Leihbibliothek deutſcher, engliſcher franzöſiſcher Literatur Cduard Otlmann in Gieſen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih und eſebedingungen. 1. ofensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ ——— pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines Leliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem W erthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 6—— auf1 1 Monat:.— F 1 Mk. 50 Pf. M.—— 5. Auswärtige honnenten aben für Hin⸗ und Zurückſendung . Schadenersätz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defeer Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen.§ — —,——— 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird§ der Bücher nicht ſtattfinden indem Diejenigen, welche die⸗„ 6 7 ( für wöchentlich 21 ee 4 Bücher: 6. Bi Bücher: her: 6 24 — ℳ 6/ 2. 00„ ..——... S B „ S 3 7 2——— im Lesesas 0B GESSEN Mnn 16 508 080 Die Frauen und ihr Beruf. —— Ein Zuch der weiblichen Erziehung. In zuſammenhängenden Aufſätzen niedergeſchrieben von Frauenhand. Zweite verbeſſerte Auflage. Frankfurt a. M. Verlag von Meidinger Sohn& Comp. 1856. Motto: Ihr ſollt euch ſelber rühren: Aus eurem Richts befrei'n. Dann ſollt ihr uns Walküren Und ſollt Velleden ſein. Druck von C. W. Leske in Darmſtadt. Kinkel. — Die Frauen und ihr Veruf. Inhaltsverzeichniß. 1) Gleichberechtigung des Mädchens mit dem Knaben der Frziehung 1 Segen der Arbeit 9 3) Die Erziehung für das Saus Bi Sandarbeit Di geiſtige Erziehung Da gZeſelie Lee Verkehrie Richtungen nſtitute eei Witer un Gatin W — vorwort zur erſten Auflage. Die nachfolgenden Blätter erheben keinerlei An⸗ ſpruch darauf für eine pädagogiſ ſche Schrift zu gel⸗ ten: ihr einziger Zweck iſt der, anzuregen und ein ungefähres Ideal deſſen aufzuſtellen, was die Frau der heutigen Zeit für ſich erſtreben ſollte. Wenn wir uns erſt klar über die Endpunkte einer Frage ſind, die man heute ſo ethß hin und her erörtert, dann wird es der eigentlichen Seh ein Leichtes ſ ſein, die Wege aufzufinden, welche dahin führen. Daß die weibliche Erziehung im Augenblick die Gemüther ſo lebhaft efigt beweiſt am beſten, wie tief man deren Mängel fühlt und wie zugleich die Ueber⸗ zeugung erwacht iſt, daß eine höhere Entwickelung der weiblichen Kräfte durchaus nothwendig und zeit⸗ gemäß ſei. Es ſcheint uns, daß dieſer Fortſchritt ſeine hauptſ ſichlichſt Pflanzſtätte in 3 gebildeten Mittelſtande finden muß, und von deſſen Verhält⸗ niſſen ſind wir bei unſerer Betrachtung vornehmlich ausgegangen. VIII Wir glauben nämlich, die höchſte und ſchönſte Aufgabe der Frau darin zu finden, daß ſie das Nothwendige mit dem Schönen, das Geiſtige und Materielle zu einem harmoniſchen Ganzen verbinde, und ſind zugleich überzeugt, daß nur inner⸗ halb dieſes Wirkens alle ihre natürlichen Kräfte zu ihrer völligen Entwickelung gelangen können. Im Mittelſtande iſt dazu die nächſte Möglichkeit gegeben, und dort vereinigen ſich auch heute noch ſo viele geſunde Elemente der Weiblichkeit, daß von ihm zu⸗ nächſt die Verfaſſerin auf ein richtiges Verſtändniß hoffen darf. Möge das kleine Werk ſo freundlich aufgenom⸗ men werden, als es aus innerſter Ueberzeugung und dem lebhafteſten Wunſche entſprungen iſt, etwas wirklich Gutes zu fördern und anzuregen, und mögen ſeine Mängel der Ungeübtheit einer weiblichen Feder, nicht der Geſinnung der Verfaſſerin angerechnet werden, welche ſtets von dem für ein Frauenherz ſo erhebenden Gedanken geleitet wurde, ihr Geſchlecht einſt auf der möglichſten Stufe ſeiner Vollendung zu erblicken. In dieſer Zuverſicht ſei es, der Frauen⸗ welt vornehmlich, zu freundlichem Verſtändniß und Entgegenkommen an's Herz gelegt. en, iele zu⸗ niß m⸗ nd en er, net erz cht ng n⸗ nd vorwort zur zweiten Auflage. Die freundliche Aufnahme, welche unſerm kleinen Werke alsbald nach ſeinem Erſcheinen zu Theil wurde und in kurzer Zeit eine wiederholte Auflage nöthig machte, ſcheint uns den beſten Beweis dafür zu liefern, daß ſich wirklich in unſrer Frauenwelt noch in genügender Anzahl jene geſunden Elemente vor⸗ finden, an welche die Verfaſſerin in dem Vorwort zur erſten Auflage appellirte. Gewiß kommt dieſer raſche Erfolg viel weniger deren eignem Verdienſte als vielmehr dem Umſtande zu, daß es in der That ein Bedürfniß der Zeit zu ſein ſcheint, anregende Worte über die Wichtigkeit einer beſſeren weiblichen Erziehung zu vernehmen. Einſichtsvolle und begabte Erzieher werden es vielleicht nicht verſchmähen, in dem Sinne fortzuwirken, welcher, wie wir uns überzeugt zu haben glauben, Anklang bei der Frauen⸗ wie bei der Männerwelt gefunden hat. Daß die Verhältniſſe Manches von dem hier Ausgeſprochenen— ſoll es eine praktiſche Anwen⸗ dung finden— in einer oder der andern Weiſe X modificiren werden, verkennen wir nicht, aber im großen Ganzen glaubt die Verfaſſerin nicht zu viel angeſtrebt und gefordert zu haben. Nicht durch die Kritik, ſondern auf Privatwegen mußten wir öfter ein Bedenken darüber hören, daß ſich unſer Schriftchen nicht über das religiöſe Ele— ment in der Erziehung verbreitet habe. Dagegen bemerken wir Folgendes: Einmal lag eine ſolche Erwähnung außerhalb der Tendenz unſrer Aus⸗ führung, welche ſich mehr mit den Endzielen der Erziehung, als mit den Mitteln dazu beſchäftigt, und zum Zweiten glauben wir durch den beſtändigen Hinweis auf die Ausbildung der Pflichttreue, einer weiſen Selbſtbeſchränkung, des Schön— heitsgefühls, der inneren Wahrheit und der Menſchenliebe den Inbegriff aller Religioſität und Gottesfurcht genugſam gepredigt zu haben. Sich weiter darüber zu verbreiten hielt die Verfaſſerin nicht für ſchicklich in einer Zeit, wo das ſtreitende Element in den religiöſen Fragen wieder mehr als je in den Vordergrund getreten iſt— da doch ihr Büchlein ſeiner ganzen Faſſung nach Allen gehören ſoll ohne Unterſchied des Bekenntniſſes oder der Glaubensrichtung. Die religiöſe Erziehung ſcheint eine Sache zu ſein, welche man dem Bewußtſein und der Beſtimmung jeder einzelnen Familie über— laſſen ſoll. In keiner Weiſe verband ſich mit der Erwähnung eines ſeit Kurzem entſtandenen und bereits im ſchön⸗ di ni . r IX — ſten Aufſchwung begriffnen Inſtituts irgend ein per⸗ ſönliches Intereſſe. Weder der Name der Vor⸗ ſteherin noch der Ort, wo es ſich befindet, iſt genannt; die Verfaſſerin hatte nur im Auge, das Princip, nicht die Perſon zu empfehlen. Durch die freundliche Aufnahme und den raſchen Erfolg ihres Büchleins ermuthigt übergibt die Ver⸗ faſſerin unter Nennung ihres Namens dieſe zweite Auflage mit geſteigertem Vertrauen den Händen der Frauenwelt. Denen, welche vielleicht nicht mit Allem einverſtanden ſind, was unſre Ueberzeugung uns lehrte, rufen wir zu: Prüfet Alles und das Beſte behaltet! Am Schluſſe fühlt ſich die Verfaſſerin gedrungen, der Verlagshandlung, welche durch ihre bekannte und uneigennützige Thätigkeit nicht das Wenigſte zur ſchnellen Verbreitung vorliegenden Werkchens beigetragen hat, ihren freundlichen Dank auszu⸗ ſprechen.— Darmſtadt im Januar 1856. Luiſe Büchner. Gleichberechtigung des Mädchens mit dem Knaben in der Erziehung. Das andre Geſchlecht kann und darf ſeiner Natur und ſeiner ſchönen Beſtim⸗ mung nach mit dem Männlichen nie die Wiſſenſchaft, aber durch das Medium der Darſtellung kann es mit demſelben die Wahrheit theilen.— Schiller. Die geiſtige Conſtitution der Frau iſt von der des Mannes ſo weſentlich verſchieden, daß alle Beſtrebungen, dieſe Ver⸗ ſchiedenheit zu verneinen und den Frauen das nämliche Feld der Wirkſamkeit zu erringen, immer und mit Recht als thöricht und unwahr bezeichnet werden mußten. Es gibt gewiß heute kaum eine vernünftige Frau mehr, welche Rouſſeau's Aus⸗ ſpruch: Je ne refuse pas à une femme mais aux femmes les facultés de l'homme! nicht beiſtimmt, denn es kann uns ja nur daran gelegen ſein, unſer eigentliches, weibliches Ge⸗ biet zu behaupten, welches in ſeiner Art eben ſo ausgedehnt iſt, wie das des Mannes, und welches immer mehr und mehr Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 1 alle willkürlichen Begränzungen durchbricht und darum ſicher für uns erhalten bleibt, weil es dem Manne ja eben ſo wenig möglich iſt, uns in unſere idealen Bereiche zu folgen, als wir in den Seinigen mit ihm um die Herrſchaft ſtreiten wollen. Laßt Jedem das Seine! Zwei gleichberechtigte Weſen⸗ heiten ſtehen Mann und Frau heute einander zur Seite, jedes gleichbefähigt zur höchſten Entwickelung ſeiner Individualität, und der große Philoſoph, welcher eine Julie ſchaffen und mit den reichſten Gaben des Herzens und Geiſtes ausſchmücken konnte, wollte mit ſeinem obengenannten Ausſpruch nur den geiſtigen Unterſchied der Geſchlechter, aber keine Unter⸗ ordnung der Frau unter den Mann andeuten. Die Thatſachen aber, welche ſo häufig und ſelbſt bei den Frauen den Glauben an eine wirkliche Inferiorität des Weibes hervorrufen, liegen keineswegs in jener Verſchiedenheit, ſondern nur in einer mangelhaften Erziehung des weiblichen Geſchlechts, welche beinahe jeden Ernſt des Lebens außer Auge läßt und glaubt, daß eine conſequente Durchbildung und Fortentwicke⸗ lung nur das Erbtheil des Mannes ſein dürfe. Der Mangel an Energie, Gewiſſenhaftigkeit und Pflichttreue, welchen wir ſo häufig bei der Frau und beſonders der Frau unſerer Tage finden, beruht keineswegs nur auf ſchwächeren Geiſtesgaben oder einer angeborenen Flatterhaftigkeit, ſondern vielmehr in dem faſt durchgängigen Mangel des Bewußtſeins, daß ſie einen beſtimmten Lebensberuf zu erfüllen habe, und daß von der Weiſe, in der ſie es thut, ihr ganzes künftiges Glück und ihre Zufriedenheit abhängt. tern beru St liche und wick dem Lebe biſt Clau Amn heißt den Mitt in di tücht Vort deren norit Wen: Uebu ein k dies gewie über ſicher wenig s wir len. Leſen⸗ jedes lität, und nücken den Anter⸗ ei den ßeibes ndern echts, t und wicke⸗ anel n wir Tage gaben hr ir einen n der d ihre — Die Tugenden des Charakters müſſen beiden Geſchlech— tern gleichmäßig eingeprägt werden, denn auf beiden zugleich beruht das bürgerliche und häusliche Wohlergehen. Was der Staat und die Geſellſchaft vom Manne fordern, das Näm⸗ liche fordern das Haus und die Geſellſchaft von der Frau, und auf den letzteren Grundlagen allein iſt eine freiere Ent— wickelung des weiblichen Weſens möglich. Aber wie kann dies geſchehen bei Grundſätzen, welche zu dem Manne ſprechen:„Du mußt arbeiten, ringen, ſtreben, des Lebens Ernſt erfaſſen!“ und zu der Frau:„Du zartes Weſen biſt geboren, poetiſch zu ſein, zu tändeln, Toilette zu machen, Elavier zu ſpielen, franzöſiſch zu plaudern“, und wie die ganze Ammenweisheit unſerer vornehmen Mütter und Gouvernanten heißt. Leider iſt dieſer Ton nicht mehr bloß einheimiſch in den höchſten Regionen der Geſellſchaft; den größten Theil des Mittelſtandes durchweht dieſe zimperliche Parfummoral, ſelbſt in den vermögenderen Bürgerſtand iſt ſie eingedrungen, und tüchtige Mütter, pflichtgetreue Hausfrauen, die frei ſind von Vorurtheilen unſerer modernen Geſellſchaft, erhaben ſtehen über deren Thorheiten, finden ſich nur noch in der äußerſten Mi— norität. Rauhere Zeiten und Sitten zeigen uns ein anderes Bild. Wenn die Spartaner ihre Mädchen mit den Knaben kriegeriſche Uebungen, gymnaſtiſche Spiele treiben ließen, um dadurch für * „ ein künftiges Geſchlecht kräftige Mütter zu erzielen, wie lag dies richtig im Geiſt eines Volkes, das auf den Krieg an⸗ gewieſen und für dieſen erzogen, körperliche Kraft und Stärke über Alles ſchätzen mußte. Es entwickelten ſich dadurch in der Frau herviſche Tugenden nicht des Herzens, ſondern des Ver⸗ ſtandes, welche ihren Platz in der Geſchichte errungen und von unſerem fernen Standpunkt aus geſehen nichts Verletzen⸗ des mehr haben. Wir wünſchen dieſe Einſeitigkeit ſtrengerer Tugenden nicht zurück, wir wollen mehr, wollen Harmonie zwiſchen den zär teren und ſtärkeren, den geiſtigen und körperlichen Elementen, aber dieſe kann ſich nur in kräftigen, lebensfriſchen Naturen entwickeln, und dieſe wiederum gedeihen nur auf dem Boden einer ernſten Erziehung, wie ſie auch dem Manne geboten wird. Auf dieſem Felde dürfen wir eine völlige Gleichſtellung beider Geſchlechter fordern, nicht in dem Was gelehrt, ſon⸗ dern in der Art und Weiſe wie es gelehrt wird. Die meiſten Frauen haben weder Liebe noch Ehrfurcht fün ihren Beruf, weil er ihnen ſelten in ſeinem wahren Lichte er ſcheint, weil ſie, läſſig und unfähig zu ernſtem Handeln, an der Oberfläche haften bleiben, und ihr ſchwaches Auge zu wenig gelehrt wird, den Heiligenſchein zu erblicken, der jede treue Pflichterfüllung umſtrahlt und verſchönert. Der Knabl hingegen weiß in den meiſten Fällen von früher Jugend an, daß er irgend einen beſtimmten Beruf mit Ernſt erfüllen muß und in denjenigen Lebensſtellungen, welche ihn von Letzteren frei ſprechen, finden wir auch bei dem männlichen Geſchlech immer am häufigſten jene oberflächlichen, nichtsſagenden Ge ſchöpfe, die, ähnlich ſo vielen Frauen, ein thatloſes Leben da hinſchleppen. Es iſt alſo nur der Hinweis auf beſtimmt Pflichten, eine beſtimmte Thätigkeit, was die menſchliche Energi und Tüchtigkeit bei beiden Geſchlechtern erweckt. von wele ſollſ hat. wie ein kant der dem und gan vorz ſich der dem Erzi und ſie 7 Wur muß in d tung die aller ſcher 3 Ver⸗ n und letzen⸗ nnicht n zär enten, aturen Boden wird⸗ ellung ſon cht für hte er⸗ n, an e zu r jede Knabe d an muß tzteren chlech n Ge en da timmt nergi Man ſage dem Mädchen, wie man es dem Knaben ſagt, von früheſter Jugend an: Du darfſt nicht bloß Blume ſein, welche gedankenlos ihren ſüßen Duft ausſtrömt, ſondern du ſollſt zur Frucht werden, daran die Welt Theil und Gewinn hat. Die Geſammtheit hat ein Anrecht an dich, ſo gut wie an den Mann, erfülle es auf deinem Gebiete und du biſt ein eben ſo nützliches Glied der Geſellſchaft, als er. Wo kann nun dieſes Gebiet anders liegen, als in der Erfüllung der häuslichen Pflichten in ihrer vollſten Ausdehnung, als in dem Berufe der Frau als Mutter und Erzieherin? Aber ſo wie jede Pflanze ihr beſtimmtes Erdreich braucht und nur als deſſen höheres Produect erſcheint, ſo muß die ganze erſte Bildung des Mädchens darnach ſtreben, den Boden vorzubereiten, auf dem die eigenthümliche Blüthe der Weiblichkeit ſich entfalten kann. Aber dieſer Boden liegt nicht dort, wo der Flugſand der Oberflächlichkeit ſich ausbreitet, ſondern auf dem Felſen der Pflicht und des Ernſtes, wo die männliche Erziehung meiſtens wurzelt, muß er geſucht werden. Die wahre und ganze Ausbildung einer Frau iſt wahrlich nicht leicht; aber ſie wird zu läſſig begonnen und zu frühe abgebrochen. Kein Wunder, daß eine Maſſe von unfertigen Geſchöpfen entſtehen muß, die in keiner Hinſicht etwas leiſten können, weder in den Vorkommniſſen des Haushalts, noch in geiſtiger Rich— tung, und doch beruht einzig und allein auf deren Verbindung die Möglichkeit der Erfüllung des weiblichen Berufs nach allen Seiten hin. Wie können aber die moraliſchen Tugenden des Men⸗ ſchen ſich harmoniſch entwickeln ohne die Bildung des Geiſtes —̃..— und— ſo viel unſere Mädchen auch heut zu Tage lernen gei müſſen, es geſchieht dafür noch lange nicht genug, weil es nur wir ſtückweiſe geſchieht. laſſ Erſt eine Schule, dann ein Inſtitut, oder eine Fortbildungs⸗„ geſi ſchule, oder auch einige Privatſtunden, und mit Erreichung des ſon 15— 16ten Jahres iſt die geiſtige Erziehung des jungen Mäd⸗ bilt chens vollendet. In dem Alter, wo der Verſtand erſt anfängt zu zu reifen, wo das Lernen erſt einen höheren Reiz gewinnt und Ric damit der mächtigſte Hebel wird zur wirklichen Vervollkomm zu nung der Frau, da hört die Erziehung auf. Wenige Jahre und reichen hin, die halbreifen Geiſter wieder bis zur Unwiſſenheit Hal der erſten Schuljahre zurückſinken zu laſſen, und von einem deſſ ſpäteren Nachholen kann nur ſelten die Rede ſein. Nun liegt Bet darin ein großer Vorzug des Knaben vor dem Mädchen, daß geft er gewöhnlich bis in's Jünglingsalter unter Beaufſichtigung und nach einer feſten Regel lernt; daraus entwickelt ſich der Grund Sch ſeiner ſpäteren Bildungsfähigkeit, nicht aus ſeinen größeren Ahr Geiſtesgaben. Wir wollen nicht mit dem Manne um ſeine Fach⸗ Aus wiſſenſchaften rechten, ſie bleiben ihm allein, aber die allgemeine ächt Bildung, die menſchlich frei und tüchtig macht, darf der Frau Geſ unter keiner Bedingung vorenthalten werden. Es iſt gewiß ein gen unhaltbarer Grundſatz, den Knaben bloß darum lernen zu laſſen, wan weil er ſpäter Geld damit verdient, und dem Mädchen die Fra Bildung vorzuenthalten, weil kein greifbarer Vortheil daraus ſchet entſpringt. Was die Gymnaſien dem Knaben bieten, eine all⸗ die gemeine Vorbildung für ſeinen künftigen, wiſſenſchaftlichen oder Pfo ſonſtigen Beruf, das müßten ähnliche Lehranſtalten dem Mäd⸗ find chen verleihen, indem es dort bis zum achtzehnten Jahre eine wac re eit em egt aß nd ind ren ch⸗ ine rau ein ſen, die aus all⸗ der äd⸗ eine geiſtige Ausbildung aus einem Guſſe empfinge, die es auch wirklich berechtigte, ſich das Prädieat: gebildet, beilegen zu laſſen. Wenn bis zu dieſem Alter ein geregeltes Lernen fort⸗ geſetzt wird, das keineswegs die ganze Zeit in Anſpruch nimmt, ſondern noch Raum läßt für die gleichzeitige häusliche Aus⸗ bildung und ſomit weder dem Körper ſchadet, noch den Geiſt zu hoch hinaufſchraubt, dann hat der Letztere eine beſtimmte Richtung empfangen und iſt im Stande, hierauf für ſich weiter zu bauen und zu lernen. Das ächte Weib iſt für unſere Zeit undenkbar ohne geiſtige Bildung, es gibt für ſie keinen anderen Halt gegenüber den Thorheiten und Schwächen ihres Geſchlechts, deſſen heutige Thatenloſigkeit und Aeußerlichkeit den beſten Beweis dafür liefern, daß es die wahre Bildung noch nicht gefunden hat. Was können uns jene jungen Kinder nützen, die aus der Schule heraus nicht eilig genug in's Leben treten können, ohne Ahnung eines höheren Berufes, eines ernſteren Strebens? Aus ihren Reihen wird nur ſelten die tüchtige Mutter, das ächte Weib hervorgehen. Trunken vom Glanze der Ball- und Geſellſchaftsſäle ſchweben ſie wie im Traume durch ihre Ju— gend; aber wohl ſelten birgt ſich unter dem flatternden Ge⸗ wande das ſtarke Herz, die hochbeſchwingte Seele, deren die Frau doch ſo ſehr, ſo nothwendig bedarf. Wie lieblich rau⸗ ſchen einige Jahre dahin, leichtbeſchuht und voll Glanz, aber die Scene muß ſich ändern, das wirkliche Leben klopft an die Pforten. Wie Viele dann wird es zum Kampfe mit ſich bereit finden? wie Viele ſind dann ſeinen gerechten Anſprüchen ge⸗ wachſen? Ob die Ehe oder das Lvos der Unverheiratheten dieſe heiteren Geſtalten erwartet, nur diejenige Frau kann ihren höheren Lebenszweck erfüllen, welcher die Erziehung die Mittel dazu in die Hand gegeben. Aber diejenige Erziehung kann weder Ernſt noch Tüchtigkeit verleihen, der es ſelber daran fehlt, und wer den Lebensweg der meiſten weiblichen Naturen verfolgt, wird finden, daß ihnen mit richtiger Bildung Alles gegeben wäre, während ihnen, ohne dieſelbe, Alles genommen iſt. O, ihr roſigen Kinder, euren Frohſinn und eure Heiter⸗ keit möchten wir um keinen Preis der Welt euch rauben, ihr ſollt Roſen in's Haar flechten und das weiße Gewand tragen, aber darunter die Rüſtung der Pallas Athene! ren ittel ann wan uren llles men iter⸗ ih en, Segen der Arbeit. Arbeit für Alle! Der Talismann, welcher beſtimmt iſt, die Frauenwelt aus ihrer Schlaffheit und Weichlichkeit, ihrer Oberflächlichkeit und Genußſucht zu erlöſen, heißt Arbeit und Thätigkeit. O, daß ſie euch Allen auferlegt wäre, bis in die höchſten Spitzen der Geſellſchaft und der Verfeinerung, daß Alle das Bewußt⸗ ſein begeiſterte: Wir ſind Glieder einer großen Kette, müſſen Alle wirken und ſtreben, und Keine darf mit leerer Hand aus dieſem Leben treten! Reiz, Schönheit, Reichthum dürften nimmermehr ent⸗ binden von einem Leben, das den Intereſſen der Bildung, der praktiſchen Thätigkeit und der Menſchenliebe geweiht iſt. Es frage doch Keine: Was ſoll ich thun, wo liegt mein Wirkungs⸗ kreis? Ich bin ja kein Mann! O, überall findet die weib⸗ liche Hand, das weibliche Herz, der weibliche Geiſt, die rechte Stelle, wo ſie thätig ſein können, ſobald ſie ſich nur ſelbſt dazu befähigt haben, aber die Hand iſt leider meiſt ſchwach und lahm, der Geiſt beirrt, das Herz arm und klein! Die Thätigkeit des Mannes wird von Außen gefordert, die Thätigkeit der Frau muß aus eignem innerem Dra ng ſich entwickeln, ihre Befähigung muß über ihre Beſchäftigung entſcheiden. An dem Drang nun fehlt es ſelten, aber wohl an der Hand, die ihn richtig leitet, oder ihn auf alle Weiſe zu wecken ſucht, wo er vielleicht nicht vorhanden wäre. Aber weil es eine Maſſe von Frauen gibt, für die die Sonne auf⸗ und niedergeht, ohne daß der Schweiß eines Tagwerks auf ihrer Stirn zu perlen brauchte, darum muß es ihnen zur erſten moraliſchen Pflicht gegen ſich ſelbſt gemacht werden, zu arbeiten und thätig zu ſein. Könnte doch meine Stimme bis dorthin dringen, wo Müßiggang und Genußſucht ſich auf ſei— denen Polſtern wiegen, könnte ſie dieſen überſättigten und übermüthigen Frauen gebieten: Arbeit für Alle und Arbeit vor Allen für euch, damit Frauenwürde und Frauenſtolz unter euch neu erſtarke, daß ihr geſundet an Geiſt und Seele, daß der ganze hohle Apparat eurer Seelenſchmerzen und eingebildeten Leiden, die nur dem Müßiggang entſpringen, zertrümmert würde. Aber an jene Pforten anzupochen iſt vergebens— und darum preiſen wir euch glücklich vor Allen, ihr Frauen des Mittelſtandes, die ihr von der Geburt ſchon an jenen Platz geſtellt ſeid, welcher zur Entwickelung aller eurer Kräfte der zweckmäßigſte iſt— aus euren Reihen allein kann eine beſſere Frauenwelt hervorgehen, wenn ihr eure Aufgabe begreift und gründlich jener Nachäfferei der vornehmen Stände entſagt, die euch ſchon halb gefangen genommen hat. Genügende Glücksgüter oder vornehmer Stand, ſie über⸗ heben euch nicht der Pflicht, praktiſch zu wirken, und eben ſo — wenig zwingt euch das bittere Loos der Armuth, den geiſtigen Gütern zu entſagen. So bleibt es euch vorbehalten, das wahre Menſchthum in euch zu entwickeln und zu verkörpern; denn nur aus dem Verein praktiſcher und geiſtiger Thätigkeit erwächſt der ächte, harmoniſche Menſch. Stellt euch auf dieſe Stufe, und dann iſt die Frau in Wahrheit ein höheres Weſen, nicht mit Unrecht eine Krone der Schöpfung genannt. Mißmuth, Verſtimmung, eingebildete Krankheit, Leichtſinn, Vernachläſſi⸗ gung der heiligſten Pflichten, alle dieſe Uebel eriſtiren nicht mehr den weiblichen Weſen gegenüber, welchen Arbeit das heiligſte Opfer ihrer Gottesverehrung geworden, und die freund⸗ lichen Genien, die ſie begleiten: Wohlwollen, Nächſtenliebe, Freundlichkeit und Heiterkeit, ſie geben Schönheit, Reiz und Anmuth bis in's höchſte Alter, der verheiratheten Frau und dem eheloſen Mädchen in gleichem Maße. Welch ein trauriges Bild bietet ſich uns dar, wenn wir einen Blick in jene Familie werfen, wo die Frau ihre Pflicht nicht kennt, und wo Vergnügungsſucht und Geiſtesarmuth das Scepter führen, oder einen Blick auf das alternde Mädchen, die am Ausgang der Jugendjahre ſteht, und die nichts zu be⸗ ginnen weiß, keine Anhaltspunkte kennt, außer in jener äußer⸗ lichen Geſellſchaftswelt, die ihrer nicht mehr bedarf, ihr weder Schmeicheleien noch Huldigungen mehr ſpendet! Die eine begeht die gröbſte Verſündigung gegen die ihr anvertraute Familie, die Andere gegen die menſchliche Genoſſenſchaft, außer der noch Größeren gegen ſich ſelbſt. Wenn aber ein thätiges Leben die höchſte Pflicht einer verheiratheten Frau iſt, ſo iſt ein ſolches in noch höherem Grade Pflicht für das eheloſe Mädchen, ja der Selbſterhaltungstrieb fordert es mit gebie⸗ teriſcher Nothwendigkeit. Laſſet ihr Frauen den Segen der Arbeit auf euch niederſinken, geht ihm entgegen mit frohem und willigem Sinn! In ihrer ſchönſten Geſtalt tritt ſie euch entgegen, die phyſi⸗ ſchen Kräfte entwickelnd, den Geiſt befruchtend und ſo euch gegeben zur Erlöſung von allen Thorheiten und Schwächen der weiblichen Natur! Ueber die Erziehung für das Haus. Edel heißt jede Form, welche dem was ſeiner Natur nach bloß dient, (bloßes Mittel iſt) das Gepräge der Selbſtſtändigkeit aufdrückt. Ein edler Geiſt begnügt ſich nicht damit, ſelbſt frei zu ſein; er muß Alles um ſich her, auch das Lebloſe in Freiheit ſetzen.— Schiller. Wenn wir nun die von der Pflicht gebotene Thätig⸗ keit der Frau betrachten, ſo kommen wir gleich bei jenem Punkte an, der, wie oft auch ſchon von den vielfachſten Seiten beſprochen, doch nie völlig feſtgeſtellt wurde, während er doch gewiß eine der wichtigſten Seiten des Lebens überhaupt, nicht allein des weiblichen, berührt. Es liegt in der Natur der Sache, und wir finden es faſt bei allen Völkern wieder, auf welcher Kulturſtufe ſie nun ſtehen oder ſtehen mochten, daß die kleinen, täglich wiederkehrenden Sorgen um den Haushalt dem weiblichen, als dem ſchwächeren Theile der Bevölkerung, zufallen, während ſich der Mann den ſchwereren Arbeiten unterzieht. Dies Verhältniß iſt zu natür⸗ lich, um ſich jemals ändern zu können, und alle ſchon auf⸗ geſtellten Theorien von der Emanecipation des Weibes werden es nicht dahin bringen, daß der Mann zu Hauſe koche oder nähe, während die Frau draußen auf der Bank des Richters Recht ſpricht oder die Kanzel beſteigt. Es iſt eine totale Ver⸗ kennung unſerer Zeit, wenn man glaubt, die Frau, wenn auch nur die gebildete Frau, heute von den Pflichten der Häuslichkeit frei ſprechen zu dürfen. Man entzieht ihr damit den eigentlichen Boden, in dem ihr ganzes Weſen wurzelt und wirft ſie auf ein Gebiet, wo ſie zuweilen geduldet iſt, aber niemals herrſchen kann noch wird. Nur in der ſtillen Umgränzung der Häuslichkeit kann die weibliche Seele gedeihen und ſich ſicher entfalten, und wer ihr Weſen richtig erkennt, der hält ſie mit feſter Hand zurück an dem ſtillen Herd, auf welchem die heilige Flamme des Hauſes, von dem Bewußt⸗ ſein der Pflicht entzündet, von der Freude an der Arbeit ge⸗ nährt, emporlodert. Aber dann müſſen Mütter und Töchter wieder im Mittelpunkt der häuslichen Beſchäftigungen ſtehen, dann dürfen dieſe nicht, wie es jetzt ſo häufig geſchieht, nur den Dienſtboten überlaſſen blriben. Es kann Niemand leugnen, daß in der Gegenwart das Innere des Familienlebens ſich immer unerquicklicher geſtaltet,— wo hört man nicht die gerechte Klage darüber?— und bei den geſteigerten Anſprüchen und Bedürfniſſen der Frauenwelt iſt es für viele Männer faſt nicht mehr möglich, ſich eine eigene Häuslichkeit zu gründen. Man fühlt es recht wohl, wo der Mangel liegt; wer zweifelt noch daran, daß die Untüchtigkeit der Frau in ihrem häuslichen Beruf, ihr Drang nach äußeren Zerſtreuungen die hauptſächlichſte Quelle ſo vieler Unzufrieden⸗ heit und Mißſtimmung iſt? Man ſtreitet darum hin und her, was der eigentliche Beruf der Frau ſei, ob geiſtige Ausbil⸗ dung oder nur häusliche Arbeit! Dieſer Streit iſt ein müſſiger; nur die Vereinigung dieſer beiden Elemente entſpricht dem Weſen der Frau, wie unſere Zeit ſie verlangt, ja entſpricht der weiblichen Natur überhaupt, die weniger auf Tiefe ange⸗ wieſen iſt, als darauf, die ideale Seite des Lebens zu ent— wickeln, und leibliches und geiſtiges Wohlbehagen zugleich in dem Kreiſe, den ſie als alleinige Gebieterin beherrſcht, ge⸗ deihen zu laſſen. Zur erſten Stufe dieſer Herrſchaft aber ge⸗ langt ſie nur durch praktiſche Ausbildung, und dieſe iſt ihr von Vernunft und Pflicht zunächſt geboten. Es wird manche Frau hier ausrufen: Es iſt nicht unſere erſte Pflicht zu kochen, zu nähen und zu bügeln! Wir wollen mehr ſein, wollen Theil haben an den geiſtigen Gütern des Lebens, wol⸗ len uns gleich dem Manne an Wiſſenſchaft und Kunſt erfreuen! Dies Verlangen iſt, einſeitig geſtellt, thöricht und gewiſſen⸗ los. Unſer feſtſtehender Standpunkt iſt auch hierin wieder der, daß die Frau, eben ſo wie der Mann, einen beſtimmten Kreis von Pflichten, einen ernſten Beruf zu erfüllen hat, über wel⸗ chen hinaus erſt ihre Berechtigung anfängt, ſich an den höhe⸗ ren Genüſſen des Lebens zu erfreuen.— Ihr ſollt ja dem Manne völlig gleichberechtigt zur Seite geſtellt werden! Gleichberechtigt an jedem allgemeinen geiſtigen Gut, aber auch gleich verpflichtet zur täglichen Arbeit! Wo gibt es denn überhaupt wirklich geiſtiges Schaffen, welches ſich nicht erſt durch einen Berg von materiellen Schwierig⸗ keiten, von formellem Wuſt hindurch arbeiten muß? Welche Aeußerlichkeiten hat der Künſtler nicht täglich zu beſeitigen, während er ſeine Geſtalten bildet, ſei es nun mit Pinſel, Meißel oder Feder? welche kleinlich langweiligen Anhängſel führt der Beruf des Arztes, des Lehrers, des Richters mit jeder neuen Sonne herauf! Wird nicht damit die rein mecha— niſche Mühe, welche der Frau zufällt, vollſtändig aufgewogen, da ein Theil des Geiſtigen ja hier auch bis zum Mechaniſchen herabſinkt? Iſt nicht unſer ganzes Leben ein Kampf mit der Materie, und will die Frau ſich dem allein entziehen? Warum will ſie nicht ihr beſcheidenes Theil an der Erfüllung der hand— werksmäßigen Pflichten tragen, welche ihr die Befriedigung der körperlichen Bedürfniſſe des Menſchen auferlegt? Der Weiſe nimmt die Welt wie ſie iſt, unterwirft ſich ihren mechaniſchen Geſetzen und macht ſich dadurch allein geiſtig frei; der Thor beklagt den Materialismus, verwirft ihn und verfällt ihm da— mit nur immer tiefer.— Die Materie hat noch Niemand un— geſtraft verachtet; ſie rächt ſich furchtbar, unerbittlich! Aber man kann ſie überwinden, zähmen, indem man ihre unabweis⸗ baren Bedürfniſſe erforſcht, ihren Vorausſetzungen entſpricht. Dann beginnt der wahre, dauernde Sieg des Geiſtes, und goldne Früchte lohnen dem Ueberwinder.— Wenn die Frau ihre täglichen Pflichten in dieſem Lichte betrachtet, können ſie ihr nicht mehr unerträglich ſein. Aber die Erziehung muß Rückſicht darauf nehmen und ihr die Mittel zur Ueberwindung jener in die Hand geben. Und welche andere könnten dieſe ſein als vollſtändige Kenntniß deſſen, was von der Frau m 31 — S—— S— 8 — 5—— mit Recht in jedem Lebensverhältniß gefordert werden kann? Es fällt uns ſchwer niederzuſchreiben und doch muß es offen zugeſtanden werden: wenn wir durchaus wählen müßten zwiſchen geiſtiger und praktiſcher Ausbildung der Frau, und es hinge von dieſer Frau, wie es ſo oft der Fall iſt, das Wohl und Wehe einer Familie ab, wir wählten unbedingt das Letztere, denn der Geiſt muß ja doch vergehen unter dem Schmutz und Drangſal der Alltäglichkeit, wenn eine weiſe, ordnende Hand dieſe nicht ferne halten kann, während ein reinlicher, freund⸗ licher Haushalt wenigſtens das Eindringen des Geiſtes von Außen her zuläßt. Nur dem materiellen Wohlſein kann das geiſtige Behagen entſpringen. Es wird alſo für das junge Mädchen des Mittelſtandes, von rein praktiſcher Seite aus betrachtet, viel nothwendiger ſein, daß ſie die ganze Stufenleiter der häuslichen Beſchäftigungen gründlicher erlerne als die Scala auf dem Piano, daß ſie eher zu kochen, als in fremden Zungen zu reden wiſſe, beſſer ein Hemde zu nähen, als eine feine Stickerei zu fertigen verſtehe. Aber dieſe ausſchließende Wahl zwiſchen dem Einen und dem Andern ſollte nicht mehr nöthig ſein; die beiden Elemente, welche ſich ſcheinbar feindlich in die Welt theilen, ſollen ſich in der Frau friedlich vereinigen und dem täglichen Leben die Krone der Schönheit erobern. Die Möglichkeit hierzu kann nicht beſtritten werden, es gibt und gab weibliche Weſen, die eine ſolche Stufe erſtiegen haben, und was für Einzelne mög⸗ lich war, iſt es auch für Viele, ja bis zu einem gewiſſen Grade für Alle. Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 2 — F — 18— Gebt dem Mädchen eine tüchtige Mutter oder Erzieherin, die das, was ſie lehren ſoll, auch ſelbſt gründlich verſteht und— mit gutem Beiſpiel vorangeht; lehrt es Pflichten kennen, wo es bis jetzt nur Tändelei erblickte, gebt ihm einige ruhige Jahre der Entwickelung mehr, macht das Kind nicht ſchon mit 15 oder 16 Jahren zur jungen Dame, laßt ihm Zeit, ſich äußerlich und innerlich auf eine gewiſſe Stufe des Könnens und Leiſtens zu ſtellen— und es iſt Alles erreicht. „Die Welt findet man fertig wie ſie iſt, aber die Wege muß man ſuchen“, ſagt Rahel, und mehr ſoll ja die Erzie⸗ hung überhaupt nicht thun wollen. Zeigt dem Kinde den Weg, gebt ſeiner Natur den richtigen Anſtoß, ſeinem Geiſte das ſichere Fundament, und es geht ſeinen Pfad ſo ruhig und ſo ſicher, wie die Natur in ihrer ganzen organiſchen Entwickelung über⸗ haupt.— Jedes Mädchen wiſſe von früher Kindheit an, daß es die häuslichen Arbeiten erlernen muß, wie ſein ABC, und daß es nicht freigeſprochen wird zum mündigen Menſchen, ehe es die Pflichten kennen gelernt hat, welche die Natur ihm be— ſtimmt, und es wird gerne und freudig ſich dem unterziehen, was Alle lernen und leiſten müſſen. Damit iſt noch lange nicht geſagt, daß alle weiblichen Weſen ſich ganz einerlei entwickeln müßten. Anlagen, Talente, Verhältniſſe werden in der ſpäteren Entwickelung ihr Recht gel⸗ tend machen, es wird nach wie vor Frauen geben, welche mit größerer Liebhaberei ſich den häuslichen Pflichten unterziehen, während Andere mehr nach geiſtigen Beſchäftigungen ſtreben, aber die Lehrzeit muß darum doch für eine Jede dageweſen ſein, die praktiſche ebenſo wohl, wie die geiſtige. Die Ver⸗ ———— ſch w de ih ge ſie S M ſchiedenheit des Reſultats darf uns nicht irren. Der Zweck, welcher erreicht werden ſoll, iſt die innere und äußere Freiheit der Frau, die nur durch richtige Erkenntniß und Erfüllung ihres Berufes gewonnen wird. Iſt dieſe erreicht, ihr klar gemacht, dann wird die poetiſche, geiſtreiche Frau nie der Proſa zur Beute werden, weil ſie die Mittel in der Hand hat ſie zu bekämpfen, und die Frau, welche ſich mehr zum Prak⸗ tiſchen neigt, wird, im genauen Bewußtſein der geiſtigen For⸗ derungen, welche ihre Familie an ſie ſtellen darf, und durch eine Erziehung, die ſie befähigt, denſelben gerecht zu werden, nie jener einſeitig praktiſchen Richtung verfallen, welche ein Fluch für Alle iſt, die in ihrer Atmoſphäre athmen müſſen. Nun meinen freilich Viele, nach der Verheirathung ließen ſich die häuslichen Geſchäfte noch lange erlernen. Dem iſt nicht ſo. Wir wollen ganz davon abſehen, wie nöthig und wün⸗ ſchenswerth es oft wäre, daß das Mädchen auch ſchon bei ſeinen Eltern hierin etwas leiſten könnte, wir wollen uns nur einen ſolchen Haushalt vergegenwärtigen, in welchen die junge Frau einzieht mit allen Illuſionen einer pvetiſchen Zukunft, mit Träumen vom ſchönſten Glück, und in welcher die rauhe Hand der Wirklichkeit in kürzeſter Friſt das bunte Gewebe der Phantaſie ſchonungslos zerreißt. Jedes Ding, auch das Kleinſte, will gelernt und geübt ſein. So lange dies nicht der Fall iſt, beherrſcht es uns, und die geringſten Verrichtun⸗ gen werden, wenn vernachläſſigt, zu den ſchmerzlichſten Dor⸗ nen, die in jeder Minute da und dort eine Wunde reißen. Wie aber kann eine ungeübte Hand, welche höchſtens gelernt hat, einen Theetiſch mit Anſtand herzurichten, im Stande ſein, — nun im eignen Hauſe den Boden zu bereiten, auf welchem Wohlſein, Behaglichkeit, Schönheit im innigſten Vereine er— wachſen ſollen? Es iſt troſtlos, in welchem Zuſtande man oft nach einigen Jahren der Ehe die feinſten, zierlichſten Mäd⸗ chen wiederfindet. Unſchön, verwahrloſt in allen häuslichen Beziehungen, offenbaren ſie überall den Mangel an praktiſcher Gewandtheit, an richtiger Eintheilung, an Sachkenntniß, und ſelbſt der beſte Wille, das hingebendſte Beſtreben reicheu oft nicht aus, ſchon in den erſten Jahren der Ehe, welche ja grade die ſchönſten, die poetiſchſten ſein ſollen, jenes Wohlbehagen, jenen Frieden hervorzurufen, die in einer wohlgeordneten Häus⸗ lichkeit ſo zauberhaft wirken. Möchte doch jedes Mädchen wiſſen, daß ſelbſt die noch ſo praktiſch Ausgebildete ihre rechte Noth hat, wenn ſie ihren eignen Haushalt allein übernimmt; wie muß es erſt werden, wenn die junge Frau zum erſtenmal, mit dem Kochbuch in der Hand, in der Küche erſcheint und ihre Experimente beginnt! Ein Kochbuch iſt ein treffliches Ding für Solche, die zu kochen verſtehen, aber allein daraus lernen kann es Niemand, ebenſo⸗ wenig wie derjenige Oekonom eine Ernte erzielt, der ſeinen Acker nur nach Büchern beſtellt. Wehe darum dem Gatten und den Kindern, welche jahrelang die verunglückten Reſultate einer zu ſpät erlernten Weisheit verzehren müſſen! Man wird entgegnen, es gibt tüchtige Mägde genug, welche dieſem Mangel abhelfen. Aber welche Bewandtniß es mit einer Haushaltung hat, die allein von den Fähigkeiten der Dienſtboten abhängt, iſt hinlänglich bekannt, und wie viele Haushaltungen gibt es im Mittelſtande, in denen man nur —. —. über ein einziges Dienſtmädchen zu verfügen im Stande iſt, welches dann unmöglich alle Obliegenheiten des Hausweſens allein zu erfüllen vermag. Und wie ſteht es denn meiſt mit dieſen armen Geſchöpfen ſelbſt. Wie ſelten findet ſich Eine, die außer der Kenntniß der gröberen Arbeiten, noch die Fähig⸗ keit beſitzt, ein Hausweſen ſo zu beſorgen, wie es nothwendig iſt. Wie ſollte es denn auch in ihren dürftigen, beſchränkten Verhältniſſen für ſie möglich geweſen ſein, ſich die Einſicht und den Ordnungsſinn anzueignen, welche der eignen Gebie⸗ terin mangeln und deren Erziehung ihr doch ſo viel leichter dieſe hätte verleihen können. Eine Haushaltung, welche auf die Talente der Dienſt⸗ boten angewieſen iſt, erſcheint uns immer wie ein Schiff auf ſturmbewegter See. Wenn das Dienſtmädchen zufälligerweiſe gut kochen kann, ſo ißt man gut, iſt ſie von ſelbſt reinlich und ordnungsliebend, dann zeigt es ſich auch im Haushaltu. ſ. w. Aber wenn dieß nun nicht der Fall, und er iſt es ſo häufig, wie dann? Wo iſt die feſte Hand des Steuermanns, der un⸗ bekümmert um ſeine Gehülfen das Ruder lenkt und das Schiff ſeinen ſichern ruhigen Gang vorwärts führt? Dies muß die Stelle der Hausfrau ſein, dort muß ſie ſtehen, unverrückt, unerſchrocken und ſtark. Es iſt dabei nicht nöthig, daß ſie Alles ſelbſt thue, ihre Hand in Alles miſche— im Gegen⸗ theil, ſie wird Jedem ſein Geſchäft, Jedem ſeinen Weg an⸗ weiſen und nur darauf achten, daß das Rechte zur rechten Zeit geſchehe. Aber dazu muß ſie das Verſtändniß davon haben, muß jede Arbeit ſelbſt kennen, muß genau wiſſen, wie das Räderwerk des Haushalts in einander zu greifen hat, und nicht erſt in der Noth und dem Drang des Moments wird dies gut und richtig erlernt. Jedes Mädchen trage die Baſis dazu in ſich, und es wird ihr ein Leichtes ſein, darauf den Tempel der häuslichen Zufriedenheit aufzubauen. Deſſen Säulen ſind: Ordnung, Reinlichkeit, Sparſamkeit und richtige Eintheilung! Wo eine dieſer Säulen fehlt, da mangelt eine wichtige Stütze im häuslichen Gebäude, wo ſie aufgerichtet ſtehen, da wölbt ein feſtes Dach ſich darüber hin, ſei es nun von Stroh oder glänze es von Gold, und die Frau, welche darunter waltet, iſt nicht Magd, ſondern Prieſterin!— Manche Pädagogen wollen behaupten, es ſei gewagt, das gebildete Mädchen mit häuslichen Dingen zu beſchäftigen, weil dadurch ihr Sinn leicht roh und gemein werde. Wir fragen: warum? und können darin wieder nur jenen krankhaften Be⸗ griff von der Beſtimmung des Weibes erblicken, welcher will, daß ſie nur blühen, nur glänzen, nur Staffage im Leben ſein ſoll, kein lebendiges wirkſames Glied desſelben. Beſteht nicht die höchſte, wahrſte Lebenskunſt darin, auch das Unreinſte be⸗ rühren zu können, ohne ſich ſelbſt zu beſudeln? Davon je⸗ doch iſt hier nicht einmal die Rede, und wir behaupten, daß eine Küche ſo wenig gemein und unäſthetiſch iſt, als ein Ge⸗ ſellſchaftsſalon, ja, daß ſie in vieler Hinſicht oft reiner und würdiger ſein kann als dieſer. Es kommt ja nichts auf die Dinge ſelbſt an, ſondern nur auf den Gedanken, welchen wir damit verbinden. Eine verſtändige, würdige Mutter, welche ihre Töchter ſelbſt in den häuslichen Arbeiten zu unterrichten im Stande iſt, hält ſchon durch ihre bloße Gegenwart und ihr Beiſpiel jeden Gedanken 6 1 5 * 3 an Gemeines oder Untergeordnetes fern, und was den dabei unvermeidlichen Verkehr mit den Dienſtboten betrifft, ſo ſind des Mädchens geiſtige Bildung und der dadurch geweckte feinere Sinn ſchon allein genügend, ſie vor jeder zu weit getriebenen Vertraulichkeit zu behüten; und außerdem wird ſie jenen Um⸗ gang eben ſo wohl erlernen müſſen, wie alles Uebrige. Wie kann übrigens auch eine Beſchäftigung gemein ſein, welche zu dem ſchönſten Reſultate führt und ja eigentlich nur getrieben wird, um dieſes Reſultat herbeizuführen? Wir ver⸗ langen keineswegs, daß das Mädchen alle die groben Arbeiten ſelbſt thun ſoll, für welche ſie eine Gehülfin ſich verſchaffen kann. Dafür finden ſich immer Hände genug, aber die feine⸗ ren und mithin ſchwierigſten Geſchäfte des Haushalts auszu⸗ zuführen, dies brauchen ſelbſt die zarteſten Finger nicht als eine gemeine oder herabziehende Beſchäftigung zu ſcheuen. Iſt die Arbeit des Bildhauers gemein, der erſt durch unſäglich mühſame, mechaniſche Vorbereitungen den Marmorblock zube⸗ reiten muß, daraus er ſpäter die Geſtalt eines Gottes formt? iſt es die des Malers, der erſt ſeine Farben miſchen, ſeine Leinwand richten muß, ehe der ſchaffende Genius an's Werk geht? Daſſelbe Geſetz, welches Ueberwindung des rein Tech⸗ niſchen verlangt, ehe die Arbeit des poetiſchen Geiſtes beginnt, wiederholt ſich bei jeder Beſchäftigung des Menſchen, der kleinſten, wie der größten— warum nicht auch bei der Er⸗ füllung der häuslichen Pflichten? Und wir nennen einen wohl⸗ geordneten, vollkommnen Haushalt ebenſo gut ein Kunſtwerk als eine Marmorſtatue, ein Gemälde oder eine Symphonie, und die Frau, welche es herſtellt, ſteht an Verdienſt keinem — Künſtler nach. Was dem kurzſichtigen Blick als eine gemeine Beſchäftigung erſcheint, hebt uns grade über die Niedrigkeit und Proſa hinaus. Aber es muß Jedermann einleuchten, daß ein ſolches Kunſtwerk nicht ans einem Nichts entſteht, daß eine tüchtige Vorſchule dazu gehört, eigner guter Wille, eigne Er⸗ kenntniß deſſen, was Noth thut. Die bloße Geſellſchafts⸗ tournüre iſt ohne jeden Nutzen in Küche und Haus. Die graziöſeſte Tänzerin bewegt ſich plump und ſchwerfällig um den Kochheerd, wenn ſie zum erſtenmal davor ſteht und er ihr fremder iſt, als die verwickelten Touren einer Quadrille, die gewandteſten Finger auf dem Piano bringen ohne Uebung kaum die kleinſte mechaniſche Hülfeleiſtung in der Küche, oder am Nähtiſch, oder im Bügelzimmer zu Wege. Der Schön⸗ heitsſinn, welcher in der Geſellſchaft ſich offenbarte, wird er⸗ ſtickt im Schmutz des Alltaglebens und ſelten von dieſen weib— lichen Adepten wiedergewonnen, die zu ſpät das Gold der Arbeit ſuchen lernen, durch die dringende Nothwendigkeit dazu angetrieben, nicht durch die milde, leitende Hand einer ver— nünftigen Erziehung. Wie anders iſt es mit dem Mädchen, welches ſchon in die Ehe die Kenntniß deſſen mitbringt, was von ihr gefordert wird. Faſt jede Jungfrau, ſei ſie auch noch ſo flatterhaft, wird dieſes Band mit geſteigerten Gefühlen, mit einer Ahnung wenigſtens davon ſchließen, daß ihr nun höhere Pflichten bevorſtehen. Nie iſt für ein weibliches Weſen der Moment günſtiger, ſich auf eine höhere Stufe aufzu⸗ ſchwingen, eine ernſtere Einkehr in ſich ſelbſt zu halten, und wie häufig gehen die beſten Vorſätze einzig und allein an der Untüchtigkeit der jungen Frau zu Grunde! Die Grazie „———— flieht von einem Herde, wo alle Bedingniſſe zu ihrer Pflege fehlen. Aber wie gerne weilt ſie da, wo die geübte, ver⸗ ſtändige Hand der Hausfrau ihr eine wohnliche Stätte bereitet. Wer hat noch nie in ein ſolches Haus geblickt, ohne den ſtillen Zauber des Wohlbehagens zu empfinden, welcher dort alle Gegenſtände umfließt? Wir treten ein, wir fragen nicht dar⸗ nach, welcher Art ſind die Geräthe, die es ſchmücken, ob ſie einfach oder prächtig ſind, dies gilt Alles gleich, wir fühlen nur mit innerer Freude: Es glänzt die Wand, es ſchimmert das Gemach! und freundliche, zufriedne Geſichter ſchauen uns an, Harmonie weht ſelbſt aus dem Kleinſten uns entgegen, und wir wiſſen, daß ächtes Schönheitsgefühl und deſſen Baſis, praktiſche Tüchtigkeit dort ihren Wohnſitz erbaut. Aber noch einen Punkt müſſen wir grade hier in Be⸗ trachtung ziehen, nämlich den immer mehr überhand nehmen⸗ den geiſtigen Hochmuth der Frau. Gar Viele unter uns dün⸗ ken ſich zu gut für jede praktiſche Beſchäftigung, und doch wird das Leben immer ſchwieriger, immer complieirter, und nur durch Sparſamkeit und Ordnung iſt noch die Exiſtenz von tauſend und aber tauſend gebildeten Familien möglich. Sicher⸗ lich gibt es viele Frauen, deren Intelligenz ſie allerdings dazu befähigt, ihre Zeit beſſer anzuwenden, als mit Kochen und Nähen, wenn man die Sache nur ſo oberflächlich betrachtet. Aber warum ſoll ihre größere Intelligenz ſie von der Ver⸗ pflichtung einer Lehrzeit freiſprechen? Wenn in ſpäteren Jahren ſich die Verhältniſſe eines weiblichen Weſens in einer oder der andern Weiſe feſtgeſtellt haben; wenn ſie keine näheren Pflichten dadurch verletzt und ſich dann einer nur geiſtigen Beſchäftigung oder einer Kunſt zuwendet, ſo hat ſie gewiß das größte Recht dazu. Aber es iſt Thatſache, daß die intelligen⸗ ten Frauen ſich eben ſo gern verheirathen wollen, wie die Dummen, und dann liegt ihnen die häusliche Pflicht unbedingt am nächſten. Eines folgt hier aus dem Andern, und grade die intelligente, die mit höherem Schönheitsgefühl begabte Frau muß hier ein Beiſpiel geben. Ihr Geiſt kann ſie vom Praktiſchen unmöglich freiſprechen, denn es ſteht geſchrieben: Wo viel gegeben iſt, da wird auch viel gefordert! Die be⸗ gabten Frauen, welche in der Alltäglichkeit untergehen, ſind meiſt durch ihre eigne Untüchtigkeit ſelbſt daran Schuld. Wir dürfen hier an Hölderlin's Worte im Hyperion erinnern:„Tauſendmal habe ich in meiner Herzensfreude ge⸗ lacht über die Menſchen, die ſich einbilden, ein erhabner Geiſt könne unmöglich wiſſen, wie man ein Gemüſe zubereitet. Dio⸗ tima konnte wohl zur rechten Zeit recht herzlich von dem Feuerherde ſprechen, und iſt gewiß nichts edler als ein edles Mädchen, das die wohlthätige Flamme beſorgt und, ähnlich der Natur, die herzerfreuende Speiſe bereitet!“ O, gewiß keine geiſtig noch ſo hochſtehende Frau braucht ſich der mecha⸗ niſchen Arbeit zu ſchämen, welche ihrem Geſchlecht im großen Haushalt des Lebens zugetheilt iſt, und grade ihre geſteigerte Intelligenz wird ſie dazu befähigen, die äußeren Dinge ganz anders aufzufaſſen, als die arme Magd, welcher in ihrer dürf⸗ tigen Heimath nie die Mittel geboten waren, Reinlichkeit und Ordnung in unſerem Sinne zu erlernen. Die Talente einer begabten Frau werden uns erſt dann recht anerkennenswerth, wenn ſie es nicht verſchmäht, dieſelben auch im Intereſſe des as en⸗ die agt de vm on ge⸗ eiſt io⸗ em ich viß ha⸗ zen rte inz nd ner th, des 8 täglichen Lebens nutzbar zu machen. Die Welt kann am Ende beſtehen ohne Gedichte, ohne Muſik und Tanz, wenn es ſchon eine traurige Welt ſo wäre, aber ſie kann nicht beſtehen ohne die Befriedigung der täglichen Bedürfniſſe, und es iſt nicht möglich und wird nicht möglich werden, die materielle Arbeit in der Weiſe von der geiſtigen zu trennen, daß Erſtere nur den Unbefähigten, Letztere nur den Intelligenten zufällt. Darum ſtehe jede Frau an ihrem Platze, und gewiß wird die geiſt⸗ reichſte, die gebildetſte Frau auch den ſchönſten Haushalt orga⸗ niſiren, ſobald ſie die nöthigen Vorkenntniſſe dazu beſitzt und ſich klar über ihre Pflicht iſt. Dem Genie wollen wir hiemit keinen Weg vorſchreiben, aber man vergeſſe nicht, daß es gleich der Alve nur alle hundert Jahre einmal blüht und daß nicht jede Frau, welcher einmal ein geiſtiges Produet ge⸗ lungen, ſich nun berechtigt glauben darf, jeder praktiſchen Pflicht ungeſtraft aus dem Wege zu gehen. Und hat nicht ſelbſt die geiſtreichſte Frau oft Momente innerer Muthloſigkeit, iſt ihr Herz denn immer befriedigt von den Erfolgen, welche dem Ehrgeiz, der Eitelkeit ſchmeicheln? O nein, es gibt gewiß im Leben faſt jeder gebildeten Frau Augenblicke, wo die kleinſte praktiſche Hülfe, die ſie Andern zu leiſten vermag, ihr mehr werth iſt als irgend ein geiſtiger Erfolg. In den Stunden des Zweifels, der Schwäche iſt es oft ein unſchätzbarer Troſt, nach mechaniſchen Dingen greifen, ein augenblickliches Reſultat ſeiner Thätigkeit vor Augen haben und ſich ſelbſt ſagen zu können: Wenn auch mein beſtes und höchſtes Streben unerreicht bleibt, kann ich doch noch Wohl⸗ ſein und Behagen um mich her verbreiten, kann die mir Nächſt⸗ ſtehenden beglücken und erfreuen; was braucht es der Welt, was braucht es äußerer Anerkennung, um zufrieden und mit ſich ſelbſt in Ordnung zu ſein? Ja, ihr Frauen, in den häuslichen Pflichten beſitzt ihr eine Anregung, eine Quelle der Kraft, deren der ſo häufig von euch beneidete Mann gewöhnlich entbehrt. Scheitern ſeine Beſtrebungen, wie troſtlos und verlaſſen ſteht er da, denn ſie enthalten die Summe ſeines Wiſſens und Könnens. Aber euch bleibt im Hauſe ein ſtilles, friedliches Feld, auf das ihr euch ſelbſt nach den härteſten Täuſchungen zurückziehen, auf dem ihr wirken und ſchaffen und etwas Tüchtiges ſein könnt. Im Ausruhen des Geiſtes bei den häuslichen Geſchäften findet dieſer zugleich ſeine Friſche, ſeine Spannkraft wieder, und das was ihr für herabziehend oder entwürdigend haltet, gibt euch im Gegentheil die verbrauchte Kraft zurück, gleich jenem Rieſen, dem die heilige Berührung der Muttererde immer wieder neue Stärke verlieh. Alſo, Ueberwindung der Proſa, damit das wirkliche Reich der Poeſie beginne! und ſo ſchließen wir dieſe Betrachtung mit Gellert's wahren und innigen Worten: Das Publikum als Autor unterrichten Mit Geiſt und Anmuth iſt zwar ſchwer; Jedoch ſein Haus von allen ſeinen Pflichten Als Mutter und als Frau und täglich unterrichten Durch Wort und Beiſpiel, das iſt mehr! ——— E. — lt, nit hr„ ig ne ſie er Die Handarbeit. u t. Sie ſitzet am Herde im Glanze des Feuers⸗ et Drehend der Wolle Geſpinnſt, meerpurpurnes“ d Wunder dem Anblick. bt Homer. m er Wir dürfen nicht von den praktiſchen Pflichten der Frau zu den geiſtigen übergehen, ohne auch jenes Theils weiblicher ch Beſchäftigung zu erwähnen, der ſchon zu Homer's Zeiten in it hohen Ehren ſtand— wir meinen die Kunſtfertigkeit mit der Spindel und Nadel. Die Fortſchritte der Induſtrie kommen auch der heutigen Frauenwelt auf dieſem Gebiete zu Gute, und wir brauchen nicht mehr gleich jenen Griechinnen und den Frauen der alten Germanen ſelbſt das Webeſchiff zu regieren und die Gewänder für die Genoſſen des Hauſes zu bereiten. Unſere Handarbeit hat längſt die Bedeutung und die Heilig⸗ keit verloren, welche jene Frauengemächer umgab, in denen ſelbſt die Königin, umringt von ihren dienenden Mägden, ſich einer Beſchäftigung hingab, welche die Befriedigung eines der — 30— erſten menſchlichen Bedürfniſſe erheiſchte. Aber die Kunſtfertig⸗ keit, welche Pallas gelehrt und beſchützte, können wir darum auch heute noch nicht entbehren, und ſie muß unbedingt in den Kreis der Dinge aufgenommen werden, welche jedes Mädchen erlernen ſoll, denn ſie bildet einen höchſt wichtigen Theil der praktiſchen Ausbildung. Die Hausfrau, welche nicht zu nähen verſteht, iſt eben ſo übel daran mit Erfuüllung ihrer Pflichten, als Diejenige, welche vom Kochen und ſonſtigen häuslichen Geſchäften nichts weiß. Die Möglichkeit einer Entfaltung des ächten Schönheitsſinnes duldet nirgends einen Mangel, und ſelbſt diejenige Hand, welche unter günſtigen Verhältniſſen vielleicht ſpäter nur noch die Nadel berührt, um eine künſtliche Stickerei zu fertigen, hat für uns durchaus keinen Werth, wenn ſie nicht eben ſo erfahren iſt in jenen Handarbeiten, welche zur Befriedigung der nothwendigſten Bedürfniſſe erfor⸗ derlich ſind. Aber auch abgeſehen davon, iſt die Ungeübtheit einer weiblichen Hand in dieſen Dingen für jede Einzelne ſelbſt höchſt beklagenswerth. Nichts macht abhängiger von Andern, als wenn wir nicht ſelbſt im Stande ſind, den klei⸗ nen Bedürfniſſen zu genügen, welche die weibliche Kleidung und der ihr entſprechende Sinn für das Schöne und Zierliche erzeugt. Die Zahl der Frauen und Mädchen, welche dafür auf ihre eigene Hände angewieſen iſt, überwiegt gewiß in großer Zahl diejenige, für welche fremde Arbeit in Anſpruch genommen wird, und es macht immer den peinlichſten Ein⸗ druck, wenn man ſieht, wie ein weibliches Weſen nur unge⸗ ſchickt, oder gar nicht mit der Nadel umzugehen weiß. Eben weil den Frauen für die Handarbeit ein nicht zu beſtreitendes te zu li r1 — Talent angeboren iſt, eben weil dieſe, wenn auch auf der un⸗ terſten Stufe der Künſte ſtehend, doch in ihrer Art ſich bis zum Kunſtwerk erheben kann, darf ſie von einer nach wirk⸗ licher Durchbildung ſtrebenden Frau gewiß nie vernachläſſigt werden. Aber auch ſie muß auf einer ſoliden Grundlage be⸗ ruhen. Den feinen Arbeiten muß ein tüchtiger Unterweis im Nähen und Stricken voraus gehen, und Hände, welche dieſe Beſchäf⸗ tigung ordentlich geübt haben, ſind in den meiſten Fällen auch zu jeder andern Arbeit geſchickt. Gewiß kann ein gutgeleite⸗ tes, fleißiges Kind bis zu dem Zeitpunkt, wo ſeine hinreichende Körperkraft deſſen Einführung in die ſtrengeren häuslichen Arbeiten erlaubt, alle Schwierigkeiten der Nadel überwunden haben. Uebrigens iſt dieſe Art der Beſchäftigung der weiblichen Natur ſo ganz zuſagend, daß wir auf dieſem Felde immer noch dem größten Fleiße und der größten Thätigkeit begegnen, ſo daß faſt großer Muth dazu gehört, den ehrlichen Strick⸗ ſtrumpf der Männerwelt gegenüber noch in Schutz zu nehmen. Sie iſt auch ohne Zweifel die wenigſt Anſtrengende und be⸗ günſtigt am meiſten den Hang ſo vieler Frauen zur Träumerei und einer gewiſſen Gleichgültigkeit ernſteren Beſchäftigungen gegenüber; aber darum möchten wir auch nirgends mehr der Frau ein gebieteriſches Halt zurufen, als bei einer Beſchäfti⸗ gung, die, in den Gränzen der Nothwendigkeit, herr⸗ lich und achtungswerth, darüber hinaus zu einer wahren Plage und Calamität wird. Der Himmel behüte uns vor jenen Frauen, die nur noch Sinn für ihre Näh— oder Stickarbeit haben und über dem Strickzeug alles Uebrige vergeſſen. Er behüte uns vor jenem weiblichen Fleiß, der, unbekümmert um die Web⸗ ſtühle unſerer Induſtriellen, ſich abmüht, ellenlange Stoffe zu erfinden, welche die Maſchine viel billiger und ſchöner liefert. Was dagegen eine Maſchine nicht bieten kann: gut genähtes Weißzeug, eine weiße oder bunte Stickerei, ein paſſendes Kleid, darauf ſollte in dieſer Richtung die weibliche Wirkſam⸗ keit ſich beſchränken und die gehäkelten Vorhänge und geſtrick⸗ ten Decken u. ſ. w. unſern Müttern und Großmüttern über⸗ laſſen, deren geſchwächtes Auge und mattere Hand mit mehr Recht dieſen Spielereien ſich zuwenden darf. Wenn alle die Zeit, welche für völlig nutzloſe Handarbeiten verſchwendet wird, zu nützlichen Dingen, zur Ausbildung des Geiſtes, zur Fertigkeit in den wirklich ſchönen Künſten, zur Thätigkeit im Hausweſen verwendet würde, wir könnten er⸗ ſtaunliche Reſultate erleben. Man raube doch nicht dem Geiſtigen die Zeit, welche das Praktiſche ungeſtraft frei läßt, man ſtrebe immerfort nach dem Höhern, ohne das Kleine zu verachten; dann werden unſre Mädchen gewiß nie dieſen geiſttödtenden, langweiligen Arbeiten verfallen, welche der Geſundheit ſchaden und dem Geiſt mehr als jede andere mechaniſche Beſchäftigung den Stempel tödtlichſter Langeweile aufdrücken. Wir können jedoch dieſe Betrachtungen über die praktiſchen Pflichten der Frau nicht abſchließen, ohne zuvor deren wich⸗ tige, moraliſche Seiten in's Auge gefaßt zu haben. Es iſt gar nicht zu läugnen, daß eine geregelte mechaniſche Beſchäf⸗ tigung auch den größten Einfluß auf die geiſtigen Eigenſchaften der Frau gewinnt. Es entwickelt ſich daraus Klarheit, Einſicht uns eb⸗ zu ert. tes des am⸗ rick⸗ ber⸗ tehr iten des zur er⸗ igen rebe ten; den, den ung chen ich⸗ iſt ften ſicht ein richtiges Denken, wo wir ſonſt wohl oft nur das Gegen⸗ theil gefunden hätten. Kein Geſchäft iſt mehr dazu geeignet, die Eigenthümlichkeit der Frau, die es betreibt, wiederzuſpie⸗ geln, als das Kochen. Es iſt dies keineswegs eine ſo geiſt⸗ loſe Arbeit, wie man ſich gerne vorſtellt; es gehört dazu mehr Gewandtheit, Geſchick, Geduld und Ueberlegung als zu jedem andern häuslichen Geſchäft und vor allen Dingen ein ver— nünftiges Maßhalten, ohne welches nie eine gute Speiſe ge— deiht. Was dem Manne das Studium der Logik, erſetzt uns Frauen faſt eben ſo gut die praktiſche Wiſſenſchaft der edlen Kochkunſt, und wir behaupten alles Ernſtes, daß die Zer⸗ fahrenheit und Unſicherheit ſo mancher unſerer talentvollen Frauen nur daraus entſpringt, daß ſie nie daran gewöhnt waren, eine Sache mit Ruhe anzufaſſen, mit Geduld fortzu⸗ führen und ihr mit weißer Mäßigung die Zeit zu ihrer Ent⸗ wickelung zu laſſen. Die kluge Hausfrau, welche ihren Pud— ding oder Kuchen nach allen Regeln der Kunſt ſich entfalten und geſtalten läßt, dürfte mancher geiſtreichen Mitſchweſter, die ihr Geiſtesprodukt nicht ſchnell und nicht unreif genug auf die öffentliche Tafel bringen kann, ein nachahmenswerthes Vorbild ſein. Aber es iſt auch noch beſonders im Intereſſe der Huma— nität, daß wir von der Frau praktiſche Ansbildung ver— langen. Die neueſte Zeit hat das Loos der dienenden und arbeitenden Klaſſe gegenüber den weiblichen Arbeitgeberinnen oft in Betracht gezogen, und mit Recht wird die Härte und Ungerechtigkeit, der wir hier ſo häufig begegnen, bloßgeſtellt und gegeißelt. Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 3 5 Aber wir fragen uns, wie kommt es denn, daß die zar⸗ teſten weiblichen Geſchöpfe ſo häufig in dieſem Punkt den ent— ſtellendſten Fehlern verfallen? Sie, die über eine rührende Muſik Thränen vergießen, die für alles Hohe und Schöne ſchwärmen, warum erblicken wir ſie plötzlich hart, anſpruchsvoll im Verkehr mit den Untergebenen und Dienſtleiſtenden? Ent⸗ ſpringt dieſe Disharmonie lediglich aus einer kalten, egviſtiſchen und verbildeten Seele, iſt die Gutmüthigkeit, die ſich Freun— den und Kindern gegenüber zu erkennen gibt, bloße Heuchelei und Schönthuerei? Was ſind das für wechſelnde Geſchöpfe, die uns in ihrem Empfangzimmer durch ihre Freundlichkeit bezaubern und uns in der Küche, im Bügelzimmer, der armen Magd oder Näherin gegenüber, das Blut vor Entrüſtung kochen machen? Die wahre, ächte Herzensbildung beſitzen ſie freilich nicht, denn dieſe bewährt ſich allenthalben, aber ſie ſind doch nicht ſo ſchlimm, wie ſie ſcheinen. Es iſt gewiß häufiger Unkenntniß der Sache als innre Härte, die ſie zu ſolchen häß⸗ lichen Ausbrüchen verleitet. Wie ſoll die Frau, wie ſoll das junge Mädchen gerecht ſein, Dienſtleiſtungen gegenüber, von deren Ausübung ſie kaum eine Ahnung hat? Die Hand, welche es empfunden, wie viel Mühe es koſtet, eine Hemde zu nähen, wird ſelten widerſtrebend der armen Näherin den Lohn dafür hinzählen, ſie wird im Gegentheil die Arbeit nach ihrem wah⸗ ren Werth belohnen, denen gegenüber, welche den Preis der Arbeit herabzudrücken ſuchen und dadurch eine der größten Grauſamkeiten an der arbeitenden Klaſſe begehen. In dieſem Verhältniß könnte die Frau unendlich viel zu einer vernünf⸗ tigen ſveialen Entwickelung beitragen, wenn ſie auch ihrerſeits der zuf die ein we M es wi hi let M tiſ ni ei h un zar⸗ ent⸗ ende 5 höne, voll Ent⸗ ſchen eun⸗ helei pfe, hkeit men tung ſie ſind figer häß⸗ das von elche hen, afür vah⸗ der ßten eſem ünf⸗ ſeits v den Werth der mechaniſchen Arbeit durch den ihrentſprechen⸗ den Lohn wieder auf das richtige und ihr gebührende Maß zurück⸗ zuführen ſuchte. So gedrückt und im Werth geſunken wie die weibliche Handarbeit, iſt im Augenblick wohl kaum noch eine Andre; damit zugleich wird die Moralität der arbeitenden weiblichen Klaſſe am meiſten untergraben. Nicht allein die Menſchlichkeit, auch die Selbſtachtung des Geſchlechtes erheiſcht es, daß die weibliche Arbeit von den Frauen zunächſt, richtiger ge⸗ würdigt und belohnt werde. Die Sparſamkeit, welche ſich hierin offenbart iſt ſchlecht am Platze und dürfte bei der Toi⸗ lette und andern äußeren Dingen beſſer angewendet ſein. Dies Mißverſtändniß wiederholt t ſich in allen Fällen, wo die prak⸗ tiſch unwiſſende Frau fremde Hülfe in Anſpruch nimmt. Wer nicht ſelbſt zu kochen verſteht, kann ſeiner Köchin nicht vor⸗ ſchreiben, wie viel ſie verbrauchen darf, wer keine Idee von einer geregelten Haushaltung hat, kann nie den Umfang der häuslichen Bedürfniſſe überſehen und wird immer hier oder dort iech ſein, wo ſeine ungeſchickte Hand einzugreifen nverſucht. Dieſe Unkenntniß hat ſchon mancher Hausfrau, die nur nach Sperenitei trachtete, den Ruf einer Geizigen verſchafft oder ſie auch wirklich dazu gemacht; dieſe Unkenntniß führt tauſend Andere zu einer Verſchwendung, vor der ſie ſich ent⸗ ſetzen würden, wenn ſie plötzlich mit allen ihren Folgen vor ihnen ſtünde. Auf dieſer Unkenntniß beruht, hoffen wir es zum Beſten des weiblichen Geſchlechts, gewiß die Hälfte, ja das Meiſte von jener Reihe kleiner Bedrückungen, das Leben der arbeitenden Klaſſe oft zur Hölle machen. Die Leiſtungen Anderer kann man dann nur ſchätzen, wenn man deren Werth 3 6 zu beurtheilen verſteht. Aber was weiß das junge Mädchen, das faſt nie eine Nadel berührt, das nur in den Tag hinein lebt, wie viel Stunden ſauren Fleißes an ſeiner Balltvilette kleben? was weiß es als junge Frau, wie ſchwer es oft dem einzigen Dienſtmädchen wird, das ſeine Verhältniſſe ihm viel— leicht zu halten erlauben, allen Anforderungen zu genügen, die eine aus Unkenntniß himmelhohe Prätenſion an daſſelbe ſtellt? Von dieſem Standpunkt aus betrachtet, ſollte ſchon allein im Hinblick auf die Menſchlichkeit, ſelbſt das hochgeborenſte Fräulein nicht freigeſprochen werden von einem Erziehungseurs, wie wir ihn hier für die Mittelklaſſen im Sinne haben. Es würde Manche unſerer anſpruchsvollen Damen vor ſich ſelbſt erſchrecken, wenn ſie's wüßte, wie hartherzig, wie karg ſie ſich Denen gegenüber zeigt, welche ihr den Blumenteppich bereiten, auf dem ſie läſſig durch's Leben wandelt. Die Zeiten ſind vorüber und werden nicht wiederkehren, in denen die Hausfrau im Kreis ihrer Mägde vom Morgen bis zum Abend webte und ſpann, aber die ſchlichte Einfalt, die Humanität, welche in jener Sitte lag, ſie ſollten zurückkommen. Und ſie würden es, ſobald das Dienſtmädchen, die Büglerin, die Nä⸗ herin nicht Selavinnen, ſondern Gehülfinnen in dem Hauſe wären, wo die Hausfrau, die Töchter ſich nicht ſcheuen und im Stande ſind, überall ſelbſt mit Hand anzulegen, wo ſie för⸗ dernd eingreifen, ein Beiſpiel gebend, imponirend durch ihre bloße Gegenwart und Kenntniß der Sache, und milden Sinnes ſind, weil„die Mühſal des Erwerbens“ ihrem Geiſte ſtets gegenwärtig bleibt.— ———— — e. — chen, inein ilette dem viel⸗ die ellt? nim ulein wir ſich karg pich eiten die bend ität, d ſie Nä⸗ auſe im för⸗ ihre mes ſtets Die geiſtige Erziehung. Kenntniſſe ſind die einzige Macht, die man ſich verſchaffen kann, wenn man ſie nicht hat, Macht iſt Kraft, und Kraft iſt Alles.— Rahel. Beſſeres find' ich nicht, wie ich auch wähle, Als in ſchöner Form die ſchöne Seele! Wenn wir uns vorhin bemühten, die ſchöne Form der Häuslichkeit in ihrer erreichbaren Vollkommenheit zu ſchildern, ſo müſſen wir jetzt ausführen, wie dieſe Form ſich doch da erſt geſtaltet, wo der verklärende Hauch geiſtiger Bildung weht. agten, daß der Wir haben gewiſſermaßen anticipirt, indem wir ſ ächte Schönheitsſinn ſich nur auf einer gediegenen, materiellen Baſis entfalte; denn wie wahr dies auch iſt, muß doch noch ein Höheres, muß noch die ſchöne Seele hinzutreten, ohne welche die ſchönſte Form inhaltlos und ohne Werth bleibt. Dieſe innere Schönheit kann aber ebenſo nur aus einer gediegenen geiſtigen Bildung entſpringen, gleichwie die äußere ſchöne Form der praktiſchen Kenntniſſe bedarf. Der angeborene — 38— zärtere, weibliche Inſtinkt genügt nicht allein, und wie oft man auch ſchon die natürliche Güte auf Koſten der Bildung gelobt hat, ſo reicht ſie doch keineswegs dazu aus, die möglichſt voll⸗ endete Frau, und beſonders die Frau für unſere Zeit, zu ent⸗ wickeln. Man hat häufig die Anſicht ausgeſprochen, daß das Wiſſen der Frau ihren höchſten Reiz abſtreife, daß ſie reiner, einfacher, natürlicher fühlen würde, wenn ſie man nur ihrer un⸗ gekünſtelten Denkungsart überlaſſe. Dieſe Anſicht iſt ſchon da— rum falſch, weil die geiſtigen Anlagen unläugbar zwar vor⸗ handen ſind, dieſe aber zu ihrer Entwickelung nothwendig der Nahrung und Bildung bedürfen und ſich nur zu gerne dem Ge⸗ meinen und Alltäglichen, der Intrigue und der Klatſchſucht zuwenden, ſobald man ihnen den Weg zum Größeren und Schöneren abſchließt. Selbſt die beſte Frau wird in den Aeußerungen ihrer Güte immer einſeitig bleiben, wenn ihr jede geiſtige Ausbildung und Einſicht mangelt. Daß die Dichter grade in den niederen Sphären des Lebens oder bei mehr primitiven Völkern weibliche Ideale aufgeſtellt, wo die innere, urſprüngliche Schönheit und Ein⸗ falt ohne jede äußere Zuthat in der herrlichſten Geſtalt er⸗ ſcheint, beweiſt nur, wie rein, wie unverdorben die Seele der Jungfrau aus der Hand der Natur hervorgeht.„Sie ent⸗ fallen“, nach Jean Paul's Wort,„dem Himmel wie Blüthen, aber mit den weißen Knospen werden ſie in den Erdenſchmutz getreten und liegen oft beſudelt und erdrückt in den Tapfen eines Hufes!“ un handelt es ſich aber nicht darum, Dichterideale zu erziehen, ſondern Naturen, welche im Stande ſind, im wirk⸗ — lick tra h5 da lio we man lobt ll⸗ ent⸗ das ner, un⸗ da⸗ or⸗ der Ge⸗ ucht und den ede des ale in⸗ er⸗ der nt⸗ en, mtz fen lichen Drängen des Lebens unerſchüttert dazuſtehen. Der Dichter zeigt uns ſeine Geſtalten im Kampf mit den großen, tragiſchen Conflieten des Lebens, und von jeher lagen die höchſten Gipfel ſeines Ruhmes da, wo es ihm gelang, durch das bloße Vorhandenſein der reinſten Schönheit einer weib⸗ lichen Seele die gährenden Elemente der Leidenſchaft zu über⸗ wältigen und zu verſöhnen. Das tägliche Leben zeigt uns ein anderes Bild. Die Stoffe zu Gretchen, zu Sakontala's, zu einer Iphigenia und Antigone finden ſich wohl noch überall zerſtreut, und wo große Momente an eine weibliche Seele herantreten, da können wir auch heute hier oder dort, vielleicht ganz in unſerer Nähe, jenen Ausdruck weiblicher Tugend und Größe erblicken, der uns in den Gebilden des Dichters entzückt. Aber der große Moment, der das Herz über ſich ſelbſt hinaus hebt und das größte Opfer, die höchſte Leiſtung nur als den natürlichſten Ausfluß der inneren Wahrheit und Schönheit hervorruft, dieſer Moment kommt in der Wirklichkeit ſelten oder nie vor, ſo wie der Dichter ihn träumte, und wie wir ihn nachempfinden. Unausbleiblich dagegen ſind die kleinen Momente, die nagende Sorge und Anforderung jedes wiederkehrenden Tages, die zahlloſen unbedeutenden Opfer, welche in Atomen nach und nach den ganzen Reichthum erſchöpfen, der, auf einmal geſpendet, die Welt in Bewunderung verſetzt haben würde und ſo oft kaum von dem Nächſtſtehenden gewürdigt wird. Dann kommen die Augenblicke, welche die weißen Blüthen⸗ knospen in den Staub treten, und Moraliſten achſelzuckend 5 von der ſchwachen und zerbrechlichen Natur des Weibes reden laſſen. Ja, zart iſt ſie wirklich und weich, ebenſo häufig leicht⸗ ſinnig und flatterhaft, aber darum braucht ſie kräftiger Stützen, die in ihr ſelber wurzeln, und die bloße mechaniſche Arbeit reicht dazu lange nicht aus, die geiſtige Thätigkeit und das geiſtige Intereſſe allein machen ſie innerlich frei und ſtark. Wir wollen darum zwar keine Gelehrſamkeit für die Frau, aber jene Bildung, welche wirklich die reine Herzensgüte verleiht, weil ſie den Geiſt aufgeklärt und vorurtheilsfrei gemacht hat. Das zufällige Wohlwollen, die zufällige Güte haben nur einen ſehr geringen Werth; zu keiner Stunde des Tages es vergeſſen, liebevoll und gerecht zu ſein gegen Jedermann, das erſt iſt der wahre Ausdruck eines wirklich guten Herzens. Aber wie viel! auch heutigen Tages für die Bildung der Frau geſchieht, hat ſie ſchon häufig dieſes Ziel erreicht? Empfängt das Weib auch wirklich die Bildung zu einem höheren Zweck? gibt ſie ihrer Seele die Würde, ihrem Geiſte die Aufklärung, die allein das Herz erleuchten und befruchten können und es dadurch zu be⸗ wußter Güte, zu ununterbrochenem Wohlwollen befähigen? Es bleibt in dieſer Hinſicht noch viel zu wünſchen und viel zu thun übrig, und dies kann ſich auch nur dann ändern, wenn bei der weiblichen Heranbildung einzig und allein dieſer höchſte Zweck in's Auge gefaßt, jeder Gedanke an äußeren Glanz und äußeres Prahlen aufgegeben wird. Denn:„Wenn ich Berge verſetzen könnte und wüßte alle Geheimniſſe und hätte alle Erkenntniſſe und hätte der Liebe nicht, ſo wäre ich ein tönend Erz und eine klingende Schelle!“ Aber was ſind — „— reden eicht⸗ tzen, rbeit das tark. aber weil Das inen ſſen, t der viel hat auch hrer das be⸗ und ern, eſer eren enn und ich ſind ſie denn oft mehr als eine klingende Schelle— jene halb⸗ gebildeten Damen, die von Allem Etwas und von Nichts et⸗ was Rechtes wiſſen, die nie einer Sache auf den Grund gehen, ſondern ſich nur ſo viel darum bekümmern, um oberflächlich darüber ſchwatzen zu können. Dieſen gegenüber müſſen wir der Anſicht vic.. Männer beiſtimmen, die ein einfaches, natür⸗ liches, wenn auck ungebildetes Mädchen den Geiſtreichſten ihres Geſchlechts vorziehen. Das Nächſte, was die geiſtige Erziehung der Frau an⸗ ſtreben muß, iſt das, gediegene Kenntniſſe mit Einfachheit und Liebenswürdigkeit des Charakters zu verbinden. Auf ein Bischen mehr oder weniger Wiſſen kommt es dabei weniger an, als darauf, wie wir es wiſſen und was dieſes Wiſſen aus uns gemacht hat. Man habe noch ſo viel gelernt, es gibt immer Jemand, der noch mehr weiß; man kann ſehr gelehrt und doch ſehr engherzig, ſehr bücherweiſe und doch aller Vorurtheile voll ſein. Die Frau hat im Lernen einen großen Vorzug vor dem Manne voraus; er muß mit ſeinem Studium immer einen gewiſſen äußeren Zweck verbinden, die Frau, welche ſich nicht entſchieden dem Lehrfach widmet, darf manche poſitiven Details wieder vergeſſen, ſobald ſie nur den allgemeinen Inhalt der⸗ ſelben ſich angeeignet hat, ſie darf die Form zerſchlagen und braucht nur den Geiſt des Dinges in ſich aufzunehmen. So iſt ſie gebildet, ohne gelehrt zu ſein; wir erblicken ſie mit Wohlbehagen und Freude auf der höheren geiſtigen Stufe, und die Einfachheit und Beſcheidenheit, welche die mit feinem Geſchmack begabte Frau ſtets zieren, vermeiden es den Pfad zu zeigen, auf dem jene Stufe erreicht worden iſt. Es wäre Vermeſſenheit, ſagen zu wollen: Dies und Jenes darf und braucht eine Frau nicht zu wiſſen und zu lernen. Talente, Liebhaberei, Verhältniſſe können darüber allein beſtimmen. Wohl aber wird es erlaubt ſein, eine Linie zu ziehen und zu ſagen, darunter dürfen die Kenntniſſe keines Mädchens aus den ſogenannten gebildeten Ständen ſtehen bleiben. Wir haben natürlich dabei nur die ernſteren Gegenſtände im Auge, die beſcheidneren aber gediegenen Kenntniſſe, die wir heute ſo häufig als Aſchenbrödelchen in den Hintergrund ge⸗ drängt finden, während die ſtolzen Salondamen Muſik, Sprachen, Zeichnen, ſich ungebührlich hervordrängen zu glänzen und zu prahlen. Aber ein Bischen franzöſiſch plaudern und einen ſchlecht ſtyliſirten, unorthographiſchen Brief ſchreiben, Lißt und Thal⸗ berg ſpielen und die Herven unſrer Litteratur kaum den Namen nach kennen, das iſt die ſtrafwürdigſte Zerſplitterung, die gränzenloſeſte Verwirrung, welcher der weibliche Bildungs— gang anheim fallen kann. Was unſren Mädchen zuerſt Noth thut, iſt eine ganz gründliche Kenntniß der Weltgeſchichte und ihrer Mutterſprache, der Geographie, der allgemeinen Naturgeſetze und der klaſſiſchen Litteratur des Vaterlandes. Wenn nicht mehr gelernt, nicht mehr gelehrt werden kann— gut, es genügt, wenigſtens Nachdenken zu wecken, Klarheit zu geben, dem Geiſte eine beſtimmte Färbung zu verleihen. Was hilft es, wenn nicht das geiſtige Bedürfniß nach Mehr, wenig⸗ ſtens nach Erhaltung des Gelernten geweckt, wenn nicht die Möglichkeit gegeben iſt, auf ein ſicheres, inneres Fundament — wei Re der gri ſtre Ge niſ ſpe wi tã eir ha da weiter zu bauen und an das Erlernte anzuknüpfen, damit jenes Reſultat erreicht werde, daß ſelbſt die vielbeſchäftigte Frau in den Jahren, wo die Sorgen um Familie und Haushalt am größten ſind, doch kein höheres Vergnügen, keine beſſere Zer⸗ ſtreuung kennt, als die, ein gutes Buch zur Hand zu nehmen, Geiſt und Herz an ihm zu ſtärken und ſich die nöthigen Kennt⸗ niſſe zu erhalten, welche ſie befähigen, ihren Kindern auch ſpäter geiſtig zur Seite zu ſtehen! Ein oberflächlicher, unent⸗ wickelter Verſtand hat ja gar nicht die Fähigkeit, ſich am Schönen und Beſſeren zu erfreuen, er muß der platteſten All⸗ täglichkeit anheim fallen, oder kann ſich höchſtens noch an einem mittelmäßigen Roman erfreuen, und der Letzteren Ueber⸗ handnahme beweiſt am beſten und traurigſten, wie groß ſtets das Verlangen nach ſolcher Waare iſt. Fremde Sprachen und Künſte haben nur dann Werth, wenn ſie auf der gediegenen Baſis ruhen, welche wir vorhin angedeutet haben. Gewiß ſollte man da, wo es die Verhält⸗ niſſe der Eltern und die Anlagen des Mädchens erlauben, es nicht verſäumen, es wenigſtens Muſik und eine fremde Sprache erlernen zu laſſen. Leider ſind aber die Anforderungen, welche man jetzt gerade an jene Kunſt ſtellt, ſo enorm geworden, daß ſie kaum mehr zum Hausgebrauch taugt. Sie verſchlingt faſt jedes andere geiſtige Intereſſe und wird dadurch eben ſo ſehr zur Geißel, als ſie an ſich eine der unſchätzbarſten Gaben der Himmliſchen iſt. Man darf es ohne Ketzerei behaupten, daß ſie ſich als Erziehungsmittel viel zu breit macht und eine Zeit in Anſpruch nimmt, welche das Mädchen, wenn es ſich damit begnügen wollte, einfache Piecen zu ſpielen, viel beſſer und nützlicher anwenden könnte. Wo nicht ein großes Talent vor— handen, da iſt es gewiß Thorheit, des Tags fünf bis ſechs, oder auch nur drei Stunden am Piano zuzubringen, bloß um der Satisfaction willen, die Finger Sprünge und Läufe zu lehren, die ein genialer Componiſt vielleicht nur erfand, um ſeine Nachahmer zu verſpotten. Wem die Muſik Herzensſache iſt, wer ſie treibt, um dadurch der Seele ein Mittel des Aus⸗ drucks zu leihen, welches die Sprache ihr nicht mehr gewährt, dem iſt ihr Segen immer zur Hand, durch welchen Meiſter er ihr auch huldige. Wenn jedes Mädchen in dieſem Sinne der Muſik kundig wäre in einfacher, anſpruchsloſer Weiſe, nicht um damit in der Geſellſchaft zu glänzen, wer möchte dies tadeln oder verwerfen? Denn die Muſik iſt ohne Frage grade die Kunſt, welche der weiblichen Natur am meiſten entſpricht und zuſagt. Aber zur Erreichung dieſes Ziels genügt es, ſich eine bis zwei Stunden täglich damit zu beſchäftigen, ohne jene Kenntniſſe zu vernachläſſigen, welche dem Mädchen erſt mit Recht den Namen einer„Gebildeten“ erwerben. Es iſt nichts troſtloſer als eine Geſellſchaftsvirtuoſin, der alle nöthigen Be⸗ gleiterinnen einer muſikaliſchen Bildung fehlen. Mit den Künſten iſt es wie mit den häuslichen Beſchäftigungen; wie deren höhere Blüthe auch nur aus tüchtigen, praktiſchen Kenntniſſen hervor⸗ geht, ſo muß die Kunſt aus einer wahrhaft gebildeten Seele, einem feinen Geſchmack hervorwachſen, ehe ſie es beanſpruchen darf, Andere bewegen zu wollen. Was aber ſonſt kann dieſe Eigenſchaften verleihen als die Bekanntſchaft mit den ernſteren Bildungsmitteln? Die Geſchichte weckt den Sinn für das Wahre, die klaſſiſche Litteratur die Liebe und Begeiſterung für das * vor⸗ echs, um zu um ſache Aus⸗ ihrt, r er der nicht deln die und eine jene mit Be⸗ ſten here oor⸗ ele,. chen ieſe ren hre, das Schöne. Wir dürfen hier mit Recht auf jene alten italieniſchen Muſikſchulen zurückweiſen, die ihre Schüler mit der größten Strenge in allen Zweigen des allgemeinen Wiſſens unterrichten ließen, wodurch es allein möglich wurde, daß Sänger jener Zeit, zu unſerem jetzigen Erſtaunen, nicht nur im Stande waren, hohe Staatsämter zu erlangen, ſondern auch ſie auszufüllen. Unſtreitig iſt die Muſik noch die einzige Kunſt, welche, ihres großen Werthes wegen, es geſtattet, ſie auch mit geringen An⸗ lagen zu treiben, weil ein Weniges von ihr ſchon beglückt, und dies Wenige mit Beſcheidenheit erreicht werden kann ohne große Zeitverſchwendung, aber andere Künſte ſollte man doch das Mädchen nicht lehren, wenn nicht ganz beſondere Anlagen dazu vorhanden ſind. Die bloße Spielerei und Künſtelei muß ernſt⸗ lich aus der Erziehung verbannt werden, ſonſt kann nie Beſſeres erreicht werden. Das halbe Können und halbe Wiſſen aller möglichen Dinge iſt zu verderblich, als daß man es noch länger dulden ſollte. Im Gegenſatz zur Muſik, wo auch Weniges ſchon erfreut, ſollte man eine fremde Sprache nie lehren, wenn ſie nicht gründlich erlernt werden kann. Dazu muß ſchon dem Kinde begonnen, und der Unterricht muß jahrelang Viele Eltern, die ihre Kinder mit dreizehn oder vierzehn Jahren noch anfangen laſſen,„ein wenig fran⸗ zöſiſch zu lernen“ und nach zwei bis drei Jahren wieder damit aufhören, vergeuden Geld und Zeit ohne Nutzen. In eben ſo vielen Monaten iſt das mühſam Erlernte wieder vergeſſen, Fleiß und Liebhaberei zur Sache vorhanden mit fortgeſetzt werden. wenn nicht großer — ſind. Aber gründlich erlernt gewährt die Kenntniß fremder Bil Sprachen gewiß einen unendlichen Vortheil. bele Wie die Künſte mehr geeignet ſind, das Gemüthsleben hol zu erwecken, ſo wirkt das Studium der Sprachen für den gibt Geiſt belebend und ermunternd. Indem es den ganzen Geiſt ma einer fremden Nation durch die Kenntniß ihrer Litteratur er⸗ vor ſchließt, vermittelt es der Frau die reichſte Bildungsquelle ſelbſt ma da, wo ihrer Zunge die leichte Beweglichkeit fehlt, welche das Leb fremde Idiom wiederzugeben im Stande iſt. Lehrt das Mäd⸗ nac chen Sprachen, aber lehrt ſie gründlich, denn Stückwerk iſt hier des eben ſo verwerflich wie auf jedem anderen Gebiet! Kann dies ſech nicht ſtattfinden, dann muß man es unterlaſſen, damit das als ſtre nothwendig Anerkannte und Geforderte nicht darunter leide. ge Wir fühlen es, daß es faſt eng und beſchränkt erſcheint, we immer nur ſo auf das Nothwendige zu dringen, aber wie kann ger der Zerſplitterung in der weiblichen Erziehung anders ent⸗ gel gegengearbeitet werden? Sei der Kreis des Wiſſens auch noch fra ſo klein, er muß ganz ausgefüllt werden, oder wir werden ab immer am Oberflächlichen haften bleiben, niemals klaren Geiſtes 9 werden. Die Lückenhaftigkeit des weiblichen Wiſſens kommt ſch einzig und allein daher, daß man uns lückenhaft belehrt. Die we meiſten männlichen Lehrer halten es nicht für der Mühe werth, vo ihre weiblichen Zöglinge über den Geiſt der Geſchichte, der nů Litteraturen aufzuklären. Es iſt dies allerdings ſchwierig Kin⸗ im dekn gegenüber, die mit dem vierzehnten, fünfzehnten Jahre un ſchon der Schule entwachſen ſind. Aber auch die Facta werden an uns in der Regel zerbröckelt mitgetheilt, und wo der richtige bil Zuſammenhang fehlt, da kann von keiner gründlichen fo der en den eiſt er⸗ lbſt as äd⸗ ier ies als — Bildung die Rede ſein. Die Kindergärtnerei, welche ſpielend belehren, welche Alles plaſtiſch anſchaulich machen will, wieder⸗ holt ſich häufig im Großen in der weiblichen Erziehung; ſie gibt einzelne Bilder ſtatt eines großen umfaſſenden Panora⸗ ma's, und anders dürften ſich Geſchichte und Litteratur nie vor den Blicken des Mädchens entrollen, wenn ſie Eindruck machen ſollen. Wie anders müßte es werden, wenn wir ſolche Lehranſtalten beſäßen, wie wir ſie früher ſchon angedeutet, wo nach einer beſtimmten Regel, in einem Guſſe, die Bildung des Mädchens gefördert würde. In einem Zeitraum vom ſechsten bis zum achtzehnten Jahre läßt ſich ohne große An⸗ ſtrengung unendlich viel lernen, wenn nicht geſpielt, ſondern gelernt wird, wobei wir vorausſetzen, daß nicht ewiger Lehrer— wechſel ſtattfindet, oder, wo dies der Fall, daß der Nachfolger genau da fortfahre, wo ſein Vorgänger geblieben. Die Lehr⸗ gegenſtände, welche wir vorhin genannt, im Verein mit der franzöſiſchen Sprache, können in dieſem Zeitraum vollſtändig abſolvirt werden und laſſen noch Raum genug zur Erlernung von Handarbeiten und zur Anleitung in den häuslichen Ge⸗ ſchäften. Unſere Mädchen würden ſo weit weniger angeſtrengt werden, als es jetzt geſchieht, und Alles, was man zum Nutzen von Turnſtunden und gymnaſtiſchen Uebungen geltend gemacht, nämlich als Gegengewicht gegen das viele Sitzen des Mädchens im Schulzimmer, dies würde durch die Bewegung in Küche und Haus in den ſpäteren Jahren, wo die Turnerei nicht mehr an ihrem Platze iſt, vollſtändig erſetzt werden.— Ein ſo ge⸗ bildetes Mädchen wird nie in Verlegenheit ſein, ſich weiter fort zu bilden, weil ſie die nothwendigen Anknüpfungspunkte beſitzt; als Mutter kann es ſeiner ſpäteren Pflicht Genüge leiſten, als Unverheirathete ohne große Anſtrengung ſich die weitere Ausbildung erwerben, welche es zu einem ſelbſtſtändigen Wirken befähigt. Aber was die Hauptſache bleibt, die geregelte, gei⸗ 3 ſtige Erziehung, im höheren menſchlichen Sinne aufgefaßt, wird ti zugleich Herz und Gemüth der Frau entwickeln, und nicht der Grad des Wiſſens wird dann die wahre weibliche Bildungs⸗ ſtufe bezeichnen, ſondern jene Frau ſteht am höchſten, deren Geiſt in vorurtheilsloſeſter Milde, deren Herz in reinſter Güte 5 erglänzt. Aber wir müſſen daran feſthalten, daß dieſe Eigen⸗ i ſchaften errungen werden können ohne die Zuthat von Spra⸗ lich chen und Künſten, jedoch niemals ohne einen tiefen Blick in die Erhabenheit der Geſchichte und der Naturgeſetze, ohne einen lar Trunk aus dem Born unſerer vaterländiſchen Poeſie.— In dieſer Weiſe wird, neben den gemüthlichen Eigenſchaften, auch ſie der Geſchmack gebildet, und ein Mädchen, das unſere klaſſiſchen Be Dichter kennt und liebt, wird ſich von ſelbſt von allem Trivialen und Schlechten in der Litteratur abwenden. Die Lecture iſt für 3 die Frau ein zu wichtiges Fortbildungsmittel, als daß man ko ſie nicht mit aller Strenge auf den rechten Weg leiten müßte. ve Es iſt dieerſte Pflicht einer Mutter oder Erzieherin, dieſelbe i bei dem jungen Mädchen alles Ernſtes zu überwachen; denn T durch das Leſen ſchlechter Bücher kann die beſte Erziehung S wieder zernichtet werden. Bis der Geiſt ſich zu einer gewiſſen ſi Reife entwickelt, muß man Alles fern halten, was ihn ſtören di kann, und beſonders jene zimperlichen, überſchwänglichen Poeſien m und mondſcheinhaften Frauenideale, womit die neuere Lyrik u uns nur zu reichlich verſorgt. Sentimentalität und Frivolität m en⸗ ra⸗ ein nen In uch chen alen für man ßte. elbe enn un iſſen ören ſien yrik lität — müſſen wir von der weiblichen Jugend gleichmäßig entfernen: jene goldverzierten Bändchen: Den Frauen gewidmet, taugen ihnen ebenſo wenig als die franzöſiſchen und viele deutſche Romane; ſie brauchen friſchere und geſündere Koſt. Wir möch⸗ ten damit keineswegs der jüngeren Frauenwelt alle Romane vorenthalten, im Gegentheil, ein guter Roman iſt oft geeig⸗ neter, den höheren ideellen Sinn anzuregen und gute Vorſätze zu erwecken, als hundert moraliſche Vorleſungen. Das Frauen⸗ auge ſoll ſich daran gewöhnen, das Leben im Bilde der Dich⸗ tung wieder zu erkennen, wenn es auch oft trübe und ſchauer— lich ſich zeigt, aber den Schmutz ſowohl wie das Schwächliche in der Litteratur muß man ihrem Auge möglichſt weit und lang entrücken. Wenn wir vorhin der geiſtreichen Frauen gedachten, die ſich häufig häuslicher Arbeiten ſchämen, ſo können wir dieſe Betrachtung nicht ſchließen, ohne der tugendhaften Hausmütter und Haustöchter zu gedenken, welche mit derſelben Verachtung auf jede geiſtige Beſchäftigung herabſehen. Auf ſie paßt voll⸗ kommen jenes Wort von Eliſabeth von Stägemann:„Man verachtet gar zu gerne, was man nicht verſteht und woran man eben darum nicht glaubt. Wenn Jemand irgend ein Talent nicht hat, ſo iſt er immer eher geneigt, den Enthuſiasmus des Anderen dafür zu tadeln oder lächerlich zu finden, ehe er ſich's geſteht, daß ihm der Sinn dafür abgehen könne!“ Wie muß dieſen geſchäftigen Martha's gegenüber eine höherſtrebende Frau mit demüthiger Miene jeden höheren Aufſchwung unterdrücken und gewiſſermaßen um Verzeihung bitten, daß ſie ſich noch für mehr intereſſirt als den Strickſtrumpf, das Dienſtmädchen und Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 4 50— den Sonntagsbraten. Mit welch dünkelhaftem Hochmuth kann eine ſolche gute Hausfrau die Achſeln zucken, wenn von einem guten Buche oder einem ſonſtigen geiſtigen Intereſſe die Rede iſt, wie verächtlich kann ſie ſagen: dazu habe ich keine Zeit! oder: darüber kann eine Frau nicht ſprechen! Aber ſie haben Zeit für die kleinlichſten Pedanterien des Haushalts, haben Zeit für den gewöhnlichſten Roman, haben Zeit für endloſe Kaffee⸗ und Klatſchviſiten.— Was ſoll dieſe Gegenſätze anders vermitteln als die Bildung? Denſelben Reſpeet, welchen wir dem Mädchen vor dem häuslichen Wirken beibringen wollen, müſſen wir ihm auch vor den geiſtigen Beſchäftigungen einflößen. Wie die Frau Erſteres als die Summe ihrer nächſten Pflichten, ſo muß ſie die Letzteren als ihr höchſtes, ewiges Gut ſchätzen, das keine Macht der Erde ihr entreißen darf. Mit dieſem Standpunkt iſt für die Frau Alles erreicht und ihr der Weg zur Stufe der höchſten moraliſchen Vollkommenheit gebahnt, dann ſteht ſie dem Manne völlig gleichberechtigt zur Seite und es gilt von ihr wie von ihm: „Sein Schickſal ſchafft ſich ſelbſt der Mann!“ kann inem Rede Zeit! aben aben loſe ders dem ſſen ßen. ten, tzen, eſem Weg hnt, und Das geſellige Leben. O, wie finden ſich die Menſchen darein, ihr Leben täglich und freiwillig an Arm⸗ ſeligkeiten zu verſchwenden, wenn oft ein halbes Jahrhundert dazu gehört, ſie mit Geſchmack genießen zu lernen, wenn ſo unendlich viel belehrende und unſchuldige Genüſſe vor ihnen liegen, nach denen der Geiſt ſchmachtet. Eliſabeth von Stägemann. Piele werden einwenden, wo ſoll die Zeit dazu her⸗ kommen, das Mädchen in der vorgedachten Weiſe zugleich häuslich und geiſtig auszubilden? Die Antwort iſt ſehr einfach. Dieſe zwei Dinge laſſen ſich nicht allein in der Erziehung ſehr wohl vereinen, ſondern auch durch's ganze Leben hindurch führen, aber ein Drittes darf nicht mehr hin⸗ zukommen, denn dieſes Dritte verſchlingt jedes andere Intereſſe; kann nur noch in der Oberflächlichkeit ſchwach und ſeinen Geiſt aller 4* wer ſich ihm ergeben, wurzeln, muß ſein Herz cr Vorurtheile voll werden laſſen. Wir meinen das Uebermaß des geſelligen Verkehrs. Von den Zirkeln der vornehmen Welt reden wir hier nicht. Alles zu Sagende bezieht ſich immer wieder auf jene Stände, wo Arbeit und geiſtiges Leben ſich die Hand reichen, denn auf deren inniger Vereinigung beruht die ganze Wohlfahrt der Mittelklaſſen. Für unſeren Mittelſtand gibt es aber nach Außen und Innen nur noch eine Rettung, dieſe heißt Rückkehr zur Einfachheit, Rückkehr zu geiſtigen Genüſſen, Wegwerfung der widerlichen Nachahmungsſucht der vornehmen Sitten und Ge⸗ bräuche, die alle unſere Verhältniſſe auf den Kopf ſtellen. Aber an der Spitze der Schaar, die immer weiter vorwärts drängt, immer vergnügungs⸗, immer genußſüchtiger ſich zeigt, je we⸗ niger die Verhältniſſe dieſe Begierden rechtfertigen, ſteht die Frau, dieſes eitle flatterhafte, leichtſinnige Weſen, überall dann, wo ihre edlere Natur nicht geweckt, ihr Drängen nach einem Standpunkt nicht richtig geleitet iſt. Wir denken nicht daran, gegen die Geſelligkeit überhaupt zu Felde zu ziehen, wohl aber gegen jene Bälle und Soireen, gegen jene bunt zuſammengewürfelten Geſellſchaften, welche die Wenigſten ihrer Gäſte befriedigen, aber Diejenigen immer wie⸗ der auf's Neue anlocken, welche in ihrer Geiſtesarmuth ſich entſetzen vor jedem Abend, den ſie in ihrer eignen Geſellſchaft zubringen ſollen. Das junge Mädchen, das noch halb als Kind in die Ge⸗ ſellſchaftsſäle eintritt, das von nichts träumt als Tanzen und ſchönen Kleidern, Anbetern und Huldigungen, für es gibt es natürlich kein Lernen, kein Streben nach höherer Ausbildung meh ung ſchö viel acht iſt! gra Nie haf ſei naß icht. nde, auf der ßen zur der Ge⸗ lber ngt, we⸗ die nn nem mehr; es will nur genießen, ſucht nur nach lauten Zerſtreu⸗ ungen, und wenige Jahre reichen hin, die beſten Anlagen, die ſchönſten Blüthenkeime auf immer zu zerſtören. Man denkt vielleicht, es ſei einerlei, ob ein Mädchen mit fünfzehn oder achtzehn Jahren zum erſten Mal einen Ballſaal betritt. Gewiß iſt dieſes nicht einerlei. Der weibliche Charakter entwickelt ſich grade in dieſer Lebensperiode mit reißender Schnelligkeit, und Nichts iſt mehr dazu geeignet, ihm ſeine natürliche Flatter⸗ haftigkeit, ſeinen Hang zur Schwärmerei und daraus ent⸗ ſpringend zur Lüge zu benehmen, als in dieſem Alter eine fortgeſetzte, ernſte Beſchäftigung. Man kann dem jungen Mädchen auch während dieſer Zeit Zerſtreuungen und Vergnügungen bieten, die ſeinem Alter und ſeinem noch kindlichen Sinn entſprechen und zugleich die Freude an den ſtilleren Genüſſen des Lebens erwecken, ſtatt es für die ſpätere Einführung in die Welt mit Kinderbällen, Kinder⸗ maskeraden und der ganzen Miniaturausgabe des großen, ge⸗ ſellſchaftlichen Treibens einſtweilen zu entſchädigen. So viel bleibt gewiß, ein durchgebildetes, achtzehnjähriges Mädchen tritt ganz anders in die Welt, als jene hinaufge⸗ ſchraubten, jungen Damen, die eigentlich noch in die Kinder⸗ ſtube gehören. In dieſem Alter iſt der ganze Stolz der Frau in ihm erwacht, der bei dem halben Kinde noch faſt im Schlum⸗ mer liegt, und dieſer Stolz muß in der weiblichen Natur mit allen Mitteln gehegt und gepflegt werden, denn er iſt ihr beſtes Erbtheil, und er allein verleiht das Bewußtſein weiblicher Würde und Kraft. Dieſer Stolz iſt der Frau das Bollwerk ihrer Schwäche und oft zu weichen Hingebung, und jede Schmei⸗ 54— chelei, jede Lockung der Eitelkeit prallt von der Seele ab, die ihn ganz beſitzt. Mais c'est la HMatterie qui courbe si bas ces tétes ardentes et légeres, ſagt G. Sand mit nur zu großer Berechtigung. Darum ſollen wir dieſe Schmeichelei von den Ohren unſerer Mädchen fern halten, bis ſie ſtark genug ſind ſie nicht mißzuverſtehen. Mit beſcheidener, aber würdiger Anmuth tritt das ver⸗ ſtändige, durchgebildete Mädchen in die weiteren Geſellſchafts⸗ kreiſe. Es hat nicht nöthig, erſt Alles von der Geſellſchaft zu empfangen, durch dieſe etwas zu werden, denn es fühlt ſich bereits als wirkenden Theil der Geſammtheit, kennt höhere Freuden, beſſere Genüſſe und wird immer wieder von den rauſchendſten Vergnügungen in die wohlgeordnete Häuslichkeit, in der es erzogen, mit innerer Freude und Zufriedenheit zurück⸗ kehren. Es ſpricht von ſelbſt und iſt unvermeidlich, daß für jedes Mädchen, ſobald es in das geſellige Leben eintritt, ein paar Jahre größerer Unruhe kommen, in denen es weniger als vorher und nachher ſich ſelbſt leben kann! Gerade darum iſt es aber ſo wichtig, es erſt dann hinaus gehen zu laſſen, wenn es bereits eine gewiſſe geiſtige Reife erlangt hat. Es würde eben ſo verkehrt ſein, ein Mädchen ganz von den gewöhnlichen geſelligen Vergnügungen zurückzuhalten, als wir es verkehrt finden, es zu früh und zu viel darin einzu⸗ führen. Gott behüte uns vor jenen altklugen Dämchen, die den Tanz und ein munteres Spiel verachten und die Naſe bei einem heiteren Scherz rümpfen. Natürliche und einfache Weſen erfreuen ſich mit Recht an den Freuden der Geſelligkeit, wir eifern nur dagegen, daß man ſie zur Hauptſache mache. obac kann Eige Mä Hau dan die Aber außerdem muß die Frau auch Erfahrung und Be⸗ pas obachtungsgabe gewinnen, ſo gut wie der Mann, und dieſes zu kann ſie nur draußen, im Verkehr mit der Welt, aber dieſe elei Gigenſchaften werden ohne allen Nachtheil erreicht für jedes tar? Mädchen, das ſeinen feſten Anker und Haltpunkt in ſeinem Hauſe und ſeiner geiſtigen Bildung hat. Die Welt bildet es ver⸗ dann, aber verdirbt es nicht. fts⸗ Doch wie muß es gehen mit Jenen, die nur glänzen und haft gar Nichts leiſten können? Vom Geſellſchaftswirbel fortgeriſſen, ſich finden ſie ſich nach kurzer Zeit ſteuer- und rathlos auf offner here See. Mit jedem Winde treibt dort die große Maſſe von den Frauen und Mädchen dahin, die Krämpfe und Migräne be⸗ keit, kommen, wenn ſie für den Abend keine Einladung haben, da⸗ ück⸗ gegen die wunderbarſte Geſundheit beſitzen, ſobald ſich es um für einen Ball oder eine Geſellſchaft handelt und Dinge mit⸗ ein machen, welche ſelbſt die ſtärkſten Nerven einer an Thätigkeit als gewöhnten Frau erſchüttern würden. Es iſt überhaupt merk⸗ iſt würdig, wie Mädchen, die bei keiner Luſtbarkeit ermüdeten, enn plötzlich in der Ehe an Nervenſchwäche und allen möglichen Uebeln zu leiden anfangen und kaum die leichteſte, häusliche von Arbeit vertragen. Die Hitze in der Küche und im Bügel⸗ als zimmer ſind unerträglich, während die Hitze eines Ballſaals nzu⸗ gar nichts bedeutet, und Unluſt an der Arbeit, Unmuth dar⸗ die über laſſen kaum mehr die lieblichen Geſichter erkennen, welche bei ſo freundlich unter dem Blumenkranz in den Locken hervor⸗ eſen lächelten. Wie viel Unzufriedenheit, wie viel Unbehagen wohnt wir oft in der prächtig ausgeſtatteten Wohnung junger Eheleute, und aus keinem andern Grunde, als weil die Frau Nichts ſein 56— und Nichts vorſtellen kann, als die vergnügungsſüchtige Salon⸗ dame. Dem Frieden, welchen eine geregelte, zwiſchen geiſtigen Freuden und materiellen Sorgen getheilte Thätigkeit verleiht, kommt kein andrer gleich. Der angeborene Drang nach Be⸗ ſchäftigung kann auf eine Zeitlang von dem geſellſchaftlichen Müßiggang überwuchert werden, aber er ſtirbt nicht. Wie ein mahnendes Geſpenſt ſteht er oft plötzlich vor den Blicken der in eitlen Vergnügungen erſchlafften und blaſirten Frau. In⸗ mitten der rauſchenden Freuden regt es ſich oft wie Ekel in ihrem Innern, es iſt ihre Strafe, daß ſie zuweilen es fühlen muß, ſie ſei Nichts als die bunte Seifenblaſe, die im nächſten Moment vergeht, ohne eine Spur zu hinterlaſſen. Und dies glauben wir feſt, zum Beſten unſeres Geſchlechtes; im Mo⸗ ment, wo wir dies niederſchreiben, würden wohl Tauſende gerne die Kränze der Eitelkeit aus den Locken ziehen, und würden gerne zur Einfachheit und Thätigkeit zurückkehren, wenn ſie es nur anzufangen wüßten. Aber unwiſſend und unerfahren müſſen ſie mit weiter treiben auf dem geſelligen Strome, und alle Laſter, alle Gebrechen, welche dieſe blaſirte, hinaufge⸗ ſchraubte Geſelligkeit mit ſich bringt, prägen ſich leicht jenen von Natur weichen Herzen und Charakteren ein, welchen die Erziehung verſäumte den inneren Halt zu verleihen. Man ſagt mit Recht, wenn eine Frau fehlerhaft und laſterhaft, ſei ſie es immer in höherem Grade als der Mann. Natürlich! Grade jene Eigenſchaften des Gemüthes, welche bei der Frau vorherrſchen und ſie befähigen, im Höhepunkt ihrer Entwickelung das menſchlich Schönſte zu erreichen, grad den könr gew ſpro find Egt rak mar hä lon⸗ grade jene Eigenſchaften rufen in ihrer anderweiten Entfaltung den traurigſten Contraſt hervor gegen das, was ſie werden ige könnten. eiht, Ein Mann, ſei er auch noch ſo oberflächlich, hat doch B gewöhnlich noch eine ernſtere Beſchäftigung, die ihn in An⸗ ichen ſpruch nimmt. Bei der nur in der Geſellſchaft lebenden Frau ein finden wir dies niemals. der Stets den kleinlichſten Intereſſen der Eitelkeit und des Egoismus hingegeben, verſinkt ein derartiger weiblicher Cha⸗ lin rakter zuletzt in eine ſolche Erbärmlichkeit des Strebens, daß hlen man ſich nur mit dem tiefſten Mitleid davon abwenden kann. i Der weibliche Geiſt, weniger ſcharf und durchdringend dies als mehr mit den feinſten Fühlfäden des Inſtinkts begabt, Mo wird um ſo gefährlicher, als ihm, eben in ſeiner unvollende⸗ ende ten Ausbildung, halbe Thatſachen, halbe Erfahrungen ge⸗ un nügen, um eine Geſchichte, etwas Fertiges daraus zu machen. enn So entſtehen nun jene lügenhaften, leichtfertigen Weſen, die unbekümmert darum, ob und wieviel ſie ſchaden, das Höchſte und wie das Gemeinſte in den Bereich ihrer Zunge ziehen. Keines ge⸗ höheren Aufſchwungs, keines tieferen Verſtändniſſes fähig, n geht zum großen Theil aus ihrer Mitte jene erbärmliche, die niedrige Geſinnung hervor, welche die moderne Geſellſchaft ſſo vielfach durchdringt und charakteriſirt, und deren fauler Hauch auf Jahre hinaus die edelſten Beſtrebungen vernichten 6 kann. Es iſt uns leid um die Frau, welche nur für die lche häuslichen Verrichtungen erzogen wird, aber dreifaches Mit⸗ mkt leid haben wir mit derjenigen, die nur in der Geſellſchaft eine Stelle einzunehmen weiß. In der Kleinlichkeit der Le⸗ bensanſchauung begegnen ſich freilich Beide; der Mangel an ernſter, geiſtiger Beſchäftigung oder mindeſtens an Reſpect vor ihr rufen die nämlichen Mängel des Herzens und Ge⸗ müthes hervor. Ob in einer gewöhnlichen Kaffeeviſite oder im glänzend erleuchteten Salon geklatſcht wird, bleibt ſich in ſeinen Folgen ganz gleich. Der moraliſche Werth ſolcher Frauen iſt der nämliche. Aber Nichts verödet mehr den Geiſt und vertrocknet mehr das Herz, als dieſes fortwährende Haſchen nach äußeren Ver⸗ gnügungen. Die beſte Seele muß dabei oberflächlich und ge⸗ ſinnungslos werden. Die ſchöne Umgangsform, für jeden gebildeten Menſchen unerläßlich, iſt dann nicht mehr Mittel, ſondern nur noch Zweck; unter dieſer Maske birgt ſich die Mittelmäßigkeit, die Unwiſſenheit, die Niedrigkeit der Geſin⸗ nung und geht triumphirend voran, während das wirklich Gute vergeſſen am Wege ſteht. Es iſt eine der erſten Er⸗ ziehungspflichten, dem Mädchen jenes glänzende Phantaſiebild, „Geſellſchaft“ das die jungen Herzen ſo magiſch anlacht, in ſeiner wahren Geſtalt zu zeigen. Conservez, si vous pouvez, les interéts qui vous attachent à la société, mais cultivez les sentiments qui vous en séparent! Die Geſellſchaft nivellirt Alles, ſie kann in ihrem Kreiſe nur das dulden, was ihr nie widerſpricht, ſich ewig fügt, ewig ſchmiegt, jeder Narrheit oder Mode des Tages huldigt, nur glänzen und genießen will. Jede ernſtere Prüfung ihrer Elemente muß ſie auf's Entſchiedenſte zurück⸗ weiſen, weil dies ihr Tod ſein würde, und wer dieſem Mo⸗ fühl eina ſtim wie ſelb wir Se ent mit ſtä in dri Ar el an ſpeet Ge⸗ oder ch in cher mehr ker⸗ d ge⸗ jeden ittel, die eſin⸗ klich bild, i vous qui kann icht, des ſtere rück⸗ — 59— loch ganz dienen will, muß ihm unbedingt ſeine beſten Ge⸗ fühle und Ueberzeugungen opfern. Aber die Geſelligkeit und die Geſellſchaft ſind ſchwer von einander zu trennen, und es würde ſchwierig ſein, eine be⸗ ſtimmte Gränzlinie zwiſchen beiden zu ziehen. Auch hierin iſt, wie in allen Dingen, der wahrhaft gebildete Menſch ſich ſelbſt Geſetz. Diejenige Frau, welche Beſſeres in ſich trägt, wird die Geſellſchaft nicht fliehen, aber dennoch nie deren Sclavin ſein. Sie wird jene Geſelligkeit pflegen, welche, entfernt von der täglichen Vergnügungsſucht, uns nicht zwingt, mit Jedem zu verkehren, wer er auch ſei, weil wir um jeden Preis Genoſſen der Luſt brauchen; ſie wird ihre Freunde ver— ſtändig wählen, durch ihren eignen höheren Zauber dem Kreiſe, in dem ſie lebt, auch ein höheres, geiſtiges Gepräge auf⸗ drücken und zu ihrer Zufriedenheit nicht des Schwarmes der Außenwelt bedürfen. Was das Geſellſchaftsleben bisher an dem Familienleben verbrochen, das muß durch edle, verſtändige Frauen wieder gut gemacht werden. Es wird wahrlich für unſern Mittelſtand, und beſonders * den höheren, Zeit, jener kindiſchen Nachahmung der großen Welt zu entſagen, welche ihrerſeits wenigſtens mit ihrem ge⸗ ſelligen Treiben häufig die nöthige geiſtige Bildung zu ver⸗ binden im Stande iſt, weil ihr Zeit und Mittel dazu nicht fehlen. Aber nun ſehe man unſre Mädchen an, deren Eltern nicht zu den Reichen und Vornehmen gehören, wie ſie ſich oft wochenlang abmühen, um ſich eine Toilette zu verſchaffen, welche ſich der einer vornehmen, eleganten Dame annähert. S Es muß wirklich ſchlecht beſtellt ſein um den geiſtigen Drang eines Mädchens, das ſeine Muſeſtunden nur zur Befriedigung einer, ſeinen Verhältniſſen nicht entſprechenden, äußeren Eitel— keit verwendet, welche es vorzieht, eine geſtickte Kante aus dem Kleide hervorſehen zu laſſen, ſtatt den Geiſt weiter zu bilden und mit unvergänglichen Gaben zu ſchmücken. äußeren Bedürfniſſe der Frauen ſind auf eine unleidliche Höhe Um ihnen zu genügen, wird Studium, Leetüre, werden die häuslichen Pflichten vernachläſſigt, und zwar bloß deßhalb, keineswegs aber weil es an der nöthigen Es iſt gewiß ebenſo lächerlich als verderb⸗ lich, in der Toilette über ſeine Verhältniſſe hinauszugehen und ſich ſelbſt abzuquälen für einen äußeren Flitter, welcher geſtiegen. Zeit dazu fehlt. der reichen Dame durch dienende Hände hergerichtet wird und mithin keine Zeit für ernſtere Dinge raubt. Wenn man in unſren Kreiſen heute ſo häufig eine ganz ungerechtfertigte Eleganz und Oſtentation in der Kleidung erblickt, dann hört man gar oft entſchuldigend ſagen: Ach, ſie macht ſich Alles ſelbſt! Aber darin liegt ja eben die Verkehrtheit, daß man dem wirklich Schönen und Guten die Zeit raubt, um ſie für äußeren Tand zu vergeuden. Denkt doch an Göthe's ſchönes Wort: Eines ſchickt ſich nicht für Alle! Aber heute ſoll ſich im täglichen Leben Alles für Alle ſchicken, und das iſt ein ſchlimmes Ding. Moden, für den Salon und die Equipagen erfunden, zieht die Geſchmackloſigkeit, ja, wir ſagen es unverholen, der Drang, für mehr zu gelten als man iſt, auf die Straße und in's Haus. So ſchwindet die Uebereinſtimmung zwiſchen den Die äuße des haltt zugs ſo 1 emp Str Hau eher Aug die wah oder ſich wed nich kan dies Auf lich in blie bar ſeh wel jed bra rang äußeren und häuslichen Verhältniſſen immer mehr. Die Frau gung des Mittelſtandes, welche in ihrem Hauſe ohne wichtige Ab⸗ Fitel haltung immer ſo gekleidet iſt, daß die Einfachheit ihres An⸗ au zugs ſie in ihrer Pflichterfüllung unterſtützt, aber dabei doch er zu ſo nett und anſtändig erſcheinen läßt, daß ſie Jedermann Die empfangen und ohne beſonders Toilette zu machen, auf die Höhe Straße gehen kann— dieſe Frau wird immer ſeltner. Zu türe, Hauſe häufig unordentlich und nachläſſig, verwendet man nicht zwar eher Sorgfalt auf die Toilette, als bis man ſich vor den higen Augen der Welt zeigt; dann rauſchen koſtbare Stoffe, fliegen derb⸗ die Spitzen, und wer der ſtattlichen Dame begegnet, weiß ehe wahrlich nicht, ob er eine hochgeborne Gräfin oder eine Frau lcher oder Tochter aus den ſoliden Mittelklaſſen vor ſich hat. wird Mit der übertriebenen Koſtbarkeit des Anzugs ſcheidet man ſich die Frau zunächſt von ihren praktiſchen Pflichten ab. Ent⸗ tigte weder muß ſie im Hauſe unſchön erſcheinen, oder ſie kann hört nicht ungehindert das Räderwerk des Haushalts überwachen, Alles kann nicht, wo es nöthig wird, ſelbſt Hand anlegen. Aber man dies iſt noch lange nicht Alles; der Glanz, welchen man nach für Außen zur Schau trägt, ſoll auch im Hauſe mindeſtens äußer⸗ znes lich aufrecht erhalten werden. Es iſt wahrhaft komiſch, oft ſich in bürgerlichen Haushaltungen jene Vornehmthuerei zu er⸗ ein; blicken, die auch nicht entfernt in die Verhältniſſe paßt. Koſt⸗ bare Möbel und zierliche Nippesgegenſtände ſind ſehr ſchön, den, ſehr an ihrem Platz in Salons und Geſellſchaftszimmern, der welche nur zu dieſem Zwecke geöffnet werden. Die Zimmer und jedoch, welche nicht zum Beſuch, ſondern zum täglichen Ge⸗ den brauch beſtimmt ſind, ſollten auch dem gemäß eingerichtet ſein. — 6 Wie manches Wohnzimmer trifft man heut zu Tage ſo über⸗ füllt mit Albums und koſtbarem Unſinn, daß man nicht weiß, wo die Leute eine Taſſe, oder ein Glas hinſtellen, wo ihn Arbeit Platz findet, ja wie ſie es wagen können, dort ihr Kinder um ſich zu haben. Aber man drückt ſich lieber, ſo lange kein Beſuch da iſt, in einem kleinen Eckchen zuſammen, man legt ſich die lächerlichſten Entbehrungen und Unbequem— lichkeiten auf, um ja nicht bei einem ehrlichen Nähzeug oder einer Mahlzeit überraſcht zu werden. Es gibt eine Sorte von Hausfrauen, die, mit Angſt und Sorge dieſen äußeren Schein aufrecht erhaltend, wenigſtens dahinter noch einigermaßen ihr Pflicht erfüllen. Dieſe müſſen wir ihres verkehrten Strebens wegen belächeln, da ſie ſich natürlich nicht mit Freiheit und Behaglichkeit in einem Kreiſe bewegen, dem das Gleichgewicht! fehlt. Man mißverſtehe uns hier nicht! Die Hausgeſchäfte ſollen ſich keineswegs zu breit machen, aber man ſoll ſie in einfachen bürgerlichen Kreiſen eben ſo wenig mit Aengſtlichkeit verſtecken, ja ſich ihrer gewiſſermaßen ſchämen, weil es nicht vornehm iſt. Man kann ſelbſt das Gewöhnlichſte mit Anſtand und Geſchmack ausführen und braucht ſomit das Auge keines zufällig Erſcheinenden zu ſcheuen. 1 Aber jene Hausfrauen, bei denen der äußere Glanz nur ein jämmerliches Innere verbirgt, verdienen ſoviel Mitleid, als Tadel. Um der äußeren Repräſentation zu genügen, um in einer Svpirée die feinſten Speiſen, die beſten Weine auf⸗ tiſchen zu können, oder auch um faſt täglich Gäſte bei ſich zu haben, endlich um in glänzender Toilette zu erſcheinen, dafür gibt Prei Auß das kom: ſtreb zeug nötl mer and es 1 roh flatt die über⸗ weiß, ihr ihn , ſt imen, uem⸗ oder von chein ihre bens und wicht! häfte ie in chkeit nicht ſtand eines nur tleid,? um auf⸗ h zu afür gibt man ſich oft Monate lang beinahe einem halben Hunger Preis. Man blicke hinter die Couliſſen dieſer glänzenden Außenwelt— welche Dürftigkeit, welcher Geiz beherrſchen dort das Feld und rufen ein Unbehagen hervor, durch das es voll⸗ kommen erklärlich wird, wie man immer wieder nach außen ſtrebt, um das innere Elend zu vergeſſen. Schlechtes Weiß⸗ zeug, ſchlechte Küche, Knickerei an den Dienſtboten und den nöthigſten Lebensbedürfniſſen, dies iſt die Kehrſeite der ſchim⸗ mernden Medaille. Dann fühlt ſich der Mann an jedem anderen Orte wohler, als am eignen Herde, und wir begreifen es vollkommen, wie die Kinder, bei aller äußeren Politur, nur roh und gemein denken und empfinden können, und ebenſo flatterhaft, ebenſo vergnügungsſüchtig werden, wie die Mütter, die ſo ſchlecht ihre Pflicht an ihnen erfüllen. Aber nicht genug, daß dieſe Richtung die Familie unter⸗ gräbt, ſie untergräbt auch die bürgerliche Geſellſchaft. Wäre es eine einzelne Klaſſe, die derſelben huldigte, ſie würde bald genug dem Richterſtuhle der Lächerlichkeit verfallen ſein, aber polypenähnlich ſtreckt jener Schwindel ſeine Arme durch alle Schichten der Geſellſchaft. Die Wenigen unter allen Ständen find faſt zu zählen, welche den Muth und die Rechtlichkeit be⸗ ſitzen, ganz ihren Verhältniſſen gemäß zu leben. Nun iſt aber gewiß die Wirthſchaft verächtlich, wo die Ausgaben ſich nicht nach den Einnahmen richten. Wenn es bloß lächerlich iſt, nach Innen zu darben, um nach Außen zu glänzen, ſo iſt es ein Diebſtahl an der arbeitenden Klaſſe, einen Luxus zu treiben, den man ehrlicherweiſe nicht beſtreiten kann. Hier alſo, ihr Frauen, iſt der Punkt, wo ihr wahrhaft nutzbringend für die menſchliche Geſellſchaft wirken könnt. Ihr Alle, denen die häusliche Beſchränkung zu enge ſcheint, die ihr gerne für's Ganze thätig ſein möchtet, hier beginnt euere wirk⸗ liche Pflicht nach Außen, hier ſeid ihr Dienerinnen der Ge⸗— ſammtheit, wenn euere Redlichkeit ſich davor entſetzt, auf Koſten Derer zu glänzen, die für euch arbeiten und deren Kinder den Ertrag dieſer Arbeit bedürfen. Was kann uns die geiſtreichſte, die ſchönſte und liebenswürdigſte Frau ſein, wenn wir wiſſen, daß der arme Handwerker, der Kaufmann vergebens an ihre Thüre pochen, um den wohlverdienten Lohn zu empfangen. Wie ſehr zieht ſich unſer Herz zuſammen beim Anblick dieſes geborgten Luxus, dieſer Außenſeite, welche kaum das ärmlichſte Innere verbirgt. Und wozu dient dieſe Hohlheit und Erbärm⸗ lichkeit, die eine Generation nach der anderen zuſammen mit dem Wohlſtand der produeirenden Klaſſen ruinirt, wozu, als um der jämmerlichſten Eitelkeit Genüge zu leiſten? Das Herz, welches es über ſich bringt, auf Koſten ſeiner fleißigen Nebenmenſchen zu ſchwelgen, der Charakter, deſſen Rechtlichkeitsſinn nicht lieber jeden äußeren Tand von ſich wirft, als daß er den Verdienſt Deſſen ſchmälert, der ſich für ihn ab⸗ müht, ſie können beide nicht mehr gut und ſchätzenswerth ſein, auch wenn der Geiſt ſeinen größten Zauber darüber auszubreiten wußte. Weg mit dieſer banalen Liebenswürdigkeit, die nur lächeln kann und immer lächeln und nichts iſt als eine leere Phraſe ohne Gemüth und Gehalt. Ihr Frauen, werdet harmoniſch in Allem, ſo auch in eueren Einnahmen und Ausgaben! bringt Uebereinſtimmung in euer die g die b menſ nicht — 33 euer häusliches und äußeres Leben, und die gute Hausfrau, i5 die gute Mutter, das tüchtige Mädchen werden auch zugleich virt⸗ die beſten Bürgerinnen ſein, indem ſie die Rechte ihrer Mit⸗ menſchen achten und über die ſogenannte„gute Geſellſchaft“ Ge⸗ ſten nicht die bürgerliche ruiniren den hſte, ſſen, ihre gen. eſes chſte irm⸗ mit als ———— iner ſſen irft, ab⸗ ein, iten nur eere in in Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. Verkehrte Richtungen. Sicherlich, es muß das Beſte Irgendwo zu finden ſein!— Göthe. Zerſtreutes Weſen führt uns nicht zum Ziel. Göthe. Alles bis jetzt Geſagte muß zur Genüge beweiſen, daß wir als erſtes und höchſtes Reſultat der weiblichen Erziehung Freiheit, Selbſtſtändigkeit und Unabhängigkeit des Individuums verlangen. Mithin ſoll die Frau dieſe gewiß auch anwenden. Aber es iſt nicht zu billigen, daß ſie ſich häufig, ohne Noth, ihrem natürlichſten Wirkungskreiſe entzieht, um ſich einen frem⸗ den zu ſchaffen, ehe ſie entweder die dazu erforderlichen Fähig— keiten beſitzt, oder indem ſie dadurch nähere Pflichten verletzt. Der Grund dazu liegt vielfach in der Schwierigkeit des ma⸗ teriellen Lebens, die ſich von Tag zu Tage ſteigert, und wie gerechtfertigt es auch dieſem Umſtand gegenüber erſcheinen muß, —— wer bekl um beft Zu nae ger mu che mil übe es ſelt hän oft dig daſ hei wi die M Di bel zut nie de Av Ziel. daß ung ums den. oth, em⸗ hig⸗ etzt. ma⸗ wie uß, 67 wenn die Frau auf eigne Erwerbsquellen ſinnt, ſo iſt doch zu beklagen, daß dieſer Erwerb nur zu häufig bloß geſucht wird, um die geſteigerten Anſprüche der Putzſucht und Eitelkeit zu befriedigen. Mit der Einfachheit des Sinnes weicht auch die Zufriedenheit aus dem Innern des Familienlebens, ein Haſchen nach Erwerb, ein Streben nach Außen charakteriſirt unſere jün⸗ gere Frauenwelt, welches nichts weniger als ppetiſch und an⸗ muthig iſt. Der natürlichſte Wirkungskreis eines jungen Mäd⸗ chens liegt doch ohne Widerrede im Kreiſe ſeiner eignen Fa— milie; dort muß es ſich, wenn die eigentliche Schulzeit vor⸗ über iſt, auf ſein ſpäteres Leben vorbereiten, und wir glauben, es wird ihm auf dieſem Gebiete an Arbeit und Beſchäftigung ſelten fehlen. Nun wird aber faſt keine weibliche Pflicht ſo häufig verkannt, als eben dieſe; die jungen Mädchen vergeſſen oft, daß ſie ihren Eltern und Geſchwiſtern das Nämliche ſchul— dig ſind, was ſie einſt ihrem Gatten ſchuldig ſein werden, und daß ſie mitzuarbeiten haben am Wohlſtand und der Zufrieden⸗ heit des Hauſes. Eine Erziehung, wie wir ſie wünſchen, würde hier gewiß wieder auf das richtige Verhältniß zurückführen, würde durch die vor ihr erweckte Innerlichkeit und geiſtige Regſamkeit dem Mädchen eine gewiſſe Gleichgültigkeit verleihen gegen äußere Dinge, die ein beſcheidner, einfacher Sinn mit Freuden ent⸗ behrt. Wenn wir wünſchen, daß die eigentliche Belehrung bis zum achtzehnten Jahre daure, ſo iſt damit doch lange noch nicht das Ende erreicht, es iſt nur der Grund gelegt, und mit der nunmehrigen Wirkſamkeit des Mädchens verbindet ſich die Aufgabe, für ſich ſelbſt als Lernende weiter zu ſtreben, aber nicht ſich ſchon als fertig zu emancipiren. Daß manche Mäd— chen ſich ſchon mit dem achtzehnten Jahre, ja noch früher ver⸗ heirathen, kann hier nicht als Einwand gelten, denn wir ſchreiben für die Regel, nicht für die Ausnahme. Wohl lie⸗ gen genug Fälle vor, wo eine gebieteriſche Nothwendigkeit das junge Mädchen dazu zwingt, ſich ſchon möglichſt frühe eine Quelle des Erwerbs aufzuſuchen, aber es gibt deren unendlich mehr, wo die mangelnde Einfachheit des Sinnes und der Be— dürfniſſe dazu aufſtacheln. Man hat weder Sinn noch Liebe für die häuslichen Pflich⸗ ten, man kennt nicht das Vergnügen, welches aus deren Ab⸗ wechslung mit geiſtiger Beſchäftigung entſpringt und greift nach äußeren Mitteln, um ſich der unangenehmen häuslichen Arbeit zu entziehen, oder mindeſtens ſich dafür zu entſchädigen. So ſehen wir viele Mädchen aus den höheren Ständen ſich Beſchäftigungen hingeben, welche ſie billig ihren ärmeren Mit⸗ ſchweſtern überlaſſen ſollten, die genöthigt ſind, damit ihren täglichen Lebensunterhalt zu verdienen. Ganze Schaaren der Erſteren holen ſich allabendlich ihre Arbeit in den Stickerei⸗ läden und, vor der Noth des täglichen Lebens geſchützt, ſichert ihnen der Ertrag derſelben eine Toilette, welche ihre Verhält⸗ niſſe und Lebensſtellung bei weitem nicht erheiſcht und die ſie ſonſt natürlicherweiſe entbehren müßten. Es iſt klar, daß ſie faſt um die Hälfte billiger arbeiten können, als das unbe⸗ mittelte Mädchen, welches durch ſeine Arbeit alle ſeine Lebens⸗ bedürfniſſe beſtreiten muß. Aber was fragt der Kaufmann darnach? er gibt natürlich die Arbeit Derjenigen, die am wenig⸗ C* ſten daf ür verlangt, und ſo iſt es für ein armes aber fleißiges . Mä ſich man ſein man ſich eine Näd⸗ ver⸗ wir lie⸗ das eine dlich Be⸗ flich⸗ Ab⸗ reift ichen igen. ſich Mit⸗ hren der erei⸗ chert hält⸗ e ſie ß ſie k nbe⸗ en⸗ nann enig⸗ ziges 69 Nädchen, welches nur Handarbeiten verſteht, faſt unmöglich, ſich damit noch anſtändig zu ernähren. Um nur die Luſt an Aeußerlichkeiten zu befriedigen, müht man ſich lieber mit der Nadel ab, und beraubt den Armen ſeines Verdienſtes und ſich ſelbſt geiſtiger Schätze, als daß man ſeiner Eitelkeit Wünſche beſcheiden lernte, als daß man ſich dazu verſtehen könnte, im Einklang mit ſeinen inneren Verhältniſſen zu leben. Treten wir in eine Familie ein, wo eine ſolche Richtung herrſcht, ſo werden wir ſelten Zufrieden⸗ heit dort finden. Eiferſüchtig bewachen die Schweſtern, wenn es Mehrere ſind, ſich gegenſeitig jede Minute, welche ſie dem Allgemeinen opfern ſollen, jede häusliche Pflicht wird läſſig und mit Unluſt betrieben, nur das Nothwendigſte geſchieht und für das Schöne und Angenehme findet ſich keine Zeit, denn die Stunden ſind koſtbar, weil ſie Geld verdienen. Das Y und Dein entweiht und trennt die jugendlichen Herzen. — — — — — Von einem geiſtigen Intereſſe kann natürlich in einer ſol— chen Familie die Rede nicht mehr ſein; Gewinn und Putzſucht breiten über Alles ihre kalte, unerquickliche Hand. Mädchen, welche bei einfacheren Bedürfniſſen ihre Mußeſtunden zu geiſti⸗ gen Beſchäftigungen anwenden könnten, welche ſich dadurch friſch, heiter und wohlwollend erhalten würden, werden vor der Zeit zu grämlichen, finſtern Geſtalten, denen die ſeidnen Kleider und Spitzenſhawls nie mehr jenen Zauber verleihen, den ein offner, einfacher Sinn, ein freundlicher und gebildeter Geiſt ſelbſt noch über die anſpruchsloſeſte Erſcheinung verbreiten. Neben jenen vornehmen Stickerinnen ſehen wir eine noch größere Zahl jugendlicher Gouvernanten entſtehen, welche in den meiſten Fällen ebenfalls nur die Unluſt, an den Mühen und Sorgen des eigenen Familienlebens theilzunehmen, vom häuslichen Herde entfernt. Es iſt wahrhaft zur Sucht und Mode geworden, junge Mädchen zu Erzieherinnen auszubilden, während unter Hunderten vielleicht kaum Fünfe den wirklichen Beruf dazu mitbringen. Ueberhaupt kann dieſer Drang ſich erſt in ſpäteren Lebensjahren, wo der Geiſt ſeine ganze Reife erlangt hat, als etwas Aechtes und Dauerndes entfalten.— Man möge dagegen ſagen, Thatſache und liegt zu tief in der weiblichen Natur begründet, daß jedes Mädchen den Wunſch hegt, ſich glücklich und nach Neigung zu verheirathen, und es iſt eben ſo ſehr Thatſache, daß jeder ſelbſtgewählte weibliche Beruf der Ehe weichen muß. Wie weit dies zu bekämpfen oder nicht zu bekämpfen iſt, wird an einem anderen Orte erörtert werden, aber ſo viel minde⸗ ſtens können wir ſchon hier feſtſtellen, daß eine verſtändige Ueberlegung gebieteriſch fordert, jedem Mädchen erſt die allge⸗ meine weibliche Ausbildung zu geben, ehe ſie ſich einen be⸗ ſonderen Beruf wählt und ſich dieſem widmet. Nun kann aber von der praktiſchen Seite derſelben dort gar nicht die Rede ſein, wo man die Prätenſion macht, ſchon mit 18 oder 20 Jahren eine fertige Erzieherin vorſtellen zu wollen. So finden wir oft in den mittleren Ständen eine Menge von Mädchen in allen praktiſchen Dingen eben ſo unerfahren und unbeholfen, wie kaum eine Fürſtin ſein würde. Aber dieſe Mädchen kehren doch, ſo bald ſich die Gelegenheit dazu bietet, in's häusliche Leben zurück, und es trifft ſich oft genug, daß die theoretiſch am meiſten ausgebildete Erzieherin die ſchlechteſte Hausfrau was man wolle, es iſt einmal unt wie aue Bl die ma Ja geſ zeh Fr lic iht ſch üe un edie nernüetiſte Mutter abgibt, weil ſie kein fertig ent⸗ vom wickelter Menſch, ſondern eine bloße Lehrmaſchine iſt. Aber und auch mit der geiſtigen Ausbildung ſieht es für den tiefer lden, Blickenden oft ſehr ſchlimm aus; denn die Zeit, welche ſich ichen die jugendlichen Erzieherinnen für ihre eigene Ausbildung ſich gönnen, iſt in der Regel viel zu kurz. Es iſt ergötzlich, wenn Reife man täglich in den Zeitungen Gouvernanten von 18— 20 Jahren annoneirt ſieht, mit einer Reihe von Kenntniſſen aus⸗ mal geſtattet, zu deren wirklicher Erlernung ſie mindeſtens noch det, zehn fernerer Lebensjahre bedurft hätten. Man kann dieſe nach Frage nicht ſcharf genug betonen, denn was unbrauchbare che, Gouvernanten ſchon an der Frauenwelt verbrochen, iſt genug⸗ uß. ſam bekannt. vird, Die Erziehung fremder Kinder iſt unſtreitig die ſchwerſte nde⸗ weibliche, ja faſt der ſchwerſte menſchliche Beruf überhaupt, und dige man vertraut ihn ſo oft ohne Weiteres unreifen, unfertigen lge⸗ Perſonen an, welche, ihrem Alter, wie ihren ſonſtigen Be⸗ be⸗ ziehungen nach, ſelbſt noch der pädagogiſchen Ausbildung be⸗ ber dürften. Unſere weibliche Erziehung muß ſtets beabſichtigen, ede für den engſten häuslichen Kreis heranzubilden und zugleich 20 der Frau die Befähigung ertheilen, über dieſen Kreis hinaus den in eine größere und beſtimmte Wirkſamkeit zu treten, ſobald en die Zeit dazu gekommen iſt. Was ſoll uns aber jene unnatür⸗ en, liche Haſt, mit der man dem jugendlichen Geiſte eine oberfläch⸗ en liche Kenntniß der verſchiedenartigſten Dinge aufpfropft und 1 che ibn hernach als befähigt und berechtigt zu dem wichtigen Ge⸗ ſch ſchäft der Erziehung binaus in die Welt ſchickt, in vornehme, au geſellige Verhältniſſe, wo nur zu häufig der ganze innere Werth eines von Natur vielleicht höchſt einfachen und reinen Weſens völlig untergraben und vernichtet wird. . Aber es iſt abermals der geiſtige Hochmuth, die Ungenüg⸗ ſamkeit, welche ſo viele Mädchen ohne Noth und vor der Zeit aus ihren einfachen Verhältniſſen hinaustreibt. Sie dünken ſich zu gut, ihre häuslichen Pflichten zu erfüllen, ſie wollen ein Anhängſel der vornehmen Welt werden, ſich putzen und die vornehmen Damen ſpielen. Dieſe Motive locken das junge Mädchen viel häufiger fort, als der wirkliche Drang, etwas Tüchtiges zu leiſten; in der erſten Jugend denkt man über⸗ haupt ſelten ſo weit und thut auch völlig genug, wenn man zu Hauſe und gegen ſich ſelbſt die nächſten Pflichten erfüllt. Und wie kehren dieſe Treibhauspflanzen dann in der Regel in die Heimath zurück, nachdem ſie ihre beſten Jahre und friſche⸗ ſten Kräfte einer kalten und oft undankbaren Welt geopfert haben? In der Lebenszeit, in welcher der Menſch in ſeiner vollen, geiſtigen Entwickelung und Reife daſtehen ſollte, fühlen ſie ſich müde, abgeſpannt, zerknickt, unmuthig zum alten Ge⸗ ſchäfte, unfähig, den Anforderungen des häuslichen Lebens zu genügen, verwöhnt und unluſtiger als zuvor, ſich in einfachen Verhältniſſen zu bewegen. Darum preiſe ſich jedes Mädchen glücklich, welches nicht die Noth dazu drängt, ſchon in früher Jugend ihren Familienkreis zu verlaſſen; es bleibe gerne an dem beſcheidenen Orte ſeiner Geburt, bi s es auch wirklich die Kraft dazu hat, die Prüfungen einer fremden Welt zu ertragen und der ſchweren Pflicht zu entſprechen, welche es ſich gewählt. Vor dem fünfundzwanzigſten Jahre kann ein Mädchen nicht wohl Anſprüche darauf machen, eine tüchtige Erzieherin — zu ge Ur kor nic der nie fa ver un Be kar da hä jen ſeh tat der un beſ 3 zu ſein. Aber dieſer Lebensabſchnitt genügt, es bis zu einem gewiſſen Abſchluß und gleichmäßig auszubilden. Auf den Umfang der Kenntniſſe, auf ein Talent mehr oder weniger kommt es auch hier nicht an, wenn nur die Geſammtbildung zuſammenhängend iſt und ihre Wirkung auf Herz und Charakter nicht verfehlt hat. Lehrer oder Lehrerinnen, die einem oder dem anderen Mangel abhelfen können, finden ſich überall, aber nicht überall findet ſich die klare, einſichtsvolle Ruhe, der ein⸗ fache Sinn, der vorurtheilsfreie Geiſt, die ſittliche Würde, welche allein zu einer tüchtigen Erzieherin befähigen. Dieſe verleiht aber erſt ein ſpäteres Lebensalter, in welchem das Herz ſchon ſeine Erfahrungen gemacht hat oder doch ruhiger ſchlägt und die wirkliche Sehnſucht in ſich trägt, zum Glück und Wohle Anderer zu wirken. Wir möchten gewiß keinem Mäd⸗ chen, das ſich ſchon in der erſten Jugend dieſem Berufe ge⸗ widmet hat, zu nahe treten, aber es ſpricht von ſelbſt, daß der Baum, der erſt in Blüthe ſteht, noch keine Früchte tragen kann; erſt ein gewiſſes Fertigſein mit ſich und der Welt macht dazu reif, fremde Kinder, zuweilen unter den widerlichſten Ver⸗ hältniſſen, zu erziehen. Ein durchgebildetes älteres Mädchen werden wir auch ſelten jener lächerlichen Pedanterie und ſteifen Schulweisheit verfallen ſehen, die ſo viele Gouvernanten von Profeſſion charakteriſirt. Es wird nicht bloß belehren wollen, nicht bloß meiſtern und tadeln, ſondern wirklich erziehen, in des Wortes vollſter Be⸗ deutung. Und in dieſem Sinne zu erziehen, iſt ein heiliger und ſchöner Beruf, wie oft Manche auch, die Männerwelt ins⸗ beſondere, die ältlichen Gouvernanten belächeln und beſpötteln — mögen. Dieſer Beruf iſt ppetiſch und groß, er ſtreut die edel⸗ ſten Blüthen aus und wird die Erzieherin erſt recht liebens⸗ ſ würdig und wohlwollend machen, wenn ſie ihn richtig erfaßt hat. ha Aber von den Vielen, die ihn ergreifen, ſind wohl nur Wenige ar 1 bis jetzt auserwählt, und die Haſt, mit der man ſich ihm widmet, fiü 1 iſt am wenigſten dazu geeignet, ſich für denſelben brauchbar zu ve machen. Wenn ein junges Mädchen wirklich ſchon frühe ge⸗ ſch nöthigt iſt, ſich ſeinen eigenen Unterhalt zu erwerben, ſo ſuche bil es lieber eine Stelle als Elementarlehrerin, wo es unter Be⸗ un aufſichtigung Anderer lehren und ſich noch vollſtändig heran⸗ tig bilden kann. Vernünftige Eltern kommen auch täglich mehr von dem Gedanken ab, ihre Kinder ganz jugendlichen Er⸗ nä zieherinnen anzuvertrauen; und mit der Tüchtigkeit der Letzteren do ſelbſt wird auch deren Stellung eine andere werden, die denn M doch in den meiſten Fällen leider nur ein glänzendes Elend Es iſt. Es iſt die erſte Pflicht einer Erzieherin gegen ſich ſelbſt, an daß ſie im Stande iſt, durch ihre Kenntniſſe und ihren Charakter hie jenen Menſchen zu imponiren, welche ſie nur zu gerne wie eine ſch Magd im höheren Sinne betrachten, und ſo wirkliche Herzens⸗ wi bildung in Regionen zu tragen, die deren oft ſo ſehr bedürfen. Fa Noch gibt es eine andere Klaſſe von Erzieherinnen, denen ble man nicht vorwerfen kann, daß ſie zu frühe, wohl aber daß ſeh ſie zu ſpät anfangen. Nach einer gedankenlos durchſchwärmten fer Jugend erwacht das beſſere Selbſt, erwacht der Drang nach ſei geiſtiger Beſchäftigung, oder noch öfter erheiſcht es der Drang es äußerer ungünſtiger Verhältniſſe, daß man ſich eine Quelle der des Erwerbs eröffne. Dann iſt, wie bei den Obengenannten, Fa das Lernen abermals nicht Zweck, ſondern nur noch Mittel; da in Windeseile ſoll binnen zwei bis drei Jahren alles Ver⸗ ſäumte nachgeholt werden, und die meiſten dieſer Mädchen haben nun allerdings ein reiferes Alter, aber keineswegs ein gründlicheres Wiſſen oder eine harmoniſchere Durchbildung für ſich. Wir möchten keinem von Beiden unſere Kinder an⸗ vertrauen, wohl aber jenem Mädchen, das in ruhiger Be⸗ ſcheidenheit in ſeinem Kreiſe ſich nach allen Seiten hin aus⸗ bildet, unbekümmert darum, wo das Leben es hinberufen wird, und dann, wenn der rechte Moment dazu gekommen, als fer⸗ tiges Weſen unter ſeine Mitmenſchen heraustritt. Aber man vergeſſe darüber niemals, daß die erſte und nächſte Pflicht des Mädchens der Familie angehört. So lange es dort noch etwas Ernſtes zu wirken und zu ſchaffen gibt, darf das Mädchen nicht darüber hinausſehen, um in's Weite zu ſtreben. Es gibt ein Drängen nach Geſchäftigkeit, welches eben ſo un— angenehm berühren kann als ſein Gegentheil. Wir erinnern hier an Rückert's bekanntes Wort: Wenn die Roſe ſelbſt ſich ſchmückt, ſchmückt ſie auch den Garten! Ein gebildetes, liebens⸗ würdiges Mädchen ziert jeden Kreis, iſt ein Schatz in jed Familie; wenn glückliche Verhältniſſe es ihm erlauben, bleibe es ruhig an ſeinem Platze, auch wenn es dort nicht ſo ſehr nothwendig iſt; dies verhindert es nicht, daß es ſchlag⸗ fertig daſtehe, ſobald ein Schickſalswechſel es ſo will, oder ſeine nächſten Pflichten ein natürliches Ende nehmen. Das iſt es eben, was den Bildungsgang der Frau ſo weſentlich von dem des Mannes unterſcheidet und ihn in ſeiner richtigen Faſſung immer poetiſch und anmuthig wird erſcheinen laſſen, daß ſie ſich nicht mit einer einſeitigen exaeten Wiſſenſchaft zu 76— Waffen des Geiſtes, damit keine Widerwärtigkeit des Lebens ſie jemals überraſche oder erſchrecke. plagen hat, ſondern nur gerüſtet einher gehen ſoll in den Noch Eins jedoch möchten wir jedem Mädchen dringend r R K k„ † anrathen; den Beruf der Erzieherin alsdann nicht zu wählen, wenn es nicht die nöthigen Fähigkeiten dazu beſitzt. Auch hierin braucht es der Beſcheidenheit und Selbſtkenntniß, da⸗ mit etwas Ganzes und nicht immer bloß das Halbe erreicht werde. Eine tüchtige Haushälterin iſt tauſendmal beſſer daran, als eine ſchlechte Gouvernante, und überall willkommen. Man kann ſelbſt recht gebildet ſein, ohne deßhalb das Talent zu beſitzen, dieſe Bildung Anderen mitzutheilen, und warum ſollte ein Mädchen, wenn es ſo ſein muß, ſeine häuslichen Talente nach Außen nicht eben ſo gut geltend machen, als ſeine geiſti⸗ gen? Es iſt nur Hochmuth, der einem Mädchen aus den höheren Ständen vorſpiegelt, eine ſolche Stellung ſei für es zu untergeordnet. Erſtens iſt nichts untergeordnet, womit man ſich redlich durch die Welt bringt, und dann gibt es viele Familien, die freudig eine gebildete Gehülfin ihres Haushalts bei ſich aufnehmen. Einer tüchtigen Mutter iſt eine ſolche häufig willkommener, als eine feine Gouvernante, weil ſie ihre Kinder am liebſten ſelbſt erzieht. So fehlt es der redlich Strebenden niemals an einem Erwerbszweig, wenn ſie die Zeit ihrer Jugend nicht mit leeren Tändeleien ver— ſäumt hat. Wir dürfen dieſe Betrachtung nicht ſchließen, ohne noch jener wiedererwachenden Neigung des weiblichen Geſchlechts zum klöſterlichen Leben zu erwähnen, welche ſich heutigen Tages —— den ebens igend hlen, Auch da⸗ eicht wan, Man t zu ollte ente iſti⸗ den es mit leider ſo häufig geltend macht. Der religiöſen Ueberſpan⸗ nung, aus welcher ſie meiſtens hervorgeht, kann wohl nur durch eine aufgeklärte Erziehung begegnet werden, welche das Mädchen über ſeine wahren Pflichten belehrt. Wie ein⸗ ſeitig iſt die Tugend, welche ein gebildetes Mädchen Tag für Tag an das Bett von Kranken und Sterbenden feſſelt, die eine für dieſen Beruf erzogene Hand eben ſo liebreich verpflegen würde, während zu Hauſe vielleicht die Eltern oder Geſchwiſter fremder Hülfe und fremden Mitleids bedürfen. Eine Richtung, welche zum Theil unſtreitig auf der Baſis reinſter Menſchenliebe beruht, ohne Weiteres mit dem Wort „Mode“ abzumachen, würde leichtfertig ſein, und doch kann man eine ſolche Bezeichnung, den Thatſachen gegenüber, kaum unterdrücken. Wenn ein armes, zerſchlagenes Herz, ein müder Geiſt in jenem Wirken neuen Lehensmuth zu ſchöpfen und ſich damit der Menſchheit wieder zuzuwenden glaubt, wer möchte darüber die Achſel zucken? aber wenn ein Mädchen, jung und gebildet, aber unbekannt mit der Welt, ſeine nächſten Pflichten verläßt, um ſich dieſem Berufe zuzuwenden, ſo kann man dies kaum anders als Ueberſpannung und Thorheit nennen. Der Menſch ſoll wuchern mit dem Pfunde, das ihm ge⸗ geben iſt, und es nicht vergraben; wie kann es alſo vernünf⸗ tig ſein, die geiſtige Stufe, auf welche die Erziehung uns geſtellt, um einer rein mechaniſchen Beſchäftigung willen zu verlaſſen? Aber die Krankenpflege wird und muß zuletzt mecha⸗ niſch betrieben werden, weil das Auge ſich endlich ſelbſt an die ſchrecklichſten Dinge gewöhnt, und die barmherzige Schweſter nach einem halben Jahre aufgerieben wäre, wenn ſie nicht gleichgültig am Krankenbett würde. Gewiß gehört oft eine viel größere Demuth des Herzens dazu, in ſeinem kleinen Kreiſe ſtill und gelaſſen fortzuwirken, als plötzlich mit einem gewiſſen Pomp aus demſelben hinaus⸗ zutreten und eine Rolle zu ſpielen, indem man in übel ver— ſtandener Frömmigkeit einen Beruf erwählt, der niemals unter der menſchlichen Würde, aber ſehr häufig unter den Fähig⸗ keiten des Individuums ſteht. „— In Zeiten großen, öffentlichen Unglücks aber wird die ächte Frau überall da zu finden ſein, wo es ihrer thätigen Hülfe und Menſchenliebe bedarf. Dann erſt iſt ſie der wahre Engel der Menſchheit, wenn ſie im Stande iſt, überall helfend, fördernd, anregend einzugreifen; aber weder Ab⸗ ſpannung, noch Einſeitigkeit, noch Zerſplitterung führen zum rechten Ziel. Wie unendlich hoch kann ſich die weibliche Kraft ent— wickeln, die von Natur mit mehr Geduld und Langmuth als die männliche ausgeſtattet, damit noch Lebensfriſche und eine unbefangene Anſchauung zu verbinden weiß! Aber dazu gilt es, ſich wacker zuſammenzuhalten und des Dichters Wort nicht zu vergeſſen: Immerdar ſich Unbeirrt das kicht vom P Und zuletzt d 8 ſelbſt beſchränken, Nächſte denken, fad, dem rechten, weichen as Ziel erreichen! ———————— ꝗ Har leid geri lieg ein die gen hre all Ab⸗ um nt⸗ als ine ilt ort Die Inſtitute. Man merkt die Abſicht und man iſt verſtimmt. Göthe. Uachdem wir uns ſchon mit ſo großer Vorliebe für das Familienleben ausgeſprochen, kann es kaum verwundern, wenn wir gegen die Inſtitutserziehung Einiges einzuwenden haben. Es iſt Mode in vielen Familien, daß man das Mädchen, wenn die Schulzeit und erſte Communion vorüber ſind, noch ein oder zwei Jahre in ein Inſtitut ſchickt, um dort die letzte Hand an ſeine Bildung legen zu laſſen. Damit wird aber leider nur zu häufig der Grund zu ſeiner Verbild ung ge⸗ legt. Die meiſten unſrer Inſtitute ſind mehr darauf ein⸗ gerichtet, eine Dame als ein ächtes Weib zu erziehen. Es liegt in der Natur des Inſtituts, daß eine beſtimmte Regel, ein Geſetz herrſchen muß, dem alle Zöglinge gleichmäßig unter⸗ worfen ſind. Eine freiere und urſprüngliche Entfaltung des — 5 jugendlichen Geiſtes wird aber dadurch ſchon von vornherein beeinträchtigt, um ſo mehr, als es den Vorſtehern eines jeden Inſtituts darum zu thun ſein muß, an dem Mädchen, das ihnen übergeben wurde, ein ſichtbares Reſultat hervorzu⸗ bringen. Das anſtändige, wohlgeſittete Frauenzimmer ſoll ſogleich jedem Auge entgegenleuchten, und ſo werden den armen Kindern oft nur äußere Formen anerzogen und ange⸗ künſtelt, welche ein ſolch wohlerzogenes Mädchen, das friſch aus dem Inſtitute ankommt, nicht ſelten zum unerträglichſten Weſen auf der Welt machen. Auf eine Bildung des Charakters, welche grade in dieſem Alter ſo wichtig iſt, wird im Inſtitut ſelten oder nie geſehen. Sobald ſein nivellirender Zwang vorüber iſt, treten die natür⸗ lichen Anlagen wieder in ihre alten Rechte ein; denn ſie ſind weit öfter unterdrückt als veredelt und verbeſſert, und leider mit ihnen zugleich gar manche natürliche Regungen des Geiſtes und Gemüthes. Aber auch ganz abgeſehen davon, werden die liebenswürdigſten Eigenſchaften eines weiblichen Weſens in den Schatten geſtellt durch ein affectirtes und geſchraubtes Benehmen, welches nur zu häufig das Merkmal einer wohl— disciplinirten Inſtituserziehung iſt. Siebzehn— oder achtzehn— jährige junge Damen, welche mit vollendeter Bücherweisheit und dem beſten Anſtand über alle möglichen Dinge zu ſprechen wiſſen, ſind unter allen Umſtänden lächerlich, Andre die wie Statuen daſtehen und gar nichts reden, höchſt langweilig— und dieſe beiden Richtungen ruft das Inſtitut nur zu oft hervor. gů En wo we ein mu ſch des bil ler we nie der ſell we do lic fö: He Ur de wi lie in na herein jeden das orzu⸗ ſoll den ange⸗ friſch chſten ieem ſehen. atür⸗ ſind leider eiſtes n die 8 in ubtes wohl⸗ zehn⸗ Sheit echen wie 8— toft Es kann keine Frage ſein, daß ein nur einigermaßen günſtig geſtaltetes Familienleben eine einfache und natürliche Entfaltung des jugendlichen Geiſtes weit beſſer zuläßt. Da, wo alle Kräfte gleichmäßig geübt und in Anſpruch genommen werden, wo das Mädchen ſeine Pflichten nicht nach der Uhr eintheilen, ſondern überall gefällig, helfend, thätig beiſpringen muß, wo ſchon frühe das ſtrenge Lernen mit häuslichen Be⸗ ſchäftigungen abwechſelt, und der freiere, geſellige V Verkehr des Familienlebens unmerklich die leichte Umgangsform an⸗ bildet, welche im Inſtitut in künſtlicher Beſchränkung ange⸗ lernt wird, da müſſen ſich ohne Zweifel vielſeitigere und weniger ſteife, weniger unbeholfene Naturen entwickeln. Ein nicht geringer Nachtheil des Inſtitutlebens iſt übrigens noch der, daß daſſelbe das junge Mädchen von dem äußeren ge⸗ ſelligen Verkehr grade in den Jahren abſchließt, wo die Phantaſie am lebhafteſten damit beſchäftigt iſt, ſich denſelben ſo reizend wie möglich auszumalen. Das junge Mä dehen, welches in ſeiner Familie aufwächſt, ſieht jene Dinge, welche dort ſo zauberhaft wirken, in der Nähe und in ihrer wirk⸗ lichen Geſtalt. Wenn ſie auch noch nicht in die Geſellſchaft förmlich eingeführt iſt, ſo tritt ſie doch durch den Verkehr im Hauſe ſelbſt allmälig in dieſelbe ein, gewöhnt ſich an den Umgang mit Männern und iſt weder überraſcht noch geblen— det, wenn ſie ſpäter als zur Geſellſchaft gehörig angeſehen wird. Mädchen, im Inſtitut erzogen, bringen aber gewöhn⸗ lich die verkehrteſten Anſie hten und Ideen über die Welt mit die in einem regelrechten Inſtitute werden ohne Auswahl heimlich in dieſelbe— Romane, d natürlich verpönt ſind, 3 Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 6 82 geleſen, und die junge Dame verbirgt häufig, wenn ſie das Inſtitut verläßt, unter ihren geſetzten Formen eine Erregtheit der Phantaſie, und eine künſtlich zurückgehaltene innere Reiz⸗ barkeit, welche ſie leicht ohne Weiteres dem erſten beſten Manne in die Arme führen, der ihr huldigend entgegentritt. Welche Lehrerin könnte aber auch das Auge einer wach⸗ ſamen und zärtlichen Mutter erſetzen, welche Umgebung die Geſellſchaft gleichgearteter und guter Geſchwiſter? wo fände ſich die reine Atmoſphäre wieder, welche jenen Familienkreis durchweht, wo in heiterer Ungezwungenheit ſtrenge und ange— nehme Arbeit Hand in Hand gehen, während eine vernünftige Geſelligkeit den Geiſt bildet und anregt? Eine ſolche Familien⸗ erziehung, verbunden mit Lehranſtalten, wie wir ſie ſchon öfter erwähnten, ſollten uns ein Frauengeſchlecht heranbilden, wie es ſchlichter und liebenswürdiger gewiß kaum gedacht werden kann. Doch ſollen damit die Inſtitute keineswegs ganz auf die Seite geſchoben ſein. Es wird immer noch eine Menge von Mädchen geben, welche aus den verſchiedenſten Gründen ihrer bedürfen. Möchte ihnen zum Heile eine vernünftige und zeitgemäße Reform der Inſtitute eintreten, wie wir ſie in einem erſt ſeit wenigen Jahren Entſtandenen in der That er⸗ blicken, wo die Vorſteherin ſich mit dem ſchönſten Erfolge be— müht, die Familienerziehung mit der Schule zu vereinigen. Auf einem modificirten Prineip des gegenſeitigen Unterrichts be⸗ ruhend, legt dieſes Inſtitut alle Zweige der Belehrung in deren eigne Hand und dabei iſt jedes Mädchen Lehrerin und Schülerin zugleich, je nach ſeiner Befähigung. Das heißt ſie iſt Lehrerin nicht in ſo ferne, daß ſie das eben Erlernte wieder —— A —— 83 einer niedereren Klaſſe mechaniſch vorſagt, ſondern das, was ſie im richtigen Zuſammenhange erfaßt und begriffen hat, dies theilt ſie wieder Einer oder mehreren Anderen mit, um dieſe dadurch entweder für den eigentlichen Unterricht vorzubereiten oder ihrem ſchwächeren Gedächtniß oder Auffaſſungsvermögen nachzuhelfen. Der Zweck iſt keineswegs der, Schulmeiſterinnen heranzubilden, ſondern hat einzig die einfache Thatſache vor Augen, daß nichts klarer über eine Sache macht und ſie dem Gedächtniß tiefer einprägt, als wenn man dieſelbe ſeinerſeits Andern klar machen muß. Daß übrigens dieſe gegenſeitigen Belehrungen unter der ſtrengſten Controlle der Vorſteherin ſtehen ſpricht von ſelbſt. Durch jenes Princip iſt dieſe Vor⸗ ſteherin auf's Innigſte mit den Zöglingen verbunden. Kein ſtörendes Element fremder Lehrer drängt ſich dazwiſchen; ſie iſt im Stande auch wirklich zu erziehen, indem ſie be⸗ lehrt; die geiſtigen Fähigkeiten und die individuelle Eigen⸗ thümlichkeit einer Jeden können Derjenigen nicht entgehen, die Alles mit den eignen Augen ſieht und mithin das erreichen kann, was jeder Inſtitutsvorſteherin, welche fremder Hülfe be⸗ darf, ſehr ſchwer fällt— nämlich die direete Einwirkung auf jeden einzelnen Charakter. So gewinnt die Erzieherin in kur⸗ zer Zeit den nämlichen Scharfblick wie die Mutter, kann gleich dieſer auf das Herz einwirken, und einer der wichtigſten Zwecke der Familienerziehung wird auf dieſe Weiſe in jenem In⸗ ſtitute erreicht. Die Gründlichkeit des Unterrichts kann dabei nicht größer ſein, da die Lehrerin ganz genau den Zuſammenhang eines Wiſſens überſieht, welches ſie in allen Zweigen, außer Muſik 84— und Zeichnen, perſönlich lehrt und ſomit alles Lückenhafte unmöglich macht. Ebenſo wird der Sinn für Thätigkeit in dem jungen Mädchen unendlich durch den Umſtand ge— ſteigert, daß es nicht bloß in ſich aufnehmen, ſondern auch wieder ausgeben muß, wie es überhaupt die eigentlichſte Ten⸗ denz dieſes Inſtituts iſt, den Egoismus der menſchlichen Na⸗ tur auf's Aeußerſte zu befehden und dagegen den Sinn für die Geſammtheit nach Innen und Außen zu erwecken. Das Wiſſen iſt Gemeingut, Jedes hilft dem Anderen und fördert es nach ſeinen beſten Kräften, und ſo bewegt ein gei⸗ ſtiges Leben dieſe aufſtrebende Jugend, welches gar keinen ſtörenden Nebengedanken aufkommen läßt. Dieſer Eifer für das allgemeine Wohl ſetzt ſich nach Außen hin fort, und ge⸗ wiß, keines dieſer Mädchen wird einſt im Gewühl des Lebens die Pflichten gegen die ärmeren und hülfloſen Nebenmenſchen vergeſſen, denn es lernt ſie hier ſchon in der früheſten Jugend ausüben. So weit dies im Inſtitute nur immer thunlich, wird zugleich eine praktiſche Erziehung mit der geiſtigen verbunden, und obgleich jene natürlich nicht in ihrer ganzen Ausdehnung gegeben werden kann, ſo begreift doch das Mädchen, daß es ſich auch um die alltäglichen Dinge kümmern muß, lernt den Verkehr mit den Dienſtboten und bekommt einen Begriff von dem Mechanismus des Haushalts und ſeinen Ausgaben. Daß Einfachheit der Kleidung, Anſpruchsloſigkeit und Natürlichkeit des Benehmens vor allen Dingen bei einem Principe gefor⸗ dert werden, das nur für die ächte Innerlichkeit und Wahr⸗ heit zu erziehen trachtet, verſteht ſich von ſelbſt, aber dieſe Einfachheit wird niemals unſchön oder ohne Anmuth erſcheinen. 6 W* 1. Mag das Schickſal die ſo erzogenen Mädchen hin ver⸗ ſchlagen wohin es will, gewiß Keines, ſelbſt das Unbedeutendſte und Flatterhafteſte, wird, wenn es nur einige Jahre unter dieſem ſegensreichen Einfluß geſtanden, in das Leben zurück⸗ kehren, ohne einen tiefen inneren Drang nach dem Beſſeren und Wahren zu empfinden, ohne die Ahnung, daß ſie eben ſo wohl zur Arbeit als zur freundlichen Lebenserſcheinung be⸗ rufen iſt. Wenn in dieſem Sinne noch viele Inſtitute entſtehen, dann mögen Eltern und Vormünder ihnen freudigen Herzens ihre Kinder anvertrauen, aber doch ja nicht auf zu kurze Zeit. Eins bis zwei Jahre reichen kaum aus, den Boden vorzube⸗ reiten, einigermaßen Ordnung in einen unklar entwickelten Geiſt zu bringen, und beſſere Keime in einem leichtſinnigen und flatterhaften Herzen zu erwecken. Ja, beſſere, richtigere Erziehung unſerem Geſchlechte! Dies muß der Ruf jedes redlichen, wohlmeinenden Frauen⸗ herzens ſein. Ihr, die ihr Töchter beſitzet, laßt ihn nicht ungehört an eurem Ohre verhallen. ———— Die Ehe. Große Gunſt Hat es vor Gott und Menſchen. Heil'ge Kräfte Erheben's über alle Willkür. Jedem, Der's anerkennt, ſich's anzueignen weiß, Verſchafft es Glück und Ruhe. Vollbeſtand Erwünſchter Lebensgüter ſind wir ihm, So wie der Zukunft höchſte Bilder ſchuldig. Als allgemeines Menſchengut verordnet's Der Himmel ſelbſt, und ließ dem Glück, der Kühnheit Und ſtiller Neigung Raum ſich's zu erwerben! Göthe. Sollte es möglich ſein, Etwas über die Frauen zu ſchrei— ben, ohne einen Punkt zu berühren, der, man mag dagegen ſagen was man will, immer den Brennpunkt des weiblichen Lebens bilden wird? Es iſt eine wunderbare Erſcheinung, daß grade in neuerer Zeit ſo viele unſrer geiſtig hochſtehendſten Frauen gegen ein Band proteſtiren, welches doch am Ende die Wenigſten von ihnen entbehren möchten. Wenn der Mann von ſeinem freieren Standpunkt aus die Sitten dahingegange- ner eiviliſirter Nationen preiſt und den Beweis darin zu fin⸗ — — —— — ———— „ den glaubt, daß die Ehe keineswegs von der Sittlichkeit durchaus geboten iſt und Staat und Moral auch ohne dieſelbe beſtehen können, ſo mag er für ſich vielleicht Recht haben. Aber es wäre ſchlimm für die Frau unſrer Zeit, wenn dieſe Anſicht allgemein gültig werden ſollte. Für ſie würde dies gradezu Degradativn in jeder Hinſicht ſein, und wir brauchen nur auf den Standpunkt hinzublicken, den die Frauen jener Nativnen einnahmen, um dieſe Anſicht für völlig gerechtfertigt zu halten. Die ganze geſellſchaftliche Stellung der Frau, ihre höhere Bildung beruht einzig und allein auf der Familie, mit⸗ hin auf der Ehe, aus welcher Erſtere ſich entwickelt.„Die Frau bedarf einen engen Umkreis, einer bürgerlichen Form, ohne deren Blumenſtab dieſe reinen, weißen Blüthen in den Schmutz des Beetes kriechen. Ein Mann kann ein Weltbürger ſein und wenn er nichts mehr in ſeine Arme zu nehmen hat, ſeine Bruſt an den ganzen Erdball drücken, obgleich er nicht viel mehr davon umarmen kann, als ein Grabhügel beträgt, aber eine Weltbürgerin iſt eine Rieſin, die durch die Erde zieht, ohne Etwas zu haben als Zuſchauer und ohne Etwas zu ſein als eine Rolle!“ ſagt Jean Paul mit großer Wahr⸗ heit, und wenn wir auch keineswegs der Meinung ſind, daß das weibliche Glück einzig und allein in der Ehe zu finden ſei, ſo muß doch jedes wahre Frauenherz offen zugeſtehen, daß es in ſeiner höchſten Vollendung nirgends ſchöner er⸗ blüht. Aber es iſt gar nicht zu berechnen, wie tief das weib⸗ liche Geſchlecht ohne die Inſtitution der Ehe wieder herab⸗ ſinken würde. Grade die Gränze des modernen Familien⸗ lebens garantirt der Frau ihre freieſte Entwickelung in dem 88 ihr naturgemäß zugewieſenen Kreiſe; ſie iſt beſchränkt und doch nicht abgeſperrt, Gattin und nicht Selavin, und ſo können wir uns keine andere Poſition denken, welche ſie dem Manne ſo vollkommen ebenbürtig und frei zur Seite ſtellte. Es iſt ein Irrthum, anzunehmen, daß die geſteigerte Bildung der Frau ſie ſelbſt über die Ehe hinaus emancipiren könne, ohne daß dadurch der zarteſte Hauch ihres Weſens hinweggewiſcht würde. Die Deelamationen von der freien Liebe, wie ſie uns von Frankreich herübergekommen, können momentan Anklang finden, aber jede zartfühlende Frau muß ſie mit Entſchiedenheit zurückweiſen, nicht etwa aus Prüderie, ſondern weil dieſe Ideen wirklich dem ſittlichen Gefühl zu⸗ widerlaufen. Auch unſre heiligſten und reinſten Neigungen bedürfen einer geſchloſſenen Form, eines äußeren Haltpunktes, wenn ſie nicht in's Regelloſe auslaufen ſollen. Die Art und Weiſe, wie man die Ehe in Frankreich ab⸗ ſchließt, rechtfertigt beinahe eine Reaction wie die Obenge⸗ nannte; bei uns hingegen, in den mittleren Ständen wenig⸗ ſtens, beruht ſie noch auf ganz anderen ſittlichen Voraus⸗ ſetzungen. Sie iſt faſt immer das Ergebniß einer freien Wahl, ſelten findet in dieſen Regionen ein beſtimmter Zwang ſtatt, und der ungehinderte Verkehr zwiſchen Verlobten läßt auch hier noch eine Erkennung des Ungleichartigen zu. Daß die Ehe zu einem unmoraliſchen Inſtitut herabſinken kann und zwar durch die Weiſe, in welcher man ſie oft abſchließt, das ſteht außer Frage, aber dies kann man dem Inſtitut an ſich nicht zur Laſt legen. Iſt es die Schuld eines an ſich laute⸗ ren und reinen Gefäßes, wenn es getrübt oder auseinander⸗ ——— geſ ihn vo nal kör Se Eit wi rei nu fre He ten ine * ℳ S= — 89— geſprengt wird durch den unwürdigen Inhalt, welchen man ihm gibt? Daß unſre moderne Ehe auch im Mittelſtande ſchon von vornherein oft entweiht wird, weil ſo Viele deren Altar nahen, die unreinen oder gleichgültigen Herzens ſind, wer könnte dies läugnen? Aber wir fragen nochmals: wo liegt die Schuld? Das Inſtitut der Ehe mag, wie alle menſchliche Einrichtungen, auch ſeine mangelhaften Seiten haben, aber wie kommt es, daß man heute ſo viel mehr von ſeinen Män⸗ geln als von ſeiner Heiligkeit reden hört? Aus keinem andren Grunde, als weil es nicht mehr heilig gehalten wird, und weil die Frau ſich thatſächlich zur Magd erniedrigt, indem ſie dieſelbe ſchließt, um eine äußere Lebensſtellung zu gewin⸗ nen, ſeltner um innerhalb derſelben das Maß ihrer Pflichten zu erfüllen! Aber das geordnete Familienleben kann nur aus der reinen und glücklichen Ehe hervorgehen, die Geſellſchaft ſich nur auf dem Boden der Familie erhalten, der Staat ſich nur freier entwickeln durch den Hauch, der aus dem Innern des Hauſes hervor die Oeffentlichkeit belebt und durchdringt. Die Ehe auf ihre Grundprincipien zurückzuführen, zu neuer Heiligkeit zu erwecken, dies iſt und muß in der Gegen- wart eine der erſten Aufgaben des weiblichen Geſchlechts ſein. An ihm iſt es, jene Form, der die heutige Frau gewiſſer⸗ maßen die Möglichkeit ihrer freieren Entwickelung verdankt, in jeder Weiſe zu verklären und zu durchdringen mit dem Strahl der ſittlichſten Kraft. Die Ehe ehren als die höchſte Stufe unſres Glückes und doch ſie entbeh⸗ ren können mit zufriedenem Herzen, das ſollte — 90— der Culminationspunkt jeder ächten weiblichen Erkenntniß ſein. Denn in die Pforte des Tempels, dem man ſich mit Ehrfurcht nahen ſollte, ſtürzt man nicht mit leidenſchaftlicher Haſt; nicht der Rauſch einer Stunde, kein niedriges Motiv des Ehrgeizes oder der Eitelkeit führt uns an ſeine Schwelle. Wie die Männer denken bei ihrer Wahl für's Leben, kann uns gar nicht kümmern. Hier an dieſem Punkte, iſt die Frau Königin allein; das Reich der Liebe und der Neigung iſt ihr unbeſchränktes Gebiet und wie ſie es geſtaltet, ſo wird es ſein. Sie gibt ihr Höchſtes da⸗ hin und hat ein Recht, das Höchſte dagegen zu fordern. Die ſittliche Würde und geiſtige Selbſtſtändigkeit des Weibes ſind dazu berufen, die Ehe nicht überflüſſig zu machen, ſondern ſie neu zu adeln und zu erheben. Die Wahl ihres Herzens iſt für das Mädchen ein ſo wichtiger und großer Moment, er entſcheidet ſo häufig über das ganze Glück ihres Lebens, daß wir verlangen, ſie ſoll früh darüber klar ge⸗ macht werden, was ihre geiſtige Natur bedarf, und was ihr entſprechend iſt. Eine ſpätere Einführung in die Geſellſchaft, eine längere Dauer des kindlichen Alters wird auch hier die beſten Folgen haben. Wir wollen gewiß keine altklugen, aber wir wollen ſelbſtbewußte Mädchen, die nicht bloß unter der Herrſchaft einer zu früh erregten Phantaſie ſtehen, ſondern wirklich lieben können, weil ſie nie zu liebeln lernten. Die meiſten Männer mögen freilich jene jungen Kinder ppetiſcher finden, die das Gefühl ihrer eignen inneren Hal⸗ tungsloſigkeit jedem Manne in die Arme führt, der ſich ihnen nähert; die ſich einreden, daß ſie ohne einen Mann gar nicht — beſt nur entr ſchn übe der ſege nur die erke zuſt kon der unt ſch gri we wi ich mi lic iſt iſt au D ni W en ls, icht de, hrt rer an der wie da⸗ des en, res ßer res ge⸗ ihr aft, die ber der ern n. der al⸗ nen icht beſtehen können, ohne ſich zu fragen, ob dieſer Mann auch nur entfernt dem Ideale, das ſie ſich von der Männlichkeit entworfen haben, entſpricht. Wahrhaftig, dieſe inſtinetive, ſchwächliche Pyeſie genügt nicht mehr unſrer Wirklichkeit gegen⸗ über; wir müſſen das weibliche Neal in einer höhern Phaſe der Erkenntniß ſuchen, wenn es wirklich dazu beſtimmt iſt, ſegensreich auf die Gegenwart einzuwirken. Was ſoll uns dieſe unklare, unverſtandene Sehnſucht, die nur nach Schattenbildern haſcht und in ewiger Unzufriedenheit die thönernen Götterbilder zerſchlägt, ſobald ſie deren Hohlheit erkannt hat, um die Hand ſogleich nach einem Anderen aus⸗ zuſtrecken. Wenn das matte Herz ſich ſatt gequält, dann kommt die Idee von der Emancipation der Frau, dann wird der Mann verſchmäht, verachtet und doch immer wieder geliebt und angebetet, und vor lauter Sehnſucht und Liebe und pveti⸗ ſchen Schickſalen verfallen ſolche Naturen grade zuletzt in den gröbſten Egoismus, ohne es ſelbſt zu wiſſen. Jener Liebe, welche die Freiheit verlangt, mit ihrem Gegenſtand zu wechſeln, wie es ihr gefällt, welche ſpricht:„als ich jung war, liebte ich Dieſen Mann, aber ich habe mich geirrt, Jener verſteht mich beſſer, ihm will ich angehören“— jener Liebe iſt frei⸗ lich die Ehe läſtig und unbequem, und was das Schlimmſte iſt, ſie hat einen Schein von Berechtigung für ſich; denn es iſt leicht und verzeihlich, daß die Jugend ſich täuſche, wenn auch unverzeihlich, daß ſolche Irrthümer daraus erwachſen. Die Behauptung, daß die Ehe unmoraliſch werde, ſobald ſie nicht mehr auf gegenſeitiger Neigung beruhe, hat eine große Wahrheit für ſich, aber die unmoraliſchen Conſequenzen, welche 92 aus einer willkürlichen Aufhebung derſelben entſtehen müßten, würden noch weit größer ſein. Darum prüfet, ehe ihr euch bindet, und lernt euch vertragen, lernt euch beſchränken, dies iſt auch eine Wahrheit und jedenfalls ſittlicher als die Erſte.„ Daß alle Täuſchungen des Herzens ſich damit nicht aufheben laſſen, daß es immer noch unbefriedigte und unglückliche Ehen geben wird, auch wenn ſie mit größter Vorſicht und aus reinſter Neigung geſchloſſen werden, ſteht außer Frage, aber dieſes iſt der Fluch der Unvollkommenheit, welcher auf allen menſchlichen Einrichtungen ruht. Täuſchungen treffen das Herz überall mit gleicher Schwere, in und außer der Ehe, und die Mängel, welche ſie hier und dort offenbart, reichen nicht aus, um es zu rechtfertigen, daß die weibliche Hand an einer Schranke rüttelt, die ihr ſonſt ſo große Vortheile ſichert. Pflegt mit aller Kraft im Herzen der Frau das Gefühl ihrer weiblichen Würde, dies wird ihr in allen Lebenslagen die ſicherſte Stütze ſein. Sollten unſre Mädchen darum we⸗ niger poetiſch erſcheinen, weil das lichte Weiß ihrer Unſchuld und Jungfräulichkeit verklärt wird durch die Sonne jenes Stolzes, den wir heute leider nur zu häufig in der weiblichen Bruſt vermiſſen? Um übrigens die Sache auch von ihrer rein praktiſchen Seite aufzufaſſen, ſo müſſen wir zugeſtehen, daß allerdings in der Ehe neben den Vortheilen, die ſie der Frau nach Außen hin gewährt, eine gewiſſe Beſchränkung liegt. Schon mancher hoch⸗ fliegende, weibliche Geiſt mag ſich an ihren Mauern die Flügel abgeſtoßen haben, manch ſchönes Talent daran zu Grunde ge⸗ gangen ſein. Um ſo nothwendiger iſt es, das Mädchen ſchon ziehe ——— früh. verh heire keine die? Ehe Aber wird halte more mög groß kann Rech dere Frat höch oder die ſich daß wele ſcha rath füulle noch ühl gen we⸗ u hen frühe über die Bedeutung dieſer engeren Gränze aufzuklären. Die verheirathete Frau übernimmt Pflichten, von denen die unver⸗ heirathetete natürlich keine Ahnung beſitzt. Aber die Erſtere hat keinen Schein von Recht dazu, ſich dieſen zu entziehen und doch die Vortheile eines Ehebundes beſitzen zu wollen. Wer in der Ehe ſeine Schuldigkeit nicht thun, ſich nicht dem Nächſten unter⸗ ziehen will, welches angefordert wird, bleibe unverheirathet. Aber dieſen Punkt überſehen die meiſten Frauen. Der Mann wird vom Geſetze angewieſen, ſeine Familie anſtändig zu er⸗ halten; für die Frau gibt es kein ſolches Geſetz, aber ihre moraliſche Verpflichtung, das was der Mann erwirbt, im Hauſe möglichſt pflichtgetreu zu verwalten, iſt darum nicht minder groß. Keine Genialität, kein Talent, keine Hoheit des Geiſtes kann ſie von dieſer einfachen Pflicht freiſprechen; ſie hat kein Recht dazu, ſich glücklich und frei zu machen auf Koſten Derer, deren Beglückung und Wohlfahrt ihr anvertraut iſt. Die Frau, welche im Bewußtſein dieſer erfüllten Pflicht nicht ihre höchſte Befriedigung finden kann, darf die Ehe nicht eingehen, oder ſie wird ſich einer großen Sünde gegen ihre Familie und die Geſellſchaft ſchuldig machen. Ebenſowenig können wir einer Frau das Recht zugeſtehen, ſich durch Vernachläſſigung ihrer Pflichten darüber zu tröſten, daß ſie in der Ehe nicht die Liebe und das Glück gefunden, welches ſie dort gehofft. Fragt der Staat, fragt die Geſell— ſchaft darnach, ob der Mann glücklich oder unglücklich verhei⸗ rathet iſt? O nein, er muß darum doch ſeine Pflichten er⸗ füllen. Das Nämliche gilt von der Frau, und wahrlich keine noch ſo herbe Täuſchung des Lebens kann ein Daſein ganz 94 verwüſten, welches der Pflicht und der Arbeit geweiht iſt. Es ſind nur die ſchwachen, nur die unedlen Naturen unter unſerem Geſchlechte, welche im Leben und in den Romanen dieſe ewige Komödie vom unverſtandenen und getäuſchten Herzen aufführen. Wohl ſind die Täuſchungen des Herzens in Wahrheit die ſchmerzlichſten Zugaben des weiblichen Lebens, aber ſie dürfen es nicht zu Grunde richten. Ja, die Liebe iſt die Grundlage unſeres Weſens und macht uns groß und herrlich, aber die Liebe iſt unermeßlich und nicht immer dem einen Manne nur ſoll dieſes Liebesbedürfniß ſich erſchließen. Glücklich preiſe ſich, wer die ächte, die wahre Liebe gefunden, aber Herzen, die ſie empfinden können, ſtehen nie vereinſamt, auch wenn im einzelnen Liebesbunde ſie ihnen verſagt bleibt. Das Herz der Frau muß es lernen, in der Bruſt der Menſchheit zu ſchlagen, und die Flügel ſind ihr ge⸗ gegeben, welche ſie über jede Täuſchung emporheben. Wir ſagten vorhin, in den mittleren Ständen ſei es ſel⸗ ten, daß man ein Mädchen gradezu zu einer Heirath zwinge. Weniger ſelten jedoch iſt der äußere Drang der Verhältniſſe, der ein Mädchen nur zu häufig die Ehe ſchließen läßt, um da⸗ durch eine Verſorgung zu finden oder eine Lebensſtellung zu gewinnen. Dazu geſellt ſich eine Maſſe unvernünftiger Mütter und Tanten, die dem Mädchen ſchon als Kind einreden, es gäbe für ſie gar kein anderes Glück als innerhalb der Ehe und kein Mittel unverſucht laſſen, um ſie in dieſelbe einzu⸗ führen. Wie verwerflich und demüthigend zugleich dieſe Me⸗ thode iſt, brauchen wir nicht weiter auseinanderzuſetzen; dieſe 5 Rich ſere ſiche Erzi gibt von ſiche voll Do beſſe kei wür nur dem Jed terit iſt; des Ma ſei, zu! ſo: den und lege Es cem ige en. die fen 4 cht icht ſich hre hen nen der ge⸗ ſel⸗ nge. iſſe, da⸗ zu tter es Ehe nzu⸗ Me⸗ ieſe Richtung beweiſt abermals nur, wie nöthig der Welt eine beſ⸗ ſere Generation von Müttern ſein würde. Der S deſſen wir zuerſt erwähnten, wird aber am ſicherſten dadurch bekämpft, daß man dem Mädchen durch die iehtig die Mittel zu eigner Selbſtſtändigkeit in die Hand gibt. Ein Mädchen, welches nichts gelernt und nur eine Maſſe von Bedürfniſſen hat, muß ſich freilich danach ſehnen, eine ſichere Lebensſtellung zu erringen. Ohne den Mann iſt es eine vollſtändige Aull, es ſucht ihn alſo zu beſitzen um jeden Preis. Dort liegt die wahre Gemeinheit der Ehe, gegen die jedes beſſere weibliche Herz ſich empören muß. Die Untüchtig⸗ keit der Frau iſt es, was ſie thatſächlich zur Sclavin herab— würdigt, indem ſie dieſelbe zu einer Ehe zwingt, die nicht höhere Neigung, nicht das Gefühl wahrer Achtung, ſondern nur die Angſt um die künftige Verſorgung ſchließt. Und das iſt es, was dem Manne zumeiſt die Achtung vor dem weiblichen Geſchlechte raubt. Die leichte Beute eines Jeden, der ſich ihr naht, iſt die Frau nicht mehr die Gebie⸗ terin, ſondern der Spielball des männlichen Geſchlechts. Wo iſt jener ſchöne Glaube hingekommen, daß der höchſte Preis des Lebens die Gunſt einer edlen Frau ſei? Was liegt dem Manne daran, ob er tugendhaft und gerecht, rein und würdig ſei, dazu befähigt, ein ächtes weibliches Herz zu beſitzen und zu beglücken? Sei er noch ſo gemein, noch ſo niedrig, noch ſo unwahr und laſterhaft, er ſcheut ſich nicht, ſeine Hand nach den Schönſten und Lieblichſten unſeres Geſchlechts auszuſtrecken, und ſie ſchaudern nicht davor zurück, die Ihrige hinein zu legen. Stärkere und ſelbſtbewußtere Frauen müſſen wir der 96 Welt erringen, damit ein neuer Hauch der Begeiſterung von der Würde und dem Werth des Weibes ſie durchdringe und ver⸗ edle. Der Mann ſoll dem Weibe ebenbürtig werden an Tu⸗ gend und feſter Geſinnung, innerer Wahrheit und menſchlichem Stolze, ehe er daran denkt, ſie zu beſitzen. Ein ächter, deut⸗ ſcher Sänger ruft der Frau das zu, was ſie nie vergeſſen ſollte: Und drum dem Schlechten, Feigen, Dem Lügner und dem Knecht, Ergebt euch nicht zu eigen, Dann ſiegt von ſelbſt das Recht. ————— ——— Die Unverheirathete. Gleich von unbegränztem Sehnen . Wie entfernt von träger Ruh' Müſſe ſich mein Leben dehnen, Wie ein Strom dem Meere zu. Rückert⸗. Ich wußte, daß es Glück und Klarheit in und. Durch uns ſelbſt gibt. Rahel. Wo bliebe denn nun der Schrecken des eheloſen Standes für ſolche weibliche Naturen, die ſich im Leben ſelbſt zu helfen wiſſen und ſicher und feſt auf eigenen Füßen ſtehen? Wie manche Frau, die in unbedachter Eile den Ehebund geſchloſſen, würde oft gerne mit der alten Jungfer tauſchen, die, ihren beſſeren Gefühlen und Ueberzeugungen treu, ſich lieber ſelbſt genügen ließ, als daß ſie ohne Neigung oder aus kalter Berechnung an 1 den Altar trat. Ein jedes Lebenslvos hat ſeine Leiden und Die Frauen und ihr Beruf⸗ II. Auflage. 556 Freuden, und ein Mädchen, das ſeine Aufgabe verſteht, ſeine Kräfte benützt und entwickelt hat, wird auch nach außen immer eine ſo ehrenvolle und geachtete Stellung finden, wie ſie die hochſtehendſte Frau ſich nur wünſchen kann. Das Einzige, was der verheiratheten Frau zu beneiden iſt, und von Mädchen wohl am Bitterſten entbehrt wird, iſt nicht die Liebe des Gatten, nicht die geſicherte Lebensſtellung, es iſt der ſüße Name der Mutter, welchen des Mädchens Ohr nie⸗ mals vernimmt. Das iſt es, was das weibliche Herz am ſchmerzlichſten vermißt— die Freude eines Kinderumgangs und deſſen ungeſtörten Beſitz. Und hier ein Wort an euch, ihr Frauen, die ihr ſo oft erbarmungslos das Mädchen beurtheilt, dem ein anderes Lvos als euch zugefallen. Was euch friſcher und liebevoller erhält, das iſt nicht vielleicht euer größerer Verſtand oder euer liebe⸗ volleres Herz, ſondern der unſchuldige Zauber der Kinderwelt, die euch umgibt. Wie viele von euch wären grämlich und ver— knöchert, kalt und unfreundlich geworden, wie ſo manche unter eueren unverheiratheten Mitſchweſtern, wenn dieſer Zauber euch gefehlt hätte! Das iſt der wahre und gerechtfertigte Schmerz des eheloſen Standes, daß die Mutterfreude und das Mutter⸗ glück ihm fehlen. Gänzlich fehlen? O nein! Die verſagte Liebe, welche die Wunde ſchlägt, kann ſie auch wieder heilen. In der Kinderwelt rinnt der Born, der ewige Friſche und Geſundheit verleiht, und die unverheirathete Frau iſt ſehr wohl im Stande, ſich der Jugend eben ſo unentbehrlich zu machen, wie die eigene Mutter. Aber um dieſes zu erreichen, müſſen ſie ihre Bildung, ihr Wohlwollen, ihr geläuterter Geſchmack den als rec au iſt der loſ W Be Ki dem heranwachſenden Geſchlechte nahe ſtellen; als Beſchützerin, als Erzieherin und Freundin deſſelben erringt ſie ſich Mutter⸗ rechte, und ihre Mühe wird reichlich belohnt durch den un⸗ ausbleiblichen Segen jeder liebevollen Thätigkeit. Und dies iſt es noch nicht allein. Tauſend Waiſen, tauſend Kinder der Armuth ſtrecken hülfeflehend ihre Arme nach jenen Kinder⸗ loſen aus, die ſo häufig an Katzen und Schvoshündchen ihr Wohlwollen verſchwenden und ihre irdiſchen Güter nur zur Befriedigung von Launen und Eitelkeiten benützen. Dieſe Kinder können euch ganz und ungetheilt gehören. Liebet ſie, bildet ſie zu tüchtigen Gliedern der Geſellſchaft, und ihr thut mehr als die wirkliche Mutter, von der es ja kein Verdienſt genannt werden kann, daß ſie das eigene Kind liebt und erzieht. Ja, das Gefühl der Mütterlichkeit muß im Herzen jedes Mädchens geweckt und gepflegt, mit geiſtiger Bildung, mit prak⸗ tiſcher Tüchtigkeit verbunden werden. So ſteht es dann ge⸗ wappnet da gegen jeden inneren Feind und braucht die Tage nicht zu fürchten, von denen es heißt, ſie gefallen uns nicht. Wie ſollten Bitterkeit und Grämelei Raum finden in einem Herzen, das für das allgemeine Gute ſchlägt, wie könnten ſie einen Geiſt verdüſtern, der ſich nützlich zu beſchäftigen und alles Schöne zu genießen und zu ſchätzen weiß? Aber um dieſes Ziel zu erreichen, muß man auch das jungſte Mädchen darauf hinweiſen, daß es viel länger alt, als jung ſein wird. Die Kunſt, mit achtzehn Jahren zu gefallen, iſt klein, aber der Zweck unſeres Lebens geht dahin, erſt dann in reinſter Schönheit zu glänzen, wenn die Roſen auf den Wangen anfangen zu erbleichen. — 100— Welche traurigen Folgen die Thatloſigkeit des weiblichen Geſchlechts in ſpäteren Jahren für daſſelbe hat, iſt genugſam bekannt, wir brauchen ſie nicht aufzuzählen. Aber gar nicht zu berechnen iſt es, welche wichtigen Folgen für die Umgeſtaltung des ſocialen Lebens es haben müßte, wenn alle dieſe ruhenden Kräfte in Bewegung geſetzt würden. Wir ſagten es vorhin ſchon, daß die Ehe immer eine gewiſſe Beſchränkung in ſich ſchließt, und von der Frau und Mutter, welche innerhalb ihres Hauſes ihre Pflicht erfüllt, können wir eine unmittelbare Ein⸗ wirkung auf die Geſammtheit mindeſtens nicht fordern. Anders iſt es mit dem Mädchen. Es kennt keine Schranke für ſeine Thätigkeit, als diejenige, welche die Weiblichkeit ihm zieht, und innerhalb derſelben gibt es für daſſelbe genug zu thun. Wir verweiſen zunächſt abermals auf jene Lehranſtalten, wie wir ſie möchten entſtehen ſehen. Daran knüpft ſich als natürlichſter Wunſch der, daß dann auch die ganze Belehrung in die Hand der Frau gelegt werde. Gewiß Niemand verſteht beſſer das Weſen und die Natur des weiblichen Kindes, als eben die aufgeklärte und vernünftige Frau ſelber. Die Be⸗ lehrung unſeres Geſchlechts durch den Mann iſt keineswegs ſo nothwendig, wie man es bisher immer geglaubt hat. Es liegt nun einmal in der Natur der Sache, daß der Mann dem Weibe gegenüber immer mit einer gewiſſen Superivrität auf⸗ tritt; in den meiſten Fällen iſt ihm die weibliche Erziehung ein Nebengeſchäft, das er bei ſeinem eigentlichen Beruf nebenher treibt. Wie oft, wenn ein Mann nichts Beſſeres zu thun weiß, fängt er eine Mädchenſchule an und belehrt und erzieht, wie es ihm eben einkommt, ohne höheren Zweck und eigent⸗ en liche Kenntniß der weiblichen Natur. Aber Belehrung und Er⸗ zu ziehung dürfen bei unſerem Geſchlechte unter keiner Bedingung ng getrennt werden; der Geiſt ſoll nicht bloß geſchmückt, das Gemüth muß mit herangebildet werden und darum iſt die weibliche Belehrung eine ſo wichtige Sache und erfordert Solche, die i ihren ganzen Beruf darin finden, erfordert Frauen, welche e es am beſten wiſſen, wo der Sitz unſerer Schwächen und Thor⸗ heiten ſich befindet. Es kann kein gültiger Einwand ſein, wenn man ſagt, daß ke die Frau nicht die nöthige Gelehrſamkeit hierzu beſitze. Was zur Belehrung ihres Geſchlechts nothwendig iſt, das kann ſie ſich erringen. Nur Wenigen wird es gegeben ſein, als Vor⸗ . ſteherin eines Inſtituts alle Zweige des weiblichen Wiſſens ſo e durchdrungen zu haben, um ſie alle wieder ſelbſt lehren zu können, aber ſehr Viele wird es geben, die neben ihrer allge⸗ meinen Bildung einen beſonderen Zweig des Wiſſens ſich ſo zu eigen gemacht haben, daß ſie ihn eben ſo gründlich und ge⸗ 6 wiſſenhaft lehren können, als der Mann. Je nach ihrer Be⸗ F fähigung und Neigung wähle ein gebildetes Mädchen entweder . Geſchichte oder Naturlehre oder Litteratur zu ihrem beſonderen 6 Studium. Es will und ſoll keine gelehrten Bücher darüber ⸗ ſchreiben, aber lächerlich würde es ſein, behaupten zu wollen, daß der weibliche Geiſt nicht im Stande ſei, zur Wieder⸗ belehrung ſeines Geſchlechts die nöthigen Kenntniſſe zu er⸗ werben. Oder ein Mädchen, welches Sprachtalente beſitzt, t bringe einige Jahre in England oder Frankreich zu, mache ſich 3 die fremde Sprache ganz zu eigen und lehre dieſe, wodurch dann jene eingeborenen Sprachlehrerinnen entbehrlich gemacht — 102— werden, die nur zu häufig, außer der Kenntniß ihrer Mutter⸗ ſprache, die kraſſeſte Ignoranz mitbringen. Kann ein Mädchen ſich für ihre älteren Jahre einen beſſe⸗ ren Wirkungskreis wünſchen, als das Lehren an einer ſolchen Anſtalt, die freilich bis jetzt noch ein frommer Wunſch iſt, aber jeden Tag in's Leben gerufen werden könnte, ſobald ſich die nöthigen Kräfte dazu vorfinden? Welche weiteren Perſpeetiven weiblicher Wirkſamkeit ſich dann noch eröffnen müßten, um ſolche Lehrerinnen heranzu⸗ bilden, können wir hier nicht weiter ausführen; indeß können die nöthigen Kenntniſſe, außer derjenigen fremder Sprachen, auch im engſten Familienkreis und in aller Stille erworben werden. Sie würden es um ſo leichter, wenn das Mädchen bereits die tüchtige Schule durchgemacht hat, welche wir für daſſelbe wünſchen. Von der ſchönwiſſenſchaftlichen Thätigkeit, welche einem Mädchen, das in unabhängigen Verhältniſſen lebt, möglich iſt, brauchen wir hier nicht weiter zu reden, aber ſie füllt das Herz nicht immer ganz aus, und ſo gibt es grade für ein Solches neben dem bloßen Eifer der Wohlthätigkeit noch eine Wirkſamkeit, welche gewiß Berückſichtigung verdient. Wir meinen die Sorge für unſere ärmeren Mitſchweſtern, die häufig eben ſo ſchwer als wir unter dem Fluche einer ſchlechten oder gar keiner Erziehung leiden. Deren Loos können wir der ge⸗ bildeten und vermögenden Frau nicht genug an's Herz legen, denn wie traurig iſt daſſelbe oft! Ganz auf mechaniſche Arbeit angewieſen, iſt es ihnen häufig unmöglich, dieſe in ihrer dürftigen und beſchränkten Häuslichkeit, wo alle Mittel dazu fehlen, gut —— ſei n ter⸗ ſe⸗ hen ber die und gründlich zu erlernen. Daraus erwächſt ganz der nämliche Mißſtand wie in den höheren Klaſſen. Die Unwiſſenheit und Untüchtigkeit der Frau führt auch dort nur oft häufig den Ruin eines Hausſtandes herbei, den der Mann mit allem Fleiße nicht erhalten kann. Es würde gewiß eines der ſicherſten Mittel ſein, den kleinen Handwerker und den Arbeiterſtand zu heben, wenn man ihnen fleißige und gewiſſenhafte, reinliche und ord⸗ nungsliebende Frauen gäbe, die es verſtehen, ihre kleinen Mittel gut und richtig anzuwenden. Die Begründung von Anſtalten, welche ſie ſchon als Kinder von dem Schmutze und der Un⸗ ordnung der eigenen Familie entfernen würden, nicht um ſie zu Kammerjungfern oder Näherinnen zu erziehen, ſondern für ihren wirklichen häuslichen Beruf, würde ein wahrer Segen für die niederen Volksklaſſen werden. Man fängt an, viel für die Erziehung des niederen Mannes und grade des Handwerkers zu thun; wo ſich ein beſſerer Sinn für die Ge⸗ ſammtheit geltend machen darf, da beſtrebt man ſich, die arbeitende männliche Klaſſe über den bloßen mechaniſchen Schlendrian ihrer Arbeit zu erheben, man lehrt den Arbeiter die Principien, auf denen ſie beruht; um ſo unglücklicher wird er dann wieder auf der andern Seite werden, wenn ihm eine ungeſittete, unwiſſende Frau zur Seite ſteht. Aber auch um dieſe Frauen ſelbſt vor dem Unglück der erſten beſten Ehe oder noch Schlimmerem zu bewahren, dafür müſſen wir ſie lehren, wie man arbeiten muß, um Etwas zu erreichen, und ein neuer Strahl des Glückes würde in das Familienleben fallen, wenn wohlerzogene Dienſtboten, unter einer freundlichen Aufſicht, darin walteten. Aber wie jämmer⸗ — 104— lich, mit wie viel Schelten und Zanken, lernen dieſe armen Geſchöpfe das Bischen mechaniſche Arbeit, welches ihnen oft ſo ſchlecht gelohnt wird. Roh und unwiſſend ſind ſie ſich und Anderen eine Laſt, und die Reinlichkeit, die Ordnung, die ihnen dann in einem geregelten Haushalt mühſam aufgezwungen werden, gehen wieder eben ſo verloren, ſobald ſie ſich ſelbſt überlaſſen ſind. Dieſe Sache iſt zu wichtig, zu einſchneidend in ſo viele Verhältniſſe, als daß nicht die Frauenwelt anfangen ſollte, ſich ernſtlich damit zu beſchäftigen. Man hat Verſuche der ange⸗ deuteten Art ſchon öfter gemacht, ſie ſind in der Regel zu bloßen Nähſchulen herabgeſunken, und dies kann ja nicht der eigentliche Zweck ſein. Wie mancher edle Geiſt würde dem Beſſeren und Höheren gerettet werden, wenn wir erſt einen ſolchen Anhaltspunkt hätten, um uns über die Fähigkeiten Jener zu unterrichten, für die es kaum eine geiſtige Erziehung gibt! Wir können nur andeuten, nur anregen, aber das an dieſer Stelle Geſagte muß hinlänglich zeigen, wie unendlich viel es für die weibliche Hand zu thun gibt, welche nicht in träger Ruhe erſchlafft und welche Quellen der Befriedigung jenen Herzen ſtrömen, die nicht in ſelbſtſüchtiger Einſeitigkeit und Kälte ſich den Bedürfniſſen der Menſchheit verſchließen. Noch einmal rufen wir's mit aller Macht dem alternden Mädchen zu, was Göthe's Iphigenia mit ſchmerzlichſter Wehmuth ausſpricht: Ein unnütz Leben iſt ein früher Tod! ———— gege entm Sto und Der ſchö Kra begl die grün die oft Die Mutter und Gattin. Die Weiber ſind, wenn ſie gut ſind, es im höchſten Grade; ſie und das engliſche Zinn haben dann einerlei Stempel— die Figur eines Engels. Jean Paul. Wenn wir uns nun das Bild eines Familienlebens ver⸗ gegenwärtigen, welches auf Prineipien beruht, wie wir ſie zu entwickeln uns bemühten, ſo muß ſich Jeder mit freudigem Stolze geſtehen, daß es Nichts gibt auf Erden, was rührender und erhebender zu der Seele des Menſchen ſprechen könnte. Der Mittelpunkt dieſes Gemäldes iſt die Frau in des Wortes ſchönſter Bedeutung; ſie erſchafft dann eine neue Welt der Kraft und der Schönheit, die nach allen Richtungen hin ihre beglückenden Strahlen ausſendet. Ein Mann, wenn ihn auch die höchſten Tugenden beſeelen, kann dieſes Paradies niemals gründen, wenn eine untüchtige Frau ihm zur Seite ſteht. In die Hand des Weibes iſt es gelegt, den Mann unendlich zu — 106— heben, oder unendlich herabzuziehen. Zur Prieſterin des reinen Menſchenthums berufen, tritt die Frau am häuslichen Herd an den Altar, an deſſen Stufen ſie kraft ihrer eigenen inneren Schönheit nichts Unreines, nichts Unwahres, nichts Unedles dulden darf. Aber unſchön iſt Alles, was nicht im innigſten Zuſammen⸗ hang untereinander ſteht, und ſo wird es die erſte Sorge eines harmoniſchen, weiblichen Weſens ſein, dieſe Harmonie auch auf ihre ganze Umgebung überzutragen. Das materielle Wohlſein im Hauſe, die ſichere Behaglichkeit in den eigenen Räumen ſind die erſten Bedingniſſe zu einem glücklichen und innigen Familien⸗ leben. Der Mann und die Kinder müſſen von der feſten Ueber⸗ zeugung durchdrungen ſein, daß es nirgends beſſer, nirgends angenehmer iſt, als im eigenen Hauſe, und der ſinnliche“ Eindruck muß zuerſt die Geiſter an jener Stelle feſthalten, wo die Blume ihres Glückes am ſicherſten erblüht. In den meiſten Fällen iſt die Frau ſelbſt daran Schuld, wenn der Mann ſein Vergnügen nach Außen ſucht. Es iſt faſt undenkbar, daß eine liebenswürdige Frau durch den Zauber, den ſie über ſich ſelbſt und ihre Häuslichkeit zu verbreiten weiß, nicht den Mann dauernd an ſich und das Familienleben zu feſſeln wüßte. Zu gleicher Zeit die geiſtige Gehülfin ihres Gatten, die geiſtige Stütze ihrer Kinder, die geiſtige Anregung in einem 6 engeren Freundeskreiſe, erringt ſie ſich eine Bedeutung, gegen welche alle Erfolge des Ehrgeizes und der Eitelkeit nichts mehr bedeuten. Dieſes Ziel kann überall mit den einfachſten Mitteln und in den einfachſten Verhältniſſen erreicht werden. Die wahre Schönheit bedarf weder des Reichthums, noch des Glanzes; . der geber über daß ſt äuße ihre Notl ſor Luxt nicht darr in i Sch des Mer gebi verſ kleit frül der ſoli und ſchr feſt den das inen berd eren dles nen⸗ ines auf ſein ſind ien⸗ ber⸗ nds che wo ſten ſein ine lbſt unn die en ehr eln hre — 107— der Stoff bekümmert ſie nicht, nur die Form, die man ihm zu geben weiß, und der Geiſt, den dieſe athmet. Das iſt es überhaupt, was die wahrhaft gebildeten Geiſter charakteriſirt, daß die einfachſte Erſcheinung ihnen ſtets auch die angemeſſenſte iſt. Laßt jenen Geiſtesarmen, die nichts haben, als ein bischen äußeren Schein, ihre ſchönen Kleider, ihre koſtbaren Zimmer, ihre ausgeſuchten Speiſen! Jener Ueberfluß, den des Lebens Nothdurft nicht erheiſcht, erkauft dagegen einem edlen Geiſte ſo reine, geiſtige Genüſſe, daß wir die Andern um ihren äußeren Luxus, der oft nicht einmal ſchön genannt werden kann, gewiß nicht beneiden dünfen. Darum muß aber auch eine vernünftige Mutter am meiſten darnach trachten, den Sinn für Einfachheit und Beſcheidenheit in ihren Kindern zu erwecken. Sie müſſen ſchon frühe den Schein vom Weſen trennen lernen, ohne darum das Eine um des Anderen willen zu verachten. Aber zumeiſt wird der jedem Menſchen angeborene Trieb nach Genuß unter der Hand der gebildeten Mutter ſich veredeln, indem ſie keine Gelegenheit verſäumt, ihn ſeine Befriedigung in häuslichen Freuden, in kleinen Aufmerkſamkeiten für Andere finden zu laſſen. Wer frühe daran gewöhnt iſt, Glück und Zufriedenheit innerhalb der häuslichen Gränzen zu beſitzen, verfällt ſelten jener Un⸗ ſolidität, jener materiellen Genußſucht, an der ſo viele Männer und Frauen zu Grunde gehen, und deren erſter Keim ſo oft ſchon in der Erziehung des Kindes gelegt wird. Die Familien⸗ feſte ſind es insbeſondere, welche die Mutter heilig halten muß; denn ſie vornehmlich erwecken ſchon im Kinde den Sinn für das Schöne und Geordnete. Mit den geringſten Mitteln kann ———————— — 108— da ſo viel erreicht werden; ſelten ſind die Verhältniſſe einer Familie ſo beſchränkt, daß ſie nicht ihre kleinen Feſt- und Sonnentage haben könnte. Einige Blumen, eine kleine Hand⸗ arbeit, ein Kuchen reichen aus, einer beſonderen Veranlaſſung einen höheren Anſtrich zu verleihen, freudeſtrahlende Geſichter hervorzurufen. Dadurch wird die Luſt erweckt, Andere zu be⸗ glücken, die Freude am Feſt durch die ſchöne, äußere Form zu erhöhen, und ſo zieht ſich eine ununterbrochene Reihe un⸗ ſchuldiger Genüſſe durch das Leben jener Kinder, die ſo glück⸗ lich ſind, eine ſorgſame, unermüdliche und höherſtrebende Mutter zu beſitzen. Dieſe Pflege des Gemüthslebens ſchlingt faſt un⸗ merklich ein höheres geiſtiges Band um dieſe heitere junge Welt und bereitet jenen höheren ſittlichen Einklang vor, der die Glieder einer ſo herangebildeten Familie als Erwachſene auf's Innigſte verbindet, wie ſehr auch die Charaktere auseinander⸗ ſtreben mögen. Die eitle, vergnügungsſüchtige Frau hat natürlich keine Zeit dazu, ihren Kindern in dieſer Weiſe zu leben, und hier rufen wir mit vollſter Berechtigung: Wie viele Mütter gibt es, welche den Mutternamen kaum verdienen! Aber wenn es eine Schmach, eine Erniedrigung für die weibliche Natur gibt, ſo iſt es dieſe. Alle Keime des Guten werden in der jugend⸗ lichen Bruſt befeſtigt durch die Anhänglichkeit an das Haus und die Eltern, alle Keime des Guten können erſtickt werden durch die Gleichgültigkeit gegen Beide. Eine Heimath des Herzens, ihr Mütter, ſchuldet ihr eurem Kinde ebenſowohl, wie die phyſiſche Pflege, die geiſtige Erziehung, und wenn ihr d kann 2 ebenſu ſie ge Pflich ſo ve— und punkt Mütt Wille Zahl nahe auf ſ umfa kunft unter Wie Seel ganze (ſichti bekla ſteher Verg Lebei ſollte . iner und ung ter — — un⸗ ck⸗ ter ige die f's er⸗ — 109— ihr die beiden Letzteren vielleicht erkaufen könnt, die Erſtere kann nur eure eigne Hand verleihen! Aber auch die träge oder die untüchtige Frau iſt dazu ebenſo wenig befähigt, weil ſie es nicht anzufangen weiß, weil ſie gar keine rechte Idee von dem hat, was ihre eigentliche Pflicht iſt. Mag ſie von Natur noch ſo gut, mag ſie noch ſo verſtändig ſein, nur die Klarheit über das, was ſie ſoll und ihren Kindern ſchuldet, ſtellt ſie auf den rechten Stand⸗ punkt. Nun wollen wir gewiß nicht behaupten, daß es nicht viele Mütter gäbe, welche nur ihren Kindern leben und den beſten Willen haben, ſie zu tüchtigen Menſchen zu erziehen; aber die Zahl Derer iſt weit geringer, die ihren Kindern auch geiſtig nahe ſtehen, und deßhalb auch im ſpäteren Lebensalter noch auf ſie einzuwirken vermögen. Es iſt kaum in Worten auszudrücken, wie heilig und umfaſſend der Beruf einer ächten Mutter iſt. Die ganze Zu⸗ kunft iſt in ihre Hand gegeben! Ein ganzes Geſchlecht kann unter ihren Händen erniedrigt oder ſittlich neugeboren werden. Wie ein tiefer, niederſchmetternder Vorwurf laſtet es auf der Seele denkender Frauen, daß ihr Geſchlecht ſo ſelten den ganzen Umfang ſeiner Bedeutung begreift, daß es in kurz⸗ ſichtiger Verblendung ſo oft die Enge ſeines Wirkungskreiſes beklagt, daß heute, wo wir an der Schwelle einer neuen Zeit ſtehen, die meiſten Frauen in träger Ruhe, in ſchwindelnden Vergnügungen oder im bloßen Haushaltungsſchlendrian ein Leben zubringen, das der edelſten Beſtrebung geweiht ſein ſollte. — 110— Auf der geiſtigen Thätigkeit der Frau innerhalb der weiblichen Gränzen beruht ihre einzige, vernünftige Emanci⸗ pation. Indem ſie erzieht, bildet, anregt, leiſtet ſie Bedeu⸗ Mann Erſche werth tenderes als wenn ſie ein öffentliches Amt verwaltet. Denn die Mütter haben Söhne und dieſe gehen hinaus in's Leben, wirken im Staate, in der Geſellſchaft, und von ihnen wird es abhängen, wie Beide ſich geſtalten. Bis zum Jünglings⸗ alter gehören dieſe Söhne ihnen ganz an, kein Geſetz, keine Hand eines Mächtigen kann ſie ihnen und ihrem Einfluß ent— ziehen, und an ihnen iſt es in die Seelen der Jünglinge die Triebe zu einem neuen und kräftigeren Leben zu legen. Gleich jener ſpartaniſchen Mutter, die ihren Sohn lieber todt als ehrlos wiederſehen wollte, muß das Weib die Ver⸗ achtung alles Gemeinen und Schlechten, die Liebe zum Vaterlande ſo tief in ihre Söhne pflanzen, ihre eigne, beſſere Geſinnung muß ſo maßgebend für ſie werden, daß ein Sohn lieber alle Verfolgung und Schmach der Welt als die Verachtung ſeiner eignen Mutter ertragen würde. Haben wir es nicht zu allen Zeiten geſehen, wie große Männer in der Regel aus der Hand einer ungewöhnlichen Mutter hervorge⸗ gangen ſind? Es braucht aber keine außergewöhnlichen Mütter mehr zu geben, ſie können ſich Alle gleich werden an ächter Geſinnung und einem veredelten Streben. Die zarten Keime des Gemüths fehlen ſelten in einer weiblichen Seele, ſie ſind nur oft mangelhaft entwickelt oder ganz erſtickt, weil ihnen nie ein höheres und beſſeres Ziel geſteckt wird. Indem die Frau ſich ſelbſt veredelt, iſt ſie bereits das Werkzeug und die Triebfeder für einen höheren moraliſchen Aufſchwung. Vom 6 Augen fend Müher ſamen lohnt ſchickt, muß ſ allem die ſie abzug rakter! nen b vorur gegen ſellſch. Fürſp kräftie dem Spitz Ihr wie d heit r und K der ei⸗ eu⸗ nn en, ird ine n die — ber er⸗ m 7 ein die ir er e⸗ ter ter me nd — Manne verlangen wir die That, die Frau wirkt durch ihre Erſcheinung allein; dieſe Erſcheinung muß alſo auch etwas werth ſein. Eine Mutter, die das Ideal ihrer Pflichten recht vor Augen hat, wird immer ſtrebſam, immer unermüdlich, ſchaf⸗ fend bleiben und nie ermatten in den kleinen Sorgen und Mühen des Tages; denn ſie weiß es ja, daß aus dieſer müh⸗ ſamen Moſaik das erhabenſte Bild ſich geſtaltet. Wie reich ge⸗ lohnt iſt ihre Sorgfalt, wenn ſie Söhne hinaus in's Leben ſchickt, wahrhaft und gerecht, furchtlos und treu. Aber dann muß ſie freilich ſelbſt die Wahrheit über alles lieben und vor allem niemals ihre Kinder jene abſcheuliche Klugheit lehren, die ſich auch vor dem Schlechteſten beugt, nur um ihm etwas abzugewinnen, und deren nur die Unwiſſenheit und die Cha⸗ rakterloſigkeit bedarf. So wird ſie Männer aus ihren Söh⸗ nen bilden, keine Kriecher und Schmeichler— Männer, die vorurtheilsfrei, wohlwollend und gütig ihrem Lebensberuf ent⸗ gegengehen und ihn in dieſem Sinne erfüllen. Gebt der Ge⸗ ſellſchaft viele ſolcher Söhne und die Armuth wird treuere Fürſprecher, die Arbeit wärmere Freunde, die Gerechtigkeit kräftigere Stützen haben als bisher. Brecht der Dummheit, dem Vorurtheil kraft eurer eignen Bildung ſchon im Kinde die Spitze ab, und die Welt gehört euch und eurem Streben. Ihr habt ſie euch dann auf ewig erobert, nicht gewaltthätig, wie die Amazone, ſondern als der höhere Genius der Menſch⸗ heit mit dem unwiderſtehlichen Schwerte der weiblichen Würde und Kraft! * Aber mehr noch als auf den heranwachſenden Sohn durch ihren geiſtigen Einfluß, wirkt ſie auf die Tochter durch ihr ganzes Beiſpiel. Wird dieſe hochmüthig auf die häuslichen Pflichten herabſehen dürfen, die ihre feine, gebildete Mutter ſo ſorgſam und treu verrichtet? Wird jede Regung der Eitel⸗ keit, der Putzſucht, der Koketterie nicht die Augen nieder⸗ ſchlagen müſſen vor der ſtrengen Einfachheit der geliebten Mutter? Kein Uebel iſt für ein heranwachſendes Mädchen mehr zu fürchten als das einer ſchwachen und eitlen Mutter, die es nicht erwarten kann, bis ſie das Töchterchen möglichſt ſchön aufgeputzt unter die Männerwelt hinausführen kann. Die Frau, welche ihrer eignen Würde nicht bewußt iſt, kann ſie auch in der Tochter nicht pflegen, und die lächelnde Ver⸗ achtung, mit der ſo viele Männer das weibliche Geſchlecht betrachten, wird durch dieſen Mangel nur zu ſehr gerecht⸗ fertigt. Aber ſelbſt jene Frau, die an ſich leichtfertig und kokett iſt, müßte ſchon das Muttergefühl mit ſtarker Hand von dem Abgrund zurückreißen, neben dem ſie einhertanzt. So Manche glauben, es ſei Zeit, ſich zuſammen zu nehmen, ſobald ihre Töchter erwachſen ſind. O nein, dann iſt es ſchon viel zu ſpät. Das Kind iſt wie eine Pflanze, es entwickelt ſich der Atmoſphäre gemäß, in der es athmet. Keine ſpätere Strenge kann wieder gut machen, was der frühe, wenn auch unver⸗ ſtandene Anblick von niedrigen und oberflächlichen Dingen in ihm verdorben hat. Für das Mädchen insbeſondere gibt es faſt kein wichtigeres Erziehungsmittel als das Beiſpiel. Seine leicht erregbare Natur nimmt die guten wie die ſchlechten Ein⸗ 7 — ———„——„ ——— urch ihr chen tter der⸗ bten chen tter, ichſt mn. ann Ver⸗ lecht echt⸗ okett dem nche ihre l zu derſ enge wer⸗ n in t es eine Ein⸗ — 113— drücke mit überraſchender Schnelligkeit in ſich auf, und wo der Sohn einer unwürdigen Mutter nur darbt und enkbehrt, da wird die Tochter ſchon zu Grunde gerichtet. Wie manchen Stein wirft die Welt auf eine kokette und leichtſinnige Frau, und fragt man dann nach ihrer Mutter, nach den Verhält⸗ niſſen, in denen ſie ihre Kindheit und erſte Jugend verlebte, ſo verwandelt unſere Entrüſtung ſich häufig in ein tiefes Mitleid. Wir brauchen nichts weiter zu ſagen. Es iſt unläugbar, daß die Frau die Kraft beſitzt, ſich und ihr Geſchlecht von allem Unwürdigen zu erlöſen; es iſt eben ſo unläugbar, daß es Zeit wird, dieſe Kraft zu nützen! Und wie ganz anders müßte ſich nun unſer geſelliges Leben unter der Obhut von Frauen geſtalten, welche den Muth beſitzen, es neu einzurichten in Uebereinſtimmung mit ihren pecuniären Verhältniſſen und zugleich entſprechend ſeinen geiſtigen Anforderungen. Weil die ächte Gaſtfreundſchaft im⸗ mer mehr aus unſerm Leben ſchwindet, darum macht die Geſellſchaft ſich ſo breit, welche nur noch in Oſtentation und Uebertreibung ihre Erholung findet. Wenn Mütter und Schweſtern Tag für Tag ihre Abende in langweiligen Damen⸗ viſiten zubringen, wo ſoll man denn die Söhne und Gatten anders ſuchen als im Wirthshauſe? Kommen dann die beiden Geſchlechter einmal zuſammen, ſo iſt es auf glänzenden Bäl⸗ len, oder bei einem brillanten und um ſo langweiligeren Diner, und fragen wir nach dem wirklichen Vergnügen, das hinter ſo viel Anmaßung und Glanz ſich finden ſollte, ſo Die Frauen und ihr Beruf. II. Auflage. 8 — 114— antwortet man meiſt mit einem Gähnen und Achſelzucken. Sicherlich würde es unendlich Viel dazu beitragen, daß wieder paſſendere und glücklichere Ehen geſchloſſen würden, wenn man einen leichteren und ungezwungneren Verkehr der jungen Leute beiderlei Geſchlechts im häuslichen Kreiſe beförderte. Auf Bällen und in Geſellſchaften, wo man einander nur im Feſttagskleide begegnet, da lernt man ſich nicht kennen. In ihrem eignen Hauſe, in ihren eignen Familienverhältniſſen ſollte der junge Mann die Frauenwelt recht oft ſehen, um ſich ein richtiges Urtheil über ſie zu bilden, und ebenſo ſollte er ſeinerſeits beweiſen müſſen, daß er mehr iſt als ein ge— wandter Tänzer und eine beſſere Unterhaltung zu führen und zu ſchätzen weiß, als ſie auf Bällen und in großen Geſell⸗ ſchaften in der Regel an der Tagesordnung iſt. Wir wiederholen es, mit den Geſellſchafsmenſchen iſt auf der Welt nichts Vernünftiges mehr anzufangen. Aber ſeht doch dagegen jenes wirthliche Haus an, wo man zu jeder Stunde eintreten und immer ſicher ſein kann, eine freundliche Bewillkommnung, ein verſtändiges Geſpräch, eine gern gebotene Erfriſchung zu finden. In dieſer Hinſicht dürfen wir wohl die gute alte Zeit beklagen, in der man einer ſolchen Geſelligkeit gewiß viel häufiger begegnete, wo die größere Einfachheit eine Gaſtfreundſchaft ohne Oſtentation möglich machte, und man auch mit beſcheidenen Mitteln dieſem menſchlichſten aller Triebe Genüge leiſten konnte. Aber, ſehen wir ab von den großen Salons, welche in reichen Häuſern ſich an beſtimmten Abenden den Beſuchern öffnen, wie viele Familien gibt es denn noch, wo auch uneingeladen der Beſucher freundlich empfangen wird — N — — und ſicher iſt, einige angenehme Stunden zu verleben? Es liegt dies viel weniger im Mangel des geſelligen Sinnes, denn dieſer macht ſich leider nur zu ſehr breit, als vielmehr in der Un— fähigkeit in welcher ſich die meiſten Häuſer befinden, ihr Inneres zu jeder Stunde den Blicken offen zu halten. Wenn es nir⸗ gends klappt und ſich ſchicken will, da muß man die Stunde des Beſuchs ganz genau vorher wiſſen, damit erſt Alles ge⸗ hörig vorbereitet iſt; oder auch der Lurus nach Außen nimmt die pecuniären Mittel ſo ſehr in Anſpruch, daß man im Hauſe durchaus ganz beſchränkt und zurückgezogen ſein muß und die Ausübung einer der ſchönſten Menſchenpflichten zur Laſt wird. Es ſollten nur einmal einige vernünftige Frauen den Muth haben, ihre Bewirthung und Toilette ihren Verhältniſſen ge⸗ mäß einzurichten. Wie viel öfter könnten ſie ſich dann das Vergnügen verſchaffen, ihre Freunde bei ſich zu ſehen. Eine gute Wirthſchafterin kann den Conditor und Kuchenbäcker ent⸗ behren; was ſie mit eigner Hand bereitet, mit Geſchmack arrangirt hat und durch eine anregende, gebildete Unterhal⸗ tung zu würzen weiß, übertrifft doch wahrhaftig die koſt⸗ barſten aber ſteifen Abendgeſellſchaften. Wer uns nicht um unſrer ſelbſt willen aufſucht, wem es nur darum zu thun iſt, ſeine ſchönen Kleider zu zeigen, ausgeſuchte Speiſen zu ge⸗ nießen und zu klatſchen, der bleibe fern von unſrer Schwelle! Bei ſolchen Grundſätzen läßt ſich ſelbſt mit den Reichſten und Vornehmſten unbefangen verkehren. Ein Jeder gibt, was er kann, erſcheint ſo, wie es ſeinen Verhältniſſen angemeſſen iſt. Das Einfachſte, was ſich innerhalb der Gränzen des Schönen und Anſtändigen hält, ſteht dem Koſtbarſten völlig 8 — 116— ebenbürtig zur Seite. Aber jenes unſinnige Wettrennen, in welchem Einer den Anderen an Feinheit und Eleganz zu über⸗ treffen trachtet, führt unvermeidlich in den tiefſten Abgrund. Der gebildeten Frau iſt es auch hier vorbehalten, die richtige Schranke zu ziehen und einer gemüthlichen Geſelligkeit einen höheren geiſtigen Stempel aufzudrücken. An ihrem eigenen Herde muß ſie ihr eine Stätte bereiten, wo der geiſtreiche und gelehrte Mann, der ſich ſchon lange mit Ekel von unſerem modernen geſellſchaftlichen Treiben abgewendet hat und ihm die Einſamkeit ſeiner vier Wände vorzieht, gerne und mit Behagen ſeine Gedanken austauſcht und ſich zu neuem Schaffen anregt. Die Frau muß das geiſtige Mittelglied bilden zwiſchen den Polen der Gelehrſamkeit und der Wiſſenſchaft und als Trägerin des Idealen die Gegenſätze vermitteln, ſo wie die Grazien im Rathe der Götter niemals vermißt werden durften. In dieſem Lichte ſtellt ſich uns heute das Bild der wirklich emancipirten, der wahrhaft freien Frau dar: gleich Pygmalion's Statue erglühend im Bewußtſein der eigenen innern Schönheit, aus ihrer Starrheit zum ewigen Leben ſich empor ringend durch den Zauber der Thätigkeit, der geiſtigen Bildung und der ſitt⸗ lichen Kraft! † Das Weib. ——— Es ſchaut auf euch, ihr Frauen, Hoffend das Vaterland! Kinkel. Gar Manche mögen jetzt am Schluſſe unſerer Betrach⸗ tungen ausrufen:„Es iſt ein ſchönes, aber unerreichbares Ideal, welches hier vor uns aufgeſtellt wird!“ Ja, es iſt heute noch den meiſten Frauen gegenüber ein bloßes Ideal, aber was ſind wir denn und was können wir werden ohne den Glauben an das Ideal und das ernſte Streben danach? Das Ideal iſt die Feuerſäule, welche vor uns hergeht durch das Dunkel des Lebens, die Verheißung des Höheren und Beſſeren, die ſtete Aufforderung, nach ihm zu ringen mit allen Kräften. Die ideale Auffaſſung ihres eigenen Selbſt iſt dazu beſtimmt, die Frau zum Ideale der Menſchheit zu erheben. Wir finden dies heute nicht mehr in jener däm⸗ mernden Idyllenwelt, die im geiſtigen Schlummer ſich lächelnd Blumenkränze windet, ſondern auf jener höheren Stufe der Entwickelung, wo die höchſte Einfachheit, die Einfalt und Harmloſigkeit des Kindes wiederum die letzten und natürlichſten 118 Blüthen eines gebildeten Geiſtes und eines reichen Gemüthes ſind. Dieſe goldne Zeit, von der die Dichter ſingen, muß zuerſt ſich dem Weibe erſchließen, an ſeiner Hand geleitet es die Menſchheit in neue, verklärte Räume. Was iſt der Mann unſerer Tage? Richter, Advokat, Ge⸗ lehrter, Arzt u. ſ. w., mit einem Wort, ein Fachmenſch und ſelten etwas darüber hinaus. Die Frauen dagegen ſind die wahren Poeten, die reinen Menſchen, welche die goldnen Früchte der Arbeit und des geiſtigen Genuſſes in harmoniſchem Vereine pflüͤcken. Eben weil die Welt es fühlt, daß ſie durch das Weib zu neuer Jugend und Schönheit ſoll geboren werden, darum richten ſich heute die Blicke Aller auf ſie. Darum ſoll aber auch Niemand der Frau die Berechtigung beſtreiten, an der Bewegung des öffentlichen Lebens in ihrem Sinne Theil zu nehmen; ſie ſoll nicht perſönlich eingreifen, nicht ſelbſt die Rednerbühne beſteigen, wohl aber ihr unbefangenes Wort mit⸗ reden, wie die Wahrheit und die Gerechtigkeit es ihr eingeben. Die Kritik der Thatſachen und deren ſittliche Erwägung muß der Frau als ihr höchſtes Vorrecht eingeräumt werden. Ueber dem Getriebe der Parteien ſtehend, iſt ſie die Himmliſche, die Gerechte, die wahre Hüterin der Freiheit und des Menſchen⸗ rechts. Denn die Frau iſt das Herz der Welt, und dieſes Herz iſt dazu berufen, ſich gegen alles Ungerechte und Gemeine aufzulehnen. Wo der Mann feige verſtummt, da öffne euch die Ent⸗ ——.— — rüſtung den Mund, wo er furchtſam die Blicke niederſchlägt, da ſchleudert ihr die Blitze des ſittlichen Zorns! Als die Prieſterin des Ideals, muß die Frau daſſelbe mit allen Kräften ſtüt höl In hat gar Mi ger unt ma es Sc es der Ver Di geb zu 5 — . Q ſtützen und vertheidigen. Sie darf nicht länger in verzagender Schwachheit die Schranke ſein, welche den Mann von dem höheren, ſelbſtvergeſſenen Wirken für das Vaterland und die Intereſſen der Menſchheit abhält! Was das weibliche Herz in dieſer Richtung vermag, das hat die jüngſte Zeit uns gelehrt, als die Feder einer Frau die ganze gebildete Welt in Bewegung ſetzte und jahrhundertelangem Mißbrauch einen ſchweren Stoß gab. Nicht jeder Frau iſt es verliehen, gegen den Mißbrauch im Großen zu Felde zu ziehen, aber der Mißbrauch und die Un⸗ gerechtigkeit finden ſich überall, überall fehlt es an dem großen und warmen Herzen, welches allein die Welt zu überwinden ver⸗ mag. In eurer reinen und ſtolzen Bruſt, ihr Frauen, da muß es ſchlagen und es werden Wunder durch daſſelbe geſchehen! Feder und Wort ſind euch gegeben ſo gut wie dem Manne! Schreibet, redet, erziehet im Dienſte der Menſchheit! Vergeßt es nicht, daß ſelbſt euer kleinſtes und beſcheidenſtes Wirken ein der Menſchheit geleiſteter Tribut iſt! Vor dem Auge, das in's Verborgene ſieht, iſt die größte und die kleinſte Arbeit ſich gleich. Die Geſinnung, die Pflichttreue, mit der ſie ausgeführt wird, geben ihr allein den Werth! Die Stunde iſt da und der Weg geöffnet, der die Frau zu ihrer höchſten Entwickelung führen ſoll! Hinan, hinan die glänzende Höhe, daß unſeres Göthe's Wort ſich erfülle: Das ewig Weibliche zieht uns hinan! ———— ———— „ — —