Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur von. Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und JCeſebedingungen. 1. Ofrensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3.(Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 1 1 für wöchentlich 2 ¶ Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 2 2„ 1— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene’, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe 8 auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 5 3 1 Niederländiſche Bibliothek. Dreizehnter Band. H. Conſcience. Die hölzerne Clara. 0 Leipzig Verlag von Carl B. Forck. 1850. —— „ει246 Hendrik Conſcience. . Die hölzerne Clara. Aus dem Vlämiſchen von Rudolph Mlüldener. 800 Leipzig 4 VDerlag von Carl Z. Lorck. 1850. Die hölzerne Clara. —y—,————— * 8 8 Me ihrem thrän⸗ tend wußte Bilde hauſe gern was i 0 und n L zu S ſchon Begei Ausde . pen⸗z 4— Clara eigent nahme haben ſage, I. Meine Nichte Frederika, die kleine, liebe— Gott ſei ihrem armen Seelchen gnädig— fragte mich oft mit thränenden Augen, warum ihre Mitſchülerinnen immer ſpot⸗ tend ſagten:„Du ſtehſt da wie die hölzerne Clara.“ Sie wußte ſo gut als ich, daß hölzerne Clara der Name eines Bildes war, was an der Treppe des Antwerpner Mägde⸗ hauſes(Waiſenhaus für Mädchen) ſtehst, aber ſie hätte gern von mir erfahren wer dieſe Clara geweſen iſt, und was ihr Name bedeutet. Ich konnte damals ihrem Wunſche nicht entſprechen und mußte ſie ungetröſtet und ohne Antwort laſſen. Längſt ruhete mein Nichtchen ſchon auf dem Kirchhofe zu Stuivenberg und das Kreuzchen auf ihrem Grabe war ſchon verfallen und verſchwunden, als ich, von poetiſcher Begeiſterung dazu getrieben, endlich anfing mit Ernſt und Ausdauer die alten Volksſagen meiner Vaterſtadt Antwer⸗ pen⸗zu ſtudiren und dann auch erfuhr wer dieſe„Houten Clara oder Houten Cleer“— wie die Antwerpner ſagen— eigentlich war. Dieſe Geſchichte, die ſich kurz nach der Ein⸗ nahme Antwerpen’s durch den Herzog von Parma ereignet haben ſoll, gleicht durchaus nicht einer gewöhnlichen Volks⸗ ſage, und man darf daher mit Recht vermuthen, daß ihr Die hölzerne Clara. ein wahres Ereigniß zu Grunde liegt. Wie dem auch ſei, das, was ich hier erzähle, iſt Nichts als die Verknüpfung und freie Bearbeitung deſſen, was ich bruchſtücksweiſe aus dem Munde verſchiedener alter Leute vernommen habe. Als an einem Frühlingstage des Jahres 1589 die Waiſen aus dem Mägdehauſe in der Gaſthuisſtraße mit ihrer Mutter oder Aufſeherin ſpazieren gingen, blickten Viele nach den Fenſtern eines nebenſtehenden Hauſes empor und deuteten neugierig auf eine reiche Frau, die vom Fenſter aus auf ſie herabſchauete. — Sieh, ſprach die Eine, das iſt die reiche Senora, die kürzlich hierher gezogen iſt. — Ich weiß wie ſie heißt, rief eine Andere; es iſt die Gräfin d' Almata und kommt aus Spanien. — Ja, und von wem weißt Du das? fragte eine Dritte. — Ich habe es von der Mutter und Schweſter Mo⸗ mika gehört,— und die reiche Senora iſt keine Spanierin; auch ſeht Ihr wohl, daß ſie blaue Augen hat und blondes Haar? Nein, es iſt ein Fräulein aus Antwerpen, die an einen reichen Spanier verheirathet iſt. — Hört Trees, die Lügnerin, wieder Lügen erſinnen! lachte eine der Zuhörerinnen. — Fragt doch lieber die hölzerne Clara; die war auch dabei Ch, pſt, hölzerne Clara, hölzerne Clara! Die hölzerne Clara. 9 auch Bei dieſem Rufe wandte die Mutter des Mägdehauſes pfung ſich um und bemerkte wie einige der Mädchen unverwandt ſe aus nach den Fenſtern des Herrenhauſes hinblickten während e. ſie ſelbſt beſchäftigt war die anderen in Reihe und Glied zu ſtellen. Strengen Blickes trieb ſie die Neugierigen in den Zug zurück, ergriff dann mit beſonderer Vorliebe eines der 99 die 4 Mädchen bei der Hand und gab dann das Zeichen zum ze mit Aufbruch. Viele— Schon wieder hölzerne Clara! ſagte Trees; dieſes or und Zuckerkind, das arme, daß es nur nicht in Stücke bricht! Fenſter— Eh, Anna Moeyal, ſieh, wie hochmüthig und ſteif ſie mit ihrem Beſenſtiele im Rücken nun neben der Mutter her enora, gehet! Sie hat wieder über ihre Aufgabe gearbeitet, die Närrin.. iſt die— Schweigt nur von der hölzernen Clara! fiel ihr die lange Mie, die Schwätzerin, in die Rede; ſie kann wieder ein ene neues Liedchen. Ach es iſt ſo ſchön! Es geht ſo: Gott grüß' Dich ſchöne Blume, Maria edle Jungfrau. 1 Mo⸗ Und ſie ſoll es uns heute Nachmittag lehren und noch ſedin; dazu mit Begleitung des Clavecimbel's: Ich gäbe zwei londes Finger meiner linken Hand darum, wenn ich auf dem Cla⸗ die an vecimbel ſo ſchön wie die hölzerne Clara ſpielen könnte! 4— Das iſt ganz gut; allein muß ſie deshalb immer innen! das liebe Kind ſein, als wenn ſie keine Waiſe wäre gleich uns Anderen? Warum iſt ſie denn ſo hochmüthig? r auch— Hochmüthig? ſie? Ich dächte ſie wäre die Freund⸗ 4 ſchaft und Sanftmuth ſelbſt. —́—́—Eß — Die hölzerne Clara. Vielleicht würden die meiſten Mädchen ihren Zungen noch lange Zeit auf Clara's Rechnung freien Lauf gelaſſen haben, wenn nicht ein ſchöner und kräftiger Jüngling auf ſchäumendem Pferde daher geſprengt wäre. Nun hatten die Mädchen genug zu thun, um dieſen zu betrachten und ſich gegenſeitig ihre Anſichten über ihn mitzutheilen. Während die Waiſen alſo langſam durch die Gaſthuis⸗ ſtraße fortſchritten, ſtand die Edelfrau noch immer hinter dem Fenſter und blickte träumeriſch hinab auf die Straße. Alles an ihr, die durchſcheinende Bläſſe ihrer Geſichtszüge, der matte Blick ihrer blauen Augen wie die Abgemeſſenheit ihrer Bewegungen gab Zeugniß von einer tiefen Melancholie. Trotz ihres Alters, denn ſie mochte wohl über dreißig Jahre zählen, war ſie noch eine ſchöne und herrliche Frauengeſtalt, Die Senora hatte faſt eine Viertelſtunde unbeweglich am Fenſter geſtanden, als die Thüre leiſe geöffnet ward und ein Mann den Kopf forſchend in das Zimmer ſteckte. Da die Dame ſich nicht regte, ſo trat der Mann geräuſchlos, jedoch ohne augenſcheinlich überraſchen zu wollen, in das Zimmer. Er nährte ſich der Dame und warf einen flüch⸗ tigen Blick uͤber ihre Schultern durch das Fenſter. Beruhigt, da er Nichts auf der Straße bemerkte, trat er einige Schritte zur Seite und warf ſich in einen Seſſel. — Immer ſo traurig, Catalina? ſprach er zur Edel⸗ frau. Ihr täuſchtet mich alſo als Ihr mir unaufhörlich ver⸗ ſichertet, daß die Luft der Niederlande Euch erquicken ſollte? Nun weilen wir bereits vierzehn volle Tage hier, und ſtatt daß der Aufenthalt in Eurer Geburtsſtadt Euch erheitern ſollte, litze ve darauf leicht e geſund hörlich lina, m beweger Land n verwan hoffte, des Wi der ab außer! verwan laſſen? D forſchen Augen I Selbſt um D nicht a wieder obachte ich un 11 Die hölzerne Clara. gen ſollte, iſt im Gegentheil das holde Lächeln von Eurem Ant⸗ ſſen litze verſchwunden, was während unſerer Reiſe ſo tröſtlich auf darauf ſtrahlte. Ich bedaure ſehr, daß ich Eure Bitten ſo die leicht erhörte, denn gewiß iſt Spaniens glühender Himmel ſich geſunder und heiterer als jener dicke Nebel der hier unauf⸗ hörlich bleiſchwer auf die Erde drückt. Wahrhaftig, Cata⸗ lis⸗ 1 lina, meine Liebe zu Euch muß ſehr groß ſein, daß ich mich uter bewegen ließ eine ſo weite Reiſe zu unternehmen und ein aße. Land wieder zu beſuchen, in welchem ich Freunde und Bluts⸗ ige, verwandte durch Feuer und Schwert umkommen ſah. Ich heit hoffte, daß Ihr dieſe Aufopferung wenigſtens durch Zeichen lie. des Wiederauflebens und der Freude belohnen würdet. Lei⸗ ihre der aber ſeid Ihr jetzt gefühlloſer als zuvor. Habt Ihr alt, außer den Beſuchen, die wir zuſammen bei Euren Bluts⸗ lich. verwandten abgeſtattet haben, unſere Wohnung nicht ver⸗ und 4 laſſen? Da Dieſe letzten Worte wurden in einem eigenthümlich los, forſchenden Tone ausgeſprochen. Die Edelfrau ſchlug die das Augen nieder und blieb ſprachlos und wie beſchämt ſtehen. ich⸗ Ihr Ehegenoſſe fuhr mit erkünſtelter Kälte fort: — Nein, Senora, Ihr habt das Haus nicht verlaſſen. rrat Selbſt nicht geſtern gegen Abend als ich ausgegangen war ſel. um Don Fabricio aufzuſuchen— ſelbſt dann ſeid Ihr del⸗ 4 nicht ausgegangen, Ihr und Eure Duena— die ich ſchon ver⸗ wieder hier nicht ſehe? te?— Caliſto! Caliſto! ſeufzte die Edelfrau, warum be⸗ tatt obachtet Ihr meine geringſten Schritte? Ihr fragt warum ich unter niederländiſchem Himmel nicht wieder auflebe? —-————— — ——y—— Die hölzerne Clara. Es war die Freiheit, die ich hier ſuchte— und, leider, die Sklaverei hat mich bis hierher verfolgt. Es iſt weder nie⸗ derländiſche Luft noch die vlämiſche Sonne, die mich zu er⸗ quicken vermag. Die niederländiſche Freiheit muß ich ge⸗ nießen; und wenn mir dieſelbe hier eben ſo grauſam ent⸗ zogen wird, wenn Ihr auch hier wie in dem erſtickenden Spanien immer bezahlte Spione um Eure Gattin pflanzt — erwartet dann keine Beſſerung in meinem Zuſtande, Senor. Es iſt nutzlos einen andern Aufenthaltsort für mich zu ſuchen; ich werde überall verkommen, wo Sklaverei mich niederdrückt. Während die Edelfrau mit ſchlecht verhehlter Bitterkeit alſo antwortete, ſchauete Graf d' Almata ihr tief in die Augen und das Lächeln des augenſcheinlichſten Zweifels be⸗ wegte ſeine Lippen. — Sollte Senora, fragte er, wohl die Güte haben Ihrem Gatten mitzutheilen, wo ſie geſtern Abend in der Dämmerung mit ihrer Duena geweſen iſt? — Auf dem Groote Markt, Caliſto. — Darf ich auch wiſſen, Catalina, was Ihr dort in einem Hauſe von ſehr geringem Anſcheine zu ſuchen hattet? — Ach, Gott, Caliſto, in welchem Tone fragt Ihr mich da!. — Es wäre viel einfacher, Catalina, mir ganz kurz zu ſagen, was ich wiſſen will. — Wohlan, ich war ausgegangen um in Freiheit die Abendluft zu genießen— in Freiheit, verſteht Ihr, Ca⸗ liſto?— Auf dem Groote Markt erinnerte ich mich, daß dort e wollte Schule bereits laſſen und ſy iſt. W ſuchen magd? E Edelfr wortet heißt Ihr al ſo lan⸗ ich ver Wenn einflöß mata, gefähr! den ed Eures gefähr der, die der nie⸗ hzu er⸗ ich ge⸗ am ent⸗ ickenden pflanzt uſtande, ort für klaverei bitterkeit in die ffels be⸗ e haben din der dort in hattet? agt Ihr kurz zu hheit die hr, Ca⸗ ch, daß Die hölzerne Clara. 13 dort eine alte Dienſtmagd meines Vaters wohne und ich wollte ſie noch einmal ſehen. Sie war es, die mich zur Schule brachte, als ich noch Kind war; allein es ſind nun bereits acht Jahre verfloſſen ſeit wir die Niederlande ver⸗ laſſen haben. Die alte Dienſtmagd iſt längſt weggezogen und ſpurlos verſchwunden: Niemand weiß wo ſie geblieben iſt. Was iſt da zu argwöhnen bei einer ſo einfachen Sache? — Um ſo beſſer, Catalina! Ich werde Euch ſelbſt ſuchen helfen, wenn Ihr wollt. Wie heißt die alte Dienſt⸗ magd? Eine hohe Röthe überflog die bleichen Wangen der Edelfrau und nur nach einem augenblicklichen Beſinnen ant⸗ wortete ſie ſtockend: — Sie heißt... Anna De Zwart. — Ha! wiederholte Graf d' Almata ungläubig, ſie heißt Anna De Zwart! Es iſt gut, Senora, vielleicht habt Ihr aber ihren Namen vergeſſen, denn es iſt doch bereits ſo lange her, nicht wahr? — Caliſto, rief die Edelfrau voll Schmerz und Zorn, ich verbiete Euch in dieſem Tone mit mir zu ſprechen! Wenn Euer eiferſüchtiges Gemüth Euch auch Mißtrauen einflößt gegen Eure Gattin, ſo iſt es Euch, Senor d' Al⸗ mata, doch nicht geſtattet das Blut Eures alten Waffen⸗ gefährten in ſeiner Tochter zu erniedrigen. Achtet in mir den edeln Stamm der Ghyſeghem's, dem Ihr die Rettung Eures Lebens zu danken habt. — Euer Vater, Juan Van Ghyſeghem, mein Waffen⸗ gefährte und Retter— Ihr ſeht, Senora, daß ich es nicht Die hölzerne Clara. vergeſſen habe— hat Euch meiner Sorgfalt anvertrauet. Ich erfülle nur der Ehe heilige Pflichten— und was Ihr auch dagegen ſagen oder thun möget, Catalina, ich will und werde entdecken was Ihr hier in Niederland ſucht und ich nicht wiſſen darf. Ich geſtehe gern, daß Euch mein Be⸗ tragen peinlich ſein muß wenn Ihr frei ſeid von jedem Vor⸗ wurf, und noch lieber geſtehe ich Euch, daß ich Euch für ehrbar halte und treu; aber wachen muß ich über Euch, denn das Herz täuſcht ſich zuweilen, und in dem unver⸗ brüchlichen Geheimniſſe, in welches Ihr Euch hüllt, liegt vielleicht eine drohende Gefahr verborgen. Ihr ſeht, daß ich zum wenigſten unverholen ſpreche— da ich das Recht auf meiner Seite habe. Ihr, Catalina, könnt freilich dies nicht ſagen, denn wer ſich verbirgt und verſteckt muß wiſſen, warum er dies thut. Die Senora empfand ob ihrer Uebereilung eine ſchmerz⸗ iiche Reue, ihr Zorn war unter dem Einfluſſe der letzten Worte des Grafen ganz verſchwunden. Ein Lächeln auf den Lippen und eine Thräne in jedem Auge näherte ſie ſich ihm, und ſeine Hand mit Zärtlichkeit erfaſſend, ſprach ſie bittend: — Guter Caliſto, verzeiht mir; ich habe Unrecht. Aber warum mir auch ein ſolches Mißtrauen zeigen? Warum mich über eine unbedeutende Sache ausfragen wie eine An⸗ geklagte, die vor ihrem Richter ſteht? Ihr verlangt, daß ich fröhlich und lebendig ſei, daß ich Euch Freundſchaft beweiſe und eine heitere Gefährtin werde? Wohlan, hört auf mich ſo ängſtlich zu bewachen, gönnt mir die Freiheit, die anderen Beſſe tes, räthſe friede Erklä Ihr! daß I ich bir Seid zen loͤ mange ſend trauen mit m rtrauet. das Ihr vill und und ich ein Be⸗ em Vor⸗ Such für er Euch, unver⸗ ſt, liegt ht, daß as Recht lich dies Zwiſſen, ſchwerz⸗ r letzten heln auf e ſie ſich „ſprach Unrecht. Warum eine An⸗ t, daß ich ft beweiſe auf mich eanderen Die hölzerne Clara. 15 Frauen in den Niederlanden genießen, und Ihr ſollt ſehen, wie dankbar ich Euch lieben werde, nicht nur als einen zärt⸗ lich geliebten Gatten, ſondern auch als meinen Wohlthäter und als den Retter meines Lebens! — Ich weiß nicht, Catalina, wie Ihr Euch nur den Gedanken hingeben könnt, daß Ihr in Sklaverei leben ſollt. Ich überwache Euch nicht, allein warum erregt Ihr meinen Argwohn indem Ihr heimlich ausgehet ohne mein Wiſſen und ohne es mir zu ſagen? Mein Diener, Domingo, ſah Euch geſtern auf der Schwelle eines Hauſes auf dem Groote Markt mit einer Frau ſprechen; was war natürlicher als das er mir das erzählte?— Könnt' ich doch jedes Miß⸗ trauen aus meiner Bruſt verbannen! ich verlange nichts Beſſeres; aber, ſei es eine Eigenſchaft des ſpaniſchen Blu⸗ tes, was in meinen Adern rollt, oder eine Folge Eures räthſelhaften Betragens, Catalina, ich werde nicht eher zu⸗ frieden geſtellt ſein, bis ich aus Eurem eignen Munde die Erklärung des Geheimniſſes vernommen habe, deſſen Exiſtenz Ihr leugnet und das dennoch exiſtirt. Ich bin überzeugt, daß Ihr nichts Böſes beabſichtigen könnt, Catalina; allein ich bin Menſch..... und, was mehr iſt, ich bin Spanier. Seid doch großmüthig und vergeßt das nicht ſo oft. — Caliſto, Caliſto, könntet Ihr doch in meinem Her⸗ zen leſen! Ehe ich jemals der Liebe und Dankbarkeit er⸗ mangeln werde, die ich Euch ſchulde, wollte ich lieber tau⸗ ſend Mal den Märtyrertod erleiden. Ach! Euer Miß⸗ trauen beengt mir die Bruſt; habt doch Mitleid mit mir! Die hölzerne Clara. — Nun, meine arme Catalina, trauert nicht; es iſt vorüber. Laßt uns dieſe peinliche Unterredung abbrechen. Lebe wohl, meine Liebe! binnen einer halben Stunde müſſen wir bei Senora de Beza de Santa-Cruz den ver⸗ ſprochenen Beſuch abſtatten. Hoffentlich wird Eure Duena bis dahin zurück ſein um Euch zu begleiten. Bei dieſen Worten küßte er liebevoll die Hand ſeiner Gattin und verließ das Zimmer. Die Edelfrau ſiel abgemattet in einen Seſſel und be⸗ deckte ihr Geſicht mit beiden Händen. Sie mußte in dieſem Augenblicke heftige Schmerzen empfinden, denn alle ihre Glieder zitterten fieberhaft. Zwiſchen ihren Händen rollten einige glänzende Waſſerperlen hervor und ſchmerzliche Seuf⸗ zer wanden ſich empor aus ihrer beengten Bruſt. Zweifel⸗ los kämpfte die unglückliche Senora gegen ein Loos an, dem ſie auf keine Weiſe zu entfliehen vermochte, bis ſie endlich entſchloſſen und muthvoll ſich erhob und die Thränen von ihren Wangen trocknete. Auf ihrem Angeſichte erſchien ſelbſt ein Ausdruck, der einem Lächeln des Verlangens glich — und zur Wand des Zimmers tretend, klopfte ſie drei⸗ mal mit der Hand daran. Augenblicklich vernahm man im Nebenzimmer das Geräuſch eines Stuhles und dabei die heftigen Schritte eines Menſchen, der vielleicht ſchon lange auf dieſes Zeichen gewartet haben mochte. Einige Augenblicke ſpäter trat eine alte Frau vorſichtig in das Zimmer. Die Senora ſtand ſchweigend auf, öffnete leiſe alle Thüren und ſchloß ſie wieder eben ſo geräuſchlos, ergriff endlich die Duena bei der Hand und zog ſie zum Fenſter, ter und Alten, w zückenden entdeckt? meinen d Euch erz Die Finger a in's Ohr — Das für die E denn ſie ſ rend ſie f verbergen — C Euch entt — doch deut nicht glau Die hölze ; es iſt bbrechen. ee müſſen den ver⸗ e Duena nd ſeiner l und be⸗ in dieſem alle ihre en rollten iche Seuf⸗ Zweifel⸗ 3 an, dem ſie endlich änen von e erſchien gens glich te ſie drei⸗ ahm man und dabei eicht ſchon vorſichtig uf, öffnete eräuſchlos, g ſie zum Die hölzerne Clara. 17 Fenſter, dem fernſten Winkel des Zimmers. Mit gedämpf⸗ ter und faſt unhörbarer Stimme unterhielt ſie ſich mit der Alten, während auf ihrem Antlitze der Ausdruck einer ent⸗ zückenden Hoffnung glänzte: — Wohlan, Ines, gute Ines, haſt Du endlich etwas entdeckt? Weißt Du was aus Anna Canteels geworden iſt? — Ja, ich weiß wo ſie wohnt, Senora. — O Gott, endlich doch Etwas! Ha! dies mildert meinen Schmerz..... wie bin ich froh, liebe Ines! — Ihr werdet noch froher ſein, Senora, wenn ich Euch erzähle, was ich noch erfahren habe. — Was? Was, Ines? Sollteſt Du..... Die alte Duena brachte mit fröhlichem Lächeln den Finger auf ihren Mund und flüſterte dann der Edelfrau in's Ohr: — Gott ſei Dank, ich weiß auch wo ſie iſt. Das Wort ſie, mit Nachdruck ausgeſprochen, mußte für die Edelfrau eine leicht zu errathende Bedeutung haben; denn ſie ſprang fröhlich und doch bebend auf und rief, wäh⸗ rend ſie ſich offenbar Gewalt anthat um ihre Aufregung zu verbergen: — Sie? Sie? — Ja, Senora; ſie lebt nur wenig Schritte von Euch entfernt. — Ach, wie viel läßt Du mich leiden, Ines! ſprich doch deutlich; ich kann an ſolch' ein unerwartetes Glück nicht glauben. Die hölzerne Clara. 2 — Die hölzerne Clara. — Zweifelt nicht länger, Senora; ſie, die wir ſuchen, — nicht die Alte, die Andere— iſt nicht fern von hier. Eine heftige Aufregung befing die Edelfrau bei dieſer vollen Beſtätigung deſſen, was ſie kaum hatte hoffen dürfen; Bläſſe und Gluth wechſelten auf ihrem Angeſicht, ſie fühlte ihre Kräfte ſchwinden und lehnte ſich gegen den marmornen Pfeiler des Kamins. Faſt ohnmächtig, ſeufzte ſie flehend: — Wo? Wo lebt ſie? Ach, unterſtütze mich, gute Ines, es iſt mir als ſollte ich ohnmächtig werden..... Nein, es iſt vorüber, glaub' ich.... Sag ſchnell, wo iſt ſie? — Geduldet Euch, Senora, bis Eure Aufregung ſich etwas gelegt hat, wartet nur einen Augenblick...... die Freude über die glückliche Nachricht erſchüttert Euch zu ſehr... .. Ihr könntet vielleicht die Botſchaft, die ich Euch bringe, nicht ertragen. — Wohlan, häßliche Peinigerin, betrachte mich! Ich bebe, nicht wahr? aber an Kraft fehlt es mir doch nicht mehr. Sag an, von welcher Botſchaft ſprichſt Du denn? Muß ich ſtatt der Rettung, die Du mir gelobteſt, aus Dei⸗ nem Munde mein Urtheil vernehmen? — Ach, arme Senora, Ihr irrt Euch. Bleibt ruhig und kaltblütig und ich werde Euch ſagen wo ſie iſt. Bei dieſen Worten trat die Duena an die gegenüber⸗ liegende Wand des Zimmers heran und indem ſie mit dem Finger auf ein eigenthümliches Geräuſch zu deuten ſchien, flüſterte ſie geheimnißvoll: — Senora, die Waiſenmädchen aus dem Mägde⸗ hauſe hier nebenan ſind mit ihrer Mutter ſo eben vom Spazie Stimn mel! n und vi Eurem ſichtige U geriſſen währen ner än Angeſie La Stellur kühlt u hatte. ſich wa bereits Di wartend fragte auf ein Gott g ſchunge nicht ge ſuchen, hier. ei dieſer dürfen; ie fühlte rmornen flehend: tte Ines, Nein, es 2 gung ſich .... die nſehr... hbringe, nich! Ich och nicht u denn? aus Dei⸗ ibt ruhig ggenüber⸗ mit dem en ſchien, Mägde⸗ ben vom Die hölzerne Clara. Spaziergange zurückgekehrt. Vernehmt Ihr nicht ihre Stimmen? — Ja, Ines, ich höre ſie täglich ſo... aber, o Him⸗ mel! was willſt Du damit ſagen? — Sie iſt dort unter den Waiſenmädchen, Senora, und vielleicht klingt in dieſem Augenblicke ihre Stimme in Eurem Ohr! — Gott, iſt es möglich! rief die Edelfrau mit unvor⸗ ſichtiger Kraft; ſie wäre dort, ſo nahe bei mir! Und wie von einem unwiderſtehlichem Gefühle fort⸗ geriſſen, eilte ſie zur Mauer und lehnte das Haupt dagegen, während der Ausdruck der Seligkeit und die Spannung ei⸗ ner ängſtlichen Aufmerkſamkeit ſich gleichzeitig auf ihrem Angeſichte ausprägten. Lange verharrte ſie ſchweigend in dieſer lauſchenden Stellung, bis dieſe ruhige Haltung ihr jagend Blut abge⸗ kühlt und ihre erſchütterten Nerven nach und nach beruhigt hatte. Zudem hatte der Geſang der Waiſenmädchen, die ſich wahrſcheinlich wieder in den Arbeitsſaal verfügt hatten, bereits aufgehört. Die Edelfrau kehrte, noch ganz mit Freude erfüllt, zur wartenden Duena zurück, und, ſich neben ihr niederſetzend, fragte ſie mit gedämpfter Stimme: — Aber, liebe Ines, erzähle mir doch wie Du mich auf einmal mit ſo viel Glück überſchütten konnteſt, wie es Gott gefallen hat Dich ſo ſichtbar bei Deinen Nachfor⸗ ſchungen zu leiten? Du biſt doch überzeugt, daß man Dich nicht getäuſcht hat?— ach! ich ſtürbe davon! 2* 20 Die hölzerne Clara. — Fört denn meine Erzählung mit Geduld an, Se⸗ nora. Die Zeit iſt koſtbar, denn Domingo hat mir bei mei⸗ ner Rückkehr geſagt, daß Ihr mit dem Grafen augenblicklich ausgehen würdet. — Es iſt wahr, was Domingo ſagte; beeile Dich alſo! — Wohlan. Ich wußte heute nicht mehr wohin ich gehen oder bei wem ich mich erkundigen ſollte. Kein Wun⸗ der, Senora, es dauert bereits vierzehn Tage, dieſes nutzloſe Suchen. So wollte ich eben unverrichteter Sache nach Hauſe zurückkehren, als mich eine alte Frau, die früher zu⸗ weilen in dem Hauſe des Herrn Grafen gearbeitet und ge⸗ ſcheuert hat; auf der Straße anredete und ſich nach Euch erkundigte. Ihr werdet ſie wohl noch kennen, Senora, da ſie auch bei Eurem Vater arbeitete. — Meinſt Du Thereſia Coſterlings? — Ja, dieſelbe. Ein Wort gab das andere und ſo brachte ich das Geſpräch endlich auch auf Anna Canteels — und ich vernahm von Thereſia, daß ſie einen ſchlechten Lebenswandel geführt und endlich einen Soldaten geheira⸗ thet habe, mit welchem ſie in der Kloſterſtraße ein Zimmer in einem ſchlechten Häuschen bewohne. Voller Freude be⸗ gab ich mich in das ſpaniſche Quartier und nach vieler Mühe entdeckte ich endlich auch ihre Wohnung.— Ach! Senora, dieſe Frau iſt zu beklagen! ausgemergelt und gelb, mager wie ein Geripp und unreinlich; es iſt kaum zu glau⸗ ben. Gleichwohl muß das Herz der unglücklichen Solda⸗ tenfrau noch gut ſein, denn kaum ſing ich an von Euch zu ſprechen, ſo ſtürzten ihr auch ſchon die Thränen aus den Augen Mund dem S pflegen derlich men, d dung! rathet dieſer anderen Allein gegeben weitlät von eit erfunde hin ge nomme neben unter e ſie viel die Ge hen; w namen einer d ich hör Spiege n, Se⸗ bei mei⸗ nblicklich ich alſo! vohin ich n Wun⸗ nutzloſe che nach üher zu⸗ und ge⸗ ach Euch nora, da und ſo Canteels ſchlechten geheira⸗ Zimmer eeude be⸗ ch vieler — Ach! und gelb, zu glau⸗ Solda⸗ Euch zu aus den Die hölzerne Clara. 21 Augen und ſchluchzend bat ſie um Verzeihung. Aus ihrem Munde vernahn ich auch wie ſie ſie bei einem Bauer, von dem Schatze, den Ihr ihr gelaſſen, einige Jahre hatte ver⸗ pflegen und erziehen laſſen. Später iſt Anna Canteels lie⸗ derlich geworden und mit Soldaten in Berührung gekom⸗ men, die ſie zu einem ſchlechten Leben und zur Verſchwen⸗ dung verleiteten. Zuletzt hat ſie Einen unter ihnen gehei⸗ rathet und wahrſcheinlich den Schlechteſten unter Allen; dieſer hat ihr durch Schläge und allerlei Mißhandlungen anderer Art das Geld entriſſen, was ihr anvertrauet war. Allein ſie hat daſſelbe jedoch nur unter der Bedingung her⸗ gegeben, daß ihr Loos ſicher geſtellt würde. Es wäre zu weitläufig Euch zu erzählen, wie ſie eine traurige Geſchichte von einem todten Soldaten und einem verbrannten Dorfe erfunden und es durch Fürſprache reicher Leute endlich da⸗ hin gebracht haben, daß ſie in das Waiſenhaus aufge⸗ nommen wurde. Gegenwärtig befindet ſie ſich alſo hier neben an im Mägdehauſe und die Mädchen nennen ſie unter einander„die hölzerne Clara.“ — Hölzerne Clara! ein Spottname! ihr! Gott, iſt ſie vielleicht ein Gegenſtand der Verfolgung? — Ach nein, Senora; man nennt ſie nur ſo weil ſie die Gewohnheit hat ſtets ganz gerade und aufrecht zu ge⸗ hen; wie es ſcheint haben alle Waiſenmädchen einen Spitz⸗ namen bekommen— und hölzerne Clara wird vielleicht noch einer der ſchönſten ſein.— Aber laßt mich doch fortfahren; ich höre unten bereits Geräuſch. Kommt hierher vor den Spiegel, Senora, damit ich Euch bei Eurer Toilette helfe; Die hölzerne Clara. ich will dabei in meiner Erzählung immer fortfahren.— Aber das leiſe Sprechen wird doch läſtig, es erſtickt mich beinahe.— Wäͤhrend ich mich noch mit der weinenden Anna Canteels unterhielt, ging plötzlich die Thüre auf und ein gräßlicher Soldat mit langem Knebelbart und abſcheu⸗ lichem Geſicht ſchwankte herein. Es war ihr Mann: Der trunkne Kerl beſah mich mit mißtrauiſchem Blicke und brach in Zorn aus als er bemerkte, daß Thränen über die Wangen ſeiner Frau rollten. Mit wüſter Gewalt riß er ſie vom Stuhle, ſchleppte ſie in eine Ecke und verlangte, fluchend und ſchwörend, die Urſache meiner Anweſenheit zu erfahren. Die arme Anna widerſtand ihm einen Augenblick aber grau⸗ ſame Mißhandlungen zwangen ſie ſchuell genug zum Be⸗ kenntniß. Dann fabelte der wüthende Soldat von Belohnung und von Geld bis ich Alles, was meine Taſche enthielt, vor ihm ausgeſchüttet. Ich habe verſprochen ihm wöchentlich eine Gabe zu bringen. Er iſt ganz gezähmt, denn..... horcht, Senora, da höre ich den Grafen d' Almata die Treppe heraufkommen. Wie gut daß Ihr zum Ausgehen fertig ſeid! In der That trat der Graf d' Almata mit freundlichem Lächeln in das Zimmer. Am Spiegel wartete er noch ei⸗ nen Augenblick bis ſeine Gattin ihre Toilette gänzlich be⸗ endet hatte. Mit Bewunderung und Freude bemerkte er wie ihre Augen im Feuer eines neuen Lebens glänzten und ſelbſt oft mit dem Ausdrucke der innigſten Liebe auf ihm ruheten. Er glaubte darin das Gefühl der Dankbarkeit für ſeine Nachgiebigkeit am Morgen zu ſehen, und erfreuete ſich do nung Beide Santa A viel fu nicht d laſſen immer bereits Verwe fing ſi ordner mich a für m Deine C tröſtete von il Mein Die hölzerne Clara. 23 en.— ſich darum doppelt an der ſo liebenswürdigen Erſchei⸗ kt mich nung ſeiner Frau. Zärtlich ergriff er ihre Hand und Beide verließen das Zimmer um Senora de Beza de inenden auf und Santa Cruz ihren Beſuch abzuſtatten. übſcheu⸗ : Der II. d brach Vangen Am andern Morgen erwachte die Gräfin d' Almata ie vom viel früher als gewöhnlich. Ihre Duena ſelbſt war noch luchend nicht aufgeſtanden als die Edelfrau bereits das Bett ver⸗ fahren. laſſen und ſich zum Ausgehen angekleidet hatte. An dem grau⸗ immerwährenden Lächeln auf ihren Lippen, ſo wie an der m Be⸗ Haſt ihrer Bewegungen errieth man leicht daß eine fröhliche Ungeduld ſie befeuerte. ohnung nthielt, Als die Duena in das Zimmer trat, war ihre Toilette hentlich bereits faſt ganz vollendet. Die Alte erblickte darin einen 1. Verweis ob ihrer Schläfrigkeit und mit ſtummem Aerger ata die fing ſie an hier und da Etwas am Anzuge der Gräfin zu sgehen ordnen, dieſe aber kehrte ſich ſcherzend zu ihr um: — Nun, Ines, ſei nicht böſe, Liebe; die Freude hat dlichem mich aus dem Bett getrieben. Du haſt Dich geſtern ſo viel ſoch ei⸗ für mich bemühet, daß ich Dich aus Erkenntlichkeit für lich be⸗ Deine Dienſtleiſtungen nicht wecken mochte. elte er Geheimnißvoll nährte ſie ſich hierauf der bereits ge⸗ en und tröſteten Duena, ergriff ſie bei der Hand und flüſterte ihr, uf ihm von ihrer Freude hingeriſſen, mit leiſer Stimme zu: barkeit— Ines, ich werde ſie ſehen! werde ſie beſuchen! freuete Mein Herz klopft ſo fröhlich; es iſt als wenn ein neues Die hölzerne Clara. Leben mein Blut und meine Adern durchſtrömte. Komm, hilf mir noch ein wenig; ich weiß vor lauter Freude und Haſt kaum was ich thue. Die verwunderte Duena gehorchte. — Und der Graf d' Almata, Senora? fragte ſie zweifelnd. Wird der nicht ſchrecklich erbittert werden, wenn Ihr nochmals ohne ſein Wiſſen und trotz ſeines Verbotes Eure Wohnung verlaßt? — Er weiß es, Ines; er hat es mir erlaubt. — Sol Und ſeid Ihr gewiß, Senora, daß Euch dieſe Erlaubniß in aller Form gegeben ward? — Ganz gewiß; Du kannſt nicht glauben wie gütig, wie vertrauensvoll und wie zärtlich er geſtern gegen mich war. Ich begreife dieſe plötzliche Veränderung nicht. — Ich wohl, Senora. Der Graf liebt Euch über Alles. Seit acht Jahren trauert Ihr nun und erwiedert alle Beweiſe ſeiner Zuneigung durch eine unüberwindliche Niedergeſchlagenheit. Als ich Euch geſtern die frohe Nach⸗ richt brachte, da glänzten Eure Augen voll Lebensfeuer, eine warme Röthe überflog Eure Wangen und Eure Stimme ward ſanft und klar wie Saitenton. Ihr wart ſchön, Senora, ſchön, lachend und ſtolz. Er, der Euch liebt und anbetet, vermochte dieſem Zauber nicht zu wider⸗ ſtehen;— und, Senora, habt Ihr ſelbſt nicht mit ihm mit mehr Heiterkeit und zugleich Zärtlichkeit denn je geſprochen? — Wie klar durchſchaueſt Du doch die Herzen, Ines! Ja, ſo iſt es: nach vierzehn Tagen der Verzweiflung und der 2 daß einer trug, Als i wand das brunf den; nur d läßt, mer Dein ſame nes c ( hob d müſſe wir t 3 ſchien werde leicht hen? ich ve in m Komm, ude und ragte ſie en, wenn Verbotes uch dieſe die gütig, gen mich ht. uch über erwiedert windliche he Nach⸗ ensfeuer, d Eure ihr wart der Euch u wider⸗ mit ihm denn je Ines! ng und 25 Die hölzerne Clara. der Thränen ward ich plötzlich ſo ſehr von Freude erfüllt, daß Alles, was von meinen Lippen ſtrömte, den Stempel einer angenehmen Heiterkeit und einer innigen Freundſchaft trug, die den Grafen auf den Gipfel des Glückes erhob. Als ich ihm dann im Laufe des Geſprächs, unter dem Vor⸗ wande einige Spitzen zu kaufen, den Wunſch ausdrückte das Mägdehaus zu beſuchen, uwarmte er mich mit In⸗ brunſt: Geh, liebe Catalina, jedes Mißtrauen iſt verſchwun⸗ den; verbirg Dich nicht mehr vor mir; ich weiß wohl daß nur die Sucht nach Freiheit Dich ſo geheimnißvoll handeln läßt, da Du glaubſt, daß ich Dich überwache. Bleibe im⸗ mer ſo froh, ſei immer ſo gut und thue was Du willſt. Deine edle Seele wie Dein ehrſamer Stolz ſind mir genug⸗ ſame Bürgſchaften gegen die unruhige Bekümmerniß mei⸗ nes caſtilianiſchen Gemüths. Ein Seufzer entſchlüpfte der Bruſt der Duena; ſie hob die Hände empor und ſprach: — Und ſolch' einen Mann, die Güte und Liebe ſelbſt, müſſen wir hintergehen! Gott vergebe es uns, Senora; wir thun großes Unrecht! Die Edelfrau ließ ihr Haupt auf die Bruſt ſinken; ſie ſchien von der Bemerkung der Duena niedergedrückt zu werden. Endlich antwortete ſie traurig: — Wir thun Unrecht, ſagſt Du? Leider! es iſt viel⸗ leicht wahr; aber iſt es möglich dieſem Schickſal zu entflie⸗ hen? Ich bin unſchuldig, Du weißt es— und eher ſtürbe ich vor Schaam ehe ich einem einzigen unedlen Gedanken in meinem Herzen Zugang verſtatteu würde..... und Die hölzerne Clara. doch muß ich leiden und unter den Verdacht gebeugt ein⸗ her gehen. Einen Augenblick ſchwieg ſie, dann aber fuhr ſie fra⸗ gend fort: — Soll ich ihm Alles entdecken, Ines? — O, was ſagt Ihr da, Senora! — Sieh, Ines, ich liebe den Grafen ſo wohl aus Neigung wie in Folge meiner grenzenloſen Dankbarkeit. Die Ueberzeugung, daß ich ihn hintergehen muß, iſt für mich eine Hölle voll Schmerz und Pein: es giebt Augen⸗ blicke, in denen ich ihm Alles entdecken könnte. — Hütet Euch wohl davor, Senora; das ſpaniſche Blut würde dann gewiß— und mit Recht— die Ober⸗ hand gewinnen. Sein Leben würde von einer für ihn gräß⸗ lichen Gewißheit vergiftet werden und Ihr ſelbſt könnt nicht vorausſehen, was in dieſem Falle Euer Loos ſein würde. Es wäre beſſer wieder nach Spanien zurückzu⸗ kehren und zu vergeſſen warum wir nach den Niederlanden gekommen ſind. Dieſe letzten Worte der Duena machten auf die Edel⸗ frau einen ſehr peinlichen Eindruck; als wenn ihr ein Hohn geſchehen, erhob ſie ſich mit würdigem Stolz und, indem ſie der alten Frau einen finſtern Blick zuwarf, ſprach ſie: — Wiedarfſt Du davon ſprechen, Ines? Abreiſen ohne ſie zu ſehen? Du ſpotteſt ſicher, denn beſſer als ich weißt Du daß dies unmöglich iſt— Komm, meine Haube..... wir gehen! Ir gothiſch ſchen Ueber hauerar chen vo richtet Stifter man fo Mägde Tot Die Heel Dit *) „Zum muth a rend ſe Liebe r. K* iſt am war 77 Kaufme ugt ein⸗ ſie fra⸗ hl aus barkeit. iſt fuͤr Augen⸗ daniſche Ober⸗ gräß⸗ könnt os ſein rrückzu⸗ rlanden Edel⸗ n Hohn indem Die hölzerne Clara. 27 In der Gaſthuisſtraße ſteht ein Haus mit ſeltſamem, gothiſchem Giebel, deſſen oberſtes Fach mit einer ſymboli⸗ ſchen Darſtellung der heiligen Dreifaltigkeit geziert iſt. Ueber der Hauptthür befindet ſich ein in erhabener Bild⸗ hauerarbeit ausgeführtes Gemälde, eine Anzahl junge Mäd⸗ chen vorſtellend, die von einer Mutter oder Lehrerin unter⸗ richtet werden, wie auch einige Waiſen an der Thüre des Stifters. Unter dieſer kunſtvollen Bildhauerarbeit lieſt man folgende Erklärung über den Urſprung und Zweck des Mägdehauſes: Tot eerlick onderhout van Myskens Cleene, Die Nasnaels duer armoede mochten sneven, Heeft een godfurchtig man wt liefde alleene Dit godhuys wel begaeft, onbekennt in d'leven*⁴) Dese goede man is wt dit leven gescheyden, den XIX november MDLXII. Hy heetft geleeft LXXIIIjaren ende was geraempt Jan van der Meere Coopman alhier**) Vor dieſem Hauſe war es, wo die Gräfin d' Almata am frühen Morgen mit ihrer Duena ſich zeigte. Dieſe *) Anmerkung. Dieſe Inſchrift heißt auf Deutſch: „Zum ehrlichen Unterhalt kleiner Mädchen, die ſonſt der Ar⸗ muth anheimfallen würden, hat ein gottesfürchtiger, wäh⸗ rend ſeines Lebens unbekannter Mann dieſes Gotteshaus aus Liebe reich bedacht. D. Ueb. **) Anmerkung. Auf Deutſch: Dieſer gute Mann iſt am 19ten November 1562 aus dem Leben geſchieden. Er war 73 Jahre alt, hieß Jan van der Meere und war Kaufmann allhier. D. Ueb. —————y—— Die hölzerne Clara. Letztere hob den eiſernen Thürklopfer empor und ließ ihn niederfallen, daß der Schlag im Innern des Hauſes wiederhallte. — Nun, Senora, ſprach ſie unterdeſſen haſtig zu ihrer Gebieterin, um Gottes Willen bezwingt Euch; man könnte aus Eurem Geſicht errathen, was Niemand auch nur ver⸗ muthen darf. Die Edelfrau antwortete nicht. Einen Augenblick ſpäter öffnete ein Waiſenmädchen, was ein großes Bund Schlüſſel an der Schürze trug, die Thür. Die Kleine ſah ungemein fröhlich aus; ihre ganze Kleidung war ſo nett und rein, Schürze, Kape, Mützchen und Vorärmel waren von Leinwand, aber ſo blendend weiß und ſo glänzend, daß das Mägdlein für einen lebendigen Beweis der Reinlichkeit, der Sorgfalt und der kundigen Arbeit, die das Inſtitut auszeichnete, gelten konnte. — Was beliebt der Edelfrau? fragte das Mägdlein mit freundlichem Lächeln. — O! Du liebes Kind! rief die Senora wie bezau⸗ bert, während ſie die Kleine freundlich am Kinne faßte.— Sie griff in die Taſche und zog nach kurzem Suchen einen filbernen Fingerhut hervor, den ſie der Kleinen zum Ge⸗ ſchenk machte. — Nimnm das, mein Kind, weil Du ſo freundlich biſt und nett.— Ich komme um hier einige ſchöne Spitzen zu kaufen. — Dank Euch, Dank Euch, Edelfrau, antwortete das Mädchen. Wir haben ſehr ſchöne Spitzen. Beliebt hier in dieſe tend ri Hier iſ Ei leicht: Gemüt ganze neigte Seſſel fin d’ Beſuch Spitze! zu ſehe D große Dieſe und ie Mutte zeigen O zu ſe nora Weiſe chen w ließ ihn Hauſes zu ihrer n könnte aur ver⸗ nädchen, ug, die ce ganze Nützchen nd weiß dendigen undigen Lägdlein bezau⸗ ßte.— n einen um Ge⸗ lich biſt Spitzen tete das bt hier 29 Die hölzerne Clara. in dieſes Zimmerchen zu treten. Und unter die Thur ſchrei⸗ tend rief ſie nach oben: — Frau Mutter, Frau Mutter, kommt ſchnell herab! Hier iſt eine ſchöne Edelfrau, die Euchzu ſprechen verlangt! Einen Augenblick ſpäter erſchien eine Frau von viel⸗ leicht vierzig Jahren im Sprachzimmer. Geſundheit und Gemüthsruhe ſpiegelten ſich in ihrem Angeſicht und ihre ganze Erſcheinung zeugte von Güte und Frieden. Sie ver⸗ neigte ſich vor der Senora, und bot ihr höflich einen Seſſel an. — Welche Ehre, edle Frau, ſprach ſie, daß die Grä⸗ fin d' Almata unſer Haus und ſeine armen Waiſen eines Beſuches würdigt! Worin können wir Euch dienen? — Wohlan, Frau Mutter, ich wünſche einige ſchöne Spitzen zu kaufen und bei dieſer Gelegenheit eine Stiftung zu ſehen, die ſo berühmt iſt ob ihrer Reinheit und ihrer Zucht. Die Mutter öffnete haſtig eine große Lade und breitete große Stücke Spitzen vor den Augen der Edelfrau aus. Dieſe jedoch konnte ihre Ungeduld nicht bezwingen. — Ja, ſprach ſie, die Spitzen ſind außerordentlich ſchön und ich werde deren gewiß kaufen; wollt Ihr aber, Frau Mutter, nicht die Güte haben mir vorerſt Eure Waiſen zu zeigen wenn ſie bei der Arbeit begriffen ſind? Ohne dieſer Bitte die ſchuldige Aufmerkſamkeit zu ſchenken, fing die Mutter plötzlich an die Se⸗ nora verwundert zu betrachten, und zwar in einer Weiſe, die keineswegs von Unhöflichkeit frei zu ſpre⸗ chen war. Die hölzerne Clara. — Wohlan, Frau Mutter, ſprach die Gräfin, Ihr antwortet mir nicht? — Verzeiht, edle Frau, erwiderte dieſe, ach Gott, wo ſind meine Sinne! ich war ganz zerſtreuet!.... Es iſt doch ſonderbar! — Was iſt's denn, was Euch ſo ſehr überraſcht? fragte die Senora faſt zitternd. — Nichts, nichts, eine Aehnlichkeit..... aber, mein Himmel, wie ich auch nur daran denken konnte!— Habet die Güte mir zu folgen, edle Frau! Sie führte beide Frauen über einen viereckigen Hof nach dem Hintergebäude, wo die Waiſen ſich befanden. — Cuidado, Senoral flüſterte unterwegs die Duena ihrer Herrin mit Nachdruck in das Ohr. Der Saal, in welchen die Gräfin von der Mutter ge⸗ führt ward, war von arbeitenden Mädchen verſchiedenen Alters angefüllt. Sie waren alle gleich gekleidet: ein ſchwarzer wollener Rock, ein blaues wollenes Leibchen mit plattem weißem Krägelchen, eine ſchneeweiße Schürze und ein ſchwarzes Sammtkäppchen, dies war ihr ganzer Schmuck. Das Haar war hinten aufgebunden und in das Käppchen gefaßt, ſo daß die Stirn ganz frei und ſehr erhaben erſchien. Bei der Arbeit trugen ſie, um die Aermel ihrer wollenen Leibchen vor zu ſchneller Abnutzung zu bewahren, leinene Vorärmel. Die Meiſten waren mit Spizenklöppeln beſchäftigt, Andere näheten oder zeichneten Wäſche, ſtrickten bunte Wolle oder ſtickten mit Seide und Gold in verſchiedenen Stoffen. V Singe dies g ſchiede beherr plötzli Haupr Haus⸗ N die A fige C Reihe fragen nicht verda daß⸗ ben, i mers 2 keit d ihre ſchön bernd zerne Euch iſt es pott, wo iſt doch rraſcht? r, mein Habet gen Hof den. egs die tter ge⸗ iedenen vollener weißem warzes 3 Haar fßt, ſo Bei der eibchen rärmel. äftigt, Wolle toffen. Die hölzerne Clara. 31 Vor Ankunft der Mutter waren die Mädchen mit dem Singen eines geiſtlichen Liedes beſchäftigt; die Senora hatte dies gehört, und namentlich eine ſanfte Discantſtimme unter⸗ ſchieden, die wie der Ton einer ſilbernen Flöte den Geſang beherrſchte. Es war ihr peinlich, daß bei Ihrem Erſcheinen plötzlich die tiefſte Stille herrſchte und jedes Mädchen das Haupt über ihre Arbeit beugte. So lautete indeſſen die Hausordnung und die Mutter war nicht mild im Strafen. Nach dem Wunſche der Senora zeigte ihr die Mutter die Arbeit eines jeden Mädchens und gab dabei ſo weitläu⸗ fige Erklärungen, daß ſie nur ſehr langſam zwiſchen den Reihen der Mädchen fortſchreiten konnte. Nach Derjenigen fragen, die ſie zu ſehen wünſchte, das durfte die Gräfin nicht und ſie ſah ſich mithin zur peinlichſten Geduldprobe verdammt und hörte, ganz mit dem Gedanken beſchäftigt, daß Jemand, der ihr theurer war als ſelbſt ihr eigenes Le⸗ ben, in dieſem Augenglicke mit ihr die Luft deſſelben Zim⸗ mers athme, faſt nicht mehr auf ihre Begleiterin. Die Mutter war über die ſonderbare Unaufmerkſam⸗ keit der Gräfin nicht wenig verwundert, und eben wollte ſie ihre Erklärungen unterbrechen, als dieſe plötzlich fragte: — Eure Töchter, Mutter ſingen wohl lieblich und ſchön; vor Allen iſt unter ihnen ein Discant von bezau⸗ bernder Reinheit. — Ich glaube es wohl, rief die Mutter; das iſt die höl⸗ zerne Clara.... Was fehlt Euch, Edelfrau? die Luft beengt Euch vielleicht? Kommt, wir wollen in den Hof gehen, dort iſt es friſcher. Die hölzerne Clara. — Ihr irrt Euch, Mutter, antwortete die Duena mit Haſt doch ſehr kaltblütig. Meine Gebieterin erbleicht oft plötzlich; es iſt dies ein nervöſes Uebel, was jedoch weiter Nichts bedeutet. 3 — Ah!l um ſo beſſer, verſetzte die Mutter. Wollt Ihr, edle Frau, das Lied vielleicht noch einmal hören? — Ach ja, ich würde Euch dafür dankbar ſein; aber erlaubt, daß ich mich ein wenig ſetze, denn ich bin ſehr ermüdet. Die Mutter eilte nach dem obern Ende des Saales und holte ihren eigenen mit Leder überzogenen und mit ver⸗ goldeten Nägeln beſetzten Seſſel herbei. Sie erſuchte die Gräfin ſich darauf niederzulaſſen und ſprach dann zu den Mädchen gewandt: — Kinder, dieſe Edelfrau wünſcht Euch ſingen zu hören. Clara Houtvelt ſtelle Dich vor das Pult. Während die Waiſen ſich anſchickten Ihrer Mutter zu gehorchen, fragte die Gräfin mit ſchlecht bezwungener Auf⸗ regung: — Clara Houtvelt, ſagt Ihr, Mutter? Ich glaube Ihr habt von einer(hölzernen) Clara geſprochen, die Vor⸗ ſängerin iſt? — Ja, edle Frau, Clara Houtvelt iſt Houten Clara, das liebe Engelchen, was dort vor dem Pulte ſteht. Und ohne weiter auf den Geſichtsausdruck der Senora, noch auf die ängſtliche Aufmerkſamkeit, womit die Duena ihre Gebieterin betrachtete, Acht zu geben, wandte ſie ſich zu den Mädchen: Schwe Cl Bild de vielleich keinen des Hit wie ein Wange doch am zu ihren nen Leil Haltung in ihr d Geſpieli bereits von ker dieſer C und die dete. 2 fang er Stimmch *) D Die hölze Die hölzerne Clara. uena mit— Das Chriſtlied! Clara, Kind, ſing Du vor; Deine leicht oft Schweſtern ſollen den Gruß(die Salution) wiederholen. ſch weiter Clara ſtand da vor dem Pulte wie ein poetiſches Bild des Kindes. Ihre Glieder waren außerordentlich zart, Wollt vielleicht etwas mager, doch dies that ihren zwölf Jahren ren? keinen Eintrag. Ihre großen Augen ſchienen das Blau in; aber des Himmel zurück zu ſtrahlen, ihr Mündchen war klein bin ſehr wie ein gefaltetes Roſenblatt und das Grübchen auf ihrer Wange lieblich wie ein glänzendes Sternchen. Was ſie je⸗ Saales doch am Meiſten vor ihren Genoſſinnen auszeichnete, aber mit ver⸗ zu ihrem platten Mützchen, ihrer Schürze und ihrem wolle⸗ ccte die nen Leibchen am Wenigſten paßte, das war die Würde ihrer zu den Haltung und etwas Unausſprechliches in ihrem Blicke, was in ihr das Kind hoher Eltern vermuthen ließ. Unter ihren igen zu Geſpielinnen ſelbſt war Keine, die dieſen Eindruck nicht bereits erfahren hatte; alle waren überzeugt daß Clara atter zu von keinen geringen Eltern ſtammen könne, obſchon er Auf⸗ dieſer Glaube ſich bei ihnen nur auf die würdige Haltung und die edle Seele dieſes reinen und ſchönen Kindes grün⸗ 1 glaube dete. Als Clara von der Mutter das Zeichen zum An⸗ ee Vor⸗ fang erhalten hatte, erhob ſie ihr ſchmeichelnd hohes 5 Stimmchen und ſang: Clara, Maria ende Joseph mede Voeren beyde te samen zenora Tot Bethleem ter stede, „ Daer si haer herberghe namen.* Duena— ſich zu 1. 8*) Das hier mitgetheilte Chriſtlied iſt ein alter vlämiſcher Die hölzerne Clara. 3 34 Die hölzerne Clara. Die andern Mädchen antworteten Alle zugleich: In excelsis gloria! Et in terra pax hominibus. Valasus! Valasus! Swighet soete Jhesus; Ghi sijt ons Dominus, Et in terra pax hominibus! Kirchengeſang, ganz in jenem ſchwulſtigen und barocken Style geſchrieben, der die geiſtliche Poeſie der damaligen Zeit cha⸗ rakteriſirte. Der Ueberſetzer hielt es aus dieſem Grunde für paſſend den vlämiſchen Text auch in dieſer deutſchen Ausgabe unverändert ſtehen zu laſſen, giebt aber hier eine Ueber⸗ ſetzung derſelben in Proſa: D. U. Maria und Joſeph fuhren zuſammen nach Bethlehem zur Stadt, wo ſie ihre Herberge nahmen. In excelsis gloria! etc. In einem armen Häuschen, wo weder Wiege noch Thüre ſtand, mußten ſie übernachten, denn ſie waren von aller Habe entblößt. In excelsis gloria! etc. Als nun die Mitternacht erſchien, da hat die Jungfrau ein Kind von großer Macht geboren, wie ſchon die Engel uns erklärt. In excelsis gloria! etc. Da gebar die Reine den Herrn, der da gebenedeiet iſt im Himmel und auf Erden. Gelobt ſei ſie zu aller Zeit! In excelsis gloria! etc. Da ſang mit frohem Schalle Joſeph Hallelujah, und die Engel alle: In excelsis gloria! Valasus! Valasus! Schweige ſüßer Jeſus, du biſt unſer Dominus. Et in terra pax homianibus. Die hölzerne Clara. 35⁵5 ch: Dieſen Refrain ſangen ſie dann nach jeder Strophe. Clara aber fuhr fort: In een arm huyseken, Al sonder weeghe oft doeren, Omdai si waren van have bploot Moesten hem also gheboeren. In excelsis gloria, enz. ocken Style Zeit cha⸗ Alst duam ter rechter middernacht, -Ze G Grunde für Soe hevet die maghet ghebaert n Ausgabe Een kindeken van groter macht, ine Ueber⸗ Als die engel ons verklaert. D. U. 1 In excelsis gloria, enz. hlehem zur 4 Daer baerde die suverlijke Den Heere ghebenedijt noch Thüre Van hemel ende aertrijcke. aller Habe Lof si haer tot alder tijd! In excelsis gloria, enz. e Jungfrau Doe sanck met bliden gheschalle die Engel Joseph-alleluya, en die Enghelen alle: In excelsis gloria! Valasus! Valasus! nedeiet iſt Swighet te Jhesus ; wighet soete sus Uler Zeit! 8 Ghi sijt ons Dominus. ah, und die Et in terra pax hominibus. Valasus! 3 18. Tot in Während dieſes Liedes ſaß die Gräfin mit offenem Munde da und lauſchte ganz erſtaunt, als hätte ſie in der 3* 36 Die hölzerne Clara. That dem heiligen Hallelujah des Himmels beigewohnt. Ihre Augen waren keinen Augenblick von Clara abgewandt, ſie hingen buchſtäblich an den Lippen des Kindes. Und in der That beſaß die ſingende Waiſe in ihrer Erſcheinung etwas ſo Reines und Himmliſches; aus ihren blauen Aeug⸗ lein ſtrahlte eine ſo innige Begeiſterung, ſie ſchien ſo ganz in ihren Lobgeſang verſunken, durch ein geheimnißvolles Gefühl der Harmonie fortgeriſſen zu ſein, daß ſie mit Nichts als mit einer verklärten Seele, die vor dem Throne Gottes ſteht, verglichen werden könnte. Die Duena ſelbſt war da⸗ durch ſo gerührt, daß ſie ganz die Gefahr vergaß in der ihre Gebieterin ſchwebte; mit vorgeſtrecktem Haupte und offenem Munde ſtarrte auch ſie unverwandt auf Clara hin. Der Geſang war längſt geendigt und Clara bereits wieder zu ihrem Klöppelkiſſen zurückgekehrt, die Gräfin und die Duena indeſſen ſaßen noch gleich unbeweglich da. — Ja, ja, edle Frau, ſprach die Mutter ſich der Se⸗ nora nähernd, voll Stolz, man ſuche in der ganzen Stadt noch eine einzige Sängerin wie dieſes liebliche Kind! Auch wird ſie niemals außerhalb unſers Hauſes in Dienſte treten. Da ſind die Eliſabethsnonnen hier hinten, die Witte Zusters(weißen Schweſtern) in der langen Niewſtraße, und die Oostmallen auf dem Oſſenmarkt die unſerer Clara bereits zugeredet haben in ihr Kloſter zu treten wenn ſie alt genug ſein würde. Man wolle ſie ohne Mitgift anneh⸗ men, denn ſie ſollte in der Kirche die erſte Stimme führen; aber ſie ſollen ſie nicht haben, edle Frau. Clara iſt mein Kind und wenn es Gott gefällt ſoll ſie mich, ſo lange ich lebe, n ſchönen Se herrſcht halten, Die D und erg bei der Frage d ihrem furcht Augen Be ſprach ſ Kind! denn vo doch ſo ſie die mich wo ſchämt. Ka fallen, ſo lang gewohnt. gewandt, Und in ſcheinung ien Aeug⸗ mſo ganz mißvolles nit Nichts ne Gottes t war da⸗ n der ihre d offenem 1. ra bereits vräfin und da. h der Se⸗ zen Stadt ind! Auch nſte treten. die Witte iewſtraße, ſerer Clara n wenn ſie gift anneh⸗ me führen; ra iſt mein o lange ich lebe, nicht verlaſſen. Was denkt Ihr, Gräfin, von dieſer ſchönen Stimme? Senora war von einem unwiderſtehlichen Gefühle be⸗ herrſcht; und kaum vermochte ſie zwei Thränen zurück zu halten, die gewaltſam ſich aus ihren Augen ſtahlen. Die Duena bemerkte den innern Kampf ihrer Gebieterin und ergriff ſie, um ſie zur Beſinnuung zu bringen, heimlich bei der Hand. Ohne weder dieſes Zeichen noch die Frage der Mutter zu beachten, erhob ſich die Edelfrau von ihrem Seſſel und ging gerade zu Clara hin, die aus Ehr⸗ furcht vor der Fremden gleichfalls aufſtand und die Augen beſcheiden niederſchlug. Bebend ergriff die Gräſin des Mädchens Hand und ſprach ſtammelnd: — Welche engelgleiche Stimme haſt Du doch, mein Kind! Sieh mich doch an, meine Kleine; fürchteſt Du Dich denn vor mir? — Ach nein, Edelfrau, antwortete ſie; ſprecht Ihr doch ſo freundlich zu Eurer Dienerin! — Dienerin! ſeufzte die Dame ſchmerzlich, während ſie die Hand der Waiſe noch zärtlicher drückte. Willſt Du mich wohl umarmen, Clara?..... o, Du ſingſt ſo ſchön! — Umarmen, Edelfrau? fragte das Mädchen ver⸗ ſchämt. Ich möchte wohl, aber ich darf nicht. Kaum waren dieſe Worte dem Munde des Kindes ent⸗ fallen, als die Senora daſſelbe beim Kopfe ergriff und es ſo lange und mit einer ſolchen Leidenſchaft küßte, daß die Die hölzerne Clara. 37 38 Die hölzerne Clara. Kleine davon ganz roth wurde und ſich erſtaunt und über⸗ raſcht wieder zu ihrer Arbeit niederbückte. Unterdeſſen hatten ſich die Mutter wie die Duena, Beide von dieſer flüchtigen Scene angezogen, der Gräfin genähert. Die Erſtere wußte nicht was ſie von dem Betra⸗ gen der Edelfrau denken ſollte und bereits durchkreuzten ſonderbare Vermuthungen ihren Kopf. Da dieſe Vermuthun⸗ gen jedoch jedes wahrſcheinlichen Grundes entbehrten, ſo that ſie ſich ſelbſt innerlich Gewalt an, um zu glauben, daß Clara's Geſang allein die Gräfin zu Thränen gerührt habe. Die übrigen Waiſenmädchen betrachteten das, was vor ihren Augen geſchah zum Theil mit gedankenloſer Neugierde, zum Theil mit Neid. Sie waren gewöhnt in Clara ſtets und überall den Gegenſtand beſonderer Aufmerkſamkeit und be⸗ ſonderer Liebkoſung zu erblicken, ſo daß ſie auch bei dieſer Gelegenheit nichts Weiteres vermutheten. Die Duena hingegen zitterte vor Angſt, und kaum be⸗ merkte ſie, daß ihre Gebieterin nach dem Kuſſe, den ſie auf die Stirn des Kindes gedrückt, erbleichte, daß ihre feuchten Augen im Feuer der Verwirrung funkelten, als ſie auch ſchon mit lauter Stimme ſprach: — Senora, der ſchöne Geſang hat Euch zu ſehr auf⸗ geregt; Ihr ſeid unwohl..... Die friſche Luft wird Euch wohl thun. Laßt uns lieber Nachmittag oder Morgen wiederkehren. Bei dieſen Worten ſchien ſie ihre Gebieterin ſcheinbar zu unterſtützen, in der That aber zog ſie dieſelbe mit faſt unwiderſtehlicher Kraft am Arme aus dem Saale fort, und füh vorher die beſte der gan für Geſ und ziel ſein kan kann nr edlen N und ſo was Je Die genwart immerr immer Duena ohne der Preis, dies ſcheͦ ich wer Spitze; Seid hi Wir gel Die Die hölzerne Clara. 39 nd über⸗ und führte ſie ſo nach dem Sprachzimmer, in welchem ſie vorher die Spitzen gemuſtert hatten. Duena,— Nun, Mutter, ſprach die Duena, zeigt uns ſchnell Gräfin die beſten Spitzen; meine Gebieterin bedarf der Ruhe. Auf n Betra⸗ der ganzen Welt kenne ich Niemand der empfänglicher wäre ganz g hkreuzten für Geſang als die Gräfin. Er erſchüttert alle ihre Nerven muthun⸗ und zieht ihr zuweilen Ohnmachten zu. rten, ſo— Ach, wenn ich der Frau Gräfin damit angenehm ben, daß ſein kann, ſo möge ſie kommen wenn es ihr gefallt. Clara ihrt habe. kann noch viele ſchöne Liedchen; ich werde ſie vor meiner edlen Nachbarin allein ſingen laſſen; das Kind iſt ſo ſanft und ſo freundlich; es hat noch niemals Etwas geweigert vor ihren rde, zum ſtets und was Jemand Vergnügen machen könnte! und be⸗— Die Senora beſaß in der That nicht mehr Geiſtesge bei dieſer genwart genug um zu antworten. Der Kuß brannte noch immerr in ihrem Geiſte, und ihre Seele hing noch immer an dem Mündchen des angebeteten Kindes. Die Duena begriff den Zuſtand ihrer Gebieterin ſehr wohl und ohne deren Zuſtimmung abzuwarten, fuhr ſie fort: kaum be⸗ en ſie auf e feuchten ſie auch — Ja, die Spitzen ſind außerordentlich ſchön; der ſehr auf⸗ Preis, den Ihr fordert, Mutter, iſt wahrlich hoch; allein vird Euch dies ſchadet nicht: meine Gebieterin nimmt das ganze Stück: Morgen ich werde ſie augenblicklich holen und auch dieſe ſchmale Spitze zu fünf Karolusgulden.... Auf Morgen, Mutter. ſcheinbar Seid hundertmal bedankt für Euern freundlichen Empfang. ze mit faſt Wir gehen, nicht wahr, Senora? aale fort, Die Gräfin wandte ſich zur Mutter und ſagte: Die hölzerne Clara. — Ich möchte der Sängerin gern ein Geſchenk machenz könnte ich ſie vielleicht noch einmal ſehen? — Augenblicklich, edle Frau, antwortete die Mutter und eilte aus dem Zimmer. — Um Gottes Willen, Senora, was thut Ihr da! rief die Duena mit gefalteten Händen. — Ich will ſie noch einmal küſſen ehe ich gehe und ſollte ich darüber das Leben verlieren, Ines. — Möge Euer Schutzengel Euch beiſtehen, Senora; die Gefahr iſt groß! Vorſichtig, vorſichtig, da iſt ſie bereits. Clara ward von der Mutter zur Gräfin geführt; dieſe ergriff ihre Hand. — Liebes Kind, Deine Stimme und Deine Anmuth haben mich bezaubert, ſagte ſie. Ich muß Dich doch für Deinen ſchönen Geſang belohnen. Da nimm Dies von mir als von einer Freundin die Dich liebt. Das Kind betrachtete erſtaunt das glänzende Geſchenk in ſeiner Hand. Das war ein Scheerchen mit ſilbernen Au⸗ gen und ein Nadelbüchschen, von demſelben Metall. — Küſſe nun die Senora, ſprach die Duena. Clara voller Freude über das niedliche Scheerchen und das noch ſchönere Nadelbüchschen, ließ ſich das nicht zwei⸗ mal ſagen und hob ihre Arme, ein holdes Lächeln in den Augen, zur Gräfin empor. Dieſe küßte und küßte das Kind bis die Duena mit der ſtrengen Bemerkung: — Senora, der Graf wartet Eurer; er wird ſonſt über unſer langes Ausbleiben ungehalten werden, dazwiſchen⸗ trat, waͤhrend ſie ſelbſt einige Schritte nach der Thür hin that. auf Me Sänger Hi ſich hin Straße Dieſe nicht e verberg D und vo Alles e und ſer ſcheinſt geküßt geſproe ruhten reit Al die beſ ausſpr Seele nicht n kleine; machen; Mutter Ihr da! ehe und Senora; bereits. geführt; Anmuth doch für von mir Geſchenk rnen Au⸗ l. chen und icht zwei⸗ In in den das Kind ird ſonſt zwiſchen⸗ hin that. Die hölzerne Clara. 41 — Auf Morgen, Frau Mutter, ſprach die Gräfin; auf Morgen, mein Kind. — Es fehlt Dir noch ein Fingerhut, meine kleine Sängerin; ich werde Dir ihn auch ſchenken. Hierauf folgte ſie ihrer Duena und die Thür ſchloß ſich hinter ihnen zu. — Senora! Senora! rief die Duena als ſie auf die Straße gekommen waren, wie unvorſichtig waret Ihr doch! Dieſe Leute müßten in der That ſtockblind ſein, wenn ſie nicht errathen ſollten, daß Eure Rührung ein Geheimniß verberge, und....... Die Senora indeſſen hielt ihr die Hand auf den Mund und von Entzücken ganz außer ſich ſprach ſie: — Schweig, Ines, ſchweig: Und wenn der Graf auch Alles entdecken, und wenn ich auch ein Opfer ſeines Haſſes und ſeiner Rache werden ſollte, was wäre das? Ha! Du ſcheinſt es nicht zu wiſſen, daß ich ſie gehört, geſehen und geküßt habe? daß ſie mir entgegenlachte, daß ſie mit mir geſprochen? daß ihre Lippen voll Liebe auf den meinigen ruhten! o Gott! es iſt des Glückes zu viel! Ich bin be⸗ reit Alles auszuſtehen, Alles zu leiden, aber raube mir doch die beſeligende Freude nicht, die jetzt mein Herz überſtrömt! .... Schweig doch, Ines, laß mich baden in dieſem un⸗ ausſprechlichen Genuſſe; trübe den Himmel meiner entzückten Seele nicht!.... Was iſt der kleine Engel nicht ſchön, nicht wahr, Ines? Welch edler Hauch iſt nicht über die kleine Nachtigall ausgegoſſen! Die hölzerne Clara. Zwei Thränen trocknend öffnete die Duena die Thür und als ihre Gebieterin eingetreten war, ſchloß ſie dieſelbe ſorgfältig wieder zu. Unterdeſſen war die Mutter des Mägdehauſes gedan⸗ kenvoll vor ſich hin ſprechend nach dem Sprachzimmer zu⸗ rückgekehrt, um dort die Laden, in denen die Spitzen ver⸗ ſchloſſen wurden, wieder zu ſchließen. Als ſie indeſſen dort angelangt war, hatte ſie jedoch bereits wieder vergeſſen was ſie denn eigentlich thun wollte, und ſo ſank ſie denn faſt bewußtlos in einen Stuhl und ſprach, die Augen zu Boden gerichtet, endlich leiſe und langſam vor ſich hin: Aber die Geſchichte von dem abgebrannten Dorfe und dem mitleidigen Soldaten?— Sollte dies denn eine Erdichtung ſein?— Houtvelt? Ein ſonderbarer Name. — Es iſt vielleicht ihre Schweſter..... aber wäre dies möglich? Iſt Clara wohl älter als zwölf Jahre? Nein, viel⸗ leicht iſt es eine Nichte, eine Tante.... Wer weiß? Aber iſt es möglich, daß eine Nichte, eine Tante— eine Schweſter ſelbſt— bei einem einzigen Kuſſe auf den Mund eines Kindes ſich entfärbe, ohnmächtig werde, Thränen vergieße? Könnte dieſes unwiderſtehliche, dieſes hinreißende Gefühl wohl ein anderes ſein als das, was die Gräfin beim Anblicke ihrer Rührung in meinem eigenen Herzen entzündete? Was beherrſcht Anderes die Seele einer Frau wenn nicht die Mutterliebe?.... Ach, ich begreife! Arme Mutter, was muß ſie leiden! Ein Kind, ſo ſchön und bezaubernd! Es ſeit Jahren nicht geſehen haben, es wiederfinden unter Mäd⸗ chen die zum Dienen erzogen werden, es weder erlöſen noch beſchütz ſich den Gott! nem eig wenn e hende ſehen, hunder tert nie Aber w dann m diger§ ſie liebt auch da nicht ve Vergnü wenn ſ die müt die arm Schweſ des Ch haſtig, ie Thür dieſelbe gedan⸗ mer zu⸗ zen ver⸗ ſen dort ſen was enn faſt Boden n Dorfe un eine r Name. äre dies in, viel⸗ 2 Aber ſchweſter nd eines hergieße? ühl wohl Anblicke te? Was nicht die was muß Es ſeit ter Mäd⸗ Zſen noch Die hölzerne Clara. 43 beſchützen können, ohnmächtig werden bei einem Kuſſe und ſich dennoch mit gebrochenem Herzen entfernen müſſen! o Gott! einen Händedrnck, einen Kuß, ein Lächeln von ſei⸗ nem eigenen Kinde ſtehlen und mit ihm reden müſſen als wenn es eine Fremde wäre! Vergehen und ſtets das glü⸗ hende Schwert der Schande über ſeinem Haupte ſchweben ſehen, gegen Natur und Geſellſchaft blutig ankämpfen und hundertmal unter dem unerbittlichem Schickſal zerſchmet⸗ tert niederſinken! Arme Mutter!............ Aber wer kann es wiſſen? Ich irre mich vielleicht— und dann wäre meine Vermuthung ein der Gräfin ganz unwür⸗ diger Hohn— Wie dem auch ſein mag, die Gräfin iſt gut, ſie liebt das Kind feurig was ich über Alles lieb habe: was auch das Geheimniß ihres Herzens ſein möge, ich werde es nicht verrathen— dafür bewahre mich Gott! Und wenn ſie Vergnügen daran findet— und ich zweifle nicht daran— wenn ſie in Clara's Anblick und in ihrem ſüßen Lächeln die mütterliche Seligkeit koſten will.... ſo möge ſie kommen die arme Mutter, ich werde ihr behülflich ſein........ — Frau Mutter, rief jetzt die Schließerin, hier iſt Schweſter Begga von den Annunciaten, ſie kommt wegen des Chorhemdes für den Kanonikus Visschers! — Ich komme, ich komme! antwortete die Mutter haſtig, indem ſie ſchon der Schweſter entgegeneilte. Die hölzerne Clara. III. Kaum hatte die Sonne einen geringen Theil ihrer Himmelsbahn durchlaufen, als die Gräfin d Almata in Be⸗ gleitung ihrer Duena ſchon ihre Wohnung verließ um zum zweiten Male das Mägdehaus zu beſuchen. In ihren Au⸗ gen glänzte die reinſte Freude; ſeit ſie ſelbſt aus ihrer lang⸗ jährigen, gefühlloſen Trauer erwacht war, erſchien ihr Alles in der Welt wieder ſchön und freundlich. Ihr Gemahl er⸗ blickte in ihrer Heiterkeit eine Quelle des Troſtes, des Ge⸗ nuſſes; er war ſo gütig und zärtlich gegen ſie, bewies ihr ein wirklich grenzenloſes Vertrauen und ſie war überzeugt, daß ferner kein Argwohn mehr in ſeinem Herzen wohnte! Sie konnte alſo die Kleine beſuchen ohne fürchten zu müſſen, daß das Auge eines Spähers ſie verfolge. Die Duena klopfte. Ohne Zweifel hatte die Mutter der Schließerin beſon⸗ dere Befehle gegeben, denn als dieſe ſah wer draußen war⸗ tete, riß ſie die Thür weit auf, und ſprach erfreut mit hei⸗ terer Gefälligkeit: — Willkommen, willkommen, Gräfin d'Almata! Eure unterthänige Dienerin.— Geruht näher zu treten, Gräfin; ich werde unſere Frau Mutter augenblicklich rufen. Die friſche Maid ſchloß die Thür wieder zu und eilte dann ſchnell wie ein Reh nach dem Hintergebäude. Ei⸗ nige Augenblicke ſpäter erſchien die Mutter mit der hölzernen Clara. A Gräfin die Ha Ei bezwan Kindes faßt u Stirn der Gr das L als wer Senor Ihr li wünſch D verſtehe D auf den folgt un Zuſtan zu ſage uns in ſollt hi liche P conskle heil ihrer a in Be⸗ um zum hren Au⸗ rer lang⸗ ihr Alles emahl er⸗ des Ge⸗ ewies ihr iberzeugt, wohnte! zu müſſen, rin beſon⸗ ußen war⸗ tt mit hei⸗ ata! Eure „Gräfin; n. und eilte iude. Ei⸗ mit der Die hölzerne Clara. 45 Als das Kind in das Sprachzimmer trat und die Gräfin bemerkte, eilte es auf ſie zu und küßte ihr die Hand. Ein Zittern durchlief die Adern der Gräfin, doch ſie bezwang ſich und mit Wolluſt blickte ſie ſprachlos in des Kindes blaue Augen. Sie auch hatte Clara's Handchen ge⸗ faßt und ſtreichelte ihr mit der andern Hand vertraulich Stirn und Schulter. Der unbeſtimmte und ſeltſame Blick der Grafin erzeugte in dem Kinde ein unbegreifliches Gefühl; das Lächeln verſchwand von ſeinen Lippen und fragend, als wenn es eine Erklärung erwartet hätte, blickte es der Senora in die Augen. Es ſchien zu ſagen: — Ich bin von Jedermann geliebt und bevorzugt, aber Ihr liebt mich anders. Wie kommt das? Und warum wünſche ich ſo ſehnlich ſtets bei Euch zu ſein? Die Gräfin ſchien die ſtumme Frage der Waiſe zu verſtehen: — Du armes Kind! ſeufzte ſie traurig. Die Mutter hatte alle Gemüthsbewegungen, die ſich auf dem Angeſicht der Edelfrau abſpiegelten, aufmerkſam ver⸗ folgt und ſie erkannte leicht etwas Gezwungenes, was in ihrem Zuſtande herrſchte, während weder ſie noch Clara Etwas zu ſagen wußten. — Gräfin, wandte ſie ſich daher an die Senora, laßt uns in das Zimmer gehen, wo die Clavecimbel ſteht. Ihr ſollt hören wie Clara ſpielen kann. Ach es iſt eine köſt⸗ liche Perle von einem Kinde; Schweſter Cathelyne im Fal- conskloſter hat ſie in der Muſik unterrichtet und ſie ſpielt 46 Die hölzerne Clara. ſo ſchön, daß man Tage lang ohne zu eſſen oder zu trinken daſitzen und ihr zuhören könnte. Zwiſchen der Gräfin und Clara mußte bereits ein Band der Liebe und des Vertrauens entſtanden ſein, und ohne Zweifel trieb ein geheimes Gefühl das Kind an in dieſer reichen und mächtigen Frau mehr als eine bloße Be⸗ ſchützerin zu erblicken, denn als die Mutter ſprach:„laßt uns in das andere Zimmer gehen“ hatte die Kleine die Se⸗ nora bereits bei der Hand ergriffen, als wenn ſie ihre Mut⸗ ter geweſen. Dieſe Bewegung, wie einfach auch, ließ die Augen der Gräfin in Freude und Stolz erglänzen und ſie führte Clara an der Hand, wie ſie es mit ihrem eigenen Kinde gethan haben würde. In dem Zimmer, wo die Clavecimbel ſtand, bot man der Gräfin einen Seſſel an; die Duena ſetzte ſich neben der Mutter auf einen Stuhl und Clara ſtellte ſich vor das Inſtrument. — Nun, ſprach die Mutter, ſing das Lied:„Mit Freude wollen wir ſingen,“ das hat ein ſo ſchönes Vorſpiel. Clara begann. Sie mußte für die Muſik ungemein empfänglich ſein; ſchon beim Anfang des Spieles ſchien ſie von Begeiſterung ergriffen zu ſein. Während ihre Finger⸗ chen auf den Taſten dahin liefen, lachte ihr Mündchen den ſüßen Tönen entgegen oder eine leichte Falte auf ihrer Stirn zeigte an, daß ſie eine tiefere Saite berührt hatte. Voll Bewunderung dieſes zugleich prächtigen und be⸗ zaubernden Spieles, von einem Regen harmoniſcher Töne überladen, blickten die drei Frauen unverwandt auf die be⸗ geiſterte tete, da gleitung trinken reits ein in, und ud an in loße Be⸗ ch:„laßt e die Se⸗ ihre Mut⸗ „ließ die en und ſie nn eigenen bot man neben der vor das Nit Freude piel. ungemein s ſchien ſie ore Finger⸗ ndchen den ihrer Stirn en und be⸗ liſcher Töne auf die be⸗ Die hölzerne Clara. 47 geiſterte Maid, die plötzlich den ſchlanken Hals emporrich⸗ tete, das blaue Auge zum Himmel wandte und unter Be⸗ gleitung der Clavecimbel folgendes Lied ſang: Met vruechden willen wi singen Ende loven die Triniteit, Dat si ons wil bringhen Ter eeuwigher salicheit, Die eeuwelijc sal dueren, Eeuwelijk sonder verghanck. Och mocht ons dat ghebueren; Och, eeuwelijk is so lanck! Die bliscap is sonder eynde Daer boven in Hemelrijck, Die wi daer sullen vinden En heeft egheen gelijck. Daer is dat godlijk wesen, Het scenct ons goeden dranck, Also wi horen lesen, Och eeuwelijc is so lanck! Die heylighen alle gader Sy maken grote feest, Sy loven God den Vader, Den Soon, den heylighen Gheest. Die goeden sullen scheyden End singhen der engelen sanck Tot eeuwelicken tijde Och eeuwelijc is so lanck! Die hölzerne Clara. Maria, moeder ons Heeren, Sij is van ons verblijt, Wanneer wi ons bekeeren In deser allendigher tijt. Maria, maghet reyne 6, Edel Wijngaertranck, Bidt voer ons int ghemeyne. Och, eeuwelijc is so lanck!*) So lange die Stimme der ſingenden Maid in perlen⸗ gleichen Tönen das Ohr der Frauen erfüllte, ſo lange hatte weder die Mutter noch die Duena einen Blick von dem 2) Auch dieſes Lied iſt ein altvlämiſcher Kirchengeſang, der ſtark an die gleichzeitige deutſche Poeſie, die Poeſie eines Moscherosch erinnert. Wir laſſen hier die Ueberſetzung in Proſa folgen: Mit Freude wollen wir ſingen und loben die Dreieinig⸗ keit, die uns wird bringen zur ewigen Seligkeit, die ewig währen ſoll, ewig ohne Ende. O möchte ſie uns zu Theil werden, ach, ewig währt ſo lang! Endlos iſt die Freude, die wir ohen im Himmelreich finden ſollen; ſie hat nicht ihres Gleichen. Dort ſchenkt das göttliche Weſen uns einen guten Trank, während wir Horen leſen, ach, ewig währt ſo lang! Die Heiligen alleſammt, die haben großes Feſt, ſie loben Gott den Vater, den Sohn, den heiligen Geiſt. Die Gu⸗ ten ſingen der Engel Geſang in alle Ewigkeit. Ach, ewig währt ſo lang! Maria, die Mutter unſeres Herrn⸗ wenn wir uns bekehren in dieſer elenden Zeit. Jungfrau, Du edler Weinestrank, bitt für un Ach, ewig währt ſo lang! i*ſt über uns erfreut, Maria, reine s in's Ge⸗ ſammt. D. Ueb. Kinde a hatte, do ſagen wo Die ein Stro Clar Schrei al mit ſeltſe legte ih glaubte ſt entlaſten. Die es in ihre nen. Ke Kinde no Dieſ Duena ih zu ſpreche überzeugt täuſcht he vorging u bei ihr in gefühl un zu bezwir wenn ſie was hier Die hölzer Die hölzerne Clara. 49 Kinde abgewandt. Als aber Clara ihren Geſang beendet hatte, da blickten Beide nach der Gräfin hin als wenn ſie ſagen wollten: — Iſt dies nicht himmliſch ſchön, nicht wahr? Die Gräfin indeſſen ſaß da mit geſenktem Haupte und ein Strom ſtiller Thränen rollte in ihren Schoos! Clara, die dies nun auch bemerkte, ſtieß einen lauten Schrei aus und eilte auf die Senora zu. Sie betrachtete ſie n perlen⸗ mit ſeltſamem Blick, fing dann gleichfalls an zu weinen, nge hatte legte ihr Köpfchen auf das Knie der Gräfin als von dem glaubte ſie dadurch ihr Herz von dem trüben Mitgefühl zu ſang, der entlaſten. ie eines Die Senora hob alsbald das Kind in die Höhe, ſchloß ſehung im es in ihre Arme und benetzte ſeine Stirn mit ihren Thrä⸗ Dreieinig⸗ nen. Keine Klage, kein Seufzer entſchlüpfte weder dem die ewig Kinde noch der Frau. 3 zu Theil Dieſe Scene war ſo feierlich und ſo rührend, daß die Duena ihre Gebieterin ehrfurchtsvoll betrachtete und nicht immelreich 1 ſchenkt das zu ſprechen wagte; was die Mutter betrifft, ſo war ſie nun wir Horen überzeugt, daß ſie ſich in ihrer erſten Vermuthung nicht ge⸗ täuſcht hatte. Sie fühlte was im Herzen der Senora jetzt „ſie loben vorging und mühſam bekämpfte ſie das Mitleid, was ſich 8—— bei ihr in Thränen Luft zu machen ſuchte; allein Pflicht⸗ 3 gefühl und ein gewiſſer Edelmuth halfen ihr ihr Erſtaunen is erfreut, zu bezwingen und gaben ihr ſelbſt Kraft zu heucheln als aria, reine wenn ſie die Urſache deſſen nicht zu errathen vermöchte, s ins Ge⸗ was hier geſchah. D. Ueb. hier geſchah Die hölzerne Clara. 4 —— 4 ——-— — 5 — — Die hölzerne Clara. Nach einigen Augenblicken erwachte die Gräfin aus ihrer Selbſtvergeſſenheit. Die Stille, die ſie umgab, über⸗ raſchte ſie, ſie hob das Haupt empor und ſah die Augen der Mutter prüfend auf ſich gerichtet. Sie begriff wie ſehr ſie ſich blosgeſtellt hatte und ſuchte, wenn auch nur ſchein⸗ bar, ſich zu beruhigen. Sie trocknete zu wiederholten Malen die Thränen aus ihren Augen und liebkoſte das Kind um ihre fortdauernde Rührung zu verbergen. Als ſie endlich wieder zu ſich ſelbſt gekommen war, küßte ſie Clara und ſprach mit ſcheinbarer Kaltblütigkeit: Deine Stimme, liebes Kind, hat mich ganz ver⸗ wirrt..... Du bezauberſt förmlich durch Deinen ſchönen Geſang. Das Kind jedoch fuhr fort zu weinen und antwortete ſchluchzend: — Ja, es iſt gut, nun ſinge ich auch nicht wieder.. im ganzen Leben nicht mehr. — Warum denn, Kind? weil es Euch weinen macht.... Und gewiß ſinge ich nicht mehr, weder vor Euch, noch vor Anderen..... denn ich bin mit mir ſelbſt böſe, daß ich Euch betrübt habe. Ich bin ſehr unglücklich, daß ich ſingen kann. — Ja, Die Worte des Kindes waren gewiß nicht geeignet die edrückte die hervorbrechenden fmerkſame Blick der Mutter hm das Kind liebevoll auf Senora zu beruhigen. Sie unte Thränen, denn noch war der au auf ſie gerichtet. Die Gräfin na ihren Schoos und ſprach ſchmeichelnd: Freud weint, Lied h unter wortet Edelfr was in aber ie betrübt ſo weh mich zu laſſen. fröhlich Clo nora ei welchem Lächeln liſchen 4 daß ſie deckte u küßte. Die peinlich iin aus , über⸗ Augen wie ſehr r ſchein⸗ n Malen Kind um endlich lara und ganz ver⸗ förmlich ntwortete ieder.. Und gewiß trübt habe. geeignet die rbrechenden der Mutter iebevoll auf Die hölzerne Clara. — Liebe Clara, es iſt nicht darum, mein Kind; es ſind Freudenthränen, die ich vergieße. Haſt Du denn nicht ge⸗ weint, mein Kind, als Du zum erſten Male ein ſchönes Lied hörteſt? — Wenn Schweſter Cathelyne und Meiſter Huygens unter Begleitung der Clavecymbel zuſammen ſingen, ant⸗ wortete das Kind ganz betrübt, dann weine ich immer, Edelfrau; aber es iſt doch ſo nicht. — Ja wohl, mein Kind, es iſt das Gefühl der Seele was in der Harmonie der Muſik verſchwimmt. — Ja, die Seele verſchwimmt; das Herz bebt..... aber ich will doch nicht mehr ſingen..... daß ich Euch betrübte das macht mich ſicher krank und thut mir ſo weh, ſo weh! — Armes Kind! weißt Du was Du thun mußt um mich zu tröſten? Du mußt fröhlich ſein und das Weinen laſſen. Ein Lächeln Deiner Lippen wird mich ſchnell wieder fröhlich machen. Clara hob das Köpfchen empor und zeigte der Se⸗ nora ein noch ganz von Thränen benetztes Geſicht, auf welchem jedoch auch gleichzeitig ein ſüßes und bezauberndes Lächeln erglänzte. Dieſer Beweis der Liebe und einer himm⸗ liſchen Herzensgüte des Kindes rührte die Gräfin ſo ſehr, daß ſie einen Augenblick ihr Geſicht mit beiden Händen be⸗ deckte und dann das Kind wiederum mit Uebertreibung küßte. Die Mutter fühlte, daß ihre Gegenwart der Gräfin peinlich ſein müſſe. Sie war edel genug ihre Neugierde zu 4* 52 Die hölzerne Clara. bemeiſtern und darum verließ ſie mit folgenden Worten das Zimmer: — CEdelfrau, ich muß nach meinen Mädchen ſehen, denn es iſt keine kleine Sache ſo viele Waiſen in Ordnung zu halten. Bleibt indeſſen, wenn es Euch gefällt, ruhig hier mit Clara: Niemand wird Euch ſtören. Ich werde ſchnell wiederkommen...... — Senora, ſprach die Duena, als die Mutter das Zimmer verlaſſen, auf Spaniſch zur Gräfin, ſollte dieſe Frau Nichts vermuthen? Ich glaube im Gegentheil, daß ſie Alles errathen hat. — Es iſt wohl möglich, Ines, antwortete die Edelfrau ohne Schrecken; indeſſen fürchte ich Nichts. Sie liebt das Kind vielleicht ſo ſehr als ich; ſollte ſie ihm alſo etwas thun können was ihm Schaden brächte? — Die Zunge einer Frau, Senora, wird zuweilen wider Willen zum Verräther. — Ach Gott! Ines, betrübe mich nicht; laß mich die Seligkeit genießen. — Ich ſchweige, Senora; genießt immerhin Euer Glück: es iſt bezahltt............. „„..............„. ⸗ Als die Mutter eine halbe Stunde ſpäter zurückkehrte, ſprang Clara von dem Schooſe der Gräfin, und eilte ihr entgegen um ihr ein Buch zu zeigen. — Ach, Frau Mutter, jauchzte das Kind fröhlich, ſeht nur dieſes ſchöne Gebetbuch mit goldnem Schloß und den vielen Bilderchen! Meiſter Jan van den Rozier, der Euch gezei komn ſchnu ſelbſt ſchick die H thun wende Stun ich we ſchaft mich, Euch einſt g haben C zum W Senore Vorten , denn ung zu ig hier ſchnell ter das ſe Frau ie Alles delfrau ebt das o etwas zuweilen mich die in Euer ückkehrte, eilte ihr glich, ſeht hloß und zier, der Die hölzerne Clara. Euch conterfeite, hat Blumen von Silber und Laſur hinein gezeichnet. Ach Gott, wie bin ich froh! Und morgen be⸗ komme ich ein Liederbuch! Und ich habe auch noch Perlen⸗ ſchnuren in meiner Taſche.... ach ſeht nur... ſie ſind ſelbſt zu ſchön für ein Königskind! Die Gräfin war von ihrem Seſſel aufgeſtanden und ſchickte ſich an das Mägdehaus zu verlaſſen. Sie ergriff die Hand der Mutter und drückte ſie freundlich: — Ich bin Euch ſehr verpflichtet. Wenn ich Etwas thun kann um Euch meine Dankbarkeit zu beweiſen, ſo wendet Euch an mich, meine Wohnung iſt Euch zu jeder Stunde geöffnet. Laßt mich Euch nützlich werden— und ich werde Euch dafür noch dankbar ſein. — Ihr ſeid zu gütig, Gräftn. Eure geehrte Freund⸗ ſchaft iſt für mich eine ſchöne Belohnung. Verfügt über mich, betretet unſer Haus wenn es Euch gefällt: Alles ſoll Euch zu Dienſten ſtehen. — Auf morgen alſo, gute Mutter. Wenn ich Euch einſt gern ſprechen möchte, würdet Ihr dann wohl die Güte haben einmal zu mir zu kommen? — Gewiß, edle Frau; zu viel Ehre. Clara ſtand da ganz betrübt und ſchien große Luſt zum Weinen zu haben. — Auf morgen alſo, kleine Nachtigall! ſprach die Senora. — Bleibt Ihr nicht hier? ſeufzte das Kind. — Ich komme morgen wieder— und dann bringe Die hölzerne Clara. ich Dir ein ſchönes Liederbuch. Komm, küſſe mich noch ein⸗ mal und vergiß Deine Freundin nicht. — Nein, nein, ich werde auch dieſe Nacht wieder ſo fröhlich von Euch träumen. — Du haſt von mir geträumt? fragte die Gräfin verwundert. Und was träumte Dir denn, liebes Kind? — Ach, es war ſo ſchön! Ich träumte Ihr wäret meine Mutter, ich ruhte in Eurem Bette in Euren Armen, Ihr küßtet mich...... — Auf morgen, auf morgen! rief die Gräfin mit ge⸗ preßter Stimme. Sie ergriff die Hand der Duena und zog ſie fort auf die Straße als wenn ſie einer drohenden Gefahr hätte ent⸗ fliehen wollen. IV. — Ihr habt die Güte gehabt mich rufen zu laſſen, Edelfrau, ſagte die Mutter des Mägdehauſes als ſie in das Zimmer der Gräfin d'Almata trat. Hier bin ich zu Euren Dienſten. — Seid willkommen, Frau Mutter, rief die Senora. Setzt Euch zu mir auf dieſen Stuhl: ich wünſchte gern mit Euch zu ſprechen. Ihr vermuthet ohne Zweifel worüber ich mich mit Euch unterhalten will. — hUeber Clara, Edelfrau? — In der That. Kennt Ihr die Geſchichte dieſes Kindes? bereits Mutte 5 men, W los ge ſtatt Fürſp. Hauſe trifft, immer Clara' Eltern vermag Dorfe muthen Mutter Klarhei ſpielte, nung Mutter zu werd über die die Gra h ein⸗ der ſo Gräfin d2 wäret lrmen, nit ge⸗ ort auf tte ent⸗ laſſen, 3 ſie in ich zu Senora. eern mit vorüber e dieſes Die hölzerne Clara. 55 — Ich weiß nicht viel davon, edle Frau. Clara war bereits ungefähr ein Jahr im Mägdehauſe ehe ich als Mutter deſſelben angeſtellt ward. Von den Vorſtehern und Almoſeniers habe ich vernom⸗ men, daß ſie nach der Verwüſtung eines Dorfes ganz eltern⸗ los geworden, von einem Soldaten aus Mitleid an Kindes⸗ ſtatt angenommen und verpflegt ward. Später iſt ſie auf Fürſprache eines Blutsverwandten des Stifters unſeres Hauſes bei uns aufgenommen worden.— Was mich be⸗ trifft, ſo glaube ich kein Wort von dieſer Geſchichte, die mir immer wie eine Erdichtung vorgekommen iſt, erfunden um Clara's wahre Abkunft zu verbergen. — Weiß denn aber Clara ſelbſt Nichts von ihren Eltern? — Alles, deſſen ſie ſich noch unbeſtimmt zu erinnern vermag, iſt, daß ſie in ihrer früheſten Jugend auf einem Dorfe in einem Bauernhauſe wohnte. Und was mich ver⸗ muthen läßt, daß ſie niemals die Sorgfalt und Liebe einer Mutter genoß, iſt, daß ſie ſich aus jener Periode nur mit Klarheit auf ein kleines, buntes Schäfchen, mit dem ſie ſpielte, zu beſinnen vermag.— Dies beweiſt meiner Mei⸗ nung nach! unumſtößlich, daß das Kind entweder keine Mutter hatte oder von derſelben verlaſſen worden war. Die Gräfin verſank unter dieſer Erzählung in ein tiefes Nachſinnen und ſchien ganz von einem Gedanken beherrſcht zu werden. Die Mutter ſah es wohl und täuſchte ſich auch über die Urſache nicht. Die gute Frau war überzeugt, daß die Gräfin ſie zur Vertrauten eines Geheimniſſes machen —-————-— 3 —y——* ————— 56 Die hölzerne Clara. wollte, und in dieſem Glauben bemühte ſie ſich ſelbſt der Senora Gelegenheit zu geben. Wohlwollen und Edelmuth hinderten ſie indeſſen direct auf ihr Ziel loszugehen. Sie fühlte, daß ſie die Grafin ſchonen und ihr kein Bekenntniß entreißen müſſe, was ſie zu machen vielleicht nicht geneigt war— wenn ſie ſich dennoch getäuſcht hätte? Sehend, daß die Senora ſchwieg ſuchte ſie deren Auf⸗ merkſamkeit aufs Neue auf ſich zu ziehen. — Seht, Gräfin, ſprach ſie, daß iſt Alles was ich von der hölzernen Clara und ihrer Geſchichte weiß. — Hölzerne Clara! Warum hindert Ihr denn Eure Mädchen nicht ſich gegenſeitig ſo häßliche Beinamen zu geben? — Ja, edle Frau, wollen und können iſt zweierlei. Wir haben auf wichtigere Dinge aufzupaſſen. Seid ver⸗ ſichert, daß ein Fähnlein Soldaten leichter denn ſo viele Mädchen in Ordnung zu halten iſt. — Seht, Mutter, ich habe Euch erſucht zu mir zu kom⸗ men um von Euch zu erfahren, was Jemand, der die kleine Clara gern beſchirmen und begünſtigen möchte, für ſie zu thun vermag. — Ich nehme an, daß dieſe Gönnerin die Gräfin d'Almata ſein wird? Sie kann erſtens: das Kind aus dem Mägdehauſe nehmen und es im eigenen Hauſe erzie⸗ hen; denn alle Waiſen ſind beſtimmt als Arbeiterinnen oder Mägde irgendwo in Dienſte zu treten, wenn ſie nicht, was auch wohl zuweilen geſchieht, das Haus in Folge einer an⸗ ſtändigen Verheirathung verlaſſen. Gräf dige trage wird dem Brau zu tre Schu kann deren lange dung fel, de darf dieſes A zu erk ſie leiſ Sie muß d waſche lbſt der delmuth 1. Sie enntniß geneigt en Auf⸗ ich von in Eure nen zu veierlei. eid ver⸗ ſo viele zu kom⸗ ie kleine er ſie zu Gräfin ind aus ſe erzie⸗ ien oder cht, was iner an⸗ Die hölzerne Clara. Die Mutter ſchwieg und ſchien eine Antwort von der Gräfin zu erwarten, dieſe jedoch machte nur eine ungedul⸗ dige Bewegung als wenn ſie ſagen wollte: — Und weiter! weiter! — Zweitens erhält jede Waiſe einen Antheil vom Er⸗ trage ihrer Arbeit; dieſer unbedeutende tägliche Verdienſt wird für Jede beſonders geſpart. Wenn ſie ſich dann außer dem Hauſe verheirathen, ſo dient ihnen das Erſparte als Brautſchatz; verlaſſen ſie hingegen das Haus um in Dienſte zu treten, ſo dient ihnen das Erſparte als Nothpfennig zum Schutze gegen Mangel und Laſter. Eine Wohlthäterin kann alſo, Geld in die Sparbüchſe einer Waiſe legend, deren Zukunft erleichtern oder ſichern. — Iſt dies Alles, Mutter? — Ich weiß kein anderes Mittel, edle Frau; denn ſo lange eine Waiſe im Mägdehauſe bleibt, trägt ſie die Klei⸗ dung des Inſtitutes; ſie ißt an der gemeinſchaftlichen Ta⸗ fel, darf, eine Kleinigkeit ausgenommen, kein Geld beſitzen, darf ohne beſondere Erlaubniß nicht ausgehen und auch dieſes nur um in den Häuſern achtbarer Bürger zu arbeiten. An den unruhigen Bewegungen der Gräfin war leicht zu erkennen, daß die Worte der Mutter ſie bekümmerten. — Gott! was ſoll denn aus Clara werden? ſeufzte ſie leiſe im Tone des Schmerzes. — Das, edle Frau, iſt nicht ſchwer zu prophezeien. Sie ſoll im Mägdehauſe meine Dienſtmagd werden, muß dann freilich auch ihre Genoſſinnen bedienen, ſcheuren, waſchen, kochen.... Die hölzerne Clara. — Sie, Clara? rief die Gräfin faſt erzürnt, ſie ſoll die Magd der andern Waiſen werden? — Ja, gewiß, edle Frau. — Dasdarf nicht geſchehen, Mutter; ich will es nicht! — Es iſt aus Liebe zu dem Kinde, daß ich dies be⸗ ſchloſſen habe, Grafin; nehmt an daß ſie meine Dienſtmagd, das heißt die Dienſtmagd unſeres Hauſes nicht werde. Dann iſt ſie ſicher noch viel ſchlimmer daran, denn dann muß ſie ſich als Dienſtmagd in ein anderes Haus vermie⸗ then, und Barſchheit, Sklaverei und vielleicht Mißhand⸗ lungen ertragen. Dem zu entgehen bliebe nur das Kloſter übrig, allein es wäre grauſam und unmenſchlich in dieſem Sinne über die Zukunft eines zwölfjährigen Mädchens zu beſchließen, da Niemand wiſſen kann wie es bei ihr mit Herz und Geiſt ſtehen wird, wenn erſt die rechte Zeit dazu ge⸗ kommen iſt. Gerührt faßte die Gräfin der Mutter Hand. — O Dank, daß Ihr das Kind ſo edelmüthig liebt, ſagte ſie; eine Mutter könnte nicht ſorglicher ſprechen. Ihr ſeid eine gute und verſtändige Frau. Aber, ſagt an, wäre es nicht möglich die kleine Clara ihrem niedern Looſe zu entziehen? — Ich begreife nicht recht, edle Frau. — Wenn man ihr zum Beiſpiel Lehrer gäbe um ſie im Spaniſchen wie in allen Dingen zu unterrichten, die ein gebildetes Mädchen wiſſen muß? — Ach, edle Frau, dies würden die Herren Vorſteher nicht zulaſſen. Solche Dinge paſſen für keine Dienſtmagd oder? keit un erheber S aus, d Gold; Alles i ben; n laßt ſie der ger und ſei bar ſeit waltung Geld i Etwas Zwecke, Weg?! einen g behalte, Wunſch edelmütt ſie ſoll Bnicht! dies be⸗ ſtmagd, werde. n dann vermie⸗ ßhand⸗ Kloſter dieſem dens zu iit Herz azu ge⸗ g liebt, n. Ihr „wäre ooſe zu um ſie die ein orſteher nſtmagd Die hölzerne Clara. 59 oder Arbeiterin; es wäre dies nur eine Urſache zur Eitel⸗ keit und Untugend. — Dienſtmagd! Dienſtmagd! ſeufzte die Gräfin ſich erhebend. Nein, nein, es ſoll nicht ſein, o Gott! Sie öffnete ein Käſtchen, nahm eine ſchwere Börſe her⸗ aus, die ſie der Mutter überreichte. — Seht, theure Freundin, hier iſt eine Börſe voll Gold; ſie enthält eine anſehnliche Summe. Thut dies Alles in Clara's Sparbüchſe und verſchönert damit ihr Le⸗ ben; weigert Ihr Nichts, erfüllt ihre geringſten Wünſche, laßt ſie Alles lernen, macht ſie froh und glücklich, daß nicht der geringſte Verdruß das theure Kind betrübe. Thut dies und ſeid überzeugt, daß ich Euch für Eure Güte ewig dank⸗ bar ſein werde. — Der Sparpfennig der Waiſen ſteht unter der Ver⸗ waltung der Vorſteher, edle Frau; wenn dieſen einmal das Geld übergeben iſt, ſo kann nur aus triftigen Gründen Etwas davon genommen werden. Ich kann es alſo zu dem Zwecke, den Ihr mir anweiſt, nicht gebrauchen. — Warum tritt doch Alles meinen Wünſchen in den Weg! das iſt wahrlich unheilvoll. — Wenn Ihr, edle Frau, dagegen einwilligt, daß ich einen geringen Theil dieſes Geldes zu meiner Verfügung behalte, ſo will ich ſo viel als möglich Euren liebevollen Wuͤnſch erfüllen. — Ja, ja, ich danke Euch Mutter, daß Ihr mir ſo edelmüthig zu Hülfe kommt! —— Die hölzerne Clara. — Das Uebrige ſoll ich in Clara's Sparbüchſe legen als eine Gabe.... der Gräfin d'Almata? Die Senora erſchrak bei dieſer Frage offenbar; ſie ſchlug die Augen nieder wie Jemand der nachſinnt oder beſchämt iſt. — Soll ich ſagen, daß ein Unbekannter mir dieſes Geld übergeben hat? fragte die Mutter mit einem gewiſſen Nachdrucke. — Ja, ja, ein Unbekannter, antwortete die Senora, eine Perſon die verſchwunden iſt und von der man weiter Nichts weiß. Hal das iſt gut! Je länger dieſe Unterredung dauerte, um ſo feſter wur⸗ zelte auch bei der Mutter die Ueberzeugung, daß ſie ſich in Bezug auf die zwiſchen der Gräfin und Clara herrſchenden Beziehungen in der That nicht getäuſcht hatte: ſie bemerkte gleichfalls daß Etwas das Herz der Senora bedrückte und daß dieſe geneigt war ihr Leid in ihren Buſen auszuſchütten, ſie ſchloß dies aus der geringen Sorgfalt, die ſie anwandte um ihr Geheimniß zu verbergen. Die Mutter nahm ſich vor den Weg der Erklärung, wenn dieſe überhaupt in der Abſicht der Senora lag, abzukürzen und zu erleichtern. Die Gelegenheit dazu bot ſich ihr unverweilt dar. — Nicht wahr, ſprach die Senora, Ihr werdet Clara im Spaniſchen unterrichten laſſen? Ihr werdet ihr Alles lehren, was man wiſſen muß um mit Ehren in der Geſell⸗ ſchaft zu erſcheinen? — Nein, edle Frau, es darf nicht ſein; zu viel Wiſſen i*ſt für eine Frau niedrigen Standes faſt immer eine Ur⸗ ſache des Unglücks. habt gen man Mo wird mit ganze Ja Mai, wer in den 2 oder einen willen be⸗ — 2 Grund zu gemeinen heit überf ſe legen ie ſchlug zämt iſt. ſes Geld gewiſſen Senora, n weiter ſter wur⸗ ie ſich in rſchenden bemerkte ickte und uſchütten, anwandte lahm ſich pt in der tern. Die det Clara ihr Alles er Geſell⸗ iel Wiſſen eine Ur⸗ Die hölzerne Clara. 61 — Ach Gott, Mutter, Ihr ſeid wahrlich unerbittlich. Aber Clara iſt von edlem Blute, ſag' ich Euch. — Ich weiß es noch ehe ich die Ehre hatte Euch zu kennen, Gräfin, antwortete die Mutter kaltblütig. — Von wem wißt Ihr denn das? rief die über⸗ raſchte Senora. — Von Clara ſelbſt. — Wie? Clara ſollte dies wiſſen. — Nein, Gräfin, ſie weiß es nicht und doch ſagt ſie es. — Was iſt das für ein Räthſel? Ich begreife es nicht. — Es iſt ſeltſam in der That.— Ihr, edle Frau, habt gewiß ſchon oft von einer Krankheit ſprechen hören die man Mondſucht oder Schlafwandel nennt? — Ja, und nun? — Die kleine Elara leidet an dieſer Krankheit. — Ach, die Arme! — Beruhigt Euch, Gräfin, ſie leidet nicht dabei: es wird mit dem Alter vorübergehen. Sie iſt auch nicht das ganze Jahr mondſüchtig, die Krankheit befällt ſie nur im Mai, wenn die Knospen hervorbrechen, und das Blut heißer in den Adern gährt. Das dauert ungefähr drei Wochen oder einen Monat. — Und was geht dann mit ihr vor? Um Gottes willen beruhigt mich, Ihr verurſacht mir ein bitteres Leiden. — Bauet auf mein Wart, edle Frau 3 es iſt gar kein Grund zur Beſorgniß dabei. Anfangs ſchlief Clara im all⸗ gemeinen Schlafſaal der Waiſen, wenn ſie dann die Krank⸗ heit überfiel, ſo jagte ſie den andern Mädchen— obwohl Die hölzerne Clara. dieſe Clara's Krankheit kannten— oft einen ſolchen Schreck ein, daß das ganze Haus dadurch in Aufruhr gerieth. Zu⸗ dem fürchtete ich, daß das Kind ſich vielleicht einſt tödtlich beſchädigen möchte, und ſetzte darum ſein Bettchen in das Vordergebäude über der Treppe in das hängende Kämmer⸗ chen. Anfangs hielt ich Clara's Kämmerchen verſchloſſen; allein dies verurſachte ihr ohne Zweifel großes Leid, denn wenn ſie in der Nacht aufſtand, ſo ſchlug ſie ihre Händchen braun und blau am Schloß. Einmal verwundete ſie ſich ſelbſt ziemlich ſtark indem ſie die Fenſterſcheiben zerſchlug. Meiſter Tyfelynk, der Doktor unſeres Hauſes, befahl mir dann die Thür des Kämmerchens aufzulaſſen. Ihr wißt, edle Frau, es giebt bei uns im Vordergebäude nur zwei Thüren, von denen die eine auf die Straße, die andere auf den Hof führt. Clara kann alſo im Schlaf nur die Treppe herunterſteigen und in dem Platze zwiſchen den beiden ver⸗ ſchloſſenen Thüren, wo ſich Nichts befindet was ſie verwun⸗ den oder ſonſt beſchädigen könnte, hin und her wandeln.. — Mutter, Mutter, um Gottes willen beeilt Euch— Eure Erzählung macht mich zittern wie Espenlaub. Die Mutter warf der Senora einen forſchenden Blick zu und fuhr dann fort: — In der Zeit, wo Clara an der Mondſucht leidet, verläßt ſie allnächtlich um Mitternacht ihr Bett, ſteigt vor⸗ ſichtig die Treppe hinab und ſetzt ſich auf der unterſten Treppenſtufe nieder. Dort ſitzt ſie ungefähr eine halbe Stunde, ſteigt dann wieder in ihr Kämmerchen hinauf und ſchläft ruhig bis zum Morgen. Aber nun kommt das Selt⸗ ſame. wie bei dies A Erinne⸗ wöhnlic früheſte fernteſt oft geſa dies ha Clara ſprechen ſte in ih wiſſen, weilen g Wenn m wacht ſie habt das heilen. man nur und Erd Wäre ich nah und ſagt Euc Liebe zu lem Geld — Schreck th. Zu⸗ tödtlich in das Lämmer⸗ hloſſen; d, denn dändchen ſie ſich erſchlug. ahl mir hr wißt, nur zwei dere auf Treppe den ver⸗ verwun⸗ eln..... Euch— 9. den Blick hht leidet, teigt vor⸗ unterſten ine halbe nauf und das Selt⸗ Die hölzerne Clara. 63 ſame. Ihre Augen ſind geöffnet, ſie ſieht in der Dunkelheit wie bei Licht, ſie ſpricht, fragt und antwortet deutlich, aber dies Alles mit unendlich mehr Gefühl als bei Tage. Ihr Erinnerungsvermögen muß dann auch viel ſtärker als ge⸗ wöhnlich ſein, denn ſie erzählt gewiſſe Umſtände aus ihrer früheſten Kindheit deren ſie ſich bei Tage auch nicht im ent⸗ fernteſten mehr zu erinnern vermag. Eine Frau muß ihr oft geſagt haben, daß ihre Mutter reich und von Adel iſt; dies habe ich mehr als einmal in abgebrochenen Worten von Clara gehört. Bei Tage darf man ihr indeſſen nicht davon ſprechen, denn ſie weiß nicht das Geringſte von dem, was ſie in ihrer Nachtwandelung thut, ja ſie würde ſelbſt nicht wiſſen, daß ſie das Bett verlaſſen, wenn man ſie nicht zu⸗ weilen geweckt hätte, indem man ſie beim Namen ruft.— Wenn man ſie nämlich bei ihrem Namen nennt, dann er⸗ wacht ſie augenblicklich. — Aber, Frau, ich höre nicht daß Ihr jemals verſucht habt das arme Kind von ſeiner gefährlichen Krankheit zu heilen. Dieſe Gleichgültigkeit iſt unverzeihlich. Wie kann man nur dieſen kleinen Engel ſo leiden ſehen ohne Himmel und Erde zu ſeiner Geneſung in Bewegung zu ſetzen? Wäre ich an Eurer Stelle! — Ich weiß, Gräfin, daß dann hundert Aerzte von nah und fern zu Rathe gezogen ſein würden. Aber wer ſagt Euch denn, daß ich, die ich unbemittelt bin, nicht aus Liebe zu dem Kinde gethan habe, was eine Gräfin mit al⸗ lem Gelde in der Welt nicht hätte thun können? — Ach, vergebt mir meine Uebereilung; ich leide ſo ſehr. 64 Die hölzerne Clara. — und doch muß ich fortfahren, edle Frau, denn das Sonderbarſte habe ich Euch noch zu erzählen. Wenn Clara nun dort auf der Treppenſtufe ſitzt, dann antwortet ſie, wenn man ſie fragt, als ob ihre rechte Mutter vor ihr ſtände. Wenn man dem Zuge ihres Herzens nicht widerſtrebt, ſo erglüht in ihr die Flamme der innigſten Liebe; ſie liebkoſt und umarmt Euch, küßt und lacht; ſie ſetzt ſich auf Euren Schoos, ſtreichelt Euch die Wangen und blickt Euch in die Augen, daß Eure Seele ſich erſchreckt; ergießt einen Strom bezaubernder Worte in Euer Ohr und durch eine uner⸗ forſchliche und unbegreifliche Macht, die mich zuweilen zit⸗ tern macht, reißt ſie Euch bis zur Selbſtvergeſſenheit hin. Hier unterbrach die Mutter, eine Bemerkung der Grä⸗ fin erwartend, ihre Mittheilung; dieſe indeſſen ſaß da, be⸗ wegungslos, mit weit geöffneten Augen lauſchend und ſicht⸗ bar nach einer fernern Erklärung ängſtlich verlangend. Die Frau fuhr fort: — Ich bilde mir ein, edle Frau, daß Clara's Mutter ihr Kind in ſeiner früheſten Jugend oft Stunden lang ge⸗ liebkoſt, geküßt und dabei Thränen vergoſſen hat; denn zu⸗ weilen fängt Clara in ihrem Schlafe an zu weinen, weil ſie glaubt daß ihre Mutter weint! Dann, edle Fran, iſt das Kind ein ſo treffendes und ſchönes Bild der Zärtlichkeit und Liebe, daß kein Menſch auf Erden, und wäre ſein Herz von Stein, dem Eindrucke ihrer Geberden und Worte zu widerſtehen vermöchte. Wann ihre Mutter ſie hören könnte! Gewiß, ſie würde jede Gefahr verachten um ihr Kind mit ihrer Liebe zu laben, um es in ſeiner Trauer zu tröſten dieſe re nes gel meine C Di Thräne lange E eine leb gen wie Stimme dann ab den. Si Wege de edles He dern. A der Grã ſie ſo la⸗ zuletzt ſe Die hölz enn das Clara rtet ſie, ſtände. rebt, ſo liebkoſt f Euren h in die Strom ie uner⸗ ilen zit⸗ heit hin. der Grä⸗ da, be⸗ un ſicht⸗ end. Die 8 Mutter lang ge⸗ denn zu⸗ , weil ſie —, iſt das ärtlichkeit ſein Herz Worte zu n könnte! Kind mit zu tröſten Die hölzerne Clara. 65 y.... um es glücklich zu machen; denn leider leidet dieſe reine Seele ſchrecklich, vergeht unter dem Einfluſſe ei⸗ nes geheimen Schmerzes. Aber ihr weint, Gräfin; meine Erzählung hat Euch zu tief erſchüttert. Verzeiht mir! Die Senora ſaß da, ganz verwirrt, gedankenlos, ſtumme Thränen in den Augen. Sie antwortete nicht auf den Auf⸗ ruf der Mutter und ſchien ſelbſt deren Gegenwart vergeſſen zu haben, und regte ſich ſelbſt dann nicht als dieſe tröſtend ihre Hand ergriff. Zwiſchen den beiden Frauen herrſchte eine ziemlich lange Stille. Plötzlich erhob ſich der Buſen der Senora, eine lebhafte Röthe überflog ihre Stirn, ſie ſchlug die Au⸗ gen wie beſchämt zu Boden und mit faſt unhörbarer Stimme ſeufzte ſie: — O, habt Mitleid mit mir! Clara iſt mein Kind! Ich bin ihre Mutter! Mich ruft ſie! Mich liebkoſt ſe... Eine Thränenfluth entſtürzte ihren Augen und erſtickte ihre Stimme. Anfangs achtete die Mutter den Schmerz der Gräfin, dann aber fing ſie an ihr allerlei tröſtliche Worte zu ſpen⸗ den. Sie erzählte ihr noch mehr von Clara, zeigte ihr die Wege des Kindes Glück zu ſichern und that Alles, was ihr edles Herz ihr eingab, um den Kummer der Senora zu lin⸗ dern. Allmälig erreichte ſie ihr Ziel;— und da das Herz der Gräfin jetzt von einem Geheimniſſe befreit war, was ſie ſo lange bedrückt hatte, ſo ſprach ſie auch viel freier und zuletzt ſelbſt mit einer gewiſſen Heiterkeit des Geiſtes. Die hölzerne Clara. 5 66 Die hölzerne Clara. So unterhielten beide Frauen ſich noch lange über das Kind, beſonders aber über ſeine Krankheit, deren geringſte Umſtände die Gräfin zu erfahren wünſchte. Plötzlich erbleichte die Edelfrau und fing ängſtlich an zu zittern. Während die Mutter erſchrocken nach dem Schlüſſel dieſer plötzlichen Aufregung ſuchte, riß die Gräfin haſtig eine Lade auf und warf einige Stücke Spitzen auf die Tafel. — Mutter, Mutter, ſagte ſie, da iſt der Graf d' Al⸗ mata; ich habe ihn zur Thüre hereinkommen hören! Ach, Liebe, entfernt Euch ſchleunigſt damit er Euch hier nicht finde: er dürfte Euch Dinge fragen, die Ihr ſchwerlich be⸗ antworten könntet. Verbergt das Geld..... und wenn Ihr ihm begegnet, ſagt, daß Ihr mir Spitzen zum Kauf ange⸗ boten hättet. Geht, geht, auf morgen..... ich komme alle Tage zu Euch. Die Mutter ſtand auf und verließ haſtig das Zimmer; der Ton und die Beſtürzung der Gräfin hatten ſie erſchreckt. Auf der Treppe begegnete ſie in der That dem Grafen d' Almata, der ſie wohl mit forſchender Neugierde, die ſie zittern machte, betrachtete, ſonſt aber kein Wort an ſie richtete. Eben ſo ſtumm öffnete ihr Domingo die Thür. 2 Bo d'Alma vertrau während dann m Stunde Sprüche ſelbſt au In jene * gebildet da die S möglich: ſo war e des Kind Clar hing mit ihre ſüßen genug un ſolchen E dieſe die Kind zu d Freili lich, daß ſ wande in freundin i über das geringſte ſtlich an Schlüſſel in haſtig tzen auf af d' Al⸗ en! Ach, hier nicht erlich be⸗ venn Ihr auf ange⸗ ömme alle Zimmer; erſchreckt. m Grafen ierde, die ort an ſie tr. Die hölzerne Clara. V. Bereits waren vierzehn Tage verfloſſen ſeit die Gräfin d'Almata der Mutter des Mägdehauſes ihr Geheimniß an⸗ vertraut hatte. Jeden Morgen und zuweilen ſelbſt auch während des Nachmittags beſuchte ſie das Kind und blieb dann mit Zuthun der Mutter regelmäßig zwei bis drei Stunden mit ihm allein, es liebkoſend und in höfiſchen Sprüchen und edeln Manieren unterrichtend. Sie hatte ſelbſt angefangen Clara die ſpaniſche Sprache zu lehren. In jener Zeit nämlich mußte man, wollte man nicht für un⸗ gebildet gelten, dieſer fremden Sprache mächtig ſein; und da die Senora Alles aufbieten wollte um Clara ſo viel als möglich über ihren Stand als Waiſenmädchen zu erheben, ſo war es natürlich daß ihre erſte Sorge bei Ausbildung des Kindes ſich dieſem Punkte zuwandte. Clara, deren Naturel für die Liebe ſo empfänglich war, hing mit grenzenloſer Zärtlichkeit an ihrer Beſchützerin und ihre ſüßen Worte und unſchuldigen Liebkoſungen, bezaubernd genug um ſelbſt ein fremdes Herz zu gewinnen, hatten einen ſolchen Eindruck auf das Gemüth der Gräfin gemacht, daß dieſe die ganze Welt vergaß um nur an ihr engelgleiches Kind zu denken. Freilich gefiel es dem Grafen d' Almata nicht ſonder⸗ lich, daß ſeine Gemahlin unter dem unwahrſcheinlichen Vor⸗ wande in der Mutter des Waiſenhaufes eine alte Schul⸗ freundin wiedergefunden zu haben, deren Geſellſchaft ihr 5* 68 Die hölzerne Clara. beſonders angenehm ſei, Tage lang außer dem Hauſe ver⸗ kehrte. Der Argwohn war um ſo gewaltiger in ſeinem Herzen wach geworden da er ſich nun auf's Neue von der Gräfin faſt ganz vergeſſen und vernachläſſigt ſahz allein er war entſchloſſen ſeinem Worte treu zu bleiben und wie ſehr das Betragen der Senora ihn auch betrübte oder pei⸗ nigte, ſo ließ er ſie dennoch nicht beobachten, zeigte auch durchaus kein Verlangen mehr zu wiſſen als die Gräfin ſelbſt ihm ſagte. In ſeinem Buſen häufte ſich dagegen der Zorn und der Verdacht, und ſicher mußte der Sturm furcht⸗ bar werden, wenn er ſich einmal Luft machen ſollte. Da veränderte eine Nachricht aus Spanien plötzlich die Lage der Dinge. Ein Ohm des Grafen d' Almata war ge⸗ ſtorben und hatte ihn zum Erben aller ſeiner Güter einge⸗ ſetzt. Dieſe Güter beſtanden aus einem großen Theile des Gebietes des Fleckens Rota, im fruchtbaren Andaluſien, zahlreichen Häuſern in der Stadt Neres⸗de⸗la⸗Frontera und aus vielen ſchönen Seeſchiffen, die von Cadix aus nach der neuen Welt fuhren. Die Reichthümer, die auf dieſe Weiſe den Beſitz des Grafen d' Almata vermehrten, waren faſt unſchätzbar, und um nicht einen Theil einer ſo weitläufigen Erbſchaft einzu⸗ büßen, konnte er nicht umhin in aller Eile nach Spanien zurückzukehren. Er betrachtete dies als einen glücklichen Umſtand um ſeine Gemahlin ohne Wiederſtand zur Abreiſe zu bewegen. Als er der Gräfin die Abreiſe nach Spanien ankündigte, bemerkte er wohl, daß eine tödtliche Bläſſe ihr Antlitz überflog, und ſpäter ſah er ſie mit roth geweinten Augen verbor mit de ferne, A ſtimmt in dem Wort Furcht ein faß Senore dem le Ar gewiſſen Al beide F des Zir unter d die Ede De fragend da wir unternel Ihr mü keit unte nuſe ver⸗ n ſeinem von der 3 allein und wie oder pei⸗ gte auch Gräfin gegen der m furcht⸗ e. ötzlich die a war ge⸗ ter einge⸗ Theile des ndaluſien, Frontera aus nach Beſitz des zbar, und aft einzu⸗ Spanien glücklichen ur Abreiſe ) Spanien Bläſſe ihr geweinten Die hölzerne Clara. 69 Augen, allein er ſtellte ſich als wenn er dieſe Trauer keiner verborgenen Urſache zuſchriebe. Die Gewißheit, daß er ſich mit der Gräfin jetzt von dem unbekannten Gegenſtande ent⸗ ferne, der ſie an die Niederlande gefeſſelt hielt, genügte ihm. Am Abend vor dem zur Abreiſe nach Spanien be⸗ ſtimmten Tage ſaßen die Senora und die Duena ſchweigend in dem Zimmer der Gräfin. Beide hatten ſeit langem kein Wort mehr geſprochen und ſchienen mit Ungeduld oder Furcht auf Etwas zu warten. Dann und wann überflog ein faſt unerklärliches Lächeln der Freude das Antlitz der Senora, doch dieſes Lächeln verſchwand ſchnell wieder unter dem lebloſen Ausdrucke der Vergeſſenheit und Träumerei. Auf dem Geſicht der Duena ſpiegelte ſich hingegen ein gewiſſer muthloſer Trübſinn. Als die Thurmuhr ebenfalls Elf ſchlug, richteten ſich beide Frauen gleichzeitig empor und blickten nach der Thür des Zimmers, denn draußen hörte man die Dielen der Flur unter den Schritten eines Mannes ächzen. — Himmel, er iſt noch nicht zu Bett gegangen! ſeufzte die Edelfrau. Der Graf d' Almata trat in das Zimmer, warf einen fragenden Blick auf die beiden Frauen und ſprach: — Noch auf, Catalina? Warum noch nicht zu Bett, da wir doch morgen eine langwierige und beſchwerliche Reiſe unternehmen müſſen? Ihr ſeid traurig, ich weiß es; allein Ihr müßt doch vernünftig ſein und Euch der Nothwendig⸗ keit unterwerfen. 70 Die hölzerne Clara. — Wir gedachten augenblicklich zu Bett zu gehen, Caliſto, antwortete die Senora indem ſie aufſtand und ein Licht ergriff. — Ich weiß nicht, bemerkte der Graf, allein es iſt doch ſonderbar, daß heute Jedermann im Hauſe das Bett zu fliehen ſcheint. Da iſt Domingo— der gewöhnlich ſchon um neun Uhr ſchläft und ſchnarcht— heute weiß er aller⸗ hand Vorwände zu erſinnen um faſt bis Mitternacht zu wachen. Alles iſt doch ſeit heute Morgen zur Reiſe bereit. Auf dieſe Bemerkung antwortete die Senora nicht; ſie ſchien eine längere Unterhaltung mit dem Grafen vermeiden zu wollen. — Wohlan, Caliſto, ſprach ſie, die Hand auf den Thürdrücker ihres Schlafzimmers legend, ich will mich be⸗ eilen Eurem Rathe zu folgen und ſchlafen, wenn dies mög⸗ lich iſt. Man verläßt ſein Vaterland nicht ohne Trauer— wenn man nicht weiß ob man es einſt wiederſehen wird. — Ihr ſollt es wiederſehen, Catalina. Um Gottes willen, überlaßt Euch doch nicht ſo Allem was Euch trau⸗ rig ſtimmen kann.— Nun ſchlaft wohl, auf morgen. — Auf morgen, Caliſto. Der Graf verließ das Zimmer und begab ſich nach ſei⸗ nem Schlafgemach, was an der andern Seite des Hauſes gegen den Hof hin gelegen war. Die Senora trat in Be⸗ gleitung der Duena in ihr Schlafkabinet. Hier nahmen beide Frauen einander gegenüber Platz ohne daß ſie indeſſen die Abſicht, ſich zur Ruhe zu begeben, hätten blicken laſſen. 9 gerin, gedän Wenn in Mo⸗ dieſen glühen zitterte und ſe wöhnt. gerecht Euch vor J zeiht n um me Ihr E iſt, au wer köl bar ge uns Be u gehen, und ein iſt doch Bett zu ich ſchon er aller⸗ nacht zu ſe bereit. nicht; ſie ermeiden auf den mich be⸗ ies mög⸗ auer— vird. Gottes ich trau⸗ en. nach ſei⸗ Hauſes t in Be⸗ der Platz begeben, Die hölzerne Clara. 71 Nachdem ſie einen Augenblick aufmerkſam ſelbſt auf das geringſte Geräuſch gelauſcht hatte, ſprach die Gräfin mit gedämpfter Stimme: — Ach, Ines, wenn Domingo uns verrathen hätte! Wenn er unſer Vorhaben ſeinem Herrn entdeckt haben ſollte! — Er wird es nicht thun, Senorag. — Biſt Du deſſen ſo gewiß, Ines? — Ich habe ihm verſprochen ihm bei unſerer Ankunft in Madrid meine ſchöne Antonieta zur Frau zu geben. Für dieſen Preis wäre er im Stande mit bloßen Füßen über glühendes Eiſen hinweg zu laufen. Fürchtet Nichts von ihm. — Habe Dank, Ines, dies mildert meine Angſt: ich zitterte vor Verrath, denn der Graf beſah uns ſo mißtrauiſch und ſein Blick drang ſo tief in mein Auge. — Ich glaube nicht, edle Frau, daß er Etwas arg⸗ wöhnt. Es iſt ſein gewöhnliches und leider gegründetes und gerechtfertigtes Mißtrauen. Aber ich erſuche Euch, ich flehe Euch an, edle Frau, hört noch einmal meine Warnung be⸗ vor Ihr Euren gefährlichen Entſchluß ausführt und ver⸗ zeiht mir, wenn ich Euch abermals mißfallen ſollte. — Sprich, Ines, ſage was Du willſt, Du Gute, aber, um meines Grames willen, peinige mich nicht allzuſehr. — Senora, Euer Vorhaben iſt ein ſolches, wobei Ihr Euer eigenes Leben wie das meinige und, was mehr iſt, auch Eure Ehre als Frau auf das Spiel ſetzet; denn wer könnte Euch rechtfertigen, wenn die blutige und ſchein⸗ bar gerechte Rache Eures Gemahls Euer Geheimniß mit uns Beiden begräbt? 72 Die hölzerne Clara. — Habe Mitleid, Ines, es iſt vergebens. — Mich kümmert die Sache wenig, Senora; ich habe Muth genug und habe zudem mehr als einmal die Spitze eines Dolches geſehen; aber Ihr, Senora, ſollt mir wenig⸗ ſtens das Zeugniß geben, daß ich, die ich mich aus Liebe und Dankbarkeit zu Eurer Sklavin weihete, dieſen unvorſich⸗ tigen, dieſen wahnſinnigen Schritt nicht gebilligt habe. Ich habe Euch abgerathen, nicht wahr? — Ja, ja, Ines. — Mit Thränen, mit Beredtſamkeit, mit Zorn ſelbſt, nicht wahr? — Ja! Ich mache Dich ja auch für Nichts verant⸗ wortlich, Liebe. — Und Ihr heharrt alſo bei Eurem erſten Entſchluſſe? Ihr wollt um eines höchſtens halbſtündigen Genuſſes wil⸗ len Euer Leben, Euer Ehre gefährden? — Du ſprichſt faſt leichtſinnig darüber, Ines. Du willſt mich alſo der letzten Seligkeit berauben, die mir viel⸗ leicht auf Erden noch gegönnt iſt? Morgen kehren wir nach Spanien zuruͤck. Wer weiß ob wir die Niederlande jemals wiederſehen werden? Ich ſoll meine Clara verlaſſen ohne daß das Wort Mutter aus ihrem Munde in mein Ohr ge⸗ klungen? Ohne daß ſie weiß warumiich ſie anbete? Ich ſoll wie eine Fremde von ihr gehen, die ſie mit Gleichgültigkeit ihrem Looſe als Dienſtmagd überläßt? Nein, nein, das kann nicht ſein. Ja, ich weiß, Ines, daß Du Recht haſt, daß ich thörigt, daß ich wahnſinnig bin; allein ich würde ich habe e Spitze r wenig⸗ iebe und nvorſich⸗ abe. Ich en ſelbſt, verant⸗ ſchluſſe? iſſes wil⸗ es. Du mir viel⸗ wir nach e jemals ſen ohne Ohr ge⸗ Ich ſoll gültigkeit ein, das techt haſt, ich würde Die hölzerne Clara. es vergebens verſuchen gegen das Gefühl anzukämpfen, was mich fortreißt. Es muß ſein! — Ich hätte Vieles gegen Eure Rede einzuwenden, Senora: ich weiß jedoch, daß dies nutzlos ſein würde. Wohlan, es ſei: fürchtet keine Einwendungen mehr von mir; was auch daraus entſtehen möge, ich werde Euch ge⸗ horchen.— Noch einige Augenblicke und es wird Zeit ſein. Domingo erwartet uns bereits mit dem Schlüſſel; der Vater des Mägdehauſes wird gleichfalls bereit ſein: er glaubt, daß wir ein Werk der Barmherzigkeit thun und die kleine Clara von ihrer Krankheit heilen wollen. Eine ſtarke Viertelſtunde verfloß in tiefſter Stille, bis die Duena aufſtand und der Gräfin die Haube zurecht ſetzte. — Senora, es iſt Zeit! Geht auf den Fußſpitzen da⸗ mit die Flur nicht knarrt. Und nun kein Wort mehr ſo lange wir im Hauſe ſind. Folgt mir...... Beide Frauen verließen das Zimmer und ſtiegen in dichteſter Finſterniß vorſichtig die Treppe hinab. Auf der Mitte der Treppe vernahmen ſie Beide plötzlich im erſten Stock ein Geräuſch. Zitternd blieben ſie ſtehen und horch⸗ ten voll Angſt: ſie hörten indeſſen Nichts mehr. — Weh uns! ſeufzte die Gräfin; war dies nicht auf dem Zimmer des Grafen? — Schweigt, Senora; antwortete die Duena; ich glaube es nicht. Verhaltet Euch ruhig........ — Es iſt Nichts, fuhr die Duena nach längerem Lau⸗ ſchen fort. Kommt! dann ſich zur Thüre wendend, rief ſie leiſe: Die hölzerne Clara. — Domingo, ſeid Ihr da? — Ich warte ſchon lange, antwortete der Diener in der Dunkelheit. Nachdem Domingo die Thüre vorſichtig geöffnet, verließ die Gräfin mit ihrer Duena das Haus. Vor dem Mägdehauſe angelangt, öffnete ſich die Hälfte der Thüre ſcheinbar von ſelbſt, denn hinter dem Thürfenſter⸗ chen wartete ihrer bereits der Vater des Mägdehauſes. Die Mutter empfing die Frauen und führte ſie zum Sprachzimmer, wo ein Licht brannte. — Edle Frau, Ihr habt lange gezögert, ſprach ſie zur Gräfin. Clara hätte längſt unten ſein können, denn ihre Stunde kommt nicht immer ſo pünktlich. Haltet Euch alſo bereit, edle Frau. Clara darf uns nicht ſehen; wir wollen unterdeſſen hier warten. Nehmt Euch in Acht, daß Ihr ſie nicht beim Namen nennt, ſie würde augenblicklich aus ihrem Schlaf erwachen. — Es iſt kalt, bemerkte die Edelfrau; könnte das Kind nicht krank werden? — Das hat keine Noth, edle Frau, ich habe für Clara Nachtkleider machen laſſen. Während ihrer Krankheit ſchläft ſie darin..... Horcht, ich höre ſie aus dem Bett aufſtehen. Schnell alſo; wir bleiben hier. Bei der Treppe ſteht ein Stuhl zu Eurem Dienſt..... Nehmt die Lampe edle Frau! Die Gräfin wandte ſich mit dem Licht in der Hand nach der Treppe hin. Das Herz klopfte ihr gewaltig, ſie zitterte als wenn eine große Angſt ſie erfüllte. Trotzdem war es nur das Gefühl einer übermäßigen Freude, was ihre Nerve ihr ei Frau Flamn mütten ſchenkt tet, ſie aus L hatte hatte j gefund Küſſen mer no ter n hören, Herz d zittern Ke und die Hausfl. auf ihr wartung ein, die Sie Clo fin in h Da nicht ſer iener in verließ Hälfte fenſter⸗ ſes. ſie zum ſie zur un ihre uch alſo wollen Ihr ſie s ihrem ss Kind r Clara ſchläft ifſtehen. teht ein eFrau! r Hand ltig, ſie rotzdem das ihre Die hölzerne Clara. 75 Nerven erſchütterte, denn was hier vorgehen ſollte, verſprach ihr einen Himmel des Glückes und der Seligkeit. Arme Frau! In ihrem Herzen glühete wie eine verzehrende Flamme das grenzenloſe, das unwiderſtehliche Gefühl der mütterlichen Liebe; ein Kind nur hatte der Himmel ihr ge⸗ ſchenkt, acht Jahre lang hatte ſie getrauert und geſchmach⸗ tet, ſie hatte Unfrieden und Trauer um ſichher verbreitet— aus Liebe zu ihrem armen und verlaſſenen Kinde allein hatte ſie gleich einer Märtyrerin gelitten. Es iſt wahr, ſie hatte ſeit einiger Zeit eine Belohnung für ſo viel Schmerz gefunden: ſie hatte ſich an Clara's Liebkoſungen, ihren Küſſen, ihrem Lächeln gelabt;— leider jedoch war ſie im⸗ mer noch eine Fremde für ſie: noch war das Wort Mut⸗ ter nicht in ihrem Ohr erklungen! Nun ſollte ſie es hören, dieſes heilige Wort, was wie ein göttlicher Klang das Herz der Frau berührt und es in unſäglicher Freude er⸗ zittern macht. Kein Wunder daß die tödtliche Stille, die ſie umfing, und die undurchdringliche Finſterniß der fernen Winkel der Hausflur, die auch kein Strahl des ſchwachen Lichts erhellte, auf ihr Gemüth durchaus keinen Eindruck machte; die Er⸗ wartung des feierlichen Augenblickes flößte ihr eine Freude ein, die ſie gänzlich beherrſchte. Sie ſtand am Fuße der Treppe und blickte empor. Clara erſchien auf der Schwelle und lächelte der Grä⸗ fin in holder Liebenswürdigkeit zu. Das Kind war ganz in weißes Linnen gekleidet: ſeine nicht ſehr langen, blonden Haare wallten in kunſtloſen —,———— Die hölzerne Clara. Locken auf ihre Schultern herab; eine ſchöne Roſenfarbe glänzte auf ihren Wangen, ihre großen Augen, die weit ge⸗ öffnet unter ihrer ſpiegelreinen Stirne glänzten, ſchienen noch blauer als gewöhnlich zu ſein. Und weit entfernt in dieſer geheimnißvollen Mitternachtsſtunde und unter dieſen eigen⸗ thümlichen Verhältniſſen eine geſpenſterhafte Erſcheinung zu ſein, glich Clara im Gegentheil einem ſpielenden Engel, wie die mütterliche Phantaſie ihn an der Wiegeihres Kindleins träumt. Kaum hatte Clara die Gräfin bemerkt, ſo rief ſie auch ſchon mit dem ganzen, eindrucksvollem Zauber ihres ſil⸗ bernen Stimmchens: — Ah! Mutter, biſt Du da? ich komme, ich komme. Bei dieſen Worten breitete ſie die Arme aus und eilte in froher Haſt die Treppe hinab, ſo daß das Kind bereits an ihrem Halſe hing und ſie mit Küſſen bedeckte, als wenn es ſich ob ihrer Rückkehr nach jahrelanger Abweſenheit freuete, bevor die Gräfin noch Zeit gehabt hatte das Licht niederzuſetzen. Zwiſchen ihren Küſſen verſchmolzen ihre Worte, die, obwohl unverſtändlich, wie Perlen des Glückes in das Herz der Gräfin fielen. Die Senora erſtarb beinah unter des Kindes leidenſchaftlichen Liebkoſungen; ſprachlos drückte ſie die Kleine an ihre Bruſt und trank in Selbſt⸗ vergeſſenheit den verführeriſchen Mutternamen, der nun un⸗ aufhörlich von Clara's Lippen quoll. Das Kind befreiete ſich endlich aus den Armen der Senora und während ſie ſich ſelbſt auf die unterſte Stufe neben dem hölzernen Treppenpfeiler niederſetzte, ergriff es mit freudigem Lächeln die Hand der Graͤfin: es iſt ich bit goſſen ſitze u gemar ter nie C ja, da Du de — Di mer be ₰ und i ſchmer traurig Deine U brachte Senor ſehe T men ir Engelge Mutte ſenfarbe weit ge⸗ nen noch n dieſer n eigen⸗ nung zu wie die sträumt. ſie auch hres ſil⸗ komme. und eilte bereits als wenn veſenheit das Licht zen ihre Glückes b beinah ſprachlos Selbſt⸗ nun un⸗ men der ſte Stufe rgriff es Die hölzerne Clara. 77 — Ach, liebe Mutter, ſetze Dich dort auf den Stuhl: es iſt hier ſo ſtill und gemüthlich wenn Du da biſt. Ach, ich bin ſo traurig geweſen und habe ſo viele Thränen ver⸗ goſſen! Es ſind nun bereits ſieben Tage, daß ich hier allein ſitze und traurig warte! — Du täuſcheſt Dich! rief die Gräfin von Eiferſucht gemartert. Die Frau, von der Du ſprichſt, iſt Deine Mut⸗ ter nicht. Ich bin Deine Mutter. Du biſt me in Kind! Clara betrachtete die Senora mit Erſtaunen. — Wie biſt Du heute, ſo ſeltſam? fragte ſie. Ich weiß ja, daß Du meine Mutter biſt..... Aber warum kommſt Du denn nicht täglich?— Du hatteſt es mir verſprochen. — Die anderen Kinder, die eine Mutter haben, dürfen im⸗ mer bei ihr ſein! In den Zügen der Gräfin malte ſich eine tiefe Trauer und ihre einzige Antwort auf des Kindes Fragen waren ſchmerzliche Seufzer. Clara bemerkte dies. — Ach, Gott, liebe Mutter, ſprach ſie, ſei doch nicht traurig; ich will Nichts mehr ſagen. Ich weiß ja, es iſt nicht Deine Schuld, daß Du nicht immer kommſt. Und ihre Aermchen um den Hals der Gräfin ſchlingend, brachte ſie ſo ihr Geſicht unter die Augen der trauernden Senora und flehete: — Ach, Du biſt doch nicht böſe, lieb Mütterchen? Ich ſehe Dich ſo gern! Wenn ich bei Dir ſein, in Deinen Ar⸗ men ruhen kann, dann bin ich ſo froh... ſo froh wie ein Engelchen im Himmel. Aber Du mußt nicht traurig ſein, Mutter, denn das macht mir großen Schmerz.... ———ÿ—;— — Die hölzerne Clara. Des Kindes ſüße Worte ſchienen ihren Eindruck auf das Gemüth der Gräfin verloren zu haben. Theilnahmlos ließ ſie ſich liebkoſen und küſſen während andere Gedanken ihren Geiſt bewölkten. Sie hatte gehofft daß Clara, wenn ſie zu ihr ſpräche:„ich bin Deine Mutter“ das ganze Gewicht dieſer Erklärung wenigſtens in ihrem Schein⸗ ſchlafe empfinden würde. Als Clara ſie nun ohnedies als ihre rechte Mutter betrachtete und keinen Unterſchied zwi⸗ ſchen ihr und der Vorſteherin des Mägdehauſes zu machen ſchien, da war es der Senora nicht möglich ihrer beabſich⸗ tigten Offenbarung einen Ausdruck zu geben. Da ſie das geträumte Glück nicht fand, ſo war ſie über dieſe langer⸗ ſehnte Zuſammenkunft ganz entzaubert, und mit trüber Niedergeſchlagenheit ſagte ſie: — Armes Kind, die andere Frau iſt nicht Deine Mut⸗ ter: ich allein weiß was Deine Geburt mir gekoſtet hat, ich allein habe um Deines Daſeins willen bittere Schmer⸗ zen gelitten, ich allein habe ob Deines unglücklichen Looſes Jahre lang Thränen vergoſſen, ich allein werde vielleicht aus Liebe und Mitleid für Dich einen bittern Gramestod ſterben..... Ich gebe mich der Nache eines erzürnten Gat⸗ ten preis— ich wage meine Ehre und die meines Ge⸗ ſchlechts um das Wort Mutter nur einmal von Deinen theuren Lippen zu vernehmen und ach!... Du begreifſt mich nicht! Eine Fluth ſtiller Thränen ergoß ſich in dieſem Augen⸗ blicke aus den Augen der Gräfin. Clara, aus Mitgefühl gleichfalls weinend, betrachtete ſie verwundert als wenn man ſie redet h nen vo Kindes ihr Gef Zit ſie der⸗ Da erwacht, ſo kalt! Nac verminde ſprach ſi nicht wa ich mich Aber wa Nacht? uck auf ahmlos edanken a, wenn “ das Schein⸗ dies als ed zwi⸗ machen eabſich⸗ ſie das langer⸗ trüber ne Mut⸗ tet hat, Schmer⸗ Looſes dielleicht amestod en Gat⸗ nes Ge⸗ Deinen begreifſt Augen⸗ eitgefühl s wenn Die hölzerne Clara. 79 man ſie in einer fremden, unverſtändlichen Sprache ange⸗ redet hätte. — Ach, Gott, liebes Mütterchen, ſeufzte endlich das Kind, will man Dir wehe thun? Warum? Die Senora preßte das Kind an ihre Bruſt und küßte es ſchweigend. Nach einigen Augenblicken tödtlichen Schmer⸗ zes, erhob die Gräfin plötzlich ihr Haupt, trocknete die Thrä⸗ nen von ihren Wangen und ergriff mit Fieberkraft des Kindes beide Hände. Während ein Lächeln der Verzweiflung ihr Geſicht entſtellte, rief ſie! — Clara! Clara! Zitternd und athemlos auf das Kind ſtarrend, wartete ſie der Wirkung dieſes Namens. Das Mädchen rieb ſich die Augen wie Jemand der eben erwacht, ſah ſich ängſtlich um und rief: — Ach, Gott, wo bin ich denn? es iſt Nacht! — Und ſich der Senora in die Arme werfend, ſeufzte ſie: — Ich fürchte mich.... es iſt hier ſo einſam und Nachdem die Senora dem Kinde Zeit gelaſſen ſich mit verminderter Furcht umzuſehen und ſich ganz zu beruhigen, ſprach ſie: — Clara, meine Liebe, Du erkennſt mich wohl, nicht wahr?. — Ach, ja, edle Frau, antwortete ſie, und nun fürchte ich mich nicht mehr......... da Ihr bei mir ſeid. Aber was thun wir hier ſo mutterſeelen allein in der Nacht? ————— — Die hölzerne Clara. — Setze Dich, Clara, und höre mich an ohne mich zu unterbrechen: ich habe Dir Etwas zu ſagen, was Du in Deinem ganzen Leben nicht vergeſſen darfſt. — Ach, Gott, Ihr zittert, edle Frau! nun fürchte ich mich wieder! 3 — Sei ſtill und ruhig Clara. Es kann uns hier nichts Uebles geſchehen.— Höre aufmerkſam, um Gottes wil⸗ len.... Jedermann denkt, daß Du eine arme Waiſe biſt, Clara; Jedermann glaubt daß Du eine niedere Dienſtmagd werden ſollſt, daß Du beſtimmt biſt Dein Leben lang wie eine Sklavin zu arbeiten und fremden Leuten zu Dienſten zu ſtehen, die Dich bezahlen. Du glaubſt es auch und biſt mit Deinem elenden Looſe zufrieden. Aber dem iſt nicht ſo, Clara! einſt wirſt Du als Gebieterin befehlen, in reichen Kleidern prangen, in einer Kutſche fahren, durch Deine Schönheit ſelbſt die Edelſten bezaubern und mit Stolz auf Alles niederſehen, was Dich an Deine erſte Beſtimmung erinnern könnte. Denn ſieh, theures Kind, Du haſt eine Mutter, die ihr Leben Deinem Glücke opfern könnte. Dieſe Mutter iſt edel, reich und mächtig und.. ſie wird ihr Kind nicht verlaſſenn!... Bei dieſen letzen Worten umarmte ſie ſtürmiſch das Kind, und gewiß hoffte ſie daß daſſelbe ſich gleichfalls in Liebesbezeugungen ergießen würde; allein das Gegentheil von alle dem geſchah. Clara ſchien ganz in tiefe Betrachtungen verſunken und feufzte als wenn ſie mit ſich ſelber redete: — Ich ſoll reich werden, in einer Kutſche fahren und ſchöne Kleider tragen? Ach wie will ich ſie gern ſehen!... Aber r ſie nich bin De Kuſſe, geliebte Ei gleichw des Un — me iſt todt rend ſie drückte. ich habe lige Ju ich nun glaube, froh, do reits ſo In Stimm Die leiſe zu Augenbe Die höl ie mich zu as Du in fürchte ich jier nichts ottes wil⸗ Vaiſe biſt, dienſtmagd lang wie Dienſten h und biſt t nicht ſo, in reichen rch Deine Stolz auf eſtimmung haſt eine tte. Dieſe wird ihr niſch das ichfalls in ntheil von achtungen er redete: ahren und hen!.... Die hölzerne Clara. 81 Aber warum holt ſie mich nicht, meine Mutter. Ich kenne ſie nicht. — Sieh mich an, lieber Engel, ſieh mich an.. Ich bin Deine Mutter! Fühlſt Du das nicht an dem glühenden Kuſſe, den ich Dir gebe, theurer Schatz meiner Seele? Mein geliebtes Kind! Eine lebhafte Freude erglänzte auf Clara's Geſicht, gleichwol miſchte ſich in ihr Freudenlächeln noch ein Schein des Unglaubens. — Ihr,— Ihr ſeid meine rechte Mutter? rief ſie aus — meine Mutter, die bei meinem Vater wohnt? — Dein Vater iſt längſt im Himmel, liebe Clara; er iſt todt und bittet Gott für uns, ſeufzte die Gräfin wäh⸗ rend ſie jede fernere Frage durch einen neuen Kuß unter⸗ drückte. Ich bin Deine wahre und rechte Mutter— und ich habe kein anderes Kind! — Ach Gott, ſeufzte das Kind, dafür möge die hei⸗ lige Jungfrau gebenedeiet ſein! Welche ſchönen Lieder will ich nun mein ganzes Leben lang ihr zur Ehre ſingen! Ich glaube, das hat ſie gethan! Wie bin ich froh! Wie bin ich froh, daß Ihr meine Mutter ſeid! Ich ſah Euch auch be⸗ reits ſo gern! ach ſo gern! In dieſem Augenblicke ſprach eine geheimnißvolle Stimme in der Finſterniß: — Senora, Senora, es iſt Zeit! Die Gräfin fing an in leidenſchaftlicher Haſt mit Clara leiſe zu ſprechen. Gewiß fürchtete ſte von Der, die in dieſem Augenblicke vielleicht als eine unzeitige Lauſcherin in der Die hölzerne Clara. 6 Die hölzerne Clara. Nähe ſtand, verſtanden zu werden. Lang dauerte dieſe ſtille Unterhaltung; auf beider Angeſicht wechſelten Thränen und Lächeln, Trauer und Seligkeit bis Clara endlich entſchloſſen aufſtand und nach einem feurigen Kuſſe zu ihrer Mut⸗ ter ſprach: — Nein, ich werde nicht ſagen, daß Du mich geweckt haſt! Niemand ſoll erfahren, daß Du meine Mutter biſt.... Aber Du wirſt wiederkommen, lieb Mütterchen? Ich will ohne Trauer warten.. Geh nur ruhig auf die Reiſe! Ich will den heiligen Engel Sankt Michael bitten, daß er Dich geleite. Das Licht ergreifend, ſtieg die Gräfin mit dem Kinde die Treppe hinauf, und kehrte einige Augenblicke ſpäter zu den zwei Frauen zurück, die bereits ungeduldig ihrer warteten. — Komm, Ines, ſprach die Senora; laß uns haſtig nach Hauſe zurückkehren. Clara iſt bereits hinauf gegangen; ſie ſchläft ruhig.— Frau Mutter, ich werde Euch morgen früh rufen laſſen; wir reiſen erſt Nachmittag, ſo daß ich noch Zeit haben werde mit Euch über wichtige Dinge zu ſprechen. Die Senora und ihre Duena verließen das Mägde⸗ haus und kehrten nach ihrer Wohnung zurück. Leiſe klopf⸗ ten ſie an die Thür damit Domingo ihnen öffne. Obſchon ſie das Zeichen mehrfach wiederholten, ſo empfingen ſie den⸗ noch keine Antwort. Schon fing die Senora an an allen Gliedern zu zittern, als die Duena mit der Hand die Thür betaſtete und fand, daß dieſe nur angelehnt aber nicht ver⸗ ſchloſſen war. Domin offen; der Tr N. ſtiegen ohne d wart he der Gr Seufze Sie ha ſtanden ten, oh Di ihre Ge Schritt ein eiſig Boden. regungs zubeuge mer hin den Ker Bett de ſchend v mata! lachte ei ſeine Re aus.. dieſe ſtille zränen und entſchloſſen hrer Mut⸗ ich geweckt eubiſt.... 2 Ich will Reiſe! Ich aß er Dich dem Kinde e ſpäter zu uldig ihrer uns haſtig gegangen; uch morgen daß ich noch zu ſprechen. as Mägde⸗ Leiſe klopf⸗ Obſchon gen ſie den⸗ an an allen id die Thür r nicht ver⸗ Die hölzerne Clara. 83 — Es iſt Nichts, Senora, murmelte ſie; der träge Domingo wird irgendwo eingeſchlafen ſein. Die Thür iſt offen; kommt ſtill herein und macht kein Geräuſch auf der Treppe. Nachdem die Duena die Thüre vorſichtig verſchloſſen, ſtiegen ſie Beide, im Dunkel taſtend, die Treppe hinauf, ohne daß das geringſte Geräuſch auf der Flur ihre Gegen⸗ wart hätte verrathen können. Als ſie das Schlafzimmer der Gräfin erreicht hatten, entſchlüpfte Beiden ein ſchwerer Seufzer; es ſchien ihnen ein Stein vom Herzen zu fallen. Sie hatten das gefährliche Unternehmen vollführt, und nun ſtanden ſie wieder vor dem Zimmer, was ſie verlaſſen hat⸗ ten, ohne daß ſie ein Unfall betroffen! Die Duena öffnete die Thüre des Schlafgemachs um ihre Gebieterin vorangehen zu laſſen;— bei dem zweiten Schritte aber, den die Senora zu thun wagte, entfloh ein eiſiger Angſtſchrei ihrer Bruſt und bleiſchwer ſank ſie zu Boden. Bleich und zitternd ſtand die Duena neben ihrer regungsloſen Gebieterin und wagte nicht ſich zu ihr nieder⸗ zubeugen: die erſchrockene Frau blickte tiefer in das Zim⸗ mer hinein, und eine furchtbare Erſcheinung beim flackern⸗ den Kerzenlichte erſchreckte ſie faſt tödtlich.........⸗.. Am Bett der Gräfin ſaß, ein Piſtol in jeder Hand und knir⸗ ſchend vor Wuth wie ein getroffener Löwe, der Graf d' Al⸗ mata! Er heftete ſein glühendes Auge auf die Senora, lachte einen Augenblick mit bitterm Spott, ſtand auf, ſtreckte ſeine Rechte mit dem Piſtol nach ſeiner unglücklichen Gattin aus..... allein, wie von einem geheimen Gedanken be⸗ 6* Die hölzerne Clara. herrſcht, ſtieß er plötzlich einen Schrei der Verzweiflung aus, ließ den Arm mit dem Mordwerkzeuge wie gelähmt ſinken, und eilte davon wie Jemand, der vor dem Gedanken eines Mordes zurückſchreckt oder ſeiner eigenen Raſerei ent⸗ fliehen will. Er donnerte noch einen ſchrecklichen Fluch in das Ohr der zerſchmetterten Ines und verſchwand auf der Treppe im Dunkel. Die Duena ſank neben der Senora auf die Knie nieder und überfluthete ſie mit ihren Thränen. Bereits hatte ſie die eigene Gefahr vergeſſen um allein an das Loos ihrer Gebieterin zu denken. VI. Die Gräfin ſaß allein in ihrem Zimmer. Sie hatte den Kopf auf die Lehne ihres Armſtuhles geſtützt; ihr Haar hing verwirrt auf ihre Schultern herab; ihre Kleider wa⸗ ren zerknittert und verknillt. Eine grauſige Stille umringte ſie:— ſie ſchien eine Leiche zu ſein, die eines plötzlichen Todes verblichen. Wenn indeſſen das langſame aber heftige Wogen ihres Buſens noch Leben verrieth, ſo erkannte man doch auch, daß eine unausſprechliche Marter ſie abgemattet und daß ſich jetzt die bitterſte Verzweiflung ihrer bemäch⸗ tigt hatte. Ein durch das gewaltige Zuwerfen der Hausthür ver⸗ urſachtes Geräuſch machte ſie zittern; matt erhob ſie das Haupt zum ängſtlichen Lauſchen, doch eben ſo ſchnell ließ ſie daſſelbe wieder ſinken. ſich im den bete geſcheher Kind, o er, der( Dank, gräßliche Du haſt niedere Schrecke auch jed können Die neigt zu los ſtehe Ines, ve beredt, ſ entſcheid rzweiflung ie gelähmt Gedanken laſerei ent⸗ n Fluch in nd auf der Senora auf Thränen. mallein an Sie hatte t; ihr Haar kleider wa⸗ le umringte 3 plötzlichen aber heftige kannte man abgemattet rer bemäch⸗ usthür ver⸗ chob ſie das ſchnell ließ Die hölzerne Clara. 85 Die Duena trat haſtig, obwohl mit leiſen Schritten, in das Zimmer, und ihre Gebieterin bei dem Arm ergreifend, ſprach ſie voll Freude: — o, Senora, laßt uns Gott danken: eben iſt der Graf nach Hauſe gekommen. Die Gräfin, durch dieſe Nachricht wie geſtärkt, richtete ſich im Stuhl empor und mit zum Himmel erhobenen Hän⸗ den betete ſie voll Dankbarkeit: — Geſegnet mußt Du ſein, o Gott, daß Du es nicht geſchehen ließeſt! Beſchirme mein Kind, mein unſchuldiges Kind, o Herr! Mag ich als Büßerin ſterben..... aber er! er, der Gute, deſſen Leben ich vergiftet habe.... o Dank, Dank, daß Du ihn bewahrteſt!— Dein Engel hat den gräßlichen Gedanken aus ſeinem Herzen verſcheucht;— Du haſt es nicht gewollt, o Vater, daß ein Mord Deine niedere Dienerin belaſte. Ach, Dein Name ſei gebenedeiet! — Aber, rief die Duena wie von unüberwindlichem Schrecken erfaßt, nun da der Graf zu Hauſe iſt, kann er auch jeden Augenblick hierher kommen.... o, ſagt doch, was können wir thun? Ich bin rathlos und auf den Tod betrübt. — Wohlan, geh, ſpute Dich, Ines, ſuche ihn auf. Die Duena ſchien zu dieſem Schritte keineswegs ge⸗ neigt zu ſein, ſie ſchüttelte das Haupt und blieb ſprach⸗ los ſtehen. — O weh mirl rief die Gräfin aus; Du willſt nicht! Ines, verlangſt Du denn daß ich ſelbſt gehen ſoll? Du, ſo beredt, ſo geſchickt das Herz zu rühren, Du willſt mich im entſcheidenden Augenblicke verlaſſen? Die hölzerne Clara. — Ach, theure Gebieterin, ſeufzte die Duena, ich darf es nicht wagen. Hättet Ihr geſehen wie er mit glühenden Augen und verwildertem Geſicht die Thüre zuwarf und wuthſchnaubend zum Hauſe hereinſtürzte, ach! Ihr würdet fliehen.... denn der Tod begleitet ihn! — Ja, Du weigerſt mir dieſen letzten Dienſt, ſagte die Gräfin peinlich indem ſie wie vernichtet das Haupt ſin⸗ ken ließ; Du willſt den guten Gedanken nicht ausführen, den Du ſelbſt mir als einen Rettungsanker gezeigt haſt? Wohlan, es ſei! ich befehle meine Seele Gott und harre in Ergebung des Schlages, der mich treffen ſoll. Die Duena ſtützte ihr Haupt auf die Lehne des Stuh⸗ les und weinte ſchweigend. Nach einigen Augenblicken der tiefſten Stille erhob die Gräfin das Haupt und ſprach: — Was! ich ſollte undankbar und feige genug ſein? Das Pflichtgefühl, mein blutendes Herz, mein nagendes Gewiſſen— Alles ruft mir zu, daß ich ihn aus der Hölle der Verzweiflung, worin er verkehrt und leidet wie eine verdammte Seele, erlöſen muß;— und ich ſollte vor ei⸗ nem offenen Bekenntniſſe zurückſchaudern? Nein, nein! — Bleibt, ach bleibt, unglückliche Edelfrau! flehte die Duena mit gefalteten Händen. Er wird Euch tödten! Die Senora indeſſen beachtete dieſe Bitte nicht weiter und fuhr mit wachſender Leidenſchaft fort: — Ich habe zur Nachtzeit das Haus verlaſſen..... er glaubt mich des abſcheulichſten Verrathes ſchuldig; um meinetwillen, um ſeiner geliebten Catalina willen, hat er zehn Jahre lang die Ruhe und den Genuß ſeines Lebens geopfer lichen nun in aus S Streite wenn dige ſe Be die alte nora ir begreife mich ge bieteriſ Wuth Ihr ni muß.( auch de Vermit ſich bei ſchluß werde i Si wendun was ſie „ich darf glühenden varf und r würdet iſt, ſagte daupt ſin⸗ usführen, igt haſt? ind harre es Stuh⸗ gllicken der prach: nug ſein? nagendes der Hölle wie eine te vor ei⸗ nein! flehte die dten! cht weiter ffen.... ldig; um u, hat er es Lebens Die hölzerne Clara. geopfert; ich bin in ſeinen Augen zum elenden und verächt⸗ lichen Geſchöpf geworden: Liebe, Haß und Rache kämpfen nun in ſeinem Innern und zerreißen ſeine Bruſt.... Und aus Scham, aus Furcht vor dem Tode ſoll ich ihn im Streite mit dieſen gräßlichen Gedanken laſſen? Nein, Ines, wenn ein Sühnopfer ſein muß, ſo möge es die Schul⸗ dige ſein.— Es iſt geſchehen, bleibe hier, ich gehe..... Bei dieſen Worten ſchritt ſie nach der Thüre, allein die alte Duena warf ſich vor ihr auf die Kniee nieder. — Verzeiht mir, verzeiht mir, edle Frau! rief ſie aus. — Ich habe Nichts zu verzeihen, antwortete die Se⸗ nora indem ſie die Duena aufrichtete und ſie umarmte. Ich begreife Deine Furcht, gute Ines. Sei ruhig und laß mich gehen. — Ihr ſollt nicht gehen! ergriff die Duena im ge⸗ bieteriſchem Tone das Wort. Euer Anblick würde ihn zur Wuth entflammen, und unter ſeinen Vorwürfen würdet Ihr nicht ſagen können, was nothwendig geſagt werden muß. Euer Muth hat mein Pflichtgefühl neu belebt. Möge auch der Tod meiner warten, ſo werde ich doch hier als Vermittlerin auftreten. Ich will nicht daß meine Gebieterin ſich bei ihren eigenen Worten zu ſchämen habe. Mein Ent⸗ ſchluß iſt gefaßt; was ich dieſen Morgen verſprach, das werde ich ausführen. Verhaltet Euch ruhig und hoffet! Sie ließ der Senora nicht Zeit irgend eine Ein⸗ wendung zu machen und verließ haſtig das Zimmer, was ſie, den Schlüſſel abziehend, von Außen verſchloß. Die hölzerne Clara. Als die Duena durch das Beiſpiel ihrer Gebieterin einmal zur Verachtung einer jeden Gefahr ermuthigt war, zitterte ſie nicht mehr. Im Gegentheil hatte, da ſie von Natur eine ſehr muthige Frau war, das Gewicht ihrer Sendung ſie ſelbſt mit einer ungemeinen Gemüthskraft be⸗ ſeelt, und ſo ſchritt ſie ohne Zögern durch die Corridore und plötzlich ſtand ſie im Zimmer des Grafen d' Almata. Der unglückliche Gatte ſaß, das Haupt auf die Hand geſtützt, an einem Tiſche und blickte unverwandt zu Boden. Die beiden Piſtolen lagen noch geſpannt neben ihm. Als er die Duena erblickte lief ein Zittern durch alle ſeine Glieder und ein bitteres Spottlachen verzerrte ſein Geſicht. — Elende Schlange, lebſt Du noch! rief er aus; bringſt Du mir Dein Blut zum Opfer...... ich begehre es nicht. Der Henker und der Scheiterhaufen werden zu Gericht ſitzen über Deinen ſchändlichen Verrath. Die Duena ließ ſich indeſſen durch dieſe ſchrecklichen Worte nicht niederdrücken, einen Augenblick ſchwieg ſie, dann aber ergriff ſie kaltblütig das Wort: — Graf d' Almata, Ihr habt Eure Gattin ob einer Miſſethat in Verdacht: es iſt eine Lüge! Heilig hat ſie Euch die Treue bewahrt, welche ſie vor Gottes Altar einſt gelobte. — Ha, der Betrug ſoll den Verrath verbergen! Nein, nein, es iſt geſchehen. Geh, erzürne mich nicht, das Feuer könnte nochmals in meinem Gehirn entbrennen... ich will Dein Blut nicht, ſag' ich Dir! der au breche bringe leidet Buſer det w folter Schul d'Alm 7 lich ſe ankäm Geiſte es wa daß ſi Ihr C grundt heit, Graf Nacht delten Nichts war u ſicht je Die hölzerne Clara. ebieterin— Graf d'Almata, hob die Duena unerſchrocken wie⸗ igt war, der an, ſeht mich an: ich zittere nicht...... ſteht das Ver⸗ ſie von brechen ſo vor ſeinem Richter? Hört mich an, denn ich cht ihrer bringe Euch Ruhe und Friede— Glück vielleicht. Ihr kraft be⸗ leidet unausſprechliche Schmerzen, Euer Herz will Euch im Lorridore Buſen brechen. Wenn Euer entſetzlicher Verdacht gegrün⸗ lmata. det wäre, ſo hättet Ihr nicht blos Grund Euch ſelbſt zu die Hand foltern, ſondern auch Euren Rachedurſt in dem Blute der 1 Boden. Schuldigen zu löſchen. Doch es iſt dem nicht ſo, Graf n. d'Almata. Ihr höhnt meine Gebieterin! urch alle Der Graf ſchlug ſich vor die Stirn und rang ſchmerz⸗ rrte ſein lich ſeine Hände, wie Jemand, der gegen einen Gedanken ankämpft, der ſich mit unwiderſtehlicher Gewalt unſeres z bringſt Geiſtes bemächtigen will. es nicht.— Und bedenkt, Senor, fuhr die Duena fort, wenn icht ſitzen es wahr iſt, daß die Gräfin Euch unaufhörlich geliebt hat, daß ſie rein und treu geblieben, bedenkt dann wie ungerecht recklichen Ihr Euer eigenes Herz martert und das ihrige unter einem wieg ſie, 3 grundloſen Verdachte erdrückt. Und Alles dies iſt Wahr⸗ heit, Graf d'Almata; jeder andere Gedanke iſt eine Lüge! ob einer— Ach Gott, wie darfſt Du ſo ſprechen! rief der ſie Euch Graf voll Schmerz und Zorn; und dieſe Nacht, dieſe tar einſt Nacht? — Beweiſt Nichts, Senor. Ich weiß es, wir han⸗ n! Nein, delten unrecht, wir verſündigten uns ſchrecklich an Euch; as Feuer Nichts kann uns über dieſen Schritt entſchuldigen; allein . ich will war unſere Handlung auch unvorſichtig, ſo hat unſere Ab⸗ ſicht jedoch nichts mit Dem gemein, was Ihr fürchtet oder — ———————— Die hölzerne Clara. vermuthet.— Verzeiht mir meine ſtolze Sprache; mit Ehrfurcht beuge ich mich vor meinem Herrn und Gebieter, allein ich vertheidige hier die verkannte Ehre meiner Gebie⸗ terin. Ich bin gekommen, um die Hölle des Zweifels in Eurer Bruſt zu erſticken. Mögt Ihr mich vernichten, wenn Ihr wollt: ich will von der Wahrheit Zeugniß geben und bedrohete mich auch ſchon der Tod! — Mein Haupt iſt glühend, ſeufzte der Graf, Alles drehet ſich vor meinen Augen, ich leide furchtbar..... Ca⸗ talina rein! Ich ſollte ſie noch lieben dürfen! Ines, Ines, wenn Du auch nur Ein falſches Wort ſprächeſt, ſo wäre Deine Verworfenheit nicht mit tauſendfachem Tod zu ſüh⸗ nen! Ach, habe Mitleid mit mir, täuſche mich nicht! Langſam näherte ſich die Duena dem Grafen und ſank vor ihm auf die Knie nieder. Sie ergriff ſeine Hand und nachdem ſie dieſelbe ehrerbietig küßte, antwortete ſie: — Guter Herr, ich flehe es als eine Gnade für Euch ſelber, für die Gräfin und für mich, daß Ihr mich ſprechen laßt. Ich bin gekommen, um Euch das Geheimniß zu er⸗ klären, was nun ſeit zehn Jahren wie ein vergifteter Schleier über Euer Leben ausgebreitet iſt— und wenn dieſes Ge⸗ heimniß Etwas birgt, was Euch mit Recht erzürnen wird, ſo läßt Eure endloſe Güte mich hoffen, daß Ihr verzeihen werdet, was zu verzeihen it....... Darf ich ſprechen? Werdet Ihr mich anhören, ohne mich zu unterbrechen? — Steh auf, ſprach der Graf auf einen Stuhl zei⸗ gend, und wenn Du Wahrheit ſprichſt, ſo möge Gott Dich ſegnen! wärt Bode Ihr der Verf auch liebte gentr Ihr lina, Euch der( in G waret Catal Euren Eure Buſe Ihr die E Wünf Herze neigun auch f e; mit ebieter, Gebie⸗ ifels in nichten, ß geben „Alles . Ca⸗ „ Ines, o wäre zu ſüh⸗ 1 nd ſank und und ir Euch ſprechen zu er⸗ Schleier ſes Ge⸗ en wird, eerzeihen prechen? den? uhl zei⸗ ge Gott Die hölzerne Clara. 91 Die Duena ſetzte ſich nicht, ſondern blieb etwas ſeit⸗ wärts vom Grafen ſtehen, und mit geſenktem Haupte zu Boden blickend hob ſie ihre Rede folgendermaßen an: — Erinnert Euch, Graf d'Almata, jener Zeit, wo Ihr auf dem Landhauſe der Ghyſeghems mit Eurem Bru⸗ der und ſeiner Gattin eine gaſtfreie Zuflucht gegen die Verfolgungen der Feinde Spaniens fandet. Dort war auch ein junger Edelmann, den Ihr als treuen Buſenfreund liebtet und der auch Euch die innigſte Freundſchaft entge⸗ gentrug. Schmerz, Angſt, Freude, Hoffnung theiltet Ihr mit ihm; er war Euch ein zweiter Bruder...... — Armer Lanceloot! ſeufzte der Graf. — Lanceloot van Biſthoven liebte Senorita Cata⸗ lina, fuhr die Duena fort, Ihr ſelbſt, Senor, freutet Euch dieſer edlen Zuneigung und ermangeltet nicht bei je⸗ der Gelegenheit Lanceloot's Tugend, Muth und Biederkeit in Gegenwart meines Fräuleins zu rühmen. Gleichwohl waret Ihr, Senor, ſelbſt nicht gleichgültig gegen Senorita Catalina's zauberiſche Schönheit. Indeſſen triebt Ihr Euren Edelmuth und Eure Güte ſo weit, daß Ihr ſelbſt Eure eigne Leidenſchaft unterdrücktet um das Glück Eures Buſenfreundes zu befördern. Die Lobſprüche, mit denen Ihr Lanceloot unaufhörlich überhäuftet, und die Mittel, die Euer erfindungsreicher Geiſt erſann, um ihn in ſeinen Wünſchen behülflich zu ſein, entzündeten endlich auch im Herzen meines Fräuleins die Flammen einer ſanften Zu⸗ neigung für Euren Freund. Es war ein Freudentag— auch für Euch, Graf d'Almata— an welchem im Tempel Die hölzerne Clara. des Herrn die Verlobung meines Fräuleins mit Lanceloot van Biſthoven gefeiert wurde. Dieſe gegenſeitige in Gegen⸗ wart der Eltern und Verwandten geſchehene Verlobung ſchien Allen unverbrüchlich und erhaben über jeden Zufall. Noch wenig Tage und das unverletzliche Band der Vermählung mußte meine Gebieterin mit Euren Buſenfreunde verbinden. — Warum, ſeufzte der Graf, mußt Du mich an dieſe trübe Zeit erinnern? leide ich noch nicht genug? Ohne auf des Grafen Rührung weiter Rückſicht zu nehmen, fuhr die Duena fort: — Die mitleidsloſe Hand des Todes zerriß dieſes Band, bevor die Hand des Prieſters es für immer geknüpft. Der alte Herr van Ghyſeghem ſah ſich genöthigt nach Gent zu reiſen, um dort bei den Friedensunterhandlungen gegen⸗ wärtig zu ſein. Ich blieb demnach mit Fräulein Catalina allein in dem Hauſe zurück, was wir ſeit einiger Zeit in der Hoogſtraße bewohnten. Ihr wißt es, Herr Graf, ich wurde plötzlich von einer tödtlichen Krankheit befallen, und lag fieberkrank im Bett. An einem Tage, den Antwerpen mit Thränen und Blut in ſeiner Geſchichte aufgezeichnet hat, fielen die Spanier, den Degen in der einen, die flam⸗ mende Fackel in der andern Hand, vom Caſtell aus in der Stadt ein. Mord und Brand bezeichnete in unſern Stra⸗ ßen ihre Spur. Die Bürger von Antwerpen griffen ihrer⸗ ſeits gleichfalls zu den Waffen und verſuchten einen hoff⸗ nungsloſen Widerſtand. Alles, was Spaniſch hieß und ih⸗ nen in die Hände fiel, mußte zur Wiedervergeltung ermor⸗ det werden. Ich höre nech das raſende Geſchrei der Mer ich gen gege ſpa das letzt Leich Bra Gra ich b ſelig trau gren tet Freu * lang ſtand Die Ueber Caſte haben aus vom ein, dem ſchen. ben. nceloot Gegen⸗ ſchien Noch ählung binden. n dieſe icht zu Band, t. Der zent zu gegen⸗ atalina Zeit in raf, ich n, und twerpen zeichnet e flam⸗ in der Stra⸗ n ihrer⸗ en hoff⸗ und ih⸗ ermor⸗ rei der Die hölzerne Clara. 93 Menge, die, um Euch zu ermorden, unſer Haus beſtürmte; ich höre noch Lanceloot's Verzweiflungsruf, wie er, den De⸗ gen in der Fauſt und ganz mit Blut bedeckt, Euer Leben gegen den raſenden Volkshaufen vertheidigte. Als die ſpaniſche Furie') endlich Blut genug vergoſſen und das Feuer Straßen genug verheert hatte, da fand man zu⸗ letzt auch Lanceloot's von fünf Degenſtichen durchbohrte Leiche. Euer Bruder mit Gattin und Kind war in dem Brande ſeiner Wohnung umgekommen. Verzeiht mir, Graf d'Almata, daß ich Euren Augen Thränen entlocke: ich bin dazu gezwungen. Lange Zeit danach, als man die ſeligen Todten nur noch im Innerſten des Herzens be⸗ trauerte, erwachte in Euch auf's Neue das Feuer einer grenzenloſen Liebe für mein Fräulein Catalina. Ihr hiel⸗ tet es für Eure Pflicht, die Verlobte Eures verſtorbenen Freundes glücklich zu machen, und flehtet um ihre Hand. *) Die ſpaniſchen Soldaten waren mehrere Monate lang nicht bezahlt worden und unter Bedrohung von Auf⸗ ſtand und Plünderung forderten ſie ihren rückſtändigen Sold. Die Einwohner Antwerpens hatten, um ſich gegen einen Ueberfall zu verſchanzen, angefangen Erdwälle gegen das Caſtell hin aufzuwerfen. Allein Sanctius d'Avila, Befehls⸗ haber der Beſatzung, zog die Spanier von allen Punkten aus nach Antwerpen hin. Am 4. November 1576 fallen ſie vom Caſtell aus mit unerhörter Grauſamkeit in der Stadt ein, morden und brennen, ſetzen fünfhundert Häuſer nebſt dem Stadthaus in Brand und tödten gegen 50,000 Men⸗ ſchen. Mehr als 200 Spanier verloren gleichfalls das Le⸗ ben. Dieſen Ueberfall nennt man die ſpaniſche Furie. Anmerk. d. Verf. Die hölzerne Clara. Mein Gebieterin achtete Niemand höher denn Euch, Nie⸗ mand, Herr Graf, beſaß in ihren Augen ein edleres Herz, war mehr der Liebe würdig als Ihr....... dennoch weigerte ſie ſich ihr Loos mit dem Eurigen zu verknüpfen; ſie verwarf Euren Antrag mit Angſt und Schauder, als wenn Ihr ihr Schande und Unglück geboten. Ihr wißt, Graf d'Almata, welche vergeblichen Verſuche Ihr machtet, um ſie zu beſiegen, wie ſie Euch knieend und unter einer Fluth von Thränen bat von dieſer Heirath abzuſehen! Es wäre überflüſſig Alles dies zu wiederholen— Endlich habt Ihr, von unüberwindlicher Liebe getrieben, die Macht ihres Vaters zu Hülfe gerufen, und unſere arme Senorita wie ein Opferlamm zum Altar geſchleppt und ihr mit mora⸗ liſcher Gewalt das Jawort entrungen. Rede ich wahr oder nicht? — Ach, ich liebte Catalina mehr als mein Leben! — Ich weiß es, und ferne ſei es von mir meinen Gebieter zu tadeln; aber wißt Ihr, Graf dAlmata, warum meine Gebieterin Euch widerſtrebte, wie Je⸗ mand, der ſie unglücklich machen und deſſen Leben ſie ſelbſt mit Bitterkeit und Galle vergiften mußte? Kennt Ihr das Geheimniß, was Jahre lang wie ein finſterer Alp blei⸗ ſchwer auf uns gelegen? Sie rückte näher an den Grafen heran und flüſterte mit gedämpfter Stimme: — Das Band, welches Lanceloot an Catalina knüpfte, konnte durch keine Macht der Erde zerriſſen werden: ſelbſt der Tod vermöchte es nicht. Es lebt auf Erden ein Kind Lan das gen unte ſchw tief ternd ſein ſeine lung es iſt wider beher Ihr kann Mutt dem mein betet, unſer ſich ni das L überg wenn Stem h. Nie⸗ es Herz, dennoch nüpfen; der, als hr wißt, machtet, ter einer den! Es lich habt cht ihres drita wie t mora⸗ ich wahr den! rmeinen Almata, vie Je⸗ ſie ſelbſt nnt Ihr Alp blei⸗ flüſterte knüpfte, n: ſelbſt ein Kind Die hölzerne Clara. Lanceloot's, Herr Graf, ein armes, verborgenes Lämmchen, das unſchuldige Pfand der ewigen Treue zwiſchen dem ſeli⸗ gen Verlobten und der leidenden Frau! Der Graf d'Almata erbleichte und die Duena ſenkte unter ſeinem furchtbaren Blicke demüthig das Haupt. Ein ſchwerer Athemzug und ein tiefer Gurgellaut, bewieſen, wie tief dieſe Erklärung den Grafen verwundet hatte. Fol⸗ ternde Gedanken von Unehre und Schande durchkreuzten ſein Haupt; doch er that ſich ſelbſt Gewalt an, um unter ſeinem Weh nicht zu erliegen und blieb ſchweigend ſitzen. Die Duena fuhr im trüben Tone in ihrer Erzäh⸗ lung fort: — Gott hat Euch keine Kinder geſchenkt, Herr Graf; es iſt Euch mithin unmöglich zu ermeſſen, mit welcher un⸗ widerſtehlichen Gewalt das mütterliche Gefühl eine Frau beherrſchen kann. Und wäret Ihr auch Vater, ſo würdet Ihr es dennoch nicht begreifen. Kein Mann auf Erden kann ermeſſen, mit welcher Kraft die heilige Flamme der Mutterliebe das Herz einer Frau erfüllt, daß ſie ſelbſt auf dem Todtenbette mit dem letzten Hauche zu Gott flehet: mein Kind! mein Kind! Wenn man ſchon ſein Kind an⸗ betet, wenn es in vollem Wohlſein und Lebensfreude vor unſern Augen empor blühet, wie muß dann die Mutterliebe ſich nicht zum Wahnſinne entflammen, wenn das Kind, dem wir das Leben gaben, unglücklich iſt? Wenn es fremden Händen übergeben iſt und wie ein verlorenes Schaf in der Irre wandelt, wenn die Geſellſchaft es verdammt, mit dem flammenden Stempel der Schande gezeichnet hat? Acht Jahre lang, Graf ſſ“ — ————— Die hölzerne Clara. d'Almata, wußte meine Gebieterin nicht, wo Lanceloot's armes Kind verblieben war..... Acht Jahre lang hat ſie getrauert und geweint, acht Jahre lang blutete ihr Mutterherz...... und Niemand, denn mich, ihre Dienerin, konnte ſie zur Vertrauten ihres Schmerzes und ihrer bittern Leiden machen. Sie mußte Euch hintergehen, Euch, den ſie feurig liebte, den ſie als das Vorbild der Güte und des Edelmuthes ehrte; ſie mußte Euch hintergehen, Euch erzürnen durch das Geheimnißvolle ihrer Worte und Thaten; ſie mußte Euch in Eurem innerſten Gefühl verwunden und Euer Le⸗ ben in eine Hölle des Verdachts, der Verzweiflung und des Zweifels verwandeln. Ach, ich ſah die Märtyrerin vergehen, ſah die Röthe ihrer Wangen bleichen, ſah, wie nagender Kummer ſie verzehrte, wie der Tod ſie allmälig beſchlich. Und Ihr ſelbſt, Herr Graf, habt Ihr es mir nicht oft mit Verzweiflung geſagt: Ach! ſie wird ſterben: ein geheimes unbegreifliches Leid verzehrt ſie? Ein dröhnender Seufzer unterdrückten Schmerzes war des Grafen einzige Antwort. Die Duena fuhr fort: — Endllich willigtet Ihr ein, eine Reiſe nach den Nie⸗ derlanden zu unternehmen. Ihr gabt dadurch meiner Ge⸗ bieterin das Leben wieder. Nach langem, vergeblichem Suchen haben wir das Kind endlich hier in Antwerpen wiedergefunden: es lebt hier nebenan im Mägdehauſe. In dieſer Nacht wollte die unglückliche Mutter ihr Töch⸗ terchen noch einmal umarmen, ihr Herz noch einmal von dem unendlichen Liebegefühl entlaſten,— noch einmal vor ihrer Rückkehr nach Spanien ihr Kind mit ihren Thaanen benetzen verlaſſe allein ſ zu umc heit all ſterſtraf Canteel weiß A als Sta Clarag Eurer flehe Er d'Almat net das Euer ei Nichts heit.... LäR mit unte Es mir Rul die Que ändert! meinem? geöffnet berathen Schimpf Die hölz t's armes getrauert e ſie zur n machen. eg liebte, delmuthes nen durch ſie mußte Euer Le⸗ lung und ärtyrerin ſah, wie allmälig mir nicht ben: ein erzes war kort: den Nie⸗ geiner Ge⸗ rgeblichem Antwerpen agdehauſe. ihr Töch⸗ inmal von einmal vor 1 Thaäͤnen Die hölzerne Clara. 97 benetzen. Die Gräfin hat ihre Wohnung zur Nachtzeit verlaſſen: es iſt dies eine ſtrafbare Thorheit in der That; allein ſie hatte dabei keine andere Abſicht, als die, ihr Kind zu umarmen.... Und wenn Ihr an der ſtrengen Wahr⸗ heit alles Deſſen zweifeln ſolltet, Senor:— in der Klo⸗ ſterſtraße wohnt eine arme Soldatenfrau, Namens Anna Canteels; ſie war es, der man das Kind anvertraute, ſie weiß Alles... Im Mägdehauſe nebenan wohnt das Kind als Stadtwaiſe: es iſt ein Töchterchen und wird die hölzerne Clara genannt. Vielleicht wollt Ihr, Herr Graf, die Unſchuld Eurer Gemahlin durch nähere Unterſuchung beſtätigt ſehen . es iſt dies ein Recht, was Euch zuſteht; allein ich flehe Euch an, was auch Euer Entſchluß ſein möge, Graf d'Almata, ſchonet den guten Ruf meiner Gebieterin, ſcho⸗ net das Gedächtniß Eures Freundes Lanceloot, ſchonet Euer eigenes Haus vor Schande und Unehre! Ich habe Nichts mehr zu ſagen; nun wißt Ihr die ganze Wahr⸗ heit... Längſt ſchon hatte die Duena geendet, als der Graf mit unterdrücktem Zorne endlich ſprach: Es iſt gut; verlaß dieſes Zimmer. Ha, Du wollteſt mir Ruhe und Friede bringen und haſt nichts gethan, als die Quelle meiner Verzweiflung, meines Schmerzes ver⸗ ändert! Neben der Wunde, die ein furchtbarer Verdacht meinem Herzen geſchlagen, haſt Du eine neue blutende Wunde geöffnet. Ich muß mich mit Freunden und Verwandten berathen über das, was mir zu thun geziemt: dieſen Schimpf will ich von meinem Wappen entfernt wiſſen. Geh, Die hölzerne Clara. 7 Die hölzerne Clara. laß mich allein, Deine Gebieterin ſoll vor der Nacht mei⸗ nen Entſchluß erfahren.... Halb traurig, halb vergnügt verließ die Duena das Zimmer und blieb einige Schritte entfernt im Gange ſte⸗ hen. Sie hoffte und fürchtete ohne den Erfolg ihrer Be⸗ mühungen errathen zu können. Wenn ſie indeſſen bedachte, daß ihre Erklärung des Grafen aufbrauſende Wuth ge⸗ dämpft und in eine weniger folternde Trauer verwandelt hatte, ſo erfreute ſie ſich innerlich über das, was ſie ge⸗ than. Ein einziger peinlicher Gedanke beunruhigte ſie noch zuweilen:— wollte der Graf ſich von Catalina trennen? Sollte er ſie gleich einer ſchuldigen Gattin ver⸗ ſtoßen wollen? Sollte er allein nach Spanien reiſen— und dadurch den letzten Sproſſen der Ghyſeghems der Schande preisgeben? Ganz in dieſe Betrachtung vertieft, trat die Duena endlich wieder in das Zimmer ihrer Gebieterin, was ſie ebenſo ſorgfältig wieder von innen verſchloß. Unterdeſſen ſaß der Graf noch immer gleich regungs⸗ los in ſeinem Seſſel und blickte theilnahmlos vor ſich hin, wie Jemand, der ganz in einen Abgrund von Gedanken und Betrachtungen verſunken iſt. Nur die flüchtigen Falten, die zuweilen über ſein Ge⸗ ſicht hinliefen, und das bittere Lachen, was ſeinen Mund umzuckte, verriethen den Sturm, der in ſeinem Innern wüthete. Plötzlich fuhr er verzweifelnd über Stirn und Augen, als wenn er die drückenden Gedanken dadurch ver⸗ um u chen, Stad Vielle und ſ der de Orte, zu w⸗ vorüb errath ſtigen ſollen ſeinem wieder Eiferſ und d leicht und ih unter trug v Die hölzerne Clara. kacht mei⸗ ſcheuchen wollte. Er ſtand auf, ordnete haſtig ſeinen An⸗ zug, ergriff eine Hand voll Gold und ſtürzte zum Hauſe duena das hinaus. Hange ſte⸗ ihrer Be⸗ bedachte, VII. Wuth ge⸗ Gewiß war der Graf aus ſeiner Wohnung entflohen, verwandelt 5 um unter dem offenen Himmel etwas Beruhigung zu ſu⸗ I das ſie ge⸗ chen, denn nach wenig Augenblicken ſah man ihn hinter den 1 uhigte ſie Stadtbefeſtigungen auf den Hospitaltriften ſpazieren gehen. Catalina Vielleicht hatte die Luft in der That ſein Leid gemildert zattin ver⸗ und ſeinen Zorn beſänftigt, denn bald darauf ſchlug er wie⸗ reiſen— der den Weg zu ſeiner Wohnung ein und ſchien nach jenem 1 ghems der Orte, wo ihn ein ſo bitterer Schlag getroffen, zurückkehren zu wollen. Indeſſen der Graf ging an ſeiner Wohnung die Duena vorüber und klopfte an das Mägdehaus. Niemand konnte 1, was ſie* errathen, was er dort thun wollte, allein an dem mißgün⸗ ſtigen Ausdrucke ſeines Geſichtes hätte man faſt vermuthen h regungs⸗ ſollen, daß er nichts Anderes beabſichtige, als Clara mit ſeinem Zorn zu überſchütten; allein dazu war der Graf or ſich hin, wiederum zu rechtſchaffen und edel. Vielleicht trieb blinde Gedanken Eiferſucht ihn an wenigſtens die Urſache ſeines Unglücks und der Bitterkeit ſeines Lebens kennen zu lernen, viel⸗ er ſein Ge⸗ leicht hatten ihn aufs Neue folternde Zweifel übermannt inen Mund und ihn angeſpornt mit eignen Augen zu unterſuchen, ob em Innern unter den Worten der Duena ſich nicht ein ſchnöder Be⸗ Stirn und trug verberge. adurch ver⸗ 7* ——— ——— .——— Die hölzerne Clara. Wie dem auch ſei, als die Schließerin ihm geöffnet, verlangte er in gebieteriſchem Tone die Mutter zu ſprechen. Die Schließerin führte ihn zum Sprachzimmer und eilte dann nach dem Hintergebäude, wo die Mutter beſchäf⸗ tigt war, Arbeiten unter den Mädchen auszutheilen. Sie ließ ihre Beſchäftigung im Stiche und eilte nach dem Sprach⸗ zimmer, ohne zu vermuthen, wer dort ihrer warte. Als ſie den Grafen erkannte, erſchrak ſie ſichtlich, und eine ängſt⸗ liche Bläſſe überflog ihr Geſicht. — Frau, ſprach der Graf d'Almata mit bitterm Lä⸗ cheln, meine Gegenwart überraſcht Euch und läßt Euch zittern, wie es ſcheint. Geht, ruft das Mädchen, die höl⸗ zerne Clara; ich will ſie ſehen! Nun fing die bange Mutter in der That zu zittern an und murmelte eine unverſtändige Antwort. — Wie? fuhr der Graf fort, iſt es vielleicht nöthig, Frau, daß ſich die Vorſteher des Hauſes wegen der Sache bemühen? Verlangt Ihr ein ausdrückliches Gebot von ihnen? — Ach, nein, nein! flehte die Mutter. — Sputet Euch alſo und erfüllt mein Verlangen. — Ja, ja, Herr Graf, ſtammelte die Mutter ganz verblüfft, ich glaube ſie iſt ausgegangen, ich will ſehen! — Ihr wollt mich hintergehen, Frau, rief der Graf zornig; Ihr möchtet es bereuen. Seufzend verließ die Mutter das Zimmer und begab ſich nach dem Hintergebäude, von wo ſie bald darauf mit Clara zurückkehrte. Graf ſo ve freun len; 2 antwo zimme mit de walt; allein Frau C blickte Augen Zorne ſes en wie au Ergriff blauen derſtehl der bel Kinder geöffnet, ſprechen. ner und beſchäf⸗ n. Sie Sprach⸗ te. Als ne ängſt⸗ term Lä⸗ ßt Euch die höl⸗ ittern an t nöthig, er Sache bot von ungen. tter ganz ehen! der Graf nd begab rrauf mit Die hölzerne Clara. — Claara, ſprach ſie unterwegs zu ihr, da iſt der Graf d'Almata, der Mann Deiner Beſchützerin. Er ſieht ſo verdrießlich aus und iſt ſo zornig! Du mußt recht freundlich gegen ihn ſein, hörſt Du Kind! — Ja, Mutter, meine Beſchützerin hat es mir befoh⸗ len; allein ſie hat geſagt, er ſei ſo gut? Die Mutter hatte nicht Zeit auf dieſe Bemerkung zu antworten, denn ſchon ſtand ſie auf der Schwelle des Sprach⸗ zimmers. Sie führte Clara zu dem Grafen hin und blieb mit dem feſten Entſchluſſe, weder der Bitte, noch der Ge⸗ walt zu weichen, wenn der Graf verlangen ſollte, mit Clara allein gelaſſen zu werden, an der Thüre ſtehen; die bange Frau fürchtete, der Graf möchte das arme Kind mißhandeln. Clara blieb ſchweigend vor dem Grafen ſtehen und blickte ihm mit ihrem gewöhnlichen ſanften Lächeln in die Augen. Der Graf hatte das Kind anfangs mit finſterem Zorne betrachtet, kaum hatte er indeſſen den Eindruck die⸗ ſes engelſchönen Geſichts empfunden, als in ſeinem Herzen wie auf ſeinem Antlitze eine plötzliche Verwandlung eintrat. Ergriffen und erſtaunt ſtarrte er auf die beiden himmel⸗ blauen Perlen, auf das zarte Mündchen, was ein unwi⸗ derſtehliches Zauberlächeln umſpielte. Er, der erzürnte, der beleidigte Gatte, mußte ſich beugen vor der Macht eines Kinderauges! Indeſſen war es Clara' reine Schönheit nicht allein, die hier ein Wunder vollbrachte: etwas Anderes machte den Grafen vor Rührung zittern und ſein Auge in Freude Die hölzerne Clara. glänzen. Das Mädchen glich ihrem Vater: aus dieſen reinen und edlen Zügen flehte der ſelige Lanceloot um Mitleid für ſein Kind, um Gnade für ſeine Verlobte! Der Graf ſah ſeinen Buſenfreund vor ſich ſtehen, es war ſeine theure Stimme, die in ſeinem Ohre wiederklang und nun war es ihm nicht mehr möglich, ſein Auge von den Zügen abzuwenden, in welchen er, wie in einem offenen Buche, die ſchönſten und glücklichſten Stunden ſeines Lebens aufge⸗ zeichnet fand. Nicht mächtig dem in ſeinem Herzen aufwallenden Ge⸗ fühle länger zu widerſtehen, gab er der Mutter ein Zeichen ſich zu entfernen. Die aufmerkſame Frau erkannte, daß jetzt alle Gefahr vorüber war; ſie hatte innerlich gejauchzt über die Verwandlung des Grafen, den ſie durch Clara's ſüßen Zauber beſiegt glaubte. Nun verneigte ſie ſich ehr⸗ erbietig und verließ das Zimmer. Sobald Graf d Almata ſich allein befand, überließ er ſich ganz dem Gefühl, was ſich ſeiner bemächtigt hatte; er führte die rechte Hand an die Augen und mit der Linken die Hand Clara's faſſend, vergoß er in der Stille eine Fluth von Thränen, die ſeinen Buſen von all dem Weh zu ent⸗ laſten ſchienen, was ſich darin aufgehäuft hatte. Unter⸗ deſſen ſtreichelte das Kind, in der augenſcheinlichen Abſicht, den leidenden Mann zu tröſten, ſeine Hand. Der Sturm im Herzen des Grafen beruhigte ſich all⸗ mälig, Er betrachtete das Kind auf's Neue; allein dies⸗ mal war ſein Geſicht von Freude erhellt und ſchien dem ſüßen Lächeln auf Clara's Lippen zu entſprechen. derde betras das F mir g gern S freund tet G A ihn ge rer Fr Die T entloch U mit ih nor ih heit ve Hals! chelndſ geliebt ſehen! Graf. 3 dieſen oot um te! Der var ſeine ind nun n Zügen uche, die 3 aufge⸗ den Ge⸗ Zeichen ite, daß gejauchzt Clara's ſich ehr⸗ herließ er atte; er r Linken ne Fluth zu ent⸗ Unter⸗ Abſicht, ſich all⸗ lein dies⸗ hien dem Die hölzerne Clara. — Ach, liebes Kind, ſprach er in ziemlich gutem Nie⸗ derdeutſch, Du kennſt mich alſo, daß Du mich ſo freundlich betrachteſt? — Seid Ihr nicht der Graf d'Almata? antwortete das Kind; meine Beſchützerin liebt Euch ſo ſehr und hat mir geſagt, daß Ihr ſo gut ſeid! Muß ich Euch da nicht gern ſehen, Herr Graf? Senor d'Almata hob das Kind auf ſeine Kniee und es freundlich liebkoſend, fragte er: — Kennſt Du Deinen Vater? — Mein Vater iſt im Himmel, ſeufzte Clara, er bit⸗ tet Gott für mich..... ich habe ihn nicht geſehen. Aber ich, antwortete der Graf ſeufzend. Ich habe ihn geſehen und gekannt, liebes Kind, er war mir ein theu⸗ rer Freund und Bruder. Ich habe ihn geliebt, ach ſo ſehr! Die Thränen, die ich jetzt vergoß, haſt Du meinen Augen entlockt, denn Du gleichſt ihm wunderbar! Unter den Liebkoſungen des Grafen war Clara ſchnell mit ihm vertraut geworden. Als ſie hörte, daß der Se⸗ nor ihren Vater geliebt hatte, da war alle ihre Schüchtern⸗ heit verſchwunden. Sie ſchlang ihre Aermchen um ſeinen Hals und ihn auf die Wange küſſend, ſagte ſie im ſchmei⸗ chelndſten Tone ihrer Stimme: — Möge Gott Euch lohnen, daß Ihr meinen Vater geliebt habt.... darum werde ich Euch auch ſtets gern ſehen! — Kennſt Du wenigſtens Deine Mutter? fragte der Graf. ——— Die hölzerne Clara. Clara ſenkte das Haupt und antwortete nicht. — Anbetungswürdiges Kind! rief d'Almata mit Ent⸗ zuͤcken; dieſes Geheimniß willſt Du nicht verrathen; aber lügen kann Dein reines Herz auch nicht. Nein, nein, ſage es keinem Menſchen auf der Erde! — Ha! Du ſollteſt unglücklich ſein? Ich ſollte die Stimme Deines Vaters überhören, ſeine Bitte verwerfen ... mein Leben durch Gewiſſensbiſſe vergiften? Undank⸗ bar ſein und Liebe mit Haß belohnen?... Kind, Kind danke Gott in Deinen reinen Gebeten. Dein ſüßes Lä⸗ cheln hat zwei Menſchen vom Tode errettet; zwei Menſchen, von denen Einer Dir theuer iſt und der Andere Dir theuer werden ſoll durch ſeine Wohlthaten..... Fühlſt Du in der That eine Neigung mich zu lieben, Clara? — Ach, fragt das nicht, Herr Graf; ſeid Ihr nicht der treueſte Freund meiner Beſchützerin— muß ich Euch alſo nicht lieben? Und Ihr ſeid ſo gut und freundlich ge⸗ gen ſie, wie ſie immer ſagt! Darum werde ich Euch auch immer gern ſehen. 4 Der Graf betrachtete das Kind ſchweigend. Ein un⸗ beſchreiblich ſeliges Lächeln glänzte auf ſeinen Zügen, und er liebkoſte das Kind nicht blos mit Freundſchaft, ſondern ſelbſt mit Dankbarkeit. Den Troſt, den er durch die Um⸗ wandlung ſeiner Gedanken genoß, das Glück, das er in ſei⸗ nen edelmüthigen Entwürfen fand, die ſein Leben in einen Himmel des Friedens und der Liebe umſchaffen konnten— alle dieſe Gefühle ergoſſen ſich wie ein erquickender Strom über ſein Herz, und mit einer gewiſſen Bewunderung blickte — er au beklen 9 2 geſpr ſtrahl Kuß verda was! noch Geh Du ſ 2 gehein die ni ihr ge ihn la hin, Küſſe C laſſen Mitte ſterſtre des E er gen genhei Mägd nit Ent⸗ n; aber n, ſage llte die rwerfen Undank⸗ „Kind ßes Lä⸗ enſchen, r theuer u in der hr nicht ch Euch dlich ge⸗ uch auch Ein un⸗ en, und ſondern die Um⸗ r in ſei⸗ in einen nten— Strom g blickte — Die hölzerne Clara. er auf das einfache Kind, was dieſen ſüßen Balſam in ſeine beklemmte Bruſt ergoſſen hatte. Als wenn eine Stimme in ſeinem Innern plötzlich geſprochen, ſtand er auf und ſprach zu Clara: — Nan könnte ſich Tage lang mit Dir unterhalten, ſtrahlende Maid! Komm, damit ich Dir einen herzlichen Kuß gebe: vielleicht werde ich Dir Friede und Glück zu verdanken haben.— Aber Du wirſt Nichts ſagen von dem, was hier geſchehen iſt, nicht wahr? Komm, umarme mich noch einmal, hoffentlich wird es das letzte Mal nicht ſein. Geh nun ruhig wieder an Deine Arbeit und ſage Nichts: Du ſollſt glücklich werden, Clara. Der Graf verließ das Zimmer und ſprach noch einige geheimnißvolle Worte mit der Mutter des Mägdehauſes, die nicht ohne Angſt an der Thür wartete. Was der Graf ihr geſagt, mußte ſie ſehr erfreut haben, denn ſie grüßte ihn lachend und fröhlich und eilte dann jauchzend zu Clara hin, die ſie vom Boden aufhob und in höchſter Freude mit Küſſen bedeckte. Graf d'Almata hatte ſich unterdeſſen die Thüre öffnen laſſen und eilte jetzt mit verdoppelten Schritten nach der Mitte der Stadt. Bald darauf befand er ſich in der Klo⸗ ſterſtraße; und ſpäter ſahen ſeine Bekannten ihm die Treppe des Stadthauſes hinaufſteigen. An dieſem Tage mußte er gewiß an vielen Orten geweſen ſein und eilige Angele⸗ genheiten erledigt haben; er war zum zweiten Male im Mägdehauſe geweſen, gleichwohl aber noch immer nicht in Die hölzerne Clara. ſeine Wohnung zurückgekehrt............. Es war gegen vier Uhr Nachmittags; die Gräfin ſaß ganz abgemattet, ausgeweint und niedergedrückt in ihrem Seſſel; die Duena betete in geringer Entfernung ihren Roſenkranz. Im Herzen der Senora wohnte jetzt zwar weniger Schreck, allein deſtomehr Verdruß; ſie hatte von Ines ver⸗ nommen, daß der Graf der Wahrheit Glauben geſchenkt hatte und daß er nun nicht mehr von dem peinlichen Ge⸗ danken verfolgt ward, daß ſie ihm untreu geweſen, allein ſie dachte, daß er ſie verlaſſen und allein nach Spanien abrei⸗ ſen wolle. Da ſie ihren Gatten feurig liebte und ſowohl durch die Bande der Dankbarkeit, wie der Zuneigung an ihn gefeſſelt war, ſo war dieſe Gewißheit ihr ein harter Schlag, deſſen ſie mit duldender Angſt harrte, wie Jemand, der ſich zerſchmettert unter das Schickſal beugt. Während ſie im Innern über den Verluſt alles Deſſen, was ihr theuer war, weinte und trauerte: den Verluſt ih⸗ rer Ehre, ihres theuern Gatten, während ſie bei dem Ge⸗ danken zitterte, daß er in ſeinem Zorne vielleicht Worte ge⸗ ſprochen haben könnte, die ſie und ihr Kind der öffentlichen Schmach preisgeben könnten, während ſie ganz in dieſe trüben Betrachtungen verſunken war, öffnete ſich plötzlich die Thür und Graf d'Almata erſchien im Zimmer. Mit einem lauten Schrei ſprang die Senora von ihrem Stuhle auf, ſank auf die Kniee nieder und rief mit erhobenen Händen: gehan willen Gutd entfer grauſ ſein, Caliſt opferr ſo wil Z vom? S ſehr, unglä wahnſ Ihr h 2 Halſe ziehen Ich w chen C T lichem Stuhl Hand. Die hölzerne Clara. 107 ..— Gnade, Gnade, Graf d'Almata! Ich habe übel . gehandelt, ich bin ſchuldig, verdiene Eure Rache, Euren Un⸗ in ſaß willen, Euren Haß. Ach! handelt mit mir nach Eurem ihrem Gutdünken. Aber, bei dem bittern Leiden unſers Herrn, ihren entfernt mich nicht aus Eurer Nähe, laßt mich nicht ſo grauſam ſterben! Laßt mich Eure Magd, Eure Sklavin veniger ſein, nur erlaubt, daß ich Euern Fußſtapfen folge! Caliſto, es ver⸗— Caliſto, verſtoßt mich nicht! Ich werde Euch mein Kind ſchenkt opfern... und, wenn Gott mir die Kraft dazu verleihet, n Ge⸗ ſo will ich es ganz vergeſſen, um meine Schuld zu büßen..... lein ſie Der Graf ließ ihr nicht Zeit fortzufahren; er hob ſie abrei⸗ vom Boden auf und küßte ſie ſchweigend auf die Stirn. ſowohl Dieſer Beweis von Liebe überraſchte die Senora ſo ing an ſehr, daß ſie faſt ohnmächtig an die Bruſt ihres Gatten ſank. harter— Ach, habt Mitleid mit mir..... rief ſie, ihm mit mand, ungläubigen Erſtaunen in die Augen blickend,... ich werde wahnſinnig.... aber nein, Ihr ſeid es, Caliſto.... und deſſen, Ihr haßt mich nicht, Ihr lacht mir entgegen.... uſt ih⸗ Beklemmt und von Seligkeit faſt erſtickt, hing ſie am n Ge⸗ Halſe ihres Gatten, der ſie liebevoll betrachtete. tte ge⸗— Dank, Dankl ſeufzte ſie. Ihr habt mir alſo ver⸗ tlichen ziehen? Ihr achtet mich noch Eurer Freundſchaft würdig? dieſe Ich will Euch lieben— anbeten wie das Bild der göttli⸗ lötzlich 8 chen Güte. Ach, Caliſto, ſeid geſegnet! Der Graf faßte den Arm der Senora und ſie mit zärt⸗ ihrem lichem Lächeln zum Fenſter führend, deutete er dort auf einen f mit Stuhl, nahm neben ihr Platz und ergriff auf's Neue ihre Hand. Die hölzerne Clara. Ich habe einen tödtlichen Kummer ausgeſtanden, es iſt wahr, ſprach er: ein gräßlicher Verdacht hat mir das Herz zerriſſen— Niemand weiß was ich gelitten habe; denn ich liebe Euch, theure Catalina, und ich dachte..... doch ich hatte Unrecht; ſprechen wir nicht mehr davon. Es iſt mir heute ein Glück wiederfahren, was mich auf den Gipfel der Freude erheben würde, wenn Euer eigner froher Blick dazu nicht hinreichend wäre. — Ein Glück? fiel die Gräfin ihm in das Wort, ein Glück, Euch, Caliſto? o dafür ſei Gott gedankt! — Hört, fuhr der Graf mit geheimnißvollem doch fröh⸗ lichem Tone fort; Ihr wißt wohl, Catalina, daß mein Bru⸗ der mit ſeiner Gattin an blutigem Tage der ſpaniſchen Furie in ſeinem Hauſe verbrannte. Ihr Kind war nach der Aus⸗ ſage einiger Nachbarn gleichfalls in den Flammen umgekom⸗ men; allein Ihr erinnert Euch wohl, daß Andere behaupte⸗ ten, daß ein ſpaniſcher Soldat das Kind aus den Flammen gerettet habe? Bei dieſer Frage ſchüttelte die Gräfin das Haupt als wenn ſie ſagen wollte:— Ich erinnere mich deſſen nicht. Vielleicht habt Ihr es vergeſſen, fuhr der Graf fort. Ihr wißt, Catalina, wie ich meinen Bruder geliebt habe, daher wer⸗ det Ihr auch begreifen, welche Freude mich erfüllt, da ich heute durch einen Zufall das Kind meines Bruders entdeckt habe. — Das Kind Eures Bruders? rief die Gräfin als ob ſie an der Wahrheit dieſer Nachricht zweifelte. — Das Kind Senor Alonzo's? wiederholte die er⸗ ſtaunte Duena. d'Aln bleib⸗ daten im B hört Der die T rief d Enge Geſet die S d'Aln Hauſt bereit laſſen Oeffer ihre d ſie get burt. daß f ich, de Ihr n nicht lieben I, es iſt as Herz denn ich doch ich iſt mir pfel der ick dazu ort, ein ih fröh⸗ in Bru⸗ en Furie er Aus⸗ ngekom⸗ haupte⸗ lammen upt als n nicht. -rt. Ihr her wer⸗ ch heute kt habe. als ob die er⸗ Die hölzerne Clara. — Ja, ja, antwortete der Graf, das Kind Don Alonzo d'Almata's, meines ſeligen Bruders— und kein Zweifel bleibt mir übrig: ich habe das Zeugniß des ſpaniſchen Sol⸗ daten durch Schöffenbriefe beſtätigen laſſen, und bin zudem im Beſitze anderer unwiederleglicher Beweisſtücke. Und nun, hört aufmerkſam auf das, was ich ſagen werde, Catalina.— Der Himmel hat unſere Ehe mit keinen Kindern geſegnet; die Tochter meines Bruders......— Es iſt eine Tochter? rief die Gräfin. — Ein allerliebſtes Kind, ſchön und lieblich wie ein Engel! antwortete d'Almata. Sie iſt nach Recht und Geſetz meine einzige Erbin. Da ſie nun bisher nicht die Sorgfalt genoſſen hat, welche dem letzten Sproſſen der d'Almata geziemt, ſo bin ich Willens das Kind in meinem Hauſe, unter meinen Augen zu erziehen. Ich habe auch bereits gehörigen Ortes eine Adoptionsurkunde ausfertigen laſſen. Sie wird mein Kind und meine Erbin...... Oeffentlich und mit dem größten Geräuſche will ich ſie in ihre Familie zurückführen, von welcher ein trauriges Unglück ſie getrennt hat: ſo ſoll Jeder ſie ehren nach ihrer hohen Ge⸗ burt. Ich hoffe, theure Catalina, daß Ihr geſtatten werdet, daß ſie Euch als Mutter liebe; was mich betrifft, ſo will ich, daß ſie mir ſtets den Vaternamen gebe. Nicht wahr, Ihr werdet das arme Kind um meinetwillen lieben? — Ach, daß es komme! antwortete die Gräfin, jedoch nicht ohne eine gewiſſe Niedergeſchlagenheit; ich werde es lieben weil es von Eurem Blute iſt. Die hölzerne Clara. — Catalina, ſprach der Graf leiſe, ich weiß welcher Gedanke Euch betrübt; doch dafür ſoll auch Rath geſchafft werden: ich werde Euch helfen. Wir wollen gemeinſchaft⸗ lich für das Glück Derer wirken, die Einem von uns Beiden theuer ſind. So iſt es gut, nicht wahr? — O habt Dank, habt Dank! ſeufzte die Gräfin wäh⸗ rend ihre Augen voll Freude glänzten. — Wohlan, ſprach der Graf aufſtehend mit feierlicher Stimme, dies ſei das Pfand unſerer Verſöhnung und un⸗ ſerer Liebe. Ich ſchenke Euch das Kind meines Bruders. Werdet ſeine Mutter, wie ich ſein Vater ſein will; es iſt ein ſchönes Band zwiſchen uns, Catalina. Bei dieſen Worten reichte er der Gräfin ein Perga⸗ ment, an welchem große, rothe Siegel hingen. — Es iſt ſchicklich daß eine Mutter weiß wie ihr Kind heißt, ſetzte er hinzu. Mit Neugierde, doch ohne Haſt entfaltete die Gräfin das Pergament; kaum hatte ſie indeſſen einen Blick darauf geworfen, ſo entfloh ein lauter Schrei ihrer Bruſt. — Clara! meine Clara ſoll Euer Kind ſein! rief ſie aus indem ſie vor dem Grafen auf die Kniee niederſank, Gott, es iſt zu viell!.. Mehr konnte ſie nicht ſagen; kraftlos und ohnmächtig ſank ſie in die Arme ihres Gatten, der ſie vom Boden auf⸗ gehoben hatte. Die Duena ſtand neben dem Grafen und küßte weinend ſeine Hand. ( Clar⸗ dieſe Ausl war ihr T Freut in C zu fi nunj heimn ſeiner und einer; Zuden durch der T der Y wenn hatte geſche Verſch Verla heimn lieber armen welcher geſchafft nſchaft⸗ Beiden in wäh⸗ ierlicher ind un⸗ zruders. ; es iſt Perga⸗ hr Kind Gräfin darauf rief ſie derſank, mächtig en auf⸗ veinend Die hölzerne Clara. VIII. Es war ein edler und glücklicher Gedanke des Grafen, Clara für das Kind ſeines Bruders auszugeben. Auf dieſe Weiſe entſchlüpfte die Thatſache der Adoption allen Auslegungen, die Ehre ſeiner Gattin jedem Verdacht. Es war ihm auf dieſe Weiſe möglich geworden die Senora und ihr Töchterchen glücklich zu machen, dem Gedächtniſſe ſeines Freundes Lanceloot ein dankbares Opfer zu bringen und in Catalina'’s grenzenloſer Liebe ſelbſt einen reichen Lohn zu finden. Nach zehnjährigem Kummer und Zweifel ging nun für ihn ein frohes und friedliches Leben auf, kein Ge⸗ heimniß, wie eine unheilvolle Scheidewand, zwiſchen ihm und ſeiner Gattin, keine Trauer, keine Verzweiflung mehr: Liebe und Dankbarkeit ſollten ſeine Bahn künftig mit Blumen einer zärtlichen Vertraulichkeit und der Lebensfreude ſchmücken. Zudem hatte der Himmel ihm ein Kind geſchenkt, was durch zarte Bande mit ihm verknüpft war, und was er in der That bereits wie ein Vater liebte. Der Graf war nicht der Mann um Etwas halb ausgeführt zu laſſen, namentlich wenn Edelmuth und Güte dabei im Spiele waren. Er hatte Anna Canteels und ihrem Manne eine gute Leibrente geſchenkt, um damit ihre zuſtimmende Erklärung wie ihre Verſchwiegenheit zu erkaufen; dieſe Leibrente ſollte nach Verlauf von zehn Jahren verdoppelt werden, wenn das Ge⸗ heimniß von Clara's Geburt bis dahin ſtreng bewahrt ge⸗ blieben ſei. Uebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß dieſe armen Leute dem Grafen in allen Stücken zu Willen waren, 112 Die hölzerne Clara. um ſo mehr da das, was er von ihnen verlangte, allein die Ausführung einer guten That bezweckte. Demgemäß er⸗ klärten ſie vor den Schöffen der Stadt Antwerpen, daß Clara das Kind Don Alonzo d'Almata's ſei und ließen darüber in Gegenwart des Grafen eine Urkunde aufnehmen, in welcher die Waiſe den Namen Brigita Clara Juana Condeſſa d'Almata empfing. Dies Alles war indeſſen noch nicht genug. Un das Ereigniß dieſer wunderbaren Wiederauffindung über jeden Zweifel und jede böswillige Auslegung zu erheben, hatte der Graf Sorge getragen, daß die Geſchichte mit allen ihren Einzelnheiten in der ganzen Stadt bekannt wurde.— Und hätten die hundert und aber hundert Stimmen, die dieſe Neuigkeit vom Mägdehauſe aus verbreiteten, nicht genügt die Geſchichte zum Stadtgeſpräch zu machen, ſo würden die vom Grafen angewandten Mittel dieſen Zweck ſchon allein erreicht haben. Kein Wunder alſo, daß man in der ganzen Stadt von Nichts als von dem ſeltſamen Schickſal der hölzernen Clara ſprach und daß Hunderte, und darunter Leute aus den höchſten Ständen, in der Hoffnung das Kind zu ſehen, im Mägde⸗ hauſe einen Beſuch abſtatteten. Sie ſahen ſich indeſſen alle in ihrer Erwartung getäuſcht, denn das Kind war bereits auf Befehl des Magiſtrates ihrem angeblichen Oheime, dem Grafen d Almata übergeben worden. Um allen Antworten auf unbeſcheidene oder neugie⸗ rige Fragen zuvorzukommen, gebrauchte man überdies die Vor 1 Gru Man dieſe gegeh eine erhal beder und hatte Silb Arbei war die h unter G. 2 durch Morg Clara Ander im Ar auf u⸗ 1 beſchei welche arbeit Die allein die emäß er⸗ den, daß nd ließen fnehmen, Juana Un das her jeden u, hatte en ihren — Und die dieſe genügt rden die n allein adt von n Clara höchſten Mägde⸗ ſen alle bereits ne, dem neugie⸗ ies die ——————————————— Seit drei Tagen bereits war Feſt im Mägdehauſe. Auf Grund dieſes ſonderbaren Ereigniſſes ſahen die Vorſteher Manches durch die Finger und geſtatteten der Mutter in dieſer Woche nicht allzuſehr auf das Vollbringen der auf⸗ gegebenen Arbeit zu dringen. Jede Waiſe hatte vom Grafen eine Wohlthat oder von Clara ein Geſchenk zum Andenken erhalten. Die Sparbüchſe einer jeden Waiſe war mit einer bedeutenden Gabe bedacht worden; die Zukunft der Mutter und ihres Mannes war gleichfalls geſichert. Außerdem hatte man jede Waiſe noch mit einigen kleinen Gold⸗ oder Silberſachen beſchenkt, die ſie entweder bei ihrer täglichen Arbeit oder ſpäter zu ihrem Putze benutzen konnte. Es war indeſſen nicht die Freude über dieſe Geſchenke allein, die heute eine ſolche Lebendigkeit und ſelbſt Ausgelaſſenheit unter den Waiſen erzeugte. Die Aelteſten und Geſchickteſten, unter denen ſich Trees durch ihr lautes Weſen bemerkbar machte, waren am frühen Morgen damit beſchäͤftigt auch ihrerſeits ein Andenken für Clara zu verfertigen;— die Freude und Neugierde der Anderen war Urſache, daß jetzt nicht gerade ſehr viel Zucht im Arbeitsſaale herrſchte, denn alle Augenblicke ſtanden ſie auf um zu ſehen wie weit die Arbeit ſchon gediehen ſei. Und in der That war es wohl der Mühe werth dieſes beſcheidene Pfand der Liebe und Dankbarkeit zu ſehen, an welchem ſo viele arme Mädchen mit dem Schweiße der Haſt arbeiteten. Trees hatte die Worte erdacht und Meiſter Die hölzerne Clara. 8 Die hölzerne Clara. Jan van der Rozier den Patron gezeichnet. Es war ein Prachttuch in welchen neben einigen leichten Verzierungen folgende Worte in buntfarbiger Seide und Gold⸗ und Sil⸗ berdrath geſtickt waren: GEFERTIGT ZUR EHRE DER DONA BRIGITA CILäARA JOANNA GRAFIN d'AI. MATA VON IHREN VORIGEN GENOSSINNEN UND NUN UNTERTHANIGEN DIENERINNEN DEN WaAISEN AUS DEM MAGDEHAUSE ZU ANTWERPEN 1589. GOTT GEBE IHR GLUCK AUF ERDEN UND NACHMALS DIE EWIGE SEI.IGKEIIT. AMEN. Gegen zehn Uhr Vormittags rief Trees mit lauter Stimme: — Heil, Heil! Schweſtern, es iſt gethan! Noch etwas ausbeſſern und ſäubern und wir trennen es vom Rahmen! Ein allgemeines Freudengeſchrei begrüßte dieſe frohe Kunde. Trees ließ die Anderen die letzte Hand an das Werk legen und eilte zur Thür. — Ha, Hal rief ſie aus, da kommt der Gärtner von Terzieken zur guten Stunde! Seht nur, drei Körbe voll Blumen! Die Blumen nun, die Blumen! Drei Körbe voll Blumen wurden in das Zimmer ge⸗ bracht und man fing an eine Menge kleiner Sträußer zu machen, was keineswegs ohne Wortwechſel und Lärm geſchah. Da es indeſſen nicht ſo gar ernſtlich gemeint war, ſo kam die Mutter nicht dazwiſchen; im Gegentheil ſah ſie Alles mit ein in Reil und gl langen Lebens lebendie liches? Mädch Schmu Ar Waiſer de Kwe Samm ſtimmte W ten, v Kutſche Vater Langſa ſtrömen Gaſthu Zug ſ Hauſe Thür d 3 war ein zierungen und Sil⸗ AILMATA IN 2U nit lauter och etwas Rahmen! eſe frohe das Werk rtner von örbe voll mmer ge⸗ äußer zu geſchah. „ſo kam ſie Alles Die hölzerne Clara. das mit fröhlichem Lächeln............... „FD................... e Eine halbe Stunde ſpäter ſtanden die Waiſen, jede mit einem Blumenſträußchen in der Hand, in der Hausflur in Reihen geordnet; ſie hatten ihre beſten Kleider angezogen und glänzten in Reinheit; ihre Herzen klopften, das Ver⸗ langen hatte ihre Wangen geröthet, ihre Augen funkelten in Lebensfreude. Fürwahr, die Blumen erbleichten vor dieſen lebendigen Roſen, denn der ſchönſte Strauß, den ein menſch⸗ liches Auge ſehen konnte, war gewiß dieſe Schaar junger Mädchen, deren natürlicher Zauber durch keinen fremden Schmuck vermindert oder verdüſtert ward. An der Spitze des Zuges ſtanden die vier älteſten Waiſen des Mägdehauſes:— Lange Mie, Trees, Geertruid de Kwezel und Anna Moeyal, die gemeinſchaftlich ein rothes Sammetkiſſen trugen, auf welchem das für Clara be⸗ ſtimmte Geſchenk ausgebreitet war. Während die Waiſen des Zeichens zum Aufbruche harr⸗ ten, vernahm man in der Gaſthuisſtraße das Rollen der Kutſchen und das Stampfen unruhiger Pferde.— Der Vater des Mägdehauſes warf jetzt beide Thüren weit auf. Langſam und gemeſſen zogen die Mädchen unter dem Zu⸗ ſtrömen einer großen Volksmenge, die einen guten Theil der Gaſthuisſtraße anfüllte und mit Gewalt vordrang um den Zug ſo nahe wie möglich vorüber ziehen zu ſehen, zum Hauſe hinaus. In demſelben Augenblicke war auch die Thür des nebenſtehenden Hauſes geöffnet, und Clara trat, 8* 116 Die hölzerne Clara. wie ein Edelfräulein in die köſtlichſten Stoffe gekleidet, an der Hand des Grafen und der Gräfin d'Almata heraus. Ihr folgten unter andern Bekannten und Freunden Schweſter Cathelyne aus dem Falconskloſter und Meiſter Huygens, der Organiſt der Hauptkirche. Man führte Clara zu den vier Mädchen, die ihr das Geſchenk der Waiſen überreichen ſollten. Während das Kind mit klopfendem Herzen das glänzende Tuch betrachtete, wollte Trees im Namen ihrer früheren Ge⸗ ſpielinnen eine Art Anrede an ſie richten; allein ſchon bei den erſten Worten verſagte ihr die Stimme und ſie brach in eine Fluth von Thränen aus. Dieſem Beiſpiele folgten nicht nur die drei anderen Geſchenkträgerinnen, auch Clara ſelbſt fing an zu weinen. Die Gräfin dankte den Mädchen für ihr freundliches Geſchenk und dachte durch Troſtgründe ihrer Trauer ein Ende zu machen. Indeſſen glückte es ihr nicht, denn man weiß, daß unter Frauen Nichts anſteckender iſt als Thränen. Zudem hatte Clara ſchluchzend Trees umarmt, und die anderen Waiſen hatten dieſes Schauſpiel mit tiefſter Rührung betrachtet. Auch ſah man im ganzen Zuge bald Nichts mehr als Schürzen, die langſam nach den Augen geführt wurden. Alle Waiſen hatten ihr Angeſicht verborgen und weinten im Stillen. Nach einigen Augenblicken glaubte der Graf, daß es Zeit ſei dieſen traurigen Liebesbezeugungen ein Ende zu machen. Er ſprach einige Worte zu Clara, führte ſie dann zum Wagen, der einige Schritte entfernt ihrer wartete, ſtieg mit der Gräfin gleichfalls ein, die Lakaien ſprangen hinten auf, der Kutſcher fuhr mit der Peitſche knallend durch die Luft.. tung nach B Ar Geſche ſo froh Beweiſ gehen f vor der ſchlagen hauſe; engelgle Vi der Fre Geldein Langen Trees“ Mann Liebfrau einige S ſchäftig ſtellen. bekannt unſchuld einmal eidet, an raus. Ihr Schweſter gens, der den vier en ſollten. glänzende heren Ge⸗ ſchon bei brach in e folgten ich Clara Mädchen oſtgründe tte es ihr ſteckender ĩd Trees iſpiel mit zen Zuge en Augen erborgen daß es Ende zu ſte dann ete, ſtieg n hinten zurch die Die hölzerne Clara. Luft....... und die Reiſenden verſchwanden in der Rich⸗ tung des Kaiſer⸗ oder Sent⸗Joristhores auf der Heerbahn nach Brüſſel. Arme Waiſen! ſie hatten mit ſo viel Freude an dem Geſchenke und den Blumenſträußen gearbeitet! Sie waren ſo froh in Ausſicht auf die Freude, welche Clara bei dieſem Beweiſe ihrer dankbaren Liebe finden würde...Und nun gehen ſie einſam dahin, das Herz voll Trauer, die Schürze vor den Augen! Nun kehren ſie ſchweigend und niederge⸗ ſchlagen nach Hauſe zurück um ihren Kummer im Mägde⸗ hauſe zu verbergen und in Freiheit über den Verluſt ihrer engelgleichen Gefährtin zu trauern! IX. Vierzehn Tage ſpäter wandelten die Mädchen während der Freiſtunde auf dem Hofe hin und her und ſchienen mit Geldeinſammeln beſchäftigt, denn jedes Mädchen, von der Langen Mie dazu aufgerufen, warf eine Kupfermünze in Trees Schürze. In der Mitte des Platzes ſtand ein alter Mann auf einer Leiter und arbeitete an einem ſteinernen Liebfrauenbilde. Die Zeit hatte es beſchädigt: es waren einige Stücke der Draperie abgefallen und er war damit be⸗ ſchäftigt, ſie in ihrer urſprünglichen Geſtalt wiederherzu⸗ ſtellen. Der greiſe Bildhauer mußte im Mägdehauſe ſehr bekannt ſein, denn die Mädchen tauſchten mit ihm allerlei unſchuldige Scherze und harmloſe Neckereien aus. Auf einmal entſtand in einer Ecke des Hofes ein heftiger Wort⸗ 118 Die hölzerne Clara. wechſel zwiſchen Lange Mie und Anna Moeyal über einen anſcheinend ſehr gewichtigen Streitpunkt, denn die anderen Mädchen fuhren mit großem Geſchrei dazwiſchen. Als die lärmenden Berathſchlagungen lange genug gewährt hatten, rief Trees endlich mit lauter Stimme: — Kommt, kommt, das währt noch bis Oſtern auf einen Freitag fällt! Was verſtehſt Du davon, Moeyal? Wir wollen nur gleich Meiſter Steven fragen, der ſoll uns ſagen ob es möglich iſt. Meiſter Steven wandte ſich auf ſeiner Leiter um, um Richter über den Zwiſt zu ſein, allein ihm tönten zu gleicher Zeit ſo viel verwirrte Fragen in die Ohren, daß er kein einziges Wort zu verſtehen vermochte. — Ho, Ho, Ihr ſeid alleſammt von der Tarantel ge⸗ ſtochen, daß weiß ich wohl, elſterſchwätzige Mädchen! rief er, während er mit beiden Händen am Geſicht vorüber fuhr als wenn er einen Schwarm Fliegen verjagen wollte; genug, genug! um Gottes willen, ſchweigt— oder ich bekomme den Schwindel und falle von der Leiter. Wollt Ihr denn den armen Steven Arm und Bein brechen ſehen? Hört auf, hört auf! Trees, lauter denn alle Anderen ſchreiend, behielt wie gewöhnlich zuletzt die Oberhand. — Nun laßt mich die Sache auslegen, rief ſie aus, und ſprecht dann wenn es Euch beliebt....... mit dem Schreien zu gleicher Zeit. — Du biſt die größte Schreierin von uns Allen, mur⸗ melte die Lange Mie, da iſt es freilich nicht leicht alle Zeit Recht zubehalt kannſt, den Bil von de allwöch dieſem laſſen. Maler nicht n zu ma M antwor ſo mög paun! des G mal ei es iſt geweſer Mieker D Mie, i ganz b zu, ſe ber einen e anderen Als die rt hatten, oſtern auf Moeyal? r ſoll uns im Richter eicher Zeit n einziges rantel ge⸗ u! rief er, rfuhr als ; genug, bekomme Ihr denn Hört auf, behielt wie ff ſie aus, mit dem llen, mur⸗ Zeit Recht Die hölzerne Clara. zubehalten. Sieh nur zu daß Du die Wahrheit ſagen kannſt, wenn dies möglich iſt! — Hört, Meiſter Steven, wandte Trees ſich nun an den Bildhauer, ſagt Ihr lieber ob es ſein kann. Wir haben von den Herren Vorſtehern Erlaubniß erhalten unter uns allwöchentlich eine Pfennigſammlung zu veranſtalten um mit dieſem Gelde das Portrait von der hölzernen Clara malen zu laſſen. Clara iſt nun nach Spanien gereiſt, und nie hat ein Maler ſie gekannt. Lange Mie behauptet, daß ein Maler nicht nöthig hat Jemand geſehen zu haben um ſein Conterfei zu machen. Iſt das wahr? Meiſter Steven brach in ein lautes Gelächter aus und antwortete: — Ja, ja, es iſt möglich.... — Seht Ihr wohl! rief Lange Mie triumphirend. — Ja, ja, fuhr der alte Bildhauer ſpottend fort, es iſt ſo möglich, wie es möglich iſt, daß ich heute Abend den Ka⸗ paun verſchmauſe, der in dieſem Augenblicke in der Küche des Großtürken am Spieße ſteckt! Lange Mie, Du mußt mal eilig einen neuen Henkel an meinen Mantel ſetzen.... es iſt wahr, ich bin in meinem Leben keinen Mantel reich geweſen; allein dies thut doch wohl Nichts zur Sache, Mieken? Die Waiſen brachen, zum großen Aerger der Langen Mie, in ein lautes Gelächter aus, ſo daß dieſe erzürnt und ganz beſchämt davon eilte. — Seht Ihr nun wohl, rief Trees ihren Gefährtinnen zu, ſeht Ihr wohl, daß es nicht ſein kann? Wir haben 120 Die hölzerne Clara. ſchön Geld zu ſammeln um ein Portrait machen zu laſſen— und nun giebt es keinen Künſtler, der die hölzerne Clara gekannt hat! — Ho, ho, Trees, was ſagſt Du da? fragte Meiſter Steven; kein Künſtler der die hölzerne Clara gekannt hat?— und für wen oder für was ſeht Ihr mich denn an? Ich, der ich den ſchönen Altar in Eurer Kapelle ganz allein ge⸗ macht habe? — Aber Steven, Ihr macht doch keine Conterfei's? — Ho!l was keine Conterfei's? Es iſt was Schönes ſo ein rothes und blaues Geſchmier, was die Signors vom Pinſel ein Conterfei zu nennen belieben! Wenn Ihr mit der Hand darüber fahrt, ſo iſt es Nichts mehr als ein arm⸗ ſeliges Blendwerk. Sprecht mir aber von einem gehauenen Bilde! Das iſt Natur, Ihr könnt es ſehen, taſten und fühlen... ſeht, Ihr wißt, daß ich Clara's Kopf einſt in Thon nachgebildet habe, ich wollte ihn als Modell für den Engel benutzen, der auf Eurem Altar ſteht. Laßt mich ihr Bild in Holz ausführen? — In Holz! in Holz! riefen die Mädchen ſpottend. — Ja in Holz, ergriff Meiſter Steven wieder das Wort, Ihr ſcheint darüber zu lachen; aber, Kinderchen lieb, wo ſind denn Eure Sinne? Die hölzerne Clara von Holz iſt das nicht klar? Dieſes ſonderbare Wortſpiel verſchaffte dem Bildhauer den Sieg. Man übertrug ihm die Anfertigung einer Statue Clara’s in Holz und er bedung vorläufig den Preis. laſſen— ne Clara 2 Meiſter hat?— in? Ich, allein ge⸗ fei's? Schönes ors vom Ihr mit ein arm⸗ hauenen ſten und einſt in für den mich ihr vottend. der das nerchen ara von ldhauer Statue Die hölzerne Clara. Zwei Monate ſpäter kam Meiſter Steven eines Morgens in das Mägdehaus, die hölzerne Clara auf der Schulter. Das Bild des Meiſters Steven ſteht noch heute im Mägdehauſe links von der Thür und dient der Treppenlehne zum Pfeiler. Es ſteht auf derſelben Stelle wo die hölzerne Clara ſo oft während ihrer nächtlichen Wanderung ge⸗ ſeſſen hat. Druck von Fr. Nies in Leipzig. ———— — 5— 4— 4— 3—3*