zu verlaſſen.— Die Europaͤer ſahen die Nothwendigkeit ein, zu gehorchen.— Am Abende des zweiten Tages rauſch⸗ — —„——„—— — ts⸗ ch ge ol⸗ ie — —„ ten die Buͤſche vor der Hoͤhle, unb Caben trat ein. Die Karavane iſt angekum ſ er leiſe, und meine Huͤtte mit Muſelmän⸗ nern angefuͤllt; verhaltet Euch noch einige Tage ruhig, die Zeit der Erloͤſung aus dieſen Felſengewolben nahet. Laͤnger mich mit Euch zu unterhalten, iſt gefaͤhrlich; bald werde ich Euch abholen. Lebt wohl! Er entfernte ſich ſogleich, und die Ver⸗ ſteckten blieben in der tiefſten Stille. Ge⸗ gen Morgen bewegten ſich die Buͤſche am Eingange der Hoͤhle von Neuem und es nahete ſich ein Suchender. Velasco und Centilles, die den Greis nicht vermuthe⸗ ten, griffen zu den Waffen, um Jeden, der ſo ungluͤcklich ſein wuͤrde, ihren Auf⸗ enthalt zu entdecken, dem Tode zu opfern. Sie zogen ſich ins tiefe Dunkel zuruͤck, und harreten des Kommenden. Wieder⸗ holt raſſelte das Geſtraͤuch; Centilles hielt II. Thel. 6 — 422 das geſpannte Piſtol dem Eingange zu; denn er vermuthete ein Thier des Waldes, das ſich dieſe Hoͤhle zu ſeinem Wohnorte erkoren. Endlich riß man die Gebuͤſche auseinander, und herein trat ſchuͤchtern ein Mann in Sclavenkleidern, der ſeinen Waͤch⸗ tern entflohen zu ſein ſchien. Velasco und ſeine Begleiter verhielten ſich ruhig. Der Angekommene zitterte und horchte beklommen, die Tritte ſeiner Verfolger zu vernehmen. Leiſe naͤherte ſich Velasco dem Gefuͤrchteten. Sucht hier ein Ungluͤcklicher einen Zu⸗ fluchtsort, ſo iſt er willkommen, ſprach mit leiſem milden Tone der Exadmiral. Der Furchtſame ſtieß einen Schrei des Entſetzens aus, und zitterte. Wer Ihr auch ſeid, redete Velasco wei⸗ tet, fuͤrchtet Nichts, Ihr ſeid unter Freun⸗ den und Chriſten. „— Unter Chriſten? wiederholte der Ent⸗ flohene, ſich ſammelnd. Ja! und unter Beſchuͤtzern, die den Entflohenen verbergen! Wer ſeid Ihr? Ihr urtheilt recht! Ich entfloh den Haͤnden der Mahomedaner, trifft man mich, ſo iſt der martervollſte Tod mein Loos. Velasco, der aus den Worten des Slcaven ſeine Unwiſſenheit in der Sprache des Landes ſah, fragte ihn nach ſeinem Vaterland.— Ich bin ein Britte! antwortete der Za⸗ gendẽ. Warum, fuhr Velasco in engliſcher Sprache fort, fuͤrchtet Ihr den Tod, da doch nur neue Sclaverei Euch zu Theil werden wird? In einem Streite mit dem Sohne mei⸗ nes Herrn erſtach ich ihn, fand auf der Flucht in die Gebirge dieſe Hoͤhle und Maͤnner darin, die gegen ihre Mitbruͤder 6* 124 keine Feindſeligkeiten hegen. Vom Zuge der von Zorgan kommenden Karavane bin ich entflohen.— Dieſe weilt jetzt hier in den Gebirgen, und Spaͤhende eilen um⸗ her, den Sclaven zu ſuchen und zur Strafe zu ziehen⸗ Seid ohne Furcht, redete Centilles, Eure Feinde ſollen, ſo Gott will, dieſe Hoͤhle nicht entdecken, und gewahren ſie ſie, dann vertheidigen unſere Arme Euch, ſo lange noch eine Muskel haͤlt. Eurer Theilnahme, edle Freunde! ge⸗ buͤhrt mein innigſter Dank; laber wollt Ihr ihn in ganz gefuͤlltem Maaße ernd⸗ ten, dann reicht mir etwas Waſſer, denn ſchon ſeit geſtern entbehre ich Speiſe und Trank. Centilles reichte dem Britten beides, und Velasco hieß ihn, ſich tiefer in die Hoͤhle zuruͤckzuziehen. Der Hungrige aß und trank mit Gier. Velasco und Cen⸗ bin tilles weideten ſich an ſeiner Eßluſt, ſo viel ihnen das matte Licht erkennen ließ; die beiden Hollaͤnder, des Englaͤnders Spra⸗ che nicht kundig, ſtanden ſtaunend. Aber, ſprach Centilles, als der Britte ſich geſaͤttigt hatte, wie konntet Ihr ſo un⸗ beſonnen handeln, einen Muſelmann, von ſeinen Bruͤdern umgeben, zu ermorden?— Hoͤrt! begann der Befragte nach eini⸗ gem Stillſchweigen: Ich bin der Sohn eines brittiſchen Schiffs⸗Capitains, deſſen Fahrzeug von den Mahomedanern genom⸗ men wurde. In dem Gefechte fiel mein Vater erſchoſſen an meiner Seite und ich nebſt Andern in die Gefangenſchaft. Mein Herr, ein reicher Kaufmann, der mit ſeinem Sohne ſich an die Karavane an⸗ ſchloß, um ſeine Waaren nach Todga zu bringen, nahm mich mit, die Laſithiere zu leiten.— Nicht weit von dieſen Gebir⸗ gen, als ich mit dem Laſtthiere mich ver⸗ —— ſpaͤtet, und hinter dem Zuge der Reiſen⸗ den geblieben war, mißhandelte mich der Sohn des Moslems auf eine unbarmher⸗ zige Art. Meine Verzweiflung gab mir Staͤrke, ich entriß dem Guͤrtel des Ty⸗ rannen das ſcharfe Stilet, und ſtieß es ihm in die Bruſt: ohne einen Laut ſank er todt zu meinen Fuͤßen, und ich ent⸗ floh.— Preiſet den Schoͤpfer der Welten, ſprach Velasco, daß er Euch dieſen Ort finden ließ.— Sicher durchſucht die Karavane die Felſen, und Ihr waͤret verloren. Die Dunkelheit kann mich truͤgen, ſagte Centilles; aber ich glaube, daß Ihr noch nicht viele Sommer erlebtet. Ich zaͤhle zwei und zwanzig Jahre. Fruͤh nahm mich mein Vater mit auf das ſtuͤrmiſche Element, um die Gefahren ei⸗ nes Seemanns kennen zu lernen. Und ſo fruͤh ſchon mußtet Ihr des — 12— Schickſals boͤſe Laune empfinden? fuͤgte Velasco hinzu. Ein Loͤrm von mehreren Stimmen ſchallte vor der Hoͤhle; der Britte ſchrak zuſam⸗ men und zitterte heftig; Velasco, Centilles und die Hollaͤnder griffen zu den Waffen und erwarteten nicht ohne Herzklopfen das Kommende. Das Geraͤuſch der Stimmen entfernte ſich wieder und ſchwieg bald.— Hoch klopfte das Herz des Beaͤngſtigten⸗ und die Mitbewohner der Hoͤhle legten froh ihre Waffen bei Seite. Nach zwei Tagen nahete ſich Il⸗Ca⸗ ben der Hoͤhle. Gehet in das tiefſte Innere und erwar⸗ tet mich, fluͤſterte Velasco dem Britten ins Ohr, ich komme bald, Euch aus dem Dunkel hervorzuziehen.— Ihr Geiſter der Unterwelt, ſprach Il⸗ Caben laͤchelnd, kommt hervor, weidet Euch wieder an der Sonne hellen Schein. —128— Die Gefahr iſt voruͤber, und die Karavane E ſchon eine Tagereiſe von den Gebirgen ent⸗ w fernt. d Ueber Eurem Haupte ſtand ein hefti⸗ di ges Ungewitter, fuhr er fort. er Wie das? fragte Centilles. 3 gi Die Haͤlfte der Karavane zerſtreute ſich in den Bergen, nahe der Hoͤhle, einen ent⸗ d ronnen Chriſten⸗Sclaven zu ſuchen, der ſe den Sohn ſeines Herrn ermordete. Der Ungluͤckliche!— Ergreiſt man ihn, dann fe iſt der martervollſte Tod die Strafe ſeiner T That. et Man wird ihn nicht ergreifen! ſprach ei Velasco; dieſer Sclave befindet ſich in un⸗ A ſerer Gewalt. ei Der Greis blickte den Sprecher erſtaunt.— an, und ſie verließen die Höhle. Velasco d ging in das Innere derſelben, um den Britten zu holen.— Als ſie die Felſen er verlaſſen hatten und ſich im Glanze der M — 1 Sonne befanden, ſah der Spanier mit Ver⸗ wunderung den ſchoͤnſten jungen Mann, den ſein Auge je geſehen. Centilles und die Uebrigen theilten ſein Erſtaunen, als er mit dem Geretteten zu dem Greiſe ging. Juͤngling! ſprach der Greis mit mil⸗ dem Tone, des Britten Hand ergreifend, ſei willkommen in meiner Huͤtte. Freude fuͤllt meine Bruſt, daß der Allmaͤchtige, faſt durch ein Wunder, aus den Augen Deiner Verfolger Dich verſchwinden, daß er Dich einen Ort finden ließ, den die eifrig Spaͤhenden nicht entdeckt haben.— Auch ich kann mich gluͤcklich ſchaͤtzen, mit ein Mittel Deiner Rettung geweſen zu ſein⸗ — Erkenne in ihr die Guͤte, die Allmacht des Erhalters der Erde, der durch Dich den Boͤſen ſtrafte, und Dich der Strafe entzog.— Mit Zittern ſah ich Deiner Wiedergefangenſchaft entgegen; denn in S —— dieſen Bergen wuͤrde das Urtheil an Dir vollzogen, und Dein Blut gefloſſen ſein.— Haͤtte das Gluͤck Dich nicht die Hoͤhle fin⸗ den laſſen, ſo waͤreſt Du, Unbewaffneter! vielleicht den blutgierigen Klauen Deiner Feinde entgangen, aber doch eine Beute der wilden Thiere geworden. Der Greis ſprach noch weiter; dann reichte er ſeinen Freunden eine Kuͤrbisſchale mit dem ſtaͤrkenden Buſa gefuͤllt, und un⸗ terhielt ſie von den Reiſenden der Kara⸗ vane. Mit jedem Tage fuͤhlte ſich Velasco mehr angezogen von dem jungen Britten, der ſich Seyton nannte; ſeine edeln ein⸗ nehmenden Geſichtszuͤge erwarben ihm die Liebe des Greiſes und ſeiner Freunde. Oft ſah man Thraͤnen in ſeinen Augen; fragte ihn dann theilnehmend der Admiral Ve⸗ tte nn le n zco n, in⸗ die ft gte Je⸗ lasco um die Urſache, ſo antwortete Sey⸗ Lon: Glaubt Ihr, Velasco! das Andenken an einen theuern Vater, den Stifter mei⸗ nes Daſeins, ſei ſo bald aus dem Herzen des Sohnes zu loͤſchen?— Nein, ewig wird es in ihm leben!— Eines Tags beſtieg der Spanier am fruͤhen Morgen den hohen Felſen, um hin⸗ aus auf das Meer zu ſchauen, das noch keine Fahrzeuge beſchifften, um ihn aus den Gebirgen Lfrikas zu erloſen. Auch Centilles hatte das Lager verläſſen und war ſeiner Spur gefolgt. Velasco! redete er den Umherſehenden an, ich komme, Dir ein Geheimniß zu offenbaren. Ein Geheimniß? fragte dieſer erſtaunt⸗ Ein Geheimniß, das ich in dieſer Nacht Du machſt mich begierig. Rebe — 132— Hoͤre und ſtaune! redete Centilles wei⸗ ter. Der Englaͤnder Seyton, unſer neue Gefaͤhrte, iſt ein— Weib. Iſt's moͤglich! rief der Spanier er⸗ ſtaunt. Doch verdient Deine Ausſage ei⸗ nigen Glauben! ſag' wie entdeckteſt Du dieſes 2— Die Menge des hitzigen Buſa, die ich am Abende genoß, raubte mir die Ruhe. Schlaflos liege ich und uͤberdenke die Zu⸗ faͤlle des Menſchen, als ich reden hoͤre.— Du weißt, dicht neben meiner Felſenkam⸗ mer iſt die des Britten. Ich horche und vernehme abgebrochene Worte ohne Zuſam⸗ menhang, die mich aber ſo viel vermu⸗ then ließen, daß Seyton ein Maͤdchen ſei. — Sie ſprach vom Geliebten, nannte ſei⸗ nen Namen, den ich aber vergeſſen habe und dergleichen mehr.— Ein lieblicher Traum ſchien dieſen Seyton zu äffen.— Wenn ich nun an dieſes Alles anreihe: die — 13— Schoͤnheit des Britten, ſeine ſeine Haut, ſein Kinn ohne Bart, ſein maͤdchenartiger Bau, kurz Alles, ſo finde ich, daß ich mich nicht betrogen habe. Ich fange an, es ebenfalls zu glauben, ſprach Velasco; doch Centilles, glaubſt Du, daß noch außer Dir Jemand dieſe Entdeckung gemacht hat?— Niemand! dafuͤr buͤrge ich. Feſt ſchlie⸗ fen die Hollaͤnder, und des alten Il⸗Ca⸗ ben Lager iſt zu weit entfernt, als daß er es haͤtte hoͤren koͤnnen. Und ich bin der erſte, dem Du dieſe Entdeckung mittheilſt? Kannſt Du zweifeln? betheuerte Cen⸗ tilles. Dann ſchweig ganz! fuhr Velasco fort. Heute wollen wir der ſchon gewiſſen Sache noch gewiſſer werden. Beide formten Plaͤne und ſtiegen dann herab zur Wohnung. Der Greis war auf⸗ — 134— geſtanden und Seyton, der Britte abwe⸗ ſend.— Velasco, in Centilles Beglei⸗ tung, durchſuchte die Gebirge, und fand den Geheimnißvollen beſchaͤftigt, Brenn⸗ holz zu hauen. So arbeitſam ſchon am fruͤhen Tage? ſprach Velasco. In Eure Hand gehoͤrt das Beil nicht! Warum nicht? fragte Seyton erroͤ⸗ thend und verlegen. Weil eines Weibes Arm die Axt zu fuͤhren nicht verſteht! fuhr der Admiral laͤ⸗ chelnd fort. Verhehlt uns nicht, Sennora! was ohnlaͤngſt ſchon entdeckt ward. Fuͤrch⸗ tet nichts, wir ſind Maͤnner, die das fctn⸗ Geſchlecht ehren. 1f Das Beil entfiel der Zitternden; ſie war dem Sinken nahe. Dieſe Eure Ent⸗ deckung, ſprach ſie ſtammelnd, wird mich ungluͤcklich machen; denn—— —— ſchwieg. Nur ſich und dieſer mir an Geſinnungen gleiche Freund kennen Euer Geſchlecht, fuͤr jene Andern bleibt Ihr— der Eng⸗ laͤnder.— Wohl! ich will Euren Worten trauen, redete die Entdeckte gefaßter, weil mich die tothwendigkeit dazu zwingt. Habt Ihr edle Herzen, woran ich nicht zweifle, ſo werdet Ihr das Geheimniß nicht miß⸗ brauchen. Dann ſtrafe uns der Gerechte! rief Centilles aus. Vertraut Euch uns ganz an, Sennora! und bald werdet Ihr ſehen, daß Ihr das Zutrauen an keine Unwuͤr⸗ digen verſchenkt habt. Es ſei! ſprach der vermeinte Seyton. Ihr ſollt meine ganze Ungluͤcksgeſchichte z. 8 Die Zunge den 6 Das ſoll ſie nicht! fel Velasco ein. — 136— wiſſen, nur laßt die Ueberraſchte ſich faſ⸗ ſen, die Eure Worte erſchreckt haben. Man ging tiefer in die Waͤlder, bis ſich die Englaͤnderin, deren Mattigkeit nicht erlaubte, weiter zu gehen, 5 ein Felsſtuͤck ſetzte. VM Lſch Un Euch den kleinſten Umſtand meiner Lebensjahre wiſſen zu laſſen, begann ſie, muß ich Euch nichts verhehlen, und von meiner Geburt anfangen: Ich bin in Eng⸗ land geboren und die Tochter eines Com⸗ modore, der ſich John Browes nannte.— Velasco's Erſtaunen und Freude war groß; kaum gelang es ihm, die Regungen ſeines Herzens zu verbergen; dann wandte er ſein Geſicht weg und die lange Geſuchte und endlich Gefundene fuhr fort. Meine Mutter verlor ich ſo fruͤh, daß a ich den großen Verluſt noch nicht zu erken⸗ ic nen faͤhig war.—— w Jetzt erzaͤhlte die junge Miß Marry d 3 Browes ihre ſchon bekannte Geſchichte, mit ſt Auslaſſung des jungen Grafen Larrys Lie⸗ d 3 besgeſtaͤndniß, bis zu der Zeit, wo der S runeſiſche Capitain Paſcha Maſta, Befehls⸗ u haber des Timur, ſie von dem Vater ih trennte. 3 Das Schiff, fuhr ſie fort, das mich E Ungluͤckliche trug, legte ſich in den algieri⸗ n ſchen Hafen von Tedles vor Anker, um fri⸗ ſi ſches Waſſer und Lebensmittel einzunehmen, n und ſegelte dann weiter.— Mich, die ich a beſtaͤndig meinen Vater auf ſeinen Seereiſen a in Mannskleidern begleitete, hatte man, wie n die uͤbrigen Gefangenen, mit Ketten belaſtet und in dem unterſten Raum des Schiffes n ſtark bewachen laſſen.— Nach einigen Ta⸗ 2 gen naͤherte ſich uns ein anderes Fahrzeug, daß . en⸗ rry mit Lie⸗ der ls⸗ ter nich eri⸗ fri⸗ ten, iſen wie ſiet ffes Ta⸗ — 139— an das die meiſten der Sclaven und auch ich verhandelt wurden, denn ich urtheile ſo, weil man uns bald darauf in Boͤten zu dem andern uͤber brachte. Dieſes Schiff ſteuerte nach dem Hafen von Tanger, in dem Reiche Fez, wo es ankerte.— Die Sclaven, uͤber funfzig an der Zahl, wor⸗ unter auch ich mich befand, wurden aus ihren Behaͤltniſſen hervorgezogen und ge⸗ zwungen, viele Meilen in der brennendſten Sonnenhitze zu gehen, bis wir nach ei⸗ ner Reiſe von ſieben Tagen in der Haupt⸗ ſtadt Fez ankamen.— Hier verſchenkte mich der Kapitain des Schiffes, nebſt drei andern der Juͤngſten und Wohlgeſtalteſten an einen ſeiner Freunde, einen Muſel⸗ mann, der viele Schaͤtze beſaß. Dieſer edle Moslem behandelte uns nicht wie Leibeigene, er behandelte uns wie Menſchen, wie ſeine Bruͤder. Bei ihm durchlebte ich zwei Jahre, immer in Manns⸗ — 140 kleidern verborgen.— nach Todga machen. Nach dieſer Zeit ſtarb Car⸗Halib, und mit ihm endete auch unſer Gluͤck.— Der edelſte der Ma⸗ ſi homedaner beſaß keine Kinder; ſein ganzes Vermoͤgen, ſeine Haͤuſer, Hoͤfe, Gaͤr⸗ ten, Schaͤtze, Weiber und Sclaven waren das Erbtheil eines nicht nahen Verwandten, deſſen Aufenthalt Todga war.— Kaum vernahm dieſer den Tod Car⸗Halib's, als er unverzuͤglich in Fez ankam.— Gern wuͤrde er dieſe Haupſtadt zu ſeinem Auf⸗ enthalte erkoren haben, wenn ihn nicht der Kaiſer Maroccos zur Ruͤckkehr gezwungen haͤtte.— Die Haͤuſer und die unbewegli⸗ chen Guͤter Car⸗Halib's wurden verkauft; wir Sclaven mußten uns, von den Wei⸗ bern des Serails begleitet, auf den Weg Dieſer, mein nunmehriger Gebieter, war in Allem das Gegentheil von dem vo⸗ rigen. Grauſamkeit war der Hauptzug ſei⸗ — 141— nes Characters, und zu ihr geſellte ſich die großte Gefuͤhlloſigkeit, die Schweſter der erſteren. Nach einer Reiſe von mehreren Tagen kam der große Zug Hachims in Todga an, und wir fanden unſere Kerker zur Auf⸗ nahme bereit.— Hachim war Kaufmann und ebenfalls Herr eines großen Vermd⸗ gens, das ſein Gelddurſt noch zu vermeh⸗ ren wuͤnſchte; deswegen unternahm er alle Jahr eine Reiſe nach Zorgan mit der da⸗ hin wandernden Karavane.— Die Zahl der mit ihm ziehenden Selaven wechſelte jährlich, und dieſes Mal traf unter an⸗ dern Ungluͤcklichen auch mich die Reihe.— Der aͤlteſte Sohn Hachims, ein vier und zwanzigjuͤhriger Juͤngling, an Geſinnun⸗ gen ſeinem Vater gleich, begleitete dieſen Zug.— Auf dem Ruͤckwege von Zorgan nach Todga entdeckte dieſer Sohn meines Gebieters, durch welches Ungefuͤhr weiß ich nicht, mein wahres Geſchlecht.— wahe bei dieſen Gebirgen machte er mich tur mit ſeiner Entdeckung bekannt, und befahl † 1 mir, mich in ſeine Wuͤnſche zu ergeben- ſo Mein Entſetzen war ſo groß, wie mein Ab⸗ die 7 ſcheu; er verſuchte, das erſtere zu benu⸗ ich i tzen, und nahm zur Gewalt ſeine Zuflucht. ter Der Gott der Unſchuld gab mir Staͤrke, ber 5 wir rangen; mein ſpaͤhendes Auge erblickte Se — den Dolch in ſeinem Gärtel, ſchnell entriß A ich ihm denſelben und ſtieß ihn dem Mu⸗ W ſelmann in das Herz. Entſeelt ſank er zu er Boden, und ſein Blut faͤrbte den heißen zu Sand.— Jetzt ſah ich nicht die raſche That, nur ihre Folgen. Die Furcht gab dr meinen Fuͤßen Schnelligkeit, und die Ge⸗ rechtigkeit meiner Sache ſchlug meiner Ver⸗ M folger Augen mit Blindheit. Ich floh in Tt dieſe Gebirge und fand Schutz bei Euro⸗ paäern. Die Englaͤnderin ſchwieg, und der auf⸗ 6 S merkſame Centilles knuͤpfte die Unterhal⸗ mich tung wieder an: fahl Eure Erzaͤhlung, Sennora! ſprach er, — ſo verſchieden ſie von der erſtern iſt, ver⸗ Ab⸗ dient und hat unſern Glauben; doch kann enu⸗ ich den Vater nicht loben, der eine Toch⸗ ucht. ter, jung und ſchoͤn, tugendhaft und lie⸗ irke, benswuͤrdig, wie Ihr, ſchon ſo fruͤh die ickte See zu beſchiffen mit ſich nimmt.—— triß Nie hätte ich, ſiel ihm die Miß ins Mu⸗ Wort, in dieſen dͤden Gebirgen Schmeich⸗ zu ler geſucht.— Die Liebe meines Vaters ißen zu dem einzigen Kinde entſchuldigt ſein Be⸗. aſche nehmen.— Wer weiß, in welcher harten 8ab druͤckenden Sclaverei er ſich jetzt befindet, Ge⸗ indeß ſeine Tochter in der Mitte edler n Maͤnner weilt, fuͤgte die unge mit h ein Thraͤnen hinzu. uro⸗ Seid wegen Eures Vaters, des ehe⸗ maligen Commodore John Browes, Schick⸗ auf⸗ — 144— A unbeſorgt, es iſt keines der ungaͤnſiig⸗ en und mir bekannt, ſprach Velasco. Die erfreuete Marry wollte reden, der „Admiral kam ihr zuvor und fuhr fort: Ich ſehe aus Eurem Geſichte, daß tauſend Fragen mich beſtuͤrmen werden; aber vergebt Eurem Freunde, wenn er keine von allen beantwortet.— Einſt, vielleicht bald, kann ich, von Fortuna beguͤnſtigt, Euch in den Stand ſetzen, ſie von dem Geber Eurer Tage ſelbſt beantwortet zu hoͤren.— Mein gegebenes Wort und Euer eignes Beſte legen mir Schweigen So ſehr mich auch Eure Worte beftem⸗ den, redete Miß Browes, ſo will ich doch handeln, wie ſie es mir gebieten. Schwer wird es der Tochter, die Fragen nach dem geliebten Vater zu unterdruͤcken, doch der Gedanke, daß weder Selavenketten ihn beugen, noch des Todes ſchwarze Flugel ih he m ni la ih er de ve wi for kut un G nſtig⸗ o. „der t: daß rden; keine leicht ſtigt, dem 4 zu und eigen frem⸗ doch chwer dem hder ihn luͤgel — 145— ihn umfangen, wird mich ſtaͤrken, und die Hoffnung einſt ihn wieder zu ſehen, wird dem ungeſtuͤmen Strome der Fragen Ein⸗ halt gebieten.— Nur das beantwortet mir: hat der Vater ſeine Marry noch nicht vergeſſen, liebt er ſie noch?— Stets wird er ſie lieben! ſprach Ve⸗ lasco. Der Verluſt ſeiner Marry beugte ihn nieder, aber Hoffnung hat ihn wieder erhoben.— Doch giebt es auch noch An⸗ dere, die Euer Loos beweinen und Euch vermiſſen.— Und dieſe Andern, wer ſind ſie? fragte Miß Marry. Auch der Schluͤſſel zu dieſem Raͤthſel wird ſich einſt finden, fuhr der Spanier fort; doch wozu ſoll jetzt die dunkle Zu⸗ kunft uns beſchaͤftigen, da die Gegenwart unſere ganze Aufmerkſamkeit erfordert.— Warum ſollen wir dem biedern Alten ein Geheimniß entdecken, das ihm nichts nuͤtzet! II. Theil. 5 — 146— Fuͤr die Hollaͤnder, die ſchon von Kind⸗ heit an als Seeſoldaten dienten, muͤßt Ihr dieſe Kleider beibehalten, um das zu ſchei⸗ nen, was Ihr nicht ſeid. Auch ohne Euren weiſen Rath, ſprach Miß Marry, wuͤrde ich mein angenomme⸗ nes Geſchlecht noch durch dieſe Kleider be⸗ hauptet haben. Man kehrte zur Huͤtte zuruͤck; Velasco war hoch erfreut, die Geliebte des Gra⸗ en Larry, das Ziel ſeiner Reiſe nach Afrika, die Miß, Freunde und Beſchutzer gefun⸗ den zu haben. Einer der Hollaͤnder, ther, war zum Jagen ausgegangen, und kehrte nicht wieder zuruͤck; umſoſt erwar⸗ Namens Noor⸗ tete man ihn vom Mittag bis zum Abend; ſeine Gefaͤhrten durchſtreiften die Waͤlder und Berge; allein man fand ihn nicht. Auch Centilles, der den Vermißten zu ſuchen die Huͤtte verlaſſen hatte, ließ ſich —— —, nicht ſehen. Der Greis Il⸗Caben und Velasco wurden unruhig. Sie durchwach⸗ ten die Nacht, keiner der Abweſenden kehrte heim.— Endlich trat, zu groͤßter Freude der Beſorgten, am Mittage Centilles in die Huͤtte, durch Hunderte von Fragen bewillkommt. Ohne eine zu beantworten nahm er ſeinen Damascener Saͤbel von der Wand, entbloͤßte ihn und ſprach: doch zieren dieſen blinkenden Stahl die Spuren des Blutes, das unſerer Freiheit zu Ehren floß; jetzt iſt eine Gelegenheit da, dieſe Blutflecken durch Blut abzuwaſchen, und uns mit den Waffen einen Weg nach Europa, nach der Heimath zu bahnen.— Wie? rief Velasco, ſprichſt Du im Wahnſinne, ſo iſt es Dir verzeihlich, aber Taͤuſchung waͤre Verbrechen. Weder Täuſchung ſind meine Worte, noch umdunkelt Wahnſinn mein Gehirn; ich ſpreche wahr!— Wollt Ihr Euch — uͤberzengen, ſo beſteigt des hohen Felſens Gipfel und ſchauet umher! Rede deutlicher, Freund! ermahnte ihn der Alte, und ſag' uns, was Deine Au⸗ gen ſahen? Kur eine halbe Tagereiſe von hier, fuhr Centilles fort, liegt ein mahomedaniſches Fahrzeug an der Kuͤſte.— Du erſchreckſt mich! unterbrach ihn Il⸗ Caben, wenn das iſt, ſo ſeid Ihr hier nicht ſicher, Freunde! wie leicht koͤnnten ſich Einige von dem Schiffe verirren und bei dem Derwiſch Il⸗Caben dann Chri⸗ ſten finden.— Die Hoͤhle, die ſchon ein⸗ mal Eure Wohnung ward, muß Euch zum andern Male vor ihren Blicken ver⸗ bergen. Weiſe redete Il⸗Caben, unſer Vater, ſprach Centilles, folgt mir ins Reich der Erde, dort will ich Euch mehr ſagen. Man ging der Hoͤhle zu. 6,7 5 d* M— — 642— Das turkiſche Schiff, begann hier Cen⸗ tilles, ſcheint von einem andern hart zu⸗ geſetzt zu ſein, denn von ſeiner Mann⸗ ſchaft ſah ich mehrere Verwundete und Kranke ans Land bringen.— Die meiſien der noch Geſunden zerſtreuten ſich, dieſen Erdtheil zu durchſuchen, wahrſcheinlich um Waſſer, Fruͤchte und dergleichen aufzu⸗ finden.. Im Schiffe ſelbſt, das keines der klein⸗ ſten iſt, werden nur einige Wachen zuruͤck⸗ geblieben ſein.—— Waͤre es nun nicht ein leichtes, obgleich gewagtes, Unterneh⸗ men, ſich des Fahrzenges im Dunkel der Nacht zu bemaͤchtigen, und dahin zu ſteuern, wo Freude wohnt?— Sprich, Velasco! der Du Gefahren kennſt, ſollen wir dieſe gnſtige Gelegenheit ungenuͤtzt vorbei gehen laſſen, da ſich vielleicht in langen, fuͤr uns thatenloſen, Jahren keine zeigt?— zeig Glaubſt Du unſere Zahl hinreichend, — 154— dieſes Wagſtuͤck zu unternehmen? fragte Velasco; dann bin ich der Erſte, der die Waffen ergreift, und ſiegt oder um⸗ koͤmmt!—— Ich glaube ſie hinreichend!— Zwar ſind wir drei nur wenige, doch ſteht uns Muth und Verzweiflung zur Seite, wie bei Larache, wo die Zahl der Moslems uns weit uͤbertraf und wir doch Sieger wurden. Wir wollen den Feind von jener Stelle erſt genau beobachten, bevor ſich die Saͤ⸗ bel begegnen, ſprach Velasco. Doch laß uns des Hollaͤnders nicht vergeſſen, den zu ſuchen Du Il⸗Cabens Huͤtte verließeſt. Des Holländers Noorther Leib, begann Centilles, ſuch' in der Löwen oder Tiger Koͤrper, die ihn verzehrten. Abſcheulich! rief Velasco. Biſt Du gewiß, daß er eine Veute dieſer Beſtien wurde? Ich zweifle nicht an der Wahrheit! ant⸗ wortete Centilles; denn tief in den Felſen⸗ gruͤnden nordwaͤrts fand ich die Stuͤcken ſeiner Kleidung, vom Blute gefaͤrbt und mit Ueberreſten ſeiner Glieder durchmengt, die die geſaͤttigte Gefraͤßigkeit noch uͤbrig ließ. Schreckliches Loos! ſeufzte Velasco. ticht doch! ſprach Centilles⸗ Sein Loos war Tod, und wagen wir, was ſchon beſchloſſen, ſo kann er auch bald un⸗ ſer Helfer ſein.— Iſt's nicht faſt gleich⸗ ob die hungrigen Bewohner der Wuͤſten oder die Mordluſt der Schwerter uns freſ⸗ ſen, ob die friſche Erde oder der Bauch des Krokodills unſer Grab wird?— Wie bald iſt nicht der Lebensfaden apgeſchſ⸗ ten und wir ſind dort oben!— Der Tod hat uns einen Mitſtreiter geraubt, der unſere Staͤrke ſehr vermehrte; was hilft's, wir muͤſſen uns troͤſten! 152— Velasco war in tieſes Nachdenken ver⸗ ſunken. Was denkſt Du? fragte Centilles. Ich unterhalte mich mit der Vernunſt! Wer will mit Weibern ſich unterhal⸗ ten, da Maͤnnerrath der beſte iſt. Nur den Muth laß reden, laß—— Halt ein! unterbrach ihn der Andalu⸗ ſier. Spare Deiner Zunge Gelaͤufigkeit bis zum andern Male; jetzt fuhre mich hin, damit auch mein Auge die Gelandeten er⸗ blicke.— Ihr, Seyton, bleibt zuruͤck, und verſucht den Hollaͤnder zu troͤſten, der den Tod ſeines Freundes betrauert⸗ Bald ren wir wieder.. O laßt mich Euch begteiten! rf die ſeurige Miß. Jetzt nicht! ſprach Centilles. Erſt wenn die Zeit des Streites da iſt, ſollt Ihr Eüren Muth zeigen. dch das Gebirge und uͤber ſteile Fel⸗ — ————————— * —— e — M* ——— — ſen und jaͤhe Abgruͤnde fuͤhrte Centilles den ſpaniſchen Seekaper; gegen Norden zeigte ſich eine Spur von Blut⸗ Was iſt das? fragte Velasco verwun⸗ dert ſeinen Begleiter⸗ Das Blut Noorthers! antwortete die⸗ ſer gelaſſen, bald werden wir auch ſeine Ueberreſte finden, wenn ſie ſonſt noch auf dem Felſen ſind. O, fuͤhre mich weg aus dieſer Schau⸗ der erregenden Gegend! Selten, ſprach Centilles, ſind Muth und Gefuͤhlloſigkeit verbunden.— Dich ſchaudert beim Anblicke einer blutigen Spur, und doch erfriert das Deine nicht, wenn ganze Stroͤme fließen?— So iſt der Menſch!— Oft erregt ſein Abſchen, ſein Entſetzen ein Gegenſtand, den er bei an⸗ dern Gelegenheiten, oder auf eine andere Art uͤberſehen haben wuͤrde.— — 154— Immer weiter fuͤhrte Centilles den Spa⸗ nier, bis zu einer Reihe von Bergen, die das Ende des Gebirges machten, wo ſich ein dicker Wald anfing. Sie drangen im⸗ mer tiefer in denſelben ein, und beſtiegen dann einen hohen Baum, deſſen Gipfel über ſeine Bruͤder hervorragte.— Von oben, im Laube verſteckt, ſahen die Spaͤ⸗ henden das Geſtade des Meeres und das vor Anker liegende Fahrzeng. Eine Strecke vom ufer hatten die Mahomedaner meh⸗ rere Zelte aufgeſchlagen, die von Baͤumen beſchattet wurden.— Velasco rechnete die Zahl der Mannſchaft zu zwanzig.— tach den Luken zu urtheilen, fuͤhrte das Schiff zwanzig Kanonen, und Centilles hielt die Flagge fuͤr die tripolitaniſche.— Mehrere der Moslems waren bei einem hellen Feuer beſchaͤftigt, indeß Andere Lo⸗ cher ſuͤr die Todten gruben, worin man dieſelben beerdigte.— Das Schiff ſchien M — ſchwer beladen und von gutem Baue zu ſein.— Velasco hatte nun genug geſehn, ſiieg mit ſeinem Gefaͤhrten vom Baume herab, und bezeichnete den Ort. Nun, fragte Centilles beim Kicaihi ſcheint Dir mein Plan annehmlich? Er ſcheint es! antwortete Velasco; doch ehe wir zur Ausfuͤhrung ſchreiten, muͤſſen wir noch einmal im Nachtdunkel uns dem Schiffe naͤhern, und die Zahl der Mannſchaft recognosciren.— Du ſa⸗ heſt, bis nahe an den Strand zieht ſich der Wald von Mapu⸗, Palm⸗ und an⸗ dern Baͤumen, kaum hundert Schritte vom ufer iſt ſein Ende. Weiter! Wir ſchleichen, wenn der Mond ver⸗ ſteckt die Erde nicht beleuchtet, hier in das Geholz, und beobachten Alles genau; kein Laut muß uns entgehen; und in einer zwei⸗ — 156— ten finſteren, beſſer noch ſtuͤrmiſchen Nacht, bemaͤchtigen wir uns der Fregatte, wenn es im Buche des Schickſals ſo beſchloſſen iſt. Dein Rath iſt weiſe, Admiral Velasco da Gaſton! aber er verzoͤgert nur das Beſte. Wenn in der Zeit, daß wir der finſtern Naͤchte, die ſelten ſind, harren⸗ die Moslems das Geſtade verlaſſen, ſo iſt auch dieſer Plan durch Harren uns vereitelt. Das furchte nicht!— Die Haͤlfte der Gelandeten liegt ja krank und verwundet darnieder, ihr Schiff in einer guten ſichern Bucht, gewiß werden ſie mit der Abfahrt nicht eilen.— Und kann man von der. Hoͤhe des Felſens nicht Alles genau beob⸗ achten?— Geſetzt, ſie beeilten ſich zum Abſegeln, dann kommen wir ihnen zuvor, und ſinden den Tod oder den Weg zur Heimath · Recht ſo, Velasco! Dein Feuergeiſt wird uns beſeelen.— — — ——— Aber es ſehlt uns am Noͤthigſten! ſiel der Admiral ein. Wie? Wir haben zwar Gewehre, aber nichts nuͤtzen ſie uns, weil uns die Jagd das letzte Pulver koſtete. Haſt Du vergeſſen, ſprach Centilles, daß vor kurzem das Meer mit andern Sa⸗ chen auch ein Faß, gefuͤllt mit Schwar⸗ zen's Wunderkraft, ans Land geworfen?— Jetzt hat die Sonne ſie getrocknet, und fehlt es uns an Kugeln, ſo liefert uns der Wald ja Steine. In mahomedaniſcher Kleidung beſteigen wir das Schiff, ſprach Velasco. Dringen in das Fahrzeug ein! ſetzte Centilles hinzu; Du biſt der Sprache des Landes maͤchtig, und man haͤlt uns fuͤr Moslems.— Wir uͤberfallen die Sorgloſen. — 158— Und unſern Waffen widerſieht Nichts. Freiheit! ſei unſer Feldgeſchrei. Unter dieſen Geſpraͤchen langten die bei⸗ den Spanier wieder bei der Hoͤhle an und ſchlichen hinein. Gleich darauf trat Il⸗ Caben ein.— Verhaltet Euch in der moglichſten Stille, ſprach der Greis, die Muſelmaͤnner ha⸗ ben meine Huͤtte entdeckt, wie ich gefuͤrch⸗ tet, und ſind bei mir. Nach dieſen wenigen Worten entfernte er ſich ſogleich wieder. Was bringt Ihr fuͤr Nachricht? fragte Seyton und der Hollaͤnder wie aus einem Munde. 5 Mit Eurer Hilfe muſſen wir baid Mei⸗ ſter des tuͤrkiſchen Schiffes und auf dem Wege nach Europa ſein, fluͤſterte Centil⸗ les. Lange lebten wir in Unthaͤtigkeit, nur als Feinde der Thiere des Waldes; jetzt iſt der Zeitpunkt da, wo wir zeigen muͤſſen, — 159— daß Larachens Gegenden uns nicht erſchlafft haben.— Aber Ihr, Seyton! noch ſo jung, haltet Ihr Euch ſtark genug, den ſchweren Saͤbel zu fuͤhren? Ja! erwiederte die Miß, und das Dun⸗ kel verbarg ihr Erroͤthen. Schon hat mein Arm gegen Moslems geſtritten, ſchon hat er mehrere in Pluto's Reich geſchickt.— Sollte ich feig ſein, da Muth und Tapfer⸗ keit zu meiner Rechten, und Liſt und Kuͤhn⸗ heit zur Linken ſtehen. Am Abende oͤffnete Il⸗Caben die Bü⸗ ſche vor der Hoͤhle und trat zu den Ver⸗ borgenen ein. Sie ſind zuruͤck zum Strande, die An⸗ haͤnger Mahomeds, begann er, und meine Huͤtte iſt ohne Bewohner.— Doch duͤrft Ihr, Freunde! Euch nicht aus der Hoͤhle wagen; denn der Ankommlinge Aufenthalt iſt laͤnger als ich dachte, und waͤhrend die⸗ ſer Zeit wird man bei mir, dem weiſen Derwiſche Il⸗Caben, ſich Segen und Ora⸗ kelſpruͤche holen. Wie lange noch wird der ner Schiff vor Anker liegen? fragte Ve⸗ lasco. Sch furchte, nach Wochen erſt verlaſſen ſie die Kuͤſte von Marocco, antwortete der Alte. Schon beut das Glaͤck uns Gunſt! rief Centilles. Wie? fragte der Greis ebſtaunt. Fahr' fort, Vater! zu berichten⸗ re⸗ dete Velasco, was Deine Gaͤſte Dir er⸗ zählten; wenn Du geendet haſt, werden wir beginnen, Dir einen Plan mitzutheilen, der uns zum Tode oder neuem Leben fuͤhrt. Ich ahne Euer Vorhaben; doch hoͤrt: Das Schiff, der Barbaroſſa, ſteht unter dem Schutze des Bey von Tripolis, und es befehligt Isram⸗Labi, der Raubſtaaten erſter Kaper, das Schrecken der Chriſten, „ — 6— der Stolz der Osmanen.— Mit drei wohlbemannten Schiffen verließ er vorlaͤngſit den Hafen von Tripolis, um ſeine Schaͤtze durch Raͤubereien zu vermehren; noch im⸗ mer ein Guͤnſtling des Gluͤcks, lernte er aber in der Gegend der Inſel Teneriffa des Gluͤckes falſche Seite kennen.— Eine kleine Flotte von Portugieſen hemmte ſei⸗ nen Lauf; tollkuͤhn genug, auf ſein gutes Gluͤck ſeine Hoffnung ſetzend, gebietet er den Seglern zu ſtreichen und ihm ihre La⸗ dung zu uͤberliefern. Das Gefecht beginnt. — Die Portugieſen nehmen ihm zwei ſei⸗ ner Schiffe, toͤdten die Haͤlfte der Mann⸗ ſchaft des letzten, und kaum gelingt es ihm, zu fliehen.— Schwer verwundet liegt dort Isram-Labi mit mehreren ſeiner Krieger, und ſeine Geneſung abzuwarten, landeten die Fluͤchtigen. Wie hoch belaͤuſt ſich wohl des Bar⸗ baroſſa's Beſatzung? fragte Velasco. — 162— Kaum zwanzig mogen's ſein, die Waf⸗ ſen fuͤhren koͤnnen, die uͤbrigen haben die„ Portugieſen in lange Unthaͤtigkeit verſetzt. — Noch immer ſierben die Moslems, und ſelbſt Isram ſteht an des Grabes Rand.— Am Morgen kommen ſie, mich zu holen, weil Kraͤuterkenntniß mein Studium war. gum Arzt des Kapers will man mich machen. Gieb dem verdammten Moslem Gift, daß er zur Hoͤlle oder zu den Houris fahre! ſprach Centilles entruͤſtet. Freund! das ſpricht Dein Mund, Dein Herz will's anders. Beſchaͤmung zeigte ſich in Centilles Bli⸗ cken, Il⸗Caben fuhr fort: Warum ſoll ich den Menſchen morden, der mir nicht ſchadet, der voll Zuverſicht zu meiner Kunſt ſich mir anvertrauet? Nein!— Ich ſehe in ihm den Menſchen, nicht den Ungläubigen. Handelt er un⸗ — 163— recht, ſo bin ich zu ſeinem Richter nicht berufen; und will der Gerechte, daß die⸗ ſer Muſelmann leben ſoll, ſo hat ein hoͤ⸗ heres Weſen ſeine weiſe Abſicht. Vielleicht, unterbrach Velasco den Re⸗ denden, ſagen wir dem Greiſe bald ein Lebewohl, der ſeine Soͤhne liebreich auf⸗ nahm und bewirthete. Wie! rief Il⸗Caben Ihr wollt mich verlaſſen?— Wenn unſer gefahrvolles wtebe gelingt! Ich ahne!— Mit den Waffen in der Hand bemaͤch⸗ tigen wir uns des Schiffes, rief begeiſtert Centilles, und ein Strom von Blut, gleich ob's das unſere oder das der faͤrbt das Verdeck. Wie tollkuͤhn! Vom Durſte nach Freiheit lechzen wir ſprach Velasco. Wollt Ihr im Menſchenblute ihn ſtil⸗ len? fragte ſanſt der Greis.“ Zeig' uns ein Mittel, ihn zu befriedi⸗ gen, das auf eine andere Art uns zum Zwecke fuͤhrt? Erwartet bis ein Schif—— Halt ein! unterbrach ihn Velasco ſtuͤr⸗ miſch. Glaubſt Du, wir ſind nur zum Warten geboren?— Vergebens erklim⸗ men wir jeden Tag den Felſen, vergeblich ſchwaͤchen wir die Kraft des Auges; al⸗ ein unſer ſehnlichſter Wunſch wird nicht erfullt. Jetzt zeigt das Ungefuͤhr uns ei⸗ nen Weg ins Vaterland; ſollen wir ihn nicht betreten, weil giftige ihn viſicher machen?— 4 Das Schiff zu nehmen, redete Fl⸗ a⸗ ben, iſt eine Vermeſſenheit ohne gleichen.— Ihr Viere wollt gegen Dreißig, Vierzig fechten; denn wißt Ihr, wie viele Krieger das Fahrzeug noch verbirgt? ℳ —— ² 1 1 ² ₰. k — 3— Nein! ſprach Centilles, dieß zu erfah⸗ ren, hilft uns eine wolkenvolle finſtete kacht, und Du ſelbſt kannſt es leicht er⸗ kunden, weil man morgen Wb als zum Strande fuͤhrt. Erhitzt ſind Eure Oenit und vWen nur vergeblich. Wahr! ſprach Velabes, bei uns ver⸗ fehlten ſie ihre Kraft; ſ feſt iſis. Gewiß werde ich Eue hartes Loos be⸗ weinen, redete Il⸗Caben wehmuͤthig, wenn“ das Meer Eure Leichen aus ufer wirft. Iſt's denn unmoͤglich, daß wir ſiegen2 fragte Centilles mit Ungeſtum. unmoglich?— Nein!— Doch wä⸗ reſt Du kaͤlter, brauſender Juͤngling! ſo wuͤrde die Vernunft Dir zeigen, daß ihr nur durch ein halbes Wunder Siege koͤnnt.— Der herrliche, hoſzritsch⸗ cwn 156— an den vaterlaͤndiſchen Boden giebt uns Kraft und wird Wunder thun, antwortete Centilles.— Nicht ſo, Velasco?— FJa! Daheim lebt mir ein Weib, ein Sohn, die ſchon ſeit Jahren mich nicht ſahen. Auch Du Seyton! fragte der Greis, noch in den erſten Juͤnglingsjahren, auch Du ſtimmſt Deiner Bruͤder Reden bei?— Auch ich! Auch meiner harret ein lie⸗ bevoller Vater. Wohlan! Gott gebe ſeinen Segen.— Lebt einer, ſo ſiegen wir, ſprach Centil⸗ les, es ahnet mir, wir ſiegen und ſind frei. O mag doch dieſe Ahnung Dich nicht trägen! ſeufzte Il⸗Caben. Ich gehe, da⸗ mit die Mahomedaner meine Huͤtte nicht leer finden.— Noch einmal uͤberlegt, nicht mit dem Feuer der Juͤnglinge, ſon⸗ dern mit dem ruhigen Nachpenken des Mannes. 4 ht ht t⸗ E es 1— — 167— Als Maͤnner?— Ja! rief Centilles ihm nach, nur nicht als Greiſe, die Furcht⸗ amkeit begleitet. Bald kam der Abend, und nach ihm eine dunkle gewuͤnſchte Nacht.— Bewaff⸗ net verließ Velasco und ſein Freund die Hoͤhle, und ſie machten ſich auf den Weg nach dem Geſtade.— Rabendunkel war die Nacht, denn kaum war es ihnen moͤg⸗ lich, zum Ziele zu gelangen.— Endlich erreichten ſie das Ende des Waldes, und durch die Baͤume ſchimmerten die Wacht⸗ fener der Tuͤrken. Tiefe Stille herrſchte umher; nur zuweilen rauſchten die Blaͤt⸗ ter, durchtoͤnt von dem Gebruͤlle der auf⸗ geſchreckten wilden Thiere des Waldes. Auf dem Schiffe flimmerte ein ſchwaches Licht, und durch die aufgezogenen Segel pfiff der Wind.— Die Verſieckten lauſch⸗ ten, ſahen die Wachtfeuer nach und nach verlſchen, eine Anzeige, daß der Schlaf —— ———— 168 Herr der Gelandeten ſei, und kehrten, als der Morgen zu erſcheinen begann, wieder zuruͤck, feſt entſchloſſen, in der naͤchſten⸗ dieſer gleichen Nacht, das Schiff zu er⸗ ſtuͤrmen. Der Weg war lang. Bei ihrer Ankunft war Il⸗Caben abweſend. Der ge⸗ ſchaͤſtige Centilles ſuchte die Waffen her⸗ vor, machte Probe mit dem getrockneten Schießpulver und bedeutete den Hollaͤnder in gebrochenem Hollaͤndiſch, daß er bald ſeinen Muth zeigen muͤſſe. Dieſer, von Jugend auf Soldat, freuete ſich des be⸗ vorſtehenden Geſechts, und ſchärfte ſeinen Suaͤbel. Bis an den Abend erwarteten die Hoͤh⸗ lenbewohner die Ankunſt des Greiſes, end⸗ lich trat er zu ihnen ein⸗ Lange war ich von Euch entfernt, Freunde! redete er; doch S Labi meiner. Was macht er? fragte Pelasco. ———— 6— —„ e— —„ ——„—— Sein Zuſtand iſt ſchlimm! doch hoffe ich, bald ihn herzuſtellen. Das Feuer der Portugieſen hat unter dieſen Moslems fuͤrchterlich gewuͤthet. Sie hatten die Os⸗ manen mit ihren Kanonen bewillkommt, die mit gehacktem Blei, Naͤgeln und al⸗ tem Eiſenwerk geladen waren.— Die Haͤlfte liegt verwundet; waͤhrend meines Daſeins an der Kuͤſte ſtarben zwei, aus Unwiſſenheit ihrer Verpfleger.— Doch, Freunde! fuͤllt noch der Plan zur Weg⸗ nahme der Fregatte Eure Koͤpfe?— Oweiſer Greis! ſprach Centilles, glaubſt Du uns wankend, wie das Rohr am Teiche? Feſt ſteht unſer Entſchluß, und nichts be⸗ wegt ihn um ein Haar aus ſeinem Gleiſe. — Haſt Du erforſcht, wie viele Moslems noch im Schiffe ſich befinden, die ſtark ge⸗ nug ſind, die Waffen zu fuͤhren.— Erforſchen konnt' ich's nicht; doch glaub' ich, die Verdecke verbergen wenige II. Theil. 8 — Auch ſo urtheilen wir! redete Velasco. Die Schoͤnheit der fruͤchtevollen Waͤlder wird die Seefahrer ans Land gelockt ha⸗ ben, nur wenige Hinderniſſe zeigen ſich alſo uns. Il⸗Caben! ſprach Centilles, Du kennſt den Lauf der Sterne, urtheilſt von der Farbe des Himmels, vom Wehen des Windes aus den Gegenden, vom Scheine der- Sonne; ſag' uns, wird ſolch eine tacht, wie die vergangene, heute wieder⸗ kehren?— tein! der holde Tag verſprach die ſchonſte hellſie Nacht; der Abend läßt es uns mit Gewißheit hoffen.— Eine kleine Verzoͤgerung bringt uns hoffentlich nicht den geringſten Nachtheil! ſprach Velascv. So wollt Ihr denn ſo bald vom Grtiſe ſcheiben, der Euch wie ſeine Sohne lieht 4 — — 171— redete Il⸗Caben ſehr wehmuͤthig.— Ich habe mich an Euch gewoͤhnt. Aus Deiner Bruſt iſt ſchon vor Jah⸗ ren alle Sehnſucht nach dem geliebten Va⸗ terlande entflohen, ſprach Centilles. Mein Vaterland ſind dieſe oͤden Berge! Scheueſt Du Gefahren nicht? begann Velasco, ſo begleite uns zum fernen Welt⸗ theile, wo kein Unglaͤubiger den Chriſten, ſeinen Bruder, tyranniſirt; dort brauchſt Du keine oͤde duͤſtere Waͤlder zu bewoh⸗ nen; bei Deinen Freunden, bei uns, bei Deinen Soͤhnen wirſt Du leben, und mit dem weiſen Rathe ſie weiſer und beſſer machen.— Du kannſt, willſt Du?— Halt ein! unterbrach ihn Il⸗Caben eilig.— Umſonſt verſchwendeſt Du Deine Beredtſamkeit. Auch mein Entſchluß wankt ſo wenig als der Eure. Wo ich zwei und zwanzig Jahre ruhig lebte, da will ich auch bis zum nahen Ende ausharren 1 Gehet mir mit Eurem geprieſenen Europa, dort giebt es mehr Sclaven wie hier; zwar tragen viele Ordensband und Stern, doch ſieht mit heller Schrift Nicht⸗Freiheit darauf gezeichnet.— Zwar zerfleiſcht ſie nicht die Peitſche ihrer Waͤrter; doch ſchmer⸗ zen des Gewiſſens Streiche mehr als dieſe, ſie dringen tiefer ein, und machen aͤußer⸗ lich doch keine Wunde.— Kein, dieſe Ge⸗ virge ſind mir theurer, als alle Pallaͤſte Eu⸗ ropens. Hier beneidet mich kein Schmeich⸗ ler, hier ſehe ich des Schickſals Tuͤcke weniger. Wenn aber Krankheit Dich aufs Lager wirft, fiel Centilles ein, und kein Ver⸗ pleger Deiner wartet, kein Menſchenfreund Dir Hilfe reicht?— Das moͤge der Allmaͤchtige verhuͤten! Und wenn auch, ſo fuͤhle ich, lange werde ich der Krankheit Uebel nicht ertragen, zu ihr geſellt ſich Alterſchwaͤche, und loͤſt den — 1 8 † morſchen Koͤrper auf, der mit jedem Tage ſich matter fuͤhlt.— Glaubſt Du denn, fragte Centilles, daß im Lande, wo Cultur die hoͤchſte Stufe ſchmuͤckt, kein irdiſches Gluͤck den Men⸗ ſchen erfreue?— Iſts denn Cultur allein, die gluͤcklich macht? Das Herz nur!— Ihr ſirebt hinaus ins Weltgetuͤmmel, um—— mei⸗ ner Worte Wahrheit einzuſehen. Dich, mein Velasco, ruft die Pflicht als Gatte, Vater; der Wille iſt edel. Doch wuͤrdeſt Du, wenn, anſtatt Weib und Sohn z5 umarmen, Du ihre Graͤber faͤndeſt, nicht lieber zu mir zuruͤckkehren?— Was ſprichſt Du? rief Velasco be⸗ troffen. Iſt's eine Unmoͤglichkeit?— Wenws waͤre, fiel Centilles ein, ſp iſt der Weg zu Dir zuruͤck ihm nicht ver⸗ ſperrt.— Wozu der leeren Worte Tand? 2 Du willſt in den Gebirgen bleiben und uns beneiden, wenn wir mit frohem Muthe der ſchoͤnen Heimath zuſegeln?, Gewiß, ich werde mich freuen, wenn Euer gewagtes Unternehmen Euch gelingt; doch wird die Reue, Euch nicht gefolgt zu ſein, mein Herz nicht martern.— Aber, ſprach Velasco, glaubſt Du denn alle Deine Bruͤder todt, kann nicht die Umarmung Eines Dich erfreuen? Alle ſind ſie ſchon dort oben; ich war der Juͤngſte, und nun zuͤhlet meine Jahre! Doch Freunde findeſi Du vielleicht, Ge⸗ ſpielen Deiner Jugend? Die Freunde wollen mich verlaſſen! ſprach der Greis, und eine Thraͤne rollte uͤber die furchenreiche Wange.— Die Soͤhne werden ihren Vater verlaſſen, der ihrer doch ſo ſehr bedurſte, da bald der Lebensfaden zu Ende geht. Fl⸗Caben! redete Velasco wehmuͤthig, — 5 gern blieben wir, doch glaub' ich feſt, Dein— Herz haͤlt uns nicht zuruͤck, es billigt ja ſogar den Entſchluß⸗ Es villigt ihn! ſeufzte der Alte. Ein abgelebter Greis; ein junges, liebendes Weib, ein Sohn, der ſeinen Vater lange ſchon vermißt, welcher Unterſchied!— tein! durch keiner Worte Spiel will ich Euch abhalten; Gott will ich bitten, daß er ſeinen Geſchoͤpfen ſeine Gnade nicht ent⸗ ziehet, daß er gelingen laͤßt, was Euch berauſcht. Er gebe, daß Euer Blut nicht fließe, daß nicht neue Sclavenketten Euch druͤcken. Das erſte kann zeſchthen fiel Centil⸗ les heſtig ein, das andre nie! Gab uns der Schoͤpfer doch Muth und einen Arm, der ſtark genug iſt, wenn Alles verlorri ginge, ſich gegen ſeine eigene Bruſt wenden, und dem Leben ein geſchwindts Ende zu machen, das Freiheit oder „ wuͤnſcht, und wenn das erſtere nicht bluͤ⸗ het, zum zweiten ſeine Zuflucht nimmt. Aus Dir, Centilles! redet Verzweif⸗ lung, ſprach der Greis; mir iſt bewußt, Dein Herz iſt edel, doch ſind die Tugenden noch nicht befeilt, zu rauh noch.— Dein Ungeſtuͤm bringt Dir ſicher kein Heil.— Velasco! was denkt Dein Innerſtes? Centilles ſprach aus mir, antwortete dieſer. Haſt Du ſchon fechten ſehen, wenn man fuͤr Freiheit ſtreitet, wenn jeder Hieb einen Feind zu Boden ſtreckt?— Doch iſt die Uebermacht zu groß, die Sclaberei zeigt ſich im Hintergrunde, dann ſtuͤrzt der muͤde Streiter, deſſen Arm ohne Erfolg Wunder that, ſich in ſein eignes Schwert, daß ſein Blut ſich mit dem des Unterdruͤckers miſche, oder ins wellenreiche Meer, das ihn verſchlingt.— Er ſirbt geraͤcht, und wer kann ihn verdammen?— Zur Freiheit iſt der Menſch geboren; wenn ihm der Staͤrkere ſie raubt, dann iſt ihm Alles gleich; wenn nur Gott ihm der Rache Schild verleiht, dann haucht er ohne Schmerz, ohne Reue der Scheidung ſein Leben aus.— Wir ſtehen bald am giele!— Wahr! ſprach der Greis. So ſollen denn dieſe Kuͤſten vom Blute roth ſich faͤrben? Vom Blute der Unglaͤubigen! fiel Cen⸗ tilles ein. In der naͤchſten finſtern Nacht beginnt das Werk. Bei dem Gedanken zuckt mir jeder Nerv, jeder Puls rollt feuriger, geſchwinder, und alles regt ſich an dem Bau des Koͤrpers.— Suͤß iſt die Wonne, durch eignen Muth frei zu ſein!— Die Nacht bricht ein, ſprach Il⸗Ca⸗ ben, ſobald der Morgen graut, muß ich . zum kranken Isram eilen.— Sagt mir jetzt, Freunde! wie denkt Ihr Euren Plan mit glucklichem Erfolge auszufuͤhren? Viel⸗ 3 2 — 178— leicht kann ich mit Rath, wenn auch nicht mit der That ſelbſt, Euch zu Hilfe kommen. Hoͤre! begann Velasco, kaum hundert Schritte vom nahen dichten Walde entfernt liegt das Schiff am ufer; wir wechſeln unſere Kleidung mit der mahomedaniſchen, die Du in Menge noch beſitzſt, beſteigen in der Stille das Fahrzeug, die Wachen halten uns fuͤr Bruͤder, man ſetzt uns nichts entgegen. Der Juͤngſte, ſchwaͤchſte von uns, jener Britte Seyton zerhaut des Ankers Tau; wir andern fallen uͤber die Unbekuͤmmerten her, unterdeſſen ſtoßt Sey⸗ ton friſch vom Lande, den Moblems alle Hilfe abzuſchneiden. Doch wenn vom Lande ſie mit Böten Euch verfolgten? fragte Il⸗Caben. So donnert eine volle Ladung der Ka⸗ nonen uͤber die Vermeſſenen, und begraͤbt ſie und ihre Nachen im Meere.— Wir ſegeln dann frohen Muthes in der Naͤhe ₰„ der afrikaniſchen Inſeln, und dann nach Europa. Euer Plan iſt gut! ſprach der Greis, doch fuͤhrt der Weg am ufer Euch nahe bei den Zelten der Schlafenden vorbei, die Wachen ſichern.— Ein entferntes ſchma⸗ les Felſenthal wird Euch vor den Augen der Osmanen verbergen, die noch kein Schlaf deckt. Dieſer Felſengang⸗ gemacht von Gottes Hand, fuͤhrt bis ans ufer, und dann iſt's nicht mehr weit von der Bucht, wo der Barbaroſſa liegt⸗ Dank, Vater, fuͤr dieſe Kunde! redete Centilles; doch kennten wir Dich nicht ge⸗ nau, wir wuͤrden Argwohn faſſen.— Du biſt ja Chriſt! Lauter und rein iſt meine Abſicht, ſprach IFl⸗Caben mit freier Stirn, und meine Soͤhne ſollten mich verkennen? Ihr glaubt vielleicht, ein Einverſtaͤndniß mit den Ma homedanern herrſchte hier? Ihr irrt! 1 Wir glauben nichts! fiel ihm Centilles ein, ein ungegruͤndeter Verdacht iſt fern von uns. Die kurze Zeit, die wir zuſammen bruͤ⸗ derlich verlebten, wird mir, ſo lange noch der Schoͤpfer meine Tage friſtet, unver⸗ geßlich bleiben. Theuer ſeid Ihr meinem Herzen geworden, und glaubt es mir, die Trennung wird mir Thraͤnen koſten, die ich verbergen muß, damit kein Moslem ſie erblicke.— Die Nacht bricht ein, dem Greiſe wie dem Juͤnglinge iſt Ruhe noͤthig, dem erſtern mehr, damit ſie ſeine ſchwa⸗ chen Kraͤfte ſtaͤrke. Der weite, ungewohnte Weg zum Strande hat mich erſchoͤpft, ich gehe, Ruhe zu ſuchen, und wuͤnſche, daß ſie auch Euch erquicken moöge. Am andern Morgen wollte Velasco die Hoͤhle verlaſſen, allein in demſelben Au⸗ genblicke traten die Mahomedaner in Il⸗ Cabens Huͤtte, und erſchrocken wich der un h M — 181— Admiral zuruͤck. Mit klopfenden Herzen und heißer Sehnſucht erwarteten die Ver⸗ borgenen einen nebelvollen Tag, als An⸗ kundiger einer dunkeln Nacht; allein ver⸗ gebens.— Läglich beſſerte ſich Isram⸗ Labi, und auch das haͤufige Sterben der Luͤrken ließ nach⸗ Eines Tages, als der Morgen grauete, verließ Velasco die Hoͤhle und erſtieg den Gipfel des hohen Felſens, den einiges Ge⸗ ſtraͤuch deckte. Unter den Buͤſchen ſchauete er umher, und ſeine Augen glaͤnzten beim Anblicke des Schiffes und dem Gedanken, daß dieſes ihn nach ſeiner Inſel tragen ſollte.— In Weſten war es truͤbe, roth in Oſten, und ein röthlicher Nebel deckte die Chaͤler, als Anzeige dines Sturmes. Erfreut klomm der Kaper⸗Admiral hin⸗ ab, und theilte ſeinem Freunde die Ent⸗ deckung mit⸗ Poch erfreut ſchlug dieſer 182— in die Haͤnde, und beide begaben ſich in bie Hoͤhle, wo Centilles dem Hollaͤnder be⸗ richtete, daß man dieſe Nacht vielleicht ta⸗ pfer ſtreiten muͤſſe.— Der Wind fing ſchon gegen Mittag an, ſich heſtiger, als gewoͤhnlich zu regen, und auch Il⸗Ca⸗ ben, der bald nachher eintrat, kuͤndete eine ſchwarze ſtuͤrmiſche Nacht an. Wirſt Du heute an das Ufer zu den Moslems gehen? fragte Velascv. Nein! antwortete der Greis. Heute braucht Isram meine Hilfe nicht, und dieſen Tag kann ich ganz bei Euch ver⸗ leben. Es wird der letzte ſein! ſprach Cen⸗ tilles. Wie! ſchon heute ſoll der Kampf be⸗ ginnen? fragte jener erſchrocken. Schon heutel fuhr Centilles fort. Mit ängſtlicher peinigender Sehnſucht haben wir eine finſtere Nacht erwartet; jetzt hat der . — 18 Himmel unſer heißes Flehen erhoͤrt, und wir beginnen. Haben wir nicht von Dir gehoͤrt, daß ſich des Mahomedaners Wunde beſſert? ſprach Velasco. So iſt's! Wohlan denn! ſo duͤrfen wir nicht ſaͤu⸗ men, wie leicht konnte nicht der Zufall un⸗ ſer Spiel verderben. Ein ſchones Spiel, wo man um Men⸗ ſchenleben ſpielt, redete Fl⸗Caben nach⸗ denkend. Und um Freiheit! fiel Centilles ein. Willſt Du uns den Felſenweg zum fernen ufer zeigen? Ich will! Noch habt Ihr Zeit in Fuͤlle. Sobald die Sonne uns verlaͤßt, brecht auf! Sie ſcheint uns nicht! Harret einen Angenblick! Der Alte ging und trat bald wieder herein.. hervor. — 184— Dir, Velasco! ſprach er, reiche ich dieſes Paar Piſtolen, die einſt ein Osman mir zuruͤckließ; und Dir, Centilles, die⸗ ſen Saͤbel, deſſen Stahl das von Damast᷑ uͤbertrifft. Behaltet bieſe Sachen als An⸗ denken von dem armen Greiſe, der Euch nichts beſſeres geben kann. Auch Dir, Seyton! und Jenem dort wuͤrde ich gern ein Zeichen meiner Liebe gegeben haben, wenn meine Klauſe mehr beſaͤße. Ha! rief Centilles in Feuer, dieſer Saͤbel, von Dir geheiligt und eingeſegnet, muß Wunder thun. Wie ſchneckenartig die Zeit dahin ſchleicht; noch ſo fern vom Abende! Ungeduldiger! ſprach Velasco, erwarte ihn; kannſt Du mit der Natur grollen, die doch Dein harter Sinn von ihrem Laufe nicht bewegt?— Il⸗Caben zog einige Flaſchen mit Buſa 1)* al ich an ie⸗ — 185— Hier! ſprach er, laßt uns zuſammen trinken, es iſt das letzte Mal.— Trinkt! Dieſer ſchoͤne Dattelſaft wird Euern Muth anfeuern und noch mehr Staͤrke Eurem Arme geben. Wahyrlich! redete Velasco, Deines Ar⸗ mes Kraft mag er wol ſtaͤrken, doch un⸗ ſere haben noch Kraft genug. Du Centilles! fiel Il⸗Caben ein, und jener Hollaͤnder, Ihr ſeid ſtark und be⸗ hende, Eure Arme ſind mit feſten Mus⸗ keln verſehen; doch jener Britte, ein wah⸗ res Kind noch, kann er mit Euch ſich meſſen?— Der ſchwaͤchſte Moslem wirft ihn nieder. Das glaube nicht! ſprach Centilles. Stark macht ihn das Gefuhl fuͤr Freiheit, die Sucht nach ihr aus einem Schwaͤch⸗ linge einen kuͤhnen, gewaltigen Streiter. i Bis an den Abend unterhielten ſich die Freunde, dann ſprang Velasco auf, mit — aden, balb ſürbt es ab, ich fühle es.— — 186— ihm Centilles, Seyton und der Hollaͤnder. Man bewaffnete ſich eilig, lud die Schieß⸗ gewehre, und verließ dann die Hoͤhle.— Stillſchweigend fuͤhrte Il⸗Caben ſeine Freunde eine Strecke in die Gebirge, bis zu dem Anfange des Felſenthales. Mein letzter Dienſt, ſprach er, den ich Euch leiſte, iſt nun gethan, und ich ſcheide. Folgt ſtets dieſen Felſen, und in einigen Stunden ſeid Ihr am Strande. Habe Dank, Beſter der Menſchen! be⸗ gann Velasco ſehr wehmuͤthig, dem Alten die Hand reichend.— Vergiß uns nicht, und bete fuͤr uns, wenn das Getuͤmmel an Dein Ohr dringt. Das werde ich, wie ich noch nie ge⸗ betet habe. Komm an mein Herz, und Ihr Alle, Bruͤder! umarmt mich, ich ſehe Euch zum letzten Male!— Mein altes Herz leidet, die Trennung wird ihm — —— ber. ine bis — d h Sollte einſt nach Jahren(wer kann die Zukunft durchſchauen ²) Euer Weg hier am Geſtade Euch vorbeifuͤhren, dann beſucht —— mein Grab, das letzte Haus des Thraͤnen unterbrachen die Worte des guten Greiſes; alle waren geruͤhrt, und ſelbſt des ungeſtuͤmen Centilles Augen wur⸗ den feucht. Il⸗Caben fuhr gefaßter fort: Gern haͤtte ich meine letzten Tage in Eurer Geſellſchaft beſchloſſen; das Schickſal will es anders, und ich beuge meine Kniee vor dem Willen des Erhalters.— Jeder Fels oder Baum, jeder Gegenſtand mei⸗ ner Huͤtte wird mich an Euch erinnern; ſchmerzlich iſt die Erinnerung an die Theu⸗ ren, die, fern von uns, vielleicht des Trauernden vergeſſen. kie! ſprach Centilles mit erkuͤnſielter Standhaftigkeit, nie werden Deine Worte, Deine weiſen Lehren unſerm S huͤten! fiel Il⸗Caben ein. Nein, ſiegen — 188— entweichen, und bluͤht uns einſt das Gluͤck, ſo iſt es Dein Werk, weil Du es uns ge⸗ nießen lehrteſt. Sobald der Donner des Geſchuͤtzes bis zu mir ſchallt, redete der Greis, will ich, ungeachtet meines druͤckenden Alters, den hohen Felſen zu erklimmen ſuchen. Seid Ihr dann gluͤcklich auf den Meereswogen, ſo thut durch ein gewiſſes nicht truͤgendes Zeichen es mir kund, damit ich Gott fuͤr Eure Rettung danken kann. Das wollen wir! begann Velasco. So⸗ bald Du ſechs ſchnell aufeinander folgende Kanonenſchuͤſſe hoͤrſt und am hohen Maſte ein kleines Flaͤmmchen ſiehſt, dann ſind wir frei und auf dem Wege zur Heimath. Wo nicht, ſo weihe uns eine Thraͤne, wie der Vater ſeinen Sohnen, die dann ihre irdiſche Laufbahn vollendet haben.— Das mag der Schoͤpfer der Welten ver⸗ ck, ge⸗ is ch, — 182 werdet Ihr, wenn mein bruͤnſtiges Gebet Erhoͤrung gefunden hat.— Doch die zu⸗ nehmende Dunkelheit mahnt mich und Euch zum Abſchiede.— Noch einmal umarmt den Greis, der kein Mittel kennt, dem ge⸗ preßten Herzen Luſt zu machen.— Lebt wohl, Soͤhne! lebt gluͤcklich! reißt Euch aus meinen Armen; ſonſt findet uns der wiederkehrende Morgen noch in dieſer Stel⸗ lung. Leb wohl, beſter Greis! riefen Alle, und Thraͤnen floſſen aus ihren Augen. Laßt uns unſers Zweckes nicht vergeſ⸗ ſen! rief Centilles, und eilte in die Ge⸗ birge; Velasco, Seyton und der Hollaͤnder folgten ihm; der ſchwache Greis lehnte ſich an den Felſen und ſchluchzte laut.— Mit Schnelligkeit und dem tiefſten Still⸗ ſchweigen durchliefen die Soͤhne Il⸗Cabens die Felſenſchlucht. Schneidend pfiff der Wind durch die Gipfel der Baͤume, und B — einzelne große Regentropfen ſielen herab.— Keiner ſprach; die Trennung von dem Be⸗ ſten der Menſchen hatte Alle in eine Stim⸗ mung verſetzt, die das Reden verbot. Zwar waren die Augen getrocknet; doch weinte das Herz. Bald hatten die Eilenden das Ende des Felſenganges erreicht und ſtanden am ufer. In der Ferne ſah man die Feuer der Mu⸗ ſelmaͤnner, und verſchwunden war der Ab⸗ ſchied, verſchwunden war der Gedanke an die Scheidung von dem guten Alten, der daheim trauerte. Die Zeit zum Aufbruche war noch nicht da; deshalb blieben ſie zwiſchen den Felſen⸗ ſpalten verſteckt, nur Centilles ſchlich zum Kundſchaften umher.— Nach einer Weile kehrte er wieder zuruͤck. Im Lager der Moslems iſt Alles ru⸗ hig, ſprach er; auch habe ich keine Wa⸗ chen entdeckt, die uns wahrnehmen konn⸗ ten. Still Das des unſer fuͤhr gen wir ein der geſa das her, geſc des Hol gute dur herl derl icht ſen⸗ um eile — 1 — ten. Selbſt im Schiffe herrſcht die groͤßte Stille, und ſicher ahnet man nichts.— Das Brauſen des Windes, das Raſſeln des Regens, die ganze Natur beguͤnſtigt unſer Vorhaben, und heißt uns zur Aus⸗ fuͤhrung ſchreiten. Zwar ſcheints, als lie⸗ gen am Strande einige Voͤte; doch ſind wir erſt Meiſter des Barbaroſſa, ſo wirft ein Kanonenſchuß dieſe Nachen weit zuruͤck⸗ Wohlan denn! begann Velasco, ſo iſt der Zeitpunkt da. Hoͤrt mich an: wie ich geſagt, Centilles und ich fallen, ſobald das Schiff beſtiegen, uͤber die Bewohner her, indeß Seyton, der Britte, weniger geſchickt, den Degen zu fuͤhren, das Tau des Ankers zerſchneidet. Vakhord, der Hollaͤnder, leiſiet ihm Hilfe. Dieſer, ein guter Seemann und Artilleriſt, vertreibt durch die Feuerſchluͤnde die zur Rettung herbeieilenden Boͤte, indeſſen wir Alles nie derhauen, was ſich uns widerſetzt.— Gern — 192— ſchone ich Blut, es ſei das der Chriſten St oder Heiden; aber unſer eigenes Wohl er⸗ 1 fordert hier das Morden. Gott mag es uns verzeihen, und Il⸗Caben fuͤr uns be⸗ ten!— Seid tapfer, und zieht den Tod ver der Sclaverei vor!— Wir haben bei La⸗ He 1 rache gezeigt, was Muth, was Raſerei, St was Verzweiflung vermag, laßt es uns ten wiederholen! Dieß ſei genug gelagtt Wi 6 Velasco ſchwieg und ging, opſen⸗ in den Herzen folgten ihm die Seiſen. Des 6 Britten Buſen regte eine Angſt, die ſich bel nicht beſchreiben laͤßt. Man ſchlich ſich rie gebuͤckt zwiſchen den Uferklippen fort, dem ſto . ruhigen Schiffe naͤher. Der Wind hatte ſich noch ſtärker aufgemacht, und der Re⸗ her gen fiel in größerer Menge. Jetzt war kel man am Schiffe, und herzhaft legten die ſeit Europaͤer das Brett an, und ſiegen an Ce — Bord des Barbaroſſa. S Wie noch ſo ſpaͤt, Schadnackt i eine iſten ler⸗ g es s be⸗ Tod i La⸗ ſerei, uns pfen⸗ Des ſich ſich dem hatte Re⸗ war n die nan f eine Stimme aus dem Hintergrunde zwiſchen dem Gepaͤck hervor, ſoll ich den Mohren wecken? Unterlaß das! antwortete Velasco mit verſtellter Stimme.— Unterdeß hatte der Hollaͤnder das Ankertau und die uͤbrigen Stricke, die das Fahrzeug am Lande hiel⸗ ten, zerſchnitten, und die Wellen, vom Winde getrieben„ wärfen es eine Strecke in die Ses Der Vaſall der Mahomeda⸗ ner eilte ſtrunken hinzu. Centilles Saͤ⸗ bel traf ſeine Schulter, mit lauter Stimme rief er: Verraͤtherei! und ſchoß ſeine Pi⸗ ſtole ab. Aus der Kajuͤte ſtuͤrzten zwei andere hervor, und das Geſecht begann im Dun⸗ kel der Nacht. Tapfer focht Velasco und ſeine Getreuen, tapfer die Osmanen, Von Centilles ſtarkem Arm getroffen, ſtuͤrzte einer zu Boden. II. Theil.* Am ufer iſt Alles in Bewegung,„ uf — 14— Seyton; ſicher ſendet Isram Hilfe in den der Boͤten. ner Dann Vanhord, ſprach Velasco fech⸗ We tend, weißt Du Deine Beſtimmung. Die⸗ Na ſer gehorchte. Velasco's Gegner beilor den Kanjar; geſchickt unterlief er in der pfe Dunkelheit den Admiral, umfaßte ihn mit wa ſtarken Armen, und ſchleppte ihn zum Ve Rande des Schiffs. Velasco ſah den nahen Tod, entriß ſich ſi mit allen Kraͤften den Haͤnden des ſtarken Moslems; beide rangen, und ein richtiger vo Stoß warf den Unglaͤubigen uͤber Vord in wu die Wellen. die Allah! ſchrie er, und verſuchte die hir * Schiffswand zu erklimmen, eine Kugel aus kn Fl⸗Cabens Piſtol fuhr durch den, vom S Turbane entbloßten Kopf und er ſank.— etzt ſtritt noch einer der Moslems gegen ſei Centilles und den jungen Seyton. Vom Lande ruderten zwei Boͤte an, der Hollaͤn⸗ tet en ch⸗ Nie⸗ lor der mit um ſich en iger d in die aus vom egen Vom llaͤn⸗ — 395— der vergaß ſeine Pflicht nicht; die Kano⸗ nen donnerten, der Wind brauſ'te, die Wellen ſchlugen heftig; fuͤrchterlich war die Nacht. Centilles fuͤhlte ſich ermattet, ſein ta⸗ pferer Gegner hieb ihn in den Arm, er wankte und fiel. Zum Gluͤcke war ihm Velasco zur Seite. Ergieb Dich, Moslem! rief er, oder ſtirbl! Dieſer antwortete mit dem Saͤbel, und von Neuem begann der Streit. Der ver⸗ wundete Centilles raffte ſich auf, ergriff die abgeſchoſſene Flinte, und ſchlug von hinten den Mahomedaner aufs Haupt. Er ſtuͤrzte. Velasco ſprang mit aufgehobenem Saͤbel auf ihn zu. Hau ihn nieder, ſchrie Centilles, daß ſeine Seele zur Hoͤlle fahre! Der raſende Admiral ſchwang den fuͤrch⸗ Se Saͤbel, der Pulverblitz erhellte das 9* ——— —— ———— —— — Verdeck, und Velasco erkannte mit lutige n in dem Gefallenen des Negers Schrecke Zapato Zuͤge. Starr ſtand der Ueberwinder des Fein⸗ des, der Moͤrder des Freundes; ſtarr haf— teten ſeine Augen auf den treuen Afrikaner, ſein Arm ſank ohne den Hieb zu vollenden. Centilles eilte hinzu⸗ Sei nicht unthaͤ⸗ rig! rief er, die Muſelmänner in den Kaͤh⸗ nen attakiren das Schiff heftig.— Groͤ⸗ ßer iſt die Gefahr denn vorher! Velasco erwachte von ſeinem Schre⸗ cken; er ſprang ſtillſchweigend in den un⸗ tern Raum, und half die Feldſtuͤcke laden, udeß Vanhord, der Hollaͤnder, und Cen⸗ tilles mit brennenden Lunten bereit ſtanden⸗ Has eine der Bote wurde ſogleich von den Känonen in den Grund gebohrt; das Geſchrei der ſinkenden Moölems, die ih⸗ ren Mahoimed zu Hilſe riefen⸗ tonte durch die Nacht. Der andre Nachen, deſſen eil de 3 — 1— Mannſchaſt ſehr zuſammengeſchoſſen war, 1 eilte ohne Erfolg dem Ufer zu⸗ Sieg! ſchrieen Centilles und der Hollaͤn⸗ ⸗ der, ſchwarz waren ſie vom Pulverdampf. ⸗ Velasco ſtimmte nicht mit ein; das Bild r des Negers ſtand vor ſeinen Blicken, er eilte n. aufs Verdeck, indeß Centilles dem Greiſe à⸗ in den Gebirgen den Sieg ankuͤndigte. An h⸗ der Spitze des Maſtes befeſtigte er eine Leuchte, und Vanhord zeigte ihn durch ſechs aufeinander folgende Kanonenſchuͤſſe an⸗— re⸗ Der Tag brach an. Velasco fand den un⸗ Koͤrper Zapato's, er war es, der Treuez er en, athmete noch, und hocherfreut trug ihn der en⸗ ſiegreiche Admiral zum Feldbette Jsram's⸗ 2 en. Mit hochklopfendem Herzen ſtand Sey⸗ von ton, der Britte, am Steuer, indeß Ve⸗ das' lasco jeden Athemzug ſeines treuen Die⸗ ihe ners zaͤhlte. urch Centilles krat in die Kajuͤte, die daech die 3 Morgendämmerung ſchwach erhellt nuite —— 198 Wie! ſprach er, Du weinſt uͤber die Leiche eines Feindes, eines Moslems?— Ueber die eines Freundes! antwortete Velasco wehmuͤthig, dieſer Neger war es. — Er iſt der Dir aus meiner Erzaͤhlung bekannte Zapato. Iſt's moͤglich! rief Centilles. Wunder⸗ bar! doch ſcheint er noch zu leben. Geh' fort aufs Verdeck, unb freue Dich des errungenen Sieges! ich will die Wunden des Schwarzen verbinden. Geh! Velasco ging; auf dem Verdecke fand er den Britten Seyton. Auch Euer Arm, Sennora! ſprach er, hat uns heute ſie⸗ gen helfen. Wir danken Euch! Die Miß in Mannskleidern errothetez Velasco fuhr fort: Schon zeigt ſich Euer Glaͤcksſtern, auf einer wuͤſten Inſel wird er im hellen Glanze ſcheinen; doch ſchweige ich jetzt.— ie⸗ ez ter ird ige — 499— Der geſchickte Hollaͤnder fuͤhrte das Steuerruder; Velasco ging auch zu ihm. Tapfer wie ein Held ſochteſt Du heute! redete er, und Dein Muth verdient den ſchoͤnſten Lohn.. IFch ſuchte nur Euch nachzuahmen! ant⸗ wortete Vanhord, und that, wie Ihr, nur meine Schuldigkeit. Velasco reichte ihm einige Ebelſteine von denen, die ihm einſt Jzar, der Mos⸗ lem, ſchenkte. Hier! ſprach er, nimm dieſe Diaman⸗ ten, ihr Werth iſt groß; glucklich konnen ſie Dich nicht machen; denn alles Gold der Erde hat dieſe Eigenſchaft nicht, aber ſie koͤnnen Dir vielleicht in Deinem Vater⸗ lande einſt nuͤtzlich ſein. Ich nehme ſie! erwiederte der Hollaͤn⸗ der, obgleich mein Herz es mir verbietet; doch lebt daheim in meiner Vaterſtadt, Har⸗ lem, mein armes Weib mit ſechs Kindern, — 200— die ihre Noth theilen. Vier Jahre ſchon haben ſie meiner Ankunft mit Sehnſucht entgegen geſehn; denn der Erhalter fehlte. — Das Gluͤck will jetzt, ich ſoll ſie wie⸗ derfinden, doch ſehr arm kehrte ich zu⸗ ruͤck, um ihre Noth zu vergroͤßern, wenn Eure Großmuth mich nicht zum reichen WManne machte.— Danken kann ich Euch nicht; in der Sclaverei, wo man nur Streiche fuͤhlt, verlernt der Mund das Danken; doch hat mein Inneres es nicht verlernt.— Seid Ihr damit zufrieden, Ich bin es! unterbrach ihn Velasco, der Worte Kuͤnſteleien ſind mir zuwider. Doch was ſehe ich! ſprach der Hollaͤn⸗ der, Ihr blutet.— Die Wunden, die Euch der Kampf fuͤr Freiheit ſchlug, ſind noch nicht verbunden? Die Kunſt, das Heilen zu befordern, verſtehe ich etwas, zeigt her! — 2041— Wie? fragte Velasco mit frohem Er⸗ ſtaunen, Du biſt geſchickt in der Heil⸗ kunde? Ich bin es! auf meiner erſten Fahrt diente ich als Schiffs⸗Chirurgus. Dann gehe in die Kajuͤte, ſprach Ve⸗ lasco, dort liegt ein Menſch, der Deiner Hilfe eher bedarf als ich. Zwar iſt's ein Unglaͤubiger, aber ein Menſch, ein wie⸗ dergefundener Freund, den ich zu lange ſchon vermißte. Wenn Rettung moͤglich iſt, ſo rette ihn, und meine Belohnung ſoll der That ſolgen. Ich eile! redete Vanhord, verfeht hier mein Geſchäft. Mein Moͤglichſtes zu thun, iſt Chriſtenpflicht; allein noch dreimal mehr Verpflegung und Wartung verdient der Un⸗ gluͤckliche, denn er iſt Euer Freund. Der Harlemmer ging und Velasco trat ans Steuerruder. Aengſtlich erwartete er die Ankunft Vanhords, des Gluͤcks⸗ oder 54 *———————— ungluͤcksboten.— Endlich trat Centilles zu ihm. Was macht der Kranke? fragte Ve⸗ lasco haſtig. Der Hollaͤnder giebt ihm wenig Hoff⸗ nung; erſt morgen kann er mit Gewiß⸗ heit uͤber Tod und Leben ſprechen. Noch iſt der Mohr nicht zu ſeinem Bewußtſein zuruͤckgekommen. Die Haͤlfte meines Lebens gaͤbe ich fur das ſeinige! ſeufzte Velasco. Bei Gott! rief Centilles aus, dieſer Neger focht verzweifelnd, gleich einem Fech⸗ ter aus Madrid. Stark iſt ſein Arm, das hat der meinige gefuͤhlt.— Mit tauſend Solcher ſtuͤrmen wir die Raubſtaaten Afri⸗ kas und entthronen den Kaiſer von Ma⸗ rocco. Dieſe tieſe Wunde am Oberarm ſchlug mir ſein Saͤbel, und danken kann ich noch dem Herrn, daß er den Knochen nicht zerhieb. Aber auch wir ſochten hel⸗ —————„— les Pe⸗ off⸗ iß⸗ och ſein fuͤr ieſer ech⸗ das ſend †Afri⸗ Ma⸗ rarm kann ochen — 23— denmuͤthig, und ſelbſi die Englanderin that es einem Manne gleich. Wo iſt ſie? fragte Velasco. Sie ſchlaͤft! Der ungewohnte Kampf hat ſie ermuͤdet; nach einer ſolch gelunge⸗ nen That ruhet es ſich wohl.— Doch ſag', Velasco! wohin gehet jetzt des Schiſ⸗ ſes Lauf? Nach einer der iriſche Inſeln, Te⸗ neriffa, Palma oder Ferro. Wohin darf ich mich wenden, da mich die Welt als Kaper kennt.— Und Du, was deniſi Du zu beginnen? Weder Vater noch Mutter meinen Verluſt, beide deckt ſchon lange die kuͤhle Erde. Ein alter knauſeriger Oheim erzog mich und trieb mich fruh auf die Sce.— Laß mich bei Dir bleiben, Gluͤck und uUngluck mit Dir theilen! Du biſt mir theuer, die t⸗ waͤre mir ſchmerzlich. — —— S.— 20— So anch mir! Du koͤmmſt meinen Wuͤnſchen zubor. Ein Mann wie Du, mit edlem Herzen, der Kraft und Muth beſitzt, iſt jederzeit dem Korſaren Velasco da Gaſton willkommen. Auf Formentera's Felſenboden leben mir und Dir noch Freun⸗ de; auf dieſer oͤden Inſel ſieht ein Fort, von uns erbauet, und s uͤber hun⸗ dert Krieger⸗ O waͤren wir ſchon dort! Oder willſi Du, daß ich Dich mit Schaͤ⸗ tzen belade? In Formenteras Felſenhoͤh⸗ len haͤufen ſie ſich. Haſt Du des weiſen Greiſes Worte vergeſſen, macht Gold gluͤcklich?— Vgnhord trat hinzu, den Admiral vom Steuerruder abzuldſen. Centilles ſagt mir, Du giebſt Se fuͤr den Neger? fragte der Admiral. Ich hoffe Alles von dem ſtarken Baue und der guten Natur des Negers, ant⸗ te e9 —— — ung aue — 205— wortete der Harlemmer, doch iſt es wei⸗ ter nichts, als Hoffnung.— Morgen erſt kann ich beſtimmen, ob der Freund dem Freunde bleibt. Seinen Leib decken viele Wunden; ein tiefes Loch am Hinterhaupte ſchlug ihm Centilles Flintenkolben.— Den Schenkel habe ich eben von einer Kugel befreit, die bis ans Knie ins dicke Fleiſch gedrungen war. Dieſer treue Mohr, ſprach Velasco, ret⸗ tete mir einſt das Leben, und meine Hand iſis, die ihm das ſeinige raubt.— Sp⸗ bald er wie er zur Beſinnung gekommen iſt, thuts mir kund, ich muß den treuen Freund ſehen Da ich nur Alles aſe, fiel Panbord ein, wollt Ihr ihn butch zuſchnelle Freude toͤdten? die ſich des Kranken beim An⸗ blicke des lange vermißten S be⸗ maͤchtigt! Du haſt recht! Erſt 66 — 206— muß er erfahren, daß ich es war, mit den er ſtritt, wenn nur der Tod mir ihn nicht fruͤher raubt. Weg mit dem Gedanken an Tod! un⸗ terbrach ihn Centilles, er hat die ganze Nacht hindurch uns beſchaͤftigt. Laß uns des Schiffes Ladung unterſuchen, das wird Dich zerſtreuen. Velasco willigte ein. Man beſah die Faͤſſer, Tonnen und Kiſten, fand einen gro⸗ ßen Vorrath an Goldmuͤnzen, das Meiſte war aber Cacao, Zucker, Kaffee, Indigo und dergleichen. Auch mehrere Kiſten voll europaͤiſcher und tuͤrkiſcher Kleidung und Waffen aller Art. Centilles ſchaͤtzte den Inhalt der Fregatte auf dreißig Zechinen. Friſch ſteuerte man nun weſtwaͤrts, in der Hoffnung, bald die Inſeln zu errei⸗ chen, ſchon war man am Morgen uͤber 200 engliſche Meilen von Afrikas Kuͤſte. — ℳ — „ in rei⸗ ber —— Mit Anbruch des Tages ſtand Velasco auf, ſand Centilles am Ruder und Seyton noch ſchlafend.— Vanhord, der Hollaͤnder, war bei dem Kranken. Mit großen, lan⸗ gen Schritten maß der Admiral die Laͤnge des Verdecks. Endlich trat der Harlem⸗ mer aus der Kajuͤte. Der Mohr iſt außer Gefahr, ſprach er, und in einigen Monden hoffentlich ganz wieder hergeſtellt. Deine Worte gießen neues Leben in meine Seele, unterbrach ihn der erfreuete Velasco. Sag' mir, was redet der Ver⸗ wundete?— Bis jetzt noch Worte des Wahnſinnes! Doch giobt ſich ſtuͤndlich dieſe Zerruͤttung „ſeines Gehirns, bald weicht ſie ganz. — * —————— Glcklich und vhne Hinderniß war die Fahrt; nach zwoͤlf Tagen erreichte man WVelasco's Geſchenke mit Freundlichkeit und —— Canaria, die groͤßte der Inſeln unter ſpa⸗ niſcher Herrſchaft.— Man lief in den Hafen ein, und als Velasco das Schiff mit Allem, Centilles Aufſicht uͤbertragen hatte, ging er unverzuͤglich nach Palma, der Hauptſtadt, zum Statthalter. Don Pedroſa de Baeſa nahm ihn an⸗ fangs mit wahren ſpaniſchem Stolze und der gewoͤhnlichen Grandezza auf; als aber der Menſchenkenner Velasco ihm die an⸗ ſehnlichſten Geſchenke(worunter auch der große Diamant Jzar's befindlich) uͤber⸗ reichte, aͤnderte ſich augenblicklich des Statt⸗ halters Benehmen. Er verſicherte den An⸗ daluſier ſeines Schutzes, und ertheilte ihm die Erlaubniß, ſich ſo lange auf Canaria aufhalten zu koͤnnen, als es ihm beliebe. Auch nothigte er ihn, bei ihm zu ſpeiſen, welche Ehre der Admiral nicht ablehnen konnte.— Auch die Statthalterin nahm oh eir na er La die gu Ve un ſic jet de de in⸗ nd ber in⸗ der er⸗ tt⸗ In⸗ hm ria be. en, en hm nd —— ohne Zuruͤckhaltung auf, und uͤbergab ihm eine Tabatiere mit ihrem Bildniſſe.— Am Abend kehrte Velasco, ungeachtet Don Pedro's und ſeiner Gemahlin Bitten, nach dem Hafen, wo der Barbaroſſa lag, zuruͤck. In der Naͤhe des Meeres miethete er eine leer ſtehende Villa, und beorderte Laſttraͤger, welche den kranken Zapato und die Ladung des Schiffes nach dem Land⸗ gute tragen mußten. Die Landluft wirkte merklich auf des Verwundeten Koͤrper, ſo wie die Pflege und Wartung des Hollaͤnders; bald ver⸗ ſicherte dieſer, daß ſich Velasco dem Neger jetzt ohne Gefahr zeigen, und die Freude des Wiederſehens fuͤhlen laſſen koͤnnte, doch muͤſſe dieſes mit Vorſicht veranſtaltet wer⸗ den.— Nach der gemachten Veranſtaltung ging Centilles zu dem Kranken, indeß der Ad⸗ 5 —— miral ſich im nahen Zimmer verbarg, die Worte der Sprechenden zu vernehmen. Wie befindeſt Du Dich? fragte Cen⸗ tilles. Wohl! war des Mohren Antwort. Bald wirſt Du hergeſiellt ſein! Ich wuͤnſche es! Und dann, was wirſt Du beginnen? Meinem Verpfleger aus der Fuͤlle des Herzens danken, und dann dieſe Inſel verlaſſen. um nach ufrits zu gehen! Nein! Du wareſt ſchon in Europa? Deine richtige Ausſprache des Spaniſchen laͤßt mich das glauben. Ich diente einem Spanier! Nach einer Pauſe ſprach Centilles wei⸗ ter: Iſt Dein Schlaf gut und ſiaͤrkend? Fa, er iſt's! Nur vergangene Nacht at li fi + e—„ en? des nſel eine laͤßt wei⸗ 7 — 211— ſchreckte mich der Donner des Geſchuͤtzes aus ihm auf. Du haſt recht! ein ſpaniſcher Kaper lief in den Hafen ein. Ein ſpaniſcher Kaper? wiederholte e⸗ pato ſehr aufmerkſam.— Das Schrecken der Osmanen und Eu⸗ ropaͤer. Sein Name? fragte der Mohr in der groͤßten Ungeduld. Der beruͤhmte Velasco da Gaſton. Da Gaſton! rief der Neger mit Freude funkelnden Augen. So iſt's! kennſt Du ihn?— Ob ich ihn kenne? ſprach Zapato mit einem tiefen Seufzer. Ich war einſt ſein Sclave. O, Chriſt! fuhr er bittend fort, Du haſt ein fuͤhlend Herz, willſt Du des armen Schwarzen Bitte gewaͤhren, der dann das bischen Blut gern Dir ian will?— — 212— Sprich, ich will es! was iſi's? So ſuch' dieſen Admiral der Korſaren auf, ſag' ihm, daß— ſag' ihm, der un⸗ gluͤckliche Zapato waͤre ihm naͤher, als er es ahnete. Sag' ihm—— Aber, fiel Centilles ein, vielleicht iſt dieſer Velasco Dir naͤher, als Du es glaubſt. Mit großen Augen voll Erſtaunen ſah der Mohr den Sprecher an, dieſer fuhr fort: Unverhofft kommt das Unerwartete, ſieh her und ſtaune!— Er oͤffnete die Thuͤr, Velasco trat hin⸗ ein und ſtuͤrzte in des Negers Arme, der einen Schrei der Freude ausſtieß⸗— Lange hielt der Herr den Sclaven, der Diener den Gebieter umarmt, bis ſich dieſer den feſten Umarmungen entriß. Zapato, ſprach Velasco, das ſagte Dir Deine Ahnung nicht? ſte He un iſt lat be ku do de de re en n er iſt es ſah hr ieh in⸗ der nge ner den gte Beim Allah, nein! rief dieſer. Jetzt ſterbe ich ruhig, ich habe Dich, o theurer Herr! geſehen, und meine Arme haben den umfaßt, der mir mein Gott, mein Alles iſt!— Einen Thraͤnenſtrom ſetzte den treuen Diener außer Stand fortzufahren. Fort mit dem Sterben! ſprach Ve⸗ lasco, jetzt beginnt fuͤr uns ein neues Le⸗ ben. Ich habe Dich wiedergefunden, und kurz iſt der Weg nach Formentera's Ge⸗ ſtade. Gelobt ſei der Prophet! rief der Mohr, daß er das Schwert des Feindes lenkte, der mein Herz ſuchte. Haͤtte er es gefunden, fiel Velasco ein, dann haͤtte die Verzweiflung ihn ergriffen⸗ Der Freund des Freundes Herz durchboh⸗ ren— welche That! Dieſe Worte? ſprach Zapato erſtaunt⸗ Soll ich Dir ihren Sinn erklaͤren? Der Deine Wunden an Afrikas Kuͤſte ſchlug, war—— ich! Du? rief der Mohr mit Pernunderung. Das haͤtte ich am Streiter fuͤhlen koͤnnen. O, das Loos, das mich dann traf, war beneidenswerth; von Deiner Hand, Herr! zu ſterben iſt ſuͤßer, als des Lebens ganze Freuden.— Noch macht der Wonnetau⸗ mel mich verwirrt, noch fehlen mir die Worte, die Sinne ſchwinden.—— Auch großes Gluͤck, wenn unverhofft es khinmt, iſt ſchaͤdlich! ſprach Velasco.— Zapato, ich verlaſſe Dich, um bald zum Lager des Freundes zuruͤck zu kehren. O, bleibe, Herr! Dein Sclave flehet! rief der Mohr; allein entwichen war der Admiral. Am Abend trat Velasco hin an des Kranken Bette, Zapato druͤckte freu⸗ die Haͤnde. Gebieter! ſprach er mit einem Tone, ie fft m t er — der fuͤr die Wahrheit ſeiner Worte redete, ich habe Dich wieder; doch zu der Frende geſellt ſich die Furcht, Dich wieder zu ver⸗ lieren.— Nie trennen wir uns! troͤſtete der Ad⸗ miral ſeinen Diener. Hier lauert kein Ty⸗ rann, wie in dem Lande, wo Mahomeds Paniere prangen. Dank ſei dem Geſchick, prach Zapato, das mich zu Isram⸗Labi fuͤhrte. Dank' ihm nicht! entgegnete Velascb. Wenig fehlte, ſo haͤtte es Dich zu Deinen Vaͤtern dort geſchickt.— Auch dieſer, fuhr Velasco, auf den eintretenden Cen⸗ tilles zeigend, fort, auch dieſer hat Dei⸗ nes Armes Kraft, wie Du die Schaͤrfe ſeines Schwertes gefuͤhlt. Nie glaubt' ich, ſprach Centilles, daß das Gefecht ſo ſonderbar ſich enden ſollte. Dein Tod war faſt gewiß. Du, der Du auch in Spanien gebo⸗ ——————— ieeeeeieee— — 216— ren, redete Zapato, wuͤrdeſt dem Gebieter den Verluſt erſetzt haben. Auch ihn! ſprach Velasco, kann ich Freund nennen; wie Du verdient er die⸗ ſen Namen, der ſo gemein und doch ſo ſelten iſt. Velasco! begann Centilles, vergieb dem Neugierigen, der dieſen treuen Mohren aus Deiner Erzaͤhlung kennt, wenn er ihn um Erklaͤrung bittet, wie ihn der Zufall zum Tripolitaner Isram⸗Labi gefuͤhrt.— Gern bewundere ich die Vorſehung im Gewande des Zufalls, und des Getreuen Erzaͤhlung wird mir ſicher Stoff genug zur Bew derung geben. In kurzen Worten, nahm Zapato das Wort, kann ich Deinem Verlangen Ge⸗ nuͤge leiſten.— Schenkt mir nur Zeit, daß ich die Reihen der Gedanken ordne, die noch vom Stoße ſehr zerruͤttet ſind⸗ Als Du, theurer Herr! nach Arcapolis er ich lis 17 zum Baſſa berufen wurdeſt, blieb ich weh⸗ muthsvoll zuruͤck.— Aufſeher in Deiner Geſellſchaft behandelt; jetzt, da Du nicht mehr Mekinez's Mauern bewohnteſt, ward ich ganz das Opfer ſei⸗ ner Grauſamkeit.— Theils trieb mich die Haͤrte ſeines Armes und Herzens, theils der Gedanke, nicht bei Dir zu ſein, nicht mit Dir zu leben, zur Flucht.— In ei⸗ ner Nacht, deren Finſterniß mein Vorha⸗ ben beguͤnſtigte, entwich ich glucklich aus dem Hauſe Jzar's und aus Mekinez. Mein Weg ging nach der Gegend von Arcapo⸗ lis, das ich bald fand. In einer Felſen⸗ ſenſpalte am Rande des Waldes, verbarg ich mich, weil ich es nicht wagen konnte, in des Baſſa's Pallaſte einzutreten. Fuͤnf Tage harrete ich dort vergebens auf Dich, mein Gebieter! Endlich kam ich aus meinem Hinterhalte herbor⸗ uh I. Theil. 10 Mit Gelindigkeit und wenig Strenge hatte mich der neue durchſtreifte die Gegend.— In einem Felſenthale fand ich die Wohnung eines Alten, der ein Aegypter war. Mohr! ſprach er zu mir, hier findeſt Du nicht, was Dein Auge ſucht. Weißt Du, was ich ſuche? fragte ich erſtaunt. Ich weiß es! antwortete der Einſiedler, Du harreſt Deines Herrn, des Europaͤers. Wayrlich, Du haſt's errathen! rief ich noch erſtaunter. Sag' mir, Weſſer! wo find' ich ihn? icht unter Afrika's Sonne, ſprach er, und ging in ſeine Wohnung, die ſich ſeſt hinter ihm ſchloß, und meines ſtarken Klo⸗ pfens ungeachtet nicht wieder oͤffnete. Ich blieb noch einige Zeit zwiſchen Fel⸗ ſen und Bergen, dann nahm ich meinen Weg, mit Verzweiflung im Herzen, nach der Wüſie, ohne zu wiſſen, welchen Theil des heißen Bodens ich betrat.— Drei — ℳ C„——„——„— — — h l⸗ E il 219 Tage irrte ich umher, bis eine Rotte von Mauren, die dort umherſtreifte, mich auf⸗ fing. Dieſe Raͤuber ſind in zahlreichen Trupps beiſammen, und thun oſt ſelbſt den Karavanen großen Schaden. Der Chef dieſer Horde, Hascar, ließ mir Waffen und Lebensmittel reichen, und nahm mich zu ſeinem Untergebenen an. Ich ſah die Nothwendigkeit des Gehorſams ein, und blieb bei des Mauren Stamme.— Unter Hascars Anfuͤhrung veruͤbten wir mehrere Raͤubereien, hatten einige heſtige Gefechte, und lebten fuͤr halbe Nomaden ziemlich gut.— Aber dieß Leben gefiel mir dennoch nicht; denn welches koͤnnte Reiz fuͤr Zapato haben, wenn es nicht der tapfere Velasco mit genoͤſſe?—— Ich ſuchte eine gute Gelegenheit zur Flucht, fand ſie bald, und trennte mich von der Horde.— Ich hatte mich reichlich mit Lebensmitteln derſorgt, um in den Wuͤſten 10* 2 nicht Hungers zu ſterben, und trat mit Muth meine Reiſe an.— In den Gebir⸗ gen bei Daran war ich oftmals in Gefahr von den wilden Thieren verzehrt zu wer⸗ den, wovon mein Arm und Saͤbel mich aber befreiete. Eines Morgens, als ich fruͤh meine Reiſe fortſetzte, hoͤrte ich in der Ferne ein Hilferuſen. Ich eilte hinzu, und ſah ei⸗ nen Moslem zu Pferde ſich gegen einen der wildeſten Tiger Afrika's vertheidigen, der mit Wuth das ſchnaubende Roß anfiel. Grade kam ich zur rechten Zeit, denn das ſtark verwundete Pferd ſank, und nun fiel die Beſtie uͤber den Reiter her. Mein Saͤ⸗ bel, der den Kopf treffen ſollte, traf ſehl. Wuͤthend wendete ſich der Tiger gegen mich, und nur ein geſchickter Sprung rettete mich von der Gefahr, zerriſſen zu werden.— Ein zweiter Hieb, beſſer gefuͤhrt als der erſie, raubte dem Blutgierigen die Vor⸗ — mit ebir⸗ fahr wer⸗ mich neine e ein h ei⸗ einen ien, nfiel. das in fiel Suͤ⸗ fehl. mich, mich n.— s der Vor⸗ — ——— — 32 dertatzen, und er fiel.— Jetzt war ich Sieger; tief drang mein Saͤbel in ſeine Bruſt ein, und mit Bruͤllen hauchte er ſein Leben aus. Der todtenbleiche Muſelmann fiel um meinen Hals. Bruder, ſchön war Deine That! rief er. Dein Muth rettete mir das Leben; fordre mein Alles! willig gebe ich es Dir. Ohne Dich zerfleiſchte mich das Thier, das jetzt durch Deines Armes Kraft in ſeinem Blute ſchwimmend am Boden liegt.— Herr! ſprach ich, meine That verdient wenig Dank. Ich gehorchte den Geboten des großen Propheten, und dieſe Hand⸗ lung allein oͤffnet mir des Paradieſes Pfor⸗ ten nicht. Wie? unterbrach mich der Gerettete, Du entziehſt Dich meinem Danke! Kann ich Dich nicht ſo belohnen, wie Du es ver⸗ dienſt, ſo wuͤnſchte ich mich doch guf eine ——————,—— * — 222— Art als ein Dankbarer zu zeigen.— Du ſiehſt hier Isram⸗Labi, den beruͤhmten Kor⸗ ſaren von Tripolis, vor Dir, deſſen Na⸗ men alle Recht⸗ und Unglaͤubigen kennen. Groß iſt mein Reichthum, mit Dir will ich ihn theilen. Folge mir in meine Vater⸗ ſtadt, und ſei mein Freund, mein Bruder. — Aber weigere Dich nicht, meine Bitte zu erfuͤllen, Du koͤnnteſt ſonſt Deinen Schuldner erbittern. Er ſchwieg, und harrete mit Spannung meiner Antwort. Nach einigem Bedenken willigte ich ein, und zog mit ihm nach Tripolis.— Hier glaubte ich bald eine Gelegenheit zu finden, nach Europa, nach Formentera uͤberzuſchiffen.— Nach einer Reiſe von einigen Wochen erreichten wir Tripoli di Barbaria. Isram⸗Labi's Haͤuſer, Gaͤr⸗ ten und Schaͤtze waren groß, groß ſeine Liebe zu mir.— Bald nach unſerer An⸗ ——— 5 ——— ZAu Es war ſpät in der Nacht, als ſich die Freunde trennten, um Ruhe zu ſuchen, und um ſie dem Mohren nicht zu entzie⸗ hen, der ihrer bedurfte. Am andern Tage erhielt Velasco eine Einladung vom Gouverneur der Inſel, die er anzunehmen gezwungen war. Erſt am Abend kehrte er nach der Villa Remino zuruͤck. Zapato's Beſſerung ruͤckte mit ſtarken Schritten naͤher, ſchon wankte er im Zim⸗ mer umher. Einſt luſtwanbelte Velasco, in Centil⸗ les Begleitung, am Strande, wo Felſen und Klippen ſich thuͤrmten. Centilles warf ſich ermuͤdet unter einen Baum, indeß der Admiral ſeinen Weg fortſetzte. Auf einem uͤber der Meeresflaͤche her⸗ vorragenden Felſen ſtand ein Mann, in einen rothen Mantel gehuͤllt, unter wel⸗ chem er etwas Lebendes zu derbergen ſchieh, doch die Kugel verfehlte das Opfer. das der Unbekannte auf dem Arme trug. Umſonſt bemuͤhete ſich Velasco, des Ver⸗ huͤllten Geſicht zu ſehen. Dieſer hatte die eine Haͤlfte in dem Mantel verborgen, und die andere gegen das Meer gewandt. Wohin fuͤhrt dieſer Weg? fragte end⸗ lich Velasco. Zum Tode! antwortete der Vermummte mit gedaͤmpfter und verſtellter Stimme. Wie? ſprach Velasco erſtaunt und ei⸗ nen Wahnſinnigen vermuthend. Willſt Du mit mir den Weg betreten? redete Jener weiter. Kein! ſprach Velasco, und trat einige Schritte zuruͤck. Du ſollſt! rief Jener. Der Tag iſt da; fahre hin! So raͤcht ſich Alvar! Bei dieſen Worten druͤckte der Renegat Ben⸗Hasran, der ehemalige Lieutenant des Admirals, ein Piſtol auf Velasco abz „ K*— — 6 W — . N 2 . — bel, ſer ſprang, ſeinen Tod ſehend, einige Schritte zuruͤck, warf ſeinen Mantel von ſich, und hob einen holden Knaben, einige Jahre alt, hoch empor. Velasco ſchau⸗ derte. Sieh, Abmiral! rief Don Alvar, Dein Kind, Deinen Sohn! Bewegt ſich Dein Fuß um einige Schritte mir naͤher, ſo ſtirbt dieſes Dein Geſchoͤpf. Velasco ſtand ſtarr, wie verſteinert da. — Centilles, vom Schuſſe gelockt, hatte den Felſen erſtiegen; ſein ſpaͤhendes Auge ſah den Barbaren Ben⸗Hasran. Ohne von demſelben bemerkt zu er das Gewehr unh brannte es auf den Renegaten ab. Dieſer war getrvffen und dem Sinken nahe; taumelih ſchleppte e werden, nahm ſich dem Abhange des Feiſens näher; Pe Schaͤumend zog der Admiral ſeinen Sä⸗ und ſtuͤrzte auf den meutriſchen A var zu, ihm das Haupt zu ſpalten Die⸗ 228— 1 lasco und Centilles ſprangen hinzu; al⸗ lein zu ſpaͤt. Alvar hatte den Rand er⸗— reicht. Mein iſt die Rache! rief er, und warf den jungen, ſchreienden Altamor vom Fel⸗ ſen hinab in die ſchaͤumenden Wellen.—— Betaͤubt ſtuͤrzte Velasco nieder auf den harten Felſen, und Centilles ſich zur Ret⸗ tung ins Meer. ————— c i — Weascos Augen oͤffneten ſich bald, er ſah umher und ſich von den Strandfiſchern umgeben, die mitleidsvoll und beſorgt ihn anſtarrten.— Mein Sohn! mein Altamor! rief er, und draͤngte ſich durch den dichten Kreis hinab ans ufer des brauſenden Meeres, das ſein Theuerſtes verſchlang. Der Abend war ſchon laͤngſt angebro⸗ chen und Daͤmmerung lag verſchleiernd auf den Felſen, da kehrte des Admirals ruhige Beſinnung zuruͤck, mit ihr tiefer Schmerz uͤber das Verlorne. Sein Auge ſtarrte hin auf das unermeßliche Element und ſei⸗ ner Jenny weinendes Bild malte ſich auf den ſpiegelnden Wellen. In einer nahen Felſenbucht ſammelte ſich eine Menge Volk und ein wildes Gez ſchrei drang in des Verlaſſenen Ohr. Von Furcht, Hoffnung und Aengſtlichkeit getrie⸗ ben, eilte der Seeraͤuber hinzu. Bei des Verſtoͤrten Ankunft lief das Volk ſogleich auseinander, und ließ den Admiral eine freie Ausſicht auf den Gegenſtand, den Alle anſtaunten. Was erblickte ſein Auge? Centilles Koͤrper von Blut und Waſſer ge⸗ naͤßt, den Sohn, den jungen Altamor feſt umklammert haltend. Heiliger Gott! ſchrie der Admiral, und ſtuͤrzte hin auf ſeinen Freund, auf ſeinen Sohn, der ſchreiend ſich den erſtarrten Ar⸗ men des Spaniers zu entreißen ſuchte. Du lebſt! rief er, um jenen zu toͤdten, der Dein Erretter war? — — 2— Mutter! Mutter! hilf! ſchrie der Kleine, und ſtreckte ſeine Haͤndchen zum Himmel⸗ Ein ruͤſtiger Fiſcher voll Menſchlichkeit nahm ſich mit kuͤhner Kraft des Ungluͤck⸗ lichen an. Sanft legte er den Admiral zur Seite, bog Centilles krampfhaſt faſſende Arme mit Gewalt auseinander, und ret⸗ tete auf dieſe Art den holden Knaben vom Erdruͤcktwerden, welche Gefahr der be⸗ taͤubt liegende Vater uͤberſehen hatte. An ſeine Bruſt druͤckte der zur Be⸗ ſinnung gekommene den Wiedergefundenen, und jener goͤttliche Augenblick ließ ihn den Tod ſeines Freundes auf einige Zeit ver⸗ geſſen, aber nur deſto ſchrecklicher kehrte der Gedanke wieder zuruck. Iſt keine Rettung mehr? Blieb kein Odemzug in ihm zuruͤck? fragte er mit Höllenangſt, die Antwort der Umſtehenden erwartend. Kein Mund ruͤhrte ſich, tiefe Stille umgab ihn. Ein ſilberhaariger Greis, der Welt entruͤckt, dann hilſt auch nicht — Biel erreichte; der noch kraͤnkliche Zapato — 23— der Aelteſte der Strandfiſcher, faßte des Admirals Hand.— Sennor! ſprach er, gehet heim in Eure Wohnung, und preiſet den Herrn, der Euch ſo viel beſcherte; fuͤr dieſen(auf Cen⸗ tilles zeigend) laßt uns ſorgen; durch Weh⸗ klagen, Thraͤnen und Geheul iſt noch kein Todter je erweckt.— Iſt Rettung moͤg⸗ lich, ſo ſei er Euer von Neuem, hat aber Gottes Hand ihn im Buche des Schickſals das beſte Mittel.. Ueberzeugt gehorchte der Admiral den Worten des Greiſes, dieſer winkte ſeinen juͤngern Freunden; vier ruͤſtige Seefahrer ſaßten den Todten und trugen ihn, von den Uebrigen begleitet, nach der Wohnung des Admirals, der mit ſeinem geretteten Sohne in Trauer folgte. Tiefe Nacht wars, als der Zug das — empfing ſeinen Gebietet mit Aengſtlichkeit, die Menge Menſchen uͤberſehend, die ihn begleiteten, die Englaͤnderin und Vanhord, der Hollaͤnder, hatten ſchon laͤngſt die Ruhe geſucht. Ein Sohn iſt mir geſchenkt, ſprach der Admiral zu dem Mohren, und ein Freund ſtarb fuͤr ihn; ein theurer Tauſch! Zapato horchte erſchreckend, nicht be⸗ greifend Velascb's Worte. Dieſer zeigte mit weggewandtem Geſicht auf die Traͤger ſchwieg. Allah erbarme dich! ſeufzte und der Neger; hart ſind deine Fuͤgungen, doch weiſe.— Ein Wundarzt, zu dem geſchickt war, kam, er verordnete Mittel, den Erſtarr⸗ ten von dem eingeſchluckten Seewaſſer zu befreien. Tief in die Ecke des gimmers hatte ſich Velasco zuruͤckgezogen, indeß Za⸗ pato den vor Ermuͤdung entſchlafenen Kna⸗ ben in ſeinen ſchwarzen Armen hielt. — Alle angewandten Mittel, das Waſſer aus Centilles Koͤrper zu bringen, waren fruchtlos, bis endlich der Arzt verſicherte, daß der Vermeinte nicht todt, nicht ertrun⸗ ken, ſondern nur von einem harten Stoße an den Felſen betaͤubt ſei. Hoch horchte Velasco auf, keine liebliche Muſik konnke ſeinem Ohre harmoniſcher toͤnen; er ſprang zum Bette des Lebloſen und druͤckte des Arztes Hand, indem er ſagte: Iſt's wahr, lebt der Retter, lebt Cen⸗ tilles, oder truͤgt Ihr Euch? Statt der Antwort fuͤhrte der unwillige Arzt die Hand des Fragenden in das ge⸗ oͤffnete Wamms des Liegenden, auf ſeine Bruſt, und außer ſich vor Freude fuͤhlte Velasco das Herz des Freundes ſchon merklich ſchlagen. D Tag der Angſt! ſprach er, tief Odem holend, das mußte ich erleben, ſo müßteſt du dich enden? Am lichten Tage ——— e——— — 89— „ — S ₰„„ M — — 5 umgab mich ſchwarzer Tod, und die Nacht verbreitete helles Leben um mich her. Schon hatte der Tod den Sohn, den Freund ver⸗ ſchlungen, da gab des Schickſals Schluß ganz unverhofft ſie beide mir zuruͤck! Centilles bleiche Wangen uͤberzog mat⸗ tes Roth, ſein Buſen hob ſich in tiefen Zuͤgen. Begeiſtert fuhr Velasco fort, des Freun⸗ bes naſſe Hand ergreifend und auf ſein Geſicht zeigend: kein Morgenroth kann ſchoͤner mir aufgehn, kann heftiger dieß Herz bezaubern, kein Diadem kann mir den Augenblick bezahlen, der nimmer wie⸗ derkehren mag und darf, Dein Feuerauge wird mir wieder blicken, Dein brauſend ſtolzer Geiſt wieder mich umſchweben, Dein kuͤhner Rath den Freund in truͤgeriſchen Faͤllen unterſtuͤtzen. Jetzt fuͤhl' ich's erſt, was ich an Dir verlieren konnte, das nahe Scheiden hat vor meine Augen es geſtelt, verluſt geſchwaͤcht hatte⸗ Ungern folgte der — 236— das Bild, das tief verſchleiert nur den Umriß mir gezeigt; einen Freund beſitzen, welche Wohlthat, welch' Geſchenk des Schoͤ⸗ pfers! Der Gedanke an die Trennung⸗ er uͤberwiegt das ganze Gluͤckliche durch ſeine ſchreckenvolle Macht, die zu bekannt, doch unbedachtſam nie geachtet wird.— Cen⸗ tilles ſchlug die Augen auf und laͤchelte ſanft. Mein Admiral! liſpelte er, iſts Traum? Kein Traum, fuhr Velasco entzuͤckt fort, der ſchoͤnſien Wirklichkeiten eine, die je ein Sterblicher empfunden; zuruͤckgekehrt vom dunkeln Todesrachen biſt Du, um neu und herrlich mir zu leben. Velasco's Zunge wollte gelaͤufig fort⸗ fahren, da trat der Arzt hinzu, zo8 ihn zuruͤck und bat, des Schwachen zu ſcho⸗ nen, den eine tiefe Kopfwunde bom har⸗ S ten Stoß an den Felſen durch vielen Blut⸗ — 237 entzuͤckte Admiral, riß dem ſtummen Za⸗ pato, der Freudenthraͤnen vergoß⸗ ſeinen Altamor aus den Armen und traͤumte ſich ſelig, bis des Morgens Helle ihn an ſeine Freunde erinnerte. Mit Staunen und Freude vernahm die Englaͤnderin Lady Marry Browes und Vanhord die Nachricht des Vorgefallenen. Erſtere nahm ſich des Knabens als Mut⸗ ter an, und erregte durch Anlegung weib⸗ licher Kleidung des Hollaͤnders groͤßte Ver⸗ wunderung, der nie geglaubt hatte, in dem tapfern Mitſtreiter an Afrikas Kuͤſte ein Weib zu finden. Sehr fruͤhe trat der Wundarzt in des Seeraͤubers Zimmer, berichtete, der Kranke ſei vom Wundſieber befreiet, ſchliefe und bat ihn, ſich nicht dem Schlafenden vor dem Erwachen zu nahen. Ungern ſah Velasco die Nothwendigkeit ein, allein er gehorchte und ging, von Marry und ſeinem Altanior e. men zeigend: —— begleitet, an den Strand; um ihn her ver⸗ ſammelten ſich die frohen Strandfiſcher, er beſchenkte ſie reichlich und wandte ſich zu dem Greiſe, der mit weiſen Worten ihn unterhielt und ihm erzaͤhlte, daß die Fi⸗ ſcher fruͤh am Morgen in der treibenden See einen Leichnam aufgefangen, den man ſo eben beerdige. Der gerechte Lohn des Verraͤthers, ſprach Velasco, denn nur der Ungluͤckliche iſs, der mir auf Formentera als Lieute⸗ nant Don Alvar diente und deſſen Bar⸗ barei als Ben⸗Hasran nur zu gut mir bekannt ward. Centilles war bei ſeiner Zeh wach, und fragte nach dem Admiral; dieſer eilte, von ſeinen Freunden begleitet, zu ihm, ſchloß ihn in ſeine Arme und ſprach, auf ſeinen Sohn, in e Englaͤnderin Ar⸗ gabſt mir ihn! Der Dank—— Freur linget ein S Geget P — Schw Strat nungs harte Du e Kind, fall tt D Je Spiel, mir r Ichen handel die ic r ver⸗ er, er che n ihn ie Fi⸗ enden man thers, ckliche ieute⸗ Bar⸗ t mir kkunſt dieſer t, zu rach, n Ar⸗ Halt ein! unterbrach ihn Centilles. Freund! des Zufalls Allgewalt ließ mir ge⸗ lingen, was auch dem naͤchſten Fiſcher nur ein Spiel geweſen. Dein verwundeter Kopf ſpricht mir vom Gegentheile! Durch Unvorſichtigkeit ſtieß ich beim Schwimmen auf einen Felſen, womit der Strand ſo reichlich ausgeſchmuͤckt iſt, beſin⸗ nungslos warf mich der Wellen Macht ans harte Ufer, und nur der Vorſehung kannſt Du es danken, daß nicht das ſchwache Kind, den ſtarken Freund nur jener Un⸗ fall traf. Dein Leben wagteſt Du? Ich ſetzte es fuͤr meine Freiheit auf das Spiel, ſoll denn ein wahrer, treuer Freund — mir nicht ſo theuer, nicht theurer ſein? Ich weiß gewiß, Du haͤtteſt eben ſo ge⸗ handelt; Ben⸗Hasrans teufliſche Geſtalt, die ich geſehn, haͤtte mich zum Hoͤllen⸗ — 240— ſchlunde locken koͤnnen, wenn ich ihn dann nur meiner Rache opfern konnte. Befreit iſt er, Dein Sohn, Dein Kind gerettet. Zum Werkzeuge zweier Wohlthaten hat der Schoͤpfer mich erkoren, ihn preiſen ſollen wir, doch Dank gebuͤhrt mir nicht.— Die Dankbarkeit ſoll ſtets in meinem Herzen leben, weil das Deine voll hohen Selbſigefuͤhl den Mund mir ſchließt. Auf Formentera ſoll mein Weib ſtatt meiner Dir dann danken, ſie, die Liebliche, der Du den holden Knaben neu geſchenkt, die jetzt in Trauer, in Aengſten uͤber das un⸗ gewiſſe Schickſal ihres Altamor ſein Loos beweint. Ein reitender Bote vom Statthalter der Inſel, rief den Admiral vom Lager ſeines Freundes. Don Pedroſa de Baiſo ließ ihn, dringender Geſchaͤfte wegen, ſogleich zu ſich einladen. Ungern trennte ſich Velasco von dem Theuern, allein des Gebieters auf Ca⸗ tic nu hir det che bet ſich vor dann efreit ettet. t der ſollen einem hohen Auf neiner „der t, die s un⸗ Loos ter der ſeines ß ihn, zu ſich co von f Ca⸗ — 241— naria Erſuch zwang ihn zu eilen. Sehr ernſt empfing ihn der Statthalter und er⸗ kundigte ſich mit forſchendem Auge nach „dem Vorfalle am Strande, deſſen trauri⸗ ges Ende ſchon bis zu ſeinem Ohre gedrun⸗ gen. Ohne Hehl und mit Freimuͤthigkeit erzaͤhlte Velasco Alles und fand Rechtfer⸗ tigung vor den Augen Don Pedro's, der nur um Unterdruͤckung der tragiſchen Ge⸗ ſchichte ihn bat, und mit wichtiger Miene verſicherte, daß nür die fruͤhe, voreilige Einſcharrung des Todten durch die Strand⸗ fiſcher ihm ſehr nuͤtze. Die Gemahlin des Statthalters endete hinzutretend das ernſte Geſpraͤch, man re⸗ dete von gleichguͤltigen, gewoͤhnlichen Sa⸗ chen und behielt den Admiral, ſeines Strau⸗ bens ungeachtet, zum Abendeſſen. Mit Widerwillen blieb Velasco und unterhielt ſich mit der ſchoͤnen Statthalterin, die von ihm gleiche Srn auß — 242— den Feurigen nicht verfehlte. Sie wuͤnſchte ſeine tapfere Gefaͤhrtin Marry Browes kennen zu lernen und Velasco verſprach Gelegenheit dazu zu geben; ſchon fruͤher hatte er von ihr erzaͤhlt und der Gemah⸗ lin Pedroſa's Neugierde geſpannt. Nach der Abendmahlzeit nahm Don Pedroſa de Baiſo das Wort: Freund! hub er an, vom Weine ver⸗ traulich gemacht, die urſach' meiner Sen⸗ dung zu Euch ſoll jetzt, nachdem wir uns ſchon beſſer kennen, uns ganz beſchaͤftigen. Die urſach'? fragte Velasco erſtaunt. War noch bis jetzt Euch gaͤnzlich un⸗ Pekannt. Doch hoͤrt, ein Zeichen Eurer Freundſchaft iſts, das ich von Euch ver⸗ lange. Befehlt, Sennor! Seit einiger Zeit tobt auf der hohen See Temalma, See⸗Kapitain von Fez⸗ mi ſer Rh Sc unt geb Kr der nac erſe Ve die und zen ban Fez terl ſein Kri chte wes ach her ah⸗ Don ver⸗ Sen⸗ uns igen. unt. un urer ver⸗ hohen Fez⸗ mit drei der beſten Segler, die je von un⸗ ſern Waſſern getragen. Selbſt bis zur Rhede waget ſich der Kuͤhne und nimmt die Schiffe, die nach Spanien beſtimmt find, und die von unſrer Heimath kommen. Ver⸗ gebens ſandt' ich ſchon die beſten meiner Krieger ihm entgegen. Igno von Cordua, der Euch gewiß bekannt, fand ſeinen Tod, nachdem er des Temalma's einzigen Sohn erſchlagen. Dieſer, wuͤthend uͤber den Verluſt, ſchwur blutige Rache allen denen, die Spaniens friedliches Klima auferzog, und ſeine Grauſamkeit kennt keine Gren⸗ zen. In ſchwerem Eiſen an die Ruder⸗ bank geſchmiedet verwelken die, denen ſeine Mordluſt ihr erbaͤrmliches Leben ließ. In Fez haͤuft er ſchon Schätze, die unſer Va⸗ terland und ganz Europa nicht verſchmerzt, ſein Reichthum, ſein Gluͤck und ſeiner Krieger Tapferkeit iſt groß, die letztere em⸗ pfand Canariens bewohnter Boden; Don 14* — Joſeph von Madrid, der beſte Seefahrer, Don Algas von Alcale, Don Menguez von Burgas und mehrere Andere hat ſeine tapfere Fauſt erwuͤrgt und uͤber zwanzig Schiffe ſchon verſenkte er ins Meer; noch kuͤrzlich ſandte uns der Tollkuͤhne, als Herausforderung, auf unſern Boden eine Bombe, die, ihrer Schwere nach, uns ſei⸗ ner guten Artillerie Gewalt gezeigt. Er iſt der erſte Kaper jetzt, und nennt ſich nur die Rechte Allahs und den Gefuͤrchteten; das Letztere iſt nur zu wahr, denn kein Segler will mehr unſere ſichern Ports ver⸗ laſſen, weil ſie vor ſeiner Wuth und Toll⸗ kuͤhnheit nicht ſicher ſind. Umſonſt ſandt' ich Flottillen aus von mehr denn zwanzig Schiffen. Was nicht der Sturm im wei⸗ ten Ocean vergrub; fraß des Osmanen Da⸗ mascener⸗Schwert, der trotz Wind und SOrkan mit ſeinen drei bemannten Schiffen ſtets den Platz behauptete. Zwar geht er A un e eine nzig och als eine Er nur ten; kein ver⸗ Loll⸗ ndt nzig wei⸗ Da⸗ und iffen te oft ſuͤdwaͤrts nach Fez, um ſeiner Schaͤtze Haufen zu vermehren, die ſchwer das ſchon beladene Fahrzeug druͤcken, allein in kur⸗ zer Friſt kehrt er zuruͤck, denn ſchneller ſegeln koͤnnen auch die Britten nicht. Um⸗ ſonſt ließ Seine Majeſtaͤt der Koͤnig in Ma⸗ drid ein herrlich Schreiben an Malta's großen Ordensmeiſter ergehen, um dieſe Inſelkrieger zu erwecken; die Ritter ſpruͤ⸗ hen Rache und bleiben ruhig in dem Meere, das, von Europa eingefaßt, in grauer Ferne die Kuͤſte Afrika's verhuͤllt, die Raub⸗ verbuͤndeten in Algier, Tunis, Tripolis ma⸗ chen den Malteſern viel zu ſchaffen und ſel⸗ ten ſieht man das weiße Kreuz auf ſchwar⸗ zem Grunde im Oceane wehen. Der Hei⸗ den Unhold hat ſein S unh wird es immer haben. Das ſoll er nicht, bei Gott! he der Admiral auf, noch lebt Velasco da Gaſton und ſein Ruhm. Wohl fruͤher noch zwang 5— mein Arm dieſen Moslem zur Flucht, und nur ſie entzog ihn einer ewigen Gefangen⸗ ſchaft, auf Palma's Rhede ſah ich nicht die Rechte Allahs wehen, wie ſich der ſtolze Tuͤrke ſelbſtgefaͤllig nennt. O Mann des Troſtes! fiel Don Pe⸗ droſa freudig ein, ſo trog mich meine hohe Meinung nicht, die ich, wie ganz Euro⸗ pa's Schifffahrt, von Velasco's Tapferkeit und Muth gefaßt. Wie viel habt Ihr noch Kriegsfahr⸗ zeuge? fragte der Admiral nachdenkend, die See zu halten faͤhig und mit Geſchoͤtz verſehen ſind? In Palma's Hafen liegen fuͤnf, von denen nur drei des Nennens werth ſind. Mein Barbaroſſa iſt das vierte, fuhr Velasco fort, und unſer iſt der Sieg; un⸗ thoͤtig war ich längſt, und bas iſt ͤbel; glaubt nicht, weil ich als Sclav in Afrika getraͤumt, ich ſei vom hohen Meer auf im⸗ ——+ — — 247— und mer ſchon verſchwunden, weil Ihr auf en⸗ meinem Element die Herren ſpielt. Ruhm⸗ icht 6 bringend iſt die Rolle, doch zu behaupten der iſt ſie ſchwer, da noch der erſte Spieler lebt. Temalma's Stolz, ich kenne ihn Pe⸗ laͤngſt. ohe Ihr kennt den Kaper von Perſon? ro⸗ fragte der Statthalter. keit Wie ſollt' ich nicht, er war es, der unerkannt an einen Tuͤrken in Mekinez mich hr verkaufte, dem ich als Sclave dienen mußte, nd, wer weiß, das Blatt kann ſich jetzt ſelt⸗ uͤtz ſam drehen, wenn auf der offenen See wir unſre Streitmacht meſſen. 4 von Zu Eurem Vortheil, ſo Gott will, ih nd. hoffe Alles von Euch, Sennor! der nicht uhr zum erſten Male mit dem Unglaͤubigen kaͤmpfen wird. Beſiegt Ihr ihn, dann hat el; Euer Ruhm die ſchonſte Krone, und Schre⸗ rika cken wird die Hsmanen von unſern Ge waͤſſern vertreiben, wenn Ihr das furch⸗ ern; denn hier an unſerer Inſel hat noch terliche Haupt von ſeinem Rumpfe trennt; denn er, der Osman belebt das Ganze: zum Admiral und Herrn der Kaiſerlichen Galeeren hat ihn Marocco's Fuͤrſt ernannt, und Tunis ſelbſt nennt ihn den tapferſten Korſaren, nachdem ſein Hiran von der Welt zum Mahomed gegangen. Sein Name hat mich aufgeſchreckt! Wann kann ich unter Segel gehen? Sobald die Schiffe ausgebeſſert ſind, und ich vom Aufenthalt des Kapers Kund⸗ ſchaft eingezogen habe, der ſicher nicht ſehr fern von unſerm feſten Lande auf neue Beute lauert. Liſt ſoll ihn mir hervorlocken und un⸗ ſer Muth ihn von der Hoͤhe ſtuͤrzen. Nur ſeht Euch vor, ſeine Tapferkeit und die der Seinen kann nur allein von der Eurigen verdunkelt werden, ein jeber Anderer hätte ſchon im voraus mein Bedau⸗ nt; ze: hen int, ſten der keit von ber all⸗ miral Velasco da Gaſton mußte als ſimp⸗ — 249— tiemand ihn bezwungen und des Propheten rothe Flaggen wehen uns zum Hohn, und trotzig ſieht der halbe Mond auf uns herab; an zehn ſeines Gleichen fehlts und unſtre Inſeln, glaub' ich, waͤren des großen Koͤ⸗ nigs Eigenthum geweſen. kicht doch, verzeiht Sennor! auch Euch, hat man durch fuͤrchterliche Sagen geſchreckt, die nur zu gut von Memmen ausgedacht, er iſt ein Menſch und Men⸗ ſchen koͤnnen ihn beſiegen; auch ich empfand die Wahrheit meiner Worte ſchon, obgleich Velasco's Namen alle Meere kennen. Sehr wahr. Einſt kreuzt' ich auch an Afrika's Kuͤ⸗ ſten, wie dieſer Moslem an der Euren, und manchen Kaper tilgt' ich von der Kuͤſte, an der ich ganz allein glaͤnzen wollte und bis jetzt geglaͤnzt habe. Ein Baſſa zwang mich, ihm als Sclav zu dienen, und Ab⸗ — 250— ler Gaͤrtner die Felder ſeiner Hoheit ver— ſchoͤnern. Mit tapferer Hand eroberte ich an der Spitze zweier Freunde ein tuͤrki⸗ ſches Schiff und kam ſo endlich bei Euch S an, nachdem ich in Afrika des Ungema⸗ ches viel erlitten. Jetzt ruft mich wieder meine Pflicht hinaus auf's Meer. Umſonſt iſt mir der Kaperbrief nicht zu Theil ge⸗ worden, ihn zu verdienen iſt Beruf, und Heil dem Himmel! die Gelegenheit iſt da, daß ich auf's Neue meinen Gluͤcksſtern ſoll verſuchen, der im Weltheile der Osmanen wenig mir geglaͤnzt, doch heute geht er mir von Neuem herrlich auf, um hoffentlich mir auf einige Zeit zu ſcheinen.— Was birgt Eure Inſel an guten See⸗Capitai⸗ nen, die mich auf meiner Fahrt begleiten köͤnnen und willig wollen? Ihr koͤnnt ſie Euch ſelbſt whlen; un⸗ ter Euch zu fechten, wird ihnen ein An⸗ trieb ſein, unter Euch werden ſie ſich ſam⸗ — 8 3 8 er⸗ ich rki⸗ uch md⸗ der onſt ge und da, ſoll nen mir tlich Was itai⸗ eiten un⸗ A n⸗ am⸗ meln, wie einſt im fernen Welttheil unter unſerm Vorfahr Kortez, als es der Be ſtadt Mexico's galt. So laßt, Sennor! die Ausruͤſtung be⸗ eilen, damit der Feuergeiſt Euch nicht ver⸗ raucht. Mein Tod nur kann ihn mir entziehen, er ſchlummert zwar, doch bloßer Schlum⸗ mer iſt es nur, nicht Schlaf, leicht iſt er zu erwecken, wenn es ſich nur der Muͤhe lohnt. Lange noch dauerte die Unterhaltung, bis endlich der Admiral aufbrach, ohne der Bitten des Statthalters und ſeiner ſchoͤ⸗ nen Gattin zu achten, die ihn gern die Kacht in der Stadt behalten haͤtten. Don Pedroſa machte ſeinem Freunde vor dem Abſchiede ein ſchoͤnes Roß zum Geſchenk, gab ihm einen Wegweiſer mit, und ungern trennte ſich der Admiral von dem Gebieten⸗ den, allein die Sehnſucht nach dem theuern — — — Freunde und ſeinem Sohne trieb ihn fort nach dem Wohnorte am Meere. Am Morgen ſchon hatte Centilles das 1 Lager verlaſſen und erquickte ſich in den — warmen Strahlen der Morgenſonne, da ihn nichts mehr, als die Kopfwunde zum Kranken macht. Entzuͤckt ſchloß ihn Ve⸗ lasco in ſeine Ame und Centilles Augen 6 glänzten ſchoͤn bei des Geliebten Ankunſt. Der Admiral theilte nun dem Spanier ſei⸗ nen Vorſatz mit, den gefuͤrchteten Temalma aufzuſuchen und wo moͤglich auf immer vom Oceane zu vertreiben. Centilles ra⸗ ſcher Geiſt billigte Alles, nur bat er fle⸗ hentlich um Aufſchub, bis ſeine Wunde es ihm erlaube, den Freund zu begleiten. Velasco verſprach's, und der frohe Cen⸗ tilles vergaß bei dem Gebanken an Streit mit den Osmanen ſeiner Wunde Schmerz. Gegen Mittag fuhr des Statthalters Equipage vor und die Englaͤnderin ward fort das den da um Ve⸗ en nft. ſei⸗ lma mer ſogleich von der Fuͤrſtin eingeladen, ſie zu begleiten. Schuͤchtern beſtieg ſie den Wa⸗ gen, laͤchelnd folgte ihr Velasco mit den Augen, als ſie ſeinen Sohn, den jungen Altamor, in ihren Armen mit ſich trug⸗ Dann begab er ſich, in Zapato's Beglei⸗ tung nach dem Hafen, verordnete die An⸗ ſtalt zur Ausruͤſtung und ſchickte den Hol⸗ länder Vanhord, den Schiffbaukundigen, nach Palma, als Aufſeher den Bau und die Ausbeſſerung zu betreiben. Zwei Wochen waren ſchon verſtrichen, faſt jeden Tag ſtattete der Admiral beim Statthalter Beſuche ab, gern ſah ihn Donna Laura, entzuͤckt machte ihn ihre Un⸗ terhaltung, und er geſtand ſich's oft, daß ihre Schoͤnheit, ihr Geiſt und ihre reizende Figur nur von ſeiner Jenny berbunket werden koͤnnte. Die Englaͤnderin Lady Marry ſchon ſeit ihrer erſten Ankunſt in Palms — im fuͤrſtlichen Schloſſe ihren Wohnſitz neh⸗ glei men muͤſſen, und lebte in Freundſchaſt mit Pa den Statthalterin, die ſie wie eine Schwe⸗ nie ſier liebte. me Mehrere Wochen waren nun voruͤber, dic die Schiffe ausgeruͤſtet, Centilles gaͤnzlich Be wieder hergeſtellt und man erwartete nur ber noch die Zuruͤckkunft der Fahrzeuge, welche, Au den Aufenthalt des tuͤrkiſchen Korſaren aus⸗ 3 dio zukundſchaften, Palma verlaſſen hatten. tre Waͤhrend dieſer Zeit hatte man in Erfah⸗ de rung gebracht, daß Temalma drei reich⸗ G beladene Weſtindienfahrer, die immer die G canariſchen Inſeln zum Sammelplatze neh⸗* er men, gekapert und nach Fez geſchickt haͤtte. dr Velasco brannte vor Wuth und Eifer, den ih Moslem zu beſtrafen, und ſah mit Unge⸗ de duld dem Tage entgegen, wo er den Ha⸗ kl fen verlaſſen und ſeine Tapferkeit zeigen fe A — Tages durchſtrich er ohne Be⸗ n gleitung ſeines Regers die Waldungen um Palma, das Vergnuͤgen der Jagd zu ge⸗ nießen, als er ſich verirrt zu haben be⸗ merkte; der Abend kam heran und immer dichter wurde der Wald, immer hoͤher die Berge und immer finſterer die ihn umge⸗ penden Gegenſtäͤnde; endlich entdeckte ſein Auge eines Hauſes Spitze, er eilte freu⸗ dig weiter, durchkroch einen tiefen, ausge⸗ trockneten Graben, ſah ſich endlich aus dem Walde entfernt, und ſtand vor einer Gartenthuͤr in einer hohen Mauer⸗ Die Große und Schoͤnheit des Gartens, die er bei der zunehmenden Dunkelheit noch durch das eiſerne Gitter bemerkte, ließ ihn auf das Anſehen und die Beguͤterung des Beſitzers ſchließen; leiſe, dann heftiger klopfte er an die Thuͤr, allein ohne Er⸗ folg, kein Bewohner, kein menſchliches Weſen ließ ſich ſehen, ſo daß ſich der Ad⸗ miral genothigt ſah, wenn er nicht on der 256 Pforte uͤbernachten wollte, ſolche zu uͤber⸗ ſteigen; mit Muͤhe gelang es ihm; ein kuͤh⸗ ner Sprung und er befand ſich im Parke, deſſen ganze Schoͤnheit er erſt jetzt bewun⸗ dern konnte. Er durchging mehrere Gaͤnge ohne ein menſchliches Weſen zu erblicken, endlich ſah er in der Ferne ein weibliches Geſchoͤpf welches auf ihn zukam. Noch ſo ſpaͤt im Garten, lieber Mathe, redete ihn die Geſtalt freundlich und zu⸗ traulich an. Die Luft iſt ja ſchoͤn, inte Ve⸗ lasco eben ſo. Was iſt das? Unbekannte erſtaunt weiter und trat einige zuruͤck. Ein Fremder, liebes Wäochen, ſpeach Velasch) eine Art von Kammerjungfer ver⸗ muthend, der nicht gerne im Walde uͤber⸗ nachten wollte.— be ſie u h⸗ ke, un⸗ ein lich e opf the, zu⸗ Ve⸗ mte itte ach ber⸗ ber⸗ Wie kommt Ihr hierher, Senz doch die Thuͤr—— Schwere Riegel ſchließen, Noth zwang mich aber, auf Hinderniſſe zu uͤberſchreiten. Das heißt, Ihr habt die M ſtiegen. So iſi's, meine Schöne! Wer ſeid Ihr denn? Man nennt mich Velasco da Gäſts mein Name iſt auf der Inſel nur zu gut bekannt. Velasco, wiederholte das Maͤdchen er⸗ ſtaunt, der Admiral der Seeraͤuber? Richtig! Jetzt frag' ich: Wer biſt Du? Ich diene der Beſitzerin dieſes Parks. Und dieſe nennt ſich? Ihr ſollt es ſchon erfahren. Durch Dich?. Sie wird es ſelbſt Euch ſagen. Wie nennt man Dich? 258— tte. hinauf, nach einigem Schwei⸗ elasco's Begleiterin: lit unſere Inſel verlaſſen? den Unglaͤubigen, den Temalma, ſt's. eibt! Ich weiß gewiſſe Perſonen, die Euer Entſchluß erſchreckt. So! Die viel Theilnahms an Euch nehmen. Mir ſehr lieb. Die Euch lieben⸗ Immer beſſer⸗ 6 Ihr ſcherzt bei meinem ernſthaften Wor⸗ ten? Wer iſi's, den mein Vorſatz erſchreckt, der viel Theilnahme fuͤr mich hegt, der keſem Geſpräche gingen beide den abe mic ſtil den wei⸗ lma, nen, Wor⸗ reckt, „der — 959— Meine Gebieterin, lispelte die Schlauk, aber der Gluckliche ſchweigt, verſteht Ihr mich? Ich bin ſtumm⸗ Laͤngſt ſchon empfand ihr Herz fur Euch, was es bisher fuͤr Keinen empfunden, doch ſtill zu leiden iſt ihr Loos von jeher ge⸗ weſen; ſie liebt den Mann, der, einem Waſſergotte gleich, erhab'ne Thaten zeigt⸗ der mit dem Sturme grollt und in den Wellen lebt, der kuͤhn, dem Loͤwen gleich, Afrika's Sclavenketten brach. O ſchlaue Panegyriſtin laͤchelte der Admiral und ſie fuhr fort: Nicht Lob, nur Wahrheit ſpricht mein Mund. Den Mann, der nur im Schiffe ſeinen Freund⸗ im Meere die Geliebte Lennt, nie andrer Neigung gehorcht— Du irrſt Den liebt ein Weib, der Schoͤnheit ſchoͤnſte Tochter, mit allen Reizen Spa⸗ 260 niens geſchmuͤckt, doch ihrer Augen helles, ſpruͤhend Feuer wird nie das kalte Eiſen ſeines Buſens entzuͤnden, ſie hofft, und hoffen iſt ihr ganzes Gluͤck, das wie ein Nebel ſich zu bald zertheilt⸗ Sie ſtanden jetzt vor der Thuͤr eines Landhauſes, das einem Schloſſe im Klei⸗ nen aͤhnlich war. Roſette oͤffnete die Thuͤr, trat in die Halle und Velasco folgte. Durch einige ſchoͤne Zimmer gings⸗ bis ſeine Fuͤh⸗ rerin ihn verließ, ihre Gebieterin von ſei⸗ nem unvermutheten Hierſein zu benachrich⸗ tigen. Waͤhrend ihrer Abweſenheit uͤber⸗ dachte Velasco die Worte ſeiner Begleite⸗ rin und ſann, bis ihn endlich eine ſuͤße Ahnung feſſelte, die aber nichts als Ah⸗ nung blieb. Er beſah das Zimmer und ſtellte Betrachtungen an, als ihn die Zu⸗ ruͤckkommende darin ſtoͤrte. Meine Gebieterin iſt bereit⸗ Euch zu empfangen, Sennor, ſeid weiſe, klug und nů ſo ſie — 261— nuͤtzt die Zeit; geht ſie unnuͤtz verloren, ſo rechnet es Euch zu„denn nimmer kehrt ſie wieder. Weiſe Worte, dachte Velasco, und trat in das ihm gebffnete Zimmer. Im hin⸗ tern Grunde ſaß auf blau ſeidenen Polſitern eine weißgekleidete weibliche Figur. Ve⸗ lasco naͤherte ſich derſelben und erkannte die Statthalterin Donna Laura de Baeſo⸗ Erſtaunt und nicht ohne Entzuͤcken ver⸗ beugte ſich der Verwirrte, aber die lieb⸗ liche Schoͤne redete ihn an⸗ Willkommen, Sennor da Gaſton, auf meinem Landſitze! Ihr verſteht es, zu. uͤberraſchen. 7 Verzeiht, Fuͤrſtin, ſprach Velasco, ein Ungefaͤhr leitete mich zu einer nicht dazu gewohnten Zeit in dieſe herrlichen Gefilde, die nie mein Fuß vorher betrat⸗ Ich wußt' es längſt⸗ unterbrach ſie, ein bloßes Ungefaͤhr nur konnte Euch zu — 252— mir fuͤhren, doch ſoll dieß Ungefaͤhr von mir geprieſen ſein. Ihr ſeid ſo ſtumm, Sennor! Ein unverhofftes Gluck raubt nur zu oft dem Fuͤhlenden die Sprache. Wenn nun der Fuͤhlende ein Schmeich⸗ er iſt? Ich ſchmeichle nie; denn auf der See verlernt man alle hoͤflichen Manieren, man bleibt nur Menſch im wahren Sinne des Worts, und Feinheit ſchwindet. Ich bitt' Euch, ſchweigt, Sennor! Ihr malt Euch nur fuͤr den mit ſchlechten Far⸗ ben, der Euch nie ſah, nicht kennt, ein jeder Anderer weiß beſſer Euch zu ſchaͤ⸗ tzen; doch ſetzt Euch zu mir, laßt uns von etwas Anderm reden, die ſchon geſetzten Worte und die Kunſt der Redensart bei Freunden behagt mir nicht. Die Herablaſſung Prinzeſſin!— len fort als Dot viel len lan Ve fer mi eif ve er! ſe von nm, on en bei — 2363— Ich bitt' Euch nipchmals, laßt die bie⸗ len Complimente, ſonhſt werd' ich Euch hin⸗ fort mit Admiral als Freundin zu dſem Freunde ſprechen. Don Pedroſa in Jalma hoͤrt uns nicht, vielleicht vertreibt eir ſich die Zeit bei fei⸗ len Maͤdchen, indeſß wir ſie mit Etikette langſam toͤdten. Unmoͤglich kanſ er Euch untreu ſein, Vermuthung iſt es bloß, der ſchnellen Ei⸗ ferſucht unfehlbarſe Folge. Ihr irrt ſehr, Sennor, ich habe den Gatten nie gelieht, den man mit Zwang mir angkkettet, Kann man dann auch noch eiferſuͤchtig ſein? Ihr ſtaunt und ſehr verzeihlich iſt's, drum will ich Alles Euch erhellen, doch ſpeiſen laßt uns erſt, denn Ihr beduͤrft's. Bei Euch kennt man nur ein Beduͤrfniß⸗ ſchlau. enennen. Laßt mich Und welches? fragte die Statthalterin —— — Das Beduͤrfniß ainzubeten. Sie uͤberhoͤrte dieſte Worte, denn Ro⸗ ſette kam, anzurichten; nach und nach ver⸗ ſchwand der wenige, nuych bei Velasco herr⸗ ſchende Zwang, er ward freier und feuri⸗ ger, wozu der Wein ſeine Wirkung that. Kaum war das Abenheſſen beendigt, als Donna Laura begann: In kurzen Worten will ich, Sennor, mein ganzes Leben ausgebreitet Euch vor Augen legen, Euch, dem als Freund mein unbeſchraͤnktes Zutrauen ich ſchon fruͤh ge⸗ ſchenkt, dann urtheilt und verdammt, wenn Ihr auch meine Fehler kennt. Goͤttinnen, ſagt man, ſind fehlerfrei. Hoͤrt, Schmeichler, mir aufmerkſam zu. Im wuͤſten Arragon bin ich geboren. Mein Vater war Don Louis de Aquya, Graf von Calatrava von altem Adel, wie Euch bekannt ſein wird. Im Kloſter zu St. Piſara erzog man mich lebte Mut Seit Verl ter und ſucht droſ des ten, Don nem nen Beſi heſti in T zeſſi ac faſt Sto n Ro⸗ er⸗ herr⸗ feuri⸗ that. als nnor, r mein ge⸗ venn frei. zu. Nein Fraf nan — W65— mich, und bis zunn neunzehnten Jahre lebte ich in dieſen eithſamen Mauern. Die Mutter hatte fruͤhder Tod von meiner Seite mir geriſſen, im Alter, wo man den Verluſt ſo leicht verſchmerzt. Mein Va⸗ ter lebte groͤßtentheijls in der Hauptſtadt und kam nur ſelten;, ſeine Tochter zu be⸗ ſuchen. Einſtmals lhegleitete ihn Don Pe⸗ droſa, mein jetzigen Gemahl, Miniſter an des Koͤnigs Hofe uhnd Aufſeher des Infan⸗ ten, er ſah mich Und ſtahl mir mein Glütk Don Lonis hatte ſſhon ſeit Jahren mit ei⸗ nem ſeiner Nachhören im Streite uͤber ei⸗ nen Theil des Waldes, der zwiſchen ihren Beſitzungen lag, Helebt, woraus zuletzt ein heſtiger Prozeß beim Koͤniglichen Gerichte in Madrid entſtand. Ein jahrelanges Pro⸗ zeſſiren koſtete meinem Vater, zu deſſen kachtheil ſich der Streit zu enden ſchien, faſt ſchon die Haͤfte ſeiner Guͤter, der hohe Stolz ſeiner Ahnen, ihr Trotz und ihre II. Theil. 19 26˙6 Unnachgiebigkeit war auch bis auf Don Louis fortgepflanzt; nhit hellen Augen ſah er ſein Vermogen ſchw Anden und beugte nie den harten Sinn, olſgleich des Streites uUrſach nur ein Wald von einigen tauſend Baͤumen war. Sein Gſegner hatte Freunde beim Gebieter in Madrid, und alſo ließ ſich's leicht vermuthen, daß man meinen Vater, der Gerechtigkeit verlangte, ſo lange hinfuͤhrte, bis die Armuith ihm verbot, den langſam ſaugenden Prozeß fortzuſetzen. In dieſer Zeit der Noth zeigte ſich Don Pe⸗ droſa de Baeſo, den jetzt mein Vater in Arragon bewirthete, und der auf dieſe Art die Tochter auch geſehn. Der Unterdruͤckte klagte dem geltenden Miniſter die Blind⸗ heit ſeiner Richter und zeigte ihm ſeinen Untergang; da ließ der reiche Gaſt das Verſprechen hoͤren, das Gluͤck auf meines WVaters Seite gaͤnzlich zu wenden, ihm Recht zu verſchaffen in den Augen der Ma⸗ jeſtaͤt Lohn mahl Alles ſich und Man Vate ſtille Gett zu b deru und mer Vat mich gieb zen war meit wier Don ſah e nie eites ſend unde ließ einen ange den In Pe⸗ rin Art uͤckte lind⸗ einen das eines ihm Ma⸗ r — 267— jeſtaͤt und des ganze n Hofes; allein zum Lohne verlangte er ſeine Tochter zur Ge⸗ mahlin. Freudig glenehmigte Don Louis Alles, umarmte der Marquis, hochgeehrt ſich findend durch dhes Miniſters Antrag, und gab ſein Worft auf ſeierliche Art. Man zog mich nurt, das Opfer meines Vaters unbeugſame' Sinnes, aus meiner ſtillen Friedenswohſung ins ſchwaͤrmende Getuͤmmel von Mhdrid hinein, und nur zu bald erfuhr ich von der ſchnellen Aen⸗ derung die urſache Ich flehete, bat, weinte und wuͤnſchte mich ins einſame Kloſterzim⸗ mer zuruͤck; alhein meines unerbittlichen Vaters harte Drohungsworte erinnerten mich an die Pflicht, wenns anders eine giebt, die ſich ſelbſt ins Ungluͤck zu ſtuͤr⸗ zen uns gebietet. Im zwanzigſten Jahre ward ich des Don Pedroſa Gemahlin und mein gluͤcklicher Vater gewann den lang⸗ wierigen Prozeß. Der Koͤnig ſelbſt ſprach 12* — —————— ů— — ihn im Escurial unds wuͤnſchte ihm zu der Verbindung Gluͤck. Woll Freuden kehrte mein Vater heim urd achtete nicht der vollen Qual der Leideinden, die er an ei— nen Laſterhaften verkatuſte, denn ſolcher iſt Don Baeſo, ein Schtvelger, ein Wollüſ ling, voll Niedertraͤchbtigkeiten, die er vor jedes Augen nur zu gel,Hickt verbirgt. Nie hat er mich geliebt; nör um den Vorzug, eine ſchoͤne Frau zu beſiczen, entriß er mich dem oͤden Arragonien; ein ganz Serail voll ausgeſuchter Maͤdeigen füllt ſeinen Pal⸗ laſt, wie dieſes auch in Palma wohl be⸗ kannt, indeß ich einſam meine Jugendzeit vertraͤume. Sein raſcher Zorn und ſeiner Laſter Wuth gebieten mir, in ſeiner oder in eines Fremden Gegenwart ſtets froh zu ſcheinen, obgleich die Maske unertraͤglich iſt.— Drei Jahre ſchon nennt er mich ſein; im zweiten unſerer Verbindung ſtarb mein Vater, nachdem Don Pedroſa zum — Sta ſein gere von ihn wal dem bres von der unt ein Pf zut der wo un gl zu der kehrte cht der an ei⸗ cher iſi Bolluͤſt⸗ er vor tie orzug, rmich Serail n Pal⸗ ohl be⸗ endzeit ſeiner er oder froh zu traͤglich er mich g ſtarb ſa zum Statthalter Canarieris ernannt, was laͤngſt ſein Stolz, ſeine Heirrſchſucht und Schwel⸗ gerei gewuͤnſcht. Dieß, Sennor, iſt Alles, was ich Euch von mir und ihm zeu ſagen habe, erprobt ihn, und Ihr werd et meine Worte nur zu wahr finden. Jetzit ſprecht als Freund⸗ dem ich mein Herz geoffnet, iſt's ein Ver⸗ brechen, wenn ich/ verachtet, verſchmaͤht, von allen Freuden ausgeſtoßen, einen An⸗ dern liebe, in dem ſich Schonheit, Tugend und Verſtand vereint? O nimmermhr! fiel Velasco lebhaft ein, der Schoͤpfer ſelbſt befiehlt es Euch als Pflicht, denn nicht umſonſt, nicht um hin⸗ zuwelken, ſchuf er der Schoͤnheit Inbegriff, der Blumen Koſtlichſte. Der Liebe allge⸗ walt'ge Macht war in der erſten Menſchen ungebildet Herz gelegt, ſie nur allein be⸗ gluͤckt, verſuͤßt das kurze Leben und nichts kann dieſem Gluͤcke gleichen⸗ Nein, nicht . —— umſonſt hat der Allmaͤſchtige Euch Schoͤnſte Tode zum Sammelplatze ſo Lvieler Reize erkoren, haſt die man ſo ſelten beieſinander ſieht. Ge⸗ nuß iſt Zweck und Zienl iſt Genuß. ſie k Verfuͤhreriſch ſind Eure Worte, Sen⸗ nor!— v ni Eue Der kann nicht fuͤhſlen, der nie geliebt, eng dem nie ein liebend Heerz gegeben, verſto⸗ an. ßen lebt er ſich ſelbſt zur Aergerniß, auf Anderer Gluͤck blickt er mit grellem Neide; den am lichten Tage vergraͤbt er ſich in Nacht, der wenn nicht ihm das Geſtirn am Firma⸗ un mente der Liebe glaͤnzt. Der Tugend Fuͤlle, ich beſaͤß er ſie, wird ſelber ihm zur ſchweren 8e Laſt, ſein Herz iſt eiſig kalt, wenn nicht Je die Liebe es erwaͤrmt. Sie mächt fur je⸗ be des Gute, Schoͤne ihn empfaͤnglich, zeigt ſei ihm die Welt im beſſern Lichte, und ſei⸗ ſe nes Lebens Roſenweg; leicht fließt ſein p Blut durchs Herz, das nur fuͤr den Ge⸗ ſe liebten, die Geliebte ſchlaͤgt, und nicht im onſte oren, Ge⸗ liebt, erſto⸗ auf eide; acht, rma⸗ uͤlle, eren nicht rje⸗ zeigt ſei⸗ ſein Ge⸗ tim —— Tode kann ihn der Worwurf druͤcken: Du haſt gelebt und nichit genoſſen⸗ Fahrt fort, Siennor! dieſe Sprache, ſie klingt ſo lieblich meinen Sinnen.—— Warum ſoll ich wiederholen, was ſicher Euer Herz ſchon ſelbſt geſagt, denn dieſer engelreine Buſen zöigt deutlich heiße Liebe W⸗ 2) Ja wohl, zu fheiß nur brennt fuͤr den, der ſeine helle Flamme nicht bemerkt, der ſie verſchmaͤſht, der mich durch Stolz und Hochmuth hart veſtraft, dafuͤr, daß ich den Gatten nie geliebt, an ben das Schickſal mich mit ſeſten Banden ſchloß. Ich fuͤhle es, ihn nicht zu lieben, waͤre beſſer, doch ſchon zu tiefe Wurzel ſchlug ſein Anblick in des ſchwachen Weibes Bu⸗. ſes, und Amors Pfeil verwundete das klo⸗ pfend bange Herz⸗ das feſt der S ſenband umſchlingt; ich kann nicht mehr zuruͤck.— — ———————— —— Unglaublich iſts, Euch truͤgen Eure ſtim Sinne, kann je ein Stterblicher Euch ſehn die und nicht der Liebe Allgewalt empfinden? Wor Euch ſehn und lieben ſiſt eines Augenbli⸗ nun ckes ſchnelles Werk. Wer iſt der Gluͤck⸗ We liche, den dieſer Gottherit Gunſt begluͤckt? Velasco! iſi's denn ſo ſchwer, mich zu dur verſtehn, ſagt nicht das Herz, das Ihr las im Menſchen ruͤhmt, Ench mehr als meine W Worte, dann geht und laßt mich ewig den trauern, Verachtung waͤre heißer Liebe Lohn ſch und naher Tod die freudige Erloͤſung. gei Welche Worte! taͤuſcht ſich mein Ohr, vol mein Herz, p ſchrecklicher Gedanke! get Es taͤuſcht Dich nicht, Gyliebter, ſprach nn ſie mit Purpurroͤthe, und ſank in ſeine de Arme, er mit dem Ausrufe: meine Laura! za an ihren hochklopfenden Buſen.—— D Am andern Morgen in der Fruͤhe ver⸗ en ließ Velasco die Villa der Stadthalterin, ei mit dem Verſprechen, am Abend zur be⸗ Fure ſehn en? uͤck⸗ ckt? zu Ihr eine wig ohn hr, ach ine ra! erz in, be⸗ — 2— ſtimmten Zeit ſich an einer gewiſſen Thuͤr, die ihm Roſette gezeigt, einzufinden. Voll Wonne kehrte er nach ſeiner Strandwoh⸗ nung zuruͤck, nicht denkend an das trene Weib auf Formentera. Centilles hatte ſorgenvoll die Nacht durchwacht, auf ſeine Fragen geſtand Ve⸗ lasco die gemachté Eroberung⸗ und be⸗ merkte nicht des Freundes truͤbes Antlitz, dem dieſe neue Kunde ſehr mißfiel, doch ſchwieg er, denn er kannte Velasco's Feuer⸗ geiſt und ſeinen ſeſten Charakter, den nichts von ſeinem gefaßten Entſchluſſe abzubrin⸗ gen faͤhig war.— Beide Freunde gingen nun nach Palma zum Prinzen, der ſchon den tapfern Centilles aus Velasco's Er⸗ zäͤhlung kannte. Hocherfreut empfing ſie Don Pedroſa und kuͤndigte ihnen an, daß endlich eins der ausgeſchickten Schiffe mit einer aufgefangenen Schaluppe heimgetehr ſei, die vom Aufenthalte des Temälmia ſie 2— berichten koͤnne. Um aus der beſten Hand es zu erfahren, ließ er einen der Matro⸗ ſen zu ſich kommen, indem Velasco und Centilles ihm zur Seite ſaßen. Der Verlangte trat ein und erzaͤhlte auf des Fuͤrſten Befehl in kurzen Worten: Das Schiff Caſa Santa, nach Weſtindien beſtimmt, ſei aus dem Hafen von Cadir den 10. gluͤcklich ausgelaufen und nordoſt⸗ waͤrts, einige funfzig Meilen von der In⸗ ſel, des Korſaren Flotte begegnet, die aus drei guten Seglern beſtanden. Nach einem kurzen Gefechte habe Temalma das Schiff genommen, und nur ſieben Matroſen, wor⸗ unter der Erzaͤhler, die ſich in die Scha⸗ luppe eiligſt geworfen, waͤren gluͤcklich ent⸗ kommen und von des Statthalters Schiffe, das ihnen zu rechter Zeit aufge⸗ nommen worden. Nun, Freund Admiral! ſprach der Statt⸗ halter, als der Matroſe geendet hatte und abge zu buh nur ſuch Eue Me ſie Au Kr ihr m —— abgetreten war, jetzt iſt zu zeigen und einen fuͤrchterlichen Neben⸗ buhler zu vernichten; die Schiffe warten nur des Steurers, die von Euch ausge⸗ ſuchten Truppen nur des Winks, um mit Euch unter Segel zu gehen, den Dienern Mahomeds zu zeigen, daß endlich auch fuͤr ſie des Unglucks blutige Fahne weht⸗ Der Augenblick und der Wind iſt guͤnſtig, der Krieger Muth in lichten Flammen; nuͤtzt ihn, eh' er in Nichts verliſcht. Temal⸗ ma's Flotte in der Inſel Naͤhe kann leicht von Eurem hellen Auge gefunden werden, ganz Palma ſoll fuͤr Euch und fuͤr das Wohl Europens in den Kirchen beten, ſo lange bis des Siegers Flaggen in unſern Haͤfen wehen.— Nuͤtzt die Zeit, wann denkt Ihr unſre Inſel zu verlaſſen? Worgen⸗ ſo Gott und ſeine Allmacht will, entgegnete der Seeraͤuber⸗Admirgl, laßt ſchnell die Seeſoldaten in des Haſens es Zeit den Muth — — 26— Naͤhe ſich verſammeln, mit Munition ver⸗ ſehen, und ſich zur Abfahrt gleich bereiten. Noch heute, eh' die Mittagsſonne ſich ge⸗ ſenkt, will ich ſie muſtern. Selobt ſei Gott! Auf gegen die Tuͤr⸗ ken! fiel Centilles freudig ein. Schon lange waren wir in Unthaͤtigkeit, das Fech⸗ ten ward uns freind, doch unſer Muth er⸗ kaltet nie; wir ſtreben nach dem Meere hin, das Land fuͤhrt mich zum Tode wie den Fiſch, kein Himmel ſcheint mir heite⸗ rer, als der des Oceans und keine Luft ſo friſch als die des Meers. Die Statthalterin kam, das Geſpraͤch endete, und Don Pedroſa machte ſie mit der morgenden Abreiſe des Admirals be⸗ kannt. Erſchreckend ſah ſie auf den Geliebten, er mit Achſelzucken zur Erde. Trauernd verließ ſie die Geſellſchaft, ſobald es ihr der Sin Vic ten eere wie ite⸗ uft aͤch mit be⸗ ten, nd ihr —— der Anſtand und des Statthalters boͤſer Sinn erlaubte. Jetzt verabredeten d Vice⸗Koͤnige Alles aufs Genaueſie und kehr⸗ ten dann mit dem Verſprechen zuruͤck, den Nachmittag im Hafen ſich einzufinden. Jetzt erſt unterſuchte Velasco mit Centilles den Varbaroſſa, und fanden ihn zu einer ſo geſchwinden Abfahrt gänzlich untauglich; von der Sonnenhitze waren die aͤußern Seitenbretter an den Waͤnden geſprungen und was im Waſſer ging⸗ beſchaͤdigt; die Lecke waren leicht zu ſtopfen, allein auch ſelbſt der Hauptmaſt hatte gelitten und an dem Segel und Takelwerke ſah man das lange Muͤſſigliegen deutlich. Er entſchloß ſich daher, nur die drei ausgeruͤſteten Fahr⸗ zeuge, die bereit lagen, zu nehmen, die zwar ſehr klein⸗ doch aber gute Segler waren. Jetzt ma ie Freunde mit dem chte Velasco auch den Mohr — Zapato mit ſeiner Abreiſe und ſeinem Wil⸗ Ve len bekannt; er befahl denſelben, als Die⸗ boſ ner der Englaͤnderin ſich mit nach Palma len zu begeben, und dort der Heimkehr ſeiner mi zu harren. gl O lieber guter Herr! ſprach Zapato Et mit Thraͤnen in den Augen, ſoll ich denn ſo allein Dich nicht begleiten, nicht wieder an ih Deiner tapfern Seite fechten? Gefallen bin F ve ich ſehr in Deiner Gunſt, ich fuͤhle es, da ve Du mit harter Hand des treuen Dieners ic Dich entwehrſt. Von Dir zuruͤckgeſtoßen. ke zu ſein, iſt herzzerſchneidend; bin ich darum von Freund Centilles Siegerhand verſchont, d um hier bei Dir vor Gram und Herzeleid zu ſterben? o haͤtte mich ſein Schwert durch⸗ bohrt, ich ſtarb im Kampf und hätte we⸗ nig nur verloren. Verhehl mir nicht, wo⸗ durch der Afrikaner Dich beleidigt, der doch mit ganzer Seele an Dir haͤngt, ſprich, welcher Fehler reizte Deinen Zorn, welches — c„ ₰ — — 2— Vergehen Deinen Widerwillen, welcher boͤſe Zug des Charakters Dein Mißfal⸗ len? Laß mich Alles wiſſen und nenne mir dann mein Uurtheil, ſo hart es ſei, gleichviel, nur laß mich bei Dir bleiben. Entfernſt Du mich von Deinen Augen, ſo ſtirbt Dein Sclav, es druͤckt das Herz ihm ab, das Dich, dem Allah gleich, verehrt und liebt. Mich verachtet und verſtoßen von Dir zu ſehen⸗ iſt zu hart, ich unterliege halb ſchon bei dem Gedan⸗ ken.— Halt ein, Gecdhn unterbrach ihn der geruͤhrte Admiral, Du irrſt, ſiets warſt Du meinem Herzen theuer, und biſt es noch, ja um ſo mehr, da ich es nur zu ſehr geſehn, was ich durch Deinen Tod verlieren konnte. Mit Unrecht glaubeſt Du, ich ſtieße Dich zuruͤck durch meine Art zu handeln. Wie falſch erkannteſt Du den Sinn davon, ich laſſe Dich zuruͤck, damit Du meine Freundin aus England kannſt beſchuͤtzen, unter Deine Obhut befehl ich ſie; als Diener ſollſt Du ihr Engel ſein; beobachte ſie ſtets und die, die ſie umge⸗ ben, auf Dein Gewiſſen leg' ich es!— Centilles, der Dir an Tapferkeit und Muthe gleicht, begleitet mich, er wird vor des Feindes Hieben mich beſchuͤtzen. Wohlan, es ſoll ſein, troͤſtete ſich Za⸗ pato; doch von Centilles fordere ich Dich zuruͤck, weh' ihm, wenn ich Dich jetzt zum letzten Male auf dieſer Inſel ſah. Das furchte nicht, ſprach Centilles doll hohen Ernſtes, mit ihm ſiehſt Du mich wieder, oder Keinen; faͤllt er, dann will auch ich ihn raͤchend, fallen, und beide decke dann die Fluth; doch lange noch iſt's nicht ſo weit, und fechten nur die Soͤld⸗ ner von der Inſel halb wie ſie verſpro⸗ chen, dann wird Temalma's Macht uns keinen Untergang bereiten. do ge ur ich tuͤ nſt ch e⸗ he es — 2 So denk' auch ich, erwiederte Velasco, doch laß uns nichts verſaͤumen, nichts ver⸗ geſſen, nicht auf das Gluͤck bauen, das uns bis jetzt faſt ſtets begleitet. Ich, ſprach Centilles, baue nur auf meines Armes Kraft, faͤllt ſie, dann will ich auch mein Leben nicht gewinnen. In tuͤrkiſche Gefangenſchaft gehe ich nicht, das ſchwör' ich ihnen, wer einmal in das Scla⸗ venjoch gerathen, der huͤtet ſich davor, wie vor dem Feuer; die Schwachen, die nur am Leben hangen, nehm' ich aus, ſie zittern bei dem bloßen Namen Tod, und nehmen täglich Medicin. Erzeuger ſind ſie jener Menſchenrace, die leichenblaß und geiſterhaft auf Erden ſpuckt, die jeder kuͤhle Wind zum Bette weht und jeder Schre⸗ cken töͤdtet. Zu groß nur iſt die Zahl und wird mit jedem Jahre groͤßer, entnervt, entartet iſt die Welt ſchon halb; gottlob, daß Keiner noch unſierblich war! ich moͤchte — 282— nicht die Erdenſoͤhne nach hundert Jahren ſehen. Wohl wahr, redete Velasco, der ſtete grauſame Krieg rafft noch die kleine Zahl der Maͤnner hin(die Feigen huͤten weis⸗ lich ſich), und leider entſteht aus zehn kaum ein Beherzter. Die Suͤndfluth fehlt, ſprach Centilles, durch ſie entſtand die beſſere Welt, die jetzt auch bald in Nichts verſunken; der juͤngſte Tag iſt nahe und eine neue Aufer⸗ ſtehung hilft dem Uebel ab, doch grauet jetzt den meiſten Menſchen vor der Poſau⸗ nen graͤßlichem Getoſe. Der gereizte Centilles endete. Der Ad⸗ miral machte ſich fertig, nach Palma ab⸗ zugehn, man ſpeiſ'te, und die Vewohner des Strandes(Velasco, Centilles, Zapato und der Hollaͤnder Vanhord) begaben ſich auf den Weg, nachdem ſie einen treuen Diener in ihrer Wohnung und des Statt⸗ ha zu ete hl ner at ſich uen — halters ausgeſuchte Leute auf dem Schiffe zuruͤckgelaſſen hatten. Im Hafen harreten laͤngſt die vom Statthalter beſoldeten Truppen, er ſelbſt war zugegen. Velasco waͤhlte unter ihnen zweihundert und dreißig der Beſten aus und vertheilte ſie auf den Schiffen. Das groͤßte derſelben kommandirte er ſelbſt, das zweite Don Gelar de Vega und das dritte ein Portugieſe, Namens Don Roque de las Cabezas, der ſich durch ſeine Tapfer⸗ keit und beiſpielloſe Unerſchrockenheit in al⸗ len Kreuzfahrten gegen die Mahomedaner ausgezeichnet hatte. Im Gewuͤhle der Menſchenmenge des Haſens nahete ſich dem geſchaͤftigen Ad⸗ miral, der Aller Augen auf ſich zog, ein verſchleiertes weibliches Weſen, das ſich ihm zu erkennen gab und in der er Ro⸗ ſetten erkannte. ——— Gebieterin ſchicht mich,— ſie mit Eile, ſie wuͤnſcht Euch auf wenige Augenblicke zu ſprechen, folgt mir, doch ſo, daß Niemand von des Prinzen Anhaͤn⸗ gern uns bemerke. Er folgte; ſie fuͤhrte ihn in eine nahe Gaſſe, dann in eines kleinen Hauſes Zim⸗ mer; in ſeine Arme ſank die Statthalterin. Du willſt mich verlaſſen, Theuerſier? begann ſie mit Thraͤnen. Ich muß, Geliebte! in kurzer Zeit aber ſiehſt Du mich wieder. Oder nie!— Das fuͤrchtet Deine Liebe, Dein de das ſorgſam fuͤr mich ſchlaͤgt. Zu ſehr, nicht ohne Grund. Nur ſe Augenblicke erlaubt mir das widrige Schick⸗ ſal, Dich ganz ohne laͤſtige Zeugen zu ſpre⸗ chen und Abſchied von dem zu nehmen, den ſich mein Herz erkor, denn Pedroſa zwingt mich dieſe Nacht in Palmg zu ver⸗ weilen. —.——————————— de de nic ſi ſc ———————— O fehlgeſchlagene ſuͤße Hoffnung Sein Wille gilt, das ſchwache Weib muß gehorchen. Der Barbar! Doch ſuͤß iſt dann das Wiederſehn, r re⸗ dete Velasco weiter. So kann ich bis an den Morgen Dich ohne ihn nicht ſehen, nicht ſprechen? Nein! Zu ſcharf bewacht mich ſein ei⸗ ferſuͤchtiges Auge, drum, Geliebter! zum letzten Male ſei es Dir geſagt, bedenke im Kampfe Deine Laura, weun Dich Dein Feuergeiſt ins Getuͤmmel fuͤhrt; achteſt Du dann Dich und Dein Daſein nicht, ſo denke ſtets, daß es an meines iſt geknuͤpft, und daß mein Tod dem Deinen folgt, daß— Die hereinſtuͤzende Roſette unterbrach ſie. Eilet, ſprach dieſe mit Heſtigkeit, ſchon iſt des Sennors Abweſenheit von Don Pedroſa bemerkt, er ſucht Euch, ſelbſt im Hafen ſpaͤht man nach Euch umher⸗ —— O dreimal verwuͤnſchtes widriges Ge⸗ ſchick! ſeufzte der Admiral. Fort, eile! ſprach die Statthalterin, bald ſehen wir uns wieder, fort! Sie riß ſich mit Selbſtbekaͤmpfung aus ſeinen feſten Armen und entfloh. Truͤb⸗ ſinnig kehrte der Andaluſier in den Port zuruͤck. Hier fand ihn der Mohr Zapato und Centilles, die ihn ſuchten; dem Letz⸗ teren gab Velasco Befehl, ſich mit tuͤrki⸗ ſchen Kleidungen und Waffen zu verſorgen, und auf das Schiff El Dios, unter des Don Roque Commando, bringen zu laſſen, aber ſo geheim wie moͤglich alles auszu⸗ richten. Centilles, das Vorhaben des Freundes ahnend, gehorchte, und das Dunkel des truͤben Abends begunſtigte ſein Vorhaben⸗ gur Nacht ſpeiſ'ten die Freunde, Ve⸗ lasco, Eentilles und ſelbſt der einfuche Van⸗ hord, beim Statthalter; der Letztere, dem —˙——— nie ſa — Ge⸗ nie eine ſolche Ehre wiederfahren war, ſaß wie bezaubert und vergaß in dieſen rin, wenigen Augenblicken alle Drangfale der . afrikaniſchen Sclaverei. Auch die beiden aus Mitcapitaine der Schiffe waren zugegen⸗ ruͤb⸗ nur die Statthalterin fehlte, und Velasco, Port der den Prinzen deshalb fragte, erhielt pato die unbefriedigende Antwort, ſie ſei etwas Letz⸗ unwohl. ͤrki⸗ Nach der Mahlzeit, als durch den Wein gen, die Gemuͤther freier geworden, die Herzen des ſich geoffnet hatten, redete der Admiral die ſſen, beiden Capitaine mit folgenden Worten an: zu⸗ Mis Sennors!(meine Herren) da bes mich Don Pedroſa, Regierer in des Koͤ⸗ das nigs Namen auf der Inſel, vor andern ſein ruhmwuͤrdigen, weiſen, tapfern Maͤnnern zum Admiral jener kleinen Flotte auserſe⸗ Ve⸗ hen hat, die morgen auslaͤuſt, des Te⸗ Van⸗ malma verwegnes Spiel zu enden, wenn's ——— moöglich und von Gott beſchloſſen iſt; ſo —— 26— hoff' ich von Euch treuen Beiſtand; blin⸗ den Gehorſam und puͤnktliche Folgſamkeit. Weder Ihr, noch Eure Seeoffiziere muͤſ⸗ ſen mein gegebenes Wort erſt deuten, mei⸗ nen Beſehl uͤberdenken, ſich berathen, ob er wohl gut, anwendbar und nicht zum Schaden ſei, ſie duͤrfen nicht wanken, wie das Rohr, von jedem Luͤftchen bewegt, nicht alles beſſer wiſſen, alles tadeln, was ihr Admiral geordnet und befohlen, nicht murren, wenn den Einen dieſe, den An⸗ dern jene Ordre trifft, und willig ſich Al⸗ lem unterziehen, was Ehre und Pflicht er⸗ laubt; doch nun guch im Gegentheile nicht uͤbertreisen, wie das auch oſt genug ge⸗ ſchieht; nicht den erzielten Zweck verfehlen durch Uebertreibung des Beſehls, an meine Worte ſich puͤnktlich halten, iſt ihre Pflicht; wer ſie ſiets ausfuͤhrt 5 der iſt lobenswer⸗ ther als der Tollkuͤhne, auch wenn er durch Ungehorſam mehr gewinnt als jener. Die i lin⸗ eit. uͤſ⸗ nei⸗ ob um wie egt, was icht An⸗ Al⸗ er⸗ nicht ge⸗ hlen eine icht; wer⸗ uch Die Obern ſind der Soldaten Schoͤpfer, Bil⸗ der, nach ihrem Thun richtet ſich der ganze große Haufe ſiufenweiſe; fuͤhren ſie ihr Amt, wie ſichs gehoͤrt, ſo fuͤrchtet nichts fuͤr die Untergebenen, ſind ſie einmal ge⸗ woͤhnt, ſo folgen ſie mit blindem Eifer und Gehorſam ihren Worten. Ein kluger Feld⸗ herr, der ſo ſeine Truppen im Zaume haͤlt, wird ſelten verlieren; iſt er aber unwiſſend und verſteht mit ſeinen Officieren wenig, ſo kann die Folgſamkeit der Seinen das ungluͤck ſchnell bereiten, wenn nicht For⸗ tung ſich ins Mittel ſchlagt. Man hat davon der Beiſpiele genug. Dum noch⸗ mals, Sennors! kann ich auf Euren Bei⸗ ſtand und Eure Folgſamkeit ganz rechnen? Ihr koͤnnts! antworteten die Kapitaine. Auf Eure Eintracht? Ihr wißt, wie nd⸗ thig ſie auch bei der kleinſten Unternehmung iſt, wo man mehrere Koͤpfe braucht⸗ Sh werdet mich nicht in der Gefahr verlaſſen, — 290— ich bin es uͤberzeugt, denn keine Memmen hat der Prinz zu dieſem Zwecke ſich aus⸗ geſucht, wir ſtreiten nicht fuͤr uns, fuͤr ihn, wir ſtreiten fuͤr ganz Europa, fuͤr unſer Vaterland vorzuͤglich, dem dieſer Tuͤrke ſo vielen Schaden zugefuͤgt, drum nochmals, ich bitt' Euch, bedenkt meine Worte, und ſeid uberzeugt, daß ich auf Euren Beiſtand baue; nicht ich allein kann Sieg erfechten, Ihr ſeid die Hauptwerk⸗ zeuge mit dazu, und laͤßt uns Gott und unſer Muth ſiegen, ſo theilen wir den Siegerkranz und Ruhm. Genug fuͤr jetzt, es kommt die Zeit zu zeigen, wer meiner Worte Wichtigkeit verſtanden. Der Admiral endete, Don Gelar de Vega und Don Roque de las Cabezas rreichten ihm die Haͤnde und gelobten Al⸗ es zu thun, was er von ihnen verlangen Spät in der Nacht trennten ſich die it 2 mmen as „fuͤr , fuͤr dieſer drum meine ich auf nkann ptwerk⸗ ott und vir den uͤr jetzt, meiner elar de Cabezas bten Al⸗. erlangen ſich die Verſammelten, und die Freunde zogen ſich in die ihnen vom Statthalter im Schloſſe angewieſenen Zimmer zuruͤck. Den uͤbri⸗ gen Theil der Nacht berathſchlagten ſich Velasco und Centilles, und ſo fand ſie der Morgen. 13* Frh verkuͤndete ein Kanonenſchuß von„ den Baſteien des Hafens, daß es Zeit ſei, ſich zur Abfahrt zu ruͤſten. Der Statthalter fuͤhrte den Admiral auf ſein Perlangen nach dem Zimmer der Engländetin. Mit Thränen nahm die Holde von dem Erretter Abſchied, als gaͤlt' es auf ewig; an ſeinen Buſen druͤckte er den jungen Altamor, den Vaternamen von ſei⸗ nen Lippen kuͤſſend.— Fall' ich, Theure, dann ſeid Ihr ſeine Fuͤhrerin nach For⸗ mentera zu dem weinenden Weibe. Ich — ß von eit ſei, lbmiral ner der ie Holde gaͤlt' es er den von ſei⸗ Theure, ich For⸗ — 295— will es, redeteſſie wehmoͤthig, und Zapato geruͤhrt kußte knLend des Gebieters Hände⸗ Hinauf 8 e rief der unwillige Velasco; Du biſt xnein Freund, obgleich mein Diener. Mag es die ganze Welt wiſſen, zn mein Her gehoͤrſt Du, nicht in den. vor jreinen Fuͤßen. Leb' 1½ wohl, Du Finziger, gehenke meiner Worte und diene trzu der Freundin, wie Du mir gedient. 3 Der Neger vergoß Thraͤnen und Ve⸗ lasco ging; denn auch der Englaͤnderin Men wurden von Nenem ngß. Der Statthaltex entſchuldigte die Abwe⸗ ſenheit ſeiner Gattith die Velasco vermißte. Mit Jubel empfi das Schiffsvolk und die Bewohner der Ftadt den beruͤhmten Abmiral, der ſie ſeiner Kaper⸗Uni⸗ form, als Fuͤrſt de eeraͤuber, zeigte⸗ Ihm folgten Centilles, Vanhord und die beiden Kapitaine, alle prbchtig gekleibet⸗ — 294— Der Hollaͤnder fuͤhrte den Rang als Ober⸗ ſteuermann auf dem Ad ralſchiffe il Va⸗ loroſo und Centilles Lieutenant. Vor den Augen H ℳ Volks umarmte der Statthalter den Abmiral, dieſer beugte, der Ceremonie gemß, das Kniezänd ging dann, unter dem Donner—. Kanonen und Gelaͤute der Glocken, an Bord und unter Segel. Er nahm ſeinen Lauf noribſtwirts⸗ ohne in einer Tagereiſe ein einziges Fahrzeug auf der Ses wahrzunehmen. Eine plotzlich ein⸗ fullende gaͤnzliche Winpſtille⸗ die Verkuͤn⸗ derin eines Sturmes, zwang ihn, die nd⸗ thigen Maaßregeln zu zweckmaͤßig war, denf bald prach das Un⸗ gewitter in voller Micht las und mit ſol⸗ cher Gewalt, das Teo ſelbſt nicht wohl beim Anſchauen deßſich haushoch b menden Wellen werd. Der re,ſeht mit dem Teufel i im effen, welches ſehr Bu ſold laſſi den ver det ie er⸗ Ba⸗ nt. mte gte⸗ ing nen und hne auf ein⸗ kuͤn⸗ nò⸗ ſehr Un⸗ ſol⸗ wohl huͤr⸗ — 295— Bunde, ſagten ndie Furchtſamſten der See⸗ 3 3 ſoldaten; kaum haben wir den Hafen ver⸗ laſſen, ſo ſchickt vx uns ein Ungewitter auf den Hals und läßt alle Winde los, uns zu verderben. H Einige beteten, Andere fluchten und wieder. krochen ins unterſte Ver⸗ deck. Centilles aͤrgerte ſich und Velasco ſchien ſich gleich zu bleiben. Einen Tag und eine Nacht wuͤthete der Sturm, am Morgen legte er ſich und die Ruhe auf der See kehrte wiederg als Velasco mit Enſſetzen bemerkte, dä das Schiff des Don Roque durch den Sturm on den anderen getrennt und verſchwun⸗ den war. Mit M te verbarg er ſeine Un⸗ ruhe, allein ſchon om Mittage ſah man es auf der Hoͤhe and der Kapitain geſellte ſich wieder erfreut ſeinem Admiräle, ſich aufs Beſte entſchuldigend⸗ Gleich darauf b man ein — res Fahrzeug gegen Oſten, das ſich zu naͤ⸗ hern ſchien, bald erkanntey es die Befehls⸗ haber einſtimmig fuͤr ein gäs Spanien kom⸗ mendes, das mit vollen Segeln ſich ihnen naͤherte. Sobald es nahe genug war, be⸗ fahl Velasco durch ein Sprachſphr dem Kapitain, im Namen des S bei⸗ zulegen, allein jener entſchuldigte ſich: der fuͤrchterliche Temalia ſei in dez Naͤhe, und entfloh, ohne weiter Rede zu ſtehen. So⸗ gleich ließ nun der Admiral die Kapitaine Don Gelar und Don Roque an Bord des Valoroſo kommen und vefabredete mit ih⸗ nen den liſtigen Plan, den er und Centilles in jener Nacht beſchleſſen. Sie fanden denſelben vortrefflich 4 gingen ſchleunig an ihre Poſten. 4 Im Nu war das ſpaniſche Admiral⸗ ſchiff in ein die Spa⸗ nier warfen ſich chleunig in mahomeda⸗ e Kleidung, die bereit lag, und je⸗ der lasc tzen ei der ind So⸗ ine des ih⸗ lles den nig der empfing ngch der weiſen Einſicht Ve⸗ lasco's eine ſchwarze Armbinde„deren Nu⸗ tzen nur zu bald erkannt wurde. Auf des Valopoſo Verdeck wimmelten jetzt als trkiſche Turbane und auf dem Maſie flatterte der Unglaͤubigen Flagge mit dem ihlben Monde. Die beiden Schiffe entfernten ſich eine Strecke, nahmen das des Admirals in ihre Mitte und fingen ſo ein heſtiges blindes Kanpniren an, das keinem ſchadeite. Alle Wendungen eines Seegefechts ahmten die Spanier aufs deut⸗ lichſte nach und das Admiralſchiff ſchien ſchon zu wanken.“ Die Liſt gelang und der Erfolg zeigte ſich nach einer Stunde. Weit in der Firne erblickte man zwei Fahrzeuge ſchnell ſegeind, denen ein drittes langſam folgte. J*t erſt ward das Ge⸗ fecht hitzig und der Ppnner der Kanonen lockte den Temalma it ſeinen Schifen herbei. — ſeiner vermeinten Bruͤder Leben in Gefahr, als er pfeilſchnell zur Rettung und Rache herbeieilte. Er war nahe; mit. em⸗ pfingen ihn die verkappten Mahomedaner, welches die Seinen beantworteten, und er, in Velasco's Naͤhe, gab den Findlichen Schiffen eine volle Ladung; aber auch dieſe luden jetzt Kugeln und beantworteten ſein Feuer mit Lebhaſtigkeit. Tegllma's zwei⸗ tes Fahrzeug war auch nicht muͤſſig und es begann der heftigſte Styeit, ohne daß das dritte, das langſam anſchwamm, zur Hilfe kam. 5 Jetzt war der Augenblick gůnſig und der Admiral Velasco Knutzte ihn trefflich. Des Tuͤrken Schiff, elvas zuruͤckgetrieben, naͤherte ſi ch dem Stinen, es ſuchte Bei⸗ ſtand, Velasco ſteuerte an das feindliche, enterte behutſamd wie ein reißender Strom ſtuͤrzten ſich die verkappten Spanier au Cer St ihr an ihr bal dec foc ſch ger gla un lich det gel mo hr, che em⸗ ner, er, hen ieſe ſein vei⸗ und daß zur und ich. en,. Bei⸗ che, ſchlugen ihn die Tuͤrken kräſtig —— auf Temalma's Fahrzeug, Velasco und Centilles an ihrer Spitze; Vanhord, der Steuermann, regierte das Ruder. Erſtarrt ſtanden die Afrikaner und ſelbſt ihr Fuͤrſt ſtaunte dieß ſeltſame Schauſpiel an, aber zu bald nur ſahen ſie ſich aus ihrem Trgume fuͤrchterlich geſchreckt. Mit Wuth metzelten die Eingedrungenen und bald war daß Gefecht auf Temalmals Ver⸗ decke allgemein und blutig. Mahomedaner fochten gegen Mahomedaner, denn dieſe, die ſchwarzen Binden nicht wahrnehmend, ſchlu⸗ gen ihre eigenen Bruͤder, die ſie als Feinde glaubten; allein die Spanier huͤteten ſich, unter ihren Streichen fielen nur die Seißt lich ausgewaͤhlten Moslems. Indem ſich Don Gelar de Vega nit 6 des Kapers zweitem Schiffe heftig ſchlug gelang auch dem Don Roque, an des malma's Fahrzeug zu enters; — K das dritte Mal ſprang er uͤber und nun bekam Velasco Hilfe, die ihm bei ſeiner wenigen Mannſchaft gefehlt, da nicht die Haͤlfte der Seinen in des Kapers Schiffe fochten.— Mit neuer Wuth warfen ſich die Spanier auf den Feind, dieſer trieb ſie ſtets zuruͤck; verzweifelnd ſtritt Temal⸗ ma; tapfer Velasco und mit Wuth und Barbarei der Tuͤrkenfeind Cemilles. Von ſeinem Schwerte fielen die Fyinde haufen⸗ weiſe, er ſelbſt hatte am linken Arme eine Schußwunde, allein nichts chtend„wagte er ſich ins tiefe Gebränge, wo er den Tod nur ſah. Aber auch Don Roque de las Cabezas war nicht muͤſſig; er hatte ſich mit weiſer Klugheit des Pulver⸗Magazins ſchnell be⸗ meiſtert, damit nicht Temalma, der keine Rettung mehr ſah, ſich durch einen toll⸗ kähnen Streich an ſeinen Feinden räͤchen onne„der ihn und ſie zum Tode fuͤhrte⸗ —— en— — —— nun iner die hiffe ſich rieb nal⸗ und Von fen⸗ eine agte Tod ezas eiſer be⸗ eine toll⸗ chen Centilles, racheſchnaubend, vom Blute ganz gefaͤrbt, ſuchte und fand, er allein wollte den Temalma bekaͤmpfen und mit Si Tapferkeit begann der Kampf. Temalma, an Groͤße, Staͤrke und Ge⸗ walt dem Spanier weit uͤberlegen, ſah jetzt kein Mittel mehr, ſich und die Seinen zu retten. So will ich denn als Mann ſter⸗ ben, dachte er, und theuer den Chriſten mein Leben verkaufen. Deine Rolle iſt ausgeſpielt! rief ihm Centilles zu; mit Schande trittſt Du vom Schauplatze Deiner Graͤuelthaten. Noch nicht, verdammter Chriſtenhund! brüllte der Tuͤrke, haſt Du in Salamanka ſichten lernen, um hier Deiß Dir ſo theu⸗ res Leben zu verlieren? Du dauerſt mich, geh heim und ſchick' mir einen Andern, der beſſer und wuͤrdiger iſt von des malma's Hand zu ſterben. 3 Du prahlſt noch? c — mit Wuth fechtend. Es iſt Dein letzter Stolz, zum falſchen Mahomed ſchick' Dein Gebet und bitt' ihn, daß er Wunder thue; denn ohne ſie ſiehſt Du den Kerker oder Tod. Erbaͤrmlicher, Du laͤſterſt den Prophe⸗ ten! laß ſehn, ob mein oder Dein Gott mehr vermag, kein Wort mehr zu Dir, ich merk's, mit Worten kannſt Du 6 ſtreiten. Er ſchwieg und drang wuͤthend auf den erboßten Spanier ein, der ſich mit Ge⸗ ſchicklichkeit und Muth vertheidigte. Un⸗ gleich blieb lange der Stpeit, bis endlich Centilles einen fuͤrchterlichen Hieb in das Gelenke des rechten Armes erhielt, der gluͤcklicherweiſe flach, aber mit ſolcher Ge⸗ walt fiel, daß die Sehnen und die Spann⸗ kraft ſogleich erſchlafften und Centilles be⸗ waffneter Arm ſank. Sogleich ſah der Mu⸗ — den Peheit⸗ hob den ire ————— ein e er e ott ir, ich ich — — 3— chen Saͤbel und—— da ſprang Velasco hinzu, ein kraͤftiger, zur rechten Zeit ge⸗ fuͤhrter Streich in die Waffe Temalma's warf ſolche weit hin aufs Verdeck, allein dieſer war nicht ungeſchickter, wuͤthend rannte er auf den Admiral der Seeraͤuber zu, nicht achtend der blutigen Klinge, um⸗ faßte ihn in der Mitte des Leibes und ſuchte ihn gewaltſam hin ans Bord zureißen. Velasco merkte die Gefahr und die Abſicht des Feindes, heftig widerſetzte er ſich und es entſtand ein Ringen, das ſei⸗ nes Gleichen nur in Griechenlands ehema⸗ ligen Gefilden ſucht. Beide kaͤmpften, ſich gleich an Staͤrke. Temalma groͤßer als Velasco, dieſer ge⸗ wandter. Lange dauerte der Kampf, bei⸗ der Kraͤfte ſanken, da verwickelte ſich 2e⸗ malma's Fuß in ſeinen langen Talarz— Alles bemerkend, ergriff ihn vense ſ ſter, der Moslem ſtrauchelte, der Admiral — 304— raffte ſeine Staͤrke zuſammen und warf den fuͤrchterlichen Temalma an den großen Maſt; beſinnungslos ſank der Korſar zur Erde. Dieß entſchied das Geſecht, die noch einzeln fechtenden Tuͤrken ließ Centilles nie⸗ derhauen, die Meiſten ſtuͤrzten ſich ins Meer, ein großer Theil lag im Schiffe umher. Kapitain Don Gelar hatte pis jetzt das zweite Schiff der Tuͤrken mit⸗ Aufbieten al⸗ ler ſeiner Kraͤfte kaum gbgehzlten, dem Te⸗ malma zu Hilfe zu kommen, jetzt wendete der befreiete Velasco ſein Geſchutz gegen daſſelbe und die drei Fahrzeuge ſetzten es in kurzer Zeit ſo zu, daß es die wenigen noch nicht zerſchoſſenen Segel ſchnell auf⸗ ſpannte und zu entfliehen ſuchte; allein die Waͤnde waren von ſpaniſchen Kugeln zer⸗ ſchoſſen, das Waſſer ſtroͤmte mit Gewalt hinein⸗ und eine engliſche Meile vom blu⸗ tig ler ph zur nie⸗ ins im das al⸗ Te⸗ dete gen es gen uf⸗ die zer⸗ valt blu⸗ tigen Schauplatze ſank es ins Meer, bruͤl⸗ lend ſtarben die Mahomedaner, ihren Pro⸗ pheten zu Hilfe rufend. Das dritte Fahrzeug hatte ſich indeß genaͤhert, als es aber ſeiner Gefaͤhrten Schickſal erblickte, entfloh es, ohne von den Schiffen des Admirals, die gleichfalls gelitten hatten, verfolgt zu werden. Jetzt war der Sieg ganz auf der Seite der Spanier, Temalma gefangen und mehr als hundert Afrikaner lagen getödtet auf dein Valoroſo umher, ohne jene zu rech⸗ nen, die im Meere ertrunken und von dem groben Geſchuͤtze weggerafft waren. Von den Spaniern waren insgeſammt fuͤnf und vierzig geblieben, auf dem Admitalſchiffe faſt alle verwundet. Velasco alein war nicht bleſſirt. Einer der Tapferſten war Don Konue de las Cabezas geweſen, durch ſeitſe Ein⸗ ſicht war des Tuͤrken letzter und — 306— Plan, das Schiff, wenn Alles⸗ verloren ſei, mit den Siegern in die Luft zu ſpren⸗ gen, vereitelt worden. Velasco umarmte ihn nach Wegraͤumung der Todten auf dem Verdecke vor den Augen der Seeſoldaten und Matroſen. Sennor! ſprach er, Ihr habt mir heute den Sieg erſechten helfen, der doch ſo zwei⸗ felhaft war, durch Eure ſchnelle Hilfe, durch Eure Klugheit habt Ihr mir und allen Spaniern, die auf dem Valoroſo ſich befanden, das Leben erhalten, ich danke Euch, Gott mag Euch belohnen! Durch Eure Tapferkeit ſind m mir iebt frei, lebend und Sieger.— Haltet ein, ihn der gelobte Don Roque, Ihr waret wir ein ſchoͤnes Beiſpiel, was ich gethan iſt nur Copie, das n ſeid Ihr. Belasco wollte reden, der Kapitain ſrt zwy vor mit Fri Br laf m ho we bte es as ain — 30— Sch kittMEuch, Admiral! ſchweigt⸗ zwingt. mich nicht, durch unverbdientes Lob vor dem Schiffsvolke, zu erroͤthen und mich zu entfernen. Schenkt mir Eure Freundſchaft, hab' ich ſie verdient, ſo bin ich ſchon belohnt.— Sie ſei Euch ganz; als Freunde, als Bruder haben wir gefochten, als ſolche laßt uns den Ruhm des Siegs genießen. Centilles trat hinzu und ſprach: Te⸗ malma hat ſi 5 aus ſeiner Betäubung er⸗ holt, er wuͤthet puͤrchterlich und raſſelt wie wahnſinnig mit ſeinem eiſernen Geſchmeide. Velasco, Don Roque und Centilles gin⸗ gen zu dem Gefuͤrchteten, der in der Ka⸗ jute wie unſinnig ſich am Boden waͤlzte. Bei dem Anblicke der drei Sieger ſprang er wuͤthend auf und ſtuͤrzte ihnen heftig entgegen, Centilles warf ihn verachtend an die Wand. Raſend knirſchte der i lem mit den Zaͤhnen. 8 —, Kommt Ihr, ſchrie er, ſur durch mal Verwuͤnſchte, Euren 6 zir mich zu peinigen! gebt mir den Tod, nur laßt mich Euch nicht ſehen. Nicht Tod wird Dir zu Theil, redete Velasco ruhig, Du haſt einſt in Mekinez mich als Sclab verkauft, ich werde eben ſo handeln und Dich an den Herrn in Canaria verkaufen. Zu jener Zeit war ich Dir unbekannt, zum Gluͤck fuͤr jetzt glaube ich, kann ich's ohne Fürcht Dir ſagen, daß ich der Kaper⸗Admiral Ve⸗ lasco da Gaſton bin. Zitterſt Du nun? O Ungluͤcksſtern, der mich betrogen! fiel Temalma ſtiller ein, Dich hab' ich auf dem Meere ſtets vermieden, ſchon zweimal hab' ich Dir weichen muͤſſen, das dritte Mal beſiegſt Du mich. Ach haͤtte ich Starke, dieſe Ketten zu zerreißen, ich „ wuͤrde Dich erwuͤrgen und dann mit mei⸗ ete nez ben ich ietzt Dir mal ritte ich 7 nem Nebenbuhler ſterben, den der Pro⸗ phet zur Unzeit mir geſandt. Dein Drohen und Toben verlachen wir, ſprach Centilles. Es iſt alles, was von Deiner Groͤße uͤbrig blieb, und kann uns gar nichts ſchaden. Du haſt gelebt, denn guf der Inſel, wohin man Dich jetzt fuͤhrt, wird der Henker Dir Dein Ziel ſchon deut⸗ lich zeigen. Bei dieſen Worten fiel Temalma in die fuͤrchterlichſte Raſerei, er ſiieß wider ſich, ſeine Feinde und ſelbſt gegen den Propheten die abſcheulichſten Laͤſterungen aus, und verwuͤnſchte ſein Leben, bis ſich endlich die ſpaniſchen See⸗Kapitaine ent⸗ fernten. Velasco befahl, noch ehe der Abend einbrach, die an die Ruderbank geſchmie⸗ deten Chriſtenſclaven zu befreien. Ihre gahl belief ſich auf zwanzig. Dann begab — 310— des Don Gelar Schiff, dieſem treuen Ge⸗ m fährten, der das ihm zweimal ſtärkere tuͤr⸗ V kiſche Fahrzeug zuruͤckgehalten hatte, den Bericht des Gefechts auf Temalma's Schiffe A mitzutheilen. de Don Gelar erfuhr freudevoll die Ge⸗ m fangennehmung des gefurchteten Afrika⸗ w ners und horchte auf die Erzaͤhlung von er dem Kampfe Centilles und dem Ringen m Velasco's mit dem Kaper. Die Becher W wurden zu Ehren der Sieger tapfer ge⸗ leert und ein Hurrah ertoͤnte von Mund 5 zu Mund. Dann kehrte jeder Befehlsha⸗ D ber auf ſein Fahrzeug zu ſeiner harrenden He Mannſchaſt zuruͤck.. Schon lag Alles im ruhigen Schlaf ver⸗ 5 ſenkt, um die gebrauchten Kraͤfte zum kör morgenden Tage wieder zu erquicken, nur the Velasco, der Admiral, nicht. Mit einer 5 Viole verſehen, ſchlich er ſich bei Centilles Lager vorbei nach dem Gefaͤngniſſe Te⸗ ingen echer ge⸗ Nund lsha⸗ enden er⸗ zum nur einer tilles * Te⸗ 3 4— malma's, vor deſſen Thuͤr zwei Mann Wache hielten. Bei dem Schein der Lampe ſah er den Afrikaner im Winkel ſitzen und im Nach⸗ denken verſunken. Das Geraͤuſch des Kom⸗ menden ſchreckte ihn auf. Kommſt Du ſchon wieder, verdammter Chriſtenhund! ſprach er mit rollenden Augen, Dein Anblick iſt mir verhaßter als der fuͤrchterlichſte Tod. Willſt Du mich ewig quaͤlen?— Sei ruhig, Temalma, redete Velasco, bekaͤmpfe dieſe ohnmaͤchtige Wuth und ſpare Deine Schmaͤhreden, ſie fallen auf Dein Haupt zuruͤck. Ich komme mit Dir zu reden, wie es Maͤnnern geziemt, die je⸗ des Schickſal, das ſchwerſte auch ertragen können. Ja, ich komme, Dir eine Wohl⸗ that zu erzeigen, die Du ſicher nicht zun ruͤckweiſt. Du mir eine Wohlthat? fiel i . ein, ich verlange keine Wohlthat von dem ſuc Feinde. get Du willſt mich nicht hoͤren? gut alſo, doc ſo kann ich gehn. Chr Bleibe, Chriſt! was haſt Du mir zu Du ſagen, ſprach Temalma mit Ruhe und in dad Erwartung. das Du weißt, hub Velasco leiſe, aber mit cher Nachdruck an, Du biſt in meiner Hand, Sc in meiner gaͤnzlichen Gewalt. Tot Ich weiß es, ſiel der eifrige Tuͤrke ten heſtig ein, verdammt der Mund, der mir Dic es ſagt. De Noch einmal red' ich, unterbrichſt Ddu Br mich zum andern Mal, dann kann ich Dich und dem Schickſale uͤberlaſſen, das Dir die laͤn ganze boͤſe Seite zeigt.. mer Temalma ſchwieg und der Admiral ſam fuhr fort: Di Noch einmal, Du biſt in meinen Haͤn⸗ Sch den und in meiner Gewalt; nicht unter⸗ ſan dem alſo, rzu d in mit an, uͤrke mir t Du Dich r die miral Haͤn⸗ unter⸗ — ſuchen will ich, was Du an meiner Statt gethan und thun wuͤrdeſt; ich kenne Dich, doch noch vor Deinem Tode ſieh einen Chriſten, Deinen Feind, edel handeln. Du weißt, was in der Hauptſtadt Ciu⸗ dad de Palmas Dir bereitet iſt. Du kennſt das Loos, das Deiner wartet, ſchreckli⸗ cher wirſt Du es ſelbſt nicht denken. Die Schande, der Hohn, der martervollſte Tod iſt der gerechte Lohn fuͤr Deine Tha⸗ ten, kein Allah und kein Prophet wird Dich erretten. Des Volkes Wuth, dem Deine Barbarei die Vaͤter, die Soͤhne, die Bruͤder oft genug geraubt, es kocht Rache und fordert Dich von mir. Mit Recht iſt längſt ſchon ſein Gefuͤhl empoͤrt, Du Un⸗ menſch ſtahlſt es ihm durch Deine Grau⸗ ſamkeit, mit gleichem Maaße wird man Dich nun meſſen. Wozu haſt Du der Schaͤtze viele in jenem Welttheile Dir ge⸗ ſammelt, wozu haſt Du Europa's Han⸗ I. Theil. 14 — 314— delsſtaͤdte beraubt, wozu der Krone Spa⸗ niens den Schaden zugefuͤgt, der ſich ſo⸗ bald verſchmerzt? Aus bloßer Barbarei, die Euch ſo eigen iſt. Wahr iſt's, auch mich nennt man Korſar, doch nur Dein Land und Deine Schiffe haben am mei⸗ ſten es empfunden, daß ich den weiten Ocean und das Mittelmeer befahre. Ich ſammle großen Reichthum auf einer wuͤ⸗ ſten Inſel, doch ſoll Europa ihn beſitzen. Wozu der Worte Tand, ſprach Te⸗ malma entruͤſtet, ich that, was ich ge⸗ wollt und meine Religion von allen Glaͤu⸗ bigen heiſcht: Tod und harte Selaverei allen Chriſten. O Ihr Verblendeten! des Mitleids ſeid Ihr werth, der Fluch des Schoͤpfers ruht auf Euch!— Gern, Gott weiß es, gern mocht'ich Dich erretten von dem Tode, ich kann es nicht. Die Freiheit datf ich Dir nicht geben, Europa, ja die halbe Welt — verlat Pflich forder Gewi leben ſchoͤne lechzt. S das todtlie Mart zu gen ler Ti G entriß Truͤgſi Zu Ch dennoc mich Marte ern ich Dir zelt — 5315— verlangt Deinen Untergang, und meine Pflicht gebeut mir Gehorſam. Deinen Kopf fordert Jeder von mir, und ſelbſt mein Gewiſſen ſagt, Du kannſt, Du darfſt nicht leben, ausſcheiden mußt Du aus Gottes ſchoͤner Erde, wonach die halbe Welt ge⸗ lechzt. Zu Ende iſt's mit Dir! Sieh hier dieſes Flaͤſchchen, es enthaͤlt das feinſte Giſt, in wenig Augenblicken toͤdtlich, nimm es und rette Dich von Martern und der Schande, die ſonſt nur zu gewiß in Palma Dich ereilt. Ein ſchnel⸗ ler Tod entzieht Dich Allem.— Gieb, ſprach Temalma, und haſtig entriß er die Flaſche Velasco's Haͤnden, Truͤgſt Du mich nicht? Zweifelſt Du an der Kraft, verſuche ſie. Chriſt, ich haſſe Dich unendlich, aber dennoch muß ich Dir danken. Du befreieſt mich von allen Hoͤllenqualen, nicht die . Marter, nicht die Schmach, nicht der Hohn 14 — 56— der Feinde brennt in meines Herzens Tiefe mehr, leichter wird mir bei dem Gedanken, ihre Freude ihnen zu vereiteln, zwar halb nur, doch viel hab' ich gewonnen.— Ich danke Dir.— um Dank zu holen kam ich nicht hie⸗ her, Mitleid wohnt in meinem Buſen und meine Religion verlangt nicht Barbarei, Verlaͤugnung meiner Selbſt von mir. Sie erdruͤckt nicht menſchliches Gefuͤhl in mei⸗ ner Bruſt, ſie lehrt mich, den Menſchen lieben, als Bruder lieben, wenn ihn auch Afrika's Wuͤſten geboren. Der Ungluͤck⸗ liche hat ſtets mein Mitleid⸗ ſelbſt Dit, dem Feinde, dem Dämon meines Volis kann ich es nicht verſagen. Der Gott der Chriſten verlangt nicht Blut, nicht Scla⸗ venketten, die dem Verbrecher nur gezie⸗ men, er ſchuf den Menſchen frei in allen Welten. Wie klein iſt Dein Prophet, er macht Euch zu Tigern gegen Eure Bruͤderß . * und l radieſ meln. an T C verehr uns v ſo wit es nick weiſe denn Nichtt fuͤrcht Streit doch ſ eigne ſchreck W ſer b fuͤrcht Tiefe nken, halb Ich hie⸗ barei, Sie mei⸗ aſchen auch Dir, Volis tt der Scla⸗ gezie⸗ allen t er — 347— und lohnt Euch mit dem fabelhaften Pa⸗ radieſe, wo alle Glaͤubigen ſich verſam⸗ meln, Euer Glaube iſt verkehrt, Ihr glaubt an Trug und Gaukelei. Chriſt! laͤſtere nicht den Gott, den wir verehren, fuhr Temalma auf, was er von uns verlangt, iſt recht, und waͤr' es nicht, ſo wird er es verantworten, uns geziemt es nicht, die Befehle Mahomeds, die ſicher weiſe ſind, zu deuten.—— So ſoll ich denn von diefer Welt auf ewig ſcheiden? Nichts als der bloße Name bleibt vom ge⸗ fuͤrchteten Temalma uͤbrig. Im dichten Streite hab' ich genug den Tod geſehn, doch ſo bitter, wie jetzt, noch nie, durch eigne Hand zu ſterben, durch Gift, o ſchrecklich! es iſt ſo ſeltſam mir zu Sinne. Wie Dich Dein Muth verlaͤßt in die⸗ ſer bangen Scheideſiunde, der ſonſt Ge⸗ 3 fuͤrchtete liegt klein und elend mir zu Fuͤ⸗ 3— ßen, es iſt der Augenblick, wo Alles war und Alles iſt geweſen. Du haſt recht, ich fuͤhl' es jetzt zum erſten Male, daß ich auch muthlos wer⸗ den kann, ich haͤtt' es nie geglaubt, vor Deinen Augen muß ich es geſtehn; doch nur auf kurze Zeit, der Schauder wird ſich legen, die Art zu ſterben iſt mir neu und gar nicht heldenmaͤßig. Solche we⸗ nige Tropfen koͤnnen den Temalma toͤdten, der, feſt wie Eiſen, dem Tode oft getrotzt, er iſt geſunken und ſein Ruhm mit ihm. O waͤr' ich doch gefallen wie meine Bruͤ⸗ der, nie haͤtt' ich eines Chriſten Großmuth dann mich ruͤhmen duͤrfen, ich haͤtte nicht gebraucht, mit eigner Hand den Lebens⸗ faden zu zerreißen, der mir ſo kurz ge⸗ ſponnen. Die Nacht verſtreicht, verſchluck den Trank und zeige Dich als Mann. Ja, die Nacht verrinnt, der Morgen — ſieh Ta dur ſtet nut der lich an die pft mi beſ un ne ich det — — 3— war ſieht mich todt und kalt, bald ſcheint der Tag nicht mehr, vorbei wird Alles ſein, zum durch dieſen Trank verſenk' ich Alles.— wer⸗ Sehr freundlich iſts, wenn uns das Leben vor ſiets nach Wunſch verſtreicht, die Tren⸗ doch nung iſt's, was mich auf einmal ſo be⸗ wird denklich macht. de Sie malt Dir Deine Greuelthaten deut⸗ pe lich vor und zeigt die Fuͤlle Deiner Laſter, dten, an deren Spitze die Unmenſchlichkeit thront, rotzt, die meiner Brüder Schaar ſehr oft em⸗ ihm. pfunden. Bruͤ⸗ Und zwar mit Recht; ſie war es, die muth nicht mir den einzigen Sohn geraubt, mit Blut ens⸗ beſpruͤtzt ſank er zu meinen Fuͤßen nieder g⸗ und ſtarb den Heldentod in fruͤhem Alter⸗ Sein Blut brennt Rache fordernd auf mei⸗ ner Seele, ihm Opfer zu bringen, fuͤhlte ich Beruf. Es iſt vorbei, ich ſeh ihn wie⸗ der, ſchon laͤngſt hat er vollendet, benei⸗ 3— denswerth nenn' ich ſein Ende. Bald kennt ſch der Vater auch den Tod! un Temalma! ſieh jenen rothen Schein im gloͤ Oſten, er zeigt den Morgen an, ich bitte, Gr ſpute Dich, und ſollte Dir nun noch der ich Muth vergehn, ſo denke an Canariens fe⸗ iſt ſten Boden, an ſeine tiefgekraͤnkten, rache⸗ get fordernden Bewohner, an des Verbrechers Loos, das unabaͤnderlich Dir bald zu Theil ber wird.— Du warſt nie feig; ſoll ich denn„ get anders von Dir denken lernen, jetzt, da ein ha kuͤhner Schritt dem Ungluͤck Dich entruͤckt? gu Das ſollſt Du nicht, bei des Prophe⸗ ten Barte, ich bleibe Mann und ſterbe 3Zuͤ willig.— So wirke ſchnell und zeige ſia Deine Kraſt in Temalma's feſtem Koͤrper. ber Bei dieſen Worten verſchluckte der Kor⸗ ſar den Trank und reichte die leere Flaſche la dem Velasco, der ſie wieder einſteckte⸗ zu Es iſt geſchehn, ſprach der Tuͤrke, ich ſtehe ſchon vor des Himmels Pforten und ne ich —— 321 ſchaue mit Entzucken der Glaͤnbigen Schaar und die Houris. Der Wechſel kann nur glucklich fur mich ſein, da ich gethan, was Gott und ſeine Religion von mir verlangte, ich falle dennoch groß. Chriſt! Dein Gift iſt gut, ich fuͤhl' es ſchon an meinen Ein⸗ geweiden nagen.. Was mir beſtimmt, waͤr' ich noch le⸗ bend in Deine Siegershaͤnde durch Zufall gerathen, iſt Dir zu Theil geworden, ich hatte mich auſ's Schlimmſte bedacht, denn gute Vorbereitung ſchadet nie. Des Tuͤrken bleiches Geſicht zuckte, ſeine Zuͤge entſtellten ſich und wild ſtierten ſeine ſtarren Augen aus ihren Hoͤhlen, Velasco bemerkte es und ſchauderte. Ich gehe, ſprach er bewegt, und uͤber⸗ laſſe Dich dem Tode, von dem ich Dich zu retten nicht vermocht'. Geh, lallte Temalma, und nimm mei⸗ nen Dank, ich kann Dir ihn nicht verſagen⸗ Der Admiral ſchlich ſich fort, warf ſich auf ſein Lager und verſuchte zu ſchlafen, allein vergeblich; denn tauſend Todesſchat⸗ ten quaͤlten ſeine Phantaſie. Fruͤh am Morgen brachte man ihm die Nachricht, der afrikaniſche Gefangene ſei todt gefun⸗ den.— Centilles fuhr erſchrocken auf und eilte mit Velasco nach der Kajuͤte. Auf dem Boden lag der furchtbare Temalma ent⸗ ſtellt und ſein Geſicht zeigte deutlich den Kampf an, womit er von dieſer Welt ge⸗ ſchieden. Er ſtarb durch Gift, ſo wahr Gott lebt! rief Centilles ahnend, er hinterging uns Alle. Er hat den Martern ſich entzogen, fiel WVelasco ein, die ſicher in Canaria der Statthalter ihm bereitet haͤtte. Kein Le⸗ ben iſt in ihm, dem ſonſt ſo Gefuͤrchteten, r braucht fuͤr keine Zukunft mehr zu ſor⸗ ſich fen, hat⸗ am icht, fun⸗ eilte dem ent⸗ den ge⸗ lebt! uns fiel der Le⸗ teten, Wie ein Lauffeuer war die B ben ſie ſich an Bord, aͤrgerten ſia den. Velasco's edles Herz fuͤhlte⸗ gen und pruͤft nicht mehr das unbeſtaͤndige Gluͤck, das ihm bis jetzt als Freund ge⸗ dient. O Centilles! biſt Du unwillig, daß er den Qualen der Schande ſich entzog? Er iſt vertilgt, mehr hab' ich nicht ge wuͤnſcht, ich weiß es, auch in Dei⸗ Buſen ſchlaͤgt ja ein menſchlich Herz Beſchaͤmt ſchlug der Spanier t gen nieder und ſchwieg. von Mund zu Mund und zu k Kapitaine Schiffe geflogen; erſtaun jetzt ihr Triumph, den Temalma auf die Inſel zu fuͤhren, verhindert Reue uͤber das Gethane, ſondern er ſiolz auf ſeine That. Die Matroſen trugen auf Velasco Befehl Temalma's Leichnam aufs Verde dem Schiffsvolke ſeinen Anblick zu goͤnn — 324— Haufenweiſe ſtromte dieſes hinzu und ein ſtummer Zirkel ſchloß ſich um den Todten. Kein Mund ruͤhrte ſich, Keiner ſprach, enn fuͤrchterlich entſtellt war des Afrika⸗ es Koͤrper. gelasco ließ ihm nun das Haupt vom e trennen und es in einer Kiſte ver⸗ Den Koͤrper warfen die Matro⸗ veer, er ſchwamm der Heimath Mittage hatte man auch die im gefeſſelten Sclaven befreit, Greiſe zig bis achtzig Jahren und Juͤng⸗ befanden ſich unter ihnen, alles en; Velasco fuͤhlte ſich geruhrt beim hlicke der Ungluͤcklichen, er warf ſeine ce auf's Verdeck, dem Erretter zu cke umher und entbeckte in der Mitte ſelben den treuen zuruͤckgelaſſenen Freund amor von Formentera; beide ſiuͤrzten nder mit jubelnder Freude in die Arme⸗ —— ein en. ch, ka⸗ om ver⸗ tr⸗ nath e im reiſe uͤng⸗ alles er zu beim ſeine Mitte Freund uͤrzten Arme. . dein Altamor! mein Admiral! war Alles, was man hoͤrte, ſtill und verwun⸗ dert ſtand der Schwarm der Matroſen und befreieten Sclaven umher. Zuerſt riß ſich Altamor von dem Freunde los und trat zuruͤck. Die ſchnelle Freude fuͤhrt mich zu weit, ſprach er mit Ernſt, ich darf Dich nicht umarmen, ich bin Ver⸗ brecher und ſtrafbar in Deinen Augen. Wodurch? fragte Velasco ſchnell und beſtuͤrzt. Bei Deiner Abfahrt von Formentera gabſt Du Dein Weib und Deinen Sohn in meine Haͤnde. Meine Jenny! rief der Admiral er⸗ ſchrocken. Sie lebt, fuhr Altamor fort, und harret Deiner auf der Inſel, der theure Sohn iſt Dir geraubt und meine Kik keit iſt Schuld. —— Velasco fiel tief Athemholend ein: Be⸗ ruhige Dich, mein Sohn iſt mir von Gott wiedergeſchenkt und gut aufgehoben. Du biſt nicht ſtrafbar, gewiß iſt er nicht durch Deine Schuld von der Mutter Bruſt ge⸗ riſſen. Iſi's moͤglich! rief Altamor erſtaunt, Du haſt ihn wieder, um den ich bis jetzt die Sclavenketten trug, um den ich mich von Formentera ſchnell entfernte, um ihn zu ſuchen? Gelobt ſei Gott! verſchwun⸗ den iſt die Angſt, der Vorwurf, der lange und heſtig mich gequalt. Die ganze Freude kann ich nunmehr fuͤhlen, daß ich Dich wieder habe, Du mein Erretter, der Sie⸗ ger, der Richter des barbariſchen Temal⸗ ma's; o zu gut nur dachte ich's, nur Dir allein konnte dieſes gefahrvolle Wagſtuck WMit Hilfe tapferer, kluger Maͤnner iſt 6* mir glugen Doch jetzt, geliebter Al⸗ —————————— — ——— ———————— —— tamor, ſprich, erzuͤhle mir, was machen mein Weib, die Freunde auf der Inſel, und wie geſchah der Raub? Die Wiß⸗ begierde hat den hoͤchſten Grad erreicht, befriedige ſie und laß mich Alles hoͤren. Sobald die Freunde ſich in die Kajuͤte begoben hatten, ſchaffte Centilles Wein her⸗ bei und beim frohen Zechen begann der gluͤckliche Altamor: Sehr friedlich verſtrich die Zeit nach Deiner Abfahrt auf der Inſel, Dein treues Weib war faſt untroͤſtlich, als ſie durch mich das ſchnelle Scheiden von dem Gat⸗ ten erfuhr, laut klagte ſie uͤber Deine we⸗ nige Liebe, die ihr den Abſchieb entzogen. Kaum vermochte ich ſie zu beruhigen.— Bald verließ Don Leyva da Rado, der alte unruhige Krieger, unſern Hafen, neue Schaͤtze zu ſammeln; willig uͤberließ ihm der zuruͤckbleibende Louis von Ortillo ſein 328 Schiff, den Delphin⸗ und ſo verging die geit. Zwei Monat nach Deiner Abfahrt erblickten wir ein Schiff und erkannten in ihm den Seipio, den Du, den Grafen von Larry zu ſuchen, ausgeſandt; mit ſchwar⸗ zen Flaggen lief es in die Bucht ein und Gonſalvez, der Lieutenant, berichtete uns, ſein Kapitain, Don Nones de Madragon, ſei in Livorno von einer heſtigen Krank⸗ heit befallen und nach acht Tagen geſtor⸗ ben. Da nun dieſem die Beſtimmung des Schiffes unbekannt geweſen, ſo habe er ſogleich die Anker gelichtet„ um— tera zu erreichen Mit Betruͤbniß vernahm ich den Tod des braven Nones, des tapfern Nachfolgers des verblichenen Gardez, ließ ihm einen Denkſtein nahe bei des Vorgaͤngers Grabe errichten und das Fort ſteckte die Trauer⸗ ſahne aus. Ohne etwas Erhebliches ver⸗ ſtrich jetzt wieder eine lange Zeit, und der ſic * v 329 Kapitain Don Louis ruͤſtete ſich, mit dem „Scipio die Inſel zu verlaſſen, als eines Tages auf der hohen See ein tuͤrkiſches Fahrzeug ſich erblicken ließ, das ſich der Inſel naͤherte. Noch ehe der Abend an⸗ brach warf es an der Weſiſeite Anker und ein Theil der Mannſchaſt ging ans Land. Ich ließ die Ankoͤmmlinge von un⸗ ſern Leuten ſcharf beobachten, um ihre Ab⸗ ſicht zu entdecken, allein jene verſahen ſich mit friſchem Waſſer und ſchienen die In⸗ ſel nur als unbewohnt zu kennen. Dieß machte uns ſicher und als vollends den andern Tag ſie ſich ruͤſteten, die Inſel zu verlaſſen, ſchwand alle unſere Vorſicht faſt gaͤnzlich. Am Abend des zweiten Tages, als ſchon die Mannſchaft an Bord ge⸗ ſtiegen war, ging Deine Jenny mit ih⸗ rem Sohn und der Frau eines Boots⸗ manns, die den kleinen Altamor wartete, aus Rado, um im nahgelegenen Wäld⸗ — chen zu luſtwandeln. Ich erfuhr es zu ſpaͤt, ſonſt haͤtt' ich ſicher ſie im Forte zuruͤckbehalten. Tiefer geht Dein theures Weib ins Geholz, als plotzlich ſieben be⸗ waffnete Muſelmaͤnner mit bloßen Saͤbeln ſie umgeben. So raͤcht ſich Don Alvar! ſchrie einer von ihnen, reißt Deinen Sohn aus den Armen der Begleiterin und ſioͤßt, ſie in der Dunkelheit fuͤr Deine Jenny haltend, ihr das Schwert in die Bruſt. Ohnmaͤchtig ſtuͤrzt Dein Weib zu Boden. Don Alvar und die Raͤuber entflohen nach ihrem Schiffe, das gleich da An⸗ ker lichtete. Kaum vernahm ich dieſe ſchercklche Be⸗ gebenheit, als ich verzweifelnd den ſchon bemannten zur Abfahrt fertigen Scipio beſtieg und Formentera verließ, um die Räuber zu ereilen. Ich irrte lange um⸗ her und fiel endlich in Temalma's Flotte. Das Gefecht war moͤrderiſch, bei Gott! —— ——— en———, —— u .— ich ſuchte den Tod, weil durch mich Dein Liebſtes Dir geraubt war, allein ich fand ihn nicht. Bald ſiegte die Uebermacht, mich fing man lebend, Temalma ließ nach Art der Barbaren die noch uͤbrige Mann⸗ ſchaft des Scipio niedermetzeln und mich feſſeln, um mich noch haͤrter zu beſtrafen fuͤr das, was ich an Dir gethan durch meine Unvorſichtigkeit.— Du haſt mich gerettet, und ewig bin ich Dein großer Schuldner. Dich, ſprach Velasco, das letzte ſei⸗ ner Erzaͤhlung uͤberhoͤrend, Dich hat das boͤſe Schickſal gleich mir verfolgt, doch ungleich ſchlimmer erging es mir, ich war ſchon nah' dem Todesrande, und graͤßlich ſtreckte mir Freund Hain die kalte Hand entgegen, denn vor mir ſah ich Martern aller Art vom Alvar mir bereiten, die qualvoll meinen Lebensfaden trennen ſoll⸗ ten. Da nahte ſich ein Engel in ber Nacht — 332 der Hoffnung mir zur Rettung an meinem truͤben Himmel zeigte. Ich bitte Dich, erzaͤhle.— Velasco willigte gern in des Freundes Bitte und theilte ihm ſeine ſchon bekann⸗ ten Schickſale mit, die den aufmerkſamen Altamor in Erſtaunen ſetzten. Mit gutem Winde ging jetzt die Fahrt, man naͤherte ſich der Inſel und nach der Schiffsleute Berechnung glaubte man ſie in einigen Tagen zu erreichen. Am Abende des zweiten Tages hatten ſich die Kapi⸗ taine Don Gelar de Vega, Don Roque de las Cabezas und die uͤbrigen Freunde in der Kajuͤte des Admiralſchiffes verſam⸗ melt, man fuͤhrte die befreieten Sclaven herbei und theilte Wein unter ſie aus. Es befand ſich ein⸗junger Andaluſier, mit Na⸗ men Pedrillo, unter den Geretteten, deſ⸗ mirale gefiel; er unterhielt ſich mit ihm Fn Außenſeite und ganzer Wuchs dem Ad⸗ 5 ————— w 65 ——— .* . ———————— —— S— von der Geburtsſtadt und beſchentte den Geruͤhrten mit einem Beutel voll Gold⸗ ſtuͤcken. Am andern Tage ſah man Canariens Kuͤſte von Ferne, und freudig ſteuerten die Sieger dem Orte zu, ihre Lorbeeren zu zeigen und ſich bewundern zu laſſen. Gegen Mittag erreichten die Schiffe die Rhede und vor der Seefahrer Augen lag der Hafen Palma's, die ſchoͤne Stadt mit ihren Pallaͤſten.— Doch wie erſtaunten die Heimkehrenden, als ſie auf den hohen Wartthuͤrmen des Forts ſchwarze Fahnen wehen ſahen und Todesglocken tönen hoͤr⸗ 3 3 ten. Ihre Bewillkommungsſchuͤſſe beant⸗ 1 wortete man mit Langſamkeit und Unglück ahnend lief Velasco in den Hafen ein.— Die Mannſchaft der Schiffe ſtieg ans Land und der Admiral, in Begleitung ſei⸗ ner Freunde, der Kapitaine und mit jenem n — 3— inhaltsreichen Kaͤſtchen verſehen, eilte dem Palaſte des Statthalters zu. Dieſer, von ſeinen Cavalleros umgeben, empfing ihn im Vorſaale mit truͤbem Angeſicht und um⸗ armte den Kaper. Kann ich als Sieger Euch umfaſſen? ſprach er. Ihr könnt's! entgegnete Velasco, mit Hilfe dieſer Maͤnner, dieſer Krieger ward ich's; durch ihre Tapferkeit und ihren Muth bin ich im Stande, Euch dieſes Kaͤſichen zu uͤberliefern, es birgt Temalma's bluti⸗ ges Haupt, und dieß Geſchenk iſt mehr als Goldeswerth. Es iſts, Ihr macht in mir auch ganz Europa Euch verpflichtet, ein neuer Zweig waͤchſt Eurem Ruhme und breitet weit ſich aus. Ach, theurer Admiral, waͤr' es doch moͤglich, geſchehene Dinge wieder abzuaͤn⸗ dern, der Allmacht Gottes vorzugreifen, dar ſpr iſt haf zu wa ſpr bar f ah du auf des —— damit nicht dieſer Stunde Suͤßigkeit durch Wermuth ſich verbittere.— Gilt mir der Wermuth, von dem Ihr ſprecht, fragte der Admiral mit Staunen, iſt es fuͤr mich bereitet? Leider, ja, er iſt's, ſeid Ihr auch ſtand⸗ haft, ſeinen bittern Kelch mit Maͤnnerkraft zu leeren? Wer zweifelt, ob Velasco je verzagte, was iſt's, das Ihr bis jetzt verhehlt? ſprach der Admiral haſtig und nicht ohne bangen Sinn. Der Tod entriß Euch eine Freundin. Die Englaͤnderin? Sie ſtarb zwei Tage nach Eurer Ab⸗ fahrt von der Inſel. Heiliger Gott! rief Velasco erſchuͤttert, du zertruͤmmerſt meine ſchoͤnſten Plaͤne, auf welche ich mit feſter Zuverſicht gebaut. Dieß holde Maͤdchen, das ſchon ſo fruh des Schickſals ganze Schwere druͤckte, ſie — 6 zum Gluck zu fuͤhren, war mein Beſire⸗ Hen, Du, Herr, biſt mir zuvorgekommen⸗ Ihr ſchneller Tod— was war die urſach'? Die Aerzte ſprechen, eine Entzuͤndung in der Bruſt ſei vom ungewohnten Klima angeſponnen und machte ihrem ſchoͤnen Le⸗ ben ein Ende. Zu gut nur ſeh ich ein, ſie war fuͤr keine Freude dieſer Welt geſchaffen, hier blähte ihr kein Gluͤck und keine frohe Stunde. Dort glaͤnzt ſie herrlich rein, die Göoͤttliche, die Unſchuldige, kein Flecken vex⸗ dunkelt ihre Pracht und kein Vergehen bußt ſie nun. Der Liebe wahre Suͤßigkeit, ſie hat ſie nie geſchmeckt, nur fern von dem Geliebten treu ihm zu bleiben, war ihr Beruf, ihr ſchuldlos reines Herz war nicht fuͤr einen Irdiſchen beſtimmt, es ſirebte hoch hinan und ließ die Trauernden im Staube weit zuruͤck. Bernhigt Euch, Sennor! ſprach der — mi ſol ein da zet ich we me ich ne iht wi tre⸗ en. h ung ima Le⸗ fuͤr hier rohe die ver⸗ buͤßt „ſie dem ihr nicht rebte im — —————— ½ Zapato, ſprach der Admiral weiter, Du, den ſchon ganz Palma kennt, ſuchſt mir eine Waͤrterin fuͤr meinen Sohn, ſie ſoll gewiß nicht klagen können, und will ſie einſt zur Heimath wieder kehren, ſo kann das erſte von Formentera auslaufende Fahr⸗ zeug ſie an die Inſel ſetzen. Jetzt muß ich fort nach Palma, wo man mich er⸗ wartet. Centilles, theile dem Hollaͤnder meine Ordre mit; Du, Zapato, thuſt was ich Dir geſagt; Dir, Altamor, laß ich mei⸗ nen Sohn: trag' Sorge, daß kein Unfall ihn betreffe. Ihr ſeht mich ſchon am Abend wieder. Er endete und nahm ſeinen Weg nach der Hauptſtadt, wo ihn der Statthalter, ſce Gemahlin, Don Roque de las Cabe⸗ za5 Don Gelar de Vega und mehrere vornehme Perſonen erwarteten. Man ſetzte ſich ſogleich zur Tafel und ſehr natuͤrlich fiel das Geſpraͤch auf den 5 4 * — — — 346— erfochtenen Sieg. Der Statthalter berich⸗ tete dem Admiral, der Kopf des fuͤrch⸗ terlichen Temalma ſei im Hafen auf des Thurmes Spitze ausgeſteckt und ſeine ge⸗ brochenen Augen ſchaueten nach dem Meere hin. Kaum war die Tafel geendet, ſo er⸗ ſchien ein reichgekleideter Diener mit einer verdeckten Schuͤſſel: Don Pedroſa nahm dieſelbe, oͤffnete ſie und zog eine reiche gol⸗ dene Kette hervor, die er dem Admiral, alles Straͤubens ungeachtet, umhing; aͤhn⸗ liche, nur weniger ſchoͤne Ketten erhielten die beiden tapfern Kapitaine. Die ſpani⸗ ſche Etiquette befahl den Beſchenkten, durch eine Verbeugung und Handkuß den Dank beim Geber abzuſtatten. Velasco unter⸗ ließ es, allein die Cavalleros kannten ihre Pflicht. Der Statthalter ſchien die Un⸗ achtſamkeit des Admirals nicht zu bemer⸗ ken, er ſprach zu ihm: ——,— die H de Fe m 3 —.————— — 347— Sennor und vielgeliebter Retter! nehmt dieß Geſchenk, nicht als Geſchenk von der Hand des Schuldners an, es ſei ein An⸗ denken an Euren Sieg; Weſtindiens reiche Fahrer moͤgen Euch belohnen. Auch Ihr, meine Kapitaine! nehmet Dank und dieſes Zeichen meiner hoͤchſten Achtung. Was ich gethan, Sennor! fiel Velasco ein, iſt Pflicht; nicht umſonſt erhandelte ich mit Muͤhe den Kaperbrief, den man ſehr weißlich ſo Vielen verweigert, der bloße Name iſt es nicht, der Ruhm verleiht, auch handeln muß der Korſar, und die Gele⸗ genheit hat ſich gezeigt, wo ich es konnte. Doch, Prinz, der Liſt, meinem Gluͤcke und den treuen Bundesgenoſſen verdanke ich den Sieg; denn auch Temalma's Krieger konn⸗ ten tapfer ſtreiten, von ſeinem Muthe nur waren ſie begeiſtert, und uns uͤberlegen an 8. Geſchoͤtz und Mannſchaft; ſeines Schiffes Wendungen waren ſchneller als die unſtigen. 348— Beſcheidenheit iſt Eure Tugend auch, fiel der Statthalter ein, ich wußt' es laͤngſt. Er ſprach noch mehr zum Lobe des Ad⸗ mirals und ſo verging die Zeit. Der Abend kam heran; Velasco ſchuͤtzte Muͤdigkeit vor, verſchwieg aber ſeine baldige Abreiſe, um nicht bei der anweſenden Prinzeſſin Schre⸗ cken zu erregen, nahm Abſchied und ging. Es war ſchon ſpaͤt und Dunkelheit lag auf der Inſel; der Admiral ging tiefſinnig aus der Hauptſtadt. Am Thore erblickte er einen Mann in einen braunen Mantel gehuͤllt, der ihm in der Entfernung folgte. Er blieb zuruͤck, die Geſtalt naͤherte ſich und fragte mir dumpfer Stimme: Seid Ihr der große Admiral Velasco da Gaſton? Ich bins! wozu? antwortete der Be⸗ ſragte und griff nach dem Degen. Der Sumnnte bemerkte es und ſagte laͤchelnd: z1 )c —, —————— Ich bin kein Bandit, Ihr habt nichts zu fuͤrchten. ld⸗ Ich habe nichts gefuͤrchtet; doch Si⸗— b cherheit in dieſer Finſterniß—— 6 or, Iſt nicht unnothig! Des Verraͤthers ₰ it Dolch iſt nicht bei mir. Ich komme, Euch re⸗ einzuladen zu Jemand, der Euren Bei⸗ 3 ng. ſtand braucht. 6 In dieſer Stunde? . Sie iſt die ſicherſte.— Ihr ſeid des 3 Statthalters Freund? redete der Unbe⸗ ckte kannte weiter. Er iſt mir gewogen. Ihr ſeid nicht ſein Freund? ſich Kein. Aber der der Statthalterin? 46 Was ſoll dieſe Frage? 2 Sie iſt Euch zugethan? Be⸗ Ein ſeltſames Verhor!. Der Wenn Ihr ſie ſprechen wollt, ſo folgt n mir.— en n wuͤſtes Bergſchloß von — 30— Wer biſt Du? Ihr Diener. Ich ſah Dich nie. Ich ſah Euch, der Liebesbote Roſette iſt krank, ſonſt waͤre ich Euch nicht gefolgt. Wohin willſt Du mich fuͤhren? In die Arme Laura's.— Doch beim Reden verſtreicht die Zeit. Der Gebieterin iſt ſie abgemeſſen. Ein Geheimniß wartet Eurer, doch zogert Ihr und ſetzt Mißtrauen in meine Worte, ſo kann ich gehn. Ich folge Dir! Nach Almavero, dem Landſitz der Statt⸗ halterin, geht nicht unſer Weg, dort iſt des Statthalters Dienerſchaſt, weil mor⸗ gen eine Ingd verordnet. Wie nennſt Du Dich? Tobis. Iſt's weit zum Ziele? In jenem Walde hinter Guaſtella liegt —————————— „— t —————————— 351 Roms glorreichen Zeiten her; dieß hat die vorſichtige Sennora zur Zuſammenkunft be⸗ ſtimmt, dorthin geht unſer Weg. Der Fuͤhrer ſchwieg und Velasco folgte ſeinem Beiſpiele, er dachte an die Eng⸗ laͤnderin, an das Geheimniß der Gelieb⸗ ten, an Formentera, an ſein Weib und vertrieb ſich ſo die Zeit. Nach zwei Stun⸗ den erreichten die Wanderer den Flecken Guaſtella, der in tiefer Nacht ruhte. Der Weg ging uͤber Berge und Thaͤler immer weiter fort, endlich gelangte man in den Wald. Die Finſterniß war jetzt ſo groß geworden, daß Velasco kaum ſeinen Fuͤhrer erkennen konnte. Fort tappten ſie und ſtolperten uͤber Wurzeln und Staͤmme. Er beklagte ſich gegen ſeinen Fuͤhrer. Ich konnte es denken, ſprach dieſer, daß ein Ungewitter ſich erheben wuͤrde; noch eine kurze Zeit, und es bricht los. Der Donner rollt ſchon in der Ferne und —————————— 4— —— —YÜ — lange wird's nicht werden, ſo ſteht es uͤber uns; fuͤrchterlich zerſtoͤrend ſind die Ge⸗ witter auf dieſer gluͤcklichen Inſel! Bei dieſen Worten erleuchtete ein hef⸗ tiger Blitz die Gegend und der Donner rollte uͤber ihnen; im Walde verhallte ſein ſchreckliches Getoͤſe. Sie verdoppelten mit raſchen Schritten ihren Lauf und erſtiegen einen Berg mit dichtem Buſchwerk und Baumen bedeckt, der nur einen ſchmalen Aufgang hatte⸗ Nur noch einige Schritte, ſagte Tobis, und wir ſind am Ziele⸗— Er hatte recht; ſie ſtanden auf dem Gipfel, ein heſtiger Blitzſtrahl zuckte durch die Luͤfte und in ſeiner Helle ſah der Ad⸗ miral die Ruinen eines vor ihnen liegen⸗ den alten Schloſſes mit Thuͤrmen, Zug⸗ pruͤcken und Graͤben. unwillkuhrlich ſchau⸗ derte Velasco, der Diener klopfte ans Thor des Gebäudes. 3 uͤber e Ge⸗ n hef⸗ onner te ſein en mit ſtiegen n hmalen uf dem te durch der Ad⸗ liegen⸗ Bug h ſchau⸗ ns Thor * 3 Wer klopft in tiefer Nacht? vief eine weibliche Stimme. Velasco glaubte in ihr die Sprache Ro⸗ ſettens zu erkennen und ſeine Furcht ver⸗ ſchwand. Tobis mit ſeinem Begleiter! war die Antwort. Soll gleich geoffnet werden!— Mit Knarren ging das alte Thor auf, ſie traten hinein und befanden ſich in einer weiten mit hohen Saͤulen geſtuͤtzten Halle. Aus den Winkeln ſprangen mit einem Male fuͤnf Kerls in braunen kurzen Maͤnteln her⸗ vor, fielen uͤber den erſtarrten Admiral her, entwaffneten und banden ihn, eh' er noch den Degen ziehen konnte. Schaͤndliche Verraͤtherei! fluchte dieſer, was wollt Ihr von mir? wer wagt es⸗ ſo den Korſaren Velasco zu mißhandeln? Wir! antworteten die Maͤnner mit kau⸗ tem Hohngelaͤchter und riſſen den Wuͤthen⸗ 84— den mit ſich fort durch mehrere Gemaͤcher, traten dann in ein groͤßeres, das noch im beſten Stande war, und in deſſen Mitte eine Ampel ihren Schein verbreitete, wo ein Mann mit ſchwarzem Knebelbart ih⸗ nen entgegen ſchritt. Wer malt das Erſtaunen, den Schreck, die Betaͤubung des Admirals, als er in ihm Don Alvar, den ungetreuen Lieute⸗ nant, den Renegaten Ben Hasran erkannte, den Centilles Kugel an jenem Ungluͤckstage ins Meer warf. Velasco glaubte zu traͤu⸗ men, allein nur zu graͤßliche Wirklichkeit war's, die ihn umgab. Bueno tarde, sennor pirata!*) fing Don Alvar mit hoͤhniſcher Miene an, will⸗ kommen in meiner Behauſung! das Gluͤck hat ſich zum zweiten Mal gewandt, zum zweiten Mal hab“ ich Euch lebend in mei⸗ — 28) Guten Ahend, mein Herr Seeraͤuber! ————————— — 355 nen Haͤnden, beim Himmel! fuͤr dieſes Mal entwiſcht Ihr ſicher nicht. Velasco hatte ſich gefaßt, ſeine kalte Ruhe kehrte wieder, er ſchwieg und ſeine Wuth verbiß er mit Gewalt. Bei Larache gelang es Euch, mein fe⸗ ſies Schloß in Brand zu ſtecken, mit an⸗ derer Buben Hilfe, mit Muͤhe entging ich Eurer Wuth, Ihr ſollt der Meinigen Euch nicht entziehn. Doch damit ich Euch nicht Zeit laſſe, auf Rettungsmittel zu denken, ſo wollen wir auf eine ſonderbare, ein⸗ zige Art den großen Velasco, den Beſie⸗ ger des braven Temalma, zur Hoͤlle ſen⸗ den. Bereitet Euch zum fuͤrchterlichſten, qualvollſten Tode vor, und lernt meine Erfindungskunſt, noch ehe Ihr ſterbt, be⸗ wundern. Bei dieſen Worten rief er ſeine Hel⸗ ſer, dieſe erſchienen, vier Mordknechte er⸗ griffen den Gebundenen, er ſeufzte und u rzſtigen Hiebe Andern und äͤberließ ſich Wuth. Entkleidet den Verdammten! Freude jubelnd der abtruͤnnige Do Man ſah ſich genoͤthigt, des Abmirals zu 1 dann ganz der verzweifelten rief vor n Alvar. die Banden oͤſen; er wuͤthete heftig, allein zu ſchwach gegen die vier Gewalti⸗ gen, die ihn rieſenmaͤßig hielten. Beim Aufreißen ſeines Wamms ſprangen ſeine bei ſich habenden Goldſtuͤcke weit im Zim⸗ mer umher; inſtinktmäßig ſielen bie Raͤu⸗ ber uͤber das Geld. Velasco bekam Lu heiligen an, zuſammen un Arme hielten, der Schnelligke dem naͤchſten d ft, rief ſeine Schutz⸗ nahm ſeine bekannte Staͤrke d warf die beiden, die ſeine hart an bie Wand. Mit it eines Pfeiles entriß er as Schwert und mit zwei n waren zwei ſeiner Feinde eſetzt ihm zu ſchaden. Die Don Albar zogen mit einem außer Stand 9 Sch len len lasc der! uͤbri und ab. ter, ſtol Erde 6 ſind terlich E floh, im F er ſat „ſeiner frei. — Schrei des Entſetzens ihre Degen und fie⸗ len dem Kaͤmpfenden heſtig entgegen. Indem der Renegat nach den Piſto⸗ len griff, die im Zimmer hingen, hieb Ve⸗ lasco, in der Fechtkunſt geuͤbt, dem einen der beiden Braov's in die Gurgel; der noch uͤbrige ſchrie um Hilſe, Alvar ſprang hinzu und feuerte ſein Piſtol auf den Siegenden ab. Die Kugel ſtreifte oben die Schul⸗ ter, doch nicht bedeutend, das zweite Pi⸗ ſtol verſagte. Wuͤthend warf er es zur Erde. Flieh, Altaverde! rief er, zu ſchwach ſind wir, er entgeht uns nicht und fuͤrch⸗ terlich ſei die Rache. Er ſprang zur Thuͤr hinaus und ent⸗ floh, ſein Mordgehilfe wollte folgen, allein im Fluge ereilte ihn da Gaſtons Schwert, er ſank ſchwer verwundet zu den Leichen Keiner Bruͤder und Velasco war Si frei. Eilig ſprang er zur Thuͤr, ſ ſchweren Riegel vor, um Don Alvar die Ruͤckkehr zu vereiteln und ſank dann er⸗ ſchoͤpſt in den nahen Seſſel. Von ſeinen Armen lief das Blut in Stroͤmen, ermat⸗ tet und bewegt heftete er ſeine Augen auf den Boden. Vier Leichen, die ſich noch krampfhaſt bewegten, lagen von der Mord⸗ ſcene im Gemache mit Blut gefaͤrbt um⸗ her; ein ſchaudererregender Anblick! Einer der Hingeſtreckten, der ſchwer verwundet, aber noch lebend war, erhob ſein Haupt und ſtarrte den ſitzenden Ad⸗ miral mit funkelnden Augen an, der ſeine erſchoͤpften Kraͤfte ſammelte. Sennor! ſprach er mit ſchwacher lang⸗ ſamer Stimme, wir thaten unrecht, gegen Euch zu fechten, doch uns ernaͤhrt das Raͤuberhandwerk und Don Alvar iſt unſer Anfuͤhrer. Ich ſtehe vor des Todes weiten das Strafgericht wird bald be⸗ könnt 3hr mir verzeihen, ſo nehme —