,——.,--.--—-—= Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur „ von.. Eduard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Jeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. C(aution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet A wird. 6 6 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und ſl eträgt: 1 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: — 1 Rr Rui e e auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. Mk.— Pf. 23 2„ 4 3. Auswärtige Abonnenten daten für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlöorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mir Kupfern ꝛc.) muß der K) Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ ſf lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt J der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf uhlum gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ————————— „ Bodo von Hohenried. Ein Roman neuerer Zeit, „ von Caroline Baronin de la Motte Fouquè, 4 geborne v. Brieſt. 4 4 Zweiter Band. —jö— Berlin, 1825. In Ad. Mt. Schleſinger's Buch⸗ und 4 Muſikhandlung. 2 5 ½ Erſtes Kapitel. Bodo an Werner. Geörſt Du auch zu der wilden Jagd, die in den Bergen toſt? Ich glaube es faſt. Der Schwarm kam von Wisbaden und der Gegend herauf. Du warſt den Sommer uͤber dort. Du ſchriebſt einmal nach Heidelberg von einer gewiſſen reizenden Armide, in deren Feſſeln Du Dich zu ſein ruͤhmteſt. Ich verſtand Deine Offenherzigkeit. Du wollteſt durch den Spott uͤber Dich ſelbſt uns Andre entwaffnen. Wahr⸗ ſcheinlich war es Dir von Anfang an, mehr Ernſt damit, als es ſich mit Deinen Lebensan⸗ ſichten vertraͤgt, denn Werner, Du biſt auch wie faſt die meiſten Menſchen, gerade das Ge⸗ II. 4,] ——— — 2— — gentheil von dem, was Du ſein moͤchteſt. Die Leidenſchaften ſchlafen bei Dir unter einer Decke angekünſtelter Philoſopheme, die Du mehr der Erfahrung Andrer ablernteſt, als ſie von der Deinigen abſtrahirt zu haben. Es iſt heute zu Tage nicht ſchwer die Welt mit ihren klei⸗ nen Zwecken und großen Mitteln zu verhoͤhnen! Iſt ſie doch wie eine Gliederpuppe dem Sezier⸗ meſſer jedes Laien hingeworfen, der ſich daran zum Meiſter zu ſchneiden denkt. Aber Werner, wenn das Ding ploͤtzlich lebendig wird, und den packt der ſie zernichten wollte, die gewaltigen Arme um ihn ſchlingt, ihn ſchuͤttelt und preßt und druͤckt, bis er ohnmaͤchtig da liegt und nichts mehr ſieht und hoͤrt, als lautes, ſchal⸗ lendes Gelaͤchter, das ihm die Seele zerreißt— Wie dann?— Siehſt Du, daß wir ſo mitten drin ſitzen in den Schlingen, und uns, wie aͤchte Narren, durch ein Paar Kruͤhmchen Weisheit immer tiefer hinein locken laſſen!— Ach ich koͤnnte Dir noch viel ſagen, aber ich finde heute nicht alles!— und denn, wozu? Du verſtehſt mich entweder ſo ſchon, oder Du verſtehſt mich nicht. der den viel G ben ſchme Iſtl zu den Mitſp giebt immer die Ab flirt w faͤht i Dauer gegen Art, bin ſe und o daß i — 3— Allein auf die Vermuthung zuruͤck zu kommen, daß Du zu denen gehoͤrſt, welche in der Nachbarſchaft von ſich ſchwatzen, ſich henei⸗ den und bereden laſſen, ſo habe ich dazu ſo viel Gruͤnde, als Du Veranlaſſung dafuͤr ha⸗ ben magſt. Ihr laßt die Jagdhoͤrner durch die Schluͤfte ſchmettern, und das Echo lockend wiederhallen. Iſt Luſt bei dem Spiel, oder gehoͤrt es auch zu den zurechtgelegten Comeudien, bei deuen Ihr Mitſpieler und Zuſchauer zugleich ſeid? Es giebt leider bei den romantiſchen Luſtbarkeiten immer zwei ſtehende Masken. Die Eine iſt die Abſicht, die Andre die Eitelkeit. Dieſe ſouf⸗ flirt wenn jene dirigirt, und da beide ohnge⸗ faͤhr immer daſſelbe wollen, ſo wird es auf die Dauer langweilig. Du Werner haſt mir zuerſt ein Mißtrauen gegen die Empfindungen der Menſchen und die Art, ſich in ihnen darzuſtellen, eingefloͤßt, ich bin ſeit dem weiter auf die Spur gekommen, und es iſt nicht die geringſte meiner Plagen, daß ich auf meiner Entdeckungsreiſe in einen 4 — 4— Abgrund von Aefferei hinein gerieth. Denn was hilft es allzu tief zu gehen? man ſteht darum nicht feſter. Es iſt wenig damit gethan, daß man die Luͤge herausfuͤhlt. Wo aber, und was iſt Wahrheit? Ich verſichre Dich, wem es darum zu thun iſt, den beleidigt Affectatim, die ſich etwas weiß, faſt nicht mehr, als ihn lauer qualmiger Dunſt des Zweifels aͤngſtet. Ich wuͤrde mich zwiſchen Beiden aufreiben, wollte ich meine Forſchgier mit Syſtemen fuͤttern. Ich ſchlage dieſe und alles was ich lernte und ſahe und hoͤrte in den Wind. In den Strudel des Lebens will ich mich kuͤhn hineinwerfen, mich treiben laſſen, untergehen, oder die eigne Fahrt lenken lernen. Ich muß wiſſen, ob es ſich der Muͤhe verlohnt zu ſein? Ohne Zweck und Ziel, wer ruͤhrte da noch Hand oder Fuß? Du haſt von meinem Umhertreiben, den Verkleidungen und dem laͤcherlich gemachtem Incognito reden hoͤren? Meinſt Du Werner, ich wolle etwas dadurch vorſtellen? Gott bewahre mich vor ſo abgenutzten Geckerein! Auf die Art, eine wohlfeile Poeſie ins Leben zu tragen, wie⸗ — 5— derſteht meiner Natur durchaus. Nein, glaube mir, ich hatte Gruͤnde zu dem Allen.“ Du lachſt, und denkſt an die Wirthstochter⸗ aus der ſchwarzen Dohle.— Es iſt wahr, das Maͤdchen liegt mir am Herzen. Sie hatte mir es wie angethan. Ich werde mir noch lange ihretwegen Vorwuͤrfe zu machen haben. Ach Gott! ſie liebt mich ſo wahr ſo uneigennuͤtzig, ſo ganz aus warmer Seele, indeß ich einſam und ausgeſtoßen, verkannt und verlaͤſtert an den Pforten meines Eigenthums umherſchlich und kaum ein treues Herz dort mein nennen konnte. Wahrhaftig Werner, dieſe arme, kleine Gabriele!— Aber was hilft es! ich bin nun auf Schloß Hohenried, und ſie?— Ich fragte mich das doch oͤfter, als ich es ehemals glaubte. Iſt das Leben ſo conſequent? und iſt ein Faͤdgen im Scherz geſponnen, ſtark genn ſend ernſte Gedanken daran zu reihen? Du weißt ſo viel von mir als Du brauchſt um das Folgende zu verſtehen. Ich bin, trotz Vettern und Muhmen, im Beſitz des vaͤterlichen — 6— Erbes. Ich habe nun was ich wollte, aber! — Doch davon einmal muͤndlich. Wenn das ſein wird? ich weiß es nicht. Vielleicht begegnen wir einander einmal auf Euren Irrfahrten. Bilde Dir hier nicht etwa ein, ich werde es ſchon ſo einzurichten, und dem abſichtlichen Zuſammentreffen den Anſtrich des Ohngefaͤhrs zu geben wiſſen, blos um Dir ins Gehege zu kommen! fuͤrchte nichts. Dergleichen Gedanken liegen jetzt auf tau⸗ ſend Meilen weit von mir. Meine Seele ver⸗ ſinkt in einen Abgrund von Schwermuth. Ich komme da nicht heraus, werde matt und kaͤmpfe ungleich gegen ein Heer von Bitterkeiten und kleinlichen Quaͤlereien, uͤber die ich zu anderer Zeit mit einem Satze hinweggeweſen waͤre, Ich lache mich auch in manchen Augenblicken aus. Allein Werner, es iſt nicht mehr das helle, fri⸗ ſche Lachen dt erſten Jugend, die vergißt, was ſie hinter ſich huͤt. Ich bin wie ein alter, kranker Mann, muͤrriſch und verdruͤßlich. Mich aͤrgert, im eigenſten Sinne des Wortes, die Fliege an der Wand. Die Narren, die mich in die uͤble Laune ſicen und v und be 0 82 man großen mit ſen iſt ein En Andre higein fuͤr halte — 7— Laune hineinhetzten, wundern ſich nun daruͤber, ſtecken die Koͤpfe zuſammen, thun ſchuͤchtern, und vergelten mir's durch heimliches Getraͤtſch und boͤſen Leimund. Du wirſt ſagen: das kommt davon, wenn man ſich uͤberfliegt und eine enge Welt mit großen Gedanken auszufuͤllen meint! Wozu ſich mit Dingen befaſſen, denen man nicht gewach⸗ ſen iſt? Genuͤgt es nicht, Recht behalten und ein Erbe in Beſitz genommen zu haben, das Andre uns ſtreitig machten? muß man ſich nun hinein verlieren? und den kleinen Wirkungskreis fuͤr den einzigen Schauplatz junger Thatkraft halten? Geſtehe, Werner, daß ich Dich kenne, wenn ich Dir ſo aus der Seele ſpreche! Du magſt gern hofmeiſtern und Dich ſtellen, als habe kein Andrer kluge Gedanken, als Auch haͤlſt Du auf mich, und wenn Dir g manches in mir toll und unzuſammenhaͤngend erſcheint, ſo machſt Du doch damit am liebſten vor der Welt Parade. Du nennſt es dann geniale Bizarrerie und hoffſt, Deine Weisheit werde die aͤrgerlichen Luͤcken wohl noch auszufuͤllen vermoͤgen. Verzeihe, wenn ich hier Deine Freundfchaft zu verhoͤhnen ſcheine, da ich ſie doch im Her⸗ zen um ſo werther achte, als es das einzige Gut iſt, was ich ohne Wiederſpruch, in harm⸗ loſer Hingebung ganz zu beſitzen glaube. Ge⸗ wiß, Werner, ich waͤre ſehr zu bedauern, faͤnde ich nicht in Deinem Herzen Entſchuldigung fuͤr das, was mir an mir ſelbſt am jfeatalſten iſt. Und kaͤme es einmal dahin, daß auch Du ſeit⸗ waͤrts gingeſt, um mir nicht zu begegnen, die Achſeln zuckteſt, wenn von mir die Rede waͤre, grade nichts Boͤſes ſagen wollteſt, gleichwohl eingeſtehen zu muͤſſen glaubteſt: es ſei nicht wohl mit ſo einem verkehrten, launigen und ei⸗ genwilligen Menſchen zu leben, ſieh' Lieber, ich wuͤrde michnohne Weiteres fuͤr die Welt verlo⸗ ren halten, und weder verſuchen, Dich und An⸗ dre zu bekehren, noch ſtolz thun gegen die Mei⸗ nung und mich mit Menſchenverachtung zum Beſten haben. Ich ließe es gehen wie es wollte! und mich ebenfalls, zu aͤndern ſtaͤnde da doch nichts/ ger.— Weſen her oft Alein, los, W aber es ſein. Weſens ſelbſt ei weicht, fluͤchtet Aengſt wohnt meſſen benswe nicht, aber i ruhigen 81 Philiſt der n nichts — 9— nichts, und zu gewinnen wuͤßte ich noch weni⸗ ger. Du ſiehſt, wie unentbehrlich Du mir im Weſentlichen biſt. Ich dachte deshalb auch ſeit⸗ her oͤfter daran, Dich hieher zu mir einzuladen. Allein, einmal reißt Du Dich wohl kaum da los, wo Du biſt, und dann— lache nicht— aber es iſt mir ganz nothwendig, jetzt allein zu ſein. Du weißt, wie die Unordnung meines Weſens zu Zeiten vor dem Chaos ſtutzt, das ſie ſelbſt erzeugte, und dann willig dem Geſetzlichen weicht, hinter welches das erſchrockene Innere fluͤchtet. Du kennſt eben ſo die ſyſtematiſche Aengſtlichkeit, die mir in ſolchen Perioden inne wohnt. Und wie dann nichts ſtrenge, nichts ge⸗ meſſen genug in der planmaͤßig geregelten Le⸗ bensweiſe fuͤr mich ſein kann. Ich weiß ſelbſt nicht, fuͤhrt das in mir zu etwas? oder nicht? aber ich leugne es nicht, mir iſt beguem in dem ruhigen Sein, ich trete ungern heraus. Werner, wenn ich noch einmal ein trockner Philiſter wuͤrde, und alles ſchaͤumende Brauſen der wilden, ungeſtuͤmen Wuͤnſche nichts, gar nichts bedeutete, das Blut es waͤre, und nicht — — 10— der kuͤhne Gedanke, der aus ſich heraus das Unendliche wollte? So viel duͤrftige Laffen thun groß wie ich mit ihrem Wollen und Streben, ſprudeln uͤber von Jugendmuth, blicken verach⸗ tend auf die Gegenwart, ſchwatzen uͤber kom— mende Zeiten, ſtellen ſich, als tragen ſie eine Welt im Buſen, und druͤcken ſich dann ploͤtzlich ganz eng zuſammen in ein magres Amt hinein, eſſen, trinken und ſind's nicht geweſen. Seit ich hier warm ſitze, und Herr bin uͤber Viele, verſoͤhne ich mich auch mit dem Einerlei des Daſeins. Ich liege auf einem ſeidnen Ruhebett, wickle die Fuͤße in einem ſchoͤnen indiſchen Shavl, krame in die Papiere meines Vaters, ſuche und finde nur Einzelnes, was mich traͤumen und ſinnen laͤßt, ohne mir Ausſchluß uͤber das zu geben, was ich wiſſen moͤchte, und wenn ich dann die ſonderbaren Brieffragmente meines verſtorbenen Oheims finde, mir ſein fabelhaftes Verſchwinden in Italien zuruͤckrufe, und was ſich loſe und un⸗ verſtaͤndlich daran reihet, dann wiege ich mich in Vorſtellungen hinein, die mich unterhalten, ohne mn Tage d ch hab mit den ſei eigen Zut die Har Es ſint mehr al Vater, tetn. S ernſtem, Worte ſind ſſe Gegenth Mich er angſtlich als ſei gang ei ſtern hif wehmͤt Schatt voruͤber das thun eden, krach⸗ kom⸗ eine blich nein, bin dem iinem inem apiere elnes, 2 mir viſſen baren heims n in d un⸗ ˖mich alten, — 11— ohne mich zu beſchaͤftigen. Ich bringe meine Tage damit hin und mache mir am Abend weiß, ich habe meine Angelegenheiten geordnet, mich mit dem Nothwendigſten bekannt gemacht, und ſei eigentlich fleißig geweſen. Zuweilen faͤllt mir, auf kleinen Blaͤttchen, die Handſchrift meiner Mutter in die Haͤnde, Es ſind meiſt nur haͤusliche Notizen, ſelten mehr als Berichte ſolchen Inhalts an meinen Vater, waͤhrend kurzer Abweſenheiten des Letz⸗ tern. Sie ſcheint ſehr gewiſſenhaft und von ernſtem, feſtem Gemuͤth geweſen zu ſein. Ihre Worte athmen beſcheidene Zuruͤckhaltung, doch ſind ſie nicht kalt oder fremd zu nennen. Im Gegentheil, es durchwehet ſie tiefe Innigkeit. Mich ergreifen ſie ſeltſam. Es durchzuckt mich aͤngſtlich, meine Bruſt wird beklommen, mir iſt, als ſei ich in einem großen, praͤchtigen Zimmer ganz einſam, der Mond ſcheine zu hohen Fen⸗ ſtern hinein, und dieſe Sonne der Nacht, deren wehmuͤthiges Licht uns nur das oͤde Grau der Schattenwelt zeigt, ziehe mit feuchtem Blick voruͤber. Werner, iſt es der Geiſt meiner — 12— Mutter, der mir ſo das Herz preßt und die Phantaſie umflohrt? Ich weiß wenig von ihr. Mein Vater ward immer ſo weich wenn er ihrer gegen mich gedachte. Mich aͤngſtete das, ich konnte es nicht vertragen ihn weinen zu ſehen, ohne den Tag uͤber in dumpfer Beklommenheit hinzubringen, und Nachts bange zu traͤumen. Ich flohe des⸗ halb die Erinnerung an meine Mutter. Nach und nach ward mir ihr Bild fremd. Ich lernte an Empfindungen hinſehen, die mich nur ver⸗ wirrten. Mein Vertrauen hatte niemand. Ich wußte nicht was mir mein Vater war. Ploͤtz⸗ lich, unerwartet, unvorbereitet, riß mich die Ahnung ſeines nahen Verluſtes, aus jenem ſchwankendem Zuſtande undeutlicher Gefuͤhle! Es war eine wilde Nacht in welcher ich Euch damals verließ. Mich jagte Todesangſt, tauſend Stimmen ſchrieen zugleich iu mir auf. Ich war wie betaͤubt! Das Ungluͤck kannte ich nicht. Es ſchien mir unglaublich, daß es mich bedrohe. Auf jeden Fall mußte es zu beſiegen ſein. Die Zuverſicht machte mich keck. Ich war in nehmen ſich„ 1 mich/ ausſehe kommen beides. Art von nenne e Paat T Menſch treibt. tiger, Blick. von ſei haltend wich am an§0 die Pater mich nicht Tag gen, des⸗ MNach ente ver⸗ Ich Aötz⸗ h die enem ſegen Ich — 13— war in der Laune es mit dem Teufel aufzu⸗ nehmen. Mein Pinſel von Begleiter wollte ſich, und vielleicht in dem Augenblicke auch mich, der Gefahr, erſchlagen zu werden, nicht ausſetzen. Er eilte, unter Dach und Fach zu kommen. In der ſchwarzen Dohle fanden wir beides. Ich beſchloß ſogleich, auf irgend eine Art von ihm loszukommen. Dor Zufall, oder nenne es, wie Du willſt, fuͤhrte mich mit einem Paar Burſchen vom Bergwerk zuſammen. Der Menſch ſchwatzt gern von ſich und dem, was er treibt. Je abgeſchloſſener der Kreis, je einſei⸗ tiger, und vielleicht je feſter und genauer der Blick. Ich mag gern Einen mit ganzer Seele von ſeinem Geſchaͤfte reden hoͤren. Dieſe tha⸗ ten es. Sie wußten Wunderdinge zu erzaͤhlen. Es war ein Vornehmerer mit ihnen, naͤmlich der, welchen ſie Steiger nennen. Er ſchien zuruͤck⸗ haltend und hatte etwas Myſterieuſes. Das zog mich an. Ich hatte es bald inne, daß ſie noch an Koboldoſtreichen glauben. Einzelne Winke verriethen mir das. Meine Phantaſie war ſehr bewegt. Ich ging darauf ein. Einige von ih⸗ — 14— nen, meinten ſie, wiſſen mehr davon. Sie nannten einen Ungluͤcklichen, einen Kruͤppel, der den Unterirdiſchen die Kuͤnſte abgelauſcht haben ſollte, und den ſie unf das Schmaͤligſte dafuͤr ſtraften.„Er liege nun als ein elender Kruͤppel da, allein was er wiſſe, das wiſſe er doch ein⸗ mal, das koͤnnen jene ihm nicht nehmen. Er beſitze ein Arcanum gegen alle Krankheiten und gebe dem Alter Jugendkraft.“ Ich ließ mich zu ihm fuͤhren. Es war ein tolles Wetter, die Elemente in einem Aufruhr, wie ich es nie er⸗ lebte. Der Donner ſchmetterte zwiſchen den Bergen, daß man ſein eignes Wort nicht hoͤ⸗ ren konnte. Meine Geſellen irrte das nicht. Wir ſchritten munter zu. Der Regen hatte die Bergpfade ſehr ſchluͤpfrig gemacht. Man glitt leicht aus, oder ſtolperte uͤber zuſammengebro⸗ chene Baͤume, die der Sturm krachend uͤber den Weg warf. Wie ſchwarze Katzen ſpran⸗ gen und klommen die gewandten Jungen daran hin, indem ſie mich mit ſtarkem Arme unter⸗ ſtuͤtzten und meiner Unerfahrenheit forthalfen. ——— Zutbe men. Der ten ei blick etwas Otim gtuß Koyf/ gen, in gegen d unterſtu dndetn dem di kels feh Kleine, an, ind ſeinem auf hie Er laͤch willfahr chen, griff n — 15— Zuweilen glaubte ich, das alles nur zu traͤu— men. Endlich waren wir bei den Huͤtten. Der Steiger oͤffnete eine derſelben. Wir tra⸗ ten ein. Ach laß mich ſchweigen von dem An⸗ blick! Wie ein eckles Gewuͤrm wand ſich da etwas am Boden. Eine kleine maͤckernde Stimme rief uns dem gewohnten Bergmanns⸗ gruß entgegen. Es richtete ſich ein kahler Kopf, von einem langen, magern Hals getra⸗ gen, in die Hoͤhe, zwei nervigte Arme, feſt gegen das Holz einer Art Bettſtelle geſtemmt, unterſtuͤtzten die Bewegung. So, die Lage ver⸗ aͤndernd, ließ uns das verſtuͤmmelte Geſchoͤpf, dem die Beine bis uͤber die Haͤlfte des Schen⸗ kels fehlten, ein menſchliches Weſen ahnden. Kleine, graue Augen blinzelten mich neugierig an, indem der Bedaurungswuͤrdige eine, neben ſeinem Lager, ſtehende Lampe hoͤher zu mir hin⸗ auf hielt. Ich trug ihm mein Anliegen vor. Er laͤchelte ſchlau und that ſehr emſig mir zu willfahren. Es ſtanden eine große Anzahl Kaͤſt⸗ chen, Buͤchſen und Flaſchen um ihn her. Er griff nach mehreren zugleich, goß zuſammen, — 16.— miſchte und reichte mir das Verlangte. Seine Hand blieb geoͤffnet und griff begierig nach dem Goldſtuͤck, welches der Preis war. Ich eilte, mich zu entfernen. Allein er zerrte mich an den Mantel und noͤthigte mich, bei ihm niederzuſitzen. Er war mir im hoͤchſten Grade zuwieder. Allein ich that es, indem ſich mein Auge noch eine Weile mit den ſeltſamen Din⸗ gen unterhielt, welche das Kaͤmmerchen fuͤllten. Unter einzeln liegenden Stufen Erz, lagen Brechſtangen, Schmelztiegel, Brenn⸗Kolben u. ſ. w., fanden ſich dort allerlei kunſtreiche Darſtellungen des Bergwerks, aus Holz und Netall zuſammengeſetzt, bewegliche Bilder einer Vergangenheit, welche der Ungluͤckliche durch⸗ lebte und ſeiner Erinnerung zuruͤckrief. Von der Einfahrt in den Schacht bis auf die innern Arbeiten in demſelben, das Zuſammenſein der Knappen, ihre feſtlichen Umgaͤnge, die ſchweren und luſtigen Tage bei Tanz und Muſik, alles war im ſaubern Schnitzwerk ſceniſch geordnet, und ſehr anſchaulich in einem Schrein aufge— ſtellt. Ich wollte mich naͤher uͤber die verſchie⸗ denen denen D dem Tau es nicht her? Und In und Geſt driger m Er mehrmals ſagen. E ſtand auh wimmerte habe der Es druͤc dumpfe einem V. vor meit erſchreck War er ter durch leicht die griff, je Seite zu Il Seine dig nach ar. Ich rte mich bei ihm Grade ſch mein en Din⸗ fuͤllten. „ lagen „Kolben nſtreiche Ho Vnd der einer e durch⸗ f. Von innern ſein der ſchweren , alles eordnet, aufge⸗ verſchie⸗ denen — 17— 1 denen Bedeutungen einzelner Gegenſtaͤnde bei dem Tauſendkuͤnſtler belehren, allein dieſer ließ es nicht dazu kommen, er fragte dringend: wo⸗ her? und wohin? In ſeinem Blick lag dabei etwas Haſtiges und Geſtoͤrtes, was die Erſcheinung noch wie— driger machte. Er wiederhohlte den Namen Hohenried mehrmals. Das Gedaͤchtniß mochte ihm ver⸗ ſagen. Er wirrte allerhand durcheinander. Ich ſtand auf und ſagte ihm lebewohl. Ach Gott, wimmerte er, nehmen Sie mich doch mit. Ich habe dem alten Herrn noch etwas zu entdecken. Es druͤckt mir die Seele ab. Ich ſtutzte. Eine dumpfe Erinnernng aus meiner Kindheit, von einem Verſtuͤmmelten, der meiner Mutter kurz vor meiner Geburt in den Weg kam, und ſie erſchreckte, rang ſich undeutlich in mir herauf. War er es? dachte ich. Und du willſt dem Va⸗ ter durch den das Leben erhalten, der dir viel⸗ leicht die Mutter raubte? Ich war im Be— griff, jene Arzenei als ein Teufelsgebraͤude bei Seite zu werfen. Dann ſchalt ich mich wieder II. 121 — 19— unbillig und naͤrriſch, ſah die Tinctur an, laͤchelte uͤber die Bedeutung, die ich ihr gab, und glaubte, ſie fuͤr nichts mehr, als die Spiele eines Aberwitzigen halten zu muͤſſen. Bei allem dem— Werner— glaubſt Du, daß ich dahin kam, ſie von mir zu laſſen? Gott bewahre, ich ſchleppte das Zeug mit hieher, wollte nicht daran glauben und baute große Hoffnungen darauf. Nachher war alles umſonſt! Die Flaſche zerbrach. Die Tropfen wurden veerſchuͤttet. Mein Vater ſtarb. Mich hat das lange un⸗ ausſprechlich geqnaͤlt. Es kamen viele fatale Umſtaͤnde zuſammen, die mich haͤtten toll ma⸗ chen koͤnnen. Ich war es auch faſt. Von dem wahnſinnigen Kruͤppel brachte ich nachher nichts mehr heraus. Er verſteckte ſei⸗ nen Unverſtand hinter ekles Lachen, nannte mich nicht anders als, Ihre Durchlaucht, und betheuerte, meinem ſeligen Herrn Großvater zreu, nur zu treu gedient zu haben. Wen und was er damit meinte? weiß ich nicht. Ich habe Dir das alles ſo weitlaͤuftig er⸗ zaͤhlt, weil es ſich beſtaͤndig wie ein dunkler Punkt die unb was m. glauben Gruͤblet Menſche Ein mich die kurzem einmal ſchreib 2 wird no ethoͤhet, wegbiſſ nen A inetur nn, ihr gab, die Syiee Bei allem ich dahin wahre, ich icht daran darauf. ie glaſche erſchuͤttet. lange un⸗ ele fatale n toll ma⸗ jrachte ich ſteckte ſei⸗ „nannte ucht, und Großvater Len und äuftig er⸗ n dunkler — 19— Punkt in meinem Gehirn herumdreht und mir die unbeantwortet gebliebene Frage wiederholt: was mich, den Veraͤchter alles gemeinen Aber⸗ glaubens, zu dem Narren zog? und aus welcher Urſach ich immer wieder an ihn denke? Ich glaube, die Einſamkeit macht mich zum Gruͤbler. Ich haſſe doch ſonſt dieſe Sorte von Menſchen, als die unnuͤtzeſten auf Erden. Ein Wunder waͤre es uͤbrigens nicht, wenn mich die vielen Dunkelheiten, auf die ich ſeit kurzem ſtieß, irre machten! Spreche ich Dich einmal, ſo will ich Dir davon mehr ſagen; ſchreiben laͤßt ſich ſo etwas nicht. Das Sonderbare meiner Verhaͤltniſſe hier, wird noch durch den Umgang mit einem Manne erhoͤhet, den die Katzen und Hunde vom Schloſſe wegbiſſen, und der mich im Geheim auf mei⸗ nen Abendſpatziergaͤngen aufſucht. Es iſt ein gewiſſer Arzt, der als ein Auslaͤnder, den Kaffeeſchweſtern großer und kleiner Cirkel von je an viel zu ſchwatzen gab und auch Beſcheide⸗ nern ein Naͤthſel blieb. Mein Vater mochte mehr von ihm wiſſen. Er war ſein Freund. * — 20— Beide ſtanden ohngefaͤhr in demſelben Alter Nun ſiehſt Du, dieſer Unverſtaͤndlichſte unter allen mir bekannten Menſchen uͤbte ſchon von meiner Kindheit an eine Gewalt uͤber mich aus, die er nie, und durch nichts ausſchließend gel⸗ tend machte. Er kam und ging, und ſah an mir hin, als ſei ich nicht da, allein ich fuͤhlte immer ſeine Naͤhe in einem Gemiſch von Bangigkeit und freudiger Unruhe. Traf es ſich nun vollends, daß ſein Blick, wie ein Stern aus feuchter Wolke auf mich fiel, und ſo blieb, als koͤnne er nicht wieder fort, ſo ſchoſſen mir die Thraͤnen in die Augen, ich wußte ſelbſt nicht, warum? Spaͤterhin ſchuͤttelte ich mir die Herrſchaft unbekannter Trauer, die mir von daher kam, ab. Ich lachte den Mann und mich aus, und glaubte ihn los zu ſein. Jetzt nun ſtand er mir in einem Augen⸗ blicke zur Seite, wo— Werner, haſt Du ſchon den Tod geſehen? Die Phantaſie faſelt viel von ihm, aber das iſt alles nichts! Er ſchleicht auf Socken heran, laͤchelt troͤſtend wie der Schlaf/ macht Di voll vor ſchrickſt ſtreck un hin/ und bekanntn 3p mich det mich von S warme 2 Seit ner Pha Engel, d Er mich gew daraus. unten o weiß ſell Wen er ſo me nur erw Es iſt ſe — 21— Schlaf, nennt ſich nach ſeinem Bruder, und uter macht Dir weis, er ſei es, indeß Du ahndungs⸗ von voll vor ſeinem hohlen, ſchnarchenden Athem er⸗ aus, ſchrickſt. Ploͤtzlich wirft er ſich auf ſeine Beute, gel⸗ ſtreckt und feſſelt ſie, haucht erſtarrend daruͤber an hin, und ſieht Dich aus ganz veraͤnderten Mienen hlte bekannt und fremd bis zum Entſetzen, an. von Ich hatte meinen Vater verloren! da nahm ſich mich der Arzt in die bebende Arme, und riß tern mich von dem kaltgewordenem Bett an ſeine lieb, warme Bruſt. mir Seitdem vermenge ich ihn immer in mei— ſebſt ner Phantaſie mit dem Tode ſelbſt, und dem Engel, der dieſem weinend zur Seite ſteht. 4 ſchaft Er hat wieder ſeine alte Herrſchaft uͤber kam, mich gewonnen. Ich fuͤhle es. Er macht nichts und darqus. Doch hat er mich von dem Maͤdchen 1 unten losgeriſſen. Ob ich es ihm danke? Ich gen, weiß ſelbſt nicht. chon Wenn Du mich fragſt, durch welche Mittel rie er ſo mein Wollen beſtimmt, ſo kann ich Dir iiht nur erwiedern, daß ich mich das ſelbſt frage. Es iſt ſelten von etwas Einzelnem unter uns die Rede. Die Athmosphaͤre, in welcher wir leben, bedingt aber unſre jedesmalige Stim⸗ mung, und ſo glaube ich, kann Gefuͤhl und Empfindung unabſichtlich durch die Naͤhe eines Driten umgewandelt und gelenkt werden. Ich denke mir das eigentlich ungern, aber es iſt ſo. Solche natuͤrliche Zauberei iſt die unentgeh⸗ barſte. In ihr liegt der bitterſte Spott uͤber unſre getraͤumte Freiheit. Allein laͤßt dieſe ſich einer Seits unterjochen, ſo duͤrfen wir doch auch annehmen, eine gleiche Gewalt unſern Theils auszuuͤben. Es kommt nur darauf an, wo das Uebergewicht liegt? Ich habe Dir viel geſchrieben, Werner, ohne Dir eigentlich etwas Vollſtaͤndiges zu ſagen. Das Epiſche meiner Mittheilungen iſt im⸗ mer ſehr fragmentariſch. Du mußt ſchon da— mit vorlieb nehmen. Ich kann den Faden nicht ſo ruhig abwickeln. Das ganze Gewinde faͤllt in Deine Hand. Iſt es ein wenig kraus durch⸗ einander gewirrt, ſo magſt Du es leicht ordnen. Im ſch it vil Fuͤ Veronich mir ihre ſeltſamſt es nicht ſein. T kommen. Bezug hett ſi Tage h Aber u Eit Ort. vor d gleicht mir ve Enkelch ich ſtu und n — 23— Im ſchlimmſten Fall wirf es bei Seite. Es iſt viel, auch nichts, daran verloren! Fuͤr heute Lebewohl! Meine alte Tante Veronica huͤſtelt im Nebenzimmer. Sie will mir ihre Naͤhe andeuten. Wir leben auf dem ſeltſamſten Fuß miteinander. Sie kann mir es nicht vergeben, der Sohn meines Vaters zu ſch ſein. Vieles iſt zwiſchen uns zur Sprache ge⸗ kommen. Ich dulde ſie. Allein, einmal, in Bezug auf mich, mit ihrem Gewiſſen zerfallen, an, hetzt ſie mir das Blut tauſendmal in einem Tage heiß durch die Adern. Ich halte an mich. ne Aber um die Heiterkeit iſt es hier geſchehen. zu Ein ſtilles Plaͤtzchen weiß ich an dieſem Ort. Es iſt der Sitz zwiſchen zwei Kaſtanien Wim⸗ vor einem Bauerhofe. Der alte Hausherr da⸗ gleicht meinem Vater. Die Tochter erzaͤhlt icht mir von der ſeeligen Graͤfin, und das kleine aͤlt Enkelchen heißt Hedewich, wie dieſe. Hier ſitze nch⸗ ich ſtundenlang. Ich koͤnnte da ſtill einſchlafen und nicht wieder aufwachen wollen. Das iſt — 24— am Ende der Gipfelpunkt aller haͤuslichen G Gluͤckſeligkeit. Lebewohl, Werner! Der Deinige Bodo. Nachſchrift. Ich ſchicke dieſe Zeilen auf gut Gluͤck ab, in der Vorausſetzung daß Du wirklich auf dem 1 alten, fuͤrſtlichen Landſitze hauſeſt. Schreibe mir doch etwas Naͤheres von dieſem. Ich habe meine guten Gruͤnde, weßhalb es mich beſon⸗ ders intereſſirt. Noch Eins. Wer iſt denn eigentlich dieſe gefeierte Schoͤnheit, zu deren Fuͤßen Du ſeuf⸗ zeſt? Ich habe noch kein klares Bild von ihr. Sie hat, weiß ich wohl, Furore in den Baͤdern gemacht. In meinen Schlupfwinkeln, die ich von Zeit zu Zeit in Eurer Naͤhe ſuchte, da ward ſie nur die reizende Graͤfin aus dem Elſaß ge⸗ nannt. Man ſchien jede andre Bedingung des irrdiſchen Daſeins bei ihren Anblick ver⸗ geſſen zu haben und dachte auch, vielleicht nicht mit Uure Jch ſoll Emphaſe hinauf Name l manden unſte Der lich uben es Dir O. Dir ein darin letzten jene f Kohle, Naſe, dem die B. ge dern von ard — 25— mit Unrecht, die Grazie ſei himmliſcher Natur. Ich ſollte eben daſſelbe denken; allein zu ſolcher Emphaſe ſchwingt man ſich aus der Ferne nicht hinauf. Und denn,— ſage was Du willſt, Name und Verhaͤltniſſe duͤrfen uns bei nie— manden fehlen, der in irgend einer Art auf unſre Phantaſie wirkt. Deshalb Werner, ſei genau und umſtaͤnd⸗ lich uͤber dieſen Gegenſtand. Der Himmel laſſe es Dir wohl gehn. Werner an Bodo. Du ſchickſt mir Schattenriſſe und bildeſt Dir ein, ich ſolle Blick, Farbe und Phyſionomie darin herausfinden. Die Schilderungen Deiner letzten Lebensgeſchichte ſind ſo ungenuͤgend, wie jene flache Abſchattungen an der Wand mit Kohle, willkuͤrlich nachgeriſſen. Man hat Stirn, Naſe, Lippen, Kinn, aber was machſt Du mit dem allem, ohne Fleiſch und Blut und ohne die Bewegung der Mienen?— 3 — 26— Bodo, werde kein Traͤumer! Du weißt, ich warnte Dich immer vor dem, was Du das ſuͤße Daͤmmerlicht der Phantaſie nannteſt, und was, wie eine bleiche Nebenſoune Dein Ju⸗ gendleben umzieht. Verachte meinethalben die Welt. Sie iſt ein Ball, den man zuweilen von ſich ſchleudern muß, damit er uns anf eine andre Seite zu⸗ ruͤckfalle, allein ſchließe nur nicht die Augen davor zu, und bilde Dir ein, Du ſaͤheſt inner⸗ lich etwas Beſſeres, als Du von Außen er— blickteſt. Man betruͤgt ſich nur ſelbſt, und ver⸗ liert die Faͤhigkeit, den Feind, der uͤberall lau— ert, aus dem Felde zu ſchlagen. Gefaͤhrlicheres kann es fuͤr Dich gar nichts geben, als der Umgang mit dem Sonderling, der Dich und Deine Familie ſchon manch' huͤb⸗ ſches Jahr lang miſtifizirt haben mag. Er ſcheint mir ein aͤchter Charlatan zu ſein. Glaube mir, mißtraue dergleichen dunkeln Einwirkungen, die ſelten etwas mehr, als gewoͤhnliche Theaterſtreiche ſind. Wir ſollten doch endlich klug werden, und es den Auslaͤndern nicht ſo leicht machen, wie m glaube⸗, Dü hal wegen mich ſ wacht, dK/ T einand vicht Was nicht nicht. Llugen inner⸗ n er⸗ ver⸗ lau⸗ nichts gling, huͤb⸗ heint mir, die eiche rden, hen, eine Rolle unter uns zu ſpielen. Wir laſſen uns aber von ihnen, wie von den Frauen, mit vollem Bewußtſein taͤuſchen, um der Taͤu— ſchung willen, die immer ihr Beſtechliches hat. Dir die Anwendung hiervon zu erſparen, gehe ich ſchnell auf die Graͤfin uͤber, die Dich, wie mir ſcheint, erſtaunlich intereſſirt. Ich glaube, nicht fehl zu ſchließen, wenn ich behaupte, Du habeſt den langen Brief blos der Nachſchrift wegen geſchrieben und Deine Freundſchaft fuͤr mich ſei nur darum einmal wieder in Dir er⸗ wacht, weil Du ſonſt kein andres Mittel wuß⸗ teſt, naͤhere Kundſchaft einzuziehn. Dem ſei uͤbrigens wie ihm wolle, ſo kann ich Dir ſagen, daß die ſchoͤne Frau und ich einander gewachſen ſind, und ſie ihre Waffen nicht zwecklos abnutzt, da ich den Pfeil parire. Was uͤbrigens daraus werden koͤnnte, wenn ich nicht auf meiner Huth waͤre? Das weiß ich nicht. Allein ich bin es, und ſo mag es gehen! Du haſt recht, nach ihrem Stande, ihren Verhaͤltniſſen zu fragen, damit Du nicht etwa — 29— —8 die Suͤnde begehſt, ſie fuͤr eine nahmenloſe Abentheurerin zu halten. Franziska iſt kin⸗ derloſe Wittwe eines italiaͤniſchen Generals aus großem Hauſe. Sie ſelbſt ward im Elſaß geboren, und faſt in eben dem Augenblick Waiſe und Erbin eines weiblichen Fideicomiß. Paris vollendete ſpaͤter ihre Erziehung. Dort vermaͤhlte ſie eine Tante mit dem ausgezeich⸗ neten Manne, deſſen Namen ſie traͤgt, ohne vielmehr von ihm zu wiſſen, als daß prieſter⸗ liche Weihe ihr Geſchick an das ſeine kette. Der Krieg fuͤhrte ihn von ihrer Seite. Sie ging nach Florenz zu ſeiner Mutter. Nach zweijaͤhriger, kloͤſterlicher Einſamkeit ward ſie Wittwe, und frei uͤber ſich und ihr Vermoͤgen zu beſtimmen. Sie durchflog Italien. Rom feſſelte ſie auf laͤngere Zeit. Der Umgang mit deutſchen Kuͤnſtlern machte ſie dort mit der Lit⸗ teratur ihres Vaterlandes vertraut. Sie kehrt zu dieſem zuruͤck, und iſt ſeit einem Jahre damit beſchaͤftigt, es nach allen ſeinen Richtungen kennen zu lernen. Hier haſt Du was ich ſelbſt weiß. Laß es — laͤufiger lange ſi durch de danken/ iſt ihr bniß zu diejenige Entſchlu nur au hat es rauh⸗ nug/ Käͤlte gebang ten. eines Boden fehlen. gegruͤn in's G — 29— Dir genuͤgen, wenn Du nichts willſt, als von ihr hoͤren. Ich habe eben heute nicht viel Zeit, weit⸗ laͤufiger zu ſein. Franciska uͤberlaͤßt niemand lange ſich ſelbſt. Ihr kreutzen tauſend Plaͤne durch den Kopf. Sie iſt verliebt in den Ge⸗ danken, den Vorwinter hier zuzubringen. Es iſt ihr gelungen, hierzu die fuͤrſtliche Erlaub⸗ bniß zu erlangen. Jetzt liegt ihr alles daran, diejenigen, welche ſich zu ihr geſeilten, den Entſchluß nicht bereuen zu laſſen. Sie ſinnt nur auf Unterhaltung fuͤr ſie. Mit der Jagd hat es ziemlich ein Ende. Das Wetter iſt zu rauh, die Jahreszeit noch nicht beſtimmt ge⸗ nug, der menſchliche Koͤrper noch nicht auf Kaͤlte vorbereitet. Wir ſind alſo in die Saͤle gebannt. Dieſe zu beleben, wird alles aufgebo⸗ ten. Gluͤcklicherweiſe fanden wir die Ueberreſte eines ehemaligen Theaters, in Kammern und Boͤden zerſtreuet. An Raum konnte es nicht fehlen. Unſre Armide hatte bald ihr Feenreich gegruͤndet. Alles ſteht bereit. Wir treiben's in's Große. Scenen aus Maria Stuart ſollen — 3⁰— gegeben werden. Du erraͤthſt, wem die Rolle der Maria zufallen mußte. Ich mache den MNcortimer. Edvin, den Du kennſt, iſt fuͤr den Leſter beſtimmt. Unſre Bekanntſchaften aus dem Bade, fuͤhren uns das uͤbrige Perſonale zu. Es draͤngt ſich hier eine kleine Welt zu⸗ ſammen. Was die groͤßere bewegt, und in ſte⸗ tem Getriebe der Wechſelwirkungen, Verhaͤlt⸗ niſſe in ihr geſtaltet und verwirrt, das findeſt Du hier wieder! Ein jeder traͤgt ſeine Anſpruͤ⸗ che, ſeinen Ehrgeiz, verſteckte Eiferſucht und uͤberkleideten Stolz, mit in das Spiel, durch welches man taͤuſchen moͤchte, und einander nur enttaͤuſcht, kurz, der Quell des Leidens und der Freude, iſt geoͤffnet. Wir ſchoͤpfen von bei⸗ den, und miſchen die ſubtilen Stoffe geſchickt zuſammen. Ich ſage Dir Bodo, es athmet ſich leicht in der feinen Athmosphaͤre! Wie bei allem dem unſre theatraliſchen Kunſtuͤbungen ausfallen werden, laſſe ich dahin geſtellt ſein. Franziska fiel durch ſehr melan⸗ choliſche Reminiscenzen auf das große Trauer⸗ ſpiel. Man hat auch in dieſem Schloſſe eine 4 glic unglücklte halten, politiſ haft laſſe dem Geſch 7 chel Franziska Characten geiſterund die verzo tets, iſt Edvin we che der wird ihn gegen d Luzi 1 — 3 e 85 W Trieb d hochmüͤ berkleit zu, weil Sie ſch ſie im Mann, Nolle ee den uir den aus ſonale lt zu⸗ in ſte⸗ rhaͤlt, indeſt ſpruͤ⸗ und durch 8 nur und bei⸗ chickt t ſich ſchen fahin elan⸗ uer⸗ — 31— ungluͤckliche Fuͤrſtin lange Jahre gefangen ge— halten, und wie man ſich zuraunt, ebenfalls aus politiſchen Familiengruͤnden, welche es zweifel⸗ haft laſſen, wie viel Antheil der Wahnſinn an dem Geſchick der nicht laͤngſt Verſtorbenen hatte. Franziska traͤumt viel von dieſer, und wird den Character ſuͤßer Trauer, und hochherziger Be⸗ geiſterung unnachahmlich durchfuͤhren. Luzie, die verzogene, despotiſche Verwandte des Rit⸗ ters, iſt ganz zur Koͤnigin Eliſabeth geboren. Edvin war einſt in ihren Feſſeln. Die Schwaͤ⸗ che der ſtolzen Amazone fuͤr den Guͤnſtling, wird ihr ſo natuͤrlich ſein, als der Uebermuth gegen die beneidete Gefangene. Luzie gehoͤrt zu den Frauen, in welchen der Trieb zu gefallen, wie zu herrſchen, die Luͤcken des Verſtandes durch ein ſeltſames Gemiſch hochmuͤthiger Indolenz und kalter Agacerie, uͤberkleidet. Man trauet ſolchen uͤberall Geiſt zu, weil ſie den der Selbſtbehauptung beſitzen. Sie ſcheinen immer recht zu haben, ſelbſt wenn ſie im Nachtheil ſind. Es giebt ſelten einen Mann, den ihr Uebermuth nicht fuͤr Augen⸗ — 32— blicke außer Faſſung braͤchte. Nir iſt es mehr als einmal aufgefallen, wie haͤufig tiefere und reichere Gemuͤther gegen dieſe ſtolze Armuth zuruͤckſtehen muͤſſen, was es ihnen koſtet, Herr ihres Ueberfluſſes zu werden, und wie der ange⸗ erbte Zepter in ihrer Hand zerbricht, deſſen Split⸗ ter jene haushaͤlteriſch aufnehmen, um das große Reich der Meinungen damit zu regieren. Nimm gleich Maria und Eliſabeth! die Weltgeſchichte iſt doch am Ende auch nur ein altes Weib, das Worte hat, und keine Gedan⸗ ken! Alle Menſchen haben ſolche innre und aͤußre Weltgeſchichte. Und geſprochen oder geſchrieben, das Bild ward im Augenblick tauſendfach nach⸗ gepraͤgt. Mutheſt Du der Phantaſie zu, heraus⸗ zugeben, was ſie beſitzt? Was ich mit dem allem will? wie ich da⸗ rauf komme? Mein Gott, dergleichen Bemer⸗ kungen draͤngen ſich Einem zu Dutzenden auf! Sieh dieſe Franziska, ſie zerreißt ſich, und wirft die Fragmente ihres vollen, gluͤhenden Innern den Menſchen unverſtaͤndlich hin, weil ſie ſie einer und Thee haupten detſprigt ligen Geg der zitter froſtigen die blibe kutz/ das und Miß Lache dundre, und ſich gen an Booo am Kal I' nach⸗ raus⸗ ch da⸗ lemer⸗ auf! „ und enden weil ſie ſie einer heißen Seele zu trotz, von Anſichten und Theorieen, beſtimmt einen Character be⸗ haupten moͤchte, dem alles in und an ihr wie⸗ derſpricht, und daraus entſpringen die unzaͤh⸗ ligen Gegenſaͤtze, das Wogen und Flimmern, der zitternden Hauch verborgener Gluth, die froſtigen Worte und die thauig warmen Blicke, die blitzenden Gedanken, und ſtechenden Reden, kurz, das, was die Sinne verwirrt, und Neid und Mißgunſt feindlich bewaffnet. Lache nur Bodo! Aber komm und ſieh' und wundre Dich, daß Dein Freund noch feſt ſteht, und ſich genug beſitzt, um ſo weiſe Bemerkun⸗ gen an den Tag zu bringen. Der Deine. Werner. Zweites Kapitel. Bodo ſtand, in der dunkelnden Abendͤſtunde, am Kamin. Den Ellenbogen hatte er auf den II. 131 Sims geſtemmt. Den Kopf lehnte er gegen die flache Hand⸗ Nur auf einem Fuß ruhete die laͤſſig zuruͤckgebogene Geſtalt. Der andre, je⸗ nen zierlich kreuzend, beruͤhrte nur eben mit der Spitze den Boden. Der Augenblick ſchien auf dem ſchwermuͤ⸗ thigen Juͤngling zu druͤcken. Veronica ſaß in einem Winkel des Zimmers. Der Freiherr ging lebhaft auf und nieder. Nan hatte eben den kitzlichen Punkt einer nothwendig erachteten Heirath des Neffen beſprochen. Die Tante kam zeither oͤfter hierauf zuruͤck. Sie wollte etwas damit. Das war ganz klar. Und daß ſie ſich heute, wie im Kreiſe, immer um den laͤſtigen Gegenſtand drehete, ließ auf geheimes Einver⸗ ſtaͤndniß mit dem Freiherrn ſchließen. Dieſer hatte einmal ihren Schutz in An⸗ ſpruch genommen. Er war von je an ihr Liebling, und fruͤherhin, als angenommener Erbe ihres Bruders, lange Zeit der Buͤrge fuͤr deſſen Eheloſigkeit geweſen. In Bezug auf ihn blieb ihr kein Vorwurf in der Erinnerung zu⸗ ruͤck. An Andrer⸗ und weng loßige d Kaltſinn Andersge grade di ander ſich ſelb zuſtellen. Ver üͤbetall ſchlang ſchen iht der eine das Net Mi ohnlaͤng Weinach herrn aͤ erreiche unentw doch we chteten ſte kam etwas ſie ſich laͤſtigen Einver⸗ in An⸗ an ihr mener ge fuͤr uf ihn ng zu⸗ An ihr lag es auch wahrlich nicht, daß ein Andrer, als er auf Schloß Hohenried befehligte, und wenn das Mißlingen dieſes Planes jetzt unab⸗ laͤßige Dehmuͤthigung fuͤr beide herbeifuͤhrte, der Kaltſinn des Grafen, ſo wie der Tadel mancher Andersgeſinnten zu uͤberwinden war, ſo kettete grade dies die Verbuͤndeten nur feſter anein⸗ ander, und duͤnkte ihnen ein Sporn, ſich vor ſich ſelber auf irgend paßliche Weiſe wiederher⸗ zuſtellen. Veronikas arbeitender Verſtand ruhete uͤberall ſchwer. Hier am Wenigſten. Sie ſchlang gern die Faͤdchen ineinander, die zwi⸗ ſchen ihren behenden Fingern ſpielten, und riß der eine entzwei ſo faßte ſie eilig den naͤchſten, das Netz zuſammenzuhalten. Mit klopfendem Herzen berechnete ſie ohnlaͤngſt im Calender, daß am kommenden Weinachtsabend die kleine Hermine, des Frei⸗ herrn aͤlteſtes Toͤchterchen, ihr funfzehntes Jahr erreiche, und wenn gleich noch allzu klein und unentwickelt, um ſie jetzt ſchon zu verheirathen, doch weit genug im Alter vorgeruͤckt ſei, um * — 36— ihre Beſtimmung vorlaͤufig an die eines kuͤnf⸗ tigen Gatten zu knuͤpfen. Wie viel dadurch gewonnen ward, wenn ſich Bodo zu dieſer Verbindung entſchloß, lag am Tage. Und daß er ſich dazu entſchließen werde, ſchien der vorauseilenden Lebendigkeit des Fraͤuleins gar nicht unwahrſcheinlich. Irgend ein Opfer war er dem betheidigtem Verwandten doch immer ſchuldig. Das Geringere brachte er nur durch die Heirath mit deſſen, keineswegen unſchoͤnen und hoͤchſt wohlgezogenen Tochter. Von der Seite, dachte ſie es auch, dem Juͤnglinge ans Herz zu legen. War er doch ohnehin ſo einſam hier, ſein Thun und Treiben ſo matt, Blick und Worte lau, das ganze Weſen gleichguͤltig zu dem Außenleben geſtellt. Eine Gefaͤhrtin brauchte er unumgaͤnglich in ſeinen gegenwaͤrtigen Verhaͤltniſſen. Sie aͤußerte das heute mit mehr Nachdruck als gewoͤhnlich. Ihr zuruͤckgezogenes Plaͤtzchen, tief in der dunklen Zimmerecke, ſteigerte ihren Muth. Sie ſprach lebhaft. Bodo erwiederte nichts. Herr von Oberwalden ſtrich von Zeit au Zeit di und ſie leiſ unter erkuͤ beißt an! Veront dem uruf kbinen F gende dußt und ſie aul ſi, die beh⸗ pers, ganz ſi fortfuht Bodo, ſo Unabhaͤngl Dir ſelbſt keit ſo jung den jugend Dir nicht ſich Schm greiflicher, wollen.— Um hoͤhnendes / lag hließen er doch Treiben ganze geſtellt. lich in hoͤruck zchen, ihren jederte Zeit — 3⸗— zu Zeit dicht an des Fraͤuleins Stuhl voruͤber, und ſie leiſe und freudig anſtoßend, fluͤſterte er unter erkuͤnſteltem Huſten: Er beißt an! er beißt an! Nur zu! nur nicht abgelaſſen! Veronika bog ſich nach ſolchem begeiſtern⸗ dem Zuruf, ein wenig mehr vor, ſtemmte die kleinen Fuͤße hoch gegen die ſchraͤg aufſtei⸗ gende Fußbank, ſchlang beide Arme ineinander, und ſie auf den Knieen ruhen laſſend, lehnte ſie, die behende Laſt ihres feinen, hagern Koͤr⸗ pers, ganz nach vorne gebeugt, dagegen, indem ſie fortfuhr: Denn das ſieh'ſt Du wohl ein Bodo, ſo wird es nicht immer bleiben. Deine Unabhaͤnglichkeit, das gnuͤgende Gefuͤhl nur Dir ſelbſt anzugehoͤren, das Recht der Muͤndig— keit ſo jung erlangt zu haben, alles was jetzt dem jugendlichen Eigenwillen ſchmeichelt,. wird Dir nicht immer neu bleiben. Es ſtumpfen ſich Schmerz und Freude mit gleicher, unbe⸗ greiflicher Schnelle ab, Du wirſt etwas Anders wollen.— Um Bodos Lippen ſchwebte ein liſtiges, hoͤhnendes Laͤcheln. Der Freiherr, ohne es ge⸗ — 39— wahr zu werden, fiel hier mit einer Bemerkung ein, welche ſpaͤterhin ſeine Uneigennuͤtzigkeit beglaubigen ſollte. Nun, ich denke, ſagte er, wir uͤberlaſſen den Vetter auch hierin ganz ſeiner eignen Entſcheidung. Mein Gott, was hat es denn fuͤr Noth mit einem huͤbſchen, reichen jungen Mann dem die Welt offen ſteht! Sorgen Sie doch fuͤr den nicht Fraͤulein Tante. Laſſen Sie den nur machen. Er iſt kein ſolcher Neuling wie ſie glauben, denn daß es huͤbſche Maͤdchen in der Welt giebt, weiß er auf ein Haar. Ich hoffe, Herr von Oberwalden, entgeg⸗ nete Veronika trocken, Sie verſtehen unter die⸗ ſen Bekanntſchaften nur ſolche, von denen es anſtaͤndig iſt, in meiner Gegenwart zu reden. Ich aber, ſetzte ſie eilig hinzu, meinte hier nicht ſo wohl die Zerſtreuung voruͤberge⸗ henden Wohlgefallens, als die ſanfte Beglei⸗ tung eines mitempfindenden, zaͤrtlichen Her⸗ zens, eines Herzens.— Wie das meiner Mutter war? unterbrach ſie der Juͤngling leiſe, mit ſcheinbarer Unab⸗ ſchtlchkei vor der S gelaſſen hi lange mei dem Vortte mir viellet dem, was anbetriff, verwoͤhnt/ einem thor wohl iſt bleiben ka Der den Roch Schuͤßen Blick au kaum. ſchloſſen dem Lebe Hoh ſen! R Fre ſonſt viel gerkung bigkeit ſgte er, n gan „ was bſchen, ſteht! Tante. entgeg⸗ ter die⸗ enen es reden. tte hier ruͤberge⸗ Beglei⸗ Her⸗ terbrach Unab⸗ ſichtlichkeit, ſo, als ſtehe ihm kein andres Bild vor der Seele. Sie haben ganz recht, ſetzte er gelaſſen hinzu, aber Sie wiſſen ja ſelbſt, wie lange mein Vater danach ſuchte. Was ihm, dem Vortrefflichen, ſo ſpaͤt erſt gelang, das wird mir vielleicht niemals zu Theil werden: Ueber⸗ dem, was die Begleitung zaͤrtlicher Theilnahme anbetrifft, ſo bin ich juſt nicht ſo ſehr hierin verwoͤhnt, daß mich die Sehnſucht danach zu einem thoͤrigen Schritte verleiten ſolle. Gleich⸗ wohl iſt es wahr, daß es ſo nicht mit mir bleiben kann. Der Freiherr ſtand ſtill, beide Haͤnde in den Rocktaſchen wackelte er mit den kurzen Schoͤßen hin und her, indeß ſein fragender Blick auf Bodo lag. Die Tante athmete kaum. Deshalb, ſagte jener, bin ich ent⸗ ſchloſſen mich eine Zeitlang anderweitig mit dem Leben zu verſuchen. Ich werde reiſen. Hoho! lachte der Freiherr verlegen, Rei⸗ ſen! Nun das iſt ja ganz etwas Neues. Freilich, entgegnete Bodo. Es haͤtte auch ſonſt vielleicht nur wenig Reiz fuͤr mich! Doch ſo— — 40— Mein Lieber, hub Veronika nach kurzer Pauſe, kurz und raſch an, ich daͤchte, Du haͤt⸗ teſt genung mit dem Leben geſpielt um ihm end⸗ lich eine ernſte Seite abzugewinnen. Wer ſo eifrig trachtete, ſich Verpflichtungen aufzulegen, der ſollte ſie zu erfuͤllen wiſſen. Laſſen Sie das Tante, unterbrach er ſie gelangweilt. Was ſollen Worte, die hoͤchſtens der Verſtand, das Herz nicht aufnimmt. Wa⸗ rum uͤberhaupt Worte! Sie lehnte erbittert in den Seſſel zuruͤck und beſchloß von nun an hartnaͤckig zu ſchweigen. Herr von Oberwalden nahm die Sache anders. Er ſchien ſeines Vetters Entſchluß nicht zu mißbllligen. Ein jeder hat ſeine Weiſe, ſagte er. Man muß niemandes Plaͤne gerade⸗ zu verwerfen, am wenigſten, wenn wir ihm nichts, als unſer eigenes Intereſſe entgegenzu⸗ ſetzen haben, denn offenbar ſind es die Zuruͤck⸗ bleibenden die durch ſeine Abweſenheit leiden. Aber dies bei Seite und alles Vorherge⸗ hende auch, ich komme heute eigentlich Sie zu einer Jagd nach Oberwalden einzuladen. — 3ch hielt 1 wenig geſ ſic hoͤflich Freihert 1 rief el/ drehete und Einfall,“ Gut, gut hinzu. 1 richt ausbl wuͤrde mei ihre marg paſteten Jagdſchn gebraten. Der Teuf Und dabe ter nicht mine, Die kant ſchwiſterr Apropos wohl nie kutzer u haͤt⸗ in end⸗ Ter ſo —ulegen, er ſie cſſtens Wa⸗ aruͤck eigen. Sache itſchluß Weiſe, erade⸗ ir ihm genzu⸗ uruͤck⸗ eiden. herge⸗ Sie laden. — 41— Ich hielt mit meiner Bitte zuruͤck, da Sie mir wenig geſtimmt ſchienen,— Bodo verneigte ſich hoͤflich, ohne etwas zu erwiedern. Der Freiherr nahm das fuͤr eine Bejaung. Topp! rief er, indem er ſich auf den Abſatz herum drehete und ſelbſtzufrieden uͤber den gluͤcklichen Einfall, wiederholt mit den Fingern ſchnippte. Gut, gut Vetterchen! Sie kommen! fuͤgte er hinzu. Und das Fraͤulein Tante darf auch nicht ausbleiben. Tauſend noch einmal, was wuͤrde meine Frau ſagen, wenn Sie dies Jahr ihre marginirten Forellen und die feinen Wild⸗ paſteten nicht pruͤften. Hat ſie doch zu dem Jagdſchmauſe ſchon eine Woche gekocht und gebraten. Sie wiſſen, das hat was auf ſich. Der Teufel iſt zu ſolchen Zeiten im Hauſe los. Und dabei, die ſechs liebe Kinder die der Mut⸗ ter nicht von der Falte gehen! Na, die Her⸗ mine, die ſtellt denn ſchon eine Perſon vor. Die kann ſich ein Anſehen geben bei den Ge⸗ ſchwiſtern und iſt auch im Hauſe respectirt, Apropos Vetterchen, Sie kennen meine Hermine wohl nicht einmal? Ein niedlich Ding! ſetzte er — 42— hinzu, ehe jener noch Zeit zur Antwort ge⸗ wann. Es kam auch nicht dazu, denn eben jetzt ward Bodo'n Werners Brief eingehaͤndigt. Er erkannte die Schriftzuͤge; und da er den Inhalt von ſolcher Natur glaubte, wie ſie ſich ſchwerlich mit ſeinen Umgebungen vertrug, ſo nahm er dem Bedienten, welcher kam, die Lichte anzu⸗ zuͤnden, den Wachsſtock aus der Hand und eilte auf ſein Zimmer. Hier las er mit wachſendem Herzklopfen Wort fuͤr Wort, ohne recht zu wiſſen, was er las? noch was ihn in ſo ungewoͤhnliche Unruhe verſetze? Was gehen mich die Thorheiten an! ſagte er zuletzt verdruͤßlich, indem er das Blatt wieder in das Couvert ſteckte. Moͤgen Sie Trauer⸗ oder Auſtſpiele auffuͤhren! ſtehen ſie doch uͤberhaupt wie Commoͤdianten da, die The⸗ aterſtreiche im Großen treiben. Die Vorſtellung des ungewoͤhnlichen, er konnte es ſich nicht leugnen, phantastiſchem Le⸗ bens auf dem Schloſſe verwirrte und beſchaͤftigte ihn ſo⸗ fuſion ger umging⸗ einpaſſen Wihr und zuletz Platt, d gebracht/ hatte. Er Nachtrag ein zweite „3 Deinem len. Das ken der wohl au zur Ru Qualen, er keinen ihm ſei ſchickte ruͤck. 6 ihn ſo, daß er daruͤber gewiſſermaßen in Con⸗ fuſion gerieth und ungeſchickt mit dem Briefe umging, der nicht wieder in den Umſchlag hin⸗ einpaſſen wollte, Waͤhrend er nun das Papier zerknitterte m er und zuletzt einriß, bemerkte er, daß ein zweites 1 d anzu⸗ Blatt, zuſammengerollt und jetzt aus der Lage d und gebracht, ſich hindernd dazwiſchen geſchoben hatte. Er zog es ſogleich hervor. Es war ein klopfen Nachtrag und Anhang des erſten Schreibens, ein zweiter Brief gewiſſermaaßen: „Ich hatte vergeſſen, hieß es darin, Dir von Deinem unterirdiſchen Tauſendkuͤnſtler zu erzaͤh⸗ ſagte len. Das koboldartige Ungeſtuͤm, das zum Schrek⸗ Blatt ken der Gegend umherſpukte und Deine Mutter n Sie wohl auch um's Leben brachte, iſt nun endlich hen ſie zur Ruhe. Der Ungluͤckliche ſtarb nach langen ie The⸗ Qualen, die noch dadurch vermehrt wurden, daß er keinein Beichtiger genungſam vertrauete, um n, er ihm ſein belaſtetes Herz auszuſchuͤtten. Er em Le⸗ ſchickte zwei Geiſtliche unverrichteter Sache zu⸗ öftigte ruͤck. Endlich trat dieſer Geheimnißvolle, der — 44— als Arzt uͤberall Eingang findet, zu dem Kran⸗ ken in die Kammer. Dieſer ſchreckte, wie vom Blitze getroffen, zuſammen. Großer Gott! bruͤllte er dumpf, kommen Sie auch hierher? Der Arzt winkte beguͤtigend mit der Hand, und hieß die Umſtehenden hinausgehen. Was beide hierauf miteinander vorgehabt? was ſie geſprochen haben? weiß eigentlich kein Menſch. Allein, die Leute ſind einmal auf⸗ merkſam geworden. Es laufen allerlei Ge⸗ ſchichten umher? Unten in der Schenke er— zaͤhlt dieſer und jener bei einer Kanne Bier davon. Es giebt noch Menſchen, die ſich erinnern, mit dem Elenden in fruͤher Jugend bekannt geweſen zu ſein. Sie ſprechen wie von einem Verzauberten oder Umgewandelten von ihm. Er war ein bildſchoͤner Knabe, ſagen ſie. Sein Geſchick zum Bergbau zeigte ſich fruͤh, weshalb ihm ſein Vater fuͤr ein Gewerbe beſtimmte, das er ſelber trieb. Doch wie ge⸗ wandt und ſinnreich auch der Burſche war, er hielt nicht lange bei ein und demſelben Dinge aus. Die Cither und der Geſang zogen ihn bald von einſt den fern und den Hil Sniten k Herzog, Schloßhof und da e Spieltaul ger herauf Als Bergman ſchwatzer großen/ wegblibte und wit Led von zunehme und ihn Er Bier e ſich ugend fe von von — 45— bald von der Arbeit ab, und ſo entwiſchte er einſt den Eltern. Man fand ihn nun in Doͤr⸗ fern und Staͤdten, in den Schenken und vor den Haͤuſern ſein Liedchen trillern und in den Saiten klimpern. So hoͤrte ihn der verſtorbene Herzog, wenige Jahre vor deſſem Tode, in dem Schloßhofe ſingen. Er hielt eben große Tafel, und da er in guter Laune war, und dieſer freien Spielraum goͤnnte, ſo hieß er den kleinen Saͤn⸗ ger heraufkommen. Als dieſer nun auch ohne Zoͤgern in ſeinem Bergmannsputz frei und ſchicklich eintrat, die ſchwarzen Locken aus der Stirn ſtrich, und mit großen, lachenden Augen uͤber die Verſammlung wegblitzte, ſein duͤrftiges Inſtrument ſtimmte und mit kindlich weicher Stimme ein ruͤhrend Lied von der Noth des Bergmanns ſang, flo⸗ gen ihm Lobſpruͤche und Geſchenke von allen Seiten entgegen. Der Herzog befahl, den Knaben wohl auf— zunehmen, ihm Eſſen und Trinken zu geben, und ihn im Schloſſe zu behalten. Er blieb von dem Tage bei dem Herrn. — 46— Wie es nun zuging? weiß Gott! allein bald ließ ſich dieſer von niemand ſo gern bedienen, als von dem feinen, zierlichen Jungen. Man hat geſagt, er habe ihm ſein Ver⸗ trauen in einer Angelegenheit geſchenkt, welche niemals recht an's Licht kam. Genug, Jonas, der kleine Guͤnſtling, wanderte in geheimen Auf⸗ traͤgen von dannen, man weiß nicht, ob nach der Schweiz oder weiter nach Italien? Als er zuruͤckkehrte, war ſein Beſchuͤtzer nicht mehr am Leben. Er erſchrak heftig, und da man ihn nun uͤberall neckte und ſeinem ſchnellen Gluͤck einen ploͤtzlichen Umſchwung prophezeihete, ward er zuerſt traurig und wollte ſich vor niemandem ſehen laſſen. Allein die verzweiflungsvolle Stimmung waͤhrte nicht lange. Ploͤtzlich trat er aus der Verborgenheit hervor und man ſah ihn ohngefaͤhr dieſelbe Rolle bei dem jetzigen Herrſcher, als bei dem Vorigen ſpielen. Niemand begriff, wie und wodurch er dies bewerkſtelligt habe? Es wollte etwas, von einem ſchaͤndlichen Verrath gewiſſer Briefe und Nach⸗ ichten ve mit zurue neuen Het erkaufte d durch Gold wie nun d und den kvuͤpft, w buntes Get Figuten m es auch hie fätlichen! Mar daß die h forterbend ein fremd Frͤhtr g ſten in? Neiſen eine Verf dann wiß zerſchlug einer H ſeinem hwung hervor olle bei origen er dies einem Nach⸗ richten verlauten, welche er von ſeiner Sendung mit zuruͤckbrachte. Dieſe ſollen grade dem neuen Herzoge ſehr wichtig geweſen ſein. Er erkaufte die Verſchwiegenheit des Verraͤthers durch Gold und Gunſt. So iſt die Sage. Und wie nun dieſe gern immer weit um ſich greift, und den Faden geſchaͤftig fortſpinnt, daran knuͤpft, was ihr in die Haͤnde kommt, bis ein buntes Gewebe fertig iſt, an deſſen raͤthſelhaften Figuren man ſich den Kopf zerbricht, ſo fehlte es auch hier nicht an allerlei Zuſaͤtzen und will⸗ kuͤrlichen Folgerungen. Man erwog gleichzeitig mit jenem Vorfalle, daß die herzogliche Linie, von Vater auf Sohn forterbend, mit dem Verſtorbenen erloſch, und ein fremder Nebenzweig die Herrſchaft erbte. Fruͤher glaubte man den feurigen, ſchoͤnen Fuͤr⸗ ſten in Willens, ſich zu vermaͤhlen. Auf ſeinen Reiſen ſollte er Schritte hierzu gethan, und eine Verbindung eingeleitet haben, welche ſich dann mit einnemmale auf unbegreifliche Weiſe zerſchlug. Er entfernte von da jeden Vorſchlag einer Heirath, und fuͤhrte ein einſames, ſchrof⸗ — — fes, meiſt unzugaͤngliches Leben. Herz und Seele ſchienen erkaltet, oder mindeſtens der Re⸗ gion, in welcher er lebte, nicht anzugehoͤren. Nach geraumer Zeit kamen viel Auslaͤnder an ſeinen Hof. Er unterhielt ſich zu meiſt mit dieſen. Es war auch niemand unbekannt, daß er in Verhaͤltniſſen ſtand, welche ſeine Theil⸗ nahme fuͤr ferne Gegenden in Anſpruch nah⸗ men. Es ſollte ihm irgendwo ein Sohn leben, fuͤr deſſen rechtmaͤßige Anerkennung er im Ge⸗ heim arbeitete. Daß er ſtarb ehe er dieſen Zweck erreichte, mag die Wahrheit der Sache doch nicht umſtoßen. Allein, wie es ſich nun hiermit auch verhalte, dies, wie vieles Andre, blieb im Dunklen. Der neue Herrſcher trat in ſeine unbeſtrittene Rechte, das fruͤher Geahn⸗ dete ſank in Vergeſſenheit, keiner wußte mehr davon als der Andre, Jonas war ſtumm und blieb in Gnaden, bis zu einer ſonderbaren Epoche, welche gleichwohl wenig Bezug auf ihn zu haben ſcheint, und bei derem Eintritt dennoch ſein Verſchwinden vom Hofe faͤllt. Dies war um jene Zeit da die ſchoͤne und rei⸗ reijende Pri des Herdog ſunig war Heft hin kunfeſe ſol anmuthovoll zum Naub von welchet Sie iſ Schſſe le man kann ſee etinnett Neihe vod Nebelbilde der Arzt,d Phantaſie, Ich fuͤrcht ich ihn ie Doch was der V verbrochen oder die Man hat slaͤnder feeiſt mit t, daß Theil⸗ th nah⸗ leben, in Ge⸗ dieſen Sache ſch nun Andre, trat in Geahn⸗ e mehr um und erbaren ag auf eintritt lt. ſe und rei⸗ reizende Prinzeß Erneſtine, die einzige Schweſter des Herzogs in ihrem funfzehnten Jahre wahn⸗ ſinnig war. Die wilde Luſt welche damals am Hofe herrſchte, die Baͤlle, Jagden und Mas— kenfeſte ſollten die zarten Gehirnſiebern des anmuthsvollen Geſchoͤpfes erſchuͤttert und ſie zum Raube einer Krankheit gemacht haben, von welcher ſie nie genas. Sie iſt es, die hier in dieſem entlegenem Schloſſe lebte und ſtarb. Ich ſage Dir Bodo, man kann hier keinen Schritt thun, ohne an ſie erinnert zu werden. Eine lange, lange Reihe von Jahren traͤumte ſie in Wahn und Nebelbildern fort. Niemand kam zu ihr als der Arzt, der, faſt ſo tiefſinnig als ſie, auch Deine Phantaſie, Bodo, krank und zerſtoͤrend anhaucht. Ich fuͤrchte dieſen Menſchen, und doch moͤchte ich ihn kennen! Doch zuruͤck zu meiner Erzaͤhlung! Nun, was der Verraͤther Jonas gegen ſie oder Andre verbrochen habe? ob er des Herzogs Unwillen oder die Rache eines dritten auf ſich zog? Man hat davon nur noch vermiſchte und con⸗ I. 141 — 5o— fuſe Nachrichten. Dein Oheim, Bodo, wie Du genannt, und ein hoͤchſt beſonderer, gebietender Fremder, ein Prinz oder Graf von den grie⸗ chiſchen Inſeln, Beide machten damals viel Aufſehen am Hofe. Einer wie der Andre ſchoͤn, durch Geiſt und Talent ausgezeichnet, durch hohe, begeiſternde Freundſchaft verbunden, und, wie das Geruͤcht ſagte, beide von den Reizen der jungen Prinzeß entflammt. Eine Weile ging alles einen einfachen, natuͤrlichen Gang. Feſte reiheten ſich an Feſte. Ein jeder war mit ſich ſelbſt beſchaͤftigt, man fand die Zeit nicht, tiefer in die Angelegenheiten des Anderen einzugehen. Plöͤtzlich in einer Nacht ſind die Juͤng⸗ linge fort, die Prinzeß toͤdlich krank, Jonas in ſeinem Schacht viele Klafter unter der Erde. Man glaubt, er habe zweien Herrn zugleich ge⸗ dient, und ſchon einmal Verraͤther, ſei er dreiſt gemacht durch den Erfolg, auf's neue dem Ver⸗ ſucher in die Haͤnde gefallen. Nach mehrern Jahren lag er eines Tages auf ſeinem Karren, ein Bild des Entſetzens, in dem Schloßhofe, vor derſelben Pforte, zu welcher er einſt, die Eiher in abſictlich g ben jeden? Auch heule lag⸗ ſein 9 bei dem i zweiftl, e erkannt, b und one 3 zwühnliches Hoſt. Jol mals war! nen. Ihr der Erde, Dies der ſchwatz dem Mun alten Obe Oir wiede Dir das Unül zuſammen Miͤdchen, wie Du bietente den grie⸗ nals viel dr e ſchon, rch hohe, und, wie eizen der eile ging Feſte mit ſich t, tiefer nzugehen. ie Juͤng⸗ Jonas in er Erde. gleich ge⸗ er dreiſt dem Ver⸗ mehrern Karren, hloßhofe, ſt, die — 51— Cither im Arme, eintrat. Die Stunde war abſichtlich gewaͤhlt. Der Herzog ritt in derſel⸗ ben jeden Tag bei leidlichem Wetter ſpatzieren. Auch heute beſtieg er auf der Stelle, wo jener lag, ſein Pferd. Er ſchauderte, und trat zuruͤck bei dem wiederlichen Anblick. Es war kein Zweifel, er hatte ſeinen ehemaligen Guͤnſtling erkannt, doch wandte er das Geſicht von ihm, und ohne zu thun, als ſei er durch etwas Un⸗ gewoͤhnliches betroffen, ſprengte er raſch vom Hofe. Jonas war und blieb vergeſſen. Nie⸗ mals war wieder die Rede von dem Verſtoße⸗ nen. Ihn hatte die Rache des Himmels und der Erde getroffen! Dies ſind die loſen Brocken, die mir in der ſchwarzen Dohle, im Huͤttenwerk, und aus dem Munde eines der Anbeter Franzisca's, des alten Obermarſchalls, zufielen. Ich habe ſie Dir wiedergegeben, wie ich ſie empfing. Reime Dir das Ganze zuſammen. Unzaͤhlige Romane wurden ſchon daraus zuſammengeſetzt. Franzisca und ein Paar junge Maͤdchen, ihre Nichten, die ſie uͤberall begleiten, *⁴ —-— 52— traͤumen nur von jenem Griechen Guido, und ob gleich ſeitdem an ſechs bis ſieben und dreißig Jahre verfloſſen, ſo ſchwoͤren ſie doch noch im— mer bei ſeiner Schoͤnheit, und brennen eigent⸗ lich vor Verlangen, ſich von dem gebietenden Weſen gefangen nehmen zu laſſen. So ſind die Frauen, Bodo! Ich verſichere Dich, eine wilde, tollkuͤhne Leidenſchaft iſt der beſte Empfehlungsbrief an ihre Herzen. Auf die Dispoſition zum Lieben kommt es ihnen nur an, gleichviel, ob auch eine Andre der Gegen⸗ ſtand iſt. Immer hoffen ſie auf dem Felde zu ernten. Wirſt Du hiernach eben viel Urſach finden, eitel zu ſein, wenn ich Dir ſage, daß Deine Thorheiten Dir bereits hier das beſte Spiel ge⸗ macht haben? und daß Dein Bild mit dem des intereßanten Griechen unvermerkt zuſammenfaͤllt? Es iſt der Ort zu romantiſcheu Gaukeleien. Bodo, ſei kein Thor, komm', und laß Dich be⸗ zaubern. Du kannſt am Ende nichts Beſſeres thun! Nebenbei ſagſt Du der kleinen, trau⸗ ernden Gabriele ein gutes Wort. Das Maͤd⸗ chen vetdien Dent man jungen, re in der Dol Wittwe wat zur Hand L Siehſt hübſch bleit Dir ſpteche weinerlichen Lebewe nigſtena, d Bodo ſchlagendel Vori briele, d Grieche( in einen rungen ſ zugleich i wilden, f kurz und do, und 1 dreißig noch im, n eigent⸗ bietenden derſichere ſt iſt der en. Auf nen nur Gegen⸗ Felde zu ch finden, ß Deine menfaͤllt? ukeleien. Dich be⸗ Beſſeres , trau⸗ 5 Maͤd⸗ 35— — 53 chen verdient es um Dich, oder auch nicht! Denn man ſagt, ſie werde heirathen, einen jungen, reichen Burſchen, der die Wirthſchaft in der Dohle annimmt und die Mutter, die Wittwe ward, und nicht aus, noch ein weiß, zur Hand geht. Siehſt Du, untroͤſtlich iſt keine. Aber huͤbſch bleibt ſie doch, und wenn ich ihr von Dir ſpreche, ſo hat ihr Geſichtchen einen kleinen weinerlichen Ausdruck, der ihr gar zu gut ſteht! Lebewohl! Die lange Epiſtel verdient we⸗ nigſtens, daß Du ſie muͤndlich beantworteſt.“ Bodo ging mit erhitzten Wangen, und ſchlagendem Herzen im Zimmer auf und ab. Vor ihm her ſchwebten Franzisca und Ga⸗ briele, die junge, ungluͤckliche Prinzeß, der Grieche Guido und der Suͤnder Jonas. Wie in einen Abgrund von Ahndungen und Erinne⸗ rungen ſah er hinein. Alle Gefuͤhle ſchienen zugleich in ihm angeſchlagen. Er war in einer wilden, fieberhaften Stimmung. Da klopfte es kurz und raſch an ſeine Thuͤr. Er behielt nicht 54 die Zeit, herein zu rufen. Des Freiherrn ab⸗ gebrochnes, verlegenes Lachen verkuͤndete ohne Weiteres deſſen Naͤhe. Mein beſter Graf, ſagte er im Hineintreten, verzeihen Sie noch eine Frage, Sie blieben mir zuvor die Antwort ſchuldig, darf ich mir ſchmeicheln? nehmen Sie meine Einladung an? wird Oberwalden ſo gluͤcklich ſein, Sie in ſeinen Mauern zu ſehen? : Gewiß, gewiß, entgegnete Bodo zerſtreuet, indem er mit weit geoͤffneten Augen uͤber den unbequemen Stoͤhrer hinwegſahe,:gewiß, ich werde die Ehre haben. Na, ſehen Sie mal! das iſt ja allerliebſt von Ihnen! rief jener, im hoͤchſten Grade ver⸗ gnuͤgt, uͤber den ungehofften Erfolg ſeiner ver⸗ ſteckten Liſt. Ach, ſetzte er unbewacht hinzu, ſind wir erſt ein Weilchen beiſammen, haben wir uns ſo recht vertrauet ineinander gelebt, dann, wette ich Vetterchen, Sie vergeſſen das Reiſen und bleiben bei uns. Aber gute Nacht, gute Nacht, Herzens Bodochen! ich muß mich nur ſputen, ſetzte er, ſeiner kaum noch maͤchtig, hinzu, daß ich nach Hauſe komme. Meine Frau wit et machen 2 „ germine! Heri Malchen 1 ich ſchwaß Morgen 1 innerer erſtenm Jungli eeihertn ab⸗ Graf, noch eine e Antwort ehmen Sie walden ſo zu ſehen? zerſtreuet, uͤber den hewwiß, ich 3 allerliebſt— Grade ver⸗ ſeiner ver⸗ cht hinzu, n, haben der gelebt, geſſen das ite Nacht, muß mich c maͤhtig, e. Meine ſagte . — 55 Frau wird Augen machen, die wird Augen machen! kicherte er vor ſich hin. Und die Hermine!— ihren Vergißmeinnicht Kranz und die neue Strohkiepe giebt ſie vor Freuden au⸗ Malchen, daß es nun doch ſo kommt! Aber ich ſchwatze hier! Gute Nacht! Und Morgen, Morgen mit dem Fruͤheſten! rief er im Hin⸗ ausgehen zuruͤck. Morgen? wiederholte Bodo langſam, als beſinne er ſich jetzt erſt, wovon die Rede war. Alberner Menſch! Und ich ließ mich fangen! Nun, in Gottes Namen, laͤchelte er gleichguͤltig. Es iſt denn eine Semoͤdie andrer Art, und man lacht vielleicht. Was weiß der Menſch, wie lange er lachen wird? ſetzte er mit zuſam⸗ mengezogenen Augenbraunen tiefſinnig hinzu. Du gehſt wirklich nach Oberwalden? unter⸗ brach ihn die Tante hier. Sie kam, mit ſchnel⸗ len Schrittchen, und ganz athemlos von großer, innerer Bewegung auf ihn zugelaufen. Zum erſtenmal umfingen ihre Arme den uͤberraſchten Juͤngling mit warmer Innigkeit. Ihr ſtanden Thraͤnen in den Augen. Gutes Kind! ſeufzte 56 ſie, Du haſt im Grunde ein weiches, verſoͤhnli⸗ ches Herz! Daß Du ſo liebevoll nachgiebſt, wie ich Dir das danke! Er druͤckte ſchweigend ihre beide Haͤnde in der ſeinen. In ſeinen Zuͤgen ſpiegelte ſich ein Gemiſch von Muthwillen und melankoliſcher Jronie. Veronica ſah nichts von dem allen, ſie hoͤrte nur, daß er mit leiſem, verbindlichem Tone erwiederte: gewiß, ich bin nicht ſo un⸗ lenkſam, wie Sie glauben. Ich folge willig, wohin mich ſanfte Ueberredung zieht. Sie war faſt beſchaͤmt uͤber ſo viel Nach⸗ giebigkeit. Er hingegen dachte ganz etwas An⸗ deres bei den Worten. Auf dem Schloſſe, bei Franziska war er in Gedanken. Doch ließ er es bei jener Auslegung, und wirklich ſah ihn der folgende Tag an Veronica's Seite auf dem Wege nach Oberwalden. den undut zoglicen. rinthiſche dn rechte ducch huͤl nichtet! Schimme ewige( ſinns!- friſchen, dem Al durfte d er auch. Drittes Kapitel. Werners Brief hatte den Juͤngling auf viel⸗ fache Weiſe erſchuͤttert. Sein Weeſen zerfiel dadurch in Vergangenheit und Gegenwart. Jonas Leben und Tod, ſeine Beziehung zu den undurchdringlichen Geheimniſſen des Her⸗ zoglichen Hauſes, die auch Bodo in ihre laby⸗ rinthiſche Gaͤnge verwickelten, ohne daß er hier den rechten Faden finden konnte, der ihm hin⸗ durch huͤlfe, die Erinnerung an die ungluͤcklichſte aller Frauen! jene weiße Fruͤhlingsblume, von der Brandung herandringender Fluthen entwur⸗ zelt, fortgeriſſen, im kreiſenden Strudel ver⸗ nichtet! Ihr weiches, duftiges Bildchen, der Schimmer zarter Lebens Farbe, und dann das ewige Grau einer endloſen Nacht des Wahn⸗ ſinns!— Innrer Schauder durchrieſelte den friſchen, jugendlichen Mann! Er rief ſich zu dem Allen den Arzt zuruͤck. Dieſer allein durfte der Prinzeß nahen. Und Jonas kannte er auch. Er wußte wohl um deſſen Verrath! 58— Wie ſich die Vorſtellungen ſo wirrten, und es ihn aͤngſtete, nichts als abgeriſſene Anſchau⸗ ungen zu haben!— Er ſeufzte ein paar mal aͤngſtlich, indem er unruhig auf ſeinem Platze hin und herruͤckte. Franziska allein trat klar und beſtimmt aus dem wirren Chaos hervor. Sie ſchien ihn nach dieſem wunderlichen Schloſſe zu locken. Er fuͤhlte es in jeder Nerve, in jedem raſchen, zum Herzen dringenden Pulsſchlage. Und doch ſaß er hier, und ließ ſich mecha⸗ niſch fortſchleppen, wohin er nicht wollte. Er begriff nicht ſich, nicht die Verhaͤltniſſe, in de— nen er lebte, kuͤnftig leben konnte! Die Tante war in der beſten Laune. Ihr gutes, eigenwilliges Herz huͤpfte vergnuͤgt in dem Bewußtſein, dennoch leiſe die Zuͤgel wie— der aufgenommen, und den ungeſtuͤmen Wa— genlenker zum Stillſitzen und Gehenlaſſen ge⸗ zwungen zu haben. Das Selbſtgenuͤgen bleibt am wenigſten ſtumm. Veronika mußte dem bewegten, innern Leben Luft machen. Sie ſprach ungewoͤhnlich viel, und— liegenden ri weiter zuri Vorſicht ib Das 5 Tante erzä wohl nicht übertuͤnchten kaud bettit ſiken. JIh kelte, trauen siger als j aufzanehm um ſich ih ewig eine Lebhaf einer Seit beguem fü Tante vert damaligen Theilnahm ſinnigſten Dieſer ka ocken. gt in wie⸗ Wa⸗ 1 ge⸗ gſten nern nlich viel, und da ſie nicht allzuviel an dem Naͤchſt— liegenden ruͤhren mochte, ſo war ſie gezwungen, weiter zuruͤckzugreifen, ob ſie gleich auch hierin Vorſicht uͤben zu muͤſſen glaubte. Das Fahren erinnert an Reiſen. Die Tante erzaͤhlte von den ihrigen. Sie malte, wohl nicht unabſichtlich, Italien als eines jener uͤbertuͤnchten Grabſtaͤtten, welche der Fuß gau⸗ kelnd betritt, um ſpaͤt oder fruͤh darin zu ver⸗ ſinken. Ihr krankhafter Zuſtand, der umdun⸗ kelte, trauernde Blick geſtattete ihr damals we⸗ niger als je, die Herrlichkeit einer Natur frei aufzunehmen, die den ganzen Menſchen fodert, um ſich ihm zu geben, und dem mißgelaunten ewig eine verhuͤllte Iſis bleibt. Lebhafte Frauenſeelen duͤrfen ſich nur nach einer Seite hinneigen, wo ſie ſich augenblicklich bequem fuͤhlen, ſo ſchlagen ſie leicht uͤber. Die Tante verlor ſich ganz in der Schilderung ihrer damaligen Leiden, und wie man vergeblich nach Theilnahme und Mitempfinden unter dem leicht⸗ ſinnigſten und gotteslaͤſterlichſten Volke ſuche. Dieſer kalte Frohſinn, ſchloß ſie, dieſe tolle — 60— Luſt und ſtarre Dumpfheit macht zuletzt den Fremden melankoliſch. Er verliert alle Feeude am Daſein, er ſieht die Menge, den vollen Becher wild hinunterſtuͤrzen, und mit dem leeren Gefaͤß durſtend an dem Ueberfluß, aufgehaͤufter Schaͤtze, hinraſen. Der Deutſche beſonders er⸗ traͤgt den peinigenden Anblick nicht lange, ſagte ſie, ohne in einen Zuſtand der Abſpannung und Verfinſterung zu verfallen, der oft den Frieden ſeiner Bruſt auf ewig zernichtet. Dein armer Oheim, mein Kind, ſetzte ſie ſeufzend hinzu, als wolle ſie die geſchilderte Gefahr dem un⸗ glaͤubig Laͤchelnden recht nahe legen, Dein Oheim hat davon den unleugbarſten Beweis gegeben. Den Oheim, unterbrach ſie Bodo, duͤrfen Sie nicht anfuͤhren. Er hatte immer ein wil— des und finſteres Gemuͤth, wie ihn fruͤhere, feindliche Briefe an den Vater ſchildern, Sage einen leidenſchaftlichen, hypochonde— riſchen Sinn, verbeſſerte die Tante. Sein Blut floß ſchwer und ungleich. Es entzuͤndete ſich im ſtetem Kampfe mit⸗ſich ſelbſt; ſonſt war er liebend/ Pas ihn fremden Guidol Haben lebhaft. 5 Die6 ronika füͤh dend klinge den Ton i fragende 5 gefaßt: ja Nun⸗ geiſtreich Alles, ſch ausſpt heſtig. 3 Ueberma niemals! Aber was ſie haftig wie es d den Hin Pehaͤufter ders er⸗ R, ſagte hung und Frieden n armer — hinzu, dem un⸗ , Dein Beweis duͤrfen ein wil⸗ fruͤhere, n. ochonde⸗ Sein atzuͤndete ſonſt war — 6r— er liebend, und in manchen Stunden engelsgut. Was ihn zuletzt von uns riß, was ihn auf fremdem Boden fallen ließ?— O dieſer Guido! Haben Sie ihn gekannt? fragte Bodo lebhaft. Sahen Sie ihn auf Hohenried? Die Seite war einmal angeſchlagen. Ve⸗ ronika fuͤhlte ſie durch ihr ganzes Weſen ſchnei⸗ dend klingen. Sie haͤtte viel darum gegeben den Ton uͤberhoͤren zu duͤrfen. Allein Bodos fragende Blicke lagen auf ihr. Sie entgegnete gefaßt: ja, er war dort. Nun? draͤngte ſie Bodo, und er war ſchoͤn, geiſtreich, liebenswuͤrdig? Sagen Sie doch! Alles, alles das! und noch weit mehr, als ſich ausſprechen laͤßt! erwiederte ſie leiſe und heftig. Ja, fuhr ſie fort, wie von geheimer Uebermacht unwiederſtehlich bezwungen, ja, niemals werde ich ſeines Gleichen wiederfinden! Aber was hilft die gleißende Außenſeite, fuhr ſie heftig auf, was ſagt es, in einem Auge, wie es die Welt nicht zum zweitenmale zeigt, den Himmel mit allen ſeinen weinenden und — 62— lachenden Engeln zu tragen, und doch den Ver⸗ rath, die Mordluſt im Herzen zu verſtecken. Wie wollen Sie das wiſſen! erwiederte Bodo unbefriedigt und verſtimmt in die Ecke des Wagens zuruͤckſinkend. Wie ich das wiſſen will? ich? rief die Tante mit gereizter, bebender Stimme. Nun, lenkte ſie, ſich faſſend ein, wie erklaͤrſt Du ſonſt den Mord meines Bruders, ſeines Freun⸗ des, des beſten, von dem er auf Univerſitaͤt und Reiſen ſtets unzertrennlich war. Mord! rief der Neffe unwillig. Gott, nen⸗ nen Sie doch den ungluͤcklichen Ausgang eines Zweikampfes nicht mit ſo verbrecheriſchen Na⸗ men! Was weiß man, wie heftige, einander mißverſtehende Maͤnner an einander gerathen! wie hier vielleicht der ungluͤckliche Bodo— Er erſchrack uͤber den Laut des eignen Namens in ſolcher Beziehung. Unwillkuͤrlich hielt er inne. Doch gleich darauf ſetzte er hinzu, wie er grade den Freund gegen ſich bewaffnete? Weßhalb miſſeſt Du dem nahen, theuren Verwandten die Schuld bei, um jenen Aben⸗ theuter au ronika hibie Wechſel der daraus mach ſeinen frevel Du nie von hott, hub wiederſtrben ihrem Ho fe, der Welt ent auf immer! ſchauderhaſte diß a en Wie w fragte Bodo nehme ek Sache. Laß ur Tante kurz⸗ ſchen. Weni wußten. T wieder ins iſt ohnehin den Ver, ſtecken, ftwiederte die Ecke rief die Nun, laͤrſt Du 5 Freun⸗ ſtaͤt und ott, nen⸗ ang eines ſchen Na⸗ ſeinander erathen! odo— Namens Hielt er „ wie te? theuren Aben⸗ —-— 63 theurer zu rechtfertigen, wiederſprach hier Ve⸗ ronika hitzig. Er, fuhr ſie unter ſchnellen Wechſel der Farbe, fort, der ſich kein Gewiſſen daraus machte, mehr als ein Herz kaltbluͤtig in ſeinen frevelnden Haͤnden zu zerdruͤcken! Haſt Du nie von einer ungluͤcklichen Prinzeß ge⸗ hoͤrt, hub ſie nach kurzer Pauſe, mit leiſem, wiederſtrebendem Tone an, die er mit ſich, mit ihrem Hofe, mit dem herzoglichem Bruder, mit der Welt entzweiete und in raſendem Wahnſinn auf immer begrub? hoͤrteſt Du nie von der ſchauderhaften Begebenheit? zweifelſt Du noch daß er ein Verraͤther ſei? Wie war es doch mit der kranken Fuͤrſtin? fragte Bodo, ohne das Anſehen zu haben, als nehme er ein beſonderes Intereſſe an der Sache. Laß uns davon ſchweigen, erwiederte die Tante kurz. Es liegen viel, viel Jahre dazwi⸗ ſchen. Wenige Menſchen leben noch, die darum wußten. Was hilft es auch, vergeſſene Dinge wieder in's Gedaͤchtniß zu rufen! Das meinige iſt ohnehin ſchwach geworden. Und ich ſage — 64— Dir, Bodo, es iſt ein Gluͤck fuͤr die Frauen, daß ihre Erinnerung ſich abſtumpft! Wie ſtaͤn⸗ den ſie ſonſt zur Welt? Sie ward nach den letzten Worten einige Au⸗ genblicke ſtill und nachdenkend. Es mochte doch vieles in ihr wach werden, denn nicht lange, ſo rief ſie mit großer Waͤrme aus: was ich eben uͤber die Erinnerung ſagte, iſt nur halb wahr, oder vielmehr uͤberall nichts, als eine nothwendige Taͤuſchung, Es ſtumpft ſich ei⸗ gentlich kein einziges aͤchtes Gefuͤhl im Men— ſchen ab. Was wirklich iſt, das bleibt auch. Allein die Außenſeite des Daſeins ſchiebt die unzaͤhligen Bilder, welche an uns voruͤber zieh'n, immer Eins uͤber das Andre, bis zuletzt eine dichte, undurchdringliche Decke uͤber dem heili⸗ gen Abgrund unſres Weſens liegt, und wir, ſo gut als nichts, von dieſen wiſſen. Oft faͤllt indeß ein Blick, ein Laut dahin ein, und der leere Tand ſtirbt wie Spreu auseinander, es war immer nur das eine Leben was man lebte! Helle Thraͤnen rieſelten hier uͤber ihre Wangen. Wangen. Hand. Ihr ſich ſo unvel neue in den jihrizen Jun Hat ſie loſen Jrem Mitleidig h das erboſchen Hande, die ſ Oruck zärtli dern durften Veroni fuͤhl draͤngt ſagte ſie, j kuͤmmerten? von dem ſe trͤumte. ein ſehr kun auch in dieſ was ich wir wohl nie anders. J II. e Frauen, Wie 6s Wie ſtaͤn⸗ einige Au⸗ chte doch it lange, was ich nur hald als eine ſich ei⸗ im Men⸗ ibt auch. ſchieht die iber ziehn, lletzt eine ſem heili⸗ rund wir, Oft faͤllt und der der, es ſas man ber ihre Wangen. — 65— Wangen. Bodo griff unwillkuͤrlich nach ihrer Hand. Ihn ruͤhrte das vergeſſene Leid, was ſich ſo unverkennbar, und ſo unerwartet, auf's neue in dem vertrocknetem Herzen der ſechzig⸗ jaͤhrigen Jungfer regte. Hat ſie geliebt? ihn vielleicht, den treu— loſen Fremdling? Er mußte es faſt denken. Mitleidig betrachtete er die verfallene Geſtalt, das erloſchene Auge, die hagern, gelblich weißen Haͤnde, die ſich kalt ineinander falteten und den Druck zaͤrtlicher Anneigung vielleicht nie erwie⸗ dern durften. Veronika verſtand ſeinen Blick. Ihr Ge⸗ fuͤhl draͤngte ſich heute auf die Zunge. Ja, ſagte ſie, ja, Du lieſt ganz recht in den be⸗ kuͤmmerten Minen Deiner Tante. Er war es, von dem ſie einen fluͤchtigen Moment hindurch traͤumte. Allein Bodo, es war ein Traum! ein ſehr kurzer Traum! Vielleicht ſpiegelte ſich auch in dieſem alles truͤgeriſch und neckend ab, was ich wirklich zu ſehen glaubte. Er hat mich wohl nie geliebt. Ich beurtheilte das ſonſt anders. Ich ſchalt, ich ſchmaͤhete ihn, und II. 151 —-— 66— vernichtete ſo das Bild meiner Jugend. Sieh'’, Dein Oheim fuͤhrte ihn zu Hohenried ein. Er gefiel ſich dort, hing ſich an mich, an Deinen Vater. Ihn beſchaͤftigten große Gedanken. Er glaubte an die Befreiung ſeines Vaterlandes. Er war auf der Inſel Scio geboren. Wie ihn das noch in meinen Augen hob! Ich war damals jung, von gluͤhender Phantaſie. Jeder große, umfaſſende Blick fiel zuͤndend in meine Bruſt, wir ſchwaͤrmten fuͤr eine ſchoͤnere Zukunft. Ich lebte ganz in ſeinen Plaͤnen. Ein Monat ging ſo hin. Dann war er fort, nach der Reſidenz zog es ihn. Ich hoͤre viel von ihm reden. Mein Herz litt unausſprechlich dabei. Doch fuͤhlte ich zu viel Stolz um zu klagen, oder ihn an mich erinnern zu wollen. Dein Vater be⸗ gleitete den Gang meiner Empfindungen ſchwei⸗ gend. Wir verſtanden einander ohne Worte. Von da an ward mir ſein zartes Mitgefuͤhl unentbehrlich, und wenn wir gleich gewiſſe Seiten niemals beruͤhrten, ſo wußte ich doch, wo ich das Echo meiner Bruſt ſinden ſollte. Ploͤtzlich war Guido verſchwunden. Sein Name firchte weißt das Ue aufs neue hi zutͤck Ich! druͤßlich gewd ein Engel dut Erden. Ich beſiben, ich — Laſſen wit hier durz un glaubt auch Bodo e kenlos in die unerfreulich Doch di ſeltſame Aeu wie der Se⸗ —nd. Sich, id ein. Er an Deinen anken. Er andes. Er ie ihn das bar damals eder große, ine Bruſt, unft. Ich Konat ging tt Reſidenz ihm reden. bei. Doch , oder ihn Vater be⸗ ben ſchwei⸗ ne Vorte. Mitgefuͤhl ch gewiſſe e ich doch, ſollte. fen. Sein — 6,— Freund mit ihm. Von dieſem kamen nach der Zeit noch oͤfter Briefe. Guido war todt ſuͤr uns. Bis endlich nach zehn Jahren ſein Name fuͤrchterllch zu mir heruͤber klang. Du weißt das Uebrige, und wie wir forſchten und ſuchten um nur einen ſchwachen Aufſchluß uͤber jene grauenhafte Begebenheit zu erlegen. Es war umſonſt. Vier Jahre gingen hieruͤber auf's neue hin. Wir kehrten nach Hohenried zuruͤck. Ich war alt, krank, bitter und ver⸗ druͤßlich geworden. Dein Vater ſtand mir wie ein Engel zur Seite. Er ward mein Alles auf Erden. Ich glaubte ſein volles Vertrauen zu beſitzen, ich beſaß es auch— Doch jener Arzt — Laſſen wir das! laſſen wir das! brach ſie hier kurz und hitzig ab. Es iſt vorbei! Ich glaube auch er hat mich hintergangen! Bodo entgegnete nichts. Er ſah gedan⸗ kenlos in die Gegend hinein, die hier flach und unerfreulich war. Doch die Tante erſchuͤtterte ihn durch die ſeltſame Aeußerung, daß ihr der Arzt immer wie der Schatten eines Verſtorbenen vorge⸗ 4 — 68— kommen ſei. Sie habe etwas Unerklaͤrliches bei ihm gefuͤhlt. Ein gewiſſes Bangen koͤnne ſie ſagen. So vermochte er, fuhr ſie fort, uͤber mich, wie eine dunkle Macht zu herrſchen, die ich mehr empfand als anerkannte. Sein Blick, meiſt ſtreng und ernſt, trieb mir das Blut zum Herzen. Ich ſtarrte ihn dann erſchrocken an. Es ſchien nichts Menſchliches in ihm zu ſein, und doch ſuchte ich danach, wie nach etwas Bekanntem, in den trauernden aber unbeweg⸗ lichen Mienen. Iſt das dort, fragte Bodo, ohne in das Urtheil uͤber den Arzt einzugehen, iſt das dort Oberwalden, was ſo kahl und baumlos dem ſpiegelhellem See gegenuͤber liegt? Veronika bog ſich zum Schlage hinaus. Ja wohl, ſagte ſie, das Schloß ſteht jetzt ganz frei, der Vetter hat die Waldhuͤgel zuerſt lichten und ſpaͤter voͤllig abholzen laſſen. Er gewinnt ſo viel guten Boden mehr, bauet Futterkraͤuter, ver⸗ groͤßert ſeine Schaͤferei und ſchafft nach und nach die veraltete Art der Bewiethſchaftung in die neuere beſſere um, von der man aus allen Gegenden 8 großen donn liches ſchrei So! en von dem wei bis dahin n zuch, die du Er blieb auc ihm das Aud Bäume, ihr Ineinanderſ jienlich das hertn Landſ ging er ale Damals ha und Hirſch ſtieß unwit lief an der der konigli woͤlbten Al nen Pfeilen aus der b Nebelgeſtal — 69— lerklaͤtlihes Gegenden Deutſchlands, in Flugſchriften und augen koͤnne großen oͤkonomiſchen Werken, ſo viel Vortreff⸗ e fott, Aber liches ſchreibt. So! entgegnete Bodo, den Blick ermattet Sein Bitk von dem weitem Einerlei abwendend. Er hatte Vlut zum bis dahin nur wenig uͤber Gegenſtaͤnde nachge⸗ chrocken an dacht, die außerhalb ſeiner Beurtheilung lagen. Er blieb auch jetzt allein bei dem ſtehen, was ihm das Auge verletzte. Die ſtattlichen, alten lrſchen, die hm zu ſein, ging er als Kind mit ſeinem Vater dorthin. lnach etwas 4, 1 r unbene Baͤume, ihr tiefes Gruͤn, das Aufſtreben und 9⸗ Ineinanderſchlingen ihrer aͤſtigen Zweige, war ne in dus ziemlich das Einzige, was ihm von des Frei⸗ b e in da 1.. a1 herrn Landſitze erinnerlich geweſen. Nur ſelten iſt das dort — uedn Damals hatten die Gahaaſ noch nicht Rehe vohl, ſage und Hirſche verdraͤngt. Der Thiergarten de Pit ſtieß unmittelbar an die Schloßteraſſe. Er mz pr lief an den See hin. Und wenn Abends 4 der koͤnigliche Hirſch langſam durch die ge⸗ ut ſo viel woͤlbten Alleen ging, der Mond mit ſilber⸗ nen Pfeilen durch das Gezweig blinkte, und aus der blaͤulichen Fluth, des wilden Jaͤgers 1 Nebelgeſtalt heranſtieg, dann durchrieſelte den zuter, ver⸗ nach und ſchaftung in in aus allen Knaben vom Wirbel bis zur Ferſe entzuͤckendes Grauen. Jene Ahndungsſchauer ſchienen auf immer von den fetten Kleetriften verbannt. Bodo laͤchelte ſchon im Voraus, ehe noch der Wagen auf die neue Rampe vor dem altem nur zur Haͤlfte friſch angetragenem Hauſe hielt, doch als hier die taͤppiſchen Jaͤger und Gaͤrtner Burſchen, friſch in eine, uͤbervollkom⸗ men, oder allzuknappe, Livree geſteckt, den Schlag uͤbereilt aufriſſen, der Freiherr noch an die Cravatte knuͤpfend heraustrat, Frau von Ober⸗ walden mit allen ihren Kuͤchlein ihm nachſtuͤrtzte, die Knixe und Diener der kleinen Bande gar nicht abriſſen, alle, bis auf Hermine, den Vetter kuͤſ⸗ ſen wollten, und dieſe ſo blaß und blond, ſo duͤrftig und unausgewachſen, mit außerordentlich großem Munde, verſchaͤmt laͤchelte und einmal uͤber das andre den ungewohnten, erſt ſeit die⸗ ſem Morgen gekrauſten Lockenbau, mit hinten hinuͤbergeworfenem Kopfe, aus der Stirn ſchuͤt⸗ telte, uͤberſiel dem Juͤngling eine Aengſtlichkeit, welche das 1 ddlern Nat zum enſ „„ je T in legen. d der Tanle lage blieh entuict von Oberwald ſe: unt Pſt Flüͤgel fehlen. Und in! wordene abge die Breite la verlegnen D Begriff vor bei dem gutt auf ihren he ihrer Haut: Die zuſpruche Lächeln ließ Sie gehote trockenen C zwiſchen d von Ober⸗ nachſtuͤrtzte, de gar nicht Vetter kͤſ⸗ blond, ſo erordentlich und einmal ſt ſeit die⸗ nit hinten vtirn ſchuͤt⸗ noſtlichkeit, welche das Uebermaaß des Unerfreulichen ſtets in edlern Naturen erweckt. Zum erſtenmale im Leben gruͤßte er ver⸗ legen. Die Blicke der Mutter, des Vaters und der Tante lagen forſchend auf ihm. Die letztere blieb entzuͤckt vor Hermine ſtehen und Frau von Oberwalden ſchalkhaft zulaͤchelnd, fluͤſterte ſie: eine Pſyche! eine Pſyche! nichts als die Fluͤgel fehlen. Und in Wahrheit konnte das zu kurz ge— wordene abgeſtutzte Kleidchen, die bauſchig in die Breite laufenden Ermel und das ſonderbar verlegnen Drehen mit den Schultern leicht den Begriff von Auffliegen oder Umherſchwirren bei dem guten Kinde geben, das nicht heimiſch auf ihrem heutigem Platze und noch zu loſe in ihrer Haut zu ſein ſchien. Die Mutter erwiederte dem troͤſtlichem Zuſpruche des Fraͤulein nichts. Ihr muͤdes Laͤcheln ließ es unentſchieden, was ſie denke? Sie gehoͤrte zu den fruͤhe gewelkten, kraͤnklich, trockenen Geſtalten, die ziemlich unempfaͤnglich zwiſchen dem Vielerlei unruhiger Verhaͤltniſſe — — 72— hin und her getrieben werden, alles thun was ſie muͤſſen, nichts wollen, als das Heute hinter ſich haben, und dem Morgen unluſtig und zwei⸗ felhaft entgegenſeufzen. Ihr Aeußeres mochte fruͤher fuͤr huͤbſch gegolten haben. Obgleich nicht groß, war ſie wohlgebauet, von feinem Ebenmaaß und einer gewiſſen vornehmen Zierlichkeit. Der Anzug, uͤberladen, und wohl erſt kuͤrzlich mit dem Aus— ſchuß der Modehandlungen aus der Reſidenz erneuet, entſtellte ſie, ſtatt ſie zu ſchmuͤcken. Blond, wie alle ihre Kinder, auf den Wangen jene gelbliche Roͤthe, die nur allzuſehr an ein ver⸗ altetes Roſenblatt erinnert, eine hagere Geſtalt, die Augen von Natur klein, tief, zwiſchen einge⸗ druͤckten Schlaͤfen liegend, welche das duͤrftige Haar nicht eben geſchickt verdeckte; Vielleicht haͤtte der Wohllaut einer ſehr angenehmen, leiſen Stimme uͤber das alles wegſehen laſſen, und ſie dem jungen Verwandtem naͤher gebracht, allein ſie redete nur ſelten. Die Sprachfertig⸗ keit ihres Mannes machte ſie ſtumm. Ueber— haupt verrieth ihr Weſen Schuͤchternheit und villenbſes u nitte alle 9 nem Kreiſe halb um ſof Man we zimmer getr ordnet und brrechnet/ Lebloſe ſei hauſes umge ſe kllein war ten wohl me des Geraͤthe ben. Desh ſammenhan heit, die un Hässlihfei macht. D ſo wohl zu arbeit am einem wohl macht, das an die Wo thun was rute hinter und wei⸗ fur hüſh war ſie und einen der Anzug, dem Aus⸗ Neſidenz ſchmuͤcken. 1 Wangen an ein ver⸗ ere Geſtalt, then einge⸗ 6 duͤrftige Vielleicht genehmen, hen laſſen, gebracht, achfertig⸗ . Ueber⸗ iheit und willenloſes Unterordnen. Der Freiherr impon⸗ nirte alle Hausgenoſſen. Er galt viel in ſei⸗ nem Kreiſe. Er fuͤhlte das, und glaubte des⸗ halb um ſo feſter an ſich. Nan war bereits in die wohlaufgeputzten Zimmer getreten. Es ſtand hier jedes ſo ge— ordnet und auf den Empfang erwarteter Gaͤſte berechnet, daß man wohl fuͤhlte, bis auf das Lebloſe ſei die gewohnte Art und Weiſe des Hauſes umgeformt. Die vielen, lieben, ſo lange ſie klein waren, uͤbel gewoͤhnten Kinder, moch— ten wohl manche Ergaͤnzung und Veraͤnderung des Geraͤthes wie der Verzierung erheiſcht ha⸗ ben. Deshalb war in dieſen mangelnder Zu⸗ ſammenhang und viel wiederſprechende Ungleich⸗ heit, die unter allem, was den Eindruck einer Haͤuslichkeit beſtimmt, den verwirrenſten Effeet macht. Die ehemaligen Damaſt⸗Tapeten, die ſo wohl zu den goldnen Leiſten, der alten Stuck⸗ arbeit am Geſims und dem Kamin paßten, hatten einem wohlfeil, duͤnnlichem Papiere Platz ge⸗ macht, das zum Theil ſchon abgeplaſtet, bauſchig an die Wand hing, und von der fruͤhern Farbe nichts mehr ahnden ließ, als zwiſchen den Finger⸗ ſtrichen und Balleindruͤcken der luſtigen Jugend frei geblieben war. Dagegen ſtachen große maſſive Mahagoniſchraͤnke mit raͤuchrichen Buͤ⸗ ſten franzoͤſiſcher und griechiſcher Gelehrten und Weiſen, eine ſchwer vergoldete Floͤtenuhr, zer⸗ hacktes und geſprungenes Taͤfelwerk am Fuß⸗ boden, ſehr ſchoͤne neue Kronleuchter, moderne Stuͤhle und einige zierliche Tiſchchen mit Blumen zwiſchen den breiten Wandpfeilern, ſehr ſonder⸗ bar ab. Geſpannt, und auf mannigfache Weiſe verlegen, ſaß und ſtand man eine gute Weile nebeneinander. Die gewoͤhnlichen Bewillkomm⸗ nungsgruͤße waren erſchoͤpft. Von den Kindern ließ ſich eben auch nicht mehr viel ſagen. Dieſe, des fremden Zwanges ungewohnt, traten ver⸗ bluͤfft zuſammen, draͤngten und ſtießen ſich heimlich, kamen aus dem Gleichgewicht, ſtolper⸗ ten dann wohl ungeſchickt eine Strecke in's Zimmer hinein, was von Einigen unter ihnen mit lautem Gelaͤchter begleitet, und von den Verungluͤckten nachtraͤglich durch Puͤffe und veinttlihe bracht watd Vergeb ganze veru ungeleniteſe ſch heran/ den Seiten tenen/ dunn ihre neuen/ faltm Schat fand/ daß Curd ſchon chen Fech kleiner und war heute unterhalten. Bewegunge ſorglich hi Tiſchen m und da ei entdeckte, d der, dis frau, hinuͤ hen große ichn Bi, heten und uhr, zer⸗ am Fuß⸗ moderne gute Weile twillkomm⸗ Kindern n. Dieſe, aten ver⸗ eßen ſich t, ſtolper⸗ ecke in's ter ihnen von den uͤffe und weinerliche Scheltworte wieder in's Gleiche ge⸗ bracht ward. Vergebens bot Tante Veronika heute ihre ganze Beredſamkeit auf, umſonſt lockte ſie die ungelenkteſten der Knaben durch Naͤſchereien zu ſich heran, lobte und ſtrich die ſtramm, zu bei— den Seiten der Stirn mit Baͤndern durchfloch⸗ tenen, duͤnnen, Haare der kleinen Maͤdchen, pries ihre neuen, grasgruͤnen und dunkelroth gewuͤr⸗ felten Schawls, fragte nach den Puppen und fand, daß die ſchlimmen Augen des kleinen Curd ſchon viel beſſer geworden, und die haͤßli⸗ chen Flechten an Malchens Hals bedeutend kleiner und blaſſer ſeien, ein leidliches Geſpraͤch war heute nicht mit Frau von Oberwalden zu unterhalten. Aengſtlich folgten ihre Augen den Bewegungen ihres Mannes, der unſtaͤt und ſorglich hin und herlief, den Staub von den Tiſchen mit dem Schnupftuche abſtiebte, hier und da einen Fleck in dem neuen Mahagoni entdeckte, daran rieb und zerſtreute Winke nach der, bis zum Angſtſchweiß gepeinigten Haus⸗ frau, hinuͤber warf. Endlich kamen noch mehrere nachbarliche Jagdgenoſſen. Laute, muntre Geſellen. Ihre Flinten und Hunde bis zum Vorſal mit hinein⸗ bringend, belebten ſie ſogleich die Geſellſchaft. Die Kinder waren hier ſchon beſſer zu haus. Kreiſchend zerrten ſie ſich mit den guten, lang⸗ ohrigen Huͤnerhunden umher, ſprangen ihnen auf den Ruͤcken und ritten unter ſchallendem Jubel der Maͤdchen im Zimmer herum. Weg war jetzt alle eingeſchaͤrfte Artigkeit, weg jede Ruͤckſicht auf den feinen, vornehm ausſehenden Vetter! Donnernd rief der Frei⸗ herr dazwiſchen, allein die tuͤchtigen Jaͤger, alle an eine tollere Hetze gewoͤhnt, ermunterten die laͤrmenden Kinder nur noch zu groͤßerm Ge⸗ ſchrei. Bald hoͤrte niemand ſein eigen Wort, und der beſtuͤrzte Wirth trieb in ſteigender Noth die Angekommnen nur wieder hinaus, die neue Koppeln zu ſehen. Solche Koppel uͤbt magiſche Kraft uͤber den Pferdeliebhaber und Viehzuͤchtler. Die Herren vom Lande waren ſogleich begierig, die Verbeſſerungen von Oberwalden zu ſehen. Sie griffn nach Hunde/ 1 jächelnd 1c wweifähaften unbekannten nicht viel vetrieth/ ohne ihu, i Bodo nicht Tabach Pfeifen en Univerſtt ſolchem Fe zu vettreit blick war daß et kau ſüinen I zu irgend Er vermie lachte, bis Des luſt begin Rede. 2 ſlachbarlih 5 n. Ihte it hinein⸗ ſelſchaf zu haus. ken, lang⸗ gen ihnen ſchallenndem m. Artigkeit, vornehm der Frei⸗ Väger, alle nterten die Ferm Ge⸗ den Wort, ader Noth die neue raft uͤber der. Die ierig, die hen. Sie griffen nach Hut und Handſchuen, lockten dlie Hunde, welche, alle viere von ſich ſtreckend, jaͤchelnd neben dem Kamine lagen; warfen einen zweifelhaften, faſt mißtrauenden Blick auf den unbekannten, jungen Mann, deſſen Miene eben nicht viel Sinn fuͤr oͤconomiſche Operationen verrieth, und ſchickten ſich an, auch allenfalls ohne ihn, ihrem Wirthe zu folgen. Bodo hatte die Empfindung Eines, der nicht Taback raucht, und dem ploͤtzlich mehrere Pfeifen entgegendampfen. Er wußte von der Univerſitaͤt her, daß der einzige Ausweg in ſolchem Falle der iſt, ein Uebel mit dem andern zu vertreiben. Er that wie Alle. Im Augen⸗ blick war er im Tact, und hielt ſo gut Schritt, daß er kaum ſelbſt, weder ſeine Stimme, noch ſeinen Ideengang wiedererkannt haͤtte, waͤre es zu irgend einem Bewußtſein in ihm gekommen. Er vermied das, ſchrie und ſchwatzte, trank und lachte, bis der Abend kam. Des andern Morgens ſollte erſt die Jagd⸗ luſt beginnen. Es war von nichts anderm die Rede. Die Tante billigte das um Herminens Willen nicht. Sie haͤtte das gute Kind, wel⸗ ches heute ſchon ſo manche derbe Neckerei uͤber den reichen, bildſchoͤnen Vetter erdulden mußte, gar zu gern in irgend ein bezuͤgliches Verhaͤlt⸗ niß zu dieſem geſetzt. Wie iſt es denn, hub ſie, in einer mat⸗ ten Zwiſchenpauſe, in der man nur aus den Winkeln jaͤhnen hoͤrte, zu der Nichte gewendet, an, wie iſt es den mit Deiner Muſik, Minna? ſpielſt und ſingſt Du noch ſo allerliebſt, wie im vorigem Herbſt? Beſte Tante, entgegnete die Kleine, ein wenig geziert, ich weiß ja ſo gut als gar nichts, ich wuͤrde die Geſellſchafs ſehr langweilen, wollte ich mich hoͤren laſſen. Narrenspoſſen! verſicherte der Freiherr, Du haſt im Sommer zwanzig Stunden vom Kapellmeiſter— Gott, wie heißt er doch?— Er kam aus der Reſidenz und wollte eine Reiſe nach Wien machen.— Nun, gleichviel! Du haſt zwanzig Stunden, ſage ich, bei ihm ge⸗ nommen. Etwas wird doch kleben geblieben ſein. Nun? fragte er, mit weit aufgeriſſenen Augen die Disſe ſog, Inſtrument auf des Hert fͤnblieit ſtaſsſuul g ſelbſt brach zuͤndete noch hörig ab, ſch Tochter niede und ſchlug, die verſtim render Sai pierrolle au deten Angſt geif fahl, eine Pleilee fuͤr einen können. Jetzt t rend det ga nicht vom! Die Tante ind, mi⸗ ckerei üͤber den mußte, sVerhält iner mat⸗ ar aus den gewendet, Minna? wie im ne, ein gar nichts, angweilen, Freihert, nden vom doch?— eine Reiſe iel! Du i ihm ge⸗ geblieben fgeriſſenen Augen die erſchrockene Hermine anſtarrend. Dieſe flog, mit einem Lichte in der Hand, zum Inſtrument, das in einem Nebenzimmer ſtand, auf des Herrn Befehl aber, mit großer Um⸗ ſtaͤndlichkeit und Gepolter mitten in den Geſell⸗ ſchaftsſaal getragen werden mußte. Der Vater ſelbſt brachte Notenpult und Muſikalien, zuͤndete noch mehr Lichte an, putzte dieſes ge⸗ hoͤrig ab, ſchleppte einen Seſſel herbei, hieß die Tochter niederſitzen, blieb dann bei ihr ſtehen, und ſchlug, auf den erſten Griff, welchen ſie in die verſtimmten, bei ſtaͤrkerer Betonung ſchwir⸗ render Saiten that, den Tackt mit einer Pa⸗ pierrolle auf die Stuhllehne der armen Kleinen, deren Angſt dadurch auf das hoͤchſte ſtieg. Sie griff fehl, verbeſſerte ſich ſelbſt und hackerte ſo eine Pleilſche Sonate ab, die man eben ſo gut fuͤr einen Walzer oder Marſch haͤtte halten koͤnnen. Jetzt war ſie fertig. Die Mutter, waͤh⸗ rend der ganzen Zeit unter ſtetem Farbenwechſel nicht vom Boden aufſehend, athmete leichter. Die Tante klopfte, nicht ganz in Verlegenheit — 9⁰— in die Haͤnde, der Vater aber ſahe mit heraus⸗ fordernden Blick, zuverſichtlich zu ſeinen Jagd⸗ genoſſen, und fragend nach Bodo hin. Ein unverſtaͤndliches Gemurmel, einige gedehnte Hm! Hms! das Aufſtehn und Naͤhertreten des Vetters, alles das ſetzte ihr in ſelige Extaſe. „Er ſelbſt rief: Gut gut! recht gut! Aber nun auch huͤbſch geſungen Mienchen, huͤbſch ge⸗ ſungen!“ Ach beſter Vater! ſeufzte die Geaͤngſtete. Er druͤckte indeß ſeine Hand ſo merklich auf ihre Schultern, daß ſie zuſammenzuckte, und auf den wiederholten Befehl: Nur ein kleines Liedchen! ſogleich mit weinerlichen Toͤnen, ganz im Halſe ſtecken bleibender Stimme erhub. „Sah' ein Knabe ein Roͤslein ſtehen! u. ſ. w. Bodo, von tauſend wiederlichen Gefuͤhlen gepreßt, griff, um das verzogene Geſicht der ungluͤcklichen Saͤngerin nicht anzuſehen, nach einem aufgeſchlagenem Hefte, welches mehrere Geſaͤnge enthielt. Er blaͤtterte gedankenlos dar⸗ in, bis ſein Blick auf folgenden Worten liegen blieb: „Wo Durch! Wo um eic die KWo des Ueber H Und am Duͤtres Wo in Dumpf Wo, ein Welkes Da, da Eitler E Schwer⸗ Unter: Er wu⸗ men die tief dachte er. 2 Augenblicke Unausſprech Il gedehnte ſtreten des ſoe Extaſe. Aber nun huͤbſch ge⸗ Geaͤngſtete, ſerklich auf dte, und ein kleines önen, ganz mne erhub. l u. ſ. w. Gefuͤhlen Geſicht der en, nach s mehrere enlos dar⸗ tten liegen „Wo — 9¹— „Wo der Mond mit bleichem Schimmer Durch der Kiefern Dunkel blickt, Wo um wildes Felsgetruͤmmer Sich die Epheuranke ſtrickt; Wo des Lebens Todtenſchleier Ueber Herbſtgeſtraͤuch ſich dehnt; Und am truͤben Erlenweiher Duͤrres Rohr im Winde toͤnt. Wo in ſchwarzen Alpenſchluͤnden Dumpf der Bergſtrom wiederhallt Wo, ein Spiel den Abendwinden, Welkes Laub auf Graͤber wallt; Da, da wandelt von der Thoren Eitler Schimmerbuͤhne fern, Schwermuth! der, den Du erkoren, Unter Ahndungstraͤumen gern.“ Er wußte nicht wie ihm ward. Wie kom⸗ men die tiefſinnigen Worte Matthiſſons hieher? dachte er. Die Geſellſchaft erſchien ihm in dem Augenblicke noch wiedriger als zuvor. Etwas Unausſprechliches machte ſich ploͤtzlich Raum in II. 16 832— ſeiner Bruſt. Er fuͤhlte ſich ſo voll und ſo unruhig. Der huͤpfende Takt des abgeleierten Geſanges, jagte ihn von der Stelle, wo er dieſem nahe ſtand, fort. Er trat zum Fenſter, Der Mond leuchtete heute wie vormals auf die Raſenplaͤtze des Gartens, allein der Strahl, durch nichts gebrochen, dehnte ſich bleich uͤber kahle Flaͤchen hin. Nur das Funkeln der Wel⸗ len, druͤben wo der See ſich langſam im ruhi⸗ gen Abendſcheine bewegt, unterbrach die ein⸗ foͤrmige Landſchaft. Einen Augenblick nur freien Athen ſchoͤp⸗ fen! dachte der Juͤngling, indem er ſich raſch zur Thuͤr wandte. Er war hinaus bis an den See gekommen. Die Fiſcher ſtellten hier Reiſige auf. Sie waren luſtig bei der Arbeit, pfiffen manche muntere Weiſe, ſpannten das Garn auseinandrr, knuͤpften es an die eingeſenkten Pfaͤhle, waͤhrend ſie ſich gegenſeitig dabei neck⸗ ten und meiſterten, ohne doch in Streit zu gerathen. Bodo ſahe ihnen eine Weile zu. Gluͤcklich, dachte er, wen ein beſtimmtes Geſchaͤft zu ſteter angeſtrengtet wie er es tre zeigt, fuͤhlt dem ſeine A ſucht ſtehen i mͤßigen Gaͤß Die Fiſ fertig. Sie Andre ſtieß ei Leute ihres S werk zu thun nem Kahne: feſtigt war. nen geflocht Brod eben de den. Ohgleie Atbeit, bliet Als ſie Na, nun witd Feit. Eurem Giſt uͤher fahren halten duͤrff oll und ſo aogeleitten lle, wo er dum Fenſter, als auf die er Strahl, bleich ͤber u der Wel⸗ n im ruhi⸗ ih die ein⸗ Athen ſchp⸗ er ſich raſch bis an den Hier Reiſige eit, pfiffen das Garn eingeſenkten dabei neck⸗ Streit zu Gluͤcklich, ift zu ſteter — 393— angeſtrengter Thaͤtigkeit zwingt! Er denkt nur wie er es treibt, ſieht nichts als was ſich ihm zeigt, fuͤhlt hoͤchſtens Freude oder Verdruß, je nach dem ſeine Arbeit gelingt. Gram und Sehn⸗ ſucht ſtehen ihm fern. Er hat nicht Zeit die muͤßigen Gaͤſte aufzunehmen! Die Fiſcher waren jetzt mit ihrer Arbeit fertig. Sie dehnten ſich, und Einer und der Andre ſtieß einen gaͤhnenden Seufzer aus, wie Leute ihres Schlages nach angeſtrengtem Tage⸗ werk zu thun pflegen. Drauf ſaßen ſie in ei— nem Kahne nieder, der noch an das Ufer be— feſtigt war. Sie zogen ihre Flaſchen aus klei— nen geflochtenen Kobern, nahmen ein wenig Brod eben daher, und genoſſen maͤßig von bei⸗ den. Obgleich etwas ſtiller, als zuvor bei der Arbeit, blieb doch ihre Laune heiter. Als ſie geſaͤttigt waren, ſagte der Eine: Na, nun laßt uns den Kahn abſtoßen. Es wird Zeit. Ich habe Euch redlich geholfen bei Eurem Geſchaͤfte hier, und will Euch auch hin— uͤber fahren zu dem Dorfe druͤben, allein auf⸗ halten duͤrft Ihr mich nicht, denn ich habe * noch eine Strecke weit in die Nacht zu fahren. In einer Stunde etwa geht der Mond unter und dann kommt die haͤßliche Fuhrt bei dem alten Kloſter, die macht Einem verwuͤnſcht viel zu ſchaffen! In dem Fleck ſitzt der Teufel. Man iſt oft wie behext wenn man da hinunter kommt. Oho lachte ein alter Fiſcher zu den juͤngern gewendet, dem thut's der Graul! He Claus, rief er gutmuͤthig, wovor graulſt Du Dich denn? Was weiß ich's! entgegnete jener unwillig. Es iſt doch wahr, daß da ſchon manch Einer ſein Grab gefunden hat. Na, und wer nicht taub iſt der hoͤrt auch zur Nachtzeit, wie das Waſſer unten im Grunde tobt und murrt, als wenn ein Menſch im Grimme vor ſich weg ſchilt, und es nicht erwarten kann, bis er den hat, den er in ſeiner Gewalt haben moͤchte. Narrenspoſſen! verſicherten die Uebrigen. Die Stroͤmung geht da zwiſchen den Bergen durch. Die preſſen das Waſſer zuſammen. Dies aͤngſtet ſich, bis es hier heruͤber wieder frei aus⸗ ſlehen kann ſeen, in d Gebitgen ſie auch auf ausſchen, Sagt Mann, 9 auszubaden zu packen. Alle la grüßte hofi Lieber Her⸗ der do, wi er ſich, w kommt, o der duhrt I ken und ſei dem Hocht das muß n cn ihrom! In ihrem: ſchlimmes Woran Bodo. 1 du fahten. dond imter t bei dem vünſcht viel der Teufiſ da hinunter den jüngern He Claus, du Dich er unwillig. nanch Einer d wer nicht t, wie das murrt, als r ſich weg bis er den moͤchte. e Uebrigen. den Vergen mmen. Dies der frei aus⸗ 1 1 fließen kann. Das machen die ſchmalen Wald— ſeen, in die ſich, mehr als ein Bach, von dem Gebirgen hinunter gießt, ſelten anders, wenn ſie auch auf der Oberflaͤche ſtill und ſpiegelglatt ausſehen. Sagt was Ihr wollt! verſetzte der junge Nann, genug, ich fahre, denn ich habe es auszubaden wenn's dem da unten geluͤſtet mich zu packen. 1 Alle lachten. Bodo trat jetzt herzu. Er gruͤßte hoͤflich, und fragte, wohin die Reiſe gehe? Lieber Herr, entgegnete der alte Fiſcher neckend, der da, will zu einer Hochzeit, und da fuͤrchtet er ſich, wenn er den Kloſtertruͤmmern voruͤber kommt, die verſtorbenen Moͤnche werden an der Fuhrt Wache halten, ihn zwicken und zwak— ken und ſein Fleiſch kaſteien, daß er die Luſt zu dem Hochzeitsfeſte verliere. Die ſeeligen Herren, das muß wahr ſein, ſind dem Heirathen feind. In ihrem Reviere machen ſie dem Freiern ein ſchlimmes Ende. Worauf deutetet Ihr damit Alter? fragte Bodo. Ach, lachte der Mann kopfſchuͤttelnd, — 36— das ſind ſo Geſchichten! Aber Claus, fuhr er fort, Du ſollſt Deinen Willen haben, ſtoße nur ab, wir ſind fertig. Nehmt mich mit, bat der Graf. Sein Fuß ſtand bereits auf dem Rande des Fahr⸗ zeuges. Er wartete auch die Antwort nicht ab. Ohne Weiteres hatte er Raum gefunden, und glitt nun, ungewiß wohin das fuͤhren ſolle? auf den Wellchen dem Fiſcherdorfe jenſeits zu. Zu Anfang dachte er wohl nur, bis hieher die Fahrt gehen zu laſſen. Er wollte eigentlich gern mehr von dem gefeiertem See und dem verfallenem Kloſter wiſſen, allein war es nun, daß er den Leuten doch nicht recht bequem zu weiterer Mittheilung duͤnkte? oder hielten ſie abſichtlich mit ihren Geheimniſſen zuruͤck? ge— nug, es kam nicht vielmehr heraus, als er be— reits wußte. Nichts deſto weniger blieb Bode im Kahne bei Claus zuruͤck, als dieſer anlegte um die Eingenommenen auszuſchiffen. Nun? fragte endlich der Faͤhrmann, will der Herr nicht auch hier ans Land treten? Thue mir den Ge⸗ 4 fallen, zute nimm mic Wir ſind ſ wenn es W Claus gleiter mit er auch nich Rur duͤnkt ein Herk a ſteuern woll bleiben konn er daher w nig verdto Das Maaßen⸗ Weiſe. Er heimathlos hier, bald lag, alle: Anhange durch unbe gelangte, erſtreiten ſtoße nur kaf Sein des Fahr⸗ ft nicht ab, nden, und hren ſolle enſeits zu. bis hieher eigentlich und dem ar es nun, bequem zu hielten ſie lruͤck? ge⸗ als er be⸗ im Kahne ke um die 17 fragte Herr nicht ir den Ge⸗ 1, fuhr 8 fallen, guter Freund, erwiederte der Graf, und nimm mich mit zu der bedrohlichen Stelle. Wir ſind ſodann zu Zweien, und ich helfe Dir, wenn es was zu thun giebt. Claus maaß ſeinen vornehmen, feinen Be⸗ gleiter mit ungnuͤglichem Blick. Indeß mochte er auch nicht, nein, zu deſſen Vorſchlage ſagen. Nur duͤnkte es ihm doch ſonderbar, daß ſolch ein Herr auf gut Gluͤck in die Nacht hinein ſteuern wollte, ohne zu wiſſen, wo er nachher bleiben koͤnne? In Gottes Namen! entgegnete er daher wohl nicht unfreundlich, doch ein we⸗ nig verdroſſeu und in den Bart hinein. Das Abentheuer gefiel Bodo uͤber die Maaßen. Es war ganz nach ſeiner ehemaligen Weiſe. Er gedachte der Tage, wo er gleichſam heimathlos, in mannigfacher Verkleidung bald hier, bald da umherzog, beſtaͤndig auf der Lauer lag, alle Operationen des Freiherrn und deſſem Anhange ausſpaͤhete, und ehe er es ſelbſt wußte, durch unbekannte, unſichtbare Hand zum Ziele gelangte, er drauf das beſaß, was er noch erſt erſtreiten zu muͤſſen dachte. Es war eine unbe⸗ 6— — 39 queme, aber lebendige, regſame Zeit! denn als er nun hatte, was er zu haben gewuͤnſcht, und es ihn hatte, da druͤckte es ſchwer auf ſeiner Seele. Er fand ſeinen Frieden nicht auf Ho⸗ henried, nicht unter dieſen Menſchen, die ihn erſt verleugnet, dann umſtrickt, gequaͤlt, gehal⸗ ten, und es jetzt noch auf Aergeres mit ihm abgeſehen hatten. Es duͤnkte ihm deshalb ein Meiſterſtuͤck, ihnen ſo entwiſcht zu ſein. Einen ſchicklichen Anſtrich wollte er gleich⸗ wohl dem raſchen Schritte doch geben, der ihn obendrein, Gott wußte, wohin? fuͤhren konnte. Er ließ demnach durch die au's Land geſtiegenen Naͤnner nach Oberwalden zuruͤckſagen: ihm ſei eine Nachricht von ſo dringender Art gekommen, daß ſie ihn zu ſchleuniger Abreiſe zwinge. Der Fiſcher im Kahne ſchuͤttelte den Kopf dazu. Bodo laͤchelte. Nach kurzem Hin⸗ und Herreden waren ſie ſchon wieder mitten im Waſſer. Was der Menſch thoͤrigt iſt! dachte der junge Abentheurer, dem es jetzt recht empfindlich inne ward, daß er ohne Mantel und andern Beruͤckſchti Hutbſinah Wind ward ſah man ta regnichter 9 nieder. Cau feſter zu ſt derte ſich n Hocheitshal treibt raſches euſt und Ve und gerathe niſſe! Im in der Ge Genoſſen! kommen. Ihm Claus zur Spaß, und besabenthel Guter Du biſt — 89— 1 8 denn als uͤnſcht 88 Beruͤckſichtigungen, wie er ging und ſtand, der 7 un ——— t auf ſeir Herbſtnacht entgegenfahre. Ihn fror, der 8 cht auf 4 Wind ward hoͤchſt unangenehm. Vom Monde 8 de ſah man bald auch nichts mehr. Ein finſterer, n, die ihn regnichter Himmel hing ſchwer auf den See nieder. Claus knoͤpfte ſeine dicke, wollene Jacke feſter zu, ſteckte ſeine kurze Pfeife an, und ru⸗ ſlalt, gehal ls mit ihm deshalb ein — ein. derte ſich warm. Es verlangte ihn nach dem e gleit, Hochzeitshauſe zu kommen, ſagte Bodo. Ihn. n, de 83 treibt raſches Verlangen, und die Ausſicht auf 1 ter dan Luſt und Vergnuͤgen! Ich laſſe mich treiben, 1e alg. und gerathe vielleicht in unerfreuliche Verhaͤlt⸗ niie niſſe! Immerhin! ſetzte er hinzu, beſſer, als . ſei in der Geſellſchaft des Freiherrn und ſeiner gekonmen, Genoſſen vor Unwillen und Langeweile um— G ſngt. kommen. den Kopf. l Hin, und Ihm fiel ein, daß er wohl gar noch mit mitten im Claus zur Hochzeit gehen, und dort tauſend Spaß, und wollte es der Zufall, auch ein Lie⸗ dachte der besabentheuer mehr haben koͤnne. mpfindlich Guter Freund, hub er jetzt freundlich an, V nd andern Du biſt ja ſo ſtumm und verdruͤßlich. Ich — 9⁰— denke, Du haſt einen guten Tag vor Dir, dazu paßt das launige Weſen nicht. Was hilft das alles, entgegnete Claus, ich komme nun doch ſchon zu ſpaͤt. Der Tanz wird ſchon laͤngſt angegangen ſein, und uͤberdem habe ich ſie doch nicht trauen ſehen! Darum war mir's zu meiſt! Der Vater hatte mich druͤben in die Arbeit verdungen. Ich glaubte, ſchon geſtern Abends fertig zu ſein. Aber da kam der ſtarke Sturm. Wir konnten die Garne nicht ausſpannen, und heute hatte es damit auch laͤnger gewaͤhrt, als ich meinte. Iſt die Braut huͤbſch? fragte Bodo. Hm! lachte der Andre ſpoͤttiſch, als wolle er ſagen: iſt daruͤber noch ein Zweifel. Nun, fuhr der Graf fort, ſie war doch wohl nicht gar zuvor Dein Liebchen, und Du mußt ſie nun einem Reichern oder Vornehmern uͤberlaſſen, der ſie Dir wegſchnappte? Das juſt nicht, meinte Claus. Es iſt Freundſchaft zwiſchen den Muͤttern. Wir wa— ren vom Kindesgebein an wie Bruder und Schweſter. Nachher ſetzte ſie ſich allerlei in den Kopf/ da ch thoͤrigt und ih ihr aug ihr wiſſen n den ſkeife flung nimmt, Claus ten etwas Thraͤnen bet⸗ der Vater ge jungen Menſ Er ftagte d die Braut! ja auch woh her ſprach Bodo hub er glei Claus ente ſtrengter. bei aus ſe rdi un un Kopf, da that ſie ſchnoͤde und ward auch ſonſt 6 e aus, ih thoͤrigt und allen Ihrigen fremd. Da kehrte 1 Der dan ich ihr auch den Nuͤcken, und mochte nichts von 4 nd uͤberde ihr wiſſen. Nun ſie aber ungluͤcklich iſt, und erdem u Daran den ſerfen Kaufmannsburſchen aus Verzwei⸗ hatte mi flung nimmt, da— Jch glaubte, Claus Stimme hatte bei den letzten Wor⸗ 1. Aber da ten etwas Bebendes, das ſeine verhaltenen die Garne Thraͤnen verzieht. Bodo merkte wohl, weßhalb es dannit der Vater gerade in dieſen Tagen den armen jungen Menſchen in die Arbeit verdungen hatte. 1 dode, Hmt Er fragte daher theilnehmend: Wie heißt denn 1 le er ſagen: die Braut? und wo gehoͤrt ſie zu haus? 1 Ach es iſt ja die Gabriele aus der ſchwar⸗ e war doch zen Dohle! entgegnete Claus. Die werdet Ihr „ und du ja auch wohl kennen! Die ganze Gegend um⸗ Jornehmern her ſprach von dem ſchoͤnen Maͤdchen! 7 Bodo ſchwieg uͤberraſcht. Die heirathet? 5. Es iſt hub er gleichwohl nach einer Weile wieder an. Wir wa⸗ Claus entgegnete nichts. Er ruderte ange⸗ ruder und ſtrengter. Einzelne halblaute Toͤne, welche da⸗ 1 rlei in den bei aus ſeiner Bruſt heraufdrangen, mochten — — 92— wohl auf Rechnung des erhoͤheten Kraftauf⸗ wandes kommen. Iſt der Braͤutigam reich? und ſieht er wohl aus? fragte Bodo. Reich iſt er, war die Antwort, von dem Uebrigen, hieß es, laͤßt ſich eben nicht viel ſagen. Das Geſpraͤch ſtockte. Es trat eine lange Pauſe dazwiſchen. Der Kahn glitt indeß im⸗ mer ſchneller uͤber das dunkler werdende Waſ⸗ ſer. Der Graf ſaß auf dem ſchmalen Brett⸗ chen und ſchloß die Augen, als ſchliefe er. Er haͤtte es gern gethan, denn er wollte eigentlich nicht gern an Gabrielen denken. Es war etwas in ſeiner Bruſt, das ihm dabei wehe that. Doch wie ſie jetzt, naͤher zum Ufer gewendet, an Binſenkraut und Calmus ſtreiften und die bewegten Stiele ſo innerlich raſchelten, und das Saͤuſeln der langen Blaͤtter den Voruͤbereilen⸗ den nachrief, ſchreckt Bodo unwillig auf. Narr! dachte er, was geht es Dich an! Heirathet ſie doch einen jungen und reichen Mann! So verzweifelt mag ſie juſt auch nicht ſein! Und * dann! bet o oder ande Nun ſil der Fiſche⸗ ker⸗ Die uf von einander um, junger allein Iht! Gegenſtäͤnde. klen Tannen weißlich hert Abtes und tden beſt 5 Frankreich Revolution Prand, ut uͤbereinande Kirchen un worden ſei ſch durch zuruͤck. Er ruchloſer⸗ und zu pl. dann! wer hat es in ſeiner Gewalt, die Dinge ſo oder anders zu ſtellen? nd ſiht er Nun ſind wir dicht bei der Fuhrt, ſagte et, war die der Fiſcher. Hier wird die Fluth ſchon ſtaͤr— es, laͤßt ſich ker. Die Ufer ſind kaum auf funfzig Schritt von einander getrennt. Seht Euch ein wenig eine lang um, junger Herr. Es iſt zwar iemſich dunkel, t indeß in⸗ allein Ihr unterſcheidet doch wohl die einzelnen dende Vaf Gegenſtaͤnde. Dicht vor uns, hinter den dun⸗ glen Bret. klen Tannen, ſchimmern dis Kloſtertruͤmmer efe et. C weißlich hervor. Das war ſpnſt der Sitz eines d eigenti Abtes und der Auſenthölt 5 Moͤnche. Der zar etons Orden beſtand auch, bis die tolle Jagd von 6 Frankreich uͤber den Rhein hereinbrach. Die wehe that. Kevolution druͤben ſteckte hier manchen Kopf in Brand, und wie nun vollends der Krieg alles T uͤbereinanderwarf, da ſoll denn mit manchen gewendet, en und die n, und das Kirchen und Kloͤſtern dies hier ebenfalls verheert rrlbereiln⸗ worden ſein. Die Moͤnche flohen, und bettelten u mäh ſich durch's Land. Der alte Abt blieb krank G iaehet ſe Zuruͤck. Er lag noch in ſeiner Zelle, als ihn ein aandt G ruchloſer Franzoſe, der umherſchlich, zu ſtehlen fein! Und und zu pluͤndern, einen Schlag mit dem Flin⸗ . 4 4 tenkolben gab, daß ihm keine Zeit blieb, ſein Ave zu beten. Jener mochte ihn nicht lange roͤcheln hoͤren, er faßte den Leichnam, der noch nicht kalt war, und warf ihn hier hinunter in des Waſſers Grund. Beſtie! fuhr Bodo empoͤrt auf. Stille, fluͤſterte der Fiſcher, ſcheltet hier nicht. Hoͤrt nur, wie die Wellen dumpf ſtoͤh— nen, und doch regt ſich die Luft kaum in dem eingeſchloſſenen Thale. Das kommt alles von unten herauf. Sind wir erſt jenſeit, dann ſage ich Euch noch mehr. Derweil ſchauet einmal ſeit⸗ waͤrts, dort den hohen Stein hinauf. Da blinken helle Lichter. Es liegt ein Schloß auf der Zinne. Jetzt iſt ein anders Leben in den Mauern, wie vordem. Aber ſtill jetzt, ſtill! wir ſind auf ſchlimmer Stelle! Ein Gluͤck noch, daß der Schein von den Lichten dort auch in der Nacht den Ruderer die ſichere Richtung giebt. Bodo hatte ſich aufgerichtet. Er ſtand mit uͤbereinander geſchlungenen Armen und ſtarrte nach dem ſchimmernden Gefunkel der Scheiben 4 4 hinauf Sein ſogleich zzu nach, Wernel alſo ſind ſie ich nur, Wet wenn ich anle Weitere Claus ſt es nicht gehöt ohne einmal zurief und es geg Welen kreit unten mit er. Sind gerathen, de verſtand bald das Werker derolt zur Traͤum Erſchrockene er anfaͤngii hatten ſie und genug lichkit ſahe bli 63 uar hinauf. Seine Bruſt hob ſich unruhig. Er war n, der 4 ſogleich zu hauſe. Dies mußte, 1 der Lage & nach, Werners jetziger Aufenthalt ſein! Hier in alſo ſind ſie jetzt beiſammen, dachte er. Wuͤßte ich nur, Wernern ein Zeichen zu geben. Wie, wenn ich anlegen ließe, an's Land ſtiege, und ſcheltet hier ohne Weiteres.— bumpf ſt⸗ Claus ſtieß ihn jetzt lebhaft an. Er hatte um in dem es nicht gehoͤrt, daß ihm dieſer ſchon mehr als 6 alles von einmal zurief,: das andre Ruder aufzunehmen dann ſage und es gegen das Ufer zu ſtemmen.: Die 1 einmal ſeit Wellen kreiſen hier, als fege ſie Einer da 1 Da blinken unten mit bleierner Ruthe ineinander, ſagte fder zinne er. Sind wir erſt in den Strudel hinein⸗ auern, iit gerathen, dann gute Nacht fuͤr immer! Bodo ir ſind auf verſtand bald, wovon die Rede ſei? als ihm jener , di d das Werkzeug in die Hand gab und ihn wie⸗ aer Rugt derholt zur Arbeit antrieb. 3 Traͤumer! toller Traͤumer! ſchalt ſich der Erſchrockene, der hier mehr zu thun fand, als ſand mit er anfaͤnglich dachte. Wohl eine Viertelſtunde und ſarrte hatten ſie mit der Gegenſtroͤmung zu kaͤmpfen und genug zu thun, daß ſie nur erſt die Moͤg⸗ lichkeit ſahen, druͤber hinaus zu gelangen. Scheiben — 96— Claus redete in der ganzen Zeit keine Silbe. Nur von Zeit zu Zeit ſtoͤhnte er aus ſchwer athmender Bruſt. Er geſtand nachher, der Graus habe ihm die Arme gelaͤhmt, und daß er das gefuͤhlt und nichts dagegen gekonnt, dro⸗ hete ihn faſt um Sinn und Verſtand zu bringen. Aber, fragte er dann, im Grunde uͤber die beſtandene Gefahr weniger, als uͤber die Rich⸗ tigkeit ſeiner Ausſage triumphirend, aber ſagte ich es nicht? Ja, ja! das will was mit dem da unten bedeuten! Denn nehmt nur, fuhr er ſichtlich erleichtert, und zu vertraulicher Mit⸗ theilung geſtimmt, fort, ſolche Seele, die nicht Ruhe findet, die iſt wie Einer, der Nachts nicht ſchlafen kann. Er ſchuͤttelt und ruͤttelt an ſei⸗ nem Bett und kehrt das Unterſte zum Oberſten. Nun Ruhe konnte der auch nicht finden. Denn erſtlich der moͤrderiſche Tod, und denn das belaſtete Gewiſſen. Man ſagt von ihm, fluͤſterte Claus leiſer, als traue er doch den Frieden nicht ſo recht, er habe ſein heilig Amt einſt zu einer unerlaubten Trauung gemißbraucht, zu der ihn Betrug oder Geldgier verlockte. Es nahm aber mit Pa mit dem.† Jahte muhts Schloſſe an d hen, wo ſe Claus de ſchi/ ſcharfe erweiterten fendes Wehen hin! ſlehete el er in ſeinem Kopf iſt ihm Er haͤngt de nicht tragen. Bodo ri feſt nnch der! einen Mann in einen lan dergehen.. lich, doch! und ob dieſe launen viell V hier mache! uungewißheit I. Jeit keine nte er aus ſand nachher, fut, und daß ekonnt, dro⸗ zu bringen. nde üͤber die er die Rich⸗ „aber ſagte las mit dem gur, fuhr er uuliher Mit le, die nicht Nachts nicht telt an ſei⸗ m Oberſten. den. Denn das belaſtete ſterte Claus den nicht ſo nſt zu einer zu der ihn nahm aber mit 9272 mit dem Paar ein unſelig Ende. Mehrere Jahre mußte er die tolle Braut da oben im Schloſſe an dem hohen, vergitterten Fenſter ſe⸗ hen, wo ſie elendiglich ſchmachtete. Claus verſtummte hier ploͤtzlich. Ein ra⸗ ſcher, ſcharfer Windſtoß, der ſie jetzt auf der erweiterten Waſſerflaͤche traf, duͤnkte ihm ſtra⸗ fendes Wehen der Geiſterwelt. Seht nicht hin! flehete er mit geſenktem Blicke. Da geht er in ſeinem Talar auf die Kapelle zu. Der Kopf iſt ihm zerſchlagen von dem Kolbenſtoß. Er haͤngt vorn heruͤber. Der Hals kann ihn nicht tragen. Bodo richtete, nichts deſto weniger, das Auge feſt nach der bezeichneten Stelle. Er ſahe wirklich einen Mann dort mit gebeugtem Nacken, dicht in einen langen Mantel gehuͤllt, auf und nie⸗ dergehen. Anfangs entſetzte er ſich unwillkuͤr⸗ lich, doch gleich darauf dachte er an Werner, und ob dieſer in einer von ſeinen Sonderlings⸗ launen vielleicht einen naͤchtigen Spaziergang hier mache? Er blieb hieruͤber gleichwohl in Ungewißheit, denn weder die Dunkelheit, noch . 11. 171 das raſche Voruͤbergleiten des Kahnes, geſtattete ihm ruhig zu ſehen und zu urtheilen. Unbegreiflich! rief er in ſich, wie alles hier zuſammen kommt, mich in tauſend wechſelnden Beziehungen zu beruͤhren. Dort lebte und ſtarb ein theures, ungluͤckliches Weſen, das mir wohl mehr war als die Welt ahndet! Dort lebt wieder ein ſchoͤnes, bewundertes, vielleicht auch ungluͤckliches Weib. Wird ſie mir mehr werden?— Die leicht hingeworfenen Beziehungen zu der ſchoͤnen Unbekannten, jene dreiſte Frage an ein verhuͤlltes Geſchick, und was ſich daran un— willkuͤrlich Suͤßes und Verfuͤhreriſches haͤngt, umſtrickte Bodo, wie mit einem Netz. Er wurde traurig, er wußte ſelbſt nicht warum. So fuuͤchtig und voruͤbergehend iſt alles im Leben! ſagte er bitter. Jetzt koͤnnt Ihr das Schloß nun nicht mehr ſehen, rief ihm Claus zu, als leſe er in ſeinen Gedanken. Freilih! er tlikte un vorden. Die in graue Sch Paſſer! Dab ner. Det Ka gung daruͤber dͤſterer dunkt Funken un Wäiter kannſt ichen nichts g Suchen wit a V Si ſtiegen ſcch noch eine nach dem Ste Es war tief in iine gute St Viertelmeile. nen im Orte es geſatte b ilen. wie alles hier d wechſelnden tbte und ſtarb en, das mir ahndet! Dort kes, viellicht ſie mir mehr heziehungen zu keiſte Frage au ſich daran un— riſches haͤngt, Netz. te ſelbſt nicht lbergehend iſt 's nun nicht als leſe er in Freilich! entgegnete der Graf verlegen. Er blickte um ſich. Die Ufer waren flach ge⸗ worden. Die Nacht huͤllte ihr friſches Gruͤn in graue Schatten. Alles ſahe einerlei aus. Das Waſſer hatte einen ſchwaͤrzlichen Schim⸗ mer. Der Kahn glitt in unmerklicher Bewe⸗ gung daruͤber hin. Immer unheimlicher und duͤſterer duͤnkte Bodo die Fahrt.— Funken und Blitze! klagte er frierend. Weiter kannſt Du finſtrer Erdball dem Sterb⸗ lichen nichts geben. Warmes, bleibendes Licht! Suchen wir Dich immer vergebens? Viertes Kapitel. Sie ſtiegen endlich ans Land. Claus wollte ſich noch einen ſaubern Rock anziehen und dann nach dem Staͤdtchen zu der Muhme wandern. Es war tief in der Nacht. Auch hatte er noch eine gute Strecke zu gehen; wohl an eine Viertelmeile. Bodo that ſo, als habe er drin⸗ nen im Orte zu thun. Ich will Dich begleiten, *⁴ — 100— ſagte er zu dem Fiſcher! Du kannſt mich im⸗ mer mitnehmen. Ich bin Deinen Freunden nicht unbekannt. Gabriele wird mir einen Tanz nicht abſchlagen. Ich will ſie darum bitten. Claus ſahe ihn ſchnell und ſcharf an. Es war, als komme ihm eine Ahndung der Wahr⸗ heit. Doch Bodo ſetzte gelaſſen hinzu! Sei im Uebrigen nicht beſorgt, ich werde die Laſt der Bewirthung nicht vermehren. Nur einen Augenblick goͤnne mir bei den Deinen Erholung, dann finde ich ein anderes Obdach. In der Dohle iſts mir's heute zu unruhig. Claus ſchuͤttelte ungewiß den Kopf. Doch wußte er des fremden Mannes Begleitung hier ſo wenig, als im Kahne abzulehnen. Als ſie nun ſo gingen, keiner ſprach, Er⸗ muͤdung und Mißbehagen ihre Schritte immer laͤnger machte, mußte ſich Bodo doch zuletzt fragen, was er eigentlich mit dem Beſuche bei Gabriele wolle? Hatte es ihn auch anfangs gekitzelt, grade an dieſem Tage vor ſie hinzu⸗ treten und ſie außer Faſſung zu bringen, ſo daͤnkte ihm d der Ettaſe 4 Er hatte und auf li — loß zu 2 Schl Es war fe ochte denn me 71, de erſcheinen, „ er von ihm de So kam trachtet, in Stadt(og ze nehme, peinl Manſchen in anſe mich in⸗ nen Freunden mir einen ill ſie darum charf an. Cs ing der Vahr, hinzul Sei verde die Laſt Nur einen nen Erholung, dach. In der ig. 3 n Kopf. Doch ʒegleitung hier en. er ſprach, Et⸗ chritte immer o doch zuletzt Beſuche bei auch aufangs vor ſie hinzu⸗ bringen, ſo — 101 duͤnkte ihm das jetzt klein und die Leichtſinnige der Strafe kaum werth. Er hatte manchmal Luſt wieder umzukehren, und auf irgend eine Weiſe Eingang in das Schloß zu Werner und Franziska zu ſuchen. Es war jedoch hierzu offenbar jetzt zu ſpaͤt, und denn mochte er auch allzu ungleich vor Claus erſcheinen, der wohl ohnehin nicht wußte, was er von ihm denken ſolle? So kam er denn, alles Wiederſtreites ohn⸗ erachtet, immer ein Streckchen weiter. Die Stadt lag jetzt dicht vor ihnen. Eine unange— nehme, peinliche Unruhe bewegte Bodo's Seele. Beſſer doch, meinte er, ich trete in irgend einer Verkleidung unter die Gaͤſte. Mein ploͤtz⸗ liches Erſcheinen moͤchte Aergerniß geben. Iſt wohl ohnehin niemand von allen Anweſenden, der nicht um mein fruͤheres Verhaͤltniß zu dem Maͤdchen wuͤßte! Eigentlich ſchaͤmte er ſich deſſen; und wieder zog ihn ein zaͤrtliches Ge⸗ fuͤhl der Erinnerung zu dem Hauſe, zu den Menſchen in ihm. Die Nacht war indeß faſt verronnen. Als ſie in der Straße, vor der Schenke ankamen, war alles ſtill. Die Gaͤſte traten nur noch Einzeln zur Thuͤr hinaus. Die Bergleute, die zum Tanz ſpielten, verließen zuletzt das Haus. Die Lampe drinnen glimmte noch kaum, die Lichte waren erloſchen. Von der Braut und dem Braͤutigam ſah man nichts mehr. Auch die erſchoͤpfte Wirthin hatte ihre Kammer geſucht. Claus ſchlug ſich vor die Stirn und rannte wie ein toller Menſch in die große, leere Gaſt⸗ ſtube hinein. Bodo war ihm gefolgt. Der alte Hausknecht polterte hier zwiſchen den Baͤnken und Schemeln, und kramte mit dem Geraͤth. Er ſah beide verwundert an. Den Grafen mochte er nicht ſogleich erkennen. Er verbeugte ſich linkiſch gegen ihn, ohne zu wiſſen, was der ſpaͤte Gaſt wolle? und was er mit ihm habe? Ueber Claus haͤtte er faſt gelacht. Der kam ihm gar zu verruͤckt vor. Freundchen, hub er zutraulich an, nun haͤtteſt Du Dir's ſparen koͤnnen, her zu kommen, nun iſt alles vorbei. ſcher/ Nun iſt inden ¹ blieb/ und gute Nacht! Thür eilad l doch d w. bringen! das 9 offnete fen. Dihe keheten auch Syiet den Narger zu Zeit we ſik angebel hielt den! den er dri Kruͤge ſe heute, zu hen ie ankene, ſten nur noch Daulen, die ist bas Häus. kaum, die er Braut und mahr. Auch ihre Kammer ee und raunte te, leere Gaſt⸗ olgt. Der alte i den Baͤnken t dem Geraͤth. Den Grafen Er verbeugte iſſen, was der it ihm gabe? ht. Der kam chen, hub er Dir's ſparen alles vorbei. perr e fun Al 103 Nun iſt alles vorbei! wiederholte der Fi— ſcher, indem er mitten in der Stube ſtehen blieb, und verwildert umherſah. Gute Nacht! gute Nacht! rief er dann, ungeſtuͤm nach der Thuͤr eilend. Aber warte! beſann er ſich. Ich will doch der Braut noch erſt ein Staͤndchen bringen! He dal wo ſind die Spielleute? Er oͤffnete das Fenſter, den Bergknappen nachzuru⸗ fen. Dieſe waren noch nicht allzu weit, und kehrten auch wirklich auf ſein Geheiß um. Spielt, ſpielt! rief er ihnen entgegen, recht tolle Lieder, Schwaͤnke und Narrenspoſſen, ich will dazu ſingen. Sie waren in der Straße ſtehen geblieben, und thaten, wie Claus es haben wollte. Er ſang aber nicht, ſondern lief, die Thraͤnen und den Aerger zu verſtecken, auf und ab, von Zeit zu Zeit mit heftigen Tritten den Tackt der Mu⸗ ſik angebend. Bodo lehnte in der Thuͤr. Er hielt den kleinen ſilbernen Becher in der Hand, den er drinnen unter einer Menge Kannen und Kruͤge ſtehen ſah. Daraus nippte ſie wohl heute, zur Dankſagung bei den Gluͤckwuͤnſchen, dachte er. Er ſpielte gedankenvoll damit. Un⸗ willkuͤrlich ſah er hinein. Das blanke Gold ſpiegelte ihm ſein Geſicht verzerrt und in die Breite zuruͤck. Er ſuchte auch das der niedli— chen Braut darin. Als er unbefriedigt auf⸗ blickte, ſtand der bleiche Steiger vor ihm. Gott gruͤß! ſagte er leiſe. Ei, fuͤgte er une, ſteuert doch dem Unweſen hier. Es iſt faſt Ta geworden, die Menſchen ſchlafen. Der wade Burſche haͤlt mir die Jungen mit Gewalt zu⸗ ruͤck. Die Muſtk ſtoͤhrt Alle, und macht boͤſes Blut. Ich kann das nicht laͤnger dulden. Es waͤre gut, wenn Ihr den Unvorſichtigen bei Zeiten entferntet. Bodo hoͤrte nicht viel auf des Mannes Worte. Er las in ſeinen blaſſen Zuͤgen die Geſchichte jenes Abends heraus, wo er ihn zu⸗ erſt hier traf. Alles ward ihm wieder ſo ge⸗ genwaͤrtig. Die unausſprechliche Angſt um den Vater, der Bergleute wunderliche Erzaͤhlungen, ſein ſtilles Wohlgefallen an Gabrielens ange— nehmes Aeußere. Wenige Monate ſind es erſt, ſagte er in ſich es in meiner, Damals n Hͤttenverk E ſiba Dienſt immer ein wen auf jenes jed berbei zu fhe 8 koſten, d ſchimpfend un und ſchreckt. Dafuͤ Alt und un Andern fo be Ihr, ſo gehe brauche ich n Der Ste Bodos Geſich erkannte ex er ihn zu⸗ der ſo ge⸗ ſt um den aͤhlungen, ens ange⸗ „ℳ og ſ dd es erſt, 105— ſagte er in ſich, und wie ganz veraͤndert ſieht es in meiner, wie in dieſer Welt hier aus! Damals nahm ihn der Steiger mit in das Huͤttenwerk. Er wollte ihn auch heute um den⸗ ſelben Dienſt bitten. Laßt den armen Claus immer ein wenig laͤrmen! entgegnete er endlich auf jenes wiederholte Bitte, ſuhe und Ordnung herbei zu fuͤhren. Den Hals wird es nieman— den koſten, wenn auch hier und da Einer ſchimpfend und fluchend aus dem Schlafe auf⸗ ſchreckt. Dafuͤr iſt Hochzeit in der Dohle, und Alt und Jung hat einen luſtigen Tag gehabt. Aergert Ihr Euch aber ſelbſt daran, fuhr Bodo fort, ſo geht nur immer nach Hauſe. Die Andern folgen dann von ſelbſt. Und wollt Ihr, ſo gehe ich mit Euch, ich bin muͤde. Eine Streu werdet Ihr wohl haben, und mehr brauche ich nicht, um zu ſchlafen. Der Steiger erinnerte ſich ſeiner nun wohl. Bodos Geſicht vergaß ſo leicht niemand. Auch erkannte er ihn an die wohllautende Stimme, 1 und das ſeltſame Laͤcheln. —-— 106— Sie gingen ſogleich hinter dem Hauſe ei⸗ nen Fußpfad hinan, der an dunkle Abgruͤnde voruͤber, zu den Schachten fuͤhrt. Die mun— teren Spielleute erreichten ſie bald. Sie ließen ihre Cither und Geigen immer noch friſch er— toͤnen. Sie mochten guten Verdienſt gemacht, und die Ausſicht zu noch groͤßerm haben. Mit vie⸗ lem Jubel erzaͤhlten ſie dem Steiger, daß ſie zu Morgen auf das Schloß berufen worden, wo ein Puppen oder Schattenſpiel aufgefuͤhrt werden ſolle, wie die Botſchaft von dort lautete. Ein ſchoͤnes, buntes Theater haben die Herrſchaften dort aufgeſchlagen, und praͤchtige Anzuͤge aus der V Reſidenz dazu kommen laſſen. Viele Gaͤſte von nahe und fern, langen taͤglich an, uͤberhaupt ſei es ein herrliches Leben, bei den Herrſchaften die jung, freigebig, und von fruͤh bis ſpaͤt voll luſtiger Schwaͤnke ſeien! Morgen, fragte Bodo neugierig, morgen ſollt Ihr hinauf kommen? Gut, gut! ſetzte er hinzu, ohne gleichwohl ſeine Gedanken weiter laut werden zu laſſen. Er war aber ſo voll Freude, daß er gar nicht mehr an Schlafen dachte/ und Laget annah Er mut nete/ wie 9 ihm meine, und ſo grille ſcheine, do Weiſe von d traͤumt ihnen daß ich jetzt Hittenbewot votziehe, un auf dem ha denke und zum erſtenn und erwarte aus mir w mir machte fallen, dan mir frei ge rief er, ral heftig klopi gen. Er ſ ie mun⸗ ie ließen friſch er⸗ gemacht, Mit vie, aß ſie zu , wo ein t werden te. Ein rſchaften Pe aus der Gaͤſte von lberhaupt rſchaften ſpaͤt voll morgen ſetzte er n weiter ſo voll Schlafen 107— dachte, und nur ſeinem Wirth zu Gefallen, das Lager annahm, was ihm dieſer bereiten ließ. Er mußte in ſich lachen, wenn er berech— nete, wie gut es im Grunde ſein Genius mit ihm meine, der ihn zu rechter Zeit geweckt, und ſo grillenhaft und kraus es auch immer er— ſcheine, doch auf die beſte und geſchickteſte Weiſe von der Welt hieher gefuͤhrt habe. Das traͤumt ihnen in Oberwalden nicht, dachte er, daß ich jetzt die enge Kammer eines der hieſigen Huͤttenbewohner ihren ausſtaffirten Gaſtzimmern vorziehe, und gluͤcklich, wie ein Freigelaſſener, auf dem harten Pfuͤhl liege, ganz andre Dinge denke und ſehe, als in ihre Phantaſie kommt, zum erſtenmale nach langer Zeit wieder hoffe und erwarte, kurz, daß der Bodo, den ſie aus mir machen wollten, den ſie auch aus mir machten, wie die Schaale vom Kern abge⸗ fallen, daß das innerliche, lebendige Leben in mir frei geworden iſt! Dem Himmel ſei Dank! rief er, raſch in die Hoͤhe gerichtet, denn das heftig klopfende Herz ließ ihn nicht ruhig lie⸗ gen. Er ſaß demnach, die Wange in die Hand — 103— gelehnt, mit aufgeſtemmten Arme, und goͤnnte Gedanken und Vorſtellungen ihr raſches, buntes Spicl zu treiben. Jenes geheimnißvolle Etwas jedoch, das unabhaͤngig von unſerm Willen in uns bildet und ſchafft, iſt zu ſolcher Stunde von aͤngſti⸗ gender Geſchaͤfftigkeit. Es treibt und jagt die Dinge aus den Kreiſen ihrer Natur, und in— dem es pfeilſchnell die ſchlaͤngelnde Bahn dahin und dorthin wendet, gehen Farben und Geſtal⸗ ten ineinander uͤber. Das Chaos verwirrt ſich immer wieder zum Chaos. Zuletzt kommt denn der Schlaf, und verhuͤllt mit ſeinem Mantel das unruhige Getriebe, bis auf Einzelnes, was der Traum vorwegnimmt, und in ſein ſchwau⸗ kendes Reich mit hinuͤberzieht. So traͤumte denn auch Bodo von Ga⸗ briele und Franziska, dem Schloſſe und der ſchwarzen Dohle. Er glaubte eigentlich in die— ſer zu ſein. Es waren dort Puppenſpieler. Die huͤbſche Wirthstochter ſtand, als eine der Hauptſiguren, auf den Brettern. Sie war au⸗ ßerordentlich geputzt, lange Streifen Flittergold jingen ihei drihte kniſe mußte woh denn er war nicht daß er ſe und ſagt Aergerniß g auf hitß e verden. S men viel fr bar augedog Er flehete: ihrer Hinr naͤhete ein aber gak i immer, auc hore alles nicht aufhy dabei zupff erinnerte it auch wohl verpflichte wendigkeit und gonnte ches buntes fedoch, das uns bildet von aͤngſti⸗ ud jagt die —, und in⸗ Pahn dahin nd Geſtal⸗ ſerwirrt ſich ommt denn dem Mantel zelnes, was ein ſchwan⸗ ) von Ga⸗ e und der lich in die⸗ penſpieler. s eine der ie war au⸗ Flittergold — hingen ihr in den Ohren, wenn ſie den Kopf drehte kniſterte es laut und unangenehm. Er mußte wohl nicht zu den Mitſpielern gehoͤren, denn er war ganz er ſelbſt, das hinderte aber nicht, daß er mit Gabrielen redete. Er warnte ſie und ſagte ihr, ſie werde durch das Geraͤuſch Aergerniß geben, da weinte ſie, und gleich dar⸗ auf hieß es, ihr ſolle der Kopf abgeſchlagen werden. Sie gerieth in große Angſt. Es ka— men viel fremde Leute dazu, alle hoͤchſt ſonder⸗ bar angezogen. Bodo war mitten unter ihnen. Er flehete um Gabrielens Leben. Es ſchien mit ihrer Hinrichtung Ernſt zu ſein. Die Mutter naͤhete ein graues Armſuͤnderhemd. Sie war aber gar nicht traurig, ſondern geſchaͤftig, wie immer, auch nahmen es die Andern ſo, als ge⸗ hoͤre alles zu dem Spiel. Bodo aber konnte nicht aufhoͤren, ſich entſetzlich zu aͤngſtigen, und dabei zupfte ihm immer jemand am Rocke und erinnerte ihn, die Floͤte zu blaſen. Es mußte auch wohl ſeine Richtigkeit haben, daß er dazu verpflichtet war, denn er fuͤhlte ſelbſt die Noth⸗ wendigkeit und konnte nur nicht fort auf ſeinen — 110— Platz zuruͤck, der in einem beſondern Kaſten ſteckte, wo die Muſikanten drin ſaßen, wie in jenem Nuͤrnberger Spielwerk, an dem man die Figuren dreht, die dann einen klingenden und knirrenden Ton angeben. Er rief ſehr laut: Gleich! gleich! Sie will nur noch einmal trinken! Drauf langte er den kleinen ſilbernen Becher aus der Taſche, Franziska nahm ihn und ſetzte ihn an die Lippen, denn ſie war es und nicht Gabriele, die ſterben ſollte. Sie mußte aber lachen, wie ſie ihr Geſicht ſo ent⸗ ſtellt in dem goldenem Grunde erblickte. Phui! rief ſie, das iſt wohl Gift! Bodo lachte auch ſo hell, daß er davon aufwachte. Er mußte ſich eine ganze Weile beſinnen, ehe er von dem Unſinn loskommen konnte. Es uͤberraſchte ihn, alles ſo laut und unruhig in der Naͤhe zu hoͤren. Die Bergknappen klim⸗ perten draußen ſchon an ihren Inſtrumenten. Einer ſagte: wir muͤſſen ihn noch einmal nek⸗ ken, denn es iſt wahrhaftig die hoͤchſte Zeit, wenn er mit hinauf will! Der Steiger trat darauf in die Kammer. Gott griß hirzu, Ir Ihr ſchlaft, dieſe zu durc Wie? e ſcon! Und daß mich die den Gang ne Venn 2 dem Schlafen lich die Fͤte wohl thun, ken. Es ſt nigen wart Euch verdirb Jungen aber das Vertrau Gleich! ſeinem Lage die Vorte ſ ſelben ware Dieſer war Weiſe lebhe kleidete und dern Kaſten fen, wie in em man die genden und ſehr laut: ch einmal« en ſilbernen nahm ihn ſie war es bllte. Sie cht ſo ent⸗ te. Phuil lachte auch e beſinnen, onnte. Es nruhig in ppen klim⸗ rumenten. nmal nek⸗ chſte Zeit, Kammer. 111 Gott gruͤß! rief er laͤchelnd. Ei, ei! ſetzte er hinzu, Ihr habt die Tagesordnung umgekehrt. Ihr ſchlaft, bis es wieder Nacht wird, um dieſe zu durchwachen. Wie? entgegnete Bodo, ſo ſpaͤt waͤre es ſchon? Und ich habe es wohl nicht getraͤumt, daß mich die da draußen riefen, um mit ihnen den Gang nach dem Schloſſe zu machen? Wenn Ihr noch ſo geſonnen ſeid, wie vor dem Schlafengehen, entgegnete jener, und wirk⸗ lich die Floͤte zu blaſen verſteht, ſo werdet Ihr wohl thun, Euch zu der Wanderung anzuſchik⸗ ken. Es ſteht den Spielleuten nicht zu, dieje— nigen warten zu laſſen, welche ſie beſtellten. Euch verdirbt das nur den Spaß, den armen Jungen aber die gute Kundſchaft und uͤberall das Vertrauen. Gleich! gleich! rief Bodo, indem er von ſeinem Lager aufſprang. Es fiel ihm, wie er die Worte ſprach, unwillkuͤrlich ein, daß es die— ſelben waren, welche er im Traume ſprach. Dieſer ward ihm ſpaͤter auch noch auf andre Weiſe lebhaft zuruͤckgerufen, denn als er ſich an— kleidete und den Rock uͤber die Bruſt zuknoͤpfen 112— wollte, fuͤhlte er in der obern Taſche etwas ſtecken. Er griff ſchnell hinein und ward ſehr unangenehm uͤberraſcht, als er Gabrielens klei⸗ nen Becher fand, den er, in tauſend andern Gedanken befangen, unverſehens mußte zu ſich geſteckt haben.— Dumme Zerſtreutheit! ſagte er in ſich, das fuͤhrt nun zu nichts, als einen neuen Beſuch in der Dohle! Was werden Mutter und Toch⸗ ter denken, wenn ſie heute das Kleinod ver⸗ miſſen!— Ich moͤchte es nur lieber gleich dem Steiger, mit dem Beſcheide uͤberlaſſen, es an die Beſitzerin zuruͤck zu geben! Er fand das am aller Geſcheuteſten, und blieb auch in Willens, ſein Vorhaben ſogleich auszufuͤhren. Aber der Mann war nicht zur Stelle, Bodo wollte ihn erwarten. Das litten aber die Andern nicht. Kommt doch ja um Gotteswillen, ſagten ſie, ſonſt verſaͤumen wir wahrhaftig das Beſte und werden noch oben⸗ drein mit ſchlechtem Dank zuruͤckgeſchickt. So mag es drum ſein! entgegnete Bodo. Norgen iſt auch ein Tag! troͤſtete er ſich. Er Er hatte ſein Haar in der Seite zu⸗ zipfel herabhe dagegengiſebt, herausſähe, u ſchattend lag. Mantel vol und maßleriſc ſchien mit den umgewandelt. ſelbſt kaum d Er war in Bewegung langes Schla gat vicht ver den Bechet Nun iſt fr erklaͤrt, den ſchweift unge erinnert ſo! außer uns Ob die Bil Il. Taſche etyvas 1d ward ſe ht ſbrielens klei⸗ aiſend andern nußte zu ſch in ſch, das peuen Beſuch er und Toch⸗ Kleinod ver⸗ t gleich dem niſſen, es an uteſten, und aben ſogleich ar nicht zur Das litten doch ja um ſaͤumen wir noch oben⸗ ſchickt. gnete Bodo. er ſich. Er — 113— Er hatte nun eine Floͤte zu ſich geſteckt, ſein Haar in ein ſeidnes Netz gelegt, dies an der Seite zuſammengeſchuͤrtzt, und die rothen Zipfel herabhaͤngen laſſen, der Hut ward ſo dagegengeſetzt, daß der farbige Streifen breit herausſahe, und uͤber Auge und Augenbraunen ſchattend lag. Dazu borgte er einen ſchwarzen Nantel von den Bergleuten, warf ihn geſchickt und mahleriſch uͤber Bruſt und Schultern, und ſchien mit den geringen Mitteln ſo phantaſtiſch umgewandelt, daß ſeine junge Gefaͤhrten ihn ſelbſt kaum zu kennen verſicherten. Er war jetzt fertig und ſie ſetzten ſich nun in Bewegung. Seltſam! dachte Bodo, der ſein langes Schlafen und die unruhigen Traͤume gar nicht vergeſſen konnte, Seltſam! daß ich den Becher wirklich zu mir ſtecken mußte! Nun iſt freilich der Traum gewiſſermaaßen erklaͤrt, denn das Ungehoͤrige und Abgeriſſene ſchweift ungeregelt in der Phantaſie umher, und erinnert ſo lange an ſich, bis wir es in oder außer uns wieder in Zuſammenhang bringen. Ob die Bilder in den Traͤumen uͤbrigens ein II. 181 — 114— Affe der Imagination oder ein Stuͤckchen von dieſer ſelbſt iſt? Das wird wohl niemand zu beantworten wagen. Allein ſei es ſo, oder ſo, Beziehungen laſſen ſich nicht abſtreiten, und welche kann ich annehmen die mir hier nicht peinlich waͤre? Sie hatten einen laͤngern und unbeque— meren Weg zuruͤckzulegen, als Bodo anfangs dachte. Es dauerte lange, ehe ſie die Kruͤm⸗ mungen und Nebenpfade hinter ſich hatten, die ſie durchſchneiden mußten. Es dunkelte fruͤhe. Sie kamen auf dem Schloſſe an, ohne daß ſie von dieſem mehr als große, in die Nebelluft, gigantiſch auslaufende, Umriſſe gehabt haͤtten. In dem innern Hofe brannten jedoch meh⸗ rere Lampen, zunaͤchſt dem ſchoͤnen, alterthuͤmlich verzierten Brunnen; was einen ſonderbaren, anziehenden Eindruck machte, und durch die Art der Beleuchtung den Geſtalten umher, wie dem uͤbrigen Baue etwas Feen und Geiſter⸗ artiges gab. Es ſchien wirklich, ſie kommen zu ſpaͤt, denn niemand erwartet oder empfing ſie da unten. Ales Dirnerperſon tigt ſein. Sie wuß fangen hakten Durch die n hun ſe endi ches ihnen ei einem lederne ruͤct, entwede wenigerm, a0 Die Falten ſcharfen, her hangen derſe teichen Emyf fen. Indeß dreiſt an d den gewagte ehe der Mat zuſchlagen, Hier nicht nichts zu ſe hatten, die nielte fruͤhe. ohne daß ſe ie Nebelluft, habt hätten. ſedoch meh⸗ alterthuͤmlich ſonderbaren, d durch die umher, wie ind Geiſter⸗ den zu ſpaͤt, ffing ſie da tuͤckchen von niemand zu ſo, oder ſo, — 115— unten. Alles war hier leer. Das ſaͤmmtliche Dienerperſonal mußte wohl anderweitig beſchaͤf⸗ tigt ſein. Sie wußten nicht ſogleich wie ſie es anzu⸗ fangen hatten, ſich irgend wem kund u nche Durch die niedern Fenſter des Soutztrains 1 hen ſie endlich in ein Zimmerchen hinein, ve ches ihnen einen langen, hagern Mann, 3 einem ledernen Armenſtuhl dicht am Dien ge⸗ ruͤckt, entweder ſchlafend, oder doch mit nichts wenigerm, als der Außenwelt beſchaͤftigt, dene. Die Falten zwiſchen den Augenbraunen⸗ 3 ſcharfen, herben Zuͤge, das gleichguͤltige n, hangen derſelben, ließ eben nicht ſehr auf zer reichen Empfang, oder troſtreiche zn aht zef fen. Indeß, Noth bricht Eiſen. Bodo uin dreiſt an das Fenſter. Er mußte ihdh den gewagten Verſuch nehrmals iedzrh 5, ehe der Mann, unluſtig, ohn⸗ die Augen auf zuſchlagen, zwiſchen den Zaßnen ide e: Hier nicht herein! Ich habe mit Euch gar nichts zu ſchaffen. — 116— Das mag ſein! entgegnete der Graf auf⸗ fahrend, allein wir ſind hierher beſtellt und muͤſſen irgendwo Einlaß finden. Ja, das glaube ich wohl! war die Ant⸗ wort, allein weder durch mich, noch bei mir. Bodo verſchwendete kein zweites Wort weiter. Im Nu klirrten die Scheiben, das Blei bog ſich auseinander, der Juͤngling war mit einem Satze im Zimmer. Er ſtand, in ſeiner fremden, auffallenden Tracht, den Man⸗ tel mit einer Hand haltend, in der andern die Floͤte, wie eine Art Zauberſtab drohlich gehoben, zuͤrnend da, ihm gegenuͤber der Alte, kertzen⸗ graede, die Augen weit aufgeriſſen, ohne Wort, ohne Bewegung. Waͤhrend einer Minute blieben ſie ſo. Wer ſind Sie? was wollen Sie? war die erſte Frage, welche man hoͤrte. Sie ward kleinlaut und mit ungleicher Stimme vorgebracht. Der Graf beſann ſich, daß ihm ſein Incognito jede weitere Unvorſichtigkeit verbiete. Er ließ den Arm ſinken und entgegnete hoͤflicher: Wir ſind un dem huute aͤbereilte uns ſchon zu ſpat Ja ſol ſchendes Auge kommen kount die Darhe ob ſehr ungeduld erfuͤllt zu ſeh von, ſehte ſchaften, die nichts an.( Gegend ſchw ger/ und bi verwalten. Hetzogli und Schloß ihm auf: l gäcklichen ſich zwruͤck, o lich vertathe den ſeinen der a der Gtaf nuf⸗ ei beſtelt und war die Ant, ch bei mir. weites Wort cheiben, das Büngling var Er ſtand, in t, den Man⸗ er andern die llich gehaben, Alte, kerten⸗ ohne Vort, heben ſie ſo. war die erſte jard kleinlaut bracht. Der acognito jede Er ließ den r: Wir ſind zu dem heutigen Feſte berufen. Der Abend uͤbereilte uns. Wir kommen vielleicht ohnehin ſchon zu ſpaͤt und haben nun doppelte Eil. Ja ſo! erwiederte der Mann, deſſen for⸗ ſchendes Auge immer noch nicht von Bodo los⸗ kommen konnte. Freilich, fuhr er zerſtreut fort, die Dame oben hat Muſik beſtellt. Sie ſoll ſehr ungeduldig geweſen ſein, ihre Befehle nicht erfuͤllt zu ſehen. Ich weiß indeß wenig hier⸗ von, ſetzte er hinzu. Mich gehen die Herr⸗ ſchaften, die hier Aufenthalt genommen haben, nichts an. Es ſind Zugvoͤgel, die durch die Gegend ſchwirren. Ich war herzoglicher Leibjaͤ⸗ ger, und bin hierher geſetzt, das Schloß zu verwalten. Herzoglicher Leibjaͤger, wiederholte Bodo, und Schloßverwalter. Es ſtieg die Frage in ihm auf: Und wohl Gefangenwaͤrter der un⸗ gluͤcklichen Prinzeß. Er draͤngte dies aber in ſich zuruͤck, obgleich ſein Blick etwas dem Aehn⸗ lich verrathen mochte, denn der Andre ſenkte den ſeinen davor, und gerieth ſo ſehr außer Faſſung, daß er des jungen Fremdlings Hand kuͤſſen wollte, als dieſer ſie ihm mit den Wor— ten reichte: Laſſen Sie das eben Geſchehene vergeſſen ſein. Es war ein raſcher Jugendmo⸗ ment. Machen Sie weiter nichts daraus. Sa⸗ gen Sie uns nur, wie wir zu der Dame und ihrer Geſellſchaft gelangen? Wir fanden die Thuͤren, wohl des unwillkommnen Zudranges willen, verſchloſſen, deshalb die ungeſtuͤme Weiſe von vorher. Ich glaube— ich denke— ſtammelte der Alte— Er konnte ſich erſt gar nicht ſammeln. Mehr als einmal fuhr er mit der Hand uͤber die Stirn. Verlegen hub er endlich an: In Wahrheit, mein Herr, kaum kann ich anders denken, als Sie wollen mit mir ſcherzen. Sie, einer von der herumziehenden Bande? Bodo zog die Augenbraunen finſter zuſammen. Der Jaͤger verbeugte ſich, indem er hinzuſetzte: Nun, wie Sie befehlen. Ja ſo, erinnerte er ſich, hinauf wollen Sie in den Saal? Und die Thuͤren ſind von Außen geſchloſſen? Nun, da iſt wohl das Kuͤrzeſte, daß ich Sie, da Sie nun ſchon Kanmern d Die Uebrigen von den n wir wollen e Recht gu mich doch 1 allein den nicht tacht al Ach, ſ alles hinein weggebliebe nug im Le ſette er jeb Hand halte greifend. Das( ſen durch, und wie der ganz ſo B ſeine dun er— Ingendino⸗ d 8 araus, Ca, D *Dame und — ſanden die en Zudtanges e ungeſtuͤme ſtammelte der icht ſammeln. er Hand uͤber dlich an: In an ich anders heerzen. Sie, ande? Bodo ammen. Der uſette: Nun, terte er ſich, ¹7 Und die 17 Nun, da die, da.Sie nun ſchon einmal hier ſind, durch die rothe Kammern nach dem Hauptgebaͤude zuruͤckfuͤhre. Die Uebrigen moͤgen warten, bis ihnen einer von den Lakayen der Dame das Thor oͤffnet; wir wollen es oben melden. Recht gut, entgegnete Bodo, allein ich kann mich doch ohnmoͤglich ohne meine Gefaͤhrten ſo allein den Blicken der Leute blosſtellen, die nicht recht aus mir klug werden moͤchten. Ach, ſagte der Alte, das Schauſpiel iſt wahrſcheinlich ſchon angegangen. Da draͤngt alles hinein. Es iſt ſicher kein Menſch, der weggeblieben waͤre, als ich, der Schauſpiele ge⸗ nug im Leben ſah! Wenn's gefaͤllig iſt?— ſetzte er jetzt, ſeine Laterne angezuͤndet in der Hand haltend, und nach einem Bunde Schluͤſſel greifend. Das Geraſſel der Schluͤſſel fuhr den Gra⸗ fen durch alle Nerven. Er zuckte zuſammen, und wie der Alte nun ſo lauernd da ſtand, und ganz ſo Berufsmaͤßig, wie er wohl ehemals ſeine dunkle Umgaͤnge mochte Abends gehalten haben, dem naͤchſten Augenblicke entgegenſahe, ſpuͤrte der entruͤſtete Juͤngling große Luſt, wie— der umzukehren, und ihn, und das Schloß, mit allem, was es an ſchauerlichen Erinnerun⸗ gen enthielt, fuͤr immer zu verlaſſen. Oben gingen indeß gerade jetzt kleine, eilige Schritte. Wenn ſie es waͤre! dachte er. Ehe er es noch wollte, war er dem vorausleuchtendem Jaͤger gefolgt. Sie ſtiegen eine Seitentreppe hinauf, kamen uͤber Fluͤre, durch Gaͤnge und dunkle Abſchlaͤge, endlich zu einer Art Vorſaal, von dem aus eine zweite Treppe zu den rothen Kammern fuͤhrt. Dieſe verbanden den Thurmartigen Anbau mit den Gemaͤchern des Hauptgebaͤudes, und waren nur durch dieſe, oder auf die labyrinthiſchen Wege, welche die Beiden eben jetzt zuruͤcklegten, zu erreichen. Bodo trat in die aufgeſchloſſene Thuͤr. Der Alte wollte raſch vorauseilen. Allein jener war ſtehen geblieben, und ſahe in den Zimmern umher. Warten Sie doch ein wenig, ſagte er. Es ſcheinen mir ſchoͤne Gemaͤcher zu ſein. Alle mit rother S Decke ein G vorausſchweh kraͤnze im 4 Tritten. Wo die Jugendbl nehmen ſollt einer andern ein großeb 9 haͤnge mit gol halb am Krar iſt wohl— gang ſelbſt Wiege! Die Wer hat— das Licht in wenn Sie n noch, bat Frauenarbei Dypich mit Seiden liege am Kamin hier— wo entgegrnſahe he Luſt, wie⸗ b das Schloß, en Erinnerun, laſſen. Oben lige Schritte he er es noch ter ndem Iäger inauf, kamen le Abſchläge, em aus eine mmern fuͤhrt. n Anbau mit 5, und waren öprinthiſchen zuruͤckegten, öſſene Thuͤr. Alein jener en Zimmern g, ſagte er. u ſein, Alle mit rother Seide ausgeſchlagen, oben an der Decke ein Sonnenaufgang, Aurora und die vorausſchwebende Stunden! dieſe tragen Roſen⸗ kraͤnze im Haar. Roſen ſprießen auf ihren Tritten. Wohl eine Anſpielung auf Gluͤck und die Jugendbluͤthe derer, welche hier Wohnung nehmen ſollten. Ach ſieh da! fuhr er, nach einer andern Seite gewendet fort, da ſteht ja ein großes Prachtbett, die ſchweren Damaſtvor⸗ haͤnge mit goldenen Quaſten aufgenommen, ober⸗ halb am Kranze zwei ſchraͤg gelegte Pfeile! Das iſt wohl— Himmel! rief er, ſeinen Ideen— gang ſelbſt unterbrechend, da ſteht ja eine Wiege! Die kleinen Bettchen liegen noch darin. Wer hat— der alte Mann ſagte ſtammelnd, das Licht in der Laterne geht augenblicklich aus, wenn Sie mir nicht folgen! O nur das Eine noch, bat der Juͤngling. Die angefangene Frauenarbeit auf dem Tiſchchen. Es iſt ein Teppich mit Roſen durchwirkt! die Wollen und Seiden liegen noch dabei; der Sopha ſo dicht am Kamin, die Aſche in dieſem— Wohnt hier— wohnte ehemals?— Er hatte bei die⸗ ſen Worten die Hand auf des Jaͤgers Arm ge⸗ legt, als wolle er ihn noͤthigen Rede zu ſtehen, doch dieſer ward von unbezwinglichem Schreck befallen. Er warf die Laterne zu Boden, und halblaut murmelnd: daß ich ein Narr waͤre! ſtolperte er eilig und unbeholfen zuruͤck, wo ſie herkamen. Bodo nahm die Laterne auf und beleuchtet jeden Fleck, jeden Winkel der Zimmer. Hier! hier! rief er. O Ungekannte wurdeſt Du hier geboren?— Er ſaß bei der Wiege nieder. Seine ganze Seele gerieth in Aufruhr. Das heutige Abendtheuer war vergeſſen. Er verſank in tiefe Gedanken. Vielleicht waͤre er ſo ſitzen geblieben, und haͤtte es verſaͤumt die ſchoͤne Frau zu ſehen, allein die Geigen und Citherklaͤnge der Bergleute, die doch Einlaß gefunden haben mußten, und ſpielend heran⸗ zogen, riſſen ihn aus ſeinen Traͤumen auf. Was mache ich hier! ſagte er mit ſchnell gewechſelter Stimmung. Hat die Vergangen⸗ heit ſolches Recht uͤber mein Empfinden? darf ſie es haben? Iſt das alles hier mehr, als Vermuthung Niemand! f ber ſind ſu athmet die l Die Mu zisa gleich ſog es durch nicht ertrage zur Thuͤr den So ſtie und ſchloß ſ gehend dem ſcch ſelbſt ſonderlich d war befang faͤhig. Da ne aufgefuͤhrt viel und laͤt war, mit Die Bergl Man begri iger Arm ge⸗ jede zu ſtehen, lichem Schtec Baden, und 7 Narr miren furück, wo ſe und beleuchtet ſumer. Hier! kdeſt Du hier Wiege nieder. uftuhr. Das n. Er verſank ire er ſo ſtzen imt die ſchoͤne Geigen und doch Einlaß ielend heran⸗ men auf. * mit ſchnell Vergangen⸗ inden? darf rmehr, als — 123— Vermuthung. Wer ſagt mir ob— Niemand!— Niemand! fuͤgte er fchnell hinzu. O die Graͤ— ber ſind ſtumm! Und keine lebendige Seele athmet die mir Antwort gebe. Die Muſik kam naͤher. Sie werden Fran⸗ ziska gleich jetzt in dieſem Augenblick ſehen! flog es durch ſeine Gedanken. Er konnte das nicht ertragen. Er war aufgeſprungen und flog zur Thuͤr dem Klange nach. So ſtieß er gerade zu der kleinen Bande und ſchloß ſich an ihr an, als ſie eben voruͤber— gehend dem Saale nahete. Jene waren mit ſich ſelbſt beſchaͤftigt und kuͤmmerten ſich nicht ſonderlich darum, woher er komme? Er ſelbſt war befangen und keiner rechten Vorſtellung faͤhig. Da nur einzelne Scenen des Trauerſpiels aufgefuͤhrt wurden, ſo ließen dieſe ſehr natuͤrlich viel und laͤngere Zwiſchenraͤume, die man froh war, mit etwas Anderm fuͤllen zu koͤnnen. Die Bergleute kamen daher jedem erwuͤnſcht. Man begruͤßte ſie von allen Seiten, und goͤnnte — 124— ihnen Raum, an die Sitze der Zuſchauer vor⸗ bei, zu ihren Plaͤtzen zu gelangen. Wer aber iſt ider da? hoͤrte Bodo hinter ſich fluͤſtern. Der iſt ſchwerlich hier in den Bergen zu haus. Eine frappante, bizarre Ge⸗ ſtalt! entgegneten Andere leiſe. Aber ſchoͤn, und unglaublich intereßant! bemerkten die Erſtern. Die fluͤchtigen Aeußerungen gingen ihm, trotz ſeiner Zerſtreuung, wie Honig ein. Ja, er ſammelte ſich an ihnen, und war ſtolz und eitel genug, den Kopf nach denen umzuwenden, welche ſo eben miteinander geſprochen hatten. Es waren gleichguͤltige Geſichte., aber im⸗ mer Menſchengeſichter! Bodo entdeckte denn auch hier und da, unter den vorgehaltenen Glaͤſern, ein huͤbſches Auge, das ihn angeſtrengt fixirte. Er laͤchelte, und ließ es gern geſchehen. Jetzt ſaß er dem heruntergelaſſenem Vorhange gegenuͤber. Das Herz ſchlug ihm unwillkuͤrlich. Er druͤckte die Floͤte leiſe an die Lippen und hauchte irS ſtand. Da beſſer ging⸗ ten/ d vem begleiten Er metkſamkeit In dieſe lichkeit kühner jede Perlegenl alle Kraft, u in ſein Spiel ſtäͤndlichetes eine Weiſe, er nicht der ſchloß, waͤen von uͤberzeugt Er emy machte, und hoͤhen, als verkuͤndete, er Bodo endete niemand hin uſchauer vor⸗ Vodo hinter ier in den bijarre Ge⸗ lber ſchoͤn, weriten die Gingen ihn, ig ein. Ig, ar ſtolz und lumzuwenden, hen hatten. tee, aber im⸗ tdeckte denn orgehaltenen wangeſtrengt geſchehen. Vorhange nwillaͤrlich. Lippen und hauchte ihr Toͤne ein, die er ſelber nicht ver⸗ ſtand. Da es ſeinen Gefaͤhrten indeß nicht beſſer ging, und ſie nur bekannte Muſik ſpiel⸗ ten, ſo vermochten ſie ihn hier weiter nicht zu begleiten. Er zog daher auf's neue die Auf⸗ merkſamkeit ausſchließend auf ſich. In dieſem Gefuͤhl, durch die Eigenthuͤm⸗ lichkeit kuͤhner, zuverſichtlicher Sinnesart uͤber jede Verlegenheit hinaus, legte er alles Gefuͤhl, alle Kraft, und ſo viel Geſchick er nun beſaß, in ſein Spiel. Sehr bald ging er auf ein ver⸗ ſtaͤndlicheres Thema uͤber, und vereinte das auf eine Weiſe, die allein ſchon gezeigt haͤtte, daß er nicht der Zunft angehoͤre, der er ſich an⸗ ſchloß, waͤren die Meiſten nicht ſchon fruͤher da⸗ von uͤberzeugt geweſen. Er empfand den Eindruck, welchen er machte, und gefiel ſich darin, ihn noch zu er⸗ hoͤhen, als ein leiſes Wehen des Vorhanges verkuͤndete, er werde ſogleich aufgezogen werden. Bodo endete ſchnell. Er war aufgeſtanden, und niemand hindernd, druͤckte er ſich, in ſeiner - 126— ſchlanken Biegſamkeit, dicht an den Rand der Couliſſe. Gegen ihn uͤber trat Schottlands Koͤnigin mit ihrer treuen Hanna aus gruͤnem Baumgeflecht hervor. Sie war ſchwarz, ganz im Coſtuͤme gekleidet. Die lieblichſte Geſtalt, das reinſte Ebenmaaß der Glieder, ein Geſicht⸗ chen, ſo kindlich faſt, ſo weich und zaͤrtlich, und doch ſo ernſt, und auf der Stirn der leiſe Zug von Eigenſinn, Stolz und Lebensverachtung. Wie ſie die Augen zu den Wolken aufhob, glaubte man den Wiederſchein des Himmels darin zu ſehen. Ein leiſes Gefluͤſter, halbe Aus⸗ rufungen, all' die Unruhe und jenes geheimniß⸗ volle Wehen warmer, zaͤrtlicher Ruͤhrung, was unwillkuͤrlich bei wachſender Theilnahme durch eine Verſammlung geht, ſagte hinlaͤnglich, welche Gewalt Franziska uͤber die Gemuͤther uͤbe. Bodo ſtand unbeweglich. Er ſah noch mit eritiſchem Blick, der ſich ſelbſt genug zu thun ſtrebt. Als ſie aber mit bebender Stimme die er⸗ ſten Worte ſprach, und die volle Seele einer freiheitsathmenden koͤniglichen Gefangenen aus üren begeitt nig meht. 6 1 Bin Hält ſie m Laß mich Trinken d Wie viel ſeiner Bruſt a then Kammer ſellige, die Bild jener( auſammen, ſi Erſcheinung ſt Wie er n begleitete er Die heiße Kl „SIch bin g ſchien dieſet ie Lauten zu er Riemand vei den Nand ur Scottlands aus grüͤnem chuan, unnd ichſte Geſtal, in Geſich⸗ und rtich, kirn der leiſe nsverachtung. olken aufhob, des Himmels t, halbe Aus⸗ les geheimniß⸗ ſüͤhrung, nas nahme durch hinlaͤnglic, je Gemuͤther Er ſah noch öſt genug zu imme die er⸗ Seele einer angenen aus — 127— ihren begeiſterten Mienen ſprach, dachte er we⸗ nig mehr. Er hoͤrte nur die Worte: „Bin ich dem finſtern Gefaͤngniß ent⸗ ſtiegen, Haͤlt ſie mich nicht mehr die traurige Gruft? Laß mich in vollen, in durſtigen Zuͤgen Trinken die freie, die himmliſche Luft.“ Wie viel Saiten ſchlugen nicht zugleich in ſeiner Bruſt an! Er war wieder nach den ro⸗ then Kammern verſetzt. Er ſah die Ungluͤck⸗ ſeelige, die Vorſtellungen vermengten ſich, das Bild jener Gefangenen und Franziska's floß zuſammen, ſie ward die ruͤhrendſte, die liebſte Erſcheinung fuͤr ihn, der er je begegnete. Wie er nie empfuuden, wie er nie gedacht, begleitete er jetzt den Monolog mit der Floͤte. Die heiße Klage: „Ich bin gefangen, ich bin in Banden!“ ſchien dieſer in den beweglichſten, zerreißendſten Lauten zu entquillen. Alles war in Thraͤnen. Niemand vermochte ſelbſt ſeine Bewunderung — 128— auszudruͤcken, man hauchte ſie ſchluchzend dem Spiel der reizenden Frau und dem unbekannten † Virtuoſen zu. Dieſer bezog nichts von dem Allem auf ſich. Wie haͤtte er es auch geſollt? da er ſich ſo wenig rhehr angehoͤrte. Unter den wechſeln⸗ ſten Gefuͤhlen ſah er gleich darauf, die Scene zwiſchen Eliſabeth und Marie, ihren anſchwel⸗ lenden. drohenden Gang nehmen. Die ſchroffe, kalte Frau empoͤrte ſein Inneres. Lucie duͤnkte ihm unertraͤglich, ihre Bewegungen hoͤlzern, Ton und Mienen üuͤbertrieben. Er haͤtte ſie er⸗ — wuͤrgen moͤgen, als die knieende Marie ſo ganz zernichtend flehete: „Laßt mich nicht ſchmachvoll liegen, Eure Hand Streckt aus, reicht mir die koͤnigliche Rechte, Mich zu erheben von dem tiefen Fall.“ 3 und ihr jene die empoͤrenden Worte zuruͤckgab: „Ihr ſeid an Eurem Platz, Lady Maria! Und dankend preis ich meines Gottes Gnade, Der nicht gewollt, daß ich zu Euren Fuͤßen Das So liegen ſollte, wie Ihr jetzt zu meinen.“ Das Kraͤ Das Maaß D Mahnung al jene ſoneri „Es luſt zu werde Wie Euke Da heht die in Nenſchich iſt Franziska auf ihrige hinuͤber bewaffnen.. jedel. Wie het/ wie gern häͤt Es aͤrgerte ih ſehen. Doch tml tritt und die Daviſon das Marias Abſ Talt, wurden II. ſcluchzend dem ſem undkannten em Allem auf 7 da er ſich den wechſeln⸗ f, de Scene jhren anſchwel⸗ Die ſchroff, Lucie daͤnkte ugen hoͤlzern, 5 haͤtte ſie er⸗ Narie ſo gan — liegen, Eure iigliche Rechte, efen Fall.“ tte zuruͤckgab: Lady Maria! GSottes Gnade, Euren Fuͤßen zu meinen.“ Das — 129— Das Kraͤnkendſte kam bald darauf hinzu. Das Maaß war voll, und auf die entſetzliche Mahnung an ihr unheilbringendes Geſchick, jene ſchmerzliche Erinnerung: „Es luͤſtet keinem Euer— vierter Mann Zu werden, denn Ihr toͤdtet Eure Freier, Wie Eure Maͤnner!“ Da hebt die in den Staub Getretene das Haupt. Menſchlich iſt was ſie ſpricht, und hoͤrt nun Franziska auf, weichgeſchaffene Seelen in die ihrige hinuͤber zu ziehen, ſo ſchien ſie Arme zu bewaffnen. Ihre Schmach zu raͤchen brannte jeder. Wie verſtand Bodo jetzt den Mortimer! wie gern haͤtte er ſelbſt dieſe Rolle geſpielt. Es aͤrgerte ihn im voraus, ſie von Werner zu ſehen. Doch mußte er es. Denn nur dieſer Auf⸗ tritt und die letztern in welcher Eliſabeth dem Daviſon das Bluturtheil uͤbergiebt, und ſpaͤter, Marias Abſchied vom Lord Leeſter und der Welt, wurden noch gegeben. II. 191 — 130— Ein ſeltſames Gemiſch der heftigſten, ſte⸗ chenſten Gefuͤhle und der gluͤhenſten Begeiſte⸗ rung bemaͤchtigte ſich Bodos, als Werner wild, ungeſtuͤm, ja ſicher ſeiner Beute, die drohenden Worte ſagte: „Was iſt alles Leben gegen Dich Und meine Liebe! Mag der Welten Band Sich loͤſen, eine zweite Waſſerfluth Herwogend alles athmende verſchlingen! Ich achte nichts mehr! Ehe ich Dir entſage, Ehe nahe ſich das Ende aller Tage.“ Und dann ſpaͤter: ”„Das Leben iſt Nur ein Moment, der Tod iſt auch nur 1 einer! — Man ſchleife mich nach Tyburn, Glied fuͤr Glied Zerreiſſe man mit gluͤh'nder Eiſenzange, Wenn ich Dich, Heißgeliebte, umfange.“— Das augenblickliche Verhaͤltniß zwiſchen beiden ſpielenden Perſonen hatte etwas unbe⸗ 4 ſchreiblich Peinliches fuͤr Bodo. Werner ſprach, ſtand, bewegte ſich, ſahe aus wie Einer der nich eiſ ei Geflhlen n ſchreckende auf Blick! Glut in ih „Nicj dich Du ha Und je „Exz Es Graf an beftiten, ſe⸗ nſten Degeiſe, Werner wild, die drohenden Dich Welten Band ſerfluth erſchlingen! Dir entſage, Tage.“ d iſt auch nur yburn, Glied Eiſenzange, umfange.— niß dwiſchen etwas unbe⸗ Perner ſprach, wie Einer der r — 131— nicht erſt einem Fremden die Worte zu ſeinen Gefuͤhlen abzulernen brauchte. Es lag eine er⸗ ſchreckende Wahrheit in ſeinem Spiel. Bis auf Blick und Mienen war alles vermeſſene Gluth in ihm. Und ſo vergaß man voͤllig, daß ein Andrer, als er, die frechen Worte ſprach: „Nicht kalter Strenge klagt die Welt Dich an, Dich kann die heiße Liebesbitte ruͤhren, Du haſt den Saͤnger Rizzio begluͤckt, Und jener Bothwall durfte Dich entfuͤhren.“ —„Er war nur Dein Tyrann! Du zitterſt vor ihm, da Du ihn liebteſt! Wenn nur der Schrecken Dich gewinnen kann, Beim Gott der Hoͤlle.“ „Erzittern ſollſt Du auch vor mir!“ Es war unverkennbar, welchen Antheil der Graf an dem nahm, was er ſah und hoͤrte. *⁴ — 132— Ruͤckſichtslos bog er ſich mehr und mehr nach dem Theater hinuͤber. Sein flammendes Auge begleitete jede Bewegung des Raſenden. Es ſchien, als werde er in der naͤchſten Secunde der bedrohten Koͤnigin zu Huͤlfe eilen; und als dieſe zitternd mit allen Zeichen des Entſetzens ausrief: „Zu welchen Heiligen ſoll ich mich wenden? „Hier iſt Gewalt, und drinnen iſt der Mord.“ machte Bodo eine ſo raſche Bewegung, daß er ſelbſt davor erſchrak, und nur ſchnell, jede wei⸗ tere Unvorſichtigkeit vermeidend, ſeinen Stuhl wieder aufſuchte, ſich niederließ, und mit den Noten zu dem Zwiſchenſpiele beſchaͤftig ſchien. Dies rettete ihn endlich von der Qual, in der ihn Franziska's ſcheuer, bittender Blick, und Werners Kuͤhnheit gefangen hielt. Er konnte es ſich nicht leugnen, die tief empfun⸗ dene Leidenſchaft, das Coſtuͤme, das hoͤhere Roth, es verſchoͤnte den Freund nur allzu ſehr. Er liebt ſie! ſagte er ſich mißvergnuͤgt. Er liebt vielleicht nicht ungluͤcklich! Beſchwigtigt en ſt ſe nur bitt vot der e ſtet ſie ſei n los un- von ih beſonnen/ jemand auf: Ohr fluͤſterte: wüßteſt! Bodo ſah Wernet. Bil dnß Du hier Dich auf den Du aber wit Uns belauſch Es kom Dich beſſer d empfindlich. Sei w ſchnell erratl als die paar Uebrigens fre riſſen, ſo finden. Es nd mehr nach lnnendes Auge aſenden. gs Hſten San ilen; Und als des Entſetzens nnich venden? innen iſt der Pung, daß er nell, jede wei ſeinen Stuhl und mit den haſtig ſchien. der Qual, in tender Blic, en hielt. Er tief empfun⸗ das hoͤhete ur allzu ſehr. vergnuͤgt. Er Beſchwigtigt —-— 133— ſie nur bittend den Allzudreiſten? Will ſie ihn vor der Welt in Schranken halten? Oder aͤng⸗ ſtet ſie ſein duͤſtres Feuer? Moͤchte ſie lieber von ihm los ſein? Wuͤßte ich das! rief er un⸗ beſonnen, und fuhr unwillkuͤrlich auf, als ihn jemand auf die Schulter klopfte und in ſein Ohr fluͤſterte: Was thaͤteſt Du, wenn Du es wuͤßteſt? Bodo ſah ſchnell nach jenem um. Es war Werner. Bilde Dir nicht ein, lachte dieſer, daß Du hier unerkannt biſt. Franziska hat Dich auf den erſten Blick entdeckt. Was willſt Du aber mit der abentheuerlichen Mummerei? Uns belauſchen? Es kommt mir vor, als verſtuͤndeſt Du Dich öeſſer darauf, als ich, entgegnete Bodo empfindlich. Sei unbeſorgt, laͤchelte der Andre, ihn ſchnell errathend. Ich kam zu ſpaͤt, um mehr, als die paar loſe entfallene Worte aufzufangen. Uebrigens freuet es mich, Dich ſo ganz hinge⸗ riſſen, ſo benommen und voͤllig unbewacht zu finden. Es beweiſt allein ſchon, wie ſehr Du — 134— innerlich getroffen biſt. Franziska wird entzuͤckt ſein uͤber dieſe gluͤckliche Dispoſition zum Ver⸗ lieben! Bodo wandte ſich aͤrgerlich ab. Die ſchoͤne Frau, fuhr jener fort, wird fuͤr's Erſte nicht wieder erſcheinen, das Spiel hat ſie außeror⸗ dentlich angegriffen. Die letzte Scene wird auch theils deshalb, theils aus dem Grunde nicht ge— geben, weil der allzutragiſche Ernſt doch nicht in die geſellige Luſt paſſen will, und man am Ende nichts dabei hat, als ſich einen Abend lang durch alle Stufen des Entſetzens und der Erſchuͤtterung hindurch zu hetzen. Nichts dabei hat? unterbrach ihn Bodo. Was heißt das? Ich verſtehe uͤberhaupt von Eurem Spiele wenig, wenn Ihr noch etwas Anderes damit wollt, als Sinn und Gedanken in das fluͤchtige Beiſammenſein bringen. Werner ſah ihn betrachtend an, indem er ſagte: Du biſt ja heute ſehr ſcharf und ernſt. Mache, daß Du den fremden Putz wegwirfſt, ich finde Dich darin nicht wieder. Was dachteſt Du uͤberall dabei? lachte er ironiſch, Du konnteſt es ja bequemet b Du hierher 1 eerhaltung ſi ſo weni als Du hätteſt ni einzurennen uü Bahn d ma Man iſ der Graf geſt der Ihr mich Ohten der D kang ihr, d daͤnger zu b thenblaͤtter; einander, A geudlickich d Sa machſt nur üͤbereiſt aus raſche Vat er ſchlau hi daß ihr der 4 ſſe außeryr Reene wird auch runde nicht ge⸗ tuſt doch nicht und man am heinen Abend ſetzens und der kach ihn Bodo, überhaupt von ſe noch etuas und Gedanken dringen. an, indem er zarf und ernſt. dutz wegwirfſt „Was dachteſt Du konnteſt es 135— ja bequemer haben. Nichts natuͤrlicher, als daß Du hierher kamſt, wie alle Leute, die hier Un⸗ terhaltung ſuchen. Dir waͤre die Thuͤr dann ſo wenig als ihnen verſchloſſen geweſen, und Du haͤtteſt nicht noͤthig gehabt, erſt die Fenſter einzurennen und Dir durch einen Coup d'εlat Bahn zu machen. Man iſt ja ſehr eilig geweſen, erwiederte der Graf geſpannt, eine Unvorſichtigkeit, vor der Ihr mich erroͤthen laſſen wollt, zu den Ohren der Dame des Hauſes zu tragen. Ich kann ihr, wie Dir die Muͤhe ſpaaren, mich laͤnger zu beſchaͤmen! Er rollte heftig die No⸗ thenblaͤtter zuſammen, ſchraubte die Floͤthe aus⸗ einander, und ſchien geſonnen, den Saal au⸗ genblicklich zu verlaſſen. Sei kein Thor! fluͤſterte Werner. Du machſt nur neues Aufſehen und ſetzt Dich ſehr uͤbereilt aus dem Vortheil, zu welchem Dir die raſche That verhalf. Denkſt Du wirklich, ſetzte er ſchlau hinzu, Franziska ſei ſo wenig Weib, daß ihr der Ungeſtuͤm nicht ſchmeichle? — 136— Du biſt ja noch ganz in Deiner Rolle! be⸗ merkte Bodo mit raſchem, ſtechendem Sei⸗ tenblick. Verdrießt Dich das? fragte jener. Ha ha! lachte er triumphirend, habe ich Dich? Aber komm nur, komm! Wir wollen beide die Masken abwerfen und in buͤrgerlicher Ordnung buͤrgerlich und verſtaͤndlich miteinander reden. Wahrhaftig, Bodo, ſei Du wieder Du ſelbſt. Es kleidet Dich zum beſten und ich kann Dir ſagen, Du haſt auch niemand durch all den Plunder irre gemacht, man wußte doch, wer darunter ſteckt, und weßhalb? Weshalb? weshalb? wiederholte der Graf auffahrend. Nun mein Gott war die Antwort, Comoͤdie zu ſpielen wie wir Alle. Was iſt das weiter. Jetzt iſt das Spiel am Ende, laß es dabei, und komm mit mir auf mein Zimmer. Wir kleiden uns um, und Graf Bodo erfuͤllt nur die Erwartungen, welche der wandernde Floͤtenſpieler zu erwecken verſtand. Ich kann mich nicht umkleiden, entgegnete jener trocken. Ich kam durch einen Zufall, ich berſchte 7 und ſtehe⸗ Nun, 1 ch fraue m aushelfen zu auch, fuhr— Hinausgehen nuͤhe Müͤhe ſaben? Bodo zü geſtelt ſein. Säit di wußte ich, warſt und! teſt Du wl Franziska u ner. Mein wenig wie treuloſe Gal kurtzer Shal Das ganze deiner Roll 3 ſacſendem Sii⸗ ote jener. 9 hade ich Dich! wollen beide e die rlicher Orduung einander reden. jeder S Du ſelbſt. und ich kann mand durch all àn wußte doch, 167 rholte der Graf ar die Antwott, Was iſt das Ende, laß es mein Zimmer. af Bodo erfuͤllt der wandernde d. 4 den, entgegnete znen Zufall, ich — 137— verſichre Dich hierher. Ich bin wie ich gehe und ſtehe. Nun, das aͤndert weiter nichts, meinte Werner, wir ſind ziemlich von einer Taille. Ich freue mich auch einmal Deinem Mangel aushelfen zu koͤnnen. Aber geſtehe mir nun auch, fuhr er ihn unter den Arm faſſend, im Hinausgehen fort, Du konnteſt Dir viel un⸗ nuͤtze Muͤhe ſparen, und die Sache bequemer haben? Bodo zuckte die Achſeln und ließ es dahin geſtellt ſein. Seit dieſem Morgen, fuhr der Andre fort, wußte ich, daß Du im Staͤdchen unten geweſen warſt und bei den Bergleuten uͤbernachtet hat⸗ teſt. Du wußteſt? fragte Bodo. Ich, und Franziska und mehrere unter uns, lachte Wer⸗ ner. Mein Himmel, fuhr er fort, ich ſo wenig wie Du konnte es laſſen die kleine, treuloſe Gabriele ein wenig zu quaͤlen. Ein kurtzer Spatziergang brachte mich heute zu ihr. Das ganze Haus war im Aufruhr. Man ſprach — 1398— nur von Deinem Dortſein, und ſahe Dich, als den Urheber all des Laͤrmes an, den Claus in den Straßen verfuͤhrte. Du warſt mit ihm gekommen, der ſonſt ſtille, beſchiedene Burſche zeigte ſich ploͤtlich wild und roh. Die Mutter voll Grimm, ſchwoͤrt darauf, er ſei von Dir aufgehetzt und zu dem beleidigendem Auftritt bewogen worden. Gabriele weint aufs neue. Ihr Herz, ſagt der junge Ehemann, ſei wie umgewendet ſeit ſie Dich in ihrer Naͤhe weiß. Er ſchwoͤrt Dir wohl im Herzen Rache. Die Alte ſchuͤrt das Feuer. Deßhalb huͤte Dich, in ſo herausfodernder Verkleidung umherzuziehen. Solche Menſchen haben ihren Anhang und Du biſt vor ihnen nicht ſicher. Nichts Widrigeres auf der Welt, als in einer hellen hellen, begeiſterten Stimmung durch das ganz Gemeine an die Plackereien des Da⸗ ſeins erinnert zu werden. Laͤcherlich! rief Bodo, kaum ſeines Unwillens Meiſter. So laͤppiſcher Gaſſenbuben⸗Streiche haͤlt man mich faͤhig! Und Franziska theilt die ſaubere Meinung? Ich muß geſtehen, ſetzte er hinzu, ohne die Antwokt abi in dies Hau tragen/ die laͤufer meine eingebidete er bitter, 1 ſchaft mag men, und rüͤhre, dis ſahen ſo kön Peiſe in den wuͤrde Bodo! Werner. 2 Kleinigkeit Ach laß ſtoͤrt und er dern Zimm hier wird! Inder Ort jenigen zu dieſe von h habe kein, ſahe Dich ), als 1 den Claus in warſt mit ijm ſchi 3 iedene Burſche . Die Mutter er ſei von Dir Zendem Auftritt ſeint aufs netze mann, ſei wie ter Naͤhe weiß. tn Rache. Die huͤte Dich, in umherzuzichen. en Anhang und Welt, als in dvtimmung durch kereien des Da⸗ rlich! rief Bodo, Go laͤppiſcher n wich faͤhig! dere Meinung! nzu, ohne die — 139— Antwort abzuwarten, ich feiere meinen Eintritt in dies Haus glaͤnzend! Man hat Sorge ge⸗ tragen, die fratzenhafteſten Geruͤchte als Vor⸗ laͤufer meiner Ankunft vorauszuſchicken. Die eingebildete Thoͤrin unten in der Dohle, lachte er bitter, mitſamt ihrer unertraͤglichen Sipp⸗ ſchaft mag ſich uͤbrigens vor mir in Acht neh⸗ men, und wenn ich auch ſicher keinen Fuß ruͤhre, das verblaßte Laͤrvchen noch einmal zu ſehen, ſo koͤnnte ich ihnen doch einmal auf eine Weiſe in den Weg treten, die ſie uͤberraſchen wuͤrde. Bodo! Bodo! warnte hier der erſtaunte Werner. Wie ſetzt Dich denn die miſerable Kleinigkeit ſo ganz außer Dir. Ach laß mich! entgegnete jener, ſich ver⸗ ſtoͤrt und erſchoͤpft auf einen Seſſel in des An⸗ dern Zimmer werfend. Ich merke es ſchon, hier wird mir alles ſchief und verquer gehen. Jeder Ort hat ſeine eigenthuͤmliche Art auf die⸗ jenigen zu wirken, die ihm nahen. Und wie ſich dieſe von hauſe aus geſtaltet, ſo bleibt ſie. Ich habe kein Gluͤck hier, das ſollſt Du ſehen. Ich 7 140— kann es auch gar nicht haben! rief er, die Au⸗ gen mit der Hand bedeckend. Werner ſah ihn verwundert an. Sage mir nur, bat er, indem er vor ihm ſtehen blieb, die Augen faſt betruͤbt auf ihn geheftet, was iſt aus Dir geworden, Bodo? Sind das die Fruͤchte Deiner einſamen Gruͤbeleien? Macht das Leben, in eignen Anſchauungen zugebracht, ſo reiz⸗ bar, ſo verletzlich, ſo hypochonderiſch grillenhaft? Erſchrak mich ſchon Dein Brief, wie viel mehr Du ſelbſt! Ums Himmel Willen! reiße Dich aus dem Wuſt heraus, und ſtelle Dich anders, freier, geſammelter zu den Menſchen. So kommſt Du nicht mit ihnen, nicht mit Dir ſelber aus. So? meinſt Du? entgegnete jener kalt. Ja, das glaube ich wohl. Aber wahrhaftig, Werner, es gehoͤrt auch viel dazu! Er ſprang hier vom Stuhle auf. Daß ich ein Narr waͤre, rief er ungeduldig, Dir lange noch Herzensergießungen hier zu machen! Komm! komm! hilf mir von hier fort. Ich mag den Neugierigen nicht laͤnger zur Schau ſehen/ und Stimmung⸗ Frau zu ſ Hohentid b mich in eine ſchoſen iſ ten wetde. Du biſt zu ettragen, ter zuicha nicht ubel,“ wohl nichts Schritte zu umwenden Du hierdur zu ſchauen. wundern, zuvortheilh Das l bemerkte de weniger in iſt doch ei wicht! dert an. Oage ijm ſtehen bi ti, heſte, was Sind das die eien? Macht das loebtacht, d n eiz⸗ fiſch grillenhaft wie viel mehr ſen! re iße Dich le Dich) anders, Menſchen. So nicht mit Dir nete jener kalt. der wahrhaftig u! auf. Daß ich àg, Dir lange zu machen! hier fort. Ich gger zur Schau rief.. i 4. die Au, — 141— ſtehen, und bin jetzt noch weniger in der Stimmung, der ECitelkeit einer eigenſinnigen Frau zu ſchmeicheln. Ich will zuruͤck nach Hohenried. Es iſt ohnehin unſchicklich, daß ich mich in einen Kreis draͤnge, der in ſich ge⸗ ſchloſſen iſt, zu dem ich nicht gehoͤre, nie gehoͤ⸗ ren werde. Du biſt nicht in der Laune, Wiederſpruch zu ertragen, wandte ſein Freund mit moͤglich⸗ ſter Zuruͤckhaltung, ein. Indeß, nimm mir es nicht uͤbel, Lieber, Auffallenderes koͤnnteſt Du wohl nichts thun, als nach dem erſten, kuͤhnen Schritte zu gegenſeitiger Bekanntſchaft ploͤtzlich umwenden und denen den Ruͤcken kehren, die Du hierdurch nicht werth erklaͤrſt, ſie ins Auge zu ſchauen. Mindeſtens darfſt Du Dich nicht wundern, wenn ſolches Betragen eben nicht all⸗ zuvortheilhaft beurtheilt wird. Das Urtheil ſcheint mir im voraus gefaͤllt, bemerkte der Graf. Ein Koͤrnchen mehr oder weniger in der Wageſchale thut weiter nichts, iſt doch einmal die Zunge aus dem Gleichge⸗ wicht! — 142— Dies Mißtrauen, und daß Du die Dinge ſo hoch nimmſt, uͤber die Du ſonſt lachend hin⸗ fuhrſt, klagte Werner, zeigen mehr, als alles von der Krankheit Deiner Phantaſie. Man muß Dir arg mitgeſpielt haben, armer Bodo, fuhr er, naͤher zu dieſem gewendet, fort, daß Dich's ſo angriff! Arg mitgeſpielt! wiederholte jener. Wahr⸗ haftig, ja! ich koͤnnte Dir wunderliche Ge⸗ ſchichten erzaͤhlen! Doch es iſt jetzt nicht der Augenblick danach, ſetzte er einlenkend hinzu. Doch! doch! bat Werner. Ich hoͤrte con⸗ fuſes Zeug uͤber einen Prozeß, den man gegen Dich fuͤhre, und daß die eignen naͤchſten Ver⸗ wandten Streit uͤber die legitime Geburt Dei⸗ ner Mutter anfuͤhren. Drauf wieder, alles ſei niedergeſchlagen. Der Fuͤrſt habe ſich in's Mittel gelegt. Man habe Dir das vaͤterliche Erbe nicht abſprechen koͤnnen; und wie es denn nie an Zuſaͤtzen und hineingemiſchten Fabeln fehlt, ſo wollte man Dich zu einem Abkoͤmmling des vorigen, mit dem verſtorbenen Herzoge er⸗ loſchenem, Regentenhauſes machen. Man wußte dabei iigenti ilte Geſhich aufs Veine Penn gelaſſen, ſo ſonders heite nen naturlic autgeſtoßen/ gelaſſen, du den gewohnl Gleichgewich Muttet nich niemals ein in meiner 1 hafte Umriſ ſchen, was was ich an in mir trag brenne, die zu befteien. und Verhaͤ reißen, un dA die Dinge nſt lachend hin⸗ mehr, als alles antaſſe, Man armer Bodo, adet, fort, daß e jener. Wahe⸗ underliche Ge⸗ ſt jetzt nicht der nkend hinzu. Ich horte con⸗ den man gegen in naͤchſten Ver⸗ ne Geburt Dei⸗ vieder, alles ſei habe ſich ins das vaͤterliche nd wie es denn iſchten Fabeln m Abkoͤmmling en Herzoge er⸗ n. Man wußte — 143— dabei eigentlich nicht wie? oder woher? klatſchte alte Geſchichten zuſammen und kam doch nicht auf's Reine. Wenn Du alles das weißt, ſagte Bodo gelaſſen, ſo wundert es mich, daß Du eben be⸗ ſonders heitere Laune bei mir ſuchſt. In ſei⸗ nen natuͤrlichen Rechten angegriffen, einer Seits ausgeſtoßen, von der andern in Ungewißheit gelaſſen, zu hoͤhern Anfoderungen verlockt, in den gewoͤhnlichen nicht befriedigt, wo ſoll das Gleichgewicht herkommen? Ich kannte meine Mutter nicht, fuhr er lebhafter fort, ich ſah niemals ein Bild von ihr, ich trage auch keins in meiner Phantaſie. Es ſind graue, geiſter⸗ hafte Umriſſe, die mich fluͤchtig uͤber das taͤu— ſchen, was ich vermiſſe, gleichwohl iſt alles, was ich an heißer, leidenſchaftlicher Kindesliebe in mir trage, ihrem Andenken zugewendet. Ich brenne, dies Andenken von kraͤnkenden Flecken zu befreien. Aus dem Dunkel, worin es Zeit und Verhaͤltniß huͤllten, moͤchte ich es heraus⸗ reißen, und da es unverſchaͤmte Dreiſtigkeit — 144— neuerlich erſchuͤttern und roh antaſten durfte, will ich es erheben und verherrlichen duͤrfen. Kannteſt Du nicht Deinen Vater, fragte Werner, ehrteſt Du ihn nicht? Und gnuͤgt Dir's, ſo wenig Dich an ihn, an ſeinen Na⸗ men aufzurichten, wenn Du andrer Seits auch unbefriedigt bleiben mußteſt? Ich kannte meinen Vaeer, entgegnete Bodo, ich ehrte ihn, und es koͤnnte mir genuͤ⸗ gen, mich an ſeinen Namen aufzurichten, wenn ich auch andrer Seits unbefriedigt bleiben muͤßte. Allein, Werner, ſo iſt der Menſch, ſo wenig⸗ ſtens iſt Dein Freund, er will, er verlangt nur nach dem Unerreichbaren. Die Mutter fehlte mir immer. Ich weinte oft Abends als kleiner Knabe um die Niegeſehene in meinem Bett. Alles, was mich an ſie unſichtbar knuͤpfte, die Luft ihrer Zimmer, der Stuhl, auf den ſie geſeſſen hatte, die Baͤume und Gaͤnge im Garten, welche ſie liebte, es zog mich an, es hielt mich und fuͤllte meine Seele mit traͤu⸗ meriſcher Sehnſucht. Anders ſtand ich zu mei⸗ nem Vater. Er war ein Greis. Der Knabe ſpielte pielte iu ſe dieſen die N leine, ſcelt Eifurſüchrlei niemals ohne heider Geſtal ſchoͤnen Ma welche auf etwas von 7 uf ſein ern derſtand, nich es verſtehen Tod ſo plit ich noch nic und wollte lobendige B Weſen, das ſi. Mir b Verlorne w hatte es ver Wie Werner. II. aſten durſte, ſeen daͤrfen. ater, fragte Und gnüͤgt ſeinen Na⸗ Seits auch entgeonete e mir genüͤ⸗ ſchten, wenn eiben muͤßte. h, ſo wenig⸗ verlangt nur Nutter fehlte 5 als kleiner einem Bett, dar knuͤpfte, I, auf den und Gaͤnge dg mich an, mit traͤu⸗ ich zu mei⸗ de Knabe ſſpielte — 145— ſpielte zu ſeinen Fuͤßen. An ſein Herz haͤtte dieſen die Mutter gelegt. Statt ihrer trat eine kleine, ſcheltende mißguͤnſtige Tante, mit kranker Eiferſuͤchtelei zwiſchen uns. Ich ſahe den Vater niemals ohne ſie. In meiner Vorſtellung floß beider Geſtalt zuſammen, und obgleich die des ſchoͤnen Mannes, zu der Edelſten gehoͤrte, welche auf dieſer Erde wallen, ſo flog doch etwas von der froſtig gelben Veronika hinuͤber, auf ſein ernſtes tiefes Weſen, das ich nicht verſtand, nicht verſtehen konnte! Ach ich haͤtte es verſtehen lernen, waͤre nicht der entſetzliche Tod ſo ploͤtzlich gekommen. Dieſen Feind kannte ich noch nicht. Ich ſchauderte vor ihm zuruͤck, und wollte es lange nicht glauben, daß jede lebendige Beziehung zwiſchen dem einzigem Weſen, das Theil an mir nahm, abgeſchnitten ſei. Mir blieb ein Stachel in der Seele. Das Verlorne war nicht wieder einzubringen. Ich hatte es verſaͤumt. Wie Du Dich quaͤlſt! unterbrach ihn Werner. Konnteſt Du denn die Kluft der II.[101 — 146— Jahre ausfuͤllen, oder dem kindiſchem Sinn fruͤhere Reife geben? Freilich nicht! ſeufzte Bodo. Allein, glaube mir, fuͤgte er hinzu, das Herz iſt oft nur unlenk⸗ ſam, weil es eigenſinnig das Mangelnde ver⸗ langt, und ein Gut, das ihm blieb, gering⸗ achtet. Ich war jetzt ganz arm. Mich druͤckte das zu Boden. Doch jedweder, der ſich erheben kann, thut es. Ich nahm meine Zufuucht erſt zu aͤrmlichen Zerſtreunngen, dann zu den Ide⸗ alen meiner Kindheit. Ich arbeitete in mir den Urſprung und das Geſchick meiner Mutter aus. In dem Sinne griff ich nach Allem. Der Arzt ſollte mir Auskunft geben. Er war es, der die Waiſe nach Hohenried brachte. Gleichwohl verſicherte er, nur ſo viel von ihr zu wiſſen, daß ſie aus einem Kloſter von der franzoͤſiſchen Graͤnze mit einer aͤltlichen Fuͤh⸗ rerin gekommen, und ihm, naͤchſt wichtigen Briefen fuͤr den Herzog, zugleich ein Empfeh⸗ lungsſchreiben an meinen Vater einhaͤndigte, welches Letzterer wohl in ſeiner vollen Bedeu⸗ tung moͤge verſtanden haben, da er ſelbſt es geweſen, der und auch l dieſem Enſ nun klat, menhang ge Schauder ſ innerung zi geriſſne V ters Al Du biſ meh ſtagte der Dit jay ei Weiter br auch hieril ſeine Won geſtehen, men des( bergen⸗ d ters Brie fand, welc wilden R Theils de gleichwoh 8= 147— iſchem Ei Sinn geweſen, der ihre Aufnahme im Schloſſe wollte, llein, ghunt und auch langſam daran arbeitet Veronika zu ftut ulen dieſem Entſchluß vorzubereiten. Hieraus war angelnde d nun klar, daß mein Vater den innern Zuſam⸗ ib, geir 1 menhang genau kannte. Und ſo viel mir die Rch vnr Schauder ſeiner letzten Lebensſtunde in der Er⸗ t ſch c le innerung zuruͤckließen, beſann ich mich auf ab⸗ A) echehen geriſſene Worte, deren Bedeutung ich erſt durch zuſlugt eiſ mehreres Andern zu ahnden anfing. zu den Ne Du biſt alſo der Wahrheit auf die Spur? fragte der Andere ſehr geſpannt. Ich ſage Dir ja, entgegnete Bodo, ich wage zu ahnden. itete in mir einer Mutter nach Allm. Weiter bringe ich es vielleicht niemals, doch ben. Er uar auch hierin findet ein Gemuͤth wie das meinige gried hrachte. ſeine Wonne wie ſeine Qual. Dir alles zu diel von ihr geſtehen, fuhr er mit jugendlichem Ueberſtroͤh⸗ oſter von der men des Gefuͤhles fort, will ich Dir nicht ver⸗ ltlichen Fäͤh⸗ bergen, daß ich in den Pappieren meines Va⸗ iſſt wichtigen ters Brieffragmente aus ſehr fruͤhen Jahren in Empfeh⸗ fand, welche zum Theil der Feder des heftigen, einhaͤndigte, wilden Ritter Bodo, ſeines Bruders, andern pollen Bedeu⸗ Theils der eines Unbekannten entfloſſen, welche er ſelbſt es gleichwohl Beide, ein und denſelben Gegenſtand — 148— behandeln, und zwar den Wahnſinn der un⸗ gluͤcklichen Prinzeß, die Liebe welche Beide fuͤr ſie hegten, die Erguͤſſe ſtechender Eiferſucht von Seiten meines Oheims, und die ſchwermuths⸗ volle Trauer jenes Andern, der auch mehr als einmal von dem Daſein und dem Fortbluͤhen eines Kindes ſpricht, deſſen Geſchlecht er durch den Namen Hedewig(denſelben welche meine Mutter trug) bezeichnet. Der heftig Redende hielt hier einige Se⸗ cunden inne. Werners Miene ſchien das Wei⸗ tere dringend herbeizurufen. Nun? ſagte er endlich, als Bodo immer noch ſchwieg. Nun? nahm dieſer das Wort wieder auf. Reime zuſammen, was Du mir fruͤher ſelbſt ſchriebſt, und frage Dich, ob ich in dieſen Mauern nicht den Aufſchluß meines truͤben Fa⸗ miliengeheimniſſes ſuchen ſoll? Urtheile dann, Lieber, welchen Eindruck ihr Anblick auf mich macht! wie mich die Luft hier beklemmt und verwirrt, was ich empfand, als ich jene Zim⸗ mer zuerſt betrat. Welche? unterbrach ihn Werner. Die ro ter ſee nann Dorthi erſtaunt⸗ J iinem Sunt einlaſſen. ihn, Frand u erfuͤllen. Du es an, Gar nie hat es wir, zummet hie Angeb⸗ die Antwor ſie ihmm rei mir zu dien bexeit. We ſtaunen zu hinein ſagt Frau Graͤft in den Sa Frand nen zu let iſinn der dn⸗ che Beide füͤr Eiſerſucht von ſchwermuths, uch mehr als en ortöllhen lecht er durch welche meine teinige Se⸗ ien das Wei⸗ n! ſagte er wieg. t wieder auf. fruͤher ſelbſ ch in dieſen s truͤben Fa⸗ lrtheile dann, lick auf mich kklemmt und ch jene Zim⸗ er. — 149— Die rothen Kammern, wie mein alter Fuͤh⸗ rer ſie nannte, entgegnete der Graf. Dorthin fuͤhrte er Dich? rief der Andere erſtaunt. Nun, bei'm Himmel! Das geht mit einem Wunder zu; Niemand will er dort hin— einlaſſen. Nicht Bitten, nicht Gold vermochten ihn, Franziska's ſtets dahingerichteten Wunſch zu erfuͤllen. Wie, ich beſchwoͤre Dich, fingſt Du es an, ihn zu erweichen? Gar nicht fing ich's an, lachte Bodo. Er hat es mir angeboten. Ich wußte viel, wie die Zimmer hier heißen. Angeboten? wiederholte Werner. Ja, war die Antwort, und er kuͤßte mir die Hand, als ich ſie ihm reichte, und machte, im großen Eifer, mir zu dienen, ſogleich alles zu unſerm Umgange bereit. Werner kam noch nicht von ſeinem Er⸗ ſtaunen zuruͤck, als ein Bedienter in die Thuͤr hinein ſagte: die Abendtafel ſei bereit. Die Frau Graͤfin laſſe die Herren erſuchen, zu ihr in den Saal zu kommen. Franziska brennt vor Verlangen, Dich ken⸗ nen zu lernen! verſichert Werner. Laß ſie nicht — 150— warten, ſetzte er neckend hinzu! Er half nun ſelbſt, den Ueberraſchten ſchmuͤcken und anklei— den, und fuͤhrte ihn, in einer Art Triumph, der Dienerſchaft voruͤber, in die glaͤnzende Zimmer— reihe, wo die ſchoͤne Frau ſie empfing. Fuͤnftes Kapitel. Ritter Edwin an Luzie. Verzeihen Sie mir, ſchoͤne Freundin, wenn b ich Sie diesmal eines kleinen Eigenſinnes an⸗ klage. Sie wollten uns demuͤthigen. Ihre Ruͤckkehr in die Reſidenz ſollte den Zuruͤckblei— benden ſagen, daß Sie dort mehr und beſſeres anzutreffen gewiß ſeien, als jene ihnen bieten koͤnnen. In einer Art Triumph uͤber die Schloßgeſellſchaft verließen ſie dieſe. Sie wa⸗ ren ſich bewußt, von dem Glanze einer Rolle umfloſſen zu ſein, die Sie mit dem entſchieden⸗ ſen Crſig ſilze/ ſtrer was ſo ſeh Kreiſen zun men, als i Schoͤn ſollte Ihne einmal bei truu bleibe lleberläͤufet gedraͤngt 0 und Ihne ſollte. Es⸗g votzuͤglich Hälte Lee bischen h hingegan Sie von weite nen aus, In) boͤſe gen eundin, wenn wgenſinnes an⸗ higen. Ihre en Zuruͤckblei⸗ r und beſſeres ihnen bieten hh uͤber die ſe. Sie wa— e einer Rolle entſchieden⸗ ſtolze, ſtrenge, gebietende Koͤnigia! dies Bild, was ſo ſehr das Ihre iſt, wollten Sie in den Kreiſen zuruͤcklaſſen, die Sie mehr zu beſchaͤ⸗ men, als zu verſchoͤnen trachteten. Schoͤne Luzie, habe ich Sie errathen? Ich ſollte Ihnen nun billig den Krieg erklaͤren, und einmal bei meiner Fahne geſchworen, ihr auch treu bleiben. Allein Sie kennen mich ſchon als Ueberlaͤufer, und laſſen es geſchehen, wenn ich, gedraͤngt oder verletzt, zu Ihren Fuͤßen fluͤchte, und Ihnen ein wenig mehr bekenne, als ich ſollte. Es giebt nichts Verzeihenderes, als Frauen, vorzuͤglich, wenn man Andre bei Ihnen anklagt. Haͤtte Leeſter die ungluͤckliche Koͤnigin nicht ein bischen hinrichten helfen, ihm waͤre es nicht ſo hingegangen, ſie ſchoͤn gefunden zu haben. Sie ſehen mich ohne Zweifel hier ſchon von weitem kommen. Franziska liefre ich Ih⸗ nen aus, und uͤbergebe ſie Ihren Haͤnden! Ja, ſo etwas iſt dran, wenn auch nicht ſo boͤſe gemeint, als es das Anſehen hat. Wahr⸗ ſten Erfolge durchfuͤhrten. Noch waren Sie die — 152— haftig, gnaͤdige Frau, dieſer Bodo hat die Un⸗ begreifliche in ſeinen Banden, haͤlt ſie, und wird ſie halten, bis er ſie loslaͤßt. Und ſoll ich noch mehr hinzufuͤgen? ſeinetwegen, ſeinetwegen al⸗ lein geſchieht's, daß wir hier oben einfroren, daß all' der Saus und Braus in das Thal hinunterſchallen, ihn aufmerkſam machen, hie⸗ her ziehen und ſeiner phantastiſchen Sonder⸗ lingsnatur zuſagen ſollte. Aber von der Seite wenigſtens war die Berechnung falſch. Seit er hier iſt, hat das Spiel ein Ende. Ihn ermuͤdet leicht etwas. Zumeiſt ſolch aͤußeres Treiben. Muſik wird nun gemacht, und dann geleſen, ewig lange Ge⸗ dichte, die Meiſterſtuͤcke der neuen deutſchen Litteratur. Wie Sie wiſſen, halte ich von dieſer eben nicht viel. Ueberhaupt bin ich mehr fuͤr das Leben, als fuͤr das Leſen. Aber wer es anzu⸗ fangen weiß, der findet auch bei dem Unterhal⸗ tung, was ihm nicht zuſagt. Ich verſichere Sie, wenn ich ſo in meinem Winkel am Ka— mine ab und zu uͤber das melancoliſche Saͤu⸗ ſeln der Sti den begeiſte wache/ Ann⸗ giſchick zwie Bewunderun den/ Eliſe, traͤumeriſch Göttlich! d Hand die zih dem feinen, beln, Frang in die Ecke geublick in fäͤhtt, dab Hand legte mal uͤberliet zu kommen ſie und der Ironie bele keinem The ſchicktaſten dies Perſe Es le die Un⸗ ſie, und wird d ſol einetw hat ich noch egen al⸗ en einftoren, in das 82 hal machen, hie⸗ ſchen Sonder⸗ ens war die ſ, hat das leicht etwas. ſik wird nun nig lange Ge— jen deutſchen dieſer eben ehr fuͤr das ver es anzu⸗ m Unterhal⸗ ch verſichere akel am Ka⸗ dliſche Saͤu⸗ — 153— ſeln der Stimmen einſchlafe, und ploͤtzlich von den begeiſterten Ausrufungen der Frauen auf⸗ wache, Anna ſich im Lobe uͤberbietet, und Bodo geſchickt zwingt, durch die gleiche Beziehung der Bewunderung auf ſie zu hoͤren, mit ihr zu re⸗ den, Eliſe, die Augen zum Himmel hebend, traͤumeriſch daſitzt, nichts ſagt, als hoͤchſtens: Goͤttlich! dann zum Clavier tritt, mit einer Hand die zierlichen Rouladen begleitet, die aus dem feinen, ſeitwaͤrts gebogenen Haͤlschen wir⸗ beln, Franziska, in ihrem Shawl gewickelt, in die Ecke des Sophas geſchmiegt einen Au— genblick in ſich ſelbſt verſinkt, drauf in die Hoͤhe faͤhrt, das Buch, welches Bodo eben aus der Hand legte, ergreift, die Stellen alle noch ein⸗ mal uͤberlieſt, uͤber die ſie im Innern nicht weg zu kommen weiß, und Werner von fern ſtehend, ſie und den Grafen mit leiſer, kaum merklicher Ironie belaͤchelt, Luzie, glauben ſie mir, auf keinem Theater der Welt koͤnnten mich die ge⸗ ſchickteſten Schauſpieler mehr beluſtigen, als dies Perſonale eines werdenden Drama. Es leidet keinen Zweifel, der Held des — 154— Stuͤckes erließ ſeinem Geſchick. Dies uͤber⸗ mannt ihn, wenigſtens fuͤr den Moment. Franziska hat es ſich einmal vorgenommen in ſein Daſein einzugreifen und es zu lenken. Es wird geſchehen. Aber er reißt ſie mit ſich fort. Wohin beide kommen koͤnnen? iſt gar nicht zu ermeſſen. Schon hat Franziska den Kopf ver⸗ loren. Sie ſieht ſich nicht aͤhnlich. Ihm ent— geht das ſo wenig als uns. Gleichwohl quaͤlen ſich beide noch mit erkuͤnſteltem Widerſtande und abſichtlichem Verlieren auf Nebenwegen. Bodo treibt ſein Spiel mit den huͤbſchen Maͤdchen. Er taͤndelt, ſingt und tanzt mit ihnen. Anna ſchwindelt, Eliſe traͤumt ſich in ein Verhaͤltniß zu ihm hinein. Franziska ſchenkt an ſolchen Tagen, Wernern ihr altes Vertrauen, daß ſie dieſen nicht taͤuſcht, darauf ſchwoͤre ich wohl. Indeß thut er ſo, und verwirrt den Handel abſichtlich immer mehr. Warum ich unter dieſen Umſtaͤnden hier⸗ bleibe? warum ſo mancher Andre hier bleibt? Nun, ſehen Sie, es iſt bei allem dem eine ſon⸗ derbare, anziehende Art und Weiſe in dieſem Schloſſe rmniika legt niemal jedem Auge ihr irte mnac ißt ſe auch daß ſe die Hlfe rif⸗ Wenn ſch ſie bei I mal, weil i und derado Grund bei immer me rolle bei⸗ ſchiht fuͤr ſie fu Der ſich nur Mlancoli Erde und nuͤſſen u und ſich ſt gar nicht zu den Kopf ver⸗ h. Ihm ent⸗ ſchwohl quaͤlen ſderſtande und wegen. Vodo ſchen Maͤdchen. ihnen. Anna ein Vethältniß iEt an ſolchen auen, daß ſie ore ich wohl. it den Handel iſͤnden hier⸗ hier bleibt? dem eine ſon⸗ iiſe in dieſem Schloſſe. Alles wird großartiger, freier in Franziska's Naͤhe. Das fuͤhlt ein Jeder. Sie legt niemandem Zwang auf. Sie ſelbſt iſt in jedem Augenblicke, wie ſie iſt. Nichts kann an ihr irre machen; und ſcheint ſie unwahr, ſo laͤßt ſie auch hiervon das Motiv unverhuͤllt, ſo daß ſie die Verſtellung ſelbſt, indem ſie ſie zu Huͤlfe ruft, wieder aufhebt. Wenn ich jetzt die Allzureizende tadle, wenn ich ſie bei Ihnen verklage, ſo geſchieht dies, ein⸗ mal, weil ich wirklich auch ein bischen verliebt, und demzufolge eiferſuͤchtig bin, und da dieſer Grund bei mir doch nicht allzuſchwer wiegt, ich immer mehr die Freundes⸗, als die Geliebten⸗ rolle bei den Frauen behaupten kann, ſo ge⸗ ſchieht es zweitens, weil ich ſie bemitleide und fuͤr ſie fuͤrchte. Der Graf gehoͤrt zu den Menſchen, welche ſich nur darum einer gewiſſen phantaſtiſchen Melancolie hingeben, weil ſie nicht das All, Erde und Himmel, mit dem was dieſe an Ge⸗ nuͤſſen und Gefuͤhlen umfaſſen, ihre nennen, und ſich in dem ſchwelgenden Beſitz des Ueber⸗ — — — — — 156— ſchwenglichen ſaͤttigen koͤnnen! Deshalb iſt er ſo ungleich, ſo verdaͤmmerud und ſo wild, jetzt duͤſter, tiefſinnig, zaͤrtlich, und in eben dem Augenblick kuͤhn und ſtolz, das Leben nehmend, wie er es braucht, im Uebrigen ruͤckſichtslos, und fuͤr alles, außer ſeinen Grillen, kalt. Was will eine Frau mit ſo Einem? Und noch dazu eine leidenſchaftliche, verzogene Frau, die ihre Empfindungen in Augen, Mienen, in jeder Bewegung des zauberiſchen Geſichtchens verraͤth? Bodo findet, ohne zu ſuchen. Er verlangt nur, aber er zweifelt nicht mehr. Stolze Luzie! Sie haͤtten es anders ver⸗ ſtanden, das Geheimniß ihrer Bruſt zu verhuͤl⸗ len! Ich darf es ſagen, Sie waͤren es werth geweſen, dieſem Irrſtern ſeine Bahn vorzuzeich⸗ nen. Ich zweifle auch nicht, Sie wuͤrden, haͤt⸗ ten es die Umſtaͤnde vermittelt, auch dieſen Ge⸗ fangenen noch an Ihrem Wagen durch die Straßen der Reſidenz gezogen haben. Die Unſtaͤnde thun doch außerordentlich viel im Leben! Sie lat daß mir d Gedanken d Lüzie. In ſich der Win Doch! ner Gewalt Rüͤckblick a Seh'n Sie/ nicht dits S ſem nicht ne die Geſchich von Bergn verſchlagene fremde, gehe engeſtalt des ſtände nicht Noch dem Bergſtä er das Het laſſen, wie Kleine hing alb iſtn vild, jett eben dem nehmend, ſichtslos, lt. 1 U ne Frau, tnen, in ſchtchens hen. Er thr. ders ver⸗ verhuͤl⸗ es werth rzuneich⸗ den, haͤt⸗ eſen Ge⸗ irch die rdentlich — 157— Sie lachen, und bemerken nicht ohne Spott daß mir die ausfallenden Haare zu ernſtern Gedanken verhelfen. Ich ſcheue das Altwerden, Luzie. In einem einſamen Zimmer uͤberdauert ſich der Winter ſchwer! Doch was mich vorher zu dem Gefuͤhl je⸗ ner Gewalt der Umſtaͤnde brachte, war kein Ruͤckblick auf mich. Es war was Anderes. Seh'n Sie, ich verſichere Sie, haͤtte Franziska nicht dies Schloß bezogen, ſuchte Bodo in die— ſem nicht nach einem Etwas, zu dem ihm theils die Geſchichte der hier Gefangenen, theils das von Bergnebeln umhuͤllte, wunderlich hierher verſchlagene Gebaͤude, treibt, truͤge er die fremde, geheimnißvolle Farbe nicht auf die Fee⸗ engeſtalt des ſchoͤnen Weibes uͤber, bei Gott, es ſtaͤnde nicht wie jetzt um ihn. Noch Eins. In der Naͤhe, da unten in dem Bergſtaͤdtchen lebt ein huͤbſches Kind, dem er das Herz ſtahl, ohne ihr das ſeine zuruͤckzu⸗ laſſen, wie das wohl in der Welt ſo iſt. Die Kleine hing mit Leib und Seele an ihn. Nun hung eehoͤhet Berggegend⸗ di eine Gel nach der And 95 wit kanz oder lan die Kälte de fühle unsn oder Cinjeln Ic weiß es ſtreifte er ſie ſich ab. Sie weinte erſt laut, dann ſtill! Drauf gab ihr die Mutter einen 3 Mann. Sie nahm ihn und that, als geſchehe es ohne Widerſtreben. Da geht der Graf am Hochzeitsabend an dem Hauſe vorbei, geht in das Haus hinein, nimmt einen kleinen Becher, aus welchem ihm das Maͤdchen einſt zu trinken gab, vom Tiſche, juſt von dem Platze, wo die 1 Braut geſeſſen hatte, und da ſie ihn nicht leerte, ſo thut er noch einen Zug daraus auf 1 ihr Wohl und laͤßt die Spielleute draußen in Piae, der Straße dazu blaſen und geigen. Drauf mu Auf je ſteckt er den Becher als ein Liebespfand ein und geht damit davon. Andern Tages vermißt die Mutter das Entwandte. Sie ſagt's der Tochter. Die reimt ſich alles in Gedanken. Die Naͤhe des geliebten Freundes reißt alle wilde Schmerzen wieder auf. Sein Bild ſteht gluͤhend vor ihr, und von mir, w daß er ſie noch liebt, daß er im Hochzeitshauſe Be war, ein Andenken mit hinweg nahm— Ihre Ruhe iſt hin. Bodo weiß das. Es ruͤhrt ihn. Du er Das Romantiſche einer kleinen, geheimen Bezie⸗ auf Deine ſerſt laut, ter einen 6 geſchehe Graf am geht in Becher, zu trinken e, wo die ihn nicht Nraus auf außen in . Drauf dein und utter das die reimt geliebten en wieder hr, und eitshauſe — Ihre ͤhrt ihn. ſen Bezie⸗ r — ——— — 159— hung erhoͤhet noch den Zauber der winterlichen Berggegend. So geſtimmt— Beim Himmel die eine Geliebte zu erſetzen, greift man ſchnell nach der Andern! Ob wir gleichwohl nicht dennoch Alle uͤber kurz oder lang hier auseinander ſprengen? ob die Kaͤlte der Jahreszeit, ob die Gluth der Ge⸗ fuͤhle uns nicht verjagt? und wir insgeſammt, oder Einzeln nach der Reſidenz zuruͤckkehren? Ich weiß es nicht, aber ich habe ſo dunkle Ahndungen von etwas, das kommen wird, kommen muß. Auf jedem Fall hoͤren Sie bald wieder von mir, wenn Sie mir's nicht unterſagen. ———-—— ——— — — — — Edwin. Veronika an Bodo. ä 4 Du erwarteſt wohl kaum eine Antwort auf Deine fluͤchtige Zeilen. Du wöuͤnſcheſt ſie — 160— auch nicht, und leicht wirfſt Du das Blatt bei Seite, wie Du die Perſon, die Pflichten gegen ſie, gegen Dich ſelbſt bei Seite warfſt! Nichts hier von meiner Angſt um Dich, nicht ein Wort uͤber unſer Erſtaunen bei der unzuſammenhaͤngenden Beſtellung des Fiſchers, was kuͤmmerſt Du Dich um Urtheil und Em⸗ pfindung derer, die Du gering genug achteſt, um ſie der ſchlechteſten Geſellſchaft aus dem Hefen des Volkes aufzuopfern. Ich ſchweige eben ſo uͤber die Beſchimpf⸗ ung, welche Du dem Hauſe des Freiherrn an⸗ thatſt, Du wuͤrdeſt nur lachen und Dir Gluͤck wuͤnſchen, die Leichtglaͤubigen gefoppt, und dem wohlfeilen Witz der Nachbaren ausgeſetzt zu haben. Aber von Dir, Bodo, von Dir muß ich mit Dir reden, weil mir Neigung und Vor⸗ ſicht verbieten, den Gegenſtand mit Andern zu beſprechen. Iſt es wahr, iſt es moͤglich, der einzige Sohn meines Bruders macht gemeine Sache mit mit einem einer Famii Miͤdhen zu geſunkene 2 tratn, ihr) ehtharen Ver Du biſt Mann, dieJ wiſſen richt ſchüpf anzufan alle Faſſung, lor. Sie wl ſtuͤn. Ich entſchließen, weiſen, und einzugehen, f verbittend. 9, daf ſo unwuͤrdige Jetzt we Du biſt. D nicht. Alli Raͤhe des C II. Baatt bei ten gegin „ um Dich, —n bei der diſchers, und Em⸗ g achteſt, aus dem beſchimpf⸗ hherrn an⸗ Dit Glͤc und dem ſeſetzt zu muß ich lind Vor⸗ ndern zu r einzige te Sache mit — 16— mit einem armen Fiſcherburſchen, die Ruhe einer Familie, einer Stadt zu ſtoͤren, das Maͤdchen zu beſchimpfen was er entehrte, ihre geſunkene Tugend vollends in den Staub zu treten, ihr den letzten Halt einer friedlichen, ehrbaren Verbindung zu rauben? Du biſt das Maͤhrchen ber Gegend! Der Mann, die Mutter waren auf Hohenried. Sie wiſſen nichts mehr mit dem wahnſinnigen Ge⸗ ſchoͤpf anzufangen, das ſeit Deinem Erſcheinen alle Faſſung, alle Kraft dieſe zu behaupten, ver⸗ lor. Sie wollten zu Dir. Sie wurden unge⸗ ſtuͤm. Ich mußte mich endlich wohl oder uͤbel entſchließen, mit ihnen zu reden, ſie zurecht zu weiſen, und ſie, ohne auf ihre billige Klagen einzugehen, fortzuſchicken, jeden Beſuch der Art verbittend.. O, daß ich jemals uͤber einen Gegenſtand, ſo unwuͤrdiger Natur, ein Wort verlieren ſollte! Jetzt wiſſen die Beleidigten ohnfehlbar wo Du biſt. Du nannteſt den Namen des Ortes nicht. Allein ich hoͤrte genug um Dich in der Naͤhe des Gebirges, in dem unruhigem Treiben II. 1 141 — —— — 162— einer uͤbermuͤthigen Fremden verwickelt zu glau⸗ ben, die das Auffallende hoͤher wie das Schoͤne ſtellt, das Bizarre mehr wie das Gemuͤthliche liebt, die das Urtheil verachtet und den Ruf nicht ſchont, die zu ſehr fuͤr Dich paßt, als daß Eure Wege einander nicht begegnen ſollten. Schmeichle Dir nicht dort verborgen zu bleiben. Ich warne Dich vor den Verwandten der Unbeſonnenen. Ich warne Dich vor die⸗ ſer, vor Dir Bodo, vor Dir ſelbſt am meiſten. Denke an Deinen Vater, an Hohenried, an den Fuͤrſten, deſſen Wort Dich gleichſam ein zweitesmal damit beliehen hat. Fliehe aus den Netzen, die Dich umgarnen. Entfliehe, wenn es ſein muß, eine Zeitlang aus der Gegend, aus dem Lande! Laß Dich von Allen vergeſſen, nur vergiß Dich nicht! Der Kammerdiener bringt Dir alle beſtellte Sachen, Wagen, Pferde. Er geht damit nach der Reſidenz, wie Du es beſtimmſt. Wahr⸗ ſcheinlich findet er dort den Beſcheid, wo er Dich aufzufuchen hat? Ich ſuc Gefahr fuͤ zu trohen! Ich erſtaunt zug tifir d eingedruͤkt i ich. Sie dre Ungläckiche dunkſe Hand Bodo, Dit beim ward. Anna, a Erſt ſe⸗ baden kenne hohen Begr Recht, Geſchichte hſam ein aus den e, wenn end, aus ſen, nur heſtellte nit nach Wahr⸗ wo er — 163— Ich ſuche Dich nirgend anders, als wo Gefahr fuͤr Dich iſt. Biſt Du der Menſch ihr zu trotzen? oder wirſt Du darin untergehen? Ich erſtaunte bei Deiner Geburt uͤber einen Zug tiefer Trauer, die Deinen weichen Zuͤgen eingedruͤckt war. Deine Mutter empfand wie ich. Sie preßte Dich an ihr Herz und weinte. Ungluͤcklicher Knabe! ſagte ſie, Dich hat eine dunkle Hand gezeichnet. Bodo, verſpotte die Warnung nicht, die Dir beim Eintritt in das Leben mitgegeben ward. Veronika. Anna, an eine Freundin in der Reſidenz. Erſt ſeit ich Dich dieſen Sommer in Wis⸗ baden kennen lernte, beſte Nanie, habe ich den hohen Begriff der Freundſchaft ganz gefaßt. Recht, wie es in Buͤchern ſteht, und die Geſchichte es uns ſagt, fuͤhle ich fuͤr Dich. * — 464— Koͤnnte ich Dir das nur durch eine glaͤnzende, recht in die Augen fallende, That beweiſen. Ach uͤberhaupt ſo etwas Außerordentliches moͤchte ich erleben! moͤchte ich thun!— Iſt Dir nicht auch ſo, Nanie? Vermißt Du nicht auch uͤberall etwas? Wollen die Schwingen der Seele nicht auch in Dir uͤber das Ge⸗ woͤhnliche hinaus? Wie ſollte das wohl anders ſein, da ich Dich mein nenne, da Du mich ſo ganz ver⸗ ſtehſt! Weißt Du noch jenen einzig ſchoͤ⸗ nen Abend nach dem Balle? Wir traten aus dem Saale auf den Perron. Du ſagteſt zo lich: Erkaͤlten Sie ſich nicht, liebe Anna! und ſchlugſt den einen Zipfel Deines himmliſch, wei⸗ chen Schawls um meinen Nacken. Ich umfaßte Dich dankbar. Wir ſtanden ſo ineinander ge⸗ ſchlungen und ſahen nach den Sternen, die ein⸗ zeln durch die Wolken blitzten. Du lispelteſt: Dahin, dahin moͤchte ich mit Dir o meine Freundin ziehen! Ich druͤckte einen heißen Kuß auf Deine Lippen, Du weinteſt eine Thraͤne, und der Bund war geſchloſſen! Wie ſcha die ſuͤße/ ſch unfre Herzen mir zum naͤc walzt wie ein Erdentanz geg ten, die uns i ſilbernen Gefällt Ein Gott gab Wir leſen ſten Buͤcher! pfinde mich wahr, was teſt Du dabei alles ſo andett ſaheſt Du die Nanie, waru Dich vielleich von dem Bue die zuſammen Dir 99 gen, n 199 8 anzende, laten aus greſt zaͤrt⸗ ma! und ſch, wei⸗ umfaßte nder ge⸗ die ein⸗ kspelteſt: meine gen Kuß Thraͤne, — 165— Wie ſchade, daß der kleine Huſarenoffizier die ſuͤße, ſchwaͤrmeriſche Pauſe unterbrach, die unſre Herzen nachfeierten. Er entfuͤhrte Dich mir zum naͤchſten Walzer. Es iſt wahr, er walzt wie ein Gott! Aber Nanie, was iſt aller Erdentanz gegen die Schwingungen der Sphaͤ⸗ ren, die uns gerade in dem Augenblick auf ih⸗ ren ſilbernen Fluͤgeln durch die Nacht trugen! Gefaͤllt Dir die Stelle, meine Einzige? Ein Gott gab mir zu ſagen, wie ich fuͤhle! Wir leſen jetzt, beſte Freundin, die ſchoͤn⸗ ſten Buͤcher von der Welt! Ich lebe und em⸗ pfinde mich ganz in ſie hinein. Ach, nicht wahr, was geht doch uͤber's Leſen! Und hoͤr⸗ teſt Du dabei die volle, tiefe Stimme, die das alles ſo anders, als es ſonſt klingt, ausſpricht, ſaͤheſt Du dies Auge, dies unbeſchreibliche Auge! Nanie, warum biſt Du nicht hier? Er wuͤrde Dich vielleicht ſo anſehen, wie mich, wenn er von dem Buche aufblickt und eine Seele ſucht, die zuſammenklingt mit der ſeinigen. Er wuͤrde Dir ſagen, was er mir ſagt, mein Herz wuͤrde brechen, aber laͤchelnd zoͤge ich, wie Aria den — 166— Dolch aus der Bruſt und ſtuͤrbe ſelig, denn ich immer noch ut 1 ſtüͤrbe fuͤr Dich. Syur zu b „„ ich deshe Ich ſchrieb Dir ſchon einmal von hier aus, br h. 9 von dem allerliebſten, luſtigen, ja unſtaͤtem Le⸗. o u A ben auf dem Schloſſe, Franziska, die uner⸗ ſnuz ſe ni ſchoͤpfliche Zauberin, wird nicht muͤde, immer i ge 58 etwas Neues, Ungewoͤhnliches zu erſinnen, uns de 4 lten an der boͤſen Jahreszeit und der kleinen Grille, iiasz i die ſie hier auf dem Gebirge feſthielt, wegzu⸗. De 3 fuͤhren. Jeder Tag brachte uns friſche Beluſti⸗ de nich 11 1 gungen. Und waren wir einmal auf uns ange⸗ in dn uig wieſen, Nanie, beſte Nanie, Eliſe und ich fuͤhrt Auch Du ſchwaͤrmten in die Vergangenheit zuruͤck. Was empfanden unſre weiche, zaͤrtliche, vielleicht all⸗ zuzaͤrtliche, Herzen nicht in dieſem merkwuͤrdi⸗ Grafen von H haft ſprechen. wandteſt Dich 8 gen, enorm intereſſanten Schloſſe! ward. Mein Gott, ich glaube, ich ſagte Dir ſchon 9 glaube einmal davon. Ja, ich bat Dich, alles aufzu⸗ eine trugeriſch bieten, um in der Reſidenz Nachforſchungen Elchoſſel ſein aͤber eine Begebenheit anzuſtellen, die mich un⸗ glücklice Freu geheuer beſchaͤftigt. Sage mir, einziger Engel, berauſchende war es Dir bei Deinen Conexionen am Hofe denn länge der nen, uns en Grill, ſe und ich uck. Was leicht al erkwuͤrdi⸗ Dir ſchon es aufzu⸗ rſchungen mich un⸗ er Engel, Hofe denn — 167— immer noch nicht moͤglich, der Sache auf die Spur zu kommen? Dem alten Ober⸗Marſchall liege ich deshalb beſtaͤndig an. Aber Leute in dieſen Jahren ſind ſo ſtumpf, ſo unmenſchlich apattique. Es be— ſchaͤftigt ſie nichts wahrhaft. In ihnen wird der goͤttliche Funke von dem Schnee des Alters niedergehalten. Doch ich verliere mich da in Betrachtungen, die mich nur von einem Gegenſtande ablenken, zu dem mich alles in mir und außer mir zuruͤck fuͤhrt.. Auch Du Nanie, auch Du hoͤrteſt von dem Grafen von Hohenried viel und ſehr unvortheil⸗ haft ſprechen. Auch Du ſchalteſt ihn, und wandteſt Dich ab, ſo oft ſein Name genannt ward. O glaube mir, der Menſchen Urtheil iſt eine truͤgeriſche Stimme. Er iſt hier, hier im Slchoſſe! ſein ſchoͤnes Auge iſt es, das Deine gluͤckliche Freundin ſuchte und fand, ſeine berauſchende Stimme traͤgt die ruͤhrenden Klaͤnge der Poeſie zu ihren Herzen, er, er — 169— liebt ſte, und wandelt ploͤtzlich die Welt vor ihren Sinnen um! Ewig koͤnnte ich ſo ſitzen und ihm zuhoͤ⸗ ren, ihn anſehen, das Weſen ſeines Geiſtes empfinden, mich aufloͤſen in hingebender unaus⸗ ſprechlicher Bewundrung! Wie lieblich ſcheinen mir, ſeit er hier iſt, die ſtarren Berge, die beſchneieten Tannen⸗ wipfel, das ſteile Felsthal und die unzugaͤng⸗ lichen Hoͤhen. Ich friere laͤnger nicht in den großen Saͤlen, und kann ruhig an Oper und Concert in der Reſidenz denken, ohne daß ſich ein Seufzer aus meiner Bruſt ſtielt! Wir haben hier auch Schauſpiel, Concert und Baͤlle. O wie er walzt— dagegen Nanie, iſt der kleine Offizier doch nur ein unbeholfener An⸗ faͤnger! Die Geſchichte meiner Liebe moͤchte ich Dir, zarte, theilnehmende Seele ſo hinhauchen koͤnnen wie ſie ſich ganz innerlich, aͤtheriſch bildete, daß ſie, wie Sonne und Luft, Farben giebt, aber keine Geſtalt. 3ch vatd öberleſe was! mir doch imm ich von ihm— Doch huͤte wolte. So Beſtime Bodo und m rechte Geſchic iſt nichts der Ou das Unbe dem Ange de was ſich nut Ich eri einer Fahlt! Abendſtunden mit von der der Chaiſe, ſie⸗ Da he den Wolken, nichts auf eine ſelt Ritter auf thiere vorſte — 169— Welt 1 en w Ich ward hier unterbrochen Beſte. Ich uͤberleſe was ich eben ſchrieb. O, wie kommen 1 m zuhd⸗ mir doch immer die reichſten Gedanken, wenn 5 Geiſtes ich von ihm ſpreche. 71 k unaus⸗ Doch hoͤre nur, was ich eigentlich ſagen wollte. So viel, Nanie, daß ſich eigentlich hier i nichts Beſtimmtes uͤber das Verhaͤltniß zwiſchen Tannen⸗ Bodo und mir darſtellen laͤßt, daß es gar keine nzuging⸗ rechte Geſchichte davon giebt. Denn geſchehen tor d iſt nichts der Erwaͤhnung werth. Allein, haſt per und Du das Unbeſchreibliche noch nie geſchauet mit dem Auge des Geiſtes? das iſt es! das iſt es, was ſich nur liebend mit empfindet. Ich erinnere mich, daß wir einmal auf einer Fahrt nach Schlangenbad durch die letzten e daß ſich elt! Wir lud Baͤle. 4 8 5 Abendſtunden unter Weges waren. Du warſt mit von der Partie. Franziska lag im Winkel der Chaiſe, wir ſchwazten und dachten nicht an achte ich ſie. Da hob ſie den Finger und zeigte nach ahauchen den Wolken. Seht, Ihr Maͤdchen, ſagte ſie, aͤtheriſch auf eine ſeltſame Luftbildung weiſend, die einen „Farben Ritter auf einem Drachen, oder anderem Un⸗ thiere vorſtellen konnte, ſeht, da zieht der wilde — 170— Bodo durch die Welt. Ich folgte der angege⸗ benen Richtung. Damals ſchon Nanie, durch⸗ bebte mich ein banger Schauer, dachte ich an ihn. 9 es giebt eine prophetiſche Stimme in der Welt! Und nun iſt es wirklich geworden was ich ahndete! Mir iſt oft recht ſonderbar! Sieh meine Liebe, er beſchaͤftigt ſich unablaͤſſig mit mir. Eliſe ſteht ihm nur ſelten Rede, Du kennſt ihre abſpringende Weiſe. Und Franziska? nun ſie hat denn ſo eigne Gedanken und ver⸗ ſinkt in ſich ſelbſt zuruͤck. Wie Beide zuſam— menſtehen, daruͤber habe ich keine rechte Vor⸗ ſtellung. Er bewundert und ehrt die Herrliche! wie ſollte er auch anders, allein die Gottheit betet man wohl an, doch verlangt man nicht nach ihr! Sagt das der engliſche Garte nicht irgend wo? Nun, dem ſei wie ihm wolle, hier iſt es wohl angebracht. Deshalb denn, und weil ich die Wirthin des Hauſes mache, ſo oft Franziska unwohl oder mißgelaunt iſt, tra— ten Bodo und ich unwillkuͤrlich einander naͤher. An mich wend fallenden/ t So auch er. ich ſtehe dem und ſolln lbe gebe ich das her, hefe 4 Hüͤte mit Ne an, kurz⸗ me in Anſöruch. 9 wie o ſee in der ſe⸗ Biick, und Stimme ſeit wird mir da ſenke das Au nur zu wohl Daß ich nach einer g alles anders, das ſihſt D auch liebe,? zu groß. Angege, 2 durch. eich an Inme in was ich ! Sieh ſſig mit , Du naiska? nd ver⸗ zuſam⸗ ſee Vor⸗ errliche, zottheit n nicht te nicht e, hier und e, ſo tra⸗ naͤher. An mich wendet ſich ohnehin jeder, bei vor⸗ fallenden, kleinen haͤuslichen Angelegenheiten. So auch er. Ich ordne die Spatzierfahrten, ich ſtehe dem Fruͤhſtuͤck vor, ich mache den Thee, und ſollen Abends Tableaus vorgeſtellt werden, ſo gebe ich das Erforderliche aus Kiſten und Kaſten her, helfe dieſem und jenem aus, ſchmuͤcke die Huͤte mit Federn, lege die Schminke geſchickt an, kurz, meine geſchaͤftige Hand wird uͤberall in Anſpruch genommen. O wie oft ergreift er dieſe Hand, druͤckt ſie in der ſeinen, und traͤgt mir mit warmem Blick, und leiſer, gerade an's Herz gehender Stimme ſeine Bitten vor. Gott, Nanie, wie wird mir dann! Ich erroͤthe und erbleiche und ſenke das Auge, und— Ach, er verſteht mich nur zu wohl! Daß ich jetzt nicht wuͤnſche von hier fort, nach einer glaͤnzenden Hauptſtadt zu gehen, wo alles anders, Bodo mir ferner ſtehen muͤßte, das ſiehſt Du leicht ein, und wie ſehr ich Dich auch liebe, Nanie— Nein! dies Opfer waͤre zu groß. Vielleicht entſcheidet ſich in Kurzem alles! vielleicht!— Beſte, Liebſte! dies nur zu den⸗ ken!— Tauſendmal umarme ich Dich.— Schreibe mir recht, recht bald. Auch von den Feſten, die Ihr bei Hofe und in der Stadt erwartet! Was die neueſten Journale aus Wien und Paris fuͤr Veraͤnderungen in der Toilette veranlaßt haben? wie das Haar ge⸗ tragen wird? und ob man die Talllen laͤnger oder kuͤrzer macht? Auch uͤber Luzie ein Paar Worte, bitte! die ſtolze Frau ging ſo nichtachtend an uns Maͤdchen voruͤber. Nachher, da war ich ihr doch im Wege. Sie merkte nur zu ſehr auf mich, denn Bodo ſtand mir ſtets zur Seite, und das verdroß ſie! Ich mußte innerlich lachen. Wie wird ſie erſt auf mich ſehen, wenn— Doch ich will die Kluft bis zu dieſem Wenn, nicht mit voreiligen Gedanken fuͤllen! Lebe wohl, Engel, und liebe Deine Anna. zu ſingen, Es dieſen Genuß Stunden, die fll Enem bei kann es vicht Anna, allein Ach liebe genblicee gehe war ſo fridlic baden! Iume nehmen Tage Jch bin Die ſcharfe Lu an. Und dan jiska ſeit eini Sie iſt ganz 173— Nachſchrift von Eliſe an Nanie. ton den Ich ſchicke Ihnen, liebes Fraͤulein, die ge⸗ r Sindt liehenen Noten dankbar zuruͤck. Ich kann ſie ale aus fuͤr jetzt nicht benutzen. Das Wetter iſt zu in der rauh, die Inſtrumente in den kalten Säͤlan Haar— verſtimmt. In Waßrheit, ich verlerne es hier u linge zu ſingen. Es geht mir recht nahe, daß ich dieſen Genuß entbehre. Es ſind meine liebſten „öltte: Stunden, die ich am Clavier zubringe. Es n 41 faͤllt Einem bei der Muſik ſo vieles ein. Ich kann es nicht ſo ſagen, wie meine Schweſter 4 if i Anna, allein ich fuͤhle es doch auch. 4 ai Ach liebes Fraͤulein, die ſchoͤnſten Augen⸗ 4 Srit, genblicke gehen zu ſchnell im Leben hin! Es inerli war ſo friedlich und heiter in dem lieben Wis⸗ behen baden! Immer werde ich der ſorgloſen, ange⸗ Kdieſen V nehmen Tage dort gedenken. fülen!! Ich bin auch nicht ſo geſund, wie damals. Die ſcharfe Luft hier oben greift meine Bruſt nna. an. Und dann ſehe ich meine geliebte Fran⸗ ziska ſeit einiger Zeit mit Beſorgniß kraͤnkeln. 1 Sie iſt ganz veraͤndert! ſo ungleich! Bald hef⸗ — 174— tig, bald bekuͤmmert, ſtill und in Thraͤnen. Wuͤßte ich nur, was ſie quaͤlte? Mich liebt ſie wohl immer mit derſelben nachſichtsvollen Guͤte. Oft geht ſie geruͤhrt an mir voruͤber, ſieht mich an, und nickt mir mit naſſen Augen zu. Ich glaube, es laͤßt ſich viel daruͤber ſagen. Aber ich mißtraue mich ſelber. Wer darf auch uͤber des Andern Gefuͤhle urtheilen wollen. Kaͤmen Sie hierher, Sie wuͤrden gewiß Gefallen an der Lage und dem Anſehen des Schloſſes finden. Es iſt unbeſchreiblich, was ich empfinde, wenn der Blick ſo uͤber die blauen Berge hin in das Unermeßliche ſchweift. Die Leute lachen mich wohl, uͤber mein ſtetes Hin⸗ uͤberſchauen in die fremde Gegend, aus. Aber ich bin doch ſo am gluͤcklichſten! Beſtes Fraͤulein, noch eine Bitte. Meine Schweſter uͤberlaͤßt es mir, den Brief zu cou⸗ vertiren und an Sie abzuſchicken. Da erlaubte ich mir denn, Ihren Beiſtand in Betreff der armen Anna in Anſpruch zu nehmen. Ich fuͤrchte, ſie laͤuft Gefahr, ſich einer ungluͤcklichen Neigung zu uͤberlaſſen. Ach, es gibt vehl ni iſ ſo rraltit, denkt ſie ſih ei den detgleicen was ihr Ingeno bildung witklich Recht, noch Ho ſie ſichs doch/ nicht fehlen kon mag es Ihnen allin um alle daß weine Sch Geſpotte der fuͤhlt, was maß der Bruſt verſ an. Das hat! Allein derrath darauf, dann! lich in der Me Anna iſt; zieht alles auf mehr Stolz. Seh'n S Thränen. ſch liebt ſe bllen Gäͤte. ſieht mich zu. 3 en. Aber auch uͤber en gewiß ſehen des ich, was die blauen heift. Die ſetes Hin⸗ (us. Aber . Meine ſef zu cou⸗ erlaubte etreff der ſich einer Ach, es — 175— giebt wohl nichts ungluͤcklicheres, als das! Sie iſt ſo exaltirt, ſo uͤbertrieben in Allem. Erſt denkt ſie ſich eine Sache, wie wohl einem Je⸗ den dergleichen einfaͤllt, dann wiederholte ſie ſich, was ihr angenehm duͤnkt, bis ſie es in der Ein⸗ bildung wirklich ſieht, und hat ſie auch weder Recht, noch Hoffnung zum Gelingen, ſo traͤumt ſie ſich's doch, und ſchwoͤrt darauf, daß es ihr nicht fehlen koͤnne. Und dann ploͤtzlich— Ich mag es Ihnen nicht ſo ausmalen, wie es iſt, allein um alles in der Welt wollte ich nicht, daß meine Schweſter ſich dem Tadel und dem Geſpoͤtte der Menſchen preisgebe. Was man fuͤhlt, was man leidet und bekaͤmpft und feſt in der Bruſt verſchließt, das geht keinem etwas an. Das hat man mit ſich ſelbſt abzumachen. Allein verraͤth ſich das Herz, und achten Andre darauf, dann kann man gewiß ſein, unwillkuͤr⸗ lich in der Meinung zu ſinken. Anna iſt zu heftig, zu hochmuͤthig, ſie be— zieht alles auf ſich. Haͤtte ſie nur ein wenig mehr Stolz. Seh'n Sie, liebes Fraͤulein, ſie taͤuſcht ſich — 176— gewiß uͤber Bodo's Gefuͤhle fuͤr ſie. Deſſen Gedanken nehmen eine ganz andre, eine ho3ͤhere Richtung. Ich darf ſagen, ich weiß, daß er Franziska liebt⸗ Wer ihn ſo ſtill beobachtet, der wird es bald inne werden, daß er ſich nur verbirgt, wenn er mit Andern taͤndelt. Suchen Sie doch, meine Schweſter behut⸗ ſam auf andre Gedanken zu bringen. Es aͤng⸗ ſtet und verdrießt mich, ſie ſo zuverſichtlich und ſo leidenſchaftlich zu ſehen. Einer kleinen Gaſt⸗ wirthstochter verzeiht man es allenfalls, wenn ſie thoͤrigten Einbildungen Raum giebt und die Lacher reizt, durch naͤrriſche Manieren und ſtol⸗ zes Verſtehengeben ihrer Siege, doch ein wohl⸗ erzogenes Frauenzimmer wird ſich immer ſcheuen, Andre uͤber ſich reden zu laſſen. Noch einmal, ich empfehle Ihnen, die Sie Gewalt uͤber ſie haben, die Ruhe meiner Schweſter. Die Ihrige Eliſe. Ed Von alle hier eurget⸗ Sie, was d Sie im Grur Figuren eines dm guſen ch kenn ſo langweilt, Hauptſtadt, Bettlerherber Phiſionomie Wie kan Erinnerung de Sie, Luzie, begleitet, und Flatenſpielers lichen, guten, tritt. Die Se nehmen eine II. ſ. Deſſen ine hoͤhere 5, daß er ſer witd es verbirgt, kſter behut⸗ Es aͤng⸗ ihtlich und ſinen Gaſt⸗ 8, wenn bt und die n und ſtol⸗ ein wohl⸗ er ſcheuen, nen, die he meiner Edwin an Luzie. Von allem wollen Sie unterrichtet ſein was hier vorgeht? Alles wollen Sie wiſſen, ſagen Sie, was die naͤrriſche Leute betrifft, denen Sie im Grunde nicht gram ſind, die Sie wie Figuren eines Theaters betrachten, welches von dem großen Welttheater ſo ſehr verſchieden iſt? Ich kenne es aus Erfahrung, daß nichts ſo langweilt, als das flache Einerlei einer Hauptſtadt, und man zuletzt lieber zu einer Bettlerherberge fluͤchtet, um nur Character und Phiſionomie anzutreffeu. Wie kann es auch anders ſein, als daß die Erinnerung des dunklen, romantiſchen Schloſſes, Sie, Luzie, in ihre Thees⸗ und Abendeirkel begleitet, und eine Geſtalt, wie die des bizarren Floͤtenſpielers, hoͤchſt piquant unter den gewoͤhn⸗ lichen, guten, modernen, jungen Leuten hervor⸗ tritt. Die Sachen hier, liebe, gnaͤdige Frau nehmen einen Character an, der je laͤnger je II.[ 121 — 178— peinlicher wird. Es iſt doch immer wahr, daß ſo ein kleines Geſellſchaftsgeheimniß den Reiz des Beiſammenſeins erhoͤhe. Insbeſondere zu Anfang, da regt es an. Es ſpannt und ſtachelt jeden. Man ziſchelt einander etwas zu, der verſteht nicht gleich, kleine Comi⸗ teen bilden ſich, hier und da findet man eifrig debattirende, die Meinungen ſind getheilt, die Reibung, das Intereſſe waͤchſt, und uͤber das alles verbreitet ſich eine unruhige, treibende Waͤrme, man bildet ſich ein, das Leben habe an Umfang und Wichtigkeit zugenommen. Aber es laͤuft doch zuweilen mit dieſem Hetzen und Jagen ſchlecht ab. Was iſt es denn, wenn jedes aus dem Gleiſe gedraͤngt wird und nicht wieder hinein kann? Ich ſage Ihnen Luzie, es hakt und klemmt ſich uͤberall zuſammen, man hat Muͤhe durch zu kommen. Und hier beſonders ſchleicht etwas Schwar⸗ zes, Unkenntliches durch das Gewirr, was den Spaß verſcheucht. Es bleibt bei trocknem, oft herben Witz, der niemand erleichtert, Alle verſtimmt. Funziska Es heißt/ ſ druͤben am 5 ſo gut wie 4 die zunzen auf der Jagd. ginge. Ciſſ nicht. Anna macht den The dabei Gedichte wohl vnruhig Grafen. Ma in ſieberhafte Sie ſucht de bergen. Ihre Stellen ihrer Die beit ſchiedenheit un Franziska ent fende, ſonderb ordentliche Fr ſch heraus. ahr, dß den Neij ſondere zu annt und er etwas —ne Comi— endet man d getheil duͤber das treibende lben habe men. it dieſem gJas iſt es geoͤraͤngt Ich ſage ich uͤberall kommen. Schwar⸗ was den nem, oft ert, Alle Franziska iſt ſeit einigen Tagen krank. Es heißt, ſie habe ſich bei einem Fiſchfang druͤben am See erkaͤltet. Werner hat das Feld ſo gut wie geraͤumt. Er iſt ſelten noch hier, die ganzen Tage und halben Naͤchte liegt er auf der Jagd. Bodo hat geheime Abendſpatzier⸗ gaͤnge. Eliſe verlaͤßt ihre angebetete Freundin nicht. Anna naͤhet unermuͤdlich Tapiſſerie, macht den Thee, ſchenkt Caffee ein, und lernt dabei Gedichte auswendig. Sie ſcheint gleich wohl unruhig. Ihr Auge ſucht aͤngſtlich den Grafen. Man kann es ihr anmerken, daß ſie in fieberhafter Anſpannung ihre Zeit hinbringt. Sie ſucht das durch vieles Sprechen zu ver— bergen. Ihre Phraſen ſind geſchraubt und den Stellen ihrer Lieblingsdichter entnommen. Die beiden Schweſtern wuchſen in Abge⸗ ſchiedenheit und beſchraͤnkten Verhaͤltniſſen auf. Franziska entriß ſie dieſen. Das umherſtrei⸗ fende, ſonderbar geniale Leben, was die außer⸗ ordentliche Frau fuͤhrt, trieb die Maͤdchen aus ſich heraus. In der Jugend lernt man ſehr * — 190— bald Sinn und Gefuͤhle erweitern. Aber was ſtuͤckweis anfliegt, bleibt auch Stuͤckwerk. Anna beſonders hat ein heißes Koͤpfchen und ſehr bewegliches He Leichtglaͤubigkeit junger M Maͤnnern Anbeter ſehen, und immer einen Ro⸗ man fertig haben, in welchem ſie den Gegen⸗ ſtand augenblicklicher Vorliebe hineinſchieben. rz; dazu jene eitle 5 6 aͤdchen, die in allen Mit Eliſe bin ich nicht auf dem Reinen. Auf jedem Fall iſt ſie beſcheiden und haͤlt mit dem zuruͤck, was ſie denkt und empfindet. Bodo laͤßt beide fuͤr jetzt ganz bei Seite. Es iſt etwas Ausſchließendes, was ihn beſchaͤf⸗ tigt. Ob es Franziska oder ſonſt wer iſt? ich kann's nicht ſagen. Auf keinem Fall bleibe ich lange hier. Die allgemeine Verſtimmung verſtimmt mich mit. Franziska ließ mich geſtern zu ſich rufen. Sie hatte ſehr geweint. Ihr Anblick erſchuͤtterte mich außerordentlich. Sie mochte das merken. Mit liebenswuͤrdiger Freundlichkeit reichte ſie will nur mei⸗ ſtellen⸗ und geit nach der det Wahler Beguet, hinzn. Rr was brauch Folgenden ſagte ſe: A ich da ſonde Ich d ner Verkel hoͤſe— J Gaſchof, tie meiſt derab ſetztes Nei . Aber was ckwere. bes Kipſcen jene eitle diei e in allen er einen Ro⸗ den Gegen⸗ inſchieben. dem Reinen, —und häͤlt wit pfindet. nz bei Seite. g ihn beſchäf⸗ ver iſt? ich Pe hier. Die mich mit. feufen. Sie erſchuͤtterte das merken. reichte ſie r— — 181 mir die Hand. Es iſt wohl nicht recht von mir, hub ſie leiſe an, daß ich Ihnen nicht ſchon fruͤher mit meinem neuen Reiſeprojeckt bekannt machte, lieber Edwin. Allein ich war noch unſchluͤſſig in mir. Jetzt, fuhr ſie beklom⸗ men fort, ſehe ich wohl, daß es nicht anders wird. Geſchaͤfte rufen mich nach Paris. Ich will nur meine Geſundheit ein wenig wiederher⸗ ſtellen; und dazu moͤchte ich doch wohl auf kurze Zeit nach der Reſidenz gehen. Sie ſind bekannt dort. Waͤhlen Sie mir eine paſſende Wohnung. Bequem, ſonſt nicht eben glaͤnzend, fuͤgte ſie hinzu. Mein Gott! glaͤnzend! wiederholte ſie, was brauche ich— Sie hielt ſichtlich mit dem Folgenden zuruͤck. Erſt nach kurzem Beſinnen ſagte ſie: Auf ſo wenige Augenblicke, was kann ich da ſonderlich fuͤr Anforderungen machen! Ich verſicherte Sie, es brauche hierzu kei⸗ ner Verkehrungen. Die vortrefflichſten Gaſt⸗ hoͤfe— Nein, um's Himmelswillen keinen Gaſthof, rief ſie ſchnell. Das iſt, was ich zu⸗ meiſt verabſcheue, was mir allein ſchon fortge⸗ ſetztes Reiſen verleiden koͤnnte. Ich will nichts, — 182—-, Ob ſie et betheuerte ſie mit leidenſchaftlicher Nuͤhrung, dicht rech weiß nich nichts als eine Wohnung, die kleinſte, die un— Decken ſcheinbarſte, Dach und Fach, rief ſie immer und„. Zimme V lebhafter, mit ſteigendem Affect, allenfalls ein vurne 3 den Kaͤſtchen, ein Paar Todtengebeine hineinzulegen. thun Ihre Thraͤnen floſſen bei den letzten Worten baur ſa gewaltſam. Sie druͤckte einen Tuch vor die W richt 4 Augen. 3 Boken Franziska! erinnerte ich ſie bittend. Sie ſiit dau fuhr auf, ſah ernſt und beruhigt zu mir hin. laͤuft aan l V Sie laͤchelte angenehm, waͤhrend ſie beſtimmt uhene ſe ſagte: Gehn Sie, mein lieber Ritter, und Gebtile, ſ richten Sie guͤtigſt meinen Auftrag aus. Alen arſe Ob ich nun gleich eben nicht viel auf Wal— d Vn lungen der Art gebe und Ihr Geſchlecht, beſte düthen Luzie, genugſam kenne, um den Entſchluͤſſen, nͤtiche Sc in ſolcher Stimmung gefaßt, keine ſonderliche Kern wädn Wichtigkeit beizulegen, ſo werden wir doch wohl zrireht i 4 etwas thun muͤſſen, die Unruhige zu willfahren. und Laſſe Laſſen Sie daher Ihre Agenten immer ein we— Nwiichinl nig die Straßen umherlaufen und ſich nach ei— Hanzen. Ve nem ſchicklichen Hauſe umſehen, das Franziska bewohnen kann, wenn ſie es bewohnen will. er Räh run nſte 1 / die un: ef ſie immer alenfälbeein neinzulegen. zten Wotten Kuch vor die ittend Oie zu mir hin, ſee beſtimmt Ritter, und aus. iel auf Val⸗ blecht, heſte Entſchläſen, ſonderliche ir doch wohl ſwillfahren. ner ein we⸗ ſch nach ei— zJranziskn en wil. 1983— Ob ſie es heute noch wollen wird? Ich weiß nicht recht. Zwar ſah ich ohnlaͤngſt Pelze und Decken aus den Schraͤnken nehmen, ſie in warme Zimmer bringen, und die Kammerfrau thuen, als denke ſie ernſtlich an Einpacken und Abreiſen. Alles das kann gleichwohl Liſt ſein. Wir muͤſſen es erwarten. Bodo kommt am Tage nicht aus ſeinem Zimmer. Er ſchreibt, ſchickt Boten und erhaͤlt deren. In aller Nacht laͤuft er dann in den Bergen umher. Ich dachte anfangs, er ginge nach dem Staͤdtchen, Gabriele, ſeine fruͤhere Geliebte aufzuſuchen. Allein er ſah ſie noch nicht einmal, was auch die Thoͤrin unternahm, ihn wieder an ſich zu ziehen. Wohin geht dann aber ſein Weg? Der muͤrriſche Schloßverwalter, deſſen Sie ſich erin⸗ nern werden, begleitet ihn zuweilen. Doch was zerbreche ich mir den Kopf, uͤber das Thun und Laſſen des Unzuſammenhaͤngendſten aller Menſchen! Franziska liegt mir weit mehr am Herzen. Verzeihen Sie das Ihrem Freunde Edwin. — 184— Bodo an Werner. Was bedeuten Deine ſtete Abweſenheiten? Was ſoll das raſtloſe Jagen? Laß doch die arme Creaturen in Ruhe, die Du auſfſchreckſt, ohne ſie von der Angſt zu helfen, denn daß Du keine triffſt, dafuͤr buͤrgt mir wohl Dein kurzes Geſicht. Werner, ich errathe Dich. Bleibe Du in Gottes Namen hier. Ich bin Dir nicht im Wege. Seit Du das Schloß flieheſt, erſcheint Franziska auch nicht unter uns. Ich bin ge— wiß, ſie lebt ungern ſo eingeſchloſſen. Erloͤſe ſie doch aus ihrer Gefangenſchaft. Soll denn dies unſeelige Haus immer weinende und klagende Frauen in ſeinen Mau⸗ ern begraben? Ich hoͤre jetzt viel von der Verſtorbenen. Der Alte erzaͤhlt, wenn ich es will. Ob er die Wahrheit ſagt? Ich muß es ſo annehmen, denn ich weiß niemand, den ich danach fragen koͤnnte. Er hat Nur der Pare Eröbegraͤbniß dem themalihe bei den Truͤ frͤher, daß ward. Der Heu weſen ſein, di Wenn De gen Abend d vieles keden, Zudem muß Amtsrath he Veronika iſt bleiben. Sei beſtmmmten Ich ſch hauſe, wo Edwin ſagte. Der ſch theure Zii, ſterben. 1 et. veſenheiten, Qc Laß doch die 1 auſſchrecff, denn daß Du Dein kurzes Bleibe Du in ſir nicht im ſ, erſcheint aſeen. Erllſe daus immer ſeinen Mau⸗ Verſtorbenen. will. Ob er annehmen, anach fragen — 185— Er hat mich zu ihrem Grabe gefuͤhrt. Nur der Parade⸗Sarg ward in dem fuͤrſtlichen Erbbegraͤbniß beigeſetzt. Ihre Huͤlle ruhet auf dem ehemaligen Kloſterkirchhofe unten im Thale bei den Truͤmmern. Ich ſagte Dir ſchon fruͤher, daß ſie dort von dem Abte getraut ward. Der Herzog ſoll einmal incognito hier ge⸗ weſen ſein, die Staͤtte zu beſuchen. Wenn Du Zeit haſt, Werner, ſo ſei mor— gen Abend dort. Ich moͤchte mit Dir uͤber vieles reden, was ſich nicht ſo ſchreiben laͤßt. Zudem muß ich in Kurzem von hier fort. Der Amtsrath hat an mich geſchrieben. Die Tante Veronika iſt krank. Ich darf da nicht zuruͤck⸗ bleiben. Sei ſo gut und ſtelle Dich an dem beſtimmten Orte ein. Ich ſchicke dieſe Zeilen nach dem Forſt⸗ hauſe, wo Du uͤbernachten wollteſt, wie mir Edwin ſagte. Der ſchleicht auch hier herum wie die theure Zeit, und langweilt ſich und Andre zum ſterben. Was will er hier? Er friert und — 186— ſieht blaß aus und gaͤhnt! Warum geht der Menſch nicht nach der Stadt? Solch Weltkind muß amuͤſirt werden oder zu amuͤſiren hoffen. Mit uns iſt er fertig. Eine Partie Piket wuͤrde ihm wieder zu einem ordentlichen Anſe⸗ hen helfen. Sage mir, verlohnt es ſich zu leben, wenn das unſre letzte Zuflucht bleibt? Zum Gluͤck kann man wegwerfen, was Einem laͤſtig faͤllt! Lebe wohl und komme! Bodo. Antwort. Es thut mir leid, Deinen Wunſch nicht erfuͤllen zu koͤnnen. Ich bin im Begriff, auf einen bereit ſtehenden Jagdwagen mit mehrern Andern zu ſteigen, an die ich mich einmal ver⸗ ſprochen habe. Wir machen diesmal einen wei⸗ tern Weg. Ich kann nichts uͤber meine Ruͤck⸗ kehr beſtimmen. Sei wegen Franziska weiter nicht beſorgt. Meinetwegen wird ſie ſich keinen Zwang anle⸗ Ich bin Wir haben die Jetzt ſcheiden dem Fiſchfange auch licht meh Du tt gen. Nun Thieren den 4 ſo ftiedli bu nen Krieg meh gen. krank⸗ mich vur durch warmblaͤtigen Die Amphibi befohlen! Gege Duͤrſtet Das meinige genug. Ich etw ſiimmte Ant aarum gaht der Polch Wältkind mͤſiren hoffen. Partie Piket entlichen Anſe⸗ u loden, wenn Zum Glͤck mm laͤſtig fäͤll Bodo. Punſch nicht Gegriff, auf mit mehrern h einmal ver⸗ al einen wei⸗ meine Ruͤck⸗ nicht beſorgt. Zwang anle⸗ — 187— gen. Ich bin fuͤr nichts in ihrem Ideengange. Wir haben die Badeſaiſon mit einander verlebt. Jetzt ſcheiden ſich unſre Beluſtigungen. Mit dem Fiſchfange auf dem See wollte es neulich auch nicht mehr gehen. Du weißt ja, ſie ward krank. Du trugſt ſie noch huͤlfreich zum Wa⸗ gen. Nun ſieh, und ich habe einmal den Thieren den Krieg erklaͤrt. Seit die Menſchen ſo friedlich wurden, giebt es ja auch ſonſt kei— nen Krieg mehr in der Welt. Drum laß Du mich nur durch die Waͤlder ziehen und mit der warmbluͤtigen Creatur mein Heil verſuchen. Die Amphibien bringen mir kein Gluͤck! Gott befohlen! Werner. Gegenſchreiben von Bodo. Duͤrſtet Dich ſo nach warmem Blut?— Das meinige ſteht Dir zu Befehl! Es iſt heiß genug. Ich erwarte bei Deiner Ruͤckkehr eine be⸗ ſtimmte Antwort. ———— —— —ÿ—ÿ—ÿBʒBUBKñAꝑ˖—— — —— —— 99 186 Spielſt Du mit mir, wie mit einem Kna— ben? Laß die Seitenſpruͤnge. Sei wahr, ſage, wie Du es meinſt. Wie ich es meine, bewei—⸗ ſen Dir dieſe Zeilen. Bodo. Sechstes Kapitel. — Do ſtand es durch mehrere Tage auf dem Schloſſe. Bodo war noch immer dort. Er hatte indeß beſſere Nachrichten von Hohenried erhalten. Die Tante erholte ſich, und dachte ernſtlich daran, ihr Stift zu beſuchen. Vielleicht war es auch nur dieſer, lange in ihr arbeitende Entſchluß, der ſie, nun es damit zur Ausfuͤh⸗ rung kommen ſollte, allzu ſehr erſchuͤtterte und aufs Krankenbette warf?— Bodo ließ dies dahin geſtellt ſein. Er war uͤberall in ſo fieberhafter Stim⸗ mung, ſo unſtaͤt und leidenſchaftlich im Innern, daß er keinen Gegenſtand lange feſthielt. wollte er, ſtat len, ſelbſt zu er ihm denn u Franziska kran nicht Wrlaſſen So viele detztemal alle Waldſee zu ſahe, verͤnd dem Tage wa Sie ſta untuhig. S höher. Die auszuwerfen. Verſprechung Vergnuͤgen d Erwartete u mit einem Kna⸗ Sei waht, age, meine, belvei⸗ Bodo, tel. Tage auf den mer dort. Er von Hohenried ch, und dachte ſchen. Vieleicht ihr arbeitende it zur Ausfüh⸗ rſchuͤtterte und thafter Stim⸗ ſh im Innern, eſthielt Podo ließ dies — 189— Werner kam nicht, ließ auch nichts von ſich hoͤren. Wie nur ein Menſch ſo mit der Ruhe eines Andern ſein Spiel treiben, und ſich dabei groß vorkommen und zufrieden ſein kann! dachte der Graf.: Er hatte auf keinem Flecke Ruhe. Erſt wollte er, ſtatt der letzten herausfodernden Zei⸗ len, ſelbſt zu jenem hin und ihm ſagen, was er ihm denn nachher ſchrieb. Allein, er wußte Franziska krank, er durfte, er konnte ſie jetzt nicht verlaſſen. So vieles war ſeit dem Tage, der ſie das Letztemal alle beiſammen an dem gruͤnlichen Waldſee zu gemeinſchaftlicher Luſt verſammelt ſahe, veraͤndert. Werner wußte es wohl, ſeit dem Tage war Franziska leidend. Sie ſtand am Ufer. Das Waſſer war unruhig. Feuchter Weſtwind trieb die Wellen hoͤher. Die Fiſcher trugen Bedenken ihre Netze auszuwerfen. Franziska vermochte ſie, durch Verſprechungen dazu. Sie hatte ſich einmal Vergnuͤgen davon verſprochen, es ſtoͤrte ſie, das Erwartete unerfuͤllt zu laſſen. Umſichtig und geſchickt ging ſie den Leuten ſelbſt mit Rath an die Hand. Sie lief dabei hin und her. Ihr anmuthvolles Weſen, die Gabe, ſich jedwedem verbindlich zu zeigen, mit ihm reden, ſich klar und verſtaͤndlich machen zu koͤnnen, gewann ihr auch die ſteifen, ungelenken Herzen. Sie empfand das. Hoͤheres Roth faͤrbte ihre Wangen, die Augen lachten ſelbſt⸗ zufrieden und ſiegreich. Unwillkuͤrlich ward ihr Betragen mittheilender, freier. Sie ſprach oͤf⸗ ters mit den Umſtehenden, berief ſich auf deren Entſcheidung, nahm ihren Rath, ihren Bei⸗ ſtand in Anſpruch, kurz, uͤbte alle jene kleine Zauberkuͤnſte, welche ſchuldloſe Coquetterie und das Bewußtſein, ſie nicht unnuͤtz zu verſchwen⸗ den, ausgezeichneten Frauen an die Hand geben. Werner blieb ihr ſtets zur Seite. Die heftigſte Unruhe ſprach aus ſeinem Weſen. Er beobachtete ſie und Bodo unablaͤſſig. Franziska wandte ſich, ſo oft ſie etwas ausgefuͤhrt haben wollte, an dieſen. Unzaͤhlige kleine Beziehungen brachten ſie auf ſolche Weiſe zuſammen. Wer⸗ ners Verdruß ſtieg noch, als unter den Zu⸗ wel ſhauern/ aut diſcherei dörfern hebe Gefluͤſter ging, ſchuͤnen/ frem anſehnlichen„ die Engel im Hoͤren 6 der ſteudig 3 fimme lache Sie doch den Atmen, ſetzte ſelten Utſach Es lage worüber Fran und ſagte folg „Wenn „Beim Sie mac wegung mit zu zeigen, mit ich machen u en, ungelenken Rheres Roth lachten ſelbſt⸗ tlich ward ihr Sie ſprach if⸗ ſch auf deren , ihren Vei⸗ ſalle jene kleine ſoguetterie und zu verſchwen⸗ Hand geben. Seite. Die h Weſen. Er 9. Franziska efuͤhrt haben Beziehungen men. Ver⸗ ter den Zu⸗ ſchauern, welche das oͤffentliche Vergnuͤgen der Fiſcherei, aus dem Staͤdtchen und den nahen Doͤrfern herbeigelockt hatte, ein bewunderndes Gefluͤſter ging, und viele des Grafen und der ſchoͤnen, fremden Dame als eines paſſenden, anſehnlichen Paares erwaͤhnten, woruͤber ſich die Engel im Himmel freuen muͤßten. Hoͤren Sie es? fragte Werner, dicht zu der freudig Bebenden hinangedraͤngt. Volks⸗ ſtimme, lachte er ſcharf, Gottesſtimme. Machen Sie doch den Engeln das Vergnuͤgen. Die Armen, ſetzte er ernſthaft hinzu, finden ohnehin ſelten Urſach zur Freude. Es lag etwas Stechendes in ſeinem Blick, woruͤber Franziska ſichtlich erſchrak. Er lachte, und ſagte folgende Stelle aus ſeiner Rolle: „Wenn mir der Schrecken Dich gewinnen . kann, „Beim Gott der Hoͤlle!“ Sie machte eine lebhafte, verweiſende Be⸗ wegung mit der Hand. Er achtete es nicht, kaum ſeiner maͤchtig, bog er ſich dichter zu ihr und fluͤſterte: „Erſchrecken ſollſt Du auch vor mir!“ Franziska war, ihm zu entfliehen, dichter an den Uferrand getreten, ſie ſtand hier auf einer kleinen Erhoͤhung. Er folgte ihr dahin, als er die letzten Worte ſprach. So allein mit ihm, das toſende Waſſer zu ihren Fuͤßen— der dunkle Himmel, wachſender Sturm! bleich wie eine Lilie hob ſie die Arme, ihr war, als faſſe ſie ein unerbittliches Geſchick. Bodo ſtuͤrtzte hin zu ihr: Mich ſchwindelt, ſagte ſie halb ohnmaͤchtig. Es brauchte nichts mehr. Er hielt ſie in ſeinen Armen, er trug ſie unter dem Heran⸗ dringen theilnehmender Neugieriger hindurch, zu einer nahegelegenen, kleinen Fiſcherhuͤtte. Außer Athem, von Angſt, Leidenſchaft und An⸗ ſtrengung benommen, ſank er zu ihren Fuͤßen, hielt und druͤckte die ſchoͤnen Haͤnde an Bruſt und Lippen, Gott! Gott! rief er: Ewig ſo! O 9 Franiiska, ſcheiden Siei Sie fuhr Zuſtande uuf ihr Schnel it findend/ blicte allein, nienne gehn Sie! hel Er ſchtenicls und däſter au Blck vicht.ü geſeniten Wi ab. Ein Get dachten Worte Todes, trifft! Der Gre vom Boden er nach dem hiet und ſtuͤr Freundin in Sind S pelte ſie ſo en II 9 dichter vor mir!⸗ üchen, dichter ſtand hier auf lote ihr dahin, So allein mit ten Fuͤßen— Sturm! bleich ihr war, ab fk. Bodo ſuͤrtzte ſagte ſe hab Er hielt ſie in er dem Heran⸗ iger hindurch, Fiſcherhuͤtte. caaft und An⸗ ihren Fuͤßen, nde an Bruſt er: Evig ſol 9 au ihr — 193— O Franziska, jetzt, in dieſem Augenblick ent— ſcheiden Sie uͤber mich. Sie fuhr erſchrocken aus dem traumartigen Zuſtande auf. Sie glaubte, Werner ſpreche zu ihr. Schnell indeß Kraft und Beſinnung wieder⸗ findend, blickte ſie um ſich. Sie war mit Bodo allein, niemand in der Huͤtte. Geh'n Sie, geh'n Sie! flehete ſie, im Tone hoͤchſter Unruhe. Er ſagte nichts, ſein Auge lag ſchmermuthsvoll und duͤſter auf dem ihrigen. Sie ertrug den Blick nicht. Thraͤnen ſtahlen ſich zwiſchen den geſenkten Wimpern. Sie wandte das Geſicht ab. Ein Geraͤuſch in der Thuͤr jagte die unbe— dachten Worte uͤber ihre Lippen: Ich bin des Todes, trifft uns Werner hier! Der Graf ſprang im ſelben Augenblicke vom Boden auf. Unter flammender Roͤthe ſah er nach dem Eingange hin. Eliſe ſtand zoͤgernd hier und ſtuͤrzte dann, blaß und weinend der Freundin in die Arme. Sind Sie wieder wohl? Liebe, Gute! lis⸗ pelte ſie ſo erſchuͤttert, ſo verlegen und aͤngſtlich⸗ II. 1151 * — 194— daß jene kaum die Worte verſtand. Ich konnte Ihnen nicht ſo geſchwind folgen, ſetzte ſie, noch immer athemlos, hinzu. Der Graf eilte ſo ſehr— Sie hielt inne, ſich zu erholen. Wie geht es Ihnen denn aber nun? fragte ſie mit weinerlichem Laͤcheln. Wieder ganz gut? Franziska druͤckte ſie, im hoͤchſten Grade verwirrt, an ſich. Laſſen Sie das ſein, meine liebe Eliſe, entgegnete ſie, die feine Hand des Maͤdchens ergreifend. Kommen Sie, fuhr ſie dann ſchnell geſammelt fort, wir muͤſſen nur machen, unſre Freunde wieder aufzuſuchen. Die ſind laͤngſt nach dem Schloſſe zuruͤck, verſicherte jene. Alle glaubten Sie dort. Gott⸗ lob! dachte Franziska. So iſt Werner wohl auch mit Ihnen! Wie kommt es aber, beſann ſie ſich, zu Eliſe gewendet, daß Sie gleichwohl mich hier ſuchten? Ich? ich? laͤchelte dieſe un⸗ ruhig. Gott, Sie kennen ja meine alte Unart, daß ich mich immer auf Nebenwege verirre. Ich fand ſo von ohngefaͤhr dies Huͤttchen, ich ſah Sie von weitem und befluͤgelte meine Schritte. So ſind labe Elſel faſ ſ liberräſhte was ſch ihrer ruffn, eriͤh ſo ſchnell mit zer/ das fij der Aue, d an Bodo hin die Angſt ihr Allein 2 vor Werner, Sinne. Sie ert Schloß, Fra Grafen. M. nur eine Hö hern Bemuͤh Er ſprach a Jene unwille die Lippen gen druͤckte nd. o. Ich konn te ſehte ſie noch Graf eilte ſo ahulen. Wee fragte ſie mit danz gut? höchſte Grade bas ſein, meine ſe feine Hand en Sie, fuhr „ wir muͤſſen der aufzuſuchen Scſoſf unt, Sie dort Gott⸗ Werner wohl es aber, beſann Sie gleichwol ſchelte dieſe un. ene alte Unart, e verirre. Ich ttchen, ich ſah neine Schritte, — 195— So ſind Sie wohl ſchon laͤngere Zeit hier, liebe Eliſe? ſagte Franziska leicht hin. O faſt ſo lange, als Sie, verſicherte die Ueberraſchte lebhaft. Doch ploͤtzlich von dem, was ſich ihrer Seele ſchmerzlich zuruͤckrief, ge⸗ troffen, erroͤthete ſie gluͤhend, und wechſelte eben ſo ſchnell mit Leichenblaͤſſe. Ein erſtickter Seuf⸗ zer, das fluͤchtige Aufſchlagen und Senken der Augen, der Blick tiefer Wehmuth, der ſo an Bodo hinfuhr, haͤtte Unbefangnere wohl die Angſt ihres gepreßten Herzens verrathen. Allein Bodo hatte nur Franziska's Scheu vor Werner, und ſo Unendliches zugleich im Sinne. Sie erreichten in dieſer Stimmung das Schloß, Franziska's Arm ruhete auf dem des Grafen. Man ſah gleichwohl, er uͤbe dadurch nur eine Hoͤflichkeit, die weit hinter dem fruͤ⸗ hern Bemuͤhen, ihr nahe zu ſein, zuruͤckblieb. Er ſprach auf dem ganzen Wege keine Silbe. Jene unwillkuͤrliche Schreckensworte hatten ihm die Lippen verſiegelt. Sein dumpfes Schwei⸗ gen druͤckte auf beide Frauen zuruͤck. Auch fand — 196— keine von ihnen einen Gegenſtand, welcher Ge⸗ danken, wie Gefuͤhle nach Außen gelenkt haͤtte. Anna ſah ſie ſchon von fern kommen. Sie eilte ihnen auf dem Vorplatze entgegen. Sie wurden ſo ploͤtzlich unwohl? fragte ſie zerſtreut, und nur halb zu Franziska gewandt, indeß Auge und Herz dem Grafen entgegenflogen. Kommen Sie nur, fuhr ſie eben ſo fort, die Fiſcher druͤben vom See wollen dieſen Abend einen luſtigen Umgang halten, die Bergleute, mit ihren Grubenlichtern, ſchließen ſich ihnen an. Sie haben Muſik und ziehen von dem See herauf durch die Berge nach dem Staͤdt⸗ chen unten. Ihr Weg fuͤhrt ſie ganz nahe zu uns. Ich muͤßte mich ſehr irren, oder ſie kommen herauf und bringen der Dame des Schloſſes ihren Gruß. Werner iſt bei ihnen geblieben. Ihn unterhalte, ſagte er, das luſtige Volk uͤber die Maaßen. Auch fand er Bekannte. Die Wirthin aus der Dohle und ihre huͤbſche Tochter waren unter den Zuſchauenden. Anna erzaͤhlte das im Hinaufgehen, alles in einem Zuge fort, ohne zu beachten, welchen ſeͤhrenden 8 hatte Grbrie gepubt, amn zehn Schrilt ihn aufaugs⸗ dun eniſciede aber hatte ſ veraͤndert⸗ E Grafen lag er icheln, das en laßt, und dem Wenden man die ſte kennen, und die tohe Ir ab, ſo oſt ſ zſſchelnd zur lheiſten Ben lente Geſtalt Bodo, willkaͤrlich ge mochte es au Triumph la⸗ d, velcher Ge⸗ en gelenkt haͤtte ommen. Sie entgegen. Sie Pte ſie jerſtreut, ewandt, indeß entgegenfſogen. en ſo fort, die en dieſen Abend die Bergleute, eßen ſich ihnen ehen von dem ach dem Staͤt, te ganz nahe zu tren, oder ſie er Dame des iſt bei ihnen er, das luſtige d er Bekannte. d ihre huͤbſche enden. afgehen, alles chten, welchen ſtoͤhrenden Eindruck ihre Worte machten. Bodo hatte Gabriele nicht uͤberſehen. Sie ſtand, ſehr geputzt, am Arme der Mutter gehaͤngt, auf zehn Schritt von ihm. Ihr Anblick verwirrte ihn anfangs. Sie war weit ſtaͤrker geworden, von entſchiedenem, ſicherm Weſen. Am meiſten aber hatte ſich der Blick ihres ſchoͤnen Auges veraͤndert. Er ſah zuverſichtlich umher. Auf dem Grafen lag er mit jenem zu verſtehen gebendem Laͤcheln, das auf verſteckte Uebereinkunft ſchlie⸗ ßen laͤßt, und ſich ſelbſt zur Schau traͤgt. In dem Wenden und Drehen des Halſes konnte man die ſtete Unruhe einer Gefallſuͤchtigen er⸗ kennen, und vollends entſtellend, ſpiegelte ſich die rohe Ironie des Neides um ihre Lippen ab, ſo oft ſie Franziska anſah, und ſich dann ziſchelnd zur Mutter wandte, welche die mitge⸗ theilten Bemerkungen mit breitem, ihre corpu⸗ lente Geſtalt erſchuͤtterndem, Lachen beantwortete. Bodo, durch die truͤbe Umwandlung un⸗ willkuͤrlich geſtoͤrt, gruͤßte ſie mitleidig. Sie mochte es anders verſtehen, denn ein geheimer Triumph lag in ihren Mienen, und auffallend, —— — 198— bis zum Laͤcherlichen, war die Raum einneh⸗ mende Verbeugung, welche ſie ihm dankend zuruͤckgab. Es blieb nicht unbemerkt. Die Leute um⸗ her theilten ſich hoͤrbar genug ihre Gedanken mit. Die Mutter zupfte ſie am Kleide. Der Graf wandte verlegen das Geſicht. Er haͤtte Gabrielen doch eigentlich gern geſprochen. So lange war er ſchon in ihrer Naͤhe! das aͤrger⸗ liche Betragen des Mannes und der unleidlichen Wirthin, die bis nach Hohenried ihr ſchamloſes Getraͤtſch umhergetragen, ſich nicht entbloͤdet hatten, ihn durch Sendungen auf dem Schloſſe heimzuſuchen, dies, und vielleicht die Aeußerungen der Uebermuͤthigen, die ſich auch jetzt noch mit dem verbotenen Liebeshandel zu bruͤſten wagte, hielten ihn bis heute entfernt von ihr. Einen fluͤchtigen Moment hatte er Luſt, ihr das zu ſagen. Allein, wie Franziska ploͤtz⸗ lich am Ufer ſchwankte, er ſie davon trug, ſie in ſeinen Armen, an ſeinem Herzen lag, war Gabrielens Bild ſo ganz in dieſem verwiſcht, daß er hier erſt, durch Anna, an ſie erinnert ward. Sein Vetdruß fragte ſpit: kanntſchaft ko nun auch Franziöla ihr verbeugte ſich den hoͤchſt be Einige zurückkhren ausgepubt⸗ bäͤnderten H Lichtern der Stangen, trugen/ hi Sie hatten Streifen Kne geſchict wiſ zwei und d beiſammeu Uuter Man beier ſie ihren? traten an ihm dankng Die keute um, ihre Gedanken Jleide Der ſh. Er haͤtte Peſprochen, So he! das aͤrger⸗ der unleidlichen ihr ſchamloſes nicht entbloͤdet uf dem Schloſſe die leußerungen hjetzt noch mit bruͤſten wagte, n ihr. hatte er Luſt, Jranziska pluͤ⸗ von trug, ſie zen lag, war ſem verwiſcht, erinnert ward, Naum„ daum ſeinneh, ——— — 199—— Sein Verdruß ſtieg dadurch nur noch mehr. Er fragte ſpitz: wie das Fraͤulein zu dieſer Be⸗ kanntſchaft komme? Anna erroͤthete und ſchwieg nun auch. In der Thuͤr des Einganges zog Franziska ihren Arm aus dem ſeinigen. Er verbeugte ſich fremd und ſtumm. Beide ſchie⸗ den hoͤchſt beklommen, Einige Stunden ſpaͤter begann der Zug der zuruͤckkehrenden Fiſcher. Sie waren huͤbſch her⸗ ausgeputzt. Ihre Scharlachweſtchen und be⸗ baͤnderten Huͤte leuchteten hell zwiſchen den Lichtern der dunklen Bergleute. Ueber die Stangen, an welchen ſie die gefuͤllten Netze trugen, hingen große Buͤſchel Schilf herab. Sie hatten auch hier buntes Band und lange Streifen Knittergold dazwiſchen geflochten. Sehr geſchickt miſchten ſich die Paare, ſo daß immer zwei und zwei von den verſchiedenen Gewerken beiſammeu gingen. Unter Geſang und Spiel naheten ſie. Man bemerkte mit Vergnuͤgen im Schloſſe, daß ſie ihren Weg nach dieſem zunahmen. Alle traten an die Fenſter. Die Maͤnner gingen —— 1 nach dem Hofe hinunter. Es draͤngte ſich viel Volk den luſtigen Geſellen nach. Dieſe machten einen Kreis um das marmorne Waſſerbecken. Die Lichte wurden an Stoͤcken in die Hoͤhe ge⸗ halten, die Fiſcher ſchuͤtteten ihre Netze in den Behaͤlter aus, waͤhrend ſie in ruͤhrender Weiſe einen Gruß von dem gruͤnen Waͤldchen brach⸗ ten, der heute das Bild der ſchoͤnſten Frau in ſeinen Spiegeln geſchaut, und es den wechſeln⸗ den Wogen entfuͤhrt habe. Jetzt ruhe es ver⸗ ſchwiegen in der Tiefe Schooß, dankbar ſchicke er die kleinen Boten, ſie an ſich zu erinnern. Die Worte waren einfach, doch glaubte Bodo unverkennbar Werner darin zu erkennen. Er zweifelte auch nicht, dieſer ſei ſelbſt unter den Saͤngern. Er ging deshalb ſpaͤhend umher. Da faßte im Dunkeln eine Hand die ſeine. Bodo! fluͤſterte Gabrielens bekannte Stimme. Er erſchrak. Gieb mir meinen Becher wieder, bat ſie. Ich ließ Dich daraus trinken, weil ich nichts gut genug fuͤr Dich hielt. Seitdem iſt er mir werth. Was willſt Du damit? fragte ſie weich und zaͤrtlich. Du haſt ſo viel! Der don klang d Blic war in ganz die le der Graf dir gdrüͤcke Wo Freude⸗ de gener xerſtkeut, Franziska, rauen, vell Sieverbeugte gegen die gu allein ein da Zuletzt ſang dicht unter „Set Auf dei Bauen Die uUl Bei de Unſſ Funda draͤngte ſich diel dei machten Waſeerbecken 1 Hähe ge⸗ k Neße in de ührender We eiſe Dildchen tra onſten rau in s den wechſeln, kuhe es ber⸗ dunkbar ſchice in erinnern. „ doch glaubte in zu erkennen. ſei ſelhſt unter paͤhend umher. and die ſeine. unnte Stimme. Becher wieder, inken, weil ich Seitdem iſ amit? ftagte ſo viel! Der (in die — 201— Ton klang wie ehemals. Ihre Geſtalt, der Blick war in tiefe Schatten gehuͤllt. Sie ſchien ganz die Alte. Ich bringe ihn Dir! entgegnete der Graf, die Lippen fluͤchtig auf ihre Schulter gedruͤckt. Wann? fragte ſie mit kaum bezwun⸗ gener Freude. Ich denke bald! entgegnete er zerſtreut, denn in eben dem Augenblick trat Franziska, zwiſchen mehreren, ſte begleitenden Frauen, welche Lichter trugen, auf die Gallerie. Sie verbeugte ſich mit aller ihr angebornen Anmuth gegen die guten Leute, ſie wollte ihnen danken, allein ein lautes Vivat! uͤbertoͤnte jedes Wort. Inletzt ſang noch eine einzelne N Maͤnnerſtimme, dicht unter die Schloßfenſter tretend: „Fern von andrer Menſchen Tritten Auf dem unwirthbarem Strande, Bauen wir die leichten Huͤtten, Die uns kaum als Obdach ſchirmen Bei des Winters eiſ'gen Stuͤrmen. Unſre Wohnung iſt der Kahn Fundament die fluͤcht'ge Welle Unſre Wege Waſſerbahn, Unſre Leuchte Mondeshelle, 1 Hoffnung wirft die Netze hin In die Zukunft auf Gewinn. Moͤglich, daß ſich's gluͤcklich fuͤgt! Daß der Wurf uns wohl gelinge! Moͤglich, daß die Hoffnung truͤgt Daß der Zug nur wenig bringe Moͤglich, auch, daß in der Fluth Sich das Grab uns oͤffnen thut. Wer vor neuer Lebensbahn Auf der Schwelle ſich befindet Gleicht dem Fiſcher, der den Kahn Los von ſicherm Ufer bindet. Er wirft auch die Netze hin, An die Zukunft auf Gewinn. Es war Bodo nicht ſchwer, den Saͤnger I zu errathen, da er das Liedchen, wie deſſen Verfaſſer kannte. Manches war ausgelaſſen, das Andre von Werner geſchickt auf den Mo⸗ nentangeyu⸗ des richteten ſchloſſen mit wuͤnſchenden. dunkle praoph gend/ wie die Unruhig gang mit at danken. De Fenſtern erlo hauch, ſtaſcl giß es nic Es füh hin. Er war noch n im Saal. lang au der eehielt er „Wer Sie liebten trat. Daß liche Veryf pin. n. ic fügt! pelinge! truͤgt inge luth thut. n det n Kahn den Sänger „ wie deſſen eausgelaſſen, auf den Mo⸗ — 203— ment angepaßt. In dem Hochzeitsgruß eines Freun⸗ des richteten ſich die Worte an eine Braut, und ſchloſſen mit der Zuverſicht des froͤhlich Gluͤck⸗ wuͤnſchenden. Hier enthielten ſie nur eine dunkle Prophezeiung, ſo in's Ungewiſſe wo⸗ gend, wie die truͤgeriſche Welle. Unruhig hatte der Graf den ganzen Vor⸗ gang mit angeſehen. Er ſtand in tiefen Ge⸗ danken. Der Hof ward leer, die Lichte an den Fenſtern erloſchen. Fluͤchtig, wie der Nacht⸗ hauch, ſaͤuſelte ein Stimmchen: Bald, Ver⸗ giß es nicht! Es fuhr kalt und warm uͤber ſeine Bruſt hin. Er eilte in's Schloß zuruͤck. Werner war noch nicht zuruͤck. Franziska erſchien nicht im Saal. Der Abend dehnte ſich unertraͤglich lang an dem Harrenden hin. Ganz ſpaͤt noch erhielt er folgende Zeilen: „Werner iſt Ihr Freund. Sie kannten, Sie liebten ſich, ehe ich Ungluͤckliche dazwiſchen trat. Daß es ſo iſt, das legt mir die entſetz⸗ liche Verpflichtung auf, Sie beide zu fliehen!“ Franziska. — 204— Er antwortete auf der Stelle: „Sie haben mein Urtheil geſprochen. Ich gehe. Leben Sie wohl, Franziska. Was ich Ihnen noch ſagen koͤnnte— Sie werden es nicht hoͤren wollen, nicht hoͤren duͤrfen! Wer— ner koͤnnte Sie ploͤtzlich erſchrecken, unerwartet in's Zimmer treten, und Sie waͤren des Todes, erfuͤhre er, daß ein Andrer es ſich einfallen ließe, Sie zu lieben! Mein Gott, ich bin nie— mandem im Wege. Rufen Sie ja Werner zuruͤck, gnaͤdige Frau. Wahrhaftig, ich gehe ſchon!“ Bodo. Er war ſehr mit ſeiner Antwort zufrieden. Er meinte gar nicht ſtolzer, großmuͤthiger und wahrer handeln zu koͤnnen: Es litt keinen Zweifel, er wollte wirklich das Schloß verlaſſen. Den andern Morgen, das ſtand feſt, ſollte alles zu ſeiner Abreiſe bereit ſein. Er gab hierzu im Geheim Befehl. Im hoͤchſten Grade ange⸗ ſpannt, von Leidenſchaft und Selbſtgefuͤhl uͤber⸗ ſtroͤmend, glaubte er die Kraft ſeines Charae⸗ ters bewwunder zu duͤrfen. So die! den fagenolich Unabvenöbart grofartig übe Bett und ttä allein uͤber de hinaustragen Verſchwinden Erſtaynen de Thraͤnen und Nicht konnte es ka Weit von hit Klingel gedog beſchieden i malte er ſi Ausdruck ihl Die Zeit Uhr des No ſchien, wie elle: geſprochen Ich ziskg.. Sie verden es — duͤrfen/ Wer⸗ tken, unerwartet ſväten des Todes, es ſich einfallen btt, ich hin nie⸗ Werner zutuͤck, gehe ſchonl« Bodo. eewort zufriehen. oömüͤthiger und 8s litt keinen Schloß berlaſſen, feſt, ſollte alles gab hierzu im Grade ange⸗ bſtgefuͤhl uͤber⸗ ſeines Charac⸗ as ich — 205— ters bewundern, ſich unbedingt dieſer vertrauen zu duͤrfen. 4 So die Laſt des Geſchicks mit Wonne auf den jugendlichen Schultern fuͤhlend, gegen das Unabwendbare geſtaͤhlt, die Zukunft raſch und großartig uͤberfliegend, warf er ſich Nachts auf's Bett und traͤumte wachend von dem, was ihn allein uͤber das Demuͤthigende ſolcher Erfahrung hinaustragen konnte, von ſeinem ploͤtzlichen Verſchwinden aus dieſen Mauern, von dem Erſtaunen der Zuruͤckbleibenden, von Anna's Thraͤnen und Franziska's Reue. Nicht einen Augenblick ſchlief er. Er konnte es kaum erwarten, daß der Tag graue. Weit von hier fort wollte er ſein, wenn die Klingel gezogen, die Frauen zu Franziska hinein beſchieden wurden. Er jauchzte! Im Stillen malte er ſich die uͤberraſchten Mienen, den Ausdruck ihres fragenden Blickes. Die Zeit verging daruͤber. Es ſchlug ſieben Uhr des Morgens, acht, neun, niemand er⸗ ſchien, wie er es doch ſo beſtimmt gefordert hatte. ——— — 206— Endlich war er ſelbſt gezwungen, zu klin⸗ geln. Sein Kammerdiener erſchien, ſehr ver⸗ wundert, ſeinen Herrn ſo unzufrieden zu ſehen. Nachdem er eine Fluth ungeſtuͤmer Vorwuͤrfe geduldig hingenommen hatte, entgegnete er be⸗ ſtimmt, daß er ganz unſchuldig ſei. Noch in der Nacht erhielt er durch einen der Schloßbe⸗ bedienten den ausdruͤcklichen Befehl: alles fruͤ⸗ here, behufs der Reiſe, Angeordnete, dahingeſtellt ſein zu laſſen. Der Herr Graf wolle ihm morgen genauere Auskunft geben. Fuͤr jetzt ſolle er nur ſchlafen und ſeinen Herrn auch ſchlafen laſſen. Bodo ſtampfte mit dem Fuß. Er war aus ſeiner Rolle heraus und nicht im Stande noch einmal hineinzukommen. Nach einer Weile ward ihm ein zweites Billet von der Graͤfin zugeſtellt. Die ungleich, mit bebender Hand hingeworfenen Lettern ſagten: „Ungroßmuͤthiger! Muß ich Sie zwingen zu bleiben? Ich will, ich werde Sie ſehen. Bis dahin ke Sie mir das! rüͤckbringen. 1 Daß ich Jhn ſollte Ihnend dem ſchon ekid Stolz und Tr thun Sie W tleiben?7 Et blieb es war. Di Peinliche un niſſe hineinſet Vergeben oder deſſen? nicht. Ein; der Dinge ſit Ein einziget Unſchluͤſſigkei kraft wie na 3 en / zu kli, n, ſehr ver, den zu ſehen. er Varwͤtfe eonete er be⸗ ti. Noch in der Schloßßbe, 1 alles fraͤ, dahingeſelt wolle ihm . Fär jett Herrn auch Er war aus Stande noch einer Weile der Graͤfin ender Hand Sie zwingen Sie ſehen. Bis dahin keine Unbeſonnenheit. Verſprechen Sie mir das? Werner muͤſſen Sie hierher zu⸗ ruͤckbringen. Sparen Sie deshalb keine Muͤhe. Daß ich Ihnen dieſen Auftrag geben kan n, ſollte Ihnen vieles ſagen, Bodo. Man darf dem ſchon etwas zumuthen, der im Vortheil iſt. Stolz und Trotz kleiden Sie vielleicht, mir aber thun Sie wehe damit. Nicht wahr, Sie bleiben?“ Franziska. Er blieb. Es blieb alles eine Weile wie es war. Die fruͤhern Briefe laſſen in das Peinliche und Kranke ſchwankender Verhaͤlt⸗ niſſe hineinſehen. Vergebens erwartete Bodo ſeinen Freund, oder deſſen Antwort. Er kam nicht und ſchrieb nicht. Ein paar Wochen im ruhigem Gange der Dinge ſind dahin, man weiß nicht wie? Ein einziger Tag in Erwartung, Kampf und Unſchluͤſſigkeit hingebracht, erſchoͤpft die Lebens⸗ kraft wie nach großer Krankheit. Franziska wollte fort von dem Schloſſe. Sie wollte eben ſo, Gegend, Land, die Welt, waͤre es ſo leicht gethan geweſen, verlaſſen. Endlich wurde gepackt, die Reiſewagen vorgeſchoben. Alles im Hauſe ſeufzte erleichtert auf, ein jeder wollte den Augenblick ſegnen der ihn von hier fortſchaffte. Die Graͤfin inzwiſchen badete ſich in ih⸗ ren Thraͤnen. Bodo ging mit klopfendem Her⸗ zen die Saͤle auf und ab. Franziska hatte ihn folgenden Tages zu ſich beſchieden. Der Tag, die Stunde kam. Er klopfte an die Thuͤr ih⸗ res Cabinets. Ein erſticktes, aͤngſtlich zitterndes Herein! oͤffnete ihm die Thuͤr. Franziska erſchien den Mittag zum erſten mal wieder bei Tiſch. Die Wagen ſtanden noch gepackt durchgerungen. Heute nicht weiter die Rede von naher Abreiſe. Sie⸗ Siel An naͤchſten Drßleeimte ten zweier arbeit Nachbaren hier Es lebted gnͤliches Vll fanben ſi bald giſche Herhen! ter duunk fehlt fuͤr dieſe, vern vollends der die Frau alles Alte klatſchte: und Jung hier Nun, die ſeither nur ſel ſalls, wenn a ſogleich in ihre dem Herzen ha ausruͤcken woll Il. eim Sühloſſe. die Wel, verlaſſen. Reiſewagen ite erleichtert 8 ſegnen der ſich in ih⸗ fendem Her⸗ ſta hatte ihn . Der Tag, die Thüͤr ih⸗ ich zitterndes zum etſten gen ſtanden nicht weiter — 209— Siebentes Kapitel. Am naͤchſten Sonntag ward zur ſchwarzen Dohle getanzt. Es war gewoͤhnlich, daß, in mit⸗ ten zweier arbeitſamer Wochen, Einheimiſche und Nachbaren hier zuſammentrafen. Es lebte dort herum ein maͤßiges und ver⸗ gnuͤgliches Voͤlkchen. Ihre kleine Anfoderungen fanden ſie bald befriedigt. Geſunde Beine und friſche Herzen brachten ſie mit, ein ſchmackhaf⸗ ter Trunk fehlte nicht, Muſik, und offner Sinn fuͤr dieſe, vermißte man niemals. Und ſeit nun vollends der junge Kaufmann hier haushielt, die Frau alles ſtattlich und ſchoͤn aufputzte, die Alte klatſchte und ſchmeichelte, fand ſich Alt und Jung hier auf ein paar Stunden wohl. Nun, die Leute vom Schloſſe blieben auch ſeither nur ſelten weg. Sie kamen jetzt eben⸗ falls, wenn auch ein wenig ſpaͤt. Man las ſogleich in ihren Mienen, daß ſie etwas auf dem Herzen haben, mit dem ſie noch nicht her⸗ ausruͤcken wollten. II.(141 — 240ñ— Es fragte ſie gleichwohl niemand. Gabriele wollte auch nicht zudringlich ſcheinen, durfte es auch nicht, ihres Mannes wegen, der ein Auge auf alle ihre Bewegungen hatte, ſo oft ſie um die Dienerſchaft der Graͤfin und ihrer Gaͤſte ge⸗ ſchaͤftig hin und her drehete. Gott weiß, wie Wunſch und Erwartung im Menſchen ſo oft uͤber alle Wahrſcheinlichkeit hinausfolgern, und leere Einbildungen eine Ge⸗ ſtalt annehmen, die fix und fertig daſteht, bei der man ſchwoͤrt, und es weder Andern, noch ſich ſelbſt glaubt, wenn man es auch glauben muß, daß es ein Luftbild iſt!: Gabriele hatte ſich, durch etwas Aehnliches verlockt, feſt in den Kopf geſetzt, Bodo muͤſſe ihr heute, durch einen der anweſenden Bedien⸗ ten, ein Zettelchen zuſtecken laſſen, in welchem er das Naͤhere uͤber die verſprochene Zuſammen⸗ kunft mit ihr verabrede. Deshalb wohl ganz vorzuͤglich, war ſie nicht von dem Tiſche wegzu⸗ bringen, wo jene Platz genommen hatten. Der Koch Antoni beſtaͤrkte ſie unabſichtlich in dem Wahne. Sein bewegliches Mienenſpiel 4 Zeigefinger zuſe ließ immet und da ihm ah er ſe i und trieb ſe Hienu kam ei racht klug war das Uebermagl chen Auslaͤnden ſcheinen lißt n Herr Anto und Fingern, geſprochen, wo nung ihrer Si⸗ Jeht ſaß er, den ſchwarzgele die Hande verſ ſich nicht errat Licht hatte er werde ihn die machen. So liches, hub ſ mit dieſen in id. Gattie en, durfte e5 der ein Auge ſo oft ſſe um ſrer Giſſ g id Erwattung hrſcheinichkei ſigen eine Ge⸗ daſteht, hei Andern, noch auch glauben was Achnliches -„Bodo müͤſe nden Bedien⸗ „in welchen ne Zuſammen⸗ ſb wohl ganz Tiſche wegzu hatten. unabſichtlich V Mienenſpiel — 211— ließ immer auf Verſtecktgehaltenes ſchließen, und da ihm die huͤbſche Wirthin wohl gefiel, ſo ſah er ſie oft an, laͤchelte dabei, nickte ihr zu, und trieb ſeine Poſſen auf allerlei Weiſe. Hierzu kam eine Sprache, aus der man nie recht klug ward, jener Mangel der Worte und das Uebermaaß des Ausdrucks, was den ſuͤdli⸗ chen Auslaͤnder leicht uͤberſchlau und pfiffig er⸗ ſcheinen laͤßt, wenn er nichts, als unbeholfen iſt. Herr Antoni hatte heute ſchon mit Augen und Fingern, durch Lachen und Ausrufungen geſprochen, wovon Gabriele, trotz aller Span⸗ nung ihrer Sinne, nicht das Mindeſte verſtand. Jetzt ſaß er, beide Arme auf den Tiſch gelegt, den ſchwarzgelockten Kopf von Zeit zu Zeit in die Haͤnde verſteckend, und aͤrgerlich, wenn er ſich nicht errathen ſah, damit ſchuͤttelnd. Das Licht hatte er dicht zu ſich herangezogen, als werde ihn die hellere Beleuchtung verſtaͤndlicher machen. So bog er nun den Daumen und Zeigefinger zuſammen, als halte er etwas Zier⸗ liches, hub ſie gegen die Lippen und ſchluͤrfte mit dieſen in Gedanken den koͤſtlichſten Wein. * ————:’’́; — ——n — 212— Der Blick, die verklaͤrten Mienen druͤckten das ſprechend aus. Sehr natuͤrlich mußte man hiervon auf den Wunſch nach gutem und beſſerm Getraͤnke ſchließen, als ſich hier gerade vorfand. Nur war freilich nicht zu erklaͤren, weshalb er das nicht in ſolchen Worten ſagte, wie ſie ihm zu aͤhnlicher Verſtaͤndigung ſehr wohl zu Gebothe ſtanden. Gabriele blieb auch nicht einen Augenblick daruͤber im Zweifel. Er wollte nichts haben, er wollte ihr etwas geben, und zwar unleugbar den Becher, welchen ihr Bodo wohl auf bedeu⸗ tungsvolle Weiſe zuſchickte. Sie laͤchelte daher klug, winkte, mit halb⸗ gewandtem Geſicht, auf den eben voruͤbergehen⸗ den Mann, und fluͤſterte, waͤhrend ſie das Licht putzte: Geduld! nachher! Er ſah ſie verwundert an. Mußt mittrinken, ſagte er heimlich. Ge⸗ ſundheit trinken! Weißt Du? Hochzeit? Freilich! freilich! entgegnete ſie leiſe. Sie glaubte alles hierdurch erklaͤrt. An ihrem Hoch— zeitsabend hatte ja Bodo in wilder Verzweiflung aus dem B ihn bei ſich und einig erſter Bekan Es ware zu ihm geri Ja, ja! ni Gieb Du C diſſe gawen Pein! Will Gabriele trug ſelbſt h nun mit der Hand ſie hal nen Napf, vorſchritt, h indeß gekom da, thun Tagel Sie ihrer Herrſch ſpricht auch fuͤr einen drüͤckten das rvon auf den in Getraͤnke rfand. Nur eshalb er das ie ſe ihm zu l zu Gebothe n Augenblick ihts haben, er ſvar unleugbar ohl auf bedeu⸗ kte, mit hall⸗ voruͤbergehen⸗ ſie das Licht ſe verwundert eimlich. Ge⸗ dvochzeit! ie leiſe. Sie ihrem Hoch⸗ Verzweiflung — — 213— aus dem Becher getrunken. Seitdem trug er ihn bei ſich. Nun ſie ſich wieder verſoͤhnten, und einig waren, giebt er ihr das liebe Pfand erſter Bekanntſchaft zuruͤck. Es waren indeß Antonis Gefaͤhrten naͤher zu ihm geruͤckt. Sie ſprachen mit einander. Ja, ja! nickte der Italiaͤner. Punſch! Punſch! Gieb Du Citeronen alte Mutter, ſagte er, zu dieſer gewendet. Citeronen und Zucker und Wein! Will gleich machen! ſchoͤne Punſch! Gabriele hatte aus allem kein Arg. Sie trug ſelbſt herbei was verlangt ward. Als ſie nun mit der Kohlenpfanne hereintrat, in einer Hand ſie haltend, mit der andern einen zinner⸗ nen Napf, und damit vorſichtig und langſam vorſchritt, hoͤrte ſie zweien andere Gaͤſte, welche indeß gekommen waren, halblaut ſagen: Die da, thun ſich wohl guͤtlich an dem heutigem Tage! Sie feiern hier unten das Hochzeitsfeſt ihrer Herrſchaft! Oben geht es ſtill zu. Es ſpricht auch niemand daruͤber, aus Schonung fuͤr einen abweſenden Freund, heißt es. — — 214— Wie kommt es denn, daß Du darum weißt? fragte der Andre. Ei, entgegnete der, ich war die Woche auf Arbeit dort; das Schloͤſſerhandwerk oͤffnet Einem von ſelbſt Thuͤr und Thor. Man ſchnappt ſo Manches auf, und denn, die Domestiken halten auch nicht reinen Mund. Zu dem, ſetzte er hinzu, ſahe ich ſie heute trauen.— Wen? fragte jener, der geuauern Auskunft wegen, und um es wieder nachſagen zu koͤnnen. Wen? war die Antwort. Nun, den Grafen von Hohenried und die ſchoͤne fremde Dame oben im Schloſſe. Gabriele verſchuͤttete hier die Kohlen, ſchrie, ſie habe ſich verbrannt, und ſtuͤrtzte dem Manne halb ohnmaͤchtig in die Arme. Der Unfall unterbrach ſogleich die Luſt der Anweſenden, da die Mutter, nach Art ſolcher Leute, ein entſetzliches Geſchrei erhob, und da⸗ durch die Theilnahme faſt gewaltſam in An⸗ ſpruch zu nehmen wußte. Man unmſtellte und draͤngt ſich zu Gabri⸗ elen. Dieſe ſaß indeß, blaß wie der Tod, in ainem großen leidende Hand taeg ſeeäͤngſt icher zu ſet ruͤhten zu aſſe Der Man und beſorgk u So habe eb indem er ſch ſinig und e brummte ek d Zaͤhnen. Die Mu raunte der To tet Ihr Stt Denn daß D than haſt, d ebenfalls verd Es iſt Mag draus u ihn ſprechen, werfen, und Schande auf du darum ſtgegnete der, dort; .tz das ſelbſt Thüͤr ſanches auf, auch nicht hinzu, ſahe ftagte jener, und um es 1? war die Hohenried im Schloſſe. ohlen, ſchrie, dem Manne die Luſt der Art ſolcher öb, und da— am in An⸗ ) zu Gabri⸗ er Tod, in — 215— einem großen Armſtuhl, wollte niemanden die leidende Hand zeigen, ſondern wickelte und ver⸗ barg ſie aͤngſtlich in die Schuͤrze, und ſchwor, lieber zu ſterben, als ſie von irgend wem an⸗ ruͤhren zu laſſen. Der Mann, welcher ſich bis dahin liebevoll und beſorgt um ſie bemuͤhete, ward aͤrgerlich. :So habe es denn, wie Du es willſt! ſagte er, indem er ſich von ihr wandte. Sie iſt eigen— ſinnig und eingebildet, wie eine Naͤrrin, brummte er noch im Weitergehen zwiſchen den Zaͤhnen. Die Mutter hatte es wohl gehoͤrt. Sie raunte der Tochter zu: was iſt denn das? Hat⸗ tet Ihr Streit miteinander? und woruͤber? Denn daß Du Dir nichts mit den Kohlen ge⸗ than haſt, das merke ich nun wohl, fuͤgte ſie ebenfalls verdruͤßlich hinzu. Es iſt alles Eins! entgegnete Gabriele. Mag draus werden, was da will! Ich muß ihn ſprechen, und ließ er mich aus dem Hauſe werfen, und haͤufte er noch mehr Schimpf und Schande auf mich. Sie war, waͤhrend ſie dies — — — 216— halblaut und vor ſich hin redete, aufgeſtanden, und in die anſtoßende Kammer gegangen. Ich merke wohl, ſagte die Alte, indem ſie ihr folgte, wo die Glocken herlaͤuten. Aber hoͤre einmal, fuhr ſie, noch immer an ſich haltend, fort, zaͤhmſt Du nicht die unnuͤtze Zunge und das tolle Weeſen, machſt Du Laͤrm, ſtoͤhrſt Du die huͤbſche Wirthſchaft hier, in der wir ruhig und warm ſitzen, verzuͤrnſt Dir den Mann und laͤufſt dem vornehmen Taugenichts nach, Ga⸗ briele, ſo wahr Gott lebt, ich bin die Erſte, die meine Hand von Dir zieht, ich werfe Dich zum Hauſe hinaus, ich ſchließe die Thuͤr hinter Dir zu, und zeige der Welt, daß ich fuͤr nichts in Deinem liederlichen Wandel bin. So? entgegnete Gabriele, die Mutter groß anſehend. Wer hat denn das Ungluͤck herbeige⸗ fuͤhrt, ſagte ſie mit erſtickter Stimme, wer hat Tag und Nacht von dem ſchoͤnen Grafen ge⸗ ſprochen? ihm geſchmeichelt, mir goldne Tage verheißen? Wer war es denn, der mir, als ich weinte und die Haͤnde rang, troͤſtlich in's Ohr fluͤſterte: Laß nur! Er nimmt Dich gewiß und Du wirſt ſolltet Euch ich unglͤch losſagt. Wer, von Dir, es leiden,! Welt zu Mutter nic Dein Mant ich glaub's! jene gedan haͤllt denn Kunden? Keine See einen Schl waͤren. C veit kom Und wederte C Ja le jen, das klug Ni aufgeſtnde, angen. a. 3c ſe ihr folgte, höͤre einmal, ſlend, fon, ge und das lährſt Du die bir ruhig und Mann und nach, Ga⸗ die iſt, die werfe Dich e Thur hinter ich fuͤr nichts 1. Mutter groß luͤck herbeige⸗ ime, wer hat Grafen ge⸗ goldne Tage mir, als ich lich in's Ohr h gewiß und — 217— Du wirſt eine reiche Dame. Mutter, Ihr ſolltet Euch ſchaͤmen und mich ruhig laſſen, nun ich ungluͤcklich bin, und ſich Alles von mir losſagt. Wer, fragte jene heftig, wer ſagt ſich los von Dir, Gabrielchen? Denkſt Du, ich werde es leiden, wenn Dir irgend ein Menſch in der Welt zu nahe tritt? Da kennſt Du Deine Nutter nicht! Sage doch, Engelchen, war's Dein Mann, der Dich kraͤnkte? Ich glaub's! ich glaub's! fuhr ſie immer zorniger fort, als jene gedankenvoll ſchwieg. Der Narr? wer haͤlt denn alles in Ordnung und ſchafft ihm die Kunden? Er nicht! er nicht! wahrhaftig nicht! Keine Seele kaufte ein Loth Taback und traͤnke einen Schluck Waſſer bei ihm, wenn wir nicht waͤren. Er ſoll es einmal probiren! Er wird weit kommen, der trockene Pinſel! Und an den habt Ihr mich verkauft, er⸗ wederte Gabriele, mit dem ſoll ich nun leben! Ja leben mußt Du mit ihm! verſicherte jent, das iſt einmal nicht anders. Darum ſei klug Nimm ihn, wie er iſt. Du ſollſt das Regiment fuͤhren, dafuͤr ſtehe ich Dir. Fange es nur danach an. Laß ihn nur ſprechen. Worte koſten nichts und fallen auch nicht ſchwer. Aber was ſagte er Dir denn? Ach er mag ſagen, was er will! ſchluchzte die Bekuͤmmerte. Das thut mir's nicht. Doch Mutter, fuhr ſie, ſich beſinnend, fort, geht nur wieder hinein zu den Gaͤſten. Ich helfe mir wohl ſelber. Sagt drinnen: Ihr habt mir Salbe aufgelegt. Es werde alles gut gehen. Ich ſei ſchon zu Bett und wolle ſchlafen. Ich will auch ſchlafen! ſetzte ſie beſtimmt hinzu. Gabrielchen! warnte die Mutter. Gewiß! verſicherte jene. In Kurzem war ſie allein. Das Blut kochte ihr heiß zum Herzen hinauf. Geheira— thet! geheirathet hat er ſie! ſagte ſie dumpf. Nun iſt er fuͤr mich verloren! Er geht mit ihr fort von hier. Nach Hohenried ziehen ſe. Nach Hohenried— Alle geſcheiterte Hoffurn⸗ gen lagen mit dem Blick auf das lachende und ſchoͤne Schloß ploͤtzlich vor ihr. Es war, als wuͤhle eine unbarmherzige Hand an hrer Serle und. welche ehemna Es iſt g vieles gefaßte ich deinelneg rief ſie wit Du! Dir Sie wl empfindlich 9 ſe es wollte/ gemacht, und Indwiſ ſtube imme Verheirathu Die Leute nichts davon unbeſcheiden uͤber eine O haben wollt der Koch Al mer vicht g mangelhaft, und ihm la dir. Jange ur ſprechen. auch nicht nn? ll ſchluchzt nicht. Doch tt, geht nur eh helfe mir — habt mir gut gehen. ſlafen. Ich hinzu. er. Gewiß! Das Blut . Geheira⸗ ſie dumpf. lr geht mit ziehen ſſe Hoffuun⸗ chende und war, als an ihrer Seele und reiße die lieben Bilder alle nieder, welche ehemals darin lebten. Es iſt gut! es iſt gut! ſagte ſie drauf um vieles gefaßter. Das iſt der letzte Schmerz, den ich deinetwegen haben will, treuloſer Bodo! rief ſie mit ſpoͤttiſchem Lachen. Aber Du— Du! Dir will ich's gedenken! Sie wußte zwar nicht recht, wie ſie ſich empfindlich gegen ihn raͤchen koͤnne. Aber daß ſie es wollte, das dachte ſie ſich als ganz aus⸗ gemacht, und fand ihren Troſt darin. Inzwiſchen ward es drinnen in der Gaſt⸗ ſtube immer lauter. Die Nachricht von der Verheirathung des Grafen ſprach ſich herum. Die Leute vom Schloſſe thaten, als wiſſen ſie nichts davon, und nahmen es uͤbel, daß man unbeſcheiden genug ſei, in ihrer Gegenwart uͤber eine Sache zu reden, die ſie nicht Wort haben wollten. Am unzufriedenſten zeigte ſich der Koch Antoni. Der Punſch war noch im⸗ mer nicht gemacht, die Anſtalten dazu hoͤchſt mangelhaft, die huͤbſche Frau obendrein krank, und ihm laͤnger nicht zur Hand. Er ſchalt und — 220— ſchimpfte in ſeinem Kauderwelſch. Seine Ge⸗ faͤhrten ſtimmten ihm bei. Der Wirth, welcher nicht in der Laune war, ſich viel gefallen zu laſſen, blieb ihnen eben nichts ſchuldig. Er hatte ſchnell die Schloßneuigkeit mit Gabrielens ploͤtzlichem Krankthun zuſammengereimt. Die Galle ſchwoll ihm ohnehin genugſam an. Eiferſucht im Herzen, Zorn im Blut, maaß er die Worte nicht. Er uͤbte ſein Hausrecht, er⸗ griff den Unruheſtifter und Zaͤnker am Kragen, ſchuͤttelte ihn derb, und ſchwor, ihn zur Thuͤr hinaus zu werfen, wenn er ſich noch lange hier mauſig mache. Nachbaren und Freunde aus dem Staͤdtchen waren groͤßtentheils auf ſeiner Seite, ſo daß die ſchwaͤchere Gegenparthei kleinbeigeben und ſich ducken mußte. Die Schwiegermutter hatte den Mann nie ſo entſchieden geſehen. Sie erſchrack, als er ganz gluͤhend vor Unwillen, mit weit geoͤffneten Augen und Lippen, die blaß und bebend, nur noch zu ſtammeln vermochten, zu ihr hintrat, und nach Gabriele, in einem Tone fragte, der hie! Wo Dort in der wort. Er riß führte, auf der Mutter Da ſitt ſe etwas von Siehſt D bei der Ha ganzen Bete den hin, d Schab, kre Nun iſt e Abstage ni Gabrie heftigem T mit ſchon Seine Ge⸗ lnd welcher l gefalln gu ſchuldig. Et it Gabrielens rreimt. Die nugſam an. lut, muß e usrecht, er⸗ am Kragen, in zur Thäür chlange hitr Freunde aus is auf ſeiner Gegenparthei in Mann nie ack, als er it geoffneten ebend, nur hhr hintrat, fragte, der genug bewieß, daß er es ihr wolle fuͤhlen laſ⸗ ſen, daß er Herr ſei. Zoͤgernd entgegnete ſie daher: Gabrielchen ſchlaͤft, lieber Herr Sohn. Schlaͤft? ſchlaͤft? rief er laut auflachend. Bei dem Satanslaͤrme hier? Wo ſchlaͤft ſie denn? fragte er lauernd. Dort in der Kammer, war die kleinlaute Anr⸗ wort. Er riß ſchnell die Thuͤr, welche zu dieſer fuͤhrte, auf, und ſie offen laſſend, ſagte er, zu der Mutter zuruͤckgewendet, das wußte ich wohl! Da ſitzt ſie ja, und horcht, ob ſie nicht noch etwas von dem Herzallerliebſten erfahren kann. Sieh'ſt Du, fuhr er, die Beſtuͤrtzte ungeſtuͤm bei der Hand faſſend hinzu, Dich, und den ganzen Bettel von Gaſthof, gebe ich vor Freu⸗ den hin, daß er geheirathet hat. Nun, mein Schatz, kreiſchte er, zwiſchen Wuth und Lachen, Nun iſt es aus! Nun kriegſt Du hir Dein Lebstage nicht wieder zu ſehen. Gabriele blitzte ihn hier mit einem ſchnellen, heftigem Blicke an.„Und auslachen, fuhr er mit ſchonungsloſem Spotte fort, auslachen 2— 8 werden Dich obendrein alle beide, und ſieh'ſt Du, ich lache mit! Du lachſt mit? entgegnete ſie gelaſſen. Ja, ja, fiel er ſich ſelbſt nicht mehr ken⸗ nend, heftig ein. Und daran wird mich kein Menſch hindern. Sie erwiederte nichts. Gegenſtandslos ſtarrte ſie in das anſtoßende Zimmer hinein. In ihrer Bruſt kochten Aerger und unzaͤhlige unverſtandene Empfindungen. Der beleidigte Franzoſe mochte in einer aͤhnlichen Stimmung ſein. Er ſtand in einem Winkel gedruͤckt, ballte die Fauſt drohend und murmelte zwiſchen den zuſammengeklemmten Zaͤhnen etwas, das nie⸗ mand hoͤrte, doch jeder leicht verſtand. Andre wollten ihm gut zureden, doch er hoͤrte nicht auf ſie. Naſch hinuͤbergeſchleuderte und aufgefangene Blicke, ſetzten ihn in ein ſonderbares, zu Anfang gewiß ganz zufaͤlliges Einverſtaͤndniß mit Gabrielen, deſſen unerkannte Vermittler, Haß und Zorn waren. — Die uͤrt Senntagslu ſtanden Ein uͤber das Ve Hauſt rlii wieder zu de die Kamme ter ſich zuw beunruhigt. aus, erzäͤh mit Variati den Grafen gerſohn lie reuete es/ res Alters Das 4 bis die An ſamkeit au genblicklich Gleichgewic Cs wa wartet hie Baͤſſe ſei und ſehſt te gelaſen 1 mehr ken⸗ dd mich kein ſgenſtandelos mer hinein. d unzählige er deleidigte Stimmung druͤckt ballte zwiſchen den „ das nie— d. u, doch er geſchleuderte ihn in ein zufaͤlliges unerkannte — 223— Die aͤrgerliche Stoͤrung hatte Tanz und Sonntagsluſt unterbrochen. In allen Ecken ſtanden Einzelne zuſammen, und verhandelten uͤber das Vorgefallene. Viele prophezeieten dem Hauſe ploͤtzlichen Gluͤckwechſel. Der Wirth war wieder zu den Gaͤſten zuruͤckgekehrt, indem er die Kammerthuͤr heftig und mit Geraͤuſch hin⸗ ter ſich zuwarf. Die Mutter fuͤhlte ſich ſehr beunruhigt. Sie ſchuͤttete manch Einem ihr Herz aus, erzaͤhlte die Wahrheit halb und die Luͤge mit Variationen, brannte ſich weiß und machte den Grafen kohlrabenſchwarz. Ihrem Schwie⸗ gerſohn ließ ſie auch kein gutes Haar, ſie be⸗ reuete es, auf ihn gebaut und den Frieden ih⸗ res Alters in ſeine Haͤnde gelegt zu haben. Das Hin⸗ und Herreden nahm kein Ende, bis die Ankunft eines Fremden die Aufmerk⸗ ſamkeit auf andere Gegenſtaͤnde lenkte, und au⸗ genblicklich die Gemuͤther in eine Art von Gleichgewicht brachte. Es war der Arzt, der noch ſpaͤt und uner⸗ wartet hier einſprach. Die außerordentliche Blaͤſſe ſeines Geſichts und das Krankhafte in —— — 224— Sprache und Bewegungen nahm ſogleich die Theilnahme der leicht angeregten Frauen in Anſpruch. Die, kurz zuvor noch ganz mit ihren Leiden beſchaͤftigte, Alte ſchob dienſtfertig zu ihm hin, fuͤhrte ihn zum Kamine, warf friſche Kohlen in die Gluth, und zeigte ſich bereit, ſo⸗ gleich warmes Getraͤnk herbei zu ſchaffen. Der Arzt nahm den angebotenen Platz ein, dankte aber fuͤr jede andre Erquickung. Er ſchien ganz mit ſeinen Gedanken beſchaͤftigt, wenig Sinn fuͤr das außer ihm Liegende zu haben. Es fiel ihm daher nicht ein, daß er je⸗ mand ſtoͤhren koͤnne. Erſt als die Geigen wie⸗ der leiſe geſtimmt, und der Bogen pruͤfend uͤber die Saiten geſtrichen ward, errieth er, zu welchem Zweck die Leute hier verſammelt wa⸗ ren. Er ſeufzte tief, und wandte ſich ganz mit dem Geſicht nach dem Feuer. Der Wirth war gewiſſermaaßen durch die vornehme Ruhe ſeines Gaſtes imponnirt. Er ſah mit einiger Verlegenheit zu dieſem hin. Die ungewohnte Hitze hatte ſich in ihm abge⸗ kuͤhlt. Durch dieſe gleichwohl verſtoͤrt und un— ſicher, ſicher/ ſebte Er fuͤhlte/ haben, was ungeſchehen hältnß iu nahe. Er wi zurecht bringe Kammer wie jett von Ing ſie nun vor 8 So im Unfrie gen. Sein, ſch nach Ei welche ihm zc aus der Beſo gluͤken, er de ihn uͤberholen zug hatte, j nes Dritten, was ihm zun wirrte ihn. ward maͤrriſeh Jorn und U Il. ſegende zu daß er je⸗ n pruͤfend ſiieth er, zu nmelt wa⸗ ganz mit durch die mirt. Er eſem hin. ihm abge⸗ t und un⸗ ſccher, ſicher, ſetzte er ſich betruͤbt im Winkel nieder. Er fuͤhlte, ſo manches geſagt und gethan zu haben, was ſich nicht ſchickte. Er haͤtte es gern ungeſchehen gemacht. Das verſchobene Ver⸗ haͤltniß zu ſeiner Frau ging ihm beſonders nahe. Er wußte gar nicht, wie er das geſchickt zurecht bringen werde. Gabriele hatte indeß die Kammer wieder geſchloſſen. Er hoͤrte, wie ſie jetzt von Innen den Riegel vorſchob. Er ſah ſie nun vor dem folgenden Tage nicht wieder. So im Unfrieden waren ſie auseinandergegan⸗ gen. Sein, von Natur ſtilles Gemuͤth, ſehnte ſich nach Einigkeit. Die mißtrauende Unruhe, welche ihm zeitenweiſe inwohnte, entſprang nur aus der Beſorgniß, daß es ihm im Leben nicht gluͤcken, er das Zeug nicht dazu haben, Andre ihn uͤberholen werden. Alles, was hierauf Be⸗ zug hatte, jede anſcheinende Ueberlegenheit ei⸗ nes Dritten, oder deſſen Einmiſchung in das, was ihm zunaͤchſt anging, aͤngſtete und ver⸗ wirrte ihn. Er zeigte ſich dann ungelenk, ward muͤrriſch und gerieth mehr und mehr in Zorn und Unwillen. II. 1151 Gabriele hatte er nur auf Zureden ge⸗ ſchaͤftiger Vermittler, welche ihm keine rechte Zeit zum Ueberlegen goͤnnten, geheirathet. Das Wohlgefallen an dem ſchoͤnen Maͤdchen that das Seine dazu. Es uͤberraſchte ihn Eins wie das Andre. Allein, wie der Schritt geſchehen war, regten ſich ſogleich tauſend Zweifel in ihm. Er blieb auch unſicher mit ihr. Und nun vollends die Leidenſchaftliche ihre wahre Geſinnungen ſo ſchonungslos blosſtellte, er fuͤr ſie, wie fuͤr ſich zu erroͤthen hatte, war es aus mit ſeinem Frieden auf Erden, das fuͤhlte er wohl! Wie es jetzt in ihm ausſahe, ſo ſpiegelte es ſich auch außerhalb zuruͤck. Die luſtigen Geigen waren bald wieder verſtummt. Nie⸗ mand mochte laͤnger an einem Orte verweilen, wo es ſo zuging, wie hier. Zank mit den Gaͤ⸗ ſten, Zank in der Familie, ſagten Einige, das iſt eine ſchlechte Wirthſchaft. Sie gingen, um ſo bald nicht wieder zu kommen. In Kurzem ſaßen auch nur noch Einzelne, die Spiel und Trunk feſthielt, an einer Ecke ethelte den; war dieſes d Der Atzt ander gegeniͦ große Aufmer Nach eit ſtere von ſein als ſuche er el tiefer in die Mein G daſitzendem J Frau, Herr? mit ihr zu ke Irner er hete. Meine Nun, ich der Unmöͤglic ſie, als ich k ſtehen, und wollte ſie nie ureden ge, keine rechte us wie das hhehen war, in ihm. Er Un vollends Geſinnungen e, wie fuͤr mit ſeinem bohl! ſo ſpiegelte Die luſtigen mmt. Nie⸗ verweilen, nit den Ga⸗ Einige, das zingen, um h Einzelne, einer Ecke der langen Wirthstafel. Eine ſpaͤrliche Lampe erhellte den Theil des Zimmers, im uͤbrigen war dieſes dunkel. Der Arzt, wie der Wirth blieben hier ein⸗ ander gegenuͤber, ohne ſich eben gegenſeitig große Aufmerkſamkeit zu ſchenken. Nach einer Weile ſtand gleichwohl der Er⸗ ſtere von ſeinem Platze auf, und ſo umblickend, als ſuche er etwas, trat er ein paar Schritt tiefer in die Stube hinein. Mein Gott, ſagte er, zu dem truͤbſelig daſitzendem Manne gewendet, wo iſt denn Ihre Frau, Herr Wirth? Ich habe ein paar Worte mit ihr zu reden. Jener erhob ſich, wie der Andre ihm na⸗ hete. Meine Frau? wiederholte er verlegen. Nun, ich denke, die ſchlaͤft. Unmoͤglich, entgegnete der Arzt. Ich ſah ſie, als ich kam, vor dem Hauſe mit jemand ſtehen, und ſehr angelegentlich ſprechen. Ich wollte ſie nicht ſtoͤren, deshalb ging ich ſchwei⸗ * — 228— 22 gend voruͤber. In ſo kurzer Zeit, ſetzte er hin— zu, wird ſie doch nicht eingeſchlafen ſein. Ha⸗ ben Sie nur die Guͤte, bat er hoͤflich, mich auf einen Augenblick zu ihr zu fuͤhren. Ich gehe, entgegnete der betroffene Mann, ſowohl durch das Geſuch des Arztes, als dasje⸗ nige, was ihm dieſer von Gabrielens Unter⸗ haltung vor dem Hauſe ſagte, auf's neue ganz irre gemacht. Er wandte ſich zuerſt nach der Kammerthuͤr, doch ſich erinnernd, daß ſie ver⸗ riegelt ſei, ſchlich er dem Hauptausgange zu, welcher, vermittelſt ein paar hinabfuͤhrender Stufen, auf die gepflaſterte Einfahrt, und von hier, auf andre Weiſe, nach der Hoffſeite des Gebaͤudes fuͤhrte. In ſeinen Gedanken vertieft, die Dunkelheit nicht beachtend, mochte er die Stufen vergeſſen, oder wie es ſonſt kam? ge⸗ nug, er hatte die Thuͤr kaum geoͤffnet und den ſehr lauten Zuruf eines der Spieler: Gute Nacht, Herr Wirth! nur halb beantwortet, als man ihn dumpf ſchreien, und draußen auf die Steine niederſtuͤrzen hoͤrte. Im ſelt ſchon die Laut den Worten: zclhrhenl Nur ein zu folgen, ä Dieſer, ein welcher dem ergtif den nungsbos auf tern, und ſ der Gnſtſtb Ohne? Blut bedeck großen Stuͦ nicht gar d Anblick zum Der A ſuchte die; der Stirn, liche mußte Uebrigen w am Gefaͤht ebte et hin⸗ ſein. d c, mich auf fime Mann, , Als dasſe⸗ ſelens Unter, neue ganz iſt nach der daß ſie ver⸗ usgange zu, inabfuͤhrender hrt, und von Hofſeite des ken vertieft, ſochte er die ſt kam?, ge⸗ net und den teler: Gute twortet, als ßen auf die — 229— Im ſelben Augenblick hatte der Arzt auch ſchon die Lampe vom Tiſche genommen, und mit den Worten: Herr Gott, da iſt ein Ungluͤck geſchehen! das Zimmer verlaſſen. Nur einer der Anweſenden vermochte ihm zu folgen, die Andern trugen ihre Beine nicht. Dieſer, ein Stallknecht vom Schloſſe, derſelbe, welcher dem Wirthe die gute Nacht wuͤnſchte, ergriff den Letztern, der vorn heruͤber, ganz beſin⸗ nungslos auf dem Boden lag, jetzt bei den Schul⸗ tern, und ſchleppte ihn auf ſolche Weiſe nach der Gaſtſtube zuruͤk. Ohne Regung und Leben, das Geſicht mit Blut bedeckt, ward der Schwerathmende in den großen Stuhl gelegt, welchen Gabriele noch nicht gar lange verlaſſen hatte. Es war ein Anblick zum Entſetzen! Der Arzt ſagte nicht ein Wort. Er unter⸗ ſuchte die Verletzung. Es fand ſich dieſe auf der Stirn, ohnweit der Schlaͤfe; der Ungluͤck⸗ liche mußte auf die Steine gefallen ſein. Im Uebrigen waren es nicht die Wunden, welche am Gefaͤhrlichſten ſchienen. Der Fall an ſich — 230— harte wahrſcheinlich das Gehirn zerſchmettert. Keine Hoffnung zur Lebensrettung blieb dem Sachkundigen. Wo iſt die Wirthin? fragte er leiſe, und in ganz andrer Abſicht, als er ſie vorher her⸗ beiwuͤnſchte. Die Mutter eilte, auf die Nachricht von dem Unfalle ihres Schwiegerſohnes, laut heu⸗ lend, von einem obern Stuͤbchen herab. Sie ſah nicht ſobald, was eigentlich geſchehen war, als ſie donnernd gegen die Kammerthuͤr ſchlug, und als dieſe nicht ſogleich geoͤffnet ward, ſchonungslos rief: Gabriele! Gabriele! Mach auf! mach auf! Er ſchwimmt in ſeinem Blute! Sieh nur, wie er daliegt, nicht athmet, nicht Hand, nicht Fuß ruͤhrt! Was machen Sie? warnte der Arzt. Sie erſchrecken Ihre Tochter toͤdtlich. Laſſen Sie mich hin zu ihr. Ich bereite ſie vor. Ja, gehen Sie, Herr Doctor, ſagte die Alte erſchoͤpft niederſitzend. Ich kann nicht mehr! Das iſt der letzte meiner Tage! Jener war u Gabtielen 3 in demſelben nach mehrmali ſchlug. Weiß wie aus ihren Ader dem Nunde de ein Wunder bei lbrrhirt hben Kommen forſchend neber nigſten, duͤrfen entziehen wolle in dieſem Augen hinzu. Gabrielen ſchlugen im h konnte vicht e gab ſie zu ve werde. Blute! t, nicht it. Sie ſen Sie agte die n nicht — 231— Jener war indeß, von einer Magd gefuͤhrt, zu Gabrielen an das Bett getreten. Sie lag in demſelben, und ſchlief ſo feſt, daß ſie erſt nach mehrmaligem Anrufen, die Augen auf⸗ ſchlug. Weiß wie ein Tuch, als ſei alles Blut aus ihren Adern gewichen, hoͤrt ſie nun aus dem Munde des Arztes, was ſie nur durch ein Wunder bei der großen Naͤhe der Gemaͤcher, uͤberhoͤrt haben konnte. Kommen Sie jetzt, ſagte der ernſt und forſchend neben ihr Stehende. Sie, am we⸗ nigſten, duͤrfen ſich dem Anblick, noch der Pflicht entziehen wollen, welche Ihr Verhaͤltniß Ihnen in dieſem Augenblicke auflegt, fuͤgte er beſtimmt hinzu. Gabrielens Lippen bebten, die Zaͤhne ſchlugen im heftigſtem Froſte zuſammen. Sie konnte nicht ein Wort ſagen, Durch Zeichen gab ſie zu verſtehen, daß ſie ſogleich folgen werde. — 232— 232 In Kurzem trat ſie auch, ein Licht in der Hand, durch die naͤhere Thuͤr, zu den Uebrigen herein. Der Arzt ſtand bei dem Entſeelten. Dieſer war mit einem Tuche verhuͤllt. Man hatte die Fenſter geoͤffnet. Als nun die gegen⸗ uͤbergelegene Thuͤr aufging, hob der Zugwind das Tuch auf, es ſchlug ſeitwaͤrts uͤber. Das eine, noch nicht geſchloſſene Ange, ſahe unter dem zerſchmetterten Stirnknochen ſchief, und von Blutflecken entſtellt, zu Gabrielen hin. Dieſe ſchrie, mit Angſt verzerrtem Geſicht, laut auf, und ſtuͤrtzte mitſamt dem Lichte zu ihres Mannes Fuͤßen. Der Arzt konnte weiter nicht fuͤr ſie ſor⸗ gen. Er uͤberließ ſie der Mutter, und verſuchte, was ihm Wiſſenſchaft und Theiluahme einga⸗ ben, an dem, welchen er ſogern noch ins Leben zuruͤckgerufen haͤtte. Nach einer Weile wandte er ſich inzwiſchen zu den beiden Frauen zuruͤck. Es iſt umſonſt! ſagte er betaͤubt. Er iſt todt! Gabriele ſtierte mit hochathmender Bruſt, unter haͤßlichem Zucken der Geſchtn hin. Die 1” „Haben Ott, ſagte 1 Ausbrüche der lich Qual h laſſen Sie di ders einen a thig/ daß i als den ihrige Die Mu Thaͤtigkeit w zu beſorgen. allein. Er bis in den nicht zu beac Ungluͤch heit, vor nicht die S aͤngtigen, fuhr er fort aufhob, vi t in der lebrigen ſſerlten, Man egegen⸗ ugwind Das e Unter f, und u hin. ht, laut au ihres ſie ſor⸗ erſuchte, einga⸗ s Leben wiſchen mſonſt! e ſtierte zucken — 233— der Geſichtsmuskeln wie wahnſinnig vor ſich hin. Die Alte ſchluchzte und rang die Haͤnde. „Haben Sie Freunde und Verwandte im Ort, ſagte der Arzt, nachdem er die erſten Ausbruͤche der Verzweiflung, nicht ohne pein⸗ liche Qual hatte in ſich hingehen laſſen, ſo laſſen Sie dieſe hieher rufen, und ganz beſon— ders einen anweſenden Mediziner. Es iſt noͤ⸗ thig, daß ich den Leichnam andern Haͤnden, als den ihrigen uͤbergebe.“ Die Mutter fand ſogleich Beſinnung und Thaͤtigkeit wieder. Sie ſtand auf, das Noͤthige zu beſorgen. Der Arzt blieb mit Gabrielen allein. Er ſahe ſie an, als durchſchaue er ſie bis in den tiefſten Grund. Sie ſchien ihn nicht zu beachten. Ungluͤckliche! ſagte er jetzt mit einer Ho⸗ heit, vor der ſie zuſammenſchauderte. Es iſt nicht die Stunde, Ihre Seele noch mehr zu aͤngſtigen, allein gehen Sie in ſich! Vieles, fuhr er fort, als ſie zitternd die Haͤnde zu ihm aufhob, vieles wird hier unaufgedeckt bleiben, —-— 234— Herr Golt lag ein kle klopfen au vieles kann vergeſſen, oder ganz uͤberſehen wer⸗ den, doch das Unheimliche hockt wie ein Spuk 4 in den Mauern, die eine Unthat bergen.— — Das nicht! Das nicht! ſtammelte ſie konnte ſe krampfhaft. Ich bin hieran unſchuldig! Das traqte 3 habe ich nicht gewollt. ütrile Sei gluͤc Ich richte nicht, entgegnete der Arzt. Doch der Tugen von ſelbſt ſtuͤrzte der Ungluͤckliche die Stufen fridenhei nicht hinunter. Die Stirn ſtreifte ein ſcharfes Dir inme Eiſen, der halbgelungene Wurf eines Meſſers. freuen, w Gabriele hoͤrte und ſahe nichts mehr. Es und von war um ihre Beſinnung geſchehen! Als ſie nach mehrere Stunden zu ſich ſelber kam, lag ſie wieder im Bette. Der Tag grauete. Ent⸗ Vi, ſetzlicher Regen ſchlug an die Fenſter. Sie 74,„ haat der A wußte nicht wie ihr war. In den Kiſſen auf⸗ gerichtet, wollte ſie ihren Mann wecken, ihm Sfäͤind den entſetzlichen Traum zu erzaͤhlen. Sie aber kent fi 9 war allein, und da ſie nun aͤngſtlich die Vor— Vodt d haͤnge aufriß, merkte ſie, daß ſie etwas Ss iſ in der Hand halte, auf daß ſie ſich nicht be— alles iſt ſinnen konnte. Sie fuhr damit gegen das Licht. hoͤre! U rſehen were ein Spuk ergen.— fumelte ſee dig! Das lezt. Doch ie Stufen in ſcharfes Meſſers. mehr. Es ¹ As ſie kam, lag ſete. Ent⸗ ſter. Sie eiſſen auf⸗ ceen, ihm Sie aber die Vor⸗ je etwas nicht be⸗ das Licht. Herr Gott! rief ſie, der Becher!— Darinnen lag ein kleines Papier. Sie rollte es mit Herz⸗ klopfen auseinander. Es war von Bodo. Kaum konnte ſie die Schriftzuͤge unterſcheiden. Doch brachte ſie endlich muͤhſam heraus.„Hier, Gabriele erhaͤlſt Du Dein Eigenthum zuruͤck. Sei gluͤcklich liebes Kind! wende Dein Herz der Tugend wieder zu, und ſuche, in der Zu⸗ friedenheit Andrer die Deinige. Ich werde Dir immer fuͤr Deine Liebe danken, und mich freuen, wenn es Dir wohlgeht, und Du gut, und von den Menſchen geachtet biſt.“ Bodo. Wie, rief ſie, kommt das hieher?— Das hat der Arzt gebracht! ſagte ſchnell eine innre Stimme. Der Arzt? wiederholte ſie. Mit dem einem Worte ſtanden alle Bilder der Nacht vor ihrer Seele. Es iſt kein Traum! beſann ſie ſich. Alles, alles iſt ſo geſchehen wie ich es noch ſehe und hoͤre! Und ich ſoll gluͤcklich ſein? Der Tugend 2 — 236 mein Herz zuwenden? Niemand wird daran glauben! Alle verdammen mich im Stillen. Ich bin elend, fuͤr alle Zeit! Sie hoͤrte hier Stimmen in der Neben— ſtube. Es waren dort die Verwandten des Verſtorbenen um ſeine Leiche verſammelt. Alle klagten. Keiner bekuͤmmerte ſich um ſie. Der Arzt hatte das Haus verlaſſen. Die Mutter ſchlief erſchoͤpft in einem Seſſel. Die alte Hausuhr ſchlug die Stunde des neuen Tages an. Es blieb dunkel. Die Sonne barg ſich hinter finſterm Gewoͤlk. Achtes Kapitel. Das Schloß, wie die Gegend, lagen bald da⸗ rauf unter dichten Schnee⸗ und Eisdecken ver⸗ huͤllt. Von den Hoͤhen kamen die Nebel gar nicht fort. Man unterſchied keinen einzelnen Gegen⸗ ſtand aus fauhtes Auch ſendet un ſtens ſahe Jaͤger, rruͤbergel „So und dab E nen war, zum Arit einſprach. Das Sch Er legte Bedeuten Ja, jal uͤberdruͤß Der und woll ſagte:5 aus. O. nun ſche dird datan Stillen. er Reben⸗ nͤten des mnelt. Alle ſie. Der die Mutter Die alte den Tages darg ſich bald da⸗ decken ver⸗ gar nicht en Gegen⸗ — 2372— ſtand aus der Ferne. Alles floß in Dunſt und feuchtes Grau zuſammen. Auch verirrte ſich wohl nur ſelten ein Rei⸗ ſender um dieſe Jahreszeit bis hieher. Hoͤch⸗ ſtens ſahe man durch die Schluͤfte zuweilen Jaͤger, im Verfolgen des Wildes begriffen, voruͤbergehen. „So ſind wir denn nun doch wieder allein! und das Schloß und was drinnen iſt, und drin⸗ nen war, bleibt vergeſſen, ſagte der Caſtellan zum Arzt, der nach langer Zeit einſt hier einſprach. Nun, ſetzen Sie ſich, bat er. Das Schluͤſſelbund hatte er ſchon herbeigeholt. Er legte es vor ſeinem Gaſte hin, mit dem Bedeuten: er wiſſe doch, was ſein Begehr ſei. Ja, ja! ſetzte er hinzu, das werden Sie nicht uͤberdruͤßig! Der Andre nahm die Schluͤſſel zur Hand, und wollte ſeinen Gang thun, allein der Alte ſagte: Waͤrmen Sie ſich doch erſt ein wenig aus. Oben iſt es verwuͤnſcht kalt. Das ſteht nun ſchon wieder ſeit Monaten leer, in keinem — 238— Camine brennt ein Koͤhlchen. Es kann nicht anders ſein, es wehet Einem Eiſesluft ent⸗ gegen. Haben Sie denn gar nichts von den Herrſchaften gehoͤrt? fuhr er neugierig fort. Sie ſind in der Reſidenz, entgegnete der Arzt. Oho! rief jener aus. Dahin wollten ſie ja nicht. Nach dem Erbſchloſſe wollte er die junge Gemahlin fuͤhren. Dort ſind ſie auch geweſen, war die Ant⸗ wort. Allein, ſie gefallen ſich in der Einſam⸗ keit nicht ſonderlich. Das wird mit den Beiden auch nicht lange dauern, verſetzte der Schloßverwalter. Die Hochzeiten, lachte er obenhin, die hier ge⸗ macht werden, die— Der Atrzt ſchuͤttelte in eben dem Augenblicke unruhig mit den Schluͤſſeln, ſo daß die folgenden Worte nicht von ihm gehoͤrt wurden.„Ich bin heute etwas eilig, ſagte er, die Tage ſind kurz. Es iſt vielleicht das letztemal, daß ich hierher komme. Eine Reiſe nach dem Auslande entfernt mich auf unzubeſtimmende Zeit aus der Gegend.“ Eine? tleibe ich merfran! Nihte in nun ich alt ptechen m will. Die wir uns a juſt kein T Ja, d der Arzt, Wenn wir uns ſelbſt fuͤr und. Seh'n junge Gra war, iſt wieder ſo iſt ein h. Hochmuͤthi ihm dieL unleidlich, kann nich ſesluft ent 3 von den ſirig fot. der Arzt. wolten ſe Alte er die die Ant⸗ t Einſam⸗ auch nicht Fverwalter. ie hier ge⸗ ſchuͤttelte mit den Lorte nicht eute etwas . Es iſt r komme. ernt mich gend.“ — — 239— Eine Reiſe! verſetzte jener betruͤbt. Da bleibe ich ja ganz allein mit der kranken Kam⸗ merfrau und ihrem dummen Dinge von Nichte in der Welt zuruͤck. Curios! klagte er, nun ich alt werde, und zuweilen gern ein Wort ſprechen moͤchte, habe ich niemand, der es hoͤren will. Die alte Perſon iſt ſtocktaub, und was wir uns allenfalls ſagen koͤnnten, das braucht juſt kein Dritter zu hoͤren. Ja, das iſt ſo, mein Freund, entgegnete der Arzt, im Auf⸗ und Niedergehen zerſtreut. Wenn wir alt werden, dann muͤſſen wir mit uns ſelbſt ſprechen. Die Menſchen werden taub fuͤr uns. Seh'n Sie, verſicherte der Jaͤger, der junge Graf hat mich verwoͤhnt. Seit er hier war, iſt mir die Zunge loſe, ich kann ſie nicht wieder ſo unbeweglich machen wie ſie war. Er iſt ein huͤbſcher Menſch! laͤchelte der Alte. Hochmuͤthig, wie all der Teufel, und toll, wenn ihm die Laune kommt, auch zu Zeiten ganz unleidlich, wie alle vornehme Herrn. Aber— — 240— Ich kann's Ihnen ſagen, ſetzte er heimlich hinzu; der hochſelige Herzog iſt mir tauſendmal bei ihm eingefallen. Ich war zu der Zeit, als er regierte, zwar nur bei den Jagdhunden und ſo gut wie nicht da. Aber ich folgte ihm doch auch mit auf ſeinen Ritten durch den Wald. Na, ſeh'n Sie, wie wir da zuweilen uͤber den Erd⸗ boden weg fegten.— Ich glaub' es! ich glaub' es, entgegnete der Arzt, aber wie geſagt, ich habe Eile. So warten Sie doch noch eine Minute, bat der Andre. Ich hole Ihnen ein Flaͤſchchen von meinem beſten Weine. Es iſt kalt. Wir kom— men ſo jung nicht wieder zuſammen. Laſſen Sie ſich hier in meinem Stuhl an dem Ofen nieder. So, das Tiſchchen ſchiebe ich heran. Hier ſitze ich. Wir erzaͤhlen niemanden von der ſeligen Prinzeß. Ich weiß noch Mancherlei, das mir denn immer erſt hinterher einfaͤllt, wenn ſie fortgehen. Heute habe ich alles bei⸗ ſammen. Ja, a propos, was ich ſagen wollte. Sie haben Sie nicht in ihrer erſten Jugend gekannt; denn als Sie in's Land kamen, da ſaß ſaß ſ ſcho mer und I nehme Geſ war weg/ Geiſ. Abe wenn ſie mit dem B daß er eigen wohl gar ei lachte, daß ſage ich Ih ſie zu dem auf ſie, Eine Krone mußte ſie ſe habe ds ihr Auch Kopf, der ſauft zu ihn Aber vertieft ur fort.„I⸗ II. er heimlih tauſendmal n doch auch Tald. N, ſer den Erd entgegnete Eile. So bat der ſchchen von Wir kom, n. Laſſen dem Ofen ich heran. anden von Mancherlei, er einfaͤllt, halles bei⸗ gen wollte. en Jugend amen, da ſaß — 241— ſaß ſie ſchon ihre funfzehn Jahr hier im Jam⸗ mer und Wahnſinn, und war auch die ange⸗ nehme Geſichtsbildung noch da, die Bluͤthe war weg, und in den Augen ſaß ein andrer Geiſt. Aber ich, ich ſehe ſie noch immer, wenn ſie ſo in dem kleinen Waͤgelchen mit dem Bruder zur Jagd fuhr und ihn neckte, daß er eigentlich ein ſchlechter Schuͤtze ſei, ihm wohl gar einen Bart malte, und ſo ausgelaſſen lachte, daß wir mitlachen mußten! Bildſchoͤn, ſage ich Ihnen Herr Doctor, Bildſchoͤn war ſie zu dem mal. Ach, der Herzog hielt auch auf ſie, wie auf nichts in der Welt ſonſt. Eine Krone, hoffte er, ſolle ſie tragen, und da mußte ſie ſo ankommen!— Pfui! Pfui! Ich habe es ihr eigentlich niemals vergeben! Auch jetzt nicht? laͤchelte der Arzt, den Kopf, den er in der aufgeſtuͤtzten Hand barg, ſanft zu ihm erhebend. Aber jener war in ſeinen Erinnerungen vertieft und fuhr ohne die Frage zu beachten, fort.„Ich wette auch mein Leben, das Ding II.( 161 — 242— reſf ſhen kam gar nicht ſo weit, war der Suͤnder David ſiel der A b nicht mit im Spiel. Mit dem hatte es einen ſanden z Hacken. Anſpri vor der A Ja das kann wohl ſein! erwiederte der Arzt, durch das Vielerlei geplagt. Das kann wohl ſein! And O das iſt gewiß! lachte der Jaͤger roh. ir .... 0 5 Die Beſtie ſoll im Fieber beſſer als dem Geiſt⸗ 85 wel ge lichem gebeichtet haben. Sr. Exellenz der Herr Nun, et Obermarſchall, merkte ich wohl, als ſie hier er davon waren, wußten auch darum. Man darf nur Er! :: dere,h nicht viel davon ſprechen. der Atjt Das iſt auch mißlich, verſetzte der Andre, mand üt Auskunft Das Sprechen uͤber dergleichen fuͤhrt zu nichts. Und im Grunde doch! meinte der Caſtellan. Man kann es jetzt immer ſagen, denkt und weiß man es doch! Und der, welchem es Un⸗ ¹ 6 gelegenheiten bringen koͤnnte, iſt wohl ſo au ſeinem todt, wie die Andern. er lebhaf gegen di bricht, u Sie meinen Prinz Guido? warf der Arzt hier gleichguͤltig hin. Ja, dem wird es nichts ſagte 9 ſader Dauid viederte der D. 9 Das kann Igget roh. dem Geiſt⸗ ſa der Herr als ſe hier n darf nur der Andre, t zu nichts. er Caſtellan. denkt und hem es Un⸗ oohl ſo zu rf der Alzt des nichts ti es einen mehr ſchaden, ſetzte er hinzu. Auf keinem Fall! fiel der Alte ein, froh, ſich hier ſo ſchnell ver⸗ ſtanden zu ſehen. Denn ſelbſt, wenn er lebte — Anſpruͤche hatte er einmal nicht, da der Vater vor der Anerkennung ſtarb, und die Schriften durch David verbrannt wurden.— Aber da ſitzt es eben! fuhr er fort, daran haͤngt ſich alles Andre. Die Flammen waren nicht wieder zu loͤſchen! das Gewiſſen dachte er zu beruhi⸗ gen, wenn er die Heirath zu Stande braͤchte. Nun, er brachte ſie zu Stande, aber was hatte er davon? Er wird es uns nicht ſagen, entgegnete der Arzt finſter. Die Graͤber haben noch nie⸗ mand uͤber Geheimniſſe, die ſie umſchließen, Auskunft gegeben. Es iſt aber gefaͤhrlich, ſetzte er lebhaft hinzu, es iſt ſehr gefaͤhrlich, zu laut gegen die morſche Scheidewand zu pochen. Sie bricht, und wir ſinken mit hinein. Er war von ſeinem Platze aufgeſtanden, und ging unruhig im Zimmer umher. Der Jaͤger ſtopfte ſich eine Pfeife, und ſagte gleichguͤltig: Das kommt alles auf Zeit * und Stunde an. Iſt die da, ſo bricht auch der Fels unter den Fuͤßen zuſammen, und man fin— det ſein Bett gemacht. Das iſt Schickung! Wie ging es mit dem jungen Manne unten in der Dohle! Seine Stunde hatte geſchlagen, Kein Menſch wußte es vorher. Die Erinnerung an den ſchauderhaften Vorgang bewegte den Arzt auf mehr, als eine Weiſe. Gabriele war ihm, ſeit her aus dem Gedanken gekommen. Er gedachte ihrer ſchon auf dem Hergange, mit erwachendem Antheil, und ſcheuete faſt eben ſo ſehr ſich nach ihrem Er— gehen zu erkundigen, als er es auch wohl innerhalb der Schloßmauern, von tauſend lebendigen Ge⸗ fuͤhlen in Anſpruch genommen, vergaß. Wie geht es der Wittwe druͤben? fragte er jetzt geſpannt. Wie geht es ihr? wiederholte jener. Das mag Gott wiſſen! Sie iſt fort, in alle Welt! kein Menſch erfaͤhrt wohin? Fort! rief der Arzt beſtuͤrzt. Kein Menſch erfaͤhrt wohin? Ja, war die Antwort, und auffallen der Ante und ſole nun, d und die: nhetes Wa unter i Flucht, Sie noch mengekni nes Tod Wo unwillig Gedanke H in dem die Pfe danken kommt Das iß hangen i auch der man ſi Scjickung! ſe unten in geſchlagen, auderhaften t, als eine aus dem örer ſchon i Anthel, ihrem Er⸗ linnerhalh ndigen Ge⸗ tgaß. Wie te er jetzt ener. Das alle Welt! in Menſch vort, und — 245— auffallend genug iſt, daß der auslaͤndiſche Fuchs, der Antoni, er war im Dienſte der Graͤfin, und ſolch ein Spitzbube, wie irgend Einer, nun, daß er ſeitdem auch verſchwunden iſt, und die Leute wollen ſagen: es ſei ein verab⸗ redetes Ding unter ihnen geweſen. Was, unterbrach ihn der Arzt, was iſt unter ihnen verabredet geweſen? Nun, die Flucht, denke ich, entgegnete jener. Meinen Sie noch etwas anders? fragte er, mit zuſam⸗ mengekniffenem, lauerndem Blick: Des Man⸗ nes Tod etwa? Wem faͤllt das ein! entgegnete der Andre unwillig. Gott bewahre jedem vor dem bloßem Gedanken! Hm!l den Gedanken, ſagte der Alte, wieder in dem ieer gewordenen Armſtuhl niederſitzend, die Pfeife lang vor ſich hingeſtreckt, den Ge⸗ danken haben wohl mehr Menſchen. Darauf kommt es auch gar nicht an. Beweiſe, Beweiſe! Das iſt es! Sonſt bleiben alle Beide unge⸗ hangen. Dem Arzt ſchauderte. Gehangen! Gabriele gehangen, ſagte er, wer koͤnnte das wollen! Wer das wollen koͤnnte, verſetzte der Jaͤger. Alle ordentliche Leute, die auf Sitte und Recht halten, dem das leichtfertige Weſen in der Dohle, die verliebten Narrheiten und der ſchlechte Wandel von Mutter und Tochter laͤngſt zu⸗ wieder war. Herr Docter, fuhr er hoch in ſeinem Sitze, mit einem Ausdrucke der Mienen auf, wie jemand, der von einer Wahrheit durch⸗ drungen, brennt, ſie an den Tag zu bringen, Herr Docter, ich ſage Ihnen, wenn vornehme Leute Thorheiten begehen, ſo macht ſie das un⸗ gluͤcklich, oder laͤcherlich. Im erſtem Falle graͤmen ſie ſich vielleicht ihr Lebelang, im zwei— tem faſeln ſie ohne Sinn und Verſtand durch die Welt. Es iſt ſchlimm, doch lange nicht ſo arg, als gehen Herz und Blut mit Einem aus unſerm Stande durch, fuͤr den giebt es gar keinen Halt, er weiß nicht wohin er im Trotze laͤuft? hat er einmal Schimpf und Schande den Kopf abgeriſſen! Das Frauenzimmer beſonders, darf nicht ein Haar breit von der Vorſchrift ab⸗ weichen. Das iſt Del Mann, kuͤmmele mochte! unten v Großen zufrieden Aergern Nun! umherſch ſich f fan Narrin beide. 1& a Gabritl doe das wollen! der Mienen theit durch⸗ u bringen, vornehme ſie das un⸗ tſtem Falle 9, im zwei⸗ ſand durch ge nicht ſo Einem aus 5 gar keinen rotze laͤuft? den Kopf nders, darf eſchrift ab⸗ — 247— weichen. Gabriele hat der Graf aufs Gewiſſen. Das iſt einmal wahr! Der Arzt ſeufzte. Ich bin ein ernſthafter Mann, fuhr jener fort, ich lebe fuͤr mich, be⸗ kuͤmmere mich um die ganze Welt nicht, und mochte niemals von den Schoͤppenſtaͤdtern da unten viel wiſſen. Wer mit Fuͤrſten und den Großen der Erde verkehrte, laͤchelte er ſelbſt— zufrieden, indem er ſich bequem in die Polſter zuruͤcklehnte, der hat wenig Gemeinſchaft mit Leuten der Art. Allein, fuhr er fort, es kommt auch dem Unzugaͤnglichſten zu Zeiten Eins und das Andre zu Ohren, was haͤßlich klingt und Aergerniß giebt. Dem jungen Cavalier— Nun! dem verdanke ich's juſt nicht, wenn er umherſchleicht und die Sprengel aufſtellt. Wer ſich fangen laͤßt, der ſitzt drin. Aber die alte Naͤrrin und die junge! Sie haben's jetzt alle beide. Ja wohl! ja wohll beſtaͤtigte der Arzt. Und, die Wahrheit zu ſagen, fuhr der An⸗ dre fort, der Graf wird es auch buͤßen. Der — 248— .. n eine hat ſich nun einmal an die ſchlechten Frauen di weggeworfen, ein ordentlich Gluͤck wird daraus meht/ nicht. Am wenigſten darf ſo Einer heirathen! de S h Seh'n Sie, ſolche ſind es, von denen ich zuvor ging e ſagte, die Thorheit mache ihr Elend auf Erden. nehmen Der hochſelige Herzog war auch ein Mann der Noc Art. Ich habe ihn, wie geſagt, nur wenig Schloß⸗ gekannt, aber wenn ich ſpaͤter ſein Bild anſah then Ka 15 und den Zug zwiſchen den Augenbraunen be⸗ als gewo trachte— Hm!l denke ich, das iſt der Kummer, gen von der von Innen kommt. Sie, Herr Doctor, men Sch 6 fuhr er, dieſen gedankenvoll anſehend, fort, Sie Mittags haben auch ſolchen Zug, der nicht truͤgt. ſelbund Es lag etwas Weiches in dem Tone ſeiner betracht Stimme, was man an ihm nicht gewohnt war. ſtarke/ 6 Er mochte es wohl ſelbſt fuͤhlen, denn er fluͤch— ſagen, tete wieder hinter ſein hoͤlzernes, trockenes wie das achen⸗ indem er faſt hoͤhniſch ſagte: Nun, Ha Sie haben Eil, ich will nicht laͤnger ineo⸗ ſhloſſi modiren. herobha Dem Arzt brannte ſchon laͤngſt der Boden Wir ſch unter den Fuͤßen. Er nutzte den Augenblick, ſich Ich hal ken Frauen ird daraus heirathen, ich zuvor ſauf Erden, Nann der nur wenig Bild anſah raunen he⸗ Kummer, er Doctor, fort, Sie uͤg. Tone ſeinet vwohnt war. in er fͤch⸗ trockenes zte: Nun, nger ineo⸗ der Boden endlick ſch von einem Geſpraͤch loszumachen, das ihn aus mehr, als einem Grunde peinigte. Er hatte die Schluͤſſel ſchon laͤngſt in der Hand. Jetzt ging er, auf lange von hier Abſchied zu nehmen. Noch einmal durchſtrich er Garten und Schloß. Lange, lange verweilte er in den ro— then Kammern. Als er endlich, noch blaſſer als gewoͤhnlich, mit angegriffenen, matten Zuͤ— gen von dort herunter kam, fand er den einſa⸗ men Schloßwaͤchter eingeſchlafen. Er hielt ſeine Mittagsruhe. Leiſe hing der Arzt das Schluͤſ⸗ ſelbund an den Haken uͤber ſeinen Kopf. Er betrachtete den alten, harten Mann, deſſen ſtarke, ernſte Zuͤge im Schlafe ſo ſteinern da lagen, mit bangem Herzklopfen. Er ſah aus, wie das unbewußte Schickſal. Haſt Du Deine Rechnung mit mir abge⸗ ſchloſſen? dachte der Arzt, indem er die eine der herabhangenden Haͤnde des Caſtellans ergriff. Wir ſcheiden in Frieden! ſetzte er leiſe hinzu. Ich habe Dir nichts vorzuwerfen! Ach, ſeufzte er, am Ende einer Laufbahn weilt der Blick auch auf den ſchlimmen Stellen mit Ruͤhrung. Sie liegen hinter uns, und wie es war, und was man dabei litt, es war doch einmal! Der blaue Duft der Ferne fuͤllet das Auge immer mit Thraͤnen, es ſehe vor oder zuruͤck! Der Schloßverwalter erwachte verdruͤßlich und ward es noch mehr, als er ſich allein, und die Schluͤſſel wieder auf ihrem Platze fand. Alſo ſchon fort! brummte er vor ſich. Und ich hatte ihm noch ſo manches zu ſagen! Er ging, ſich innerlich ſcheltend, daß er gerade jetzt habe ſchlafen muͤſſen, auf und nieder. Es fiel ihm zum erſtemmale ein, daß er doch eigentlich auch nun ſo eine Art Gefangener hier ſei. Man wuͤrde mich ſchwerlich in die Welt zuruͤck laſſen, ſagte er, wollte ich die Menſchen auch drinnen aufſuchen, die ich fruͤher kannte. Die großen Herren trauen ihren Dienern nicht, auch wenn ſie ihnen mehr anvertrauen, als ſie wohl ſollten. Der Herzog wuͤrde große Augen machen, ſtaͤnde ich mit einemmale bei Tafel hinter Dienſt einmal meinem dre drinl unrecht 65 Frage i denn nu ſperrt⸗ Geneſer alt, ver Wieder ich den ſollte! dern ſa die dre vielleich ſen, w wartet ſchuͤttel doch ei der Dii t Nüͤhrung. war, und ſamal! Der luge immer verdruͤßlic allein, und e fand. — ſich. Und ſagen! Er gerade jetzt er. Es fiel c eigentlich hier ſei. Delt zuruͤck nſchen auch 9 unte. Die tern nicht, en, als ſie ooße Augen bei Tafel hinter ſeinem Stuhl, und trete meinen fruͤhern „Dienſt an, da es mit dem ſpaͤtern nun doch einmal ein Ende hat. Vieles wuͤrde er in meinem Geſichte zu leſeu glauben, das auch An⸗ dre drinnen leſen koͤnnten. Und er moͤchte nicht unrecht haben. 3 Es ging ihm unwillkuͤrlich mancherlei durch den Sinn. Deutlicher als ſonſt ſtieg die Frage in ihm auf: Weshalb habe ich mich denn nun die langen Jahre uͤber hier einge⸗ ſperrt? Die Tiefſinnige wahnſinnig, und die Geneſene elend machen helfen? Ich bin nun alt, vergeſſen, und habe von allem Aerger und Wiederſpruch nichts, als neuen Aerger. Haͤtte ich denken koͤnnen, daß es ſo lange werden ſollte! ja dann!— Von einem Tage zum an— dern ſagte ich: das iſt der letzte! das hat in die dreißig Jahr gedauert! Jetzt werde ich vielleicht auf meinen Tod auch ſo warten muͤſ— ſen, wie ich auf den der armen Prinzeſſin ge⸗ wartet habe! Hm! hm! brummte er kopf— ſchuͤttelnd, ſtopfte eine neue Pfeife und wollte doch einmal ſehen, was es heute draußen fuͤr — 252— Wetter ſei? Er ſetzte die warme Fuchsmuͤtze auf, hing den alten gruͤnen Mantel um, und trat zur Schloßpforte hinaus. Ein unangenehmer Wind! ſagte er, im Begriff, wieder umzukehren. Da fuhr etwas in der Allee, dem Hofe zu. Er ging ein paar Schritt in dieſem hinein. Die Muͤtze aus den Augen geruͤckt, ſah er ſcharf nach einem leichten Jagdwaͤgelchen, das er, trotz ſeiner unſichtbaren Geſtalt, fuͤr eine fuͤrſtliche Equipage erkannte. Ein Herr, ganz in Pelzen verhuͤllt, ſaß darin. Traͤume ich nicht, ſagte der Schloßverwalter, ſo iſt es kein andrer, als der Herzog. Er trat hiernach ehrerbietig an die Seite und buͤckte ſich tief, als der Fremde mit hal— ben, verdruͤßlichem Kopfnicken an ihm voruͤber fuhr. So, ſo! dachte der Alte. Pfeift der Wind daher, dann iſt heute nicht gut Kirſchen eſſen mit dem Herrn! Er eilte, ſich indeß nur noch mehr Thuͤr und Thor aufzumachen. Dieſe ſtanden weit offen, 4 kurzem/ ausſtieg ging. ab, murmelt: inde Die Kamine, weit qus zugewend grunde d Id male hit lung zu Jener t Du biſt Ich hal ſie waͤre Tie Seiten Du haſ der Hel 4 Juchemüte tel um 7 und fagte er, in a fuhr etwas Unſichtharen nge erkannte, t, ſaß darin. hloßverwalte, zog. an die Seite noe mit hal— ihm voruͤber ift der Wind eirſchen eſſen mehr Thuͤr ſtanden weit offen, als der Herzog mit unwilliger Eil und kurzem, ausdrucksvollem Abwehren der Hand ausſtieg und die Stufen zum Vorſal hinauf⸗ ging. Oben angelangt, warf er den Pelz ab, indem er nur eben zwiſchen den Zaͤhnen murmelt: Kaminfe r! bald! Die Flamme praſſelte in Kurzem hell im Kamine. Der Herzog ſaß davor. Die Fuͤße weit ausgeſtreckt, das Geſicht ganz dem Feuer zugewendet. Der alte Mann blieb im Hinter⸗ grunde des Zimmers ſtehen. Ich bin heute wahrſcheinlich zum letztem⸗ male hier, ſagte der Herzog, ohne ſeine Stel⸗ lung zu veraͤndern, oder den Kopf umzuwenden. Jener verharrte in reſpectsvollem Schweigen. Du biſt Deine Gaͤſte los, fuhr der Andre fort. Ich habe ſie nun in der Stadt, und moͤchte, ſie waͤren auch da wieder weg. Tiefes abermaliges Schweigen von beiden Seiten folgte den kurzen, abgeſtoßenen Worten. Du haſt hier eine Hochzeit feiern helfen? hub der Herzog nach einer Pauſe an. Fuͤr mich ein ganz unleidlicher Gedanke! fuhr er aͤrgerlich fort. Und ich kann nur nicht begreifen, wie Dir nicht ebenfalls tauſend fatale Erinnerungen dabei aufgeſtiegen ſind. Halten Ihr Durchlaucht zu Gnaden, ent⸗ gegnete jener, Leute Schlages verſchla⸗ fen alle Trinnerungen. Und ſie thun gut dran! 1 ſette er hinzu. Der Herzog verſchmerzte den Stich, ohne weiter etwas daraus zu machen. Das mag ſein! ſagte er. Aber ich will an nichts, an gar nichts, was auf dieſen Ort Bezug hat, erinnert werden, deshalb habe ich das Schloß verkauft und Du kannſt Dir nun auch einen andern Aufenthalt waͤhlen. Danke ganz unterthaͤnigſt! entgegnete der Caſtellan. Wenn es indeß von meiner Wahl abhaͤngt— Nicht ganz! fiel der Herzog ein. An den Hof kannſt Du nicht wohl wieder zuruͤck. In der Stadt wirſt Du Dich auch ſchwerlich, wie Du jetzt biſt, gewoͤhnen. Ich denke daher, Du Du uͤbern mannshage Willin ſier gelege laucht ent ſo weit ve Der. Du wirſt fort, alles nuͤtzen B Wiege me ſonſt thuͤr ſagte er l aus Scho Mann ve zu, wege Schweſter. verlaͤßt.- der Mann Il, de atgerlih reifen, wie dinnerungen naden, ent, ges verſchla⸗ gut dran! btich, ohne Das mag hts, an gar dat, erinnert loß verkauft nen andern egnete der diner Wahl n. An den zuruͤck. In verlich, wie enke daher, Du — 255— Du uͤbernimmſt die Forſtinſpection von Will⸗ mannshagen. Willmannshagen iſt zwanzig Meilen von hier gelegen! bemerkte der Andre. Ihr Durch⸗ laucht entfernen mich doch nicht aus Ungnade ſo weit von Ihrer Perſon? fragte er lauernd. Der Herzog blieb ihm die Antwort ſchuldig. Du wirſt es Dir angelegen ſein laſſen, fuhr er fort, alles von hier wegzuſchaffen, was zu un⸗ nuͤtzen Bemerkungen Anlaß geben koͤnnte. Die Wiege meine ich und was die rothen Kammern ſonſt thoͤriges enthalten. Ich duldete das Zeug, ſagte er leiſer und unverſtaͤndlicher, als zuvor, aus Schonung fuͤr den Arzt bis jetzt. Der Mann verdiente einige Ruͤckſicht, ſetzte er hin— zu, wegen der großen Ergebenheit fuͤr meine Schweſter, Gleichwohl, nun, der auch das Land verlaͤßr.—— Er hielte inne. Werner heißt der Mann, welcher das Schloß kaufte, fuhr er II. 17.1 — 256— nach einer Weile fort. Graͤfi . raͤfin Luzie hat Handel gemacht. eee Es waͤhrte Es waͤhrte lange ehe der Herzog wieder etwas ſagte. Der alte Jaͤger ſahe muͤrriſch vor ſich hin. Apropos von Wiege, und was hierauf Bezug hat, nahm der Erſtere das Wort Die Erbprinzeß iſt mit einer Tochter entbunden Es beunruhigt mich, keinen maͤnnlichen Erben zu haben, denn die elende Geſundheit Senus Sohnes drohet dieſem ein fruͤheres Ende als mir. Unſer Haus hat in dieſem Lande kein vis. Ich graͤme mich oft im Stillen dar⸗ uͤber. Die paar Worte ruͤhrten des Caſtellans Herz. Er trat ein paar Schritte naͤher, um ſeinem Gebieter und Landesherrn ins Auge zu ſehen. Er erſchrack faſt, als er die Furchen in ſeinem Geſicht und das gebleichte Haar wahr⸗ nahm. Der Herzog mochte ihm eine groͤßere Regung von Theilnahme anmerken. Er wollte nicht bemi auf, ſtieß pſamme, den vol de Nun, et darauf, gend des mer lagen Schluͤſſel! im hoühſte nehmen. ren da no ſchen S Oafuͤr bu werei des Die aͤndertem fenen Per den konnt in der S ie hat den zog wieder e muͤrriſch und was das Vant, entbunden, chen Erben eit meines Cnde als Lande kein Stillen dar, Caſtellans äͤher, um is Auge zu Furchen in Haar wahr⸗ ne groͤßere Er wollte — 257— nicht bemitleidet ſein. Ungeduldig ſprang er auf, ſtieß mit dem Fuße den Brand im Kamin zuſammen, und pfiff einen veralteten Marſch, den vor Zeiten die fuͤrſtliche Garde blies. Nun, wie ſieht es denn oben aus? fragte er darauf, nachlaͤſſig mit der Hand nach der Ge⸗ gend des Schloſſes zeigend, wo die Thurmzim⸗ mer lagen. Der Andre machte Miene, die Schluͤſſel zu holen. Laß! laß! rief der Herzog, im hoͤchſten Grade abgeneigt, den Gang zu unter⸗ nehmen. Ich kann mir denken, daß die Spu— ren da noch unverruͤckt blieben, laͤchelte er, zwi⸗ ſchen Spott und Verlegenheit ſchwankend. Dafuͤr buͤrgt mir, ſetzte er hinzu, die Schwaͤr⸗ merei des Arztes. Die Sachen alle, befahl er jetzt mit ver⸗ aͤndertem Tone, mitſammt der alten, unbehol⸗ fenen Perſon, die hier auch nicht ihr Grab fin— den konnte, ſollen in kommender Nacht ganz in der Stille nach dem Jagdhauſe am Weiher, * ohnweit der Stadt gebracht werden. Du hafteſt mir dafuͤr! Ich kam nur, meinte er darauf, um noch einmal Abſchied zu nehmen. Lange kann ich hier nicht bleiben. Ich will auf dem Eiſenhammer druͤben uͤbernachten. Der Vorſteher iſt ein feiner Mann, ich wollte laͤngſt ſehen, wie er die Sache treibt! Nun gehab' Dich wohl, Alter! fuͤgte er hinzu. Mache Deine Anſtalten klug und ge⸗ denke meiner in Willmannshagen. Er ging faſt ſo unerwartet, als er kam. Der Schloßverwalter weinte bitterlich, als er allein war. Das eigne Bekuͤmmerniß macht die Menſchen immer weich. Schon nach wenigen Tagen ſtand das Schloß leer. Werner war noch nicht eingezo— gen. Er trieb ſich in der Gegend umher, und ſchien ehe nach der Stadt, als hierher kommen 1 wollen⸗ kommen Nißruſt Folgen Graf bal in iͤbermuͤ „Wa der raſche Ihr ſeid ſahe dao ich Deine Du hatte treibe ein und zum nicht vert mich and kampf zu Du woll entzwei. — 259— zu wollen. Ein lebhafter Briefwechſel zwiſchen ihm und Bodo ließ vorausſetzen, daß ſie voll⸗ kommen einig, und keine Spuren fruͤherer Mißverſtaͤndniſſe zuruͤckgeblieben ſeien. meinte et nehmen. iben. Jch 8 ernachten ich wollte 11 Folgende Zeilen des Freundes, hatte der Graf bald nach ſeiner Heirath Franziska'n in uͤbermuͤthiger Laune mitgetheilt: fugte er„Wahrhaftig, das haſt Du klug gemacht! und g der raſche Entſchluß ſieht Dir aͤhnlich! Nun, Ihr ſeid alle Beide nicht fuͤr's Abwarten. Ich ſahe das kommen. Nimm mir's nicht uͤbel, daß 3 er dam. ich Deine letzte Einladung nicht beantwortetete. j, als er Du hatteſt mich ſehr falſch brurtheilt. Ich macht die treibe einen Spaß niemals weiter, als ich ſoll, . und zum Ernſt haͤltſt Du mich, halte ich Dich nicht verruͤckt genug. Unmoͤglich fiel Dir's ein, ſand das mich anders, als aus Neckerei zu einem Zwei⸗ it eingezo⸗ kampf zu beſtellen. Ich verſtand Deine Liſt, nher, und Du wollteſt mich fangen. Ich riß das Netz der kommen entzwei. Darin habe ich meine eigne Staͤrke 260 „ Bodo. Aber ſei Du nicht boͤſe und verkenne mich auch nicht. Ich komme naͤchſtens, und dann wollen wir Vergeltung aneinander uͤben. Der Deine Werner. 1 Ende des zweiten Theils. Georuckt bei Louis Quien. 1 verkenne rey Control Chart Green vellow Hed Magenta