2126. ₰——— ſ Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und ffranzöſiſcher Literatur Eduard Oftmann in Gießen, p Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 1 Leih- und SLeſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em 1 1 1 pfangnahme und Rückgabe der Buch her jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Ruckgabe eines geliehenen Buches wird von 1 jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahm e eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. beträgt:.. für wöcheutlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat 1 Mt. f 1 Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. „ 3 2 3„ 4 3 5. Auswärtige Abonnenten: haben für Hin und Zurückſendung 8 5. Schadenersatz. 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Ihre freundſchaftlichen Herzenserguͤſſe ſind, un⸗ geachtet ihres Schlangenlaufes, dennoch gluͤck⸗ lich in meine Haͤnde gekommen, waͤhrend auch wohl ſchon bei Ihnen die meinigen angelangt ſind, die ich noch in Leipzig auf die Poſt gab. Sie bedauern mich auf der einen Seite, daß ich mit ſo manchem Ungemach habe kaͤmpfen muͤſſen und fordern mich auf, den bequemeren Reiterdienſt zu waͤhlen, und auf der andern Seite wundern Sie ſich uͤber die Maaßen, wie ich bei meinem ſchwaͤchlichen Koͤrper alle Beſchwerden dennoch habe gluͤcklich uͤberwinden koͤnnen. Haͤtten Sie mich vor einigen Wo⸗ chen geſehen, wahrlich Ihre Verwunderung haͤtte aufgehoͤrt. Hager und elend, einem Schatten aͤhnlich, kam ich hier an. Entſetz.— liche Magenkraͤmpfe, zu denen ſich die Gelb⸗ ſucht geſellte, mergelten mich rein aus, gewiß die Folgen einer Lebensart, wie ſie ſowohl vor als nach der Leipziger Schlacht nicht zu ver⸗ meiden war. Zum⸗ Gluͤck fand ich in meinem Wirth und deſſen Frau, beguͤterten Buͤrgers⸗ leuten, Vater und Mutter. Das Schickſal, ach! gewiß kein Zufall hat mich in ihr Haus gefuͤhrt. Ich gehoͤre zur Familie, kenne alle ihre Geheimniſſe, ihre ganze Verwandtſchaft, ihre Vermoͤgensumſtände, ihr reiches, wenn gleich altmodiſches Silberzeug, ihre Tugenden und Fehler, und werde von ihnen wie ein Sohn geliebt. Nur acht Tage huͤtete ich das Bett, jetzt bin ich ſchon ſo kraͤftig, daß ich in meinem Berufe wieder thaͤtig ſeyn kann. Unſer Corps ſteht noch immer vor Weſel, waͤh⸗ vend die andern Diviſionen nach Holland auf⸗ gebrochen ſind. Ich uͤbereile mich daher nicht und wilt mich erſt ganz erholen, eh’ ich zum Regiment abgehe. So habe ich denn Muße in Ueberfluß, die ich ſo zweckmaͤßig erwie un⸗ ter eden Umſtaͤnden moͤglich iſt, annzenden Ich leſe Herders, J. Muͤllers, Goͤthes und Schil⸗ ſers Schriften, habe zufaͤllig eine Guitarre er halien⸗ die ich oft genug mißhandle, zeichne auch wohl hin und wieder und exercire Rekru⸗ ten, ſo viel es meine Kraͤfce und Kenntniſſe erlauben. Zuſehends werde ich ſtaͤrker und ge⸗ ſunder, und wenn das ſo fort geht, es mehr, als jemals. Und wem verdanke ich dieſe Wie⸗ derherſtellung? Es lebe der Pumpernickel und Schinken! Wahrlich! der bekannte Dorfbar⸗ bier Lutz hat Recht. Die Browuſche Methode iſt zu empfehlen. Sie hat mich gerettet und ſetzt mich jetzt in den Stand, manche Ihrer Fragen zu beantworten und Ihnen andre zu erſparen. Der Geiſt, der hier in Weſtphalen herrſcht, iſt der herrliche, lebendige und kraͤftige, der den Feind zu Boden geworfen hat. Unge⸗ woͤhnlich iſt in den ohemaligen preußiſchen Pro⸗ vinzen die Anhaͤnglichkeit an den Koͤnig und der Stolz auf den Namen eines Preußen, ob⸗ gleich ich es wuͤnſchte, daß ſie auf den Namen eines Deutſchen ſtolz waͤren. Freilich hat der ſchreckliche Druck, unter dem ſie ſieben Jahr hindurch geſeufzt haben, nicht wenig dazu bei⸗ getragen, ihnen ihren Verluſt recht fuͤhlbar und das Sehnen nach einem neuen Zuſtand der Dinge immer reger zu machen, aber wo das Herz nicht ſchon empfaͤnglich fuͤr Wahrheit und Freiheit iſt, da wirft die Tyrannei vergeblich den Funken hinein. Mit tiefem Unwillen er⸗ trug man das auferlegte Joch, mit Erbitte⸗ rung die aufgedrungnen Zionswaͤchter, mit — 6— Schmerz das fremde Unweſen, ſo in Sprache, Sitten, Gebehrden und Gebraͤuchen beſtand. Am verhaßteſten ſind die Douanen, dieſe Hand⸗ langer einer feilen Gerechtigkeit. Unbeſchreib⸗ lich war daher der Jubel der Einwohner, als das dritte Armeekorps in Weſtphalen einruͤckte, es in Beſitz nahm, die preußiſchen Adler wie⸗ der aufpflanzte und die fruͤhere Ordnung der Dinge wieder herſtellte. Der ganze Marſch des Heeres war ein Triumphzug, uͤberall wa⸗ ren Menſchen und Haͤuſer feſtlich geſchmuͤckt, und das ewige Glockengelaͤut verkuͤndigte dem Volke einen großen Feſttag. Ach! wie leid that es mir, durch meine Kraͤnklichkeit an der Theilnahme dieſer Freude mich verhindert zu ſehen. Auch hier und in der benachbarten Ge⸗ gend iſt ein kraͤftiger Sinn zum Leben erwacht. In dem angraͤnzenden M*r*Xlande iſt dies nicht ſo der Fall. Dort erwartet man ein neues Jeruſalem, den ſchmerzlich vermißten Krummſtab, und beſonders einen baldigen Frie⸗ den, weil man die Forderungen des Krieges fuͤrchtet. Von allen Seiten ſtroͤmen Freiwillige zu⸗ ſammen. Hier haben ſich in den wenigen Wo⸗ chen uͤber 300 eingefunden, denen es bald an 1 1 Exercirmeiſtern fehlte. So ſchwach ich bin, ſo helfe ich doch, ſo gut ich kann, und finde ſo lernbegierige Schuͤler, daß unſer Werk den⸗ noch froͤhlich von Statten geht. Fuͤr unſer Regi⸗ ment haben ſich mehr denn dreißig eingefunden, meiſtens hieſige Buͤrgersſoͤhne. Auch der Neffe meiner Wirthin, ein kraͤftiger Juͤngling, geht mit, wohl mit auf mein Zureden. Daruͤber iſt denn das herzensgute Weib ſehr betruͤbt, und boͤſe auf mich, weil ſie ihn unendlich liebt und mir die Schuld ſeiner feſten Entſchließung zuſchreibt. Und wahrlich! ich denke mit Un⸗ ruhe an die Moͤglichkeit ſeines Todes, der ihr Lebensgluͤck vielleicht auf immer truͤben moͤchte. Vor einiger Zeit wurde die hieſige Land⸗ wehr ausgewaͤhlt, nicht ausgehoben, denn es fanden ſich mehr Freiwillige ein, als verlangt wurden. Ueberall ein reges Leben, das oft die Schranken uͤberſpringt, wie das gewoͤhnlich der Fall da iſt, wo die Kraft wenig Widerſtand findet. Ich habe davon mehrere Beiſpiele erlebt. So entſtand hier im Orte, am Tage der feier⸗ lichen Einweihung der Landwehr, ein wahrer Aufſtand, weil man Frarzoſenfreunde wit⸗ terte.— Es war feierlicher Gottesdienſt. Der Prediger W**X*x ſprach kraͤftige und eindrin⸗ — 8— gende Worte zu der vollen Verſammlung, und junge Maͤdchen in weißen Kleidern ſtanden zahl⸗ reich bereit, die Freiwilligen mit weißen Baͤn⸗ dern zu zieren und ſie dadurch in Kreuzfahrer zu verwandeln. Uabeſchreiblich war das Ge⸗ draͤnge der begeiſterten Jugend, die aus zar⸗ ten Haͤnden die ſuͤße Feſſel anzunehmen, hin⸗ zuſtroͤmte. Leider endigte dieſe ruͤhrende Scene, da das Blut der Meiſten in Wallung war, wild und ſtuͤrmiſch, blos weil ein junger Buͤr⸗ ger, der als Franzoſenfreund verdaͤchtig war, die Freiwilligen Kreuzbauern genannt ha⸗ ben ſollte. Faſt waͤre er todt geſchlagen wor⸗ den. Die Obrigkeit konnte ihn nicht ſchuͤtzen und er mußte auf einige Zeit in's Exil gehen, ſei⸗ nen Unverſtand zu bereuen. Aehnliche Auf⸗ tritte fielen in der benachbarten Stadt S** zwiſchen den Buͤrgern und Landleuten vor. Dieſe ließen es auf's Loos ankommen und jene ſahen darin Feigheit und Engherzigkeit. Faſt Niemand war an dem Tage dort ſeines Le⸗ bens ſicher, am Markt blieb kein Fenſter ganz, und Mehrere wurden fuͤr todt fortgeſchleppt. So zog ein ganzes Dorf an der Mr**x Grenze, in corpore, gegen ein benachbartes katholi⸗ ſches, wo man ſich bis dahin ganz leidend ver⸗ — 9— halten hatte, um es mit Gewalt zu zwin⸗ gen, ſich freiwillig unter die Fahnen zu ſtellen, und ſich nicht erſt lange zu ſperren und zu zieren. Es kam dabei ebenfalls zu blutigen Auftritten. Dergleichen Verirrungen, wo die zum Bewußtſeyn gekommene Kraft die Schran⸗ ken der Geſetzmaͤßigkeit uͤberſprang, koͤnnte ich Ihnen noch mehrere anfuͤhren, aber Sie ſehen aus den angefuͤhrten ſchon, was von einer ſol⸗ chen wahrhaften Entzuͤndung des Lebens zu er⸗ warten iſt, wenn ſie den Feind gegenuͤber hat. Sie iſt wahrlich noch ſehr noͤthig, wenn nichts Halbes gethan, ſondern ein dauerhafter Friede errungen werden ſoll. Und daß dieſer ſchon jetzt nahe ſey, kann wohl Niemand glauben, der Napoleon und ſein Volk kennt. Im Ge⸗ gentheil wird es noch gewiß zu recht blutigen Schlachten kommen, eh' Paris uns die Thore oͤffnet. Moͤge der Himmel geben, daß ich den Tag erlebe, der gewiß, wenn auch noch nicht bald, mit ſeinem ſegnenden Lichte uͤber das be⸗ ſreite Europa anbrechen wird. Zur Cavallerie werde ich uͤbrigens, mein Theuerſter! nicht uͤbergehen. Sie nennen den Reiterdienſt bequemer, und wer weiß wie Viele haben eine gleiche Anſicht davon. Doch dem iſt nicht alſo. Mag der Cavallerie⸗Offizier es bequemer haben, der Gemeine wahrlich nicht. Kaum iſt er an Ort und Stelle angelangt, ſo gehen Stunden hin, eh' er fuͤr ſein treues Roß geſorgt hat, und mit welcher Muͤhe iſt oft dieſe Sorge verbunden, in einer Gegend, wo es an dieſem oder jenem fehlt. Kaum hat er Anſtalt gemacht, fuͤr ſich ſelbſt zu ſor⸗ gen, ſo wird geblaſen, die Reiterei muß, ſo hungrig, durſtig und müde ſie iſt, aufſatteln und vorruͤcken. So geht's ja faſt Tag fuͤr Tag. Freilich braucht er nicht zu marſchiren, doch auch das Reiten greift an, und wie oft haßen Cavalleriſten uns beneidet, die wir wie ſpielend mit der Laſt einhergingen und von keiner Muͤdigkeit wußten. Glauben Sie mir, an nichts gewoͤhnt ſich der Menſch ſo leicht, als an's Marſchiren. Nach einem ſieben⸗ bis achtſtuͤndigen Marſch, habe ich mich oft noch ſo munter und kraͤftig gefuͤhlt, daß ich nach abgeworfner Laſt, Fluͤgel zu haben glaubte, und noch dieſe und jene Merkwuͤrdigkeit einer Dtadt in Augenſchein nehmen konnte, waͤhrend der Reiter noch immer fuͤr ſein Roß ſorgen mußte. Inſonderheit iſt er im Winter zu be⸗ — — 11— dauern, wo er vor Froſt zitternd auf dem Pferde haͤngt, waͤhrend der Infanteriſt ſich warm geht und heiter und froͤhlich iſt. Dazu kommt aber noch, daß dieſer, ſo wie die Zei⸗ ten jetzt ſind, mehr Ruhm einzuerndten, Ge⸗ legenheit hat, als jener, wenn ich auch zugebe, daß durch Reiter das Schickſal der Schlachten oft entſchieden und der Sieg vollſtaͤndiger wird. Infanteriemaſſen ſind es, die jetzt in der Re⸗ gel die Schlachten liefern und gewinnen. Ihr Blut fließt erſt in Stroͤmen, eh' der kecke Reitersmann ſich mit den Lorbern ſchmuͤcken kann, die das Fußvolk gebrochen hat. Von ihm werden Batterien, Schanzen und Doͤrfer geſtuͤrmt; ſein Bajonnet iſt dem Feinde furcht⸗ barer, als die ſchoͤnſte Damascenerklinge, und wo die Gefahr am groͤßten iſt, wo der Tod Tauſende wegrafft, da ſind es Infanteriſten, die jene Gefahr beſtehen und den Tod nicht fuͤrchten. Unanſehnlich ſchreitet er freilich ein⸗ her, waͤhrend der Reiter mit ſeinem geſchwin⸗ den Roß im Sturm den Minneſold erringt; aber ob er auch langſamer zum glaͤnzenden Ziele auf ſeiner blut'gen Bahn vorwaͤrts geht, er geht dafuͤr auch um ſo ſichrer, ohne dabei oft den Reiter zu vermiſſen, der ohne Fußvolk ———— . 2 5 — 3 G wie die Erde, ger gedenken, 12 ſo daß er ſich Mo⸗ nichts iſt. Daß uͤbrigens das Fußvolk auch ohne Reiterei Siege erringen kann, Schlachten bei Bautzen und Dresden, wo es bekanntlich faſt ganz an Reiterei Darum will ich denn ein unſcheinbarer Jäͤgersmann bleiben und mich durch blenden⸗ den Schein nicht verfuͤhren laſſen. Waͤre ich recht bei Laune und aufgelegt, ſo wuͤrde ich Ihnen noch manches von der hie⸗ ſigen Lebensart, Sprache, Sitten und Gebraͤu⸗ chen erzaͤhlen, vom Pumpernickel, der ſchwarz ſchwer wie Blei, feucht, faſt vierzig Pfund wiegt und auf eine eigne Art gebacken wird, nate lang friſch erhaͤlt und inſonderheit, wenn er ſchichtweiſe mit zarten Semmelſchnitten und friſcher Butter verſehen iſt, lieblich ſchmeckt, ſondern auch fuͤr unſer einen iſt; blos die hieſige Ausſprache des ſch und ſt fluͤch⸗ tig beruͤhren, und den beſondern Accent, den man hier auf die Worte legt; wuͤrde nicht blos im Vorbeigehn der Sitte der Weſtphaͤlin⸗ lieber in einzelnen zerſtreuten als im engen Zuſammenhange des Dorfes zu wohnen, eine Sitte, die im grauen beweiſen die ſuͤßlich und angenehm und nicht blos bon pour nicle, wuͤrde nicht Alte ſonde leget kanr heit 8 daß ſch ſey. wen I ges das ja t in ſ enp. u— ⏑ ⏑⏑ ——————— 433— Alterthume, ſchon unter den Saſſen herrſchte, ſondern alles dies recht umſtaͤndlich Ihnen vor⸗ legen, aber theils iſt das Meiſte davon be⸗ kannt, theils bin ich noch von meiner Krank⸗ heit angegriffen und abgeſpannt. Nur das fuͤge ich noch ſchließlich hinzu, daß meine Wirthin vor Erſtaunen ganz außer ſich war, als ſie hoͤrte, daß ich ein Theologe ſey. Ich muß denn doch fuͤr jetzt verzweifelt wenig Geiſtliches an mir haben, und in der That, ich denke mit Unruhe an mein künfti⸗ ges Seelenamt und frage mich oft;„wie ſoll das noch werden?“ Doch der liebe Gott wird ja wohl weiter ſorgen. Er hat ja noch nichts in ſeinem Regimente verſehen. Seiner Obhut empfehle ich Sie und die Ihrigen. Sobald ich mich wieder ganz hergeſtellt fuͤhlte, eilte ich zu meinem Corps, das unter⸗ deß nach Holland gegangen war, nachdem es einen vergeblichen Verſuch angeſtellt hatte, die ſtarke Feſtung Weſel zu nehmen. Ich kann nicht unterlaſſen, hiebei eines Zuges von Hel⸗ denmuth und Seelengroͤße zu erwoͤhnen, der wohl verdient, den geprieſenen Thaten eines . — — — — — 14— Mucius Scaͤvola und andrer Helden der Vor⸗ zeit an die Seite geſtellt zu werden, wenn gleich der Name des Edlen unbekannt geblie⸗ ben iſt. Die Feſtung Weſel ſollte in der Weih⸗ nachtsnacht uͤberrumpelt werden. So hatte es der General von Borſtell beſchloſſen, um dem Koͤnig gleichſam einen heiligen Chriſt zu ſchenken. Alles war dazu eingeleitet. Die Hollaͤnder, aus denen zum Theil die feindliche Beſatzung beſtand, waren groͤßtentheils auf geheimen Wegen fuͤr die Sache Deutſchlands gewonnen, ein genauer Plan von der Feſtung in unſern Haͤnden und Kundſchaft von allem Noͤthigen eingezogen. Ganz in der Stille rückte das Corps, ungefaͤhr 8000 Mann ſtark, gegen Abend vor die Feſtung, gewiß mit ſchwerem Herzen, da es der kleinſte Irrthum, der ge⸗ ringſte Fehler beim Sturm in die groͤßte Ge⸗ fahr brachte und ſeinen Untergang zur Folge haben mußte, und auch das guͤcklichſte Gelin— gen nur durch große Opfer erkauft werden konnte. Jeder Soldat war mit Faſchinen ver⸗ ſehen, um die Wallgraͤben an bequemen Stel⸗ len auszufuͤllen, da man ſie ſich nicht tief dachte. So begann gegen Mitternacht der Angriff in aller Na glüch 2M 1 füͤlle recht donn gand 88 geſc Sch. einen heru ten ches gen Haͤl ſeine die Fein durc vorg esl ßen ſeele ——— ᷣ-— 0ô B aller Stille und Anfangs ging Alles glücklich. Nachdem man aber ſchon mehrere Hinderniſſe gluͤcklich beſeitigt hatte, ſah man ploͤtzlich den Waallgraben ſo maͤchtig angeſchwollen, daß die Faſchinen keinesweges hinreichten, ihn auszu⸗ fuͤllen. Kein Wunder, da es den Tag vorher recht ſtark geregnet hatte. Da bekam eine Or⸗ donnanz des Generals, ein Uhlan, Befehl, ganz leiſe hineinzureiten, um zu erforſchen, ob es nicht moͤglich ſey, hindurch zu waten. Es geſchieht. Doch mitten im Graben ſinkt er im Schlamme unter und im Sinken winkt er, ohne einen Laut von ſich zu geben, ohne ſeir Thier herumzureißen und ſich dadurch vielleicht zu ret⸗ ten— nur mit der Hand, zuruͤckzugehen, wel⸗ ches, da die Beobachtenden auf der Erde la⸗ gen, ziemlich deutlich bemerkt werden konnte. Haͤtte er das geringſte Geraͤuſch gemacht bei ſeiner Bemuͤhung, ſich zu retten, ſo wuͤrden die in der Naͤhe ſtehenden Schildwachen des Feindes es gehoͤrt und Laͤrm gemacht, und da⸗ durch dem ganzen Corps, das ſchon zu weit vorgegangen war, um ohne Gefahr, im Fall es bemerkt wurde, zuruͤckgehen zu koͤnnen, gro⸗ ßen Schaden zugefuͤgt haben. Aber wahrhaft ſeelengroß verlaͤugnete er ſich ſelbſt und opferte ¹ — ſich im eigentlichen Sinne fuͤr ſeine ditbruͤder auf. Wahre Ehre dem, dem Ehre gebuͤh⸗ ret.— Das ganze Corps ging darauf eben ſo ſtill und unbemerkt zuruͤck, als es angekommen war, und der Generol gab den Plan auf, Weſel auf dieſem Wege zu nehmen. Ich traf mein Regiment gerade vor Nim⸗ wegen, das blokirt wurde, an. Hier hatten wir zwar Lebensmittel in Ueberſluß, ſtanden aber ungeheure Kälte aus, die vorzuͤglich mir, durch die Ferien in Weſtphalen Verwoͤhnten, außerſt empfindlich war. Loͤcher wurden in die Erde gegraben und mit Stroh bedeckt, der Schnee auf allen Seiten, in maͤßiger Entfer⸗ nung aufgethuͤrmt und in der Mitte ein maͤch⸗ tig Feuer angemacht. Hier lagen wir, und froren und ſchwitzten zur Haͤlfte. Am andern Ufer des Rheins, den ich hier zum erſtenmal erblickte, ſtanden die franzoͤſiſchen Vorpoſten, denen wir oft das Wort„Leipzig“ zuſchrieen, um ſie zu aͤrgern. Der breite Strom ließ zwar den Schall, aber nicht die Kugel hinuͤber. Bald darauf wurde die Stadt durch Ueber⸗ einkunft unſer und wir gingen nach Arnheim. Dieſe Feſtung war, ſo wie Doesburg, einige Zeit vorher, von einigen Regimentern des drit⸗ ten hielt keiner ware mäg alles erſten ſolche peln. doch ſcurz der, erobe fuͤcht und auch want als Züuhh zug die bedeu das Mon Men beute 7 ten Armeekorps geſtuͤrmt worden. Der Feind hielt die Stadt nur ſchwach beſetzt, und konnte keinen ernſten Angriff aushalten. Zum Gluͤck waren die Wallgraͤben zugefroren und ein Sturm moͤglich, mochte er auch Hunderte koſten, da alles darauf ankam, den Feind gar nicht vom erſten Schreck ſich erholen zu laſſen und auf ſolche Weiſe das ganze Holland zu uͤberrum⸗ peln. Zweimal wichen die Preußen zuruͤck, doch das Drittemal ſetzten ſie das Leben daran, ſtuͤrzten auf die Zugbruͤcken los, riſſen ſie nie⸗ der, waͤhrend Andre die Waͤlle erkletterten, und eroberten die Stadt. Die beſtuͤrzten Feinde fluͤchteten aus einem entgegengeſetzten Thore und ſuchten das Weite. Bald darauf wurden auch noch andre Feſtungen, theils durch Ge⸗ walt, theils durch Uebereinkunft genommen, als Deventer, Huerden, Tiel, Bommel, Zuͤthphen, Breda u. a. m. Der ganze Feld⸗ zug in Holland gehoͤrt zu den gluͤcklichſten, die je unternommen worden ſind. Met un⸗ bedeutendem Verluſt wurde das ganze Land, das einer großen Feſtung gleicht, in einem Monat erobert, mehr als 800 Kanonen, eine Menge Waffen und andre Kriegsbeduͤrfniſſe er⸗ beutet, und dies ſchnelle Vordringen der gro⸗ 2 1 ——— — — ßen Armee trug nicht wenig zur gluͤcklichen Entſcheidung unſerer Waffen in Frankreich bei, weil ohne die Huͤlfe des dritten Armeekorps die Schlacht bei Laon gewiß einen andern Aus⸗ gang genommen haben wuͤrde. Zu bedauern war nur, daß die Ruͤſtungen in Holland ſelbſt ſehr langſam und ſchlaͤfrig betrieben wurden. Die uͤbrigen Huͤlfsvoͤlker, z. B. des aufgeloͤſten Rheinbundes, waren ſchneller mobil und naͤher⸗ ten ſich ſchon im Januar dem Rhein, der Moſel und Maaß, um die vielen Feſtungen an dieſen Fluͤſſen einzuſchließen. Obgleich wir uns in Holland recht wohl befanden, ſo iſt es doch nicht das Land meiner Wuͤnſche, eben ſo wenig wie der Hollaͤnder, meiner Meinung nach, dem Ideal der Menſch⸗ heit nahe iſt. Die gemeine Wahrnehmung der Dinge beſchaͤftigt ihn zu ſehr, als daß ein hoͤheres Leben die dicke Huͤlſe durchbrechen koͤnnte. Ihm gilt die Form viel, der Geiſt wenig. Fleiſch und Blut haben ihm Gewichte angelegt, die ihn aus dem Dunſtkreis des nie⸗ dern Lebens keinen freien Blick in das ſchoͤnre Land werfen laſſen, wo nicht irbiſcher Lohn neben der Arbeit, ſondern in ihr der ſuͤßre, unvergaͤngliche, ewige liegt. Holland iſt das Land der Proſa. Es gleicht einer wirthſchaft⸗ lichen, reinlichen, thaͤtigen Hausfrau, die die Augen uͤberall hat, nur nicht am Himmel, die zwar alle Achtung verdient, aber weder Liebe einfloͤßen noch empfangen kann. Waͤhrend der Geliebte ſie beſingt, buttert und kaͤſt ſie. Der Verſtand, dieſer Polizeiinſpektor der Erde, dieſe Brille fuͤr alle irdiſchen Gegenſtaͤnde, herrſcht hier uͤber den Glauben, und die Liebe wie die himmliſche Hoffnung verkuͤmmern, weil ſie nicht zu den Colonialwaaren gehoͤren, die dem Hol⸗ laͤnder gute Tage verſchaffen. Was man ſonſt von der Reinlichkeit der Hollaͤnder erzaͤhlt, gilt nur von dem Reichen und Wohlhabenden, und iſt auch bei dieſem mehr geziert, als wahrhaft im Innern erzeugt und mit dem ganzen Leben verwachſen. Ich habe davon mannigfache Er⸗ fahrungen gemacht. Der Sinn fuͤr Reinlich⸗ keit muß ſich in Allem, was man denkt, ſpricht, thut und treibt, ausdruͤcken, nicht aber auf einzelne Gegenſtaͤnde gerichtet ſeyn. Nur im erſtern Fall iſt er wahr, ſonſt eine Luͤge. So iſt z. B. die Sitte, Spucknaͤpfchen auf die Ta⸗ fel zu ſetzen,(eine Sitte, die man ubrigens bei dem Vornehmen nicht mehr antriffl), wi⸗ drig und ekelhaft, und macht die Reinlichkeit 1 1 1 91 3 ff . 1 der Hollaͤnder ſehr verdaͤchtig. Auch nimmt es ſich ſelbſt der wohlhabende Buͤrger nicht uͤbel, in Gegenwart ſeiner Gaͤſte, ſich eine hoͤchſt unanſtoͤndige und verdrießliche Erleichterung zu verſchaffen, vorzuͤglich in unſrer Gegenwart, als waͤren wir das gar nicht anders gewohnt. Der gewoͤhnliche Hollaͤnder iſt alſo salva venia ein reinliches Schwein. Ueberhaupt gingen die Hollaͤnder mit uns ſchlecht um, als waͤre Alles gut genug fuͤr uns. Geſchirr und Speiſen wa⸗ ren oft, ſamt dem Tiſchzeuge hoͤchſt unſauber, waͤhrend alles Andre die Spuren der groͤßten Reinlichkeit verrieth. Natuͤrlich gab das oft Veranlaſſung zu Streit und Zank. So ging es mir und einem Freunde in Arnheim, wo wir einen reichen Kaufmann zum Wirth hat⸗ ten. Obgleich er viele und uͤberfluͤſſige Prunk⸗ zimmer beſaß, und wir Beide ganz anſtaͤndig ausſahen und Offiziersrang hatten, ſo brachte er uns doch in ein Hintergebäͤude, in ein elendes Loch, einem Stalle aͤhnlicher als einer Stube. Doch ließen wir's uns gefallen und erwarteten das Mittagsbrod. Es kam, aber in welchem Geſchirr! Wie ſahen die Servietten aus! Das empoͤrte uns. Nach einem tuͤchtigen Zank mit dem groben Wirth, der uns veraͤchtlich anſah, hat⸗ vunke indig te er ndes tube. deten ſchen Das mit nſah, 21— wirkten wir vom preußiſchen Kommandanten der Stadt einen Befehl an den Wirth aus, uns gutwillig eins ſeiner beſten Zimmer einzu⸗ raͤumen. Faſt mit Thraͤnen gehorchte er und benahm ſich ſehr albern dabei. Selbſt Flur und Treppe waren bei ihm mit reichen Teppi⸗ Wchen belegt, geſchweige denn die Zimmer ſelbſt. So wenig mir dieſe laͤcherliche Reinlichkeit ge⸗ fiel, eben ſo wenig die Sprache der Hollaͤnder. Sie iſt das Platt von unſerm Niederdeutſch, und wird breit und bequem ausgeſprochen Am luſtigſten hoͤrt ſie ſich an, wenn ſie ſich in's Tragi⸗ ſche verſteigt. Ich hatte in Breda Gelegenheit, das dortige Theater kennen zu lernen, wo zu⸗ faͤlllig an dem Abend ein Trauerſpiel aufge⸗ fuͤhrt wurde. Ein neben mir ſitzender Freund, der der Sprache maͤchtig war, war mein Dol⸗ metſcher, und ich habe in dieſem Trauerſpiel recht herzlich gelacht, ſowohl uͤber die unbe⸗ haalte Minne des feiſten Liebhabers, als uͤber den traͤgen, ſchwerfuͤßigen Helden, der einem koloſſalen Viehhaͤndler glich, und ſich mit einer Seelenruhe erſtach, die einem Cato Ehre gemacht haͤtte. Der Thee wird hier aus ganz kleinen, Kaf⸗ fee dagegen aus entſetzlich großen Schalen, — die den Suppennaͤpfen gleichen, genoſſen, und ich der Zucker, gewoͤhnlich Zuckerkand, nicht auf⸗ Nan geloͤſt, ſondern in den Mund geſteckt. Will hins man den Hollaͤnder kennen lernen, ſo muß haj 1 man ihn beim Thee beobachten; hier entwik⸗ im 1 kelt ſich ſein Charakter beſonders. Die Geſell⸗ ifie V ſchaft kommt zuſammen. Stillſchweigend ge⸗ in 1 nießt man, bekommt eine kleine thoͤnerne Pfeife, Wij ¹ oder ſteckt das Rohr in die Muͤndung eines dn großen Kopfes, der mit Taback gefuͤllt auf dem oß 5 Tiſch ſteht und aus dem zu gleicher Zeit ein Du⸗ hab tzend rauchen koͤnnen, lieſt Zeitungen, ſtellt Be⸗ ihe rechnungen an und ſeußzt uͤber die Stockung des Drts Handels. In den Pauſen ergreift der Rau⸗ hen. cher einen Sülpher,(ein mit Schwefel ver⸗. ſehenes Rohr, das als Fidibus dient und wo⸗ Anſ mit ein ungeheurer Handel getrieben wird), hä und faͤhrt damit an den eiſernen, hochroth ſaͤ gluͤhenden Ofen, der ihn augenblicklich anzuͤn⸗ dad det, und ſpricht zum Nachbar:„mit Verleef nanl myn Heer, et grimmt mi,“ hen, Die Bauart der Hollaͤnder hat viel Eigen⸗ veru chuͤmliches. Von der Straße tritt man unmit⸗ libt telbar in die geraͤumige Kuͤche, die zugleich weit Wohnzimmer iſt. Im Hintergrunde iſt ein Verſchlag, der zum Feuerheerde dient, gewoͤhn⸗ hol Holland hinter uns hatten, und nach dem ge⸗ — 23— lich mit einem Gitter verſehen, daruͤber der Rauchfang, wie ein Thron, mit kurzen Vor⸗ haͤngen eingefaßt. Der Keſſel wird angehaͤngt. Rechts und links von der Kuͤche ſind die Prunk⸗ zimmer, die vielleicht nie oder nur ſelten ge⸗ oͤffnet werden. Die kleinen eiſernen Oefen wer⸗ den mit Torf und Steinkohlen geheizt. Die Wohnungen der Reichen gleichen aber im All⸗ 1 gemeinen den Unſrigen. Daſſelbe gilt auch 1 von Brabant und Flandern. Dort wie hier haben die Frauenzimmer die widrige und ſchaͤd⸗ liche Gewohnheit, eine Feuerkieke,(an andern Orten Feuerſtube genannt), unter ſich zu ha⸗ ben. Der ewige Kohlendunſt verſtopft ihre Schweißloͤcher, bewirkt ein bleiches, gedunſenes Anſehen, erſchlafft alle Glieder und verurſacht haͤßliche und langwierige Krankheiten. Selten ſtoͤßt man daher auf eine Schoͤnheit, zumal da die großen hoͤlzernen Schuhe, Klumpen ge⸗ nannt, worin ſelbſt wohlhabendere Frauen ge⸗ hen, einen ungeſchickten, ſchwerfaͤlligen Gang verurſachen. Wer fette, behagliche Formen liebt, der moͤchte hier freilich manche Augen⸗ weide haben, manche Grazie finden. Im Ganzen waren wir recht froh, als wir ſegneten Brabant aufbrachen. Selbſt die Wege trugen das Ihrige dazu bei, uns den Aufent⸗ halt in dem Nebel⸗ und Torflande zu verlei⸗ den. Sie winden ſich in unzaͤhligen Kruͤm⸗ mungen von einem Ort zum andern, und be⸗ ſtehen bekanntlich aus Daͤmmen, die uͤber Suͤmpfe und Wieſen fuͤhren. Sieht man auch ſchon am Morgen ſein Ziel hell und deutlich vor ſich, ſo ſchmeichelt man ſich doch vergeblich, es bald zu erreichen. Bald ſieht man es links, bald rechts, und neckend ſcheint es ſich zu naͤhern und zu entfernen. Vor allem aber beſchwerte uns das dortige feuchte, nebelige Klima. Meh⸗ rere Hunderte von uns bekamen Augenentzuͤn⸗ dungen und erblindeten, oder den Scharbock und andere Uebel, denen Manche durch Ta⸗ backkauen vorbeugten, eins der graͤßlichen Verwahrungsmittel roher Matroſen. Gegen die Mitte des Januars brachen wir uns nach Brabant zu die Bahn. General Maiſon ruͤckte uns von Antwerpen aus ent⸗ gegen, uns dieſelbe zu verſchließen. So kam es denn ganz unerwartet am 11. Januar zur Schlacht bei Hogſtraaten. Fruͤh um zwei Uhr ſchlugen ploͤtzlich die Trommeln, die Hoͤr⸗ ner klangen und das Regiment eilte aus den — 25— vollgepfropften Qüartieren in's Freie. Es war eine ſehr unfreundliche Winternacht. Sturm und Schneegeſtoͤber vermehrten die Dunkelheit derſelben, und gedankenlos ſchritten wir, vor Kaͤlte zitternd, vorwaͤrts. Dann hielten wir ſtill. Mehrere Regimenter, Infanterie und Kavallerie, zogen mit Geſchuͤtz voruͤber. Wir hatten alſo fuͤr heute den Nachtrab. Recht lang wurde uns dieſer Stillſtand, der wohl anderthalb Stunden dauerte, waͤhrend daß wir faſt einſchneiten und vergeblich uns zu erwaͤr⸗ men ſuchten, da wir zumal ohne Fruͤhſtuͤck ab⸗ gezogen waren; denn der Aufbruch geſchah ploͤtzlich. Endlich gegen vier Uhr eilten wir dem Feinde entgegen, dee bei dem offnen Flek⸗ ken Hogſtraaten in einer ſehr feſten Stellung ſtand und Antwerpen im Ruͤcken hatte. Un⸗ ſere Diviſion, die den linken Fluͤgel ausmachte, hatte den Hauptangriff, waͤhrend die andern Diviſionen mehr beobachteten, als ſich mit dem Feinde einließen. Kaum brach der Tag an, ſo begann das Schuͤtzenfeuer auf allen Punkten ſehr lebhaft. Wir fanden die Unſri⸗ gen ſchon in voller Arbeit, als wir um neun Uhr dem Staͤdtchen uns naͤherten. Der Him⸗ mel hatte ſich aufgeklaͤrt, ein ſchneidender eiſi⸗ — 26— ger Oſtwind wehte, alle Baͤume waren wie mit Zucker kandirt, große Eisflaͤchen boten ſich auf den Wieſen bei der Stadt dem Auge dar, und wohin man blickte, bemerkte man Hecken, Graͤben, Zaͤune, Mauern, einzeln liegende Hoͤfe, und hinter der Stadt einen maͤßigen dich⸗ ten Buſch, der von den Franzoſen beſetzt war. Das war das Schlachtfeld, auf dem wir heute bluten ſollten.„Wehe dem Ungluͤcklichen,“ dachte ich,„der bei dieſer Kaͤlte verwundet niederſtuͤrzt. Waͤnſchenswerther iſt heute der Tod, als eine geringe Verletzung.“ Der Feind hatte ſehr bedeutende Streit⸗ kräͤfte entwickelt, ſowohl an Infanterie als Ar⸗ tillerie. Reiterei konnte bei dieſem Terrain we⸗ nig oder gar nicht gebraucht werden, denn eine einzige große Kunſtſtraße fuͤhrte durch die Stadt, auf der ſich natuͤrlich keine Reiterei entwickeln konnte. Dieſe Straße war mit feindlichen Bat⸗ terien beſetzt. Alles kam hier auf ein wohl⸗ gerichtetes Schuͤtzenfeuer an. Eben daher aber zog ſich das Gefecht auch ſehr in die Laͤnge, weil die Feinde in dieſer Art zu kämpfen mehr Gewandheit beſitzen, als die Deutſchen. Nach und nach kamen alle Reſerven in's Feuer, weil wie ſch ar, ten, ende ich⸗ ar. ute n,“ adet der feit⸗ Ar⸗ wen eine adt, keln zat⸗ ohl⸗ aber nge, nehr Nach weil „ 2,— ſich die meiſten Bataillone ſchon verſchoſſen hat⸗ ten, ohne auch nur einen Fußbreit zu gewin⸗ nen. Zwar war die Stadt ſchon in unſern Haͤnden, konnte aber nicht behauptet werden. Alle Bataillone ſchmolzen zuſammen, inſonder⸗ heit war dies der Fall mit unſern Fuͤſtlieren. Schon hatten ſie alle Offiziere verloren. Sie waren todt oder doch verwundet. Selbſt ihr Fuͤhrer mußte das Schlachtfeld verlaſſen. Doch wollte das kühne Bataillon nicht weichen. Es wurde vom Stabshorniſten gefuͤhrt, der den vier zerſtreut fechtenden Compagnien die gehoͤ⸗ rigen und zweckmaͤßigen Signale gab und auf die Stadt losſtuͤrmte. Beim Sturm auf die Stadt trafen wir Jaͤger mit ihm zuſammen, und auf unſre Frage, wo denn der Major ſey, antwortete er mit ſtolzem Selbſtvertrauen, er verſtehe ebenfalls ein Bataillon zu fuͤhren, das ſey weder Hexerei, noch hier ein Verbrechen, und ſo ging's mit dem Hurrah weiter. Der Feind aber zog Verſtaͤrkungen an ſich und trieb uns mit Macht und Ungeſtuͤm wieder zuruͤck. Mit jedem Augenblick ſtieg die Erbitterung, endlich bis zur Wuth, die noch uͤberdies durch das Benehmen vieler Buͤrger verſtaͤrkt wurde, Dieſe ſchoſſen nehmlich, als wir zuruͤckwichen, —ÿ—;’;õõ— aus Thuͤren und Fenſtern auf uns, waͤhnend, wir wuͤrden nicht wiederkommen. Allein wir kamen wieder und hatten uns die verdaͤchti⸗ gen Haͤuſer gut gemerkt. Sie wurden mit Wuth geſtuͤrmt, und die Ungluͤcklichen mußten ihre Ver⸗ blenöung ſchwer genug buͤßen. Mit Kolben wurden ſie bei den jammernden Kindern und Frauen niedergeſchmettert.— Ein Schuͤtze war in der Hitze des Verfolgens den uͤbrigen zuvorgekommen und ſah ſich ploͤtzlich von Fein⸗ den umringt, die ſamt ihm auf einer großen Eisflaͤche wankten, uͤber die ſie ihr Weg fuͤhrte. Ein betaͤubender Kolbenſchlag ſtuͤrzt den ohne⸗ hin nicht feſt Stehenden nieder. Der Fran⸗ zoſe holt nochmals aus, ihm den Reſt zu ge⸗ ben; da aber rafft der ſterbende Preuße ſeine letzte Kraft zuſammen, faßt den Sieger bei den Beinen und wirft ihn auf dem glatten Eiſe um. Augenblicklich kriecht er faſt ſchon bewußtlos auf ihn heruͤber und wuͤrgt ihn, Beide fand man todt und den Preußen ſo feſt an Jenen angeklammert, daß man ſie ſo zu⸗ ſammen in die Grube warf. An Schonung und Pardon war nicht mehr zu denken. Man gab und forderte keinen. Ein Lieutenant unſers Regimentes, der die Schuͤtzen ſeiner Kompag⸗ nie fuͤhrte, hatte ſich in ein einzeln liegendes Haus mit ungefaͤhr zwanzig Mann geworfen und ethat von hieraus dem Feinde bedeutenden Schaden. Die ganze Schuͤtzenlinie ging aber plötzlich etwas zuruͤck und die des Feindes vor, ohne daß der Lieutenant es gewahr wurde Schnell wird das Haus von ungefaͤhr 100 bis 120 Feinden umringt und aufgefordert, ſich zu ergeben. Statt einer Antwort laſſen die Eingeſchloſſenen die Kolbe reden, ſtuͤrzen hin⸗ aus, ſchlagen ſich nicht allein durch, ſondern machen, den Feind zuruͤcktreibend, noch einige Gefangene, weil das Fliehen wegen der vielen Eisflaͤchen mit großen Schwierigkeiten verbun⸗ den war, und Freund und Feind, im Augen⸗ blick, wo man ſich toͤdten wollte, niederſchlug oder durchbrach. Auch Beiſpiele von großer Unempfindlichkeit gegen den Schmerz ſah ich waͤhrend der Schlacht. Ein Soldat wurde von einer matten feindlichen Kugel in die Wade getroffen. Unwillig ruft der Erbitterte aus:„entweder ordentlich oder gar nicht bleſ⸗ ſirt, was ſoll der Spaß?“ Und ſomit nimmt er ſein Taſchenmeſſer, ſchneidet die Kugel her⸗ aus, wiſcht ſie ab, ladet ſie in ſein Gewehr und ſchießt ſie ruhig auf einen Gegner ab. —ÿ— — — — — 30— Nun erſt verbindet er ſich vberſüchlit ohne den Kampfplatz zu verlaſſen. Durch das Bajonnet wurde füͤr den Au⸗ genblick mancher Vortheil errungen, doch weil der Feind zu ſtark war, ſo mußte zum zwei⸗ tenmal die Stadt dem Feinde uͤberlaſſen wer⸗ den. Unſre Brigade hatte blos in der Hoff⸗ nung das Gefecht angenommen, daß ſie von einer andern unterſtuͤtzt wuͤrde. Doch dieſe Huͤlfe blieb aus, weil der General von Thuͤ⸗ men, der ſie bringen ſollte, ſo viel Hinderniſſe auf ſeinem Wege antraf, daß er erſt gegen Abend in H. einruͤckte, als die Schlacht be⸗ reits entſchieden war. So hatte denn unſre Brigade einen ſehr ſchweren Stand. Dennoch wurde Nachmitrag die Stadt zum Drittenmal genommen und behauptet. Alle Verſuche des Feindes, ſie wieder zu gewinnen, ſcheiterten. Der rechte feindliche Fluͤgel war alſo aus ſei⸗ ner Poſition geworfen und ſollte nun von der Reiterei in Unordnung gebracht werden. Doch mißlang dieſer Angriff, und es war alſo noch wenig durch die Beſitznahme des Staͤdtchens gewonnen, da der linke Fluͤgel des Feindes noch feſt ſtand. Doch auch dieſer wurde end⸗ lich durch eine verſtellte Flucht der Unſrigen — 31— zum Weichen gebracht. Abſichtlich zog ſich nehmlich der Schuͤtzenmajor unſers Regimentes zuruͤck. Hinter ihm in einem Graben lag das ganze Bataillon verſteckt. Der Feind folgte den immer ſchneller fliehenden Schuͤtzen mit eben ſo viel Ungeſtuͤm als Unordnung. Dieſe zogen ſich hinter den Graben zuruͤck, und als der Feind hoͤchſtens vierzig Schritt davon ent⸗ fernt war, bekam er von dem im Verſteck lie⸗ genden Bataillon eine Generalſalve, die ihn zu regelloſer Flucht zwang. Alles ſpringt auf und mit einem donnernden Hurrah ihm nach, ein Blutbad unter ihm anrichtend. Wie er ſich auch nun ſetzen wollte, es war vergebens, ſeine Stunde hatte geſchlagen. Erſt wurde er gedraͤngt, dann auf der ganzen Linie durch Paßkugeln und Granaten getrieben und eine Meile weit verfolgt, bis die Sonne voͤllig un⸗ tergegangen war und dicke Waͤlder die Fluͤch⸗ tigen aufnahmen. Ein Theil der Diviſion blieb hier ſtehen, ein andrer Theil ging nach Hog⸗ ſtraaten zuruͤck. Waͤhrend deß war auch von den andern Diviſionen ein Dorf nach dem an⸗ dern genommen worden, doch war das Gefecht dort weder ſo lebhaft, noch ſo anhaltend. Seine Hauptmacht hatte der Feind gegen Hogſtraaten ’ 3 7 1 — — 32—. gewandt, um hier durchzubrechen. Gelang ihm dies, ſo mußte General von Buͤlow ſeine ganze Stellung verlaſſen und nach Breda zu⸗ ruͤckgehen, weil er ſonſt ſeine Flanken entbloͤßt geſehen und eine voͤllige Umfluͤgelung ihn von Holland abgeſchnitten haͤtte. Der Feind ſoll- in dieſer Schlacht 30,000 Mann ſtark aewe⸗ ſen ſeyn. Das dritte Armeekorps, durch ſo viel vorhergehende Schlachten, Detachirungen und Kranke geſchwaͤcht, zaͤhlte hoͤchſtens 20,000 Mann, von denen 8000 Mann gar nicht in's Feuer kamen, weil ſie, wie ich ſchon ange⸗ fuͤhrt, zu viel Hinderniſſe auf ihrem Marſch antrafen, um uns zur gehoͤrigen Zeit unter⸗ ſtuͤtzen zu koͤnnen. Gehoͤrt die Schlacht bei Hogſtraaten auch nicht unter die Hauptſchlachten des Freiheits⸗ krieges, ſo wurde ſie doch durch ihre Folgen bedeutend. Durch dieſen Sieg erſt wurde die Wegnahme von Holland gedeckt und die Ver⸗ bindung mit dem General von Winzingerode, der durch die Grafſchaft Luͤttich uͤber die Maas nach Brabant vordrang, hergeſtellt. Nun erſt ſtand den Verbuͤndeten der Norden von Frank⸗ reich offen. An ſeiner Graͤnze wurden ſeine Vertheidiger zuruͤckgeworfen, und bis Bruͤſſel * ſho Fein ( Fein bei Unſer ſchen uͤber verw brash konn genol 3 Quar ten e dag einſa dem entleg an ei⸗ Votho wenig krank uͤber wurdg rem L d— 33— ſchweiften unſre leichten Truppen umher, dem Feinde in vieler Hinſicht ſchadend. 4 Der Verluſt der Unſrigen und der des Feindes war ziemlich gleich; man ſchaͤtzte ihn bei Beiden auf 6000 Todte und Verwundete. Unſer Regiment hatte allein in dem moͤrderi⸗ ſchen Gefecht ſiebzehn Offiziere verloren und uͤber 300 Gemeine und Unteroffiziere, todt und verwundet. Gefangne wurden wenige einge⸗ bracht, weil keine Reiterei den Sieg benutzen konnte. Auch wurden nur wenige Kanonen genommen. In der ſehr beſchaͤdigten Stadt lagen die Quartiere uͤberhaͤuft voll und die Wirthe hat⸗ ten es an dem Abend nicht gut. Suchend ging ich in meinem Quartier umher, um eine einſame Lagerſtaͤtte zu erſpaͤhen, und kam in dem ſehr weitlaͤuftigen Gebaͤude endlich in ein entlegenes Stuͤbchen, wo ich mehrere Kinder an einem Bette weinend fand. Ich ſchlug die Vorhaͤnge deſſelben zuruͤck und erſchrak nicht wenig, eine Frau im Sterben zu finden. Schon krank und elend hatte ſie den heutigen Tag uͤber das Bett nicht verlaſſen duͤrfen, und wurde hier von einer Kugel getroffen, die ih⸗ rem Leben noch in derſelben Nacht ein Ende ,— machte. Die ungluͤcklichen Kinder bekuͤmmer⸗ ten ſich wenig um die Hunderte, die in ihrer Wohnung hauſten. Sie hatten ja ſo unend⸗ lich viel verloren. Vergebens ſah ich mich nach einem Arzt um. Unſre Chirurgen hatten alle Haͤnde voll zu thun, daher war an Huͤlfe nicht zu denken. Dieſelbe Nacht hatten die Feinde auf ih⸗ rem Ruͤckzuge viel Gluͤck. Ungefaͤhr eine und eine halbe Meile von Hogſtraaten nehmlich hielt in einem Doͤrſchen eine Escadron preu⸗ ßiſcher Dragoner mit zwei Kanonen. Sie hat⸗ ten es ſich unvorſichtiger Weiſe bequem gemacht, im Wahn, der Feind gehe auf einem andern Wege zuruͤck, dies aus dem anhaltenden Schie⸗ ßen ſeitwaͤrts von ihnen, ſchließend. Der aber wandte ſich ploͤtzlich und nahm ſeinen Ruͤckzug uͤber dies Dorf. Im Fall die Dragoner wach⸗ ſam geweſen waͤren, haͤtte ihr unvermutheter Angriff den Feind gewiß in die aͤußerſte Be⸗ ſtuͤzung geſetzt, da er hier keine Preußen er⸗ wartete. Kaum aber naͤherte er ſich dem Dorfe, ſo wurden ſie ihm von einigen Bauern verra⸗ then. Sie wurden alſo ſamt ihrem Rittmei⸗ ſter aus den Federn geholt und die Kanonen erbeutet.— Allein ſchon den folgenden Tag acht, dern chie⸗ aber ickzug wach⸗ heter Be⸗ n er⸗ dotfe, erta⸗ etmei⸗ nonen Tag ten wir mit unſern Altvordern, in Walhalla hatten die Preußen Gelegenheit, ſich frei zu machen, und noch uͤberdies dem Feinde ſeinen Raub wieder abzunehmen. So kamen ſie dies⸗ mal noch mit einem blauen Auge davon, wenn gleich nicht ihr Fuͤhrer, der ſeine gerechte Strafe empfing. An demſelben Tage, den 12. Januar, griff General von Buͤlow den Feind nochmals an und warf ihn nach einem hitzigen Gefecht nach Antwerpen vöoͤllig hinein, wo unterdeß der be⸗ ruͤhmte Carnot angekommen war. Die Kaͤlte war, wie den Tag zuvor, unausſtehlich, doch unſer Loos freundlicher als geſtern, wo es uns an Allem fehlte. Wir ſtanden nehmlich in Reſerve, zur Unterſtuͤtzung unſers linken Fluͤgels, und griffen nur Landhaͤuſer und die von ihren Eigenthuͤmern verlaſſnen Schloͤſſer an. Der Sieg wurde uns leicht. Wir dran⸗ gen mit gewohntem Ungeſtuͤm in die vollen Weinkeller hinab und eroberten ſie. Da floß viel Rebenblut und immer blutdurſtiger wurden wir, je mehr wir es fließen ſahen und hoͤrten, bis Viele ſiegend umſanken, um auf ihren Lor⸗ bern auszuruhn. Das war uns waͤhrend des Krieges noch nicht vorgekommen, darum glaub⸗ „ zu ſeyn. Ueber 600 Weinfuaſchen, die mit dem Kopf und Hals im Sande geſteckt hat⸗ ten, ſo wie ſich bei aͤhnlichen Gefahren der Strauß verkriecht, lagen hingeſtreckt und ihr Geiſt war entflohen So, geneigter Leſer! wechſeln im Kriege die Tage Auf Blut folgt Wein; wen heute der kalte Brand verſchont, trifft morgen der heiße; waͤhrend Hunderte in die eiſige Erde ſinken, ſinken hundert Andre dem Bachus in die Arme. Tod und Leben, Schmerz und Freude, Mangel und Ueberfluß, Opfer und Genuß wirft der Krieg ſo wunder⸗ lich durch einander, daß man kaum zur Beſin⸗ nung kommen kann.— Dieſe Freude glaubten wir noch erhoͤht, als uns gegen Abend die Nachricht wurde, daß wir ein Nonnenkloſter zum Nachtquartier erhalten wuͤrden. Das war uns Allen auch etwas ganz Neues, und ſchon im Geiſte, in dem zweifachen, eignen und fremden, weideten wir uns an den zittern⸗ den Jungfrauen, die unter ihren Andachts⸗ uͤbungen ſelbſt hinter hohen Mauern der Laͤrm des Lebens nicht verſchonen ſollte. Aber wie wurden wir getaͤuſcht! Zwar trafen wir Non⸗ nen an, aber verſteinte, wahre Mumien, die ihre Roſenzeit in grauer Daͤmmerung hinter 1 4 ſich liegen ſahen. Sie jammerten uns, daher 6 waren wir ruhig und ſtill, und begnuͤgten uns 4 blos, einige Choraͤle auf der Orgel zu ſpielen. . Das Kloſter war eigentlich ein Hospital und ht ſollte ausſterben. Es hatte uͤbrigens, wie faſt 4 6 alle Kloͤſter, eine ſo herrliche Lage, daß wir h. es recht ſehr bedauerten, nicht ſchon im May h— zu ſeyn, der hier wunderſchoͤn ſeyn muß. 9 Unſre Furcht, ſofort Antwerpen zu bela⸗ 2 gern, war ungegruͤndet. Wir zogen uns viel⸗ uf, mehr ein wenig zuruͤck, Breda zum Stuͤtzpunkt 3 behaltend, und erwarteten ſo die Ankunft des ins Herzogs von Sachſen⸗Weimar, der mit Sach⸗ ten ſen, Weſtphaͤlingern und Hollaͤndern den rech⸗ die ten Fluͤgel der verbuͤndeten Armeen verſtaͤrken ſter ſollte. Vor ſeiner Ankunft konnte nichts mit as Nachdruck ausgefuͤhrt werden, wenn gleich nd taͤglich Erſatzmannſchaften kamen, die fruͤher en vor Stettin gelegen hatten und jetzt die Re⸗ tne gimenter wieder vollzaͤhlig machten. Kaum aber ts⸗ waren die Huͤlfstruppen in Holland angelangt, tm als wir Ende Januars wieder die Offenſive wwie ergriffen. onn⸗, Meine Lage hatte ſich um die Zeit ſehr hie verbeſſert. Ich wurde Offtzier und fuͤhlte mich in einem ſehr behaglichen Zuſtand, da ich die — 38— Beſchwerden, mit denen der gemeine Soldat zu kaͤmpfen hat, zur Genuͤge kennen gelernt und lange genug ertragen hatte. Man hat den halben Frieden gewonnen, wenn man die Buͤchſe mit dem Degen vertauſchen kann, ſtatt zu gehorchen, ſchon zu Zeiten befehlen darf, und außer dem lieben Gott auch noch ſeinen Burſchen fuͤr ſich ſorgen laͤßt. Neu geſtaͤrkt verließen wir unſre ſogenann⸗ ten Winterquartiere und glaubten jetzt ganz be⸗ ſtimmt, in das Innere von Frankreich vorzu⸗ dringen, um der großen Armee, von der wir bis jetzt nur unſichre Nachrichten erhalten hat⸗ ten, in ihren Noͤthen beizuſtehn. Daraus wurde aber fuͤr jetzt noch nichts. Der groͤßte Theil des dritten Armeecorps ruͤckte vor Ant⸗ werpen, um es, in Verbindung mit den Eng⸗ laͤndern unter dem General Graham, wo moͤg⸗ lich im Sturme zu nehmen. Doch Carnot war in Antwerpen. Drei Tage ſtuͤrmten die Preußen vergeblich und verloren Tauſende. Sie leiſteten faſt das Unmoͤgliche, aber eben das Unmoͤgliche ſollte moͤglich werden, darum floß ihr Blut umſonſt, denn der Muth hat zwar keine Grenze, aber er findet ſie. Unterdeß griff unſer Corps am 31. Januar die Feſtung Lier an, die etwa vier Stunden von Antwerpen liegt und mit ungefaͤhr 3000 Mann beſetzt war. Der Angriff geſchah mit Heftigkeit und Ungeſtuͤm, ungefaͤhr um zwoͤlf Uhr Mittags, und gegen ein Uhr waren die Graͤben durchwatet, die Waͤlle erſtiegen und die Feſtung unſer, mit einem Verluſt von un⸗ gefaͤhr 200 Todten und Verwundeten. Unter jenen war der heldenmuͤthige Obriſtlieutenant von Knobloch, Kommandeur des damaligen zweiten Reſerve⸗Regiments. Mit dem Degen in der Hand fiel er an der Spitze ſeiner Ge⸗ treuen, die vor dem entſetzlichen Kartaͤtſchen⸗ feuer erbebten, unmittelbar an der Zugbruͤcke, die mit gewaltiger Hand niedergeriſſen wurde, eben als ſie der Feind, der ſich thoͤrichterweiſe außerhalb der Feſtung aufgeſtellt hatte, uͤber ſie zuruͤckſtuͤrzend, in die Hoͤhe ziehen wollte. Drei Flintenkugeln trafen ſeine Bruſt, und jede war hinreichend, ihm den Heldentod zu geben. Racheſchnaubend ſtuͤrzten die Seinigen, die in ihm einen Vater verloren hatten, hinein in die Stadt den Feind ſuchend. Doch dieſer war, da die, die Stadt umgehenden Batail⸗ lone auf unvorhergeſehene Hinderniſſe ſtießen, 1 ſo ſchnell entflohen, daß unſre Reiterei, die bald darauf durch die Stadt ihm nacheilte, nicht im Stande war ihn einzuholen. Es wurden daher nur wenige Gefangne gemacht. Theuer war die Eroberung erkauft worden. Voll gerechten Schmerzes betrachtete der Ge⸗ neral den entſeelten Helden, der ſchon einge⸗ gangen war zu den Gerechten in das ſchoͤnre Land, wo er Schwerin und Winterfeld gefun⸗ den, die durch blutiges Streben ſich gleiche Lorbern errungen. Am andern Morgen wurde er zu Grabe gebracht. In ihm verlor die Ar⸗ mee einen ihrer verdienſtvollſten Offiziere. Mit großer Kuͤhnheit verband er jugendliches Feuer, Lebendigkeit und Regſamkeit des Geiſtes, und tiefe militairiſche Kenntniſſe. Er war zwar ſtreng gegen ſeine Untergebenen, hart, wie es oft ſchien, aber gerecht; er hatte den Rieſen⸗ geiſt der Zeit erkannt, den heiligen Sinn die⸗ ſes Krieges, und wurde von allen Guten und Edlen geliebt und hochgeachtet. Dieſer Held hatte ſchon waͤhrend des ganzen Feldzuges eine nicht gewoͤhnliche Tapferkeit und Umſicht ge⸗ zeigt, und die Aufmerkſamkeit des Generals auf ſich gezogen. Doch von ſeiner Kuͤhnheit und Geiſtesgegenwart legte er die ſchoͤnſten 1 — Proben im Spaͤtherbſt ab, als die Armee am Rhein ſtand. Sein Regiment ſtand bei Duͤſ⸗ ſeidorf, der Stadt Neuß gegenuͤber, die vom Feinde beſetzt war. Alle umliegende Doͤrſer jenſeits des Rheins hatten daſſelbe Schickſal. Ein Unternehmen auf dieſe Stadt war alſo hoͤchſt gefaͤhrlich und verlangte die groͤßte Vor⸗ ſicht, Kuͤhnheit und Schnelligkeit. Alles dieſes vereinigte Knobloch, weshalb man ſich ſchon im Voraus einen guten Erfolg verſprach, als er es wagte, auf Kaͤhnen uͤber den Fluß zu ſez⸗ zen, um einen Streich auf Neuß auszufuͤhren. In einer Nacht brach er mit drei Bataillonen Infanterie auf und nahm eine große Anzahl Trompeter mit. Alles ging gluͤcklich. Das eine Bataillon wurde links, das andre rechts um die Stadt detachirt, und mit dem dritten ging er auf die Stadt ſelbſt los, nachdem er ſich gluͤcklich und unbemerkt durch die ſorgloſen Feinde hindurchgeſchlichen hatte. Die Thor⸗ wache der Stadt war außerhalb den Mauern, dicht am Thore. So wie die Preußen ange⸗ langt ſind, ſpringt der Obriſtlieutenant vom Pferde, eilt ploͤtzlich auf den wachhabenden Poſten los, wuͤrgt ihn, wirft ihn nieder, ſpringt in die Wachſtube und erklaͤrt mit einer — 42— Donnerſtimme die Wache zu Gefangenen. Alle ſind beſtuͤrzt und werden ohne Geraͤuſch „von den anſtuͤrmenden Preußen gefangen ge⸗ nommen. Mit leichter Muͤhe wird das Thor geoͤffnet, und hinein jagen jene Trompeter bla⸗ ſend, als wollten ſie die Todten erwecken. Al⸗ les ſpringt aus den Betten, laͤuft und faͤllt uͤber einander. Den feindlichen Obriſten finden ſie noch im Bette, er und viele andre Offiziere werden gefangen genommen und eine Kriegs⸗ kaſſe von ungefoͤhr 70,000 Thaler erbeutet. Al⸗ les was fortgeſchleppt werden konnte, wurde mitgenommen. Doch war keine Zeit zu ver⸗ lieren, denn ſchon daͤmmerte es maͤchtig und in den umliegenden Doͤrfern wurde es leben⸗ dig. Unaufhaltſam eilen die Preußen zuruͤck, erreichen noch gluͤcklich ihre Kaͤhne, werden zwar verfolgt, retten aber ſich und ihre Beute, ſchiffen ſich ein und bieten dem ſtaunenden Feinde vom dieſſeitigen Ufer aus einen ſchoͤnen guten Morgen. Ein großer Theil der Beute wurde unter die Soldaten vertheilt, eine Be⸗ lohnung, die ſie wohl verdient hatten. Lier litt uͤbrigens durch dieſen Sturm ſo wenig, daß vielmehr in einigen Stunden voͤl⸗ lige Ruhe zuruͤckkehrte, und alles ſich wieder in 8 den 9 Der math des mand geoll entſch ein b die ſchen Geft Gral hinrei zum naͤcht buc⸗ nur den dame — 43— den gehoͤrigen Schranken und Formen bewegte. Der Soldat war zwar froͤhlich und wohlge⸗ muth, Mancher trank ſich auch wohl zur Weihe des Tages ein Raͤuſchchen, doch wurde Nie⸗ mand gemißhandelt und auch nicht ein Haus gepluͤndert, was am Ende, wenn's geſchieht, zu entſchuldigen iſt, ſobald man bedenkt, wie ſehr ein blutiger Kampf die Gemuͤther erhitzt und die verſteckte Mord, und Raubſucht im Men⸗ ſchen erweckt, ſo daß er ſich gar zu leicht, im Gefuͤhl des Sieges, von ſeiner Leidenſchaft zu Grauſamkeiten gegen den wehrloſen Buͤrger hinreißen loͤßt. Man muß es den Unſrigen zum Ruhme nachſagen, daß ſie maͤßig und nuͤchtern bleiben, und die Gunſt des Augen⸗ blicks aus Herzenseinfalt und Unbefangenheit nur ſelten mißbrauchen. Fruͤher war dies bei den Preußen keinesweges der Fall, aber die damalige Armee beſtand auch großentheils aus dem Auswurf der Menſchheit und war ein Aſyl fuͤr Verbrecher aller Laͤnder und Reiche. Beiſpiellos iſt die Art und Weiſe, wie in unſern Zeiten Feſtungen behandelt werden. Es iſt jetzt bewieſen worden, daß ſie den Feind bei ſeinem Vordringen wenig oder gar nicht auf⸗ halten koͤnnen. Waͤhrend in fruͤhern Zeiten — 44— ſich oft der ganze Feldzug um den Beſitz einer einzigen Feſtung drehte,(wie z. B. im ſieben⸗ jaͤhrigen Kriege dies mit der Feſtung Schweid⸗ nitz der Fall war), werden ſie jetzt entweder raſch mit ſtuͤrmender Hand genommen, oder eingeſchloſſen, ohne daß die Hauptarmee ſich um ſie bekuͤmmert. Die Kriege ſind aber auch jetzt von ganz anderer Beſchaffenheit Hun⸗ derttauſende kaͤmpfen gegen einander, waͤhrend ſonſt eine Armee von 20,000 Mann,(jetzt ein unbedeutendes Corps), der Welt eine an⸗ dre Geſtalt gab, und den Frieden und Geſetze diktirte.— Bergen op Zoom wurde um dieſe Zeit von den Englaͤndern zwar genom⸗ men, aber nicht behauptet, weil ſie ſich unvor⸗ ſichtiger Weiſe einem zu fruͤhen Siegestaumel hingaben. Gorkum aber ſiel und Herzogen⸗ buſch, das ſtark und faſt unuͤberwindlich im Sommer, doch wenig geſchuͤtzt durch ſeine un⸗ geheuren Suͤmpfe im Winter iſt. Man fand hier außer dem Geſchuͤtz eine ſehr anſehnliche Kriegskaſſe.. Von Lier zogen wir am 1. Februar nach Mecheln, einer großen und ſchoͤnen Stadt. wo uns vorzuͤglich die beiden Thuͤrme des Doms in's Auge fielen, die ſich wie verſteinte Pflan⸗ zen b erhebe ſehr! zwar vorbt gebal telalte Bege voher zuſon und gen Leben mel Leide dd Stu men. ten, ſtom Auge 7 hant ten Klän aber einer leben⸗ weid⸗ weder oder ſich auch Hun, hrend Cjetzt e an⸗ eſetze um nom⸗ nvor⸗ aumel zogen⸗ ch im un⸗ fand nliche nach 1, wo Doms Pflan⸗ — 45— zen voller Laubwerk und Blumen zum Himmel erheben und einen klaren Beweis geben, wie ſehr unſre Zeit in der Baukunſt zuruͤck iſt, die zwar ſolche Werke anſtaunen, aber nicht her— vorbringen kann. Denn ſo wied jetzt nicht mehr gebaut, als in jenen frommen Zeiten des Mit⸗ telalters, wo ein richtiger Geſchmack, religioͤſe Begeiſterung und Ausdauer mit einer Theil⸗ nahme der Menſchen an den Werken der Kunſt zuſammentraf, die fern von aller Engherzigkeit und Selbſtſucht, in jenen bewunderungswuͤrdi⸗ gen Gebaͤuden den Mittelpunkt ihres religioͤſen Lebens ſah, und ihr Sehnen nach dem Him⸗ mel durch ſie gleichſam zu verkoͤrpern ſuchte. Leider hatte ich nicht Zeit genug, das Innere des Doms kennen zu lernen und einige frohe Stunden der Anſchauung der’ Kunſt zu wid⸗ men. Der Dienſt feſſelte mich an ernſte Pflich⸗ ten, und nur im Voruͤvergehen durfte ich ein frommes, vergangenes Leben vor das innere Auge ſtellen. Die Glockenſpiele, die in Holland, Bra⸗ bant und Flandern ganz allgemein ſind, mach⸗ ten uns Anfangs viele Freude, und ihre heitern Klaͤnge drangen recht friedlich in unſre Seele, aber ſie ermuͤdeten uns bald, weil das Klingen — 46— und Laͤuten kein Ende nimmt, zumal wenn deren mehrere in der Stadt ſind und unhar⸗ moniſch in einander fallen. Wir gingen darauf bis Vilworden vor, ei⸗ nem Staͤdtchen, das durch eins der groͤßten Zucht⸗ und Arbeitshaͤuſer merkwuͤrdig iſt. Wir waren einigen Ungluͤcklichen daſelbſt rettende En⸗ gel, z. B. einem deutſchen Maler, den der einem Tyrannen eigenthuͤmliche Argwohn hier gefeſ⸗ ſelt hielt, weil er unvorſichtige Reden gefuͤhrt und einige Karikaturen gezeichnet hatte. Schon mehrere Jahre ſaß er verlaſſen von der Welt in enger Haft, ohne verhoͤrt worden zu ſeyn, ohne im Geringſten Gelegenheit zu haben, den Seinigen ſein Schickſal zu melden, und ohne von dem Wechſel der Dinge etwas zu ah⸗ nen.— Nach einem ſtrengen Verhoͤr, wo ſich ſeine Unſchuld ſehr deutlich offenbarte, wurde er ſogleich freigelaſſen und noch zwei andre Majeſtaͤtsverbrecher. Weinend ſtuͤrzten ſie ih⸗ ren Erloͤſern zu Fuͤßen und uͤberließen ſich ganz den Ausbruͤchen einer ſtuͤrmiſchen Freude. Alle Verbrecher, die dort ſaßen, wollten nun frei werden. Ueberall brach aus den Loͤchern der Gefaͤngniſſe ein ſchallendes, vive le andre e ih⸗ ganz Alle frei chern le — 47— roi de Prusse! vive Alexandre! hervor, um uns dadurch zu beſtechen. Einige Tage darauf ruͤckten wir endlich in Bruͤſſel ein, umdraͤngt von der wogenden jubelnden Volksmenge, doch unſre Freude dauerte nicht lange, denn ſchon in der folgenden Nacht gingen wir, bei ſtrenger Winterluft, dem Feinde, der bei Hall ſtand, entgegen. Nach einem Vorpoſtengefecht zog ſich der Feind zuruͤck und wir lagerten uns nicht weit von der Stadt. Wunderlich traf es ſich, daß wir in einem Tempel der Diana unſer Quartier aufſchlagen durften. Er lag am Ausgang eines weitlaͤuf⸗ tigen Parks, der hart an die Straße ſtieß. Der Beſitzer des Gutes war gefluͤchtet. In dieſem Tempel wurde gekocht und gebraten, und der Rauch ſuchte ſich ſeinen Ausweg. Uns erheiterte der Gedanke, einer Goͤttin zu opfern, da wir doch ſo wenig Aehnlichkeit mit heidni⸗ ſchen Prieſtern hatten. Doch nicht lange waͤhrte dies heidniſche Unweſen. Wir gingen ſchon den andern Tag nach Bruͤſſel zuruͤck, wo unterdeß das ganze Corps angelangt war. Ich hatte jetzt mehr Gelegenheit die Stadt in Augen— ſchein zu nehmen.— Ungeachtet vieler Scyoͤn⸗ heiten haͤlt ſie doch keinen Vergleich mit andern — 48— Haupt⸗ und Reſidenzſtaͤdten aus. Sie iſt zwar groß und weitlaͤuftig, doch ſind die Stra⸗ ßen krumm und ſchief, und gehen bergauf und ab. Sie ſcheinen ſchmaͤler zu ſeyn, als ſie es ſind, und verlieren durch die hohen Haͤuſer das heitre Anſehn, das die Straßen der Friedrichs⸗ ſtadt in Berlin haben. Bei anhaltendem Re⸗ genwetter iſt es eben ſo unausſtehlich tief und ſchmutzig, als bei anhaltender Trockenheit ſtau⸗ big. Reizend iſt der an die Stadt grenzende weitlaͤuftige Park, der keine der Maͤngel hat, die dem Berliner Thiergarten anhaften, und angenehm faͤllt der place royal, der dicht dabei liegt, in's Auge. Er iſt eben ſo groß als regelmaͤßig. Ein großer Theil der aͤrmern Einwohner nährt ſich vom Spitzenkloͤppeln, das tauſend Haͤnde in Bewegung ſetzt. Faſt giebt es hier kein Frauenzimmer, das dieſe ſchoͤne Kunſt nicht verſtaͤnde, wenn ſie es auch nicht uͤbt. Ich beſuchte das Theater. Cendrillon wurde herzlich ſchlecht gegeben. Die Schauſpieler ſpiel⸗ ten ſo nachlaͤßig, gaben ſo wenig auf ſich Acht, daß man lachen und ſich aͤrgern mußte. Ueber⸗ haupt, wie ich auch ſpaͤterhin dieſe Erfahrung voon neuem machte, wird dieſe Kunſt in unſerm Nachbarlande ſchlecht aufgefaßt und behandelt, und nur ein verderbter Geſchmack kann die Verrenkungen und Grimaſſen eines Talma an⸗ ſtaunen. Ich habe nur Karikatur geſehen, vor⸗ zuͤglich im hoͤhern Schauſpiel. Der Franzoſe nimmt ſich auf dem Kothurn ſehr ſchlecht aus, weil er ſein Feuer in der Regel am unrechten Orte verſchwendet, und ſchwerlich moͤchte er wohl einen wahren Helden darſtellen koͤnnen. Die Poſſe iſt ſein Element, nicht einmal das Luſtſpiel. Unſre Ruhe war von kurzer Dauer. Wir brachen uͤber Soignies nach Mons auf, waͤh⸗ rend ſich der uͤbrige Theil des dritten Armee⸗ corps nach der Picardie in Marſch ſetzte, um kraͤftigere Reſultate dem wetterwendiſchen Gluͤck abzuringen. Wir wußten nun unſre Beſtim⸗ mung, nehmlich ſo lange in Flandern zu blei⸗ ben und den unruhigen General Maiſon in Schranken zu halten, bis die deutſchen Huͤlfs⸗ vöͤlker uns abloͤſen wuͤrden. Uns war dies nur in ſo fern unlieb, daß wir dadurch die Hoffnung verloren, Paris zu ſehen. Kaum angelangt in Mons, brachen wir ſchon dieſelbe Nacht gegen Valenciennes auf, deſſen Kommandanten es eingefallen war, mit uns Kurzweil zu treiben. 4 50— Auf eine Aufforderung der Koſaken, die Stadt zu uͤbergeben, hatte er eine zweideutige Ant⸗ wort gegeben, die der General fuͤr ſich guͤnſtig deutete. Sogleich machte er Anſtalt, den Kom⸗ mandanten beim Wort zu halten, und eiligſt brachen mehrere Regimenter mit Geſchuͤtz ge⸗ gen die Feſtung auf. Als wir denn nun aber auf ſeinen Wunſch erſchienen waren, ſo meinte er, nur geſcherzt zu haben, ſein Zweck ſey er⸗ reicht, er habe ſich von unſerm Daſeyn uͤber⸗ zeugt, eine Feſtung aber, wie Valenciennes, zu uͤbergeben, ſey ehm noch nicht eingefallen. Wir zogen alſo mit einer langen Naſe ab und aͤrgerten uns nicht wenig uͤber jene Spaßhaf⸗ tigkeit, welche uns nach einem Gewaltmarſch in aͤrmliche Quartiere wies, die uͤbrigens ſchon auf franzoͤſiſchem Grund und Boden lagen, wo man ſo ſehr zum Scherzen geneigt war, daß erſt der gezogene Saͤbel die Leute ernſt⸗ haft machen konnte, faſt ſo wie bei uns, nur daß wir das Vergeltungsrecht auszuuͤben anfingen und nichts als Repreſſalien gebrauch⸗ ten. So war auch mein Wirth in Mons ſehr ſpaßhafter Natur, ein alt franzoͤſiſcher Edel⸗ mann, der mir mit tauſend Buͤcklingen entge⸗ gen kam, ganz außerordentlich charmirt war, —— einen ſo lieben, theuren Gaſt zu bekommen, und gerade mich, der ich eben ſo aimable als de bonne qualité ſey, und der mich, den Ueberraſchten, ſo in ein ſchlecht meublirtes Zim⸗ mer hinein komplimentirte, wo es eiskalt war, woruͤber er ſich wieder tauſendmal, wiewohl ganz vergeblich, entſchuldigte, alles dies in gebrochnem Deutſch, da ich ihn verſicherte, des Franzoͤſiſchen voͤllig unkundig zu ſeyn. Wir aßen en famille, wo bald die Rede auf die benachbarte Feſtung Valenciennes kam, von deren Eroberung ich ſprach. Ah! une baga- telle fuͤr ihre Waffen, antwortete der Phari⸗ ſaͤer, denn gegen ſeine Frau ſich wendend, druͤckte er ſeine Schadenfreude daruͤber aus, wie wir wohl vor der Feſtung fortkommen wuͤrden, da ſie ja auf eine halbe Meile weit ihre Minen ausſtrecke. Waͤhrend ich in ſeinem Wein eine anſehnliche Ebbe hervorbrachte, die bekanntlich aus der anziehenden Kraft eines fremden Koͤrpers erklaͤrt wird, und der gepu⸗ derte Herr gewiſſenhaft, doch aͤngſtlich, fuͤr die Fluth ſorgte, bekam er Nachricht, daß mein Burſche eſſen wolle. Lachend rief er mir das zu.„Daran thut er wohl,“ gab ich ihm zur Antwort,„das pflegt er ſo an ſich zu haben.“ Ja, mein Gott! fuhr er fort, ich werde ihm zine. Den Irrthum benahm ich ihm zwar, aber die Sache war damit noch nicht zu Ende; denn bald darauf hieß es wieder, der Burſche wolle nichts eſſen und ſchimpfe und tobe. Aer⸗ gerlich ging ich mit dem Wirth hinuͤber zu ihm, und fand denn feeilich, daß die Speiſen unter aller Kritik waren. Er aber behauptete, ſie waͤren ganz delikat.„Nun ſo theilt Beide,“ rief ich erbittert aus,„Jeder verzehre die Haͤlf⸗ te.“ Der gezogene Saͤbel zwang den auswei⸗ chenden, ſich mit Sattheit entſchuldigenden Herrn, zuzulangen, wobei er ein ſo komiſches Geſicht ſchnitt, daß ich nur mit Muͤhe ein martialiſches Anſehen erkuͤnſtelte. Mein Bur⸗ ſche, dem dieſe Rache ſuͤß duͤnkte, ließ ſich's nun auch ſchmecken. Als wir darauf in der Nacht ploͤtzlich Ordre zum Marſch bekamen, wurde er geweckt und ſollte fuͤr Fruͤhſtuͤck ſor⸗ gen. Sehr naiv wuͤnſchte er mir gluͤckliche Reiſe und brachte mit hoͤchſt eignen Haͤnden einen Schnapps. Ich hatte aber Luſt zu Kaf⸗ fee. Da meinte er, das ginge unmoͤglich an, denn ſeine Frau habe dazu den Schluͤſſel, und ſie zu wecken, duͤrfe er nicht wagen, das doch nichts geben, dafuͤr ſind ja die Maga⸗ 4— 53— wärde ſie ſehr uͤbel nehmen. Als ich darauf große Luſt zeigte, die herriſche Dame zu wek⸗ ken, ſo biß er in die bittre Pomeranze und ſchaffte allmaͤhlig Alles an, was ich verlangte-. So viel von dieſem ſcherzhaften Geſellen. Von Mons, dieſer anſehnlichen, befeſtigten Stadt, wandten wir uns nordweſtlich nach Tournay zu, das der General Maiſon, um ſeine Verbindung mit Gent und Antwerpen zu decken, beſetzt hielt. In Leuze, was dicht da⸗ bei liegt, hoͤrten wir die Straßenjugend ein luſtiges, allerliebſtes Liedlein ſingen, deſſen Ge⸗ genſtand Napoleon war und wovon ich nur den Refrain behalten habe, der alſo lautete: Gai gai mes amis! Soyons réjouis! chantons le renom du grand Napoleon! c'est le héros, c'est le héros des petites maisons. Das war uns ein gutes Zeichen, denn wer erſt im Munde der Straßenjugend lebt und von ihnen ausgepfiffen wird, der hat ſeine Rolle aus⸗ und ſchlecht geſpielt. General Maiſon verließ unterdeß Tournay und wandte ſich in einer ruͤckgaͤngigen Bewe⸗ ———— 3 ——— — gung nach Lille. Sogleich nahmen wir von jener Stadt Beſitz, die von nun an der Mittel⸗ punkt aller unſerer Operationen gegen den Feind wurde. Sie iſt, wie faſt alle dortige Stäͤdte, ſtark befeſtigt. Wir wurden hier freundlich und herzlich empfangen, und erholten uns zuſehends, waͤhrend unſre Bruͤder in der Champagne faſt verhungerten und eine Niederlage nach der an⸗ dern erlitten. Es bedurfte eines Helden, wie Bluͤcher, um die Seinigen nicht verzagt zu machen. Doch da wir dies Alles erſt ſpaͤter⸗ hin erfuhren und jetzt in gluͤcklicher Ungewiß⸗ heit lebten, ſo fiel kein Wermuthstropfen in den Freudenbecher, den wir zwar beſonnen, doch bis auf die Hefe leerten. Hier waren denn eigentlich unſre Winterquartiere, die uns, wenn ſie gleich nur vierzehn Tage dauerten, neu belebten und ſtaͤrkten. Tournay, dieſe reiche, bedeutende Handelsſtadt an der Schelde, war ganz dazu geeignet. Nach langem Ent⸗ behren ſahen wir endlich einmal wieder Baͤlle, wodurch wir lebhaft an die ehemalige feindliche Einquartierung im Vaterlande erinnert wurden, wo getanzt werden mußte, wie jene Herren pfiffen. In Tournay herrſchte zwar dieſer Zwang nicht, im Gegentheil war die Wuth 89 doc ger der unt 6“* vdn ttel⸗ eind odte, und nds, faſt ant wie t zu äͤter⸗ lwiß⸗ n in nen, aren uns, erten, dieſe elde, Ent⸗ älle, dliche arden, derren dieſer Wuth — 55— gegen Napoleon und die Franzoſen ſehr groß, doch rächten wir uns an Tournay's Schoͤnen durch dieſelbe Treuloſigkeit, die die Feinde ge⸗ gen die Unſtigen bewieſen hatten, und ſangen den zaͤrtlichen Jungfrauen Schillers Reiterlied vor. Schnell vergingen dieſe angenehmen Tage unter Eſſen, Trinken, Schlafen, Scherzen und Spielen, da hieß es„es ritten drei Reiter zc.“ und manches Auge wurde naß; denn es ſind die Pommern ſtattliche Leute und verſtehen Le⸗ bensart. Ausgang Februar's ruͤckten wir ge⸗ gen Maiſon, der zwiſchen Lille und Courtray) unſtaͤtt umherſchweifte. Gegen ihn bildeten wir eine Vorpoſtenlinie, die ſich etwa eine Meile und druͤber ausdehnte. In jener Ge⸗ gend liegt Dorf an Dorf; jedes wurde mit ei⸗ ner Kompagnie beſetzt. Uns zugeſellt wurde ein ſehr braves Uhlanen⸗Regiment, das ſchon einige Zeit hier geſtanden und ſich taͤglich mit dem Feinde herumgetummelt hatte. Die feind⸗ liche Reiterei beſtand aus polniſchen Lanziers und nachgemachten franzoͤſiſchen Mamelucken. Es giebt keine beſſere Schule fuͤr den Sol⸗ daten, als den kleinen Krieg. Er giebt ihm Umſicht und Gewandtheit, Geiſtesgegenwart und Ausdauer, er haͤrtet den Koͤrper ab und —jj— —— — 3 — 56— haͤlt den Geiſt in ewiger Thaͤtigkeit. Wir waren daher mit unſerm Looſe zufrieden, ob⸗ gleich wir von jetzt an, faſt ſechs Wochen hin⸗ durch, ſelten aus den Stiefeln kamen, faſt taͤglich mit dem Feinde zu thun hatten, die Staͤdte nur fluͤchtig begruͤßten und ſelten eine Nacht ruhig ausſchlafen durften. Kaum waren wir an Ort und Stelle, und ſetzten uns ſo eben bei einem graͤmlichen Pfaf⸗ fen zu Tiſche, als uns ein wiederholtes Schie⸗ ßen auftrieb und in's Freie jagte, wo es ſtuͤrmte und regnete. Der Feind ſtellte, wie wir bald gewahr wurden, eine allgemeine Re⸗ kognoscirung an und wuͤnſchte uns einen guten Morgen. Obgleich der Boden ſo aufgeweicht war, daß man tief einſinkend, kaum von der Stelle konnte, ſo griffen ſich die Reiter doch gegenſeitig an, waͤhrend wir bis in die ſinkende Nacht das Zuſehen hatten und bis auf die Haut durchnaͤßt wurden. Um dem Feinde ein Blendwerk vorzumachen, ſtellten wir uns nur einen Mann hoch in gewiſſen Zwiſchenraͤumen auf und erwarteten den Angriff, der jedoch un⸗ terblieb. Die Nacht darauf wurde ich mit ei⸗ nem andern Offizier und ſiebzig Gemeinen auf einen verlernen Poſten kommandirt, der uns, 3 — 57— in einer hoͤchſt gefaͤhrlichen Stellung eine halbe Meile vom Regiment, mitten zwiſchen den Feinden, natuͤrlich kein Auge zuthun ließ. Doch wurden wir nicht angegriffen, weil er unſer Daſeyn durchaus nicht ahnete. Das Scharmuͤtzeln mit dem Feinde hoͤrte nicht auf, Bei einem dieſer Gefechte hatte ein Rittmeiſter von den Uhlanen eine ſeltne Vaterfreude. Sein Sohn, ein Knabe von vierzehn bis funfzehn Jahren, hatte ihn den ganzen Feldzug uͤber begleitet. Ihn ver⸗ langte endlich, mit dem Krieg vertraut gewor⸗ den, ſein Probeſtuͤck abzulegen, und bat den Vater inſtaͤndigſt darum. Dieſer aber fuͤrchtete einen uͤbeln Ausgang und ſchlug es ihm ab. Endlich aber konnte er den dringenden Bitten des kraͤftigen und entflammten Knaben nicht laͤnger widerſtehen. Er gab ihm ein leichtes Pferd, eine eben ſo leichte Pike und nahm ihn mit, als die feindlichen Plaͤnkler ſich wieder zeigten. Der junge Uhlan waͤhlte ſich einen alten Mamelucken aus, der ihn veraͤchtlich an⸗ ſah und ihn fuͤr zu unreif hielt, um es mit ihm aufzunehmen. Der Knabe aber wird im⸗ mer kecker und aͤrgert endlich durch dieſe ſchein⸗ bare Naſeweisheit jenen Veteran ſo, daß er — 58— auf ihn zueilt, ihn zu zuͤchtigen. Der Ritte meiſter haͤlt in der Naͤhe, im Fall der Noth dem Sohne beizuſpringen. Der junge Ritter tanzt nun mit dem leichten Roſſe ſo lange um Jenen herum, ihn neckend und ihm auswei⸗ chend, und ſo das feindliche ſchwerfaͤllige Thier in dem tiefen Boden ermuͤdend, bis er endlich, bei einer gluͤcklichen Wendung, den Augenblick benutzt und den Arm des Feindes durchbohrt, ſo daß dieſer um Pardon rufen muß. Schnell iſt der Vater bei der Hand, nimmt den Fran⸗ zoſen, der vor Aerger gluͤht, gefangen, druͤckt den Heldenknaben an ſeine Bruſt und weint Freudenthraͤnen. Nichts war komiſcher, als den Knaben nachher zu ſehen, der Eſſen, Trin⸗ ken und Schlafen vergaß, um zum hundertſten Male ſein Heldenſtuͤck vollſtaͤndig und gruͤnd⸗ lich vorzutragen. Um dieſe Zeit, die uns durch taͤgliche Ge⸗ fechte ſehr erſchoͤpfte, faßte der General Mai⸗ ſon den Entſchluß, uͤber Courtray vorzudringen, Qudenarde zu nehmen, Gent zu gewinnen und, verbunden mit der Beſatzung von Antwerpen, uns auf Bruͤſſel zuruͤck zu werfen und Flan⸗ dern zu reinigen. Haͤtte er dieſen Entſchluß vierzehn Tage fruͤher gefaßt und ſich mit ſeiner 59— ganzen Kraft uns entgegen geworfen, ſo wuͤrde ihm vielleicht ſein Plan gegluͤckt ſeyn. Nun aber war es zu ſpaͤt, weil unſer ſchwaches Corps durch 8000 Sachſen verſtaͤrkt worden war.— Er ſuchte demungeachtet, nach der Einnahme von Courtray, das wechſelsweiſe in unſern und feindlichen Haͤnden war, die Stra⸗ ße nach Oudenarde zu gewinnen. Dieſe Stadt, die der General von Hobe beſetzt hielt, war ſchon fruͤher von ihm, doch ohne Erfolg ange⸗ griffen worden. Jetzt ſuchte er gegen ſie zum Zweitenmale vorzudringen. Wir glaubten kei⸗ nesweges, an den drohenden Gefechten Theil zu nehmen, weil wir faſt vier Meilen von Courtray gegen Lille aufgeſtellt waren. Den⸗ noch erhielten wir ploͤtzlich Befehl, uns nach Oudenarde zu in Marſch zu ſetzen. Den 7. Maͤrz am zwei Uhr in der Nacht brachen wir auf, trafen auf mehrere Colonnen, die gegen Cour⸗ tray marſchirten, welches wir weſtlich liegen ließen, und bekamen Nachmittags Befehl, die vom Feinde ſchon gewonnene Straße nach Ou⸗ denarde, wieder zu nehmen und die Verbin⸗ dung des Generals von Hobe mit dem Haupt⸗ corps ſomit herzuſtellen. Verſtaͤrkt wurde das Bataillon durch zwei Compagnien Sachſen und . ungefaͤhr hundert Schuüͤtzen eines andern Ba⸗ taillons. Der ſaͤchſiſche Obriſt Ziegler fuͤhrte uns, die wir ungefaͤhr zuſammen 900 Mann ſtark waren. Erſchoͤpft von einem ſo ange⸗ ſtrengten Marſch, wie wir ihn zuruͤckgelegt hatten, machten wir uͤber die Forderungen, die an uns geſchahen, allerlei Gloſſen, warum gerade dies Bataillon den Feind zuruͤckdraͤn⸗ gen ſolle, das ſchon vier Meilen gemacht, waͤh⸗ rend eine halbe Meile davon das ganze Corps beiſammen ſey, wovon das erſte beſte Regi⸗ ment mit friſchern Kraͤften den Feind angrei⸗ fen koͤnne. Matt wie die Fliegen, denn wir hatten den ganzen Tag faſt keinen Biſſen ge⸗ noſſen, ſchien es uns ſehr bedenklich, un⸗ ter ſolchen Umſtaͤnden den Feind mit Erfolg anzugreifen. Doch was helfen ſolche Betrach⸗ tungen unter dem Druck der Nothwendigkeit! Gegen fuͤnf Uhr Abends wurde der Feind von uns angegriffen. Er war ungefaͤhr 4 bis 5000 Mann ſtark und beſaß eine ſchwere Batterie, waͤhrend wir weder ſie noch Reiterei hatten. Beſetzt waren von ihm die waldigen Hoͤhen bei St. Genois und Beleghem. Nach einem lebhaften Schuͤtzenfeuer wurde er zuruͤckge⸗ draͤngt und wir gewannen die Straße nach 3 — 61— Oudenarde wirklich. Im Sturmſchritt ſtuͤrzten wir unaufhaltſam vorwaͤrts, reinigten die Ge⸗ buͤſche, nahmen die feſten Punkte des Feindes und vertrieben ihn aus allen ſeinen Stellun⸗ gen, weil ſeine Batterien ſchlecht gerichtet wa⸗ ren und wir uns uͤberhaupt auf Schießen nicht recht einließen. Es fing unterdeß an zu dun⸗ keln. Das Bataillon hatte viel gelitten; un⸗ ſer Major wurde, ſchwer verwundet, in Sicher⸗ heit gebracht. Der einzige Capitain deſſelben fuͤhrte es ſtatt ſeiner. Wir glaubten daher, jetzt auf Erholung und Ruhe gerechte Anſpruͤ⸗ cche machen zu duͤrfen, da Leib und Seele voͤl⸗ lig erſchoͤpft waren. Aber daran war fuͤr heute nicht zu denken. Der Schluͤſſel der feindlichen Stellung war ja noch nicht genommen. Wir bekamen ſogleich Befehl, ihn zu nehmen, das große und weitlaͤuftige Dorf Swewechem nehm⸗ lich, das ungefaͤhr eine halbe Meile oͤſtlich von Courtray liegt. So ging es denn darauf los, ohne das wir es einmal recht erkennen konn⸗ ten. Der Feind beſtrich mit Paßkugeln und Kartaͤtſchen die Landſtraße, an deren Seiten ſich tiefe, wenn gleich trockne, Graͤben hinzo⸗ gen. Wir durften jene daher nicht verlaſſen, zumal da Hecken und Feldgraͤben jedes Vor⸗ dringen auf dem Felde erſchwerten. Doch that uns das feindliche Feuer zum Gluͤck wenig oder nichts. Endlich kamen wir dem Dorfe ganz nahe und ſtießen auf ein hohes und gewalti⸗ ges Verhack. Wir kletterten mit Muͤhe dar⸗ uͤber fort unter dem heftigſten feindlichen Feuer, das von dem nahen Muͤhlenberge auf uns ge⸗ richtet war. Die Hinterſten hatten es beſſer und bequemer, denn bald lag das Verhack voll Todter und Verwundeter, die es autßfuͤllten. Das feindliche Geſchuͤtz ging, als wir ihm ſo nahe kamen, zuruͤck. So wurde denn der Huͤ⸗ gel raſch geſtuͤrmt und todtgeſchlagen, was vor die Kolbe kam. Die Dunkelheit hatte unter⸗ deß ſo zugenommen, daß man Freund und Feind nicht unterſcheiden konnte. Es entſtand große Verwirrung, bei der mancher Preuße in franzoͤſiſche Haͤnde ſiel, da Beide nahe bei ein⸗ ander ſtanden. Einer unſrer Schuͤtzen hatte hierbei ein außerordentliches Gluͤck. Ungewiß, ob die vor ihm ſich bewegenden Maſſen Feinde oder Freunde ſeyen, ſtand er mit ſeinen Kameraden ſtill, und trat endlich keck und dreiſt hervor, alſo fragend, faſt wie die home⸗ riſchen Helden:„Seyd ihr Franzoſen oder Sachſen?“„Sachſen“ war die Antwort. „Hm, das glaube ich noch nicht,“ antwortet dieſer—„komm Einer von euch her und gebe mir die Hano, ſonſt gebe ich Feuer.“ Statt der Antwort erhaͤlt er eine tuͤchtige Ladung von der ganzen Menge. Doch ohne mehr, als eine Wunde zu erhalten, ſtuͤrzt er wie ein Raſen⸗ der auf ſie zu. Ihm ſtuͤrmen die Uebrigen nach und ſchlagen die ſich nur ſchwach Widerſetzen⸗ den nieder. Es fand ſich nachher, daß der Schuͤtze nur durch den Arm geſchoſſen war, aber zwei und dreißig Loͤcher fanden ſich in ſeinem Mantel, Czakot, Rock und Beinklei⸗ dern, die eigentlich ganz zerfetzt waren. In einer kleinen Pauſe ſammelten ſich die verſchiedenen Kompagnien, ſo gut es gehen wollte, dann wandte ſich die eine links, die andere rechts, die dritte ging gerade aus und die vierte blieb in Reſerve ſtehen. Von einer andern Seite griffen die Sachſen das Dorf an. Unbeſchreiblich war der Tumult. Hoͤren und Sehen verging Jedem, da Alles ſchrie, was eine Kehle hatte, da die Trommeln fort⸗ waͤhrend wirbelten und ein moͤrderiſches Klein⸗ gewehrfeuer ſeine Kraft verſchwendete. Die dichte Finſterniß machte jeden Plan uͤberfluͤſſig, nur ein raſches, wildes Vordringen konnte ent⸗ 1 ——— ſcheiden, da dies allein den Feind in Beſtuͤr⸗ zung zu ſetzen vermochte. Jeder that redlich das Seine, und unbeſchreiblich war der Muth und die Entſchloſſenheit bei jedem Einzelnen. Selbſt ein junger Tambour von hoͤchſtens funf⸗. zehn Jahren leiſtete alles Moͤgliche. Durch beide Beine geſchoſſen, kroch er mit der Trom⸗ mel von einem Ort zum andern, deinen fort⸗ woͤhrenden Wirbel ſchlagend, um vielleicht da⸗ durch den Feind zu taͤuſchen und ihn zu dem Glauben zu verleiten, es kaͤmen friſche Trup⸗ pen.— Das ſtaͤrkſte Feuer kam aus der Ge⸗ gend des Kirchthurmes her, den man allein noch erkennen konnte. Wir vermutheten alſo dort einen mit Mauern umgebnen Kirchhof⸗ Ohne Zaudern ſtuͤrzten wir darauf los, gaben aber ſtatt heran zu kriechen und das Thor des Kirchhofes zu gewinnen, unvorſichtiger Weiſe Feuer und dadurch uns dem Feinde zu erkennen, der nun mehr Kugeln uns entge⸗ gen ſchickte, als noͤthig waren, uns ſamt und ſonders in die Ewigkeit zu ſenden. Kopf bei Kopf lagen die Feinde— wie man beim Bliz⸗ zen der Gewehre ſehen konnte— hinter der Mauer, und die von uns noch uͤbrig waren, ſahen ſo die Unmoͤglichkeit ein, hier etwas zu ſtär, dlich duth nen. funfe urch om⸗ orte das dem Lrup⸗ Ge⸗ lein alſo hof⸗ aben Thor liger e zu tge⸗ und bei der aren, 5 z0 4 — 65— leiſten. Zwar kam Huͤlfe, doch eine zweite Salve ſtuͤrzte faſt Alle zu Boden, und im ei⸗ gentlichen Sinne waren wir auf dieſer Seite aufgerieben. Gott nahm mich in ſeinen gnaͤ⸗ digen Schutz, denn ich kam mit einer leichten Wunde davon, war aber jetzt voͤllig von Ka⸗ meraden eutbloͤßt. In dieſem Augenblick, wo vergeblich unſer Blut floß, wurde der Kirchhof von einer andern Seite angegriffen, und mit mehr Erfolg. Der Feind hielt ſich nehmlich jetzt fuͤr umfluͤgelt und uns fuͤr viel ſtaͤrker, als wir waren, ahnete Gefangenſchaft und uͤberließ uns ploͤtzlich das Dorf, ſchnell und unaufhalt⸗ ſam zuruͤckeilend. Obgleich jetzt Reiterei mit zwei Kanonen ankam, dem Feinde auf der Flucht den Reſt zu geben, ſo richtete ſie doch nichts aus. Er war wie verſchwunden. Noch in derſelben Nacht verließ der General Mai⸗ ſon Courtray und zog ſich nach Lille zuruͤck. Aus einer Schlacht, die Jeder am folgenden Tage erwartete, wurde alſo nichts. Sieben ſchwache Kompagnien hatten den Plan des feindlichen Generals vereitelt. Ehre genug fuͤr ſie. Die zitternden Einwohner des Dorfes ath⸗ meten wieder frei, als ſie ihre Wohnungen noch ſtehen, nicht gepluͤndert und von Franzo⸗ . 5 X — 66— ſen gereinigt ſahen. Alle Haͤuſer lagen voll Verwundeter, eine reiche Erndte fuͤr die be⸗ gierigen Schneidemeiſter, die Wundärzte. Am andern Morgen hielt der General von Borſtel ſeinen Einzug in Courtray, wohin mein Bataillon auch ging. Er ritt an den Gledern deſſelben nieder und ſtattete ihm ſei⸗ nen Dank ab. Er war dabei ſehr geruͤhrt, denn er ſah nur die Truͤmmer deſſelben. Man⸗ che Kompagnie war jetzt nur funfzig Mann ſtark. Daß er gerade dies Bataillon zum An⸗ griff gewaͤhlt habe, rechtfertigte er gegen uns damit, daß er ſich die Ungewißheit des Aus⸗ gangs habe erſparen wollen. Ein ſuͤßer Troſt freilich fuͤr die Uebriggebliebenen, ſich von ſei⸗ nem Feldherrn ſo geehrt zu ſehen. Ich habe bei jenem Sturm wieder eine Erfehrung gemacht, die die Behauptung un⸗ terſtuͤtzt, daß manche Menſchen ihren nahen Tod fuͤhlen und vorahnen koͤnnen. So wenig ſich auch die Seelenkraft nachweiſen laͤßt, die dieſen Glauben rechtfertigt, ſo verborgen uns auch die Geſetze ſind, die dieſen Ahnungen zum Grunde tiegen, ſo nimmt doch die Erfah⸗ rung jenen Glauben in Schutz. — 96G voll be, don vohin den ſei⸗ ührt, Man⸗ Nann An⸗ uns Aus⸗ Troſt ſei eine mun⸗ ahen venig die uns ungen Erfah⸗ — 67— Als wir am geſtrigen Abend unerſchrocken gegen das Dorf vorruͤckten, fiel mir das Be⸗ nehmen eines alten Unteroffiziers ganz beſon⸗ ders auf, der nicht weit von mir zitternd hin⸗ ſchlic. Er war mir als ein ſehr tuͤchtiger Soldat bekannt, wofuͤr auch ſein eiſernes Kreuz und ſeine goldne Medaille ſprach; er war ver⸗ traut mit den Schrecken des Krieges, an Schlachten gewoͤhnt, und hatte uͤberall Ruhe und Beſonnenheit gezeigt. Jetzs ſchlich er in dem trocknen Graben, der ſich laͤngs der Straße hinzog, gebuͤckt einher, und auf die Vorwuͤrfe, die ich ihm machte, antwortete er zitternd: „hier gehe ich ſicherer.“ Als er dafuͤr von Vielen ausgelacht wurde, verließ er zwar den Graben, aber bald fuͤhlte ich, daß Jemand ſich hinter mir am Rock feſthielt. Unwillig drehte ich mich um und erblickte denſelben Un⸗ teroffizier wieder in einer ſehr aͤngſtlichen Stel⸗ lung.„Er ahne ſeinen Tod,“ rief er mir zu, und große Schweißtropfen rannen ihm nieder— „ich moͤchte ihm daher ſein Benehmen verge⸗ ben; ſo fuͤrchterlich ſey ihm noch nie um's Herz geweſen, ſelbſt nicht bei Pirmaſens, wo er zuerſt Pulver gerochen.“ Waͤhrend deß verſtummte das grobe Geſchutz, wir ſtellten — 68— uns hinter einem großen Hauſe auf, ordneten uns und athmeten wieder freier.„Gott ſey Dank!“ rief er aus,„nun wird's wohl voruͤber ſeyn, wenn doch der Abend erſt hinter mir laͤge“!“ Seine Bitte wurde im Augenblick dar⸗ auf erfuͤ»*lt Es traf ihn ein Schuß von der Seite her und die Kugel fuhr durch beide Schenkel. Er wurde ſogleich in den Graben gelegt. Darauf drangen wir wieder vor. Am andern Morgen fand ich ihn todt. Ein Schuß hatie noch hier, in dem tiefen Graben, ſeine Bruſt getroffen und ihm einen ſchnellen Tod gegeben. Ein andrer Fall iſt der: Der junge W*X*, der als Freiwilliger bei einem Huſa⸗ renregimente ſtand; hatte ſeine Aeltern, die in Pommern wohnten, ſchon in mehreren Brie⸗ fen angelegentlich gebeten, ihm doch ein andres Pferd zu ſchicken, weil das Seinige tuͤckiſch ſey. Dieſe gaben endlich einem alten Reitknecht, auf deſſen Ehrlichkeit ſie ſich verlaſſen konnten, und der ſich ſehnte, ſeinen jungen Herrn wie⸗ der einmal zu ſehen, ein ſtattliches Roß mit, eine volle Boͤrſe, Waͤſche und Lehensmittel. So kommt er bei der Armee an und findet nach langem Suchen ſeinen jungen Herrn auf einem Baumſtamm in tiefen Gedanken ſitzen. Weh⸗ eten ſey uͤber wit dar⸗ der eide aben Am chuß ſeine Tod unge uſa⸗ e in Bries ndres iſch ſecht, nten, wie⸗ mit, iittel. nach dnem d muͤthig druͤckt der ſonſt ſo Heitre und Froͤhliche dem Alten die Hand und weigert ſich anzu⸗ nehmen, was Jener bringt.„Es iſt mir lieb, daß du hier biſt,“ redet er ihn an,„ſo weiß ich doch, wer mich begraben und meinen Ael⸗ tern Kunde von meinem Tode bringen wird. Ich bedarf nichts mehr, als ein Stuͤck Erde.“ Dem Alten kommen uͤber ſolche Reden die Thraͤ⸗ nen in's Auge, er verſucht, ihn zu erheitern und ſeine truͤben Gedanken zu verſcheuchen. Doch umſonſt, er muß ſogar die Boͤrſe behal⸗ ten, ſo gewiß ſieht Wr* ſeinen Tod vor Au⸗ gen Das Pferd aber nimmt er an. Ploͤtz⸗ lich hoͤrt er das Signal zur Schlacht(bei Dennewitz). Kanonen donnern, und hinein geht's in das blutige Gewuͤhl Wr iſt einer der erſten, den eine Paßkugel trifft Unter tauſend Thraͤnen wird er von dem getreuen Alten am andern Tage beerdigt darauf kehrt er mit ſchwerem Herzen in die Heimath zu⸗ ruͤck, den ungluͤcklichen Aeltern die Kunde von dem Verluſt ihres einzigen Sohnes zu brin⸗ gen.— Aehnliche Beiſpiele giebt es in Menge.— Das ganze Corps ging am folgenden Tage in ſeine fruͤhere Stellung zuruͤck, und nur der — 70— Major Hellwig mit ſeinem fliegenden Corps hielt Courtray beſetzt. Wir ruͤckten wieder in Tournay ein, wo wir einige Tage darauf den Sieg bei Laon durch einen glaͤnzenden Ball feierten, den der Herzog von Sachſen⸗Wei⸗ mar, der Prinz Bernhard, ſein Sohn, und un⸗ ſer General durch ihre Gegenwart verherrlich⸗ ten. Mit wie frohem Herzen wir dies Feſt begingen, laͤßt ſich denken, da uns die Gefechte bei la Fere Champenoiſe, Montmirail und Chateau⸗Thierry bekannt geworden waren; Ungluͤcksfaͤlle, die ſich wahrlich nicht dazu eig⸗ neten, uns die Einnahme von Paris als ſo leicht darzuſtellen, wie wir es Anfangs ge⸗ glaubt hatten. Doch der traurige, Unheit brin⸗ gende Februar war voruͤber, freundlicher hatte der Maͤrz angefangen, und wir ahneten nach dieſem glorreichen Siege den nahen Fall der Hauptſtadt. Nach einigen Ruhetagen wandten wir uns, den Einwohnern von Tournay herzliches Lebe⸗ wohl ſagend, wieder nach dem mehr franzoͤſiſch geſinnten Mons, waͤhrend das Hauptquartier des Herzogs von Sachſen⸗Weimar dort blieb, um den General Maiſon nicht aus den Augen zu laſſen. Unſre Diviſion ſchien jetzt die Be⸗ ſtimmung zu erhalten, die Feſtungen Valen⸗ ciennes, le Quesnoy, Landrecy, Condé und Maubeuge einzuſchließen, ein Vorhaben, eben ſo ſchwierig als gefaͤhrlich, da wir keinen Stuͤtz⸗ punkt hatten und dem Feinde an Streitkraͤften nicht uͤberlegen waren. Alle genannte Feſtun⸗ gen liegen in einem Zirkel, in deſſen Mittel⸗ punkt unſer Hauptauartier kam.. Nach einigen Hin⸗ und Hermaͤrſchen, die wegen der ſchlechten aufgeweichten Wege ſehr ermuͤdend waren, naͤherten wir uns am 22. Maͤrz der Feſtung Maubeuge, die ſchon von einigen Bataillonen loſe eingeſchloſſen war. Es hieß, daß wir die Feſtung ſtuͤrmen ſollten, was uns gerade nicht mit großer Freude er⸗ fuͤllte, da wir ſie fuͤr eine der ſtaͤrkſten Feſtun⸗ gen Frankreichs hielten, und an dem Sturm ſo mancher hollaͤndiſchen und niederlaͤndiſchen Fe⸗ ſtung genug hatten. An einem Abend bekamen wir Befehl, uns unverzuͤglich aufzumachen und uns in die vor der Stadt liegenden Redouten zu begeben, ein Name, der manchem Witz⸗ bold unter uns hinlaͤnglichen Stoff zum Wiz⸗ zeln gab. Wir ſetzten uns alſo in Marſch und verließen zu dem Ende die große Straße. Selten kann wohl ein Marſch mit ſolchen Ve⸗ ſchwerden verbunden ſeyn, als es dieſer Nacht⸗ bole marſch war. Fußhoher Moraſt war zu durch⸗ bis kneten, ſo daß man faſt verſank. An einen zin eigentlichen Weg war nicht zu denken. Dieſe 2 Nacht bekamen wir einen Begriff von den le franzoͤſiſchen Wegen, und lebhaft ſchwebte uns md das Schickſal des Herzogs von Braunſchweig 1 der im Rheinfeldzuge vor Augen. Gegen vier Uhr nu Morgens kamen wir endlich, nachdem wir eine une Meile in ſechs Stunden zuruͤckgelegt hatten, un an den Ort unſrer Beſtimmung an. he Zur Beſetzung von Maubeuge gehoͤren wohl gei 12 bis 15,000 Mann, weil es ſehr weitlaͤuf⸗ nal tige Außenwerke hat, worin eigentlich die Haupt⸗ ein ſtaͤrke der Feſtung beſteht. Sie erſtrecken ſich s wohl eine halbe Meile rings um die Stadt, n die viel tiefer als ſie und wie in einem Keſſel fi liegt, ſo daß ſie, iſt erſt der Feind im Beſitz n der Außenwerke, ſehr gut beſchoſſen werden d kann. Fuͤr diesmal hatten ſich die Franzoſen de nur auf die Stadt ſelbſt beſchraͤnken und die ch Außenwerke uns Preis geben muͤſſen. Dieſe N waren in trefflichem Zuſtande, ſo daß es uns ein Leichtes ſchien, uns theils hier zu halten, m theils die Stadt in Grund und Boden zu be ſchießen. Auch die Vorſtaͤdte ſtanden noch und in 4 boten uns den herrlichſten Schutz dar. Faſt bis zur Stadt ſelbſt ſchlichen ſich unſre Schuͤz⸗ zen heran, um die Thore und jede feindliche Bewegung im Auge zu halten. Bei der Ge⸗ legenheit gelang ihnen einmal eine recht zweck⸗ maͤßige Zuͤchtigung einiger unzuͤchtigen Frauen der Stadt. Dieſe, voll gluͤhendem Patriotis⸗ mus, trieben denſelben ſo weit, daß ſie ſich, uns verhoͤhnend, auf die Waͤlle begaben, um unſern Schuͤtzen ein hoͤchſt ſeltſames Ziel zu zeigen, woruͤber ſonſt ein oft dreifacher Schleier gezogen wird. Dieſe kuͤhne Herausforderung nahmen unſre Schuͤtzen auf der Stelle an, einige ſchlichen bis auf hundert und funfzig Schritt heran, und als die Damen noch immer voll Hohn zum Schuß einluden, ſiehe— da fiel hier und dort ein Schuß, die alle ſo ge⸗ nau trafen, daß die Damen mit lautem Ge⸗ ſchrei zuruͤckſtuͤrzten und verſchwanden. Nach der Zeit ließen ſie ſich nicht mehr ſehen, wahr⸗ ſcheinlich entruͤſtet uͤber dieſen unſern gaͤnzlichen Mangel an feiner Lebensart und Galanterie. Den 23. März ſollte das Hauptbombarde⸗ ment vor ſich gehen. Um fuͤnf Uhr Morgens begann das Feuer. Unſre Vorpoſten ſtanden in der Vorſtadt vertheilt, zwiſchen unſern und 13 den feindlichen Batterien, ſo daß ſie das Ver⸗ gnuͤgen hatten, alle Bomben und Granaten uͤber ſich her- und hinuͤber fahren zu ſehen, was ihnen Stoff genug zu ernſten Betrachtun⸗ gen gab. Uebrigens ging der Feind verſchwen⸗ deriſch mit ſeiner Munition um. Nach jedem Einzelnen, der ſich im Freien blicken ließ, ſchoſ⸗ ſen ſie mit vier und zwanzig Pfuͤndern. Kaum begann die Kanonade, ſo entſtand ein gewalti⸗ ger Laͤrm in der Feſtung. Der Generalmarſch wurde geſchlagen, Haͤuſer ſtuͤrzten mit entſetz⸗ lichem Geraſſel ein, Menſchen und Thiere ſchrien. Das Feuer aus der Stadt war ſehr lebhaft und den ganzen Tag uͤber ein ſo hoͤlli— ſcher Laͤrm, daß man ſich vergeblich zum Schlaf niederlegte. Jeder Schuß ſchreckte uns auf, und es war nicht anders, als muͤßten die ſauſen⸗ den Bomben auf unſre Schlafſtellen nieder⸗ ſchlagen. Endlich wurden wir durch ein ploͤtz⸗ liches Krachen, wie bei einem Erdbeben, in die Hoͤhe geworfen. Anfangs konnten wir uns dieſe Erſchuͤtterung nicht erklaͤren, aber bald genug wurde uns Auskunft daruͤber. Unſer Bombenmagazin war nehmlich in die Luft ge⸗ ſprengt und mehrere Artilleriſten waren dadurch getoͤdtet oder doch ſchwer verletzt worden. Die⸗ — — 75— ſer Unfall gab der Belagerung eine Wendung; denn da es nun am Nothwendigſten fehlte, was ſich nicht ſo leicht und ſchnell herbei zau⸗ bern laͤßt, ſo wurde die Belagerung wieder in eine Blokade verwandelt. Schon in der fol⸗ genden Nacht zogen wir uns ganz in der Stille zuruͤck, nach einem dicht an der Sambre lie⸗ genden Doͤrſchen, Namens Haumont, wo wir mehrere Tage blieben. Es liegt eine ſtarke halbe Meile von Maubeuge. Bald darauf kam der Feind froͤhlich und wohlgemuth aus der Feſtung und beſuchte die von uns verlaſſenen Schanzen. Ein Zufall aber jagte ihm ein paniſches Schrecken ein und verdarb ihm die ganze Freude. Unſre Artille⸗ riſten hatten nehmlich bei dem ſchnellen Auf⸗ bruch einige Pulverfaͤſſer, Granaten und Bom⸗ ben zuruͤckgelaſſen, zumal da ſie meinten, in einigen Tagen wieder zuruͤckzukehren. Sie hatten Alles oberflaͤchlich mit Erde und Strauch⸗ werk bedeckt, um es dem erſten Blick zu ent⸗ ziehn. Als nun die Franzoſen, uns verfolgend, die Feſtung verließen und ihre Redouten be⸗ ſuchten, ſo waren ſie ſo aͤrgerlich oder froͤhlich, daß ſie alle Strohhuͤtten und Lagerſtellen in Brand ſteckten und ihren Spaß damit trie⸗ ben. Pltzlich aber faſſen jene Pulverfaͤſſer Feuer und fahren ſamt den Granaten krachend in die Luft, wobei viele Franzoſen bedeutend verwundet, manche getoͤdtet werden Alles laͤuft und rennt nun durch einander, im Wahn, wir haͤtten verborgne Minen angelegt und die Beſatzung aus der Feſtung abſichtlich heraus⸗ gelockt ſie zu verderben. Dieſe Verwirrung, in der ſie nach der Stadt zuruͤckeilen, benutzen Koſaken, dieſe Ueberall und Nirgends, und ehe Jene das Thor erreichen, ſind an die Hundert von ihnen ergriffen. So lief dieſe Neugier ab. Das Dorf Haumont liegt auf dem rechten Ufer der Sambre, die dort ungeſaͤhr nur zwan⸗ zig bis fuͤnf und zwanzig Schritt breit, aber tief iſt. Wir durften es alſo, bei einer in der Eil geſchlagenen, mangelhaften Bruͤcke, nicht wagen, im Dorfe ſelbſt zu bleiben, weil wir vor einem Ueberfall nicht ſicher waren, der uns dann in große Verlegenheit gebracht ha⸗ ben wuͤrde. Wir ſchlugen alſo jenſeits des Fluſſes unmittelbar an deſſen Ufer unſer Frei⸗ lager auf und ließen uns von den freundlichen Einwohnern verpflegen Die Franzoſen kamen wirklich einige Tage darauf und pluͤnderten das grif faͤfte chend utend Alles Jahn, die raus⸗ 3, in dutzen und n die dieſe chten wan⸗ abet in der nicht l wir der t ha⸗ des Frei⸗ lichen kamen in das ᷑ anr rrur n — 77— Dorf, wo ſich noch eine Menge Vieh fand, das unvorſichtiger Weiſe dort gelaſſen worden war. Der Uebermacht mußte das Bataillon fuͤr den Augenblick weichen. In dieſer ganzen Zeit fingen wir viele Spione auf, die einen geheimen Briefwechſel zwiſchen den Kommandanten der verſchiednen Feſtungen zu befoͤrdern ſuchten. Fuͤr jeden er⸗ tappten Spion wurde ein Louisd'or gezahlt. Man kann denken, wie dies die Wachſamkeit erhoͤhte. Groͤßtentheils beſtanden ſie in Bauern der umliegenden Gegend, die uͤbrigens nicht wie ſonſt wohl, behandelt, d. h. aufgeknuͤpft wurden, ſondern nach einigem Arreſt mit einem väͤterlichen Verweis davon kamen. Viele von dieſen Leuten zeigten eine nicht gewoͤhnliche Hartnaͤckigkeit, ja wohl eine wahre Wuth ge⸗ gen uns, die ſie alle Gefahren, denen ſie ſich ausſetzten, vergeſſen ließ. So traf es ſich, daß unter andern ein Bauer ergriffen wurde, der uͤber das Feld fortſchlich und ſich dadurch ver⸗ daͤchtig machte. Bei der Verfolgung fuͤchtete er in das erſte, beſte Haus, und zog dort an⸗ dre Schuh und ein andres Ueberhemde, eine dort gewoͤhnliche Kleidung, an. Er wurde er⸗ griffen, vor den wachthabenden Offizier ge⸗ bracht und ſollte dort ſein Benehmen rechtfer⸗ tigen, oder ſeine Schuld eingeſtehen. Aber es war kein Wort aus ihm herauszubringen. Er bekam Hiebe, es wurde ihm mit dem Tode gedroht, die Schlaͤge wurden verdoppelt, allein er war und blieb ſtumm. Er hatte endlich ſo viel bekommen, daß man aufhoͤren mußte. Eine wiederhohlte Exekution erlebte er nicht. Sein muͤrber Koͤrper erlag den Schmerzen— nach einigen Stunden war er zum großen Schrecken des Offiziers todt. Obgleich der Beſitzer jenes Hauſes ebenfalls viel Schlaͤge bekam, ſo fand man doch die Schuhe nicht. Die Wachſam⸗ keit wurde alſo verdoppelt und die Leiche in der Stille eingeſcharrt. Haſſen mag man ſol⸗ che Menſchen, aber man darf ſie nicht verach⸗ ten, da ſolch ein Benehmen, ungeachtet des Wahns und der Leidenſchaft, doch eine gewiſſe Geiſtesſtaͤrke vorausſetzt. Bald darauf bekamen wir Befehl zum Marſch, um uns mit dem General von Buͤ⸗ low zu vereinigen. Er erregte natuͤrlich allge⸗ meine Freude; denn Jeder ſah ſich ſchon im Geiſt nach Paris verſetzt, dem glaͤnzenden Ziel aller unſrer Anſtrengungen. Die Belagerung der niederlaͤndiſchen Feſtungen wurde nun ganz Ge üſer, eer es Er Tode allein ich ſo Eine Sein nach recken jenes fand dſam⸗ de in ſol⸗ rach⸗ et des ewiſſe zum Buͤ⸗ allge⸗ en im 1 Ziel erung err. den Sachſen uͤberlaſſen, welche Verſtaͤrkung an ſich gezogen hatten, um dem unruhigen General Maiſon der ſie unaufhoͤrlich neckte, an Kraͤften gleich zu ſeyn. Vor Avesne vorbei marſchirten wir darauf uͤber die Ardennen, die ſich nach allen Seiten nur flach abdachen, nach der Picardie, dem großen Kriegsſchauplatz naͤher. Auffallend war der Unterſchied zwiſchen dieſer Provinz und den geſegneten Niederlanden. Menſchen und Woh⸗ nungen waren unſauber, und Armuth und Elend ſtarrte uns aus jedem Winkel an. Faſt nichts als Bettler trafen wir an, die uns ver⸗ pflegen ſollten, und kaum ſelbſt das liebe Le⸗ ben hatten. Auf allen Straßen lagen ſie zu Hunderten, Greiſe mit gefalteten Haͤnden und Kinder neben uns her huͤpfend, uns ihre Fer⸗ tigkeiten im Springen und Radſchlagen zei⸗ gend. Viertelmeilen weit liefen ſie ſo mit uns, jetzt flehentlich bittend, dann turnend. Halb zerriſſene Frauen trugen uns ihre Saͤuglinge entgegen und nahmen gierig Alles an, was ihnen gegeben wurde. Wie verſchwand auf dieſen Maͤrſchen das uns gelieferte Brod! Denn wer kann ſolchem Elende widerſtehen!— Das iſt alſo— riefen wir aus, das Land, — 80o— das Eroberer uͤber einen ganzen Welttheil ſandte! Hier ſind ſie geboren die Herren, denen bei uns nichts vornehm, ſauber und gut genug war. Zu dieſen Bettlern ge⸗ hoͤren die Sieger bei Marengo und Auſterlitz! Es wunderte uns nun nicht mehr, warum die Franzoſen uͤberall gern, nur nicht zu Hauſe, in ihrer Heimath geweſen waren. Erklaͤren laͤßt ſich uͤbrigens die bittre Ar⸗ muth der Franzoſen, ungeachtet des guten Bo⸗ dens, ſehr leicht. Man darf nur in die Ge⸗ ſchichte des vorigen Jahrhunderts zuruͤckgehen, an die Revolution denken und an den großen Blutſauger, deſſen Eroberungen fuͤr Frankreich nicht nur nicht wohlthaͤtig, ſondern verderblich waren, um ſeine Verwunderung in Mitleid zu verwandeln; denn faſt uͤberall fanden wir nur Greiſe, Weiber und Kinder. Selbſt Knaben von funfzehn und ſechzehn Jahren, hier fruͤher, als bei uns zur Reife gelangt, fehlten. Es iſt kein Wunder, wenn unter ſolchen Umſtaͤn⸗ den ein großer Theil des Bodens unbebaut bleibt und die Einwohner zu Bettlern wer⸗ den.— Ueber Capelle, einem gut gebauten Flecken, gelangten wir nach der alten Stadt Marle und hatten die Freude, auf dem Wege ttheil eren, und e⸗ erlitz! n die auſe, Ar⸗ Bo⸗ Ge⸗ ehen, toßen kreich blich d W t nur naben uͤher, Es ſtaͤn⸗ ebaut wer⸗ auten Stadt Wege dahin, einer großen Menge Gefangener zu be⸗ gegnen, die wahrſcheinlich von der Diviſion Pactod waren, welche, von der ſchleſiſchen Armee eingeſchloſſen, das Gewehr hatte ſtrek⸗ ken muͤſſen. Es waren mehrere Generale und andre hohe Offiziere darunter, die ein wahres Eſſiggeſicht machten, als ſie unſern Linien vor⸗ uͤber mußten. Unſre Freude daruͤber wurde in etwas getruͤbt, als wir in Marle die Truͤm⸗ mer des Corps von Winzingerode antrafen, der der Uebermacht Napoleons hatte weichen muͤſſen, nachdem er dem Fluͤchtigen eine Zeit⸗ lang ein Blendwerk gemacht hatte. Auch hoͤr⸗ ten wir hier von den Unfaͤllen der Generale St. Prieſt und Jagow in Rheims, aber nichts von den Fortſchritten der großen Armee, von deren Daſeyn Niemand wußte. Von verwun⸗ deten Offizieren erfuhren wir jetzt umſtaͤndlich alle die Unfaͤlle und Beſchwerden der ſchleſi⸗ ſchen Armee im Monat Februar und prieſen uns gluͤcklich, waͤhrend der Zeit in Flandern geweſen zu ſeyn. Nicht weit von Marle ſtehen noch die Truͤmmer eines roͤmiſchen Lagers, des Caͤſars nehmlich, als er gegen Arioviſt auszog; dieſe 6 und das nahe dabei liegende Schlachtfeld bei Crecy, wo Eduard III., Koͤnig von England, 1346 die Franzoſen ſchlug, vorzuͤglich durch die Tapferkeit ſeines Sohnes, des ſogenannten ſchwarzen Prinzen, nahm ich in fluͤchtigen Au⸗ genſchein. Am folgenden Tage ging's nach Laon, wo wir rings um die Stadt die fuͤrch⸗ terlichſten Spuren der Verwuͤſtung fanden. Sowohl die Vorſtaͤdte der Stadt, am Fuße des Berges, worauf ſie ſelbſt liegt, als auch die benachbarten Doͤrfer, waren von Grund aus zerſtoͤrt, ſelbſt maſſive Waͤnde waren nie⸗ dergeriſſen, und unfoͤrmliche Steinhaufen be⸗ zeichneten die Stellen, wo ſonſt friedliche Woh⸗ nungen geſtanden hatten Erſchuͤtternd war der Anblick eines hohen Crucifixes, das mitten auf dem Schlachtfelde, wo man nicht einen Schritt that, ohne die Spuren einer blutigen Schlacht zu finden, unverſehrt geblieben war, waͤhrend die es umgebenden Baͤume faſt gaͤnz⸗ lich zerſchmettert waren. Friedlich blickte der Erloͤſer auf die Greuel der Zerſtoͤrung herab; eine hoͤhere Hand hatte ihm die Paßkugeln voruͤber geleitet. Der Heilige war verſchont geblieben, waͤhrend rings um ihn die Unheili⸗ gen hatten bluten muͤſſen. d bai gand, c die innten n Au⸗ nach fuͤrch⸗ nden. doße auch Hrund mnie⸗ n be⸗ Woh⸗ war mitten einen lutigen war, gaͤnz⸗ te der jerab; kugeln ſchont inheili⸗ — 83— Laon geſiel mir ſeiner engen und krummen Gaſſen wegen gar nicht, deſto mehr aber feſ⸗ ſelte mich die entzuͤckende Ausſicht von dem Berge, auf dem es liegt, in das weite frucht⸗ bare Thal, das rings um den ſich gleich einem ſtumpfen Kegel erhebenden Berg ſich ausdehnt. Rings am Horizonte ſchließt wieder ein Kranz von Huͤgeln das Thal ein, und gern ruht der Blick auf dieſer dunkelgruͤnen Begrenzung. Die Stadt ſelbſt liegt ſo hoch, daß keine Kanonen⸗ kugel hineinſchlagen kann. Man hat alſo hier das ſeltne Schauſpiel einer moͤrderiſchen Schlacht gehabt, ohne die Gefahren derſelben theilen zu duͤrfen. Hier war es, wo einige Wochen vorher der Fuͤrſt Bluͤcher abermals einen Beweis ſei⸗ ner Humanitaͤt und Leutſeligkeit ablegte, die ihm die Herzen Aller gewinnt und ein Haupt⸗ zug in ſeinem Bilde iſt. „Kurz vor der Schlacht bei Laon“— ſo erzaͤhlte uns der Feldprediger* †—„traf „ich daſelbſt im Hauptquartier des Generals „von Buͤlow ein. Unbeſchreiblich war das Ge⸗ „wuͤhl, die ganze Stadt lag voll gepfropft und „manche Lebensmittel waren nicht mit Geld auf⸗ „zuwiegen. Jeder ſchaͤtzte ſich gluͤcklich, wer — 84— „noch einigen Vorrath mitgebracht hatte. Nur „der Stab war noch mit allem verſehen, was „nicht gerade zur Nothourft gehoͤrte, und an „der Tafel des Generals ging es ſogar glaͤn⸗ „zend her.(Bekanntlich liebte der ſelige Buͤlow „eine gute Tofel). Ploͤtzlich werde ich am Vor⸗ „abend der Schlacht in meiner Einſamkeit von „einer Dame uͤberraſcht, die ſich mir ſogleich „als meine Frau Nachbarin ankuͤndigte und „um einige Worte Gehoͤr bat. Sie haͤtte „gehoͤrt— fing ſie an— daß ich ein Geiſt⸗ „licher und der franzoͤſiſchen Sprache kundig ſey, „daher baͤte ſie dringend um meinen Beiſtand. „Es ſey nehmlich ploͤtzlich ein bejahrter preußi⸗ „ſcher Offizier zu ihr in's Quartier gekommen „und habe Kaffee verlangt, den weder ſie noch „irgend einer in der Stadt beſitze. Zum Un⸗ „gluͤck verſtaͤnde aber der Offizier kein Franzoͤ⸗ „ſiſch, und ſaͤße ſtill und nachdenkend am Ka⸗ „minfeuer, in Erwartung des ſtaͤrkenden Kaffee's. „Ich ſollte ihr nun— bat ſie— entweder „Kaffee ablaſſen, oder den Offizier beruhigen. „Ich waͤhlte bei dem eignen Mangel an jenem „Getraͤnk, augenblicklich das letztere und be⸗ „gleitete die Wirthin zu ihrer Einquartirung. „Ich fand in der faſt dunkeln Stube einen ig ſey, iſtand. reußi⸗ mmen noch m Un⸗ franzi⸗ n Ka⸗ ffee's. weder higen. jenem nd be⸗ irung. einen „ten verließ, um ihn deſto glaͤnzender zu er⸗ — 85— „Mann am Kamine, der nachdenkend in die „rothe Gluth blickte und mir den Ruͤcken zu⸗ „kehrte. Sogleich fing ich meinen Spruch an „und ſuchte ihm die Idee des Kaffeetrinkens „zu nehmen. Er antwortete nicht. Endlich „ſah er ſich halb nach mir um und fragte: „„wer ſiſid Sie?““ ich nannte mich.„„Ihr „„Herren werdet wahrſcheinlich keinen Mangel „„haben,““— erwiederte er—„„doch dar⸗ auf kommt's ja nicht an, ein Schnapps „„thut eben das.““ In dem Augenblick „wurde Licht gebracht und wer ſaß vor mir? „der graue Marſchall Vorwaͤrts, in einem „Mantel gehuͤllt, mit der Pfeife im Munde. „Heimlich war er angekommen, um ſich ein „wenig hier zu erholen.“ Indem ich nun den „Reſt meiner Bohnen freudig bringen ließ, er⸗ „kundigte er ſich nach der Staͤrke unſers Corps, „unſern Maͤrſchen, Bewegungen und fruͤhern „Operationen in den Niederlanden u. ſ. w.“ „Voll Bewunderung verließ ich den Hel⸗ „den, der ruhig im Ungluͤck, heiter bei Ent⸗ „behrungen, ſtark im Ertragen, anſpruchlos „gegen Andre, mit hoher Kuͤhnheit das Gluͤck „ſich zu erzwingen wußte, daß ihn nur zu Zei⸗ 7,ν „heben, und ſeine ganze Kraft und Seelen⸗ „groͤße ihn entwickeln zu laſſen.“ Ungefaͤhr eine und eine halbe Meile hin⸗ ter Laon ſchlugen wir neben einem ausgepluͤn⸗ derten Dorfe das Lager auf. Weil wir Man⸗ gel an Lebensmitteln hatten, ſo wurde das Dorf in Requiſition geſetzt, aber wir fanden kaum Stroh, weshalb mehrere Daͤcher abgedeckt werden mußten. Den Einwohnern fehlte ſelbſt das Brod, ſtatt deſſen aßen ſie Ruͤben. Ploͤtz⸗ lich aber hoͤrten wir das Bruͤllen einer Kuh, gingen dem Schalle nach und fanden bald un⸗ ter der Erde in einem tiefen Keller zwei Kuͤhe, die ihr Daſeyn verrathen hatten. Sie wur⸗ den an's Licht gebracht und ungeachtet des Ge⸗ ſchreis des Beſitzers— denn der Krieg kennt ja kein Erbarmen— in's Lager geſchleppt, wo ſie gemilcht und dann geſchlachtet wurden. In jenem Keller fanden wir aber noch etwas an⸗ ders, was wir nicht geſucht hatten, nehm⸗ lich zwei Leichname preußiſcher Landwehrleute. Wahrſcheinlich waren ſie beim Marodiren erſchlagen und eingeſcharrt worden. Weil wir aber mit den Franzoſen ſehr gelinde verfahren mußten, wie mit dem Knaben Abſalon,(man ſagte, aus Großmuth, es war aber wohl aus Furcht und Ungeſchicktheit) ſo geſchah dieſem und andern Doͤrfern, wo aͤhnliche Verbrechen e hin, ausgeuͤbt wurden, nichts, als daß ſie einen falina vaͤterlichen Verweis bekamen, doch in der Folge Man Niemanden mehr zu meuchelmorden, als wel⸗ Dorf ches ſehr gottlos ſey. Die Soldaten, die ſich kaum daruͤber aͤrgerten, theils auch darunter litten, edeckt beſtraften daher ganz in der Stille dergleichen ſübſt Verbrechen und verfuhren oft ſehr grauſam, Dl um ſich die Genugthuung zu geben, die ihnen Kuh, von oben herab verweigert wurde.— So nah⸗ d un⸗ men einmal unſre Uhlanen einen Prieſter ge⸗ Kühe, fangen, der ſich nicht nur an die Spitze ei⸗ wur⸗ nes ſogenannten Landſturms geſtellt, ſondern Ge, aauch den guten Rath gegeben hatte, alle ma⸗ tennt rode Preußen, die ſich einzeln ſehen ließen, zu t, npd toͤdten. Er ſelbſt, der Diener des Friedens, . In aͤbte dieſe Lehren praktiſch aus. Er wurde an, aber bald ergriffen, mit Stroh umwickelt und, ehm⸗ gleich den chriſtlichen Maͤrtyrern unter dem eute. Nero, angezuͤndet.— Ein andermal wurden ren preußiſche Huſaren zum Patrouilliren ausge⸗ wir ſchickt und wollten zu dem Ende aus einem ghren Dorfe einen Boten mitnehmen. Der Maire man nimmt ſie ſehr freundlich auf und noͤthigt den aus Uuntceroffizier der Patrouille herein zu einem — 88— Glaſe Wein. Nichts Arges waͤhnend, heißt er die Andern nur immer zureiten, er werde ſo⸗ gleich nachkommen. Kaum iſt er allein im Zimmer, ſo fallen ploͤtzlich einige Kerle uͤber ihn her, ſchleppen ihn in eine Scheune, rei⸗ ßen ihm die Kleider vom Leibe, binden ihm die Haͤnde und ihn ſelbſt an einen Pfahl und geiſſeln ihn dermaßen, daß das Blut in Stroͤ⸗ men herabfließt. All ſein Drohen und Flehen iſt umſonſt man verſteht ihn nicht einmal. Aber ſein Huͤlferuf wird von andern Huſaren vernommen, die zu aͤhnlichem Zwecke zufaͤllig dem Dorfe ſich naͤhern. Sie folgen dem Schall jenes Angſtrufes, ſtuͤrzen vom Pferde und eilen dem Ungluͤcklichen zu Huͤlfe, der noch immer unter den Streichen der vor Wuth ganz blinden Bauern blutet. Kaum war er ver⸗ bunden und in Sicherheit, ſo wurden die Wuͤ⸗ theriche von den Huſaren an den Beinen auf⸗ gehaͤngt und mußten eines langſamen, qual⸗ vollen Todes ſterben. Wer ſchaudert nicht zu⸗ ruͤck vor den Aeußerungen ſolcher Wuth und Rache! Wie manche haͤtte nicht durch Be⸗ ſtimmtheit, Ernſt und feſten Willen der kom⸗ mandirenden Generale verhuͤtet werden koͤnnen. Aber gerade von dorther geſchah wenig oder 8 — 89— nichts, dem Soldaten fuͤr alle ſeine fruͤhern Opfer und Anſtrengungen eine nur duͤrftige Genugthuung zu geben. Die Batalllonsfuͤh⸗ rer und Hauptleute ſollten und durften nicht einmal einen Tuchflicken fuͤr die zerriſſenen Uni⸗ formen ihrer Truppen fordern, obſchon die Soldaten keine neue bekamen und dennoch zu Zeiten Parade machen ſollten. Um nicht bar⸗ fuß zu gehen, mußten ſie, wo es ſich thun ließ, den Bauern die Schuhe ſtehlen, oder ganz in der Stille ſie mit Gewalt nehmen, und ſo ſah's um alle andre Beduͤrfniſſe aus. Dabei ſollte der Soldat mit den Franzoſen hoͤflich und manierlich umgehen, Lebensart zei⸗ gen, um den boͤſen Ruf zu Schanden zu ma⸗ chen, als ſeyen die Deutſchen Kloͤtze. Er ſollte Edelmuth da beweiſen, wo ihm das Laſter und eine empoͤrende Selbſtſucht entgegen trat, und um Verzeihung bitten, daß er es wage, ſie zu inkommodiren. Man ſah es uns recht deut⸗ lich an, daß uns das Gefuͤhl eines Siegers noch ganz neu war, und uns daher preßte und ſchnuͤrte. Wir konnten uns in das neue Ver⸗ haͤltniß zu Frankreich noch gar nicht finden, von dem wir Befehle anzunehmen gewohnt waren. Kurz, wir ſagten unſre Lection ſchlecht V b —— — —˖—:4.. ,˖˖———— ————— — 90— auf. Die Franzoſen merkten das auch recht gut und laͤchelten daruͤber, indem ſie mit vor⸗ nehmen Anſtand aͤußerten:„Eure Generale handeln ſehr verſtaͤndig; denn wenn das Volk erſt gereizt wird und in Maſſe aufſteht, ſo kommt kein Gebein von euch aus Frankreich. Ihr thut klug, daß ihr euch anſtaͤndig auffuͤh⸗ ret.“ Bekam auch ein ſolcher Politikus ein paar Ohrfeigen, daß er Gift und Galle ſpie, ſo brachte das doch unſern guten Ruf noch nicht in Aufnahme, und wir erſchienen dennoch dem Feinde als ungezogene Kinder, die der Ruthe entlaufen waren, und blamirten uns trotz unſers martialiſchen Anſehns und der un⸗ geheuren Baͤrte, die ſo Manche ſich wachſen ließen. Anders muß der Franzoſe genommen werden, als es von uns geſchah. Mit Ernſt und Beſtimmtheit, Kraft und Feſtigkeit richtet man viel bei ihm aus, mit halben Maaßre⸗ geln, Schuͤchternheit und Bloͤdigkeit nichts; denn er iſt eben ſo feig als uͤbermuͤthig, und nur durch das Ganze, durch die Maſſe etwas. Seine Perſoͤnlichkeit iſt unbedeutend, und nur in der Leidenſchaft imponirt er dem, der ſich ein⸗ ſchuͤchtern laͤßt. So lange nur ſeine Empfindlich⸗ keit gereizt iſt, ſo lange iſt er nicht furchtbar; denn er ſcheut Kraftanſtrengung und laͤßt ſich durch ernſten Widerſtand leicht in Schranken halten. Anders iſt der Deutſche, ihn reizt der Widerſtand. Daher gilt dieſe Bemerkung nur von dem Stock⸗Franzoſen, nicht vom Elſaſſer und Lothringer, in deſſen Adern deutſches Blut rinnt. Nur Einer, und das war der alte Fuͤrſt Bluͤcher, verſtand das franzoͤſiſche Volk zu neh⸗ men, allein ihm waren die Haͤnde gebunden. Auch der gemeine Soldat wußte ſich in das rechte Verhaͤltniß zu dem Beſiegten zu ſetzen, ſelten die Fuͤhrer, oder dieſe durften es wenig⸗ ſtens nicht wagen, um nicht in Ungnade zu fallen. Denn ſonderbar genug hatte der Krieg in Frankreich ein ganz neues Anſehn gewon⸗ nen. Nicht gegen Frankreich, ſondern gegen Napoleon wurde er gerichtet, obgleich jenes von dieſem bis zum letzten Augenblick unzer⸗ trennlich war und nur der Gewalt nachgab, ſich die innre Liebe gegen den Kaiſer reſervig rend. So galt denn von uns, was der Jaͤ⸗ ger in Wallenſteins Lager ſagt: Es ging mir ſchlecht, G ſollten da(in Boͤhmen) ſtrenge Mannszucht halten, durften nicht recht als Feinde walten, ——— 92— mußten des Kaiſers Schlöſſer bewachen, viel Umſtaͤnd' und Complimente machen, fuͤhrten den Krieg, als waͤr's nur Scherz“ u. ſ. w. Dieſe Umſtaͤnde und Complimente hatten denn zur Folge, daß man ſich uͤber uns luſtig machte, daß man uns freiwillig keinen Trunk Waſſer reichte, und mitten im Kriege von den Sie⸗ gern die Beobachtung all' der Regeln verlangte, die der tieſſte Friede nur dem Kommißhelden vorſchreibt. Selbſt unbaͤrtige Knaben machten ſich uͤber uns luſtig. So marſchirten wir ein⸗ mmal durch ein Staͤdtchen, wo uns die Gaſſen⸗ buben lachend begleiteten und hinter uns her⸗ ſchrien:„wenn wir nur erſt ſolche Baͤrte ha⸗ ben, ſind wir doch wieder bei euch.“ Wir thaten, als verſtaͤnden wir dieſe naive Behaup⸗ tung nicht, obgleich wir innerlich wuͤthend wa⸗ ren. Dadurch aber kam es auch, daß jeder einzelne Preuße Privatrache nahm, und ganz in der Stille ſeinem Haß und Ingrimm Luft machte, zumal wenn aͤußre Veranlaſſungen ihm dazu ein Recht zu geben ſchienen. Und daran fehlte es bei dem Uebermuth und Leichtſinn der Franzoſen nicht. Uebrigens lag ihnen das Rau⸗ ben und Pluͤndern ſchon ſo in den Gliedern, daß wir oft damit zu ſpaͤt kamen. A! die B der Aben, benén hatle ſpann, genom wohne aus beklo⸗ Sache men dies chung füͤhre nich zung ihrei 68( Bauc finder Gan lerdit gegle ſeh. ſey. In der Dunkelheit war es ihnen leicht — 93— Als wir von Laon weiter marſchirten und die Bagage uns langſam folgte, ſo ſchickte der kommandirende Offizier derſelben eines Abends ſeine Leute in's nächſte Dorf, um Le⸗ bensmittel und Stroh und Heu zu holen. Er hatte viel franzoͤſiſche Bauern bei ſeinem Vor⸗ ſpann, die er ſchon mehrere Tagemaͤrſche mit⸗ genommen hatte, wie das ſo im Kriege ge⸗ woͤhnlich iſt. Ploͤtzlich kamen mehrere Bauern aus dem in Requtſition geſetzten Dorfe und beklagten ſich uͤber ſeine Leute, die ihnen viel Sachen von Werth und Bedeutung mitgenom⸗ men haͤtten. So gar unwahrſcheinlich war dies eben nicht, weshalb ſogleich eine Unterſu⸗ chung angeſtellt wurde, die aber zu nichts fuͤhrte. Die Burſche betheuerten, daß ſie nicht daran gedacht haͤtten, ungenießbares mit⸗ zunehmen, und die Bauern ſollten eben mit ihrer Klage zuruͤckgewieſen werden. Da faͤllt es Einigen ein, auch die mitgenommenen Bauern zu unterſuchen— und ſiehe— man findet alle ihre Saͤcke voll fremden Gutes. Ganz unbefangen geſtehen ſie, dergleichen al⸗ lerdings genommen zu haben, ſie haͤtten aber geglaubt, daran Recht zu thun, weil es Krieg — 94— geworden, ſich fortzuſchleichen und ihre eignen Landsleute zu beſtehlen. Wie wunderten ſie ſich daher, als ein Stock geſucht wurde und ein markiger Unteroffizier es ſich vom Haupt⸗ mann ausbat, das Vergeltungsrecht an ihnen auszuuͤben, da er 1806 in Gefangenſchaft ge⸗ rathen, bei jenen geſeſſen und von den Hal⸗ lunken oft gemißhandelt worden ſey. Dieſer moͤßige Wunſch wurde ihm erfuͤllt, und ſo lange er den Arm ruͤhren konnte, praͤgte er ihnen das ſiebente Gebot ein, ſamt dem„was heißt das?“— So auffallend der Unterſchied der franzoͤſi⸗ ſchen und deutſchen Wirthe in's Auge fiel, in⸗ dem jene, aͤußerſt hoͤflich, vornehm und anſtaͤndig, den Soldaten dadurch in Verlegenheit ſetzten, und ſich ſchlangenartig unter den rauhen Faͤuſten⸗ derſelben hin und her wanden, bis ſie die Speiſekammer oͤffneten,— ſo auffallend war auch der Unterſchied franzoͤſiſcher und unſrer Ortsobrigkeiten. Der franzoͤſiſche Maire war dreiſt, gewandt, geuͤbt, verbindlich, ohne zu kriechen, und ſorgte durch dieſe Tugenden wahrhaft fuͤr ſeine Buͤrgerſchaft. Selbſt in den kleinſten Staͤdten, ja auf Doͤrfern, fanden wir dieſe Eigenſchaften. Betrachtet man da⸗ gegen wie ſi einen dalſto Hüͤlſs dm J ditſer ſchriebe der a⸗ bieder neuen ſhen Cham diener Schlä dem von nit 1 ging Goiſſe Hand len uns ſagt winn gegen unſre Buͤrgermeiſter und Rathsherren, wie ſie inſonderheit 1806 waren— Ich kenne — 95— einen Magiſtrat in einer preußiſchen Provin⸗ zialſtadt, der bei der Ankunft der Feinde als Huͤlfsmittel nicht nur franzoͤſiſche Lexica auf dem Rathhauſe hatte, ſondern den Caͤſar, weil dieſer ja doch die Sitten der alten Gallier be⸗ ſchrieben habe. Ich kenne einen Magiſtrat, der aus Dankbarkeit einem ſehr redlichen und biedern franzoͤſiſchen Platzkommandanten einen neuen Hut verehren wollte, weil der ſeinige ſchon abgegriffen war, und einige Flaſchen Champagner, und ihm Beides durch den Raths⸗ diener uͤberbringen ließ, worauf denn dieſer Schlaͤge einerndtete und der Oberbuͤrgermeiſter dem Kommandanten die ſchriftliche Erklaͤrung von ſich, als eine Genugthuung, geben mußte, „er ſey ein großer Eſel!“— Unſer Wunſch, nach Paris zu kommen, ging nicht in Erfuͤllung. Wir blieben vor Soiſſons ſtehen, das ſchon Zweimal in unſern Haͤnden geweſen war, und ſchloſſen es von al⸗ len Seiten ein. Obgleich Paris ſchon von uns beſetzt war, Bonaparte dem Throne ent⸗ ſagt hatte, ſo hatten wir doch wenig Ge⸗ winn davon, weil der Commandant von Soiſ⸗ — 26—. ſons von nichts hoͤren, den geſetzgebenden Se⸗ ſchln nat nicht anerkennen wollte und die Ankunft ͤpyis Ludwigs XVIII. fur eine Luͤge hielt. Er fuͤhrte Bade daher auf ſeine eigne Hand Krieg, indem er nen! faſt taͤglich einige Hunderte herausſchickte, ſich Umge nach unſerm Befinden zu erkundigen, die dann zur J wieder mit blutigen Koͤpfen zuruͤckgeſchickt maeerung wurden. müthi⸗ Soiſſons liegt in einer ſehr ſchoͤnen Ge tit. gend am Ufer der Aisne, rings umgeben vog. rettet Weinbergen in einem bluͤhenden reichen Thale. gen Wir ſtanden ungefaͤhr eine Viertelmeile davon Wir bei einem Doͤrfchen, das Olly hieß, in einem Mit Freilager, das ſich dem Ideal deſſelben naͤherte, fee u und mit allen ſeinen Reizen noch immer leben⸗, mit; dig vor meiner Seele ſteht. Ein heitrer blauer nige Himmel lag uͤber uns, die Luft war rein und zwech warm, wie bei uns in den Sommermonaten, nicht das Getreide ſchoß ſo eben in die Aehren, die ſcharf Baͤume ſtanden in voller Bluͤthe, und ein fen, Akazien⸗ und Birkenwaͤldchen dicht neben uns terale verbarg zahlloſe Singvoͤgel, die mit uns um ſteckt die Wette froͤhlich waren. Zauberei ſchien das Bier Alles ſo urploͤtzlich hervorgebracht zu haben.— Sein Auf der einen Seite lagen reizende Weinberge, der, in mahleriſchen Verhaͤltniſſen, auf der andern Oihs — Nauer n und naten, , die — 97— ſchlaͤngelte ſich die Aisne zwiſchen lachenden, uͤppigen Ufern hin und lud uns freundlich zum „Baden ein. Olly ſelbſt lag verſteckt im Gruͤ⸗ nen und nicht weit davon in eben ſo reizenden Umgebungen eine Muͤhle. Alles ſtimmte uns zur Froͤhlichkeit. Es war Friede, unſer Ziel errungen, Napoleon abgeſetzt Frankreich gede⸗ muͤthigt, Deutſchland von aͤußern Feſſeln be⸗ freit. Wir hatten Leben und Geſundheit ge⸗ rettet, waren reich an Erfahrungen und kraͤfti⸗ gen Entſchließungen, reich an Hoffnungen. Wir hatten Ueberfluß an Speiſe und Trank. Mit Milch verſorgte uns das Dorf, mit Kaf⸗ fee und Zucker voruͤberfahrende Marketender, mit Zigarren und Wein Compiegne, das ei⸗ nige Meilen davon lag. An guten Tabak und zweckmaͤßige Pfeifen iſt in dieſen Gegenden nicht zu denken. Man raucht hier feuchten, ſcharfen Rollentabak aus kurzen thoͤnernen Pfei⸗ fen, die nach dem Gebrauch in zierliche Fut⸗ terale, die oft zwei bis drei Thaler koſten, ge⸗ ſteckt werden. Eben ſo wenig giebt es hier Bier, man kennt es nur dem Namen nach. Seine Stelle vertraten daher Wein und Cy⸗ der, jener weichliche ſuͤße Obſtwein. Ganze Orhoͤfte hatten wir von Beiden bei uns, ſo 7. daß die Pferde den Champagner ſoffen, der unſerm Gaumen nicht mehr zuſagte. Schlacht⸗ vieh und Gefluͤgel aller Art wurden theils re⸗ quirirt, theils dieſe von uns ſelbſt geſchoſſen. Wir hatten Muße genug, unſre Strohhuͤrten zierlich und ſauber einzurichten, und weil dieſe ganze Zeit uͤber bis Oſtern(Mitte Aprils) das herrlichſte Wetter war, ſo dienten ſie uns blos zum Schlafzimmer und zur Schutwehr gegen die feuchte, kuͤhle Nachtluft. Uns voͤllig ſelbſt uͤberlaſſen und wenig bekuͤmmert um die Neckereien des Commandanten, der blos unſre Batterien in Bewegung ſetzte, ſuchten wir uns die Zeit, ſo gut wie moͤglich, angenehm zu vertreiben. Schillers Gedichte, ſein Wallen⸗ ſtein und andre Buͤcher fanden ſich zufäͤllig bei dieſem und jenem, und hatten ſo, fern von der Heimath, unter einem fremden Himmel, unter einem fremden Volke, einen ganz eignen Reiz fuͤr uns. Unfre Herzen gaben ſich ein⸗ mal wieder ganz dem Schoͤnen hin, das aus friedlichen Quellen ſeine ſuͤße Nahrung zieht, und erwaͤrmten ſie durch die ideale Gluth, die in deutſchen Meiſterwerken herrſcht. Hatten wir dann im Reiche der Ideen genug ge⸗ ſchwaͤrmt und genoſſen, ſo zogen uns mannig⸗ ſache Leben wir d nar i Bäue vinnen geweſer und lündſt den den E Freude nige Heimu ſchreid Kran⸗ Scht wie o die ei ütroͤ terſtad zig I ſetzte mich nach blicke datten g ge⸗ innig⸗ fache Scherze und Spiele wieder in's wirkliche Leben zuruͤck, und an die Taͤuſchung knuͤpften wir eine reiche Wahrheit, wie ſie ſonſt wohl nur in Liedern lebt. Schade nur, daß die Baͤuerinnen in Olly keine Geßnerſche Schaͤfe⸗ rinnen waren, dann waͤre die Idylle vollendet geweſen Sie aber, an die niedern Geſchaͤfte und Arbeiten des Lebens gefeſſelt, ſchienen laͤngſt aus ihrer Unſchuldswelt vertrieben wor⸗ den zu ſeyn, und erinnerten uns haͤßlich an den Suͤndenfall. So iſt denn freilich keine Freude, kein Genuß ungetruͤbt, auch der mei⸗ nige wurde getruͤbt, inſonderheit durch das Heimweh, das mich zuweilen mit ſo unbe⸗ ſchreiblicher Gewalt anfiel, daß ich mir das Krankhafte, Leidenſchaftliche deſſelben bei den Schweitzern ſehr gut erklaͤren konnte. Ach! wie oft blickte ich, mit Maria Stuart, in die eilenden Wolken, uͤber Berge, Thaͤler und Stroͤme nach den ſtillen Kreiſen meiner Va⸗ terſtadt hin, die mehr als einhundert und funf⸗ zig Meilen davon entfernt lag. Wie oft ver⸗ ſetzte ich mich aus der bluͤhenden Natur, die mich hier uͤberall mit ihrem Zauber umfing, nach dem kalten Norden, wo in den Augen⸗ blicken noch tiefer Schnee mit falſchen Bluͤthen ———— —— — 100— die Zweige bedeckte; wo ſtatt lauer Weſt⸗ winde noch der finſtre Boreas wuͤthete und der Morgen der Auferſtehung noch nicht angebrochen war. Ach! wohl iſt dem Men⸗ ſchen doch nur da, wo man ſeine Sprache re⸗ det, und wo ſich alles das findet, was der Menſch zu ſeinem innern Gluͤck bedarf, Liebe und Freundſchaft und der heilige Altar vater⸗ laͤndiſcher Sitte. Nicht auf die Dauer kann ihn die reiche Fuͤlle der Natur mit ihren Guͤnſtlingen verſoͤhnen, wenn er in ihnen ein entartetes Geſchlecht entdeckt, oder ein un⸗ gluͤckliches, das unter der eiſernen Ruthe der Tyrannen ſeufzt. Daß die Schweitz den Frem⸗ den ſo anzieht, kommt wohl auch mit daher, weil er ſie von einem freien, gluͤcklichen, ge⸗ ſunden und kraͤftigen Volke bewohnt ſieht. Nur da, wo der Menſch ſich dem Reichthum der Natur wuͤrdig, und empfaͤnglich fuͤr ihre Wun⸗ der zeigt und ihre Sprache verſteht, nur da mag man ſich gern Huͤtten bauen und die Thorheiten der großen Welt vergeſſen. Wo aber Dummheit und Unwiſſenheit, Laſterhaf⸗ tigkeit und tiefer Aberglaube wohnt, da er⸗ ſcheint die reiche Natur als ein entweihtes Heiligthum, dem der Iſisſchleier abgeriſſen iſt. Nac geſtande ſons to Compie zum W wenn l lincoutt gegeben und ſo het ei Fuß h einem ſteilich fallend bekomn 8 8 Bild Temp ges, e dam ſchafttt Name telblat len. Naun häͤtte — 101— Nachdem wir hier ungefaͤhr vierzehn Tage geſtanden hatten, wandten wir uns, da Soiſ⸗ ſons kapitulirt hatte, uͤber Vic ſur Aisne nach Compiegne. Bei jenem Flecken fanden wir ein zum Theil ſchon gepluͤndertes Schloß, das, wenn ich nicht irre, dem Oberſtallmeiſter Cau⸗ lincourt gehoͤrte. Es war den Siegern Preis gegeben worden. Jeder nahm was er brauchen und fortbringen konnte. Zerſchlagen wurde, au⸗ ßer einem großen Spiegel, der wohl ſechs Fuß hoch und fuͤnf Fuß breit war, und aus einem Guß beſtand, nichts. Beſchaͤdigt iſt freilich Manches geworden. Es war uns auf⸗ fallend daß dies Schloß keine Sauvegarde bekommen hatte, wie das ſonſt der Fall war. In der großen Bibliothek, die ein trauriges Bild der Zerſtoͤrung lieferte, fand ich zufaͤllig Tempolhofs Geſchichte des ſiebenjaͤhrigen Krie⸗ ges, ein Werk, das einem Privatmann in Pots⸗ dam gehoͤrt hatte und wahrſcheinlich freund⸗ ſchaftlich mitgenommen worden war. Der Name des fruͤhern Beſitzers, der auf dem Ti⸗ telblatte noch unverſehrt ſtand, iſt mir entfal⸗ len. Ich verſchenkte es, weil es mir an Raum in meinem Felleiſen gebrach. Gern haͤtte ich es behalten, um es dem rechtmäͤßigen — 1⁰2— Beſitzer wieder zuzuſtellen. Auch Specialkarten von der Mark Brandenburg, aus Taſchenka⸗ lendern geſchnitten, fielen in meine Hände, und ich ſammelte ſie mit inniger Freude. An⸗ dre deutſche Werke, die hier in freudenloſer Einſamkeit, unter den franzoͤſiſchen, gieichſam in Gefangenſchaft ſtanden, wurden von Andern befreit und nach dem Vaterlande zuruͤckge⸗ nommen. 31 Compiegne, das einige Wochen vorher von 3 den Unſrigen genommen worden war, gefiel uns ganz beſonders. Eine Faſanerie des Ex⸗ kaiſers, fuͤr vogelfrei erklaͤrt, lieferte fette Ta- felſtuͤcke, und das Schloß daſelbſt, wo er ſich zu Zeiten mit der Kaiſerin aufgehalten hatte, wurde von uns fleißig beſucht. Merkwuͤrdig war uns das Schlafzimmer Napoleons,“ wel⸗ ches durch preußiſche Paßkugeln ziemlich be⸗ ſchaͤdigt worden war. Eine derſelben hatte ei⸗ nen Kupferſtich, der die Schlacht bei Eylau⸗ votſtellte, eine Andre den einen Pfoſten ſeines Lagers und die Klaue eines Adlers zerſchmet⸗ tert, der den aufgerollten Vorhang des Bettes damit feſtgehalten. Wahrſcheinlich hat es ſich Napoleon nicht traͤumen laſſen, daß einſt ſein eignes Schlafzimmer nicht ſicher vor preußiſchen eines jmet⸗ ettes ſcch ſein ſchen — 103— Kugeln ſeyn werde. So wechſelt das Leben, ſo mannigfach geſtalten ſich ſeine Erſcheinungen, unäͤhnlich dem Drama, das die Einheit des Ortes und der Zeit nicht verletzen darf. Das große Trauerſpiel des Lebens iſt uͤber ſolche Formen und Schranken erhaben und wirft ſeine Helden ſtuͤrmiſch durch die Welt, keine andre Zenſur und Critik anerkennend, als das Welt⸗ gericht. 3 Nichts von Allem gefiel uns ſo ſehr, als das Badezimmer der Kaiſerin, das an die Zeiten des Lucullus erinnerte, Einer ſich vor dem Amor ſtraͤubenden Pſyche wurde mancher Kuß auf diekalten marmornen Lippen gedruͤckt. Die arme Pſyche mußte den rauhen Soͤhnen des Mars gewaͤhren, was ſie dem Liebesgott verweigerte. Hier in Compiegne bekamen Mehrere von uns Erlaubniß, nach der gedemuͤthigten Haupt⸗ ſtadt, dem Sitz der Moden, der unverſtegba⸗ ren Quelle der Thorheit)oſreiſen zu duͤrfene Auch ich machte Gebrauch davon. Die Dili⸗ gence, dieſe bequeme, die deutſchen uͤbertvef⸗ fende Poſt, fuͤhrte uns in zehn Stunden, nach der großen moraliſchen Kloak, die man ſelten, ohne den Geruch derſelben mitzuneh⸗ — 104— men, verlaſſen kann. In gewiſſer Hinſicht that es mir leid, dieſen Abſtecher gemacht zu haben. War auch das Gefuͤhl einzig in ſeiner Art, mit dem ich die Rieſenſtadt vor mir lie⸗ gen ſah, deren Einnahme uns ſo viel ge⸗ koſtet hatte, und Anfangs unter die ſchönen Maͤhrchen gehoͤrte, die Eldorado umfaſſen; war auch meine Nuͤhrung eben ſo groß, als die Verwunderung, als ich mich wirklich, dem Fleiſche nach, an das Ufer der Seine verſetzt und alle Spiele meiner Einbildungs⸗ kraft in's Leben treten ſoh— es war mir dennoch leid, Paris geſehen zu haben. Die Sieger Frankreichs, obgleich ſie ſich aus Be⸗ ſcheidenheit nicht ſo nennen mochten, fanden wir mitten in der Stadt im Freilager ſehr demuͤthig und uͤber die Maaßen beſcheiden, ein Spott des uͤbermuͤthigen vornehmen und gemeinen Poͤbels, den ſie mit tiefem Unwillen ertragen mußten, um einer ohne Grund gefuͤrchteten Bartholomaͤusnacht vorzubeugen. Das war der Lohn ſo vieler Anſtrengungen, Be⸗ ſchwerden und Gefahren! In zerriſſenen Röͤk⸗ ken ſchlichen ſie einher und bekamen Waſſer und Brod, und fuͤr ſchweres Geld ein Glas Wein zu ihrer Erquickung, waͤhrend die Ein⸗ wohner tiſte militai Moͤßi getrag wa worin gſm wurde Suͤnd der und Prang recht rüͤhme deſde ter e Geh die g Sieg die. nehme ren, ein e in C freiw — 105— wohner ſich guͤtlich thaten. Nuhe, ſonſt die erſte Buͤrgerpflicht, ſtand hier an der Spitze militairiſcher Tugenden, die hier als erkuͤnſtelte Maͤßigkeit, Großmuth und Artigkeit zur Schau getragen und ausgeſtelt wurden. Das Eine war erlaubt, auf Napoleon zu ſchimpfen, worin denn die plötzlich mit weißen Kokarden geſchmuͤckten Pariſer weidlich einſtimmten. Er wurde das große Laſtthier, dem man alle Suͤnden der Welt auflud, um ſich ſelbſt von der Schuld zu befreien. Obgleich ſich Alle ſamt und ſonders durch dies Schimpfen an den Pranger ſtellten und die innere Erbaͤrmlichkeit recht offenbarten, ſo hielt man dies doch fuͤr ruͤhmlicher, als zuzugeben, man habe ebenfalls geſuͤndigt, gleich als wenn die Knechtſchaft un⸗ ter einem ſolchen Miſſethaͤter, und der freudige Gehorſam gegen dieſen Antichriſt nicht gerade die größte Suͤnde waͤre. So fehlte denn den Siegern und Beſiegten die— Wahrheit. Um die Pariſer zu ſchonen und ihnen das unange⸗ nehme Gefuͤhl, uͤberwunden zu ſeyn, zu erſpa⸗ ren, mußten die Offiziere der Verbuͤndeten— ein einziges Beiſpiel chriſtlicher Feindesliebe— in Civilroͤcken erſcheinen; Viele thaten es auch freiwillig, um ihres Lebens ſicher zu ſeyn und — 106— ungeſtoͤrt die Merkwuͤrdigkeiten der Stadt an⸗ ſchauen zu koͤnnen. Die nothwendigſten Be⸗ duͤrfniſſe der Armee wurden zwar angeſchafft, aber mit ſolcher wunderlichen Hoͤflichkeit und Zaghaftigkeit, als ſey es ein Verbrechen gewe⸗ ſen, Paris eingenommen zu haben. Die Woh⸗ nungen der Pariſer waren Heiligthuͤmer. Wer ſie verletzte kam auf Latten. Die Schildwa⸗ chen ſtanden wie Strohmänner da, die die Kir⸗ ſchen huͤten ſollen, wiewohl vergeblich, da die Voͤgel ihre Unſchaͤdlichkeit kennen. Kurz, die Verbuͤndeten traten wie ein unerfahrner Lieb⸗ haber auf den die erfahrne Schoͤne rupft und hinhaͤlt, waͤhrend er ihren Schwuͤren traut. Als ſie das Jahr darauf zum Zweitenmal ka⸗ ten den Pariſern voͤllige Achtung ein, da a Wachen ſcharf geladen hatten, und unbefangen und kaltbluͤtig den niederſchoſſen, der ſich un⸗ terfing, ſich uͤber ſie luſtig zu machen. Ernſt und feierlich zog damals ein preußiſches Regi⸗ ment mit klingendem Spiel ein und begleitet von einer zahlloſen, muthwilligen und uͤbermuͤ⸗ thigen Menge. Der Flügelmann eines Zuges gleitet zufaͤllig und faͤllt. Da erhebt ſich ein tobendes Gelaͤchter. Der Soldat ſpringt auf 2 men, hatten ſie ſchon ſiegen gelernt und ſtõß⸗ — 107— und rennt den einen dieſer Spoͤtter augenblick⸗ lich mit dem Bajonnet nieder, und Alle ſind ſogleich ſtill und Niemand verzieht eine Miene. So will der Pariſer behandelt ſeyn. Man fuͤhre gicht die Revolution an, um das Ge⸗ genthit zu beweiſen. Damals fehlte es ge⸗ Poͤbel an wahrem, kraͤftigen, aͤu⸗ W erſtand, und er durchbrach daher wwathen Damm, den aman Geſetzlich⸗ keit nennt, weil dieſe nur im Begriff exiſtirt, und nicht ein aͤußrer, ſondern ein vom Volke ſelbſt gebildeter Damm iſt, den es, wenn es vom Wahnfinn ergriffen wird, umſtuͤrzt. Wo nur ein kraͤftiger Widerſtand ſich zeigt, etwa funfzig Kanonen und eben ſo viel tauſend Krie⸗ ger, da legt ſich die Gewalt der Fluth und. fluchend geht der Poͤbel aus einander. Ich ſah das Palais royal, das gewiß je⸗ der Verehrer der Tugend von der Erde ver⸗ tilgt wuͤnſcht, weil hier die Suͤnde zur Tu⸗ gend, und dieſe laͤcherlich und abgeſchmackt ge⸗ worden. Hinlaͤnglich raͤchte ſich das weibliche Geſchlecht in Frankreich an den Verbuͤndeten fuͤr die Niederlagen ihrer Maͤnner und Vaͤter, aber grauſam in jenem Suͤndenpfuhl, wo von den verworfnen Dirnen vor dem Genuß ſo⸗ gleich ein Arzt von ihnen wird. Am uͤbelſten ging es R. Koſaken, die fuͤr ſchweres Geixe Beſiegten abgenommen, eine te heit einkauften, und Paris federl chend verließen, wiewohl es fruͤher Ziel ihrer Sehnſucht geweſen war. † davon, daß man mit Argusaugen dien, oder auch nur ſein Schnupfllchſchu mußte, war man hier nicht einen Augenblick ſeines Lebens ſicher, da wenigſtens 4000 fran⸗ zoͤſiſche Offiziere in Civilkleidern ſich hier um⸗ hertrieben und ſich im Meuchelmorde uͤbten. Jeden Morgen fand man einige verbuͤndete Offiziere in ihrem Blute liegen, und die Moͤr⸗ der gingen, ohne angeklagt und beſtraft zu wer⸗ den, davon. Selbſtrache war daher kein Wun⸗ der, und auch mancher Franzoſe wurde todtge⸗ ſchlagen. e Wer das Palais royal nicht geſehen hat, dem hilft auch die gruͤndlichſte und lebhafteſte Schilderung deſſelben nicht, indem es nicht moͤglich iſt, die Schamloſigkeit und Frechheit zu beſchreiben, mit der man hier das Laſter zur Schau traͤgt, und das ungeheure Gewuͤhl von mehr als 50,000 Menſchen zu ſchildern, „ — 409— die hier zuſammen kommen, entweder von Neugiende getrieben, oder von der Luſt des Fleiſces. Kinder bieten ſogar hier ihre noch nicht entwickelten Reize feil, waͤhrend ihre Vaͤ⸗ ter und Muͤtter, um ſie unbekuͤmmert, ſich ganz dem Vergnuͤgen uͤberlaſſen, und getrennt von einander, ihre eignen Wege gehen, bis die feſtgeſetzte Stunde ſie wieder zuſam⸗ menfuͤhrt. Dabei war es ſonderbar, daß man von keinem Preußen etwas wiſſen wollte. Jeder Baͤrtige wurde ſuͤr einen Koſaken gehalten, und die Pariſer wunderten ſich gewaltig, wenn man ihnen ſagte, daß ein Armeekorps von Preußen in und bei der Stadt ſtehe. Sie ſchaͤmten ſich, die Preußen mit unter ihre Sie⸗ ger zu zaͤhlen, weil ſie ſie durch die Schlacht bei Jena vernichtet zu haben glaubten. So wie ſie es fuͤr keine Schande hielten, von den Ruſſen uͤberwaͤltigt worden zu ſeyn, ſo em⸗ poͤrte ſie es, wenn ſie den bedeutenden Antheil der Preußen an ihren Niederlagen erfuhren. Die Wuth gegen dieſe war daher grenzenlos und die Ausbruͤche derſelben oft ſehr laͤcherlich, da ſie in der Leidenſchaft eine oft ganz tolle Genugthuung ſuchten. — 110— Die drei Tage, die ich in Paris zubtachte, erlaubten mir keine gruͤndliche Kenntniß der Stadt, die uͤberdies oft genug beſchrieben wor⸗ den iſt. Die wenige Zeit, die uns vergoͤnnt war, wandten wir dazu an, von einer Merk⸗ wuͤrdigkeit zur andern zu fliegen, um ſie we⸗ nigſtens mit eignen Augen geſehen zu haben. Wir wurden dadurch uͤbrigens ſo erſchoͤpft und betaͤubt, daß wir zuletzt wie berauſcht waren, und Gott dankten, als wir die Stadt hinter uns hatten, und Athem ſchoͤpfen konnten. Die aus allen Laͤndern zuſammen geraub⸗ ten Kunſtſchaͤtze zogen uns natuͤrlich vor Allem an und wir weideten unſern Blick daran, ob⸗ gleich ſie hier bunt durch einander ſtanden und die Gemaͤlde in einer ſchlechten Beleuchtung hingen. Den Liebhaber der Kunſt feſſeln dieſe mehr, als die Werke der Bildhauerkunſt, die nur den Kenner wahrhaft befriedigen koͤnnen. ¹ Indem wir dieſe, den Apollo, die Venus, den Laokoon u. ſ. w. anſtaunten, die ungeheuren bronzenen Becken, die vielleicht bei den eleuſi⸗ niſchen Myſterien gebraucht worden ſind, zu kindiſchen Scherzen benutzten, und hineinfluͤ⸗ ſternd, uns gegenſeitig verſtaͤndigten— feſſelten uns die Meiſterwerke der italiſchen und nieder⸗ — 111— ahle laͤndiſchen Schule durch den Zauber ihrer Far⸗ der ben, durch die Wahrheit des auf die Leinwand wor, gehauchten Lebens, und durch das Heilige und önnt Wuͤrdige ihrer Gegenſtaͤnde ſo ſehr, daß wir Rut uns nur mit Gewalt von ihnen trennten und we, es mit Schmerz bedauerten, dieſer wunderba⸗ ben. ren Welt, in die uns die Kunſt erhob, nur und voruͤbereilen zu duͤrfen. Der fluͤchtige Genuß aren, aller dieſer Wunder des menſchlichen Geiſtes jinter gab uns nur verworrene Bilder, die unſre Phantaſie aufregten, ohne ſie zu befriedigen, taub⸗ und ließ eine Verſtimmtheit zuruͤck, der wir lem nur dadurch entgehen konnten, daß wir zu ob⸗ neuen Genuͤſſen eilten, die dem wirklichen Le⸗ und ben angehoͤrten, um ſo das tobende Meer im tung Innern zu beſaͤnftigen.— dieſe Wir beſtiegen daher die Vendome⸗Saͤule, die voon der ſo eben Napoleons Statue herunter nen. geriſſen worden war. Man hat auf dieſem den Standpunkte ein ſehr ſchoͤnes Panorama von duren Paris, und wahrhaft ergreifend iſt von hier leuſt⸗ der Blick in die rieſige Stadt, deren Ende zu auf der Suͤdſeite ſich in Staub und Rauch ſinfluͤ⸗ verliert. Von dort eilten wir nach dem In⸗ ſelten validen⸗Hauſe, dieſer Zierde von Paris, einer Anſtalt, die recht deutlich beweißt, daß Napo⸗ — 112— leon ſeine Krieger an ſich zu feſſeln verſtand, beſuchten die dazu gehoͤrige Kirche, wo die Sarkophage einiger franzoͤſiſchen Helden ſtehen, ſtaunten darauf die Catakomben an, langweil⸗ ten uns in der Oper, wo eigentlich die Zu⸗ ſchauer ſpielten, verwunderten uns uͤber die Ausgeburten des franzoͤſiſchen Witzes und uͤber die Harlequinaden auf den Boulevards, und uͤber die entſetzliche Frechheit der dort ſich draͤn⸗ genden Bettler, und verließen uͤberſatt, geblen⸗ det und verwirrt durch die verſchiedenartigſten Eindruͤcke, die auf uns anſtuͤrmten, den Schau⸗ platz des ſchimmernden Leichtſinns und der ver⸗ führenden Thorheit, wo wir ein halbes Leben in drei Tage zu draͤngen verſucht hatten.— Weil man Tugend und Sittſamkeit auf dem Lande und in kleinen Staͤdten immer noch mehr anzutreffen glaubt, als in volkrei⸗ chen und großen Staͤdten, ſo freuten wir uns recht ſehr auf unſre Kantonirungen, von de⸗ nen wir uns mannigfache Genuͤſſe verſprachen, indem ja dem Krieger ts ſo erwuͤnſcht und willkommen iſt, als die Anſchauung einer ſtil⸗ len, gluͤcklichen Haͤuslichkeit, von der ihn der Krieg fortgeſcheucht, um mit der Anmuth lie⸗ benswuͤrdiger Fehler und Schwaͤchen Krieg zu fuͤhret wir gend ruhen ſehr ſehr gefun Dam za be d.h. und uns und, unſte der d Ktev hieß ſtren bei k nahm kranz und in d derſe ſah und alkrei⸗ uns n de⸗ chen, und ſtil⸗ der lie⸗ 3 iu — 113— fuͤhren. Allein wie wurden wir getaͤuſcht! Was wir bei den franzoͤſiſchen Jungfrauen fuͤr Tu⸗ gend hielten, war eine auf ſchwachen Gruͤnden ruhende Gewiſſenhaftigkeit, die der Leidenſchaft ſehr gern, Platz macht und ſich mit der Suͤnde ſehr gut vertrug, ſobald man nur die Formel gefunden hatte, den den Platz bewachenden Daͤmon, er hieß Vorurtheil und Aberglaube, zu beſchwichtigen. Wir waren nehmlich Ketzer d. h. verlorne Kinder, aͤrger als die Heiden und Boͤſewichte von Hauſe aus. Man fragte uns oft im Ernſt, ob wir auch Kirchen haͤtten und an Jeſum Chriſtum glaubten, und hielt unſre Beſtaͤtigung fuͤr eine grobe Luͤge, da uns der Roſenkranz fehlte und die Wuͤrdigung des Kreuzſchlagens. Einen ſolchen Ketzer lieben, hieß ſich dem Teufel ergeben, und hatte eine ſtrenge Kirchenbuße zur Folge. Viele von uns, bei denen die Form weniger galt, als die Luſt, nahmen daher fuͤr den Augenblick einen Roſen⸗ kranz, tauchten ihren Finger in Weihwaſſer und gingen mit der Gebieterin ihres Herzens in die Meſe, wodurch ſie die ganze Gunſt derſelben erh elten. Sogar einen Iſraeliten ſah ich ſo de Glauben der Vaͤter verlaͤugnen und vor dem Gekreuzigten knieen, waͤhrend 8 8 — 114— ſeine Donna in ihm einen rechtglaͤubigen Ka⸗ tholiken erblickte, da ihr ſein deutſcher juͤdiſcher ihr unverſtäͤndlicher Dialect nicht anſtößig ſeyn konnte, und Viele außer ihm einen ſchwarzen Bart hatten. Weniger zuruͤckhaltend waren die verheira⸗ theten Frauen, und wenn die franzoͤſiſchen Jungfrauen im erſten Augenblick bei der Ver⸗ gleichung mit den deutſchen Jungfrauen, die ſich gern von den Siegern bei Auſterlitz und Jena in Mamſells verwandeln ließen, und ohne nach ihrem Katechismus zu fragen, die Umarmung eines liebenswuͤrdigen, gewandten Franzmanns fuͤr eine große Ehre hielten,(ich gebe Ausnahmen zu), wenn Jene hierber ge⸗ wannen, ſo verloren die Frauen deſto mehr, die keinen Begriff von Treue hatten und eine Zudringlichkeit aͤußerten, eine Liebe gegen blaue Augen und blonde Locken, daß man ſchier in Verzweiflung haͤtte gerathen moͤgen, wenn man die Gunſt des Augenblicks mit dem ſech⸗ ſten Gebote verglich, und zu den aͤußern Ver⸗ gnuͤgungen ſich der innere Verraͤther geſellte, der ſich ſo leicht durch ſchoͤne Formen beſtechen laͤß die hier bei den Frauen bis zum drei⸗ ßigſten Jahre nichts ſeltnes ſind. Doch eben ſener Zudr nes, Beg blick iig, dauc dieche de al legen b.iſ jene Wider Weibe eine her derg Leide Gebe beſieg her ſchen en Ka⸗ diſcher 9 ſeyn (warzen teheira, ſiſchen Ver⸗ „die itz und und „ die andten (ich dei ge⸗ mehr nd eine n blaue hier in wenn n ſech⸗ n Ver⸗ geſellte, eſtechen m drei⸗ h eben — 115— jener außerordentliche Leichtſinn, jene widrige Zudringlichkeit unter den Augen des Eheman⸗ nes, der dazu lachte, jene Schamloſigkeit im Begehren beſtach uns nur im erſten Augen— blick, und ließ uns nachher kalt und gleichguͤl⸗ tig, wodurch wir uns den Ehrentitel„lour- dauds“ zuzogen. Nichts ſeltnes war es, daß die Hausfrau dem Gaſt ſchon in der erſten Stun⸗ de auf dem Schooß ſaß, und ſich an der Ver⸗ legenheit weidete, die der verſchaͤmte Juͤngling bei ſolcher Gunſtbezeugung empfand, obgleich jene Verlegenheit oft nichts weiter war, als Widerwille uͤber die Eitelkeit eines verbluͤhten Weibes, das ſeine verwitterten Reize noch fuͤr eine anziehende Lockſpeiſe hielt. Es kamen da⸗ her nur wenig Capricen, ſo nennt man hier dergleichen Liebeleien, zu Stande. Im All⸗ gemeinen liebt der Deutſche bei den Frauen nichts ſo ſehr als ſanfte Hingebung, die ihre Quelle in wahrer Liebe hat, waͤhrend ihm jede Leidenſchaftlichkeit bei ihnen widrig auffeaͤllt. Geben ſoll das Weib, nicht fordern, ſich fuͤr beſiegt erklaͤren, aber nicht ſiegen wollen, da⸗ her war jedem noch nicht geſunkenen Deut⸗ ſchen das ſchamloſe Benehmen franzoͤſiſcher Frauen anſtoͤßig, wiewohl damit noch nicht — 116— geſagt iſt, daß Leichtſinn und Frechheit bei al⸗ len jenen Frauen von eigentlicher Liederlichkeit gezeugt haͤtte. Bei Manchen war Treuloſigkeit nur ſcheinbar. Zu unſern Kantonirungen wurde uns die reiche und wohlgebaute Stadt Ypern in Flan⸗ dern angewieſen. Unſer Marſch dahin ging uͤber Noyon, Peronne und Arras. Letztere Staͤdte ſind ſtarke, bedeutende Feſtungen und liegen in einer fruchtbaren Gegend. Doch ſo gute Tage wir auch in dieſen Gegenden ge⸗ noſſen und Ueberfluß an Allem hatten, ſo ſehn⸗ ten wir uns doch aus dem Weinlande fort, nach Flandern hin, dieſem bluͤhenden Garten von Europa. Wir brachten ein frohes Herz mit, als wir das einſtweilige Ziel unſrer Anſtrengungen ſahen. Der Feldzug war geendet, unſre Ah⸗ nungen waren groͤßtentheils eingetroffen, unſre Wuͤnſche erfuͤllt, und heiter, wie ein Fruͤhlings— morgen, lag nach Winterſtuͤrmen die Zakunft vor uns da. Ein gruͤner Kranz von Segnun⸗ gen umgab uns und wirkte wohlthaͤtig auf un⸗ ſer Gemuͤth. Solche Empfindungen, wie uns in den Tagen durchſtroͤmten, traͤgt der Menſch gern auf die ihn umgebende Natur uͤber, und Fland Gege ſtrech Tout nes, Brlg lal, liegen und und Akaz Trift einan es F mann verſe pige anbi⸗ lich, tung Umge der p nur! das bereit diſch bei al⸗ lichkeit dſigkeit ns die Flan⸗ ging hetztere a und doch ſo een ge⸗ b ſehn⸗ e fort, Harten Äs wir gungen ſre Ah⸗ unſre hlings⸗ ükunft egnun⸗ auf un⸗ ie uns Menſch , und — u7— Flandern iſt ein ſchoͤnes Land. Paradieſiſche Gegenden, in einem milden Himmelsſtrich, er⸗ ſtrecken ſich durch das ganze Land. Ypern, Tournay, Courtray, Lille, Arras, Valencien⸗ nes, Mons, Bruͤſſel, Ath, Gent, Antwerpen, Bruͤgge, Oſtende u a m., Staͤdte wie Bres⸗ lau, Leipzig, Stettin, Frankfurt am Main, liegen in einem Umkreis von wenigen Meilen, und zwiſchen ihnen wiederum kleinere Staͤdte und Doͤrfer, alle durch Alleen von Ulmen und Akazien mit einander verbunden. Lachende Triften und uͤppige Saatfelder wechſeln mit einander ab, und wohin das Auge blickt, ſieht es Fuͤlle und Reichthum, ſelbſt bei dem Land⸗ mann, der ſeine Wohnung mit Spiegelfenſtern verſieht und dem muͤden Gaſt ein weiches, uͤp⸗ piges mit ſeidnen Vorhaͤngen verhuͤlltes Bett anbietet. Reich iſt die Tafel beſetzt, vorzuͤg⸗ lich an Faſttagen, wo die aͤngſtliche Beobach⸗ tung des Buchſtabens des Geſetzes zu ſolchen Umgehungen deſſelben verleitet hat, mit denen der proteſtantiſche Gaſt ſehr zufrieden iſt. Was nur Land und Meer Delikates herzugeben hat, das findet man hier auf das Mannigfachſte zu⸗ bereitet, ſeyen es Mehl⸗ und Eierſpeiſen, oder Fiſche und Seekrebſe. Eben ſo reich iſt der — 1418— Nachtiſch. Apfelſinen und andre edle Obſtarten laden friſch oder eingemacht, ſamt allen moͤg⸗ lichen Zuckerwaaren den Gaumen ein, der ſich davor fuͤrchten wuͤrde, wenn nicht ſchon bei Tiſche ſchwarzer Kaffee und dann ein Glaͤschen Liqueur als Daͤmpfer erſchienen. Und dennoch iſt der Wohlſtand hieſelbſt nur ein Schatten von ſeinem fruͤheren Reichthum, als Antwer⸗ pen noch der Sitz des europaͤiſchen Handels war und alle Schiffe der Welt dieſe lieblichen Geſtade beſuchten. Da floß Milch und Honig in dieſen Thaͤlern, und der leichte Gewinn fuͤhrte Prachtliebe und Luxus herbei, dem auf eine verſchwenderiſche Weiſe gefroͤhnt wurde. Da bluͤhte die Kunſt hieſelbſt und fuͤllte die Kirchen mit ihren Denkmaͤlern an, wofuͤr die Kuͤnſtler ſelbſt den Wohlſtand ihres Hauſes ein⸗ tauſchten. Da lebte ein friſcher, muthiger und kraͤftiger Geiſt im Volke, der durch einen ſech⸗ zigjaͤhrigen Krieg nicht geſchwaͤcht und nieder⸗ gedruͤckt werden konnte, ein Geiſt der Freiheit, der fuͤr den Glauben, fuͤr Sitten und Rechte gern und freudig das irdiſche Leben hingab, und vor dem Philipp, in deſſen Reiche die Sonne nicht unterging wie vor ſeinen Hen⸗ kern, einem Alba, nicht zitterte. Da blickte Earoy) die ein biete tins erſtor yüagl Kanſt bewoh chende zum auffo bern ſtef an ſ Den und nen kont! ſchwe und ſchen Klaſ nehn fran Neta te die üͤr die es eine er und ſech⸗ nieder⸗ eiheit, Rechte ngab, he die Hen⸗ blickte — 119— Europa noch mit Stolz auf dieſe Kuͤſte hin, die einen Egmont hervorgebracht, und im Ge⸗ biete der Wiſſenſchaften einen Hugo Gro⸗ tius aufzuweiſen hatte. 3 Jetzt iſt es anders. Ein dummes Volk, erſtorben fuͤr das Beſſere und Ewige, unem— pfaͤnglich fuͤr das Schoͤne, das Natur und Kunſt ihm vorhaͤlt, unwiſſend und aberglaͤubiſch, bewohnt jetzt dieſe uͤppigen Fluren, dieſe la⸗ chende Natur, die die Menſchen zur Freude, zum Genuß, zu kindlichen, frohen Spielen auffordert. Die hieſigen Einwohner entzau⸗ bern aber ihre Gefilde, und Alles was ſie ſchaffen, traͤgt den Stempel der Geiſtloſigkeit an ſich, wenn man ihnen auch nicht Fleiß und Betriebſamkeit abſprechen kann, und Geduld und Ausdauer. Das Mechaniſche gelingt ih⸗ nen daher am beſten Selbſt ihre Sprache kontraſtirt mit ihren Umgebungen. Sie iſt ſchwerfaͤllig und breit, arm und uͤbeltoͤnend, und iſt ein Gemiſch der engliſchen, franzoͤſi⸗ ſchen und hollaͤndiſchen. Doch nur die aͤrmeren Klaſſen der Einwohner reden ſie; jeder Vor⸗ nehme und Gebildete ſpricht und ſchreibt nur franzoͤſiſch. Deutſche Literatur iſt hier ſo un⸗ bekannt, daß man weder Goͤthe noch Schiller 4 —— — 120— 8 kennt, ja nicht einmal dem Namen nach, und bei Maͤnnern, die eine wiſſenſchaftliche Bildung genoſſen hatten, und vertraut mit den Mei⸗ ſterwerken der Englaͤnder und Italiener waren. Ihre Kleidung wuͤrde gefaͤllig genannt werden koͤnnen, wenn ſie nicht durch die haͤßlichen Holzſchuhe verunſtaltet wuͤrde. Kleine, nette Fuͤße gehoͤren daher unter die Wunder, viel⸗ mehr iſt der Fuß dick und groß, und der Gang ſchwerfaͤllig und langſam, wie der Gang der dortigen Pferde, die ein kameelartiges Anſehn haben und nur zum Ziehen ſchwerer Laſten ge⸗ braucht werden. Beſonders groß und unangenehm auf⸗ fallend iſt hier der Aberglaube und die Unwiſ⸗ ſenheit in Religionsſachen. Das hat freilich ſeinen guten Grund. Sijnd doch die Geiſtli— chen ſelbſt roh und unwiſſend, und eigentliche Prieſter, die nur dann Schlauheit beweiſen, wenn es darauf ankommt, den unwiſſenden Haufen zu betruͤgen. Und ſo unwiſſend, eben ſo intolerant ſind ſie. Wenigſtens gilt dies Urtheil von der Mehrzahl der Geiſtlichen, wenn man auch hin und wieder eine Ausnahme ge⸗ ſtattet. So lag ich einſt bei einem Pfaffen im Quartier, der bei aller Unwiſſenheit den⸗ noch daß b ruhig ihm ben! tutlic btſaß biel w Legen ſehr dahe che k grant da el beire dede gen hei ſah jenen lag, ein diget den Es Ger eiſtli tliche eiſen, nden eben dies venn ges affen den⸗ 121 noch veraͤchtlich auf uns Ketzer herabſah, ſo daß viel Phlegma dazu gehoͤrte, dabei kalt und ruhig zu bleiben. Die Kirchengeſchichte war ihm terra incognita, er kannte nur das Le⸗ ben und Wirken einzelner Paͤpſte, das er na⸗ tuͤrlich durch eine gefaͤrbte Brille anſah. Er beſaß nicht einmal ein griechiſches Teſtament, viel weniger eine hebraͤiſche Bibel. Nur einige Legenden und Gebethuͤcher trieben ſich in ſeiner ſehr duͤrftigen Bibliothek umher. Es ließ ſich daher mit ihm, der zwar der deutſchen Spra⸗ che kundig war und mehrere Jahre als Emi⸗ grant bei uns gelebt hatte, ſchlecht disputiren, da er ſich nie auf Beweiſe einließ und mich bei einer Behauptung, die ich aufſtellte, gera⸗ dezu fuͤr einen Boͤſewicht erklaͤrte, der der ewi⸗ gen Verdammniß nicht entgehen koͤnne. Da⸗ bei faltete er ſehr andaͤchtig die Haͤnde und ſah wie ein Phariſaͤer aus. Daß uͤbrigens in jenem Bannfluch eine Schmeichelei fuͤr mich lag, merkte ich gleich darauf, als er mich in ein andres Zimmer fuͤhrte, wo ich den ehrwuͤr⸗ digen Luther, in Kupfer geſtochen, unter den Raͤdern eines Triumphwagens erblickte. Es war eine Copie von einem ſehr großen Gemaͤlde, das ich in der Hauptkirche zu Ypern — 122— nachmals fand, ein Gemaͤlde, woran ein nie⸗ derlaͤndiſcher Kuͤnſtler recht eigentlich ſeine Kunſt verſchwendet hat. Es mißt ungefaͤhr achtzehn Fuß in der Laͤnge und acht bis neun Fuß in der Hoͤhe, haͤngt nicht weit vom Altar und dient zur Ergoͤtzlichkeit des Volks, das ſich an dieſem Gegenſtande nicht ſatt genug ſehen kann. Auch Kenner werden durch daſſelbe be⸗ friedigt, abgeſehen von dem unwuͤrdigen Ge⸗ genſtande. Ueber dem Triumphwagen, den eine allegoriſche Figur lenkt, ſchwebt eine Vik⸗ toria mit dem Lorberkranz, den heiligen Geiſt wahrſcheinlich vorſtellend; milchweiſe Roſſe ziehen den Wagen und mehrere Biſchoͤfe gehen 3 voran. Unter den Raͤdern liegt Luther und noch ein Andrer, wahrſcheinlich Calvin, Beide Schlangen in den Haaren und von Furien— ſo ſpukt das Heidenthum dabei— gegeiſſelt. Als ich beim Anblick des Kupferſtiches laͤchelnd aͤußerte:„es ſey doch recht gut, daß der gute Luther in der Schloßkirche zu Wittenberg ruhe,“ ſo antwortete der fanatiſche Prieſter mit erhoͤh⸗ ter Stimme:„dieſe Strafe, der er hier ent⸗ gangen, hat er dort empfangen“ Er iſt alſo in jener Welt geraͤdert worden. Ich bemerke nur noch von dieſem Helden, daß er den Buch⸗ T nie⸗ tehn luß in und ſch an ſehen e be⸗ Ge⸗ den Vik⸗ Geiſt Roſſe hehen und Deide en— iſelt. helnd gute hhe,“ choͤh ent⸗ alſo nerke uch⸗ 1 8 — 123— ſtaben des Gebotes, das ihm eine Wirthſchaf⸗ terin von vierzig Jahren vorſchreibt, puͤnktlich beobachtet hatte, nur mit dem unbedeutenden Unterſchied, daß er die Summe getheilt hatte. Jede von ſeinen Haushaͤlterinnen zaͤhlte nehm⸗ lich zwanzig Jahre. Auch in Ypern fanden wir jenen tiefen Aberglauben herrſchend. Jeder Proteſtant war den Leuten dort ein verlornes Schaf. Stand man ſich mit ſeinem Wirth gut, gefiel man ihm, ſo wurde man recht innig bedauert, daß man doch nie in den Himmel kommen koͤnne, ſondern, wenn auch nicht in der Hoͤlle, doch ewig im Fegefeuer braten werde. Lachte man daruͤber und meinte, man ginge lieber gar nicht hinein, ſo ſchlug der Katholik ein Kreuz und ſeufzte tief. Gefiel man ihm aber nicht, ſo fand er den Grund, daß man ein Tauge⸗ nichts ſey, ſehr bald, denn man war ja ein Ketzer. Selbſt das ſchoͤne Geſchlecht machte hierin keine Ausnahme, ſo ſehr dies auch Je⸗ den wundern mag. Obgleich wir uns bald an dieſe Finſterniß ihres Glaubens gewoͤhnten und durch ihre Gefaͤlligkeit mit ihrer Intole⸗ ranz verſoͤhnt wurden, ſo fiel es uns doch gar zu ſehr auf, als wir dieſe Unduldſamkeit ſogar 124— gegen Thiere ausgedehnt ſahen. Ein merk⸗ wuͤrdiges Beiſpiel davon lieferte ein ſehr vor⸗ nehmer Buͤrger in Ypern. Dieſer Mann be⸗ ſaß einen wunderſchoͤnen Jagdhund, der no⸗ lens volens mit der ganzen Familie des Frei⸗ tags faſten mußte. Dies laͤßt ſich erklaͤren, da es uͤberhaupt an dieſem und äaͤhnlichen Ta⸗ gen in den Familien kein Fleiſch giebt. Nun aber mußte ſein Herr wohl glauben, daß der Hund, durch die Sitte, am Freitag zu faſten, endlich ſo weit mit ſeiner Erkenntniß des Gu⸗ ten vorgeruͤckt ſey, es uͤberhaupt fuͤr unſchick⸗ lich, ja gottlos zu halten, an genanntem Tage Fleiſch zu begehren. Sein ſpaͤteres Benehmen rechtfertigt wenigſtens dieſe Vermuthung. Er bekam nehmlich einen Offizier in's Quartier, der nicht Luſt hatte, zu faſten, ſondern ſich je⸗ den Tag Fleiſch ausbat. Es wurde ihm na⸗ tuͤrlich bewilligt, wenn gleich mit Grauen und Entſetzen. Der Hund riecht nicht ſo ſchnell den Braten, als er ſich auch ſchon wedelnd einfindet und begierig uͤber ein Stuͤck Fleiſch herfaͤhrt, das ihm der Offizier gedankenlos zu⸗ wirft. Da laͤßt die Familie vor Schreck Meſ⸗ ſer und Gabel fallen. Dieſe Vergeſſenheit der Pflicht und des Anſtandes empoͤrt den Wirth. — 125— Zuͤrnend blickt er auf ſeinen Liebling nieder, der ſolchen Frevel begangen, und eben ſo zor⸗ nig auf ſeinen Gaſt, der den Schwachen dazu verfuͤhrte.„Jetzt geh mir aus den Augen,“ ruft er dem mit ganz andern Dingen beſchaͤf⸗ tigten Tiras zu—„mein Herr, er ſey Ihnen geſchenkt, denn ich kann ihn nun nicht mehr behalten.“ Der Offizier, der bald merkte, daß es ſein bittrer Ernſt ſey, bedankte ſich vielmal. So kam der arme Hund in preußiſche, gott⸗ loſe Haͤnde. Er wurde recht eigentlich des Landes verwieſen, wobei er allerdings gewann, weil es der Hunde Art nicht iſt, zu faſten und ſich zu kaſteien. Nach des Wirthes Meinung, ging er zum Proteſtantismus uͤber. Daß man jetzt uͤberall in pern die Jagdhunde zu ver⸗. fuͤhren ſuchte, verſteht ſich, doch ohne Erfolg, wahrſcheinlich der vielen ſpoͤttiſchen Bemerkun⸗ gen wegen, die uͤber dieſen, vielleicht zur Ehre des Katholizismus einzigen Fall gemacht wurden. Noch ein anderes Beiſpiel von Intoleranz ſtellte die Stadt Npern auf Wir wollten am Pfi gſtfeſte Gottesdienſt halten, doch die Stadt weigerte ſich, eine Kirche dazu herzugeben. Nur der Gewalt wich ſie, und nicht eher — 126— wurde ſie von den Einwohnern wieder benutzt, als bis der Erzbiſchof von Arras ſie durchraͤu⸗ chert, den proteſtantiſchen Geſtank ausgetrie⸗ ben und ſie von Neuem wieder eingeweiht hatte. Ich hatte uͤbrigens bei dieſem Gottes⸗ dienſte wieder einmal Gelegenheit, zu bemer⸗ ken, wie leicht ein Prediger mißverſtanden wer⸗ den kann, und welche Pflicht es daher fuͤr ihn ſey, vorſichtig in der Wahl ſeiner Ausdruͤcke zu ſeyn. Unſer Brigadeprediger, ein ſehr tuͤchtiger Redner, ſtellte in dieſer Predigt, die das Re⸗ giment ſehr andaͤchtig anhoͤrte, ein Gemaͤlde von Napoleon auf, wozu er die Farben ziem⸗ lich ſtark auftrug, ſo daß ihn Jeder, auch ohne daß er namentlich gemacht wurde, erkannte. Waͤhrend er die Gerechtigkeit unſers Kampfes entwickelte, nannte er den Exkaiſer dagegen einen Falſchmuͤnzer, der auf alle ſeine Thaten ein falſches Gepraͤge geſchlagen und ſie der Welt als aͤcht und wahr aufgedrungen haͤtte.„Hoͤrſt du wohl, Kunz“— fluͤſterte ein neben mir ſtehender Soldat ſeinem Nachbar in's Ohr—„hoͤrſt du's nun wohl? Was ich immer geſagt habe, das ſagt jetzt auch der Prediger, daß er falſche Muͤnzen habe ſchla⸗ gen weſe gehe Wi ter, ſonſ ſagt Nor befe die Die ſtent Sta Get Ki het gel kirc and Cop ſtell ode geh ſich ſern zmmpfes gegen ſeine und ungen e ein ſchbar s ich h der ſchla⸗ — 427— gen laſſen. Es iſt doch ein infamer Kerl ge⸗ weſen, alle die falſchen Groſchen, die wir gehabt haben, ſind aus Frankreich gekommen.“ Wie ein Lauffeuer ging dieſe Bemerkung wei⸗ ter, und alles Demonſtriren dagegen war um⸗ ſonſt, da es der Prediger von der Kanzel ge⸗ ſagt habe. Kurz, die falſchen Groſchen waren Napoleons Werk. Ppern, das wie faſt alle flandriſchen Staͤdte, befeſtigt iſt, iſt eine ziemlich bedeutende Stadt, die ungefaͤhr 12 bis 15,000 Einwohner zaͤhlt. Die Straßen ſind regelmaͤßig, die Haͤuſer mei⸗ ſtentheils maſſiv und auf allen Thuͤrmen der Stadt Glockenſpiele, die uns durch das ewige Geklimper zuletzt recht widrig wurden. Alle Kirchen, es ſind deren vier, ſind voll von her lichen Gemaͤlden, theils Originalen, theils gelungenen Copien. Vorzuͤglich iſt die Haupt⸗ kirche damit geziert. Man findet hier unter andern Correggio's Nacht, eine aͤußerſt gelungne Copie,(das Original iſt in Dresden). Es ſtellt bekanntlich die Geburt des Heilandes, oder die Anbetung der Hirten vor. Das Licht geht von dem Jeſuskindlein aus und verbreitet ſich ſelbſt uͤber die daruͤber ſchwebenden Engel; ferner eine Copie von Raphaels Madonna und — 128— von dem Abendmahle Leonardo da Vinel's, eine Grablegung Chriſti von einem unbekann⸗ ten Meiſter, einige Landſchaften von Titian, mehrere hiſtoriſche Gemaͤlde von Rubens, dem Fuͤrſten der niederlaͤndiſchen Schule, ein Schlacht⸗ ſtuͤck von Nicolaus van Eyk(nicht zu verwech⸗ ſeln mit den beruͤhmteren Bruͤdern Hubert und Johann van Eyk, den Stiftern der niederlaͤn⸗ diſchen Schule). Die beruͤhmte Venus von Titian konnte ich trotz alles Suchens nicht fin⸗ den, wiewohl man mir es ſagte, ſie ſey allerdings dort. Bei meinen Erkundigungen nach der Venus, ſtellte ſich der Kirchendiener, den ich darum fragte, ganz unwiſſend, und meinte endlich, als ich ihm ein Stuͤck Geld in die Hand druͤckte, eine Eva von Titian ſey allerdings da. Nun meinetwegen auch eine Eva, dachte ich, als er mich in eine ziemlich verſteckte Halle fuͤhrte, wo hinter ei⸗ nem ſeidnen Vorhang dies Meiſterſtuͤck der Kunſt nicht in der beſten Beleuchtung hing, doch immer blendend und ſinnbetaͤubend genug, wenn gleich das Fleiſch ein wenig zu gruͤn und weich. Ich wuͤrde hier in Ypern die gluͤcklichſten Tage verlebt haben, wenn nicht der Kama⸗ ſcend ſchin Nore Einä ges, kam mittag geſehe ſem ihre und war chen! Bata Dann eine went mag gleich ren ich ſ rief —— 129— ſchendienſt ſeinen Anfang genommen haͤtte. Die ſchoͤnſten Stunden des Tages, die friſchen Morgenſtunden mußten wir mit Exerziren und Einuͤben der Rekruten hinbringen, ein trauri⸗ ges, ermuͤdendes, geiſttoͤdtendes Geſchaͤft. So kam die Parade und Parole heran. Nach⸗ mittags wurden die Quartiere viſitirt und nach⸗ geſehen, ob die Burſche ihre Montur an die⸗ ſem oder jenem Riegel haͤngen haͤtten, und ob ihre Schuhe mit zwei und dreißig oder vier und dreißig Naͤgeln beſchlagen waͤren. Dann war Apell, wo ein langes und breites geſpro⸗ chen wurde. Jeden zweiten Tag exerzierte das Bataillon, jeden vierten das ganze Regiment. Dann kam einmal wieder eine Wacht, oder eine Ronde, oder eine Heerſchau. So noth⸗ wendig das Eine und das Andre auch ſeyn mag, und mit ſo großer Luſt auch Viele der⸗ gleichen Geſchaͤfte treiben moͤgen— mir wa— ren ſie verhaßt. Seitdem Friede war, trieb ich ſie alle mit Widerwillen, und wehmuͤthig rief ich oft mit dem Max im Wallenſtein aus: „Des Dienſtes immer gleich geſtellte Uhr Die Waffenuͤbung, das Commandowort— Dem Herzen giebt es nichts, dem lechzenden. 9 — 130— Die Seele fehlt dem nichtigen Geſchaͤft— Es giebt ein andres Gluͤck und andre Freuden.“ Ach wie ſehnte ich mich nach rieſem an⸗ dern Gluͤcke, dieſen andern Freuden, die nicht das Horn und nicht die Trommel ſtoͤrt! Mit welcher Sehnſucht erwartete ich den Tag, der mich erloͤſen ſollte! Mit welcher Eile durch⸗ flog ich ſchon im Geiſte die Läͤnder, die zwi⸗ ſchen Ypern und meiner Vaterſtadt lagen! Welch Heimweh bemaͤchtigte ſich meiner, wenn ich Zeit und Muße hatte, an die fernen Ge⸗ liebten zu denken, die mir von Zeit zu Zeit Nachricht aus dem Vaterlande gaben! In welche Elegien hauchte ich meinen Schmerz aus, ach! und wie troſtleer war auch ſelbſt dies Ableiten deſſelben! Schwermuͤthig ſchlich ich einher und ſuchte die Einſamkeit. Es ging mir nicht allein ſo. Meohrere Freunde hatten wie ich, das wiederum erſtar⸗ rende Leben des Dienſtes ſatt, und ſehnten ſich nach Freiheit und Unabhaͤngigkeit und nach Arbeit, die den Geiſt friſch und froͤhlich er⸗ haͤlt, und arge Gedanken und Triebe im Zaume haͤlt. Nicht einmal leſen konnten wir etwas, außer franzoͤſiſchen Werken. Nur die Kunſt offne zäich Dal eine wei dihk Wir liegen bein führ fern nen fahrt ſter — 131— oͤffnete uns auf Stunden ihr Heiligthum. Wir zeichneten und muſicirten, doch ohne auf die Dauer befriedigt zu werden. Nicht einmal eine ſolide, vernuͤnftige Caprice kam zu Stande, weil nur wenige Frauen uns durch Liebenswuͤr⸗ digkeit zu reizen und zu feſſeln verſtanden. Wir machten daher einige Abſtecher in die um⸗ liegende Gegend, und bald ſtand der Entſchluß bei uns feſt, das Meer zu ſehen, das unge⸗ faͤhr acht bis zehn Stunden von Ypern ent⸗ fernt iſt. Wir bekamen Urlaub, nahmen ei⸗ nen Wagen und machten uns am Himmel⸗ fahrtstage auf den Weg. Wir waren un⸗ ſrer Vier. Um drei Uhr Morgens fuhren wir, leich⸗ ten und frohen Herzens fort, und fuͤhlten uns, wie der Maikaͤfer an einem langen Faden, frei und gluͤcklich, obgleich uns die Kette bald wieder zuruͤckzhog. Die Luft war ſehr heiter, der Morgen friſch und von zahlloſen Säͤngern belebt, die an keinem Faden flatterten. Unſre Fahrt auf der herrlichen Kunſtſtraße, ging aͤu⸗ ßerſt ſchnell. In ſieben Stunden legten wir fuͤnf deutſche Meilen zuruͤck, und kamen alſo um zehn Uhr in Oſtende an, welches uns zu unſerm Zweck, wegen ſeiner Feſtungswerke, — 132— ſeines herrlichen Hafens und ſeiner herrlichen Lage am Meere, der intereſſanteſte Ort zu ſeyn ſchien. Wir hatten noch nie das Meer geſehen um ſo uͤberraſchender und wunderba⸗ rer war fuͤr uns der Anblick deſſelben. Wir waren gleichſam verſteinert und hoͤrten in dem Augenblick, wo wir es bis in's Unendliche vor uns wogen ſahen, auf zu denken. Nicht ſol⸗ chen Eindruck macht der Anblick anderer erha⸗ bener Naturſcenen auf das Gemuͤth. Das Erſtaunen uͤberwaͤltigt die Gefuͤhle nicht Die Seele erſchrickt nicht, ſondern ſie moͤchte viel⸗ mehr hinaus aus dem Kerker, in den eine neue Sonne hineinſtrahlt. Darum breitet der Menſch ſeine Arme aus, um das All an ſeine Bruſt zu druͤcken und ſich ſo mit ihm zu ver⸗ einen. Je lachender die Natur ſich darſtellt, deſto mehr jauchzt die Seele auf, ſich Fluͤgel wuͤnſceend, um ihrem Entzuͤcken Raum zu ge⸗ ben. Darum iſt es, als wollte einem die Bruſt geſprengt werden, ſo beengt fuͤhlt man ſich in dem kleinen Gehaͤuſe, das wir erſt am Grabe jubelnd fortſtoßen. Anders iſt es beim Anblick des Meeres. Kein Ach entſchluͤpft der Zunge, kein Seufzer dem gepreßten Herzen, keine Freu⸗ denthräne dem Auge. Nein, die Seele zieht ſich zoͤgernd von ihrem Fenſter zuruͤck, als ahne ſie eine Gefahr, oder eine fremde Gewalt, die ihre Rieſenarme gegen ſie ausſtreckt, und ernſt und hehr in ihre Saiten greift, bis endlich plöͤtzlich in Choralakkorden ſich ihre Bewunde⸗ rung und Ehrfurcht aufloͤſt. So wird die Em⸗ pfindung Gebet. Demuͤthig wirft ſich der Menſch nieder, ſeine Schwaͤche, ſeine Ohnmacht fuͤhlend. Er ſcheint ein Wurm gegen dieſe Maſſen zu ſeyn, die das Geſtade peitſchen und ſich brauſend in Schaum aufloͤſen. Doch er iſt es ja nicht; er kann denken, fuͤhlen, wei⸗ nen. Hoch ſteht er dennoch, wie ſchwach er ſich duͤnkt, uͤber den Gewalten der Natur.— Nach dem erſten Aufruhr unſrer Gedanken und Gefuͤhle, der uns noch ſchuͤchtern vom Ufer zuruͤckhielt und uns zu frommer Einkehr in uns ſelbſt einlud, faßten wir ein Herz und Vertrauen zu dem falſchen Elemente das der Geiſt nur ſchwer zu zuͤgeln weiß. Wir zogen. uns aus und legten uns, es war gerade die Zeit der Ebbe, hart am Ufer hin, ſo daß wir in verſchiedenen Pauſen auf Augenblicke von den Wellen begraben wurden.— Ein ſtaͤrken⸗ des Bad.— Darauf neckten wir den ernſten Gott des Meeres und bemuͤhten uns, wie — ———-— Demoſthenes, ſein Bruͤllen zu uͤberſchreien und ſuchten, nach dieſer vergeblichen Anſtrengung, Muſcheln auf, die wie der Sand am Meere, eben ſo zahllos und in wunderbarer Mannig⸗ faltigkeit am Ufer liegen, wie Probeſtuͤcke von der großen Kuͤnſtlerin ausgeworfen, gegen die wir nur armſelige Pfuſcher ſind, wiewohl wir ihr ihre Kuͤnſte ablernen und ihr in's Hand⸗ werk fallen. Wir waren dabei wie Kinder⸗ die aus der Menge ihrer Spielſachen das Beſte vergeblich ausſuchen und wieder fortwerfen, die jetzt das mit Ungeſtuͤm faſſen, was ſie den Augenblick darauf verachten, und bei der Wahl die Qual haben, weil der Vater nicht Alles kaufen, oder hergeben will. Wir hatten end⸗ lich die Taſchen voll und gingen nach der Stadt zuruͤck, wo wir uns darauf in das Gewuͤhl des Hafens ſtuͤrzten. Ein Kauffahrteyſchiff lief ſo eben bei der wachſenden Fluth ein, unter dem lauten Jubel des Schiffsvolks und unter der theilnehmenden Freude der Zuſchauer. Auch dieſer Anblick war uns neu und uͤberra⸗ ſchend. An vier hundert Schiffe fanden wir vor Anker liegen, theils Kauffahrteyſchiffe, theils Fregatten, Schaluppen u. ſ. w., auch ein Kriegsſchiff. Wir hielten um die Erlaub⸗ — 135— niß an, einen Dreimaſter beſehen zu duͤrfen, und ſtiegen furchtſam hinein. Da gab es denn fuͤr uns ſo viel zu ſehen und zu fragen, daß die Verwunderung kein Ende nahm und eine gute Stunde unbemerkt hineilte, ehe wer mit Allem fertig waren.— So groß ein Schiff in der Naͤhe erſcheint, ſo klein und nichtig ge⸗ gen die anſtuͤrmenden Wellen, die mit ihm Fangball ſpielen, und wahrlich es gehoͤrt Drei⸗ ſtigkeit dazu, ſich ſolchem gebrechlichen Fahr⸗ zeuge anzuvertrauen, das ſchon ein Stoß an eine Klippe zertrümmert. Wir aͤußerten dies gegen unſern Fuͤhrer— doch der lachte uns in's Geſicht und fuͤgte die ſchmeichelhafte Ant⸗ wort hinzu:„doch nicht mehr Dreiſtigkeit, als ſich das eiſerne Kreuz zu erringen; das geht ja auch an's Leben. Man wird ja uͤberdies Alles gewohnt, auch die Schrecken der See und die damit verbundenen Gefahren. Auch iſt das Meer ſo boͤſe nicht, als es ausſieht“— Etwas beſchaͤmt verließen wir das Schiff. Wir beobachteten darauf die Ebbe und Fluth im Hafen, die hier aͤußerſt ſtark iſt. Wohl an funfzehn Fuß ſteigt die Fluth, mit deren Huͤlfe die groͤßern Schiffe bei der Seichtig⸗ keit des Hafens einlaufen. Bei ber Ebbe — 136— wandelt man da trocknen Fußes, wo einige Stunden vorher und nachher die groͤßten Schiffe ein Spiel der Wellen ſind. Darauf mietheten wir uns einen Kahn, um uns ein Stuͤndchen von der See umherwerfen zu laſ⸗ ſen. Wir kamen aber nicht aus dem Hafen, weil das Meer zu ſtuͤrmiſch war, und ſich die Schiffer, die kein Segel hatten, weigerten, den Hafen zu verlaſſen. Wir mußten ihnen gehorchen und umkehren, doch mit dem feſten Vorſatz, morgen noch einmal einen Verſuch zu wagen. Fuͤr heute blieb uns uͤberdies noch zu ſehen genug uͤbrig. Zuvoͤrderſt die Stadt ſelbſt. Oſtende iſt ein Ort, der ungefaͤhr 12,000 Ein⸗ wohner zaͤhlt, die groͤßtentheils vom Handel leben. Es giebt hier Kaufleute, die blos mit Schwefelrohr handeln und ſich dabei gut ſtehen. Ueberall herrſcht Wohlſtand und Behaglichkeit. Die Straßen ſind breit und gerade, die Haͤu⸗ ſer groͤßtentheils maſſiv und haben ein freund⸗ liches Aeußere, das noch durch das Spiegel⸗ glas der meiſten Fenſter erhoͤht wird. Die ſchoͤn⸗ ſten Gebaͤude ſtehen am Hafen. Unter dieſen zeichnen ſich das Stadthaus und einige Kirchen aus, letztere verſehen mit herrlichen Gemaͤlden und Bas-Reliefs der niederlaͤndiſchen Schule. — 137— Die Feſtungswerke erſtrecken ſich weit um die Stadt und ſind ſchwer einzunehmen; die Natur hat wenig, die Kunſt faſt Alles gethan. Doch muͤſſen ſie fruͤher noch bedeutender gewe⸗ ſen ſeyn, da die Stadt ſonſt unmoͤglich eine dreijaͤhrige Belagerung haͤtte aushalten koͤnnen. Von 1601 bis 1604 dauerte dieſelbe und en⸗ digte damit, daß die hollaͤndiſche faſt aufgerie⸗ bene Beſatzung eine entvoͤlkerte, in die Aſche geſunkne, ausgehungerte, einem großen Laza⸗ reth aͤhnliche Stadt dem ſpaniſchen General Spinola uͤbergab. Doch an der Seeſeite iſt die Stadt jetzt ſtaͤrker als ſonſt befeſtigt. Napoleon hat dazu die Koſten hergegeben. Zuvoͤrderſt das Fort royal, noch vor einigen Monaten Fort im- perial genannt, nordweſtlich von der Stadt, hart am Ufer. Es iſt mit acht und vierzig Kanonen und zwoͤlf Moͤrſern verſehen, und er⸗ fordert ungefaͤhr zwei Compagnieen zur Beſaz⸗ zung. Es iſt nicht anders als durch Verraͤ⸗ therei zu nehmen. Alle Gewoͤlbe ſind bomben⸗ feſt, und ein Abgrund, ungefaͤhr ſiebzig Fuß tief und eben ſo breit, trennt den Kranz vom Sterne, zu dem einige Zugbruͤcken fuͤhren. — 138— Der Kranz der Veſte iſt mit Waͤllen und Graͤ⸗ ben, Palliſaden, ſpaniſchen Reitern und Wolfs⸗ gruben zweckmaͤßig umgehen. Vom Sterne genießt man eine herrliche Ausſicht uͤber die Stadt, den Hafen und das Meer. Alles iſt ganz neu und Tag fuͤr Tag wird noch immer an der noch groͤßern Befeſtigung des Werkes gearbeitet. Dem Feinde hilft die Eroberung der Stadt nichts, ſo lange er nicht im Beſitz dieſes Werkes iſt. Das andre Werk iſt das Fort Bourbon, fruͤher Fort Napoleon genannt. Es liegt an der Spitze des wohl tauſend Schritt in die See hineingehenden Kai's, der zugleich den Hafen bildet. Es iſt viel kleiner als das Fort imperial, doch faſt eben ſo feſt. Es ruht auf ungeheuren Pfaͤhlen, die ſechsfach zuſammengefuͤgt, jedem Sturme, jeder Bran⸗ dung trotzen, welche zwiſchen ihnen in zehn Fuß hohem Schaume hinaufſtuͤrmt. Hinlaͤng⸗ lich wird es durch zehn Kanonen geſchuͤtzt, die ihre acht und vierzig Pfuͤnder auf ferne feind⸗ liche Schiffe ſchleudern und ihre Annaͤherung erſchweren. Nach Ausſage aller Kunſtverſtaͤn⸗ digen iſt es ein Meiſterwerk und ſcheint fuͤr die Ewigkeit erbaut zu ſeyn. — 139— Außerdem ſind hier noch die gewaltigen Schleuſen merkwuͤrdig, die zur Reinigung des Hafens dienen und ein ſchweres Geld gekoſtet haben moͤgen. Nicht weit davon endigt im Hafen der beruͤhmte Kanal, der von Oſtende uͤber Nieuport und Bruͤgge nach Gent geht, zur Erleichterung des Binnenhandels, und zur Bequemlichkeit der Reiſenden, die gewoͤhnlich dieſen Weg waͤhlen, weil das Fuhrweſen in Flandern nicht im beſten Stande iſt, und ſchon die Rieſenpferde mit ihrem geſenkten Ruͤcken, ihren ungeſchickten Fuͤßen, die unten mit einem ungeheuren Haarbuſch bedeckt ſind, jeden Rei⸗ ſenden abſchrecken. Nach ſo viel Wanderungen ſehnten wir uns nach Ruhe und Erquickung. Zum Mit⸗ tag⸗ und Abendeſſen hatten wir, wie wir das wuͤnſchten, nichts als Meerfiſche, ganz ver⸗ ſchieden zubereitet, mit ſauern und ſuͤßen, hol⸗ laͤndiſchen und Weinſaucen, gebraten und ge⸗ trocknet, nebſt ganz friſchen Auſtern, Seekreb⸗ ſen und anderm Seegewuͤrm, deren abentheuer⸗ liche Geſtalten nur ein Leckermaul nicht ab⸗ ſchrecken. Die Bezahlung dafuͤr war verhaͤlt⸗ nißmaͤßig billig. — 140— Am andern Morgen war unſer erſtes Ge⸗ ſchaͤft, uns nach einem Schiffer umzuſehen, der uns auf der See ſpazieren fuͤhre. Wir hatten auch das Gluͤck, hald Jemand zu finden, der ſich dazu fuͤr dreißig Francs bereitwillig fand. Diesmal beſchraͤnkten wir uns aber nicht blos auf den Hafen, ſondern fuhren hinauf auf die Hoͤhe, wohl eine halbe Meile weit, ſo daß wir auf Augenblicke vom Ufer nichts erblickten, und nur Himmel und Waſſer ſahen. Der Wind hatte ſich groͤßtentheils gelegt, dennoch war die See unruhig und die Wogen erhoben ſich doch an ſieben bis acht Fuß, was uns gewaltig duͤnkte, den Schiffern aber ein Spaß ſchien. Sie nannten das Meer ſpiegel⸗ glatt, obgleich die Wellen wie Waſſerfaͤlle um uns her rauſchten. Oft ſaßen wir wie in ei⸗ nem tiefen Keſſel und fuͤrchteten in jedem Au⸗ genblick von den anſtuͤrmenden Wellen begra⸗ ben zu werden, oft ſchleuderten ſie uns pfeil⸗ ſchnell in die Hoͤhe, um uns ſogleich wieder fallen zu laſſen. Kurz, die See ſpielte mit uns und ſchien Mitleid mit uns zu haben, die wir durch die ungewohnte Bewegung lei⸗ chenblaß wurden und manches unfreiwillige Opfer dem neckenden Gotte brachten. Vorzuͤg⸗ — 141— lich wurde mir uͤbel und wehe, da ich mit faſt nuͤchternem Magen dieſe Waſſerparthie unter⸗ nommen hatte. Mein ganzer Koͤrper gerieth in Aufruhr und war ein Bild ſeiner⸗Umgebungen. Unmoͤglich kann die Bewegung in einem gro⸗ ßen Schiffe der Art ſeyn, wie in dem kleinen Kahn, der uns trug. Der Athem verging mir, wenn eine majeſtaͤtiſche Welle, die ſich ganz unbemerkt unter den Kahn geſchlichen und ihn gehoben hatte, ploͤtzlich nach allen Seiten hin zerrann und das Fahrzeug ſieben bis acht Fuß fallen ließ. Schon war es uns leid ſolche Fahrt un⸗ ternommen zu haben auf einem Elemente, das keine Balken hat, als wir uns noch zeitig genug erinnerten, daß wir Soldaten ſeyen. Das wirkte wie ein Zauberſchlag. Wir wurden ruhiger. Die dem Tode ſo oft in's duͤſtre Angeſicht angeſehen, die duͤrfen ſich nicht vor einem Elemente fuͤrchten, das keines Men⸗ ſchen Verderben will ſondern nur zu toben ſcheint, weil es nicht lachen kann, wie die heitre Fruͤhlingsflur, die mit ihrem Blumen⸗ ſtrauß, einem taͤndelnden ſchalkhaften Maͤdchen gleicht— Freilich hieß es uns Niemand, uns in die Gefahr zu begeben, und unſer Beruf — 142— war ein andrer, aber die Jugend muß hinaus und ſich umſehen in dem ſchoͤnen großen Hauſe, worin wir einſtweilen zur Miethe wohnen, und was der Beweibte coll nennt, iſt es nicht fuͤr den, der zu leben erſt anfaͤngt, und fuͤr Niemand, als fuͤr ſich ſelbſt, zu ſorgen hat. Darum ſoll er nicht immer in Blumen und Bluͤthen eine ewige Weisheit bewundern, nicht immer die Glanzſeite der Natur betrachten, und mit ihr taͤndeln und ſcherzen, dadurch wird er weich und empfindſam. Er ſoll auch die Schattenſeite der Natur ſeiner Auf⸗ merkſamkeit wuͤrdigen, nicht blos um des Ge⸗ genſatzes willen, nicht aus Neugier oder Klug⸗ heit, ſo wie Schlemmer pikante Speiſen waͤh⸗ len, ſondern um ſich einen Feſt- und Feiertag zu verſchaffen, von dem nichts im Kalender ſteht; um ſein Herz zu erweitern, ſeinen Sinn dem Erhabnen zu oͤffnen, ſeiner Liebe Nah⸗ rung zu geben und den Stolz zu gewinnen, der ihn Schlechtes und Erbaͤrmliches, Niedri⸗ ges und Gemeines verachten lehrt. Traurig, wer nur aus murmelnden Baͤ⸗ chen und Wieſenblumen, romantiſchen Fußſtei⸗ gen und uͤppigen Gartenanlagen, aber gut, wer auch aus Klippen und Felſen, Schluͤnden — 143— und Abgruͤnden, Meereswogen und Ungewit⸗ tern, ſich die Bilder des Lebens zuſammenſez⸗ zen kann. Wohl dem, der den Schreckniſſen der Natur entgegen zu gehen im Stande iſt, einer Rieſin, der er dennoch Feſſeln anlegen darf und kann, und wer in jenen Schreckniſ⸗ ſen nichts als das ewige Ringen nach Frei⸗ heit ſieht. So nahe uns dieſe und aͤhnliche Gedanken lagen, die die Entwicklung des Lebens betra⸗ fen, ſo nahe auch der große Gedanke, daß es immer und ewig derſelbe Gott ſey, dem Alles, alſo auch das Meer diene, daß es ein Wille ſey, der das All umfaſſe, und daß denſelben Geſetzen alles Erſwaffne gehorchen muͤſſe. Das war nicht der Glaube der Alten. Jede Na⸗ turkraft war eine unabhaͤngige, ſelbſtſtaͤndige Gottheit, nur dem blinden Fatum unterwor⸗ fen. Der Dreizack beherrſchte das Meer und ein Andrer regierte im Himmel. Man hatte Goͤtter fuͤr den Zorn und fuͤr die Liebe, und mit menſchlichen Gefuͤhlen begabt, fuͤhrten die Unſterblichen ein ſeliges Leben. Wir Erwach⸗ ſene haben dieſen Kinderglauben nicht mehr; uns iſt ein Gott gegeben, der aus dem dun⸗ keln Meere und aus Ungewittern, aus der — 144— Sonne roſigem Auf⸗ und Untergang, wie im Fluͤſtern des Windes zu uns ſpricht:„ich bin die Liebe!“ Wie koͤnnte daher wohl Furcht in des Menſchen Seele kommen? Nein, ruhig ſchaut er die Gewalten an, die der Liebe die⸗ nen und ſegnet ſie. Auch wir blickten jetzt feſt und ruhig auf die Zerſtoͤrerin, die Manchem ſein Grab, doch Tauſenden die Wiege ihres Gluͤckes, und zahlloſen Weſen eine treue Mut⸗ ter und Ernaͤhrerin iſt. Die Schiffer hatten große Luſt, uns bei dem guͤnſtigen Oſtwinde, nach London hinuͤber zu fahren. In acht Stunden ſollten wir dort ſeyn. Uns fehlte aber Dreierlei, Luſt, Geld und Urlaub, daher kehrten wir zuruͤck in den ſpiegelglatten Hafen, ſtiegen an's Land und taumelten die erſten zwanzig Schritte wie Be⸗ trunkne fort.— Nach einer Stunde, denn un⸗ ſer Zweck war erfuͤllt, ſaßen wir ſchon auf dem Wagen und eilten unſerem Kerker entge⸗ gen, mit gemiſchten Gefuͤhlen, mit einem Her⸗ zen voll Dankbarkeit gegen den Schoͤpfer und mit Plaͤnen fuͤr die Zukunft beſchaͤftigt. Alle aber nahmen wir uns vor, dieſe beiden Tage in Oſtende in den Kranz unſrer Freuden als Immortellen aufzunehmen, indem wir mit h bin tht in rühig ſe die⸗ t feſt chem ihres Mut⸗ s bei nuͤber dort Geld den und Be⸗ mntge⸗ Her⸗ Alle age als mit — 145— frohem Herzen eingeſtehen konnten, an zwei gluͤcklichen Tagen reicher geworden zu ſeyn. Je mehr durch dieſe Ausflucht die Sehn⸗ ſucht nach Freiheit und Unabhaängigkeit in uns erwacht war, um ſo niederſchlagender war es uns Allen, als bald darauf durch einen Tages⸗ befehl bekannt gemacht wurde, daß kein Frei⸗ williger, der Offizierdienſte thue, verabſchiedet werden koͤnne. Auch die Jaͤger ſollten fuͤr's erſte noch bei den Regimentern bleiben, und es hange von jenen ab, ob ſie noch laͤnger ohne Gehalt als Lieutenants bis zu ihrer einſtigen Beſtaͤtigung dienen, oder zuruͤck avanciren und Porte-épée Faͤhnriche werden wollten, mit ſechs Thaler monatlicher Loͤhnung. Die Jaͤger ſollten nach ihren Kenntniſſen und ihrer ſonſtigen Auffuͤhrung entweder als Faͤhnriche oder Unter⸗ offiziere angeſtellt werden. An Entlaſſung ſey nicht zu denken— So wolle es Se. Majeſtaͤt der Koͤnig. Man ſagte, er ſey aͤrgerlich uͤber die dienſtthuenden Freiwilligen bei den Gar⸗ den geworden, denen er den Willen gelaſ⸗ ſen, ob ſie noch laͤnger dienen oder nach Hauſe gehen wollten. Die Meinen hatten das Letztere gewaͤhlt. 10 — 146— Allerdings wuͤrden manche Regimenter groͤß⸗ tentheile von ſubalternen Offizieren entblößt worden ſeyn, wenn alle dienſtthuende Freiwillige ihre Entlaſſung gefordert und erhalten haͤtten. Die vielen Schlachten hatten die Staͤmme der Offizierkorps hart mitgenommen, man ſah we⸗ nig Edelleute, dagegen deſto mehr Buͤrgerliche mit der Schaͤrpe geziert, oder doch an der Spitze der Zuͤge, und in dem Grade ſah es truͤbſelig in den Jaͤgerkompagnien aus, aus denen alle Gebildete und Kenntnißreiche her⸗ ausgehoben worden waren, oft aus einer ein⸗ 2 zigen Compagnie funfzig bis ſechzig Mann. Nur haͤtten dieſe Offizierdienſte thuenden Jaͤ⸗ ger und Oberjaͤger, die ſonſt gleichen Rang mit allen andern Offizieren hatten, auch mit ihnen gleiche Beſoldung haben muͤſſen, weil man von ihnen einen gewiſſen aͤußern Anſtand verlangte, feinere Uniform, einen Saͤbel u. ſ. w. Das geſchah aber nicht, vielmehr beka⸗ men ſie nach wie vor ihre Loͤhnung als Jaͤger, ſo ſchwer es ihnen auch werden mochte, jenen äußern Anſtand in der Form zu erzwingen. Nicht einmal an denen dem Armeekorps oͤfters gewordenen Gratifikationen und Geſchenken durften ſie Theil nehmen, ſo billig auch dies ingen. öfters enken dies — 147— geweſen waͤre. Sie waren vom Koͤnige noch nicht beſtaͤtigt, hatten noch kein Patent aufzu⸗ weiſen und waren daher nur— Freiwillige, denen es ſchon Ehre genug ſeyn mußte, ein Offizierquartier zu bekommen, einen Barſchen zu haben und von den wirklichen Offtzieren, unter denen Barone und Grafen waren, Herr Bruder genannt zu werden. Man glaubte nicht den Regimentern, ſondern den Freiwilli⸗ gen lediglich einen Dienſt zu erweiſen, wenn man ihnen erlaubte, den Degen zu fuͤhren, und was nothwendig zur Erhaltung des Gan⸗ zen war, nahm den Schein der Großmuth und Humanitaͤt an, die manchem Juͤngling zu dem ſchoͤnen Glauben verleitete, als habe ſich das Militairſyſtem in Preußen geaͤndert. Es laͤßt ſich denken, was durch dieſe Ein⸗ richtung geſpart wurde. Man hatte Offiziere und brauchte ſie nicht zu beſolden, ja ihnen nicht einmal ein Geſchenk zukommen zu laſſen, was fremde Maͤchte gaben, oder einen Antheil an einer eroberten Kriegskaſſe. So gab es auch aͤußerſt wenig Hauptleute in den Regi⸗ mentern, ſondern nur Compagniefuͤhrer, die entweder aus Premier⸗ oder auch ſogar oft — 148— aus Secondelieutenants beſtanden, die keine Erhoͤhung ihres Soldes verlangen durften. Hart ſchien daher in jeder Hinſicht ein Be⸗ fehl, wie der oben angefuͤhrte. Nach ſo vie⸗ len Opfern, die die Freiwilligen gebracht, ſoll⸗ ten ſie doch nach Beendigung des Krieges, ob⸗ gleich dies vor Beginn deſſelben feierlich ver⸗ ſprochen worden war, nicht in ihre vorigen Verhaͤltniſſe zuruͤckgehen, ſondern noch laͤnger ohne Beſoldung dienen, oder ſich degradi⸗ ren und zu ſechs Thaler monatlicher Einnahme condemniren laſſen, oder bei fehlender Bildung ſich der Gnade erfreuen, Unteroffiziere zu wer⸗ den. Wo blieb bei ſolchen Befehlen die Idee von Freiwilligen? Wie ſah es um ein Ver⸗ ſprechen aus, das vor dem Kriege feierlich an⸗ gelobt wurde, nehmlich, daß die Keaͤfte aller Freiwilligen blos auf die Dauer des Krieges in Anſpruch genommen werden ſollten, daß aber nach Abſchließung des Friedens Alle wie⸗ der zu ihrem fruͤhern Beruf zuruͤckkehren ſoll⸗ ten? Ahnete man in dem Pariſer Frieden nur einen Waffenſtillſtand? Dem ſey nun, wie ihm wolle, kurz, der Befehl lag vor uns und unſre Erklaͤrung wurde binnen acht und vierzig Stunden gefordert.. — 149— Traurig gingen wir umher. Alle unſre Plaͤne waren Lufiſchloͤſſer geworden, alle Hoff⸗ nungen, zu den Wiſſenſchaften und den ſegnen⸗ ſgl den Beſchaͤftigungen eines thaͤtigen Lebens zu⸗ ruͤckzukehren, vernichtet; alle Wuͤnſche, die ein 1 baldiges haͤusliches Leben umfaßten, wozu ſchon 8* Mehrere, dadurch daß ſie ein Liebchen beſaßen, * Anſtalt gemacht hatten, waren vereitelt. Doch ich verlor den Muth nicht. Mich auf ein Koͤnigs Wort berufend, das heilig ſeyn muß, trat ich ruhig und beſtimmt vor meine Obern hin und lehnte das mir zuge⸗ wer dachte Gluͤck mit Feſtigkeit ab, indem ich 8 nichts als meinen Abſchied verlangte. Ich be⸗ er⸗ rief mich darauf, daß ich Freiwilliger ſey, was man zugeben mußte, und daß ich daher nicht jaler laͤnger dienen wolle, und daß ich mich un⸗ riegts mittelbar an Se. Majeſtaͤt wenden wuͤrde, daß 1 wenn man mir Gerechtigkeit verweigern werde. wie, Als man dieſe Feſtigkeit erblickte, erlangte ich ſol⸗ meine gerechte Forderang, waͤhrend alle meine djeden Freunde ſich ſchrecken, und ſich die harten Be⸗ , wie dingungen, die man ihnen machte, hatten ge⸗ 1b und fallen laſſen. Ich glaube daher daß in jenem ierzig Tagebefehl irgend eine Clauſel uns verſchwie⸗ gen worden iſt, etwa die:„ſo anders die Frei⸗ — 450— willigen damit zufrieden ſeyn ſollten“— denn unmoͤglich wuͤrde man mir ſo ohne alle Um⸗ ſtaͤnde meine Forderung zugeſtanden haben. Bald darauf wurde der Befehl in Ruͤck⸗ ſicht der Jaͤger dahin abgeaͤndert, daß dieſe die Erlaubniß bekamen, in ihre Heimath zu⸗ ruͤckzukehren, nachdem ebenfalls Mehrere von ihnen, aus Furcht, gleichſam Handgeld genom⸗ men und in den Regimentern einen ihnen an⸗ gemeſſnen Dienſt erhalten hatten. So war ich denn ploͤtzlich frei und ath⸗ mete leicht und froh. Mit Ungeduld erwar⸗ tete ich den Tag des Abmarſches. Jeder Au⸗ genblick wurde mir lang, jeder duͤnkte mich eine Zeitverſchwendung zu ſeyn. Ich hatte nir⸗ gends mehr Ruhe, mir machte nichts mehr Freude, ich war ein Fremder unter meinen Kameraden geworden und bedauerte nichts ſo ſehr, als keine Civilkleidung zu haben, um endlich den bunten Rock ablegen zu koͤnnen, der mir die Bruſt phyſiſch und geiſtig einengte. Endlich brach der erſehnte Tag an. Voll tiefer Ruͤhrung ſagte ich den Freunden Lebe⸗ wohl, an deren Seite ich ſo oft im Kugelre⸗ gen geſtanden, mit denen ich Freud' und Leid und den letzten Biſſen getheilt hatte. Weinend — 151— hing ich an ihrem Halſe, denn ich ahnete es, ſie nie wieder zu ſehen. Ich ſchaͤmte mich der Thraͤnen nicht, ich ſah ſie auch bei den Lieben, die jetzt zum Theil fern von mir mein Anden⸗ ken gewiß noch in ihrem Herzen tragen, die aber auch zum Theil nach der Zeit auf dem Bette der Ehre geſtorben ſind.— So iſt denn keine Freude auf Erden ganz rein und unge⸗ truͤbt! In die Sehnſucht nach einem zukuͤnf⸗ tigen Gluͤck, dem man auf Fluͤgeln entgegen⸗ eilt, draͤngt ſich der Seufzer des Abſchiedes, und eine Thraͤne der Wehmuth faͤllt in den Freudenbecher, den man allein trinken ſoll. Woron ich bei meinem Heimweh vorher gar nicht gedacht hatte, das fiel mir jetzt mit deſto groͤßrer Laſt aufs Herz, als ich die ſchoͤne Keite zerreißen mußte die mich mit meinen Gefaͤhrten verband. Sie war ſo innig um mich geſchlungen, daß mir das Herz blutete, als ich ſie abſtreifte; ſie ſchien mir jetzt eine Blumenkette zu ſeyn, die mich noch einige Tage vorher wund gedruͤckt hatte. Im Au⸗ genblick des Scheidens iſt der Menſch am ge⸗ rechteſten, denn da ſoricht ſein Herz und es offenbart ſich ſeine ganze Liebe, die fruͤher un⸗ ter dem Eiſe der Selbſtſucht, oder in dem tie⸗ fen Schacht ſchroffer Grundſaͤtze geſchlummert hatte. Meine Wehmuth wurde zuletzt Em⸗ pfindſamkeit. Alles, auch ſelbſt das Unbedeu⸗ tende, gewann Bedeutſamkeit, als es zum Letztenmal zu meinem Herzen ſprach. Selbſt das Lebloſe ſchien ſich feſt an mich zu klam⸗ mern, um mir den Abſchied zu erſchweren, wie viel mehr das meinem Gemuͤth Verwandte. Mit Gewalt riß ich mich endlich los, kuͤßte den Enkelinnen meines Wirths die dargebotne Wange,(denn ein Handkuß iſt hier und in Frankreich das Zeichen der groͤßten Vertrau⸗ lichkeit und wird nur dem Geliebten vergoͤnnt,) druͤckte noch einmal die Freunde an's Herz und ſchlich mit den verſammelten Jaͤgerkompagnien zum Thore hinaus. Gefuͤhrt wurden dieſe von einem Hauptmann, der beauftragt worden war, den frohen Haufen in die Heimath zu geleiten..A * unſer Marſch fuͤhrte uns uͤber Courtray, Oudenarde nach Bruͤſſel. In Ninove, einem Staͤdtchen, weſtlich von Bruͤſſel, hatten wir Ruherag. Schon glaubte ich hier recht zu langweilen, als mich mein Wirth, gegen den ich dies aͤußerte, in die dortige Kirche fuͤhrte, die wahrlich einen Platz in Bruͤſſel verdiente, waͤhrend ſie hier wie vergeſſen in einem Win⸗ kel liegt. Es iſt ein aͤcht gothiſches Gebaͤude, die gemalten Fenſter ſind meiſtentheils erhal⸗ ten worden, und ſo erhaben das Aeußre, ſo fromm und bedeutend ſieht das Innre derſel⸗ ben aus. Ich fand hier unter mehreren Ge⸗ maͤlden, ein Bas-relief in Holz, die Sal⸗ bung Chriſti in Bethanien vorſtellend, das meine ganze Aufmerkſamkeit erregte. Kaum laͤßt ſich durch Farben ſolches Leben, ſolche Wahrheit darſtellen, wie dies hier in Holz ge⸗ ſchehen war. Die Einfachheit des Stoffes ruͤhrte eben ſo tief, wie die gluͤckliche Beſie⸗ gung aller Schwierigkeiten in deſſen Behand⸗ lung in Erſtaunen ſetzte. Vorzuͤglich gelungen iſt der Faltenwurf und das Haar der Maria. Der Ausdruck in den verſchiednen Geſichtern, des heiligen Dulders, der unwilligen Juͤnger, vorzuͤglich des Judas und der demuͤthigen, hin⸗ gebenden Maria, iſt unbeſchreiblich. Ich mußte mich mit Gewalt losreißen. Bruͤſſel war mit Englaͤndern wie beſaͤet, und man klagte gewaltig uͤber ihre Unbeſchei⸗ denheit und ihren unertraͤglichen Hochmuth. Uns ſahen die Herren kaum an, denn nach ihrer Meinung hatte engliſches Gold und — 154— Stahl die Schlachten gewonnen. Doch wur⸗ den wir dafuͤr durch den Anblick einiger Regi⸗ menter Bergſchotten entſchaͤdigt, deren Klei⸗ dung wie bekannt, ſo hoͤchſt originell iſt, daß man ſich kaum des Lachens erwehren kann. Es waren meiſtentheils aͤußerſt kraͤftige Geſtalten, mit einer gutmuͤthigen, ehrlichen, wenn gleich nicht geiſtvollen Phyſiognomie, und ſie ſchienen es nicht zu ahnen, wie ſehr ihr Aeußeres die Augen Aller auf ſich zog. Das Wetter war zu ſchoͤn, als daß ich nicht nach dem ungefaͤhr eine Stunde davon liegenden Schloſſe Laaken(Laͤken) einen Spatziergang haͤtte machen ſollen Man kann dieſen Weg auch zu Waſſer machen, auf dem Kanal nehmlich, der von Bruͤſſel nach Ant⸗ werpen geht. Das Schloß ſelbſt zeichnet ſich weder durch aͤußere Schoͤnheit, noch durch in⸗ nern Reichthum aus, aher man genießt von ihm eine der herrlichſten Ausſichten uͤber Bruͤſ⸗ ſel und die ganze umliegende Gegend. Der dazu gehoͤrige Park war ziemlich verwildert und es that Noth, daß ein Koͤnig hinzog, um ihn wieder herzuſtellen. Von Bruͤſſel nach Loͤwen fuͤhrt eine ſchoͤne mit Ulmen bepflanzte Kunſtſtraße durch — 155— eine der reichſten Gegenden der Niederlande. Dieſe große, ehemals ſo bluͤhende Stadt iſt jetzt menſchenleer. Den Haͤuſern ſieht man den Reichthum, ſo wie den Kirchen und andern oͤffentlichen Gebaͤuden den Kunſtſinn der fruͤhern Zeiten an. Das groͤßte hieſige Denkmal go⸗ thiſcher Baukunſt iſt das Nathhaus, deſſen durchbrochene, mit zierlichem Laubwerk ver⸗ ſehene Thuͤrme, luftig und ſcheinbar zerbrech⸗ lich in die Hoͤhe ſteigen. Auch mehrere Kir⸗ chen zeichnen ſich durch dieſe Verzierungen aus, die ich zuerſt in Mecheln ſah. In der einen Kirche fand ich unter andern Merkwuͤrdigkei⸗ ten eine hoͤlzerne Kanzel, die aus einem Stamm gehauen ſeyn ſoll. Es waͤre dies al⸗ lerdings merkwuͤrdig, da ſie mit allen ihren Engeln, Blumen und Blaͤttern einen bedeu⸗ tenden Umfang mißt. So wie wir die Niederlande verließen und die Grafſchaft Luͤttich betraten, merkten wir den auffallenden Unterſchied des Bodens. Un⸗ abſehbare Steppen, eine wahre Luͤneburger Haide, oͤffneten ſich unſerm Blick, und die Gegend wurde nicht eher als an der Maas, wieder freundlich. Dieſer Fluß iſt zwar nur ſchmal aber tief, und laͤuft raſch und fluͤchtig 1 — 156— zwiſchen hohen gruͤnen Ufern dahin. Ihr Fluß. gebiet aber iſt oͤde und ſandig, bis zum Rhein hin, den wir oberhalb Weſel paſſirten. Mit allgemeinem Jubel begruͤßten wir den erſten vaterlaͤndiſchen Strom, und fuͤhlten uns nun erſt wieder ſo recht auf deutſchem Grund und Boden. Drum fieelen wir nieder und kuͤß⸗ ten ihn, durchdrungen von den verſchiedenar⸗ tigſten Gefuͤhlen, die aber doch ſaͤmmtlich aus einer heiligen Quelle, der Liebe, entſprangen. So muß dem Odyſſeus um's Herz geweſen ſeyn, als er nach langen Irrfahrten ſein Ithaka ſah. War es doch, als wenn ein Felſen uns vom Herzen fiele, als wir aus der Faͤhre an's dieſſeitige Ufer ſprangen, daß ſich uͤbrigens durch nichts an dieſer Stelle auzseich⸗ nete und erſt oberhalb Duͤſſeldorf romantiſch wird. So ſehr wir es auch vorher bedauerten, nicht uͤber Coͤlln gehen zu duͤrfen, um den wunderbaren Dom anzuſtaunen, und die Mei⸗ ſter, die ihn aufgefuͤhrt, und die Zeit, die ſolche Rieſenwerke beguͤnſtigte, und die reiche Welt, die in den gluͤcklichen Kindern derſelben lebte: wir dankten doch dem Ewigen aus vol⸗ lem Herzen, als wir wieder das deutſche Land mit ſeinen Tugenden und Maͤngeln um uns erbli gen fen Mu 3h dau ſüße ſcher beit erblickten. Nun ſahen wir uns aus Fremdlin⸗ gen ploͤtzlich in Kinder verwandelt, drum war⸗ fen wir uns frohlockend und weinend an die Mutterbruſt Ach! wie wuͤrde das Leben ge⸗ geheiligt werden, wenn dieſe Empfindungen dauernder waͤren! Aber ſie gleichen nur einem ſuͤßen, heißen Kuſſe, den der Himmel der Erde ſchenkt, weil die Alltagswelt und die Sinnlich⸗ keit ſie nur in fluͤchtige Sekunden preſſen, und das leichte Lebensſchifflein mit der Nothdurft und Nahrung des Leibes und mit den Artikeln des Luxus bepacken Unter ihren Laſten ſchleicht es traurig auf den Wellen hin und ſehnt ſich nach dem jenſeitigen Feenufer, nach ſeines Geiſtes wahrer Heimath hin. Ich bekam Erlaubniß, nach Weſel zu fahren, und war ſo recht verſtimmt, als ich es ſah; denn ich mußte vor der Richtſtaͤtte vorbei, wo mehrere von Schills Getreuen den Tod erlitten, den ſie in blutigem, vergeblichem Kampfe vergeblich geſucht. So begegnet er Einem uͤberall der raͤthſelhafte Geiſt, der mit Rieſenfaͤuſten in die Zeit eingriff; ſo ſtoͤßt man uͤberall auf den duͤſtern Hintergrund in dem großen Panorama derſelben, und es hilft nichts, daß ein bluͤhendes Gefilde vor einem liegt, ſo — 158— lange der Fuß noch auf die Lawa ſtoͤßt, die erſt verwittern ſoll. Weſel iſt jetzt, durch deutſchen Schweiß unter franzoͤſiſchen Geiſſeln, eine der ſtaͤrkſten Feſtungen Deutſchlands geworden, wenn gleich kein Bollwerk gegen Eroberer, dies muß deut⸗ ſche Kraft und Einigkeit ſeyn. Die Stadt ſelbſt iſt ſchlecht gebaut und hat das ſchlechteſte Steinpflaſter, was ich je betreten. Man ſchwebt in immerwaͤhrender Gefahr, dem Wund⸗ arzt oder dem Schuhmacher in die Haͤnde zu fallen, und veelliert alle Luſt, irgend eine Merkwuͤrdigkeit aufzuſuchen. Eben ſo wenig geſiel mir Muͤnſter, das wir bald darauf erreichten. Die Stadt iſt zwar groß und weitlaͤuftig, hat auch einzelne recht ſchoͤne Gebaͤude, doch krumme und unre⸗ gelmaͤßige Straßen, und im Ganzen ein we⸗ nig heitres und freundliches Anſehn. Am an⸗ genehmſten ſind die Umgebungen des ehemali⸗ gen biſchoͤflichen Schloſſes, das jetzt vom Praͤ⸗ ſidenten der dortigen Regierung bewohnt wird, und eines Biſchofes wuͤrdig war. Unter den Kirchen zeichnet ſich beſonders die Lamperti⸗ kirche aus, an deren Thurm noch die drei ei⸗ ſernen Koͤrbe haͤngen, worin die drei politiſchen Stwar ting ur Ltben ein neu Rathhe ul l an ihn thäͤtige 1648 ‧ und uͤb kongreſ Gl entſtand auch ke widtige daßelbſ Buͤrg willig. phaͤuſe und de Mehre aalaſſu nur ſo Kaffee abgeſe äͤber Schwaͤrmer Johann von Leyden, B. Krech⸗ ting und Knipperdolling, im Jahr 1533 ihr Leben endigen mußten, weil ſie in Muͤnſter ein neues Jeruſalem errichten wollten. Das Rathhaus mit ſeinem merkwuͤrdigen Friedens⸗ ſaal liegt ziemlich verſteckt. Die Zeit hat auch an ihn ihren Zahn geſetzt und nur die wohl⸗ thaͤtige Erinnerung an das merkwuͤrdige Jahr 1648 entſcheidet uͤber die dortigen Alterthuͤmer, und uͤber die Spuren des damaligen Friedens⸗ kongreſſes. Gleich nach meiner Ankunft in Muͤnſter entſtanden daſelbſt Unruhen, die, wenn ſie auch keine traurige Folgen hatten, doch eine widrige Erſcheinung waren und den Aufenthalt daſelbſt verleideten. Sie ſielen zwiſchen den Buͤrgern und Soldaten vor Moehrere frei⸗ willige reitende Jaͤgerdetachements und weſt⸗ phaͤliſche Landwehr lagen gerade in der Stadt, und die Gemuͤther erhitzten ſich dergeſtalt, daß Mehrere verwundet wurden. Was die Ver⸗ anlaſſung gegeben, weiß ich nicht beſtimmt, nur ſo viel, daß ein reicher Buͤrger auf einem Kaffeehauſe die Thaten der Verbuͤndeten her⸗ abgeſetzt und auf eine ungeziemende Art ſich uͤber ſie geaͤußert hatte. Er wurde von anwe⸗ — 160ñ— ſenden Freiwilligen hinausgeworfen und dieſe wieder von den Buͤrgern, die die Uebermacht hatten. Die Erbitterung gegen die Muͤ ſter⸗ ſchen Truppen, die wie die Bergiſchen, Kom⸗ pagnienweiſe ihre Fahnen verlaſſen hatten, kam dazu, und ſo wurde der Kampf allge⸗ mein, und nur durch die kraͤftigen Maaßre⸗ geln der Behoͤrden beigelegt.— Ueber die laͤngſt vergebnen Suͤnden der muͤnſterſchen und bergiſchen Landwehr, die dem General von Huͤnerbein zu einem hoͤchſt originellen und faſt zu derben Manifeſt reizten, decke ich gern ei⸗ nen Schleier und fuͤhre nur an, daß die Ab⸗ neigung gegen Preußen wohl aus dem verei⸗ telten Wunſch wieder biſchoͤflich zu werden, entſprang. Dieſe Vernichtung ihrer Hoffnun⸗ gen verleitete die Einwohner zu den ſon⸗ derbarſten Anſpruͤchen, als Entſchaͤdigung jener, und ließ ſie nur eine ſchwarze, troſtloſe Zu⸗ kunft entdecken. Hier in Muͤnſter trennte ich mich von den Jaͤgern, die durch die Luͤneburger Haide nach Hauſe gefuͤhrt werden ſollten, und ſchlug den Weg nach Caſſel ein, um Wilhelmshoͤhe zu beſuchen, und von dort uͤber Goͤttingen und Nordhauſen einige Streifereien durch den Harz zu mac ſehnt h Oh⸗ kllichte Qlüellel fen deln eine Re poſt na alles Uhr ve ich hin gewich zöofe, Zeit ko abgeſtee zerrich D der 7 kein hatten den R blicks, Iddiſch gan fuͤrſten König verei⸗ erden, dfinun⸗ n ſon⸗ jener, ſe Zu⸗ n den 2 nach ag den he zu n und Harz — 161— zu machen, wonach ich mich ſchon lange ge⸗ ſehnt hatte.— Ohne in Paderborn, dieſer alten win⸗ kelichten, unſaubern Stadt, in deren Straßen Quellen hervorſprudeln und große Duͤngerhau⸗ fen den Reiſenden anſtarren— länger als eine Nacht zu verweilen, eilte ich mit Extra⸗ poſt nach Caſſel, wo ebenfalls ſchon wieder alles Alte zuruͤckgekehrt und die abgelaufene Uhr von Neuem aufgezogen worden war. Wo ich hinblickte, ſah ich ſteife Gardiſten, deren gewichſte Schnurr⸗ und Knebelbaͤrte und dicke Zöpfe, ſonderbar mit der beweglichen regſamen Zeit kontraſtirten, die die alte Schlangenhaut abgeſtreift und den Roſt verwitterter Formen zerrieben hatte.. 1 Die Caſſeler ſcheinen nicht mit dem Lauf der Dinge zufrieden zu ſeyn, und das war kein Wunder, da ſie die Suͤnde liebgewonnen hatten, die ihre Kaſſen gefuͤllt und ihnen fuͤr den Raub des Heiligen, die Gunſt des Augen⸗ blicks, die Reize der Wolluſt und die Fuͤlle des Irdiſchen gegeben hatte. Man freute ſich zwar ganz erſtaunlich uͤber die Ruͤckkehr des Chur⸗ fuͤrſten und uͤber die Vertreibung des gelben Koͤnigs, wie man den Jerome hier nannte, 3 11 — 162— es kamen indeß ſo viele„Ab er“ hinterdrein gehenkt, es wurde uͤber den ploͤtzlich geſunknen Wohlſtand der Stadt ſo viel gejammert, es wurde das Schlechte ſo ſehr entſchuldigt und in Schutz genommen, der Kloake des franzoͤſi⸗ ſchen Hofes ſolche Wohlgerüche zugeſchrieben und des ſechſten Gebotes ſo wenig erwaͤhnt, daß ihre jetzige Freude wie ein Wechſelbalg aus⸗ ſah, ungeachtet der vielen Flittern, die man ihm umhing. Ich wurde alſo ſchon wieder an die Natur und Kunſt gewieſen, um meinen Glauben zu retten. Beide bieten hier freund⸗ liche Aſyle dem verſtimmten Gemuͤthe dar und feſſeln durch den Reichthum ihrer Reize. Vor⸗ zuͤglich gilt dies von Wilhelmshoͤhe. Doch wie freundlich und einladend ſeyd auch ihr, ihr lachenden Ufer der Fulda! Wie erweitert ſich die Bruſt, wenn von den Huͤgeln der Stadt das Auge in das bluͤhende Thal eaͤllt, welches das ſich kruͤmmende Fluͤßchen nur un⸗ gern verlaͤßt, um der Schweſter Werra, die eine ernſtere Jugend hat, bei Muͤnden die feuchte Hand zu reichen. Wie ſchnell vergißt man das engherzige, leidenſchaftliche und ſelbſt⸗ ſuͤchtige Thun und Treiben der Menſchen, wenn man durch dieſen Luſtgarten, die Aue genann Stadt den iſ Gi Wer h winden wo die ſamme verſchi ſich hi und lu betritt, ton ih ihm di man d Zeugh den K bildet, Echo l alte 2 brannt was ſt indeß ner A gemeſſ erdreig unknen —, 66 gt und tanzoͤſe rieben vaͤhnt, 3 aus, ie man èer an meinen freund⸗ Jfͤllt die Aue eae⸗ 1 — 163— genannt, wandelt, wo einem die hoͤher liegende Stadt ploͤtzlich wie aus den Augen verſchwun⸗ den iſt! Caſſel hat freilich auch Schattenſeiten. Wer moͤchte ſich wohl gern durch die Altſtadt winden, dieſen unregelmäaͤßigen Haͤuſerhaufen, wo die verſchiednen Gewerbe in engem Bei⸗ ſammenſeyn, und ſich einander draͤngend, die verſchiedenſten Geruͤche verbreiten. Man ſieht ſich hier ploͤtzlich in ein Kraͤhwinkel verſetzt, und wer von Heiligenſtadt her die Stadt betritt, bekommt einen ſchlechten Begriff von ihr. Um ſo uͤberraſchender aber tritt ihm die obere Neuſtadt entgegen. Hier findet man die ausgezeichnetſten Gebaͤude, z. B das Zeughaus und Muſaͤum, zwei herrliche Plätze, den Koͤnigsplatz, der ein vollkommnes Achteck bildet, und in deſſen Mitte ein ſiebenfaches Echo hoͤrbar iſt, und den Paradeplatz. Das alte Reſidenzſchloß iſt zwar 1812 niederge⸗ brannt und liegt noch(1814) in Truͤmmern, was freilich einen traurigen Anblick gewaͤhrt, indeß wird es ſich gewiß weit ſchoͤner aus ſei⸗ ner Aſche und ſeinen heitern Umgebungen an⸗ gemeſſener erheben. — 164— Das Muſͤum konnte fuͤr den Augenblick keine Befriedigung geben, denn die meiſten und beſten Sachen waren abweſend und noch in franzoͤſiſcher Gefangenſchaft; die zuruͤckgeblieve⸗ nen beſtanden in einem chaotiſchen Allerlei. Das Theater iſt nur mittelmaͤßig, doch unvergleich⸗ lich beſſer, als die franzoͤſiſchen und niederlaͤn⸗ diſchen, die unmoͤglich einem deutſchen Gemuͤ⸗ the anſprechen koͤnnen. Ungefäͤhr eine Stunde ſuͤdlich von der Stadt liegt Wilhelmshoͤhe, fruͤher der weiße Stein, in den Jahren der Knechtſchaft Na⸗ poleonshoͤhe, genannt. Eine doppelte ſchat⸗ tige Allee fuͤhrt den neugierigen Reiſenden hin. Ich wanderte mit einem Freunde in der Fri⸗ ſche des Morgens hinaus, und ohne einen an⸗ dern Fuͤhrer, als den Zufall, zu waͤhlen, ſtreiffen wir den Tag uͤber in dem weitlaͤufti⸗ gen Feengarten umher, den Kunſt und Natur wohl zu einem der ſchoͤnſten in der Welt erho⸗ ben haben. Berge und Thaͤler bilden ihn, ſämtlich mit hohen Buchen, Eichen, Tannen u. ſ. w. bedeckt, und von mehreren Quellen durchſtroͤmt, die dem Kuͤnſtlerſinn dienen, ſei⸗ ner Laune gehorchen muͤſſen, um hier zu ſtei⸗ gen, dort zu fallen, und ſo ein Bild des Le⸗ bens z0— tens i woͤhrle Jeromn iſt die füͤr ein Dukate Wir u ben be war, Fonta Fuß, Trug zur S wie 0. ſolbe auf doch davol taine. Decke miſche ander Dies rung Schl aͤhlen, läufti⸗ Natur erho⸗ ihn, annen nellen „ ſei⸗ u ſtei⸗ Le⸗ — 165— bens zu geben. An der einen Seite des Gar⸗ tens im Thale, liegt ein Luſtſchloß, die ge⸗ woͤhnliche Reſidenz der Churfuͤrſten, und auch Jerome's ehemaliger Lieblingsſitz. Nahe dabei iſt die praͤchtige Fontaine, die dem Fremden fuͤr einen Dukaten geoͤffnet wird. Uns, den Dukatenloſen, wurde daher dieſer Genuß nicht. Wir mußten uns mit einer Schilderung deſſel⸗ ben begnuͤgen laſſen, die freilich nur das werth war, was ſie uns koſtete. Der Strahl dieſer Fontaine erhebt ſich an einhundert und ſiebenzig Fuß, eine koloſſale Saͤule bildend, die wie die Trugbilder der Phantaſie zerrinnt und mehr zur Wehmuth als zur Freude ſtimmt, weil ſie, wie alles Erkuͤnſtelte, nur taͤuſchen kann. Daſ⸗ ſelbe gilt von dem wunderlichen Salon, der auf einem Huͤgel mitten im Walde ſteht, je⸗ doch mit einer entzuͤckenden Ausſicht auf das davor liegende Thal, das Schloß und die Fon⸗ taine. Seine Waͤnde, wie ſeine gewoͤlbte Decke beſtehen aus Fenſtern mit farbigen boͤh⸗ miſchen Glaͤſern, die in Winkeln auf ein⸗ ander ſtehen und Oblonga bilden, verſehen. Dies Gebaͤude ſtand unter der Zwiſchenregie⸗ rung des franzoͤſiſchen Satrapen nahe beim Schloſſe, jetzt aber wieder auf ſeinem alten — 166— Platze. Es wurde noch daran gearbeitet. Die Glaͤſer ſind dunkelblau, gruͤn, feuerfarbig und roſaroth. Der Anblick der Natur durch ſie, iſt wunderbar. Man iſt in einem Feentempel, und alle die in der Kindheit gehoͤrten und tief empfundenen Maͤhrchen treten in's Leben. Man glaubt Aladdins Zauberſchloß, das ihm der Geiſt der Wunderlampe in einer Nacht aufge⸗ fuͤhrt, vor ſich zu ſehen, und im Walde ſcheint Armide zu wohnen. Hier moͤchte man die Maͤhrchen der Scheherazide leſen, um ſich ganz aus dem alltaͤglichen Leben hinaus zu traͤymen. So aber laͤßt der Salon den Ein⸗ druck einer Oper zuruͤck. Der erſte Schritt wieder zur Wirklichkeit verſtimmt und bringt ein peinliches Gefuͤhl hervor, da man die Sei⸗ fenblaſe zerplatzt und das Luftſchloß verſchwin⸗ den ſieht. Die Kunſt muß der Natur nur zu Huͤlfe kommen, ſie aber nicht verdraͤngen, ſie idealiſiren, aber nur durch ein verwandtes, nicht der Erde fremdes Kleid, durch einen ir⸗ diſchen, nicht himmliſchen Schmuck. Nachdem wir darauf eine tief verſteckte Felſengrotte, Pluto's Grotte genannt, betrach⸗ tet, und die nahe dabei liegende ſogenannte gufels verbinde an funf wir d0 in hle in Erſte Jahr die Auf tuns, legt. die K Waſſet Grotte ſchenꝛaͤ wieriig dus v ſtuͤrdt hunde bis zu oder hier n Rieſe Nache ouf f Dies gethuͤ — 167— Teufelsbruͤcke beſtiegen hatten, die zwei Felſen verbindet, zwiſchen welche ſich ein Quell wohl an funfzig Fuß hinabſtuͤrzen muß, wanderten wir zu den merkwuͤrdigen Kaskaden, einer in ihrer Art einzigen Anlage, die den Geiſt in Erſtaunen ſetzt. Sie iſt ungefaͤhr hundert Jahr alt. Der erſte Gegenſtand, der hier die Aufmerkſamkeit feſſelt, iſt die Grotte Nep⸗ tuns, vor der ein rundes und tiefes Baſſin liegt. Ueber jene hinweg, ſtuͤrzt ſich, wenn die Kaskaden in Thaͤtigkeit geſetzt werden, das Waſſer in das Becken hinab. Ueber der Grotte faͤngt die Kaskade ſelbſt an. In Zwi⸗ ſchenraͤumen von ungefaͤhr einhundert und vierzig Fuß, ſammelt ſie ſich in tiefen Baſſins, aus welchen das Waſſer ſtufenfoͤrmig herab⸗ ſtuͤrzt. Sehr bequeme Treppen fuͤhren in neun⸗ hundert Stufen auf beiden Seiten derſelben, bis zum Octogon hinauf, ſo von ſeiner Form, oder auch das Rieſenſchloß genannt, weil hier mehrere ſteinerne Rieſen liegen, z. B. der Nieſe Enceladus, der aus dem weit geoͤffneten Rachen einen ihm angemeſſenen Waſſerſtrahl auf funfzig Schritt in die Hoͤhe ſchleudert. Dies Gebaͤude beſteht aus drei uͤber einander gethuͤrmten Gewoͤlben, und vor ihm liegt das 2 Te. „—— „. 1— 168— *— rßte dieſer verſchiednen Baſſins, das uͤber hundert Fuß im Durchmeſſer und eine anſehn⸗ liche Tiefe hat. Vier Haupteingaͤnge fuͤhren zum Erdgeſchoß des Octogon, mehrere außer⸗ haib angebrachte Treppen zum erſten Umgang und aͤhnliche zum zweiten Geſchoß hinauf, wo mehrere Zimmer angelegt ſind. Das dritte Stockwerk wird durch zweihundert maͤchtige Saulen geſtuͤtzt. Man kann ſich hieraus ſchon einen Begriff von der Groͤße des ganzen Ge⸗ baͤudes machen. Zuletzt gelangt man zu einer Plateform, die ſich uͤber das ganze Gebaͤude erſtreckt. Sie traͤgt eine ſehr hohe Pyramide, mit Wendeltreppen verſehen, die den muͤden Bewunderer endlich zu dem rieſigen Herku⸗ les, dem Sinnbild rieſenhafter, nach ihm herkuliſcher Arbeiten genannt, hinauffuͤh⸗ ren. Er lehnt ſich auf eine Keule, in der wohl zehn Perſonen Platz haben, und von der man durch eine angebrachte Oeffnung, bei heitrem Wetter den Vater Brocken, der wohl an zwoͤlf Meilen davon entfernt iſt, ſehr deutlich ſehen kann. Doch iſt die Hoͤhe des Karlsberges, auf dem das Rieſenſchloß ſteht, im Sommer gewoͤhnlich in Nebel gehuͤllt, oder die Ausſicht doch ſehr beſchraͤnkt. Auch wir hottn d odel nich Muͤd vnd ang ken dieſe ung 2 kaden, ſo mit 1 ſchene i und E ſchmelze Von ls, der iſt, nu Raſent wen. ganzen Fuß S den iſ burg mit ih ſchließe hait ſo, wölbe — 169— hatten das Schickſal, aus der Keule wenig oder nichts zu ſehen. Muͤde von dem ewigen Steigen, erſchoͤpft und angegriffen von den verwirrenden Eindruͤk⸗ ken dieſer Stunden, bedurften wir der Erho⸗ lung. Wir legten uns im Angeſichte der Kas⸗ kaden, in das einladende Moos nieder, um ſo mit mehr Ruhe und Sammlung das Ge⸗ ſehene in uns eine Geſtalt gewinnen zu laſſen, und Einzelnes mit dem Ganzen zu ver⸗ ſchmelzen. Von unten betrachtet, erreicht der Herku⸗ les, der mit ſeinem Piedeſtal vierzig Fuß hoch iſt, nur die menſchliche Groͤße, und auch die Rieſenkeule ſchrumpft zur gewoͤhnlichen zuſam⸗ men. Man kann daraus auf die Hoͤhe des ganzen Bau's ſchließen, die wohl vierhundert Fuß betraͤgt. So gewaltig der Eindruck dieſer Kaska⸗ den iſt, ſo lieblich der, den die Loͤwen⸗ burg auf das Gemuth macht. Man muß mit ihr ſeine Wanderung durch den Park be⸗ ſchließen, weil hier die Taͤuſchung zur Wahr⸗ heit wird. Ergreift ſie auch das Herz nicht ſo, als jene Waſſerfaͤlle, Grotten und Ge⸗ woͤlbe, als die große Waſſerleitung, die in 1 1 4 — 170— altroͤmiſchem Styl aufgefuͤhrt iſt, als der Stein⸗ hoͤferſche Waſſerfall, ſo nimmt ſie es doch ganz ein und laͤßt eine klare Empfindung zuruͤck, mit der man, wenn auch nicht freudig, doch ſich ſeiner bewußt und gefaßt in die Wirklic keit zuruͤckkehrt, die einſt auch Vergangenheit ſeyn wird. Unangenehm aber iſt es freilich fuͤr den, der ohne die kurze Dauer dieſer Burg zu ahnen, in ihr an keine Taͤuſchung denkt, und erſt, nach dem er Alles geſehen, daran erinnert wird. Ein ſolcher wird freilich aufge⸗ regt werden, durch alle die Gaukelſpiele, die mit dem armen Herzen getrieben werden. So ging es leider uns. So möchte es aber wohl nur den Wenigen gehen, die uͤber Wilhelms⸗ hoͤhe fruͤher nie etwas geleſen, ſondern nur im Allgemeinen davon gehoͤrt haben So geht es; dem Knaben, der den Robinſon verſchlingt, der mit ihm reiſt, mit ihm leidet und jabelt, und darnach erfaͤhrt, Herr Campe habe ihn hervorgebracht, und es habe nie einen Robin⸗ ſon gegeben. Ich Flinnere mich noch ſehr wohl der Empfindung, die dies Erfahren in mir hervorbrachte. Ich weinte mich ſatt und las ihn als Knabe nie weder. Wer aber bei der 1. Leetuͤre eines Roman's es weiß, er habe eine— 1 p 3 2 „ Dichtung Wahrheit leider ſo. das Puc deutliche Gemüthe bei Betta faßt Alle Ponztit Ritter ſ. ſie ftaud gruͤßen vogt, de tend, di in ſeinen halbverſ Burg, mahnen ſchweige Graſe men be wandle dieſer W Raubod R eiſt in Skein, Janz 171 Dichtung vor ſich, der wird nur ihre innere Wahrheit aufſuchen, und wenn er ſie, was leider ſo ſelten der Fall iſt, wirklich gefunden, das Buch verſoͤhnt zumachen, weil es eine deutliche Empfindung zuruͤckgelaſſen, die dem Gemuͤthe Frieden giebt. Daſſelbe iſt der Sh bei Betrachtung der Loͤwenburg. Sie um⸗ faßt Alles, was man von den Burgen der Vorzeit erwartet. Nichts vermißt man als die Ritter ſelbſt, die aus den Graͤbern auferweckt, ſie freudig als das Eigenthum ihrer Zeit be⸗ gruͤßen wuͤrden. Man meldet ſich beim Burg⸗ vogt, der in altdeutſcher Kleidung einherſchrei⸗ tend, die Zudbruͤcke fallen laͤßt und das Thor in ſeinen knarrenden Angeln dreht. Bemooste, halbverfallne Gemaͤuer liegen zur Seite der Burg, an die Vergaͤnglichkeit des Irdiſchen mahnend So tritt man ernſt geſtimmt und ſchweigend in den Burghof, der mit hohem Graſe bewachſen, von alten, ehrwuͤrdigen Ul⸗ men beſchattet wird. Man merkt es, hier wandle nur ſelten der menſchliche Fuß, hier in dieſer Wildniß und Einſamkeit, wo nur die Raubvoͤgel niſten. Man wird vom Burgvogt gewoͤhnlich zu⸗ erſt in den Ritterſaal und in die Kapelle ge⸗ — 172— fuͤhrt. Erſterer iſt voll von allen moͤglichen Waffenarten der Vorzeit. Harniſche, Helme, Schwerdter, Streitaͤpte, Morgenſterne, Lanzen u. ſ. w., ſtehen harmoniſch geordnet neben den alteſten Flinten, die noch einer Lunte bedurf⸗ ten, oder Raͤder ſtatt des Schloſſes hatten. Alle Waffen ſind gut im Stande und nicht nachgemacht, ſondern wirklich aus den fruͤheren Jahrhunderten erhalten. In der Mitte des Gemachs haͤlt ein voͤllig geharniſchter Rirter zu Pferde, mit dem Speer bewaffnet, als wolle er zum Turnier ziehen. Auch findet man hier die vollſtaͤndigen Ruͤſtungen des öſterreichi⸗ ſchen Generals von Pappenheim und des ſchwe⸗ diſchen Generals von Horn. Die Kapelle iſt klein und duͤſter, ganz dem Geſchmack fruͤherer Zeiten gemaͤß, die Fenſter beſtehen aus gemalten Scheiben, die aus ver⸗ ſchiednen Kirchen und Kloͤſtern genommen, hier muͤhſam und kuͤnſtlich zuſammengeſtellt ſind, um ein harmoniſches Ganze zu geben. In der Mitte der Kapelle ſteht das Grabmal eines heſſiſchen Fuͤrſten. Von dort geht es in die Wohnzimmer, de⸗ ren eine große Anzahl iſt. Sie ſind nicht allein in altem Geſchmack meublirt und deko⸗ nirt, ſo ruthſcot ſehen⸗ b Becher! ſin mih in. D Munge fürſien, un ſiad d im höngen hauyt ſt heimlch erwartet das aun durch ſcheint die di brauch mand, ſeufen tur, Augen N in die ausei — 173— virt, ſondern faſt durchgehends mit den Ge⸗ roͤthſchaften fruͤherer Jahrhunderte ſelbſt ver⸗ ſehen. Stuͤhle, Tiſche, Schraͤnke, Humpen, em deen Becher und Glaͤſer, Beitſtellen u. ſ. w., alle betuff ſind mehrere Jahrhunderte alt und gut erhal⸗ atten. ten. Die Portraits, deren man in großer nicht Menge findet, umfaſſen die Familie des Chur⸗ uͤderen fuͤrſten, mit allen ihren Seitenlinien, die Bet⸗ ſe des ten ſind von ungeheurem Umfang, gewiß ſechs Rinter Fuß im Quadrat, mit ſeidnen, ſchweren Vor⸗ als haͤngen verſehen und recht einladend. Ueber⸗ t man haupt iſt es in manchen Zimmern ſo traulich und reichi⸗ heimlich, daß man nur ungern weiter geht. Man ſchwe, erwartet im Geiſte die thaͤtige Hausfrau, oder das anmuthige, ſittſame Fraͤulein, an das man nz dem durch eine Harfe, die ſo eben verlaſſen zu ſeyn Fenſter ſcheint, erinnert wird, oder die ſtattlichen Ritter, is ver⸗ die die Humpen leeren ſollen, die ſo eben ge⸗ „hier braucht zu ſeyn ſcheinen. Aber es kommt Nie⸗ ſind, mand, alles iſt ſtill und todt und man wirft en der ſeufzend einen Blick hin in die umliegende Na⸗ eines tur, die wild und chaotiſch dem Wandrer vor Augen liegt. r, de⸗ Nur einen ſtoͤrenden Gegenſtand hab' ich nicht in dieſen Zimmern bemerkt, und das iſt eine deko⸗ auserleſene Bibliothek, aus lauter Ritterro⸗ — 174— manen beſtehend und ſehr geſchmackvoll einge⸗ bunden. Hier florirt Spieß und Conſorten, end man erſtaunt uͤber den Reichthum dieſes Zweiges unſrer Literatur, denn der auslaͤndi⸗ ſchen ſind nur wenige da. Die neuere Zeit empfiehlt ſich hier unter Glas geſetzt, der al⸗ ten ſehr ſchlecht, weil ſie nur Karikaturen auf dieſe enthaͤlt. Ein einziges Zimmer iſt in neuerm Geſchmack fuͤr den Churfuͤrſten einge⸗ richtet. Er haͤlt ſich hier nehmlich des Jahres einigemal ein paar Tage auf, ſich ſelbſt lebend. Nichts vermißt man, wie geſagt, in der Loͤwenburg, nicht einmal ein Burgverlies und Turnierſchranken außerhalb der Burg, und ſo traͤumt man ſich mit leichter Muͤhe in jene herrliche, fromme, kraͤftige, reich begabte, lei⸗ der verſchwundne Welt hinein, die jetzt von ſo Manchem bis in den Himmel erhoben, von Manchem gemißhandelt, von Vielen mit Ge⸗ walt in die Gegenwart hergezerrt und nur von Wenigen verſtanden wird, weil ſie ſo viel Tau⸗ ſende nur aus ſchoͤnen Dichtungen kennen. Man ſieht, um mit Mathiſſon zu reden, die Star⸗ ken beim Mahle ſitzen, die ſittſame Jungfrau am Stickrahmen, man hoͤrt Ruͤdengebell, Schwerdterklang, das Horn des Waͤchters,— in Min ſclagend Helden 1 wird ja⸗ licht— dem man uuf die? er wohle unſer I baven l gemacht beſſer, aus dem Handwer ſch doch ſcher j hemmt nen bla bedankt und ſche läßt ma der in's denn doe einen 6 kom mnen gen Au — 175— einge, ein Minneſänger naht, die goldnen Saiten ſorten, ſchlagend, und auf ſeine Lieder horchen die dieſes Helden wie die Frauen, denn durch Geſang gländi⸗ wird ja die Heldenthat wie die Liebe verherr⸗ e Zeit licht—— da klopft einem der Burgvogt, er al⸗ dem man ſchon zu lange ſinnend dageſtanden, n auf auf die Achſel, und eine Priſe nehmend, ſpricht 5 ſt in er wohlgefäͤllig und heiter:„dies Alles hat einge unſer gnaͤdige Herr vor zwanzig Jahren er⸗ dahtes bauen laſſen. Ja, ja, es hat Koſten genug ebend. gemacht, und welche Umſtaͤnde! Indeß immer in der beſſer, als wenn die Herrſchaften das Geld s und aus dem Lande bringen! So hat doch der 1d ſo Handwerksmann Gewinn davon und es macht jene ſich doch auch Alles gar zu huͤbſch— das ver⸗ „leis ſichern ja die fremden Herren alle.“— Man n ſo hemmt ſchnell den Fluß ſeiner Worte durch ei⸗ von nen blanken Gulden, wofuͤr er ſich gar ſehr Ge, boedankt und gluͤckliche Reiſe wuͤnſcht. Stumm von und ſchweigend, wie man angekommen, ver⸗ Kau⸗ laͤßt man die Burg und ſchreitet alsbald wie⸗ Nan der in's neunzehnte Jahrhundert hinein, das dtar⸗ denn doch auch ſeine Herrlichkeiten hat, z. B. frau einen Freiheitskrieg, aus dem ich ſo eben ge⸗ tl, kommen war. Man uͤberredet ſich, vor eini⸗ gen Augenblicken empfindſam geweſen zu ſeyn, raͤum 85 e dne Verſtande wieder ſeine Garniſon dn. eieeſ Gedanken und ſetzt ſich auf 3 S9 Hu en Friedensetat, bei dem man 9 zier verzweifeln moͤchte, wenn lich waͤre. 4 Die Nothwendigkeit zerrte mich na 1 3 ch di Sete euh⸗ in das Gebiet des Schoͤnen 8 fuͤhrte mich nnſs Endſuhe uusie ai⸗ 95 n oc Göttin gen⸗ wo ich einen bod e. Ich draͤngte in dieſe vier und 5 9 Stunden mancherlei Sehenswerthes un dbeitachet es mit andern Augen, als d 5 röſt zuvor, wo ich einer Leiche aͤhnlich 2 dieſe Stadt ſchlich, ohne es zu ahne drs ſie di einmal wieder ſehen wuͤrde 3 diß ic e i Bei. Pun er damalige Geiſt auf der Univerſitaͤt chien mir nicht der beſte zu ſeyn. Si r fuͤr jene Zeit, die Zeit großer Noth e uhe reich und hat wohl wenig Freiwillige auu Eine gewiſſe Kaͤlte und Gleichguͤltigkeit gegen die Forderungen und Erſchei Erſcheinungen d Wi 5 er Ze 84 e d her: den⸗ ſich zu deutlich nit nan nicht auf En zigkei— ais daß gherzigke Selbſtſucht haͤtte ſchließen ſollen 3 tidhdn Fruͤchte der Klughei eneehad deehnade, ugheit. Zwar bedauerten ſo recht ſehr, am Kriege nicht Theil ge⸗ beendigt Stelle — genblic ihre Ent bleiben herzeholt der Man greifen Manche und ſcht daher nie wo ich Befteiun ſchweten barhauy die Me ftiſches lande, in die hinein, ich glauk well ich genroth ner Bel auf dem arniſon ſic auf in man venn 66 dieſem en wie⸗ Sie h einen ier und werthes als den , durch daß ich derſatht, die war zu zahl geliefert. gegen er Zeit ch aus, hit und ſaubern erten ſo iheil ge⸗ — 177— nommen zu haben, zumal da er ſo glorreich beendigt worden war und ſie ſich an meine Stelle verſetzten, die wahrlich in dem Au⸗ genblick zu den beneidenswerthen gehoͤrte, aber ihre Entſchuldigungen, mit der ſie ihr Zuruͤck⸗ bleiben zu rechtfertigen ſuchten, waren ſo weit hergeholt, ſo uͤbertrieben und inhaltsleer, daß der Mangel an gutem Willen mit Haͤnden zu greifen war. Freilich galten Ausnahmen und Manche von ihnen mochten allerdings hecktiſch und ſchwindſuͤchtig ſeyn. Goͤttingen gefiel mir daher nicht ſo gut, als den vorigen Herbſt, wo ich Neugierde fuͤr Begeiſterung und die Befreiung von unangenehmen Gaͤſten und ſchweren Laſten, fuͤr Vaterlandsliebe hielt. Ue⸗ berhaupt konnte ich mich nirgends ſo recht in die Menſchen finden. Ich ſelbſt brachte ein friſches Leben mit nach dem erloͤſten Vater⸗ lande, ich traͤumte mich ſchon in der Fremde in die Mitte meiner frohlockenden Mitbuͤrger hinein, und weidete mich an ihrem Entzuͤcken; ich glaubte Deutſchland nicht wieder zu kennen, weil ich in meiner Einfalt meinte, das Mor⸗ genroth der neuern Zeit werde die Herzen ſei⸗ ner Bewohner verklaͤrt haben. Ich ſuchte mich auf dem hoͤhern Standpunkt zu erhalten, auf 12 ————————— — 178— den der Feldzug mich erhoben hatte, um nur den Meinigen nicht nachzuſtehen, dieſe Schaam war aber falſch geweſen. Ich glaubte, man wuͤrde die Quellen der vergoſſenen Thraͤnen auf⸗ geſucht, den Grund des fruͤheren Elendes er⸗ forſcht und das Unaluͤck wuͤrde die Gepruͤften weiſer gemacht haben,— allein ich fand— ol waͤre ich doch der Einzige geweſen, der es ſo fand— den alten Sauerteig wieder, den wir ausgefegt zu haben glaubten. Das alte Schlechte machte ſich wieder ſo breit, wie zu⸗ vor, und das wieder aufgezogne Uhrwerk zeigte genau die Sekunde an, bei der es fruͤher ab⸗ gelaufen war. Die Buͤrgermeiſter, die fruͤher gekrochen hatten, gingen wieder auf Stelzen, und haͤtten den armen Krieger gern bivouaki⸗ ren laſſen, um ihn nicht zu verwoͤhnen. Den Wirthen war man nur ſo lange angenehm ſo lange man ihre Neugier befriedigen konnte. Juſt ſo viel Tagediebe und Pflaſtertreter fand ich in den Kaffeehaͤuſern, als zuvor, erbaͤrm⸗ liche Hermaphroditen, die in dem Krieg ein Raketenwerk ſahen und nun, nachdem es ge⸗ endigt war, daruͤber ihre Gloſſen machten, um ihren faden Witz und Scharfſinn zu zeigen. Ich fand auf meinem Marſche, Weſtphaͤlinger, Hiſſen keine De land wi anders darin, ges Cebe pers blu bunden, wieder mußte. ihr Ver liche: Verttaut kommen Salbſiſ So ſüt nigen ziehn, Vo ſen, treten. nen, goldnen fuͤr wie Dichtu geweſen im vur Schaam „ man nen auf⸗ ndes er, iprͤſten und— der 8s ar, den das alte wie zu⸗ t zeigte ſher ab⸗ fruͤher Sielzen, Rvouati⸗ . Den ihm, ſo konnte. ter fand erbaͤrm⸗ rieg ein es ge⸗ machten, u zeigen. hälinger, — 179— Heſſen, Hanoveraner, Preußen u. ſ. w., aber keine Deutſche— kurz, ich fand das alte Deutſch⸗ land wieder. Zwar ſah es in mancher Bruſt anders aus, es ſchlug wohl ein deutſches Herz darin, zwar regte ſich in Manchem ein kraͤfti⸗ ges Leben, aber die Wunden des ganzen Koͤr⸗ pers bluteten noch, und ſie wurden ſchlecht ver⸗ bunden, weil man die interimiſtiſchen Koͤpfe wieder frei ſah und ſie mit Lorbern ſchmuͤcken mußte. Darum hatten die einzelnen Glieder ihr Vertrauen verloren, weil ihm der eigent⸗ liche Kopf fehlte, und der Mangel dieſes Vertrauens ließ die alte Zwietracht wieder auf⸗ kommen, und jene das Leben ausmergelnde Selbſtſucht, die unſre Ketten geſchmiedet hatte. So fuͤhlte ich mich denn fremd unter den Mei⸗ nigen und mußte mich in mich ſelbſt zuruͤck⸗ ziehn, um hier vielleicht Troſt zu finden. Von Goͤttingen eilte ich nach Nordhau⸗ ſen, um von dieſer Seite den Harz zu be⸗ treten. Ich haͤtte es freilich naͤher haben koͤn⸗ nen, aber mich zog kindliche Liebe nach der goldnen Aue, die mit ihren Umgebungen einſt fuͤr mich eine Welt voll ſchoͤner Maͤhrchen und Dichtungen, Eldorado meiner kindlichen Traͤume geweſen war und zauberiſch ſchoͤn am Eingang — 180— meines Lebens geſtanden hatte. Hier war mein Vater geboren, in einem Doͤrſchen, das ſich⸗ roma tiſch an einem Huͤgel hinzieht und eine heure Ausſicht in das benachbarte Zorgethal gewaͤhrt. Hier hatte er als Knabe geſpielt, hier die Sagen gehoͤrt, die ich, von ſeinem Knie geſchaukelt, wieder aus ſeinem Munde vernahm, wenn ein leiſes Heimweh ihn aus Sandſteppen nach der goldnen Aue wies, wo eine reichere Vergangenheit wie ein freundlicher Genius uͤber der Gegenwart ſchwebt. Hier haite er ſich zu den Muͤhſeligkeiten vorbereitet, die er nachher kraͤftig ertrug und in Lehrer der Weisheit verwandelte; hier hatte er die Ruhe und Feſtigkeit erhalten, die ihn durch ſein gan⸗ zes Leben ſchuͤtzend begleitete, weil er ſie vom Himmel erbeten, der da haͤlt, was er ver⸗ ſpricht. Mit welcher Nuͤhrung betrat ich da⸗ her dieſe Gegend, die mir den Vater gegeben, dem ich naͤchſt Goit meine Zufriedenheit, alſo Alles verdankte. Mit welcher heiligen Ehr⸗ furcht betrat ich das duͤſtre Zimmer, wo vor achtzig Jahren ſeine Wiege geſtanden wo er an der Mutterbruſt gelegen. Ach! alles hatte hier fuͤr mich Bedeutung. Ich pfluͤckte Roſen, die in dem von meinen Großaͤltern angelegten Garten ner zu auf und Greſſe, ließ, E bern me den Gef der die Iwar ö weſen, habt, gelhan, waren 1 denn iſ aͤber w R ßer I raſcht, kund genheit Unvern ſie mei chen N Galege Licht z Gaſtfe elegten — 481— Garten bluͤhten. Sie ſchienen mir viel ſchöͤ⸗ ner zu ſeyn, als andre, und ich bewahrte ſie auf und gab ſie nach meiner Heimkehr dem Greiſe, der eine ſtille Thraͤne darauf fallen ließ. Schweigend ging ich zwiſchen den Graͤ⸗ bern meiner Vorfahren hin, gewiß mit eben den Gefuͤhlen, die ein Graf nur haben kann, der die Grabgewoͤlbe ſeiner Ahnen beſucht. Zwar waren ſie nur geringe Bauersleute ge⸗ weſen, aber ſie hatten ihren Adel in ſich ge⸗ habt, denn iſie hatten rechiſchaffen das Ihrige gethan, in einfacher Sitte dahin gelebt und waren in Gott geſtorben. Darum ruhen ſie denn in Gott, und ſind dort gewiß von ihm uͤber viel geſetzt worden. Meine Verwandten, deren ich hier in gro⸗ ßer Menge fand, wurden nicht wenig uͤber⸗ raſcht, als ich mich ihnen als ihren Vetter kund gab, und nicht wenig dadurch in Verle⸗ genheit geſetzt, da ſie bei ihrer Duͤrftigkeit ihr Unvermoͤgen fuͤhlten, mich nach Gebuͤhr, wie ſie meinten, aufzunehmen. Es iſt dem einfa⸗ chen Naturmenſchen eigenthuͤmlich, bei ſolchen Gelegenheiten, ſich ſogleich in ein guͤnſtiges Licht zu ſtellen, und wodurch anders als durch Gaſtfrenndſchaft. Ich mußte herzlich uͤber die 14 vielen und ſonderbaren Anſtalten lachen, die meine Verwandten trafen, mich fuͤr den ge⸗ machten Umweg durch dankbare Liebe zu ent⸗ ſchaͤdigen, und es gelang ihnen. Nur ungern trennte ich mich nach einigen Tagen von ihnen, nachdem ich ſie durch gruͤndliche Nachrichten von dem Leben, dem Thun und Treiben, ihres ſchon laͤngſt im Grahe geglaubten Oheims und Großoheims(meines Vaters) voͤllig befrie⸗ digt hatte. Nordhauſen, wo ich auch einige Zeit ver⸗ weilte, iſt nicht mehr die bluͤhende freie Reichs⸗ ſtadt, die es ehemals war, wenn gleich noch immer ein recht nahrhafter Ort, durch ſeine beruͤhmten Branntweinbrennereien. Die Stadt hat eine reizende Lage, am Fuß des Harzes und am Eingange der goldnen Aue, die ſich von hier bis zum Kyffhaͤuſer in die Breite und an fuͤnf bis ſechs Meilen in die Laͤnge er⸗ ſtreckt, ein Thal, das mit Recht den Namen der goldenen verdient, da ſie ein uͤppiger Reichthum auszeichnet und ein biedrer kraͤftiger Menſchenſchlag. Von dem dicht bei der Stadt liegenden Gevers oder Giersberg,(gewoͤhnlich Kirſchberg ausgeſprochen), hat man die herr⸗ lichſte Ausſicht in die Aue, die ſuͤdlich vom den en wie ein andre. manchee aber de feierli zuf ke „ die en ge⸗ bu ent⸗ ungern ihnen, prichten ihres d und beſtie ſit ber⸗ Reicht, h noch ſeine Stadt Harzes die ſich Breite ge er⸗ amen piger üftiger tadt hnlich herr⸗ vom — 183— Kyffhaͤuſer, den Ruinen eines alten Schloſſes, wo Kaiſer Friedrich der Rothbart bis zum Auferſtehungstage der deutſchen Freiheit, ſchla⸗ fen ſoll, begraͤnzt wird. Nordhauſen hat, wie alle alte Reichsſtaͤdte, ein ehrwuͤrdiges Anſehn, obgleich die Straßen eng und winkelicht ſind, und Berg auf und ab gehen. Man vergißt das über ſeiner reichen Vergangenheit, deren Spuren der Betrachtende uͤberall findet und von deren Eindruͤcken er ſich gein leiten laͤßt. Ich erlebte hier einen herrlichen, herzerhe⸗ benden Feſttag Die Freiwilligen der Stadt kehrten gerade zuruͤck aus dem heiligen Kriege. Sie wurden mit Jubel, mit freudiger Ruͤh⸗ rung von der Stadt begruͤßt und im Triumph eingefuͤhrt, waͤhrend eine Menge junger Maͤd⸗ chen ihren Weg mit Blumen beſtreuten, und zart und ſinnig ſo auf ihren Beruf hindeute⸗ ten. In die offnen Arme ſtuͤrzten die Soͤhne den entzuͤckten Aeltern und die Freude eilte wie ein geliebtes Kind aus einer Bruſt in die andre. Da blieb kein Auge trocken; freilich manches wurde auch vom Schmerz genaͤßt, aber dadurch wurden eben dieſe Stunden ſo feierlich, ja heilig, weil ſich ihre Auszeichnung auf keinem Scherz gruͤndete, ſondern auf dem — 184— tiefen Ernſt des Lebens, deſſen Gegenwart die Seele uͤber das Gemeine und Eitle erhebt. Mich ergriff dieſe Feierlichkeit inſonderheit. Ich kam mir in dem Augenblicke verwaiſt vor. Um mich bekuͤmmerte ſich Niemand, ich ſtand als Fremdling unter den Gluͤcklichen da, die ihr Alles wieder gefunden hatten. Die hoͤchſte Freude wie der tiefſte Schmerz haben in der That etwas Feindſeliges an ſich. Es iſt eine Gaͤhrung, die alles Fremde ausſtoͤßt. So an⸗ genehme Stunden ich auch in dem Hauſe des S** RX genoſſen hatte, ich war, als der Sohn gekommen, ein Statiſt und fuͤhlte mich ausgeſtoßen, obgleich ich mit Artigkeit nach wie vor behandelt wurde. Auch du kannſt ja— ſprach ich zu mir ſelbſt, ſolche Seligkeit genießen. Wer hindert dich daran, dem Au⸗ genblick entgegen zu eilen, der dich ſegnend in die Arme der Deinigen legt und dich mit ſei⸗ nem gruͤnenden Kranze umſchlingt? Was willſt du daher länger weilen? Ich beſuchte noch einmal den Kirchhof in S**, wo meine Groß⸗ aͤltern ruhten, und eilte dann ohne Verzug dem Harze zu, der wie eine dunkle Gewitterwolke vor mir lag. Meine Verſtimmtheit hoͤrte auf, als ich die Maſſen von Bergen und Felſen 2ℳ ſah/ die fern, in Auge ſte wßt no tut zwie itm B. das war Noth h dieſer C ſchö eij gen, am Ein großen Altären dig vnd ahet. Do Reiſen genann durch d len, tteibt Mällen „ wiſſſen Anblich wohnc ſart die erheht, d Jt r. Um ud als die ihr hochſte in der ſt eine So an⸗ uſe des als dep e mich nach kannſt ſeligkeit m Au⸗ end in niit ſei⸗ wilſt noch hroß⸗ g dem rewolke ſe auf, Felſen — 185— ſah, die ſich jetzt ſchon, als wollten ſie wettei⸗ fern, in herrlichen Gruppen vor mein trunknes Auge ſtellten. Was mir die Menſchen unbe⸗ wußt nahmen, das gab mir ſo ſtets die Na⸗ tur zwiefach wieder. Ich durfte mich ja an ihren Buſen, an die Mutterbruſt legen, und das war's ja eben, was mir fehlte, was mir Noth that.— Ich ſtellte Vergleiche zwiſchen dieſer Gegend und der Picardie an, und ſo ſchoͤn einzelne Gegenden in Frankreich ſeyn moͤ⸗ gen, ſie verloren in meinen Augen, als ich am Eingang, an der Pforte dieſes ehemaligen großen heidniſchen Tempels ſtand, an deſſen Altaͤren noch jetzt ein frommes Herz ſich freu⸗ dig und begeiſtert zum alleinigen Hohenprieſter erhebt. Das erſte Thal, was ſuͤdlich am Harze den Reiſenden aufnimmt, iſt das Zorgethal, ſo genannt von dem Fluͤßchen Zorge, das ſich durch daſſelbe hindurchwindend, wohl acht Muͤh⸗ len, meiſtentheils Oel⸗- und Papiermuͤhlen treibt und ſich nach einem Lauf von mehreren Meilen in die Unſtrut ergießt. Mit einer ge⸗ wiſſen Habgier ſuchte ich, wie das beim erſten Anblick von erhabnen Naturſchoͤnheiten ſo ge⸗ woͤhnlich iſt, alle Reize dieſes Thales auf. — 186— 1 Jede Kleinigkeit hat dann Intereſſe, jeder ganz gewoͤhnliche Berg tritt doch in ein ande⸗ res Licht, ſobald man ihn in irgend einer Rei⸗ ſebeſchreihang ſchon verherrlicht weiß. Man betrachtet, iſt man ein Neuling in Gebirgsge⸗ genden, die Natur und die Menſchen hier mit ganz andern Augen; man ſchiebt ihnen eine gewiſſe Bedeutſamkeit unter, die ſie oft gar nicht beſitzen, und moͤchte gern alle Sagen und Maͤhrchen fuͤr gegruͤndet halten, die hier die Vergangenheit beſeelen, und ſich ſo ganz mit dem Leben verſchlungen haben. Man iſt ferner ganz begierig auf Abentheuer. Das Ungewoͤhnliche des innern Lebens verlangt un⸗ gewoͤhnliche Erſcheinungen der aͤußern Welt. Weil man ſelbſt ſein Geleiſe verlaſſen hat, ſo hofft man Aehnliches von ſeinen neuen Umge⸗ bungen und kann ordentlich aͤrgerlich werden, wenn Alles beim Alten bleibt und ſich das aͤu⸗ ßere Leben in den gewoͤhnlichen Schranken be⸗ wegt. Auch ſich ſelbſt legt man eine gewiſſe Bedeutung unter. Man kommt ſich ſo wichtig vor, wenn die Rieſen von Bergen um einen ſtehen; man ſtellt ſehr partheirſche Vergleichun⸗ gen mit ſich ſelbſt und andern Menſchen an, die daheim in ihrer Werkſtatt arbeiten, die an det Schol ſol hinge auch kei lauſtnd Daxin ſe hen gewi wter ni Was tar waͤrden, lebens,“ Verdien Treffer, Andte a ſalſchoft Studer bleibt außern keine 5 allein, und ſti Himme ſo mehl Seele und L heit h jeder ande⸗ er Nei⸗ Man birgsge in hier ihnen ſe oft Sagen die hiet ſo ganz Nan iſt Das gt un⸗ Welt. ſat, ſo Unge⸗ verden, ſas äͤu⸗ en be⸗ Lewiſſe einen eichun, n an, die an der Scholle feſtkleben, auf die ſie das Schick⸗ ſal hingeworfen, die von allen den Herrlichkeis ten, die einen jetzt umgeben, nichts ahnen und auch kein Verlangen darnach tragen. Was tauſend Umſtaͤnde und Zufaͤlle herbeifuͤhrten, darin ſieht man die eigne Willenskraft und ei⸗ nen gewiſſen Adel der Geſinnungen, der doch weiter nichts, als ganz gemeiner Hochmuth iſt. Was tauſend Andre ebenfalls nicht unterlaſſen wuͤrden, wenn ſie nur das agens des Erden⸗ lebens, Geld haͤtten, das rechnet man ſich zum Verdienſt an, weil man bei der Geburt einen Treffer gezogen. Es mag dies und manches Andre anders ſeyn, ſobald man in großer Ge⸗ ſellſchaft, etwa mit einem Dutzend jubelnder Studenten den Wundern der Natur zueilt. Da bleibt freilich Alles beim Alten und nur die aͤußern Sinne ſchwelgen, weil den innern dazu keine Zeit gelaſſen wird— aber wenn man allein, ſo ganz allein einherſchreitet, ſtumm und ſtill zwiſchen den koloſſalen Saͤulen des Himmelsdomes, dann arbeitet's im Innern um ſo mehr, je ſtiller es draußen iſt, und die Seele wird kaum fertig, alle die Anſchauungen und Bemerkungen, die ſie zu machen Gelegen⸗ heit hat, in ihr unſichtbares Tagebuch einzu⸗ — 188— tragen.— Es waren daher ganz ſeltſame Ge⸗ fuͤhle, die mich durchdrangen, als ich allein zwiſchen dieſen Felſen fortſchritt. Gewohnt bis⸗ her, in Sektionen oder Kolonnen zu marſchi⸗ ren und in die Fußtapfen des Vordermannes zu treten, ohne die Umgebungen anders als mit Gleichguͤltigkeit zu betrachten; gewohnt, mich willenlos dahin fuͤhren zu laſſen, wohin die Nothwendigkeit gebot, und eben deshalb gewohnt, dem einladendſten, ſchattenreichſten Orte gleichguͤltig, wenigſtens gefaßt, voruͤber⸗ zugehen hatte ich Anfangs nur mit Schuͤch⸗ ternheit von meiner Freiheit Gebrauch gemacht, bis ich endlich mit dieſem ſeligen Gefuͤhl ver⸗ trauter wurde. Jeder ſchattige Baum winkte mir und ehe ich mich beſann, lag ich im hohen Graſe, wie ein taͤndelndes Kind an der Mut⸗ terbruſt, fuͤhrte bald ſcherzhafte, bald ernſthafte Monologe, war bald in Paris, bald in meiner Vaterſtadt, jetzt ein Held, jetzt ein ehrbarer Seelſorger, und traͤumte mich ſo in hundert verſchiednen Lebenslagen und Verhaͤltniſſen gleich gluͤcklich hinein. So kam ich endlich nach Werna, einem Doͤrfchen, das dem Domherrn von Spiegel gehoͤrt, nahm einen Boten, wozu ſich zufaͤllig ein Israelit erbot, und ging nach der werkt unſtkaitig ten des verdient, beſucht it din End ſh ſa Da v bis deutende und läͤu hei Nort hinengen findig g it ſo Ko ban. d Mit ſe gende— muß, hatte d bat. Volkes als ein gten, Ein ihn fäl allein hut bit⸗ winkte hohen —r Mut⸗ mnſthafte meiner — 189— der merkwuͤrdigen Kelle, einer Hoͤhle, die unſtreitig eine der groͤßten Naturmerkwuͤrdigkei⸗ ten des ganzen Harzes iſt und es daher wohl verdtent, von Jedem, der den Harz bereiſt, beſucht zu werden. Ich kannte ſie ſchon aus den Erzaͤhlungen meines Vaters, der daran ſeh ſchauerliche Sagen knuͤpfte. Der Eingang der Höͤhle iſt ungefaͤhr ſech⸗ zig bis ſiebenzig Fuß hoch, ſie ſelbſt von be⸗ deutendem Umfang. Ein Bach ſtroͤmt hindurch und laͤuft von hier bis nach dem Dorfe Salza bei Nordhauſen, unter der Erde fort. Durch hineingeworfenen Heckerling hat man dies aus⸗ findig gemacht. Das Waſſer in dieſem Bache iſt ſo kalt, daß Fiſche und Froͤſche darin ſter⸗ ben. Ueberhaupt iſt unten eine Decemberluft. Mit jeder Stufe hinunter merkt man die ſtei⸗ gende Kaͤlte, ſo daß man ſich ganz abkuͤhlen muß, ehe man hinunterſteigt. Mein Fuͤhrer hatte dazu keine Luſt, wie ſehr ich ihn darum bat. Er konnte den Nationalcharakter ſeines Volkes nicht verlaͤugnen, obgleich unten nichts als ein drohendes, vielleicht ſchon muͤrbes Kalk⸗ geſtein, zu fuͤrchten iſt. Ein Theil der Grotte iſt eingeſtuͤrzt, durch ihn faͤllt in den uͤbrigen Theil ein zauberhaftes — 180— Licht, weil man hier unten den Himmel nicht erwartet. Nahe an dieſen Einſturz heranzu⸗ treten, wird fuͤr ſehr gefaͤhrlich gehalten. Ich unterließ es alſo, da Vorwitz keine Dreiſtig⸗ keit iſt. 4 Die Kelle hat in fruͤheren Zeiten feierliche Proceſſionen jaͤhrlich veranlaßt wodurch man ſich gegen die Hoͤlle ſchuͤtzen zu koͤnnen glaubte, die ſonſt jaͤhrlich irgend ein Schlachtopfer in dieſen Vorhof derſelben hineinzoͤge. Nahe dabei liegt, ein Teich mit truͤbem Waſſer, rings vom Walde eingeſchloſſen— das ſchwarze Loch ge⸗ nannt. Es ſoll grundlos ſeyn, alſo bis zum Mittelpunkt der Erde gehn Tauſend Klafter haben, ſo verſicherte mein Fuͤhrer, den Grund noch nicht erreichen koͤnnen. Vor uralten Zei⸗ ten ſoll eine Muͤhle an dieſer Stelle geſtanden haben. Da kommt einmal unſer Herr, in Geſtalt eines zerlumpten Bettlers, um eine Gabe flehend. Die freche, gottloſe Muͤllerin giebt ihm Brod mit Koth beſtrichen. Seuf⸗ zend blickt der Bettler zum Himmel auf und geht ſchweigend von dannen. Kaum iſt er hun⸗ dert Schritt von der Muͤhle entfernt, ſo ver⸗ ſinkt dieſe ſamt dem gottloſen Weibe, und ein ſchwarzer See, der keine Bewohner duldet, chen, nannte, welches Wag de Mͤdigt Ruiner kloſter mas zerſtör der Ve gen un Reſte und die breit beide man 1 Klafter Grund ten Zei — 1891— tritt an ihre Stelle, die Nachwelt vor ſolchen und aͤhnlichen Freveln warnend. Ich hatte genug geſehen und ging nach Ellrich. Ein furchtbarer Gewitterregen uͤber⸗ raſchte mich ploͤtzlich und ſchleuderte mich aus der grauen Vergangenheit, unter einen Baum des achtzehnten Jahrhunderts, wo ich Zeit hatte, mich wieder abzukuͤhlen, da der Regen des Laubes ſpottete. Ich ging mich darauf trok⸗ ken, aß Mittag in dem unbedeutenden Staͤdt⸗ chen, das einſt den Dichter Goͤkking ſein nannte, und wandte mich nach Walkenried, welches eine Stunde davon entfernt iſt. Der Weg dahin iſt ſo angenehm, daß man ſeine Muͤdigkeit vergißt, der Flecken ſelbſt durch Ruinen merkwuͤrdig. Ein Ciſtercienſer⸗Moͤnchs⸗ kloſter ſtand vor Zeiten hier, bis es durch Tho⸗ mas Muͤnzer und Conſorten im Jahre 1525 zerſtoͤrt wurde. Die Ruinen davon, die von der Vortrefflichkeit der deutſchen Baukunſt zeu⸗ gen und gewiß Jeden befriedigen, ſind die Reſte der Kloſterkirche. Sie war ein hundert und dreißig Schritt lang und vier und funfzig breit und aus Quadern erbaut. Obgleich noch beide Fluͤgelwaͤnde der Kirche ſtehen, ſo hat man doch aus den uͤbrigen Steinen ſechs Kir⸗ chen und noch einige andre Gebaͤude erbaut. Sie muß alſo ſehr bedeutend geweſen ſeyn. Von dem Kloſter ſind noch einige Kreuzgaͤnge erhalten worden. Von ihnen gelangt man in die jetzige Kirche des Ortes. Ueber den Ge⸗ woͤlben zeigte mir der Kuͤſter die ſogenannte Lutherfalle, die dem D. Martin Luther von den Moͤnchen gelegt worden ſeyn ſoll. Sein Huͤndchen lief aber vorauf und rettete durch ſeinen Tod ſeinem Herrn das Leben. Auch eine Folterkammer oͤffnete er mir. Ich warf einen Blick hinein, hoͤrte aber im Geiſt das Winſeln der Ungluͤcklichen ſo deutlich, daß ich ſchaudernd die Thuͤr zuwarf. Die Ruinen wuͤrden noch einen viel erhab⸗ nern Anblick gewoͤhren, wenn die Wohnge⸗ baͤude nicht dazwiſchen, oder ſie ſelbſt bei Palmyra laͤgen. Jetzt ſehen ſie aus, wie ein ehrwuͤrdiger Greis unter ſpielenden Kindern, die ſich um den Verlaſſenen, deſſen Welt ſchon laͤngſt zu Grabe geſungen wurde, nicht bekuͤm⸗ mern, ſondern anderes Werk zu treiben haben, waͤhrend er kopfſchuͤttelnd und ſeufzend das Zu⸗ ſehen hat, und ſich nach dem Grabe ſehnt. Wer mag und kann ſie daher ohne tiefe Weh⸗ muth betrachten, und wer verabſcheut nicht analtker das Heili und ſegl man bei wendet I und häͤll! Munſch z man das zur Miett ſne dig der Natu ſen, und an ſeinen Suͤnder 9 deutlich, das Aufſ Die deuͤcklich Ic ſah dem Ged Heiligthuj andern Eine nes Verg dahin ſü genannte erbaut. ſeyn. gaͤnge an in n Ge, mannte l von Sein durch Auch warf ſſt das aß ich rhab⸗ ahnge iſt bei pie ein adern, ſchon ekuͤm⸗ ſaben, Zu⸗ ſehnt. Weh⸗ nicht — 193— Fanatiker, die es wagen konnten, Hand an das Heilige zu legen, das ihnen nur freundllch und ſegnend entgegen getreten war. Denkt man bei Betrachtung der Ruinen daran, ſo wendet man ſich mit betruͤbtem Herzen davon und haͤlt es fuͤr nichts Beneidenswerthes, ein Menſch zu ſeyn. All der Hochmuth, mit dem man das wunderſame Gebaͤude, in dem wir zur Miethe wohnen, betrachtet, mit dem man ſeine eigne Wichtigkeit auf die Erhabenheiten der Natur gruͤndet,— er iſt, wie fortgebla⸗ ſen, und wie der bekannte Zoͤllner, ſchlaͤgt man an ſeine Bruſt und ſpricht:„Gott ſey mir Suͤnder gnaͤdig!“ denn man ſieht das Eis zu deutlich, auf dem das Fallen leicht, und ſchwer das Aufſtehn iſt. Die Ruinen in Walkenried wieſen nach⸗ druͤcklich auf meine eigne Gebrechlichkeit hin. Ich ſah in ihnen mein Bild, ich zitterte vor dem Gedanken, ein Muͤnzer gegen das eigne Heiligthum zu werden, und ging mit einem andern Herzen fort, als ich gekommen war. Eine Stunde davon liegt am Abhang ei⸗ nes Berges das Staͤdtchen Sachſa. Bis dahin fuͤr heute. Unterweges traf ich die ſo⸗ genannten Zwergloͤcher, in den alten guten 13 — 194— Zeiten, wo es noch Elementargeiſter gab, die Eingaͤnge zu den unterirdiſchen Pallaͤſten eines niedlichen Voͤlkchens, das jetzt nur noch in Lie⸗ dern und Maͤhrchen, und in der ſuͤßen Kinder⸗ welt lebt. Ich hatte mich mit dem Gottſchalk, dem freundlichen Wegweiſer durch den Harz, verſehen, darin blaͤtterte ich, nachdem mich ein Gaſthof in Sachſa aufgenommen und den Mü⸗ den geſtaͤrkt hatte; dann wurde die Charte zur Hand genommen, Plaͤne entworfen, die nur dem Vornehmen hoͤchſt unanſtaͤndige Pfeife geſtopft, Bataillen⸗Knaſter in die Luft gebla⸗ ſen und in die duͤſtern Regenwolken geſchaut, die ſich uͤber die ſchwarzen Tannenwaͤlder hin⸗ zogen und nichts von meiner Reiſe zu wiſſen ſchienen. Auch Sachſa liegt, wie Walkenried, ſehr romantiſch, ohne Fichten und ohne Sand, die, wie den Leſer eine ſchleppende Proſa, ſo den armen Wanderer in Verzweiflung ſetzen. Am andern Morgen brach ich gegen fuͤnf Uhr auf, denn ich hatte mir heute viel vorge⸗ nommen. Ich wandte mich gen Lauterberg, Berg auf und ab, und traf unterweges auf einige Wiehherden, deren harmoniſch geſtimmte Glocken gar wunderlich durch das Thal ſchall⸗ — ten, vih an dem 8 p ſäßrn aber traf einſam, 1u0s denn Grfühl he richt fürch Räober it ungeheuer aufhoͤren, gehött. Unange Der Himt in dem als din w ſo nahm als der e nigshuͤtte Dieſe E tigſten au Hoh ͤfe den fuͤnf mal getei mern, d wird, ein 4b, die en einez in Lie Kinder⸗ ſcalk, Han, nich ein en Mü⸗ Charte en, die he Pfeife t gebla⸗ eeſchaut, der hin⸗ à wiſſen ukenried, eSand, oſa, ſo ſitzen. zen fuͤnf l vorge⸗ erberg, eges auf eſtimmte al ſchall — 5— ten, waͤhrend die de d Thiere wie Gemſen an dem Felſen hin und her kletterten, und ſich ſo ſehr muͤhſam ihr Futter ſuchten. Menſchen aber traf ich nicht, Alles war ſonſt todt und einſam, und ich war mir ſelbſt uͤberlaſſen, was denn doch auf Augenblicke ein peinliches Gefuͤhl hervorbringt, wenn man auch gerade nicht fuͤrchtet, ſich zu verirren, oder einem Raͤuber in die Haͤnde zu fallen, was bei den ungeheueren Waldungen, die nur ſtellenweiſe aufhoͤren, nicht unter die Unmoͤglichkeiten gehoͤrt. 3 Unangefochten kam ich in Lauterberg an. Der Himmel hatte ſich aufgeklaͤrt. Da nun in dem Stͤdtchen ſelbſt nichts zu ſehen iſt, als ein nicht weit davon liegendes Kupferwerk, ſo nahm ich einen Boten, um ſowohl dieſem, als der eine Viertelſtunde davon liegenden Koͤ⸗ nigshuͤtte meine Aufmerkſamkeit zu widmen. Dieſe Eiſenhuͤtte iſt eine der groͤßten und wich⸗ tigſten auf dem ganzen Harze. Mit den zwei Hohoͤfen, wo das Eiſen vom Erz geſondert, den fuͤnf Friſchhaͤmmern, wo es noch ein⸗ mal gereinigt, den Zain⸗ oder Zaͤhnhaͤm⸗ mern, wo es zu kleineren Theilen verarbeitet wird, einem Zerrenfeuer, wo die Schlak⸗ — 196— ken noch einmal gereinigt werden— iſt auch noch eine Gießerei verbunden. Ich beneidete die Arbeiter in dieſem Werke, dieſe Cyklopen, nicht, die faſt nackend, Tag und Nacht bei einem ungeheuern Feuer recht eigentlich im Schweiß ihres Angeſichts arbeiten muͤſſen, noch weniger aber die Armen in der benachbarten Kupferhuͤtte, wo der Huͤttenrauch ſo gefaͤhrlich, als widrig auf die Lunge wirkt, und das Haar gruͤn faͤrbt. Ich hatte daher wenig Luſt, mir von dem Schmelzen und Bearbeiten des Ku⸗ pfers einen deutlichen Begriff zu verſchaffen, da ich fuͤrchtete, es auf Koſten der Geſundheit thun zu muͤſſen. Die ungluͤcklichen Arbeiter, die dreißig Jahre zu Greiſen machen, herzlich bedauernd, verließ ich die Huͤtte, wandte mich wieder nach dem großen Fahrwege und ſchritt raſch zu, um noch zu Mittag Andreasberg zu erreichen. Das Oderthal, das ſich von Lauterberg bis uͤber Andreasberg hinauf erſtreckt, iſt eins der ſchoͤnſten im Oberharz. Es windet ſich zwi⸗ ſchen maͤchtigen Felſen, die mit den dunkeln und hohen Tannen einen ernſten, faſt ſchauerli⸗ chen Anblick gewaͤhren, hindurch. Es ſcheint oft keinen Ausweg zu haben, ſo kruͤmmt es ſich Vet dem man iinem B Lrufe ent halten m Vioniß g Stunden Menſchen. Wohnung Naubvdge niſten. Stile, falenden Aagenblic ſponat, d daß Wah blickt u Es iſt d bemaͤchti gothiſche enblich ſe di dufte echolen. Han h nen mag die ſich ſich. Verirren kann man ſich daher nicht, in⸗ dem man ſich immer an dem Ufer der Oder, einem Bache, der nach einem aͤußerſt ſchnellen Laufe endlich bei Nordheim in die Leine faͤllt, halten muß. Mit jedem Schritt wird die Wildniß groͤßer. Ich begegnete in den drei Stunden bis Andreasberg auch nicht einem Menſchen, ſah auch nicht eine menſchliche Wohnung, nicht einmal Heerden, nur einige Raubvoͤgel, die auf den majeſtaͤtiſchen Felſen niſten. Rings um mich herrſchte eine tiefe Stille, die nur ſelten von den Schlaͤgen der fallenden Aexte unterbrochen wird. In ſolchen Augenblicken iſt die Phantaſie ſo rege, ſo ge⸗ ſpannt, daß man kaum laut zu ſprechen wagt, daß man mit einer gewiſſen Scheu um ſich blickt und die Natur mit Ehrfurcht betrachtet. Es iſt daſſelbe Gefuͤhl, das ſich des Herzens bemaͤchtigt, wenn man allein in einer großen, gothiſchen Kirche umhergeht. Es wurde mir endlich ſo ſeltſam zu Muthe, daß ich mich in die duftenden Kraͤuter niederwarf, um mich zu erholen. Nie in meinem Leben iſt mir ſo um's Herz geweſen. Ich haͤtte frohlocken und wei⸗ nen moͤgen, es war eine gewiſſe Trunkenheit, die ſich meiner bemeiſterte, und der ich nach⸗ —— — 198— geben mußte, um den Kampf im Innern bei⸗ zulegen. In dieſem Augenblicke vernahm ich ferne Toͤne der Waldhoͤrner, Toͤne, die nicht mehr der Erde anzugehoͤren ſchienen, und mich ſo gewaltig ergriffen, daß ich an Zaudberei glaubte. Ich erwartete jeden Augenblick, eine Dryas wuͤrde neugierig aus den Zweigen der benachbarten Baͤume hervorſehen, aus den plaͤtſchernden Wellen eine Undine hervortauchen und mich Sterblichen begruͤen. Ach! mich wunderte nun nicht mehr der Reichthum von Sagen und Maͤhrchen, die hier einheimiſch ſind. Man braucht nicht aberglaͤubiſch zu ſeyn, nur Phantaſie zu haben, um hier jede fremde Erſcheinung fuͤr eine uͤbernatuͤrliche zu halten, mit offnen Augen in's Geiſterreich zu blicken und die Naturgeſetze umzuſtoßen. Der froſtige Verſtandesmenſch in flachen, ebnen Gegenden, hat von den Wundern einer Gebirgsgegend keinen Begriff, weshalb er in ſeiner Klugheit befangen, uͤber die Maͤhrchen laͤchelt, die hier in aller Einfalt geglaubt werden. Ich mußte mir Gewalt anthun, um mei⸗ nen Marſch fortzuſetzen, den ich faſt vergeſſen haͤtte. Wie Diogenes trank ich Quellwaſſer, wie ein Musquetier, der bekanntlich ſtets Ap⸗ irhit⸗ Brod, un endlich au Ei dußer Iiſpekto und hiit 1 verſchie ſtreitlicen die gähdt Iitaus, tauſend be verſchiedne ſuge bezei viel wie m ſe füt d zo wache ſehr, als können. geſſen, Geduld ſcen das fremden der Krite den wene tigung e die Wiſ ftoſtige genden, ꝛgegend lugheit ie hier n mei⸗ rgeſſen waſſer, s Ap — 199— petit hat, verſchlang ich ein Stuͤck ſchwarzes Brod, und Kieß am Ende dieſes Zauberthales endlich auf die Silberhuͤtte bei Andreasberg. Ein außerſt gefaͤlliger Mann, es ſchien der Inſpektor zu ſeyn, fuͤhrte mich darin umher und zeigte mir alles Sehenswerthe. Ich ſah die verſchiedenen Schmelzoͤfen und den unbe⸗ ſchreiblichen Silberblick von dem ich ſchon ſo viel gehoͤrt hatte, das Silbererz ſelbſt, das Roͤſthaus, das Kraͤtzpochwerk u. ſ. w., hoͤrte tauſend verſchiedne Kunſtausdruͤcke, womit die verſchiednen Vorrichtungen, Geraͤthe und Werk⸗ zeuge bezeichnet werden, und ſuchte mir, ſo viel wie moͤglich, einen klaren Begriff von die⸗ ſer fuͤr die Menſchheit ſo wichtigen Werkſtatt zu machen. Doch draͤngte mich die Zeit zu ſehr, als daß ich mir ein Genuͤge haͤtte geben koͤnnen. Ich habe nur die Weisheit nicht ver⸗ geſſen, und die Muͤhe und Anſtrengung, die Geduld und Ausdauer, mit der hier die Men⸗ ſchen das ſchoͤne, reine, glaͤnzende Metall aus fremden Stoffen hervorzwingen und im Ofen der Kritik ſaͤubern, und wenn man auch in den wenigen Augenbhlicken, die man zur Beſich⸗ tigung eines ſolchen Werkes anwendet, weder die Wiſſenſchaft foͤrdern, noch die eigne Er⸗ — 200— kenntniß beſonders erhoͤhen kann, ſo leynt man doch noch etwas ganz anders daraus, was ei⸗ nen kein Buch, keine Schule lehrt, und ſo thoͤricht es iſt, mit Kenntniſſen zu prahlen, die man nicht beſitzt, und ſich den Anſtrich zu geben, als wiſſe man Alles und als komme auf das Wiſſen Alles an, wie das ſo viele Reiſe⸗ beſchreiber thun, die eine gar wichtige Miene annehmen,— ſo thoͤricht iſt es auch auf der andern Seite, ſich in trauriger Einſeitigkeit zu gefallen, und keinen Blick auf die Anſtalten zu werfen, die uns Achtung gegen die Menſch⸗ heit abnoͤthigen, indem ſie uns den Menſchen kennen lehren. Gegen Mittag kam ich in Andreasberg an. Die offne Stadt gewaͤhrt einen ange⸗ nehmen Eindruck. Sie iſt vor einigen Jahren abgebrannt, daher die rothen Ziegeln oder neuen Schindeln grell und freundlich aus dem dunkeln Gruͤn, das die ganze Stadt eng umgiebt, hervorſehen. Sie liegt achtzehn hundert Fuß uͤber der Meeresflaͤche, auf und am Andreasberge, iſt unregelmaͤßig und gedraͤngt gebaut, und in der naſſen Jahreszeit moͤgen die Beſuche der Nach⸗ barn unter einander wohl mit großen Schwie⸗ rigkeiten verbunden ſeyn, da einige Haͤuſer auf der bohe heitt hier Oberharz net, we Fenſter ſeißt dan Abende ſi anbehagl däſtig. Beguem ſände z Unterſch tetharz, dheil de nn The und, tauglic Fuß un und J Oberha Unterhe was ſei t man ſwas ei, und ſo prahlen, rich zu me auf Reiſe⸗ Miene aauf der gkeit zu nſtalten - enſch⸗ eenſchen berg ange⸗ Jahren n oder ¹s dem ngiebt, uͤber ge, iſt in der Nach⸗ chwie⸗ er auf — 201— der Hoͤhe, andre in der Tiefe liegen. Man heitzt hier und in den andern Bergſtaͤdten des Oberharzes das ganze Jahr hindurch ein, oͤff⸗ net, wenn das Wetter warm und gut iſt, Fenſter und Thuͤren bis gegen Abend, und heitzt dann zum Zweitenmale ein; denn die Abende ſind in dieſer rauhen Gegend kuͤhl und unbehaglich, und ein warmer Ofen keinesweges laͤſtig. Bei der Menge des Holzes iſt dieſe Bequemlichkeit ohne große Koſten und Um⸗ ſtaͤnde zu haben. Auffallend iſt uͤbrigens der Unterſchied der Witterung im Ober⸗ und Un⸗ terharz, oder in dem weſtlichen und oͤſtlichen Theil deſſelben. In jenem, dem unfreundliche⸗ ren Theil, ſind die Winter rauh und anhal⸗ tend, der Boden faſt gar nicht zum Ackerbau tauglich, und in einer Hoͤhe von zwei tauſend Fuß und druͤber ſtoͤßt man auf große Bruͤche und Moraͤſte. Demungeachtet, obgleich der Oberharz noch uͤberdies weit kleiner, als der Unterharz iſt, iſt er viel bevoͤlkerter, als dieſer, was ſeinen Grund im Bergbau hat, der hier viele Tauſende, wenn gleich nur duͤrftig, ernaͤhrt. Kaum hatte ich mich durch Speiſe und Trank geſtärkt, ſo zog ich nach erhaltner Er⸗ — 202— laubniß vom Bergſekretair, in einem Zechen⸗ hauſe, ein Bergmannskleid an, druͤckte mir einen großen, breiten Hut auf und fuhr mit meinem Fuͤhrer in die Grube hinab. Ich hatte erſt große Luſt, dies im Clausthal zu thun als ich aber hoͤrte, daß morgen und uͤbermorgen Rahetag ſey und ich uͤberdies fand, daß meine Kaſſe dergleichen Verzoͤgerungen nicht geſtatte, ſo entſchloß ich mich kurz und ſuhr bei Andreasberg ein, in der Ueberzeugung, auch hier meine Begierde befriedigen zu koͤn⸗ nen. Wohl an dreihundert und vierzig Fuß ſtieg ich hinab, und wohrlich, es wurde mir herzlich ſauer, da ich den Tag ſchon wenigſtens ſieben Stunden gegangen war; doch ich ließ mir die Muͤhe nicht verdrießen, denn ich wurde auch genug dafuͤr belohnt. Mein Fuͤhrer zeigte mir alle unterirdiſche Herrlichkeiten, z. B. die Kalkſpath⸗Kryſtalliſationen, die verſchtednen Maſchinen, das Erz hinaus zu foͤrdern; ich ſah, wie man durch gebohrte, mit Pulver ge⸗ fuͤllte Roͤhren, Silberadern losſchoß, die in verſchlungnen Zweigen hinliefen, und ſtieg aus einer Grube immer tiefer in die andre hinab, bis ich zuletzt vor Muͤdigkeit nicht weiter konnte, und einen bequemeren Ruͤckweg ein⸗ flimmel und tie Od waͤ und ma terirdiſe Manſch ſe Br gſtens h ließ wurde zeigte B. die bednen ich e ge⸗ die in aus inab, veiter ein ſchlug, der in horizontaler Richtung in's Freie fuͤhrte. Es iſt eine ganz eigne Empfindung, ſo tief unter der Erde, ihrem Mittelpunkte nahe, wie es einen wenigſtens duͤnkt, umher zu wan⸗ deln. Die eingeſchloſſene Luft erſchwert das Athmen und bringt dadurch eine gewiſſe Ban⸗ gigkeit hervor, die noch durch den Gedanken erhoͤht wird, es koͤnne die Grube einſtuͤrzen und man muͤſſe hier elendiglich umkommen. Dieſe Bangigkeit erhitzt das Blut, ergreift die Sinne, verdunkelt das Vorſtellungsvermoͤ⸗ gen und erhoͤht die Reizbarkeit der Phantaſie. Die Leuchten der Bergleute und die eigne, (am Rock befeſtigte), vergroͤßern das Schauer⸗ liche aller Umgebungen mehr, als ſie es ver— ſcheuchen. Das Licht kriecht an den Waͤnden nur verſtohlen hin und verliert ſich zuletzt in der Dunkelheit. Huͤpfenden Irrlichtern gleich flimmern in der Ferne die verſchiednen Leuchten, und tiefe, ſchwarze Nacht liegt zwiſchen ihnen. So waͤhnt man denn, Pluto's Reich beginne und man ſtehe an ſeinem Eingang. Die un⸗ terirdiſchen Arbeiter ſcheinen nicht gewoͤhnliche Menſchenkinder zu ſeyn, und man ſcheut ſich, ſie Bruͤder zu nennen, ſo unheimlich iſt ihre — 204— Geſtalt, ihr Thun und Treiben. Es ſind gleich⸗ ſam die Schatten der abgeſchiednen Geiſter, die aus den Tiefen, dem geheimnißvollen Schooß der Erde das wohlthaͤtige Eiſen, das Verderbenbringende Blei, das verfuͤhrende Gold und Silber hervorzwingen; die feſt ge⸗ bannt an dieſe Kreiſe, nichts wiſſen und ahnen von den zauberhaften Reizen des Lebens, von den zahlloſen Freuden, die es den Menſchen darbietet, die aus Nacht und Dunkel erſt dann zum freundlichen Lichte gefuͤhrt werden, wenn ihr Auge bricht. Die Armen— ach ſie ſind nicht zu beneiden— tragen die Laſten ihres Lebens dennoch leicht und froh, ein frommer, gottesfuͤrchtiger Sinn hilft ſie ihnen tragen. Mit Gott fangen ſie alle ihre Arbeiten an. Ihn, der ihnen auch unter der Erde nahe iſt, haben ſie vor Augen und im Herzen. Es iſt kein Wunder, daß ſie religiöſer ſind, als die Menge, die in den Fruͤchten ihres Fleißes und Schweißes ſchwelgt, als die Millionen, die mit einer Hand voll Gold, den Genuß eines fluͤchtigen Augenblicks erkaufen, oder doch nicht wiſſen, welche Muͤhe es koſtet, nur das Gold eines Dukatens dem Erze abzuringen, mit welchen Gefahren es dem Berggeiſt abgewon⸗ nen wi ſch ſtet in jede lichſten den H0 Find ol Hände und gott mehr; ein Go keit ſeh zu verw vohſten Freigeiſt ſtrüſß ſän We einen welt ſt gerade werden kind de uber de grüfende Schule Lan gatt ni d glai, Geiſtt, näßvollen n, das fuͤhrende feſt ge⸗ ahnen , von Kenſchen eſt dann „ wenn ſie ſind en ihres ommer, tragen. ten an, zahe iſt Es iſt als die es und n, die ß eines ch nicht 8 Gold a, mit gewon⸗ — 205— nen wird. Wer den Tod vor Augen hat, wer ſich ſtets als einen Sterbenden betrachten, wer in jedem Augenblick fuͤrchten muß, dem entſetz⸗ lichſten Schickſal entgegen zu gehn, nehmlich den Hungertod zu ſterben, waͤhrend Weib und Kind oben auf der verſchuͤtteten Grube die Haͤnde ringen— der kann nicht leichtſinnig und gottesvergeſſen ſeyn, oder er iſt kein Menſch mehr; der lernt beten und ſeine Arbeit wird ein Gottesdienſt. Daß ſie bei aller Froͤmmig⸗ keit ſehr aberglaͤubiſch ſind, iſt eben ſo wenig zu verwundern. Man ſchicke den frechſten, rohſten Menſchen hieher, den entſchiedenſten Freigeiſt, den aufgeklaͤrteſten Denker, den ſcharfſinnigſten Philoſophen: ich ſtehe dafuͤr, ſein Unglaube oder ſeine Grundſaͤtze bekommen einen Riß, durch den die Schauer der Geiſter⸗ welt ſich in's Herz ſtehlen, wenn er auch nicht gerade zu dem Glauben an Kobolde verfuͤhrt werden ſollte. Der Aberglaube iſt ein Pflege⸗ kind der Gottesfurcht, das der Mutter oft uͤber den Kopf waͤchſt, wenn der Vater, der pruͤfende, beurtheilende Verſtand, oder die Schule fehlt. Lange hielt ich in dieſer ſchauerlichen Werk⸗ ſtatt nicht aus. Ich ſehnte mich bald wieder — 206— nach den freundlichen Wohnungen der Men⸗ ſchen. Oben beſah ich noch die großen Raͤder⸗ werke der Grube, die durch die Oder in Be⸗ wegung geſetzt werden. Da dies in fruͤheren Zeiten nicht der Fall war, ſo geriethen wegen Waſſermangel die Bergwerke bei Andreasberg in Verfall, und faſt an funfzig Jahre blieben ſie ganz unbenutzt liegen. Durch die Anle⸗ legung des Oderdeiches im Anfang des vorigen Jahrhunderts, ſind ſie aber gegen allen Waſ⸗ ſermangel geſichert, wenn gleich immer nicht ſo bedeutend, wie die bei Clausthal. Da aus meinem Marſch nach Clausthal nichts wurde, ſo entſchloß ich mich, noch an demſelben Tage den Brocken zu beſteigen, obgleich von Andreasberg bis zum Brocken⸗ haͤuschen gewiß noch ſechs tuͤchtige Stunden ſind. Die Luft war rein und heiter, das zer⸗ rißne Gewoͤlk jagte ein ziemlich ſcharfer Wind noch mehr aus einander, und ich fuͤrchtete, morgen moͤchte vielleicht ein ſchlechtrer Tag eintreten und mein Hinaufſteigen vergeblich ſeyn.„Was du heute thun kannſt, das ſchiebe nicht bis morgen auf.“ Ueberdies war meine Begierde, mich dort oben umzuſehen, zu groß, als daß ich nicht mein Fleiſch haͤtte heute kreu⸗ —— zigen oll heugſte dre Uhr Mei 9a, dV— Trabe RA ih mit Gebein, ab viele wat abe Graben, zurüchul allenn Fl zender⸗ un ein Weg itt unge man ve fen Ab wachſen die ſich nen ſch wenn m brochnes wäe. hier nic ohnet er Men, Räden in Be⸗ feüheren n wegen geasberg blieben * Anle⸗ sorigen en Waſ⸗ nicht ſo austhal och an geigen, rocken⸗ unden das zer⸗ Wind rchtete, t Tag geblich ſchiebe meine 1 geſ, e kreu⸗ — 207— zigen ſollen, das mit jener Begierde freilich im heltigſten Streit lag. So ging's denn gegen dre Uhr wieder vorwaͤrts. 80 Mein Bote war ein junger, ruͤſtiger Ben⸗ gel, der große Luſt zeigte, dieſen Marſch im Trabe zu machen. Aus zwei Urſachen verbat ich mir dies. Einmal jammerte mich mein Gebein, das mich heute ſchon Berg auf und ab viele Meilen weit gefuͤhrt hatte, anderſeits war aber auch der Weg auf dem Rehberger Graben zu ſchoͤn, um ihn als Botenlaͤufer zuruͤckzulegen. Was ſind gegen ihn die Ulmen⸗ alleen Flanderns, die Linden in Berlin? Rei⸗ zender und intereſſanter moͤchte wohl ſchwerlich ein Weg auf der ganzen lieben Erde ſeyn. Er iſt ungefaͤhr zwei Stunden lang, fuͤhrt, wenn man von Andreasberg kommt, links neben tie⸗ fen Abgruͤnden vorbei, die mit ihrer wild be⸗ wachſenen Tiefe, den dunkeln rieſigen Tannen, die ſich an ſeinem jaͤhen Abhang erheben, ei⸗ nen ſchauerlichen Anblick gewaͤhren wuͤrden, wenn man nicht durch ein nur ſelten unter⸗ brochnes Gelaͤnder gegen ſie voͤllig geſchuͤtzt waͤre. Nur der am Scewwindel leidet, geht hier nicht mit Ruhe und Unbefangenheit, und ahnet Gefahr, wo durchaus keine iſt. Zur — 208— Linken des Weges erheben ſich ſteile Felſen⸗ waͤnde, die ſich oft mit ihren Spitzen uͤber den Weg hin woͤlben und jedem Augenblick den Reiſenden zu zerſchmettern drohen. Doch auch dieſe Furcht iſt eitel. So ſtehen ſie ſchon viele Jahrhunderte hindurch. Der feſte Gra⸗ nitfelſen broͤckelt nicht. Die an dem Abhang ſtehenden Tannen geben den ſchoͤnſten Schak⸗ ten! und da jenſeits des tiefen, wilden Oder⸗ thales ſich wieder himmelhohe Felſen, z. B. die Achtermannshoͤhe, erheben, ſo iſt die Furcht vor brennenden Sonnenſtrahlen, wie vor hef⸗ tigen Winden, hier ebenfalls ſehr uͤberfluſſig. Der Weg ſelbſt iſt ungefaͤhr zehn bis vierzehn Fuß breit, und man kann ihn auch, nach er⸗ haltner Erlaubniß, zu Wagen zuruͤcklegen. Laͤngs dem Wege laͤuft die Oder in einem ſchmalen Steinbette hin, das von Menſchenhaͤnden ge⸗ zimmert und mit Holz bedeckt iſt, damit nichts hineinfallen, ihn verunreinigen und im Winter inſonderheit verſtopfen kann. In dem Kryſtall⸗ waſſer ſpielt die hier heimiſche Forelle. Nach⸗ dem die Oder bei Andreasberg alle Maſchinen und Naͤder getrieben, in Schaͤchte geleitet und wieder herausgefuͤhrt, die Roͤhren der Stadt mit Waſſer verſehen hat, ſtuͤrzt ſie ſich wieder i das d unjnderiſ ten. Oderdeich gen von Nan kar ja Sie dreasberg nehmlch ſchͤzen, Ende wun der gethü mern ver mwiſchen vetſtoyit mit Bie das gan das Flü See an, dreißig rigen D um Andt iſt ober Das ſchen Ae Felſen ſen uͤber lugenblich doch ſie ſchon ſte Gra⸗ Abhang Schat⸗ in Oder⸗ B. ſe Furcht vor hef⸗ erfuͤſig. bierzehn nach er⸗ Vngz ſcchmalen den ge⸗ t nichts Winter eryſtall⸗ Nach⸗ ſchinen et und Stadt wieder — 209— in das alte erſehnte Bett hinab, aus dem die erfinderiſchen Menſchenkinder ſie vertrieben hat⸗ ten. Sowohl dieſe Waſſerleitung, wie der Oderdeich ſind Rieſenwerke und herrliche Zeu⸗ gen von dem Erfindungsgeiſte der Menſchen. Man kann beide nicht ohne Bewunderung ſehen. Sie ſtehen mit den Bergwerken bei An⸗ dreasberg in genauer Verbindung. Um dieſe nehmlich auf immer gegen Waſſermangel zu ſchuͤtzen, wurde der Oderdeich angelegt Zu dem Ende wurden ungeheure Felsſtuͤcke uͤber einan⸗ der gethuͤrmt, mit eiſernen ungeheuren Klam⸗ mern verbunden, die verſchiedenen Spalten zwiſchen ihnen, mit Granitſand und Moos verſtopft, ja, wie man mir ſagte, zum Theil mit Blei ausgegoſſen, und auf ſolche Weiſe das ganze Oderthal dergeſtallt zugebaut, daß das Fluͤßchen hinter ihm zu einem maͤchtigen See angeſchwollen iſt, deſſen Tiefe ungefaͤhr dreißig Ellen betraͤgt. Bei einer ſelbſt halbjaͤh⸗ rigen Duͤrre, enthaͤlt er doch Waſſer genug, um Andreasberg zu verſorgen. Solche Duͤrre iſt aber auf dem Harz ſehr unwahrſcheinlich. Das Merkwuͤrdige dieſer ganzen herkuli⸗ ſchen Arbeit faͤllt wenig in's Auge, da man 14 — 210— eine von der Natur gebildete Felswand zu er⸗ blicken glaubt. Sie iſt ungefaͤhr zweihundert und funfzig Fuß lang, hundert hoch und drei⸗ ßig bis fuͤnf und dreißig breit, und uͤberall mit Moos bewachſen. Die Umgebungen des Sees laſſen uͤbrigens nichts zu wuͤnſchen uͤbrig. Hohe buſchige Felswaͤnde umſchließen ihn von drei Seiten, keine Stuͤrme faſſen ihn, ſpiegel⸗ glatt iſt ſeine Flaͤche und rings um ihn eine Grabesſtille. Es fehlt ihm nur das Alter, um ihn dem Herthaſer auf der Inſel Ruͤgen dreiſt an die Seite ſetzen zu koͤnnen, und in ihm einen verſchwiegenen Zeugen einer Annasg⸗⸗ gangnen Welt zu ſehen. In Oderbruͤck, einem nicht gar weit davon gelegenen Wirthshauſe, naͤchſt dem Brocken⸗ hauſe, wohl das hoͤchſte in Deutſchland, denn es liegt zweitauſend vierhundert Fuß uͤber der Meeresflaͤche, machte ich auf einen Augen⸗ blick Halt und ſtaͤrkte mich durch einen kraͤfti⸗ gen Schnaps. Ich bedurfte deſſen, denn noch hatte ich drei Stunden bis zum Brockenhauſe, und ſchon war es ſechs Uhr Abends. Von hier bis zum Gipfel iſt der Weg eben ſo traurig, als er bis dahin angenehm iſt. raſchten atkundig nem ande Antwokt. gendwweg fähene 0 das ich riicht h Mei von ein und ich eſtic ic ducch gab nach hatte. wit vor „ſpiegel, ihn eine as Alter, ſel Rügen und in unterge, eit davon Brocken, eutſchland, Fuß üͤber n Augen⸗ en ktaͤfti⸗ enn noch kenhauſe, geg eben jhm iſt. — 211— Wer uͤberdies muͤde und abgeſpannt ihn an⸗ tritt, der wuͤnſcht ſich Daedalus Fluͤgel, um ſich die ſuͤßen Eindruͤcke des Rehberger Gra⸗ bens nicht rauben zu laſſen. Man ſieht nehm⸗ lich ploͤtzlich ein unabſehbares Torfmoor, wie durch eine boͤſe Fee hingezaubert, vor ſich. Wer erwartet dies in ſolcher Hoͤhe? Man ſtaunt und glaubt zu traͤumen, und dennoch iſt es nackte, traurige Wahrheit, die den Ueber⸗ raſchten von allen Seiten anſtiert. Vergebens erkundigte ich mich bei meinem Boten nach ei⸗ nem andern Wege. Ich bekam eine troſtloſe Antwort. Es half nichts, der ſchluͤpfrige Tu⸗ gendweg mußte betreten und verfolgt werden, fuͤhrte er ja doch zum ſchoͤnen heiteren Ziele, das ich mit meiner Sehnſucht ſchon laͤngſt er⸗ reicht hatte. Mein Bote ſorang kraͤftig und behende von einem elaſtiſchen Grashuͤgel zum andern und ich immer hinter ihm her, matt und un⸗ geſchickt ſtolpernd. Jeden Augenblick glaubte ich durchzubrechen, doch die weiche Moosdecke gab nach und beſſer ging's, als ich erwartet hatte. Ohne links und rechts zu ſehen, eilten wir vor verſchiednen abentheuerlich gebildeten — 212— Granitklippen vorbei, ſtiegen eben ſo ſchnell uͤber den moraſtigen Koͤnigsberg fort, der we⸗ nig kleiner, als der Brocken iſt, und von dem man das Haͤuschen auf ihm ſchon ſehen kann, und ſtanden endlich um acht Uhr am Fuß des Kegels. Ich gab hier, von unzeitigem Mitleid be⸗ wogen, den Bitten meines Boten, der noch heute wieder Andreasberg erreichen wollte, nach, und warne Jeden, in aͤhnlichen Lagen ein Gleiches zu thun. Er zeigte mir das oben liegende Haus, den hinauffuͤhrenden Fußſteig, den ich deutlich ſehen konnte, und behauptete, daß ich nun gar nicht mehr fehlen koͤnnte. Kaum hatte ich ihn entlaſſen, ſo war er auch aus meinen Blicken verſchwunden und ich al⸗ lein in dieſer Einoͤde. Raſch ſchritt ich vor⸗ waͤrts und ſchon nach zwanzig bis dreißig Schritten hatte ich den Fußſteig verloren, und alle Muͤhe war vergebens, ihn wieder zu fin⸗ den. Ich ging nun auf's Geradewohl weiter, ohne außer Faſſung zu kommen, weil ich keine Gefahr ſah. Doch bald gerieth ich auf Klip⸗ pen, die ich nur durch einen herzhaften Sprung nach einer andern verlaſſen konnte, ohne jedoch dadurch viel zu gewinnen. Es iſt unglaublich, 1 . vit mat giſhen ainen Su Ildbich wild ben votwͦr 6, Nach andlchh de Thuͤr u indem dem Jut ſchikeit den beim nen.„ kommer ich ſo nach ren.. der, d denen ihm her . änam 63 way i — 213— d ſtal wie man durch ſte getaͤuſcht wird. Von unten geſehen ragt vielleicht ein Felsſtuͤck hoͤchſtens einen Fuß hervor, man ſteigt hinauf und ſteht ploͤtzlich an einer fuͤnf bis ſechs Fuß hohen, nj ds wild bewachſenen Tiefe, die man, will man vorwaͤrts, uͤberſpringen muß.⸗ der noch Nach großen Anſtrengungen erreichte ich dllin, nach, endlich halb neun Uhr den Gipfel des Berges. Lagen ein Der Wirth des Brockenhauſes ſtand vor der das oben Thuͤr und drohte mir lochelnd mit dem Finger, Fußſteig, indem er von ſeinem Standpunkt aus, aus behauptet, dem Zuruͤckeilen des Botens auf meine Unvor⸗ könnte ſichtigkeit hatte ſchließen und meine Beſchwer⸗ d et auch den beim Hinaufſteigen hatte vorherſehen koͤn⸗ ad ich al⸗ nen.„Zu Schaden haͤtten Sie freilich nicht it ich vor⸗ kommen ſollen,“— redete er mich an.—„da s dreißig ich ſo eben meinen Knecht rufen wollte, ſich oren, und nach Ihnen umzuſehen und Sie hinaufzufuͤh⸗ et zu fin⸗ ren. Aber thun Sie dergleichen doch nie wie⸗ l weite! der, da die Gefahren nicht zu berechnen ſind, h Hr denen man ſich dadurch ausſetzt.“ Ich dankte ich keine auf Flpe ihm herzlich und folgte ſeiner Einladung, mit Sorung einem warmen Stuͤbchen vorlieb zu nehmen. nie jedoch So hatte ich denn heute Extreme beruͤhrt, glaublich, war in der Tiefe der Erde geweſen und be⸗ — 2414— fand mich jetzt uͤber den Wolken. Wahrlich, der Menſchenfeind und der Schwermuͤthige, der den Anblick der Menſchen flieht, ſie ſind zu bedauern— denn wo kann man allein ſeyn? Es giebt keinen Winkel der Erde, wo man nicht auf ſeines Gleichen ſtoͤßt. Selbſt dieſe reine Himmelsluft, dieſer Aether wird durch ſeine Gegenwart verdickt. Vergebens ſucht man ſeinem Dunſtkreis zu entfliehen. Doch wer ehrt nicht, wenn man den Menſchen liebt, ſein Streben, jeden Winkel der Erde, jede Bergeshoͤhe zu ſeiner Heimath zu machen? Er will das Vaterhaus kennen lernen, um es nicht zu wohlfeil in den Kauf zu ſchlagen, und zeigt es auch noch keine Froͤmmigkeit an, jeden Boden, jeden Keller des Hauſes zu durchſtoͤ⸗ bern, ſo iſt doch die Aemſigkeit ſchon ruͤhmlich, mit der die Kinder jedes Gemach des Vaters als Eigenthum begruͤßen, um doch ſagen zu koͤnnen:„das Alles hat er fuͤr uns einge⸗ richtet.“— 1 Es wurde mir zu eng im Zimmer; denn darum war ich nicht heraufgeſtiegen, um hier am warmen Ofen zu ſitzen und dieſelben Ge⸗ räͤthe anzuſtarren, die man mit weit groͤßrer daher mei wehte eine leine Wo angelegt! qch halte auſgeſdias den vollkor Ausſicht d ſe mehr währt. nehmen, punktes zu then die! Aablick d wilden Abgruͤnd ſinnlichen die Gef wenn er die Natu laſſen. 6 Wouverm Claude L Transſo weiche J — 215— Bequemlichkeit uͤberall ſehen kann. Ich ſchlug daher meinen Mantelkragen um, denn draußen wehte eine ſcharfe Luft, und beſtieg des Hauſes kleine Warte, die fuͤr die ſchauluſtigen Gaͤſte angelegt und mit einem Dollond verſehen iſt. Ich hatte mit Abſicht fruͤher noch kein Auge aufgeſchlagen, um jetzt dem aͤberraſchten Blick den vollkommenſten Genuß der unbeſchreiblichen Ausſicht zu goͤnnen. Allein ich geſtehe, daß ſie mehr geiſtigen, als ſinnlichen Genuß ge⸗ wäͤhrt. Man muß die Reflexion zu Huͤlfe nehmen, um das Unausſprechliche dieſes Stand⸗ punktes zu finden, und darin unterſcheidet ſich eben die Ausſicht vom Brocken ſo ſehr von dem Anblick des unendlichen Meeres, oder einer wilden Felſengruppe mit ihren Klippen und Abgruͤnden. Daher genuͤgt auch jene dem blos ſinnlichen Menſchen nicht. In ihm muͤſſen die Gefuͤhle gewaltſam aufgeruͤttelt werden, wenn er genießen ſoll. Auf ihn anſtuͤrmen muß die Natur, oder ihn in ihren Reizen ſchwelgen laſſen. So wie er daher ein Schlachtſtuͤck von Wouvermann und Aſſelyn, eine Landſchaft von Claude Lorrain, ein Seeſtuͤck von Vernet, der Transſiguration vorziehen wird, ſo auch die reiche Natur dieſer Einoͤde, dieſem nackten — 216— Scheitel des Brockens. Es iſt damit nicht ge⸗ ſagt, daß der Reflektirende ſich hier geradehin genoͤthigt fuͤhlt, Betrachtungen anzuſtellen, oder ſich durch ſeine Einbildungskraft beſtechen zu laſſen, um ſich des erhabnen Eindruckes bewußt zu werden, den der Anblick ſo vieler Staͤdte und Laͤnder auf ihn macht. Er braucht ſich nicht zu uͤberreden, daß er genieße, etwa aus Schaam, ſo wenig gefunden zu haben. Nein, unwillkuͤhrlich knuͤpft er an die ſinnliche Betrachtung die geiſtige. Jene laͤßt ihm Zeit, ſich zuſammen zu halten, ſie erhebt ihn uͤber das Irdiſche, ſtatt ihn, wie das Meer und die Roßtrappe, daran zu feſſeln. Sie wird zur Himmelsleiter, bei der man nur darum mit Wohlgefallen, ja mit Entzuͤcken verweilt, weil ſie es iſt, die den Geiſt in eine hoͤhere Welt verſetzt. So wird das Panorama auf dem Brocken ein Gemaͤlde, das weniger durch ſeinen Farbenſchmuck, durch ſeine innern Verhaͤltniſſe, ſeine Regel, als durch den erhab⸗ nen Gegenſtand feſſelt, den es darſtellt. Man ſieht die Erde von hier aus mit ganz andern Augen an, als in den niedern Thaͤlern derſel⸗ ben. Man iſt ihr hier fremder, man hat ſich halb und halb von ihr losgeriſſen und darum blict man zu einem men gelee ſeim Ge wohl herl in dieſen ten zur) mel blickt und liebe Millone man die nicht me den Laͤrm chen, kein des Gtat was den und der les wie dem A wie geſt Leichenp les Uar⸗ Klagen, alle Thre liegt ſo darüber ene läͤßt ſie erhebt wie das feſſeln. an nur intzüͤcken in eine anorama weniger e innern erhab⸗ . Man andern derſel⸗ hat ſch darum 217— blickt man mit Sehnſucht zu ihr nieder, wie zu einem Freunde, der ſo eben in unſerm Ar⸗ men gelegen hat, und nun allmaͤhlig aus un⸗ ſerm Geſichtskreis, noch mit dem Tuche Lebe⸗ wohl herwinkend, verſchwindet. Indem man in dieſen ſchoͤnen Augenblicken alle Leidenſchaf⸗ ten zur Ruhe gebracht und verſoͤhnt zum Him⸗ mel blickt, der ſich rein und klar, friedlich und liebevoll um die Erde ſchlingt, und aus Millionen Augen auf ſie niederſchaut— hoͤrt man die Klagen und Seuszer der Menſchen nicht mehr nicht ihre Streitigkeiten, nicht den Laͤrm des Lebens, kein Weinen, kein La⸗ chen, keine Geſaͤnge, keine Todtenglocken. Je⸗ des Grab, jede Wiege iſt verſchwunden. Alles was den Menſchen ruͤhrt und ergreift, erhebt und demuͤthigt, erfreut und betruͤbt, es iſt al⸗ les wie vernichtet, und das Schickſal hoͤrt in dem Augenblick auf zu ſeyn. Man kommt ſich wie geſtorben vor. Man noͤchte ſich ſeine eigne Leichenpredigt halten, man bittet der Erde al⸗ les Unrecht ab, was man ihr zugefuͤgt, alle Klagen, die man um ihretwillen ausgeſtoßen, alle Thraͤnen, die man uͤber ſie geweint hat. Sie liegt ſo friedlich unter einem, wie der Himmel daxuͤher. Wer kann hier noch uͤber ſie zuͤrnen! — 218— Ich vergaß uͤber dieſe und aͤhnliche Be⸗ trachtungen Eſſen und Trinken, denn ich fuͤhlte mich geſaͤttigt. Was ging mich mein Leib in dieſen Augenblicken der Weihe an, wo ich mich mit reuigem Herzen an den Mutterbuſen warf, um hier fuͤr das Leben von Neuem zu geſun⸗ den. Ich ſah' es gerettet. Ein blutiger Krieg lag hinter mir mit ſeinen tobenden Schlachten. So viel Tauſende hatten ihr Grab darin ge⸗ funden, ich den Frieden mit mir ſelber. So viel Tauſende waren als Kruͤppel in die Hei⸗ math zuruͤckgeſchlichen, ich betrachtete unter Freudenthraͤnen meine Glieder, denn es fehlte daran keins; auf den Scheitel dieſes Greiſes hatte mich der Friede gefuͤhrt. Dieſer Ge⸗ danke warf mich nieder, denn er wurde zum Dankgebet gegen den Herrn, der ſeine Engel zu Winden und zu Feuerflammen ſeine Diener macht, der an die Schrecken der Vergangen⸗ heit, den Frieden der Gegenwart und die See⸗ ligkeit der Zukunft knuͤpft, wenn der Menſch das Seine thut und auf Gottes Wegen bleibt. Ich wurde geſtoͤrt. Es kam Geſellſchaft, ein preußiſcher Offizier, ein Handlungsdiener M hielten, 0 mel wiede der ich höher. 9 etwas gal Paſſerfäl Alls, u häher, al gette ſch des Vate man doe burg, A Goͤttinge Füͤrſtenth burg, d ſcaſt M Lauf der nungen Plick 9 lſchaft, jdiener — 219— und ein Oekonom, die beiden Letztern Bruͤder, wie ich nachher erfuhr, alle Dreie matt und muͤde. Sie waren von Clausthal gekommen. Das Geſpraͤch wurde bald lebhaft, denn der Offizier wurde ſogleich mit dem Brocken unzu⸗ frieden, und reizte uns durch paradoxe Be⸗ hauptungen, die freilich Wahrheit genug ent⸗ hielten, obgleich ich dadurch aus meinem Him⸗ mel wieder zur Erde hinab gezogen wurde, auf der ich noch immer, wenn gleich 3480 Fuß hoͤher, als viele Andre, ſtand. Er erwartete etwas ganz anders, als er gefunden, Abgruͤnde, Waſſerfaͤlle, Donnerwetter und wer weiß was Alles, und fand einen Berg, der nur etwas hoͤher, als die ihn umgebenden, war. Ev aͤr⸗ gerte ſich inſonderheit uͤber den kahlen Scheitel des Vater Brockens., Meine Bemerkung, daß man doch von hier aus Halberſtadt, Magde⸗ burg, Quedlinburg, Braunſchweig, Hildesheim, Goͤttingen, das Eichsfeld, Nordhauſen, die Fuͤrſtenthuͤmer Gotha und Weimar, Schwarz⸗ burg, den Petersberg bei Halle, die Graf, ſchaft Mansfeld, das Fuͤrſtenthum Anhalt, den Lauf der Elbe u. ſ. w., daß man in die Woh⸗ nungen von Millionen hinab, und mit einem Blick alle dieſe Laͤnder uͤberſehen koͤnne— — — —ſſ — 220— dieſe Bemerkung galt bei ihm nichts. Das könne er auf jeder Landkarte finden, meinte er, denn nur ſo und nicht anders läͤgen die Län⸗ der hier ausgebreitet. Nichts Einzelnes ließe ſich unterſcheiden, aus den Staͤdten waͤren ro⸗ the Dintenkleckſe, die unten liegenden Berge Maulwurfshuͤgel geworden, die Elbe waͤre zu einem Zwirnsfaden und ganze Waͤlder zu krau⸗ ſem Mooſe zuſammen geſchrumpft. Die Woh⸗ nungen der Millionen erſchienen von hier aus wie buntes Spielzeug, das am Weihnachts⸗ abend den Tiſch ſchmuͤckt, und das Maͤhrchen von den ſieben Meilen⸗Stiefeln waͤre,(er ließ einen gar nicht zu Worte kommen), gewiß hier oben erfunden worden, wo eine Meile eine Spanne waͤre. unterdeß ging die Sonne unter, und ſo viel wir erwartet hatten, ſo wenig fanden wir. Leichte Nebel zogen durch die Thaͤler und um⸗ ſchleierten die Sonne, die ohne Abendroth, ohne ſelbſt zu gluͤhen, immer mehr erblaßte, und endlich ſo ſchnell verſchwand, daß wir nicht einmal den Ort genau angeben konnten, wo ſie untergegangen war. Jeder von uns hatte ſie tauſend Mal ſchoͤner untergehen ſehen. Hier oben halte eine graue ten an.— ben, hei Venſwaſl er fort, 1 uns hieher ſen ſeyn. üice Hdu uns Ale Theil wel dieſem ſte ſer Einöd kalt über. büce K Weges i muß doe herab, pfindliche herabſieh was iſt duß hoh ſt 14,00 her dieſer das heiß Titanen uid ſo den wir. nd um⸗ noroth, blaßte, ir nicht „ wo hatte „ Hier 221— oben hatte ſie nichts zu vergolden, nichts als eine graue Einoͤde ſtarrte uns von allen Sei⸗ ten an. Das hatte noch gefehlt, um den der⸗ ben, heitern, lebensfrohen Offizier ganz in Verzweiflung zu ſetzen.„Es iſt doch,“ fuhr er fort,„nichts als pure, helle Eitelkeit, die uns hieher fuͤhrt. Man will doch hier gewe⸗ ſen ſeyn. Nehmen Sie an, wenn dies gaſt⸗ liche Haͤuschen hier nicht ſtaͤnde, wuͤrden wir uns Alle nicht recht elend fuͤhlen? Ich fuͤr mein Theil wenigſtens; denn wenn ich mich hier auf dieſem ſteinigten Boden, in dieſer Kaͤlte, die, ſer Einoͤde ein Bivouak denke, ſo laͤuft's mir kalt uͤber. Mag man ſich auch auf Augen⸗ blicke Fluͤgel anlegen und von hieraus gerades Weges in den nahen Himmel fliegen, man muß doch wieder zu der alten baufaͤlligen Erde herab, und der Magen raͤcht ſich um ſo em⸗ pfindlicher, je veraͤchtlicher man hier auf ihn herabſieht. Denn ſage man, was man will, was iſt es denn nun mehr, daß ich hier 3400 Fuß hoͤher, als Andre ſtehe. Der Montblanc iſt 14,000 Fuß hoch, jeder Schweizer wird da⸗ her dieſen Brocken fuͤr einen Brocken halten, das heißt, fuͤr ein winziges Ding, das die Titanen beim Himmelsſturm nicht brauchen — 222— 222 konnten, weil ſie es hier ſo iſolirt liegen lie⸗ ßen. Und was iſt es denn fuͤr ein Genuß, die Wohnungen vieler Menſchen en minia- ture mit einmal vor ſich zu ſehen?! Ich will nicht Haͤuſer ſehen, ſondern die Natur in ih⸗ rer Erhabenheit, ſie in ihrem ſtillen, ewigen Wechſel, in ihrem geheimnißvollen Schaffen und Erzeugen belauſchen, und durch ſie mit den Pygmaͤen, zu denen ich leider auch ge⸗ hoͤre, und die wie unbeſcheidne Inſekten in ihr umherkriechen und ſich wie ein Bohrwurm in ſie eingraben— verſoͤhnt werden. Von dem Allen ſeh ich aber hier nichts, ſondern— ein Wirthshaus mit ſeinem Bierwiſch, und Sie Dreie, die Sie das Ungluͤck haben, mir Recht geben zu muͤſſen, eine kahle, ſteinigte Ebne, auf der nichts als Hexenkraut waͤchſt, und ei⸗ nen Hexenbrunnen und Hexenaltar, eine Teu⸗ felskanzel und ein Schneeloch— das iſt die ganze Herrlichkeit, denn von Halberſtadt, Mag⸗ deburg u. ſ. w., ſehe ich hier nicht mehr, als auf jeder guten Spezialkarte, deren Studium mir uͤberdies mein ſeliger Kantor voͤllig verlei⸗ det hat.“ Ich wandte ihm ein, daß ſchon der Gedanke, hier zu wandeln, wo einſt die heidniſchen Myſterien gefeiert worden waͤren, bo die T. hriteah ehrung de genug ſeh, Shm un Ort noch Munde de Grauen de trachte, ¹ dejahre reichen 3 Ort, woh derbare ul chen unſte ſeihen ſeb uns ſo wenn wie ren wolle Zauberin loſe Run Gewande ſie uns a wett unſe und uns den ufül ſch eine iegen lie Genuß, miuia. Ich wil ur in ij⸗ ewigen Schaffen ſee mit auch ge⸗ ſekten in oohrwutm Von dem n— ein und Sie nir Recht te Chne, und ei eine Teu⸗ as iſt die t, Mag⸗ iht, als Studium ig verlei⸗ daß ſchon einſt die n waren, — 223— wo die Walpurgisnacht die abtruͤnnigen, zum Chriſtenthum gezwungenen Sachſen, zur Ver⸗ ehrung des Krodo vereinigt haͤtte, belohnend genug ſey, zumal wenn man bedaͤchte, welche Sagen und Maͤhrchen dieſen ehemals heiligen Ort noch jetzt zu einem bedeutungsvollen im Munde des Volkes erhoͤben; mit welchem Grauen der Aberglaͤubiſche den Blocksberg be⸗ trachte, und wie er es doch ſey, der die Kin⸗ derjahre eines jeden Deutſchen mit einer ſo reichen Wunderwelt erfuͤlle, und gerade der Ort, wohin die kindiſche Phantaſie alles Wun⸗ derbare und Unheimliche verſetze. Die Maͤhr⸗ chen unſrer Ammen ſind wahr geworden, wir ſtehen jetzt an dem Ort, auf den unſre Traͤume uns ſo oft im Geiſt ſchon hingefuͤhrt, und wenn wir auch nicht, wovor uns Gott bewah⸗ ren wolle, Hexen ſehen, ſo doch die große Zauberin Hertha vor und um uns, und zahl⸗ loſe Runenſpruͤche in ihrem weiten, reichen Gewande gewebt, die uns wenigſtens, indem ſie uns an unſre Ohnmacht und an das Stuͤck⸗ werk unſers Wiſſens erinnern, Demuth lehren, und uns mit heiliger Ehrfurcht gegen den Bo⸗ den erfuͤllen koͤnnen, wo einſt, eh das Kreuz ſich eine Welt gewann, die Altaͤre unbekannter — 224— Goͤtter, geheimnißvoller Naturgewalten ſtan⸗ den. Es iſt alſo ein Heiligthum, was uns umgiebt, und woruͤber ein Dom ſich woͤlbt, den wir jetzt nur mit unſerm Glauben, Lieben und Sehnen erreichen koͤnnen, den aber die ſchon erreicht haben, die einſt begierig wie wir, ihre Arme nach ihm ausſtreckten, und von ſuͤßem Wahn befangen, in Brandopfern ihre Tugend und ihre Reue ſahn. Friede ſey ihrer Aſche! Das Andenken an die Entſchlafenen, die hier vor tauſend Jahren ſich ihres Lebens freuten, werden bei uns zum Dankgebet gegen den Vater, der unſre Augen erleuchtet hat, und an den Zeugen einer uuntergegangenen Welt, an den Truͤmmern der Opferaltaͤre, ſchwinge ſich unſer Geiſt empor in die Welt, wo unſre Voraͤltern jetzt an ſchoͤnern, an ewigen Altaͤ⸗ ren, den Gott anbeten, den ſie nur geahnet, den ſie vergeblich hier geſucht. „Wort gehalten wird in jenen Raͤumen, Jedem ſchoͤnen, glaͤubigem Gefuͤhl— Wage Du zu irren und zu traͤumen, Hoher Sinn liegt doch im kind'ſchen Spiel.“ Mit dieſen Worten des entſchlafnen Saͤn⸗ gers, der jetzt auch was er geglaubt gefunden, ſchloß ich, druͤckte dem gewonnenen Freunde, der erüſt iic die Ke dem proſai ben.„ Nute!“ 4 ſrahei, macht der nennt, ni zberwindig nicht den meint el's Muͤhe nich wenn ſie n ſchen woll hiet immet zw eiheben nichts häl Blumenge fall in ſ˖ Mond, d auf dieſen ſende hat der verſteh andern Au des Mdc vor uns hi ten ſtan was uns t wilbt, n, Laaben aber die wie wir, und von fern ihre ſey ihrer ſclafenen, s Lebens bet gegen hat, und n Welt, ſchwinge wo unſre gen Altä⸗ „Heahnet, el.“ nen Säͤn⸗ gefunden, Freunde, 225 der ernſt und nachdenkend geworden war, herz⸗ lich die Hand, und bat ihn und die Andern, dem proſaiſchen Magen jetzt das Seine zu ge⸗ ben.„Wenn's uns hier nicht gefaͤllt, lieben Leute!“ endigte ich,„nun wir haben ja die Freiheit, morgen wieder hinabzugehen, und macht der alte Philiſter, wie ihn Claudius nennt, nichts als Wind, nun ſo giebt es ja uͤberwindige Oerter genug, wo man ſicher iſt, nicht den Schnupfen zu bekommen. Uebrigens meint er's gut mit uns Allen, die ſich die Muͤhe nicht verdrießen laſſen, ihn zu beſteigen, wenn ſie nur nicht multa, ſondern multum ſehen wollen. Das Auge des Geiſtes findet hier immer genug, ſich daran zu erwaͤrmen und zu erheben, und wer von geiſtigem Schauen nichts haͤlt, der bleibe weg und blicke ſeinen Blumengarten an, und den kuͤnſtlichen Waſſer⸗ fall in ſeinem Park, und in den keuſchen Mond, der niemals Wind macht. Wer aber auf dieſen ehrwuͤrdigen Greis, der Jahrtau⸗ ſende hat voruͤber rollen ſehen, ſchilt und zuͤrnt, der verſteht ihn nicht. Ein Greis will mit andern Augen betrachtet ſeyn, als ein bluͤhen⸗ des Maͤdchen, das mit ihrem Blumenſtrauß vor uns hinhüpft, oder als das taͤndelnde Kind, 15 — 226— das uns ſeinen Weihnachtsbaum zeigt, und uns froͤhlich und freigebig zum Naſchen ein⸗ ladet.“ So eben wollten wir in's Zimmer treten, als wir eine ferne Muſik hoͤrten. Wir trau⸗ ten unſern Ohren kaum. Doch ſie kam naͤher und immer naͤher, und wir merkten deutlich, daß ſie von einer Geige herruͤhre. Zuweilen war ſie ſtill, und dann erfuͤllte die Luft ein entſetzliches Gebruͤll und Geheul, das in dieſer Einoͤde, an dieſem unheimlichen Ort, in der Dunkelheit der anbrechenden Nacht, auf uns, die wir ſo eben mit Goͤttern und Geſpenſtern beſchaͤftigt geweſen waren, einen uͤberraſchen⸗ den Eindruck machte. Endlich konnten wir deutlich ein„Hurrah“ unterſcheiden und wieder eins— und ſiehe, zwanzig preußiſche Land⸗ wehrleute drangen im Sturm hinauf, den Gei⸗ ger an der Spitze. Mit einem Hurrah ſtuͤrz⸗ ten ſie ſich auf das Haus los— und der Brocken war erobert.— Ein Landwehrregi⸗ ment war in Wernigerode eingeruͤckt, und das ſchien nun den ehrlichen Weſtpreußen,— denn das waren ſie— Aufforderung genug, den Brocken zu beſteigen, zumal da ſie morgen Viohne, befangenh Die den Fanke Wt weai wohin d kehrt, Empfindi eine albe ſüllen H Mit der nat die ein, ſo w Gäſte ſch iſt; wir richt ali iigt, und dſchen ein⸗ ler teten, Wir trau⸗ lam naher deutlich, Juweilen e Luft ein Liin dieſer t, in der auf uns, eſpenſtern denraſchen, anten wir und wieder iſche Land⸗ den Gei⸗ terah ſtuͤrz⸗ und der dwehrregi⸗ ſckt, und ußen,— ng genug, ſie molgen Ruhetag hatten. Ser. r e 1 dn en, obgleich ſie de anchen halbe Meile gemacht hatten. fnun oben angelangt, ging in der Aerhagnte 9. Tanzen los und dauerte bis drei Uhr, veſe voll Erſtaunen in die aufgehende vfhe d in die unendliche Landſchaft hinabbli en, tuhfücrten und jubelnd wieder Kernszwden beim Schall der ganz ſcheußlich rain nen Violine, die der Spieler mit der groͤßten befangenheit mißhandelte. Die Erſcheinung dieſer Stuͤrmer loͤſchte je⸗ den Funken von Empfindſamkeit in uns aus. Wie traten in das gewohnte Geleiſe neas⸗ wohin der Menſch in der Regel gern zuruͤck⸗ kehrt, gleich als ſchaͤmte er ſich ſeiner nhen Empfindungen, die in luſtiger Geſellſchaft 26 eine alberne Rolle ſpielen, weil ſie nur in 4 ſtillen Heimath des Herzens zu Hauſe 3. Mit der Ankunft der kfraͤhlichen Naturſ 4 trat die Sinnlichkeit wieder in alle ihre Rechte ein, ſo wie der Wirth, wenn ſeine vornehmen Gaͤſte ſich empfohlen haben, wieder der Alte iſt; wir langten daher tapfer zu, zumal da nicht allein fuͤr den Magen, ſondern auch fuͤr — 228— den Gaum geſorgt worden war, eine Sorge, die man wenigſtens hier nicht vermuthet. Man bekommt hier oben eine recht gute Sorte Wein, verſchiedne Braten und was ſonſt wohl ſelbſt der Leckere wuͤnſcht. Es war Zeit, dem Koͤrper Ruhe zu geben, doch die Lagerſtaͤtten ſind hier oben verzweifelt hart, und mich hatte Frankreich ſchon wieder verwoͤhnt. Ueberdies war ich von den man⸗ nigfachen Eindruͤcken des vorigen Tages zu ſehr angegriffen, mein Blut zu ſehr in Wallung, die Geige in der Wirthsſtube zu verſtimmt, die Wehrmaͤnner im Tackt ſchlagen mit den Fuͤßen zu kraͤftig, als daß an einen ruhigen Schlaf haͤtte gedacht werden koͤnnen. Ich traͤumte von nichts als Kobolden, Hexen und Feen, lag bald in tiefen Erdſchollen begraben und ganz Europa lag auf der muͤden Bruſt, bald ſchwamm ich als Silber in ungeheuren Keſſeln, bald als Atom im Weltall, und machte endlich dem Spuck ein Ende. Um zwei Uhr ſaß ich ſchon wieder unter den Laͤrmenden und durchſtoͤberte die zu vielen Baͤnden angeſchwollenen Fremden⸗ buͤcher. Ich fand, daß die wenigſten Reiſen⸗ den mit dem alten Philiſter, wie ſie den Brok⸗ tun nanats Mäſen auch man nit durch fallendn fanden bbe Ich z tundigung date ihn oben nich ſit a Tage hat dit dabei ales ſch mit doyl üͤbel net daß er linge, können; gehen be die blum rand er ſcen d nicht ft wie die 6 Sorg, ermuthet. lite Sorte onſt wohl bald als dlich dem ich ſchon chſtoͤberte Fremden⸗ Reiſen⸗ en Brok⸗ * ken nannten, zufrieden geweſen waren. Die Meiſten hatten wenig oder nichts geſehen; auch manche empfindſame O und Ach's liefen mit durch, ſchlechte Witze waren von den Nach⸗ folgenden oft eben ſo ſchlecht durchgehechelt und fanden ebenfalls ihre Kritikaſter wieder. Ich zog darauf beim Wirth mancherlei Er⸗ kundigungen uͤber ihn ſelbſt ein— und benei⸗ dete ihn nicht. Ich wenigſtens moͤchte hier oben nicht wohnen. Im Sommerhalbenjahr fehlt es ihm zwar an Abwechſelung nicht, alle Tage hat er andre Gaͤſte und ſeine Kaſſe fin⸗ det dabei ihre Rechnung; denn naturlich iſt hier alles ſehr theuer und unbefangen ſchreibt er mit doppelter Kreide, was ihm nur ein Filz uͤbel nehmen kann; allein ſchon der Umſtand, daß er alle Tage andre Geſichter ſieht, Fremd⸗ linge, die ihn oft durchaus nicht intereſſiren koͤnnen; daß Tauſende ihn nur im Voruͤber⸗ gehen begruͤßen, und in die ſuͤße Heimath, in die blumigen Thaͤler wieder hinabſteigen, waͤh⸗ rend er der Einzige iſt, der zuruͤckbleibt— ſchon dieſer Umſtand muß ihn ſeines Lebens nicht froh werden laſſen, da er ja im Thal wie die Uebrigen geboren und erzogen iſt. Selbſt — 230— in den waͤrmſten, ſchoͤnſten Monaten verirrt ſich kein Vogel hieher, kein Schmetterling; keine Blume, außer der anemone alpina, bluͤht dem Einſiedler, kein Baum gruͤnt ihm. Jeder Anachoret in der tiefſten Wildniß hat's hierin beſſer, als er; denn ihm fehlen blos die Menſchen, denen er ja eben aus freien Stuͤk⸗ ken entflohen iſt. Der Brockenwirth hat einen ſchweren Kampf auszuſtehen, weil er ein hal⸗ bes Jahr hindurch taͤglich Kunde von der un⸗ ten liegenden Erde erhaͤlt, ohne ſie anders als in fernem, ſchoͤnen Bilde zu ſehen.— Und nun vollends im Winter. Er lebt dann wie in einer belagerten Feſtung. Mannshoher Schnee hat ſich dann rings um das Haͤuschen aufgethuͤrmt und nur der aufſteigende Rauch aus ihm, giebt den Einwohnern Wernige⸗ rode's Kunde von ſeinem Daſeyn. Mag un⸗ ten die Peſt wuͤthen, oder ein Gott durch die Laͤnder ziehn, er weiß davon nichts; er iſt von allen Lebendigen abgeſchnitten; ſollte er oder Einer aus ſeiner Familie im Herrn ent⸗ ſchlafen, er kann vorher nicht den Troſt der Religion aus des Geiſtlichen Munde hoͤren, und ſeine Leiche muͤßte ſo lange im Hauſe blei⸗ ben, bis der Schnee aufthaut, oder in ihm mittel we Slunden auf Mau ſeht noch 1800 dd rode erbe Fij eine St zeigen, liegenden das aber 0 wat. 2 nicht bie zum O. Vernige⸗ Nag une durch die er iſt ſollte er ern ent⸗ roſt der hoͤren, iſe blei⸗ in ihm begraben werden. Steckt er ein Faͤhnlein aus, ſo hungern die armen Verlaſſenen, und dann wird fuͤr ſchweres Geld ein Maulthiertreiber aus Wernigerode gewonnen, ihnen Lebens⸗ mittel hinaufzuſchaffen, was mit Lebensgefahr verbunden iſt, da alle Wege zugeſchneit ſind, weshalb ein einziger Fehltritt ſchon in die Tiefe ſtuͤrzen kann. Sonſt wohnt der Wirth mit ſeiner Familie recht bequem. Das Haus kann wohl dreißig bis vierzig Fremde faſſen und auch fuͤr Pferde iſt Unterkommen. Alle Lebens⸗ mittel werden aus Wernigerode, was einige Stunden davon, am Fuß des Brockens liegt, auf Mauleſeln hinaufgeſchafft. Das Haus ſteht noch nicht lange. Es wurde im Jahr 1800 vom regierenden Grafen von Wernige⸗ rode erbaut und hat nur ein Stockwerk. Fruͤher ſtand dafuͤr auf derſelben Stelle eine Stange, um den Reiſenden ihr Ziel zu zeigen, und auf der tiefer, aber nahe dabei liegenden Heinrichshöͤhe ein Wirthshaus, das aber nicht ſo bequem, als das jetzige iſt, war. Im Jahr 1799 brannte es ab und iſt nicht wieder aufgebaut worden. Von dort bis zum Brocken geht ein ſchmaler, verdrieß⸗ licher Weg uͤber Torfmoor. Oft haben ſich daher ſonſt Reiſende verirrt, die ohne Weg⸗ weiſer die Spitze des Brockens beſuchten und von einem plötzlichen Nebel eingehuͤllt wurden. Jetzt kann man aus dem Hauſe ſelbſt die ent⸗ zuͤckende Ausſicht genießen und vom Verirren und Erkaͤlten iſt die Rede nicht mehr. Gegen halb drei Uhr verſammelten wir uns oben auf der Warte. Es war verzwei⸗ felt kalt, obgleich es in der Mitte Juli's war. Hier warteten wir auf die Ankunft der Him⸗ melskoͤnigin, die die Bibel ſehr ſchoͤn mit ei— nem Braͤutigam vergleicht. Ihre Boten eil⸗ ten im roſigen Gewande vor ihr her, bis ſie endlich ſelbſt langſam und feierlich hervortrat, und uns von Millionen zuerſt, einen recht freundlichen guten Morgen bot. Kaum aber hatten wir uns von ihrem Anblick losgeriſſen, um den ſehnſuchtsvollen Blick in die noch ſchlummernden Thaͤler zu werfen, als auch ſchon neidiſche Wolken und Nebel ſich uͤber dieſe lagerten und uns von der Erde abſchnit⸗ ten. Nur die Brockenſpitze ſah mit uns neu⸗ gierig aus dem Gewoͤlk hervor. der 1 geſehen, und Auffa nict auf Feder ſdnd 26 Andle hen zu ſch den Well lichen N Durpur Anblik dem bon zuziehen. len, hier ſpiegelt ſedem. und die ein Auf zuhoͤren hier iſt iſt, der Nach und Verge! vorſtiege ſerbortrat, nen recht um aber ggeriſſen, die noch ls auch ch uͤber abſchnit⸗ ins neu⸗ — 233— Der Aufgang der Sonne, von hieraus geſehen, hat durchaus nichts Ungewoͤhnliches und Auffallendes, da es ja in jeder Hinſicht nicht auf die Hoͤhe des Standpunktes ankommt. Jeder ländre Berg verſchafft denſelben Anblick. Ein Andres iſt es, ſie auf dem Meere aufge⸗ hen zu ſehen. Da taucht ſie aus den huͤpfen⸗ den Wellen hervor und ſpiegelt ſich zu unend⸗ lichen Malen darin, das ganze Meer mit Purpur faͤrbend. Doch auf dem Lande iſt der Anblick ihres Aufganges von einem Huͤgel, dem von einem hohen Berge, bei weitem vor⸗ zuziehen. Dort begruͤßen ſie Millionen Keh⸗ len, hier herrſcht die Stille des Grabes; dort ſpiegelt ſie ſich in zahlloſen Thautropfen, an jedem Halme haͤngen Perlen und Edelſteine, und die ganze Natur feiert beim Erwachen ein Auferſtehungsfeſt; hier ſcheint die Zeit auf⸗ zuhoͤren, weil man ihren Wechſel nicht ſieht, hier iſt Alles todt und wuͤſte, und Niemand iſt, der dieſem Felſen angehoͤrt. Nach und nach erhellte ſich die Gegend, und es ſah uͤberall recht ſonntaͤglich aus, als Berge und Thaͤler aus dem Nebelgrabe her⸗ vorſtiegen. Doch war die Beleuchtung nicht, 7) — 23³4— ſcharf genug, um mit bloßen Augen irgend einen Gegenſtand deutlich aufzufaſſen. Wir nahmen zwar das Fernrohr zu Haͤlfe, aber erſtlich konnte ſo nur immer Einer genießen, und dann auch dieſer nur immer einzelne Punkte betrachten, die, nahm man das Glas weg, wie ein Traumbild verſchwanden. Wir hatten endlich in die Ferne genug ge⸗ ſehen, und wandten uns noch zu guter Letzt gegen die Brockenſpitze ſelbſt. Sie kann acht bis neunhundert Schritt im Durchmeſſer, alſo ungefaͤhr eine Viertelmeile im Umfang haben, und iſt ein bemoostes Haupt, voller Steine und Felſen. Unter letztern ragt der ſogenannte Hexenaltar hervor, ein acht Fuß hoher Granit; eine noch hoͤhere ſogenannte Teufels⸗ kanzel, die aber weder einer Kanzel gleicht, noch den Teufel zum Baumeiſter gehabt hat. Auch ein Hexenbrunnen wird dem Neugie⸗ rigen gezeigt, eine nie verſiegende Quelle, de⸗ ren Waſſer rein wie Kryſtall, kalt wie Eis iſt. Endlich iſt noch das Wolkenhaͤuschen zu merken, das ehemals dem Reiſenden ſehr willi⸗ kommen geweſen iſt, da die Witterung hier. oben ſo unbeſtaͤndig iſt, daß in einer Stunde Serneuſch abwechſet weil es vie bfe n in mir ſ men, die ſtern im aber doch tet Viock mwehr hal gerne. 3 es doch zſ gan, wie Uaſet zwar we ſteigen, waͤhlten nach We intereſſan unſtreitig Vaſer naͤ Ilſeſtei ſchroffer von der Steine Jenannte 5 hoher eufels⸗ gleich, abt hat. Neugie⸗ »lle, de⸗ Eis iſt. den zu hr wil⸗ ng hier Stunde — 235— Sonnenſchein mit Regen und Schneegeſtoͤber abwechſelt. Es iſt jetzt faſt ganz verfallen, weil es nicht gebraucht wird. Ehe wir unſern Ruͤckweg antraten, erhiel⸗ ten wir ſaͤmmtlich ein Straͤußchen Brockenblu⸗ men, die ſich freilich mit ihren uͤppigen Schwe⸗ ſtern im Thale nicht meſſen duͤrfen, die man aber doch gern annimmt, weil der alte Va⸗ ter Brocken einem darin beſcheidentlich zuruft: „mehr habe ich nicht, was ich habe, gebe ich aber gerne. Iſt's auch nur unſcheinbar, ſo bewahre es doch zu meinem Andenken auf, das ewig gruͤn, wie das Straͤußchen, bleiben moͤge.“ Unſer Ruͤckweg nach Wernigerode war zwar weit angenehmer, als unſer Hinauf⸗ ſteigen, aber nicht minder beſchwerlic. Wir waͤhlten nehmlich von den drei Wegen, die nach Wernigerode fuͤhren, den laͤngſten und intereſſanteſten, nehmlich durch das Ilſethal, unſtreitig eins der ſchoͤnſten im ganzen Harze. Unſer naͤchſtes Ziel war alſo der merkwuͤrdige Ilſeſtein, ein wohl vierhundert Fuß hoher, ſchroffer Granitfelſen, und unverwuͤſtlicher Zeuge von der Urwelt. Er verdient es, von jedem * — 236— Harzreiſenden beſucht zu werden, ſey er Na⸗ turforſcher, Botaniker, Mineraloge, oder nichts von allen, und nur ein gefuͤhlvoller Menſch, dem es der hoͤchſte Genuß iſt, Gott in ſeinen Werken zu bewundern. Auch er wird befrie⸗ digt werden, wenn er auch nicht das Gluͤck hat, die ſchoͤne Prinzeſſin Ilſe zu ſehen, die ſich vor Sonnenaufgang im Morgenthau ba⸗ det, und den, dem das Gluͤck zu Theil gewor⸗ den, ſie dabei zu belauſchen, in ihr Zauber⸗ ſchioß fuͤhrt und koͤniglich beſchenkt. Denn ent⸗ zuͤckend iſt der Blick in das reiche, romantiſche Ilſethal, von dem hohen Felſen, der ſteil wie eine Mauer ſich zu ſchwindelnder Hoͤhe er⸗ hebt.— Mit großer Muͤhe und Anſtrengung erreichten wir das Thal ſelbſt, und gingen über Ilſenburg, immer am Fuß des Harzes hin, nach Wernigerode, dieſer lebhaften und freundlichen Stadt, die wohl an ſechstau⸗ ſend Einwohner zaͤhlt. Zum Ungluͤck erhob ſich ein maͤchtiges Un⸗ gewitter, das uns mehrere Stunden an die Stube feſſelte. Wir konnten daher da wir an demſelben Tage noch nach Blankenburg wollten, den Schloßberg mit ſeinem Park und . dhüergartet ſich von terdiente u werden. heutigen/ un den E Hintergrun Gewitter Broſt. Söloſſes fahlte und damit, ſc Reichthum länglich f gentüch Gegenſä Begzeif das Lebe zu verwe Gege gleitung ners und Du Wes birgigige Uhr war ſechetau⸗ iges Un⸗ an die da wir nkenburg Dark und — 237— Thiergarten nur fluͤchtig beſuchen. Die Aus⸗ ſicht von hier nach dem Brocken iſt einzig und verdiente wohl, von einem Maler aufgefaßt zu werden, zumal an einem Tage wie dem heutigen, wo die dunklen Gewitterwolken rings um den Brocken einen unbeſchreiblich ſchoͤnen Hintergrund bildeten. Die Luft war nach dem Gewitter rein und lau, und erweiterte unſre Bruſt. Gern haͤtten wir das Innere des Schloſſes in Augenſchein genommen, aber es fehlte uns dazu an Zeit und wir troͤſteten uns damit, ſchon mehrere geſehen zu haben. Der Reichthum der Natur entſchaͤdigt uͤberdies hin⸗ laͤnglich fuͤr einen entbehrten Genuß, der ei⸗ gentlich nur fuͤr den Werth hat, der noch nie Gegenſtaͤnde des Luxus geſehen, und keinen Begriff hat von den ſinnreichen Anſtalten, ſich das Leben bequem zu machen, und ſich, ſelbſt zu verwoͤhnen und zu verzärteln. Gegen fuͤnf Uhr Abends ging ich in Be⸗ gleitung des vorhin erwaͤhnten Handlungsdfe⸗ ners und ſeines Bruders nach Blankenburg. Der Weg dahin iſt im Vergleich mit den Ge⸗ birgegegenden, ſehr einſoͤrmig.— Um acht Uhr waren wir an Ort und Stelle, und bezo⸗ — 238— gen einen guten Gaſthof. In der Regel wird man in den Gaſthoͤfen auf dem Harz recht gut bewirthet, muß aber auch die Luft mit bezah⸗ len. Ich uͤberzaͤhlte meine Kaſſe und fand eine ſo betraͤchtliche Ebbe, daß ich beſchloß, noch viel ſparſamer zu leben und nur das Merkwuͤrdigſte zu beſehen. Wir wollten am andern Morgen nach der Roßtrappe gehen und von dort nach Bal⸗ lenſtaͤdt. Der junge Handlungsdiener aber, ein etwas verzäͤrteltes Soͤhnchen, deſſen erſte Ausflucht dieſe Reiſe ſeyn mochte, hatte ſich erkältet, trank viel Thee und wurde ſchrecklich krank. Der Arzt flog aus und ein, und ich wanderte mit ſeinem Bruder, dem die Zeit lang waͤhren mochte, unterdeß nach dem Re⸗ genſtein, in der Hoffnung, daß unterdeß die Kriſis eintreten und den Todtkranken wieder auf die Beine helfen werde. * Der Regenſtein oder Reinſtein, ein iſolirter hoher Felſen, liegt ungefaͤhr eine halbe Stunde noͤrdlich von Blankenburg, unſtreitig der noͤrdlichſte Punkt des ganzen Unter⸗Harzes, und ganz zu einem alten Raubſchloſſe geſchaf⸗ . wiſchen Geite iſt Aagriff m fen dit hil ſt dus che ſörte Rau die umlieg fuͤr Blan man auc mes und von Nein men und ſöczernen rade ube denkt, w les erlau bewohne ſauern geben m Ritters ſcaft R hinde, netal Wa .anſihei denburg ſchreckſich und ich n die Zeit dem Re⸗ zterdeß die in wieder * in, ein ine halbe unſtreitig r⸗hatzes, geſchaf⸗ hatte ſch — 239— fen. Nur ein einziger Fußſteig windet ſich zwiſchen Gebuͤſch hinauf, und nur auf dieſer Seite iſt ein doch noch immer ſehr mißlicher Angriff moͤglich, auf den andern Seiten lau⸗ fen die Felſen ſchroff hinab. In fruͤhern Zeiten iſt das ehemals oben ſtehende, jetzt voͤllig zer⸗ ſtoͤrte Raubſchloß, eine wahre Landplage fuͤr die umliegenden Gegenden geweſen, vorzuͤglich fuͤr Blankenburg und Quedlinburg, weshalb man auch dieſer Stadt ihr ſcheinbar grauſa⸗ mes und hartes Verfahren gegen den Grafen von Reinſtein, den die Buͤrger gefangen nah⸗ men und zwei Jahre lang in einem großen hoͤlzernen Kaſten eingeſperrt hielten, nicht ge⸗ rade uͤbelnehmen kann, ſobald man nur be⸗ denkt, was ſich jene Herren Stegreifsritter Al⸗ les erlaubten und wie ſie die wehrloſen Thal⸗ bewohner mißhandelten, die nicht allein ihren ſauern Schweiß, ſondern auch ihre Toͤchter her⸗ geben mußten, um die Gnade ihres geſtrengen Ritters nicht zu verlieren. Schloß und Graf⸗ ſchaft Reinſtein iſt ſpaͤterhin durch mehrere Haͤnde, auch durch die raubgierigen des Ge⸗ neral Wallenſtein's gegangen, bis jenes im ſie⸗ benjährigen Kriege zerſtoͤrt, dieſe von Bran⸗ denburg genommen wurde, wiewohl Braun⸗ ſchweig darauf wohl gerechtere Anſpruͤche ma⸗ ſchen duͤrfte. Vom Schloſſe finden ſich keine anderen Ue⸗ berreſte mehr, als die in den Fels gehauenen Zimmer, Keller und Gewoͤlbe. Alles Andre hat der Zahn der Zeit vernichtet. Der noch oben ſtehende, waſſerloſe Brunnen, hat zwar noch jetzt eine recht betraͤchtliche Tiefe, wird aber von Woche zu Woche ſeichter, da jeder den Felſen Beſuchende einen oder mehrere Steine hinein wirft, um ungefäͤhr ſeine Tiefe zu ſchaͤz⸗ zen. An achtzig Fuß mag er wohl demunge⸗ achtet noch tief ſeyn. Man genießt von der Hoͤhe dieſes Felſens eine unbeſchreiblich reizende Ausſicht in das weite Thal, das nur ſuͤdlich von einem Kranz von Bergen begraͤnzt wird. Der Felſen iſt ſo hoch, daß uns eine im Thal weidende Vieh⸗ heerde kaum ſichtbar war, daß majeſtaͤtiſche Baͤume zu Geſtraͤuch zuſammen ſchrumpften und Baͤche zu Silberſtreifen wurden. Die ſchoͤnſte Ausſicht hat man von dem ſogenann⸗ ten Generalsſitz, der hoͤchſten, herausragenden Spitze des Felſens, von wo man zur Seite die vierhundert Fuß tiefe ſenkrechte Felſenwand aup getal e gevi des ruhigſ gruade di pochen An vuſchmiht ſi iſt der Es t. Vlankenbe Roßtrapp als die l pfen leiden als die R das War auch ech Schloß Berge, ten beſtz wig XV. von Lille Porzellait dann nur den Harg haben all Gewähne btüche ne, aenderen Ue, gehauenen Illes Andre Der noch hat zwar efe, wird ' da jeder ere Steine ee zu ſci ſs Felſens ht in das nem Kranz elſen iſt ſo ende Vieh⸗ ſgjeſtaͤtiſche hrumpften n. Die ſogenann⸗ Sragenden ur Seite elſenwand demunge⸗ ganz genau betrachten kann, freilich nicht ohne eine gewiſſe Bangigkeit, die ſich wohl auch des ruhigſten Gemuͤthes dort bemaͤchtigt. Doch gerade dieſe Bangigkeit iſt die Wuͤrze eines ſolchen Anblicks. Was einem wohlfeil wird, verſchmaͤht man gern, und der gefahrloſe Be⸗ ſitz iſt der alltaͤgliche. Es war Mittag, als wir wieder nach Blankenburg kamen. Die Sehnſucht nach der Roßtrappe war bei meinem Gefaͤhrten groͤßer, als die Liebe zu dem noch immer am Schnu⸗ pfen leidenden Bruder, und bei mir groͤßer, als die Neugierde, Blankenburg zu beſehen, das zwar ein recht niedliches Staͤdtchen iſt, auch recht romantiſch liegt, inſonderheit das Schloß auf einem die Stadt beherrſchenden Berge, das ſogar auch einige Merkwuͤrdigkei⸗ ten beſitzen ſoll, z. B. das Haus, worin Lud⸗ wig XVIII., Koͤnig von Frankreich, als Graf von Lille inkognito gewohnt hat, ferner eine Porzellain⸗Niederlage u. ſ. w., das aber doch dann nur den Reiſenden feſſeln kann, wenn er den Harz erſt beſuchen will. Dann freilich haben alle Kleinigkeiten Werth, und ſelbſt das Gewoͤhnliche, was man zu Hauſe auch findet, 16 — 242— erſcheint einem dann wichtig, indem man ja auf Reiſen iſt. Ich hatte aber ſchon von der Himmelsſpeiſe gekoſtet und war in den Geſchmack gekommen, daher widerſtanden mir ein Gericht „Gern geſehn“ und die hausbacknen Reize der Welt.— Wir eilten nach der Roßtrappe. Quedlinburg lag außer dem Plan meines Streifzuges, ſonſt haͤtte ich gern dieſe alte, ehrwuͤrdige Stadt mit ihren Merkwuͤrdigkeiten, dem Grabmal der Kaiſerin Mathilde, Gemah⸗ lin Heinrichs des Finklers, der Gruͤnderin des hieſigen Stiftes, und dem der beruͤhmten Graͤ⸗ fin Aurora von Koͤnigsmark, den merkwuͤr⸗ digen Reliquien, aͤchten und unaͤchten— beſucht.. Ich kannte die Roßtrappe ſchon aus manchen Erzaͤhlungen und Beſchreibungen, und war daher um ſo geſpannter auf den Anblick derſelben.— Wer hat nicht von ihr gehoͤrt und von der kuͤhnen Prinzeſſin, die, um einem Rieſen zu entfliehn, auf ſeinem eignen Rieſen⸗ roſſe, den Sprung uͤber den furchtbaren Ab⸗ grund wagte und von Engeln hinuͤber getragen wurde, waͤhrend der nacheilende Rieſe in der Tiefe des Abgrunds Krone und Leben verlor! 1 Wit ließen den wir hiſtrie ſhööſt in des Volts hrehen ſi Gagen bit von der argen he Unterneh zu ſamm nur gegen aber einſ wolle es richt dbe darum Spinnſt zuſchreib ſein Ven zu mach ſoort me Anfang diß ihre Von Dökfchen em man jn bon von der en Giſchmack p ein Gaicht n Razze der oßtrappe. ſan meineg dieſe alte, würdigkeite, lde, Gemah, ruͤnderin des ühmten Grä⸗ in merkwuͤr⸗ nächten— ſchon aus bungen, und den Anblick ihr gehort , um einem unen Rieſen⸗ ſtbaren Ab⸗ ler getragen tieſe in der en verlör! — 243— Wir ließen uns unterweges von unſerm Boten, den wir aus Blankenburg mitnahmen, dieſe Hiſtorie auffriſchen, doch dieſe Art Leute ſchoͤpft in der Regel nicht aus dem Munde des Volks, ſondern aus Buͤchern, daher ver⸗ drehen ſie nicht ſelten in ihrem Unverſtand die Sagen bis zum Unkenntlichen, oder luͤgen friſch von der Leber weg, wo ſie die Sage zu er⸗ ganzen haben. Ueberhaupt iſt es ein mißliches Unternehmen, in dieſen Gegenden alte Sagen zu ſammeln. Das Volk iſt mißtrauiſch und nur gegen Vertraute offenherzig, gegen Fremde aber einſylbig und kalt; denn es glaubt, man wolle es zum Beſten haben, und kann ſich nicht uͤberreden, daß es Jemandem wirklich darum zu thun ſey, ſolche Sagen, die die Spinnſtuben beleben, zu ſammeln und nieder⸗ zuſchreiben. Welche Muͤhe es aber koſtet, ſich ſein Vertrauen zu erwerben und es offenherzig zu machen, iſt bekannt genug. Gewoͤhnlich er⸗ fährt man Luͤgen oder die Sache halb, ohne Anfang und Ende, zumal wenn ſie merken, daß ihre Redſeligkeit ſie belohnen werde. Von Blankenburg nach Thale, einem Doͤrſchen am Eingang der Roßtrappe, laufen zur Linken zuſammenhaͤngende, ſteile Berge bis zum Erzgebirge. Sie haben viel Aehnlichkeit mit Duͤnen, und vielleicht hat ſie das Meer auch gebildet, das in der Vorzeit bis hieher ſeine Wogen getrieben. Die unendlichen Ver⸗ ſteinerungen von Seethieren machen dies noch wahrſcheinlicher. Das Volk aber glaubt, ſie habe der Teufel aufgefuͤhrt— daher ſie un⸗ ter dem Namen der Teufelsmauer bekannt ſind. Dieſer Unhold hat in fruͤheren Zeiten eine eben ſo große, als ſonderbare Rolle ge⸗ ſpielt, nehmlich die eines Dieners des Heiligen und Goͤttlichen. Wider ſeinen Willen hat er bei der Gruͤndung deſſelben helfen muͤſſen. Aus Ingrimm hat er's denn oft wieder zum Theil zerſtoͤrt, oder wenigſtens den Bauleuten einen ärgerlichen Querſtrich gemacht, z. B. irgend einen geſchickten Baumeiſter den Hals brechen laſſen. Werke, deren Urſprung man nicht kennt, ſchreibt das Volk noch jetzt gar gern dem Teufel zu, der ſich Alles gefallen laſ⸗ ſen muß. Selten hat ein Dorf eine ſo reizende Lage, als Thale. Es ſcheint fuͤr Liebende angelegt zu ſeyn, die hier ihr Arkadien genießen wollen. Es il mit Iöylle; 46 zen nu e ſtrſt, d ganöſchſt nach der Joßtrappe auf einemm windenden wege, drohenden inds Fleie ſeht,— anläuſt, ſchern S ſendlch winken; nach ein mit ſteid nern Bli Stelle, ſort, und die kluge vic ige während hes nach iiſſen, Aus m Wheil leuten einen B. irgend Hals hrechen man nicht t gar gern jefallen laſ⸗ zende bage, de angelegt den wolen. „ Es iſt mit ſeinen Umgebungen eine verkoͤrperte Idylle; es fehlt ihm auch keins der Ingredien⸗ zen zu einer maleriſchen, entzuͤckenden Land⸗ ſchaft, der Art, daß am Ende jede Phantaſie⸗ Landſchaft an Thale erinnert. Von hier geht's nach der ſchon im Eingang des Thals der Roßtrappe liegenden Weißblechhuͤtte, und nun auf einem ſchmalen, ſich durch dichtes Laubholz windenden Fußſteige, einem wahren Suͤnden⸗ wege, ſo lieblich iſt er, nach den Verderben drohenden Abgruͤnden. Nicht eher kommt man in's Freie, als bis man auf der Felſenzunge ſteht, die in den gewaltigen Felſenkranz hin⸗ einlaͤuft, der ſie auf drei Seiten umgiebt. Un⸗ ſichern Schrittes geht man vorwaͤrts, waͤhrend feindliche Daͤmonen aus dem Abgrund hinauf⸗ winken; das uͤberraſchte Auge ſucht vergebens nach einem Ruhepunkt, nach einer Wehr, und mit ſteigendem Herzklopfen und immer trunk⸗ nern Blickes ſchleicht man uͤber die gefaͤhrlichſte Stelle, die nur drei bis vier Fuß breit iſt, fort, und ſteht an der rieſengroßen Roßtrappe, die kluge Leute fuͤr unaͤcht halten und mit wichtiger Miene ein Spiel der Natur nennen, waͤhrend die fromme Einfalt ſchuͤchternen Au⸗ jes nach dem gegenuͤber ſtehenden Felſen blickt, — 246— und ſich ſchaudernd den wunderbaren Sprung im Geiſte vergegenwaͤrtigt; denn gewiß vier⸗ hundert Schritt und druͤber iſt die Felſenzunge von dem Kranz entfernt, und wie eine Mauer ſo ſteil und ſchroff laufen die Felſen klippen⸗ und zackenfoͤrmig an ſiebenhundert Fuß herab, ſo daß es Wahnſinn waͤre, an ihnen hinab oder herauf klettern zu wollen. Paßt irgend wo die beliebte Redensart,„ſolch ein Anblick will nur genoſſen, nicht geſchildert ſeyn,“ ſo iſt es hier, wo die Gottheit ihr„Werde“ im Zorn geſprochen hat. Ich habe die Schweiz nicht geſehen, aber die Roßtrappe iſt ein Bild von ihr. Wilder und romantiſcher kann wohl keins ihrer Thaͤler ſeyn, wenn freilich auch hier die Gletſcher fehlen. Das ganze Thal, oder beſſer die Schlucht, der Abgrund iſt uͤberall mit Gehoͤlz bedeckt, das oben wie kurzes Kraut erſcheint. Durch die eine Felſenſchlucht weſtlich von der Felſen. zunge, draͤngt ſich brauſend und ſchaͤumend die Bode, und bildet einen Waſſerfall, der aber oben kaum geſehen werden kann wo ſelbſt die ſtaͤrkſten Saͤgebloͤcke wie Holzſpaͤne ausſehen, und die Holzfäller zu Inſekten werden. Die aus do und ſchte Piſtolen Echo a raͤumen daß die ſammen dand un. doch Proht ſeigen 4 Sprung gewiß dier, delſenzunge ine Mautt ſn hlippen, Buß herah, nen hinab ſoßt irgend ein Anblick ſeyn,“ ſo Verde“ im ie Schweiz ein Bild kann woßl hauch hier e Sohlucht is bedect, t. Dunch der Felſen. umend die der aber ſelbſt die ausſehen, en. Die 247— Felsufer der Bode bilden die wunderlichſten Geſtalten, die ſelbſt die aͤrmſte Phantaſie fuͤr verfallne Schloͤſſer, Thurmſpitzen, oder verſtei⸗ nerte Menſchenfiguren halten moͤchte. Sie be⸗ ſtehen, ſo wie die uͤbrigen Felſen, aus viel Glimmer enthaltendem Granit. Wir fanden oben Geſellſchaft, mehrere junge Freiwillige und ein recht niedliches Maͤd⸗ chen, das, ſein Geſchlecht verlaͤugnend, uͤber die gefaͤhrlichſten Stellen gegangen war. Er⸗ ſtere hatten Piſtolen bei ſich. Um das herrli⸗ che Echo recht zu genießen, ſtiegen wir einige Fuß hinab, nach einem Felſen, der ganz in Form einer Kanzel hervorſprang. Von hier aus bogen wir uns in den Abgrund hinuͤber und ſchoſſen, obgleich es verboten ſeyn ſoll, die Piſtolen zu wiederholten Malen ab. Das Echo antwortete in minutenlangen Zwiſchen⸗ raͤumen ſechs bis ſiebenmal und ſo entſetzlich, daß die Felſen erbebten und unter einem zu⸗ ſammen zu ſtuͤrzen drohten. Es wurde uns ganz unheimlich dabei. Doch wir ſollten noch auf eine haͤrtere Probe geſtellt werden. Schon beim Hinauf⸗ ſteigen lagen am weſtlichen Horizont raben⸗ .— 248— ſchwarze Wolken, und die Sonne ſtach und brannte unertraͤglich. Jetzt kam das Ungewit⸗ ter naͤher, ein dumpfes Donnern verkuͤndigte ſeinen Anzug. Nicht lange und es fielen ein⸗ zelne große Tropfen, und ploͤtzlich war es dunkle Nacht um uns, und der Regen ergoß ſich in Stroͤmen. Ich ſchlug, in dieſen Augen⸗ blicken der Angſt mehr von Mitleid, als Ga⸗ lanterie erfuͤllt, meinen Mantelkragen um den ſchoͤnen Hals des zitternden Maͤdchens, ſchuͤtzte ſie dadurch etwas wenigſtens gegen den Regen und erndtete einen dankbaren— Blick ein.— Der Donner rollte mit entſetzlichem Krachen uͤber uns hin und verſetzte uns nach Leipzigs Feldern, die wir Alle noch in friſchem An⸗ denken hatten. Wie ein geſpaltnes Grab gaͤhnte der Abgrund um uns herauf und ein Schritt nur trennte uns von ihm. Ueberall waren wir vom Tode umgeben, die ſchwefel⸗ gelben Blitze ſchmetterten eine Eiche nach der andern in unſrer Naͤhe nieder, und Keiner von uns glaubte dieſe Stunde zu uͤberleben. Nie habe ich Mutter Natur ſo im Zorn geſehen; war's doch nicht anders, als wollte ſie noch eine gebaͤhren, wie Schiller vom tobenden Meere ſpricht. Doch auch dieſe Minuten ſtark geh Vagewitt uns dode ſchrockn brechli im B. nende Do⸗ wir wu dacch d uns w nur d buͤcken d ſach und das Ungewit, verkündigt, 3 felen ein⸗ war a lgen erß lſen Augen⸗ ſd, als Ga⸗ 3 (den um den bens, ſchüte den Negen Blick ein.— ſm Krachen ch Leipzigs giſchem An⸗ ltnes Grab auf und ein Aleberall die ſchwefel de nach der Keiner von ben. Nie n geſehen; e ſie noch tobenden Minuten — 240— gingen voruͤber. Der Himmel wurde, wie ja nach jedem Gewitter, wieder heiter, der Zorn war wiederum in Liebe verwandelt und wir zum Erbarmen durchnaͤßt. Die Natur hat ein ſanguiniſches Temperament. Es iſt ihr im Augenblick leid, geſcholten und gezuͤrnt zu ha⸗ ben, drum iſt ſie nach geſtilltem Aufruhr zwie⸗ fach zaͤrtlich und freundlich, und legt die zit⸗ ternden erſchreckten Kinder mit noch heißerer Liebe an ihre Bruſt, um ihren Angſtruf ſchnell in Jubellieder zu verwandeln. So ging's uns Schwachen, die wir uns fuͤr wer weiß wie ſtark gehalten hatten, und bei Annaͤherung des Ungewitters uns ſchon im Voraus uͤber den uns dadurch bereiteten Genuß freuten. Nicht er⸗ ſchrockner moͤgen die Stammaͤltern unſers ge⸗ brechlichen Geſchlechtes geweſen ſeyn, als ſie im Bewußtſeyn ihrer Strafbarkeit, die zuͤr⸗ nende Stimme des Herrn hoͤrten. Doch die Natur lag zu ſchoͤn vor uns da, wir wurden bald wieder ruhig und ließen uns durch die Sonne trocknen. Nichts blieb von uns unverſucht, um unſerm Standpunkt alle nur erdenklichen Reize abzugewinnen. So buͤckten wir uns z. B. und betrachteten durch d — 250— —. 7.. 1 die Schenkel die Felſen und Abgruͤnde, die ſich nun verkehrt darſtellten, doch iſt dieſe Stellung ſehr gefaͤhrlich. Wir wurden von unſerm Fuͤh⸗ rer ferner nachdruͤcklich gewarnt, keinem Baum zu trauen, deſſen Wurzeln von den Felſenritzen nur loſe gehalten werden. Er erzaͤhlte uns ein ſehr trauriges Beiſpiel von einer ſolchen Zu⸗ verſicht, die hier zur Thorheit, zum Verbre⸗ chen wird.„Mehrere Studenten beſuchen die Roßtrappe, und ſind froͤhlich und guter Dinge. Der Wein, den ſie mitgenommen, des Bur⸗ ſchen liebſter Begleiter, erhoͤht ihre Froͤhlich⸗ keit. Einer von ihnen kriecht hier und dort hin, und will endlich gerade uͤber von der Fel⸗ ſenzunge an einer ebenfalls horizontal hervor⸗ ſpringenden Klippe, die aͤußerſte Spitze gewin⸗ nen. Zu dem Ende umfaßt er vertrauungsvoll einen am Rande des Abgrunds ſtehenden dik⸗ ken Baum, der aber in dem Augenblick, wo er um ihn herum ſteigen will, mit ſeinen Wurzeln loslaͤßt und den Ungluͤcklichen mit ſich hinunter in den Abgrund ſtuͤrzt. Seine ſo ploͤtzlich in die groͤßte Betruͤbniß geſetzten, Ge⸗ faͤhrten fanden nach langem Suchen den Leich⸗ nam bis zur Unkenntlichkeit verſtuͤmmelt.“ Dieſe Erzaͤhlung, ſo lehrreich ſie uns war, diente gerdd evich 1 nhalt de Stell gegeben. leerh dieſem 5 nicht der hhbrict i eeheitern froͤhlichen thum, di begrabene tindlich und ged Zacken hohe T Seele habne gen G. Ordnun uum He Idiche tett.— hierhur. der R de, die ſch iſe Stellun nſetm üh, inem Baum Felſenritzn te uns ein ſolchen Zu⸗ um Verbre⸗ beſuchn die zuter Dinge, „ des Bur⸗ ke Frahlich⸗ e und dort on der Fel⸗ tal hervor⸗ ditze gewin⸗ frauungsvoll thenden dit⸗ Inblick, wo mit ſeinen en mit ſich Seine ſo ſezten Ge⸗ dden Leich⸗ t.“ Dieſe , diente * gerade nicht dazu, uns in unſrer Stimmung zu erhalten. Schaudernd ſahen wir nach der Stelle hin, die dem Armen den Tod gegeben. Ueberhaupt wird das heiterſte Gemuͤth auf dieſem Standpunkt ernſt und ſtill. Hier iſt nicht der Ort zum Lachen und Scherzen, und thoͤricht iſt der, der zu dem Ende hierher den erheiternden Wein mitbringt, um ſich in ſeiner froͤhlichen Laune zu erhalten. Dies Heilig⸗ thum, dieſer Kirchhof einer vor Jahrtauſenden begrabenen Urwelt, verlangt ein frommes, eindlich⸗frohes Gemuͤth, um gehoͤrig erkannt und gewuͤrdigt zu werden. Es ſind nicht die Zacken und Klippen und die ſiebenhundert Fuß hohe Tiefe, es iſt nicht das Chaos, was die Seele mit Staunen erfuͤllt, ſondern der er⸗ habne Baumeiſter, der mit ſeinem allmaͤchti⸗ gen Geiſt in dieſem Chaos lebt, das fuͤr ihn Ordnung iſt, er iſt es, der ſo maͤchtig hier zum Herzen ſpricht, daß es da betet, wo der Irdiſchgeſinnte ſich nur wundert, der Feige zit⸗ tert.— Auch der Schwermuͤthige wandre nicht hierher. Sieht er auch in dieſem Nachtſtuͤck der Natur ſein eignes Bild, gewaͤhrt es ihm — 252— auch einen gewiſſen Einklang mit ſeinen Em⸗ pfindungen, die wie Klippen in das ſchoͤne Le⸗ ben hineinfaſſen und keine ſegnende Tiefe, ſon⸗ dern einen Abgrund verrathen; ſieht er auch wie ein Kind ſeine Spielzeuge hier, blickt er auch mit Wolluſt in die eutſetzliche Tiefe hin⸗ ab, die nach ſeiner Meinung blos darum da zu ſeyn ſcheint, daß ſich ein Verzweifelnder in ſie hineinſtuͤrze: ach! Frieden koͤnnen ihm dieſe Felſen doch nicht geben, allenfalls den Tod, der hier ewig geſchaͤftig iſt. Bringſt du den Frieden aber mit, biſt du ſchon verſoͤhnt, ſchlaͤgt dein Herz ruhig, haſt du ſchon die ewige Liebe erkannt und empfunden, gehoͤrſt du nicht zu den leeren Phariſaͤern, die ſo gern Gott den Herrn verſuchen, willſt du mehr als eine ſchlechte Neugierde befriedigen, dann wan⸗ dre hierher und ich ſtehe dir dafuͤr, du haſt deinem Leben einen Feiertag abgewonnen, deſ⸗ ſen Himmelsakkorde hinuͤber reichen in die Ewigkeit. Es iſt zwar ein Nachtſtuͤck, das du hier ergriffenen Herzens ſiehſt, aber nur des Nachts ſchimmern Gottes Sterne, und die engen Graͤnzen der Welt verlieren ſich in das ewige Weltall und der Blick eilt im Gedan⸗ kenfluge von der Erdſcholle fort, die den Geiſt — an Tage hef niede reuden 1 trmnle hie mit hatten ſ wie der gen wir, Jeder ſe nach Ge Ger thal ſe gegenͤ der S toß tu wagte; war dq hüͤlz g ſlräuch haaab, dringen ben. es mi veifelnder in en ihm dieſe ls den dod, Iſt du den verſihnt, ſchon die n, gehoͤrſt die ſo getn mehr als dann wan⸗ „ du haſt men, deſe n in die uck, das aber nur und die in das Gedan⸗ den Geiſt — 253— am Tage zu ſeinem bunten, blumigen Kirch⸗ hof niederzieht, und an eitle Genuͤſſe und Freuden feſſelt. Es war endlich Zeit zum Aufbruch. Ich trennte mich voll Ruͤhrung von den Gefaͤhrten, die mir der Zufall zugefuͤhrt. Unſre Wege hatten ſich durchkreuzt, und ohne zu wiſſen, wie der Andre hieß, noch wo er her war, gin⸗ gen wir, nach einem herzlichen Haͤndedruck, ein Jeder ſeine Straße. Die meinige ſollte mich nach Gernrode fuͤhren. Gern haͤtte ich noch das Roßtrappen⸗ thal ſelbſt beſucht und den der Feiſenzunge gegenuͤber liegenden Tanzplatz, wo, nach der Sage, die fluͤchtige Prinzeſſin ihr Rieſen⸗ roß tummelte, ehe ſie den furchtbaren Sprung wagte;— allein durch den gewaltigen Regen war das unten ſtehende wild verwachſene Ge⸗ hoͤlz ganz unzugaͤnglich geworden. Jedes Ge⸗ ſtraͤuch ſchuͤttelte einen Regenſchauer auf mich herab, daher unterließ ich es, weiter vorzu⸗ dringen. Der Koͤrper will auch ſein Recht ha⸗ ben. Den Tanzplatz zu beſuchen, dazu fehlte es mir an Zeit. Ich hatte uͤberdies fuͤr heute genug geſehen und ſehnte mich nach Ruhe. Sie wurde mir erſt nach zwei Stunden. Der Weg nach Gernrode fuͤhrt durch das Dorf Steklenberg, bei dem die Truͤmmer der Lauenburg liegen. Dieſe Burg, ſo wie faſt alle andre im Harze, z. B. die Harzburg die Staufenburg, der Hohnſtein u. a. m., ſind faſt ganz verfallen und ſo mit Geſtraͤuch uͤber⸗ wachſen, daß es ſehr ſchwer haͤlt, einen Stand⸗ punkt zu gewinnen, der eine ertraͤgliche Ans, ſicht verſchafft. Erſt ſpaͤt kam ich in Gernrode an, wo ich den Gaſthof auf dem die Stadt beherrſchenden reizenden Stubenberge waͤhlte, dem ge⸗ woͤhnlichen Vergnuͤgungsort der Einwohner. Ich blickte noch eine Zeitlang in die untergehende Sonne, bis ſie hinter Felſen und Waͤldern verſchwand, rief das heute Geſehene und Em⸗ pfundene noch einmal recht lebhaft zuruͤck, um den Eindruck deſſelben feſtzuhalten, nahm ein einfaches Mahl zu mir und ſchlief wie ein Todter. In der Fruͤhe des andern Morgens wurde wieder aufgebrochen. Ich war wieder allein und meinen Traͤumereien uͤberlaſſen, die nur zuteiben oder ein ſierter ner Kind weilen 9 um tuu und Sied cher, vnd handeln gierigen konnten, ſey, den ten Hat Muuſch Södedt Jal u thal, um dei der naͤ Da⸗ zendſte vad bel genädnd Menſch jedem nach Ruhe. Kunden. ört durch das Aümmet det b wie faſ darzburg die 4 w., ſind dſtraͤuch über⸗ einen Stand⸗ teglie Aug, ean, wo ich therrſchenden „ dem ge⸗ awohner. Ich untergehende und Wäldern ene und Em⸗ tzuruͤck, un „ nahm ein lef wie ein egens wurde vieder allein n, die nur — 255— zuweilen der einfache Gruß eines Landmanns, oder ein ſchoͤnes Gehoͤlz, oder ein herrlich ge⸗ zierter Schmetterling, denen ich noch von mei⸗ ner Kindheit her gut bin, unterbrach. Zu— weilen ging ich auch wohl mit dieſem und je⸗ nem tauſend Schritt und erzaͤhlte von Krieg und Frieden, von Paris und dem alten Bluͤ⸗ cher, und befriedigte dadurch die mit den Welt⸗ haͤndeln ziemlich unbekannten, aber doch neu⸗ gierigen Landleute, die es gar nicht vegreifen konnten, wie ich auf den Einfall gekommen ſey, den nach ihrer Meinung ſehr unintereſſan⸗ ten Harz zu beſuchen. So gewoͤhnt ſich der Menſch zuletzt auch an das Herrlichſte und Schoͤnſte, und findet es alltaͤglich.— Mein Ziel war heute zunaͤchſt das ſchoͤne Selke⸗ thal, von dort wollte ich nach Haſſelfelde, um den merkwuͤrdigen Hoͤhlen des Harzes wie⸗ der naͤher zu kommen. Das Selkethal iſt unſtreitig das rei⸗ zendſte Thal im ganzen Harze. Es hat wilde und belebte, ſanfte und rauhe Parthieen, Ge⸗ genſtaͤnde der thaͤtigſten Betriebſamkeit der Menſchen und Denkmaͤler der Vorwelt. Mit jedem Schritt entdeckt man neue Schoͤnheiten — 255— an und in ihm. Es iſt wohl ſechs Stunden lang, endigt nicht weit von Ballenſtaͤdt und wird von der Selke, einem Fluͤßchen, wie die Bode, durchfloſſen. Vorzuͤglich erſcheint es demjenigen reizend und erquickend, der von der Roßtrappe kommt. Ihm loͤſen ſich alle Diſſonanzen ſeiner Seele auf, und wenn man jene eine verkoͤrperte Beethofenſche Symphonie nennen kann, ſo gleicht das Selkethal einer Sytmnphonie von Haydn. So wie ſie ein Leben voll Liebe und Seligkeit athmen, keinen Schmerz, keine Leiden kennen, ſondern nur ein ſuͤßes, wehmuͤthiges Verlangen nach der geliebten Ge⸗ ſtalt, die aus einer andern Welt vor dem trunknen Blicke ſchwebt, ſo hat auch das lieb⸗ liche Thal den Ausdruck eines kindlich heitern Gemuͤthes, und fuͤhrt uns aus Nacht und Grauen, aus Felſen und Abgruͤnden in das bunte Leben zuruͤck, deſſen ſchoͤnſte Bedeutung es verſinnlicht, von dem es der lieblichſte Wi⸗ derſchein iſt. Darum ſehe es der Harzreiſende, wo moͤglich, zuletzt. Er wird dann ein rei⸗ ches Gefuͤhl von dieſem braͤutlich geſchmuͤckten Thale in's Leben zuruͤcknehmen. Es that mir darum leid, nicht ſchon die Baumanns⸗ und Bielshoͤhle geſehen zu haben. Dies huimn un Einer de Nägdel um N hrückt il⸗ aut über pielinnen geſprunger Schwung daß ihr ein matte trappe⸗ Rct ten Rau weiter d bad, heilguel Neivenſc Geſchma huriiche ſtänar de Darch de werke w ilteh I ſdchs Stunden dallenſädt „ Füßchen, hn erſ ſeint d, der von 1 ſich ale d wenn man . Symphonie ſeltethal einer ſie ein Laben inen Schmen, ur ein ſüßes, heliehten Ge, lt vor dem uch das lieb, ndlich heitern Nacht und uͤnden in das te Bedeutung ieblichte Wi⸗ Hatzreiſende, dann ein rei⸗ geſchmuͤckten Es that mir nanns, und — 257— Dies Thal iſt wie geſagt voll von Schoͤn⸗ heiten und Merkwuͤrdigkeiten aller Gattungen. Einer der ſchoͤnſten Punkte iſt in ihm der Maͤgdeſprung, der ſeinen Namen von ei⸗ nem Rieſenfuß hat, der in dem Felſen einge⸗ druͤckt iſt. Eine Rieſin ſoll von dieſer Stelle aus uͤber das Thal hinweg, zu einer ihrer Ge⸗ ſpielinnen auf den gegenuͤber liegenden Berg geſprungen, und, um ſich hierzu den gehoͤrigen Schwung zu geben, ſo ſtark aufgetreten ſeyn, daß ihr Fuß im Felſen ſich eingedruͤckt habe,— ein matter Reflex von dem Maͤhrchen der Roß⸗ trappe. Nicht weit davon ſtehen die Ruinen eines al⸗ ten Raubſchloſſes, der Heinrichsburg, etwas weiter davon im Thale ſelbſt iſt das Alexis bad, ehemals Bademuͤhle genannt. Die Heilquelle, die vorzuͤglich gut gegen Gicht und Nervenſchwaͤche iſt und einen dintenartigen Geſchmack hat, zieht viel Kranke, und die herrliche Lage des Bades, die man ſich nicht ſchoͤner denken kann, Geſunde in Menge an.— Durch das ganze Thal zerſtreut, liegen Huͤtten⸗ werke und Muͤhlen, unter andern auch eine Silberhuͤtte, die man aber nicht ohne Erlaub⸗ 17 — 258— niß des Inſpektors beſehen darf. Ganz am Ende des Thals liegt der Ramberg, ein hoher wildbewachſener Granitfelſen, der mit dergleichen Bloͤcken wie beſaͤet iſt. Ungeheure Revolutionen der Erde haben dieſe als Reli⸗ quien zuruͤckgelaſſen. Viele von ihnen bilden ſo wilde Gruppen, ſind ſo ſeltſam durch einan⸗ der geworfen, daß ſie den Namen der Teu⸗ felsmuͤhle erhielten und folgende Sage ver⸗ anlaßten:„Der Teufel habe hier eine Wind⸗ muͤhle bauen und ſie einem Muͤller unter der Bedingung geben wollen, wenn dieſer ihm da⸗ fuͤr ſeine Seele verſchriebe. Das habe denn auch derſelbe, doch unter der Bedingung ange⸗ nommen, wenn der Boͤſe die Muͤhle in einer Nacht aufbauen und noch vor dem Hahnenge⸗ ſchrei damit fertig werden koͤnne. Was thut der Teufel nicht, um eine Seele zu fangen? Raſch geht er an ſein Werk, doch der Hahn kräht und er iſt— nicht fertig. Wuͤthend über die vergebliche Arbeit, wirft er die Steine durch einander und zerſtoͤrt ſein Werk.“— Nir⸗ gends hoͤrt man vom Teufel ſo viel Hiſtorien als hier, was wohl nicht zu verwundern iſt, da hier die Werke Gottes in eben ſo großem Reichthum, als Klarheit, einem vor Augen liegit⸗ ſt auch iinn G nen Be man do auchLſich lenfalls giere. dort der Ueb ken, t ſchloſes falde o Rähe Walde haltte. 8. Hatze, draͤng uc z melctert woh Well reich, . erg, ein ſen, der mit Ungtheure ieſe als Rel, ihnen bilden durch einan, nen der Teu, nde Sage ver, üllee unter der dieſer ihm de ss habe denn dingung ange, ahle i einer ein Hahnenge⸗ Was thut ele zu fangen? doch der hahn ig. Wäͤthend ter die Steine gerk,“— Nir⸗ piel Hiſtorien verwundern iſt hen ſo großem em vor Augen — 259— liegen. Wo ſich aber der Herr offenbart, da iſt auch der Boͤſe nicht weit. In flachen, ſan⸗ digen Gegenden, in dem ewigen Einerlei, zeich⸗ nen Beide nur fluͤchtige Spuren, daher glaubt man dort zwar an den Teufel nicht, aber auch nicht recht an Gott, wenn man auch al⸗ lenfalls weiß, daß er da ſey und die Welt re⸗ giere. Statt des Aberglaubens hier, herrſcht dort der austrocknende Unglaube. Ueber Stiege, einem unbedeutenden Flek⸗ ken, wo man ebenfalls Ruinen eines Raub⸗ ſchloſſes findet, kam ich gegen Abend in Haſſel⸗ felde an, nachdem ich in Guͤntersberg einige Ruhe genoſſen und mich darauf in dem dicken Walde zum Erſtenmal recht gruͤndlich verirrt hatte. Den folgenden Tag, den letzten auf dem Harze, erwartete ich ungeduldig,(denn es draͤngte mich, die Harzhoͤhlen zu ſehen,) und doch zoͤgernd. Die abwechſelndſten Gefuͤhle be⸗ meiſterten ſich meiner. Ich ſollte ihm Lebe⸗ wohl ſagen, der mir einen Blick in eine andre Welt zu werfen vergoͤnnt, der den Bettler ſo reich gemacht, den Durſtigen gelabt, den Kal⸗ — 260— ten in den Brennpunkt ſeines Lebens geſtellt hatte. Doch— er brach an dieſer letzte Tag, wie ich ihn auch zuruͤckhalten wollte, und er iſt verſchwunden, wie all die andern ſchoͤnen Tage, die ich als Steine zu dem feuerfeſten Gewoͤlbe meines Lebens ſammelte, wovon der letzte Tag den Schlußſtein gab. Die trockne Wirklichkeit iſt wiedergekehrt mit dem Gemuͤſe, das ich als kluger Haushalter und ſparſamer Wirth in jenem Gewoͤlbe aufhaͤufe, um es vor dem Erfrieren zu ſichern, und was ich damals als Luſtſchloß meiner Phantaſien aufgefuͤhrt, und hineinſtellte in das niedre Leben, um es dadurch zu beſeelen; was ich damals, reich wie ein Koͤnig und verſchwenderiſch wie ein Gott, zum Prunkzimmer meiner Seele erhob, mit Himmelsbildern ausgeſchmuͤckt— das iſt im Lauf der Jahre zum Speicher geworden, aus dem ich bei der Armuth des Lebens zehren muß. Ach! und ſo mag es wohl Vielen ge⸗ gangen ſeyn. Das Jugendleben wird dem Manne zum Eiland, an deſſen blumigen, gruͤ⸗ nen Ufern er nicht mehr landen darf. Den einzigen Troſt hat er, daß die Haine, die er dort angelegt, mit ihren Kronen den Hin mel beruͤhren, den er einſt ewig ſein nennen ſoll. 36 ¹ gäfoben, hoͤhle⸗ bei dem land) in vom Vro burg und fernt. D Gähh näher m Ohne 5 Das uiheimü einet e Füſſen womit bon de Das einfüͤrm hanme waltige ſ echt fandel 3 zu bef Lbens geſat ſer letzte Ta, llte, und er ndern ſcänen em feuerfeſten wovon der Die trockne dem Gemüſ, und ſpatſamee t, um es vor s ich damalz aufgefüͤhrt, ben, um es als, reich wie iie din Gott, ehob, mit das iſt im worden, aus hebens zehten hl Vielen ge⸗ en wird dem lumigen, grü’- darf. Den daine, die er den Hin mel nennen ſoll. — 261— Ich hatte mir fuͤr den letzten Tag viel auf⸗ gehoben, die Biels⸗ und Baumanns⸗ hoͤhle. Beide liegen nicht weit von einander bei dem Dorfe Nuͤbeland(eigentlich Raub⸗ land) in einer wilden Felſengruppe, ſuͤdoͤſtlich vom Brocken, zwei Stunden von Blanken⸗ burg und eben ſo weit von Haſſelfelde ent⸗ fernt. Der Weg dahin fuͤhrt faſt immer durch Gehoͤlz und wird immer abwechſelnder, je naͤher man dieſen Wundern der Natur kommt. Ohne Fuͤhrer findet man nicht hin. Das Dorf Ruͤbeland hat eine finſtre, unheimliche Lage, an dem Ufer der Bode, in einer engen Schlucht, rings von himmelhohen Felſen umgeben, die mit den dunklen Tannen, womit ſie bewachſen ſind, jeden Sonnenſtrahl von dem ſchwarz geraͤuchertem Dorſe abhalten. Das Schauerliche dieſes Ortes wird durch das einfoͤrmige Gepoche des hier liegenden Eiſen⸗ hammers, durch das dumpfe Geraͤuſch der ge⸗ waltigen Raͤder, die den Hammer bewegen, ſo erhoͤht, daß die zum Beſuch der Hoͤhlen er⸗ forderliche Stimmung nicht ausbleiben kann. Ich beſchloß, zuerſt die Baumannshoͤhle zu befahren. Sie liegt am linken Ufer der — 262— Bode, und der Eingang derſelben, zu dem ein ſich hmaufwindender Fußſteig fuͤhrt, etwa hundert und vierzig Fuß uͤber der Bode. Ich zog ein Bergmannskleid an, d. h. ich warf ei⸗ nen blauen leinenen Mantel uͤber und folgte mit klopfendem Herzen dem Fuͤhrer, der zu⸗ gleich Beſitzer der Hoͤhle iſt. Er nahm eine alte Zither mit, deren Toͤne in dieſen unterir⸗ diſchen Kammern eben ſo ſchauervoll, als wun⸗ derbar wiederhallen. Der Eingang iſt ernſt und feierlich. Man glaubt in die Unterwelt zu treten und nimmt Abſchied vom Leben. Bald verſchwindet das Tageslicht und nur die zu erloͤſchen drohende Lampe fuͤhrt den unſi⸗ chern Fuß weiter. Die erſte Hoͤhle iſt die be⸗ deutendſte und ſchauerlichſte. Wilde Felswaͤnde mit grottesken Figuren bedeckt, ſtellen ſich in der ſparſamen Beleuchtung zauberiſch dar. Der Tuff⸗ oder Tropfſtein ſickert durch die ewig feuchten Wände herab, verſteint ſich dann und bildet Orgeln, betende Moͤnche, den Heiland am Kreuze, Altäͤre, Kanzeln und Särge, wie in getriebener Arbeit. Der Eindruck, den dies ſinnvolle Spiel der bildenden Natur macht, iſt unbeſchreiblich hehr und feierlich. Man ſteht in einer verwitterten Kapelle. Alle dieee endthoren butut un hanz luuit düſer ſum Jatur din yhuuuſt um in ihne zu ſehen dem Aut ihrer Ven nuſend! der 6s f. heruͤhren, fen. Ich ao berſth und ſane flüͤſterten wie Gei am Sm fleen, Nicht n dela harüch Göntew tangend u dem t, enwo ode. Ich warf ei⸗ und folgte der zu⸗ ahm eine in unterite als wun⸗ iſ eruſt Unterwelt mm deben. d nur die den unſſe t die de⸗ Felzwände len ſich in dar, Der die ewig dann und n Heiland aͤrge, wie uck, den tur macht, . Man Alle dieſe ſonderbaren Geſtalten, die vom Tageslicht be⸗ leuchtet und in den Laͤrm des Lebens geſtellt, ganz gewoͤhnlich erſcheinen wuͤrden, erhalten in dieſer ſtummen, unterirdiſchen Werkſtatt der Natur ein ſo grelles Anſehn, daß man die Phantaſte nur wenig zu Huͤlfe nehmen darf, um in ihnen das wirklich zu finden„ was man zu ſehen ſich einbildet. Sie ſcheinen mit je⸗ dem Augenblick in's Leben vorzutreten, aus ihrer Verzauherung zu erwachen und nach jahr⸗ tauſend langem Schweigen den Neugierigen, der es wagte, den Iſisſchleier der Natur zu beruͤhren, mit gleicher Verzauberung zu beſtra⸗ fen. Ich ſuchte durch leiſe Klaͤnge dieſe Todten zu verſoͤhnen. Ich griff in die Zither, ſpielte und ſang. Durch alle die unendlichen Hoͤhlen fluͤſterten die Toͤne her und hin, und kehrten wie Geiſterſtimmen zuruͤck. So ſtand Orpheus am Styr, ſeine Eurydice vom Pluto zu er⸗ flehen. Nichts hoͤbte ich von dem, was mein Fuͤh⸗ rer deklamirte, nichts ſah ich mehr von den Herrlichkeiten, die mich umgaben. Die ganze Goͤtterwelt wurde fuͤr mich lebendig, alle Dich⸗ tungen derſelben zogen mich unwiderſtehlich zum 4₰ — 264— Heidenthum hinuͤber, und ich mußte mir Ge⸗ walt anthun, Proſerpina's Sehnſucht nach der Oberwelt und die Klagen der Ceres K ver⸗ geſſen. 3c) ſtieg endlich weiter, aus der zweiten in die dritte Hoͤhle, dem Fuͤhrer gehorſam in Allem. In dieſer ſteht die merkwuͤrdige klin⸗ gende Saͤule, inwendig hohl und ungefaͤhr acht Fuß hoch, ebenfalls aus Tropfſtein gebil⸗ det. Sie beruͤhrt die Decke nicht. Ihr Ton gleicht dem der groͤßten Glocke; in bebenden Schwingungen pflanzt er ſich durch alle Hoͤh⸗ len fort, ein immer erneuerndes Echo gebend. Dies Glockengelaͤut fehlt noch, das Blut durch die Adern zu jagen und die Seele in nie ge⸗ ahnter Feierlichkeit zum Unendlichen zu erhe⸗ ben. Ich haͤtte in dem Augenblick ſterben moͤ⸗ gen, um die Seligkeit deſſelben nie wieder zu verlieren. Ich fuͤhlte es, als Menſch zu ſchwach zu ſeyn, um ſie nur zu einer Stunde auszu⸗ dehnen. Ach! daß er zuruͤckſinken muß zum Erdenſtaube wie ihn auch der Glaube und die Liebe mit Engelsfluͤgeln ſchmuͤckt! Das iſt ſein Wehe daß er hier ein Bettler bleiben muß, wie er auch vor ſeinem Paradieſe liegt. —* — gur ſinein ul, um! nſchuld; zahlen mu rich in he Nachden ſiegen wo lung der weg an. Hählen, ernſhjaft, gejen. I Vater hin Thiſeus derousgef haben. mal eine bus, unt leitende! Gefahr ſe ſuͤrzer Otlußſte gſchaffen Nach dos Tah mir Ge⸗ t nat der nu ver⸗ zweiten horſam n ddige klin, ungefähe ſtein gebi Ihr Ton bebenden alle Hoᷣh⸗ o gebend. Dlut durch in nie ge⸗ zu erhe⸗ erben mo⸗ wieder zu uſchwach e auszu⸗ nuß zum ube und Das iſt bfeiben iſe liegt. ——,— —— Nur hineinſtehlen darf er ſich in ſeinen Him⸗ mel, um mit dem geraubten Schatze ſeine Er— denſchuld zu tilgen. Und darum, weil er ewig zahlen muß, bleibt er ewig arm und iſt nur reich in Hoffnung. Nachdem ich endlich durch zehn Hoͤhlen ge⸗ ſtiegen war und in der eilften die Wiederho⸗ lung der zehnten fuͤrchtete, trat ich den Ruͤck⸗ weg an. Sie ſollen kein Ende nehmen, dieſe Hoͤhlen, ſo verſicherte mich mein Fuͤhrer ſehr ernſthaft, und bis zum Mittelpunkt der Erde gehen. Acht Stunden lang iſt er mit ſeinem Vater hinunter geſtiegen und hat nur, wie Theſeus einſt, ſich wieder aus dem Labyrinthe herausgefunden, ohne das Ende erreicht zu haben. Wie gern haͤtte ich mit ihm noch ein⸗ mal eine ſolche Entdeckungsreiſe, wie Colum⸗ bus, unternommen, allein es fehlte uns der leitende Faden, nicht der Muth dazu, da an Gefahr hierbei gar nicht zu denken iſt; denn ſie ſtuͤrzen nicht ein die ewigen Gewoͤlbe, deren Schlußſtein der iſt, der Himmel und Erde erſchaffen hat. Nach anderthalb Stunden begruͤßte ich das Tageslicht wieder, und athmete langſam — 266— und nſ Wolluſt auf. Nun ſollte es in die — ereſſantere Bielshöoͤhle hinabgehen A. wohl intereſſanter.„Es ſey ſchon ein Heur uranfn wuihe un im Hauſe des Beſitzers , und ein Knabe ei i ger Fuͤhrer mitgegeben. Has daſese Hier unten, zwiſchen Orgeln und Altaͤren. fand ich auf verſteinerten Meereswellen, meinen Beren Ot d, den ich ſeit der Schlacht bei Leipzig weder geſehen, noch von deſſen Daſe gewußt hatte.„Willkommen,“ rief ich cn zu,„hier am Ufer der ſtygiſchen, wenn gleich verſteinten Fluthen! Waͤre ich kein ghrit⸗ wuͤrde ich dieſen Boten fuͤr den Charon u Dich fuͤr einen Schatten, fuͤr eine ab kon dene Seele halten; denn blaß und hoge⸗ ſi 4* Du beim matten Schein der Lampe aus.“ J warf mich an ſeine Bruſt und ſprachlos fi er mich umarmt, und die Wirklichkeit fuͤr 5 nen wunderlichen Traum. Almmaͤhlig erſt ka n er zur Beſinnung und ich in eine ſo Frähuche Stimmung daß ich uͤber mein Scdemen in der Baumannehoͤhle lachte und mich mit Ungeſtuͤm an die aͤußerſte Graͤnze meines We⸗ ſens verſetzte. Von einem Extrem ſchweift der — Auſh Gar tvat Bedel Syinne de It ſi uteſthe, fallen und Die Meet ſie auch un hören der unftrmich Nonne ſey Aläte! 9. ordentlich mir fortge wie Recen werke an, bange bu tes Gewi vetheimlic do hielten uübe auf daten Uber ſch fott 6 in d 6 inabgehen, ein ſerr Deſlters einſiweit d Aühn. en, meinen clacht bei en Daſeyn ef ich ihm enn gleich hriſt, ſo ſaaton und ahgeſchie fager ſiehſt du., Ig los hielt it fuͤr ei erſt kam froͤhliche pwaͤrmen ich mit nes We ſweift der — 267— Menſch gar gern zum andern hinuͤber, wenn etwas Bedeutendes in ſein Leben tritt, ſo wie die Spinne den Mittelpunkt ihres Gewebes verlaͤßt, mag es feindſelig oder guͤnſtig erſchuͤttert werden. Ich ſatyriſirte uͤber die Natur, die ſich unterſtehe, dem Menſchen in's Handwerk zu fallen, und zu bauen und zu kuͤnſteln, wie er. Die Meereswellen laß ich mir gefallen, wenn ſie auch unaͤcht ſind, denn auch die aͤchten ge⸗ hoͤren der Meiſterin an; allein ſieh nur dies unfoͤrmliche Geſtein an, es ſoll eine betende Nonne ſeyn, und jene Stalaktiten Orgeln und Altäre! O Phidias! o Raphael! Str** wurde ordentlich aͤrgerlich daruͤber, bis ich ihn mit mir fortgeriſſen hatte, und nun fuhren wir, wie Recenſenten, unbarmherzig uͤber dieſe Kunſt⸗ werke an, daß dem ehrlichen Fuͤhrer angſt und bange wurde. Die Natur ſchien uns kein gu⸗ tes Gewiſſen zu haben, weil ſie ihre Werke ſo verheimliche, und als waͤren wir Architecten, ſo hielten wir uns uͤber die ungeheuren Ge⸗ woͤlbe auf, die jeden Augenblick einzuſtuͤrzen drohten. Ueberall iſt es ſchmutzig und unſauber, fuhr ich fort, da iſt kein Sand geſtreut fuͤr die — 268— vornehmen Goͤſte, da ſind keine vergoldeten Engel mit Poſaunen und Pauken, die auf den Wink des Kantors oder Organiſten dem Menſchen dienen muͤſſen, der doch wahrlich kein Engel iſt. Nichts iſt hier, als ein fuͤrch⸗ terliches Chaos von dunklen Kreuzgaͤngen, von keinem lebendigen Weſen bewohnt. Wir durch⸗ krochen ſie ſaͤmmtlich, oft mit ſolcher Muͤhe, daß uns die nahen Seitenwaͤnde zu erdruͤcken ſchienen, ein dicker Herr, etwa ein Lieferant, waͤre ſtecken geblieben. Unſre Peripherie ſtand Gott ſey Dank mit dem Durchmeſſer der ein⸗ zelnen Gaͤnge im Verhaͤltniß. Oft mußten wir auf allen Vieren kriechen, und uͤber uns hin⸗ gen die graͤulichen Felſen ſo nahe, daß eine drei Zoll tiefe Senkung uns Sarg und Grab gegeben haͤtte. Dennoch verloren wir unſre frohe Laune nicht. Wir mußten eingeſtehen, daß ſich die Natur zu helfen wiſſe. Glocken konnte ſie nicht gießen, wohl aber klingende Saͤulen bilden, die einen weit feierlicheren Klang hervorbrachten. Es kam uns ſo vor, als habe die Natur den Menſchen die erſte Idee einer gothiſchen Kirche geben wollen, frei⸗ lich nur hingeworfene Winke, abgerißne Plaͤne und Entwuͤrfe, aber doch hinreichend genug fuͤr an gde gllt det Menſch da di Wäihbe biſorgte M ſten waren tract De üihen Gi daraus ge ſan troyft ter ſelbſt! Gedanken unſer Fuͤht beſtiegen laͤcherlichen ſiotie bon und wie Zahren f — rung dieſe cheleien, un, wur hutes mit 8 und ka füͤr de g beſtrafm. je lieber dergoldeten 1 die auf niſten dem 6 vahrlich ein fülch, ſngen, von Wir durch⸗ her Mihe, u erdruͤcken n lieferant pherie ſand ußten twir — uns hin⸗ daß eine und Grab wir unſte eingeſtehen, Glocken lingende eierlicheren t ſo vor, die etſte allen, frei. ne Plaͤne genug fuͤr — 269— den erfinderiſchen Geiſt des Menſchen. Es ſollte der erſte rohe Verſuch ſeyn, und der Menſch danach formen, regeln, beſſern. Auch die Weihbecken mit dem Weihwaſſer hatte die beſorgte Lehrerin nicht vergeſſen. Aus Tropf⸗ ſtein waren ſie in einzelnen Felſenecken ange⸗ bracht. Das Waſſer hat einen reinlichen, herr⸗ lichen Geſchmack und nimmt nie ab, wie oft daraus geſchoͤpft wird. In Minuten langen Pau⸗ ſen tropft es hinein und wird vom ewigen Va⸗ ter ſelbſt geweiht. Eben wollten wir dieſen Gedanken noch weiter ausſpinnen, als ploͤtzlich unſer Fuͤhrer eine Art von Kanzel unbemerkt beſtiegen hatte, und uns nun in einem hoͤchſt laͤcherlichen Pathos die auswendig gelernte Hi⸗ ſtorie von der Entdeckung der Hoͤhle vortrug, und wie ſein Vater ſie vor fuͤnf und zwanzig Jahren fahrbar gemacht habe. Nach Anhoͤ⸗ rung dieſes Geredes, woruͤber wir ihm Schmei⸗ cheleien, die er gewohnt zu ſeyn ſchien, ſag— ten, wurde uns der Contraſt unſers Aufent⸗ haltes mit unſrer Stimmung ſo druͤckend, daß es uns kalt uͤberlief, als wolle uns die Natur fuͤr die geaͤußerten frevelhaften Bemerkungen beſtrafen. Um ihrem gewaltigen Arm je eher, je lieber zu entrinnen, krochen wir eiligſt uͤber 3 — 270— die Meereswellen hinaus in's Freie und bra⸗ chen unwillkuͤhrlich in die Worte Schillers aus: ———— es freue ſich, Wer da athmet im roſigen Licht; Da unten aber iſt's fuͤrchterlich Und der Menſch verſuche die Goͤtter nicht, Und wage es nimmer und nimmer zu ſchauen, Was ſie gnaͤdig bedecken mit Nacht und Grauen. Waͤhrend St*** die Baumannshoͤhle be⸗ ſuchte, blaͤtterte ich in dem Fremdenbuche um⸗ her, und aͤrgerte mich nicht wenig uͤber die tauſend matten, ſtumpfen Einfaͤlle, womit der unreife Verſtand ſo vieler Reiſenden, den Ein⸗ druck begleitet hatte, den dieſe Hoͤhlen auf ihn gemacht hatten. Es iſt Sitte geworden, dieſe Buͤcher als ein Zeugniß zu betrachten, das man mit vornehmer, wichtiger Miene den Na⸗ turwundern ausſtellt, obgleich es gerade dadurch ein wahres Testimonium paupertatis fuͤr die Anſchauenden ſelbſt wird. Andre ſehen in dieſen Buͤchern eine gaͤnſtige Gelegenheit, ſich bei den Nachfolgenden in ein vortheilhaftes Licht zu ſtellen, und gehen daher auf Stelzen, philoſophiren oder dichten, und meinen, daß ſie im Vergleich mit den Erhabenheiten dee 4 8 Naur doch Anger ub garrmten doch tine Namen de vother hiet hhet in de 1 und d heuige 2 zu den 2 Di men ihres mens Dad etſt, in Ads er l weg antre der finden die furcht omher in t endlich und halb d, war ge dde er die( geben. ie und jn cjllerg aug. 1 „ auen, Grauen. nahohle he, enbuche um⸗ ig uͤber die womit der den Ein⸗ len auf ihn dorden, dieſe acten, dasz hne den Na, ade hadurch ertatis fuͤr ee ſehen in eheit, ſch zrtheilhafttes uf Stelzen, einen, daz uheiten det — 271— Natur doch auch etwas ſeyen. Bei all dieſem Aerger uͤber die Dummheit, die hier mit auf⸗ gewaͤrmten Witzen zu Markte ſaß, hatte ich doch eine recht hohe Freude. Ich fand die Namen dreier meiner Freunde, die zwei Tage vorher hier geweſen und ſich eben ſo unvermu⸗ thet in der Bielshoͤhle getroffen hatten, wie ich und der biedre St***. So gab mir der heutige Tag vier Freunde wieder, die ich ſchon zu den Todten gezaͤhlt hatte. Die Baumannshoͤhle fuͤhrt den Na⸗ men ihres Entdeckers. Ein Bergmann, Na⸗ mens Baumann, befuhr ſie im Jahr 1670 zu⸗ erſt, in der Abſicht, Erze darin aufzuſuchen. Als er aber davon nichts fand und ſeinen Ruͤck⸗ weg antrat, konnte er den Eingang nicht wie⸗ der finden. Zwei Tage und Naͤchte, gewiß die furchtbarſten ſeines Lebens, irrte er darin umher in der dichteſten Finſterniß, da entdeckte er endlich den Eingang— und ſank entkraͤftet und halb todt nieder. Alle Muͤhe, ihn zu ret⸗ ten, war umſonſt. Schreck, Angſt und Hun⸗ ger toͤdteten ihn. Mit ſeinem Leben erkaufte er die Ehre, einer Hoͤhle den Namen zu geben. 4 — — 272— .*— Die Bielshoͤhle wurde ſpaͤter entdeckt, * nehmlich 1762, doch blieb ſie bis zum Jahre 1788 den Reiſenden unzugaͤnglich. Ein ge⸗ wiſſer Becker, Vater des jetzigen Beſitzers der⸗ ſelben, machte ſie fahrbar, d. h. er machte ei⸗ nige Gaͤnge zwiſchen den Felſen breiter, ſo daß man jetzt, wenn auch nicht bequem, aus einer Hoͤhle in die andre kommen kann. Von jeder hoͤhern zur tiefer liegenden fuͤhrt, wie in der Baumannshoͤhle, eine Leiter. Gefahr iſt jetzt ſo wenig mit dem Beſuch beider Hoͤh⸗ len verknuͤpft, daß ſchon viele Frauen ſie befah⸗ ren haben. Man muß ſich nur nicht weit vom Fuͤhrer entfernen und nicht vorwitzig ſeyn was die Natur hier, wie uͤberall beſtraft. Sie will mit frommem, demuͤthigen Herzen betrachtet ſeyn. So wie in der Baumannshoͤhle die erſte die wunder⸗ und ſchauervollſte iſt, ſo in der Bielshoͤhle die zwoͤlfte. Die vierte, fuͤnfte und ſechſte haben uͤber ſich eine neue Hoͤhle, die 1 man von der ſiebenten beſuͤchen kann. Man ſieht von ihr in eine ſchwarze, ſchauerliche Tiefe hinab. Die klingenden Saͤulen in der Biels⸗ hoͤhle(es giebt deren wohl ſechs) ſind weit kleiner, als die einzige in der benachbarten. Sie ſind hoͤchſtens zwei Fuß hoch und ihr Ton — ſt fagli gfe ſeier nanash der heißt det im Ufa alan he 6 ehrt. Goͤtzenbi die Gtu wohnung viedtigen einhunde d Bd um ten Stu heſtieg i kenfel Es iſt diente 1 ſucht zu rung ut nan das und un um de zu wer ſet entdech, zum Jahrs — in ge⸗ eſitzers der, machte ei reiter, d huem, aus nn. Von üͤhrt, wie Geſahr beider Hih⸗ ſie befah⸗ weit vom ſehn was Sit wil bettachtet le die eiſte ſo in der fünfte und dähle, die „ Man liche Tiefe eer Biels⸗ ſind weit achbarten. ihr Ton — 273— iſt folglich heller und freundlicher, als der dum⸗ pfe, ſeierliche Klang des Stalaktiten der Bau⸗ mannshoͤhle. Der Berg, in dem die Bielshoͤhle liegt, heißt der Bielſtein und liegt auf dem rech⸗ ten Ufer der Bode. Auf ihm wurde in den alten heidniſchen Zeiten der Goͤtze Biel ver⸗ ehrt. Man ſieht noch die Stelle, wo das Goͤtzenbild geſtanden hat, ſo wie auch noch die Grundmauern von der ehemaligen Prieſter⸗ wohnung. Der Eingang der Hoͤhle iſt etwas niedriger, als der der Baumannshoͤhle, etwa einhundert und zehn Fuß uͤber der Wbaſgerkaͤche der Bode. Um ſo viel wie moͤglich noch in die letz⸗ ten Stunden meines Streifzuges zu draͤngen, beſtieg ich mit dem Freunde den ſteilen Schrek⸗ kenfels, der nicht weit von Ruͤbland liegt. Es iſt eine Roßtrappe im Kleinen und ver⸗ diente wohl, von den Reiſenden fleißiger be⸗ ſucht zu werden, wie dies nach der Verſiche⸗ rung unſers Fuͤhrers geſchieht. Es fehlt ihm nur das Hiſtoriſche, oder vielmehr Sagenreiche, und ein Denkmal aus der fabelhaften Vorwele, um der Roßtrappe voͤllig an die Seite geſetzt zu werden.*4 auch ohne dieſe Vorzuͤge lie⸗ 48 — 274— fert der Schreckenfels ein treues Bild von ei⸗ ner Schweizergegend. Man kann ſich Felſen nicht wilder und romantiſcher denken, wie ſie ſich hier dem Auge darſtellen. Man mußte nur, wie wir, geſaͤttigt ſeyn, um in dem ſchauer⸗ lich ſchoͤnen Anblick der Schluͤchte und Ab⸗ gruͤnde, der Waͤlder und Felſen, und der uͤber Klippen hinrauſchenden Waldbaͤche, nicht zu ſchwelgen, ſondern ruhig zu bleiben. Endlich beſuchte ich noch mit St**x, der mit ſeiner Wanderung durch den Harz übrigens noch lange nicht zu Ende war, die ungefaͤhr eine halbe Stunde von Ruͤbland entfernte Mar⸗ mormuͤhle, deren Mechanismus, ſo wie die ſtufenweiſe Bearbeitung des Marmors auf dem Schneide⸗, Saͤge⸗ und Schleifwerk ſo intereſſant iſt, daß kein Reiſender es bereuen duͤrfte, die Muͤhle beſucht zu haben. Der Marmor, der hier gegraben wird, iſt kein pariſcher, noch karrariſcher, ſondern man⸗ nigfach ſchattirt, und eignet ſich am Beſten zu Tiſchplatten. Man findet auch in ſeiner Naͤhe den ſogenannten Erbſen⸗ und Linſenſtein, zwei ſonderbar geformte Steine, die aus einem verſteinerten Haufen obiger Huͤlſenfruͤchte zu beſtehen ſcheinen. In dem Marmor ſelbſt fin⸗ det ma ten un dieſe 8 dern Daſey foligen 3 Freun mente ſhi genoſ Trenn Wet es de ſtet die den lichel haup 3 der? lachze wien Wil wie J übrigens ungefahr ate Mar⸗ wie rmors auf leifwetk ſo es bereuen vitd, iſ dern man⸗ Beſten zu ner Nähe enſtein, us einem ruͤchte zu ſelbſt fin⸗ det man zahlloſe Verſteinerungen von Seethie⸗ ren und Pflanzen, ein redender Beweis, daß dieſe Felſen nicht zu den uranfaͤnglichen, ſon⸗ dern zu den Floͤtzgebirgen gehoͤren, die ihr Daſeyn ungeheuren Revolutionen unſers bau⸗ faͤlligen Erdkoͤrpers verdanken. In Blankenburg trennte ich mich von dem Freunde, nachdem ein Jeder dem Andern Frag⸗ mente aus dem letztern Theil ſeiner Lebensge⸗ ſchichte mitgetheilt, und Einer den Andern ſo genoſſen hatte. Recht ſchwer wurde uns die Trennung, denn wir fuͤrchteten, daß ſich unſre Wege nicht fuͤrder durchkreuzen moͤchten, wie es denn auch geſchehen iſt. Des Lebens ern⸗ ſter Beruf legte uns Beide bald darauf an die Kette, die der Menſch ſich ſelber ſchmie⸗ den muß, um ſeinen Standpunkt in der menſch⸗ lichen Geſellſchaft mit Wuͤrde und Ehre be⸗ haupten zu koͤnnen. Der Beſuch jener unternediſchen Werlſtatt der Natur war die letzte Erquickung fuͤr mein lechzendes Herz geweſen. Darum nahm ich, wiewohl der Heimath zueilend, voll inniger Wehmuth von den Bergen Abſchied, die bald wie ein blaues Gewoͤlk hinter mir am Horizont — 276— lagen und ſo gleichſam vom Himmel ess nir ihr Lebewohl zuwinkten. Ich eilte nun zwar ohne Raſt unt Nruhe iber Halberſtadt, Magdeburg, Berlin u. ſ. w. nach meiner Vaterſtadt; ich lag, Freudethraͤnen weinend, in den Armen meiner gluͤcklichen Ael⸗ tern, die ſtatt der Lorbern den ſchoͤnern Kranz der Liebe und Zaͤrtlichkeit um mich, der ihnen von Neuem geboren war, wanden. Ich fand bei ihnen Alles unveraͤndert wieder, Alles ging den gewohnten Weg, Alles ſtand auf derſelben Stelle, hier war der Krieg mit ſeinen Schreck⸗ niſſen nicht geweſen— allein eben darin ſah ich das verlaßne Uhrwerk des Lebens, und an das abgerißne Ende den Anfang wieder ange⸗ knuͤpft. So muß der Erdumſegler, der ewig nach Weſten ſteuert, doch wieder nach dem Oſten zuruͤck, von dem er ſich immer weiter zu entfernen glaubte; denn das Leben iſt ein Kreis. Die erhabne, ernſte und freundliche Epiſode in dem einfachen Lehroedichrr cheines Lebens war zu Ende. n Es hat Muͤhe und Schweiß Stoſten, luber ihre Einſchaltung den Faden deſſelben nicht zu verlieren; ich mußte wieder zuruͤck leſen, ja manche Lebensblaͤtter, deren Schrift zu erlö⸗ ſh dr zuntlen 3ul ſama g6s zet die bſe wm noch ſe ſtin lockend aufgeg ker b zurick tat mi Weh fromr Geſe ſcherz Geg⸗ auf giebe nage ner deen Kaut ſcha ſchen drohte, von Neuem auffriſchen, ihren dunklen zweideutigen Sinn entraͤthſeln, um den Zuſammenhang, der durch das Epos des Krie⸗ ges zerriſſen ſchien, wieder zu gewinnen und die loſen Haͤlften meines Innern zuſammenzu⸗ heften. Muͤhe hat es gekoſtet und koſtet es noch jetzt, denn noch immer klingt's wie Gei⸗ ſterſtimmen um mich, mich in den Zauberwald lockend, wo mir der heilige Sinn des Lebens aufgegangen, und aus dem uͤbergoldeten Ker⸗ ker blick' ich ſehnſuchtsvoll in das Bluͤthenleben zuruͤck, das jetzt wie ein ſuͤßes Traumland hin⸗ ter mir liegt und nur durch Erinnerung zur Wahrheit wird. Die ſchoͤne Zeit kindlicher, frommer Begeiſterung iſt voruͤber, nur ihre Geſaͤnge toͤnen aus dem Abendroth eines ver⸗ ſcherzten Lichtreiches in die Daͤmmerung der Gegenwart heruͤber, und waͤhrend ſie ſelbſt ſich auf oͤtheriſchen Schwingen zum Urquell der Liebe erheben und ein ſeliges Leben in ſich tragen, wie der Phoͤnix, der verklaͤrt aus ſei⸗ ner Aſche ſteigt, ſind ſie uns zu Schwanenlie⸗ dern geworden, da man ihre Rhapſoden an Ketten legt. An dem Brennpunkt der Leiden⸗ ſchaft iſt die zarte Bluͤthe welk geworden, die einſt mit ihrem Duft die Millionen erquickte, und das milde Fruͤhlingsleben, das in dem Einzelnen die Keime des Glaubens und der Liebe hervor getrieben, und den Lorber wie die Palme zu einem Fruͤchtekranz ſegnender Tu⸗ genden geſchlungen— es iſt zwar zu einem heißen, gewitterreichen Sommer geworden und auch die Schnitter ſind bereit, zu ſammeln, was ſie einſt in Hoffnung ausgefaͤet und mit ihrem Blute geduͤngt haben— allein in die reifende Frucht hat ſich ein Wurm gebohrt, und aus der ſchoͤnen, ſtolzen Blume, die ihre Krone zur Sonne erhob, iſt, nach der Mei⸗ nung ſo Vieler, ein Unkraut geworden, das giftigen Saamen in ſeinen Kapſeln traͤgt. Es iſt fruͤher nicht anders und beſſer ge⸗ weſen. Das iſt das Loos der Menſchheit, daß ſie das beweinen muß, was ihre Begeiſterung erzeugte; daß ſie das eigne Kind, das ſie mit Schmerzen geboren, auf einen Scheiterhaufen ſtellen muß, waͤhrend die ihr untergeſchobnen Wechſelbaͤlge das Holz dazu herbeitragen; das iſt ihr Loos von jeher geweſen, daß ſie den be⸗ ſchwornen Geiſt, den ſie an ihre Kreiſe bannt, endlich, nachdem er Antwort auf ihre Fragen gegeben, vor ihren Richterſtuhl ſtellen muß, um ihm wie einem Ketzer den Prozeß zu ma⸗ Gleuben lt, Huch d iinen) als in Sterne 6 in dem und der dr wie die ſader du⸗ zu eine drden und ſammeln, und wit din in die gebohit, , die ihre der Mei⸗ den, das traͤgt. beſſer ge⸗ chheit, daß egeiſterung ſet ſie mit iterhaufen geſchobnen gen; das eden be⸗ ſe bannt, e Fragen en muß, S zu ma⸗ mohn mnn ,— 279— chen. Mit Wehmuth und Betruͤbniß wuͤrde man die Weltgeſchichte durchlaufen, die auf je⸗ dem ihrer Blaͤtter den Untergang des Schoͤnen und Guten dem Leſer vor Augen ſtellt, und den Sieg des Boͤſen, wenn man ſich nicht den Glauben an die Vorſehung erhielte. Wem er fehlt, der erblickt uͤberall nichts, als den Fluch der Suͤnde, die ſelbſt den Weltgeiſt fuͤr einen Verbrecher haͤlt, und der nie wohler iſt, als in der truͤben Nacht, wo Irrlichter fuͤr Sterne gelten. Fuͤr ihn ſingt Schiller: Ach! umſonſt auf allen Laͤndercharten Spaͤhſt du nach dem ſeligen Gebiet, Wo der Freiheit ewig gruͤner Garten, Wo der Menſchheit ſchoͤne Jugend bluͤht. Endlos liegt die Welt vor deinen Blicken, und die Schiffahrt ſelbſt ermißt ſie kaum, Doch auf ihrem unermeßnen uͤcken Iſt fuͤr zehen Gluͤckliche nicht Raum. In des Herzens heilig ſtille Raͤume Mußt du fliehen aus des Lebens Drang! Freiheit iſt nur in dem Reich der Träͤume Und das Schoͤne bluͤht nur im Geſang. Bei Ch. E. Kollmann ſind ferner erſchie⸗ nen und in jeder guten Leihbibliothek zu — haben: 94 1 Die Fluͤchtlinge. Romantiſche Unterhaltungen, vom Verfaſſer des Romans Heliodora. 8. 1820. Mit 1. finen ſchoͤnen Kupfer von Junge und Roßmaͤß⸗ er jun. 1 2 Heinrich von Heimburg und Mechtilde von Treſe⸗ burg. Rittergeſchichte aus der erſten Halbſcheid des zwoͤlften Jahrhundents. Vom Verfaſſer des Arauzo ꝛc. Mit Kupfer. 1820.. Gonzalvo. Raͤuber und Zeitgenoſſe Aranzo's. Von demſelben Verfaſſer. 3 Bde, mit Kupf. 1820. eerrin von Pernajon, vormal. Hauptmann, Le⸗ benserfahrungen, Ungluͤcksfaͤlle, Feldzuͦge und Reiſen eines Weltbuͤrgers. 2 Thle. 8. 1820. Fuͤr Winterabende. Erzuͤhlungen von Leander. Her⸗ ausgegeben von Friedrich Laun. 2 Thle. 8. 1818. Die graue Stube auf der Burg Ulmenhauſen, oder das ſtille Kind. Vom Verfaſſer Urach des Wil⸗ den. 2 Bde. mit Kupf. von Roßmaͤßler. 8. 1818. Hell, Theodor, das Haus Anglade, oder die Vor⸗ ſehung wacht. Schauſpiel in 3 Akten. Nach dem Franz. bearbeitet. 8. 1818. Liebe und Treue. Irmas Schickſale. Louiſe⸗ Drei Erzaͤhlungen vom Verfaſſer des Aranzo. 8. 1820.. Seekoͤnig Ingolf und ſeine Wikinger. Ein Ro⸗ man der Vorzeit. Von F. W. Gilling. Mit Kupf. 1820. Die Burg Alphauſen oder Zipriaus Frauenwahl. Komiſcher Roman aus dem Engliſchen. Bear⸗ beitet von Theodor Hell. 8. 1820,. Gehe, E., Guſtav Adolpb, Tragoͤdie in 5 Akten. Mit 1 Kupf. 8. 18is. 3 1 „Das Roß vom Libanon. Thuͤringer Sage in 4 Buͤ⸗ chern. Mit a ſchoͤnen Vignetten. 8. 1819. ——* — * 3 — enwahl. Bear⸗ Akten. 4 Bi⸗ — 2qpG u5 901 gun auoadJaod u⸗. uabaal né Pqol 16519= a bunguslpnang dun ⸗uig an 1.= I e l :10nd 9:Allond T: 1010ng,23 Pmtnscpam anl 7 4 1bpazog gun uoae e ie dnur 5el quoeddodV 4 5papnanè auu uos dgpbpnang, uolleg eg oa ¹usH0a*-u „uun epaclue selle 2614235 iu e ¹90p 82ul⸗ uigvuuebobuH 5d uet uo uclas 5auuvegu e e 4 u uue e un r n? 80b bT 99u 9 398 51 1dvLog 1ſt 9 Bv uroe uac dac geipnes ueeene gne dvbpn z6 19 88 819 44989 2 4 8 le aen ee g e u⸗baſs uo ee ee en sqpöpndg aun durgvubuplch u ane 145 15610a1 l Aelnollalg dop ulosueno t ub unbn⸗90 dun ee n lüeSgolcS euahe e 1av9 B““ uo⸗ anzwan eue dn 12P IBu a2 gn 4198 rey Controſ Chart Green vVellow- Hed Magenta