ſ 3. 4 ſi deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 8 Cdnard Oltmann in Gieſten, Schloßgaſſe L Lit. A. Nr. 256. Seih- und eſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ angnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2 Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von em Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ angenommen. 3. Cäution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe legen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet unement. Daſſelbe imuß voraus bezahlt werden und für ouich 2 Büchen: 4 Bücher: 6—. Bücher: auf 1 Monat: W— Ff N—. 5 3 4 5. Auswärtige Aponnenten! haben für Fin⸗ und Zurickſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſeldſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene', verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern c.) muß der Ladenpreis erſetzt werden— Iſt das zerriſſene, beſchmutz tzte, ver⸗ e oder defeete Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt zum Erſatz ves Ganzen verpflichtet. Ausleihezeit. Dieſelbe iz t auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſer darauf ufmeltſen gemacht, daß das Weiterverleihen — ſelben von mir gelie hen, Jauchdafür zu ſtehen haben“ ———f der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ oder: * Das edle und heldenmüthige Ränberpaar in den einſamen Ruinen eines alten Berg⸗ ſchloſſes am Fuße der Kaipathen. —— . Eine romantiſche und abentenerliche Räuter⸗ und Geiſtergeſchichte von Erſter Band. ——— —— Leipzig, 1846. — 1. Kühlend und labend nach einem heißen Sommertage ſchwebte ein Abend hernieder welcher die ganze Schöpfung in Edens Ge. filde umwandelte. Die bewaldeten Höhen— und noch mehr die darüber hinausragenden Felſen wurden maleriſch von dem Glanze der ſcheidenden Sonne erleuchtet und vergoldth und zugleich ſtrahlte der weſtliche Himmel von den Rubinen des ſchönſten Abendroths wider. Aus dem buſchigen Saume eis 3 angenehmen Thales, über deſſen rin pich ein murmelnder Quell rit 4 ſcherten und wirbelten die Töne 5 — Sänger zu den grauſen Höhen pi gerüche aller„Art ſpendeten die reizenden Kinder Floras und Zephirs ſanfter Fittig führte ſie dem ſchmachtenden Herzen zu, welches ſich nach den Freuden der Natur ſehnte. Die Feuerkugel verſchwand endlich gänzlich und an ihrer Stelle erhob ſich das ſilberne Licht des Mondes am öſtlichen Him⸗ mel, und ſein ſanfter Schimmer goß einen eiſterartigen Zauber über die von den Son⸗ enſtrahlen verlaſſenen Gegenſtände. Mit ſeinem Erſcheinen verſtummte nach und nach der Chor der Sänger, und nur Philomelens ſſt⸗ entzückende Stimme blieb hörbar. Unter dem weiten Dach einer hundert⸗ ſährigen Eiche, halb vom Schein des Mon⸗ des erhellt, lagerte ein Trupp Männer, aus deren Blicken und Mienen Wildheit und Votben hervorleuchtete. Neben dieſen auf⸗ fälle Geſalten lagen Wrſchieerei — eine andere die angelaufenen Fletken an der Scheide des Schwertes entfernte. Der Klang einer Harfe und der ſanfte Ton einer weih⸗ lichen Stimme riß endlich die Männer aus ihrer ſtummen Beſchäftigung empor, und da der Ton ſchnell wieder verhallte, ſo flog es von Munde zu Munde:„Was war das?* Nach einer Panſe ertönte Muſik und Ge⸗ ſang von Neuem, und die Ueberraſchten ver⸗ nahmen folgenden Geſang, mit einem ſauften Spiel begleitet: In grauſigen Tiefen, in Höhen, Wo iſt denn Dein Aufenthalt? Dich, tapferer Mann, nur zu ſchen, Durchſtreife ich Berge und Wald⸗ Ich ſcheue nicht Dunfel und Scheint mir ja das Mondlicht d Mein Traumbild in Wahrheit Verachte ich Noth und Gefah 2. merkſamkeit auf die Kriegsgeräthſchaft. manche Hand unterſuchte die Tüchtigkeit der Batterie einer Büchſe oder Piſtole, indem Hinauf zu den ſchwindelnden Höhen, Hinauf zu dem Felſengeſtein, Vielleicht iſt er dort zu erſpähen, 3 Vielleicht harrt der Holde dort mein. Spiel und Geſang verſtummte, und ein wiederholter Seufzer folgte als Nachhall. Ueberraſcht ſprangen jetzt die Männer em⸗ por, um ſich nach der verborgenen Sängerin umzuſehen, als dieſe ſo eben um einen Strauch herum bog, und vom Lichte des Mondes umfloſſen, in geringer Entfernung vor ihnen x ſtand. Alles ſtarrte die Erſcheinung an, welche ihnen ein himmliſches Weſen zu ſein dünkte, und ſich in einem ſchneeweißen Bewande, die Harfe im Arm, ihren er⸗ ſtaunten Blicken darbot. Ehe noch die wil⸗ S pen Männer ſich zu einer Anrede anſchickten, önte die melodiſche Stimme der räthſel⸗ ſten Jungfrau, indem ſie unerſchrocken die ₰ ziegeriſchen Geſtalten fragte:„Ich ſuche den Räuberhanptmann Elviro, ſeid Ihr j Leuten, ſo führt mich zu ihm.“ in einer kräftigen, aber angenehmen Baß⸗ ſtimme:„Ich bin Elviro: was verlangſt P von mir?“ Schnell warf jetzt die Unbekannte die Harfe weg, und knieete zu deſſen Füßen nieder, und indem ſie ihr Geſicht zu dem Sprecher emporrichtete, rief ſie mit begeiſter⸗ tem Tone:„Dem Himmel ſei Dank, ich habe Dich gefunden!“ Mit ſchmachtendem Blick aber fügte ſie ſchnell hinzu:„Liebe ſchenke mir, oder gieb mir den Tod!“ Elviro blickte voll Verwunderung in das ſchoͤne Antlitz der Knieenden, welches, p dem ſanften Lichte des Mondes beleuchtet ihm wie das Bild einer Heiligen erſchien Zum Male wa der fühne waffnung vor den Uebrigen n nahete ſich der Fragenden, und entgegnete ten vergingen, ehe er ſich einigermaßen ſammeln konnte. Das wilde Gelächter ſeiner Leute, die vermöge ihres rohen Gefühls dem gegenwärtigen Auftritt mit dem ſchönen Mädchen nicht anders zu begegnen wußten, brachte den begeiſterten Elviro zu ſich ſelbſt zurück. Schnell bog er ſich zu der holden Geſtalt hernieder, deren flehendes Auge un⸗ verwandt auf dem ſeinigen haftete, und in⸗ dem er ſie ſanft zu ſich empor zog, ſprach er leiſe:„Stehe auf, Jungfrau, und folge mir zu meinem Aufenthalt, damit ich Dir Speiſe und Trank reichen kann, welches beides Du gewiß nöthig haſt.“ WVon Neuem ſank jetzt die Unbekannte zu 8 ſeinen Füßen und rief im ſchmerzlichſten Tone: Brauſamer Elviro! Ich flehe um Erhörung ener heißen Liebe zu Dir, und Du bieteſt i Speiſe und Trank, wovon doch das nde Herz nicht geneſen kann!““ — 36 Liebe, Liebe ſollt Du bei— 9 mir finden!“ Mit dieſen Worten z03 i Elviro nochmals empor, ſchloß die vor Freude Zitternde ſtürmiſch in ſeine Arme, und dtückte einige brennende Küſſe auf ihre Lippen, die ſie heiß und warm erwiderte. Neußierig drängte ſich jetzt die ganze Bande herzü, und wünſchte ihrem verehrten Hauptmann Glück zu einer ſo artigen Bekanntſchaft. Dieſer aber war ganz im Entzücken, in wel⸗ ches ihn die ſchöne Unbekannte verſetzt hatte, verſunken, hörte nur die ſüßen Schmeiche⸗ leien derſelben, und ſah nur ihre ſchöne Geſtalt „Folge mir, holdes Mädchen,“ bat et jetzt, und zutraulich nahm ſie ſeinen Wn und folgte. Nach einigen Shien Elviro mit ſeiner ſchönen Begleier a, und ertheilte dem Räuber Buller den Auf⸗ trag, an ſeiner Statt die Ba 6 . an ihn ſchmiegende Jungfrau weiter hinauf nach einer ſteilen Felſenhöhe, die ſich wie eine Burg in die Luft erhob, deren Ring⸗ mauer die Natur aus unüberſteiglichen Fel⸗ Senwänden gebildet hatte. Nur an einer Seite führte ein gewölbter Eingang zu dieſem Schlupfwinkel, wo zwei rüſtige Burſchen und einige mächtige Rüden Wache hielten. Das Mädchen fuhr bei dem grauſen Gebell der Beſtien und dem Anblick des ſchwarzen Ein⸗ ganges, an deſſen Ende ein mächtiges Feuer wahrzunehmen war, zuſammen; doch der Händedruck ihres Begleiters war ſchon hin⸗ reichend, ſie zu beruhigen. Elviro wies mit Ernſt die zudringlichen Wachbürſchen zurück, iche die Schöne für eine gute Priſe hielten, id auf dieſe Rechnung ſich mit ihr luſtig lu machen gedachten. Durch den ſchauer⸗ en Gang gelangten ſie endlich zu einer elartigen Vertiefung, die ringsum von Laltigen Felsmaſſen umlagert war, ſo daß Vond ſein Licht nur ſparſam hinein⸗ werfen konnte. Mitten auf dieſem grauſen 3 Platze loderte ein mächtiges Feuer empor, um welches einige weibliche Weſen lagerten und Speiſe in zwei mächtigen Keſſeln zube⸗ reiteten. An der gegenuberliegenden Seite zeigte ſich eine andere weite Oeffnung, zu dieſer führte der Hauptmann ſeine ſchöne Begleiterin. Eine der vorhandenen Weiber brachte auf ſeinen Wink eine brennende Fa⸗ ckel herbei und leuchtete dem Paare voran, 3 indem ſie mit neugierigen Blicken die Fremde muſterte. 1 Der Eingang, den ſie jetzt betraten, war anfangs ſchmal und niedrig, erweiterte ſich 3 aber mit jedem Schritt, und endigte in einem 1 anſehnlichen Raum, der einer Capelle nicht unähnlich war. Die Höhle hatte hier einen bedeutenden Umfang, dabei war deren Höhe dem Verhälmiß der Länge und Weite ange meſſen, und hier und da zeigten ſich 1 el⸗ mäßige, von der Natur gebide An jeder dieſer Säulen war ein Leuchter angebracht, welcher mit brennender Wachs⸗ kerze verſehen war, und das Ganze ange⸗ nehm erleuchtete. Zur Seite dieſes großen 3 Raums befand ſich ein kleineres Gemach, welches von dem erſteren durch eine⸗Bretter⸗* wand abgeſchieden war. In dieſem zeigten ſich die feinſten Meubles und andere zur Bequemlichkeit gehörenden Geräthe. Die Felſenwände waren mit reichen Stoffen rings⸗ un hehangen und auf dieſen befanden ſich 8 die ſchönſten und koſtbarſten Gemälde. In dieſes Behältniß, was dem Gemache manches reichen Städters den Rang ſtreitig gemacht haben würde, führte El virg d die Ueberraſchte, und nöthigte ſie freundl ich, neben ihm auf einer weich gepolſterten Ottomane Platz zu nehien. Der volle Lichtſtrahl eines in der Witte des Gemachs herabhängenden Kron⸗ ließ den i Gen 6 viro die 12 5 „ —— ſtehen, nie eine vollendetere Schönheit ge⸗ ſehen zu haben. Auch die Schöne konite jetzt die körperlichen Vorzüge des in der That ſchönen Mannes wahrnehmen, und eine hohe Röthe überflog ihr Geſicht. Sanft ſchmiegte ſie ſich an ſeine Bruſt, als er traulich ſeinen Arin um ihren Nacken ſchlang. Aus dieſem Taumel erweckte ſie das Offnen der Thür, und Buller trat ein, die Harfe bringend, welche die Unbekannte bei ihrem Erſcheinen niederfallen ließ. fernte ſich bald, doch hatte dieſe Störung den erſten ſtürmiſchen Rauſch verdrängt, und eine ruhigere Stimmung trat n deſſen Stelle. Elviro 4griff jetzt die Hdd des wunderſamen Mädchens und ſagte mit bit⸗ tendem Tone: daß Du mir zugeführt wute Die Angeredete richtete ihr ſhies blaues Auge auf ihn, und der Ausdph ie Letzterer ent⸗ „Himmliſches Mädcheh wel⸗ chem glücklichen Zufall habe ich es zu danken, zückten Blickes ſchien zu ſagen, was ihr Herz für ihn empfand. Nach einer kleinen Pauſe, in welcher ſie ſich zwang, eine aufdämmernde Röthe von ihrem ſchönen Angeſicht zu ver⸗ ſcheuchen, antwortete ſie im zärtlichſten Tone: „Vergönnt mir, edler Elviro, Euch meine Ge⸗ ſchichte zu erzählen, und mögt Ihr am Schluſſe derſelben über mein Glück oder Unglück, über mein Hoffen oder Fürchten entſcheiden!“ Elviro drückte zärtlich ihre Hand, und at freundlich um die Mittheilung ihrer Ge⸗ ſchichte, worauf ſie alſo begann:„Ich heiße Mathilde, und bin die Tochter eines Land⸗ geiſtlichen zu Wildo, einem polniſchen Dorfe. DObgleich ich Urſache genug zu glauben habe, paß er nur mein Pflegevater iſt, ſo liebte ich doch den braven Mann und ſeine red⸗ liche Gattin, wie ihre beiderſeitige Liebe nn Fürſorge zu mir es verdiente. Bis zu einem funfzehnten Jahre lebte ich in der Nähe dieſer guten Menſchen glücklich und ſorgenfrei, allein von nun an trat ein widri⸗ ges Ereigniß ein, welches mich aus der Nähe dieſer rechtſchaffenen Leute verſcheuchte Der Gutsbeſitzer, ein gewiſſer Graf B kam um dieſe Zeit aus der Hauptſtadt War⸗ ſchau zurück, und bezog ſein kleines Gut, indem, wie es verlauten wollte, et bei Hofe in Ungnade gefallen ſei. Bei einer beſondern Gelegenheit mußte ich dem Grafen ein Billet von meinem Vater überbringen, welcher in einer Amtsangelegenheit den Herrn des Dor⸗ — ſfes zu Rathe ziehen mußte. Nicht ohne Verlegenheit ginglich nach dem Schloſſe, und noch mehr wurde ich beklommen, als mich der Diener nach dem Zimmer des Grafen führte. Letzterer war ein Mann in den mittleren Jahren, welcher bei meinem Ein⸗ tritt in einem Lehnſeſſel ſaß und, wie es ſchien, mit Eifer in einem Buche las. Ich — ſtotterte mein ausgeſonnenes Kompliment he und fühlte das Brennen meiner Wanen als der Graf, welcher mit einigen O geſchmückt war, aufſtand und mit freunlich entgegen trat. Schüchtern überreichte ich demſelben das Billet, aber die Worte er⸗ ſtarben mir auf der Zunge, als mir der Graf freundlich in die Wangen kniff und mich einigemal„liebes Kind“ nannte. Mir war ſo wunderbar zu Muthe, und obgleich ich mir innerlich ſagte, daß der Graf nur ein Menſch wie jeder andere ſei, ſo blieb ich doch in ſeiner Nähe ängſtlich und be⸗ klommen. Als ich meinen Auftrag vollendet, wollte ich gehen, allein immer hielt er mich noch freundlich zurück, doch da er mich um⸗ armte und küſſen wollte, faßte ich ein Herz und eilte aus dem Zimmsr. „Närrchen!“ hörte ich den Grafen noch hinter mir herrufen, doch ich achtete nicht darauf, und war in kurzer Zeit in der Woh⸗ nung weiner Angehörigen. Ich verſchwieg zu Hauſe, was mir begegnet war, nahm ni aber vor, dergleichen Aufträge von mir z ſchieben, wenn es in meiner Kraft ſtände. Shige Tage waren nach dieſem Vorfall ver es immer thun.“ „Bin ich denn nicht Ihr Kind?“ rief ich verwundert aus, und warf mich ſchmerz⸗ lich bewegt an ſeine Bruſt. Kaum hatte ich dieſe Worte geſagt, als er einkenkte und ſich bemühete, mir begreiflich zu machen, daß ich ihn mißverſtanden, und ich allerdings ihr Kind ſei. Ich ward beruhigt, aber die zwei⸗ deutigen Worte, die er zu mir geſ ſprochen, verwiſchten ſich nicht. Noch wollte ich eink nähere Erklärung über Alles haben, Was in Bezug auf den Grafen vorgefallen war, aber fein Wort wurde mehr darüber geſprochen, und ich ging mit ſchwerem Herzen an meine kleinen Hausgeſchäfte. So vergingen einige Tage, bis das Ungewitter endlich mit einem Male über uns hereinbrach.“— Mathilde wollte noch weiter erzählen, ſillein ein wilve Tumult in dem Foßen lieben Dich wie unſer Kind, und werden Hauptmann zur Bande. Ehe dieſer der Aufforderung folgte, reichte er dem ſchönen Mädchen ein Buch zur einſtweiligen Unter⸗ haltung und verſprach, ſie ſogleich mit Speiſe und Trank bedienen zu laſſen, dann ging er zu der Verſammlung der Bande. Mathilde ergriff das Buch, deſſen Titel ſie intereſſirte, . er lautete:„Das Heldenmädchen vom Ge⸗ 6. birge.“ Sie ſchlug es auf und las mit vielem Vergnügen darin, bis⸗ein eintrets des Mädchen ſie ſtörte, welches ihr Speiſeund Trank brachte. Mathilde legte das Buch bei Seite und langte, da ſie Appetit fühlte, von dem Aufgetragenen zu. Zugleich knüpfte ſie ein Geſpräch mit dem Mädchen, Sös zu ihrem Dienſte beſtimmt war, an, und erfuhr beiläufig ſo Manches, was zum Vortheil des Mannes diente, den ſie in ſeiner grau⸗ ſen Abgeſchiedenheit von der Welt aufgeſucht hatte. Nachdem ſie ſich erguickt hatte, beſie 3 iie eine unwiderſtehliche Müdigkeit, und bal 1. Jnt 35 auf eine Sr und en — 5. EB d S* B——— 2 n ſchlummerte ſüß. mit neugierigen Blicken, und mußte ſich ge⸗ ſtehen, daß dieſelbe eine der mg iihres Geſchlechts ſei. „Wenn an dieſer Klippe der Hageſot von Hauptmann nicht ſcheitert,“ ſprach ſie halblaut zu ſich ſelbſt,„ſo muß er kein Herz in der Bruſt tragen.“ Hierauf räumte ſie die Geſchirre leiſe von dem Tiſche und verließ ohne Geräuſch das Gemach, um den ſüßen Schlaf des ſchö⸗ nen Maͤdchens nicht zu ſtören. Elviro war indeß zur Bande geeilt, und fand dieſelbe bereits im großen Raum der Höhle verſam⸗ melt, doch ſagte ihm ſein erſter Blick, daß eine gewiſſe Unruhe unter dieſer herrſche Schon war er im Begriff, ſich nach der Ur ſache zu erkundigen, als ihm Buller, Faller Guͤnſt beſaßen, entgegen traten und b ſieten: daß die Bande anfange 3 — Blonda— ſo hieß das Räubermädchen— betrachtete die Schlafende Böchel und Schweitzer, welche ſeine beſondete —— — 22 und ſich über die ſeit längerer Zeit herr⸗ ſchende Unthätigkeit beſchwere. Kaum hatte Elviro dieſes vernommen, ſo trat er aufge⸗ bracht in den Kreis der Bande und ſeine zornglühenden Augen überflogen die einzelnen 3 Glieder derſelben. Banges, ſtilles Schwei⸗ gen herrſchte rings umher, bis endlich der 1 Hauptmann der Verſammlung zudonnerte: „Wer wagt es, hinter meinem Rücken zu murren, und über mein Thun und Laſſen Rechenſchaft zu fordern? Der Erſte, welcher ſich unterſteht, einen Laut darübet hörbar werden zu laſſen, ſoll erfahren, wie Ghiro dergleichen Frevel ahndet! Ein einziger Blick von mir iſt hinreichend, den Schuldigen unter Euch herauszufinden und keine Verſtellungs⸗ kunſt wird hinreichen, mich zu täuſchen!“ Er trat jetzt ſchnell auf einen Räuber zu und indem er ihn an der Bruſt faßte und ½ zu ſich in den Kreis zog, fuhr er mit ver ſtärktem Tone fort:„Auf der Stirn dieſe Flenden leſe ich, daß verrätheriſche und bos hafte Geſinnungen in ſeinem Innern herr⸗ ſchen!“— Zu dem erbleichenden Räuber: „Leugneſt Du noch, Bube? Soll ich Dich zum Bekenntniß bringen?“ Zitternd ſank der Angeredete im Bewußt⸗ ſein ſeiner Schuld zu den Füßen des erzürntes. Hauptmanns und flehete um Gnade. Wirklich- war derſelbe der Aufwiegler unter der ganzen Bande und voll Verwunderung blickten die übrigen Räuber auf ihren Hauptmann, wel⸗ cher ſie mit triumphirendem Lächeln betrach⸗ tete. Hierauf ging derſelbe ſogleich wieder in ſeinen vorigen Ernſt über und richtete folgende Frage an die Umſtehenden:„Was hat derjenige nach unſeren Geſetzen verdient, der Meuterei und Verrath unter ſeinen Ka⸗ meraden anzettelt?“ „Den Tod durch den Stric entgegnete die Bande kaum hörbar, indeß der Kiene jammernd„Gnade! Gnade* flehete. Nach dem Elvirv den, nach desi Ausſprüch der Balde, Verurtheilten eine Zeitlang in ſeine — 24 peinlichen Angſt gelaſſen hatte, wandte er ſich zu ihm und ſagte:„Stehe auf, und befleißige Dich von nun an mehr des Ge⸗ horſams und der Treue; Elviro, Dein Haupt⸗ mann, ſchenkt Dir das Leben!“ Freudig überraſcht umklammerte der Be⸗ gnadigte Elviro's Kniee, indeß die Bande ein freudiges: Elviro!“ ertönen ließ. Alles war nun wie⸗ der in der alten Ordnung, und indem ſich die Räuber zur Einnahme einer zubereiteten Mahlzeit anſchickten, kehrte Elviro in's Ge⸗ mach zu ſeiner ſchönen Mathilde zurück. Noch lag dieſe im ſanften Schlummer verſenkt; als er eintretend dieſes gewahrte, ſchlich er leiſe näher, ließ ſich an der Seite der Schla⸗ fenden auf einen Seſſel nieder, und begnügte ſich, die reizende Geſtalt zu betrachten. Ein blendend weißes Kleid, zwar nur von geringen Stoffen, umſchloß die ſchlanke Geſtalt der Jungfrau, doch war dieſe Hülle mehr die zarten S des För⸗ „Es lebe der Hauptmann 3 men pers zu verſichtbaren, als zu bergen. Auch der zierlich kleine Fuß, die vollen lilienwei⸗ ßen Arme und das blonde Haar, welches in üppigen Locken über dem blendend weißen Nacken herabwogte, erregte die Bewunderung des von Liebe berauſchten Elviro. Mehr aber als Alles riß ihn das wunderſchöne Antlitz der Schläferin hin, das, vom Zauber des Schlafs gehoben, der Göttin der Liebe ſelbſt anzugehören ſchien. Lange konnte er ſich nicht ſattſehen an dieſem Wonnebilde des Schlafes, bis ihn der eigene Trieb nach Ruhe davon abrief. Elvirv öffnete jetzt an der einen Seite ves kleinen Gemachs eine möglichſt verborgene Thür, die zu ſeinem eigentlichen Schlafgemach führte und warf ſich angekleidet, wie er war, auf ſein Lager nieder. Trotz der empfundenen Müdigkeit floh ihn der Schlaf, und ſein Geiſt beſchäftigte ſich munterbrochen mit der gemachten Ingeneh⸗ Endl ich S ſank in einen ruhigen erquickenden Schlum⸗ mer, aus dem ihn ſpät am Morgen die rei⸗ zende Mathilde durch eine angenehme Mor⸗ genmuſik weckte. Raſch ſprang Elviro von ſeinem Lager auf und eilte, der ſchönen Künſtlerin ſeinen Dank zu ſagen. Mathilde war durch den ſanften Schlummer der ver⸗ floſſenen Nacht ganz geſtärkt, und ein über⸗ aus heiteres Weſen zeigte ſich in ihren Worten und Bewegungen. Mit einer unſchuldigen Unbefangenheit flog ſie dem Eintretenden entgegen, ihr großes ſchmachtendes Auge be⸗ gegnete dem ſeinen mit innigem Wohlwollen und zärtlich ſchmiegte ſie ſich an ſeine Bruſt, indem ſie lispelnd fragte:„Habt Ihr gut geſchlafen, theurer Elviro?“ „Köſtlich, ſchöne Mathilde!“ rief der entzückte Hauptmann und drückte das lieb⸗ liche Mädchen begeiſtert an ſeine Bruſt und gab ihr einen glühenden Kuß zum Morgen⸗ gruß. Blonda, das Räubermädchen, trat jezt ein, wünſchte dem glücklichen Paar 5. . „guten Morgen!“ und brachte dann die ziemlich erloſchene Beleuchtung wieder in Ordnung, indem ſie friſche Kerzen aufſteckte⸗ Mathilde bemerkte hierbei, daß es ſchöner ſein würde, wenn die Strahlen der Sonne das Gemach erleuchteten. Elviro gab ihrer Bemerkung recht, und verſicherte, daß es längſt ſeine Abſicht geweſen ſei, fenſterartige Oeffnungen durch die Felswände zu brechen; doch ſollte es nun unverzüglich geſchehen⸗ Hierauf gab er dem Mädchen einen Wink, worauf dies ſich entfernte, und alsbald mit einem guten Frühſtück eintrat, welches aus verſchiedenem Backwerk und feinszubereitetem Thee beſtand. Die Güte des Aufgetragenen⸗ nebſt den koſtbaren Geſchirren erregte Ma⸗ thildens Erſtaunen, und ſie machte ihrem Wirth hierüber ein artiges Kompliment. Elviro bemerkte mit Vergnügen die Zu⸗ friedenheit ſeines lieben Gaſtes und uöthigte unaufhörlich zur Annahme und zun Sennß. 2 „ächdem das Mahl beendet war und Cwiro ſchöngefleckten Jagdhund,„hat mir chhh ſich in eine geſchmackvolle Kleidung geworfen hatte, welche ſeine ſchöne männliche Geſtalt noch mehr hob, ſchlug er Mathilden einen Spaziergang in's Freie vor, und beide ver⸗ ließen das Gemach. Als ſie im großen Raum der Höhle ankamen, wurden ſie von einem lauten Freudengeſchrei der Bande em⸗ pfangen. Wiederholt tönte der Ruf: lebe der tapſere Hauptmann Elviro und die ſchöne Mathilde!“— Mathilde neigte freundlich ihr blondes Lockenköpfchen zum Danke, und Elviro rief der Bande ein herzliches„Guten Morgen!“ zu. Auch die vor dem äußerſten Eingang ihres Aufenthalts aufgeſtellten Poſten be⸗ grüßten die Heraustretenden freundlich, und ſelbſt die wilden Rüden heulten vor Freude und ſprangen an Elviro empor. „Es ſind unvernünftige Thiere,“ ent⸗ gegnete Elpiro,„aber ſie ſind oft treuer als Wenſchen. Dieſer da,“ er zeigte auf einen 29 — manchen Dienſt geleiſtet, wodut Freiheit mir erhalten wurden.“ „Ei Du gutes Weſen,“ mit dieſen ten ſtreichelte ſie den Liebling des Hauß manns, welcher ſie auf dem Spaziergange begleitete. „Laſſen Sie mich doch Ihre Geſchichte hören, wie der Treue Ihr Retter würde,“ wandte ſie ſich an Elviro, doch ſchnelſetzte ſie hinzu: nterlaſſen Sie es lieber, denn da würden Sie vielleicht Scenen berühren, wo Ihr theures Leben in Gefahr geſchwebt, und dieſes würde meine frohe Stimmung ver⸗ ſcheuchen.“ „Gefühlvolle, herrliche Seele!“ rief der entzückte Hauptmann und ſetzte dann bittend hinzu:„Nenne mich nicht mit dem fremden Sie, ſondern laß mich das trauliche„Du“ aus Deinem Munde vernehmen „Hab' ich doch am vorigen Abend bei nſerm erſten Zuſammentreffen„Di ſagt wie ich auch wieder auf das 30 Rderte ſie ſchalkhaft, und drückte lich ſeine Hand. Unter ſolchen hnlichen Unterhaltungen hatten ſie ſich wermerkt der in der Nähe befindlichen höchſten Spitze des Gebirges, dem Krival, genähert, und Beide beſchloſſen, deſſen Gipfel zu erſteigen, um die herrliche Ausſicht zu genießen. Obgleich es viele Mühe koſtete, die Felsmaſſen zu erklimmen, ſo trat doch Mathilde von dem Vorhaben nicht zurück, wenn auch Elviro wiederholt dazu rieth. Sie bewies eine beiſpielloſe Gewandtheit und eine ſeltene Entſchloſſenheit, ſo daß der durch mancherlei Gefahren und Widerwärtigkeiten im Leben abgehärtete kühne Elviro in Er⸗ ſtaunen gerieth. Er glaubte eine Alpenbe⸗ wohnerin vor ſich zu ſehen, als er ſie mit feſtem Tritt und Leichtigkeit über ſchmale Krater und Abgründe wandern ſah. Einige⸗ mal wurde er ſogar beſorgt um ihr Leben und⸗beſchwor ſie, mit ihm umzukehren. Lä⸗ eln rief ſie ihm zu, indem ſie weitet 5 — klimmte:„Wir ſind ja nahe am Ziele, ſur luſtig, Elviro.“— Einige aufgeſcheuchte Gemſen ſpratgen an ihnen vorüber und eilten mit gewaltigen Sätzen über die Felſen davon⸗ Mathilde blickte den fliehenden Thieren nach und er⸗ götzte ſich an ihren kühnen Sprüngen. Nach einigen wiederholten Anſtrengungen langten ſie auf der Spitze an, ließen ſich ermüvet auf einen Felſenvorſprung nieder und erholten ſich erſt von den gehabten Anſtrengukgen⸗ Nachdem ſie wieder friſche Kräſte geſammelt hatten, weideten ſich Beide an dem großarti⸗ gen Anblick der ſich maleriſch vor ihnen aus⸗ breitenden Landſchaften. Prächtige Städte, Dörfer und Schlöſſer erhoben ſich aus grü⸗ nenden Fluren und waldigen Gegenden, und von mehreren Seiten her zeigten ſich die wilden Höhen der Karpathen, zu denen auch ie Höhe, auf der ſich das Paar befand⸗ gehörte, in ununterbrochenen Zügen nach Himmelsgegenden. Das ganze Ungarn, ein Theil der Moldau und Wallachei, nebſt Siebenbürgen und andere Gebiete konnte man von hieraus überſehen. Nachdem der bewanderte Elviro ſeine Begleiterin auf Alles aufmerkſam gemacht und erklärt hatte, bat er dieſelbe, ihm das Ende ihrer bereits angefangenen Ge⸗ ſchichte zu erzählen. Mathilde war ſogleich dazu bereit, und fuhr in ihrer am geſtrigen Abend abgebrochenen Erzählung alſo fort: „Das fürchterliche Gewitter brach endlich über uns aus und machte ſeinen Anfang da⸗ mit, daß mein redlicher Vater ſein Amt verlor, und noch dazu den grauſamen Befehl erchielt, mich am kommenden Tage auf das Schloß zu liefern, oder die härteſte Ahndung zu gewärtigen. Ich und meine Mutter zer⸗ floſſen in Thränen, doch der Redliche blieb ſtandhaft und ſuchte uns durch die Troſt⸗ gründe der Religion aufzurichten. Packt Eure Sachen zuſammen,“ mahnte er und ſetzte beſtimmt hinzu:„Noch in dis Nacht verlaſſen wir unſere Wohnung und mit uns theilen wird.“ „Wir ſahen die Nothwendigkeit ſeines Entſchluſſes ein und rafften in möglichſter Cile unſere beſten Habſeligkeiten zuſammen, und ehe der Abend herandämmerte, hatten wir Alles zu unſerer Flucht vorbereitet. Die Dunkelheit zog endlich herauf, da verſam⸗ melten wir uns in dem Studirzimmer mei⸗ nes Vaters, um nach ſeinem Willen hier ein gemeinſchaftliches Gebet zu halten und Gott um Beiſtand bei unſerer Flucht anzu⸗ flehen. Nie vergeſſe ich den rührenden Au⸗ genblick, wo ich und mein Mutter am Schluſſe des Gebets knieend den Segeh der Kirche aus dem Munde meines frommen Vatets erhielten. Getröſtet ſtanden wir nun auf. nahmen jeder ſein Bündel unter den im und verleßen in aller Stille unſete Woh⸗ giung, die uns ſo lange ein Sitz e . 3 ud Apollonia. wandern nach Ungarn zu, wo ich einen theuren Freund habe, der willig ſein Brod und des Glücks geweſen war. Da wir für einige Tage Lebensmittel bei uns hatten, zogen wir durch wüſte, waldige Gegenden und hielten unſer Nachtlager, da die Jah⸗ reszeit mild war, unter freiem Himmel. Als unſere Lebensmittel zu Ende waren, litten wir Hunger und Durſt und mußten oft elen⸗ de Wurzeln und Kräuter verſchlingen, um unſer Leben zu friſten. Um unſere Noth zu erhöhen, verfiel nach einigen Tagen meine gute Mutter in eine heftige Krankheit, die ſo ſchnell überhand nahm, daß wirfür ihr Le⸗ ben zitterten. Dabei fühlte ſie beſtändig ei⸗ nen brennenden Durſt, der durch die weni⸗ gen aufgefundenen Waldbeeren nicht gelöſcht werden konnte. Mein bekümmerter Vater ließ mich bei der Kranken zurück und ent⸗ fernte ſich, um eine Quelle aufzufinden und der Leidenden einen Labetrunk zu verſchaffen. Noch ſtand die Sonne hoch am Himmel, als er ging, voch war dieſe längſt geſunken,] und immer noch ſah ich ſeiner Riath el, dieſer Zeit weit ſchlechter geworden, Und als der Abend ſeine dunkeln Schatten um⸗ her warf, befand ſie ſich am Rande des Grabes. Unter einer bemooſten Eiche lag die Unglückliche auf einem Bündel zuſam⸗ mengerafften Moſes, und neben ihr lag ich und rang verzweiflungsvoll die Hände. Wohl zehnmal fragte ſie mit ſchwacher Stimme, oh der Vater noch nicht wiederkehre, worauf ich nur mit Thränen antworten konnte. Im⸗ mer mehr lagerte ſich Finſterniß um uns⸗ ſo daß bald alle Gegenſtände dem Auge entſchwanden; nur das Aechzen und Stöh⸗ nen der geliebten Kranken tönte ſchauerlich in dieſem grauſen Dunkel, außerdem war Alles ſtumm und ſtill umher. Das Seuf⸗ zen und Wimmern, welches mir das Herz durchſchnitt, nahm immer mehr zu und en⸗ dyin einem lauten Röcheln. Ich wf ſchmerzlich über die Kranke hi e den zärtlichſten Namen, gab vergebens entgegen. Die Kranke wat in begann dieſer,„es geſchieht Dir nichts zu Lei⸗ keine Antwort zurück. Ich ſchloß ſie krampf⸗ haft in meine Arme, drückte mein in Thrä⸗ nen ſchwimmendes Angeſicht an ihre Bruſt, und fühlte nun— daß der Schlag ihres Herzens ſtockte. Zugleich verſtummte ihr Stöhnen, und die ſchreckliche Gewißheit, daß ihr Leben entflohen ſei, warf mich ohnmäch— tig zu Boden.— Als endlich meine Lebens⸗ geiſter wiederkehrten, ſah ich um mich her Alles erleuchtet, und viele wunderſame e⸗ ſtalten umlagerten mich. Ich glaubte zu trãu⸗ men; doch überzeugte mich bald die Anrede eines dieſer ſchrecklichen Weſen, daß es Wirk⸗ lichkeit ſei, was ich erblickte. „Fürchte nichts, ſchönes Mädchen,“ ſo — de, ſondern wir werden uns beſtreben, Dir nützlich zu ſein.“ Dieſe Anrede, obgleich ſie in einem rau⸗ hen Tone geſchah, ermuthigte mich etwahinm 3 ich entgegnete: Um des Himmels Willen, ſunken, ckteh iſt mit mi ter, wo d „Wir loſen Zuſtaz ndern und s Mütter⸗ ervorſtach. ſchmutzig ſes Haar ————— 39 holen. Halb aus Furcht, halb aus Hunget verſuchte ich einige Löffel von der mageren Koſt zu mir zu nehmen, und vollbrachte die ſes, nachdem es mir viel Ueberwindung ge⸗ koſtet hatte. Meine Tiſchgenoſſen untethiel⸗ ten während dem Eſſen ein Geſpräch, mo⸗ von ich aber, da mir ihre Sprache gänzlich unbekannt war, nichts verſtand. Nach Be⸗ endigung dieſer für mich ſo peinlichen Mahl⸗ zet langte die jüngſte der Frauen eine Har⸗ fe herbei, griff ſtürmiſch in die Saiten, und ſang in mir unverſtändlicher Sprache folgen⸗ des Lied, welches ich ſpäter von ihr lerne „Wir führen ein Leben voll Wonne, Wir führen ein Leben voll Freud', Uns gilt gleich Mond oder Sonne, Wir Zigenner ſind luſtige Leut'.“ „Der Menſchheit den Schleier zu lüften, Den ihnen die Zukunft bedeckt, Wir raſten in Wäldern und Klüften Kein Grauſen und Sorgen uns weckt. S „Von Spenden der Reichen und Wnr Verleben die Tage wir flett 2 und daß unſere Brüder nicht darben Pilft gnädig der gütige Gott 3 — en, wurden mir ausgezeichnete Geſchenke g. en Stunden der Ruhe untettich Dieſer Geſang ſagte mir nun klar, daß ich mich in einer Geſellſchaft Zigeuner be⸗ fand, von denen ich in meiner Kindheit ſchon ſo manches Fabelhafte gehört hatte, und dieſe Wahrnehmung ſteigerte meine Angſt noch mehr. Die grinſende Alte rückte an meine Seite und ſuchte mich, ſo gut es ihr abſchreckendes Weſen erlaubte, zu trö⸗ ten. Nach einigen Stunden brachen die Zigeuner auf, und da ich nichts Beſſeres anzufangen wußte, folgte ich ihrer Auffor⸗ derung und zog mit ihnen davon. Der Ge— danke, Lielleicht meinen guten Vater wieder zu finden, erſtarkte mich, und ſo überwand ich allen Abſcheu und gewöhnte mich von Tage zu Tage immer mehr an die Geſell⸗ ſchaft, die mich ganz als ein ihr zugehöri⸗ ges Glied betrachtete. Wir durchzogen Mäh⸗ ren und Böhmen und überall, wo wir hir kamen, ſah man uns gern, und nicht ſelt Schlchzend erzählte ich ihr den zg tete ich die eiſe der Weiber im Harfen⸗ ſpiel, und ich begriff es leicht und ſchhell. In kurzet it hatte ich eine beſondere Fer⸗ tigkeit ih n und Spiel erlaugt und überall, wo mich hören ließ, erlangten die Zigeuner reichliche Gaben. Bei allen Schmeicheleien, die mir dargebracht wurden, blieb ich lange Zeit gleichgültig und in mich gekehrt, denn das Andenken an den Verluſt meiner Eltern war noch zu neu. Die Zeit lindert jeden Schmerz, ſagt das Sprichwort, 8 Nach Verlauf und ſo ging es auch mir. eines Jahres ſchwand der Trübnn aus meiner Seele und harmloſe Freude zog in mein Herz. Einſt, als wir die Tyroler Alpen durchzogen, unterſtand ſich einer der Zigeuner, mir ſeine Liebe anzutragen. Ich ſchauderte vor der Rohheit dieſes überaus häßlichen Menſchen zuſammen, und da er dreiſter wurde, flüchtete ich weinend zu der Alten, die mir beſonders zugethan war. vom Paſtor erhaltene Baarſchaft kaufte ic worüber ſie laut auflachte, und mich ein al⸗ bernes Ding nannte. Ich ſah nun wohl ein, welchen neuen Gefahren ich ausgeſetzt war, und faßte den Entſchluß, bei erſter Ge⸗ legenheit zu entfliehen. Dieſe Gelegenheit kam bald, denn da wir wenige Tage darauf auf dem offnen Markte einer kleinen Stadt unſere Geſchäfte trieben, ſchlüpfte ich un⸗ vermerkt durch die Buden hindurch und eilte in das Haus eines Geiſtlichen, den ich un⸗ ter Thränen um Schutz und Rettung an⸗ flehte. Der würdige Geiſtliche verſprach mir, Alles zu thun, was in ſeinen Kräften ſtand und wies mir einſtweilen ein verbor⸗ genes Zimmer in ſeinem Hauſe zur Woh⸗ nung an. Ueber acht Tage blieb ich hier verborgen, dann aber zog ich, von ihm groß⸗ müthig beſchenkt, weiter. Aus ſicheren Quel⸗ len erfuhr ich, daß die Zigeuner weiter in die Alpen hinaufgezogen waren, daher rich⸗ tete ich weinen Weg auf Ungarn. Für die 2 43 die Harfe, welche ich mit hergebracht habe ich nach Roſenau und kehrte in einem än⸗ geſehenen Gaſthauſe ein, wo ich bei den fremden Herrſchaften, die dort gerade an⸗ weſend waren, etwas durch mein Spiel zu und zog damit von Haus zu Haus, meinen Unterhalt zu verdienen. Eines Tages kam verdienen hoffte. Von einem gutmüthigen Diener des Hauſes wurde ich nach dem Speiſeſaale der Herrſchaften geführt, und griff luſtig in die Saiten. Alles horchte hoch auf, beſonders aber ſchien ein junger Herr, der mir gegenüber an der Tafel ſaß, davon angeſprochen zu werden Er richtete ſeinen Blick auf mich, und dieſer Blick war hinreichend, mir meine Ruhe auf immer zu rauben.“ Mathilde hielt jetzt ein, und betrach⸗ tete den neben ihr ſitzenden Elviro, welcher rüben Stimmung zu wecken, fuhr ſe voll Unruhe über ihre letzten Worte ſun vor ſich hinblickte. Ohne ihn au ſeiner —— ——— 44 „Mein Spiel wurde unſicher und endlich ſo harmonielos, daß ich ſelbſt darüber erſchrak und beſchämt den Saal verließ. Der redli⸗ che Aufwärter brachte mir jedoch die„für mich eingeſammelte Geldſumme, welche nicht gering war.“ „Der junge Herr Graf,“ ſagte er lä⸗ chelnd,„hat dieſe Goldſtücke allein gegeben, und war verdrießlich, daß die anderen Her⸗ ren nicht mehr gegeben hatten.“ Ich war ganz verwirrt, und mußte da⸗ her der ſchalkhaften Bemerkungen des Ueber⸗ bringers noch mehrere hören.“— Hier unterbrach ſie Elviro, indem er aufſprang und die Erzählerin in ſeine Arime ſchloß und ausrief:„Ja nun erkenne ich in Dir jene holde Saͤngerin wieder, die mit ihrer Zauberſtimme mich ins Land der Se⸗ ligen verſetzte. Ich Tropf,“ fuhr er lachend fort, daß ich am vorigen Abend Dich nicht ſogleich an Deinem Geſang erkannte. Doch. um Alles, angebetete Mathilde, wiz erfuhr 5 6 ———— Dich entſchließen, mich, den Räuber, auiu⸗ ſuchen?“ 5 doch über das Letztere frage Dein eignes Herz, wenn es die Gewalt der Liebe regiert, wie das meinige.“ Statt einer Antwort auf die letzte Be merkung, ſchloß Elviro das liebende Mäd chen in ſeine Arme und ſein feuriger Kuß und das ſtürmiſche Klopfen ſeiner Bruſt ſagte ihr mehr, als Worte. Nach dieſer zärtlichen Umarmung nahm Mathilde wie⸗ der das Wort und gab über die Art und Weiſe, wie ſie Aufſchluß über Elviros Ver⸗ hältniſſe erlangt habe, folgende Erklärung: „Schon am Abend deſſelben Tages, als ich Dich im Gaſthofe zu Roſenau geſehen hatte — * verbreitete ſich in der ganzen Stadt das Ge⸗ rücht, daß der berüchtigte Räuberhauptmnann Elviro aus den Karpathen daſelbſt, und Du meinen Namen, und wie konnteſt P Das Erſtere will ich Dir erkläten zwar in dem nämlichen Gaſthauſe 3 46 gen, und über Mittag geſpeiſt haben ſoll. Der Aufwärter, welcher mir die Spenden der Herrrſch ften überbracht hatte, theilte mir zu meiner Verwunderung mit, daß eben der Graf, der mich ſo reichlich beſchenkt hat⸗ te, kein Anderer, als der Gefürchtete gewe⸗ ſen ſei. Ich läugne es nicht,“ fuhr ſie mit einem zärtlichen Blick auf Elviro fort, daß ich von Herzen wünſchte, Dich in an⸗ dern Verhältniſſen zu ſehen, jedoch da die Umſtände einmal ſo waren, durchſchaute ich mit prüfendem Blick die verborgenſten Fal⸗ ten meines Herzens und fand, daß es trotz des Räubertitels gleich warm und zärtlich für Dich ſchlug. Da überdem auch mich das Schickſal aus der ſtillen Ruhe in die ſtürmiſchen Wellen der Welt hinausgeſchleu⸗ dert hatte, ſo entſchloß ich mich, Dich in Deinem verborgenen Aufenthalte aufzuſuchen, und dann mit Deinem Willen mein ferne⸗ res Schickſal ungertrennlich an das Deinige zu knüpfen. Du kennſt nun die Geſchichte „Ich ſoll entſcheiden,“ xief Elviro, das ſchöne Mädchen an ſein Herz drückend,„wo die Liebe bereits den Ausſpruch gethan hat! Engel in Frauengeſtalt, Du bringſt mir ein reines Herz voll himmliſcher Liebe und Gü⸗ te, wogegen Dir Elviro nur eine trübe Gegen⸗ wart und Zukunft, die mit Noth und Gefahren mancherlei Art durchwebt iſt, anbieten kann.“ Mit edlem Anſtande richtete ſich Ma⸗ thilde empor, und indem ſie wie eine Heldin vor den exwartungsvollen Elviro trat, be⸗ gann ſie in feſtem, ſelbvertrauendem Tone: „Ich fühle Muth und Kraft, jede Gefahr des Lebens mit Dir zu theilen, denn mein eignes, bisher erlebtes Schickſal, war ge⸗ eignet, meinen Muth zu heben und meine Kraft zu ſtählen. Ja, Elviro, reich mir ein Schwert, und im Getümmel des Kam⸗ pfes will ich Dir zeigen, daß ich als. ein ſchwaches Weib bin!“ meines Lebens, ſo wie meinen unabänderli chen Entſchluß, und nun, Elviro, entſcheide. —,.—,—— heroiſchen Gedanken in dem Buſen eines Weibes geſucht hatte, Der kühne Räuber, der kein?n ſolchen blickte voll Verwun⸗ derung das ſeltene Mävchen an, und ſie gewann 9 Eine innige davurch ſeine höchſte Achtung. zärtliche Umarmung erfolgte, in welcher ihre Herzen in ewiger unzertrennlicher Liebe in einander verſchmolzen, und die heiligſten Schwüre beſiegelten den Vund ihrer Seelen Mathilde äußerte den Wunſch, ihren bishe⸗ rigen Namen mit einem andern zu vertäuſchen, und bat Elviro ihr einen ſolchen vorzuſchla⸗ gen. Dieſer beſann ſich eine Weile und ſagte dann lächelnd: Wie gefällt Dir der Name Apollonia?“ „Gut,? entgegnete Mat romantiſch, und von nun an w Namen führen.“ Das laute Gebell des Jagdhundes welcher ſie hierher begleitet hatte, ſtörte ſie in ihrer Unterhaltung und nach ublicken erſchien Buller, der den Habt N⸗ — hilde,„er klingt ill ich dieſen wenigen † ihren Lippen:„Hoch lebe der tapfere Haupt⸗ mann Elviro!— Hoch lebe das Helden⸗ mädchen Apollonia!“ Nachdem der fröhliche Lunut vorüber war, befahl Elviro, daß man ihm von dem Bericht erſtatten ſollte, was ſeine Gegen⸗ wart nöthig gemacht hätte. Schweitzer, der 3 nebſt einigen Burſchen einen Streifzug durch 5½ die nahen Waldungen gemacht hatte, trat hervor und berichtete Folgendes:„Als ich vor einer Stunde mit meinen Begleitern aus dem Walde hierher zurückkehren wollte, bemerkten wir in der Ferne einen Haufen bewaffneter Männer, welche ſich nach Her links hinlaufenden Gebirgshöhe hinzogen t und zwar in der Richtung nach dem Wiener n Walde. Wir flogen ihnen eine Strecke von Ferne nach und bei dieſer Gelegenheit ſiel 3 dieſes verſiegelte Schreiben in unſere Hände, ſe welches vermuth lich jene verloren haben. en 3 Nach Beendigung dieſes Berichtes zz Schweitzer den Brief hervor, reichte ihn S Hauptmann dar, derihn ſogleich erbrach und den Inhalt deſſelben vorlas: „Kameraden! Seid auf Eurer Hut, denn der ver⸗ wegene Elviro hauſt in dieſer Gegend. Dieſer Pinſel trägt nur den Namen ei⸗ nes Räubers, in der That aber gleicht ereinem Pfaffen, und niemals dürfen ſeine Leute, wenn es nicht die Nothwendigkeit gebietet, Blut vergießen. Auch uns wird der Dummkopf auf die Nägel glotzen, wenn er Wind von uns und Geruch von unſerer Mordluſt bekommt. Uebrigens hoffe ic, dem Elviro, der mir genau be⸗ kannt iſt, eine Grube zu graben, in wel⸗ cher er Hals und Genick brechen ſoll. Hier ———* —— — — . und da ſind Blätter öffentlich ausgehan⸗ gen und demjenigen eine hohe Belohnung zugeſichert, welcher ihn'den Händen der Dvrigkeit zu überliefern vermag. Da er ſters in den vorzüglichſten St 3 ädten Ungarns verkleidet umher treibt, ſo ſchlei⸗ che ich in allen dieſen Städten umher, und wo ich ſelbſt nicht hinkotme, thun dieſes einige gute Spione. Zieht Euch nach der mähriſchen Grenze zu, oder nach dem Wienerwalde, dort werdet Ihr ſicher einen Schlupfwinkel finden. Ihrwerdet Euch ſchon auf eine gute Art Euren Unterhalt zu verſchaffen wiſſen, bis die Zeitkommt, wo wir allein als die Herren vom Gebirge auftreten werden. Auf baldiges und freudiges Wie⸗ derſehen! 3 Euer Hauptmann Illo.“ Als Elöiro das Ableſen beendet hatte, brach er in heftigen Grimm aus, und nach⸗ dem er das Blatt wüthend mit Füßen, ge⸗§. ſtampft, ſchwur er einen furchtbaren Eid, die Bande des Illo aufzuſuchen und ſie bis auf den letzten Mann zu vernichten. Im wilde⸗ ſten Tumult gab die Bande ihren Veifall n und ſelbſt ihn zu ermuntern, mit der Ausführung nicht lange zu zögern⸗ Elviro beſtimmte ſogleich den kommenden Tag zum Abzuge und ertheil⸗ te den Befehl, daß die Burſchen ihre Waffen in guten Zuſtand ſetzen ſollten. Ein Theil derſelben ſollte unter dem Befehl Fallers bei Apollonia zurückbleiben, welche durchaus mit⸗ ziehen wollte, aber endlich doch einwilligte und zurückzubleiben verſprach. Der Reſt des Tages verging unter Zurüſtungen aller Art, und Elviro genoß, nebſt ſeiner Geliebten, in ſein Gemach zurückgezogen, die ſüßen Freu⸗ den der Liebe. Spät am Abend ſuchten Beide das Lager und erwachten erſt am andern Mor⸗ gen, als bereits die Bande in voller Bewe⸗ gung war. ne Kleider, und von Apolloniens Händen unterſtützt, trat er bald wie ein Kriegsgott gerüſtet und geſchmückt in die Verſammlung ver Seinen. Ein rauſchender„Guten Mo⸗ gen!“ vonnerte den Eintretenden enigegen⸗ nd Beide erwiederten den Gruß mit Woh Elviro warf ſich ſchnell in ſei⸗ 55 gefallen. Hierauf beſtimmte Elvito hui⸗ dert der Burſchen, wobei ſich Buller, Büchel 5 und Schweitzer befanden, zum Streifcbrps, 7 indeß die noch übrigen funfzig Mann zum Schutze der Höhle zurückbleiben ſollten. Rach⸗ dem Alles zum Abmarſch bereit war, er⸗ klangen die Töne eines Hüfthornes, worauf Elviro die beherzte Freundin zum Abſchied 4 küßte, und dann an der Spitze des Haufens abzog. Apollonia blickte dem Geliebten nach, . wobei ſie ihm wiederholt mit dem Taſchen⸗ tuch nachwinkte, bis der Zug hinter dichtem Gebüſch verſchwand. i Elviro zog der Richtung nach, die Schwei⸗ tzer angab und langte mit ſeinem Haufen noch vor Anbruch der Nacht an einem Theile des Wienerwaldes an. Er ließ die Burſchen ſich la⸗ gern, um ſich durch mitgenommene Speiſen, und aus dem nahen Quell, wo ſie Waſſer ſchöpften, zu ſtärken. Elvirv berief Schwei⸗ tzer zu ſich, und nachdem er einige genoſſen, ſtreifte er in Geſellſchaft deß —— alten Burg, unter denen ſich ein noch ziem⸗„ lich gut erhaltener Thurm auszeichnete. Ue⸗ den nächſten Waldungen umher. Nach ei⸗ nem kurzen Wege gelangten ſie auf einen glatten Fußſteig, der des Hauptmanns Auf⸗ merkſamkeit erregte, und dieſer beſchloß mit ſeinem Begleiter darauf fort zu wandern. „Iſt doch ſonderbar,“ brummte Schwei⸗ tzer,„hier einen ſo betretenen Weg zu fin⸗ den, wo man niemals einen Menſchen zu ſe— hen bekommt.“ Elviro nickte ihm rechtgebend zu und ſchritt weiter vorwärts, ſo daß ihm kaum„ der ſchwatzluſtige Schweitzer folgen konnte. Der Abend hatte ſich bereits auf die Wal⸗ dungen niedergeſenkt, die Dunkelheit breitete ſich immer mehr aus und immer noch ver⸗ folgten Beide den blank hinlaufenden Fuß⸗ weg. Nach einem ziemlich anhaltenden Marſch gelangten ſie endlich auf einen freien Platz, und da eben der Mond leuchtend am Him, mol auſſtieg, gewahrte er die Ruinen eine 5 berraſcht trat Elviro den ſchauerlichen Ue⸗ berreſten einer grauen Vorzeit entgegen, und fand bald, daß dieſe Trümmer noch das unverkennbare Gepräge eines ehemali⸗ gen Glanzes trugen. Durch eine Heffnung der Mauer, welche den ehemaligen Burghof umgab, ſtieg er über einen Haufen herabge⸗ ſtürzter Steinmaſſen in das Innere der Rui⸗ nen, und nicht ohne Grauen folgte Schwei⸗ tzer, der nicht begreifen konnte, was der Hauptmann für Intereſſe an dem ſeiner Mei⸗ nung nach erbärmlichen Schutthaufen finden konnte. Als Beide durch die öden Ruinen des Burghofes und mehrere Säle und Ge⸗ mächer ſtreiften, flatterten Maſſen aufge⸗ ſcheuchter Nachtvögel davon, und erfüllten mit ihrem grauſen Geſchrei die Luft. Schwei⸗ tzer fuhr erſchrocken zuſammen, nur der küh⸗ ne Elviro blieb unerſchüttert und ſchien ſo⸗ gar Wohlgefallen an dieſen ſpukhaften Er eigniſſ en zu haben. Die Arme krenzweis über einander geſchlagen, rief er g was Schöneres, Romantiſcheres habe ich noch nie geſehen!“— „Mag's der Teufel loben,“ murmelte Schweitzer in den Bart, und unterſuchte von Schauder befallen den Zuſtand ſeiner Büch⸗ ſe und ſeiner Piſtolen. Elviro bemerkte es und ſagte lächelnd:„Schweitzer, Schweitzer, haben die Nachtvögel ſchon Gewalt, Dich in Angſt zu ſetzen, wie will es nicht werden, wenn wir unverhofft Weſen hier anträfen, die uns als ungebetene Gäſte nicht gar ſanft empfangen würden?“ Schweitzer ſchlug an das Gefäß ſeines Schwertes und entgegnete faſt unwillig: „Von Dir, Hauptmann, nehme ich dergleichen Spaß an, wenn es mir aber ein Anderer ſagte, ſo ſtopfte ich ihm das Maul auf ewig.“ Elviro klopfte dem Aufgeregten„f die Schulter und ſagte begütigend:„Nur m cht ſo aufgebracht, wackerer Schweitzer, mein ₰ Spaß war nicht ſo ernſtlich gemeint; denn 5 Lährlich ich getraue mir in Deiner Geſt ——. — ſchaft zwanzig Buſchkleppern das Genick zu brechen!“ „Hol' mich der Teufel!“ rief der An⸗ geredete;„Alle ſollten fallen, als wenn die Peſt über ſie gekommen wäre!“ Unter dieſen Geſprächen waren ſte zu dem noch gutgehaltenen Thurm gekommen, und Elviro bezeigte Luſt, durch die etwas erhöh⸗ te Oeffnung in denſelben hineinzuſteigen. Der bedenkliche Begleiter ſuchte ihn davon ab⸗ zubringen, doch der Erſtere blieb bei ſeinem Entſchluß und bemühete ſich umſonſt, nach der Oeffnung hinaußzuklimmen. Da Schwei⸗ tzer den feſten Willen ſeines Hauptmanns ſah, unterſtützte er deſſen Bemühungen und nach wenig Augenblicken ſchwang ſich Elvi⸗ ro zu der Oeffnung empor und verſchwand, in das Innere des Thurmes einſteigend. Schweitzer nahm Poſto am Fuße des Thur⸗ mes, ſeine Büchſe von der Schulter und hielt Wache. Wenige Augenblicke der Hauptmann im Thurm, als ein ſch 60 liches Gepolter entſtand, durch welches deſ⸗ ſen kräftige Stimme hindurchhallte, und wo⸗ rauf eine baldige Todtenſtille folgte. Der Räuber ſchrak auf, rief brüllend des Haupt⸗ manns Namen, doch keine Antwort erfolgte. Verzweifelnd um das Schickſal ſeines Herrn, verſuchte er mit aller Anſtrengung die Oeff⸗ nung des Thurms zu erreichen, doch blieb dieſes, wie alle ſeine Bemühungen, um den Thurm her einen andern Eingang zu er⸗ ſpähen, fruchtlos. Wiederholt rief er den Namen des Verſchwundenen, worauf nur das grauſe Echo antwortete. Eine Zeit lang lief er wie ein Wahnſinniger um den Thurm her, und da er trotz aller Bemühungen nichts bezwecken und zu ſeiner Beruhigung auffin⸗ in's Freie, und eilte ſo ſchnell als möglich zu dem Lagerplatze ſeiner Kameraden. wollen, hatte faum das Innere des Thurms den und vernehmen konnte, ſtürzte er durch den halbverſchütteten Eingang der Burgmauer 2 Pliro, zu dem wir uns jetzt wenden betreten, als der Boden unter ihm zuſam⸗ menbrach und er in eine nicht unbedeutende 4. Tiefe ſtürzte. Von dem unvorhergeſehenen ſchnellen Falle und den ihm nachrollenden Steinen war er ſo verletzt, daß er beſin⸗ nungslos wurde und mithin den Zuruf ſei⸗ nes Getreuen nicht vernehmen konnte. Nach einiger Zeit kehrten ſeine Lebensgeiſter zu⸗ 3 rrück, doch da ihn dicke Finſterniß umgab, konnte er ſich auf Augenblicke nicht entſinnen, 2 was mit ihm vorgegangen war, und wo er ſich befand. Nachdem eben ſeine völlige Beſinnung zurückgekehrt war, richtete er ſich nicht ohne Mühe empor, und tappte umher, die Beſchaffenheit ſeines Aufenthalts näher kennen zu lernen. Ringsum tappte er ge⸗ gen feuchte Steinmaſſen, und ihm ward es klar, daß ſeine Lage nichts weniger als er⸗ freulich war. Nach mehreren vergeblichen Verſuchen, ſich aus ſeinem ſchauerlichen Be⸗ hältniß herauszubringen, und nachdem er wicderholt vergeblich den Namen Scheitzer . gerufen hatte, warf er ſich unmuthig auf den harten Grund nieder, und harrte in, — Geduld der Wendung ſeines fatalen Geſchicks, B deſſen Wie und Wann er ſich nicht zu ſagen *. wußte. Schweitzer war indeß auf dem bekann⸗ n ten Fußwege zurückgeeilt, war aber nicht 6 d wenig überraſcht, als er die zurückgelaſſenen 3 T Kameraden nicht fand. Wiederholt ließ 6 6 er einen lauten Ruf ertönen, der aber ohne 5 3 Antwort in der ſchauerlichen Nacht verhallte. gi Links und rechts ſtreifte er durch die Wal⸗ . lie dungen und verlor ſich endlich ſo tief in 1 dem verworrenen Geſträuch und den verſchlun⸗ genen Hecken, daß er am Ende ſelbſt nicht wußte, wohin er gehen ſollte und woher er ge⸗ kommen war Zudem kam noch, daß der Himmel ſich mit gewitterſchwangeren Wol⸗ fen überzogen und des Mondes helles Licht verdrüßlich und höchſt ermüdet am Fuße ei⸗ .„. Hände, und drückte ſich ſchmeichelnd an ſei⸗ ner Seite nieder. „Wie in aller Welt mag das Thier hier hereingekommen ſein?“ fragte ſich Elviro ſelbſt. Er ſtand jetzt auf, und indem er mit dem Schwerte über ſich hinaufreichte, ohne eine Decke zu berühren, ward es ihm wahrſcheinlich, daß die Tiefe, in die er hin⸗ abgeſtürzt war, nicht gering ſein konnte. Da ſich übrigens keiner ſeiner Leute hören ließ, ſo ergab er ſich in Geduld, und be⸗ ſchloß den Anbruch des Tages abzuwarten, und zu ſehen, ob vielleicht mit ſeinem Er⸗ ſcheinen das Dunkel einigermaßen erhellt werden würde. Von den Schmeicheleien ſei⸗ nes guten Hektors ziemlich beruhigt, ßreckte er ſich ſo gut es ging auf den harten Boden nieder und verfiel in einen ruhigen Schlum⸗ mer. Als er endlich erwachte, bemerkte er ereinzudringen ſchien. Sogleich ech ngte er ſich, daß das Licht des und Apollonia. I. einen ſchwachen Lichtſchimmer, der ſo eben 8 durch die Oeffnung über ſeinem Haupte herein⸗ 8 brach; doch war der Schein nur matt und ſchwach, wodurch ſein Aufenthalt theilweiſe ſpärlich beleuchtet wurde. Zunächſt über⸗ dachte er, auf welchem Wege ſein treuer Hektor zu ihm gelangt ſei, da die Tiefe ſeines Aufenthalts ihm klar machte, daß die⸗ ſer anderswo als von oben hereingekommen ſein müſſe. Er unterſuchte die Wände nauer und fand eine ziemlich weite Spal 3 im Mauerwerk, welche ihn bald überzeugte, daß dieſe der Weg ſeines treuen Hundes geweſen ſei. Er bemühete ſich nu, die Oeffnung zu erweitern, und nachdem er ſei⸗ ne Kräfte einigemal angeſtrengt, um die loſe ſitzenden Mauerſteine auszubrechen, war dieſe ſo weit, daß er bequem hindurch krie⸗ chen konnte. Als er ſich im Freien befand, ſtrahlte die Sonne bereits im ſchönſten Glanze, G und ein heller Morgen lachte ihm entgegen⸗ 3 einmal ſieg er in veinns ſein 3½ . 67 Burg, um ſeine dort am Abend abgelegte Büchſe zu holen. Noch lehnte dieſe am Mau⸗ erwerk des Thurmes, jedoch von ſeinet Begleiter war nicht die geringſte Spur. Be⸗ kümmert über das Betragen ſeiner Leute, die nicht einmal zu ſeiner Rettung herbei⸗ geeilt waren, verließ er die Ruine und eilte nach der Gegend zu, wo er die Seinen ver⸗ laſſen hatte. Ehe er aber den Ort erreichte, trat ihm Schweitzer aus dem Gebüſch ent⸗ gegen, der, als er den Hauptmann erblickte, vor Freude laut aufjauchzte. Elviro theilte ihm in kurzen Worten ſeinen Unfall in der Ruine mit, und erklärte ihm die Art und Weiſe, wie der treue Hektor ihm den Weg zu ſeiner Rettung gezeigt. Indem Schwei⸗ tzer das treue Thier liebkoſte, erzählte er dem Hauptmann andrerſeits, was ſich mit ihm zugetragen, und wie er die Bande nicht mehr auf dem beſtimmten Lagerplatze Noch war Letzterer mit ſein nach einem nahen Gebüſche ſtürzte, bald darauf ein wüthendes Gebell erhob und trotz allen Anrufens nicht zur Rückkehr zu bewe⸗ gen war. In dem Gedanken, es lagere vielleicht ein Stück Wild in dem Geſträuch, ſpannte Elviro den Hahn ſeiner Büchſe, und eilte von Schweitzer gefolgt der Stelle zu, woher die Stimme des Hundes erſchallte. Noch ehe ſie dem Orte ganz nahe waren, drang ein ängſtliches Stöhnen in ihr Ohr, und als Elviro die Zweige des Gebüſches auseinander bog, erblickte er zu ſeinem Befremden einen Menſchen, der am Boden liegend und ſchwer verwundet, faſt in ſei⸗ nem Blute zu win ſchien. Das Aeu⸗ *ßere und die Bewaffnung des Fremden ſetz⸗ ten es außer Zweifel, daß er in ihm ein Mitglied jener Bande ſehe, der er Tod und Vernichtung geſchworen hatte. Als Elviro * d Schweitzer von demſelben erblickt wur⸗ og er, obgleich dem Tode ————— hindern konnten, drückte er ab, und Schwei⸗ tzer, deſſen Bruſt von der Kugel durchbohrt wurde, ſtürzte zuſammen. Seiner nicht mehr mächtig, ſetzte Elviro dem Sender des verderblichen Schuſſes die Mündung ſeiner Büchſe auf die Bruſt, brannte ſie ab, und der Elende hatte geendet. Mit dem letzten Röcheln des Verſchiedenen waren auch die Gefühle des gereizten Zorns aus Elviro's Herzen verſchwunden, und ſanftere Regungen nahmen darin Platz. Sein Gewehr von ſich werfend, ließ er ſich neben dem ſchmerz⸗ lich ächzenden Schweitzer nieder, und verſuchte mit ſchonender Vorſicht das aus dem Munde ſtrömende Blut zu ſtillen. Hierbei über⸗ zeugte er ſich, das für das Leben des Ver⸗ wundeten nicht zu fürchten ſei, und um denſelben etwas zu beleben, gab er ihm den Reſt des Weins aus ſeiner Feldflaſche. Schweitzer fühlte ſich dadurch etwas geſtärkt, war aber nicht vermögend, ſich allein vom Bo⸗ den aufzurichten, und der S m ₰ ihn dabei mit aller Kraft unterſtützen. Auf ſeine Schultern gelehnt, und von ſeinen Armen umſchlungen, leitete Elviro den Ver⸗ wundeten mit möglichſter Schonung nach den ſo eben verlaſſenen Ruinen zurück, und ließ denſelben gemächlich auf ein abgeriſſenes Stück des Mauerwerks nieder; nachdem er denſgbenermahnt hatte, hier ruhig ſeiner Rück⸗ kehr zu harren, ladete er ſein Gewehr aufs neue und eilte dann von ſeinem treuen Hunde begleitet, ſeine Leute aufzuſuchen. Als er an dem Orte vorüber ſtreifte, wo er am origen Abend die Bande verlaſſen hatte, erblickte er verſchiedene Waffen, welche zer⸗ ſtreut im. hohen Graſe umherlagen, weiter⸗ 3 hin ſtieß er auch auf einen Leichnam in welchem er bei näherer Veſichtigung einen ſeiner Leute erkannte. Eine bange Ahnung zitterte durch ſeine Seele, indem er ſich die 6 Möglichkeit dachte, daß ſeine Leute mit dem Geſindel handgemein, und wohl gar von dieſem überwältigt und zerſprengt worden wären. Der Gedanke an dieſe Veügi ce wurde immer reger, da er bald mehrere Ge⸗ tödtete ſeiner Bande wahrnahm. A engſtliche Beſorgniß kehrte in ſein Herz und ethieit neue Nahrung, als er nach einigen Schritten ſeinen Liebling Buller ſchrecklich zerfleiſcht am Boden liegen ſah. Nun war es bei ihm ausgemacht, daß ein barter Kampf orgs fallen, wobei ſeine Leute unterlehen und die Bande Illo's geſiegt hatte. „Hölle und Teufel!“ rief er grimmig aus; ſollten die Beutelſchneider geſiegt, und ih⸗ ren errungenen Vortheil benutzend auch un⸗ ſern Aufenthaltsort überrumpelt haben? Wel⸗ ches grauſe Loos wird dann Apollonia zu erdulden haben. Verdammt! daß ich auch von der Bande mich entfernen mußte und nicht an der Spitze meiner Leute fechten konnte, um die elenden Strauchdiebezü ren zu treiben.“ Der Gedanke an Apollonia erfaßte ihn — wie mit Krallen, und ohne ſich Kger zu t 2 ſinnen. ſtürzte er durch Hecken und Geſträuch in verzweifelnder Angſt vorwärts. Nach we⸗ nigen Minuten dünkte es ihn, ein fernes Ge⸗ S wehrfeuer zu vernehmen, worauf er ſeine Schritte hemmte, und ſich nunmehr über⸗ raffte er ſich zuſammen, und eilte der Ge⸗ gend zu, von welcher immer ſtärker das Kampf⸗ getümmel ihm entgegenſchallte. Schon ver⸗ und das Geklirt der Schwerter, verſtummten Feuergeweh r Platz gemacht hat⸗ eih Da ſtürzte ihm ein Haufen Kerle ent⸗ gegen, welche auf der Flucht begriffen zu ſein ſchienen, welches aus ihren oft ängſt⸗ ich zurückgeworfenen Blicken zu ſehen war. Ohne weiteres drückte Elviro ſeine Büchſe n ter die Ankommenden ab, riß dann ſein chwert aus der Scheide, und ſtürzte wie ein ergrimmter Löwe, dem man ſeine Jun⸗ gen geraubt hat, unter den ſtutzenden Hau⸗n fen. Da dieſe jedoch ſahen, daß —— 1 zeugte, daß erſich nicht getäuſcht habe. Schnell nahm er das wilde Geſchrei der Kämpfende die dem ———— ——— S. 2— mit einem einzelnen Feinde zu thun hae umringten ſie den kühnen Elvirv und dra⸗ gen mit hochgeſchwungenen Schwertern, un⸗ ter Ausſtoßung eines wilden Geheuls, von allen Seiten auf dieſen los. Dieſer wurde davon aber keineswegs entmuthigt, ſondern führte ſo tüchtige und kräftige Hiebe auf ſeine Gegner, daß nach wenigen Augenbli⸗ cken mehrere derſelben fluchend zu Boden ſanken. „Gieb Dich gefangen, Bube!“ ſchrie i der Kerle aufgebracht, der ſich durch einen mächtigen Krempenhut vor den Andern auszeichnete,„oder ich ſchicke Deine Lumpen⸗ ſeele zum Teufel!“ Elviro knirſchte vor Wuth mit den Zäh⸗ nen und donnerte dem Sprecher entgegen: „Noch nie hat Elviro ſich ſeinen Feinden ergeben, am allerwenigſten aber wird vor elenden Beutelſchneidern das S — . 1 jener vor Wuth ſchäumend weit hitziger als vorher eindrang und ihm zurief:„Ha! ver⸗ k haßter Elviro, der letzte Augenblick Deines Lebens iſt erſchienen, denn ich, der verwegene und tapfere Illo, werde Dich zur Hölle ſenden!“ — „Elender Gaunerkönig!“ entgegnete mit Verachtung Elviro und zugleich führte er einen ſo mächtigen Hieb auf Erſteren, daß dieſet mit geſpaltenem Haupte rücklings über⸗ 8 ſchlug und unter gräßlichen Flüchen und Ver⸗ wünſchungen ſeinen Geiſt aushauchte. W und Erbitterung der Uebrigen, und der ta⸗ pfere Elviro vermochte kaum ihre verdoppelten 7 Streiche von ſich abzuwenden. Schon aus mehreren Trhaltenen Wunden rieſelte das Blut über ſeinen Körper herab, und den⸗ noch hieb er mit Beſonnenheit und. Wutb um ſich. Da ſtürzte ein zweiter Hauf das Gebüſch daher, welcher von den der Nachſetzenden arg geärn wiederholt ausrief: uns Alle in Stücken! Fort! fort! Kamera den! Sie ſitzt uns auf den Ferſen!“ Dieſes oft wiederholte Geſchrei bezweckte bald, daß Elviro's Gegner von dem Streite abließen und wie die Angekommenen ihr Heil in der Flucht ſuchten. Noch immer ſtand der muthvolle Elviro mit hochgeſchwun⸗ genem Schwerte und blitzenden Augen, die 3 den Feind zu ſuchen ſchienen, als er ſich plötzlich umſchlungen fühlte und Apollonia, die ihre zarten Glieder in eine männliche Kleidung geſchmiegt hatte, und in deren Rechte ein bluttriefendes Schwert ruhete, ſank an des Ueberraſchten Bruſt. Zügleich ſtürmten Büchel und Faller an der Spitze ſeiner Getreuen herbei und ein freudiges: „Es lebe der Hauptmann!“ erfüllte die Luft. Voll ſeligen Entzückens drückte Ebviro das bochherzige Mädchen wiederholt an ſeine Puk und ½ mit den al⸗ „Das Hexenweib haut Elviro mit Glück anwenden zu können. Ent⸗ S 3 Lo⸗ lonia's Muth und Entſchloſſenheit allein den Sieg herbeigeführt habe. Mit anſpruchs⸗ loſer Beſcheidenheit hörte dieſe das von allen Seiten über ſie ausgeſprochene Lob, und beſchäftigte ſich nur mit ihrem geliebten Elviro, deſſen Wunden ſie mit tiefem Schmerz wahrnahm, und ihm behutſam die Kleidung öffnete, damit die Wunden ſichtbar und ver⸗ bunden werden konnten. Sie bezeichnete dem ihr hierbei behülflichen Faller ein gewiſſes Kraut, und dieſer entfernte ſich, vaſſelbe außzuſuchen und zur Stelle zu ſchaffen. Von den Zigeunern hatte Apolſonia die heilſamen Eigenſchaften dieſes Gewächſes erfahren, und hoffte es auch bei dem verwundeten Wunden vermittelſt ies in Wei uches zu reinigen. Von ingef in — . traf jetzt ſein Blick auf Apollonia's rechte Seite, als ſie ſich eben zu ihm niederbeugte und ihmeinen kühlenden Trank reichen wollte, den Büchel herbeigeholt hatte, als er Blut⸗ flecken auf der Stelle bemerkte. 8 tSchontwollte er ſeine traurige Bemerkung laut werden laſſen, als Apollonia ſichtbar erblaßte und auch ſogleich ohnmächtig neben ihm aufs Gras niederſank. Elviro vergaß jetzt Alles um ſich her, raffte ſich mit Anſtrengung em⸗ por und ſank mit dem Ausruf:„Rettet! Sie ſtirbt!“ aufs Reue erſchöpft auf den Boden zurück. Der ſchmerzliche Ausruf des Geliebten führte der Ohnmächtigen Beſin⸗ nung zurück, und invem ſie ihr lächelndes Auge auf ihn richtete, ſprach ſie mit matter Stimme:„Es iſt ſchon vorüber; der wenige Blutverluſt aus einer erhaltenen Wunde hatte mich etwas erſchöpft, doch fühle ich mich wieder wohl.“ „Verwundet!“ rief Elviro andſti „und Du edle, liebevolle Seele biſt nur auf mich und nicht auf Dich bedacht!“ Das edle Mädchen erſuchte ihn zu ſchwei⸗ gen und ſich nicht durch vieles Sprechen an⸗ zugreifen. Zugleich öffnete ſie ſelbſt ihre Kleidung und indem ſie ſo viel als möglich ihre üppige Fülle des ſchönen Buſens ver⸗ barg, ward eine ziemliche Streifwunde an ihrer entbl ößten Seite ſichtbar. Unerſchrocken rückte ſie die Wunde aus, reinigte ſte, und da Faller mit den Kräutern ankam, zerdrückte ſie dieſelben und legte einen Theil davon als Heilmittel auf. Alles dieſes hatte ſie ſchnell und ohne alle Spur von Schmerz, mit be⸗ wunderungswürdiger Ruhe und Selbſtver⸗ en guseſühre Fi gab dabrh „ — ahrhaſten Stibenſinnes. Ohne auf Ehi⸗ os herzliche Bitten zu achten, der um Schonung ihrer ſelbſt beſchwor, ruhig zu b n, ließ ſie es ſich nicht nehmen, ß en z verbinden. Verwundert betr teten die umſtehenden Räuber das holt der Ruf:„Es lebe der tapfere Elviro und das Heldenmädchen Apolloniä!“ Hierauf erhot ſich Büchel Theile der reſte des Feindes zu verfolgen, Apollonia und Elviro für heute nicht be⸗ willigten. Dagegen bezeichnete Elviro dem ungeduldigen Büchel den Weg Ruinen, und befahl ihm, mit einigen Leuten dorthin aufzubrechen, um den verwundeten Schweitzer, deſſen Unfall er kurz berührte, hieche⸗ zu ſchaffen. Währenddem der Be⸗ 6 aufträgte abzog, machte ſich Faller mit Ei⸗ nigeh bei Seite, fällte mehrere kleine Bäu⸗ me Lund bereitete einige Tragen, auf wel chenh nan den durch Blutverluſt ſehr ge⸗ ſchih chien Hauptmann, ſo wie den armen fortſchaffen wollte. Auch für das eliebte und verehrte Mädchen wollte man ne Prage zubereiten, doch dieſe ſ e8 mit einem Mädchen und von ihren Lppen tönte wieder⸗ Burſchen die geſchlagenen Ueber⸗ was indeß nach den getragenem Moos zurecht gemacht halth Elviro auf die eine, und Scu llächelnd aus, und verſicherte:„Ich müßte mich ja ſchämen, wenn ich um ſolcher Lum⸗ perei willen Erhebens machen wollte.“ El⸗ viro's Liebe zu dem wunderſamen Mädchen wurde beinah bis zur Anbetung erhoben, da ſie ſich in jeder Minute liebenswürdiger und achtungswerther zeigte. Der Transport kam endlich an, und der ſchwerverwundete Schweitzer wurde ſogleich von Apolloniens zarten Händen verbunden, der darüber ſeine heftigen Schmerzen vergaß und einmal über das andere ausrief:„Hier trifft es ein, daß in einem ſchönen Körper auch eine große, edle Seele wohnt!“ „Still, Schmeichler!“ gebot das liebliche 5 Faller brachte jetzt einige zubereitete Era⸗ gen herbei, und als die beſorgte Apé llonia Kind mit ſanftem Tone,„Du brauchſt R chhle angekommen, wo die Zurückgebliebe iefreudig empfingen, aber bein Aubl Apollonia wich auf dem ganzen Wege nicht von der Seite ihres Elviro, und ermahnte an jeder mißlichen Stelle zur Votſicht und Behutſamkeit. Elviro's umſchweifender Blick ſchien einen entfernten Gegenſtand zu ſuchen, und ſorglich forſchte die Geliebte, was er wünſchte und verlangte. „Meinen treuen Hektor vermiſſe ich,“ gab der Gefragte fundlich zurück. Apollonia ſah ſich ſogleich nach dem Liebling des Hauptianhs um, befragte auch die Uebrigen nach dem Hunde, doch konnte ſie ihn weder erblicken, noch Auskunft über denſelben erhalten. Sie theilte dieſes dem Verwundeten mit und tröſtete ihn, daß der treue Hektor ſich ſchon wieder einſtellen werde. Elviro drückte ihr zärtlich die Hand und warf ihr einen liebevollen Blick zu. Wäh⸗ rend dem war der Zug in der Nähe der nd Apollonia. l. der Zug in Bewegung, doch die beſorgte daß die Verwundeten bald wieder hergeſtellt d 3 liche Pflegerin, welche trotz ſeiner Ermah⸗ g ntungen, für ihre eigne Ruhe und Pflege zu j des leidenden Hauptmanns und des braven. 1 Schweitzer in ein lautes Wehklagen aus⸗ r brachen. Apollonia verwies ſie zur Ruhe und richtete ſie mit der Verſicherung auf, — —— ſein würden, da ihre Wunden nicht für ihr theures Leben fürchten ließen. Elviro wurde ſogleich in's Innere der Höhle nach ſeinem 1 Gemache gebracht, wo Apollonia bereits ſein 1 Lager bereitet hatte. Auch Schweitzer wurde tt in den größern Behälter der Höhle auf ein d weiches Lager gebracht, und einem der Wei⸗ 2 ber zur Pflege übergeben. Beim Schein einer brennenden Kerze lag Elviro hingeſtreckt auf einem weichen z Lager und zu ſeiner Seite ſaß ſeine freund⸗ ſorgen, nicht von ihm zu entfernen war. d Ein Geräuſch außen an der Thür des Ge⸗ achs beſtimmte Apollonia, ihren Sitz, erlaſſen und ſich nach der Urſache deſſe umzuſehen. Leiſe öffnete ſie die Thür, da⸗ mit das Knarren der Angeln den leiſen Schlummer nicht verſcheuche, der ſich ſo eben auf die Augen ihres Lieblings geſenkt hatte. Kaum aber hatte ſie die Thür geöffnet, als der treue Hektor an ihr vorbeiſtürzte und auf das Lager ſeines Herrn zuſprang. Un⸗ willig hierüber zürnte ſie auf das Thier, und war im Begriff, es wieder zurückzu⸗ treiben, als bereits Elviro erwacht war und denſelben liebkoſend mit der Hand ſtreichelte. Als Apollonia aus den Lichtſtrahlen, die ſie mit ihrer Geſtalt auffing, zurücktrat, be⸗ merkte Elviro, daß der treue Hund etwas zwiſchen den Zähnen hatte, und griff haſtig danach. Es war ein kleines Portrait mit goldner Einfaſſt ſung, das Bild eines reizenden jungen Mädchens darſtellend. Kaum hatte der Verwundete ſeine Augen darauf geheftet, 46 er mit dem Ausruf:„Blanka meine weſter!“ zurück auf das Lager ſe 6t ₰ en eilte Apollonia herbei, erbl lickt 84 gleich das Bildniß in ſeinen Händen, und ſank, doch von andern Gefühlen, als er, ergriffen auf den am Lager ſtehenden Seſſel nieder. Elviro erholte ſich zuerſt, und in⸗ dem er das Portrait an ſeine Lippen drückte, rief er begeiſtert aus:„Ja, es iſt ihr Bildniß, möchte ich das theure Original deſſelben wieder an mein Herz drücken können!“ Dieſe Worte, welche Elviro mit ſichtbarer Bewegung geſprochen, fuhren gleich Schwer⸗ tern durch Apolloniens Herz, und vom innern Schmerz überwältigt, brachen ihre Thränen in Strömen hervor, und ſie jammerte kaut. Elviro ſchrak beim Anblick ihres Schnetzes auf, und bekümmert zog er ihre Hand in die ſeine und fragte mit zärtlichem Tonen Was fehlt meiner theuren Apollonia? Bi*⁸ rum Deine Thränenk⸗ 5 dieſer Augenblick überzeugt, daß ich mich ge⸗ taͤuſcht habe.“ Elviro überſah nur zu gut ihren Jerthum, richtete ihr brennendes Geſicht empor und ſagte von einem Lächeln begleitet:„Nicht nach einer Geliebten verlangt mein Herz, ſondern nach dem Anblick einer zärt⸗ lichen Schweſter, die das Schickſal von meiner Seite risß. Sobald ich einigermaßen wieder hegeſtellt bin, werde ich Dir meine und die Geſchichte meiner Schweſter mittheilen, über deren ferneres Schickſal nach unſerer ſchmerzlichen Trennung ich bis jetzt in gänz⸗ licher Ungewißheit ſchwebe. Leicht wirſt Du begreifen, wie mich der unverhoffte Anblick ihres Portraits, das ſo ſprechend und gut getroffen iſt, ſo wunderbar überraſcht und aufgeregt hat.“ Tröſtender können dem armen Sünder die Worte des Richters nicht klingen, welcher von verdienter Sts losſpricht wirkten. Sanft ſchmiegte ſie ſich an ſeine Bruſt, und drückte einen langen Kuß auf ſeine Lippen, gleichſam, als wollte ſie ihn we⸗ gen ihres gehabten Argwohns um Vergebung bitten. Innig umſchlangen ſich die Liebenden, wobei ſich auch der treue Hektor freudig winſelnd dazwiſchen drängte. „Auch dieſer treue Hund nimmt Theil an meiner Rettung, geliebte Apollonia,“ lispelte Elviro,„doch Dir hahe ich ſoviel zu ver⸗ anken, daß ich ewig Dein Schuldner bleiben werde.“ Das beſcheidene Mädchen erſtickte jetzt den Fluß ſeiner dankbaren Ergießungen durch zärtliche Küſſe, wandte ſich ſanft aus ſeiner Umarmung, warf noch einen zärtlichen Blick Luf ihn und verließ das Gemach. Elviro lag noch eine Weile im ſtummen Fntzücken und überdachte voll in Rüß Sr Glück, welches er in? 3 87 des unvergleichlichen Mädchens gefunden hatte. „Nur ewig ſchade,“ ſeufzte er, daß ich dem holden Mädchen kein ruhigeres Loos bereiten kann; doch ſcheint ſie ja ſelbſt Ge⸗ fallen an einem ſolcheu Leben zu finden,“ ſetzte er dann ruhiger hinzu. Unter dieſen Ge⸗ . danken und im Selbſtgeſpräch umflorte aufs neue ein ſanfter Schlaf ſeine Augen und zurück auf die weichen Kiſſen ſank ſein Haupt. 5 Hier, an ſein Lager ſtreckte ſich der trene Hektor, gleichſam den ruhigen Schlummer ine Herrn bewachend; ſo fand Apollonia den Schlaf von der Treue bewacht, als ſie wieder eintrat. In ihren Händen trug ſie Ninen wermen Trank, den man draußen auf Ihren Befehl zubereitet hatte, und den ſie hrem Geliebten zur Stärkung reichen wollte Fohl wiſſend, daß der Schlaf am wohl⸗ itigſten auf einen ermatteten Körper wir⸗ mied ſie ſorgſam jede Näherun kehrte zurück, den Trank wieder zum Feuer zu ſtellen. Obgleich ſie nur von einer feindlichen ½ Kugel eine Streifwunde erhalten hatte, ſo fühlte ſie dennoch heftige Schmerzen, die ſie aber mit wahrer Selſtverleugnung ertrug, um den geliebten Elviro nicht zu bekümmern. Auch dem braven Schweitzer reichte ſie einen heilſamen Krä tertrank, der von ihrer Güte gerührt ihr dankbar die Hand küßte Leiſe ſchlich ſie dann wieder zurück in's Gemach, wo ſie ſich auf einer Ottomane niederließ und Elviro's Erwachen abwartete. Um ihre eigne Müdigkeit zu verſcheuchen, holte ſie ſich das Buch,„das Heldenmädchen ½ betitelt, und las därin. Je mehr ſie in d Geſchichte weiter kam, wurde ihre Bewu derung für die Heldin deſſelben immer ½ ger, und belebte ihr ganzes Intereſſe. E4 zelne Stellen aus dem Leben dieſes ſeltenz Mäbchens hatten viel Aehnlichkeit mir 8 ignen Verhältniſſen, und fachten — — Buſen den großartigen Entſchluß an, ihre fernere Laufbahn eben ſo bewunderungswür⸗ 5 ½ dig und thatenreich zu machen, als jene, nach der ſie ihr Geliebter den Namen Apol⸗ lonia gegeben hatte. Ein Geräuſch in dem anſtoßenden Schläfgemach überzeugte ſie, daß Elviro erwacht ſei, worauf ſie das Buch bei Seite legte und hinauseilte, den für ihn bereiteten Trank zu holen. Obgleich Elpi⸗ ro's Schlummer kurz geweſen war, ſo fühlte er ſich doch ſehr geſtärkt, und ſein belebter Blick erfreute die Hereintretende, welche ihm mit ſanftem Lächeln den Trank darreichte. „Ich werde aus Deinen Händen ge⸗ n was Du mir reichſt,“ rief der von Fihrer Aufmerkſamkeit eutzückte Hauptmann, ſetzte dann bittend hinzu:„Du wirſt Inir aber dabei Geſellſchaft leiſten, und Dei⸗ en Wundertrank gemeinſchaftlich mit mir genießen, wenn er mir gut munden ſoll“ Dieſe Bitte war ſo herzlich und zärt ſellt, daß dis gute Aus 90 weichen konnte, ſich gleichfalls eine Taſſe her⸗ beiholte, und mit ihm trank. Spät in der Nacht, als Elviro aufs neue entſchlummert war, fröhnte auch die ermattete Wärterin der ihr ſo nöthigen Ruhe und zog ſich dieſer⸗ halb auf die Ottomane ins Gemach zurück. Bei ſolcher Pflege war es wohl kein Wunder, wenn bei den ohnehin ſtarken Kräf⸗ ten des Hauptmanns ſeine Beſſerung mit Rieſenſchritten zunahm. Die Heilung ſei⸗ ner Wunden gedieh ſichtbar, und das fri⸗ ſche Roth ſeiner Wangen verdrängte von Tage zu Tage die darauf lagernden Schat⸗ ten. Auch der ſchwer verwundete Schwei⸗ tzer nahm ſchnell wieder zu, und obgleich er noch eine ungeſtörte ruhige Lage beobachten mußte, ſo flog doch ſchon wieder manche Scherzwort über ſeine Lippen. So vergin gen mehrere Wochen, und in dieſer Zeit hattz vie Bande nicht anders die Höhle verlaſſe als höchſtens die nötigen Bedürfniſſe he — legene Marktſtädte darboten. Nach Verlauf dieſer Zeit konnte 6iw ſchon wieder ſein Lager verlaſſen, und an der Seite ſeiner Gemahlin ins Freie wan⸗ dern. Bei einer ſolchen Gelegenheit theilte ihm Büchel über das vergangene widrige Er⸗ eigniß das Nähere in folgenden Worten mit: „Als Du, Hauptmann, mit Schweitzern. uns verlaſſen hatteſt, ſtreckten wir uns ins Gras nieder und begnügten uns, nur einige Poſten um uns her aufzuſtellen. Der am Tage gehabte Marſch hatte uns etwas müde gemacht und wir ſchnarchten deshalb bald wie die Löwen. Nicht gar zu lange mochte unſer Schlaf gedauert haben, als wir von einem fürchterl ichen Geheul aufz eſchreckt wur⸗ den, und zugleich wütheten d Schwerter der Schurken unter uns, als wi uns kaum ermuntert hatten. Höll' und Teuſel! vas war ein Erwachen zum toll werden. Wir Fn uns— viel wie nu zuf ſammen Wildſtand der Wälder oder einige e —— — 92 und hieben, ohne die Büchſen erſt donnern 3 zu laſſen, dazwiſchen, wie unter altes Ei⸗ ſen. Doch was halfs? Zehn der Buben ſtürzten zuſammen und augenblicklich ſtanden wieder zehn Andere vor uns. War es doch, als ob das Geſindel wie Pilze aus der Erde gewochſen wäre, ſo in Maſſen ſtürz⸗ ten ſie von allen Seiten unaufhörlich her— bei. Donner und Wetter! die Unſrigen pur⸗ zelten am Ende auch in Haufen, und ſelbſt der wackere Buller mußte ins Gras beißen. Zum Unglück brach die Nacht herein, wo⸗ durch wir von einander getrennt wurden, und unſere Noth aufs höchſte ſtieg. Im Ge⸗ fecht erhitzt, hotten wir uns von der Lager⸗ S ſtelle immer weiter in das Gebüſch hinein⸗ wäre tin von davgeomm e genommen hatten ei als ich konnte, hierher. Meine S gezogen, ung dieſes war unſer Glück, ſonſt beflecke Kleidung machten hier Alles beſhtzt, und ehe ich noch meine Hiobspoſt angebracht hatte, ſtürzten noch einige unſerer Leute her⸗ zu, und berichteten, daß der Feind ihnen auf dem Fuße folge. Fäher befahl ſogleich, daß ſich die Beſatzung de Höhle rüſten ſollte, und übertrug mir, bei Apollonia im Gemach zu bleiben. Ehe aber die Kerle ihre ſieben Sachen zuſammengeſucht hatten, ſtürzte ſchon das muthvolle Mädchen, die ſich in eine Deiner Kleidungen geworfen hatte, aus dem Gemache hervor, und verlangte, daß man ihr Waffen reichen ſollte. Wir beſchworen ſie, ruhig daheim zu bleiben, da es einen ernſten Strauß geben würde, allein da men wir ſchön an. „Memmen!“ rief ſie uns aufgebracht „„für den, welchen man liebt, kann man 5 ſterben!“ Da wir ſahen, daß ſie nicht d von tſchluſſe abzubringen wat, reichten plötzliche Erſcheinung und die mit Blut —— einem kurzen Wege auf den Feind. Heldenmädchen vom Gebirge befiehlt es Cuch!“ dem Schwerte in der Fauſt auf den erſchrocke⸗ nen Schwarm ein. Der anbrechende Mor⸗ Gleich einem Kriegsgott ſchwang Apollonia das Verlangte, und verſprachen ihr feierlich, entweder mit ihr zu ſiegen, oder zu ſterben. „Hier wollen wir die Feinde nicht erwarten!“ rief ſie begeiſtert,„ſondern hinaus laßt uns ſtürmen, den ſchändlichen Buben entgegen!“ Von ihrem Muthe entflammt, ſtürm⸗ ten wir ihr nach ins Freie und trafen nach „Feuer!“ rief uns Apollonia zu,„das Praſſelnd ſchlugen unſere Kugeln auf dieſe Worte unter die Beſtien, und zugleich 3 wir, die Heldin an der Spitze, mit gen kam uns herrlich zu ſtatten und wir konnten mit Umſicht und Vortheil kämpfen. ihr Schwert, und grauſend flatterten dabei ihre langen ſchönen Haare im Worgenwinde. 15 wo Streiche ſut ſan nke es entweder einem der gefchenen Feinde, oder einem noch Lebenden derſelben“ ange⸗ hört haben mochte. Apollonia, der er dieſe Vermuthung mittheilte, war anderer Mei⸗ nung, und äußerte, daß ſie glaube, daß das Portrait ſeiner Schweſter durch einen Um⸗ ſtand, der zwar unerklärbar ſei, in jenen Ruinen des verfallenen Schloſſes vorhanden geweſen ſein müſſe. Sie rieth daher dem Hauptmann, die V Vexfolgung jener Bande. unterlaſſen, und dafür nach jenem Orte z ziehen, um dieſen gemeinſchaftlich zu ſuchen. Ihren Rath befolgend, gab Elpiro ſein erſtes Vorhaben auf, und ſchon am an⸗ dern Morgen zog er in Begleitung Apollo⸗ nias, die von nun an ſtets eine mänpliche leidung trug, mit der größten Häle 2 ſiner nach den Ruinen des beſtimmt wußte, auf welche Art und Weit der Hund zu dem Gemälde gekommen war, ſo dünkte es ihm doch Wahrſcheinlich, daß mitgenommenen Speiſen und Getränken zu — ſtärken. Erſt gegen Abend langten ſie am 2 Ziele ihrer Reiſe an und da ein heranzie⸗ mernde Dunkelheit beſlügelte, ſo ſahen ſie ſich nach einem möglichſt begnemen Ruhe⸗ 1 ort um, wo ſie die Nacht zuzubringen ge⸗ 3 dachten, und verſchoben die Unterſuchung 1 kürzten die Zeit und luſtig zog der Haufen durch die dunkeln Waldungen dahin. Eini⸗ gemal wurde Raſt gehalten, um ſich die Be⸗ ſchwerlichkeiten des langen Weges weniger fühlbar werden zu laſſen und ſich an den hendes Ungewitter die bereits herandäm⸗. der Ruine bis auf den kommenden Morgen. Ein akter halbverfallener Ritterſaal bot ih⸗ nen den mehrſten Schutz gegen das bereits mit Regen ſich ankündigende Unwetter dar, und ſie nahmen denſelben ſogleich in Beſitz Eliro ſtellte einige Poſten an den verſchie⸗ der e der Butg auf. dächtiges zeigen ſollte, Anzeige davon zu machen. Noch ehe er in den alten Sial 6 zurückkehrte, fuhren einige leuchtende Blitze aus dem immer mehr ſich ſchwärzenden Gewölk Bereits lagerten die Räuber auf dem har⸗ ———— Apollonia ſtand an der gewölbten Oeffnung eines ehemaligen Fenſters und blickte un⸗ beſorgt in die ſchauerlich bewegte Nacht hin⸗ aus. Leiſe trat Elviro zu ihr, ſchlang ſei⸗ enen Arm zärtlich um ihren Racken und mahnte ſie, ſich zur Ruhe niederzulaſſen, ſo gut es die Umſtände erlauben wollten. Elviro brei⸗ S% tete ſeinen Mantel auf den Boden, und , nahm dann mit Apollonia darauf Platz, die trotz des harten Lagers, da ſie von dem ge⸗ im c ebenfalls hald ben und ihm ſogleich, wenn ſich etwas Ber hernieder, denen der rollende Donner folgte ten Steinboden des öden Saales, und nür 8 habten Wege ſehr erſchöpft war, bald in einen ſanften Schlummer verfiel. Die Räu 100 ſich an den feurigen Blitzen, die durch die mächtige Finſterniß ziſchend dahin fuhren, ind an dem Rollen des nachfolgenden Don⸗ ners, deſſen Echo grauſend in den Ruinen widerhallte. Nachdem er eine lange Zeit in die wilde Empörung der Natur hinausge⸗ ſchaut hatte, war es ihm, als vernehme er den lauten Anruf eines Wachtpoſtens. Dhne Zögern erhob er ſich von ſeinem Lager, nahm ſein neben ſich liegendes Schwert zur Hand und eilte hinaus nach dem verfalle⸗ nen Burghofe. Alles war hier ruhig, und außer dem Brüllen des Donners, deſſen Wuth immer mehr zunahm, war kein ver⸗ dächtiger Laut zu hören; ſchon glaubte er ſich getäuſcht und war im Begriff nach ſei⸗ nem Lager zurückzukehren, als ihm eine furcht⸗ bare Erſcheinung, von einem hellen Schein umgeben, in glänzender Ritterrüſtung ent⸗ gegen trat, S ſi in einer dwobende e 1 1 1 † . 101 Seltſames und Abenteuerliches an ſich trug, ſo verlor der kühne Elviro doch nicht einen Augenblick ſeine männliche Faſſung. Schnell riß er eine Piſtole aus ſeinem Gürtel, ſtreckte die Mündung deſſelben der Erſcheinung ent⸗ gegen, und donnerte ihr zu:„Menſch oder Geiſt, wer biſt Du und was verlangſt Du von mir?“ Indem die Geſtalt einen Schritt vor⸗ wärts trat, flog das Viſier des Helms auf und ein gräßlicher Todtenkopf grinſte den überraſchten Elviro an. Dieſe grauſe Ver⸗ wandlung hatte er nicht vermuthet und ein unwiderſtehlicher kalter Schauder durchrieſelte ſeine Gebeine. Dennoch ermannte er ſich wieder, und wiederholte ſeine vorige Fräge. Ohne eine Antwort zu geben, zeigte die Schreckensgeſtalt nach dem zur Seite ſich er⸗ hebenden Thurm, in welchem Giro ein ſo trauriges Ereigniß erlebt hatt 3 viro, der den Wink der Geſtalt nich 102 * näheren Erklärung mit folgenden Worten auf:„Unbegreiflicher, wer Du auch ſein magſt, ich beſchwöre Dich hiermit ernſtlich und bei Leib und Leben, daß Du mir Aus⸗ kunft über Deine Perſon und Dein Begeh⸗ ren giebſt. Glaube nicht, daß mich Deine Mummerei erſchreckt, noch Deine drohende Stellung abhält, meine Waffen gegen Dich zu gebrauchen!“* Statt hierauf eine Antwort zu geben, erhob die Erſcheinung ihre Rechte, und zu⸗ gleich blitzte ein ungeheures Schlachtſchwert arin, deſſen Spitze drohend und zum Stoß eit auf Elviro's Bruſt gerichtet war. Dieſes war mehr, als zu viel um des Haupt⸗ mauns ganze Wuth hervorzurufen. „Fahr zur Hölle, der Du ſicher ent⸗ iegen biſt!“ donnerte er knirſchend, und ckte amit ſeine Piſtole auf den Gegner 6 ab. Allein wie ward ihm zu Muthe, als Kugel, die das Herz des Unhol⸗ chbohren ſollte, erfolglos an dieſe 103 abprallte, und zurück vor ſeine Füße rollte⸗ Dennoch ſchreckte er nur einen Augenblick, von einem heimlichen Grauen ergriffen, und ſtürzte dann mit hochgeſchwungenem Schwerte auf den unbeweglich ſtehenden Furchtbaren ein, um durch mächtige Streiche deſſen ſchein⸗ bare Unverletzbarkeit näher zu erproben. Aber auch ſeine noch ſo kraftvoll geführten ſichern Hiebe ſauſ'ten ohne Wirkung durch die Luft und durchſchnitten den grinſenden Gegner wie einen Schatten. Nün aber ſträubte ſich des muthigen Kämpfers Haar, ſein Blut ſchien in ſeinen Adern zu erfrieren, und er⸗ ſchlafft ſank ſein Arm am zitternden Körper herab. Zugleich mit dieſem Moment erhellte ein mächtiger Blitz die alten Trümmet, wo⸗ rauf ein fürchterlicher Donnerſchlag erfolgte, und mit dieſem war die Geſtalt verſchwunden. Noch immer ſtand Elviro wie eingewurzelt auf der Stelle, als ihn ein Paar wrne umſchlangen und er aus ſeuet e die von dem ſchrecklichen Schlage des Ge⸗ witters aufgeſchreckt ihren Geliebten vermißt hatte, und ihm nachgeeilt war. „Aber bei der heiligen Jungfrau, was treibſt Du, Elviro?“ fragte ſie ihn mit ver⸗ wundertem Tone;„da jeder Menſch froh iſt, bei ſolchem Wetter im Lrockenen zu ſein.“ Der Angeredete warf ſein Schwert in die Scheide, hob die an den Boden ge⸗ ſchleuderte Piſtole auf und antwortete dann ſchnell, eine heitere Laune erkünſtelnd:„ Spuk⸗ und Truggeſtalten der Hölle haben ihr Spiel mit mir getrieben.“ „Mit ſolchen Weſen habe ich gern etwas zu ſchaffen,“ entgegnete Apollonia ich bekreuzigend. Beide gingen nun, die Poſten zu unterſuchen, und S 4 des —— — der Burg hervorgedrungen waren. Etvirg verſchwieg das Wahre ſeines Abenteters ging mit Apollonia nach dem alten Saale und harrte mit Ungeduld dem kom⸗ Sobald die etſten „ zurück, menden Tage entgegen. Boten des jungen Morgens erſchienen, war auch die ihr Lager, die vorgenommene Unterſuchung zu beginnen. Die finſtern Wolken waren vom Himmel verſcheucht, der jetzt im präch⸗ tigſten Azurblau lächelte, und einen ange⸗ nehmen Tag verkündete. Da Elviro ſein Hauptaugenmerk auf den bewußten Burg⸗ thurm gerichtet hatte, ſo zog er ſogleich hin zu dieſem, und legte einige mitgenommene Mauerbrecher an, die Spalte am Fuße des Mauerwerks zu erweitern. Nach kurzer An⸗ ſtrengung war die Oeffnung ſo weit, daß ein Menſch beguem hindurch kuen konnte, und wurden i Bande in Bewegung und verließ 106 ſich Elviro vor einem möglichen Ueberfall durch ausgeſtellte Poſten geſichert hatte, be⸗ gab er ſich mit Apollonia und den Uebrigen in den Thurm. Von dem hellen Schein der Fackeln wurde das ganze ſchauerliche Innere erhellt, und ringsum an dem mäch⸗ iigen Mauerwerk blickten ihnen alte, in Stein gehauene Ritter und Mönchsgeſtalten entgegen. Ehe Elviro noch etwas anderes in Augenſchein nahm, beleuchtete er mit einer Fackel das Gebilde eines koloſſalen Ritters, und es dünkte ihm, daß dieſer mit det nächtlichen Geſtalt piel Aehnlichkeit habe. B näherer Unterſuchung bemerkte er am Fuße des Bildes eine Inſchrift, die er mit vieler Mühe entzifferte, und die alſo läutete: 3 „Pans von Wippling, Burg, und Lehnsherr auf der Wetterburg. 4nno 1230. ete auf die Geſtalt. Dieſer alſo iſt der Stammherr des ver⸗ allenen Schloſſes,“ ſprach Elviro unp den⸗ , 107 Büchel, bekam aber im nämlichen Augen⸗ blick eine ſo derbe Maulſchelle, daß er vor Schmerz laut aufſchrie. Er, ſo wie die Uebrigen hatten nicht das Geringſte wahr⸗ genommen, woher dieſer mächtige Schlag kam, und keiner zweifelte, daß der Schatten des Beleidigten ſich gerächt habe. „Man laſſe die Todten in ihrer Ruhe,“ bemerkte Apollonia, und ein geiſterartiges „Amen!“ dröhnte durch die öden Räume. N „Was war das?“ flüſterten ſich die er⸗ ſchrockenen Räuber zu, doch Elviro blieb unverzagt, und zeigte ſeing Geliebten di andern Gebilde. Als ſie Alls in Augenſchein genommen waren, unterſuchte man den Bo⸗ den und die Wände des Raumes genauer, und Elviro's ſpähendes Auge entdeckte bald eine eiſerne Thür, welche von Staub und Schutt bedeckt ſich am Boden des Gewölbes befand. Er ließ ſogleich den Schutt hinweg⸗ räumen, und verſuchte dann die Sh * % —— —— 108 man bei genauerer Unterſuchung dieſelbe ver⸗ ſchloſſen fand. Schweitzer brachte alsbald einen alten Schluſſel herbei, den er in einer Ritze der Mauer erblickt und hervorgezogen hatte. Das Schloß war jedoch von Roſt umgeben, und es koſtete viel Mühe, den Schlüſſel in die Oeffnung zu bringen, endlich gelang es und knarrend flog der Riegel des Schloſſes zurück. Elviro leuchtete mit einer Fackel in den ſichtbar gewordenen Schlund hinab und nahm mehrere Stufen wahr, welche zu einer zweiten Thür führten, die ſich an der Seite der Tiefe zeigte. „Wir müſſen doch ſehen, wohin der Gang führt!“ rief der Entſchloſſene und ſtieg ſo⸗ gleich die Treppen hinab. Apollonia folgte ihm unmittelbar, und nach ihrem Beiſpiel ſchloſſen ſich auch die Uebrigen mit an. Auch die zweite Thür wurde mit dem vorgefunde⸗ Schlüſſel geöffnet und es zeigte ſich ein bſehbar langer Gang, der ziemlich d hoch war. Eine weite Strecke w brei t — — ten ſie in dieſem unterirdiſchen Gange fort, als einige Stufen aufwärts führten, und eine dritte Thür ſichtbar wurde und ihre Schritte hemmte. Auf das Geräuſch, wel⸗ ches die Oeffnung dieſer Thür verurſachte, ward eine ängſtliche Stimme hörbar, die aber bald wieder verſtummte. „Es wird hier wohl einen Tah ſetzen,“ brummte leiſe der Hauptmann, indem er ſeine Piſtolen unterſuchte und ſeinen Beglei⸗ tern auf der Hut zu ſein befahl. Die Thür wich jetzt knarrend in ihren Angeln, und Elviro, der voran ſchritt, befand ſich zu ſei⸗ ner Verwunderung in einem kleinen Gemach, durch deſſen Fenſter der helle Tag herein ſchien. Auch Apollonia und die Uebrigen, welche nach und nach aus der Oeffnung her⸗ vortraten, ſtarrten überraſcht um ſich her⸗ „Seid Ihr zufrieden mit dem freundlichen Wechſel?“ rief Elviro freudig aus und zeigt auf einen kleinen Tiſch, wo eine 110 leerte Flaſche Wein und verſchiedene Speiſen ſtanden. „Der Teufel kann hier nicht wohnen, ſieht es doch ſo freundlich aus, wie in der Woh⸗ nung zweier Liebenden,“ bemerkte Schweitzer lachend. Elviro, um den Ort, wo ſie ſich befanden, näher kennen zu lernen, eilte an der Seite Apolloniens durch die kleine Thür des Gemachs hinaus in's Freie und ſah nun, daß ſie ſich in einer kleinen Einſiedelei be⸗ fanden, welche auf einem freien Raſenplatze lag, der von hohen Waldbäumen umgeben war. Die kleinen Fenſter des Häuschens waren zierlich von einem Weinſtock umrankt, deſſen Reben künſtlich gezogen waren. Zur Seite des kleinen Gebäudes war ein nied⸗ liches Gärſchen, mit den mannichfaltigſten Blumen geziert, durch welches ſich ein an⸗ muthiger Wieſenbach ſanft murmelnd dahin ſchlängelte. Alles, was er erblickte, zeugte on geſchickten, thätigen Händen, und doch —— der zu ſehen, noch zu hören. „O wie ſchön und himml iſch! rief det gefühlvolle Mädchen beim Anblick der ein⸗ fachen, aber dennoch anziehenden Gegenſtände aus, und ſchmiegte ſich voll ſeliger Gefühle im Buſen an Elviro's Bruſt. „Ja wohl iſt es. hier bezaubernd und anmuthig,“ entgegnete Letzterer und küßte die ſich an ſeine Bruſt Schnigene voll Inbrunſt. „Hier laß uns unſere Wohnung. ſchlägen,“ lispelte Apollonia und ſie erwie⸗ derte dabei ſeine Küſſe mit Wärme. El⸗ viro ward entzückt von dieſer Aeußerung und verſicherte dem vor Freude zitkernden Mädchen, daß dieſer Wunſch aus ſeiner Seele geſprochen ſei. Da auch die Uebrigen herbeikamen, wurden die in der Wohnung vorgefundenen Lebensmittel heraus in's Freie und gelagert 4 en war nirgends ein menſchliches Weſen — den Eigenthümer und Beſitzer dieſes kleinen Feenreichs war man ſo unbekümmert, daß nicht einmal ein Wort darüber hörbar wur⸗. de. Ein fallender Schuß ſcheuchte ſie end⸗ lich aus ihrer Ruhe empor und ſie geriethen bald in gänzliche Unruhe, als noch einige Schüſſe folgten. Auf!e donnerte jetzt des Hauptmanns † befehlende Stimme,„ſetzt Eure Waffen in Ordnung und folgt mir!“ lirrend fuhren jetzt wie Blitze die Schwerter der Räuber aus den Scheiden und ihre funkelnden Blicke verriethen ihre innere Kampfbegier. Jetzt fiel noch ein Schuß und Elviro und Apollonia an der Spitze ſtürzte Alles auf und davon, die Ruinen des— alten Bergſchloſſes zu erreichen. Schneller als ſeine Begleiter war der kühne Elviro Dort angelangt, und als er ſeine hier zurück⸗ elaſſenen Leute im harten Kampf mit eine nzahl Feinde begriffen fand, ſtürzte er ſi ich ims Gewühl des Geſechts 3 focht mit männlichem Muth und Entſchloſ⸗ ſenheit. Immer waren die Gegner an Macht überlegen, als aber die wackere Schaar, mit Schweitzer und Büchel an der Spitze, heran⸗ brauſte, war der Sieg augenblicklich ent⸗ ſchieden und die jetzt von allen Seiten um⸗ ringten Feinde ſtreckten entmuthigt ihre Waf⸗ fen. Elviro ließ die Gefangenenen binden, nahm dann einen derſelben bei Seite und ſetzte ihm die Spitze ſeines Schwertes auf die Bruſt, worauf der Bedrohete folgen⸗ des Bekenntniß ablegte:„Wir gehören zu der zerſprengten Bande des von Deiner Hand gefallenen Illo. Schon vor Jahren hatte unſer verſtorbene Hauptmann dieſe Ruinen zu ſeinem Aufenthaltsort wählen wol⸗ len, allein böſe Geiſter verhinderten dieſes. Vor kurzer Zeit, als wir abermals in dieſe kamen⸗ um uns hie nieder zu la⸗ kam auch Apollonia an und ſtellte ſich ohne 8 Zagen an die Seite ihres Geliebten und ——— „ ſame Wohnung eines jungen Mannes, der mit ſeinem Weibe und einem Kinde dort lebte. Die Schönheit des Weibes entzün⸗ dete unſern Hauptmann, und er faßte den Entſchluß, dieſe Frau ſeinen Wünſchen ge⸗ neigt zu machen. Zu dem Ende verſuchten wir es abermals, uns in den Ruinen feſt⸗ zuſetzen. Es geſchah, und wirklich ſchien es, als ob die böſen Weſen ihr Spiel aufge⸗ geben hätten. Illo machte indeß die Be⸗ kanntſchaft jener jungen Frau und wurde von ihr mit ſchmeichelhaften Worten hinge⸗ halten, bis mit einem Male die Vögel heim⸗ lich entwiſcht waren und der Betrogene das Maul wiſchen mußte. Ein kleines ſaberes Gemälde der hübſchen Frau war Alles, was ihm in die Hände fiel und dieſes entzündete nur ſein Liebesfeuer noch mehr. Er war von dieſer Zeit an öfters allein abweſend, und ſtreifte in der Abſicht umher, die Entz wiſchten irgendwo aufzuſuchen und u bringen. Dir, edler Liet& 115 wollte er jein ſicheres Verderben berei denn der Ruhm Deiner Thaten war ihn ein Dorn im Auge.“ 3 Hier endete der Gefangene und Elvieb, der ſich völlig überzeugen wollte, ob jene junge Frau ſeine unglückliche Schweſter ge⸗ weſen ſei, zog ſchnell das Portrait aus ſei⸗ „ nem Buſen hervor und hielt es dem Ge⸗ 5 fangenen mit den Worten vor:„Betrachte ₰ dieſes Gemälde und ſage mir die Wahrhtit, ob es daſſelbe iſt, S Dein Hauptmann von jener Frau beſaß.“ 3„Es iſts!“ rief dieſer, als er einen Blick darauf geworfen hatte wund Elviro ließ denſelben ſogleich abführen, damit er ſeine innere Bewegung nicht wahrnehmen ſollte. Von freudigen Gefühlen durchdrun⸗ gen, ſchüttete er das ſo eben Erfahrene in Apolloniens Buſen aus, und empfing von dieſer den innigſten und wärmß en Glüc⸗ wünſch zu einem baldigen guclihen i ie⸗ derſehen mit ſeiner theuren Schw ſte 116 Schon war Apollonia Willens, ihn an „die verſprochene Mittheilung ſeiner Geſchichte zu erinnern, als er ſelbſt davon anfing und mit folgenden Worten ihren Wunſch zurück⸗ drängte:„Gern würde ich Dir jetzt die Ge⸗ ſchichte von mir und meiner Schweſter mit⸗ theilen, wenn ich nicht dabei befürchtete, Wun⸗ den aufzureißen, die bereits in meinem Her⸗ zen zu heilen anfangen. Zudem kommt noch die Hoffnung, meine unglückliche Schweſter bald wieder zu finden und dieſe wird dann ſtatt meiner Dir Alles mittheilen.“ Die Gefangenen drückten, als ſie der Hauptmann wieder vor ſich bringen ließ, den Wunſch aus, unter ſeinem Commando aufgenommen zu werden, welches auch auf Apolloniens Fürſprache geſchah. Nach dem Wunſche der Letzteren wurde ſogleich beſchloſ⸗ ſen, daß die Ruinen zum Aufenthalt der Bande eingerichtet werden, und Elviro mit ſeiner Geljebten das mit dem alten Schloſſ. durch den Gang verbundene Häuschen be⸗ 4 117 hen ſollte. Es wurde demnach Schweitzer mit mehreren Andern nach dem alten Auf⸗ enthalt zurückgeſchickt, um die dort befind⸗ lichen Kameraden, nebſt allen Effekten und Vorräthen hierher zu bringen. Die neuen Mitglieder der Bande ſchafften noch am Abend eine Menge Lebensmittel herbei, welche in einer nahen Höhle angehäuft lagen und ih⸗ rer alten Bande gehört hatten. Hierdurch wurden alle Gemüther zur größten Heiter⸗ teit geſtimmt und luſtige Lieder drangen durch die Lüfte des angebrochenen Abends. In der kleinen Einſiedelei, die Illos Aufent⸗ halt in der letzten Zeit geweſen war, befand ſich außer dem gut eingerichteten Wohnzim⸗ mer noch ein niedliches Schlafgemach und Elviro beſchloß mit Apollonien ſogleich für die kommende Nacht ſein Nachtlager dari aufzuſchlagen. Da der Abend mit beſpz rer Anmuth niederſank und die nehm und warm wehete, entſchlz igen Räuber, auf dem gr 118 der neuen Wohnung zu campiren. Um den luſtigen Humor ſeiner Leute noch mehr zu beleben, ließ Elviro ein vorgefundenes Faß guten Wein in ihre Mitte ſchaffen und ze⸗ chend lagerte die fröhliche Geſellſchaft um ein hell loderndes Feuer. Elviro betrat in⸗ deſſen am Arm ſeiner Freundin das kleine Gärtchen und ergötzte ſich an den duftenden Wohlgerüchen der Blumen und dem geiſter⸗ artigen Lispeln des Baches. In einer grü⸗ nenden Laube von Weinreben warfen ſte ſich endlich Arm in Arm auf eine kleine . Raſenbank nieder, und überließen ſich den eeien ungeſtörten ſüßen Gefühlen der Liebe. Kein Lauſcher ſtörte das ſüße Spiel der Minne, und nur Lunas ſanfter Blick fiel auf Amors Altar. Lange weilten ſie dort in gaenſeitigen zärtlichen Umarmungen und kehr⸗ Ln nach der kleinen Wohnung zurück. nahm nach Elviros Anordnung ager in dem kleinen Schlaf⸗ 6 Letzterer ſelbſt im Wohn 119 nehmen wollte. Nachdem Elviro ſeiner Ge liebten den Nachtkuß gegeben hatte, ſchickte er ſich an, ſein Lager einzunehmen und ſich durch einen erquickenden Schlaf zu ſtärken⸗ Sorgfältig verſchloß er die Thür zu dem un⸗ terirdiſchen Gange, rückte dann den kleinen Tiſch des Gemachs, auf welchem zwei bren⸗ nende Wachskerzen ſtanden, vor ſein Lager, tegte ſeine Piſtolen, die er mit friſchem Pul⸗ ver verſah, und ſein entblößtes Schwert dar⸗ auf nieder. So vorbereitet ſtreckte er ſich auf ſein Polſter und ſchlummerte bald dar⸗ auf ruhig ein. Auch der ſröhliche Lärm der im Freien Lagernden verſtummte endlich, von der Macht des Schlafes übermannt und bald herrſchte tiefe Stille. Liebliche Träume und ſchöne Bildet um⸗ ſeine gaukelten den ſchlafenden Elviro, und Seele ſchwehte im Lande der Träume il ligſter Wonne und Entzücken⸗ er plötzlich aus dem Taumel der gemach auf einer gepolſterten Bank Plät —— —— — 1 20 durch das graſſe Dröhnen eines fürchterli⸗ chen Schlags aufgeſchreckt und vor ſeinen überraſchten Blicken ſtand ein höchſt unge⸗ ſtalteter Zwerg, der ihn unverwandt anſtarr⸗ te. Höchſt verdrießlich über die ungewöhn⸗ liche und unfreundliche Störung griff er ha⸗ ſtig nach einer der vor ihm liegenden Piſto⸗ len und war ſchon im Begriff dieſelbe auf den Zwerg abzudrücken, als dieſer mit ei⸗ nem gellenden Gelächter verſchwand. Noch dachte Elviro über die ſeltſame Erſcheinung nach, als die Thür ſeines Gemachs von ſelbſt ufſprang; bald darauf öffnete ſich auch die verſchloſſene Thür des unterirdiſchen Gan⸗ ges von ſelbſt. Elviro ſaß voller Erwar⸗ tung der Dinge, die da kommen ſollten, und nachdem er auch die zweite Piſtole zur Hand genommen, hielt er ſich ſchlagfertig. We⸗ iige Augenblicke nur durfte er warten, da ſich mehrere in tiefe Trauer ge⸗ bül Geſtalten, wece eine Su f B 121 Gemachs herein, und ſchritten in feierlich ab gemeſſenem Aufzuge dem unterirdiſchen Gan⸗ ge zu, in welchem das Ganze verſchwand. Nach dem Verſchwinden der Spukgeſtalten ſchloſſen ſich beide Thüren von ſelbſt wieder und der erſtaunte Beobachter dieſes neuen Auftritts bekam nun Muße, über das Geſt⸗ hene nachzudenken. Obgleich der kühne Haupt⸗ mann nur wenig an dem finſtern Aberglau⸗ ben der damaligen Zeit hing, ſo war dieſe und die vorhergehende Erſcheinung, von de⸗ ren Wirklichkeit ihn ſeine Augen überführt hatten, von der Art, daß er bei aller An⸗ ſtrengung ſeines Verſtandes kein ſicheres Re⸗ ſultat darüber erhalten konnte. Nach einer ziemlichen Weile, in der eine völlige Tod⸗ tenſtille herrſchte, warf ſich Elviro wieder zurück auf das Polſter und verſuchte, die Gedanken an den Spuk verbannend, aufs neue einzuſchlafen. Letzteres wollte ihm aber eswegs gelingen und verdrießlie vand auf ſeinem Lager von einet eite vor⸗ und als ſie die grauſe Erſceinu zic 122 zur andern. Ein neues grauſendes Getöſe ſpannte bald darauf ſeine Aufmerkſamkeit aufs neue, und ehe er ſich's verſah, ſtand der bekannte koloſſale Ritter vor ihm. Elviro, der ſchon einmal ſeinen Muth vergebens an dem Furchtbaren verſucht hatte, ward bei ſeinem jetzigen Erſcheinen von einem un⸗ heimlichen Grauen überfallen. Nicht ohne Schaudern nahm er den grinſenden Todten⸗ kopf wahr, der ihm durch das perſchloſſene Helmgitter entgegenglotzte. Ein hörbares Geräuſch in Apolloniens Schlafgemach brachte ſeinen ſchwankenden Muth und ſeine Ent⸗ ſchloſſenheit wieder in das alte Gleis und mit feſtem Tone rief er der Geſtalt entge⸗ gen:„Was bewegt Dich, mich in meiner Ruhe zu ſtören? Sprich, welchen Dienſt ſoll ich Dir leiſten?“ Von ſeiner kraftpollen Stimme eſ rat jetzt Apollonia aus ihrem Gemach tümel te ſie zurück und lehz —— — 123 erſtarrt an das Säulenwerk der Thür. In dieſem Augenblick nahm dieſe Erſcheinung eine grimmige Stellung gegen Elviro an, der eben ſo ſchnell derſelben ſeine Piſtolen entgegenſtreckte. Dieſer Augenblick brachte Apolloniens Beſinnung zurück und die dro⸗ hende Gefahr, die ſich ihrem Geliebten ent⸗ gegen ſtellte, rief ihren ganzen Muth her⸗ vor Nach ihrem Gemach ſtürzen, mit hoch⸗ geſchwungenem Schwerte zurückkehren und zum Angriff bereit ſich dem Furchtbaren gegenüberſtellen, war das Werk eines Au⸗ genblicks. Der bedrohete Elviro vergaß ſeine eigene Lage über den Anblick des, helven⸗ müthigen Mädchens, und ſelbſt die Erſchei⸗ nung ſchien ſtutzend die in weibliche Nacht⸗ kleider gehüllte Apollonia zu bewundern. Letztere warf ihr zorufunkelndes Aug auf die Rittergeſtalt und trotz dem, daß dieſe das Helmgitter empor ſchlug und ihr den ſcheußlichen Todtenkopf zeigte, tieß ſe wit entſchloſſenen Worten zu:„Auf i 124 Unhold, wende Deine Rache, wenn Du ſolche nehmen willſt und mache Dich zum Kampfe bereit!“— Sie ſchwieg einen Augenblick, und da der Geiſt ſich wieder drohend gegen Elviro wandte, ſtürzte ſie mit den Worten:„Stirb, Ungeheuer!“ auf denſelben ein, welcher im gleichen Moment mit lautem Gelächter ver⸗ ſchwand. Apollonia ſank nun erſchöpft von den fürchterlichen Auftritt an Elpiros Seite uiever, der ſie zärtlich in ſeinen Armen auf⸗ fing und durch ſeine heißen Küſſe belebte. Himmliſche dankbare Gefühle durchbeb⸗ ten des Hauptmanns Inneres gegen ſein verſöhntes Geſchick, das ihm in Apollonia eine der edelſten und beſten Seelen zuge⸗ führt hatte. Der vergangene Augenblick hatte ihm den höchſten Beweis gegeben, daß ihre Liebe zu ihm unausſprechlich und ſo tief in ihr reines Herz eingewurzelt ſei, daß kein Geſchick im Leben dieſe jemals vertilgen werde. In ſtummer, aber deſto mehr ſpre⸗ „ - chender Zärtlichkeit drückte er ſie an ſein Herz und der Genius ihrer Liebe webte ihre Herzen in hinmliſche Harmonien zuſammen An den Schlaf dachten Beide nicht mehr und im Geſpräch über den erlebten Spuk begrüßte ſie der anbrechende Morgen. Indeſſen Apollonia in der kleinen Küche der Wohnung ein Feuer anmachte, um für ſich und den Geliebten einen warmen Mor⸗ gentrunk zu bereiten, trat Letzterer hinaus zu ſeinen Leuten, die ihm freudig den Mor⸗ gengruß entgegen riefen. Er forſchte mit wenigen Worten, ob der nächtliche Spuk auch von dieſen wahrgenommen ſei, und da Niemand etwas geſehen und gehört haben wollte, brach er davon ab und verſchwieg den Vorgang. Sonderbar war es ihm, daß der mächtige Schlag, der ihn in der Nacht aufgeſchreckt hatte, weder von Apollonia, die dicht neben ſeinem Gemache ſchlief, noch von den außen gelagerten Räubern gehört wor⸗ en war. Er überzeugte ſich aus allen Um⸗ — — —— —— —— — — S 2 der edle Elviro und kehrte zu ſeiner treuen eine Büchſe auf die Schulter und ſtreifte an tet, in die dünkeln Waldungen hinaus. We⸗ nige Schritte waren ſie in das dichte Ge ſtänden, daß Geiſter ihr Spiel mit ihm trie⸗ ben; doch beruhigte ihn die Bemerkung, daß dieſe nicht ſo wohl als böſe, ſondern viel⸗ mehr als neckende Weſen ſich zeigten. Schon aus mehreren Geſchichten der Art hatte er gehört, daß ſie den Entſchloſſenen und Be⸗ herzten weniger zur Laſt fielen, als den Aengſtlichen, und dennoch hatten dieſe ſich ihn zum Spielball ihrer Launen erkoren. Vielleicht haben ſie mich zu irgend einem Dienſt auserſehen; was zum Frieden ihrer Seele dient, das ſoll geſchehen. So dachte„ Gefährtin zurück, welche bereits den zube⸗ reiteten Trank auf den Tiſch getragen hatte. Nach dem gemeinſchaftlich genoſſenen Mor⸗ genmahle warf ſich Apollonia wieder in ihre männliche Kleidung, hing, wie Elviro, deſſen Seite, von dem treuen Hektor beglei⸗ —————————— wrung beſchäftigt, als ſie ſich plötzlich von 127 . ſträuch eingedrungen, welches unter dem kräftigen Hochwalde üppig hervor wuchs, als ein feiſter Hirſch aus ſeinem Lager auf⸗ geſcheucht wurde und mit wilder Haſt davon⸗ 8 eilte. Elviro, der das Thier wigen des 8½ Gebüſches nur undeutlich wahrnehmen konnte, brannte dennoch ſeine Büchſe darauf ab, und laut bellend flog der Hund dem Flüchtigen. nach. Von der Jagdluſt getrieben, eilte Elviro vorwärts, indem Apollonia nach ei⸗ ner kleinen Anhöhe zu ſtreifte, welche ſie nicht weit von ſich wahrnahm. Die ſanfte An⸗ höhe des Hügels war mit grünendem Raſen bedeckt, der mit mancherlei ſchönen Waldblu⸗ men geziert war. Angezogen von dem freund⸗ lichen Anblick ließ ſie ſich auf dem ſchwellen⸗ den Boden nieder, und brach die um ſie herumſtehenden Blümchen, um ſie zu einem Strauß für den Geliebten zu winden Noch war ſie mit dem Gedanken an die Ausfüh⸗ ei ſtarken Armen ergriffen und zu Boden 128 Anſtrengung ihrer Kräfte und ſchrie, ſo laut ſie konnte, um Hilfe; doch vergebens. Zwei fürchterlich ausſehende Kerle fielen ohne Er⸗ barmen über ſie her, und in wenig Augen⸗ blicken war ihr der Mund verſtopft und Hände und Füße gefeſſelt. Jetzt wurde ſie vom Boden aufgeriſſen und ohne Schonung von den Barbaren durch Hecken und Ge⸗ büſch davongeſchleift. Indem hier dieſes Bubenſtück ausgeführt wurde, hatte Elviro den Hirſch eine weite Strecke verfolgt, und da ihm der unermüdete Hektor denſelben wieder in den Wurf trieb, hatte ein zwei⸗ ter ſicherer Schuß die Beute erlegt. Mit ſeinem Waidmeſſer waidete er das Thier aus, und eilte dann, ſeine Freundin aufzu⸗ ſuchen, um mit ihr zu ſeinen Leuten zurück⸗ zukehren und einige derſelben zur Abholung des Wildes zu befehligen. Als er auf die Stelle kam, rief er wiederholt ihren Namen, voch wollte keine Antwort erfolgen: geriſſen ſah. Sie ſträubte ſich mit aller ſchte Hektor durch das Geſträuch und 6 zwiſchen den Zähnen brachte er Appolloniens ſammtnes Barett herbei, womit ſie gewöhn⸗ lich ihr ſchönes Haupt bedeckte. Dieſer Un ſtand brachte eine bange Ahnung in ſein Herz und ſchnell eilte er durch das Gebüſch,* von woher das Thier ſeine Beute gebracht hatte. Winſelnd ſprang der Hund neben ihm hin, als wollte er ihn zur Eile mah⸗ nen, dann ſtürzte er wieder voraus uno blieb traurig auf der kleinen Anhöhe ſtehen, wo Apollonia überfallen wurde, und blickte ſeinen ihm nachfolgenden Herrn an. Elviro ſah forſchend auf den Tummelplatz, der noch in dem niedergebeugten Graſe zu bemerken war und immer ängſtlicher und beklomme⸗ ner wurde ſein Herz. Etwas entfernt von der Stelle lag der halbvollendete Strauß ſeiner Geliebten und daneben ihr liebſter 3 Ring, den ſie aus ſeiner Hand als Pfand ſtiner Liebe und Treus erhalten hatte. Die⸗ cen gab ihm die vollige Genis 5 Apollonia. I. weit des Waldſaumes, der ſich rechts von, ihm hinzog und die zum Dorfe gehörenden heit, daß ſeiner Freundin ein Unglück zu⸗ geſtoßen ſein müſſe, aber auf welche Art und Weiſe, vermochte er ſich nicht zu er⸗ klären. Abwechſelnde Kälte und Hitze über⸗ flog ſeinen Körper, und ſeine innere Unruhe erreichte den höchſten Grad. Noch einmal ließ er den geliebten Namen durch den ſchwei⸗ genden Forſt ertönen, und ſtürzte dann, der ₰ Sput ſeines Hektor folgend, der heulend vor ihm her ſprang, wie gehetzt vorwärts. Als die heißen Sonnenſtrahlen bereits ſenk⸗ recht auf die Erde herabfielen, langte er auf einer freien Ebene an, und ſank erſchöpft am Rande eines kleinen Quells nieder, um ſeinen brennenden Durſt zu löſchen. Nur eine kleine Wieſe trennte ihn von einem Dorfe, deſſen freundliche Häuſer vom Glanze der Sonne beleuchtet, aus blühenden und grünenden Gärten herporſchimmerten. Ohn⸗ S atfelder umſchloß, weideten ei neugierig näher kam deſſen geſleckten Begleit ihm knurrend ſeine Keckheit verwehren wollte. Elviro beſänftigte den Hund urd rief den Knaben zu ſich, der ſich treuherzig näberte und an ſeine Seite ſetzte. Siehſt wohl nicht oft einen Jägers⸗ mann, lieber Knabe?“ redete er den fr chen kleinen Geſellſchafter an.*„ „O doch,“ verſetzte der Eð Herr unſers Dorfes hat ie und nicht ſelt in dem na⸗ unſer Herr züge gegen „Da —— mich aber eine andere Urſache her, die Sſe ſogleich hören ſollen.⸗% Elviro rückte dem Knaben näher und eine innere Stimme ſchien ihm zu ſagen, er werde Licht über Apolloniens Schickſal erhalten. „Laß doch hören, lieber Kleiner,“ bat r, ſanft die rothen Wangen des freundlichen gen ſtreichelnd, und dieſer begann:„Vor Stunde etwa brachten zwei ziemlich eerle einen jungen wohlgekleide⸗ Lorbei, den ſie unbarmherzig Füßen ſort⸗ en Augen, Zurück in jate er den 133 die vollen ſchwarzen Locken ſeines ſchöſen Haares herab.“ „O Gott, ſie war es!“ rief Elviro von Schmerz übermannt, und drückte des Knaben Hand ſo ſtark, daß dieſer vor Schmerz laut aufſchrie, und davon eilen wollte. Ungeſtuͤm riß ihn Elviro zurück und rief ihm mit einem Tone zu, aus dem Ver⸗ zweiflung ſprach und den Knaben beinah zu Boden ſchmetterte:„Geſchwind, wohin brachte man die Unglückliche?“ „Den Unglücklichen, wollen Sie ſagen?“ entgegnete ängſtlich der Gefragte,„dieſen haben ſie auf's Schloß zu unſerm gnädigen Herrn gebracht.“ Kaum hatte dieſes Elviro gehört, als er aufſprang und ohne ein Wort zu erwi⸗ dern dem nahen Dorfe zuſtürzte⸗ Ko ſchüttelnd ſah ihm der Knabe nach und ſprach dann vor ſich hin:„Der liebe gute Herr muß ein Freund des unglücktiche Jägers geweſen ſein und wird ſicher denſel⸗ ben zu befreien eilen.“ So ſprechend ging er nach ſeiner Heer⸗ de zurück, indeſſen Elviro vor dem Dorfe ankam. Jetzt erſt kehrte ſeine ruhige Ueber⸗ legung zurück und er ſah ein, daß er durch übereilte Hitze ſich ſelbſt in Gefahr, und ſo⸗ mit alle Hoffnung zu Apolloniens Rettung verlieren konnte. Dicht vor ſich, und zwar außerhalb der FKlüen Gaſſe, welche ins Dorf führte, lag das zu demſelben gehörige Gaſthaus, dahin lenkte er ſeine Schritte. In der Gaſtſtube traf er außer dem Wirth und einem alten freundlichen Greiſe Nie⸗ manden, und er warf ſich, einen friſchen Trunk beſtellend, auf eine Bank nahe am Fenſter nieder. „Sind wohl auch bei dem gnädigen Hertn geweſen?“ fragte ihn der Wirth, in⸗ dem er das Verlangte darreichte. ch bin erſt Willens zu ihm zu gehen,“ Pab er einſilbig zur Antwort. „Ich dachte nur,“ fuhr der Wirth fort, „Sie hätten den ſonderbaren Kauz von Jäger mit auf's Schloß gebracht, der, wie man ſpricht, ein verkleidetes Mädchen gewe⸗ ſen ſein ſoll.“ Elviro ſtellte ſich höchſt verwundert und erbat ſich von dem redſeligen Alten die nä⸗ hern Umſtände der berührten Sache. „„Zu dienen,“ ſagte der freundliche Wirth, ſetzte ſich an Elviros Seite und be⸗ gann: und leidenſchaftlicher Jäger und kann daher nicht leiden, wenn ein Unbefugter mit dem Gewehr in ſeinem Revier betroffen wird⸗ Er hält dazu eine Menge Jäger und Holz⸗ voigte und faſt täglich bringen dieſe Holz⸗ und Wilddiebe ein. Auch vor einer Stunde ſoll man auf's Schloß gebracht haben den der Hirt entkleiden ließ, zu laſſen, aber—* „Unſer gnädiger Herr iſt ein großer einen wohlgekleideten Wilddieb „Ei zum Donner und Wetter 8 um ihn wacker vutche * —————— — 136* Elviro ſich vergeſſend und ſtampfte mit dem Fuße. „Nur Geduld,“ begütigte der Wirth, „das eigentlich Spashafte kommt noch.“ Der Aufgebrachte ſuchte eine ruhige Stellung einzunehmen, und der Wirth fuhr fort:„Da ſah man in der Entkleideten eine leibhaftige Weibergeſtalt. Der Herr, welcher zugegen war, wurde über die Ent⸗ deckung noch aufgebrachter, und ließ dem armen Püppchen ſtatt zwanzig, vierzig Hiebe geben, die ihren Leib, der wirklich ſchön und reizend geweſen ſein mag, arg zugerich⸗ tet haben ſollen.“ Hier hielt der Erzähler einen Augenblick ein, und betrachtete Elviro's Geſicht, das von innerer Bewegung bald roth, bald blaß wurde. Ha, ich merke, mein Herr, Sie hören ſolche grauſame Schilderungen nicht gern, aber es iſt doch einmal wahr, denn mein eigner Sohn hat es mit angeſehen Mit dieſen Worten ſtand der Wirth auf und langte nach ſeiner Pfeife, die er in Brand ſetzte. „Erzählt nur weiter, guter Mann,“ bat Elpiro, der mit Gewalt ſeine innere Wuth unterdrückte, was wurde dann weiter aus der Urglücklichen?“ Indem der Alte durch gewaltige Rauch⸗ wolken die ohnehin dicke Luft der Stube noch mit dem Wohlgeruch ſeines Zweigroſchen⸗ . Knaſters ſchwängerte, nahm er ſeinen ver⸗ laſſenen Stuhl wieder ein und fuhr fort: „Die arme Zerpeitſchte wurde nun um Na⸗ men und Stand befragt, und im Wahnſinn über die empfundenen Schmerzen ruft ſie aus:„Das Heldenmädchen vom Gbirge die Geliebte des edlen und tapfern Elvite welcher bald Wind von Eurem Vetfähren gegen mich erhalten und ſchnell genug kem men wird, blutige Rache an Euch zu n nen!“ Dieſe Erklärung gereichte volends m ihrem Verderben, denn der Päblg 3 138 hat ſie ſogleich nach Herrmannsſtadt abfüh⸗ ren laſſen, wo ſie dem Statthalter von Siebenbürgen überliefert werden ſoll. Wie 6 man aber von einem gleich nach der Abfüh⸗ rung der Verbrecherin angekommenen Poli⸗ zei⸗Landreiter gehört hat, ſoll der Transport nach Preßburg gehen. Dieſes iſt die Ge⸗. ſchichte, mein Herr.“ Mit dieſen Worten ſchloß der Wirth und blieb mit offenem Mund und Raſe ſtehen, als ihm Elviro ein Goldſtück auf die Tafel+ warf und wie ein Raſender zum Hauſe hin⸗ ausſtürzte. 2 Von den Strahlen des Vollmondes beleuchtet ſaß Elviro auf einem Baumſtamm und in geringer Entfernung von ihm lagerte di Bande im ſüßen Schlummer. Die Stille Nacht und der ganzen ſchlummet & 139 Natur lud ihn zum Genuſſe der Ruhe ein und dennoch vermochte er kein Aüge zu ſchlie ßen und kein Gedanke an Stärkung ſeiner ermatteten Glieder kam in ſeine Seele. Seine Wangen brannten in Fiebergluth, ſeine Augen blickten bleich und erloſchen vor ſich nieder und ſein Inneres ſchien in einen Heerd der Hölle umgeſchaffen zu ſein. In ängſtlichen Pauſen ſtarrte ſein ſchwermüthi⸗ ger Blick verlangend zu der nahen Landſtra⸗ ße hinüber, und fiel dann wieder erſchlafft auf den Boden hin. Schallende Hufſchläge ließen ſich endlich von der Straße her ver⸗ nehmen, und ſchnell erhob ſich Elviro und eilte hinüber nach der Straße. Ein Reiter, der es ſehr nöthig haben mochte, kam im ſtarken Trott daher und wollte vorüber. Mit einem Satze war Elviro dem Ankommenden entgegen geſprungen, hatte den Zügel des Pferdes ergriffen, und ehe ſich der Reiter beſinnen konnte, ſetzte er ihm eine Piſtole auf 1 tie Braſt und befahl ihm augenblicklich ab⸗ 140 zuſteigen. Zitternd gehorchte der Angefallene und folgte ohne Zögern ſeinem zur Seite ſchreitenden Führer. Einer von der Bande mußte auf des Hauptmanns Befehl das Pferd an ſich nehmen, indeß er ſelbſt den Gefangenen zu ſich ſetzen hieß, und ihn über ſeine Verhältniſſe und Geſchäfte be⸗ fragte. Der von dem Anblick der vielen grauſen Geſtalten Geängſtete offenbarte bald, daß er von Preßburg komme, und einen Brief an den Vorſtand von Roſenau zu überbringen habe. Etviro ließ ſich ſogleich das Schreiben reichen, erbrach es, und las: daß die Verbrecherin, genankt„das Helden⸗ mädchen vom Gebirge,“ bis auf weitere Or⸗ dre in Roſenau verbleiben ſollte, und werde man, wenn es Zeit ſein würde, ein Com⸗ mando zur Abholung derſelben abſenden. „Herrlich!“ rief Elviro nach Leſung des Schreibens ſeinen Leuten zu,„daß wir den Heberbringer erwiſcht haben. Kam er durch, ſo blieb Apollonia für's Erſte noc in Roſenau, die Umſtände geſtalteten. 14¹ und wer weiß, wie ſich dann 3 So aber witd morgen früh der Transport abgehen, und wie ich hoffe unter leichter Bedeckung, wo⸗ Spiel bekommen.“ jammerte laut aubte nun gewiß ſein Leben aufgeben zu müſſen. Elviro aber tröſtete ihn und gab ihm das Verſprechen, daß er ſobald das Wageſtück gelungen und vollbracht ſei, er ſogleich ſeine Freiheit erhalten ſollte, bis dahin wurde er unter Aufſicht der Bande geſtellt. Kaum hatte der Hauptmann wie⸗ der Platz auf dem alten Baumſturz genom⸗ men, als der von i ankam und ſich neb „Hauptmann,“ an,„gegen die n den Morgens lang aber beim Teufel! oh wird es nicht abgehen, durch wir leichtes Der arme Bote und gl en ihm niederwarf. hub der Angekommene⸗ ne einen harten Srauß hm erwartete Schweitzer eunte Stunde des kommen⸗ t der Transport hier anz denn wieich beſtimt legen ſein.⸗ »Werden wir nicht jeder drei ſolcher Söldlinge auf uns nehmen 2. rief Elviro wild auflachend und fuhr dann ruhiger fort: „Höre, Schweitzer, nimm dort das von mir erbeutete Pferd Fallern und bringe denſelben mit den bei ſich habenden Burſchen hierher.“ Schweitzer verſprach den Befehl ſo ſchnell als möglich auszuführen ſich dann auf das von beigeführte P Galopp davon. „und hin⸗ geſtreck auf dem grünenden Boden ſchloſſen ſich ſeine Augen, und er genoß eines erqui⸗ ckenden Schlafs, den en ſchon ſeit mehreren Nächten hatte entbehren müſſen. Bereits bleichte ſich der Worgenſtern, als er neuge⸗ — 4 „ . 6 6— — 1 143 Bande um ſich, um ihr ſeine entworfenen Pläne und Befehle mitzutheilen. Von den ſechzig Köpfen, die er befehligte, ordnete er drei Haufen, von denen der eine von Bü⸗ chel, der andere von Schweitzer, dem er für den Augenblick, da er abweſend war, einen Stellvertreter beſtimmte, befehligt wurde und den dritten Haufen, als den ſtärkſten, wollte er ſelbſt anführen. Büchel, der mit ſeinem 3 Chore dem Feind beim Angriff in den Rü⸗ cken fallen ſollte, mußte ſich in weiter Ent⸗ 3 fernung nach der Gegend hin, wo der Trans⸗ 6 port herkommen ſollte, in eine von Gründen und Felſen verdeckte Stellung zurückziehen. Da, wo der Angriff ſelbſt geſchehen ſollte, und zwar links an der Landſtraße, mußte ſich Schweitzers Haufen hinter verbergendem Gebüſch aufſtellen, indeſſen ver Hauptmann mit den Seinen ſich rechts von der Straße ſtärkt erwachte, und ſogleich berief er. die ebenfalls hinter dichtes Gebüſch poſtirte Die Attaque des Angriffs ſollte nach Cti 4 ro's Beſchluß nach dem gegebenen Signal ſeines Hüſfthorns plötzlich mit der größten Lebhaftigkeit und Anſtrengung beginnen. So⸗ bald aber das Gefecht am hitzigſten ſein würde, ſollte Büchel mit dem Hinterhalt hervorbrechen und dem Feinde mit Nachduuck in den Rücken fallen. Für Aufforder ung zur Tapferkeit brauchte der Hauptmann kein Wort zu verſchwenden, denn jeder ſeiner 4 Leute brannte vor Begierde, die geliebte und verehrte Apollonia zu retten und an ihren Feinden zu rächen. Alles mit lingeduld den Augenblick, wo der Kampf beginnen ſollte, und jedes hörbare Geräuſch ſpannte die Aufmerklamkeit der Wartenden. Immer höher Himmelsbogen S purpurrother Widerſchein. der den öſtlichen ₰ Himmel übergoß, ſchien eit verhängnißvolle 3 vpthetzuſagen. weiten herauf, rückte die Sonne am und So erwartete 1 ihr — — 1—— — Elviro. 147 Apollonia führte, und mit aller Anſtres ſuchte er dieſen zu erreichen. Zweimal ſeine Abſicht durch die muthvolle Vertheidi⸗ gung der Reiterei geſcheitert, als aber Bü⸗ chel mit den Seinen heranſtürmte, warf er die Vertheidiger des Wagens auseinander, und ſchnell bemühete er ſich, der Geliebten Feſſeln zu zerbrechen, mit welchen ſie an den Wagen befeſtigt war. Schon im erſten Au⸗ genblicke hatte ſie ihre Freunde erkannt, und ſie jauchzte jetzt vor Freude ihren Rettern entgegen und als ihre Feſſeln zerbrochen waren, ſank ſie in die Arme ihres geliebten „Schont meines Lebens, Menſchen, En⸗ gel oder Teufel, wer Ihr ſeid!“ rief der er⸗ ſchrockene Schwarzrock, als er die furchtba⸗ ren Geſtalten der Räuber auf ſich zu Fom⸗ men ſah, und ſproag dann, ſeine mächtige Re rücke urß⸗ vom uW 3 tilte d ici Pefreite aus dem beunſe k Fals ein Trupp Dragoner aufs Neue an⸗ Kngte und ihm ſeine Beute zu entreißen prohte. Der kühne Hauptmann ſammelte aber ſogleich einige beherzte Burſchen um ſich, und entſchloſſen boten dieſe die Bruſt zum Schutze derjenigen dar, die ſich in ihrer Mitte befand. Der Anführer der feindlichen Reiter focht wie ein wahrhafter Held und entflammte die Seinen zu ähnlichen Bewei⸗ ſen der Tapferkeit, und dennoch ſtanden die Räuber, gleich erzürnten Göttern, die ihre Racheblitze auf den Erdball hinab ſchleudern. Von einem mächtigen Hiebe getroffen ſank der wackere Antonio an des Hauptmanns Seite leblos zu Boden und ſchon bemühte ſich der feindliche Offizier, dieſe Läcke zu be⸗ nutzen, um dem kühnen Elviro die Flanke abzugewinnen; da ſammelte die von harten Schlägen des Schickſals ge offene Apollonia ſchnell des Getödteten Schwert an ſich, und füllte die Lücke wieder aus, indem ſie nR alle ihr zu Gebote ſtehenden Kräfte, riß 149 thig den überraſchten Offizier zurückhielt Fechtend bückte ſie ſich noch einmal ſchnell zur Erde und ergriff eine vor ſich liegende Piſtole, und haſtig drückte ſie dieſelbe auf den verwegenen Gegner ab, daß dieſer vom Roſſe herab ſtog und ſein Blut ſchäumend umher ſpritzte. Nach dem Fall des Anführers zo⸗ gen ſich die Reiter zurück und die wackere * Schaar onnte friſchen Athem ſchöpfen. „Heldin ſonder Gleichen!“ rief Elviro begeiſtert und brachte die nun gänzlich von der Ueberſpannung ihrer Kräfte faſt ohn⸗ mächtig gewordene Geliebte nach dem nahen Gebüſch, wo er ſie unter dem Schutze eini⸗ ger Getreuen ließ, und dann nach dem Kampf⸗ platz zurückeilte. Immer noch tummelten ſich die Seinen mit dem Feinde herum, der den erlittenen Verluſt blutig rächen wollte; va wälzte ſich aus der Ferne eine mächtige Staubwolke heran und ſchon jubelte der Feind, ſich ſchmeich lInd, daß ihm Hi werden würde. Schrecklich wurde i di eingeſehene Täuſchung und ſchlug ihren Muth faſten der Haarzöpfe ausgebeſſert!“ rief der Burſchen drein. Dieſer mörderiſche Anfall Feld, und galoppirte davon. Das Fußvolk, Beiſpiele, zog ſich aber in Ordnung und fech⸗ nes Anſehens mußte Elviro die einmal er⸗ bitterten Räuber von der Verfolgung des um ihnen vollends nieder, als ſtatt der erwarteten Freunde ein neuer Haufe Räuber mit wildem„ Rampfgeſchrei heranſtürmte. Schweitzer und Faller, an der Spitze vierzig muthiger Bur⸗ ſchen, waren es, welche ankamen, und ſo⸗ gleich mit hoch geſchwungenen Kolben die Feinde angriffen. „Nur tüchtig mit den Kolben die Hirn⸗ wilde Schweitzer und wacker wetterten die brachte die Tapferkeit der Soldaten zum Wanken und die Reiterei räumte zuerſt das welches am mehrſten gelitten, folgte ihrem tend zurück. Mit dem ganzen Gewicht ſei⸗ meln. Ueber zwanzig derſelben wurden auf⸗ gefunden, und außerdem hatte der größte Theil der Lebenden mehr oder weniger Wun⸗ den erhalten. Der Feind hatte hingegen die Hälfte ſeiner Krieger auf dem Wahl⸗ platze gelaſſen, die man ebenfalls zuſammen⸗ trug und in eine nahe Grube ſenkte. In möglicher Eile wurden auch die Leichen der Freunde beſtattet, und Elviro ließ drei Sal⸗ ven in ihr Grab geben. Als dieſes beendet war, ordnete er ſogleich den Rückmarſch an, da er vermuthen mußte, daß der Feind nicht ſäumen würde, neue Truppen gegen ihn zu ſenden. Das ſchöne Pferd des Offiziers, den Apollonia in's Schattenreich geſendet hatte, war von einem Räuber aufgefangen und Elviro beſtimmte es zu ſeinem Dienſte. Die arme Apollonia befand ſich in ei⸗ ner bejammernswerthen Lage und die Ueber⸗ zeugung ihres elenden Zuſtandes zerfleiſchte das Herz ihres Gelkebten. Ihr gauzer Rü⸗ Wen war noch geeitert und z * erriſſen von der 5 152 unmenſchlichen Behandlung, die ſie bei ihrer Gefangennehmung von dem unmenſchlichen Edelmann jenes Dorfes erduldet harte. Mit einem gräßlichen Schwur, der ſelbſt Apollo⸗ niens Herz erſchreckte, gelobte er blutige Rache an dem Thrannen zu nehmen. Als Alles zum Aufbruch geordnet war, übergab er den Befehl über die Hälfte der Bande dem muthigen Schweitzer, der ſogleich auf einem von dem Hauptmann teſunſte Wege 3 nach dem Gebirge fortzog. Elvito beſtieg nach dieſem ſein Roß, ließ die Erſchöpfte vor ſich, umſchlungen von ſeinem Arm, Platz nehmen, und zog dann mit dem Reſte der Bande auf einem nahen Wege dem Gebir⸗ ge zu. Einige ver ſprengte Reiter tehrten nach Roſenau zurück und erregten durch ihren icht allgemeines Erſtaunen über die Keck⸗ 3 153 über die Stärke der Räuber abſtatteten, ſetz⸗ ten ſogar die Regierung in beſorgende Be⸗ wegung. Ueberall wurden nun öffentliche Bekanntmachungen proklamirt und der ge⸗ fürchtete Hauptmann Elviro nebſt dem ſo gefährlichen Räubermädchen Apollonia und ihre Genoſſen für vogelfrei erklärt und Je⸗ dermann dadurch aufgefordert, zu deren Hab⸗ haftwetdung nach beſten Kräften, und zur För⸗ der ber allgemeinen Ruhe und Sicher⸗ heit witzuwirken. Obgleich Elviro dieſes Verfahren erfuhr, ſo blieb er dennoch unbe⸗ ſorgt, und die muthige Bandeſſang Spott⸗ lieder zum Hohn über die Drshungen und Maßregeln ihrer Feinds. Als Alles wieder in ihrer alten Ord⸗ nung war, und die Ruinen trotz des Spuks zum Aufenthalt der Bande eingerichtet wa⸗ ren, zog Elviro Erkundigungen über den Herrn jenes Dorfes ein. Der ſchlaue Werner, ein ehemaliger Genoſſe einer Hoch⸗ ſchule, jetzt Mitglied der Bande, wat ſetbſt— — auf Erkundigungen dieſer Art ausgegangen, und als er wiederkehrte, konnte er dem Haupt⸗ mann über Alles genaue Auskunft geben. Freiherr von Hartkopf, ſo hieß jener Herr des Dorfes, war ein grundreicher Ha⸗ geſtolz, der ſein Vergnügen nur in einer reichbeſetzten Tafel und den Freuden der Jagd fand, er war deshalb ſtets von einer Menge Schmarotzer umlagert, die der Wunſch, ein fettes Maul zu bekommen, zu ihm hin⸗ 6 zog. Wo das Aas iſt, verſammeln ſich die Raben, ſagt das Sprichwort, und ſo war es auch hier. Alle ſeine Freunde waren, wie er, nur von rohen ſinnlichen Gefühlen beſeelt; die menſchlichen und heiligen Em⸗ pfindungen waren ihren Herzen ſo fremd, als mancher harte Kapitaliſt dem Gefühle des Mitleids, wenn die fälligen Zinſen aus⸗ bleiben. Alle dieſe Eigenſchaften des Cha⸗ rakters des Freiherrn entflammten Elviros Rache noch mehr und er ſäumte nicht länger, 3 S den S der zu ſchleifen. Die Fhurmuhr verkündete die zehnte Stunde der Racht. In dem prächtigen Schloſſe des Freiherrn von Hartkopf war voller Hof, denn das am Tage gehaltene große Jagdfeſt hatte die Schüler Dianens bei einer köſtlichen Mahlzeit im Prunk⸗ ſaale verſammelt. Alle nur erdenklichen Spei⸗ ſen, Confecte und Getränke dampften und ſchäumten in glänzenden Geſchirren und Ge⸗ fäßen; ſogar die oſtindiſchen Vogelneſter waren nicht vergeſſen. Nur Muſik fehlte noch, die Tafeltunde zu einer Geſellſchaft zechender Götter zu machen, aber dafür hatte der König des Feſtes keinen Sinn und des⸗ wegen wurde nur dem Bacchus geopfert und der ſinnreiche Apollo zurückgeſetzt. Aber vor allem wurden der Göttin Diana, um ihrem eifrigen Verehrer, dem Freiherrn, zu ſchmei⸗ heln, die mehrſten Huldigungen gebracht und ernſte⸗ drollige und zuweilet ſ über bene Jagdabenteuer kamen an die Reihe. Dieſe gaben dann den Zechluſtigen die beſte Gelegenheit, ihre durſtigen Kehlen auszu⸗ ſpülen. Die reichgeſchmückte Dienerſchaft des Freiherrn machte dem Kellermeiſter den Kopf ſo warm, daß er mehr als zu vielen Flaſchen den Hals brach, und den Inhalt derſelben in ſeinen eignen Schlund auslau⸗ fen ließ. Die Transporteure der gefüllten Flaſchen waren nicht faul, und brachten ihre Ladung ſtets mit einem gerechten Abzuge an. Genug; damit wir es kurz machen, es war ein Leben, welches von Jedermann mit Freude und Wonne genoſſen wurde. Bei einer aufmerkſamen Pauſe der Tafel⸗ geſellſchaft, welche die anziehende Erzählung des Hausherrn erregt hatte, öffnete ſich leiſe die Thür des Saales, und zwei wunderſa⸗ me Geſtalten traten ein, der Geſellſchaft in einem unheimlichen, finſtern Tone guten Abid⸗ wünſchend. Alles ſchrak empor, die Inter älung und Aller Vic 6 157 hefteten ſich auf die ſonderbären Gaſte Schnell warf jetzt die eine der Geſtalten den weiten ſchwarzen Mantel von ſich, und eine kriegeriſch gekleidete Amazone ward ſicht⸗ bar, in welcher jetzt der erblaßte Freiherr das Heldenmädchen vom Gebirge erkannte. Dennoch ermannte er ſich, ergriff eine vor ſich ſtehende Glocke, und gab damit ein laut gellendes Zeichen, ſeine Leute, von denen durch Zufall nicht ein Einziger anweſend war, herbei zu rufen. Todtenſtille herrſchte im Saale und da immer kein Diener er⸗ ſcheinen wollte, ſchrie der Freiherr laut um Hilfe. Nach einer Pauſe, in welcher kein Diener ſich ſehen, oder hören ließ ſchlug die andere Geſtalt ihren Mantek zurück und ein breiter Gürtel von Piſtolen unt Dolchen ſtrotzend wurde an derſelben ſicht⸗ bar. Langſam ſchob ſie den hohen befeber⸗ ten Hut aus dem Geſicht, und zwei blizende Augen überflogen die kaum athmende Ge⸗ ſeſchaſt. In ſtolzer, 9 tende — 158 Haltung trat er einen Schritt gegen die Tafel vor, und ſagte mit ernſten, langſamen Worten zu dem zitternden Freiherrn:„Be⸗ mühe Dich nicht, Deine Leute herbeirufen zu wollen; es wäre unnütz?“ Eine Piſtole ziehend fuhr er fort:„Mei⸗ ne Begleiterin wird ein paar Worte mir Dir reden, aber werde nicht unartig, oder ich ſtehe mit einer Kugel zu Befehl!“ Apollonia— denn dieſe war es— trat jetzt einige Schritte auf den ſichtbar in Angſt ſchwebenden Freiherrn zu, und re⸗ dete ihn in ſtrengem Tone an:„Ich komme jetzt, Hartherziger, Dich für Deine an mir begangene Unmenſchlichkeit zur Rechenſchaft zu ziehen. Sieh, Bube, wie Du erbleichſt, wie Deine Gebeine zittern und Deine in⸗ nere Angſt ſichtbar wird! Lühle, Barbar, mir zu Muthe war, als ich Deinen . Fraufamen Ausſpruch vernahm, und dennoch war ich Schuld, Du aber die Laſt von tauſend Freveln und Schandtha ten in Deinem Buſen!“ Hier unterbrach ſie der Gefolterte und die Angſt ſeines Herzens preßte ihm vie Worte aus:„Ha, Elende, das ſollſt Du büßen!“ Seine Worte hemmte ein krachender Schuß und mit zerſchmettertem Schädel ſtürzte der Freiherr zuſammen. Zu ſchnell, Elviro!“ rief jetzt Apollo⸗ nia,„Du mußteſt mir die Rache überlaſſen.“ „Damit Du dem Buben das Leben ſchenkteſt?!“ rief Elviro wild, und ſeine furchtbare Stimme ſchreckte die erblaßten Zuhörer noch mehr zuſammen. Ein Räu⸗ ber trat jetzt ein und meldete, daß die ge⸗ machte Beute bereits aufgeladen und Alles zum Abzuge bereit ſei. „Soll gleich vor ſich gehen, gab El⸗ viro zur Antwort und wandte ſich, indem 6 er das vorhandene Silbergeſchirr zuſammen 160 genden Worten an die Geſellſchaft:„Sie, meine Herren, ſind unſchuldig bei der Sache und haben daher nichts zu fürchten. Allein da Sie die Ehre gehabt haben, den berühm⸗ ten Räuberhauptmann Elviro und ſeine Ge⸗ liebte, die heldenmüthige Apollonia, zu ſehen, werden Sie ſich es gefallen laſſen, ohne Umſtände Ihre Ringe, Uhren und vollen Börſen auszuliefern.“ Er winkte hierauf ſeiner Begleiterin, wel⸗ che einen Teller ergriff und einen Umgang zu halten ſich der Geſellſchaft näherte. Meh⸗ rere gaben gutwillig Alles her was ſie hat⸗ ten, doch einige nahmen Anſtand. Als aber Elvitd noch eine Piſtole ergriff, um ſie aus dem Gürtel herauszuziehen, waren dieſe eben ſo bereitwillig, das Geforderte heraus⸗ zugeben, als jene. Apollonia füllte mehrere von den S ichen Sen Ei ihr 161 eine ſtumme Verbengung machend, eben ſo wunderſam als ſie gekommen waren⸗ Außer dem Freiherrn war Niemanden im Schloſſe ein Haar gekrümmt worden und man hatte ſich nur begnügt, die Dienerſchaft in ihr Gemach zurückzubannen, und ſie da⸗ rin zu bewachen. Vier Wagen waren mit Beute aller Art beladen, Lebensmittel und guten Wein gab es in Menge, und luſtig og ie Bande nach ihren alten Ruinen Wenige Tage nach dieſer Begebenheit beſchäftigte ſch der kühne Elviro, ſeine Leute anzuweiſen, aus dem Mittelpunkte des un⸗ terirdiſchen Ganges einen andern Weg un⸗ ter der Erde anzulegen, deſſen Ausgang nach einem anmuthigen Thale gehen ſollte, wel⸗ ches eine ziemliche Strecke entfernt lag. Als er noch mit Schweitzern im Geſpräch begriffen war, den ſchicklichſten Ort zu treffen, ſtießen ſie auf S b. e die Uet unter ei⸗ ſet — eine vetmauerte Thür, und ſogleich machten — 2— = der eine künſtlich gewölbte Decke hatte. rück, ſeiner geliebten Apollonia dyie N nem Vorwand entfernt hatten, an die Ar⸗ 3 beit, dieſe Entdeckung weiter zu verfolgen. Nach einer kurzen, aber anhaltenden Anſtren⸗ gung war das Hinderniß hinweggeräumt, und mit der Fackel vorleuchtend, nahm El⸗ 3 viro einen, dem erſten ähnlichen Gang wahr, Als der Schutt etwas aus der Oefnung bei Seite geräumt war, betraten ſie den Gang, und gingen mit Vorſicht darin wei⸗ ter. Auch die Länge deſſelben überſtieg die des ſchon bekannten bei weitem, und als p ſie endlich das Ende erreicht zu haben wähn⸗ ten, bog ſich derſelbe und ging in einer Sei⸗ tenrichtung weiter fort. Auch in dieſem Theile des Ganges waren ſie eine ziemliche Strecke gegangen, als ſich derſelbe mit einer ſteiner⸗ nen Treppe, welche in unabſehbaren Stufen aufwärts führte, endigte. Die Unterſuchung dieſes Theils verſchob Elviro bis zum Nach⸗ mittag und eilte daher mit Schweitzern zu⸗ —= * 163 richt zu geben. Schweitzer genoß das Mit⸗ agsmahl an ſeines Hauptmanns Tiſche. und nach Beendigung deſſelben nahmen ſie Waffen aus Vorſorge mit und gingen, von Apollonia begleitet, der eine ſolche aben⸗ teuerliche Unterſuchung Vergnügen machte, die angefangene Entdeckung zu beendigen. Alle Drei waren mit brennenden Fackeln verſehen, und daneben trug jeder ein blo⸗ ßes Schwert unter dem Arm. Voller Be⸗ „ gierde, das Ende der Stufen zu erreichen, ſtigen ſie ſchnell aufwärts. Oefters muß⸗ ten ſie jedoch anhalten, um friſchen Athem zu ſchöpfen, den das beſchwerliche anhalten⸗ de Steig en wiederholt erſchöpfte. Endlich erreichten ſie das Ziel ihrer Wanderſchaft⸗ und kamen in einem geräumigen Gewölbe an, auf deſſen Boden ſie eine Mäſſe hetum⸗ liegender Schädel und anpere Ueberbleibſel von menſchlichen Körpeen erblickten. „Wer, befinden uns hier in der grau ſen Werkſtätte der Vernichtung und des Moders!“ rief Elviro ſeinen Begleitern zu. Mit jedem Tritte berührten ſie dergleichen Ruderas, und immer fanden ihre Blicke neue Gegenſtände des Entſetzens. Unter Anderm entdeckten ſie in einem Winkel zwei neben 1 einander aufgeſtellte Todtengerippe, die durch eiſerne Bande, welche um Halswirbel und 38 Rippen herumgingen und in der Felsmaſſe befeſtigt waren, aufrecht erhalten wurden. Nur zu deutlich wurde es ihnen, daß dieſe Gerippe einſt Anglücklichen angehört hatten, die hier lebendig angeſchmiedet und elend und ſchrecklich vermodert waren. Mit von Ab⸗ ſcheu erfüllten Herzen wandten ſie ſich von den furchtbaren Beweiſen vormals hier ver⸗ übter Schandthaten, um die Oeffnung zu ſuchen, durch welche in einer Ecke ein ſchwa⸗ cher Lichtſtrahl ihnen entgegenblickte. Sie betrachteten die Stelle und fanden, daß hier eine Oeffnung vorhanden, aber von verwor⸗— renem und verwachſenem Geſtrüpt bedeckt 7 ei Vemmittelſt ſeines Schwettes mte geslicht ſtrahlte ihnen entgegen. Du die Oeffnung nicht ſehr hoch und breit wat, ſo mußten ſie kriechend in das Freie zu kommen ſuchen. Sie ſahen ſich jetzt zu ihrer Ueber⸗ raſchung auf einer bedeutenden Spitze des Gebirges, die, obgleich es keine der höch⸗ ſten Punkte war, dennoch wegen ſeiner ſchrof⸗ fen und unzugänglichen Lage wie das Fel⸗ ſenneſt eines Adlers ſich ob WMit Ge⸗ fahr mußten ſie ſich über die rings herum gelagerten Felsſtücke hiaweg hängen, wenn ſie an den ſchroffen Wänden hinunter zu dem Fuße der Höhe hinſehen wollten. Oſt ſchon hatte Elviro dieſe unerſteigbare Höhe von den durch grauſe Tiefen davon getrenn⸗ ten Nebenhöhen betrachtet und vergebens einen Zugang zu erſpähen geſucht. „Hier iſt es ſchön, Elviro, ſrach be⸗ geiſtert Apollonia, und zeigte entzückt nach einer ſich in der Ferne ausbreitenden Land⸗ Schweitz er dieſes hinweg und das helle —— — 4— — 166 ſchaft, die von vielen Städten, Dörfern und glänzenden Seen durchſchnitten war. „Dieſer Ort,“ bemerkte Elviro,„kann uns in der Noth, und zwar in einer mög⸗ lichen Ueberrumpelung, eine ſichere Zuflucht darbieten.“ „Dieſes iſt mein Rath,“ entgegnete Schweitzer, des Hauptmanns Bemerkung Beifall gebend;„wir behalten dieſe Entde⸗ cung bis zu einem ſolchen Falle für uns⸗“ „Du haſt Recht, Schweitzer,“ gab der Hauptmann nach einem kurzen nachdenkenden Schweigen zur Antwort und ſetzte dann ſchnell hinzu:„Sind es nicht alles rohe Gemüther, die nur meine ganze Strenge und Vorſicht im Zaume der Unterwürfigkeit und im Gehorſam erhalten kann? Fällt einer dieſer Menſchen in die Hände unſerer Fein⸗ de, ſo iſt zu fürchten, daß der Anblick der . Folter ſchon hinreichend iſt, ihnen das Ge⸗ ſtändniß der Lage unſeres Aufenthaltes 1 als aus den Mundhöhlen der eig wohl gar um klingende Goldmünze zun Verrath an ihren Kameraden hingeriſſen werden könnten. Beſonders iſt mir der ſo ſehr geſchmeidige und allzufreundliche Wer⸗ ner verdächtig und wir haben alle Urfache, denſelben auf's Korn zu nehmen. Von ihm iſt mehr zu fürchten, als von allen Andern, da er liſtig und verſchlagen iſt.“ Ein lauter Seufzer wurde jetzt hörbar und unterbrach das Geſpräch. Ueberraſcht blick⸗ ten ſie um ſich, aber nirgends traf ihr Auge auf einen Gegenſtand, dem man die Urſache des Gehörten zuſchreiben konnte. Sie tra⸗ ten jetzt den Rückweg an und da ſie in das ſchauderhafte Gewölbe zurückgekehrt waren, bemerkte Apollonia, indem ſte auf die Ge⸗ rippe zeigte, die mit ihren gebleichten Schä⸗ deln ſie anſtarrten:„Dieſe wollen wir ehe⸗ ſtens entfernen und ihnen ein ehrliches Be⸗ gräbniß geben.“ Kaum hatte ſie dieſe Vrie geſprochen, — ———— 168 wiederholtes„Amen!“ zu ertönen ſchien. Ver⸗ wundert blickten ſie einander an, und da ſich nichts weiter vernehmen ließ, ergriffen ſie die Fackeln, welche noch brennend in einer Ritze ſtaken, und ſtiegen die Stufen wieder hinab. Jeder Tritt hallte in dem gewölbten Gange wider, und jeder unter ihren Füßen hinrol⸗ lende Stein machte ein hörbares Getöſe. Als ſie den alten Gang wieder erreicht hat⸗ tten, ſetzten ſie den Eingang des neuen mit übereinandergeſchichteten Steinen zu und gingen dann nach der Einſiedelei zurück. Schweitzer hatte ſich des Hauptmanns Bemerkung über den feinen Werner nicht umſonſt mittheilen laſſen und gab ſich alle Miühe, jeden ſeiner Schritte und Handlun⸗ gen zu beobachten. Bei der ganzen Bande ar der luſtige Werner beliebt, denn er w ßte ſie zu jeder Zeit mit artigen Geſchicht⸗ chen und ſeinen erlebten Schwänk i mun 3 tere Laune zu verſetzen. Sein 8 — —— 3. . 4 1 des Hauptmanns mit Argus⸗Augen bewacht r Vande dorthin ab, und Stnbe wurde. Hierdurch wurde er nur noch vor— ſichtiger und bemühete ſich, jedem ſeiner Worte und Handlungen einen Anſtrich von größter Unbefangenheit und Eyrlichkeit zu geben. Wirklich täuſchte er den ſonſt ſo klugen Schweitzer, daß dieſer ihn mit weni⸗ ger Aufmerkſamkeit beobachtete. Nur den Hauptmann konnte er damit nicht täuſchen, und obgleich er that, als beobachte er ihn nur oberflächlich, ſo blickte er doch tiefer in deſſen Inneres, als Schweitzer und Apollv⸗ nia. Nach Anordnung Elviro's war der gänzlich zerſtörte Stall, in dem einſt die Pferde der Ritter geſtanden hatten, wieder hergeſtellt worden, und der verſchmitzte Bü⸗ chel bekam den Auftrag, von den ſchönen fetten Weiden an der Donau und Thems eine Anzahl Pferde einzufangen und hierher zu bringen. Dieſer zog mit einem Vheile wel⸗ cher für einen kleinen Reiterhaufen, aus vierzig Mann beſtehend, Sorge tragen ſollte, ging ebenfalls mit einigen Begleitern ab. Elviro ſelbſt beſchloß eine Reiſe nach den Hauptſtädten Siebenbürgens zu unterneh⸗ men und willigte envlich ein, als ſich Apol⸗ onia wiederholt bittend als Begleiterin an— 3 bot, in ihrer Geſellſchaft zu reiſen. Da zwei Pferde vorhanden waren, ſo wurden dieſe zu ſeinem und Apollonia's Dienſte eingerichtet. Elviro, der ſich als einen vornehmen Kaufmann des benachbarten Ruß⸗ lands vorſtellen wollte, ordnete darnach ſeine Kleidung, und um ſein Geſicht unkenntlich machen, bediente er ſich eines falſchen Bartes, der ihm ein ältliches Anſehen gab. Apollonia übernahm die Rolle ſeines Die⸗ S ners und warf ſich daher in eine paſſende ree, und ihr ſchönes Haar wurde untet einem Reiſehut zuſammengepreßt und ver⸗ Auch ſi e bediente ſich eines inen der ihrem ſchönen Geſichte Reiz als Entſtellung gewährte. Vor der Abreiſe nahm Elviro Faller bei Seite und trug ihm auf, in ſeiner Abweſenheit ein wachſames Auge auf die Burſchen zu haben, und vorzüglich den Werner zu be⸗ obachten. Faller verſprach Alles genau zu befolgen, und da die Reiſenden ſich mit ge⸗ hörigen Waffen und nöthigen Päſſen, auch † mit Geld verſehen hatten, ſprengten ſie am folgenden Morgen im Strahle der Morgen⸗ ſonne durch den Wald davon. — S ₰. Von der ſüdlichen Grenze dieſes Landes überſtiegen unſere Reiſenden das Gebirge 3 . an dem Engpaſſe, genannt der rothe Thurm, und zogen an der Olluta vorüber, welche hier ihren Durchbruch nimmt. Obgleich die nördlichen Theile des Landes kalt und feucht ſind, ſo iſt doch die Mitte und der ſüdlich ——— Theil warm und fruchtbar. Ueberall fanden ſie hier angenehme Abwechſelungen und nicht ſelten hielten ſie an, bald hier einen ſchönen Weinberg, dortine üppige Weide mit gra⸗ ſenden Rindern und Schafen, und auf einer * ändern Seite ſchimmernde Schlöſſer und Dör⸗ 4 fer im grünen Gebüſch in Augenſchein zu nehmen. Schon hatten ſie in einigen Dör⸗ fern Nachtquartier genommen, als ſie am dritten Tage in Kronſtadt einritten. Dem Hauptmann war dieſer ſchöne Anblick der belebten Stadt nichts Neues, auf ſeine 5 Begleiterin machte er jedoch einen nicht ge⸗ ringen Eindruck. Schon am Thore hatten ſie Gelegenheit, einen öffentlichen Anf ſchlag leſen, der auf nichts weniger, als die Habhaftwerdung ihrer Perſonen abzielte. WWir müſſen hier auf unſerer Hut flüſterte Elviro, und deutete verſtohlen das verhängnißvolle Blatt. s ſen iber den un naheſtehenden Mann zu ſich und befragten ihn um die Urſache der Polksbewegung. Der Befragte konnte aber weiter nichts an⸗ geben, als daß man einen Juden arretirt, der mit einem Räuber aus dem Gebirge einen Handel abgeſchloſſen habe. Beide muthmaßten, daß Schweitzer hier ſein Ge⸗ ſchäft getrieben. Nachdem Elviro dem Man⸗ ne ſeinen Dank abgeſtattet, ritten ſie weiter, das Gaſthaus zu erreichen. Ein dienſtferti⸗ ger Hauswirth nahm ihre Pferde in Empfang, indeß ein flinker Marqueur die Mantelſäcke mit Apolloniens Hilfe dem Herrn nachtrug, der ſich ein eignes ſchönes Zimmer anweiſen ließ. Als der Marqueur ſich entfernt hätte, die beſtellten Erfriſchungen heibeizuſchaſfen⸗ beſprachen ſich unſere Reiſenden näher über die Art und Weiſe, wie ſie hier ihre Rollen Es wurde beſchloſſen, daß Apollonia ausſprengen ſollte ihs Herr iſe ſpielen wollten rkten ſie einen Auflauf des Volkes. Neu gierig hielten ſie ihre Pferde an, riefen einen nach Herrmannſtadt, um in der dortigen Kupferfabrik mehrere bedeutende Beſtellungen zu machen. Indeß nun Elviro auf ſeinem Zimmer ſpeiſte, begab ſich Apollonia hinun⸗ ter in das gewöhnliche Zimmer, welches für die Bedienung der einkehrenden Herrſchaften beſtimmt war und ließ ſich ebenfalls Spei⸗ ſen und Getränke reichen. Hier band ſie dem neugierigen Wirth die ausgedachte Mähr auf, und verſicherte demſelben noch obendrein, daß ihr Herr der reichſte Kaufmann des ganzen Rußlands ſei. Da ſie ſelbſt gut pol⸗ niſch und ruſſiſch ſprach, ſo war dieſes um ſo leichter glaubbar, und Niemand zweifelte an ihrer Ausſage. Apolloniens einnehmende Geſtalt zog jeden an, beſonders betrachtete die junge Tochter des Wirthes den rothwan⸗ en inen Bieer mit Wohlhfulen. Apol⸗ 75 17 Am Abend ſammelten ſich die Gäſte im allgemeinen Gaſtzimmer und Elviro, dem es auf ſeinem Zimmer zu einſam war, miſchte ſicch nach genoſſenem Abendbrot auch unter dieſe Seine Tabakspfeife in Brand ſetzend, warf er ſich in einen Großvaterſtuhl am Ofen, den ihm der zuvorkommende Wirth mit vieler Artigkeit einräumte. Der gute Ungarwein mundete den Gä⸗ ſien und verſetzte ſie bald allgemein in eine heitere Stimmung. Man ſprach von aller⸗ hand gleichglültigen Sachen, bis der Ein⸗ tritt eines Polizeioffizianten das Geſpräch auf den heutigen Vorfall mit dem verhafte⸗ tten Juden brachte. Alles ſtürmte auf den Agekommenen, und erſuchte ihn, den wah⸗ ren Hergang der Sache zu erzählen. „Ich habe zwar weuig Zeit, hob die⸗ „ ſer an,„doch werde ich n i. . Kürze mittheilen, was ich Schnell that er jetzt 5 4 dem ihm dorgereichtz ———— 176 gann:„Schon lange hatte man den Juden im Verdacht, daß er in's Geheim mit lie⸗ derlichem Geſindel verkehre, denen er dar geraubte Gut abſchachert. Hiervon ſind wir heute Morgen feſt überzeugt worden, indem wir ſichere Spur haben, daß ein F lunke von des Spitzbubenhauptmanns viro berüchtigter Bande bei ihm übern tet hat. Nur ſchade, daß uns dieſe Wi zeige eine halbe Stunde zu ſpät gem wurde, wir hätten ſonſt den Vogel im ſte erwiſcht. Es ſind aber mehrere Reiter patrouillen ausgeſandt, die den Strick viel leicht wieder einbringen werden⸗ Uebrigens meine Herren, darf man jetzt keinem Mer ſchen mehr trauen, denn die Kerle ſoll unter allerlei Geſtalten im Lande heru gagien; bald ſcheinen ſie als Grafe s Barone, bald als Kaufleute u en ſie den Leuten die Kaſten at gen zum Danke dafür ammtet ſi er aller Ränke voll, und dabei ſo wunderſchön, 3 Weines, und eilte zur Thür hinaus. El⸗ dere ſich nur begnügten, den Kopf zů ſchüt Teufelsmenſch, das ſogenannte Heldenmäd⸗ chen Apollonia ſein. Dieſe Kanaille iſt daß man ſie anbeißen möchte; dieſe ſchleicht ebenfalls unter verſchiedenen Geſtalten um⸗ her und ſoll ſo mordluſtig ſein, wie kaum der berühmte Nero geweſen iſt.“ Hier endete er, trank den Reſt des piro hätte dem unverſchämten Schilderer gern ein Paar Ohrfeigen auf den Weg gegeben, allein um ſich nicht zu verrathen, mußte er in die allgemeine Verwunderung der Geſellſchaft mit einſtimmen. Der grö⸗ ßere Theil erſchöpfte ſich in Verwünſchungen gegen das Räubergeſindel, indeß einige An⸗ teln. „Warum ſchüttelſt Du den vatter?“ rief eine dünne hage rem Nachbar zu. „Weil ich aus ſichern QOu Elvire und Apollonia.. ₰— 3 6 35 „ 66 16. 1 1 5 3 3 ½— 3 1 ₰½ 0 5 1 —* 3* ₰ . — entgegnete jener,„daß die Räuber nicht ſo ſchlimm ſind, als man ſie macht.“ Alles horchte hoch auf, und man ver⸗ langte eine nähere Erklärung ſeiner Behaup⸗ tung. Der Aufgeforderte ließ ſich nicht lange nöthigen und erzählte eine Menge Thatſachen, die wirklich von Elviro ausge⸗ führt, ſehr zu ſeinem Vortheil gereichten. Elwiro wurde aufmerkſam auf den Sprecher, mußte ſich aber geſtehen, daß die Geſichts⸗ züge deſolben ihm keineswegs bekannt wa⸗ ren. Nach Beendigung ſeiner Erzählung wandte er ſich bedeutungsvoll zu Elviro und ſagte:„Nicht wahr, mein Herr, dieſe Hand⸗ lungen ſind edel?“ Dieſe Frage hatte etwas Auffallendes in der Betonung, aber dennoch gab Elviro eine unbefangene bejahende Antwort zurück. Hierauf bezahlte man den Wirth und jeder ſuchte Het und Stock, um nach Hauſe zu wandern, da die Geſellſchaft aus lauter, öinheimiſchen beſtand. Beim Hinausgehen rief ihm der Unbekannte wieder ein auffal⸗ end ſpöttiſches„Schlafen Sie wohl, mein err!“ zu, und Elviro dankte gebührend, tit feſtem, unbefangenen Tone. Als er ſich nit dem Wirthe allein befand, erkundigte er ſich nach einigen der Anweſenden und zuletzt kam er, wie von ungefähr, auf den unheim⸗ lichen Unbekannten. „Es iſt ein herumtreibender Spieler, mein Herr,“ war des Wirthes Antwork, der, wie man ſagt, einſt mit einem Trupp Zigeuner hier angekommen ſein ſoll.“ Elviro dankte für die Mittheilung, wünſchte dem Wirthe eine„gute Nacht,“ und eilte nach ſeinem Zimmer. Kaum war er dort angekommen, ſo trat auch Apollonig ein und in ihren Mienen ſchien eine innere Unruhe ſichtbar zu werden Elviro beftagte ſie wegen ihrer Unruhe, und erfuhr von ihr daß jener linbekannte ein Mitglied der Zi geuner⸗Bande geweſen ſei, dem Apollonia angehört hate. Zu dem bemerkte ſie no 12*— — —— —— ——— —— ———— daß er eben derjenige geweſen ſei, der ſie mit ſeiner Liebe ſo oft in Unruhe gebracht habe. „Es iſt dieſe Entdeckung zwar keine angenehme,“ ſprach Elviro,„doch iſt ſie auch nicht von der Art, daß wir davon zu fürchten haben.“ Da Elviro dafür geſorgt hatte, daß man ſeinem Diener ein Schlafgemach neben dem ſeinigen angewieſen hatte, ſo konnten Beide noch eine Zeitlang mit einander plaudern. Spät in der Nacht begab ſich Apollonia aus ihres Geliebten Schlafgemach in das ihrige, um ſich zur Ruhe zu begeben; unbeſorgt entkleivete ſie ſich und ahnete nicht, daß ein verborgenes Auge in der Nähe lauſche. Es war Chriſtine, die Tochter des Wirthes, welche in einem Nebengemache für hatte, aus welchem Grunde, ſoll dem Leſer — ee — —— —— S ———— — —— dieſe Nacht ihre Schlafſtelle aufgeſchlagen 8 zu etrathen übrig bleiben. Genug, ſie war F. in der Nähe, benutzte vieſe Gele⸗ ——— ————— —— lichen Diener ein Kleidungsſtück nach dem genheit und blickte in das Schlafgecham des ſchönen Mädchens. Sie ſah den vermeint⸗ andern ablegen, und war dennoch dreiſt genug, ihren Blick auf der ſchamhaften Stel⸗ ung deſſelben feſtzuhalten. Allein wie ward ihr zu Muthe, als Apollonia ſich völlig ent⸗ kleidet nach ihr zuwandte und einen vollen weiblichen Buſen blicken ließ? Sie glaubte ſich zu täuſchen, ſtrengte ihre Blicke ſchärfer an und entdeckte oßer dem entbüllten Buſen noch ande wr genthungeriten chrhs Ge⸗ ſchlechts. Sie fühlte ſich zwar in ihren ſchönen Hoffnungen betrogen, allein dafür hatte ſie ein Geheimniß erlauſcht, worauf ſie ſich nicht wenig zu Gute that. Die fatale Nacht machte ihr Unruhe, das entdeckte Wunder— auszuplaudern. Schlafen inte ſie unmög⸗* lich, denn vas Erlebte ſchien ihr die Bruſt zerſprengen zu wollen, und ſie mußte da⸗ rauf denken, ſich Luft zu verſchaffen, heißt: einen Gegenſtand aufzuſuche ſie Alles brühwarm und haarklein überbrin⸗ gen und mittheilen konnte. Nach einiger Zeit verließ ſie leiſe ihr Gemach und ſchlich nach dem ihr wohlbekannten Schlafkämmer⸗ chen des Marqueurs, der ihr, wenn ſie bei Laune war, die Cour machte. Dieſem ver⸗ traute ſie ſogleich die eben gemachte Ent⸗ deckung, um aber den Verdacht von ſich ab⸗ zuwälzen, als ſei ſie dem hübſchen Burſchen nacgeſchlichen, gab ſie an, ſchon am Tage eine Spur davon gehabt zu haben. Der ent⸗ zückte Liebhaber bekümmerte ſich wenig um die Wahrheit dieſer Entſchuldigung, ſondern freuete ſich nur des gegenwärtigen Augenblicks. Noch ehe Apollonia am andern Morgen er⸗ wachtẽ, wußte es Jedermann im Hauſe, daß kein Mann, ſondern ein verkleidetes Weib ſei, und ohne daß man ſich den eigentlichen Grund davon erklären konnte, fällte doch je⸗ der ſein eigenes Urtheil darüber. Der Wirth, der ſeinen Genuß von dem angeblichen rei⸗ 4 7 chen Kaufmann in Betracht zog, wollte ein Wörtchen zu deſſen Gunſten reden und er⸗ klärte rund heraus:„Daß Ihr albernen Menſchen darüber ſo ein Erhebens macht, kommt von Eurer Unkunde der vornehmen Welt her. Ihr müßt wiſſen, daß Standes⸗ perſonen ihre eigene Art haben, etwas Aben⸗ teuerliches in ihre Reiſen zu verflechten. So hat unſer Gaſt zum Beiſpiel das lieb⸗ liche Kind, welches ſeine Gunſt beſitzt, in die Livrée ſchlüpfen laſſen, damit ſie auf der Reiſe nicht von jedem Gecken beliebäu⸗ 1 gelt werden ſoll. Ich gebiete Euch alſo hiermit zu ſchweigen, meinen guten Ruf nicht in Verdacht zu bringen, daß Jedermann glauben muß, der Wirth vom goldenen Eich⸗ horn ſei eine Plappertaſche.“ i Des Wirthes Gebot wurde im Hauſe heilig gehalten und ſomit erfuhr Apollouia, als ſie aufgeſtanden und zum Frühſtü her⸗ untergekommen war, nichts von det nächti chen Klatſcherei. Jedoch bemerkte —— ———— 184 dem Geſichte der Tochter vom Hauſe ein auffallend geheimnißvolles Lächeln, und ein merkliches Rümpfen der Naſe, als ſie der⸗ ſelben einen„guten Morgen“ bot. Dabei war ſie heute ſo einſilbig und ſchüchtern, und jene verliebte Zuneigung, welche ſie von Anfang gezeigt, ganz verſchwunden. Apol⸗ lonia war ſchon im Begriff, dieſelbe um Auf⸗ klärung ihres ſonderbaren Benehmens zu be⸗ fragen, als der Wirth eintrat und ihr an⸗ deutete: der gnädige Herr verlange nach ſei⸗ nem Diener Ayollonia eilte ſogleich auf Elviros Gemach, und fand dieſen vollſtän⸗ dig angekleidet, auf dem Wege, eine kleine Morgenpromenade zu machen. „Ich beabſichtige die merkwürdigen Plätze der Stadt, ſo wie die ſchönen Umgebungen derſelben in Augenſchein zu nehmen, mache Dich ſogleich zurecht, und folge mir⸗ Als Apollonia nach ihrem Gemalhe ge⸗ ben wollte, rief er ſie noch einmal rück und S ihr zu:„Vergiß nicht d 185 Piſtolen zu Dir zu ſtecken, denn Vorſicht iſt niemals unnöthig.“ Nach wenigen Augenblicken gingen ſie aus dem Hauſe und als Apollonia der Wirthstochter vorüberging, bemerkte ſie nicht ohne Befremden, wie dieſe ihr mit dem Fin⸗ ger nachzeigte und dem Marqueur dann mit lautem Kichern etwas in's Ohr flüſterte. Elviro beſuchte alle Sehenswürdigkei⸗ ten der Stadt und that überhaupt Alles, wovon er glaubte, daß es Apollonien Freude und Zerſtreuung gewähren würde. Außer⸗ halb der Stadt, wohin ſie ſich jetzt wand⸗ ten, fanden ſie in einer ſchönen und regel⸗ mäßig angelegten Buchenallee eine äußerſt angenehme Promenade. In der Mitte die⸗ ſer ſchönen Baumanlage fanden ſie zu bei- den Seiten im Halbzirkel angebrachte Ruhe⸗ bänke, die zur Erholung der Spagänger dienten. Beide ließen ſich auf eins deiſe ben nieder und knüpften eine Unterhaltun welche das ehemalige Zigeunermitglied das von Apollonia am vergangenen Abend in jenem Fremden erkannt war, und Elvi⸗ ros Aufmerkſamkeit erregt, zum Gegenſtand hatte. Als ſie noch darüber ſprachen, kam ein altes Mütterchen die Allee herunter, und kaum war ſie etwas näher gekommen, als Apollonia mit Schrecken in ihr jene alte Zigeunermutter, bei der ſie einſt ge⸗ weſen, erkannte. Sie theilte ihrem Elviro ſogleich die fatale Entdeckung mit, und wandte ihr Geſicht ab, als die Alte näher kam, doch nicht wenig war ſie betroffen, als die trip⸗ pelnde Alte vor ihr ſtehen blieb, und ſie mit folgenden Worten anredete:„Ei, ſchönes Mathildchen, Du nimmſt Dich gar nicht übel in dem geſtickten Rocke aus.“ Apollonia ſchwebte in ſichtbarer Un⸗ ruhe, Elviro bemerkte es und nahm für ſie das Wort, der Alten zurufend:„Biſt 3 Du beſoffen, oder unterſtehſt Du Dich uns zum Beſten zu haben, indem Du meinem Diener einen Mädchennamen anhängſt!“ Die Alte wandte ſich zu ihm und ant⸗ wortete grinſend:„Nur nichts vor ungut, großer Hau ptmannz ſie heißt freilich jetzt Apol⸗ ihr heldenmüthiger Geiſt gehört einein»Manne, als einem Mädchen.“ erwundert blickte Elviro das Mütter⸗ en an, und da ſie dieſes wahrnahm, fuhr ſchnell fort:„Wir Zigeuner kennen, li 3 li 3 191 ſtörte, verbarg er ſchnell den Fund in ſeine Taſchen und ſchritt, ſeine innere Unruhe durch einige luſtige Spaßworte bemäntelnd, zum Genuß der aufgetragenen Speiſen⸗ Nach Beendigung ſeiner Mahlzeit ließ er Apollohia rufen, theilte ihr ſogleich ſeine Entdeckung mit, und packte mit ihr die aus⸗ gekramten Mantelſäcke wieder voll; zugleich ließ er dem Hausknecht befehlen, die Pferde binnen einer Stunde zum Aufſfitzen bereit zu halten. Bei dem Genuſſe einer Flaſche äch⸗ ten Tokaiers bezahlte er den Wirth, und das noch mit einem Goldſtück mehr, als die ohnehin ſchon gepfefferte Rechnung betrug. . Der Wirth war außer ſich und bedauerte von Herzen, daß ſein hoher Gaſt ſchon ab⸗ reiſen wollte. Elviro ſchob die Eile ſeiner Reiſe vor, und verſprach auf ſeiner Rückkehr 3 —— ——————— von Hermannſtadt wieder bei ihm einzuſpre⸗ chen. Noch ſprach er mit dem Wirthe, als Apollonia plötzlich hereintrat und zugleich mit ihr traten zwei bewaffnete Landreiter ein. Elviro blieb unerſchrocken und bemü⸗ 4 hete ſich den aufgebrachten Wirth beruhi⸗ 6 gen, der ſich ſolche Zudringlichkei nuf i i andermal verbat. „Wir haben Auftrag,“ ſprache Schnurrbärte,„dieſen Herrn um Vorzei ſeiner Legitimation zu bitten. Elviro zog ſeine Brieftafel hervor 192 ſeinen Paß heraus und überreichte denſelben dem zunächſtſtehenden Wachtmeiſter mit fol⸗ genden Worten:„Sie erfüllen Ihre Pflicht, und meine Schuldigkeit iſt es, Ihrer Auffor⸗ derung zů genügen.“ Mit einer ſtummen Verbeugung nahm der h das Dargereichte, und nach⸗ dem er es üerleſen, reichte er es mit den Worten zurück:„Es iſt Alles in Richtigkeit. Leben Sie wohl, mein Herr.“ Die ungebetenen Gäſte zogen ab, und der Wirth verſicherte wiederholt, daß er un⸗ ſchuldig an der Sache ſei. Elviro beſchleu⸗ nigte nun ſeine Abreiſe, ließ die Mantel⸗ ſäcke hinabtragen und folgte dann der vor⸗ angegangenen Apollonia nach, die bereitſte⸗ henden Roſſe zu beſteigen. Schon hatten ſie ſich in den Sattel geſchwungen, als ein gewaltiger Lärm vor dem Hauſe entſtand und zugleich zehn bewaffnete Polizeidiener von einem Piertelsherrn der Stadt ange⸗ führt, vor dem Thore des Hofes erſchienen und den Aus9 beſetzten. 8 de des erſten Bandes. ——————