mwedargeea e. Aa 8 0. Ae ee W w.⸗n Ae,e, Na Nn en 1 ee e 5—— Seeee-e 65 4*₰— 2 1—— T* ͤ— 1. e er4nn e aeu 4 e her nerrun 8 8 ℳ* 1. Die beiden Freunde. N — ͦ———— Ein Roman — von Caroline Baronin de la Motte Fouquẽ, geb. von Brieſt. Zweiter Theil. —— Berlin, 1824. In der Schleſingerſchen Buch⸗und Muſikhandlung. —— † RNNRDeTVANRAATVA— J. Die Abendverſammlungen in der Fiſcherhuͤtte waren ſeit mehrern Wochen wenig beſucht wor⸗ den. Die alte Magdelene empfand das mit wach⸗ ſendem Mißbehagen. Beſonders vermißte ſie die beiden huͤbſchen Schweſtern ungern. Durch dieſe kam immer das meiſte Leben in den kleinen Kreis, und wird gleich dem Alter das aufkeimende Ge⸗ ſchlecht leicht zu vorlaut, ſo mag es ſich doch we⸗ niger noch mit dem lautloſem Verſinken gleich⸗ geſtimmter Lebensgefaͤhrten vertragen. Wenn da⸗ her der finſtre Riſton in ſeinem weißen Man⸗ tel halb verhuͤllt, vom Sturm zerzauſt, oft naß und frierend zur Thuͤr hineinſahe, ſtumm gruͤßte, II. 1 1 — 4— und eben ſo ſtumm auf dem kleinem Schemel am Kamine niederſaß, welchen Juliette ſonſt einzu⸗ nehmen pflegte, ſo ertrug Magdelene den unbe⸗ quemen Gaſt nur aus Mangel eines Beſſern. Doch geſchahe das nicht ohne Aufwallung von Ungeduld, und einigen bittern Ausfaͤllen auf die muͤrriſche Laune alter Suͤnder, die das Leben nur noch wie einen Kaͤfig betrachten, ſeit es auf⸗ hoͤrte, der Tummelplatz zuͤgelloſer Neigungen fuͤr ſie zu ſein. Der graͤmliche Soldat ließ das an ſich hiu⸗ gehen, hoͤchſtens warf er den Kopf nachlaͤßig in die Hoͤhe, zog ein wenig mit den Mundwinkel, als wolle er laͤcheln, und blieb nach wie vor ein⸗ ſilbig. Der Knabe begleitete ihn faſt nie, mei⸗ ſtentheils ſprach er ſelbſt nur, wie nach einer fernen Wanderung, hier ein. Das Zuſammen⸗ fallen ſeiner Geſtalt, die ſchlaffen Zuͤge, ein ge— wiſſes traͤges Ermatten der Gedanken, alles an ihm trug dann die Spur gehabter Anſtrengung. Die kluge Alte hatte ihn laͤngſt durchſchauet, Sie wußte auf ein Haar, was er treibe? und mochte den Zweck jener heimliche Streifereien 3 — 5— wohl nur zu deutlich ahnden. Gleichwohl war es nicht leicht, ihre Gedanken zu entraͤthſeln. Sie wußte dieſe, aus Gruͤnden, die nur ihr ge— hoͤrten, eben ſo humoriſtiſch zu verbergen, wie uͤberall ihr Meinen und Wollen. Riſton trau⸗ ete ihr deßhalb auch nicht ganz, und dennoch war wieder ſo Vieles in ihrer freimuͤthigen Weiſe, was ihn anzog; Im Grunde hegte er doch die Ueberzeugung, daß ſie ſeine Wuͤnſche theile, und derem Gelingen ehr foͤrderlich, als hindernd ſein werde. Sie iſt behutſam, dachte er, und weiß ſich geſchickt zu ihrer Welt zu ſtellen, das kann man nicht anders, als loben, um ſo ſicherer waͤre im Weſentlichen auf ſie zu rechnen! Viel vermoͤ⸗ gen Frauen in Tagen der Unruhen, ſetzte er, bei ſich denkend hinzu, vielmehr als ihnen anzuſehen iſt, und ſie ſehen laſſen wollen. Wer ihnen miß⸗ trauet wird irre, wer ſich ſtellt, als ſei er Ei⸗ ner der Ihrigen, zwingt ſie, ſich ihm anzuſchlie— ßen. Ihr macht ja heut ſo ſchlaue Minen, un—⸗ terbrach eines Abends Magdelene, ihren Gaſt — 6.— in einem aͤhnlichen Selbſtgeſpraͤch, wollt Ihr ba etwas errathen, oder mich errathen laſſen? in Keins von beiden, entgegnete jener, denn Da wir wiſſen, denke ich, von einander, was wir iu 6 wiſſen wollen.. Bu Deſto ſchlimmer fuͤr Euch, rief Magdelene Vrc lachend, wenn Ihr mein Urtheil ſo blindlings Juls unterſchreibt. Aber geht nur, geht! ſetzte ſie 5 mit abwaͤrtsgekehrter Handshinzu, Ihr lehrt trn mich nichts, was ich nicht ſchon an den Fingern kon herzuſagen wuͤßte. Doch umgekehrt moͤchte es und ſich wohl nicht alſo verhalten. Aber auf etwas hen Anders kommen, fuhr ſie, ſeiner Antwort begeg⸗ und nend, raſch fort. Was geht denn jetzt auf des Erg Grafen Schloſſe vor? Ihre lebhaften Augen fun⸗. zu, kelten bei dieſen Worten in einem verraͤtheriſchen ſcheu Feuer, das ſie umſonſt zuruͤck zu zwingen ſuchte, mit Riſton erwiederte trocken, ohne ſie anzuſe⸗ und hen; Wie meint Ihr das! Was weiß ich vom Klig Grafen und ſeinem Schloſſe? Nun, verſetzte und Magdelene, indem ſie ihre Spindel eifrig dre⸗ Sp hete, und den Faden feiner und feiner zog, ich ſchen denke Euer Knabe ſei dort einheimiſch, vom — 65— Herrn und Diener gleich wohl gelitten, oͤfters um den Erſtern bis ſpaͤt in die Nacht hinein. Das Kind iſt klug, es ſieht und hoͤrt und weiß zu erzaͤhlen. Kindergeſchwaͤtz! brummte jener. Gut genug, ein naſeweiſes Ding, wie Eures Nachbars Tochter zu unterhalten. Juliette meint Ihr? fiel die Alte ein. Gut, gut, laͤchelte ſie ſchlau, die verſieht jetzt des Va⸗ ters Geſchaͤfft, waͤhrend der arme Mann nur von ſeinen ſteifen, unbeholfenen Beinen weiß, und ſie nicht aus Decken und Kiſſen herauszie⸗ hen darf. Aphodiſe weint um den Braͤutigam, und ertraͤgt des Kranken graͤmliche Laune mit Ergebung. Ei die flinke Iunliette, ſetzte ſie hin⸗ zu, die iſt aus anderm Stoff geformt! Die ſcheuet nicht Muͤhe nicht Gefahr, die nimmt es mit guten und ſchlimmen Geiſtern, mit Sturm und Nacht, auf ſchwankendem Kahn, zwiſchen Klippen und verrufenem Gemaͤuer, mit Tod und Teufel auf, die iſt eine andre Jeanne d'Arc. Spaͤt Abends wirft ſie die Netze aus, und zwi— ſchen durch ſchifft ſie verraͤtheriſche Geſellen, vom linken zum rechten Seineufer hinnuͤber. — 0 St! warnte hier Magdelene, den Finger auf den Mund gelegt, als Riſton keck und trotzig zu ihr aufſahe, als wollte er irgend etwas Un⸗ zeitiges entgegnen. St! verrathet Euch nicht ſo unbedachtſam Gevatter, lachte ſie. Wer ſagt, das Ihr unter den verraͤtheriſchen Geſellen ge⸗ meint ſeid? Nein, denkt nur, man ſpricht von einem blaſſem Fraͤulein, und einem Spuck aus des Grafen Schloß, die nach einander auf des Maͤdgens kleinem Fiſchernachen in tiefer Dun⸗ kelheit den Strom durchſchneiden, und von ihr gefuͤhrt, im Thal der beiden Liebenden zuſam⸗ men kommen. Zwar will man auch vom alten Wolf erzaͤhlen, fuͤgte Magdelene hinzu, und wiſſen, daß er, inzwiſchen jene beiſammen ſind, an den Klippen umherſchleiche und Wache halte, wollt Ihr dergleichen auf Euch beziehen, Freund Riſton, ſo gebt Ihr nur den Leuten die Waffen gegen Euch in Haͤnden, denn wahr bleibt, was das Sprichwort ſagt, wem's juckt, der kratze ſich. Riſton zuckte die Achſeln, und ſahe aus, als halte er es nicht der Muͤhe werth, derglei⸗ — chen ab, a ſo ha muͤßt konnte geben. unbek komm ſucht, gefüͤh 4 lich v mit reien rende ———„ — 9— chen zu beantworten. Die Alte ließ indeß nicht ab, an ihn zu zupfen und zu zerren. Ihr ſchweigt ſo halsſtarrig, hub ſie auf's neue an, und doch muͤßt Ihr von dem Allem unterrichtet ſein, und koͤnntet mir uͤber manches Raͤthſelhafte Aufſchluß geben. So zum Beiſpiel, ob der Graf um den unbekannten Gaſt im Schloſſe weiß? und wie's kommt, daß dieſer im Geheim daſſelbe Liebchen ſucht, was jenem von Vettern und Baſen zu⸗ gefuͤhrt, und als ſein Eigenthum betrachtet wird. Teufel! brummte Riſton, indem er aͤrger⸗ lich vom Stuhle aufſprang. Was quaͤlt Ihr mich mit kindiſchen Liebesgeſchichtchen und Klatſche⸗ reien, durch ſchlechtes Hausgeſinde und hauſi⸗ rendem Weibsbildern umhergetragen! Sehe ich aus, wie einer, dem man Herzensangelegenheiten anvertrauet? Schicke ich mich dazu, den Ver⸗ mittler bei ſolchem Handel zu machen? Ihr ſeid ſo klug Dame Magdelene, ſetzte er gemaͤßigter hinzu, wie beſchaͤfftigen Euch ſo elende Kleinig⸗ keiten! Ihr ſeid ſo klug, Gevatter Riſton, entgeg⸗ nete ſie im ſelben Tone. Wie bringen Euch der⸗ 5— 10— 4 gleichen elende Kleinigkeiten ſo außer Faſſung? t Hoͤrt, fuhr ſie fort, die Spindel ſinken laſſend, beide Haͤnde auf die Arme ihres Seſſels ge⸗ ſtemmt, in dieſem ein wenig gehoben, hoͤrt; Ihr verſteht mich, und thut gut die Warnung zu beherzigen. Eine Geſtalt wie die Eure geht nicht unverdaͤchtig in der Leute Haͤuſer her und hin, fluͤſtret nicht in den Winkeln mit jungen Abentheuern und verkehrt mit Maͤdchen, die ehe mit dem boͤſem Feinde, als mit Euch reden wuͤr— den, wenn nicht das kleine Gehirn von andern Bildern voll, Auge und Sinne bethoͤrte. Ei alter Fuchs, ſetzte ſie mit Nachdruck hinzu, meint Ihr, hinter dem Berge wohnen nicht auch noch Leute? Was bedeutet denn das einſame Licht⸗ 1 chen im CErdgeſchoß des graͤflichen Schloſſes? Und weßhalb klopft Ihr, wenn alles ſchlaͤft, juſt an das Fenſter, was der ſchwache Schimmer Euch vezeichnet? Seht Euch vor! ſage ich Euch! Das Liebesabentheuer, zu welchem Juliette die Hand bietet, moͤchte noch ſo hingehen, und das unvor⸗ ſichtige Maͤdchen ihr Geſchick buͤßen, hinge ſich daran nicht alles Andre, was mit Euren ver⸗ 1 ſteckter nicht 9 ₰ außere Eurer langed werk je zen, w N der Th abgezo nerlich Eintii da iſt Vorte und m nahet. 1 dem. die C das ei und! ſteckten Plaͤnen zuſammen laͤuft. Macht Euch nicht weiß, man laſſe ſo etwas unbemerkt— Ich erkenne, unterbrach ſie Riſton hier mit aͤußerer Gleichguͤltigkeit, ich erkenne in jedem Eurer Worte den Zwiſchentraͤger Charlot, der zu lange der Spuͤrhund Andrer war, um ſein Hand⸗ werk jemals zu verleugnen. Aber laßt ihn ſchwaz— zen, was geht's mich an! ſetzte er laͤchelnd hinzu. Magdelene ward durch ein Geraͤuſch vor der Thuͤr, von dem Gegenſtande des Streites abgezogen. Sie horchte geſpannt auf zwei wei— nerliche Stimmchen, die mit einander uͤber den Eintritt in die Huͤtte zu verhandeln ſchienen. Ha! rief die Alte, Aphodiſe und Juliette! da iſt etwas vorgefallen! Sie war unter dieſen Worten ſchon von ihrem Seſſel aufgeſtanden, und mit kleinen, eiligen Schritten der Thuͤr ge⸗ nahet. Als ſie dieſe oͤffnete, warf die Flamme aus dem Kamin einen ſcharfen, fluͤchtigen Schein auf die Geſichter der beiden Maͤdchen, von welchem das eine unter Thraͤnen glaͤnzte, das andre bleich, und unbeweglich erſchien. — 12— Magdelene fuhr uͤberraſcht, wie von dem Eiſe boͤſer Ahndung brruͤhrt, zuſammen; drauf ergriff ſie aber unvorzuͤglich der beiden Kinder Haͤnde, zog ſie mitten in das Zimmer hinein, und hier vor ihnen ſtehen bleibend, rief ſie, die klugen Augen pruͤfend auf ſie gerichtet: Was habt Ihr? was iſt geſchehen? ſagt es nur rund heraus, iſt die Nachtwandlerin ertappt? Iſt der verbotene Handel entdeckt? Weiß die Vicomteſſe darum? Sprecht doch, ſprecht! was ſtehet Ihr denn da wie zwei Salzſaͤulen, und ſtarrt mich an, als ſchwatze ich im Traume? Juliette verzog keine Mine. Ihr Auge wandte ſich gegenſtandslos von einer Ecke des Stuͤbchens zur andern, mechaniſch dreheten die blaſſen kalten Finger mit ihrem Schuͤrzenbande, indeß Aphodiſe beide Arme erſchrocken ſinken ließ, und ganz benommen vor Angſt und Ungewiß⸗ heit die heftig Redende anſtarrte. Um Gottes Willen, Dame Magdelene, ſtammelte ſie endlich, unter abgeſetzten Athemzuͤgen, was faͤllt Euch ein? Was wollt Ihr von der armen kranken Juliette? Ei Du guter Gott, fuhr ſie geſam⸗ melter das al fuͤr d Schlaf Anſtret ſucht b gleck f bleibt! druͤben Todten 5 halb v wegt. iſt, l vor ge Einfal liegt Thraͤr Bitte umkla ſie zu einſt — 13— melter fort, ſo wißt Ihr noch gar nicht, daß das arme Maͤdchen, ſeit ſie die ſchwere Arbeit fuͤr den Vater uͤbernommen, und Ruhe und Schlaf daran geſetzt hat, aus Uebermaaß der Anſtrengung von Zeit zu Zeit von einer Star⸗ ſucht befallen iſt, die ſie unbeweglich auf einem Fleck feſthaͤlt, ſo daß ſie weit uͤber die Zeit aus⸗ bleibt? und ich ſie oftmals erſt am Morgen druͤben auf der Klippe ausgeſtreckt, und wie einer Todten gleich ſchlafend wiederfinde? Poſſen! lachte Magdelene halb unwillig, halb von der Leichtglaͤubigkeit der Schweſter be⸗ wegt. Poſſen! Aphodiſe! Warum, wenn es ſo iſt, laßt Ihr denn die Traͤumerin nach wie vor gewaͤhren? Warum? erwiederte jene in gutmuͤthiger Einfalt, wer ſoll ſie denn zuruͤckhalten? der Vater liegt huͤlflos da, ich vermag nichts gegen ihre Thraͤnen, und denke ich ſie durch Gruͤnde und Bitten zu gewinnen, ſo ſtuͤrzt ſie mir zu Fuͤßen, umklammert meine Knie, und beſchwoͤrt mich, ſie zu den Truͤmmern gehen zu laſſen, wo ſie einſt einen Traum gehabt habe, der ihr großes 14 Gluͤck prophezeiete. Nur etwas in dem Traume, ſagte ſie, ſei ihr unverſtaͤndlich, und aus dem Grunde muͤſſe ſie dort ſchlafen, um ihn noch einmal zu traͤumen. Deshalb, fuhr Aphodiſe mit ſteigender Beredſamkeit fort, indeß die Alte ſich geſetzt, und ihrer Zunge Zaum und Zuͤgel angelegt hatte, deshalb hatte ſie mir auch ſtreng unterſagt, ſie eher, als vor Tagesanbruch auf⸗ zuſuchen, im Fall ſie denn noch nicht zuruͤck ſei. Nun, ich thue ihr auch den Willen, ſetzte ſie liebreich hinzu, nur heute, da der Vater— des Maͤdchens Lippen zitterten, Juliette ſah ſie mit einem unausſprechlichem Blick an, als wolle ſie flehend ſagen: O das nur nicht! Du haſt mich ja bezwungen, ich bin ja nun hier, doch das Entſetzliche, ſprich es nicht aus. Aphodiſe, fuhr gleich wohl fort: heute, da der Vater ſein nahes Ende fuͤhlt, und er beide Toͤchter— Hier ſtuͤrzte Juliette wie leblos in die Knie, ein dum— pfer Schrei drang aus ihrer Bruſt, ſie hoͤrte und ſah nichts mehr. Magdelene war auf ſie zugeeilt. Der Vor⸗ fall hatte ſie ſehr erſchuͤttert. Sie vergaß alles Andre. danke a Unausſp und er Sit ſter zuri keit das zu, nur 16, Ju Schritt an, den ſe ſein nicht D hung armen Alten geblich bewahl ſich dr detholt nur, g 15— Andre. Iuliettens huͤlfloſer Zuſtand, der Ge⸗ danke an den ſterbenden Vater, es aͤngſtete ſie unausſprechlich, daß dieſem die Toͤchter fehlen, und er vergeblich nach ihnen ausſehen werde. Sie draͤngte daher Aphodiſe von der Schwe⸗ ſter zuruͤck, und mit ihrer gewohnten Lebhaftig⸗ keit das Naͤchſte beruͤckſichtigend, rief ſie jener zu, nur immer voraus zu eilen, ſie uͤbernehme es, Juliette, ſobald ſie ſich erholt habe, die paar Schritte hinuͤber zu fuͤhren, ihr ſelber liege dar⸗ an, den Kranken zu beſuchen, und gewiß, werde ſie ſeine arme Kinder in der ſchweren Stunde nicht verlaſſen. Die ſanften Worte in ſchmerzlicher Bezie⸗ hung geſprochen, durchdrangen die Seele der armen Aphodiſe, ſie ſtuͤrzte der theilnehmenden Alten weinend in die Arme, die ihr unter ver⸗ geblichen Bemuͤhungen, die eigene Faſſung zu bewahren, die Wangen ſtreichelte, ſie kuͤßte, an ſich druͤckte, und mit gebrochener Stimme wie— derholt ſagte: gute, gute, arme Tochter! Geh nur, geh! Ach Gott, koͤnnte ich Dir helfen! — 16— Iuliette hatte ſich indeß aufgerichtet. Sie ſahe um ſich her, und da ſie Riſton bemerkte, der von fern ſtehend, mit uͤbereinander geſchla⸗ genen Armen und geſenktem Auge, den Blick von dem Allem abzulenken ſchien, trat ſte auf ihn zu, faßte ihn bei der Hand, ſchuͤttelte dieſe, und ſagte mit Nachdruck: Geht! thut Eure Schuldigkeit! Ich will beten, daß der Himmel Ungluͤck verhuͤte. Magdelene hielt nur muͤhſam mit dem zu⸗ ruͤck, was ihr auf den Lippen ſchwebte. Riſton ſchien verlegen. Er zog die Hand aus der des Maͤd⸗ chens und ſahe die Uebrigen mit einer Mine an, welche ſagen ſollte: was will das Kind von mir? Was habe ich mit Ihren naͤrriſchen Einbil⸗ dungen zu ſchaffen? Er machte dabei eine Bewe⸗ gung des Unwillens, ſchlug dann ſeinen Man⸗ tel dichter zuſammen, druͤckte die kleine Muͤtze feſt auf die Stirn, und indem er, im Gefuͤhl des Ueberdruſſes von alledem Weibergeſchwaͤtz, die Schultern zuckte, verließ er ſchnell das Zimmer. Er iſt fort! rief Magdelene aufathmend. Jetzt Kommt! Seine Naͤhe am Sterbebette Eures denn mand! ſie drin jiehend⸗ di nung, offen, nach d Das S merlich wer Io am D einen gen au ihn ſch ſie gle ſchliefe Bettes Sie f dieſe fahrne gleitet Sie mertte, Heſchla⸗ Blick ſte auf dieſe, Eure immel eem zu⸗ Riſton 5Maͤd⸗ Mine ind von Einbil⸗ Bewe⸗ Man⸗ Muͤtze ihl des 3, die mmer. mend. ebette Eures Vaters, waͤre mir unertraͤglich geweſen, denn wie der alte Collas denkt, das weiß nie⸗ mand beſſer als ich. Aber kommt, kommt, ſetzte ſie dringend hinzu, beide Maͤdchen mit ſich fort⸗ ziehend. Die kurze Strecke bis zu des Kranken Woh⸗ nung, war bald zuruͤckgelegt. Die Thuͤr ſtand offen, wie ſie Aphodiſe, in ihrer Herzensangſt nach der Schweſter ausſehend, gelaſſen hatte. Das Feuer im Kamin glimmte nur noch kuͤm— merlich. Im Zimmer war es kalt, unangeneh⸗ mer Zugwind ſtrich durch hin. Die Lampe ſtand am Boden, ihr duͤſtres Licht verbreitete nur eben einen halben Daͤmmerſchein. Beide Toͤchter flo⸗ gen auf das Bett des Vaters zu. Sie glaubten ihn ſchon todt. Sein ſtarker Athem uͤberzeugte ſie gleichwohl vom Gegentheil. Es war, als ſchliefe er. Sie ſetzten ſich ſtill am Fußende des Bettes nieder. Magdelene trat. naͤher herzu. Sie faßte ihres Nachbarn herabhaͤngende Hand. dieſe fuͤhlte ſich taub und kaͤltend an. Die er⸗ fahrne Frau ſchuͤttelte den Kopf. Aphodiſe be⸗ gleitete mit dumpfer, erſtickender Qual jede ih⸗ II. 121 — 18— rer Bewegungen. Todtenſtille erfuͤllte das kleine Gemach. Man hoͤrte nichts, als die hohlen, oft in einander verſchlungenen Luftzuͤge der kranken, ungleich arbeitenden Bruſt. Jetzt ſtockten jene, um ſich in einen heftigen, erſchreckenden Ton aufzuloͤſen, der zwiſchen Schnarchen und Huſten ſchwankte. Alle fuhren zuſammen. Der feſt und kraͤftig gebildete Mann hob den Nacken in die Hoͤhe. Seine großen, aber regelmaͤßigen Zuͤge, belebten ſich, er ſuchte mit den umdaͤmmerten Augen die armen, verwaiſten Kinder. Alle Faͤ⸗ higkeiten der Seele kehrten ihm noch einmal zu⸗ ruͤck. Sein Gedaͤchtniß war ihm ganz treu. Er fragte nach Juliette, und foderte von ihr zu trinken. Als ſie ihm drauf mit zitternden Haͤn⸗ den den Becher reichte, und zu ſeiner Erleichte⸗ rung den andern Arm ſanft um ſeinen Hals ſchlang, ſahe er ſie recht feſt an, nickte mit dem Kopf und blieb einige Secunden, wie in ihrem Anſchauen verloren,ohne zu trinken, in der vor⸗ gebeugten Stellung. Es lag in dieſem Augen⸗ blick eine feine Zaͤrtlichkeit in ſeinen Minen, die zugleich ein Lob der Schoͤnheit und der in⸗ nigen, Seine Huͤl ihrigen. Becher, leiſe danke. Kiſſen gen, e genehm lächelte weiß? Den gnac, Kind, ſchts/ und er H und m langen bejahen Laßt e er vor kleine n, oft lnken, jene, Ton Puſten ſt und n die uͤge, nerten e Faͤ⸗ al zu⸗ au. Er ſihr zu Häͤn⸗ ichte⸗ Hals t dem nigen, vaͤterlichen Nuͤhrung daruͤber, ausſprach. Seine Finger, welche Juliettes Bemuͤhen zu Huͤlfe kommen wollten, druͤckten dabei leiſe die ihrigen. Er that einige raſche Zuͤge aus dem Becher, dann ſagte er liebreich, und wiewohl leiſe, doch deutlich: Genug mein Kind, ich danke. Als ſie ihn hierauf behutſam in die Kiſſen zuruͤck ſinken ließ, weigerte er ſich dage— gen, er blieb aufgerichtet, und ſchien mit an⸗ genehmen Bildern im Innern beſchaͤfftigt. Er laͤchelte und ſagte: es iſt eine Taͤuſchung, ich weiß es wohl, aber ich ſehe alle, alle wieder! Den Koͤnig und die Koͤnigin, die Graͤfin Poli⸗ gnac, und den armen kleinen Dauphin! Liebes Kind, ſeufzte er mit einem Ausdruck des Ge⸗ ſichts, als ſtaͤnde der Kleine bittend vor ihm, und er fuͤhle ſich außer Stand ihm zu helfen. Hal rief er ungeſtuͤm in die Hoͤhe fahrend, und mit beiden Armen zu Magdelene hinnuͤber langend: Nachbarin ſeid Ihr es? Sie nickte bejahend, und ſtreichelte ſeine zuckende Hand. Laßt es gut ſein! laßt es gut ſein! murmelte er vor ſich. Es iſt alles vorbei! Gottlob! Er — 20— ſchwieg, die Maͤdchen weinten leiſe. Die Graͤ⸗ ber, ſagte er nach einer Weile, ſind wieder auf⸗ gefunden. Es hat ſo viel Muͤhe gemacht! der zerſtoͤrte Kirchhof, die Gruft mit Kalk verſchuͤt⸗ tet, die Gebeine darin verzehrt! Seine Stirn faltete ſich. Er beſahe mit einem eigenem duͤ⸗ ſtern Laͤcheln ſeine Hand, indem er ſie nach In⸗ nen und Außen hin und her drehete. Dies ſind auch Gebeine, ſagte er den Arm hebend. Ach Gott! ſeufzte er drauf, und legte ſich, als ſei er muͤde, auf das Lager zuruͤck. Aber nicht lange, ſo war es, als riſſe er ſich aus den Ar⸗ men des Schlafs los. Er druͤckte Decke und Kiſſen von ſich, und ſchickte ſich an aufzuſtehen. Geſchwind, geſchwind, rief er, die ſeidnen Struͤmpfe her, und die kleine geſtickte Weſte, die Koͤnigin will ihrem Gemahl nach Paris folgen, ich bin ja im Dienſt. Zehn Jahr diente ich ihr, als Fußlakei, ich darf ſie jetzt nicht verlaſſen. Die geaͤngſteten Frauen bemuͤheten ſich ver⸗ eint ihn zu beruhigen. Magdelene welche, mehr von ſeinem Leben wußte, ging in jene Phan⸗ taſieen wieder mit de tief der Vereini Wange wat t5 ſe ihn ſenen die ſch der in ich ſ ſtand Hand carde ker ſaß ten da Stirn, Er la ( Friede fluche Alled Graͤ, er auf⸗ ſt! der rſchuͦt⸗ Stitn m diͤ⸗ ch In⸗ Dies hebend. ch, als nicht den Ar⸗ ikke und uſtehen. ſeidnen Weſte, Paris diente nicht h ver⸗ mehr öhane — 21— taſieen ein, indem ſie ſagte: der Koͤnig iſt ſchon wieder zuruͤck. Es ging alles gut. Er hat ſich mit der Nationalverſammlung vereinigt. Wie? rief der Sterbende, hoch im Bette auſgerichtet, Vereinigt? Seine Augen rollten wild umher, Wange und Stirn uͤberflog tiefes Roth. Das war es! ſtammelte er undeutlich. Damit haben ſie ihn gemordet. Es ſchien, die Erinnerung an jenen entſcheidenden Augenblick, faſſe ploͤtzlich die ſchwindende Seelen und Koͤrperkraͤfte wie⸗ der in Collas zuſammen. Hal rief er uͤberlaut, ich ſehe ihn noch den Ungluͤckſeligen, wie er da⸗ ſtand, mit entbloͤßtem Haupt, den Hut in der Hand, an welchen Barnave die dreifarbige Co⸗ carde ſteckte. Der Koͤnig ſtand!— ſeine Hen⸗ ker ſaßen, hoͤrt Ihr es, ſchrie er heftig, ſie druͤck⸗ ten das Siegel der Knechtſchaft auf die gekraͤnkte Stirn, und er laͤchelte— Ja, ja, fuhr er fort, Er laͤchelte! Er hat Allen verziehen! Der Greis faltete hier die Haͤnde. Die in Frieden ſterben ſind ſelig! ſagte er ſanft. Ich fluche niemandem! Sie haben Alle ihren Lohn! Alle die Untreuen! Bleibt treu! fuhr er raſch — 22— und ungleich auf ſeine Kinder zu. Hoͤrt Ihr! bleibt treu! Niemals— niemals! Ihr verſteht mich! Es handelt ſich nicht um die Ehre— Nan hat ſie, oder man hat ſie nicht!— Ich bin in Dunkelheit verblichen— Dort glaͤnzen andre Sterne, ſeufzte er freudig. Denkt an jenſeit.— Er ſtammelte noch mehrere Worte, die un⸗ verſtaͤndlich in einander floſſen. Die Zunge ward ihm ſchwer, die Gedanken ſtockten, er ſchlief auf's neue ein. Niemand durfte ihn wecken. Stunden gingen ſo hin. Die Nacht machte dem Morgen Platz. Der erſte Lichtſtrahl fiel auf das bleiche Geſicht des Todten. Iuliette und Aphodiſe hielten ſeine Haͤnde in den ihri⸗ gen. Sie wußten nichts, ſie dachten nichts; ihre Empfindungen ſtanden ſtill. Als aber Mag⸗ delene ein Tuch uͤber des Vaters Haupt warf, durchdrang es wie ein Stahl Juliettes Herz. Sie ſchrie laut auf. Mit ſtierem Auge ſahe ſie im Zimmer umher, die Lampe glimmte noch, ihr Licht ſtritt mit der Morgendaͤmmerung, die Gegenſtaͤnde tauchten ſich in ein ſchweflich Blau, des T Stuhl hinter gingen und ſa ter T J Nachb Mͤch ihnen durch ben. W. Welt Quel offner ganze —uliette ihri⸗ — 23— des Vaters Kleidungsſtuͤcke, ſein Bett, der Stuhl auf dem er immer ſaß, es lag alles wie hinter Nebeldunſt. Dem armen Maͤdchen ver⸗ gingen die Sinne. Sie ſaß erſchoͤpft nieder, und ſagte nichts weiter als: Schon heller, lich⸗ ter Tag! und doch ſo tiefe, tiefe Nacht! Magdelene verließ ſie nicht. Als ſpaͤter die Nachbaren herzu gelaufen kamen, nahm ſie beide Maͤdchen zu ſich hinnuͤber, liebkoſte ſie, und that ihnen Gutes und Liebes, ohne ihren Schmerz durch ſeichte Beſchwichtigungen hemmen zu wol⸗ len. II. Wenn das Gluͤck ein ſchuldloſes Herz der Welt entgegendraͤngt, es erweitert, und alle Quellen ſeines Lebens zu raſcherer Stroͤmung oͤffnet, ſo wendet im Gegentheil die Trauer den ganzen Menſchen nach Innen zuruͤck, macht ihn ernſt, nachdenkend, oft aͤngſtlich. Ein leiden⸗ ſchaftliches Gemuͤth, durch vorauseilende Phan⸗ taſie fortgeriſſen, ſcheuet beſonders den Blick auf vertraute Gegenſtaͤnde zu richten. Jedes duͤnkt ihm, nach der eben gemachten Erfahrung, ſchnellem, ploͤtzlichem Wechſel unterworfen, kei⸗ nes darf die Waͤrme des Gefuͤhls ungeſtraft in Anſpruch nehmen, alles iſt eitel, die Empfin⸗ dung ſchlummert, das aufgeſchreckte Gewiſſen allein hat eine Stimme, ſeit die gewaltige Kluft zwiſchen hier und dort am Sarge eines gelieb⸗ ten Verlornen ihr dunkles Thor oͤffnete. Juliette befand ſich ganz in dieſem Fall. Ihre Welt war mit einemmale verfinſtert. Hef⸗ tig, ja gewaltſam im Schmerze, kannte ſie nichts mehr außer dieſem, Gedanken und Wuͤnſche ſchienen geſtorben. Eine Art ſtarrer Traͤumerei hatte ſich des Maͤdchens bemaͤchtigt. Anfangs ließ ſie ſich mechaniſch zu ihrer Nachbarin Mag⸗ delene hinuͤberfuͤhren, nachher ward ihr aber der Gang dahin zuwieder. Sie ſetzte den Fuß nicht mehr uͤber des Hauſes Schwelle. In dem Maaße nun wie ſie ſich von allem Fremdartigem ab⸗ wandte, mehrte ſich die Furcht vor deſſen lei⸗ verſett Se alte Ve Seele d ſie auc E' in en einen Dorf Haͤuss zum unwill gepude Aubit Wag⸗ nen und n ner hhan, Dlick Jedes drung, kei⸗ ft in pfin⸗ viſſen Kuft pelieb⸗ Fall. nichts uͤnſche merei fangs Mag⸗ r der nicht aaße ab⸗ lei⸗ — 25— ſeſter Annaͤherung. Selbſt Roberts kleine Stim⸗ me, wenn ſie ſich rufend vor der Thuͤr hoͤren ließ, verſetzte ſie in den aller quaͤlenſten Zuſtand. Schon fuͤrchtete die Schweſter und deren alte Vertraute, daß der ploͤtzliche Schreck die Seele des guten Kindes zu ſchwer getroffen ha⸗ be, und die Wunde nicht wieder zu heilen ſei. Beide hegten daruͤber gleiche Beſorgniß, doch jede aus ſehr verſchiedenen Motiven, weshalb ſie auch vorſichtig gegeneinander ſchwiegen. Es ſtand ohngefaͤhr einige Wochen ſo, als in einer hellen Mittagsſtunde ein Cabriolet von einem ſtarken Pferde im Trabe gezogen, zum Dorfe hineinlenkte, und vor des alten Collas Haͤuschen ſtill hielt. Aphodiſe, welche unbefangen zum Fenſter trat, erkannte in einer Miſchung unwillkuͤrlicher Freude und Verlegenheit den weiß gepuderten Kopf und grauen Frack des galanten Aubin, Secretair der Vicomteſſe, welcher zum Wagen hinaus ſprang, die Zuͤgel um den filber⸗ nen Knopf an der Seitenlehne des Sitzes ſchlang, und mit kleinen, anſtaͤndigen Schritten, und ei⸗ ner Miene theilnehmender Trauer, an die Thuͤr 26 klopfte. Herr Aubin! ſagte ſie leiſe, zu der aufhorchenden Juliette gewendet, indem ſie dieſer mit bittendem Blick den Beſuch ankuͤndigte. Sie hatte noch nicht ausgeredet, und jene keine Zeit gehabt, zu entfliehen, ſo oͤffnete der An⸗ kommende das Zimmer und ſtand vor den Schwe⸗ ſtern. Meine arme, junge Kinder! ſagte er von den bleichen Zuͤgen der ſchoͤnen Maͤdchen uͤber⸗ raſcht. Iſt es moͤglich, daß der Kummer ſolche Verwuͤſtungen anrichtet! Nun, das iſt wahr, ſetzte er hinzu, der Verſtorbene war ein feiner Mann, von weit beſſerm Ton und Weſen, als ſein aͤrmliches Gewerbe erwarten ließ. Meine Gebieterin lobte das immer an ihm. Sie hatte ihn in beſſern Tagen gekannt und erzaͤhlte oft, daß er der feinſte Burſche aus der Dienerſchaft der Koͤnigin geweſen ſei. Der brave Mann! ſetzte Aubin hinzu, indem er mit ernſtem Blick das kleine Gemach durchlief, und einen alten Hirſchfaͤnger bemerkte, der uͤber des Verſtorbe— nen Bett hing. Ich kenne die Geſchichte dieſer Waffe, ſagte er bewegt, ich weiß, Collas entriß ſie d mann ſich ð den, d wenig blieb i wir ar erblickt kannt! R Aabin ohoe gand ſeinig Fraͤule den 30 Juliet ſchen. erklaͤt angef geſchit Enkeli ſchrich zu der fe dieſer ndigte, e keine er An⸗ Schwe, eer von uͤber⸗ ſolche wahr, ſeiner en, als Meine hatte te oft, kſchaft ann! Blick alten ſorbe⸗ ieſer ntriß ſie am zehnten Auguſt einem ſterbenden Edel⸗ mann in den Saͤlen der Tuilerieen, und machte ſich Bahn damit, zwiſchen den wuͤthenden Hor⸗ den, die den Pallaſt erſtuͤrmten. Es hat ihm wenig geholfen, ſeufzte Juliette. Sein Daſein blieb ihm eine Laſt. Waͤre er damals gefallen, wir arme Waiſen haͤtten nie das Licht der Welt erblickt, und weder das Leben noch den Tod ge⸗ kannt! Recht gut, kleines Maͤdchen, entgegnete Aubin laͤchelnd, allein, was ſingen wir Andern ohne Dich an? Sieh mein Kind, Du biſt uns ganz unentbehrlich, fuhr er, ihre Hand in der ſeinigen ſchließend, fort, ich verſichere Dich, Fraͤulein Cecilia iſt wieder in ihren hinſterben⸗ den Zuſtand zuruͤckgeſunken, ſeit Du ihr fehlſt. uliette entfaͤrbte ſich, und vermied ihn anzu— ſehen. Er ſchien das nicht zu beachten, ſondern erklaͤrte ihr ohne Umſchweif, daß er aus dem angefuͤhrtem Grunde von der Frau Vicomteſſe geſchickt ſei, die niedliche Milchſchweſter ihrer Enkelin nach dem Schloſſe zu fuͤhren. Was er— ſchrickſt du denn, kleine Thoͤrin, rief er, als Ju⸗ — 28— liette bei den letzten Worten mit beiden Haͤnden das Geſicht bedeckte, als wolle ſie nichts von dem Allem hoͤren oder ſehen. Du kannſt ja, ſetzte er hinzu, das großmuͤthige Anerbieten der gnaͤdigen Frau gar nicht zuruͤckweiſen. Sage nur, was ſoll denn hier aus euch beiden ver⸗ laſſenen Maͤdchen werden? Es ſchickt ſich ja nicht einmal, daß ihr das Huͤttchen ſo allein be⸗ wohnt. Es wird freilich wohl nicht an huͤbſchen Leuten fehlen, die Euch Geſellſchaft leiſten moͤch⸗ ten, allein der Mann von Ehre will doch die Form beobachtet wiſſen, und des alten Collas kluge Toͤchter duͤrfen dies nicht vergeſſen. Sieh'ſt Du, liebes Kind, fuhr er mit vaͤterlichem Ernſt, in Ton und Mienen fort, das hat Deine guͤtige Pathe alles uͤberlegt. Aphodiſe findet ihren Platz wohl im Hauſe Eurer Nachbarin. Sie iſt fuͤg— ſam, an ſtiller Arbeit gewoͤhnt, und kehrt auch der erſte Braͤutigam nicht wieder, ſo findet ſie leicht den Zweiten. Aber Du, Juliette,— Du— wahrhaftig, Du mußt mit mir zur Vicomteſſe, wenn Du nicht ihren Schutz auf immer ver⸗ lieren willſt. De durch d war ſo⸗ Traumm jenen de neu erre verſtand ſing he⸗ D Vieom und w Dat Häͤnden l5 von enſt ja, en der Sage n ver⸗ ſich ja in be⸗ ſbſchen moͤch⸗ bch die Collas Siehſ Ernſt, guͤtige Platz fuͤg⸗ auch det ſie u— teſſe, ver⸗ Das arme Maͤdchen ſchwieg auf's ſichtlichſte, durch den unerwarteten Antrag geaͤngſtet. Ihr war ſo, als falle das erſte Tageslicht zwiſchen Traum und Wachen. Die Seele lag noch in jenen dumpfen Banden, waͤhrend ſich ſchon das neu erregte Leben der Außenwelt zukehrte. Sie verſtand ſich in dem Wiederſpruch nicht, und fing heftig an zu weinen. Denke doch an alles, was Du der Frau Vieomteſſe ſchuldig biſt, erinnert ſie Aubin jetzt, und was Du dem Fraͤulein verſprachſt. Willſt Du treulos Dein Wort brechen? Sie ſah ihn beſtuͤrzt an. Treulos! fragte ſie. Ihr Auge hob ſich zum Himmel auf. Nun, Gott weiß! rief ſie beklommen, was es mit dem Worthalten auf ſich hat? und was hier Pflicht iſt? und was nicht? Ich dachte, endlich an mei⸗ nem Kummer zu ſterben, und von aller Ungewiß⸗ heit auf Erden los zu kommen. Aber es ſoll nicht ſein, das merke ich wohl. Nun rathe Du mir, Aphodiſe, bat ſie, die Schweſter lebhaft bei der Hand faſſend, ich kann nicht bleiben und weiß — 3⁰— auch nicht zu gehen. Was willſt Du, daß ich thue? Jene ſah ihr unſchuldig in's Auge, und erwiederte nach ihrer beſten Ueberzeugung: ich glaube, daß Du dem guten Herrn Aubin folgen mußt, der Dir ſicher zu nichts Schaͤdlichem ra⸗ then kann. Gleichwohl liebe Schweſter, ſetzte ſie beſorgt hinzu, darf Dich meine Meinung nicht beſtimmen, Du mußt bei Dir uͤberlegen, was ſich mit Deiner Zufriedenheit zu meiſt ver⸗ traͤgt. Auf allem Fall, unterbrach ſie Aubin hier, mag Iuliette einen Verſuch mit dem Auffent⸗ halt im Schloſſe machen. Ein oder zwei Tage Abweſenheit werden ihr ja ſagen, ob ſie eine laͤngere Trennung von dem veroͤdetem Vater⸗ hauſe ertragen kann oder nicht? Steht ihr doch alsdann der Ruͤckweg offen, und ſie hat um ſo viel an Friſche und Lebenskraft zugenommen. Ja, ja, ſiel Aphodiſe freudig ein. Das meine arme Iuliette, darfſt Du nicht abſchlagen. Nicht wahr, das wenigſtens willſt Du thun? J Blick Verſtor Eine w Heri/ d Punſch, mel, der geſchwaͤr Flamme alles ſo men.( und 6 thun, denke hinein die Zu aus, e ſie vie Er m ſchien ward dre E ihr an einung rlegen, iſt ver⸗ in hie, Auffent⸗ i Tage ſe eine Vater⸗ r doch um ſo en. Das agen. un? — 31— Jene druͤckte ihr ſtumm die Hand. Ihr Blick lag auf dem kleinem, verwaiſtem Bett des Verſtorbenen. Es ſtand noch ſo da wie ſonſt. Eine wollene Decke lag daruͤber gebreitet. Das Herz, das einſt unter dieſer ſchlug, hegte keinen Wunſch, kein Verlangen mehr, die kleinen Sche⸗ mel, der leere Tiſch, die Aſche im Kamin, die geſchwaͤrtzten Waͤnde, an welche die gaſtlichen Flamme nicht mehr roͤthlich ſchimmerte, es ſah ſie alles ſo kalt, ſo tod an! Sie ſchauerte zuſam⸗ men. Gleich darauf reichte ſie Aubin die Hand, und ſchnell, als koͤnne ſie es verhindern, das zu thun, was ſie noch vor wenigen Minuten kaum denken mochte, flog ſie dem Cabriolet zu, ſtieg hinein, gruͤßte mit leidenſchaftlicher Bewegung die Zuruͤckbleibende, und war zum Dorfe hin— aus, ehe ſie es ſelbſt wußte. Anfaͤnglich weinte ſie viel. Ihr Begleiter hinderte ſie nicht daran. Er machte ſich mit dem Pferde zu ſchaffen und ſchien ſie nicht zu beachten. Nach und nach ward ſie ſtill. Andre Gegenſtaͤnde weckten an— dre Erinnerungen. Es ſtieg ſo manches Bild in ihr auf, das ſie, wie nach langer Trennung ent⸗ gegen kommend, begruͤßte. Sie mußte dabei verweilen. Bald reihte ſich Eins an das An⸗ dere. Sie vergaß ihren Kummer vor der un⸗ gewohnten Luſt des Lebens. Unausſprechliches Verlangen nach dem, was ſie fliehen zu koͤnnen geglaubt hatte, riß ſie uͤber die Gegenwart hin⸗ aus, und wie Beziehungen ein Ding ſo oder ſo in unſrer Phantaſie geſtalten, duͤnkte dem feu⸗ rigen Maͤdchen eben jenes zuvor verabſcheute Fahrzeug eine Feenmuſchel, die ſie der Erfuͤllung ihrer Wuͤnſche entgegentrug⸗ Aphodiſe war in der Thuͤr ſtehen geblieben. Sie ſah den beiden beklommen nach, und ob ihr einfacher Sinn gleich keine Ahndung von den Verwirrungen hatte, denen Iuliette zugefuͤhrt ward, ſo koſtete es ihr doch unbeſchreiblich viel, nun ſo mit einemmal von allem losgerißen zu ſein, mit dem ſie die Natur innig verband. Sie kommt wohl bald zuruͤck, ſagte ſie ſich, ohne es eigentlich zu denken. Mit tiefem Seuf⸗ zer fuhr ſie endlich aus ihrer nachdenklichen Stellung auf. Es war kalt. Sie wollte die Thuͤr ſchließen. Nimm mich mit, ſagte der kleine Robert, merkt, chen un ihn froh Biſ menſchlie nehmend Wie kon ſette ſie haſt ſo Adl Da Va dann mag n und ha kurz od und da 1 die lie bemern entfern Aleein Du wi Il te dabei das An⸗ der un⸗ echliches können lart hin⸗ oder ſo dem feu⸗ bſcheute rfuͤllung eblieben. nd ob ihr von den ugefuͤhet ich viel, ißen zu ind. ſie ſich, Seuf⸗ klichen lte die kleine Robert, der ſchon eine Weile, von ihr unbe⸗ merkt, auf der Schwelle geſeſſen, und die Haͤnd⸗ chen unter die Rockſchoͤße verſteckt hatte, weil ihn frohr, und Aphodiſe nicht auf ihn hoͤrte. Biſt Du es Kleiner? ſagte ſie, froh einem menſchlichem Auge zu begegnen, das ſich theil⸗ nehmend in ihren ſanften Thraͤnen ſpiegelte. Wie kommſt Du heute uͤber Feld armer Junge, ſetzte ſie hinzu. Es iſt ſo rauhe Luft und Du haſt ſo gut, als gar nichts an. Ach, erwiederte der Kleine vertraulich: ſiehſt Du Vater iſt nicht zu Hauſe, er iſt verreiſt, und dann iſt ſeine boͤſe Frau immer ſo ſchlimm. Sie mag mich nicht leiden, ſchilt immer mit mir, und hat mir angekuͤndigt, ſie werde auch uͤber kurz oder lang wieder in die weite Welt ziehen, und dann koͤnne ich ſehen, wo ich bleibe? Aphodiſe ſtreichelte ſeine Wangen, kuͤßte ihm die liebem, ruͤhrenden Augen, indem ſie troͤſtend bemerkte, der Vater werde wohl nicht allzuweit entfernt ſein, und gewiß bald wiederkommen. Allein Robert ſchuͤttelte unglaͤubig den Kopf. Du wirſt mal ſehen, ſagte er altklug, der hat II. 131 was vor! Ich habe es lange gemerkt, aber ich ſpreche mit keinem Menſchen davon, als mit Dir, das kannſt Du mir glauben, liebe Apho⸗ diſe. Der alten Magdelene habe ich neulich nur ein ganz bischen erzaͤhlt, aber dem Herrn Je⸗ röme ſo gut als nichts, wie viel er mich auch nach dem Fremden im Schloſſe und dem gnaͤ⸗ digem Fraͤulein, der ich immer die Briefe hin⸗ tragen muß, fragen mochte. Hier ſtutzte der Kleine Schwaͤtzer doch einen Augenblick, ſahe ſeine neue Vertraute betroffen an, fiel ihr dann ungeſtuͤm um den Hals, und fuuͤſterte aͤngſtlich: Um Gottes Willen verrathe mich ja nicht! Du weist wohl, ſetzte er mit gewichtigem Tone hinzu, man muß niemals fremde Geheimniſſe ausplaudern. Er haͤtte noch lange ſo fort ſchwatzen koͤn⸗ nen, ohne von dem bekuͤmmerten Maͤdchen un⸗ terbrochen zu werden. Dieſe weilte mit ihren Gedanken bei Iuliette, und erwog eben bei ſich, was, wenn jene dort bleibe, mit ihr ſelber wer⸗ den ſolle? Sie hatte nicht recht Luſt das Haͤus⸗ chen zu verlaſſen. So lange gewohnt, nur von ber ich ls mit Apho⸗ ch nur —n Je⸗ auch gnaͤ⸗ e hin⸗ te der „ſahe dann agſtlich: ht! Du Tone niſſe koͤn⸗ n un⸗ ihren i ſich, wer⸗ Haͤus⸗ r von —-— 36— dem Willen des Vaters abzuhangen, ſcheuete ſie fremde Herrſchaft. Magdelene war wohl gut, aber doch alt, von wechſelnder Laune, und dem einfachen Maͤdchen oft ganz unverſtaͤndlich. Aphodiſe hatte ſich in den Sorgenſtuhl ihres Vaters am Kamin niedergeſetzt. Sie verlor ſich zwiſchen den breiten, mit dunklem Leder gepol⸗ ſterten Armen. Wie eines der truͤben Woͤlkchen, die ſonſt des nachdenklichen Collas Stirn um⸗ zogen, lag ſie jetzt, bleich und geiſterartig auf ſeinem Sitze. Robert war es muͤde geworden ihr zu er⸗ zaͤhlen. Er ſpielte mit allerlei, ihm zur Hand gekommenen, Kleinigkeiten. Es war denn am Ende auch Zeit hingegangen. Die kurzen, win⸗ terlichen Tage ſanken ſchnell hinunter. Der Abend dunkelte. Im Zimmer war es noch fruͤ⸗ her zu ſpuͤren, als draußen. Dem Knaben ge⸗ fiel es hier nicht ſonderlich. Er wußte zuletzt nicht mehr, was er machen ſollte. Mit einem tiefen Seufzer kehrte er zu dem ſtummen Maͤd⸗ chen zuruͤck, ſetzte ſich ihr zu Fuͤßen, und legte verdruͤßlich den Kopf in ihren Schoos. — 36 n Mechaniſch ließ ſie die Finger mit ſeinem Haar ſpielen, rollte die Loͤckchen auf und ab, ſtreichelte ihm abwechſelnd Wangen und Stirn, und ſchlief faſt mit dem muͤden Knaben ein. Ein raſches, kurzes Klopfen an die Thuͤr, ſchreckte ſie indem unerwartet auf. Sie fuhr in die Hoͤhe. Robert ſtand ſchnell auf beiden Fuͤßen, und hatte, Herein! gerufen, noch ehe ſich Apho⸗ diſe beſinnen konnte. Unbeſonnener! ſchalt ſie ihn, als das Schloß aufſprang, und ein Land⸗ mann, dem Anſehen nach auf Bothſchaft ge⸗ ſandt, eintrat. Er gruͤßte eilig, indem er den breiten dreieckten, etwas hinten hinuͤber ſitzenden Hut, nur eben hob, und den Kopf unmerklich neigte. Aphodiſe hatte ſich in die Hoͤhe gerichtet, ohne auf zu ſtehen. Sie begleitete ungewiß des Mannes Blicke, die unter dickem, kraus abſte⸗ hendem, Haar, von roͤthlicher Farbe, ſcharf und ſchnell im Zimmer umherſahen. Sie hatte nicht den Muth, ihn nach ſeinem Begehren zu fra⸗ gen, und er ſelbſt ſchien abſichtlich damit zuruͤck zu halten. So blieben ſie einige Augenblicke. Er einen nes lerm geſch was mit Ihr bitte cuwe dun ſc Eu haft M ſer Fre lan⸗ die auf inem 8 ab, tirn, ein. eckte die ißen, Apho⸗ lt ſie and⸗ Er ſtand mit gekruͤmmten Knieen ſeitwaͤrts auf einen dicken Knotenſtock geſtuͤtzt, die Schoͤße ſei⸗ nes Rockes waren, zum bequemern und ſchnel⸗ lerm Laufen, zuſammengewickelt, um den Leib geſchlungen. Die ſtumme Erſcheinung hatte et⸗ was Aengſtigendes, Ihr beſitzt, ſagte eine Stimme, die wenig mit dem unempfehlendem Aufzuge uͤbereinſtimmte, Ihr beſitzt einen Fiſcherkahn, borgt ihn mir, ich bitte, auf wenige Stunden. Ich habe keine Se⸗ cunde zu verlieren, hieß es ferner, meine Sen⸗ dung an Frau von l' Horme leidet keinen Auf⸗ ſchub, vor Nacht bin ich wieder zuruͤck, verlaßt Euch darauf. Ihr ſeid— Ihr wollt— wahr⸗ haftig mein Herr, ſtammelte das erſchrockene Maͤdchen, der Kahn gehoͤrt mir nicht allein, un⸗ ſer Vormund— Mein gutes Kind, fiel der Fremde lebhaft ein, beſinnt Euch nicht allzu⸗ lange. Waͤhrend wir hier unterhandeln, geht die Zeit unnuͤtz hin, und dem Grafen druͤben auf dem Schloſſe iſt Huͤlfe noͤthig! Dem Grafen? welchem? riefen Aphodiſe — 38— und Robert zugleich. Sprecht Ihr vom jungen Dominique? ſetzte die Erſtere hinzu, h Vom ihm ſelbſt, verſicherte jener. Es hat aͤrgerliche Auftritte in ſeinem Hauſe gegeben,. Man hat dieſes umſtellt, und mit Ungeſtuͤm die Herausgabe eines verdaͤchtigen Menſchen, den man als Unruheſtifter kennt, gefordert. Die Ehre des Grafen iſt hierdurch gekraͤnkt. Er verkehrt mit Niemanden, deſſen er ſich zu ſchaͤ⸗ men haͤtte, Sein eigner Ruf ſollte ihn vor jedem Verdachte ſichern, er glaubte auf mehr Achtung Anſpruch machen zu duͤrfen und hielt das Eigenthumsrecht in ſo weit im Lande ge⸗ ſichert, daß man nicht auf ein Geruͤcht hin fremde Schwellen erſtuͤrmen und Thuͤren auf⸗ ſprengen duͤrfe, Des Unbekannten Stimme zitterte bei den letzten Worten vor Zorn. Doch war es dies vielleicht, was ihn erinnerte, daß er ſich von ſei⸗ nem Gegenſtande entferne, denn er ſtockte einen Augenblick, und fuhr dann augenſcheinlich be⸗ ſonnen fort: Ich erwaͤhne den Vorgang nur, um die Wichtigkeit meines Auftrags herauszu⸗ heben einer Sie ſen aller mein trauli Dich maͤch eigne Schu ten, rufe den und ihre ſteh raſc den beg un die dungen 6 hat eben, ſtuͤm then, Die Er ſchaͤ⸗ vor mehr hielt de ge⸗ hin auf⸗ den dies ſei⸗ inen be⸗ ur, Szu⸗ heben, der dahin geht, Frau von l'Horme zu einer eiligen Reiſe nach Paris zu vermoͤgen. Sie iſt dort von Einfluß, und kann dem Grafen ſchon dadurch Genugthuung verſchaffen, daß ſie aller gehaͤſſiger Nachrede zuvorkommt, darum mein ſchoͤnes Kind, Deinen Kahn, rief er ver⸗ traulich in ſie dringend aus. Ich benachrichtige Dich, daß ich mich ſeiner auf alle Weiſe be⸗ maͤchtigen werde, und bitte Dich, um Deine eigne Ruhe, wie um die einer Familie, deren Schutz die Deinigen immer dankbar anerkann⸗ ten, wiederſetze Dich meinem Vorhaben nicht, rufe mir nicht etwa nach, oder mache ſonſt Laͤrm, denn beim Himmel, ich muß uͤber den Strom, und gilt es Dein oder mein Leben. Er druͤckte hier das zitternde Maͤdchen in ihren geraͤumigen Stuhl zuruͤck, blieb vor ihr ſtehen, und ſagte nach kurzer Pauſe, ſanft, aber raſch und unruhig, wie es die bezwungene Lei⸗ denſchaft nicht anders geſtattete: Jetzt faſſe Dich, begleite mich an's Ufer, binde das Fahrzeug los, und habe das Anſehen, als uͤberließeſt Du mir dieſes, wie einem Freunde, dem Du gern ge⸗ — 40— faͤllig warſt. Bin ich erſt auf den Wellen, und fragt man Dich, wer es ſei, dem Du den Kahn geliehen habeſt? ſo erwiedre lachend: Einer von meinem Bekannten, druͤben auf des Grafen Schloſſe. Ein naͤrriſcher Englaͤnder, der die Fluß⸗ Gans auf ihrem Zuge auflauert, und in der Dunkelheit ſchießen will. Genug Maͤdchen rief er, ihr die Hand reichend, ich habe Deinen Kahn, und Du den Beutel hier mit Geld! Und nun geſchwind, geſchwind! komm' ohne weiteres Be⸗ denken! Aphodiſe verſtand von dem Allem wenig. Sie war bis zum Tode erſchrocken. Ohne Wie⸗ derſtand wie ohne Gedanken, folgte ſie dem er⸗ haltenem Beſcheid. Mechaniſch begleitete ſie den eilig vor ihr hingehendem Mann, loͤſte den Strick, an welchem das kleine Boot befeſtigt war, und litt es geduldig, daß es vom Ufer ge⸗ ſtoßen und ihr entfuͤhrt ward. Erſt, als der flinke Ruderer mit Wind und Wetter muthig kaͤmpfend, die Fluth raſch durchſchnitt, und von Nacht und Finſterniß umhuͤllt, mit dem Nebel⸗ dunſt des Waſſers zuſammenfloß, Aphodiſe nichts wie Robe ihr Ahnd rüͤckri Sagt Gott habe kein ſei, — 41— mehr von ihm ſah, die ſeltſame Erſcheinung ihr wie ein Traum vorkam, erinnerte ſie ſich, daß Robert ſie wiederholt an das Kleid gezupft und ihr etwas zugefluͤſtert hatte, daß ihr die dumpfe Ahndung von einem bekannten Gegenſtande zu⸗ ruͤckrief. Sie ſah ſich nach dem Knaben um. Sagteſt Du mir was, Kind? fragte ſie ihn. Gott jal rief der Kleine aͤrgerlich. Tauſendmal habe ich Dir's geſagt, daß der ungeſtuͤme Herr kein Andrer, als der Fremde vom Schloſſe ſelbſt ſei, dem Du gluͤcklich fortgeholfen haſt. Der hier? entgegnete die beſtuͤrzte Aphodiſe. Gerechter Himmel! Robert, was ſchwatzt Du denn? Einen Boͤſewicht und Landesverraͤther, dem die Gerichte auf die Spur ſind, den haͤtte ich aus der Schlinge gezogen? 8—₰ bewahre! lachte der Kleine, ſo Einen gar nicht. Die Leute Te ſagen ihm nur dergleichen mach, aber er iſt ein Freund von dem guten Herrn Grafen, und denn Aphodischen, fuhr er geheimnißvoll fort, fuͤrchten ſich Viele vor ihm, weil ſie glauben, daß er den Kaiſer wieder zuruͤckbringt. Den Kaiſer! ſchrie das Maͤdchen, beide — 42— Haͤnde vor den Augen haltend, mein Gott, denn iſt ja der Krieg auch wieder da, und wir Alle ungluͤcklich. Schaͤme Dich doch, ſchalt ſie Robert, wer wird denn ſo furchtſam ſein, Vater ſagt, wir muͤſſen Krieg haben, ſonſt waͤre alle die lange Arbeit die vielen Jahre uͤber vergebens, und ſo viel, ſo viel brave Soldaten umſonſt geſtorben. Auch Dein Braͤutigam, liebe Aphodiſe, den Du ja noch alle Tage beweinſt. Ach, laß Du nur die Klugen und Tapfern machen! Der Vater ſagt, die allein verdienen zu herrſchen, die ver⸗ ſtehen, Andre zum Gehorſam zu zwingen. Der Kaiſer, ſiehſt Du, verſteht das! Ja, ja kleiner Papagei! erwiederte Apho⸗ diſe unmuthig, Du ſchwatzt in den Tag hinein, was Du Andern ablernſt. Aber ich, ich moͤchte mich in die Erde legen, daß ich meine Hand zu einem ſchlechtem Streiche bot. Und wie der Boͤſewicht auch ausſahe! Ich haͤtte es denken können, gewann ich nur den Muth, ihm in die Augen zu blicken. In die Augen? lachte Robert. Ja, da haͤt⸗ ieſ dl erte er fort, d Bevah ſchwarz⸗ juſt wie vie ſch binet hi da lag fein un ſcch wa gus, Haͤnd Das Fenſte warm pochte ben, Verm hoffte ſtäͤndli ſie uͤb Apho⸗ inein, noͤchte nd zu le der denken n die haͤt⸗ ſie uͤber die Vorfaͤlle auf des Grafen Schloß be⸗ teſt Du gar nicht wieder herausgeſehen, verſich⸗ erte er ſchalkhaft. Denkſt Du denn, fuhr er fort, daß dies hier ſeine natuͤrliche Geſtalt iſt? Bewahre Gott. Er hat Haare ſo ſchwarz, ſo ſchwarz, wie die Nacht, und Augen, die funkeln juſt wie Sterne. Ach Du glaubſt gar nicht, wie ſchoͤn er iſt! Abends, in dem kleinem Ca⸗ binet hinter der Bibliothek des Herrn Grafen, da lag er auf einem rothſeidenem Kanape, ſo fein und ſauber gekleidet, und las oder dachte ſich was. Wie ein Prinz ſage ich Dir, ſahe er aus, rief der Kleine vor Vergnuͤgen in beiden Haͤnden ſchlagend. Sie ſtanden hier vor Magdelenens Huͤtte, Das Feuer aus dem Kamin leuchtete durch die Fenſter nach der Straße hinuͤber. Es ſah ſo warm und wohnlich drinnen aus, Aphodiſe pochte leiſe an. Eine Seele will man doch ha⸗ ben, der man ſeine Sorgen, ſeine Zweifel und Vermuthungen mittheilt. Von der guten Alten hoffte ſie Aufklaͤrung uͤber ſo manches Unver⸗ ſtaͤndliche zu erhalten, vorzuͤglich aber wuͤnſchte 44— lehrt zu werden, und was ſie ſelbſt hinſichts des Fremden Gutes oder Boͤſes hierbei gethan habe? Da Magdelene trotz ihrer Umſichtigkeit und dem lebendigem Eindringen in fremde Verhaͤlt⸗ niſſe doch nur Bruchſtuͤcke und mehr Muth⸗ maßungen, als Thatſachen anzufuͤhren wußte, ſo moͤchte vielleicht die Zuſammenſtellung einzel⸗ ner Briefe in mannigfachen Zeitmomenten, wie von verſchiedenen Perſonen geſchrieben, ein deut⸗ licheres Licht uͤber die dunklen Verhaͤltniſſe bei⸗ der nachbarlichen Schloͤſſer werfen, und Ereig⸗ niſſe erklaͤren, welche von da mit Blitzesſchnelle das Geſchick, aller darin verwickelten Perſonen, in die unſeligſte Verwirrung hinnabriſſen. III. Cecilia an ihre Schweſter. Meine Agnes, Dein liebes Herz zittert vor Freude, wenn endlich dieſe Zeilen bis zu Dir gelangen! Du glaubſt mich zu ſehen, mich wie⸗ ber zu Nähe! Naͤchte, und mit ſeln die Naum, die Sch M menden tige im leicht oder willig ten⸗ 30 li fortrol fuͤhrte gleiter, vor od in De mich,! auffalle D ichts des habe? keit und Verhaͤlt, Muth— wußte, einzel⸗ en, wie in deut⸗ ſſe bei⸗ Ereig⸗ Pſchnelle erſonen, 7n. t vor Dir ˖wie⸗ — 45— ber zu haben, Du fuͤhlſt in jedem Wort meine Naͤhe! Aber beſtes Kind, wie viel Tage und Naͤchte, wie viel Meilen liegen zwiſchen Dir und mir, zwiſchen jetzt und dann! Wie wech⸗ ſeln die Augenblicke und welche Qual wird der Raum, wenn der Gedanke ihn durchfliegt, und die Sehnſucht zuruͤckbleiben muß! Meine Reiſe mit dem galantem, zuvorkom⸗ menden Baron ging leidlich, wie das Gleichguͤl⸗ tige im Leben immer zu gehen pflegt, und viel⸗ leicht eben, weil es einerlei war, ob wir ſchnell oder langſam fuhren, bequeme Nachtquartiere, willige Poſtilione und ertraͤgliches Wetter hat⸗ ten, ſo fand ſich das alles von ſelbſt zuſammen. Ich ließ mich ohne Murren in meinem Wagen fortrollen, ſtieg ein, ſtieg aus, aß und trank, fuͤhrte die artigſte Converſation mit meinem Be⸗ gleiter, und achtete gleich wenig darauf, ob wir vor oder zuruͤck gingen. Du, liebe Agnes, warſt in Deinem Kloſter, Paris blieb eine Einoͤde fuͤr mich, wie ſollte mir die Leere der uͤbrigen Welt auffallen! Du weißt, ich habe es mir zum Geſetz ge⸗ — 46— macht, nie mehr uͤber das Unabaͤnderliche zu re⸗ den. Ich halte Wort. Der Baron ſchien mich erforſchen zu wollen. Ich goͤnnte ihm die Muͤhe, und behielt den Lohn fuͤr mich. Er iſt ein geſcheuter Mann. Beſonders gefaͤllt mir das feine Laͤcheln um die ſchmalen Lippen und der ſanfte Ausdruck im Blick. Es redet ſich leicht und angenehm mit ihm. Er kennt viel von der Welt. Ob er juſt die Men⸗ ſchen in ihr kennt? Zuweilen iſt es ſo, allein im Ganzen haͤngt er doch auch an Vorurtheile, ob er ſich gleich das Anſehn giebt, dieſe abge⸗ ſchuͤttelt zu haben. Es iſt etwas Sonderbares, liebe Agnes, mit dieſen Vorurtheilen! Weißt Du Dir es zu erklaͤren, weßhalb mein ganzes Herz bebt, und vor Wehmuth und einer ge⸗ wiſſen, ſuͤßen, nicht zu erklaͤrenden Erſchuͤtte⸗ rung brechen moͤchte, wenn ich einem der Bour⸗ bons anſichtig werde? Und doch hat der gewal⸗ tige Menſch druͤben uͤber's Meer meine unge⸗ theilte Verehrung. Wie koͤnnte es auch anders ſein, Agnes? Der Held Europas! Frankreichs Retter! der Loͤwe, der das muͤde Auge traurig von de det,u Du il Dein oſt err ſtett, d hüͤlt, ſie es Schrit ten ve in der ſchers wie gen haͤtte gleich alö ſ zum Beſt könne gewaͤl wand auch Muͤhe, ſondets chmalen „ allein uttheile, Weißt ganzes ger ge⸗ ſchuͤtte⸗ von dem verraͤtheriſchem Spiel der Welt abwen⸗ det, und in ſeine Einſamkeit zuͤruͤckgeht! Denkſt Du ihn Dir, ohne daß ſich Dein Geiſt dehnt, Dein Herz ihm zufliegt? O meine Liebe, wie oft erroͤthe ich in der Seele derer, die er begei⸗ ſtert, die er in die Flammen ſeines Ruhms ge⸗ huͤllt, zur Nachwelt getragen hat! Wie halten ſie es in einem Leben aus, das ihnen bei jedem Schritt ihre Treuloſigkeit vorwuͤrft? Sie muͤß⸗ ten vergehen, faͤnden ſie nicht das Mittel, ſich in der Herabwuͤrdigung ihres verlaſſenen Herr⸗ ſchers zu entſuͤndigen. Es iſt zum Entſetzen wie der Trotz mit dem Frevel waͤchſt! Alle tra⸗ gen jetzt den Kopf ſo hoch, und ſehen aus, als haͤtten ſie ihren Weg allein gemacht, wenn wir gleich wiſſen, auf weſſen Schultern ſie ſtanden, als ſie den gewagten Sprung, von einem Thron zum anderm verſuchten. Liebes Herz, wenn die Beſtochenſten eingeſtehen muͤſſen, Treuloſigkeit koͤnne keine Buͤrgſchaft fuͤr verſprochene Treue gewaͤhren, weßhalb ſchmaͤhen ſie die feſte, un⸗ wandelbare Geſinnung, welche ehe alle Bande, auch die liebſten und theuerſten, als das gege⸗ bene Wort zerbricht? Es iſt nicht das Gefuͤhl des Rechts, es iſt der Eigenſinn, gewiſſen An⸗ ſichten den Schein von dieſem zu leihen, was dem Urtheil ſo viel Haͤrte giebt. Doch ich kehre zu meiner Reiſe, zur An⸗ kunft auf dem Schloſſe, zu dem Leben hier zu⸗ ruͤck! Die Bewegung that mir wohl. Iſt es die Erſchuͤtterung des Fahrens, oder das Voruͤber⸗ fliegen an Gegenſtaͤnde, von denen kein einziger dem Auge bleibt, was uns erſt gleichguͤltiger, dann ruhiger macht? genung es ward allmaͤhlig viel ſtiller in mir. Der Baron ſprach von ſei⸗ nem Auffenthalt im Auslande. Was er ſchil⸗ derte lag außerhalb meiner Phantaſie. Ich ſahe es, als etwas Neues, nicht ohne Neugier an⸗ Vielleicht auch, das eine Art Ideenverbindung verſteckt im Hintergrunde lauerte, und der Ge⸗ danke, Alphonſe werde mir uͤberall naͤher, als in Frankreich ſtehen, fluͤchtig an mir voruͤber zog. Genung, ich ließ mich aus meiner Welt in eine andre hinuͤbertragen, und weil ich hier fremd war, ſo erſchien ich auch ſo, und gewann zum foder ſeinen nen T begegn jungen mähſa⸗ mich Schla bleiche mein derba legte er we Freun deutu net a der als ſam, nek E Porüͤber⸗ einziger uͤltiger, llmaͤhlig von ſei⸗ er ſchil⸗ ſch ſahe ier an. indung er Ge⸗ er, als voruͤber Velt hhier wann zum wenigſtens das Vorrecht, mich jeder An⸗ foderung an Vertraulichkeit entziehen zu duͤrfen. Der Baron vermied alles Bezuͤgliche in ſeinen Aeußerungen. Nur einmal, als wir ei⸗ nen Transport ausgewechſelter Kriegsgefangenen begegneten, die ſtummen, duͤſtren Geſichter der jungen Soldaten, den kochenden Ingrimm nur muͤhſam verbargen, ein ſchnelles Mitempfinden mich fortriß, ich auffuhr, und den Kopf zum Schlage hinausbiegend, tauſend Gruͤße zu den bleichen, kranken Geſtalten ſandte, ſahe mich mein alter Reiſegefaͤhrte unverwandt, mit ſon⸗ derbar gemiſchtem Ausdruck der Minen an, legte die Hand leiſe auf meinen Arm, indem er warnend ſagte: Halt! halt! meine junge Freundin! Allzuraſches Mitleid iſt mancher Miß⸗ deutung ausgeſetzt! Nuͤhrt ſie das Geſchick ei⸗ ner Jugend, die ruͤckkehrt, um ihre Waffen wie⸗ der aufzunehmen, und Frankreichs Ehre beſſer, als fruͤherhin zu vertheidigen, ſchon ſo gewalt⸗ ſam, was haͤtte erſt ihr Herz beim Anblick je⸗ ner Schaaren empfunden, die dem Rufe Con⸗ deées weniger, als dem des Herzens folgend, II. 141 — — —— — 50— ohne Eitelkeit, ohne egoiſtiſchen Ehrgeiz, die Sache ihres Koͤnigs zu der ihrigen machten, fochten und fielen, zu einem kleinem Haͤufchen zuſammenſchmolzen, Heerd und Waffenlos um— irrten, von Tauſenden verhoͤnt, von vielen ver⸗ kannt, dem eignem Vaterlande fremd wurden, und nie aufhoͤrten, Gott und dem Recht zu die⸗ nen! Wahrhaftig, ſetzte er etwas heftig hinzu, Frankreich hat nicht Thraͤnen genug, fuͤr das ſchuldloſe Ungluͤck! es ſoll die Verirrten be⸗ mitleiden, ohne ihre Sache zu der ſeinigen zu machen! Meine Agnes, er ſahe ſo edel in ſeinem unwilligem Ernſte aus, daß ich die Augen ſenkte, ohne ſogleich zu antworten. Nach einer Weile faßte ich ihn ſanft bei der Hand, und ſagte im Gefuͤhl inniger Theilnahme: Ach mein Herr, zweifeln Sie nicht, daß ich mit Ehrfurcht auf das Opfer ſo großer Anſtrengungen zuruͤckſehe, und es oft ſchon im Stillen betrauerte, dieſe nicht durch beſſern Erfolg gelohnt zu wiſſen. Der Baron laͤchelte angenehm. Ich glaube Ihnen, ſagte er. Ihr Gefuͤhl fuͤr ſittliche Wuͤrde and f nehu ter. wir d war e lor mm Wage Stell teſſt ſtreck mite mer Wil Blic Ich das eiz, die machten, Haͤfchen hilos um, elen ver⸗ wurden, t zu die⸗ ig hinzu, fuͤr das erten be⸗ mnigen zu n ſeinem en ſenkte, ſer Weile agte im Herr, cht auf uͤkſehe, e, dieſe ſſen. glaube Wuͤrde — 51— and fromme Ergebenheit kann ſich in keiner Be⸗ ziehung verleugnen! Wir beruͤhrten von da die Sache nicht wei⸗ ter. Der Baron ward gedankenvoller, je naͤher wir dem Orte unſrer Beſtimmung kamen. Mir war es angenehm ſchweigen zu koͤnnen. Ich ver⸗ lor mich in meinen Gedanken. So rollte der Wagen fort. Ich blieb in mir auf derſelben Stelle! Nicht weit vom Schloſſe der Vicom⸗ teſſe, trat ein Mann an den Schlag der Kutſche, ſtreckte die Hand bittend nach uns hinauf, und rief mit einer Heftigkeit, die mich aus kurzem Schlum⸗ mer aufſchreckte: Um Gottes Barmherzigkeit Willen meine ſchoͤne Dame, ziehen Sie Ihren Blick nicht von einem Ungluͤcklichen zuruͤck. Der Schlaf lag noch auf meinem Augen. Ich ſahe zerſtreuet umher. Der Baron hatte das Fenſter niedergelaſſen, und warf Geld nach der Straße hinaus. Nimm das, Ungluͤcklicher und entferne Dich, ſagte er in ſehr beſtimmten Tone. Der gebietriſche Ernſt in dieſem, befrem⸗ dete mich. Ich ſahe nach meinem Nachbar um. Indeß fuhren wir raſch weiter. Der Bettler — 52— war zuruͤckgeblieben. Nicht lange indeß, ſo fand er ſich wieder bei uns ein. Er lief, mit gro⸗ ßer Schnelligkeit neben den Wagen her. Ich weiß nicht, weßhalb es mir an Muth fehlte, ihn genauer zu betrachten. Er ſchien es gleich⸗ wohl darauf angelegt zu haben, meine Aufmerk⸗ ſamkeit zu erregen, denn als der Poſtilion, nach dem wiederholten Zuruf des Barons: Schnell, ſchnell! in vollem Galopp zu der Auffahrt des Schloſſes einbog, und der arme Fußgaͤnger, er⸗ ſchoͤpft an einen Baum gelehnt, zuruͤckblieb, be⸗ merkte ich, beim fluͤchtigem Hinblick auf ihn, daß er mit der Geberde der Verzweiflung Ab⸗ ſchied von uns nahm. Liebe Agnes kann ich dafuͤr, daß die Hoff⸗ nung immer wieder aufblitzt? und ich bei jeder undeutlichen Erſcheinung, bei allem Zweifelhaf⸗ ten und Ungewiſſen, ſogleich an den erinnert werde, der mir immer gegenwaͤrtig iſt, deſſen Bild ſich unwillkuͤrlich in den bunteſten Rahm der Umſtaͤnde und Verhaͤltniſſe hineinſchiebt? Sonderbar iſt es immer, daß der Baron nicht ein Wort weiter uͤber den Ungenuͤgſamen ſo fand mit gro⸗ der. Ich h fehlte, 5 gleich⸗ ufmerk⸗ ion, nach Schnel, fahrt des nger, er⸗ blieb, be⸗ auf ihn, ung Ab⸗ die Hoff⸗ bei jeder veifelhaf⸗ erinnert —, deſſen en Nahm hiebt? Baron igſamen ſprach, deſſen Zudringlichkeit ihm doch auffallen mußte! Er blieb, ich verſichere Dich, noch ſtum⸗ mer und ernſter, als zuvor. Aber ich, meine Liebe, ich war wie jemand, der unverſehns einen Stoß empfindet, und nun den zitternden Vibern nicht wieder gebieten kann. Alles in mir, Blut und Gedanken, befand ſich im Aufruhr. Ich hatte die unwiederſtehligſte Luſt zum ſprechen, mich mitzutheilen, aus den Wagen zu ſpringen, irgend etwas zu thun und zu ſagen. Die Unruhe mit der ich auf meinem Platz hin und herruͤckte, mochte den Baron befrem⸗ den. Er ſahe mich einigemal ungewiß an. Sind Sie ſo ungeduldig, fragte er, die Frau Vicom⸗ teſſe zu umarmen? Ich erroͤthete bis unter die Augen. Wir ſind ſogleich bei ihr, fuhr er fort. Nur noch die Allee hinauf, ſo ſehen Sie ſchon die weißen Mauern des Pares zwiſchen den Baumſtaͤmmen durchſchimmern. Ich bog den Kopf, ohne ein Wort zu erwiedern, nach dem Fenſter auf ſeiner Seite hin, und folgte der Richtung, die er mit aufgehobenem Finger gab. — 384— Vald, liebe, gute Schweſter, ſahe ich Haus und Garten, den breiten Strom, und in eini⸗ ger Entfernung, die runden, an einander haͤn⸗ genden Bergkuppen, mit ihren weißlichen Dunſt! die Bruſt flog mir ungeſtuͤm, Thraͤnen floſſen aus meinen Augen, bleich und zitternd lag ich wenige Minuten ſpaͤter, in den Armen unſrer guten, liebenswuͤrdigen Großmutter. Sie ſahe erſt mich, dann den Baron an. Iſt ſie denn im Stande geweſen, fragte ſie die⸗ ſen, die Anſtrengungen der Reiſe zu ertragen? Nun laͤchelte er, Sie zweifeln nicht, denke ich, daß Fraͤulein Cecilia lebt. Ich habe ſie, fuͤgte er hinzu, allen ſchlimmen Prophezeiungen zum Trotz, dem Tode abgekaͤmpft, und meiner alten Methode Glauben verſchafft, daß es hinreiche, geſund ſein zu wollen, um es zu werden. O ich weiß, verſetzte die liebe Frau, Sie raͤumen der Willenskraft bei manchen Gelegen⸗ heiten eben ſo viel Gewalt ein, als Sie in an⸗ dern Fäͤllen geneigt ſind, dem Einfluß der Um⸗ ſtaͤnde die Oberherrſchaft zuzugeſtehen. Wahr⸗ haftit was went die I guäͤdi ahnli Geſch ſäͤchl ſchme G wiei eine mit Got geſte ich Haus d in eini⸗ nder haͤn⸗ en Dunſt! en floſſen —nd lag ich en unſrer Baron an. te ſie die⸗ ertragen? V denke ich, ſie, fuͤgte engen zum iner alten hinreiche, en. au, Sie Gelegen⸗ fe in an⸗ der Um⸗ Wahr⸗ — 55— haftig, verſetzte er, Eins von Beiden iſt es auch, was Recht behaͤlt. Ich werde nicht fehlſchließen, wenn ich von dem Mangel des Erſtern, auf die Reſultate des Letztern hindeute. Ihre Enkelin, gnaͤdige Frau, verſicherte er, iſt Ihnen gewiß zu aͤhnlich, um nicht aus jedem Kampf mit dem Geſchick, ſiegreich hervorzutreten. Hierauf haupt⸗ ſaͤchlich bauete ich meine Hoffnungen, ſetzte er ſchmeichelhaft hinzu. Die ſchlaue Großmutter, Agnes, fuͤhlte, wie ich, den Doppelſinn dieſer Worte. Sie warf einen raſchen Blick auf mich, dann zog ſie mich mit wehmuͤthiger Zaͤrtlichkeit an ihre Bruſt. Gott gebe, mein armes Kind, ſagte ſie, daß Du geſiegt haſt! Alle hier, liebe Schweſter, ſiehſt Du daraus, ſtehen in einer Art wiederſtrebender Verbindung gegen mich. Die Großmutter verleugnet auch ihr Herz gewiſſer, herrſchender Grundſaͤtze zu Liebe. Es iſt mir unertraͤglich, ſo durch Zunei⸗ gung und Unwillen in den naͤchſten und liebſten Beziehungen hin und her getrieben zu werden. — = 56— Meine Stellung, fodert mehr als je, Ueberein⸗ ſtimmung und Zuverſicht! Unſre Mutter kam wenige Stunden nach mir auf dem Schloſſe an. Sie verſicherte, mich viel beſſer ausſehend zu finden, als ſie es nach den leidenſchaftlichen Berichten meiner zaͤrtlichen Schweſter habe glauben koͤnnen. Sie umarmte mich mehrmals: Es ſchien, ſie wolle durch dieſe ungewohnte Beweiſe von Zaͤrtlichkeit, Frieden mit mir machen, und jede Spur fruͤherer Stoͤh⸗ rungen verwiſchen. Ach meine Liebe, Alle, welche ihren Willen auf Koſten Andrer durch⸗ ſetzen, ſchaͤmen ſich im erſten Augenblick ihres Gelingens, weil ihre Freude in zu ſchneidendem Contraſte mit dem Kummer gebrochener Her⸗ zen ſteht. Es thut mir wehe, wenn ich mein Herz ſo eng und zuſammengezogen im Buſen fuͤhle, ich habe das truͤbe Bewußtſein davon, aber ich kann, wie ich auch ringe und mich quaͤle, ich kann das Band, was es preßt, nicht abſtreifen! Mohrere Tage, liebe Agnes ſind nun ver⸗ ſtrichen, ohne daß ich Dir ſchrieb. Ich wollte Ac Janetn mand, Dahin Empfi mir do nein! chen, weon tritt, wir wir! tagse Kind gen die Son eine gen bberein⸗ n nach e, mich 5 nach llichen armte ih dieſe Frieden Otoͤh⸗ All, durch⸗ dendem Her⸗ erz ſo e, ich kann, n das ver⸗ ollte es oft, aber es ging nicht! Die Finger werden zuletzt ſo ungelenk, wie die Zunge und die Seele! Ach mein Gott, es giebt eine Region im Innern eines Jeden, wohin Einem doch nie⸗ mand, auch der liebſte Menſch, nicht mehr folgt. Dahin bin ich mit allen meinen Gedanken und Empfindungen gefluͤchtet! Wenn Du fragſt, ob mir dort wohl ſei? ſo antworte ich Dir, ja, und nein! Es iſt ſo lockend, einſam, im kleinem Na— chen, auf ſtiller Waſſerflaͤche zu wogen, aber wenn der ſchwankende Fuß die Erde wieder be⸗ tritt, dann drehet ſich dieſe mit uns im Kreiſe, wir ſind unfaͤhig die Richtung zu erkennen, die wir waͤhlen muͤſſen. Die Großmutter trat neulich nach dem Mit⸗ tagseſſen zu mir ans Fenſter. Du traͤumſt beſtes Kind, ſagte ſie, indem ihre großen, hellen Au⸗ gen feſt auf mir lagen, Ach Cecilia, ſeufzte ſie, die Wehmuth iſt wie der Duft einer lauen Sommernacht! ſie umfließt uns mit dem Hauch einer andern Welt. Aber der ſchneidende Mor⸗ genſtrahl bleibt nicht aus. Wir nehmen die Kaͤlte — 58— davon mit ins Leben, und kraͤnken die, welche uns unbefangen entgegentreten. O! ſie hat ſo recht, Agnes! Aber was will ich machen? Mir iſt einmal nicht zu helfen! Ich bin unfaͤhig, den Sonderbaren Schleier, der mich wie eine Wolke umwickelt, von mir zu werfen. Sage mir, kann ſo etwas mit uns verwachſen? Man glaubt allgemein, ich werde auf's neue krank werden. Zuweilen glaube ich es auch. Aber es iſt das nicht. Ein junger Arzt aus Rouen, der meinet⸗ wegen befragt ward, rieth mir viel Bewegung an, das gewoͤhnliche Mittel gegen Seelenlei⸗ den. Ich mußte innerlich lachen, wie alles im Leben einer gewiſſen modernen Methode unter⸗ worfen wird, und die Natur ſich erdenklich in die Zeit ſchickt! denn wirklich geneſen die Leute im Bette und in der Luft, wenn ſie anders noch geneſen koͤnnen, je nachdem die augenblick⸗ liche Regel uͤber ſie beſtimmt.“ Ich werde wohl weder auf die eine, noch die andre Art geheilt, liebe Agnes, ob ich gleich zu Stü zu Pfe A ſchweſte rrfreuet ftiedenh Auffode zu mir haltene angſtet ſee wif gehei nung an ſe 3 in wi ethebe das ſes unbe etwa Eng einet⸗ vegung lenlei⸗ les im unter⸗ ch in eute nders blick⸗ noch eich zu Stundenlangen Spatziergaͤngen zu Fuß und zu Pferde verurtheilt bin! Die kleine Juliette, meine niedliche Milch⸗ ſchweſter, beſuchte mich geſtern. Ich war recht erfreuet ſie zu ſehen. Dies Zeichen meiner Zu⸗ friedenheit, duͤnkte der guten Großmutter eine Auffoderung, meine ehemalige Geſpielin, oͤfter zu mir zu beſcheiden. Die kleine nahm die er⸗ haltene Erlaubniß mit Lebhaftigkeit an, mich aͤngſtete das. Was ſoll ich mit dem gutem Kinde? ſie will etwas von mir! was nur? ſie that ſo geheimnißvoll! Mein Gott, will denn die Hoff⸗ nung immer nicht in mir ſterben? und darf ſie an ſo ungleichem Zugwinde aufflackern? Wenn das Herz und die Ueberlegung, beide in wiederſprechender Weiſſagung, ihre Stimme erheben, ſo, verlaß Dich drauf Agnes, behaͤlt das Herz recht! Ich bin verlegen und erroͤthe faſt, Dir al⸗ les zu geſtehen. Nur ſo viel, Juliette, das liebe, unbedachtſame, kuͤhne Maͤdchen!— ſie wollte etwas, ſie brachte etwas,— Du verſtehſt mich Engel!— Wer haͤtte davon eine Ahndung ge⸗ — 60— habt! Ich ſaß im Cabinet bei der Großmutter. Sie machte Tapiſſeriearbeit. Frau von Harville las einzelne Aufſaͤtze aus den Memoiren des Tempels, die ihr Hus geſchickt hat. Ich zerfloß in Thraͤnen dabei. Alles, alles in der Welt war todt fuͤr mich! ich ſahe, ich empfand nichts, als die unerhoͤrte Schmach, das Leiden und die erhabenen Tugenden der koͤniglichen Maͤrtirer. Die Großmutter ergaͤnzte ſo vieles dabei, was aus der Erinnrung wieder in ihr hervortrat. Ich war ganz Ohr, ganz Auge. Zum erſtenmale nach langer Zeit, hatte mich einmal etwas durch und durch gefaßt. Ich uͤberſahe es, oder bemuͤ⸗ hete mich wenigſtens es zu uͤberſehen, daß man⸗ cher ſtechende Blick aus dem muͤtterlichen Auge, mein Gewiſſen verwundend treffen ſollte. Wie haͤtte ich auch bei einem ſo großen Geſchick mein kleines Daſein in Anſchlag gebracht? Der Ba⸗ ron, welcher zugegen war, ſaß mit uͤbereinander⸗ geſchlagenen Fuͤßen in einem Armſeſſel zuruͤck⸗ gelehnt, die Augen geſenkt, verlegen mit ſeiner Tabatiére ſpielend, als treffe ihn der beſchaͤ⸗ mende Schmerz einer ganzen Nation allein. Sein 3 rungen Bild je ſeinen mit eine die ich eein zerf Mir we nichts/ findung die Ge trautie 6 den. lichen blitzt, iſt Tre die, Geele Hof. Stein den d mein Ba⸗ nder⸗ — 61— Sein Zartgefuͤhl ertrug die peinlichen Erinne— rungen nur mit Muͤhe! Mich aber erfuͤllte das Bild jener unerhoͤrten Verbrechen, wie es ſo in ſeinen Einzelheiten ausgemalt, vor mir ſtand, mit einer Unruhe und einer Verzweiflung, fuͤr die ich keinen Namen habe. Das ganze Da⸗ ſein zerfloß in einen haͤßlichen, ſchwebenden Dunſt. Mir war, als hoͤre die Welt auf zu ſein, und nichts, nichts, was das Auge faſſen, die Emp⸗ findung halten konnte, blieb mir, nachdem, was die Geſchichte jener und unſrer Tage mich auf traurige Weiſe lehrt. Selbſt Alphonſe war mir undeutlich gewor⸗ den. Auch er iſt ein Menſch! eines jener zerbrech⸗ lichen Gefaͤße, die der goͤttliche Gedanke durch⸗ blitzt, und die Nacht der Erde verfinſtert! Wo iſt Treue und Glaube, wenn die Wahrheit heute die, Morgen jene Farbe traͤgt? Mitten im Sturme meiner aufgeſchreckten Seele, trat das zierliche Fiſchermaͤdchen in den Hof. Ich ſahe ſie leicht und harmlos uͤber die Steine ſchweben. Sie hob den Kopf, um nach den Fenſtern hinauf zu ſchauen. Als ſie mich — 62— gewahr ward, laͤchelte ſie angenehm, blieb von fern ſtehen, verbengte ſich einigemal, und ſchien zu ſagen: da bin ich! iſt Ihnen gefaͤllig, daß ich heraufkomme. Ich war ſo benommen, daß ich ihre niedliche Zeichenſprache unßeantweles ließ. Was haſt Du denn Cecilia? fragte 38 Großmutter, die mich ſchon eine Weile beobaches tet haben mochte. Du ſiehſt ſtarr auf einen Fleck. Geh mein Kind, fuhr ſie fort, das Alles hier hat Dich angegriffen. Es iſt nicht fuͤr Gemuͤ⸗ ther, wie das Deine! Sie war aufgeſtanden und beſorgt zu mir getreten. Indem ſie nun die Hand pfruͤfend gegen meine Stirn legte, und mir dann die Wangen, deren Kaͤlte und Blaͤſſe ſie unruhig erwaͤhnte, liebevoll ſtrich, ſahe ſie zufaͤllig durch das Fenſter in den Hof hin— unter. Iuliette fiel ihr ſogleich in's Auge. Gut, gut! rief ſie, jener freundlich zunickend, daß Du kommſt. Ich denke, ein kurzer Spat⸗ ziergang mit der kleinen Schwaͤtzerin durch die Treibhaͤuſer, wird Dich zerſtreuen Cecilia, ſetzte ſie eilig hinzu. Geh' beſtes Kind, mach', daß ich Dich wiederſ 30 gettibbe hinunte Er nicht, 1 auszuri wiß die ihr nich wir ſo. Wir w Wint Auf Wort. in die ſcäͤnd ſehte zitter gen, in die wog ſeb von ſchien tanden ſje nun legte, e und ſahe hin⸗ Auge. ceend, Spat⸗ h die ſetzte daß —-— 63— ich Dich mit friſcher Farbe und hellem Blick wiederſehe! Ich ging, Gott weiß, durch welchen Zug getrieben, mit klopfendem Herzen die Treppe hinunter. Erſt war Juliette doch verlegen. Sie wußte nicht, wie ſie es anfangen ſolle, ihren Auftrag auszurichten. Ich errieth ſie nur halb. Unge⸗ wiß die fluͤchtige Ahndung vorwerfend, kam ich ihr nicht weiter entgegen. Eine Weile blieben wir ſo. Meine Angſt wuchs mit jeder Minute. Wir waren beide allein zwiſchen den keimenden Winterblumen. Ich ſah fluͤchtig zu ihr hin. Auf ihren Lippen ſchwebte das entſcheidende Wort. Die Augen nannten es, ich wagte nicht, in dieſen zu leſen. Hier nehmen Sie! fuͤſterte ſie kaum ver— ſtaͤndlich. Und tauſend, tauſend Gruͤße von ihm, ſetzte ſie hinzu! Ich hielt ein Billet in den zitternden Haͤnden, Juliette ſprang fort. Mor⸗ gen, ſagte ſie, komme ich wieder! Ich glaubte in die Knie zu ſinken. Das leichte Blaͤttchen wog faſt zu ſchwer fuͤr meine Kraͤfte. Mecha⸗ — 64— V niſch brach ich das Siegel. Die Schriftzuͤge und oͤff wankten hin und wieder. Ich wollte mich auf das„) eines der Blumenkuͤbel ſetzen, und das tobende V zu laufen Blut beruhigen. Da hoͤrte ich die kurzen, eili— hhe gehe Doe ic nich dieſer ge gen Schritte unſrer Mutter in den angraͤnzen⸗ den Gemaͤchern, und ihre bewegte Stimme, mit der ſie den Gaͤrtner ungedulgig nach mir fragte. Ich ſchob das Brieſchen zwiſchen den Hand⸗ ſer gett ſchuh und die Hand, indem ich ihr entgegen entgegen 6 lief. Sie hatte die Glasthuͤr ſchon geoͤffnet dimmer und meiner Anweſenheit gewiß, ſagte ſie gleich ſch mit im Hinneintreten: Ich bedaure, mein Kind, n veid daß ich Deinen Spatziergang abkuͤrzen muß. fältig Graf Dominique reitet ſo eben in den Schloß⸗ daran, hof. Es iſt gut, wenn er uns beiſammenfindet! Fall de An Wiederrede, weißt Du, iſt bei ſo ent⸗ Äbſccht. V ſcheidendem Geboth nicht zu denken. Auch haͤtte Finger, ich in dem Augenblick kein einziges Wort, ge⸗ D ſchweige denn eine Entſchuldigung hervorzubrin⸗ Er ſyr gen gewußt. Ich folgte ihr alſo. Aber mit V und d welchen Empfindungen? wie zerriſſen und ge⸗ Wenig theilt im Innern? das laͤßt ſich nicht ausdruͤcken. Hut it Die Hand, in der ich den Brief verbarg, ſchloß gedruͤc V 1 hriftüge mich auf tobende pen, eili⸗ raͤnzen me, mit —r fragte. n Hand⸗ entgegen geoͤffnet ſe gleich Kind, in muß. Schloß⸗ ifindet! ſo ent⸗ haͤtte t, ge⸗ zubrin⸗ ler mit d ge⸗ uͤcken. ſchloß — 65— und oͤffnete ſich mir unbewußt, ſo oft ich aber das Papier fuͤhlte, war ich im Begriff davon zu laufen, und in irgend einem verſteckten Winkel die geheimnißvollen Zeilen zu leſen. Doch nichts hiervon geſchah. Bald befand ich mich wieder im Cabinet der Vicomteſſe, von dieſer ganz unbemerkt, denn ſie war zum Fen⸗ ſter getreten und ſah erwartungsvoll dem Grafen entgegen. Die Mutter ging ein paar mal das Zimmer haſtig auf und ab. Drauf naͤherte ſie ſich mir. Sie hatte allerlei an meinem Anzuge zu verbeſſern; zuletzt legte ſie die Locken ſorg— faͤltig auf der Stirn zurecht und ſchob und ruͤckte daran, wie man thut, um den vortheilhafteſten Fall der Haare auszumitteln. Ich errieth ihre Abſicht. Agnes, jede Beruͤhrung der ordnende Finger, ſtach mir wie Nadeln in die Haut! Da kommt der Graf! ſagte die Großmut⸗ Er ſprengte auf einem ſchoͤnen Pferde, ſo ſchlank und dunkel wie er ſelbſt, in den Schloßhof. Wenige Minuten ſpaͤter trat er, den runden Hut in einer Hand, mit der andern das nieder⸗ gedruͤckte Haar leicht auflockernd, in's Zimmer, II. 15] 1 — — — 66— Sein Weſen iſt ſchlicht. Er heuchelte keine Ueberraſchung, Frau von Harville und mich hier zu finden. Er ſchien es nicht anders erwartet zu haben. Ohne weiter anzuſteh’n, begruͤßte er uns auf feine und ungezwungene Weiſe als nahe Anverwandte. Die Großmutter behielt indeß ſeine ungetheilte Aufmerkſamkeit. Auf mich warf er nur hin und her einen fluͤchtigen Blick, welchen die Mutter jedesmal mit dem ihrigen begleitete. Ich gab mir die erſinnlichſte Muͤhe, eine unbefangene Haltung zu gewinnen. Allein, beſte Agnes, wie waͤre mir das unter ſolchen Umſtaͤnden gelungen! Denke Dir, dem Manne gegenuͤber, den berechnende Klugheit auserſah, gewiße kleine Verirrungen des Herzens (wie ſie hier ſagen) wieder in mir in's Gleiche zu bringen, einen ungeleſenen Brief von Al⸗ phonſe in Haͤnden, vier ſpaͤhende Augen auf den meinen ruhend, und endlich eine Aehnlich⸗ keit in Mienen, im Ton der Stimme, in den Zuͤgen ſelbſt, zwiſchen Dominigue und ſeinem Vetter, welche mir dieſen in den erſten Zeiten ſeiner Ruͤckkehr aus England, ſo lebhaft, von ſo wehmi daß ich nur un Graf meinen ſagte e derherſ wie ſe hiervon ſchickl tethe dabe ich daß man welche keit; uͤber ſchoͤn gereg ſigna daß ke keine ich hier partet zu üͤßte er iſe als behielt it. Auf lüchtigen ſmit dem nnlichſte winnen. aas unter dir dem Klugheit Herzens Gleiche on Al⸗ gen auf ehnlich⸗ in den ſeinem Zeiten von ſo — 6,— wehmuͤthigen Erinnerungen begleitet zuruͤckrief, daß ich wirklich unter dem gluͤhendſten Crroͤthen nur unverſtaͤndliche Worte ſtammelte, als der Graf mich anredete, und mit Theilnahme nach meinem Beſinden fragte. Er ſei gekommen, ſagte er unbefangen, ſich ſelbſt von meiner Wie⸗ derherſtellung zu uͤberzeugen, da er wohl fuͤhle, wie ſehr die Ruhe der geliebteſten Perſonen hiervon abhange. Die Mutter knuͤpfte hier mit vieler Ge⸗ ſchicklichkeit ſogleich ihre Faͤden an. Die Un⸗ terhaltung war bald allgemein, und ob ich auch dabei vor Ungeduld und Qual verging, ſo fuͤhlte ich mich doch auf eine Weiſe hineingezogen, daß ich ſprechen mußte, ohne es zu wollen. Da man das nun einmal nicht kann, ohne den, mit welchem man redet, die ſchickliche Aufmerkſam⸗ keit zu bewilligen, ſo habe ich es denn auch nicht uͤberſehen, daß der Graf ſchoͤn, ja vielleicht ſchoͤner, als Alphonſe iſt, nur liegt auf ſeinen geregelten Zuͤgen, eine gewiſſe melancoliſche Re⸗ ſignation, welche die Seele niederdruͤckt, ſtatt daß dieſe unter den Feuerblicken jener einzigen, ——— — — —— 68— unvergeßlichen Augen, von unbekannter Gewalt ergriffen, aus ſich hinaus gehoben, weiter, groͤ⸗ ßer, ſtaͤrker wird! Dominique iſt von vorneh⸗ mer Nachlaͤßigkeit in ſeinem Weſen, er liegt halb im Seſſel, und ſcheint das Beduͤrfniß der Bequemlichkeit, mit großer Hingebung an dieſe, faſt zu ſehr zu naͤhren. Ueberall fuͤhlt man es ihm an, daß ſeine zarte Geſtalt, die leiſen Be⸗ wegungen, das Weiche und Beſchwichtigende der Geberden, wenig Bekanntſchaft mit den rauhen Stuͤrmen des Krieges machte, und hoͤch⸗ ſtens die Jagd, oder ein ſchwermuͤthiger Ritt durch den Wald, ſeine Thaͤrigkeit in Anſpruch nahm. Ueber dies Alles, Agnes, ſind mir Plaͤne entſtanden, die ich Dir ein andermal mittheile. Jetzt endlich komme ich zu der erſten ein⸗ ſamen Minute, die mir des Grafen Entfernung verſchaffte. Ich blieb allein, waͤhrend beide Damen ihren Gaſt bis zu dem letztem Zimmer geleiteten. Im ſelben Moment zog ich das Blatt hervor. Vier Zeilen ſagten mir folgendes: 5 „Meine Hand fliegt wie meine Gedanken. einem muß O geblich kaun ſagen/ bringen gen! ben zu der A Ceeil 1 der9 Auge ſehr ſchaf Gewalt ſter, grö⸗ vorneſ⸗ er liegt fniß der dan dieſe, man es eiſen Be⸗ ſchtigende mit den nd hoͤch⸗ ger Ritt Anſpruch ir Plaͤne nittheile. ſten ein⸗ tfernung dd beide Zimmer ich das gendes: danken. — 69— Das Blut pocht wild in den Pulſen. Cecilia, ich bin noch in Frankreich, in Ihrer Naͤhe, in einem verborgenem Wintkelchen verſteckt. Ich muß Sie ſehen. Schon zweimal war ich ver⸗ geblich deshalb in Paris. Jetzt, hier endlich kann es, wird es ſein. Sie duͤrfen nicht nein ſagen, wenn Sie mich nicht zur Verzweiflung bringen wollen. Vertrauen Sie Juliette. Mor⸗ gen! morgen! die Wellen rufen ſo lockend! druͤ— ben zwiſchen den Bergen bricht ſich der Sturm! der Abend iſt dunkel. Ein Seufzer, ein Wort, Eecilia! O komm, komm Geliebte!“ Ich behielt nur gerade ſo viel Zeit, um das Papier zu verſtecken. Ich hoͤrte die Schritte der Ruͤckkehrenden. Beide ſprachen noch einen Augenblick leiſe vor der Thuͤr. Sie ſchienen ſehr heiter, und ſo ſehr mit ihren Ideen be⸗ ſchaͤftigt, daß ſie erſt nicht auf mich achteten. Doch mein verſtoͤrtes Weſen mochte ihnen end— lich doch auffallen. Die liebe Großmutter er— klaͤrte ſich das aus ganz andern Gruͤnden. Ihr ſanftes Gemuͤth er die Vorſtellung nicht, mich beunruhigt zu iſſen. Sei unbeſorgt, — 70— fluͤſterte ſie mir zu. So lange Du nur die lei— ſeſte Abneigung fuͤhlſt— beſtes Kind— Du kennſt mich— niemals, niemals,— ich ſchwoͤre es Dir! fuͤgte ſie, mich kuͤſſend, hinzu. Ich druͤckte ihre Hand an die Lippen. Sie zwang mich neben ihr niederzuſitzen. Wir ſprachen von andern Dingen. Unſre Mutter hatte ſich bald darauf in ihrem Cabinette eingeſchloſſen. Des Grafen ward nicht mit einem Worte unter uns gedacht. Endlich iſt die Nacht da! Ich bin allein! Ich ſchrieb Dir! Ich hoffte ruhiger dabei zu werden. Allein, Agnes, er iſt in meiner Naͤhe! wo nur? und wie kann, wie darf ich ihn ſehen? Juliette, dem fluͤchtigem Kinde ſoll ich mich anvertrauen? Woran denkt Alphonſe! wie kann ich das? Graf Dominique an Sir Clemens Aigrim. Schon einmal, mein verehrter Freund und Fuͤhrer, ſchrieb ich I n dem vaterlaͤndie ſchem Boden, aus den en Mauern des Fa⸗ „ millenſch iiger/ ka loten, zu nath! 3 leebereinſt Sie ſo u wirkſam ts der U wenn ich den weiß Sie gcfallen weil ſie Worte blieben/ ſie ſich wird ma Verluſte die ganz Wi auf dieſ dem klei gene W bin higer einer f ich e ſoll uſe/ — 71— milienſchloſſes. Aber es war ein truͤber, fluͤch— tiger, kranker Brief. Ich fuͤhlte mich zu ver— loren, zu einſam in der fremdgebliebenen Hei— math! Verlangen Sie auch jetzt noch nicht die Uebereinſtimmung und Ruhe von mir, welche Sie ſo ungern am Manne vermiſſen, deſſen Wirkſamkeit das Bleibende will. Rechnen Sie es der Unbekanntſchaft mit dem Schmerze zu, wenn ich dieſen noch immer nicht zu uͤberwin⸗ den weiß. Sie ſagten mir einmal, ſchwache Naturen gefallen ſich in der weichen Aufloͤſung der Trauer, weil ſie ihrer Unthaͤtigkeit Vorſchub leihe. Die Worte ſind mir ſo lebhaft im Gedaͤchtniß ge⸗ blieben, daß ich mich oͤfters beſchaͤmt frage, ob ſie ſich nicht etwa auf mich beziehen? Aber wird man denn wirklich ſo leicht mit einem Verluſte fertig, der mehr als unſer Gefuͤhl, der die ganze Richtung unſers Daſeins trifft? Wie kann ich anders, als bei jedem Schritte auf dieſem unterwuͤhlten Boden den Blick nach dem kleinen Huͤgel ri der eine untergegan⸗ gene Welt fuͤr mich ießt? à Niemals war mir die reife Erfahrung mei⸗ nes Vaters ſo nothwendig, als grade hier, wo ich mich in den wiederſprechenſten Verhaͤltniſſen befinde! Es giebt nichts Verſchiedeneres, als die Anſicht eines Standpunktes aus der Ferne, oder die wirkliche Behauptung deſſelben im Zu⸗ ſammenhange des Lebens. Man glaubt ſo oft ein Ganzes zu uͤberſehen. Es mag auch ſein, daß man den treuen Abriß davon in ſich traͤgt, aber welch ein Unterſchied zwiſchen dem Ueber⸗ blick und die Einſicht einer Sache! Sie wiſſen, mit welcher Sehnſucht ich im— mer die blaͤuliche Kuͤſte Frankreichs aus der Ferne begruͤßte. Da hinnuͤberſchiffen zu koͤnnen, ſchien mir der Inbegriff aller Wuͤnſche zu ſein. Ich bin nur hier, Aber wie weit tritt das alte Frankreich, was mir die Einbildungskraft meines Vaters mit ſo warmen Farben ſchilderte, wie weit tritt es von den Ufern, an die ich landete, zuruͤck! Es iſt, als habe die Zeit jene Heimath feiner Sitte, zarter Ehre, begeiſterter Vaterlandsliebe undmi en Einverſtaͤndniſſes, verſchuͤttet, und ein neu entdecktss Land, mit allen rohe an die 6¹ etwaö and wie nan unbequem, vutträglich Ach fernt, die Ja, ich n wieder kec auf. Das baren We lend, ke einer jet deutigem ſich in un It Weſen! mern ihr Ich geaͤngſtet weinen, Sie mei⸗ er, wo tniſſen 2 aſs erne, U⸗ ſo oft ſein, traͤgt, leber⸗ him⸗ 5 ded unen, ſein. das kraft erte, ich jene kter es, mit allen rohen Stoffen des Entſtehens kaͤmpfend, an die Stelle geſchoben! Es iſt unmoͤglich, hier etwas anders, als Truͤmmer zu entdecken! Und wie man dieſe auch ehrt, es wohnt ſich doch unbequem, mit den Zeitbedingungen ganz un⸗ vertraͤglich, in ihnen! Ach mein beſter Sir, wir ſind weit ent⸗ fernt, die Revolution uͤberſtanden zu haben! Ja, ich moͤchte behaupten, ſie flamme erſt jetzt wieder recht wild und verherend aus der Aſche auf. Das iſt die daͤmoniſche Natur dieſes furcht⸗ baren Ungeheuers, daß es in allen Farben ſpie⸗ lend, keine ganz rein laͤßt, in die Abſchattungen einer jeden hinuͤberſchillert, und mit ihrem zwei⸗ deutigem Colorit ſelbſt diejenigen taͤuſcht, welche ſich in unvermiſchter Einfachheit ſelbſt beſpiegeln! Iſt dies das Kleid der Zeit? oder ihr Weſen? Und ſollte Zerſtoͤren und Zertruͤm⸗ mern ihr Zweck ſein? Ich fuͤhle mich von ſolchen Qualen hier geaͤngſtet, die nur ihren Grund in dieſer allge⸗ meinen Ideenverwirrung haben! Sie wiſſen, geehrter Freund, ich habe le⸗ 4 benslang in einem Elemente geathmet, das jede ſolcher Einwirkungen von ſelbſt abwehrte. Die erſten Eindruͤcke, welche das Leben meiner Kin⸗ desphantaſie gab, waren Schauder vor dem Ge⸗ ſetzloſen, Abſcheu gegen rohe Sitte und frechen Uebermuth, tiefe Trauer uͤber die Zerſtoͤrung deſſen, was Jahrhunderte erbauten, was aus dem Innern des Menſchen hervorgehend, die Weltordnung begruͤndete. In dieſen Gefuͤhlen, die weit fruͤher mein Eigenthum waren, als Er⸗ kenntniß mir ſie geben konnte, wuchs ich heran. Mir iſt es natuͤrlich, daſſelbe in Andern vor⸗ auszuſetzen. Ich muß immer erſt zuruͤckgewieſen werden, ehe ich mich vom Gegentheil uͤberzeuge. Auf ſolche Weiſe kam ich hier her. Ich gab mich, wie ich bin. Man hat das mißverſtan— den. Ich empfinde es, und treteaus der unbe⸗ kannten Sphaͤre heraus, mit welcher meine Na⸗ tur ſich nicht vertraͤgt. So von Anfang herein auf mich angewie⸗ ſen, was Wunder, daß der Kummer mein treuer und einziger Gefaͤhrte blieb? Mit dem guten ſchoͤnem altem Schloſſe, 2 mit Lage futg O digenthüm überall un Müͤhe, die lächtſunig bringen, mesfläche Die raſll den feſten uͤberhange und ſeher nach und weitert, ſpreitet. umranken det, ein und Na Ernſt ti Leben be denlang denke J heſter G hs jede Die —r Kin⸗ en Ge⸗ echen rung aus —, die üͤhlen, ls Er⸗ ſeran. vor⸗ wieſen zeuge. gab ſtan⸗ nhe⸗ Na⸗ 1* „ — 75 mit Lage und Umgegend werde ich indeß beſſer fertig. Es iſt Character darin, und ein ſehr eigenthuͤmlicher! Die Ufer der Seine rufen uͤberall untergegangene Groͤße zuruͤck. Man hat Muͤhe, dieſe ernſte Ruinen mit dem Schimmer leichtſinniger Mode in Uebereinſtimmung zu bringen, und doch ſpiegelt dieſelbe Stroh⸗ mesflaͤche beider wiederſprechendes Daſein ab. Die raſtloſen Wogen netzen heut wie ehemals den feſten Fuß ſchroffer Felſen, dieſe nicken mit uͤberhangendem Haupt nach der Fluth hinab, und ſehen gedulgig zu, wie das ſpielende Waſſer nach und nach in die Schluͤfte dringt, dieſe er— weitert, und weiche Raſendecken uͤber die Steine ſpreitet. Pflanzen ſchießen empor, ihre Bluͤthen umranken die kahlen Waͤnde, der Schiffer lan⸗ det, ein gruͤnes Thal nimmt ihn auf. Menſch und Natur reichen ſich die Haͤnde. Der hohe Ernſt tritt ſtumm in ſich zuruͤck, das wechſelnds Leben beginnt ſeinen unaufhaltſamen Lauf. Stun⸗ denlang ſitze ich auf einem der Felsſtuͤcke und denke Vergangenheit und Gegenwart. Hier, beſter Sir, bin ich nicht allein. Es giebt nichts Wunderbares, was zugleich anziehend und erſchuͤtternd die Seele ergriffe, als dieſer Gegenſatz in den Bildungen der Zeit! Es verlohnte einer Reiſe hierher, geehrter Freund, um ſich mit mir in die ſeltſamen Raͤth⸗ ſel zu verlieren. Zwar giebt Ihnen Schottland aͤhnliche, vielleicht tiefſinnigere auf, allein man iſt ſo wenig gewohnt, in Frankreich dergleichen zu ſuchen, daß ich Ihnen zu der Bekanntſchaft helfen moͤchte. Gewiß die Phyſionomie dieſer noͤrdlichen Meeres Provinz, ließ auch ihren Bewohnern viel poetiſche Eigenthuͤmlichkeit, und einen ge⸗ wiſſen Familienzug der Aehnlichkeit mit dem uͤb⸗ rigem Norden Europas, den ich in den hoͤhern, gemiſchten Kreiſen ganz vermiſſe. Es gehen hier Sagen und Fabeln um, die ſich Abends am Kamin mit jenem wunderbar ſuͤßem Grauen anhoͤren, welchem auch der Phi⸗ loſoph ſelten wiederſteht. Mein beſter Geſellſchafter iſt ein allerlieb⸗ ſter Knabe, der Sohn eines der eifrigſtens Buo⸗ napartiſten, und ſelbſt ein kleiner Ketzer in die⸗ Narie de ühne Ueb det beidet Seine un ſten jener langbeto ſcheinen, die ung Am Ab Vrreini Caſtellan Unerrei lingens gende Pilger hier B Grahſt digleich grife, Zeit! ehrter Naͤth⸗ tland man eichen ſer Hinſicht. Aber ſo ein liebes Herz wie Eines, und ſo empfaͤnglich fuͤr das Wunderbare, ſo of— fen fuͤr jeden beſſern Eindruck, daß ich mich gern ſtundenlang von ihm erzaͤhlen laſſe. Durch ihn ward mir die Gegend auf uner⸗ wartete Weiſe belebt. Ich hoͤrte die Lieder der Marie de France wiederklingen, und ſahe nicht ohne Ueberraſchung den oft beſungenen Felſen der beiden Liebenden. Am Zuſammenfluß der Seine und Andelle, im tiefen Grunde des reich⸗ ſten jener Thaͤler, erheben ſich die beiden Zwil⸗ lingsberge, welche in ihrer Wurzel eins zu ſein ſcheinen, und nur durch fremde Gewalt getrennt, die ungebeugten Haͤupter zum Himmel richten. Am Abhange derſelben, unmittelbar uͤber der Vereinigung beider Fluͤſſe lag das Schloß des Caſtellans, der, wie ein Held alter Fabel, das Unerreichbare zur Bedingung menſchlichen Ge⸗ lingens machte. Noch findet man zerſtreut lie⸗ gende Steine, deren eingedruͤcktes Moos, die Pilgerfahrten junger Maͤdchen verrathen, welche hier Blumen und Zweige auf der verwitterten Grabſtaͤtte ungluͤcklich Liebender opfern. Sagen Sie mir, beſter Sir, was iſt es mit den nie alternden Volksſagen, die der Seele verwandt bleiben, durch alle Jahrhunderte? Mich hat dieſe immer beſonders geruͤhrt, weil der Boden, dem ſie entwuchs, mich unwieder⸗ ſtehlich an ſich zog. Jetzt ſehe ich die beiden Felſenkuppen mit ſonderbar gemiſchten Empfin⸗ dungen an. Mir faͤllt ſo Manches dabei ein, und wie die Bruſt des Menſchen ſelten von einem Gefuͤhl erfuͤllt iſt, ohne dies auf aͤußere Gegenſtaͤnde zu beziehen, ſo trage ich auch mein und des Marquis Geſchick auf die einſamen Steine uͤber. Im tiefſtem Grunde ungetrennt, wie ſie durch große Naturerſcheinungen geſpalten, ſehen wir beide nach dem einem Lichte uͤber uns. 9 Sir Clemens, nehmen Sie mir nicht den Troſt, daß es ſo iſt. Gewiß, Alphonſe will das Gute, das Rechte, er will es auf ſeine Weiſe. Kann er dafuͤr, daß er heißeres Blut, ſchnellern Aufflug der Ideen als ich, ein zu ſcharf geſpanntes Innere und leicht verlockte Sinne hat? Ach, und daß er nie einen Vater kannte, der fuͤr ihn lebte und litt? — 3c verloret Jigtim, d Ihn ſuch und Gott den laſſen! Die von unſer mile hat Verachtun heilbor ve don den er noch! es, der i waͤre es was nun Oft helos vor hinunter in die? zu der derdaten Tod, wi iſt es Oeele derte? veil jeder⸗ eiden npfin⸗ i ein, von I mein ſamen t, wie alten, uns. nicht will pine blut, Ich weiß es wohl, der Gefaͤhrte ging mir verloren, allein der Freund, der Freund Sir Aigrim, der blieb mir, darauf will ich ſterben! Ihn ſuche ich uͤberall! ihn ahnde ich uͤberall! und Gott und meine Liebe werden mir ihn fin⸗ den laſſen! Die neue Ordnung der Dinge ſchließt ihn von unſerm Bunde aus. Die aufgebrachte Fa⸗ milie hat ihn verſtoßen. Alphonſe iſt geſchaffen, Verachtung mit Trotz zu begegnen. Sein un⸗ heilbar verletztes Ehrgefuͤhl, wendet ſich empoͤrt von den unnatuͤrlichen Verwandten ab. Wenn er noch weiter in die Irre fortſtuͤrmt, wer iſt es, der ihn hetzt und treibt? Wie viel ſchoͤner waͤre es geweſen, durch Frieden zu verſoͤhnen, was nun ganz unvereinbar wird! Oft wenn mich mein beklommenes Herz ru⸗ helos von Ort zu Ort treibt, ich an den Strom hinunter laufe, und nicht aus noch ein wiſſend, in die Raͤthſel der Natur fluͤchte, gerathe ich zu der ſtarren Huͤgelreihe, die das Ufer in ſon⸗ derbaren Steinbildungen einfaßt. Hier iſt der Tod, wie druͤben das Leben. Die raſche Fluth, 1 1 — jedes Daſeins ſcheint ploͤtzlich gehemmt, ihr wel⸗ lenartiger Lauf in bleibenden Formen gehalten zu ſein. Wie die Wogen des Oceans, ragen die runden, abgeſtumpften Klippen, durch ſchroffe Abgruͤnde von einander getrennt, in ſchlaͤngeln⸗ der Kruͤmmung uͤber das Bett des Stromes hin⸗ aus. Es lockt den Wandrer nur ſelten, ſich dahinein zu verirren. Die finſtre Waldung, das klagende Geſaͤuſel der Tannen Wipfel, die wilde Unordnung gebrochener, verſchlungener Staͤmme, ein Chaos drohender Schlimppflanzen, ſcheuchen den Fuß zuruͤck. Unbebauet, tod und oͤde blieben Hoͤhen und Thaͤler. Wer ſich hie⸗ her verirrt, ſo iſt der Glaube, den haͤlt ein boͤ— ſes Kraut, das er fahrlos betrat, ſo lange auf einer Stelle gebannt, bis die Abendglocke zum Gebete laͤutet, und der Ruf zum Himmel die boͤſen Geiſter verſcheucht. Ihr Freund, Sir Clemens, wagte dennoch, es mit dieſen aufzunehmen. Oft ſieht mich die ſcheidende Sonne noch ungehindert die Hoͤhen erklimmen. Eine derſelben, auf welche die Sage Robert des Teufels Schloß verlegt, ſchroffer, als alle Uebt ſchtlche angen ſchen Aud vorzugöwe man hin Fabriken, langs den ihten Tir ſch der L me dem bedender Nähe un Seite it die gruͤn ſeine criſ Die endl Rouen dieſe La Nuͤcken, mit ſein ren Zwe von den I ihr wel⸗ thalten ragen ſchr offe ngeln⸗ 5 hin⸗ —n, ſich aldung, el, die ngener anzen, ſin boͤ⸗ — 8 1I— alle Uebrigen, von der Hand des Menſchen durch ſichtliche Abſchnitte und mauerartige Verſchan⸗ zungen herausgehoben, lockt mich der zauberi⸗ ſchen Ausſicht halber, die man von dort genießt, vorzugsweiſe an. Vom Gipfel des Felſens ſchauet man hinunter auf lachende Doͤrfer, bluͤhende Fabriken, auf Baumgaͤrten und Wieſen, die laͤngs den beiden Seiten der Seine, wie aus ihren Tiefen, herausſteigen. Linkerhand breitet ſich der Strom und ſtreckt ſeine geoͤffnete Ar⸗ me dem Meere entgegen, das wie ein weißlich bebender Schleier am fernen Horizonte ſeine Naͤhe ungewiß ahnden laͤßt. Von der andern Seite im Laufe des Waſſers, verfolgt das Auge die gruͤnen Inſelchen, zwiſchen denen der Strom ſeine criſtallene Bogen wie Bruͤcken ſchlaͤgt, und Sie endlich zu den prachtvollen Thuͤrmen von Rouen geleitet. Es giebt nichts Reicheres, als dieſe Landſchaft! Und nun die kalte Wand im Ruͤcken, das niedere Gehoͤlz, der todte Epheu mit ſeinen gebleichten Blaͤttern und langen duͤr⸗ ren Zweigen, die Todtenſtille umher, nur zuweilen von dem dumpfen Geroll der Wellen unterbro⸗ II. 151 ———— —— chen, begreifen Sie, wie mich der Contraſt an⸗ zieht? und welche Fuͤlle von Gedanken und Emp⸗ findungen ſich mir aufdringen. Unten in den Doͤrfern, in den Fiſcherhuͤt⸗ ten, erzaͤhlt Ihnen der Greis oder das bluͤhende Maͤdchen, die Geſchichte dieſes Felſens. Sie hoͤren von Robert und ſeinem Geſchlecht, das ſich in grauer Vorzeit verliert. Und wenn Sie denn in einſamer Stunde, zwiſchen dem Kra⸗ chen zuſammenbrechender Baͤume und dem duͤr⸗ ren Geklapper morſcher Zweige, das Gebruͤll des nahenden Wolfes hoͤren, wenn Sie ihm ſelbſt in finſterer Hoͤhlen, da, wo einſt die Gewoͤlbe des alten Schloſſes die Leichen Unzaͤhliger bargen, wenn Sie ihm dort begegnen, und das greiſe Haar des Thieres gegen ſchwarze Steinbruͤche ſchauerlich ſchimmert, dann glauben Sie zu er— leben, was Ihnen die Fabel berichtet! O troſtloſe Gegenwart! daß Du die Kin⸗ der der Zeit, zu den Ungeheuern in der Tiefe draͤngſt, und ſie dort kraͤftiger athmen, einen friſchern Zug aus der Schaale des Daſeins thun, als in Dir! 3ch angefang meinem Was wel ich ſagen begeguen Koͤn Wohnun nigtes⸗ ich, alles ſett un Es gehend des J neues! nehme Mißg ſtiften § aſt an⸗ Emp⸗ herhüͤt⸗ uͤhende Sie t, das n Sie Kra⸗ n duͤr⸗ uüll des ſelbſt lbe des argen, greiſe bruͤche u er⸗ Kin⸗ Tiefe ſeinen hun, Ich erſchrack heute, beſter Sir, als ich den angefangenen Brief nach ſo langer Zeit, auf meinem Schreibtiſch unvollendet wiederfand. Was werden Sie von mir denken? Was kann ich ſagen, um Ihrem unguͤnſtigem Urtheile zu begegnen? Koͤnnten Sie zu mir heruͤber, in meine Wohnung, im meine Lage, ja in mein gepei⸗ nigtes Innre ſehen, Sie wuͤrden, dafuͤr ſtehe ich, alles klar und natuͤrlich finden, was Ihnen jetzt unbegreiflich ſcheinen muß. Es war im November, da ich das Vorher⸗ gehende niederſchrieb. Jetzt ſind wir am Ende des Jannuar. Ein Jahr iſt beſchloſſen, ein neues begonnen. Wie vieles iſt in dieſer Zeit geſchehen! Ich blieb nicht lange einſam, Sir Clemens. Ich ſollte einen Gaſt in meinem Hauſe auf⸗ nehmen, an deſſen Ferſen Wiederſpruch und Mißgeſchick mit dem ganzen Gefolge unruhe ſtiftender Begleiter geheftet ſind. Koͤnnen Sie ahnden, wen ich meine? Ja, Sir Aigrim, Ihre Seele iſt groß genug, es zu —õ—— ÿÿ —— „—— — 84— faſſen, daß der verfolgte, der andersgeſinnte Freund, nur bei dem Einem Schutz ſuchen kann, der den Menſchen ſtets von ſeinen Verirrungen zu trennen wußte. Haͤtten Sie ihn geſehen, den ſtolzen Al⸗ phonſe, wie er in duͤrftiger Verhuͤllung, der Schatten ſeines ehemaligen Glanzes, ploͤtzlich vor mir ſtand, mit vollem Vertrauen meinen Beiſtand in Anſpruch nahm, ohne weiteres Er⸗ waͤgen der Umſtaͤnde das Schloß des aller ent⸗ ſchiedenſten Gegners ſeiner Sache, zum Zufluchts⸗ ort erwaͤhlte, und gewiß nicht einen Augenblick an meine Bereitwilligkeit ihn aufzunehmen zwei⸗ felte, beſter Sir, Sie wuͤrden mit mir fuͤhlen, daß ein ſo reiches Gemuͤth einen Schatz in ſich bewahrte, uͤber den die Umſtaͤnde nichts vermoͤ⸗ gen! Ich war ſo froh, ſo unausſprechlich froh, den Marquis wiederzuſehen, ich vergaß ſo voͤl⸗ lig, was uns auseinanderhielt, ich erwog nichts, als das er an meiner Bruſt, vor den Pfeilen ſeiner Verfolger geſichert ſein wollte, ich glaubte ſeine Sache zu der meinigen machen zu koͤnnen. Alls A dem gla als die mein tie ugenbl ſchneiden ſchen i fragen: nen Fei deinem dehen, Nacht chem aufſta ſehen ſagte glauc Peſinnte kann, rungen n Al⸗ , der ͤlich meinen es Er⸗ k ent⸗ uchts⸗ enblick zwei⸗ ühlen, d ſich rmaͤ⸗ roh, voͤl⸗ Alles Andre war ſo ganz vergeſſen, daß es zu dem groͤſten Schmerz meines Lebens gehoͤrte, als die erſten Worte aus dem geliebten Munde mein tiefſtes Gefuͤhl verletzend trafen, und ein Augenblick alle Beziehungen unter uns zu zer⸗ ſchneiden droheten. Etwas Fremdes trat zwi⸗ ſchen mich und den Marquis. Ich konnte mich fragen: Darfſt du den Rebellen, den geſchwor⸗ nen Feind deines Koͤnigs Obdach geben, ihn an deinem Heerde hegen, und der Gerechtigkeit ent⸗ ziehen, die dem Meuter und Unruheſtifter mit Recht nachſpuͤrt? Ach, das ſolche Frage bei ſol⸗ chem Wiederſehen in eines Menſchen Herzen aufſteigen kann! Mir war, als koͤnne ich Alphonſe nicht an⸗ ſehen! Er laͤchelte. Wirf bei Seite Dominique, ſagte er ſcherzhaft, was nicht fuͤr uns gehoͤrt, glaube mir, ich bin der Hetzereien in der Welt von Herzen muͤde. Einen Fleck muß der Menſch haben, auf dem er zu hauſe iſt. Bin ich es nicht bei Dir, ſage doch, wo gaͤbe es noch eine Heimath fuͤr mich? Er ſtand vor mir. Die Arme uͤbereinan⸗ — 86— dergeſchlagen, die ſeelenvollen Augen auf mich gerichtet, auf Stirn und Lippen, die leichten Schatten voruͤberfliegender Schwermuth— wir ſanken einander an die Bruſt— wie ſicher war ich von da an, daß Liebe und Freundſchaft kei⸗ nen Verrath dulden! Werden Sie es glauben, beſter Sir, daß ich mich jedesmal, ſo oft ich Alphonſe ſehe, da— ran erinnern muß, daß es etwas giebt, was unſre Lebenswege ſcheidet? Er iſt in allem An⸗ derm ganz der Alte. Dieſelbe Offenheit, das raſche Zufahren, und wieder die feine Zuruͤck⸗ haltung, jenes zarte Vorausempfinden, was Andren wehe thun koͤnnte. Gewiß, er beſitzt al⸗ les, um liebenswuͤrdig zu ſein und geliebt zu werden! Seine Natur und das, was dieſer durch die neuen Lebensbeziehungen unwillkuͤrlich an⸗ flog, gerathen deshalb in manchen Wiederſpruch. Alphonſe hat das Weeſen eines Menſchen, der niemals in andrer, als guter Geſellſchaft war. In ihm iſt die gewiſſe Durchdringung des Vor⸗ nehmen und Schicklichen mit dem ganzen Sein. Er mag waͤgen/ veſchwen monie, Vater dG zuſatze: davon th ner Repl des Ton Mitbewe den Mad Ähen keit be zu wo die Wa und w A gan ge bensb mit berei hältn ner uf mich leichten — wit her war laft kei⸗ ir, daß he, da⸗ t, was in An⸗ „ das Suruͤck⸗ „ was ſitzt al⸗ ebt zu durch „ an⸗ pruch. , der war. Vor⸗ ein. Er mag ſchweigen oder reden, handeln oder er⸗ waͤgen, gehen oder ſtehen, es iſt immer Har— monie, Grazie, Eleganz, was er ſagt und thut, verſchweigt und zugeſteht. Unzaͤhligemal hat mein Vater das lobend an ihm bemerkt, mit dem Zuſatze: er werde ſtets den Sieg uͤber Solche davon tragen, welche ſich zu einer Art moder⸗ ner Reputation hinauf arbeiten, und das Recht des Tonangebens deshalb uſurpiren, weil ihre Mitbewerber noch unter ihnen ſtehen, und auch den Maasſtab geſelliger Genialitaͤt verloren ging. Alphonſe, ſagte er, wird nie die Ungeſchicklich— keit begehen, durch etwas Einzelnes auffallen zu wollen, er wirft gleich das volle Gewicht in die Wagſchaale, und zeigt, was gediegen iſt, und was nicht. Aus dieſer innern Vollſtaͤndigkeit entſprin⸗ gen gewiſſe Anfoderungen an Umgebungen, Le⸗ bensbeduͤrfniſſe, Menſchen und die Unterhaltung mit dieſen, welche Alphonſe keinesweges in Ue⸗ bereinſtimmung mit ſeinen gegenwaͤrtigen Ver⸗ haͤltniſſen zu bringen weiß. Zieht ihn auch ei— ner Seits das Geheimnißvolle, die Dunkelheit — —— — 939g— verborgener Machinationen an, ſo ſtoͤßt ihn doch eben ſo oft das Eckige, Harte und Rauhe, was ihm auf ſeinem Pfade entgegen tritt, ge⸗ waltſam ab. Es ruͤhrt mich jedesmal, wenn er ſich mit angeborner Hineignung den kleinen Bequem⸗ lichkeiten des Daſeins uͤberlaͤßt, wie von dem Guten nur das Beſte fuͤr ihn zu paſſen, und er beſtimmt ſcheint, von dem fluͤchtigen Schaum feinerer Lebenselemente zu ſchluͤrfen! Und dann ploͤtzlich packt und ruͤttelt ihn jene getraͤumte Nothwendigkeit, der er ſich mit Stolz opfert. Er ſtuͤrmt hinaus, verſchmaͤhet nicht die ſchlech⸗ teſten Genoſſen, verleugnet Natur und Empfin⸗ dung, ſchwaͤrmt von Roͤmergroͤße, und wird ein gemeiner Legionar Soldat, der ſeinem Kaiſer den Thron wiedererkaͤmpfen will! zwiſchen bei⸗ den Extreimen in ihm, ſteht der denkende Menſch jetzigen Zeit, der ſcharf Erkennende, und da dieſer die unvereinbaren Richtungen nicht zu durchdringen weiß, ſo hat ſich ihm eine trockene, kalte Philoſophie aufgedrungen, welche die Gra⸗ zien des Verſtandes zu gezwungenen Dienerinen angelernter Syſteme, und ſein freies Betragen zu einem gekuͤnſteltetem macht. Bei ſeünglih gehalten, venn die nater ei häte. G phonſe ſc Liebe, A von aller hern die die Gel Uchel zriſe 6 t ihn Nauhe, itt, ge, Jer ſich ſequem, n dem n, und Pchaum d dann fraͤumte opfert. ſchlech⸗ empfin⸗ ird ein Kaiſer an bei⸗ denſch d da ht zu ſckene, Gra⸗ inen agen Bei allem dem ſiegt unendlich oft das Ur⸗ ſpruͤngliche in ihm. Er wird von einer Seite gehalten, die ihn uns wiedergewinnen koͤnnte, wenn die einfache Wahrheit nicht auch den Cha⸗ racter eigenliebiger Partheiwuth angenommen haͤtte. Sie verſtehen, was ich ſagen will. Al⸗ phonſe ſchrieb Ihnen fruͤherhin ſelbſt uͤber ſeine Liebe. Auch dies Verhaͤltniß, das unabhaͤngigſte von allen Zeitbedingungen in ſich, wird im Aeu⸗ ßern dieſen unterworfen. Die Leidenſchaft fuͤr die Geliebte haͤlt den Marquis hier zuruͤck. Urtheilen Sie, von welchen Kaͤmpfen er ſich zerriſſen fuͤhlt! Etwas Sonderbares iſt hier vorgefallen. Ich fuͤrchte faſt, die Phantaſie des armen Al⸗ phonſe iſt auf unnatuͤrliche Weiſe uͤberreitzt, der ganze Zuſtand ſeines Innern davon zer⸗ ſtoͤrt. Schon oft fand ich ihn Morgens bleich, angegriffen, auffallend ſtill. Ich wußte, er be⸗ —³ nutzte die Nacht zu geheimen Streifereien, und ſahe nur die Folge ſeiner Wanderungen in den verſtoͤrten Zuͤgen. Vor mehreren Tagen war ich noch ſpaͤt Abends bei ihm im Zimmer. Es fiel uns ein, Youngs Nachtgedanken zu leſen. Alphonſe liebt das Buch, und da unſere Gefuͤhle und Anſich⸗ ten ganz frei von allen dazwiſchentretenden Be⸗ ziehungen hier zuſammentreffen, ſo ſtand ich ſo⸗ gleich auf, nahm ein Wachslicht und ging nach dem anſtoßenden Schlafcabinet des Marquis, das Werk von ſeinem Schreibtiſch zu holen. Das Licht ward durch den Zug der aufgehenden Thuͤr ausgeblaſen, und wie ſich zuweilen ein neckender Daͤmon zwiſchen die gewoͤhnlichſten kleinern Unternehmungen ſchiebt, ſo wollte es mir trotz aller Muͤhe nicht gelingen, das Licht wieder anzuzuͤnden. Wir lachten viel uͤber mein Ungeſchick, und da Alphonſe endlich unge⸗ duldig ward, ſo ſprang er vom Sopha auf, er⸗ griff die andre, noch brennende Kerze, ließ mich im Dunkeln, und eilte nach dem Cabinet. Er war nicht eine Minute fort geweſen, — ſo ſuͤtzt Geſichtõ verſtehen in den teender in die S ihn erſte nicht fin Es unſers! gnete alſol ſich zu ſeinen der v vwu das Luſt anz ſen, und in den 4 ſpaͤt is ein, ſe liebt Anſcch⸗ en Be⸗ ich ſo⸗ g nach rquis, holen. henden en ein chſten te es Licht uͤber nge⸗ , er⸗ ſmich ſen, 91— ſo ſtuͤrzte er bleich und mit einem Ausdruck des Geſichts, den ich damals weit entfernt war zu verſtehen, und auch jetzt nicht beſchreiben kann, in den Sallon zuruͤck, ſetzte das Licht mit zit⸗ ternder Hand auf den Tiſch, warf ſich wieder in die Sophakiſſen, und ſagte erſt, nachdem ich ihn erſtaunt nach dem Buche fragte: Ich kann's nicht finden! laß nur heute! Es gehoͤrt zu den nothwendigen Ruͤckſichten unſers Beiſammenſeins, daß ich niemals nach dem forſche, was er geheim halten will. Ich zuͤgelte daher bis auf meine Blicke, und entge⸗ gnete gleichguͤltig: Auch gut! ein andermal alſo! Doch Alphonſe vermochte durchaus nicht ſich zu faſſen. Die Farbe ſchien fuͤr immer aus ſeinem Geſicht gewichen. Er verdeckte dies mit der vorgehaltenen Hand, indem er nur ſehr ge⸗ zwungen in einzelnen abgebrochenen Saͤtzen auf das einging, was ich ſprach. Da ich ihm bald darauf anmerkte, daß er Luſt habe, ſeinen gewoͤhnten Nachtſpatziergang anzutreten, ſo verließ ich ihn, ſeine Erſchuͤtte⸗ — 92— rung irgend einen verborgenen Rufe zuſchreibend, der unerwartet zu ihm gelangt, und von man⸗ cherlei Beunruhigendem begleitet ſein mochte. Aus aͤhnlicher Urſach erklaͤrte ich mir auch nachdem ſein laͤngeres Außenbleiben; was meh⸗ rere Tage hindurch waͤhrte. Ich hatte die Zeit benutzt auf den Schloͤſ⸗ ſern meiner Nachbarn Bekanntſchaften anzu⸗ knuͤpfen. Mir lag daran, meine Stellung unter ihnen auf ſolche Weiſe einzunehmen, daß jeder⸗ mann im Klaren uͤber mich ſein koͤnne. Al⸗ phonſe ſelbſt hatte mir dazu gerathen. Es ſchien ihm wichtig, mich gekannt zu wiſſen. Man ſoll die Verwirrung nicht noch dadurch mehren, ſagte er eines Abends, daß man ungewiß und zwei⸗ deutig auftritt. Du haſt eine Anſicht, einen Willen, Du wirſt auch, eine That haben, wenn es darauf ankommt. Er ſah mich hierbei for⸗ ſchend an, als wolle er fragen: Leſe ich in Deiner Seele, Dominique? wirſt Du Deinen Glauben mit Deinem Blute beſiegeln? Und iſt es, kann es Dir wirklich ſo ernſt damit ſein? r. Ich druͤckte ihm herzlich die Hand. Er zweifelte ht lͤng und dacht liche diag wieder auf ni Aus nach demn Einfluß al muth und wird. Die im Winte Patis er ten Crot hatte ich es ſich aufgegti zu laſſen 3 Welt Welt goßen Unſer ziemli reidend, n man⸗ ochte. ir auch 5 meh⸗ Schlaͤſ⸗ in anzu⸗ 9 unter 5 jeder⸗ e. A⸗ s ſchien Nan ſoll t, ſagte zwei⸗ einen wenn ei for⸗ ſich in einen nd iſt ſſein? ffelte nicht laͤnger. Aber ich nahm mir's zu Herzen und dachte ernſtlich daran, niemals eine aͤhn⸗ liche Frage, in irgend eines Menſchen Seele wieder aufkommen zu laſſen. Aus dem Grunde wandte ich mich zuerſt nach dem Hauſe einer Dame, deren geſelliger Einfluß auf die Gemuͤther durch Jugend, An⸗ muth und den Ruf des Verſtandes unterſtuͤtzt wird. Die Praͤſidentin de l'Horme bewohnt bis im Winter hinein ihr Landhaus, um ſich in Paris erwarten, und von allen neu gemach⸗ ten Eroberungen dahin begleiten zu laſſen. Sie hatte ich zu meiſt uͤber mich aufzuklaͤren, da ſie es ſich ſchon laͤngſt zur Aufgabe machte, mein aufgegriffenes Bild in ihren Kreiſen umhergehen zu laſſen. Ich fand eine gewoͤhnliche Frau, die alle Welt als ſolche kennet, und die dennoch dieſe Welt mit dem Zepter der Mode beherrſcht. Alle großen Staͤdte weiſen etwas Aehnliches auf. Unſer Friede war bald gemacht. Ich warf mich ziemlich unerwartet in ihren Weg. Sie ward uͤberraſcht und geſchmeichelt. Damit hat man das Urtheil der Frauen in Haͤnden. Meine alte Freundin, die Vicomteſſe, zog mich aus andern Gruͤnden an. Ich ſuchte ihre Tochter und ihre Enkelin bei ihr auf. Ich fand beide! Wie viel habe ich bei dieſem Beſuch in der Seele des ſchoͤnen ungluͤcklichen Maͤdchens gelitten. Sie empfing mich mit ſo großer Zu⸗ ruͤckhaltung, als ihre Mutter entgegenkommenden Eifer verrieth. Warum kann ich nicht offen mit Cecilia reden! Sie wuͤrde ſich bald uͤberzeugen, daß ſie von dem Freunde des Marquis nichts zu fuͤrchten hat! Ihr blaſſes, ſtilles Geſicht, war der Spiegel des geaͤngſteten Innern. Aus großen braunen Augen ſah ſie, noch matt von der Krankheit, die ſie eben erſt verließ, in das ungewiſſe Leben hinein. Der Blick ſuchte die Ferne. Es lag nicht Ungeduld, nicht Sehnſucht noch Schmerz darin. Etwas Ueberirdiſches moͤchte ich es nen⸗ nen, ſtrahlte in wehmuͤthiger Zuverſicht daraus hervor. Sie hatte, ohne es zu wollen, ſogleich meine ganze Theilnahme! Docl Alphonſe Die anft gei und die n heit mit genbtaune farbenen ſchwebte Hauſe Ich woll werde ie meinem aus.. Nieman Ich wie ſo, den E gen ge mine, Oturn im Se Ich 58 Kaͤdchens pßer Zu⸗ umenden ffen mit zeugen, ⁵ nichts Spiegel raunen nkheit, Leben s lag chmerz nen⸗ araus gleich Doch zuruͤck, zuruͤck auf mein Schloß! zu Alphonſe! zu dem, was ihn betrifft! Die ſchoͤne, ruͤhrende Geſtalt, das kleine, ſanft gerundete Geſicht, die weichen Mienen und die wunderbare Stirn, voll Ernſt und Ho⸗ heit, mit den fein gezeichneten ſchwarzen Au⸗ genbraunen und den leicht geringelten kaſtanien⸗ farbenen Loͤckchen, mit einem Wort, Cecilia ſchwebte auf meinem Wege, geleitete mich nach Hauſe. Der Marquis war nicht angekommen. Ich wollte ihn erwarten. Schlafen, wußte ich, werde ich doch ſobald noch nicht. Ich blieb in meinem Lehnſtuhl am Kamin. Das Feuer ging aus. Jerôme hatte ich zur Ruhe geſchickt. Niemand ſonſt mochte ich wecken. Mich fror. Ich wickelte mich in einem Mantel und blieb ſo, den Morgen zu erwarten. Es war ein entſetzliches Wetter. Der Re⸗ gen goß in Stroͤmen vom Himmel. Im Ka⸗ mine, an den Fenſtern heulte und raſſelte der Sturm. Mit ſuͤßem Behagen dehnte ich mich im Seſſel. Auch das Licht war niedergebrannt. Ich ſchloß die Augen. Es war eine ganze Welt — 96—. in mir. Zuletzt mochte ich doch wohl einge⸗ ſchlafen ſein. Mir traͤumte allerlei Undeutliches. Es war, als blitze die Flamme aus dem Kamin in hellen Funken. Der Schein ſchnitt mir in die Augen. Ich riß dieſe weit auf. Der Mar⸗ quis ſtand mit einem brennenden Lichte vor mir, obgleich der Tag ſchon zu den Fenſtern hinein⸗ ſah. Der Doppelſchein machte mich irre. Ich fuhr, wie ein ungeſchickt Erweckter, ungeſtuͤm auf, und Alphonſe heftig beim Arm faſſend, rief ich: Du hier? was willſt Du von mir? Der Marquis ſtand uͤber mich gebeugt. Sein herabſehendes Auge lag ſtarr auf dem mei⸗ nem. Bei dem erſtem Ton meiner Stimme ſeufzte er tief auf. Ich glaube, er ſagte: Gott⸗ lob! Du wachſt! Dann ſetzte er ſich, das Licht in der Hand behaltend, mir gegenuͤber in einen Fauteuil. Er lehnte den Kopf gegen die hohen dunklen damaſt Polſter, und ſchien in ſich mit etwas zu kaͤmpfen. Erſt jetzt ermunterte ich mich voͤllig. Ich ſah, daß Alphonſe ganz entkleidet, das Haar in wilder Verwirrung, eben aus dem Bett geſprun⸗ gen ſein häͤlung glühenden die ihm n lodtblaſſen ſintr anſt ds Pah Wan ℳ 46 ch, was glaube, Es Auodeue lag. J Bewuß auf ein Verſuch ihm ſo vngkeic zu g. J dem und h klapy 6 vhl deutliches. in Kamin f mir in Der Mar⸗ vor mir, hinein⸗ tre. Ich ungeſtuͤm fend, rief 7 gebeugt, dem mi⸗ Stimme * Gott⸗ as Licht in einen hohen ſich mit Ich faar in ſprun⸗ einge⸗ gen ſein, in der Eil, nach der erſten beſten Um⸗ huͤllung greifend, eine Japaniſche Bettdecke, mit gluͤhenden Farden durchwirkt, gefaßt haben mußte, die ihm nun uͤber beide Schultern hing, und dem todtblaſſen Geſicht, den bebenden Muskeln, und ſtarr anſtraͤubenden Locken vollends die Schauder des Wahnſinns lieh! Was, ums Himmels Willen, Alphonſe, rief ich, was haſt Du? Wie ſiehſt Du aus? Ich glaube, laͤchelte er krampfhaft, ich fuͤrchte mich! Es iſt nicht zu beſchreiben, welch gemiſchter Ausdruck in dem Augenblick in ſeinen Zuͤgen lag. Mein Erſtaunen mochte ihm das voͤllige Bewußtſein wiedergeben. Er ſetzte das Licht auf einen Tiſch neben ſich, und machte einen Verſuch aufzuſtehen, allein die Knie zitterten ihm ſo ſichtlich, heftiger Froſt ſchuͤttelte ihn ſo ungleich zuſammen, daß er nicht von der Stelle zu gehen vermochte. Ich glaube, ich werde krank! ſagte er, in— dem er ſich dichter in die bunte Decke einhuͤllte und kaum die Worte zwiſchen den zuſammen⸗ klappenden Zaͤhnen herausbrachte. Das waͤre II. 171 — 98— entſetzlich! jetzt, ganz entſetzlich! rief er mehr⸗ mals.. Als er indeß meine Unruhe wahrnahm, raffte er ſich zuſammen. Es iſt nichts, Domi⸗ nique, in der Welt nichts, als ein Traum! ver⸗ ſicherte er mit ſo erloſchenem Auge und ſo ent— ſtellten Mienen, daß es mir durch die Seele ging. Aber, fuhr er fort, in dem Zimmer unten kann ich nicht bleiben, durchaus nicht! Sage mir, kennſt Du die Geſchichte dieſes Zimmers? ſetzte er geſpannt hinzu. Im Geringſten nicht, erwiederte ich. Ich begriff nicht, was er damit wolle, und drang lebhaft in ihn, mir die Urſach ſeines geaͤußerten Wiederwillens zu erklaͤren. Es wird Dir laͤcherlich duͤnken, ſagte er verlegen, doch nimm es, wie Du willſt. Es giebt gewiße Dinge, gegen welche das Phyſiſche in uns nicht aushaͤlt. Siehſt Du, fuhr er fort, ſeit ich hier bei Dir wohne, ſchlafe ich keine Nacht ruhig, ohne von einem aͤngſtigendem, wahnwitzig machendem Traumgeſicht gequaͤlt zu werden. Ja, ich kann kaum noch annehmen, duß ich bleibt. gen/ 1 löſung gang ge eines ka angſtvo iſ, alb Sinne Teaume etwas werden der I ſaht; mich Weile erwach nen bewe hat then er mehr, hruahm, Donii⸗ im! ver⸗ ſo ent⸗ ie Seele er unten — Sage mmers? en nicht, er damit ie Urſach ſaͤren. agte er lſt. Es hyſiſche er fort, ih keine endem, alt zu hmen, daß ich traͤume, wenn alles in mir ſich bewußt bleibt. Dominique, kaum ſchließe ich die Au⸗ gen, kaum uͤberlaſſe ich mich jener ſtillen Auf— loͤßſpung des Innern, die dem Schlummer Zu⸗ gang geſtattet, ſo hoͤre ich den dumpfen Tritt eines raſtlos umherlaufenden Weſens, das mit angſtvoller Schnelle das Zimmer durchlaͤuft. Es iſt, als ſei es dies Geraͤuſch ſelbſt, was meine Sinne bindet, und mich in den Zuſtand des Traͤumens gefangen haͤlt. Drauf ploͤtzlich reißt etwas an die Vorhaͤnge meines Bettes, dieſe werden geoͤffnet, und eine Frau von ſo zuͤrnen⸗ der Miene, daß mir das Blut zu Eis erſtarrt, ſieht zu mir herab, faßt meinen Arm und zieht mich mitten ins Zimmer, wo ich dann nach einer Weile, von Todesſchweiß uͤbergoſſen, wirklich erwache. Hier ſchwieg Alphonſe. Seine Augenbrau⸗ nen zogen ſich duͤſter zuſammen. Er ſtarrte un⸗ beweglich vor ſich hin. Und, fragte ich leiſe, hat ſich das wiederwaͤrtige Weſen Dir nie wa⸗ chend gezeigt? Er ſchuͤttelte den Kopf. Lieber Alphonſe, 6 — 100— ſagte ich ſehr bewegt, ihn in ſo unnatuͤrlichem Wahn gefangen zu ſehen, Du biſt ganz aus dem Gleichgewicht mit Dir ſelbſt herausgetreten, Du bringſt einen Theil der Nacht auf der Heer⸗ ſtraße zu, Du ſtrengſt Dich unnatuͤrlich an, Dein Blut, Deine Seele ſind in ſteter Arbeit, wie willſt Du, daß Dein Schlaf ruhig ſei? Ja, ja, verſetzte er, zu mir aufſehend, es kann wohl alles ſein, aber erklaͤre mir, weshalb neulich, als wir Abends beiſammen waren, und ich, das Buch zu holen, in mein Cabinet ging, die Vorhaͤnge meines Betts raſch zugezogen wurden, und ich die Hand noch ſah, welche die Falten des Stoffes zuſammenfaßte? Lieber, Beſter, entgegnete ich, Du biſt ein⸗ mal in einer angeregten Stimmung, was ſieht man in ſolcher nicht alles! Gut, gut, ſagte er, wie jemand der in ſich vom Gegentheil uͤberzeugt iſt, allein ich kann mich der Qual nicht laͤnger ausſetzen, ſei es durch mich, oder durch fremde Gewalt in den fluͤchtigen Minuten der Ruhe geſtoͤrt zu werden. Heute vollends, wo mich die kalten Arme feſt umſchlan mers kil dicht an Worte: f That war dem Marc 3h konnt unbemerk und St gegangel tigen La Fall der unmoͤgli Furcht, oder d blieb a aufs mit de finden klichem s dem i, Du Heer⸗ h an. lebeit, ei? ind, es eshalb t, und ging, aogen ſche die ſt ein⸗ ſieht ſ kann i es den pen. feſt — 101— umſchlangen, und bis auf die Schwelle des Zim⸗ mers trugen, das ſchaudervolle Leichengeſicht dicht an mein Ohr lag, und ich deutlich die Worte: fort, fort, fort, von hier, oder Du biſt des Todes! hoͤrte, heute, bringt mich niemand in das Hexenzimmer zuruͤck. Die entſchieden ausgeſprochene Erklaͤrung ſetzte mich in große Verlegenheit. In der That war jener Theil des Schloſſes, den ich dem Marquis einraͤumte, der einzige unbewohnte. Ich konnte nicht hoffen, ihn irgend anderswo unbemerkt zu verbergen. Indeß hatte er Zeit und Stunde, das Verraͤtheriſche des voͤllig auf⸗ gegangenen Tages, die Gefahr ſeiner gegenwaͤr⸗ tigen Lage, und meine Verantwortlichkeit, im Fall der Entdeckung, vergeſſen. Es wäͤre mir unmoͤglich geweſen, ihn daran zu erinnern, aus Furcht, mein Intereſſe dadurch voranzuſtellen, oder doch deſſen beſchuldigt zu werden. Alphonſe blieb alſo, und zoͤgerte, in ſichtlicher Scheu, ſich auf's Neue in irgend einem verrufenen Winkel mit den Kobolden des Schloſſes allein zu be⸗ finden. — 102— Ungluͤcklicher Weiſe ſtand die Thuͤr zu dem Nebengemach halb offen. Ein kleiner, ver⸗ wachſener Alter, dem das Geſchaͤft des Bohnens uͤberkommen iſt, war leiſe und heimlich, wie er in allem verfaͤhrt, da hineingetreten, um ſein Tagewerk fruͤh zu beginnen. Er mochte ſchon eine Weile in unſrer Naͤhe ſein, ehe ich eine Ahndung davon hatte. Jetzt ploͤtzlich hoͤre ich an der Thuͤr raſſeln. Wie ein Blitz ſprang ich auf den Marquis zu, ergriff ihn bei der Hand, und zog ihn durch eine Reihe moderner Prunk⸗ zimmer, die mein Vorgaͤnger bewohnte, und welche mir, wegen einer Art kleinlicher Elegance, verhaßt ſind. Am aͤußerſten Ende derſelben hieß ich den Marquis verweilen. Das Zimmer iſt hell und freundlich, und wird hoffentlich die wunderlichen Grillen von Geiſtererſcheinungen vertreiben. Seitdem iſt Alphonſe dort eingewohnt. Er verſichert, nicht wieder die leiſeſte Andeutung ſeines Traumbeſuchs geſpuͤrt zu haben. Er iſt ruhig, ja ſogar heiter. Ich bin das nicht, und kann es aus doppelten Gruͤnden nicht ſein. Ein⸗ mal iſt Gnomeni gaſt Feet welche fel Marquis, noche b prruͤttet! graben ſe verhaͤlt e koͤnnen S einen 1 RMe ſtündlich Manz nige erl nes Ein waͤhnt. welche Geſinr ſie zie Anſeh Mien Gehe du dem „ der⸗ ohnens wie er ſein ſchon ſch eine öre ich ng ich Hand, Prunk⸗ „ und egance, n hieß er iſt die ungen Er tung r iſt und Ein⸗ — 103— mal iſt es ungewiß, ob der lauernde kleine Gnome nichts von dem laͤngſt geahndeten Schloß⸗ gaſt geſehen hat? Und waͤre es auch nicht, welche feindliche Macht, in oder außer dem Marquis, hat ſich gegen ihn verſchworen? Ver⸗ mochte bloßer Fieberwahn ſo viel uͤber ihn? wie zerruͤttet muß dann ſein feſter Bau, wie unter⸗ graben ſeine bluͤhende Geſundheit ſein? Und verhaͤlt es ſich nicht ſo?— Sir Aigrim— koͤnnen Sie ſolche Moͤglichkeit denken, und noch einen Augenblick Ruhe genießen? Meine Beſorgniſſe wegen Alphonſe wachſen ſtuͤndlich. Ich war bei Frau von l'Horme. Man zeigte ſich zuruͤckhaltend gegen mich. Ei⸗ nige erlaubten ſich verſteckte Anſpielungen. Mei— nes Einſiedlerlebens ward ziemlich ſpoͤttiſch er— waͤhnt. Einige von der vorigen Regierung, welche unter dem neuen Kleide, noch die alte Geſinnung hegen, traten mir naͤher, und da ich ſie ziemlich trocken abwies, gaben ſie ſich das Anſehen, mich zu verſtehen, und deuteten durch Kienen und vielſagende Blicke an, daß ſie im Geheimniß ſeien. ———.— ——— Frau von l' Horme nahm mich endlich bei Seite, und fluͤſterte mir vertraulich in's Ohr: Muth zu haben! In der Hauptſache ſei ich verrathen! An Zuruͤcktreten laſſe ſich kaum noch denken! Vielleicht liege auch der Augenblick nicht allzufern, der entſcheidend die Geſinnung eines Jeden zur Sprache bringen werde. In dem Falle, Madame, entgegnete ich mit kaum erzwungener Faſſung, denkt der Mann von Ehre, jeder muͤßigen Frage uͤberhoben zu ſein. Auch ſcheint mir der Augenblick, den Sie noch unter den Schleier der Zukunft verhuͤllt glau— ben, bereits eingetreten. Denn Sie werden uns doch nicht mit der furchtbarſten aller Drohungen ſchrecken wollen, Frankreichs Geſchick ſei noch nicht verſoͤhnt? und zu ſeiner Schmach ſolle es noch einmal als treulos und wortbruͤchig von der Hand der Geſchichte gezeichnet werden? Die Praͤſidentin ſchlug die Augen zum Himmel auf, wechſelte die Farbe wie die Spra⸗ che, und ſchwor: niemand waͤnſche ſo ſehr die Ruhe des Vaterlandes geſichert zu ſehen, als ſie. Doch lag ihr Auge hierbei geſpannt auf dem meinigen. mich, ſch ſchen laͤng Dies/ iigniſſ d hen Bejil bea ruhie it kein ge Vertrauen Augenblic heit meine dung get Uaglaͤckl Kann ich Ehre geb fuͤr Alpl Pfeilen! dibt endlich ͤbber. und Il lih be s Ohr: ſei ich ſin noch ſck nicht g eines ich mit an von u ſein. ie noch t glau⸗ en uns hungen 1 noch olle es g von meinigen. Sie ward verlegen, und ich entfernte mich, ſehr uͤberzeugt, das Verrath und Intrigue ſchon laͤngſt hier die Hand im Spiele haben! Dies, beſter Sir, ſind die ſonderbaren Er⸗ eigniſſe, durch welche die einfachen und natuͤrli⸗ chen Beziehungen meiner neuen Lage verwirrt, in ihrer ruhigen Entwickelung gehemmt werden. Es iſt kein geringer Verluſt, wenn ich hierdurch das Vertrauen der Beſſern einbuͤßen, und nur einen Augenblick Gefahr laufen koͤnnte, die Unbefleckt⸗ heit meines Rufes durch den Hauch der Verlaͤum⸗ dung getruͤbt zu ſehen! Es waͤre ein grroßes Ungluͤck! Doch was wollen Sie, daß ich thue? Kann ich anders handeln, als Freundſchaft und Ehre gebieten? Ach es waͤre leichter geweſen, fuͤr Alphonſe zu ſterben, als ſich von dieſen Pfeilen bedrohet zu ſehen! Leben Sie wohl, Sir Clemens. Ich ſchicke endlich heute dies dicke Packet zu Ihnen hin⸗ uͤber. Laſſen Sie mir es nicht an Ihren Rath und Ihren Segen fehlen! —— Cecilia an Agnes. Du haſt recht. Mißlich iſt die Sache im⸗ mer! Schon deßhalb, weil ich mit mir ſelbſt nicht daruͤber einig werden kann. Mein Gott, wie natuͤrlich hatte ſich das alles ſo von ſelbſt geſtaltet! und wie entartet und verdammlich wuͤrde es nun der Welt erſcheinen! Aber ſieh'ſt Du Liebe, das iſt es grade, was mich in mir ſelbſt befeſtigt. Die Welt hat uns ausgeſtoßen. Denn glaubſt Du wirklich, mein Geſchick ſei von dem des Marquis zu trennen? Kannſt Du, die Du mein Innres, wie das Deinige kennſt, kannſt Du denken, ich halte mein gegebenes Wort fuͤr geloͤſt, weil die Um— ſtaͤnde eines Bundes ſpotten den gegenſeitige Vertraͤge heiligten? Sage doch, was waͤre es denn geweſen, wenn wirklich der prieſterliche Segen ſchon uͤber uns geſprochen, wenn ich ſeine Gattin war? Wuͤrde man dieſe Ehe etwa auch fuͤr unguͤltig erklaͤrt, wuͤrde man verſucht haben, ſie zu trennen? Und hat Alphonſe etwa weni— —— ger das Geluͤbbde unverbruͤchlicher Treue von mir, als er es dann haben wuͤrde? Nein, das wenigſtens leidet keinen Zweifel. Weßhalb aͤngſtige ich mich denn aber mit unauf⸗ hoͤrlichen Vorwuͤrfen? warum kann ich den guͤ— tigen Blick der Vicomteſſe nicht ertragen? wie kommt es, daß unſere Mutter, gegen die ich in ſo vollem Recht zu ſein dachte, mir jetzt die Scheu des boͤſen Gewiſſens einfloͤſt? Ich zittre, wenn ich am hellem Tage ihren Fußtritt hoͤre, mir klopft das Herz bis zum Zerſpringen der Bruſt, ſo oft ſie ſich meinem Stickrahmen naͤ⸗ hert, und mit Theilnahme den Fortſchritten meiner Arbeit zuſieht. Du kennſt, wie ich, die ganze Macht ihrer Worte, wenn ſie dieſe in die Anmuth eines beruhigten und hoffenden Ge— muͤthes kleidet, das nur noch bemuͤhet iſt, kleine Unbilden vergeſſen zu machen. Agnes ich glaube in die Erde zu ſinken, wenn ſie ſo zu mir ſpricht! Geſtern zog ſie ihren Seſſel neben den mei⸗ nigen. Sie fragte, ob ſie mir bei der Arbeit vorleſen ſolle? Ihre Stimme hatte ſo etwas Schmeichelndes. Ihr Auge ſchien bis in den Grund meiner Seele leſen zu wollen. Es rieſelte bebend durch alle meine Glieder. Ich ergriff ihre Hand. Ein Strom von Thraͤnen benetzte dieſe. Gutes, armes Kind! ſagte ſie mit halb⸗ erſticktem Seufzer. Meine einzige liebe Schwe— ſter, ich kann es Dir nicht beſchreiben, wie ganz zernichtend der Klang dieſer beiden kleinen Worte mein Gewiſſen traf. Warum das alles, wenn ich nichts thue, was meiner Pflicht entgegen iſt? Ich rede taͤg⸗ lich mit Alphonſe daruͤber. Ach meine Liebe, ich verſtehe ſein Herz weit beſſer, als ſeine Philoſophie. Dieſe muß doch oft ihre Zuflucht zu der Despotie des Eigenwillens und den Ge⸗ ſetzen ſtolzer Irrthuͤmer nehmen. Was er ſagt, leuchtet dem Verſtande oft vollkommen ein, ohne jedoch ein gewiſſes Etwas im Innern zu beru⸗ higen. So lange wir beiſammen ſind, empfinde ich das ganze Uebergewicht ſein r Gruͤnde, ich bewundre den Scharfſinn, die Krarheit, die Ener⸗ gie mit der er ſie entwickelt, er reißt mich hin, alles in mir und außer mir, traͤgt eine andre :4 Furbe, ich entſchloſſe jenuu wolle Aber tauſend ve muß ichd traulichen Ftiede und gefihr abh meine Se der in vie ſeinen ge kaum er! allen St Ach ſchmaͤhet Wegel, Frauen und we doch nik Wirſt daß es, in den rieſelte exgrif beneßte it halb⸗ Schwe⸗ vie ganz Vorte thue, de taͤg⸗ Liebe, s ſeine duflucht en Ge⸗ ſagt, ohne beru⸗ pfinde e, ich Ener⸗ hin, indre Farbe, ich verlache meine Peinlichkeit, und bin entſchloſſen, daruͤber, als einer beſchaͤmenden Characterſchwaͤche zu ſiegen, es koſte was es wolle. Aber bin ich denn allein, habe ich mit den tauſend verwirrenden Nuͤckſichten zu kaͤmpfen, muß ich vor einem dreiſtem Auge, einem ver⸗ traulichen Laͤcheln erroͤthen, denke ich, daß Ruf, Friede und Gluͤck der meinigen, von einem Ohn⸗ gefaͤhr abhaͤngt, ſo befaͤllt ein Gefuͤhl der Schuld meine Seele, ein Druck, eine Qual, wie jemand der in niedrer, gemeiner Kleidung, mitten unter ſeinen gewohnten Umgebungen daſteht, ſich ſelbſt kaum erkennt, und im Gefuͤhl der Erniedrigung allen Stolz angeborner Wuͤrde empfindet. Ach Agnes, eine freie, offne Seele, ver⸗ ſchmaͤhet ewig die engen Kruͤmmungen dunkler Wege! Ich verſtehe es nicht, wie es ſo viel Frauen giebt, die nur in der Intrigue leben und weben! Fuͤr mich hat wohl das Geheimniß, doch nimmermehr die Heimlichkeit einen Neiz. Wirſt Du mich verſtehen, wenn ich Dir ſage: daß es Momente giebt, in denen ich Alphonſe — 110— ehr weit weg von mir, als um den Preis an meiner Seite wuͤßte? Wie ich es nur anfange ihn zu ſehen? fragſt Du. Ach mein Gott, nichts leichter von der Welt. Niemand hat eine Ahndung von des Marquis Anweſenheit in Frankreich. Ich ge⸗ nieße der unumſchraͤnkteſten Freiheit, und Ju⸗ liette und Aubin ſind nicht umſonſt in meiner Naͤhe! Wie ſchlau es aber Alphonſe anfaͤngt, hier unentdeckt zu bleiben? wo er iſt? wer ihn ver⸗ birgt? ſiehſt Du lieber Engel, daruͤber hege ich nur dunkle Ahndungen! Doch auch gegen Dich, wuͤrde ich dieſen nicht Worte geben. Wie vie⸗ les bleibt ſo ungeſagt, ſelbſt zwiſchen zwei zaͤrt⸗ lichen Schweſtern! Ueberhaupt, das Leben macht ſo vorſichtig und ſo ſtumm! Ich bringe oft ganze Abende hin, ohne eine Sylbe zu reden. Vor einigen Tagen war Graf Dominique einmal wieder hier. Der Mut— ter blieb er ſchon viel zu lange aus. Sie war in der ganzen Zeit verdruͤßlich geweſen, und zoͤ⸗ gerte ſichtlich mit ihrer Abreiſe nach Paris, um die onget henden zu dahin iu iußere Au ſch theilne digte, offe Gifähl d ſchien, v mung. S höchſt verb vußte ih Ideen d die Seit daß er a ſpraͤch in Ein gendem G Sie war tigt, vi nur mie ten, d Stirn mit w hot, hier hu ver⸗ hege ich ſeen Dich, wie vie⸗ ei zaͤrt⸗ macht ohne n war — 11— die angeknuͤpfte Bekanntſchaft zu einer fortge⸗ henden zu machen. Daß es nun doch endlich dahin zu kommen ſchien, daß der Graf ohne aͤußere Auffoderung ſeinen Beſuch wiederholte, ſich theilnehmend nach unſerm Ergehen erkun⸗ digte, offener, hineigender, ja im ungewohntem Gefuͤhl verwandlicher Beziehungen, zaͤrtlich ſchien, verſetzte ſie in die angenehmſte Stim⸗ mung. Sie redete mit großer Leichtigkeit und hoͤchſt verbindlichem Intereſſe mit ihrem Gaſt, ſie wußte ihn unwillkuͤrlich in den Gang ihrer Ideen zu verflechten, und beruͤhrte ſo geſchickt die Saiten, wo ſie gewiß war ihn zu treffen, daß er auf das Lebhafteſte angezogen, daß Ge⸗ ſpräch im raſchem Schwunge erhielt. Eine Weile hatte die Großmutter dem ſtei⸗ gendem Eifer beider mit Wohlgefallen zugeſehen. Sie war vielleicht zu ſehr in ſich ſelbſt beſchaͤff— tigt, vielleicht auch unwohl, kurz ſie verſcheuchte nur mit Muͤhe die gewiſſen nachdenklichen Schat⸗ ten, die wir ſonſt wohl uͤber ihre liebe, helle Stirn ziehen ſahen. Leiſer als gewoͤhnlich, und mit weit weniger Lebhaftigkeit begann ſie nun — 142— auch Eins und das Andre zu ſagen. Die Ver⸗ gangenheit ward ſehr natuͤrlich von denen be⸗ ruͤhrt, welche die Gegenwart, uͤber eine breite Kluft hinaus, an jene anzuknuͤpfen haben. Die Vicomteſſe wiederſteht dem Zauber dieſer Erin— nerungen niemals. Eins und das Andre kam zur Sprache, der Hof, die Geſellſchaft, und wie der Vater des Grafen zu dieſer geſtanden hatte, von ſeiner Schoͤnheit, den edlen Sitten dama⸗ liger Zeit, u. ſ. w. Anfangs hoͤrte ich gern zu. Dann aber ward mir das Zimmer, die Luft zu enge, ich ließ die Haͤnde mit der Arbeit in den Schooß ſinken, und ſahe nach dem hohen Fen—⸗ ſter auf, zu welchem der Mond im vollem Glanze hineinſchien. Mir pochte das Herz, ich dachte, wie oft er da druͤben auf dem Berge die Gefahr⸗ vollen Pfade zweier Liebenden beleuchtet hatte, die zu ſeinem Lichte fluͤchten muͤſſen, wollen ſie die tiefſte Seele aus ihren Augen zueinander ſprechen laſſen, Alles, wie traurig unſre Lage, und wie gluͤcklich wir doch augenblicklich waren, floß in dem mattem Silberſchein, der ſo ma⸗ giſch die Scheiben hinunter glitt, zuſammen. Ich velg die Neug ſchen laͤng und ditſe ſand er meinen B hen Sie, drüͤben ſo von der nicht, wes hingeſproe ſtand ede Auge au minique mit ſond Vieomteſt ren Sie ſagte dr ten, daß fragt zu ſah von gehot. nicht w Il Die B henen be, ſie breite ben. Die ſer Erin⸗ dre kam und wie en hatte, n dama⸗ Pern zu. Luft zu in den hen Fen⸗ Glanze dachte, Hefahr⸗ hatte, len ſie nander Lage, varen, ) ma⸗ men, Der⸗ — 113— Ich vergaß, daß unbewachte Ruͤhrung immer die Neugier Andrer erregt. Der Graf mochte ſchon laͤnger mein muͤßiges Hinſtarren auf ein und dieſelbe Stelle wahrgenommen haben. Jetzt ſtand er auf, trat hinter meinen Stuhl, und meinen Blicken folgend, ſagte er halblaut: Se⸗ hen Sie Geiſter, Fraͤulein? In den Bergen druͤben ſoll es umgehen. Hoͤrten Sie niemals von der ſeltſamen Geſchichte? Ich weiß es nicht, weshalb mich die bedeutungsloſen, leicht hingeſprochenen Worte, ſo beunruhigten. Ich ſtand ebenfalls auf, als ſcheue ich, laͤnger das Auge auf die verrufene Stelle zu heften. Do⸗ minique war ſehr ernſt geworden. Er ſah mich mit ſonderbarer Schwermuth an, waͤhrend die Vicomteſſe meine Furchtſamkeit beſpoͤttelte. Wa⸗ ren Sie noch nicht auf dem jenſeitigen Ufer? ſagte er ſo leiſe, in ſo zuſammenfließenden Lau⸗ ten, daß nur meine Scheu, gerade danach ge⸗ fragt zu werden, dieſe auffaſſen konnte. Ich ſah von ihm weg, und that, als habe ich nichts gehoͤrt. Daß er das ſo hinnahm, das Geſagte nicht wiederholte, uͤberall meine Verlegenheit II.[18] — 114— durch ſchnelles Zuruͤcktreten ſchonen zu wollen ſchien, das, liebe Agnes, giebt mir uͤber ſehr Vieles Licht. Dominique muß ein Engel oder ein Heuchler ſein. Ich fuͤrchte, die Großmutter faͤngt an, ihn fuͤr etwas, dem Letztern Aehnli⸗ ches, zu halten! Sie wird einſylbig, ſo oft die Rede von ihm iſt. Wer weiß aber auch, aus welchen Gruͤnden! Neulich verſicherte mir Au⸗ bin zwar, man erzaͤhle ſich allerlei von dem neuen Schloßherrn druͤben. Er ſei klug genug, es mit zweien Herren zu halten, und wenn er ſich vor dem neuen beuge, ſo reiche er dem Alten unbemerkt die Hand auf dem Ruͤcken. Ich habe kein Urtheil uͤber ihn. Doch ſieht er zu edel aus, um den Schatten des Betruges in ſeiner Seele zu dulden. Der Baron fertigt jede, gegen den Grafen ge⸗ richtete Verlaͤumdung, mit einem kurzen, wegwer⸗ fendem Achſelzucken, und den Worten: Dumm⸗ heiten! Dummheiten! ab, indem er gleich dar⸗ auf hinzuſetzte: Fuͤr halbe Maaßregeln iſt der nicht, dafuͤr moͤchte ich gut ſagen. Die Großmutter hoͤrte dieſe und aͤhnliche Jeußerun ofter mi it ſie ni daß ſie ul Geit einig was Une Nutter i darum w ſahr wich it, ſonſt deckung ben eide nicht zu Ihnen Sie jen im Urth Es U wollen üüer ſeht ngel oder roßmutter Aehnli⸗ ſo oſt die uch, aus mir Au⸗ von dem ig genug, wenn er och ſieht etruges tafen ge⸗ wegwer⸗ Dumm⸗ ich dar⸗ iſt der iynliche — 115— Aeußerungen uͤber ihren Nachbar ſehr geſpannt, oͤfters mit ſchweigendem Kopfnicken an. Doch iſt ſie niemals ſo feſt in ihrer Ueberzeugung, daß ſie nicht neue Zweifel irre machen ſollten. Seit einigen Tagen ſcheint ſie ſo unruhig! Et⸗ was Unerwartetes muß ſie aͤngſtigen! Die Mutter iſt ploͤtzlich abgereiſt. Sie mag nicht darum wiſſen. Ehr der Baron. Aubin thut ſehr wichtig. Nur gut, daß er im Geheimniß iſt, ſonſt daͤchte ich ſchon an Verrath und Ent⸗ deckung. Sir Clemens Aigrim an Graf Dominiqne. Sie wollen das Gute, das Beſte, Sie ha⸗ ben eine klare Anſicht von Beiden. Sie werden nicht zuruͤckbleiben auf ihrem Wege. Ich kann Ihnen nicht ſagen, thun Sie dieſes, unterlaſſen Sie jenes. Der Menſch muß in allem, zumeiſt im Urtheil, ſeine eigene Autoritaͤt ſein. Es iſt uͤberdem zehn gegen eins zu wetten, — 116— Sie koͤnnen auch gar nicht anders ſein, als Sie ſind. Was hilfe es, regelten Sie die ein⸗ zelne Handlung nach dem Maaßſtabe fremder Meinung? Dadurch entſteht nur Zwieſpalt im Innern und Unklarheit im Aeußern. Nit Ihrer Seele mußten Sie immer eine Weile ſo unzugaͤnglich zu der neuen Welt in der Heimath daſtehen. Man kann es andrer Seits auch wieder in Frankreich weniger, als anderswo verzeihen, daß Sie den melancoliſchen Schatten um ſich warfen. Beides iſt natuͤrlich. Was will man dagegen machen? Eben ſo natuͤrlich iſt Ihr Verhaͤltniß zu dem Marquis. Waͤren Sie zehn Jahr aͤlter geweſen, Sie haͤtten ihn wahrſcheinlich nicht bei ſich aufgenommen. Man rechnet weit ge⸗ nauer, je wirthſchaftlicher man es mit dem Le⸗ ben nehmen muß. In der Jugend hat man es noch mit großen Maſſen zu thun. Man ſpielt da mit Ruf und oͤffentlicher Meinung, wie mit einem Ball, den man ſo oder ſo werfen kann. Es mag unbeſonnen ſein! mehr Gemuͤth iſt gleichwohl dabei, als bei dem ausgebildeten Egoism h eit nen Sie Der ſche Nummeri dunkle d Verſtand man es G tengabe ſchäfftige gegen ſich Al bahn.. Auge iſ deutlich ſen zu h chen, w ſchen — einen Stimg Zeitbe Sie ſein, ale e die ein⸗ e fremder eſpalt im mer eine Welt in es andrer niger, als neoliſchen natuͤrlich. ältui zu ahr aͤlter ich nicht weit ge⸗ dem Le⸗ man es an ſpielt wie mit n kann. ſnuͤth iſt bildeten Egoismus, den man Reife und Beſonnen⸗ heit nennt. Sie wiſſen, ich gebe nichts auf den Caleul. Der ſchaͤrfſte Rechner ſieht ſich zuletzt blind. Nummern und Zeichen fließen ineinander. Der dunkle Fleck bleibt dunkel. Daruͤber hilft der Verſtand nicht hinaus. Sonſt freilich, koͤnnte man es allenfalls wohl, ohne allzuviel Prophe⸗ tengabe, vorausſehen, daß Sie muͤßige und ge⸗ ſchaͤfftige Beobachter, beide negativ und poſitiv, gegen ſich bewaffnet haben. 4 Allein, Sie ſtehen am Eingange der Renn⸗ bahn. Sie haben alle Kraͤfte beiſammen. Ihr Auge iſt rein wie Ihre Seele. Sie erkennen deutlich Ihr Ziel. Sie ſind gefaßt, Hinderniſ⸗ ſen zu begegnen, es wird Sie nicht irre ma⸗ chen, wenn Sie ſich auch hier und da gehemmt ſehen! Auf Eins, moͤchte ich Sie gleichwohl bitten, einen Augenblick acht zu haben. Dies iſt die Stimmung, welche der Eindruck momentaner Zeitbewegungen in Ihnen zuruͤcklaͤßt. Werden Sie unſicher uͤber das, was zu thun iſt? oder —— ——„4„ö ö ö.... i.i—.—B. B ʃ— — — 118— werden Sie es nicht? Fuͤhlen Sie ſich ange— feuert, dem vordringenden Boͤſen Einhalt zu thun? Oder beſchwichtigen Sie die wache Sorge mit Traͤumen von Abwarten, Fuͤgen, Hinhal⸗ ten? Darauf kommt viel an. Es geſchieht ganz gewoͤhnlich, daß ſich die Zeit, in welcher wir leben, auf eine Weiſe in unſerer Vorſtellung ausbreitet, als liege dahinter gar nichts mehr. Was in ihr vorherrſcht, duͤnkt den Meiſten gerade der Punkt zu ſein, wohin die vorhergehende Entwickelung gewollt habe. Wir bleiben darauf ſtehen, und uͤberre⸗ den uns und Andre, daß nicht daruͤber hinaus zu kommen ſei. So dehnt ſich oft unabſehbare Verwirrung vor unſern Blicken aus, wir feufzen und ſagen: Die Zeit will es ſol Das iſt der wahre Tod, dem wir in ver⸗ aͤchtlichem Goͤtzendienſte Altaͤre erbauen, und un⸗ zaͤhlige Schlachtopfer bringen. Wir haben uns durch den groͤbſten aller Irrthuͤmer veranlaßt, daran gewoͤhnt, dem ver⸗ aͤnderlichen Wiederſchein wechſelnder Thaͤtigkeit bleibend lichkeit weltregi Menſche Dauer zu ſchaft, d hält di daraus ir/ der welchen ſchchte um ſic R noch h nairen noch Wwaͤng von woll das len hor ſch ange⸗ Linhalt gu ſliche Sorge Hinhal⸗ g ſich die Weiſe in he dahinter frherrſcht, zu ſein, g gewollt d uͤberre, der hinaus oöſehbare 15, wir 2s ſo! r in ver⸗ „und un⸗ en aller eim ver⸗ hatigkeit bleibendes Daſein, und Geſetzgebende Perſoͤn⸗ lichkeit zu bewilligen. Die Zeit wird als das weltregierende Prinzip zwiſchen Gott und den Menſchen geſchoben, ihr Farbe, Weſen, ja Dauer zuerkannt, deren Maaß durch die Knecht⸗ ſchaft, der Gemuͤther willkuͤrlichen Zuwachs er⸗ haͤlt. Die Zeit iſt nichts, als dasjenige, was wir daraus machen. Und giebt es einen Geiſt in ihr, der ſich characteriſtiſch ausſpricht, ſo iſt es der, welchen die jedesmalige Bildungsſtufe der Ge— ſchlechter, wie die Athmosphaͤre innerer Welt, um ſich verbreitet. Was, mein junger Freund, fabeln Sie denn noch von daͤmoniſchen Kraͤften, und revolutio— nairen Tendenzen, die gleichſam außerhalb, den⸗ noch die Natur im Innern wiederwillig be⸗ zwaͤngen, und gewiſſe Abſichten durchſetzten, von denen Gott und Menſchen nichts wiſſen wollen? Die Revolution iſt da geweſen, ſeit das erſte Menſchenpaar gegen den hoͤchſten Wil⸗ len im Eigenwillen auftrat, ſie wird nie auf— hoͤren zu ſein, ſo lange der Gegenſaͤtz der Prin⸗ —— —— b b — — 120— zipien das intenſive und extenſive Leben bedingt. Koͤnnte man aber jemals annehmen, daß ihr die Weltherrſchaft eingeraͤumt wuͤrde, ſo muͤßte ſich dieſe zunaͤchſt in uns ſelbſt offenbaren, und wir, in der Verwirrung des ganzen Denkver⸗ moͤgens, damit anfangen, gar kein Bewußtſein von ihr zu haben.. Sein oder Nichtſein?! Mein guter Do⸗ minique, entſcheiden Sie die Frage in Ihrer Bruſt. Dies zur Antwort, auf gewiſſe Aeußerun⸗ gen. Wahrhaftig, es hat noch nicht aufgehoͤrt, goͤttliches Gebot zu ſein, daß wir dem Boͤſen Einhalt, dem Guten Fortgang verſchaffen ſollen! darum Wiederſtand, kraͤftiger, nie ermattender Wiederſtand! das iſt Leben! Nun noch ein Wort uͤber Ihre Beſuche auf dem Schloß der Vicomteſſe. Sie mußten, die Anverwandte, die Nachbarin aufſuchen. Ich ſehe das ein! Aber ich fuͤrchte, die drei Frauen, eine jede auf eigenthuͤmliche Weiſe. Die Vi⸗ comteſſe iſt mir aus fruͤhern Briefen an Ihren verſtorbenen Herrn Vater bekannt. Sie redete damals! harvil gmn üͤber ritth ge zuverliſie ſehr wait ſic nimn ner Syſt ſe nich Annmutk Vort uͤ Sie me untadel faͤhrlich ten der legt Ih teſſe ve alles w lag eo ten. E den I auf die Spaß bedingt. daß ihr ſo mißte ken, und Denkver⸗ wußtſein eußerun⸗ ſufgehärt, in Boͤſen n ſollen! lattender Beſuche mußten en. Ich Frauen, Pie Vi⸗ Ihren 121— damals nicht ohne Beſorgniß uͤber Frau von Harville, deren Gemuͤthsart wenig mit der ihri⸗ gen uͤberein zu ſtimmen ſchien. Sie ſelbſt ver⸗ rieth Geiſt, aber zu große Beweglichkeit, um zuverlaͤſſig zu bleiben. Ich hoͤrte einmal, ſie habe ſehr naiv eingeſtanden: Die Grazien wuͤrden ſich nimmermehr bequemen, Dienerinnen trocke⸗ ner Syſteme zu ſein. In der Unterhaltung koͤnne ſie nicht erwaͤgen, mit wem ſie rede. Witz und Annmuth ſeien gefluͤgelte Genien. Sie tragen das Wort uͤber conventionelle Beziehungen hinaus. Sie mag liebenswuͤrdig, und im weſentlichen untadelhaft ſein! Aber eben deswegen iſt ſie ge⸗ faͤhrlich! Die duͤrre Conſequenz, in den Anſich⸗ ten der Tochter, bereitet Ihnen Feſſeln. Cecilia legt Ihnen dieſe unbewußt an, und die Vicom⸗ teſſe verwirrt, was ſie loͤſen konnte. Ich wette alles was ſie wollen, in der Hand der Letztern lag es, den Marquis von Irrwegen zuruͤckzuhal⸗ ten. Sie nahm es zu leicht, und witzelte ihn in den Wiederſpruch hinein. Unzaͤhlige werfen ſich auf die verkehrte Seite, bloß einem leichtfertigem Spaß laͤngere Dauer zu geben! Frauen mit — 122— vielem Verſtande, fordern ſtets den Eigenſinn heraus, ſich in irgend einer Farbe zu behaupten. Sie ſollten nie beſpoͤtteln, was ſie verachten zu muͤſſen, das Anſehen haben. Bei den Viſionen des Marquis, faͤllt mir ein, daß ich in Ihrer Familie immer viel von einer Pilgrin gehoͤrt habe, die denen erſcheint, welchen ſie Unheil weisſagt. Kurz vor dem Ausbruch der Revolution, wollte ſie Ihre Tante, die Mutter des Marquis, geſehen haben. Sie erzaͤhlte mit vielen Umſtaͤnden, daß ſie Abends in einem kleinem Zimmer des Erdgeſchoſſes, vor ihrem Nachttiſche geſeſſen habe, der Spiegel aufgeſtellt, beſchaͤftigt, einen Strohhut abzu⸗ nehmen, der mit friſchen Roſen geziert war. Indem ſieht ſie im Glaſe eine weiße Hand, welche uͤber die Blumen hinſtreift, und iſt ſich zugleich bewußt, daß dies nicht ihre Hand iſt. Starr vor Entſetzen, wagt ſie nicht den Kopf zu regen, ſie bleibt mit geſchloſſenen Augen ſit⸗ zen. Als ſie dieſe endlich oͤffnet, faͤllt ihr Blick unwillkuͤrlich auf ihr Spiegelbild. Es iſt ein ganz fremdes, mit Muſchelhut und veraltetem Haarputz. Das Geſicht kreideweis, die Zuͤge fang un ſe im Gemahl gen, eine Eintritt darauf, Vater b in die Fragen, lunſpuke ſoll, h ſahten. gedrun 4 auch o Marqu Er ſyi Puff Sie, Bewe Sie; tunge thaupten, tachten zu fällt mir viel von erſcheint, vor dem re Tante, en. Sie e Abends oſſes, vor Spiegel hut abzu⸗ tert war. Hand, iſt ſich dand iſt en Kopf gen ſit⸗ Nr Blick iſt ein altetem Züͤge [ͤ—Nq —2 — 12 kang und hart. Auf einem lautem Schrei, den ſie im Stuhl zuruͤckſinkend, ausſtoͤßt, ſtuͤrtzt ihr Gemahl herzu. Er findet ſie ohnmaͤchtig dalie⸗ gen, eine Unbekannte neben ihr, die bei ſeinem Eintritt das Zimmer verlaͤßt. Beide ſchworen darauf, dies erlebt und geſehen zu haben. Ihr Vater beſtritt es niemals, ſtimmte uͤberall nicht in die Unterhaltung ein. Auf meine weitere Fragen, uͤber den Zuſammenhang dieſes Fami⸗ lienſpuks, der Vielen zu Geſicht gekommen ſein ſoll, habe ich niemals etwas Genuͤgendes er⸗ fahren. Allein, das er exiſtire, gab man noth⸗ gedrungen zu. Ich laſſe die Sache dahingeſtellt ſein! Doch auch ohne geheimnißvolle Erſcheinung mag der Marquis ſeinem Untergange nicht allzufern ſein. Er ſpielt ein gefaͤhrliches Spiel. Der naͤchſte Wurf des Schickſals wird den Ausſchlag geben! Sie, lieber Dominique, koͤnnen ihn nicht retten. Bewahren Sie ſich ſelbſt in der Stellung, die Sie zu behaupten, durch die heiligſten Verpflich⸗ tungen aufgefordert werden. Clemens Aigrim. — 124— Der Baron an die Vicomteſſe. Es ſind Fabeln! gnaͤdige Frau, nichts, als Fabeln! verlaſſen Sie ſich darauf. Ich war ſelbſt bei dem Grafen. Er hatte die ruhigſte Haltung von der Welt. Wir ſprachen lange und mit Lebhaftigkeit uͤber die gegenwaͤrtige Lage der Dinge. Anfangs hoͤrte er mit der Zuruͤckhaltung eines jungen Mannes, der dem Urtheil aͤlterer Perſonen nicht vorgreifen will, meinen Aeußerungen zu. Ich ſing ſchon an, ſo viel Ruhe an ihm zu tadeln, allein er be⸗ wahrt dieſe nur, um der innern Gluth deſto freiern Ausbruch zu geſtatten. Er ſieht die Sache, wie man uͤberhaupt bei ein und zwanzig Jahren ſieht, ein wenig allzuſehr auf die Spitze geſtellt. Doch verraͤth nichts an ihm, Doppel⸗ zuͤngigkeit und verſteckte Abſicht. Mit dieſem Weſen, dieſem Blick, der ſchwaͤrmeriſchen Or⸗ thodoxie, iſt man kein Abtruͤnniger! Noch einmal, es ſind Fabeln! Das Licht im Souterrain, der graue Mantel, die ſpaͤten zuſamm uber die hiten d 39 den Hnn dem mat im, daf jenen g. einmal athmmet⸗ du havſ ſtrt R Seht Grafe weiß⸗ 3 dergle den mach eſſe. lichts, als Ich war ruhigſte hen lange enwaͤrtige mit der der dem fen wil, ſhon an, in er be⸗ luth deſto ſieht die zwanzig e Spitze Doppel⸗ t dieſem hen Or⸗ s Licht ſpaͤten b „ — 125— Zuſammenkuͤnfte, und zuletzt der kuͤhne Sprung uͤber die Gartenmauer, wer hat je aus Zufaͤllig⸗ keiten der Art, ſo gehaͤßige Folgerungen gezogen! Ich kenne uͤbrigens den Verdacht erregen⸗ den Herumlaͤufer. Es iſt ein braver Soldat, dem man den Degen nahm. Verargen Sie es ihm, daß er an ſeinen Feldherr haͤngt, der ihm jenen gab? Die Ehre und der Kriegsruhm ſind einmal die Elemente, in welchen der Franzoſe athmet. Der Ausgeſtoßene fuͤhlt ſich nirgend zu hauſe. Er hat an keiner Stelle Ruhe, und irrt Nachts umher, wenn der Gluͤckliche ſchlaͤft. Sehr moͤglich, daß man ihn ſo im Parc des Grafen ſah, ohne daß dieſer mehr von ihm weiß, als Sie und ich. Ich bitte Sie, gnaͤdige Frau, beachten Sie dergleichen nicht. Man hat Noth genug, mit den Feinden, weshalb die Freunde zu ſolchen machen! — 126— Antwort der Marquiſe. Sagen Sie was Sie wollen, lieber Baron, ich bin nicht ruhig. Die alte Magdelene iſt eine geſcheute Frau, ſie kennt ihre Welt und hoͤrt mit den Augen, ein Merkzeichen der Klu⸗ gen, denen der Schall des Wortes nicht mehr offenbaret, als ſie durch behendes Crfaſſen ſchon wußten. Wollen Sie den Sinn der Sache haben, ſo reimen Sie zuſammen, was ich Ihnen Stuͤck⸗ weis geben will. Vor zwei Monaten etwa, fand ſich ein ſchlanker, feiner Mann, in dem Stuͤbchen der guten Alten, Abends am Kamine ein; er ſchwatz⸗ te, ſang, ſcherzte mit den Maͤdchen, verdrehte dieſen die Koͤpfe, und machte Julietten zur Sklavin ſeiner Launen. Dieſe war von da, wie umgekehrt. Man ſah ſie faſt nicht mehr in ihrem Hauſe. Unter dem Vorwande, des Va⸗ ters Geſchaͤfft zu betreiben, machte ſie ſich noch Abends ſpaͤt am Fluß zu thun. Nicht ſelten faht ſe und öt iin yiff Spur ka Ditſ jeßt nit bindung, einer, vo obachtet, har zu ſe verzeiher Kriagdi ben. O daß de Obdach Un bei Cec Heimlie Cecilia miniqu nicht, Miene hof, de Baron, lene iſt elt und et Klu⸗ ht mehr en ſchon haben, ‚luͤck⸗ ſich ein hen der ſchwatz⸗ drehte n zur ' da, ehr in Va⸗ noch ſelten fuhr ſie auf kleinem Nachen dieſen hinunter, und oͤfters in Begleitung des Fremden, dem ein pfiffiger Kauz, der Maͤkler Charlot, auf die Spur kam. 1 Dieſer Charlot, ehemals Kriegscommiſſair, jetzt mit den Schmuglern an der Kuͤſte in Ver⸗ bindung, ein ſo arger Spitzbube, als irgend einer, von den Gerichten des Grafen ſcharf be⸗ obachtet, und im Verdacht, den Rebellen dienſt⸗ bar zu ſein, mochte es dem Unbekannten nicht verzeihen, ſein Vertrauen einem ehemaligen Kriegskammeraden vorzugsweiſe gegeben zu ha⸗ ben. Er blieb auf der Lauer, und ermittelte, daß der Verdaͤchtige im Schloſſe des Grafen Obdach gefunden habe. Um dieſelbe Zeit fand ſich Iuliette taͤglich bei Cecilia ein. Beide Maͤdchen hatten ſtets Heimlichkeiten.— Jetzt bleibt Juliette aus, Cecilia verſinkt in die alte Schwermuth. Do⸗ minique reitet hin und wieder, und kommt er nicht, ſo ſpielt ein Knabe, von ſo ſchlauer Miene und ſo brennenden Augen im Schloß⸗ hof, daß das wohlwollende junge Fraͤulein ſchon — 128— mit ihm reden, Bombons und Zuckerbrod hin⸗ unterwerfen, ja, ihn auf ihr Zimmer kommen laſſen muß. Derſelbe Knabe iſt aber der Sohn des Soldaten Riſton, jenes Vertrauten des Fremden!— Mein zuverſichtlicher, guter, alter Nachbar, finden Sie das Wort des Raͤthſels?— Ich fuͤr mein Theil, habe den Marquis auf den erſten Blick in dem abentheuerlichen Elegant aus der Fiſcherhuͤtte erkannt! Nehmen Sie nun an, daß er es iſt, rechnen Sie dazu, daß er mit Dominique einverſtanden, gemeinſchaftlich operirt, daß— mir vergehen die Sinne, denke ich mir Cecilia, als dritte im Bunde.— Zum Gluͤck iſt Frau von Haxrville in Paris. Ihre Naͤhe wuͤrde nur meine Un⸗ ſicherheit mehren! Schon hundertmal habe ich dem Grafen ſchreiben wollen, ihm meine Vermuthungen mit⸗ theilen, ihn auf Pflicht und Ehre nach dem ei⸗ gentlichen Zuſammenhange fragen wollen. Aber am Ende iſt denn doch alles auch nur Weiber⸗ geſchwaͤtz, Espionage eines Verraͤthers, Combi⸗ nation! ſorgniß⸗ wollen, an Bel maßungen Ceei wahrhaft aume, li wie eö l Herzen ¹ Ende nie unterhäl gern be⸗ S ſpruch ſchlimm Gang d es vicht di hat ſich in ſeine da wie deu Il kbrod hin⸗ kommen der Sohn uten des Nachbar, Narquis euerlichen rechnen erſtanden, vergehen dritte im Harville ine Un⸗ Grafen gen mit⸗ dem ei⸗ n. Aber Weiber⸗ Combi⸗ nation muͤßiger Phantaſie oder einengender Be⸗ ſorgniß. So wenigſtens kann er es anſehen wollen, und ich nichts dagegen einwenden, denn an Beweiſen bin ich ſo arm, wie an Muth⸗ maßungen reich. Cecilia das Gewiſſen zu ruͤhren!— Ach wahrhaftig, dazu fehlt mir's an Muth. Das arme, liebe Kind! ſie hat, es mag ſich verhalten wie es will, immer viel mit ihrem getaͤuſchtem Herzen zu thun. So durchaus kann ich ſie am Ende nicht tadeln, wenn ſie eine Verbindung unterhaͤlt, die man fruͤher entſtehen ließ und gern beſtaͤtigte. Seh'n Sie, uͤberall ſtoße ich auf Wieder⸗ ſpruch in mir und außer mir. Es iſt ſehr ſchlimm, wenn das Leben aus dem ruhigen Gang des Geſetzlichen herausfaͤllt, man bringt es nicht wieder hinein! Die fatale Revolution! ſeit ihrem Ausbruch hat ſich alles verwirrt. Man weiß nicht mehr in ſeinem eigenem Hauſe Beſcheid! Das Schlimmſte iſt, ich liebe den Graf wie den Marquis. Mein Herz empoͤrt ſich, II.- 191 — 130— wenn ich ſie ſchuldig glaube, und es empoͤrt ſich eben ſo, daß ich ſie haſſen, verfolgen, ver⸗ rathen ſoll. Was ich in ihnen liebe? Nun mein Gott, das Liebenswuͤrdige! Sagen Sie doch, ſind nicht beide edel, großartig, von einem gewiſſen Schwunge der Ideen, der das Niedre hinun⸗ terdruͤckt und nur die feinern Stoffe in Thaͤtig⸗ keit erhaͤlt? Kann man mit ihnen reden, ohne die Bruſt erweitert, den Geiſt freier, die Seele waͤrmer zu fuͤhlen? Mein lieber Baron, ſolchen Leuten begegnet man nicht eben auf der großen Heerſtraße. Sie verlieren ſich nicht unter die Menge, die breiten Maſſen des Gewoͤhnlichen tragen ſie aufwaͤrts, unwillkuͤrlich werden ſie der Mittelpunkt einer Gegend, eines Orts, eines Kreiſes. Wie ſoll ich ohne Kummer an ihr Verder⸗ ben denken? wie darf ich dies zuruͤckdraͤngen? wie ſie dahin treiben? O wahrhaftig, Dominique iſt zehnmal ſchul⸗ diger, als der Oberſt. Dieſer taͤuſchte niemand. Man hat, neben dem Schmerz bei ſeinem Falle, nicht au ihm uüͤbe 39 mir ſo g bitten me duldig m den gand vergeſſen verleugn ſen? n Mann o ſond, lie Ich verlaſſen zu ſein St gehabt, des arme litten. s enpit gen, ver, ein Got, ind nicht gewiſſen ſe hinun⸗ n Dhäͤtig⸗ den, ohne die Seele , ſolchen er großen unter die voͤhnlichen eerden ſie ets, eines r Verder⸗ kdraͤngen? zmmal ſchul⸗ niemand. gem Falle, — 131— nicht auch noch die Schaam zu uͤberwinden, von ihm uͤberliſtet zu ſein! Ich bin ſo verſtoͤrt, ſo betruͤbt, ich weiß mir ſo gar nicht zu helfen, daß ich Sie ſchon bitten muß, zu mir zu kommen. Sein Sie ge⸗ duldig mit Ihrer alten Freundin, die niemals den ganzen Menſchen uͤber ſeine einzelne Fehler vergeſſen konnte, und auch den Verbrecher nicht verleugnete, war dieſer ihr jemals werth gewe⸗ ſen? Urtheilen Sie daraus, wie ich an den Mann ohne Tadel hange, wie werth Sie mir ſind, lieber Baron. Cecilia an Agnes. Ich bin hier ſo allein, liebe Schweſter, ſo verlaſſen, ſo krank und betruͤbt, wie ich es nie zu ſein traͤumte. Stelle Dir vor, Juliette hat das Ungluͤck gehabt, ihren Vater zu verlieren. Man ſagt, des armen Maͤdchens Verſtand habe dadurch ge⸗ litten. Sie iſt nicht aus dem Kaͤmmerchen zu — 132— bringen, wo der alte Mann verſchied. Alle ihre Gedanken ſind auf den einzigen Moment ge⸗ richtet, der ſie zur Waiſe machte. Die arme, arme Juliette! Ich ſchaͤme mich faſt, daß ich dabei noch an etwas anders, als ihren Kumnier denken kann. Aber ſo iſt es, Agnes, wenn das Geſchick uns zwingt, den Blick auf uns ſelbſt zuruͤck zu wenden! Der Himmel weiß, wie ich des lieben Maͤdchens Schmerz theile, doch der meine wird dadurch nur wilder und ungeſtuͤmer! Mein Gott! mein Gott! wie engen mich dieſe Mauern ein! draußen iſt alles laut und lebendig! Der Strom rauſcht in bewegter Fluth an der Terraſſe hin, dumpf ſcheltend jagt der Wind die Wellen, ſie ſteigen aus dem ſtillen Bett herauf, ihr tiefes Blau miſcht ſich mit der Farbe der Nacht! Wie ſie ſich thuͤrmen und ebnen! Nirgend Ruhe! Sie ſchaukeln einen Kahn auf ihrem Ruͤcken! Agnes, Agnes! das kleine Fahrzeug, wo will es hin? Es ſind fremde Schiffer! Er iſt es nicht! Iuliette fuͤhrt nicht das Ruder. Und allein— wie duͤrfte er es wagen? In bringe ſ ausgeleg mente⸗ 1 Schloſſen vetlaſſen glaufen Die ſehr gen gen vor fuͤhle ih Hal ſoll, we kommt, mit ihr Und iſt ſchickt ſi Ich welche Auch di hat der ſandte Magdele Ale ſir. 6 ment ge⸗ ie arme, daß ich Kumnier denn das nns ſelbſt wie ich doch der geſtuͤmer! gen mich laut und zter Fluth jagt der mm ſtillen ſich mit men und ‚An einen gnes! das es nicht! allein— Magdelene war bei ihr. Auch ſonſt kamen und — 133— In Todes Angſt vergehen die Naͤchte. Ich bringe ſie wachend zu. Weit zum Fenſter hin⸗ ausgelegt, ſtarre ich in den Aufruhr der Ele⸗ mente. Der Winter bringt Sturm, Schnee und Schloſſen. Ich kann das Zimmer nicht mehr verlaſſen! Meine Unruhe waͤchſt mit jedem ab⸗ gelaufenem Tage! Die Großmutter beobachtet mich ſeit kurzem ſehr genau. Indeſſen verſchließt ſie ihre Sor⸗ gen vor mir. Denn Sorgen, das, liebe Agnes, fuͤhle ich wohl, Sorgen hat ſie meinetwegen. Haſt Du einen Begriff, wie das enden ſoll, wenn Juliette nicht wiederkehrt? Aber ſie kommt, ſie kommt gewiß! Wie es auch immer mit ihr ſei, Aubin bringt ſie auf das Schloß. Und iſt ſie einmal hier— Nun die Großmutter ſchickt ſie nicht wieder fort. Ich zaͤhle jede Secunde. Ich weiß es nicht, welche namenloſe Qual mich heute martert! Auch die Großmutter ſcheint ſehr bewegt. Sie hat den ganzen Morgen geſchrieben. Drauf ſandte ſie jemand zu Pferde weg. Die alte gingen Leute bei ihr ein und aus. Du kennſt wohl ſo eine gewiſſe ſchwuͤle Bewegung in ei⸗ nem Hauſe, das Hin und Hergehen, die unge⸗ woͤhnliche Geſchaͤftigkeit Einzelner, das Zuſam⸗ mentreten, leiſe Reden und wieder Auseinander fallen, wenn ein Unberufener nahet. So iſt es heute hier. Ich bin wie auf Kohlen. Fragen darf ich nicht. Denn mein Gott, was koͤnnte ich hoͤren muͤſſen! Die Leute lachen auch ſo verlegen, wenn ich nur Miene mache, etwas wiſſen zu wollen. Der Baron war eben auch hier. Er blieb im Cabinet bei der Großmutter. Drauf ritt er eilig vom Hofe. Mit mir redet niemand! Gottlob! da kommt Aubin mit der armen Juliette! Nun iſt alles gut! Himmel! wie freue ich mich! 1* 8 IV. Faſt in dem ſelben Augenblick, da der Ge⸗ heimſchreiber Aubin in den Hof fuhr, rollte die Equipage von Frau von Harville durch das große d Juliette Arm. 1 ſchedenet getten a ein Pfd In gegeneil loſer Ei ville wa Sie eilt dinet in zurͤckg Geſicht den au nicht e N den D tuſchel und de B5 richten beachte du kennſt ng in ei⸗ die unge, 5 Zuſam⸗ keinander Od iſt es Fragen as koͤnnte auch ſo „ etwas Er blieb rauf ritt iemand! er armen el! wie 1 der Ge⸗ rollte die arch das — 135— große Thor hinein, und hielt vor dem Schloſſe. Juliette faßte ihren Nachbar erſchrocken beim Arm. Dieſer lenkte das Cabriolet in einen be⸗ ſcheidenen Winkel an der Mauer. Beide 8oͤ⸗ gerten auszuſteigen. Endlich ſchluͤpften ſie durch ein Pfoͤrtchen in den Seitenfluͤgel. Indeß bewegten ſich Ankommende und Ent⸗ gegeneilende auf Perron und Flur in geraͤuſch⸗ loſer Eil durch einander hin. Frau von Har⸗ ville war ſchweigend aus dem Wagen geſtiegen. Sie eilte ohne weitere Nachfrage zu dem Ca⸗ binet ihrer Mutter. Der tiefe Hut, mit halb zuruͤckgeworfenem Schleier, konnte ihr bleiches Geſicht und die angegriffenen, verſtoͤrten Mienen den aufmerkſamen Blicken der Schloßbewohner nicht entzieh'n. Neugierig draͤngten ſich dieſe zu der frem⸗ den Dienerſchaft. Man ſtand ſtill, fragte und tuſchelte. Das Gepaͤck ward von Hausknechten und derem Anhange hinaufgetragen. Die Wichtigkeit der mitgetheilten Nach⸗ richten beſchaͤfftigte Alle ausſchließend. Niemand beachtete es ſonderlich, daß ſich unter den Traͤ⸗ — 136— gern ein Paar fremde Geſichter ſehen ließen, welche ziemlich ſchlau und verſchlagen durch Zimmer und Gallerieen gingen, zuweilen, wie um auszuruh'n, ſteh'n blieben, ihre Laſt auf den Boden ſetzten, und mit geſenktem Kopf, ſcharf und genau aufhorchten. Nach und nach verliefen ſich Alle, welche in kleinen Trupps zuſammenſtanden. Ein jeder kehrte zu ſeinem Geſchaͤfft zuruͤck. Doch waren ihre Bewegungen langſam, wie von Schreck gelaͤhmt. Der erloſchene Blick und die kleine, unſichere Stimme verrieth in Einzelnen die nicht zu zuͤgelnde Beſorgniß, wenn Andre, durch etwas Unerwartetes zwar uͤberraſcht und be⸗ nommen, doch Herr ihrer ſelbſt blieben, ja, mit belebterm Blick umherſahen. Hin und wieder verlautete denn auch wohl ein bedeutendes Wort. Man gab ſich Zeichen und Winke, und als eben einer der Traͤger die Hand ausſtreckte, ein kleines Trinkgeld zu em— pfangen, hoͤrte er dem niedlichem Stubenmaͤd⸗ chen der Haushaͤlterin zufluͤſtern: Es iſt richtig! Er iſt fort! Wer der Mal Antwort. an. Der Ein unbewuße Frau ſta Haͤnde, den Kni Seſſel z0 henden 9 wenden zu uͤber D. im Ton ſind wi harthoͤr hat fal gaſt dre Wenigf koͤnnen Er ſoll haben! en ließen, den durch ilen, wie Laſt auf in Kopf, e, welche Ein jeder ch waren Schreck ie kleine, Anen die dre, durch und be⸗ ja, mit uch wohl ˖Zeichen raͤger die zu em⸗ benmaͤd⸗ richtig! — 137— Wer iſt fort? fragte jene, der Graf oder der Marquis? Keiner von beiden, war die Antwort. Darauf kommt es jetzt auch gar nicht an. Der Kaiſer iſt von Elba entfloh'n! Ein lauter Schrei des Entſetzens, der ſich unbewußt uͤber die Lippen der erſchrockenen Frau ſtahl, das heftige Zuſammenſchlagen ihrer Haͤnde, und die Art, wies ſie, nicht mehr von den Knieen getragen, in einen naheſtehenden Seſſel zuruͤckſank, beſchaͤfftigten die Voruͤberge⸗ henden gerade genung, um das ſchnelle Um⸗ wenden und Zuruͤcktreten des fremden Gehuͤlfen zu uͤberſehen. Der Kaiſer! wiederholte jene mehremals im Tone der Verzweiflung. Der Kaiſer! Nun ſind wir verloren! Nicht doch, fiel ein aͤltlicher, harthoͤriger Lakai ihr in's Wort, das Kind da, hat falſch verſtanden. Der verdäͤchtige Schloß⸗ gaſt druͤben bei unſerm Nachbar iſt entſprungen. Wenigſtens hat man nichts von ihm entdecken koͤnnen! Allein ſie ſind ihm auf der Spur. Er ſoll den Weg nach Louviers genommen haben! —— 3 — 138— Hier ward der Erzaͤhler durch die Unge⸗ duld ſeiner Zuhoͤrerinnen unterbrochen. Das wußten wir ja ſchon, ſagte das Maͤdchen. Der Charlot hat die Schiffer aufgewiegelt, die haben den Laͤrm angefangen, das Schloß des Herrn Grafen ward von dem Geſindel umringt, und er ſelbſt aufgefordert, den Vagabunden heraus⸗ zugeben. Da ließ er Thuͤr und Thor oͤffnen, ergriff ſelbſt eine Fackel, und leuchtete durch Souterains und Gewoͤlbe bis ins oberſte Stock, alles durch. Und niemand war zu finden. Wahrhaftig! ein Gluͤck fuͤr den Herrn Grafen! Aber das iſt es nicht, was ich ſagen wollte. Vom Kaiſer erzaͤhlt man ſich in Paris, daß er von Elba verſchwunden ſei. Auf allen Straßen kann man es hoͤren. Zu Hunderten verſammeln ſie ſich dort, und ſagen es jedem, der es wiſſen will. Du aber brauchſt es darum noch nicht hier auszuſprengen, ſchalt die Haushaͤlterin, mit wie⸗ dergewonnener Faſſung. Es taugt nichts, daß die Leute drum wiſſen. Es findet ſich immer Einer oder der Andre, der ſeine Hoffnungen darauf ba iſt es aͤicht erle Nun, das Leich Frau belu Paris, zum Dan wohl ein zu ſchert gegengetd zuckend! wuͤnſche Au der beſte er die menknif wahr ſe haben ſeien! Id gegnete ofters d die Unge, hen. Das chen. Der die haben es Herrn ngt, und n heraus⸗ dr aͤfnen, tete durch ſte Stock, finden. Grafen! en wollte. is, daß er Straßen rſammeln d wiſſen nicht hier mit wie⸗ ichts, daß hh immer offnungen — 139— darauf bauet, und das ſoll niemand. Iſt es— iſt es wirklich!— Nun, ich will den Tag nicht erleben, wo er hier wieder einzieht! Nun, nun! lachte ein junger Burſche, dem das Leichengeſicht und die truͤbſelige Miene der Frau beluſtigte, er iſt ja darum noch nicht in Paris, wenn er aufhoͤrte, in Elba zu ſein. Was zum Tauſend, die Welt iſt groß, er verſucht es wohl einmal auf einem anderm Fleck, die Leute zu ſcheeren! Ich bin der Conſcription juſt ent⸗ gegengewachſen, ſetzte der arme Junge achſel⸗ zuckend hinzu, ich kaͤme auch an den Tanz! Ich wuͤnſche ihn wahrhaftig nicht her. Aubin kam in dieſem Augenblick eilig zu der beſtuͤrzten Gruppe heran, und fragte, indem er die laͤnglich ſchmalen Augen dichter zuſam⸗ menkniff, und lauernd auf jene blickte: ob es wahr ſei, daß ſich zwei Fremden im Schloſſe haben ſehen laſſen? und wo dieſe hingekommen ſeien? Ich weiß nur von dem alten Jaques, ent⸗ gegnete die alte Haushaͤlterin, der, wie Ihr wißt, oͤfters dem Geſinde zur Hand geht. Vielleicht, — 140— daß er noch einen Kammeraden mitbrachte, der ſich auch gern einen Groſchen verdienen will. Kammerad! Kammerad! wiederholte Au⸗ bin, was ſprecht Ihr da, meine gute Frau? Meint Ihr, das Schloß ſolle ein Hospital ab— gedankter Soldaten werden? Und iſt es klug gehandelt, ſolchen erz Schelmen Thuͤr und Thor zu oͤffnen? Der Jaques Riſton iſt ein ver⸗ ſchmitzter Kerl! Ich bin gewiß, er war nicht umſonſt hier! und was ſeinem Gefaͤhrten anbe⸗ langt— Hier ſtockte Aubin, denn es kamen Mehrere voruͤbergelaufen, welche behaupteten, es habe ſich irgend wer hier herum in den Zim⸗ mern verſteckt. Man wollte wiſſen, daß ganz vor Kurzem ein grauer Schatten uͤber die aͤu⸗ ßere Gallerie geſchlichen und in einem der an⸗ ſtoßenden Gemaͤcher verſchwunden ſei. Was! rief Aubin ganz außer ſich, hier? hier bei uns? Halt! halt Ihr Leute, fuͤgte er ſchnell hinzu, indem er jene zuruͤckhielt, und vor ihnen her die Treppe hinauf lief. Laßt mich machen! Ich kenne alle Schliche! Mir ſoll er nicht entgehen! Se den ruh hemmt⸗ um ſih geben. 6 ftagte v ihn ſeit J. entgegn war nic in der gut, d denke, Sie iſ liche c ſtalt te Desha nur, d 6 Zugwi uͤberlie Eintren gen. T rachte, der en will. holte Au⸗ ke Frau? pital ab⸗ tes klug und Thor ein ver⸗ var nicht ten anbe⸗ es kamen aupteten, den Zim⸗ daß ganz die aͤu⸗ der au⸗ ), hier? fuͤgte er und vor aßt mich ir ſoll et — 141— Sein raſches Vordringen ward indeß durch den ruhigen Schritt der Frau von Harville ge⸗ hemmt, welche jetzt den Coridor herauf kam, um ſich nach dem Cabinet ihrer Tochter zu be⸗ geben. Sie nickte gruͤßend mit dem Kopf, und fragte voll anſcheinender Gleichguͤltigkeit: wohin ihn ſein Eifer mit dieſem Ungeſtuͤme treibe? Ihrer Gnaden Befehle zuvor zu kommen, entgegnete er unter tiefer Verbeugung. Ich war nicht gewiß, fuͤgte er hinzu, ob alles ſchon in der wuͤnſchenswerthen Ordnung— Recht gut, unterbrach ihn Frau von Harville, ich denke, Ihr begleitet mich zu Fraͤulein Cecilia. Sie iſt unwohl, hoͤre ich. Vielleicht, daß aͤrzt⸗ liche Huͤlfe dennoch noͤthig waͤre, und Ihr An— ſtalt treffen koͤnntet, ſolche herbei zu ſchaffen!— Deshalb, fuhr ſie im Weitergehen fort, kommt nur, damit wir ſehen— Sie oͤffnete indem die Thuͤr. Ein heftiger Zugwind, duͤrch das Aufſpringen eines gegen⸗ uͤberliegenden Fenſters veranlaßt, wehete den Eintretenden lange, flatternde Vorhaͤnge entge⸗ gen. Die Bewegung des Stoffes, das Geraͤuſch — 142— der ſeitwaͤrts anſchlagenden Fenſterfluͤgel, das ploͤtzliche Entgegendraͤngen der ſcharfen Luftſtoͤße, alles zuſammen verwirrte Frau von Haxville im erſten Augenblick ſo ſehr, daß ſie nicht recht wußte, was ſie ſahe und hoͤrte? Sie blieb mitten im Zimmer ſtehen. Die Ahndung von etwas Ungehoͤrigem verfinſterte ihre Gedanken. Sie hatte kein Bild von dem, was auf ſie einſtuͤrmte. Raſch und ſcharf flogen ihre Blicke umher. Wie ſie nun jetzt Cecilia ohnmaͤchtig auf dem Sopha liegen ſah, ihre Hand herabhangend, als habe ſie die eines An⸗ dern eben erſt los gelaſſen, am Boden ein ab⸗ geworfener Reitermantel, ein Stiblet und ein einzelner Maͤnnerhandſchuh lag, Iuliette, bleich und zitternd beide Haͤnde vor den Augen hal⸗ tend, von fern ſtand, fuhr dies alles wie kreu⸗ zende Blitze an ihr voruͤber. Unwillkuͤrlich ſtieß ſie einen Schrei aus. Ihre Augen blitzten. Sie machte eine Bewegung nach dem Fenſter hin, doch, als ſcheue ſie die Wahrheit zu ent⸗ decken, oder in jenen nutzloſen Ausbruͤchen er⸗ ſten Aergers, ſchlug ſie das Fenſter zu, dann warf ſie indem ſie zu Aubin bleiben. Väh ſes vorgi unerwar⸗ Ohr in Bogle 3c ſchtüchen eilend, mißverſ ſterte ſi Blick a⸗ terung! ſie halb wehrend Himmel Heuchele weiß es, Seele ei Ugal, das nuftſtöße Harville nicht recht hen. Die verfinſterte Hvon dem, harf flogen bt Cecilia ſah, ihre eines An⸗ en ein ab⸗ et und ein ette, bleich augen hal⸗ wie kreu⸗ orlich ſtieß n blitzten. em Fenſter eit zu ent⸗ ruͤchen er⸗ zu, dann — 143— warf ſie ſich erſchoͤpft in den naͤchſten Seſſel, indem ſie mit tiefer, vor Zorn ſtockender Stimme, zu Aubin gewendet, ſagte: Geht, ich will allein bleiben. Waͤhrend dies auf einer Seite des Schloſ⸗ ſes vorging, ward die Vicomteſſe durch die ſehr unerwartete Ankunft des Grafen uͤberraſcht. Ohne ſich zuvor melden zu laſſen, trat er, in Begleitung des Barons, zu ihr ins Zimmer. Ich kann es nicht ertragen, ſagte er, in ſichtlicher Unruhe auf ſeine alte Freundin zu⸗ eilend, ich kann es nicht ertragen, von Ihnen mißverſtanden zu werden. Sein Auge verfin⸗ ſterte ſich. Er heftete einen feſten, fragenden Blick auf ſie; und als ſich die innere Erſchuͤt⸗ terung unter froſtigem Ernſt bei ihr verbarg, ſie halb vom Stuhle aufſtehend, ſteif, faſt ab⸗ wehrend gruͤßte, rief er ungeduldig: Beim Himmel, es iſt zu viel, des Verraths und der Heuchelei zugleich beſchuldigt zu werden! Gott weiß es, ſetzte er hinzu, indem ſeine verletzte Seele ein blaſſes Zornesroth uͤber die gefaltete —’’YYYx —— — 144— Stirn jagte, Gott weiß es, wie wenig mein Character zu beiden Rollen paßt! Mein Herr, unterbrach ihn die Vieomteſſe, Sie entſchuldigen ſich, ohne noch von mir eines Unrechts angeklagt zu ſein. Weshalb ſetzen Sie Tadel voraus, wenn ſich meine Lippen doch uͤberall noch zu keinem einzigem Worte oͤffneten. O, bat er, die Hand, welche die ihrige nicht zu faſſen wagte, feſt gegen die Bruſt druͤckend, ſpielen Sie in dieſem Augenblick nicht mit ei⸗ nem Menſchen, dem es noch zu neu iſt, ſich von einer Seite angegriffen zu ſehen, wo er hoffen konnte, keine Bloͤßen zu geben. Wenn eine be⸗ wegte, tolle Maſſe, fuhr er fort, im ungeſtilltem Aufruhr, ungeregelt hier und dorthin ſchwankt, vom Sturm der Leidenſchaft getrieben, achtlos verletzt, und das losgebundene Thier im Men⸗ ſchen irgend eine Beute ſucht— ich kann es verzeihen, ja, ich kann mitleidig auf die Ge⸗ taͤuſchten, die Gemißbrauchten ſehen, doch wenn der feine Sinn, das denkende Gemuͤth, ein gu⸗ tes Herz mich voͤllig mißverſtanden, wenn Ehre und Wahrheit ſo kalte Freunde wurden, daß ſie mich u wiſſen, chen, d liebe! M comteſ iſt die ſcc be Hauſe, nehmel ohne un einzudr G 1 nem 3 9 Sie, eines L ein. 2 Mein die Ur vaͤchſte fortger 1 denig mein Liromteſſ, mir eines ſetzen Sie ppen doch eoͤffneten. hrige nicht deuͤckend, ſt mit ei⸗ , ſich von er hoffen n eine be⸗ ngeſtilltem ſchwankt, achtlos im Men⸗ kann es f die Ge⸗ doch wenn ), ein gu⸗ venn Chre , daß ſie N — 145— mich nicht mehr bei den Ihrigen zu vertreten wiſſen, was ſoll ich denn noch fuͤr mich ſpre— chen, das keiner falſchen Auslegung unterworfen bliebe?— Mein Gott, wie viel Worte, rief die Vi⸗ comteſſe heftig, wenn ein einziges genuͤgt. Hier iſt die Frage, ja? oder nein? Doch, fuhr ſie ſich beſinnend fort, Sie ſind ja Herr in ihrem Hauſe, wie ich es in dem meinigem bin. Wir nehmen beide darin auf, wem wir wollen, und ohne unſern Willen iſt niemand dreiſt genug, einzudringen. Ich verſtehe, entgegnete Dominique in ei⸗ nem Gemiſch von Wehmuth und Bitterkeit. Ich verlaſſe ſie auch ſogleich. Ach gnaͤdige Frau, Sie, dachte ich, ſollten beſſer das Geheimniß in eines Mannes Bruſt ehren! Sie thun mir unrecht, fiel die Vicomteſſe ein. Ich verdamme Sie nicht, wahrhaftig nicht. Mein Gott, die Verhältniſſe ſind ſo verwickelt, die Umſtaͤnde ſo gebietend, wer weiß, was der naͤchſte Augenblick bringt? Allein, wurden Sie fortgeriſſen, ſo bleiben ſie auf ihrem Wege, II. 110 — 146— ohne das Auſehen haben zu wollen, als reichen Sie den Andersgeſinnten die Hand. Mein Gott, fuhr ſie immer ſchneller und lebhafter redend fort, denken Sie denn, es ſei zu verzeihen, Worte und Gefuͤhle in falſcher Vorausſetzung hingegeben zu haben? Und eine Thatſache iſt es doch, daß Sie geheime Verbindungen hatten, den Verraͤther hegten, mit Verdaͤchtigen ver⸗ kehrten, geduldig zuſahen, wenn jene Land und Leute aufwiegelten, Verſchwoͤrungen anzettelten, und dem ewigen Feinde der Ruhe den Weg bahnten. Nun iſt er da! Nun haben Sie die Folgen, die blutigen, erſchrecklichen Folgen! Wer iſt da? um Gottes Willen, rief der Graf, alles Andre vergeſſend, mit ſtarrem Blick, weit vorgebeugt, als wolle er die Antwort von ihren Lippen leſen, noch ehe ſich dieſe bewegten. Nun beim Himmel, laͤchelte jene hoͤhniſch, wenn ich Ihnen eine Neuigkeit ſagte, ſo iſt es, denke ich, doch keine ganz unerwartete. Sie foltern uns ſehr grauſam, bemerkte der Baron, welcher waͤhrend der ganzen Zeit, mit ſichtlichem Mißvergnuͤgen im Zimmer hin und h langen geduld ſpielend nicht Namen ſeinet 6 tete C ungeher Nerve, D leiſe. zuckte Fenſten get ge eintoͤni 8 Sie w ſonſt n beſchaͤf haltene beachte als reichen Nein Gott, ter redend verzeihen, ausſetzung zalſache iſt gen hatten, htigen ver⸗ eLand und anzettelten, den Weg en Sie die Folgen! en, rief der arrem Blick, ntwort von ebewegten. e hoͤhniſch, te, ſo iſt es, hete. n, bemerkte ganzen Zeit, zimmer hin — 147— und herging, und jetzt die Augen unter den langen Wimpern geſenkt, mit den Fingern un⸗ geduldig gegen die Stuhllehne der Vicomteſſe ſpielend, alle Sinne zuſammenfaßte, um dieſe nicht vor einem geahndeten oder gefuͤrchteten Namen zu verlieren, welchen er auf der Zunge ſeiner Freundin ſchweben ſah. Sie verſtehen mich, ſagte dieſe, ohne wei⸗ tere Erklaͤrung, denn die Annaͤherung dieſes ungeheuren Menſchen empfindet man in jeder Nerve, wie weit er auch immer ſein mag. Der Kaiſer alſo! rief Dominique tief und leiſe. Der Baron warf den Kopf in die Hoͤhe, zuckte die Schultern, und wandte ſich dann zum Fenſter, wo er ſtehen blieb und mit einem Fin⸗ ger gegen die Scheiben tippte, waͤhrend er in eintoͤniger Melodie Laute ohne Worte ſang. Die Vicomteſſe lehnte im Seſſel zuruͤck. Sie wollte nicht das Anſehen haben, als ſei ſie ſonſt noch mit etwas anderm, als ihren Gedanken beſchaͤfftigt, ob ſie gleichwohl unter der vorge⸗ haltenen Hand hinweg jede Miene des Grafen beachtete. — 148— Dieſer ſtand in tiefen Nachdenkenverſunken. Woher will man denn die oft ausgeſtreute Fabel zur Wahrheit ſtempeln? fragte der Baron, in⸗ dem er vom Fenſter weg zum Fauteuil der Vi⸗ comteſſe trat. Woher? wiederholte dieſe. Nun, es ſind ganz beſtimmte Nachrichten von Elba nach Pa⸗ ris gekommen, daß Napoleon am Sechsund⸗ zwanzigſten dieſes Monats mit funfzehnhundert Mann unter Segel ging. Wollen Sie zwei— feln, wenn der Herzog von Berri ſelbſt meiner Tochter die boͤſe Zeitung am Vorabend ihrer Abreiſe in einem Paar Zeilen mittheilte? Hat man keine Anſtalten getroffen, ſeine Landung an unſrer Kuͤſte zu verhindern, fragte Dominique, wie aus einem Traume auffahrend. Anſtalten? laͤchelte die Vicomteſſe. Nun, Maſ⸗ ſena commandirt in der Provence. In allen Seehaͤfen wird ja Muſterung gehalten, die Ma⸗ rineoffizier ſind dort verſammelt. Kann man beſſer vorbereitet ſein? fuͤgte ſie hinzu. In Paris iſt men wohl um die Mine verlegen, die man zu machen hat? fiel der Ba⸗ — ton hi unter! heilige wachen ja nut ſeßte feierli Gebiet deoto giebt G 2 verſet ſcher man geſeh auf. Ich verſunken. teute gabe.. Baron, in⸗ ron hier ein. Ich w il der Ni—. dr. wachenden Muthes verbirgt! Der Teufel ſchlaͤft ja nur, rief er, und mit dem Fuße ſtampfend, , es ſi 1. „ es ſud ſetzte er hinzu, daß man das auch anders den⸗ Ar Pa⸗ nach Pa⸗ ken konnte! Sechsund⸗ Der Graf wollte ihm etwas erwiedern, als üuhunder die Thuͤr aufging und Aubin hereintrat. Seine Sie zwei⸗ feierliche Mine, und die Art, wie er ſeiner 1 ſt meiner Gebieterin nahet, ließ auf eine Sache von Be⸗ dend ihrer deutung ſchließen, die er anzukuͤndigen habe. ünn— Nun? fragte die Vicomteſſe geſpannt, was ffen, ſene. giebt es denn auf's Neue? ern, fragte Nichts, was Sie laͤnger beunruhigen darf, uffahrenn. verſetzte der Geheimſchreiber. Es war ein fal⸗ sun, Maſ⸗ ſcher Laͤrm, wegen der verdaͤchtigen Geſtalt, die In allen man wollte in der obern Gallerie umherſchleichen , die Ma⸗ 1 geſehen haben. b Kann man Was ſagen Sie da? fuhr der Baron heftig A zu. auf. Verdaͤchtige Geſtalt? Wo denn? wann? die Mine Ich begreife nicht— l der Ba⸗ Die Vicomteſſe war aufgeſtanden, und mit unter mancher geſenkten Wimper, die von ſchein⸗ heiligen Thraͤnen herabgezogen, das Feuer er⸗ 149— ette, der Verraͤther lauert — 150— aller Wuͤrde ihrer gebietenden Haltung vor den Maͤnnern ſtehend, ſagte ſie: ich will nicht hof⸗ fen, daß es irgend einen ſolchen Verwegenen gebe, der mich in dieſen Mauern beleidigen koͤnnte. Bis zu der Frechheit wird man es doch im Augenblicke des Friedens nicht treiben, daß man die erſte beſte Schwelle entweihet, und die Wohnung harmloſer Frauen zum Aſyl ver— aͤchtlicher Meuter macht? Was fragen Sie noch, gnaͤdige Frau, ſagte hier eine leiſe, zitternde Stimme. Es giebt keine Ruͤckſicht fuͤr den Geſetzloſen. Ich ver⸗ ſichere Sie, wenn wir nicht noch heute als Einverſtandene mit der Buonapartiſtiſchen Par⸗ thei oͤffentlich bezeichnet werden, ſo liegt die Schuld nicht an denen, die uns zu ſehr lieben, um nicht ihre Sache auch zu der unſrigen ma⸗ chen zu wollen. Ah Sophie! rief die Vicomteſſe, nach jener umſehend, biſt Du da? Weißt Du denn, wo⸗ von die Rede iſt, mein liebes Kind? So ſehr, beſte Mutter, erwiederte Frau von Harville, daß mich der Graf fuͤr ſeine Ver⸗ —— trauete zelne⸗ i zes witt 3ch entgegne weiß adh ſicherte werden lichet ſein, noch in Handi einſtin geben. 5 Domit langen zuckten feſter, fluͤchti G rend e⸗ abging vor den nicht hof⸗ twegenen eleidigen man es ttreiben, iähet, und Ayyl ver⸗ au, ſagte Es giebt Ich ver⸗ heute als ſchen Par⸗ liegt die r lieben, bigen ma⸗ nach jener denn, wo⸗ derte Frau ſeine Ver⸗ Del⸗ — — 151— trauete halten koͤnnte, wollte ich ihm das Ein⸗ zelne, wie es in einander greift, und ein Gan⸗ zes wird, entwickeln. Ich verſtehe Dich nur halb, liebe Tochter, entgegnete jene. O ich wette, der Graf hier, weiß auf ein Haar, was ich ſagen will, ver⸗ ſicherte die gereitzte, kaum noch ihrer maͤchtig werdende Frau, denn ob er gleich ein zu zaͤrt— licher Freund iſt, um ein guter Franzoſe zu ſein, ſo verſteht er doch das neue Franzoͤſiſch noch immer, wo es gilt, einer zweideutigen Handlungsweiſe, den Anſtrich einfacher Ueber⸗ einſtimmung mit Pflicht und Gewiſſen zu geben. Das iſt zu viel! rief der Baron empoͤrr. Dominique ſah die heftig Redende mit einem langen, ſchmerzlichen Blick an, ſeine Lippen zuckten unwillkuͤrlich, er ſchloß ſie indeß noch feſter, als zuvor, und verließ, nach einer kurzen, fluͤchtigen Verbeugung das Zimmer. Grauſame Frauen, ſagte der Baron, waͤh⸗ rend er, durch und durch erſchuͤttert, auf und abging. Grauſam, in Freundſchaft und Feind⸗ 1 2— ſchaft. Ihr zieht gleich launenhaft an, wie ihr wankelmuͤthig zuruͤckſtoßt. Wurden die Schlingen, welche den Unbe⸗ kannten, den kaum herangereiften Juͤngling un⸗ durchdringlich umzieh'n ſollten, nicht ſchon von weiten ausgelegt? knuͤpften und ſchuͤrtzten die behenden Finger nicht unausgeſetzt, um den Ge⸗ fangenen feſtzuhalten? Jetzt, da dieſer zu Ih⸗ ren Fuͤßen liegt, Sie ſeiner gewiß waren, jetzt loͤſen Sie das kuͤnſtliche Gewebe mit einem ein⸗ zigen Ruck, und geben gleichguͤltig auf, was Sie hitzig erfaßten. Frau von Haxville hoͤrte mit kaltem Laͤcheln dem Allem zu. Wieder ihrer Gewohnheit nach⸗ laͤßig in einer Sophaecke lehnend, den Kopf, ruhend, ſagte ſie, matt und angegriffen: Sie ſind, wie alle Maͤnner. Leichtglaͤubig, wo es unbequem waͤre, Verdacht zu ſchoͤpfen, und miß⸗ trauiſch, wo Ihnen der Glaube Pflicht iſt. Ihre Vorwuͤrfe, ohne mich zu treffen, ſchmerzen mich. Sie geben meinen Gefuͤhlen Worte, und als ſchwindle ihr, auf dem aufgeſtemmten Arm. das iſt u was geſ Sie ſage⸗ fu daß der und dur entgegt bezwun beide b trauen, großer Lippen konnte ſuchen! reud ie glaube, dn, wie ihr en Unbe⸗ gling un⸗ ſchon von letzten die in den Ge⸗ ſer zu Jh⸗ aren, jezt ſinem ein⸗ auf, was em Laͤcheln heit nach⸗ en Kuff, ten Arm en; Sie „ wo es und miß⸗ flicht iſt. ſchmerzen rte, und — 153— das iſt unter gewiſſen Umſtaͤnden das Schlimmſte, was geſchehen kann. Sie werden erſtaunen, wenn ich Ihnen ſage, fuhr ſie, ohne die Augen zu erheben, fort, daß der Marquis eben hier war, Cecilia ſprach und durch einen kuͤhnen Satz aus dem Fenſter, das Weite gewann. Die Vicomteſſe hatte beide Haͤnde ihrer Tochter ergriffen, und ganz uͤber ſie hingebeugt, ſagte ſie aͤngſtlich dringend: Du traͤumſt, So— phie! Alphonſe hier im Schloſſe? er haͤtte das gewagt? Es wird nicht das erſtemal geweſen ſein, entgegnete Frau von Harville im Tone kaum bezwungener Bitterkeit. Nichts konnte ſich fuͤr beide bequemer fuͤgen! Der Graf war im Ver⸗ trauen, er both die Hand, er konnte es mit großer Zuverſicht, denn, rief ſie mit bebenden Lippen und zum Himmel gehobenen Augen, wie konnte ich unter dieſer Larve den Betruͤger ſuchen! Wahrhaftig, lachte ſie krampfhaft, waͤh⸗ rend ich das verzaͤrtelte Herz hier in Sicherheit glaube, geht der Liebeshandel im Angeſicht einer — 154— ganzen Gegend ſeinen raſchen Gang! Es iſt di nur noch zu bewundern, daß Cecilia nicht mit“ Semüh dem Marquis davon lief! Die Vicomteſſe machte iinen au eine Bewegung hoͤchſten Unwillens, doch ihre Schrecki Tochter fuhr im naͤmlichem Tone fort: denn gewicht; die Philoſophie eines verpeſteten Gehirns bruͤtet weichet Schmach und Schande aus, und ſtempelt beide Stimm mit Namen moderner Tugend. Ich bitte Dich, henwult unterbrach ſie ihre Mutter, ſahſt Du denn den Abgrun Marquis? Biſt Du ſicher, Dich nicht getaͤuſcht men. J zu haben? wartung Laſſen wir das, entgegnete Frau von Har⸗ kaun ſ ville, indem ſie mit einem leiſen Druck der haſt kei Hand alle weitere Fragen abwehrte. Es iſt ein unterzit Abgrund, fuhr ſie ſchwermuͤthig fort, in den ich innern, gezwungen ward zu ſehen. Die ganze Welt das Leb ſcheint untergegangen und nur die eoͤlliſchen unſte Geiſter ihren Tanz auf dieſem ausgebrannten Trauer Crater halten zu wollen! Liſt und Betrug fuͤh⸗ u- ren den Reihen an. Wem iſt noch zu trauen, dem ſah wenn Stolz und Ehrgefuͤhl kein Band mehr brannte ſind, fuͤr die lockere Geſinnung und das aus⸗ Sie un einandergefallene Leben! ſſchen 9! Es iſt nicht mit⸗ eſſe machte doch ihre ort: denn ens bruͤtet nwelt beide bitte Dich, denn den getaͤuſcht von Har⸗ Druck der Es iſt ein in den ich anze Welt hoͤlliſchen gebrannten betrug fuͤh⸗ zu trauen, Band mehr d das aus⸗ Die Vicomteſſe, nach Art aller lebhaften Gemuͤther, welche durch die Heftigkeit Andrer, einen aͤußren Halt gewinnen, und gleichſam im Schreck ihres Spiegelbildes, die Natur im Gleich⸗ gewicht zu halten ſtreben, ſagte viel kaͤlter und weicher, als zu hoffen ſtand: Du biſt in einer Stimmung, mein Kind, die uns immer die Au⸗ ßenwelt verfinſtert. Alle Gegenſtaͤnde fließen im Abgrunde gaͤnzlicher Hoffnungsloſigkeit zuſam⸗ men. Napoleons Entweichen ſchlaͤgt Deine Er⸗ wartungen nieder. Die ermattete Phantaſie kann ſich zu keinem Aufſchwung erheben. Du haſt keine Welt mehr, weil die Deiner Traͤume unterzugehen droht. Sophie, muß ich Dich er⸗ innern, daß der Wechſel unſre Schritte durch das Leben begleitet und daß kein Augenblick unſre ganze Freude, wie unſre bleibende Trauer in Anſpruch nehmen ſollte! Um's Himmels Willen, fiel der Baron, dem ſchon lange der Boden unter den Fuͤßen brannte, mit erzwungenem Leichtſinn ein, laſſen Sie uns nicht den frohen Muth in methaphy— ſiſchen Unterſuchungen uͤber Dauer und Wechſel 2 f 4 1 4 6 1 A 1 — 156—— erſticken! Ich fuͤr mein Theil halte von der⸗ gleichen nicht allzuviel. In jeder Lage der Dinge bleibt Eins unbeſtritten, es iſt, daß wir durch gute und ſchlimme Tage hindurch muͤſſen, und der Weg ſich erweitert oder verengt, je nachdem wir ſelber es wollen. Laſſen Sie das Licht des Verſtandes ausgehen, den feſten Stab der Ueberzeugung zerbrechen, den Willen irre werden, die Muͤdigkeit Oberhand gewinnen, ſo ſind Sie feſtgerannt und geſtatten dem andrin⸗ genden Schwarm der Menge, ſie niederzutreten. Glauben Sie mir, geben Sie nichts auf, guaͤ⸗ dige Frau! Sein Sie entſchieden, zu koͤnnen, was Sie wollen, und theilen Sie Andern dieſe Stimmung mit, ſtatt Ihre Verzweiflung in herabwuͤrdigende Zweifel an den Menſchen und ſein edleres Selbſt zu verbergen. Sie haben in ſo weit recht, erwiederte Frau von Harville, indem ſie zu der gewohnten ruhigen Verſchloſſenheit ihres Weſens zuruͤck⸗ kehrte, Sie haben in ſo weit recht, als man uͤberhaupt nicht bei dem Einzelnen ſtehen blei— ben darf. Darauf kommt es auch weiter nicht mehr zu Intereſ gern fäl Wer we der naͤch zeit hit alles zu Al truͤbe 4 ernſt un waltſar des heu vortret Paris chen. mich ſe reits d mir, hinzu, die He druͤckte wetten te von der⸗ Uag der ſt, daß wir ich müͤſſen, derengt, je en Sie das feſten Stab Willen irre ewinnen, ſo dem andrin⸗ erzutreten. 5 auf, guaͤ⸗ zu koͤnnen, Andern dieſe weiflung in enſchen und erwiederte er gewohnten eſeus zuruͤck⸗ ht, als man ſtehen blei⸗ weiter nicht —— an. Perſoͤnliche Beziehungen treten immer mehr zuruͤck, je alleinherrſchender das politiſche Intereſſe wird. Ich laſſe deshalb auch recht gern fallen, was nicht aufrecht zu halten iſt. Wer weiß, ſetzte ſie gelaſſen hinzu, wie tief uns der naͤchſte Augenblick in die Verwirrungen der Zeit hineinreißt, und was wir da von uns ſelbſt alles zu begraben gezwungen ſein werden. Alle drei wurden unwillkuͤrlich durch die truͤbe Hindeutung auf eine drohende Zukunft ernſt und ſtill. Der Baron riß ſich endlich ge⸗ waltſam auf. Ich gehe, ſagte er, die Richtung des heraufziehenden Gewitters von einem her⸗ vortretenden Punkte aus, zu beobachten. Nach Paris hat man ſich deshalb zunaͤchſt aufzuma⸗ chen. Ich verliere keinen Augenblick. Ich muͤßte mich ſehr irren, wenn mir der Graf nicht be⸗ reits dahin vorauseilte! Von ihm, wie von mir, ſollen Sie mit naͤchſtem hoͤren, ſetzte er hinzu, indem er nach ſeiner alten Gewoͤhnung, die Hand einer jeden von ihnen faßte, ſie druͤckte und ſchuͤttelte, und lachend ſagte: was wetten Sie, ich bringe Ihnen unſern verſto⸗ ——— ßenen Nachbar zur guten Stunde wieder mit zuruͤck, und Sie ſoͤhnen ſich beide mit ihm ſo voͤllig aus, daß Sie Ihre letzte Hoffnungen in ſeine Haͤnde legen. Niemals! niemals! rief die Vicomteſſe in einem Tone, der zwiſchen Ueberzeugung und Furcht, dieſe doch wohl nicht ſo ganz feſtzuhal— ten, ſchwankte. Ihre Tochter wollte gar nicht das Anſehen haben, auf dergleichen hoͤren zu koͤnnen. Sie ſah ſtill vor ſich hin. Der Baron ging. Beide blieben allein. Sie hatten Seide und Wolle, zur Tapiſſerie⸗Arbeit herbeigeholt. Mechaniſch wickelten ſie die Gebinde zu runden kleinen Baͤllen, und beſchaͤfftigten ſo die Finger, waͤhrend die Unruhe und Angſt des Innern ſich nicht, wie die bunten Faͤden abwickeln ließen. Im Hauſe herrſchte Todesſtille. Cecilia's ward mit keiner Silbe erwaͤhnt. Die Vicom⸗ teſſe wagte nicht, nach ihr zu fragen. Sie ſcheute die ſtechende Bitterkeit ihrer Tochter, und was dieſe noch mehr gegen das ungluͤckliche Kind anregen konnte. Der Abend ging troſtlos hin. 2 Herzene deren Hand, 65 hen der ihren Watt und a⸗ Stron Kahn wolle mehr geben 1 wieder nun, ſ ſie wir wieder mit mit ihm ſo offnungen in ieomteſſe in eugung und ans feſtzuhal⸗ te gar nicht en hoͤren zu Der Baron atten Seide hetbeigeholt. de zu runden die Finger, des Innern n abwickeln *. Ceeilia's Die Vicom⸗ fragen. Sie hrer Tochter, s⁵ ungluͤckliche ging troſtlos — 159— hin. Derſelbe, an welchem Aphodiſe, in ihrer Herzens Angſt, zu Magdeleine fluͤchtete, vor deren Thuͤr wir ſie, den kleinen Robert an der Hand, verließen. V. Beide hatten hier ſeit einer Weile ſtill ne⸗ ben der klugen Alten geſeſſen, die geſchaͤfftig ihren Faden an der Spindel drehend, nicht ein Wort von dem verlor, was Aphodiſe unſchuldig und arglos berichtete. So, ſo! ſagte ſie ein paar mal. Alſo den Strom hinunter iſt er gefahren und hat Deinen Kahn mitgenommen? Sie lachte verſtohlen, als wolle ſie ſagen: Spitzbube! haͤtteſt du nur nicht mehr geſtoylen, was Du eben ſo wenig zuruͤck— geben wirſt! Und Iuliette, fuhr ſie fort, haſt Du auch wieder auf's Schloß geh'en laſſen? Nun, nun, ſetzte ſie, dies gleichguͤltig nehmend, hinzu, ſie wird ja ſehen, was ſie da fuͤr einen Empfang — 160— findet! Das Maͤdchen, ſage ich Dir, hat es dort verſchuͤttet, und wenn ſie die Frau Vicom⸗ teſſe wirklich rufen ließ, ſo— Nun, es wird ſich alles zeigen. Aber ſei ſo gut, bat ſie Apho⸗ diſe, und ſieh mal aus dem Fenſter, wer an der Thuͤr iſt? Mich duͤnkt, es pocht ſchon zum zweitemmale. Das Maͤdchen ſah ſie erſchrocken an, ohne ſich auf ihrem Platze zu ruͤhren. Magdelene lachte. Denkſt Du, ſagte ſie, er komme wieder? Wer? rief jene, beide Arme nach der Alten ausbreitend, als wolle ſie dieſe umfaſſen und zu ihr fluͤchten. Ei was! rief der Knabe, raſfch aufſpringend, iſt der s, was iſt da zu fuͤrchten, mit dem will ich gleich reden! Er war mit einem Satze zum Fenſter, oͤff⸗ nete es, und die Haͤnde auf das ſchmale Brett geſtemmt, die Knie gekruͤmmt und ſchnell her⸗ aufgezogen, beugte er ſich weit hinaus, den ſpaͤten Gaſt naͤher in Augenſchein zu nehmen. Wer iſt da? rief er in moͤglichſt tiefem und beſtimmtem Tone. Es iſt gleich viel! nur auf— gemacht! ſagte eine rauhe Stimme. Es iſt nicht gleich Plut ein H bitten, 3 Aber hinzu hinei geht Sie- jener Dir biſt Stre rief aufg ſich or al in der von? 1 Dir, jnt es Irau Vicam⸗ un, es wird hat ſie Abho⸗ wer an der t ſchon zum ken an, ohne Magdelene ume wieder? 0 h der Alten aſſen vad w Knabe, rafch zu fuͤrchten, Fenſter, oͤf⸗ hmale Brett ſchnell her⸗ hinaus, den zu nehmen. jſt tiefem und ell nur auf⸗ Es iſt nicht —- 161— gleich viel, entgegnete der Knabe, dem das heiße Blut ſchon vor die krauſe Stirn trat. Wer in ein Haus Zutritt haben will, muß hoͤflich darum bitten, und vor Allem ſeinen Namen ſagen. Ich dachte gar! lachte der da draußen hohl. Aber nur nicht lange gefackelt, ſetzte er beſtimmt hinzu, ſonſt falle ich mit der Thuͤr zum Zimmer hinein. Nein Herr! verſetzte Robert, der Weg geht nur uͤber mich hinweg. Ich verſichere Sie— Ho ho! Naſeweis, biſt Du's, lachte jener uͤberlaut. Wart', wart', ich will mich Dir zu erkennen geben.— Ah Papa! Du biſt es, ſagte der Knabe, ſehr vergnuͤgt, den Streit ſo gluͤcklich geſchlichtet zu ſehen. Ja, ja, rief er, nun mache ich gleich auf. Magdelene und Aphodiſe hatten geſpannt aufgehorcht. Die Erſtere ſagte halblaut und mit ſich ſelber uneinig: Riſton! Wirklich! was will er auf's neue? Hier ſchimmerte bereits der weiße Mantel in der Thuͤr. Ein derber Fluch und der Geruch von Taback und ſtarkem Getraͤnke, verkuͤndeten . T11 — 162— den alten Kriegsmann. Sein Auge funkelte, die Wangen gluͤheten, und die Muͤtze, die ſonſt tief uͤber ſeine Augenbraunen gezogen, das Ge⸗ ſicht beſchattete, hing ſeitwaͤrts nur zur Haͤlfte auf den Kopf. Sein Gang war ſchwer, ein gewiſſes ſchiefes, heiſeres Lachen, ließ auf die Natur ſeiner Laune ſchließen. Peſt und Teufel, Dame Mazdelene, ſagte er im Hineintreten, wo habt Ihr den guten Cognac? Gebt her, gebt her! Ihr koͤnnt ihn zu keiner beſſern Stunde und an keinem tuͤch⸗ tigern Trinker verſchenken, als jetzt, an den alten Riſton! Aber, rief er, ſchnell zu ſeinem Sohn ge— wendet, bald haͤtte ich vergeſſen, Dir Junge auf Deine Herausforderung zu antworten. Wiſſe denn, im Kriege, und kurz vor einer Affaire gelten keine Privathaͤndel. Das bleibt alles, bis nach ausgemachter Sache. Im Kriege, Vater? fragte Robert. Wo giebt es denn hier Krieg? Ja, ja! lachte jener, das iſt’s eben! Narr! ſchmunzelte er, davon —— weißt Krieg gann hing an d ſtant Wol Vat ken, Fo e funkelte, die ſonſt das Ge⸗ zdur Haͤlfte jwer, ein iß auf die elene, ſagte den guten koͤnnt ihn inem tuͤch⸗ ht, an den n Sohn ge⸗ Dir Junge rten. Wiſſe mner Affaire Slleibt alles, Robert. Wo lachte jener, eer, davon — 163— weißt Du nichts! Siehſt Du? Ja, ja, Krieg, Krieg! ſage ich Dir! Er hatte ſich geſetzt. Seine Stimme be⸗ gann etwas zu ſinken. Er war matt, das Auge hing glaͤſern, und mit zweideutiger Zaͤrtlichkeit an den Knaben! Dieſer ahnete von ſeinem Zu⸗ ſtande ſo wenig, als von dem Sinne der dunklen Worte. Vertraulich ſchwang er ſich auf des Vaters Knie, ſchlang den Arm um deſſen Nak⸗ ken, und ihm feſt in's Auge ſehend, mit den Fingern in den zottigen Bart ſpielend, fragte er dringend: Krieg? wirklich? ſo ſprich doch, mit wem denn? Riſton hielt den Knaben erſt in ſeinem Arme, und lachte viel und immer ſchlaͤfriger uͤber deſſen Neugier. Bald glitt aber das Kind von ſeinen Knieen, und wie er dieſe auch dann jedesmal zuſammenfahrend wieder heranzog und den Kleinen darauf zurecht ſetzte, ſo ſpuͤhrte dieſer dem ſchlaffen Weſen etwas Unnatuͤrliches an, das ihn aͤngſtete, und ſeinem Tone das Un⸗ geſtuͤme ſteigender Unſicherheit, und furchtſamer Unruhe in Kindern, gab. Heftig, und mit dem — 164— ganzen kleinen Koͤrper den Schlaftrunkenen ruͤttelnd, rief er einmal uͤber das Andre: Du traͤumſt, gewiß, Du traͤumſt! Laß' ihn! ſagte Magdelene, hoͤchſt empfind⸗ lich uͤber das unſittige Betragen des Ueberlaͤſti— gen. Er iſt doch zu ſonſt nichts mehr nutz, als zu ſchlafen. Riſton fuhr bei dieſen Worten, die wie eine Nadel in ſein Ohr ſtachen, in die Hoͤhe, druͤckte den Knaben von ſich, ſtand auf beiden Fuͤßen gerade und feſt, ſchuͤttelte ſich zuſammen, ruͤckte die Muͤtze zurecht und ſagte im Tone wiedergewonnener Ueberlegenheit: Zu nichts mehr nutz? Gevatterin Magdelene? wollt Ihr wiſſen, zu was ich den einen geſunden Arm, die Augen und das friſche Herz brauchen, was ich damit thun werde? Er hielt inne. Sein brennender Blick ſpaltete den Frauen die be⸗ klommene Bruſt. Dem Kaiſer, fuhr er heftig fort, dem Kaiſer ſeinen Thron wieder aufzu⸗ bauen! dazu, Ihr unverſtaͤndig Volk, dazu ſind ſie nutz! Aha! rief er lachend, das fuaͤhrt Euch durch die Seele. Seid Ihr nun zahm? Werdet — Ihr h Kaiſell A delene, zuckten, und ſal hoben: ein Ta J uͤber die T den 2 mente das P finde ruͤckt Franke gelt ſie das ge Nuhme nkenen 18 pfind⸗ lrlaͤſi⸗ 6, als ie wie Höhe, beiden mmen, Tone nichts t Jyr Arm, „was Sein ie be⸗ heftig aufzu⸗ u ſind Euch gerdet Ihr hoͤflichere Worte fuͤr den Cuiraſſier der Kaiſerlichen Garde haben? Aus Euch ſpricht der Wein, ſagte Mag⸗ delene, die Schultern veraͤchtlich zuckend. Doch, als er ſo zuverſichtlich vor ihr ſteh'n blieb, ſein Auge keine Spur der Unmaͤßigkeit laͤnger ver⸗ rieth, Stolz und Uebermuth ihm um die Lippen zuckten, ward ſie unruhig, ruͤckte hin und her, und ſagte, den Arm abwehrend gegen ihn ge⸗ hoben: Na geht nur, geht! Morgen iſt auch ein Tag! da reden wir weiter mit einander. Morgen! lachte Riſton. Oho! da bin ich uͤber alle Berge! Jetzt ſucht der Treugebliebene die Treuen wieder auf. Einer ſchließt ſich an den Andern! Die Neihen fuͤllen! ſich, Regi— menter ſtehen da, wie aus der Erde gewachſen, das Pferd, die Klinge, Kuͤraß und Helm, alles findet ſich zuſammen! Auf das Commandowort ruͤckt die Schaar in's Feld, die ſchoͤne Sonne Frankreichs gruͤßt den blanken Stahl und ſpie— gelt ſich in ihm. Von tauſend Funken glaͤnzt das gelbe Metall, wir tragen das Bild unſers Ruhms wie eine Glorie auf der Bruſt! So, — 166— Dame Maddelene, wird der getretene, bei Seite geſchobene Riſton, der arme Invalide, gut ge⸗ nug, die dumpfigen Kammern eines Hospitals zu fuͤllen, ſo wird er in Paris einziehen, ſeinen Kaiſer, ſeinen Feldherrn, den Fuͤhrer, dem er durch lange Jahre uͤber Seeen und Berge, uͤber's Meer, in fremde Welttheile folgte, den großen Capitaine von Frankreich an der Spitze! Vater, unterbrach ihn Robert, iſt der Kaiſer denn wieder da? oder hat Dir's nur von ihm getraͤumt?— Da? da! rief jener leidenſchaftlich, was kuͤmmert es mich, wo er iſt, wenn er nur nicht mehr auf ſeiner Inſel ſchmachtet. Fort iſt er, und mein Kopf gegen eine Nußſchaale, er iſt bereits an unſrer Kuͤſte gelandet. Fort von Elba? rief Magdelene, das eben Gehoͤrte genau uͤberdenkend, dann freilich iſt er auch ſchon hier. Denn Frankreich iſt juſt ſo voll von Verraͤthern, wie er braucht, um den Andern Furcht einzujagen. Wehe dem, der den Heuchlern trauet, das ſind die Schlimmſten. Sie fuͤhren irre und in gewiſſes Verderben. * 1 3ch uͤr entſehli Lippen. Ap gut, ſa mehr e und G Die u wohl/ daß ie Koörwi ſcheid ſchlu hielte unrei ſchop gekot bald erſt zu d Emy ei Ceite gut ge⸗ bspitals ſeinen dem er Betge, te, den Sditze! Kaiſer on ihm h, was er nur Fort iſt gale, er as eben ch iſt er juſt ſo um den der den mmſten. erderben. — 167— Ich fuͤr mein Theil traue keinem. Entſetzlich! entſetzlich! fluͤſterte ſie leiſe zwiſchen den blaſſen Lippen. Aphodiſe ſaß mit naſſen Augen da. Wie gut, ſagte ſie, daß mein armer Vater das nicht mehr erlebt hat! Nun waͤre er doch von Schreck und Gram geſtorben! Ein jeder hat ſeine Zeit! bemerkte Riſton. Die unſrige iſt wieder da! Nun, gehabt Euch wohl, Dame Magdelene, und ſeht Euch vor, daß ich Euch den Cognac ein andermal nicht ſtuͤrmiſcher abfodere, den Ihr heute meiner be⸗ ſcheidenen Bitte ſo ſchnoͤde und vornehm ab⸗ ſchlugt. Warhaftig, ſetzte er warnend hinzu, hielte ich Euch nicht fuͤr eine kluge Frau, die unrein Waſſer nicht eher ausgießt, ehe ſie reines ſchoͤpfen kann, Ihr waͤrt mir ſo nicht davon gekommen! Aber ich denke, Euer Geſicht wird bald eine andre Miene zeigen, wenn Ihr nur erſt gewiß ſeid, den heiligen Schein abnehmen zu duͤrfen. Er griff nach ihrer Hand, die ſie ihm mit Empfindlichkeit und Unwillen verweigerte. Drauf — — 168— legte er die ſeinige auf ihre Schulter, ſah ſie „liſtig an, und laut lachend, rief er: wir kennen uns! Dame Magdelene, wir kennen uns! Mit dieſen Worten ſchlug er den Mantel uͤber die Schultern zuſammen, und Robert zu⸗ rufend: Nun, kleiner Brauſekopf, unſre Sache nach dem Feldzuge! nicht wahr? verließ er das Zimmerchen, unter lautem Gefang, von dem man die Melodie noch aus der Ferne von Außen herein hoͤrte. Robert ſprang ihm nach, indem er um die Erlaubniß bat, ihn noch eine Strecke begleiten zu duͤrfen. Herr Gott! ſeufzte Aphodiſe, was wird daraus werden! Nun geht das wilde Leben von vorn an! Es war eben noch nicht zahm geworden, verſetzte die Alte. Verlaß Dich drauf, wird es ſchlimm, ſo waͤr es immer einmal ſo gekommen; denn hat das Land kein Herz fuͤr ſeinen Koͤnig, ſo ſind Verrath und Teufelei doch nicht aus dem Felde geſchlagen. Ein verjagter Feind iſt kein bezwungener. Es wird darauf ankom⸗ men!— ſetzte ſie nachdenkend hinzu. Ihr das Maͦd Ihr ſehl geſtalten it es an zen, une ſich die nichts n Qual u kuͤmmett Kindes zweiter ſie mit deten. Straße gehalte Reue der ba thaͤtig J. men me hoͤren. ſah ſie kennen 5! Mantel eert zu⸗ Sache er das on dem Außen indem Strecke ds wird ben von vorden, vird es mmen; Koͤnig, cht aus eind iſt aukom⸗ — 169— Ihr ſeid erfahren, liebe Masdelene, ſagte das Maͤdchen. Euch hat das Leben klug gemacht. Ihr ſeht die Dinge beſonnen und ruhig an, ſie geſtalten ſich Euch auch ſo. Mit uns Juͤngeren iſt es anders. Das Blut tritt gleich zum Her⸗ zen, und wenn das aͤngſtlich ſchlaͤgt, ſo dreht ſich die Welt in lauter Kreiſen. Man ſieht nichts mehr deutlich, und alles, alles wird zur Qual und Pein fuͤr die Bedraͤngten. Wenn ſie es faͤhig waͤren! dachte die be— kuͤmmerte Frau in ſich, ohne auf des guten Kindes Klagen zu hoͤren. Wenn ſie ihn zum zweitenmal— Erſt vor wenigen Wochen haben ſie mit großem Pomp die Gebeine des gemor⸗ deten Koͤnigs und der ſuͤßen Koͤnigin durch die Straßen von Paris getragen, eine Leichenfeier gehalten, die das ganze Land mit Schaam und Reue erfuͤllen ſollte. Wenn ſie— Doch genug der bangen Sorge! Jetzt gilt es wach und thaͤtig ſein! In eben dieſem Augenblick ließen ſich Stim⸗ men mehrerer Voruͤbergehenden vor den Fenſtern hoͤren. Man ſtritt mit einander. Die ſchnellere Rede und der laute Ton verriethen die Bewe⸗ gung der Gemuͤther. Einzelne ſchienen das Wort zu fuͤhren. Die Andren ſchloſſen ſich, fuͤr und wieder, ihren Meinungen an. Was ſie beſchaͤfftigte, ließ ſie Nacht und Kaͤlte ver⸗ geſſen. Sie ſtanden ſtill, und goͤnnten nur der Zunge einen raſchen Wettlauf. Magdelene mochte leicht errathen, was der Gegenſtand ihrer Verhandlung ſei. Ich glaube, ſagte ſie, es ſind die jungen Burſchen von den Schiffen unten am Strom. Vernier und Ro⸗ land ſind darunter. Geh' Kind, und heiße ſie hereinkommen, ſie ſind auf der Fahrt geweſen, vielleicht haben ſie etwas Ausfuͤhrlicheres uͤber das umlaufende Geruͤcht erfahren.. Wollt Ihr nicht lieber ſelbſt?— bat Apho⸗ diſe ſchuͤchtern. Ich mag ſo ſpaͤt nicht vor die Thuͤr treten, junge Maͤnner herein zu noͤthigen. Du biſt bedaͤchtig, Maͤdchen, ſagte die Alte, ich muß Dich loben, daß Du auch in dem Au⸗ genblick großer Verwirrung die Sitte nicht ver⸗ letzen willſt. Gut gut, ich gehe ſelbſt. Gieb mir nur die Hand dort die Stufe hinunter. Die La Abendo ſie es ¹ Si bis auf die kleit herab, Sie n neigen, der eili ſo vor auf ih traten, an die Sie zo dem G ruͤck auf E erzuͤlt land, ſenen Haar e Vewe, nen das en ſch, Was lte ver⸗ nur der was der glaube, von den und Ro⸗ heiße ſie geweſen, eres uͤber at Apho⸗ vor die athigen. die Alte, dem Au⸗ nicht ver⸗ ſt. Gieb hinunter. — 1741— Die Lampe wirft ein undeutliches Licht, und Abends ſind meine Augen doch ſchwaͤcher, als ſie es Andern verrathen moͤgen. Sie kam an ihrer huͤbſchen Fuͤhrerin Hand, bis auf die Schwelle des Hauſes. Jene hielt die kleine Handlaterne vorſichtig zu dem Boden herab, Magdelenen den Gang zu erleichtern. Sie mußte ſich deshalb ein wenig vorwaͤrts neigen, und mit geſenktem Auge die Schritte der eiligen Alten begleiten. Das Licht, was ſie ſo vor ſich hintrug, warf einen hellen Schein auf ihr beſcheidenes Geſicht. Die Juͤnglinge traten, bei Annaͤherung der Frauen, ehrerbietig an die Seite. Keiner von ihnen redete weiter. Sie zogen die Huͤte, und verbeugten ſich bei dem Gruße der geachteten Dame Magdelene. Meine Kinder, ſagte dieſe, Ihr kehrt zu⸗ ruͤck von einer Fahrt. Ihr muͤßt mancherlei auf Eurem Wege gehoͤrt haben. Kommt, und erzaͤlt mir, was in der Welt vorgeht. Du, Ro⸗ land, fuhr ſie zu einem ſchlauken, hochgewach⸗ ſenen Burſchen mit blauen Augen und blondem Haar gewandt, fort, Du weißt Beſcheid uͤberall, — 172— Du haſt wohl viel eingeſammelt? Nun, Ver⸗ wer moͤ nier? und Ihr? fragte ſie. Ei was habt Ihr droht E denn? die krauſen ſchwarzen Locken haͤngen Euch nehmen ja ſo wild um den Kopf, die verraͤtheriſchen Au⸗ wir ſerei gen blitzen noch zornig, und nur mit Muͤhe einen e verſchließt Ihr die Lippen. Was in aller Welt Thrones hetzt Euer Blut ſo wild durch die Adern?. ließe, u Sie waren waͤhrend dem in das Haus ge⸗ 1 nicht he gangen. Roland hatte Aphodiſen die Laterne— Cohorte abgenommen und Magdelenen den Arm geboten. und die Jetzt fuͤhrte er dieſe zu ihrem Lehnſeſſel zuruͤck Ih und ruͤckte den Stuhl des ſchoͤnen Maͤdchens bequem zum Feuer. den Nun, Vernier? fuhr Manddelene fort, ſoll. Gind ich heute Abend kein gutes Wort von Euch hoͤ⸗ Geand ren? So ſage Du mir, mein Sohn Roland, gegang was jener mir verſchweigt. vſſhen Ach liebe Nachbarin, entgegnete der Juͤng⸗ u ling, wir haben nichts Erfreuliches mitzutheilen. Roland Es wird wieder bunt in der Welt. Der kurze Kunde, Waffenſtillſtand iſt abgelaufen. Die Kriegsfackel N lodert ſchon wieder an der Kuͤſte. jungen Waͤre es nichts, als das, ſiel Vernier ein, nicht N 1 73 7 Vel⸗ öt Ihr wer moͤchte daruͤber klagen! Allein dem Koͤnige n Such droht Gefaßr! und wird man unſre Huͤlfe an⸗ en Au⸗ kehmen⸗ Seh't, Machbarin, das iſt es, warum Miͤhe wir ſtreiten. Ich naͤmlich, fuͤrchte, man wird Wett einen ehrlichen Kerl, der ſich am Fuße des 1 Thrones eher zerfleiſchen, als dieſen antaſten nus ge ließe, man wird ihn zuruͤckſtoßen, ſeine Dienſte bteeng nicht haben wollen, und ſich den verraͤtheriſchen thoten Cohorten anvertrauen, die dem Kaiſer anhangen 4 und die Bourbons verrathen. zuruͤck adchens. Ihr muͤßt wiſſen, nahm Roland beſchei⸗ dener das Wort, der Kaiſer iſt gelandet.— tt, ſoll Gelandet, ſchrie Magdelene erſchrocken auf. uch hö⸗ Gelandet nicht, mein guter Roland, nur in See pland, gegangen, doch daß er das Land ſchon wieder geſehen habe, unſer Land— Jang⸗ Unſer Land! ja ja! riefen Vernier und theilen.. Roland. Das iſt es! davon hat man ſeit heute er kurze Kunde. gsſackl Magdelene ſah beide ſtarr an. Ihr guten, jungen Leute, ſagte ſie, irrt Ihr Euch auch ier ein, nicht? das Geruͤcht vergroͤßert gern. Es waͤchſt —.—w wie ein Schneeball, wie es umherlaͤuft. Und dieſes iſt ſchnell in Umlauf gekommen! Taͤuſcht Euch nicht, meine gute Frau, ent⸗ gegnete Vernier. Es iſt, wie wir es ſagen. Und da geht nun mein Vorſchlag dahin, wir ſollten in den Doͤrfern an der Kuͤſte zuſammen⸗ treten, die Mannſchaften aufbieten, ein ſtarkes Corps bilden, den Adel von den Schloͤſſern her⸗ beirufen, und in Gottes Namen nach Paris ziehen, den Koͤnig zu ſchuͤtzen. Doch man nennt das ein eigenmaͤchtiges Verfahren und tadelt meinen Vorwitz. Du gehſt zu ſchnell, bedeutete ihm Roland. Solch ein Rottiren und Zuſammentreten koͤnnte man mißdeuten. Doch in der Stille bereit ſein, und ſchlagfertig daſteh’n, beim Himmel! ich wuͤnſche nichts mehr, als daß Viele denken, wie wir. Daß Viele denken, wie wir! rief Vernier hitzig. Ich ſtehe fuͤr den Norden der Bretagne ein. Ein Wink, ein Wort! tauſend Arme ſind gehoben! Recht ſo, Vernier, ſagte M agdelene. Aber verſchließe das jetzt noch in Deiner Bruſt. Keine Silbe laß laut werden. Geh' behutſam zu Werke. Suche die Freunde leiſe an Dich zu ziehen, befeſtige Dich in Dir ſelbſt, und laß das dart tapfere Hand, und nul dort aut an, trin Sinn zi keine ei allem C nige vo ihm h. Kel einanden Bezeiſt langen, goſſen. A gen, be menden Die Al gen, ſa nicht b Stimn trat he H nen, kl Neſt er t. Und au, ent⸗ ſagen. n, wir ammen⸗ ſtarkes ern her⸗ Paris nennt kadelt Roland. dͤnnte eit ſein, nel! ich denken, Vernier dretagne me ſind ne. Aber I. Keine ſam zu Dich zu und laß — 175— das dampfende Blut nicht verderben, was das tapfere Herz beſchließt. Komm, gieb mir Deine Hand, und Du, Roland, die Deinige. So! und nun Aphodiſe, reiche jedem einen Becher, dort aus der kleinen Flaſche ſchenke ein. Stoßt an, trinkt und gelobt mir, einen beſcheidenen Sinn zu hegen, nicht oben hinaus zu wollen, keine eigenwillige Maaßregeln zu ergreifen, vor allem Gott zu dienen, und nach ihm, dem Koͤ⸗ nige von Frankreich, Euren Herrn, keinem, als ihm! hoͤrt Ihr? Keinem, als ihm, ſagten beide, indem ſie einander in die Arme fielen und vor unruhiger Begeiſterung, Unwillen und brennendem Ver⸗ langen, nur etwas zu thun, heiße Thraͤnen ver⸗ goſſen. Aphodiſe ſtand mit niedergeſchlagenen Au⸗ gen, beſchaͤmt, die Bewegung der ſchneller ath— menden Bruſt verbergend, ihnen gegenuͤber. Die Alte ſchuͤttelte beider Haͤnde. Brave Jun⸗ gen, ſagte ſie, Eure Stunde wird ſchlagen! ſeid nicht bange, daß ſie unbemerkt voruͤberrolle. Nache auf! mache auf! rief hier eine kleine Stimme. Aphodiſe oͤffnete die Thuͤr. Der Knabe trat herein. Ha! murmelte Vernier zwiſchen den Zaͤh⸗ nen, kleine Rebellenbrut! Dich muͤßte man im Neſt erwuͤrgen! —- 176—— Beſinnt Euch, was Ihr ſprecht, warnte die Alte, zuͤgelt die haͤßlichen Empfindungen. Ent⸗ ehrt Euren Zweck nicht durch rohe Mittel! Vernier! rief ſie noch einmal mit aufgehobenem Finger, huͤtet Euch vor Eurem raſchen Sinn! Schweigt und denkt— Vergeßt das Handeln nicht! rief er, ſchon in der Thuͤr. Roland folgte ihm. Er hatte Aphodiſen eine gute Nacht ge⸗ wuͤnſcht, und ihr einen kleinen Strauß friſcher Schneefloͤckchen, die er vom Hute nahm, uͤber⸗ reicht. Sie ſteckte dieſe an die Bruſt, als ſich Robert muͤde und weinend in ihre Arme warf, und ſchluchzend ſagte: Nun iſt Papa fort! Ich armes Kind! Wer wird nun mein Vater ſein, wenn der nicht wiederkommt! Es rieſelte Magdelenen kalt dem Nuͤcken herab. Sollte das Kind prophetiſch ſprechen? dachte ſie. Ach die Natur hat uͤberall eine uͤber⸗ waͤltigende Sprache! Ich will, ja, ich will auch fuͤr das Leben des Feindes beten! —— Ende des zweiten Theils. Gedruckt bei L. Quien. ente die Ent⸗ Mittel! obenem Sinn! dandeln dfolgte acht ge⸗ friſcher , uͤber⸗ als ſich ewarf, fort! Vater ie uͤber⸗ ill auch „—— u—* . ·4 2 1——. AA 3121 2 4 4 An 6—2 ℳ v, 4 44** Nv 20 2 4* 8 h, 2 4 — n A&. A 7 * 4 1 .e. he. de e. ⸗A sA.n 1uaee e 4* ³N.„ 8 2... — 4.— 4 5 2 4 ℳ ,*—— 1. 9 2* — ——— 4e grenetgeere ede. Reoeee Leeclr eee —, 1.K. 4, deln. 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