——— a ꝑr cʒnrnccgego2e0ecee ht Leihbibliothek n von a t ceih und Leebedingungen. 1 Ofensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Er pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morge 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Pesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird v e Zeit eines Tages iſt zu 24 Stu jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Di den angenommen. 3 Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennah eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Sum welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtat (hinterlegen, wird. * 4. Ahonnement. Daſſelbe muß voraus jbezahlt werden v eträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher —————————————— auf 1 Monat: 1 M.— Pf 1 Mk. 50 Pf. 2 Mt.— 3*„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendi der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorg 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene! defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, forene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7 Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und w beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverlei der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche! ſelben von mir gekiehen, auchsdafür zu ſtehen haben. I. Abſchnitt. Gedankenvoll ſaß der junge Graf Larry im hoͤchſten Erker ſeines Schloſſes, und blickte hinaus auf das ſchwarze brauſende Meer, das nur von dem unaufhorlichen Blitze der Kanonen, deren lauter Donner die Scene fäͤrchterlich machte, erleuchtet wurde. Schiffe, ſo ließ es h die weite ganze Macht vereinigt, pfer wehrenden Fregatte habhaft 3 — 4 Der junge feurige Lord wuͤnſchte ſich hinaus auf das ſiuͤrmende ſchreckliche Ele⸗ ment, wo nur Kanonen gegen einander in Antwort kamen, und nur Kugeln ſich begruͤßten. Sein unruhiger Geiſt glaubt⸗ ₰ Wunder verrichten zu koͤnnen, und mir dem aͤrgerlichen Gedanken an die Unmoͤg⸗ lichkeit, dort thaͤtig zu werden, bort zu ſiegen oder zu ſterben, warf er ſich auf das weiche Sopha, und wandte ſeine Au⸗ Ben weg von dem Schauplatze des graͤß⸗ lichen Kampfes.— Der Kanonendonner ſchwieg endlich, und Larry eilte ans Fenſter. Von beiden Seiten herrſchte Ruhe, nur brauſ'ten die empoͤrten Wogen, und die ſo eben aus⸗ geſteckten Schiffslaternen glimmten in der% Ferne gleich funkelnden Sternen. Beinahe eine volle Stunde waͤhrte die. allgemeine Stille, dann verſchwanden die. 6 fimmernden Sterne an den Fahrzeugen⸗ 5 und von Neuem that ſich die Holle den Gegenſtand ihrer Wuth zu zerſidten⸗ Ein fuͤrchterliches Krachen, und die brennenden Truͤmmer der bedraͤngten Srp gatte ſchwammen zerſireut auf dem Wcre, und beleuchteten den ſchwarzen Grund⸗ An den beiden andern Schiffen wurden die Laternen wieder ſichtbar, die aber bald darauf in weiter Ferne verſchwanden. Bis gegen Morgen hafteten des Gra⸗ fen Blicke auf den noch brennenden Truͤm⸗ mern des zerſtoͤrten Schiffes, die auf dem jetzt ruhig werdenden Meere kreuzten⸗ Sie verloſchen, und er ſchloß das Fenſer Der Graf fuͤhlte ſich ſonderbareſhüt tert, ſein Muth hatte ſich hingewänſcht in den tobenden Ocean, et hatte den Fod verachtet; und jetzt ſah er den ſo vieler Unglucktichen, unter te er dann auch mit gehoͤrte. Er in dem weichen tuͤrkiſchen Divan, als ſein Kammerdiener Wilſon eintrat: Was bringſt Du? fragte Larry. Eine Nachricht Mylord. So eben ha⸗ ben zwei unſerer Bauern einen halbtodten menſchlichen Koͤrper ins Schloß getragen⸗ Ich unterſtand mich, Ihre Wohlthaͤtigkeit und Menſchlichkeit kennend, ihn hieher brin⸗ gen zu laſſen, und nach dem Wundarzt in Savern zu ſchicken⸗ Du haſt recht gehandelt, wo fand man den Ungluͤcklichen? Am Strande des Meers. Es ſcheint ein Officier des in die Luft geflogenen Schiffes zu ſein, ſo viel man aus ſeiner verbrannten Kleidung erkennen kann. Fuͤhre mich hin, ich will ihn ſelbſt ſehen. Wilſon zeigte dem Grafen eines der unterſten Zimmer, wo man den Ungluck⸗ lichen auf ein Ruhebett gelegt hatte, und des kommenden Arztes harrte. Der Ver⸗ .+* ———————— ſehr beſchadigten Aem. In de — 5.— wundete war ein ſchoner großer Mn von ungefaͤhr 2 Jahren, deſſen Kleidung in einer ſpaniſchen Seeuniform beſtand. Sein linker Arm war beim Gelenke zerſchmettert, und uͤber dem rechten Auge fand ſich eins tiefe Wunde. Er ſchien von vornehmen Stande, denn ſeine Hand zierte ein koſtba⸗ rer Saphir mit Diamanten umreihet. In ſeiner rechten Hand hielt er das Ende ei⸗ ner Lunte.— Der letzte Funke des Lebens ſchien in ihm erloſchen, und nur an ei⸗ nem vorgehaltenen Spiegel bemerkte man ſchwache Spuren des Athems.— Mit Ungeduld'erwartete der Graf den Wundarzt, er kam endlich, beſah den Halb⸗ todten, ſondirte die Wunde am Kopfe, und gab die ſtäͤrkſte Hoffnung, ihn zu vetten⸗ Sehr behutſam zerſchnitt man dem kaum 4 Athmenden die Kleider, und verbond den — Terzerole und eine wohloerſchloſſene Brief⸗ taſche, die der Graf, da der Verſuch ſie zu offnen mißlang, in ſeinem Buͤreau mit dem Uebrigen verwahrte. Gegen Mittag ſchlug, zu des Lords und des Arztes Freude, der Gerettete ſeine Augen auf, und ſchauete matt fragend umher. Sein Mund oͤffnete ſich, aber man verbot ihm das Sprechen. Er warf einen dankenden Blick auf die ihn Umge⸗ benden, dann einen wilden unruhigen Blick auf ſeinen Arm, den der Wundarzt ſo eben verband, und ſchloß ſeine noch ſchwachen Augen. Das Meer hatte mehrere Sachen an den Strand geworfen; der Graf Larry, der ſie als das Eigenthum des von dem zerſchmetterten Schiffe Geretteten betrach⸗ tete, nahm ſie in ſeine Verwahrung. Der Arzt, ſehr beſggt fuͤr ſeinen Kran⸗ ken, forderte eine tächtwache, und Wil⸗ e — 9— ſon, Larry's Kammerdiener, entſchlöß ſich hiezu. Auch der junge gefuͤhloolle Lord ſetzte ſich ans Bett des Verwundeten, der feſt, aber ſehr unruhig ſchlief, und ſchwer zu traͤumen ſchien. Mehrere Nale hoͤrte man den Namen Zapato ſeinen bebenden Lippen entfahren, und ihn ſeine Krieger zum Kampfe aufmuntern. Ein tiefer Seuf⸗ zer ſchien da ſeinen Traum zu enden, er ward ruhig, nur zuweilen bewegte ſich krampfhaft ſein Mund. Am dritten Tage, als die Wunde am Kopfe zu heilen begann, und auch dié Spuren des Verbrannten allmälig ver⸗ ſchwanden, erlaubte ihm der Arzt zu re⸗ den, aber die geringſie ſchmerzhafte An⸗ ſtrengung zu vermeiden.— Der Kranke ſtreckte matt ſeine Rechte nach dem Grafen, der am Belte ſtand, aus. Wie ſoll ich es anföngen; 3 danken, edler Mahn, ſprach er mt fuͤhl, und in gutem Engliſch; und auch Ihnen, hier wandte er ſich zum Arzte, fuͤr die viele Pflege, fuͤr die vielen Wohltha⸗ ten, mit denen Sie einen von den Todten Erſtandenen uͤberhaͤufen?—— Still, ſtill, Freund, unterbrach ihn der Arzt, 3 wir thaten und thun, was wir als Men⸗ ſchen unſern Bruͤdern ſchuldig ſind, und die ſorgfltigſte Pflege und Behandlung fuͤr Ungluͤckliche gehoͤrt mit zu den Haupttu⸗ genden unſers Grafen. 4 des Lobenden Worte uͤberhoͤrend, und er⸗ griff die Hand des Leidenden. Beſſer! ſprach Dieſer, und druͤckte matt des Lords Rechte; dann wandte er ſich zum Arzte: Ich fuͤhle, mein Arm iſt zerſchmettert, wird er mir je wieder ſeine chemaligen Dienſte leiſten können? Ich hoſſe: Ja. Nur erſordert er und Ihre Kopfwunde eine ſehr ruhige Lage, — keine Gemuͤths⸗Anſtrengung, auch duͤrſen Sie beim Sprechen Ihre Kraftloſigkeit nicht 3₰ mißbrauchen. Ihr jetziger Zuſtand ber⸗ ſpricht eine baldige Geneſung ohne Foigen, der ſich aber bei der Nichterfuͤllung mei⸗ ner noͤthigen Vorſchriften, leicht verſchlim⸗ mern koͤnnte.—— Der Kranke, die Nothwendigkeit einſe⸗ hend, verſprach die genaueſte Beobachtung des Anbeſohlenen. Der Graf, den die Geſchaͤſte riefen, beurlaubte ſich und ging⸗ Lange noch unterhielt der geſchwaͤtzige Sohn Aesculaps den Verwunheten, ſchärſte ihm nochmals ſeine Verhaltungstegeln ein, und verließ ihn.— Mit jedem Tage beſſerte ſich der Kran⸗ ke; ſeine gute Natur und die Erfüͤllung 8 des Vorgeſchriebenen trugen däs 2 Weiſe dazu bei. Einſt am Abende ſaß der S an ſeinem 2 Lager; man erzuͤhl t bnb konnte ſeine Verwunderung, ſo rein und zierlich engliſch ſprechen zu hoͤ⸗ ren, nicht zuruͤckhalten: Faſt glaub' ich, ſprach er, mich nicht zu irren, wenn ich Sie fuͤr einen Britten hielt, Ihre Ausſprache ſcheint mich davon zu uͤberzeugen.— Sie irren doch, Sennor, antwortete der Unbekannte; ich bin kein Englaͤnder, in Spaniens holden Gefilden ſchien mir zuerſt Gottes liebliche Sonne. Der Lord konnte ſeine Verwunderung nicht verbergen. Jener bemerkte es, und fuhr fort: Sie erſtaunen; als Spanier bin ich der Feind Ihrer Nation und der Ihrige. Einem jeden andern wuͤrde dieſe Aeu⸗ ßerung beleidigend ſein! ſprach der Lord ernſi. Das ſollte ſie nicht, verzeihen Sie, und hoͤren Sie, was mich an Ihre Kuͤſte fuͤhrte, und die bruderlichſte Hilfe finden ließ: Mein Name iſt Manuel di Sarago, —— mein Geburtsort Cordova in Spanien Ich bin, oder war vielmehr Befehtshaber der Schaluppe Cid, die nach Vreſt beßihnt war, aber vom Sturme verſchlagen, und zu nahe an Englands Kuͤſte getrieben, ſiel ich in die Haͤnde zweier Irlaͤndiſcher Kriegs⸗ ſchiffe. Wir vertheidigten uns wirklich lö⸗ wenmaͤßig, allein, da nur noch wenig mei⸗ ner Leute uͤbrig geblieben, und die uoch lebenden theils ermattet, theils verwundet waren, ſahen wir uns genoͤthigt zu kapi⸗ tuliren.— Die Frlaͤnder, die unſere Be⸗ dingungen nicht erfuͤllen wollten, uns viel⸗ leicht ſchon fuͤr ihre Gefangenen, und die reiche Ladung fuͤr ihre Beute anſahen, fin⸗ gen die Kanonade von Neuem und aufs fuͤrchterlichſte an; aber ſie betrogen ſich.— Mit brennender Lunte warf ich mich in die Mitte meiner Krieger. Wer, rief 6 ce vesfaͤſſer, die offen umherſtanden, warf. Leiden, vorzieht, der rette ſich, verlaſſe die Schaluppe, und gehe zu den Feinden 3 uͤber!— Nur eilt! Alle Auslaͤnder war⸗ fen ſich uͤber Bord in einen Kahn, in* die tobende See, die feindlichen Schiffe zu erreichen. Ob ihnen ihr Vorhaben gelun⸗ gen iſt, weiß ich nicht, ich zweifle daran. Kaum war das Verdeck von dieſen Un⸗ getreuen gereinigt, als ich eine Granate zuͤndete, und ſie in die Reihe unſerer Pul⸗ Einige Secunden, und mit Krachen flo⸗ gen die Stuͤcken unſerer Schaluppe in die— Luft— und wir mit ihnen.——— Bei meinem Erwachen befand ich mich zu meinem Erſtaunen in einem fremden Zim⸗ mer, von vier Unbekannten umgeben, ich, 8 der ich ſchon am Eingange des Tartarus verweilte. Ein edler Mann, der Feind meiner Bruͤder, nahm mich liebreich auf, wartete und pflegte meine Wunden, und— brach ihn Larry heftig, nur Menſchlichkeit Halten Sie ein, Don Manuel, unter leitete meine Handlungen, und wet hätte eine ſo guͤnſtige Gelegenheit, ſeinem Re benmenſchen, obgleich ihn die Welt als un⸗ ſern Feind betrachtet, nuͤtzlich zu werden, vorbeigehen laſſen?— Drum, Sir, noch⸗ mals, ſchweigen Sie, und ſuchen wir ei⸗ nen beſſern, wertheren Gegenſtand zu un⸗ ſerer Unterhaltung. Sie wollen es, und ich ſehe mich ge⸗ zwungen, meinen Dank in mir zu ver⸗ ſchließen, und zeitlebens——— Haben Sie durch den Verluſt Ihres Schiffes viel eingebuͤßt? fragte der Graf, um den Spanier zu unterbrechen, und der Unterhaltung eine andre Wendung zu geben. Mein Verluſt laͤßt ſich leicht berechſen und ertragen, nur vermiß ich ſehr ingeß meine Brieftaſche, die geviſſ e Sachen a ſtarkſte Verlangen darnach zu unterdruͤcken. Die unerſaͤttliche Habſucht des Meeres wird auch ſie verſchlungen haben, und in ihrer Tieſe verbergen. Gluͤcklicherweiſe bin ich im Stande, Ih⸗ nen hieruͤber eine angenehme Nachricht zu ertheilen. Die verlorne Brieftaſche befin⸗ det ſich wohlbehalten in meinem Buͤreau, iſt dieſes ergruͤndlicher, als die Tiefe des Meeres, des großen Oceans, ſo hoffe ich, ſie Ihnen in einigen Minuten wieder zu⸗ zuſtellen. Iſis moͤglich! rief der Spanier, und Blicke, die theils Freude, theils finſtern Verdruß ausdruͤckten, folgten dem Grafen, der ſich nach der Thuͤr wandte, und bald mit dem Erwuͤnſchten in der Hand, eintrat. Hier iſt ſie, ſprach er, dem Don ſie uͤberreichend, und hier ein Paar Terze⸗ role und ein Fernglas, welche Sachen man in Ihren Kleidern fand, als Ihr zer⸗ 16 17 ſchmetterter Arm uns nöthigte, Sie von dieſen zu befreien. Mit finſterm Blicke betrachtete der W⸗ daluſier die Brieftaſche, er unterſuchte ſie genau, und oͤffnete ſie durch einen leichten Druck. Sein Geſicht erheiterte ſich, das Finſtere verſchwand bei dem emſigen Durch⸗ ſuchen. Mit voͤlliger Zufriedenheit in den Zuͤgen, wandte er ſich zu dem Grafen, der die Schoͤnheit der Terzerole bewunderte: Die Naͤſſe hat meine wichtigſten Papiere verſchont gelaſſen, ihr und Ihnen bin ich Dank ſchuldig. Einige davon, die jedem Andern unbedeutend, ja unbegreiflich ſchei⸗ nen wuͤrden, ſind fuͤr mich von der groͤß⸗ ten Wichtigkeit. Durch das Fernglas ſah ich am Abende jener unglůͤcklichen Racht die von der Sonne erleuchtete Kuͤſte Albions, aber nicht den Freund, den das Schittfal mir Srbrhalten We Als ic die 1 — N ——— 3 Gott, da dacht ich nicht, daß ich einſt noch ſollte den Grafen Larry kennen lernen. Wunderbar ſind die Fuͤgungen der Vor⸗ ſehung! ſprach der Graf, legte gedanken⸗ voll die Feuerroͤhre hin, und blickte dem Spanier ins Auge. Ja wol, ſprach der Andaluſier, ſie ließ mich eine mit Schaͤtzen befrachtetete Scha⸗ luppe, eine biedere, tapfere Mannſchaft verlieren, um einen Freund zu finden. Ein Theil Ihrer eingebuͤßten Sachen, unterbrach ihn der Englaͤnder, iſt in mei⸗ ner Gewalt, am Morgen warf das Meer mit den zerſtuckelten und verbrannten Leich⸗ namen auch viele Tonnen und Kiſten an den Strand. Gern wuͤrde ich das Gerettete zum an⸗ dern Male in den Grund des Meeres ver⸗ ſenken, wenn es mir zum Tauſche einen meiner treueſten Diener lebend zuruͤckgaͤbe. Er war einer der ſchwaͤrzeſten Afrikaner von 1— der Kuſte Angoi, den ich aus den Händen ſeines Herrn, eines unbarmherzigen Hol⸗ länders, befreiete. Bei der Inſel Palmg vergalt er mir dieſen Dienſt zehnfach, denn er rettete mir mein Leben, als ich, ſtark verwundet, meinem Tode unter den Saͤ⸗ beln barbariſcher Algierer entgegen ſah.— Mit unbeſtechlicher Treue hing dieſer Mohr an mir, und, mein Leben zu erhal⸗ ten, haͤtte er willig das ſeinige aufge⸗ opfert.—— Gleich im Anfange des hier auf der Hoͤhe vorgefallenen Gefechts trug man ihn verwundet von meiner Seite, und ich ſah ihn nicht wieder.—— War Ihre Schaluppe ſtark bemannt? fragte der Graf, ſeines Freundes ſchmerz⸗ hafte Erinnerung zu unterbrechen. Ueber vierzig tapfere Spanier werden ihren Tod gefunden haben. Mit dem Gh ging das ganze Vermögen eines Kau manns in Palermo verloren, das 0— Seide und Baumwolle aus Smyrna be⸗ ſtand. Sein Verluſt belaͤuft ſich auf 40,000 3 Zechinen. Und der Ihrige? Ueberſteigt dieſe anſehnliche Summe ſechs mal. Der Kaufmann iſt zu Grunde gerichtet; ich rann dieſen Verluſt ver⸗ ſchmerzen, weil ich Quellen beſitze, die bisher noch unerſchoͤpflich geweſen ſind. Aber wahrlich dem ehrlichen Manne muß ſein Schade verguͤtet werden!— 8 Wilſon trat ein, und meldete die An⸗ kunft der Lady Trory. Der Graf eilte ſeine geliebte Schweſter zu empfangen. Als bes Grafen Larry's Vater in ſei⸗ nem letzten Lebensjahre die Wuͤrde eines Lordmgjors bekleidete, verheirathete er ſeine Pochter an den James Trory, einen Lon⸗ Soner Sherif, der ein unermeßliches Ver⸗ 21 moͤgen beſaß, das dieſer Platz nothwendig erfordert. Jener James Trorh, ein fuͤnf⸗ undſiebenzigjaͤhriger Greis, hatte um die Tochter des Lordmajors angehalten, und dieſer, der ſeinem Freunde viele Verbind⸗ lichkeiten ſchuldig zu ſein glaubte, weigerte ſich nicht, ihm ſein Jawort zu geben. Die junge ſchoͤne reiche Jenny wurde bei dieſer Convenienzverbindung nicht um ihre Ein⸗ willigung gefragt; ja ſie erfuhr erſt das Verſprochene, als ihr Hochzeitstag feſtge⸗ ſetzt war. An Gehorſam gegen ihren Va⸗ ter gewoͤhnt,(ihre Mutter hatte ſie fruͤh verloren) wagkte ſie es nicht, ſich ſeinem Plane zu widerſetzen, und gab dem Ja⸗ mes Trory, der gewiß nicht die Jahre hatte, Liebe einzufloͤßen, nach einigen Wo⸗ chen ihre Hand. Ihr Bruder, William, der ſeiner geliebten Schweſter ungluͤck deht⸗ 4 lich ehe ſthte ſ zuii die Vermaͤhlung zu hindern; allein der Lordmajor, obgleich er ſchon nach dem gegebenen Worte ſeine Voreiligkeit einſahe, wollte dieſes nicht brechen, um ſeinen Freund nicht zu erbittern; er drohete dem Sohne, der in die Zukunſft zu ſehen glaubte, mit ſeinem Haſſe und gaͤnzlicher Enter⸗ bung, und ließ, ohne ſein Vorwiſſen, auf einem der Landſitze Trory's ſeine Tochter mit dem fuͤnfundſiebenzigjaͤhrigen James das ſtarke Band der Ehe knuͤpfen. William, der, wuͤthend uber dieſe Ver⸗ bindung, nur zu ſehr einſah, daß es jetzt zu ſpaͤt ſei, Einwendungen zu ma⸗ chen, die ſeinen zornigen Vater aufbringen wuͤrden, betrauerte das Schickſal und den Freiheits⸗Verluſt ſeiner Schweſter, ent⸗ fernte ſich von London, nicht Zeuge ihres unglücks zu ſein, und erwaͤhlte ein ihm ge⸗ Pörendes Gut bei Sabern in Weſtſex, das n Meere lag, zu ſeinem Aufenthalte.— —— eun Monate nach der Verbindung ſei⸗ ner Schweſter ſtarb ſein Vater, der Lord⸗ major, und William ſah ſich im Beſitze eines großen Vermoͤgens, mehrerer guͤter und eines praͤchtigen Pallaſtes in London. Er ſchaffte die furſliche Pracht, . ſ theuern Equipagen, den Schwarm bs* Bedienten, die ſein Vater, als Lordmajor, zu halten gezwungen war, ab; ließ einen ſeiner treuen Diener in der Hauptſtadt zu⸗— ruͤck, und nahm ſeinen Weg wieder nach Williamscaſtle, das er, ſeiner angenehmen Lage wegen, liebgewonnen hatte. Kaum hatte er hier ein Jahr den Wiſſenſchaften und dem Vergnuͤgen(was vorzuͤglich in der Jagd beſtand) gelebt, als ihm ſeine Schweſter den Tod des James Trory an⸗ kuͤndigte. Die Beſchwerlichkeiten ſeines Amtes, der damit verknuͤpfte Verdruß, der Tod ſeines Freundes, des Lordmgjors, und die Schwaͤche ſeines Alters waſen ihn aufs Krankenlager, und endeten ſein Krank 3 L hinfaͤlliges Leben. ſeiner 8 Jetzt war Lady Trory frei, und Erbinn merdi von mehr als 40,000 Pfd. Sterling jaͤhr⸗ zeihen 1 licher Einkuͤnfte. Der Sherif war ein ſich e 3 guter Alter, ſie weihete ſeinem Andenken Abbr manche Thraͤne, obgleich er, wie leicht eit Tror: 1 62 zuſehn, ihre Liebe nie beſeſſen hatte. Ehe langt 6 es noch der junge Graf ſeiner Schweſter Jenny ſah, 3 Brief beantworten, n5 ſich auf den Weg 1 zu ihr machen konnte, erhielt er einen 5 3 zweiten, der ihm die Abreiſe und baldige ki AQnkunft der Lady in Williamscaſtle meldete. ſeiner — Sie hatte die Deſorgung des Begraͤb⸗ ſelſſch niſſes und die uͤbrigen nothigen Verord⸗ nicht nungen und Angelegenheiten einem armen werd Anverwandten ihres Gemahls uͤbertragen, 2 ieee in die Arme ihres Bruders.— fuhr Nach einigen Wochen, eben als Graf Larry heira Sbent Spanier die Zeit kuͤrzte, kam ſie im( n ber Erſtere eilte, ſeinen n ſein Kranken zu verlaſſen. Dieſer blaͤtterte in rbinn jaͤhr⸗ ein enen eit Ehe nny Weg inen dige ete. äb⸗ rd⸗ nen — ſeiner Brieftaſche, als Wilſon, der Kam⸗ merdiener, eintrat: Sir, ſprach er, ver⸗ zeihen Sie dem Stoͤrer. Der Graf laͤßt ſich entſchuldigen wegen des geſchwinden Abbruchs der Unterhaltung, allein Lady Trory, ſeine Schweſter, die eben ange⸗ langt, und die er ſeit einem Jahre nicht ſah, erforderte ſeine Gegenwart⸗ Der Lord iſt die Hoflichkeit ſelbſt, er⸗ wiederte Don Manuel, die aber von ei⸗ nem Manne wie ich, der die groͤßte Zahl ſeiner Tage auf dem Meere, in der Ge⸗ ſellſchaft der roheſten Menſchen, verlebte, nicht in dem gehoͤrigen Grade erwiedert werden kann. Wilſon ſchwieg, und der Seeoffizier fuhr fort: Iſt des Grafen Schweſier ver heirathet?* Geweſen, Sir. Lady Trory vurbe ein achtzehnjaͤhriges wi mit eine 1 Theil. Greiſe von 75 Jahren, und zwar wider ihren Willen, verbunden. Welche Grauſamkeit!—— Iſt die Sennora ſchoͤn? Kenner nennen ſie ſchon. Ich habe nie ein weibliches Geſchoͤpf geſehen, das ihr gleichkommt. Sie werden ſich ſelbſt von meiner Ausſage uͤberzeugen. Hat der Graf mehrere Schweſtern, die dieſer gleich ſind? Er und ſie ſind die einzigen Erben des Lordmajors. Der Graf iſt reich? Einer der reichſten Edelleute von der ganzen Graſſchaſt, ja in ganz Weſtſex⸗ Wird er nicht bald ſich eine Gattin ſuchen, und ſeine Reichthuͤmer mit ihr theilen? Er hatte ſchon geſucht, gluͤcklich gefun⸗ den, und ungluͤcklicherweiſe das Gefund ene wieder verloren. 1 ———— „ 6—— 31 er ſeinem Truͤbſinn nachzuhaͤngen an⸗ fing. Kaum waren wir hier einige Wochen, als er ſich mit mir zu Pferde eiligſt auf den Weg nach Hyford machte. Die Liebe verurſachte unſere baldige Ankunft; der Graf eilte nach der Akademie;——— und fand weder den Commodore noch ſeine Tochter. Auf ſein ungeſtuͤmes Nachfragen erhielt er die Antwort:„man habe den Commodore eines Verbrechens wider den Staat uͤberfuͤhrt,“(er ſollte naͤmlich in geheimen Verbindungen mit angeſehenen franzoͤſiſchen Herren geſtanden haben) und er ſei mit ſeiner Tochter, aus beſonderer Gnade, des Landes verwieſen worden. Ich glaube faſt uͤberzeugt zu ſein, auf Anſtif⸗ ten des Lordmajors. Das Erſchrecken und die Verzweiflung meines Herrn war groß. Kaum war es mir moͤglich, ihn zu einer Ruͤckreiſe näe v — 2. 4 1 5 ⸗ — ——————— Williamscaſtle zu bewegen. Einige Zeit lebte er hier einem ſtillen Wahnſinnigen gleich, als ihn ein neuer Schlag traf. Sein Vater ward plotzlich durch eine Krankheit dahin gerafft, und nach einiger Zeit folgte ihm ſein Freund, der Sherif, James Trory, Gemahl der Schweſter mei⸗ nes Herrn. Jetzt waren Bruder und Schweſter Herren eines unermeßlichen Vermoͤgens. Kaum ſchloß der Sherif ſeine Augen, als auch ſchon mehrere Herren von London um die Hand der ſchoͤnen reichen Wittwe buhlten. Allein dieſe, ihren fuͤr ſie unangeneh⸗ men Beſuchen, die unter dem Mantel des Troſtes angenommen werden mußten, zu entgehen, ließ ihre Angelegenheiten in der Hauptſtadt von einem Bevollmaͤchtigten vollziehen, und reiſte hieher nach Willi⸗ amscaſile. Die unaufhoͤrlichen Nachforſchungen des Grafen, den Aufenthalt des Commodore und ſeiner ſchoͤnen Tochter zu erfahren, ſind bisjetzt immer fruchtlos geweſen, man muthmaßt, daß ſie ſich nach Frankreich oder Italien begeben haben. In Dover iſt der Commodore unter Segel gegangen⸗ Wilſon ſchwieg, und Don Manuel nahm das Wort: Liebt der Graf das Maͤdchen wirklich heiß und innig, wird er denn nicht bald England verlaſſen, und die Auserwaͤhlte in benannten Laͤndern auf⸗ ſuchen? Vielleicht iſt dieß ſein Wille und die Ausfuͤhrung nicht fern, die aber jetzt durch ſeiner Schweſter Ankunft verhindert wird⸗ Wie nennt ſich der Commodore? John Browes. Wird ſich des Gehrfen S hier aufhalten?. Man glaubt es. ———————— —— —— Beide unterhielten ſich bis ſpaͤt in die Nacht, dann entfernte ſich Wilſon, der Spanier ſchrieb des Commodores Namen in ſeine Brieftaſche und entſchlief. Nach einigen Tagen war Don Manuels Kopfwunde voͤllig geheilt, er verließ das Bett, nur ſah er ſich noch genoͤthigt, den linken beſchaͤdigten Arm in einer Binde zu— tragen. Der Graf Larry, erfreut uͤber das ge⸗ ſunde Ausſehen ſeines Freundes, ſtellte ihn ſeiner Schweſter vor. Der Lady Trory feines Betragen, der ſchoͤne Ton ihrer Stimme, ihre Geſtalt, der die Trauerkleider ſo ſchoͤn ſtanden, bezau⸗ berten den Andaluſier. Die Schweſter des Grafen war, wie alle Englaͤnderinnen, von hohem ſchlanken Wuchſe und feiner Ceſi n in der man eine gewiſſe Schwẽlmüth nicht ver⸗ kannte. — Nach den wenigen Complimenten und einigen gleichguͤltigen Geſpraͤchen ſchlug der Graf einen Spaziergang am Rande des Meeres vor, der angenommen wurde— Larry, der die Veranlaſſung ſeiner Be⸗ kanntſchaft mit Don Manuel der Lady er⸗ zaͤhlt hatte, zeigte Jenem den Hrt, wo man ihn, nach jener fuͤrchterlichen Racht, ohne Beſinnung und Lebenszeichen fand. Dieſer ſah mit ſtarren Blicken hin uͤber das ſpiegelglatte Meer, und war in tiefe Gedanken verſunken; denn ſchon mehrere Male hatte er der Lady Frage, ob Spa⸗ nien weit von Britannien entfernt ſei, uͤber⸗ hoͤrt. Der Graf bemerkte die Sth ſei⸗ nes Freundes, ſchob ſie auf den Wunſch nach ſeiner Heimath, und zog den Sin⸗ nenden mit ſich fort. Dieſer ſiammelte eine Entſchuldigung ſeines ſeltſamen Betra⸗ gens F ließ ſich willig fi — 3 ———— .——.. Ich fuͤrchte, ſprach Graf Larry auf dem Heimwege, die Krankheit, die man hier eine Art von Spleen nennt, wird ſich Ihrer bemeiſtern und Sie fort in Spa⸗ niens Gefilde treiben, deren Klima freilich mit dem ungleich rauhern unſers Landes nicht harmonirt. Sie irren, Sennor, antwortete Ma⸗ nuel etwas verwirrt, nicht das war's, was meine Blicke ſo ſehr nach Suͤden zog. Meine Heimath iſt das Meer. Harrt daheim Ihrer ein weinendes Weib, und den Vater vermiſſende Kinder? Ich bin nicht verheirathet, und war es nie! Oder trauert ein gebeugter Vater um den Verluſt ſeiner Stuͤtze im Alter? Laͤngſt ſchon ſchlummern meine Eltern! ſprach der Spanier, und wandte ſein Ge⸗ ſicht in die ſtrahlende Sonne, eine Thraͤne zů verbergen, die ſeinem großen Auge entrollte. f Man trat ins Schloß, und ein herr⸗ n liches Abendeſſen wartete der Ermuͤdeten. hBei Tiſche herrſchte die froheſte Laune, wo⸗ ⸗ zu Lady Trory ſehr viel beitrug. Man un⸗ h terhielt ſich bis ſpaͤt in die Nacht, dann eilte 6 die Schweſter des Grafen zur Ruhe, und bald folgten die Freunde ihrem Beiſpiele. ⸗ Am Morgen uͤberreichte der Spanier 6 dem Grafen mehrere Briefe, um deren Be⸗ g. ſorgung er ihn bat. Sie waren alle nach verſchiedenen ſpaniſchen und italieniſchen b, Seeſtaͤdten gerichtet, und die Adreſſen in der letzteren Sprache geſchrieben.— es Man fruͤhſtuͤckte im Garten. Innig be⸗ dauerte es die Lady, daß der noch nicht mn ganz geneſene Arm Don Manuel verhin⸗ derte, ein Pferd zu beſteigen, weil ſie ſonſt n! auf einem Spazierritte ſich ſeine Geſellſchaft e⸗ wuͤrde ausgebeten haben.— Der Spanier zů verſicherte, ſein Arm ſei faſt ganz geheilt er werde ihn in einigen Tagen der Binbt 3 3 14 S— ————————————— .—— ————— entledigen, und es ſei daher ſein eifrigſter Wunſch, die Sennora zu begleiten. Allein der Graf und ſeine liebenswuͤrdige Schwe⸗ ſter wollten durchaus nicht einwilligen, ſon⸗ dern troͤſteten den Don mit der Verſiche⸗ rung, ſobald der Arzt es ohne Furcht fuͤr Verſchlimmerung erlauben wuͤrde, eine Jagdpartie zu machen. Man war im Begriffe, nach dem Schloſſe zuruͤck zu kehren, als der Graf einen Brief vom Verwalter ſeines Hauſes und ſeiner Angelegenheiten in London er⸗ hielt, der ihn unverzuͤglich nach der Haupt⸗ ſtadt berief, wo ſeine perſoͤnliche Gegenwart unumgaͤnglich noͤthig war.— Er reichte das Schreiben ſeiner Schweſter, und gab dann Wilſon den Befehl, zwei Pferde und alles zur Abreiſe Nothwendige in Bereit⸗ ſchaft zu halten.— Lady Trory erbot ſich, den Bruder zu begleiten: „Wollteſt Du unſern Gaſt, unſern * 3 — 30— Freund hier allein auf Williamscaſtle zu⸗ rucklaſſen?“ fragte Larry mit einem ſtra⸗ fenden Blicke, der eine Beſchaͤmung von Seiten der Betroffenen nach ſich zog. Larry eilte auf ſein Zimmer, ſeine Sa⸗ chen in Ordnung zu bringen, dann hin⸗ unter in den Familienſaal, ſich bei Don Manuel wegen ſeiner geſchwinden, keinen Auſſchub leidenden Abreiſe zu entſchuldigen. Schweſter, ſprach er, ich mache es Dir zur groͤßten Pflicht, fuͤr unſern Gaſt zu ſorgen; bei meiner Wiederkunft, die ſich vielleicht verzoͤgern kann, muß ich ihn ge⸗ ſund und froh wiederfinden. Er umarmte beide, ſprang aufs be⸗ reitſtehende Pferd, und war bald, von Wilſon begleitet, ihren ſpaͤhenden Augen entſchwunden. Jetzt iſt mein Bruder fort, ſprach Laby Trory, ſich unbefangen an des Fremden Arm haͤngend, und wanderte mit ihm ben . —. — — ———————————— ₰ —— Weg hinauf, den ihr Bruder genommen⸗ Ich fuͤrchte, Sie werden bald die Qualen der toͤdtenden Langeweile empfinden, und die heiße Sehnſucht nach der geliebten Hei⸗ math wird ſich gewaltſam Ihres Herzens bemaͤchtigen. Wenn Sie, Sennora, ſagte der Spa⸗ nier, ihre Hand ſanft druͤckend, dieſes an⸗ genehme Schloß nicht verlaſſen, ſo wird mir Williamscaſtle einem Paradieſe glei⸗ chen, und mein Scheiden wird fuͤr mich hoͤchſt ſchmerzvoll ſein. Ich glaube, aͤußerte die Englaͤnderin, und ſah ihren Begleiter mit großen Augen an, die Spanier ſind große S ler.— Nicht? Mit den in den Hauptſtaͤdten Lehenden hat dieſe Anmerkung ihre Richtigkeit.— Sie ſind aus Cordova? fragte die Lady mit einem ſchelmiſchen Laͤcheln. Ja! Aber fruh eilte ich auf die Fluthen —— des Oceans, und unter den Seefahrern findet man wenig Bildung, noch weniger Schmeichelei. Ihre Fertigkeit in der Sprache unſers Landes, gab die Schweſter des Grafen dem Geſpraͤche eine andere Wendung, laͤßt mich glauben, daß dieſes nicht das erſte Mal ſei, daß Sie Englands Boden betreten. Und doch iſt es das erſte Malz zwar landete ich einſt in Irlands Hafen, allein auch dieſen Boden betrat mein Fuß nicht. Finden Sie kein Verlangen, London und ſeine Schonheiten zu beſuchen? Nein! Nach des Grafen Larry's An⸗ kunft werde ich dieſes gaſtfreie Schloß, ſeine mir zu theuer gewordenen Bewohner, und ganz England, vielleicht auf immer verlaſſen. Mein Bruder wird Sie zuruckhalten, denn er verliert an Ihnen Alles, ſprach die Lady. Dann fragte ſie mit anſcheinen⸗ 8 der Gleichguͤltigkeit: Iſt Ihre Heimath weit von hier? Weit, viele hundert Meilen! Die Reiſe dahin gefahrvoll 2 Auch das! Sie ſollten bei uns bleiben. Kaum ſind Sie durch ein halbes Wunder dem au⸗ genſcheinlichſten Tode entgangen, und ſchon wollen Sie ſich wieder dem unguͤnſtigen Elemente anvertrauen. Ich muß! ſeufzte Don Manuel. Meine Pflichten zwingen mich. Welche Pflichten? die eines Gatten, Vaters; oder harrt Ihrer in den gluͤck⸗ lichſten Fluren eine ungluͤckliche Geliebte? Das Gluͤck machte mich weder zum Gatten und Vater, noch ließ es mich eine Geliebte finden. Die Englaͤnderin warf einen fragenden Blick auf den Spanier, da nahete ſich ih⸗ nen der Arzt, der nach dem Schloſſe ging, un ih ſt ei ih ath ind au⸗ hon gen eine ten, uͤck⸗ zum eine nden ih⸗ wuͤrde, da meine zahlreiche Famiis und nicht betraͤchtlichen Einkuͤnfte, ſo zu han⸗ deln mir durchaus verbieten. Ihre Ver⸗ und unterbrach das noch nicht geendete Geſpraͤch. Man kehrte nach dem Caſtell zuruͤck wo der Doctor Don Manuels Arm beſah, ihn ganz hergeſtellt erklaͤrte, von der ſtigen Binde befreiete, und nur bat or einige Zeit bei anſtrengenden Gegenſi den ihn nicht zu mißbrauchen. Der Spanier oͤffnete ſeine und reichte dem Juͤnger Aesculaps eine Banknote von zweihundert Pfunden. Die⸗ ſer entfaltete das Papier, und legte es auf den Tiſch vor dem Erſtaunten hin. Sir, ſprach er, es ſcheint Sie ſind verwundert, vielleicht ſchließen Sie von der Nichtannahme dieſes vielen Unverdien⸗ ten Geldes auf eine Großmuth von meiner Seite, die aber ſchlecht angebracht ſein — 44 wunderung wird ſich vermindern, wenn ich Ihnen ſage, daß ich fuͤr die wenige Muͤhe, Die ich gehabt, reichlich belohnt worden bin, und es daher nicht mit dem Gewiſſen ei⸗ ehrlichen Mannes uͤbereinſtimmt, auch dieſes anzunehmen. S behalten Sie es fuͤr Ihre Kinder oder Welfen gelegentlich einem Ungluͤcklichen dafuͤrſ unentgeldlich,— ſprach Don Ma⸗ nueß⸗ bruͤckte dem Gewiſſenhaften die Note und verließ eilig das Zimmer. ʒweWochen waren ſeit der Abreiſe des Grafen Larry verfloſſen. Des Spaniers feuriges WGemuͤth hatte ſchon beim erſten Anſchauen Neigung zu der ſchoͤnen jungen Wittwe. gefaßt⸗ die bei dem taͤglichen Um⸗ gange merklicher wuchs. An ſeinem Arme durchwanderte Jenny die Gegend von Savern; oft reizte ſie ſein Erf thig ſetz keit ſitzi Tre jag dal hei ſelt bre ſtaͤ der die Fr hef wa ich he, bin, ei⸗ uch der chen Na⸗ tote ner. Erſtaunen, wenn bei Spazierritten ihr mu⸗ thiger Englaͤnder uͤber Graͤben und Zäune ſetzte. Oder wenn ſie mit der Geſchicklich keit eines gelernten Cvach⸗Man's den zwei⸗ ſitzigen Phaethon regierte, im ſtrengſten Trotte dicht an tieſen Abgruͤnden vordber⸗ jagte, und dann das Erſtaunen des daluſiers belachte. Aber mit einem Male verlor ſi heiteres, auſgeraͤumtes, ja muthwi Benehmen; ſelten fuhr man ſpazieren, ſeltener wurde geritten, und das Sch brett, welches Beide ſo oft bei regnigte Wetter beluſtigte, ſtand unangerulM bo ſtubt im Winkel. Oſt ſogar uͤberraſcht der Spanier die Schweſter des Grafen, die truͤben, rothgeweinten Augen trocknend. Fragte er ſie dann theilnehmend um die urſache ihres Kummers, ſo quälte ſie ein heſtiges Kopfweh, oder eine andere vorge⸗ 1 wandte Unpaͤßlichkeit. Bat Don zu ſpielen, ſo war das Fortepiano verſtimmt, und oder etwas Anderes Unbedeutendes war die Gra urſache ihrer Verweigerung. Oft ſchien ſie abſichtlich den Spanier zu fliehen, zog ſich gege dieſer dann beſcheiden zuruͤck, ſo ſuchte ſie Lan ihn in ſeinem Zimmer auf, und bat um ten Geſellſchaſt zu einem Spaziergange. Andaluſier, bekannt mit dem menſch⸗ Ma Herzen, legte dieß zuweilen ſehr ſon⸗ mal re Benehmen zu ſeinem Vortheile aus, ſien irrte ſich nicht. Seine Liebe zu der ſchn gen, ſchoͤnen, reichen Lady wuchs mit den. en Stunden, und doch wagte er nicht, ſcha inMherzen durch ein freies Mas bie Qual zu benehmen. ſtuͤr Er liebte und fuͤrchtete. Kuͤſ Jenny ſtand vor ſeinen Blicken beim ſich Erwachen, und der Gedanke an ſie war und es, der mit ihm die ſuͤße Ruhe ſuchte. golt Einſt in der Fruͤhe eines hellen Mor⸗ bed 3 6. der Spanier die Flinte ber, bor — — mmt, und wanderte den Gehoͤlzen zu, die des ar die Grafen Beſitzungen vermehrten. en ſie Noch war die ſchoͤne Sonne nicht gſich gegangen, und ſelbſt von den ſingend te ſie Landleuten, die fruͤh ihre zufriedenen H t um ten verlaſſen, war noch keiner zu ſehe nge. In Gedanken verſunken, achtete nſch⸗ Manuel des Weges nicht, ſeine Fantt ſon⸗ malte ihm lachende Bilder mit den ſchon aus, ſiten Farben, die aber nur zu bald vo) e ſchwarzen, ja ſchrecklichen verdraͤngt wur mit den. Er glaubte die Zukunft zu durch icht, ſchauen, und fand ſich ohnmaͤchtig. dniß Dann wuͤnſchte er ſich hinaus guf ſtͤrmiſche Meer, das Spanien von uͤſte ſcheidet, wo des Herkules S beim ſich erheben, aber ein Gedanke an Je war und ſeine weit hinausreichenden Plänel e. goldenen Hoffnungen ſcheiterten Ror⸗ bedraͤngten Reiſenden Schiff an 5 iber, borgenen Klippe im Ocean. 5 48 Ein etwas entfernter Schuß ſchreckte n aus ſeinen Traͤumereien auf. Ein zwei⸗ folgte dem erſteren, und ein verwirr⸗ 6 Gemurmel, ein Degengeklirre ſchallte das Ohr des lauſchenden Andaluſiers. ahnte Ungluͤck, und eilte der Gegend Aber wer beſchreibt ſein Erſa recken, er den Grafen Larry ſich gege uf ihn mit kurzen Soͤbeln eindring Käuber vertheidigen ſah! Am Boden! Liſn⸗ der treue Kaminerbiener enſelben tra els„ den der Räuber⸗ reckte zwei⸗ rwirr⸗ challte ſiers. e ecken, ndrei igende en lag und High⸗ ſchuß⸗ macht, — Don 2. mit uei⸗ ſich zum Angriffe ermunterten, und auf den allein der Graf, erholt von dem gefaͤhrli⸗ — len drohte; und mit verkehrter Flinte rannte er auf die Uebrigen ein, die, beſtuͤrzt àber dieſen unerwarteten Ankoͤmmling anfangs unthaͤtig ſtanden, dann aber auf ſchottiſch Bewaffneten eindrangen. Dieſer verthei⸗ digte ſich ritterlich, wuͤrde aber der Stirle Zweier unterlegen haben, wenn nicht die ihn begleitende Lieblingsdogge des Grafen Schallov, ihn von einem der Gegner be⸗ freiete und den High⸗way⸗ men mit Wuth zerfleiſchte. Den noch Uebrigen trieb der Spinier bald ſo in die Enge, daß er Gelegenheit ſuchte, ſich durch die Flucht zu retten; chen Sturze, jagte ihm eine Kugel ſe den Kopf. Don Manuel eilte auf den ² genden zu, und in ſeine Arme ſiurzte der En 5 Theil. 6 8 länder. Freund, ſprach er, wie ſoll ich's Ihnen lohnen, Retter meines Lebens. Still Graf, redete der Andaluſier, laſ⸗ ſen Sie uns eilen, ſicher ſind mehrere die⸗ ſer Banditen im Hinterhalte, und wir zu ſchwach⸗ ihnen zu widerſtehen.— Sie ret⸗ teten mir einſt das Leben, jetzt ſetzt ein bloßes ungefaͤhr mich in den Stand, Ih⸗ üen einen gleichen Dienſt zu erweiſen, und meine große Schuld in Etwas abzutra⸗ gen.— Ich bitte, ſchweigen Sie von— Dant„ den ich nicht verdiene. Mit den ernſten Worten riß der Spre⸗ cher des Grafen Pferd, das ſtark blutete, empor, ohne weiter auf Larry's i der Dankbarkeit zu achten⸗ Wilſon, deſſen Roß den erſten Schuß der Boſchhelden in die Bruſt erhalten hatte, war durch einen Sturz mit dem Hinter⸗ kopſe gegen einen Baum nicht Leht, und noch nicht n. 8. ſolbſ ge ne O de nu ſch wu ſch vet an lan Pf der Er ten ch*s laſ⸗ die⸗ rzu ret⸗ ein Ih⸗ und tra⸗ von pre⸗ tete, ruͤche chuß inter⸗ ndet ſelbſt 5 gekommen.— Sein Pferd lag W neben ihm.— Nach vieler Muͤhe gelang es dem Den Manuel, den Halbtodten auf des Grafen Irlaͤnder zu legen, und mit dem Riemen des erſchoſſenen Pferdes zu befeſtigen. Drei der Raͤuber lagen todt im Graſe, nur der, den der Graf zuletzt hinſtre ſchien noch zu athmen, und nur ſtark wundet zu ſein. ⸗ Larry felbſt hatte nur einen Sheif⸗ 3 ſchuß an dem linken Arm erhalten. Die Freunde eilten, das Geholz zu verlaſſen, und langten bald beim P an.. 3 Jenny, die, ans Fenſter gelehnk, den langſamen Zug geſehen, und den auf dem Pferde wie todt Liegenden bemerkt, eilte dem geliebten Bruder beſtuͤrzt entgeg Er druͤckte ſie in ſeine Arme und dem ret⸗ tenden Spanier die Hand. Vieſe edlen Freunde, rief er⸗ hab' ich mein Leben zu danken, waͤre er nicht gleich einem Engel vom Himmel mir zum Retter geſandt⸗ ſo ſaͤheſt Du mich nicht lebend wieder. Mein Blut waͤre ſchon kalt, erſtarrt, meine Arme wuͤrden Dich nicht umfangen, mein Mund nicht dem Befreier danken koͤnnen.— Der Graf war in Feuer, er wuͤrde ſo eſahren haben, haͤtte ihn nicht Don Manuel unterbrochen. Graf, Freund, ſprach er, wollen Sie mich nicht zwingen, noch heute Ihr gaſi⸗ freies Schloß, wiewol ungern, zu ver⸗ Po thun Sie den Ausbruͤchen Ih⸗ ies Einhalt, den Sie an mir düden, und ſetzen Sie dem Stro⸗ me Ihrer Rede einen undurchdringlichen Damm.—— Dieſe ernſten Worte machten den Gra⸗ fen ſchweigen, er druͤckte des Spaniers Hand mit einem ſprechenden Blicke, und nzu ngel ſo Mein neine mein n.— de ſo Don nSie gaſt⸗ ver⸗ 1 Ih⸗ mir Stro⸗ lichen Gra⸗ aniers „und fuͤhrte ihn und die Lady ins Schloß; nach⸗ dem er die noͤthigen Befehle, nach einem Wundarzt zu ſchicken, um ſeinen noch im⸗ mer betaͤubten Kammerdiener in's Leben zuruͤckzurufen, ertheilt hatte. Auch ſchickte er mehrere bewaffnete Diener in den Wald zur bezeichneten Stelle, ſich der Todten und des Verwundeten zu bemaͤchtigen.— Dann erzaͤhlte Larry, er habe im naͤch⸗ ſten Dorfe uͤbernachtet, und ſei, um ſei⸗ nen Freund und die geliebte Jenny zu uͤber⸗ raſchen, ſehr fruͤh ausgeritten; i aber von vier High⸗wai⸗ men's len und ſeine Boͤrſe und Mant fordert worden. Den erſten habe gel getoͤdtet, aber die Ueberlegenh Gegner ſei zu groß geweſen, er dieſer haben weichen muͤſſen, und ſein Leben verloren haben, wenn nich Manuel ihm zu Hilfe gekommen Die Lady hoͤrte dieſe Erzähr — 34— Entſetzen an, und befahl Thee zu beſor⸗ gen, indeß ihr Bruder, vom Kampfe er⸗ muͤdet, ſich aufs Sopha warf, und der Spanier auf ſein Zimmer ging, ſeine blu⸗ tige Kleidung mit einer andern, beſſern zu vertauſchen. Mit innerer Unruhe kleidete er ſich um, in ſeinem Herzen kaͤmpften die Leidenſchaf⸗ ten einen heftigen Kampf; endlich behielt die Liebe die Oberhand.— Er ging zum Grafen aufs Zimmer, den er unter den des Arztes fand, der ihm die am Arme unterſuchte, und dem Abentheuer erzaͤhlte. om Grafen Ausgeſchickten hatten mit Blut befleckten Platz, keinen Wilſons gefunden. Endlich entfernte r Arzt, nachdem ihm der Graf ſei⸗ nmerdiener recht dringend anbe⸗ tte. en aber ſelbſt, nur das erſchoſſene red die Aen mel nac Ge und den Unt unt Sie tun gen aͤlte den ſien nen Iht ſor⸗ der blu⸗ zu um, haf⸗ hielt zum den die dem tten inen ſene rnte be⸗ 8 00 Der Andaluſier ſammelte ſich und wollte reden, aber mehrere Male verſagte ihm* die Zunge den Dienſt, und eine gewiſſe Aengſtlichkeit bemaͤchtigte ſich ſeiner. Graf, ſprach er endlich, mit'geſam⸗ melter und ziemlich feſter Stimme, als nach jenem, fuͤr uns gluͤcklich geendetem Gefechte Sie mich in Ihre Arme ſchloſſen und ans Herz druͤckten; da aͤußerten Sie den Wunſch, mich lohnen zu koͤnnen.— Und ſie können es!—— Ich bitte Sie, unterbrechen Sie mich nicht, und laſſen Sie meine Forderung, die Ihre Erwar⸗ tung weit uͤberſteigen wird, nicht beleidi⸗ gend fuͤr Sie ſein. Ich bin aus einer der aͤlteſten, angeſehenſten ſpaniſchen Familie, den Namen Sarago kennt ganz Andalu⸗ ſien. Ich kann mich reich, ſehr veich nen⸗ nen; bin unabhaͤngig.— Geben Sis wir Ihre Schweſter, die reizende Jenny zui Weibe.—— Der ſpte blickte den Grafen in aͤngſtlicher Erwar⸗ tung an. Dieſer war betroffen, ſchien mit Etwas zu kaͤmpfen; dann ſprang er auf und an des Harrenden Hals.— Freund, rief er, und druͤckte den Er⸗ ſtaunten feſt an ſich. Liebt Sie Jenny,. wie ſie geliebt wird, ſo nehmien Sie ſie hin, meine Einwilligung iſt Ihnen gewiß⸗. ſ Graf, unterbrach ihn Don Manuel⸗ ſ Sie machen mich nur halb gluͤcklich. Ihre reizende Schweſter weiß nichts von meiner Liebe, meiner unbegraͤnzten Liebe zu ihr, ſie ahndet nichts davon. Zwar glaube ich mich nicht zu truͤgen, wenn ich aus meh⸗ reren, unbedeutenden Merkmalen auf eine Neigung zu mir ſchließe; aber, bei Gott, Sie ſind der erſte, der mein Geheimniß erfaͤhrt.— Wollen Sie fuͤr mich ſprechen ſich bei der Lady fuͤr mich verwenden? Das will ich, ſprach der Graf, ſicher iſt ihre Hoffnung gegruͤndet.— Und hat en, 57 dann Hymen das liebliche Band feſt ge⸗ knuͤpft, dann trennen wir uns nie die! wiederholte der Entzuͤckte 5 zi⸗ nem Tone, dem nur Feſtigkeit fehlte, ganz das auszudruͤcken, was er ausdrä⸗ cken ſollte. Der Graf hoͤrte nur die Wieberholung ſeiner Frage, und fuhr fort; noch heute ſoll Jenny alles erfahren! Was ſoll ich erfahren? fragte dieſe hereintretend, die die letzten lauten Worte des Bruders gehoͤrt hatte. Schweſter, ſprach Larry, und hielt die Hand ſeines Freundes, der ſich umſonſt bemuͤhete, das Zimmer zu verlaſſen, feſt; Schweſter, kannſt Du mit Don Manuel gluͤcklich ſein, er hat um Dich angehalten? O reden Sie, theuerſte Jenny, reißen Sie einen Verwegenen aus der matterbolt Uagewißheit! tie der Sxj unt 58 William, Bruder, Don Manuel! ſtam⸗ melte die Lady in aͤußerſter Verwirrung.— Glaubſt Du mit ihm gluͤcklich ſein zu konnen? wiederholte der Graf ſeine erſten Worte mit feſter Stimme. Ich hoffe es! ſprach die Befragte, und Jenny waren die einzigen Worte der Lie⸗ benden, und Larry, von ſchmerzhaften Erinnerungen getroffen, wandte ſein Ge⸗ ſicht weg, und verwiſchte eine hervordrin⸗ gende Thraͤne. ſank an des Gluͤcklichen Bruſt. Manuel, de vt de de zt zi ta ſe Abſchnitt. Mi ſtarken Schritten ruͤckte der Tag der Vermaͤhlung heran.— Nicht weit von Williamscaſtle lag das Gut Guerniſh, das einem Herrn von Chesford gehoͤrte, der durch eine ungeheure Spielſucht ſich zu Grunde gerichtet hatte, und nur hurch den Verkauf von Guerniſh, ſeinem dem Einſturze nahen Glücksgebaͤnde wieder auf⸗ zuhelfen hoffte. Dieſer bot das Landgut fur zwanzig tauſend Pfund Sterling feil, und 2 Don Manuel erhandelte es fuͤr%½ Theite die⸗ ſer Summe gegen baare suu Der Graf Larry erſtaunte hieruͤber, und fing an, ſich einen großen Begriff von dem Reichthume ſeines Freundes zu machen. Dieſer ließ durch Larry's Ver⸗ mittelung die geſchickteſten Maͤnner, Kuͤnſt⸗ ler aus London kommen, ſeinen neuen Auf⸗ enthalt, der nur eine Stunde von Wil⸗ liamscaſtle in einer angenehmen Gegend lag, aufs ſchoͤnſte einrichten, und faſt ganz umſchaffen. Endlich kam der Tag der Verbindung, der den Spanier zum glacklichſten Sterb⸗ lichen machte. 6 Auf ſein Bitten wurde ſie im Stillen vollzogen; nur zwei Freunde des Grafen, ein benachbarter Edelmann, deſſen Name Hatchwell war, und ein Lieutenant, Perry Pellow, von ungefaͤhr vierzig Jahren, der von ſeinen Reiſen durch Frankreich und Italien zuruͤckkam, vermehrten den frohli⸗ M N MN v der ind hli⸗ Don Manuel bat ſeinen Freund, ſeis ſonderbares Schickſal, ſeine Ankunft auf der Inſel, ſeinen Bekannten zu verſchwei⸗ gen. Der Graf verſprach es, obgleich er den daraus entſtehenden Schaden oder Vor⸗ theil nicht einſah. Im Kreiſe der Freunde ftohe Laune, und der koͤſtlichſte Wein belebte die entzuͤckten Gemuͤther. tach dem Tage der Vermählung des Spaniers reiſte Lord Hatchwell wieder nach ſeinem Schloſſe ab, nur der Lieutenant Pellow blieb auf des Grafen Bitten noch einige Zeit in Williamscaſtle. Don Manuel hatte mit ſeiner Jenny ihr Landgut Guerniſh bezogen, und ſtat⸗ teten faſt taͤglich bei dem Grafen und ſei⸗ nem Freunde Beſuche ab. Einſt an einem Nachmittage, als die Geſellſchaſt im Parke den Thee einnahm, betrachtete der Lieutenant des Spaniers Geſicht lange und mit forſchenden Blicken. Dieſer bemerkte es, und ſchien verwundert. Freund, ſprach endlich Pellow, Ihre Zuͤge ſcheinen mir bekannt, und im An⸗ ſchaun mehrt ſich dieſe Bekanntſchaft. Wa⸗ ren Sie nie in Baſtia? Don Manuel verneinte es, und nur mit Muͤhe gelang es ihm, ſeine Verwir⸗ rung zu bergen. So taͤuſcht mich dennoch eine auffal⸗ lende Aehnlichkeit; einem Manne, der Ih⸗ nen ſehr gleicht, verdanke ich die Fortdauer meines Lebens.— Hoͤrt mich an, Kin⸗ der. Meine Erzaͤhlung hat den Vortheil vor vielen andern: ſie iſt kurz und nicht ohne Unterhaltung. Auf meinen Reiſen durch Italien war ich bis Livorno gekommen. Hier bekam ich den Einfall, nach Korſika hinuͤber zu ſchiffen, und dann uͤber Sardinien und Sicilien nach Italien zuruͤckzukehren.— In Baſtia fand ich bald einige meiner Be⸗ kannten, in deren Geſellſchaft ich mich ſehr wohl befand.— Wir beſuchten mehrere Kaffeehaͤuſer, und unter andern eins, wo ſehr ſtark und zwar Pharo geſpielt wurde. — Hier fanden wir uns denn auch richtig alle Abende ein, um—— unſer Geld auf die leichteſte, aber nicht beſte Art los zu werden. Einige Abende hatte ich einen jungen Mailaͤnder unter den anweſenden Pointeurs bemerkt, dem Frau Fortuna ihre Gunſt mehr ſchenkte, als mir und meinen Freunden. Mich intereſſirte dieſer junge Mann nicht, mehr aber das Spiel, und deswe⸗ 5t gen achtete ich nicht auf ihn. Eines Abends bekam ich Streit mit einem Korſen uͤber etwas Unbedeutendes; da aber unſere beiden Koͤpfe durch den haͤufig genoſſenen Wein erhitzt waren, denn beim Ungluͤcklichſpielen iſt die Flaſche he Troſt, ſo folgten Beleidigungen auf Be⸗ leidigungen, und das Ende war, daß wir zum Degen griffen, und auf einander heftig eindrangen. Gleich im Anfange des Gefechts merkte ich, daß mein ſpruͤhender Gegner weit ge⸗ ſchickter und mit mehr Vortheil die Feder, als den Degen zu fuͤhren gewohnt ſei; und im zweiten Gange lag ſeine Klinge unter dem Tiſche und er durch einen gut gelungenen, geſchwinden und kraͤftigen Stoß daneben. Da er jetzt deutlich einſah, daß es nur von mir und meiner Laune abhing, mich auf das blutigſte zu raͤchen, ſo reichte er mir die Hand, und bekannte ſich fuͤr üͤberwunden.— Ich ſteckte den Degen, der kein Blut geſehen hatte, gelaſſen ein, und ſetzte das Spiel fort. Es war ſchon ſpaͤt in der Nacht, die meiſten der Anweſenden, meine Freunde, me ich lic un vo en rie wmr ich hte fuͤr en, ein, die nde, mein tapferer Gegner und auch benannter Mailaͤnder hatten ſich entfernt, als guch ich, nach einem betraͤchtlichen Verluſte ziem⸗ lich uͤbel gelaunt, das Kaffeehaus verließ, und meiner Wohnung zueilte. Kaum mochte ich einige dreißig Schritte von dem Hauſe, wo ein ziemlicher Theil meiner Baarſchaft ſchon hingewandert war, entfernt ſein, als eine Stimme hinter mir rief: Signor, auf ein Wort! Ich wandte mich um, erkannte den Mailaͤnder, und fragte verdruͤßlich nach ſeinem ſpaͤten Begehren. Ich wollte Euch bloß einen guten Rath geben! Und der waͤre? fragte ich noch ver⸗ druͤßlicher. Nehmt Euern Weg nicht durch jene Straße, ſie iſt nicht immer ſicher, ant⸗ wortete der Mailaͤnder, aͤber mein froſti⸗ * 66 ges Betragen aufgebracht, und kehrte mir den Ruͤcken. 6. Ich wußte den Sinn ſeiner Worte nicht recht zu deuten, der Wein hatte meinen Kopf ziemlich ſchwer gemacht, und ich folgte daher der Warnung nicht.— In der NMitte der verrufenen Gaſſe traf plotzlich ein Dolchſtich, der meinem Nacken gelten ſollte, meine rechte Schulter, und drei verlarote Banditen drangen auf mich ein. Ich vertheidigte mich ſo gut es meine Perwundung erlaubte, wurde aber ſo zu⸗ geſetzt, daß mein Tod von Meuchlerhaͤn⸗ den mir vor Augen ſchwebte. Da erſchien jener Mailaͤnder, und ſturzte ſich auf meine Gegner, die nach kurzem Wider⸗ ſtande flohen, aber einen von ihnen ſtark bleſſirt auf dem Platze ließen. Mein Retter ſchleppte ihn nach einer noch glimmenden Laterne, riß ihm die Larve ab, und ich erkannte den Korſen Jer im viet ſtia An laͤn fert ſica auf ſein ßer auffallende Aehnlichkeit hatte, war dieſer Ferung des Graſen: zuweilen faͤ aus dem Kaffeehauſe, der ſeine Fahrt unter den Tiſch nicht hatte verſchmerzen können. Signor, ſprach er dann, als ich von Dank erfuͤllt ſeine Hand ergriff, wenn Euch Jemand in Zukunft einen guten Rath giebt, ſo befolgt ihn, und behaltet den Maguello im Andenken.— Aber ehe noch achtund⸗ vierzig Stunden vergehen, muͤßt Ihr Ba⸗ ſtia verlaſſen, ein zweiter verraͤtheriſcher Anſchlag moͤchte nicht wieder mißlingen. Nach dieſen Worten entzog der Mai⸗ laͤnder ſeine Hand der meinigen, un ent⸗ fernte ſich eilig. 5 Am andern Morgen reiſte ich von Fr⸗ ſica's Hauptſtadt ab. Sehen Sie, Sir, der mit Ihnen eine Mailaͤnder Maguellv. So endete der Lieutenant Perry ſeine Erzaͤhlung, und ihm folgte ſolche Aehnlichkeiten, ſolche taͤuſchende Spiele der Natur, aber ſelten; Jenny ſtimmte ihm bei, und dieß zog eine Unterhaltung von mehreren Stunden nach ſich. Endlich, nach zwei Monden, nahm der biedere Lieutenant Abſchied, und reiſte ſort nach Cheſter. Jetzt hatte der Graf te Geſellſchaf⸗ ter, als Wilſon und ſeine Diener, und war in Wiltiamscaſtle ſich ſelbſt uͤberlaſſen, wo er ſic aber die wenigſte Zeit, ſondern bei ſeir„ Freunde und der geliebten Schwe⸗ ſter in Guerniſh aufhielt. Don Manuel und ſeine Jenny lebten glaͤcklich im ganzen Sinne des Worts; e ſie wie ſein Leben und ſie betete n fuͤnf Monate dauerte ihre glͤc⸗ „ als ſich der blaue liebliche Sin mel gen der heit un iele mte ung der fort chaf⸗ war „wo nbei chwe⸗ lebten rts; betete gluͤck⸗ Him⸗ mel zu truͤben anfing, und bald ein Un⸗ gewitter ihn umzog, das den Spanier pon der ruhigen Inſel hin auf das Meer trieb Einſt war Don Manuel in Angelegen⸗ heiten Larry's, den eine nichts bedeutende Unpaͤßlichkeit hinderte, nach London gereiſt. Seine Geſchaͤſte in der Hauptſtadt Bri⸗ tanniens waren abgethan, er hatte das Sehenswerthe geſehen, das Lobenswuͤrdig⸗ gelobt, und beſtimmte den Tag ſeiner Ab⸗ reiſe. Er nannte ſich jetzt nicht mehl Don Manuel, ſondern nach ſeinen Beſit ungen Guerniſh. Am Abende vor dem Tage ſeiner Aß⸗ reiſe beſuchte er noch zuletzt das Schau⸗ ſpielhaus, wo man eins der beliebteſten Trauerſpiele gab. Dieſes verzoͤgerte ſich⸗— Als er endlich die Loge verließ, um nach ſei⸗ i ner Wohnung, des Grafen Pallaſte zurc zukehren, fand er die Straßen vpß einem 3 plotzlich gefallenen Regen uͤberſchwemmt. Sehr gelegen kamen ihm daher die vielen umherſtehenden Miethswagen, von. denen er ſich einen waͤhlte, und nach ſeiner Woh⸗ nung eilte. Dieſe war erreicht, er langte ein Gold⸗ ſtuͤck hervor, den eiligen Coach⸗man zu belohnen, als dieſer mit dem Ausrufe: O Alla! zu ſeinen Fuͤßen ſank. Erſtaunt ſah der Spanier auf den Knie⸗ enden, in ſein ſchwarzes Geſicht, und fiel in di⸗ Arme ſeines todtgeglaubten Negers Zapato.— „Dieſer entriß ſich der Umarmung ſei⸗ wes freudigen Herrn, ſprang mit Schnel⸗ ligkeit auf den Kutſchbock, hieb die Pferde, und rollte eilig davon. Staunend und die ſeltſame Fuͤgung des Himmels bewundernd, preiſend, ging Don Manuel in ſeine Wohnung, als auch ſchon einige Minuten nach ihm ſein treuer Her der dec lieb To Me ent ner det mt. Zapato hereinſtuͤrzte, und ſeines geliebten 1 len Herrn Haͤnde, unter tauſend Ausrufungen 4 nen der Freude, mit unzaͤhligen Kuſſen bes oh⸗ deckte. Mäͤßige Deine Freude ſprach der Ge⸗ old⸗ liebkoſete, und ſag', wie auch Du dem zu Tode entronnen, und der verheerenden ufe: Macht des Pulvers entgangen biſt. Herr, Alles, Alles ſollſt Du erfahren, nie⸗ entgegnete dieſer, und warf ſich nach ſei⸗ fiel ner Sitte zu Don Manuels Fuͤßen auf e den Boden Allein erſt erlaube mir mich — zu freuen, in Deinem Anſchaun mich zu ſei⸗ ergoͤtzen; nur jener Tag, an dem Mein. nel⸗ Schwerdt bei Palma unter den Algierern rde, wuͤthete, kommt mit dem heutigen gleich Der Spanier zog die Schelle und be⸗ zung fahl Wein. Als dieſer gebracht war, ver⸗ ging ſchloß er die Thuͤr, fuͤllte die Gläſer, und auch erinnerte den vor Freude Trunkenen zu et 4 ee zaͤhlen. Nun denn wohlan! ſprach der Mohr, und erhob ſeine Stimme, die Ermahnung ſeines Abgotts zu erfuͤllen. Du weißt, Herr, begann er, forſchend im Zimmer umherſchauend, daß gleich im zweiten Feuer der Britten, das wir ab⸗ hielten, eine Verwundung mich von Dei⸗ ner Seite riß. Allein ich war nur ſtark betaͤubt. Eine feindliche Kugel ſchlug meh⸗ rere große Splitter aus der Schiffswand und dem Maſte, wovon mich einige am Kopfe und der Bruſt trafen und bewußt⸗ los aufs Oberloff hinſchleuderten. Als Du nun(bas erfuhr ich nachher) Deine treuen v* von den ungetreuen ſonderteſt, und ihrer elf an der Zahl Dich verließen, er⸗ griff mich Sinnloſen einer von ihnen, ein junger Schweizer, den ich einſt bei St. Do⸗ mingo, da er dem Ertrinken nahe war, aus dem Waſſer zog, und der mich lieb⸗ gewonnen hatte, und warf mich mit Hilfe ſein zu dant feind Gna ten( ab, ande Letzte auch. fernt das ruder Gege mich allein die At luppe in die 1. T ohr, ung en ruderten aus Unwiſſenheit, anſtatt in die mich die Erſchrockenen ins Meer werfen, allein in demſelben Augenblicke ſchlug ich in die Luft.— Dieß rettete mich; denn ſeiner Freunde in das herabgelaſſene, ſie zu retten beſtimmte Bvot. Sie ruderten dann mit vereinten Kraͤften auf eins be feindlichen Fahrzeuge zu, und baten um Gnade und Aufnahme, allein die erbitter⸗ ten Englaͤnder feuerten eine Kanone auf ſie ab, deren Kugel Einen theilte, und drei andern die Koͤpfe wegnahm. Unter den Letztern war der mich rettende Schwezer auch.. In der groͤßten Beſtuͤrzung und Eile ent⸗ fernten ſich die Uebrigen von dem Schiffe, das ihnen ſo uͤbel mitgeſpielt hatte, und Gegend des Landes, auf die hohe See.— Da man mich fuͤr todt hielt, wollten die Augen auf, und gerade flog die Scha⸗ 5 der Lebensfunken in mir noch nicht erlo⸗ ſchen ſei. Endlich als die feinblichen Schiffe ih⸗ ren Lauf weſtwaͤrts nahmen, und der Tag zu erſcheinen begann, ſahen die Seefahrer mit Schrecken ein, daß ſie ſich auf hoher See, und mehr, denn hundert Meilen vom Lande entſernt befanden. Gluͤcklicherweiſe ging die See ruhiger, zwar noch ſehr hohl, aber dennoch gelang es uns am Mittage bei Landaf ans Land — zu ſteigen. Ich hatte mich faſt ganz wieder er⸗ holt, um mein Mißgeſchick in ſeiner gan⸗ zen ſchrecklichen Groͤße zu fuͤhlen. D wie gern waͤre ich mit Dir geſtorben! Von uns acht Geretteten verſtand kein Einziger die Sprache der Britten, aber ſehr wohl die unſers leeren Magens.— beim Pulverblitz ſahen die Ungetreuen, daß der kraͤft ſich mitte den Brod uns, die it g — auch meine ehe n alle a Beiſp mit d ſchen, hatte. — allein, tel mi Sum Gluͤcke ſprach einer, ein Schwede, patten daß rl⸗ ih⸗ Tag hrer oher vom iger, lang Land er gan⸗ wie M kein „ ve n gich verlaſſen und waren heim 6 75— der auch noch der Staͤrkſte von uns Su kraͤfteten war, etwas franzoͤſiſch, und machte ſich auf nach dem naͤchſten Dorfe, Lebens⸗ mittel einzukaufen.— Nach einigen Stun⸗ den kehrte er zuruͤck, verſehen mit Wein, Brod und einigen Fruͤchten. Wir labten uns, und ſprachen fleißig den Flaſchen z. die im Kreiſe herumwanderten. 2 Das ſtrenge unaufhorliche Rudern) wie auch der zur Genuͤge genoſſene Wein hatte meine Begleiter und mich muͤde gemacht; ehe noch eine Stunde verging, ſchliefen ſie alle an meiner Seite, und ich folgte ihrem Beiſpiele, nachdem ich meine Kopfw mit dem uͤbrig gebliebenen Weine 8 ſchen, und ſo gut es ging, verbbub hatte. Bei meinem Erwachen fand ich wich allein, und neben mir im Graſe einen Beu⸗ — tel mit einigen Realen. Die Schaͤndlichen 4* davon gegangen. So handelten Chriſten an einem Neger!! Ich eilte hin, wo meine Verzweiflung mich hintrieb, und ließ unvorſichtigerweiſe mein weniges Geld auf dem Ruheplatze zu⸗ ruͤck. Umſonſt durchlief ich bis an den Abend die Gegend, dieſen und den Beutel, den mir die Unbarmherzigen ließen, wieder zu . finden. Allein vergebens. Die Nacht uͤber⸗ Wraſchte mich, und ich war genothigt, im dichten Walde zu bleiben.— Ja Herr, Du kannſt denken, daß meine Verzweiflung den hoͤchſten Grad er⸗ hatte, und daß mir nur ein Strang um mich zu erhaͤngen. Bie ganze fuͤrchterlich lange Nacht durchwachte ich, meine traurige Lage uͤber⸗ denkend, und ſo fand mich die Sonne. Da hoͤrte ich Hundegebell und zwei vor⸗ nehme Britten kamen auf ſchnaubenden Hengſien den Waldweg daher. 7 h ei ve eit ur in re fre er ung eiſe zu⸗ end den zu ber⸗ im daß er⸗ ang acht ber⸗ ne. oor⸗ den Geſchwind eilte ich auf ſie zu, und bat um einige Maravedi. Die Reuter verſtanden mich nicht, ſa⸗ . mich verwundert und mitleidig an, und einer von ihnen warf ein Goldſtuͤck in den dargereichten Hut. So viel hatte hict vermuthet, ich druͤckte meine Freude dur einige hervorgeſtammelte Dankſagungen aus). und jauchzte hoch, indem ich dem Geber, in hollaͤndiſcher Sprache, alles moͤgliche Gluͤck wuͤnſchte. Der Freigebige, der ſchon e reiten willens war, wandte ſein Pf fragte ebenfalls auf n ob 5 dieſe Sprache verſtaͤnde? Freudig bejahete ich ſeine se und er fuhr fort: Armer Teufel, Du vif vol herrenlus? Meine Antwort war: Ich haͤtte mich von einerm hollaͤndiſchen Schiffe, das on 3 dieſer Kuͤſte in die Luft ſi. durh 8 3 Schwimmen gerettet.— Daß ich Dein ſi Sclave geweſen, verſchwieg ich weislich. 2 Willſt Du bei mir bleiben, in meine d Dienſte treten? C WVon Herzen gern! war meine Antwort, b den Iwas konnte mir erwuͤnſchter kommen? V Ich mußte den Britten und ſeinem Be⸗ zt Bleiter folgen, Allah preiſend gehorchte ich. de Bei dem Lord Grosdale, ſo nannte ſich zu mein jetziger Gebieter, der ein Landgut einer Stadt Gloceſter bewohnte, hatte ſch es ſehr gut, bekam eine mit Gold und ſic eſetzte Kleidung, und ein Pferd füͤr mich.— Mein Herr ſchien mein ſchwar⸗ H * zes Geſicht und meine wolligen Haare eben me ſo ſehr zu lieben, als ſie meine uͤbrigen ba Kameraden, deren ſehr viele waren, ver⸗ abſcheueten.— Ich beſaß des Lords Gunſt, ha! und war ſein ſteter Begleiter.— Nach da einiger Zeit verwechſelten wir den Aufent⸗ We halt in Grosdale, mit dem in der Haupt⸗ ma ſtadt Britanniens, dem großen Mit Schaudern ſah ich aber, daß hier der Menſchenhandel unter den Chriſten im Gange ſei, denn jeder von meines S bieters vielen Freunden ſuchte mich durch Verſprechungen von vielem Gelde an ſich zu ziehen, und dem Lord Grosdale wur⸗ den anſehnliche Summen, in meinen zu kommen, geboten. Man ſuchte mich nicht meiner ete. ſchaften, ſondern meines ſchwarzen Ge⸗ ſichts wegen, zu kaufen. Mit Schrecken erinnerte ich mich des Hollaͤnders auf Angoi.— Täglich lernte ich„ mehr von der Sprache der Britten, und bald ſprach und verſtand ich ſie ſehr gut.— Nach einigen Wochen unſers Auſent halts in London ſtuͤrzte mein He da er mit einem andern Edelmaune tihtſ Wettritt hielt, mit ſeinem Hengſte u man brachte ihn mit Blut. bedec ein — 80— Schloß. Noch in derſelben Nacht raffte un ihn ein Blutſtürz dahin, und ich verlor teh einen guten Gebieter. He Vor ſeinem Scheiden hatte er ſeinen ſtol letzten Willen aufſetzen laſſen, worin er„ auf mir(nahe Anverwandten beſaß er nicht), ihn Zwei ſeiner Pferde und hundert Pfund, ſei⸗ C nem Kutſcher, den er wegen ſeines ſtarken, Sp furchterlichen Bartes nach mir am meiſten bric . liebte, zwei ſeiner Wagen, vier Pferde und eebenfalls hundert Pfund ſchenkte. Dieſer Kutſcher beredete mich, mein viell Erbtheil mit dem ſeinigen zu vermiſchen, mich noch zwei Wagen zu kaufen, und dieſe fuͤr Sar Geld zu vermiethen. ich Aus Furcht, noch verkauſt, und wie in ſelt, Angoi gemißhandelt zu werden, nahm ich mich ſein Anerbieten an, und dreimal geprieſen bald ſei es, durch dieß fand ich Dich, Herr, liches wieder.— Ich habe Afra, dem Kutſcher, wiede meinen Antheil am geloͤſten Gelde geſchenkt, lu — 81— fte um, wenn Du es erlaubſt, mit Dir zu or leben und zu ſterben.— Und nun, lieber Herr, laß uns ſo bald wie moͤglich der en ſtolzen Britten Land verlaſſen, um wieder er auf dem Oceane umher zu kreuzen, und N ihnen die Spitze zu bieten.— i⸗ Halt ein, Zapato, unterbrach ihn der Spanier, und hor⸗ mich an, aber unter⸗ n brich mich nicht!—— 7 d Sprich Herr, Dein Sclabe hoͤrt. Hier in unſerer Feinde Land, das ich n vielleicht nie wieder verlaſſe, kennt man ntich unter dem Namen Don Manuel di Sarag aus Cordova. Dieſen Litel habe— ich mit dem engliſchen Guerniſh verwech⸗ ſelt, denn ich bin verheirathet, habe ein mich liebendes Weib, und bin vielleicht bald Vater. Nie werde ich ein ſo gefaͤhr⸗ liches, und eben nicht ehrehdes Gewerbe wieber ergreifen.— Dieß iſt Kejn Snt. hluß, willſt Du bei mir bleiben? 82— Aber Euraſia, Herr!— Kuͤmmert Dich nicht, willſt Du bei mir bleiben? Kannſt Du fragen Herr, ſprach der Mohr, und kuͤßte ſeine Hand, ich bleibe bei Dir, und waͤre unſer Aufenthalt in den Wuͤſteneien meines Landes. Die ganze Nacht verabredeten und be⸗ Mnſgnt ſich der Herr und Diener, oder die beiden Freunde, und am Morgen, als Zapato ſich von ſeinem Bekannten, dem Kutſcher, ein Pferd des verſtorbenen Lords zu ſeinem Antheile erbeten hatte, verließen beide die Hauptſtadt, und machten ſich auf den Weg nach dem Landgute Don Ma⸗ nuels des Spaniers⸗ Da ſie ihre Reiſe beſchleunigten, ka⸗ men ſie in einigen Tagen in Guerniſh an, wo des Negers Ankunſt die in. ſtaunen ſetzte. Der neue Englaͤnder erzaͤhlte ihr ni de ſu erh in in lich bei der ibe den Grafen Larry des Mohren Schickſale mit Abaͤnderungen, und Jenny verſicherte, die Schwaͤrze ſeiner Haut ſei ſelten und ſchön. Der Graf aͤußerte, nach ſeinem Knv⸗ chenbau und ſeiner Muskelſtaͤrke zu urthei⸗ len, muͤſſe er Herkuleskraſt haben. Zapato, der ſich von beiden, als ein Wunderthier betrachtet ſah, und ihre An⸗ merkungen hoͤrte, murmelte einige ſpa⸗ niſche Nationalfluͤche, und ging hinab an den Strand, das geliebte Element zu be⸗ ſuchen. Einige Wochen nach Zapato's Ankunft erhielt der Spanier einen Brief, der ihn in Unruhe verſetzte. Er rief den teger in ſein Zimmer, und verſchloß bieſes. Hoͤre, Zapato, ſprach er, mein gläc⸗ licher Himmel faͤngt ſchon früh an ſich zu umwoͤlken, und wer weiß, wi ſh 84 der Sturm losbricht, und uns wieder hin auf den Ocean jagt. Herr, begann der Mohr, Du machſt mich erſtaunen! Seine Augen funkelten bei dem Worte Ocean. Hier iſt, fuhr Don Manuel fort, hier iſt ein Brief von Capitain Leyva, Befehls⸗ haber des Centaurs, der ſich jetzt in dem Hafen von Porto⸗Nova aufhaͤlt.— Merk Auf, ſonderbar genug, er iſt in engliſcher Sprache geſchrieben. Admiral! „Wenn Ihr in den Hafen der Ruhe „eingelaufen zu ſein glaubt, und einen „feſten Ankergrund gefunden zu haben „meint, ſo irrt Ihr Euch gewaltig, „und Eure Charten und Buͤcher, Com⸗ „paͤſſe u. ſ. w. truͤgen. Die Englaͤn⸗ „der wiſſen, daß Ihr Euch in ihrem „Lande aufhaltet, und ſpuͤren Eurer „Fuͤhrte nach: demnach rathe ich Euch 85 „wohlmeinend, je eher, je lieber die „Ankertaue zu kappen, und in See zu „gehen, ehe man mit Euch Bord an „Bord ſpricht. „Uebrigens finde ich Euern Entſchluß, „in Feindesland Euch niederzulaſſen, „ſehr ſonderbar, und, mit Erlaubniß, „ſehr thoͤricht, und wer Euern Charac⸗ „ter, der nicht an ſtetes Stillſitzen ge⸗ „woͤhnt iſt, und es nie werden wird, „kennt, kann mit Recht ſo urtheilen. „Capitain Louis, der im mittellaͤn⸗ „diſchen Meere kreuzte, hat einen hef⸗ „tigen Streit mit den Malteſern ge⸗ „habt, und viele ſeiner bravſten Leute „verloren, endlich aber das Schiff und „reiche Ladung als Beute davon gefuͤhrt. „Admiral, Ihr wißt, Briefe zu ſchrei „ben iſt eben nicht meine Sache, 6 nur „der Degen iſt meine Feder, alſo „Nachſicht mit meinen ſchiefen 86 „ſtaben, und ſeht nur das grade Herz „und den Rath Eures Freundes und Un⸗ „tergebenen an.— Verlaßt England, „denn der Verraͤther ſchlaͤft nicht. In „kurzem erſcheint einer Eurer Freunde „an des Feindes Kuͤſte, Euch fort, hin „in unſere Mitte zu fuͤhren, und zu „neuen, herrlichen Thaten anzufeuern, „die Euern Namen beruͤhmter und „furchtbarer machen werden. „Zaudern mehret die Gefahr, und „hochroth ſcheint es in Weſten, und „bricht er los der Sturm, dann hilft „kein Auswerfen, die Sandbaͤnke und „Untiefen liegen verſteckt.— So ſpricht „Euer Freund Leyva da Rado, Capitain des Centaurs. Nun was ſagſt Du, Zapato? fragte der Spanier den Neger, als er endete. ————————— Daß wir des alten, erfahrenen Leyßas Rathe folgen und die erſte Gelegenheit ſü⸗ chen, dieſes Land zu verlaſſen! antwortete der Befragte, und horchte aufs hoͤchſte ge⸗ ſpannt auf des Fragers Meinung. Ich werde bleiben, das Schlimmſte er⸗ warten, und darauf gefaßt ſeyn! ſprach Don Manuel feſt, und ſteckte den Brief in ſein Portefeuille. Herr, Du befiehlſt und Dein Sclave weiß zu gehorchen, entgegnete Zapato, und ging wehmuͤthig fort. So ſehr ſich auch der Spanier zu ver⸗ ſiellen ſuchte, gelang es ihm doch nur halb. Eine gewiſſe Unruhe war uͤber ſein ganzes Weſen ausgebreitet, welches auch der Laby nicht entging.— Theilnehinend fragte ſie nach der Urſache ſeines Kummers, und erhielt eine unbefriedigende vu auch , der befragte Mohr, den ſie als den ein⸗ zigen Vertrauten ſeines Herrn kannte, wich ihr aus, und that unwiſſend. Dieß, und das duͤſtere Benehmen ihres geliebten Gat⸗ ten verſetzten ſie in einen peinigenden Zu⸗ ſtand. Einſt, als am Nachmittage der Spa⸗ nier mit ſeinem Zapato nach Williamscaſtle zu dem Grafen hinuͤbergeritten war, eilte Jenny, von Unruhe getrieben, auf des erſteren Zimmer.— Sein Buͤreau war geoffnet; mit zitternder Hand durchſuchte ſie ſeine Papiere, die unordentlich und zer⸗ ſtreut umherlagen, und fand keinen Auf⸗ ſchluß in ihnen. Ihres Gatten Brieftaſche „ ihr in die Augen, vergeblich ſuchte ſie mit Heftigkeit dieſe zu oͤffnen, ihre Muͤhe blieb immer unbelohnt.— Da oͤffnete ſich die Thuͤr, heſtig bebte Jenny zuſammen, der Beweis ihrer Schuld entfiel ihren zit⸗ ternden Haͤnden, und ſprang auf. — Die Erſchrockene war dem Sinken nahe, als ihre getreue, folgſame Huͤndin ſie er⸗ munterte. Neues Leben durchſtroͤmte die ſtockenden Adern der bebenden Englaͤnderin, als ſie in ihr den Gegenſtand ihrer Furcht erblickte.— Sie raffte die offene Brief⸗ taſche eilig auf, mit dem feſten Vorſatze, ſie, ohne den Inhalt kennen zu lernen, zu ſchließen. Aber hin war das loͤbliche Vor⸗ nehmen, als ihr Lehba's engliſcher Brief in die Hand fiel. Mit Zittern las Jenny bis zu Ende, fuͤrchterliche Dinge ahnend, dann durch⸗ ſuuchte ſie mit Gier die uͤbrigen Papiere, die außer verſchiedenen Wechſeln und Bankno⸗ ten, mehrere Briefe und Zettel, in ſpani⸗ ſcher Sprache geſchrieben, enthielten.— In einer eignen verſteckten Abtheilung be⸗ fand ſich ihr Miniatur-Gemaͤlde, und das eines Frauenzimmers in itakieniſcher Klei⸗ dung. 90 Mit den keimenden Regungen des Er⸗ ſtaunens und der Eiferſucht betrachtete Jenny die ſchoͤnen erhabenen Zuͤge, und las am Rande des Bildes den Namen Euraſia; da toͤnte Hufſchlag auf dem gepflaſterten Hofe, und ihr Gatte ſprang vom Pferde. Schnell und verwirrt ſchloß die Eng⸗ laͤnderin die noch offene Brieftaſche und eilte aus dem Zimmer, wo ſie nicht tugend⸗ haft handelte, ihrem Don Manuel entge⸗ gen, deſſen Blick ihr truͤber ſchien, denn je⸗ mals. Mit Muͤhe gelang es ihr, eine her⸗ vorbrechende Thraͤne zu verbergen, als er ſie in ſeine Arme ſchloß, und mit unge⸗ woͤhnlicher Herzlichkeit an ſich druͤckte. AZber mit Entzuͤcken bemerkte ſie, daß ſich mit jedem kommenden Tage ſein Truͤb⸗ — ſinn verlör, und er bald ganz wieder hei⸗ ter zu ſein ſchien. Ein gewiſſes unerklar⸗ bares Etwas hielt ſie ab, ihrem Bruder, dem Grafen, die gemachten Entdeckungen e( c —( e Er⸗ ete as ia; ten de. g⸗ d⸗ ge je⸗ err er ge⸗ ß b⸗ ei⸗ ͤr⸗ er, mitzutheilen, ja ſie ſuchte ſich immer mehr zu uͤberreden, der gefundene Brief, dem die Addreſſe fehlte, ſei einem Andern be⸗ ſtimmt. Auch der Spanier, nach Verlauf eini⸗ ger Wochen, fing an, der Warnung und des freundſchaftlichen Rathes des Capitain Leyva's zu vergeſſen, und ſich ganz ſicher zu glauben, als ihn ein neuer unvorher⸗ geſehener Vorfall vom Gegentheile uͤber⸗ zeugte. Einſt ſchon ſpaͤt am Abende, als ſich der Graf, der in Guerniſh angekommen war, von dem Ritte ermuͤdet, zur Ruhe gelegt hatte, trat Zapato, der Neet⸗„in des Spaniers Zimmer. Herr, ſprach er, und that genniß⸗ voll, ich habe einen Brief an Dich!— Einen Brief? ſprach Don Mannel, und ſah verwundert in das ſchnotz Ge⸗ ſicht ſeines Sclaven. Du weißt, Herr, mein Lieblingsweg iſt der am Strande des Meeres, wo ich bei jedem voruͤberſegelnden Schiffe mich unſerer Fahrten und Kreuzzuͤge erinnere, und an die Rhede von Anafé, an das Seegefecht bei Bengaſi, oder an den Ver⸗ wuͤſter, der hundert und eine Kanonen fuͤhrte, und——— Halt ein, Schwaͤtzer! unterbrach der Ungeduldige, komm zur Sache.— Vergieb, Herr, ſprach der beſchaͤmte Afrikaner. Bei dieſem Luſtwandeln uͤber⸗ gab mir ein Unbekanter den Brief an Dich, und eilte davon. Hier iſt er!—— Von den Bundesgenoſſen; redete der Erwartungsvolle, als er das Siegel beſe⸗ hen hatte, oͤffnete das Schreiben, und las: „Willſt Du, Sohn des Poſeidon, „willſt Du am Buſen des Freundes „Deine Herrlichkeit vergeſſen, ſo ſteig' „herab von Deinem ſchon wankenden — veg ich re, s er⸗ en er te 5 ſe⸗ n es „Throne, und finde Dich morgen, ehe „des Tages Sonne erſcheint, in der „Schenke des am Strande liegenden „Dorfes Aveeply ein. Die mindeſte „Verzoͤgerung reißt den Zepter aus „Deiner Hand, und bringt Dich dem „Verderben naͤher.“ Ich glaube, man treibt Spott mit mir, ſprach der Andaluſier, der Brief iſt ohne Unterſchrift. Wirſt Du der Weiſung folgen? fragte Zapato. Ja, ich werde. Redete Dich der Ue⸗ berbringer dieſes in ſpaniſcher Sprach an? Nein, in der der Britten. Er von hoher Geſtalt, und gehuͤllt braunen Mantel. Weiter erlauh Daͤmmerung nichts zu erkennen Ich ahnde! aͤußerte Don Män zernichtete den Brief. Was ahndeſt Du, Herr? fragte der w Beſorgte. la Daß Dein Wunſch, in See zu gehen, bald vielleicht erfuͤllt werden wird. Ge⸗ ut wiß iſt ein Schiff in der Naͤhe.— ſte Der Fiſcher, der oben am Strande ſc wohnt, will heute in der Fruͤhe des Mor⸗ ze gens mehrere ferne Kanonenſchuͤſſe gehoͤrt S haben. Geh' zur Ruhe Zapato, und wecke mich ſa morgen fruͤh, ſehr fruͤh, horſt Du, ſprach tti Don Manuel, und der Mohr ging. ßti Die Erwartung des da Kommenden ließ ihn die Nacht nicht ruhen, er ſtand noch de früh vor Tagesanbruch auf, und eilte hin⸗ in den Garten, wo ihn Zapato, der cken, ſich vom Lager aufgerafft es an der Zeit? fragte der —— vier Uhr, war des Negers Ant⸗ laſſen. Sie verließ mich, ſprach Don Manne und ging, ſich anzukleiden. Zapato 6 ſtete ihm hilfreiche Hand. Als dieſes ge⸗ ſchehen, befahl er dem Mohr, ſeine Ter⸗§ zerolen zu laden, und ſetzte ſich zum Schreiben. Schweigend gehorchte der Reger, ſah dann auf ſeinen Herrn, der den Schreib⸗ tiſch verſchloß und die S ein⸗ ſteckte. der Mohr mit Aengſtlichkeit. Du wirſt in Guernifh tueiti— Ich flehe Dich an, erlaube mir— Du bleibſt hier Zapato, aus Urſachen. Welche Urſachen? ſtammielte der Be⸗ troffene, und hielt inne, denn ein ſehr ern⸗ ſier Blick ſeines Herrn machte ihn ſtumm. Werde ich Dich begleiten, Hert nt 4 Mit Muͤhe unterbruͤckte er 2 e, D haſt von erbitterter Aufwallung, und ſprach mit wehmuͤthigem Tone: Dießmal wird es dem Sclaven ſchwer, zu gehorchen. Aber er gehorcht doch, aͤußerte Don Manuel, und ging nach der Thuͤr, dann vandte er ſich, und reichte dem Neger die Hand dar: Leb' wohl, Zapato! Mit Kuͤſſen bedeckte ſie der Verſoͤhnte, nd Thraͤnen rollten von ſeinen Wangen, ls ob ihn ſein Herr auf immer verließe. Mit zitternder Hand und naſſem Auge hielt er nun den Buͤgel ſeines Pferdes und ſtand noch lange auf dem Huͤgel bei Guer⸗ niſh, um den Geliebten noch in weiter Ferne zu ſehen. Aveeply lag beinahe drei engliſche Mei⸗ len von Guerniſh entfernt, an der Mee⸗ resſeite in einem Grunde, von Bergen und Gehoͤlz umgeben, nur ſieben Meilen von Sot und Haͤt Gu abn er fren Iht Ga Na und wie S N ———————— — Soutwage. Don Manuel erreichte es balb, und trabte der Schenke, einem elenden Haͤuschen, zu. Sie ſind der Herr von Guerniſh? ft5 der Wirth, ſein Pferd abnehmend. Als der Abgeſtiegene es bejahte, fuhr er fort: ein geſtern hier angekommener fremder Herr erwartet Sie, Sir, ich werde Ihnen ſein Zimmer zeigen. Dieß geſchah; in geſpannter Erwar⸗ tung trat der Spanier ein, und ſank in die Arme ſeines Freundes Altamor. Du hier? ſprach der Verwunderte, als der Freudetaumel etwas verraucht war, Das ahnte mir. Ich hier, um den Admiral Velasco da Gaſton von dannen zu führen.— Ich bitte Dich Altamor, laß Litel und tamen weg, mein jetziger iſt Guerniſh⸗ und mein feſter Vorſatz, Sl wieder zu verlaſſen. I. Theil. 5 Der aber ſcheitern wird, ſprach Alta⸗ mor ernſt. Nicht ſehr weit von St. Davids liegt der Delphin mit vierzig Kanonen in einer ſeſten Bucht, und man harret nur Deiner, um die Anker zu lichten. Noch einige Tage Aufenthalt hier, und man hebt Dich auf; dann kannſt Du Dich haͤngen laſſen, oder Zeitlebens die feſien Mauern des Towers in London beſchauen. — Du laͤchelſt, ſchuͤttelſt den Kopf? Ich ſehe, ich muß Dir die Sache in dem rech⸗ ten hellen Lichte zeigen. Hoͤr mich an: Mich ſendet der Capi⸗ tain Leyva, Dich Unbeſonnenen zu retten⸗ Man weiß, daß Du Dich in England, nicht weit von Savern aufhaͤltſt. Deine eigenen Leute, die ſich von dem zerſchmet⸗ terten Schiffe gerettet haben, ſind Deine Verräther geworden. Si hatten naͤmlich⸗ als das von vr rrei der —— Schaluppe mitgenommene Geld aufgezehrt war, mit einer Raͤuberbande, die ſich in den Waͤldern von Weſiſex aufhaͤlt, gemein⸗ ſchaftliche Sache gemacht. Einer von ih⸗ nen, den Du, als er mit andern Schot⸗ ten Deinen Freund, den engliſchen Grafen, uͤberfiel, als todt auf dem Platze liegen ließeſt, hat Deine Zuͤge erkannt, und Deine Gegenwart hier, ſo wie Deinen Aufenthalt dem Gerichte angezeigt.— Man hatte ihn bei einem Finbruche nicht weit von Oyford gefangen, und um ſich zu retten, ward er Dein Verraͤther. Du ſiehſt und hoͤrſt, ich weiß Alles, und dennoch ſcheinſt Du meine Ausſage in Zweifel zu ziehen, aber hier iſt von un⸗ ſerm Londoner Correſpondenten Polon ein Brief, der wird ſie beſtaͤtigen. Ungläu⸗ biger!— Altamor zog einen Brief hervor und reichte ihn dem Erſtaunten Dieſer as S 8 — 100— ihn mit ſichtbarer Unruhe, und ſprach dann feſier: Ich bin uͤberzeugt, und muß fort, muß dieſe Inſel verlaſſen, mein Weib, dieſe herrlichen Fluren, in denen ich Ruhe zu finden hoffte, ſie fand, um nur kurze Zeit zu genießen. Heute um Mitternacht ſei meiner gewaͤrtig, dann wollen wir Alles verabreden, und morgen, morgen viel⸗ leicht auf immer dieſes Land verlaſſen. Keine zu lange Verzoͤgerung! ermahnte Altamor. Erſt wenn wir weit uͤber die Inſel Sorlingues hinaus, im unermeßli⸗ chen Weltmeere umherſchwimmen, erſt dann koͤnnen wir uns aus der Britten Haͤnde gerettet nennen, und ihnen die Spitze bieten. Wie ſtark iſt der Delphin bemannt? fragte der Spanier, in Gedanken verſunken. Nicht volle ſiebenzig Mann. Ein Zu⸗ ſammentreffen mit den Hollaͤndern vei der de ve in ge — 101 — Hoͤhe von Finisterre hat uns mehrere brave Krieger und den Lieutenant Anſelto 1. ſtet.—— Mein Entſchluß iſt gefaßt, unterbrach ihn der aus tiefem Nachdenken Erwachte. Leb' wohl, Altamor, um Mitternacht ſiehſt Du mich wieder. Er druͤckte dem Freunde die Hand und ſprengte dann nach Guerniſh zuruͤck. Am Thore eilte ihm Zapato freudig entgegen. Nun, Herr, rief er, gute Nachricht? Dich wird ſie entzuͤcken, mich druͤckt ſie zu Boden. Morgen verlaſſen wir Eng⸗ lands Geſtade. Mit trauriger Miene fuͤhrte der Mohr den Hengſt in den Stall; ſein Herr eilte Wins Zimmer. der Der Graf Larry hatte eben das Lager verlaſſen, wie auch die Lady. Man ging in den Garten, den ſchoͤnen We zu genießen.— P Große Anſtrengung koſiete es dem Spa⸗ nier, ſeine Stimmung, die nicht mit der Schoͤnheit des Morgens harmonirte, vor dem Grafen und ſeiner Schweſter zu ver⸗ bergen, welche der ſchon werdende Tag heiter gemacht hatte. Larry, der nur bis nach Mittag in Guerniſh bleiben wollte, und den auch Beider Bitten und Zureden von ſeinem Vor⸗ haben nicht abbringen konnten, ſchlug eine Spazierfahrt in die Gegend vor, die von der Lady gern, von Don Manuel ſehr un⸗ gern angenommen wurde.— Man waͤhlte den Diſtrict am Meere, nach Sontwage, wo man zu Mittage eſſen wollte. Don Manuel, dem ſein widriges Schick⸗ ſal, die Trennung von ſeiner Jenny, dem Grafen und ganz England vor Augen ſchwebte, ſprach wenig, und ſeine peini⸗ gende Unruhe mußte der Lady, die ihn im⸗ mer beobachtete, auffallen. Der Graf hin⸗ — c ——————————— — gegen bemerkte nichts, weil er, da er ſelbſt die wildbrauſenden Roſſe regierte, zu ſehr beſchaͤftigt war. In Soutwage, wo der Graf weder Freunde noch Anverwandte beſaß, waͤhlte er den beſten der Gaſthoͤfe, und ging bis zur Mittagszeit in das allgemeine Zimmer. Der Spanier muſierte die Anweſenden, und ſeine rollenden Augen trafen auf Alta⸗ mor, der mit einem andern Schach ſpielte. Auch dieſer erblickte ihn, ſchien verwun⸗ dert, und gab ihm einen bedeutenden Wink, den der Betaͤubte verſtand. Man ſchien ſich nicht zu kennen, und Altamor war zu ſehr mit dem Spiele be⸗ ſchaͤftigt, um den Bundesgenoſſen weiter ſeiner Aufmerkſamkeit zu wuͤrdigen. Die Zeit der Mittagstafel kam, man entfernte ſich; da nahm der nicht mehr ſpielende Seefahrer eine gänſtige Gelegen⸗ — 104 heit wahr, und druͤckte dem Freunde ein Papier in die Hand. Nach dem Eſſen, wobei man ſehr we⸗ nig ſprach, von beiden Theilen noch weni⸗ ger aß, und aͤngſtlich ſchien, ſuchte Don Manuel den Inhalt des Zettels zu erfah⸗ ren, ſchlich ſich in den Garten hinab, und zog, als er ſich unbemerkt glaubte, den Gegenſtand ſeiner Neugierde hervor. Allein ſonderbar und unerwartet iſt das Spiel des Zufalls. Jenny befand ſich am Fenſter, das die Ausſicht nach dem Parke hatte, und des ſpaͤhenden Andaluſiers Blicken entgangen war.— Sie ſah ihren Gatten mit emſi⸗ ger Hand ein Papier entfalten und ſeinen Inhalt mit groͤßter Eile durchlaufen. Ihre Eiferſucht erwachte und käͤmpfte mit der ſich ihr entgegenſtellenden Vernunft; doch end⸗ lich ſiegte die letztere, und aus den ſchoͤnen Augen der Englaͤnderin brachen Thraͤnen. —— M — R — 105— Ihres Gatten Untreue hielt ſie fuͤr ge⸗ wiß, ſeine bisherige Unruhe, die Urſache ſeines ſeltſamen Betragens, war ihr nur zu klar. Hundert verſchiedene Gedanken durch⸗ kreuzten den Kopf des Weibes, das ſich endlich ſehr weislich entſchloß, von ihrem Argwohne ſich ſelbſt zu uͤberzeugen, und mit dieſem ſtandhaften Vorſatze zu ihrem Gatten und Bruder zuruͤckkehrte. Der erſtere wuͤnſchte Soutwage zu verlaſſen. Seine ſtuͤrmiſche Unruhe entging dem ſpaͤ⸗ henden Blicke der Gattin nicht, und war ihr raͤthſelhaft. Sie warf einen bedeutenden, fragen⸗ den Blick auf den verlegenen Gatten, und verließ das Zimmer. Bei ihrer Zuruͤckkunft fand ſie es leer, und jenes geheimnißvolle Papier, die Ur⸗ ſache ihres Kummers, das dem Spanier 106— beim Hervorziehen des Tuches entfallen war, lag am Boden. Mit einer Haſtigkeit und Angſt, uͤber⸗ raſcht zu werden, die ſich nur denken, nicht beſchreiben laͤßt, offnete ſie den Zettel und fand nur jene wenigen Worte: „Uum Mitternacht erwarte ich Dich, „unſerer Abrede gemaͤß, in Aveeply, „ſchon mehret ſich die Gefahr. Mor⸗ „gen, wenn England in Nebel gehuͤllt „hinter uns ſich verliert, ſind wir ge⸗ „borgen.“* „ A„N* Mit Zittern endete die Lady. Ihr Pian war gemacht, ihr Entſchluß gefaßt, als der Diener ihr meldete, der Wagen ſtehe bereit. Man war in Guerniſh kaum angekom⸗ men, als Larry ſchon Anſtalt machte, daſ⸗ ſelbe wieder zu verlaſſen, und mit den bei⸗ den ihm Theuern nach Williamscaſtle zu⸗ ruͤckzukehren, allein der Spanier war durch an er it. bei⸗ zu⸗ rch —.—————— kein Bitten hiezu zu bewegen; er gab noch noͤthige Geſchaͤfte vor, und man erhielk nichts, als das Verſprechen von ihm, am andern Tage im Schloſſe einzutreffen. Jenny, deren Plan ſchon auf dem Wege erdacht, genau gepruͤft, und fuͤr gut befunden war, druͤckte einen heißen Kuß auf ihres Gatten Lippen, den dieſer mit Feuer erwiederte, und ſprang in den Wagen, der mit ihr und dem Bruder da⸗ hin rollte. Voll Verzweiflung ſah Don Manuel in die Gegend, wo der Staub des eilenden Phaetons verſchwand, den er mit ſeinem Inhalte vielleicht zum letzten Male ſah. Mit zerriſſenem Herzen warf er ſich auf den Huͤgel vor ſeiner Wohnung hin, und verwuͤnſchte die Ankunft Altamors des Un⸗ gluͤcksboten, ſein ganzes Leben, und den Zufall, der ihn vor Mehreren vom Tode gerettet hatte. — Zapato, der Mohr, ſuchte den Herrn zu troͤſten, der Spanier ſtieß ihn zuruͤck. Heuchle keine Theilnahme, ſprach er duͤſter, laͤngſt war es Dein Wunſch, Eng⸗ land zu verlaſſen; er wird erfuͤllt, und Du ſollteſt trauern? Herr, antwortete der Zuruͤckgewieſene, Du thuſt mir, vielleicht zum erſten Male, Unrecht. Ich liebe Dich wie meinen Gott; kann ich froh ſein bei Deinem Schmerze, kann ich lachen, kann ich mich freuen, wenn Deine Thraͤnen fließen? Glaubſt Du, nur der Chriſten Her⸗ zen belebt Gefuͤhl?—— Afrika's heiße Sonne hat zwar mein Aeußeres verbrannt, mich ſchwarz, rabenſchwarz gemacht; aber mein Inneres blieb unverſehrt, blieb weiß. Mein Herz blieb wie das Deine. Jahrelang diente ich Dir, und Du kennſt mich noch nicht beſſer?—— For⸗ dere mein Leben, gern und willig opfere ——————— — 109— ich es fuͤr Dein Wohl auf. Konnlk ich nur das Geſchehene ungeſchehen machen, die Gefahr, die Dir drohet, wenn Du im Lande der Britten bleibſt, von Deinem Haupte abwende Vergieb Zapatß ſiel ihm der Geruͤhrte ins Wort. Geh' hd nutze die noch uͤbrige kurze Zeit, waͤhlh die beſten Deiner Sa⸗ chen.— Morge ſchon, fruͤh ehe die, Sonne aus dem emprſtigt ichtet Weib, mein Kinb, das im Entſtehen 2 — Geh, Zapato, laß n mich allein mit meinem Schmerze; geh, ich bitte, ich be⸗ fiſle!—— M Allah mag ſorgen! ſeufzte der Afri⸗ kaner, und ging mit unſchluͤſſigen ten dem Schloſſe zu. Bis gegen Abend, als die Sonne letzten rothen Strahlen uͤber die Erde warf, weilte der Andaluſier, in Gram verſunken 3 6 3 2 auf dem Huͤgel, dann ſprüng er auf, und eilte geſtaͤrkt nach Guerniſh.— Sein treuer Mohr begleitete ihn ins Zimmer; beide ſchwiegen.— Mit emſiger Hand ſchrieb Don Manuel, bverſiegelte mehrere Papiere, zerriß und verhrannte viele, und ſchrieb wieder.— Zaäpato erinnerte ihn an die Stunde der Mitternacht. Du haſt recht! ſprach der Geſtorte mit einem tiefen Seufzer. Geh und ſattle zwei Pferde, dießmal kannſt Du mich begleiten. Der Mohr eilte zu gehorchen⸗ und bald beſtiegen ſie die Roſſe⸗ Stillſchweigend ritten ſie den Weg nach Aveeplyrund kamen, als die Dorfglocke Mitternacht verkuͤndete, dort an.— Al⸗ tamor, der Freund, harrte ihrer. Willkommen, Sennor Altamor! prach Zapato, ihm die Hand druͤckend, willtom⸗ men in England. e e— — 8 1— T— tonnen nicht ſcher gemacht, redelꝰ die⸗ ſer, ſeinen Gruß erwiedernd. Ich wollte, mich haͤtten ſie getroffen, wie die uͤbrige Manyſchaft des Hector, dann wuͤrde ich mein Herrn nicht leiden ſehen, aͤußerte Za, 6, denn er ſahe den Spanier in tiefen, Admita bc h ach A! r Denkenden Hand th R Du 2 — Sey ein Mann, und en añ den Co⸗ ſttibt Deinen wer.—/ Säg' m Sinn, was haſt Du Menſch! rief. wild, und warf den Troſtſprechendern von ſich. Laß ich nicht ein liebendeß Weib, einen Freund, 23n das bald mich Vater nennen wird⸗ zuruͤck. Iſt das nicht ge⸗ nug, mich in i zu Bri und Du kannſt fragen? Nimm Dein Weib mit, ſprach der Ber⸗ ſtoßene nit Dich n — y— Jenny kennt mich als den Spanier Don Manuel, nicht als Haupt der See⸗ raͤuber. Horch! fuhr der Mohr auf, und Alta⸗ mor ſprach: Was haſt Du? Mir wars, als hoͤrte ich einen Schrei, ſ ach gapato 6 kanns Taͤuſchung ge⸗ en ſin.— Das wird es! ſpottete Altamor, und warf ſich in einen Seſſel. Es herrſchte tieſes Stillſchweigen, dann murmelte der Spanier einige unverſtaͤndliche Worte: der Graf⸗ der Graf!—— Was ſoll er? fragte Altamor. Der Graf Larry, fuhr Don Manuel fort, iſt aus einem der angeſehenſten Haͤu⸗ ſer Großbritanniens, ſeine Voreltern beklei⸗ deten die hoͤchſten Aemter, ſeinen Namen kennt ganz England; wird er mich nicht verabſcheuen, mir nicht fluchen, wenn er erfaͤhrt, daß ſeine Schweſter, die reiche S c— 68 c „ Dich nicht mehr; hat Dich ein Weib ſo Lady Trory, Wittwe eines Sherifs von London, dem Seekaper Velasco ihre Hand gab?— Was Du auch redeſt, Admiral! unter⸗ brach ihn Altamor.— Iſt Dein Name nicht beruͤhmter, Jals der des Grafen? Den ſeinen kennt hier die ganze Inſel. Den Namen Velasds da Gaſton kennen alle Geſtade, vom noͤrdlichen und weſtli⸗ chen Oceane beſpuͤlt, und alle ſeefahren⸗ den Nationen erfuͤllt er mit Furcht und Schrecken. Reich iſt Mylord Larry, kann er ſich mit Dir meſſen? Bei Gott, mit dem Untergange des Hector ging eine reiche Ladung in die Luft!— Waͤr ich mit ihr in dieſLuſt gegangen, ſeufzte der Admiral Velasc Dann faͤnde ſich ein Anderer, der Dei⸗ nen Platz erſetzte. Admiral, ich kenns — veraͤndern, ſo umſchaffen koͤnnen? Dich ein Weib zum Weibe machen? Ein Weib, aber nur einzig in ſeiner Art, Gefuͤhlloſer! Beim Himmel! ſchwur Altamor, und ergriff des Leidenden Hand, ich bin nicht gefuͤhllos. Deine Leiden, Dein Mißge⸗ ſchick zerreißen mein Innerſtes. Wie gern wuͤrde ich helfen! Aber hier bleiben kannſt Du nicht, und verbaͤrgeſt Du Dich oben in der Spitze des gebirgigten Schottlands, man wuͤrde Dich zu finden wiſſen. Ein Mittel bleibt noch, die Haͤlfte, und zwar die groͤßte, Deiner Wuͤnſche zu erfuͤllen. Und welches? fragte der Haſtige. Por' mich an: Mein Vorhaben iſt, da es unſere Abreiſe noch um einen Tag ver⸗ zoͤgert, ſehr gefahrvoll.— Noch in dieſer Nacht nehm' ich Diinen Renner, und fliege in die Gegend von St. ——„——+„—„— —„ M S. Davids, einige der Entſchleſſenſten von der Mannſchaft auszuſuchen. Mit dieſen dringe ich die Nacht in Dein Schloß Gu⸗ erniſh, entfuͤhre Dein Weib, bringe ſie nach——— Halt ein! fuhr der Spanier auf, ſpare Deiner Rede Worte und Deiner Zunge Ge⸗ laͤufigkeit. Nimmermehr erhaͤltſt Du meine Einwilligung zu dieſem Bubenſtuͤcke. Jenny mag bleiben, mich verabſcheuen, mich ver⸗ geſſen, nie werde ich ſie den Armen ihres Bruders entreißen. Waͤre mir vorher kund geweſen, ſprach der Rathgeber, was ich jetzt weiß, ich wuͤrde geſchwiegen und keines Mittels er⸗ waͤhnt haben.— Du gehſt morgen unter Seegel. Wir nehmen unſern Lauf nach dem wuͤſten Formentera, wo ſich unſere Freunde verſammeln, um unter Deinet Anführung große Thaten zu vollfuͤhren. Ein Jahr, und ganz England, ſo wie . — 116— Dein Weib iſt vergeſſen. Glaube meinen Worten.—— Der Spanier ſchwieg, und auch Za⸗ pato, der in die helle Scheibe des Mon⸗ des ſah. Hoͤre, Velasco! ſprach Altamor wei⸗ ter, Deiner Ausſage nach liebt Dich Dein Weib, ſo wie Du ſie.— Iſt das wahr, dann haͤtteſt Du das Aeußerſte verſuchen muͤſſen, oder kannſt es noch.— — Und was? fragte der Ex⸗Manuel ge⸗ ſpannt. Sicher verwirfſt Du auch meinen zwei⸗ ten Rath; aber dann ſei auch das Wort verdammt, daß ich noch in dieſer Sache an Dich verſchwende. Nun? Wenn morgen alles zur Abfahrt bereit iſt, die Pferde im Hofe der Reuter harren, dann tritt vor Deiner Jenny Lager und vede zu ihr ungefaͤhr dieſe Worte: —„—— —, ——(„ n M — „Die Beſtimmungen der Menſchenzahl ſind nicht uͤber einen Leiſten gemacht. Mein Schickſal ſchuf mich zum Korſaren⸗Admi⸗ ral, und treibt mich aus Deinen Armen fort aufs Meer. Nie kehre ich wieder. Willſt Du mich begleiten, Gluͤck und Un⸗ gluͤck mit mir theilen, mich nur im Tode verlaſſen?“—— Nur im Tode! rief eine helle Stimme; herein ſtuͤrzte Jenny, in Mannskleidern, und in des erſtarrten Spaniers Arme. Al⸗ tamor ſprang erſchrocken auf, und der Ne⸗ ger rief ſeinen Allah zu Hilfe. Weib! ſprach der Admiral, und druͤckte ſie an ſein Herz, mit Blicken, in denen ſich viele Empfindungen, in denen ſich die Suͤßigkeiten, die Freuden des Himmels und die Qualen der Hoͤlle malten. Seine Fibern zuckten, ſeine Pulſe ſtockten, Wrib⸗ Du willſt mich begleiten? Bis ans Ende der Welt! —— S Gattin Antwort. Bis der Tod di ſchei⸗ det. Ein feſtes Band hat uns veyeinigt; keine Macht auf Erden, nicht der Name Velasco da Gaſion, S Serräuberfürſ, kann es zerreißen. 7 Aber ich 8 Dich, ſuz der Ent⸗ zuͤckte, und Deine Liebe bleibt?—— Bleibt Dir dennoch! ℳ rbrach ihn Jenny. Daß Du fliehen wollteſt, den Ar⸗ men Deines Weibes Dich entziehen, das nur kann mich betruͤben. Sch bin eine Englaͤnderin, gewohnt die Gefahren und Muͤhſeligkeiten des Serlebins zu ertragen. Willſt Du, daß ich ein Kind, vielleicht einen Sohn gebähre, der keinen Vater habe; oder daß mich der Gram vorher tödte!— Halt! ridh der Spaniet Detne Worte entzuͤcken mich, gießen neues herrlicheres Leben-in meine Adern, aber der Gedanke an Deinen Bruder, den Grafen——— n — 1150— Halt ein, Manuel! fiel ihm Jenny ins Wort. Sind die Pflichten einer Gattin nicht von groͤßerm Gewichte, als die einer Schweſter?—— als ich meine Hand, mein Herz Dir reichte, verſprach ich Dir treu zu bleiben, Dich nie zu verlaſſen, nie, weder im Gluͤck, noch Mißgeſchick. Soll ich mein Wort brechen, da ſich Don Manuel di Särago in Velasco da Gaſton verwandelt hats] Soll meine Schweſter⸗ Liebe die zu Drr beſiegen, ſoll mir der Bruder mehr, als der Gattt ſein?—— Du biſt der Seeraͤuber, von dem meine Landsleute, die beruͤhmteſten der S rer, mit Feuer erzaͤhlen, deſſen Tapfer⸗ keit ſie preiſen, den ſie finem⸗ Dein Herz iſt edel!— Willig meide ich mit DirPas 3 laͤndiſche Geſtade; denn nur rhei Pit bluͤ⸗ het mein Gluͤck.—— Bei Gott! ſprach Anmet, A —— — Du haſt ein herrliches Weib, und biſt ſei⸗ ner werth⸗ Der Mohr ſtand da mit einem Ge⸗ ſichte, das dieſe Ausſage zu beſtaͤtigen ſchien, und auf ſeinem Antlitze glaͤnzte die reinſte Freude. Velasco! fuhr der erſiere mit Feuer fort, durchſuche ganz Hispanien, ganz Frankreich, ganz Italien, ja die halbe Welt, und nie wirſt Du ein Weib finden, das Deinem Heldenſinne wuͤrdiger waͤre, als dieſes. Bewahre es, wie das koͤſtlichſte Kleinod, und wenn je Deine Liebe zu er⸗ kzlten, Dein Herz eine ſtrofliche⸗Untreue 5 ʒu begehen willens iſt; dann erinnere Dich dieſer Nacht, und wahrlich, Du mußt vor Dir ſelbſt erröthen. Mit feſterer, herrli⸗ cherer Kraft wird ſich Deine Liebe erneuern, und mit eben der Kraft wird ſie der Gegen⸗ ſtand Deiner Zaͤrtlichkeit erwiedern!— Altamor! rief der entzuͤckte Spanier im — — — N M * M — 121— Enthuſiasmus, und umſchlang ſeine Jenny, Du haſt recht, ſtolz macht mich dieſes Weib, nur fuͤr ſie will ich leben. Nicht mit Trauer verlaſſ' ich jetzt dieſe Inſel, wo mir mein Gluͤck zu bluͤhen anfing; dort viel⸗ leicht wird es reifen, und golbene Fruchte tragen. Gluͤckliches Ungefaͤhr, daß Euch hieher nach Aveeply fuͤhrte, Sennora, ſprach Al⸗ tamor: morgen ſchon haͤtte uns Britan⸗ niens Ufer zum letzten Male geſehen, und Ihr waͤrdet daheim getrauert haben. Kein Ungefaͤhr, kein Spiel des Zufalls, erwiederte Jenny, zeigte mir den Weg des Geheimniſſes, ſondern ein Brief, der an meinen Gatten gerichtet iſt, und ihn um Eile mahnt, ließ mich den Vorſatz faſ⸗ ſen, hierher zu eilen.— Jetzt, da mein Entſchluß, mit Dir, Velasco, dieſes Land zu verlaſſen, feſtſteht, will ich auch Gi⸗ erniſh nicht wieder ſehen, der Anbliek 1. Theil. 6 der bekannten Gegenden und Gegenſtaͤnde wuͤrde mir den Abſchied erſchweren.— Fort, laß uns eilen, und auf der weiten Meeres⸗Flaͤche die ſchmerzhaften Erinne⸗ rungen an das zuruͤckgebliebene Theure be⸗ kaͤmpfen, und iſt es moͤglich, vergeſſen lernen. Das wollen wir, heldenmuͤthiges Weib! rief der Admiral, und eine lange Umar⸗ mung beſiegelte dieſen Vorſatz 1CL,— —„ —„—+—+„—— IMI. Abſchnitt. ——— Aus Jenny's Armen eilte Velasco, der Seeraͤuber-Admiral, aufs Pferd, und ſpornte dieſes mit Haſt, um bald in Guer⸗ niſh anzukommen; kaum konnte ihm der treue Neger folgen. Bei ſeiner Ankunft verbrannte er die meiſten ſeiner Papiere, und ſetzte ſich zum Schreiben, indeß Za⸗ pato die Koſtbarkeiten ſeines Herrn und der Lady zuſammenholte, und in den Man⸗ telſaͤcken verwahrte. Don Velasco hinterließ ein Schreiben an den Grafen Larry, worin er ihm in der Kuͤrze meldete: das nicht 6 8 ——————— ⸗ 3 — 14— immer guͤnſtige Schickſal, und die Per⸗ haͤngniſſe zwaͤngen ihn und ſeine Jenny, vielleicht auf immer von ihm und ganz England, ohne einen unnuͤtzen ſchmerzhaf⸗ ten Abſchied zu nehmen, zu ſcheiden. Er bat, ihm dieſes zu verzeihen, und ſeinen Freund und die liebevolle Schweßter nicht zu vergeſſen. 4 Seinen wahren Stand verſchwieg er, weil ihm mit Recht ahnete, daß Larry ihn nur zu fruͤh erfahren wuͤrde. Als ſchon die Sonne hervorzubrechen drohte, ſchied Velasco mit geruͤhrtem Herzen von den ſo theuren Fluren, und nahm den Weg nach St. Davids. Seiner harrten Altamor und Jenny; in moͤglichſter Eile ging es zu Pferde der Vucht zu, wo der Delphin nur ihrer ge⸗ waͤrtig lag. Mit dem Annaͤhern ſchwand allmaͤhlig ennes Standhaftigkeit; ſie litt ſehr, doch — — t „ — — h ——— * — ſuchte ſie ihre Thraͤnen zu verbergen. Dem Spanier entging ihre Stimmung nicht, et 3 verſuchte ſie zu erheitern, aber es mißlang ihm. toch ein hoher Berg lag zwiſchen ih⸗ nen und der Bucht; kaum war dieſer er⸗ ſtiegen, end man ſah die Wimpeln des Fahrzenges uͤber die kleinen Huͤgel hervor⸗ ragen, ſo brachen der Lady Thraͤnen auſs neue hervor.— Sie hielt ihr Pferd an und blickte mit naſſem Auge in die neblichte Gegend, wo ſie die ſchoͤnſten Tage ihres Lebens, aber nur wenige, genoß. Auch ihr Gatte fuͤhlte ſich erſchuͤttert, und hielt an ihrer Seite; als Altamor ber ſeine Freunde traurig ſah, mit den Worten: Auf, dort ſind wir am Ziele! den Berg hinabſprengte, und ſie aus ihrem Nach denken aufweckte. Man folgte. Jetzt waren ſie bei der Bucht angekom⸗ men. Altamor zog ein Tuch ee — 126— ſchwenkte es hoch in der Luft. Da krachte ein dreimaliger Kanonenſchuß, dem Admi⸗ ral zur Bewillkommnung. Auf dem Maſte wehete die hochrothe, ſchwarzgeflammte Flagge. Velasco ſprang vom Pferde, ſeine Gat⸗ tin und Altamor folgten dem Beiſpiele, und eilten an den Strand, um das gegen ſie anrudernde Boot zu beſteigen. Jenny riß ſich von des Gatten Arme, und ſprang auf einen der Huͤgel. Hier warf ſie ſich nieder und rief mit thraͤnen⸗ vollen Blicken und emporgehobenen Haͤn⸗ den: Leb' wohl, geliebter Bruder! leb' wohl, William! vergieb einer Schweſter, welche die ihrem Gatten ſchuldige Pflichten treu erfuͤllt, und zuͤrne nicht. Einſt ſehen wir uns wieder!— Und auch Du, theu⸗ res Vaterland, leb' wohl, auf immer giel⸗ leicht lebe wohl!— Sie kuͤßte den zuerſt betretenen voe „ 1N — bis ſie ein vierter Kanonenſchuß aufſchreckte. Mit einer maͤnnlichen Standhaftigkeit eilte ſie auf den harrenden Gatten und Freund zu.— Jetzt Velasco! ſprach ſie, jetzt laß uns dieſe Fluren und Berge verlaſſen, daß wir bald das Land, von dem ich auf immer Abſchied nahm, aus den Augen verlieren. Velasco nahm ſie in ſeine Arme, druͤckte ſie an ſein Herz und trug ſie in das Boot, das nach dem Schiffe ſeine Richtung nahm. Es lebe unſer Admiral Velasco, der Wiederauferſtandene! rief unter dem Don⸗ ner der Kanonen die Mannſchaft des Del⸗ phins, lichtete die Anker und die engliſche Flagge auf. Velasco dankte, und eilte in die Kajuͤte mit ſeinen Begleitern, der Empfindungs⸗ vollen den Anblick des theuern S zu entziehen. 5. 7 — S Mit Schnelligkeit durchſchnitt der Del⸗ phin die Wellen des atlantiſchen Meeres, und beßbch bald auf der Hoͤhe von St. Paul. Mit der Entfernung von Großbritan⸗ nien ſchwand Jenny's Truͤbſinn, und ſie zwang ſich, heiter zu ſein, als die beiden Lieutenante, Don Alvar und Don Nieto, in die Kajuͤte traten, dem Admirale ihre Gluͤckwuͤnſche abzuſtatten. Der erſtere die⸗ ſer Seefahrer, ein wirklich ſchoͤner Mann, wagte es, oft Blicke auf ſeines Admirals Gattin zu werfen, die Erſtaunen und Ent⸗ zuͤcken aus druͤckten. Velasco ging dann aufs Verdeck, und zeigte ſich dem verſammelten Schiffsvolke, unter dem er viele bekannte und fremde Geſichter fand, dann muſterte er die Ma⸗ troſen, ſah die Schiffsbuͤcher und Ver⸗ zeichniſſe nach, und aͤußerte ſeine vollige Zufriedenheit uͤber ihre Ordnung. Am Morgen des andern Tages ſah man deutlich die Kuͤſte von Bretagne, und ſteuerte weiter ſuͤdwaͤrts, u ſcis zu meiden. Jenny fing jetzt an, es genohitet werden, nur Waſſer und Luft zu ſehen, und nur zuweilen truͤbte die Erinnerung an die Heimath und den daheim trauernden Bruder ihr ſchoͤnes Antlitz.— Der Admi⸗ ral Velasco, der ſich jetzt wieder auf dem Meere unter ſeinen Getreuen befand, hatte bald die engliſchen Geſtade vergeſſen, da ihn das geliebte Weib begleitete, und er⸗ wartete nur eine guͤnſtige Gelegenheit, ſei⸗ nen Muth und ſeine Gegenwart auf den europaͤiſchen Meeren wieder zu zeigen. Dem Mohren Zapato, der in ſeinem Ele⸗ mente lebte, ging es wie dem Herrn; auch er harrte mit Sehnſucht eines baldigen Un⸗ ternehmens, wo er, ſeinem Admirale zur Seite, ſiegen oder ſterben koͤnnig. Sein 8 n einer Entfernung von drei engliſchen 130— Wunſch wurde bald, aber nur zum Theil erfuͤllt. Als ſich das Schiff nach einigen Wo⸗ chen auf der Hoͤhe von Corunna befand, ſchien der immer guͤnſtige Wind der Lang⸗ muth muͤde, und trieb den beladenen Del⸗ phin von Portugals Kuͤſte fort, weit in den Ocean hinaus, wo man ein ſchnell⸗ ſegelndes Fahrzeug in der Ferne erblickte. Alle Beiſegel wurden aufgeſpannt, und man kam ihm bald näher.— Pelasco und Altamor erkannten es fuͤr ein hollaͤn⸗ diſches Kauffartheiſchiff, und beſchloſſen, Jagd darauf zu machen. Zu dem Endzwecke verwechſelte der Ka⸗ per ſeine Flagge mit der hollaͤndiſchen, als die einbrechende Nacht die Schiffe wieder von einander trennte. 5 Am Morgen ſah man den Kauffahrer d2 s er rer en 1 Meilen. Er ſchien ſtark beladen und von ſchwerfaͤlligem Bau zu ſein⸗ Velasco holte ihn bald ein, zeigte ihm die wahre Kaperfahne, und forderte den Befehlshaber auf, ſich zu ergeben. Dieſer antwortete, er wuͤrde ſich und ſein Eigenthum bis auf den letzten Mann vertheidigen, und dem Korſaren die Beute theuer genug verkaufen. Der Admiral wunderte ſich uͤber den Muth des Hollaͤnders, und ließ ihm zum andern Male durch das Sprachrohr zuru⸗ fen: der Korſar Velasco da Gaſton riethe ihm, ſich nicht zu widerſetzen, widrigen⸗ falls er das Schlimmſte erwarten muͤſſe.— Hierauf erfolgte die Antwort: Man wolle es erwarten.— S Nun ließ Altamor im Nu die Schieß⸗ luken oͤffnen, und das Schiff mit einer vollen Ladung begruͤßen. Dieſes entfernte ſich einige Klafter, und ruͤckte vang mit 432— geſtrichenen Segeln dem Kaper naͤher.— Dann ſetzte der Hollaͤnder ein Boot aus, und einige Soldaten, in der Mitte einen ſtark Gebundenen, naͤherten ſich dem Del⸗ phin und baten um Aufnahme und Gehoͤr. Man bewilligte ihnen beides, und fuͤhrte ſie dann vor den Admiral, der in der Ka⸗ juͤte neben der furchtſamen Jenny ſaß, und ſeine Befehle durch den Kapitain Altamor dem Schiffsvolke bekannt machen ließ. Herr! ſprach einer der Soldaten in ſchlechtem Spaniſch zu dem Haupte der Seeraͤuber, wir gehoͤren zu der Mann⸗ ſchaft der Hella, die mit Baumwolle und andern indiſchen Waaren beladen ihren Heimweg nimmt. Gleich bei Eurer erſten Aufforderung waren wir willens zu gehor⸗ chen und zu ſtreichen, weil wir Euch kei⸗ nen Widerſtand leiſten können. Allein un⸗ ſer Kapitain van Niven zwang uns, das Aeußerſte zu erwarten. Als aber Eure — 8— N — 132— Kugeln unſere Schiffswand zertruͤmmerten und den Maſt kzerſplitterten, und wir uns dennoch zur Wehre ſetzen ſollten, da er⸗ griffen wir unſern Kapitain, banden ihn, und bringen ihn Euch jetzt, in der gewiſ⸗ ſen Hoffnung, daß Ihr leicht einſehen wer⸗ det, unſere Widerſetzl war die Schuld dieſes unſers Kapitains.— Rechtfertige Dich! Belasco zu dem Gebundenen, der mit ruhiger Miene in das Geſicht des Admirals blickte. Biſt Du der Admiral Velasco da Ga⸗ ſton? fragte er dann. Als dieſer es bejahet, fuhr er fort: Alle Seefahrer, auch Deine Feinde nennen Dich edel, biſt Su es, wie mir Dein Geſicht, ob es gleich don Unwil⸗ len gluͤhet, ſagt, ſo finde ich es unnätz, mich zu rechtfertigen.— Meine Ladung gehoͤrt großen Kaufleuten in Rotterdaim, die jetzt ruinirt ſind; war es nicht melnt Pflicht, dieſe Guͤter aufs oſrſe — — .— —— — zu vertheidigen, und mich Deiner Macht zu wiberſetzen?— Ich troͤſtete mich da⸗ mit, daß auch Du, Beruͤhmter, nicht un⸗ uͤberwindlich, nicht kugelfeſt und von den gufaͤllen der Menſchen nicht befreiet ſeiſt. Sicher haͤtteſt Du im Gefechte auch mich kennen gelernt und war dann Fortuna auch dießmal Dir guͤnſtiger als mir, ſo haͤtte der erloͤſende Tod gewiß mich Dein Sclave nicht werden laſſen. Allein mein ungetreuer Lieutenant, mein Schiffsvolk, das ich nur zu menſchlich, zu liebreich be⸗ handelte, verließ mich nicht allein, wo ich ihrer Hilſe bedurfte, ſondern jene Acht, die ich nie beleidigte, banden mich auf Be⸗ fehl meines Lieutenants, eines Vetters von mir, und ſo brachte man mich auf Dein Schiff.— Jetzt mag die Gewalt des Rechts Stelle vertreten, ich kann ſter⸗ ben.—— Velasco befahl den Hollaͤnder in Ge⸗ — — N — — wahrſam zu nehmen und ſireng zu bewa⸗ chen. Nun wurde das groͤßte ſeiner Böte bemannt, die Kanonen ſcharf geladen und gegen das Schiff gerichtet, und dann die hollaͤndiſchen Meuterer gebunden; worauf man, als der Admikal und Altamor das Boot beſtiegen hatte, nach der Hella ru⸗ derte. Der ungetreue Lieutenant nahm den Korſaren mit den groͤßten Ehrenbezeigun⸗ gen auf, aber wie erblaßte er, als die Blicke auf ſeine ihm gleichen Untergebenen fielen. Mit finſterem Geſicht und barſcher Stimme befahl der Admiral, ihm die La⸗ dung, die Kanonen, die Munition und alles im Schiffe Befindliche zu zeigen. Mit Zittern gehorchte der Ungluͤck Ah⸗ nende.— Velasco ließ darauf das hollän⸗ diſche Schiffsvolk verſammeln, und wandte ſich mit dem ſaiſen an die Ma⸗ 136 troſen, augenblicklich die Meuterer zu er⸗ greifen und an die unterſte Segelſtange zu knuͤpfen. Der Lieutenant und die uͤbrigen Schul⸗ digen fielen vor dem Admiral auf die Knie. Der Unerbittliche wandte ſich weg. Man riß die Verbrecher auf, und im Au⸗ genblicke zierten neun haͤngende Leichname die Segelſtange. Dieß ſcharfe Urtheil machte die Hollaͤn⸗ der beſtuͤrzt. Mehrere, die ſich ſchuldig glaubten, ſtuͤrzten dem Admiral zu Fuͤ⸗ ßen und baten um Gnade. Dieſer hielt ihnen ihre Untreue mit harten Worten vor, und drohte das ganze reichbeladene Fahr⸗ zeug zum Wracke zu ſchießen.— Dann wählte er ſich einige Faͤſſer Wein und Branntwein fuͤr ſeine Leute, die von der Priſe einen Antheil haben mußten, und ließ den Kapitain van Niven vom Delphin holen⸗ *— in —— Dieſer erſtaunte, als er die Verbrecher ſchon beſtraft ſah, beugte die Knie vor dem Korſaren, und wollte reden.— Velasco hob ihn liebreich auf und ſprach: Kapitain van Niven! Ihr ſeht die Ver⸗ brecher haben ihren verdienten Lohn be⸗ kommen, denn Untreue und Verſchwoͤrung kann nicht ſtrenge genug geahndet werden; aber bildet Euch nicht ein, daß mit dieſem urtheile mein Richteramt geendet ſei, auch an Euch werde es ausgeuͤbt. Der Kapitain erblaßte, und Velasco fuhr fort, ſich gegen der Hella Schiffs⸗ volk wendend, das zitternd umherſtand: Wer von Euch kann uͤber den Kapitain klagen, wer kann ihn einer Unmenſchlich⸗ keit gegen ſeine Diener, einer Uebertretung ſeiner Pflicht und ſeines Amtes beſchuldi⸗ gen? der trete vor! Keiner gehorchte. Sch ſehe ihr zagt, wer ſeine Klage behaupe 3 ten kann, der ſei von nun an Kapitain der Hella.— Alles ſchwieg. Kapitain! ſprach der Admiral zu dem Hollaͤnder, von jetzt an ſeid Ihr von neuem durch mich und Euer treues Schiffsvolk in Euerm Stande befeſtigt. Die Ladung Eures Schiffes iſt noch vollzaͤhlig, nur ei⸗ nige Faͤſſer Getraͤnks nahm ich zur Beute⸗ Segelt jetzt ungehindert nach Eurer Hei⸗ math und ſagt Eures Gleichen, wie Ihr den Kaper Velasco da Gaſton habt ken⸗ nen gelernt. „ Ehe noch der geruͤhrte Hollaͤnder dan⸗ ken konnte, ſprang Velasco ins Boot und entfernte ſich unter dem Vivat der Mann⸗ ſchaft unter dem Krachen des Geſchutzes der Hella. Man wollte ſich nun eilig entfernen, allein ein kleines Boot, von van Niven ausgeſetzt, naͤherte ſich dem Delphin, warf einen Beutel mit Gold aufs Verdeck und 3 1 nen, iven warf — 139— ruderte mit Eile zuruͤck.— Der Beutel fuͤhrte die Aufſchrift:„Fuͤr das Schiffs⸗ volk des edlen Velasco,“ und der Inhalt zaͤhlte uͤber tauſend Goldſtuͤcke, die unter die Krieger ausgetheilt wurden.— Alle lobten des Admirals Handlung, nur Za⸗ pato, der Neger, der alle Hollaͤnder haßte, haͤtte lieber die Hella im Brande, 6 ſo gluͤcklich abſegeln ſehen. Der Wind hatte ſich gedreht, und der Korſar ſteuerte nun friſch auf die Meer⸗ enge von Gibraltar zu. Velasco eilte das wuͤſte Formentera zu erreichen, weil er der Niederkunft ſeiner Jenny mit jedem Tage entgegen ſah. Endlich, nach einem Mo⸗ nate erreichte man dieſe Inſel, und legte in einer feſten, den Seeraͤubern nur gllein bekannten Bucht vor Anker.— Pas Schiff wurde entladen, und die Schtze in — 10— den wohlbekannten Felſenhoͤhlen verborgen, wo ſchon Reichthuͤmer ſich haͤuften. Dann ließ der Admiral in einer bergigten ſchoͤnen Gegend am Meere Zelte und Huͤtten auf⸗ ſchlagen, die aber von der Seeſeite nicht bemerkt werden konnten; und ſo angeſiedelt erwartete man die Ankunft der Unter⸗Ka⸗ pitaine des Admirals.—— Die felſigte Bucht wurde mit Kanonen bepflanzt und befeſtigt. Enblich entbeckten die auf dem hoͤchſten ber Felſen Wohnenden nach einigen Wochen ein Fahrzeug, das ſich der pythiuſiſchen Schlangen⸗Inſel naͤherte. Der Admiral und Altamor davon be⸗ nachrichtigt, erklommen die Felſen, und erkannten durch Fernglaͤſer deutlich der iit WVerbuͤndeten Seezeichen. Nun war der Jubel allgemein, dem auch die einbrechende Nacht keinen Einhalt machte. Man zuͤn⸗ dete große Wachtfeuer an, feuerte die Feld⸗ — 8 8 — — er er ade ͤn⸗ ld⸗ — 141— ſtuͤcke zu verſchiedenen Malen ab, und ließ die Boͤte bis auf die hohe See hin⸗ aus. Am Morgen lief unter Jubelgeſchrei und Begruͤßen des Geſchuͤtzes der heil. Am⸗ broſius, vom Kapitain Louis befehligt, der die Salve beantwortete, in die Bucht ein; und ging, als er ans Land geſtiegen war, dem Admirale ſeine Berichte abzuſtatten. — Dieſer war hocherfreut, den tapfern Louis von Ortillo geſund auf Formenterg zu ſehen, und ließ ein hevrrliches Mahl Louis erzaͤhlte, daß er nur zwei des Nennens werthe Priſen bekommen: einen Maltheſer, der ihm viel zu ſchaffen gemacht habe, und dann eine daͤniſche reichbeladene Fregatte, die aber nach Abraͤumung der Beute mit ihrer ganzen Mannſchaft, da ſie ſich habe entfernen wollen, geſünken ſei.— Allein auch der heil. Ambtoſs ſei im ſchlechten Zuſtande, und habe der ſchleunigſten Ausbeſſerung ſehr noͤthig. Hierzu wurde ſogleich Beſehl gegeben, und dann von Velasco die Beute und die Krieger in Augenſchein genommen. Don Louis berichtete ferner: Kapitain Leyva da Rado, Befehlshaber des Centaurs, ſei auf dem Wege zum Zuſammenkunftsorte; denn er habe ihn vor kurzem bei dem Kap St⸗ Vincent angetroffen, und er muͤſſe in ei⸗ nigen Wochen hoͤchſtens eintreffen. Jetzt wurden auch fuͤr die Neuange⸗ kommenen Huͤtten und Zelte aufgeſchlagen⸗ ſo daß ſich die Kolonie bis unter die Fel⸗ ſenabhaͤnge hin ausdehnte.— Um die Schiffsmannſchaft nicht müſſig ſein zu laſ⸗ ſen, weil dadurch leicht aufruͤhreriſche Ge⸗ danken entſtehen, mußten ſie die Wachen ebenſo, wie auf der hohen See verrichten. Die hoͤchſten Berge der Inſel waren be⸗ ſtaͤndig mit Spaͤhenden beſetzt, ſo daß man Au zu! nen ten Bel fuͤr Ste klug lich ver Ley mut Her auf mei dem Ste tugi — W Auch ließ Velasco Felſen aushoͤhlen, und — 143— die umliegende See weit uͤberſchauen konnte. zu Wohnungen einrichten, die fuͤr die bren⸗ nende Sonnenhitze ſchuͤtzender, als die leich⸗ ten Gezelte waren. Mehrere unterirdiſche Behaͤltniſſe fuͤr die zunehmenden Schaͤtze, fuͤr Munition und Lebensmittel wurden in Stand geſetzt. Auf ſolche Weiſe hielt der* 3 kluge Admiral ſeine Krieger in unaufhoͤr⸗ licher Beſchaͤftigung. Schon waren wieder mehrere Wochen verſtrichen, ohne daß das Schiff des alten Leyva ſich ſehen ließ, als Jenny, die ſchon im 9ten Monate ſchwanger ging, einen muntern Knaben gebar, der des Vaters Herz mit Freude erfuͤllte.— Der Jubel auf der ſonſt ſo wuͤſten Inſel war allge⸗ mein. Die Frau des Steuermanns auf dem heil. Ambroſius vertrat der Waͤrterin Stelle. Der Knabe wurde von einem por⸗ tugieſiſchen Geiſtlichen, unter dem Vivat⸗ Geſchrei der Bewohner Formentera's, ge⸗ A tauft, und erhielt nach des Admirals b Freunde den Namen Altamor. p Einige Tage nach dieſer Ceremonie lief al der Centaur in die Felſenbucht ein, der n Jubel wurde erneuert. Mit Freudenthraͤ⸗ ut at nen im Auge ſchloß der ſiebenzigjährige Kapitain Leyva da Rado den gekiebten Ad⸗ ſo miral, ſeinen Zogling, in die Arme, und druͤckte dem Weibe herzlich die Hand.— be Dann begruͤßte er die Hauptleute, den getreuen Zapato und die tapfern Krieger, B die ihn alle wie ihren Vater liebten, und au 5 ernannte den ſechs Tage alten Altamor zu wi ſeinem Nachfolger. ta Jetzt hatte das wuͤſte Eiland, wo nur ße Schlangen niſteten, uͤber dreihundert Be⸗ wohner, und in der Bucht lagen drei der ſch ſ beſien Fahrzeuge.— Auf Leyva's Erſu⸗ au chen erzaͤhlte Velasco ſeine wunderbare Er⸗ od rettung an der Kuͤſte von England⸗ i I ge⸗ als lief der raͤ⸗ rige Ade und den er, und r zu nur Be⸗ i der Erſu⸗ e Er⸗ die — 145— Aufnahme beim Lord Larry, das ſonder⸗ bare Zuſammentreffen mit dem Neger Za⸗ pato, und theilte dem neugierigen Alten alle Umſtaͤnde ſeines Aufenthalts und ſei⸗ ner Abreiſe mit.— Dieſer ſchwur hoch und theuer: waͤre er nur noch einen Tag auf dem unſichern Ankergrunde geblieben, ſo ſaͤße er jetzt auf immer feſt, oder waͤre wol gar mit vollen Segeln ins anbre Le⸗ ben hinuͤbergefahren. Ich dacht's gleich, ſprach er, daß mein Brief, der von orto⸗Nova gegen Euch auslief, Euch keinen Floh ins Ohr ſetzen wuͤrde, deswegen mußte unſer brave Al⸗ tamor Euch naͤher ruͤcken, und das Aeu⸗ ßerſte verſuchen.—— 5 Velasco, der mit ſeinen Kapitainen be⸗ ſchloſſen, nicht eher auf neue Kreuzzuͤge auszuſteuern, als bis ſein Sohn ein halbes oder ganzes Jahr erreicht haͤtte, ließ jetzt unter der Aufſicht des alten Leyva ein Fort, I. Theil.. 3 — 1— nicht weit von der Bucht, auffuhren. Daſ⸗ ſelbe wurde theils aus harter Felſenmaſſe zuſammengeſetzt theils aus Holz erbauet. Die von dem Daͤnen erbeuteten Kanonen wurden auf den Wall gepflanzt, daß ſie den kleinen Hafen beſtreichen, und jede Landung erſchweren, ja ganz vereiteln konnten. Dieſes kleine Fort, woran beſtaͤndig zwei Drittheil der Bewohner arbeiteten⸗ war ſeiner Vollendung faſt nahe, als einſt am Mitternacht ein Soldat von der Mann⸗ ſchaft des Delphins den Admiral zu ſpre⸗ chen und ihm wichtige Dinge zu entdecken lig ſprang Velasco, ein Herlangte.— Ei vom Lager, und eilte ungluͤck ahnend, das Geheimniß zu erfahren⸗ Admiral! ſprach der Soldat, ein jun⸗ ger ruͤſtiger Spanier, als ihm Velasco zu reden befahl, es naͤhert ſich eine Verſchwo⸗ rung gegen Euch ihrem Ausbruche. Zwar ig n, nſt in⸗ re ken ein eilte jun⸗ o zu w⸗ — 149— Beredſamkeit und große goldene Verſpre⸗ chungen hat er zehn unter Euerm Corps auf ſeine Seite gebracht; und guch mich glaubte der Verraͤther in ſein Complott zu ziehen. Es gelang ihm. Ich heuchelte Folge, ſtellte mich zu Allem bereit, und erfuhr ſo alle t und daß auf den dritten Tag von heute das Buben⸗ ſtuͤck ausgefuͤhrt, die Sennora geraubt, und die Bucht verlaſſen werden ſollte. Jetzt, Admiral, habe ich Euch nichts mehr zu entdecken, als Euch noch hier die Liſte der Verbuͤndeten zu uͤberreichen, von denen die vier Obenſtehenden die Strafe veydienen. Mit Staunen und hohem Unwillen ſ der Admiral Velasco dem Soldaten zuge⸗ hoͤrt, der ſich nun entfernen wollte⸗ Bleib! ſprach er, Deine nh unbelohnt bleiben. Dann ſetzte er ſich und an ben alten Leyva den Befehl, ſich unverzuͤglich der Kerle von den Meuterern⸗ die unter dem Commando im Fort ſich befanden, zu verſichern.—— Hiermit wurde der Ge⸗ treue ſortgeſchickt. Der Admiral weckte dann den Altamor und einige in der Naͤhe befindliche Seeleute. Dann machte man ſich ſogleich auf den Weg nach der Woh⸗ nung des Aufruͤhrers Don Alvar. Allein dieſer war nicht zu finden⸗ und wurde nebſt zweien der Hauptverſchworenen vermißt. Die andern acht hatte Don Leyva ſogleich in ſtrengen Verhaft nehmen, und ſcharf bewachen laſſen. Die Unruhe und Verwirrung auf der Inſel war in dieſer Nacht allgemein. Man durchſuchte das Fort, die Schiffe, loͤſ'te die Kanonen, zuͤndete große Feuer an und mehrere Commandos Bewaffneter durch⸗ ſtrichen das gebirgreiche Formentera.— Alle Bote wurden in eine Bucht zuſammen 6*— he n h⸗ ein bſt ßt. ich arf der Nan ſete und rch⸗ — * — 451— gebracht und bewacht, jeder Winkel mit Fackeln durchſucht und fleißig durchſtobert; allein alles vergebens. Am Morgen fand man die Zahl der Böte nicht vollzaͤhlig. Jetzt ſchien es klar, daß die Verbrecher, da ſie Verrath geah⸗ net, ſich in einen der groͤßten Kaͤhne ge⸗ worfen und dem Meere in dieſem elenden Fahrzeuge anvertrauet haͤtten.— Ob⸗ gleich Altamor und drei ſeiner Leute ver⸗ ſicherten, das fehlende Boot noch in der Nacht geſehen zu haben, ſo fand doch ihre Ausſage keinen Glauben, und Altamors Behauptung, das Fahrzeug ſei von den heftigen Wellen fortgeriſſen, wurde gaͤnz⸗ lich verworfen. Als nun auch am Abende die aus⸗ geſchickten Detachements, die, ohne eine Spur bon den Fluͤchtlingen entdeckt zu ha ben, die ganze Inſel durchſucht hatten heimkehrten, war man ihrer Flucht auf der 152 See gewiß, uͤberließ ſie ihrem Schickſale, und ſchritt zur Beſtrafung der uͤbrigen Acht. Auf des Admirals Befehl verſammelten ſich Don Leyva da Rado, Don Altamor, Don Louis von Ortillo und die erſten Lieu⸗ tenants der drei Schiffe.— In Aller Ge⸗ genwart ernannte Velasco, der Befehlsha⸗ ber der Kolonie, den treuen Spanier, der das ſo gefaͤhrliche Komplott verrieth, und deſſen Name Vilez war, zum zweiten Lieu⸗ 3 tenant auf dem Delphine, und gab ihm 3 Alvar's erledigte Stelle, auch erhielt Don Leyva, der Schatzmeiſter, Ordre, ihm zwei⸗ 4 hundert Goldſtuͤcke auszuzahlen.— Dann berathſchlagte man ſich uͤber die n 3 Beſtrafung der in Verhaft Genommenen, 2 die ihre Verbrechen geſtanden, und um d Gnade gebeten hatten. Die Verſammel⸗„ ten fuͤllten das Urtheil: daß zwei der vor⸗ ſe nehmſten der Rebellen gehangen werden be — 133— ſollten, den uͤbrigen Sechs ſei ihr Verbre⸗ chen zu verzeihen. Dieſes nicht zu ſtrenge Urtheil wurde am andern Tage im Beiſein aller Inſel⸗ bewohner vollzogen, und die Leichname dann ins Meer geworfen. Der eingetretene unverhoffte Vorfall hatte den guten Vortheil, daß jetzt die groͤßte Wachſamkeit auf der oͤden Schlan⸗ geninſel herrſchte, und daß der Admiral Velasco ſeine Jenny und den Sohn Alta⸗ mor nicht von ſeiner Seite ließ. In der vierten Nacht nach der voll⸗ zogenen Execution wurde Velasco von meh⸗ reren Kanonenſchuͤſſen aus ſeinem Schlum⸗ mer geweckt. Erſchrocken ſprang er vom Lager, eilte hinaus und ſah die Suͤdſeite des Forts in lichten Flammen lodern; doch wurde durch große Anſtrengung der Be⸗ ſatzung dem weiter Umſichgreifen des Feuers 6 bald Einhalt gethan, beſonders da jeder — ————— en .——— ———— der Anfuͤhrer ſelbſt hilfreiche Hand dabei leiſtete.— Die Wohnung des alten See⸗ hauptmanns Leyva war in einem Aſchen⸗ haufen verwandelt, und dieſer verſicherte unter tauſend Fluͤchen, das Feuer ſei an⸗ gelegt, wovon ſich auch am Morgen die deutlichſten Spuren zeigten. Dieſer neue Vorfall verdoppelte die Wachſamkeit, und eine Belohnung von tau⸗ ſend Goldſtuͤcken, die man fuͤr den Ent⸗ decker des Thaͤters beſtimmte, hatte die groͤßte Aufmerkſamkeit zur Folge. Der Admiral, wuͤthend, ließ mehrere der im Fort Wohnenden ins Gefaͤngniß allein man fand ſie bei genauer erklaͤrte ſie dffent⸗ die Freiheit. ſetzen; Unterſuchung unſchuldig, lich dafuͤr, und gab ihnen ——————— Mit Unruhe und Beſorgniß erwartete Velasco die Ankunft des noch fehlenden S ie die ere niß uer nt⸗ . tete — 5— Kapitain Gardez, Befehlshaber des Sci⸗ pio, der ſchon vor einigen Wochen eintref⸗ fen ſollte, und deſſen Einlaufen die Be⸗ wohner von Formentera mit Sehnſucht ent⸗ gegen ſahen, weil man an Vielem Mangel zu leiden anfing.— Das Fort war jetzt ganz wieder her⸗ geſtellt und erhielt den Namen Rado, nach ſeinem Erbauer, dem Kapitain Leyva da Rado. Es beſtand aus ungefaͤhr funfzig guten Haͤuſern, von Steinen, Balken und Felſenſtuͤcken erbauet, mit einer ſchoͤnen Wohnung fuͤr den Admiral und ſeine Ka⸗ pitaine.— Der Wall des Forts war un⸗ regelmaͤßig mit Baͤumen bepflanzt, die die Feldſtuͤcke verbargen. Dieſe kleine Feſtung hatte von der Seeſeite die Anſicht eines dichtbewachſenen Felſens. Auf des Admirals Wohnung erhob ſich ein runder, oben platter Thurm, den be⸗— ſtaͤndig eine Wache zierte, die faſt die 5z Inſel und das Meer, ſo weit nur das menſchliche Auge reichte, uͤberſehen konnte. Durch gute Fernglaͤſer erkannte man ſo⸗ gar die gegen Norden liegenden Inſeln Jviza und Cabrera. Als man das Fort Rado bezog, wa⸗ ren ſeit der Ankunft auf der Schlangen⸗ inſel ſchon beinahe drei Monate vergan⸗ gen. Nun befahl Velasco, daß der vierte Theil der Bewohner jetzt an der Ausbeſſe⸗ rung der Schiffe arbeiten, die andern aber, die Erbauer Rado's, von ihrer Arbeit ru⸗ hen ſollten. Zum Kommandan ten der kleinen Stadt ward Kapitain Leyva ernannt, und bei Velasco's Wohnung war guch die fuͤr Alta⸗ Don Louis von Ortillo eingerichtet. ſe Anlagen, ſie dden Inſel Eng⸗ und lebte nur fuͤr mor und Jenny entzuͤckten die ſchien auf dieſer ſonſt ſo land vergeſſen zu haben, ihren Gatten und Sohn. — 157— Des ungetreuen Alvar's und ſeiner bei⸗ den Mitentflohenen wurde nicht mehr ge⸗ dacht, ſie ſchienen vergeſſen, als ein neuer Vorfall dieſe im Gedaͤchtniſſe der Koloni⸗ ſten Erloſchenen wieder auffriſchte. Eines Morgens, als die Haͤupter der Korſaren ſich beim Admirale zum Speiſen verſammelten, fehlte noch der Kapitain Al⸗ tamor.— Er hatte, vom Neger Zapato begleitet, ſchon am Morgen das Fort ver⸗ laſſen, um ſich mit der kleinen Jagd zu vergnuͤgen. Man wartete lange, endlich trat der Erſehnte ein, entſchuldigte ſich, und ſetzte ſich an die Tafel. Velasco's und der Ue⸗ brigen Augen waren auf ihn gerichtet, denn er ſchien oft etwas ſagen zu wollen, und doch verbot es ihm ſein unbeſchreiblicher Appetit. Endlich brach Don Louis das lange Stillſchweigen: Nun Altamor, ſprach er — 158— mit Laͤcheln, was haſt Du denn erjagt? Es muß wirklich der Muͤhe werth ſein, das Wildpret zu ſehen, Dein langes Außen⸗ bleiben laͤßt es mich vermuthen. Der Angeredete erwiederte: Geſchoſſen habe ich nichts Erhebliches, aber wie es ſchien, machte man Jagd auf uns, denn drei Zoll weit ſuhr mir die Kugel beim Ohre weg und durchbohrte des Afrikaners Sonnenhut. Wie? Was? riefen die Verſammelten, und blieben erſtaunt in einer ſeltſamen Stellung, die der, durch das en hervorgebrachten, aͤhnelte. Erzaͤhle! ſprach dann Velasco, und ſpanne unſre Neugierde nicht laͤnger. Zapato! rief Altamor. Dieſer noch mit dem Eſſen beſchaͤftigt, trat ein. Mein Hunger iſt noch Meiſter von dem Magen, erwiederte Altamor. Erzähle Du, wie es uns zwiſchen den „ —.————————— Felſen auf der Oſtſeite Formentera's er⸗ gangen iſt. Aber in gedraͤngteſter Kuͤrze! ſetzte der Admiral hinzu, der des Negers Weirlàuf⸗ tigkeiten kannte. Dieſer ſchlang das im Munde Zermalmte hinunter und begann: Sennor Altamor und ich gingen heute vor Tage, Voͤgel zu ſchießen, aus Rado, denn der Sennor iſt gleich mir ein Liebhaber der Jagd.— Wir wandten uns nach dem oſtlichen Theile der Inſel; als wir auf den Felſen ver⸗ ſchiedene uns noch unbekannte Voͤgel er⸗ blickten, brannte Sennor Altamor los, ind fehlte; eben legte ich an, mein Heil zu verſuchen, als dicht neben uns im Ge⸗ buͤſch ein Schuß fiel, die Kugel nahe an dem Sennor vorbei durch meinen Hut fuhr und in einen Baum ſchlug. Der Schuß iſt an meinem Hute zu ſehen⸗ Hier zeigte er den Beweis i ſage vor, der durch der Verſammelten Haͤnde ging und bewundert wurde; dann fuhr der Exzaͤhler weiter fort: Ohne ein zweites beſſer treffendes Blei, das dem erſten ſicher gefolgt wäre, ab⸗ zuwarten, ſtuͤrzten wir dem Orte zu, durch⸗ ſuchten den Wald, die Felſen, ja die halbe Juſel, ohne etwas anderes, zu finden, als 3 Haarnetz.. Altamor zog es hervor und warf das Netz mit den Worten: Wer kennt es? auf den Tiſch. Jeder der Anweſenden erkannte es fuͤr den Verraͤthers Avar's Haarſchmuck; denn die Officiere der ſpaniſchen Kaperſchiffe pflegten ſolche Netze von verſchiedenen Far⸗ ben zu tragen. Die vom Delphine trugen hochgelbe, und von dieſer Farbe war das gefundene. tun? fragte Altamor, als die allge⸗ — —— 5 — N N —ů———— — 161— meine Verwunderung zu ſchwinden hbe was glaubt ihr jetzt? Daß der ungetreue gefluͤchtete Alvar und ſeine beiden Mitverſchworenen ſich noch auf Formentera verborgen halten, und un⸗ ſere Meinung, das verlorene Boot habe ſie davon getragen, ungegruͤndet iſt, war die Antwort. Und daß das angelegte Feuer ein Wert dieſer Buben war, fuͤgte Altamor hinzu. Beim Himmel, Du haſt recht! ſprach der Admiral. Augenblicklich ſoll das Vor⸗ gefallene unſern Leuten bekannt gemacht, und die ganze Inſel, jeder Winkel, jeder Buſch, jede Felſenritze durchſucht werden. Ich wuͤnſche, daß dieſer Verſuch nicht auch den Erfolg des meinigen habe, äu⸗ ßerte Altamor, und man ſtand auf. Sogleich wurden die Seerauber und bie Matroſen verſammelt, und drei beſondere Abtheilungen unter Don Louis, Altamor's gann, —— und des Lieutenants Vilez Anfuͤhrung, die Inſel zu durchſuchen, ausgeſchickt.— Selbſt der Admiral machte ſich mit dem Neger Zapato und ſechs ſeiner Leute auf den Weg, und die Bitten ſeiner Jenny waren vergeblich, ihn davon abzuhalten. — Zuruͤck blieb der Commandant Don Leyva da Rado. Schon am Abende kehrte Velasco muͤde und erſchoͤpft zu ſeiner Jenny wieder zu⸗ ruͤck, ohne etwas von den verborgenen Auf⸗ ruͤhrern entdeckt und gefunden zu haben. Am andern Tage ſtellten ſich die Ausge⸗ ſchickten auch wieder ein, denn ihre Bemuͤ⸗ hungen waren ebenfalls fruchtlos geblieben. — Gern wuͤrde man geneigt geweſen ſein, Altamor's und Zapato's Ausſage fuͤr eine Fabel zu halten, wenn nicht des erſteren ſtrenge Wahrheitsliebe und das vorgefun⸗ dene Netz die ſonſt Unglaͤubigen vom Ge⸗ gentheile uͤberzeugt haͤtte.— Man ſtaunte — 163— und beſchloß die Nachforſchungen fortzuſe⸗ tzen, und beſonders in der Nacht bei ver⸗ ſchiedenen Felſenhoͤhlen der Inſel Poſten auszuſtellen und ſich ſo gut wie moͤglich zu verbergen. Auch dieſes war und blieb ohne Er⸗olg; und ſchon fingen die Seeraͤuber, des naͤchtlichen Wanderns muͤde, an zu mur⸗ ren; denn ſie hielten ſich uͤberzeugt, daß weder Don Alvar noch ſeine Gefaͤhrten, ſich auf der Inſel verborgen halten köonnten. Der Admiral Velasco beſchloß, die aus⸗ geſtellten Wachen endlich einzuziehen, und die immer fruchtloſen Bemuͤhungen zu un⸗ terlaſſen, als man einſt am Morgen einen jungen⸗Portugieſen, der auf der Oſtſeite der Inſel zwiſchen den Felſen ſeinen Po⸗ ſten gehabt hatte, erſchoſſen und von meh⸗ *enſichen durchbohrt fand. Auch en ihm ſeine Moͤrder der Kleider und Waffen beraubt, und die Naſe und Ohren abgeſchnitten. C Dieſe Barbarei, dieſes ſcheußliche Be⸗ tragen empoͤrte die Bewohner Formente⸗ ra's; ſie ſchwuren den Portugieſen zu raͤ⸗ chen, und nicht eher zu ruhen, bis ſie die Meuchelmoͤrder gefangen⸗ und in Stuͤcken zerfleiſcht haͤtten.— Um ihren Eifer noch mehr anzufeuern⸗ gelobte der Admiral fuͤr den lebenden Alvar tauſend, und fuͤr ſeine peiden Anhaͤnger fuͤnſhundert Goldſtuͤcke zu zahlen. Faſt alle die Korſaren zogen nun aufs neue ins Innere der Inſel; die Ausbeſſe⸗ rung der Schiffe ruhete, und kaum be⸗ hielt der Admiral Leute genug⸗ das Fort Rado zu bewachen. Bei Durchſuchung der Felſenmagazine, deren Inhalt man ſchon im Fort aufbe⸗ wahrte, waren die noch dort. zwei Faͤſſer mit Pulver, ein kleines Fetw⸗ ſtuͤck und eine Tonne mit Schiffszwieback daraus entwendet.— Gluͤcklicherweiſe ————— — erweitert hatte.— und anderes Ungeziefer hatten hier in unzaͤhliger Menge ihren Wohnort aufge⸗ ſchlagen. Schlangen, Kroͤten Ohne der Wuth der Korſaren Einhalt thun zu koͤnnen, eilten dieſe in das Ge⸗ faͤngniß und zerfleiſchten den Erhaͤngten, um ihre Wuth zu kuͤhlen. Dann ward der Zerſtuͤmmelte in dem Walde an der Stelle, wo man ihn fing, aufgehangen.— Vor ſeinem Selbſtmorde hatte der Ungluck⸗ liche folgende Drohung in die Felſenwand gekratzt: Admiral! „Eure Grauſamkeit, die mich das, „Schlimmſte fuͤrchten laͤßt, macht mich „zum Moͤrder an mir ſelbſt, aber meine „Bruͤder werden mich an Euch, Eurem „Weibe und Kinde aufs furchterlichſte rä⸗ „chen.— Schon einmal entgingt Ihr „dem geſpannten Rohre Don Alvar's, „aber hoffentlich nur einmal.— Auch „Vilez, den Verraͤther, trifft der Rache „Schwerdt uͤber kurz oder lang.“ Pedro⸗ Die Worte brachten beim Admirale die Bitte an ſeine Jenny hervor, nicht ohne ſeine Begleitung jenſeits des Waldes zu uſtwandeln, auch erhielten die Wachen an oen beiden Thoren Rado's Befehl, ſeiner attin nicht zu erlauben, das Fort zu erlaſſen. Die Nachforſchungen dauerten mit ei⸗ aiger Einſchraͤnkung fort, und an der Aus⸗ veſſerung des Centaurs und des heil. Am⸗ broſius wurde wieder gearbeitet. Auch legte man um Rado mehrere Gaͤrten an, von Mauern und Palliſaden umgeben, wie auch große Kornfelder. Endlich, nach ſechs Monden, erblickte man zwiſchen der Inſel Cabrera und For⸗ mentera ein Fahrzeug, und bald lief, zu 36 di die ne zu an ner z0 lus⸗ Am⸗ Auch an, wie lickte zu großer Freude der Koloni unter Kapitain Gardez Befehl, in die Bucht ein. Jetzt war nur großer Jubel auf der Schlangeninſel zu hoͤren, von ihm ertoͤnten die Felſen, und in den Thaͤlern hallte tauſendfaches Echo wieder. Gardez hatte anſehnliche Beute, viele Munition, und meh hrere fuͤr die Kolonie ſehr nothwendige Sachen an Bord. Er ſtattete dem Admira le ſeinen Bericht ab, entſchuldigte mit Gruͤnden ſeine lange Ab⸗ weſenheit, und aͤrndtete des Befehlsha⸗ bers ganze Zufriedenheit. Auf ſeine Ausſage, daß man jetzt viele von Amerika kommende franzoſiſche Fahr⸗ zeuge auf dem Hceane ſaͤhe, beſchloſſen die Verbuͤndeten, eines der ausgebeſſerten Schiffe auf Kaperei auslaufen zu laſſen. Da jeder der Kapitaine von Begierde brannte, neue Thaten zu vollbringen und neue Beute zu erobern, ſo ſah ſich Ve⸗ ſten, der Seipio, lasco gendthigt, das Loos entſcheiden zu laſſen. Dieſes traf den alten Leyva da Rado, der auch hocherfreut daroͤber noch in eben der Woche mit 80 der Ausgeſuchteſten den heil. Ambroſius beſtieg, und Formentera⸗ unter dem Abſchiedsdonner des Geſchuͤtzes⸗ verließ.— Seine Ordre erlaubte ihm nur eine Ab⸗ weſenheit von hochſtens zwei oder drei Monden⸗ Der angekommene Kapitain Gardez d das erbauete Fort Rado zweckmaͤßig ge nach dem Meere fan eingerichtet und die La entzuͤckend ſchoͤn, Leyva's Abreiſe va mandant die lange Seefahrt ſehr gel gusgebeſſert werden, wozu ein Bewohner der Inſel beordert wurde. hier erhielt er den durch kanten Poſten eines Kom⸗ en.— Sein Schiff, das durch itten hatte, mußte Theil der noe — 7 jet jetz dez ig ere rch om⸗ urch de jetzt ſchon ein halbes Jahr verfloſſen unb 171— Kaum war die Zeit eines Monats ſeit . Leyva's Abfahrt verfloſſen, ſo machte ſich auch Louis von Ortillo fertig, die Rhede von Formentera zu verlaſſen.— Auf vie⸗ les Verlangen erhielt er die Erlaubniß von der Admiralitaͤt dazu, und lichtete darauf bald mit hundert der Korſaren am des Delphins die Anker und ging unter/ lautem Hurra hoch in die See. 33 Durch die Abfahrt beider Swyrzeuge hatte ſich die Anzahl der Koloniſten ſehr; vermindert, nur noch uͤber zweihundert blie⸗ ben auf der Inſel zuruͤck. Ihre Beſchaͤf⸗ tigung beſtand meiſtens in Ackerbau, der jetzt ſtark getrieben wurde, Fiſcherei und Viehzucht. ——— „—— Seit Hauptmann Leyva's Abfahrt war nch ſah man den heil. Ambroſius nicht 8* — 172— heimkehren. Der Admiral fing an unru⸗ hig zu werden, und er nebſt ſeinen Offi⸗ cieren beſchloſſen, ein drittes Schiff, und zwar den Scipio, auslaufen zu laſſen. Der Centaur war zum Admiralſchiffe 3 worden. Schon fing man an⸗ bdie noͤthigen Anſtalten zu machen, um das Fahrzeug auszuruͤſien⸗ als der Waͤchter auf dem Wachtthurme bei hellem Wetter in weiter Entfernung die Segel eines Schiffs erblickte. Die beſten der vorhandenen Fern⸗ gläſer konnten die Kraft der Augen nicht genug ſtaͤrken, daher man nur das Schiff, nicht aber die Flagge wahrnehmen konnte⸗ und obgleich Gardes behauptete, es ſei der heil. Ambroſius, ſo wollte Wan doch dieſer Behauptung nicht trauen. Die Nacht entzog das ſegelnde Fahrzeug ihren Au⸗ gen, und am Morgen war esdihren Bli⸗ cken auf der hohen See ganz entſchwun⸗ — — 173— Don Velasco befahl, mit der Ausrà⸗ ſtung des Scipio noch einige Wochen zu harren; wenn dann keines der ausgelaufe⸗ nen Schiffe ſich der Bucht naͤhere, wolle er ſelbſt Formentera verlaſſen und den un⸗ gehorſamen Leyva aufſuchen. Am andern Tage brachte ein heimkeh⸗ rendes Fiſcherboot eine Nachricht, die das ganze Fort in Bewegung und Schrecken ſetzte. Drei der Kaper waren zu fiſchen an den Ufern Formentera's umhergerudert, und hatten ſich unvermerkt weit von der Bucht entfernt, als ihnen mit einem Male hinter den hohen Felſen und Bäumen die hervorragenden Wimpel eines Schiffes in die Augen fielen.— Staunend betrachte⸗ ten ſie das liegende Fahrzeug, glaubend, daß ſie die Inſel umrudert, wieder bei dem Hafen angekommen, und daß' des Cen⸗ taurs Spitzen die waͤren, welche ſie ſaͤhen. Aber die Flagge benahm ihnen ihren — 174— Irrthum: einer der drei erkannte ſie fuͤr die tuͤrkiſch-afrikaniſche, und als man ſich zu uͤberzeugen ans Ufer geſtiegen und ei⸗ nen hohen Felſen erklommen hatte, ſahen die Erſtaunten das noͤrdliche Ufer von For⸗ mentera mit Tuͤrken bedeckt, die das Fahr⸗ zeug entluden, und alles grobe Geſchuͤtz ans Land brachten.— Dieß war die von den Fiſchern uͤberbrachte Botſchaſt. Der Admiral und ſeine Kapitaine, Al⸗ tamor und Gardez, ſchickten eiligſt meh⸗ rere der Liſtigſten zum Kundſchaften aus, und ſetzten das Fort ſowohl als die Bucht in den beſten Vertheidigungs-Zuſtand.— Der Centaur wurde bemannt, mit Mu⸗ nition, Lebensmitteln u. dgl. verſehen, und Gardez erhielt das Kommando.— Am Abende kehrten die Fortgeſchickten zuruͤck, und berichteten: die Ausſage der Fiſcher ſei nur zu wahr, und das noͤrd⸗ liche Ufer der Inſel ſo zahlreich von Mu⸗ 7 — —— ſelmaͤnnern beſetzt, daß ihre Zahl uͤber drei⸗ hundert ſchiene.— Sie beſchaͤftigten ſich jetzt die Ladung des großen Fahrzeuges ans Land zu bringen, doch hielten ſie ſich hinter den Bergen verſteckt, und machten, ſo ſchiene es, die noͤthigſten Anſtalten das Fort zu uͤberfallen und einzunehmen.— Auch wollten einige den Alvar und ſeinen Gefaͤhrten, Talvez, unter den Muſelmaͤn⸗ nern bemerkt haben. Jetzt hatte der Admiral Gewißheit, und ſah voraus, daß die Tuͤrken Feindſeligkei⸗ ten zu unternehmen willens waͤren, und daß es ein Blutbad geben wuͤrde.— Sein alter Muth erwachte wieder, und der Name Velasco da Gaſton belebte ſeine treue Schaar. In der groͤßten Geſchwindigkeit ließ er alle Kanonen auffuͤhren, und die auf den Waͤllen liegenden ſcharf laden, dann wurde „Munition ausgetheilt, und dem Kapitain Gardez angezeigt, ſeinem Beiſpiele zu fol⸗ gen, ſich bereit zu halten die Bucht ver⸗ laſſen zu koͤnnen, und des Admirals Be⸗ fehlen jeden Augenblick gewaͤrtig zu ſein. Die in den Felſenhoͤhlen bei Rado lie⸗ genden Lebensmittel, Korn u. dgl., wur⸗ den ins Fort gebracht, und Wachen eine Stunde im Umkreiſe ausgeſtellt.— Beim Einbruche des Abends, als die letzten rothen Strahlen der untergehenden Sonne Abſchied nahmen, begab ſich der Admiral an Bord des Centaurs, und theilte dem Kapitain Gardez ſein Vorhaben mit. Dieſer erfreut, eine Gelegenheit gefunden zu haben, ſeinen Muth zu zeigen, gelobte Alles aufs puͤnktlichſte zu erfuͤllen, und ſie trennten ſich.— Dann ließ der Admiral funfzig der Tapferſten von Altamor waͤh⸗ len, bewaffnen, und befahl ihnen ſich zum Abmarſche bereit zu halten. Altamor wurde das Fort, Jenny und „——„— der junge Altamor anvertraut, —— die noͤthigſten Verhaltungsbeſehle gegeben. Kaum war die Mitternacht angekommen, als auf dem Thurme der Admiralitaͤts⸗ wohnung eine Leuchte angezuͤndet, gleich wieder verloͤſcht wurde. Auf dem Maſtkorbe des Centaurs beantwortete man das Signal, lichtete die Anker und ſieuerte nordwaͤrts. Velasco ſtellte ſich an die Spitze ſeiner Seeraͤuber, druͤckte noch einmal den Freund Altamor und ſeinen Sohn an ſeine heftig ſchlagende Bruſt, und zog, ohne Jenny ſein Vorhaben wiſſen zu laſſen, aus Rado, durch Felſenkluͤfte und dickes Gebüſch dem noͤrdlichen Theile der Inſel zu.— um ſich zu verſtaͤrken, zog er alle ihm auf⸗ ſtoßende Poſten an ſich, und kam bald in die Gegend, erwarteten. wo ſeine Feinde ſeiner nicht „ Der Mohr Zapato war vorausgeſchickt. und ihm — 178— Er ſtieß auf einen der Muſelmaͤnner, der an den Felſen gelehnt ſchlief. Dieſer er⸗ wachte, ſpannte ſein Gewehr und. das Geraͤuſch hoͤrend, auf erabiſch da Jemand ginge? Narr, kennſt Du mich nicht? war Za⸗ pato's Antwort in eben der Sprache. Er naͤherte ſich behutſam beim Dunkel der Nacht. Nein! ſprach der Tuͤrke ſchlaſtrunken: Wer biſt Du, und was ſuchſt Du noch ſo ſpaͤt? Ich bin der Teufel der Mahomedaner, der Dich holen will! brummte der Schwarze, und ſtach dem Erſchrockenen das Schwerdt in den Leib. Dann ruͤckte der Admiral und ſeine Begleiter vor; ſchon ſahen ſie die niederen Wachtfeuer der Tuͤrken, und ſpannten die Roͤhre, als eine zweite aus⸗ geſtellte Wache Laͤrm machte und ſie ver⸗ rieth. — — 179— Nun befahl Velasco hervorzubrechen und auf die ſich ermunternden Feinde zu feuern. Wie ein reißender Sturm alles niederreißt, ſo ſtuͤrzten die tapferen See⸗ raͤuber auf die Anhaͤnger des Propheten Mahomed, die halbſchlafend ihre Waffen ergriffen, ſich zur Wehr ſetzen wollten, und nach dem ufer getrieben wurden.— Doch als der erſte Schreck voruͤber war, ſie ihre große Anzahl und die kleine chriſi⸗ liche Schaar uͤberſahen, fing ihr ſinkender Muth an zuruͤckzukehren, und am felſen⸗ reichen Strande erhob ſich ein moͤrderiſches Gefecht. Die Korſaren wichen; ein Wort, eine Aufmunterung ihres fechtenden Admirals machte ſie ſtehend.— Da donnerte Gar⸗ dez's ganze Schiffsmacht, und ſein Trau⸗ bengeſchuͤtz zerfetzte das Takelwert und zer⸗ truͤmmerte den Rumpf des tuͤrkiſchen Fahr⸗ zeuges.— Dieß gab den Ausſchlag.— Mit der unordentlichſten Eile warfen ſich die Muſelmaͤnner, verfolgt von den Korſa⸗ ren, auf das unbeladene faſt lecke Schiff zuruck, lichteten die Anker und ſuchten zu entfliehen. Allein Kapitain Gardez's Ka⸗ nonen, deren Feuer ſie nicht beantworten konnten, richteten noch eine graͤßliche Nie⸗ derlage unter ihnen an. Nur aus dem kleinen Gewehre ſeuernd, flohen ſie unvorſichtigerweiſe der Seite des Forts zu, und bekamen, da ſie die Be⸗ wohner, von dem Scheine des aufgegan⸗ genen Mondes beleuchtet, erkannten, durch Altamor's Kanonen den Reſt. Zum Ungluͤck brach das Steuerruder des Centaurs, durch Nachlaͤſſigkeit des Regierers, und dieſes verhinderte den Ka⸗ pitain Gardez, das tuͤrkiſche Fahrzeug, das wankend noch die hohe See erreicht hatte, weiter zu verfolgen. * „ — — 181— Siegreich zog der Admiral Velasco noch in der Nacht in das Fort ein. Drei ſei⸗ ner Leute waren verwundet, einer erſchoſ⸗ ſen, und drei beim Stranbgefechte er⸗ trunken. Am Morgen beſah man die tuͤrkiſche Ladung, man fand dreizehn gute Felbſtuͤcke, viele Faͤſſer mit Pulver und Lebensmitteln, welches den Korſaren beides ſehr gelegen kam; einige Koffer mit Kleidungen und zwei mittelmaͤßige Beutel mit Goldſtuͤcken, die unter die Mannſchaft ausgetheilt wur⸗ den.— Auch mehrere Schiffszelte mit Feldbetten und drei zuruͤckgelaſſene Boͤte, ſo wie Waffen aller Art lagen umher.— Aus dieſer anſehnlichen Beute ſchloſſen die Korſaren, daß die Tuͤrken wenig oder gar nichts hatten mitnehmen koͤnnen, und eine laͤngere Seefahrt unmoglich ſein wuͤrde. Der Admiral war hocherfreut über den großen Vorrath von Pulver und Lebens⸗ — 182— mitteln, weil man ſchon Mangel zu lei⸗ den angefangen, und der Ankunft des heil. Ambroſius mit Sehnſucht entgegen geſehn hatte. Velasco ließ an der Seeſeite des Forts noch eine Baſtion, welche die Geſtalt eines Felſens hatte, auffuͤhren, und mit den ſchoͤnen metallenen Kanonen der Tuͤrken be⸗ pflanzen.— Am Mittage warf das Meer viele Tonnen, Balken und Bretter an den Strand, und man urtheilte, das tuͤrkiſche Fahrzeug mit ſeiner ganzen Mannſchaft und Don Alvar nebſt ſeinen Gefaͤhrten ſei geſunken, weil Gardez's Kugeln es in ei⸗ nen Zuſtand verſetzt hatten, der dieß hof⸗ fen ließ. Die getoͤdteten Moslem, deren Zahl ſich auf funfzehn belief, ließ der Admiral am Strande begraben, und dann das zerbro⸗ )—— — 183— chene Steuerruder am Centaur wieder her⸗ ſtellen. Auch erhielt Gardez Befehl: mit einigen Andern Formentera zu durchſuchen, weil Velasco und Altamor nicht ohne Grund muthmaßten, zwiſchen den Felſen und in den Waͤldern noch zuruͤckgelaſſene Sachen der Tuͤrken, oder wol gar Gefluͤchtete von dieſen ſelbſt zu finden. Am Abende dieſes Tages, als ſchon die Bewohner Rado's ihrem Lager zueil⸗ ten, und der Admiral ſich noch mit Alta⸗ mor unterhielt, trat einer der Seeraͤuber von der Mannſchaft des Centanrs hinein, und als ihn Altamor um ſein Begehr ge⸗ fragt hatte, ſprach er: Als wir unter Anfuͤhrung Kapitain Don Gardez die Inſel durchſtrichen, um noch Entbeckungen zu machen, ſtießen wir nord⸗ waͤrts der Felſen auf einen ſchlafenden Moshem, der unter einem Baume der ent⸗ — — 184— behrten Ruhe genoß. Don Gardez befahl uns, den Tuͤrken lebend zu fangen; allein unſer Geraͤuſch erweckte ihn, und er, an⸗ ſtatt zu entfliehen, ſetzte ſich uns zur Wehre. — Gleich anfangs fiel unſer Hauptmann, der brave Gardez, durch einen Piſtolen⸗ ſchuß.—— Todt? riefen erſchrocken Altamor und Velasco, wie aus einem Munde. Wenigſtens toͤdtlich verwundet, wenn 2 nicht ſchon todt, erwiederte der Bot⸗ ſchafter. Wo iſt der Kapitain? Man hat ihn nach ſeiner Wohnung ge⸗ tragen, wo er ſich jetzt unter den Huͤnden eines Wundarztes befindet. Laß uns hineilen, Altamor, ſprach Velasco, und gieb Du Befehl in meinem i Namen, gleich den Tuͤrken zu ſtranguli⸗ ren!— ſe 485 Verzeih Admiral! einer unſerer Leute haͤlt ihn fur einen Britten, der nur tuͤr⸗ kiſche Kleidung truͤge. Der Mohr Zäpatv verſteht ſeine Sprache und nennt ſie nicht arabiſch. Einen Britten! ſprach der Admiral nachdenkend. Haltet ihn in der ſtrengſten Gefangenſchaft; und. erlebe ich wieder ein Stuͤck wie bei Pedro, ſo laß ich die Waͤch⸗ ter ohne Gnade todtſchießen, wonach ſich zu richten.— Der Soldat trat ab, und Velasco eilte mit Altamor der Wohnung ſeines treuen tapferen Gardez zu. Bei ihrem Eintritte kam ihnen der Arzt des Centaurs ent⸗ gegen. Lebt er? fragte Velasco mit Haſt und in aͤngſtlicher Erwartung. Ja er lebt! war die Antwort, und ſeine gute Geſundheit laͤßt das Beſte hoffen. — 1¹186— Glaubſt Du ihn herzuſtellen? erneuerte der Admiral ſeine Frage. Ich glaube es. Aber mit Gewißheit es zu verſprechen waͤre zu voreilig. Meine Pflicht als Arzt gebeut mir, keinen, ſelbſt den Admiral Velasco, zu ihm zu laſſen. Der Kranke kaͤmpft mit einem heſtigen Wundfieber, das ihm leicht das Leben rau⸗ ben kann.— Sieht er morgen der Mit⸗ tagsſonne goldne Strahlen, dann iſt die Geſahr voruͤber. Sprichſt Du wahr, ſo rechne auf eine Belohnung, ſprach Velasco; aber hintergeh mich nicht mit troͤſtenden Hoffnungen.— Wo iſt er verwundet? Die Kugel ſchlug durch die linke Schul⸗ ter, und zerſchmetterte einen Theil des Blattes. Ich zittere fuͤr ſein Leben, aͤußerte der Abmiral gegen Altamor im Weggehen. An Gardez verliere ich viel: er iſt ein tapfe⸗ rer, erfahrener Streiter, und Niemand geſchickter als er, um ein Seetreffen mit Vortheil auszufuͤhren. Laß uns das Beſte hoffen, 3 des Schlimmſten ſtets gewaͤrtig ſein. W. Vol aͤngſtlicher Erwartung harrete Ve⸗ lasco des anbrechenden Morgens und der befohlenen Nachricht von dem Befinden ſei nes theuern Gardez.— Er kam enblich und mit ihm auch ſie.— Man meldete:„Polego, der 2 habe die groͤßte Hoffnung, weil des Kran⸗ ken Wundfieber ſich merklich beſſere, doch duͤrfe noch Niemand zu ihm gelaſſen wer⸗ den.“ Immer Hoffnung, ſprach der Abmira verdruͤßlich, und niemals Gewißheit.— Man fuͤhre den Gefangenen zu mir. an⸗ e ra 65— Altamor trat ein, und mit ihm der ver⸗ meinte Tuͤrke. Er war ein großer aͤltlicher Mann, in gemeiner tuͤrkiſcher Kleidung, der mit freier offener Stirn dem Kaper⸗ Admirale ins ſchoͤne große Auge ſah.— Dieſer ſtutzte beim Anblicke des Gefan⸗ genen, und maß ihn mit forſchenden Bli⸗ cken, indeß Altamor erloſchene Scenen in ſein Gedaͤchtniß zuruͤckrief. Wer ſeid Ihr? fragte endlich Velasco auf Engliſch und mit finſterm Blicke. Ein Korſar, wie Ihr! war des Ge⸗ fangenen kurze Antwort. Ein Britte! Einſt war ich es, jetzt erkenne ich Ita⸗ lien fuͤr meine Heimath. Daß ich wahr rede, werdet Ihr aus dieſen Schriften ſehen. Der Sprecher zog einige Papiere, die er tief unter ſeiner Kleidung verborgen 4 hatte, hervor, und reichte ſie dem Admi⸗ rale. —— — .—— — Da dieſer alles fluͤchtig durchgeſehen hatte, ſprach er, mit veraͤchtlichen Mienen und nachdruͤcklicher Stimme: Ihr ſeid ein Englaͤnder, und dieſer Brief, von der Ad⸗ miralitaͤt in Palermo unterzeichnet und be⸗ ſiegelt, ertheilt Euch die Freiheit, gegen Britten zu kriegen, ihre Kauffartheiſchiffe und Fahrzeuge zu rauben, ihnen die Wac ren zu nehmen?—— Kann ein Britte ſo gegen Britten handeln, ohne ſeiner Tha⸗ ten Schaͤndlichkeit zu fuͤhlen?— Euch Abmiral ſo fragen und reden zu hoͤren, wundert mich nicht, ſprach der Si⸗ cilianiſche Korſar; aber erſt vernehmt, was mich bewog, Feindſeligkeiten gegen meine Mitbruͤder auszuuͤben: Zehn Jahre diente ich der engliſchen Marine als Schiffskapi⸗ kain, in genauer Erfuͤllung meiner Pflich⸗ ten; da zog man mehrere junge unwiſſende Edelleute mir vor, die reiche Onkel und „—„— vielvermögende Tanten, Couſinen u. dgl. — Si⸗ nte pi⸗ de nd 1— hatten, verſetzte mich vom Waſſer, wo ich zu leben gewohnt war, aufs Land, und gab mir eine erbaͤrmliche Penſion. Ich murrte nicht. Als man mir aber ein ſchaͤnd⸗ liches Verbrechen, eine heimliche Gemein⸗ ſchaft mit dem franzoͤſiſchen Hofe andich⸗ tete, und mich auf immer aus dem Vater⸗ lande verwies; da entbrannte meine immer gereizte Rachſucht.— Ich wandte mich nach Sicilien, nahm den Namen Ceveto an, und durch meine wenigen Goldſtuͤcke gelang es mir, dieſen Lapei ies fertigt zu bekommen. Ihr handeltet unedel, nicht wie ei⸗ — nem Britten geziemt, ſprach der doch fahrt fort!— Dieſe Anmerkung verzeihe ich dem Kor⸗ ſaren⸗Admirale Velasco, fuhr der neue Italiener fort. Bei meinen Streifereien fiel ich an Afrika's Kuͤſte in die Hände zweier algieriſcher Schebecken, und nach — 192— einem langen harten Gefechte verlor ich mein Schiff und meine Freiheit.— Hier auf Formentera, als die Tuͤrken fliehend dieſes verließen, gelang es mir, zu ent⸗ kommen, und bei meinem Umherſtreichen muͤde geworden, wurde ich der Gefangene Eurer Leute. Ihr habt einen meiner Freunde, mei⸗ nen Kapitain Garbez getodtet: wißt Ihr, was Euer Loos iſt, ahnet Ihr es 2 Waͤr' ich gn Eurer Stelle, und Ihr an der meinigen, antwortete der Gefragte mit nordiſcher Gleichguͤltigkeit, ich ließe Euch haͤngen, und raͤchte ſo den Verblichenen. Welche Frechheit! rief Altamor. Ge⸗ laſſen nahm Velasco das Wort: Ihr ſprecht Euch ſelbſt das Urtheil!— „ und ich ſchenke Euch das Leben, bas in meiner Gewalt ſtand, Euch zu neh⸗ nen, ſprach der Englaͤnder, und warf ein im weiten Aermel verborgenes Terzerol Hier en ent⸗ hen ene nei⸗ hr, — 193— auf den Tiſch. Fuͤhrt mich zur Shl bank!— Menſch! fuhr der Admiral auf, Ihr glaubt meine Verwunderung zu reizen, aber Ihr irrt Euch. Iſt Euch das Leben gleich⸗ guͤltig, und verachtet Ihr die Qualen des Todes, ſo nehmt dieſes kleine aber fuͤrch⸗ terliche Inſtrument, kuͤrzt Eure Tage und befreiet Euch von dem ſchandvollen Tode des Haͤngens. Velasco, Ihr habt recht! ſprach der Gleichguͤltige, nahm das Terzerol, ſpannte gelaſſen den Hahn, ſetzte es an den Mund, und—— der Admiral ſchlug es ihm aus der Hand, daß es weit hin ins Zimmer flog. Der Britte wollte reden, da trat ein Soldat ein und meldete; Kapitain Gar⸗ dez ſei ſo eben geſtorben. Wehmuͤthig ſank. Velasco's Blick auf den Boden, und A tamor ſuchte eine Thraͤne zu verbergeß I. Theil. 9 3 die ganze ſpaniſche Seemacht, fragt die — Dann fuhr der Erſtere auf und er⸗ griff des erſtaunten Britten Hand. Durch Euch, ſprach er, durch Euch, verliere ich einen meiner tapferſten Getreuen: Ihr ſeid ſein Moͤrder, koͤnnt Ihr ihn mir erſetzen? Ich hoffe es, war des Englaͤnders Ant⸗ wort. Nehmt mich an ſeiner Statt an, und laßt mich handeln. Bei Gott! rief der Admiral, Ihr nur allein konnt mich Gardez Verluſt vergeſſen machen. Was frommt mir Euer Tod 2 Der Verblichene ſteht nicht wieder auf, er hat Euch verziehen, und ich folge ſeinem Beiſpiele. Eure kalte Verachtung des To⸗ des laͤßt mich eine gleiche gegen Gefahren hoffen. Seid mein Freund, und dient dem Admiral Velasco da Gaſton, wie dieſer Gardez ihm diente. Ich will es, ſprach der Gefangene hei⸗ ter, und glaubt Ihr mich feig, ſo fragt er⸗ urch ich ſeid en? Unt⸗ an, nur ſſen d? — Gold⸗ und Silberſchiffe, ob ihnen der Name John Browes unbekannt, ob er ihrem Ge⸗ daͤchtniſſe ſchon entſchwunden iſt. John Browes! wiederholte Velasco be⸗ daͤchtig, und zog ſeine Brieftaſche hervor: John Browes, Commodore?— Das war ich einſt, fiel ihm der Britte ins Wort. Doch wie kam mein laͤngſt ſchon bei mir vergeſſener Name in Eure Brieftaſche 2 Hieltet Ihr Euch einſt in Oxford auf? fragte Velasco ahnend. Ja! dorthin verſetzte mich der Undank eines Miniſters meines Koͤnigs; doch—— Hattet Ihr eine Tochter? unterbrach ihn der Admiral. 1 Wehe mir, wenn ich ſie hatte! Noch glaube ich ſie zu beſitzen. Iſt ſie in Eurer Gewalt? O, ſo laßt ſie mich an das klopfende Vaterherz druͤcken. 3 di Sarago 2 —— 196 Ich ſah Eure Tochter nie.— Kennt Ihr den Namen Larry, kanntet Ihr ei⸗ nen Lordmajor, der ihn fuͤhrte?2 Ha, woran erinnert Ihr mich! der Excommodore. ſich, ſeine rief Seine Faͤuſte ballten Pulſe ſtockten, hoch auf ſchwol⸗ len ſeine Adern und ſein Geſicht ward braun.— Dieſer Unmenſch, dieſer Larry, trieb mich fort aus England. Mein Fluch treffe ihn jenſeits des Grabes, nur Gott, war meiner gerechten Rache zuvor gekom⸗ men.— Dieſer Nichtswuͤrdige, der feine Kniffe und Haltet ein, John Browes! Gott, ich ahnde dieſe Beleidigungen! un⸗ Bubenraͤnke—— oder bei terbrach ihn Velasco cheftig. Die Toch⸗ ter jenes Lo rdmajors Larrh iſt mein Weib vor Gott und Menſchen! Ha Iſis moͤglich! ſprach der Er⸗ ſtaunte, Ih r ein gewiſſer Don Manuel nnt ten — 197 Der war ich, und aus des jungen Grafen Larry's Erzaͤhlung kenne Eu⸗ ren Namen. Dieſer junge hoffnungsvolle Ebelmann war unſchuldigerweiſe die Urſache meines ungluͤcks, meiner Verbannung. Er liebte meine Tochter, meine Marry, und zog ſich und mir ſeines Vaters Haß zu. Wo iſt Eure Tochter? fragte der Ad⸗ miral, und erwartete geſpannt die Ant⸗ wort dieſer Frage. Vielleicht auf ewig verloren fuͤr den Vater, antwortete Browes mit einem thraͤ⸗ nenvollen Blick. Nicht weit von der afrikaniſchen Kuͤſte fuͤhrte ſie eine tuͤrkiſche Schebecke mit ſich fort; und der Kapitain des Timur trennte ſie unbarmherzig von mir, da ſie noch bis ans Ende des Gefechts, in Mannsfleibert verborgen, an meiner Seite ſtritt Der Timur? ſprach der wni, Sohne meines geindes — 198— zu dem verwunderten Altamor wendend, ein Tuneſer? Stand er nicht mit in der geſchloſſenen Verbindung? Ja! antwortete Altamor. Paſcha, Maſta's Name, Liſte des Accords. Kapitain⸗ ſtand mit auf der Truͤgt mich mein Gedaͤchtniß nicht, fiel der Britte ein, und hintergeht mich nicht die taͤgliche Abnahme meiner Geiſteskraͤfte, ſo glaub⸗ ich, dieß war der Name des Herrn der Schebecke. Iſt das gewiß, Alter! ſprach Velasco, und druͤckte ſeine Hand; dann hoff' ich, Euch Eure Tochter wieder in die Arme zu fuͤhren. Mich intereſſirt Ihre Gegen⸗ wart mehr als Ihr denkt. Liebt ſie den jungen Grafen noch? Sie wird ihn ewig lieben. Aber bei tl nie ſoll ſie einem Britten, dem „ihre Hand reichen. Got nd, der in 2 der iel cht te, es — 199— Wie? fuhr der Admiral auf; doch ſetze er gelaſſen hinzu, ihr werdet Euch eines beſſern beſinnen, und meinem Willen ge⸗ horchen.—— Jetzt, Altamor, laß uns Anſtalt machen, dem Freunde die ketzte Ehre zu erweiſen, und ſeinen Leib der kuh⸗ len Erde anzuvertrauen. Eben trat Jenny ein. Jenny! fuhr Velasco fort, es iſt wahr, Kapitain Gardez ſtarb, aber durch ihn fand ich einen Mann, den Dein Vater⸗ land gebar. Hier ſteht der Dir bekannte Commodore John Browes; unterhalte ihn, und lerne den Vater der Geliebten Deines Bruders kennen. Mit dieſen Worten entſernte ſich der Admiral, ſein treuer Altamor ſolgte ihm, der Lady einen laͤchelnden Blick zuwer⸗ fend. 200— Der Admiral fand den Verblichenen von ſeinen Kriegern umgeben, die ihn wie einen Vater geliebt, obgleich Gardez noch nicht den 40ſten Sommer erreicht hatte. Lit⸗ ternd ſtand der Arzt an dem Lager des Todten. Velasco warf ihm einen fuͤrch⸗ terlichen Blick zu, und befahl dann dem erſten Lieutenant des Scipio, die Mann⸗ ſchaft dieſes Fahrzeugs im Schmucke und ganz kriegsmaͤßig bewaffnet, zu verfam⸗ meln. Dann erhielt Zapato Befehl, die Wachen bei den Kanonen auf den Baſteien zu beordern und fuͤr eine Tragbahre zu ſorgen. Als man den kalten Gardez vom Blute gereinigt, und ihm eine beſſere Kleidung angezogen hatte, wurde er auf die Trag⸗ bahre gelegt, und unter den langſam auf einander folgenden Schuͤſſen der Felbſtucke ging der Zug aus dem Fort Rado dem Felſenwalde zu. n en cht it⸗ es — 201— Voran ging der Admiral, und Fapi⸗ tain Altamor hinter der Leiche; dann folg⸗ ten die beiden Lieutenants, die unter des Kapitain Gardez Befehle geſtanden. Hin⸗ ter dieſen ſchritten paarweiſe ſeine Krie⸗ ger mit ihren Buͤchſen, und die Matro⸗ ſen mit ihren Meſſern bewaffnet. Im Walde war ein freier von Baͤumen leerer Platz ausgeſucht. Der Admiral entbloͤßte ſeinen Degen und ſenkte die Spitze in die Erde: ſeinem Beiſpiele folgten Altamor und die Lieutenants. Dann grub die Mannſchaft des tapferen Gardez letzte Wohnung, ſenkte ihn hinein, und bedeckte ſeine Huͤlle mit der kalten erfriſchenden Erde. Auf ſein Grab waͤlzte man ein nahe liegendes Felsſtuͤck, und ein Ma⸗ troſe des Scipio, der einſt den Meißel und Hammer handhabte, grub in den hat⸗ ten Stein: —— — Hier modern die Gebeine aer Gardez's, aus Barcelona gebuͤrtig, Kapitains des Schiffes: der Scipio, Er endete Sein Leben im Dienſte des Admirals Velasco, 3 9 Jahrealt. Sein Andenken lebt in den Herzen Seiner Getreuen. Der Admiral machte dem Verfertiger dieſer einfachen Inſchrift ein Geſchenk von hundert Piaſter, und ließ ihn und die Mannſchaft das Vermoͤgen des Garbez, der in Spanien keine nahe Anverwandte beſaß, erben.— Dann wurde der erſte Lieutenant, ein Edelmann von altem Adel, mit Namen Don Nones von Madragon, in den erledigten Poſten eingeſetzt, und der Britte John Browes erhielt den eines 3 Leutenante — 2 Obgleich Velasco von ſeinen Getreuen geliebt und gefuͤrchtet wurde, ſo wollte er doch, auf Zureden Altamor's, es nicht gleich wagen, den Moͤrder des braben Gardez an deſſen Poſten zu ſtellen; aus nicht ungegruͤndeter Beſorgniß, die Krie⸗ ger des Entſeelten moͤchten hieruͤber revol— tiren, und den Britten aus Rache ermor⸗ den; denn unter ſeinen Korſaren lebten zwar die bravſten, aber auch die roheſten Leute. John Browes hatte bei geiger Flucht von den Tuͤrken, als man dieſe vertrieb, einen anſehnlichen Schatz von tuneſiſchen Goldmuͤnzen mitgenommen. Dieſe ver⸗ theilte er unter ſeine neuen Bruͤder, und erwarb ſich dadurch, ſo wie durch ſein gu⸗ tes menſchenfreundliches S bald ihre Gunſt. Der Wunſch des Admirals Velasce, —— 5 1 S2——— — 204— daß bald eins der ausgelaufenen Schiffe in der Bucht ankern moͤge, ward noch nicht erfuͤllt, obgleich beinahe ſchon ein Jahr ſeit des Hauptmanns Leyva da Rado Abfahrt verfloſſen war. Vier Tage nach der Beerdigung Gar⸗ dez's trat Altamor lachend zu dem Admi⸗ ral, der ſich mit dem neuen Kapitaine Don Nones und ſeiner Jenny unterhielt. Was lachſt Du? fragte der Erſiere. Stell' Dir vor, Admiral! war des Lachenden Erwiederung, der Geiſt unſers vor einigen Tagen begrabenen Freundes geht umher. Scherzeſt Du? Rein, wahrlich nicht! Zwei der aͤußer⸗ ſten Poſien auf dem Walle nordwaͤrts wol⸗ len ihn dieſe Nacht geſehn haben, und ſind faſt vor Schreck geſtorben. Entweder iſt es ein Phantom der Ein⸗ —,— —„——„—— — 205— bildung, oder Jemand, der ſich auf Ko⸗ ſten ſchwacher Koͤpfe zu beluſtigen gedenkt, das ihm aber Nachtheil bringen wird. 6 Laͤßt ſich das Geſpenſt wieder blicken, ſo ſoll jeder Wachende es mit ſeiner Buͤchſe begruͤßen. Das laßt bekannt machen, be⸗ fahl Velasco, und Altamor ging. In der Mitternachtsſtunde bei Mon⸗ denſchein waͤhlte der Admiral den Weg auf den Waͤllen, das Fort zu umgehen; als auf der hoͤchſten und aͤußerſten Baſtion ein Schuß fiel, dem gleich darauf ein anderer folgte. Eilends lief Velasco hinzu, und fand die Wache das Doppelrohr zitternd laden. Was giebt's, was ſaheſt Du? fragte er. Dort ging er hinab! antwortete der Soldat, ſeinen Herrn erkennend. Der Admiral verfolgte die ihin gezeigte Spur, und ſah nichts; der naͤchſte wa⸗ chende Soldat hatte eben ſo wenig etwas — ———— ———— —— geſehn. Er kehrte zu dem erſten zuruͤck. Was haſt Du geſehn? fragte er zornig. Die leibhafte Geſtalt unſers Kapitain Gardez, in derſelben Kleidung, worin man ihn beerdigte. Mit langſamen Schritten ging er in einiger Entfernung von mir vor⸗ uͤber, und wandte ſich nach der zweiten tieferen Baſtion. Ich muß Gewißheit haben: ein Betruͤ⸗ ger ſcheint uns aͤffen zu wollen, allein er wird den Kuͤrzern bei dieſen Gaukeleien zie⸗ hen, ſprach der Admiral der Korſaren, und verließ den Geiſterſeher. Am Morgen des naͤchſten Tages be⸗ ſchloſſen der Admiral und Altamor, ſich dieſe Mitternacht vom Wahren oder Fal⸗ ſchen zu uͤberzengen; doch wurde kein Wort von dem Vorhaben erwaͤhnt, und es blieb ſelbſt Jenny ein Geheimniß.— Kaum hatte ſich die vom Mond erhellte Nacht gen den nu bet ck. in an en —— genahet, als ſich beide wohlbewaffnet auf den Wall begaben. Geh augenblicklich nach Deiner Woh⸗ nung! befahl der Admiral dem wachtha⸗ benden Soldaten; aber bei der ſchaͤrfſten Strafe verbiete ich Dir, Jemanden ein Wort von dieſer Aenderung zu ſagen⸗ Der Frohe ließ ſein Gewehr zuruͤck, und gehorchte. Den naͤchſten Poſten nahm Al⸗ tamor ein, und dem Abgehenden ward eben⸗ falls Verſchwiegenheit anbefohlen.— Lange harrte der Admiral den Geiſt zu bannen; allein dieſer das Geſchehene und die Wech⸗ ſelung ahnend, ließ ſich nicht ſehen; und als der Morgeh grauete, verließen die Wa⸗ chenden ihre Poſten, ohne die Sage beſtaͤ⸗ tigt zu finden.— Noch dieſe kommende Nacht, ſprach Velasco zu ſeinem Freunde, wollen wir der Erſcheinung harren: zeigt ſie ſich dann nicht, ſo ſetze ich eine Strafe — 208— fuͤr den, der ſie wieder ſieht, und ich glaube, der Geiſt wird verſchwunden ſein. In der Nacht machte man dieſelben Vorkehrungen, begab ſich auf den Wall, wechſelte die Poſten, die ſchon mit Aengſt⸗ lichkeit der Ankunft des Gefuͤrchteten ent⸗ gegen ſahen. Dieß Mal war ihnen die Gelegenheit guͤnſtiger; denn einige Zeit nach Mitter⸗ nacht ſah der Admiral in einiger Entfer⸗ nung auf der zweiten tieferen Baſtion eine Geſtalt ſich naͤhern. Die Dunkelheit ließ ihn nur die Kleidung des verblichenen Gar⸗ dez, nicht aber ſeine Geſichtszoͤge er⸗ kennen. Wer da! rief Velasco mit lauter ver⸗ ſtellter Stimme, und gaͤherte ſich dem tro⸗ ckenen Graben, der die beiden Waͤlle von einander trennte.— Die Geſtalt ſtand einige Augenblicke und ſetzte dann ihren Weg fort. od de — 3— Steh! rief Velasco zum andern Male, oder eine Kugel zerſchmettert Dir das Gehirn. Der Bedrohte ſetzte mit etwas geſchwin⸗ dern Schritten ſeinen Gang fort. Da brannte der Admiral ſein Gewehr ab, und gleich darauf Altamor, der ſich genaͤhert hatte. Verſchwunden war der Geiſt. Man eilte hinzu, ſah und fand aber nichts.— Der Admiral befahl ſei⸗ nem Gefaͤhrten, an der Stelle, wo ihnen der Erſchienene verſchwunden, zu harren. Dann lief er hinab ins Fort, und kehrte bald mit einer Leuchte und einigen Neu⸗ gierigen zuruͤck.— Ha, ha! ſprach Altamor, ein Geiſt von Fleiſch und Bluts Sehet hier Spuren des letztern. S Das blutige Zeichen, das man ver⸗ folgte, fuͤhrte die Suchenden uͤber die letzte Baſtion, und verſchwand dann plotzlich Jetzt glaube ich den ſaubern Geiſt ent⸗ decken zu können, ſprach Velasco; aber wehe dem Spaßmacher. Kaum grauete der Morgen, als auf des Admirals Befehl ſich der Kapitain Don Nones, ſeine Lieutenante John Browes und Valverdo und auch die des Centaurs verſammelten. Velasco erzaͤhte ihnen ſeine Methode, ſolche Geiſter zu bannen, und gab ihnen die Ordre, die Haͤuſer ihrer Un⸗ tergebenen und dieſe ſelbſt zu unterſuchen. An welchem von ihnen man die geringſte Verwundung faͤnde, der ſolle ſogleich in Verhaft genommen werden.— Die Vi⸗ ſitation dauerte bis an den Abend, aber man fand nichts, und ſelbſt nicht einmal die kleinſten Verdacht erregenden Merkmale. Dem Adbmiral und Altamor war dieß un⸗ begreiflich, und noch unbegreiflicher, daß ſich der Geiſt nicht ſehen ließ. Wenn wir nicht gewiß ͤberzeugt waͤ⸗ re faͤ nt⸗ ber auf on ves rs nd — 1— ren, daß Alvar und ſein ihm gleicher Ge⸗ faͤhrte mit den Tuͤrken dieſe Inſel verlaſſen haͤtten, ſo wuͤrde ich ſagen, dieſe Geiſter⸗ erſcheinung ſei ein Stuͤck von ihnen, aber ſo iſt das unmoͤglich, ſprach Altamor, der den Vorfall der Gattin des Admirals er⸗ zaͤhlt hatte. Nach einigen Tagen war auch dieſer vergeſſen, denn die Erſcheinung ließ ſich nicht mehr blicken, und auf anhaltende Bitten des neuen Lieutenant Browes ent⸗ ſchloß ſich Velasco, den Scipio bemannen und abſegeln zu laſſen; als man eines Morgens in der Fruͤhe vier ſchnell auf⸗ einander folgende Kanonenſchuͤſſe und dann ganze Ladungen abfeuern hörte.— Der Admiral kannte das Signal, ließ es ſchuell beantworten, und eben ſo ſchnell einige auf Raͤdern ruhende Feldſtuͤcke auf den Sti⸗ pio bringen, und ihn gut beſetzen. Koch immer waͤhrte die ſeſis K 6 2 nade, und man ſchloß ganz richtig, einer der Bundesgenoſſen ſei in einem harten Geſechte begriffen, und habe die ſchleu⸗ nigſte Hilfe ſehr noͤthig. Die Ausruͤſtung war beendigt, als der Tag anbrach. In weiter Ferne ſah man zwei Schiffe heftig und nahe aufeinander feuern; obgleich das truͤbe, dunkle Wetter mehr zu erkennen nicht erlaubte.— Der Admiral uͤberließ feinem Kommandanten, Altamor, dem Nachfolger Gardez, Rado, und ging, ohne von ſeiner Jenny Abſchied zu nehmen, in See, von 30 ſeiner Kaper begleitet. Das noch immer fortdauernde Schie⸗ ßen zeigte ihm den Weg zum Schau⸗ platze, und bei ſeiner Annaͤherung fand er ſeine Vermuthung gegruͤndet.— Dem heiligen Ambroſius, von Leyva befehligt, wurde ſo ſtark von einem tuͤrkiſchen Li⸗ — nie kor det Ka tet lic me ko en ve ka eir au te rten leu⸗ der nan der tter Der ten, do, i per au⸗ and em igt, Li⸗ nienſchiffe zugeſetzt, daß er ohne die ange⸗ kommene Hilfe bald haͤtte ſtreichen muͤſſen. Ohne lange Kapitulation gab Velasco dem Unglaͤubigen eine Ladung aus ſechs Kanonen, die zwar vierdoppelt beantwor⸗ tet wurde, aber dem Scipio nicht betraͤcht⸗ lichen Schaden zufuͤgte.— Noch eine drei⸗ malige Salve brachte den Marokkaner zum Weichen, beſonders da Leyva jetzt ſeine ganze Artillerie mit Vortheil ſpielen laſſen konnte. Er ſpannte die Beiſegel auf, und entfloh. Obgleich ihn beide Kaper eine Zeitlang verfolgten, ſo wandten ſie ſich doch wieder gegen Mittag, als der Tuͤrke an der afri⸗ kaniſchen Kuͤſte verſchwand. Ohne mit dem Kapitain Leyva da Rado ein Wort zu wechſeln, ließ der Admiral auf Formentera zuſteuern, und den erſtaun⸗ ten Alten weit hinter ſich zuruͤck.— Die Sonne breitete ſchon ihre letzten Strahlen .— 5—— E————* z8 N — 214— auf das Meer aus, als der Scipio, vom Forte begruͤßt, in die Bucht einlief, und der Admiral ſeiner Jenny Umarmung ent⸗ gegen eilte. Bald nach ihm folgte der heil. Ambroſius. Eben ſaß Velasco in Geſellſchaft Al⸗ tamor's und Don Nones von Madragon, als Don Leyba da Rado eintrat.— Will⸗ kommen Leyva! riefen ihm die Officiere entgegen, er erwiederte ihren Gruß. Dann reichte er dem Admiral ſeine Rechte; die⸗ ſer weigerte dem Freunde die ſeinige zu reichen.— Leyva ſah ihn betroffen und fragend an. Glaubt Ihr, ſprach Velasco mit Un⸗ willen, daß ich einem Meineidigen meine Hand reichen, daß ich ihn Freund nennen werde? Meineidig! wiederholte der alte See⸗ ſahrer ſtammelnd, und ſeine Hand zuckte nach dem Degengefaͤße. Nur Ihr, Ad⸗ mir nen wil Eu Se get un ſer ter de ne at h li 0 hein dr G 2— miral! nur Ihr koͤnnt mich ungeſtraft ſo nennen. Was brach meinen Eid 2 Euer Ungehorſam! erwiederte der Un⸗ willige mit Heftigkeit. Zwei Monate ſeit Eurer Abreiſe waren verfloſſen, und mit Sehnſucht ſah ich Eurer Ankunft entge⸗ gen. Jetzt iſt uͤber ein Jahr verſtrichen, und Du kannſt es wagen, wieder an die⸗ ſer Inſel zu landen, unter meine Augen zu treten, ohne meinen Zorn zu fuͤrch⸗ ten?— Ich kann es wagen, ſprach gelaſſen der Greis, oͤffnete den linken Aermel ſei⸗ nes Kleides und warf einen ledernen Arm auf den Tiſch.— Dieß hat mich abge⸗ halten, meine Pflicht zu erfuͤllen. Bei Palos nahm die Kanonenkugel eines eng⸗ liſchen Orlogſchiffes mir meinen Arm dicht go an der Schulter weg⸗ Ueber neun Mo⸗ heinate lag ich in der Handelsſtadt, meine Ad⸗ de Geneſung zu erwarten.— Und Du kannſt mich meineidig nennen? Kannſt Du mich eines Verbrechens beſchuldigen? Vergieb! ſprach der Admiral, ihn um⸗ armend, ich that Dir Unrecht. Wir ſind verſoͤhnt! gab der Alte zur Ant⸗ wort, indem eine Thraͤne von ſeinen Wan⸗ gen rollte, und ſchnallte dann den ledernen Arm wieder feſt. Ohne das ungluͤckliche Zuſammentreffen mit dem Englaͤnder haͤtte ich einen geſunden Ari und einige zwan⸗ zig brave Burſche mehr. Auch haͤtte der heil. Ambroſius weniger gelitten.— Beim Himmel, Admiral! dieſer Kreuzzug iſt ei⸗ ner der ungluͤcklichſten, den ich je gethan. Auf der Hoͤhe des Kaps St. Vincent wa⸗ ren wir nahe daran zu ſinken, denn in der Nacht ſtieß das Fahrzeug auf eine verborgene Scheere, und mehr als die Haͤlfte unſers Ballaſtes, einige Kanonen und Waſſerfaͤſſer warfen wir uͤber Bord. hert Kaum war es uns möglich das Land zu ———— erre im die ren, gere ſtirr die ſen ſchi laue hatt kam zuw nen und chen ken, gan dem . nich um⸗ lnt⸗ an⸗ — erreichen, denn der Leck war uͤber drei Fuß im umkreiſe, und erſt nicht zu entdecken. — Als der Ambroſius wieder ausgebeſſert, die fehlenden Lebensmittel wieder erſetzt wa⸗ ren, lichteten wir die Anker. Aber es mußte gerade in der Zeit eines unguͤnſtigen Ge⸗ ſtirns ſein; denn kaum waren wir durch die Straße bei Gibraltar geſegelt, ſo ſtie⸗ ßen wir auf ein großes engliſches Orlog⸗ ſchiff, das den ſpaniſchen Schiffen auf— lauerte. Es fuͤhrte uͤber 60 Kanonen, und hatte mehr als 150 Mann an Bord. Ich kannte meine Schwaͤche und ſuchte aus⸗ zuweichen; allein der Britte hatte mir mei⸗ nen erbaͤrmlichen Zuſtand ſchon angeſehen, und forderte mich auf, die Segel zu ſtirei⸗ chen.— Ihr kennt mich, und koͤnnt den⸗ ken, daß Leyva ſich nicht ergab. Vier ganzer Stunden ſchlug ich mich mit ihm herum und wich nicht. Eben ſtand ich auf dem Verdeck, als eine teufliſche Stuͤckkugel 10 mir den Arm wegnahm und mich weit aufs Oberloff hinſchleuderte. tun wandte mein beſtuͤrzter Lientenant im Moment den zerfetzten Ambroſius, gab dem Orlogſchiffe eine Ladung von allen mit Traubenkugeln und Granaten geladenen Stuͤcken, und entfloh.— Gluͤcklicherweiſe hatte eine der Kugeln in die, unterm Waſ⸗ ſer gehende Schiffswand ein betraͤchtliches Loch geſchlagen, ſo daß der Englaͤnder Muͤhe genug hatte, das Waſſer heraus⸗ zupumpen, um den Leck zu ſtopfen⸗ und wir Zeit genug erhielten zu entwiſchen. In Palos kam ich unter die Haͤnde ei⸗ nes ungeſchickten Wundarztes, der mich vier ganze Monate hindurch aufs fuͤrchter⸗ lichſte marterte. Man zweifelte an Keiner Wiederherſtellung. Endlich kam ein ande⸗ rer, und zwar geſchickterer Anhaͤnger Aes⸗ culaps, unter deſſen Aufſicht ich bald ge⸗ naß— Kaum konnte ich ohne Geſahr ſchie — —— — weit das Bett verlaſſen, ſo gingen wir wieder in See; haͤtten aber noch zuletzt gut zu⸗ nant geſetzt werden konnen, denn der Tuͤrke hatte gab achtmal mehr Geſchutz als unſer zerbrech⸗ mit licher Ambroſius. Aber zum Gluͤcke hor⸗ enen teſt Du, Admiral meine Signal-Schuͤſſe weiſe und kamſt mir zu Hilfe. Waſ⸗ Da bin ich nun wieder auf dem gluck⸗ iches ſichen Formentera, ohne unſere Schatzkam⸗ de er mit einem Goldſtuͤcke zu bereichern, aus⸗ und muß Gott danken, daß mir die Ku⸗ und gel nur den Arm und nicht den Kopf nahm. n. Don Leyva endete, und ſetzte ſich, ſei⸗ eei mnen knre Maen zu befriedigen, waͤh⸗ mich rend dem ihm Altamor die Vorfaͤlle auf der hter⸗ Inſel ſeit ſeiner Abreiſe und Abweſenheit einer erzahlte.— Das Gefecht und das Zu⸗ ande⸗ ruͤcktreiben der Muſelmaͤnner brachte ihn Aes⸗ in Feuer, der Tod des tapſeren Gardez d ge⸗ machte ihn weichherzig; aber oͤber den er⸗ eſahr ſchienenen Geiſt mußte er ſeine ſpottenden —— — — 8 — Bemerkungen machen.— Auch die noch nicht erfolgte Zuruͤckkunft des Kapitain Louis von Ortillo ſetzte ihn in große Ver⸗ wunderung⸗ Am Morgen muſterte der Admiral die Mannſchaft des heil⸗ Ambroſius, die uͤber zwanzig Krieger und den zweiten Lieute⸗ nant verloren hatte. rach Verlauf einiger Wochen meldete man dem Admiral, durch den Lieutenant, der auf dem Scipio Wache hielt: der Geiſt des begrabenen Gardez habe ſich wieder ſe⸗ hen laſſen, und pflege ſich jede Nacht an der Bucht einzufinden.— Unwillig befahl der Admiral, ihn mit den Buͤchſen zu be⸗ willkommnen und das Geiſterſpiel zu ver⸗ treiben. Ob man nun gleich gehorchte und ½ verſchiedene Male auf das Phantom feuerte, ſo that dieß doch nicht die mindeſte Wir⸗ kung, vor e Schif Nege nacht todt ten. Aber ihr Feſt ſenr das ahn ſein drit mu hoͤr ein me ch in er⸗ die ber te⸗ ete nt, zeiſt an fahl be⸗ ver⸗ und erte, — 221— kung, und die Geſtalt wanderte nach wie vor auf den Bergen und nahe bei den 6 Schiffen umher. Jetzt beſchloß Altamor und Zapato, der Neger, nicht eher wieder im Forte zu uͤber⸗ nachten, bis ſie den naͤchtlichen Wanderer todt oder lebend nach Rado uͤberliefert haͤt⸗ ten.— Zu dem Ende verließen ſie am Abende wohlbewaffnet und ohne Jemanden ihr Vorhaben wiſſen zu laſſen, die kleine Feſtung, und verbargen ſich in den Fel⸗ ſenritzen bei der Bucht.— Allein es ſchien, als habe der Geiſt das Daſein zweier Maͤnner ohne Furcht ge⸗ ahnet; denn ſchon zwei Naͤchte harrten ſie ſeiner vergebens.— In der Mitte der dritten Nacht, als ſchon der Schlaf den muͤden Altamor zu uͤberwaͤltigen drohete, hoͤrte der wachſame Mohr die Fußtritte eines Kommenden, und theilte ſeine Be⸗ merkung dem halbſchlafenden Kapitaine mit. — 2 Altamor hielt das geſpannte Rohr bereit, aber Zapato bat ihn zu harren, weil eine gut gerichtete Kugel ihn leicht toͤdten, und ſie des Vergnuͤgens berauben koͤnne, den Unheilſtifter lebend kennen zu lernen. Der Schall der Fußtritte kam naͤher, und jetzt bemerkten die Lauernden den Ge⸗ genſtand des Schreckens auf einer nahen Anhoͤhe umherſpaͤhend „ Allah, gieb mir die Geſchwindigkeit ei⸗ nes Vogels! fluͤſterte der Neger, und eilte mit der Schnelligkeit eines geuͤbten Afri⸗ kaners den Felſen erklimmend hinan.— Allein der Obenſtehende ſah den Verfolgen⸗ den noch fruͤh genug, und lief hinunter, zwiſchen den Felſen durch, der Ebene zu. Der Mohr blieb weit hinter ihm. Altamor, der die Felſenhoͤhe erſtiegen, ſandte dem Fliehenden zwei Kugeln nach; allein beide hatten denſelben verfehlt.— Sapato, die Schlupfwinkel zwiſchen den lichen neber ken. und noch den fand tenat plott aufs die er d theu erſta gleic meld Wol der gefuͤ — 5 lichen Zapato, der mit geſpannter Piſtole neben ihm ſtand, ihm die Freiheit zu ſchen⸗ ten.— Man band ihm aber die Haͤnde und trieb ihn, ſich eilig fortzumachen, um noch vor Tagesanbruch Rado zu erreichen. Als man dort angekommen war, und den Geſangenen genau unterſucht hatte, fand es ſich, daß es der Gefaͤhrte des Lieu⸗ tenants Alvar, der aufruͤhreriſche Kom⸗ plottiſt Talvez ſei. Altamor ließ ihn aufs ſchaͤrfſte bewachen, und kaum trat die Sonne aus dem Oeean hervor, als er dem Admirale ſein gluͤckliches Aben⸗ theuer mittheilte.— Dieſer ſehr erfreut erſtaunt uͤber die Nachricht, ließ ſie ſo⸗ gleich dem alten Leyva und Don Rones melden, und befahl ihnen, ſich in ſeiner Wohnung zu verſammeln. Dann wurde der Gefangene unter ſtarker Bedeckung vor⸗ gefuͤhtt. — 2 der Kleidung des beerdigten Gardez, und ſeine grauen Augen blickten ziemlich frech auf ſeinen Admiral und die um ihn ſitzen⸗ den Kapitaine. Bube! fuhr ihn der Erſtere an, wo iſt der Dir gleiche Verraͤther Alvar, daß wir uns auch ſeiner verſichern? Das iſt mir unbewußt! antwortete Tal⸗ vez ziemlich dreiſt und ohne Furcht. Hochroth vor Zorn ward der Anfuͤhrer der Korſaren, aber der kluge Altamor re⸗ dete gelaſſen: Bekennt Alles frei und offen, ohne Win⸗ kelzuͤge und Verdrehungen, dieß nur kann „Eure Strafe mildern. Meine Ausſage, daß der Aufenthalt Don Alvars mir unbewußt iſt, hat ſeine — vollige Richtigkeit. Mit den hier von der Inſel vertriebenen Tuͤrken ging er an Bord und unter Segel.— —— fr nu te in m ko in⸗ ann halt eine der zord — Und warum begleiteteſt Du ihn ie fragte Velasco gelaſſen. Der Ruͤckzug der Moslem, ſohr der Befragte ſort, war ſo eilig und ohne Ord⸗ nung, daß ich, von einigen Eurer Solda⸗ ten verfolgt, anſtatt nach dem Geſtade, in den Wald gejagt wurde, und dieſe Flucht machte es mir unmoͤglich, an Bord zu kommen. ⸗ Wo war Dein und Deiner Gefaͤhrten Aufenthalt, daß bei unſern zahlreich aus⸗ geſtellten Wachen doch keiner von Euch in unſere Haͤnde fiel? fragte Velasco weiter. In einer von der Natur gebildeten Fel⸗ ſenhoͤhle, die der Zufall uns entdecken ließ, und die auch dem ſpaͤhendſten Auge eines Suchenden verborgen bleiben wird. Wer erſchoß einen meiner Getretet, den Portugieſen, und nißhandelte ſinn 3 Koͤrper? 228 Pedro, der nachher in Eure Gefangen⸗ ſchaft gerieth. Was bewog Dich, den Geiſi unſers Hauptmanns Gardez zu ſpielen, und Schwaͤchlinge in Furcht zu ſetzen? Lebensmittel, woran ich großen Man⸗ gel litt, habhaſt zu werden; deswegen ver⸗ fertigte ich einen Hebel von einem Baum⸗ ſtamm, hob damit das Felſenſtuͤck von Gar⸗ dez Grabe, und bemaͤchtigte mich ſeiner Kleidung, die mir die beſten Dienſte that. Du biſt ein Meuter, ein Komplottma⸗ *„ cher! und des Todes ſchuldig, endete der Admiral das kurze Verhoͤr. Fuͤhr' uns zu jener Hoͤhle, damit wir ihre Beſchaffen⸗ heit kennen lernen. Auf Velasco's Befehl fuͤhrte man den Gefangenen ab. Der Abmiral, Altamor und Leyva mit einer Bedeckung, die den en tor verurtheilten Talvez einſchloß, machten ſich, von dem Letzteren geleitet, auf den Weg 6 nach der Felſenhoͤhle. 2 Auf der oͤſtlichen Seite Formentera's, die man nur den Felſentheil oder den Schlan⸗ genwald nannte, ragte einer der Felſen weit empor, deſſen Gipfel einige Palm⸗ baͤume zierten; dieſer Felſen war unerſteig⸗ lich, da ſich ſeine ſchroffen Waͤnde hoch empor gegen die Seite des Meeres au⸗ thuͤrmten. An den Hang dieſes Felſens fuͤhrte Tal⸗ vez ſeine Begleiter, und bat, ihn loszu⸗ laſſen, um den Eingang der Hoͤhle zu off⸗ nen. Man that es, aber mit ſcharfgelade⸗ nen geſpannten Gewehren umgaben ihn die Korſaren, und aller Augen warteten des Gefangenen. Dieſer bog einiges am Fel⸗ ſen ſtehendes Geſtraͤuch zuruͤck, ſchob einen Stein hinweg, und man ſah die Sens der dunkeln Höhle. Aber ehe man es ſich verſah, riß Tal⸗ vez einem der Umſtehenden die Fackel aus der Hand, die man auf ſein Verlangen mitgenommen hatte, die Dunkelheit des In⸗ nern der Erde zu erhellen, und ſtuͤrzte in den Eingang; ihm nach die Erwartungs⸗ vollen. Eben war der Verraͤther im Begriff, eins der Pulverfaͤſſer in der Hoͤhle zu entzuͤnden, als Altamor, der geſchwindeſte, durch einen geſchickten Hieb ihm die Hand raubte, ſeine Abſicht hinderte, und das Leben vieler Menſchen rettete. Wuͤthend befahl Velasco den Soldaten, ihn nach Rado zuruͤck zu ſchleppen, und im Angeſichte der Koloniſten zu erhaͤngen. Umſonſi flehete der Verſtuͤmmelte; die er⸗ boßten Seefahrer riſſen ihn hinweg, und befolgten des Admirals Befehl aufs ge⸗ naueſte.— Dieſer verſuchte jetzt in Alta⸗ mors, des Retters, und Leyva's Geſell⸗ S — —— ſchaft das Innere dieſer faſt ganz von der Natur gebildeten und durch der Verraͤther Haͤnde noch erweiterten Hoͤhle. Sie erſtreckte ſich weit unter dem Fel⸗ ſen hin, von einer angenehmen kuͤhlen Luft angefuͤllt. Darin fand man nun mehrere tuͤrkiſche Waffen verſchiedener Art, zwei Pulverfaͤſſer, wovon das eine uͤber halb geleert, das andre noch voll war, eine Lagerſtelle von Moos und Baumblaͤttern, eine kleine Kiſte voll tuͤrkiſcher Kleidungen, mehrere Beutel mit Gold, ſo wie auch mehreres getoͤdtetes Federvieh. Auch fand man die Kleidung Don Alvars und ſeine Waffen. Dieſer geraͤumige unterirdiſche Gang hatte noch einen Ausgang, der in ein Fel⸗ ſenthal fuͤhrte, worin ein klarer Quell ſpru⸗ delte. Hier fand man in den Felſenſpal⸗ ten Vorrath von Holz, einen alten Degen, den Stellvertreter der mangelnden Axt, —— 5 —————— — mehrere ſchon gebrannte Stuͤcken Holz und verſchiedene Geraͤthſchaften. In der Hoͤhle ſelbſt fuͤhrte eine in den Felſen gegrabene Treppe aufwaͤrts, bis zu deſſen Gipfel, der von der Außenſeite un⸗ erſteigbar war. Von dieſer betraͤchtlichen Hoͤhe ſah man deutlich das Fort Rado und die Maſten der in der Bucht liegen⸗ den Schiffe. Unter den dicken laubigen Baͤumen lag ein Neunpfuͤnder von dem tuͤrkiſchen Schiffe auf Kloͤtzen, anſtatt der Lavette, der ge⸗ laden und deſſen Muͤndung nach Rado ge⸗ richtet war. Velasco und ſeine Gefaͤhrten dreheten mit Muͤhe die Muͤndung ſeitwaͤrts, brannten das Feldſtuͤck ab, und die Kugel ſchlug in das ſchaͤumende Meer. Altamor machte die richtige Bemerkung, daß die Tuͤrken dieſe Kanone mit unſaͤgli⸗ cher Muͤhe auf den Felſen gewunden haͤt⸗ ten, um das Fort zu beſchießen, und daß man unmoͤglich ohne Talvez die Thäter wuͤrde haben entdecken koͤnnen.— Sie begnuͤgten ſich, dieſen verborge⸗ nen Ort endlich entdeckt zu haben, ver⸗ rammelten den Eingang und kehrten nach Rado zuruͤck, wo ſie Alles, des gehoͤr⸗ ten Schuſſes wegen, in Bewegung fan⸗ den.— An Talvez war das Urtheil be⸗ reits vollzogen, und er bei der Bucht an dem Aſte eines freiſtehenden Baumes er⸗ haͤngt. Kapitain Don Nones hatte bei Hoͤrung des Schuſſes eilig die Mannſchaft verſam⸗ melt, und mehrere Ausgeſchickte ſuchten den Admiral, um ihn von dem Geſchehe⸗ nen zu benachrichtigen. Dieſer ließ laͤchelnd die Ungluͤck ahnenden Korſaren auseinan⸗ der gehen, und des Erhaͤngten Leichnam des widrigen Eindrucks halber ins Meer werfen. Einen Theil der in der Hoͤhle ge⸗ fundenen Goldſtuͤcke wurden unter die ie Fo — —— —— — 234— loniſten vertheilt, den andern erhielt der Mohr Zapato, als eine Belohnung fuͤr die Kuͤhnheit, daß er den Verbrecher Talvez mit Gefahr ſeines Lebens fing, auch ver⸗ ſprach Velasco, ihn bei der naͤchſten Ge⸗ tegenheit zu ſeinem Lieutenant zu ernennen. Herr! antwortete der Afrikaner, ich bin Dein Selave und werde es bleiben. Laß mich was ich bin, und ſei meiner Treue und meines Gehorſams gewiß. Taͤglich beſtuͤrmte den Admiral der Britte JFohn Browes, auf deſſen Zureden auch Jenny, mit Bitten, ein Schiff zu beman⸗ nen und des Englaͤnders Tochter, die er in den Haͤnden der Tuͤrken glaubte, aus ihnen zu befreien.— Velasco war willig hiezu, allein Leyva beredete ihn, erſt die Ankunft Don Louis von Ortillo, die bald erfolgen muͤſſe, abzuwarten. Auch that ——————— N—— 2 „+ ———— dieſer alte Kapitain dem Admiral den Vor⸗ ſchlag, den baufaͤlligen, dem Einſturze ug⸗ hen Ambroſius zu zerſchlagen und eine Fre⸗ gatte nach engliſcher Art, wovon er die Angabe machen wolle, erbauen zu laſſen⸗ Er verſicherte, ſolche Fahrzeuge uͤbertraͤſen an Geſchwindigkeit ſelbſt die der Raubſtaa⸗ ten Algier und Tunis. Sein Vorhaben, meinte er, ſei leicht und in kurzer Zeit auszufuͤhren, weil unter den Koloniſten ſich mehr denn zehn gelernte Zimmerleute und Handwerker aller Art befaͤnden, und die Burſchen ohnehin ſchon Langeweile zu fuͤh⸗ len anfingen.— Endlich, da auch Alta⸗ mor, von Leyva davon unterrichtet, dem Vorſchlag ſeinen Beifall gab, erhielt der alte Kapitain des Admirals Einwilligung, und ging innig erfreut an die Arbeit, wobei ihm funfzig der im Fort Wohnenden, dazu Brauchbaren, die er ſich auswaͤhlte, zuge⸗ 3 ordnet wurden. Auch John Browes, der 8 S* 25 die Schiffsbaukunſt verſtand, und alle Fahr⸗ zeuge ſeiner Landsleute und ihre Einrich⸗ tung genau kannte, leiſtete ihm Beiſtand. Der von dem zu erbauenden Fahrzeuge verfertigte Riß gefiel dem Admirale, ſo daß er den Kapitain Don Leyva antrieb, mit der Erbauung moͤglichſt zu eilen. Die⸗ ſer ließ den heil. Ambroſius mit vieler Muͤhe ans Land ziehen, errichtete eine Art von Stapel und fing dann an, aus dem zerſchlagenen Ambroſius einen neuen zu⸗ ſammen zu ſtellen. Das Werk ſtand bald mit ſeinem Rumpfe da, worauf man im Walde große Baͤume fuͤr die Maſten ſuchte, und dann das Takelwerk durch Kunſt der Seiler anfertigen ließ. Eines Morgens ſah der Thurmwaͤchter auf der weſtlichen Hoͤhe des Meeres ein Schiff mit roth und ſchwarzer Flagge, das ———— ——— — 237— ſich der Inſel naͤherte. Man bebbuchtete es ſcharf, und erkannte endlich den ſo lange erwuͤnſchten Delphin, der am Mittäge, unter den Begruͤßungen des Geſchuͤtzes auf dem Fort, in die Bucht einlief.— Un⸗ verzuglich begab ſich der Kapitain Louis von Ortillo nach Rado, ein lautes Vi⸗ vat ertoͤnte ihm entgegen. Dann ſchloß er den Abmiral in ſeine Arme, und den Bundesbruͤdern druͤckte er herzhaft zur Bewillkommnung die Haͤnde. Der Sen⸗ nora da Gaſion uͤberreichte er einen Schatz von Juwelen und andern Kleinodien, die er von der Beute ihr zum Geſchenke be⸗ ſtimmt hatte. Dann berichtete er im Kreiſe der Freunde, von den herbei ſchafften— Staͤrkungsmitteln erquickt, die Vorfaͤlle ſeiner Reiſe: Als ich Formentera, den Kapitain Don Leyva aufzuſuchen, verließ, wandte ich mich zuerſt weſtwaͤrts und ohne 8 * Hinderniſſe die Meerenge des Herkules.— Mangel an Waſſer zwang mich, die portu⸗ gieſiſchen Inſeln Madeira und Porto⸗Santo zu umſegeln und an Teneriffa zu landen.— Hier mußte ich auf Verlangen meinen Ka⸗ perbrief vorzeigen, und dann die Lebens⸗ mittel ſehr theuer bezahlen. Die Einwoh⸗ ner ſchienen mir keine gute Abſicht zu ha⸗ ben, und mochten zu meinem Schiffe, das ſie vielleicht mit Schaͤtzen beladen glanbten, Miene machen. Deswegen lichtete ich bald die Anker, und eilte, den Pico de Teyde aus dem Geſichtskreiſe zu berlieren.— Ich ſteuerte nun an Afrikas Kuͤſte hinauf, den Inſeln des gruͤnen Vorgebirges vorbei, der Linie naͤher, als ich auf ein tuͤrkiſches Fahr⸗ zeug ſtieß⸗. Wir machten uns gegenſeitig zum Gefecht fertig, allein ich erkannte den Timur, vom Kapitain Matſta befeh⸗ ligt. Auch er erkannte unſere Flagge, kam an Bord des Delphins, erneuerte die alte M — — — —— 239— Freundſchaft, und machte mich mit dem Tode des Dey's und dem Namen des neuen, der Takar-Mouc hieß, bekannt. Auch zeigt mir Matſta einen ſchriftlichen Befehl des Dey's, den Vertrag mit Dir, Admiral, nicht zu brechen, ſondern noch zu erneuern.— kachdem dieſer Matſta mich und ich ihn beſchenkt hatte, nahmen wir bruͤder⸗ lich Abſchied, er verließ unſer Schiff und ſteuerte weſtlich.— Ich ſetzte nun auch meinen Weg bis zum Kap fort, ohne ei⸗ nem Segel zu begegnen, und gab meinem Schiffe dann wieder eine andere Richtung. dicht weit von der oͤden Inſel Ascen⸗ ſion ſtießen wir auf einen Hollaͤnder, der funfzehn Kanonen fuͤhrte und ſtark beladen ſchien.— Er ſuchte auszuweichen, machte ſich verdaͤchtig; wir nahmen ihnen den Wind, und ich forderte ihn auf, zu ſirei⸗ chen. Der Hollaͤnder bot mir zehntauſend 20 Dukaten fuͤr mich, und die Haͤlſte dieſer Summe fuͤr meine Mannſchaft; allein ver⸗ gebens. Eine abſchlaͤgige Antwort und zweite Aufforderung brachte den Schiffshauptmann in Verzweiflung, und er beſchloß, ſich zur Wehr zu ſetzen. Nach einem zweiſtuͤndi⸗ gen Gefechte brach der Mittelmaſt, den meine Kugeln ſchoͤn bezimmert hatten, zu⸗ ſammen, und erſchlug mehrere der Hollaͤn⸗ der.— Jetzt ließ ich die Enterhaken aus⸗ werfen, um aufs feindliche Verdeck uͤber⸗ zuſpringen; allein der Hollaͤnder ergab ſich und der Kapitain ſtͤrzte, ehe es verhin⸗ dert werden konnte, ſich ins Meer hinab. Die Ladung des Willſoͤff war beträcht⸗ lich, auch fuͤhrte es eine große Menge der ſchoͤnſten feinſten Weine an Vord.— Als die Beute auf dem Verdecke ausgebreitet war, gab ich das Schiff der Mannſchaft, die vom Vorgebirge der guten Hoffnung S—— ——„— — 241— kam, zuruͤck; denn es als eine Priſe an⸗ zuſehn, hielt ich fuͤr unnuͤtz und ohne Vor⸗ theil, weil es ſehr durchſchoſſen, ohne Maſt und von langſamen Gange warz daher es dem Delphine unmoͤglich folgen, und nur ſeinen Lauf hemmen konnte.— Mit die⸗ ſer anſehnlichen Beute noch nicht zufrieden, richtete ich meine Route weiter weſtwaͤrts, paſſirte gluͤcklich die Linie, und befand mich bald wieder bei den gruͤnen Inſeln. Man⸗ gel an friſchem Waſſer, das die Hitze des Aequators ganz faul und untrinkbar ge⸗ macht hatte, nothigte mich, nach den ka⸗ nariſchen Inſeln zu ſteuern, und mich auf Palma mit dem Nothwendigſten zu ver⸗ ſehen. Kaum hatte ich dieſes große Eiland verlaſſen, ſo traf ich auf ein portugieſiſches Fahrzeug, das vier und zwanzig Kanonen fuͤhrte. Wir kapitulirten, und da ich deutlich I. Theil. 11 einſah, daß auch ich bei einem heftigen Ge⸗ fechte den Kürzeren ziehen konne, ſo ließ ich mich mit dem angebotenen ſechsten Theile der Fracht begnuͤgen. Warum aber der Portugieſe dieſen mir ſo gutwillig verabfolgen ließ, ſehe ich noch jetzt nicht ein, denn er hatte uͤber hundert und dreißig Mann an Bord, war mir alſo viel überlegener, auch war ſein Schiff wie rſt vom Stapel gelaufen und in der be⸗ ſten Einrichtung.— Froh, ſo wohlfeilen Kaufs davon kommen zu ſein, beſchloſſen wir, nach der Heimath, nach unſerm Formentera zuruͤck zu ſtenern, unh zu dieſer Abſicht nähmen wir unſern Lauf gegen Nordoſt.— Nicht weit von der Straße Gibraltar hemite ein großes brittiſches Schiff, das prei Maſten und uͤber vierzig Kanonen führte, unſern Fortſchritt.. Beim Teufel! ſiel Don Leyva dem Er⸗ — — 243— e⸗ zaͤhler ins Wort, ſicher iſt dieß das Fahr⸗ eß. zeug, das mir den Arm und meine kapfern en † Krieger raubte.— Am Spiegel zierten es vergoldete Loͤwen, und oben ein hell⸗ nir gelbes engliſches Wappen. 3 Kann ſein, fuhr Louis fort.— Toll⸗ kuͤhn genug, und durch Frau Fortung be⸗ 4 guͤnſtigt, die mich gemacht hatte, ließ ich an den Kapitain eine Aufforderung b. ergehen, zu ſtreichen, und ſich an Bord 3 des Delphins zu begeben.— Aber wie ſtieg meine Verwunderung, als der Auf⸗ geforderte gehorchte, anſtatt mit ſeinen Don⸗ S nerbuͤchſen die Antwort an unſere Schiffs⸗ 6 wand zu ſchreiben.— ltar Kapitain Blaak ließ ein Boot ausſetzen, das ſtieg aufs Verdeck, von ſeinem erſten Lien⸗ nen tenant begleitet, und kam zu mir in die Kajuͤte.— unſere Unterredung dauerte uͤber eine Stunde, und das S wit 3 — 244— daß Blaak auf ſein Fahrzeug zuruͤck ging und die Schießluken oͤffnen ließ. toch beim Abſchiede ſprach er ſehr gleichguͤltig zu mir, meine Hand ſeemaͤßig druͤckend: Kapitain, Ihr werdet es be⸗ reuen, mich auſgefordert zu haben.—— Das brittiſche Schiff entfernte ſich jetzt eine halbe viertel engliſche Meile unterm Winde, und ſchickte uns eine tuchtige La⸗ dung, die unſere Takellage und unſer Se⸗ gelwerk in einen übeln Zuſtand verſetzte. Eilig ließ ich, nichts Gutes ahnend, die Bramſegel aufſetzen, und die Kanonade beantworten. Dieſes ſchreckliche Schießen dauerte äber zwei Stunden.— Endlich war der Engländer ſo zugeſetzt, daß er faſt auf dem Bauche lag, und ſeine Wen⸗ dungen ſehr langſam verrichtete— Nun ruͤckten wir näher. Bald ſtießen unſere Ra an die feindlichen, und im Nu ſaßen ie Stttholen— Allein unſer Vor⸗ wW* ——„„ —— 5 haben wurde bald vereitelt; der Englaͤn⸗ der kam uns zuvor, und unter dem Feuern mit groben und kleinen Geſchuͤtz ſprangen die Britten uͤber. Admiral! bei Gott, das Geſecht war moͤrderiſch!— Mein Lieutenant ſtand be⸗ ſtaͤndig, aber ohne meiner Krieger Vor⸗ wiſſen, mit brennender Lunte bei der Pul⸗ verkammer; denn ehe ich des Kapitain Blaak Gefangener werden wollte, haͤtte ich und er eine Luſtreiſe gemacht, und wir waͤ⸗ ren gewiß nicht ſo gluͤcklich geweſen, wie Ihr, Admiral.— Endlich, da die Brit⸗ ten ihr Pulver verſchoſſen hatten, fingen ſie an zu weichen, wir trieben ſie auf ihr Ver⸗ deck zuruͤck, und waren im Begriff zu fol⸗ gen, als die Britten die Enterhaken zer⸗ hieben, die Beiſegel aufſpannten, und uns, gleich einem Stuͤcke ſchwimmenden Hol⸗ zes, der See preis gaben.— Das Fahr zeug zu verfolgen war unmöglich, bal i — 6 verloren wir es aus den Augen.— Un⸗ ſere Segel, der Spiegel, die Waͤnde, die Decke waren moͤrderiſch zerſchoſſen, und achtzehn Todte von uns lagen zwiſchen den Truͤmmern umher.— Hingegen von den Britten waren nur einige zehn geblieben, bei dem Ruͤckzuge fielen aber noch vier als Gefangene in unſere Haͤnde, wovon der eine, ſtark verwundet, bald nachher ſeinen Geiſt aufgab. Blut faͤrbte den Boden, und Waffen deckten ihn, als unſere einzige Beute. Den⸗ noch hatten wir den Ruhm Sieger zu ſein, obgleich er theuer genug erkauſt war.— Meine durch dieſen Streit ſehr verminderte Mannſchaft war ſo wuͤthend auf die Ge⸗ fangenen, daß ich ſie gleich wuͤrde an den Querbalken des Beſanmaſtes haben haͤngen laſſen, wenn ich nicht wuͤßte, daß Ihr, Velasco, dieſe That gemißbilligt haͤttet.— Denn die Gefangenen waren Britten, und der Admiral die erbeuteten Sachen und ein Englaͤnder war es, der Eure Aufer⸗ ſtehung befoͤrderte, und uns noch einmal Euch wiederſchenkte. Ihr habt gehandelt, ſprach der Admi⸗ ral, wie ich es von dem Kapitain Louis von Ortillo nur erwarten konnte. Fahrt fort!— Wir paſſirten gluͤcklich die Straße, und landeten hier an Formentera, mit Beute beladen, aber in keinem guten Zuſtande. Doch wir fanden Euch wieder.— Das. iſt mein Bericht!——„ Wahrhaſtig! aͤußerte der alte„ Eure Fahrt war gluͤcklicher, als meine. Ihr bringt Schaͤtze in Menge zuruͤck, ich aber ließ meinen Arm dort. Gott ſei ge⸗ prieſen, daß es der Linke iſt. In Geſellſchaft ſeiner Kapitaine beſah fand ſie betraͤchtlich, beſonders gefiel ihm der große Vorrath von ſchoͤnem Weine, den Louis dem Hollaͤnder genommen hatte. Die Mannſchaft des Delphins war bis auf ſiebenzig zuſammengeſchmolzen, er ſelbſt be⸗ fand ſich in einem ſo ſchlechten Zuſtande, daß man an eine ſchnelle Ausbeſſerung den⸗ ken mußte, da der Boden ſchon unter Waſ⸗ ſer ſtand und ſich kaum noch uͤber den Wellen erhalten konnte. Am andern Tage ließ Velasco die brit⸗ tiſchen Gefangenen vorfuͤhren. Der erſte war ein engliſcher Seeſoldat von drei und ſechzig Jahren, der ausfagte Das Schiff, der Cook, worauf er geſtanden, ſei nach Oſtindien beſtimmt, und gus Portsmouth ausgelaufen; habe an der portugieſiſchen Kuͤſte in dem Hafen von Liſſabon gean⸗ kert, und der Kapitain waͤre dann Wil⸗ lens geweſen, in eigenen Angelegenheiten eßt den Hafen von Livorno zu beſuchen, — —— —— und dann ſeine Reiſe nach Calcutta fort⸗ zuſetzen.— Ferner berichtete er: Hawſer Blaak ſei der Kapitain des Cook, der zwei und vierzig Kanonen und uͤber hundert und achtzig Mann am Bord habe, und eine große Menge Gold zum Einkauf mit ſich fuͤhre. Eigentlich gehoͤre das Schiff einem Kaufmanne in Liverpool, deſſen Anverwandter Blaak ſei. Der zweite der Gefangenen, der ein⸗ trat, war ein rauher irlaͤndiſcher Matroſe, deſſen Ausſage dieſelbe war, und der den Admiral gleichguͤltig fragte, ob er ihn wuͤrde haͤngen oder todtſchießen laſſen? Spießen! antwortete dieſer erbittert und zugleich erſtaunt uͤber das Phlegma des Schiffsmatroſen. Spießen? ſprach er ohne Erſtaunen. Im großen Britannien ſpießt man keinen, das muß nur hier Gebrauch ſein. Nun, Alles fuͤhrt zum Ziele und zwar zu einem! Der Admiral befahl, dieſen kalten Nord⸗ bewohner ab und den dritten vorzufuͤhren; aber wer beſchreibt ſein Erſtaunen und ſeine Verwirrung, als er in dem Kommenden Wilſon, des Grafen Larry Kammerdiener, zu erkennen glaubte. Auch dieſer ſchien frappirt, hielt ſich aber durch eine große Aehnlichkeit getaͤuſcht, und erwartete die Anrede des Admirals. Truͤgen mich meine Augen nicht, und hintergeht mich nicht des Tages Helle, ſprach Velasco; ſo glaub' ich den treuen Wilſon mir gegenuͤber zu ſehen. Bei Gott, Sir! rief dieſer, Sie ſehen nicht falſch, auch ich erkenne Sie; aber wo iſt die Lady, wo iſt die Schweſier des Grafen meines Gebieters;— iſt auch ſie in der Gefangenſchaſt der Korſaren? Ich bin nicht mehr Don Manuel di Sarago, ſprach der Admital feſt; ſondern jetzt nennt mich Admiral Velasco da Ga⸗ — „ — — 251— ſton, Herr der in der Bucht liegenden * Schiffe und dieſer kleinen Stadt. Etwas ſchrak des Grafen Kammerdie⸗ ner zuſammen, ſchlug die Augen nieder und fragte mit Zagen: Lebt Ihre Gattin 3 noch? 8 1 Sie lebt! war Velasco's Antwort, und iſt Mutter eines achtzehn Monden alten Sohnes. Doch Wilſon, Euer ſonderbares Schickſal, Euer Hierſein darf Jenny nicht ahnen, geht hinab, und erwartet mich in Euerm Gefaͤngniſſe. Wilſon gehorchte, und bald kam Ve⸗ lasco, ihn abzuholen. Der Admiral fuͤhrte den Britten aus dem Forte der Bucht zuze unter einigen belaubten Kokusbaͤumen, die den Lieblingshuͤgel Velascv's zierten, und 6 wo man die reizendſte Ausſicht auf das Meer binaus hatte, ſetzten ſie ſich nieber⸗ Wilſon! begann Velasco, aͤngſtlich der Antwort harrend, kennt man mich in Eng⸗ land? kennt mich der Graf, Euer Herr? ahnet er, was Ihr jetzt wißt? Nein! ſprach Wilſon, der Name Ve⸗ in ganz Britannien den Seefahrern und Kaufleuten wohl bekannt und ſchreckbar; aber daß dieſer Gefuͤrchtete ſich unter frem⸗ den Tikel in ſeiner Feinde Land, in ihren Haͤnden befand⸗ ahnete Niemand, ſelbſt Graf Larry nicht⸗ Sonderbar! rief Velasco aus, dann ſprach er ruhigs Ich bitte Euch, Wilſon, * erzaͤhlt mir die Vorfaͤlle ſeit meiner gehei⸗ men ſtraffalligen Abreiſe, und was den Grafen und Euch auf das Engliſche Schiff, den Cook, fuͤhrte.—— Abreiſe durch den von Ihnen hinterlaſſe⸗ nen Vrief erfuhr, war er außer ſich und lasco da Gaſton, der Kaper⸗Admiral, „Als der Graf, begaun Wilſon, Ihre —— * ——— — ——„ — — der groͤßten Verzweiflung nahe; kaum war es mir moͤglich, den Ungluͤcklichen zu trd⸗ ſten. Augenblicklich wollte er Englands Geſtade verlaſſen, Sie und ſeine geliebte Schweſter aufzuſuchen. Allein da wir Ih⸗ ren Weg nicht kannten, waͤre dieſes ein unbeſonnenes thoͤrichtes Unternehmen ge⸗ weſen. Der Graf fiel wieder in ſeinen vorigen Truͤbſinn, der, wie ich gefuͤrchtet, in tiefe Melancholie ausartete, und mich fuͤr ſei⸗ nen Verſtand fuͤrchten ließ. Endlich er⸗ weckte ihn das Schreiben eines Univerſi⸗ tatsfreundes aus ſeinen Traͤumereien und tiefſinnigen Betrachtungen.— Dieſer mel⸗ dete ihm:„Der ehemalige Kommodore John Browes und ſeine liebenswuͤrdige Tochter hielten ſich in Parma auf, wo er beide geſprochen, den alten Kommodore aber ſehr erbittert auf den verſtorbenen Lordmajor und alle Britten, ſeine Tochter — hingegen noch immer geneigt und voll Liebe fuͤr den Sohn geſunden habe.“ Schnell ließ jetzt der Graf die noͤthig⸗ ſten Anſtalten zur Abreiſe machen, und ehe einige Wochen vergingen, hatten wir Eng⸗ land vexlaſſen. Ich allein nur begleitete den Gebieter. Das Schiff, das uns aufnahm, war ein Irlaͤnder und nach Liſſabon beſtimmt. Ohne Widerwaͤrtigkeiten kamen wir da an, und mit dem groͤßten Ungeſtuͤme erwartete Larry ein zweites Fahrzeug, das ihn nach Italien bringen ſollte.— Einige Wochen hatten wir vergeblich geharrt, als den Grafen eine ſchwere Krank⸗ heit befiel, die von der Luſt des Landes oder ſeiner ſtets regen Melancholie und den Hinderniſſen, die ſi ch ſeiner Abfahrt wi⸗ derſetzten, herruͤhrte. Die Aerzte zweifel⸗ ten an ſeiner Wiederherſtellung, und wen deten ihre Kunſt vergebens an. Enblich ————— — 236— ſiegte die gute Natur ſeiner unverdorbe⸗ nen Jugend, und er genas, nachdem er uͤber ſieben Monat in Portugals Haupt⸗ ſtadt ſeiner Aufloͤſung entgegengeſehn hatte. Kaum fuͤhlte ſich Larry wieder ſtark genug, das Bett und Haus zu verlaſſen, als er taglich den Hafen beſuchte, um ein Schiff zu treffen, das einen Theil ſeiner Wuͤnſche befriedigen koͤnne. Lange wartete er vergebens, und ſchon beſchloß er eine Landreiſe durch Portugal und Spanien zu machen, als ſich ein gro⸗ ßes engliſches Schiff fand, das nach Oſt⸗ indien gehen, vorher aber erſt in dem ita⸗ lieniſchen Hafen von Livorno landen wollte. Mit dem Kapitain Blaak wurden wir bald einig, und gingen an Bord und in See. Bei der Meerenge von Gibraltar traf unſer Schiff mit dem eines Seeraͤubers zu⸗ ſammen, und nach langer Kapitulation er⸗ hob ſich das Gefecht. Mein Herr, der — 256— Graf, ſtritt gleich einem Loͤwen und ich ſuchte ſeinem Beiſpiele nachzuahmen. Auf welche Art ich gefangen wurde, werden Sie ohne Zweifel wiſſen, und ich habe daher nicht nothig, durch die Erzuͤh⸗ lung meiner Trennung von dem Lord Ih⸗ nen Langeweile zu verurſachen⸗ Sicher, ſprach der Admiral, als Wil⸗ ſon geendet, hat der Englaͤnder ſeine Fahrt nach Italien fortgeſetzt, und der Graf iſt vielleicht ſchon in Livornv. Wenn keine weitere Ungloͤcksfaͤlle ihn oder das Fahrzeug betroffen, meinte der Kammerdiener, ſo wird er gewiß nicht weit mehr von Welſchlands Hafen entfernt ſein. Dann ſollt Ihr ihn auch bald wieder⸗ ſehen! ſprach Velasco, ſtand gedankenvoll auf und ging dem Forte zu; ihm folgte der erfreute Britte. Die uͤber des Admirals lange Abwe⸗ ſenheit beſorgte Jenny begegnete ihm vor — ————— — 257— Rado, um den Geliebten zu uͤberraſchen. Endlich hab' ich Dich wieder, ſprach ſie freudig, und druͤckte einen heißen Kuß auf ſeine Lippen. Auf Velascos Befehl wanbte Wilſon ſein Geſicht weg, und der Erſtere ergriff der Lady Hand. Hier ſind Nach⸗ richten von dem Bruder William aus Eng⸗ land! ſprach er, und zeigte auf den Die⸗ ner Larry's. Iſt's moͤglich! rief die entzuͤckte Eng⸗ länderin, und eilte auf den Erwartungs⸗ vollen zu.— Heiliger Gott! ſchrie ſie laut auf: Wilſon? Thraͤnen floſſen von ihren ſchoͤnen Wangen und ſie ſtand unbe⸗ weglich da. Der Admiral weidete ſich an dieſer ergreifenden Scene, und ging dann bewegt nach Rado. Seine Seele bruͤtete uͤber einen Plan; er verſchloß ſich in ſein Zimmer, ſchrieb einige Stunden ohne Auf⸗ hoͤren, und berief dann ſeine Kapitgine zu⸗ ſammen. tones! ſprach er zum Kapitain des Scipio, ſeit Eurer Erhebung zum Fuͤhrer des Schiffes unſers verewigten Gardez⸗ hat ſich Euch noch keine Gelegenheit ge⸗ zeigt, Eure Wuͤrdigkeit in dieſem Platze zu beweiſen, und mir, wie auch allen Eu⸗ ren Freunden ſolche anſchaulich zu machen. — Jetzt iſt ſie da, und ich fordere Euch auf, uns den Verluſt des braven Gardez⸗ der faſt unerſetzlich ſcheint⸗ vergeſſen zu machen. Admiral! antwortete Nones, meine Kraͤfte ſtehen Euch zu Gebote, und meiner Treue und meines Dienſteifers werdet Ihr gewiß ſein.— Wahr iſt's, noch habe ich nichts gethan, denn die Gelegenheit fehlte, mich meines Poſtens wuͤrdig zu machen⸗ Aber jetzt⸗ da Ihr mich vor den Andern auserwaͤhlt, und mir Euer Zutrauen ge⸗ ſchenkt, ſoll mein Beſtreben ſein, ganz Eure Wuͤnſche zu erfullen, und die gute — 25— Meinung, die ihr von mir habt, zu recht⸗ fertigen.— Fahrt fort! Das Unternehmen, ſprach Velasco wei⸗ ter, hat fuͤr ſeine Fuͤhrer viele Gefahr, und erfordert Muth von der einen und Liſt von der andern Seite.—— Hoͤrt mich an: Ich laſſe den Scipio bemannen und mit allem Nothwendigen aufs Beſte verſehen, laſſe ihn mit Kaufmannswaaren und Han⸗ delsartikeln beladen, und gebe ihm ganz das Anſehen eines Kauffartheiſchiffes.— Ihr geht noch in dieſen Tagen von der Inſel ab und ſteuert nach Italien. Der Hafen von Livorno iſt das Ziel Eurer See⸗ reiſe.— Unter dem Namen eines ſpa⸗ niſchen Schiffsherrn, deſſen Papiere und Paͤſſe ich Euch reichen werde, ſeid Ihr al⸗ ler Orten ſicher.— Suchet in Livorno einen gewiſſen engliſchen Grafen William Larry zu erfragen. Iſt Euch dieſes aber unmoͤglich, und gelingt Euch Eure MWähe 6— nicht, ſo ſucht ſeine Reiſeroute zu erfahren, die, wie ich gewiß zu ſein glaube, nach Parma gerichtet iſt.— Durchſucht ganz Italien, ja ganz Europa, bis Ihr ſeine Spur entdeckt und ihn ſelbſt antrefft. Dann gebet dem Gefundenen dieſen Brief(hier iſt ſein Bildniß); jedoch ohne Euren wah⸗ ren Namen zu nennen.— Weigert er ſich nach Leſung dieſes Papiers Euch zu fol⸗ gen, wohin Ihr ihn fuͤhrt, und ſich ganz Eurer Willkuͤr zu uͤberlaſſen; dann reicht ihm dieſes zweite Schreiben, und ſicher wird er Euch bis ans Ende der Welt be⸗ gleiten.— Sollte aber dennoch(faſt ein Ding der unmoglichkeit) der Britte, ſich Euch anzuvertrauen fuͤr gefahrvoll halten, oder ungegruͤndeten Verdacht ſchoͤpfen⸗ dann ſucht Euch ſeiner mit Liſt und Gewalt zu bemaͤchtigen.— Ich muß dieſen Englaͤn⸗ der auf Formentera ſehen, und ſollten un⸗ ſere Schiffe die ganze Welt umſegeln, und — M —— wir ſie durchſuchen. Mein Vorhaben muß gelingen und ich zum Ziele kommen!— Admiral! ſprach Kapitain Don No⸗ nes, ich hoffe Euch den Gegenſiand Eurer Wuͤnſche zu bringen, oder zu unterlie⸗ gen, und ſollte ich Jahrelang ſeine Spur in allen Klimaten verfolgen, und bis in der Britten Land ſelbſt eindringen, ſo will ich das Aeußerſte verſuchen, um mich Eurer und meiner Bruͤder wuͤrdiger zu machen. Ja, beim Himnel! fiel ihm Velasco ins Wort, Nones! erfullt Ihr mein ſehn⸗ lichſtes Verlangen, meinen immer heftiger und ſchneller anwachſenden Wunſch, dann will ich Euch lohnin, wie noch keiner be⸗ lohnt worden.— Noch heute ſollt Ihr alles dazu Noͤthige erhalten, und in eini⸗ gen Tagen verlaſt Ihr Formentera's Ge⸗ Und Ihr, Lyva! beeilt Euch mit der 6 — Erbauung der geprieſenen Fregatte, bald werde ich ſie gebrauchen.— Der Admiral endete und die Verſam⸗ melten gingen auseinander, jeder mit ſon⸗ derbaren Gedanken und Meinungen erfuͤllt. Auf Vilasco's Befehl erhielten die eng⸗ liſchen Gefingenen die Erlaubniß, frei um⸗ herzugehen, und Wilſon war beſtaͤndig bei der Lady, bie außer ſich vor Freude war, Kachricht von dem geliebten Bruder und von ihrem Gatten die Beſtätigung zu ho⸗ ren, bald werde ſie ihn wieder ſehen. Eilig wurde nun der Seipid mit acht Fanonen bepflanzt uni in den Stand zum Auslaufen geſetzt, mit Lebensmitteln und allem Nothwendigen vrſehen, und funfzig der Korſaren erhielten Ordre, ſich bereit zu halten. Nach einigin Pagen war Alles zum Abſegeln bereit. Japitain Don No⸗ nes von Madragon ließ die Anker lichten⸗ dann folgten fuͤnf Abſchiedsſchoͤſſe, und mit vollem Winde und Segel enffloh daſ⸗ ſelbe aus den Augen der Inſelbewohner. John Browes, der Britte und Lieutenant der Scipio, blieb, wiewol unger, auf der Schlangeninſel zuruͤck; denn jeder beeiferte ſich, die Befehle des Admirals zu erfuͤllen. Kaum waren nach Nones Abſegeln ei⸗ nige Tage verfloſſen, ſo bat der Admiral den Leyva von neuem, mit der Erbauung des Schiffes zu eilen. Der Baumeiſter trieb die Arbeiter, und nach mihreren Wo⸗ chen war das Fahrzeug fertig und lief unter lautem Jubel der Bewohner Ra⸗ do's und dem Donner des Geſchuͤtzes von Stapel. Um das Andenker des verſtorbenen Gar⸗ dez, deſſen Geburtzſtadt Barcelong war, zu ehren und nicht zu vergeſſen, nannte der Admiral die meue Fregatte den Cata⸗ lonier, und macht, den Kapitain Don Louis zum Befehlshaben. 264— Kaum war der Catalonier in See und mit gehoͤrgem Ballaſt und zwanzig der be⸗ 3 ſten turkiſchen Kanonen verfehen, ſo waͤhlte Velasco ſehszig ſeiner Tapferſten aus und 5 begab ſich nach der Bucht, um ſeine Be⸗ fehle waͤhtend ſeiner Abweſenheit zu er⸗ 5 theilen.* 3 Als Alles zur 6 ahet bereit war, uͤber⸗ reichte der Reiſefertige dem Kapitain Al⸗ tamor, den Kommandanten Rado's, ſeine. ſi Befehle ſchriftlich und ſprach: Ich verlaſſe, vielleicht auf langt oder kurze Zeit, dieſe Imel; mein Bef geht b nach Afriko's Geſtade. Du, Altamor! erhaltſt hier meine Ortres aufgezeichnet und di ſorgſt fuͤr ihte e Die Hauptpunkte darin ſind: Erſtens. Von dyr durch meine Ab⸗ 2 fahrt verminderten Anzhl Koloniſten ſol⸗. len beſtändig hundert in Fort bleiben die N — 265— uͤbrigen konnen zur Bemannung der Scife gebraucht werden. Zweitens: ſoll mein Admiralſchiff, der Centaur, nie die Bucht verlaſſen; der Delphin kann, von Leyva oder Don Louis gefuͤhrt, den Ocean durchkreuzen. Und Drittens: darf nie der Englaͤnder John Browes einen der Auslaufenden be⸗ gleiten, wenn er Dich auch mit Bitten be⸗ ſtuͤrmen ſollte. Ich habe meine Abſichten. Er wandte ſich jetzt zu den Kapitainen und ihren Lieutenants, und fuhr fort: Den Zweck meiner Reiſe koͤnnt ihr von dieſem Browes ausfuͤhrlich erfahren, jetzt bleibt ſie Jedem noch ein Geheimniß, ſelbſt meiner Gattin.— Du, Altamor! troͤſte ſie, und verſichere ihr, in einigen Mon⸗ den, vielleicht nur Wochen, kehre ich wie⸗ der zuruͤck in Eure Arme. Der Abſchied wuͤrde die Trennung nur erſchwitet und 5 I. Lheil 12 1 meinen feſten Vorſatz nicht wankend, doch beſchwerlich machen. Ich vertraue Dir, Jenny, meinen Sohn: ich vertraue Dir viel, ſehr viel an; und glaube feſt, mein Zutrauen an keinem Unwuͤrdigen zu ver⸗ ſchwenden.— Sei wachſam und hindere jede Landung an dieſer Inſel. Rado iſt feſt und kann einer laͤngern Belagerung wi⸗ derſtehen. Beſchaͤftige Deine Untergebenen ſtets; ſie ſind mir, Dir und Euch allen zugethan; aber auch nur Strenge, Gerech⸗ tigkeit und ein nie wankender, ſtets ſeinen Pflichten getreuer Befehlshaber kann ſie und ihre oſt gefaͤhrlichen Leidenſchaften im Zaume halten und deren Ausbruͤche daͤm⸗ pfen.— Verdammen unſere Geſetze den Verbrecher zum Tode, dann ſterbe er e Gnade. Der Straffaͤllige ſoll beſtraft, der Belohnungbwuͤrdige belohnt werden.— eife ja Murrende ſollen gehort, ihre rech den geb Per gen wei obg Aut oba mu ehe zeht unb hell hr — 267— ihre Klagen genau unterſucht, ſind ſie ge⸗ recht und gruͤndlich, ihnen abgeholfen wer⸗ den.— Dem Meuterer, dem Aufruͤhrer gebuͤhrt der Strang, ohne Unterſchied Perſon.—— — Ich weiß es, auch unter unſern Weni⸗ gen giebt es einige unruhige Koͤpfe. Ich weiß ſie alle, aber will ſie nicht kennen; obgleich mein immer wachendes forſchendes Auge ſie vor andern ſiehet und ſcharf be⸗ obachtet.— Der Funken des Aufruhrs muß noch im Entſiehen erſtickt werden, ehe er zur Flamme emporlodert und ver⸗ zehrend um ſich greift. ueberſeht nicht Kleinigkeiten, die Euch unbedeutend und ohne Folgen ſcheinen; auch ſie wachſen und ſind in ihrer Groͤße oft unvertilgbar und verderbend.— Ihr muͤßt 5 heller, ſcharfſichtiger zu ſehen ſcheinen, als Ihr wirklich ſeht.— S Kinen Euer Vertrauen, zieht Keinen dem An⸗ dern vor, dieß erweckt Neid und bringt uͤble Folgen. Die Englaͤnder, unſere Feinde, unſere Gefangenen, haben Freiheit, umher zu ge⸗ hen, aber nicht, unſere Inſel zu verlaſ⸗ ſen; beobachtet ſie ſcharf.— Den Wilſon ſchließe ich davon aus; ich kenne und 3 fuͤr ihn. Jetzt glaube ich Dir, Altamor und auch Euch, Leyva und Louis, genug geſagt zu haben. Morgen verlaß ich Formentera, um es vielleicht bald, oder, wenn es das Schickſal will, nie wieder zu ſehen. Der Admiral endete. Seine Freunde druͤckten ihm die Haͤnde, ſchwuren ihm Treue und verſicherten, nur der Tod könne ſie an der Erfuͤllung ihrer Pflichten und ſeiner Befehle hindern⸗ Am Morgen, als die erſten— „——„„ ngt uch zu era, das nde n nne und ſtrahlen Formentera's Geſtade begrůßten, machte ſich Velasco auf, druͤckte der ſanft ſchlafenden Jenny den Abſchiedskuß auf die 8 Roſenlippen, kuͤßte ſeinen Sohn Altamor, und eilte dann in die Bucht, wo die Haupt⸗ leute mit ihren Untergebenen, der Mohr Zapato, der Englaͤnder John Browes und faſt alle Koloniſten ſeiner harrten. Ge⸗ ruͤhrt ſchloß der Admiral die erſteren in ſeine Arme, erwiederte den Haͤndedruck der meiſten ſeiner Krieger, ſeiner aͤlteſten See⸗ fahrer, ermahnte ſie zum Gehorſam gegen ihre Vorgeſetzten, rief ihnen ein Lebewohl, ein baldiges Wiederſehen zu, daß die Ver⸗ ſammelten mit vollem Herzen beantwor⸗ teten, und beſtieg dann, vom Neger be gleitet, den ſchon bemannten Catalonier. Keine Kanone ließ ſich hoͤren, als er die Anker lichtete, kein Zubekeſchtit* — 2 ſchlafende Jenny zu erwecken; aber lange noch ſah man auf dem Thurme des Forts Rado die Flagge der Seefahrer wehen, und die Kapitaine begleiteten die Fregatte auf Boͤten bis in die hohe See. * V. Abſchnitt. Schnell durchſchnitt der Catalonier die Fluthen des mittellaͤndiſchen Meeres und eilte der Kuͤſte von Afrika zu. Allein kaum war er Sardinien vorbei, ſuͤdwärts ge⸗ ſteuert, ſo fiel eine gaͤnzliche Windſtille ein, und da das Aufſpannen aller Segel nichts helfen wollte, ſo mußte die Fregatte meh⸗ rere Tage laviren. Die aͤlteſten und er⸗ fahrenſten der Seeleute prophezeiheten ei⸗ nen Sturm, und Velasco, der ihrer Aus⸗ ſage beiſtimte, ließ die nothigſten Anſtal⸗ ten machen, das etwa eintretende Unwet⸗ ter aushalten zu koͤnnen.— Am chten Tage traf die Vorherſagung richtig und mit ſolcher Gewalt ein, daß ſelbſt dem Ad⸗ miral fuͤr die Folgen bange wurde. Mit unwiderſtehlicher Gewalt trieben die ſiuͤr⸗ menden Wellen das Schiff gegen Oſten, und obgleich man mehrere Male ſondirte, ſo fand doch das laͤngſte Tau keinen An⸗ kergrund. Der wuͤthende Orcan dauerte drei lange fuͤrchterliche Tage. Mehrere von Velas⸗ co's Leuten wurden von den uͤber Bord ſchlagenden Wellen mit fortgeriſſen, und ertranken, ohne daß man ihnen zu Hilfe eilen konnte. Andern waren Arme und Beine zerſchlagen, und das Steuerruder war beſtaͤndig in Gefahr zu brechen.— Endlich am Abende des vierten Tages fing der Sturm ſich zu legen an, die empoͤr⸗ ten Wellen wurden ruhiger, und die See⸗ fahrer bekamen wieder Muth; aber das Schiff war ſo weit von ſeiner Richtung — ——„—„— —,— — — v e —— — —,273— verſchlagen, daß man jetzt mit Lollem Grunde muthmaßte, ſie ſeien längſt vor der Inſel Candia vorbei, und alſo weit von den tuneſiſchen Kuͤſten, dem Ziele der Reiſe, verſchlagen. Velasco unterſuchte den Compaß, der deutlich die entgegengeſetzte Richtung ihrer Fahrt zeigte und befahl nun aufs Gera⸗ thewohl den Catalonier zu wenden, und wieder weſtwaͤrts zu ſteuern, als mit ei⸗ nem Male das Schiff auf eine im Waſſer verſteckte Klippe ſtieß und feſt ſaß. Durch das heftige Stoßen auf den Fel⸗ ſen war die aͤußerſte Bekleidung zertruͤm⸗ mert, und das Waſſer ſchoß mit ſolcher Gewalt durch den Leck und ſo in den unter⸗ ſten Raum ein, daß alles Pumpen nichts helſen wollte. Der noch immer mit Muth beſeelte Admiral Velasco da Gaſton be⸗ fahl, den Ballaſt, das überflſſige Geſcht und mehrere der Waſſertonnen uͤber Bord— — 274— zu werfen, um dadurch den Catalonier zu erleichtern. war es noch lange nicht hinreichend, die Fregatte von der Klippe zu bringen. Je⸗ den Augenblick erwartete man, daß ſie berſten und ſinken wuͤrde. Jetzt kannte keiner mehr Ordnung; wie unſinnig liefen die ſonſt ſo Herzhaften um⸗ her. Einige beteten, andere fluchten, und wieder andere berauſchten ſich mit ſtarken Getraͤnken, um den herannahenden Tod nicht in ſeiner furchterlichen Geſtalt zu ſe⸗ hen, und in dem ſtaͤrkſten Grade zu fuͤh⸗ len.— Die noch arbeitenden Seefahrer hatte das anhaltende Pumpen ſo entkraͤf⸗ tet, und das beſtaͤndige Voraugenhaben eines ſchrecklichen Todes ſo mißmuͤthig gemacht, daß des Admirals Bitten und Dieß geſchah und half etwas; jedoch —— . Drohungen nichts fruchteten, weil ein Seder mit hellen Augen einſah, daß auch Baͤume Afrikas und entſchlief, indeß ſein Neger einige Datteln ſeines Vaterlandes ſpeiſte.— Ihm traͤumte daheim auf For⸗ mentera von ſeiner Jenny, als ihn Zapa⸗ to's Hilferufen aus dem ruhigen erquicken⸗ den Schlafe aufweckte und die lieblichen Bil⸗ der des Traumes wegſchreckte.— Er ſah dieſen löwenmaͤßig gegen ſieben bewaffnete Tuͤrken ſtreiten, und wollte auf, die Ver⸗ wegenen zu beſtrafen; allein ſchon ſtuͤrzten zwei auf ihn zu, und entwaffneten den noch liegenden Admiral der Seeraͤuber, in⸗ deß ſein Sclave, die Zahl ſeiner Gegner nicht achtend, noch tapfer um ſich hieb.— Velasco knirſchte mit den Zäͤhnen, als er ſich unfaͤhig ſah, ihm zu helfen, und wuͤnſchte dem Neger die Kraͤfte eines Her⸗ cules und das Schild der Pallas. Allein nach kurzem Streite erhielt Zapato einen Kolbenſtoß auf die Bruſt und ſank⸗ Schnaubend bor Wuth pfiffen die Saͤ⸗ — bel der Muſelmaͤnner uͤber dem Haupte des Sinkenden. Dem Admiral durchſchnitt es das Herz, als ein herbeieilender Moslem ihrem Vorhaben Einhalt that. Man band dem Mohren und ſeinem Herrn die Haͤnde auf den Ruͤcken, und gebot beiden, ſich in Bewegung zu ſetzen. Velasco weigerte ſich, aber einige Hiebe mit den flachen Klingen ließen ihn die Ohn⸗ macht ſeiner Wuth und die Gewalt der Maͤchtigeren erkennen. Zapato, der vom Sturze des Stoßes ſich wieder erholt hatte, und ſeinen Herrn ſo gemißhandelt ſah, weinte vor Zorn, und verſuchte, die feſten Banden zu zer⸗ reißen. Man trieb die Gebundenen weiter und fuͤhrte ſie durch die Felſenreihe an einen ho⸗ hen Berg, deſſen beide Seiten mit Wal⸗ dungen bedeckt waren. Obgleich des am Arme zweifach verwundeten Negers Ent⸗ —— — kraͤftung ſo groß war, ſo ſtrengte er doch . ſeine faſt gaͤnzlich erſchoͤpften Kraͤfte an, ſeinem Herrn, der ſich in ſein Schickſal ergeben hatte, zu folgen; denn er fuͤrch⸗ tete, die Tuͤrken moͤchten ſeine Schwach⸗ heit erkennen und ihn zuruͤcklaſſen oder nie⸗ derhauen. Die feſtgebundenen Stricke hemmten den umlauf des Bluts in Velasco's Adern, und verurſachten ihm die heftigſten Schmerzen; aber ein Blick auf den ſo hinfaͤlligen, lei⸗ denden Sclaven, und er ertrug Alles mit Standhaſtigkeit. Die Muſelmaͤnner unterredeten ſich in einer dem Neger unverſtaͤndlichen Sprache, und ermunterten dann oft durch Schlaͤge die Gefangenen, ihre raſchen Schritte zu verdoppeln. Bei jeder unwuͤrdigen Be⸗ ½ handlung erneuerte ſich des gebundenen Seeraͤubers Wuth, die die Tuͤrken Lerlach⸗ ten.— Nur ihr Anfuͤhrer ſchien mitlei⸗ — 282— diger als ſeine Untergebenen, und warf oft zuͤrnende veraͤchtliche Blicke auf die Mißhandelnden. Faſſe Muth, Herr! ſprach der leidende blutende Mohr, wenn einer der Henkers⸗ knechte ſeine Klinge auf des Spaniers Ruͤ⸗ cken verſuchte, und ſeine Wuth reizte. Als der Zug das Ende des Waldes erreicht hatte, befanden ſich die Gefange⸗ nen und ihre Fuͤhrer auf einer Ebene, die ſich bis ans Meer erſtreckte, und ihnen ein turkiſches vor Anker liegendes Schiff ſehen ließ, das nur bloß der Ankommenden zu harren ſchien. Man zwang den Chriſten und ſeinen Sclaben zu eilen, und langte bald an der Kuͤſte an, wo ein bereitſtehendes Boot die Erwarteten aufnahm, und dann nach dem Schiffe ruderte. Kaum hatten die Moslem nebſt den Gefangenen dieſes erreicht, ſo lichtete man — V* — die Anker und ſieuerte weſiwaͤrts von der Kuͤſte ab. Der Admiral Velasco wurde mit dem Mohren vor den Kapitain des Schiffes ge⸗ fuͤhrt. Dieſes war ein hoher ſtarker Mos⸗ lem, von barbariſchem Anſehn, der ihn ſtark bemuſterte, und dann in ſpaniſcher Sprache um Namen und Stand fragte. Velasco nannte einen erdichteten, und der Tuͤrke ſprach weiter: Wie viel giebſt Du fuͤr Deine Freiheit, Chriſt? Keinen Maravedi! war des Befragten Antwort. Auf des Kapitains Stirn formten ſich drei furchtbare Falten, und die dicken ſchwarzen Augenbraunen begegneten ſich uͤber der Habichtsnaſe. So! ſprach er, Du biſt trotzig. Nun ſolche Koͤpfe macht die Baſtonade geſchmei⸗ diger. ——————— 264 Nit Mähe yiet der Bedrohte den Aus⸗ bruch ſeiner Wuth zuruͤck. Haſt Du Luſt Deinen Glauben abzu⸗ ſchwoͤren, Deine Religion zu veraͤndern? redete der Tuͤrke weiter. Nein! ſprach der Spanier feſt. Warum nicht, die Urſache? Eure Geſetze verbieten den Genuß des Weines. Ueber des Moslems Wangen verbreitete ſich ein dunkles Vesmth; denn neben ihm ſtanden mehrere Fluſchon voll dieſes koͤſtlichen Getronts. Reize meinen Zorn nicht, fuhr der Ka⸗ pitain auf, ſonſt zittere, Tollkuhner! Ich zittere nicht! ſprach Velasco ge⸗ und mit Ruhe. Rennſt Du mich? feaot⸗ er weiter mit finſterm Blicke. WMein! ———— — 2* —— Haſt Du nicht vom Seehauptmanne Temalma aus Fez gehoͤrt? Ja! ich habe, antwortete der ſich ün⸗ mer gleiche Spanier. Bei der Inſel Palma trieb ihn der Kor⸗ ſaren⸗Admiral Velasco da Gaſton in die Flucht, und bohrte eins ſeiner Schiffe in den Grund, und bei der Kuͤſte von Ma⸗ dagascar war dieſer Temalma nahe daran, in ſpaniſche Gefangenſchaft zu gerathen; auch im deutſchen Meere—— Halt ein, Verwegenſter der Chriſien! fiel ihm Temalma vor Zorn gluͤhend in den Strom ſeiner Rede. Willſt Du mich raſend machen? Noch ein Wort, und Du haͤngſt an der Spitze des Beſanmaſtes. Der Spanier ſchwieg; denn er ſah nur zu gut ein, daß den erboßten Tuͤrken nichts am Wahrmachen ſeiner Drohung hindern koͤnne. Dieſer blies den Dampf aus ſei⸗ ner Pfeife heftig in die Luft, und maß — 286— den Gefangenen mit furchterlich rollenden Augen. Entferne Dich, und harre Deines Ur⸗ theils, Chriſt! ſprach er dann. Man fuͤhrte Velasco in den tiefſten Raum unter dem letzten Verdecke, und den Mohren Zapato zu dem Kapitain in die Kajute.— Noch im Scheiden redete Velasco alles Noth⸗ wendige ſeiner Ausſage mit dem Neger ab, und ermahnte ihn, ein Mann zu ſein⸗ Biſt Du von Deinem Glauben abge⸗ ſallen, Meineidiger! fuhr der Tuͤrke den Mohren mit heſtig brauſender Stimme an⸗ Sprich! Fi Noch erkenne ich einen Gott, und den großen Mahomed fuͤr ſeinen Propheten, er⸗ wiederte der Afrikaner mit Geiſtesruhe. Gelaſſener ſprach der Muſelmann wei⸗ ter: Du dienteſt dem Spanier? Ich bin ſein Sclabe. Wie behandelte er Dich? — i⸗ Wie ſeinen Bruder! Verwundert fuhr der Tuͤrke fort: Willſt Du mir dienen? Kein! antwortete der Mohr feſt. Ich habe einen Herrn. Gehabt! ſag; denn meine Glaͤubigen hauen ihn nieder. Dann laß auch mich ſterben oder beim hohen Allah! ich ſtuͤrze mich ins Meer. Des Tuͤrken Erſtaunen wuchs, weiter ſprach der Neger:% Dieſer Unglaͤubige rettete mich aus Bar⸗ baren Haͤnden, aus den eines ſeiner chriſt⸗ lichen Mitbruͤder, der mich unmenſchlich behandelte. Herr, laß mich mit ihm ſter⸗ ben, Allah wird preiſen! Ich gebe dem Spanier ſeine Freiheit, ſprach der Kapitain, und Du bleibſt bei mir in meinen Dienſten. Nimmſt Du dieſe „Bedingung an?— Du wirſt gewahren, v uch Ungehorſame ſind zu zwingen. 3 Der Mohr ſchien ſich zu beſinnen, dann gab er dem Frager die Antwort: Wo der Chriſt, mein Herr, bleibt, da iſt ſein Sclave ihm zur Seite. Willſt Du mit fre⸗ ventlicher Gewalt uns trennen, dann fuͤrchte des Freigelaſſenen Rache und des Prophe⸗ ten Zorn, der ſo zu handeln nicht gebie⸗ tet!— Biſt Du aber der großmuͤthige Temalma, von dem der Chriſten Zahl ſich oft unterhaͤlt, dann gieb uns beide die gol⸗ dene Freiheit wigber, und der Herrliche wird ſeinen Segen auf Dich, Deine Wei⸗ ber und Kinder fließen laſſen⸗ Temalma ſchwieg, gab ſeinen Unter⸗ gebenen einen Wink, und man fuͤhrte den Neger Zapato in ſein Gefaͤngniß zuruͤck. In einigen Tagen naͤherte ſich das Schiff der Inſel Sicilien; mit truͤbem Blicke ſah der Admiral Velasco nach der Gegend hin, N „ ——— g —.——————— hiff ſah — 3— wo das geliebte Formentera lag. Am zwolf⸗ ten Tage glaubte er es zu erkennen, auch der getreue Zapato wuͤnſchte mit Eifer eine Wechſelung ihres jetzigen Aufenthalts mit dem Eilande, wo das Liebſte ihrer wartete. Ohne daß ſie wieder vor den Kapitain Temalma gefuͤhrt wurden, durchkreuzte das Fahrzeug das mittellaͤndiſche Meer, und lief nach einer Fahrt von drei Monden in den Hafen zu Sale, an der Kuͤſte von Fez, ein.— Unter einer ſigyken Bedeckung fuͤhrte man die beiden Gefangenen und noch einen Daͤnen nach der Stadt Mekinez, wo ſie zum Kaufe ausgeſtellt wurden. Voll innerer Wuth biß der Spanier in ſeine Banden, als ihn die Menge der Kaͤufer vom Kopf bis zur Zehe aufs ge⸗ naueſie unterſuchten und betaſteten. End⸗ lich erhandelte ihn ein aͤltlicher Tuͤrke, und bekam gluͤcklicherweiſe den erfreueten Moh⸗ ren Zapato mit in den Kauf. I. Theil. 13 — 290— Izar befahl den Eingekauften, ihm zu folgen, und fuͤhrte ſie in ſeine Wohnung, die am Ende der Stadt lag.— Von ei⸗ nem Aufſeher wurden ihre Fahigkeiten un⸗ terſucht, und dann beiden befohlen, in des Izars Garten, wo ein Luſthaus aufgefuͤhrt wurde, hilfreiche Hand zu leiſten. Willig unterzog ſich Zapato dieſer erniedrigenden Arbeit, allein der zaudernde Velasco mußte durch die ſchmerzhaſten Hiebe des Auſſe⸗ hers zum Steinettagen gezwungen wer⸗ den.— Wer haͤtte den gefuͤrchteten See⸗ kaper⸗Admiral hier geſucht?—— Zwei Wochen verſtrichen unter der be⸗ ſchwerlichſten ermuͤdendſten Arbeit, als einſt der geduldig leidende Mohr, der nur ſei⸗ nen Herrn bemitleidete, von dem Aufſeher begleitet, auf den immer erbitterten Ve⸗ lasco zuſpraug. Herr! ſprach er in eng⸗ uſcher, der ihn Begleitenden unverſtůͤnd⸗ lichen Sprache zu dem Erſtaunten, Izar ha re ich zu ſi zu ng, ei⸗ un⸗ des hrt illig den ußte ufſe⸗ wer⸗ See⸗ be⸗ einſt ſei⸗ ſeher eng⸗ tand⸗ Jzar —— will Dich ſprechen und Dich zu ſeinem Bau⸗ meiſter machen. Sei klug und ſtoß die Verbeſſerung Deiner Umſtaͤnde nicht muth⸗ willig von Dir!—— Willig ging der Admiral mit dem ihm verhaßten Sclaven-Aufſeher, Magmud, zu dem Beſitzer des Gartens⸗ ſeinem Herrn⸗ Dieſer winkte ihm freundlich, ſich zu naͤ⸗ hern, und dem Magmud, das Zimmer zu verlaſſen; dann fragte er mit milder Stimme: Verſtehſt Du die Baukunſt? der Mohr hat Dich als einen in dieſer Kunſt Erfah⸗ renen und Geuͤbten geruͤhmt. Ja, Herr! war Velasco's Antwort, ich ſchmeichle mir, nicht unwiſſend darin zu ſein. Hoͤr' mich an! ſprach Izar weiter. Einer meiner Freunde hat auf ſeinen Be⸗ ſitzungen ein Landhaus Lerrichtet, das mi grefaͤllt, ich ſuche ihm nachzuahmen, und ——— 202 noch lieber war es mir, ihn zu uͤbertref⸗ fen. Hier(der Tuͤrke zog ein zuſammen⸗ gerolltes Papier hervor) iſt die Zeichnung des Gebaͤudes, das noch nicht zum Drit⸗ theil vollendet iſt. Sag' mir Deine unge⸗ zwungene Meinung und furchte nicht, durch ein Urtheil, das ich nicht vermuthe, mir zu mißfallen.— Velasco nahm die Zeichnung, warf ei⸗ nen proͤfenden Blick auf den Riß, und reichte ihn dann dem Gebietenden dar. Nun? fragte dieſer, der Antwort har⸗ rend⸗ ſie beſſer, richtiger, geſchmackvoller und in der Ausfuͤhrung zugleich vortheilhafter ſein, ————————— S Die Zeichnung iſt gut/ aber doch Hante auch finde ich der Kunſt Regel nicht be⸗ obachtet. Du tadelſt, ſprach der Tuͤrke, ſeine Pfeife hinlegend, aber fuͤhlſt Du Dich auch tuͤchtig, zu verbeſſern. Kannſt Du mir eine ſch he ke br m he er en ung rit⸗ nge⸗ urch mir f ei⸗ und r. har⸗ dnnte ndin ſein, t be⸗ ſeine h auch ir eine 2— geichnung nach Deiner Art und Deinem Ge⸗ ſchmacke verfertigen?— Sonſt geh! unb helfe den Arbeitern die Steine zuſchaffen. Herr! antwortete der Admiral, ich kann Deinen Willen befriedigen, und hoffe, Dir zu zeigen, daß kein Unwiſſender tadelte. Dann ſei meiner Gunſt gewiß, und aue auf eine Belohnung, aber hintergeh' mich nicht mit taͤuſchenden Verſprechungen und glatten ſuͤßen Vorſtellungen, ſonſi fuͤhlg meinen Zorn.— Jetzt geh und laß Dir von Magmud andre Kleidung reichen! dann kehre zuruͤck; alles Noͤthige, was Du brauchſt, ſoll Dir werden, und hier in meiner Gegenwart beginnſt Du das Werk. Geh!— Velasco ging, zufrieden mit der Be⸗ handlung des Moslem. Am Thore fand er den Aufſeher ſeiner harrend. Chriſt! ſprach dieſer, Du haſt bes Herrſchers Gunſt Dir erworben, verſcherze — W4— ſie nicht, ich rathe Dir; denn ſeine Ver⸗ achtung, ſein Zorn iſt furchtbar. Folge!— Froh folgte der Admiral; er glaubte in die dunkle nebelvolle Zukunſt ſehen zu koͤnnen, und dieſe ſchien ihm guͤnſtig. Magmud reichte ihm beſſere Kleidung, befahl ihm, ſich zu baden, und fuͤhrte ihn in ein hiezu eingerichtetes Gemach. Hoch erfreut rief der Mohr Zapato ſei⸗ nen Allah an, als er den Herrn beſſer ge⸗ kleidet zu dem Gebieter fuͤhren ſah, und klopfte in die ſchwarzen Faͤuſte. Der Tuͤrke reichte dem Spanier alles Nothige, wies ihm einen Platz an, ſich zu ſetzen, und behandelte ihn liebreich und freundlich. Dann fragte er den Arbeiten⸗ den, wie viel Zeit er brauchte, ſeine geich⸗ nung zu enden? Velasco bat ſich einen Tag aus, und teizte dadurch des Muſelmanns Erſtaunen, der eine längere Zeit vermuthet hatte. —— — 295— Verſtehft Du noch andere Sprachen, als die der Spanier? fragte nach einiger Zeit Jzar, der ſitzend auf der ſeidenen reich⸗ bordirten Ottomane den Exadmiral und ſei⸗ ner Haͤnde Fertigkeit bewunderte. Ich ſpreche die Sprache der Britten, der Italiener und der Franzoſen, antwor⸗ tete der zeichnende Velasco. Willſt Du ein Muſelmann werden und Deinem Glauben entſagen? Nein! ſprach der Befragte feſt, ich bin ein Chriſt, und werde als ſolcher ſterben. Du ſtoͤßt Dein Gluͤck mit Muthwillen von Dir; Du wirſt als ſolcher der groß ßen Vortheile D einer nicht emeinen Kenntniſſe entſagen muͤſſen.— Als Anhaͤnger, als Mitbekenner meiner Religion biſt D ein freier Mann, als Chriſt bleibſt Du ein Unglaͤubiger, ein Sclave. Befiehlt Dir Deine Religion, befiehlt Dir Mghomed, ſiel ihm der dreiſte Spa⸗ — nier ins Wort, freie Maͤnner zu Sclaven zu machen? Ja! antwortete der Muſelmann ſehr gelaſſen. Mein Glaube erlaubt mir, freie WMenſchen, aber meine Feinde, zu rauben; der Deine, Dir ſolche zu kaufen und zu Leibeigenen zu machen. Der Unterſchied iſt unbemerkbar. Bei uns iſt dieſer Handel ein Schand⸗ fleck der Menſchheit, den keine Religion befiehlt und keine erlaubt, der aber auch ſchon nach und nach aufhoͤrt und mit der Zeit ganz vertilgt ſein wird. Alſo, fragte Izar nochmals, willſt Du nie meinen Wunſch erfuͤllen, nie Deinen Glauben abſchwoͤren? Nie! ſprach Velasco feſt. Noch achte ich Mahomeds Lehren⸗ zwinge mich nicht, Herr! ſie zu verabſcheuen; denn—— Walt ein, unbeſonnener Sclave! eine —————₰—„ ꝝ—„—— n er Du en hte ht, — Sylbe noch, und Du biſt nicht mehr un⸗ ter den Lebenden, fuhr der Tuͤrke im hoͤch⸗ ſten Zorne auf, und ſein Geſicht gluͤhete Ein Wink meiner Hand, und meiner Ge⸗ treuen Schaar macht Deine Sterbeglocke laͤuten, und endet Dein Leben.— Wahr⸗ lich Deine Vermeſſenheit reizt mein groͤß⸗ tes Erſtaunen, und ſchon ihretwegen ver⸗ dienſt Du den langſamſten Tod! Meine Religion lehrt mich ſterben! ſprach Velasco unerſchrocken, und ſetzte ſeine Arbeit fort. Der Aufgebrachte ver⸗ ließ ſchweigend das Zimmer. Bis an den Abend entwarf der Admi⸗ ral ſeine Ideen, und fuͤllte das Papier damit, dann wurde er in ein Zimmer ge⸗ fuͤhrt, das von ſeiner erſten kerkermaͤßigen Wohnung ſehr verſchieden war⸗ Magmud verſorgte ihn mit Speiſe und Trank.— Am andern Morgen vard der 6 — fuhrt, der beſaͤnſtigt ſchien.— Von Zeit zu Zeit warf Jzar einen heitern Blick auf das bezeichnete Papier des Arbeitenden, und ſprach dann einige Worte, den Fleißi⸗ gen zum Fortfahren aufzumuntern.— Als die ſilbernen Glocken der platten Mo⸗ ſcheen die Mittagszeit verkuͤndeten, war Velasco mit ſeiner Arbeit fertig, und reichte ſie dem ſtaunenden Muſelmanne, der mit groͤßter Aufmerkſamkeit ſeine Anmerkungen und Erlaͤuterungen anhoͤrte. Wayrlich! ſprach dieſer dann, und blickte dem Spanier mit ſreundlichem Blirke ins feſte große Auge. Du haſt meine Er⸗ wartungen weit uͤbertroffen, aber meine Wuͤnſche nur erſt halb erfuͤllt. Deine An⸗ lagen, Deine Verbeſſerungen hier ſind ſchoͤn, faſt unuͤbertreffbar, nur ſtehen ſie hier und nicht in meinem Garten, wo ich ſie waͤnſchte.— ein Wort Deines Mundes, ein Befehl, „— ier — ½9 eine kurze Zeit, und Deinem Verlangen wird Genuͤge geleiſtet, aͤußerte Velasco. Wohl! ſetzte der Tuͤrke hinzu. Unter Deinem Befehle, unter Deiner Aufſicht ſoll die Arbeit beginnen, und, will es der Prophet, auch vollendet werden.— Ich ſehe, Du biſt geſchickt und weiſe; handle wie es Dir gefaͤllt, nur uͤbertritt nie die Schranken des Gehorſams; benk', Du biſt Sclave.— Wage es nicht, die Dir an⸗ vertrauete große Freiheit zu mißbrauchen, und den tollkuͤhnen Gedanken zu faſſen, oder wol gar auszufuͤhren, Dich durch die Flucht meiner großen Herrſchaft zu entzie⸗ hen. Du wuͤrdeſt Dich betrogen finden, mein Arm reicht weit, und, beim Barte des gro⸗ ßen Propheten, er ſtraft ſchrecklich! Auch Magmud's Wachſamkeit ſchlaͤft nie; ſeine Treue iſt unbeſtechlich.— Du biſt der erſte der Unglaͤubigen, der meine Gunſit beſitzt, verſcherze ſie nicht, meine Rach, 5 — 800— meine Strenge wuͤrde ſonſt gans auf Dich fallen, und Dich zu Boden druͤcken.— Ueberdenk' reiflich meine wenigen Worte, und erwaͤge die Strafe des Undanks, die Dein Lohn ſein wuͤrde. Jetzt geh hinab, und ſchick' mir Magmud, den treueſten der Diener herauf. Froh eilte der Exadmiral in den Gar⸗ ten und verrichtete ſeines Herrn Beſehle. Heil Dir, Herr! ſprach der Mohr Za⸗ pato, ſich naͤhernd mit thraͤnenvollen Au⸗ gen, Du biſt jetzt der wuͤthenden Geißel Magmuds, des Teufels, entzogen, nun fallen ſeine ſchmerzhaften Streiche doppelt auf mich und meine Ungluͤcksbruͤder. Jede Veraͤnderung ſeiner Laune bringt uns Strei⸗ che, und dem kleinſten Verſehen ſolgt ohne Ausnahme die fuͤrchterlichſte Zuͤchtigung. Bei Gott! unterbrach Velasco ſeinen gemißhandelten Diener, erdulde noch eine e Dein widriges Schicſal, bald ſoll es rei⸗ inen eine Dir beſſer gehen. Schon bin ich Jzar's Gunſt gewiß, Dir ſoll geholfen werden. Der geruͤhrte Mohr wollte antworten, da naͤherte ſich Magmud, von ſeinem Ge⸗ bieter begleitet, und einige Geißelhiebe trie⸗ ben den geduldig leidenden Neger an die verlaſſene Arbeit. Der Spanier knirſchte vor Wuth und verbarg nur mit Muͤhe ſei⸗ nen Zorn und Abſcheu. Haſſan! ſprach der tuͤrkiſche Herr, ſo nannte er den Spanier, ich habe Magmud meine Befehle ertheilt, man wird Dir Ge⸗ horſam leiſten.— Handle nach Deinem Gewiſſen und eile mit dem Baue; denn mein Wunſch iſt, das Werk Deiner Haͤnde ſo bald als moglich im Großen zu ſchauen⸗ Herr! ſprach Haſſan, wie Du willſt geſchehe es; aber verzeihe dem Verwege⸗ nen, der die Erfuͤllung einer Pi von Dir verlangt. 6 Uund dieſe iſt? Sprich 3 k —— ℳ — — * 8 6 e — —— 3 — Ohne Furcht redete Velasco: Mit un⸗ barmherziger Strenge, mit teufliſcher Grau⸗ ſamkeit behandelt Magmud Deine Sclaven, und unter ihnen leidet am meiſten Zapato, der Neger. Beſiehl ihm, ſich zu maͤßigen und an den Thieren der Wuͤſten von Afrika ſeine Wuth auszulaſſen; denn ſicher iſt es nicht des gerechten Mob⸗Jzar's Wille, ſeine jederzeit arbeitſamen Diener unter ſchmerzhaften Streichen dahin ſinken und ihren Geiſt aushauchen zu ſehen. Ich verzeihe Dir Deine Bitte, antwor⸗ tete Jzar; aber wiſſe, nur die fuͤrchter⸗ lichſte Strenge kann dieſe Menſchen im Zaume halten; und unter allen ſind die Schwarzen die hartkoͤpffigſten, faulſten und boshafteſten. Sie ſind zum Aufruhr mehr geneigt, als ihr Europaͤer. Eer entfernte ſich, und ließ den Spa⸗ nier ſtehen. Dieſer hoffte von ſeiner Guͤte und troſtete den Schwarzen, der — 5 geduldig und ohne Murren die ſhetßen Steine herbeiſchleppte. Zu großer Freude des tuͤrkiſchen Ge⸗ bieters ging der Bau des Luſthauſes ſehr geſchwind vor ſich.— In den Zwiſchen⸗ ſtunden mußte der Admiral der Korſaren eines Zeichenmeiſters Stelle bei dem funf⸗ zehnjaͤhrigen Sohne Izar's, der ſich Ar⸗ baſſan nannte, vertreten, und ihn in die⸗ ſer Kunſt unterrichten. Mit jedem Tage wuchs die Zuneigung des Vaters und des Sohnes zu dem Europaͤer, deſſen Gedan⸗ ken nur an Flucht aus Fez und an die Umarmung ſeiner daheim trauernden Jenny haſteten.— Jzar liebte ſeinen Sohn Ar⸗ baſſan unausſprechlich, und kam ſeinen Wuͤnſchen in Allem zuvor, ja, er vergoͤt⸗ terte ihn faſt.— Indem ſich Fortuna dem Spanier mehr guͤnſtig zu zeigen anfing, fiel ſein Diener in ihrer Gunſt. ————— —— Oft wandelte Velgsco allein oder in Arbaſſan's Geſellſchaſt in dem großen Gar⸗ ten Jzar's umher, wenn ſchon alle Scla⸗ ven in ihre Kerker getrieben waren, und ſchon der Waͤchter von den Minaretten der Moſcheen die Stunde zum letzten Gebete verkuͤndet hatte. Nur mit heimlich wach⸗ ſendem Grolle ſah der wachſame Magmud die große Freiheit des Europaͤers, und biß ſich oft in die Lippen, wenn er ſeines Gebieters Sohn den Lehrer ſo freundlich, ſo liebreich behandeln ſah. Seine langen ſchlafloſen Naͤchte brachte er mit dem Ge⸗ danken zu, dieſen Fremden zu fiuͤrzen. Wie ein Baum wuchs er in der Seele des veraͤchtlichen Mahomedaners. Er ent⸗ und verwarf Pläͤne, und ſeine Unmenſchlichkeit gegen die Selaven, ſeine Untergeordneten, rrreichte den hochſten Grad. Der Sohn des gebietenden Jzar's, der ietzt die meiſte Zeit des Tages in des Spg⸗ —„. p— — —— niers Geſellſchaft vexlebte, liebte und ach⸗ tete dieſen wie ſeinen Vater, und uͤber⸗ haͤufte ihn mit Geſchenken.— Mit wuͤ⸗ thenden Augen ſah dieſes der erzuͤrnte Scla⸗ ven⸗Aufſeher, und im Innern ſchwur er dem Chriſtenhunde Tod und Verderben, als ein unverhoffter Zufall ihn von der Liſte der Lebenden ausſtrich, und zu den Abgeſchiedenen befoͤrderte. Einſt kam der Spanier am Abende, als ſchon die Bauarbeiter endeten, in den Garten, um ſeinem treuen Mohr einige Flaſchen Meth, die ihm des Tuͤrken Sohn geſchenkt hatte, zu bringen, als er ſchon in der Ferne dieſen Leidenden unter den Peitſchenhieben Magmuds ſich winden ſah⸗ Velasco eilte hinzu: Barbar! rief er, und entriß den Neger des Moslems Haͤnden. Glimmt denn kein —— Funke menſchlichen Gefuͤhls in Deinem Ti⸗ gerherzen? Schweig, Chriſtenhund! ſchrie der Mu⸗ ſelmann voll Wuth, und ſchwenkte die furchtbare Geißel, das Schrecken der Scla⸗ ven, uͤber Velasco's Kopfe, oder Du lernſt Magmud kennen und zitterſt!— Ich kenne Dich! ſprach der Bedrohte, verlache Deine ohnmaͤchtige Wuth, und ſpreche Deiner kindiſchen Rache Hohn. So ſollſt Du meines Armes Gewicht kennen lernen! rief Magmud, und der ehemalige Admiral uͤber vier Kaperſchiffe fuͤhlte die Peitſche eines Ungläubigen auf ſeinem Ruͤcken. Die fuͤrchterlichſte Wuth bemuͤchtigte ſich des Geſchlagenen. Schaͤu⸗ mend entriß er dem ſtaunenden Mohr die Schaufel, und ein heſtiger Schlag auf den Kopf des Tuͤrken warf dieſen zu Boden. Allah! ſchrie der Neger, und ſtarr ſtanden die Chriſten-Sclaven umher. —,——— ⸗ e⸗ d ht er ffe uf th ie en rr Das ſcharfe Eiſen hatte Magmuds Tut⸗ ban durchſchnitten, ſeinen Schaͤdel zerſchla⸗ gen, er roͤchelte, und heftige Zuckungen machten ſeinem Leben ein Ende. Die ru⸗ hige Beſinnung kehrte bei dem Thaͤter zu⸗ ruͤck; er ſah die unausbleiblichen ſchreck⸗ lichen Folgen ſeiner raſchen That, und ſchau⸗ derte nicht. Die Umſtehenden blickten mit Furcht auf den Spanier, der von einem menſchlichen Ungeheuer ſie befreiete, und der beſtuͤrzte Zapato zitterte das Leben ſeines Abgotts. Er hat ſeinen Lohn, ſprach Velasco mit feſter Stimme, er verdiente ihn; folge was da will, ich bin gefaßt. O, Herr! lallte weinend der Neger, man wird Dich toͤdten, Izar wird den Erſchla⸗ genen fuͤrchterlich raͤchen. Ich ſehe Dich vielleicht zum letzten Male. L2 Dann leb' wohl! und auch Ihr, Un⸗ gluͤcksgeſellen, vergeßt mich nicht! redete — der Spanier zu den Umſtehenden. Ich befreiete Euch von dieſer Schlange, aber ihr Biß wird mich toͤdten. Er entzog ſeine Hand dem mitleidbe⸗ wegten Neger und eilte davon zu dem Raͤ⸗ cher. Jzar, der Gebieter, ſah den Kom⸗ menden fragend an, indeß ſein Sohn ihm die verfertigten Zeichnungen vorlegte.* Dein Diener Magmud, begann der Eintretende ohne Furcht, iſt der groͤßte Barbar. Er mißhandelte meinen Freund und auch mich; allein verzeihe, Herr! da ſchickte ihn ein ungluͤcklicher Schlag meiner Hand in das Reich des Propheten. Tod? ſtammelte der Tuͤrke, und die Pfeife entfiel ſeinen Haͤnden; zitternd ſtand Arbaſſan, der Sohn, und harrte mit Aenaſtlichkeit des da Kommenden. Todt! ſprach der Spanier, um nie wie⸗ der auſzuſtehen.— Auf ein Wort des — Gebietenden ſtuͤrzte ſeiner Diener Schaar herbei. Fuͤhrt dieſen Verwegenen auf den Hof⸗ raum, rief Jzar, und ſprang auf; er er⸗ ſchlug den treueſten der Diener, ſein Kopf falle, ſein Blut verſoͤhne den Beleidigten. Auf, vollzieht meinen Befehl!—— Arbaſſan, der Sohn, warf ſich zu den Fuͤßen des erzuͤrnten Urtheilſprechenden; allein die baͤrtigen Moslems riſſen den zum Tode Verdammten hinweg und fuͤhrten ihn zu ſeiner Richtſtaͤtte; ſchon hob der Hen⸗ ker den Saͤbel hoch empor, als ihm Jzar vom platten Dache herab zurief: Halt! werft den Chriſten ins Gefaͤngniß und be⸗ wacht ihn ſcharf. Drei lange Wochen uͤberdachte der Spa⸗ nier die Folgen ſeiner raſchen unbeſonnenen That, da oͤffnete ſich ſeines Kerkers Thuͤr, ſi S ganz leere!— 3 und Caſem, der Verſchnittene, trat hinein. Chriſt! ſprach er, noch einmal offnen ſich Dir die ehernen Pforten des Lebens, und Du gehſt zu ihnen ein, aber huͤte Dich, daß nicht ein zweites Verſehen, ein Ver⸗ brechen ſie auf ewig verſchließt.— Du biſt frei! unſer Gebieter hat Dich begna⸗ digt; die Bitten ſeines Sohnes ſind er⸗ fuͤllt; fahre ſort, den Bau im Garten zu beſchleunigen, aber ſieh Dich vor:— Jzar pflegt nur Einmal zu begnadigen!—— Hocherfreut eilte Velasco hinauf zu des Herrn Wohnung; Arbaſſan, der Sohn, warf ſich in ſeine Arme⸗ Endlich ſehe ich Dich wieder! rief er mit Thraͤnen. Der Zorn meines Vaters iſt verraucht, ſeine Wuth voruͤber; aber noch will er Dich nicht ſehen, will Deinen Dank nicht hoͤren. Komm, laß uns hinab in die freie herrliche Natur eilen, damit 7 in zar des hn, er ers ber nen nab mit 31— Im Garten empfingen die Sclaven mit FJauchzen und Jubel den Befreier und Be⸗ freieten; Zapato, der Mohr, ſprang an des Spaniers Hals und weinte kindlich; einer Bildſaͤule gleich, ſtand der neue Scla⸗ ven⸗Aufſeher, doch trieb kein Schlag den jauchzenden Neger an die Arbeit. Velasco druͤckte die Haͤnde der aͤlteſten Leibeigenen, und ſah mit Wonne die Thraͤ⸗ nen, die in ihre ſtruppigen Baͤrte fielen; dann ertheilte er die noͤthigen Befehle und ging darauf in den weiten Garten, Gott zu danken fuͤr ſeine Errettung.— Meh⸗ e Wochen verſtrichen, und noch hatte des Sprniers Auge den tuͤrkiſchen Gebieter nicht geſehen, der dem Moͤrder ſeines Mag⸗ mud verzieh. — — Endlich war der Bau geendety dus Haus ſtand fertig, und der Selaven⸗Aufe 1 3 . X X — 312— ſeher fuͤhrte den Baumeiſter in das Zim⸗ mer Izar's, der mit freundlichen Mienen des Erſtaunten Hand ergriff. Chriſt, Haſſan! begann er, das Ver⸗ gangene ſei auch der Vergangenheit uͤber⸗ geben und von uns vergeſſen. Du uͤber⸗ trafſt meine große Erwartung; Deine jetzt geendete Arbeit fullt mich mit Entzuͤcken und Erſtaunen.— Mehrere der vornehm⸗ ſten Bewohner von Mekinez ſtaunen Dein Werk an, und preiſen mich, den Beſitzer eines ſo geſchickten Sclaven.— Ich bin 5 ſtolz auf Dich, und um keinen Preis biſt Du mir feil. Ich will Dich belohpan mein Reichthum iſt groß, herscahhne Zu⸗ ruͤckhaltung und Furch„ was Du willſt, nur Deine Freiheiz nicht, alles Uebrige ſei Dir gewährt, rng. iſt mir gleichgutig! ſprach Rtroffene Europäer. Einem freigebor⸗ K Manne iſt Freiheit das hoͤchſte Gut; ver alle Afr baſ Zor Do zufi Zeit gen gan jetzt hol Her gro vor . gra Nic Fal ach or⸗ ut; — 313— verweigerſt Du mir dieſes, ſo kann mich alles Gold, alle Schaͤtze der reichen Berge Afrikas nicht erfreuen! Des Muſelmanns Augen rollten; Ar⸗ baſſan fuͤrchtete des Vaters ausbrechenden Zorn; allein bald redete dieſer gelaſſen: Wohl! Du wuͤnſcheſt es, und es ſei! Doch jetzt Dich in Dein Vaterland zuruͤck⸗ zufuͤhren iſt unmoglich. Bleib noch einige Zeit bei mir, bis ſich eine guͤnſtige Gele⸗ genheit zeigt, die Dir geſchenkte Freiheit ganz fuͤhlen zu laſſen.— Wuͤrdeſt Du jetzt gehen, ſo waͤre Dir um nichts ge⸗ holfen. Ein anderer, vielleicht ſtrengerer Herr wuͤrde Dich fangen, und alle Deine großen Faͤhigkeiten, die ich ſchaͤtze und her⸗ vorſuchte, wuͤrden verloren gehen und ver⸗ graben liegen, wie Deine Freiheit.— Nicht alle Glaͤubige unter des Propheten Fahne ſind mir gleich, die groͤßte Zahl ähnelt dem erſchlagenen Magmud, und ————————— ſind oft die groͤßten, fuͤrchterlichſten Feinde in der Chriſten.— Hier nimm dieſen Dia⸗ T mant, faſt iſt er einzig in ſeiner Art, und m eines Fuͤrſten Turban wuͤrde er nicht be⸗ Ke ſchimpſen. Jetzt biſt Du nicht mehr mein ka Sclave, Du biſt mein Freund und der Leh⸗ rer meines Sohnes, der Dich liebt wie ſeinen Gott!— Herr! ſprach Velasco, das Geſchenk I der goldenen Freiheit macht mein Gluͤck, he und Worte des regen Dankes fehlen mir, A aber den Diamant behalte, ich bin genug mi belohnt.— ſo Noch einmal, eiſerte der Tuͤrke, und zum letzten Male beſehle ich Dir, ſpare ſig die Worte Deines Danks, die mich nicht Be ruͤhren, da nur die That ſelbſt mich be⸗ de lohnt.— Jetzt geh, und fahre fort, durch ba Dein Betragen meine Freundſchaft Dir zu der Velasco wollte reden, aber Jzar ging ter inde Dia⸗ und nein Leh⸗ wie henk uͤck, mir, nug und are ſicht be⸗ urch n ging 315 in ein anderes Zimmer und verſchloß die Thuͤr.— Der Exadmiral, des Muſel⸗ mannes Großmuth erkennend, pries den Kapitain Temalma, der ihn an dieſen ver⸗ kaufte, und das ihm guͤnſtige Schickſal⸗ Von jetzt an behandelte ihn Jeder in Jzar's Hauſe mit Ehrfurcht und Ergeben⸗ heit; wie ihren Vater liebte ihn die große Anzahl der Chriſten⸗Sclaben, die er oft mit beſſern Speiſen und Getraͤnken ver⸗ ſorgte. Zum Zeitvertreibe in den haͤufigen muͤſ⸗ ſigen Stunden legte der Spanier, da der Bau geendet war, mehrere Parthieen in dem Garten nach Engliſcher Art an, und bald erhielt dieſer große Aehnlichkeit mit dem Parke des Grafen Larry in Weſiſep.— Jzar billigte ſein Thun, und durch bedeu⸗ tende Geſchenke ſuchte er den gegen Gold. — 346— gleichgultigen Europaͤer noch mehr außu⸗ muntern. Auch der treue Mohr gipüw duldete jetzt mit philoſophiſcher Ruhe ſein Loos, und trug mit mehr Ergebenheit ſein nicht mehr ſo druͤckendes Sclavenjoch, denn ſein Herr erleichterte es ihm. Einſt rief der Sohn des Tuͤrken ſeinen chriſtlichen Lehrer zu dem Vater, der ſei⸗ ner harrte. Haſſan! redete dieſer zu dem Spanier, geſtern beſuchte mich der Baſſa von Me⸗ kinez, der Vornehmſte dieſer Stadt. Sein Beſuch enthielt einige Angelegenheiten, die fuͤr Dich gleichguͤltig ſind. Er ſah mein Luſthaus und es gefiel ihm ſehr, noch mehr aber die brittiſchen Gaͤnge, Waldungen, und Waſſerkuͤnſte.— Baſſa Soroman iſt ein leidenſchuſtlicher gbhaber von Gaͤrten, und beſitzt bei Me⸗ de Et die ne nie iht zu⸗ ete icht ſein nen ſei⸗ ier, Ne⸗ ein die ein er en, cher kinez anſehnliche Laͤndereien und ein Schloß, das ſeines Gleichen in ganz Fez ſucht.— Da er erfahren, daß Du, in Spanien ge⸗ boren, dieß Alles vollbrachteſt und mich beruͤhmt gemacht haſt, bot er mir ſo⸗ gleich ſechs Beutel mit Gold fuͤr den ge⸗ ſchickteſten der Sclaven. Herr, Beherrſcher! ſprach ich, dieſer Spanier iſt nicht mehr mein Sclave, er iſt mein Freund und verdient es zu ſein. Willſt Du aber Dein Land, Deine Gaͤrten nach Art der meinigen umgeformt haben, und nennſt Du dieſe Anlagen Verſchoͤne⸗ rungen, ſo iſt Dein Wille Befehl, und je⸗ derzeit ſteht Dir der Spanier zu Dienſten. Er wird es ſich zum Gluͤcke rechnen, Dir dienen zu koͤnnen, und nach Endigung ſei⸗ ner Arbeit mit der Hoffnung, Dir dadurch nicht mißfallen zu haben, in mein, fuͤr ihn gaſifreies Haus zuruͤckkehren. Schick' ihn mir her! theurer Izar, war — 318— des Baſſa's Antwort. Nicht unbelohnt§ ſoll er Deine Flur wieder betreten. h Du ſiehſt alſo ein, Haſſan! daß der e Gehorſam von Deiner Seite folgen muß. — Soroman iſt gut und edel; aber die ſ Nichterfuͤllung ſeiner liebſten Wuͤnſche wuͤrde n ihn gegen Dich und mich erbittern, und Dir kann er am meiſten, ja auf immer 9 ſchaden—— Sieht er ſich aber in ſei⸗ nen Erwartungen nicht getaͤuſcht, ſo wird l er Dich mit Wohlthaten uͤberhaͤufen; und 9 nur er kann Dir behilflich ſein, ohne Hin⸗ d derniß die geliebte Heimath, dein Vater⸗ 6 land bald wiederzuſehn. e Ich unterwerfe mich Deinen Wuͤnſchen C und des Baſſa's Beſehlen, und hoffe, den Letzteren in der Fuͤlle zu befriedigen. . n Am andern Morgen uͤberreichte Arbaſ⸗ p ſan dem Spanier eine praͤchtige tuͤrkiſche n Kleidung; und einer der Diener Izars er⸗ hielt Befehl, den Chriſten nach dem Auf⸗ enthalte des Baſſa's Soroman zu fuͤhren⸗ Velasco verwahrte den Diamant und ſeine übrigen Geſchenke in ſeinen Kleidern, nahm von Izar, Arbaſſan und dem Moh⸗ ren Zapato auf eine Zeitlang Abſchied, und ging dann nach dem Schloſſe Soromans.— Einige Stunden von der Stadt Mekinez lag zwiſchen Huͤgeln und Waͤldern die an⸗ genehme, praͤchtige Wohnung des Fuͤrſten, die er ſechs Monate des Jahrs bewohnte. — Von Ferne glichen die hohen Gebaͤude einer Stadt, und verwundert ſtand der Europaͤer bei den ausgebreiteten Schoͤn⸗ heiten. Das Serail des Herrſchers lag ſeit⸗ waͤrts, gleich einer Feſtung verwahrt, und mit ſtarken Mauern umgeben. Auf den platten Daͤchern bluͤheten Baͤume und Blu⸗ 2 men des heißen Clima's. —— —— — — Zwei Schcarze mit blinkenden Damas⸗ cener⸗Klingen und praͤchtig gekleidet, em⸗ pfingen den Chriſten, deſſen Begleiter nach Mekinez zuruͤckkehrte. Er nannte den Na⸗ men Haſſan, und die Neger zeigten ihm die Thuͤre des Hofraums, wo zwei an⸗ dere, noch ſchoͤner gekleidet, des Staunen⸗ den harreten. Auf dem gepflaſterten Hofe bruͤllten ihm aus ſtarken eiſernen Kaͤfigen zwei große, majeſtaͤtiſch ſchoͤne Loͤwen entgegen, deren Kettengeklirre den Donner ihrer Rachen be⸗ gleitete.— Am Eingange des Pallaſtes Soromans ſchritten zwei Leoparden, gleich bewachenden Hunden, und bewillkommten den Fremdling mit hervorgezeigten Zaͤhnen. Sie grollten der kurzen Kette, die Schritte Zahl verringerte. Man fuͤhrte den verwunderten Andalu⸗ ſier die marmornen Stiegen hinauf, und einer der ſchwaͤrzeſten Senegambier verließ ——— kei ne ne bis ter de — —,— — 8 S — 3 ihn, dem tuͤrkiſchen Gebieter ſeine Ankunft zu melden; dann winkte der Surkttehe dem Harrenden. In einem ſchoͤnen Zimmer ſaß auf ei⸗ nem mit Gold durchwirkten Teppiche ein Reichgekleideter. Ueber die Bruſt kreuzten ſich Velasco's Haͤnde, er beugte ſich vor dem Beherrſcher— laut auf lachten die Neger, denn der Leibaffe Soroman's wies dem Hoͤflichen die rauhe Kralle. Beſchaͤmt folgte der Betrogene durch mehrere Zim⸗ mer, bis zu dem des Baſſa's. Dieſer ſaß auf einer Ottomane, ſein Geſicht verrieth keine Grauſamkeit, keine Barbarei, und neben ihm ein reichgeſchmuͤcktes weibliches Geſchoͤpf, gleich einer Bildſaͤule, von ei⸗ nem weißen dichten Schleier bedeckt, der bis zum Boden reichte. Die fuͤrſtliche Pracht ſetzte den Eintre⸗ tenden in Staunen. Bekannt mit der Sitte des Landes beugte er das rechte Knie und— 322 kreuzte die Arme. Auf den Wink des Ge⸗ bieters entſernten ſich die gebuͤckten Sela⸗ ven und er trat naͤher. Du nennſt Dich Haſſan? ſprach der Baſſa Soroman in der Sprache ſeines Lan⸗ des und ſchluͤrfte den koͤſtlichſten Thee. So iſt mein Name! antwortete er. Und biſt ein Spanier? Ja! Verſtehſt Du die Sprache von Welſch⸗ land? Ich bin nicht unwiſſend barin. Jzar, fuhr der Baſſa in italieniſcher Sprache fort, hat mir Dich geruͤhmt. Du biſt geſchickt, das Schoͤne zu verſchoͤnern, das Gute zu verbeſſern, und Dein Ge⸗ ſchmack macht Deinem Lande Ehre. Gebieter! ſprach Velasco in eben der Sprache, Du urtheilſt mit vieler Nach⸗ ſicht von meinen wenigen Kenntniſſen; ich — 4——„— —————— — N er Ju n, ze⸗ er ch⸗ fuͤrchte Deine großen Erwartungen zu kaäu⸗ ſchen.— Das fuͤrchte nicht! Deine Anlagen im Garten Jzar's haben mir gefallen; ich wuͤnſchte, aͤhnliche in dem meinigen zu ſe⸗ hen, und von Deiner Hilfe hoffe ich Alles. — Ich weiß, Du biſt nicht Selave des Bewohners von Mekinez, und ich werde Dich als freier Mann betrachten. Mache daher ſobald Du willſt den Anfang Dei⸗ ner Arbeit, man wird Dir gehorchen, und Deinen Anordnungen die puͤnktlichſte Folge leiſten.— Deinem Willen, Deiner Ein⸗ ſicht und Deinen nicht gemeinen Kenntniſſen ſei Alles uͤbergeben, und dem Dir Unge⸗ horſamen ſoll die Strafe folgen.— Eine, Deinen mir zu leiſtenden Dienſten gleiche Belohnung iſt Dir aufbehalten. Rechne auf mich und meine Reichthuͤmer.— Herr! ſprach der Schmeichler, Deine Zufriedenheit iſt mir Belohnung genug — 324— Jetzt geh! ſprach der Herablaſſende wei⸗ ter, und laß Dir von Dellhi, meinem ober⸗ ſten Diener, der Dir in der Ausfuͤhrung Deiner Befehle Hilfe leiſten wird, die Schoͤn⸗ heiten meines Schloſſes und meiner Gaͤr⸗ ten zeigen. Morgen beginn, was Du ver⸗ ſpracheſt. Mit einer leichten Kopfbeugung endete Soroman das Geſpraͤch, und Velasco ging. — In Gedanken verſunken uͤber die ſchoͤne Bildſaͤule neben dem Gebietenden fand ihn Dellhi, ben der Denkende anfangs fuͤr ei⸗ nen zweiten Baſſa, ſeiner koſtbaren Klei⸗ ung wegen, hielt. Dieſer zeigte ihm die Einnere Schoͤnheit der Gebaͤude, das ganze Arcapolis(ſo nannte der Baſſa ſeinen Som⸗ merſitz), aber das Serail nur von Ferne; und fuͤhrte ihn dann in ſein Zimmer, das dicht an den feſien Harem ſtieß, und die Ausſicht auf einen Theil des Gartens und des Waldes bei dem Schloſſe, hatte. Man —,—.——.——— — 325— hatte ſeine Wohnung mit allen Bequem⸗ lichkeiten verſorgt, und der Oberaufſeher des Baſſa's uͤberhaͤufte den Chriſten mit Schmeicheleien und Hoflichkeiten. Velasco befand ſich hier gut, und wuͤnſchte ſeinem Neger Zapato ein gleiches Schickſal. Am Morgen ſtellte ihn Dellhi der großen Anzahl Sclaven von allen Na⸗ tionen, als ihren Befehlshaber, vor, und rieth ihnen, ihm in allen Stuͤcken Gehor⸗ ſam zu leiſten. Auch Soroman's Gaͤrtner mußten ſich's gefallen laſſen, nach des Spa⸗ niers Anordnungen zu handeln, ſo ſauer es ihnen auch ward.— Alle Gaͤrten ſtan⸗ den dem Europaͤer offen, nur ber bes Se⸗ rails war ihm verſchloſſen, und der Oberſte der Verſchnittenen, Moloc, duldete Keinen in ſeiner Naͤhe. Der Andaluſier hatte uͤbri⸗ gens die voͤllige Freiheit umherzugehen, wo⸗ hin er wollte; doch entging ſeinem Scharf⸗ ³. blicke die beſtaͤndige Wachſamkeit und Auf⸗ 3— merkſamkeit der Afrikaner auf ſeine Schritte nicht, und daß man ihm als einem Chriſten nicht trauete, ſah er deutlich.— Lieb⸗ reich behandelte er ſtets die ihm unterge⸗ ordneten Chriſtenſelaven, bald liebten ihn dieſe, wie ihn die des Jzar liebten, und warnten ihn vor den Tuͤcken Dellhi's und auch denen des verſchmitzten Moloc, des Oberſten der Eunuchen, der der unver⸗ ſoͤhnlichſte Feind aller Chriſten war. Ein alter Italiener aus Verona, Ber⸗ nardo, der ſchon ſechszehn Jahr die Scla⸗ venketten Solorim⸗Soroman's, des Baſ⸗ ſa's, trug, und deſſen edle Geſichtszuͤge den Exadmiral anzogen, warnte ihn einſt, als ſie unbelauſcht waren: Ihr ſeid in unſers Gebieters Gunſt, ſprach er, aber huͤtet Euch, daß Ihr nicht fallet. Er iſt der Beſte der Unglaͤubigen, aber ſeine Lieblinge, Dellhi und Moloc, ſind die ſcheußlichſten der menſchlichen Ge⸗ —— ſchoͤpfe. Unter der Maske der Freund⸗ ſchaft verbirgt der erſtere ſeine niedrigen Abſichten, und der, unter der Zutraulichkeit ſeiner heimtuͤckiſchen Plaͤne. Er iſt um ſo gefaͤhrlicher, weil er Jeden hintergehend, doch ſeine Außenſeite, die Menge der La⸗ ſter nicht zeigt, die ſein Inneres bewohnen⸗ Er iſt gleich den Schlangen dieſes Lanbes, die im Graſe oder Schilſe liegend, einem Baumſtamme aͤhneln, und den muͤden Wan⸗ derer zur Ruhe einladen; aber dann den Ungluͤcklichen umſtricken, und durch ihren giftigen Biß toͤdten.— Alle Eure geſammelte Menſchenkenntniß wird an dieſem Dellhi zu Schanden werden, denn nur in den ſechszehn Jahren, die ich ſtets ihm zur Seite verlebte, habe ich ſei⸗ nen Charakter ganz kennen gelernt. Der Baſſa liebt dieſen Dellhi, weil er ſeinen Leidenſchaften ſchmeichelt, und die Spur ſeiner Fuͤße leckt, den Saum ſeines Kleides kuͤßt, ihn durch ſeine Freunde, die Seeraͤuber, ſtets mit den ſchoͤnſten Scla⸗ vinnen verſorgt, und jeden Zug ſeines ncht ganz verdorbenen Herzens zu ſeinen niedertraͤchtigen Abſichten zu gebrauchen weiß.— Der Durſt nach Gold und Reichthuͤ⸗ mern iſt bei dem Dellhi unerſaͤttlich, weil die Quellen, woraus er ſchoͤpft, unverſieg⸗ bar ſind, da der Baſſa das Laſter des Gei⸗ zes nicht kennt.— Huͤtet Euch vor dieſem Verraͤther, der durch Schmeicheleien Euer uͤberliſten und hernach Euch zu verderben ſchenken uͤberhaͤufen, Euch und Euren Kenntniſſen die herrlichſten Lobreden hal⸗ ten; aber trauet dem teufliſchen Schmeich⸗ ler nicht, er wird einſt die verſteckende ren ſcheußlichen Geſtalt Euch zeigen. ſicher empfaͤngliches Herz einzunehmen, zu ſucht.— Er wird Euch ſogar mit Ge⸗ Larve abnehmen und ſich in ſeiner wah⸗ „—„—„— —„—„— — Der Eunuch Moloc hat ein Herz, wenn es wahr iſt, daß ſolch ein Menſch ein Herz haben kann, das an Schwaͤrze die ſeines Geſichts uͤbertrifft; mit dem Verluſte ſei⸗ ner Mannheit ſcheint auch ſein menſchliches Gefuͤhl geraubt zu ſein, denn ſeine Rah⸗ ſucht kennt keine Grenzen. Dieß iſt der Zweite, den ihr fuͤrchten muͤßt. Die geringſte Beleidigung wird er blutig raͤchen; ſeine Wuth gleicht der der Tiger, die auf dem Hofe gekettet liegen, und ſeine koͤrperliche Staͤrke der der Lowen. — Er iſt der fuͤrchterlichſte Feind aller Chriſten, ja aller Menſchen, und ſeine Un⸗ tergebenen fuͤhlen ſchon hier auf Erden die Qualen der Hoͤlle im unuͤberſteigbarſten Grade.— Im Serail iſt er der oberſte Befehls⸗ haber nach dem Baſſa, wo er ganz un⸗ eingeſchraͤnkt herrſcht, und ſeinen Grau⸗ ſamkeiten kein Ziel ſetzt.— Dieſer Un⸗ 3 menſch ſcheuet die Ruhe, verachtet den Er⸗ quicker der Muͤden, den Schlaf, und wenn ſchon alle Bewohner Arcapolis in ſeinen Ar— men des wachenden Kummers, der menſch⸗ lichen Leiden vergeſſen, ſchleicht dieſer Ge⸗ ryon in allen Winkeln umher, und ſucht Opfer ſeiner Satanslaunen.— Die Luft um ihn her ſcheint verpeſtet, wie ſein Athem.— Von Kindheit an diente er dem Vater dieſes Baſſa's, er kennt genau den Lauf der heftigſten und ſchwaͤchſten Leidenſchaften des Sohnes, und wird von Soroman geachtet und gefuͤrchtet, aber gewiß nicht geliebt. So lange dieſer Eunuch mit unerſchuͤt⸗ terlicher, feſter, unbeſtechlicher Treue an ihm haͤngt, wird nie eine ſeiner Sclavin⸗ nen ihrem glaͤnzenden Kerker entfliehen, den wolluͤſtigen Armen des Beherrſchers ſich entreißen, und ſeiner zahlreichen Diener . Wachſamkeit entgehen koͤnnen.— ———— ——— co— 3(— +——— — 1 — — 334 Erhaltet Ihr je von dieſem Verſchnit⸗ tenen einen Blick, ſo ſeid von ſeiner Gunſt uͤberzeugt, und laͤßt er ſich herab, ein Wort mit Euch zu wechſeln, ſo koͤnnt Ihr auf dieſe rechnen. Beides Dinge der Unmoͤg⸗ lichkeit.. Folgt meinen Worten, meidet den Mo⸗ loc wie die Loͤwen Afrika's, und fuͤrchtet ihn wie jene. Er und Dellhi ſind Bruͤder des Teufels, und nur um Menſchen zu quälen in menſchliche Geſtalt geformt.— Bernardo wollte fortfahren; allein ei⸗ ner der Aufſeher naͤherte ſich, und der Alte ging an ſeine Arbeit.— Velasco glaubte Wahrheit in des Veroneſers Worten zu finden, und beſchloß, ſeinen Warnungen zu folgen.— Stets liebreich behandelte ihn der Baſſa, der ſehr oft die angefan⸗ genen Verſchoͤnerungen beſah. Dellhi uͤber⸗ haͤufte den Chriſten mit ſuͤßen Schmeiche⸗ ——— leien, und der Eunuch Moloc ſah ihn nicht — E kee. 332— an, ſondern kehrte ſtets ſein Geſicht weg, wenn ſie ſich zufaͤllig begegneten. Oft, wenn Geſchaͤſte den Exadmiral hinauf zu dem Gebieter riefen, fand er jene tiefver⸗ ſchleierte Sclavin zu ſeiner Linken, und ein⸗ mal ſogar ſah er ſie bittend die Kniee beugen. Der neugierige Spanier wagte es nicht den Oberaufſeher Dellhi um Aus⸗ kunft uͤber die Leidende zu fragen, und er erwartete mit Sehnſucht eine Gelegenheit, den Italiener Bernardo ohne laͤſtige Zeu⸗ gen zu ſprechen. Dieſe fand ſich endlich, und mit Haſt bat der Spanier den Alten, ihm das mitzutheilen, was ihm von der Sache bekannt waͤre.— Dieſe junge Sclavin nennt ſich Ines, iſt aber keine Muhamedanerin, ſondern in Europa geboren, ſprach Bernardo. So viel ich weiß, brachte ſie vor ungefaͤhr ei⸗ nem Jahre der Verſorger Dellhi unſerm Herrn, der ſie wie ſein Leben liebt, aber ℳ — — 333— von ihr keine Gegenliebe erhaͤlt.— Alle ſeine großen Geſchenke, die er an dieſe Un⸗ erbittliche verſchwendet, fruchten zu nichts. Zu tugendhaft, die Chriſtin mit Gewalt in die Ergebung ſeines Willens, ſeiner heiße⸗ ſten Wuͤnſche zu zwingen, hofft Soroman alles von der heilenden Zeit, und harret ſchon ein ganzes Jahr vergeblich.— Ich fuͤrchte aber, endlich wird ſein Langmuth ermuͤden, er wird des Dellhis teufliſche Vorſchlaͤge Gehoͤr finden laſſen, und das mit Strenge und Barbarei nehmen, was ihm in Guͤte immer verweigert und nie zu Theil werden wird. Saheſt Du je dieſe Ines ohne Schleier? fragte Velasco. Nur einmal. Als einſt auf des Baſſa's Befehl das ſchon große Serail noch erwei⸗ tert wurde, mußte auch ich mit Hand an⸗ legen. Hier ſah ich ſie, als ſie von Mo⸗ loc zu Soroman gefuͤhrt wurde. — —— Fſt ſie ſchoͤn? Gleich einer Cirkaſſierin! Wird ſich mir nie eine Gelegenheit zei⸗ gen, dieſe Schoͤnheit ohne Schleier zu ſehen? Ich glaube mit Zuverſicht ſagen zu koͤn⸗ nen— nie! Ihr mangelt die geringſte Freiheit, wie allen den weiblichen Sclavin⸗ nen und Bewohnern des Serails, außer der Sultanin All⸗Zaba, die des Lebens Freuden zwar wenig, aber doch in volle⸗ rem Maaße als dieſe Alle genießen kann. Wer iſt dieſe Sultanin All⸗Zaba? Es war die Geliebte unſers Gebieters vor der Ankunft der Ines, und er ſelbſt gab ihr den Namen ſeiner Sultanin. Und jetzt? Fetzt iſt ſie gefallen, weil die Euro⸗ päerin wieder ihren Willen ſich Soroman's Herzens bemuaͤchtigt hat. —„—„ N— ——„—„„NY —„ —— rs * — X Iſt dieſe All⸗Zaba in Europa ge⸗ boren? Nein! Sie iſt eine Aſiatin, von der Halbinſel Malasca. Drei ganze Jahre hin⸗ durch behauptete ſie im Serail die Ober⸗ hand uͤber alle Sclavinnen, und ſchmei⸗ chelte ſich der Liebe des Baſſa's, als die Neuangekommene ſie ſtuͤrzte. Sie wird wuͤthen! Eine jede andre ihres Geſchlechts wuͤrde es; allein nur Thraͤnen ſind bei ihr das Zeichen ihrer Liebe zu dem Gebieter, der ſie jetzt mit Gleichguͤltigkeit betrachtet. Zwar verlor ſie nichts als ſeine Liebe, ihre Macht blieb ihr. Unter den Weibern des Serails herrſcht ſie mit uneingeſchraͤnkter Gewalt, und dirigirt die Kabalen dieſer kleinen Stadt. Erſtaunlich iſts, daß ſelbſt Moloe ihr zugethan iſt, und ihr oft mehr erlaubt, als ihr zukommt.— Mit ihter Nebet buhlerin, Ines, lebt ſie in Fnen ir nin bewohnt. * 3— Vereinigung, die aber der Baſſa einge⸗ ſchraͤnkt hat, weil man behauptet, ſie ſei die Anſtifterin eines Komplottes geweſen, das Ines in Freiheit ſetzen ſollte. Zwoͤlf der ſchwarzen Verſchnittenen verloren ihre Koͤpfe, und ſelbſt der der All⸗Zaba ſaß nicht feſt. Unerhoͤrt! Seit jener Zeit iſt es ihr nur erlaubt, die Freundin aus Europa im Beiſein des Oberſten der Eunuchen zu beſuchen, und ſie auf ihren ſparſamen Spaziergaͤngen im Garten des Serails zu begleiten. Dieſe All⸗Zaba hat das Recht, ohne Schleier ſich Jedem zu zeigen, und ſelbſt den Ha⸗ rem zu verlaſſen. Sobald aber von je⸗ nem Thurme der Waͤchter das letzte Abend⸗ gebet verkuͤndet, muß ſie wieder in ihr Zimmer hinein.— Sie iſt Eure Nach⸗ barin; jener Fluͤgel wird von der Sulta⸗ — —— 2 — — 6 * — 337— . ————— Und Ines? 2 Wohnt in den ſuͤdlichſten Zimmern, die nach dem Walde bei Arcapolis die Aus⸗ ſicht haben, umgeben von den Dienern Moloc's. Die meiſte Zeit bringt ſie in Ge⸗ ſellſchaft des Baſſa's zu, der ſie mit lieb⸗ lichen Worten uͤberhaͤuft, und ihr Lange⸗ weile verurſacht. Sind es alle Schwarze vom ʒnn Geſchlechte die das Serail bewohnen? Faſt alle! Dieſes große Gebaͤude ent⸗ „ lichen Geſchlechts ſind; wenn anders Ver⸗ ſchnittene den Namen Maͤnner verdienen. Der Baſſa ſelbſt bewohnt ſein Serail nen! Aber ein nur ihm, dem de I. Theil. haͤlt keine hundert Menſchen, wovon drei Viertheil weiblichen und die uͤbrigen mäͤnn⸗ und Moloc bekannter Gang fuͤhrt ins In⸗ nere, und am Ende dieſes Ganges iſt 5 2 E.— — 338— Oberſten der Verſchnittenen Wohnung und Schlafgemach. Jeden Abend werden wechſelweiſe die Loͤwen und Tiger auf dem Hofe ihrer Ket⸗ ten entledigt und freigelaſſen.— Dieſes macht den Sclaven und Sclavinnen eine Flucht unmoͤglich. Nur einer der Ver⸗ ſchnittenen, Maffero, kann dieſe Beſtien gleich Hunden behandeln, ohne ihre Wuth zu fuͤrchten, und dieſer Maffero iſt der Liebling Moloc's. Schon mehrere verſuch⸗ ten, wagten es im Dunkel der Nacht die⸗ ſer Thiere Wachſamkeit zu hintergehen und ihrem Kerker zu entfliehen, aber ſie wur⸗ den beſtraſt: am Morgen fand man ſie in Stuͤcken und ihre Gebeine auf dem Hofe umherliegen. Schrecklich! Selbſt die ehemalige Favoritin All⸗Zaba war einſt in Gefahr von dieſen Beſtien zer⸗ riſſen zu werden. — 341— Ich weiß, Ihr kennt keine Furcht, Sig⸗ nor? Nur den Namen! Am meiſten meidet dieſen Theil des Pallaſtes Moloc, der Verſchnittene, einer der Vollſtrecker des Urtheils an den Un⸗ gluͤcklichen. Doch ſchon bricht der Abend an; ziehet Nutzen von dieſem Aberglauben, nur verrathet den alten Bernardo nicht. Lebt wohl! Der Italiener ging, und Velasco durch⸗ ſtrich den Garten. Ihm begegnete Soro⸗ man, begleitet von Dellhi und ſeiner Die⸗ ner Schaar. Der Spanier neigte ſein Haupt und befolgte die Sitte. Chriſt! ſprach der Baſſa im Voruͤber⸗ gehen, Deine Anlagen gefallen mir; fahre ſo fort, und rechne auf meine Gunſt. Dellhi laͤchelte gleich dem verſteckten Neide, und die Muſelmaͤnner ſtaunten. — Mit dem Vorſatze, fruͤh das Lager zu verlaſſen, legte ſich Velasco ſchlafen. Die Reihen von Gedanken, die ſich in ſeinem Gehirne formten, verweigerten ihm die Ruhe, und ſpielten muthwillig mit dem Exadmirale. Bald zeigten ſie ihm ſeine Gattin Jenny und ſeinen Sohn Altamor in ſeiner Umarmung, bald den Tod aus den Haͤnden der Moslems; bald das be⸗ reitſtehende Schiff, ihn fort durch das mit⸗ tellaͤndiſche Meer zu tragen, und bald den dumpfen Kerker in Arcapolis. Er entwarf Plaͤne und wuͤnſchte die Ausfuͤhrung her⸗ bei, als ihn der graue Tagesanbruch an ſeinen Vorſatz erinnerte.— Er ſtand auf, und verließ ſein Zimmer, fand den Gang, die Treppe, durcheilte die Reihe der koſt⸗ baren Gemaͤcher, und ſtand in dem ſchwar⸗ zen, wo einſt unſchuldiges Blut vergoſſen ward. Ein unwillkuͤhrlicher Schauder und eine Beſchaͤmung vor ſich ſelbſt wechſelten — 343— bei ihm ab.— Dieſes dunkle Zimmer wir faſt ganz leer, nur einige ſchwarze Kiſſen und Decken lagen umher; ein einziges Fen⸗ ſter erhellte das Gemach. Der Spanier oͤffnete das Fenſter ein wenig, und die kuͤhlſte Morgenluft wehte ihm entgegen. In dem Garten des Serails, deſſen einen Theil er uͤberſah, war die groͤßte Stille. Lange harrte der Ungeduldige, noch ſchlaftrunken, und ſchauete emſig umher. Endlich erſchien die Morgenroͤthe, und mit ihr die ihr an Schoͤnheit gleiche Aſiatin All⸗Zaba, begleitet von der Europaerin Ines; mehrere Schritte hinter ihnen folgte Moloc mit langſamen Gange. Beide hat⸗ ten die Schleier gehoben, und zeigten dem ſpaͤhenden Admiral die Reize der ſchon frůͤ⸗ hen Schoͤnheit.— Velasco fuͤhlte die Ver⸗ legenheit eines entſcheidenden Paris; denn ſchon bei zwei Gegenſtäͤnden war das U⸗ theil ſchwer: endlich behielt die Aſistin „ . X 1 2————————— —— k — ———— 344 den Vorzug. Der Spanier muſterte mit Kenneraugen die Reize, und verlor ſich im Anſchaun ſo vieler Schoͤnheit und Tu⸗ gend, von der Laſter Mannichfaltigkeit ver⸗ folgt. Der noch ſchlaͤfrige Moloc warf ſich auf eine Raſenbank von Palmen beſchattet, und entſchlief; indeß die beiden Sclavin⸗ nen in tiefem, aber ſehr leiſem Geſpraͤche verknuͤpft zu ſein ſchienen. Mehrere Male zeigte die Favoritin All⸗Zaba nach der Wohnung Velasco's, und blickte dann in die Gegend des ſchlafenden Eunuchen.— Ines, die Europaͤerin, ſchien mit Jahre langen Leiden zu kaͤmpfen; denn auf ih⸗ rem Antlitze fand man die Beſtaͤtigung hiervon. Gebankenvoll ſah Velasco auf die Opfer der Wolluſt eines Baſſa; immer weiter off⸗ nete er das Fenſter, bis ihn zufaͤllig die Sultanin erblickte. Sie ſtaunte, grußte —— — ————— 3 1 — 45— den Betroffenen laͤchelnd, und verſchwand dann mit ihrer Freundin. Moloe eilte jetzt herbei, warf ſeine Au⸗ gen voll Schlaf auf die furchtbare Gegend des Schloſſes, gewahrte den Kopf des mit einem Turban verſehenen Andaluſiers, den ein Reihe Baͤume verdunkelten, rief ſeinen Allah zu Hilfe, und lief mit vor das Geſicht gehaltenen Haͤnden eilend da⸗ von.— Erſchrocken ſchloß Velasco das Fenſter und ſtieg hinab in ſein Zimmer, die Fol⸗ gen ſeiner Unvorſichtigkeit fuͤrchtend. Die Sonne war laͤngſt ſchon aufgegan⸗ gen, als der Waͤchter die Zeit des Mor⸗ gengebetes und des Anfangs der Arbeit verkuͤndete. Morgen, ſprach der Sclav Bernardo, dem der Spanier eine von den Uebrigen abgeſonderte Stelle zum Graben angewieſen —— X 36 hatte, morgen beginnt das große Hara⸗ phatfeſt der Mahomedaner, das drei Tage dauert. Dieſe Zeit hindurch ruhet alle Ar⸗ beit, und ſelbſt wir Chriſten ſind ohne Beſchaͤftigung. Heute Abend verlaͤßt der Baſſa Soroman mit Dellhi und ſeinem Gefolge Arcapolis und begiebt ſich nach Mekinez, der Feier beizuwohnen. In die⸗ ſen drei Tagen ſind wir von der Anfſeher Peitſchenhieben ganz befreiet. Ein Ungluͤck zieht ſich zuſammen, ſprach Velasco, ich zittere vor der Aufloͤſung. Ihr erſchreckt mich, ſtammelte der Ita⸗ liener, ſagt, was iſi's? Heute vor Tage erwartete ich der An⸗ kunft All⸗Zaba's und ihrer Freundin. Ich ſah ſie und wurde von ihnen geſehen. Nur das iſt's, was Euch bekuͤmmert? Laß mich ausreden, Bernardo! Auch Moloc, der Begleiter, erblickte mich. Iſt's moͤglich! Und floh mit Geſchrei bei meinem An⸗ blick. Gott ſei gebenedeiet! Wie2 Fuͤrchtet nichts; er hielt Euch fuͤr den Geiſt eines der von ihm getoͤdteten Meki⸗ nezaner, und wird mit Schaudern dieſen Vorfall dem Gebieter erzaͤhlen. Aber wenn er mich erkannt hat? Das hat er nicht; ſonſt wuͤrde er nicht geflohen und Ihr ſchon zur ſtrengen Re⸗ chenſchaft gezogen ſein. Und die Sclavinnen? Werden Euch nicht verrathen; ſie ſind der Chriſten Freunde mehr als Ihr denkt, und ihre Freundſchaft hat ſchon Manchem den Hals gekoſtet; denn Moloe leidet keine Gemeinſchaſt. Am Abend verließ der Baſſa und ſeine Suite auf Kameelen Arcapolis, und ihr Zug glich einer Karavane. Velasco fuͤhlte ſein Herz leichter beim Abzuge der Muſelmaͤnner, und um die Na⸗ tur ganz zu genießen⸗ eilte er in den Gar⸗ ten, der an den des Harems ſtieß⸗ und ihm der ſchoͤnſte ſchien. Schon begann es zu dunkeln; der Spa⸗ P nier warf ſich auf eine Bank an der Mauer, die die Gaͤrten trennte, und traͤumte. Ne⸗ ben ihm ertoͤnten die Saiten einer Laute, und eine helle liebliche Stimme ſang fol⸗ gende Strophen in ſpaniſcher Sprache: Wenn Aurorens milde Feuerſtrahlen Roth des Atlas graue Wipfel malen, und des dünſt'gen Haines Rebelmeer zerſtreun, Wenn der Luna bleicher Schein erblindet,— und der Sterne helle Schaar verſchwindet, 4 Kann ſich Ines dann des jungen Tages freun? — 349— Trage Sclavin deines Schickſals Schwere, Harre, weine, hoffe und entbehre, Was Fortuna's boͤſe Laune dir entzog! Laß den Troſt im Hoffen nicht erkalten, Laß nur Ihn, den kuͤhnen Juͤngling, walten, Der gleich dir Europens milden Aether ſog. Dieſer, der in Spanien geboren, Er nur, den das Schickſal auserkoren, Er nur, dem ein fuͤhlend Herz im Buſen ſchlägt; Ihm, den Liſt und Tapferkeit begleiten, Ihm, fuͤr den Minervens Geiſter ſtreiten, Hat des Glaucus Sohn ſein Siegel aufgepraͤgt. Sein Schwert wird den Argus uberwinden, Sein Blick bald des Kerkers Thure finden, und die Sclavin, die ſein ſtarker Arm veſchirmt. Wenn mit Ihm dich gruͤne Wellen tragen, uebers Meer her Calpens Gipfel ragen, Den Alcmenens Sohn von Felſen aufgethuͤrmt, Dann kannſt du die Freiheit ganz genießenz Deines Dankes Freudenthränen fließen Ihm, der von des Druckes Feſſeln dich heleeet Dankgefuͤhl macht deinen Buſen heben, In ihm wird das Bild des Retters leben, Bis der Tod die duͤrre Sne dir k6 Jüngling! höre Ines leiſes Flehen, Sieh', die guͤnſt'gen Tage, ſie vergehen, Sieh' des Harmes Thraͤnenbach den ſie vergoß! Morgen, wenn der Tag in Grau gekleidet Von der ſtillen kuͤhlen Nacht ſich ſcheidet, eSag uns, ſing' uns, was Dein großes Herz beſchloß! Die letzten Sylben verhallten und al⸗ les war ſtill; obſchon der forſchende Ve⸗ lasco noch einige Stunden vergebens ei⸗ nes zweiten Geſanges harrte. Die Nacht brach ein, und er eilte in ſeine Wohnung, voll von den lieblichſten Gedanken.— Kaum grauete der Morgen, ſo ſtieg er hinab in den Garten, die Stelle an der Mauer in Augenſchein zu nehmen. Ihm begegnete Bernardo, der Greis. Du hier, Bernardo? fragte Velasco erſtaunt. 3 Das wundert Euch, Signor?— Der Auſſeher hat mir die Freiheit gegeben, ei⸗ nige Stunden in der bluͤhenden Natur mei⸗ + ven Gott anzubeten. Dieſer Garten ſei meine Kirche und der blaue Himmel das Allerheiligſte. Kannſt Du ſchweigen, Bernardo? fragte der Spanier. Wie ein Todter! Verraͤthſt Du mich, ſo bin ich ver⸗ loren. Trauet Ihr meinen grauen Haaren nicht, ſo rathe ich Euch, das Geheimniß mir nicht zu entdecken. Ich traue ihnen! Hoͤre mich an; Ge⸗ ſtern nach Sonnenuntergang befand ich mich im Garten, der an den des Serails ſtoßt, keunſt Du den Palmengang an der Mauer rechts? Ich kenne ihn! Ein Lautenſpiel begann, von einer het⸗ 6 len, ſchoͤnen Stimme begleitet — Ich ahne! Der Inhalt war eine Aufforderung zur 6. Rettung in ſpaniſchen Worten. Fahret ſort! Heute um Mitternacht harret man mei⸗ ner Antwort. Und Ihr? Ich werde antworten. Was? Der Europaͤerin meine Dienſte aubie⸗ ten! Und Euch ins Verderben ſtuͤrzen. Die„ Stimme, die Euch um Rettung anflehete, 7 gehoͤrt der Sultanin All⸗Zaba; ſie nur verſteht und ſpricht ſpaniſch.— dehmet meinen Rath an, antwortet den Sirenen nicht; denn ſie bringen Ungluͤck uber Euer Haupt.— Die Europaerin zu retten, iſt ein Ding der Unmöglichkeit. Ahnet Mo⸗ loc das geringſte, dann kann Euch keine Macht auf Erden ſchuͤtzen. X2 — 353— Wie lange wird ſich der Baſſa in Me⸗ . kinez aufhalten? fragte Velasco, aus ſei⸗ nen Gedanken aufwachend. Gewoͤhnlich einige Wochen! Mein Vorſatz iſt gefaßt. Der Zweck? Iſt die Befreiung dieſer Europaͤerin. Ich zittere! Ich nicht! Wenn man Euer Vorhaben entdeckt, ſo ſeid Ihr verloren! Das Alter iſt furchtſam! Die Jugend unbeſonnen! Ich habe Dich gewarnt! Das haſt Du! Und es wird Euch gereuen, der War⸗ nung des alten erfahrenen Bernardo nicht gefolgt zu ſein. Der Italiener ging, und Velasco warf ——. — 354— ſich auf eine Bank, um zu uͤberlegen. Sein Vorſatz ſchien zu wanken; er fuͤrch⸗ tete die Gefahren, und doch wuͤnſchte er, die leidende Sclavin ihrem mißguͤnſtigen Schickſale zu entreißen.— So fand ihn der heimkehrende Bernardo. Nun, fragte er, was habt W be⸗ ſchloſſen? Sag' mir, Bernardo! ſprach d er Spa⸗ nier, waͤre es nicht ein gutes Werk, jene Europaͤerin aus den Huͤnden eines wolluͤ⸗ ſtigen Baſſa's zu befreien?— Noch hat ſie ſeinen Wuͤnſchen, ſeinem dringenden Be⸗ gehren mit Muth widerſtanden; aber wird ſie es auch beſtaͤndig, wird ſie uͤber die Gewalt Vieler ſiegen koͤnnen? Fhr habt recht! antwortete Bernardo, ſie retten, waͤre eine gute, Gott gefaͤllige That; aber die Mittel?— Finden ſich! — 3 Wenn Ihr mich, meinen Rath anhoͤ⸗ 3 ren wolltet?— Ich bin ſo aufmerkſam wie Schariar. Und ich erzaͤhle keine Maͤhrchen! ſprach der Italiener aufgebracht und ging. Ende des erſten Theils. ℳ 2 „ — ————————————————— 8 —— 5