Die beiden Freunde. Ein Roman von Caroline Baronin de la Motte Fouqué, geb. von Brieſt. Dritter Theil. ——·ꝗᷓůãůöU———N——— Berlin, 1924. In der Schleſingerſchen Buch⸗und Muſikhandlung. EA —-——ArAANMoTANUNVUVNNNMNN— 1. Der Baron hatte ganz richtig geſchloſſen. Dominique war zu jung, zu ehrliebend, zu tief verletzt, um mit Gelaſſenheit in einen Wirbel betaͤubender Verwirrungen drein ſehen, um ab⸗ warten und kommen laſſen zu koͤnnen. Vielleicht bedurfte es gerade ſolcher Erſchuͤt⸗ terung, um ihn von dem Druck melancoliſcher Wehmuth zu befreien, vielleicht ſollte er mit dem Naͤchſtſtehendem zerfallen, um Kraft und Ge⸗ danken weiter hinaus zu dehnen; genug, er war aus ſich, aus ſeiner Gegenwart herausgeriſſen, und eilte, mit heißem Durſt, den Anhauch boͤſen Verdachts von ſeinem jugendlichem Rufe abzu⸗ III. 11] — 4— waͤſchen, einer ſonderbar verſchobenen, unnatuͤr⸗ lich verwirrten Zukunft entgegen. Sehr begreif⸗ lich fuͤhrte ihn ſein Weg nach Paris. Von hieraus mußten Entſchluß und Maaßregeln aus⸗ gehen, welche dem herandringenden Unwetter Einhalt thaten. Die Phantaſie des Juͤnglings, auf ſchnelle Entſcheidung geſtellt, uͤberflog das Laͤhmende gemeiner Hinderniſſe. In der Gluth eines erſten, feurigen Erguſſes blitzen und fun— kelen nur Thaten, deren Kuͤhnheit und Groͤße das Herz erweitern. In dieſe helle Region dringt die Beſorgniß nicht, und was von eignen Schmerzen ſich in der Stille regt, verſtummt vor dem Ruf des neuen Lebens. Es konnte daher nur die Erwartung des raſch Vorauseilenden ſteigern, wenn er auf jeder Station neuen Geruͤchten von Napoleons Lan⸗ dung, ſeinem Vordringen, und dem ſtummen Hingeben, mit dem man Letzteres geſchehen ließ, begegnete. Nur vorwaͤrts, vorwaͤrts! dachte er. In Paris, in den Thuillerieen wird man beſſer wiſſen, wie die Sachen ſtehen! Er draͤngte Poſtmeiſter und Poſtilione, verhieß und — — 5— gab die großmuͤthigſten Trinkgelder, und waͤre lieber mit Courierpferden nach der Reſidenz ge⸗ eilt, haͤtte er nicht den Baron an ſeiner Seite gehabt, der etwas uͤber die Haͤlfte des Weges zu ihm ſtieß.. Dieſer ſah zu dem Allem aͤußerlich gelaſ⸗ ſen, wenn gleich auf's Hoͤchſte geſpannt, ja be⸗ ſorgt, drein. Aus jener, dem franzoͤſiſchen Cha⸗ racter eingebornen, diplomatiſchen Zuruͤckhal⸗ tung, aͤußerte er ſich, ſelbſt gegen Dominique, nur abgebrochen und oberflaͤchlich. Er ſchien keine Worte zu haben, hoͤchſtens ſchwebte ein halbes, gezwungenes Laͤcheln um ſeine Lippen, dem ein gleichguͤltiger, in Nichts verſchwim⸗ mender Blick augenblicklich wiederſprach. Seine Gewohnheit, ſchweigend, unter kur⸗ zem Huſten, im Zimmer auf und ab zu gehen, genau zu hoͤren, und ſelten oder nie zu antwor⸗ ten, verſchaffte ihm uͤberall, wo ſie anzuhalten genoͤthigt waren, Gelegenheit, diejenigen, welche vom Augenblick getrieben, unbewußt aus ſich heraustraten, genau zu beobachten, und im Stillen Schluͤſſe zu zieh'n, welche wenig mit — 6— den Hoffnungen ſeines jungen Freundes uͤber⸗ einſtimmten. Wenige Stunden von Paris begegneten ſie in einem Gaſthauſe an der Landſtraße einem jungen Manne aus dem Gefolge der Praͤſidentin de l'Horme, den Vicomte Camille de Souli⸗ gnac, welcher ſeiner gefeierten Goͤnnerin vor⸗ auseilend, Freunden und Bekannten ihre nahe Ankunft verkuͤnden ſollte. Der Vicomte war neunzehn Jahr, von kleiner, zierlicher Geſtalt, feiner Geſichtsbildung und einer Wohlgezogenheit, die ſich kaum ſelber traute, ſo leiſe, ſo bewacht und vorſichtig ließ ſie den auftreten, welchen ſie geſchickt auf den neuen Schauplatz der Welt fuͤhren ſollte. Das ſanfte Laͤcheln, der halbe Blick, das Saͤuſeln der Worte, die nur den Rand der Lippen beſtrichen, der behende Gang, und ein gewiſſes Zuſammenſchnuͤren und Verkuͤrzen der Bewegungen ſollte vor allem den Zoͤgling einer Schule ankuͤndigen, die ſich, frei von den Ein⸗ fluͤſſen kampfluſtiger Heereshaufen und dem Un⸗ geregelten ihrer Sitten, erhalten hatte. — —„7— Camille hielt die duͤnnen Schultern ſorg⸗ faͤltig zuruͤckgebogen, die Arme abwaͤrts vom Leibe, die Haͤnde wie im Gelenk verſchoben, die Finger geſpreitzt, und den Kopf ein wenig nach der Seite gehoben, um das angenehme Profil und den kuͤnſtlichen Wurf der Haare beſſer in's Auge fallen zu laſſen. Er ſah mit heiterm Gleichmuth uͤber die Verwickelungen des Augenblicks hinaus, in wel⸗ chem er nichts deſtoweniger ſehr wohl zu hauſe war, von Allem wußte, uͤber alles Auskunft gab, und eben ſo ſcharf aufmerkte, als gelaͤufig ver⸗ band, folgerte und wieder zu erzaͤhlen vermochte. Der Baron mochte ihm als einen artigen jungen Menſchen wohl leiden. Die kleinen Schnoͤrkel ſeines modiſch zuſammengeſetzten We⸗ ſens beluſtigten ihn. Er ſah mit vieler Gut⸗ muͤthigkeit daran hinweg, und laͤchelte nicht ohne wohlgefaͤllige Nachficht, wenn ihm etwas Neues der Art auffiel. Mein lieber Vicomte, rief er ihm jetzt ſchon von weitem entgegen, Sie nutzen ohne Zweifel Ihre Zeit bereits ſo gut, daß Sie von den — 3— Hin⸗ und Herreiſenden die reichhaltigſten No tizen uͤber die Angelegenheit des Augenblickes eingeſammelt haben werden. Ich bin begierig, durch Sie etwas Beſtimmtes zu erfahren. Wahrhaftig, mein Herr, entgegnete jener, die neueſten Nachrichten klingen nicht erwuͤnſcht. Grenoble iſt bereits in des Kaiſers Haͤnden und Lyon ſcheint ihm auch zufallen zu wollen. Scheint ihm auch zufallen zu wollen? wie⸗ derholte der herzutretende Dominique. Mein Gort, welche Urſach hat man uͤberall Treuloſig⸗ keit und Verrath vorauszuſetzen? Camille machte hier dem Grafen eine kurze, hoͤfliche Verbeugung, mit den Worten: ich habe die Ehre, Sie zu gruͤßen, mein Herr! ihm ſo andeutend, daß die Regeln des Wohlſtandes nie verabſaͤumt werden duͤrfen, und man nicht in ein Geſpraͤch hineinfalle, ohne dieſe Ruͤckſicht zu beobachten, dann ſagte er mit leiſem, uͤberlegenem Laͤcheln: Ich hatte vielleicht Unrecht, mein Herr, einen Fall nur als moͤglich vorauszuſetzen, der, nach aller Wahrſcheinlichkeit, ſchon eingetroffen iſt. Das bisherige dunkle Wetter, ſetzte er — 9— ſchnell hinzu, hat ſeit dem Fuͤnften dieſes Mo⸗ nats keine thelegraphiſche Communication geſtat⸗ tet. Offizielle Berichte gehen nur durch Staf⸗ fetten. Was Reiſende mittheilen, eignet ſich als ungewiſſes Geruͤcht, nicht fuͤr die poſitive Bekanntmachung. Gleichwohl leidet, das auf dieſem Wege laut Gewordene, kaum noch einen Zweifel. Der Baron ſah hier klug und uͤberle⸗ gend vor ſich hin. Eine unwillkuͤrliche Bewe⸗ gung mit Kopf und Schultern ſagte, daß er alles fuͤr moͤglich halte, ſeit der Unruheſtifter wieder Franzoͤſiſchen Boden betreten habe. Dominique begleitete in ſteigender Unruhe jede ſeiner Bewegungen. Aber mein Gott, rief er ungeduldig, ſagt man uns denn nicht, und beſtaͤtigen es die oͤffentlichen Blaͤtter nicht etwa auch, daß die kraͤftigſten Maasregeln genommen ſind? daß Maſſena den General Miollis nach Aix detaſchirte, um den Eingedrungenen den Weg zu verrennen? daß General Morangier ihm vom Fregus alle Communication mit dem Meere abſchnitt? Marſchiren ihm nicht die Truppen von Grenoble und Embrun, unter Marchand — 10— und Roſtelant entgegen? Und waͤren Monſieur, die Herzoͤge von Orleans und Tarent umſonſt nach Lyon gegangen? Laͤßt der Letztere nicht ſeine Diviſionen von Nismes aus, Buonaparte im Ruͤcken vordringen? Und zieht Gouvion St. Cyr bei Lion und Ney, in der Franche Comté, nicht Armeen zuſammen? Wahrhaftig, ſagte der Vicomte, Sie halten ſehr religibs an Zeitungsberichte. Es leidet kei⸗ nen Zweifel, dieſe verſichern uns von dem allen. Aber mein Gott! was ſagt das? Bei alledem iſt der mit Recht Gefuͤrchtete zuverlaͤßig in Grenoble! Und wie er in Cannes, Graſſe und St. Valier ſeinen Einzug mit klingendem Spiele hielt, niemand ihm entgegen trat, man die Haͤuſer erleuchtete und die Straßen mit Vivat⸗ geſchrei fuͤllte, ſo wird es auch in Lyon geweſen ſein, ſo kann es in— Halten Sie ein! rief Dominique, die Haͤnde abwehrend gegen den Vicomte gewendet. Spre⸗ chen Sie nicht aus, was ich nicht eine Secunde in meinen Gedanken dulden moͤchte. O, mein Herr, wenn uns wirklich der Abentheurer mit einer bar iſ und( Tuget mand uns hier, Herd wer⸗ und anzu wenn kein ſich Roll ſein gede ract ſein ſteh mit trae aͤnde pre⸗ unde nein mit — 11— einer Handvoll taumelnden Geſindels ſo furcht⸗ bar iſt, wenn wir Wahrheit und Treue, Liebe und Ergebenheit nicht mehr, als heimathliche Tugenden unter uns annehmen, wenn wir nie— mandem trauen duͤrfen, was hindert uns, auf uns ſelbſt zuruͤckzukommen? was ſtehen wir noch hier, und quaͤlen die ungeduldig ſchlagenden Herzen mit Zweifel und Argwohn? Warum werfen wir uns nicht zu den Fuͤßen des Koͤnigs und beſchwoͤren ihn, ſich der Ergebenheit derer anzuvertrauen, die mit ihm zu ſterben wuͤnſchen, wenn ſie nicht fuͤr ihn leben duͤrfen. Ich habe kein Vaterland, keine Welt mehr, unterwerfen ſich beide dem fabelnden Tirannen, der ſeine Rolle mit ſo ſchonungsloſer Geringſchaͤtzung fuͤr ſein Publikum zum zweitemmale durchzuſpielen gedenkt, daß es aller Verblendung eines Cha⸗ racterloſen Haufens erfodert, um auf's neue ſeine Beute zu werden. Der Baron war in einiger Entfernung ſtehen geblieben, ſeinen jungen Reiſegefaͤhrten mit untergeſchlagenen Armen aufmerkſam be⸗ trachtend. Unwille und Begeiſterung hatten — 12— deſſen Wangen mit warmen Noth gefaͤrbt, ſein tiefes Auge gluͤhte in dunklem Glanz, die ſchoͤ⸗ nen Augenbraunen zogen ſich ernſt hinauf. Acht⸗ los fuhr die Hand durchs Haar, die krauſen Wolken von der Stirn zu wiſchen, ungeordnet, wild vielleicht, doch anmuthig fielen die ſchwar⸗ zen Locken ſeitwaͤrts uͤber die Schlaͤfe. Das dumpfe Nahen eines großen Geſchicks, Beſorg⸗ niß, wie es ſich geſtalten? was es zernichten? woran es ſich vergreifen werde? im Wiederſtreit mit dem friſchen Jugendtriebe, das Unheil ab⸗ wenden, den ſchwirrenden Pfeil mit vorgehal⸗ tenem Schilde auffangen zu koͤnnen, es hauchte eine Seele in dieſe Zuͤge, es durchzuckte, hob und verſchoͤnerte die Geſtalt des Juͤnglings in einem Maaße, daß die Lippen des Barons ſich immer laͤchelnder theilten, und Camille verlegen uͤberraſcht, ein Paar Schritt zuruͤcktrat, den feinen Arm, mitſamt dem rundem Hute, den er in der Hand hielt, raſch und faſt gewaltſam in die Hoͤhe hob, indem er lauter, als er es ſich ſonſt erlaubte, rief: Mein Ehrenwort, ich wuͤn⸗ ſche n zur I 6 humo Ernſt bloß⸗ comte Ich ken. den und fort, gen, hat. Vera wuͤng ſich tisn buͤrg nerl bahn — 13— ſche nichts mehr, als dem Koͤnige dieſen Arm zur Vertheidigung zu bieten! Der Baron druͤckte hier das Aufblitzen humoriſtiſcher Ironie, das unwillkuͤrlich ſeinen Ernſt durchkreuzte, behutſam nieder. Er ſagte bloß, der etwas pathetiſchen Bewegung des Vi⸗ comte den Ausdruck des Gewoͤhnlichen zu geben: Ich zweifle keinen Augenblick, daß Sie ſo den⸗ ken. Ich glaube, Sie ſind es ohnehin muͤde, den Schawl der huͤbſchen Praͤſidentin zu tragen und ihrem Papagei zaͤrtliche Worte einzulernen. Camille ward feuerroth. Der Baron fuhr fort, das ſind die Geſchaͤfte eines zierlichen Pa⸗ gen, der noch erſt ſeine Sporn zu verdienen hat. Es iſt ſehr natuͤrlich, daß Ihnen nach der Veranlaſſung dazu verlangt. Wir wollen indeß wuͤnſchen, ſetzte er, ploͤtzlich gedankenvoll vor ſich hinſehend, hinzu, daß Irrthum und Fana⸗ tismuß den Mitbuͤrger nicht gegen den Mit⸗ buͤrger bewaffne und ein beſſerer, als ein in⸗ nerlicher Krieg, der raſchen Jugend die Renn⸗ bahn eroͤffne! Alle drei blieben einige Augenblicke, in ſich — 14— beſchaͤfftigt, ſchweigend nebeneinander ſteh'n, als eine leichte Courierchaiſe vor dem Hauſe an⸗ hielt, und zugleich die Aufforderung zu raſcher Befoͤrderung, mit laut draͤngender Stimme an den Poſthalter erging. Camille war, auf den erſten Blick nach dem Fenſter, ſogleich zu dieſem hingeflogen, und hier ſeinen Gegenſtand genau in's Auge faſſend, ſagte er zu den Uebrigen ge⸗ wendet: der, welcher eben in das Haus tritt, iſt ein Offizier von Berrys Dragoner. Ich kenne die Uniform ganz genau. Er kommt aus Lafére, ſeiner Garniſon. Ich muͤßte mich ſehr irren, braͤchte er nicht irgend eine Bothſchaft von ſchlimmer Bedeutung. Sein Geſicht ſcheint mir den Ausdruck davon zu tragen. Unbequemer, dachte der Graf, kann es nichts geben, als dieſe behende Neugier, die bis in die Falten einer Stirn hineinſchluͤpft und aus den Linien und Winkeln jedes fremden Geſichts die Unfaͤlle der Zeit herauszuleſen be⸗ muͤht iſt! Er wendete ſich verdrießlich nach der andern Seite des Zimmers, indeß die Thuͤr aufging und d war b meiſt kannte dieſe 6 ſeinen legte zurec hang wenn laͤngen hin, tromn ſche ließ lich hier rung zu g. ſeine vichte Drat — 15— 2— und der angekuͤndigte Fremde eintrat. Dieſer war b eits in vollem Geſpraͤch mit dem Poſt⸗ meiſter, brach indeß in Gegenwart der unbe⸗ kannten Reiſenden, augenblicklich ab und gruͤßte dieſe ſchweigend. Der Vicomte ſtand auf Kohlen. Er knoͤpfte ſeinen Frack auf und zu, lockerte das Haar auf, legte es noch gefaͤlliger uͤber die Augenbraunen zurecht, ſah von einem kleinem, ziemlich hoch⸗ hangendem Spiegel, der ſeine Geſtalt nur, wenn er dieſe, auf der Fußſpitze ſtehend, ver⸗ laͤngerte, ſelbſtzufrieden weg, nach dem Offizier hin) der unruhig mit den Fingern auf den Tiſch trommelte, indeß er eine Taſſe Bruͤhe und fri⸗ ſche Pferde erwartete. Keine vermittelnde Bruͤcke ließ ſich zu dem Schweigſamen auffinden. End⸗ lich nahete dieſer dem Camin; Camille, welcher hier Poſten gefaßt hatte, trat bei der Annaͤhe⸗ rung des Anderen beſcheiden ſeitwaͤrts. Sie ſind zu guͤtig, ſagte der Fremde, mit fluͤchtigem Blick ſeinen jugendlichen Nachbar meſſend. Ich thue nichts, als meine Schuldigkeit gegen einen der Braven Frankreichs, welcher vielleicht eben jetzt — 16— neuen Gefahren entgegen zu gehen beſtimmt iſt, aach! laͤchelte der Vicomte. Briͤhe Wahrhaftig! verſetzte jener, indem er, wie und d ſteif in den Gliedern von der. raſchen Fahrt, einet? von einem Fuß auf den andern trat, wahrhaf⸗ E tig die Sache macht eine ernſthaftere Miene, Vorib als es zu Anfang das Anſehen hatte. halben Sie kommen aus dem Norden, wenn ich ne nicht irre, ſagte Camille. Ich hoffe, dort we— ¹ göblis nigſtens iſt alles ruhig? verſtu Nun, ruhig bleibt es jetzt nirgend! entge⸗ ¹ gnete der Offizier trocken. Der Boden iſt un⸗ 1 minigu terwuͤhlt, das leidet keinen Zweifel. Wer kann 2 s and unter ſolchen Umſtoͤnden denken, auf irgund ei⸗* V vor al nem Punkt ſicher zu ſtehn. Das macht indeß hinzu, ſo viel nicht aus! laͤchelte er, ſich ſchnell zuſam⸗ 3 mennehmend. Man muß nur ſeine Maaßregeln Jener danach treffen. halten Camille war ganz Ohr. Er dachte nicht Lächel anders, als dem gluͤcklich angeknuͤpftem Geſpraͤch 4 erwuͤnſchten Fortgang zu geben, als der Poſt⸗ ſuͤrmt meiſter dem Fremden anzeigte: es ſei alles zu das 30 ſeiner Fortſchaffung bereit. Sogleich griff dieſer er wie 1 t wie fahrt, hrhaf ſdiene, un ich rt we⸗ utge⸗ t un⸗ kann ĩd ei⸗ indeß ſſam⸗ tegeln nicht ſpraͤch Poſt⸗ les zu dieſer — 17— nach Hut und Mantel, ſtuͤrtzte den Becher mit Bruͤhe raſch hinunter, ſprang in die Caleſche und verſchwand, ehe der Vicomte Raum zu einer einzigen Frage fand. Es war unwillkuͤrlich, durch das ploͤtzliche Voruͤberfliegen einer fremden Geſtalt, durch die halben Worte und beunruhigenden Andeutungen eine Spannung unter den Anweſenden zuruͤck⸗ geblieben, die Alle gedankenvoll und unſicher verſtummen ließ. Unruhen im Norden! fuͤſterte endlich Do⸗ minique dem Baron leiſe zu. Erwarteten Sie es anders? entgegnete dieſer. Wir muͤſſen uns voor alle s ſo ſtellen, fuͤgte er kurz und fluͤchtig hinzu, daß uns nichts in der Welt uͤberraſche. Der Graf ſah ihn aͤngſtlich forſchend an. Jener beantwortete ſeinen Blick durch zuruͤck⸗ haltendes, moͤglichſt gleichguͤltig ſcheinendes Laͤcheln. Die unangenehmſten Empfindungen be⸗ ſtuͤrmten beide im Innern. Der Vicomte hatte das Zimmer verlaſſen. Nach einer Weile kehrte er wieder.— III. 121 — 18— Jetzt habe ich es! rief er, die huͤbſchen Haͤnde ſelbſtzufrieden reibend. Zum Gluͤck, lachte er, ſind die Frauen hier im Hauſe nicht ſo verſchwiegen, wie die Maͤnner. Die kleine Frau des Poſtmeiſters, im Grunde der Seele eine eingefleiſchte Buonapartiſtin, hat juſt ſo viel Verſtand, um ihren Vortheil in jedem Au⸗ genblick zu verſtehen. Sie hoͤrt und ſpricht mit den Augen, und wo dieſe Sprache Antwort fin⸗ det, weiß ſie artige Dinge zu erzaͤhlen. Die artigen Dinge ſind? fragte Dominique, nachlaͤßig zu jenem hinabſehend. Ein Aufruhr, eine Verſchwoͤrung wahrſcheinlich! verſetzte der Baron halb unwillig, halb lachend. Wahr⸗ haftig, ja! entgegnete Camille. Der Dragoner Offizier, ließ nur einzelne Brocken fallen, allein die Intelligence meiner kleinen Vertrau⸗ ten wußte dieſe ſo zuſammenzuleſen, daß ohn⸗ gefaͤhr herauskommt: In Lafere ſei General Lefevre Desnouette, die beiden Bruͤder Lalle⸗ mand, mit einem Gefolge von Adjudanten und freiwilligen Begleitern, an der Spitze mehrerer Jaͤger Escadrons vom Regiment Koͤnig, eini⸗ get 2 die D tüͤck, Comn tilleri Plan nach und biel, Frau kleine von ei eben wenn ſeine ſiben noch Offi Beri ſen, Juhd uͤbſchen Gluͤck, ſe nicht e kleine r Selle juſt ſo dem Au⸗ icht mit vort fin⸗ inique, ufruhr, tte der Wahr⸗ ragoner fallen, bertrau⸗ aß ohn⸗ General r Lalle⸗ ten und ehrerer , eini⸗ ger Infanterie Bataillone, und was ſonſt noch die Mannſchaft war, von Cambray aus, einge⸗ ruͤckt, in der Abſicht, und mit dem Befehle des Commandanten von Lille verſehen, ſich des Ar⸗ tillerie Parcs zu verſichern, mit welchem der Plan geweſen ſein ſoll, uͤber Noyon gerade zu nach Paris zu gehen, den Koͤnig zu entthronen und— Pah! rief der Baron. Entthronen! mit vier Jaͤger Escadrons! Mein Herr, Ihre kleine Frau Poſtmeiſterin ſcheint große Worte und kleine Begriffe uͤber den abentheuerlichen Zug von einem Paar rebelliſchen Gluͤcksrittern nicht eben alizugeſchickt zu verbinden! Aber zur Sache! wenn ich bitten darf, zur Sache! Nun, die iſt die, daß General Abbeville ſeine Schuldigkeit that, Berry Dragoner auf⸗ ſitzen und die Meuter verjagen ließ. Man war noch in ihrer Verfolgung begriffen, als jener Offizier den Befehl erhielt, dem Kriegsminiſter Bericht uͤber den Vorfall abzuſtatten. Sie wiſ⸗ ſen, fuͤgte der lebhafte Erzaͤhler, noch eher ſeine Zuhoͤrer etwas erwiedern konnten, hinzu, Sie wiſſen, daß ſich das Kriegsminiſterium in an⸗ dern Haͤnden befindet? der Herzog von Dal⸗ mazien verabſchiedet und Feltre an ſeiner Stelle iſt? Geruͤchte! durch nichts beſtaͤtigt! entgegnete der Baron, obenhin! Ich glaube nicht den tauſendſten Theil von allem, was ich hoͤre. Man verfolgt die Verraͤther? fragte der Graf geſpannt. Noch hat man ſie alſo nicht ereilt? Niemand eingezogen? Es lag eine eigne, ſorgliche Heftigkeit in den Mienen des Fragenden, welche dem neu⸗ gierig umherſpaͤhenden Vicomte auffallen mochte. Er ſah uͤberraſcht zu jenem in die Hoͤhe, indem er entgegnete: Nein? doch weshalb?— Es wird Zeit, nahm der Baron hier das Wort, unſre Reiſe fortzuſetzen. Die Stunden rollen hin, und doch haͤngen ſich ſo gewichtige Vorfaͤlle an ihre Raͤder, daß man eine Ewigkeit in jedem Augenblick erlebt zu haben glaubt. Wir vergeſſen daruͤber Zeit und Beruf. Deßhalb denke ich, ſaͤumen wir nicht laͤnger— Er gab dem Grafen hier einen leiſen Wink. Beide b nachſehen ſtimmtes viel zud ſagte: ſ chenſtrau gine ihn Camille und die mehre it Wen Empfind dieſes in ſeßt, a dende? durchſa ganzen ſamkeit. So n an⸗ Dal⸗ ötelle egnete t den e der nicht it in neu⸗ ochte. ndem das unden chtige vigkeit .Wir denke Wink. — 21— Beide brachen auf. Aha! ſagte Camille ihnen nachſehend. Er dachte im Grunde nichts Be⸗ ſtimmtes bei dieſem Ausruf. Doch glaubte er viel zu denken, und als die ſchlaue Poſtmeiſterin ſagte: ſteckte der huͤbſche Herr nicht den Veil⸗ chenſtrauß in's Knopfloch, den mein kleiner Eu⸗ gene ihm anboth? lachten beide zuverſichtlich! Camille glaubte ſeiner Sache gewiß zu ſein, und die liſtige Frau hoffte, zwei Mitſchuldige mehr in ihrem Verein zu zaͤhlen. N II. Wenn eine Maſſe durcheinander ſtuͤrmender Empfindungen ein Gemuͤth erfuͤllt, ſo wird dieſes in einen Zuſtand ohnmaͤchtiger Angſt ver⸗ ſetzt, aus welcher nichts errettet, als der zuͤn⸗ dende Blitz des Gedankens, der die innere Nacht durchſchneidet und auf ſeine Flammenbahn den ganzen Menſchen fortzieht, zu That und Wirk⸗ ſamkeit. So lange das Herz ſchlaͤgt, arbeitet die — 22— Seele, und ringt hinaus uͤber den Druck des Daſeins. Meiſt iſt es ein mattes Ankaͤmpfen gegen das Unvermeidliche, ein ſchwacher Ver⸗ ſuch den die gefeſſelte Vernunft, die verwoͤhnten Sinne, wie der kranke Wille auf verkehrte Weiſe zu thun wagen. Oft aber glaubt man den Fluͤgelſchlag des aufſchwingenden Geiſtes zu hoͤren. Gewaltſam iſt ſein Flug, unverruͤckt ſein Ziel, und fuͤhre dies zu Entſagen und Bekaͤmpfen der Welt, immer iſt es die freie Handlung eines ſich ſelbſt erfaſſenden ſtarken Willens, der das hoͤchſte Geſetz zu dem ſeini⸗ gem macht. So war es in Dominique, waͤhrend der kurzen Fahrt nach der Hauptſtadt zu⸗ ruhigem Entſchluſſe geworden, den Freund, das Vater⸗ land retten zu helfen, oder im Untergange beider ein ſtilles Grab zu ſuchen. Er konnte es, wie er es auch verſuchen mochte, doch nicht dahin bringen, ſich das na⸗ menloſe Ungluͤck, welches Frankreich drohete, hinweg zu leugnen. Es war dal ganz ausge⸗ ſprochen da! der Funke hatte gefaßt, das Feuer lief in geriſche Au dumpft Aechzen rendem ſtiegen. er gehd 5 des B blieb. vorzugs ches gef Fluͤchlit gluͤcklich En ein Abſe Meyſch naͤchſte ſtraͤflic Urthei⸗ ſelber ben P. k des mnpfen Ver⸗ hnten kehrte man beiſtes ruͤckt n und freie arken ſeini⸗ d der higem zater⸗ beider ſuchen as na⸗ ohete/ ausge⸗ Feuer lief in ſchlaͤngelnder Bewegung unter der truͤ⸗ geriſchen Huͤlle der Erde hinweg. Auf jeder Stelle brannte der Boden! das dumpfe Geruͤcht, die ſchwirrenden Worte, das Aechzen verſchloſſener Klage, es war dem gaͤh⸗ rendem Boden im Schooße der Empoͤrung ent⸗ ſtiegen. Und Alphonſe!— Tauſend gegen Eins, er gehoͤrte zu den Unruheſtiftern in Lafére! Das war die Todesangſt, die in des Freun⸗ des Buſen am ſchwerſten laſtete! Ein Troſt blieb. Schlauheit und behende Liſt gehoͤrten vorzugsweiſe den wohlunterrichteten, auf jechli⸗ ches gefaßten, Empoͤrern. Noch hatte man die Fluͤchtlinge nicht ereilt. Noch konnte der Un⸗ gluͤckliche entſchluͤpft ſein! Entſchluͤpft!— Es befiel ihm bei dem Worte ein Abſcheu, ſolch wiederliches Entſetzen vor dem Menſchen, der ihm durch Blut und Gefuͤhl der naͤchſte auf Erden war, daß er auch ſich, ſeine ſtraͤfliche Nachſicht, und die Art, wie dieſe ſein Urtheil gefangen hielt, verachtend, heftig in ſich ſelber ſtritt, und endlich nur in dem feſtem Glau⸗ ben Beruhigung fand: Gott erbarme ſich jedes — 24— Verirrten! er werde auch Mittel finden, ſich dieſem zu gewinnen. Am wenigſten aber komme es einem Menſchen zu, den Stab uͤber den An⸗ dern zu brechen, noch den zu verlaſſen, den Na⸗ tur und Vorſehung, ihm fuͤr das Leben zuge⸗ ſellt hatten. Unter dieſen gewaltſamen innern Kaͤmpfen, fuhren ſie durch die Barriéren von Paris. Der Baron hatte Beſonnenheit und Ruhe an nichts Ungewiſſes dranſetzen, noch ſich mit Suppoſi⸗ tionen, moͤglich eintretender Faͤlle, abquaͤlen wol⸗ len. Im Allgemeinen war ſeine Parthie genom⸗ men. So bewahrte er ſich denn im Fernhalten alles deſſen, was ihn im Grunde noch weit mehr, als ſeinen jungen Gefaͤhrten aͤngſtete, weshalb er auch den Gedanken daran ſcheuete, und lieber von dem Unbedeuteſten ſprach, als eine Seite beruͤhrte, die ihm Schmerzen gab. Kaum war er daher in der Reſidenz ange⸗ langt, kaum ſahe er alle die tauſend Gegen⸗ ſtaͤnde wieder, die Gewohnheit und Erinnerung, Selbſtliebe und Natur ihm nahe ſtellten, ſo ent⸗ faltete ſich ſeine Stirn. Er laͤchelte gefaͤllig zu dem N nehm b hen und dieſe be der nich lichkeite Er ſorglos dem? NAugen derben Kunſt telbar! verdraͤ Welt und de traten ſe ſy ſie ei gaben nen ſend lachen — 25— dem Mannichfachen, was ſeine Sinne ange⸗ nehm beruͤhrte, Er nannte dem Grafen Stra⸗ ßen und Plaͤtze, Gebaͤude und Perſonen welche dieſe bewohnten, mit dem Eifer eines Cicerone, der nichts anders im Sinne hat, als die Herr⸗ lichkeiten ſeines Bereichs aufzuzaͤhlen. Erſtaunt ſahe indeß Dominique auf die ſorglos bewegte Menge, die ſich ſo vollkommen dem Vergnuͤgen und der Unbekuͤmmertheit des Augenblickes hingab, als lauere nicht das Ver⸗ derben aus jedem Winkel hervor. Putz und Tand, Kunſt und Kuͤnſtelei, Leichtſinn und was mit⸗ telbar und unmittelbar zu deſſem Gefolge gehoͤrt, verdraͤngten mit der harmloſeſten Mine von der Welt jede Spur von Beſorgniß. Wenn hier und da auch ein paar Nachdenkende zuſammen traten, und ihre Bewegungen und die Art wie ſie ſprachen, dem Beobachtenden verrieth, daß ſie einander die Ereigniſſe der Zeit zu uͤberlegen gaben, ſo ſchwirrten zehn Unbeſonnene an ih⸗ nen voruͤber, lachten und ſangen, machten tau— ſend witzige Ausfaͤlle auf die Gruͤbler, ſprachen lachend uͤber den Ruͤckzug von Lyon, und rann⸗ — 26— ten vergnuͤgt nach den Theatern, um den be⸗ weglichen Sinn mit andern Schauſpielen zu unterhalten. 4 Das Volk iſt uͤberall daſſelbe! ſagte ſich der Graf zur Beruhigung. Er trat in einem Hötel ab, das ihm mit andern Beſitzthuͤmern ſeines Oheims zugefallen war. Außer Druot, dem Portier und ſeiner Familie, fande er das Haus unbewohnt. Es machte dem unangenehm⸗ ſten Eindruck auf ihn, Buonapartes lebensgroßes Bild von David gemahlt, ſogleich im Vorſaal anzutreffen. Er druͤckte eine raſche, unwillige Aeußerung, die ihm auf der Zunge ſchwebte nieder, und ging, ohne aufzuſehen, nach einem Zimmer, das ihm, als des Verſtorbenen lieb⸗ lingsgemach geruͤhmt ward. Es war im Sinne neuerer Elegance, zu voll und reich fuͤr einen Geſchmack, der nur an das einfach Edle gewoͤhnt, damit den Begriff von Hoheit und Wuͤrde ver⸗ band. Geſchaͤfftig blies und wiſchte Jaqueline, Druots Frau, den Staub von Marmor und Bronzen, waͤhrend ihr Mann die Vorhaͤnge zu⸗ rüͤckſchl die Op einen gnaͤdige D ßete. Diener der A. das C lichen merkſa fuͤhlte et thue niemat Grafen ſonder irgend ( nach genſt Geraͤ ihr T Domi ruͤckſchlug, Ruheſeſſel und Sophas zurecht ruͤckte, die Spieluhren aufzog und nur bedauerte, nicht einen Augenblick fruͤher von der Ankunft des gnaͤdigen Herrn benachrichtigt worden zu ſein. Der Mann hatte ein unangenehmes Aeu⸗ ßere. Bei aller Ergebenheit des Pflichtgeuͤbten Dieners, trugen Gang und Sprache, ſo wie der Ausdruck ſeines laͤnglicht blaſſen Geſichts, das Gepraͤge lauer Gleichguͤltigkeit und verdruͤß⸗ lichen Ueberſehens Andrer. Ohne es an Auf⸗ merkſamkeiten irgend einer Art fehlen zu laſſen, fuͤhlte man ſich durch dieſe gedruͤckt, es ſchien, er thue nur darum ſeine Schuldigkeit, um von niemanden an dieſelbe erinnert zu werden. Dem Grafen war er unbequem, ohne daß er grade ſonderlich auf ihn achtete. Er ſcheuete deßhalb irgend eine Frage an ihn zu richten. Gedankenvoll trat er zum Fenſter. Er ſahe nach einer dunklen Straße hinaus. Alle Ge⸗ genſtaͤnde traten hier naͤher auf ihn zu. Das Geraͤuſch ſchien betaͤnbender, die Menſchen und ihr Treiben wilder. Unwillkuͤrlich weckte dies in Dominique Erinnerungen an die Revolution, da ihn ohnehin Paris nur unter dieſem Bilde aus fruͤheſter Kindheit im Andenken geblieben war. Unwillkuͤrlich fragte er, raſch zu dem na⸗ heſtehendem Druot gewendet: Wie geht es mit des Koͤnigs Befinden? Sr. Majeſtaͤt iſt doch wohl, denke ich? Ein fataler Zug trockener Devotion und ſtarren Ernſtes ſpiegelte ſich in den lang gezogenen Minen des Menſchen, als er mit halbem Aufſchlag der Augen und ehr⸗ furchtsvoller Verbeugung erwiederte! Sr. Ma⸗ jeſtaͤt ſind vollkommen wohl. Es war ein Zufall, daß Dominique hier, um jenen nicht anzuſehen, die Seitenwand der Fenſtervertiefung hinauf blickte, und einer Reihe kleiner Handzeichnungen begegnete, wel⸗ che die Siege Napoleons in den verſchiedenen Schlachten ſeiner ſpaͤtern Feldzuͤge darſtellten. Unter einer jeden ſtand mit dem angefuͤhrten Datum: Tag an welchem Sr. Majeſtaͤt der Kaiſer u. ſ. w. Die Beziehung derſel⸗ ben Benennung auf zwei ſo verſchiedene Men⸗ ſchen, der Gedanke, der zweideutige Diener koͤnne rechtmͤ das Bl Er mer zu druͤckte. die S ſch v Iweif den T Madat daß ie Mich mit de 8 die S die A leichtf kleine aber Gang mit! 4 koͤnne ſo gut von dem unrechtmaͤßigem, als rechtmaͤßigem Herrſcher geſprochen haben, jagte das Blut heiß zu des Grafen Herzen. Er machte eine raſche Bewegung, das Zim⸗ mer zu verlaſſen, deſſen Luft ängſtlich auf ihn druͤckte. Die geſchaͤfftige Jaqueline trat an die Seite. Ihr Gnaden, ſagte ſie, indem ſie ſich nicht ohne Grazie verneigte, eilen ohne Zweifel nach dem Theater. Alles ſtroͤmt nach den Variétés. Man giebt dort— Sie ſehen, Madame, unterbrach ſie Dominique lebhaft, daß ich die Trauer um meinen Vater trage. Mich duͤnkt, die Farbe vertraͤgt ſich ſchlecht mit den Variẽtẽs, und dem, was dieſe bieten. Die Frau ſenkte den Kopf ein wenig auf die Seite, legte die Haͤnde uͤbereinander, und die Augen theilnehmend gehoben, die Lippen zu leichtfertigem Laͤcheln getheilt, erwiederte ſie mit kleiner, geruͤhrter Stimme: Mein Gott freilich! aber die Welt hat ihre Weiſe! ſie geht ihren Gang, und wahrhaftig, mein Herr, wir gehen mit! Iſt der Wankelmuth ſo an der Tagesord⸗ — 30— nung hier, verſetzte der Graf, daß man ein Sonderling ſcheint, wenn man anders fuͤhlt, ſo— Er brach hier kurz ab, laͤchelte uͤber ſich ſelbſt und ſagte dann: Genung, Madame, ich gehe nicht nach dem Theater! Ueberall, fuͤgte er ſchnell hinzu, habe ich mich hier erſt zu orien⸗ tiren, ehe ich uͤber meine Zeit beſtimmen kann. Wenn ich ſo gluͤcklich waͤre, nahm Druot das Wort, die Richtung zu kennen, nach wel⸗ cher Ihr Gnaden Ihre Schritte zu lenken wuͤn⸗ ſchen, ſo wuͤrde ich die Ehre haben, Ihnen voll⸗ ſtaͤndige Auskunft zu geben. Die einfach klingenden Worte wurden mit geſenktem Blick und einer eintoͤnig murmelnden Stimme geſprochen, die es unentſchieden ließ, welch ein Sinn ihnen zum Grunde lag. Die Richtung! wiederholte Dominique. Sie haben recht, darauf kommt es an; Allein, ich habe vor Allem erſt den Baron aufzuſuchen, der mich am Eingange des Hauſes verließ, um einer Dame ſeiner Bekanntſchaft aufzuwarten, deren Wohnung er mir bezeichnete. Der Herr Baron, entgegnete Druot, ſtehen 2 noch d Manne außeror Verkau zum Fe hinaust Catſet f c 1 eine? Zetteln Geleſer Gebehr cken. D Lyon, ſchwir darch telten ſich, Manc keinen der J ein hlt, ſch ich e er rien⸗ ann. ruot wel⸗ uͤn⸗ oll⸗ mit den ieß, zue. ein, chen, um ten, ehen * K — 31— noch dort rechts unter der Halle bei einem Manne, welcher die neueſten Tagesblaͤtter und außerordentlichen Berichte der Zeitvorfaͤlle zum Verkauf bietet. Wo? rief Dominique, indem er aufs neue zum Fenſter trat, dies oͤffnete, und ſich etwas hinausbiegend, den Reiſegefaͤhrten in geringer Entfernung erkannte. Im ſelben Augenblick ſah man auch ſchon eine Anzahl Voruͤbergehender mit gedruckten Zetteln uͤber die Straßen zieh'n, laut das eben Geleſene einander zurufen und in ruͤckſichtsloſen Gebehrden ihre geſpannte Theilnahme ausdruͤ⸗ cken. Die Worte: Grenoble, Oberſt Labedoykre, Lyon, das ſiebente und vierte Huſarenregiment, ſchwirrten wie ein raſcher Wirbelwind, kraus durch einander. Es lachten viele. Andre ſchuͤt⸗ telten bedenklich die Koͤpfe. Ein Theil entfernte ſich, ohne Zeichen des Antheils irgend einer Art. Manche Aeußerung ward indeß laut, welche keinen Zweifel uͤber die herrſchende Stimmung der Muͤßigen und ihres Anhanges ließ. Ein — 32— Paar junge Burſche, in modiſchem, knappen Anzug, kleine Reitgerten in der Hand, die ſie lebhaft zwiſchen den unruhigen Fingern beweg⸗ ten, eine Art kleiner Feldmuͤtze ſeitwaͤrts auf das krauſe Haar gedruͤckt, das es buſchicht eine ſchmale, flache Stirn verdeckte, ſtuͤrmten, ein⸗ ander unter die Arme faſſend, wild voruͤber, indem ſie aus heller Bruſt riefen: Es lebe der Kaiſer! Iſt es moͤglich! fragte Dominique, indem er das Fenſter empoͤrt zuwarf und Druot ſcharf anſah, iſt es moͤglich, gehen ſolche Verraͤther ungeſtraft hier einher? Hat niemand das Herz oder die Luſt, ſie zu ergreifen und vor den er⸗ ſten den beſten Gerichtshof zu ſchleppen? Verzeihen Sie, erwiederte jener, die Un⸗ beſonnenen werden ohne Zweifel beſtraft, laſſen ſie ſich ertappen; allein, zu was wollen Ihr Gnaden, daß ſo etwas helfe? Ein Paar heiße Koͤpfe kuͤhlt man ab, und Tauſende entzuͤndet man nur hitziger dadurch. Aber um's Himmels Willen, unterbrach ihn der Graf, geſchieht denn nichts, gar nichts, um ditſ zulegen? wort, n wonach ein Krie Rebellio Stunden noch Ei gnete d nes Al Ah wagt ſte ſcheuet. reſſe iſt wette, bons ſe Freund, wuͤrden rung befehl irgend ſehen i d. Il dpen um dieſem ungezuͤgeltem Volke Schranken an⸗ e ſie zulegen? Wahrhaftig, war des Andern Ant⸗ weg⸗ wort, man hat ſehr ſtrenge Decrete erlaſſen, auf wonach die des Verdachtes Angeſchuldigten vor eine ein Kriegsgericht geladen, und ſolche, die in der ein⸗ Relbellion begriffen ſind, nach vierundzwanzig ber, Stunden hingerichtet werden. Wie wagt denn der noch Einer auf gewiſſes Verderben hin, entge⸗ — gnete der Graf, ſeinen Kopf an das Wohl ei⸗ dem nes Abentheurers zu ſetzen? harf Ah mein Herr, lachte jener verſtohlen, man ther wagt ſtets fuͤr den, welcher ſelbſt kein Wagniß derz ſcheuet. Und dann— Mein Gott, das Inte⸗ er⸗ reſſe iſt ſo vielfach verflochten. Sehn Sie, ich wette, es giebt unter denen, welche den Bour⸗ un⸗ bons ſehr ergeben ſind, Mehrere, die einen ſſen Freund, einen Verwandten bei ſich verbergen Ihr wuͤrden, gelte es, ſeine Anweſenheit der Regie⸗ heiße rung zu verhelen, obgleich dieſe den Verhafts⸗ indet befehl darauf geſetzt, und ſtreng verboten hat, irgend jemand, der nicht mit einem Paß ver⸗ rach ſehen iſt, bei ſich aufzunehmen. hts, Dominique fuͤhlte ſeine Wangen heißer II. 131 — 34— brennen. Er wandte das Geſicht ab. Sein Herz ſchlug ungleich. Entſetzlich! dachte er, koͤnnte ich des Verrathes angeklagt werden! waͤre das verfaͤlſchende Geruͤcht ſchon vor mir hergegan⸗ gen!— Und wuͤßte dieſer Menſch darum, der mich hierdurch in ſeinen Haͤnden zu haben, mich in ſeine verruchte Abſichten zu verwickeln hofft? In tiefen, verfinſterten Gedanken, griff er nach ſeinem Hut, und hatte ſchon die Thuͤr des Zimmers in der Hand, als Jaqueline ihm hoͤf⸗ lich in den Weg trat, und mit leiſer Stimme, vorſichtig fluͤſterte: Verzeihen Sie mir mein Herr, allein ich kann nicht zugeben, daß Sie mit dem verraͤtheriſchem Zeichen im Knopfloche uͤber die Straße gehen. Dominique ſah die Frau uͤberraſcht an. Mein Gott, der Veilchenſtrauß— rief ſie, Ihr Gnaden muͤſſen ja die Bedeutung wohl kennen! Nicht auf das Entfernteſte, ſagte er, die kleinen gewelkten Blumen zwiſchen den Fingern zer⸗ druͤckend. Sie lachte. Ich verſtehe, verſetzte ſie, doch dem ſei, wie ihm wolle, noch duͤrfen Sie das Buonapartiſtiſche Zeichen nicht— D. ₰ ſcheues, Fruͤhlin ſagte ei alles, a menwel B. darauf trage Zeichen danach, den Se meinem dulden! E hinaus Faht, raͤckte kather Geſich 8 üͤberwe ſen ſoh — 38— Der Graf hatte mit allen Zeichen des Ab⸗ ſcheues, die letzten Reſte der armen, kleinen Fruͤhlingsbothen weggeworfen. Iſt es moͤglich! ſagte er dann, die Haͤnde zuſammenſchlagend, alles, alles entweihet! Auch die freundliche Blu⸗ menwelt! 2 Beruhigen Sie ſich, Madame, ſetzte er darauf, ernſt zu der Frau gewendet, hinzu, ich trage und werde weder dies noch ein andres Zeichen der Rebellion tragen, und bin der Mann danach, eher das eigne Herz zu zerdruͤcken, als den Schatten der Unehre auf meinem Namen, meinem Hauſe, und allem, was darin lebt, zu dulden! Er ging in heftiger Bewegung zum Zimmer hinaus, Jaqueline ſagte: Ah wie gut er aus⸗ ſieht, wenn er den Zornigen ſpielt! Ihr Mann ruͤckte gleichguͤltig mit den durch einander ge⸗ rathenen Meubles und ſagte nichts. Sein kaltes Geſicht verrieth auch nicht, was er dachte. Dominique eilte indeß, dem Baron ſein uͤberwallendes Herz auszuſchuͤtten. Er fand die⸗ ſen ſchon auf dem Wege zu ihm hin. Wie — 36— gut, ſagte er, in ſeiner gewohnten, ſichern Hal⸗ tung, daß wir unſerm erſtem Antriebe folgten, und ohne weitern Aufſchub hierher gingen. Wir ſind, fuͤgte er im Weitergehen hinzu, in einem entſcheidendem Augenblick eingetroffen. Die Sa⸗ chen ſtehen ſo, daß irgend etwas geſchehen muß, ſoll nicht alles verloren gehen! Es iſt gekom⸗ men, wie es voraus zu ſehen war, erzaͤhlte er ſchnell und leiſe. Die Truppen gehen Schaa⸗ renweiſe zu ihm uͤber. In Lyon fuͤhrte der junge Chef des ſiebenten Huſarenregimentes die⸗ ſes ſeinem altem Feldherrn entgegen, wandte ſich dann zur Stadt zuruͤck, oͤffnete mit Gewalt die Thore und fuͤhrte den Kaiſer im Triumph hinein. In dieſer Nacht erwartet. man die Prinzen von dort zuruͤck, ſetzte der Baron hin⸗ zu, als der Graf ihn, ohne ein Wort zu ſagen, unruhig anſah. Ein tiefer Seufzer war auch jetzt alles, was er entgegnete. Seine Bruſt athmete, als wuͤrde ſie von einer ſchweren Hand zuſammengepreßt. Es ſchmerzte ihn unausſprechlich, daß er, zum erſtemmale mit Bewußtſein durch die Straßen dieſet ſe und M nſie zei die bun verſchm wie w Manne ſorgniſ wollte. Dollm dachte auf die lebendie S Hauſe. ihnen ton an In d hinau Stoch alle C T Baron 2* dieſer ſchoͤnen Stadt gehend, nur Uebermuth und Mißtrauen begegnen ſollte. Seine Phan⸗ taſie zeigte ihm vereinzelt und zerriſſen, was die bunten Farben des Tagesſcheines taͤuſchend verſchmolzen. Er ſchritt aͤngſtlich und muͤhſelig, wie zwiſchen dunklen Truͤmmern, neben dem Manne her, dem er noch kurz zuvor ſeine Be⸗ ſorgniſſe mittheilen, deſſen Rath er erforſchen wollte. Worte duͤnkten ihm ſo ſchwerfaͤllige Dollmetſcher. Verſtehen oder nicht verſtehen! dachte er. Und das Letztere ſchien ihm uͤberall auf dieſer Erde das truͤbe Todesurtheil jedes lebendigen Gefuͤhls zu ſein. Sie ſtanden hier vor einem anſehnlichem Hauſe. Der Vicomte hatte ſich unbemerkt zu ihnen geſellt. Ich dachte es, ſagte er, den Ba⸗ ron anredend, daß wir uns hier treffen wuͤrden. In dieſen Saͤlen, fuͤgte er hinzu, indem er hinauf nach den erleuchteten Fenſtern des erſten Stocks zeigte, in dieſen Saͤlen verſammeln ſich alle Gutgeſinnte. Wie wollen Sie das wiſſen? lachte der Baron. Paris iſt ſo ein buntſcheckiges Allerlei 4 krauſer Begriffe und Anſichten, wie es nur eins ſchnell geben kann. Wer will die Farbe des Chamaͤle⸗ hier oht ons beſtimmen. ſcc daſſ Er ſagte das mit erzwungener Heiterkeit, zogen, die unangenehmen Empfindungen des Augen⸗ Leichtig blicks den beiden jungen Maͤnnern zu verbergen. Tages Doch der Eine blieb ſtumm in ſich verſunken, mehr, indeß der Andre mit großer Sicherheit entge⸗ Do de gnete, die Partheien ſprechen ſich ſehr beſtimmt 3 da iſt aus, und bald genug werde man deren Zeichen gung! aufgepflanzt erblicken. gücke Der Baron fuͤrchtete innerlich daſſelbe und dieſe g da ein Buͤrgerkrieg zu dem Entſetzlichſten ge⸗ beſchäͤff hoͤrt, was die Seele des Redlichen erſchuͤttern D kann, ſo machte ihn die bloße Hindeutung hieran Platz jedesmal zornig. Uebertreibungen! fuhr er heftig V auf der auf, Uebertreibungen! Nichts, als die Extreme rufgeſt ſpuken in unſern jungen Hitzkoͤpfen! Aber kom⸗ uae men Sie, ſetzte er ſchon wieder beſaͤnftigt hin⸗ ſchloß zu, kommen Sie und lernen Sie fruͤh, daß der Mane ſtͤrende Gedanke in der Bruſt des Mannes V Andre verſtummen muß, wenn die Grazien geſelliger unter Unterhaltung ihn an ihre Seite winken. 7 3 Sie befanden ſich bald in einem Gewuͤhl 8 8 5 ſchnell durch einanderredender Menſchen. Es war hier ohngefaͤhr, wie in der Straße. Man ſagte ſich daſſelbe, nur feiner gewandt, verſteckter be⸗ zogen, witziger verdreht. Mit unglaublicher Leichtigkeit ging man an den Ereigniſſen des Tages hin. Niemand, ſchien es, ſah hierin mehr, als in jedem Neuen, was ſich zutraͤgt. Wo der Wechſel den Gehalt des Lebens beſtimmt, da iſt Ungluͤck, Tod, Schmach und Entwuͤrdi⸗ gung nur eine andre Art Neuigkeit, die eine Luͤcke fuͤllt und die Lippen, wie den Scharfſinn, dieſe geſchickt in Bewegung zu ſetzen, erwuͤnſcht beſchaͤfftigt. Der Vicomte war hier ganz an ſeinem Platz. Er hatte eine Anzahl kleiner Anecdoten auf dem Wege von ſeiner Wohnung bis hierher aufgeſammelt. Behend ſchuͤttete er davon aus, was er intereſſant glaubte. Bald genug um⸗ ſchloß ihn ein nicht unbedeutender Kreis. Manche unterhielten ſich angelegentlich damit, Andre hoͤrten doch etwas, und wie viel das unter gewiſſen Umſtaͤnden iſt, empfinden Alle! Dominique ward, da ſein Name, noch ehe — 40— er eintrat der Verſammlung laut zugerufen wor⸗ den, niemanden vorgeſtellt. Wie einzeln auch der Unbekannte durch dieſe Sitte einen Augen⸗ blick daſteht, ſo verſchlingt ſich dennoch das Ganze in einer Zeit innerer Fermentation, wo die per⸗ ſoͤnliche Zuſammenſtellung ſo viel Schneidendes herbeifuͤhren kann, ungezwungener und freier. Des Grafen edler Wuchs, die ruhige An⸗ ſpruchsloſigkeit ſeines Weſens im Verein mit dem melancoliſchen Ernſt einer feinen, durchaus ſchoͤnen Phiſionomie, ließen ihn nicht lange un⸗ bemerkt. Man ſah ihn nach, als er voruͤber⸗ ging, und fragte ſich, woher er komme? was ihn hierher fuͤhre? ob er ein Englaͤnder oder aus Belgien ſei? Camille war auch hier bereit, uͤber dies alles Auskunft zu geben. Bald lief ein ziemlich verworrenes Bild von dem Neuer⸗ ſchienenen durch die Zimmerreihe. Die Dame des Hauſes, welcher Dominique endlich nahte, ſtand nur zur Haͤlfte von ihrem Armſeſſel auf, erwiederte den Gruß ihres neuen Gaſtes, ohne mehr von ihm zu wiſſen, als daß er da ſei, und uͤberließ ihn dann, unter hoͤflichem Hin— deuten, ſchic⸗ 5 er, n laſſenh in der 5 Fern ſonde recht eingeſe math das ſich t faͤlle welch ihrer auf mit Seit und zu ſe eit, lief ler⸗ hte, uf, ſei, — 41— deuten, Platz zu nehmen, ſeinem fernerm Ge⸗ ſchick. Dieſes fiel denn am Ende dahin aus, daß er, nach mehreren Momenten gaͤnzlicher Ver⸗ laſſenheit, in ein Geſpraͤch uͤber die Stimmung in der Provinz verflochten ward. Man behandelte den Gegenſtand, wie etwas Fernliegendes, das eben der Beachtung nicht ſonderlich werth ſchien. Wenige waren hier recht zu Hauſe, und als der Graf beſcheiden eingeſtand, er ſei zu kurze Zeit in der Hei⸗ math zuruͤckgekehrt, um ſich ein Urtheil uͤber das Innre derſelben anzumaaßen, erlaubte man ſich tauſend Spoͤttereien und leichtfertige Aus⸗ fäͤlle uͤber die kleinen Herren aus voriger Zeit, welche jetzt aus den verſchuͤtteten Winkelchen ihrer baufaͤlligen Schloͤſſer wieder hervorkriechen, auf einem Erdwall, den ſie Teraſſe nannten, mit Haarbeutel und kleinem Stoßdegen an der Seite, ſpatzieren gingen, ihren magern Sallat und ſauern Cyder unter veralteten Ceremoniel zu ſich nehmen, den Bauern zu lachen und die — 42— Kinder fuͤrchten machten, nichts thaͤten und Unſaͤgliches erwarteten. Alles ward mit Laune und argloſem Scherz hingeſprochen. Man haͤtte eben ſo gut denken koͤnnen, es ſei von Irokeſen oder Neuſeelaͤn⸗ dern, als von Stammverwandten, von Mitbe⸗ wohnern eines und deſſelben Vaterlandes die Rede. Der Baron hatte zu viel Welt, um den Augenblick nicht ſein voruͤbergehendes Regiment einraͤumen zu wollen. Er wußte, ein Ding werde erſt etwas, hebe man es aus ſeiner flachen Umgraͤnzung heraus, und ſtelle es unter ſcharfer und genauer Bezeichnung, außerhalb hin. Zu⸗ dem ſchien ihm der Augenblick der unguͤnſtigſte, einen Irrthum zu ruͤgen, den nur die Zeit und ihre Erfolge wiederlegen konnten. Im Grunde aber konnte er ſich ſelbſt des leiſen Spottes ge⸗ gen die gewiſſenhaften Wiederherſteller des Alten um ſo weniger erwaͤhren, als er nicht einig in ſich war, ob er dies in ſeiner Integritaͤt aner⸗ kennen ſolle? oder nicht? So ſehr er auch alle Ungeſetzlichkeit verabſcheute, ſo hatte er doch zu lange ftei vo ſtaltund ruͤgte rief: dazu, Welt T eine als n hinzuſ ſtalt, dem, hat, k eben eine dreiſt ner ehrw die daue ſam Aufß lange im Kampfe der Grundſaͤtze gelebt, um frei von dem Beduͤrfniß nach jugendlicher Um⸗ ſtaltung des Geweſenen geblieben zu ſein. Er ruͤgte es daher nicht, als jemand lachend aus⸗ rief: In Wahrheit, es gehoͤrt eine eigne Piktaͤt dazu, ſolche Figuren auf der neuen Scene der Welt zu dulden. Nachſicht gegen Nachſicht, erwiederte hier eine Stimme, nach der unwillkuͤrlich Mehrere, als nach etwas Fremden umſahen, indeß jene hinzuſetzte: Ich glaube ſo eine beſcheidene Ge⸗ ſtalt, die ſich weder mit ihrer Perſoͤnlichkeit noch dem, was ihre Originalitaͤt giebt, breit gemacht hat, koͤnne auf dem weitem Schauplatz der Welt eben ſo gut einen Platz behaupten wollen, als eine uͤbermuͤthige, unachtſame Jugend, deren dreiſter Anlauf den Beſonnenen ſelbſt von ſei⸗ ner Bahn zuruͤckſchrecken koͤnnte. Dulden die ehrwuͤrdigen Veterane blutiger, ſtuͤrmiſcher Tage, die ſie ohne Erniedrigung und Treubruch uͤber⸗ dauerten, ſo viel kecken Hohn, wer duͤrfte grau⸗ ſam genug ſein, ihren duͤrftigen und veralteten Aufzug zu ſchmaͤhen, der ſo innig mit der Selbſt⸗ — 44— ſtaͤndigkeit des Mannes von Grundſaͤtzen zu⸗ ſammen haͤngt. Die kleine Verwirrung in den Minen de⸗ rer, welche ſich zuvor etwas leichtfertig geaͤußert hatten, machte ſchnell einem feinem, gekniffenem Laͤcheln Platz. Mehr als ein Auge maaß den hohen Juͤngling, der ſo ruͤckſichtslos auf ganz unbekanntem Boden auftrat, und diejenigen ſtrafte, welche er erſt zu gewinnen hatte. Die Galle einiger der entſchiedenſten Tonangeber entzuͤndet ſich, ihren Unwillen kaum noch zuͤ⸗ gelnd, ſagte Einer derſelben: Wahrhaftig mein Herr, es macht Ihrem kindlichem Gehorſam viel Ehre, daß Sie die langen Weſten und kur⸗ zen Roͤcke, die breiten Schuhe und friſirten Per⸗ ruͤcken Ihrer Vaͤter, mit ſo großer Ergebenheit ehren. Was uns anbetrifft, unſre Koͤpfe finden nicht mehr Platz in dem engen Gehaͤu Letzterm. Der leicht beſchwingte Genius unſerer Tage, hat nichts mit dem Apparat ſteifer Eti⸗ quette zu ſchaffen. Der leicht beſchwingte Genius! lachte die Dame des Hauſes. Nun gewiß, die heutige Mode! eingezoe gekruͤme Schmel hetausf entflieh wahrhe 66 ble die S der I der ge auf ihr 6 Vicom Ihrige wir, un len, ſo die Le ſo fin ſtatt das A iſt von man d „4* Mode mit den abwaͤrts gebogenen Armen, dem eingezogenem Hals, den hohen Schultern und gekruͤmmten Leibe, koͤnnte glauben machen, der Schmetterling werde aus der verpuppten Larve herausflattern und dem feſtem Grund der Erde entfliehen, an den er ſich durch kein einziges wahrhaftes Band mehr gehalten fuͤhlt. Aber es bleibt bei unſicherm hin und her Taumeln, die Schwingen wachſen nicht, der Genius giebt der Mode ein gutes Wort, und laͤßt ſich von der gefaͤlligen Erzieherin, der Jugend bequem auf ihrer Bahn fortſchleppen. Sie ſpotten, gnaͤdige Frau, entgegnete der Vicomte. Allein wenn einem Geiſte wie der Ihrige, auch jede Waffe zu Gebothe ſteht, und wir, uns Ihnen gegenuͤber, ſtets uͤberwunden fuͤh⸗ len, ſo erlauben Sie mir doch zu bemerken, daß die Legalitaͤt jener geruͤhmten Provinzialen eine ſo finſtre Mine annimmt, die den Trotz ſchaͤrfft, ſtatt ihn zu daͤmpfen. Das Beiſpiel davon giebt das Aisne⸗Departement. Der Aufſtand von Lafére iſt von hoͤchſter Wichtigkeit geweſen. Zwar hat man die Voreiligen als Verraͤther ergriffen— — 46— Ergriffen unterbrach ihn Dominique, mit weit mehr Affect, als ſich zu den Grundſaͤtzen ſchlich⸗ ter Gerechtigkeit und einfacher Treue, denen er ſo eben das Wort geredet hatte, paſſen wollte. Ergriffen! freilich! erwiederte Camille, in⸗ dem er fragend zu ihm aufſahe. Wie ſo? fuhr er fort, befremdet Sie das? Dominique hatte ſich ſogleich geſammelt. Er entgegnete trocken: ja. Doch fahren Sie guͤtigſt in Ihrem Berichte fort. Es iſt nichts weiter zu berichten, ſagte der Vicomte, als daß die Verſchwornen von Gens⸗ darmes eingeholt und dem Kriegsgericht uͤberlie⸗ fert wurden. Erſt ſeit einer Stunde traf die Nachricht hiervon bei dem Herzog von Feltre ein. Und das iſt alles, fragte die Dame. Was wollten Sie damit beweiſen, Herr von Soulig⸗ nac? denken Sie der Unerzogene werde in ein paar Wochen ſo weit gedeihen, daß er den Werkzeugen veraͤnderter Zucht, nicht gern ent⸗ wiſche, wenn er kann? Die Leyalen ſollen, hoffe ich doch nicht, auch die Suͤnden der Libe⸗ ralen ja dem gewiß! kraten Aisne 0* wit vi in der Zeitge mel V faͤhrlich ſtes be er ſich beugte hin, Gaſpre ſpiele ſich kundi einzuz Angſt, E 41 24* ralen tragen? Ei, mein Herr! ſo ſpraͤchen Sie ja dem Anſcheine nach Ihr eignes Urtheil! denn gewiß wollen Sie fuͤr keinen ſchlechten Ariſto⸗ kraten angeſehen ſein, als die Royaliſten des Aisne Departement. Der Vicomte erroͤthete zwar, doch ſagte er mit vieler Dreiſtigkeit: Fuͤr keinen ſchlechten! in der That Madame, aber vielleicht fuͤr einen Zeitgemaͤßern. Bravo! rief ein junger Mann. Beim Him⸗ mel Vicomte, Sie koͤnnen ſich ruͤhmen, den ge⸗ faͤhrlichſten Angriffen mit Gegenwart des Gei⸗ ſtes begegnet zu ſein. Camille laͤchelte, indem er ſich gegen ſeine ſchoͤne Wiederſacherin ver⸗ beugte. Doch dieſe ſahe gedankenvoll vor ſich hin, ohne weiter Theil an dem fortgehendem Geſpraͤch zu nehmen, das ſich zuletzt in Wort⸗ ſpielen und geſelligen Alluſionen verlor, denen ſich Dominique endlich entzog, um naͤhere Er⸗ kundigungen uͤber die Gefangenen von Lafere einzuziehen, unter denen er, mit wachſender Angſt, Alphonſe vermuthen zu muͤſſen glaubte. Er hatte ſich aus dem engern Kreiſe, der die Damen umſchloß, entfernt und bereits meh⸗ rere Zimmer hinter ſich, als ihm der Baron mit ſchnellen Schritten folgte. Warten Sie doch! rief er ihm zu. Ich ſoll Sie durch einen Um⸗ weg in das Cabinet unſrer Wirthin fuͤhren. Sie iſt neugierig auf Ihre naͤhere Bekannt⸗ ſchaft, und ich denke, Sie ſollen ſich der ihri— gen erfreuen. Was hilft es, entgegnete Dominique, daß ſich Menſchen begegnen und einen Augenblick nebeneinander Verweilen! Es iſt doch nichts, als muͤßige Neugier, die Befriedigung ſucht! O lieber Baron, ſeufzte er, jenem ſchmerzlich die Hand druͤckend, es ſchneidet mir durch's Herz, ſeit ich empfinde was unſer Vaterland zerreißt! Es iſt der furchtbare Hohn des Uebermuthes, der ſich an jedes, an das Heilige und Unheilige mit gleicher Luſt vergreift, dies Geſchlecht liebt nichts, ehrt nichts, am wenigſten die Ehre und den Ruhm der Vaͤter! Kommen Sie, kommen Sie! laͤchelte ſein alter Freund. Der Teufel iſt hier auch einmal wieder nicht ſo ſchwarz, wie er ausſieht! Ge⸗ ſchwind, folgen Sie der Einladung, die ich Ih⸗ nen brachte. Sie haben es ſich ſonſt ſelbſt vor⸗ zuwerfen, wenn Sie mit geſtoͤrtem Gefuͤhl dies Haus verlaſſen. Ich folge! ſeufzte der Graf, weil Sie es wollen, doch meinen Frieden finde ich hier nicht. III. Sie traten hier in ein Seitengemach, das zu dem bezeichnetem Cabinet fuͤhrte. Die Dame ſchien ſie ſchon erwartet zu haben. Ohne wei⸗ tere Vorrede, ſagte ſie, eile ich mein Herr Sie von dem zu benachrichtigen, was ich mit Ihrem Intereſſe verwebt weiß. Alphonſe iſt in der al⸗ lergroͤßten Gefahr, fluͤſterte ſie leiſe, als koͤnnen ſie die Waͤnde des Zimmers verrathen. Vor ei⸗ ner Stunde erhielt ich dieſe Zeilen von Frau von S... die ſeine Vertraute und ſeit Kurt⸗ zem wieder aus der Provence hierher zuruͤck gekehrt iſt. III..[41 — 50— Sie nahm ein kleines Blatt aus einer goldnen Kapſel, welche ſie an einem Kettchen um den Hals trug, und reichte es dem Grafen. Dieſer las in einem Gemiſch von Ueberraſchung, Freude und Unruhe folgendes: „Ach meine Liebe! Er iſt ergriffen, er wird hierher geſchleppt, gefaͤnglich eingezogen, vor ein Kriegsgericht geſtellt, verhoͤrt und iſt vielleicht ſchon gerichtet, ehe ich Zeit hatte, einen einzigen Schritt in ſeiner Angelegenheit zu thun. Daß ich alles in Bewegung ſetzen werde, die⸗ ſen Alphonſe zu retten, der mehr als irgend Einer zu leben verdient, der jetzt, gerade jetzt leben muß, das koͤnnen Sie denken. Kann ich nur Zeit gewinnen! Einen Tag— einen einzi⸗ gen Tag!— Sie verſtehen mich, wenn Sie mich auch gern mißverſteh'n moͤchten— Allein hier den Partheigeiſt bei Seite! es handelt ſich um das Daſein eines Menſchen! das Deeret gegen einen auf der That ertappten Rebellen, verdammt dieſen nach vierundzwanzigſtuͤndiger Friſt zum Tode. Und ich verſpreche Ihnen, man wird hier nicht ſaͤumen Wort zu halten. Ich —O—;—;—’—’B———)—— hoͤrte Such lich ij Sie Welt aͤhnlie liche gri Fral hervo Blatt die 2 denn Grat licher trͤg den zeic war Scht Emn. — 51— hoͤrte, ein Freund des Marquis ſei in der Stadt. Suchen Sie dieſen zu ſprechen, wenn es moͤg⸗ lich iſt. Ich denke, das wird nicht fehlen, da Sie Abends Ihr Haus oͤffnen, und die halbe Welt dahin ſtroͤmt. Iſt der Freund dem Freunde aͤhnlich, ſo wagt er ehe alles, als das Entſetz⸗ liche geſchehen zu laſſen!“ Ich danke Ihnen! ſagte Dominique in groͤſter Bewegung, ich danke Ihnen gnaͤdige Frau. Mohr brachten ſeine bebende Lippen nicht hervor. Stumm gab er das zuſammengerollte Blatt ſeiner Eigenthuͤmerin zuruͤck, indem er die Blicke auf ſie heftete, ohne ſie anzuſehen, denn vor ſeinem Auge war es dunkel wie ein Grab. Ergriffen, hingerichtet wie ein veraͤcht⸗ licher Verraͤther! ſagte er ſich unter ſo uner⸗ traͤglichen Schmerzen der Seele, daß er lange keinen deutlichen Gedanken faſſen konnte. Der Baron, welcher ſchon lange mit allen Zeichen der Ungeduld hin und her gegangen war, unterbrach dies unwillkuͤrlich eingetretene Schweigen, indem er, einen kleinen Zug von Empfindlichkeit, um die Lippen, ein wenig ge⸗ — 52— zwungen ſagte: haͤtte ich ahnden koͤnnen, daß die geheime Zuſammenkunft dieſen Zweck haͤtte, waͤre mir es in den Sinn gekommen, Ihnen gegenuͤber, gnaͤdige Frau, an eine andre Gefahr zu denken, als die, welche ihm Anmuth und Schoͤnheit bereiten, ſein Sie verſichert, ehr waͤre ich mit ihm zuruͤck in die Provinz ge⸗ fluͤchtet, als dem leidenſchaftlichem Eifer dieſem Zugang bei ihm zu verſchaffen! Mein Gott Madame, rief er, durch die eigne Worte fort⸗ geriſſen, woran dachten Sie, als Sie mit dem Pfeil des Schmerzes, zugleich den Stachel des Ehrgeizes in des Grafen Bruſt druͤckten? Iſt es denn recht, ihn jetzt durch Zaͤrtlichkeit und Mitgefuͤhl auf Abwege zu locken, die in ihrer geheimnißvollen Dunkelheit den Uebermuth wie den Muth reizen ſie zu betreten? Sein Sie unbeſorgt, entgegnete Domini⸗ que, ich werde weit ehr das Leben, als Ueber⸗ zeugung und Ehre daran ſetzen, den Marquis zu retten. O Gott! rief er im ſchmerzlichſten Tone, gelte es nur das Leben des Ungluͤcklichen, aber ſoll er ſo unter Tadel und Verwuͤnſchun⸗ „— gen hohſt mich das ie er na übrig ſten 8 ſchei des zuruͦ tadelt die zo traut rechti liebet 4l6 ſehe wir nich verg des hrer wie oni⸗ eber⸗ quis ſten den, un⸗ — 53— gen enden! Glauben Sie mir, ſetzte er im hoͤchſten Affect hinzu, die Todesangſt welche mich jetzt foltert, iſt nicht das groͤßte Uebel, das ich ſeinetwegen erdulde! Meine Wege, hub er nach kurzer Sammlung ruhiger an, koͤnnen uͤbrigens auch hier, wie uͤberall, nur die einfach⸗ ſten und natuͤrlichſten ſein. Ich werfe mich dem zu Fuͤßen, der hier allein das Recht hat zu ent⸗ ſcheiden. Dem Koͤnige will ich mein dringen⸗ des Anliegen vortragen. Er wird mich nicht zuruͤckweiſen, er am wenigſten wird den Freund tadeln, der fuͤr den Freund einſteht! Sind doch die zarten Empfindungen der Seele ihm ſo ver⸗ traut, wie Milde und Nachſicht und die Ge⸗ rechtigkeit des Frommen, der den Gefallenen lieber die Hand reicht, ſich daran zu erheben, als den Fuß auf ſeinen gebeugten Nacken zu ſetzen! Beim Himmel, Ludwig der Achtzehnte wird die Soͤhne ſeiner ergebenſten Diener, nicht ungehoͤrt verdammen. Alles ſchoͤn und gut, ſagte der Baron, der vergebens die Ruͤhrung bekaͤmpfte, welche ihm des Grafen edler Schmerz gab, alles ſchoͤn und gut mein lieber Dominique, aber die Augen⸗ blicke ſind gezaͤhlt, der Marquis— Kann noch nicht hier ſein, fiel ihm jener in’s Wort. Ich berechne das nach unſerm Zu⸗ ſammentreffen mit dem Dragoner Offizier. Mor⸗ gen in aller Fruͤhe, eile ich nach den Thuille⸗ rieen, zu dem Kriegsminiſter, zu den Prinzen— ich will mit aller Beredſamkeit der Verzweif⸗ lung in ſie dringen, ſie beſtuͤrmen, nichts, nichts vernachlaͤßigen, was ihre Großmuth in Anſpruch nehmen koͤnnte!— Sie vergeſſen, mein Herr, unterbrach ihn die Dame, indem ſie theilnehmend in ſein Auge ſahe, daß ſo viel Leidenſchaftlichkeit Ihnen ſelbſt Gefahr bringen koͤnnte. Den Verraͤther in Schutz nehmen, ihn als ſeinen Freund er⸗ klaͤren, heißt ſich ſelbſt anklagen. Wenn ich auch, fuͤgte ſie hinzu, nicht zweifle, daß Sie dies in Betreff Ihrer eignen Sicherheit, fuͤr den Au⸗ genblick nicht in Erwaͤgung bringen werden, ſo iſt es immer ſo viel mehr fuͤr den Marquis verloren. Sie untergraben ihn vollends, wenn Sie ſich außer Stand ſetzen, ihm zu nuͤtzen. 3 ₰ Es du mißdell ſo natt ſalſche es den habe n nen S ner ben, Arm 8 dem ſi legte, von C ders. ner U wite dem Mei ich e Ihre Kaͤm en⸗ Ich fuͤrchte das nicht, verſetzte Dominique. Es duͤnkt mir unmoͤglich, daß der Unbefangene mißdeutet werden koͤnne. Die Wahrheit iſt von ſo natuͤrlicher Farbe, daß niemand leicht auf falſchen Argwohn durch ſie geraͤth. Und waͤre es dennoch— nun ſo muß ich denken, Gott habe mir die Pruͤfung auferlegt, mit gebunde⸗ nen Haͤnden den geliebteſten Menſchen an mei⸗ ner Seite fallen zu ſehen. Freventlich aufhe⸗ ben, gegen das Geſetz aufheben, kann ich dieſen Arm nicht. Freilich! entgegnete die ſchoͤne Frau, in— dem ſie niederſitzend, die Stirn in die Hand legte, und nachſinnend vor ſich niederſah. Frau von S. fuhr ſie fort, dachte es freilich an⸗ ders. Sie glaubte in dem Augenblick allgemei⸗ ner Unruhe, werde es leicht ſein, den Marquis mit einem paar unternehmenden Begleitern, auf dem Wege hierher zu befreien, ſie hoffte— Mein Gott! rief der Baron ungeduldig, muß ich es erleben, daß auch Sie gnaͤdige Frau, Ihre Geſinnung nach den Umſtaͤnden wechſeln? Koͤnnen ſie zu einem Gewaltſchritte rathen, der jede Auflehnung gegen das Geſetz rechtfertigt? Ich verdiene Ihre Zurechtweiſung mein alter Freund, entgegnete die Dame, allein den⸗ ken Sie ſich einen Augenblick, die Dinge wie ſie ſind, erwaͤgen Sie, daß Napoleon nur noch einige Tagesmaͤrſche von Paris entfernt iſt, daß niemand ihn aufhalten, keine Macht ſeinen Einzug in die Hauptſtadt verhindern wird. Sagen Sie es ſich voraus, alles, alles wird in kurzem umgeworfen, kein einziges der jetzi⸗ gen Verhaͤltniſſe geduldet werden; und halten Sie das Bild allgemeiner Verwirrung feſt, ſo frage ich Sie, ob ſich in Ihnen nicht ebenfalls Gedanken und Begriffe verwirren? und der treue Sinn nicht rechts von links zu unterſchei⸗ den weiß? Ich meiner Seits, ſeufzte ſie be— klommen, ſehe mich ſo in die Enge getrieben, ſo in meiner Seele aufgeſtoͤrt, daß ich das Un⸗ terliegen der Royaliſten fuͤr eben ſo ausgemacht, als einen allgemeinen Kampf der Parteien fuͤr unvermeidlich halte. Und in dieſer troſtloſen Aufloͤſung duͤnkt mich nichts mehr recht, nichts unrecht. Man verlaͤßt uns, man giebt uns preis/ ern un tes Leb D Kopfi welche ſch ſe klarete Lage, gefuͤr der L einem Himm ung Thtor beuge Trotz den min nicht Blich unſet preis, nun ſo retten wir im Tummulte, des inn⸗ ern und aͤußern Aufruhrs wenigſtens ein theu⸗ res Leben von gewiſſem Untergange. Der Baron ſetzte ſich erſchoͤpft nieder, den Kopf in die Hand gelegt, ſchien er, die Nebel, welche ſeine Gedanken umflohrten, voruͤberziehen, ſich ſelbſt in dem drehenden Wirbel, Zeit zur klareren Sammlung laſſen zu wollen. Unſre Lage, ſeufzte er, iſt verzweifelt. Ich habe vieles gefuͤrchtet, doch dies wiederſtandsloſe Gehenlaſſen der Dinge, dieſer Triumphzug des Kaiſers von einem Ende Frankreichs zum Andern, beim Himmel! wenn wir denken ſollten, die Vorſeh⸗ ung ſelber bahne ihm ſo den Weg zu dem Throne, den ſie ihm gegeben— Wenn wir uns beugen und allem innerm Wiederſtreben zum Trotz die Herrſchaft des Emporkoͤmmlings dul⸗ den muͤßten— Was quaͤlen Sie ſich, unterbrach ihn Do⸗ minique, mit Folgerungen eines Falles, der noch nicht eingetreten iſt? Was ſchaͤrfen wir den Blick in die Zukunft, da eine nahe Gegenwart unſere ungetheilte Aufmerkſamkeit heiſcht? Noch iſt ja der Koͤnig mitten unter uns. Giebt er uns auf— nun, wir geben ihn nicht auf.— Seine Befehle bleiben die Richtſchnur unſrer Handlungsweiſe. Was in dieſer Maͤnnliches, Kuͤhnes, ja Großes gethan werden kann, das wird das Leben dem Geſammelten und Feſten von ſelbſt zufuͤhren. Ich begreife nicht, wie Sie die Ruͤckkehr eines Mannes, der nichts als Sela⸗ ven in den Kauf giebt, um den Herrſchertittel wieder zu gewinnen, in dem Maaße uͤberraſchen kann. Sein ſogenannter Triumphzug ſcheint mir ein abentheuerliches Gaukelſpiel, gut genug vor⸗ bereitet, um mit Erfolg gewagt zu werden. Ich mag dieſen, im Gallawagen auf der Heerſtraße hinſauſenden Fluͤchtling nicht groß nennen, der ſich ſehr natuͤrlich lieber einem bethoͤrtem und er⸗ ſchrockenem Volke in die Arme wirft, als den beſonnenen Beſchluͤſſen furchtbarer Machthaber Folge leiſtet. Ja, ich geſtehe Ihnen, Napoleon kam mir nie ſo ſehr, wie ein Gluͤcksritter vor, als jetzt, da er die Sinne durch nothgedrungenes Wagniß taͤuſcht und große Worte als Vorlaͤufer kommender Thaten laut genug ausſchreit, um äberall gehoͤrt zu werden. Sein duͤrftiger Aufzug die zuſ ſchen unreine nit ſich Ich wi Verzwe 6S Dame vollem den 2 Sie Andert Verzw dann den, d Sie Hoffe wuͤrd den ihm ſeine das die zuſammengelaufenen Horden, die theatrali⸗ ſchen Kunſtgriffe, alles das Kleinliche, was die unreine Abſicht und das Mißliche des Gelingens mit ſich fuͤhrt, erfuͤllt mich mit Wiederwillen. Ich wuͤrde, auch bei andern Grundſaͤtzen, dieſem Verzweifelten nicht anhangen. Sie koͤnnen leicht ſo denken, entgegnete die Dame, ich halte es ſogar natuͤrlich, daß Sie im vollem Drange, die jugendliche Kraft zu pruͤfen, den Wiederſacher unterſchaͤtzen, allein, waͤren Sie ſo, wie wir, von einem Aeußerſtem zum Anderm geworfen worden, haͤtten Sie alle die Verzweiflung, den Druck, die Schauder und dann das Selbſtgefuͤhl, den Stolz mit empfun⸗ den, der ſo viel Herbes verſuͤßen mußte, fuͤhlten Sie ſich gedehmuͤthigt und nur durch falſche Hoffnungen getaͤuſcht, wie dies arme Volk, Sie wuͤrden unſicher und ſchwankend, wie dieſes, den gepruͤften Piloten jubelnd empfangen und ihm vertrauen, an ihn glauben, das Fahrzeug ſeinen Haͤnden freudig uͤberlaſſen. Ich kann, verſetzte Dominique, auf alles das nur erwiedern: ich wuͤrde nie empfunden — 0— haben, wie dies Volk. Wer hat noch je bezwei⸗ felt, daß Wankelmuth und Treubruch ein unge⸗ wiſſes leicht erſchuͤttertes Geſchick bereiten? Und denkt man hier durch neue Suͤnden die Spur der alten auszugleichen, ſo giebt man nur der Rache ein Doppelſchwerdt in die Hand und mordet ſich und die Ehre, die vom giftigem Hauche falſcher Eide erkrankt, und wie ſie auch die Luͤge uͤberkleidet, dennoch da ihr Grab fand, wo ſie neues Leben ſuchte. Es iſt vergebens, man richtet ſich nicht auf, wenn man das Gleich⸗ gewicht nicht in ſich ſelber hat! Die Worte ſchienen dem Baron ein Ruf von oben. Er ſprang vom Stuhle auf, ging ein paarmal raſch das Zimmer auf und ab, faßte dann des Grafen Hand, druͤckte und ſchuͤt⸗ telte ſie, heftete das feuchte Auge feſt auf jenen, indem er ausrief: Junger Menſch, Du haſt Worte des Himmels! Gleichen Deine Thaten ihnen auch? In dieſem Augenblick ward eine Tapeten⸗ thuͤr im Ruͤcken der Anweſenden leiſe und raſch geoͤffnet. Frau von S.. rief der Baron, nach ſich m gnüͤgen deutlie Sie Graf Nun warte Es g vier In k blaͤhen ſtalt, Leute verſch beduͤr wan quis Geſi verſe mäͤge Sie jagen ei⸗ 8u, 1 — 61— nach dem Geraͤuſch umſehend. Er verbeugte ſich mit dem ſichtlichen Ausdruck des Mißver⸗ gnuͤgens, trat an die Seite, indeß ſie außer⸗ deutlich blaß und unruhig Dominique nahte. Sie ſind, ſagte ſie mit erſchoͤpfter Stimme, Graf D, wenn mich nicht alles truͤgt! Nun wohlan, fuhr ſie, ſeine Antwort nicht ab⸗ wartend, fort, ſo eilen Sie, Ihr Freund ſtirbt. Es giebt keinen andern Ausweg. In zweimal vier und zwanzig Stunden iſt der Kaiſer hier. In der Haͤlfte dieſer Zeit hat Alphonſe ſein bluͤhendes Leben geendet, machen Sie nicht An⸗ ſtalt, ihn zu retten. Alles iſt vorbereitet. Meine Leute erwarten Sie an der Barriẽre. Es ſind verſchmitzte Burſchen, die nur eines Fuͤhrers beduͤrfen, um jedes Wageſtuͤck auszufuͤhren, das man ihnen anvertraut. Sie ſehen dem Mar⸗ quis zu aͤhnlich, um nicht ſeine kuͤhne, hohe Geſinnung zu theilen. O beim Himmel! wie verſchieden auch Ihre politiſche Anſichten ſein moͤgen, Er ließe Sie nicht verderben, muͤßte er Sie einem Trupp wiederwilliger Schergen ab⸗ jagen! — 62— Sie vergeſſen Madame, entgegnete Domi⸗ nique mit ſanfter Wuͤrde, daß ſeine Begleiter im Dienſte meines Koͤnigs ſind, daß ich ſie nicht beleidigen kann, ohne ein Majeſtaͤts Ver⸗ brechen zu begehen. Noch bleibt mir ein geſetz⸗ licher Weg offen, wozu ſoll ich den Dunkeln des Verraͤthers betreten? Ein geſetzlicher! unterbrach ihn Frau von S... Was iſt in dieſem Augenblick geſetzlich? Vermoͤgen Sie mir, bei allem Scharfſinn kalter Weisheit, anzugeben, weſſen Stimme die gebie⸗ tende iſt? die des Siegers oder des Beſiegten? Beim Himmel, der iſt Herr des Hauſes, der hineinzieht, nicht der es verlaͤßt! Geh’n Sie doch in die Hoͤfe der Thuillerien, ſehen Sie, wie man einpackt, wie man ſich ruͤſtet, um die gute Stadt zu verlaſſen, deren Buͤrger man morden, aber nicht beſchuͤtzen kann. Schimpf und Schande dieſer Stadt! rief Dominique heftig, ſie, die den rechtmaͤßigen Herrſcher ſchutzlos ausſtoͤßt, ihn an einen Aben⸗ theurer verkauft und Meuterei und Verrath in ihren Mauern hegt. Nein, Madamo, nein, der König den aul nige, Degen jiehe 9 Freudd Klagte hat n Er w ſeinem ihn vo 6 wollen genbli gehe, G hafti zuruͤ Ihre Dom rief? — 63— Koͤnig flieht nicht, er wird von verruchten Haͤn⸗ den ausgeſtoßen! Aber eher vertrockene die mei⸗ nige, eher breche alles zuſammen, eher ich den Degen gegen die Vollſtrecker ſeiner Befehle ziehe. Hal rief Frau von S.., indem ſie ihrer Freundin in die Arme ſank. Ach meine Liebe! klagte ſie, ich habe es Ihnen wohl geſagt! Er hat mehr von einem Moͤnch, als einem Krieger! Er wird predigen, wenn andre handeln, und ſeinem Freunde eher die Leichenrede halten, als ihn vom Schimpf unwuͤrdiger Ketten befreien! Sie kraͤnken mich mehr, als Sie es gewiß wollen, entgegnete der Graf. Es iſt kein Au⸗ genblick, Worte zu waͤgen, ich fuͤhle das, und gehe, Sie nicht noch zu haͤrtern zu reitzen. Sie gehen? riefen beide Frauen. Wahr⸗ haftig, Sie gehen? ohne den Marquis zu uns zuruͤckzufuͤhren, ohne die erſte, die dringendſte Ihrer Pflichten erfuͤllen zu wollen? Ich gehe, meine Pflicht zu erfuͤllen, laͤchelte Dominique ſchmerzlich. Ha! kalter Moͤrder! rief Frau von S.. ganz außer ſich. Er ſtirbt, — 64— er ſtirbt durch Dich! Er wuͤrde nicht leben, entgegnete der Graf hier mit feſtem, flammendem Blick, koͤnnte ich ihn durch Verrath retten. Er wuͤrde nicht leben, wiederholte er, ich traue es ihm zu, muͤßte er den Schatten ſeines entehrten Freundes an ſeiner Seite dulden! Er verließ unter dieſen Worten raſch das Zimmer, aus welchem ihm die Worte: Heuchler! prahleriſcher Heuchler! nachſchallten. IV. Uever dies alles war Mitternacht herangekom⸗ men. Dominique erreichte unter den unſaͤglich⸗ ſten Schmerzen ſein Hotel. Druot mochte ſei⸗ nen neuen Herrn ſchon lange erwartet haben. Es lag eine gewiſſe unruhige Haſt in ſeinen Bewegungen, die der kaͤltende Schein des Au⸗ ges und die blaſſe Miene nur noch frappanter machten. Der Graf war indeß zu ſehr in ſich ſelbſt ben, nem Er es rten das hler! kom⸗ glich⸗ ſei⸗ aben. einen Au⸗ anter elbſt — 65— beſchaͤfftigt, um darauf zu achten. Er ſchien alles andre, uͤber die Angſt die ihn folterte, ver⸗ geſſen zu haben. Nur als jener, nachdem er ſich bereits beurlaubt, und die Thuͤr ſchon in der Hand hatte, einen Augenblick unſchluͤßig ſtehen blieb, ſich zuruͤck wandte, den Kopf auf die Bruſt geſenkt, nicht aufſahe, und doch den Grafen ſcharf und aͤngſtlich beobachtete, em⸗ pfand dieſer das Unheimliche ſeiner Naͤhe in ei⸗ nem Maaße, daß er raſch aufſprang, und mit ungeduldigem Tone ausrief: Was wollen Sie von mir? Der uͤberraſchte Druot trat einen Schritt zuruͤck. Es iſt nicht an mir, entgegnete er tro⸗ cken, etwas wollen zu duͤrfen, ich erwarte Euer Gnaden Befehl. Ach mein Gott, ſeufzte Dominique, die Arme uͤbereinandergeſchlagen, mit duͤſter vor ſich hinſtarrendem Blick, die beſchraͤnken ſich fuͤr jetzt auf weiter in der Welt nichts, als auf einige Momente Ruhe und Einſamkeit. Ich kann nicht glauben, laͤchelte jener ver⸗ III. 131 — 66— ſchlagen, daß Ihr Gnaden nach Paris kamen, um beides hier zu ſuchen. Er war bei dieſen Worten um ein paar Schritt naͤher getreten, der Herr Graf, ſagte er leiſe, wiſſen, daß ich unſern Gaſt auf Ihr Geheiß aufgenommen habe. Er wartet nur auf einen Wink, um ſogleich— Unſern Gaſt? unterbrach ihn Dominique, beide Haͤnde auf jenes Schultern legend. Un⸗ ſern Gaſt? Von wem, um Gottes Willen ſpre⸗ chen Sie? Tauſend verworrne Ahnungen fuhren, wie kreutzende Blitze in dem Augenblick an ihm vor⸗ uͤber. Er wußte nicht, traͤume oder wache er; als Druot einen langen ſtechenden Blick auf ihn geheftet, entgegnete: Nun, beim Himmel, der Herr Graf machen ſich uͤber mich luſtig! Ich habe wohl nicht noͤthig, den zu nennen, welchen die Leute im Hôtel der Frau von S... hieher wieſen? Der Herr Marquis, ſetzte er, mit einem fatalen Laͤcheln geheimen Einverſtaͤnd⸗ niſſes hinzu, erfuhren dort, daß Ihr Gnaden die Hand zu ſeiner Befreiung geboten haͤtten— 6 Domn Freud . die V und beliet unge ſind zu d winkt raſch nen, paar agte Ihr auf que, Un⸗ ſore⸗ wie vor⸗ de er; k auf nmel, uſtig! ennen, G... te er, ſtaͤnd⸗ naden ten— Der Marquis iſt gerettet? iſt hier? rief Dominique, im Aufwallen unausſprechlicher Freude! Mein Gott, wo? wo bleibt er denn? Ach ich wußte wohl, verſetzte jener, daß die Veilchen in ihrem Knopfloche nicht logen, und die Larve, welche Ihr Gnaden vorzuhalten beliebten, bald genug, dem natuͤrlichen Ausdruck ungeheuchelter Freude weichen wuͤrde! Aber hier ſind ja der Herr Oberſt ſelbſt. Der Graf machte eine raſche Bewegung zu dieſem hin. Doch ploͤtzlich ſtand er ſtill, winkte abwehrend mit der Hand, und verließ raſch das Zimmer. Es iſt vorbei! rief Alphonſe, unmuthig mit dem Fuße ſtampfend. Ich habe ihn verloren! Den letzten Schritt verzeiht er mir nicht. Was fuͤr Maͤhrchen hat man mir nur aufgetiſcht! Und ich Thor, daß ich nur einen Augenblick daran glaubte! Laſſen Sie ſich doch nicht irre machen, be⸗ ruhigte ihn Druot, es iſt ja alles Maske! Er iſt zu klug, um nicht einzuſehen, wohin die Dinge hinaus wollen. Jetzt iſt der Koͤnig noch — 69— hier, jetzt koͤnnen die ausgeſprochenen Recht⸗ glaͤubigen noch nicht von Religion wechſeln, al⸗ lein, ich wette meinen Kopf. Pah! rief der Marquis, mit Auge und Schultern eine wegwerfende, veraͤchtliche Bewe⸗ gung machend, Ihren Kopf! Zehn ſolcher Koͤpfe wiegen nicht den leiſeſten Athemzug dieſer rei⸗ nen, großen Seele auf! Geh'n Sie! ſetzte er ärgerlich hinzu. Leute Ihres Gelichters, duͤr⸗ fen ſich nicht erlauben, den Namen des Grafen auszuſprechen, geſchweige gar ein Urtheil uͤber ihn haben zu wollen. Druot verzog keine Mine. Gelaſſen, wie immer, meinte er nur, der Herr Marquis waͤ⸗ ren unter dieſen Vorausſetzungen nicht allzuſi⸗ cher in einem Hauſe, deſſen Herr die Anſichten ſeines Gaſtes zu wenig theile, um ſie mit Ge⸗ fahr der eignen Sicherheit beſchuͤtzen zu wollen. Alphonſe ſahe finſter zu Boden, ohne etwas zu erwiedern. Und da Frau von S... fuhr jener fort, von einem Bruder abhaͤngt, der ihre Plaͤne gern durchkreutzt, ſo— 4 So?— fragte der Oberſt, ſchnell aufbli⸗ ckend Gefa zu we hang vih nich He ver gen ben Art, viß Mit Nat dig 8 ſa aͤn pei un⸗ db zuſi⸗ hten Ge⸗ ollen. s zu jener laͤne blin — 69— ckend. Wuͤrden Ihr Gnaden, verſicherte Druot, Gefahr laufen, ausgeliefert und dahin geſchleppt zu werden, wohin ſich der Koͤnig und ſein An⸗ hang zu begeben gedenkt? Unverſchaͤmter! rief Alphonſe zornig. Ver⸗ zeihen Sie mir, bat jener, allein, ich ſinde nichts natuͤrlicher in der Welt, als daß ſich der Herr Graf, der Perſon eines Anverwandten verſichern werden, deſſen ketzeriſche Verbindun⸗ gen er verabſcheuet, wie Ihr Gnaden zu glau⸗ ben ſcheinen. Durch einen Gewaltſchritt der Art, ſaͤhe ſich die Familie einer großen Beſorg⸗ niß uͤberhoben. Ihnen mein Herr, wuͤrden die Mittel benommen, ferner einen hochgehaltenen Namen auf antiroyaliſtiſche Weiſe zu entwuͤr⸗ digen, und ſchenkt man dem das Leben, welcher es verwirkt hat, ſo geſchieht das nur durch Ent⸗ ſagung, durch Opfer— Alphonſe warf einen aͤngſtlichen Blick umher, als ſuche er eine allzu peinliche Empfindung los zu werden, die ſich unerwartet ſeiner bemaͤchtigte. Es iſt mir, alles uͤberlegt, nicht unwahrſcheinlich, fuhr jener fort, daß der Herr Graf Euer Gnaden abſichtlich hie⸗ hergelockt— Nein, Nein! unterbrach ihn der Marquis heftig. Das iſt ganz unmoͤglich, das liegt auf tauſend Meilen vom Grafen. Auch wenn Fraͤulein Ceeilia, fiel Druot ein, ihm nahe genug am Herzen laͤge, um das Heiraths Project der Familie— Alphonſe fuhr im ſelben Augenblick raſch auf jenen zu, faßte ihn beim Kragen, zog ihn heftig mit ſich fort, als wolle er ihn ohne Wei⸗ teres, ſeinem Richter uͤberliefern, doch ploͤtzlich ſtand er ſtill, ſahe Druot feſt in die Augen, und ihn noch einmal bei beiden Armen faſſend, und ſchuͤttelnd, rief er mit erſtickter Stimme: Bekenne, bekenne, wer hat Dich erkauft, mir den Tod zu geben? O das wenigſtens, mein Herr, lachte jener, zwiſchen Unverſchaͤmtheit und Verwirrung mit⸗ ten inne, das wenigſtens trauen Sie mir nicht zu. Ich bin dem Kaiſer zu ergeben, um ihm einen ſeiner beſten Offiziere rauben zu wollen. Nein, Herr Marquis, ſetzte er, um Vieles ge⸗ ie⸗ faßter hinzu, wir gehen in guter Cammerad⸗ ſchaft unſern Weg miteinander. Alphonſe ſtieß ihn unwillig zuruͤck, indem er ſich mit dem Ausdruck zorniger Verlegenheit abwandte. Die raſche Bewegung, welche er hierbei machte, fuͤhrte ihn der Thuͤr naͤher. Zu⸗ faͤllig fiel ſein Blick darauf hin. Er erſchrak vor Dominique, der mit untergeſchlagenen Ar⸗ men hier ſtand, und die Miene des tiefſten Kum⸗ mers unverſtellt fuͤr ſich ſprechen ließ. Der Marquis druͤckte die innere Unruhe nieder. Er bezwang ſich und wollte das Vor⸗ gefallene leicht nehmen. Wahrhaftig, lachte er zwiſchen ſeinen ſchoͤnen blendenden Zaͤhnen, die er mit großer Anmuth unter dem Sprechen zeigte, wahrhaftig, Du haſt doch erſtaunlich ſchweres Blut mit auf den Continent gebracht! Deine Phantaſie hat einen ſchleppenden, kranken Gang dadurch bekommen, Du klebſt mit ihr auf einem Fleck, und begreifſt nicht, daß die Welt ſchon laͤngſt daruͤber hinaus iſt. Ich fuͤrchte, Du wirſt auf die Art, arg in die Enge getrie⸗ ben werden. — 72— Fuͤrchte nicht fuͤr mich! entgegnete der Graf. Mir kann nicht viel Aergeres begegnen, als ich in dieſer Stunde erlebte. Er hielt einen Augenblick inne, die feuch⸗ ten Augen lagen am Boden. Ein tiefer Seuf⸗ zer drang abgebrochen und bebend aus ſeiner Bruſt. Ich komme noch einmal zuruͤck, fuhr er mit ſanftem Wohllaut der Stimme fort, weil es unnatuͤrlich geweſen waͤre, wenn wir uns ſo in dumpfen Mißverſtaͤndniſſe von einander getrennt haͤtten. Sieh lieber Alphonſe, fuͤgte er ſchnell hinzu, unſre Wege ſind von nun an ſchaͤrfer, als je geſchieden. Du bleibſt, ich gehe! Und da mir Paris beim erſten Wiederſehen ſo⸗ gleich ſagt, daß ich nicht hierher gehoͤre, ſo iſt es billig, das ich mein Buͤrgerrecht in dieſer Stadt einem Anderm uͤberlaſſe. Sei Du nun Herr in meinem Hauſe Alphonſe, benutze es nach Deiner Bequemlichkeit! Vielleicht, laͤchelte er wehmuͤthig, das dennoch etwas von mir in dieſen Mauern zuruͤcke bleibt, daß Dich zu gu⸗ ter Stunde an mich erinnert. Lebe wohl, ſeufzte er kaum hoͤrbar, das Tuch vor die Augen, ſchnell abgewandt, und im Begriff zu geh'n! Laſſen Sie ihn nicht fort! fluͤſterte Druot. Ich wette mein Leben, er verraͤth Sie! Er oder Sie! Einer von Ihnen ſteht auf dem Spiele. Der Marquis hoͤrte von dem allem nichts. Das lang bekaͤmpfte Gefuͤhl in ihm, brach ſtuͤr⸗ miſch los. Er ſtuͤrzte in Dominiques Arme, umſchlang ihn ſprachlos, und ließ die heißen Thraͤnen ungehindert hervorbrechen. Einen kurtzen Augenblick hatten beide die Welt, und was darin vorgeht vergeſſen. Der Graf war der Erſte, der ſich in der Gegenwart wiederfand. Er druͤckte den Freund ſanft von ſich, faßte noch einmal deſſen Hand, ſahe laͤ⸗ chelnd in ſein Auge, und war fort ehe ſich je⸗ ner beſann. Es kann nicht anders ſein, ſagte er ſich im Hinausgehen, ich darf nicht einen Augen⸗ blick laͤnger ſaͤumen die Netze zu zerreißen, in die mich ein argliſtiges Verhaͤngniß zu verwi⸗ ckeln ſtrebk. Ohne ſich einen Augenblick weiter zu be⸗ denken, eilte er nach den Thuillerien. Hier ſuchte er ſeinen und Cecilias Oheim, den alten Herzog auf. Er kannte ihn als den entſchieden⸗ ſten Wiederſacher des Marquis, doch aus eben dem Grunde, als einen Mann von ſtrengen, unerſchuͤtterlichen Grundſaͤtzen. Die Erfahrung ſeines Vaters hatte ihn gelehrt, bei denen welche einer innern Ueberzeugung folgen, jene leben⸗ dige, regſame Feſtigkeit vorauszuſetzen, die weit entfernt, ſich auf eine hoͤlzerne Despotie der Meinungen zu beſchraͤnken, die ganze Geſinnung umfaßt, und wirkſam nach Außen treibt. Der Herzog war in keinem Augenblick ſeines langen, reichen Lebens unthaͤtig geblieben. Unangefochten von den Anſichten der Zeit, ging er beſonnen, nie kampflos, nie gleichguͤltig an ihnen hin, be⸗ wahrte ſich und was ſonſt noch in der Zeit zu bewahren ſtand, mit furchtloſer Sicherheit, bis er jetzt am Ziele, durch einen einzigen gewalt⸗ ſamen Schlag, alle unermuͤdlich genaͤhrte Hoff⸗ nungen zertruͤmmert ſah. Dominique fand ihn gleichwohl ohne alle Spure ſchon! ſchien gen, täͤuſche E vdlig Sein Mod friſit am. Samr verbra let S Stiej wies Art Lich ſo u dieſe Wich Spuren großer Niedergeſchlagenheit. Es war ſchon tief in die Nacht hinein. Der alte Mann ſchien dieſe um einige fluͤchtige Stunden betruͤ⸗ gen, und ſich uͤber den raſchen Flug der Zeit taͤuſchen zu wollen. Er empfing ſeinen jungen Verwandten, voͤllig angekleidet, an der Schwelle der Thuͤr. Sein greiſes Haar, nur um ein weniges der Mode angepaßt, lag in geregelter Ordnung, fein friſirt, und hoͤchſt ſauber mit Puder uͤberflogen, am Rande der Stirn. Er trug ein dunkelrothes Sammetkleid mit goldner Paſſement Arbeit verbraͤmt. Die feinen Haͤnde bedeckte eine bruͤſſ⸗ ler Spitzen Manſchette; und daß nur ſelten ein Stiefel dieſe zierliche Fuͤßchen einklemmte, be⸗ wies der leichte, vornehme Gang und die ganze Art eleganter Beweglichkeit. Ich frage Sie nicht, ſagte er mit guͤtigem Laͤcheln, was mir die Ehre Ihres Beſuchs zu ſo ungewoͤhnlicher Stunde verſchafft, es iſt in dieſem wichtigen Augenblick ſicher auch etwas Wichtiges, und deshalb laſſe ich alles Andre bei Seite, unmittelbar Ihre gefaͤllige Mittheilung erwartend. Mein Herr, verſetzte Dominique, indem er mit Ehrfurcht des Herzogs dargereichte Hand faßte und ſie in der ſeinigen behielt, ich ent⸗ ſchuldige es nicht, daß ich unvorbereitet, ohne andre Empfehlung, als die eines verwandten Namens, mitten in der Nacht vor Ihrer Thuͤr erſcheine, und Sie offen frage: was iſt gegen⸗ waͤrtig zu thun? Jener ſah ihn mit ruhigem Wohlgefallen in's Auge, machte eine kurze, verneinende Be⸗ wegung mit dem Kopf, und ſagte, gleichſam wie⸗ derſtrebend: Nichts! mein guter, junger Mann, wenn ich aufrichtig ſein ſoll. Dominique ließ ſeine Hand fahren, und als wuͤrde er einen Augenblick irre, wiederholte er, die fragenden Blicke auf den Herzog gehef⸗ tet: Nichts, mein Herr? 1 Wie ich Ihnen ſage, verſicherte der Andre. Aber ſetzen wir uns, bat er, ein Paar Fau⸗ teuils zuſammenruͤckend. Er ſelbſt nahm nicht eher Platz, als ſein Gaſt, und dann noch, dem Alter goͤnnen mit al zugeke Es iſt in vie Konig wnge Han hen? des E geſett 4 Augen Gewe dl d Gra was liegt ilung ndem Hand ent⸗ ohne dten Duͤr gegen⸗ fallen Be⸗ wie⸗ Kann, und tholte gehef⸗ Andre. Fau⸗ nicht , dem — 7— Alter kein groͤßeres Vorrecht der Bequemlichkeit goͤnnend, blieb er unangelehnt, ſtets dem Grafen mit angenehm entgegenkommenden Bewegungen zugekehrt. Wie ich Ihnen ſage, fuhr er fort. Es iſt kein Zweifel, Buonaparte ruͤckt ſpaͤtestens in vier und zwanzig Stunden hier ein. Der Koͤnig kann ſich unter dieſen Umſtaͤnden nicht laͤnger in Paris halten, er muß es vor der Hand verlaſſen. Fliehen? fiel Dominique unwillig ein. Flie⸗ hen? vor dem Manne, den er ſelbſt außerhalb des Geſetzes erklaͤrt, auf deſſen Kopf ein Preis geſetzt ward? Der Herzog zuckte mit den Schultern. Der Augenblick, ſagte er, uͤbt eine ſehr druͤckende Gewalt! Es iſt hier faſt ſchwerer zu gehorchen, als zu wiederſtreben. Ach beim Himmel! unterbrach ihn der Graf, es fragt ſich nicht, was ſchwerer, nur, was unerlaßlich ſei? Hm!l laͤchelte der Herzog, das Aeußerſte liegt gewoͤhnlich am naͤchſten. Es iſt aber dar⸗ um noch nicht das Rechte. Vergeſſen Sie nicht, 9 — 79— warnte er ernſtlich, daß ein voreiliges Urtheil auch ein Stuͤckchen Rebellion iſt. Ein Koͤnig taumelt nicht, wie ein Verzweifelter an einem Abgrund umher, der Welt das Schauſpiel nutz⸗ loſer Unerſchrockenheit zu geben! Eine koͤnigliche Handlung muß groß in ihren Erfolgen, wie in ihren Motiven ſein. Mit einem Bischen mehr Vertrauen waͤre die Lage der Dinge ganz an⸗ ders und der Fluͤchtling von Elba nicht vor den Barriéren von Paris. Worin unterſcheiden ſich denn die Treuen von den Abtruͤnnigen, wenn ſie nicht glauben koͤnnen? Ich waͤre ſehr ungluͤcklich, entgegnete Do⸗ minique beſcheiden, wenn Sie den geringſten Zweifel in meine Ergebenheit gegen den Koͤnig ſetzen koͤnnten; allein, ohne mir ein Urtheil uͤber deſſen Beſchluͤſſe anmaaßen zu wollen, kann ich doch mein Befremden nicht unterdruͤcken, daß wir dem Feinde aller Ordnung und Sitte ſo wiederſtandslos uͤberliefert, und Frankreich viel⸗ leicht auf's neue den Einbruͤchen der Fremden ausgeſetzt werden ſollen. Der Herzog hatte ſehr aufmerkſam zuge⸗ hört. der 2 ruhete Faute paarn ſie jet dabei lichen voll in ſcchen Wort derho der recht Wo der ettheil Koͤnig inem nutz⸗ gliche die in mehr d ay⸗ or den en ſich weun Do⸗ agſten Koͤnig irtheil kand n, daß itte ſo h viel⸗ emden zuge⸗ hoͤrt. Auf ſeinem feinem, denkenden Geſicht lag der Ausdruck ſtiller Sammlang. Die eine Hand ruhete auf dem rothen Sammet Polſter des Fauteuils, waͤhrend die Finger der andern ein paarmal uͤber die Stirn ſtrichen, als verwiſchen ſie jede aufſteigende Wolke von dieſer. Er blieb dabei unveraͤndert in derſelben, geraden, ſchick⸗ lichen Haltung, indeß Dominique mit anmuths⸗ voller Nachlaͤßigkeit bald hierhin, bald dorthin in ſeinem Seſſel gewendet, ſich auf freie und ſichere Weiſe gehen ließ, lebhaft ſprach, und Worte und Mienen nicht ſelten mit ſchnell wie— derholten Geſticulationen begleitete, bei welchen der Koͤrper die verſchiedenſten Lagen annahm. Sie haben im Weſentlichen vollkommen recht, nahm der Herzog nach einer Weile das Wort, und koͤnnte man irgend eine Sache in der Welt ſo rein an ſich betrachten, und unbe⸗ dingt annehmen, das Fuͤr oder Wieder loͤſe die Streitfrage genuͤgend, ſo wuͤrde der Wunſch einzelner, hochherziger Maͤnner, die nach der Glorie duͤrſten, auf den Stufen des koͤniglichen Thrones ihr Blut in der Sache der Bourbons — 80— zu verſpruͤtzen, er wuͤrde nothwendig durchgehen. Allein die Faͤden ſind hier, wie bei allem, was ſich durch das Leben verflicht, ſehr verwickelt. Wir koͤnnen den Koͤnig nicht dran ſetzen, um den Koͤnig zu retten. Recht gegen Unrecht in die Wage geworfen, giebt nicht immer den Aus⸗ ſchlag, es kommt ein Drittes hinzu, was die Schaale ſchwanken laͤßt, das iſt die Meinung. Sie am allerwenigſten darf in dieſem Augenblick Einfluß gewinnen. Ein Streit, der von ihr ausgeht, iſt nicht mehr zu ſchlichten, deshalb laſſen wir es weder zu vergleichenden Bezieh⸗ ungen, noch ſchaͤdlichen Streitfragen kommen, der legitime Herrſcher trete, wie ein Heiligthum, das die befleckende Naͤhe des Unreinen fuͤrchtet, zuruͤck, und der Uſurpator vollende ſein Geſchick. Der Herzog ſchwieg, wie in dem eben auf⸗ geſtellten Bilde verſunken. Dominique entge⸗ gnete feſt: Sie bezwingen mich, mein Herr, ohne mich zu uͤberzeugen. Mich duͤnkt, eine einzige That koͤnne hier den Ausſchlag geben. Ich fuͤhle ſehr wohl, verſetzte jener, von welcher Sie nur reden koͤnnen, doch vergeſſen Sie n ſchonen Pahuſ ſchehen ſchaude ten, g 2 Die Blich nach Köͤnic ſagte zu thu S D Er be ling u glich Ein alles nach Verze her g zutüͤck 1 gehen. was vickelt. , um icht in n Aus⸗ as die aͤnung. genblick don ihr deshalb Sezieh⸗ mmen, gthum, uͤrchtet, jeſchick en auf⸗ entge⸗ tr, ohne einzige r, von ergeſſen — 81— Sie nicht, daß der Verwegene, der nichts zu ſchonen hat, ſtets die Menge betaͤubt, daß der Wahnſinn weit fuͤhren, daß das Entſetzliche ge⸗ ſchehen kann, und wir die Beſeſſenen vor dem ſchauderhaften Erwachen an der Gruft des zwei⸗ ten, gemordeten Koͤnigs retten ſollen. Beide vermieden einander hier anzuſehen. Die Schauer jener Erinnerungen hielten ihren Blick beſchaͤmt am Boden. Der Graf ſtand nach einer Weile von ſeinem Platze auf. Der Koͤnig verlaͤßt alſo Paris, vielleicht das Reich, ſagte er leiſe. Und fuͤr jetzt iſt hier daher nichts zu thun. Der Herzog war ebenfalls aufgeſtanden. Er betrachtete den ernſten, geſammelten Juͤng⸗ ling mit freundlichem Wohlgefallen, ohne ihm gleichwohl eine aufmunternde Antwort zu geben. Ein unbeſtimmtes Zeichen mit der Hand war alles, was er erwiederte. Vielleicht, ſagte er nach einer Pauſe, begleiten Sie Sr. Majeſtaͤt. Verzeihen Sie, entgegnete Dominique mit gro⸗ ßer Haſt, ich bin entſchloſſen in die Provinz zuruͤckzukehren, dort bin ich an meinem Platz, III.. 161 — 32— dort werde ich erfahren, wo ich eingreifen, was ich zur Befreiung des aller bethoͤrteſten, ungluͤck⸗ ſeligſten Volkes thun kann. In der Provinz, mein Herr, ſetzte er lebhaft hinzu, wird es, muß es noch unbeſtochene Gemuͤther geben, die, an dem Alten hangend, das Dauernde dem Ver⸗ gaͤnglichem Vorziehen. Ohne Zweifel! entgegnete der Herzog. Hof⸗ fen Sie, fragte er, nach augenblicklichem Schwei⸗ gen, indem er den Grafen aufmerkſam beobach⸗ tete, hoffen Sie mit Freunden gemeinſchaftliche Sache zu machen? Sind Sie Ihrer neuen Be⸗ kannten ſchon ſo gewiß? Ach mein Herr, rief Dominique mit weh⸗ muͤthiger Innigkeit, ich bin uͤber nichts gewiß, als daß es eine ewige Gerechtigkeit giebt, und daß Gott die ſchlechte Geſinnung nicht auf Koſten der Guten wird ſiegen laſſen. Daran halten Sie feſt! verſetzte der Her⸗ zog, ſeine Hand mit vieler Anmuth auf des jungen Mannes Schulter legend⸗ Das iſt es, was unſern Muth bei allem Wiederſpruch von Außen unerſchuͤtterlich laſſen, was Sinn und Kraft flamme tragen üͤber, rigen aller d recht Gand faͤr er le vor( können beſſer der Wirt Nath lang Her frag bei e Beſo iu ſag n, was ngluͤck ovinz, „ muß ie, an n Ver⸗ Haf⸗ Schwei⸗ beobach⸗ zaftliche den Be⸗ it weh⸗ gewiß, ot, und Koſten der Her⸗ auf des iſt es, uch von nn und Kraft wach erhalten muß, ſetzte er, mit auf⸗ flammendem Feuer, hinzu. Und nun, bat er, tragen Sie auch frommes Vertrauen auf den uͤber, deſſen Sache Sie ſonſt nicht zu der Ih⸗ rigen machen koͤnnen. Entſchlagen Sie ſich aller vorauseilender Critik. Sagen Sie es ſich recht oft: ein Ding iſt im Zuſammenhange des Ganzen etwas ganz anders, als es allein und fuͤr ſich betrachtet erſcheint. Tadeln Sie, fuͤgte er leiſe hinzu, tadeln Sie nicht eher, bis Sie vor Gott und Ihrem Gewiſſen ſtreng behaupten koͤnnen, es unter den obwaltenden Umſtaͤnden beſſer machen zu wollen. Dominique erroͤthete ein wenig, als ihn der angenehme Greis mit entgegenkommender Waͤrme umarmte, als wolle er den vaͤterlichen Rath gewiſſermaaßen entſchuldigen. Er konnte lange nichts erwiedern, und nur erſt, als der Herzog wieder voͤllig in ſeiner gelaſſenen Wuͤrde fragte, ob er Nachricht von Alphonſe habe? wo⸗ bei er ihn ſcharf und ernſt anſah, gewann er Beſonnenheit genug, um wahr und redlich: ja! zu ſagen, ohne weitere Furcht mißdeutet zu werden. — 94— Ja? wiederholte jener. Alſo iſt er geret⸗ tet? und durch Sie? In welchem Sinne Sie auch ſeine Ret⸗ tung verſtehen moͤgen, entgegnete Dominique, ſo habe ich doch keinen Theil daran. In welchem Sinne? laͤchelte der Herzog ſchmerzlich. Ach Gott, fuͤgte er, die gefaltenen Haͤnde ſinken laſſend, hinzu, ich ſcheue Ihnen, wie mir die Meuterei in Lafére zuruͤckzurufen. Der Kopf des Ungluͤcklichen ſtand auf dem Spiel. Mein Herz hat fuͤr ihn gezittert, wenn auch meine Ueberzeugung ſein Urtheil geſprochen hatte. Sagen Sie mir, fragte der bewegte Greis unruhig, wiſſen Sie, daß er frei, daß er in Sicherheit iſt? Doch, rief er unwillig, es leidet keinen Zweifel, daß bei der gegenwaͤrtigen Stimmung des Volks, der Benommenheit der Beſſern und dem Enthuſiasmus der Bethoͤrten, ſeine Spießgeſellen Mittel genug fanden, die Ketten zu ſprengen, die er ſehr verdient trug. Mau moͤchte wuͤnſchen, fuͤgte er nachdenklich hinzu, es waͤre anders gekommen und— Er machte hier eine Bewegung mit der Hand, als betfe zudrüͤch N kaun i Ausgle zeriſſet voch gnet hier ville/ trocker ein Le verſdh entſch Vortt Jugs Ent vorc Bez Das Das nen gerer⸗ Ret⸗ nique, Herzog altenen Ihnen, zurufen, nSpiel. in auch prochen bewegte daß er llig, es vaͤrtigen heit der ethoͤrten, den, die ent trug. hdenklich — Er und, ols weerfe er etwas hinter ſich, indem er die Augen zudruͤckte und den Kopf ſeitwaͤrts abwandte. Nein! unterbrach ihn der Graf, nein! ich kann nicht glauben, ein ſchimpflicher Tod ſei ein Ausgleichungsmittel fuͤr eine bekuͤmmerte, in ſich zeriſſene Familie, welche, mit dieſem einem Opfer, noch viel Andre zu beweinen haben wuͤrde. Ich weiß, was Sie ſagen wollen, entge⸗ gnete jener, allein, ſo oder ſo, Opfer muͤſſen hier immer fallen! Sie kennen Fraͤulein Har⸗ ville, ſetzte er hinzu, ihre Mutter iſt von jener trockenen Leidenſchaftlichkeit, die verherend durch ein Leben hingeht, nichts zu ſchonen, nichts zu verſoͤhnen weiß. Sie hatte ſich fuͤr Alphonſe entſchieden, ehe ſie deſſen noch gewiß war. Die Vortheile dieſer Verbindung ließen ſie uͤber die Jugend und das Unzuſammenhaͤngende halber Entwickelung wegſehen. So eilte Sie der Zeit voraus und geſtaltete, was noch im Keime ſchlief. Beziehungen wecken dann unfehlbar Gefuͤhle. Das arme, junge Maͤdchen verlor ſich in dieſe. Das Ungluͤck iſt geſchehen, ſie iſt nur durch ei⸗ nen weiſen Freund zu retten. Dominique durchrieſelte heißes Zittern bei den letzten Worten. Sein Herz ſchlug heftig, er empfand die Angſt einer feindlichen Gewalt, die unerwartet das drohende Geſicht zu uns hin⸗ wendet, und Auge in Auge fragt: kennſt Du mich? ich bin ſo groß und maͤchtig in dir ge⸗ worden, und du wollteſt niemals auf mich achten! Der Herzog ſchien von alledem nichts zu bemerken. In Wahrheit, fuhr er im Tone ern⸗ ſter Erwaͤgung fort, die ſchoͤne Cecilia verdient ein freundlicheres Loos, als hinter undurchdring⸗ lichen Kloſtermauern die Uebereilung ihrer Mutter zu beweinen. Wie? unterbrach ihn der Graf, das waͤre des Fraͤuleins Beſtimmung? Welche, entgegnete der Oheim, wollen Sie ihr bieten, die ſie dau⸗ ernder mit ihrem Geſchick verſoͤhne? Gott im Himmel! rief Dominique, mit aller Macht die verwirrenden Bilder verdraͤn⸗ gend, die ſich ſeiner bemaͤchtigten, halten Sie es denn fuͤr ſo unmoͤglich, den Marquis zu ſei— ner Pflicht zuruͤckzurufen? Iſt der Fall nicht aazunet man ſe Schmet auch n greifen ſchehen haftig, ſchoft nend treib Gem man die H rer w gewin goate kehr ruͤck gege Sei fen. ſelbſe tern bei heftig, Gewalt, uns hin⸗ inſt Du dir ge⸗ ff mich nichts zu one ern⸗ verdient chdring⸗ Mutter as waͤre tgegnete ſie dau⸗ aue, mit verdraͤn⸗ lten Sie zu ſei⸗ all nicht anzunehmen, daß eben die ſchoͤne Seele, welche man ſeinetwegen zerreißt, ihn durch ſo viel Schmerzen wiedergewoͤnne? Hat man es denn auch nur verſucht, ihn von dieſer Seite anzu⸗ greifen? Alles, duͤnkt mich, iſt gerade hier ge⸗ ſchehen, um ihn toͤdlich zu verletzen! O wahr— haftig, mein Herr, fuhr der Graf in leiden⸗ ſchaftlicher Bewegung fort, man iſt nicht ſcho— nend mit dem Verirrten geweſen! der Fluch treibt zur Verdammniß! Haß empoͤrt ein edles Gemuͤth und weckt den Haß. Weshalb zeigte man dem Adler nicht, was ihn einzig lockt? die Hoͤhe erhabener Geſinnung! wie viel ſiche⸗ rer war Alphonſe durch ſanftes Verzeihen zu gewinnen! Nimmermehr war er zu gewinnen! entge⸗ gnete der Herzog. Einmal auf dieſer Richtung kehrt nur der Schwaͤchling oder Boͤſewicht zu⸗ ruͤck. Die Bahn muß durchlaufen werden, da⸗ gegen iſt keine Huͤlfe. Den Marquis alſo bei Seite! denn er iſt hier in nichts mit einbegrif⸗ fen. Cecilia muß ihn vergeſſen. Allein Cecilia ſelbſt! ſie, ſie koͤnnte uns erhalten werden! Mein junger Vetter, ſetzte er raſch hinzu, ich vertraue dies Kleinod Ihren Haͤnden an. Ge⸗ ſchieht’s, daß ich auf's neue den Koͤnig in's Ausland begleite, ſo laſſen Sie mich hoffen, Sie denken zu groß, um durch enge Beruͤckſichtigung das Schickſal eines der holdeſten Weſen auf's Spiel zu ſetzen. In Wahrheit, die gluͤckliche Gattin des edlen, verſtaͤndigen Dominique, wuͤrde bald einſehen, wie weit die Taͤuſchungen der Einbildungskraft hinter dem ſtillen Frieden zarter Anhaͤnglichkeit, und einer Vereinigung fuͤr das Leben, zuruͤckbleiben. Dominique erblaßte. Die Stirn gefaltet, mit duͤſterm Blick, zuſammengezogenen Augen⸗ braunen ergriff er des Oheims Hand, indem er unruhig und abgebrochen ſagte: Muthen Sie mir das nicht zu! aller Verrath iſt meinem Herzen fremd. Eher tauſendmal den Tod, als die hinterliſtige That! Der Herzog laͤchelte. Wie tragiſch Sie das einfache Auskunftsmittel nehmen! ſagte er gut⸗ muͤthig. Das Romanhafte paßt ſo wenig fuͤr die alltaͤgliche, natuͤrliche Philoſophie eines ver⸗ alteten in der eines! eine„ in's? iſt ei laͤnge an, vill lebh derſ Gluͤͦc zu, ich 1 Ge⸗ g in's n, Sie tigung auf's uͤckliche uinigue, ſchungen Frieden ung fuͤr efaltet, Augen⸗ nem er een Sie meinem od, als Sie das er gut⸗ enig fuͤr nes ver⸗ alteten Familienoberhauptes. Mir ſcheint nichts in der Welt einfacher, als daß Sie der Retter eines verblendeten, jungen Kindes werden, und eine Phantaſie heilen, die unnatuͤrlich erhitzt, in's Abentheuerliche hinausſchweift. Alphonſe iſt einmal fuͤr uns verloren. Cecilia darf nicht laͤnger an ihn denken. Was ſtehen Sie denn an, in ſeine Rechte zu treten? Fran von Har⸗ ville wuͤnſcht nichts ſehnlicher und auch die gute, lebhafte Vicomteſſe wuͤrde leichter uͤber die Wie⸗ derſpruͤche in ſich zurechtkommen, ſehe ſie das Gluͤck der kleinen Enkelin geſichert. Dominique ſtand einen Augenblick ſprachlos, in ſich verſunken da, ohne von dem Bilde des ſchoͤnen, ungluͤcklichen Maͤdchens loskommen zu koͤnnen. Im Grunde, hob der Herzog mit halben Laͤcheln wieder an, muͤßte der Marquis es Ihnen danken, auf ſolche Weiſe ſein großes Unrecht in der Erinnerung der armen Kleinen verwiſcht zu haben. Denn nimmt ſie ſein Bild mit in's Kloſter, ſo tritt es, wie ein boͤſer Geiſt, zwiſchen ſie und den Himmel. — 90— In's Kloſter? fragte der Graf unruhig, Warum auch das? weshalb nicht im Kreiſe der Ihrigen, andern, beſſern Tagen entgegenſehen? Ganz recht! verſetzte der Herzog, und nie⸗ mand wuͤrde ſich mehr eignen, ihr dieſe Ausſicht zu eroͤffnen, als Sie, lieber Dominique. Ver⸗ ſchmaͤhen Sie es nicht, ſetzte er ernſthaft hinzu, ſich durch ſolche Bande mit einer fremden Welt zu vereinen, in welcher Ihnen die unbeſtaͤndige Laune des Geſchicks leicht boͤſes Spiel machen koͤnnte. Sie ſind unter Menſchen gerathen, die auf ganz entgegengeſetzte Weiſe die Verwirrung des Augenblicks nehmen. Frau von Harville durchſchneidet, was ſich ihr nicht fuͤgen will. In der Vicomteſſe bleiben Vernunft und Be⸗ wußtſein immer um eine Station hinter Gefuͤhl und Phantaſie zuruͤck, und treffen ein, wenn der Mißgriff geſchehen iſt. Der Baron moͤchte das alte Frankreich nicht aufgeben, und doch ſein England hierher verſetzen. Im Grunde iſt in den beiden Letztern etwas moderne Freigeiſterei, vor der ſie einmal erroͤthen, wenn ſie ſie an⸗ drer Seits, doch als einen Schritt vorwaͤrts, — nicht! junger dreien nicht! man! begtei tend leiſe Mo. dunk im 2 als grüͤß Wir nruhig. iſe der ſehen? d nie⸗ usſicht Ver⸗ hinzu, u Wel ſaͤndige machen en, die irrung arville will. nd Be⸗ Gefuͤhl un der hte das ch ſein iſt in eiſterei ſiee an⸗ waͤrts, — 91— nicht ganz verleugnen wollen. Sie, mein guter junger Mann, werden von keinem von allen dreien verſtanden, machen Sie Ihr Intereſſe nicht unzertrennlich von dem der Andern. Wen man lieben muß, den wird man gezwungen, zu begreifen. Der Herzog ward hier durch einen eintre⸗ tenden Kammerdiener unterbrochen, der ihm leiſe etwas zufluͤſterte. Der Graf nahm den Moment wahr. Er riß ſich aus einem Wuſt dunkler Vorſtellungen heraus, und war ſchon im Begriff, dem Herzoge Lebewohl zu ſagen, als dieſer zu ihm zuruͤckgewendet, freundlich gruͤßte, und mit bebender Stimme ausrief: Wir verlaſſen in dieſem Augenblick Paris! Ver⸗ geſſen Sie mich nicht. Es war die ſchwerſ te Stunde meines Lebens, in welcher ich Sie kern⸗ nen lernte! Ein grauſameres Opfer giebt es nicht, als das Vaterland mit greiſem Scheitel verlaſſen zu muͤſſen, ohne Ausſicht, es wieder zu ſehen! Er druͤckte hier ſein Tuch vor die Augen und eilte raſch aus dem Zimmer. — 92— Der Graf blieb tief erſchuͤttert in dem Ca⸗ binet zuruͤck, in welchem ihm eine Welt auf und untergegangen war. Schwermuͤthig lief ſein Blick an den Waͤnden hin. Er fixirte alle Ge⸗ genſtaͤnde genau. Bald, dachte er mit Schau⸗ der, werden hier andre Gaͤſte einziehen! Alles wird veraͤndert, alles vernichtet werden! Der Gedanke war ihm ſo erſchrecklich, daß er, den Hut in die Augen gedruͤckt, hinausſtuͤrtzte, und Hoͤfe und Straßen durchrannte, ohne ſich um⸗ zuſehen! V. MNichts ſucht der kraͤftige Menſch eher los zu roerden, als den Zwieſpalt im Innern. Eher wird er ſich dem gewiſſeſtem Schmerze unter⸗ werfen, als laͤnger durch Unſicherheit gefoltert, mit umwoͤlktem Blicke, auf finſtrem Wege hin und her zu ſchwanken. 4 langſ Nach und te ſetzen liebe, ein Ses wie ſtert Gru all hebe durc dem Ca⸗ uf und f ſein le Ge⸗ Schau⸗ Alles Der e, den te, und ch um los zu Eher unter⸗ foltert, ge hin — 93— Dominique druͤckte den Stachel, der ſchon laͤngſt ſein Herz verwundet hatte, mit aller Macht des erſten, beſtimmten Bewußtſeins, tief und tiefer hinein. Er ſagte es ſich voll Ent⸗ ſetzen und dennoch mit Freude, daß er Cecilia liebe, heiß, verzehrend liebe! es war ihm, in ein und demſelben Augenblick, als habe ſeine Seele Fluͤgel, und zugleich, als laſte das Leben wie eine Buͤrde auf ihm. So wird es immer ſein! rief er mit duͤ⸗ ſterm Laͤcheln; Und ſo bleibe es auch! Im Grunde iſt die Beſtimmung des Menſchen uͤber⸗ all keine andre! Schwingen und Feſſeln! beide heben und druͤcken ihn ein ganzes Daſein hin⸗ durch. In dieſem und aͤhnlichem Selbſtgeſpraͤchen, war er Paris durchrannt, ohne mit ſich einig zu werden, wohin er zunaͤchſt ſeine Schritte lenken ſolle. Der Morgen war angebrochen, der Koͤnig, die Prinzen, alles was zu dieſen gehoͤrte, abgereiſt, die veroͤdeten Thuillerien, dem Einzuge, Buonapartes geoͤffnet, das Ent⸗ ſcheidende konnte jeden Augenblick eintreten. Furcht und Erwartung lagen wie eine dunkle Wolke auf der Stadt, waͤhrend das ganze Heer leidenſchaftlicher Wiederſpruͤche dumpf in ſich ſelbſt gaͤhrte, und die Athmosphaͤre ihre beklem⸗ menden Elemente ſchwuͤl verbreitete. Es giebt ſo laͤhmende Stimmungen in de⸗ nen, die Scheu vor einem erwartetem Ungluͤck, das zagende Herz an das Ungluͤck ſelbſt bindet, und es dabei verweilen laͤßt, als gebe es keine Rettung davor, als ſei nicht mehr davon loszu⸗ kommen. Der Graf verlor ſich in das erwachende Leben umher, der Strom durcheinander laufen⸗ der Menſchen, riß ihn fort, er wollte auf jedem Geſicht erſt die Beſtaͤtigung deſſen leſen, was ihm noch immer ſo unglaͤublich duͤnkte, was er noch vor vierundzwanzig Stunden, wie ein veraͤchtliches Maͤhrchen verworfen haben wuͤrde. Indeß reihete ſich Stunde an Stunde. Ein Tag lief ab, ein andrer zog herauf. Ein Pare Artillerie, Pulverwagen und Geſchuͤtz, langten als drohende Vorbothen des ruͤckkehren⸗ den Herrſchers in Paris an. Die Menge ſtutzte ihn hinte glaut me. uͤber Dru mie ſeln Ini jett nug dunkle ze Heer in ſich beklem⸗ in de⸗ ingluͤck, bindet, es keine n loszu⸗ achende laufen⸗ f jedem a, was was er vie ein wuͤrde. Stunde. ff. Ein jeſchuͤtz, kkehren⸗ e ſtutzte — 95— davor. Der geſenkte Blick folgte dem Zuge in den Hof der Thuillerien, wo er Halt machte. Die Kanonen wurden aufgefahren. Manch Ei⸗ nem ſchlug doch das Herz aͤngſtlich! Dominique brannte vor Begier, das empoͤrte Innere in offnem Kampf zu beruhigen. Rufſt Du uns ſo zu Deinem Thron! ſagte er mit zuſammengeklemmten Zaͤhnen und bli⸗ tzenden Augen! Wir kommen! verlaß Dich drauf! Ein leiſer Druck auf die Schulter, zwang ihn hier ſich umzuſehen. Der Vicomte ſtand hinter ihm. Haͤtten Sie das geſtern wohl ge⸗ glaubt? fragte er mit gehemmter, unſichrer Stim⸗ me. Wahrhaftig, die Criſis iſt ſo gut wie vor⸗ uͤber! Der Schlag geſchahe, uns bleibt nur der Druck. Fuͤhlen Sie ſich gedruͤckt? fragte ihn Do⸗ minique raſch. Der Vieomte zuckte die Ach⸗ ſeln. Was wollen Sie, entgegnete er, daß ich Ihnen meine Empfindungen analyſire? Es iſt jetzt kein Augenblick, ſich uͤber dieſe Rechenſchaft zu geben! So!— erwiederte jener, indem er ſich wieder dem ernſten Anblick des Geſchuͤtzes zu⸗ wandte. Nun beim Himmel! rief der junge Camille, im Angeſicht der dreifarbigem Fahne, die be⸗ reits auf dem Schloſſe weht, und ſo eben auf Notre Dame und die Saͤule des Vendoͤme Platzes aufgeſteckt wird, laſſen ſich eben keine andre Betrachtungen anſtellen, als das es klug gethan iſt, vor der Hand gar nichts zu wollen und zu wuͤnſchen; denn die Ereigniſſe draͤngen einen, mit ſo wunderbarer Schnelligkeit, daß der Blick dadurch geblendet wird, und nicht auf zehn Schritt vorwaͤrts ſieht. Dominique ſtarrte die bunte Fahne unver⸗ wandt an, ohne eine Sylbe zu entgegnen. Ich fuͤr mein Theil wenigſtens, bemerkte der Vicomte, etwas empfindlich uͤber des An⸗ dern Theilnamloſigkeit, bin am Ende meines Latein. Mein Ehrenwort darauf, ich ſehe we⸗ der die Moͤglichkeit, noch die Nothwendigkeit ein, die Sache des Koͤnigs laͤnger zu verfechten, indeß er ſie ſelbſt aufgegeben und ſchweigend erklaͤrt hat: der ihm geleiſtete Eid ſei geloͤſt. Geld hen. fem fort, ſeiner muͤſſ jetzt mill 8 ubes zu⸗ Camill, die be⸗ eben auf Vendome een keine es klug zu wollen draͤngen keit, daß nicht auf e unver⸗ nen. bemerkte des An⸗ e meines ſehe we⸗ vendigkeit erfechten, hweigend geloͤſt. Geloͤſt? fragte Dominique, ohne jenen anzuſe⸗ hen. Herr von Soulignac, fuhr er unter ſchar⸗ fem Laͤcheln und kaum gewonnener Haltung fort, wenn Sie der Koͤnig zum Dollmetſcher ſeiner unausgeſprochenen Befehle machte, ſo muͤſſen Sie ſich deutlicher erklaͤren, denn fuͤr jetzt ſind Sie mir unverſtaͤndlich geblieben. Sie verhoͤhnen mich mein Herr! fuhr Ca— mille heftig auf, Jetzt iſt es zunaͤchſt an mir, bei Ihnen um Erklaͤrung nachzuſuchen. Mich duͤnkt, verſetzte Dominique, deren beduͤrfen Sie nicht. Sie loͤſen ſo geſchickt Raͤth⸗ ſel, daß Ihnen der Sinn meiner Worte klar ſein muß, wenn ich hingegen gern eingeſtehen will, Sie nicht begriffen zu haben. Sie koͤnnen Ludwig den Achtzehnten, fuhr er lebhaft, und in ſeiner gebietenden Strenge ganz zu dem Vicomte gewendet, fort, nicht Koͤnig nennen, und von geloͤſten Eiden ſprechen. Erkennen Sie ihn an, ſo bleiben Sie ihm verpflichtet! Pah! Wortſpiele! rief Camille wegwerfend. Der Kaiſer blieb Kaiſer, und man nahm ſein III. 171 zuruͤckgegebenes Wort recht gern an! Was ge⸗ gen dieſen galt, muß auch fuͤr ihn gelten. Weil es Ihnen bequem oder recht erſcheint? fragte der Graf. Ich ſehe nicht ein, ſtammelte der Vicomte erroͤthend, wie die doppelte Be⸗ ziehung hier paßt? Sehr natuͤrlich, verſetzte je⸗ ner, weil Sie ſelber doppelt ſind! Ha! rief Camille. Die Beſchimpfung dulde ich nicht. Sie mißverſtehen mich, wie ſich ſelbſt, er⸗ wiederte der Graf, mit wehmuͤthigem Laͤcheln. Der Augenblick betaͤubt Sie. Fliehen Sie mit mir den Ort unſeeliger Verwirrungen! In der Mitte einfacher Menſchen, werden Sie den Kaiſer von Elba, Napoleon Buonaparte nicht mit dem Enkel Ludwig des Heiligen, den ge⸗ bornen Koͤnig der Franzoſen, dem, der es nie aufhoͤrte zu ſein, verwechſeln. Herr von Sou⸗ lignae folgen Sie mir, bat Dominique, ich fuͤhle ein Herz in Ihrer Bruſt, das ich der guten Sache gewinnen moͤchte. Camille ſahe ihn unentſchloſſen doch gleich⸗ wohl geruͤhrt an. Sie glauben Herr Graf ftagte Boutt genblic J nique ſchlag es iſt fuͤr ſond genſt Es t ſchag aufzu niſch die nige ben Lau Bah Esk noch Was ge⸗ lten. erſcheint? tammelte pelte Be⸗ rſetzte je⸗ ung dulde ſelbſt, er⸗ Läͤcheln. Sie mit In der Sie den arte nicht den ge⸗ eer es nie von Sou⸗ nique, ich as ich der och gleich⸗ ett Graf fragte er kleinlaut, es ſei noch etwas fuͤr die Bourbons zu thun? In dieſem, dieſem Au⸗ genblicke noch? Nindeſtens fuͤr ſie zu ſterben! rief Domi⸗ nique begeiſtert. O, fuͤgte er lebhaft hinzu, ſchlagen Sie das nicht zu gering an, Gewiß, es iſt nicht unbedeutend, ein Zeugniß abzulegen, fuͤr welchen Zweck man lebte! Der Vicomte mochte ſich wohl daruͤber nie ſonderliche Rechenſchaft abgelegt, noch den Ge⸗ genſtand allzuſcharf in's Auge gefaßt haben. Es war ſichtlich ein fremder Ton in ihm ange⸗ ſchlagen, deſſen Klang ihn uͤberraſchte. Ohne aufzuſehen, laͤchelte er halb verlegen, halb iro⸗ niſch. Im Grunde der Seele aber regte ſich die Scham erwachenden Bewußtſeins. Ich ſchwoͤre es Ihnen, betheuerte Domi⸗ nique, ſo bleibt es nicht, ſo kann es nicht blei⸗ ben! Das Rad des Schickſals, nimmt ſeinen Lauf niemals ruͤckwaͤrts! Die raſch durchflogene Bahn wird nicht wieder von neuem begonnen! Es kann ſein, das Gluͤck laͤchelte Buonaparte noch einen Augenblick, er ſchwingt ſich auf den — 100— verlaſſenen Thron, er faßt die Zuͤgel der Regie⸗ rung, und blendet durch Trotz und Kuͤhnheit die erſtaunte Menge. Allein vergeſſen Sie es nicht, die Sonne kann uns im Herbſt wohl noch mit ihren ſengenden Strahlen uͤberraſchend taͤu⸗ ſchen, doch den Fruͤhling bringt ſie nicht. Das Naͤmliche wiederholt ſich im Kreislauf eines Lebens nicht ein zweitesmal. Napoleons Stunde hat geſchlagen. Er ſtellt die Uhr zuruͤck. Macht er darum aus Abend Morgen? Sie ſind ſo zuverſichtlich, entgegnete Ca⸗ mille, Sie ſprechen ſo beſtimmt, wahrhaftig, Sie koͤnnten mich irre machen, haͤtte die Gegen⸗ wart nicht auch eine Sprache, und klaͤnge die nicht erſtaunt gebietend. Die Gegenwart! rief Dominique unwillig. Dem luͤgenhaften Chamaͤleon vertrauen Sie? wer ſagt Ihnen, welche Phiſionomie im naͤch⸗ ſten Moment Ihre Göttin annehmen wird? In der That, ich weiß kaum, wie man es jetzt anfaͤngt, die Zeit in ihren raſchen Schwingun⸗ gen zu begleiten, da man in dem Heute, oft ſchon das Geſtern hat. Unter dem Schließen und Oef Scene! Eben anmaßend ben laſſen koͤngen. auf einſe Strudel dern Ta Ihr mit Waͤr mit dem wiſſen S hinzu, es zu bezwei meſſer, z Sahleitre ſeins ver ſeln, u Sie an Ihnen! haͤngt u Berge! er Regie⸗ Ruͤhnheit ₰ uf eines s Stunde c. Macht znete Ca⸗ hrhaftig, e Gegen⸗ laͤnge die unwillig. nen Sie! im naͤch⸗ den wird! an es jetzt chwingun⸗ heute, oft Schließen und Oeffnen des Auges, veraͤndert ſich die Scene! Eben deßhalb, laͤchelte Camille ein wenig anmaßend, wollen wir uns von der Welle trei⸗ ben laſſen, und nicht waͤhnen, ſie aufhalten zu koͤnnen. Chimaͤren der Art, bruͤtet man wohl auf einſamen Schloͤſſern aus, doch Mitten im Strudel der bewegten Fluth, gehn ſie mit an⸗ dern Taͤuſchungen unter. Ihr Kopf, entgegnete der Graf, ſeine Hand mit Waͤrme faſſend, Ihr Kopf weiß ſich etwas mit dem Hohn jener Worte, waͤhrend Ihr Ge⸗ wiſſen Sie Luͤgen ſtraft. Mein Gott, ſetzte er hinzu, es iſt nun ſchon ſo lange Mode, alles zu bezweifeln, und den Verſtand, wie ein Trenn⸗ meſſer, zwiſchen die Falten des geheimnißvollen Schleiers zu ſchieben, der die Tiefen des Da⸗ ſeins verhuͤllt, Sie ſollten einmal den Ton wech⸗ ſeln, und einen andern angeben! Scheinen Sie an ſich ſelbſt zu glauben, Viele werden's Ihnen nachthun, und beim Himmel der Glaube haͤngt mit jenem Beſſern zuſammen, welcher Berge verſetzt! — 102— Camille ſchwieg, waͤhrend er in ſich mit ſehr entgegengeſetzten Empfindungen kaͤmpfen mochte. Nach einer Weile, fragte er jedoch: wann Dominique Paris zu verlaſſen gedenke? Und als dieſer verſicherte: er werde nicht einen Augenblick laͤnger hier verweilen, als noͤthig ſei, um den Baron von ſeiner Abreiſe zu benach⸗ richtigen, erklaͤrte er, daß auch er geſonnen ſei, in die Provinz zuruͤckzukehren, und ſeinen Arm der Parthei des Koͤnigs anzubieten. Der Graf hatte nicht Zeit ihm ſeine Freude daruͤber auszudruͤcken, denn im naͤmlichem Au⸗ genblick kam Alphonſe, ſtrahlend von Gluͤck und Freude, ſchoͤn wie der junge Tag, in glaͤnzender Uniform, am Arme zweier jugendlicher Gefaͤhr⸗ ten, grade auf ihn zuſchreiten, doch zu ſehr im Geſpraͤch mit jenen vertieft, um ihn ſogleich zu bemerken. Dominique zuckte unwilluͤrlich bei ſeinem Anblicke zuſammen. Er wollte, durch eine raſche Wendung alles unwillkommene Be⸗ gegnen vermeiden, doch ein Zug des Herzens, deſſen er nicht Meiſter blieb, feſſelte ſein Auge an die beſeelten Blicke, und das ſprechende Mi⸗ nenſdill Er ſand Marquis Schn ſeinen B ſne bei faͤſterte Du hie In Fro biſt ver kehrten Wort ni Als hoͤcſſter; ſeinem( gende B vater ſe Rißtr kel des Decret dem J. Graͤnze verwieſ ſich mit kaͤmpfen jedoch: gedenke? cht einen kthig ſei, 1 benach⸗ unen ſei, einen Arm ne Freude hem Au⸗ gluͤck und laͤnzender Gefaͤhr⸗ ſehr im ſogleich willkuͤrlich llte, durch mene Be⸗ Hetzens, ſein Auge ende Mi⸗ — 103— nenſpiel des annmuthsvollſten der Menſchen. Er ſtand noch, und ſahe und ſann, als der Marquis ihn im Voruͤbergehen bemerkte. Schnell wie der Blitz machte ſich dieſer von ſeinen Begleitern los, flog auf ihn zu, faßte ſeine beide Haͤnde, und ploͤtzlich todten blaß, fluͤſterte er: Um Gottes Willen, was machſt Du hier? Geh'! fliege uͤber das Meer zuruͤck. In Frankreich iſt Dein Leben verwirkt! Du biſt verloren, erkennt man in Dir den ruͤckge⸗ kehrten Emigranten, welchen das Kaiſerliche Wort nicht in's Vaterland berief! Als Dominique ihn hier mit der Mine hoͤchſter Verwundrung anſahe, und deutlich auf ſeinem Geſicht die Frage lag: was ſo viel drin⸗ gende Beſorgniß veranlaſſe? fuhr der Maräuis, unter ſchnellem Wechſel der Farbe, heftig fort: Mißtraueſt Du mir? ſo lies den fuͤnften Arti⸗ kel des, in Lyon vom Kaiſer verlaſſenen, Decrets. Alle Ausgewanderte, welche nach dem Januar achtzehnhundertvierzehn Frankreichs Graͤnzen betraten, ſind bei Todesſtrafe daraus verwieſen. Und wer ſie Vierzehn Tage nach — 104— Bekauntmachung des Befehls innerhalb des Reichs betrifft, iſt angewieſen, ſie den Gerichten zu uͤberliefern! Die zuſammengezogenen Augen, des feuri⸗ gen Juͤnglings, ſpruͤheten unter dem Reden unruhig duͤſtere Funken, indeß ſein ſchoͤnes Ge— ſicht, durch ein feines, fluͤchtiges Muſkelſpiel, auf das Sprechenſte beſeelt ward. Dominique druͤckte ſchweigend ſeine Hand. Ich gehe! ſagte er nach einer Weile, verlaß Dich darauf. Und da uns die Umſtaͤnde eben ſo ploͤtzlich, und vielleicht eben ſo ungeſtuͤm wieder zuſammen fuͤhren, und Lage und Ver— haͤltniſſe uns einander unkenntlich machen koͤnn⸗ ten, ſo thue mir den Gefallen, und trage den ſchwarzen Crepp, welchen ich jetzt von meinem Arm loͤſen, und mit Dir theilen will. Das⸗ dunkle Zeichen, rufe es dem zornigem Herzen zuruͤck, wie viel wir um einander litten! Alphonſe, raſcher und unbewachter, als der Andre, hielt den ſchwarzen Flor in der Hand, die er krampfhaft gegen die Bruſt preßte, als wolle er den darin aufſteigenden Thraͤnenſtrom daein nie Nuͤhrung Erlbe her Strecke ſch von! Marquis daß ich! chaniſch als erbl Si kleine, a Haͤuſer, ahgeſchiet Welt anz 9, iſt denn wein H. phonſe, ſo unb mich D denken! gehen Meine halb des Gerichten es feuri⸗ n Reden oͤnes Ge⸗ uſkelſpiel, ine Hand. e, berlaß ande eben ungeſtuͤm und Ver⸗ een koͤnn⸗ trage den nmeinem ill. Das n Herzen en! r, als der der Hand, eßte, als nenſtrom darin nieder halten, und der uͤberwaͤltigenden Nuͤhrung Einhalt thun. Er konnte nicht eine Sylbe hervorbringen. Dominique zog ihn eine Strecke ſchweigend mit ſich fort. Beide fuͤhlten ſich von der namenloſeſten Angſt gequaͤlt. Der Marquis ſagte endlich leiſe: wo willſt Du denn, daß ich hingehe? Jener zuckte zuſammen. Me⸗ chaniſch blieb er ſtehen, und ſah Alphonſe an, als erblicke er ihn zum erſtenmal. Sie waren, ohne es zu bemerken, in eine kleine, abgelegene Straße gerathen. Die finſtern Haͤuſer, die veralteten Geſtalten, das ſtillere, abgeſchiedene Weſen, alles ſchien einer andern Welt anzugehoͤren. O, mein Gott! ſagte der Graf unruhig, iſt denn irgend etwas mit mir vorgegangen, daß mein Herz umgewendet und Dein Bild Al⸗ phonſe, daraus verjagt haͤtte! Du kommſt mir ſo unbekannt, ſo fremd vor, ich habe Muͤhe, mich Dir als ein und denſelben Menſchen zu denken! Nein! nein! ſetzte er eilig hinzu, wir gehen nicht laͤnger mit einander! lebe wohl! Meine Bruſt iſt ſo eng zuſammengezogen, daß — 106— kein Seufzer mehr darin Platz findet. Ich ſcheide faſt ruhig von Dir Alphonſe! In Gottes Namen! entgegnete dieſer. Ver⸗ giß mich Dominique, wenn es ſein muß. Aber denke an Dich, Du biſt, bei allem was heilig iſt, keinen Augenblick laͤnger hier ſicher. Du wuͤrdeſt mich wohl verrathen muͤſſen, Lieber? fragte der Graf, in einem ſo ſeltſam fremden, ſich ſelbſt entaͤußerndem Tone, daß der Marquis entruͤſtet das Geſicht abwandte, als brauche er Zeit, den fatalen Eindruck zu uͤber⸗ winden. Lebe wohl! ſaͤuſelte hier ein warmer Hauch an ſeiner Wange hin. Er ſah raſch nach Dominique um. Der war verſchwunden. Al⸗ phonſe ſtampfte unmuthig mit dem Fuße. Un⸗ glaublich! rief er, wie dieſe Eifrer in ihrem zaͤhen Wahne ſteif und unbeholfen werden! Er glaubte zu zuͤrnen, aber das Herz that ihm wehe. Er konnte auch den Ernſt und die Wehmuth nicht los werden, als mehrere Stun⸗ den darauf der Kaiſer nun wirklich einzog, ſein lebendiger Wunſch erfuͤllt, das Alte wieder neu, das Neue vernichtet war. Eine geheime innere Stimme denn nun die abgeſ ſorgniß. mende Ta Dom uͤber den Natur! dungen Ein darauf Poſtſtatig Stimmur „MMi von dem, die keine ſttäubt ſ Abe lauben Thraͤne Verhaͤlt als giga Schluͤſſe indet. Ich jeſer. Ver⸗ nuß. Aber was heilig er. en muͤſſen, ſo ſeltſam ne, daß der andte, als k zu uͤber⸗ n warmer raſch nach dden. Al⸗ Fuße. Un⸗ in ihrem erden! Herz that aſt und die rere Stun⸗ inzog, ſein vieder neu, zmme innere — 107— Stimme ſchien ihn zu fragen: Und was iſt denn nun? Ja, was iſt es nun? wiederholten die abgeſpannte Natur, wie die ahndende Be⸗ ſorgniß. Eine Antwort ſollten ihm erſt kom⸗ mende Tage bringen. Dominique ſchien hieruͤber weniger, als uͤber den Zuſtand des eignen Innern, und die Natur und Beſtimmung menſchlicher Empfin⸗ dungen uͤberhaupt, in Streit zu ſein. Ein Brief an Sir Aigrim, wenige Tage darauf im Laufe ſeiner Ruͤckreiſe von einer Poſtſtation geſchrieben, wird ſeine damalige Stimmung am natuͤrlichſten entwickeln.“ „Nichts von dem großen Ereigniß! Nichts von dem, was hier vorgeht! Es giebt Dinge, die keine Worte haben ſollten. Die Zunge ſtraͤubt ſich, ſie zu nennen! Aber eine Frage, Mylord, eine Frage er⸗ lauben Sie mir! Verdient das Leben noch eine Thraͤne oder ein Laͤcheln, wenn Ereigniſſe und Verhaͤltniſſe, Thaten und Gefuͤhle nichts ſind, als gigantiſche Hieroglyphen, zu denen wir den Schluͤſſel erſt in einer andern Welt empfangen rog— ſollen? Giebt es auch Ernſt und Wahrheit, wenn der Menſch, nur ein groͤßeres Kind, um⸗ faſſendere Spiele ſpielt, und die Phantaſie die einzige Schoͤpferin bleibt, indeß ſich alle Wirk⸗ ſamkeit an Traͤume erſchoͤpft? Mißverſtehen Sie mich nicht. Ich fuͤhle, daß ich Ihnen undeutlich werde. Hoͤren Sie nur das Eine noch! Ich habe mit einem Ent⸗ ſetzen, das ich nicht ausdruͤcken kann, entdeckt, daß der Menſch, ſich ſelber unbewußt, eine doppelte Geſtalt traͤgt, von welcher die Eine ſo genau mit der Andern zuſammenhaͤngt, daß man den Wechſel gar nicht wahrnimmt und jedesmal die herrſchende fuͤr die aͤchte und wahre haͤlt, indeß die Liebe nur, das innere Einverſtaͤndniß, die eigentlich urſpruͤngliche erkennt. Wird die Harmonie unter den vertrauteſten Freunden ge⸗ ſtoͤrt, geſtalten ſich die Lebensbeziehungen an⸗ ders, ſo legt ſich das fremde Kleid um die ge⸗ liebten Zuͤge, es ſehen ſich Augen verwundert an, die gewohnt waren, in einen einzigen zuͤn⸗ denden Blitz zuſammenzufallen, und ein Daſein zu umfaſſe ſtolze Vot Thore bende Hei lem, was bleibt unb des Freur det Er mehr! Sir Aig bedingen nun bei denn unſt gen ſo ſe Konf die ſälbſ wir A ſeiner ge ſchief u was tat los ſche tiſſen! In de Wahrhes Währhei, Kind, um⸗ intaſie die alle Wirk⸗ Ic fühle, ren Sie einem Ent⸗ entdeckt, ußt, eine ſe Eine ſo daß man jedesmal ahre haͤlt, rſtaͤndniß, Wird die eunden ge⸗ ungen an⸗ um die ge⸗ verwundert zigen zuͤn⸗ ein Daſein zu umfaſſen, dem der hochfliegende Geiſt das ſtolze Wort der Ewigkeit beilegte! Thoren! die auf dem wogendem Meer blei⸗ bende Heimath ſuchen! Nichts! nichts von al⸗ lem, was die liebende Bruſt heilig bewahrte, bleibt unberuͤhrt von der reißenden Fluth! Auch des Freundes geliebtes Bild, es gehoͤrt nur noch der Erinnerung, die Welt hat es nicht mehr! Sir Aigrim, ſind Verhaͤltniſſe ſo viel im Leben, bedingen ſie unſer Erkennen, unſer Empfinden? nun bei dem ewigen Gott! was haͤngen wir denn unſre Herzen noch an etwas, das Mor⸗ gen ſo ſein kann, wenn es heute anders war! Konnte die ſchillernde Uniform, konnten die ſelbſtzufriedenen, anmaaßenden Begleiter mir Alphonſe unkenntlich machen, mußte ich ſeiner gegenwaͤrtigen Stellung anfuͤhlen er ſtehe ſchief und gezwungen zu mir— Guter Sir, was tadeln wir denn die Armen, die wir treu⸗ los ſchelten? das Leben hat ſie auseinanderge⸗ riſſen! In der Einſamkeit, in dem gleichfoͤrmigen Laufe — 110— ſtiller, friedlicher, Stunden, da ſteigen jene Traͤume von Unwandelbarkeit und ewiger Dauer menſchlicher Verbindungen vor uns auf, aber da, wo Ebbe und Fluth die Stroͤhmung gewalt⸗ ſam gegen einauder treiben, da werden wir es inne, wie klein, wie endlich, wie unausſprech⸗ lich elend der Menſch iſt! Iſt er das? Iſt er das wirklich? Oder iſt es anders? Breitet ſich das, was wir Leben nennen, wie ein buntes Gewebe uͤber die tie⸗ fere Bedeutung unſers Seins aus? und liegt dies Geheimniß ſo verhuͤllt vor dem endlichem Auge, daß nur die Ahndung zuweilen daran ſtreift? Waͤre alles Sichtbare nur Stoff, gege⸗ ben den arbeitenden Geiſt durch eine Reihefolge unendlicher Verſuche, zu entwickeln? ſoll er ſich Zeitenweiſe daran hinwerfen, und denken: er habe es! Nun ſei die Aufgabe geloͤſt? und muͤſſen Taͤuſchung und Schmerz immer wieder den Eitlen wecken, und ihm die niedre Stufe zeigen auf welcher er ſteht? Ich ſehe ſie dieſe Stufe! kaum einen Schritt uͤber der flachen Erde, ich ſehe ſie und mich auf il Blick, mitt bunten Dech wie wahr iſ loſe Arbeit Glaub welchem ſ weit ausei hinunter Wahnſinn ner confu Eine alle Verw Tod, beſte Herzen wi die Erloͤſu vetklaͤtt d entſtelltes und wo und halt eigen jene ger Dauer auf, aber no gewalt⸗ een wir es ausſprech⸗ 1 Dder iſt wir Leben ber die tie⸗ und liegt endlichem len daran toff, gege⸗ Reihefolge ſoll er ſich enken: er e geloͤſt? erz immer die niedre ꝛum einen hhe ſie und — 111— mich auf ihr! Aber ich habe auch zugleich einen Blick, mitten durch die ſpielenden Gebilde der bunten Decke, in die Tiefe gethan! Sir Aigrim! wie wahr iſt die Fabel des Yxion! Alles frucht⸗ loſe Arbeit! und doch ſo ſtreng geboten! Glauben Sie nicht, beſter Sir, daß der, welchem ſich das bunte Elementargeſpinſt ſo weit auseinanderzog, daß er bis zu dem Urquell hinunter ſchaute, glauben Sie nicht, er koͤnne Wahnſinn oder doch Tiefſinn fuͤr den Reſt ſei⸗ ner confuſen Laufbahn daraus ſchoͤpfen? Eine Stunde kommt denn, eine, die alle Verwirrung loͤſt! Es iſt die letzte! Der Tod, beſter Herr, der Tod zieht die getrennte Herzen wieder feſt aneinander! Im Tode liegt die Erloͤſung! da faͤllt die falſche Larve ab, da verklaͤrt die ewige Barmherzigkeit des Freundes entſtelltes Bild! O Alphonſe! Alphonſe! wann und wo werden wir einander wieder haben und halten fuͤr die Ewigkeit! — — 112ñ— V Dominigue hatte bei dieſer Stelle ſeines Brie⸗ fes die Feder weggeworfen; Den Kopf in beide Haͤnde gedruͤckt, blieb er geraume Zeit in dump⸗ fem Truͤbſinn verſunken. Er wußte eigentlich nicht, wohin er mit ſich und der innern Ver⸗ zweiflung, die ihn trieb und ſtachelte, hinſolle. Unbekannt, losgeriſſen, von allem woran ihn Herz und Neigung band, im eignem Vater⸗ lande fremd, von der Gegenparthei und ihrem Oberhaupte geaͤchtet, dem Spiel des Zufalles preis gegeben, was blieb ihm hier noch zu thun uͤbrig? Er ſtarrte mit ſtumpfem Blicke in ſich hin— ein, und fragte wiederholt: was nun Ungluͤck⸗ licher? wohin nun? Ach eine Stimme, vor der er ſo oft ſein Ohr verſtopft, die unruhig arbeitende Bruſt ver⸗ ſchloſſen hatte, antwortete ihm leiſe: zu ihr! zu der Einzigen, die dem nicht mißtrauen, den nicht verrathen wird, der ihr Geheimniß zu dem ſeinem machte! Es d ruhigender in der ſeit lubten Ab kürlich flo unglͤcklich ſtoͤrte do ken; ja, gauz die ihm ein Schrecke dieſes E als es ſi Freundſch phonſe ſe fuͤr imm wartet, Halodur Frage i ſten T Hoffnur M tüͤck, d III. eines Btie⸗ pf in beide t in dump⸗ eeigentlich anern Ver⸗ e, hinſolle. woran ihn nem Vater⸗ und ihrem es Zufalles ch zu thun in ſich hin⸗ in Ungluͤck⸗ ſo oft ſein Bruſt ver⸗ ſe: zu ihr! trauen, den miß zu dem — 113— Es duͤnkte ihm nichts Suͤßeres, nichts Be⸗ ruhigenderes, als neben Cecilia ſitzen, ihre Hand in der ſeinen ſchließen, mit ihr von dem ge— liebten Abtruͤnnigen reden zu duͤrfen. Unwill⸗ kuͤrlich floß das Bild des Letztern mit dem des ungluͤcklichen Maͤdchens zuſammen. Anfangs ſtoͤrte es ihn nicht, ſie ſich ungetrennt zu den⸗ ken; ja, er empfand in der Theilnahme fuͤr beide ganz die Wehmuth, welche ihr hartes Geſchick ihm einfloͤßte; allein bald bemerkte er mit Schrecken, daß er bei der Unabaͤnderlichkeit dieſes Geſchicks laͤnger und ruhiger verweile, als es ſich mit uneigennuͤtziger und beſorgter Freundſchaft vereinen laſſe. Der Gedanke, Al⸗ phonſe ſei durch die Gewalt der Umſtaͤnde, nun fuͤr immer von Cecilia losgeriſſen, trat uner⸗ wartet, wie ein Geſpenſt aus dem traͤumeriſchen Halbdunkel hervor, und ſchnitt ſcharf mit der Frage in ſein Gewiſſen: ob er nicht in der tief⸗ ſten Tiefe ſeines Innern eine verraͤtheriſche Hoffnung hieran knuͤpfe? Mit Abſcheu ſtieß er das lockende Bild zu⸗ ruͤck, das ſelbſt an dem ernſten Vorwurf noch III.[81 — 114— gaukelnd hinglitt, und Treue und Wahrheit zu verſpotten ſchien. Unſeeliger! klagte er mit tiefem Seufzer. Ueberall, uͤberall heimathlos! Auch ihr ſchoͤnes, frommes Auge ſpricht Dein Verbannungsur⸗ theil! Ich darf ſie niemals, niemals wieder⸗ ſehen! Er blieb einige Augenblicke, wie vor dem entſcheidendem Entſchluſſe zuruͤckbebend, auf ſei⸗ nem Platze, in einem kleinen, abgelegenen Win⸗ kelchen der Gaſtſtube ſitzen, ohne etwas außer ſich zu beachten. Es ſei! ſagte er endlich halblaut. Packte den angefangenen Brief, nebſt andern, noch zer⸗ ſtreut liegenden Papieren zuſammen, ſteckte ſie zu ſich, griff dann nach ſeinem Hute und eilte der Thuͤr zu, ganz mit dem eben gefaßten Vor⸗ ſatze beſchaͤfftigt, und ſo in dieſem verloren, daß er, ohne zu gruͤßen, oder auch nur fluͤchtig auf die Anweſenden zu blicken, an dieſen mit ge⸗ ſenktem Kopfe und einer Duͤſterheit hinging, welche zu der ziemlich laut werdenden Aeußer⸗ ung Anlaß gab: daß man es dem Herrn auf 1 den erſten allen Gle vor ihm werde. 2 ſchieden Dunkeln räumt, ſ meinetw haſſen, muß ſer dem anl ledig zu draufſetze Nichts v rothe Mi ein Scht ſeription Um zuͤgle d davon, ihn! läͤ er hat, Suͤnden ahrheit zu Seuffer. ſchoͤnes, nungsur⸗ ⁵ wieder⸗ vor dem d, auf ſei⸗ henen Win⸗ was außer . Packte noch zer⸗ ſteckte ſie und eilte aßten Vor⸗ loren, daß fuͤchtig auf en mit ge⸗ t hinging, en Aeußer⸗ Herrn auf — 115— den erſten Blick anſehe, wie ihm der Kaiſer in allen Gliedern liege, er deſſen Naͤhe ſcheue, ſich vor ihm ducke und wohl bald das Weite ſuchen werde. Worauf eine andre Stimme ſehr ent⸗ ſchieden erwiederte: Wenn er aus Furcht im Dunkeln ſchleicht, und das Feld gutwillig raͤumt, ſo hole ihn der Teufel! Sonſt mag er meinetwegen immer den Bluthund von Elba haſſen, ich will es ihm nicht verargen. Der muß ſeinen Vortheil ſchlecht kennen, welcher dem anhaͤngt! Er iſt gut genug, den Thron ledig zu machen, aber ſich ſelbſt darf er nicht draufſetzen wollen. Das Stuͤck hat ausgeſpielt! Nichts von Koͤnigen! nichts von Kronen! die rothe Muͤtze ſitzt wieder auf unſern Koͤpfen, und ein Schurke, der ſie gegen das Joch der Con⸗ ſeription vertauſcht. Um Gottes Willen! fluͤſterte ein Andrer, zuͤgle die unbaͤndige Zunge, ſie laͤuft mit Dir davon, und Du holſt ſie nicht wieder ein! Laßt ihn! laͤchelte der Poſthalter verlegen, laßt ihn! er hat getrunken. Der Wein lockt immer alte Suͤnden an's Licht. — 116— Pah! alte Suͤnden! wiederholte jener. Bald werdet Ihr von neuen Tugenden hoͤren! ich verſichre Euch! Denn bei der Freiheit und ihren Verfechtern! es iſt eine große Tugend, ein Volk aus der Selaverei erloͤſen, den Blin⸗ den die Augen oͤffnen, die Thoren bekehren! Was? fuhr er lauter und heftiger fort, was? ſeid Ihr noch nicht klug geworden? Soll das Gaukelſpiel wieder von vorn angehen? wollt Ihr Euch mit ſchoͤnen Worten naͤrren und zur Schlachtbank treiben laſſen? Habt Ihr's ſchon vergeſſen, wie viel von den Euren auf den Eis⸗ flaͤhhen der Berezina liegen blieben? Teufel noch einmal! und Ihr buͤckt Euch vor dem, der ſie dahin brachte? Ihr kuͤßt ihm, wie feige Schulknaben, aus niedrer Furcht die Haͤnde, eufzt und ſchweigt, und kriecht mit dem Ge⸗ wuͤrm am Boden! Der heftig Redende ward hier durch eine raſche Wendung des Grafen unterbrochen, wel⸗ cher auf das erſte, ihm nachgeſchickte Wort ſte⸗ hen blieb und dem Verfolg des Geſpraͤchs ge⸗ ſpannt zuhoͤrte. Guter Freund, ſagte er jetzt, vot jenen zu enges Ungekehr Weisheit zu Makk Rede iſt andte S die an D hinzuſe mich!! irgend n zwiſchen dorbener lachelte reden k Wand, C Himn es mi ſein 3 Gevat hinzu. lte jener. en hoͤren! eiheit und Tugend, den Blin⸗ bekehren! drt, was? Soll das den? wollt en und zur tht's ſchon f den Eis⸗ 7 Teufel dem, der wie feige te Haͤnde, dem Ge⸗ durch eine lochen, wel⸗ Vort ſte⸗ ſpraͤhhs ge⸗ te er jeht, — 117— vor jenem hintretend, wahrhaftig, Ihr habt ein zu enges Herz und einen zu großen Mund! Umgekehrt waͤre es beſſer. Man ſuchte vielleicht Weisheit bei Euch, jetzt tragt Ihr die Thorheit zu Markte. Glaubt mir— Schweigt! Eure Rede iſt verbraucht! Ihr gewinnt Euch keine andre Schuͤler damit, als ein Paar Schergen, die an Euch ihr Handwerk probiren werden. Die Anweſenden lachten, als Dominique hinzuſetzte: Sie werden Euch hängen, denkt an mich! und das aus gutem Grunde, damit Ihr irgend wo einen Halt findet und nicht laͤnger zwiſchen Kaiſer und Koͤnig in der Peſtluft ver⸗ dorbener Duͤnſte ſchwebt. Ich ſage Euch das, laͤchelte Dominique, damit Ihr erfahrt, daß ich reden kann, wenn ich es noͤthig finde, und nie⸗ mand, am wenigſten die rothen Muͤtzen fuͤrchte! Gut! gut! riefen Mehrere zugleich, beim Himmel! das war gut geſagt! der da verſteht es mit einem Advocaten anzubinden und ihm ſein Theil zu geben! Peſt! das war ſtark, Gevatter! Aber wahr, wahr!l ſetzten Andre hinzu. — 118— Der, an welchen ſich die Worte richteten, ſah kalt und trotzig drein. Er zuckte die Ach⸗ ſeln und wandte ſich ab. Nur als der Graf das Zimmer verließ, heftete er einen langen, ſonderbaren Blick auf die Thuͤr. Dominique fragte beim Hinausgehen einen Aufwaͤrter, wer der laͤrmende Herr ſei, der ſo unziemliche Worte drinnen rede? und erhielt zur Antwort: jener ſei aus Caen ein Herr vom Rathe, ſeit kurzem verabſchiedet, aber von gro⸗ ßem Anhange. Viele, welche es nicht ſagten, daͤchten wie er und thaͤten auch ſo. Der Burſche lachte dabei, und gab zu verſtehen, er kenne das Terrain und wuͤrde im Nothfall wohl daruͤber Beſcheid zu geben wiſſen. Der Graf wies alle weitere Mittheilung mit abwehrender Hand von ſich. O nichts, nichts mehr, bat er, mit einer Miene, die ſein verletztes, empoͤrtes Innre genungſam aus⸗ druͤckte. Wirklich war ihm auch in dieſem Augen— blicke, als fuͤhle er alle Faͤden menſchlicher Ver⸗ bindung geloͤſt, als kette ſich nur Verrath an Vetrath/ das lbend Er be ſai, ihm gen, inde Iſ einſamer in ane keit, in und die 30 Empfind ſcher, ol Fluth u ruͤck au⸗ ſtand, Abee w werden er hof riſchen dieſe habe? ſchnell kichteten, e die Ach⸗ der Graf en langen, hehen einen ſei, der ſo und erhielt n Herr vom er von gro⸗ iſt ſagten, er Burſche kenne das hl daruͤber Nittheilung O nichts, ne, die ſein gſam aub⸗ ſem Augen⸗ hlicher Ver⸗ Verrath an Berrath, und bodenlos ſei der Abgrund, dem das lebende Geſchlecht zuſtuͤrme. Er befahl ſeinen Leuten, wie ſpaͤt es auch ſei, ihm auf der großen Heerſtraße nachzufol⸗ gen, indeß er langſam vorausging. Iſt doch Dein Weg auch ein dunkler und einſamer, wie der hier in der Nacht! ſagte er in einem Gemiſch von Wehmuth und Bitter⸗ keit, indem eine Thraͤne in ſein Auge drang, und die Lippe ſich zu hoͤhnendem Laͤcheln verzog. Zwiſchen dieſen und aͤhnlichen getheilten Empfindungen ging er raſcher und immer ra⸗ ſcher, ohne etwas Beſtimmtes, mitten in einer Fluth unruhiger Vorſtellungen, zu denken. Zu⸗ ruͤck auf ſein Schloß! dahin mußte er, ſo viel ſtand, als feſter Grund ſeines Wollens, feſt. Aber was ſich an dieſe Ruͤckkehr zunaͤchſt knuͤpfen werde? ob er dort zu bleiben wagen duͤrfe? ob er hoffen koͤnne, dem Koͤnige in dem aufruͤhre⸗ riſchem Lande eine Parthei zu gewinnen? ob ſich dieſe nicht ſchon im Stillen bereits gebildet habe? das waren Zweifel und Hoffnungen, die ſchneller wie Blitze, einander durchkreuzten. Er war, im Tackte ſeiner fieberiſchen Pulſe, mit unerhoͤrter Schnelligkeit bis zum ploͤtzlichem Gefuͤhl oder Ermuͤdung gelaufen. Er ſtand da⸗ her ſtill und ſah nach ſeinem Wagen um. Die Finſterniß erlaubte ihm nicht einen weiteren Raum, als die naͤchſten Paar Schritte zu uͤber⸗ ſchauen. Hier ſtieß er haͤufig genug auf Reuter und Fahrende, denn die Straße war, bei der großen Bewegung des Landes, nicht einen Au⸗ genblick leer, gleichwohl entdeckte er unter allen voruͤberrollenden Wagen keinen, welcher durch den Schein vier hellleuchtender Laternen kennt⸗ lich genug ſein mußte, um von andern unter⸗ ſchieden zu werden. Ueberdem hatte er einen großen engliſchen Hund, ſeinen ſteten Begleiker, bei ſich, der bei den erſten Spuren der Witte⸗ rung ohnfehlbar angeſchlagen und das Zeichen befreundeter Naͤhe gegeben haben wuͤrde. Wo bleiben nur die Leute! rief er aͤrgerlich. Das kann niemals von der Diele eines Gaſt⸗ hofes loskommen! Großer Gott! ſeufzte er, moͤ⸗ gen ſie denn in dieſer Zeit noch eſſen und trin⸗ ken, und an Ruhe denken! Aekge einen Mei den bewweg Fuhrwerk Blicken h gebens, es ihm Hie verſtimn Zunge, Unzaͤhlig mit dem in aͤhnlic Erkl neben ih was Ih ſoine u ſtadt ve ren Ge dieſer hofe w ich wei ſchen Pulſe, plöͤßzlichem t ſtand da⸗ um. Die u weiteren te zu uͤber⸗ auf Reuter ar, bei der t einen Au⸗ unter allen elcher durch enen kennt⸗ dern unter⸗ te er einen Begleiker, der Witte⸗ das Zeichen uͤrde. er aͤrgerlich. eines Gaſt⸗ fite er, moͤ⸗ en und trin⸗ — 121— Aergerlich lehnte er mit dem Ruͤcken gegen einen Meilenzeiger, waͤhrend er unverwandt je⸗ den beweglichen Lichtſchein, jedes herannahende Fuhrwerk begleitete und es mit ungeduldigen Blicken heranzog. Doch immer auf's neue ver⸗ gebens, ſo daß er in endloſer Erwartung, wie es ihm ſchien, faſt verging. Hierdurch, wie durch alles Vorhergehende verſtimmt, bewachte er weder Gedanken noch Zunge. Manches heftige Wort entſchluͤpfte ihm. Unzaͤhligemal wechſelte er die Stellung, ſtampfte mit dem Fuße, und that und ſagte, was man in aͤhnlichen Faͤllen ſagt und thut. Erklaͤren Sie mir nur, lachte jemand dicht neben ihm, was Sie mit dieſer Eile bezwecken? was Ihnen daran liegt, hier oder anderswo zu ſein? und warum Sie gerade heute die Haupt⸗ ſtadt verließen, indeß Tauſende dahin eilen, ih⸗ ren Goͤtzen zu huldigen? Dominique, welcher auf den erſten Ton dieſer Stimme, den Schreier aus dem Gaſt⸗ hofe wiedererkannte, entgegnete ſtolz: So viel ich weiß, kennen wir uns einander nicht. Es — 122— giebt daher keinen Grund, der eine beſtimmtere Antwort meiner Seits noͤthig machte. Sehr noͤthig, mein Herr! verficherte der Andre, ſehr noͤthig! Es thut jetzt niemand ei⸗ nen Schritt, deſſen Richtung gleichguͤltig waͤre. Seh'n Sie, mein Herr, Sie verlaſſen, Sie fliehen Paris, Sie ſind kein Buonapartiſt. Die rothe Muͤtze wollen Sie auch nicht tragen, folglich halten Sie es mit den Bourbons. Es iſt ſchade um Sie, daß Sie gehaͤngt oder er⸗ ſchoſſen werden muͤſſen. Kommen Sie den neuen Geſetzgebern zuvor. Werfen Sie alle Geſetze uͤber den Haufen! Tragen Sie den ſtolzen Nacken nur ſo viel hoͤher, um uͤber ein Paar miſerable Adelsbriefe hinauszuſehen. Laſ⸗ ſen Sie den Scheinadel fahren! Die Freiheit und das ungekraͤnkte Menſchenrecht— Das eben, fiel ihm Dominique heftig in's Wort, das eben nehme ich jetzt in Anſpruch! Laſſen Sie mich ungehindert auf dem Fleck, wo ich ſtehe, und goͤnnen Sie mir ſpaͤter meinen Weg zu ſuchen, gleichguͤltig, wohin er fuͤhre? Sie ſind ſehr unſchuldig! rief jener, daß Sie in dieſem machen ged ſen Sie de einſäbige? Feind iſt, ſanes ihe Rohaliſte junge eir ten Die er mit d aus dem nicht, daß haͤngt? Hetzogs Empfehlr dergeſetz geracht. im Lau⸗ dieſer Leben, giebt. Si Graf. beſtimmtere te. erſſcherte der niemand ei⸗ gaͤltig waͤre. rlaſſen, Sie Suonapartiſt nicht tragen, ourbons. Es ngt oder er⸗ n Sie den n Sie alle Sie den um uͤber ein zuſehen. Laſ⸗ Die Freiheit ht— Das in's Wort, ruch! Laſſen leck, wo ich meinen Weg ühre! ener, daß Sie — 123— in dieſem Augenblick eine aͤhnliche Foderung zu machen gedenken. Mein ſchoͤner Herr, vergeſ⸗ ſen Sie denn ganz und gar, daß der muͤrriſche, einſilbige Druot ſchon darum Ihr entſchiedener Feind iſt, weil Sie der Erbe und Nachfolger ſeines ehemaligen Gebieters ſind? daß er die Royaliſten haßt, weil er als Kuͤchen oder Schloß⸗ junge einmal in Verſailles, wegen eines ertapp⸗ ten Diebſtahls ausgepeitſcht ward? Ferner, daß er mit dem Marquis entzweit und von dieſem aus dem Dienſt gejagt worden? Denken Sie nicht, daß an allen dieſen Faͤden Ihr Schickſal haͤngt? Der kluge Fuchs iſt in den Dienſt des Herzogs von Feltré getreten, und hat ſeinen Empfehlungsbrief durch die Anzeige Ihres wie⸗ dergeſetzlichen Aufenthaltes in Frankreich mit⸗ gebracht. Sie werden beobachtet, und ſind Sie im Laufe der bewilligten Friſt noch innerhalb dieſer Graͤnzen, ſo nehmen Sie Abſchied vom Leben, und allem, was dieſem fuͤr Sie Reiz giebt. Sie ſcheinen gut unterrichtet, laͤchelte der Graf. Nun, dem ſei wie ihm wolle, fuͤgte er — 124— trocken hinzu: ich fuͤrchte den Tod nicht! Aber vielleicht die Todesart: verſetzte der Andre. Ihres Gleichen laͤßt das Haupt lieber auf ein Seidenpfuͤhl, als auf den Block zuruͤckfallen, wenn es die Sichel maͤhet. Sie vergeſſen, daß der koͤnigliche Maͤrtyrer uns hierin vorangegangen iſt! entgegnete Do⸗ minique. Der franzoͤſiſche Edelmann wendet ſich mit geringerer Verachtung vom Henker, als von dem Rebellen, ſetzte er hinzu, indem er eilig ein Paar Schritt vorwaͤrts ging. Jener war indeß bald wieder an ſeiner Seite. Weshalb, ſagte er, vermeiden Sie es ſo aͤngſtlich, Cammeradſchaft mit denen zu ma⸗ chen, die im Grunde Ihre Freunde, und Ih⸗ nen unentbehrlich ſind? Er hielt hier inne, des Grafen Antwort erwartend, doch als dieſer es vorzog, ſeine Worte nicht wegzuwerfen, fuhr er fort: Sie moͤgen ſich ſtellen, wie Sie wollen, und Ihrem Beginnen ein noch ſo vornehmes Anſehen geben, Rebell ſind Sie fuͤr den Au⸗ genblick immer. Dominique machte eine Bewegung, als holle ek a eines Beſſ Koͤnne leberläͤſtig Ihr Dich Tirannen das wolle mit Ihr Strecke die Ziere Die mit erzwe nicht ver ten, allei ich, und doch woh We ihn jen ſchaden M indem Schulte verhinde nicht! Aber der Andre, dber auf ein arruͤckfallen, he Maͤrtyret tgegnete Do⸗ a wendet ſich enker, als von ndem er eilig ran ſeiner ddeen Sie es enen zu ma⸗ de, und Ih⸗ ier inne, des als dieſer es tfen, fuhr er Sie wollen, ſo vornehmes fuͤr den Au⸗ wegung, als — 125— wolle er auf ihn zufahren, doch beſann er ſich eines Beſſern, und ging ſchweigend weiter. Koͤnnen Sie es in Abrede ſein, fuhr der Ueberlaͤſtige, ohne ſich ſtoͤren zu laſſen, fort, daß Ihr Dichten und Trachten dahin zweckt, den Tirannen zu entthronen? Nun beim Himmel! das wollen eine ganze Menge tuͤchtiger Kerle mit Ihnen! Unſer Weg iſt daher eine gute Strecke derſelbe. Wozu alſo der Eigenſinn und die Ziererei, als kennen wir einander nicht? Die Straße iſt breit, ſagte Dominique mit erzwungener Ruhe, ich kann es Ihnen nicht verwehren, ſie mit mir zugleich zu betre⸗ ten, allein ſobald mein Wagen kommt, fahre ich, und Sie gehen, wir werden uns dann doch wohl trennen muͤſſen.„ Wenn Ihr Wagen kommt unterbrach ihn jener. Ja, der kommt aber nicht, lachte er ſchadenfroh. Nicht? nicht? fragte Dominique heftig, indem er ſeinen unbequemen Nachbar bei den Schultern packte. Wer will meinen Leuten verhindern— wer hat ſich an meinem Eigen⸗ — 126— thum vergriffen— Unverſchaͤmter! rief er mit zorniger Stimme, ich will Dich lehren, Deine Kunſtſtuͤcke an mir zu verſuchen. Sachte, ſachte! warnte jener. Um's Him— mels Willen nicht ſo laut! Ihr Intereſſe, wie das meinige iſt es, daß wir nicht zu fruͤh Sturm laͤuten. Hoͤren Sie mich, bat er mit gedaͤmfter Stimme. Die Sache iſt die: In Ihrer Ge⸗ gend iſt alles in Aufruhr. Die Kuͤſtenbewohner fuͤrchten den Kaiſer. Die Leute ſind klug. Sie leben vom Handel und Handelsverkehr, und treiben es heimlich und ſtill. Die Aufpaſſer haſſen ſie. Ach mein Herr, fuͤgte er lebhaft hinzu, die Freiheit, gleichviel aus welchen Mo⸗ tiven, findet uͤberall ihre Anhaͤnger. Nun, fuhr er fort, ich kenne daherum alles, der ehemalige Comiſſair Charlot, auch im verborgenem Han⸗ delsvereine, mein Freund aus hoͤheren Gruͤn⸗ den, Ihr Wiederſacher aus perſoͤnlicher Bezieh⸗ ung, im Allgemeinen ein capitaler Spuͤrhund, fuͤhrt eine Liſte von allen Mitgliedern der ver⸗ ſchiedenen Partheien im Departement.— Sie, mein Herr, ſind nicht darauf vergeſſen! 2 Nan weiß don kuͤhn, unte Zwecke bere ten wir nie mußten du Häͤnde fal Ihr Wage Det Poſ Laute iſt ter der der And ſprach ich fen wir zu Er h. ſellten ſich gleich, al uͤgelter fen. D und ihn daß Zor genblick nen Geg der, mac 1 22[ rief er mit ihren, Deine Ums Him⸗ tereſſe, wie fruͤh Sturm nit gedaͤmfter n Ihrer Ge⸗ iſtendewohner nd klug. Sie verkehr, und ie Aufpaſſer eer lebhaft welchen Mo⸗ . Nun, fuhr der ehemalige genem Hau⸗ heren Gruͤn⸗ licher Bezieh⸗ r Spuͤthund, dern der ver⸗ eent.— Sie, eſſen! Man weiß von Ihnen, gleichwohl ſind Sie reich, kuͤhn, unternehmend, wir ſollten uns uͤber unſre Zwecke vereinen! Auf gewoͤhnlichem Wege konn⸗ ten wir nicht mit einander bekannt werden. Sie mußten durch irgend ein Hinderniß in unſre Haͤnde fallen. Das Hinderniß iſt eingetreten. Ihr Wagen liegt zerbrochen, unweit der Schenke. Der Poſtilion iſt davongeeilt. Einer Ihrer Leute iſt etwas am Fuß beſchaͤdigt und als Huͤ⸗ ter der Wagentruͤmmer zuruͤckgeblieben, waͤhrend der Andre ſich nach Huͤlfe umſieht, Sie ver⸗ ſprach ich zuruͤckzubringen. Seh'n Sie, ſo tref⸗ fen wir zuſammen. Er hatte dies Letztere kaum geſagt, ſo ge⸗ ſellten ſich mehrere ſeiner Cameraden zu ihm, gleich, als fuͤrchteten Alle die Ausbruͤche unge⸗ zuͤgelter Heftigkeit in dem ſchwerbeleidigten Gra⸗ fen. Doch dieſer ließ, ſehr wieder Erwarten, und ihm ſelbſt ſpaͤterhin nur dadurch erklaͤrlich, daß Zorn und innere Empoͤrung im erſten Au⸗ genblick gar keinen Ausweg wußten, er ließ ſei⸗ nen Gegner fahren, ſchlug die Arme uͤberrinan⸗ der, maaß die dunklen Geſtalten, die ihn in der — 128— Finſterniß wie Schatten umgaben, mit raſchem Blick, und fragte dann gelaſſen, wie es ſchien: Wie meint Ihr denn, ſolle die Comoͤdie enden? Bildet Ihr Euch ein, ich koͤnne denen trauen, die mich in die Falle locken? Hofft Ihr, ich ſei durch Drohungen oder Gewaltſchritte zu ge⸗ winnen? Ich verachte Euch und Eure Zwecke, das bleibt jetzt wie immer daſſelbe. Nicht ſo ganz, entgegnete der Anfuͤhrer des Complots. Noth lehrt beten, ſagt das Sprich⸗ wort, vielleicht auch lieben. Sie ſind einmal in unſrer Mitte, außerdem zwiſchen zwei Feu⸗ ern; denn verderben Sie es mit uns, ſo haben Sie nicht allein das Heer der Freien gegen ſich, ſondern fallen ohnfehlbar den Tirannenknechten in die Schlinge. Deshalb— gute Camerad⸗ ſchaft! rief er, mit unausſtehlicher Vertraulich⸗ keit nach des Grafen Hand faſſend. Dieſer zog ſich, ohne das Anſehen zu ha— ben, als verſtehe er die Geberde, weiter zuruͤck. Das Auge feſt auf den kleinen Kreis gerichtet, lebhaft mit ſeinem Peiniger ſprechend, wand er ſich her und hin, bis er den Ruͤcken frei und dieſen geg ſchlang er griff unben Bruſttaſch und dies! wie ſich moͤglichſte demnach lich eing ſo bequen Spatzierg liegen kon zerbrochen Rolle, we dienten de ſelbſtzufri thung ſeh der Graſ reiſenden ſicht bet meinem Vart J. ſttaße zu IlI. mit raſchem es ſchien: die enden? nen trauen, Ihr, ich ſei itte zu ge⸗ ure Zwecke, Anfuͤhrer des das Sprich⸗ ſind einmal mzwei Feu⸗ s, ſo haben gegen ſich, nnenknechten te Camerad⸗ Vertraulich⸗ ſehen zu ha⸗ veiter zuruͤck eis gerichtet, nd, wand er ken frei und — 129— dieſen gegen einen Baum gelehnt hatte. Jetzt ſchlang er die Arme noch feſter uͤber einander, griff unvermerkt mit der rechten Hand in die Bruſttaſche, faßte dort ein geladenes Terzerol, und dies leiſe ſpannend, hielt er es verborgen, wie ſich ſelbſt, unbeweglich, waͤhrend er mit moͤglichſtem Gleichmuthe ſagte: Ihr habt mich demnach, und wuͤrdet mich auch wahrſchein⸗ lich eingefangen haben, wenn ich es Euch nicht ſo bequem durch den unzuberechnenden, einſamen Spatziergang machte, der nicht in Eurem Plane liegen konnte. Der beſtochene Poſtilion, wie der zerbrochene Wagen ſpielten um ſo beſſer ihre Rolle, wenn ich mir, ſtatt meines armen Be⸗ dienten den Fuß beſchaͤdigte! Der Andre lachte ſelbſtzufrieden, indem er die geaͤußerte Vermu⸗ thung ſehr freundlich beſtaͤtigte. Wie aber, fuhr der Graf fort, wenn ich jetzt noch die Vorbei⸗ reiſenden anriefe, Euren Frevel und deſſen Ab⸗ ſicht bekannt machte. Ein lauter Schrei aus meinem Munde, und Ihr Alle ſeid verrathen. Wart Ihr auch klug, ſo etwas auf der Heer⸗ ſtraße zu unternehmen? III.[91 — 130— Schreien und rufen Sie, ſo viel Sie wol⸗ len, verſetzte der Advocat. Heute iſt ein Tag der Geſetzloſigkeit. Alle Bande ſind geloͤſt, wo niemand weiß, wer Koch oder Kellner iſt! Sa⸗ gen Sie mir doch, vor welchem Gerichtshofe wollten Sie wohl Ihre Klage fuͤhren? Napo⸗ leon iſt erſt mit einem Fuße im Reiche, Lud⸗ wig der Achtzehnte mit dem ſeinem ſchon au⸗ ßerhalb. Kein Augenblick, mein Herr, kann guͤnſtiger zu einem Wageſtuͤck ſein, als der jetzige! Darin, rief Dominique, haben Sie voll⸗ kommen recht. Indem er dies ſagte, legte er die Hand auf des Advocaten Schulter, druͤckte das Terzerol ab, und ungewiß, in wie weit er jenen getroffen habe, riß er ihn mit einem hef⸗ tigen Ruck zu Boden, ſprang uͤber ihn weg und rannte mit einer Schnelligkeit, die er dem feinen, geſchmeidigen Koͤrperbau und langer Ue⸗ bung im Wettlaufen verdankte querfeldein, der Richtung der Seine entlang, deren Ufer er ſpaͤt in der Nacht entdeckte, und in der erſten beſten Fiſcherhuͤtte einzukehren beſchloß. 1 Er ſ lich unöct zufall ent mäͤdung, tig an di Es! unbekand Gaſt, el etlel ka Der Al Recht, üͤbermͤtt terte wo ffnen u hineinzu ſchon Ur Innetn, Graf lo eher eit S tern un doch di endlich hel Sie wol⸗ iſt ein Tag d geloͤſt wo er iſt! Sa⸗ Gerichtshofe en? Nape⸗ Reiche, Lud⸗ m ſchon au⸗ Herr, kann ein, als der n Sie voll⸗ gte, legte er lter, druͤckte wie weit er it einem hef⸗ ber ihn weg , die er dem nd langer le⸗ erfeldein, der ufer er ſpaͤt erſten beſten Er ſtieß bald genug auf eine ſolche. Ziem⸗ lich unbekuͤmmert, welch einen Wirth ihm der Zufall entgegenfuͤhre, klopfte er in großer Er— muͤdung, erhitzt und uͤberreitzt, ſchnell und hef⸗ tig an die kleine Thuͤr. Es war keine Nacht, in welcher man den unbekannten, und wie es ſchien, ungeſtuͤmen Gaſt, eben ſonderlich gern aufnahm. Tauſend⸗ erlei kam bei dem Beſonnenen in Betrachtung. Der Aufruhr der Gemuͤther, das ſchwankende Recht, der Partheigeiſt und die Ruchloſigkeit uͤbermuͤthiger Soldaten, nicht ohne Urſach zit— terte wohl mancher, ſein enges Pfoͤrtchen zu oͤffnen und den Schwarm wilder Verwirrung hineinzulaſſen. War nun vollends wie hier, ſchon Ungemach und Verlegenheit genugſam im Innern, ſo erklaͤrt es ſich, weshalb der harrende Graf lange vergeblich pochen und rufen mußte, eher eine Seele ſeiner Ungeduld nachgab. Schon laͤngſt hoͤrte er zwar drinnen fluͤs⸗ tern und huſten und zoͤgernde Tritte ſcharren, doch dieſe wollten nicht naͤher kommen. Jetzt endlich ſagte jemand im Tone mitleidiger Be⸗ — 131— — 132— ruhigung: Nein, nein, es ſind keine Gensd'ar⸗ mes! Vielleicht ein Ungluͤcklicher, der vor ihnen flieht und ſich hier zu retten gedenkt. Fliehet? fliehet? wiederholte eine kleine, gepreßte Frauenſtimme, und ſich hier zu retten denkt? geſchwind, geſchwind mein Vetter, macht auf, macht auf! Es iſt kein Andrer als er! In demſelben Augenblick ward es von al⸗ len Seiten im Haͤuschen lauter. Mehrere ſpra⸗ chen zugleich, der Schein einer Kienfackel flog hell an dem Fenſterchen uͤber der Hausthuͤr vor⸗ uͤber, es nahete wer mit eiligen Schritten, aͤngſt⸗ lich und ungewiß drehten und rißen arbeitende Finger am Schloſſe. Wartet doch, ſagte jemand halb verweiſend, halb beſorgt, indem der Riegel aufſprang. Dominique druͤckte jetzt die Thuͤr von ſich, ein bildſchoͤnes, todtbleiches Maͤdchen, das flackernde Reis in der Hand, ſtarrte ihn aus großen, tiefliegenden ſchwarzen Augen fra⸗ gend an. Dominique faßte vertraulich ihre Hand, druͤckte dieſe ſanft u bat auf das Einſchmei⸗ chelnſte, ſie moͤge ſich eines Verirrten guͤtig an⸗ nehmen, durch wie faͤheten ge Gefäl dem ſie d ſuten lie ſtͤnde! dreheten ſen. E von mi in die? Tre keit gegen Schwelle Tretet n fällig, d Ungaͤch Stund Anver ſcheint Tode, verſtaͤn lug w ine Gensdete der vor ihnen kkt. eine kleine, hier zu retten Vetter, macht ver als er! ard es von al⸗ Mehrere ſpra⸗ Kienfackel fiog Hausthuͤr vor⸗ gritten, aͤngſt⸗ ghen arbeitende ſagte jemand dem der Riegel ſeßt die Thuͤr hes Maͤdchen, ,, ſtarrte ihn een Augen fra⸗ h ihre Hand, das Einſchmei⸗ rten guͤtig an⸗ — 133— nehmen, der hier nur wenig beſcheid wiſſe und durch wiederwaͤrtige Umſtaͤnde von ſeinen Ge⸗ faͤhrten getrennt worden ſei. Gefaͤhrten? wiederholte das Maͤdchen, in⸗ dem ſie die Fackel in ohnmaͤchtiger Abſpannung ſinken ließ und die Worte: wiederwaͤrtige Um⸗ ſtaͤnde! kaum hoͤrbar ſtammelte. Die Augen dreheten ſich langſam und matt in ihren Krei⸗ ſen. Sie ſchwankte und ſank einem Manne von mittlern Jahren, der ihr zur Seite ſtand, in die Arme. Tretet nur naͤher, ſagte dieſer, die Gaſtlich— keit gegen den Fremden, der nun einmal ſeine Schwelle betreten hatte, nicht verabſaͤumend. Tretet naͤher, mein lieber Herr, und ſeid ſo ge⸗ faͤllig, das Haus hinter Euch abzuſchließen. Die Ungluͤckliche hier iſt auch erſt ſeit wenigen Stunden unter meinem Dach. Es iſt eine arme Anverwandte, die von weit her kommt. Sie ſcheint einem Geliebten zu folgen, von deſſen Tode, oder doch naher Todesgefahr, ſie viel Un⸗ verſtaͤndliches redet. Man kann nicht daraus lug w erden. So viel iſt indeß nur allzu ge⸗ wiß, ſetzte der Fiſcher hinzu, indem er mit des Grafen Huͤlfe die Bewußtloſe nach einem Seſſel am Kamine trug, ſo viel iſt gewiß, daß das arme Kind krank und ihrer Sinne nicht ganz maͤchtig iſt. Keine gute, gute Juliette! klagte hier die Hausfrau, indem ſie neben dem leblos hinge⸗ ſunkenem Maͤdchen kniete und ihr die kalten Haͤnde leiſe und zaͤrtlich rieb. Dominique blieb ſchweigend an den Kamin gelehnt. Juliette! ſagte er in ſich. Ein tiefer Seufzer drang uͤber ſeine Lippen. Ungluͤckliche! hat ſie Dich geſandt? Iſt das Geruͤcht von dem Aufſtande in Lafére ſchon zu Euch gedrun⸗ gen? und zittert Ihr vor dem Ausgange, der nun ein ganz andrer, ein ganz andrer gewor⸗ den iſt! Dominique wagte nicht zu denken, wie es haͤtte kommen koͤnnen, aber daß es ſo, ſo enden ſollte? davon, war er uͤberzeugt, hatten ſelbſt die geaͤngſteten Maͤdchenherzen keine Ahndung gehabt. Der Fiſcher, welcher die leidende Verwandte ſebt der wandte ſ Gaſt, de er derwei Um kleinlaut aus deſ lich, d dre wi er, als bejaen ſchwind Wahrha jig, unſ Gewiſſ Mau imwer Heili doch ſanfte Schn werde t mit des tem Seſſel daß das nicht ganz ehier die »os hinge⸗ die kalten den Kamin Ein tiefer gluͤckliche! ruͤhht von ch gedrun⸗ gange, der rer gewor⸗ en, wie es o, ſo enden zatten ſelbſt e Ahndung Verwandte jetzt der Pflege ſeiner Frau uͤbergeben hatte, wandte ſich hier neugierig zu dem vornehmen Gaſt, deſſen edle Kleidung und feines Weſen er derweil aufmerkſam betrachtet hatte. Um Verzeihung, mein Herr, fragte er kleinlaut, Sie kommen von Paris oder doch aus deſſen Naͤhe. Beſtaͤtigt es ſich denn wirk⸗ lich, daß der Kaiſer eingezogen und alles An⸗ dre wie nicht geweſen iſt? Mein Gott! ſeufzte er, als der Graf die Frage, theilweiſe wenigſtens bejaen mußte. Mein Gott! uns armen Leuten ſchwindelt der Kopf vor dem ſtetem Wechſel! Wahrhaftig, lieber Herr, verſicherte er treuher⸗ zig, unſer Einer weiß nicht, wie er mit ſeinem Gewiſſen und ſeinen Empfindungen dran iſt. dan ſchwoͤrt Einem und dem Anderm, und immer ſoll nur der zuletzt geleiſtete Eid gelten! Heilige Barmherzigkeit! einmal haben wir denn doch nun falſch geſchworen! Wer hindert Euch, ſagte der Graf mit ſanftem Laͤcheln, dem gutem Koͤnige Euren Schwur zu halten; Denkt Ihr nicht, Gott werde den Treugebliebenen lohnen? — 136— Ja, entgegnete jener, das ſagen Sie jetzt ſo, weil Sie dem Koͤnige anhangen, Vor einem Jahre ſprachen die Kaiſerlichen nicht viel an— ders. Viele, die ſich hier herum, und weiter an der Kuͤſte noch immer mit der Hoffnung hinhielten, Napoleon muͤſſe und werde zuruͤck⸗ kehren, nun, die ermahnten uns ebenfalls, un⸗ ſerer Unterthanenpflicht eingedenk dem alten Oberherrn treu zu bleiben, es nicht zu vergeſſen, daß er Land und Leute zu großem Anſeh'n, Ehre und Reichthum gebracht habe, indeß die fruͤhern Koͤnige das Volk mit Fuͤßen traten und dem Armen das letzte Mark ausſogen, und end⸗ lich Alle zur Verzweiflung brachten, woher denn die blutige Empoͤrung auch gekommen iſt! Ihr armen Leute! entgegnete der Graf, Ihr habt wohl wenig von der Schrift und ih⸗ ren Satzungen vernommen? Ihr wuͤrdet ſonſt leicht Auskunft uͤber alldergleichen Zweifel fin⸗ den. Es ſteht geſchrieben: die Suͤnden der Vaͤ— ter ſollen an ihren Kindern heimgeſucht wer⸗ den. Eure Vaͤter haben ihren Koͤnig gemordet, darum ſeid Ihr mit der Pflicht im Himmel und auf Nättet E an, den ſam der Ja, wͤre, kl mit aud auch w nach ei ran!2 warten Gle Domini Euch ni V aber di Sien Umſt wer! ( den aͤ hin u komm Sie jezt zor einem viel an⸗ ĩ weiter Hoffnung de zuruͤck⸗ Falls, un⸗ dem alten mvergeſſen, Anſeh'n, indeß die raten und und end⸗ ſooher denn wiſt! der Graf, ft und ih⸗ uͤrdet ſonſt weifel fin⸗ en der Vaͤ⸗ eſucht wer⸗ gemordet, n Himmel — 137— und auf der Erde in Verwirrung gerathen. Rettet Euch jetzt aus der Noth und hangt dem an, den Euch Gott wiedergab, um den Gehor⸗ ſam der Reuigen zu pruͤfen. Ja, das klingt wohl ſo, als wenn es wahr waͤre, klagte der Fiſcher, aber wenn Sie nun mit andern Gruͤnden anders ſprechen, klingt es auch wahr. Gewiß, lieber Herr, verſetzte er nach einer kurzen Pauſe: wir ſind ſchlimm da⸗ ran! Am beſten, wir verhalten uns leidend und warten ab, was der Himmel von uns will? Glaubtet Ihr an Gottes Wort, verſetzte Dominique, die Worte der Menſchen wuͤrden Euch nicht irren. Wir glauben wohl daran, verſetzte jener, aber die, welche ſie uns auslegen, ſtellen den Sinn nach Ihrer Weiſe und paſſen ſie den Umſtaͤnden an. Wer hat da nun recht? und wer unrecht? Sprich leiſe, bat die Frau, das laute Re⸗ den aͤngſtet die arme Juliette. Sie wirft ſich hin und her und kann nicht zur Beſinnung kommen, und nicht ſtill bleiben. —. 138— Ach Gott! ach Gott! ſtoͤhnte dieſe jetzt. Ihre Bruſt arbeitete wie unter einer ſchweren Laſt; zuweilen zuckte ſie mit den Augenliedern, als wolle ſie ſie ſchließen, aber die ſtarren, weit aufgeriſſenen Augen ſtanden unbeweglich ſtill. Es war ein peinlich, quaͤlender Anblick. Do⸗ minique fuͤhlte ſich auf's Tiefſte davon ergriffen. Liebe Juliette, ſagte er mit dem ſuͤßen Wohllaut ſeiner angenehmen Stimme, liebe Juliette, was fehlt Dir denn? Ihr Athem wurde hier ſchneller und bewegter. Es ſchien, die weichen Leute gleiten liebkoſend durch ihre Bruſt. Um die Lippen ſchwebte freundliches Beben. Ach Gott, ſtoͤhnte ſie noch einmal, ploͤtzlich richtete ſie ſich in die Hoͤhe, faßte krampfhaft Dominiques Haͤnde, ſchuͤttelte und druͤckte dieſe, und wieder des Blickes und der Stimme maͤchtig, ſagte ſie: haben Sie ihn noch einmal geſehen? iſt er in Ihren Armen geſtorben? Beruhige Dich, mein Kind, entgegnete der Graf, Alphonſe lebt, er iſt wohl in Paris, und dott digkeit So genau T ſeufßte n vollends ihre St und al ben wi umher” er aus Und ich kraut ſpaͤt 2 Vaatete non i 6 nichte ihrer 6 durch dieſe jeht. ſchweren henliedern, rren, weit eglich ſtill. lick. Do⸗ ergriffen. dem ſuͤßen ame, liebe Ihr Athem Es ſchien, durch ihre reundliches h einmal, öͤhe, faßte uͤttelte und s und der n Sie ihn hren Armen entgegnete in Paris, und dort mit dem Kaiſer in Glanz und Freu⸗ digkeit.. So— laͤchelte Juliette, ohne indeß recht genau zu wiſſen, was ſie gehoͤrt habe. Sie ſeufzte noch einmal tief auf, richtete ſich dann vollends grade, fuhr mit beiden Haͤnden uͤber ihre Stirn, von welcher ſie das Haar wegſtrich, und als gebe ſie den Augeu ihr eigentliches Le⸗ ben wieder, ließ ſie dieſe freundlich im Kreiſe umhergehen. Ja, ja, ſagte ſie dann, ich habe zu lange auf dem Teufelsfelſen geſeſſen. Da unten ſollte er aus der Schluft kommen. Aber er kam nicht. Und ich armes Kind hatte auf das boͤſe Irr⸗ kraut getreten. Das hielt mich feſt bis ſpaͤt, ſpaäͤt Abends die Wesper vom Schloßthurme laͤutete, da war Zeit und Stunde verpaßt, und nun iſt alles, alles vorbei! Sie verſank in tiefes Nachdenken, ſagte nichts mehr, und ſchien ganz mit den Bildern ihrer Phantaſie beſchaͤfftigt. Sonderbare! dachte der Graf, mußte ich durch die aͤrgerlichſten Auftritte von meinem — 140— Wege fort, hieher getrieben werden, wo ich mit dem ungluͤcklichem Maͤdchen zuſammentreffe, das in den Spuren ihrer inneren Zerſtoͤrung mir den ganzen, unheilbaren Schmerz des Daſeins tiefer in die Bruſt druͤckt. Juliettes Naͤhe aͤngſtete ihn und doch zog ihn alles zu ihr hin. Er ſetzte ſich an ihre Seite, faßte ſie bei der Hand und fragte, ob ſie, wie ehemals zu ihm auf das Schloß, auch hieher von Fraͤulein Cecilia geſchickt worden, den Marquis aufzuſuchen. Iulierte ſchuͤttelte aber den Kopf und ſagte wiederholt: Nein, Nein! die ſchickt mich nicht! die nicht! die kann niemand ſchicken! Wie? unterbrach ſie Dominique, was willſt Du damit ſagen? Iſt Fraͤulein Cecilia nicht mehr bei der Frau Vicomteſſe? Oder waͤre ſie— 2 Sprich doch? ſprich Kind, weßhalb kann das Fraͤulein niemand ſchicken? Ach Gott! ſeufzte Juliette, wandte ſich dann ab, legte den Kopf auf die Lehne des Stuhles, ſchloß die Augen, und that nicht als habe jemand zu ihr geredet. Na ungewiß armen9 auf jede naͤher d an ſein Sie ie muß ſchluch 6 es wie zuckte Deine beruhig gehen J wisper pen. Entſch ſie m auf d dem mir h o ich mit reffe, das ung mir Daſeins doch zog an ihre fragte, ob chloß, auch t worden, ſchuͤttelte : Nein, die kann was willſt eilia nicht are ſie—! kann das vandte ſich Lehne des t nicht als — 141— Nach einer Weile, in welcher Dominique, ungewiß, ob er in den abgeriſſenen Worten des armen Kindes einen Sinn ſuchen ſolle? geſpannt auf jede ihrer Bewegungen achtete, ruͤckte ſie naͤher zu ihm, legte geheimnißvoll ihren Mund an ſeine Wange und fluͤſterte: Sie ſtirbt auch! Sie kann ihn nicht uͤberleben! aber ich, ich muß wohl leben, mich hat er ja nicht geliebt, ſchluchzte ſie mit kindiſch weinerlicher Stimme. Sie ſtirbt auch! ſagte der Graf, indem es wie mit gluͤhendem Stahl ſeine Bruſt durch⸗ zuckte. Gerechter Himmel, ſo laß uns eilen, Deine junge Gebieterin uͤber den Marquis zu beruhigen! Komm gutes Maͤdchen, komm! wir gehen zuſammen, bat er dringend. Iuliette ſchuͤttelte den Kopf. Nein, nein! wisperte es mehrmals leiſe zwiſchen ihren Lip⸗ pen. Drauf, als beſoͤnne ſie ſich auf etwas Entſcheidendes in dem kuͤrtzlich Erlebten, ſagte ſie mit Nachdruck: Nein ich darf nicht wieder auf das Schloß zuruͤckkehren! Aubin iſt aus dem Dienſt der Vicomteſſe gejagt, und vor mir hat man die Thuͤr verſchloſſen, Das arme — 142— Fraͤulein weint im Kloſter, und nun iſt es aus, ganz aus mit dem Leben! Im Kloſter?— rief Dominique unwillig! Wer hat ſie dahin verbannt? Die unerbittliche Mutter oder des Fraͤuleins eigner Wille? Juliette antwortete nicht. Sie ſahe ſtarr auf einem Fleck, und nahm an nichts weiter Theil. Wie kommt ſie nur her zu Euch? fragte der Graf ſeinen Wirth. Das weiß der liebe Himmel! entgegnete dieſer. Sie iſt mir anverwandt, und nun der Vater todt und ſie entzweiet mit ihren Be⸗ ſchuͤtzern iſt, fluͤchtete ſie in unſre Huͤtte. Sie fiel aus ihrem Himmel, ſetzte die Frau nach⸗ denklich hinzu. Die Erde iſt gar zu hart, das Herz iſt ihr gebrochen! Des Grafen ganze Seele bebte bei den einfachen Worten. Die Erde iſt gar zu hart! das Herz iſt ihr gebrochen! mußte er unzaͤhli⸗ gemal in ſich wiederholen. Ja, ja, ſagte er endlich, ſie fiel aus ihren Himmeln! Aber wer faͤllt da nicht heraus! All begraben mach unn Ende ih Domninie Momen Es übet i Tuupp Cuiraf höͤhe d einem der Ha den Kaͤ den Ka beſſer. Oberſte lieber halte L darauf ja glei wir w zſt es aus, unwillig! zerbittliche ille? ſahe ſtarr hts weiter ch? fragte entgegnete d nun der ihren Be⸗ uͤtte. Sie Frau nach⸗ hart, das te bei den ar zu hart! er unzaͤhli— a, ſagte er ! Aber wer — 143— Alle ſaßen von da in eignen Vorſtellungen begraben, ſtill und truͤbe in dem kleinem Ge⸗ mach umher. Die Natur behauptete dann am Ende ihre Rechte uͤber jeden Einzelnen. Auch Dominique ſchlief nach einigen traͤumeriſchen Momenten auf ſeinen Arm geſtuͤtzt, ſanft ein. Es war noch nicht ganz Tag, als Iuliette uͤber ihn gebeugt, halblaut fluͤſterte: Es ziehen Truppen durch das Land. Ich habe die gelbe Cuiraſſe und die blanken Helme von der Ufer⸗ hoͤhe druͤben geſehen. Der alte Riſton ſaß auf einem großen, weißem Pferde. Er gruͤßte mit der Hand, als kenne er mich. Die Leute auf den Kaͤhnen unten ſagen: ſie gehen nach Paris den Kaiſer zu bewachen! Aber ich weiß es wohl beſſer. Der ehrliche Riſton zieht aus ſeinen Oberſten zu befreien, wenn der noch lebt. Kommt lieber Herr wir wollen mit den Reutern! Ich halte es doch ſo hier nicht aus! Der Oberſt iſt frei Juliette, verlaß Dich darauf, verſicherte Dominique. Ich ſagte Dir's ja gleich. Aber weißt Du Kind, fuhr er fort, wir wollen zum Fraͤulein, ihr das ſagen. Der — 144— „Herr Erzbiſchof iſt mein Freund. Durch ihn finden wir wohl Eingang in's Kloſter. Lebt wohl! entgegnete das heftige Maͤdchen zuͤrnend. Lebt wohl! Ich gehe mit dem Riſton, der ein weit beſſerer Freund iſt als Ihr. Nim⸗ mermehr Juliette, rief Dominique, indem er von ſeinem Sitze aufſprang, und Mine machte ſie zuruͤckzuhalten. Nimmermehr! bedenke doch, ein zuͤchtig Maͤdchen mit den wilden Kriegs⸗ leuten! Sie lachte ſpoͤttiſch. Geht nur mein fei— ner Herr, rief ſie aus, geht nur in ein Frau— enkloſter, ich bleibe wo der Oberſt bleibt. O Ihr habt nicht gefochten wie er! Er iſt ein Krieger! Lebt er, ſo wird er die Verſtoßene auch ſchuͤtzen! Gehabt Euch wohl! gehabt Euch wohl! ſagte ſie mit eigens cadeneirter Stimme, indem ſie luftig wie der Wind zum Zimmerchen hinaus, und im ſelben Augenblicke uͤber alle Berge war. Laßt ſie! bat der Fiſcher, welcher den gan⸗ zen Vorgang aus ſeinem Winkel mit halbge⸗ ſchloſſenen Augen angeſehen hatte, und jetzt den Grafen it dut, i bzer meine der in 5 5 hätte. Al muß der 2 treten. G Aber Dominiq Verderbe Ach kopſſchuͤt men muß Wer haͤtt nigsfamil gedacht! gehen!ft Kaͤger, nuͤtze L ſtecken! So Eure P Ill. durch ihn Maͤdchen Riſton, z—r. Nim⸗ indem er de machte enke doch, n Kriegs⸗ mein fei⸗ lin Frau⸗ leibt. O riſt ein Jerſtoßene dabt Euch Stimme, mmerchen uͤber alle den gan⸗ it haldge⸗ und jetzt — 145— den Grafen bei der Hand faſſend. Laßt ſie! Es iſt gut, daß ſie fort iſt, verſicherte er. Einmal uͤber meine Schwelle, kommt ſie ſo wenig wie⸗ der in’s Haus, als ich ſie daraus verwieſen haͤtte. Alles, wie es der Himmel will! Man muß der Vorſehung nicht ſo eifrig in den Weg treten. Glaubt mir, dabei kommt nichts heraus. Aber bei allen Heiligen, unterbrach ihn Dominique, wenn ſie nun doch geradezu in ihr Verderben rennt, wollt Ihr ſie nicht aufhalten? Ach das kann ja niemand! entgegnete jener kopfſchuͤttelnd. Das kommt alles wie es kom— men muß und wie es keine Seele vorher denkt. Wer haͤtte wohl jemals an die vertriebene Koͤ⸗ nigsfamilie und nun wieder an den Napoleon gedacht?— Laßt jeden Menſchen ſeinen Gang gehen! fuͤgte er hinzu. Es macht es keiner viel kluͤger, als der Andre! Man ladet ſich nur un⸗ nuͤtze Laſten auf, und bleibt am Ende damit ſtecken! So, ſo! entgegnete Dominique. Nun, Eure Philoſophie, ſo unpractiſch ſie auch ſcheint, III.[101 hat doch ihren reelen Grund. Denken viel kluge Leute in Frankreich wie Ihr? Ach, entgegnete jener ſehr freundlich, es giebt deren von allen Sorten hier. Welche, die auf die weiße, Andre auf die dreifarbige Co⸗ carde, noch Andre bei der rothen Muͤtze ſchwoͤ⸗ ren. Sie wollen ruhig und zufrieden leben. Die Gelaſſenen erreichen das am erſten. Nicht immer! verſicherte der Graf, nicht immer! es koͤnnten Zeiten eintreten, die— O ich nehme die Zeiten, wie ſie kommen, laͤchelte jener ruhig, indem er nach dem blanken Gold⸗ ſtuͤck, griff was ihm die Freigebigkeit ſeines Gaſtes ſpendete. Er wuͤnſchte ihm eine gluͤck⸗ liche Reiſe, als dieſer ungeduldig und voll un⸗ verſtelltem Verdruß ſein ſonderbares Nachtquar⸗ tier verließ. unſeeliges Land! ſeufzte Dominique beim 3 Hinausgehen aus der Thuͤr. Unſeeliges Land! So ſchoͤn und bluͤhend durch die Natur, ſo gei⸗ ſtig friſch belebt im Aeußern, und ſo verſtockt, zerſtoͤrt und welk durch kranken Wahn und fre⸗ cher Kluͤgelei! Von hangnih trige diſ meiſten d rief er, venſchloſ V ganz n troͤtent minique auf die brach in und raſe Staubn wie im gebung einen immer ges ri dann lich vo den, h enken viel noͤlich, es Jelche, die grbige Co⸗ ltze ſchwoͤ⸗ den leben. en. daaf, nicht die— 9 n, laͤchelte ken Gold⸗ keit ſeines eine gluͤck⸗ d voll un⸗ Nachtquar⸗ ſigue beim iges Land! sur, ſo gei⸗ verſtockt, n und fre⸗ Von allen, auf die ſein wechſelndes Ver⸗ haͤngniß ihn dieſer Tage ſtieß, war ihm der traͤge Fiſcher in ſeinem kalten Gleichmuth am meiſten zuwieder. Lieber mit Teufeln ſich herumgeſchlagen, rief er, als einem Zweifler gegenuͤber ſein Herz verſchloſſen fuͤhlen! Wenn die Laſt des Unmuthes ein Gemuͤth ganz niederdruͤckt, ſo ſendet der Himmel einen troͤſtenden Blick aus ſeinen Hoͤhen nieder. Do⸗ minique war durch Umwege unvermerkt wieder auf die große Heerſtraße gelangt. Der Morgen brach indeß vollends an. Ein trockner Himmel und raſche, ſcharfe Fruͤhlingsluͤfte jagten kleine Staubwolken vor ihm her. Er ging lange Zeit wie im Nebel, ſo daß er wenig von ſeinen Um⸗ gebungen unterſchied. Bald ward er indeß auf einen Mann zu Pferde aufmerkſam, der faſt immer dicht vor ihm, im Schritte, deſſelben We⸗ ges ritt. Die Geſtalt des Reuters, die Art, dann und wann den Kopf, der ſonſt nachdenk⸗ lich vorn heruͤber, und mit dem Blick am Bo⸗ den, hing, raſch in die Hoͤhe zu heben, hin und — 148— wieder, wie zur Recognoscirung des Terreins umherzuſehen, der engliſche Reitanzug, die ſpie⸗ lende Gerte in der aufgeſtemmten Hand, alles erinnerte an den Baron, welchen Dominique vergebens am letztem Tage in Paris aufgeſucht, und deshalb nicht von ſeiner Abreiſe benachrich⸗ tigt hatte. Er machte es ſich mehrmals zum Vorwurfe, ohne den erfahrenen Freund die Hauptſtadt ver⸗ laſſen zu haben, und erwuͤnſchter waͤre ihm im gegenwaͤrtigem Augenblicke nicht leicht etwas geweſen, als gerade ihm hier zu begegnen. Aus dem Grunde eilte er denn auch mit verdoppelten Schritten dem Reiſenden nach, deſſen Geſicht ein breit gekrempter, ſchirmender Hut, ſelbſt bei den mehrmaligen Wendungen des Kopfes, unkenntlich machte. Beim Himmel! rief ihm indeß ſchon von weitem eine bekannte Stimme zu, Sie ſind es wirklich! Was in aller Welt machen Sie denn hier zu Fuß? Ach mein Lieber, laͤchelte der nicht mehr zu verkennende Baron, Sie pilgern auf allzubreitem Wege, um eben lange mit ſich und Iht Welch A Nebel in Dol ten Nac ziemlich man we die ſo⸗ ſtimme erwuͤnſ durch⸗ De ein Paa ernſter, boͤſen T ſterm( Locheln rem der g lebhaf den Ich Vaff Tetreins die ſpie⸗ nd, alles ominique ufgeſucht, enachrich⸗ Vorwurfe, tiſadt ver⸗ re ihm im cht etwas gnen. auch mit den nach, chirmender Tendungen ſchon von Die ſind es Sie denn achelte der die pilgern he mit ſich —— — 149— und Ihren heiligen Zwecken allein zu bleiben. Welch Abentheuer jagt Sie nur bei Nacht und Nebel in der Irre umher? Dominique, dem der leichte Ton ſeines al⸗ ten Nachbars ein wenig verdroß, entgegnete ziemlich trocken: wahrhaftig, heut zu Tage thut man wenig aus freier Wahl! Die Umſtaͤnde, die ſo viel in dieſem unſeeligem Frankreich be⸗ ſtimmen, fuͤhren auch mich, nicht eben allzu⸗ erwuͤnſcht, durch ſehr fatale Erfahrungen hin⸗ durch. Der Baron betrachtete ihn fluͤchtig, ſchwieg ein Paar Seeunden und ſagte dann, um vieles ernſter, als zuvor: Ich glaube, Sie geben dem boͤſen Blute allzuſehr in ſich nach. Mit fin⸗ ſterm Geſicht zwingt man dem Geſchick kein Laͤcheln ab! Verjagen Sie die Wolken von Ih⸗ rem Horizont durch Strahlen des Witzes und der guten Laune mein lieber Graf! ſetzte er lebhaft hinzu. Es giebt kein beſſeres Mittel, den Eigenſinn der Verhaͤltniſſe zu ermuͤden. Ich ſchwoͤre Ihnen, die Zuverſicht iſt eine Waffe, die jeden Kampf beſteht! Doch wieder — 150— auf Ihre gegenwaͤrtige Lage zuruͤckzukommen, ich hoffe, es iſt keine perſoͤnliche Unannehmlichkeit, die Sie von Ihre Equipage und Ihren Leu⸗ ten entfernte? Dominique bat den Baron, mit ihm in das naͤchſte Dorf einzukehren, wo er ihm uͤber alles Aufſchluß zu geben verhieß. Sie hatten indeß noch keine allzulange Strecke neben einander, bald ſchweigend, bald in abgebrochenem Geſpraͤche, zuruͤckgelegt, als ſie der nachkommende Reitknecht des Barons benachrichtigte, der Kammerdiener des Herrn Grafen folge ihm in der wieder ausgebeſſerten Chaiſe ſeines Herrn, welchen er vergeblich am Wege aufgeſucht und mit Recht im weitern Verfolg der Reiſe zu treffen gehofft habe. Es ward nun ſogleich beſchloſſen, hier Halt zu machen und den Wagen zu erwarten. Als der Baron vom Pferde ſtieg und ſeinem jungen Freunde die Hand reichte, ſagte er mit feuchtem Blick: Ich hoffe, Sie fuͤhlen das Herz eines treuen Franzoſen in meiner Bruſt? Glauben Sie, es ſchlaͤgt nicht matter, als das Ihrige! Aber be gelaſſen Dinge i vertraul verhullt gnern! Und de men! macht. teizen lange dieſe 9 gefuͤhrt, fuͤr die D Dahin iws] warf Graf mmen, ich mlichkeit, dren Leu⸗ ihm in ihm uͤber allzulange gend, bald gelegt, als 5 Barons es Herrn hebeſſerten eblich am n weitern habe. hier Halt rten. Als em jungen it feuchtem Herz eines Glauben as Ihrige! 84 — 151— Aber bezwingen wir es! Der Augenblick fodert gelaſſenen Muth! Ich habe Ihnen tauſend Dinge zu ſagen, fuͤgte er im Seitwaͤrtstreten, vertraulich hinzu. Sie waren zu ſproͤde, zu un⸗ verhuͤllt und ſauer in Paris, um Ihren Ge⸗ gnern nicht die Waffen in die Hand zu geben. Und dennoch mußten Sie das Feld nicht raͤu— men! Alphonſe hat das Uebel nur aͤrger ge⸗ macht. Druot iſt ein Schurke, den man nicht reizen mußte! So Einer bleibt unſchaͤdlich, ſo lange man ihm nicht ſchaden will. Ohne alle dieſe Querſtriche haͤtte ich Charette zu Ihnen gefuͤhrt, der in Paris iſt und viel Hoffnungen fuͤr die Vendẽe giebt! Dahin! dachte der Graf, tief aufathmend. Dahin! Er ſah dem Baron ernſt und forſchend in's Auge. Dieſer winkte ihm zu ſchweigen. In dem Augenblick kam der Wagen. Beide warfen ſich hinein. Ihr Weg ging nach des Grafen Schloſſe. VII. E⸗ iſt ſelten ein Ding, wie man es ſich in Gedanken vorſtellt. Am wenigſten findet man die Stimmung der Menſchen, durch irgend et⸗ was Aeußeres veranlaßt, von der Art, wie ſie uns, als unumgaͤngliche Folge des empfangenen Eindrucks, nothwendig duͤnkt. Faſt immer ſehen wir den Kampf, entweder beendet, wenn wir ihn noch in voller Arbeit glaubten, oder er hat doch eine andre Natur angenommen, als wir im Stande waren, vorauszuſehen. Auf ſolche Weiſe ſollte Dominique die Schloßbewohner weit weniger uͤber die Tages⸗ ereigniſſe außer Faſſung geſetzt antreffen, als es ihm die dunkle Farbe ſeiner Phantaſte ahn⸗ den ließ. Er hatte mit einer Art ſehnſuͤchtigem Schmerz nach dem grauen Gemaͤuer, den hohen Ulmen, dem alten Wallgraben und der langen, finſtern Allee, die bis zum gewoͤlbten Steinthore fährt, verviſch ſchehene alls ſol 6 die ob leuchte zandet woͤhn Soute einlade D Leben die lu ſchwei Stei diſch ſchon dem Dial s ſich in det man irgend et⸗ tt, wie ſie pfangenen imer ſehen wenn wir eer er hat als wir nique die die Tages⸗ effen, als taſte ahn⸗ nſuͤchtigem den hohen er langen, Steinthore 8 „) — 153— fuͤhrt, ausgeſehen! Der Ernſt einer noch nicht verwiſchten Vorzeit, die Trauer uͤber das Ge⸗ ſchehene, Theilnahme, Klage, Zorn und Unwille, alles ſollte ihm hier heimathlich entgegentreten. Sehr unerwartet ſah er ſchon von weitem die obern Fenſter der Geſellſchaftszimmer er⸗ leuchtet, die Laternen auf dem Perron ange⸗ zuͤndet und beide Thorfluͤgel weit offen ſtehen. Im Hofe ging man geſchaͤfftiger, als ge⸗ woͤhnlich umher, und ſogar die Heerdesfeuer im Souterrain flackerten gaſtlich und warfen ihren einladenden Blick nach außen hin. Dominique war ſo erſtaunt uͤber das fremde Leben in ſeiner veroͤdeten Haͤuslichkeit, daß er die luſtigen Ausfaͤlle des Barons hieruͤber nur ſchweigend beantworten konnte. Kaum rollte indeß der Wagen uͤber die Steine des Vorplatzes, als ſich ein junger, mo⸗ diſch gekleideter Mann den Ankommenden auch ſchon unter der Treppe zeigte⸗ Endlich, endlich ſind Sie da! rief er, in dem ſaͤuſelnden, nur halb verſtaͤndlichern Pariſer Dialect, der das Ohr ſo oft lisbkoſt, ohne es . — 154— zu befriedigen. Wie in aller Welt, ſetzte er uid raſch hinzu, reime ich es mit Ihrem Eifer, 4 9 mein lieber Graf, daß Sie mich vergeblich auf vicze ſich warten ließen. mußte Ah Sie hier, Herr von Soulignac! ent⸗ nü gegnete der Baron, welcher zuerſt aus dem Wa⸗ Men gen ſpringend, jenem entgegentrat. Sind Sie Verſen mit der Praͤſidentin zerfallen? und ſchwoͤren iſchen Sie nicht mehr am Altar der Frau von S...* dann! dieſer Muſe des franzoͤſiſchen Kriegesruhmes? Otac Warteten Sie den Miniſtern nicht auf? haben im. Sie auch keine Cameradſchaft mit den glaͤnzen⸗ 5 Seiten, den Oberſten F. und L. und dem noch ſtrah— Joyali lendern Marquis machen wollen?— trauchd Sie verhoͤhnen mich, Herr Baron, entge⸗ tſter? gnete Camille empfindlich, aber mein Ehren⸗ Ihnen wort darauf, reſpectirte ich nicht den Schnee dunde Ihrer Jahre— Nichts davon! junger Menſch, Sie, verſetzte jener. Nichts davon! Der Schnee ſdͤche ſchmilzt augenblicklich vor einer Sonne, die ich und ſtets unverfinſtert uͤber mich ſehe. Aber ich meinte Achtſſ es auch nicht ſo ſchlimm! Mir war es nur tend. auffallend, Sie in dieſen Mauern anzutreffen, 3 ſetzte er im Eifer, eblich auf nac! ent⸗ dem Wa⸗ Sind Sie ſchwoͤren von S... esruhmes? uf? haben glaͤnzen⸗ och ſtrah⸗ eon, entge⸗ in Ehren⸗ en Schnee er Menſch, er Schnee ne, die ich ich meinte ar es nur nzutreffen, da ich vor wenigen Abenden Ihre Hingebung, an Geſinnungen ganz andrer Art, als die, welche Sie hierherfuͤhren koͤnnten, wahrnehmen mußte. Ach das! rief der Vicomte leicht erroͤthend. Mein Gott, fuͤgte er hinzu, man ſchmeichelt dem Verſtande der Frauen, ihren Launen und poli⸗ tiſchen Grimaſſen, ſo lange man ſie ſieht! und dann! Der Geiſt des Wiederſpruches iſt der Stachel, an dem ſich Witz und Humor ſchaͤr⸗ fen. Bewilligen Sie mir immer dieſe kleine Seitenſpruͤnge, ich bin darum kein ſchlechterer Royaliſt, und im Weſentlichen vielleicht ein brauchbareres Werkzeug, als jene trockne Mar⸗ tyrer einer angekuͤnſtelten Art und Weiſe, die Ihnen kaum ein leichtfertiges Laͤcheln oder den Funken aufblitzender Ironie erlaubt. Kommen Sie, kommen Sie, mein guter alter Herr, laͤchelte er, den Baron unter den Arm faſſend und ihm ehrerbietig und mit liebenswuͤrdiger Achtſamkeit die Stufen der Treppe hinanfuͤh⸗ rend. Der hier! dachte der Graf unmuthig. — 156— Gott im Himmel, was treibt die Fluth einer bewegten Zeit nicht alles durcheinander! Seine Pflicht als Wirth ſowohl, als die Redſeligkeit des Vicomte, erlaubten ihm indeß nicht lange bei Betrachtungen der Art zu ver— weilen. Jener uͤberſchuͤttete ſie mit einem Heer zum Theil unbedeutender, zum Theil wirklich intereſſantet Anecdoten. Er ſchien von der in⸗ nern Verzweigung der letzten Begebenheiten ge⸗ nau unterrichtet, und ſelbſt Zeuge mehrerer merkwuͤrdiger Vorfaͤlle geweſen zu ſein. Man ſah hierbei, daß er dieſe Erfahrungen weniger der Bedeutenheit ſeiner Perſon, als dem Zu⸗ faͤlligen, unwillkuͤrlich entſtandener Ver haͤltniſſe danke. Auch mochte er nicht allzugewiſſenhaft mit der Farbe ſeiner Geſinnungen geſpielt, und ziemlich zwanglos in die ſeiner Umgebungen hinübergegriffen haben. Er verſicherte gleich⸗ wohl, ganz vorzuͤglich durch die Ueberzeugung von der allgemeinen Anarchie des Volkes uͤber⸗ haupt, und daß man weit weniger den Kaiſer auf dem Thron, als den Koͤnig von demſelben wegwuͤnſche, zu dem Entſchluß beſtimmt worden gewin zu ſeil Royali Erhabe hauptu S doch d deln. lice det, koͤnne weit! nen m Herrſch Frank der T Kaiſ wied ſiche eine Ning über ſen uth einer 71 als die hm indeß t zu ver⸗ nem Heer wirklich —n der in⸗ cheiten ge⸗ mehrerer in. Man nweniger dem Zu⸗ rhaͤltniſſe wiſſenhaft pielt, und ngebungen tte gleich⸗ derzeugung olkes uͤber⸗ den Kaiſer demſelben mt worden — 157— zu ſein, ſich unmittelbar zu der Parthei der Royaliſten zu bekennen, weil hierin allein noch Erhabenheit der Geſinnung und wirkliche Be⸗ hauptung ſeiner ſelbſt zu entwickeln ſei. Sie haben recht, entgegnete der Baron, doch durften Sie auch gar nicht anders han⸗ deln. Denn Sie, welchen gar keine geſchicht⸗ liche Erinnerung an die Perſon Napoleons bin⸗ det, den nichts uͤber ſeine Zwecke blendet, Sie koͤnnen ſich nicht daruͤber taͤuſchen, daß er jetzt weit mehr die Sache der Jacobiner zu der ſei⸗ nen macht, und ſie zu Stuͤtzen einer neuen Herrſchaft hervorſucht, als ihm daran liegt, Frankreichs alten Waffenruhm, den Ruf vor der Welt und ſeine eigne Heldenehre wiederzu⸗ gewinnen. Der Kaiſer von Elba iſt nicht mehr Kaiſer der Franzoſen. Er will das Letztere erſt wieder, um jeden Preis, werden. Er greift un⸗ ſicher nach den Mitteln und hat weit mehr von einem verzweifelten Spieler, als einem kuͤhnen Ringer. Der Unbefangene wie der Reife kann uͤber ihn nicht im Irrthum ſein. Sie muͤſ⸗ ſen zu der erſtren Klaſſe gezaͤhlt werden. Denn was dazwiſchen liegt, gehoͤrt der Begeiſterung oder dem Verrath. Beide Elemente ſind Ihnen fremd, ſetzte er beſtimmt hinzu. Camille lachte uͤber des Barons Freimuth, den er auf's Hoͤchſte bizarre und anziehend fand. Im Grunde war er froh, ein Motiv fuͤr ſeine energiſche Handlungsweiſe aufgeſtellt zu ſehen, die ihn eigentlich eben ſo ſehr uͤberraſchte, als er das Anſehen vom Gegentheil hatte. Einmal ſo weit, wollte er indeß auch ſo⸗ gleich weiter. Er ſchlug vor: man ſolle ohne langes Ueberlegen dem Koͤnige nacheilen und, an welchem Ort dieſer ſich auch fuͤr den Au⸗ genblick aufhalte, eine Edelgarde um ihn bilden. Thun Sie das, entgegnete der Graf. Ich meiner Seits werde mir das Ding noch eine Weile aus meinem Wintkel hier anſehen. Ich hoffe immer noch viel von den Landbewohnern. Ich kann den Gedanken nicht aufgeben: dem alten Schloßbanner werde mancher tuͤchtige Mann, mancher friſche Burſche folgen! Ah ſo! laͤchelte Herr von Soulignac, Sie wollen die Ritterſchaft wieder aus dem Staub —x;— den Ruͦ Hallen! mer das Beim. neuen minigu Empfi uͤber d duͤnkte Gehein liche au vorgehe gabe! Und w 82 vethin detſpt weiti Seite 3 Feld getn egeiſterung nd Ihnen Freimuth, anziehend Motiv fuͤr geſtellt zu üderraſchte, hatte. eß auch ſo⸗ ſolle ohne ilen und, den Au⸗ hn bilden. Hraf. Ich noch eine hen. Ich dewohnern. eben: dem ar tuͤchtige en! ignac, Sie em Staub — 159— den Ruͤſtkammern und dem Schutt verſunkener Hallen hervorrufen. Die Normandie war im⸗ mer das Vaterland der ſogenannten preuæ. Beim Himmel, Graf, Sie werden uns einen neuen Adel zu Tage foͤrdern. Oder den Alten regeneriren! verſetzte Do⸗ minique. Die Worte flogen ihm, weder ohne Empfindlichkeit noch ohne bezuͤgliche Anſpielung uͤber die Lippen. Doch wie ſie geſagt waren, duͤnkten ſie ihm der Schluͤſſel zu dem großen Geheimniß der Zeit zu ſein. Das Urſpruͤng⸗ liche aus der Natur beſtehender Elemente her⸗ vorgehen zu laſſen! Große, unendliche Auf⸗ gabe! dachte er bei ſich. Wer wird ſie loͤſen? Und wie wird ſie geloͤſt werden? Der Ernſt und die Tiefe des Gedankens verhinderten, daß der Graf durch laͤngern Wie⸗ derſpruch ſeinen leichtgeſinnten Gaſt zu ander⸗ weitigen Ausfaͤllen verlockt und deſſen flache Seiten noch mehr herausgehoben haͤtte. Dieſer fuͤhlte auch ſehr bald, daß hier kein Feld fuͤr ſeine Kampfſpiele ſei, und nahm es gern an, als der Baron ſich erboth, ihn andern -— 160— Tages mit auf das Schloß der Vicomteſſe zu fuͤhren, wo er an Frau von Harville eine Be⸗ ſchuͤtzerin, und an die junge Agnes eine lau⸗ nige, angenehme Geſellſchafterin finden werde. Dergleichen kleine Zeitvertreibe, ſagte der Baron ironiſch, halten uns hin, bis Sie uͤber Ihre Plaͤne im Reinen und uͤber die Maaßregeln gewiß ſind, die Sie zu nehmen haben. Es befremdete und verletzte Dominique un⸗ beſchreiblich, ſeinen ſonſt ſo zartfuͤhlenden Nach⸗ bar die Namen der Vicomteſſe und ihrer Toch⸗ ter ganz ruͤckſichtslos nennen zu hoͤren, ohne daß ſein Geſicht die leiſeſte Theilnahme fuͤr ihn dabei verrieth, juſt, als ſei er nicht gegenwaͤr⸗ tig, oder in nichts dabei intereßirt. Was wollte er denn auch mit dieſer Agnes, die niemand kannte? Warum ſchob er die fremde Geſtalt in die allzuvertraute Bilderreihe hinein? weshalb erwaͤhnte er uͤberall Cecillas mit keinem Worte? Das Blut ſtieg ihm bei dieſer Frage dun⸗ kel zum Herzen. Er ſah gekraͤnkt und beſchaͤmt vor ſich nieder, und glaubte an dem Wortreich⸗ thum des Vicomte zu vergehen, mit welchem ſich di Stimm Marqu Tochter, flacher und eit zum V meine Wit doch n Baron waͤre en ſpraͤch i treppe heren niſch ieomteſſe zu le eine Be⸗ es eine lau⸗ nden werde. te der Baron e uͤber Ihre Maaßregeln ben. ominique un⸗ plenden Nach⸗ d ihrer Toch⸗ hoͤren, ohne hme fuͤr ihn t gegenwaͤr⸗ Was wollte die niemand de Geſtalt in in? weshalb einem Worte! r Frage dun⸗ und beſchaͤmt im Wortreich⸗ mit welchem — 1891— ſich dieſer uͤber unzaͤhlige Familiendetails, die Stimmung der Frau von Harvville fuͤr den Marquis, und deſſen Verhaͤltniß zu der aͤlteren Tochter, ausließ. Alle dieſe kleinen Klatſchereien flacher Frauenkreiſe, geſchwaͤtziger Domeſtiken und einſeitiger Aneedotenkraͤmer kamen hierbei zum Vorſchein, und obgleich Camille das Ge⸗ meine mit Elegance, das Gewoͤhnliche nicht ohne Witz vorzutragen wußte, ſo fuͤhlte ſich der Graf doch wie auf der Folter und innerlich gegen den Baron empoͤrt, der auf das launigſte, und als waͤre er hier ganz an ſeinem Platz, das Ge⸗ ſpraͤch im Schwunge erhielt. Endlich machte die weit vorruͤckende Nacht der laͤſtigen Unterhaltung ein Ende. Domini⸗ que begleitete ſeine Gaͤſte, froh, ſie fuͤr jetzt los zu ſein, nach ihren Zimmern. Hier wuͤnſchte er ihnen, etwas lau und trocken, eine gute Nacht, und eilte mit ſeinem ſchweren Herzen uͤber den Coridor, welcher ihn an der Seiten⸗ treppe voruͤberfuͤhrte, von der man zu den fruͤ— heren Gemaͤchern des Marquis kam. Mecha⸗ niſch ging er die Stufen hinab. Sein Blick III. 1 21] — 162— war, wie der eines Menſchen, der nichts außer ſich ſieht und ſucht, geſenkt. Er hob ihn erſt in die Hoͤhe, als er vor der kleinen, in's Ge⸗ maͤuer hineingehenden Thuͤr ſtand. Ueberraſcht fuhr er aus ſeinen Traͤumereien auf, als er ei⸗ nen ſchwachen Lichtſchein durch die Fugen der zuſammengetrockneten Thuͤrfaͤcher ſchimmern ſah. Er blieb einen Augenblick ſtehen, horchte geſpannt auf, und da er kein Geraͤuſch ver⸗ nahm, das auf menſchliche Naͤhe ſchließen ließ, bemuͤhte er ſich, durch die ſchmalen Ritzen des Holzes die Gegenſtaͤnde im Innern zu unter⸗ ſcheiden. Er blies zu dem Ende, die in Haͤn⸗ den tragende Wachskerze aus, und ſtand nun, auf den Fußſpitzen, Hals und Oberleib in die Hoͤhe gereckt, das Auge gegen die Thuͤr ge— druͤckt, ohne es ſogleich oͤffnen und das ſehen zu wollen, was er doch zu entdecken bemuͤht war. Das Herz pochte ihm ungeſtuͤm. Er preßte die eine Hand dagegen, mit der andern ſtemmte er ſich an den Mauerpfeiler. Ein fluͤchtiges Blinzeln der Augen zwang ihn, dieſe weit auf⸗ — 163— zumachen, denn es ſchimmerte, bei dem fahlen Schimmer einer Lampe oder Laterne etwas, ei⸗ ner ſitzenden Frauengeſtalt nicht unaͤhnlich, dort aus der Niche, wo Alphonſes großes Bett ſtand. Die Geſtalt ſchien gekruͤmmt mit vorgebeug⸗ tem Kopfe, den Ruͤcken nach der Thuͤr zugekehrt, auf einem kleinem Tabouret zu ſitzen. Sie be⸗ wegte die Arme, und dann war es auch wieder, als verhuͤlle dieſe ein weiter Mantel und deſſen Falten regen ſich hin und her. Der Graf trat, benommen und faſt gedan⸗ kenlos, zuruͤck; denn in der That war er ſich keiner klaren Vorſtellung bewußt, als er etwas aͤngſtlich umherſah, ob er nicht traͤume? Sehr peinlich ward das Ungewiſſe ſeiner Lage ver⸗ mehrt, als er ſich beſann, daß es dunkel um ihn und nur drinnen erhellt ſei. Thorheiten! rief er und legte die Hand auf die Klinke. Es war der Blitz eines ploͤtz⸗ lichen Entſchluſſes, dieſer hatte auch ſchon ge— than, was der ſpaͤtere Wille vielleicht zuruͤckge⸗ nommen haͤtte. Das Schloß wich dem erſten — 164— Druck. Die Thuͤr, ohne hin nicht allzufeſt in ihren Angeln, flog, wie von einem Windſtoß gedraͤngt, raſch auf. Dominique blieb unbeweg⸗ lich auf der Schwelle, denn im ſelben Augen⸗ blick drang ein heller Schrei aus der Mitte des Zimmers, das Licht erloſch, eine Bewegung, als raffe jemand ſchnell Papiere zuſammen, das Gepolter eines umſtuͤrzenden Seſſels, eilige Schritte, ein Rauſchen am Fenſter, das fluͤch⸗ tige Durchhinhuſchen eines leichten Koͤrpers, es waren alles Erſcheinungen, welche zu lebhaft auf Sinne wuͤrkten, die ſeit her ganz aus dem Gleichgewicht geriethen, und in unnatuͤrli⸗ cher Spannung, auch auf das Unnatuͤrliche verfallen mußten. Die Viſionen des Marquis, jene Nacht, in welcher er ſchwor, die Pilgerin geſehen, ihre kalte Hand gefuͤhlt zu haben, die Andeutungen in Sir Aigrims Briefe, dies und noch weit mehr, was Blut und Phantaſie zuſammenſtell⸗ ten, draͤngten ſich in des Erſchrockenen Be⸗ wußtſein. Gott im Himmel! ſeufzte er, wenn es ſo elwas gib hier= Er wie der R nach Lich, alte Jero mit einer und leiſe, nen Befe Don finſter un ſagte er d Sie denn nicht untet ſchon laͤnge lachelte de ner Weile liſſe Cabit ja wohr, ehrerbieti vergeſſen eilung zu ſten des, zu ſchulde tallufeſtin i Windſtoß ed unbeweg⸗ uben Augen⸗ er Mitte des ewegung, als ammen, das iſſls, eilige er, das fluͤch⸗ en Koͤrpers, he zu lebhaft anz aus dem nnatuͤrli⸗ natuͤrliche jene Nacht, geſehen, ihre Andeutungen nd noch weit uſammenſtell⸗ rockenen Be⸗ wenn es ſo — 165— etwas gaͤbe! Wenn der unſelige Geiſt hier, hier— Er konnte es nicht ausdenken. Raſcher wie der Wind flog er die Stiege hinan, rief nach Licht, und beſann ſich erſt wieder, als der alte Jerème, eben die Treppe heraufſteigend, mit einer brennenden Ampel hinter ihm ſtand, und leiſe, und ehrerbietig wie immer, nach ſei⸗ nen Befehlen fragte. Dominique ſtarrte ihn einen Augenblick finſter und ungewiß an. Sie, lieber Jerème, ſagte er dann beſchaͤmt, mein Gott, wo kommen Sie denn von da her? Sie wohnen ja gar nicht unten, und ſollten nach meiner Meinung ſchon laͤngſt zu Bette ſein. Ich war es auch, laͤchelte der alte Mann, allein, ich hoͤrte vor ei⸗ ner Weile ſchon das Eckfenſterchen im Haute⸗ liſſe Cabinet klappern, und da— Aber es iſt ja wahr, fiel er, ſich beſinnend, mit einer tiefen, ehrerbietigen Verbeugung ein, ich habe ganz vergeſſen, Ihr Gnaden von einer kleinen Ueber⸗ eilung zu benachrichtigen, der ich mich zu Gun⸗ ſten des armen niedlichen Schelm, des Robert, zu ſchulden kommen ließ. Der Ungluͤckliche ſteht — 166— ganz allein in der Welt, ohne Dach und Fach, der Vater ließ ihn ſeinem ſchlechtem Weibe zu— ruͤck, die lief davon, das Kind kam zu mir, ich konnte es nicht ohne Mitleid dem Verderben der Welt hingegeben ſehen, da nahm ich mir die Freiheit, ihn in ein leeres Kaͤmmerchen da unten zu betten. Ich durfte auf meines gnaͤ⸗ digen Herrn Großmuth rechnen, und war auch in ſo weit ruhig, nur, als ich jetzt das Geraͤuſch hoͤrte, dachte ich doch, es koͤnne durch den Knaben Unfug geſchehen ſein, deshalb— Deshalb! wiederholte Dominique langſam. Der alſo? dachte er bei ſich. Schon recht! das iſt das große Abentheuer! Aber wie denn, Jerôme, hub der Graf nach einer Weile im Weitergehen, auf's neue an, ſchlaͤft denn der Robert im Hauteliſſe Ca— binet und hat er Licht bei Nachtzeit? Verzeihen Sie, entgegnete jener, weder das Eine noch das Andre. Die kleine Kammer, in welcher das Gartengeraͤth und andre uͤberlaͤſtige Dinge aufbewahrt werden, giebt den noͤthigen Raum fuͤr ſein duͤrftiges Lager. Ich ſelbſt leuchte ihn daß er ſein Thut hinte herzigkeit Undd ſchien, dar leuchtet, ſehen— Jer zurechtwe an das, zeigten.ü geſchäfftig das alte herbei zu Dor fen Sie er mit ner kin da ihn gefange der Si ich und Fach, in Weide zu⸗ zu mir, ich n Verderben ahm ich mir aͤmmerchen da meines gnaͤ⸗ und war auch das Geraͤuſch ne durch den halb— qque langſam. eu recht! das ud der Graf „auf's neue Hauteliſſe Ca⸗ eit! er, weder das Kammer, in dre uͤberlaͤſtige den noͤthigen :. Ich ſelbſt leuchte ihn jedem Abend zu dieſer, ſehe darauf, daß er ſein Gebet verrichtet, ſchließe dann die Thuͤr hinter mir zu, und uͤberlaſſe ihn der Barm⸗ herzigkeit Gottes. Und dennoch, verſetzte der Graf, war, oder ſchien, das ehemalige Zimmer des Marquis er⸗ leuchtet, ich hoͤrte darin gehen, ich glaubte zu ſehen— Jerome laͤchelte, Vielleicht, ſagte er ſanft zurechtweiſend, dachten Ihr Gnaden auch nur an das, was die Sinne Ihnen augenblicklich zeigten. In der Jugend iſt die Phantaſie ſo geſchaͤfftig, das Wunderbare liegt ſo nahe, und das alte Schloß bietet ſo viel Veranlaßung es herbei zu rufen. Dominique druͤckte ihm die Hand. Schla⸗ fen Sie wohl mein guter alter Freund, ſagte er mit geſenkter Stimme. Er ſchaͤmte ſich ſei— ner kindiſchen Furchtſamkeit. Er glaubte jetzt, da ihn nichts mehr verwirrte, nichts den Blick gefangen hielt, faſt ſelbſt, daß er einem Spiel der Sinne allzuviel Raum gegeben habe, und e. 168— ſchlich unzufrieden und innerlich kaͤmpfend⸗ in ſein Zimmer. 1 Es hilft indeß nichts, einen Gedanken ent— fernen, den man nicht klar durchdrungen, den man nur unter herbeigezogenen Gruͤnden ver⸗ graben und unterdruͤckt hat. Das Unbequeme erinnert ſtets an ſich. Dominique war nicht ſo⸗ bald allein, er hatte kaum ſeine Leute entfernt, ſich auf's Bett geworfen, das Licht ausgeloͤſcht, ſo ſahe er die vorgebeugte, verhuͤllte Geſtalt, wie er ſie ſitzen geſehen, auf's neue in Gedan⸗ ken vor ſich. Deutlich erinnerte er ſich jetzt, daß ſie einen breiten ſchirmenden Hut getragen, daß dieſer von hellerer Farbe, als der Mantel geweſen ſei, und ſie etwas Jugendliches in der Wendung des Halſes gehabt habe. Je laͤnger er den Moment, der ſo blitzar— tig an ihm voruͤberflog, feſt hielt, je mehr legte ſich dieſer auseinander. Er haͤtte darauf ſchwoͤ⸗ ren koͤnnen, das Geſicht der Erſcheinung geſe⸗ hen, deſſen feine Zuͤge, ſo wie die wehmuͤthigen, großen, etwas bleichen Augen geſehen zu haben. Umſonſt draͤngte er Vorſtellungen der Art neg, um Ueberzeug dung, hera dem angſti nachgeben bleichen! auf dem die unden buͤckten Sei pochten! hin und Gegen de tiger Fiel Traumes fuͤhlte ſie laſſen, u bewohl machten ſtatten. Di tigen A Ochwaͤch aͤmpfend, in edanken ent⸗ ungen, den vruͤnden ver⸗ Unbequeme var nicht ſo⸗ ute entfernt, ausgelöͤſcht, illte Geſtalt, e in Gedan⸗ r ſich jetzt, it getragen, der Mantel liches in der er ſo blitzar⸗ emehr legts arauf ſchwoͤ⸗ einung geſe⸗ ehmuͤthigen, en zu haben. gen der Art — 169— weg, umſonſt rang er mit ihnen, und rief die Ueberzeugung, das alles ſei Trug und Einbil⸗ dung, herauf, er konnte nicht anders, er mußte dem aͤngſtigenden Durcheinander den Gedanken nachgeben, und in ihrem Geſpinſt bald die bleichen Augen, bald das duͤſtre, große Bett auf dem er ſelbſt, oder ein Andrer lag, bald die undeutlichen Bewegungen des fremden, ge⸗ buͤckten Weſens erkennen. Sein Blut kochte. In Kopf und Bruſt pochten die raſchen Pulſe heftig. Er warf ſich hin und her ohne zu wachen, ohne zu ſchlafen. Gegen den anbrechenden Tag ruͤttelte ihn hef⸗ tiger Fieberfroſt aus allen Phantaſtereien des Traumes auf. Er ſchreckte in die Hoͤhe, und fuͤhlte ſich ſo krank, daß er das Bett nicht ver⸗ laſſen, und ſeinen Gaͤſten auch ſpaͤter kein Le⸗ bewohl ſagen konnte, als ſich dieſe wirklich auf— machten, der Vicomteſſe ihren Beſuch abzu⸗ ſtatten. Die Krankheit der Jugend ſcheint dem ruͤſ⸗ tigen Alter immer mehr geiſtige als leibliche Schwaͤche zu ſein, vorzuͤglich wenn ſich das — 170— Uebel, wie hier in keinem beſtimmten Sympto⸗ men aͤußert, und mehr ein allgemeiner Zuſtand, als ein localer Schmerz iſt. Der Baron, dem die verduͤſterte Laune ſeines Freundes am Vorabende nicht entgangen war, und der wohl fuͤhlte, was ihn verletzt habe, ließ das, wie den Krankheitszuſtand, an den er nicht recht glaubte, einſtweilen auf ſich beruhen, und beſchloß vor allem erſt den Vicomte zu entfernen, ihn in die Haͤnde der Frau von Harville zu legen, die keinen beſſern Agenten ihrer Expeditionen finden konnte, nebenher ein wenig zu hoͤren, wie die Sachen in der Gegend ſtehen? und ſich dann dem Grafen und dem Ernſte ſeines Vorhabens treu zu widmen. So verließ er denn jetzt das Schloß, ziem⸗ lich unbekuͤmmert, und mehr mit den kleinen Thorheiten des zierlichen Herrn von Soulignac, als dem zuruͤckbleibenden Grafen beſchaͤfftigt. Jener entwickelte immer deutlicher das Be⸗ duͤrfniß ſich geltend zu machen, ſein Talent, ſeine Behendigkeit, die ſchlaue Kaͤlte mit wel⸗ cher er Anderen beizukommen wiſſe, dies und viele nal einer Ne ſcen Jre gewaͤhrte Nauſche Camille wachßen gethan Cs ſch parten zu uben Heit zu ſeiner inne— ſehen, zu ſein nicht ſind w wir u fodert ſind ſende ihre p en Sympto⸗ ar D., G ner Juſtand, ſerte Laune N entgangen ihn verletzt Szuſtand, an ilen auf ſich den Vicomte der Frau von ſern Agenten nebenher ein der Gegend n und dem idmen. Schloß, ziem⸗ den kleinen Soulignac, beſchͤfftigt. cher das Be⸗ ſein Talent, ilte mit wel⸗ ſe, dies und viele nahmhafte Eigenſchaften verſtand er mit einer Naivetaͤt herauszuheben, die der causti⸗ ſchen Ironie des Barons den unſaͤglichſten Spaß gewaͤhrte. Er inducirte den ſchnell, und im Rauſche der Eitelkeit immer fort ſprechenden Camillle durch einzelne, laconiſche Fragen, zu ſtets wachßender Steigerung, deſſen was er bereits gethan habe, und jetzt im Begriff zu thun ſtehe., Es ſchien ihm ein Kleines, die noͤrdlichen De⸗ partements unter die Waffen zu bringen, Paris zu uͤberrumpeln, Buonaparte in ſeiner Sicher⸗ heit zu imponiren, die Zuͤgel der Regierung aus ſeiner Hand zu winden, und dann— Er hielt inne— Wahrhaftig, ſagte er, dann muß man ſehen, was anzufangen iſt? denn um ganz wahr zu ſein, fuͤgte er vertraulich hinzu, ich ſtimme nicht fuͤr die unumſchraͤnkte Regierung. Wir ſind vorgeſchritten, die Energie, mit welcher wir uns ſelbſt von laͤſtigen Ketten befreiten, fodert einen groͤßern Spielraum, endlich, wir ſind uns ſelbſt etwas ſchuldig! Es giebt Tau— ſende die wie ich empfinden, Tauſende die nur ihre perſoͤnliche Integritaͤt geſichert wiſſen wol— — 172— len, um die eines conſtitutionellen Koͤnigs an⸗ zuerkennen! Ah mein Herr, rief er mit erhoͤ⸗ heter Stimme, und den Enthouſiasmus der Ein⸗ bildung, Ihnen brauche ich nicht zu ſagen, was ein Volk, das ſich ſelbſt kennt und ehrt zu fo⸗ dern berechtigt iſt! Sie lebten zu lange in dem gluͤcklichem Engelland, das uns in ſo Vielem Vorbild war! Freilich, freilich! verſicherte der Baron. Auch in der Art eine Cravatte zu binden, den runden Hut zu ſetzen, den Kopf vorn heruͤber zu tragen, den Magen einzuziehn, die Arme abwaͤrts gebogen, die Haͤnde geſpreitzt, und Knie und Schenkel wie gichtbruͤchige zu bewegen, beim Himmel Vicomte, wie Sie da auf Ihrem Pferde ſitzen, haben Sie erſtaunt viel von einem Englaͤnder! Ich ſtimme Ihnen bei, Ihres Glei⸗ chen wird uns die Engliſche Verfaſſung geben! Herr Baron, ſagte Camille mit veraͤnder⸗ tem Tone, Sie machen, hoffe ich, nur die Mode des Tages in meiner Haltung laͤcherlich. Bis zur Perſon ſelbſt kann eine Ironie der Art nicht gehen wollen. Gewi herzlic 1 der fruhett laube uͤbe ſpötiln, Mannes, der Juge Es ſatyriſch nen M. entſprang von Sou Ausfluche Nation dividuell dem Ur⸗ bringen ſeßte e ſie nich Park d Harvill nicht de Köͤnigs an⸗ er mit erho⸗ nus der Ein⸗ ſagen, was ehrt zu fo⸗ ange in dem ſo Vielem der Baron. dinden, de vorn heruͤber die Arme t, und Knie bewegen, auf Ihrem lvon einem Ihres Glei⸗ ſung geben! nit veraͤnder⸗ ut die Mode erlich. Bis gie der Art — 173— Gewiß nicht! betheuerte jener ernſt und herzlich. Und wenn ich, ſetzte er gleichwohl mit der fruͤhern Jovialitaͤt hinzu, wenn ich mir er⸗ laube uͤber die Ausſchweifungen der Mode zu ſpoͤtteln, ſo denken Sie, es ſei Neid des alten Mannes, der zu ſteif fuͤr die reizende Thorheit der Jugend ward. Es ſchwebte bei dieſen Worten ein halb ſatyriſches, halb guthmuͤthiges Laͤcheln um ſei⸗ nen Mund. Aus dieſem gemiſchten Humor entſprang denn auch wohl die Frage: ob Herr von Soulignae waͤhrend ſeiner zweimonathlichen Ausflucht nach London, mit dem Charakter einer Nation bekannt genug geworden ſei, deren in⸗ dividuelle Grundlinien in Uebereinſtimmung mit dem Urſpruͤnglichen der franzoͤſiſchen Natur zu bringen? Laſſen wir die Fremden bei Seite, ſetzte er hinzu. Glauben Sie mir, wir verſtehen ſie nicht. Und uͤbrigens ſind wir auch hier am Park der Vicomteſſe, und ſo lange Frau von Harville in dieſen Ringmauern athmet, iſt dieß nicht der Ort, allzulaut von Engliſcher Verfaſ⸗ — 174— ſung, conſtitutionellen Regierungsformen und Jon Bull zu reden! Die heitre Stimmung des Barons machte auch ſogleich, bei Annaͤherung an das nachbar⸗ liche, vielfach in ſeinem Innern zerriſſene und geſtoͤrte Haus, dem wehmuͤthigen Ernſt der Theilname Platz. Er ließ den Vicomte ſchwatzen, und dachte darauf, wie ſich die truͤbe Verwirrung hier und uͤberall loͤſen werde? Er ſahe kein Auskunftsmittel! Gepreßt und unruhig trat er zu den Vorſal hinein. Das ſchoͤne Wetter hatte die Bewohnerin einen Au⸗ genblick aus ſich heraus, in die liebe, verſoͤhnende Natur gelockt. Die unerwarteten Gaͤſte wurden in den untern Sallon gefuͤhrt, indeß ſich die Dienerſchaft beeilen wollte, die Damen, welche auf einer Spatzierfahrt begriffen waren, zuruͤck⸗ zurufen. Der Baron verhinderte das. Er wolle, ſagte er, einſtweilen den Garten und das Haus mit ſeinem jungen Gefaͤhrten durchwandern, der ſich, wie er, in dem Umkreiſe ſo friedlicher Schoͤpfungen wohl fuͤhlen werde. Der metteiſe e Seine Mi Mauern d nur imme den, wie hat! Der ſelbſt bl nem pa fragte er Juliette und die) a's Lich Det in dem verſtaͤnd ſein mo Es ver iſt mau eilig w luft zu und kar pformen und rons machte das nachbar⸗ erriſſene und Ernſt der te ſchwazen, Verwirrung Gepreßt und inein. Das Heinen Au⸗ verſoͤhnende uͤſte wurden deß ſich die men, welche cren, zuruͤck⸗ Er wolle, d das Haus rchwandern, o friedlicher — 175— Der Kammerdiener, welcher ihm die Zim⸗ merreihe eroͤffnete, ſeufzte bei den letzten Worten! Seine Mine ſagte: Ach der Friede iſt in dieſen Mauern auch nicht mehr zu finden! Waͤren Sie nur immer hier! Sie wuͤrden wohl inne wer⸗ den, wie viel Leid die Zeit uͤber uns verhaͤngt hat! Der Baron verſtand ihn ohne Worte. Er ſelbſt blieb auch ſtill; nur als Camille vor ei⸗ nem paar Gemaͤlden bewundernd ſtehen blieb, fragte er leiſe: und Aubin iſt wirklich entlaſſen? Juliette weggewieſen? das Fraͤulein im Kloſter? und die junge Agnes aus dem ihrigen wieder an's Licht gerufen? Der ſchlichte Mann, dem wohl Vieles in dem Verfahren der Frau von Harville un⸗ verſtaͤndlich, und deßhalb nur um ſo verletzlicher ſein mochte, entgegnete mit ſichtlichem Mißfallen: Es verhaͤlt ſich, wie ſie ſagen mein Herr. Nur iſt man doch genoͤthigt geweſen. Fraͤulein Ce⸗ eilia wieder auf einige Zeit hieher in die freiere Luft zuruͤckzubringen. Sie leidet an der Bruſt, und kann den Druck der dumpfigen Kloſtermau⸗ ₰ ern nicht ertragen. Vielleicht hat ihre ſchleunige Ruͤckkehr auch noch andere Gruͤnde, fuͤgte er leiſer hinzu. In Rouen waren Unruhen, die ganze Gegend iſt bewegt, man ſpricht deßhalb von der Ankunft mehrerer Truppen, vielleicht- Fraͤulein Cecilia hier? fiel ihm der Baron lebhaft in's Wort. Ja, entgegnete jener. Wir erwarteten ſie ſchon fruͤher. Ihre Ankunft ward durch Unruhen auf der Landſtraße verzoͤgert. Das Geſindel ſchweift hier uͤberall umher, man iſt nicht ſicher, ſeit die Verhaͤltniſſe des Landes ſo ſchnell umwechſelten. In den Handelsſtaͤdten beſonders, wird viel republikaniſches Unweſen getrieben. An der Kuͤſte will man weder Koͤnig noch Kaiſer haben. Geht dort nicht das Fraͤulein? ſagte Herr von Soulignac, der ſchon eine Weile mit einer Lorgnette in der Hand, lehnten im Fenſter und nach einem Bosquet hinausſahe, in welchem ſich etwas Weißes bewegte. Ohne allen Zweifel, erwiederte der Kam⸗ merdiener, denn ſo viel ich weiß, huͤtete die Kranke b die Fru Der nicht meh an die Maͤdchen Er ohne ſog den die jugendli ganz and chen muf und Entt gebleicht, gedrängt an einer ihre Ge Armer Blick zaͤrtlich Agnes! Camille Au IlI ihre ſchlaunige de, fuͤgte er unruhen, die dricht deßhalb vielleicht— in der Baron e jener. Wir Ankunft ward aße verzoͤgert. umher, man ſe des Landes andelsſtaͤdten hes Unweſen weder Koͤnig ſagte Herr eile mit einer Fenſter und in welchem ete der Kam⸗ i, huͤtete die 1— 177— Kranke bis jetzt das Bett, und begleitete daher die Frau Vicomteſſe nicht. Der Baron hoͤrte ſchon die letzten Worte nicht mehr, ſo ſchnell trugen ihn ſeine Schritte an die Seite des liebenswuͤrdigen, ſchoͤnen Maͤdchens. Er ſtand indeß jetzt uͤberraſcht vor ihr, ohne ſogleich den Eindruck verbergen zu koͤnnen, den die aller auffallendſte Veraͤnderung zweier jugendlichen Geſtalten, die er kurz zuvor ſo ganz anders kannte, nothwendig auf ihn ma⸗ chen mußte. Die eine, deren Wangen Schreck und Entſetzen zu Marmor verſteint, ihr Haar gebleicht, die Augen tief in ihre Hoͤhlen zuruͤck⸗ gedraͤngt hatte, ſtand athemlos, matt, gekruͤmmt, an einen bluͤhenden Kirſchbaum gelehnt, indeß ihre Gefaͤhrtin hoch und voll, die bluͤhenden Arme um ſie ſchlang, und mit lebendig friſchem Blick aus großen, ſchmelzenden, blauen Augen zaͤrtlich zu ihr auf ſahe. Fraͤulein Cecilia und Agnes! fluͤſterte den Baron, den ungeduldigen Camille zu befriedigen. Auf das Geraͤuſch der Nahenden ſahen III. 12] — 178— beide junge Maͤdchen nach jenem um. Ceeilia richtete ſich mit großer Anſtrengung in die Hoͤhe. Ein fluͤchtig Roth uͤberglaͤnzte einen Au⸗ genblick ihr Geſicht. Sie verſuchte zu laͤcheln, indem ſie ihre Schweſter ſanft von ſich draͤngte, und mit der Hand gruͤßend, dem Baron und ſeinem Begleiter willkommen hieß. Es war, als ginge eine andre, eine beßre Zeit noch einmal bei dem Anblick des alten Freundes vor ihr auf. Das matte Auge glaͤnzte von ſanfter Freude. Kommen Sie von Paris zuruͤck? ſagte ſie im Naͤhertreten. Der Baron bejaete es unter ſtummer Ver⸗ beugung. Es waͤre ihm unmoͤglich geweſen, ein Wort hervorzubringen. Cecilia's tiefe heiſre Stimme, das kranke Beben der Lippen, der matte Druck der kleinen zuſammengefaltenen Hand, er kam nicht von dem Erſtaunen zuruͤck, daß ein Zeitraum von einem Paar Wochen dieſe Veraͤnderung hervorgebracht habe. So ſtanden beide einige Augenblicke ein⸗ ander gegenuͤber. Laſſen Sie uns niederſetzen, bat die Kranke. Man ſah, ſie ſtrengte ſich oh⸗ nehin ſchon benüͤht, ſog, einen der Baron ſuchten de Anſtrich die veran was konn Cec Ihre Br Nuͤhrung küͤrzer, e trockner⸗ ſchöpfte ſ gedruͤckt, zuruͤckhal den Ruͦ nen Tre pen zu D. Fuͤßen! von S. allein zu um. Ceeilig ung in die e einen Au⸗ m lcheln, ſich deaͤngte, Baron und eine beßre ick des alten Auge glänzte e von Paris zummer Ver⸗ geweſen, ein tiefe heiſre Lippen, der nengefaltenen aunen zuruͤck, Wochen dieſe genblicke ein⸗ niederſetzen, ingte ſcch oh⸗ nehin ſchon uͤber ihre Kraͤfte an. Alle waren bemuͤht, ſich ihr behuͤlflich zu zeigen. Camille flog, einen Seſſel herbeizuſchaffen. Agnes und der Baron unterſtuͤtzten ſie waͤhrend dem. Beide ſuchten dem augenblicklichen Uebelbefinden den Anſtrich des Zufaͤlligen zu geben. Die Fahrt, die veraͤnderte Luft, es war ja natuͤrlich, ſo et⸗ was konnte nicht ohne Folgen bleiben!— Cecilia ſchlug die Augen zum Himmel auf. Ihre Bruſt arbeitete unter vergeblich bekaͤmpfter Nuͤhrung, die Athemzuͤge wurden ſchneller und kuͤrzer, ein aͤngſtlicher Huſten, deſſen hohler, trockner Ton allen durch die Seele ging, er⸗ ſchoͤpfte ſie vollends. Ein Tuch an ihre Lippen gedruͤckt, als wolle ſie den aͤngſtigenden Klang zuruͤckhalten, lehnte ſie den Kopf ſeitwaͤrts an den Ruͤcken des Fauteuils und bat leiſe um ei⸗ nen Tropfen Mandelmilch, die brennenden Lip⸗ pen zu kuͤhlen. Die arme Agnes, die weinend zu ihren Fuͤßen knieete, ſprang pfeilſchnell davon, Herr von Soulignac folgte ihr. Der Baron blieb allein zuruͤck. Cecilia's Augen ſchienen ihn zu — 190— ſuchen. Mein lieber, lieber Baron, ſagte ſie, ihn naͤher zu ſich heranwinkend, ich bin recht erfreut, Sie zu ſehen! Niemand, ſeufzte ſie, niemand wuͤrde mich hier verſtehen wollen! Es weiß auch keiner, wie mir iſt. Ich kann das nicht uͤberleben, ſetzte ſie gepreßt und leiſe hin⸗ zu. Das Entſetzen— der Schreck von Lafére— ſeine Gefahr— ſein Unrecht— der Fluch der Meinigen— die Angſt um ſein Leben— Herr Baron— ich rede ſo frei mit Ihnen, weil ich nicht lange mehr ſprechen werde. O ich bitte, ſagen Sie mir, hat ihn Dominique geſehen? War er in Paris? Ich weiß ja nur durch ein Paar fluͤchtige Zeilen, die mir Aubin zuzu⸗ ſtecken wußte— Der arme Aubin! auch er mußte es buͤßen, daß er das Liebenswuͤrdige liebte und dieſer Liebe treu blieb. Sie ſagte dies Alles raſch und heftig, als fuͤrchte ſie unterbrochen zu werden. Der Baron ſtand uͤber ſie gebeugt. Er ſammelte wohl je⸗ des ihrer Worte und druͤckte ſie ein in treuer Bruſt. Dann faßte er ihre Hand und verſi⸗ cherte ſie zuerſt von des Marquis Wohlſein, und ſeiner 3 Buonapat ſchend an denn, vet gegnete dig zu d ten. Wi war nie trauens der wan Irrthun rechten? Nic tig, inde Barons den zum ſagte ſi fuhr ſ ſobald den. 9 Was i chelte denke in, ſagte ſi, ich bin recht ſeufzte ſie, wollen! Es Ich kann das nd lſt hin von Lafére— der Fluch der Leden— Herr nen, weil ich O ich bitte, zue geſehen? dur durch ein Aubin züzu⸗ auch er mußte vͤrdige liebte no heftig, als Der Baron melte wohl je⸗ ein in treuet ind und verſi⸗ Tohlſein, und — 181— ſeiner Zufriedenheit, in Betreff der Ruͤckkehr Buonapartes, und als Cecilia ihn hier for⸗ ſchend anſah, als wolle ſie fragen: wie iſt es denn, verdammen Sie ihn auch deswegen? ent⸗ gegnete er: Ich weiß, es quaͤlt Sie, ihn ſchul— dig zu denken. Laſſen Sie Gott daruͤber rich⸗ ten. Wir Menſchen koͤnnen es nicht. Alphonſe war nie meineidig. Das junge Herz hing ver⸗ trauensvoll an Ideale, und glaubte dieſe auf der wandelbaren Erde erreichen zu koͤnnen. Sein Irrthum iſt ein Irren. Wir Alle ſuchen den rechten Weg. Nicht wahr? nicht wahr? rief Cecilia hef⸗ tig, indem ſie in krampfhafter Entzuͤckung des Barons Hand zwiſchen ihren gefaltenen Haͤn⸗ den zum Himmel aufhob. Wir beide ſchwoͤren, ſagte ſie, daß er unſchuldig fehlte! Seh'n Sie, fuhr ſie im ſelben Tone fort, deshalb muß ich ſobald ſterben, um jenſeits ſein Engel zu wer⸗ den. O Sie glauben nicht, wie gern ich ſterbe! Was iſt es auch, ſterben, lieber Freund, laͤ⸗ chelte ſie, halb fragend, halb vertrauend. Ich denke ja, der Tod iſt nicht ſo erſchrecklich, als — 1982— er mir oft duͤnkte. Freilich, freilich, ſetzte ſie hinzu, ganz leicht iſt er auch wohl nicht! Der Baron konnte ihr nicht antworten. Gutes, gutes Kind! wiederholte er kurz und mit abgewandtem Geſicht. Warum muß ich Sie ſo finden? Es koͤnnte ja noch alles gut werden! Nein! ach nein! nimmermehr! unterbrach ſie ihn heftig. Gut kann es nicht werden. Meine Mutter hat ein entſetzliches Wort ge⸗ ſprochen— Sie hat geſchworen, Herr Ba⸗ ron— Aber davon nichts mehr! nie, nie wie⸗ der! Es war an dem ſchrecklichen Tage, als der Marquis ſich oͤffentlich gegen den Koͤnig erklaͤrte. Ach mein Herr, klagte ſie leiſe, es giebt Dolche, die nicht von Metall, und ſchnei⸗ dender als dieſes ſind! In dem Augenblick kehrten Agnes und der Vicomte zuruͤck. Ich habe Ihnen noch et⸗ was zu ſagen, fluͤſterte ſie eilig. Es koͤnnten Mißverſtaͤndniſſe entſtehen, wenn— Agnes brachte hier das verlangte Getraͤnk. Sie ſchien durch etwas Beſonderes erſchuͤttert. Ihre Hand jitterte/ Pns t ſorglichen gen, Und Agn cheln: J die bewe den Ein velſtehe angſtlic nerlichen Can ton ein achten, zu ſchär ch, ſeßte ſe nicht! antworten. tr kurz und um muß ich ich alles gut d! unterbrach nicht werden. hes Wott ge— 4 Herr Ba⸗ nie, nie wie⸗ Tage, als den Koͤnig ſie leiſe, es und ſchnei⸗ Agnes und hnen noch et⸗ Es koͤnnten n— lpnes k. Sie ſchien t. Ihre Hand — 183— zitterte, als ſie der Kranken das Glas reichte. Was iſt Dir, mein Kind? fragte dieſe, einen ſorglichen Blick auf ihre hoͤher gefaͤrbten Wan⸗ gen, und die fliegende Bruſt werfend. Agnes entgegnete mit erzwungenem La⸗ cheln: Nichts, in der Welt nichts! Doch wie die beweglichen Minen kindlicher Geſichter nie den Eindruck des Augenblickes zu unterdruͤcken verſtehen, ſo begleitete dies Laͤcheln ein gewiſſer, aͤngſtlicher Huſten der die Bebungen der wei⸗ nerlichen Stimme verbergen ſollte. Camille gab in dieſem Augenblick dem Ba⸗ ron ein Zeichen; Dieſer ſchien es nicht zu be⸗ achten, um Ceeilias Argwohn nicht noch mehr zu ſchaͤrfen. Allein die Vorſicht war umſonſt, denn obgleich der Vicomte hinter der Kranken ſtand, ſo hatte dieſe doch ein ſo lebhaftes Emp⸗ finden von dem, was verſchloſſen im Innern der Andern vorging, daß ſie den Kopf raſch wendend, mit der Haſt jäͤher Fieberſpannung ausrief: Verhelen Sie mir nichts! Geſchwind, geſchwind, was iſt es? Warum iſt die Vicom⸗ teſſe und meine Mutter nicht hier den Baron — 194— zu bewillkommnen? Ich hoͤrte Laͤrm im Hofe? Sie ſind zuruͤck! Sie muͤſſen zuruͤck ſein! Gott wie Du aufeaͤhrſt, rief Agnes, ganz unfaͤhig ſich laͤnger zu verſtellen. Mein Herz! ſei nicht ſo heftig! bat ſie. Sieh' es iſt ſo un⸗ bedeutend, ſo eigentlich nichts, daß ich mich recht ſchaͤme, Dir mit meinem kindiſchem Weſen die unnuͤtze Beſorgniß gegeben zu haben. Ein Zufall, ergaͤnzte Herr von Soulignac die abgebrochenen Saͤtze, ein Zufall hat die Spatzierfahrt der beiden Damen geſtoͤhrt. Ein wahnſinniges Maͤdchen, hoͤrte ich drinnen im Schloſſe, habe bei dem Anblick der Kutſchen, die ſie wohl kennen mochte, den Schiffern am Strande zugerufen: dort fahren die grauſamen Adlichen hin, die das Land auf's neue dem Fremden in die Haͤnde ſpielen wuͤrden! ſie, die harten Herzen wollen das Verderben Aller, die nicht wie ſie denken. Sie toͤdten die eignen Kinder und verſchließen den Elenden ihre Thuͤr! Aber ſie werde die Raͤcher ſchon herbeirufen. Sie wiſſe auf dem Teufelsfelſen Beſcheid! Die Ungluͤckliche! ſeufzte Cecilia. Doch weiter/ bii wendet⸗ d iſe nat Nun, ſagte Porte der ſyrochen. ſad, die Art zu f NRan etle tanzten mit drohe derholung ſen. Die ter zu fa Der Kat an, und macht, der Wa⸗ die ſich ward k eomteſſe zubieger und Fr m im Hofe! ck ſein! Agnes, ganz Mein Herz! es iſt ſo un⸗ ich mich recht em Weſen die en. on Soulignac ufall hat die heſͤhrt. Ein drinnen im er Kutſchen, Schiffern am ie grauſamen 's neue dem wuͤrden! ſie, rderben Aller, en die eignen en ihre Thuͤr! herbeirufen. Seſcheid! gecilin. Doch — 135— weiter, weiter! bat ſie, zu dem Vicomte ge⸗ wendet. Dieſer laͤchelte, als ſei es kaum der Muhe werth, das Folgende weiter zu erwaͤhnen. Nun, ſagte er, mit gleichguͤltigem Achſelzucken, Worte der Art werden ſelten in den Wind ge⸗ ſprochen. Es giebt ſo viel Muͤßige, die froh ſind, die traͤgen Stunden mit Scherzen ihrer Art zu fuͤllen. Einzelne naheten dem Wagen. Man erlaubte ſich ungeziemende Worte. Andre tanzten die noch nicht vergeſſene Carmainole mit drohenden Geberden, welche auf die Wie⸗ derholung fruͤherer, teufliſcher Auftritte hinwie⸗ ſen. Die Damen befahlen voller Entſetzen wei⸗ ter zu fahren. Jene hielten die Pferde auf⸗ Der Kutſcher ſeiner Seits trieb ſie verſtaͤrkt an, und als nun endlich die Thiere ſcheu ge⸗ macht, mit toller Furie vorwaͤrts rannten, riß der Wagen zwei der Unverſchaͤmteſten nieder, die ſich zu nahe gewagt hatten. Der Laͤrm ward dadurch nur zuͤgelloſer. Die Frau Vi⸗ comteſſe befahl, ſeitwaͤrts von der Straße ab⸗ zubiegen. Dies geſchah, und ſo fluͤchtete ſie und Frau von Harville in ein nahes Dorf, — 196— zu einer alten Bekannten des Schloſſes. Der Schreck hat beide angegriffen. Auch wagten ſie nicht, ohne ſtaͤrkere Begleitung den uͤbrigen Theil des Weges zu machen. Deshalb ſchickten ſie jemand zu Pferde hierher, um die noͤthigen Maaßregeln zu treffen. Camille, durch die Luſt des Erzaͤhlens fort⸗ geriſſen, hatte weit mehr geſagt, als er ſagen wollte. Der Baron und Angnes ſtanden wie auf Kohlen. Cecilia ward immer bleicher, je⸗ mehr die erſte Spannung nachließ. Sie hob die Augen nicht vom Boden. Sie ſcheuete, in den Mienen der Andern noch vielleicht mehre⸗ res herauszuleſen. Ein leiſer Wind ſpielte mit ihrem Haar, die ſchwarzen Locken hoben und ſenkten ſich, wie die Fluͤgel der Nacht, die auf ihrer Seele lag, indeß ein weißer Bluͤthenregen von dem nahen Kirſchbaum die kranke Bruſt und die gefaltenen Haͤnde uͤberſchuͤttete. Geh'n Sie, meine Herren, bat ſie den Ba⸗ ron und ſeinen Begleiter, wohin ohne Zweifel, Ihr Verlangen, Andern nuͤtzlich zu ſein, Sie ſchon laͤngſt rief; gehen Sie, meiner Mutter und der In uihigt ſän Al de men wollte tette ſie: Die Ungt kand gek Niemand Ich bin von den Der den Vico ſeine arm Beid und beile Agnes r. liebten( Schooß, undeſor ihrem bei der umher, wieder zchloſſes. der uch wagten ſie den uͤbrigen shald ſchickten n die nathigen Erzählens fort⸗ „als er ſagen ss ſtanden wie er bleicher, je⸗ ieß. Sie hob ie ſcheuete, in elleicht mehre⸗ ud ſpielte mit en hoben und Nacht, die auf Bluͤthenregen kranke Bruſt huͤtrete. hat ſie den Ba⸗ nehne Zweifel, zu ſein, Sie meiner Mutter — 187— und der Frau Vicomteſſe⸗ beizuſteh'n. Ich werde ruhiger ſein, wenn ich Sie dort weiß⸗ Als der Baron nicht einen Augenblick ſaͤu⸗ men wollte, ihren Befehlen zu gehorchen, fluͤs⸗ terte ſie: Ich erkenne in dem Allem Juliette. Die Ungluͤckliche iſt auch um ihren guten Ver⸗ ſtand gekommen! Sie irrt ruhelos umher! Niemand kann ihr helfen! Sie liebt Alphonſe! Ich bin davon uͤberzeugt! Was koͤnnte ſie wohl von dem Uebel heilen? Der Baron druͤckte ſtumm ihre Hand, und den Vicomte unter den Arm faſſend, eilte er, ſeine arme, geaͤngſtete Freundin aufzuſuchen. Beide Schweſtern blieben eine Weile ſtill und beklommen nebeneinander. Erſt ſetzte ſich Agnes ruhig auf den Raſen, zu Fuͤßen der ge⸗ liebten Cecilia. Sie legte den Kopf auf ihren Schooß, und hielt ſich geſammelt und ſcheinbar unbeſorgt, als woge nichts Beaͤngſtigendes in ihrem Buſen. Allein, nicht lange, ſo fuhr ſie bei dem leiſeſten Geraͤuſch in die Hoͤhe, ſahe umher, und konnte die fruͤhere Haltung nicht wieder gewinnen. — 188— Du biſt ſo bewegt, meine arme Agnes, ſagte Cecilia. Weißt Du, ich wuͤrde Dir's recht danken, wollteſt Du einmal im Schloſſe nachfragen, ob noch keine naͤhere Nachricht von dem Vorfalle eingegangen iſt. Moͤchteſt Du allein ſein, meine Schweſter? fragte jene zaͤrtlich. Ja? wiederholte ſie auf das leiſe Schmerzenslaͤcheln der Andren. Nun wohl, ich verlaſſe Dich auf einen Augenblick. Aber bald, recht bald, bin ich wieder bei Dir! Sie ſprang davon. Cecilia ſahe ihr in ei⸗ nem unausſprechlichem Gefuͤhl der Trauer nach. Mit gefaltenen Haͤnden, und dieſe ringend zum Himmel gehoben, klagte ſie laut: Gott! Gott! wie meine ſchwindende Jugend, wie der Schmelz des Fruͤhlings gleitet ſie uͤber den thauigen Ra⸗ ſen hin, und ich— Ach mußte es denn ſo ſein! O meine Mutter Du wußeeſt nicht, welch Gift Dein raſches Wort in meine Bruſt ſchleuderte! Verderben haſt Du ihm, haſt Du mir geſchwo⸗ ren, wenn laͤnger ein ſuͤndlicher Gedanke ſein liebes Bild zu mir heruͤbertruͤge! Bethoͤrte Frau! konnteſt Du auch dem Gedanken gebieten? Sein Sild weih 9mih Die ju chmelzende krone des Diſſe wit chhen Sche bat ſie, alles vot Winter! Die heit, ihre Thraͤnen lüͤſen koͤn Nac Ihre B die naſſe etgeben, zuruͤck, Es wa kleine gluth. ur arme Agnes, wuͤrde Dir's im Schloſſe Nachricht von ne Schweſter? colte ſe auf Andren. Nun en Augenblick. ſder bei Dir! ihe ihr in ei⸗ Trauer nach. ringend zum Gott! Gott! der Schmelz thauigen Ra⸗ denn ſo ſein! zt, welch Gift ſt ſchleuderte! mir geſchwo⸗ Gedanke ſein zethorte Frau! ebieten? Sein — 189— Bild weicht nicht von mir! mein Verderben iſt gewiß. Die junge Nachtigall lockte hier mit ſuͤßem, ſchmelzenden Toͤnen aus der weißen Bluͤthen⸗ krone des Kirſchbaumes uͤber Cecilias Kopf. Dieſe wimmerte, als empfinde ſie einen ploͤtzli⸗ chen Schmerz bei dem Klange. O nein, nein! bat ſie, ſinge nicht ſo weich und zaͤrtlich! Es iſt alles vorbei auf dieſer Erde. Winter, ſtarrer Winter muß es ſein, wo ich bin! Die heiße Luſt zum Leben, und die Gewiß⸗ heit, ihres Elendes, preßte die Jammervollſten Thraͤnen aus ihren Augen. Sie haͤtte ſich auf⸗ loͤſen koͤnnen in namenloſem Schmerz. Nach einer Weile athmete ſie indeß freier. Ihre Bruſt hob ſich, ſtiller Abendwind trocknete die naſſen Augen, ſie legte den Kopf muͤde und ergeben, als lege ſie ihn in der Engel Schoos, zuruͤck, und ſahe in die untergehende Sonne. Es war ganz ſtill im Garten. Nur einzelne kleine Kaͤfer ſchwirrten durch die roͤthliche Abend⸗ gluth. Es ward auch ſtill in Cecilia. Unſer ganzes Daſein ſcheint in ſolchen Mo⸗ — 190— menten mit der Natur zuſammenzufließen. Wir gehoͤren uns ſelbſt nicht an, und ſehen gelaſſen, wie eine ſuͤße, zauberiſche Gewalt uns hinnimt, und die letzte Spur des Bewußtſeins allmaͤhlig aufloͤſt. In ſolcher Stimmung kann ein Nichts die offne Seele mit Schreck durchzucken. Ceci⸗ lia bebte vor einem fremden, ungewoͤhnlichem Geraͤuſch in der nahen Buchenhecke. War es ein Thier, das ſich hier Bahn zum Garten hin⸗ nein machte? Sie hatte nicht den Muth danach umzuſehen, dennoch war ſie allein, niemand ſo ſchnell zu errufen. Vielleicht hatte ſie ſich auch geirrt. Es war wieder ganz ſtill. Jetzt, jetzt kniſtert es ſtaͤrker als zuvor in den trockenen Zweigen— Horch!— ſagte ſie in ſich, Es iſt, als ſchwinge ſich ein Koͤrper an den Aeſten hin. Es klingt ſo dumpf! In Kleinen Schritten tappt es uͤber den Raſen. Herr Gott, es na⸗ het wer! Schoͤnen guten Abend! ſchoͤnen guten Abend! ſagte eine kleine unruhig zitternde Stimme. Ei ſieh da! Hab' ich's doch recht gtnaſin! ja wieder ſchön in del Es ran durch die die arme, ſahe ſie d lich zu, u eben Sch Tuch wa nur trug der etwas ſcht gan lichen und uͤbetdies des Tuch hin ware ner ſchne zu welch wegunge ſahe ma trug ſie auch M uflieen. it ſehen gelaſſen, uns hinnimt, eins allmaͤhlig in ein Nichts czucken. Ceci⸗ ungewoͤhnlichem hecke. War es im Garten hin⸗ Muth danach , niemand ſo e ſie ſich auch IJetzt, jetzt den trockenen in ſich, Es iſt, den Aeſten hin. nen Schritten Gott, es na⸗ ſchoͤnen guten ruhig zitternde 's doch recht getroffen! Nun, Gott ſei gelobt, da ſind wir ja wieder beiſammen! Ach es iſt doch recht ſchoͤn in dem Garten! Sehr ſchoͤn! ſehr ſchoͤn! Es rann der erſchrockenen Cecilia wie Eis durch die Adern. Auf das erſte Wort hatte ſie die arme, geſtoͤrte Juliette erkannt. Zoͤgernd ſahe ſie zu dieſer auf. Sie nickte ihr vertrau⸗ lich zu, und laͤchelte. Ihr Aeußeres war nicht eben Schrecken erregend. Das Nelkenfarbene Tuch wand ſich wie ehemals um ihre Stirn, nur trug ſie einen breiten Strohhut daruͤber, der etwas verſchoben, ihrem blaſſem, kranken Ge⸗ ſicht ganz beſonders den Ausdruck des Wunder⸗ lichen und Geſtoͤrten gab! Die Augen ſchienen uͤberdies im Schatten der entſchiedenen Farbe des Tuchs, noch eingefallener, als ſie es ohne⸗ hin waren, uͤberall machte ſie den Eindruck ei⸗ ner ſchnell, durch Krankheit gealterten Perſon, zu welcher ſich die lebhaften, jugendlichen Be⸗ wegungen nicht paſſen wollten. Der Kleidung ſahe man das ruheloſe Umhertreiben an, denn trug ſie gleich ihren Sontagsſtaat, und mochten auch Mieder und Schuͤrze noch vor Kurzem — 192— von gutem Stoffe geweſen ſein, ſo ließ ſich dieſer doch jetzt nicht ſonderlich erkennen. Der Art ihres Benehmens nach, und wie ſie ſtand, ſich drehete, wie ſie wohlgefaͤllig laͤchelnd knixte, dem allem nach glaubte ſie ſich wohl recht ſchoͤn geputzt zu haben. Auch hatte ſie große Buͤſchel Waſſerlilien an den Hut und den Buſen ge⸗ ſteckt. Ich habe wieder einen Kahn, ſagte ſie. Die Burſchen druͤben haben mir einen gegeben. Ach es ſind gute Jungen! recht gute Jungen! Sie ſetzte ſich neben das Fraͤulein auf denſelben Fauteuil. Hier blieb ſie ganz ſtill. Wahrſchein⸗ lich hatte ſie vergeſſen, was ſie wollte. Nach einer Weile, in welcher Cecilia nicht die Kraft hatte, ſie anzureden, hub ſie ſanft und zaͤrtlich an: Sie kommen wohl nicht mit mir hinauf, zu dem Robertsfelſen? Wir wollten ſonſt druͤ⸗ ben auf den Oberſten warten! Ja, ja, verſi⸗ cherte ſie, er muß bald hier ſein! Ich habe ihm geſchrieben.— Dus? fragte das Fraͤulein zoͤ⸗ gernd. Ach nein! erwiederte Juliette, indem ſie ſich die Stirn rieb. Nein, nein,— Er hat geſchrieben! Mir nicht! klagte ſie traurig. Aber an die Rel vergnͤgt wieder die nn grohe zanze Ma ſah lange Scheibe, Saum d Ceeiligs ſagte ſie Moh es auch liebe JIul Schweſte leine. T es ander leiſe in fragte heimlich da gew⸗ Den ſe ſo ſchoͤr Ill d liß ſch ennen. Der ie ſie ſtand, helnd knixte, l recht ſchun roße Buͤſchel Buſen ge⸗ hn, ſagte ſie inen gegeben. ute Jungen! auf denſelben Wahrſchein⸗ ollte. Nach ht die Kraft und zuͤrtlich mir hinauf, en ſonſt druͤ⸗ ga, ja, verſ⸗ Ich habe ihm Fraͤulein zoͤ⸗ liette, indem „— Er hat raurig. Aber — 493— an die Reuter, die huͤbſchen Reuter! rief ſie vergnuͤgt. Ich habe ſie geſehen. Sie tragen wieder die ſchoͤnen Helme, und wenn ſie auf den großen Pferden ſitzen, dann flimmert der ganze Mann, wie die Sonne ſelbſt.— Sie ſah lange, und wie verloren, in die gluͤhende Scheibe, die ſich tief im Weſten unter den Saum des Horizontes ſenkte. Sie faßte hier Cecilia's Hand, kuͤßte ſie und weinte. Ja, ja, ſagte ſie dann, es iſt recht traurig! Mehr brachte ſie nicht heraus. Sie vergaß es auch wohl wieder, was ſie quaͤlte. Geh' liebe Juliette, bat jetzt Cecilia. Suche Deine Schweſter auf. Sie iſt bei der alten Magde⸗ leine. Was lachſt Du denn, Kind? Weißt Du es anders? Jene ſchuͤttelte den Kopf, indem ſie leiſe in die vorgehaltene Haͤnde kicherte. Nun? fragte das Fraͤulein. Inliette fluͤſterte ganz heimlich: ich bin ſchon da geweſen, ich bin ſchon da geweſen, Aphodiſe iſt verliebt! ſie heirathet! Den ſchwarzen Vernier heirathet ſie! Sie thun ſo ſchoͤn, ſo ſchoͤn! Zur Hochzeit komme ich wie⸗ III.[13] — 194— der! Sie hat mich geladen! Jetzt— kann ich nicht bei ihr bleiben! Jetzt nicht! Sie wiederholte die letzten Worte mit im⸗ mer leiſerer Stimme, indem ſie den Kopf ſchuͤt⸗ telte, und zuletzt die Arme uͤber die Knie ge⸗ ſchlungen, ganz zuſammengeſunken, unverſtaͤnd⸗ liche Laute murmelte. Waͤhrend dem hoͤrte man einen Wagen in den Hof rollen. Juliette ſprang erſchrocken auf, und als komme ihr ploͤtzlich die volle Beſinnung wieder, rief ſie: ja ſo! ich muß nur eilen, ehr ſie mich hier treffen. Ich habe den boͤſen Frau⸗ en, das Schiffsvolk auf den Hals gejagt, und ihnen eine Weile zu thun gegeben. Ich mußte ja hieher zu Ihnen, mein Herz, ſetzte ſie lei⸗ denſchaftlich hinzu. Die Nacht holte ich alle ſeine Briefe, die er auf des Grafen Schloß ge⸗ ſchrieben hat. Ich habe ſie bei mir! rief ſie, mit ſonderbaren haſtigen Geberden, eine Menge zerriſſener und zuſammengekniffter Pappiere aus den Taſchen holend. Da! da! ſagte ſie. Ihre zitternden Haͤnde, wirthſchaffteten emſig in dem ausgeworfenem Kram umher. Zwei ſind fuͤr wich, ſäch hir heftig qls/ auf in einzeln in Buſer mal, und lein ihr ſchlich m haͤngen, leeter f Bett, un Ach ich! der Schr than wer wil mie In Thaͤten die vorg hinter — kann ich tte mit im⸗ Kopf ſchüͤt⸗ die Knie ge⸗ unverſtaͤnd⸗ n Wagen in ſchrocken auf, ſe Beſinnung ir eilen, ehr boͤſen Frau⸗ gejagt, und Ich mußte ſetzte ſie lei⸗ olte ich alle in Schloß ge⸗ nir! rief ſie, heine Menge Pappiere aus zte ſie. Ihre emſig in dem vei ſind fuͤr — 195— mich, laͤchelte ſie verſchlagen. Sie riß mit gro— ßer Heftigkeit ein paar lange weiße Blaͤtter her⸗ aus, auf die ſich nur die beginnende Feder in einzelnen Strichen geuͤbt hatte. Jene ſchnell im Buſen verbergend, knixte ſie zwei bis drei⸗ mal, und huͤpfte davon. Iuliette! rief das Fraͤu⸗ lein ihr nach, wo gehſt Du denn hin? Sie ſchlich mit traͤgem Schritte zuruͤck, ließ den Kopf haͤngen, und ſagte ſchwermuͤthig; zu des Vaters leerer Huͤtte— Da ſetze ich mich auf mein Bett, und warte bis die Hochzeitsgaͤſte kommen. Ach ich werde wohl auch, ſchluchſte ſie, mit der Schweſter todtem Braͤutigam zuſammenge⸗ than werden! Wo ſoll ich ſonſt hin? der Oberſt will mich ja nicht! Im Gartenſaale hoͤrte man Stimmen, die Thuͤren flogen auf. Juliette ſchrie dumpf in die vorgehaltene Schuͤrze, und verſchwand ſchnell hinter der Hecke. — 196— VIII. Es iſt das Beſte, hatte der Baron der Vicom⸗ teſſe gerathen, Sie begeben ſich ohne Weiteres nach Paris. Die Gemuͤther ſind einmal im Auf⸗ ruhr. Bei einem willkuͤrlichen Regierungswech⸗ ſel faͤllt es manchem heißem Kopf, den Stolz und Narrheit verdrehen, auch wohl ein, er koͤnne ſo gut, als ein Andrer das Staatsſchiff lenken. Und wenn Einer das laut werden laͤßt, ſo ſchreien Unzaͤhlige nach. Unter dieſen Umſtaͤn⸗ den iſt es freilich fuͤr den Wehrloſen ein au⸗ genblickliches Uebel, den Schutz des Maͤchtigern aufſuchen zu muͤſſen, allein wie dem entgehen? Nicht ſowohl den Schutz des Maͤchtigern, entgegnete Frau von Harville, welche die heu⸗ tigen Erfahrungen ganz mit der Gegend, in welcher ſie ſich befand, entzweit hatten, nicht etwa den Kaiſer, ſetzte ſie raſch hinzu, ſondern die Geſamtheit der Hauptſtadt, das Geſchloſſene ihrer gegenwaͤrtigen Haltung, das iſt es, was dem Einzelnen erlaubt, ſich an ſie zu lehnen, wie man angtrath füchet Püͤndret Nub wir das Volk un ich ſche weniget Landſih Beſchle um ſo unwillkü auf Sie RM des He und do rung beſond 8 dahin ten. chen der Vicom⸗ nne Weiteres mal im Auf⸗ jerungswech⸗ den Stolz ein, er koͤnne ſchif lenken. en laͤßt, ſo en Umſtäͤn⸗ ſen ein au⸗ Mächtigern n entgehen? Mächtigern, ſche die heu⸗ Gegend, in hatten, nicht nzu, ſondern Geſchloſſene iſt es, was zu lehnen, wie man, in den Tumult einer Schlacht hin⸗ eingerathen, eher zu einer geordneten Schaar fluͤchtet, als den Metzeleien der Ausreißer und Pluͤndrer anheimzufallen. Nun wohl, erwiederte der Baron, laſſen wir das Gleichniß gelten. Nehmen wir an, daß Volk und Land im Kriegesſtande erklaͤrt ſei, ich ſehe es ſelbſt nicht viel anders, indeß um ſo weniger koͤnnen Sie hier auf dem entlegenen Landſitze laͤnger ausgeſetzt bleiben. Gewiß, die Beſchleunigung Ihrer Reiſe nach Paris wird um ſo nothwendiger, als der heutige Auftritt unwillkuͤrlich die Aufmerkſamkeit der Umgegend auf Sie lenkt. Mutter und Tochter ſchwiegen. Im Grunde des Herzens wuͤnſchten es beide nicht anders; und doch war etwas in dieſer beeilten Annaͤhe⸗ rung an den Kaiſer, was Frau von Harville beſonders wiederlich erſchien. Nein, ſagte ſie, wie ich es auch uͤberdenke, dahin vermag ich nicht meine Schritte zu rich⸗ ten. Eher moͤchte ich rathen, nach dem ſuͤdli⸗ chen Loire Departement zu gehen, und in Nan⸗ — 196— tes, oder einer andern wohlgeſinnten Stadt, beſſere Tage zu erwarten! Ich verſtehe Deine Abſicht, Sophie, nahm die Vicomteſſe hier das Wort, Du willſt, Du hoffſt etwas, In der Vendée meinſt Du— Nun gut, mein Kind. Beſtimme uͤber Dich und Deine Toͤchter, ich fuͤr mein Theil habe nichts Beſſeres zu thun, als Euch zu begleiten! Wie ſollte ich auch die leidende Cecilia verlaſ⸗ ſen, deren Zuſtand ſo wenig Hoffnung laͤßt und mir ein ewiger Vorwurf bleibt. Laſſen wir das! bat Frau von Harville. Ich bin nicht ſo muthlos, wie Sie, meine Mutter; die Zeit gleicht vieles aus, und ein Ca⸗ tharr, die Folge fruͤherer Erkaͤltungen, giebt noch nicht den Tod. Die Reiſe wird hoffentlich dem eigenſinnigen Kinde die gewuͤnſchte Zer⸗ ſtreuung verſchaffen. O im achtzehnten Jahre ſind die Springfedern des Geiſtes ſo elaſtiſch, als die der phyſiſchen Natur. Ich gehe noch einige Briefe zu ſchreiben, und den ungeduldi⸗ gen Herrn von Soulignac abzufertigen, der ſich's einmal in den Kopf geſetzt hat, nicht ohne iin Cedi trſceinen Sie hinaus, a mied, de zwiſchen terungen 3 hier der geaͤngſt es ja, geu zurk Nahrung Liebling, mehr darf ni die D darf eine wille Gott ten Sindt, ophie, nahm willſt, Du dinſt Du— ie uͤber Dich n Theil habe zu begleiten! Leeilia verlaſ ung laͤßt und on Harbille. Die, meine und ein Ca⸗ ingen, giebt rd hoffentlich vuͤnſchte Zer⸗ ehnten Jahre ſo elaſtiſch, ſch gehe noch en ungeduldi⸗ fertigen, der t, nicht ohne — 199— ein Creditiv meiner Hand vor die Prinzen zu erſcheinen. Sie war ſchon eine Weile zum Zimmer hinaus, als die Vicomteſſe es immer noch ver⸗ mied, den Baron anzuſehen, aus Furcht, es zwiſchen ſich und ihm zu ſehr peinlichen Erlaͤu⸗ terungen kommen zu laſſen. Zwingen Sie die Worte nicht zuruͤck, bat hier der erfahrne Mann. Schuͤtten Sie Ihr geaͤngſtetes Herz aus, liebe Freundin. Ich fuͤhle es ja, es quaͤlt Sie, nicht reden, nicht ſchwei— gen zu koͤnnen, ohne dem herben Grame neue Nahrungen zu geben. Cecilia war immer Ihr Liebling, Sie wollten— O nichts mehr von ihr, bat die Vicom⸗ teſſe, das Tuch vor die Augen haltend, nichts mehr von dem lieben, ungluͤcklichen Kinde! Ich darf nicht lange uͤber alles das nachdenken, was die Dinge ſo auf die Spitze getrieben hat. Ich darf es nicht, mein lieber Baron, es regt ſich eine Bitterkeit in meiner Seele, ein Wieder⸗ wille gegen die, welche ich ganz beſonders vor Gott und der Welt in Schutz zu nehmen habe. — 200— Allein, das kann ich mir nicht bergen, gut iſt eine Geſinnung nicht, welche Zwecke ſie auch habe, die das Gefuͤhl toͤdtet, und leidenſchaft⸗ lichen Eifer an die Stelle natuͤrlicher Zaͤrtlich⸗ keit ſetzt! Sophie ſtoͤßt ihr Kind in den Ab⸗ grund, indeß ſie mit fanatiſchen Thraͤnen die welkende Lilie benetzt, und das Leben der Einen fuͤr das Wiederaufbluͤhen der Andern hingiebt! Sie hatte recht, fuhr ſie nach kurzem Schwei⸗ gen, welches der Baron abſichtlich ununterbro⸗ chen ließ, fort, ſie hatte ganz recht, die wahn⸗ ſinnige Juliette! grauſame Frauen ſchalt ſie uns. Grauſam, ſehr grauſam, lieber Baron, ſind wir geweſen, dem Himmel ſo in ſein Amt zu greifen! Gegeben war doch das Wort ein⸗ mal, ſollte es gebrochen werden,— nun, die Vorſehung wuͤrde ihre Mittel und Wege ſchon gefunden haben, ein Band zu loͤſen, von dem freilig, wie die Sachen ſtanden, nichts zu hof⸗ fen war. Aber mußten wir ſo dem Geſchick vorgreifen? mußten wir ſie denn toͤdten? Der Baron war unruhig, nach ſeiner alten Gewohnheit, im Zimmer auf und nieder ge⸗ gannget bevtgin ſi, uuch Creilia, ſange in halten, d die Veraͤ thun. 2 das Hei der leid innig m viel von ſchäfftigen Thr Vicomte mel mit der Loir die Erd wie in Verhaͤl das ſin die St unaufhe gen, gut it ecke ſie auch leidenſchaft, her zaͤrtlich in den Ab⸗ Thraͤnen die den der Einen dern hingiebt! tzem Schwei⸗ h ununterbro⸗ ͤt, die wahn⸗ en ſchalt ſie eber Baron, in ſein Amt as Wort ein⸗ — nun, die d Wege ſchon en, von dem nichts zu hof⸗ dem Geſchick toͤdten? h ſeiner alten dd nieder ge⸗ gangen. Er ſtand jetzt vor der lieben, heftig bewegten Frau ſtill, faßte ihre Hand und bat ſie, auch hier dem Geſchick nicht vorzugreifen. Cecilia, ſagte er, iſt am Ende zu jung, um lange in dieſer Apathie des Schmerzes auszu⸗ halten, darin, duͤnkt mich, hat die Mutter recht, die Veraͤnderung der Gegend wird ihr wohl⸗ thun. Veraͤnderung, liebe Freundin, iſt ſo oft das Heilmittel kranker Seelen, und ſicher iſt der leidende Zuſtand des lieben Maͤdchens ſo innig mit ihrer Phantaſie verbunden, daß recht viel von den Bildern abhaͤngt, welche dieſe be⸗ ſchaͤfftigen. Thoͤrigte Sprache der Maͤnner, brach die Vicomteſſe los. Meinen Sie denn, der Him⸗ mel mit ſeinen Sonnen und Monden, ſei an der Loire ein andrer, als hier? Glauben Sie, die Erde bedecken da nicht Blumen, Baͤume, wie in der Normandie? und Menſchen und Verhaͤltniſſe wechſeln von ihrer Natur? Alles das ſind Noten zu der ewigen Melodie, welche die Stimme des Herzens im tiefſten Grunde unaufhoͤrlich wiederholt, wo auch der Menſch — 202— den unruhigen Fuß hinſetze. Der Sinn haͤngt von dem Sinnlichen ab. Das Gefuͤhl traͤgt ſeine Heimath mit ſich umher. Nein, Ceeilia wird nicht in Nantes, nicht in Paris gene⸗ ſen!— Hier ſollte man ſie ſterben laſſen, denn ſie ſtirbt doch! Sie ſind erfinderiſch, ſich zu quaͤlen, liebe Freundin, ſagte der Baron, in einem Tone, der wohl ahnden ließ, wie weit oft der Wunſch, ein geaͤngſtetes Herz zu beruhigen, von der eignen beſſern Ueberzeugung entfernt iſt. Die Vicomteſſe nahm es auch ſo. Sie er⸗ wiederte nichts. Es konnte ſie ja laͤnger nichts mehr verblenden. Sah ſie doch, wohin das un⸗ verſoͤhnte Geſchick die erſchuͤtterte Natur fuͤhren mußte. Die traurigſten Bilder gingen an ihr voruͤber. Ihr Geiſt ſchien davon gelaͤhmt. Sie blieb ganz in ſich verſunken, und nur zuweilen ermannte ſie ſich, in ſo weit den Baron dies und jenes zu fragen. Er beantwortete es eben⸗ falls einſilbig. Es war die ſchwerſte Stunde, die ſie je miteinander verlebten. Mein alter Freund, laͤchelte endlich die Vi⸗ amteſe) unſern fth den! So hier zuſan der Verge kanft hin nen Zim ſchoyflich mospha Freund, viel Ueb Der überlaſſe ſchutten Pade, von den wit der rief er Mome den ſch de, ſe Pruſt A t Sinn hängt Gefüͤhl teigt Nein, Ceeili Paris gene⸗ n laſſen, denn guͤlen, liebe nem Tone, der er Wunſch, ein von der eignen ſo. Sie et⸗ lͤnger nichts ohin das un⸗ Natur fuͤhren zingen an ihr gelähmt. Sie nur zuweilen n Baron dies ortete es eben⸗ herſte Stunde, indlich die Vi⸗ — 203— comteſſe, jenem die Hand reichend, was iſt aus unſern frohen, ſorgloſen Abendſtunden gewor⸗ den! So ſtumm und befangen ſitzen wir jetzt hier zuſammen, und haben weder den Muth, der Vergangenheit zu gedenken, noch in die Zu⸗ kunft hinauszuſehen! Die Luft deſſelben klei⸗ nen Zimmerchens, das ſo oft Witz und uner⸗ ſchoͤpfliche Laune erfuͤllten, druͤckt, wie die Ath⸗ mosphaͤre eines Kerkers auf uns. Ach mein Freund, der Himmel ſtraft uns wohl fuͤr allzu⸗ viel Uebermuth! Der Baron machte eine Bewegung, als uͤberlaſſe er die Entſcheidung dem Himmel! Ver⸗ ſchuͤtten wir das Kind wenigſtens nicht mit dem Bade, warnte er ernſt. Laſſen Sie uns etwas von dem Zuviel bewahren! den Muth ſollten wir denn doch nicht auch einbuͤßen. Mein Gott! rief er aus, wir haben uns in ſo ſchwierigen Momenten groß gezeigt, laſſen Sie uns doch den ſchoͤnen Vorzug nicht einbuͤßen, jedem Fein⸗ de, ſelbſt dem erbitterten Geſchick, eine tapfere Bruſt entgegenzutragen! Alles ſchoͤn und gut, ſagte die Vicomteſſe, — 204— allein, welch Ziel haben wir denn bei dieſem Kampfe? Ah meine Liebe, unterbrach ſie der Baron heftig, dasjenige, nicht wie Memmen erlegen zu ſein! Und am Ende, warum uͤberall erliegen? Ich verſichere Sie, fuͤhren Sie heute den Koͤnig nach Paris zuruͤck, geben Sie der Verfaſſung die wuͤrdigſte, die zweckmaͤßigſte Geſtalt, der Streit iſt doch nicht geſchlichtet. Der iſt einmal in der Welt. Die Elemente muͤſſen ihre Ex⸗ ploſionen vollenden, dagegen kann niemand! al⸗ lein, ſollen wir darum in dem Bemuͤhen ermuͤ— den, den Effect unſchaͤdlicher zu machen? Koͤn⸗ nen wir hoffen, ohne Wiederſtand der allmaͤh⸗ ligen klaren, und feſten Geſtaltung, eines neuen Daſeins wuͤrdig zu ſein, wenn wir die Haͤnde in troſtloſer Erſchlaffung in den Schooß legen? Ganz recht, meinte die Vicomteſſe, allein, was auch endlich Gutes von den unſeeligem Wiederſtreite heraus komme, kann das Geſche⸗ hene ungeſchehen gemacht, kann das Gluͤck einer entzweiten Familie wieder hergeſtellt werden, wenn die Bluͤthe eines Geſchlechts abgeſtreift, wenn zir heit gien ſe7 40 S ahr aufric ine Welt die hauch ii die he alte Vat et, weh Partheie Graͤber Gedanken Sie Stimme. Qaaͤlende ten im; Wa getͤdtet wieder ſtehen freind, mehr zu hellemm n bei dieſem ſe der Baton nen erlegen zu deral erliegen? eute den Känig der Verfaſſung e Geſtalt, det Der iſt einmal ſſſen ihre Er⸗ niemand! al⸗ emuͤhen ermiͤ⸗ nachen? Koͤn⸗ d der allmaͤh⸗ 3, anes neuen wir die Hande Schooß legen? omteſſe, allein, den unſeeligem an das Geſche⸗ das Gluͤck einer eſtellt werden, hts abgeſtreift, — 205— wenn Zaͤrtlichkeit, Vertrauen, die ſtille Sicher⸗ heit gegenſeitiger Treue auf immer vernichtet iſt? Ach Ihr kuͤhnen Geiſter! ein Gebaͤude moͤgt Ihr aufrichten, die Theile zum Ganzen fuͤgen, eine Welt bauen, aber die Seele, die Seele, die haucht Ihr nicht hinein. Iſt die verjagt, iſt die heimathlos, ſo ſucht Ihr vergebens das alte Vaterland wieder. Nein, ich wiederhole es, wehe dem Volke, das wie das unſre in Partheien zerriſſen iſt! Es tritt doch nur uͤber Graͤber in die ſchwer errungene Freiſtatt der Gedanken und Gefuͤhle. Sie hielt inne. Thraͤnen erſtickten ihre Stimme. Der Baron ward davon auf das Qualendſte geaͤngſtet. Er ging mit großen Schrit⸗ ten im Zimmer auf und ab. Was hat dieſe neueſte Zeit nicht ſchon alles getoͤdtet! hub die bewegte Frau nach einer Pauſe wieder an. Um nur bei dem Naͤchſten, bei uns, ſtehen zu bleiben. Frau von Harville iſt mir fremd geworden. Ich habe das rechte Herz nicht mehr zu ihr, ich kann ihre Stimme nicht ohne beklemmende Wallung hoͤren, ihren unnatuͤrli⸗ — 206— chen Eifer in nichts begleiten. Alles an ihr ſcheint mir duͤrr, kalt, verſteint. Es iſt ein ent⸗ ſetzliches Ungluͤck, ſo gegen ein eignes Kind ein⸗ genemmen zu ſein! ſetzte die Vicomteſſe hier lebhaft hinzu. Und wie ich zu ihr, ſo, ach tau⸗ ſendmal ſchroffer! ſteht ſie zu der ungluͤcklichen Cecilia! Wie viel habe ich ſchon um dieſe ge⸗ litten! wie viel Kraͤnkungen erduldet! Bis in die kleinſte Einzelnheiten meines Hausſtandes iſt jener Zwieſpalt eingedrungen! Meine Freunde, meine Diener, meine Lieblinge habe ich opfern muͤſſen! Wie viel hat mein Herz bei der Ver⸗ abſchiedung des allzubrauchbaren Aubin, was bei Juliettes Verbannung gelitten! O mein Herr, man traͤumt viel von neuen, oder beſſern Tagen, oder was iſt ein Daſein ohne Erinne⸗ rung? Zerſchneiden Sie die Faͤden zwiſchen heute und geſtern, Sie fallen wie ein Todter in die Wuͤſte, die Sie ſich ſelbſt bereiten helfen. Sie vergeſſen, entgegnete der Baron, nach⸗ dem er in zoͤgernde Unentſchloſſenheit einige Secunden vor ihr ſtehen blieb, Sie vergeſſen, daß der Schmerz die eigentliche Heimath der Erinnerun math mit üben vern als der O der Vieor los in eit haftig wi Bewegut zuverſch man no⸗ man nich Und zulet Die ſe, gut ohne en ſen Flec tauſchen das G vollſtaͤ F. ckende ben, v Lufträͤg Ales an iht iſt ein ent⸗ nes Kind eine ſcomteſſe hier t, ſo, ach tau⸗ tungluͤcklichen um dieſe ge⸗ ldet! Bis in dausſtandes iſt deine Freunde, be ich opfern bei der Ver⸗ Aubin, was en! O mein „ oder beſſern ohne Erinne⸗ aͤden zwiſchen die ein Todter bereiten helfen. Baron, nach⸗ ſenheit einige Sie vergeſſen, Heimath der — 207— Erinnerung iſt. Wir nehmen dieſe alte Hei⸗ math mit in die neue hinnuͤber, und laſſen die Faͤden verwachſen! Muth! Muth! ſetzte er hinzu, als der Eindruck ſeiner Worte den Truͤbſinn der Vicomteſſe nur erhoͤhete, und ſie faſt troſt⸗ los in ein offenes Grab zu ſehen glaubte. Wahr⸗ haftig wir muͤſſen nur machen, das wir uns in Bewegung ſetzen. Hier gedeihet die freiere und zuverſichtliche Stimmung nicht mehr! So lange man noch alte Gewohnheiten beweint, hat man nicht Luſt ſich mit dem Leben auszuſoͤhnen. Und zuletzt muͤſſen wir doch das Alle. Die Vicomteſſe ſchwieg. Er hat, dachte ſie, gut reden. Halb im Auslande ergrauet, ohne engeres Familienband, was opfert er, die⸗ ſen Fleck der Erde mit einem andern zu ver⸗ tauſchen? Er iſt gut und theilnehmend, doch das Gleichartige im Leben verſteht ſich nur vollſtaͤndig. 3 Frau von Havrville unterbrach hier das ſto⸗ ckende Geſpraͤch voͤllig. Sie hatte viel geſchrie⸗ ben, viel geredet, Herrn von Soulignac mit Auftraͤgen beladen, Unendliches zu erinnern, zu — 2098— recapituliren gehabt. Jetzt blieb ihr nur noch uͤbrig, Mutter und Toͤchter in Bewegung zu ſetzen, und weil ſie niemand unbenutzt laſſen konnte, ſo lag ihr Plan ſchon fertig, den Ba⸗ ron zu ihrem Reiſebegleiter zu gewinnen. Ich bin gewiß, ſagte ſie, Ihre Theilnahme fuͤr eine Familie, der Sie ſtets die unverkenn⸗ barſten Beweiſe großer Anhaͤnglichkeit gaben, laͤßt es nicht zu, daß wir, in einer Zeit, wie die gegenwaͤrtige, eine ſo weite Reiſe allein machen. Sie ſelbſt treibt es nach jenen Gegen⸗ den, wo der Redliche Anhang und Gemeinſchaft in ſeinen lobenswerthen Unternehmungen fuͤr das Vaterland findet. Niemals koͤnnen Sie un⸗ ter befreundeterer Begleitung dahin gelangen. Zudem, die Augenblicke ſind koſtbar. Die un⸗ ſterblichen Namen der Vendée⸗Helden werden auf's neue genannt. Es vererbt ſich dort mit der Geſinnung, auch die Gabe, dieſe auf gros⸗ artige Weiſe an den Tag zu legen. Charette ruͤhrt ſich wieder. Er war in Paris, in den noͤrdlichem Departements. Er wird an ſich zieh'n, was ſich ſeiner Abſicht fuͤgt, Ich hade ſehr ge⸗ nale N ſchiben thun muͤ ſäbbſt beſt Der hergehen ihm dare den Gre ten. C erwieden mung d Man he wäͤhnt, d von Par geſchwa gehen! vermien 6 nahm ſchmei⸗ ſen S mit de 6 Il ihr nur nch Bewegung zu oenußt laſſen atig, den Ba⸗ ewinnen. hre Theilnahme die unverkenn⸗ lichkeit gaben, einer Zeit, wie te Reiſe allein jenen Gegen⸗ Gemeinſchaft ehmungen fuͤr nnen Sie un⸗ ahin gelangen. tbar. Die un⸗ Helden werden ſich dort mit dieſe auf gros⸗ egen. Charette Paris, in den dan ſich zieh'n, h hade ſehr ge⸗ — 209— naue Nachricht von dort. Glauben Sie mir, ſchieben wir nicht auf, was wir doch einmal thun muͤſſen, wollen wir anders vor uns ſelbſt beſteh'n. 3 Der Baron war hierin, wie in dem Vor⸗ hergehenden ihrer Meinung. Gleichwohl lag ihm daran, die noͤthige Zeit zu gewinnen, um den Grafen von ſeinem Vorhaben zu unterrich⸗ ten. Er haͤtte das Frau von Haxville ſogleich erwiedert, nur wußte er nicht, wie die Stim⸗ mung der Familie gegen ſeinen Freund ſey? Man hatte deſſen nicht mit einer Silbe er⸗ waͤhnt, obgleich die ſpaͤtern Berichte, welche er von Paris, in Betreff des verkannten, unbillig geſchmaͤheten Dominique, an die Vicomteſſe er⸗ gehen ließ, dieſen vollſtaͤndig rechtfertigten, ſo vermied man doch von ihm zu ſprechen. Sie zoͤgern mir eine Antwort zu geben, nahm Frau von Harville in ihrem gleitendem, ſchmeichelndem Tone auf's neue das Wort. Laſ⸗ ſen Sie mich nicht fuͤrchten: Sie zoͤgern auch mit der erwarteten Entſcheidung. Gnaͤdige Frau, entgegnete der Baron, wozu III.[141 — 210— die nutzloſe Zuruͤckhaltung. Ich berge es nicht, ein fruͤher gegebenes Wort bindet mich an Graf Dominique, deſſen Abſichten ich nicht berechtigt bin hier aus einander zu ſetzen. Ein lebhaftes Roth uͤberflog das Geſicht der Frau von Har⸗ ville. Sie warf einen raſchen Blick auf ihre Mutter. Der Graf, ſagte ſie, in einer ſonder⸗ baren Miſchung von Verlegenheit und ſichtli⸗ cher Unruhe, der Graf iſt mir unverſtaͤndlich geblieben. Sehr unverſtaͤndlich! Ich habe kein Bild von einem Character wie der ſeine. Er liebt den Marquis. Er liebt ihn mehr, als recht und gut iſt. Dieſe Schwaͤche hat ſehr großes Un⸗ gluͤck und in deſſem Folge zu jenem Auftritte Anlaß gegeben, der den unbeſonnenen Juͤngling auf immer von uns zu entfernen drohete. Gleich wohl weiß ich aus einem Briefe vom Herzoge, der eine lange, merkwuͤrdige Unterredung mit ſei⸗ nem Neffen hatte, wie untadelhaft deſſen Geſin⸗ nungen im Weſentlichen ſind. Ich kann daher nicht wuͤnſchen, daß Sie, lieber Baron, Dominique unſer wegen beleidigen. Unmoͤglich duͤrfen Sie ihn in Unwiſſenheit uͤber ſich laſſen. Allein, mich dͤnkt, e unſte I wie wir, ſchließen De dem Al ſtets du verſtth Vieom Verbel gnaͤdige frei, ſei nen. 7 geduldi Baror iſ, ſo in A angel zu d haben — ville iſt u zerge es nich, mich an Graf icht berechtigt Ein ledhaftes rau von Har⸗ Dlic auf ihre einer ſonder⸗ eit und ſcchtli⸗ unverſtaͤndlich Ich habe kein der ſeine. Er hehr, als recht r großes Un⸗ nem Auftritte enen Juͤngling drohete. Gleich vom Herzoge, rredung mit ſei⸗ ft deſſen Geſin⸗ kann daher nicht n, Dominique ich duͤrfen Sie „ Alein, mich — 211— duͤnkt, es gnuͤge wenn Sie ihm ſchreiben, ihm unſre Wuͤnſche mittheilen, und denkt er anders wie wir, ihn dahin vermoͤgen, ſich uns anzu⸗ ſchließen. Der Baron hatte nicht das Anſehen in dem Allen, die verſteckte Abſicht der ſchlauen, ſtets zu ihrem Vortheil berechnenden Frau, zu verſtehen, er vermied daher, ſowohl ſie, als die Vicomteſſe anzuſehen, indem er, unter kurzer Verbeugung erwiederte: dies Auskunftsmittel gnaͤdige Frau, ſtellt es dem Grafen wenigſtens frei, ſein Intereſſe mit dem Ihrigem zu verei⸗ nen. Frau von Harville machte hier eine un⸗ geduldige Bewegung. Und da er, fuhr der Baron fort, der billigſte Menſch von der Welt iſt, ſo wird er mir es gern nachgeben, Damen im Augenblick der Verlegenheit, meine Dienſte angeboten zu haben, wenn er ſich auch, weder zu derſelben Pflicht, noch zu demſelben Vor⸗ haben aufgelegt fuͤhlen ſollte. Freilig, freilig! entgegnete Frau von Har⸗ ville gezwungen. Nur, fuͤgte ſie ſchnell hinzu, iſt nicht eben lange zu uͤberlegen. Schreiben — 212— Sie gleich, mein Herr. Ich uͤbernehme es, den Brief zu beſorgen, indeß unſre Pakete gemacht, die Wagen vorgeſchoben, Pferde und Menſchen herbeigeholt werden. Jetzt gleich? fragte die Vicomteſſe. Denkſt Du daran, Sophie? In der kuͤhlen Nacht die kranke Cecilia?— O mein Gott, erwiederte jene, kaum ihre Ungeduld meiſternd, duͤrfen wir ſo aͤngſtlich waͤhlen, welches der paſſende Augenblick ſey? Ich denke, gnaͤdige Frau, Ceeilia ſei hier nicht eben an ihrem Platze. Wie wenig ihr der Auf⸗ enthalt in dieſem Schloſſe taugt, davon haben wir auch jetzt wieder durch den verſchlimmerten Zuſtand ihres Befindens, den redendſten Be⸗ weis. Wahrhaftig, mehr als die friedlichen Klo— ſtermauern, druͤcken dieſe hier, auf ihrer kranken Bruſt. Sie hatte unter dem Reden mit leiſen, ei— ligen Schritten, Tinte, Feder und Papier her— beigeholt, einen Stuhl herangezogen, den Raum zu dieſem freigelaſſen, und entſcheidend mit der Hund Pileni Die Pieomte ſeln, in demnadh Ve Sie ge den. je lieb auf de gehen. lich auf aukehrer von a Syh als di Sie, dieſe chen zug Dien gering ſehme es, den akete gemacht, und Nenſchen mteſſe. Deniſt len Nagjt de ne, kaum ihte t ſo aͤngſlich lugenblick ſey! ſei hier nicht ihr der Auf⸗ davon haben erſchmmerten tedendſten Be⸗ friedlichen Klo⸗ f ihrer kranken mit leiſen, ei⸗ d Papier her⸗ en, den Naum eidend mit der — 213— Hand darauf hindeutend, dem Baron ihren Willen zu erkennen gegeben. Dieſer warf einen fragenden Blick auf die Vicomteſſe. Sie zuckte ergeben mit den Ach⸗ ſeln, indem ſie das Zimmer verließ. Er ſchrieb demnach, wie folgt: Verzeihung, mein lieber Dominique, wenn Sie geſtern einen Augenblick irre an mir wur⸗ den. Ich mußte dem kleinen Vicomte, je eher je lieber, forthelfen. Deshalb die Nebenwege, auf denen Leute Ihres Schlages niemals mit⸗ gehen. Meine Abſicht war, ſo ſchnell als moͤg⸗ lich auf der geraden Straße zu Ihnen zuruͤck⸗ zukehren. Allein, das Regiment der Frauen iſt von allen das Despotiſchte. Einmal in dieſe Sphaͤre hineingerathen, giebt es keine Rettung, als die Noth zur Tugend zu machen. Seh'n Sie, lieber Graf, wohl oder uͤbel werde ich in dieſer Stunde der Reiſegefaͤhrte der unerbittli⸗ chen Frau von Harville, die Ihnen keinen Athem⸗ zug ſchenkt, widmen Sie ihn nicht Ihrem Dienſte. Wahrhaftig, meine Aufgabe iſt nicht gering. Aber am Ende, was wollen Sie dem — 214— Wunſch einer bedaurungswuͤrdigen Familie ent⸗ gegenſetzen! Auch Sie ſoll ich auffordern, ge⸗ meinſchaftliche Sache mit uns zu machen! Be⸗ fremdet Sie das? Ah ich verſpreche Ihnen, Frau von Havrville hat es Ihnen laͤngſt verziehen, den Marquis bei ſich aufgenommen zu haben! Alphonſe iſt in Paris, und Cecilia— Mein Lieber, ſie gehoͤrt nicht mehr in den Plaͤnen ihrer politiſch berechnenden Mutter! An ihr ſcheitert alles! auch die Hoffnung ihrer Freunde! Ich ſage Ihnen, empfand ich je, daß es noch etwas uͤber dem Streit der Meinungen gaͤbe, daß die Seele eine andre Region, als die, zu⸗ ſammengeſtellter Syſteme habe, daß man lie⸗ ben muͤſſe, um leben zu koͤnnen, daß ſanfte Weisheit die hoͤchſte aller Eigenſchaften ſei, mein guter, junger Mann, empfand ich das je⸗ mals, ſo ward mir es hier durch die allertrau⸗ rigſten Reſultate, zur Gewißheit. Aber bei alledem, wir reiſen! Unſer Weg geht nach der Loire. Im Grunde uͤbernehme ich dabei nur, Ihnen die Poſtpferde zu beſtel⸗ en, denn ich bin gewiß, Sie folgen uns in wenigen ſars t was z handels nicht e Au der Gal rannin guäͤlen wir ſi der Er Ge D. teſſe leer. Juͤr pich Familie ent⸗ ffordern, ge⸗ nachen! Be⸗ teche Ihnen, gſt verziehen, een zu haben! lin— Mein nden Plaͤnen ter! An ihr hrer Freunde! daß es noch zuungen gaͤbe, als die, zu⸗ ß man lie⸗ daß ſanfte ſchaften ſei, nd ich das je⸗ die allertrau⸗ Unſer Weg de uͤbernehme erde zu beſtel⸗ gen uns in — — 215— wenigen Stunden. Was wollen Sie auch beſ⸗ ſeres thun, als in fernen Gegenden zuſehen, was zu machen ſei? Hier? zwiſchen den großen Handelsſtaͤdten? Wahrhaftig, ich glaube davon nicht eben viel. 1 Auf Wiederſehen alſo! Ich bin einmal in der Galere! Ich folge dem Rufe meiner Ti⸗ rannin— Ach mein lieber Dominique, was quaͤlen wir uns, der Sclaverei zu entgehen, da wir ſie auf unſren Schultern zu jedem Fleck der Erde mit herumtragen! Gottbefohlen! der Ihrige!— . Das ſchoͤne, liebe, gaſtliche Haus der Vicom⸗ teſſe ſtand denn nun auch wirklich in Kurzem leer. Die Laͤden waren geſchloſſen, Thor und Thuͤr verriegelt, keine See'e athmete hier. Paͤchter und beſoldete Offizianten bewohnten Nebengebaͤude, im innerm Hausraume regte ſich — 216— nichts, als die fluͤſternden Blaͤtter der Kaſtanie und Linde, die eben aus der Knospe brechend, einſam welken ſollten. Alles todt und veroͤdet! ſeufzte, an einem warmen Abend, die Stimme eines Wandrers, der hier auf dem weißen Steine am Thore niederſaß, und mit traurigem Blick zu dem ver⸗ laſſenem Gebaͤude hinaufſah. Alles veroͤdet! auch Dein Herz, armer, alter Mann! Er ſchwieg, und ſenkte das Auge. Dort rechts im Park mußten ſchon Hyazinten und Aurikeln bluͤhen. Ein lauer Wind trieb den friſchen Blumenduft heruͤber. Um dieſe Zeit, ſagte der Fremde, wurden ſonſt die Spring⸗ brunnen geoͤffnet. Oben auf der Teraſſe ſtanden die huͤbſchen, weißen Baͤnkchen. Eine laute, bunte Welt ging dort auf und ab, indeß von den Saalfenſtern die gaſtlichen Kerzen herun⸗ terleuchteten, oben Muſik gemacht, geſungen, wohl gar theatraliſche Vorſtellungen gegeben wurden! Wie geſchaͤfftig lief da eine muth⸗ willige, zu Scherz und Thorheit mehr, als zu Pflichterfuͤllung aufgelegte Dienerſchaft umher! was hatt richt ale innern, Und nur Gu dem tie doch eit treibt Die L bin. wie eit Ar Andre. wie es tomm 3 Mͤde kraut hier ſteckt Ich terge der Kaſuani⸗ 5pe brechend, dte, an einem nes Wandrets, ne am Thore c zu dem ver⸗ Alles veroͤdet! Nann! Auge. Dort Syazinten und ind trieb den im dieſe Zeit, die Spring⸗ Teraſſe ſtanden Eine laute, b, indeß von Kerzen herun⸗ ht, geſungen, ungen gegeben da eine muth⸗ mehr, als zu rſchaft umher! — 217— was hatte der ordnende Blick der Aufſeher da nicht alles zu beachten! wie viel gab es zu er⸗ innern, wie manches zu ſehen und zu erfahren! Und nun?— Guten Abend, Aubin! fluͤſterte es hinter dem tiefſinnigem Nachtwandler. Ei, ſitzen wir doch einmal wieder hier beiſammen! Ja, jetzt treibt uns keiner von der Schwelle dort weg! „Die Leute ſind recht ſtill geworden, guter Au⸗ bin. Ach die ganze Welt iſt ſtill geworden, wie ein Grab. Arme Juliette! biſt Du es? ſagte der Andre. Kind, ſeufzte er, wir koͤnnen wohl beide, wie es ſcheint, nicht von den lieben Orte los⸗ kommen. Ja ja man kommt nicht los! klagte das Maͤdchen. Seh'n Sie mein Herr, das Irr⸗ kraut hat nun ſchon von den Teufelsplatz bis hier her gerankt. Ehe man es ſich verſieht, ſteckt der Fuß drinnen. Dann ſitzt man feſt. Ich ſitze ſchon manche Stunde. Haſt Du die alten Fabeleien noch nicht vergeſſen? fragte Aubin Kopfſchuͤttelnd. Ver⸗ ” —————— — 218— geſſen? vergeſſen? wiederholte ſie. Niemals! ſiaüber! wer kann vergeſſen! iin, et Du frierſt wohl Juliette? hub ihr Nach⸗ iij land/ bar nach einer Weile beſorgt an. Du zitterſt ni nic ſo! Deine Stimme bebt, ich hoͤre Dich leiſe auf den wimmern. Geh' armes Maͤdchen, lege Dich naͤre ſo zu Bett. Laufe nicht ſo durch die kuͤhle Nacht. wenn j Laufe nicht ſo durch die kuͤhle Nacht, lachte buſchicht Juliette bitter. Sonſt ſagten ſie: Komm meine dang- Liebe, komm! fuͤhre den Kahn hinuͤber. Siehſt kein ð Du? da oben zwiſchen den grauen Steinen ſitzt Lagerſti der Oberſt. Sein weißer Mantel ſchimmert rig! kla hell durch die finſtre Wildniß. Ei, Du biſt ein Au ruͤſtiges Maͤdchen, haſt Kopf und Herz auf wendet, dem rechtem Fleck, was ſtehſt Du an, den huͤb⸗ Veri ſchen jungen Herrn zu dem Fraͤulein zu fuͤhren? einige die wartet, und wartet, ſo aͤngſtlich! Kannſt ſahe n Du den Felſen mit ſeinen Zwillingskuppen in in reg der Nacht ſchimmern ſehen, und nicht an die 6 Geſchichte der beiden Liebenden denken?— Da der 6 fuhr ich pfeilſchnell uͤber den Strom, der Wind irgend pfiff durch mein Haar, die Stirn ward feucht, her gr der Ruͤcken kalt, ich achtete es nicht! hinuͤber, aubt e. Niemals b ihr Nach⸗ Du zitterſt dre Dich leiſe n, lege Dich e kühle Nacht. Nacht, lachte Komm meine nuͤber. Siehſt Steinen ſitzt tel ſchimmert Du biſt ein ad Herz auf an, den huͤb⸗ in zu fuͤhren? ſtlich! Kannſt lingskuppen in nicht an die enken?— Da om, der Wind ward feucht, icht! hinuͤber, — 219— hinuͤber ruderte ich den Kahn! Er ſprang hin⸗ ein, er nahm das Ruder aus meiner Hand, ich ſtand, ich ſah ihn an, ich wußte nichts von mir, nichts von der Fahrt. Der Nachen tanzte auf den Wellen. Mir ſchwindelte nicht. Ich waͤre ſo mit ihm in jene Welt geſchifft. Erſt wenn wir druͤben waren, ich ihn hinter dem buſchichtem Ufer verſchwinden ſahe, dann— dann— O Herr Aubin, ich habe viel Naͤchte kein Bett geſehen, und kann nun meine alte Lagerſtaͤtte nicht wiederfinden! Es iſt recht trau⸗ rig! klagte ſie zerſtreut. Aubin faßte ihre Hand, und zu ihr ge⸗ wendet, als wolle er ſie wegen alles fruͤhere um Verzeihung bitten, blieb er, ganz in Gedanken einige Augenblicke ſtill neben ihr ſitzen. Sie ſahe nicht auf ihn. Ihre Phantaſie ſchweifte in regelloſen Fluge hin und wieder. In dieſem Augenblick hoͤrte man jenſeit der Gartenmauer ſagen: Es iſt ſicher wieder irgend wo Feuer! der rothe Streifen da unter der grauen Wolke, iſt nicht der Mond wie Du glaubteſt Vernier! Ich wette meinen Kopf, die Bande hat es wie immer auf das Schloß eines Adelichen gemuͤnzt. Die Stimmen verſchwammen mit der vor⸗ uͤberziehenden Luft. Es ward alles ſtill. Die Worte hatten indeß eine entſetzliche Unruhe in Aubin zuruͤckgelaſſen. Feuer! in der Naͤhe! Von jeher gehoͤrte es zu dem Quaͤlendſten fuͤr ihn, ſolch Flammenzeichen am Himmel zu ſehen. Er fuͤhlte es dann ſchon unter ſeinen Sohlen brennen, und athmete zwiſchen Qualm und Dampf. 3 Komm, Iruliette! rief er daher aͤngſtlich. Komm! es iſt hier auch wohl nicht ſicher fuͤr uns! Ich bringe Dich zu Haus? Sie ſchuͤt⸗ telte den Kopf. Das Fraͤulein wartet ja! wißt Ihr nicht mehr? entgegnete ſie geheimnißvoll. Da oben aus dem verhangenem Fenſter wird ſie gleich herausſehen. Gleich! gleich! wieder⸗ holte ſie immer geſpannter und leiſer. Wo ſie nur wieder ſein magl ſagte hier dieſelbe fremde Stimme von vorher. Ich war ſchon auf dem Felſen druͤben. Durch alle Winkel des Gemaͤuers kroch ich hindurch! weiß die hei⸗ lge Jal itt 2 ſat eine wenn es Unglück fernter g gute 9 Den V ſe nur ſter de wir he ſie jet E Nacht Ganz klagte heten mochte dasr 5 Schloß eines mit der vor, les ſtill Die iche Unruhe in in der Näͤhe! Wäͤlendſten füͤt mmel zu ſehen. ſeinen Sohlen Qualm und aher aͤngſtlich. ſicht ſicher fuͤr 2 Sie ſchuͤt⸗ dartet ja! wißt geheimnißvoll. n Fenſter wird gleich! wieder⸗ leiſer. aag! ſagte hier her. Ich war rch alle Winkel weiß die hei⸗ — 221— lige Jungfrau, wo das tolle Ding hingerathen iſt! Schilt ſie nicht, ſagte ein Andrer. Sie hat eine ungluͤckliche Liebe! wer kann dafuͤr, wenn es daher kommt? Wer kann uͤberall fuͤr Ungluͤck? Ja wohl, ja wohl! erwiederte der Erſte, indem beide, wieder etwas naͤher und dann ent⸗ fernter, mit einander ſprachen. Juliette lachte. Das war Roland, der gute Junge! ſagte ſie. Die beiden ſuchen mich. Den Vernier hat Aphodiſe ausgeſchickt. Laßt ſie nur ſuchen! ich habe wohl oͤfter der Schwe⸗ ſter aͤngſtlichen Ruf druͤben auf der Klippe zu mir heruͤber dringen hoͤren! Was thut es, wenn ſie jetzt noch einmal wartet! Es erhob ſich hier ein haͤßlicher, kalter Nachtwind. Iuliette kauerte ſich auf die Erde. Ganz dicht zuſammengedruͤckt ſtoͤhnte ſie, und klagte, daß ſie hier ſo ſitzen muͤſſe. Jetzt na heten die beiden Suchenden auf’s neue. Sie mochten nur noch in geringer Entferrnung ſein. Das verſtoͤrte Maͤdchen ſprang erſchrocken auf. — 222— Zeit und Verhaͤltniſſe verwirrten ſich mit der Empfindung ſelbſtgeſchaffner Beſorgniß in ihr. Sie faßte Aubin unter den Arm. Fort! fort! rief ſie mit ſtockendem Athen. Das ſind die Spione der boͤſen Frauen dort oben. Sie wittern einmal wieder den Feind! Nur ge⸗ ſchwind. Nur geſchwind, ehe ſie uns haben. Sie zog ihren Begleiter unaufhaltſam mit ſich fort. Als ſie außerhalb des Schloßbezirks kamen, ſchien ſie ruhiger. Doch verlor ſich auch mit der vorruͤckenden Nacht ihr Bewußtſein mehr und mehr. Sie redete immer verkehrter. Ploͤtzlich riß ſie ſich von Aubin los, lief nach dem Ufer der Seine, und eher jener ſie errei⸗ chen konnte, hatte ſie einen dort angebundenen Kahn losgemacht, und ſchiffte, von heftigen Windſtoͤßen getrieben, ſo ſchnell uͤber den Strom, daß ihr das Auge kaum folgen konnte. Aubin blieb mit verſchraͤnkten Armen ſte⸗ hen, waͤhrend ſein Blick die Umgegend in der naͤchtlichen Huͤlle noch einmal ſchmerzlich uͤber⸗ flog. Die klippigen Felſen, das rauſchende Waſſer, der finſtre Waldruͤcken, ein grauer, 2 welkenb Vindes⸗ prich e He ihm. S chen nie R. dend,! A beleidic deſſen die ſc vertraut Sr dott g. mir enn S¹ Vernien Schwef tolle H nüͤrriſch Wi lann es ſich mit der orgniß in ihr. „ort! fort! Das ſind die rt oben. Sie ind! Nur ge⸗ e uns haben. aufhaltſam mit 5Schloßbezitks verlor ſich auch ſe Bewußtſein ner verkehrter. los, lief nach jenet ſie errei⸗ angebundenen „von heftigen ber den Strom, fonnte. ten Armen ſte⸗ ngegend in der hmerzlich uͤber⸗ das rauſchende „ein grauer, — 223— wolkenbedeckter Himmel, und das Gebraus des Windes, es feſſelte ihn, wie das vertraute Ge⸗ ſpraͤch eines gleichgeſinnten Freundes. Heda! Mein Herr! rief jemand hinter ihm. Seid Ihr's, der mit einem jungen Maͤd⸗ chen nicht laͤngſt hier herunter ging? Nun wohl! entgegnete Aubin, ſich umwen⸗ dend, und wenn ich es waͤre, was weiter? Ach verzeiht! Es iſt nicht, um Euch zu beleidigen, daß mein Camerad fragt, verſicherte deſſen Gefaͤhrte. Wir ſuchen eine Ungluͤckliche, die ſich bei finſtrer Nacht oft den Wellen an⸗ vertraut, und ihren Freunden viel Sorge macht. Sucht ſie nicht laͤnger, erwiederte Aubin, dort gleitet ihr kleines Fahrzeug. Sie war mir entſchluͤpft, ehe ich es hindern konnte. So macht ſie es immer! ſchalt der hitzige Vernier. Bei allen Heiligen, waͤre ich der Schweſter nicht ſo herzlich gut, ich ließ die tolle Herumlaͤuferin, auf ihre Gefahr hin, die naͤrriſchen Streiche machen. Wir wollen ihr nach, meinte Roland. Ich kann es nicht uͤbers Herz bringen, ſie in ihren — 224— Suͤnden umkommen zu laſſen! Narr! rief jener, in ihren Suͤnden faͤhrt ſie doch einmal hin! denn die kommt nicht zu Verſtande, ſo lange ſie auf dieſer Erde iſt. Er half indeß, trotz allem dem, Roland ein kleines Both abhaͤkeln, und ſprang zu jenem hinein. Als ſie abſtießen, riefen ſie Aubin zu: Hoͤrt, lieber Herr, gebt Euch die Muͤhe, und geht noch ein Paar hundert Schritt tiefer hinab. Unter den kleinen Haͤuschen unten am Vorſprung findet Ihr eins, das der alten Mag⸗ deleine gehoͤrt, ſeid ſo gut, und ſagt der Alten und ihrem Pflegekinde, Aphodiſe: wir braͤchten die Schweſter noch heute zuruͤck. Aubin winkte ihnen bejaend zu. Sie waren ſchon eine Strecke gerudert, als es noch einmal durch den immer brauſen⸗ dern Wind zuruͤckklang: Sagt auch, es leuchte ein großes Feuer auf, die Schiffer und Ein⸗ lieger ſollen ſich aufmachen, des Herrn— die Worte verhallten— brenne! glaubte Aubin zu verſtehen, doch weſſen Beſitzung ſie genannt? konnte er nicht herausfinden, Er Äuftrag In vie ehen aletlei Plat be Kabe la hübſches beide O Geſchic Comiſſa Er ſchiet räuſch ſa din ente Matze wieder, ein. Au wunder richtete Briicht haften an ihre UI 2 att! riefjene⸗ zmal hin! denn lange ſie auf em, Roland ein kang zu jenem ſie Aubin zu: die Nuhe, und Schritt tiefer Schen unten am der alten Mag⸗ ſagt der Alten :wir braͤchten Aubin winkte recke gerudert, zmmer brauſen⸗ auch, es leuchte iffer und Ein⸗ Herrn— die aubte Aubin zu g ſi genannt? — 225— Er eilte indeß nichts deſto weniger den Auftrag der Juͤnglinge auszurichten. In Magdeleines Huͤttchen war es heute, wie ehemals, mit Leuten allerlei Schlages und allerlei Gewerbes gefuͤllt. Die Alte hatte ihren Platz beim Kamin nach wie vor. Die gute Katze lag zu ihren Fuͤßen. Des alten Collas huͤbſches Kind, ſaß auf dem Baͤnkchen, das einſt beide Schweſtern einzunehmen pflegten. Die Geſchichte des Tages ward laut beſprochen. Der Comiſſair Charlot duckte im Winkel und lauſchte. Er ſchien heute ſehr geſpannt. Bei jedem Ge— raͤuſch ſahe er ſcharf nach der Thuͤr. Als Au⸗ bin eintrat, ſprang er unwillkuͤrlich von ſeinem Platze auf, nahm dieſen gleichwohl bald darauf wieder, mit der Mine getaͤuſchter Erwartung ein. Auch Magdeleine und Aphodiſe ſahen ver⸗ wundert nach dem ungewohntem Gaſte um. Er richtete ohne weiteres ſeinen Auftrag aus. Der Bericht uͤber Juliette machte keinen allzu leb⸗ haften Eindruck auf beide Frauen. Sie waren an ihre Art und Weiſe gewohnt. Doch anders III.[151 — 226— verhielt es ſich mit der Erwaͤhnung des Feuers. Jedes Ungluͤck der Art iſt ſtets eine Mahnung an den annoch Verſchonten, daß ihn Aehnliches treffen koͤnne. Es ſcheint, das verheerende Ele⸗ ment, ſo wie es nur genannt wird, richte ſchon ſeine feindliche Gewalt, auf das Eigenthum ei⸗ nes jeden, der ſich deſſen ruhigen Beſitzes noch niemals mit ſo großer Liebe, als eben jetzt freuete. Die lebhafte Magdeleine ſprang mit ju— gendlicher Kraft von ihrem Seſſel auf, und war ſchon am Fenſter, ehe ihr noch einer hier zuvorkommen konnte. Es zeigte ſich indeß bald, daß die Lage des kleinen Thaldorfes, eben keine weite Umſicht in die nahe Gegend verſtattete. Man mußte au⸗ ßerhalb die Hoͤhen erſteigen, um ſich einiger⸗— maaßen mit der Richtung, welche man zu neh⸗ men habe, bekannt zu machen. Der Sturm, welcher indeß immer heftiger geworden war, und eine Maſſe dicker Wolken voruͤber jagte, verengte zudem den Horizont. Die Ruͤſtigſten in der kleinen., Verſammlung ſchickten zu gehen. darauf nac lange in halten ko leine und ganz alle Wie ren wir die Flam und dem Buͤberei. Erde wegſ Es i ſchon die des Kaiſe Hm breiten J zen zuͤgel ſie hinzu ausgebrat immer au zunder a des Feuers. ne Mahnung dn Aehnliches heerende Ele⸗ „ richte ſchon Ligenthum ei⸗ Beſitzes noch als eden jetzt kang mit ju⸗ ſel auf, und ſch einer hier die Lage des te Umſicht in n mußte au⸗ ſich einiger⸗ man zu neh⸗ mmer heftiger dicker Wolken den Horizont. Verſammlung ſchickten ſich daher ſogleich an, weiter hinauf zu gehen. Mehrere Andre folgten ihnen bald darauf nach, weil ſie es denn doch auch nicht lange in der beunruhigenden Ungewißheit aus⸗ halten konnten. In Kurzen ſahen ſich Magde⸗ leine und Aphodiſe in beklemmender Einſamkeit, ganz allein und verlaſſen. Wie oft, ſagte die nachdenkende Alte, hoͤ— ren wir jetzt von ſolchem Ungluͤck. Bald hatte die Flamme dieſes, bald jenes Gehoͤft erfaßt! und dem Brande folgt Raub und ſchaͤndliche Buͤberei. Die heißen Koͤpfe werden noch die Erde wegſengen, wenn ſie's ſo treiben. Es iſt wahr, entgegnete Aphodiſe, das iſt ſchon die dritte Feuersbrunſt, von der wir ſeit des Kaiſers Ruͤckehr hoͤrten. Hm! rief die Alte, der Kaiſer hat einen breiten Nuͤcken, der muß die Schuld eines gan— zen zuͤgelloſen Geſchlechtes tragen! Kind, fuͤgte ſie hinzu, es iſt der alte Haß, der noch nicht ausgebrannt hat. Der ſpruͤhet ſeine Funken immer auf's neue, gleichviel welche Hand den Zunder auswirft. Man taͤuſcht ſich, wenn man 5— 229 denkt, der Stachel in den uͤbermuͤthigen Herzen ſei abgeſtumpft. Ich habe mich nie getaͤuſcht. Das prickelt und ſticht und ritzt immer wieder auf dem altem Fleck, und ſchlaͤgt eine Hand aus, ſo ſchlaͤgt die Andre wieder. Das reibt ſich wie Stahl und Eiſen an einander! Die Thuͤr flog hier auf. Der kleine Ro— bert ſtuͤrzte Athemlos zum Stuͤbchen hinein, Aubin folgte ihm angeſtrengt, und nur mit Muͤhe die wenigen Worte hervorbringend: ſpricht der Knabe wahr, ſo ſteht das Schloß des jungen Grafen Dominique in Flammen. Robert ſchluchßte, an Aphodiſe geſchmiegt: ja, ja, es iſt gewiß wahr, es brennt drinnen lichterloh! Das ſchoͤne alte Schloß! klagte Magdeleine! Guter Gott wie kam es denn aus? Hoͤrte man noch keine andre Nacheicht, als die des Kindes? Keine, entgegnete Aubin, indem er matt und erſchoͤpft auf dem naͤchſtem Seſſel niederſaß. Die Leute aus dem Dorfe ſind ſchon eine Strecke Weges dem Scheine zu gegangen. Der arme Junge lief mir juſt in die Haͤnde, als ich jenen falgen we Behalteti ſehen/ was Um Wir ſind faͤllt. D haftes Ge hindert zuſtecken. Ach an allen, entgegnete auf ſeine Du kaunſ was Du Nich Ich ſaß der Graf Ja freil Der Arg und auc kommen, der nicht iigen Hetzen ie getaͤuſcht. umer wieder eine Hand Das reibt nder! ar kleine Ro⸗ chen hinein, und nur mit vorbringend: das Schloß Flammen. geſchmiegt: enut drinnen Magdeleine! 7 Hoͤrte man edes Kindes! ndem er matt eſſel niederſaß⸗ neeine Strecke a. Der arme als ich jenen folgen wollte. Ich bringe ihn Euch liebe Frau, Behaltet ihn nun hier, ich will denn doch auch ſehen, was an der Sache dran iſt? Um Gottes Willen bleibt! bat Aphodiſe. Wir ſind hier ſo allein. Wer weiß was vor— faͤllt. Die Nacht iſt ſtuͤrmiſch. Zieht ſo bos⸗ haftes Geſindel einmal die Straßen umher, was hindert ſie das kleine Haͤuschen nicht auch an— zuſtecken. Ach bitte, bitte bleibt! flehte Robert, noch an allen Gliedern zitternd. Beruhige Dich Kind, entgegnete Aubin, indem er zaͤrtlich die Hand auf ſeine heiße Stirn legte, Sammle, wenn Du kannſt, Deine Gedanken, und erzaͤhle uns, was Du ſaheſt und hoͤrteſt.. Nichts, ſahe ich zuerſt, beſann ſich das Kind. Ich ſaß am Bette des kranken Herrn. War der Graf krank? unterbrach ihn Magdeleine. Ja freilich! verſicherte Robert, ſehr, ſehr krank! Der Arzt aus Rouen, war zweimal bei ihm, und auch der Herr Erzbiſchof. Dieſer ſei ge⸗ kommen, hoͤrte ich wohl, den armen Grafen, der nicht mehr ſicher auf ſeinem Schloſſe blieb, — 230— wegen des Decretes gegen die unberufene Ruͤck⸗ kehr der Ausgewanderten, bei ſich aufzunehmen ⸗ Nun ging das aber nicht ſogleich. Es aͤngſtete den alten Jerôme Tag und Nacht, hier kein Auskunftsmittel zu wiſſen. Nun kam es dann auch ſo ſchrecklich! Wie, liebes Kind. rief Aubin ganz ent⸗ ruͤſtet, Du denkſt das Schloß des Herrn Gra⸗ fen ſei auf hoͤhern Befehl angezuͤndet worden? Das weiß ich nicht! ſagte jener. Aber wie ich ſo ſaß und der arme Herr ein wenig ſchlief, alles ganz ſtill, ganz ſtill umher war, da knurrte mit einemmal der große Hund des gnaͤdigen Herrn. Ich ſtreichelte ihm den Nacken, und rief: ſtill! ſtill! mein Guter Medor. Aber der kehrte ſich an nichts, ſprang auf, und ſchlug ſo laut an, daß er haͤtte Todte erwecken koͤnnen. Der Herr Graf, ſo ſchwach er iſt, fuhr im Bette in die Hoͤhe, und rief laut; wer da? Der Kam⸗ merdiener und andre in der Naͤhe befindliche Perſonen, eilten herbei. Es blieb einige Au⸗ genblicke alles ſtill. Der Herr Graf befahlen nachzuſehen, was draußen vorgehe? da der Hund nict umſe nich nich ſelben Auge im Hofe: ſuͤrzte he Uneordnun denen er ſarte. J ganze He ſchen, di den Fenſt abgeſehen. im Schlof zu ſagen Angſt un genblick und ließ gute Her tern zun gen, al rief: R Dir nich hin und rufene Rick, ufzunehmen. Es angſtete , hier kein kam es dang in ganz ent⸗ Herrn Gra⸗ det worden? er. Aber wie wenig ſchlief, „ da knurrte ss gnaͤdigen n, und rief: der der kehtte chlug ſo laut oͤnnen. Der ühr im Bette 2) Der Kam⸗ he befindliche eb einige Au⸗ Graf befahlen da der Hund — 231— nicht umſonſt ſo unruhig ſei. Aber er hatte nicht noͤthig den Befehl zu geben. Denn im ſelben Augenblick ſchrieen viel Stimmen zugleich im Hofe: Feuer, Feuer! der alte Kaſtellan ſtuͤrzte herauf. Sein weißes Haar, ganz in Unordnung, hing, wild uͤber die Augen, mit denen er aͤngſtlich nach ſeinem Gebieter hin⸗ ſtarrte. Retten, retten Sie ſich! flehete er. Der ganze Hof iſt ſchon voll herbeigelaufener Men⸗ ſchen, die Flamme ſchlaͤgt von allen Ecken aus den Fenſtern. Es iſt auf Ihr theures Leben abgeſehen. Es war von da ſolche Verwirrung im Schloſſe, daß ich nichts mehr deutlich davon zu ſagen weiß. Der Laͤrm, das Geſchrei, die Angſt und Verzweiflung, ward mit jedem Au— genblick aͤrger. Der Graf war matt und krank, und ließ mit ſich machen was man wollte. Der gute Herr Jeroͤme trug ihn auf ſeinen Schul⸗ tern zum Zimmer hinaus. Ich wollte ihm fol— gen, aber er ſtieß mich zuruͤck, indem er aus⸗ rief: Rette Dich wie Du kannſt! Ich kann Dir nicht beiſtehen! Die Andern waren hier⸗ hin und dorthin gelaufen, ich blieb allein. Der — 232— Qualm drang ſchon in's Zimmer hinein. Un⸗ ten hoͤrte ich mitten zwiſchen den Angſtgeſchrei, laut ſingen, und lachen. Ich weinte bitterlich es hoͤrte mich niemand. Ich kletterte zum Fenſter hinaus, denn inwendig brannte alles lichterloh. Das Geſims war ſchon gluͤhend heiß. Auf dem Dach konnte ich es auch nicht vor Dampf und Hitze aushalten. Robert hielt hier einen Au⸗ genblick inne. Ich weiß ſelbſt nicht, ſagte er, wo ich in der Angſt hingekommen bin? allein, ehe ich es wußte, ſaß ich auf der Gartenmauer. Als ich mich beſann, hoͤrte ich unter mir tan— zen und rufen: Heiſa! die Carmaniole! In dem Augenblick ſtuͤrzte ein Stuͤck vom Dache herunter, es erhob ſich ein lautes Geheul. Ich ſprang in den Garten, und lief davon, bis hierher. Und der Herr Graf? fragten Aubin und Magdeleine. Ja das iſt es eben, entgegnete der Knabe. Aber, ſetzte er, ſich ſelbſt troͤſtend hinzu, den hat der Herr Kaſtellan gewiß in Sicherheit gebracht. Oder beide ſind umgekommen! fluuͤſterte Aubin der tern, mit Vern zuruͤck! Robert N Waſſer nem Ha Es leine un neue dro zuziehen, es nicht/ Mit nete der ihm drei ter noch Alle ha Dame2 Euch di Herren von dief von R. man ni hinein. Un⸗ ngſcgeſchre—, bitterlich es zum Feuſter 45 lichterloh. 8. Auf dem Dampf und r einen Au⸗ t, ſagte er, bin? allein, zartenmauer. er mir tan⸗ aniole! In vom Dache heheul. Ich davon, bis Aubin und ,entgegnete elöſt troͤſtend n gewiß in a! fͤſterte — 22 —0 ο Aubin der Alten zu. Dieſe zuckte die Schul⸗ tern, mit einem tiefem Seufzer. Vernier und Roland ſind auch noch nicht zuruͤck! klagte Aphodiſe, waͤhrend ſie ſich mit Robert zu thun machte, ihm ein Glas friſches Waſſer reichte, und Aſche und Staub aus ſei⸗ nem Haar wiſchte. Es kommt niemand zuruͤck! ſagte Magde⸗ leine ungeduldig. Aubin wollte ſich wieder auf's neue dran machen, naͤhere Erkundigungen ein⸗ zuziehen, allein, die geaͤngſteten Frauen litten es nicht, daß er ſich entferne. Mitten in dieſem Hin und Wiederreden, oͤff⸗ nete der Comiſſair Charlot die Thuͤr. Hinter ihm drein, kamen zwei Maͤnner und etwas ſpaͤ⸗ ter noch Einer von ſehr verdaͤchtigem Aeußern. Alle hatten etwas Verwildertes und Rohes. Dame Magdeleine, ſagte Charlot, ich bringe Euch die naͤchſten Nachrichten vom Feuer. Die Herren hier kommen friſch davon her. Einer von dieſen, ſchob ſeine Muͤtze, deren ſchmutzige, von Ruß und Brandflecken entſtellte Farbe, man nicht deutlich unterſcheiden konnte, aus — 234— den Augen, gruͤßte nachlaͤßig, indem er, um doch etwas zu ſagen, was Ihr ungebetenes Eintreten entſchuldige, dreiſt hin rief: Nehmt es nicht uͤbel, meine gute Frau, daß wir hier ein wenig ausruhen, Der brave Gevatter hat es uͤber ſich genommen, uns bei Euch Zutritt zu verſchaffen. Magdeleine maaß ihre Gaͤſte mit ſchnellem Blick, und Charlot, auf welchen jener zeigte, ſchaͤrfer in's Auge faſſend, entgegnete ſie: der Herr da, weiß es wohl, ich ſchließe meine Thuͤr vor niemandem zu. Das waͤre auch ein boͤſes Zeichen, erwie⸗ derte ein Andrer. Wer ein franzoͤſiſches Herz in der Bruſt traͤgt, und es mit dem Vater⸗ lande redlich meint, der laͤßt jedermann machen, haͤlt nichts geheim, verrammt ſich nicht, wie die Adlichen, die hinter ihren Mauern Verrath mit dem Auslande ſpinnen, und die fremden Heere heranrufen. 4 Die Mauern muͤſſen alle nieder! ſagte der Erſte, deſſen wilde und entſtellte Geſichtszuͤge, den Hüͤtte weckten. Nun, Haltung, ſer faßt/ als rauch übig ble lebhaft h ſo eben Die nendem than! S Menſchen ſie zugern gegnete, zen Din Der Mantel Frau ir ſich aͤng fͤſterte ton iſt, ſie mich eim er, um ungebetenes ef: Nehmt aß wir hier Hevatter hat kuch Zutrit nit ſchnellem jener zeigte, nete ſie: der meine Thuͤr den, erwie⸗ iſches Herz dem Vater⸗ ann machen, nicht, wie ern Verrath die fremden er! ſagte der Geſcchtszuͤge, — 235— den Huͤttenbewohnern den tiefſten Abſcheu er⸗ weckten. Nun, entgegnete Magdeleine mit kluger Haltung, wenn das Feuer noch viel alte Schloͤſ⸗ ſer faßt, ſo wird bald nichts mehr von dieſen, als rauchichte Truͤmmer, und wuͤſte Brandſtaͤten uͤbrig bleiben. Wie ſteht es denn, ſetzte ſie lebhaft hinzu, mit dem, von welchem die Herren ſo eben zuruͤck kommen. Die Flammen, ſagte jener, mit großen, gaͤh⸗ nendem Munde, haben ihre Schuldigkeit ge⸗ than! So! erwiederte die Alte langſam. Sind Menſchen dabei um's Leben gekommen? fragte ſie zoͤgernd. Das kann ich nicht wiſſen, ent⸗ gegnete ein Andrer. Es war niemand im Gan⸗ zen Dinge auf zu ſtoͤbern! Der zuletzt Eingetretene, hatte hier ſeinen Mantel abgeworfen. Man ſahe jetzt, das eine Frau in dieſem geſteckt hatte. Robert verbarg ſich aͤngſtlich hinter Aphodiſe. Ich bitte Dich, fluͤſterte er, verrathe mich nicht. Die boͤſe Cat⸗ ton iſt hier in der Stube. Ich ſterbe, wenn ſie mich mit von hier wegnimmt. — 236— Catton? wiederholte das Maͤdchen entfetzt. Die Maͤnner erlaubten ſich ſo, eben nicht allzu— feine Scherze mit dieſer. Sie hatte allerlei ge⸗ raubtes Gut in den Taſchen, daß ſie ſorgfaͤltig zu verbergen bemuͤht war. Jene wollten ihr den Beſitz ſtreitig machen. Sie unterhandelte mit ihnen, Alle redeten hierauf heimlich mit einander. Laß ſie Druot! ſagte der Erſte, uns kuͤmmert der bunte Kram nicht. Haͤtten wir nur— Sie ſprachen auf's neue leiſe. Mag⸗ deleine und ihr kleiner Kreis, ſaßen wie auf Kohlen, als die beiden jungen Burſche mit Ju⸗ iette endlich anlangten. Die Letztere warf ſich, wie ein muͤdes Kind, ihrer Schweſter an die Bruſt. Sie brachte kein Wort hervor, ſondern ſchluchſte, von einer ſon⸗ derbaren, krampfhaften Bewegung des ganzen Koͤrpers begleitet. Waͤr ſie, wieder einmal oben? fragte Apho⸗ diſe. Vernier nickte bejaend. Ungluͤckliche! ſeufzte jene. Die beiden hatten indeß ihre ganze Auf⸗ merkſamkeit auf die Fremden gerichtet. Sie kaͤmpften in ſich, ob ſie Laͤrm anfangen, und das Haus Vernier z ſagte et, Wir koͤnr Teufel w ruͤckzuhal wieglern, nung al Laß Di ſagt die rerin. Mas jener, mi die dem diente. die recht gedacht. Er dern ko wißt J penabth mend, d das ich hien entfezt. nicht allzu⸗ allerlei ge⸗ ſe ſorgfaͤltig wollten ihr unterhandelte heimlich mit e Erſte, uns Haͤtten wir leiſe. Mag⸗ ſen wie auf che mit Ju⸗ suͤdes Kind, drachte kein n einer ſon⸗ des ganzen fragte Apho⸗ klichel ſeufzte :ganze Auf⸗ chtet. Sie angen, und — 237— das Haus von dem Geſindel ſaͤubern wollten. Vernier zuckte es in allen Nerven. Einmal, ſagte er, muß doch der Anfang gemacht werden. Wir koͤnnen nicht laͤnger ſchweigen, und die Teufel wuͤthen laſſen. Roland ſuchte ihn zu⸗ ruͤckzuhalten. Geſelle Dich nicht zu den Auf⸗ wieglern, bat er. Der Augenblick, ſeine Geſin⸗ nung an den Tag zu legen, iſt noch nicht da. Laß Dich nicht hinreißen. Die Leidenſchaft, ſagt die alte Magdeleine, iſt eine blinde Fuͤh⸗ rerin. Mag draus werden was da will! erwiederte jener, mit ſpruͤhendem Blick und einer Miene, die dem losbrechendem Zorn, als Vorlaͤufer diente. Meine Stunde iſt einmal dal! es iſt die rechte. Ich habe es dem Charlot lange zu⸗ gedacht. Er wandte ſich, ohne daß es Roland hin⸗ dern konnte, zu den dreien, indem er ſagte: wißt Ihr auch, daß wir ſo eben einer Trup⸗ penabtheilung begegneten, die von Paris kom⸗ mend, den Brandſtiftern nachſpuͤret? Wißt Ihr das ich Euch ausliefern werde? 20 — 239— Das Wort war geſagt, die Antwort blieb nicht aus. Wuth und Haß thaten das Uebrige. Das Zuſammenrottiren Vieler, deren Geſin⸗ nungen getheilt, nur neue Spaltungen und Streit im Streite erzeugten, vermehrte den Tu⸗ mult. Welche ſchrieen fuͤr den Koͤnig, welche fuͤr den Kaiſer, Andre fuͤr die Freiheit. Das kleine Stuͤbchen war bald leer, die Straße mit Menſchen gefuͤllt. Die Sturmglocke laͤutete. Von andre Doͤrfer ſtroͤhmten Unzaͤhlige herbei, die nur den Anſtoß erwartet hatten. Es brauſte und tobte Zwecklos durch einander. Nach meh⸗ rere Stunden kamen einige Eskadronen Dra⸗ goner, und ein paar Compagnien Leichtberittene Jaͤger. Der Aufruhr erſtickte in ſich ſelbſt. Keine Geſinnung, kein Wille war der Vorherr⸗ ſchende. Die Frechheit bebte vor dem Geſetz zuruͤck, die edlere Abſicht verſtummte vor dem Befehl, dem nichts entgegen zu ſtellen war. Der erſte Morgenſtrahl zeigte einzelne Todte, manche Verwundete, unwillig davon ſchleichende Streiter, ein trauriges Dorf und laͤchelnde Krie⸗ ger, die das Ding nicht eben hoch nahmen, und in Vert mal unbe Ausbruͤch cobiniſche Nul Tages, und Aer niemand mochte. Leute ki ohnmaͤch Sag habe eint nicht wie Wit ſir laßt es Tage A ploͤtzlich diſe die Euch, d Er ſollten d ren. A ntwort blieh das Uebrige. deren Geſin⸗ ſtungen und irte den Tu⸗ oöͤnig, welche reiheit. Das Straße mit locke laͤutete. ahlige herbei, r. Es brauſte Nach meh⸗ dronen Dra⸗ eichtberittene ſich ſeldſt. der Vorherr⸗ dem Geſetz imte vor dem ellen war. a inzelne Todte, 76 51„ 0 in ſchleichende im Vertrauen auf den, welchem ſie nun ein⸗ mal unbedingt anhingen, dergleichen kraftloſe Ausbruͤche, als nicht geſchehen anſahen. Die Ja⸗ cobiniſchen Meuter waren entſchluͤpft. Nun Vernier? ſagte Magdeleine, folgenden Tages, als der heftige Juͤngling vor Scham und Aerger faſt vergehend, muͤrriſch da ſaß, mit niemanden, ſelbſt mit Aphodiſe nicht reden mochte. Nun? wirſt Du der Erfahrung alter Leute kuͤnftig beſſer trauen? Was hat nun das ohnmaͤchtige Losſchlagen geholfen? Sagt was Ihr wollt! entgegnete er. Ich habe einmal angefangen, aufhoͤren kann ich nicht wieder. So, ſehe ich wohl, geht es nicht. Wir ſind zu ploͤtzlich drauf zugefahren. Aber laßt es nur gut ſein, es iſt noch nicht aller Tage Abend. Lebt wohl Magdeleine! rief er ploͤtzlich aufſpringend, reichte dieſer und Apho— diſe die Hand, und ſetzte hinzu. Ich verſichre Euch, die Lehre will ich beherzigen! Er verließ die Huͤtte, das Dorf! Lange ſollten die Zuruͤckbleibenden nichts von ihm hoͤ⸗ ren. Aphodiſe hatte die Ahndung davon. Sie — 240— weinte, und ſagte: Er geht nun auch, um auch nicht wieder zu kommen! Roland war am FIuße leicht verwundek. Er konnte Vernier nicht begleiten. Das Ge⸗ fuͤhl, ſich in nutzloſe unbedachtſame Haͤndel ein⸗ gelaſſen, viel Leichtſinnige zu ihrem Verderben nachgezogen, und gar nichts, als ein bitters Andenken davon zuruͤckbehalten zu haben, kraͤnkte den nachdenkenden, tief empfindenden Juͤngling. Er ſchlich aus ſeiner Wohnung hinuͤber zu den Nachbarinnen. Auch ſie waren traurig geſtimmt wie er. Niemandem gab es, dem die Erinnerun⸗ gen des Vorabends nicht wehe that, außer Ju⸗ liette, die freuete ſich Reuter geſehen zu haben, und ſchwor: Alphonſe ſei dabei geweſen. X. Waͤhrend Wahnſinn und Liebe ſo das Bild des kuͤhnen Oberſten, in ihren Traͤumen ver⸗ flochten, war dieſer im raſchem Laufe der Be⸗ gebenheiten, bald in dieſem bald in jenem Theile grankrei den Pror der Nuhe gäͤhrenden erſticken, zwruͤckgeſ dem Gru ſammeln, faſſende bewegten dieſen den alten hen! D. getheilte und war aus. J vorwaͤrte Nun barer Ge zwungen ten mit endlich g Es Ill, uch, um auch verwundet. Das Ge⸗ Haͤndel ein⸗ eim Verderben 5 ein bitters aben, kraͤnkte den Juͤngling. ber zu den urig geſtimmt eErinnerun⸗ , außer Ju⸗ en zu haben, veſen. ſo das Bild rraͤumen ver⸗ aufe der Be⸗ jenem Theile — 241— Frankreichs. Ein ſchnell beendeter Kampf hatte den Provinzen in kurzen den aͤußern Schein der Ruhe gegeben. Man ſchmeichelte ſich, die gaͤhrenden Stoffe werden allmaͤhlig in ſich ſelbſt erſticken, man glaubte die Bourbons fuͤr immer zuruͤckgeſchreckt, man ſah die Heere wie aus dem Grunde der Erde wieder hervortreten, ſich ſammeln, große Maſſen bilden, eine alles um⸗ faſſende Thaͤtigkeit, den pfeilartigen Flug eines bewegten, ſtarken Geiſtes. Es glaubte jeder an dieſen Geiſt, es empfand jeder den Wunſch, den alten Kriegsruhm wieder hergeſtellt zu ſe⸗ hen! Dies Staunen, dieſe Scheu, das gleich⸗ getheilte Intereſſe hielt die Empoͤrer gefeſſelt, und warf einzelne Faͤden zwiſchen die Partheien aus. Jeder abgelaufene Tag war ein Schritt vorwaͤrts auf der neuen Bahn. Nur an der Loire, dem Sitze unwandel⸗ barer Geſinnung, verhielt es ſich anders, unbe⸗ zwungenen Herzen, in der Vendke allein, hiel⸗ ten mit der Treue auch die Hoffnung feſt, dieſe endlich gelohnt zu ſehen. Es war ein kleiner Theil der großen Na⸗ III.[16] — 242— tion, der ſo dachte; ein kleiner Fleck des großen Frankreichs, zu dem ſich der heimathloſe unter den Neurern fluͤchtete. Niemand achtete ſon⸗ derlich auf ihn. Doch der Punkt, von welchem eine entgegengeſetzte Geſinnung ihren Anker in die Fluth der Begebenheiten auswirft, wird nie lange uͤberſehen. Es konnte am wenigſten einer Regierung, die ſo eiferſuͤchtig auf ihre innere Befeſtigung wachte, gleichguͤltig ſein, daß viele der Adlichen ſich auf's neue um den Heerd der Ariſtocratie verſammelten. Es verlautete bald, daß ſie hier nicht umſonſt verweilen. Man ſprach von Bewaffnung einer immer wachſenden Mannſchaft, man wußte, daß dieſe ihre Uebun⸗ gen hielt, und ſo den Kern einer royaliſtiſchen Armee bilde, welcher nur das gekroͤnte Haupt, oder deſſen Stellvertreter, fehle, um ſehr be⸗ drohliche Bewegungen im Weſten zu machen, waͤhrend die alliirten Heere mit unerwarteter Schnelligkeit öͤſtlich nahten. Alphonſe gehoͤrte zu denen, welche verſandt wurden, eine gnuͤgende Erkenntniß uͤber dieſen Gegenſtand einzuziehen. “ * Seit Haſenſtt Gegenden die draͤn brachte. wiederſte len, wo ſein He ſten Se anhingen 3 kam, wie pochte ſe als loͤſe Bande, Ein Ge Wehmut fangen, auf ſein ſo klein eine Un Scl pen vor des großen thloſe unter achtete ſon— don welchem ten Anker in ift, wird nie enigſten einer f ihre innere in, daß viele en Heerd der lautete bald, eilen. Man rwachſenden ihre Uebun⸗ royaliſtiſchen rroͤnte Haupt, um ſehr be⸗ zu machen, unerwarteter zelche verſandt ß uͤber dieſen — 243— Sein Weg fuͤhrte ihn zunaͤchſt nach den Hafenſtaͤdten des Nordens. Er durchflog die Gegenden mehr, als er ſie durchreiſte; wie es die draͤngende Art einer ruheloſen Zeit mit ſich brachte. Dennoch konnte er dem Wunſche nicht wiederſtehen, einige Augenblicke da zu verwei⸗ len, wo er geliebt und gelitten hatte, da, wo ſein Herz fortlebte, wo die reinſten und ſchoͤn⸗ ſten Seelen ihm mit unveraͤnderlicher Treue anhingen. Je naͤher er Rouen und ſeiner Umgegend kam, wie er uͤber Pont de l'Arche hinaus war, pochte ſeine Bruſt weniger ungeſtuͤm, es war, als loͤſe eine leiſe, weiche Hand die ſtarken Bande, welche dieſe Bruſt im Leben einengten. Ein Gefuͤhl des Wohlſeins, und ſpaͤter der Wehmuth und ſuͤßen Traͤumerei nahm ihn ge⸗ fangen, er ſah mit einer Art Geringſchaͤtzung auf ſein ganzes, uͤbriges Treiben, es kam ihm ſo klein, ſo unnuͤtz vor! etwas ganz Anderes, eine Unendlichkeit fuͤllte ſein Inneres. Schon laͤngſt ſah er die beiden Felſenkup⸗ pen von dem Eilande der Liebenden. Weiter zuruͤck leuchtete der Robertſtein, halb von der Sonne angeſtrahlt, halb von ſchwer herabhan⸗ gendem Gewoͤlk verhuͤllt. Es durchrieſelte Alphonſe mit heißem, tie⸗ fem Beben! Jetzt ſuchte ſein geuͤbter Blick die Nachbarſchloͤſſer. Nur das eine entdeckte er. Unmoͤglich konnte er ſich irren! Dorthin mußten die Thuͤrme von des Freundes Wohnung her⸗ vorragen! Nichts ließ ſich entdecken. Mit immer wachſender Unruhe richtete er den Weg dahin, wo ſein Fuß ihn nicht irren konnte. 1 Er hatte ihn auch nicht geirrt. Bald ge— nug ſtand er vor dem unfoͤrmlichen Steinhau⸗ fen, deſſen ausgebrannte Mauern, ein geſtuͤrtztes Dach, verkohltes Schnitzwerk und abgebroͤckelte Zierrathen, den aller troſtloſeſten Anblick der Verherung gewaͤhrten. Der Marguis ſtarrte einen Augenblick mit dumpfem Unmuth in das Chaos hinein, dann ſtampfte er mit dem Fuße, ſchlug mit der Hand an die Stirn, und wußte ſelbſt nicht, was er verwuͤnſche? die Zeit, die er ſonſt groß ge⸗ nannt? das raſche Vorſchreiten dieſer raſtloſen Schpfe ſein? 0d Du tieſſer ſind mi ſollen den, d knuͤpfen bergang zuſamn wirrun, Er weiten, in einet wille u Kaum derten war ur nur da daranſt Theil fand hi hende4 alb von der er herabhan⸗ heißem, tie⸗ ter Blick die entdeckte er. rthin mußten pohnung her⸗ MNit immer Weg dahin, . Bald ge⸗ Steinhau⸗ in geſtuͤrtztes abgebroͤckelte Anblick der ugenblick mit hinein, dann. nit der Hand nicht, was er ſt groß ge⸗ jſſe naſloſen — 445— Schoͤpferin? den Grafen, ihr nicht gefolgt zu ſein? oder ſich? welcher der Zerſtoͤrerin huldige? Du liebes, altes Schloß! ſeufzte er aus tiefſter Seele! So viel, ſo viel Erinnerungen ſind mit Dir begraben! Muß es ſo ſein? ſollen die Faͤden erſt alle abgeſchnitten wer⸗ den, die uns an die veraltete Vergangenheit knuͤpfen? Schreckt das Daſein ſtets beim Ue⸗ bergang von einer Zeitentwickelung zur andern zuſammen? Und giebt es da nichts wie Ver⸗ wirrung, Schmerz und getaͤuſchte Erwartung? Er ſtand ſchon mit einem Fuße in der weiten, klaffenden Thuͤr, durch welche man, wie in einen verdampften Crater, hineinſah. Un⸗ wille und Sehnſucht draͤngten ihn vorwaͤrts. Kaum vermochte er, ſich in den oͤden, veraͤn⸗ derten Gemaͤchern zurecht zu finden. Nichts war ungepluͤndert, nichts unverſehrt geblieben, nur das gewoͤlbte Archiv und die unmittelbar daranſtoßende Bildergallerie bewahrten zum Theil noch ihr altes Anſehen. Der Marquis fand hier zerſtreut liegende Papiere, offen ſte⸗ hende Kaſten, von denen die Eiſenkrammen ab⸗ —- 246— geſchlagen, die ſtarken Baͤnder geloͤſt waren. Habſucht und Neugier hatten alles umgewuͤhlt, ohne Befriedigung zu finden. Faſt auf aͤhnliche Weiſe verhielt es ſich im Nebengemach. Die Bilder, aus ihren Ramen geriſſen, lagen durch einandergeworfen, zertreten, zerfetzt dahin und dorthin. Er druͤckte den kochenden Zorn in das empoͤrte Herz zuruͤck, indeß er ſchnell und leiden⸗ ſchaftlich das Zimmer durchſchritt, unwillkuͤrlich die beleidigten Ahnen aus dem Staube erhebend und mit ſchmerzlicher Ehrfurcht auf einen Fleck zuſammentragend, von wo er ſich feſt vornahm, ſie naͤchſtens wegſchaffen und dem Grafen zu⸗ ruͤckgeben zu laſſen. So ganz mit ſeinem Gegenſtand beſchaͤff⸗ tigt, trat er ploͤtzlich einen Schritt zuruͤck, druͤckte beide Hände vor die Augen und ſank mit dumpfen Schrei in die Knie. Seine Leute, uͤber das laͤngere Außenbleiben ihres Herrn beunruhigt, fanden ihn noch ſo. Erraffte ſich jedoch bei ihrer Annaͤherung zu⸗ ſammen, ſchuͤttelte die erſtarrten Glieder, und wie ſich ſelber unbewußt ein ſonderbares Bild von der den hint Die auf der ſchaͤftig Oberſt, den ve einen; lich, Auswe qur, Kinder 6 offneten woͤhnl ungew Augen reichte ſicht, er ihr legen. S ken ſo eldſt waren, umgewuͤhlt, auf aͤhnliche ſemach. Die jlagen durch zt dahin und Zorn in das und leiden⸗ unwilkkürlich nube erhebend f einen Fleck eſt vornahm, Grafen zu⸗ tand beſchäff⸗ chritt zuruͤck, gen und ſank Außenbleiben ihn noch ſo. nnoͤherung zu⸗ Glieder, und derbares Bild — 247— von der Erde aufhebend, ſtarrte er leichenblaß den hinter ihm ſtehenden Diener an. Dieſer laͤchelte, da er den Marquis wieder auf den Fuͤßen, und in ſo ungewohnter Be⸗ ſchaͤftigung fand. Was tauſend, mein Herr Oberſt, rief er aus, plagen Sie ſich da mit den verzeichneten Caricaturen, die ohnmoͤglich einen Werth fuͤr Sie haben koͤnnen! Vorzuͤg⸗ lich, ſetzte er ſpoͤttiſch hinzu, bewundre ich die Auswahl, welche Sie trafen! die Gothiſche Fi⸗ gur, die Sie da in Haͤnden halten, koͤnnte Kinder in der Wiege ſchrecken! Schweig! donnerte Alphonſe mit weit ge⸗ oͤffneten, ſtarren Augen, die groͤßer, als ge⸗ woͤhnlich, wie hinter einem bleichen Schleier, ungewiß aus ſich herausſahen. Er blieb einen Augenblick ſo, faſt ſchwankend, ſtehen, dann reichte er das Portrait, mit abgewandtem Ge⸗ ſicht, dem verwunderten Menſchen hin, indem er ihm befahl, es ſorgfaͤltig zu den andern zu legen.— Dieſer wußte um ſo weniger, was er den⸗ ken ſollte, da der Marquis, ganz gegen ſeine — 249— Gewohnheit, mit geſenktem Blick, befangen und ſtill, das Schloß verließ, und ſeine Reiſe, ohne Zeichen der Theilnahme und des ihm eignen Eifers, bei einem Geſchaͤfte, fortſetzte. Er kam in dieſer Stimmung nach Rouen. Hier fand er mancherlei Aufenthalt. Verſchie⸗ denes zu berichten, und eben ſo Vieles zu er⸗ fahren. Die Stunden gingen unwillkuͤrlich hin. Die Nacht kam. Er mußte ſich entſchließen, ſie hier zuzubringen. Doch wie der Abend her⸗ einbrach, es dunkelte, er allein war, befiel ihn eine Angſt, eine Beklemmung, daß er nicht auszuhalten vermochte. Im Freien, in der Luft war ihm beſſer. Er ging erſt in der Stadt umher, ſpaͤter au⸗ ßerhalb. Unwillkuͤrlich trugen ihn ſeine Schritte auf die alten Pfade und Steige zuruͤck, die er ſo oft unter tauſend drohenden Gefahren mit hochklopfender Bruſt und wachen, geſpannten Sinnen durchlaufen, durchklettert und durch⸗ ſchlichen hatte. War es indeß, daß ihm heute nicht, wie ehemals, ein erſehntes Ziel vor Augen ſchwebte, oder hatte ihn uͤberall die Nacht und 1 eine an konnte ſ Lane lieben P Ruͤcktoee Grafen ihn mit gleichſa H deß aue ſchaͤmte ſeiner k In laͤnger wollte ſah au⸗ des Gel 9H Pluͤnde Staͤtte kannter dem V laſſen, jefangen und Reiſe, ohne ihm eignen Kte. nach Rouen. lt. Verſchie Vieles zu er⸗ ilkürlich hin. entſchließen, Abend her⸗ t, befiel ihn aß er nicht ihm beſſer. „ſpaͤtet au⸗ ſeine Schritte jruͤck, die er Gefahren mit „geſpannten und durch⸗ aß ihm heute el vor Augen Nacht und — 249— eine andre Gedankenfolge geirrt? genug, er konnte ſich nicht zurecht finden, wie ſonſt. Lange hatte er ſich durchgewunden, die lieben Plaͤtze von fern gegruͤßt und endlich den Ruͤckweg geſucht, als er es inne ward, des Grafen Schloß liege nahe vor ihm. Es erfuͤllte ihn mit unbeſchreiblichem Wiederwillen, daß er gleichſam wie gezwungen, hierher zuruͤck gemußt. Hexe! rief er halblaut! der Ton erſtarb in⸗ deß auch eben ſo ſchnell auf ſeinen Lippen. Er ſchaͤmte ſich des Wortes, des Gedankens, ja ſeiner kranken, kindiſchen Einbildung. Im Begriff, jetzt nun aber gewiß nicht laͤnger die phantaſtiſche Wanderung fortzuſetzen, wollte er umwenden, als er an etwas ſtieß. Er ſah auf, es war ein Menſch, der im Schatten des Gebuͤſches lang und undeutlich vor ihm ſtand. Ho ho! rief Alphonſe, gewiß, einen der Pluͤnderer und Brandſtifter an ſo unheimlicher Staͤtte vor ſich zu haben. Er hatte den Unbe⸗ kannten beim Arme gefaßt, und hielt ihn, mit dem Vorſatze, ihn nicht wieder entſpringen zu laſſen, gewaltſam feſt, als er einen ſanften — 250— Druck der fremden Hand fuͤhlte, und es wie ein Seufzer uͤber jenes Lippen drang. Beide blieben einen Augenblick ſchweigend nebeneinander. Du irrſt, ich bin kein Raͤuber! ſagte der Mann, indem er mit dem freien Arm Alphonſe umſchlang und ihn feſt an ſich druͤckte. Dominique! lieber, lieber Dominique! rief der Marquis. Du hier? mitten unter den Ruinen da! Mein Gott, wie theile ich den Schmerz uͤber die Zerſtoͤrung Deines Eigenthums! Und Du kommſt, ſetzte er mit aller Lieblichkeit ſeines anmuthsvollen, ſchmeichelnden Weſens, dem Zaͤrtlichkeit und Wehmuth noch erhoͤhten Reiz gaben, hinzu, Du kommſt noch einmal, die Truͤmmer zu beſuchen. Ich will Ihnen fuͤr einige Zeit Lebewohl ſagen, erwiederte der Graf. Alphonſe ſchwieg. Verlaͤßt Du Frankreich? fragte dieſer nach einer Weile zoͤgernd, als ſcheue und wuͤnſche er die Antwort. Nein! ſagte Dominique beſtimmt. Es war unvermeidlich, daß nicht beide in demſelben Argenb derhalter Und raſch ſaͤrker ter vor E Schloſt Die W thuͤren Gleichn aͤberall Spure geſpru die we zu ſte an di Aufru Form Gefuͤh und es wie ng. ick ſchweigend kein Naͤuber! m freien Arm an ſich druͤckte. nique! rief der r den Ruinen den Schmerz zthums! Und hkeit ſeines einmal, die zeit Lebewohl honſe ſchwieg. ſer nach einer vuͤnſche er die immt. Es war in demſelben — — 25 1— Augenblick, das Stoͤhrende, was ſo auseinan⸗ derhaltend zwiſchen ihnen lag, empfunden haͤtten. Und Du? fuhr der Graf, der kurzen Ant⸗ wort, einen freundlichen Anhang zu ſchaffen, fort, Du Lieber, was fuͤhrt Dich hierher? Ich ſuchte— Der Marquis brach hier raſch ab. Er druͤckte ſeines Freundes Hand ſtaͤrker, und ging raſch ein Paar Schritt wei— ter vor, mit ihm. Sie ſtanden ganz dicht an dem Theil des Schloſſes, in welchem ſich die Kapelle befand. Die Woͤlbung der Mauern, die ſtarken Eiſen⸗ thuͤren hatten die Flamme von hier abgehalten. Gleichwohl fanden ſich an dieſer Stelle, wie uͤberall, wo ſich ein aͤhnliches Ungluͤck zutraͤgt, Spuren der Verwuͤſtung. Die Scheiben waren geſprungen, die Fenſter ſpaͤterhin aufgeriſſen, die weiten Oeffnungen lockten Vorwitzige hinein zu ſteigen, manche vermeſſene Hand hatte ſich an die Saͤrge vergriffen. Im Augenblick des Aufruhrs, der richtungsloſen Anarchie iſt jeder Form des Lebens Hohn geſprochen, und das Gefuͤhl der Ehrfurcht den frechen Gemuͤthern ſo — 252— fremd, wie die Schauer vor dem unſichtbar Ge⸗ heimnißvollem. Beide Freunde waren mechaniſch zu einer der Fenſterwoͤlbungen getreten. Stumm an die Mauerpfeiler gelehnt, ſahen ſie in die Kapelle hinein. Dominique ſuchte mit unausſprechlicher Unruhe den Sarg ſeines Vaters. Alles war hier verruͤckt, in Unordnung gerathen. Es war zu dem ſo dunkel drinnen, daß man wenig un⸗ terſchied. Alle Erinnerungen, rief Alphonſe, in des Grafen Seele leſend, alle ſinken undeutlich und verworren in die Gruft der Zeit zuruͤck. Glaube mir, ſo foll es ſein! Vorwaͤrts, unaufhalt⸗ ſam vorwaͤrts, wird das Menſchengeſchlecht gedraͤngt. Nur der ſchaffende Gedanke iſt von goͤttlicher Natur! Ich mag hier am wenigſten mit Dir ſtrei⸗ ten, laͤchelte Dominique wehmuͤthig. Dein eig⸗ nes Herz ſtraft Deiner Philoſophie ohnehin Luͤgen. Du fuͤhlſt recht gut, was es mit dem Vorwaͤrts iſt, wenn dem Auge der Ruͤckblick unmͤgli gender We ihn der ten Zu ineinan wenn e gangen ner Ze Qual, 0 que. D nenne dieſen ſchwoͤr Geiſter G taͤuſcht ben, leicht; einerſe das Li unſichtbar Ge, aniſch zu einer Stumm an die in die Kapelle anausſprechlicher ers. Alles war tathen. Es war man wenig un⸗ honſe, in des undeutlich und zauruͤck. Glaube ts, unaufhalt⸗ enſchengeſchlecht de Gedanke iſt n mit Dir ſtrei⸗ thhig. Dein eig⸗ ſophie ohnehin hdas es mit dem e der Ruͤckdlick — 253— unmoͤglich gemacht, oder doch nur zur aͤngſti⸗ gender Pein geſtattet waͤre. Weshalb iſt es gleichwohl ſo? unterbrach ihn der Marquis. Weshalb laufen die verwiſch⸗ ten Zuͤge jener grauen Bildungen ſo nebelartig ineinander? warum die beklemmende Angſt, wenn es herauf ſteigt, aus der Nacht der Ver⸗ gangenheit? und wir mit der Näͤhe verſunke⸗ ner Zeiten, das Grauen und die verwirrende Qual, des Unverſtaͤndlichen in ihr empfinden? Du ſieh'ſt Geſpenſter! entgegnete Domini⸗ que. Nenne dies Wort nicht! bat der Andre, nenne es nicht! Noch iſt etwas Aehnliches in dieſen Mauern gebannt! ſetzte er hinzu. Ich ſchwoͤre Dir mein Freund, ſie hegen ſpukhafte Geiſter. Guter Alphonſe, entgegnete der Graf, man taͤuſcht ſich ſo oft in einem Reſt von Aberglau⸗ ben, und dennoch nimmt es dies Geſchlecht ſo leicht mit dem Glauben. Wie haͤngſt Du nur einerſeits an dem Entſetzenerregenden, und ſtoͤßt das Liebenswerthe von Dir? Mit Deiner Theo⸗ — 254— rie fuͤrchtet man den Teufel und fluͤchtet doch nicht zum Himmel! Der Marquis ſeufzte, ohne zu antworten. Denkſt Du denn gar nicht mehr, fragte Domi⸗ nique, an die arme Cecilia? Weißt Du, und willſt Du auch nicht von ihr wiſſen? Mein Gott, rief Alphonſe zuverſichtlich, freilich weiß ich von ihr, und ſo ſehr, daß mein Weg zu ihr hingeht. Gerechter Himmel, wie kannſt Du mir dieſen Frevel zutrauen, ſie ver⸗ geſſen zu haben! Nun, unſre Sachen ſtehen ja auch jetzt ganz anders, als vor einiger Zeit! Sage ſelbſt, fuhr er lebhaft fort, wie Du auch die Dinge ſehen magſt, was Du fuͤr Deine Parthei erwarteſt, lieber Dominique, zweifelſt Du im Ernſt daran, dies Land, die Welt, ſei dem Kaiſer wiedergegeben? Glaubſt Du, das Geſchick geſtatte dem jaͤhen Umſchwung nur, um die convulſiviſchen Bebungen des Erdballs zu unterhalten. Soll ſich Krieg an Krieg ketten? ſollen die Voͤlker nie wieder unter der Palme des Friedens athmen?⸗Ha, ich ſchwoͤre Dir, die⸗ ſer verlaſſene, aus ſeinen Graͤnzen geſtoßene Gie⸗ gant, ſſ Schultet gen deb euen S poleon d V. zue ſan quis, d Gewoh⸗ . chen be Dinge ville ei denn dar ſie wird rnicht l D. kenvoll. jetzt zu fuͤhrt? loſe Fr atbeiten ſem inn dit alſe zu antworten. ſtagte Domi⸗ 0 digt Du, und iſſen? zuverſichtlich, ſehr, daß mein Himmel, wie ttauen, ſie ver⸗ achen ſtehen ja einiger Zeit! wie Du auch Du fur Deine Kaue, zweife dſt die Welt, ſei aubſt Du, das mſchwung nur, n des Erdballs n riene 6 255— gant, iſt dennoch beſtimmt, Europa auf ſeinen Schultern zu tragen. Es ſind nur die Zuckun⸗ gen des ſchwindenden Lebens, beim Eintritt der neuen Schoͤpfung, die wir vor uns ſehen! Na⸗ poleon bleibt Sieger! Was folgerſt Du daraus? fragte Domini⸗ que ſanft. Dun beim Himmel, lachte der Mar⸗ quis, das, mein Freund, das Meinungen wie Gewohnheiten durch die Macht des Unabaͤnderli⸗ chen bezwungen werden. Laß die Ordnung der Dinge wieder eintreten, ſo wird Frau von Har⸗ ville einen jungen Marſchall von Frankreich, denn dahin traͤgt der Flug des Krieges ſchnell, ſie wird ihm, ſage ich, die Hand ihrer Tochter nicht laͤnger verweigern! Du glaubſt? entgegnete der Graf gedan⸗ kenvoll. Und du gehſt in dieſer Hoffnung ſchon jetzt zu ihr? Alphonſe bejaete es. Dein Weg fuͤhrt Dich alſo nach der Vendée? wo die raſt⸗ loſe Frau ſeit mehreren Wochen fuͤr ihre Zwecke arbeitet. Du willſt, fuhr Dominique fort, die⸗ ſem innern Arbeiten nachſpuͤren, und zerſchnei⸗ deſt alſo mit einer Hand, was Du mit der an⸗ dern feſter zu knuͤpfen denkſt?— Meinſt Du, Alphonſe, dies ſei der Weg zu dem Herzen der Unverſoͤhnlichen? Wahrhaftig, ſo gerade zu nicht, lachte je⸗ ner. Allein, ich vertraue dem Gluͤck, was mich von mehr als einer Seite wieder anlaͤchelt. Aber Aufrichtigkeit gegen Aufrichtigkeit, ich er⸗ wartete Dich nicht hier, Dominique. Sage, was feſſelt Dich, mit Gefahr perſoͤnlicher Sicherheit an dieſe Gegend? Krankheit, Alphonſe, ſchweere Krankheit! war des Grafen Antwort. Vieles hatte mich getroffen. Zuletzt der ſpukhafte Anblick der wahnſinnigen Juliette, die in Deinen ehema⸗ ligen Zimmern ihre verliebte Troͤdeleien fort⸗ ſpielte und meinen kranken Sinn Deine Vi⸗ ſionen zuruͤckrief, das warf mich vollends nie⸗ der. Dann brach das Feuer aus. Jeroͤme rettete, verbarg mich bei ſeinen Verwandten. Ich genaß. Er buͤßte fuͤr allzuviel Treue. Er iſt nicht mehr! ſeufzte Dominique. Auch er! rief der Marquis! Wieder eine der alten Erinnerungen weniger! Aber Domi⸗ nique, fort: liche I ſahſt! kleine? ließ, l große! ſo wer taumen A fuhr e getriebe W. Ein fa ließ ſie rief de nem F genblic traͤge Loire: fuͤhrlic 8 hlchſte Il — Miinſt du, d dem Herzen der vicht, lachte je⸗ Glück, was mich dieder anläͤcelt. ictigkei ich er ninique. Sage, ahr perſoͤnlicher veere Krankheit! eles hatte mich te Anblick der Deinen ehema⸗ Doͤdeleien fort⸗ Sinn Deine Vi⸗ ich vollends nie⸗ aus. Jeroͤme nen Verwandten. uviel Treue. Er que. s! Wieder eine rl Aber Domi⸗ — 257— nique, fuhr er beſorgt, zu dieſem gewendet, fort: biſt Du es gewiß, daß es die ungluͤck⸗ liche Juliette war, die Du in meinem Zimmer ſahſt? Ganz gewiß, verſicherte der Andre, der kleine Robert, welcher ſie auf ihr Bitten ein⸗ ließ, hat es geſtanden. Zudem, ſie hegt eine große Leidenſchaft zu Dir, welche ihrem Herzen ſo wenig Ruhe, als ſie ihrem Koͤrper goͤnnt. Sie taumelt wie eine Beſeſſene umher! Arme JIuliette! ſeufzte Alphonſe. Seltſam, fuhr er auf, daß ſie, von ihrem boͤſen Geiſt getrieben, da, wo andre boͤſe Geiſter— Wieder das alte Lied! laͤchelte Dominique. Ein fataler Laut zwiſchen Weinen und Lachen ließ ſich hier aus der Kapelle hoͤren. Lebe wohl! rief der Marquis, indem er ſich heftig von ſei⸗ nem Freunde losmachte. Warte doch einen Au⸗ genblick, bat dieſer. Ich uͤbernehme Deine Auf⸗ traͤge an Cecilia, denn auch ich gehe nach der Loire und ſpreche ſie vielleicht laͤnger und aus⸗ fuͤhrlicher, als Du. Das kann wohl ſeyn! ſagte Alphonſe aufs hoͤchſte befangen und zerſtreut. Das wimmernde III. 8 171 — 258— Lachen ließ ſich auf's neue hoͤren. Auch der Graf ward aufmerkſam. Er fragte ſanft: wer weint da zwiſchen den Saͤrgen? Der Marquis wollte ihn mit ſich fortziehen. Ich beſchwoͤre Dich, rief er, frage nicht! Jener wiederholte indeß die fruͤhere Anrede. Es blieb alles ſtill. Ich verlaſſe Dich, ſagte der Marquis in großer Bewegung. Lebe wohl!, lieber, lieber Domini⸗ que! ſetzte er, weich und zaͤrtlich in ſeine Arme ſtuͤrzend, hinzu. Wo werden wir uns wieder⸗ ſehen? ſeufzte er ſchmerzlich. Dominique antwortetete nicht, ſondern fuͤhl⸗ te nur an des Marquis Arm, ob er den ſchwar⸗ zen Flor noch trage! Denke an dies Zeichen, fluͤſterte er, die Hand auf die Stelle des Armes legend.“ In der Vendke! ſetzte er bedeutend hinzu. Beide ließen einander ſchweigend gehen. Sie hatten ſich abgewandt, und wollten ſich nicht auf's neue erweichen, als dem Marquis jemand ſchnell nacheilte. Erſchrick nicht, rief der Graf, ſchon eine Strecke abwaͤrts. Sie iſt es! Alohon die Augen, heimliche Da ſagte Inliette: Hert, ich ja noch fer Du b Gefuͤhl de dem Grau goh, Dlaß Er ſa und duldet von dem e Er ſetzte am Ufer. dunkelten den. Juf als der I von mein⸗ Nohonſe. davon. 2 er dachte 1uc de ſanft: wet r Marquis h beſchwoͤre wiederholte alles ſtill ts in großer eer Domini⸗ ſeine Arme uns wieder⸗ ndern fuͤhl⸗ den ſchwar⸗ s Zeichen, des Armes bedeutend gend gehen. wollten ſich m Marquis nicht, rief aͤrts. Sie — 259— Alphonſe hielt die Haͤnde unwillkuͤrlich vor die Augen, und ſtand, als wolle er eine un⸗ heimliche Erſcheinung vor ſich voruͤber laſſen. Da ſagte die weinerliche Stimme der kranken Juliette: Warten Sie doch, lieber gnaͤdiger Herr, ich muß ja vorausgehen. Der Kahn iſt ja noch feſtgebunden. Du biſt es? rief der Marquis, und ein Gefuͤhl der unbeſchreiblichſten Wehmuth machte dem Grauen, was ihn unwillkuͤrlich kaͤltend üͤber⸗ goß, Platz. Er ſah das arme Maͤdchen liebreich an, und duldete, daß ſie ſich an ihn hing und viel von dem erzaͤhlte, was ſie zeither gelitten habe. Er ſetzte ſich zuletzt mit ihr auf einen Stein am Ufer. Beide ſahen in den naͤchtig ange⸗ dunkelten Strom. Es war kein Kahn zu fin⸗ den. Juliette verſprach einen zu holen; und als der Marquis ſagte: woher? entgegnete ſie, von meinem Vater. Von dem Todten? laͤchelte Alphonſe. Sie nickte mit dem Kopf und ging davon. Auch er ging. Sein Herz war ſchwer. Er dachte nichts Beſtimmtes, doch die Trauer — 260— hat ſelten ein Bild, ſie iſt, wie die Nacht, ge⸗ ſtaltlos und ahndungsreich. XI. Ganz Frankreich war um dieſe Zeit in Be⸗ wegung. Die vereinigten Heere ruͤckten in Maſſe heran. Paris wogte in taͤuſchender Er⸗ wartung. Die Verſammlung im Maifelde ward vorbereitet. Das große Schauſpiel zog die Blicke vieler von den Graͤnzen ab. Indeß war die Vendee unter den Waffen. Die Ge⸗ nerale Travot und Marchand wurden dahin commandirt. Fragmentariſche Geruͤchte einzelner Gefechte bei Laval und Angers, und ſpaͤter bei Coſſé und andern Orten wurden eben ſo ſchnell unterdruͤckt, als ſie voruͤberflogen. Gleichwohl wehte die weiße Fahne an der Kuͤſte im Departement Morbihan. Die Lan⸗ dungsplaͤtze waren nicht ſo zu bewachen, daß die Englaͤnder nicht Waffen und Geſchuͤtz haͤtten hinüberſhe der Chouan Inij die dem Andti So N bei Breſſ General⸗ Armee be vetfolgt. Une leutſelig nique am Graͤtte. den Verw bat er dem kleit Tapferke bieten, Wunſch Me nahegele Karren Thätigk Nacht, ge⸗ Jeit in Be⸗ ruͤckten in ſchender Er⸗ aifelde ward zog die ab. Indeß . Die Ge⸗ urden dahin ctte einzelner ad ſpaͤter bei en ſo ſchnell Fahne an der 1. Die Lan⸗ wachen, daß ſchütz haͤtten — 261— hinuͤberſchaffen ſollen. Ein beruͤhmter Anfuͤhrer der Chouans, Cadoudal, drang bis Joſſelin vor, indeß die Garniſon von Cholet, die Stadt vor dem Andringen der Vendker raͤumen mußte. So war die Lage der Dinge, als es endlich bei Breſſuire zu einem ernſtlicherm Gefecht kam. General Travot zog ſich zuruͤck, die Koͤnigliche Armee behauptete das Feld. Der Feind ward verfolgt. Unermuͤdlich wie die Begeiſterung, und leutſelig wie die Liebe, durchlief Graf Domi⸗ nique am Abend des heißen Tages die blutige Staͤtte. Sein Herz zog ihn theilnehmend zu den Verwundeten. Helft! wo es moͤglich iſt, bat er ſeine Begleiter. Er war angebetet in dem kleinen Heere. Sein Namen, feine ſtille Tapferkeit, der Ernſt und die Milde im Ge⸗ bieten, wie im Ausfuͤhren, machten ſeinen Wunſch zum Befehl. Man war dabei, die Ungluͤcklichen in die nahegelegene Stadt zu ſchaffen. Wagen und Karren wurden herbei geholt, Wundaͤrzte in Thaͤtigkeit geſetzt, der Graf legte ſelbſt mit — 252— Hand an, Vernier, der ihm ſtets zur Seite blieb, theilt ſeinen Eifer, indeß Roland in Breſſuire fuͤr Raum und Pflege ſorgte. Ueber dies alles war es ſpaͤt geworden. Die Nacht brach herein. Dominique beugte ſich uͤber einen leblos am Boden Liegenden. Der Helm, welcher eingedruͤckt deſſen Stirn bedeckte, verrieth, durch eben dieſen Einbug, daß der Bewußtloſe unter einem Kopfhieb zu⸗ ſammenſtuͤrtzte. Es war ein langer, ſtattlicher Mann. Seine geſtreckte Geſtalt hatte etwas Ungewoͤhnliches! Der Graf hob behutſam den Helm vom Kopfe, das bleiche Geſicht befleckte kleine Blutstropfen. Die Luft ſtrich daruͤber und hob die glatten, zum Theil ſchon gebleich⸗ ten Haare. Er iſt nicht tod! ſagte Dominique. Richtet ihn auf. Die augenblickliche Betaͤubung wird vielleicht der veraͤnderten Lage weichen. Vernier faßte den Ohnmaͤchtigen mit kraͤf⸗ tiger Gewandheit unter die Arme, und mit ei⸗ nem ſtarken Ruck zog er ihn in die Hoͤhe. Riſton! beim Himmel! Riſton! rief der Juͤng⸗ — ling, jenen Der Mond iher tra kenne den wegt, u tief er: Oberſt ni Stadt, d Verwund Er ausfuͤhren gemeldet, penabtheil daß das und der Dor den Tru⸗ der Nae ſich mit an der beſchloß. und die jzur Seite Roland in gte. geworden, igue deugte Liegenden, eſſen Stirn ſen Einbug, Kopfhieb zu⸗ ſtattlicher atte etwas hutſam den ht befleckte ich daruͤber on gebleich⸗ que. Richtet ubung wird hen. en mit kraͤf⸗ und mit ei⸗ die Hoͤhe, fder Juͤng⸗ — 263— ling, jenen genauer betrachtend. Der Ausruf zog des Grafen Blick zu dem Krieger zuruͤck. Der Mond brach durch das Gewoͤlk, ſein blei— cher Strahl erhellte das blaſſe Geſicht. Ich kenne den Mann wohl! ſagte Dominique be⸗ wegt. Und ploͤtzlich alles zuſammenreimend, rief er: wo dieſer iſt, da iſt auch ſein junger Oberſt nicht fern. O ſchnell, ſchnell nach der Stadt, damit ich ſehe, ob dieſer ſich unter den Verwundeten befindet? Er ſollte aber nicht ſo eilig ſeinen Vorſatz ausfuͤhren, denn im naͤmlichen Augenblick ward gemeldet, daß ſich eine andre feindliche Trup⸗ penabtheilung, ihnen im Ruͤcken gezeigt habe, daß das Deckungscorps nicht ſtark genug ſei, und der Anfuͤhrer um Unterſtuͤtzung bitte. Dominique ward mit den Friſcheſten unter den Truppen detachirt. Er griff den Feind in der Nacht an, und zwang deſſen Befehlshaber, ſich mit dem Reſt der Mannſchaft in ein Caſtell an der Sevre zu werfen, wo dieſer ſich zu halten beſchloß. Es war ein Entſchluß, den Tapferkeit und die Hoffnung auf Entſatz rechtfertigen — 264— konnten. Gleichwohl ſollte es anders kommen. Fuͤr den Augenblick blieb es freilich dabei, daß das Fort eingeſchloſſen und beobachtet wurde. Der erwartete Entſatz kam nicht. In der Nacht des ſechsten Tages machte der Feind einen Ausfall. Es entzuͤndete ſich ein heftiges Gefecht. Die Gewandheit der kriegge⸗ uͤbten Truppen ſchien uͤber die Hartnaͤckigkeit des Gegners den Sieg tragen zu wollen. Dem⸗ ohnerachtet ſah ſich dieſer genoͤthigt, in ſeine Verſchanzung zuruͤckzukehren. Von da an war es nur der Eigenſinn der Verzweiflung, der an laͤngern Widerſtand denken konnte. Dominique ließ eine Aufforderung nach der andern an den Fuͤhrer ergehen, ſich zu ergeben. Schon laͤngſt wußte er, daß kein andrer, als der Marquis ihm gegenuͤber ſtehe. Es war vergebens. Die Truppen hatten beſchloſſen, zu ſiegen oder zu ſterben. In dieſer Zeit erſcholl die Nachricht vom Ausgange der Schlacht bei Waterloo! bald dar⸗ auf von der Flucht Napoleons. Dominique ließ Alphonſe von beiden in — Kenntriß teender Tro fal, zu den nach dem konnten. Und Ueberleber verfolgte Ueberſetze fangen.- hatte geſe Nur Gedanken er ſich um etmaaß u lächelte ſe niemals Lippen, jetzt ſich mit ausc den roͤm ahnlich, zegenſtel s kommen. dabei, daß tet wurde. ges machte dete ſich ein der kriegge⸗ artaaͤckgkeit len. Dm t, in ſeine da an war ng, der an g nach der zu ergeben. andrer, als 2. Es war ſchloſſen, zu chricht vom o! bald dar⸗ beiden in — 265— Kenntniß ſetzen. Die Antwort war ein ſchmet⸗ ternder Trompetenſtoß und der wuͤthendſte Aus⸗ fall, zu dem nur Schmerz und heiße Sehnſucht nach dem Tode in dieſem Augenblicke treiben konnten. Und wirklich war es dem kleinen Theil der Ueberlebenden gelungen, zu entkommen. Man verfolgte ſie. Doch nur Einer, deſſen Pferd beim Ueberſetzen eines Graben ſtuͤrzte, ward einge⸗ fangen.— Es war Alphonſe! Seine Stunde hatte geſchlagen! Nur einen Augenblick vermochte er den Gedanken ſeines Geſchicks zu ertragen. Als er ſich umringt ſah, raffte er ſich auf, ſtand, ermaaß mit ſchnellem Blick die Lage der Dinge, laͤchelte ſtolz, und indem er mit den Worten: niemals komme ein feiges Wort uͤber meine Lippen, das Anſehn nahm, als denke er noch jetzt ſich durchzuſchlagen, den Degen hob, und mit ausgelegtem Arme vordrang, ſtuͤrzte er ſich⸗ den roͤmiſchen Helden, denen er nachſtrebte, aͤhnlich, in die Schwerdter, welche ſich ihm ent⸗ gegenſtellten. — 266— Dominique, der von unausſprechlicher Angſt getrieben, den Nachſetzenden gefolgt war, ſah von dem gehobenen Arm den ſchwarzen Crepp wehen, laut ſchreiend, zertheilte er den Haufen, das Ungluͤck zu verhuͤten. Es war geſchehen! Der Marquis athmete noch, doch ſein Leben war unerrettbar verloren. Sprachlos, gelaͤhmt an Herz und Gliedern, begleitete Dominique des Freundes Leiche nach Breſſuire. Eine dumpfe Ohnmacht der Em⸗ pfindungen, hielt das Bewußtſein in ihm ge⸗ fangen. Was er that, war die Folge eines mechaniſchen Inſtinetes, dem er willenlos ge⸗ horchte. Tag und Nacht ſaß er bei der Leiche, hielt die kalten, ſtarren Haͤnde in den ſeinigen, und ſah in die jugendliche Zuͤge, aus denen das Leben noch immer nicht weichen wollte. Man hatte in der Stille Anſtalten zu der Beerdigung des jungen, feindlichen Oberſt ge⸗ troffen. Die Waffen ruhten, der Streit ſchien geſchlichtet, Napoleon war entfernt, die fremden Heere nahten Paris. Ein gleiches Gefuͤhl deängte die der. Aler von denen Werkzeuge es mit D Chraͤne d ſtummen Man man ihn Vernier Anblick d ner golden ches jener aus ſeiner Kaug Vermaͤcht Schlagen Beklemm trieb, un drang.( benetzte i guillenden Kom licher Angſt war, ſah irzen Crepp en Haufen, t geſchehen! ſein Leben nd Gliedern, Leiche nach ſt der Em⸗ in jhm ge⸗ Folge eines illenlos ge⸗ Leiche, hielt inigen, und denen das lte. alten zu der HOberſt ge⸗ Streit ſchien die fremden ſes Gefuͤhl — 267— draͤngte die Herzen der Eingeborenen zu einan⸗ der. Aller Haß ſchlief, Alphonſe ward innig von denen beweint, die ſich als unſchuldige Werkzeuge ſeines Todes anklagten. Anders war es mit Dominique. Er konnte keine einzige Thraͤne vergießen. Die Natur drohete, dem ſtummen Grame zu erliegen. Man ward deshalb immer verlegener, wie man ihn von dem todten Koͤrper trennen ſolle? Vernier unternahm es endlich, ihn durch den Aublick der Brieftaſche des Marquis, und ei— ner goldenen Kapſel mit einem Portrait, wel⸗ ches jener beides auf der Bruſt getragen hatte, aus ſeiner ſtumpfen Hingebung zu reißen. Kaum hielt auch Dominique dies traurige Vermaͤchtniß in Haͤnden, als ein ungeſtuͤmes Schlagen des Herzens die Qual unertraͤglicher Beklemmung in ihm auf den hoͤchſten Gipfel trieb, und ein leiſer Schrei uͤber ſeine Lippen drang. Er warf ſich uͤber Alphonſe hin, und benetzte ihn mit heißen, immer ſtaͤrker hervor⸗ quillenden Thraͤnen. Kommt, lieber Herr, ſagte Vernier feſt, — 268— gebt dem braven Manne ſeine Ruhe, er hat ſie wohl verdient. Was ſoll er laͤnger auf der Erde, die ihn nicht laͤnger will. Dominique nahm ſich zuſammen. Er reichte dem Juͤnglinge die Hand. O, ſagte er mit ſchmerzlichem Laͤcheln, glaube nicht, daß ich mich ſeiner unwerth zeigen will. Er ſtand, und ſah, wie die geliebte Huͤlle in den Mantel, auf wel⸗ chem ſie ruht, eingeſchlagen, und in das enge Haus gelegt ward, das eine ſo unuͤberſteigliche Scheidewand fuͤr die Sehnſucht der Zuruͤckblei⸗ benden werden ſollte. Da ſchlich eine Geſtalt heran, die kaum noch kenntlich, dennoch mit ſtarker Stimme ſagte: ich will ihn tragen hel⸗ fen! Laßt mich heran! Ich habe ein Recht auf dieſe Ehre, die mir niemand, der weiß, wie ein Soldat fuͤhlt, nehmen kann! Beim Himmel, ja! Du ſollſt ihn tragen! rief der Graf, Du armer Riſton! ſetzte er ge⸗ ruͤhrt hinzu. Hatte ich Dich doch ganz ver⸗ geſſen! Mußteſt Du leben, um ihn begraben zu helfen! Das fragt einmal da oben! entge⸗ gnete der Krieger. Da koͤnnte man viel fra⸗ gen! Aber er iſt todl ſch bückte ſeinen Bar Hdre, nen Degen nem Ober gut, oder wohl muͤd Woll des Dege den Sarg tern, und geworfene heißeſte H & In der folgende Ich wie Du, e, er hat ſie der auf der . Er reichte agte e mit daß ich mich nd, und ſah, tel, auf wel⸗ in das enge nuͤberſteigliche er Zuruͤckblei⸗ eine Geſtalt dennoch mit tragen hel⸗ de ein Recht der weiß, wie tihn tragen! ſetzte er ge⸗ ch ganz ber⸗ ihn begraben oben! entge⸗ nan viel fra⸗ — 269— gen! Aber laßt es nur! Ja, ja, ich lebe und er iſt tod! murmelte er vor ſich hin, indem er ſich buͤckte und die Thraͤnen verbarg, die auf ſeinen Bart fielen. Hoͤre, ſagte Dominique, hier haſt Du mei⸗ nen Degen, Alter. Waffenlos darfſt Du Dei⸗ nem Oberſt nicht nahen. Geh', gebrauche ihn gut, oder lege ihn mit in die Gruft. Du biſt wohl muͤde und haſt das Kriegsleben ſatt. Wollen ſehen! laͤchelte dieſer beim Anblick des Degens. Er ſteckte ihn an die Seite, hob den Sarg auf ſeine und der Mittraͤger Schul⸗ tern, und ging ſtolz unter ſeiner Laſt dem auf⸗ geworfenen Fleckchen Erde zu, das zuletzt das heißeſte Herz kuͤhlt. XII. In der Brieftaſche des Marquis fanden ſich folgende kurze Andeutungen. Ich moͤchte denken und empfinden koͤnnen, wie Du, mein Dominique! Dein ſchwaͤrmeri⸗ — 270— ſcher Eifer ſcheint mir oft ſo edel! Ich liebe Dich in ihm, und kann mich Dir nicht wohl anders, als in der Beziehung zu gewiſſen Ver⸗ haͤltniſſen vorſtellen. Doch fuͤr mich iſt das nicht! Ich habe zu viel erfahren, man macht ſich nicht anders, als man iſt. Der Augenblick hat eine vernichtende Ge⸗ walt! Wie klein macht perſoͤnliches Intereſſe! Ich moͤchte alt werden, um zu erleben, wie dies Geſchlecht in funfzig Jahren denken wird! Frauen wiſſen nicht, was ſie alles zerſtoͤren, wenn ſie ſich politiſchen Intriguen hingeben! Sie ſchaͤrfen den Stahl, weil ſie ihn ſelbſt nicht fuͤhren koͤnnen. Unſinnige! Eure Tapfer⸗ keit iſt meiſt feige Grauſamkeit! Den 24. von Paris abgereiſt! Werde ich ſie finden?! Entſetzlich! Ein Bild! ein beſudeltes Stuͤck⸗ chen Leinewand, und dieſer Schauder! Es war die Pibh konnte den nich zu 2 glaube der Wes Ich kann lia! Wer Schoͤnes Wan ten wil, auch eine Es giebt 8r verſte Verliebtſ iſt die ſcheitert. kein Flei ein Andr konne! 5 die Stel ihaden 2 ¹ Ich litbe nicht wohl wiſſen Ver⸗ uch iſt das man macht ichtende Ge⸗ ⁵ Intereſſe! erleben, wie enken wird! es zerſtoͤren, hingeden! eihn ſebſt kure Tapfer⸗ Verde ich eltes Stuͤc⸗ der! Es war 271— die Pilgerin! die Geſtalt im Traume! Ich konnte den Anblick nicht uͤberwinden! Er riß mich zu Boden! Fuͤrchterliches Geſicht! Ich glaube der Tod ſieht ſo aus! Weshalb bin ich ſo veraͤndert im Innern. Ich kann mich auch zu Dir nicht freuen Ceci⸗ lia! Werde ich Dich wiederſehen? Und wie?— Schoͤnes Herz! Habe ich Dir wehe gethan? Warum es den Menſchen niemals einleuch⸗ ten will, daß eine verſchiedene Ueberzeugung auch eine verſchiedene Handlungsweiſe erzeugt! Es giebt nichts beſchraͤnkter, als der Verſtand! Er verſteht immer nur Eins. Und denn das Verliebtſein in die eigne Art und Weiſe! Es iſt die Klippe an der die Billigkeit immer ſcheitert. Weil Einer keinen Wein trinken, oder kein Fleiſch eſſen mag, begreift er nicht, daß ein Andrer einen ſo verirrten Geſchmack haben koͤnne! Kleine Regungen bedingen meiſt immer die Stellung der Menſchen zueinander. Es ahnden Wenige, was die Quelle ihres Wohl⸗ — 272— wollens oder ihrer Abneigung iſt! Man erfaͤhrt es meiſt immer hinter her! Wie anders iſt es mit der Liebe! die iſt oder ſie iſt nicht! Unab⸗ haͤnglich, unerforſcht, ſiegreich, ganz ſie ſelbſt, bleibt ſie was ſie iſt! Zwiſchen den Pergamenttafeln, auf welchen dieſe, und aͤhnliche Gedanken niedergeſchrieben waren, lag ein feines Blaͤttchen, deſſen Inhalt ſich an Cecilia richtete, und wohl ein angefan⸗ gener Brief an ſie war. Es hieß darin genau ſo: „Endlich meine Cecilia, bin ich auf dem Wege zu Dir! Glaube mir, die Wolken an un⸗ ſerm Himmel zertheilen ſich. Der Sturm hat ausgewuͤthet. Das helle Geſtirn eines glaͤnzen⸗ den Tages leuchtet wieder. Ich berge es Dir nicht, meine Freundin, ich athme frei! ich bin wie neugeboren! Verzweifle auch Du nicht laͤn⸗ ger. Was habeu denn am Ende dieſe hartnaͤ⸗ ckige Ultras gegen den augenſcheinlichen Beweis hoͤherer Beſtimmung einzuwenden? Ach meine Liebe, es iſt nur noch der Eigenſinn, und die . — Schaam, augenblic die ſich Verlaß 3 bin ihl trat ſie eine ſah mir nn das Bi clin. C 1 9 Leci lieben, ſorgte denen 3 unbee mals der ve Bild G 1 1Man erfaͤhrt anders iſt 86 nicht! Unab⸗ gend ſe ſebſt, n, auf welchen nedergeſchrieben deſſen Inhalt hl ein angefan⸗ darin genau ſo: n ich auf dem Wolken an un⸗ der Sturm hat eines glaͤnzen⸗ berge es Dir e freil ich bin Du nicht laͤn⸗ e dieſe hartnäͤ⸗ inlichen Beweis en? Ach meine nſinn, und die — 253— Schaam, nicht recht behalten zu haben, die ſie augenblicklich ſo entflammt. Das ſind Gefuͤhle, die ſich im Fortgange des Lebens abſtumpfen. Verlaß Dich darauf.“ „Unſere arme Inliette iſt recht krank! Ich bin ihr neuerlich begegnet. Wie ein boͤſer Spuk, trat ſie in meinen Weg. Ich dachte ſchon an eine ſchlimme Vorbedeutung! um ſo mehr, da mir noch etwas ſchreckliches zu Geſicht kam! das Bild der Pilgerin!— Du weißt wohl Ce— cilia. Aber ich achte nicht auf ſo etwas!“ „Dominique hat wieder mein ganzes Herz! O Cecilia, welch eine Seele iſt das! Lerne ihn lieben, und fuͤrchte ihn weniger, meine allzube⸗ ſorgte Freundin. Er hegt nur Gedanken, vor denen er mir zu erroͤthen hat!“ Hier folgte nichts weiter. Der Brief blieb unbeendet. Der Graf hatte ihn ſchon mehr⸗ mals uͤberleſen, indeß ſeine zitternde Hand mit der verſchloſſenen Kapſel ſpielte, welche Ceeilias Bild enthielt. Es war Nacht, Er ſaß allein bei einer III.[161 4 4. — 274 2 Lampe. Nur einen Blickl fuuͤſterte dies ſchla⸗ gende Herz. O Gott, nichts, als dies Auge ſe⸗ hen, das ſo hell und ſo tief von dem Geheim⸗ niß der Seelen redet! Er hatte ſchon den Finger gekruͤmmt, er druͤckte ſchon den kleinen Stift: Nein, nein! rief er ſich beſinnend, ich will nicht wie ein Dieb den Reichthum Deines ſchoͤnen Innern beſchleichen! ich will im heiliger Zaͤrtlichkeit die⸗ ſer Augen nicht ſtehlen, und die bethoͤrten Wahne, der Phantaſie vorſpiegeln, ſie gelte mir! Nein, unentweihet bleibe dem Freunde, was ſein iſt!— Geh! geh! kleines Bild! verlocke mich nicht mit Deiner Naͤhe. Auch der Wunſch, wie er den Sinn beſticht, iſt Treubruch! Er packte ſorgfaͤltig Kapſel und Brieftaſche zuſammen, ſchlug ein Pappier daruͤber und ver⸗ ſiegelte das Paket, welches er Cecilia zuruͤckzu⸗ geben beſchloß. Es ſchien ihm endlich wohl Zeit, daß er die Ungluͤckliche aufſuche. Sie war mit ihrer Familie, beim Ausbruch der Feindſeligkeiten wiederum noͤrdlich den Strom hinaufgegangen. Der Bn ſelhſ bef unweit d eigniſſen weiter? FR ner we verſtuͤnd unweiſe niemant die Sche winden! Ein Grafen Friede den Pt fand ih lichem? und die zeugte, lande d D. nicht e es ſchla⸗ Auge ſe Geheim⸗ umt, er 1, nein! wie ein Innern hkeit die⸗ Wahne, »! Nein, iſt!— ch nicht wie er rieftaſche und ver⸗ zuruͤckzu⸗ , daß er nit ihrer lligkeiten gegangen. Der Baron hatte Nachrichten von daher. Er ſelbſt befand ſich mit einem kleinem Streifcorps unweit der Kuͤſte. Seit den letzten großen Er⸗ eigniſſen, wußten indeß der Graf und er nichts weiter von einander. Waͤre er doch hier! dachte Dominique! Ei⸗ ner wenigſtens, der mich in meinem Schmerze verſtuͤnde! die meiſten halten dieſen wohl fuͤr unweiſe, ja unnatuͤrlich! Ach ihn liebte hier niemand, als der alte Riſton, und der kann die Scheu gegen den Andersgeſinnten nicht uͤber⸗ winden! Eine unausſprechliche Ermattung hielt den Grafen noch in Breſſuire zuruͤck, als bereits der Friede geſchloſſen war und die Waffen auch in den Provinzen ruhten. Herr von Soulignac fand ihn noch dort, als er mit einem tkoͤnig⸗ lichem Belobungsſchreiben nach der Vendäe flog, und die Lilie auf ſeiner Bruſt, von dem Eifer zeugte, den er in Gent, und ſpaͤter im Aus⸗ lande dem Hofe widmete. Dominique konnte ſich bei ſeinem Anblick nicht eines Laͤchelns erwaͤhren. Der Zoͤgling — 276— der Frau von l' Horme that ſo hoͤfiſch wichtig, nahm alles ſo genau, und hatte ſogar keine Ahndung davon, daß er noch ganz kuͤrzlich an⸗ ders dachte, anders ſprach, und am Scheide⸗ wege ſtand, ſehr viel anders zu handeln. Tauſende wie er! ſagte ein erfahrner Mann Dominique in's Ohr. Haben Sie es nicht immer erlebt, daß die Leute in nichts ein ſchlech⸗ teres Gedaͤchtniß zeigen, als in der Erinnerung ihrer Irrthuͤmer? Ich wette, der kleine Vicomte kann es nicht begreifen, daß jemand denkt, wie er geſtern dachte. Es iſt keine Affectation. Er kann es wirklich nicht. Die Bruͤcke iſt hinter ihm abgebrochen. Solch Daſein hat keinen Fort⸗ gang, es hat nur Momente! Der Vicomte war nichts deſtoweniger ſehr um den Grafen beſchaͤfftigt. Er ſchwor, dieſer habe nichts Wichtigeres zu thun, als ſich un⸗ verzuͤglich nach Paris zu begeben. Mein Gott! ſetzte er hinzu, ich begreife, wie viel Sie der Tod des Maraquis hat leiden laſſen! Niemand hat mehr, als ich, die glaͤnzenden Eigenſchaften deſſelben zu wuͤrdigen gewußt. Er gehoͤrte zu dem Aus zeit gtze dat! mit mit dieſe war ein Sie we beſuchen der Freu doch laͤn ner Fan erwartet geſtehen/ ſen Scht Der Hdrt. C Begegn von So in Pare Ca nem E welche fen aus In Pe vichtig r keine lich an⸗ Scheide⸗ in. r Mann es nicht ſchlech⸗ unnerung Vicomte nkt, wie on, Er hinter en Fort⸗ iger ſehr , dieſer ſich un⸗ in Gott! Sie der Niemand nſchaften choͤrte zu dem Ausgezeichnetſten, was uns Paris in dieſer Zeit gezeigt hat, aber am Ende, er war Sol⸗ dat! mit einem Temperament, wie das ſeinige, mit dieſem Schwunge des Geiſtes, dieſer Gluth, war ein ſolches Ende immer vorauszuſehen. Sie weihen ſeinem Andenken eine Thraͤne, beſuchen ſein Grab, Sie ehren es, indem Sie der Freundſchaft den ſchuldigen Tribut zollen, doch laͤnger hier verweilen, ſich der Welt, ei⸗ ner Familie, die Sie mit zaͤrtlicher Unruhe erwartet, entziehen wollen— Sie werden mir geſtehen, das uͤberſteigt die Graͤnzen eines wei⸗ ſen Schmerzes. Dominique hatte wenig von dem allem ge⸗ hoͤrt. Er dachte an Cecilia, und fragte daher: Begegneten Sie der Frau Vicomteſſe, Herr von Soulignac? Iſt ſie vielleicht auch ſchon in Paris? Camille erroͤthete. Er glaubte ſich in ſei⸗ nem Eifer verrathen, und Frau von Harville, welche ihn mit tauſend Auftraͤgen an den Gra⸗ fen ausgeruͤſtet hatte, compromittirt zu haben. In Paris? wiederholte er mit der Lebhaftig⸗ — 278— keit, welche augenblickliche Verwirrung ſtets ver⸗ anlaßt. Wo denken Sie hin! So wiſſen Sie denn ſo gar nichts, von den liebenswuͤrdigen Leuten? ſetzte er gemaͤßigter hinzu. Ei mein Gott, die aͤlteſte Tochter iſt in den letzten Zuͤ⸗ gen! Es war auf der Ruͤckreiſe zwiſchen Caen und Pont l'Eveque, wo ſie die Trauerpoſt von des jungen Oberſten Tode ereilte. Das Weitere koͤnnen Sie denken, Herr Graf! flog es unver⸗ ſtaͤndlich uͤber des Vicomte Lippen. Das Weitere kann ich denken! rief Domi⸗ nique todtenbleich. Wie denn? was ſoll ich den⸗ ken? Iſt Cecilia auch tod? Sprechen Sie doch, Herr von Soulignac, Iſt ſie tod?— Ich hatte ja die Ehre, bemerkte dieſer, Ih⸗ nen zu ſagen, daß die arme junge Perſon ih— rem Ende nahe ſei, doch dieſes noch nicht er⸗ reichte, allein, wollen Sie ſie lebend antreffen, ſo werden Sie Eile noͤthig haben. Mehr bedurfte es nicht, Dominiques To⸗ desangſt Fluͤgel zu geben. Er fand keine andre Gedanken, keine andre Worte, als die auf ſeine Abreiſe Bezug hatten. Tag und Nacht verließ er den I den Ausfe Er durch Leib und den Fuͤß aus der laͤnger in welch geſchlage Lippen, ob ſie n hat, von ſie auszt Jä Cs war einem! ern de glͤhen Sie ſ als d ben z die T Angſt tets ver⸗ ſen Sie uͤrdigen ei mein zten Za⸗ en Caen poſt von Weitere 5 unver⸗ f Domi⸗ ich den⸗ ie doch, eſer, Ih⸗ erſon ih⸗ nicht er⸗ intreffen, ques To⸗ ne andre auf ſeine t verließ ☛‿ er den Wagen nicht. Von Breſſuire bis an den Ausfluß der Seine, iſt eine weite Strecke. Er durchmaaß ſie in kurzer Zeit. Zerſtoͤrt an Leib und Seele, ſich kaum auf den ſchwanken⸗ den Fuͤßen haltend, ſtieg er in Pont l'Eveque aus der Courierchaiſe und ſchlich mit immer laͤnger werdenden Schritten nach dem Hauſe, in welchem die Vicomteſſe ihre Wohnung auf— geſchlagen hatte. Keine Syllbe wollte uͤber ſeine Lippen, er dachte zu vergehen, ſo oft die Worte: ob ſie noch lebt? ob ſie noch ſo viek Beſinnung hat, von Alphonſe zu hoͤren? in ihm laut wurden; ſie auszuſprechen, waͤre ihm unmoͤglich geweſen. Jetzt trat er uͤber die Schwelle des Hauſes; Es war heller Mittag. Die Sonne ſchien, von einem wolkenloſem Himmel auf die weißen Mau⸗ ern der Haͤuſer. Dominique ſahe ſtarr in die gluͤhende Strahlen, zu den Fenſtern oben hinauf. Sie ſtanden alle offen. Er dachte nichts dabei, als daß es ihm wunderte, niemand an denſel⸗ ben zu finden. So kam er in den Flur, auf die Treppe. Sein unſtaͤter Blick, die bleiche Angſt in ſeinen Zuͤgen, ein gewiſſes Zittern in — 290— den Bewegungen, und daß er alle zehn Schritte einmal ſtill ſtand, und mit geſenktem Kopfe horchte, ob ihm der Zufall nicht eine troͤſtliche Bothſchaft zufuͤhren werde? es hatte die Auf⸗ merkſamkeit der Voruͤbergehenden theilnehmend auf ſich gezogen. Waͤre er im Stande geweſen, den Ausdruck ihrer mitleidsvollen Mienen, und die Art des Bedauerns zu verſtehen, mit der ſie ein tief empfundenes Ungluͤck gemeinſchaft⸗ lich mit ihm betrauerten, er haͤtte keine Frage mehr an das verhuͤllte Schickſal gethan. Im Vorzimmer, deſſen Thuͤr nur ange⸗ lehnt war, ſaß ein Mann, den er ja kennen mußte! Er gruͤßte ihn auch wie einen Bekann⸗ ten, doch konnte er ſeinen Namen nicht finden. Er ging eilend an ihm voruͤber, in ein Seiten⸗ cabinet. Wohin? mein Herr! fragte jener. Die Frau Vicomteſſe und Fraͤulein Agnes ſind jetzt drin. Dominique beſann ſich. Er laͤchelte hoͤflich, indem er ſagte: Wollen Sie ſo gut ſein, mich zu melden, mein lieber Aubin. In dieſem Augenblick? fragte der Andre. Ach Gott, ſeufzte ei an. Eine zunkel wie Gleich da gekleidet, heraus. ſie eine ſagen:? Del er ſahe, laut ſchle trotz der brannte in einer Geſicht Bruſt t umfaßte ruhigte zweifelr Bettes S Er wat Schritte Kopft roͤſtliche ie Auf⸗ nehmend geweſen, nen, und mit der inſchaft⸗ e Frage r ange⸗ kennen Bekann⸗ finden. ner. Die ſind jetzt hoͤflich, in, mich dieſem h Gott, — 281— ſeufzte er, da nimmt man wohl keinen Beſuch an. Eine Geſtalt, leicht wie ein Schatten, und dunkel wie dieſer, ſchwebte an der Thuͤr voruͤber. Gleich darauf, trat die Vicomteſſe, ganz ſchwarz gekleidet, und ein Tuch vor die Augen haltend, heraus. Da ſie Domiuique wahrnahm, machte ſie eine Bewegung mit der Hand, als wolle ſie ſagen: Auch das noch! O es iſt zu viel! Der Graf verſtand nichts von allem, was er ſahe, aber er wußte alles. So ſtuͤrzte er laut ſchluchſend in das Nebengemach. Es war, trotz der hellen Tageszeit, dunkel. Eine Lampe brannte hinter einem Schirm. Ein Bett ſtand in einer Seitenniche, es lag wer darauf, das Geſicht bedeckte ein dichter Schleier. Auf der Bruſt ruhete das Crucifix, beide ſtarre Haͤnde umfaßten, es, als druͤcken ſie es feſt an das be⸗ ruhigte Herz. Dominique konnte nicht laͤnger zweifeln. Er ſank ohnmaͤchtig am Fuße des Bettes nieder. Sein Fall hatte die Andern herbeigezogen. Er ward in ein entferntes Zimmer gebracht. — 282— Jeder tiefere Seelenſchmerz, faͤllt zuerſt betaͤubend auf den, welchen er trifft! Es iſt der Schlag des Gewitters, den die Erdenſtoffe lange bruͤten, ehe wir es ſehen. Und wenn die Elemente des Daſeins ſich endlich auf unſer Haupt entladen, wenn die ſtaͤrkere Gewalt dem Sterblichen ſeine Ohnmacht zeigt, ſo begreift er es nicht. Er iſt nicht mehr er ſelbſt. Das Kind des Ungluͤcks, ſcheint auch ein Kind des Zufalls. Willenlos, zuſammengebrochen, dumpf und aͤngſtlich, athmet er unter der Hand, die auf ihm liegt, die er noch nicht vertrauend faſ⸗ ſen, an die er ſich nicht aufrichten kann. So qualmt der Funke, den ein Blitz ent⸗ zuͤndet, und ſchwaͤrzt und dunkelt die Huͤlle die ihn verſchließt, bis der Hauch von außen ihn trifft, und er auf eigne Windesfluͤgel ſich erhebt. Dominique begriff ſein Geſchick auch lange nicht. Doch wie haͤtte er laͤnger an ſich denken koͤnnen, warf er einen Blick auf die ungluͤ ck⸗ liche Vicomteſſe, auf Agnes, die ſo jung noch den herbeſten Schmerz der Trennung erfahren ſollte. ſo verla einer 3 gluͤck ih dern V Baron Noch el und ein daran, Haͤlfe i d. und ſch den, u Cecllia vermo nem Jumie wollte der b auerſt Es iſt enſtoffe enn die f unſer dalt dem ggreift t. Das dind des dumpf nd, die end faſ⸗ litz ent⸗ zuͤlle die ußen ihn herhebt. ich lange h denken ungluͤck⸗ ung noch erfahren — 29 2 Wie unſer guter Engel, ſagte die Großmut⸗ ter oft, ſind ſie uns erſchtenen, lieber Graf. Wer ſollte fuͤr uns denken, fuͤr uns handeln, waͤren ſie nicht gekommen! Wirklich ſahe ſie ſich mit ihrer Enkelin um ſo verlaſſener, als Frau von Harvllle ſchon ſeit einer Woche in Paris war, und uͤber das Un⸗ gluͤck ihres Hauſes voͤllig unwiſſend, in ganz an⸗ dern Vorſtellungen und Plaͤnen lebte. Auch der Baron konnte ſeine alte Freundin nicht ereilen. Noch einmal hatte ſein tapfrer Arm ſich pruͤfen und eine Wunde daran tragen ſollen. Er litt daran, und mußte zur Zeit noch die aͤrztliche Huͤlfe in Arranches nachſuchen. Dem Grafen uͤberkam demnach die ſchwere und ſchoͤne Pflicht, das eigne Herz zu uͤberwin⸗ den, um andrer zu ſchonen. Er uͤbernahm viel. Cecilia ſollte er zur Gruft geleiten!— Er vermochte es uͤber ſich.— Sie ward in ei⸗ nem Kloſter, unweit der alten Truͤmmer von Jumisége einſtweilen beigeſetzt. Die Vicomteſſe wollte ihr eine Kapelle im Angeſicht des Felſens, der beiden Liebenden erbauen. Dominique be⸗ — 284— ſtaͤrkte ſie darin. Es war, ihm ein Troſt, ihre Huͤlle bis dahin im Schoos ſtiller, hetliger Obhut zu wiſſen. In Jumiége war er zuerſt mit einer Leiche ans Land geſtiegen, jetzt ſollte er die Zweite nach der kleinen Halbinſel geleiten!— Er uͤber⸗ gab den Sarg den frommen Schweſtern, nach⸗ dem er die Kapſel und die Brieftaſche in Ceci⸗ lia's Haͤnde gelegt, und ſie ſo jedem entweichen⸗ dem Blicke entzogen hatte. Seine Seele blieb bei der Geliebten zuruͤck, und da er bald nur elnen Troſt kannte, in der Nähe ihrer Ueberreſte zu leben, und hierin ganz mit der Vicomteſſe uͤbereinſtimmte, ſo be⸗ trieb er den Bau der Kapelle mit ſo großem Eifer, das zu Ende des Sommers die Leichen⸗ feler darin gehalten ward. Ein Sarcophage ſtand nun in einem Bogenfenſter, dem aͤhnlich, welches den Stein der Agnes Sorel beleuchtet, Wie auf dieſem, waren in dem Marmor die Worte eingegraben: Ici repose dans la tombe Une douce et simple oolombe. Da al Erinnerun Frau vot welche di nen, gel See ſahe Troſt. Allt ſohnen. nicht läne der Mt ganz get kend ger Es hende( ner wei ausgleie in dem Allgeme fuͤr er oſt, löte rObhut it einer Zweite Er uͤder⸗ n, nach⸗ in Cech⸗ tweichen⸗ zuruͤck, innte, in d hierin ſo be⸗ großem Leſchen⸗ rcophage aähnlich, eleuchtet, rmor die — — 285— XIII. Das aufgehende Leben draͤngte die Nacht der Erinnerung zuruͤck. Ein neues Daſein begann. Frau von Haroille glaubte, den Erſchuͤtterungen, welche dieſem vorangtngen, das Opfer eines ſchö⸗ nen, geliedten Kindes ſchuldig geweſen zu ſein. Sie ſahe hierin ihre Groͤße, und fand ihren Troſt. Allmaͤhlig verſtand ſie Dominique zu ver⸗ ſoͤhnen. Er konnte der weinenden Mutter nicht laͤnger zuͤrnen. Bald fuͤhlte er ſich nur in der Mitte ihrer Familie, an der Seite der nie ganz getroͤſteten, um vieles ſtiller und nachden⸗ kend gewordenen Vicomteſſe wohl. Es konnte nicht fehlen, der wiederaufbluͤ⸗ hende Glanz ſeines Vaterlandes, der Segen ei⸗ ner weiſen, moͤglichſt die Unbilden der Eretgniſſe ausgleichenden, Regierung, beſchwichtigten vieles in dem bekuͤmmertem Juͤnglinge. War doch im Allgemeinen erreicht, was er heiß gewuͤnſcht, wo⸗ fuͤr er zu leben und zu ſterben bereit geweſen! — 296— Wie durſte er ſich wundern, daß die Fluth em⸗ poͤrter Leidenſchaften, ſo viel Großes und Schoͤ⸗ nes in ihrem ſchaͤumendem Bett begraben, ſo vieles, woran Herz und Gewohnheit hingen, verſchlungen hatten. Der Sturm ſchweigt, ſchrieb Sir Clemens Aigrim, die Wogen fließen ſtumm in einander, der Strom tritt in das alte Bett zuruͤck, ſein ruhiger Spiegel zeigt uns die feſten Bildungen, die den Kampf der Elemente uͤber⸗ dauerten. An ſie knuͤpfen ſich die Faͤden neuer Entwlickelung. Noch liegen dieſe einzeln, unver⸗ ſtaͤndlich, wie der Aufzug eines Gewebes da⸗ Der hat ein Auge fuͤr ſeine Zeit, und wird ihrer Herr, dem das Saamenkorn ſchon den Baum und ſeine Fruͤchte zeigt.“ Dominique dachte nach und ging nach Pa⸗ ris.— So gelangte er an den Hof, trat in neu geſtaltete Verhaͤltniſſe, in einen Wirkungskreis, widmete ſich dem Geſchaͤfftsleben. Die Truͤmmer ſeines eingeaͤſcherten Schloſſes riefen zu harte Kaͤmpfe in ihm zuruͤck. Es ſollte ein neues erbaut werden. Als dies beendet daſtand, feierte man die Hochzelt Der Ba trlumpht weinte, Es blieben Schmur ſellſcaf nannt. zu ihnen kauft, Rulnen nen art M nach de ſchen u wenig gerade. nieman Knaben uth em⸗ Schoͤ⸗ den, ſo ingen, , ſchrleb n ſtumm lte Bett die feſten nte uͤber⸗ en neuer „ unver⸗ bes da. td ihrer Baum nach Pa⸗ at in neu nngskreis, Schloſſes Es ſollte man die — 2397— Hochzelt der ſanften Agnes und des Grafen. Der Baron frohlockte. Frau von Harvtlle ſahe triumphirend auf ihre Gegner. Die Vicomteſſe weinte, und ſegnete Agnes. Es war nun alles anders! Die Schloͤſſer blieben leer. Die Reſidenz foderte und verſam⸗ melre, wer durch ſeine Verhaͤltniſſe zu ihr gehoͤrt. Handel und Wandel beleben jetzt die Kuͤſte. Man hoͤrt dort wenig mehr von Raͤubereien und Schmuglerverkehr. Es hat ſich eine andre Ge⸗ ſellſchaft dort gebildet, die ſchwarze Bande ge⸗ nannt. Charlot, der Advocat und Druot ſollen zu ihnen gehoͤren. Sie haben das Recht er⸗ kauft, am Strande die alten Denkmale und Ruinen abzubrechen, und aus dem Material ei⸗ nen artigen Handlungsartikel zu bilden. Mit jedem Hammerſchlage verhallt ein Laut nach dem andern aus der Sagenwelt. Die Men⸗ ſchen umher haben zu viel zu thun, ſie erzaͤhlen wenig mehr. Magdeleine ſchweigt nun auch nach gerade. Sie ſchlaͤft viel. Ob ſie traͤumt? weiß niemand? Aphodiſe wiegt ihren und Verniers Knaben, Seit Riſton in Spanien fiel und Ro⸗ 4 bert dem Grafen dient, gedenkt man in der Huͤtte der Vergangenheit eben nicht. Nur Jullette ſitzt noch auf dem nackten Ro⸗ bertſtein, und hoͤrt zur Herbſtzeit den Wolf heu⸗ len, und ſieht ſein weißes Fell. Ihr Haar bleichte der Gram. Oft findet man ſie, an den Felſen gelehnt, Nachts da oben ruhen. Der Wind ſpielt mit ihren fahlen Locken, uͤber die der ſchwarze Epheu ſeine dunkle Kronen flicht. Sie kommt nur ſelten zur Beſinnung! In ſchweren Stunden, die das Leben doch nicht ausgleichen will, traͤgt Domintque ſeinen tiefen Gram hierher, in die alte Normandle zu⸗ ruͤck. Er gruͤßt die verſunkene Welt, weilt bei den Graͤbern und vergißt einen Augenblick den Sallon der Frau von Harvllle, in welchem man noch nicht verlernen kann, Politik zu ſprechen, und dem kleinen Vicomte nud der Praͤſidentin de l'Horme zuzuhoͤren, wenn beide Moden und Staaten umwerfen und dem Zeitmoment die Phiſionomie ihrer Anſichten geben.. Ende. Gedruckt bei L. Quien. „an den ſen. Der uͤber die en flicht. eben doch ee ſeinen andie zu⸗ wellt bei nlick den hem man ſorechen, räͤſidentin doden und ment die Olour& Grey Control Chart Cyan Green vVellow Grey 4