— deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Gduard Oltmann in Gieſten, . Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih und Ceſebedingungen. 1 Ofensein der Bihliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und cgabe der Bücher jeden TDag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uihr offen. jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Uubekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Bu es, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterleg elche bei veſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 2. Lésepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von) wird. 5 2 4. Aement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden „ und, beträgt 3* für wöchentlich 2 Bücheb: 4 Bücher: 6 Bücher:*„ auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf 1 M 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenerstz. 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Ihren Pferden die Sporen ein⸗ drückend, gab ſie eine donnernde Salde un⸗ ter den Haufen, und den erſten Moment der Ueberraſchung benutzend, galoppirten ſie die Straße hinab, dem nächſten Thore z Unter lautem„Hoh! hollah! haltet die Teu⸗ 8— felsbrut!“ ſtürzten die Diener der Shtig⸗ Volksmenge folgte. Kurz vor „ entgegen trabende Reiter, welche ihnen ihre Klingen entgegen ſtreckten. „Platz, Elende!“ rief Elviro mit ſeiner kräftigen Baßſtimme und brannte zugleich zwei Doppelpiſtolen ab, von deren Wirkung zwei derſelben von ihren Pferden herab ſan⸗ ken. Auch Apollonia warf mit ſicher ge⸗ ſandter Kugel einen Gegner aus dem Sat⸗ tel; die Andern prallten zurück. Kaum drei⸗ ßig Schritt waren unſere Helden vor ihren Verfolgern voraus als Elviro ſein Pferd anhielt und indem er es wandte, ſchwenkte er ſeinen Hut gegen die Menge, die eben am Thore ankam, und rief derſelben mit la⸗ chendem Tone ein ſpöttiſches:„Wünſche wohl zu leben!“ zu, dann aber ſprengte er ſeiner geliebten Apollonia nach und Beide verloren ſich bald zwiſchen hohen Kornfeldern und Gebüſchen.— Mehr denn zwanzig goloppirten ihnen nach, als man kei⸗ n den Entflohenen mehr ſah. Un⸗ usrufungen, die ihre Wuth und ——— —— —— *2 5 Entſchloſſenheit dem gaffenden Volke andet⸗ ten ſollte, ſprengten ſie zum Thore hinans in's Freie. Alle nahe liegenden Gebüſche Gebäude und Ortſchaften wurden revidirt, doch⸗ Alles vergebens, nicht einmal eine Spur war von den Flüchtlingen mehr zu ſehen, ſo daß ein alter Wachtmeiſter ſich vor die Stirn ſchlagend ausrief:„Hier iſt kein Zweifel, die verdammten Spitzbuben ſtehen mit dem Teufel im Bundel⸗ Dieſer neue Beweis der Dreiſtigkeit und Keckheit des gefürchteten Räuberhaupt⸗ manns machte allgemeines Aufſehen und man ſah mit mehr Beſorgniß und Beklemmung auf ihn und ſeine Leute, als auf die feind⸗ lichen Bewegungen der Türken. Elviro hatte indeß mit Apollonia die Gebirge erreicht, und trabte im Schutze der⸗ ſelben und der angebrochenen Nacht den fer⸗ nen Ruinen zu. In einem Thale unter ſchönen anmuthigen Bäumen hielten ſie ih⸗ re ermatteten Roſſe an, um ſie aus einem 6 in der Nähe befindlichen Quell zu tränken, und dann nach Belieben graſen zu laſſen. Sie ſelbſt ſtreckten ſich am Stamm einer Bu⸗ che nieder, und pflegten gleichfalls der Ruhe. Ein annäherndes Pferdegetrappel ſcheuchte ſie nach wenigen Minuten empor, wo⸗ rauf ſie eilends die Roſſe herbeizogen und ſich in den Sattel warfen. Unter einen dichten Trupp Buchen zurückgezogen, ordne⸗ ten ſie zu einem etwaigen Angriff ihre Waf⸗ fen, und erwarteten in Ruhe, was erfolgen würde. Immer deutlicher erſchallten die Hufſchläge und bald bemerkten ſie, wie meh⸗ rere Reiter einige Koppel Pferde nach dem Duell brachten, um ſie zu tränken. Nach iauer Beobachtung überzengten ſie ſich zu iKer Freude, daß es Leute ihrer Bande wa⸗ ven⸗ Schon auf zwanzig Schritt donnerte ihnen das fräftige„Wer da!“ des verwege⸗ nen Büchel entgegen, der nicht wenig jubel⸗ als er die bekannte Stimme des Haut⸗ ants vernahm, welcher ihm zur Autwort ſich nach vollbrachter Arbeit vernehmen, und es war ihnen, als ob das Wehen eins leiſen Südwindes eine ſelige Ruhe in ihre † Herzen gebracht hätte. Auch die noch vor⸗ gefundenen Schädel und Gebeine wurden geſammelt und verſenkt. Wynderbar im In⸗ nern erfreut kehrten ſie nach der kleinen Ein⸗ ſiedlerwohnung zurück. Faller kam nach einigen Tagen und überbrachte die Nachricht, daß der Advorat Jordan erſt nach Verlauf einer Woche von Wien abreiſen werde, da ihn die beabſich⸗ tigte Verbindung mit einer jungen Schönen, die aber ſehr arm ſei, feſſele. Doch ſei die ganze Stadt voll von dem Geſpräche, daß das liebenswürdige Mädchen bereits ander⸗ ſeits gewählt habe, und von ihren grauſa⸗ men Eltern und dem zudringlichen Jordan zu der Verbindung gezwungen werde Gbire bemühete ſich nun, die in weni gen Tagen völlig eingekleideten vierzig i er gehörig einzuexerziren, und die gen *. — itter hatte den Abend früher als gewöhn⸗ lich herbei geführt und die dichten, von 12. ten Burſchen lernten dieſes ſo leicht, daß ſie nach Verlauf von vierzehn Tagen manchem Rittmeiſter unſerer Zeit Ehre gemacht haben würden. Auch die muthigen Roſſe ſchlugen* gut ein, und vermehrten die Freude, welche die rege Liebe der Mannſchaft zum Dienſte in Elviros Bruſt geweckt hatte. Nachdem Faller nach einigen Tagen wieder nach Wien abgegangen war, kehrte er eines Morgens eilends zurück und meldete: daß der Advocat Jordan in einigen Tagen von Wien abge⸗ 3 hen werde und brachte ſogleich die beſtimmte Marſchroute des Federhelden mit. 2. Ein plötzlich heranſtürmendes Unge⸗ —— ſchwerer Luft umgebenen Wolken hatten den 15 Dennoch begann der wackere Reiter den Kampf, und ſank nach einer verzweifelten Ge⸗ genwehr von vielen Wunden bedeckt von ſei⸗ nem Roſſe herab. Im gleichen Augenblicke floz auch ein Wagen heran, der von vielen Rei⸗ tern umgeben war. Elviro und ſeine muthigen Burſchen fielen ſogleich darauf los, und wet⸗ terten mit ihren Schwertern drein, daß die Be⸗ deckung, von der Nacht begünſtigt, das Weite ſuchte und den mit Poſtpferden beſpann⸗ ten Wagen im Stich ließ. Die erſchro⸗ ckenen Poſtillons warfen ſich von den Pfer⸗ den herab und verkrochen ſich in dem nahen Gebüſch, wo ſie froh waren, ihre Haut in Sicherheit gebracht zu haben. Obgleich mit Leib und Seele an ſeinem Schatze hängend, ſuchte der in Todesangſt verſetzte Advokat aus dem Wagen zu kommen, und verließ ſeine jammernde junge Bre wie⸗ derholt um Schm cweitzer galoppirte er „ ven Flichting auf un ch dem Wagen 1 und zwang ihn mit vorgehaltener Piſtole, darin Platz zu nehmen. Ohne Zögern wurde nun der Wagen gewendet, und da einige Räuber die erledigten Plätze der Poſtillons eingenommen hatten, fuhr dieſer dem voran⸗ ziehenden Haufen nach. Schweitzer berich⸗ tete dem Hauptmann, daß der Wagen ihm wegen des ſchrecklichen Donnergetöſes zu ſchnell über den Hals gekommen wäre, und daß das Wiehern ſeines Pferdes ſein und ſeiner Kameraden Nähe verrathen habe. Zugleich habe man ihn angegriffen, und da er ſich mit den Seinen muthig gewehrt habe, mogten die Angreifer vermuthet haben, daß noch mehr Feinde in der Nähe ſein könnten und waren ſodann eilends mit dem Wagen in ihrer Mitte davongejagt. Da der ge⸗ ängſtigte Advokat mehrmals verſucht hatte, aus dem Wagen zu entwiſchen, ſo band ihm Büchel mit Hilfe eines andern Räubers die Hände und Füße z ammen. Im Strahl aufgehenden Morgenſpace wurden die und ſie ſchüttete das ganze Geheimuis ih⸗ res Schickſals in den Buſen ihrer zärtlichen Pflegerin aus. Das gute Weſen liebte einen jungen, aber unbemittelten Schreiber in Wien und nur die Härte ihrer Eltern und das Dazwiſchenkommen des Advokaten hatte das Glück ihrer Liebe geſtört. Von ſeligen Gefühlen wurde ihr Herz durchdrungen, als Elviro ihr die Verſicherung gab, daß er ſo⸗ fort ihren Geliebten hierher beſcheiden wolle und daß ihrer Verbindung mit demſelben nichts im Wege ſtände. Julia mußte einen Brief an ihren Geliebten ſchreiben, und am an⸗ dern Morgen ward Faller mit demſelben nach Wien abgeſendet. Dem wehklagenden Advokaten gab Elviro nach wenigen Tagen die Freiheit und ließ ihn mit verbundenen Augen bis zum Ausgang des Waldes führen. Außerdem, daß Elviro die Bande ale Tage einige Stunden in den Wuffen üben e, blieb dieſe in unthätiger Ruhe und 20 brachte die übrige Zeit des Tages in luſti⸗ ger Unterhaltung mit froher Laune zu. Aus einem benachbarten Marktflecken wurden ih⸗ nen von gewiſſen Vertrauten alle Nahrungs⸗ mittel bis zu einer beſtimmten Stelle im Walde gebracht, von wo man dieſelben nach den Ruinen ſchaffte. Von dem Treiben der nächtlichen Spukgeſtalten vernahm man nichts mehr, und es ſchien, als wären dieſe mit der Beerdigung der beiden Gerippe ebenfalls zur Ruhe gegangen. Wenige Tage nach Fallers Abgange nach Wien ſaßen Elviro, Apollonia und Ju⸗ lia im Schein des Vollmondes vor der Thür der kleinen Wohnung und unterhielten ein freundſchaftliches Geſpräch. Ringsum herrſch⸗ te tiefe Stille, die nur von den einförmigen Tönen eines Uhus unterbrochen wurde, der auf den nahen Ruinen ſein einſames Lied krächzte; da drangen plötzlich ſanfte ſ einer Flöte aus dem nahen Gebüſch hnen herüber und als die liebliche Me⸗ —— — lodie verſtummte, ließ ſich eine reiſe Stn⸗ me mit folgendem Geſang hören: Iſt der Liebe Stern verſchwden Birgt den Kummer unſer Herzz Bringet ſtatt der frohen Stunden Uns die Liebe bittern Schmerz! „Das iſt meines Bernhards Stimmel“ rief Julia aufſpringend und eilte mit leich⸗ ten, frohen Sprüngen dem jetzt an Fallers Seite hervortretenden Jüngling entgegen. „Mein Bernhard!“ „Meine Julia!“ Mit dieſem wechſelſeitigen Ausruf ſan⸗ ken die Liebenden ſich Herz an Herz und Elviro, der beim Anblick der rührenden Scene Apol⸗ grüßung eilte Apollonia der kleinen lonien innig umarmte, fühlte ihr namenloſes Glück. Als der erſte Erguß der Liebenden vorüber war, führte die entzückte Julia ihren Geliebten zu Elviron und Apollonien, wel che den wohlgebildeten Jüngling mit Hei lichkeit empfingen. Nach gegenfeitiget Be⸗ Küche des Hauſes und von Juliens Händen unterſtützt, war bald ein gutes Abendeſſen für den Angekommenen bereitet. Nach der gehörigen Erquickung des lieben Ga ſtes wurde über das fernere Schiſckſal der Liebenden geſprochen, doch fürs Erſte mußten ſie Apol⸗ lonia verſprechen, noch eine Zeit lang bei ihnen zu verweilen, welches dieſe gern zuſag⸗ ten. Am andern Morgen lockte das ſchöne Wetter die Bewohner der kleinen Klauſe in's Freie und Apollonia an der Seite ihres Elviro, von dem liebenden Paar gefolgt, rraten einen Vergnügungsgang nach den nahen Höhen an. Zuerſt hatte der junge Bernhard das Vergnügen, die kleine wohl⸗ berittene Huſaren⸗Schwadron zu ſehen, wel⸗ — che auf dem freien Platze vor den Ruinen von dem wackern Schweitzer in den Waffen geübt wurde. Die und präciſe Activität der Leute nebſt der prächtigen Klei⸗ ung und Bewaffnung erregte deſſen Ver⸗ wunderung. Auf einem andern, nicht weit N I % äußerſten Vorpoſteh habe eine verdächtige Bewegung im Wälbe bemerkt. K um hatte 23 von dem erſten entlegenen Platze übten Fal⸗* ler und Büchel das gleichfalls wohl wi ite Schützencorps, welches aus zweihundert Mann beſtand, in den Waffen. Bernhard konnte ſich gar nicht zu dem Gedanken be⸗ quemen, dieſe Lerte für Räuber zu halten, und dennoch war es nicht anders. Auch der Anblick der alten Ruinen gab Anlaß zur Unterhaltung, und der von Bernhard aufgeforderte Elviro theilte ſoviel darüber mit, als er ſelbſt wußte. Auf der Anhöhe angekommen, ließ ſich die kleine Geſellſchaft auf einen Felſenabhang nieder und der mit der Gegend genau bekannte Elviro theilte ſeinen neuen Freunden das Wiſſenswertheſte davon mit. Noch waren ſie mit dieſem Thema beſchäftigt, als ein Räuber herzu⸗ ſtürzte und die Meldung machte, einer der dieſer ſeinen Bericht geendet, ſo kam Gewißheit, daß ein ſtarkes Corps Miliz, fe unterſtutzt von einem Reiterhaufen, heranrü— e. Bernhard und ſeine Geliebte, an ſolche n Auftritte nicht gewöhnt, ſchreckten ſichtbar n zuſammen, und Elviro mußte ſeine ganze o Beredſamkeit aufbieten, ſie zu beruhigen. v Alle begaben ſich nun eilends nach den Rui⸗ 1 nen zurück, wo ſchon Alles in Allarm war und die Befehle des Hauptmanns erwartete. Ehe Elviro ſeinen ſchon gefaßten Plan der Bande mittheilte, nahm er Schweitzern bei Seite, und trug ihm auf, Apollonien, nebſt 1 den zwei Liebenden nach dem zweiten, ſelbſt den Räubernverborgenen unterirdiſchen Gang abzuführen, und dann hinter ihnen den Ein⸗ gang mit den dazu eingerichteten Steinplat— ten zu verſchließen. Als Apollonia die Ab⸗ ſicht Elviros merkte, wollte ſie ſich durchaus nicht fügen, von ſeiner Seite zu weichen, und entſchloß ſich nur dunn erſt ihm Folge ſeiſten, als er beſtimmt erklärte, daß er 3 nur in der äußerſten Noth in ein Ge⸗ 1 fecht mit dem Feinde einlaſſen werde. Hiet auf eröffnete er der Bande ſeinen Entſchluß mit folgenden Worten:„Kameraden! noch nie hat ſich ein menſchlicher Fuß, außer uns, oder höchſtens einem Unglücklichen in dieſe wilden, öden Gegenden gewagt, am allerwe⸗ nigſten aber dieſe verrufenen Ruinen betreten. Ich beabſichtige daher, um unnütziges Blut⸗ vergießen zu erſparen, den anrückenden Feind zu täuſchen, damit er, wenn er ſich ja bis zu dem alten Gemäuer heranwagen ſollte, nicht das Geringſte entdeckt. Da aber die kleine Einſiedelei ein menſchliches Weſen vermuthen läßt, ſo mag der ſchlaue Faller ſich in eine Kutte werfen und den frommen Eremiten ſpielen Schweitzer zieht ſich mit unſern Schützen in den unterirdiſchen Gang zurück, verhält ſich daſelbſt mit den Burſchen ganz ruhig, und ſollte es Gefahr haben ſo werde ich ſchon Luft machen, daß Ihr hervorbrechen könnt. Ich und Büchel werden dis Huſa renſchwadron anführen und mit dieſer den 5 Feind, wenn er wider mein Vermuthen den⸗ noch eine ernſtliche Unterſuchung der Ruinen ſe vornehmen ſollte, durch Scheinangriffe davon H abzuhalten ſuchen. m Nach dieſen Worten mußten ſogleich de die Schützen ihren Marſch nach dem unter⸗ öl irdiſchen Gange antreten, worauf der Haupt⸗ mann die Reiterei aufſitzen ließ und dieſe ſp unter Büchels Anführung nach der entgege⸗ m geſetzten Seite, als die, wo der Feind her⸗ kam, abzuziehen befahl. Nachdem der Haupt⸗ mann ſich überzeugt hatte, daß Alles nach 2 ſeinem Wunſche beſorgt ſei, und daß auch i Faller ſich ſeiner Rolle gemäß gekleidet und die Einſiedelei verfügt hatte, ſprengte er ſeinen Huſaren nach. Nach Verlauf einer 6 t Stunde kam wirklich der Vortrab des Fein⸗ des an, und ſtutzte nicht wenig, als er die Einſiedelei erblickte. Noch ſtanden die Ueber⸗ raſchten, als der ganze Troß der Haupt⸗ ½ macht nachrückte und bei dem Vortrab Halt achte Faller, der bei dem Anblick des zahlreichen Feindes keinen Augenblick as en⸗ nen ſeiner Faſſung kam, nahm ein Kruzifi Jür von Hand und trat mit einer erheuchelten from⸗ men Miene heraus vor die Thür der Klauſe, ich den Ankommenden entgegen. Mit heiligen zum Himmel gewandten Blick ſtreckte er der Menge die heilige Monſtranz entgegen und eſe ſprach in einem erkünſtelten, feierlich ange⸗ meſſenen Tone alſo:„Was ſucht die Schaar en⸗ et der tapfern Krieger an der Stätte ſtiller pt⸗ Einſamkeit und Frömmigkeit, die nur dem ch Dienſte einer ſtrengen Gottesfurcht geweiht ch iſt? Ich zweifle nicht, daß Ihr neben der nd Tapferkeit, welche die Zierde und der Schmuck eines Helden iſt, auch das Gefühl der . Göttlichkeit und Tugend in Eurem Buſen tragt.“ Schweigend und in demüthiger Stellung hatten die Krieger die Worte des vermeint⸗ lichen frommen Mannes mit angehört, und u ſ nachdem er geendet, trat der Anführer des ½ e auf ihn zu und antwortete i ——— ———— beſcheidenſten Tone alſo: Euer ſtilles und Gott gefälliges Leben mit einer unwürdigen Handlung zu betrüben, noch zu ſtören. Unſerm Beruf gemäß ſind wir ausgezogen, das Laſter und die Bosheit zu beſtrafen und zu vernichten, keineswegs aber die dem Dienſte( Stätten zu entweihen. geben, die wir aufzuſuchen gekommen ſind, ſo würdet Ihr uns einen großen Dienſt damit erweiſen.“ Faller, im Innern hocherfreut über das erwünſchte Gelingen ſeines Betrugs, faßte ſogleich den Entſchluß, die Bethörten nach dem ehemaligen Aufenthalt der Bande hin⸗ zuweiſen, und gab daher folgende Antwort: Fal bat „O könnte ich Euch doch, meine Söhne, die beſten Mittel und Wege an die Hand geben, dieſe ausgearteten und verworfenen Adamsr „Ehrwürdiger Vater! wir werden uns nicht unterfangen, Gottes geweihten Könnt Ihr uns ehrwürdiger Vater, einige Auskunft über die in dieſer Gegend hauſende Räuberbande kind ſtra ben. unv Me geſt mer hau von Ein cher Um ein ten flec the Ab lich Frzählte ihm bei dieſer Gelegenheit eine tinder aufzufinden, zu ergreifen und ſte dem ſtrafenden Arm der Gerechtigkeit zu überge⸗ ben. Mehr, denn zu oft bin ich durc das nnvermuthete Erſcheinen dieſer Teufel in Menſchengeſtalt in meiner frommen Andacht geſtört worden und nur dem Schutze from⸗ mer Geiſter, welche in jenen alten Ruinen hauſen, habe ich es zu verdanken, daß ich von ihren verruchten Händen verſchont bin⸗ Einige Meilen von hier und zwar in öſtli⸗ cher Richtung ohnweit.. ſollen dieſe Unholde ihr Neſt haben; ſo berichtete mir einſt ein Unglücklicher, den ſie beraubt hat⸗ ten und nur durch ein Wunder ihren blutbe⸗ fleckten Händen entgangen war.“ Der Offizier bedankte ſich für die Mit⸗ theilung und äußerte den Wunſch, vor dem Abmarſch mit ſeinen Leuten die alterthüm⸗ lichen Ruinen in Augenſchein zu nehmen. Faller, auf den guten Erfolg ſeiner Liſt bauend, begleitete den Offizier dahin, und lingen ihres Vorhabens nach. Als aber der ſchwunden war, eilte er in die Einſiedeleiz tanzte Menge ſchauderhafter Geſchichten! von den dan hauſenden Geiſtern, daß dem Zuhörer lachte die Haare auf dem Kopfe zu Berge ſtanden. Naſe, Um aber denſelben von dem obgleich dürftig ite eingerichteten Pferdeſtall abzulenken, indem. der darin liegende Miſt zum Verräther der werden konnte, führte er den Offizier in das nachg Grundgewölbe des alten Thurms. Bei den 6 am matt eindringenden Lichtſtrahlen zeigte er dieſem einige dadurch ſichtbar gewordene Steingebilde, und fügte dabei noch ſoviel* gah ungereimtes Zeug hinzu, daß die in dem daß unterirdiſchen Gange verborgenen Räuber genſt genug Mühe hatten, ſich die Bäuche zu könn halten, um nicht laut aufzulachen.. zoger Als ſie wieder im Freien angelangt me waren, bedankte ſich der Offizier höflich, der und Faller rief den abziehenden Truppen 1 n wiederholt Glückwünſche zu dem guten Ge⸗ 3 letzte Mann von ihnen im Gebüſch ver⸗ tanzte vor Freuden auf einem Beine, und lachte ſich in's Fäuſichen über die ſchöne Naſe, die er den Kriegsknechten angedreht hatte. Noch einmal ging er hinaus in's Freie, und nachdem er eine Zeitlang den in der Ferne der Waldungen Davonziehenden nachgeſchlichen war, wandte er ſich zu der Einſiedelei zurück und rief die verborgenen Kameraden aus ihrem Verſteckempor. Schwei⸗ tzer umhalſte den verſchlagenen Faller und gab ihm wohl zehnmal die Verſicherung: daß Keiner, und ſei es auch der verſchla⸗ genſte Kopf, ſeine Rolle hätte beſſer ſpielen können. Zugleich ſtellte Letzterer die einge⸗ zogenen Vorpoſten wieder aus, und ſandte einen Räuber nach dem Hauptmann ab, der auch bald mit demſelben und den Rei⸗ tern zurückkehrte. Schweitzer hatte indeſſen Apollonien nebſt Bernhard und Julien nach der Einſiedelei zurückgebracht und Alles belte in ausgelaſſener Freude und brachte wackern Faller, der durch ſeine Liſt das Veranſtaltung wurde ein großes Feſt gehal⸗ Räuberbande wurde für's Erſte nicht m drohende Ungewitter abgewendet hatte, ſeine ger Huldigungen dar. Auf Elviro's Befehl dei mußten einige dem abziehenden Feinde nach⸗ Ac ſpüren, welche am andern Morgen zurück⸗ kehrten und die Nachricht brachten, daß der⸗ G ſelbe den alten Aufenthalt aufgefunden, und R aus Aerger, Niemanden darin zu finden, die ih Höhle zerſprengt habe. Darüber war die ſti Bande wenig bekümmert und auf Elviro's ſc ten, und im Freien gefeiert. Von dieſer„ Zeit an verſtrichen mehrere Wochen in un⸗„ getrübter Ruhe und außer einigen unerheb⸗„ lichen Streifzügen war nichts Bedeutendes A vorgefallen. l Die immer mehr überhand nehmenden. b Unruhen der Türken, welche bereits mehrere n Einfälle in das Land gemacht hatten, be⸗ 1 ſtimmten die Regierung, ihr ganzes Wirken 2 auf die kriegeriſchen Exeigniſſe zu richten, und an die Vertilgung der gefürchteten gedacht, obgleich der Advokat Jordan wie⸗ derholt darauf antrug und ganze Stöße ch⸗ Acten dieſerhalb vollſchmierte. ück Elviros Kundſchafter, die unter dllen der⸗ Geſtalten, in Städten und Dörfern, unter u Reichen und Armen umherſchlichen, brachten 2. ihm über alle Ereigniſſe Nachricht. Begün⸗ die ſtigt von dieſer erwünſchten Sicherheit, be⸗ 3 ſchloß Elviro ſeinen Freund Bernhard und deſſen Geliebte nach Brünn, der Hauptſtadt eſer von Mähren woſelbſt ein Bruder Bernhards uns wohnte, zu geleiten. Aus einem nicht weit eb entlegenen Städtchen mußte Schweißer einen des Miethswagen beſtellen, welcher i einem kleinen Dorfe an der Landſtraße den beſtimmten Tage in Bereitſchaft geh er werden ſollte. Als der Tag der Abre be⸗ lieben Gäſte erſchien, waren alle Herze ken Wehmuth erfüllt, und vorzüglich erfolgie en,rührende Scene des Abſchieds zwiſchen b Mädchen, die ſich rein und z lei Schweſtern, liebgewonnen wu r und Apollonia. H. 3 ſich aus Menſchlichkeit bewogen gefühlt habe Von den beſten Segens vünſchen begleitet, reiſten die Liebenden ab und wurden von Elviro und dem liſtigen Faller begleitet. Der Wagen war an Ort und Stelle einge⸗ troffen und von unſern vier Reiſenden be⸗ ſtiegen, welcher mit zwei muthigen Roſſen beſpannt unter der Leitung eines Krvaten davonrollte. Die beſten Päſſe und ihre reichen Kleidungen verſchafften ihnen überal eine freundliche Aufnahme und nach einigen Tagen langten ſie glücklich am Ziel ihrer Reiſe an. In dem Hauſe des Bruders Bernhards, welcher dort die Stelle eines Lehrers beklei⸗ dete, wurden ſie liebevoll und herzlich auf⸗ Ueber Elviros eigentliche Verhältniſſe ſagte man der braven Familie nichts weiter, als paß ein Kaufmann aus Wien ſei, der 4 „ * genommen, und es räumte dieſer gern eine Wohnung zum Aufenthalt der Liebenden ein. — A ie Liebe des jungen Paares in Schuleiz M e⸗ e⸗ en re all en rer u Reſſe durch einen ſchönen Theil d 35 nehmen. Am Tage vor der Abreiſe Elvi⸗ ros ließ dieſer ſeinen Freund Bernhard allein zu ſich beſcheiden, und händigte ihm unker den zarteſten Ausdrücken eine bedeutende Summe Geldes ein, die er zur Sicherheit ſeiner fernern Exiſtenz benutzen möchte. Bernhard machte Einwendungen⸗ aber Elviro wußte ſo beredt zu Werke zu gehen, daß er ſich zum Annehmen bereitwillig fand. Im Augenblick des Abſchieds ſelbſt hatte Elviro unbemerkt und heimlich eine Rolle Dukaten in den kleinen Schreibtiſch des nicht wohl⸗ habenden Lehrers praktizirt und eben ſo geheim noch einen Wechſel unter Juliens Schnupftuch verborgen, welches zufällig in einem Fenſter lag⸗ Eine rührende Umarmung folgte der andern und von weichen Gefühlen beſtürmt eilte Elviro aus dem Kreiſe ſeiner Freunde, warf ſich in den bereitſtehenden Wagen und fuhr mit Fallern ab⸗ die oſ en Landes ging, trafen die an einem überaus reizenden Nachmittage in einem kleinen Städtchen ein, deren maleriſche Lage unſern Elviro auf's Angenehmſte über— raſchte. Unweit der Stadt am Fuße einer kleinen Anhöhe verließ er den Wagen, der etwas vorausfuhr. Elviro beſtieg die kleine Anhöhe, warf ſich unter dem Schatten ei⸗ ner Birke nieder, und ergötzte ſich an der herrlichen Gegend, die ſich vor ſeinen Bli⸗ cken ausbreitete. Da vernahm er den ſanften Ton einer weiblichen Stimme, er wandte ſich, und einige Schritte von ihm ſtand ein ländlich wohlgekleidetes Mädchen noch im Kindesalter. Wenige Schritte hinter ihr folgte ein wohlgekleideter Mann, welcher den unvermutheten Fremden aufmerkſam be⸗ trachtete. Elviro erhob ſich, näherte ſich dem Ankommenden, und begrüßte denſelben, ſo wie die liebliche Kleine mit zuvorkommen⸗ der Artigkeit. Mit einem ernſten, aber höf⸗ lichen Gegencompliment nahete ſich der lu⸗ g eennt und redete Elviro in dentſiiß 3 en dte ein * auf die Fe beſone intereſſirte 37 Sprache alſo an:„Kleidung und Dialeft mein Herr, beſtätigen meine Vermuthung, daß ich in Ihnen einen Fremden vor mir ſehe; darf ich daher um die Ehre bitten, mit wem ich das Vergnügen habe zu ſpre⸗ chen?“ Elviro antwortete in gleicher Sprache und gab ſich für einen Kaufmann von Wien aus, der auf einer Geſchäftsreiſe begriffen ſei. Aus Wien,“ wiederholte der Fremde einigemal, und ſagte dann ſchnell:„Sind Sie ein geborner Wiener?“ 3 „Dieſes nicht,“ verſetzte Elviro,„wohne aber ſchon einige Jahre daſelbſt und bin vielleicht im Stande, wenn Sie etwas zu wiſſen belieben, antworten zu können.“ Jener aber machte eine dankende Ver⸗ beugung und antwortete halblaut:„Ich finde nichts, mein Herr, was mich in Bezug auffallenden Bitterkeit, welche Elviros Auf⸗ merkſamkeit nicht entging. „Sie würden mir eine Freude machen, mein Herr,“ hob er nach einer Pauſe wie⸗ der an,„wenn Sie mich in meine Wohnung begleiteten, welche nur hundert Schritte von hier entfernt liegt.“ Elviro, der ein beſonderes Intereſſe für den ernſten Mann empfand, auf deſſen Geſichte unverkennbare Spuren eines innern Grames lagen, nahm die Einladung an. Die muntere Kleine war darüber beſonders erfreut, und plapperte in ihrer kindiſchen Unſchuld:„Das iſt ſchön, lieber Herr, denn dadurch wird Papa gewiß etwas heiterer geſtimmt.“ wies ihr das vorlaute Bemerken, jedoch mit einem mehr mehmüthigen, als ſtrafenden Blicke. Unter freundlichen Unterhaltungen Be Sugenehue Gegend ſchritten Der Vater des kleinen Mädchens ver⸗ * 1 ₰ 39 muthigem Gebüſch hervor ſchimmerte. Zu⸗ traulich hing ſich die Kleine an Elviros Arm, und ihm ward es immer wunderbarer zu Muthe, wenn dieſe ihr von ſchwarzen Locken umſchattetes Geſichtchen zu ihm erhob 2 und ihre brennend ſchwarzen Angen ſeinem Blick begegneten. Noch ehe ſie das Dörfchen erreichten, wußte Elviro von dem geſchwätzi⸗ gen Mädchen, daß ihr Vater Lehrer im Dorfe ſei und die Kinder der reichen Ein⸗ wohner unterrichte. Eins der kleinſten Ge⸗ väude, welches eher einer Hütte glich, be⸗ zeichnete Elviros Begleiter als ſeine Woh⸗ nung und entſchuldigte beim Eintritt in die⸗ ſelbe, daß er ſeinem vornehmen Gaſt nur ein ſo armſeliges Logis anbieten könne. Elviro drückte ihm ſtatt der Antwort mit Wärme die Hand und folgte in das kleine reinliche Wohnzimmer. Auf einen Wink des Vaters deckte die kleine Agnes— ſo hieß das Wädche— einen kleinen Tiſch, auf nilchen Bonig und Brot ſetzte. ben und bemerkte dabei, wie ein ſanfter Zug „Ich muß mich ſchämen,“ nahm hierauf der Vater mit betrübter Miene das Wort, „daß ich beim beſten Willen nichts Beſſeres anzubieten habe.“ „Mehr, als zu viel,“ entgegnete Elviro, und obgleich er wenig Hunger fühlte, ſo langte er doch zu, um die freundlichen Meits ſchen nicht durch Argwohn des Verſchmähens zu betrüben. Nachdem er einige Biſſen verzehrt hatte, fragte er beſcheiden nach der Gattin ſeines Wirths. „Meine gute Frau,“ antwortete der Gefragte mit ſchwerem Seufzer,„iſt heute Morgen nach der Hauptſtadt eines kleinen Ländchens abgereiſt. Das redliche Weib wird dort durch perſönliche Vorſtellungen und Bitten meine bereits eingegangenen Eingaben unterſtützen, die eine beſſere An⸗ ſtellung für mich zum Zweck haben.“ Elviro konnte nicht umhin, den edlen 3 Schritt der braven Gattin und Mutter zu erhe⸗ 6. 6 —8 0 41 uf wohlgefälligem Lächeln um ſeinen Mund rt. ſchwebte. Aus Allem aber konnte er ſchlies es ßen, daß die redliche Familie mit Nahrungs⸗ ſorgen zu kämpfen hatte und beſchloß ihre o, Lage zu verbeſſern, doch ohne das zarte Herz ſo des Mannes durch ein öffentliches Geſchenk * zu beleidigen. Ein unangenehmes Pochen an der kleinen Hausthür zog die Kleine hinaus, dieſe kehrte aber bald mit einem ſichtbaren Erröthen zurück und ſagte zu ihrem Vater gewandt mit ſtotternden Worten:„Der fatale Jude Moſes Liſtig will zu Dir, und r e laͤßt ſich durchaus nicht abweiſen.“ 1 Schon wollte der ebenfalls in Verlegen⸗ heit gerathene Vater hinaus, als der unver⸗ ſchämte Plagegeiſt ſchon hereintrat und die ganze Scene änderte. Ohne weiter auf Elviro zu achten fing der Eintretende ſo⸗ gleich an, den über und über erröthenden armen Lehrer mit folgenden Worten anzt⸗ kreiſchen: Nou, wie gaits, wie ſtaits, Herr Müller? Hoben Se Roth geſchofft, oder ſtaits noch beim Labet?“ Keine Antwort folgte auf dieſe gröbliche Anrede und Elviro knirſchte vor innerer Wuth und warf funkelnde Blicke auf den Rothbart. „Laß er mich heute in Ruhe, Liſtig,“ bat der arme Bedrängte, und warf einen flehenden Blick auf den Juden, welcher dem zerknirſchten Elviro durch Mark und Bein drang, den hartherzigen Gläubiger aber deſto erboſter und gallſüchtiger machte. „Hier kann nich mähr die Räde ſin von Gedult une ich ſoges zum letzten Moul, daß der Arreſt vor de Theur ſtait!“ Elviro konnte ſich nicht länger halten, er fuhr wie ein Blitz auf den Juden los, packte ihn in's Genick und warf ihn ſo un⸗ fanft zur Thür hinaus, daß er Hut und Stock verlor, und bis auf die offene Straße hitauspurzelte. Als er wieder zum Stehen gekommen war, fing er heftig an zu ſchim —„ S . 43 pfen, wurde aber bald von einigen erwach— ſenen Knaben, welche ihren guten Lehrer nicht ungeſtraft beſchimpfen laſſen wollten, mit Koth beworfen und davon gejagt⸗ Der redliche Mann verwies den aufgebrachten Knaben ihre Unart, wie er ihr Betragen nannte, und äußerte auch gegen Elviro, doch auf eine feine anſtändige Weiſe, daß er ihm dadurch wohl keinen guten Dienſt erwieſen habe. „Sie haben mich dadurch wohl für den Angenblick von dieſem Menſchen befreit, aber er wird nur deſto grimmiger wiederkehren,“ ſprach er mit beſorgtem Tone. „Ich bin eigentlich nicht recht klug in der Sache geworden,“ entgegnete Elviro. „Sind Sie denn— mit Erlaubniß zu ſa⸗ gen— dem Bengel etwas ſchuldig?“ „Nur zehn Thaler, mein Herr, und doch zu viel, um es ſogleich aufbringen zu können,“ —ar Müller's Antwort. „Ich will Ihnen dieſe Summe vorſchie⸗ zufrieden geſtellt werden können.“ 44 ßen, Herr Müller,“ erbot ſich Elviro mit herzlichem Tone, und legte zwei Goldſtücke auf den Tiſch. Müller ward gerührt und blickte lange in Elviros heiter lachendes Auge, dann ſagte er:„Ich nehme Ihr zartes und wohlmeinendes Anerbieten an, um lieber der Schuldner eines edlen Mannes, als ei⸗ nes habſüchtigen Wucherers zu ſein.“ Schon wollte Elviro doppeln, als ſtücke ergrif den Worten „Nein, nein, die Summe ver— Müller ſchnell die zwei Gold⸗ und ſie dem Eigenthümer mit zurückzugeben ſich bemühete: edler Herr; ich kann das Dar⸗ lehn nicht annehmen, weiß ich doch nicht, ob ich es je wieder zurückgeben kann. Neh⸗ men ſie das Ihrige wieder, der hartherzige Gläubiger wird vielleicht mit e twas Anderem „Wollen Sie mich um das Vergnügen bringen, einem rechtlichen Mann einen ge— riugen Dienſt geleiſtet zu haben?“ rig 6 Fe or die Thore der nahen Stadt 6 ſchieden mit der Ler ei 45 Elviro und legte das Goldſtück zurück uu den Tiſch. „Nun, wenn Sie es durchaus nicht ders haben wollen,“ entgegnete Müller mit feuchten Aungen,„ſo ſegne der Herr Ihre edle That und gebe mir Gelegenh eit, es Ihnen einſt zurückſtellen zu können. 6 Der ankommende Schweitzer ſtörte die Unterhaltung, indem er kam, den Haupt⸗ mann aufzuſuchen, da ihn deſſen langes Ver⸗ weilen beſorgt gemacht hatte. Ein alter Bauer, den Letzterer an einer kleinen An⸗ höhe getroffen und denſelben wegen ſeines Herrn befragt, hatte ihm Auskunft gegeben und ihn nach der Wohnung Müllers geleitet. Elviro verabſchiedete ſich jetzt von dem bra⸗ ven Müller und dem guten Mädchen, und vches⸗ ge die betrübten Herzen derſelben mit dem W auf, daß er bald wiedet⸗ Der gute Müller begleitete — 46 ner ewigen Freundſchaft. In dem kleinen Gaſthauſe, wo der Kutſcher mit den Pferden raſtete, ſchrieb Elviro noch einen Brief an die Familie Müller, und fügte eine Summe Geld bei, die er unter den zarteſten Worten„ anzunehmen bat. Dieſen Brief übergab er dem Wirth mit der Weiſung, denſelben nach ſeiner Abreiſe durch einen ſichern Boten in die Hände des Lehrers Müller zu beſorgen. Am folgenden Morgen ſetzte er ſeine Reiſe weiter fort, und langte nach einer kurzen. glücklichen Fahrt wieder in ſeiner heimath⸗ lichen Gegend an, wo er den treuen Kroa⸗ ten mit einer guten Belohnung verabſchie⸗ dete. Die Nacht war ſchon angebrochen und dennoch eilte er, von Schweitzern be⸗ gleitet, durch die dichten Waldungen dahin, und ehe der Morgen herandämmerte, rilf er bei dem erſten Vorpoſten ſeiner. „ute an. *** 1e 3 Dögleich er ſeine Apollonia ang zenehm zu ieſe doch überraſchen gedachte, ſo wurde? urch dei lauten Jubel der Bande 47 Morgenruhe aufgeſcheucht, und flog dem Wiederkehrenden entgegen. Mit mehr als gewöhnlicher Innigkeit ſchmiegte ſie ſich an ſeine Bruſt, und in ihren Küſſen und Um⸗ armungen lag etwas außerordentlich Stür⸗ miſches, was ihm auffiel. In einer erfolg⸗ ten ruhigen Stimmung forſchte er darnach und Apollonia gab ihm die Erklärung da— von mit folgenden Worten:„Bald, mein geliebter Elviro, werde ich Mutter werden, und der Gedanke daran, ob zwax er meine ganze Seele mit Entzücken erfüllt, bringt doch auch manche Beſorgniß in mein Herz. Erſtens hat uns noch kein prieſterlicher Se⸗ gen vereinigt, was doch nöthig iſt, um dem Pfande unſerer Liebe eine rechtmäßige Ge⸗ burt zu geben. Zweitens fehlt mir hier an aller Hilfe und Beiſtand in der bevorſtehen⸗ den Kriſis, und obgleich meine Seele bei al⸗ len Gefahren ſtandhaft bleibt, ſo iſt doch in dieſer Periode dieſe Wildniß nicht dez eeignet. Steht es in Deinen Kräften 48 liebter Elviro, einen Ausweg in dieſer Ver⸗ 1 wickelung zu treffen, ſo beſchwöre ich Dich bei unſerer Liebe, mir dieſes Opfer zu b ingen.“ 1 Sie ſchwieg und hing ſich voll In⸗ brunſt an Elviros Bruſt, als hätte ſie ein unbilliges Verlangen ausgeſprochen. Elvi⸗ ro richtete ihr Geſicht zu ſich empor und ſprach im zärtlichſten Tone:„Dein Wunſch iſt natürlich, meine geliebte Apollonia, und ich fühle es, daß ich Dir die Erfüllung deſſelben ſchuldig bin. Ich habe auf meiner Reiſe eine edle Familie kennen gelernt, wel⸗ che in ſtiller Zurückgezogenheit lebt, bei die ſer ſollſt Du Deine Niederkunft halten. Wegen unſerer Verbindung, welche in die⸗ ſen Tagen geſchehen ſoll, werde ich ſchon morgen die nöthigen Vorkehrungen treffen. Sei unbeforgt, gute Apollonia, und öffne Dein Herz ungeſtört der Freude.“ Elviro wußte in einem kleinen Dorfe an der mähriſchen Grenze einen redlichen Pfarrer, den er einſt auf ſeinen Reiſen ken Elviro und Apollonia. II. 4 nen gelernt hatte; und dieſen Mann erſch er dazu, den Segen der Kirche über ſeinen mit Apollonien vor Gott geſchloſſenen Bund auszuſprechen und vor der Welt anzuerkennen. Nachdem ſich Elviro einigermaßen von ſeiner Reiſe erholt hatte, ſaß er am folgen⸗ den Morgen ſchon wieder zu Pferde, um nach dem kleinen Ort an der mähriſchen Grenze zu eilen, und den bekannten Pfar⸗ rer für ſein Vorhaben zu ſtimmen. Da ihn derſelbe unter dem falſchen Namen eines deutſchen Barons kannte, ſo ward er auch jetzt als ſolcher von ihm empfangen, und Elviro, der ſeinen Zweck dadurch am erſten zu erreichen gedachte, hütete ſich wohl, ihm dieſen Wahn zu benehmen. Ehe er dem Pfarrer ſeinen Wunſch eröffnete, ſpann er eine weitläuftige Einleitung an, und leider ergab ſich daraus, daß der würdige Geiſt⸗ liche ein zartes Gewiſſen und eine uner⸗ ſchötterliche Amtstreue beſaß. Elviro konnte hikraus wohl abnehmen, daß auf geradem 50 Wege nichts zu erlangen ſei, und daß der Redliche getäuſcht werden müſſe. „Mein würdiger Freund,“ ſo redete er endlich den Pfarrer an,„ich befinde mich für den Augenblick in einer fatalen Lage. Auf einer Reiſe durch Ungarn machte ich ungefähr vor einem halben Jahre die Be⸗ kanntſchaft eines armen, aber liebenswür⸗ digen Mädchens. Sie ſehen und lieben war eins und ich beſchloß ſogleich in meinem Herzen, dieſe und keine Andere zu meiner künftigen Gattin zu wählen. Da ich weder Vater noch Mutter habe und Herr eines anſehnlichen Vermögens bin, ſo glaubte ich meinem Herzen folgen zu müſſen, und ſchwur meiner Geliebten eine unverbrüchliche Liebe und Treue. In einer Stunde des einſa⸗ men Beiſammenſeins wich der Genius un⸗ ſerer bis dahin reinen Liebe und weinend floh der Engel der Unſchuld von uns. Um unſern Fehltritt durch eine ſchnelle Verbin⸗ dung wieder gut zu machen, eilte ich S. * 51 rück nach meiner Heimath, um Alles zum Empfang meiner Geliebten, die ich bald nach⸗ zuholen gedachte, vorzubereiten. Eine Er⸗ kältung auf meiner Reiſe warf mich bald nach der Ankunft auf meinen Gütern auf ein ſchmerzliches Krankenlager, und ichſchwebte ei⸗ nige Monate hindurch am Rande des Gra⸗ bes. Meine Krankheit verließ mich endlich, aber mein Geſundheitszuſtand verbeſſerte ſich nur höchſt langſam, und erſt vor kurzem konnte ich hierher zu meiner Geliebten zu⸗ rückkehren. Schmerzen über meine ſo lan⸗ ge verzögerte Zurückfunft und die bevorſte⸗ hende baldige Entbindung machen es mei⸗ ner Braut unmöglich, für den Augenblick eine weite Reiſe mit mir anzutreten. Ich komme daher mit dem innigſten Vertrauen zu Ihnen, mein Herr Pfarrer, um Sie im Na⸗ men des armen unſchuldigen Kindes anzu⸗ flehen, welches noch unter dem Herzen der Mutter ruht, uns den Segen der Kitche 3 feſtigen.“ 3 Der Geiſtliche bedachte ſich einige Au⸗ 16 genblicke, ergriff dann Elviros Hand und antwortete:„Ich zweifle nicht an der Wahr⸗ 3 heit Ihrer Worte, mein Herr, und finde kein Bedenken, Ihren Wunſch zu gewähren. Kommen Sie daher mit der Auserwählten Ihres Herzens zu jeder Stunde, wann es Ihnen beliebt.“ 1 Elviro, erfreut über die Bereitwillig⸗ 3 keit, ſchob dem Geiſtlichen eine kleine Geld⸗ 3 rolle zu, die dieſer auf wiederholtes Bitten endlich mit dem Bemerken annahm: den In⸗ halt derſelben unter die Armen ſeines Orts zu vertheilen. AufFlügeln der Sehnſucht, der harren⸗ den Apollonia den Erfolg ſeiner Reiſe mit⸗ zutheilen, eilte Elviro nach den Ruinen zu⸗ rück. Außerordentliche Freude hatte das gute Mädchen, als ſie erfuhr, daß ihrer ehelichen ertheilen und unſern ehelichen Bund zu be⸗ —— Verbindung mit dem Geliebten ihres G —.— ——————————— — — ——— zens kein Hinderniß mehr im Wege ſtehe; ſogleich ſuchte ſie eine köſtliche weibliche Klei dung hervor, die ſie bei dieſer heiligen Hand⸗ lung anlegen wollte. Schweitzer mußte am andern Morgen auf des Hauptmanns Be⸗ fehl wieder nach dem kleinen Städtchen wan⸗ dern, um von dort aus einen Miethswagen zu beſtellen, der am folgenden Tage an ei⸗ nem bezeichneten Orte zum Dienſte bereit ſtehen ſollte. Nach Elviros Beſchluß ſollte Faller Apollonien nach geſchehener Copula⸗ tion, da ihre Entbindung nicht mehr fern war, nach der Familie des redlichen Mül⸗ ter geleiten. Früh am Morgen des zur Ab⸗ reiſe beſtimmten Tages übergab der Haupt⸗ mann Schweitzern während ſeiner Abweſeü⸗ heit den Befehl über die Bande, worauf er mit Apollonien die bereitſtehenden Pferde beſtieg und von einem Räuber begleitet ab⸗ ritt. In der Nähe des Ortes, wo der Wagen hielt, wurde in einem Gebüſch Halt gemacht, bis Apollonia die bisher gettagene männliche Kleidung mit einer weiblichen ver⸗ tauſcht hatte. Als dieſes geſchehen war, mußte der Räuber mit Apolloniens leer ge⸗ wordenem Pferde nach den Ruinen zurückkeh⸗ ₰ ren, indeß Elviro ſeine Geliebte nach dem Wagen geleitete, bei welchem Faller bereits harrte, ihr einſteigen zu helfen. Elviro nahm hierauf ſelbſ Platz im Wagen, und da Faller dagegen des Hauptmanns Pferd beſtiegen hatte, ſetzte ſich der Wagen von dem Reiter begleitet in Bewegung. Spät am Nachmittag langten ſie an dem erſehn⸗ ten Orte an, und ſchon eine Stunde nach ihrer Ankunft waren ihre vereinigten Her⸗ zen durch prieſterlichen Segen feſter und heiliger verbunden. Nachdem ſie ſich von dem Geiſtlichen mit dankbaren Gefühlen verabſchiedet hatten, ſetzten ſie ihre Reiſe unverzüglich weiter fort. Bis zu dem er⸗ ſten Nachtquartier begleitete Elviro ſeine zärtliche Gattin, und ſchrieb noch am Abend 6 vor ihrer einſtweiligen Trennung einen Brief 3 5— 55 an Müller, worin er dieſen und ſeine Gat⸗ tin herzlich aufforderte, Ueberbringerin deſ⸗ ſelben mit Liebe in den Schooß ihrer Familie aufzunehmen. Elviro hatte viel Vertrauen zu dieſem braven Manne gefaßt, und da Apollonia mit allen Hilfsmitteln verſehen war, ſo zweifelte er teinen Augenblick, daß die Letztere dort ungetrübte und ruhige Tage verleben würde. Die Nacht ſchwand, und der Tag, der die bittere Trennungsſtunde herbeiführte, brach an. Nach einem einge⸗ nommenen Frühſtück, bei welchem Apollonia ſchon manche heiße Thränen verloren hatte, rückte endlich der gefürchtete Augenblick her⸗ an. Umarmungen folgten auf Umarmungen, und nachdem ſie ſich den Abſchiedskuß ge⸗ geben hatten, flogen ſie anfs neue zuſam⸗ men. Elviro nahm endlich ſeine ganze Faſ⸗ ung zuſammen, führte die ſich faſt in Thräs nen auflöſende Gattin nach dem bereitſtehen⸗— den Wagen, und hob ſie ſanft hinein „. „Nicht allzulange ſollſt Du äu 56 warten, dann komme ich, Dich angenehm zu überraſchen.“ Mit dieſen Worten trö⸗ ſtete er die Weinende, gab dann Fallern ſchnell einen Wink, und dahin flog der Wa⸗ gen. Auch Elviro verweilte nun nicht län— ger, berichtete ſeine Zeche, warf ſich auf ſeinen muthigen Renner, und jagte dann mit ver⸗ hängtem Zügel den fernen Ruinen zu. Ehe er die bekannten Waldungen erreichte, hielt er vor dem Wirthshauſe eines Dorfes an, ſeinem ermatteten Pferde Erholung zu gön⸗ nen, und für ſich ſelbſt Speiſe und Trank zu beſtellen und einzunehmen. Während dem man ſeinen Wunſch zu befriedigen ſich be⸗ mühte, ergriff er ein auf dem Tiſche liegen⸗ des Zeitungsblatt und las darin. Leider fand er hier die bereits gehörte Nachricht beſtätigt, daß die auf der Grenze ſtehenden Truppen ſeines Vaterlandes auf verſchiede⸗ nen Stellen geſchlagen waren, und die blut⸗ gierigen Türken mit Sengen und Brennen die Wuen Ortſchaften weett ¹ ———— 57 Obgleich Elviro früher manche harte Bedrückungen hatte erdulden müſſen, durch welche er auf ſeine jetzige Laufbahn geſchleu⸗ dert war, ſo wurde dennoch in dieſem Au⸗ genblicke die alte Liebe zum Vaterlande bei ihm rege und es entſtand in ihm der heiße Wunſch, demſelben in ſeiner jetzigen kriti⸗ ſchen Lage nützlich zu werden. Mit dieſen heiligen Gefühlen im Buſen kehrte er zu den Seinen zurück und ein herviſcher Plan, der in ſeiner feurigen Seele aufdämmerte, f verließ ihn keinen Augenblick und forderte unaufhörlich Erfüllung. Die Unthätigkeit ſeiner Leute hatte be⸗ ſtändige Streitigkeiten, Raufereien und Hän⸗ del unter ihnen zur Folge, und nicht ſelten mußte er die härteſte Strenge anwenden, dergleichen ausgebrochene Unruhen zu un⸗ terdrücken, und die Stifter des Unfugs zu —— ——— „ ſerigich zur Vorbereitung ſeines 6 So konnte es unmöglich länger tteiben und dieſes einſehend, ſchritt eru großen Plans. Das Erſte, was Elviro vornahm, war die Ausſendung Schweitzers und meh⸗ rerer anderer tüchtiger Burſchen, um neue Kameraden anzuwerben und zur Stelle zu bringen. Indeſſen übte er ſeine Reiter ſo⸗ wohl, als das Fußvolk täglich in den Waf⸗ fen und das wiederholte Schießen nach ei⸗ nem beſtimmten Ziele übte die Feſtigkeit der Schützen. Nach Verlauf einiger Wochen hatte Schwe tzer und die anderen Abgeſand⸗ ten über dreihundert wackere Burſchen, die bei einigen vorgefallenen Treffen mit den Türken zerſprengt und von ihren Truppen ab⸗ gekommen waren, geſammelt. Sogleich mußten die vorhandenen Profeſſioniſten an die Arbeit gehen, und binnen einem Monat waren die Angeworbenen als Schützen eingekleidet. Die ſchon gedienten Soldaten brauchten we⸗ nig Uebung und ſomit ſtand bald die kleine WMacht Elviros, aus ſechzig Reitern u fünfhundert Schützen beſtehend, wohl ger. ſtet und disciplinirt da. Um ſeine Freud; M. zu vermehren, kam Faller eines Tages zu⸗ rück und brachte die erfreuliche Nachricht, daß Apollonia glücklich von einem geſunden Knaben entbunden ſei, und der Säugling die heilige Taufe bereits erhalten habe, und ihm der Name Guſtav beigelegt ſei. Elviro war außer ſich vor Freude und gab ſeinen Leuten ein großes Feſt, wozu Schweitzer aus dem nahen Städtchen Gebackenes zum Genuß des Weins herbeiſchaffen mußte. Ob⸗ gleich er gern zu Apollonien geeilt wäre, „ um den Neugebornen an ſeine Bruſt mit väterlicher Inbrunſt zu vrücken, ſo war doch der Entwurf ſeines großen Plans gleich mächtig, ihn für's Erſte davon abzuhalten. Er begnügte ſich, nach einigen Tagen Fal⸗ lern nach der Familie Müller zurückzuſenden, und ihn mit Briefen zu verſehen, die ſein tiefes, entzückendes Gefühl ür die Gnade des Himmels genugſam an den Tag leg⸗ ſten. In dieſem Briefe an Apollonien li 3 er einige Worte über ſeinen künftigen Plen Pffziere. Eine andere Kompagnie, 3 fals s hundert Mann beſtehend, wurds 60 einfließen, und ſchilderte beſonders mit er⸗ greifenden Farben, daß die Liebe zum Va⸗ terlande einen jeden Rechtlichen durchglühen müſſe, und daß das Vaterland gerechte An⸗ ſprüche darauf habe. Faller reiſte ab, und Elviro war von dieſer Seite beruhigt, wußte er doch ſeine Gattin mit ihrem Kinde in ſichern Händen, und beſſer aufgehoben, als hier unter den mancherlei Beſchwerden und Gefahren. Nach einigen Tagen theilte er ſeine Mannſchaft in kleinere Abtheilungen, und ernannte beſtimmte Befehlshaber über dieſe, die aber alle unter ſeinem Oberbefehl ſtanden. Büchel, als der gewandteſte und kühnſte Reiter, bekam das Commando über die Huſaren, und wurden ihm auch der muthige Peter und der verſchlagene Toll als Offiziere beigegeben. Schweitzer bekam eine Kompagnie Schützen aus hundert Mant beſtehend, und er erhielt ebenfalls noch zwei 3 7 3 „ Fallern zugetheilt, und bis zu ſeiner Rück⸗ kehr dem alten Waller anvertraut. Die dritte Kompagnie, aus dreihundert Mann beſtehend, wurde zur Leibkompagnie erhoben und ſtand unmittelbar unter dem Befehl des Hauptmanns, der Chef des Ganzen war. Eines Morgens, als Elviro eine allgemeine Muſterung hielt, wurde Werner vermißt und Niemand konnte über denſelben und ſein muthmaßliches Entweichen Auskunft geben. Elviro ſandte ſogleich mehrere Burſchen nach 3 allen Richtungen ab, und befahl ihnen, dem Entlaufenen nachzuſpüren und im Betref⸗ fungsfalle zurückzubringen. Daß er von die⸗ ſem elenden Menſchen Alles zu fürchten hatte, war ihm nur zu gewiß, und er war höchſt verdrießlich, als alle Ausgeſandten zurück⸗ tehrten und weder den Buben ſelbſt, noch eine muth maßliche Spur von demſelben zu⸗ rückbrachten. Eines Morgens verſammelte ei ale ſeine Leute um ſich, und nachdem et ſe g 62 muſtert hatte, hielt er folgende Anrede: „Kameraden! die Stunde iſt gekommen, wo wir unſerm Vaterlande beweiſen können, daß wir, obgleich man uns den Namen Räuber beigelegt hat, noch Gefühl für Recht und Menſchlichkeit in unſerm Buſen tragen. Es bietet ſich uns der Augenblick dar, unſere Tapferkeit und unſern Muth auf einem an⸗ dern glänzerndern Felde geltend zu machen. Unſer Vaterland iſt in Gefahr! Die friedli⸗ chen Wohnungen und Heerde Eurer Eltern und Freunde werden von der Macht unſe⸗ res Erbfeindes bedroht. Schon erheben ſich ſeine blutigen Paniere auf dem heiligen Bo⸗ den unſeres Vaterlandes, und dicke Rauch⸗ wolken von ihren Häͤnden zerſtörter und und durch Feuer vernichteter Schlöſſer und 3₰ Dörfer ſteigen empor. Laßt uns alſo un⸗ ſere Waffen gegen den Feind unſeres Va⸗ terlandes erheben und unſere Tapferkeit und die Waffen ſelbſt durch rühmliche Thaten heiligen. Wir ſind vertraut mit den Ge⸗ — 3 5 —— 63 de: vbirgsſchluchten und Wäldern, und können, wo gedeckt von dieſen Vortheilen, den Feind bald aß in der Front, bald in der Flanke, bald im er Rücken beunruhigen und ihm Schaden zufügen. nd Auch iſt Euch bekannt, daß die Türken große Fs Schätze bei ſich führen, und ſo wird es re Beute genug geben, mehr, als uns bisher n⸗ aus den Kaſten reicher Böſewichter zuge⸗ 1. floſſen iſt. Im Schutze des Gebirges kön⸗ 1 i⸗ nen wir ſogar bis in das Herz des feindli⸗ n chen Landes eindringen, und Ihr werdet Ge⸗ legenheit genug haben, den Ueberfluß der Muſelmänner davon zu tragen. Schon in dieſer Nacht brechen wir auf, damit wir, ehe der Tag anbricht, den ſüdlichen Gebirgspaß Siebenbürgen überſchritten haben und in jenen grauſen Höhen und Klüften ange⸗ langt ſind. Unerwartet und ſchnell muß un⸗ ſer Verſchwinden und Erſcheinen ſein, und Freund und Feind muß uns nur aus un⸗ ſern ruhmvollen Thaten erkennen. Ordnet Alles an, Kameraden, was zu Bet 1 ſc2 — 1 1 8 61 digen Abzuge nöthig iſt und nehme ein je⸗ der auf einige Tage Speiſe mit, die Schwei⸗ zer ſogleich vertheilen ſoll.“ Elviro ſchwieg und vernahm mit Wohl⸗ gefallen den Enthuſiasmus ſeiner Leute, die von Freude ergriffen ein wiederholtes:„Es lebe der Hauptmann!“ erſchallen ließen. Nach einiger Berathung fand Elviro doch für nöthig, einige Mannſchaften in den Rui⸗ nen zurückzulaſſen, theils um Fallers Zu⸗ rückkunft abzuwarten, theils um möglich wi⸗ drige Ereigniſſe zu beobachten und ihm Rapport davon abzuſtatten. Nachdem Alles in marſchfertigen Stand geſetzt war, über⸗ ließen ſich die Räuber einer kurzen Ruhe und nur Elviro und Schweitzer ſaßen in der Wohnung der Einſiedelei und machten Entwürfe und Pläne für die Zukunft. Noch vor Abends ertönte das Lärmhorn der Schü tzen und die Befehele des Hauptmanns er⸗ wartend, ſtellten ſich die Mannſchaften auf dem Platze vor der Einſicdelei auf Elvito welcher zwanzig Mann zur Beis Aufenthalts beſtimmtt hatte, wieß Alles an, was ſie während ſeiner Abweſ l⸗ heit zu beobachten hätten, wandte ſich dann zu den Marſchfertigen und ertheilte Befehle⸗ 3 Auf drei verſchiedenen Wegen ſetzten ſich nun die Colonnen in Bewegung und zogen dem von Elviro beſtimmten Sammelplatze , welcher in dem nördlichſten und wilde⸗ ſten Theile der Karpathen lag⸗ . 5 Der Glanz von hundert auflodernden Wachtfeuern flammte purpurroth zum Him⸗ K mel empor, welcher von ſchwarzen Wetter⸗ wolen umflort war. In einem Halbzirkel ſttanden die Zelte der Muſelmänner, inwel⸗— en dieſe von dem am Tage gewonnenen 5 Giviroſ und Apollonia. U. Kiſcht im Arme des Schlafes e kleinen Kriegswohnungen erhob ſich das prächtige Zelt eines Veziers, welches einen Roßſchweif als Zierde trug. Achmed Ali— ſo hieß der Anführer dieſes Streifcorps— lag unbeſorgt im Arm einer Favoritin, denn 3 er wußte ja beſtimmt, daß zwiſchen ſeinem Lagtr und den feindlichen Truppen eine bdeutende Macht ſeiner Krieger eine Ver⸗ ſchanzung inne hatte. Wie gewöhnlich, machte die Sorgloſigkeit des Befehlshabers Nur um die Feuer herum lagerten ſzelne Krieger, die theils das Amt der Wache ausübten, zum Theil auch von über⸗ mäßig genoſſenem ſtarken Getränk vom Schlafe übermannt, nicht bis zu ihren Zelten gelan⸗ gen konnten. Mitten unter der Maſſe der einen gleichen Einvruck auf ſeine Unterge⸗ benen, und ſo war es auch hiet. Alles ſchnarchte und pflegte einer ſorgloſen Ruhe und ſelbſt die wenigen Wachtpoſten ſchlum⸗ ii 67 merten, weil ſie nicht beobachtet wurden, recht ſanft. Unvermuthet näherte ſich Elviro mit ſeiner ganzen Macht dieſem Ort, wo die Feinde ſeines Vaterlandes in guter Ruhe lagen, und zog mit ſeinen muthigen Schützen, begünſtigt von dichtem Gebüſch und der Dun⸗ kelheit der Nacht, von zwei Seiten heran, indeß die kühnen Reiter unter Büchel ei⸗ nen Paß beſetzten, der dem überraſchten Feind leicht zum Entwiſchen hätte dienen können. Elviro machte mit funfzig Leuten von ſeiner Leibkompagnie den Vortrab und kroch mit den Seinen auf der Erde hin zu den Vor⸗ poſten, welche auf ſolche Weiſe überrumpelt und unſchädlich gemacht wurden. Seine nach⸗ rückenden Schützen kamen daher, ohne daß der ſorgloſe Feind etwas davon ahnte, bis zum Loger, und konnten ſich nun züf pie gegebene Loſung ſogleich mit aller Keaſt ſcreiicht Sn em dieſe kühne Ueberrumpelung ausgeführt blitzen ſahen. Da war an keinen Wider⸗ ſtand zu denken und über tauſend der Feinde wurden zu Gefangenen gemacht, worunter ſich auch der Vezier befand. Eine geringe Zahl verblutete unter den Säbeln der auf— gebrachten Huſaren ihr Leben, und büßte den Verſuch ihrer Rettung mit dem Tode. Eine unermeßliche Beute fiel in die Hände der Sieger und da die Ausführung ſo gut abgelaufen war, war die Freude der wa⸗ ckern Schaar unbeſchreiblich. Die Beute wurde auf die zugleich in Beſchlag genommenen Wagen geladen und nebſt den zwei erbeute⸗ ten Kanonen nach dem Gebirge abgeführt. Ein einziger Türke entkam, und hatte alſo allein die Ehre, die Niederlage ſeiner Ka⸗ meraden zu erzählen. Selbſt die Truppen der Croaten und Ungarn vernahmen dieſes Ereigniß, ohne ſich erklären zu können, von Zelten die Waffen der ergrim en Feinde ₰ ndt er⸗ ide ter ige uf⸗ 69 worden ſei. Unerkannt von Freund und Feind zogen die kühnen Freibeuter in die Gebirge zurück und warteten auf neue Ge⸗ legenheit, dem Feinde eine Wunde beizubrin⸗ gen. Elviro, die ſchwache Seite ſeiner Leute wohl kennend, theilte ſogleich die Beute unter ſie und entflammte dadurch ihre Be⸗ gierde zu neuen Verſuchen und Thaten. Ueberall ſchlichen Elviros Kundſchafter um⸗ her, und keine Bewegung des Feindes ent⸗ ging ihnen. Faller kehrte nach einiger Zeit auch zurück und brachte dem Hauptmann er⸗ freuliche Nachrichten. Obgleich Elviro dem Feinde durch ſeinen kühnen Ueberfall eine bedeutende Wunde geſchlagen hatte, ſo war derſelbe doch auf andern Stellen glücklich geweſen, und ſtand ber eits mit der Haupt⸗ macht vor dem Engpaſſe des Gebirges, deſ⸗ ſen Einnahme ihm den Schlüſſel von gan Sieb enbürgen gegeben hätte. Auf der Straße die von Belgrad nach lagerten die Türken mit einer bedeutenden 2 70* Macht, und in der Nähe des Gebirgspaſſes, genannt das eiſerne Thor, ein Heer der be⸗ freundeten Truppen. Das verſchanzte Lager der Türken an⸗ zugreifen konnte Elviro nicht wagen, deshalb lauerte er auf eine günſtige Gelegenheit, ſeine Streitkräfte aufzuſparen, bis er mit Vortheil die Ueberrumpelung der einzelnen Corps wagen konnte, 3. Ein trüber Herbſtmorgen brach an und mit ihm traten die Krieger der beiden Par⸗ theien unter das Gewehr, um die verhäng⸗ nißvollen Würfel zu werfen, wodurch Sieg oder Niederlage des einen oder des andern entſchieden werden ſollte. Mit de m erſten N 7 3 henden Sonne glänzten auch 2 Sumpf und Moräſten durchſchnittenen Söe ne, und die ſtolzen Roßſchweife derſelben flatterten im ſanften Morgenwinde. Ander⸗ ſeits rückten auch die Ungarn und Croaten in Schlachtordnung auf, und die kühnen Reiter derſelben fingen an den Feind zu at⸗ taquiren. und immer mehr entwickelte ſich das bald allgemein werdende Gefecht. Obgleich die Vertheidiger des Vaterlandes der Macht der Türken nicht gewachſen waren, ſo boten ſie doch dem Andrang des Feindes überall den hart⸗ näckigſten Widerſtand. Da aber derſelbe im⸗ mer neue Truppen zum Angriff heranwälzte, ſo wurden die Kräfte der Tapfern erſchöpft und ſchon neigte ſich der Sieg auf die Seite der Türken. In dieſem entſcheidenden Au⸗ genblicke flog Elviro an der Spitze Zi* Wubigen heran, und ſin 6 ſchon die Halbmonde der Türken in der von— Gegen zehn Uhr des Morgens eröffnete das grobe Geſchütz den Kampf, tete Anfall im Rücken brachte die ſchon vom Siege träumenden Muſelmänner in Unord⸗ nung, und da auch die Croaten und Ungarn wieder Muth faßten und ſich von neuem muthig wehrten, war das Treffen entſchie⸗ den. In wilder Unordnung löſten ſich des Feindes wohlgeordnete Colonnen auf und El⸗ viros kühne Reiter, dieſes benutzend, brachen überall ein und verbreiteten Tod und Ver⸗ derben. Mit reicher Beute beladen verließ Elviro ſchnell den Kampfplatz, und verwun⸗ dert folgten ihm die Blicke der Croaten und Ungarn. Am folgenden Tage ſandte Elvi⸗ ro an zweitauſend gefangene Türken in das Hauptquartier ſeiner Landsleute und ließ dem Befehlshaber deſſelben nur die einfa⸗ hen Worte ſagen:„Hier ſendet der Anfüh⸗ rer des Freicorps vom Gebirge die in ſeine Hände gefallenen Feinde.“ Die Offiziere des Stabes, die die Ge⸗ fangenen empfingen, wollten die braven Hu⸗ ren noch weiter ausfragen, allein dieſe 5 daher nach einiger Erholung und Ruhe ganzen Lande erſcholl der Ruhm der tapfern Freiſchaar, und da man nichts Genaues über ſie erfahren konnte, ſo wurden allerhand grundloſe Geſchichten erdichtet und erzählt. Man ſandte Boten aus, nähere Erkundigun⸗ gen über die tapfern Gebirgshelden einzuzie⸗ hen, doch alle kehrten zurück, ohne nur eine Spur von ihnen erhalten zu haben. Ob⸗ gleich Viele auf die richtige Vermuthung kamen, ſo waren doch tauſend Andere, die dieſem entgegenſprachen.— Der anrückende Winter machte den gegenſeitigen Feindſelig⸗ keiten ein Ende und die Türken ſowohl als die Ungarn und Crvaten bezogen ihre Win⸗ terquartiere. Auch Elviro zog ſich mit den Seinen vom Felde der Ehre zurück, die un⸗ ermeßliche Beute in Sicherheit zu bringen. Wegen der beſtändigen Streifzüge und Unruhen hatte Elviro lange keine Nachricht von Weib und Kind erhalten, und er beſchloß machten Kehrt und jagten davon. Faſt im 74 perſönlich zu ihr zu begeben. Obgleich in 5 einigen Tagen ein ziemlich hoher Schnee ge⸗ fallen war, ſo bereitete er dennoch Alles zur Abreiſe vor, die ſchon am folgenden Tage vor ſich gehen ſollte. In der Nacht aber fiel noch eine ſolche Maſſe Schnee, daß der⸗ ſelbe auf gerader Ebene vier Fuß hoch lag. Alle Gründe und Tiefen waren dadurch verſchwunden und dem geraden Boden gleich gemacht. Die Zweige der Waldbäume bo⸗ gen ſich von der auf ihnen ruhenden Laſt, 4 junge Stämme hingegen wurden zur Erde † gebeugt, oder gebrochen. Bei allem aber trat eine ſo grimmige Kälte ein, daß die Vögel erſtarrten und aus der Luft ielen, Hirſche, Rehe und anderes Wild ſtrömte in Menge durch den Wald und ſuchte verge⸗ bens nach Trank und Futtet. Das grauſe Geheul der Wölfe, die nach Raub umher⸗ ſtreiften, erfüllte die ſchauerlichen Einöden. So gern Elvirv den Plan, zu den Seinen zu eilen, in Erſüllung gebracht hätte, ſo gab. „ 10 er dennoch Schweitzers Vorſtellungen, der ihm die Unmöglichkeit eines ſolchen Unter⸗ nehmens anſchaulich machte, nach und blieb. Viele Tage hinter einander hielt die Kälte mit gleicher Wuth an, und es fielen immer neue Maſſen Schnee, daß Elviro's Leute ge⸗ nug zu thun hatten, den Ein⸗ und Ausgang ihres Aufenthalts frei zu erhalten. Ein Glück war es, daß Elviro bei Zeiten für Vorräthe aller Art geſorgt hatte. Obgleich der unterirdiſche und auch der zweite, den Elviro in dieſer Noth hatte öffnen müſſen, geräumig genug war, ſo wurde den Räubern der Aufenthalt darin dennoch läſtig, und Alle ſehnten ſich nach einer baldigen Verbeſſerung der Witterung. Oögleich keine Kälte in die Gewölbe eindrang, ſo wurde doch der darin herrſchende Dunſt läſtig. Die von Hunger geguälten Bären und Wölfe wurden am Ende ſo dreiſt, daß ſie in die Ruinen eindrangen, und die in dem eingerichteten Stalle befindlichen Pi 76 anzufallen droheten. Dieſes Ereigniß war den nach Beſchäftigung ſich ſehnenden Räu⸗ bern willkommen und täglich wurden Jagden auf die wilden Beſtien gemacht und eine Menge derſelben erlegt. Eines MWorgens ſtand Elviro am Fenſter der Einſtedelei und blickte voll innerer Unruhe hinaus in das weite Schneefeld. Ein nahes Brum⸗ men ſtörte ihn aus ſeinen Betractungen und er gewahrte einen ungeheuren Bären, welcher gegen die Thür ſeiner Wohnung an⸗ rannte. Ohne Schweitzern, der an dem kleinen Tiſche des Gemachs ſaß und ſich im Leſen eines Buches vertieft hatte, ein Wort zu ſagen, nahm er ſeine Büchſe von der Wand und eilte hinaus, dem grimmigen Thiere entgegen. Als der Bär ſeinen Feind anſichtig wurde, richtete er ſich empor und machte ſich zum Angriff bereit. Unerſchro⸗ cken ſchlug Elviro ſeine Büchſe auf den Baren an, und als er denſelben genau aufs Korn. genommen zu haben meinte, drückte er — — 7 * „ — 1 — 3 „ Gwiro nicht die geringſte Verletzung 77 ab. Die Kugel hatte den Kopf des Thieres durchbohren ſollen, hatte aber das eigentli⸗ che Ziel verfehlt und dem Bären nur eine Streifwunde beigebracht. Gereizt durch die Verwundung, ſtürzte das Ungeheuer wild auf ſeinen Gegner, der ſich, da er ſo ſchnell nicht wieder laden konnte, beherzt mit dem Kolben ſeines Gewehres vertheidigte. Zum Unglück gleitete Elviro aus, und die grim⸗ mig aufgehobene Tatze des Bären ſchmet⸗ terte ihn im gleichen Augenblick zu Boden Schweitzer, der von dem Schuß aufgeſchreckt war, eilte zum Fenſter und erblickte den un⸗ gleichen Kampf. Schnell riß er ein Schwert von der Wand herab, und kam noch zu rech⸗ ter Zeit, ſeinen Hanptmann aus den Tatzen und Zähnen der Beſtie zu befreien. Mit einem wohlgerichteteten träftigen Hiebe ſpaltete er den Kopf des Bären mitten aus⸗ einander, daß er toot zur Erde ſtürzte. Au⸗ ßer dem mächtigen Schlage des Bären hatte X Schlag erfolgte, der die in dem kleinen Gemache * WVitternacht nicht mehr fer noch ſaß Elviro bei ten, und er ſcherzte mit Schweitzern ber das erlebte Abenteuer. Einen ganzen Monat hindurch hatte die Kälte und der Schnee in gleichem Ma⸗ ße angehalten, als die Luft ſich änderte, und ein allgemeines Thauwetter eintrat. In wenigen Tagen hatte der Schnee ſo abge⸗ nommen, daß an verſchiedenen Stellen der Erdboden hervorſchimmerte. Elviro ſetzte nun den Tag ſeiner Abreiſe feſt, und ord⸗ nete Alles, was er dazu nöthig hatte, an. Am Abend vor ſeiner Abreiſe ſaß er einſam ſeiner Wohnung m frohen Gedan⸗ e er bald zu um⸗ war es ruhig in „da bereits die n war, und den⸗ dem brennenden Lichte als plötzlich ein harter und beſchäftigte ſich mit de ken an Weib und Kind, di armen gedachte. Schon den unterirdiſchen Gängen einer Wachskerze, Grundfeſten des Giro blickte ſtaunend den 79 blick erloſch die Kerze, und wie von einem Feuermeer umgeben ſtand der ſchon geſe⸗ hene ungeſtaltete Zwerg vor ihm Die Er⸗ ſcheinung hatte mehr etwas Lächerliches, als Abſchreckendes, und dieſerhalb erholte ſich Elviro bald von ſeiner Ueberraſchung und befragte den Kleinen, was er von ihm verlange. „Du haſt dem Geiſt meines ehemaligen Herrn und Ritters,“ antwortete die Er⸗ ſcheinung, zeinen Dienſt erwieſen, und es iſt daher billig, Dir dieſen durch einen Ge⸗ gendienſt zu lohnen.“ „Was ich that,“ „geſchah von meiner Seite gern und es be⸗ darf keiner Belohnung.“ entgegnete Elvirv, Der Zwerg ſchüttelte den Kopf und fuhr fort:„Es handelt lſich hier nicht von Gold und Silber, ſondern von Deinem Le⸗ ben, welches Du leicht verlieren kanſt⸗ wenn ich Dich nicht warne.“ uf ſeiner Hut zu ſein. Noch ehe er am 80 Zwerg an, der nach einer Pauſe alſo fort⸗ fuhr:„Du willſt zu Gattin und Kind reiſen. Dieſes darfſt Du morgen nicht thun, wenn Dir Deine Freiheit lieb iſt. Ja, auch Dein Leben,“ fuhr der Zwerg bedeutungsvoller fort,„kannſt Du dabei verlieren, welches ich, da verſchiedene Nebenumſtände ſich dabei ereignen können, nicht beſtimmt ausſprechen kann. Lebe wohl, und befolge meinen Rath!“ Hier verſchwand der Zwerg, und El⸗ viro, der noch mehr Auskunft verlangte, war darüber höchſt verdrießlich: Auf ſein Lager hingeſtreckt, dachte er noch lange über die räthſelhafte Erſcheinung und die Worte der⸗ ſelben nach, worauf er überlegte, ob er Folge leiſten ſollte, oder nicht. Die Sehnſucht nach ſeiner geliebten Apollonia und dem Kinde beſtimmte ihn endlich, ſeine Reiſe vorzuneh⸗ men, doch beſchloß er, ſo viel als möglich dern Morgen erwachte, war Faller in —* ——„—„— — rt⸗ en. ein ler ei en en in zwei verſchiedene Bhälttiſſe 85 ſchleudert und in ſchwere Ketten gelegt. Ge gleich er den ganzen Tag weder einen Truntn einen Biſſen Brot genoſſen hatte, ward er nach dem Hofe hinabgeſchleift, ſogleich auf einen bereitſtehenden Wagen gehoben und angeſchloſſen. Auf einem andern Wa⸗ gen ſaß bereits Schweitzer, welcher die ſchreck⸗ lichſten Verwünſchungen gegen ſeine Henker ausſtieß. Faller wurde aber vom Haupt⸗ mann nicht bemerkt und er vermuthete, daß dieſer bereits abgeführt ſei. Nachdem ſich die Huſaren auf ihre Pferde geworfen hat⸗ ten, umringten ſie mit blanken Säbeln beide Wagen, die ſich ſogleich in Bewegung ſetz⸗ ten. Sie nahmen ihren Weg, wie Elviro beim hellen Tageslichte vernahm, nach der Grenze von Siebenbürgen zu, die man auch noch vor Abend erreichte. In einem kleinen Städtchen, welches Elviro der eingebroche⸗ nen Dunkelheit wegen nicht erkennen konnte, wurde Nachtquartier genommen und beide 8 — 96 Zwergtadtgefängniſſ es gebracht. Obgleich die⸗ 43 nur ein Vorgeſchmack von den noch be⸗ vorſtehenden ſchrecklichen Auftritten war, ſo wurde Elviro doch beim Anblick des grau⸗ ſen Kerkers auf traurige Betrachtungen ge⸗ leitet. „Wie nichtig iſt der Wechſel der Din⸗ ge,“ ſprach er zu ſich ſelbſt,„wodurch der ₰ Menſch vom kaum empfundenen Genuſſe des Glücks bis zur tiefſten Stufe des; menſch⸗ lichen Elends hinabgeſchleudett wird.“ Obgleich ſein Muth alle Fibern ſpannte, dem harten Schlage des Schickſals zu tro⸗ tzen, ſo war doch der Gedanke an Weib und Kind gleich mächtig, mit marternden Gefüh⸗ len auf ihn einzuſtürmen. Aus einer Art Heißhunger verſchlang er einen Biſſen Brot, den man ihm nebſt einem Kruge Waſſeß ge⸗ reicht hatte, aber an Schlaf war nicht zu den⸗ ken, und das Geraſſel ſeiner Ketten ſheuch⸗ te alle Ruhe von ihm. Beim Anbruch des folgenden Tages mußten die Gefangenen auf 5 4 —„ 97 Neue die Wagen beſteigen, welche unter Ge ſchrei und Lärmen des verſammelten Volkes durch die Stadt fuhren. Nun ging der Zug durch lauter bekannte Gegenden, und dieſer Anblick griff tief in die Seelen der beiden Gefangenen. Gegen Nachmittag erreichten ſie den kleinen Fluß Szomos und fuhren am rechten Ufer deſſelben entlang, und bald ſchim⸗ merten ihnen die Thürme der Hauptſtadt Klau⸗ ſenburg entgegen. Noch vor Aubruch des Abends wurden die Thore dieſer belebten Stadt erreicht, und als der Transport in dieſelben einrückte, war das Gedränge der neugierigen Menge ſo groß, daß die Hu⸗ ſaren Gewalt anwenden mußten, den Weg ei zu erhalten. Dumpf und ſchauerlich rollten die Wagen den gepflaſterten Weg hin⸗ auf nach dem über der Stadt hinaus liegen⸗ den feſten Schloſſe, deſſen Hauptthor ſich mit grauſem Knarren öffnete, und nach der Ein⸗ Ffahrt der Wagen augenblicklich wieder ſc Weile mußten die Sefangn Elvire und Apollonia. II. S 8. auf ihren Wagen harren, bis der Komman⸗ dant von ihrer Ankunft unterrichtet war, und die erforderlichen Befehle zu ihrer Unterbrin⸗ gung gegeben hatte. Dieſe erfolgten endlich und die Gefangenen wurden ſofort dem Schließer übergeben, welcher ſie mit Hil fe der Wache nach dem ſchrecklichſten Kerker abführte, der nur vorhanden war. Noch in der Nacht wurde ein Schmied beordert, der den Unglücklichen die Ringe der ſchweren Ketten um Hals und Füße ſhmieden und dann die Enden der eiſernen Bänder in der Mauer des Gefängniſſes befeſtigen mußte. Elviro knirſchte bei dieſer übertriebenen grau⸗ ſamen Behandlung, doch mußte er ſich der Macht ſeiner Feinde ergeben. Ein Krug Waſſer, ein Stück ſchwarzes Brod, und ein elendes Lager von halbverfaultem Stroh war Alles, was ihnen zur Pflege und Ruhe angewieſen war. Kein Strahl der Sonne te in den Athat des Gralens brk⸗ 99 Seite und über und unter ihnen, und das Jammern, Fluchen, Läſtern und Brüllen fre⸗ cher Lieder ſtörte ſie bei Tag und Nacht⸗ Nach einigen Tagen begannen die Verhöre mit den Gefangenen, wobei die Richter ihnen eine ſolche Menge Verbrechen aufbürden wollten und ihr Bekenntniß darauf verlang⸗ ten, daß ſich Elviro nicht enthalten konnte, darüber bitter und aufgebracht zu werden. Das Zurückhalten ihres Geſtändniſſes, was ſie, ohne ſich ſelbſt Verbrechen und Thaten anzuklagen, die ſie nie begangen hatten, nicht ablegen konnten, wurde für Verſtocktheit und Verworfenheit gehalten, und die Richter be⸗ ſchloſſen einſtimmig, daß man, weun die Ver⸗ brecher noch länger anſtehen ſollten, die am Tage liegenden Schandthaten zu bekennen, die Folter in ihrer ganzen Grauſamkeit angewendet werden ſollte. Mit dieſer Bedrohung wür⸗ den die BSeſangenen in ihren Kerker zuri Elviro dachte jetzt ernſtlicher 43 je t der warnenden Worte des Zweiges, und es ſchien ihm gewiß, daß das Ende ſeiner Laufbahn gekommen ſei. Gern hätte er ſeinem Leben ſelbſt ein Ende gemacht, wenn ihn nicht die ſchweren engen Feſſeln daran gehindert hätten. Nicht aus Furcht vor dem bevorſtehenden nahen Tode, ſondern aus Abſcheu vor dem entehrenden und ſchmach⸗ vollen Ende unter der Hand des Henkers wurde er traurig und verſtimmt. Nach eini⸗ gen Tagen war abermals Verhör, und da er noch immer mit Abſcheu das verlangte Bekenntniß verweigerte, ward er zur Folter verdammt. Als er in dem dazu beſtimmten Gemache ankam, ächzte und wimmerte Schwei⸗ tzer bereits unter den Händen einiger Scher⸗ gen, die ihm die Glieder ſeines Körpers bis zum Zerſpringen ausreckten. Dicker Schaum und Geifer trat vor den Mund des Gemarterten, und dennoch vermochte er ein Bekenntniß nicht auszuſprechen, welches man unaufhörlich von ihm verlangte. Als alle Touren der Unmenſchlichkeit an ihm erprobt 7*. 4 —— den Umſtänden war ein halbes Jah hinge 101 waren. wurde er losgelaſſen und in einem dem Tode ähnlichen Zuſtande nach ſeinein Gefängniſſe zurückgeſchleppt. Nun fielen die Henker über Elviro her, an dem man eben⸗ falls alle Mittel der Grauſamkeit verſchwen⸗ dete, ohne ihn zum Bekenntniß zu bringen. Mit zerrenkten Gliedern, wodurch alle Theile des Körpers mit Blut unterlaufen waren, brachte man ihn, faſt aller Sinne be⸗ raubt, nach ſeinem ſchrecklichen Aufenthalt zurück und warf ihn auf ſein feuchtes Lager nieder. Sein Erwachen aus dieſer Betän⸗ bung war noch weit ſchrecklicher, denn nun fühlte er erſt die grauſamſten Schmerzen. Viele Tage hintereinander fühlten die armen Gemarterten die fürchterlichſten Qualen, und faſt aller Ruhe beraubt, wozu noch der Man⸗ gel an ordentlichen Nahrungsmüteln kam, waren ſie lebendigen Gerippen ähnlich ge⸗ worden. Unter dieſen Drangſalen und elen⸗ gangen, und noch hatte kein Lant dei — tages vor, welches alſo lautete:„Wir ge glücklichen verrathen, welches Ende ſie zu erwarten hatten. Elviro und ſelbſt Schwei⸗ tzer konnten ſich nicht entſchließen, auch nur ein Wort gegen ihren mürriſchen Gefangen⸗ wärter davon fallen zu laſſen, und dieſer blieb ſtumm wie das Verbrechen. Nachdem ſie lange Zeit zu keinem Verhör gebracht worden waren, geſchah dieſes endlich an einem Nachmittage und unter auffallenden Ceremonien, die nichts Gutes vermuthen ließen. Das Verhörzimmer war hinten be⸗ ₰ ſonders ſtark angefüllt und die beſtimmten Richter ſaßen in ſchwarzer Kleidung um eine lange Tafel, die mit einem ſchwarzen Tuche bedeckt war. Auf der Mitte dieſer Tafel ſtand ein Todtenkopf, und daneben lag ein blankes Schwert. Ohne die zwei vorgeſtellten Gefangenen weiter zu befragen, erhob ſich der älteſte Richter, ergriff ein vor ſich liegendes Actenſtück und las mit lauter Stimme das ergangene Reſcript des Land⸗ 103 nehmigen das nach den Acten abgefaßte Todesurtheil des wohllöblichen Criminals in Betreff der inhaftirten Verbrecher, und be⸗ fehlen, daß den Delinquenten das Urtheil ſofort vorgeleſen und binnen acht Tagen an ihnen vollzogen werden ſoll.“ Der Richter ſchwieg eine Weile und begann das Vorleſen des rechtskräftig ge⸗ wordenen Todesurtheils. Es lautete:„Der Verbrecher Elviro, Anführer einer Raub⸗ und Mordbande, ſoll als gerechte Strafe ſeiner Schandthaten mit dem Rade von unten hinauf vom Leben zum Tode gebracht werden, und dann ſein verruchtes Haupt als Warnung und Exempel auf dem Raben⸗ ſtein aufgeſtellt werden. Ingleichen ſoll der Verbrecher Schweitzer, Mitglied der von dem verruchten Elviro befehligten Raubbande mit dem Schwerte vom Leben zum Tode gebracht werden, nachdem man ihm verhen die rechte Hand vom verruchten S e trennt hat.“ ———— §5 Nachdem das Vorleſen beendet war, wurde ſogleich der Stab über die Gefange⸗ nen gebrochen, und ſodann beſtimmt, daß die Execution am folgenden Tage vor ſich gehen ſollte. Elviro und Schweitzer vernah⸗ men das ſchreckliche Todesurtheil wie Männer, die den Tod als Freund betrachteten, der ſie von einem Leben befreite, welches ihnen unter ſolchen Verhältniſſen zur Laſt geworden war. Nachdem Beide in ihre Gefängniſſe zurückgebracht worden waren, erſchien bei Jedem ein Geiſtlicher, der ſie zu einem bußfertigen Tode vorbereiten und mit ihnen beten ſollte. Elviro ſaß eben in ſchmerzli⸗ chen Gedanken um Gattin und Kind ver—⸗ ſunken, von denen er, ohne ſie noch einmal geſehen und zum Abſchiede umarmt zu ha⸗ ben, in dieſer Welt auf immer getrennt werden ſollte, als der würdige Pfarrer zu ihm hereintrat. Letzterer begrüßte den Ver⸗ urtheilten mit Leutſeligkeit und Mitleiden, velches das zerknirſchte Herz Elviros wun⸗ die er dem Unglücklichen zum Bi derbar ergriff, und er ſchenkte demſelben volles Vertrauen, und ſchüttete Alles, was ihn ſchmerzlich belaſtete, in den Buſen des wahren Menſchenfreundes aus. Auf einen Wiük des Letztern mußte ſich der Gefangenwärter ent⸗ fernen, damit er nicht Zeuge deſſen war, was ihm Elviro anvertraute. Der brave Geiſtliche erſtaunte, anſtatt eines frechen Sünders, wie er vermuthet hatte, in dem Verurtheilten einen Mann von der feinſten Bildung, der noch dazu einen chriſtlichen Sinn und ſtandhafte Ergebung in den Willen der Vorſehung zeigte, zu finden. Thränen der innigſten Teilnahme rannen über ſeine Wan⸗ gen, denn er ſah nicht mehr den Verbrecher vor ſich, ſondern er betrachtete den Unglück⸗ lichen nur als einen der bedauernswertheſten Verirrten, der durch widrige Verhältniſſe, wie Elviros freies Bekenntniß ihm ſelbſt „angedeutet hatte, von dem rechten Wege abgeleitet war. Die Worte der Religion, waren paſſend und ganz auf Elviros Schick⸗ ſal gerichtet, weshalb ſie auch tief in deſſen Seele drangen und ſeinen Glauben an die Barmherzigkeit Gottes erſtarkten. Zum Schluſſe der frommen Betrachtungen ſank der Geiſtliche auf ſeine Knie, welches auch Elviro that, und Beide erhoben ihre Herzen im vereinten andächtigen Gebet zu Gott. Ehe der Geiſtliche ſchied, trug ihm Elviro unter den heißeſten Bitten auf, an ſeine Gattin und Kind, deren Aufenthalt er ihm angab, ſein letztes Lebewohl zu überbringen. Dieſes heilig verſprechend, ſchied der redliche Geiſtliche und Elviro ſank getröſtet auf ſein Lager, um in Andacht und Gebet die kurze Zeit hinzubringen, die ihm noch zu leben vergönnt war. Auch in Schweitzern fand der andere Pfarrer ein bußfertiges Gemüth, und ein für die Religion empfängliches Herz und erverließ ihn bei ſeinem Abſchiede getröſtet und beruhigt, dem ſchweren Ende ſeine Lebens S zu gehen. Ein henlender Sturmwind braußte durch die verödete Natur, da ſchritt der kühne Büchel, die Büchſe auf die Schulter werfend, hinaus ins Freie, um die aufgeſtellten Wachtpoſten zu revidiren. Den Hut tief in die Augen gedrückt, ſeinen weiten Mantel feſt um ſich ſchlagend, und brummend, des Sturmes Wüs then verwünſchend, ſchlich er unter den von eif und Froſt bedeckten Bäumen hin. Mit lauter Stimme rief er den aufgeſtellten Wachtpoſten die Looſung zu, und ſtand dann horchend, ob die Antwort erfolge. Ueber⸗ zeugt von der Wachſamkeit ſeiner Leute, wollte er den Rückweg nach den Ruinen antreten, als er von einem Poſten ein lautes Anrufen vernahm, welches die Annäherung eines Fremden bekundete. Schnell hemmte er ſeine Schritte, und lauſchend vernahm er, daß freundliche Worte gewechſelt wurden. Ein autes„hm“ in den Bart brummend ſc — 108 er zurück nach dem Poſten, ehe er aber die⸗ ſen erreichte, kam ihm ein Reiter entgegen,„ in dem er zu ſeiner Verwunderung Fallern erkannte. Letzterer wurde ſeit der Zeit, wo er durch ſeine Rolle die feinvlichen Krieger getäuſcht hatte, von jedem der Bande nicht anders als Einſiedler genannt. Auch Bü⸗ chel rief ihm daher zu:„Um des Teufels und ſeiner Großmutter willen, wo kommt denn der Einſiedler her, und das ſo Mutter⸗ ſeelen allein?“ Faller warf ſtatt einer Antwort mit ei⸗ nigen Dutzend Donnerwettern um ſich her, und trabte dann an Bücheln vorüber, den Ruinen zu. „Daß Dir der Donner in den Ma⸗ gen führe!“ fluchte dieſer,„ich wette, der Einſiedler bringt eine Hiobspoſt.“ Schnell eilte er dem bereits an den Rulinen angekommenen Faller nach, der durch ſein lautes Fluchen und Wettern Alles in Allarm gebracht hatte. Als Büchel ankam — * 109 ſtand ſchon die ganze Bande um Fallern herum, der ſich jetzt vom Roſſe herabſchwang und daſſelbe einem Riuber übergab. Noch wußte keiner, was Faller brachte oder wollte, der ſich wie ein Unſinniger geberdete, und immerfort fluchte und wetterte. „Haſt Du denn den Gehirnkaſten er⸗ froren,“ rief endlich Büchel verdrüßlich,„ſo ſprich doch, was es giebt, altes Haus.“ Faller fiel jetzt auf einmal aus ſeiner wilden Raſerei in eine höchſt wehmüthige Stimmung und indem er ſich ſchmerzlich an Büchels Bruſt warf, rief er aus:„Rettet, Brüder, oder unſer geliebte Hauptmann iſt unwiederbringlich verloren!“ Wie ein Donnerſchlag fielen dieſe Worte auf die Umſtehenden, und im wildeſten Tu⸗ mult ſchrie Alles durch einander:„Rebe Faller, was iſt dem Hauptmann begegnet? Sprich, wie ſollen, wie können wir ih e ten? Und wäre es mit unſerm letzten Bu tropfen, es ſoll, es muß geſcheh 3 „Laßt mich einige Erholung und Erquickung genießen, Kameraden,“ bat Faller, „dann ſollt Ihr Alles erfahren, und wir wol⸗ len dann überlegen, was zu thun iſt.“ Alle ſtürmten jetzt nach dem unterirdi— ſchen Gange, und nachdem ſich Faller etwas erholt hatte, nahm er das Wort, und er⸗ zählte:„Als wir am vorgeſtrigen Morgen von hier abritten, übereilte uns im Walde ein fürchterliches Schneewetter, welches uns ſo verdutzt machte, daß wir bald den rech⸗ ten Weg verloren und in der Irre umher⸗ üten. Beim Anbruch der Nacht gelangten wir endlich in ein kleines Dorf, und da kein Wirthshaus daſelbſt vorhanden war, ritten wir auf das Landhaus des dort wohnenden Barons, der uns freundlich aufnahm. In⸗ deß der Hauptmann und Schweitzer, die ſich für zwei polniſche Grafen ausgegeben hatten, 8 mit den Baron und ſeiner Gemahlin ein freußdſchaſtliches Abendbrod einnahmen, ward ich in der Domeſtikenſtube bewirthet, und 111 pflegte mich hinter dem warmen Ofen. Nach einiger Zeit, da die Herrſchaften bereits zu Bette gegangen waren, begab ich mich hin⸗ aus nach dem Stalle, um den Pferden noch ein Futter zu geben, und mich dann auch auf's Ohr zu legen. Bei meinem Eintritt in den Stall traf ich einen alten Diener des Barons beſchäftigt, eines unſerer Roſſe zu ſatteln. Verwundert fragte ich, warum er dieſes thue. Der Alte kam auf mich zu und ſagte mit leiſem Tone:„Beſteige das Roß, mein Sohn, und eile, weil es noch Zeit iſt, Dein Leben zu retten. Frage nicht lange, ſondern thue, was ich Dir ſage, und vielleicht iſt es auch möglich, daß Da dann Deinen beiden Herren Hilfe verſchaffen kannſt, die ſich bereits in der Gewalt des Barons be⸗ finden. Auch Du ſollſt, wenn Du im Schlafe liegen wirſt, überfallen und in Feſſeln ge⸗ legt werden. Warum dieſes Alles geſchieht weiß ich zwar bis jetzt noch nicht, 6 viel iſt gewiß, daß ein gewiſſer Werne 35 ſich im Dienſte des Barons befindet, Schuld— daran iſt.“ Bei dem Namen Werner fuhr es mir wie ein Blitz durchs Herz und ich erwog die Gefahr, in welcher der Hauptmann ſchwebte. Ich allein konnte mich der Ge⸗ walt nicht widerſetzen, darum ſchwang ich mich eilends auf das geſattelte Roß, und jagte, als mich der Alte durch die Pforte geleitet hatte, wie ein Gehetzter davon, um noch wo möglich vor Tage hier anzulangen. Allein ſo hell die Nacht im Anfang war, ſo ward doch der Himmel bald mit finſtern Wolken umhüllt, und da auch von neuem die Luft von fallenden Schneeflocken erfüllt wurde, ſo gerieth ich bald in die Irre. Die Angſt über die mißliche Lage unſeres Haupt⸗ manns und das grauſe Schneewetter machten mich am Ende ſo konfus, daß ich nicht mehr wußte, wo ich herkam, und wo ich hinreiten ſollte Als endlich der Tag anbrach, ſeß Simener nach, aber dennoch nut 113 picht anzugeben, in welcher Gegend ich mich befand. Keine menſchliche Seele war weit unv breit um mich her zu ſehen, und ich hielt einige Minuten in dem weiten Schnee— felde, wie ein Verlaſſener, der nicht weiß, wo aus noch ein Endlich glaubte ich die rechte Gegend erkannt zu haben, und jagte weiter, ohne das arme Thier zu ſchonen, das mit jedem Augenblicke unter mir zuſam— men zu ſtürzen drohete Schon mochte der Mittag vorüber ſein, als ich ein Dorf er⸗ reichte, in welches ich einritt, um Erkundi⸗ gungen einzuziehen, wo und in welcher Ge⸗ gend ich mich eigentlich befand. Das kleine Wirthshaus, welches mir entgegenſchimmerte, beſtimmte mich, vor dieſem anzuhalten Ich ſprang vom Pferde, band daſſelbe an der Thür feſt, und eilte nach der Stube, aus welcher mir ein lautes Sprechen entgegen ſchallte. Bei meinem Eintritt erhlickte ich eine Menge Bauern, welche zu meinet Be rzung von der Verhaftung des und Apollonia. II. 8 Räuberhauptmanns Elviro ſprachen. In⸗ dem ich mir ein Glas Rum bringen ließ, hörte ich die ſchreckliche Gewißheit, daß der Hauptmann und Schweitzer ſchon an dieſem Morgen hier durch transportirt, und daß ſie ſofort nach Klauſenburg abgeführt waren, um dort ihre Strafe zu erhalten. Wie ein armer Sünder, dem das Todesurtheil ge⸗ ſprochen wird, ſaß ich bei Anhörung dieſer Trauerpoſt, erkundigte mich dann nach der Gegend und warf mich nun wieder in den Sattel. Nach langen Bemühungen kam ich endlich auf den rechten Weg und komme nun hierher, indeſſen der Hauptmann und Schwei⸗ tzer bereits in dem alten Bergſchloſſe von Klauſenburg ſitzen werden.“ Faller ſchwieg und die ganze Bande brüllte vor Wuth und Verzweiflung wild auf, daß die Gewölbe davon erdröhnten. Faſt Allen war das feſte und wohlverwahrte Bergſchloß bekannt, und Keinem ſiel der Gedanke ein, einen gewaltſamen Pee — — W —————— 115 vorzuſchlagen, den geliebten Hauptmann und Schweitzern daraus zu erretten. Liſt ſchien noch das einzige Mittel und Allen das Gerathenſte, wie es aber anzufangen ſei, wußte doch Niemand anzugeben. Schon am andern Morgen warf ſich Faller in die Kleidung eines Landmanns und ging nach Klauſenbürg, um Erkundigungen über des Hauptmanns und Schweitzers Schickſal ein⸗ zuziehen. Mehr als zu viel erfuhr er über ihr trauriges Loos, aber ſich Eingang in das Schloß ſelbſt zu verſchaffen gelang ihm nicht, und er bot umſonſt alle ſeine Liſt und Klugheit auf. Traurig kehrte er nach meh⸗ reren Tagen nach den Ruinen zurück und berichtete der Bande die Erfolgloſigkeit ſei⸗ ner Bemühungen. Er wiederholte faſt in jeder Woche ſeinen Gang nach Klauſenburg und ſtets kehrte er unverrichteter Sache zu⸗ rück. So waren bereits zwei MWonate ver⸗ ſchwunden, ohne daß man etwas für den ler erinnerte ſich jetzt an Apollonien, die ge⸗ wiß in großer Sorge um Elviro ſchweben würde, da ſie in ſo langer Zeit nichts von ihm erfahren hatte. Er ſandte daher eines Tages einen der Räuber mit einem Briefe an dieſelbe ab, verbot aber dem Boten bei ſtrenger Ahndung, ſich dort etwas von dem traurigen Schickſal des Hauptmanns merken zu laſſen. In dem Briefe ſelbſt ſchrieb er, daß der Hauptmann an einer kleinen Un⸗ päßlichkeit leide, die aber bald gehoben ſein und er dann bei ihr erſcheinen würde. Das heranrückende Frühjahr rief auch die Bewegungen des Krieges wieder hervor und bereits hatten die befreundeten ſowohl, als die feindlichen Truppen ihre Winterquartiere verlaſſen, und man ſah mit jedem Tage dem Ausbruch neuer Feindſeligkeiten ent⸗ gegen. Tie Räuber hofften von dieſen neuen; eiiſen eine glückliche Wendung für das geliebten Haupt und — —.—— „ . 117 ſahen begierig auf die neuerhobenen Blut 8 paniere des Krieges. 6. Alles entſteht und vergeht nach Geſetzen, doch über des Menſchen Leben, den köſtlichen Schatz, herrſcht ein ſchwankendes Loos. J. W v. Göthe. Faſt die ganze Nacht hatten die Be⸗ wohner von Klauſenburg in ſehnender Un⸗ ruhe den Anbruch des Tages erwartet, an welchem der kühne Räuberhauptmann bluten ſollte, und noch war das Licht des Mor⸗ genſterns nicht erloſchen, als die Straßen ſchon von der wogenden Menge durchzogen wurden. Der längſt erſehnte Tag brach an, feierlich ſchwebte die Königin deſſelben über 8 fym Gebirge empor, und mit ihren erſten S n welche n die ſuzen 118 Zinnen des mächtigen Bergſchloſſes fielen, begann der dumpfe Ton der wirbelnden Trommeln und der ſchauerliche Klang der Armenſünder-Glocke. Indeſſen ſich die ge⸗ ringe Beſatzung des Schloſſes unter das Gewehr ſtellte, ſtrömten die Bewohner der Städt hinaus nach dem Richtplatze, und je⸗ der war beſorgt, ſich ſeinen Stand ſo nahe als möglich bei dem errichteten Schaffot zu verſchaffen. Prächtige Karoſſen mit geſchmück⸗ ten Damen und Herren und ſtattliche Reiter auf ſtolzen Roſſen jagten neben einander, wie im Wettrennen, ſich den Rang ſtreitig zu machen. Von dem Thore des Schloſſes an bis zu dem Schaffot und noch weit um dieſes her, ſtanden Fußgänger Kopf an Kopf gedrängt, und dazwiſchen Karoſſen und Reiter, die gleichſam von der Maſſe eingemauert ſchienen. Aller Blicke waren nach der Ge⸗ gend hin gerichtet, wo der erſehnte Zug her⸗ mmen mußte und alle Herzen ſchlugen in banger Erwartung dem Augenblick entge ———,——— —— —8 — 119 in welchem die blutige Scene vor ſich gehen ſollte. Der ſchauerliche Ton der Gloe, der auf einige Zeit verſtummt war, ließ ſich jetzt mit dem neu erhobenen Trommelſchall hören, und nach wenigen Augenblicken öff⸗ nete ſich raſſelnd das finſtere Thor des Schloſ⸗ ſes. Ein Wagen mit vier prächtigen Ren⸗ nern beſpannt, in welchem der Kommandant nebſt zwei Criminalrichtern ſaß, rollte zuerſt nach dem Schaffot heran. Nach dieſem folgten vierzig Dragoner mit blank gezogenen Säbeln in langſam feierlichem Aufzuge. Gleich hinter dieſen Reitern folgte ein elen⸗ der Karren, auf welchem Elviro und Schwei⸗ tzer in Armenſünderkleidung ſaßen, neben ihnen der zur Hinrichtung beſtimmte Scharf⸗ richter und zu beiden Seiten des Karrens gingen einige Knechte des Hochgerichts. Auf einem zweiten Karren ſtanden außer den zur Hinrichtung beſtimmten Werkzeugen zwei ſchwarze Tafeln, auf welchen die Namen S Verbrechen der Verurtheilten ſtanden, und die zur Warnung neben den aufzuſtel⸗ lenden Köpfen angeheftet werden ſollten. Den Beſchluß dieſes tragiſchen Zuges machte eine Kompagnie Grenadiere unter dem dumpfen Ton der herabgeſtimmten Trommeln. Mit Mühe mußte ſich der Zug durch die ver⸗ ſammelte Volksmenge winden, ehe er auf dem Richtplatze anlangte. Dort angekommen wurde der Karren mit den Verurtheilten einige Mal um das Schaffot herum gefahren, damit Letztere die unter denſelben aufgewor⸗ fenen Gruben ſehen ſollten, die zur Auf⸗ nahme und Vermoderung ihrer Gebeine be⸗ ſtimmt waren. Hierauf ſchloſſen die Soldaten einen Kreis um das Blutgerüſt, worauf El⸗ viro und Schweitzer vom Karren herabgebracht und von den Henkersknechten auf das Schaf⸗ pot geführt wurden. Oben angekommen war⸗ fen ſich beide Verurtheilte auf ihre Kniee ieder und verrichteten ein andächtiges ſtil⸗ 5 les Gebet, umarmten ſich hierauf und nahmen einen rührenden Abſchied von einander — — — . Kein Auge der Zuſchauer blieb bei dieſer Scene ohne Thränen, und vieler Herzen wurden zum regen Mitleiden für die Un⸗ glücklichen bewogen. Schweitzer, deſſen Hin⸗ richtung zuerſt vorgenommen werden ſollte, wurde jetzt nach einem bereitſtehenden Klotze geführt, auf welchem ihm kraft des Urtheils die rechte Hand abgehauen werden ſollte. Mit ſeltener Standhaftigkeit ſtreifte Schwritzer den Aermel ſeiner Kleidung auf und legte unerſchrocken ſeine Hand zum verderblichen Streich hin. Schon erhob der Scharfrichter das Schwert, doch in dem Augenblicke, als er den Hieb vollführen wollte, krachte aus dem Haufen der Volksmenge ein Schuß und vom tödtlichen Blei getroffen ſtürzte er rück⸗ lings zu Boden. Im gleichen Moment donnerten von einem nahen Hügel ze fürchterliche Kanonenſchüſſe, und eiſte praſ⸗ ſelnde Gewehrſalve, durch welche dis Kügein in die erſchrockene Menge fuhren und ein ſchreckliches Blutbad anrichtete. Sprache8 1 „ erſtarrt ſtand Alles, als, wie von einem ma⸗ giſchen Zauber geleitet, von allen Seiten ſchnaubende Reiter und Fußvolk heranſtürm⸗ ten, prallte die Menge unter wildem Ge⸗ ſchrei auseinander. Umſonſt verſuchten die um das Schaffot herum aufgeſtellten Solda⸗ ten die Andringenden zurück zu werfen, die mit höchſter Erbitterung angriffen. Die er⸗ ſchrockene Volksmenge ſuchte Schutz in der WMitte der Grenadiere und vermehrte da⸗ durch die allgemeine Verwirrung unter die⸗ ſen noch mehr. Verwegene Reiter ſtürzten jetzt auf den verworrenen Knäuel und ſpreng⸗ en das Ganze auseinander; eben ſo leicht trieben ſie auch die zum Widerſtand ſich ſammelnden Dragonét vor ſich her und war⸗ en ſie nach der Stadt zurück. Elviro und Schweitzer waren wie betäubt, und vermoch⸗ en nicht, ſich die plötzliche Wendung ihres den enblit zu er⸗ ——— 123 ges, himmliſches Glück! Avpollonia ſank an die Bruſt ihres Elviro. Unmöglich iſt es, die Gefühle ihrer Herzen zu beſchreiben, die ſie in dieſem Augenblick empfanden, wo die ſchreckliche Scheidewand zwiſchen Leben und Tod ſo nahe geweſen war. Büchel und Faller waren zugleich mit Apollonien zu den Freunden hinauf geeilt, und trugen faſt die armen Dulder auf ihren Armen fort von dem ſchrecklichen Orte. Umringt von den jubeln⸗ den Räubern wurden die Geretteten auf bereitgehaltene Pferde gehoben und ſchnell wurde der Rückzug nach dem Gebirge an⸗ getreten. Büchel mit den tapfern Huſaren deckte den Rücken, denn bereits ſtürmten zwei ſtarke Reiterhaufen vot der Stadt her ih⸗ nen nach. Durch einige kühne Scharmützel hielt er den Feind ab, und da er ſeine Freunde be⸗ reits zwiſchen Waldungen und Felſen verſchwin⸗ den ſäh, ſprengte er mit den Seinenihnenkach In Klauſtuburg herrſchte den gahen Tig über eine tumultkariſche Bewegung —, und Jedermann bewunderte dieſen küh⸗ nen Hauptſtreich der Räuber, der mit wenigem Blutvergießen ausgeführt worden war. Zum allgemeinen Erſtaunen aber hatte der Commandant und einige andere Offiziere in den wackern Burſchen jene Hel⸗ denſchaar wiedererkannt, die im vorjährigen Feldzuge, unter ihren Augen, dem Feinde manche harte Wunde geſchlagen hatte. Ob⸗ gleich manche der Großen, welche Elviro's Geißel gefühlt hatten, ihre Stimme laut erhoben, die Räuber nur als niederes Mord⸗ geſindel darzuſtellen, ſo war doch von die⸗ ſem Angenblick an die niedere Volksklaſſe die Bewundererin und Verehrerin der küh⸗ nen Räuberſchaar.. Im Triumph hatten die Räuber ihren verehrten Hauptmann und Schweitzer nach den Ruinen zurückgebracht, wo ſie von den Zurückebliebenen mit freudigem empfangen wurden. Der überglückiche El W 125 Weibes das Gemach ſeiner kleinen Woh⸗ nung betrat, hatte hier noch einen ergreifen⸗ den Auftritt zu beſtehen. Kaum hatte er die Schwelle überſchritten, als ihm ein kind⸗ liches Lallen entgegenſchallte. Es war das Lächeln ſeines Kindes, das er noch nicht ge⸗ ſehen hatte, und welches ihm der alte Toll auf ſeinem Arme wiegend entgegen trug⸗ Elviro ſank faſt vor Freude zuſammen, denn ſeine durch die langen Leiden erſchöpften Kräfte waren zu ſchwach, alle dieſe Wonne ertre⸗ gen zu können. Nachdem er den Kleinen nebſt der geliebten Mutter lange geherzt hatte, ſank er auf ſeine Kniee und dankte Gott, dem Schöpfer ſeines Glücks, in einem Ge⸗ bete. Selbſt die Roheſten ſeiner Bande fühlten Rührung, und falteten, ergriffen von dieſer Scene, ihre Hände. Am folgenden Tage gab Elviro den Seinen ein herrliches Feſt und bis ſpät in die Nacht dauerte der fröhliche Jubel. Mehrere Wochen hedurf ten Eiviro und Schweitzer, ihre verlorenen Kräfte wiederzugewinnen. Apollonia pflegte ſie ſelbſt mit treuen Händen und bei ihrer liebevollen Pflege ward ihr erſchütterter Ge⸗ ſundheitszuſtand bald wieder blühend und kräftig. Während Elviros Verbeſſerung ſei— nes entkräfteten Zuſtandes hatte ihm Apol⸗ lonia nur wenig von der Familie Müller mitgetheilt, obgleich er mehrmals das Ge⸗ ſpräch darauf gebracht hatte. Als er völ⸗ lig wieder hergeſtellt war, und in einer hei⸗ tern Stimmung mit dem kleinen Guſtav koſte, brachte ſie unvermerkt das Geſpräch auf dieſe und äußerte den Wunſch, recht bald in ſeiner Geſellſchaft die Braͤven zu überraſchen. Elvirv ſagte ihr dieſes zu, und Beide verabredeten einen beſtimmten 5 Tag zu ihrer Abreiſe, welcher aber noch auf vierzehn Tage verſchoben wurde. Büchel brachte nach einigen Tagen den von ihm eingefangenen Werner, welcher von der von dem Hanptmann empfangenen Wunde wie it war. Von dem enpfagelen — u M v 1 27 Verrätherlohn hattte er ſich in einer kleinen Stadt angekauft und betrieb dort einen Schleichhandel. Werner, wohl wiſſend, wel— ches Schickſal er zu erwarten hatte, warf ſich vor Elviro auf die Kniee und flehte um Schonung ſeines Lebens. Schon war der Hauptmann auf Apolloniens Fürbitte zu ge⸗ linden Geſinnungen gegen den Elenden ge⸗ ſtimmt, da trat die ganze Bande auf, und forderte unter lautem Gebrüll ſein Blut. Die Aufregung der Gemüther war ſo ſtark, daß Elviro mit aller Anſtrengung nicht durch⸗ greifen konnte, und nach wenigen Augen⸗ blicken hatte Werner unter den Dolchen der Aufgebrachten ſein Leben verhaucht. Wie unter den Zähnen und Kraden der wilde⸗ ſten Raubthiere wurde ſein Körper zerſtückelt und umhergeſtreut. Auch der fälſchliche Ba⸗ ron jenes Dorfes wurde von Fallern aus⸗ gewittert, und endigte ſein Leben unter den Dolchen der Bande. Die glücklichen Siege der Türken ve breiteten überall Entſetzen und weiter ſchon in's Land erſtreckten ſich ihre Geißeln. Ob⸗ gleich Elviro die härteſte Schmach von ſei⸗ nem Vaterlande erduldet hatte, ſo ergriff doch die jetzige Noth deſſelben ſein ganzes Herz. Er verſuchte daher Apollonien für ſeinen Entſchluß zu ſtimmen, dem Vaterlande Hilfe zu bringen, und ſie zur Rückkehr zur Familie Müller zu bewegen. Dieſe bot aber alle ihre Beredſamkeit auf, ihn von dieſem Vor⸗ haben abzubringen, und da Alles nicht fruch⸗ ten wollte, rief ſie ſchmerzlich: Willſt Du auch jetzt noch nicht aufhören, Dich drohenz den Gefahren Preis zu geben? Wenn Dich auch meine Liebe nicht feſſelt, ſo ſollte doch der Anblick des Kindes Dich rühren!“ Elviro war erſchütert, aber dennoch war die heilige Flamme der Vaterlandsliebe und er Drang nach rühmlichen Thaten ſo ſark, daß er auf ſeinem Vorſatz beharrte⸗ Apol⸗ 37 . 6. alle Byfni it n b⸗ — auf dem beſchwerlichen „ — 129 lich, um des armen Kindes Ruhe willen, nach der braven Familie zurück. 5 2. Heil jedem Herzen, das von Lieb' bewegt, Warm für das Vaterland im Buſen ſchlägt. In einer finſtern Nacht, die ſich auf die wilden Höhen der Karpathen niederge⸗ ſenkt hatte, verfolgte Elviro an der Spi ſeiner wackern Schützen einen ſchmalen weg, der ſich durch wildes Geſtrip aufwärts zog, zuweilen machte und lauſchte, ob ſich kein L hören ließ, und zog, we weilen diente den kühne ſchwaches elendes Wurzel unddennoch ſchwangen Honia. II. 130 liche Klippen, von dieſen Hilfsmitteln un⸗ terſtützt. Endlich erreichten ſie eine freie einzeln aufziehenden Leute ſammelte. Dieſes geſchah mit einer ſolchen Ruhe, daß man die ſchleichenden Räuber für bloße Schatten halten konnte. Als ſich Alle geſammelt hat⸗ zen, ſchritten ſie eben ſo leiſe über die Ebene hin, und nachdem ſie bis zu einer Felskette gekommen waren, welche die Fläche begrenzte, und verſicherte ſich, ob er richtig ſein Ziel cht habe, oder ob er weiter ziehen müſſe. zger Entfernung vor ſich bemerkte er gs Felsſtück, und vor ihm orgloſer Ruhe. Schon e Kunde von dem feind⸗ Ebene, wo Elviro Halt machte und ſeine — —„—— machten ſie abermals Halt. Elviro ſchwang ſich hierauf allein zu dem Felsrande empor, die hinter Felsſtücken hervor⸗ tſam ſchwang er ſich auf ein den, welches von dem worden war, die kühne ——— 7)„—„ 8 — Sb„ 6 M ———————————— „ 131 von welcher er unaufhörlich beun, ruhigt wurde, aufzuſuchen und zu vernichten. Elvito hatte ſich auf ſeinen geheimen Schleich⸗ wegen dem drohenden Ungewitter entzogen und durch kleine Neckereien hatte er den Feind bis in die unwegſamſten Gegenden ge⸗ lockt. Auf ſeine Macht trauend, hatte ſich der Feind forgloſer Ruhe überlaſſen, und ahnete nicht, daß eben dieſe Sorgloſigkeit ſeinen Untergang herbeiführte. Der kühne Büchel hatte ſeine Reiter in einer moraſtigen Waldgegend abſitzen laſſen und ließ die Pferde unter Bedeckung zurück, um mit den Seinen zu Fuß den Entwurf des Haupt⸗ manns zu unterſtützen. Zur Erde gekauert und den Säbel im Munde kroch die tapfere Schaar von einer andern Seite her gegen den Feind. In geringer Entfernung vor deſſen Lagerplatze machten ſie Halt und war⸗ teten auf den Erfolg des verabredeten Zei hens. Elviro war von dem Felſen Jurück⸗ Ketrichtete ſie von der Ve des— Feindes und gab die nöthigen Befehle zum Angriff. Ein Theil der Schützen mußte ſich unter Fallers Anführung um die Felſen her⸗ umziehen, indeß Elviro ſich mit den Uebri⸗ gen mit Leichtigkeit auf den Felſen empor⸗ ſchwang und mit ihnen bis zum Lager des Feindes hinanklimmte. Als Elviro ſeine Leute an Ort und Stelle glaubte, drückte er eine Piſtole ab, deſſen Krachen durch das vielfache Echo vermehrt durch die Felſen rollte. Erſchrocken fuhren die Muſelmänner empor, aber im gleichen Augenblicke ſtürzten auch ſchon die Räuber von allen Seiten auf ſie ein, und der Feind behielt kaum ſo viel Zeit, ſich zur Gegenwehr bereit zu machen. WMit der höchſten Erbitterung fochten die Erſtern, die Letztern, um Freiheit und Leben 1 zu retten, nicht minder, und ſo erhob ſich ein mörderiſcher Kampf. Die Dunketheit der Nacht erſchwerte die Anſtrengungen von beiden Seiten, denn der Kampſplatz ward nur zuweilen von den Feuerblitzen — en ————————— 7— en Fie Räuber ihre verdekblichen Kugeln 133 gebrannten Gewehre erhellt. Die Türken hatten ſich in ein dichtes Viereck zuſammen⸗ gezogen und unterhilten nach allen Seiten hin ein lebhaftes Feuer, was den von Dun⸗ 6 kelheit und Felſen geſchützten Räubern we⸗ nig ſchadete. Da der Morgen nicht mehr„ fern war, beſchloß Elviro deſſen Anbruch abzuwarten, deshalb rief er ſeine Leute durch ein Singnal von dem begonnenen neuen Angriff zurück. Nachdem er alle Aus⸗ und Eingänge zu der felſigen Höhe wohl be⸗ ſetzt hatte, ſo daß der eingeſchloſſene Feind nicht entweichen konnte, harrte er mit Unge⸗ duld auf das Ende der Nacht. Auch die Türken blieben unter dem Gewehrund wünſch⸗ ten, daß der Reſt der Nacht ſchwinden und der Tageshelle Platz machen möchte. Der von beiden Seiten erſehnte Morgen brach endlich an, und mit ſeinen erſten Strahlen begannen die Feindſeligkeiten. Vom Felſen gedeckt und auf den Boden gekauert, ſand⸗ unter den blosgeſtellten Haufen der Türken, die ſich, vor dem verderblichen Hagel zu ſchü⸗ tzen, nach einer in ihrem Rücken gelegenen Felswand hinzogen. Kaum hatten ſie ſich aber dieſem Ort genähert, als Büchel mit den Seinen hinter dem Felſen hervorbrach, und ihnen entgegen ſtürzte. Büchel warf ſich mit gewaltiger Kraft auf die Türken, bahnte ſich mit fürchterlichen Hieben einen Weg bis in die Mitte derſelben, und ihm nach drang ſeine wild entflammte Schaar. Zu gleicher Zeit gaben die geübten Schützen eine vernichtende Salve und ſtürzten dann mit aufgepflanzten Bajonnetten auf den Feind. Umſonſt ſtrengten die von ällen Seiten um⸗ ringten Türken ihre ganze Kraft an, dieſen fürchterlichen Anfall abzuſchlagen, denn nach wenigen Augenblicken waren ihre Reihen durch⸗ brochen; umſonſt bemüheten ſich die Befehls⸗ haber, die Ordnung wieder herzuſtellen. In der erſten Erbitterung derRäuber wurde Alles ohne Erbarmen niedergemacht, unden —————— —— 135 — des Feindes zu retten, die ſich unter ſeinen Schutz begeben hatte. Ueber tauſend Mann der erſchlagenen Feinde lagen umher, die, als ihnen das, was ſie bei ſich trugen, abgenommen war, von den Räubern in eine nahe Fels⸗ ſchlucht geſtürzt wurden. Glänzende Beute wurde hier nicht gemacht, da die Türken ihre beſten Habſeligkeiten im Lager des Großve⸗ ziers zurückgelaſſen hatten. Wenige Tage nach dieſem errungenen Siege hhatte Büchel einen Transport der Türken über⸗ fallen und mit ſeinen kühnen Reitern die Bede⸗ ckung derſelben niedergehauen, wobei ein Theil der feindlichen Kriegskaſſe und ein Wagen mit Kleinodien und allerhand koſtbaren Sachen 5 in ſeine Hände ſiel. Unter lautem Jubel urde die reiche Beute nach dem Gebirge ge⸗ n bracht und dem Hauptmann überliefert, Lon welchem die eroberten Schätze nach den Ri Ven eſandt wurden. großer Mühe konnte Elviro dem zügelloſen Morden Einhalt thun, um eine kleine Schast ——— Auf einem Recognoszirungs⸗Ritte, den et in Geſellſchaft Schweitzers unternahm, ſtieß er nahe vor einem Dorfe auf ſechs türkiſche Rei⸗ ter, welche ihn und ſeinen Begleiter ſogleich umringten. Elviro und Schweitzer hatten ſich ſchon bei Erblickung der Feinde in Vertheidi⸗ gungsſtand geſetzt, und begegneten dem Angriff derſelben mit unerſchrockenem Wäthe. El⸗ viro parirte die Hiebe der ungeübten Geg⸗ ner mit Leichtigkeit ab und nach wenig Au⸗ genblicken hatte er zwei derſelben von ihren Pferden heruntergehauen. Auch Schweitzer hatte die Hiebe der Gegner mit Vortheil zurückgegeben und einem das Lebenslicht aus⸗ geblaſen. Die andern drei mochten den Kampf nicht länger fortſetzen und ſprengten eiligſt davon. Sie vermutheten, daß im Dorfe noch mehr Feinde anweſend ſein möchten, lenk⸗ ten daher davon ab und ſprengten nach ei⸗ ner andern Seite hin, von welcher ihnen ein Wagen entgegen flog, der von zwei vorneh⸗ ie Türken verfolgt wurde. Elviro unz ————.—— — 137 Schweitzer ſetzten ihre Pferde in ſchnellere Bewegung, doch als die Verfolger des Wa⸗ gens ſie gewahrten, kehrten ſie ſchnell ihre Roſſe und jagten davon. Im Wagen, wel⸗ cher jetzt näher kam, ſaß ein ältlicher Herr, der eine ohnmächtig gewordene junge Dame im Arm hielt. Der Kutſcher mußte ſtill halten und der fremde Herr dankte den beiden Rei⸗ tern, daß ſie ihm durch ihre Gegenwart ei⸗ nen großen Dienſt erwieſen, wodurch er von ſeinen Verfolgern befreit worden ſei. „Glück und Zufall,“ entgegnete Elviro, ſich dem Wagen nähernd,„haben Ihnen, mein Herr, dieſen Dienſt erwieſen; wir wa⸗ ren nur die Werkzeuge dazu.“ Elviro hatte bei dieſen Worten das Ge⸗ ſicht der ohnmächtigen Dame genauer be⸗ trachtet, und fand zu ſeiner Ueberraſchung, daß dieſe eine auffallende 2ehai mit Fſeiner Apollonia hatte. „Sind die Herrſchaf ften in dieſer 6 Bend zu Hauſe?“ fragte er im artigſten Tone, und warf dabei noch einen flüchtigen Blick auf das ihm intereſſante Geſicht der Dame. „Zu dienen,“ war des Fremden Ant⸗ wort,„dort in jenem Dorfe beſitze ich ein kleines Gut. Sie würden mich, meine Herren, unendlich verbinden,“ ſetzte er bittend hinz u, „wenn Sie uns bis dahin begleiten wollten.“ El viro, der in der kommenden Nacht einen Hauptſtreich aus zuführen beſchloſſen hatte, entſchuldigte ſich für heute mit Mangel an Zeit, verſprach aber in einigen Tagen dort einzuſprechen. Als man ſich von beiden Sei⸗ ten aufs Höflichſte verabſchiedet hatte, roll⸗ te der Wagen dem Dorfe zu und Elviro ſprengte mit ſeinem Begleiter nach dem Ge⸗ birge zurück. Auf dem Wege dorthin be⸗ gegnete ihnen Faller, der, auf Kundſchaft ausziehend, als Landmann verkleidet war, und brachte dem Hauptmann eine Nachricht, die ihm höchſt erwünſcht war. Der Groß⸗ S vezier, welchet einige Meilen vom Gebirge in feſtes Lager bezogen hatte, verſuchte —— — „ 139 mit aller Kraft unaufhörlich Elviros Hel⸗ denſchaar aufzuheben. Letzterer aber be⸗ ſchloß demohngeachtet ein unerhörtes Wa⸗ geſtück gegen denſelben auszuführen und ihn, wenn es glückte, ſelbſt aus der Mitte ſeiner ungeheuren Armee heraus zu reißen und zu entführen. Darauf zu raffiniren und die genaueſten Erkundigungen einzuziehen und die Lage des Lagers zu erforſchen, war der liſtige Faller ausgeweſen, und ein günſti⸗ ger Zufall, der ihm jedoch beinahe das Le⸗ ben gekoſtet hätte, brachte ihn ſelbſt bis in das Lager. Er war nämlich unterwegs aufgegriffen worden und mußte eine Heerde geſtohlenes und geraubtes Vieh dorthin trei⸗ ben helfen. Als er ſein Geſchäft verrichtet hatte, wollte er zurück, allein ein Aga ließ ihn ergreifen, um dem Chriſtenhund— wie er ſich ausdrückte— den Kopf abſchlagen zu laſſen. ſein Leben und verſicherte dabei, daß er aus arkeit dem mächtigen Aga einen ver⸗ Der bedrängte Faller bat um 140⁰ borgenen Schatz zuweiſen wolle. Der nach reicher Beute lüſterne Muſelmann hörte nicht ſobald deſſen Bedingung, als er ihn zu be⸗ gnadigen verſprach, wenn er ihm den Schatz zeigen wollte. Faller gab an, daß derſelbe nicht weit vom Lager in einer Höhle des nahen Waldes verborgen ſei und verſprach, den Aga dorthin zu führen. Dieſer vor Be⸗ gierde brennend, brach ſogleich mit ihm und einem einzigen Diener nach dem bezeichneten Orte auf. Der Aga ging voraus, Faller in der Mitte und der Diener folgte nach. Als ſie den Wald erreicht hatten, erſah Fal⸗ ler den günſtigen Augenblick, ſprang in das Dickicht hinein und davon. Auf dieſer Flucht kam er jetzt dem Hauptmann in den Weg und konnte ihm alſo den treulichſten Bericht ab⸗ ſtatten. Als Elviro Alles vernommen hatte, rief er aus:„Iſt der Aga nicht mehr zu er⸗ —————— wiſchen? An ſeiner Perſon iſt mir viel ge⸗ legen.“ Faller gab die Möglichkeit zu ung 141 te den Beiden den Weg nach der gogei 3, wo er ihn verlaſſen hatte. Sogleich ſpieng ten dieſe mit verhängten Zügeln der bezeich neten Richtung zu, und waren ſo glücklich, den Aga nebſt ſeinem Diener anzutreffen, und nach deſſen verzweifelter Gegenwehr zu Gefangenen zu machen. Die Muſelmänner wurden an die Pferde geſchleift; ſo kamen ſie im Lager der Ihrigen an, welches auf den wildeſten Höhen genommen war. Der gefangene Aga wurde bald durch Drohun⸗ gen, mehr aber durch reiche Geſchenke und das Verſprechen einer baldigen Freiheit ge⸗ wonnen, der Verräther an ſeinem Befehls⸗ haber zu werden. Elviro ſchritt ſofort zu Vorbereitungen zu dem großen Unternehmen, welches in der bevorſtehenden Nacht ausge⸗ führt werden ſollte. Einer Maſſe türkiſcher Kleidungen, welche in veiſchiedenen Streif⸗ zügen erbeutet worden waren, wollte man ſich zur Täuſchung der feindlichen Vorpoſten be⸗ Fienen Elviro ſelbſt warf ſich nebſt Bü⸗ chel in eine ſolche Kleidung und außerdem mußten noch vierzig tapfere Huſaren gleich⸗ falls ihre Uniformen mit türkiſchen ver⸗ tauſchen. Der Aga ſollte ſich an Elviros Seite, an der Spitze dieſes Haufens den Vorpoſten nähern, die man dann ergreifen ind binden wollte, ſodann ſollte er ſich in6 gger ſelbſt begeben und ſagen er mäſſe 142 den Großvezier ſprechen. In geringer Ent⸗ fernung vom Lager ſollten ſich die übrigen ſ Huſaren und die drei Kompagnien Schützen r aufſtellen, um beim Mißlingen des Verſuchs den verwegenen Unternehmern des Wage⸗ 4 ſtücks Hilfe bringen zu können. f Sobald der Abend herandämmerte, be⸗ wegte ſich das Ganze langſam nach dem Walde, r ver ſich in geringer Entfernung vom Lager f hinzog. Nachdem die gänzliche Dunkelheit 1 angebrochen war, und die Wachtfeuer der ti Feinde ſchon lange gebrannt hatten, rückte n man bis auf eine gewiſſe Entfernung dem n Lager näher, worauf Halt gemacht wurde, 4 und die Verkleideten vom Aga geführt ſich d allein den Wachtpoſten naheten. Elviro hielt v auf dem Zuge dem Aga ſeine Piſtolen voch w einmal auf die Bruſt und ſchwur ihm, wenn b er nur durch einen Laut oder Bewegung ze falſch handeln würde, ihm augenblicklich eine n Kugel durch das Hirn zu jagen. Der Bedrehte te vetſctherte noch einmal bei Muhamed, ſei⸗ A nem Propheten, Treue, und immer weiter ging es den Wachtfeuern der aufgeſtellten türki⸗ ſchen Poſten zu. Schon in weiter Entfer⸗ nung riefen Letztere den Ankommeüden das Feldgeſchrei entgegen, worauf der Aga die Looſung zurück gab, und jene ſich unbeſorgi auf den Boden niederſtreckten. Sobald diz Verkleideten bei den Poſten angele —— . f 143 ren, ſprangen mehrere ſchnell von ihren Roſ⸗ ſen, ſetzten den Ueberraſchten die Spitzen ih⸗ rer Säbel auf die Bruſt, worauf ſich dieſe willig den Mund verbinden und die Hände und Füße feſſeln ließen. Beim zweiten Po⸗ ſten angekommen, wiederholte man das Ver⸗ fahren, und kam auf dieſe Weiſe bis in das Lager. Nur Wenige waren noch wach in ih⸗ ren Zelten und ſchmauchten ruhig ihre Pfei⸗ fen; die Uebrigen aber lagen in guter Ruhe. Unaufgehalten kamen ſie bis zu dem präch⸗ tigen Zelte des Großveziers, welcher noch munter war, und ſich von einer jungen Schö⸗ nen auf der Zither etwas vorſpielen ließ. Die im Zelte aufgeſtellte Wache wurde von dem Aga unterrichtet, daß man den Groß⸗ vezier ſprechen müſſe, welches Elviro, der et⸗ was türkiſch konnte, verſtand. Der wachtha⸗ bende Türke ging zu einem kleinen Neben⸗ zelte und rief einen ſchwarzen Verſchnitte⸗ nen herbei, welcher den Aga anmelden ſoll⸗ te. Bald kam dieſer zurück und berief den . Aga zu ſeinem Herrn, welcher ſich verab⸗ redeter Maßen zu demſelben hineinbe⸗ gab. Elviro drängte ſich ſo nahe als mög⸗ lich an die Wand deſſelben und vernahm in verdächtiges Flüſtern. Augenblicklich gab ½ Pallern einen Wink, der ſogleich mit Bli⸗ e der Wache eine Piſtole auf die Bruſt dieſe verſtummen machte N 144 viro, von Bücheln und einigen Andern ge⸗ folgt, drang ſogleich mit dem Säbel in der † Fauſt in das Zelt, und ein Blick ſagte Er⸗ ſterm, daß der Aga bereits dem Vezier ei⸗ nen Wink vn der Gefahr gegeben habe⸗ Denn ſobald der Letztere ſie hereinſtürmen ſah, rief er mit lauter Stinme:„Verrath! die Chriſtenhunde ſind in's Lager gedrun⸗ gen! „Fahre zur Höllel⸗ knirſchte Elviro, und hieb den Aga zu Boden, welcher ſi unter einen Tiſch verbergen wollte. Die Verkleideten fielen jetzt über den Großve⸗ zier her, verbanden ihm den Mund, und zo⸗ gen ihn zum Zelte hinaus zu ihren Pfer⸗ den und hoben ihn auf eines derſelben. Im gleichen Augenblicke warf ſich das im Zelt befindliche Mädchen zu Elviros Füßen, be⸗ tannte, daß ſie eine Chriſtin ſei, und bat, ſie zu retten und mitzunehmen. Er verſprach es, hieß ihr ſchleunigſt folgen und eilte hin⸗ aus, wo bereits Alles aufſaß, und ſich zum Kampfe bereit machte, da der Verſchnittene des Großveziers Ausruf vernommen hatte, und Lärm im Lager machte⸗ Ein ber mußte das Mädchen vor ſich auf das ———— Pferd nebmen und nun ging es, den gefan genen Großvezier in det Mitte, im g Patrier fort, um aus dem Lager 1 uen das immer mehr in Auftuhrk er der Räu 1* von mehreren Seiten her W wehre und pfeifend flogen die s die Nacht hin, an ihren Köpſel Schon waren ſie der Grenze des = er r⸗ 1⸗ e ſehr nahe, als ihnen ein Prupp en hie, türkiſche Lanzenreiter, entgegen ſprei h ten. Elviro mit den Seinen warf ſich ſo⸗ n⸗ gleich auf den Feild und brach ſich unter 5 Feuer ihrer Piſtolen und ihren ſcharfen Klingen Bahn und jagte davon. Wilder Lärm ich rauſchte jetzt durch das Lager, Alles erwach⸗ i te und die ſchreckliche That ward ruchbar. 2 Trommeln und Pauken wirbelten durch das ve Lager und das Abfeuern des ſchweren Ge⸗ 3 ſchützes dröhnte grauſend durch die ſtille Nacht. Im Die ganze Macht des Feindes rückte aus dem Lager, indeß einzelne leichte Reiterhaufen den Verwegenen nachgeſandt wurden. Indeß der bat, Hauptmann an der Spitze abzog, in deren ach WMitte ſich der Gefangene nebſt dem befrei⸗ bin“ ten Mädchen befand, ſchickte Büchel mit ſei⸗ en wackern Huſaren die nachgeſandten wa⸗ z ckern Reiter mit blutigen Köpfen zurück und atte, brachte, als er gegen Morgen in den Schlupf⸗ täu winkel der Bande zurückkehrte, eine große das Anzahl Gefangene mit, unter e ſich efan mehrere Aga's befanden. Am andern Tage pernahm Elviro von dem eretten Mädchen, daß ſie im Dienſte eines Gutsbwitzers geweſen ſei, welcher ſich MWüllet Kaumte unppeſſen brave Frau habe ſie— [Svit ulluenin. 146 kterloſe Waiſe erzogen. Das bwohnten, könnte nicht weit ſein, K, und ba ſehr, ſie zu dieſen ihren Rtern zurückzuführen. Schweitzer muß⸗ den Namen des Dorfes nennen laſſen, dzog noch am ſelbigen Tage fort, um dieſen Ort auszukundſchaften, und dann die Flehende dorthin zu geleiten, die er lieber für immer in ſeiner Nähe wünſchte. Noch am Abend kehrte er zurück und bezeichnete es als das⸗ jenige, wo ſie geſtern die Bekanntſchaft mit den Herrſchaften in der Kutſche gemacht hatten und berichtete zu deſſen Erſtaunen, daß dieſe genannte Müllers ſelbſt wären. El⸗ viro erinnerte ſich jetzt lebhaft an die Ahn⸗ lichteit der Dame mit ſeiner geliebten Apol⸗ deren Gemahl einige Züge von ſeinem Freund Muller bemerkt zu haben, was ihm nun erſt durch die Gleichheit der Namen deutlich wurde. In aller Frühe des andern Morgens mußte Schweitzer das Mädchen unter ſicherer Bedeckung zu ihrer Herrſchaft zurückbringen nach den Familien⸗Umſtänden zu erkundigen. — Während dem Schweitzer mit ſ ließ dieſem die Gefangennehe2 es ezie melden. Zugleich erte er lonia, und es wollte ihm ſogar dünken, an und Elviro trug ihm dabei auf, ſich genat einer angeneh⸗ 5 men Blondine abzog, die ſich Eliſabeth nannte, fertigte Elviro einen Huſaren an den Com⸗% mandanten des Schloſſes Klauſenburg ab. ¹ . 5) 5 147 2 dieſen in einem Briefe auf, denſelben d ein ſtarkes Kommando von ihm abh len zu laſſen, und bezeichnete dazu den Drt. Der gefangene Türke, der ſich in der Gewalt ſeiner ärgſten Feinde glaubte, zitterte vor dem Augenblick, wo man ihn zu einem e ſchrecklichen Tode führen wuͤrde, und ver⸗ ſchmähete die ihm dargereichte Koſt, um ſich d durch einen freiwilligen Hungertod von ſei⸗ nen ſchwarzen Vorſtellungen zu befreien. it Elviro behandelte ihn daher mit der größten t Schonung und alle ſeine Leute mußten die⸗ 6 ſem Beiſpiel folgen. 8 Schweitzer kam ſpät in der Nacht zurück 3 und brachte folgende Nachrichten, welche & Elviros Intereſſe zu dieſer Familie immer d reger machten. 3 .„Der alte Müller,“ erzählte Schweitzer, „ſtammt urſprünglich aus Deutſchland, hat 3 3 ſich von dort nach der Schweiz begeben und 3 S von da iſt er hierher gezogen. Kinder hat S en er zwei gehabt, einen Sohn und eine Toch ter, doch weiß er von Beiden nicht gewiß ob er ſie als verſtorben beweinen ſoll, vde — glauben, daß ſie noch in einem Wintel der Erde am Leben ſein möchten.“ „Haſt Du ſicht erfahren, äuf welche Art die Kinder von ihm getreunt wurden es 4 fragte Elviro ſchnell, doch konute Schweitzer veer nichts ausſagen, und der * 3 3 — Sß ſich nächſtens ſelbſt zu ihnen zu be⸗ geben. Nach einigen Tagen brachten Elviros ausgeſandte Kundſchafter die Nachricht, daß alle Truppen des Feindes, da der Großve⸗ zier fehlte, ſich zurück nach ihren Grenzen bewegten. Büchel mußte ſogleich mit den Reitern aufſitzen, um zu ſehen, ob keine Vor⸗ theile bei dem Abzuge des Feindes zu ma⸗ chen ſeien. Nach deſſen Abzuge kam der Bo⸗ te von Klauſenburg und brachte dem Haupt⸗ mann ein ſehr verbindliches Schreiben des Kommandanten, und die von ihm ausge⸗ wirfte vollkommene Begnadigung der Lan⸗ desſtände. Elviro, außer ſich vor Freude, vermogte das Begnadigungs⸗Schreiben im erſten Augenblick kaum fertig zu leſen. Nach einer völligen Beruhigung ſeiner Gefühle nahm er es noch einmal zur Hand, fand noch mehr Urfache, dem Himmel zu danken, als er folgendes am Schluſſe veſſelben las:„Zu⸗ gleich ſollen die ſämmtlichen Leute Elviros Pferde bebalten, und ihnen frei ſtehen, ſich in jedem Theile des Landes, nach Belieben niederzulaſſen, oder in dem ſtehenden Heere einzutreten. Das Geſchehene wird als nicht geſchehen angenommen und angeſehen, und ſoll Niemand das Recht haben, ihnen i⸗ 9end einen Vorwurf darüber zu machen. erdem ſoll Elviro zum Andenken an ſeinz Freiſchaarie er ſo oft mit Vortheil gege — und zu Ende der Bekann . ſich auf den Geſi 149 den Feind führte, der Charakter ein jors verliehen, und tent zur Zeit ausgeliefert werden. ſollen ſämmtliche von ihnen erbeutete als Eigenthum, in den Händen dieſe es Ma hierzu das gehörige Pa. Ferner Sachen r Frei⸗ ſchaar verbleiben, und entſagt das Vaterland jedem Anſpruch daran.“— Schweitzer und Faller drängten ſich um den entzückten was ihn ſo erfreut machte. verwies ſie zur Geduld und v kehrt ſein würde, den Hauptmann und forſchten, Elviro aber erſprach, daß er, wenn Büchel mit den Reitern zurü ckge⸗ Inhalt des Schreibens öffentlich vorleſen laſſen würde. Am andern Ta⸗ ge kehrten die Reiter zurück und b noch einige Halbmonde und trophäen mit, welche nen Scharmü viro gab ſogleich Befehl alle ſeine wackern Burſch meln mußten, ſodann rachten andere Kriegs⸗ ſie dem Feinde in klei⸗ tzeln abgenommen hatten. El⸗ nach welchem ſich en um ihn verſam⸗ übergab er Bücheln das erhaltene Schreiben mit der Weiſung, den Inhalt deſſelben laut und vernehmlich vorzutragen. Der die Papiere, indeß die ganze B Aufgeforderte entfaltete ande um ihn her ein tiefes Schweigen beobachtete und ge⸗ ſpannt aufhorchte, begann. Staunen, es in ein lautes Freudengeſchrei au als Büchel den Vortrag Ueberraſchung und Freude chtern der Räuber tmachung brach Al⸗ nerhin beſtehenden engen Verbindung, wo durch der allgemeine Jubel und die Freude derſelben den höchſten Grad erreichten. Jauch⸗ zend warfen ſie ihre Hüte in die Luft, tanz⸗ ten vor Freude wie Kinder umber, und um⸗ armten ſich dann untereinander, wie glückliche Menſchen, die nicht wiſſen, wie und wodurch ſie ihre Gefühle an den Tag legen ſollen, Als der mehrſte Rauſch der Freude vorüber war, ließ Elviro das Signal zum Aufbruch geben und bald zogen ſie, den Gefangenen mit ſich führend, unter heitern und frohen Geſprächen ihrem alten Aufenthalt in den Rui⸗ nen zu. Die Räuber, welche dort zurückge⸗ blieben waren, empfanden ebenfalls eine große Freude, als man ihnen die glückliche Wen⸗ dung ihres Schickſals mittheilte. Elviro, elcher nach Verlauf von einigen Tagen mit ſeinem kleinen Corps einen glänzenden Ein⸗ zug in Klauſenburg zu halten gedachte, gab Befehl, ſich dazu vorzubereiten und ihre Waf⸗ fen in glänzenden Zuſtand zu ſetzen, und die ſchadhaft gewordenen Stücken ihrer Unifor⸗ en durch neue zu erſetzen, zu deren Anfer⸗ tigung er die unter ihnen befindlichen Pro⸗ feſſioniſten anwies. Gern wäre er ſogleich zur geliebten Gattin und zum Kind geeilt, enn nicht die Anordnung und Leitung det Vorbereitungen heine Gegenwart erfordert hätte⸗ Um aber 1 5 8—* —*1 — 2— Leuten einige Hoffnung zu einer auch fe 452 Apollonia das unverhoffte Glück mitzutheilen, mußte Faller, mit einem Briefe verſehen, ſich zu ihr auf den Weg machen. Die Zurü⸗ ſtungen zu dem beſchloſſenen glänzenden Zuge gingen freudig von ſtatten, und Elviro konn⸗ te ſchon nach kurzer Zeit den Tag beſtimmen, wo er in Klauſenburg einzuziehen gedachte, und ſandte daher Schweitzern an den Kom⸗ mandanten der Stadt ab, um demſelben ſei⸗ ne Ankunft zu melden. Mit beſonderen Ge⸗ fühlen betrat Schweitzer das Schloß, wo er ſo viele Drangſale erduldet hatte, und er⸗ ſchien nicht ganz frei von Beſorgniß vor dem Kommandanten. Dieſer aber empfing ihn mit einer Auszeichnung und Herablaffung, welche die bittern Gefuͤhle an die Vergan⸗ genheit bei ihm hinlänglich verlöſchte ————— Eines Morgens ſaß Elviro im Glanze der aufſteigenden Sonne in der grünen Laube des kleinen Gärtchens neben der Ein⸗ ſiedelei, und dachte an das künftige ruhige Glück, welches er in den Armen ſeiner theu ren Gattin genießen würde, als ſanfte Har fentöne aus dem Gebüſch von der Begrän zung des Gartens her ſich vernehmen ließe überraſcht ſprang er nach de Begend hin, Wo ſoeben Apollonia ſichtb⸗ M [3. *— 3 153 . wurde, und ſank voll der zärtlichſten i 3 innigſten Gefühle an ihre Bruſt. Schen wollte er nach dem holden Kleinen frähen, als ſein Freund Müller hinter dem Gebüſch hervor trat und ihm auf ſeinem Arm den blühenden Knaben entgegen hielt. Elviro wand ſich jetzt ſanft aus den Umarmungen ſeiner geliebten Apollonia, und ſchloß dann den braven Müller in ſeine Arme, nahm das Kind zu ſich, welches die Händchen nach ihm ausſtreckte, und küßte dieſes voll rüh⸗ render Wonne, wobei Freudenthränen ſeine Wangen netzten. Aus dieſen ſchäkernden Liebkoſungen mit dem Kleinen riß ihn Ag⸗ nes, Müllers Tochter, die ſich freundlich an ihn ſchmiegte und ausrief:„Sehen Sie, da bin ich auch, lieber Onkel!“ Elviro drückte ihr die Hand, küßte ſie herzlich und erwiederte:„Ei tauſend! wie hübſch und groß Du geworden biſt!““ Elviro vernahm jetzt ein Geräuſch von der Seite, wandte ſeinen Blick dahin, und bemerkte eine Dame, die mit tiefverſchleier⸗ tem Geſicht ſich nahete, und in einiger Ent⸗ fernung von ihm ſtehen blieb. Er warf, von dieſem Anblick befremdet, einen fragenden Blick auf ſeine Gattin und Müllern, wel⸗ ger ihn ſchweigend anlächelte und ſich an ner Ueberraſchung weidete. Apollonia trat dlich zu ihm, und indem ſie ihm den klei 6 n Guſtav abnahm, zeigte ſie lächelnd * 154 pie Verſchleierte und fragte im ſchalkhaften Tone:„Vermagſt Du trotz des Schleiers dieſe Dame zu erkennen?“ Statt Antwort trat Elviro der Ver⸗ ſchleierten näher, redete ſie verbindlich an und ſprach:„Sie ſind, wie ich richtig ver⸗ muthe, die Gattin meines Freundes, und da ich ſo gut gerathen habe, ſo werden Sie mir hoffentlich die Freiheit erlauben, den neidi⸗ ſchen Schleier entfernen zu dürfen?“ Schnell zog er jetzt den Schleier hinweg und— wer vermag die Gefühle der Freude, der Wonne und des Entzückens zu ſchildern, welche in dieſem Augenblick ſein Herz be⸗ ſtürmten, als er in der Entſchleierten ſeine geliebte theure Schweſter erkannte, nach der er ſich ſchon mehrere Jahre geſehnt hatte. „Gott, iſt es möglich! Schweſter! Bru⸗ der!“ ſtammelten die Entzückten und ſanken einander ſprachlos in die Arme. Apollonia und Müller traten jetzt auch herzu, umſchlan⸗ gen die Glücklichen, und theilten mit ihnen die ſelige Wonne des Wiederſehens. Nach⸗ dem die höchſte Wonne der liebevollen zärt⸗ lichen Ergießungen vorüber war, ſchlang Apollonia ihren Arm um Müller, der ſie ebenfalls zärtlich umfaßte und rief ihrem beglückten Gatten zu:„Du ſollſt nicht alleiz das Glück genießen, eine Schweſter gefunde 3 1 Mir iſt ein gleiches Loos be umarme ich meinen Bruder! 155 Da gabs denn für Elviro eine nene und er fühlte an Müllers Herzen, wie glück⸗ lich ſeine theure Schweſter gewählt hatte⸗ Der ganze Reſt des Tages verging wie ein Wonnetraum, und auch Elviros Leute er⸗ götzten und erfreuten ſich an dem Glücke der Wiedervereinten. S. Der ſchöne Mai ſchmückte die Erde mit dem feſtlich bräutlichen Gewande und rings⸗ um in der Schöpfung erklangen der Liebe und Freude jubelnde Töne, da erſchien der er⸗ ſehnte Tag, wo die erwartete Heldenſchaar ihren Einzug in Klauſenburg halten ſollte⸗ Fröhlicher Tumult herrſchte ſchon am frühen WMorgen in der weiten Stadt, déren Bewoh⸗ ner jetzt von ganz anderen Gefühlen bewegt wurden als an dem Tage, wo der jetzt mit Sehnſucht Erwartete bluten ſollte. Kunſtler und Handwerker hatten ſchon am Tage vor⸗ her Triumphbogen außerhalb dem Thore er⸗ richtet, und Jungfrauen jeder Standes hat⸗ ndieſen mit Blumen und Laubwerk be⸗ knzt. Die Behörden, welche ſolche Vorbe eitungen als übertrieben betrachteten, ſpra⸗ e mſoſt dagegen, und ieß Scene der Rührung und himmliſchen Wonne 156 der berauſchten Menge ibren Willen. Der ganze Weg, den die Erwarteten kommen mußten, war mit einer reichen Fülle duften⸗ der Blumen beſtreut, und von Zeit zu Zeit mußte ein Reiter die Straße hinabgaloppiren, unn bei Zeiten die Annäherung des Zuges zu verkünden. Gegen neun Uhr des Mor⸗ gens zog eine große Schaar Jungfrauen, gekleidet in blendend weiße Kleider und mit grünen Kränzen geſchmückt, hinaus vor das Thor, und bildeten zu beiden Seiten der Straße ein reizend belebtes Spalier. End⸗ lich wirbelte eine Staubwolke in der Ferne auf, der auf Spähung ausgeſandte Reiter kehrte ſchnell zurück und ſein Ruf:„ſie kom⸗ men,“ wurde von der harrenden Menge un⸗ ter Jubel wiederholt. Jetzt rollte ein Wa⸗ gen herein, auf welchem Apollonia mit ihrem Kinde, nebſt der Familie Müller ſaß, und dieſe wurden nicht wenig von den feſtlichen Vorbereitungen ergriffen. Nach ihnen folg⸗ ten zwanzig Huſaren von Elviros Leuten, Alle in prächtigen Uniformen und der beſten kriegeriſchen Haltung. Ein donnerndes„Le⸗ behoch!“ der frohlockenden Menge begrüßte ſie, aber noch weit ſtürmiſcher wurde der gügemeine Jubel, als Elviro an der Seite des gefangenen Großveziers ankam, und it Paradeſchritt die langen Reihen ſeiner G teuen folgten. Der kühne Elviro, in de iform eines Majors, warf ſeine freie 137 wonneberauſchten Blicke auf die jubelnde Menge umher, nnd neigte oftmals freundlich ſein Haupt zum Danke. Dagegen blickte der Vezier zerknirrſcht vor ſich nieder, und auf ſeinem Geſicht malte ſich der tiefe Schmerz ſeiner Seele wegen der Schmach, an der Seite ſeines ſo gehuldigten Siegers zu wei⸗ len, und gleichſam mit ſeiner Demüthigung deſſen Triumph erhöhen zu müſſen. Unter lautem Jauchzen der Menge zog Elviro mit den Seinen nach dem Schloſſe, und wurde vom Kommandanten auf eine ehrenvolle Weiſe empfangen. Auch der gefangene Groß⸗ vezier wurde ſchonend behandelt und jeder beeiferte ſich, ihm ſein Loos ſo erträglich als möglich zu machen. Elviros Leute wur⸗ den auf dem Schloßplatze von den Einwoh⸗ nern der Stadt köſtlich bewirthet, indeß El⸗ viro nebſt ſeiner Gattin, Schweſter und Schwager, auch Schweitzer, Faller und Bü⸗ chel mit einem herrlichen Mahle vom Kom⸗ mandanten bedient wurden. Nach aufgehobener Tafel ergriff der Kommandant Elviros Hand mit Wärme und ſagte:„Ich glaube mich nicht zu irren, mein theurer Freund, wenn ich ſage, daß der Na⸗ me Elviro nur ein erborgter iſt, und daß über Ihre eigentlichen Verhältniſſe nöch ein Schleier ruht. Nicht niedere Neugierde iſt es, wenn ich die Lüftungdeſſelben wünſche, den nur ein beſonderes Intereſſe — 2 * ——— — 2 158 Sie, deſſen wunderbare Kraft ich mir nicht erklären kann.“ Elviro erwiederte den warmen Hände⸗ druck des Kommandanten und entgegnete mit höflicher Verbeugung:„Ihr Wunſch, mein Herr, iſt mir Befehl, und da ich meiner Gattin ſelbſt die Mittheilung meiner frühe⸗ ren Schickſale ſchuldig bin, ſo werde ich unverzüglich die Ehre haben, Ihrer Auffor⸗ derung zu genügen, und mich zugleich dieſer Pflicht zu entledigen.“ Müller und ſeine Gattin wurden jetzt aus dem Zimmer abgerufen, doch da Apol⸗ lonia erklärte, dieſen die Mittheilung davon ſchon zu machen, und da Müllern ſelbſt durch ſeine Gattin ſchon vieles bekannt war, ſo beſchloß Elviro ſich dadurch nicht ſtören zu laſſen, und ſchickte ſich zu der Erzählung ſei⸗ ner Lebensgeſchichte an⸗ Der alte Komman⸗ dant warf ſich in einen Armſeſſel, hieß Avol⸗ lonien neben ſich Platz nehmen, und horchte geſpannt, als Elviro, der ihm gegenüber ſaß, alſo anfing:„Die erſten Jahre der unge⸗ trübten heitern Kinderzeit verlebte ich nebſt meiner Schweſter unter dem Schutze einer zärtlichen Mutter, deren Herz zwar von ei⸗ nem geheimen tiefen Kummer belaſtet, den⸗ och liebevoll und warm für uns ſchlug. gtten wir ſchon als ganz kleine Kin⸗ weilen hervorbrechenden Gram der eſchen, und mit kindlicher Un⸗ —— —.——— ſchrecklichen Tyrannei zu, und es erwachte in uns der Gedanke, uns durch Flucht aus unſerer traurigen Lage zu befreien. Ueber die früheren Verhältniſſe meiner Mutter und meines Vaters, deſſen Daſein wir nur ah⸗ neten, aber nie etwas davon gehört hatten, hörte ich in dem Hauſe meiner Pflegeel⸗ tern, was mich ſchon damals nicht wenig ergriff. Eines Tages, als wir uns gllein zu Hauſe befanden, packten wir in der Haſt etwas Wäſche zuſammen, und als wit un⸗ ſere Sonntagskleidung angelegt hatten, wan⸗ derten wir davon. Ich übergehe die Be⸗ ſchreibung unſerer nichts weniger als an⸗ genehmen Reiſe, und ſage nur, daß wir uns nach Ungarn begaben, und in Erlau bei einer redlichen Familie ein freundliches Un⸗ terkommen fanden. Dieſe braven Menſchen, obgleich nur einfache Bürgersleute, wandten Alles an, unſere wiſſenſchaftliche Bildung zu vollenden. Den eigentlichen Namen, wel⸗ ben mes Mutter geführt hatte, verſchwie ich und nahm dafür den Namen dieſer Red⸗ lichen an, welche wie brave Eltern an uns handelten. Ich erreichte ſo mein achzehn⸗ tes Jahr, und war ſoweit in meinen Kennt⸗ niſſen, daß ich die Akademie mit Nutzen be ziehen konnte, welche in Erlau im beſten Flore war. Meine liebe Schweſter war in ihrem ſechszehnten Jahre eine vollendeie Schönhſit geworden und alle Blic der S und Apollonia. II. —— Jünglinge, welche ſie kannten, fielen auf ſie und weckten in ihrem Buſen Gefühle der Liebe. Ich ſliege über dieſe unerheblichen Bewerbungen hinweg, welche wegen des Beſitzes ihrer Hand an ſie gerichtet wurden, und erwähne nur die Bemühungen eines jungen Grafen, welche nachher die Quelle des Unglücks wurden, was uns von Stunde an verfolgte. Täglich machte ſich der junge Graf Gewerbe, in unſer Haus zu kommen, wozu das Geſchäft meines Pflegevaters, welcher ein Uhrmacher war, Gelegenheit genug an die Hand gab. Indeß hatte das un⸗ befangene Herz bereits gewählt, noch ehe ſie es ſelbſt wußte, und ihre Zuneigung er⸗ hielt ein gewiſſer Student, den meine Schwe⸗ ſter einſt auf einem Balle kennen gelernt hatte. Sie geſtand mir dieſes ſpäter, da der junge Mann jedoch plötzlich aus der Stadt verſchwunden war, ſo konnte ſie mir nur ſeine Geſtalt beſchreiben, ihn lbſt aber ſe lernte ich nicht kennen. Obgleich die Be⸗ kanntſchaft mit dem jungen Studenten nur oberflächlich war, ſo blieb doch ſein Bild treu in ihrem Herzen verwahrt, und ſie dachte ſeiner ſtets mit glühender Liebe Inzwi⸗ ſchen kam der junge Graf täglich, ohne durch ſeine Bewerbungen nur die geringſte Zu⸗ neigung meiner Schweſter zu erhalten⸗ er endiich ſah, daß er nichts gewann, ver⸗ wandelte ſich ſeine Liebe in Haß, und ſchreck⸗ — — 163 lich genug zeigten ſich ſehr bald die Folgen davon. Eines Tages wurde meine Schwe⸗ ſter zu einem Juden geſchickt, um dort ver⸗ ſchiedene Stoffe einzukaufen, und fand beim Eintritt in deſſen Laden den Grafen, als dieſer eben eine Menge Goldſtücke aufzählte. Meine Schweſter handelte um einige Zeuge, und während dem erhob der Graf einen ge⸗ waltigen Lärm, und behauptete, daß ihm von der aufgezählten Summe zwei Gold⸗ ſtücke fehlten. Der Jude gerieth außer ſich, und da er meine Slweſter nicht weiter kannte, fiel ſein Verdacht auf ſie. Ohne weiteres gab er es meiner Schweſter auf den Kopf ſchuld, welche darüber ganz außer ſich und faſt ohnmächtig umſinkt, als der Graf darauf beſteht, ſie ſogleich nach der Polizei abzuführen. Zum Unglück trat eben ein Stadtdiener herein und dieſem ward der fatale Handel vorgetragen. Jener, kraft ſeines Amtes, entriß meiner Schweſter das am Arme hängende Handkörbchen, öffnete es und nimmt zu ihrer Beſtürzung zwei Gold⸗ ſtücke heraus, von denen ſie nicht wußte, wie ſie hineingekommen waren. Nun hielt ſie Alles für die Thäterin und der Graf verlangte ihre Verhaftung. Dieſes geſchah, und obgleich die Arme laut weinend ihre Unſchuld betheuerte, ward ſie ergriffen nach einem Stadtgefängniß abgeführt 55 ſie zum Verhör gebracht werden jolie b — war an dieſem Tage nicht zu Hauſe, und als ich am andern Morgen zurückkehrte, war das Unerhörte geſchehen, und der gute Na⸗ me meiner Schweſter auf immer gebrand⸗ markt. Die Unglückliche wurde zu einer That verdammt, die ihr nie in den Sinn gekommen war, und empfing auf öffentli⸗ chim Markte— pfui der Schande, daß ich es ausſprechen muß— den Staubbeſen. Ich raſte wie ein Unſinniger, als ich meine un⸗ lückliche Schweſter faſt halb todt auf ihrem fand, und ſie mir unter Thränen ihr gehabtes Unglück mittheilte. Ich wollte in der erſten Aufwallung des Gemüths ſogleich zu dem ſchurkiſchen Grafen eilen, um für meine unglückliche Schweſter Genugthuung zu fordern; doch da ſie mein Vorhaben merkte, bemühete ſie ſich, mich davon abzu⸗ halten. Ich blieb, nahm mir aber feſt vor, den Unheilſtifter bei einer paſſenden Gele⸗ geüheit zu züchtigen. Dieſe fand ſich bald, und ich war ſo unglücklich, dem Grafen im Zweikampfe eine Wunde beizubringen, an welcher er nach wenigen Minuten ſeinen Geiſt aufgab. Wohlwiſſend, daß die reichen Verwandten des Gefallenen mir, dem Mör⸗ der, den gebührenden Lohn zu geben nicht anſtehen würden, raffte ich in der Eile meine beſten Sachen zuſammen, ſagte meiner gu⸗ Schweſter und meinen braven Pflegeel⸗ n ein ſchmerzliches Lebewohl und eilte, - . wundeung darüber von dem Kämpfe 165 von dem herandämmernden Abend begün⸗ ſtigt, mit zerriſſenem Herzen hinaus in die weite Welt, gebrandmarkt und belaſtet mit einem Verbrechen, welches zwar durch einen rechtlichen Zweikampf geſchehen, dennoch von meinem erwachten Gewiſſen nicht beſchönigt werden konnte. Unaufhörlich floh ich wei⸗ ter, ohne zu wiſſen, an welchem Orte ch Schutz, noch 9n welcher Stelle ich Ruhe für mein aufgeregtes Gemüth finden ſollte. Nach einer achttägigen unaufhörlich fortgeſetzten Flucht, auf welcher ich mich nur hier und da in ein Dorf wagte, um die nöthigen Le⸗ bensmittel einzukaufen, kam ich beim Anbruch der Nacht des neunten Tages an einem un⸗ abſehbaren Walde an, und beſchloß darin mein Nachtlager aufzuſchlagen. Schon hatte ich mir eine Lagerſtätte geſucht, und war eben im Begriff mich unter einer mächtigen Eiche niederzulegen, als mich ein wiederhol⸗ tes ſtarkes Pfeifen aufſchreckte. Bald da⸗ rauf vernahm ich rauſchende Fußtritte, und kaum blieb mir noch ſo viel Zeit übrig, mei⸗ nen Degen zu ziehen, als auch ſchon ſechs wild ausſehende Kerle mit bewaffeter Hand auf mich eindrangen. Die Gewißheit mei nes Todes ſchien mir ausgemacht, un aben Leben ſo theuer als möglich zu ver iuſen, bertheidigte ich nich mit Wh Entſchloſſenheit, daß meine Gegner ah⸗ ließen und mir Leben und Freiheit anboten, wenn ich ihnen folgen wollte. Ich hatte wenig zu wagen, da ich nichts mehr zu ver⸗ lieren hatte, als höchſtens ein Leben, das mir anfing läſtig zu werden. Genug, ich ge⸗ nügte ihrer Aufforderung und folgte den Un⸗ bekannten, welche mich in kurzer Zeit zu einer Höhle brachten, die tief in den wil⸗ deſten Theilen des Gebirges lag. Hier fand ich zu meinem Erſtaunen noch auf hundert ſolcher Männer und befand mich nun, wie ich leider einſehen mußte, in der Mitte einer furchtbaren Räuberbande. Der Anführer derſelben war ein ältlicher Mann, der eben an einer tödtlichen Wunde darniederlag, und noch in ſelbiger Nacht ſein Leben unter dem Geheul der Bande, der er lieb geworden war, endete. Mein muthvolles unerſchrocke⸗ nes Benehmen mochten die, ſo mich herge⸗ bracht, mit übertriebenen Farben der Bande geſchildert haben, und ſo kam es, daß man mir am andern Morgen den Antrag machte,„ die erledigte Stelle des Hauptmanns zu übernehmen. Ich bat mir einige Tage Be⸗ denkzeit aus, ließ mir während dieſer Zeit ihre beſtehenden Geſetze vorleſen, und fand, daß dieſe höchſt grauſam und barbariſch ab⸗ gefaßt waren. Ich hätte viel darum a— ben, wenn ich hoffen durfte, dieſe Menſchen die durch einen ſchrécklichen Cid an einand der menſchlichen Gſellſchaft 6 gekettet waren, 167 wieder zuführen zu können, deren Ruhe, Si⸗ cherheit und Leben von jener teufliſchen Ver⸗ bindung gefährdet wurde. Um aber dieſen Zweck vielleicht in der Zukunft ſicherer erreichen zu können, verleugnete ich mich ſelbſt, und faßte den grauſen Entſchluß, mich dieſer Verbindung als Oberhaupt anzuſchließen, und dieſe verdorbenen Seelen durch mildere, beſſere Geſetze nach und nach zur Menſch⸗ lichteit zurückzuführen. In wie fern mir dieſes gelungen iſt, haben meine braven Leute in manchem Gefechte mit dem Feinde des Vaterlandes bewieſen. Ich füge nichts mehr hinzu, Herr Kommandant, und hoffe Ihnen durch die kurze und treue Schilde⸗ rung meiner früheren und jetzigen Verhält⸗ niſſe Genüge geleiſtet zu haben. Auch Du, gutes Weib,“ wandte er ſich zu Apollonia, swirſt damit zufrieven ſein.“ Letztere hatte weinend die traurige Geſchich⸗ te ihres Gatten angehört und ſelbſt der alte Kommandant konnte ſeine Rührung nicht verbergen, und zerdrückte einige Thrä⸗ nen in ſeinen Augen. „Noch eins.“ wandte er ſich jetzt zu Elviro:„wie war denn der Name Ihrer theuren Mutter, oder beſſer Ihres Vaters Namen, den Sie hoffentlich von nun an füh⸗ ren werden?“ 3 „Ich habe meine Mutter nie anders als Frau von Roſe nennen hören, entgeg nete Elviro, und bemerkte bei Nennung die⸗ ſes Namens eine merkliche Veränderung in dem Geſichte des Kommandanten. „War dieſer Name nur der Familien⸗ name Ihrer Mutter oder war er Ihres Va⸗ ters Name?“ wiederholte Letzterer mit ſicht⸗ barer Spannung. „Von meinem Vater habe ich, wie ich ſchon im Anfang meiner Geſchichte bemerkte, nichts Genaues erfahren können,“ war El⸗ viros Antwort.„Doch bei Verſiegelung der wenigen Effekten meiner Mutter hörte ich von dem Amtsſchreiber oft den Namen„von Harras“ erwähnen,“ ſetzte Elviro hinzu. Sichtbar erblaßte jetzt der Komman⸗ dant und mit einer auffallend innern Bewe⸗ gung erhob er ſich und eilte in ein Neben⸗ gemach. Elviro und Apollonia vermochten ſich dieſe Erſcheinung nicht zu erklären und blickten einander fragend an. Mit ſchnellen Schritten kam jetzt der Kommandant zurück, in ſe inen Händen ein Miniaturgemälde hal⸗ tend, welches er Elviro'n mit den Worten darreichte:„Dies ſind die theuren Züge meiner Gattin, deren heiliges Andenken mir ſchwere Vergehungen in das Gedächtniß zurückruft, die ich an dieſer reinen Seele verſchuldet, und mit aller Aufopferung meiner ſelbſt wie⸗ der zut zu machen nicht im Stande war.“ Bliro, von dieſen Worten befremdet, zögerte, das ihm dargereichte Bildniß anzu⸗ 4 nehmen und fuhr erſchrocken mit dem Aus⸗ 4 ruf:„Heiliger Gott, meine Mutter!“ zu⸗ . ruͤck, als ihm dieſes der Kommandant vor * das Geſicht hielt. Zugleich ſtürzte auch Letzterer an ſeinen Hals und rief in ſtürmi⸗ ſchem Entzücken:„Nun erſt kann ich mir die wunderbaren Gefühle erklären, die ich bei Deinem erſten Anblick empfand. Ja, Du biſt mein Sohn! Dein Geſicht trägt die ſchönen Züge Deiner verklärten Mutter.“ „Vater!“ ſtammelte Elviro von namen⸗ loſer Wonne berauſcht und in glühender Umarmung verſchmolzen ihre gefühlvollen * Herzen in einander. Apollonia, von dem pt freudigen Schauſpiel überraſcht, näherte ſich den Glücklichen und ſank aus den Armen des Gatten an die Bruſt des beglückten Vaters, der ſie liebevoll küßte, und ſie ſein gutes Töchterchen nannte. Das Oeffnen der Zimmerthür ſtörte die Glücklichen, und Mül ler trat ein, ſeine Schweſter auffordernd, auf einen Augenblick ihm zu folgen.“ „Nur herein!“ rief der übeſückliche Kommandant, doch Müller entgegnete lä⸗ chelnd: Ich werde gleich zu Befehle ſtehen, iſt nur noch ein kleines Geſchäftchen abzu⸗ 4 machen, welches zur allgemeinen Aufheite⸗ terung beitragen wird.“ 2 Mit dieſen Worten entfernte er ſich mit Apollonien und Vater und Sohn blieben auf einige Augenblicke ungeſtört der Freude des glücklichen Zuſammenführens allein über⸗ laſſen. Nach kurzer Zeit trat Apellonia, einen ältlichen Herrn nebſt Dame an der Hand führend, herein, in welchen Elviro zu ſeinem Erſtaunen jenes Paar erkannte, wel⸗ ches er von den Verfolgungen der Türken befreit, und das ihn ſo weſentlich interefſirt hatte. Müller und ſeine Gattin folgten die⸗ ſem ſeltſamen Auftritte nach und nickten dem verſtummten Elviro zu, der von Ahnungsge⸗ fühlen ergriffen ausrief:„Ich wette, es gilt eine neue Ueberraſchung!“ Zu Apollonien, welche ſich näherte, ſich wendend, ſprach er: „Iſt es nicht ſo, willſt Du mir nicht die Freude, meinen geliebten Vater gefunden zu haben, ſtreitig machen?“ „Ja, ſo iſt es!“ entgegnete Apollonia mit freudeglänzenden Augen, und indem ſie ihm die Beiden freundlich zuſchob, ſprach ſie:„Hier umarme meinen Vater! Hier meine Mutter.“ Der vom Uebermaß der auf ihn ein⸗ ſtürmenden Freude und Wonne überwältigte Elviro ſank in wechſelſeitige Umarmun⸗ gen an die Herzen der theueren Eltern ſeiner Gattin, indeß der Kommandant Mül⸗ lers Gattin an ſein Herz drückte, und der Ueberraſchte, der gar nicht wußte, wie ihm geſchah, wiederholt ausrief:„Ja, Du biſt das ganze Ebenbild Deiner verſtor⸗ 4. — 17¹ benen Mutter, und gewiß ruht auch ihr from⸗ mer Geiſt auf Dir, Du liebe einzige Tochter!“ Immer wußte die von den Zärtlichkeiten des glücklichen Alten Ueberhäufte noch nicht, warum ihr dieſe Huldigungen gebracht wurden, bis Elviro ſie mit dem Ausruf aus ihrem Trau⸗ me weckte:„Hier iſt von keinem Scherz die Rede, meine gute Schweſter, empfinde in ſeinen Armen den Schlag eines liebevollen väterlichen Herzens!“ Schweitzer, Faller und Büchel, die die glückliche Scene des Wiederſehens mit an⸗ geſehen hatten, eilten hinaus auf den Schloß⸗ platz und verkündeten der dort jubelnden Men⸗ ge ihrer Freunde die glücklichen Ereigniſſe. Indem die Wiedervereinten im rein⸗ ſten Entzücken ſchwelgten, wurde draußen unter klingenden Toaſten ihre Geſundheit getrunken, wozu der Kommandant den beſten Wein hinausſchaffen ließ. Nachdem die ſtürmiſchen Gefühle der bewegten Herzen ſich in ſanftere Harmonien aufgelöſt hatten, nahm der Kommandant ſeinen Sohn bei der Hand, führte ihn zu dem Fenſter und indem er auf den Schloßplatz hindeutete, ſagte er:„Haſt Du ſchon Abſchied von die⸗ ſen Braven genommen, und was werden ſie in Zukunft anfangen?“ Elviro machte ihn mit dem Wunſche ſei⸗ ner Leute bekannt, ſtets in ſeiner Nähe blei⸗ ben zu können, wozu Erſterer eine vernei⸗ . * nende Bewegung mit dem Kopfe machte, und dann entgegnete:„Ueberlaß mir die Sache, mein Sohn, ich werde ihnen das Beſte rathen und ſie werden hoffentlich fol⸗ u. Elviro war damit zufrieden, erklärte aber, daß Schweitzer, Büchel und Faller ſtets in ſeiner nächſten Umgebung bleiben ſollten, wogegen der freundliche Alte nichts hatte. Apollonia's und Elviro's Schweſtern traten jetzt herzu und indem ſie den gelieb⸗ ten Vater noch einmal umarmten, verſicher⸗ ten ſie, daß noch eine Freude für ihn auf⸗ geſpart ſei. „Nun, was wird denn das ſein?“ rief der Alte lächelnd und blickte nach der Thür, nach welcher dieſe hindeuteten, wo ſo eben Elviro mit dem kleinen Guſtav auf dem Arme und Müller mit ſeiner Tochter Ag⸗ nes an der Hand eintrat. Da gab es denn eine neue Scene des Entzückens und der Freude, da vorzüglich der kleine Guſtav dem Alten die Wangen ſtrich und„lieber Groß⸗ vater“ lallte. Elviros wackere Schaar wurde für heute entlaſſen und zog hinab, nach der Stadt, um bis zum kommenden Morgen daſelbſt in beſtimmtem Quartier zu raſten, wo ſie dann wieder auf dem Schloſſe erſcheinen ſollten. Vor dem Schlafengehen nahm der alte Herr on Harras ſeinen Sohn und ſeine Tochter uchte ich einer unſchuldigen Urſache wegen S 173 bei Seite, um ihnen etwas Näheres über die traurigen Verhältniſſe mitzutheilen, die ihn von ſeiner unvergeßlichen Gattin, ihrer Mutter, getrennt hatten. „Ich heirathete die Gute,“ hob der Kommandant an,„trotz dem Widerwillen mei⸗ ner Eltern gegen dieſe Verbindung, und lebte einige Jahre recht glücklich mit ihr. Der einzige Fehler, den ich beſaß, war ei⸗ ne grenzenloſe Eiferſucht, die oft unſern häuslichen Frieden ſtörte und endlich ſogar einen förmlichen Bruch herbeiführte. Meine Eltern kannten dieſe meine böſe Laune und gründeten darauf ihren Plan, mich von mei⸗ ner Gattin zu trennen, die, weil ſie weniger Ahnen zählte und arm war, weder von ih⸗ nen geliebt noch geachtet wurde. Du, mein Sohn, ſtandeſt im zweiten Jahre, und Du, meine Tochter, ruheteſt noch unter dem Her⸗ zen Deiner guten Mutter, als die ſchwarze Stunde des Unglücks hereinbrach und unſer häusliches Glück vernichtete. In Ofen, wo wir wohnten, lebte ein gewiſſer Herr von Stern, welcher ein Hausfreund von uns war und da er noch unverheirathet war, faſt täglich in unſerer Heſellſchaft weilte. Dieſen hatten meine Eltern zum Werkzeng ihres hölliſchen Plans auserſehen, der ihn bald ſo meiſterhaft ausführte, daß ich, davon ver⸗ blendet, mein eignes Gluck zerſtörte Einſt 174 einige Papiere aus dem Schreibpulte Eurer guten Mutter hervor, und fand darunter einen verſiegelten Brief, welcher an dieſelbe addreſſirt war. Ich erbrach ihn ſogleich, überflog die Zeilen, die eine förmliche Lie⸗ beserklärung enthielten und norin ſie noch überdem re wurde, dem Liebhaber ein abermaliges Schäferſtündchen zu gewäh⸗ ren. Meine Eiferſucht ſtieg hier in lich⸗ ter Flamme auf, und ohne mich weiter zu bedenken, ließ ich der braven Frau eine Summe Geld einhändigen, und ohne ſie noch einmal geſehen zu haben, ſtieß ich die Un⸗ glückliche auf immer von mir. Erſt nach langen Jahren, am Sterbelager meiner Mut⸗ ter wurde mir das Gewebe der Bosheit enthüllt, und mit ihm kamen namenloſe Qualen in mein Herz. Umſonſt bot ich Alles auf, die tief Gekränkte, und meine unſchuldigen Kinder zurückzurufen, aber alle meine Bemühungen, ihren Aufenthalt zu er⸗ forſchen, blieben fruchtlos. Nun weilt ihr Geiſt in himmliſchen Gefilden, und mir bleibt nichts übrig, als die Hoffnung, ſie dort verklärt zu ſehen und um Vergebung mei⸗ ner Schuld zu bitten. Aber an Euch, die mir der Himmel wiederſchenkte, an den gu⸗ ten Kindern will ich wieder gut machen, was ich an der frommen Mutter verbrach!“ Er ſchwieg, und unter heißen Thränen „ 175⁵ umarmte er ſeine Kinder, die ihre Thränen mit den ſeinigen vermiſchten. Am andern Morgen erſchienen Elviros Leute wieder auf dem Schloßplatze, wo ih⸗ nen derſelbe an der Hand ſeines Vaters entgegentrat und befahl, einen Kreis um Beide her zu formen. Als dieſes geſchehen war und ringsum Ruhe herrſchte, redete ſie der alte Herr alſo an:„Geliebte Freunde! Ihr habt dem Vaterlande in dere letzten Zeit Beweiſe gegeben, daß Ihr ſeiner nicht ver⸗ geſſen habt, und daß Euer Herz, obgleich aüf Abwege, gerathen, dennoch warm für daſſelbe ſchlägt. Es nimmt Euch daher mit Freuden wieder auf, und erwartet, daß Ihr Euch von jetzt an als friedliche, treue Un⸗ terthenen ſeiner Liebe und Achtung werth zeigen werdet. Jeder von Euch wird noch Freunde und Verwandte in ſeinen heimath⸗ lichen Gegenden haben und finden, zu denen geht, vereint Euch wieder in Liebe mit ihnen, un ſorgt für einen eigenen Heerd. Mein Sohn wird künftig bei mir leben und meine alten Tagen verfuͤßen. Er lebt mit Euch in einem gleichen Vaterlande, alſo immer unter Euch, und Ihr bei ihm!“ Dieſer eindringenden Rede des Alten konnten die Räuber nichts entgegen ſelen⸗ und ſie verſprachen ihm zu folgen⸗ Elbiro, der die erbeuteten Schätze noch in den alten Ruinen verwahrt hatte, zog noch einmal mit ſeinen wackern Leuten dahin, theilte die⸗ ſelben unter ſie, und nahm einen rührenden Abſchied von Jedem, worauf er mit Schwei⸗ ter, Büchel und Faller nach Klauſenburg zurückkehrte. In der Nähe dieſer Stadt beſaß der alte Herr von Harras zwei ſehr ſchöne Landgüter, von denen eins Elviro, der von jetzt an unter ſeinem eigenen Namen, Ferdinand von Harras, auftrat, erhielt, und das andere bezog Müller mit ſeiner Gattin, bei welchem auch ſeine und Apolloniens Eltern ihre Wohnung aufſchlugen. Schwei⸗ tzer, Büchel und Faller verheiratheten ſich kurz darauf an brave Bürgertöchter der Stadt und lebten ſo immer in der Nähe ihres Freundes. Der alte Herr von Harras er⸗ hielt auf ſein Anſuchen einen ehrenvollen Abſchied und lebte von nun an ungeſtört in dem Kreiſe ſeiner Kinder. Der Großvezier wurde auf ein erfolg⸗ tes Löſegeld ſeiner Haft aus Klauſenburg, wo er von dem Kommandanten ſowohl als von Elviro mit der größten Artigkeit und Zuvorkommenheit behandelt worden war, entkäſſen, und gedachte auch in der Ferne ſtets an den Edélmuth ſeiner Feinde. von Fr. Thiele in Nordhaufen. Ende des zweiten und letzten Bandes. . — 2 5 ₰*+— N „ 7 *— 1 . 1„„3 1— 2. N