Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ottmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. 4 — ſ 4 Leih- und Leſebedingungen. 1 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ † pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Sunmme hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 2 wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und* beträgt: für wöchentlich 2 ½ sBücher: 4 4 Bücher: her: 6 Bücher: 5——— auf 1 Monat: 1 M.—— Pf. 1[M 50 5 Tf 2 Mk. Pf. 1 3 „ 3—— 5. Auswärtige Sornanen haben für Hin und Zurückſendung der Bücher auf wihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der 8 Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufm erkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. — ¹ Kriegeriſche 8 1 X— 8 Abentheuer und Schickſale eines . 3„*. Preußiſchen Freiwilligen 1 in den 3— Feldzuͤgen von 1813 und 1814 C. Roderich. Erſter Thei l. „ Zweite Ausgabe Erinnerungen aus den Jahren 1813 und 1814. 5 Leipzig, 1823. 44 Bei Chriſtian Eru Kollmann. Vorrede. — Die beiden in der Geſchichte der Menſch⸗ heit ſo wichtigen und folgereichen Jahre 1813 und 1814 haben auf die Geſtal⸗ tung der Welt, wie des einzelnen Lebens einen zu großen Einfluß gehabt, als daß ſie es nicht verdienten, von jedem Deut⸗ ſchen, er habe zur Entwicklung der gro⸗ ßen Zeitereigniſſe thaͤtig mitgewirkt, oder ſich dabei nur leidend verhalten, treu be⸗ wahrt und nicht nur vom Gedaͤchtniß, ſondern auch in der Empfindung feſtge⸗ halten zu werden. Es iſt daher von bedeutenden Maͤn⸗ nern die Geſchichte jener Jahre in Hin⸗ ſicht ihres Einfluſſes auf Staaten⸗ und Menſchenbildung niedergeſchrieben, der Geiſt derſelben nicht nur aufgefaßt und gewuͤrdigt, ſondern in ein lebendiges Wort gekleidet worden, damit ſich der bewegli⸗ che, ſchwankende Menſchenſinn an ihm, — 1IV— der ſich zwar nicht immer bannen, aber doch vergegenwaͤrtigen laͤßt, erkenne, feſt⸗ halte und aufrichte. Auch in unſern neue⸗ ſten Dichtungen brechen ſich in zahlloſen Farbenſpielen ſeine von der Liebe aufge⸗ fangenen Strahlen, und ſchimmern in die wieder dunkel gewordne Zeit heruͤber, wie Thautropfen, in denen die untergehende Sonne ſich ſpiegelt.— Selbſt die treuen Sammlungen von tauſend Charakterzeich⸗ nungen, von verſchiedenen Rhapſodien des heiligen Krieges, von ſo vielen Beſchrei⸗ bungen und Schilderungen einzelner in ihm vorgefallener Begebenheiten ſind mehr als eine Buchhaͤndlerſpekulation. Es iſt in ihnen das Streben unverkennbar, die große Zeit hoher Begeiſterung und inniger Hingebung, die aus der Wirklichkeit ver⸗ ſchwunden iſt, wenigſtens in Bildern feſt⸗ zuhalten, an deren Beſchauung man ſich erheitern kann, wenn die Wahrnehmung der wieder uͤberhand nehmenden Selbſt⸗ ſucht das Gemuͤth verſtimmt. Es ſind in ihnen, wie in einem Heiligthum, die Denkmaͤler der goͤttlichen Liebe und Weis⸗ heit aufgeſtellt, die uns wieder mit, der 2- „ 92 ———— 2 —-——᷑—ÿ—x—x44ÿ———— —— ———= gen, ſowohlzinnern als aͤußern, eines ein⸗ — V— Welt, dem Leben verſoͤhnen und in uns die Hoffnung erhalten koͤnnen, wenn die Beſorgniß uns aͤngſtigt, man wolle uns von neuem zu Bettlern machen, welche die durch Blut und Thraͤnen errungenen Guͤter, als waͤren ſie durch Raub erlangt, wieder herausgeben ſollen. Einen gleichen Zweck haben auch die vorliegenden Blaͤtter. Ihre Herausgabe ſchien dem Verfaſſer deshalb ſo wenig werthlos als uͤberfluͤſſig zu ſeyn, weil ihm Darſtellungen von dem Kriegerleben ei⸗ nes Einzelnen noch nicht bekannt ge— worden ſind. Nicht dem Geſchichtsforſcher wollte er vorarbeiten, denn das vergoͤnnte ihm der niedere Standpunkt, auf den er ſich im Kriege geſtellt ſah, nur duͤrftig; eben ſo wenig aber fuͤr die verwoͤhnte und gereizte Phantaſie der Roman⸗Leſer eine mit erdichteten Abentheuern und Lie⸗ beleien durchwebte und belebte Erzaͤhlung liefern, das erlaubte ihm die Liebe zur Wahrheit nicht;— ſondern dazu wollte er durch die Ueberarbeitung ſeines Tage⸗ buches beitragen, daß an den Erſahrun⸗ — vI— zelnen Freiwilligen, dem Leſer das erwachte Fruͤhlingsleben unſers Volkes und der hei⸗ ſig Krieg in ſeinem hohen Ernſte, wie in ſeinen froͤhlichen Zwiſchen⸗ ⸗ und Nach⸗ ſpielen, ſich recht anſchaulich darſtelle. Dich in Deinem Glauben, Lieben und Hoffen zu befeſtigen, mein Leſer! nament lich Dich, der Du bei dem aufgehenden Morgenroth unſrer Freiheit nicht ſchlaͤfrig und leidend bleibſt, ſondern den Wink des Weltgeiſtes verſtandeſt und Dich aufmachteſt, ſeinen hohen Forderungen auch Deinerſeits zu ge⸗ horchen:— das iſt der hoͤchſte Wunſch des Verfaſſers. Selbſt dann wird es ihm nicht ge— reuen, die Feder ergriffen zu haben, wenn es ihm auch nur gelingt, dem Leſer einige Theilnahme an ſeinen nie geahnten Er⸗ fahrungen abzugewinnen, und ihm eine lehrreiche und angenehme Unterhaltung zu ve rſchufen. Sollte darauf eine Schrift nicht Anſpruͤche machen duͤrfen, die den Geiſt aus der breitgetretnen, ſtaubigen Landſtraße des Alltagslebens und aus dem engen Kreiſe buͤrgerlicher und haͤuslicher Pflichten in ein reicheres, ſeltneres und weiteres Gebiet zu V V V fuͤhren reiche in M in ſein nuͦt Feuer erſchei Strebe ſonder tung g 6 und do als rich Manch Manch einen ſeinige ter ſel In H. vachte er hei⸗ wie Nach⸗ Dich fen zu Dich, enroth eidend Geiſtes ſeinen u ge⸗ bunſch cht ge⸗ wenn einige en Er⸗ n eine ung zu ift nicht eiſt aus aße des Kreiſe in ein ebiet zu — VII— fuͤhren ſucht, in ein Gebiet, wo die ſieg⸗ reiche Gewalt des Goͤttlichen und Ewigen im Menſchen ſichtbarer hervortritt und ſich in ſeinen Thaten verherrlicht; wo ſeine ſonſt ſo muͤrbe und zerbrechliche Kraft an dem Feuer der goͤttlichen Liebe gleichſam gehaͤrtet erſcheint, und wo eines edlen und kuͤhnen Strebens Vergeltung nicht weit zu ſuchen, ſondern ſchon in dem Wagniß ſeiner Rich⸗ tung gegeben iſt? Es koͤnnte ſeyn, daß die Kritik hie und da in Bemerkungen, die dem Verfaſſer als richtig erſcheinen, Irrthuͤmer ſaͤhe, auch Manches fuͤr langweilig und gleichguͤltig, Manches fuͤr unzweckmaͤßig und nicht hie⸗ her gehoͤrig erklaͤrte, was der Verfaſſer nicht dafuͤr gehalten hat; daß ſie nament⸗ lich die auf einer fluͤchtigen Reiſe durch den Harz gemachten Erfahrungen und Be⸗ merkungen hier nicht erwartete. Alles dies ſoll ihn nicht verdrießen. In Hinſicht des Erſteren beſcheidet er ſich gerne, daß es einen hoͤhern Standpunkt giebt, als den ſeinigen, und Maͤnner, die tiefer und wei⸗ ter ſehen und unterrichteter ſind, als er. In Hinſicht des Zweiten hofft er, die Mehr⸗ 2 — VII— zahl ſeiner Leſer werde nicht wider ihn ſeyn, und auch die mit ſeinem Kriegerle⸗ ben nur loſe zuſammenhangenden Epiſoden freundlich aufnehmen. Um Jemanden in das Innere eines fremden Lebens zu fuͤh⸗ ren, und ihm in dieſem einzelnen Leben zugleich das Aehnliche der ganzen Maſſe vor die Seele zu ſtellen, duͤrfen auch anſchei⸗ nende Kleinigkeiten nicht unberuͤhrt bleiben. Die Beſtrebungen des Verfaſſers ſind allerdings mannigfaltig. Sollten ſie ihm nicht alle gelungen ſeyn, und die Aus⸗ fuͤhrung mit ihnen im Mißverhaͤltniß ſte⸗ hen, ſo wird man doch wenigſtens das Eine gelten laſſen muͤſſen: der redliche Wille, das Gute zu befoͤrdern, ſey in ſeiner Arbeit unverkennbar. In dieſem Bewußtſeyn findet er ſeinen Lohn; nach einem andern ringt er nicht. Der Verfaſſer. 7 den er ihn iegerſe⸗ diſoden den in zu fuͤh⸗ Leben Maſſe anſchei⸗ leiben. ts ſind ſie ihm e Aus⸗ iß ſte⸗ 1s das redliche ſey in dieſem nach Erinnerungen aus d 1814. den Jahren 1813 un In dem verhaͤngnißvollen Winter, wo Bona⸗ parte in Rußlands Schneewuͤſten ſein Gluͤck, ſeinen Ruhm und den Kern ſeiner Armeen, die ſorglos ſeinen Sternen gefolgt waren, verlohr, lebte ich als Privaterzieher im Norden Deutſch⸗ lands in einem Doͤrſchen, das mir, je nachdem ich wollte, durch die Naͤhe einer kleinen Pro⸗ vinzſtadt, in dem Umgang mit wuͤrdigen Maͤn⸗ nern Erheiterung und Erholung und wieder ſtille Zuruͤckgezogenheit gewaͤhrte, wenn Schnee⸗ geſtoͤber oder uͤberhaupt eine unfreundliche Wit⸗ terung mich an den ernſten, ermuͤdenden Beruf feſſelte Selten nur drang in meine Einſam⸗ keit freundliche Kunde von den Weltbegeben⸗ heiten, die dem erſchuͤtterten und blutenden Eu⸗ ropa den erſehnten Frieden verſprachen; wurde ſie uns aber auch einmal auf geheimem Wege oder öffentlich zu Theil, oder durften wir aus der Stellung der verſchiedenen Armeen beruhi⸗ gende Schluͤſſe ziehen: ſo war auch ein ſolcher Tag ein Feſttag fuͤr uns Alle, die wir mit dem ——————e —õ— — 4— ganzen Volke hoffend in die Zukunft blickten und uns ſo gern an ſchoͤnen Traumbildern er⸗ götzten, die uns Erſatz fuͤr die ſchmerzen⸗ reiche Gegenwart und fuͤr die Seufzer geben ſollten, die uns die laſtende, niederbeugende Zeit erpreßte; dann druͤckten wir uns inniger die Hand, ruͤckten vertraulicher zuſammen und heiligten unſre Freude durch das ernſte Anden⸗ ken an die Opfer, durch die uns Erloͤſung werden ſollte. Dann wurde die Charte des Kriegsſchauplatzes gruͤndlicher ſtudirt, durch ver⸗ ſchiedne Nadeln die Stellungen der befreunde⸗ ten und feindlichen Heere bezeichnet, und weil uns ſchon bei dem Gedanken fror, daß die rettenden Schlachten auf Schnee⸗ und Eisfel⸗ dern geliefert wuͤrden, ſo ſorgte ſofort der freundliche Wirth und Gaſtgeber, ein biedrer, fuͤr alles Vaterlaͤndiſche begeiſterter Deutſcher, in deſſen Hauſe die Gleichgeſinnten zuſammen⸗ amen, wenn Herzensbeduͤrfniß ſie antrieb, fuͤr Waͤrme und gab uns Gelegenheit genug, die Gute ſeines Punſches zu preiſen. Moskau war laͤngſt in Flammen auf⸗ und untergegangen, der grauenvolle Ruͤckzug ange⸗ treten; immer naͤher den vaterlaͤndiſchen Flu⸗ ren waͤlzten ſich die Truͤmmer der verhungerten — — 5— Heerſchaaren, die ein klaͤgliches Bild menſchli⸗ cher Hinfaͤlligkeit und ein verdaͤchtiges von menſchlicher Groͤße gaben; immer klarer trat uns ihr und das Schickſal ihres despotiſchen Fuͤhrers vor Augen, immer deutlicher ſahen wir in jenem Brande das Morgenroth der neuen Zeit, und die Zeichen des goͤttlichen Weltgerichts, das in der Regel ſchon auf Er⸗ den den Suͤnder und verſtockten Verbrecher erreicht. Aber noch lag das Vaterland in der al⸗ ten Erſtarrung und Finſterniß begraben, und nur ein freundlicher Stern, wer kennt ihn nicht, ſchien in ſeine Nacht hinein. Ich be⸗ ſuchte wie gewoͤhnlich, nach vollendetem Tage⸗ werk, den redlichen Pfarrer des Orts, als dieſer mir an einem Nachmittag ſchon in der Thuͤr mit einem Zeitungsblatt entgegeneilte. Der Koͤnig hatte ſein Volk zu den Waffen ge⸗ rufen. Kein Zwang, nein, freier, begeiſterter Wille ſollte die Bluͤthe deſſelben unter ſeine Fahnen verſammeln. Zitternd vor Freude und wie betaͤubt durch das Folgenreiche dieſes Auf⸗ rufs, las ich ihn ein— zweimal durch und ſank uͤberwaͤltigt von frohen Empfindungen an Im die Bruſt des Freundes, der mir als Bote Im der ewigen Liebe erſchien. dem Dieſer Aufruf, ein Unterpfand unſrer Frei⸗ Land heit, hauchte uns neues Leben ein. Schon er⸗ wie blickten wir die errungne im Geiſte, uns die Alle Anſtrengungen nicht groß denkend, die ihre an Gruͤndung koſten wuͤrde, da wir den nunmeh⸗ 11 rigen Widerſtand des Feindes mit ihnen im Käni Mißverhaͤltniß dachten. gzung Freude und Jubel fuͤhrte an dieſem ſchoͤnen lang Tage eine frohe Geſellſchaft zuſammen, in der 3 ind es zu frohen Herzensergießungen kam, da es der Jedem Beduͤrfniß war, endlich das laut und nach kraͤftig auszuſprechen, was Jeder lange im Her⸗ zen getragen, und laut zu ſagen geſcheut hatte. 5 Das lang und muͤhſam unterdruͤckte Wort in d bricht um ſo lauter und ſtuͤrmiſcher hervor, e je ſchneller und ploͤtzlicher ihm nach langer Ge⸗ bin fangenſchaft die laͤngſt erſehnte Freiheit wird. 3 Wie durch einen Zauberſchlag ſieht man ſich. Zei ., 0 war in einen ganz andern aͤußern Zuſtand verſetzt, obgleich das innere Leben doch nur umge⸗ 3 wandelt wird, wenn ein neuer kraͤftiger Wille den Thron der Selbſtſucht beſteigt. Und doch machte uns dieſer neue Zuſtand keinesweges gan beklommen, wie dies wohl der Fall iſt, wenn * Jemand ſein aͤußeres Leben umgewandelt ſieht. Im Gegentheil waren wir bald vertraut mit dem Gedanken einer Volksbewaffnung, eines Landſturms und mit allen den Regungen, die wie ein elektriſcher Funke in dem Einzelnen Alle, die ganze Nation durch gleichen Haß an einander gekettet, entzuͤndeten. So war denn jener Aufruf des ritterlichen Koͤnigs eigentlich nichts anders, als die Heili⸗ gung eines Vorſatzes und Gedankens, der ſo lange ſie ihm fehlte, wie ein Verbrechen tief in der Seele verborgen gehalten wurde. Nicht der Aufruf erzeugte die Begeiſterung, wie das nachmals wohl von dieſem und jenem Verblen⸗ deten angenommen worden iſt, ſondern ⸗dieſe erzeugte jenen, und des Koͤnigs Stimme war in dieſem Falle zur Volksſtimme geworden. Jener Tag machte Epoche in meinem Le⸗ ben. Mit ihm begann fuͤr daſſelbe ein neuer Zeitabſchnitt. Ich fuͤhlte mich muͤndig, ich war's durch ein Koͤnigswort geworden, das auch in meinem friedlichen Herzen den Funken zum zuͤndenden Brande verwandelte. Viel wurde in jenen Stunden uͤber Ver⸗ gangenheit und Zukunft geredet. Es entſtand ein freundlicher Umrauſch der Meinungen, der 2 — 8— wohlthaͤtig auf mich wirkte, indem er zu der Flamme die Klarheit geſellte, ohne welche ſie nur verderblich wirken kann. Jugendlich er⸗ griffen von den Zeichen der Zeit, hatte ich mich ſchon laͤngſt nach dem Tage geſehnt, wo das Joch des Tyrannen abgeworfen wuͤrde. Er war nicht erſchienen und ich verzagte. Ach! nicht eher glaubte ich, wie Thomas, an die Auferſtehung des Volks, bis ich den Stein vom Grabe des Gemißhandelten und Gekreu⸗ zigten gewaͤlzt ſah.— Zwar gruͤnt der Teu⸗ toburger Wald noch mit ſeinen Eichen, ſeufzte ich oft in der Stille, aber fuͤr uns rauſcht es nicht mehr in ihren Gipfeln, wie Geiſterruf. Wir ſuchen Heidelbeeren darin mit gekruͤmm⸗ tem Nuͤcken auf. Die Truͤmmer bemooster Rieſenburgen ſehen zwar ernſt und trauernd aaus der Vorwelt in die Gegenwart heruͤber, und koͤnnten heilige Zeichen ſeyn, aber wir er⸗ klettern jene nur, um eine ſchoͤne Ausſicht in's Erdenleben zu haben, nicht um dem Himmel naͤher zu ſeyn. Kein Herrmann, kein Tell wird erwachen. Denn wer ſich gern in Seide huͤllt und mit dem vergaͤnglichen Zierrath des Lebens behaͤngt— der kann kein Schlangen⸗ toͤdter ſeyn. Und du, mein armes Volk, in lang fott, Clen Zaͤgl ſchich Rom Roms, bald auf Helvetiens Helden ſtieß, Na⸗ 0 der Knechtſchaft erzogen, verfuͤhrt und beſte⸗ chen durch Marktſchreier und politiſche Quack⸗ ſalber, eingewiegt durch Ammenmaͤhrchen, wie könnteſt du fuͤr ein Idol entbrennen, das du nicht kennſt, wofuͤr zwar der Wurm zu deinen Fuͤßen lebt, das aber, dir laͤngſt entfremdet, in die Gebuͤrge zu kraͤftigeren Menſchen floh. Unter deiner Ruthe wirſt du zwar noch ferner weinen und murren, aber die Hand dennoch kuͤſſen, die dich geiſſelt, bis du ſinnlos hin⸗ ſinkſt. Auch nur um dich zu raͤchen, biſt du zu alt, zu matt und zu klug; zu alt, um dich aus deiner Bequemlichkeit zu reißen, und ruͤſtig dir ſelber entgegen zu treten mit dem kuͤhnen Willen; zu matt, um die Kaͤmpfe zu beſtehen, die den Streiter, der ſich ein Vaterland, oder nur ein freies Grab erobern will, erwarten, und zu klug, um von deiner Selbſtſucht zu laſſen, und fuͤr eine Idee begeiſtert zu werdenn, deren Realiſirung viel ſchwere Opfer ver⸗ langt.— Wie oft warf ich meine Buͤcher fort, weil ich uͤberall Fingerzeige auf unſer Elend ſah. Nur mit Schmerz fuͤhrte ich meine Zoͤglinge in die ernſten Heiligthuͤmer der Ge⸗ ſchichte, wo ich bald auf Griechenlands und men, die man nur noch in Regiſtern, nicht aber mehr in lebendigen Zuͤgen im Herzen fand. Wie oft ſuchte ich Schutz bei der Mut⸗ ter Natur, der die verzogenen Kinder uͤber den Kopf gewachſen waren. Ach! auch ſie gab mir nicht Troſt, weil ich mich nicht vor mir ſelber, ſondern vor der Zeit retten wollte, deren Brandung an eine Wuͤſte ſchlug. Das war ſeit jenem Tage alles anders ge⸗ worden. Ich fragte meine Buͤcher, und ſie antworteten mir; der Buchſtabe war lebendig geworden. Ich fragte die Natur und auch ſie erwiederte liebevoll auf meine Fragen. Ich ſuchte in Andrer Augen zu leſen, und ſiehe, ich verſtand die geheime Schrift, die erſt durch die Befeuchtung der Thraͤnen leſerlich gewor⸗ den war. Die alte, verkuͤmmerte Zeit, die ihre Buͤrde in ein nahes Grab zu tragen ſchien, ſie ſtand, dem Phoͤnix gleich, aus ihrem Flammengrabe neu verjuͤngt zum Leben auf, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie mit ehernem Gefieder den roſigen Wolkenſaum begruͤßte, der den öſtlichen Himmel in fluͤchtigen Bildern be⸗ kraͤnzte. 3 Taͤglich liefen nun Nachrichten ein von der Gegeiſterung der preußiſchen Jugend, und wie —— theilte vergäß neten A ernſt noch hin d Fruch Geſet Siegt deines den bach er„ ſprac baͤrti ware entle ben, als jeder kraͤftige Juͤngling das Schwerdt ergreife, und wie die Jungfrauen ihre goldnen Locken hingaͤben, gegen gemuͤnztes Gold, und fuͤr den geliebten Ritter Feldzeichen ſtickten, ja wie ſelbſt Greiſe, von dem Feuer der Vater⸗ landsliebe ergriffen, die allgemeine Stimmung theilten, und ſelbſt Kruͤppel ihre Gebrechen vergaͤßen, um nicht die letzten in den bewaff⸗ neten Reihen zu ſeyn. Auch dein Fröhling bluͤht noch, rief ich ernſt und nachdenkend aus; dein Arm zittert noch nicht, drum bewaffne ihn, drum gieb ſie hin die Bluͤthe deines Lebens fuͤr eine ewige Frucht, und der fruͤhe Traum werde Wahrheit. Geſehnt haſt du dich nach Schlachten und Siegen ſchon damals, als du auf den Knieen deines Vaters ſitzend, ſeine Erzaͤhlungen von den Schlachten bei Prag, Leuthen und Roß⸗ bach hoͤrteſt. Damals war dir ſo wohl, wenn er„Sieg“ rief, und von den Freudenthraͤnen ſprach, die als ſeltne Perlen in den Augen baͤrtiger Grenadiere glaͤnzten. Alle deine Ideale waren drum von Grenadieren und Huſaren entlehnt. Nichts ſchien dir ſo groß und erha⸗ ben, als ihr Loos, Niemand ſo ehrwuͤrdig, als der Kruͤppel, der bei Collin ſein Bein ver⸗ 1 7 12— lohr. Was dich damals wachend und traͤu⸗ mend verfolgte und den Zorn des ſtrengen Kantors auf dich lud— iſt das jetzt ver⸗ ſchwunden? Waren es nur kindiſche Traͤume, oder Weiſſagungen und Vorahnungen?— Ich ſchämte mich vor mir ſelber, ſchon ſo lange gezoͤgert zu haben. So Viele waren ſchon hin⸗ geeilt auf die Bahn wahrer Ehre; ich hatte unterdeß daruͤber philoſophirt, doch feſt ſtand der Entſchluß, nicht ſchlechter, als ſie zu ſeyn, und ſie den Lorber erringen zu laſſen, waͤh⸗ rend ich den Cornelium Nepotem triebe. Allein nun erſchien mir im Geiſte mein al⸗ ter Vater, der ſeinen Stab, ſeine Stuͤtze in mir zu haben glaubte, und bat mich, keinen zu raſchen Entſchluß zu faſſen, und ein Brief von ihm rechtfertigte auch dieſe Furcht. Nun ſah ich die vielen Thraͤnen meiner Mutter, der ich der Einzige war, die nur in mir lebte— ach! und ich wußte es, an ihr keine ſpartani⸗ ſche Mutter zu haben. Das alles fiel mir be⸗ laſtend auf's Herz und ſchwaͤchte meine Be⸗ geiſterung, die uͤberdies von außen keine Nah⸗ rung erhielt. Nun ſiel mein Blick auf mich ſelbſt. Unter Buͤchern herangewachſen, war ich, wenn gleich geſund, doch ſchwach und ankräft eine Lu ſer Am ſcmale ſtirenz der Wi⸗ gehen; ſoll ein ſt. 4 ſchlafen Stroh, Bequen dir ſcho und S. tägliche haſt du werden dem Er Verſtan dem K ſer ſey che al „Bleil, kannſt ger wi iigen e tigen einen Beruf, der Kraft und Fuͤlle der — 13— unkraͤftig. Dieſe Bruſt— ſprach ich— ſoll eine Laſt tragen, die ſie nie gekannt hat; die⸗ ſer Arm, der nie ein Feuerrohr hielt, ſoll ſchmale Franzoſen treffen; dieſer, des Mar⸗ ſchirens ungewohnte Fuß ſoll, ohne Unterſchied der Witterung, von der Oder bis zur Seine gehen; dieſer Kopf, den der Hut ſchon druͤckt, ſoll ein Czako tragen, das ſchwer wie Blei iſt. In Betten haſt du dein Lebenlang ge⸗ ſchlafen, und nun erwartet dich die Erde und Stroh, und als Decke der Himmel. An alle Bequemlichkeiten des Lebens gewoͤhnt, wurde dir ſchon jeder unbedeutende Mangel zur Qual, und Schnupfen und Huſten ſind ja faſt deine taͤglichen Gefaͤhrten im Leibe des Todes. Nie haſt du Waſſer trinken koͤnnen, ohne uͤbel zu werden, und Frankreich, das Weinland, liegt dem Eroberer fern.„Bleib“— rief mir der Verſtand, der kalte, ſelbſtſuͤchtige zu, du wirſt dem Heere eine Laſt, hoͤchſtens ein Luͤckenbuͤ⸗ ßer ſeyn, und dein Feldzug in einem Tagebu⸗ che aus irgend einem Lazarethe beſtehen. „Bleib,“ rief mir ſogar die Liebe zu. Was kannſt du verwoͤhntes Mutterſoͤhnchen als Krie⸗ ger wirken? Ueberlaß dem Starken und Kraͤf⸗ Geſundheit verlangt. Du kannſt ja auf andre Weiſe dem Varerlande nuͤtzen, warum willſt du es gerade in einem Berufe thun, auf den du dich niemals vorbereitet haſt. Mit dem Willen iſt's ja nicht allein gethan, und ſo ſuͤß es iſt, fuͤr das Vaterland zu ſterben, ſo ehren⸗ voll, fuͤr daſſelbe zu leben und geiſtig zu wirken. Beurtheile, geneigter Leſer! dieſe Reflexio⸗ nen nicht zu ſtreng! Ein andres iſt es, fuͤr eine Idee erwaͤrmt zu ſeyn, und die nackte Wahrheit vor ſich zu ſehen. Wo es der Geiſt nur mit dem Geiſte zu thun hat, da fallen alle die Hinderniſſe fort, die ſich wie Gewichte an den Koͤrper haͤngen, ſeine Erhebung zu er⸗ ſchweren. Frei und kuͤhn geht der Geiſt durch das Leben und geſtaltet ſich ſelbſt ſeine Hel⸗ denbahn, die er nur mit ſelbſtgeſchaffnen Fein⸗ den bevoͤlkert, die ſich eben deshalb leicht be⸗ ſiegen laſſen. Wird ihm aber dieſe Bahn vor⸗ geſchrieben, mit allen ihren Beſchraͤnkungen, wird das irdiſche, gewoͤhnliche Leben ſein Kampf⸗ platz, werden ſeine Traͤume zu Verbrechen, ſo macht er eine bedenkliche Miene, da er ſieht, daß eine voͤllige Selbſtverlaͤugnung dazu gehoͤrt, nur die Maſſe zu vergroͤßern, und ſich an den Koͤrper zu verkaufen, der blindlings nur dem ſtemd thut, „ Juhm eine 0 ſchmei oder inner der theilt Lage geiſte zur. That allein Muß Die bring ſawe gräͤß telte Aber rung nach Inn ire dilſt den dem ſuͤß ten⸗ ken. rio⸗ fuͤr ckte eiſt Uen chte er⸗ arch del⸗ ein⸗ be⸗ vor⸗ gen, npf⸗ ſo ht, ört, en em fremden Willen gehorcht, und ohne zu kluͤgeln thut, was ihm befohlen wird. Schwer wird das Gehorchen da, wo nur das Befehlen Ruhm erwirbt, und außer der Rachſucht ſelten eine andre Leidenſchaft, die ſich bei uns einge⸗ ſchmeichelt hat, Befriedigung findet.— Mehr oder weniger hat wohl Jeder, der ſich ſeines innern Lebens bewußt war, in jenen Tagen der Entſcheidung dieſe Anſichten mit mir ge⸗ theilt, zumal, wenn er mit mir in aͤhnlicher Lage war. Denn fern von dem froͤhlichen be⸗ geiſterten Haufen, in dem der Einzelne, ohne zur Klarheit zu gelangen, zu Entſchluͤſſen und Thaten fortgeriſſen wird, ſtand ich vielmehr allein und verlaſſen da, und hatte zu viel Muße, uͤber meinen Entſchluß nachzudenken. Die einſamen Spaziergaͤnge, die ihn zur Reife bringen ſollten, dienten gerade dazu, ihn zu ſchwaͤchen und meine innern Kaͤmpfe zu ver⸗ groͤßern. Wofuͤr willſt du kaͤmpfen? vernuͤnf⸗ telte ich oft in der Stille. Fuͤr die Freiheit? Aber wird ſie, kann ſie von Deutſchland er⸗ rungen werden? Iſt nicht zu fuͤrchten, daß nach Beſiegung aͤußerer Feinde, ein Feind im Innern zuruͤckbleibt, der nur kluͤgere Ketten ſchmieden wird, als der Despot, der nur Ei⸗ 8 — 16— ſenketten kannte? Iſt Deutſchland auch wohl veif fuͤr die wahre Freiheit, die in des neuen Welttheils gluͤcklichen Fluren ihre ſegnende Krone zum Himmel hebt? Wird nicht, nach Zerbrechung der Ketten, die jetzt die Großen des Volkes druͤcken, das morſche Staatsge⸗ baͤunde auf demſelben Sumpfe aufgefuͤhrt wer⸗ den, auf dem es jetzt, in allen ſeinen Theilen wankend, dem Umſturz nahe iſt? Und wenn das geſchieht, iſt dann nicht alles Blut ver⸗ geblich gefloſſen, wenn nur der Name wechſelt, wenn dem Siege uͤber den aͤußern Feind, nicht auch eine Wiedergeburt folgt, die nicht Ein⸗ zelne, ſondern Alle zum neuen Leben erweckt? V Wird man nicht vielleicht dieſe ſchoͤne Begeiſte⸗ rung fuͤr Buͤrgerpflicht halten, die keinen Lohn verdienr, und ſind die Verheißungen, die man giebt, auch wohl nur ein Koͤder, Leichtglaͤu⸗ bige zu gewinnen? Wie, wenn du nun als Kruͤppel aus dem heiligen Kriege zuruͤckkehrſt, 7 und dieſe Ahnungen Wahrheit werden; wenn das Schlechte und Ebbaͤrmliche wiederum ſein Haupt erhebt, und es ihm gelingt, den er⸗ wachten Loͤwen, das Volk, wieder in dumme Traͤume einzuwiegen, auf daß es ein nie⸗ driges, ſtrafbares Streben nicht hindre und ſich 9. welchen abnima und fü dern f Wälige unter das di dich, Berufe hadigt thun telſtab wogte punkt ſchonun De Ginſan ſicen ſie an lich b Sie n dem di franzo lichen weiübli ſich geduldig das Joch wieder auflegen laſſe, welches man ihm fuͤr den Augenblick dadurch abnimmt, daß man es fuͤr muͤndig erklaͤrt, und fuͤr wuͤrdig haͤlt, nicht als Maſchine, ſon⸗ dern frei und ſelbſtthaͤtig, in die Raͤder der Weltgeſchichte einzugreifen: wirſt du dann nicht unter heißen Thraͤnen dein Elend betrachten, das dich auf einen Gnadenthaler hinweiſt, das dich, herausgeworfen aus deinem ſegnenden Berufe als Lehrer des Volks, an die Barm⸗ herzigkeit derer feſſelt, die Wunder was zu thun glauben, wenn ſie dir erlauben, den Bet⸗ telſtab zu ergreifen?— Dieſes und aͤhnliches wogte ſtuͤrmiſch in meiner aus ihrem Mittel⸗ punkt geſchleuderten Seele und warf mich ſchonungslos auf das Meer der Leidenſchaften. Da kamen eines Tages Koſaken in unſre Einſamkeit, um einige Lieferanten der franzoͤ⸗ ſiſchen Armee zu zuͤchtigen. Staunend wurden ſie angegafft, froͤhlich bewirthet, und vorzuͤg⸗ lich von der Jugend ſchaarenweiſe umdraͤngt. Sie waren es aber auch werth, denn unter dem dicken Schafpelz trugen einige von ihnen franzoͤſiſche Generalsuniforinen, mit allen moͤg⸗ lichen Orden verſehen, und darunter ſahen weibliche Kleider hervor, deren Zartheit hoöͤchſt 2 — 18— wunderlich zu der uͤbrigen Kleidung ſtimmte.— Ihre Ankunft, ein Jubel fuͤr Alle, wurde be⸗ deutend fuͤr mich, denn ploͤtzlich regte ſich bei ihrem Anblick der Vorſatz in mir, dem Kriegs⸗ ſchauplatz naͤher zu treten und mich von dem Getriebe der Zeit faſſen zu laſſen;— das Uebrige werde ſich dann wohl finden. Ich eilte dem⸗ nach zu meinen Aeltern. Unterweges ſchon reifte mein Entſchluß; denn welch' ein ernſter, kraͤftiger Wille trat mir uͤberall entgegen! Welche ruͤhrende Denkmale der Liebe und der Erhebung des Gemuͤthes uͤber das Alltaͤgliche und Seelenloſe, welche Bilder aus einem ſchoͤ⸗ nern Leben ſtellten ſich vor meinen ſtaunenden Blick, der voll Schaam auf mich ſelbſt fiel! Welche Lebendigkeit und Regſamkeit herrſchte uͤberall! Jung und Alt, Juͤnglinge und Jung⸗ frauen, Alle theilten eine fromme Begeiſterung, mit einander wetteifernd, und fuͤr den Augen⸗ blick ſah ſich das ganze Volk auf einen hoͤhern Standpunkt geſtellt, von dem es ſelbſt uͤber⸗ raſcht in ſein niedres Leben blickte, das tief unter ihm im Schatten hemauigeß Salbſiſuche und Feigheit lag. Noch einen ſchweren Kampf hatte ich zu beſtehen, nehmlich mit den Thraͤnen meiner. Mut Valel wurde Punſ lingin verga mern ſtimn ihrer 5 Füͤhr gen den kein das es de nun des, ber als nien geſun jähris gepli den 4 mih riegs⸗ dem brige dem⸗ ſchon enſter, egen! d der gliche 1 ſchöͤ⸗ enden t fiel! rrſchte Jung⸗ erung, lugen⸗ hoͤhern üͤber⸗ s tief ſtſucht ich zu meiner — 19— Mutter, mit den ſchweigenden Bitten meines Vaters, eines hochbejahrten Greiſes. Beiden wurde durch meinen Entſchluß ihr ſuͤßeſter Wunſch mit einemmale vernichtet, ihr Lieb⸗ lingsplan in einem Nu zerſtoͤrt, und ach! ich vergab es ihnen gern, daß ſie auf den Truͤm⸗ mern ihres Gluͤckes in den Jubel nicht ein⸗ ſtimmen wollten, der fuͤr ſie das Sterbelied ihrer Hoffnungen war. Das Staͤdtchen lag voll Truppen, deren Fuͤhrer mich perſoͤnlich kannte und mir gewo⸗ gen war. Ihm gab ich ſtatt eines Schwures den Handſchlag der Treue— und war nun kein Kandidat mehr. So wandelt ein Wort das ganze aͤußere Leben um. Wohl dem, dem hes dabei die innre Freiheit erhaͤlt. Ich ſah nun nichts mehr, als den Feind des Vaterlan⸗ des, den Schaͤnder unſrer Altaͤre, den Verder⸗ ber unſers Gluͤckes. Ich hoͤrte nichts mehr, als die Klagen derer, deren Soͤhne in Spa⸗ nien und Rußland in die fremde blutige Erde geſunken waren, deren Wohlſtand durch zehn⸗ jaͤhrige Truͤbſale zerruͤttet, deren Huͤtten aus⸗ gepluͤndert, deren Redlichkeit und Tugend von den Henkersknechten des Tyrannen verfolgt und gemißhandelt worden war, und hatte mir ſo 1 ſelbſt die Weihe meines Berufes gegeben. Doch war es mir nicht moͤglich, ſogleich als Freiwil⸗ liger einzutreten. Unuͤberſteigliche Hinderniſſe zwangen mich, bis Oſtern Urlaub zu nehmen, um mich theils auf meinen neuen Beruf man⸗ nigfach vorzubereiten, theils mit meinem Fi⸗ nanzminiſter ein ernſtes Wort zu ſprechen. Denn indem ich von meinen in Armuth geſunkenen Aeltern keine Unterſtuͤtzung verlangen noch er⸗ halten konnte, wollte ich auch nicht die mil⸗ den Beitraͤge, die von allen Seiten zur Aus⸗ ruͤſtung duͤrftiger Freiwilligen zuſammenſtroͤm⸗ ten, fuͤr mich benutzen, um den noch Aerme⸗ ren nicht das zu rauben, was ich durch eignen Fleiß ſchon zum Theil hatte moͤglich machen koͤnnen, zum Theil am Schluß des Jahres, auf Oſtern mit Sicherheit als verdientes Ho⸗ norar erwarten durfte. Unter heißen Thraͤnen— ſie entehren ja nicht— riß ich mich aus den Armen meiner Aeltern und Verwandten los, die mit Liebe und Zaͤrtlichkeit an dem Sohn, dem Bruder hingen, und in der ſchmerzlichen Ueberzeugung, ſie nie wieder zu ſehen, verließ ich den Ort, wo mir jedes Plaͤtzchen theuer war, wo tau⸗ ſend Erinnerungen an die froh vertraͤumte Ju⸗ Doch iwil⸗ niſſe nen, nan⸗ Fi⸗ Run kenen er⸗ mil⸗ Aus⸗ doͤm⸗ rme, gnen ſcchen hres, Ho⸗ n ja einer Liebe ruder gendzeit mich auf jedem Schritt begleiteten, und wanderte als ein ganz neuer Menſch, mit leichtem Herzen— denn der Kampf war uͤber⸗ ſtanden, das Opfer gebracht— in mein Ver⸗ haͤltniß zuruͤckk, das noch bis Oſtern mich an die ſtillen, eintoͤnigen Beſchaͤftigungen des Frie⸗ dens feſſeln ſollte. Mit froher, inniger Herz⸗ lichkeit wurde ich von den Freunden empfan⸗ gen, die alles aufboten, mein Heimweh zu ſtillen, mir mein neues Verhaͤltniß von den angenehmſten Seiten darzuſtellen und alle ſeine Reize zu entfalten. Vor allen Dingen ſuchte ich mich nun im Schießen und Treffen zu uͤben; keine leichte Auf⸗ gabe fuͤr mich, da ich faſt nie ein Gewehr in der Hand gehabt hatte und mich ſehr unge⸗ ſchickt dabei benahm. Taͤglich wandte ich einige Stunden dazu an, mein ſchwaches Geſicht zu ſtaͤrken, ein gutes Augenmaaß zu erhalten u. dgl. und bemerkte bald mit Freude meine Fortſchritte darin, die ich meinem feſten Willen verdankte. Bald traf ich auf funfzig Schritt majeſtaͤtiſche Eichen, dann auf ſiebzig einen ſchlankeren Baum, und endlich auf hundert einen daran befeſtigten Bogen Papier, und glaubte nun wohl im Stande zu ſeyn, einen nicht gar zu ſehr verhungerten Franzmann in die Ewigkeit zu ſenden, ein Gedanke, deſſen Entſetzliches mich mit Bangigkeit erſuͤllte, und mir die Heldenbahn ſo verleidete, daß ich feſt uͤberzeugt war, wohl ſchwerlich nein Held zu werden. Auch nahm ich bei einem invaliden Unteroffizier Unterricht in den Elementen der Kriegskunſt, und lernte mein ab e ſchnell ge⸗ nug, da ich mich auf den eigentlichen Kama⸗ ſchendienſt nicht einließ. Doch wollte es mir mit dem kriegeriſchen Anſtand ſchlecht gelingen, uͤberall kukte der Kandidat hervor, was mich noch ſpaͤterhin manchem Spotte ausſetzte, ſo daß ich einmal gegen meinen Major, der ſich uͤber meine ſchlechte Haltung ſchwer aͤrgerte, die Worte des Papſtes Sixtus gebrauchte, der als Cardinal Montalto gebeugt einherging, und als erwaͤhlter Papſt ploͤtzlich ſich aufrich⸗ tete, mit den Worten: jetzt hab' ich die Schluͤſſel des Petrus, die ſo lange geſuchten, gefunden. Auch ich ſuchte als Soldat— den Frieden.— 35* So ruͤckte unterdeß Oſtern, auch mein Auf⸗ erſtehungsfeſt heran. Bald haͤtte ich Gelegen⸗ heit erhalten, meine erworbnen Kenntniſſe ſchon damals praktiſch auszuuͤben; denn in ei⸗ 7 * 4 6 ner barten Sturn ken, alſo ſo wa ſtig, legen derba dem Faig nirg alles doch uns Dies bena⸗ Bem Wä mer Gru eilte diesn und ten, blick 4₰ — 23— mi 4. 97 ner Nacht hoͤrte ich ploͤtzlich in allen benach- 6 und 1 barten Doͤrfern, auch in dem, wo ich wohnte, 3 feſt Sturm laͤuten. Feuer konnte das nicht bedeu⸗ ten, weil uͤberall geſtuͤrmt wurde, es mußte Atden alſo wohl die Naͤhe⸗ des Feindes gelten. Und nder ſo war es auch. Wohl geruͤſtet und kampflu⸗ lg ſtig eilte ich in's Freie, mein Probeſtuͤck abzu⸗ ahng, legen, wurde an die Spitze einer hoͤchſt wüne ℳ w derbar bewaffneten Infanterie geſtellt und ruͤckte— ngen dem anſichtbaren Feind entgegen. Doch der nich Feigherzige, wofuͤr wir ihn hielten, ließ ſich. 9 nirgends erblicken, bis wir ſpaͤterhin hoͤrten, rſh alles ſey blinder Laͤrm, der ſich denn aber 1 gert doch ſchon in der naͤchſten Nacht erneuerte und de uns jetzt wirklich von Bedeutung zu ſeyn ſchien. N Diesmal ſchloß ich mich an den Landſturm des 169 benachbarten Staͤdtchens an, deſſen hochherzige Bewohner ſchon die Stadt verlaſſen hatten. 2 die Weinende Frauen und ſchreiende Kinder jam⸗ uhien, merten den Tapfern nach, und von jenen mit n Gruͤßen und begeiſternden Flaͤſchchen beladen, eilte ich ihnen nach, ſie bald einholend. Auch. 1 Au⸗ 8 diesmal exiſtirte der Feind blos in der Idee,— legin und obgleich wir ihn in jedem Buſche witter⸗ umſe ten, in dem Staub jeder Hammelheerde er⸗ na. blickten, ſo mußte doch auch diesmal der gute 1 V . 24— Wille ſtatt der That gelten. Doch lief der Feldzug nicht ohne Blutvergießen ab, da ſich zu dem erhitzten Sinn der Schaaren die un⸗ gemeine Freigebigkeit eines Gutsbeſitzers ge⸗ ſellte, welche die Gemuͤther ſo verblendete, daß ſie gegen einander zu raſen anfingen. End⸗ lich wurden alle Mißverſtaͤndniſſe ausgeglichen, Verſöohnung geſtiftet, und nun ging's im Triumph nach Hauſe, wo unterdeß die Frauen auch nicht muͤſſig geweſen waren und Eichenkraͤnze fuͤr die tapfern Ehemaͤnner gewunden hatten, die ihr Blut allerdings zum Theil vergoſſen hatten Was ſo mit großem Ernſte und ſtil⸗ ler Feierlichkeit begonnen hatte, gab nachher reichlichen Stoff zum Lachen. Ehe ich die trauten Freunde verließ, wohnte ich noch einer ſehr feierlichen Taufhandlung bei, die der Mutterliebe das ſchoͤnſte Denkmal ſetzte, da ſie von einem Wunder derſelben zeugte. 1812 ſtand nehmlich ein franzoͤſiſches Re⸗ giment in hieſiger Gegend, und ein Theil davon in dem benachbarten Städtchen. Eine dortige Buͤrgerstochter faßt zu einem Sergean⸗ ten des Regimenis eine ſo heftige Zuneigung, und findet auch ſo viel Gegenliebe, daß ſie in ihm den Franzoſen vergißt und mit ihm liefen ſelben ruhjg gen aus, unſre — 25— ganz in der Stille ehelich verbunden wird. Bald darauf erhaͤlt das Regiment Befehl nach Rußland aufzubrechen, um ebenfalls eine Rolle in dem großen Trauerſpiel zu uͤbernehmen, und das treue, deutſche Eheweib folgt dem Manne, Vater und Mutter verlaſſend, und theilt mit ihm alle Beſchwerden und Leiden des Krieges. Die Nachrichten, die von Zeit zu Zeit ein⸗ liefen, ließen den ungluͤcklichen Ausgang deſ⸗ ſelben vermuthen, wodurch wohl Niemand un⸗ ruhiger wurde, als die armen Aeltern der jun⸗ gen Ehefrau. Endlich blieben alle Nachrichten aus, der fuͤrchterliche Ruͤckzug begann, der unſre Freiheit begruͤndete, und in der allge⸗ meinen Freude, die dieſer ploͤtzliche Wechſel des Schickſals verurſachte, war faſt jede Spur der Erinnerung an die fruͤhere Garniſon getilgt, und jenes junge Weib, ſo wie tauſend Andre, zu den Todten gezaͤhlt. Da tritt in der Mitte Aprils ploͤtzlich ein abgehaͤrmtes Weib in die Stube des Pfarrers und begehrt fuͤr ihre Toch⸗ ter die Taufe. Sie wird bald als die von Allen Aufgegebene erkannt, und auf die Frage des erſtaunten Predigers, wo denn die Kleine geboren ſey, erzaͤhlt ſie ungefaͤhr Folgendes, vielleicht mit andern Worten: 26— „Wo das Kind geboren iſt, weiß ich ſo genau nicht; ich kam zwiſchen Smolensk und Moskau in einem Walde nieder, da an Be⸗ hauſung und die damit verbundene Bequem⸗ lichkeit gar nicht zu denken war. Ringsum war die ganze Gegend zur Wuͤſte geworden, und die noch ſtehenden Huͤtten mit Kranken und Verwundeten angefuͤllt. Mein Mann war zwar noch am Leben und geſund, konnte aber unter ſolchen Umſtaͤnden auch nicht das Geringſte fuͤr mich thun. Auf Niemand, als auf Gott und auf meine geſunde, ſtarke Natur konnte und durfte ich vertrauen. Mit unendlicher Wehmuth druͤckte ich die Neugeborne an meine Bruſt und gelobte ihr alle heilige Pflichten einer Mutter an. Nie hat wohl eine Mutter aͤhnliches empfunden, als was ich damals fuͤhlte, oögleich ich mich ſchon ſo ziemlich an die Greuel des Krieges gewoͤhnt und mein Gefuͤhl ſich abgeſtumpft hatte. Auch wann das Kind geboren iſt, weiß ich nicht mit Be⸗ ſtimmtheit anzugeben; es muß nicht weit von Michaelis geweſen ſeyn, denn wir waren auf dem Wege nach Moskau. Mein Herz war aber zu voll, als daß ich mich um etwas an⸗ dres, als um das, was Noth that, haͤtte be⸗ kuͤmn hinzuͦ fande terund hatte fih ziemüi Die gloß, werde Mfer zu la ſal, wir raubte hſ und Be⸗ lem⸗ war und und Wwat inter noſte Hott onnte ſicher ſeine chten utter nnals h an mein Hann Be⸗ von auf war 3 an⸗ te be⸗ —— 27— kuͤmmern koͤnnen.“ Unaufgefordert fuͤgte ſie hinzu:„Bis Moskau ging es noch an Wir fanden Lebensmittel genug, und auch die Wit⸗ terung war noch ziemlich guͤnſtig. Ich ſelbſt hatte mich nach einigen Tagen, zumal da ich fahren durfte, wieder ſo weit erholt, daß ich ziemlich wohl und ſtark in Moskau ankam. Die Sorgfalt meines Mannes war dabei ſo groß, ſo innig, daß ich ihm nie vergeſſen werde, was er alles gethan, um mich die Opfer, die ich ihm gebracht, weniger fuͤhlen zu laſſen. Aber das ſtreng gebietende Schick⸗ ſal, das uns die Hoffnung des Friedens, die wir Alle in Moskau genaͤhrt hatten, nahm, raubte mir auch in dem bald darauf erfolgten Tode meines Mannes, die letzte menſchliche Stuͤtze, der ich mich ſo lange erfreut hatte, und nun ſtand ich Arme mit dem hulfloſen Saͤugling allein da, umgeben von einer Horde roher und zuͤgelloſer Menſchen, die die Ge⸗ walt der Leidenſchaften und die Noth zur Thier⸗ heit ſinken ließ und zur Verzweiflung trieb. Geſund und wohl trat ich mit dem ebenfalls ſtarken und geſunden Kinde den ſchauervollen Ruͤckzug an, aber nur zu bald mußte auch ich alle Schrecken deſſelben empfinden, und ——— wurde eingeweiht in alles Empoͤrende, was damit nothwendig verbunden war. Wie ein wuͤſter, ſchwerer Traum in einer Fieberkrank⸗ heit, ſteht mir noch immer jene Zeit vor Au⸗ gen, und kaum kann ich mich uͤberreden, ſie wirklich erlebt zu haben.— Das Kind huͤllte ich ſo viel wie möglich ein und band es mit den Tuͤchern an der bloßen Bruſt feſt, mehr der Waͤrme, die ich ihm dadurch mittheilte, als der Nahrung wegen, die ich ihm natuͤrlich nur ſehr duͤrftig und ſparſam reichen konnte. Ach, wie habe ich in ſolchen Augenblicken alle gluͤcklichere Muͤtter beneidet! Mit welcher In⸗ nigkeit habe ich mich vor Gott niedergeworfen, der auch in einer Schneewuͤſte ſeinem Kinde nahe iſt, und ihn angefleht, mein Leben dem Kinde zu erhalten, das unſchuldig an dem Blute war, das jene Wuͤſten duͤngte! Und er erhoͤrte mich. Ich lebte nicht mir, ſondern dieſem Saͤugling, der mir zwar die letzten Thraͤnen, die ich noch weinen konnte, erpreßte, mir aber immer theurer wurde, weil ich fuͤhlte, daß er nur an meine Liebe gewieſen ſey, daß er mich allein noch an das Leben feſſelte, das ſonſt jeden Reiz fuͤr mich verlohren hatte. Die⸗ ſer Gedanke, fuͤr das Kind zu leben, ſein ſuͤßes dächeln mir K duufi Lebense heit un im St baren ner S Leiden Fleiſch mehr! mehr Den zina. glüͤcklie nigsbe Der ſchwier Leiden gluͤclich ſie unt des P vor ſol was ein trant⸗ Au⸗ ſie hüͤllte mit mehr heilte, uͤrlich onnte. alle r In⸗ orfen, Kinde mdem dem Und ondern letzten preßte, fühlte, , daß „ das Die⸗ ſüͤßes Laͤcheln, wenn ich ihm Nahrung gereicht, gab mir Kraft zum Gehen, Muth beim Aufſuchen duͤrftiger Lebensmittel, eine gewiſſe Gier nach Lebenserhaltung, Umſicht, Beſonnenheit, Schlau⸗ heit und Kuͤhnheit, kurz alle die Tugenden, die im Stande waren, mein Leben unter ſo furcht⸗ baren Bedingungen zu friſten. Selbſt den ſei⸗ ner Schoͤnheit beraubten Koͤrper gab ich der Leidenſchaft Preis, um ein Stuͤck Brod oder Fleiſch zu gewinnen, und hatte keinen Begriff mehr von Schande, da ich keine andre Ehre mehr kannte, als die, mein Kind zu retten. Den ſchwerſten Stand hatte ich an der Bere⸗ zina. Doch auch dieſe Gefahr ließ mich Gott gluͤcklich uͤberſtehen, und ich fand das Kind, trotz des wuͤthenden Gedraͤnges auf der Bruͤcke, noch lebend. So kam ich endlich nach Wilna, ohne Erholung zu finden, die mir erſt in Koͤ⸗ nigsberg wurde, wo ich einige Wochen blieb. Der Weg von dort hieher war nicht mehr ſchwierig, da dieſe Beſchwerden nicht mit den Leiden zu vergleichen waren, die ich fruͤherhin gluͤcklich uͤberwunden hatte.„ So weit erzaͤhlte ſie unter vielen Thraͤnen, und das Erſtaunen des Predigers verwandelte ſich in Ehrfurcht vor ſolcher Liebe und Treue, die denn freilich — 30— nur von einer Mutter geleiſtet wird.— Die bald darauf angeſtellte Taufe geſchah in der von Zuhoͤrern angefuͤllten Kirche, und ſelten hat wohl eine Religionshandlung den Eindruck hervorgebracht, als dieſe, wo die goͤttliche Liebe ſich ſo ſehr verherrlicht hatte. Eine Augenentzuͤndung verzoͤgerte darauf noch einige Tage meinen Aufbruch, ſo daß ich denſelben erſt in der letzten Haͤlfte des Aprils antreten konnte. Aber kaum war jenes Uebel geheilt, ſo ſagte ich meinen Freunden Lebewohl und eilte nach Berlin, dem Sammelplatz aller Freiwilligen, theils um hier Erkundigung ein⸗ zuziehen, wo mein Regiment ſtehe, theils um mich hier mit allem Noͤthigen zu verſehen. Berlin, den 8. Mai 1813. Es iſt Zeit, Sie, mein lieber ungeduldiger Freund! durch Nachricht uͤber mich zufrieden zu ſtellen. Vielleicht glauben Sie mich ſchon im Gewuͤhl der Schlacht, vielleicht im Lazareth, das mir fuͤrchterlicher als der Tod erſcheint— doch nichts von allem. Ich bin noch, wie Sie aas der Ueberſchrift ſehen, in Berlin, ſo groß ſcaͤfte ohne ſie ne lem, Mone gel a Doch ner 9 anzutt jetzt woh ich g gerle fuͤhle Bileet wohlh Wege Die der ſelten druck lliche arauf daß lprils Uebel ewohl aller ein⸗ 6 um . 313. Aldiger den zu on im areth, nt— ie Sie groß * — 3à— auch meine Luſt iſt, den Tapfern nachzueilen, die ſchon bei Luͤtzen ehrenvolle Proben ihres Muthes abgelegt haben. Mich hat bis jetzt mancherlei hier gefeſſelt. Nicht die Schoͤnheit der Stadt, die ich zum erſtenmale ſehe und die wohl geeignet iſt, ein unerfahrnes, junges Herz an ſich zu ziehen und auszupluͤndern, wie ſo manche Schoͤne in ihr dies allerdings thut,— nicht das Gewuͤhl der Tauſende, die ihren Ge⸗ ſchaͤften nachrennen und einen faſt uͤberlaufen, ohne ſich zu entſchuldigen und zu gruͤßen— ſie nennen das kleinſtaͤdtiſch— nichts von Al⸗ lem, was hier wohl ſonſt auf Wochen und Monate feſthaͤlt. Nein, der Dienſt und Man⸗ gel an Geld hat mich noch zuruͤckgehalten. Doch, denke ich, beſtimmt uͤbermorgen mit ei⸗ ner Menge Freiwilliger die Heldenbahn ſelbſt anzutreten, an deren unſaubern Schranken ich jetzt ſtehe, da ich in einem wahren Stalle wohne. Es gehoͤrt doch, lieber***, mehr, als ich gedacht habe, dazu, um ſich mit dem Krie⸗ gerleben zu verſoͤhnen. Die ſonderbarſten Ge⸗ 1 fuͤhle beſtuͤrmten mich, als ich mir das erſte Billet geben ließ und es dem Wirth, einem wohlhabenden Brauer in Gr**, auf dem Wege nach Berlin, uͤberreichte. Als mich die⸗ ſer uͤberdies ein wenig zu ordinaͤr behandelte⸗ und in mir den gemeinen Soldaten ſah, trotz meines Ueberrocks, da erwachte der Kandidat ſo maͤchtig in mir, daß ich erſt in Berlin, jene Erfahrungen zu erneuern, mich entſchloß. Ohne Abentheuer kam ich hier an. Es war gerade Sonntag. Ich ſchaͤmte mich, die Augen auf⸗ zuſchlagen, weil mein Anzug komiſch war und alles mit einander kontraſtirte. Doch haͤtte ich das nicht noͤthig gehabt, denn wer kuͤm⸗ mert ſich hier um den Andern?— Es war zwei Uhr Nachmittags. An den Straßenecken fand ich den Theaterzettel befeſtigt. Macbeth ſollte gegeben werden. Wie eilte ich, um ſchnell in's Quartier zu kommen. So gut wurde mir's aber nicht. Erſt um ſieben Uhr war ich am Ziele und ſo muͤde, daß ich froh war, endlich die Laſt abwerfen zu koͤnnen. Mein Wirth iſt ein Seidenwirkergeſelle und wohnt im fuͤnften Stock in einem Dachſtuͤbchen. Welche Augen machte ich, als mich die Wirthin, die mich uͤber die Maaßen grob und ungezogen empfing, in dies ſtille Aſyl ihrer Haͤuslichkeit fuͤhrte, wo es ſo liederlich ausſah, daß ich faſt wieder fortgelaufen waͤre. Zwei junge Jaͤger waren ſchon bei ihr logirt, oder vielmehr, wie ich dies ware ſaube lind ferhal als de Beſte den! mir, und net, nenne Kam auch bildet wahn war * — 33— ue dies ſpaͤter erfahren habe, ausquartirt. Sie in waren aber ausgegangen und ich mit der idat ſaubern Perſon, die recht zum Hefen Ber⸗ jene lins gehoͤrte, allein. Eine allerliebſte Un⸗ dne terhaltung begann, die noch intereſſanter wurde, 4 tade als der Wirth halb betrunken nach Hauſe kam. ufe Beſter Freund, was litt ich in jenen Stun⸗ und den! Wie traurig ſtand meine Zukunft vor hätte mir, die ich nur nach jenem Eindruck abmeſſe kum⸗ und die vielleicht noch ganz anders ſich geſtal⸗ war et, ſo daß ich dieſen Stall ein Paradies noch ecken nennen werde. Auch die Ankunft meiner neuen cheth Kameraden konnte mich nicht erheitern, denn hiell auch ſie waren betrunken und roh und unge⸗ mit's bildet ſo daß ich glaubte, alles ſey nur ein ) am wahnwitziges Spiel meiner Phantaſie.— Ich ndlich war muͤde, doch zoͤgerte ich ſo lange wie mög⸗ h t lich, mich niederzulegen, denn ein grauer, un⸗ nften reinlicher Strohſack winkte mir. Noch einen lugen andern Inhalt, als Stroh, fuͤrchtend, rief mir mich der beleidigte Wirth zu, das ſey ein ſchlechter pfing, Soldat, der nicht Ungeziefer habe, er habe das „ wo ſelbſt Alles mit gemacht. Gut, dachte ich, gehoͤrt vieder es mit zum Helden, ſo ſey es. In halber waren Verzweiflung warf ich mih neben die Trunke⸗ ie ich nen nieder.— — — Am andern Morgen gab's ſtatt des mir be⸗ freundeten Kaffee's Branntwein. Ich trank herzhaft zu, um mich ſelbſt zu uͤberwinden, und eilte mit den wieder nuͤchtern gewordenen Kameraden nach dem Thiergarten, wohin mich der Major von St. gewieſen hatte. Ich ſand hier eine Menge Freiwilliger, die exerzieren lernten, und merkte bald, daß ich noch nichts wiſſe. Unſer Exerziermeiſter, ein bejahrter Hauptmann aus der alten Schule, weihte mich alsbald in den Kamaſchendienſt ein, und auf eine hoͤchſt ungeſchickte Weiſe, da ihm der Stock fehlte, dieſer ehemalige Hebel in der preußiſchen Armee, und da er gegen nans uͤber⸗ dies etwas befangen war, bei dem Gefuͤhl, der Sprache nicht maͤchtig zu ſeyn. Wir lernten wenigſtens vier Tage gehen, dann rennen, jetzt ſchießen wir mit blinden Patronen, und ſehen uns taͤglich von gaffenden Muͤſſiggaͤngern umringt, deren ſchlechte Witze uns hoͤchſt be⸗ ſchwerlich fallen. Gleich den erſten Morgen, nach vollende⸗ ter Arbeit, gab ich mein Empfehlungsſchrei⸗ ben an die ehrwuͤrdige Graͤfin von S*** ab, die mich ſehr gnaͤdig und herablaſſend empfing, und ein fuͤr allemal zu Mittag einlud. Sie it be tront nden, denen mich fand Veren nichts ahrter mich d auf n der N der uͤber⸗ l der ernten nnen, und ingern ſt be⸗ lende⸗ ſchrei⸗ * ab, gyfing, Oie koͤnnen denken, wie bereitwillig ich mich dazu fand. Meine Lage wurde dadurch ſehr ver⸗ beſſert; denn von nun an ließ und laſſe ich mich ſelten bei der alten Kriegsgurgel ſehen, die die Ehre hat, mein Wirth zu ſeyn. Die alte wuͤrdige Graͤfin, die die Zeit wohl be⸗ griffen hat, iſt ſo muͤtterlich gegen mich Buͤr⸗ gerlichen geſinnt, daß es ihr wohl Manche ih⸗ res Standes ſchwerlich vergeben moͤchten, wenn ſie die Vertraulichkeit ſähen, die zwiſchen uns Beiden herrſcht. Der Umgang mit ihr wirft uͤbrigens in mein hieſiges Leben einen ſo komi⸗ ſchen Glanz, daß ich jetzt herzlich lachen muß, wenn ich bedenke, daß ich aus einem Palaſt in eine Dachkammer ſchleiche, von Silber eſſe und auf einem Strohſack ſchlafe. Was gaͤbe ich darum, jetzt mehr Geld zu haben, um alles Feindliche und Stoͤrende zu verbannen, das mir jetzt den Aufenthalt in Berlin, unge⸗ achtet ſeiner vielen Reize, verleidet. Aber dafuͤr haben die Berliner Handwerker ehrlich geſorgt. Ich war noch vorgeſtern arm wie eine Kirchmaus. Mein Schneider, ſonſt tail- leur genannt, hat in meinem Rohr recht or⸗ dentlich Pfeifen geſchnitten, und auch die Rie⸗ mer und andere Kuͤnſtler haben mir einen 36— ſolchen Strich durch meine ſonſt richtige Rech⸗ nung gemacht, daß ich federleicht wurde. Trau⸗ rig genug, daß in Zeiten ſolcher Erhebung die Selbſtſucht nicht fort will, dies ſchaͤndliche La⸗ ſter, das mich mehr, als alle andre empoͤrt, weil es ein Wurm iſt am Lebensbaume, der ſeine Wurzel zerfrißt. In dieſer Noth ſetzte ich eine Bittſchrift an die hochherzige liebenswuͤrdige Prinzeſſin Mariane von Preußen auf und be⸗ ſorgte ſie ſelbſt. Sie ließ mich nicht troſtlos von ſich, ſondern beſchenkte mich vielmehr reichlich ge⸗ nug, ſo daß ich auf einige Zeit— denn im Felde braucht man ja wohl nicht viel, vielleicht begraben ſie mich auch bald— verſorgt bin. Fruͤher, als in meiner Kaſſe noch Fluth war, vin ich auch einigemal im Theater geweſen; denn es waͤre ja Suͤnde, Bexlin zu verlaſſen, ohne Thaliens Tempel beſacht zu haben. Au⸗ ßer mehreren kleinen Stuͤcken wurde auch die Veſtalin gegeben. Ich zog meine Stubenbur⸗ ſchen mit hinein, und glaube damit ein gutes Werk geſtiftet zu haben, da ſie, geblendet von den falſchen Reizen der Reſidenz, andern Ge⸗ nuͤſſen nachgingen und auf einem boͤſen Wege waren. Sie machten große Augen, als wir das herrliche Opernhaus betraten, da ſie ein ten bei fül Puppenſpiel, in ihrer Vaterſtadt geſehen, an das hieſige Theater als Maasſtab legten. Na⸗ tuͤrlich ſahen ſie ſich in eine andre Welt ver⸗ ſetzt, in der ihnen der Triumphmarſch der al⸗ ten Roͤmer am beſten geſiel, wohl mit darum, weil ſie hier Meiſter im Marſchiren ſahen und ſich ſelbſt dagegen als Pfuſcher. Mir ge⸗ falt die von ſo Vielen bewunderte Veſtalin nicht ſo, wie Glucks und Mozarts Stuͤcke. Es fehlt, nach meinem Gefuͤhl, der Muſik jene Tiefe, die uns bei jenen Meiſtern, nicht hin⸗ reißt, ſondern in uns hineinfuͤhrt und die Ge⸗ heimniſſe unſrer Natur aufſchließt. Und das iſt eben ihr Vorzug, weil uns ja die Muſik nicht hinreißen, ſondern uns mit uns ſelbſt ver⸗ ſoͤhnen ſoll, ſo wie jedes andre Kunſtwerk nur in Wahrheit dieſen bedeutenden Namen ver⸗ dient, ſobald es uns in die Tiefe unſers We⸗ ſens fuͤhrt, dort das Ewige und Göoͤttliche mehr oder weniger erweckt und das Erwachte naͤhrt und pflegt. In dieſer Hinſicht iſt die Muſik in der Veſtalin nur oberflaͤchlich zu nen⸗ nen, obgleich ſie viel ſchoͤne Einzelnheiten be⸗ ſitzt. Das Ganze befriedigt nicht, weil es dem Geiſte auf goldnen Schuͤſſeln eine nur duͤrftige Naßruns giebt. Ich irre mich darin vielleicht, — aber unmoͤglich in dem Eindruck, den dieſe— Oper auf mich gemacht hat. Mir ſchwindelte de der Kopf, als ich in's Freie kam, und ich V 1 fuͤhlte, man habe mich beſtechen wollen. So⸗ V 3 bald ich aber dies bei einem Kunſtwerk merke, in ſo trete ich mit ihm in Kampf, um, auf den und Genuß reſignirend, mich ſelbſt zu retten. Ue⸗ dnen berhaupt, mein Theuerſter! muß ich es bei al⸗ enn len Opern, mit Ausnahme einiger, tadeln, daß Na die Muſik als Hauptſache, Lyrik als Neben⸗ Kii ſache gilt. Der fadeſte Stoff wird durch meh⸗ nich rere Acte hindurch getrillert und rezitirt, und N. ein Aufwand von Toͤnen an das Triviale ver⸗ gl ſchwendet, wodurch ein Mißverhaͤltniß zwiſchen naß Wort und Ton entſteht, das den Genuß ſtoͤrt. und A Um jenes Mißverhaͤltniß zu verſtecken, werden und denn allerlei Kunſtgriffe angewendet, feierliche zu pomphafte Maͤrſche, in denen man, ungluͤcklicher R 1 Weiſe, ſo viel als moͤglich die Wirklichkeit er⸗ ri 1 reichen will, oder Ballette, beſſer Bocksſpruͤnge, wi eigentlich ohne Sinn und Verſtand, da man we durchaus nicht begreift, wie ſie mit der Fabel der des Stuͤcks in Verbindung ſtehen koͤnnen. Nach dieſer Abſchweifung kehre ich zu meinem Alltagsleben zuruͤck, das mit einer ſo Oper wenig gemein hat. Um ſo viel wie moͤg⸗ lich hineinzudraͤngen, beſuchte ich auch unter an⸗ dern den beruͤhmten Kotzebue, der hier das be⸗ kannte Volksblatt herausgiebt. Neugierde trieb mich zu ihm. Ich hatte mir ein Bild von ihm entworfen, wie ja das in der Regel iſt, und wollte doch ſehen, in wie weit ich mich darin geirrt haͤtte. Ganz gewaltig. Ich fand ein magres, krummes Mäͤnnchen im tiefſten Negligee, unraſirt, in Briefen begraben, in einem ſo gelehrt ausſehenden Zimmer, daß ich nicht wußte, wohin ich treten ſollte. Der eitle Mann fuͤhlte ſich durch meinen Beſuch, ob⸗ gleich ich nichts gelte, doch ſehr geſchmeichelt, nahm mich freundlich auf, ließ ſich beſehen und entließ mich huldreichſt. Ich hatte genug und beſchloß, es mit mehrern Andern auch ſo zu machen, die, umgeben von einem aͤußern Nimbus, gar leicht blenden, wenn man ſie nicht mit eignen Augen betrachtet, wo ſie denn wieder in das Gewoͤhnliche herabſinken. Mit wahrhaft großen Maͤnnern iſt es freilich an⸗ ders, doch die ſind ja, wie Sie ſelbſt wiſſen, ſelten. Der Sieg bei Luͤtzen(am 2. Mai) iſt hier nicht ſo glaͤnzend gefeiert worden, wie ich glaubte. Wahr⸗ ſcheinlich wohl, weil er der Mehrzahl verdaͤchtig vorkam, trotz der Anſtrengungen der Gaſſen⸗ jungen, die die Anzeige des glorreichen Sieges auf allen Straßen auspoſaunen und fuͤr ſechs Pfennige verkaufen.— Was hilft ein Sieg, wenn man ihn nicht benutzen kann! Alle ſol⸗ che und aͤhnliche blutig errungne Siege brin⸗ gen uns nicht weiter, ſondern laſſen uns nur ehrenvoll untergehen und rechtfertigen uns bei der Nachwelt. Wir wollen ja aber nicht blos gerechtfertigt, ſondern frei werden. Doch iſt dieſer Sieg vielleicht nur ein blutiges Vorſpiel, gleichſam die majeſtaͤtiſche Ouvertuͤre, die den Feind auf den rechten Standpunkt ſtellen ſoll, um von ihm die allerneuſte Zeit zu begreifen und vor ihr zittern zu lernen. Napoleon ſoll auch geſagt haben:„er habe nicht mit Men⸗ ſchen, ſondern mit Tigern gekaͤmpft,“ beſſer wohl mit Loͤwen, die endlich erwacht ſind. Ich wollte am folgenden Sonntag den Probſt Hanſtein hoͤren, habe ihn aber blos predigen ſehen, weil die Kirche zu voll war, ſo daß ich mich hineindraͤngen mußte, und das Ge⸗ raͤuſch der Draͤngenden und Bedraͤngten zu groß war, als daß ich mich haͤtte erbauen koͤnnen. Ich habe in dieſen Tagen mit mehreren neuen Kameraden enge Freundſchaft geſchloſſen, dent ſind Leih ferig Lätze verbe men wen froͤ dem — 41—— denn verwandte Seelen finden ſich leicht. Es ſind frohe und tuͤchtige Jungen, geſund an Leib und Seele, nur unbefangner und leicht⸗ fertiger als ich, der ich nach dem Sieg beĩ Luͤtzen trauernd in die Zukunft ſehe. Doch verberge ich die innre Trauer hinter angenom⸗ mene Luſtigkeit und bilde mir uͤbrigens nicht wenig auf meine Uniform ein, die an die froͤhliche Burſchenwelt erinnert, in der ja mit dem Wechſel des Kleides die Freiheit waͤchſt. Von wo Sie meinen naͤchſten Brief, und ob Sie vielleicht noch je einen erhalten wer⸗ den, ſteht bei Gott. In jedem Fall wird jener aber, wenn ich noch im Stande bin, Ihnen die Gefuͤhle der Dankbarkeit und Liebe an den Tag zu legen, inhaltsreicher als dieſer ſeyn, den Sie als Einleitung zu der wunderlichen Epiſode meines Lebens betrachten koͤnnen, die mich aus Ihren Armen geriſſen hat und in den Laͤrm des Lebens wirft, unter deſſen Don⸗ ner ich aber nie aufhoͤren werde, Sie im Geiſt an die wunde Bruſt deſſen zu druͤcken, der u. ſ. w. 42— Kantonirungsquartier B** bei Strehlen in Schleſien, den 6. Juni. Hier in B*r*, mein verehrungswuͤrdiger Freund! habe ich endlich, endlich Ruhe gefun⸗ den, wenn auch nicht gerade fuͤr meine Seele, die jetzt im Innern das verarbeitet, was ſie Gewaltiges erlebte, ſo doch fuͤr den erſchoͤpf⸗ ten Koͤrper, den ſo große und neue Beſchwer⸗ den niederzudruͤcken im Begriff waren. Waͤh⸗ rend ich den Anblick einer freundlichen Land⸗ ſchaft genieße, und die voll gepfropfte Stube vermeidend, einen kleinen Garten gefunden habe, wo mir eine Raſenbank zum Schreibe⸗ pulte dient, ſchwaͤrme ich im Geiſte umher und gruͤße bald Sie, bald die fernen Aeltern, de⸗ nen ich ſo eben, um ihr angſtvolles Herz zu bernhigen, Nachricht von meinem Leben gege⸗ ben habe. Auf ſolche Weiſe ſuche ich ein ver⸗ lohrnes Gluͤck durch Spiele der Phantaſie, und das was mir die Gegenwart verbirgt, in's Leben zu rufen, um an den ſuͤßen Bildern des Friedens das gebeugte Herz zu laben und mich ſelbſt zu taͤuſchen. Ich weiß nicht, ſoll ich mich freuen oder mich haͤrmen. Zu beiden habe ich Urſache. Ich bin geſund den Schreckenstagen der ver⸗ 43 4 floßnen Wochen entkommen, habe ein Men⸗ ſchenleben in vier Wochen gedraͤngt und Gro⸗ ßes und Ungeheures iſt in einem Rieſenbilde vor meinen Blick getreten. Das waͤre aller⸗ dings Urſache genug froh zu ſeyn, aber den⸗ noch bin ich im Herzen ſo recht traurig und zerriſſen. Ich und Sie und wir Alle, ſtehen ja auf den Truͤmmern unſers blutenden, im Todeskampfe liegenden Vaterlandes. Verge⸗ bens iſt bei Luͤtzen und Bautzen unſer Blut gefloſſen. Unſer Kanonendonner wird wohl ein Grablied geweſen, und Bautzens Berge, ſchon dem großen Friedrich Verderben bringend, werden wohl die große Bahre ſeyn, worauf der blutdurſtige Sieger unſre Gluͤckſeligkeit ge⸗ legt. Darum iſt mir mein Herz zerriſſen und ich moͤchte blutige Thraͤnen weinen, weil unſre bewieſene, großartige Tapferkeit ein beſſeres Schickſal verdiente. Unbegreiflich und hoͤher als unſer Verſtand, ſind zwar des Herrn Wege, aber es gehoͤrt ein unendlicher Muth dazu, dabei ruhig zu bleiben und ſich mit der Phi⸗ loſophie zu troͤſten. Nennen Sie mich nicht verzagt, nur unglaͤubig bin ich geworden. Denn gluͤhende Liebe ſoll ſiegen, ſagt man⸗ zumal wenn ſie aus ſo reiner Quelle ſtroͤmt, aber — 44— ihre Flamme hat uns, ſtatt jenes Tyrannen verzehrt. Ich wollte, ſie haͤtten mich bei Bau⸗ tzen begraben, dann haͤtte ich mir doch ein Grab erkaͤmpft.— 2 Man hofft zwar das Beſte von dem ge⸗ ſchloſſenen Waffenſtillſtand, man ſchmeichelt ſich zwar immer noch mit ſpaͤtern Siegen, aber— wir haben keine Gebirge, wie die Sieger bei Sempach. Wie weit die Feinde vorgedrungen, daß ſie die Marken und Nieederſchleſien uͤber⸗ ſchwemmt haben und ſchon wieder nach Poh⸗ len hineinſehen koͤnnen; daß ihr rechter Fluͤgel bei Breslau, ihr linker nicht weit von Berlin ſteht, das Alles wird Ihnen bekannt ſeyn, auch, wie unſre Armeen zuſammen geſchmolzen ſind, drum kein Wort daruͤber. Sie wollen nur Kunde von dem fernen Freund und deſſen Schickſalen. Wie gern erſparte ich mir den Schmerz, Ihnen Begebenheiten zu erzaͤhlen, deren Erinnerung noch immer meine Seele verwundet, aber Freundespflicht iſt eine heilige, die ich um ſo lieber erfuͤlle, da ich die Begei⸗ ſterung kenne, mit der Sie Alles aufnehmen, was unſer Vaterland betrifft. Meinen letzten Brief erhielten Sie aus Berlin. Einige Tage nach Abſendung deſſelben konnt ſen, route finde dahen Alle lich, linge Krüj ahl haͤl tauſe annen Bau⸗ h ein n ge⸗ lt ſich der— ſer bei ungen, uͤber⸗ Poh⸗ Fluͤget Berlin auch, ſind, n nur deſſen r den aͤhlen, Seele heilige, Begei⸗ ehmen, e aus eſſelben Alle guten Muth und waren heiter und fröh⸗ marſchirten wir, einige dreißig Jaͤger, die Alle ganz verſchiedene Regimenter gewaͤhlt hatten, ohne Sang und Klang und ohne einen andern Fuͤhrer, als den wir als den vernuͤnftigſten dazu erwaͤhlt hatten, zur Armee ab. Niemand konnte mir in Berlin mein Regiment nachwei⸗ ſen, ſo viel ich umher fragte. Unſre Marſch⸗ route ging auf Dresden, wo wir die Armee finden ſollteu. Der Sieg bei Luͤtzen kam uns daher ſehr verdaͤchtig vor, doch hatten wir lich, wie ſich das wohl von einer Menge Juͤng⸗ linge erwarten ließ, die Alle Luſt hatten, nach Kraͤften zu wirken, und von denen die Mehr⸗ zahl gern und willig ein unangenehmes Ver⸗ haͤltniß mit dem luſtigen Soldatenleben ver⸗ tauſcht hatte. Es ward unterweges gelacht und geſungen. Patronen hatten wir zwar Alle bei uns, glaubten ſie aber dieſſeits der Elbe nicht zu brauchen, weil ſie uns, als ein deut⸗ ſcher Strom, ein tuͤchtiger Wall gegen den Feind zu ſeyn ſchien, den freilich das leichtfuͤ⸗ ßige Frankenvolk leicht uͤberhuͤpfte. Das ein⸗ 1 zige, was uns ein wenig verdrießlich machte, waren s. v. wunde Fuͤße. Unbekannt mit al⸗ len dabei anzuwendenden Vorſichtsmaaßregeln, — 46— uͤberließen wir ihre Heilung der Alles heilen⸗ den Zeit, die uns denn auch bald abhaͤrtete, ſo daß ich uͤber mich ſelbſt erſtaunte. Kaum drei Tagemaͤrſche von Berlin, in der Lauſitz, erfuhren wir, daß der Feind dieſ⸗ ſeits der Elbe mit der leichten Reuterei umher ſchwaͤrme. Ueberall wollte man ſie geſehen haben. Dieſe Geruͤchte weckten uns ploͤtzlich ziemlich unſanft aus unſrer Sicherheit auf, und erinnerten uns, daß wir keine Luſtreiſe machten. Einmuͤthig wurde jedoch beſchloſſen, weiter zu marſchieren, um dem Feinde dadurch am leichteſten zu entgehen, indem wir nach einigen Maͤrſchen auf Preußen oder Ruſſen zu ſtoßen gedachten. Raſch wurde dieſer Ent⸗ ſchluß ausgefuͤhrt, der uns rettete, andre Ka⸗ meraden aber von uns, die, weil ſie noch nicht mit allem Gehoͤrigen verſehen waren, erſt ei⸗ nige Tage ſpaͤter aus Berlin ausmarſchirten, in die groͤßeſte Gefahr brachte, ſo daß ſie ſich gezwungen ſahen, durch einige Gewaltmaͤrſche die Oder zu gewinnen.— So ſchnell als vorſichtig eilten wir nun nach***. Doch weil wir von der Ankunft des Feindes hoͤrten, ſo wagten wir nicht dort zu bleiben, ſondern gingen noch eine Meile heilen, rtet „ in dieſ⸗ umher ſſehen loßlich auf, ſtreiſe loſſen, adurch nach ſen zu Ent⸗ te Ka⸗ nicht rſt ei⸗ hirten, ſe ſch näͤrſche r nun inkunft ht dort Meile *— 47— weiter, um hier in einem Doͤrfchen zu uͤber⸗ nachten. Das Schickſal wollte es aber anders. Kaum war der delikate Eierkuchen unſrer Wir⸗ thin auf der einen Seite gebraͤunt, als Laͤrm im Dorfe wurde und einzelne Schuͤſſe fielen. Unbekannt mit den ſtrengen Pflichten des Kriegs⸗ dienſtes, hatte ich Feind und Krieg vergeſſen und mir's bequem gemacht. Das haͤtte mir foſt Verderben bereitet. Doch ein Blitz des Schreckens ſchleuderte mich in die Stiefeln, eben ſo ſchnell war ich bepackt und geruͤſtet und nun, Eierkuchen und Schinken vergeſſend, ſtuͤrzte ich hinaus in's Freie, wo ich mit meh⸗ reren andern Freunden gluͤcklicherweiſe einen be⸗ ſpannten und leeren Wagen fand. Sogleich war er beſetzt und nun gings im ſauſenden Galopp zum Dorfe hinaus. Die Buͤchſen wa⸗ ren geladen, hinter uns lag eine dicke Staub⸗ wolke, vor uns eilten die zerſtreuten Laͤmmer,“ denen der Hirte fehlte, und ſuchten den nahen Wald zu gewinnen. Wir waren die letzten und jaͤmmerlich war uns zu Muthe, weil es ſich immer deutlicher offenbarte, daß die Staub⸗ wolke von feindlichen Reitern herruͤhrte, deren Zahl wir nicht erkennen konnten, die aber im Sturm hinter uns her ſetzten, weil wir ihnen — 48— im Freien unſre ganze Schwaͤche verriethen. Haͤtten wir das Dorf vertheidigt, ſo wuͤrden ſte ſich ohnfehlbar zuruͤckgezogen haben, da ſie doch gewiß nur eine Patrouille ausmachten, die ſich nicht zu weit vorwagen darf und uͤberdies— blieben wir im Dorfe und beſetzten wir deſſen Eingaͤnge zweckmaͤßig— unſre Staͤrke oder vielmehr unſre Schwaͤche nicht kannte. Jetzt war periculum in mora, weshalb denn un⸗ barmherzig auf die armen Pferde losgehauen wurde. Doch immer naͤher kamen die hungri⸗ gen Woͤlfe, es waren Chaſſeurs, und ſchwaͤrm⸗ ten jubelnd umher. Ploͤtzlich aber bekamen wir wahren Heldenmuth.„Wozu haſt du denn die Buͤchſe,“ dachte Jeder;„halt, Bauer!“ ſchrie Jeder, und„piff, paff“ knallte es vom Wagen. Zwei dieſer Raubthiere lagen, die andern ſtutzten. Ich hatte meinen Probeſchuß gethan, und zum erſten Male auf einen Men⸗ ſchen angelegt. Aber es war Nothwehr, drum war mir dabei ganz gut zu Muthe und ich zitterte nicht. Wie ein Pfeil flogen wir darauf weiler, waͤhrend daß wieder geladen wurde. Die Reiter folgten uns jetzt nur langſam. Sie hatten uns alſo aufgegeben, was denn auch das Beſte fuͤr uns und ſie war, da wir dem haft marſe ſchlich hoͤrte den in ſ wun dern unſer Waff wurd daß Freul ähen. uͤrden da ſie die 8— eſſen dder Ictt m un⸗ dauen ungri⸗ vaͤrm⸗ n wir n die uer!“ vom die ſchuß Men⸗ drum d ich arauf zurde. Sie auch r dem — 49— Walde nahe kamen. Bald ſahen wir uns ge⸗ rettet. Frohlockend empfingen uns die Uebri⸗ gen, die fuͤr uns gezittert hatten. Das war denn alſo meine erſte Heldenthat, an die ich jetzt mit Laͤcheln denke, da ich bald darauf viel ernſtere Scenen erlebte. Um dieſen und aͤhnlichen Verdrießlichkeiten zu entgehen, marſchirten wir hungrig und er⸗ mattet die ganze Nacht durch, ohne weiter ge⸗ ſtoͤrt zu werden. Vielmehr ſtoͤrten wir die Leute im Schlaf, weil wir von Dorf zu Dorf einen Boten nahmen. Wie Diebe oder Naͤu⸗ ber kamen wir uns vor, und waͤre uns ſpas⸗ haft zu Muthe geweſen, ſo wuͤrde dieſer Nacht⸗ marſch ſehr intereſſant geweſen ſeyn. So aber ſchlichen wir ſtill und traurig einher und man hoͤrte nichts als Seufzer. Alle hatten wir von den angeſtrengten Maͤrſchen, denn wir gingen in ſechs und dreißig Stunden zwoͤlf Meilen, wunde Fuͤße, ſo daß mir und manchem An⸗ dern das Blut hervorquoll, Dabei druͤckte uns unſer noch ſehr vollſtaͤndiges Gepaͤck und die Waffe ſo ſehr, daß wir wahre Kreuztraͤger wurden. Recht klar wurde es mir in der Nacht, daß ſie Niemandes, als eben des Diebes, Freund ſey. Am andern, ſehnlich erwarteten . 4 — 50— Morgen, kamen wir endlich nach C*X, das voll Ruſſen lag. Doch waͤhrte die Freude nicht lange, da wir ſie eben abmarſchiren ſahen. Ihnen auf der Stelle zu folgen, war uns un⸗ moͤglich, denn wir fielen auf dem Markt wie die Fliegen um und mußten uns erſt von den freundlichen Einwohnern ſtaͤrken und erquicken laſſen. Nach einigen Stunden gings weiter gen Hr**X, wo wir endlich in Sicherheit waren, da in der Gegend Verbuͤndete ſtanden. Ohne weitere Abentheuer erreichten wir darauf gluͤck⸗ lich die Armee, die unterdeß die Elbe verlaſ⸗ ſen und bei Bautzen das Lager bezogen hatte. Ich fand zu meinem groͤßten Erſtaunen mein Regiment nicht, ſah mich daher genoͤthigt, mich an das erſte beſte anzuſchließen, wo ich auch alte Freunde in Menge fand, die ſich nicht wenig verwunderten, mich in ihrer Mitte zu ſehen. Alles war mir hier im Lager neu und fremd. Von den Bivouaks hatte ich nur ei⸗ nen hoͤchſt unvollkommnen Begriff, der als Produkt der Phantaſie viel Reizendes umfaßte und ſogar an Arcadien ſtreifte. Das war denn, beſter Freund! ein grober Irrthum, wenigſtens laſſen Sie ſich's doch ja nicht nach einem ſol⸗ das 2 nicht ſahen, s un⸗ it wie n den zuicken er gen waren, Ohne gluͤck⸗ verlaſ⸗ hatte. mein athigt, wo ich h nicht itte zu eu und nur ei⸗ eer als imſaßte r denn, digſtens em ſol⸗ chen Idyllenleben geluͤſten. Ich ſtaunte daher das Gewuͤhl, den Laͤrm des Lagers nicht ſchlecht an, wurde aber doch bald in dies dem Frieden ſo durchaus fremde und abholde Leben einge⸗ weiht, wo der Gaſt zugleich Wirth, Herr, Koch und Diener iſt; wo Jeder ſelbſt fuͤr ſeine Beduͤrfniſſe ſorgen muß, wenn barmherzige Freunde ſich nicht dazu verſtehen, Stroh, Holz, Waſſer, Kartoffeln u. ſ. w. anzuſchaffen; wo faſt aller Unterſchied der Staͤnde durch den Drang des Augenblicks aufgehoben wird und der Niedrigſte dem Hoͤchſten ſo nahe ſteht; wo ſo viel Beduͤrfniſſe ſich durchkreuzen, wo ſo wenig geſchont wird, wo ſelbſt das Heilige und Ehrwuͤrdige, ſein Anſehen verlierend, der Noth des Einzelnen gehorchen muß, die Roh⸗ heit freien Spielraum gewinnt und es recht anſchaulich wird, daß im Kriege mit ſanften Mitteln nicht immer durchzukommen ſey. Ich fand mich bald in mein Schickſal, denn ich war auf Alles gefaßt und ſuchte die Vergangenheit zu vergeſſen, die Fleiſchtoͤpfe Aegyptens und das Zuckerrohr, das der Friede den verwoͤhnten Kindern reicht.— Unbekannt mit der edeln, dem Soldaten unentbehrlichen Kochkunſt, die denn freilich hier nur in ihrer — einfachſten Geſtalt auftritt, leiſtete ich den Freunden manchen kleinen Dienſt, ſuchte mit der Emſigkeit einer Ameiſe, Kartoffeln, Stroh und Feuerung und aß mit dem beſten Appetit von der Welt die unſcheinbaren Kartoffeln, die recht eigentlich fuͤr die neuern Kriege ent⸗ deckt zu ſeyn ſcheinen. Die uͤbrige Zeit fuͤllte ich damit aus, die noch noͤthigen und verlang⸗ ten Kugeln zu gießen und Patronen zu ma⸗ chen, womit ich nicht mehr zoͤgern durfte, da der Feind den Uebergang uͤber die Elbe bei Dresden erzwungen hatte und ſchon gegen Bautzen vordrang. Mir ſchien unſre Stellung ſehr unguͤnſtig, obgleich ich daruͤber nur als Laie urtheile. Da⸗ durch, daß wir ungefaͤhr mit 100,000 Mann, Cdenn die Regimenter waren ja keinesweges mehr vollzaͤhlig,) eine meilenlange Reihe von Huͤgeln beſetzten, die am rechten Spreeufer ſich hinziehn und die Waſſerſcheide zwiſchen dem Elb⸗ und Odergebiet machen, ſchwaͤchten wir uns auf allen Punkten und boten ſo dem an⸗ dringenden Feinde, der als angreifender Theil ſeine Kraͤfte mehr concentriren konnte, da ihm Scheinangriffe erlaubt waren, einen ſchwachen Damm dar, der leicht zu durchbrechen ſchien. — 53— Freilich wurde er nicht ſo leicht durchbrochen, weil jeder Einzelne, wie Karl Moor ſich aus⸗ druͤckt, eine Armee in ſeinem Arme fuͤhlte, aber der Staͤrkſte ermattet endlich und ſelbſt der Tapferſte verliert den freudigen Muth, wenn er die Unmoglichkeit des Sieges ſieht. Daß wir uns dennoch hier zwei Tage ſchlu⸗ gen, zeugt von der Tapferkeit und dem hohen Muthe der Verbuͤndeten, möchte aber wohl noch nicht die Wahl dieſer Stellung rechtfertigen. Zwar hatte Natur und Kunſt genug gethan, ſie zu befeſtigen: nur ſind das Hinderniſſe, die nicht ſchrecken, ſondern im Gegentheil reizen, da ſie doch nicht im Stande ſind, den Tapfern zurüͤckzuhalten. Nicht das Schwierige ſichert da, wo Menſchenblut nicht geſchont wird und der Feind nach Opfern nichts fragt, wenn er nur ſiegen kann. Da hilft am Ende die kuͤnſt⸗ lichſte Stellung nicht. Denken Sie an Prag! Wie ſtark waren die Verſchanzungen der Oe⸗ ſterreicher! Wie gedeckt durch Moraͤſte und Suͤmpfe! Und doch, als der Koͤnig dem Greiſe Schwerin zurief:„Schwerin, Er thut ſeine Schuldigkeit nicht!“— da wurden dieſe durch⸗ watet, jene unter dem ſchrecklichſten Kugelre⸗ gen des Feindes erſtiegen, und uͤber des Hel⸗ den Leichnam ſtuͤrmten die getreuen Schaaren zum Siege hin. Aehnliches iſt in allen Krie⸗ gen geſchehen. Wie unſre Stellung ſeyn mußte, ob überhaupt hier, oder in Schleſien, oder zuſammengedraͤngter, das wage ich nicht zu be⸗ ſtimmen, nur anders haͤtte ſie ſeyn ſollen, da man endlich den Gegner, mit dem man kaͤmpfte, kennen mußte.. Vielleicht ſchien die Mehrzahl der Unſrigen eine aͤhnliche Vorſtellung von unſrer Stellung zu haben und einen vergeblichen Kampf zu fuͤrchten; denn es herrſchte kein Geiſt der Froͤhlichkeit, wenigſtens der Ruhe im Lager, ſondern der truͤbe Sinn, der an Rettung zwei⸗ felnd, auf das Leben Verzicht leiſtet. Nirgends ſah ich, daß ſich Jemand uͤber unſre Stellung gefreut haͤtte. Schon am 19. Mai hoͤrten wir rechts von unſerm rechten Fluͤgel ein heftiges Kanonen⸗ feuer, in der Gegend von Koͤnigswartha, wo ſich, wie wir hernach erfahren haben, wenige Ruſſen und Preußen unter Barclay de Tolly und York, mit den Franzoſen, wie Sparta⸗ ner geſchlagen haben, um die Umgehung un⸗ ſers rechten Fluͤgels zu verhindern. Die Trup⸗ pen wurden ſehr mitgenommen, ſo daß manche Reginan ſie dräng zurüc, ne theren bo gn ſch hier bald kommen· Am Napoleol ungeſähr gegen u dem ke⸗ ein befe Centrum Bautzen de, da eignete; lirch, da 1158 ſo trum, Kleiſt ſehr ba⸗ Schlach Es reine L ſes, let Regimenter uͤber die Haͤlfte verlohren, aber ſie draͤngten dennoch den uͤberlegenen Feind zuruͤck, nahmen ihm mehrere Kanonen ab, wuͤ⸗ theten vorzuͤglich unter den Italienern und zo⸗ gen ſich endlich zur Hauptarmee zuruͤck, um hier bald darauf von neuem in's Feuer zu kommen. Am 20. Mai gegen Mittag ruͤckte denn Napoleon an der Spitze ſeiner Armee, die ungefaͤhr auf 140,000 Mann geſchaͤtzt wurde, gegen uns an. Unſre Armee hatte ſich mit dem rechten Fluͤgel an Spreeſuͤmpfe und an ein befeſtigtes Dorf gelehnt; mehr nach dem Centrum vor uns lag das in der Eil befeſtigte Bautzen, das aber dem Feinde uͤberlaſſen wur⸗ de, da es ſich nicht gut zu einem Stuͤtzpunkt eignete; der linke Fluͤgel lehnte ſich an Hoch⸗ kirch, das durch den Ueberfall am 14. October 1758 ſo berühmt gewordne Dorf. Unſer Cen⸗ trum, wo, wenn ich nicht irre, unſer General Kleiſt ſtand, wurde zuerſt angegriffen, aber ſehr bald dehnte ſich der Angriff uͤber die ganze Schlachtlinie aus. Es war ein heitrer, ſchoͤner Tag, eine reine Luft, die alle Gegenſtaͤnde in ein ſchar⸗ fes, lebhaftes Licht ſtellte. Soll ich Ihnen die — 56— Empfindungen ſchildern, die mich in dem Au⸗ genblick beſtuͤrmten, wo die erſten Kanonenku⸗ geln(gewoͤhnlich Paßkugeln genannt) uͤber uns mit einem mir ſo durchaus neuen und frem⸗ den Geraͤuſch hinſauſten? Das moͤchte eine ſchwere Aufgabe fuͤr mich ſeyn, da ich mir je⸗ ner Gefuͤhle, im Augenblick ihres Andrangs, kaum bewußt war, viel weniger jetzt. So viel weiß ich noch, daß ich nicht ſo zitterte, wie ich es vorher fuͤrchtete; daß mir das Blut in's Geſicht ſtieg, das Herz hoͤrbar ſchlug; daß ich, obgleich ich wie ein Ruſſe Branntwein trank, dennoch nuͤchtern blieb, als traͤnk' ich Waſſer; daß ich Ruhe erheuchelte und zu ſcher⸗ zen anfing, obgleich der Scherz etwas ſteif und ſonderbar ausſah; daß ich mir, ſo wie jeder Andre, einen Anſtrich von Kaltbluͤtigkeit und Beſonnenheit gab, ohne dadurch dieſe Tu⸗ genden herbei zu zwingen; daß ich nur durch den Gedanken an Gott, meinen Koͤnig, mein Vaterland die Haltung gewann, die mich in der Achtung Andrer erhielt, und daß ich, als wir ſchweigend vorwaͤrts gingen, recht aus Herzensgrunde zu beten anfing. Die Kraft des Gebetes habe ich nie in ſolchem Grade empfunden, als in jenen ſchrecklichen Augenblik⸗ ken, Gratd fluch doch alle Gefü daß fort anfin den! dr abet die zut denn geſ 996 und ter hau dies Se und ein — 37— ken, und ich fuͤhle es, daß ein ungeheurer Grad von Rohheit dazu gehoͤrt, in ihnen zu fluchen, wie man das wohl hin und wieder doch hoͤren muß. Im Ganzen theilten wohl alle meine Kameraden mehr oder weniger meine Gefuͤhle, ich ſchloß dies wenigſtens daraus, daß die Meiſten ihre Spielkarten und Wuͤrfel fortwarfen, als die erſten Kugeln zu ſummen anfingen, vielleicht aus Aberglauben, der in den Karten einen geheimnißvollen Magnet ſieht, der das furchtbare Blei an ſich zieht, vielleicht aber auch, um nichts ſuͤndhaftes, wenigſtens die Verſucher zum Boͤſen nicht in der Taſche zu tragen. Nach beendigter Schlacht werden denn gewoͤhnlich wieder die Spiele zuſammen⸗ geſucht ſobald ſich das nehmlich thun laͤßt. Wir ſtanden ploͤtzlich im Feuer und ich ver⸗ gaß Vergangenheit und Zukunft, ja mich ſelbſt und Alles. Mechaniſch ſetzt man den Fuß wei⸗ ter, aber die Seele ſcheint vor dem Meduſen⸗ haupt der Schlachtgoͤttin zu verſteinern, wenn dies Bild nicht etwa zu kuͤhn iſt. Uns zur Seite ſtanden noch einige Bataillons Preußen und Ruſſen, mit denen wir bald darauf auf ein von dem Feinde ſtark beſetztes Dorf los⸗ gingen, das ſo eben von ihm nach heftiger Gegenwehr genommen worden war. Der Kampf um den Beſitz deſſelben war aͤußerſt hartnaͤckig. Wir warfen und wurden geworfen, je nachdem Erholung und Erſchoͤpfung uns ſtaͤrkte und ſchwaͤchte. So tuͤchtige Streiter die Ruſſen ſind, ſo kaltbluͤtig und ruhig ſie angreifen, ohne viel nach Blut und Wunden zu fragen, ſo ſchlecht be⸗ nutzen ſie den ihnen fuͤr den Augenblick geworde⸗ nen Sieg Wir empfanden dieſe Inconſequenz an jenem Tage. Kaum war der Feind gewor⸗ fen, ſo fielen ſie blind und gierig uͤber herren⸗ loſe Torniſter her, hockten ſich nieder und zo⸗ gen laͤchelnd und zufrieden den Inhalt derſelben hervor, um das Brauchbare ſich zuzueignen. Da half kein Bitten, Drohen und Schlagen. Sie hatten Schlacht und Feind, Blut und Gefahren vergeſſen und gaben uns ein, fuͤr jene Augenblicke hoͤchſt unerfreuliches und gefaͤhrli⸗ ches, wenn gleich komiſches Bild von Wildheit und thieriſcher Bewußtloſigkeit. Das Zuruͤck⸗ eilen des Feindes riß ſie erſt wieder aus ihrer Zerſtreuung zum neuen Kampfe auf, den ſie mit großer Gleichguͤltigkeit erneuerten. So wiederholten ſich dieſe Scenen, bis die Sonne unterging und wir uns endlich im ſchwer er⸗ kämpften Beſitz des Dorfes ſahen, das uns — 59— viel gekoſtet hatte und mit den Leichen der Un⸗ frigen bedeckt war. Wehmuͤthig blickten wir auf unſer Tagewerk zuruͤck. Es hatte wenig gefruchtet; denn noch war die Schlacht nicht entſchieden, vielmehr nannten es Kundige ein Vorſpiel. Großer Gott, ein Vorſpiel! Ich hatte es uͤberlebt, ohne mich zu freuen. Im Gegentheil war ich jetzt erſt recht unruhig und beclommen, da ſo viele Erinnerungen an der eben verfloßnen Gegenwart hafteten und ſich mein Herz noch nicht ganz von der Ver⸗ gangenheit losreißen konnte. Ich hing noch mit unendlichen Faͤden an ihr, noch hatte ich nicht auf das Leben reſignirt, noch dachte ich an die Moͤglichkeit der Erfuͤllung meiner Lieb⸗ lingswuͤnſche, obgleich ſie der naͤchſte Morgen auf ewig vernichten konnte. Ich habe an jenem blutigen Abend viel Thraͤnen vergoſſen, mei⸗ nem Schickſal und dem meines Vaterlandes. Fuͤr Beide ſah ich nur ein Grab vor mir. Ich traͤumte mich vergeblich von dem grauſen Schlachtfelde fort, in die Arme meiner Eltern, die gewiß in dem Augenblick, beim Schlafen⸗ gehen an den ſernen Sohn mit heißer Liebe dachten und fuͤr ihn beteten. Auch ich warf mich, fern von den Gefaͤhrten, nieder, um 4 — 60— mein belaſtetes Herz auszuſchuͤtten vor dem, der aus Millionen Augen freundlich auf die entarteten Kinder niederblickte. Wunderbare Bilder ſtiegen aus der finſtern Nacht vor mei⸗ nen innern Blick und verſchwanden nach fluͤch⸗ tigem Gruße. Auch Sie, beſter*x*! waren unter dieſen Geſtalten, die ernſt und wehmuͤ⸗ thig wie Schatten voruͤbereilten und zerrannen, und ich fuͤhlte mich nicht erleichtert, als ich wieder beſonnen die Gegenwart umfaßte; denn die Schlacht ſollte nur ein Vorſpiel ſeyn. Ach— ſo waren die Schlachten fruͤherer Zei⸗ ten nicht!— die blutigſten dauerten nur Stun⸗ den, ihnen folgte Sieg oder Ruͤckzug, waͤhrend man jetzt nach Tagen rechnet, als waͤre der Menſch ein andres Weſen— ein Rieſe— geworden, und doch iſt er nicht ſtaͤrker, als die Sieger bei Marathon. Wir glaubten wenigſtens die Nacht hin⸗ durch auf dem erkaͤmpften Platz zu bleiben, aber auch nicht einmal die Erholung wurde uns vergoͤnnt. Kaum hatten wir uns durch Speiſe und Trank ein wenig geſtaͤrkt, ſo bra⸗ chen wir mehr nach dem Centrum zu, auf, —ungefaͤhr zwei tauſend Schritte von dem von uns verlaßnen Dorfe, vielleicht, weil die Stel⸗ * lung um ei dir ke der W wenig G A.) diesme dern2 ligie auf begat Rund aberde uns Zeit: Doch beem Wich uns derut der E feind erſch gen —— lung der Armee veraͤndert wurde, vielleicht, di zat um eine Luͤcke auszufuͤllen. Faſt alle Verwun⸗ nei⸗ dete blieben auf dem Schlachtfelde liegen, nur ſich, die Leichtverwundeten gaben ſich dem Meſſer der Wundaͤrzte hin, fuͤr die Uebrigen konnte wenig geſchehen. un, Gleich nach Sonnenaufgang begann(am 2 21.) von neuem das graͤßliche Morden. Auch ant diesmal traf unſer Regiment mit einigen an⸗ dn. dern Bataillonen das Loos, ein in der Schlacht⸗ Ji linie befindliches Dorf zu behaupten. Waͤhrend auf allen Punkten ein unerhoͤrtes Kanonenfeuer a9, begann, das gewiß an funfzehn Meilen in der 1 Runde gehoͤrt worden iſt, knatterte bei uns noch der uͤberdies ein moͤrderiſches Kleingewehrfeuer, das uns den Blick auf das Ganze raubte und nur von 1s 8 Zeit zu Zeit dem Bajonett und der Kolbe wich. Dooch waren wir viel zu ſchwach gegen die Ue⸗ in⸗ bermacht des Feindes, der bekannt mit der en,. Wichtigkeit unſrer Aufſtellung, Alles verſuchte, nde uns zu uͤberwaͤltigen. Dazu kamen die pluͤn⸗ ich ddeerungsſuͤchtigen Ruſſem Dennoch ſchwankte fa⸗ der Sieg lange. Umſonſt griff der Kern der uf, feindlichen Truppen an. Die ſteilen Anhoͤhen on erſchwerten ihm jeden Schritt und die Unſri⸗ gen ſtanden wie angewurzelt. Doch zu ſchwach, die ewig wiederholten Angriffe auszuhalten, mußten wir das Dorf verlaſſen und uns wieder ſammeln. Verſtaͤrkt durch ruſſiſche Reſerven, griffen wir von neuem an und eroberten auch das Dorf wieder, das auf der einen Seite durch Kunſt und Natur befeſtigt war. Doch war der Beſitz deſſelben ſo gefaͤhrlich, als un⸗ ſicher. Schon hatten wir uͤber die Haͤlfte ver⸗ lohren, die Meiſten hatten ſich verſchoſſen, vor⸗ zuͤglich die Jaͤger, die zum Theil zum Gewehr griffen und die Buͤchſe uͤberhingen, weil fuͤr jenes nur, nicht fuͤr dieſe, herumliegende Pa⸗ tronen paßten; daher mußten wir abermals das Dorf verlaſſen, um nach neuer, kuͤmmerli⸗ cher Unterſtuͤtzung es von neuem anzugreifen. Die Scheinangriffe des Feindes auf unſern linken Fluͤgel, der auf waldigen Hoͤhen ſtand, veranlaßten jene Kargheit der Huͤlfe und be⸗ ſchraͤnkten uns auf uns ſelbſt.— So, beſter Freund! ging es den ganzen Tag. Gewinn und Verluſt draͤngten ſich und die Fruͤchte des guͤnſtigen Augenblicks entriß der naͤchſte feindli⸗ che, ein furchtbarer, zur Verzweiflung bringen⸗ der Wechſel. Und wir kamen denn auch end⸗ lich zur Verzweiflung. Niemand dachte zuletzt mehr daran, ſein Leben zu ſchonen, ſondern nur daran, es ſo theuer wie moͤglich zu ver⸗ kaufen. Hierzu kam das Geruͤcht, der geliebte Koͤnig ſey an der Spitze ſeiner Garden geblie⸗ ben. So ſank denn das Leben immer mehr im Preiſe, da das eines Koͤnigs nicht ver⸗ ſchont geblieben. Es galt jetzt nur, ehrenvoll zu fallen, um vor der Mit⸗ und Nachwelt gerechtfertigt zu ſeyn. Welche Greuelſcenen brachte dieſe Stimmung hervor. Pardon zu geben fiel den Meiſten nicht mehr ein. Ich ſehe noch immer einen blutjungen Franzoſen vor mir, der, in einem Augenblick der tiefſten Erſchoͤpfung von beiden Seiten, ſich ſchwer verwundet unſern Linien, die ihm weit naͤher, als die ſeinigen waren, naͤherte, in Wort und Gebehrden um Pardon flehend. Aber ein Soldat aus den Reihen eines benachbarten Bataillons ſtuͤrzte wuͤthend auf ihn zu und ſchlug ihn mit der Kolbe todt. Halbentſeelte Preußen und Franzoſen, die vielleicht den Au⸗ genblick darauf ſchon vor ihrem gemeinſchaftli⸗ chen Richter ſtanden, ſah man hier— wie einſt bei Zorndorf Preußen und Ruſſen— ſich in den Haaren liegen und gegenſeitig ab⸗ wuͤrgen. In dem eroberten Dorfe war noch ein maſſives Gebaͤude, zwei Stock hoch und — 64— mit gewoͤlbtem Souterrain, bom Feinde beſetzt. Es wurde geſtuͤrmt. Alles lief bunt durch ein⸗ ander. Ich kam zufaͤllig gleich darauf hinein und wurde Zeuge einer empoͤrenden Scene. Zwoͤlf bis funfzehn Franzoſen lagen in ei⸗ nem Zimmer des obern Stockes,— deſſen Fenſter ſamt ihren Kreuzen eingeſchlagen waren,— auf den Knieen und baten um Schonung. Die erhitzten Preußen und Ruſſen aber nahmen einen nach dem andern, ſchwan⸗ gen ihn einigemal in den Armen tragend und warfen ihn zum Fenſter hinaus. Faſt beſin⸗ nungslos ſtuͤrzte ich hinunter in's Freie, um neue Greuel mit anzuſehen. Einer von den herabgeſtuͤrzten Elenden wimmerte ſterbend „mon dieu! mon dieu!!“ da ſtuͤrzt ein Preuße auf ihn zu und mit dem Ausruf: „Hund, du willſt wohl noch lange ſchimpfen,“ tritt er ihm die Hirnſchale ein.— Doch fort von dieſen Scenen, die ich Ihnen blos des⸗ halb anfuͤhre, um Ihnen ein Bild von der entſetzlichen Wuth zu geben, die an dem Tage die Unſrigen in wilde, reißende Thiere ver⸗ wandelte. Es ſchien die letzte Zuckung in ei⸗ nem untergehenden Volke zu ſeyn, das die letzte Kraft dazu anwandte, den Sieger mit ℳ ſpreng liche wenn eine l Siege trums weil d ſelbſt dem genug tachire Unſer Geſech ſchwaͤe auf d ſich in den Abgrund zu reißen und im Blute der Feinde ſeine Rache zu kuͤhlen.— Wehe dem, der ſeine Mitmenſchen dahin bringt und ſie zwingt, ihre Menſchheit zu verlaͤugnen und der erweckten Thierheit Hekatomben zu bringen. Gegen Abend zogen wir uns langſam zu⸗ ruͤck, denn unſer rechte Fluͤgel war umgangen worden, nachdem der Feind vergeblich verſucht hatte, unſer Centrum zu ſprengen. Buona⸗ parte hat bekanntlich zwei Methoden, den Feind anzugreifen und zu ſchlagen. Entweder ſprengt er, keilfoͤrmig vordringend, das feind⸗ liche Centrum, oder er umfluͤgelt den Feind, wenn er die Uebermacht hat. Auf dieſe Weiſe, eine hoͤchſt einfache, hat er faſt alle ſeine Siege errungen. Die Sprengung unſers Cen⸗ trums war in dieſer Schlacht faſt unmoͤglich, weil die Stellung der Armee zu feſt und ſie ſelbſt zu tapfer war. Sie zu umfluͤgeln war dem Feind dagegen ſehr bequem, weil er ſtark genug war, ein Corps in unſre Flanke zu de⸗ tachiren, ohne ſeine Hauptarmee zu ſchwaͤchen. Unſer rechte Fluͤgel, uͤberdies ſchon durch das Gefecht bei Weiſſig am 19. Mai, ſehr ge⸗ ſchwaͤcht, war nicht im Stande, dem Feinde auf die Laͤnge Widerſtand zu leiſten, zumal, 1 4 — 66— da die Hauptſtaͤrke nach unſerm linken Fluͤgel hingezogen worden war, weil Napoleon ihn am heftigſten zu draͤngen ſchien, Dies Alles entſchied die Schlacht. Wir brachen den Kampf ab und zogen uns fechtend langſam zuruͤck, zwar heftig gedraͤngt vom Feinde, aber ohne großen Verluſt, weil ihm Reiterei fehlte. Wie ich nicht anders weis, verloren wir weder Ge⸗ fangene noch Kanonen. Nie habe ich Krieger mit groͤßerer Ehrfurcht betrachtet, als an je⸗ nem Abend, wo die Truͤmmer der verſchied⸗ nen Regimenter auf Hochkirchs Hoͤhen ſich ver⸗ ſammelten und dem Koͤnig ein Lebehoch aus⸗ brachten, der ſeine Ruͤhrung nicht verbergen konnte.— Der Geiſt Friedrichs ſchien uns zu umſchweben, und aus den blutrothen Abend⸗ wolken gruͤßten die Geiſter der bei Hochkirch erſchlagenen Vaͤter herab; denn wir hatten, wie ſie, viel verloren, aber die Ehre nicht und ein noch ſchoͤneres Gefuͤhl, nehmlich die Liebe zum Vaterlande, das ſich dankbar erinnern moͤge an die ungluͤcklichen Schlachtopfer, die auf Bautzens Huͤgeln begraben liegen. Unſer Ruͤckzug, nennen Sie es ja keine Flucht, geſchah in der gröͤßten Ordnung uͤber Goͤr ged uͤber ihd ſum über. des! und Stul der ſen war noth waͤhl falls ſuͤrn eigen Herto pfad nehn den Steil an, ſie d muͤſſe mang — 67— la Goͤrlitz, nach Schleſien hin, Tag und Nacht ihn gedraͤngt vom Feinde. Viel weis ich Ihnen iles uͤber dieſen Ruͤckzug nicht zu ſchreiben. Wußte myf ich doch kaum, daß ich ein Menſch war, ſo üͤck ſtumpf und abgemattet war ich die ganze Zeit hne uͤber. Aufgeſchreckt durch den Kanonendonner Vie des ungeſtuͤmen Feindes, marſchirten wir Tag 4 und Nacht und goͤnnten uns taͤglich nur einige eger Stunden Ruhe. Doch welche Ruhe! Entwe⸗ jes der mußte man auf den Schlaf, oder das Eſ⸗ ied⸗ ſen und Trinken Verzicht leiſten, und ſchwer ver⸗ war die Wahl zwiſchen dieſen beiden gleich aus⸗ nothwendigen Beuͤrfniſſen. Der Erfahrnere tgen waͤhlte dieſes; denn ſchlafen kann man allen⸗ zu falls auch im Gehen, wenn einmal die Natur end⸗ ſtuͤrmiſch ihre Rechte verlangt. Freilich iſt es lirch eigentlich kein Schlaf, ſondern ein Hin⸗ und ten, Hertaumeln, ein Rauſch. Man hoͤrt und em⸗ und pfindet das aͤußere Leben, ohne daran Theil Liebe nehmen zu koͤnnen, weil man in verzaubern⸗ nern den Banden liegt. Man ſtolpert uͤber einen die Stein und wacht auf, ſtaunt die Umgebungen an, ſchließt die Augen von neuem halb, um ſie den Augenblick darauf wieder oͤffnen zu keine muͤſſen. Man ſtuͤrzt fallend auf den Vorder⸗ übi mann los, dieſer wieder auf den ſeinigen, und — 68— ohne um Entſchuldigung zu bitten taumelt man weiter. Ach, lieber*** in ſolchen Au⸗ genblicken fuͤhlt man die Wohlthat des Frie⸗ dens recht. Man beneidet den Bettler, denn wenn die Stunde des Schlafs kommt, ſo wirft er ſich nieder und der Traum fuͤhrt ihn auf leichten Flugeln in Palaͤſte, in ſein irdiſches Elyſium. Dem armen Soldaten wird dies ſchoͤne Loos im Kriege nicht zu Theil. Selbſt der Schlaf darf ihn oft nicht erquicken; denn kaum wirft er ſi ich nieder, ſo heißt es:„auf, auf!“ und mit Ge⸗ walt muß er die ſuͤßen Traͤume aufgeben, die ihn aus der muͤhevollen Gegenwart in ein ſchoͤn'res Verhaͤltniß fuͤhren wollten. Alles muß er hingeben, ſein eiſernes Kreuz tragend, das ihm nicht die Anerkennung ſeiner Verdienſte, ſondern ſeine eigne Liebe gab; was den Thie⸗ ren nicht verſagt wird, erringt er nur durch Kampf und Anſtrengung auf ſeinem Blutwege, und vom Lohn iſt nicht die Rede, weil er nicht mehr, als ſeine Pflicht erfuͤllen kann.— So fau ich mir doch den Krieg nicht vor, da ich ſeine großen Erſcheinungen in's Auge — aber die tauſend Kleinigkeiten uͤberſah, die weit empfindlicher ſchmerzen, als das töͤdt⸗ liche Blei, das in ein beſſeres Leben bringt. Wurde das erſehnte„Halt“ gerufen, ſo ſank ein Jeder auf der Stelle um, auf der er zufaͤllig ſtand, und ſchlief einen Todtenſchlaf, wenn nicht etwa der Hunger wach erhielt. Dann wurde, kaum im Bivouak angelangt, mit der letzten Anſtrengung der Kraͤfte Nah⸗ rung fuͤr ſich und die vertrauteſten Freunde ge⸗ ſucht, die den Tag vorher eine aͤhnliche Sorge gehabt hatten. Nun ging es an eine gierig gehaltene Mahlzeit, die nur mit thieriſchen Blicken begleitet wurde, und ſchon hieß es: „auf, auf!“ das Horn toͤnte, die Trommel wurde geruͤhrt, und der wunde, muͤde Fuß ſchleppte ſich weiter. Daß ich auf dieſem Marſch keine Beobachtungen anſtellen konnte, glauben Sie mir gern. Uns kuͤmmerte nichts, als in den Städten die Bierwiſche und Baͤckerladen. Ich glaube herzlich gern, daß Mancher dieſe Schilderung uͤbertrieben ſinden mag, aber ich erinnere Sie, daß ich nur von uns Freiwilli⸗ gen ſpreche. Starke, abgehaͤrtete Krieger in⸗ ſenderheit Offiziere, moͤgen die Anſtrengungen dieſes Ruͤckzuges, der Gottlob nicht lange dauerte, wohl weniger empfunden, oder leich⸗ ter getragen haben. Selbſt daß ich voll Un⸗ geziefer ſaß, wie mein Wirth in Berlin mir es weiſſagte, und wie es wohl nicht gut zu vermeiden war, da wir mit Ruſſen unſer Stroh theilten, merkte ich nicht eher, als bis wir in unſre Kantonirungen ruͤckten. Auch uͤber das Gefecht bei Haynau weis ich Ihnen nicht mehr zu ſagen, als was Sie in den Zeitun⸗ gen leſen, nehmlich, daß unſre Reiterei darin ihren alten Ruhm behauptet und dem Terrain Ehre gemacht hat, auf dem ſie den Vortrab Napoleons vernichtete. Er verſuchte es nun nicht mehr, uns zu necken. Es kam ihm ſedesmal zu theuer zu ſte⸗ hen. So kamen wir endlich in die Gegend des Zobtenberges, dieſes ehrwuͤrdigen Hauptes, an deſſen Fuß wir zuerſt angemeſſene Erholung fanden. Seit einigen Tagen kantoniren wir in dieſem Doͤrſchen bei fetten Bauern, deren Gutmuͤthigkeit uns recht zu Statten kommt, und machen unſre Bemerkungen uͤber den ge⸗ ſchloſſenen Waffenſtillſtand, der ganz verſchiedne Urtheile erzeugt. Wenn Franziskus uns die deutſche Rechte reicht, ſtatt dem Schwiegerſohn, dann hoffe ich von der Waffenruhe das Beſte; ohne ihn wenig, zeigt er ſich uns als Feind, gar nichts. Ich fuͤrchte faſt das Letztere und darum bin ich niedergebeugt und traurig, und Freunde haftet.— ————————.— mich ekelt der Dienſt, wie der Umgang mit den Kameraden an, die ſich pflegen und ſtaͤr⸗ ken und Gott ſorgen laſſen. Das muß anders werden. Urlaub will ich nehmen und den grei⸗ ſigen Zobtenberg beſteigen; vielleicht weht dort oben eine heitrere Luft, als hier unten im Ge⸗ draͤnge blutdurſt'ger Menſchen, die dem lieben „Gott viel abzübitten haben.— Leben Sie wohl und laſſen Sie ſich die Zeit bei Leſung dieſes Briefes nicht lang werden, der dicker gewor⸗ den iſt, als ich anfangs glaubte, indem ich Ihnen nicht gerade von großen Kriegsbegeben⸗ heiten gruͤndliche Nachricht geben,(denn wie waͤre das wohl der gemeine Soldat im Stande), ſondern weil ich mein Leben, ſo vollſtaͤndig und deutlich wie moͤglich, vor Ihren Blick ſtellen wollte, der gewiß in dieſem Augenblick voll Theilnahme und Wehmuth an dem fernen AI2GI 2 Obgleich Keiner von meinen Freunden meine trüͤbe Stimmung theilte, ſo fühlten ſich doch Mehrere von ihnen auifgelegt, den kleinen Abſtecher nach dem Zobtenberg mitzumachen, um einmal wieder aus dem Larm und Gewitr des Krieges herauszutreten und am Buſen der „Natur mit dem Leben zu taͤndeln, oder ſich wenigſtens ſanften Gefuͤhlen wieder hinzuge⸗ ben.„Dort oben wird uns Allen recht wohl werden rief ich den Freunden zu,„denn ſagt wasnihr wollt, eure Froͤhlichkeit iſt erkuͤnſtelt, weil ſie nach den Erfahrungen, die wir ge⸗ macht haben, und nach den Ausſichten, die vor uns liegen, eigentlich unnatuͤrlich iſt, Dort oben aber wird ſie vielleicht wieder recht ſeſt gegruͤndet.“„Man iſt auf hohen Bergen dem Herrgott naͤher. Der Blick von ihnen hinunter ein das niedrige Erdenthal hat etwas Beruhi⸗ gendes an ſich, was ſelbſt der hoͤchſte Thurm nicht gewaͤhrt weil er von Menſchenhand auf⸗ gebaut iſt. Und eben, wo man immer wieder den Menſchen findet, den hochmuͤthigen, be⸗ fangnen und geblendeten, der in ſeinem Duͤn⸗ kel Wunder was zu ſeyn glaubt, obgleich er doch in der That wenig oder nichts iſt, da wird einem zuletzt ganz bange und man ſehnt ſich auf einige Zeit fort von ihm. Wenn ich ſo den al⸗ ten, ehrwuͤrdigen Berg hetrachte, wie an ihm die Weltgeſchichte voxuͤbergegangen, ohne ihn ſelbſt zu treffen; wie ier ſo feſt und unveraͤn⸗ derlich auf einem Schauplatz ſteht, wo das — 3— Morgen nicht dem Geſtern gleicht, wo Voͤlker kommen und gehen, Jahrhunderte auf⸗ ſteigen und untergehen, und der Menſch, dies Tagesgeſchoͤpf, das nur groß und ehrwuͤrdig durch Demuth und Glauben wird, in ſeiner Großthuerei an das Ewige ſeine Maaße legt: o! ſchon dieſer Anblick giebt dem Herzen wie⸗ der, was es auf den Wellen ſeines ewig be⸗ wegten Lebens verloren, nehmlich ſein wahres Bild, das einen feſten Grund verlangt, wenn es in allen ſeinen Zuͤgen aufgefaßt und be⸗ wahrt werden ſoll. Allein mich treibt noch ein andres Sehnen. Noch einmal will ich die Sonne in ihrer ganzen Pracht auf ſeinem Scheitel aufgehen ſehen, die vielleicht bald auf das unterjochte, ausgepluͤnderte Vaterland ihre Strahlen werfen wird. Noch einmal ſoll mir das perklaͤrte Angeſicht des Herrn dort oben zentgegen leuchten, ehe ich mich von neuem in das Gewuͤhl ungluͤcklicher Schlachten ſtuͤrze und vom Brande der Staͤdte und Doͤrfer beleuchtet werde. Noch einmal will ich die ſtillen Seg⸗ nungen des Friedens zu faſſen ſuchen, ehe ich auf den Truͤmmern Deutſchlands unſer Schick⸗ ſal beweine, oder zu den Tauſenden geworfen werde, die ohne Sang und Klang in die blut'ge Erde ſinken. O wollte Gott! daß es geſchehe, denn ich fuͤhle mich nicht ſtark genug, nach dem Fall des Vaterlandes noch froh zu ſeyn und meine Pflicht zu thun Und ich ahne es, daß ich bald ſterben werde. Waͤhrend Spione das Volk bewachen und verrathen, Tyrannen herrſchen, ihre Henker wuͤrgen wer⸗ den, waͤhrend Tugend und Religion vergebens eine Freiſtatt ſuchen werden, nachdem man ihre Tempel entweiht hat; waͤhrend das Elend mit hohlen Augen umherſchleichen und ſeine Thraͤ⸗ nenſaaten ſtreuen; waͤhrend Sklavenſchweiß den fremden Boden duͤngen und das Hohngelaͤchter der Hoͤlle ihr Jammergeſchrei begleiten wird— ach! waͤhrend deß werde ich ſchlummern und ausruhn von den blutigen Kaͤmpfen, und die Vergeſſenheit wird uͤber meinem Grabe wehen. Wo die Chriſtenpflicht zum Verbrechen und die Tugend eine Schande wird, wo Arbeit nichts als Sklavendienſt iſt, da iſt der Wunſch zu ſterben keine Suͤnde, weil er nicht aus der Selbſtſucht hervorgeht, ſondern aus der Furcht, der Verſuchung nachzugeben und ebenfalls ein feiler Knecht des Laſters zu werden, das durch Throne geheiligt wird. Was hat der Menſch noch, wenn ihm ſeine Heiligthuͤmet genommen — 75— werden? das kalte Bewußtſeyn der Schuldlo⸗ ſigkeit? Iſt es Erſatz fuͤr den Verluſt, den er durch jenen Raub erleidet? Mag er's dem Phtloſophen ſeyn, mir nicht, der ich zwar die Wege Gottes verehre, aber vor den Verſu⸗ chungen zittre, die dem Unterjochten drohen, vor meinem eignen Herzen, das die breite Landſtraße ebenfalls einſchlagen moͤchte, auf dem jetzt ſchon Millionen ihrem Verderben entge⸗ gen gehen. Darum moͤchte ich wohl ſterben, fuhr ich leiſer fort, und warf mich an K*s Buſen und meine Thraͤnen vermiſchten ſich mit den ſeinigen.—„Laß die Hoffnung nicht ſin⸗ ken,“ rief er mir, ſchnell ſich wieder faſſend, zu.„Wer wird Alles ſchwarz ſehen, was doch am Ende nur grau iſt, und bei Regenwetter am Sonnenſchein verzweifeln! Noch lebt ja der Retter in Rußlands Wuͤſten, der gerechte Richter! Nicht ſie allein werden Zeugen ſeiner Gerechtigkeit ſeyn, ſondern auch Deutſchlands bluͤhende Gefilde;— ein Wink und jener Draͤn⸗ ger iſt nicht mehr. Wer wollte ſo kleinmuͤthig und verzagt in einem Augenblick ſeyn, wo viel⸗ leicht unſre Schale durch Franziskus Schwerdt ſchon ſinkt und die des Eroberers federleicht in die Hoͤhe geſchnellt wird. Werden nicht äͤberdies im ganzen Lande Landwehren errichtet, detz/ die vor Begierde brennen, ſich mit dem Feinde lin ul zu meſſen? Kommen nicht täͤglich neue Trup⸗ ſein pen aus dem befreundeten Rußland? Iſt nicht tine f der Kronprinz von Schweden, nicht, wie allge⸗ die zet 1 mein verſichert wird, Moreau gelandet? War⸗ ihr Be um daher ſo ſchwermuͤthig? Sieh mich an, um m. immer heiter und froͤhlich, wie die Natur, die, a ich alle ihre Reize entfaltend, uns entgegen lacht, Sonne und dann betrachte dein Armenſuͤndergeſicht, oder e wie es mit ihr ſo ſehr contraſtirt! Und ſo eimt wie ich, ſo ſind die Meiſten heiter und ruͤſtig b nein, V und kraͤftig in ſich ſelbſt. Alle erwarten eine naſche 1 ſchoͤnre Zukunft und ſehen in dem Waffenſtill⸗ faͤngt! ſtand gerade die Buͤrgſchaft derſelben. Alle ſnnd, t denken wir ja noch nach Paris, dieſem neuen großen Babylon zu kommen, und in den Armen der der an dortigen Bajaderen die Muͤhſeligkeiten des mente Krieges zu vergeſſen. Heitrer brennt in uns Allen die heilige Flamme der Liebe, als in dir und meinem Vetter; leichter und froher tragen wir die Laſten, die wir uns ſelber aufgelegt, ſruͤh u als ihr Beide, die ihr nur in die Sterne laub, kuket und jammert und winſelt. Ihr Beide ſeyd ernſt wie ein Conſiſtorialrath, der einen armen Kandidaten, und das iſt euer armes lag di ſichtet, Feinde Trup⸗ nicht allge⸗ Var⸗ ch an, t, die, lacht, geſicht, nd ſo rüͤſtig en eine fenſtill⸗ Ale mneuen nen der n des in uns in dir tragen ſgelegt, Sterye Beide r einen r armes — 77— Herz, im Examen zappeln laͤßt; traurig wie ein ungluͤcklicher Troubadour, der ſeine Laute, ſein Spielwerk, zerbrochen ſieht; finſter wie eine Herbſtnacht, an deren Himmel der Sturm die zerriſſenen Wolken peitſcht.— Nicht wie ihr Beide, will ich den Zobtenberg beſteigen, um meinen Schwanengeſang zu ſingen, zumal da ich an Heiſerkeit leide; nicht um in der Sonne einen verkappten Todesengel zu ſehen, oder einen Jonas, der uns, wie der Alte der Stadt Ninive, den Untergang weiſſagt— nein, ich will mich einmal zerſtreuen, den Ka⸗ maſchendienſt, der ſchon wieder zu ſpuken an⸗ faͤngt und in den wir Preußen einmal verliebt ſind, verlaſſen und meine Kraͤfte wieder zu dem großen Reihentanze ſammeln, der naͤchſtens wie⸗ der anfangen wird, wenn nur erſt die Inſtru⸗ mente in statu quo ſeyn werden.— Und nun basta! laßt uns etwas ſingen!“— So ward denn die kleine Luſtfahrt be⸗ ſchloſſen. Unſrer waren ſechs. Am 15. Juni fruͤh um drei Uhr gings, nach erhaltenem Ur⸗ laub, fort. Das Wetter beguͤnſtigte uns ganz außerordentlich. Kein Woͤlkchen war zu ſehen. Schweigend, wie eine verſchaͤmte Jungfrau, lag die Natur vor und um uns, Der dunkel⸗ blaue Berg zeigte ſich in der ſchoͤnſten, ſchaͤrf⸗ ſten Beleuchtung. Noch hing der Thau wie Freudenthraͤnen an der Pflanzenwelt, und auch in unſern Augen glaͤnzte ein noch ſchoͤn'rer Thau; denn das Herz fuͤhlt ſich an einem heitern Som⸗ mermorgen erweitert und ſelbſt der Traurige richtet ſich auf, weil er in der ihn umgebenden Natur ſein Bild nicht findet, wie am Abend, oder in einer ſtillen Sommernacht, dieſer ele⸗ giſchen Seite des aͤußern Lebens. Wir waren Alle ſo recht heiter und von Herzen froh, als wir auf lieblichen Fußſteigen durch die reiche Gegend hinſchlenderten. Mr*** war wie ge⸗ woͤhnlich ganz ausgelaſſen und attakirte jede Schuͤrze, ging mit jedem ſoliden Bauer, der uns begegnete, Arm in Arm und ſang tyro⸗ liſch. Von R** erzaͤhlte von ſeinem vaͤterli⸗ chen Landgute und dem idylliſchen Leben, das er dort gefuͤhrt; der Vetter C** trug einige ruͤhrende Liebesgeſchichten vor, die ihn aus Ar⸗ midens Gaͤrten getrieben und unter ein Sturz⸗ bad gezwungen, das ihn geheilt habe. F* be⸗ roch mehrere Erdarten und kramte ſeine oͤkono⸗ miſchen Kenntniſſe aus, den Schleſiern wenig Lob beilegend. Unter ſolchen Geſpraͤchen ka⸗ men wir des Nachmittags in Zobten an, ei⸗ härf⸗ wie auch hau; Som, urige enden bend, ele⸗ daren als reiche e ge⸗ jede der tyro⸗ terli⸗ das anige 6 Ar⸗ ökurze be⸗ kond⸗ denig ka⸗ ei — 79— nem Staͤdtchen, das am Fuße des Berges liegt. Der Weg dahin ſchien viel kuͤrzer zu ſeyn, als er wirklich war, weil die Groͤße des Berges, der immer dicht vor einem liegt, ge⸗ waltig taͤuſcht. Man glaubt ſchon, die einzel⸗ nen Baͤume auf ihm unterſcheiden zu koͤnnen; man waͤhnt ſchon, am Fuß deſſelben zu ſtehen und— man hat noch eine gute Meile zuruͤck⸗ zulegen, ehe man das gaſtliche und freundliche Staͤdtchen erreicht. Wir gingen ſogleich zum Buͤrgermeiſter, der uns ſehr artig empfing und uns ohne wei⸗ tere Umſtaͤnde Quartier gab, weil es allen Schleſiern ſchmeichelt, wenn man den Natur⸗ ſchoͤnheiten ihres Landes die gehoͤrige Aufmerk⸗ ſamkeit widmet. Es ergrimmt ſie, die ſonſt ſo ruhig ſind, wenn man mit Verachtung oder nur mit Gleichguͤltigkeit davon ſpricht, ſo wie ſie im Gegentheil ſehr zuvorkommend und artig ſind, wenn man jenen Reizen huldigt. Nach einer uns ſehr noͤthigen Ruhe eilten wir, den Zweck unſrer Reiſe zu erfuͤllen, um ſo mehr, da meine Gefaͤhrten noch nie einen ſehr hohen Berg beſtiegen hatten, obgleich ih⸗ nen Stubbenkammer auf Ruͤgen fruͤherhin nahe genug geweſen war. Wir kauften allerlei ein, ſo viel unſre Kaſſe erlaubte, und beluden da⸗ mit eine alte Frau, die man uns als Fuͤhrerin empfohlen hatte. Gegen eilf Uhr begann unſer Marſch, ſtill und feierlich, als wenn wir Schatzgraͤber waͤ⸗ ren. Der Weg hinauf war eben ſo ſteil als ſteinig, und bald durch die ſchwarzen, finſtern Tannen ſo verdunkelt, daß wir eine Laterne anzuͤnden mußten, womit ſich zum Gluͤck unſre Fuͤhrerin verſehen hatte. Das Talglicht warf einen ſo wunderlichen Schein in das Dickicht, in dem wir aufwaͤrts ſtiegen, daß uns Allen unheimlich zu Muthe wurde. Dazu kam die Grabesſtille, die uns umgab, nur unterbrochen von den Geſchichten, die unſre Fuͤhrerin mit gelaͤufiger Zunge im Volkston vortrug. Sie umfaßten Alle das graue Alterthum und be⸗ ſtanden in Sagen, die den dortigen Bewoh⸗ nern bekannt genug ſind, uns aber, als neu und reichhaltig, nicht nur beſchaͤftigten, ſondern auch befriedigten. Unſre Einbildungskraft wurde dadurch ſo geſpannt, daß wir im Geiſt nichts als Woͤlfe und Baͤren und verwuͤnſchte Prin⸗ zeſſinnen, ſammt Drachen und Lindwuͤrmern ſahen. plot Auge einen einlat ſchien unſren dabei Jung gehau reißer i iin, n dar rerin „ſtill waͤ⸗ l als nſtern aterne unſre warf ſckicht, Allen m die tochen n mit Sie d be⸗ ewoh⸗ ls ne ondern wurde nichts Prin⸗ rmern — 81— Eine Quelle, die durch ihr ſanftes Rieſeln ploͤtzlich unſern Durſt weckte, hielt uns auf Augenblicke feſt. Nicht weit davon fanden wir einen ſehr bequemen Stein, uns zur Erholung einladend. Doch was uns als Ruhebank er⸗ ſchien, wurde durch unſre Fuͤhrerin mit Huͤlfe unſrer Phantaſie, die denn freilich das Meiſte dabei that, ſchnell in eine in Stein gehauene Jungfrau verwandelt, neben der ein in Stein gehauener Baͤr ſtand, im Begriff, ſie zu zer⸗ reißen. Wir ließen uns die Geſchichte er⸗ zaͤhlen. „In den fruͤhern Jahrhunderten wohnten auf der Spitze des Berges Moͤnche, die hier ein einſiedleriſches Leben fuͤhrten. Das Staͤdt⸗ chen Zobten verſorgte ſie mit Lebensmitteln, weil ein dicker Wald ſich bis zum oben liegen⸗ den Kloſter zog, das ſo rings in einer Wild⸗ niß lag. Einſt fanden die Moͤnche einen ganz jungen Baͤren, der ſich leicht von ihnen zaͤh⸗ men ließ, und ſich vorzuͤglich an eine Kloſter⸗ jungfrau(wie dieſe zu den Moͤnchen kommt, laͤßt die Sage unentſchieden, und die alten Chroniken der Stadt, die ich nachher nach⸗ ſchlug, erzaͤhlen ſie ganz von einander abwei⸗ chend) gewoͤhnt, ſo daß er ſich von Riemand, 82— als von ihr fuͤttern ließ. Als nun einmal die Jungfrau nach dem Staͤdtchen geht, um hier fuͤr das Kloſter einzukaufen, verweilt ſie da⸗ ſelbſt zu lange, und im Heraufſteigen begegnet ihr der Baͤr, der ſich von der Kette losgeriſſen hat und ſeine Waͤrterin aufſucht. Hungrig ſtuͤrzt er auf ſie zu und zerfleiſcht ſie.“ Dies iſt in der Kuͤrze die Sage, die uns weitlaͤuf⸗ tiger und mit abentheuerlichen Zuſaͤtzen erzaͤhlt wurde. Zum Andenken dieſer traurigen Be⸗ gebenheit hat man auf derſelben Stelle, wo jene Jungfrau ein Opfer ihrer Unvorſichtigkeit geworden, in Stein jene Sage verewigt. Unwillkuͤhrlich eilten wir fort von dem un⸗ heimlichen Stein, der recht in der ſchauervoll⸗ ſten Wildniß liegt und waͤhrend jener Erzaͤh⸗ lung ordentlich Leben gewann; denn es war ja gerade in der Geſpenſterſtunde, und die al⸗ ten Sagen tief erwaͤgend und uns in die graue Vergangenheit hintraäͤumend, aus der, außer einigen Truͤmmern und Ueberreſten der Kunſt nichts uͤbrig geblieben, als die Berge, die Hei⸗ math aller Sagen, erreichten wir um ein Uhr die Spitze des Berges, wo alles geſpenſtiſche Weſen verſchwand, was uns hinauf begleitet und uns mannigfach geneckt hatte. ,* 8 * die hier e da egnet iſſen grig Dies daͤuf⸗ zäͤhle Be⸗ wo igkeit un⸗ twoll⸗ rzah war 2 al⸗ graue außer Kunſt Hhei⸗ Uhr tiſche leitet — 83— Schnell wurde ein loderndes Feuer ange⸗ macht und Chocolade gekocht. Sie ſchmeckte nach ſolchem Marſche trefflich. Unterdeß daͤm⸗ merte es und ein kalter Morgenwind verkuͤn⸗ digte die Ankunft des Tages, des freundlichen Knaben, der aus ſeinem Fuͤllhorn Leben und Freude ſtreut. Die heitre, friſche Luft und die leichten Nebelwolken am oͤſtlichen Horizont ver⸗ ſprachen uns einen herrlichen Aufgang der Sonne. Alle ſaßen wir auf einem alten Ge⸗ maͤuer— ehemals eine Vorhalle zu der noch dort befindlichen Kapelle— und harrten begie⸗ rig auf das Licht der Welt.— Bald er⸗ ſchien es und zerſtreute die Nebel, die rings um den Berg lagen, verjagte die fuͤchtigen Wolkengebilde, die ſeine Strahlen neidiſch auf⸗ faſſen und einſaugen wollten, und beleuchtete ein herrliches Panorama, ſo ſchoͤn ,„ wie wir es Alle noch nie geſehen hatten. Erhabne Naturſchoͤnheiten wollen nur ſchwei⸗ gend bewundert werden, denn wie kann die arme Menſchenſprache das Goͤttliche uͤberſetzen und das in die armen Worte kleiden, was als tiefer, heiliger Gedanke in Gottes Wundern lebt. Es gehoͤrt ſchon ein hoher Grad von dichteriſcher Tieſe dazu, das ſchildern zu woh 7 len, was beim Anſchaun des Heiligen das er⸗ griffne Gemuͤth durchdringt und beſeligt. Ir⸗ diſche Verhaͤltniſſe erlauben eine Beſchreibung und Schilderung, aber wo Gott redet, da ſchweige der Menſch und bete an; da fuͤhle er ſich groß, weil er das Goͤttliche denken und in dem Brennſpiegel ſeiner Liebe auffaſſen darf. In dem Grade er in ſolchen Augenblicken Gott ſucht, in dem Grade findet er ihn und fuͤhlt ſich beſeligt durch ſeine Naͤhe. So wurde denn auch unſer Anſchaun ein Gebet, das uns Ruhe und Frieden gab. Ein Geſicht ging meinem innern Auge voruͤber. Schwerdter klirrten durch die ſchweigende Natur, Donner bruͤllten und mit ihnen vermiſchte ſich Triumph⸗ geſang. Dankbare Voͤlker ſah' ich betend im Staube liegen, Feuerzeichen flammten auf den Bergen rings um und von Millionen Zun⸗ gen erſchallte ein„Herr Gott dich loben wir!“ Eine Victoria, deren Wagen milchweiße Roſſe zogen, ſchwebte in den roſigen Morgenwolken zu einem Altar hin, der mit wunderbaren Blumen geſchmuͤckt war. Alle Wehen verhall⸗ ten in dem Halleluja der Geretteten, die Blu⸗ men hoben ſchoͤner als je, ihre farbige Krone empor und umſchlangen freundlich die Graͤber et, In ung da e er d in dorf. Gott fuͤhlt denn uns ging erdter onner myh⸗ d im fden Zun⸗ wir!“ Roſſe volken baren rhal⸗ Blu⸗ Krone aͤber der Helden, die als Blutſaat zur Freudenerndte waren geſtreut worden. Die zerſtoͤrten Tem⸗ pel ſah ich aufgebaut, aus den Wuͤſten erho⸗ ben ſich neue Paradieſe und eine neue, ſegens⸗ reiche Ordnung der Dinge begann. Eine bis⸗ her verbannte Goͤttin umſchwebte wieder die Kinder der Erde in engelgleicher Freundlichkeit und hehrer Majeſtaͤt, und in ihrer Hand wogte im Morgenroth ein Palmzweig, der immer groͤßer und groͤßer ward, bis er ſich endlich ſegnend uͤber den Erdkreis ausbrei⸗ tete.—„O ſeliger Gedanke!“ rief ich voll Begeiſterung aus, wenn ein Volk ſeine Ket⸗ ten zerbricht und Blut und Thraͤnen nicht ach⸗ tet, um ein Heiligthum, ſeine Freiheit, zu er⸗ ringen. Herzerhebend iſt es ſchon, wenn der Juͤngling das Spielwerk fortwirft, das ſeiner Kindheit Begleiterin war; wenn der goͤttliche Funken in ihm zuͤndet und er nun nach Wahr⸗ heit und Freiheit ſtrebt, um ſein verlornes Pa⸗ radies wieder zu erobern. Wenn aber ein gan⸗ zes Volk nach dieſen heiligen Guͤtern ringt, wenn es erwacht aus kindiſchen Träͤumen, die Spuren der Gottheit in ſeiner Geſchichte er⸗ blickt und das ruhmvolle Ziel ſeines gemein⸗ ſchaftlichen Wirkens und Strebens; 1 1 es — 86— ohne Schwaͤrmerei und Fanatismus, nicht fuͤr Phantome, ſondern fuͤr eine Idee entflammt wird, fuͤr die es ſterben kann; wenn es den Staub geheiligter Vorurtheile abſchuͤttelnd, den heiligen Kern ſeines Lebens erblickt und die Willkuͤhr haſſen und verabſcheuen lernt, mag dieſelbe freundlich und ſanftmuͤthig, oder zer⸗ ſtoͤrend ſich zeigen; wenn ſo Millionen aus einem Auge blicken, mit einem Herzen fuͤh⸗ len, gleichen Schrittes zum Ziele eilen, von gleicher Liebe, gleichem Haß beſeelt: dann muß man mit inniger, heißer Liebe einem ſol⸗ chen Volke zugethan ſeyn und ſich mit frohem, ſtolzen Bewußtſeyn an daſſelbe anſchließen, weil man in ſeiner Erhebung jene Empfaͤnglichkeit fuͤr das Ewige und Goͤttliche erblickt, die der Regierer der Voͤlker mit ſeinem Beiſtand kroͤnt, der er liebevoll zu Huͤlfe eilt, um durch ſie ſein Ebenbild wieder herzuſtellen, das unter dem Schmutz eines ſuͤndhaften Strebens verlo⸗ ren zu gehen drohte. Nicht unſre Landwehren, nicht die ruſſiſchen Heere, die nach den Ufern der Oder eilen, nicht die Huͤlfe Oeſterreichs, das Alles nicht wird den Ausſchlag geben, ſon⸗ dern der Herr, der die Gerechten liebt und ein ruͤhmliches Streben nicht unbelohnt laͤßt. mag dr⸗ aus fühe von dann n ſol⸗ ohem, weil ichkeit je der kroͤnt, ch ſie unter verlo⸗ ehren, Ufern reichs, , ſone t und läßt. — 87— Mit unſrer Macht iſt nichts gethan, aber der hohe Verbuͤndete, der mit gerechter Waage waͤgt, er wird helfen, er muß helfen, oder die Weltgeſchichte wird zur Luͤge. Hier in dieſem langſamen, feierlichen Aufgang ſeines Lichtes, ſeh' ich das Unterpfand ſeiner Verheißungen. Ein Blick und die Nebel ſind zerſtreut, die den jungen Tag aufhalten wollten, und die Finſterniß flieht vor dem Morgenroth.“ Ich vergaß Luͤtzens und Bautzens finſtre Tage, wie die Mitternacht, die uns hieher gefuͤhrt; in der Morgenroͤthe ſpiegelte ſich die Gegenwart ab und die Zukunft lag heiter, wie der Tag, auf den wir rechnen konnten, vor unſerm innern Blicke da. Meine Trunkenheit theilte ſich meinen Freunden mit. Sie fuͤhlten wie ich, und wir verſtanden uns in einer ſtummen und doch ſ0 beredten Umarmung. Aufgeheitert durch dieſe Ahnungen einer beſſern Zukunft, wandten wir nun unſer Auge vom Ewigen fort und auf die umgebende Na⸗ tur hin. Wir ſahen Schweidnitz, Jauer, Lieg⸗ nitz, Breslau, Brieg, Reichenbach und Streh⸗ len in der ſchaͤrfſten Beleuchtung vor uns lie⸗ gen, alle verbunden durch Gaͤrten und Baͤche, — ss— wie es uns ſchien, und zwiſchen jenen bedeu⸗ tenderen Staͤdten eine Menge von kleinern und zahlloſe Doͤrfer, die wunderſchoͤn aus dem jun⸗ gen Gruͤn hervorblickten. Man hat von dem Zobtenberge, der wohl uͤber zwei tauſend Fuß hoch iſt und aus Granit beſteht, die Ausſicht uͤber den groͤßten Theil des geprieſenen Schle⸗ ſiens, weshalb zu bedauern iſt, daß er von Reiſenden nicht ſo beſucht wird, wie er es in der That verdient. Freilich iſt die Schneekoppe ungleich hoͤher, denn ſie ragt uͤber ſechs tauſend Fuß uͤber die Meeresflaͤche hervor, aber ſie hat doch nicht die Reize, als der Zobtenberg, da es in Hinſicht der Ausſichten bei Bergen nicht immer auf ihre Hoͤhe ankommt. Man hat von der Schneekoppe bei weitem die Ausſicht nicht, als von dem Zobtenberge, weil man von jener Hoͤhe die tief liegende Landſchaft nur durch Fernroͤhre in ihren Einzelnheiten auf⸗ faſſen kann, waͤhrend man auf dieſem, zu⸗ mal auf einem hohen und ſteilen Felſen, ſuͤd⸗ weſtlich von der Kapelle, das herrlichſte Rund⸗ gemaͤlde vor Augen hat, ſo ſchoͤn, wie man es kaum ahnen kann. Vorzuͤglich ſchoͤn ſtellen ſich die Kruͤmmungen der Oder in ihrem zarten Silberſtreifen dar, der durch gruͤne Ufer ſich deu⸗ und Jun⸗ dem Fuß ſicht chle⸗ von der oppe aſend ehat da nicht hat eſicht man nur auf⸗ 7 zu⸗ ſuͤd⸗ Kund⸗ an es n ſich zarten er ſch — 89— windend, ſich endlich in weiter Ferne dem for⸗ ſchenden Blicke entzieht. Wir gingen darauf, nachdem wir uns muͤde, wiewohl nicht ſatt geſehen, in die einfache Ka⸗ pelle, das Ziel der jaͤhrlichen Wallfahrten, die von den naͤchſten Umgebungen des Berges hie⸗ iher angeſtellt werden, und fanden nach langem Waͤhlen und Suchen noch eine bequeme Stelle, unſre Namen einzugraben; eine Sitte, der man gern huldigt, obgleich ſie thoͤricht und kleinlich iſt, weil man es ſo recht klar darin ſieht, wie gern der Menſch ſein liebes Ich uͤberall hinſtellt, wo der Kranz des Schoͤnen und Erhabnen geflochten wird. Ruſſiſche Offi⸗ ziere, die ſo eben angekommen waren, verewig⸗ ten ſich neben uns und ſtreiften dann luſtig und jubelnd in der erquickenden Morgenküͤhle umher. Auch wir beſuchten noch manch' heim⸗ liches Plaͤtzchen in dieſer Wildniß, die ſich faſt bis an die Krone des Berges zieht, ſtillten an dem reinſten Quell, der in einem tiefen Bek⸗ ken ſich ſammelt, unſern Durſt, pfluͤckten Erd⸗ beeren und ſtreckten uns in die duftenden Kraͤu⸗ ter nieder, die nur hohen Bergen angehoͤren, und nahmen endlich gegen Mittag, nachdem wir alles Sehenswerthe genoſſen, wehmuͤthi⸗ gen Abſchied von dieſer ſtillen Heimath des Friedens, die auch unſern Herzen Frieden ge⸗ geben hatte. Mit ganz andern Geſinnungen und Empfindungen, geſtaͤrkt und erhoben nehm⸗ lich, ſtiegen wir auf demſelben ſteilen Felſen⸗ pfade in den Dunſtkreis der Erde herab, um das alte Geleiſe wieder aufzuſuchen, von dem wir uns nur auf Tage hatten trennen duͤrfen. Und ſo bewaͤhrte es ſich auch an uns, wie auch der Menſch freundliche Fußſteige aufſucht, ſeinem Schmerz aus dem Wege zu gehn und neue und unbekannte Blumen zu pfluͤcken,— er muß doch wieder zuruͤck auf die ausgefahrne Landſtraße des Lebens, wo nur die ſtrenge Pflicht aus bittern Bluͤthen bricht und der Staub der Welt ſo oft die ſchoͤne Ausſicht verdunkelt, die dem Pilger Muth und Freudigkeit verleiht, den muͤden Fuß weiter zu ſchleppen. Doch bleibt ihm ein Troſt. Werde auch das Er⸗ denziel verdunkelt, der Stern der Liebe und des Glaubens ſcheint ja in die truͤbe Nacht ſeines Lebens und leitet ihn, wenn er nur treu ausharrt und ſich durch Nichts irre machen laͤßt, doch endlich zu dem Morgenroth, wo das Irdiſche ſich verklaͤrt und verherrlicht ſieht. ſch! wie Stad hen! ter gen ſch keine Crar ringe So len d ſchlag rann bracht bait mein füͤle mein Kehle renm und nach Freu ds nge⸗ ngen ehm⸗ elſen⸗ um mwit Und h der einem neue er uhrne renge Staub inkelt, leiht, Doch . Er⸗ und Nacht treu ſachen wo ſieht. *r**re, den 8. Aug. Es iſt ein Gluͤck, mein Theuerſter! daß ich noch nicht das Schreiben verlernt habe; wie wuͤrde es mir ſonſt in dieſer winzigen Stadt, die in einem Sandmeere liegt, erge⸗ hen! Ich muͤßte ja vor Langerweile ein Dich⸗ ter werden, oder des Todes ſeyn. Sie ſchla⸗ gen mir intereſſante Buͤcher vor. Dieſe haben ſich aber in die hieſige ſchmutzige Leihbibliothek keinesweges verirrt. Hier herrſcht Spieß und Cramer, der außer ſeinem Kriegsliede„Feinde ringsum“ nicht viel Kluges geſchrieben hat. So eben habe ich die Reiſe durch die Hoͤh⸗ len des Jammers vollendet und bin wie zer⸗ ſchlagen an allen Gliedern. In meiner Angſt rannte ich zum Prediger des Orts, doch er brachte mich durch die ausgeſuchtetſte Hoͤflich⸗ keit bald wieder zum Hauſe hinaus, ohne meine Bitte um ein vernuͤnftiges Buch zu er⸗ fuͤllen. Oder ſoll ich die Laute ſpielen? Doch meine Finger ſind ſteif geworden und die heiſre Kehle nur zu Kriegsliedern, die eine Janitſcha⸗ renmuſik verlangen, geſtimmt. Die einzige und ſchoͤnſte Quelle meiner Freuden bleibt dem⸗ nach immer die Dinte. Sie fließe denn dem Freunde. Mein letzter Brief wurde Ihnen aus Schle⸗ ſien, als ich eben im Begriff war, den ehr⸗ wuͤrdigen Zobtenberg zu beſteigen. Die truͤbe Stimmung, in der ich ihn ſchrieb, gewann durch dieſe kleine Epiſode meines Heldengedich⸗ tes ein Ende und, Gott ſey Dank, ſie iſt nicht wieder gekommen. Doch kamen noch an⸗ dre Pruͤfungen, mich ganz in das Soldatenle⸗ ben einzuweihen. Auch ſie hab' ich uͤberſtan⸗ den und bin mit meinem Looſe jetzt ganz zu⸗ frieden. Die Idee, freiwillige Jaͤgerkompagnien den verſchiedenen Regimentern zuzugeſellen, iſt an ſich nicht uͤbel. Ich dachte mir das Leben un⸗ ter gebildeten, vom Guten ergriffnen, froͤhli⸗ chen und anſpruchloſen Juͤnglingen ganz herr⸗ lich und ſprach darin nur Ihre Anſicht und Hoffnung aus. Doch, wie es ſo oft den lie⸗ ben Ideen geht, ſie ſind dem Erdenleben fremd und nur in der innern Welt einheimiſch. Treten ſie in die Wilrklichkeit, ſo kontraſtiren ſie ſo gewaltig mit dem gewoͤhnlichen Schlen⸗ drian des Lebens, mit dem verſauerten Her⸗ koͤmmlichen, mit der wichtig thuenden Ober⸗ flaͤchlichkeit und der anmaaßenden Gemeinheit der Erfahrung, daß ſie entweder wieder ganz „ zwruͤ boren. müſſ untrhi Gren⸗ Uager te, lich er F lebene wette ned? kein Gott Schle⸗ n eht⸗ truͤbe rwann gedich⸗ ſee iſt dch an⸗ atenle⸗ erſtan⸗ ind zu⸗ len den iſt an en un⸗ froͤhli⸗ heer⸗ jt und eenn lie⸗ enleben eimiſch. raſtiren Schlen⸗ n Her⸗ Ober⸗ neinheit er gang zuruͤcktreten in die heilige Tiefe, in der ſie ge⸗ boren wurden, oder ein Gewand anziehen muͤſſen, das wie ein Schlafrock an ihnen her⸗ unterhaͤngt, oder wie ein Trauermantel, oder ſie wie eine Schnuͤrbruſt einengt, daß ſie unter Martern vergehen moͤchten. Aehnliches hat obige Idee erfahren. Sie geht zum Theil im Schlafrock, zum Theil im Trauermantel einher. Das hat freilich ſeine guten Gruͤnde. Erſtlich verſtehen die Fuͤhrer, die den Freiwil⸗ ligen gegeben worden ſind, es in der Regel nicht, ſie zweckmaͤßig zu behandeln. So man⸗ cher wackre und tuͤchtige Hauptmann, der ein Donnerwetter nach dem andern an dem Hori— zont ſeines Eiſenfreſſergeſichts aufbluͤhen laͤßt und damit die armen Musquetiere in den Grenzen des Anſtandes erhaͤlt, weil aus jenem Ungewitter doch ein Blitzſchlag ſie treffen koͤnn⸗ te,— ein ſolcher Hauptmann ſieht ſich ploͤtz⸗ lich in ein ganz fremdes Gebiet verſetzt, wenn er Freiwillige fuͤhren ſoll. Denn die luſtigen, lebensfrohen Juͤnglinge fuͤrchten ſeine Donner⸗ wetter nicht, ſondern ſehen darin blos ein fer⸗ nes Wetterleuchten, das die Luft abkuͤhlt, weil kein Schlag ſie ſelbſt treffen darf. Du lieber Gott! ein Offizier aus der Schule des alten Deſſauer, und darf und ſoll nicht ſchlagen ſondern belehren, ermuntern, vergeben 1n⸗ durch Strafwachen zuͤchtigen! Wie ſtimmt das? Und weil es nicht ſtimmt, ſo macht ſo mancher geſtrenge Herr durch Schimpfen ſeinem Her⸗ zen Luft und wird gemein, grob und unan⸗ ſtaͤndig. Weil er uͤberdies unter ſeinem Volke (eine gewoͤhnliche Benennung der Freiwilligen) ſo manchen Bruder Studio wittert, ihm ſelber an Kenntniſſen und Bildung weit uͤberlegen ſo iſt er mißtrauiſch und vornehm, und ſucht ſo viel Surrogate wie moͤglich zuſammen um ſich den ſogenannten Reſpect zu erhalten, Es iſt komiſch, ihn in dieſem fremdarti en Schmucke einher wandeln zu ſehen. d4 er ſich noch, wie er waͤre, ſo ließe man ſich ſein Weſen wohl gefallen, denn der Krieg ſelbſt iſt ja der groͤbſte Geſelle, den man denken kann; will er aber ungluͤcklicherweiſe mehr ſeyn als er iſt, nimmt er es ſich heraus, die Wiſſen⸗ ſchaften zu richten, wird er ungerecht gegen ganze Staͤnde, laͤßt er Einen an ſeinem ven ſchimmelten Adelsdiplom riechen, haͤlt er es bei ſeiner inner erhei i ſ ern Leerheit fuͤr eine Strafe, Frei⸗ willige zu fuͤhren, ſehnt er ſich nach dem Ka⸗ maſchendienſz zuruͤck, der ihm den ſuͤßen Hebel, den Stt truͤbem rung i ſondeun Ehte fir ein Schimy liebet“ gemißhe Behand nur nie Beleid delt. keinen ſreiwill lluge 4 tors zü Fuau T voll ve Handl ger un ſe kuͤh den Fe gie, ſ Leute; ſie ſtel plagm, en und t das? ancher Her⸗ unan⸗ Dolte, ſiligen) ſelber elegen, d ſucht ammen, rhalten. artigen häͤbe er ich ſein löſt iſ kann; „ als Wiſſen⸗ gegen in ver⸗ es bei Frei m Ka⸗ Hebel, ——— 7 — 95— den Stock zu fuͤhren, erlaubte; ſieht man's mit truͤbem Blicke, daß kein Funke von Begeiſte⸗ rung in ihm lebt, keine Liebe, kein Glaube, ſondern daß er das traurige Goͤtzenbild, die Ehre blos anbetet und dieſen heiligen Krieg fuͤr eine Ehrenſache haͤlt, um hoͤchſtens den Schimpf bei Jena auszuloͤſchen:— dann, lieber***! hat die Geduld ein Ende und der gemißhandelte Wurm kruͤmmt ſich gegen eine Behandlung, die ihn empoͤrt, weil er ſie nicht nur nicht verdient, ſondern weil ſie auch den Beleidiger ſelbſt auf's tiefſte entehrt und beſu⸗ delt. Zweitens aber koͤnnen Sie ſich auch keinen gemiſchteren Haufen denken, als ein freiwilliges Jaͤgerdetachement. Naſeweiſe, alt⸗ kluge Knaben, aus Tertia der Ruthe des Rek⸗ tors zu fruͤh entlaufen; Lehrjungen, die der Frau Meiſterin die Kinder warten mußten und voll von gemeinen Spaͤßen ſitzen; vornehme Handlungsdiener, mit einem Solitair am Fin⸗ ger und einer Brille auf der Naſe, mit der ſie kuͤhn und unerſchrocken und wie blind auf den Feind losgehen; Kandidaten der Theolo⸗ gie, ſo wie ich zum Beiſpiel, ſelide, ſtille Leute; renommirende Burſchen aus— ſie ſtehen Mann an Mann und ſehen aus, 1 als waͤren ſie aus einem Guß geformt. Wohl eine ſchwere Aufgabe fuͤr den Fuͤhrer derſelben, Allen Alles zu ſeyn, jeden Einzelnen nach ſeiner Individualitaͤt zu nehmen, bald mit offnen Au⸗ gen nichts zu ſehen, bald mit den hatb geoͤff⸗ neten ſein ganzes Verhaͤltniß zu uͤberſchauen. Aber eben deswegen, weil ſo manches raͤudige Schaf unter dieſer Heerde iſt, ſo mancher Va⸗ gabond, der in einem Jaͤgerdetachement ein willkommnes Aſyl erblickte und fand, das ihn noch eine Zeitlang vor dem Zuchthaus retten ſoll, ſo mancher an der Luſtſeuche kraͤnkelnde Suͤnder, der ein ruchloſes Leben durch die Ku⸗ gelbuͤchſe heiligen will und mit frechem Ueber⸗ muth Geſchichten zu erzaͤhlen weis, die einen an dem goͤttlichen Ebenbilde im Menſchen irre machen: eben darum war es und iſt es Pflicht, gerade die beſten, weiſeſten, an Erfahrung reichſten Offiziere zu Fuͤhrern von ſo gemiſchten Haufen zu waͤhlen, nicht aber den erſten be⸗ ſten, der zwanzig Jahre lang Rekruten zu Helden umgeſchaffen zu haben, ſich ruͤhmen kann. Ein Vater dieſer leicht verfuͤhrbaren, leicht zu entzuͤndenden Menge muß er ſeyn wollen, ganz durchdrungen von dieſem wichti⸗ gen Berufe, in ihm lebend und webend, aber nicht Läübel er no qize, allnäh ihm 9l Menſc aber kann, i; d ſeen, verbin len ur Anſeh. Man daß n Offhie falle licht zu m hare Dienſ eine g und T in der ſich i . Tohl erſelben, ch ſeiner nen Au⸗ d geoff, ſchauen. uuͤndige cher Va⸗ nent ein das ihn 8 retten räͤnkelnde die Ku⸗ n Ueber⸗ die einen ſchen itre Micht, efahrung ꝛmiſchten rſten be⸗ ruten zu tühmen thrbaren, er ſeyn n wichti⸗ nd, aber 1 nicht ein Herr, der in ſeinen Untergebenen Leibeigene ſieht. Will er jenes ſeyn, ſo findet er wohl empfaͤngliche Herzen, und der roh'ſte Jaͤger, auch der fruͤh're Zierbengel, fuͤhlt ſich allmaͤhlig an den Mann gefeſſelt, wie von ihm angezogen, der in dem Menſchen den Menſchen ehrt, der ſtreng, aber gerecht, ernſt, aber milde iſt, der ſtrafen, aber auch vergeben kann, eben weil er kein Neuling in der Welt iſt; der mit einem Achtung erweckenden Aeu⸗ ßern, ein menſchenfreundliches, frohes Herz verbindet und mit der Jugend zu Zeiten ſpie⸗ len und ſcherzen kann, ohne zu fuͤrchten, ſein Anſehn werde dadurch zu Grunde gehn.— Man wollte beiden Uebeln dadurch abhelfen, daß man den Freiwilligen erlaubte, ſich ihre Offiziere aus ihrer Mitte zu erwaͤhlen. Eben⸗ falls eine gute Idee, doch wie iſt ſie verwirk⸗ licht worden! Wer ſich der Menge angenehm zu machen wußte, ſey es durch eine unverſieg⸗ bare Quelle des Witzes, durch unermuͤdliche Dienſtfertigkeit und Freigebigkeit, oder durch eine gewiſſe Herablaſſung, wo man Hochmuth und Vornehmthuerei fuͤrchtete, ein ſolcher wurde in der Regel zum Offizier gewaͤhlt, weil man ſich in ſeinem Zuge ein herrliches Leben ver⸗ 7 — 98— prach. T itzi ſprach. Doch der witzige, humane, freigebige hoͤchſt liebenswuͤrdige j Kameraden die de ſee, anne der zeden wurde ploͤtzlich vornehm, kalt dohden hans, 5 ſich ſeiner Bruͤder und uuue noß, ihn vi Gernuae bir Augen mit dem Baürnas, 8 17 du zu begruͤßen, weil ein oͤffentlich zen leicht Anſtoß erregen koͤnnte. Kurz der gute gute Menſch konnte ſich mit ſeiner Silber⸗ treſſe nicht in ſein Gluͤck finden Wie . 8 ein r h bejervolk, den Huͤhnern, einher ge „ei t belie eid chin homo novus, d Fihend w 1 ero in der Schule gemißhandel er echtd iß geſchrieben hatte, unter der We Lenen unhe und mit dem feinern dn D Lehe, e ee be in eenaae eeha dee orniſter bree Dlauten Sie nicht, beſter iee wihhen Gemaͤlde. als deſennazedeihe ue die j aiment ka 1 d dffhhefe laͤngſt gewaͤhlt worden und ve⸗ eenun ich alles Amnbiren um eine Stelle 8 Jeeate d und Speichellecken und will lie⸗ derna 3 ger bis zum Frieden oder Grab „ehe ich mich durch die Treſſe um d Lieb uͤber C Hal war woni rend dente gel bedau mir ſeine ſpiel ihn weite vorzuͤ Nach tundi haup Ich gelo Doch quem und Loos Zeit eigebige, er jedem z hatte, grob, 's aus, ertrauli⸗ fentliches Rurz, der Silber⸗ Wie ein dem Ple⸗ ſo wan⸗ ruͤher den ſelt, oder den Ple⸗ Nock und die alte geſeſſen kund! der dus dieſem in, waren den, und eStelle, wilſl lie⸗ der Grabe e um die Liebe meiner Kameraden bringe, die erbittert uͤber ihre eigne Wahlen ſind. Ich hielt endlich das Benehmen unſers— Hauptmannes nicht laͤnger aus. Unertraͤglich war mir's, unter die Kanaillen zu gehoͤren, womit er uns oft anzureden beliebte. Empoͤ⸗ rend war es, ihn ſtets auf die Herren Stu⸗ denten ſchimpfen zu hoͤren, die er wegen Man⸗ gel an Stiefelwichſern und Bedienten herzlich bedauerte. Ganz gegen das Voͤlkerrecht erſchien mir ſein beißender Spott, ſein finſtres Geſicht, ſeine Launen, ſein zu Zeiten zierliches Mienen⸗ ſpiel. Doch wie ich mich daruͤber auch gegen ihn erklaͤrte, ſo richtete ich doch damit nichts weiter aus, als daß er von der Zeit an mich „worzuͤglich in's Auge faßte, kleine Fehler und Nachlaͤßigkeiten in dem mir noch nicht ganz kundigen Dienſte hart beſtrafte und mir uͤber⸗ haupt ſein ganzes Uebergewicht fuͤhlen ließ. Ich ertrug Alles geduldig und ſtandhaft, und gewann dadurch an Weisheit und Erfahrung. Doch nahm ich mir feſt vor, bei der erſten be⸗ quemen Gelegenheit mein Regiment aufzuſuchen und mit ihm, wie ich hoffte, ein guͤnſtigeres Loos zu treffen. Allein, weil das fuͤr die erſte Zeit rein unmoͤglich war, ſo ſchloß ich mich fuͤr 1 — —————ͤͤͤöͤn leben. — 100— den Augenblick an das Detachement eines Re⸗ giments an, das Befehl erhalten hatte, nach Berlin zu marſchiren, um die Armee des Ge⸗ neral von Buͤlow zu verſtaͤrken. Hier hoffte ich beſtimmt, mein Regiment zu finden. Wir verließen alsbald die Schatzkammer des preußiſchen Staates, wie man Soͤlleſien wohl zu nennen pflegt, und machten einen un⸗ geheuren Umweg, um nach den Marken zu kommen, weil bis zur Oder die franzoͤſiſche Vorpoſtenlinie ſtand, die wir natuͤrlich nicht beruͤhren durften. Wir näherten uns, Bres⸗ lau zur Linken liegen laſſend, wo ich einſt ſo frohe Tage genoſſen und das ich ſo gern wie⸗ der beſucht haͤtte, der polniſchen Grenze, wo die ſogenannten Waſſerpolaken wohnen. Unter ihnen habe ich denn doch auch einen Begriff von Polen bekommen, und mich verlangt wahr⸗ lich nicht nach dieſer großen Arche Noah's, wo alle Thiere in der groͤßten Vertraulichkeit mit dem Menſchen, und gegenſeitig von einander Gleich mein erſtes Quartier in dieſer unwirthlichen Gegend, wo die Doͤrfer wahrlich nicht an Arkadien erinnern und die Lehmhuͤt⸗ ten Schwalbenneſtern gleichen— war ſo be⸗ ſchaffen, daß ein Platzregen, was ſage ich, — — — — —— ein ihm das biuou pie aufßur dieſer ein ſobal näͤher liche ſtoßt Pole ti g denn nirge und gen liebt und ßen, nur fuͤrch ſchaf Stͤ jehe arken zu nzöͤſiſche ich nicht „ Bres⸗ einſt ſo ern wie⸗ ne, wo 1. Unter Vegtiff It wahr⸗ ahs, wo hkeit mit einander in dieſer wahrlich dehmhuͤt⸗ r ſo be⸗ ſage ich — 101— ein Wolkenbruch dazu gehoͤrt haͤtte, um von ihm angezogen zu werden. Nun war es aber das ſchoͤnſte Wetter, weshalb ich am Hauſe bivouakirte, um nicht aͤhnliche Empfindungen, wie auf dem Ruͤckzuge von Bautzen in mir aufzuregen.— Welch ein Unterſchied zwiſchen dieſem Volke und den benachbarten Schleſiern! ein Unterſchied, der ſogleich in's Auge faͤllt, ſobald man ſich dem Flußgebiet der Weichſel naͤhert. So ſehr die Gemuͤthlichkeit und Rein⸗ lichkeit des fleißigen Schleſters anſpricht, ſo ſtoͤßt die Tuͤcke und Unreinlichkeit des traͤgen Polen ab, und iſt auch jener freilich nicht kraͤf⸗ tig genug, was wohl in der Lebensart liegt— denn ſo viel Leinweber wie hier, habe ich noch nirgends angetroffen;— iſt er auch weichlich und verzagt, ſo ſoͤhnen doch ſeine anderweiti⸗ gen Tugenden gern mit ihm aus; denn er liebt Schleſten, ſein Vaterland, uͤber Alles und nennt ſich deshalb auch nicht einen Preu⸗ ßen, ſondern ſieht in dem Koͤnig von Preußen nur ſeinen Herzog; er iſt fromm und gottes⸗ fuͤrchtig im Allgemeinen und niedern Leiden⸗ ſchaften weniger ergeben, als die germaniſchen Staͤmme, die z. B. als ſtarke Trinker von jeher beruͤchtiget geweſen ſind. Selten ſieht — 102 man den Schleſier trunken, eben ſo ſelten der Wolluſt ergeben. Mit einem Worte, be⸗ ſter*** mir gefaͤllt Schleſien, das ich jetzt zum zweitenmale habe kennen lernen. Selbſt der Dialekt der Schleſier hat etwas ungemein Gemuͤthliches und Vertrauliches, und ihre Pro⸗ vinzialismen ſind eben ſo bilderreich und be⸗ zeichnend, wie ihre Kleidung geſchmackvoll und einfach. Wir kamen endlich nach hoͤchſt beſchwerli⸗ chen Maͤrſchen in Berlin an. Ich habe auf dem Marſche ſelbſt leider wenig beobachten koͤnnen. In Sektionen laͤßt ſich's nicht gut reiſen. Auf der erſten Meile, wo die Fuͤße noch ruͤſtig und die Kraͤfte noch friſch ſind, blickt man wohl beobachtend umher und hat noch Sinn fuͤr die aͤußern Umgebungen, aber allmaͤhlig geht Jeder ſtumm oder doch einſyl⸗ big neben dem Andern hin, und es thut wahr⸗ lich von Zeit zu Zeit Noth, die Trommel zu ruͤhren, um durch den Takt wieder in den Takt zu kommen. Hin und wieder wird auch wohl ein Kriegslied geſungen, unisono ver⸗ ſteht ſich, bis endlich doch der Torniſter, dies nothwendige Uebel, gar zu ſchwer wird, und alles Sehnen und Streben auf das freundliche Oduic drer) Nuhele tetnde Päffen befteit B zes A in de Verzi mein Dra fen üin ten der e, be⸗ ich jet Selbſt gemein ſe Pro⸗ lnd be⸗ poll und chwerli⸗ be auf bachten ſcht gut ſe Füͤße ih ſind, und hat „ aber einſyl⸗ wahr⸗ mel zu in den ad auch 9 ver⸗ , dies , und undliche — 103— Doͤrſchen gerichtet iſt, das dem muͤden Wan⸗ drer Ruhe und Erquickung verſpricht. An den Ruhetagen wird geſchlafen, oder die verwit⸗ ternde Garderobe, ſamt den erblindenden Waffen, vom Ueberfluͤßigen und Mangelhaften befreit. Berlin fanden wir gedraͤngt voll. Ein gan⸗ zes Armeekorps lag daſelbſt. Ich leiſtete daher in den zwei erſten Tagen auf ein Quartier Verzicht und bezog einen Gaſthof, weil mich mein erſter Wirth, ein Lumpenfahrer in der Dragonerſtraße, faſt zum Hauſe hivausgewor⸗ fen haͤtte, und der folgende, ein Bouteillen⸗ fahrer, auf dem Sterbebette lag und mir mei⸗ nen Platz an ſeinem Lager anwies. So wan⸗ derte ich in der rieſigen Stadt mehrere Stun⸗ den umher, und gab es endlich auf, mich ver⸗ pflegen zu laſſen, weil ich kaum mehr von der Stelle konnte und mich auch nicht mit der Re⸗ ſidenz im Herzen entzweien wollte; denn ſchon ſchwebte mir ein, fuͤr einen Kandidaten un⸗ ſchicklicher Fluch auf der Zunge. Am dritten Tage entſchloß ich mich denn endlich, mein gleich zu Anfang des Krieges erwaͤhltes Regiment aufzuſuchen; denn den zweiten Tag machte ich mich einmal wieder — 104— zum Reichsfreiherrn und gehorchte Niemandem als meiner Boͤrſe, die mich nach Charlotten⸗ burg verleitete, wo ich das einen jeden Preu⸗ ßen erſchuͤtternde Mauſoleum beſuchte, und der zu fruͤh vollendeten Mutter eine Thraͤne ganz in der Stille weihte. Ach! daß ſie nach Gottes Willen ſo fruͤh ihren Kindern entriſſen werden mußte, die in ihr eine Heilige ſahen und den Schutzgott ih⸗ res Landes! Welche Genugthuung fuͤr ihre Leiden und Opfer wuͤrde ihr die Erhebung ih⸗ res Volkes geben! Mit welcher Begeiſterung wuͤrde Louiſe alle ihre Ritter erfuͤllt, wie thaͤ⸗ tig wuͤrde ſie fuͤr ſie gewirkt, welchen Balſam in die Wunden der Sterbenden getraͤufelt ha⸗ ben! Wie wauͤrde nicht ihre Engelsmilde alle Tugenden des Volkes erhoͤht und gereinigt ha⸗ ben! Denn noch als verklaͤrter Geiſt, als Idee lebt Louiſe in den Herzen der Mil⸗ lionen, die ſie als Sterbliche einſt faſt angebetet haben. So nur laͤßt ſich die Sage rechtfertigen, die allgemein im Volke herrſcht, ſie ſey nicht todt, ſie werde naͤch⸗ ſtens den ſehnenden Millionen vor Augen tteten und ihre Lieben durch Leben belohnen. Nicht wo ih zühlle Sityel iiole ben; und 3 ſey, leons, zu ret burg wenn und! ſe in und i hoͤren che T ſer E Volt von ten geleg ten, Darl reiſen weil andem. rlotten, Preu⸗ nd der Hanz ſo frih die in Pott ih⸗ —t ihre ug ih⸗ ſterung ie thaͤ⸗ alſam felt hau de alle igt ha⸗ , als Mil⸗ t faſt h die Volke naͤch⸗ Augen ohnen. — 105— Nicht der einzelne Krieger, nein, lieber 1*½ wo ich jetzt nur hingekommen bin, uͤbexall er⸗ zaͤhlte es der Eine dem Andern unter dem Siegel der Verſchwiegenheit und mit geheim⸗ nißvoller Miene: die Koͤnigin ſey nicht geſtor⸗ ben; eine Wachsfigur, ihr ähnlich an Geſtalt und Zuͤgen, ruhe im Sarge; ſie ſelbſt aber ſey, um ſich vor den Nachſtellungen Napo⸗ leons, der ihr verbrecheriſche Liebe angemuthet, zu retten, in tiefer Verborgenheit nach Peters⸗ burg geflohen, wo ſie noch lebe; bald aber, wenn der Tyrann aus dem Felde geſchlagen und von ihm nichts mehr zu fuͤrchten ſey, werde ſie im Triumphzug unter ihre Kinder treten und ihnen von neuem als treue Mutter ange⸗ hoͤren.— Welche innige Liebe des Volks, wel⸗ che Verehrung ihrer Tugenden herrſcht in die⸗ ſer Sage, die nicht erfunden, ſondern im Volke geboren worden iſt, und wie feſt wird von Tauſenden daran geglaubt! Kein Strei⸗ ten dagegen hilft; man ſieht da einen tief an⸗ gelegten Plan des Koͤnigs und ſeiner Vertrau⸗ ten, wo Gottes Schickung entſchieden hat. Darum mußte die Angebetete nach Strelitz reiſen und in Hohenzieritz ſcheinbar ſterben, weil in Berlin die Ausfuͤhrung des Planes an ter geſcheitert ſeyn darum die eloſigkeit des Koͤnigs, er in der Bluͤthe ſeiner Jahre ſteht, F Liebe zwiſchen Preußen und Ruſſen, oͤnigin unter dieſen Schugpefunden. ſelbſt ruſſiſche Offiziere geſprochen, feſt an dieſe Sage glaubten. Nicht ffe Wehmuth denke ich an den Tag, der de Vaterlande die Freiheit geben wird. Dann wird man von einem Tage zum andern die Ankunft der Schutzgoͤttin erwarten— und ſie wird nicht kommen, eben ſo wenig wie Schill, der auch noch mit Gewalt leben ſoll. Dann werden die Tauſende aus ihrem ſuͤßen Traum geweckt werden und die Wirklichkeit wird ihnen leer erſcheinen, weil die Seele feh⸗ len wird, die jetzt an andern Altaͤren vor Gott anbetet und als ſeliger Engel vom Himmel herab die Ihrigen ſegnet und fuͤr das Gute und Wahre, Heilige und Ewige entzuͤndet.— Ich weiß nicht, ob Ihnen ſelbſt jene Sage bekannt iſt, aber das weiß ich, daß Sie wie Alle, gern Ihren Verſtand gefangen nehmen werden, um einem Glauben zu huldigen, der das Herz begluͤckt und ſelbſt, wenn er einſt als nichtig erſcheint, eine Stimmung zuruͤcklaſſen der Menge der Beof witd, wahren Jc gſſaht Üebensl ſiine das be digen, der de ein A Obriſ und einge mich lin mich chen. eg d und denr gleit tt ſenn Königs ſe ſteht, fuſſen, funden. prochen, Nicht n dag, in wird. andern — und lnig wie den ſoll. — ſuͤßen klichkeit tele feh⸗ zr Gott Himmel Gute det.— Sage die wie dehmen 1, der nſt als cklaſſen — 107—. wird, die die Sieger vor Ausſchweifungen be⸗ wahren duͤrfte.——— 2 Ich bereue es nicht, mein deegin auf⸗- geſucht zu chaben. Unſer Hauptmann iſt ein lebensluſcter Muͤnu une⸗Mͤchtiger Soldath der ſeine Jaͤger recht gut zu lenken verſteht und das bewegliche Teben derſelben theils zu wuͤr⸗ digen, theils unſchaͤdlich zu machen weiß und der deswegen wohl bei manchen ihrer Unarten ein Auge zudruͤckt. Dagegen habe ich an dem Obriſtlieutenant, den ich fuͤr den gebildetſten und humanſten Mann hielt, einen ſtolzen und eingebildeten Fuͤhrer erhalten. Er erkannte mich auf der Parade— es war noch in Ber⸗ lin— winkte mir ſehr gnaͤdig und verlangte mich gleich nach Beendigung derſelben zu ſpre⸗ chen. Ich fliege zu ihm, klopfe an und auf ein donnerndes„Herein,“ oͤffne ich die Thuͤr und nehme mein Czakot ab. Da hatte ich denn zwei grobe Fehler begangen, wie ich ſo⸗ gleich erfuhr und ſchon laͤngſt haͤtte wiſſen koͤn⸗ nen, wenn es moͤglich waͤre, das ſogenannte Zopfſyſtem im Gedaͤchtniß zu behalten.„Warum klaufen. Sie denn an und nehmen den Deckel ahgbebrummte er mir entgegen.„Weil ich es fuͤr ein Zeichen der Hoͤflichkeit halte,“ ſiotterte — 108— ſah mich nach einem ehrenvollen Ruͤ um, weil ich in der That den Anblick die ſes Helden kaum ertragen konnte.„Ei was, was geht den Soldaten die Hoͤflichkeit an,“ donnerte ermals,„der Soldat muß grob ſeyn.“ 82 Dies hoͤrend ſtuͤlpte ich flugs das Czakot auf, nahm eine kriegeriſche Stellung N. die Haͤnde ag⸗die Huͤften und weaa n auf ihn mit den Worten: „was ehlen der Her ieutenant?“ Ein Läͤcheln zuckte an d Lippe. Er fragte darauf, wo ich geſtecht h ob ich Geld wollte und brauchte, Und fötderte mich auf, den Bibelhuſaren auszaexeiben, ſo wie Sim⸗ ſon einſt mit einem Eſengkinnhacken tauſend Philiſter erſchlͤgen habe. waͤhrend der Zeit wie ein Stock und als er mich ent⸗ ließ, ſtampfte ich mit dem Hufeiſen den Bo⸗ den, drehte mich um und ging, ohne ein Wort zu ſagen, zur Thuͤr hinaus, eingedenk ſeiner Bemerkung, der Soldat muͤſſe grob ſeyn.„So iſt's recht, nun es wird nach und nach ſchon gehen,“ ſchrie er mir nach, und ſchien mit mei⸗ nem ploͤtzlich gewonnenen Anſtande ſehr zufrie⸗ den zu ſeyn. Jetzt lache ich uͤber dieſen an ſich unbedeutenden Auftritt, doch iſt es ſchmerz⸗ en R blics die E was, it an,“ uß grob ugs das Sulung ten und Worten: **Ein er fragte ich Geld ich auff e Sim⸗ tauſend waͤhrend ſich ent⸗ ſen Bo⸗ in Wort at ſeiner nn.„So ch ſchon nit mei⸗ zufrie⸗ eeſen an ſchmerz⸗ nach meiner Meinan „habe ich deswegen den Muſen keinesweges den — 109— ft, zu ſehen, wie ein Regimentsfuͤhrer an olchen Kleinigkeiten haͤnge, als ſaͤße der Sol⸗ dat im Grobian und als koͤnne nicht ein Menſch, der an die Thuͤre klopft, um ſeine Hoͤflichkeit zu beweiſen, zur andern Zeit ſo grob ſeyn, einen Franzoſen todt zu ſchießen und mit nach Paris zu marſchiren. Uebrigens habe ich mich nun ſchon recht gut in mein Verhaͤltniß gefunden. Mir ſchmeckt das Kom⸗ mißbrod eben o aut; wie der himmelblaue Korngeiſt, vor dem ich fruͤher, wie vor einem Geſpenſte lief,, dund Ppluhe Sachſen“ knellert nicht im Gernagef nd ruhig, als ich ein⸗ mal einen Saͤck r Schuhe aus dem Me gazin zum ann tragen⸗mußte, obgleich es im Angeſicht von halb Berlin geſchah. Doch Ich blieb unbefange Abſchied gegeben, bin vielmehr in Berlin eine Zeitlang auf meine eigne Hand ein Trouba⸗ dour geweſen. Auch das Theater beſuchte ich 14 fleißig und habe Wilhelm Tell und die Braut von Meſſina geſehen. Ich hatte keine recht deutliche Vorſtellung von der Darſtellung des griechiſchen Chors, auf der modernen Buͤhne. Daher wurde ich von dem unbeſchreiblichen 1 1 8 — 8 S — 110— Eindruck, den er auf das Gemuͤth macht, nicht nur uͤberraſcht, ſondern auch tief ergriffen. Denken Sie ſich eine dreißigfach verſtaͤrkte Menſchenſtimme, und Sie werden das„Wehe,“ das der Chor ausſpricht, ermeſſen koͤnnen. Doch wird die fortſchreitende Handlung nur von den Choriphaͤen begleiter und nur die Re⸗ flexionen vom Chor ſelber ausgeſprochen. Zur Abwechſelung ging ich mit einer Familie, der ich empfohlen worden war, in ein Liebhaber⸗ theater, wo ein ruͤhrendes Luſtſpiel gekantſchuet wurde,— die beruͤhmte Clementine von der Frau von Weiſſenthurn— dergeſtalt, daß ich mich ſchnell in's Freie begeben mußte, um in der anſchwellenden Fluth von Wehmuthsthraͤnen nicht Schiffbruch zu leiden. Nach ungefaͤhr acht Tagen und druͤber, verließen wir Berlin, um durch unſre Gegen⸗ wart das Staͤdtchen gluͤcklich zu machen, in dem wir jetzt hauſen. Wahrſcheinlich werden Thraͤnen genug geweint werden, wenn wir weiter ziehn. Doch—„laß fahren dahin, laß fahren!“ Wir liegen unſrer zehn bei einem duͤrftigen Buͤrger, wo es denn ſchmale Biſſen giebt. Zu Bett! zu H Treun ſagen müͤden Federn zimme Heube kriecht vor d Doch und wiede dings tigen Leben um n welde hang doch her, heten detſele das r die 2 bacha ct, richt ergriffen. verſaaͤrtte Wehe,“ koͤnnen. ung nur die Re⸗ n. Zur lie, der ſebhaber⸗ antſchuet von der daß ich um in dthraͤnen druͤber, Gegen⸗ hen, in werden denn wir hhin, laß ͤrftigen ſiebt, Ja — 111— Bett kann hier Niemand gehen, ſondern nur zu Heu und Stroh, wie ich denn ſeit meiner. Trennung von Ihnen, Betten nur vom Hoͤren⸗ ſagen kenne. Ach! wie beneide ich oft den muͤden Reichen, der ſeine Glieder in elaſtiſche Federn huͤllen darf, waͤhrend ich, weil's im Zimmer zu warm iſt, mit den Andern auf den Heuboden wandre, um dort in einen Sack zu kriechen, nicht um Buße zu thun, ſondern um vor dem feinen Heuſtaub geſichert zu ſeyn. Doch man wird am Ende Alles gewohnt— und ſo denke ich, kann man ſich auch Alles wieder abgewoͤhnen; denn ſonſt ſtaͤnde es aller⸗ dings uͤbel um den— wie Gott will— kuͤnf⸗ tigen Seelenhirten, der hier ein gar weltliches Leben fuͤhrt und eigentlich wohl fuͤhren muß, um nicht ein Spott der uͤbrigen Weltkinder zu werden, die uͤbrigens mit großer Liebe an mir hangen. Wir haben hier faſt taͤglich Baͤlle, doch geht es auf denſelben ſehr ungezwungen her, weil unſre Schoͤnen beſonders darum ge⸗ beten haben. Sie, wie wir, treten auf jedem derſelben aus der Zwangsanſtalt heraus, in die das neidiſche Gluͤck uns geworfen. Wir ſtellen die Buͤchſe, ſie den Beſen bei Seite, um in bachantiſchem Jubel die Muͤhſeligkeiten des Le⸗ — 222— bens theils zu vergeſſen, theils zu mildern. Meine Einbildungskraft kommt mir dabei zu Huͤlfe, denn ich kann mich in ſolchen Augen⸗ blicken ſo ſehr in die Vergangenheit hintraͤu⸗ men, daß ſich die ſparſamen Talglichter in Kronleuchter und die Bajaderen in geſchmuͤckte Fraͤuleins verwandeln, die aus reiner Gnade und Barmherzigkeit ſich entſchließen, mit dem kuͤhnen Bewerber herumzufliegen. Es iſt auch am Ende alles daſſelbe, ob einer Luſt mit mehr oder weniger Anſtand gefroͤhnt wird, und— ſtille Waſſer ſind gewoͤhnlich am tiefſten. So trifft es denn recht bei mir ein, daß jeder Menſch eigentlich ein Herkules ſeyn muß, ehe er reif zur Vergoͤtrerung wird. Erſt muß er hinein in den Augias⸗Stall des Lehens und mehr als ein Wunder thun; muß hinunter in die Un⸗ terwelt, mit Amazonen kaͤmpfen, ſich in die Gaͤrten der Hesperiden ſtehlen und mit Loͤwen und Drachen kaͤmpfen, dann eiſt iſt er ge⸗ ſchickt genug, ſich an den Rocken der Omphale zu ſetzen und das Zeug zu ſeinem Schlafrock zu ſpinnen; dann aber iſt er auch erſt reif ge⸗ nug, wie Herkules ſich aus der Aſche ſeines Erdenſeyns zu einem hoͤhern und ſchoͤnern Zu⸗ ſtand zu erheben. Ich bin jetzt noch im Au⸗ gia He weit un; bok berul nehn Unru daß Geg. Bern kannt Doch laͤufer mildern. dabei u Augen⸗ hintrau⸗ hter in cmuͤckte Gnade mit dem auch am ehr oder — ſtille So trift Nenſch eer reif r hinein mehr als die Un⸗ h in die it Lowen ſt er ge⸗ Omphale Schlafrock reif ge⸗ he ſeines nern Zu⸗ h im Au⸗ — 113— gias⸗Stall, und es wird ſich zeigen, ob als ein Herkules. Taͤglich kamen Ueberlaͤufer von den nicht weit von uns ſtehenden deutſchen Truppen zu uns; ruppige Geſellen, denen die Koſaken zu⸗ vor die Federn ausgezogen. Sie bringen recht beruhigende Nachrichten fuͤr uns mit, daß nehmlich in der feindlichen Armee die groͤßte Unruhe herrſche, weil die Franzoſen gehört, daß Moreau angekommen ſey, um als ihr Gegner in die Schranken zu treten. Er und Bernadotte, unſer verehrte Feldherr, ſind be⸗ kanntlich Lieblinge der franzoͤſiſchen Nation. Doch moͤchte wohl den Ausſagen jener Ueber⸗ aaͤufer nicht recht zu trauen ſeyn. ****, den 16. Aug. Die begeiſterten Schilderungen des Landle⸗ bens, geßneriſche Idyllen, kommen mir jetzt hoͤchſt komiſch vor. Der Aufgang der Sonne von einem Blumenhuͤgel, wie ruͤhrend!— Die— bloͤkenden Laͤmmer, die bruͤllenden Stiere— welch' ein erhabner Anblick! Die Beſchaͤfti⸗ gungen der Landleute, die verſteckten Reize ei⸗ ner Phyllis, die ihrem Damon das Mittags⸗ — 114— brod hinausbringt— wie reizend! Der alte Horaz haͤtte hier ſeine Epode„beatus ille, qui procul negotiis“ ꝛc. ſchreiben muͤſſen und ſie wuͤrde vielleicht anders geworden ſeyn. Dieſe giftige Bemerkung macht, Theuerſter! nicht mein Herz, ſondern mein Magen, dieſer hungrige Despot, der keinen Sinn fuͤr das Schoͤne, ſondern nur fuͤr das Reelle hat, der uͤberall Kontrebande wittert und ſeine Grenzen mit Viſitatoren beſetzt haͤlt, die ihm treu und ergeben, es fuͤr eine Suͤnde halten, ihn zu betruͤgen, ſich alſo von manchen andern Viſita⸗ toren unterſcheiden. Wir ſtehen alſo, wie Sie ſchon rathen wer⸗ den, jetzt in einem Dorfe— warum, weiß ich nicht. Da ſind wir denn unſrer acht zuſam⸗ mengepreßt in ein enges, dumpfiges Stuͤbchen, das eine Art Fenſter hat, einen klobigen Tiſch und außer einer Bank zwei bis drei Schemel. Auf Koſakenart wird gegeſſen, ohne Teller und Gabel, Tiſchtuch und Serviette, Lob, und Dank⸗ gebet; dann wird ſaures Bier getrunken oder ſuͤßes weichliches Waſſer, wie man will, und mit den Huͤhnern geht's— hier in's Stroh. Die Zeit, wo nicht gegeſſen und geſchlafen wird, wird in der Regel mit Chartenſpiel hin⸗ Dder alte us ille, muͤſſen n ſeyn. verſter! dieſer far das att, der Grenzen teu und ihn zu Viſtta⸗ hen wet⸗ weiß ich t zuſam⸗ ötuͤbchen, en Tiſch Schemel. teller und no Dank⸗ ken oder ill, und Stroh. geſchlafen ſpiel hin⸗ 4 — 115— gebracht, ſo wie denn jetzt in dieſem Augen⸗ blick, an demſelben Tiſch, woran ich ſchreibe, Schafskopf geſpielt und mit ſchauderhaften Re⸗ densarten, wie da ſind, Galgen und Rad, Brille und Beſen, um ſich geworfen wird. Hin und wieder werden auch Waffen und Le⸗ derzeug gerieben und mit dem Wirth gezankt, daß er gerade jetzt ein Kind in der Wiege lie⸗ gen habe. Himmel, welche Seenen fuͤr den Pinſel Rembrandts! Jammerſchade, daß ich mit der Feder nicht mahlen kann, was dem Kuͤnſtlerblick hier ſich aufdringt, um von ihm trotzig Unſterblichkeit zu verlangen,— ich wuͤrde Sie dann wenigſtens im Geiſt hierher verſetzen koͤnnen, um meine Klagen wuͤrdigen zu lernen. „Contenti estote“ bruͤllt eben mein Nach⸗ bar, ein Verehrer Schillers, durch den Laͤrm der Chartenſpieler— und er hat Recht. Denn was bleibt dem Helden auf ſeiner Rennbahn zum Siege treuer, als das Kommißbrod, das erſt mit Fuͤßen getreten werden muß, um von dem Helden ſchmackhaft gefunden zu werden. Wo ſeyd ihr hin, ihr ſchoͤnen Tage der Ver⸗ gangenheit! ihr an Wurſt und Schinken, Kaͤſe und Butter, Kuchen und Braten reichen Fuͤll⸗ ———— ———O— . — 116— hoͤrner des Gluͤckes? Ich druͤcke euch im Geiſt an meine Bruſt und beſchwoͤre euren Schatten herauf in den magiſchen Dunſtkreis der Ge⸗ genwart, um wenigſtens an euren Gebilden mich zu laben und die Neue in Thraͤnen auf⸗ zuloͤſen, daß ich es ſelbſt geweſen, der den in⸗ nern Despoten auf den Thron erhob. Vergeben Sie mir dieſe Ausſchweifun⸗ gen— unſre Lage iſt kritiſch, unverzeihlich meine unſchickliche Verzweiflung, mit der ich, wie der Bewohner einer ausgepluͤnderten Pro⸗ vinz, den innern Zwieſpalt austoben laſſe, da mir und uns Allen der Arzt, der helfende Gott, nicht Aeskulap, ſondern Plutus fehlt, jene Verzweiflung aufzuheben. Sie koͤnnen daher uͤberzeugt ſeyn, daß wir Gott danken, daß der Waffenſtillſtand ein Ende hat, denn ſchlechter kann es wohl ſchwerlich irgendwo ſeyn, als in dieſer Wuͤſte, wo wir bei Waſſer und Brod jeden Vormittag im Sande waten, einen angeblichen Feind ſo lange in Furcht und Schrecken zu halten, bis der innere zu laut wird. Es iſt nicht allein Kampfgier, Begeiſterung fuͤr's Vaterland, deſ⸗ ſen Repraͤſentanten, die Kriegskommiſſaire, uns unter dem Bilde der Harpyen, dieſer ſtin⸗ kel der heu den duße ſch ja Kri um lich Ein eige hinl keit ande ſie Geiſ chatten r Ge⸗ bilden a auf⸗ dn in⸗ veifune eihlch er ich, Pro⸗ ſe, da elfende fehlt, aß wir Ende werlich vo wir ag im end ſo n, bis allein d, deſ⸗ niſſaire, er ſtin⸗ — — 117— kenden, gefraͤßigen Raubvoͤgel erſcheinen, ſon⸗ dern auch Eß⸗ und Trinkluſt, die uns den heutigen Tag ſegnen laͤßt. Obiges Bild von den Herren Kriegskommiſſairen ſcheint zwar außerſt undelikat zu ſeyn, indeſſen koͤnnen ſie ſich immerhin beruhigen, denn Harpyen waren ja fabelhafte Weſen. Was braucht ſich ein Kriegskommiſſair an Fabeln zu kehren! Doch um Ihnen ein Beiſpiel anzufuͤhren, wie vaͤter⸗ lich geſinnt jene Herren gegen uns ſind: Die Einwohner von Berlin, die ſich wahrhaft un⸗ eigennuͤtzig in der jetzigen Noth zeigen und hinlaͤngliche Beweiſe ihrer Menſchenfreundlich⸗ keit an den Tag legen, bringen unter mehreren andern Beduͤrfniſſen auch eine Menge Schin⸗ ken und Speckſeiten zuſammen, als freiwillige Beiſteuer fuͤr unſre Despoten. Ein Berliner Fleiſcher zeichnet zufaͤllig die ſeinigen— und nach vierzehn Tagen bietet ihm ein altes Weib einen der gezeichneten zum Verkauf an. Sie habe ihn, ſo aͤußert ſie ſich, ſo eben fuͤr ein Spottgeld von einem Kriegskommiſſair erſtan⸗ den. Dieſe haben den ſehr richtigen Grund⸗ ſatz:„was iſt das fuͤr ſo Viele?“ und weil ſie nicht an Wunder glauben, ſo erſparen ſie ſich die Muͤhe des Vertheilens und uns die — 118— Muͤhe, unſre Kinnlade vergeblich in Thaͤtigkeit zu ſetzen. Doch wird ihre weiſe Fuͤrſorge faſt allgemein verkannt und boshafte Menſchen be⸗ merken ſogar ſehr ernſthaft, daß der Wolf auch gezaͤhlte, Laͤmmer raube. Ich koͤnnte Ihnen noch mehrere Geiſpiele jener Fuͤrſorge anfuͤhren, doch wozu? Ich bitte Sie alſo blos, fuͤr ſie zu beten, was auch ich thue, eingedenk des weiſen Lehrers, der uns gebietet,„zu ſegnen, die uns fluchen.“ den 21ſten. Die Feindſeligkeiten ſind angegangen. Un⸗ ſre Huſaren haben ſchon Gefangne eingebracht, nach deren Ausſage ſich ein maͤchtiges feindli⸗ ches Heer in der Gegend von Baruth und Juͤ⸗ terbogk zuſammenzieht, um in Berlin das Buͤr⸗ gerrecht zu erringen, und ſo mit einem coup de main dem Kriege ein Ende zu machen. Dieſer loͤbliche Vorſatz, an dem ich blos das Thoͤrichte tadle, bedarf aber noch erſt unſrer Billigung, und obgleich wir die Berliner Speck⸗ ſeiten blos vom Hoͤrenſagen kennen, ſo zweifle ich doch, daß wir die neugierigen Gaͤſte hinein⸗ laſſen werden. Es wird alſo in dieſen Tagen zu e ner tigen ſch hoſt ganze Eine ferti ten t mit Das niß gewvi Liebe ſeine auch krone ic ij dem fuͤr ſtillſt ter d das( Bra ich g digte atigkei ge faſt hen be⸗ f auch eiſpiele ſch bitte auch ich der uns alſten. n. Un⸗ abracht, feindli⸗ und Jü⸗ as Buͤr⸗ a Coup machen. blos das t unſter Speck⸗ zweifle hinein⸗ n Tagen 3 — 449— zu einer Schlacht kommen. Der Kanonendon⸗ ner rings um, das Anruͤcken des Feindes beſtaͤ⸗ tigend, laͤßt das außer allem Zweifel. Es ziemt ſich alſo in dieſem Augenblick fuͤr mich, ernſt⸗ haft zu ſeyn. Das Schickſal Europens, ja des ganzen Erdballs, ruht auf der Degenſpitze. Eine halbe Million ſteht auf jeder Seite ſchlag⸗ fertig und berechtigt zu großen und herrlichen Tha⸗ ten wie zu wichtigen Reſultaten. Der Herr wird mit uns ſeyn und unſre Schale wird ſinken. Das iſt in der Kuͤrze mein Glaubensbekennt⸗ niß und das der ganzen Armee; es wird uns gewiß den Sieg verſchaffen, denn wo Glaube, Liebe und Hoffnung wohnt, da laͤßt er gern ſeine Lorbern wachſen und gruͤnen, wenn auch ſo mancher Juͤngling ſich die Myrthen⸗ krone und den Rosmarin erobern wird. Ob ich ihn gleich nicht fuͤrchte, ſo geſtehe ich's doch dem Freunde, daß das Leben jetzt mehr Reize fuͤr mich hat, als beim Anfang des Waffen⸗ ſtillſtandes, wo die Hoffnung des Sieges hin⸗ ter dem Wolkenhimmel des Ungluͤcks lag, und das Grab wuͤnſchenswerther als das entweihte Brautbett des Vaterlandes war. Wohl moͤchte ich geſund und wohl aus dem glorreich been⸗ digten Kampfe gehen und die Meinen an die — 125— Heldenbruſt druͤcken; doch wie Gott will, ſetze ich gehorſam hinzu. Auch auf dem Schlacht⸗ felde rufen ſeine Engel zum ewigen Frieden ab, und auch Kugeln ſind am Ende doch im⸗ mer Boten ſeiner Liebe.— Weinend druͤck' ich Sie und alle ferne Lieben an das klopfende Herz und verſpreche Ihnen, mich des Namens der Vaͤter werth zu machen, ſey's auch durch— Sterben. Die Liebe wird dann auch an meinem Grabe weinen und mein Name, wenn auch nicht hier, doch dort am Throne der ewigen Liebe, wo Geſinnungen als Tha⸗ ten gelten und die Liebe hoͤher ſteht als das Werk— in ew'gem, nie erblindenden Glanze leben, weil ich's mir bewußt bin, mit einem reinen Herzen und geleitet von frommen Trieb⸗ federn, in die Schlacht zu gehn. Am 23. Auguſt fruͤh Morgens marſchirten wir von Mrrr, einem Staͤdtchen vier Mei⸗ len von Berlin— in der Richtung nach der „Hauptſtadt aus. Es war ſehr unangenehmes + Wetter. In Stroͤmen ergoß ſich der Regen herab und ſchon in der erſten Stunde war Jeder bis auf die Haut naß, und kalte Tro⸗ — pfen ter li ging leere ſäinder der T ruhig geſetz müͤth tigen ſchein nen. Sor. ken mußt häͤtte Tage Cant durch Weg wurt Unſie darüt watt Da tron ill, ſch Schlch Frieden doch im⸗ kuͤck' ich lopſende Namens ay's auch ann auch Namt, Throne als dha⸗ als das Glanze dit einem hen Triet arſchitten dier Mei⸗ nach der genehmes 8 1 r Regen nde nar alte Tror 1 — 121— pfen rieſelten vom Nacken den Ruͤcken hinun⸗ ter bis zur Ferſe. Der waͤrmende Schnapps ging bald aus und wehmuͤthig ſah Jeder die leere Flaſche an, der man unter ſolchen Um⸗ ſtaͤnden gern die Beſchaffenheit des Oelkruges der Wittwe zu Sarepta wuͤnſcht. Ernſt und ruhig wurde der Marſch nach Berlin zu fort⸗ geſetzt; denn das Vertrauen zu dem helden⸗ muͤthigen Carl Johann und zu dem umſich⸗ tigen Buͤlow war zu groß, als daß dieſer ſcheindare Ruͤckzug uns haͤtte irre machen koͤn⸗ nen. Die Gruͤnde, die uns von dem mit Sorgfalt befeſtigten M*r**, das auf dem lin⸗ ken Fluͤgel unſrer Stellung lag, abriefen, mußten zu wichtig ſeyn, als daß wir uns nicht haͤtten beruhigen ſollen. Das ſchon ſeit zwei Tagen anhaltende Kanonenfeuer auf unſrem Centrum uͤberzeugte uns, daß der Feind dies durchbrechen wolle, um ſo auf dem kuͤrzeſten Wege Berlin zu erreichen. Seine Staͤrke wurde uns auf 110,000 Mann angegeben. Unſte Streitkraͤfte glichen den ſeinigen, und darum waren wir ruͤhig und getroſt und er⸗ warteten den Kampf von Stunde zu Stunde. Da die meiſten meiner Kameraden eine Pa⸗ trone verſchluckten, ſo that ich's auch. Sie 422— ſoll bei Verwundungen vor dem Brande ſchuͤz⸗ zen, weshalb man denn wohl den Widerwillen uͤberwindet, dies Bitterſalz zu koſten. Vergeblich ſtellten wir uns, ganz in der Naͤhe des Feindes, einigemal in Schlachtord⸗ nung. Wir wurden nicht angegriffen, und es lag wohl außer dem Plane, ihn ſelbſt von dieſer Seite ſchon des Morgens anzugreifen. Denn da die Gegend bei Treppin von Suͤm⸗ pfen und Daͤmmen uͤberall durchſchnitten iſt, und vorzuͤglich in jenen Tagen die Entwicklung des Feindes daſelbſt unmoͤglich machte, ſo mußte man ihm erſt Zeit laſſen, ſich dieſſeits der Moraͤſte voͤllig zu entfalten, um ihn dann mit Erfolg zuruͤck— und vielleicht in die Suͤm⸗ pfe ſelbſt zu jagen. Von dort bis Berlin bie⸗ tet eine weite Ebene das ſchoͤnſte Schlachtfeld dar. Wir marſchirten alſo ohne weitre An⸗ fechtungen mit dem Feinde in gleicher Hoͤhe, waͤhrend der ſich immer mehr verſtäͤrkende Ka⸗ nonendonner uns uͤberzeugte, daß die Schlacht ſchon auf einzelnen Punkten wuͤthe. Abermals beſetzten wir gegen Mittag ganz in der Naͤhe des Feindes ein Dorf, im Glauben, er werde uns hier ganz beſtimmt angreifen. Doch er hatte ſein einziges Augenmerk auf das Dorf Gr. Stell ins f Punk eiter nun d keiche untert wehr, auch mal ſtreue doch Gr. berg, einem wurde Fände einige thig meiſt von an, verſtc nicht Feue in der lachtord, und es löſt von ugreifen. n Suͤm⸗ tten iſt wwicklung hte, ſo dieſſeits n dann ie Suͤm⸗ erlin bie⸗ lachtfeld tre An⸗ r Hoͤhe, ude Ka⸗ Schlacht ſbermals r Näͤhe r werde Doch er 3s Dorf — — ¹ — 123— Gr. Beeren gerichtet, den Schluͤſſel unſrer Stellung, und brachte immer mehr Truppen in's Feuer, es koſte, was es wolle, dieſen Punkt zu erobern. Wir verließen alſo nach einer Stunde jenes Dorf wieder und griffen nun durch Batterien den Feind an, der zahl⸗ reiche Maſſen entwickelte. Unaufhoͤrlich ſtroͤmte unterdeß der Regen herab, ſo daß kein Ge⸗ wehr, keine Buͤchſe, wie ſorgfaͤltig man ſie auch zu ſchuͤtzen ſuchte, losgehen wollte. Zehn⸗ mal konnte man trocknes Pulver auf die Pfanne ſtreuen— nach einigen Augenblicken war es doch naß. So ſtanden wir denn, waͤhrend Gr. Beeren von dem braven Regiment Col⸗ berg, dem erſten neumaͤrkiſchen Landwehr⸗ und einem Reſerveregiment heldenmuͤthig vertheidigt wurde, nicht weit davon, jede Bewegung des Feindes beobachtend. Die Preußen wurden einigemal bei Gr. Beeren gedraͤngt, doch mu⸗ thig und kaltbluͤtig griffen ſie, obgleich die meiſten noch Rekruten waren, immer wieder von neuem mit dem Bajonnet und der Kolbe an, dieſen einfachen auch dem Einfaältigſten verſtaͤndlichen Waffen, und ließen ſich das Dorf nicht nehmen, das waͤhrend des Kampfes in Feuer aufgegangen war. Wie gern haͤtten wir 124— Theil an dieſem Kampfe genommen, denn all⸗ maͤhlig wurde unſer Zuſtand unausſtehlich. Alle Fenſter des Himmels waren geoͤffnet, und ſo wohlthaͤtig dieſe Huͤlfe von oben fuͤr uns im Allgemeinen war, ſo aͤrgerlich doch fuͤr Fleiſch und Blut, das nicht gern Reflexionen anſtellt. Komiſch war es anzuſehen, wie Jeder ſich hin⸗ ter dem Andern zu decken ſuchte, und wie ver⸗ geblich doch ſolch Beginnen war. Wer in der dichten Mitte des Jaͤgerhaufens in dieſem Au⸗ genblick ſtehend, vom Regen wenig litt und ſo eben ſeine Stellung anpries,(der Regen fiel nicht ſenkrecht herab), der vermißte ſchon im folgenden Augenblick alle ſeine Umgebungen, weil Jeder gern in die Mitte wollte. Voll Verzweiflung erſchallte dann ploͤtzlich der be⸗ kannte Geſang:„Schoͤn iſt's unter freiem Himmel!“ der ſeltſam genug mit der Ungunſt des Augenblicks kontraſtirte. Endlich— es neigte ſich ſchon der Tag— marſchirten wir auf Gr. Beeren zu, und eine der ſeltſamſten Seenen bot ſich uns auf dieſem kurzen Mar⸗ ſche dar. Wir fanden nehmlich eine ungeheure Menge Pferde ohne Fuͤhrer ruhig und mit ge⸗ ſenkten Ohren daſtehen, und neben ihnen eine eben ſo große Menge von Baͤrenfellen ausge⸗ ppreitz luͤftete blinzte waren auf der ds, h üruſt nicht! E Kolon ich de geſſen den, tothe an der ſchaue läͤſcht Augen laugae tiſches ſtorun unglaͤ ſich de Sachſe decken. Batte denn all⸗ lich Ale und ſo uns im t Fleiſch anſtellt. ſch din⸗ wie ver⸗ er in der eſem Au⸗ t und ſo jegen fil ſchon im ſebungen, te. Voll der be⸗ r freiem Ungunſt h— es erten wir —— ltſamſten m Mar ngeheure mit ge⸗ nen eine n audge⸗ — — 125— ſpreitzt auf dem Erdboden liegen. Zum Scherz luͤfteten wir ſie— und ſiehe da, Koſaken blinzten uns darunter vergnuͤglich an. Sie waren im Trocknen, die Hunderte, die mitten auf dem Schlachtfelde in der Naͤhe des Fein⸗ des, hier ruhig wie das Kind an der Mutter⸗ bruſt ſchlummerten und ſich um die ganze Welt nicht kuͤmmerten. Hm Es war ſchon ziemlich dunkel, als unſre Kolonne bei Gr. Beeren ankam. Nie werde ich den Anblick dieſes brennenden Dorfes ver⸗ geſſen. Durch die dichten Kaſtanien und Lin⸗ den, die vor dem Dorfe ſtehen, flammte die rothe Gluth hindurch und waͤlzte ſich wogend an den truͤben Nachthimmel hinauf, denſelben ſchauervoll faͤrbend. Da war Niemand der ge⸗ loͤſcht haͤtte, und ringsum herrſchte in dieſem Augenblick eine Todtenſtille. Es iſt nicht zu laͤugnen, es hat dieſer Anblick etwas majeſtaͤ⸗ tiſches, nur muß man freilich nicht an die Zer⸗ ſtoͤrungen denken, die ihn ſchaffen und an das Ungluͤck, das daraus hervorgeht. Noch hatte ſich der Feind— leider waren es Deutſche, Sachſen,— hier geſetzt, um den Ruͤckzug zu decken. Da eilte eine von unſern reitenden Batterien herbei und ſturzte ſich, mit dem ge⸗ 11 126— faͤhrlichen Pulverwagen in das brennende Dorf, in dieſe Hoͤlle hinein, um jenſeits derſelben den Sieg, den Soldatenhimmel zu erringen. Wir unmittelbar hinterdrein uͤber Todte und Ver⸗ wundete fort, welche Letztere die Mitte der Straße zum Sterbelager gewaͤhlt hatten, um nicht von den brennenden Balken der zuſam⸗ menſtuͤrzenden Haͤuſer langſam verbrannt zu werden. Die Hitze war uͤbrigens ſo groß, daß wir faſt im Nu trocken wurden, obgleich es noch immer regnete. Jene Batterie, in Verbindung mit uns, wirkte alsbald ſo kraͤftig, daß die Feinde in ſchleuniger Flucht ihr Heil ſuchten, und als der Donner ſchwieg, hoͤrten wir vor und um uns ein erſchuͤtterndes Hurrah. Unſre Uhlanen ſaßen nehmlich, beleuchtet vom Brande des Dorfes, in dem weichenden Feinde und ſtachen nieder, was ihnen vor die Lanze kam. Die Schlacht war entſchieden, der Sieg unſer. Tauſende von Gefangnen wurden angeſchleppt und von den wuͤthenden Siegern gemißhandelt. Die Schlaͤge und Stoͤße verdoppelten ſich, wenn ſie ſchrieen:„thut uns nichts, wir ſind ja Sachſen,“ in den Koth wurden ſie getreten, ohne daß die Offiziere es hindern konnten, und mit ihr wurt ten, Eo! ſce techte Schl ſie di leons an ſ wit uns, Keinde in hals der. um uns nen ſaßen Dorſes, nieder, Schlacht Tauſende und von t. Die , wenn ſind ja getreten, nten, und mit der ſpoͤttiſchen Bemerkung:„nun kommet ihr ja hin nach Berlin, ihr Berliner Buͤrger! wurden ſie, die faſt knieend um Schonung ba⸗ ten, ausgepluͤndert und hin und her geſtoßen. So groß war die Erbitterung gegen alle deut⸗ ſche Truppen, die ihre Tapferkeit hier am un⸗ rechten Ort bewieſen und als die Letzten das Schlachtfeld verließen; beſonders geſteigert wurde ſie durch die prahleriſchen Weiſſagungen Napo⸗ leons, der die Hauptſtadt der Preußen ſchon an ſein Raubgeſindel vertheilt hatte. Gr. Beeren wurde darauf von uns, denn wir fuͤhlten enormen Hunger, durchſucht und das Gefundne in's Bivouak geſchafft, ſamt den brennenden Balken, die herrliche Kochfeuer gaben. Ich kam zufaͤllig bei dieſem Durchſtoͤ⸗ bern der Haͤuſer in eine finſtre Kammer(das Haus brannte aber ſchon im Dache) und toppte ſuchend umher. Ploͤtzlich faßte ich ein eiskaltes Menſchenbein und ſchleuderte es voll Entſetzen fort, ohne zu unterſuchen, wem es wohl zugehoͤren koͤnnte, und machte, daß ich fortkam. Ein ſolches quid pro quo kann einem das Viſitiren auf eine lange Zeit ver⸗ leiden. — 128— Den folgenden Tag blieben wir auf dem Schlachtfelde ſtehen, was mir inſonderheit lieb und angenehm war, da ich an furchtbarem Kopfweh litt. Ein Uhlanenpferd nehmlich hatte ſich nahe bei uns in der Nacht losgeriſ⸗ ſen und war uͤber uns Schlafende heruͤberge⸗ ſetzt. Mich traf ſein Hufſchlag ſo gewaltig, daß ich am Kopfe Beule an Beule hatte und gewiß mein Leben eingebuͤßt haben wuͤrde, haͤtte mich nicht eine wattirte Feldmuͤtze ge⸗ ſchuͤtzt. Die Einwohner von Berlin kamen gegen Mittag zu Tauſenden heraus, theils aus Neu⸗ gierde, denn wer will nicht gern einmal ein Schlachtfeld ſehen, obgleich ſolch ein Anblick weder dem Auge noch dem Herzen wohl thut; theils aus Theilnahme und Menſchenfreundlich⸗ keit, um Verwundete mitzunehmen und heilen zu laſſen, oder auch aus Dankbarkeit, denn faſt Niemand kam mit leeren Haͤnden, ſo daß im Lager ein Ueberfluß an allen möglichen Vik⸗ tualien war, die hier nicht durch Mittelsperſo⸗ nen ausgetheilt wurden, weshalb denn die Ga⸗ ben nicht blos in den Zeitungen ſtanden, wie wohl fruͤher geſchah, ſondern auch als reale Groͤßen wirklich vor uns lagen. Ach! und wohl — verdie ſiden was nat geß l 6 ein Schla Pfetd und der? Friede und güͤltig Kinde D neswe gedräͤ glloſe ren d Dar denn ſch n greife Seen ſchnite Soſſe auf dem theit li chtbarem nehmlch losgeriſ kuͤberge, Rwaltig, Atte und wuͤrde, nütze ge en gegen aus Neu⸗ nmal ein 4 Anblick ohl thut; reundlich⸗ ad heilen t, denn 1, ſo daß ichen Vit⸗ ttelsperſo⸗ die Ga⸗ en, wie als peale und wohl⸗ 129 7 verdiente dieſer Sieg die Dankbarkeit der Re⸗ ſidenz. Was ſie gab, war wenig gegen das, was genommen worden waͤre. Darum war nach uͤberſtandener Angſt, die Freude eben ſo groß wie allgemein verbreitet. Uebrigens war es ein ſonderbarer Anblick, mitten auf dem Schlachtfelde, zwiſchen todten Menſchen und Pferden, die glaͤnzendſten Equipagen zu ſehen und ein frohes Getuͤmmel, als wenn in der Naͤhe ein Jahrmarkt waͤre. Krieg und Frieden waren hier bunt durch einander gemiſcht und die Leichname wurden mit großer Gleich⸗ guͤltigkeit betrachtet, als waͤre Sterben ein Kinderſpiel. Der Sieg bei Gr. Beeren war indeß kei⸗ nesweges entſcheidend geweſen. Nur zuruͤck⸗ gedraͤngt wurde der Feind, nicht zu wilder re⸗ gelloſer Flucht genoͤthigt, und die Marken was ren daher nur fuͤr den Augenblick gerettet. Daran war mit das ungaͤnſtige Terrain Schuld; denn den weichenden Feind nahm, ſo wie er ſich nur zuruͤckzog, eine nur ſehr ſchwer anzu⸗ greifende Gegend auf. Waͤlder, Suͤmpfe und See'n beguͤnſtigten ſeinen Ruͤckzug. So durch⸗ ſchnitten iſt nehmlich zwiſchen Mittenwalde, Zoſſen und Trebbin die Gegend, daß nur auf . v. 9 drei Wegen Angriff und Ruͤckzug geſchehen konnte. Haͤtten wir dem Feinde unter den Mauern Berlins eine Schlacht angeboten, ſo wuͤrde bei aͤhnlichem Gluͤcke, bei gleicher Ta⸗ pferkeit der Unſrigen, ein vollſtaͤndiger Sieg die Schlacht bei Dennewitz unnoͤthig gemacht haben. Denn von Gr. Beeren bis Berlin er⸗ ſtreckt ſich eine weite Ebene, die der verfol⸗ genden Reiterei Raum genug zum Einhauen und Umzingeln giebt. Allein der Kronprinz von Schweden wagte dieſe Stellung wohl des⸗ halb nicht, weil er uns noch nicht gepruͤft hatte, weil alle Landwehren hier zum Erſten⸗ male in's Feuer kamen und er nicht wiſſen konnte, daß Gott der Herr die Fenſter des Himmels oͤffnen wuͤrde, um durch fortwaͤhren⸗ den Platzregen alles Gewehrfeuer zu ver⸗ hindern. Der Feind zog auf jenen drei Wegen ſchnell doch beſonnen zuruͤck. Unſre beiden Fluͤ⸗ gel fanden zu viel Hinderniſſe, durch Veren⸗ gung ihres Bogens den Feind zu erdruͤcken, wie wohl Aufangs im Plan gelegen hatte. Er hatte daher den ſeinigen keinesweges aufgege⸗ ben, ſich durch ſein Blut das Buͤrgerrecht in Berlin zu erkaufen und es auszupluͤndern; dug die geſchehen nter den dten, o cher Ta er Sieg Lemacht Kerlin er⸗ er vetſab Einhautn deonpring vohl des, t gepruͤft Erſten⸗ ht wiſſen nſter des rtwaͤhren⸗ zu ver⸗ Wegen aiden Fluͦ⸗ h Veren⸗ erdruͤcken, atte. Er aufgeges errecht in pluͤndern; — 131— denn die Schlacht bei Gr. Beeren koſtete ihm nur 5000 Todte und Verwundete und 25 Ka⸗ nonen. Nur ſchien dem Kaiſer weniger der Marſchall Oudinot, der bei Gr. Beeren die Franzoſen kommandirte, dazu geſchickt, als der Fuͤrſt von der Moskwa, der bald darauf Je⸗ nen abloͤſte, um ſeine Fehler wieder gut zu machen. So verblendet war Napoleon, daß er ſeine Verluſte nur der Unwiſſenheit ſeiner Feldherren zuſchrieb, und ohne an die Begei⸗ ſterung der Verbuͤndeten und an die Einheit ihres Willens zu glauben, ihren erwachten Hel⸗ denmuth zu wuͤrdigen, ſich durchaus nicht in der Gegenwart zurecht finden konnte. Zwiſchen Juͤterbogk, Baruth und Dahme erſtrecken ſich dichte und meilenweite Waldun⸗ gen. Sie nahmen den Feind auf ſeinem Ruͤck⸗ zug auf. Eigentlich ſtak er in der Falle; nur ſeine Zahl ſchuͤtzte ihn vor Gefangenſchaft, denn von allen Seiten wurde er angegriffen und Jagd auf ihn gemacht, um wenigſtens ſein Ge⸗ paͤck ihm abzunehmen. Inſonderheit waren es die Corps von Buͤlow, Borſtell und Winzin⸗ gerode,(Letzteres kam von Baruth), die ihm vom 24. bis 29. Auguſt weder Tag noch Nacht Ruhe ließen. Ein widriger Zufall haͤtte bei dieſen An⸗ griffen unſer Corps ſehr leicht in's Ungluͤck ſtuͤr⸗ zen koͤnnen. Schon am 24ſten brachen wir ge⸗ gen Abend auf, um den Feind in der Nacht zu uͤberfallen, doch wurde dieſer Plan durch unvorhergeſehene Hinderniſſe zweimal vereitelt. Auch am 26ſten gegen Abend brachen wir zu dieſem Zwecke aus dem Lager bei Gottow auf. Allen Bataillonen war das Sprechen und Ta⸗ bakrauchen unterſagt. Das tiefſte Stillſchwei⸗ gen ſollte herrſchen. Die Raͤder der Kanonen waren mit Stroh umwickelt. Bald waren wir in dem finſtern unheimlichen Walde, der uns einen leiſen Schauer einjagte, weil wir es nicht ehrlich meinten und krumme Wege gin⸗ gen. Auch trug wohl dazu bei, daß wir vom Feinde nichts ſahen und hoͤrten, und eine ſo heimliche feindliche Gewalt, die man nur ahnt und durch die Einbildungskraft verdoppelt, regt das Blut weit mehr auf, als der offenbare Feind. Darum fuͤrchtet ja der Menſch den Teufel ſo ſehr.— Ein leiſer doch durchdrin⸗ gender Regen fiel herab. Ohne daß wir ahne⸗ ten, daß er in Schleſien die Katzbach uͤbertre⸗ ten geheißen und den Verbuͤndeten unter dem greiſigen Helden ſo große Lorbern an dieſem blu ten in, . 2 ſcite ten zuk die nien drei ihre We zeln geg vern feue bran men der He ſten 86 veb⸗ en An ich ſtüͤr, wir ge⸗ Nacht durch Kreitelt. wit zu ow auf. ind Ta⸗ llſchwei⸗ Ranonen dren wir der uns wir es ege gin⸗ wir vom eine ſo ur ahnt elt, regt offenbare nſch den urchdrin⸗ ir ahne⸗ uͤbertre⸗ ter dem dieſem terbrechend in dem dicken Walde eine ſolche blut'gen Tage hatte erringen helfen,— murr⸗ ten wir vielmehr daruͤber, da er uns das Brod in Teig verwandelte und uns ſchon ſeit mehreren Tagen kaum trocken werden ließ. So mar⸗ ſchirten wir denn einige Stunden in dem dich⸗ ten Walde, ohne die Hand vor Augen ſehen zu koͤnnen, in ſtiller Erwartung der Dinge, die da kommen wuͤrden. Die Jaͤgerkompag⸗ nien patrouillirten zur Seite, etwa zwei bis dreihundert Schritt von den Regimentern, um ihre Seite zu decken, und mußten ſich den Weg durch's Dickicht bahnen, uͤber Baumwur⸗ zeln und Straͤucher fallend, oder mit der Stirn gegen einen Baum rennend. Das Herzklopfen vermehrte ſich, als wir mehrere feindliche Wacht⸗ feuer antrafen, wobei das ſo eben erſt ange⸗ brannte friſch hinzugelegte Holz einen wachſa⸗ men, ſehr nahe ſtehenden Feind verrathen ließ, der wahrſcheinlich ſchon Kunde von unſerm Heranſchleichen erhalten hatte. Dieſer Gedanke erhielt ſchon in den naͤch⸗ ſten Minuten Beſtaͤtigung; denn ploͤtzlich— es war ungefaͤhr Mitternacht— erhob ſich links von uns, in ziemlicher Naͤhe, ein wildes, verworrenes Geſchrei, das die tiefe Stille un⸗ — 134— Staͤrke gewann, daß es nicht anders war, als ſchrie die ganze Menſchheit. Und bei dieſem Lärm blieb's nicht; denn als wir horchend ſtill ſtanden, ungewiß was nun zu thun und zu laſſen ſey, hagelten mit einem Male Tauſende von Kugeln um uns her, ohne uns aber zum Gluͤck viel zu ſchaden. Wir erwiederten dieſen feindlichen Gruß nicht, um unſer Daſeyn nicht zu verrathen, ſondern zogen uns ganz in der Stille zum Regiment zuruͤck, das unterdeß Halt gemacht hatte. Das Feuern hoͤrte darauf auf und unſer Schreck mit ihm. Ruhig und vor⸗ ſichtig marſchirten wir weiter und gewannen bald einen freien Platz, wo wir ein Viereck ſchloſſen und den Angriff des Feindes erwarte⸗ ten, entſchloſſen, ihm Achtung einzufloͤßen. Doch dieſer Angriff blieb aus. Die tiefſte Stille folgte wiederum auf den wilden Laͤrm, an deſ⸗ ſen Wahrheit wir zweifelten, da er ſo ſchnell, wie eine wunderliche Erſcheinung im Traume, ohne weitre Folgen zu haben, verſchwand. Darauf wurden, nachdem ſich hier das ganze Corps verſammelt hatte, gewaltige Wachtfeuer angezuͤndet, die ſich vor uns und zur Seite weithin erſtreckten, um unſre Schwaͤche dem Feinde zu verbergen. dar, als dieſem end ſtil und zu auſende der zum n dieſen n nicht Hin der deß Halt aauf auf und vor⸗ ewannen Viereck erwarte⸗ n. Doch e Stille an deſ ſchnel, Traume, dſchwand. as ganze achtfeuer ur Seite iche dem — 135— Schlaflos brachten wir die Nacht zu, ohne Stroh und Feuer, durchnaͤßt vom Regen, hun⸗ gernd und durſtend, und ſo voll Sehnſucht den Morgen erwartend. An ihm erfuhren wir denn den Zuſammenhang dieſes naͤchtlichen Aben⸗ theuers, zum Theil durch Gefangene, die wir machten. Die Kehlen, die ſo wunderlich ge⸗ ſchrieen hatten, gehoͤrten— einem unſrer Land⸗ wehrregimenter zu, das links von uns, ohne von unſerm Daſeyn zu wiſſen, zu gleichem Blutziel in aller Stille geeilt war. Auch ſie ſtoßen auf feindliche Wachtfeuer, von denen ſich ploͤtzlich ein Soldat entfernen will. Die Spitze des Regiments befiehlt ihm zu halten, und als er dieſem Befehle nicht gehorcht, ſo wird nach ihm, ganz gegen hoͤheren Befehl, geſchoſſen. Dieſen Schuß haͤlt aber das Re⸗ giment fuͤr das Signal zum Angriff, und er⸗ hebt ſeine Stimme in der Wildniß und ſchießt nach allen Seiten in's Dickigt hinein. Dadurch wurde das Corps von einer drohenden Gefahr befreit; denn der Feind hatte allerdings Kunde von unſrem Vorhaben erhalten, ſein Bivouak verlaſſen und ſich ſeitwaͤrts gezogen, um uns in die Flanke zu nehmen. Es waͤre ihm auch dies gewiß gelungen, wenn nicht auch er ploͤtz⸗ — 436— lich jenes Geſchrei gehoͤrt haͤtte, das ihn, da es nach ſeinem Plan noch zu fruͤh war, glau⸗ ben ließ verrathen zu ſeyn, zumal da auch nach ihm hin zahlloſe Kugeln regneten. Er verhielt ſich alſo ruhig, zog ſich zuruͤck und erwartete den Anbruch des Tages, uns zu empfangen. So retten im Kriege oft Zufaͤlle, wo die Klugheit und Vorſicht nicht mehr ausreicht. Ein zur rechten Zeit erhobenes Hurrah richtete hier mehr aus, als ein kunſtlich angelegter Plan. Das Gefecht am 27. Aug. war an ſich unbedeutend. Es fiel in der Naͤhe des Dorfes Schmiedekendorf vor. Wir machten einige Gefangene und warfen den Feind auf den Ge⸗ neral von Buͤlow, der ihn wieder in die Ge⸗ gend von Baruth zuruͤcktrieb, wo ſchon der General von Winzingerode auf ihn wartete. Demungeachter machten ſich die Feinde aus dieſem Bannkreiſe los, denn wir hatten nicht Macht genug der Zauberformel der Beſchwoͤ⸗ rung Nachdruck zu geben. Einiges Gepaͤck wurde erbeutet. Dieſe kleinen, obſchon hitzigen Gefechte endigten den 29. Auguſt. Der Feind uͤberließ uns Juͤterbogk, Baruth und Luckau und zog ihn, da t, glau⸗ duch nach verhielt awartete ayſangen. do die ausreicht. hrichtete angelegter an ſch es Dotfes en einige den Ge⸗ die Ge⸗ ſchon der wartete. inde aus tten nicht Beſchwoͤ⸗ Gepaͤck Gefechte uͤberließ und zog — 137— ſich gen Wittenberg in's verſchanzte Lager bei Kroppſtaͤdt zuruͤck, den Marſchall Ney mit Ver⸗ ſtaͤrkung erwartend. Unſre Armee manoeuvrirte hinter ihm her und ſtellte ſich in Schlachtlinie bei Marzahne auf, den 1. September. Doch nahm der Feind die Schlacht nicht an, ſondern verließ am 3. September auch das Lager bei Kroppſtaͤdt und ſtellte ſich bei Wittenberg auf, um nicht durch unſern rechten Fluͤgel, den die Schweden einnahmen, von der Elbe abge⸗ ſchnitten zu werden. Wir folgten ihm auf dem Fuße und beſetzten Kroppſtaͤdt, welches die Feinde gaͤnzlich ausgepluͤndert hatten. Vorzuͤglich war das ſchoͤne Schloß des Herrn von Leipziger, der dort wohnt, aber gefluͤchtet war, hart mit⸗ genommen worden. Es ſah daſelbſt fuͤrchter⸗ lich aus, nur ſeine recht anſehnliche Bibliothek war verſchont geblieben. Einige der Unſrigen, die als Sauvegarde im Dorfe lagen, hießen einige Buͤcher mitwandern, z. B. Schillers Wilhelm Tell, der in ruhigen Stunden und Tagen von Hand zu Hand ging, und die Er⸗ innerungen an eine ebenfalls große Zeit recht lebendig in uns auffriſchte. An dieſem Tage(den 3. Septbr.) lieferte unſer Regiment dem Feinde ein ſehr hitziges, — 13³38— blutiges Gefecht bei Thieſſen, das nach⸗ theilig fuͤr uns ablaufen mußte, weil ein Re⸗ giment es unmoͤglich mit einem Armeekorps aufnehmen kann. Wir griffen den Feind ge⸗ gen drei Uhr Nachmittags im Walde an, war⸗ fen ihn, der unſre Schwaͤche nicht kannte, wohl eine halbe Meile zuruͤck, uͤberſchritten aber, getrieben von ungeſtuͤmen und unbeſon⸗ nenen Muth, den Befehl des Generals, der uns blos zur Rekognoszirung auszeſchickt hatte, und uns durch andere Regimenter unterſtuͤtzen wollte, deren Ankunft wir aber nicht abgewar⸗ tet hatten. Schon war der Wald geſaͤubert und vor uns lagen die Schanzen von Wittenberg. Sie zu ſtuͤrmen und uns feſtzuſetzen, ſchien zwar ge⸗ faͤhrlich aber lohnend und ruhmvoll. Doch wurde es dem Feinde, der ſich vom erſten Schreck erholt hatte, und jetzt, da wir den Wald verließen, unſre Schwaͤche bemerkte, leicht, uns zuruͤckzutreiben und uns den ſo ſchnell errungenen Sieg wieder zu entreißen. Es gehoͤrte die Kaltbluͤtigkeit gedienter Krieger dazu, bei ſo ſchnellem Wechſel nicht außer Faſſung zu gerathen. Allein der Ruͤckzug glich doch mehr einer Flucht, da auf jeden Preußen weni⸗ ein war, hatker Slädt gel la Alles verfol genſch gen und und fuͤhrt von i denn ſtet war, von 8 nach, ein Ren neekorps eind ger in, war⸗ kannte, eſchritten unbeſone ales, der ct hatte, dterſuͤtzen abgewar und vor 8. Sie zu zwar ge⸗ Doch im erſten wir den bemerkte, s den ſo entreißen. — Krieger hht außer kezug glich Preußen —— — 139— wenigſtens zwanzig Franzoſen kamen. Es war ein Gluͤck fuͤr uns, daß der Wald ſehr dicht war, daß wir uns ferner noch nicht verſchoſſen hatten, und daß in demſelben Augenblick das Staͤdtchen Zahna, das auf unſerm linken Fluͤ⸗ gel lag, von Koſaken in Brand geſteckt wurde. Alles dies hinderte den Feind, uns ſchnell zu verfolgen, ſonſt waͤre freilich Tod oder Gefan⸗ genſchaft unſer Loos geweſen. Furchtbar ſchlu⸗ gen die feindlichen Granaten unter uns ein und bedeckten uns mit Zweigen und Aeſten, und die große Landſtraße, die nach Wittenberg fuͤhrt, und die wir paſſiren mußten, wurde von ihm mit Kartaͤtſchen beſtrichen. Das hat denn manchem tuͤchtigen Kerl das Leben geko⸗ ſtet. Wir verloren ſehr viel und kaum Einer war, der nicht mehr oder weniger Spuren von Kugeln aufzuweiſen hatte. Es war ein jaͤmmerlicher Anblick, wie unſre Verwundeten ſich muͤhſam fortſchleppten, um nur nicht dem Feinde in die Haͤnde zu fallen, und lieber die furchtbarſten Schmerzen erlitten, ehe ſie ſich entſchließen konnten, zuruͤckzubleiben. Daher verloren wir denn auch nur wenig Gefangene. Eine halbe Meile mochten wir ſo faſt im Trabe zuruͤckgelegt haben, als wir Huͤlfe be⸗ — 140— kamen, wodurch es uns moͤglich wurde, uns zu ſetzen und das Gefecht mit Ehren abzu⸗ brechen. Es endigte gegen ſechs Uhr, koſtete ver⸗ geblich Menſchenblut und dem Regimente faſt ſo viel als die darauf folgende Schlacht bei Dennewitz. Der Ehrgeitz unſers Fuͤhrers und der Ungeſtuͤm der Unſrigen hatten dem Ge⸗ fechte eine ſo ungluͤckliche Wendung gegeben. Der Soldat muß gewoͤhnlich die Fehler und die falſchen Anſichten des Ruhmes ſeiner Fuͤh⸗ rer buͤßen und mit ſeinem Blute einen Lorber erkaufen, der ihm ſelber nicht wird, oder das Ungluͤck ſeinen eignen Fehlern zuſchreiben laſſen, die doch zu andern Zeiten fuͤr Tugenden gel⸗ ten. Uebrigens bewieſen die Preußen in die⸗ ſem Gefecht, das wahrſcheinlich in den Jahr⸗ buͤchern der Geſchichte ſeinen Platz nicht fin⸗ den wird, weil es ohne Folgen war, eine ſol⸗ che Tapferkeit und Ausdauer, einen ſo feſten, eiſernen Muth, daß es den Feinden immer klarer werden mußte, daß er es mit einem furchtbaren Gegner zu thun habe, nicht mit Soͤldnern, die fuͤr einige Groſchen dem Tode entgegen gehen. 2 ſchich Tage Menſe geſcho genlva Briefe D durch gadeyl gende Kano küͤndig von T bis in de, ung en abua ſſtete ver, nente faſt 1 dlacht be hrers und dem Ge gegeben. gehler und ſeiner Füh⸗ nen Lotber oder das iben loſſen, enden gel⸗ len in dies den Jahr⸗ nicht fin⸗ , eine ſol⸗ ſo feſten, den immer ſmit einem nicht mit dem Tode —— „——— — 141— Bis zum 6. September, dieſem in der Ge⸗ ſchichte des Freiheitskrieges ſo merkwuͤrdigen Tage, hatten wir Ruhe und genoſſen ſie wie Menſchen, die ihre Rechnung mit dem Leben geſchloſſen haben und nur der Gunſt der, Ge⸗ genwart leben. Ich ſelbſt ſchickte mehrere Briefe ab, die ich auf der Erde geſchrieben. Der 5te ſiel auf einen Sonntag. Er wurde durch Gottesdienſt gefeiert. Unſer wackre Bri⸗ gadeprediger hielt eine kraͤftige, an's Herz drin⸗ gende Rede, waͤhrend in der Naͤhe heftiger Kanonendonner die Ankunft des Feindes ver⸗ kuͤndigte, der an dem Tage mit dem General von Tauenzien handgemein wurde, und ihn nur bis in die Gegend von Juͤterbogk, trotz ſeiner Mehrzahl, mit vieler Muͤhe zuruͤckdraͤngte. Was uns bevorſtand, ahneten wir. Unſre Herzen oͤffneten ſich daher von ſelbſt religioͤſen Betrachtungen; unſre Gebete drangen aus der Tiefe der Seele zum Unendlichen empor, der ſeine Kinder nicht verlaͤßt, und ſelbſt rohe Ge⸗ muͤther fuͤhlten die Gottesnaͤhe an dem heitern, milden Morgen und gaben ſich neuen aber ſeg⸗ nenden Gefuͤhlen hin. So weiheten wir uns Alle dem Tode und gaben uns die Hand, ent⸗ weder zu ſiegen oder zu ſterben. Es war ein 1 1 t V — 142— ſchoͤner, großer, heiliger Augenblick, als wir ſo Alle unter dem freien, blauen Himmel in der Stille ein vielbedeutendes Geluͤbde ableg⸗ ten und uns entſchloſſen fuͤhlten, unſer junges Leben von neuem an flammenden Altaͤren zum Opfer zu bringen. Ach! Viele von ihnen er⸗ reichten auch ſchon Tages darauf dies blutige Ziel und ſchlummern jetzt in einem freien Grabe. Wir hatten am Morgen deſſelben Tages zu unſerm Corps ein neues Landwehrregiment bekommen, das ſo eben die heimathlichen Flu⸗ ren, den Frieden verlaſſen hatte. Ein ach⸗ tungswerther, verdienter Greis voll Jugendkraft und Feuer kommandirte es. Als der Gottes⸗ dienſt, woran auch dies Regiment Theil ge⸗ nommen, geendet war, bewillkommte es der General in einer kurzen, kraͤftigen Rede, wor⸗ in er ihm beſonders die Erfuͤllung ernſter Kriegerpflichten an's Herz legte, es ermunterte, im wilden, blutigen Schlachtgewuͤhl nicht zu verzagen, Vertrauen auf den hohen Verbuͤnde⸗ ten dort oben zu haben, Glauben an eigne Kraft zu bewahren und nicht blos Haß gegen die Fremdlinge, auch Liebe zu beweiſen. Das Wort, das vom Herzen kommt, findet auch wie ruͤh fra licht nifer ſchwe Aug⸗ habe waͤhl geha recht lunge wogt fäͤhrt nonen jenes Tod ſtand gra erto ſie en übee blutig daß und al wit immel in de ableg⸗ er junges aͤren zum ihnen er⸗ es dlutige ſeem freien den Tages hrregiment hlichen Flu⸗ Ein ach⸗ zugendkraſt der Gottes⸗ Dheil ge⸗ mte es der Kede, wor⸗ ing ernſter ermunterte, hl nicht zu Verbuͤnde⸗ man eigne Haß gegen aſen. Das findet auch — 143— wiederum ein Herz. Da blieb Keiner unge⸗ ruͤhrt, und als der General ſie endlich Alle fragte:„ob ſie als brave Preußen einen ruͤhm⸗ lichen Tod dem Schimpf und der Schande ei⸗ nes feigen Ruͤckzuges vorziehen wollten,“ da riefen ſie einmuͤthiglich„ja!“ Ein inhalts⸗ ſchweres Wort, das uns Allen Thraͤnen in's Auge trieb und uns tief erſchuͤtterte. Und ſie haben keinen Meineid geſchworen. Ich habe waͤhrend der Schlacht einigemal Gelegenheit gehabt, ſie zu bewundern; denn ſie ſtanden rechts von uns und wir Jaͤger in freien Stel⸗ lungen zwiſchen beiden Regimentern. Zwar wogte es wie ein Kornfeld, woruͤber der Wind faͤhrt, als es ſtundenlang im furchtbarſten Ka⸗ nonenfeuer ſtand, aber auch feſt gewurzelt, wie jenes. Ganze Rotten ſtuͤrzten nieder und der Tod wuͤthete graͤßlich unter ihnen, allein ſie ſtanden wie Krieger, die unter den Waffen grau geworden. Ein kontraſtirendes Hurrah ertoͤnte jedesmal, wenn die Zwoͤlfpfuͤnder unter ſie einſchlugen. Dies brave Regiment verlohr uͤber 300 Todte und Verwundete an jenem blutigen Tage. Es gab wieder einen Beweis, daß der Soldat der Beſte iſt, der den Zweck und Preis kennt, woran er ſein Leben ſetzt, — 144— wenn Beide nehmlich der Art ſind, daß er da⸗ fuͤr begeiſtert in den Kampf gehen kann. Nach Beendigung des Gottesdienſtes ging es an ein Kochen und Braten. Es fanden ſich Marketender ein, denen wir die theuern Lebensmittel, ohne zu feilſchen und zu murren, freudig abkauften, indem das Geld im Kriege gerade nur das iſt, was es ſeyn ſoll, ein Mittel zum Zweck. Es hoͤrt hier auf, an und fuͤr ſich Werth zu haben. Ein Menſch, der aller Wahrſcheinlichkeit nach ſchon morgen todt iſt, geizt mit dem Irdiſchen nicht. Nie⸗ mand benutzt indeß dies mehr als der Marke⸗ tender. Ein kleines Glas Fredersdorfer Bier galt vier Groſchen, das Pfund Butter ſech⸗ zehn Groſchen, eine braunſchweiger Wurſt ei⸗ nen Thaler und acht Groſchen, und ſo waren im Verhaͤltniß alle andern Beduͤrfniſſe theuer. Man kann dieſer Art von Kaufleuten den auf⸗ fallenden Gewinn wohl goͤnnen, wenn man bedenkt, daß der Verluſt eines einzigen Wagens, der dem Feinde in die Haͤnde faͤllt, ſie um alle fruͤhern Vortheile in einem Augenblick bringt. Die Nacht brachten wir auf den Hoͤhen von Kroppſtaͤdt zu und bildeten durch die veraͤnderte Stellung der andern Armeekorps, jetzt Arn trum dißſ 1n! ſeine Unſer Nord nicht gang Aufſt daß er da⸗ ann. nſtes ging es fanden te theuern u murren, in Kiige ſoll, ein auf, an Menſh, e morgen ſcht. Mie⸗ der Marke⸗ orfer Bier dutter ſeche Wurſt ei⸗ ſo waren ſſe theuer. n den auf⸗ wenn man e Wagens, t, ſie um ————⏑—ʒÿ:—— lick bringt.. een Hoͤhen durch die lemeekorps, jetzt mit den Schweden den rechten Fluͤgel der Armee Nach Juͤterbogk hin ſtand unſer Cen⸗ trum und der linke Fluͤgel, jenes von Buͤlow, dieſer von Tauenzien befehligt. Die Elbe blieb uns rechts, an deren Ufer Koſaken und das kleine Corps von Hellwig umherſchwaͤrmten. Unſere Schlachtlinie zog ſich von Suͤdweſt nach Nordoſt, behielt Berlin und die Marken alſo nicht mehr im Ruͤcken. Der ungluͤckliche Aus⸗ gang des Gefechtes am 5. Septbr. hatte dieſe Aufſtellung nothwendig zur Folge, indem da⸗ durch der linke Fluͤgel, ohne daß das Heer ſeine Baſis verlor, zuruͤckgeſchoben worden war. Der rechte feindliche Fluͤgel naͤherte ſich der Stadt Juͤterbogk, das Centrum dem Dorfe Dennewitz, und der linke ſtand bei Rohrbek und Goͤlsdorf. Die Gegend iſt mehr eben als huͤgelig und mit mehreren Gebuͤſchen be⸗ deckt. Schon am fruͤhen Morgen wurde der General von Tauenzien mit Macht angegrif⸗ fen und gedraͤngt. Denn der Feind ſuchte un⸗ ſre ganze Stellung zu umfluͤgeln und Juͤter⸗ bogk zu gewinnen. Um dies zu verhindern ruͤckte eine Brigade des General von Buͤlow nach der andern heran, bis endlich die ganze Armee, mit Ausnahme unſers Corps, im Feuer 10 — 146— ſtand. Es lag ganz beſtimmt nicht im Plan des Kronprinzen, gerade in dieſer Stellung und an dem Tage die Schlacht anzunehmen, viel⸗ mehr ihn noch etwas weiter gegen die Marken vorgehen zu laſſen, um ihn deſto ſicherer und leichter von der Elbe abzuſchneiden, was ſchon durch eine geringe Wendung unſers rechten Fluͤ⸗ gels moͤglich wurde. Nur daraus läßt es ſich erklaͤren, daß das Corps des General von Bor⸗ ſtell bis gegen eilf Uhr in ſeiner bisherigen Stellung ſtehen blieb, obgleich dieſer den Kron⸗ prinzen wiederholt und dringend bat, ihm zu erlauben, Theil an der Schlacht zu nehmen, weil er einen ungluͤcklichen Ausgang fuͤrchtete, indem die Feinde 80,000, die Preußen nur 40,000 Mann ſtark waren. Auch waren Schwe⸗ den und Ruſſen noch mehrere Meilen weit zuruͤck, und ein halber Tag mußte hingehen, ehe das ganze Heer beiſammen ſeyn konnte. Es ſcheint, als habe der Kronprinz den 7. Sept. dazu beſtimmt, das Schickſal der Marken zu entſcheiden; nach dem Willen Gottes wurde es der 6te, der das rechte Elbufer vom Feinde ſaͤuberte. Gegen eilf Uhr kam endlich der erſehnte Befehl zum Aufbruch, doch ſollte unſer Marſch im Pan lllung und ten, viel, e Marken berer und nas ſchon dehten Fluͤ⸗ läͤßt es ch von Vor⸗ bisherigen t den Kron⸗ at, ihm zu zu nehmen, ig fuͤrchtete, reußen nat aren Schwe⸗ Meilen weit hingehen, eyn konnte. den 7. Sept. Marken zu es wurde es vom Feinde der erſehnte anſer Marſch — 447— weniger gegen den angreifenden Feind, als ge⸗ gen deſſen linke Flanke gerichtet ſeyn, in der Hoffnung, daß General von Buͤlow ſelbſt ſtark genug ſey, auf ſeinem rechten Fluͤgel al⸗ len Angriffen des Feindes zu widerſtehen. Waͤre freilich dies der Fall geweſen, ſo haͤtte unſtrei⸗ tig unſer Flankenmarſch die wichtigſten Folgen gehabt. Zuſammengedraͤngt wuͤrde der Feind den Ruͤckzug nach Torgau verloren haben, und noch entſcheidender waͤre der Sieg uͤber ihn geworden. Als ſich aber General von Vorſtell dem Scllachtfelde naͤherte, uͤberzeugte er ſich ſehr bald von der großen Gefahr, in welcher unſer rechte Fluͤgel ſchwebte, und er glaubte daher, dem Befehl des Kronprinzen ohne Bedenken geradezu entgegen handeln zu duͤrfen, um das Gewiſſe dem Ungewiſſen vorzuziehen, und lie⸗ ber einen weniger vollſtaͤndigeren Sieg errin⸗ gen zu helfen, als einen muͤſſigen Zuſchauer des feindlichen Siegers abzugeben. Daher wandten wir uns denn halb links, unſerm be⸗ draͤngten rechten Fluͤgel zu helfen. Faſt in einem Trabe gings uͤber den weichen, ſtaubi⸗ gen Acker, querfeldein, ohne daß nur Einer Muͤdigkeit gefuͤhlt haͤtte; denn groß war die Gefahr/ in der die Armee ſchwebte. Das — 148— Armeekorps des General von Buͤlow hatte ſich ſchon faſt ganz verſchoſſen, und wuͤthend war der Kampf um den Beſitz der verſchiednen Doͤrfer. Die Brigade des General von Krafft, die den aͤußerſten rechten Fluͤgel bildete, war ſchon ſehr zuſammengeſchmolzen; denn vom Morgen an hatte ſie dem Feinde die Spitze geboten, der beſonders auf dieſer Seite draͤngte und mit Uebermacht das Dorf Goͤlsdorf an⸗ griff. Dies Dorf wurde von dem heldenmuͤ⸗ thigen Regiment Colberg wechſelsweiſe geſtuͤrmt und mit faſt uͤbermenſchlichem Muthe gegen die ebenfalls tapfern Baiern, Wuͤrtemberger und Sachſen vertheidigt. Doch auch der be⸗ harrlichſte Muth, die treuſte Tapferkeit hat ihr Ziel und findet ihre Grenze. Ohne auf Unterſtuͤtzung rechnen zu koͤnnen, denn alle Re⸗ ſerven waren ſchon im Feuer, mußte es ſich auf ſich ſelbſt verlaſſen und ſah ſeinen Unter⸗ gang vor Augen. Immer mehr ſchmoſz es zuſammen, immer mehr ſank ſeine Kraft, im⸗ mer ſtaͤrker wurde der Andrang des Feindes, der kaum vor ſeinen eignen Todten eindringen konnte und auf Leichenhuͤgeln kaͤmpfte, ent⸗ ſchloſſen, es koſte was es wolle, das Dorf zu nehmen— da, in dieſen kritiſchen Augenblik⸗ ken M. ral de purd keriel leute ſiege dieſen jonne los. Fein angen denn Keaft ten C geben von walti Hurl Tode in Fl Haäͤnde war Lande einan atte ſch nd war chiednen Krafft, 2, war un vom e Syite edrängte dorf an⸗ hldenmuͤ⸗ geſtuͤrmt the gegen temberger der be⸗ erdeit dat Ohne auf alle Re⸗ te es ſich —n Unter⸗ ſchmolz es raft, im⸗ Feindes, rindringen fte, ent⸗ Dorf zu ugenblt⸗ — 140— ken, an welchen vielleicht das Schickſal der Marken hing, erſchien die Diviſion des Gene⸗ rals von Borſtell, der Schlacht eine an⸗ dre Wendung zu geben. Denn augenblicklich wurde ein Theil des erſten pommerſchen Infan⸗ terieregiments beordert, den bedraͤngten Lands⸗ leuten zu Huͤlfe zu eilen und das Dorf dem ſiegenden Feinde zu entreißen. Freudig wurde dieſer Befehl ausgefuͤhrt. Mit gefaͤlltem Ba⸗ jonnet gings vorwaͤrts auf den ſtutzenden Feind los. Ein moͤrderiſcher Kampf begann. Der Feind, der ſich ſo unvermuthet in der Seite angefallen ſah, kam zwiſchen zwei Feuer— denn es rafften nun die Colberger ihre letzte Kraft zuſammen— und kaͤmpfte mit der groͤß⸗ ten Erbitterung, ja Verzweiflung. Doch ver⸗ gebens— er wurde mit Kolben erſchlagen, die von den markigen Armen der Pommern ſo ge⸗ waltig gefuͤhrt und mit einem ſo betaͤubenden Hurrah begleitet wurden, daß nur wenige dem Tode entrannen und das Dorf, das unterdeß in Flammen aufgegangen war, bald in unſere Haͤnde fiel und von uns behauptet wurde. Es war ein ruͤhrender Augenblick, als ſich die Landsleute, an ihrem weißen Kragen kenntlich, einander anſichtig wurden und die Colberger V V 150— ſich von den ihnen verwandten Gefaͤhrten ge⸗ rettet ſahen. Da ſchuͤttelte Mancher, Thraͤnen im Auge, dem Andern die markige, blutige Hand, zu neuem Trutzbuͤndniß; Mancher aber vermißte auch den Bruder, und auf ſeine Frage hieß es:„laß ſie ruhn die Todten.“ Hier war es uͤbrigens auch, wo ſich die bekannte Auguſte Kruͤger, eine Meklenburgerin, Unteroffizier im Regiment Colberg, das eiſerne Kreuz errun⸗ gen hat. Mit gleicher Erbitterung ſchlug man ſich um eben die Zeit in den Doͤrfern Dietersdorf, Den⸗ newitz und Rohrbek, wo beſonders die Brigade des General von Thuͤmen ſehr litt. Auch kam der General von Buͤlow mit ſeiner Staabs⸗ wache ſelbſt in große Gefahr, indem feind⸗ liche Lanciers ſich durch das Heer durch⸗ geſchlichen oder verirrt hatten,(was bei dem ungeheuren Staube, der die ganze Ge⸗ gend bedeckte, weder ſchwer noch zu verwun⸗ dern war) und einen kuͤhnen Angriff auf Jene machten, das Einzige, was ihnen noch uͤbrig blieb. Doch wurden ſie ſo lange aufgehalten, bis Huͤlfe kam, und dann theils getoͤdtet, theils gefangen genommen. hrten de Thranen blunge her aber in Frage Kier war te Auguſte fftzier im uß errun⸗ an ſich um orf, Den⸗ e Brigade Auch kam r Staabs⸗ ſem feind⸗ eer durch⸗ (was bei ganze Ge⸗ zu verwun⸗ fauf Jene noch uͤbrig ufgehalten, diet, theils wohl froh nennen, 451— Gegen zwei Uhr kam auf ſolche Weiſe die Schlacht zum Stehen, doch blieb der Sieg nooch unentſchieden; denn obgleich die Diviſion Borſtell— nahe an 10,000 Mann ſtark— den rechten Fluͤgel der Armee einnahm und dadurch dem Feinde das Ueberfluͤgeln vereitelte, ſo war ſie doch ganz von Batterien entbloͤßt; denn die wenigen ſechspfuͤndigen wurden, ehe ſie ſich auf Schußweite den weiter reichenden zwoͤlf⸗ und vier und zwanzigpfuͤndigen ſeindli⸗ chen Batterien genaͤhert hatten, demontirt und mußten zuruͤckgehen. So ſtanden wir denn an vier Stunden in dem furchtbarſten Kano⸗ nenfeuer, ohne etwas gegen den Feind ausrich⸗ ten zu koͤnnen, weil jedem Angriff der Nach⸗ druck fehlte, den erſt Batterien geben. Acht und vierzig Feuerſchluͤnde ſchleuderten unaufhoͤr⸗ lich Paßkugeln und Grannten unter uns, ſcha⸗ deten aber zum Gluͤck weniger, als wir im Anfang fuͤrchteten, weil die meiſten Granaten in der Luft platzten und die rikoſchettirenden Kugeln großentheils uͤber die Regimenter hin⸗ wegſprangen. Dennoch litten dieſe bedeutend. Es waren ſchrecklich frohe Stunden, die ich an jenem Nachmittag erlebte. Ich darf ſie denn ich habe in ihnen — 152— Freudenthraͤnen geweint, ſowohl uͤber unſern feſten Muth, der uns an kein Zuruͤckgehen denken ließ, wie uͤber unſre Begeiſterung, die uns antrieb, gleich den Maͤnnern im Feuerofen, Loblieder zu ſingen, waͤhrend links und rechts, vor und hinter uns die verheerenden Kugeln einſchlugen und ſo manchen Saͤnger zum Hal⸗ leluja dort oben abriefen. Freudenthraͤnen habe ich uͤber Gottes Liebe geweint, die uns jenen Muth, jene Begeiſterung gab und ſich ſo auch in dem Blute der Unſrigen verkläͤrte; uͤber ſeine Allmacht, die da ſprach:„bis hieher und nicht weiter.“ Aber es waren auch ſchreckliche Stunden, denn unſre Zungen klebten am Gau⸗ men und keinen Labetrunk gab uns die Sand⸗ wuͤſte, hoͤchſtens Kohltoͤpfe, deren ſaftiges Mark einige Erquickung verſchaffte. Fingerdicker Staub lag auf unſern Angeſichtern und wurde vom Schweiße feſtgehalten; Verwundete lagen rings umher und erfuͤllten die Luft mit Wehklagen und Jammergeſchrei. Sonſt hoͤrt man ihr Winſeln nicht, wenn Jeder zu thun hat und tauſend Gewehre losgebrannt werden; hier aber war es anders, denn Jeder hatte Muße genug, ſeinen Blick um ſich zu werfen und die Greuel der Verwuͤſtung mit anzuſehn. So — 153— waren es denn Gefuͤhle, die ſchneidend durch die Seele gingen und alle Schmerzen in ihr auf⸗ wuͤhlten; Gefuͤhle, die ſich nicht ſchildern laſſen, wiewohl es Schiller verſucht hat; wenn man jetzt dem Freunde Lebewohl ſagen, oder ſeinen Kopf vom Rumpfe ſpringen ſehen mußte, wenn der Tod jetzt den Bruder niederſchmetterte, oder nur mit Ungeſtuͤm einen Arm oder Fuß von ihm verlangte und ihn auf zehn Schritt in die Luft mit fortriß. Faſt alle Kugeln wa⸗ ren rikoſchettirende, d. h. aufſpringende, weil ſie in einem Bogen geworfen werden. Wir konnten ihnen alſo hin und wieder ausweichen, oder uns niederwerfend, ſie uͤber uns hinweg⸗ ſpringen laſſen. Aber dies ewige Ausweichen, dieſe ſtete Aufmerkſamkeit auf jede anſtuͤrmende Kugel, die durch den Druck der Luft den Nahe⸗ ſtehenden ſchon toͤdtet, war recht geeignet, Gott zu bitten, ein Ende zu machen. Mit welcher Sehnſucht blickten wir nach der Sonne, die friedlich und freundlich herabblickte, aber ſie ſchien heute wirklich dem Rufe eines Joſua zu gehorchen, und es krochen die blutigen Mi⸗ nuten an dem Zeitenrade, um unſre ganze Standhaftigkeit auf die Probe zu ſtellen. Sel⸗ ten haben wohl Menſchen den Untergang der — 154— Sonne ſo begierig erſehnt, als wir, die wir nichts, als unſern Leib Preis zu geben, ver⸗ mochten. Wahrlich die allerſchwerſte Aufgabe fuͤr den Soldaten, wogegen der Sturm auf Batterien und Doͤrfer wie eine Erholung er⸗ ſcheint, weil man dann thäͤtig iſt und daruͤber die Furchtbarkeit der Gegenwart vergißt, oder ſie dadurch mildert, daß man ſich ſelbſt be⸗ taͤubt. Das Regiment konnte auch endlich dieſe muͤſſige Lage nicht laͤnger ertragen. Als daher der Kommandeur des einen Batalllons, Major von Podewils, einmal„kehrt“ kom⸗ mandirte, um es in eine guͤnſtigere Stellung, etwa zwanzig bis dreißig Schritt, zuruͤckzubrin⸗ gen, da trat ein bejahrter Unteroffizier im Namen ſeiner Streitgenoſſen vor und rief: „nicht zuruͤck, ſondern vorwaͤrts! Hurrah!“ Im ganzen Regiment donnerte dies Wort als Echo nach. Da ſprang der kuͤhne Fuͤhrer vom Roſſe, ſprechend:„iſt's ſo gemeint, meine Kinder, in Gottes Namen!“ und dem Fahnentraͤger ent⸗ riß er die Fahne und ſtuͤrmte mit dem Regi⸗ ment auf die vor uns ſtehenden Batterien los. Alle andern Regimenter thaten ein Gleiches. Aus dem Kanonenfeuer kamen wir gluͤcklich, doch aus dem Regen in die Traufe; denn wie dlung er⸗ d daruͤber ſßt, dder ſelbſt b 8 ch endlich ſen. Als dataillons, hrt“ kom, Stellung, rückzubtin⸗ offizier im und rief: ah!“ Im als Echo dom Roſſe, Kinder, in traͤger ent⸗ dem Regi⸗ terien los. Gleiches, egluͤcklich, denn wie Sand am Meer ſauſten nun Kartaͤtſchen um uns her, die ganze Glieder niederriſſen; zur Seite, ganz in der Naͤhe zeigte ſich feindliche Reiterei, die uns durch Scheinangriffe zwin⸗ gen wollte, verderbliche Vierecke zu bilden, und wir ſahen die Unmoͤglichkeit ein, hier et⸗ was durchzuſetzen. Langſam und in groͤßter Ordnung gingen wir wieder auf unſern vorigen Standpunkt zuruͤck, vor Wuth kochend, hier nichts weiter als Schlachtopfer zu ſeyn.* Endlich, endlich kam gegen ſechs Uhr Abends ruſſiſches und ſchwediſches ſchweres Geſchuͤtz an, das erſt nach unſerm linken Fluͤgel geeilt war und dort Befehl bekommen hatte, den rechten zu unterſtuͤtzen, wo es an ſchwerem Geſchuͤtz gaͤnzlich mangele. Dieſe Batterien erſchienen uns als rettende Engel. Jetzt war uns der Sieg gewiß. Im Sturmſchritt ging's nun vorwaͤrts, das Geſchuͤtz uns zur Seite, deſſen maͤchtiger Donner uns freudig betaͤubte und den Feind außer Faſſung brachte. Verheerend war ſeine Wirkung, denn die Verbuͤndeten zielten beſſer; glaͤnzend der Erfolg, denn der Feind verließ alle ſeine Stellungen, und unaufhaltſam unſer Vordringen auf der ganzen Schlachtlinie, die jetzt durch die Ankunft der Schweden und Ruſ⸗ — 156— ſen, die einen Marſch von drei bis vier Mei⸗ len zuruͤckgelegt hatten, um 60,000 Mann ver⸗ ſtaͤrkt worden war. Neues Leben durchdrang den Muͤdeſten, und ſelbſt Verwundete vergaßen uͤber den Sieg und uͤber die Verwirrung des Feindes das ſtroͤmende Blut, bis Erſchoͤpfung ſie niederwarf. Der dichte Staub und Rauch ließ uns nichts erkennen, als den Fuß breit Erde, den wir in jedem Augenblick vordringend gewannen, und die Nachbarn zur Rechten und Linken, die denn freilich noch immer oft genug wechſelten, waͤhrend das Kleingewehrfeuer auf der ganzen Linie hin und her raſſelte. Da ſchwieg ploͤtz⸗ lich das Feuer und durch den Staub hindurch blitzten Saͤbel, die uns frohlockend verkuͤndeten, daß unſre Arbeit gethan ſey. Pommerſche Huſaren, Prinz Wilhelm Dragoner und Weſt⸗ preußiſche Uhlanen ſprengten ein feindliches Viereck nach dem andern, und hieben unter andern ein Dragonerregiment des Rheinbundes, gegen welchen die Erbitterung der Unſrigen noch groͤßer war, als gegen die Welſchen, in die Pfanne. Weithin im Schlachtthale lagen ihre ſchimmernden Helme, in welchen ſich blut⸗ roth die untergehende Sonne ſpiegelte. Mit Schaudern betraten wir das Schlachtfeld des / Feindes Ach ob Der Si Thräne del Tod Mellen dumpfes ausgebre Schuld dode f. Thrͤne ſen blut lor viel; häͤngnißt nigen ge Viereck unſern F todt unt um ihn ben. erinnert lebhaft, Söiickſa des Krie Mäͤdcht liehte. * Mii, in ver⸗ ’drang gaßen g des plung ch leß de, den annen, in, die ſelten, ganzen plot⸗ durch deten, verſche Weſt⸗ diches unter undes, iſtigen n, in lagen blut⸗ Mit Id des — 157— Feindes, der wie gemaͤht zur Todtenerndte, lag. Ach! aber auch von den Unſrigen fehlten Viele. Der Sieg wurde theuer erkauft. So manche Thraͤne wurde um den Bruder geweint, den der Tod aus dem Freundesbunde geriſſen. Mellen weit erſtreckte ſich das Leichenfeld und dumpfes Schweigen lag uͤber die Leichenhuͤgel ausgebreitet, den bei Gott zu verklagen, der Schuld an dieſen Blutſtroͤmen war und dem Tode Hekatomben ſchlachtete. Eine gerechte Thraͤne zittert mir bei der Erinnerung an die⸗ ſen blutigen Tag im Auge, denn auch ich ver⸗ lor viel; manches Herz wurde in jenen ver⸗ haͤngnißvollen Stunden auf ewig von dem mei⸗ nigen geriſſen. Als wir uns einem feindlichen Viereck naheten, das todt oder verſtuͤmmelt vor unſern Fuͤßen lag, fand ich den guten**, todt unter ſeinem Roſſe und mehrere Feinde um ihn, denen er im Sterben den Tod gege⸗ ben. Ich moͤchte ihn Max nennen, denn er erinnert mich an den jungen Piccolomini zu lebhaft, wenn auch nur in dem Ausgang ſeines Schickſals. Er hatte ſich kurz vor Ausbruch des Krieges mit einem liebenswuͤrdigen, jungen Maͤdchen verlobt, das er mehr als ſein Leben liebte.) Auch ſchien er wieder geliebt zu wer⸗ — 158— den.— Da rief der Koͤnig ſeine Kinder, und Alle kamen und auch er. Sie, die er mit ſchwerem Herzen verließ, ſchwur ihm ewige Treue und ihr Bild war es, was ihn zum kühnen Ritter machte, und mancher Feind blutete unter ſeinen gewaltigen Streichen. Im Anfang bekam er fleißig Briefe von ſeiner Ge⸗ liebten, worin ſie ihm die alte Liebe und Zaͤrt⸗ lichkeit zeigte, und ihm ſeinen Frohſinn auch in den truͤbſten Stunden erhielt; denn er lebte nur in ihr. Spaͤterhin aber blieben dieſe Briefe aus, bis er, ſchon unruhig geworden, ploͤtzlich voon ihr ein Schreiben erhielt, worin ſie ihm meldete, daß ſie ſich nach dem Willen ihres Vaters, dem ſie doch Gehorſam ſchuldig ſey, mit einem Andern verlobt habe und naͤchſtens ihre Hochzeit feiern wuͤrde. Vernuͤnftiger Weiſe koͤnne er dagegen nichts haben, weil dieſe Par⸗ thie ſehr vortheilhaft, er dagegen taͤglich ein Kind des Todes ſey, deſſen Leben an einem ſeidnen Faden hange. Auf ſeine Zuruͤckkunft bauen wollen, ſey daher eben ſo thoͤricht, als gefaͤhrlich, er moͤchte ſie daher zu vergeſſen ſuchen. Dies und aͤhnliches vernuͤnftelte die Holde.— Den Brief erhielt er kurz vor der Schlacht bei Dennewitz. Duͤſter und in ſich gekehr einer auf e ſeitdem nur nog ger S ßiſchen einhieb nem tre jonnette link vielen im dick ger lag Grab n lebensft ſeinem als die den Ao ſie die frauen Enghern denherz berdiente tochter, von all t, Und er mit eldige n zum Feind Im R Ge⸗ d Jäͤrt⸗ n auch lebte Brieſe doͤzlich ſe ihm ihres id ſey, ſchſtens Weiſe Par⸗ lch ein einem ickkunſt t, als rgeſſen lte die vor der in ſich von allen Engeln verlaſſen, ſich zwiſchen den gekehrt ging er einher, und ſehnte ſich nach einer Schlacht, ſein Blut abzukuͤhlen vielleicht auf ewig. Sein Leben galt ihm jetzt wenig, ſeitdem es ſich ſeiner Zierde beraubt ſah; es nur noch heuer zu verkaufen, war ſein einzi⸗ ger Wunſch. Er wurde erfuͤllt. Als die preu⸗ ßiſchen Reiter in mehrere feindliche Vierecke einhieben, war P** der Erſte, der mit ſei⸗ nem treuen Thiere ſich in die feindlichen Ba⸗ jonnette warf, ſich wuͤthend Raum verſchaffte, links und rechts Koͤpfe ſpaltete, bis er von vielen Stichen durchbohrt, ſamt ſeinem Roſſe im dickſten Haufen feindlicher Leichen als Sie⸗ ger lag und ſeinen Eid und Ring mit in's Grab nahm.— Er war ein edler, frommer, lebensfroher Juͤngling, der ein hohes Ideal in ſeinem Herzen trug, darum wurde es zerriſſen, als die Treuloſe ihn aus ſeinem Himmel in den Abgrund warf. Zu wuͤnſchen iſt es, daß ſie die Einzige unter den hochherzigen Jung⸗ frauen Preußens moͤge geweſen ſeyn, die durch Engherzigkeit und niedrigen Egoismus ein Hel⸗ denherz gebrochen hat, das eine ſchoͤnere Liebe verdiente, als die matte, kalte, welke Erden⸗ tochter, die um das taͤgliche Brod bittet und — 160— 2 Mann und das Huͤhnervolk und die Milchkam⸗ mer theilt, um Allen Alles zu ſeyn.— Ach! ich durfte weder ihn, noch die andern geliebten DTodten begraben und ihnen Heil und Segen in ihre Grube hinabwuͤnſchen, denn der Sieg riß Lebende und Todte aus einander. Dort oben aber am Sternenhimmel findet der ſeh⸗ nende, glaͤubige Blick ein flammendes Wort, das ſegnend zum Herzen ſpricht— das Wie⸗ derſehn. Euch, ihr Theuern! iſt jetzt wohl, denn ihr habt den Kampf mit dem Leben aus⸗ gekaͤmpft, und eure Graͤber ſind heilige Denk⸗ maͤler eurer Liebe geworden, die wie an Saͤr⸗ gen ſich auch an euren Grabeshuͤgeln verklaͤrt. Waͤhrend unſer rechte Fluͤgel dem Feinde eine ſo gaͤnzliche Niederlage beibrachte, war das Cen⸗ trum und der linke Fluͤgel ebenfalls im Sturm⸗ ſchritt vorgeruͤckt und die Schlacht war ent⸗ ſchieden. Gegen halb acht Uhr war die Flucht des Feindes allgemein und ſo unaufhaltſam und ſtuͤrmiſch, daß unſre ermuͤdeten Reiter Muͤhe hatten, ihn mit Nachdruck zu verfolgen. Der Major von Hellwig vermehrte durch ſein plotzliches Erſcheinen im Ruͤcken des Feindes ſeine Beſtuͤrzung und entriß ihm noch Gepaͤck, Geſchuͤz und den groͤßten Theil der Verwun⸗ deten. es beli ſo hau ten ſef Feind ſe dertriebe nen. loſer 5l foloung⸗ So gartttet gene ge healb to auf 5 b Meh muth de rer Fuͤh auch wid reiche S newitz wo Kka moraliſch ſinnliche hoher Be ger wied waͤgt, d ſlctam, —cl geliebten Segen r Sieg Dort der ſeh⸗ 5 Wort, 18 Wie⸗ t wohl, en aus⸗ Denk⸗ in Saͤr⸗ verklaͤrt. de eine as Cen⸗ Sturm⸗ ar ent⸗ 2 Flucht haltſam Neiter rfolgen. ich ſein Feindes Gepack, Verwwun⸗ — 161— deten. Waͤre ſein Freikorps ſtaͤrker geweſen— es belief ſich ungefaͤhr nur auf 1000 Mann— ſo haͤtte ſein Erſcheinen zu wichtigen Reſulta⸗ ten gefuͤhrt. Auch aus Dahme, wo ſich der Feind ſetzen wollte, wurde er noch in der Nacht vertrieben, mit Zuruͤcklaſſung mehrerer Kano⸗ nen. Da wandte er ſich denn in eiliger, regel⸗ loſer Flucht nach Torgau, das ihn unſern Ver⸗ folgungen entriß. So waren denn die Marken und Berlin gerettet, 80 Kanonen erbeutet, 5000 Gefan⸗ gene gemacht und an 15,000 Mann todt oder halb todt geſchlagen. Unſer Verluſt wurde auf 5 bis 6000 Mann geſchaͤtzt. Mehr durch die Tapferkeit, den Helden⸗ muth der Preußen, als durch die Klugheit ih⸗ rer Fuͤhrer, ſo viel Gerechtigkeit man ihnen auch widerfahren laſſen muß, wurde der glor⸗ reiche Sieg errungen. Die Schlacht bei Den⸗ newitz war eine recht eigentliche Volksſchlacht, wo Kraft gegen Kraft kaͤmpfte und wo die moraliſche, oder beſſer wohl, religioͤſe, uͤber die ſinnliche endlich den Sieg davon trug. Von hoher Bewunderung gegen die preußiſchen Krie⸗ ger wird man durchdrungen, wenn man er⸗ waͤgt, daß am 6. Septbr. 40,000 Mann, von 11 — 162— 8 denen die meiſten Landwehren waren, die ſo eben die heimathliche Flur verlaſſen, vielleicht noch nie ein Gewehr abgeſchoſſen hatten, und vöͤllig unkundig des Dienſtes unwiſſenden Re⸗ kruten glichen, die von eben ſo unerfahrnen Offizieren, die fruͤher Kandidaten, Studenten, oder Handlungsdiener geweſen waren, oder von Invaliden, von Greiſen geleitet wurden, bei denen der Wille mit der That in ſchnei⸗ dendem Contraſte ſtand,— wenn man be⸗ denkt, daß dieſe Maͤnner ein noch einmal ſo ſtarkes, ſieggewohntes, tapferes, rachedurſten⸗ des Heer ſchlugen, das ſich eines ganz vorzuͤg⸗ lichen Feldherrn erfreute der in einer Reihe von fuͤnf und zwanzig Jahren mit allen Kuͤn⸗ ſten und Erſcheinungen des Krieges vertraut geworden und ein ausgezeichneter Taktiker war.— Mag die Schlacht bei der Katzbach zu glaͤnzenderen Reſultaten gefuͤhrt haben, mag die Schlacht bei Leipzig⸗mit Recht eine Rieſen⸗ ſchlacht genannt werden und die Siege bei la Rothière und Laon unvergaͤngliche Ge⸗ ſchmeide in dem Heldenkranze des bewunderten Greiſes ſeyn, immer bleibt die Schlacht bei Dennewitz mit das ſchoͤnſte Denkmal von Heldengroͤße, das ſich das preußiſche Volk ge⸗ ſitt Jahth Schlad bei lig dern t genau die T Schlac Helden bens, die R garten damit den an pferkei hoͤtten aaßere aüͤlige unbede als a daß w Ehre. man n der K Laon tes gil die ſo diellich n, und den Ne⸗ fahrnen denten, dder wurden, ſchnei⸗ nan be⸗ inmal ſo edurſten⸗ vorzüͤg, er Neihe an Kuͤn⸗ vertraut Taktiker Katzbach den, mag ſe Rieſen⸗ Siege bei ſche Ge⸗ underten lacht bei mal von Volk ge⸗ — 163— ſetzt hat. Nur eine Schlacht ſteht in den Jahrbuͤchern ſeiner Geſchichte noch hoͤher, die Schlacht bei la belle Alliance, oder richtiger bei Ligny. Beide verdienen daher vor allen an⸗ dern von den Geſchichtſchreibern richtig und genau aufgefaßt zu werden, weil hier weniger die Taktik zu bewundern iſt, die Friedrichs Schlachten unſterblich macht, als vielmehr ein Heldenmuth, eine freudige Hingebung des Le⸗ bens, eine fromme Begeiſterung, die ſie in die Reihe der Schlachten bei Marathon, Mor⸗ garten, Sempach und Murten ſtellt. Es iſt damit nicht geſagt, daß die Verbuͤndeten in den andern Schlachten weniger Muth und Ta⸗ pferkeit und Begeiſterung an den Tag gelegt hoͤtten, aber dieſe Tugenden wurden dort durch aͤußere Umſtaͤnde, oder vielmehr durch die all⸗ guͤtige Vorſehung, die den Sieg oft mehr an unbedeutende Umſtaͤnde, mehr an das Gluͤc⸗ als an die Klugheit knuͤpft, ſo ſehr unterſtuͤtzt, daß weniger der Tugend, als dem Gluͤck die Ehre gebuͤhrt. Wer moͤchte das laͤugnen, wenn man nur einen Blick auf die Schlachten bei der Katzbach, Culm, Leipzig, la Rothisre, Laon und la belle Alliance wirft, wo Got⸗ tes Finger ſo ſehr ſichtbar wird und ſeine Macht, — 164— ’die an dieſen Tagen ſich deutlicher als je ver⸗ herrlichte. In der Schlacht bei Dennewitz waren dagegen alle Umſtaͤnde den Preußen feindlich und unguͤnſtig; kein Regen ſtroͤmte herab, keine Maſſen erdruͤckten den Feind, keine Spione verriethen irgend eine ſeiner Schwaͤchen, kein Ueberfall ſtellte die Lage der Dinge wieder her, kein feſter Punkt diente dem Heere zur Stuͤtze und Schutzwehr. Nichts von Allem, im Gegentheil wurden große Feh⸗ ler gemacht, die Stellung war unguͤnſtig, denn der Wind trieb dem Heere Wolken von Staub in's Geſicht; es fehlte an Batterien, denn die ruſſiſchen und ſchwediſchen kamen erſt gegen Abend; es mangelte uͤberhaupt an einem durch⸗ dachten Plan, ſo daß die Schlacht eigentlich aus dem Stegereif geliefert wurde, indem der Kronprinz erſt den 7. Septbr. zum Schlacht⸗ tag beſtimmt hatte; es kaͤmpften daher nur 40,000 Preußen gegen 80,000 Feinde, und den⸗ noch wurde ein glorreicher Sieg erzwungen, weil Alle ihn einmal erzwingen wollten, dennoch wurde der Feind in eine unaufhaltſame Flucht getrieben, als wolle er dem Bewußtſeyn ſeiner Schuld entfliehen.— Allee ſpaͤtere Schlachten waren bei ihm mehr Ausdruck eines Verzwei⸗ ſelnden ſtand ſ Aogrun Fraft u die let wahren dachte ſich ges laſſn! Je lih in der au ſo daß der La das G um n recht d Uele— aus nen g den ra dieſe ſechten hergin lanen Landu ſe dir⸗ ennevit Preußen ſtroͤnte Feind, ſeiner dage der t diente Nichts öße Feh⸗ ig, denn n Staub denn die ſt gegen im durch⸗ eigentlich dem der Schlacht⸗ her nur und den⸗ gen, weil dennoch e Flucht n ſeiner ſchlachten Verzwei⸗ — 165— felnden, der, ſich ſelbſt vernichtend, den Gegen⸗ ſtand ſeiner wilden Rache mit ſich zugleich in den Abgrund reißen will, als Beweiſe von innerer Kraft und Freiheit. Hier bei Dennewitz ging die letzte moraliſche Kraft deſſelben, die die wahren Siege erringt, unter. Von jetzt an dachte er weniger an Eroberungen, als daran, ſich gegen die Tugend zu ſchuen, die ihn ver⸗ laſſen hatte. Jene WVillleskraft effentarts ſich nament⸗ lich in allen Landwehren, freilich hin und wie— der auch wohl auf eine hoͤchſt originelle Weiſe, ſo daß man ernſt geſtimmt ſeyn muß, um uͤber der Laͤcherlichkeit jener Kraftentladung, nicht das Großartige ihres Bewußtſeyns zu vergeſſen. Um nur ein Beiſpiel der Art anzufuͤhren, das recht deutlich beweiſt, daß der Menſch gar viele Quellen in ſich findet, ſich und Andere aus Gefahren zu retten, wenn er nur beſon⸗ nen genag iſt, es zu rechter Zeit zu thun und den rechten Fleck zu treffen. Ehre dem, der dieſe Geiſtesgegenwart beſitzt. In den Ge⸗ fechten, die der Schlacht bei Dennewitz vor⸗ hergingen, ſtehen zwanzig bis dreißig uh⸗ lanen auf Piket und nicht weit davon einige Landwehrmaͤnner auf Wrpoſten. Da ruͤckt — 166— ploͤtzlich der Feind heran und beſonnen ziehen ſich die Preußen zuruͤck. Granaten ſauſen durch die Luft. Eine derſelben faͤllt unweit je⸗ ner Uhlanen nieder und iſt im Begriff zu platzen. Dadurch waͤren die armen Reiter zweifelsohne groͤßtentheils zerſchmettert worden, und das fuͤhlt denn auch ein kecker Landwehr⸗ mann, ſtuͤrzt, ſeine eigne Sicherheit vergeſſend, (denn er durfte ſich nur niederwerfen, um ge⸗ ſchuͤtzt zu ſeyn), ſchnell hinzu und— salva venia h*r*rt raſch den brennenden Zuͤnder aus. Roß und Reiter waren gerettet. Viel⸗ leicht iſt dieſe Loͤſchmethode nur einmal im Kriege angewendet worden, und ſie verdient doch der Beherzigung ſo ſehr. Freilich gehoͤrt Muth, kaltes Blut und noch etwas andres dazu. Der Landwehrmann hat fuͤr ſeine men⸗ ſchenfreundliche That das eiſerne Kreuz erhal⸗ ten, und verdient es auch, obgleich die Art und Weiſe, wie er dem Feinde entgegen ar⸗ beitete, ein wenig ſonderbar war und vielleicht keine Nachahmer gefunden hat. Noch an demſelben Abend— den 16. Sept.— drang die Armee bis Lang⸗Lipsdorf vor, das von Einwohnern entbloͤßt, ſchon die Flucht des Feindes erfahren hatte und von den Vatteri zugteife umhet, nicht i ſcheute, umher und G glaube wahrli taante ungea⸗ hetſt blicken Welc diehen ſauſen ſveit je, riff zu Reiter lvorden, nowehr, geſſend, um ge⸗ Salya Zuͤnder . Viel⸗ erdient gehoͤrt andres te men⸗ erhal⸗ die Art gen ar⸗ ielleicht en 16. podorf on die 8n din al im — 167— unſrigen noch einmal ausgepluͤndert wurde. Mehr die Noth, Hunger und Durſt verleitet den Soldaten dazu, als Rohheit und Wildheit. Der Zufall fuͤhrte mich in das Haus des Pre⸗ digers, der ebenfalls entflohen war, oder viel⸗ mehr in deſſen Keller, wo ich mit einer Kiehn⸗ fackel in der Hand, eine Rekognoszirung anſtellte. Saure Milch ſtand in Schuͤſſeln und Toͤpfen, wie Batterien aufgefahren, und ich war ſo dreiſt, zu⸗ zugreifen. Tauſende ſchwäͤrmten in dem Dorfe umher, und ein Wunder war es, daß das Dorf nicht in Brand gerieth, da man ſich nicht ſcheute, auf allen Boͤden mit brennendem Kiehn umher zu leuchten, um Brod, Mehl, Obſt und Gemuͤſe zu ſuchen. Doch will ja der Aber⸗ glaube, daß Soldatenfeuer nicht zuͤnde, und wahrlich, man moͤchte an irgend eine unbe⸗ kannte Macht glauben, die mit ihm iſt, da ungeachtet der groͤßten Ruchloſigkeit nur aͤu⸗ ßerſt ſelten durch ihn eine Feuersbrunſt entſteht. Darauf gings, ſchwer bepackt mit Mehl, Obſt, Eiern u. ſ. w. in's Lager, wo vierzig erbeutete Wagen mit Reis ſo eben vertheilt wurden. Man muß den Soldaten in ſolchen Augen⸗ blicken, nach einer gewonnenen Schlacht ſehen! Welche Beweglichkeit und Regſamkeit! welchen — 168— Scharfſinn offenbart er, ſich den Sieg zu Nutze zu machen! welche unbeſchreibliche Froͤhlichkeit durchdringt ihn, welcher Uebermuth bei dem Roheren, welche innige fromme Freude mahlt ſich auf dem Angeſicht des Beſſeren! Und wen mag das wundern! Nirgends iſt ja der Wech⸗ ſel des Lebens ſo auffallend als im Kriege. Nirgends haͤlt daher der Menſch den Augen⸗ blick ſo feſt, als hier, wo ſchon der naͤchſte ganz andre Erſcheinungen mit ſich fuͤhrt und wo die bitterſte Armuth an den ſolideſten Wohlſtand, der groͤßte Mangel an Ueberfluß, der Tod unmittelbar an das Leben grenzt. Wir blieben einige Tage bei dem vorhin genannten Dorfe ſtehen, um nach ſo vielen Anſtrengungen Odem zu ſchoͤpfen. Am 8. Sept. wurde Viktoria geſchoſſen und dem Ewigen, der den Sieg in unſre Rechte gegeben, aus vollem kindlichen Herzen gedankt. Noch immer wurden Gefangene eingebracht, wahre Jam⸗ merbilder, die eben ſowohl Mitleid als Ent⸗ ſetzen erregten. Doch ging ihre Begleitung, aus Landwehren beſtehend, nicht ſchonend mit ihnen um, denn die Wuth und Erbitterung war zu groß. Obgleich zum Theil verwundet, hungrig und abgeriſſen, wurden ſie, gleich Heerden fort⸗ gettiben die vol fonnten ſthe, nd fer noch kie ten ſie dieſelbe gücklic und d rechnen war, Dahm zum ich ein die m ähk! meine Gef genuf bende Freud Säig haltn ein, zu N öhlickeit bei dem emahlt nd wen t Wech⸗ Kriegs. Augen⸗ naͤchſte drt und ſlideſten uberſuuß, uzt. vothin d vielen 3. Sept. Ewigen, n, aus immer re Jam⸗ als Ent⸗ gleitung, end mit ng war hungrig en fot r ⸗ — 169— getrieben, ohne Nuͤckſicht auf die zu nehmen, die vor Ermattung umſanken. Wollten und konnten ſie trotz der Schlaͤge nicht wieder auf⸗ ſtehen, ſo blleben ſie liegen und kamen um. Und fern war die Ruheſtaͤtte derer, die ſich noch kraͤftig fuͤhlten. Rußlands Steppen ſoll⸗ ten ſie aufnehmen. Ein Wunder, daß ſo Viele dieſelben noch erreichen konnten. Wo dieſe Un⸗ glucklichen hinkamen, verbreiteten ſie die Peſt und durften daher um ſo weniger auf Mitleid rechnen, weil es mit Lebensgefahr verbunden war, ihr Schickſal zu erleichtern. Wir gingen darauf in die Gegend von Dahme und Schoͤnwalde, wo die Regimenter zum Theil einquartirt wurden. Hier erfuͤllte ich eine heilige Pflicht und gab meinen Aeltern, die mich ſchon einigemal zu den Todten ge⸗ zaͤhlt hatten, Nachricht von meinem Leben und meiner Geſundheit. Es iſt ein ganz eignes Gefuͤhl, nach ſo blutigen Tagen, beim Froh⸗ genuß des wieder geſchenkten Lebens, an lie⸗ bende Aeltern zu ſchreiben. Schmerz und Freude fuͤhrt die Feder, denn mitten in die Seligkeit des errungnen Sieges und des er⸗ haltnen Lebens greift der ſchmerzhafte Gedanke ein, den Frieden und die geliebte Heimath — 170— doch wohl nie wieder zu ſehn. Jede Nachricht, die man giebt, iſt zugleich ein Abſchied von den Theuren und reißt von neuem die kaum vernarbten Wunden auf.— Auch gegen die fernen Freunde ſchuͤttete ich das volle Herz aus, ihrer Liebe und Theilnahme gewiß. Nach kurzer Ruhe ging es darauf in einem Gewaltmarſch von dem Staͤdtchen Dahme zur Elbe hin, um Torgau und Wittenberg zu blo⸗ kiren. Unſerm Regimente wurde das Städt⸗ chen Jeſſen angewieſen, wo wir, eng zuſam⸗ mengedruͤckt, ungefaͤhr zehn Tage kantonirten. Nicht eher konnte von uns etwas geſchehen, als bis der Marſchall Vorwaͤrts aus dem be⸗ freiten Schleſien gekommen. Da wir deſſen Ankunft nicht ahneten, ſo ſahen wir in unſrer Kuhe eine Belohnung fuͤr die ausgeſtandnen Muͤhen und benutzten ſie, ſo viel die Stadt und die Boͤrſe vermochte. Beſonders wurden die ſich nahe bei der Stadt hinſtreckenden koͤ⸗ niglichen Weinberge haͤufig beſucht und die ſuͤ⸗ ßen Trauben, die doch nur einen ſchlechten Wein gegeben haben wuͤrden, hart angegan⸗ gen. Doch der Diebſtahl beſtrafte ſich; denn ſie wollten ſich durchaus nicht mit unſern an⸗ dern Nahrungsmitteln vertragen und zwangen Ville i bösattih di hied bon ie kaum gen die erz aus, in enem dme zur zu blo⸗ Släͤdt, zuſam⸗ tonirten, ſchehen, dem be⸗ t deſſen unſter randnen Stadt wurden den kö⸗ die ſuͦ⸗ hlechten ngegan⸗ denn ern an⸗ wangen 4 Viele in die Lazarethe. Kaum wurde einer boͤsartigen Ruhr vorgebeugt. Am 24. Septbr. marſchirten wir, ich als nunmehriger Oberjaͤger, endlich ab und bezogen bei dem Dorfe Elſter ein Freilager, um hier eine Bruͤcke uͤber die Elbe zu ſchlagen. Doch kaum —war ſie fertig, ſo wurde ſie ſchon wieder ab⸗ gebrochen und auf Kaͤhnen wurden unſre Vor⸗ poſſten hinuͤbergeſetzt, um den Feind, der ſich hin und wieder zeigte, zu beobachten.— Eine andre Diviſion ſtand bei Roßlau, wo ebenfalls eine Bruͤcke uͤber den Strom geſchlagen wor⸗ den und durch einen Bruͤckenkopf gedeckt war. Ein ſolcher Bruͤckenkopf iſt nichts anders als eine Schanze auf dem jenſeitigen Ufer, die mit der Bruͤcke ſelbſt in Verbindung ſteht und ungefaͤhr zwei Compagnien zu ihrer Vertheidi⸗ gung faßt. Durch dieſe Anſtalten wurde die Aufmerkſamkeit des Feindes wie ſeine Kraft getheilt, weil er nicht wußte, wo der Ueber⸗ gang wirklich erzwungen werden ſollte. Er zog aber den groͤßten Theil ſeiner Macht bei War⸗ tenburg zuſammen, dem Dorfe Elſter gegen⸗ aber, weil unſre Bewegungen hier einen Ueber⸗ gang vermuthen ließen. Auch gingen, als die Bruͤcke noch ſtand, einige Bataillone von uns — 172— hinuͤber,(den 25. Septbr.) und beſtanden bei Wartenburg ein zwar ſehr hitziges, doch fuͤr ſie nachtheiliges Gefecht, weil ſie auf eine nicht geahnete Uebermacht ſtießen. Mit bedeutendem Verluſt mußten ſie ſich uͤber den Strom wieder zuruͤckziehn. Als darauf der Feind nachruͤckte, ſo fand es der General fuͤr gut, die Bruͤcke zum Theil abzubrechen und blos Vorpoſten des Nachts hinuͤber zu ſchicken. Am dieſſeitigen Ufer waren mehrere Batterien aufgepflanzt. Doch konnten ſie dem Feinde wenig ſchaden, da ſich laͤngs dem jenſeitigen Ufer, ein wohl eine Viertel Meile langes und ziemlich breites Pflaumbaum⸗Waͤldchen erſtreckte. Darin ver⸗ ſteckte ſich der Feind und ſchlich ſich unbemerkt bis zum Strom heran, um unſre Poſten aufzuhe⸗ ben. Und das waͤre ihm auch in einer Nacht faſt gelungen. Den Abend vorher wurden wie gewoͤhnlich vierzig bis funfzig Schuͤtzen und Jäͤger auf Kaͤhnen hinuͤbergeſchickt, um das Ufer zu bewachen. Unvorſichtiger Weiſe ma⸗ chen ſie ſich ein großes Feuer an und bedenken nicht, daß es, ſie zwar vor Kaͤlte ſchuͤtzend, dem Feinde verrathen muß. Ploͤtzlich werden ſie des Nachts uͤberfallen und angegriffen und bis zur Elbe zuruͤckgedraͤngt. Alles wirft ſich ſchnel i zu antfi bei und aber dul ans Uit abgeſtoß ſchluß entgehe in die gehn, ſehe, nen. Kamer geioge ihnen ein E Päͤloch ſänen der 8 wotſe in I D dieſe zu zw an, inden hei 9 fuͤr ſie ine nicht utendem wieder crückte Vrace vſten des eſeitigen epflanzt. ſchaden, ein wohl breites tin ver⸗ werkt bit aufzuhe⸗ Nacht den wie en und um das diſe ma edenken hützend, werden en und irft ſich 3 — 173— ſchnell in die Kaͤhne, um der Gefangenſchaft. zu entfliehn. Einige Jaͤger verſpaͤten ſich da⸗ bei und kommen, umringt von Feinden, die aber durch das Wachtfeuer geblendet waren, an's Ufer, als der Kahn ſchon von demſelben abgeſtoßen war. Da iſt denn ein raſcher Ent⸗ ſchluß noͤthig, um einem traurigen Looſe zu entgehen. Sie ſpringen alſo in voller Ruͤſtung in die Elbe hinein, entſchloſſen, lieber unterzu⸗ gehn, als ſich dem Feinde auszuliefern. Und ſiehe, der deutſche Fluß meint es gut mit ih— nen. Sie finden Grund, werden von ihren Kameraden bemerkt und in den Kahn hinein⸗ gezogen, waͤhrend die Feinde vergeblich nach ihnen ſchießen. Um dieſen ewigen Neckereien ein Ende zu machen, wurde das liebliche Waͤldchen, das uns ſchon mehrere Tage mit ſeinen Fruͤchten verſorgt hatte,— ſo hart iſt der Krieg— umgehauen und in die Elbe ge⸗ worfen; eine herrliche Beute fuͤr die Drechsler in Wittenberg. Darauf marſchirten wir in die Trancheen dieſer Stadt, entſchloſſen, ſie zur Uebergabe zu zwingen. Gegen Abend kamen wir davor an, ein anderes Regiment abzuloͤſen. Die Luft — 174— war feucht, der Boden kalt und naß, und eine Wieſe nahm uns Ermuͤdete auf, die wir hier ohne Stroh und Feuer uͤbernachten ſollten. Eine unangenehmere Nacht habe ich kaum im gan⸗ zen Kriege erlebt. Die Wieſe dunſtete ſo ſtark aus, daß die Waſſerdaͤmpfe dick uͤber den Erd⸗ boden hinzogen, und große Ueberwindung ko⸗ ſtete es, ſich hier niederzulegen und zu ſchlafen. Doch die Ermuͤdung war zu groß, als daß man dieſe Gicht erzeugende Lage haͤtte vermei⸗ den koͤnnen. Feuer anzumachen, mußte natuͤr⸗ lich unterſagt ſeyn, weil uns der Feind ſonſt bemerkt haͤtte. Mich traf uͤberdies das ſchwere und ganz neue Geſchaͤft, Vorpoſten aufzufuͤh⸗ ren und ſie zu viſitiren. Voͤllig unbekannt mit dem Terrain, war dies Abends um neun Uhr, ganz in der Naͤhe der feindlichen Poſten, die man huſten und nieſen hoͤren konnte, kein leich⸗ tes Geſchaͤft, und die Tiefe manches Grabons wurde wider Willen ausgemeſſen. Der ge⸗ ſtirnte Himmel war mein Wegweiſer auf die⸗ ſen beſchwerlichen Gaͤngen, wie er ja immer am beſten durch das dunkle Erdenleben leitet. Nimmer haͤtte ich geglaubt, daß die Kenntniß mancher Sternbilder, mir noch einmal ſolchen Dienſt erweiſen wuͤrde, wie in jener Nacht. In wenig! faͤr E rungen lichkeit nikus 3 pel gec 670 bi⸗e nigſtens Prtone tungen auch Nu al nur du Sie w Majeſt ſam un empor. und eine wir hie en. Eine im gan⸗ ſo ſtark den Erd⸗ dung ko⸗ ſchafen. als daß e vermei⸗ le natüͤt⸗ ind ſonſt ſchwere ufzufüͤh, nunt wit eun Uhr, en, die iin leich⸗ Prablas Der ge auf die immer leitet. enntniß ſolchen dacht. Am andern Morgen zogen wir uns ein wenig zuruͤck, um in einem kleinen Waͤldchen fuͤr Schlaf und Eſſen wechſelsweiſe zu ſor⸗ gen.— Die kommende Nacht hatten wir ein eben ſo ſchreckliches als erhabnes Schauſpiel vor Augen. Wittenberg wurde nehmlich be⸗ ſchoſſen. Hier hatte ich zuerſt die Freude, die beruͤhmten engliſchen Brandraketen zu ſehen, deren Wirkungen furchtbar genug ſind, um ſie dem Geſchuͤtz an die Seite zu ſtellen, wiewohl ſie mehr im Seekriege leiſten, als bei Belage⸗ rungen. Sie haben gewiß die groͤßte Aehn⸗ lichkeit mit dem griechiſchen Feuer, das Calli⸗ nikus zum Heil ſeiner Vaterſtadt Conſtantino⸗ pel gegen die kuͤhnen Araber in den Jahren 670 bis 680 nach Chriſti Geburt erfand. We⸗ nigſtens ſind ſie in Hinſicht ihrer zerſtoͤrenden Wirkungen ſich aͤhnlich, wenn auch die Vorrich⸗ tungen bei beiden verſchieden ſeyn ſollten. Denn auch ſie zuͤnden gruͤnes und naſſes Holz im Nu an und koͤnnen durch Waſſer nicht geloͤſcht, nur durch Schlamm oder Erde erſtickt werden. Sie werden aus langen Roͤhren abgeſchoſſen. Majeſtaͤtiſch ſteigen ſie, Kometen aͤhnlich, lang⸗ ſam und mit fremdem, entſetzlichem Geraͤuſch, empor. Da wird zum Tage ſchnell die dunkle — 176— Nacht und alle Gegenſtaͤnde ſtellen ſich in blaͤu⸗ lich ſcharfem Lichte dar. Furchtbar iſt dieſe Helle, denn ſie droht Ungluͤck und Verderben. Wo die Raketen hintreffen und umherſpringen, da zuͤnden ſie, ohne daß ſie der arme Menſch loͤſchen kann. Graͤßlich iſt es, wenn ſie gegen feindliche Kolonnen geſchleudert werden. Die Ungluͤcklichen, die getroffen werden, muͤſſen ei⸗ nes jammervollen Todes ſterben; denn bis auf den Knochen dringt unwiderſtehlich der Brand hinein. Augenblicklich brannte es auch in der ungluͤcklichen Stadt, an die ſich ſo große wohlthaͤtige Erinnerungen knuͤpfen, an mehre⸗ ren Stellen und von allen Seiten flogen Gra⸗ naten hinein, die uͤber der Stadt einen Flam⸗ menbogen bildeten und die Beſtuͤrzung eben ſo ſehr vermehrten, wie ſie das Loͤſchen des Feuers erſchwerten. Deutlich hoͤrte man das Geſchrei in der Stadt durch den Laͤrm der Trommeln hindurch. Wahrlich, wir beneideten die Ein⸗ wohner in dieſem Augenblick nicht, ſondern dankten Gott, im Freien zu ſeyn.— Dies ganze Bombardement fuͤhrte indeß zu nichts, als uns die Ueberzeugung zu geben, auf ſol⸗ chem Wege nie in den Beſitz der Stadt zu kommen. Denn was kuͤmmerte ſich die ſeind⸗ ſiche T um das ten ſie ungeföhe mandant nerals, Einhalt blokirt! gern ger den waͦ kommi vornehr hielt un gießt hie doch der verlegte hin läu, iſt dieſ derderben, ſoringen, 2 Menſch ſe gegen en. Die mäͤſſen ei n bis auf eer Brand uch in der ſo große an mehre⸗ ogen Gra⸗ nen Faw⸗ ag eben ſo des Feuers 8 Geſchrei Trommeln in die Ein⸗ ., ſondern — Dias zu nichts, , auf ſol⸗ Stadt zu ˖die feind⸗ — 17— liche Beſatzung, geſchuͤtzt durch Kaſematten, um das Schickſal der Buͤrger? Ruhig konn⸗ ten ſie einem ſolchen Unwetter zuſehen. So ungefaͤhr lautete auch die Antwort des Kom⸗ mandanten auf eine Aufforderung unſers Ge⸗ nerals, worauf denn dem Feuer auf die Stadt Einhalt gethan und ſie wieder nur wie zuvor blokirt wurde. Viele von uns haͤtten es wohl gern geſehen, wenn die Stadt geſtuͤrmt wor⸗ den waͤre, unter andern ein gewiſſer Kriegs⸗ kommiſſair, der mit gewaltig kluger und vornehmer Miene dies fuͤr ſehr zweckmaͤßig hielt und prahlend ausrief:„der Soldat ver⸗ gießt hier oder dort ſein Blut, das iſt gleich“— doch der General war andrer Meinung und verlegte die Bataillone in die umliegenden Doͤrfer. Ende Septembers kam endlich der Mar⸗ ſchall aus Schleſien bei dem Dorfe Elſter an, wo er ſich, durch das ſiegreiche Gefecht bei Wartenburg, den Uebergang uͤber die Elbe er⸗ zwang. Faſt gleichzeitig mit ihm gingen auch wir an einem regnigten Herbſttage(den 5. Ok⸗ tober) bei Roßlau uͤber die Elbe und wandten uns nach Deſſau, wo wir vor dem Kronprin⸗ zen vorbei defilirten. Er ſchien mi unhes Hal⸗ — 178— tung eben ſo zufrieden zu ſeyn, wie wir es mit ſeiner Leitung waren. Denn hatte er uns doch uͤber die Elbe gefuͤhrt und dadurch einen unſerer ſehnlichſten Wuͤnſche erfuͤllt. Recht leicht wurde uns um's Herz, als wir dieſen Fluß hinter uns hatten; denn immer klarer wurde es uns, den Feind uͤberwaͤltigen zu koͤnnen, obgleich wir von den Bewegungen der großen Armee wenig, oder nicht viel Gutes hoͤrten. Wir nannten ſie daher x, die aufzufindende, unbekannte Groͤße, und hielten nicht ſo recht viel von ihr, weil kein leitendes Prinzip, ſon⸗ dern ein Kriegsrath an ihrer Spitze ſtand. Einer Armee geht es aber in vieler Hinſicht wie einem Staate. Die monarchiſche Verfaſ⸗ ſung iſt die beſte. Kann auch nicht von oben herab Leben und Thaͤtigkeit in alle einzelne Glieder einer großen Verkoͤrperung ſtroͤmen, ſo iſt doch dem vorgefundenen Leben ein Len⸗ ker und Regierer der wohlthaͤtigſte. Dieſen Mittelpunkt hatte unſre und die ſchleſiſche Ar⸗ mee, von ihm ging Licht und Waͤrme uͤber alle einzelne lebendige Kraͤfte aus und in der groͤß⸗ ten Mannigfaltigkeit war ſo Einheit des Wil⸗ lens. Sey es auch, daß ein weiſer, thaͤ⸗ tiger, kenntnißreicher Generalſtab die Arthe der 90 erwiin Zutrau ner ve abergle ein M ſteht. mehr, der g. einige und ſcg zus war ei e wir te er uns ich einen echt leicht ſen Fluß ter wurde 1 Rnnen, er großen 8 hoͤtten. ufindende, t ſo recht inzip, ſon⸗ ie ſtand. er Hinſccht e Verfoſ⸗ von oben e einzelne ſtroͤmen, ein Len⸗ 2. Dieſen gleſiſche Ar⸗ he uͤber alle der groͤß⸗ t des Wil⸗ er, thaͤ⸗ talſab die 179— Arwhee leite— er arbeitet vergeblich, wenn der gemeine Soldat ſich an der Idee deſſelben erwaͤrmen ſoll. Er verliert das felſenfeſte Zutrauen zu ihm, wenn er einen oberſten Fuh⸗ rer vermißt, ſo wie er im Gegentheil mit aberglaͤubiſcher Zuverſicht vorwaͤrts geht, wenn ein Mann, wie Bluͤcher, an des Heeres Spitze ſteht. Der Name und der Mann macht hier mehr, als der weiſeſte Ausſchuß. Das wußte der große Friedrich wohl.— Nachdem wir einige Tage in der Gegend von Bitterfeld und zwei Tage in dem Staͤdechen ſelber muͤſ⸗ ſig zugebracht hatten,— denn der Kronprinz war ein Fabius cunctator— ging es auf den alten, grauen Petersberg bei Halle los, der viel Aehnlichkeit mit dem Zobtenberg in Schleſien hat. Die ſchleſiſche Armee, unter ih⸗ rem Hannibal, war unterdeß nach Halle vor⸗ gedrungen. Wir folgten ihr, wandten uns aber ſchnell nach Rothenburg an der Saale hin, um hier, wie es ſchien, dies Fluͤßchen zu paſſiren. Schon glaubten wir, nach Hannover zu gehen, um den Marſchall Davouſt von der Elbe abzuziehn, als wir uns plöͤtzlich wieder in Eilmaͤrſchen nach Koͤthen wandten, wo ſich die ganze Nordarmee in unabſehbaren Linien — 180— verſammelte. Dieſer Marſch war uns Allen ein Raͤthſel, zumal als ruſſiſche Schiffbruͤcken ankamen und es immer wahrſcheinlicher wurde, daß wir wieder uͤber die Elbe zuruͤckkehren wuͤrden. Tauſend Vermuthungen ſtiegen in uns auf, bis wir ſpaͤterhin die Wahrheit hoͤr⸗ ten.— Napoleon war in der Gegend von Leip⸗ zig angekommen und hatte den General Reg⸗ nier bis Deſſau vorgeſchoben. Von dort eilte dieſer General nach Roßlau, bemaͤchtigte ſich des dortigen Bruͤckenkopfes, vereinigte ſich mit der Beſatzung von Wittenberg und griff das ſchwache Corps des General von Thuͤmen, der zur Einſchließung dieſer Stadt zuruͤckgelaſſen war, mit Uebermacht an. Die Preußen zogen ſich mit großem Verluſte zuruͤck, vereinigten ſich dann mit dem General von Tauenzien und gingen in Gewaltmaͤrſchen nach Potsdam zu⸗ ruͤck, hier den Feind erwartend, der aber kluͤg⸗ lich ſtill ſtand, um nicht von der Elbe abge⸗ ſchnitten zu werden. Denn ſchon ſtand die Nordarmee bei Koͤthen und ihr Vortrab bei Acken, bereit, dieſen Fluß hier zu paſſiren und nach Coswig zu gehen. Dadurch wuͤrde das feindliche Corps in große Gefahr gerathen ſeyn. Allein die ganze Bewegung des Feindes 3 Allen fbrüͤcken wurde, fkehren Jen in dit hoͤr⸗ don Viip, al Reg⸗ ort eilte igte ſich ſich mit driff das nen, der Egelaſſen dn dogea ereinigten zien und dam zu⸗ ber klug⸗ be abge⸗ ſtand die rtrab bei ſiren und uͤrde das gerathen 8 Jeindes — 181— war nur eine Demonſtration, weil ſeine Kraͤfte zu ſchwach waren, um einen ernſtlichen Angriff auf die Marken zu machen. Doch waren dieſe in Furcht und Schrecken dadurch geſetzt wor⸗ den und der Landſturm zog wieder einmal aus. Nachdem dieſer blinde Laͤrm dem Feinde we⸗ nig geholfen hatte, außer daß er zwei voll be⸗ packte Marketenderwagen erwiſchte, zog er ſich auf die Hauptarmee bei Leipzig zuruͤck, waͤhrend der Kaiſer eine neue Operations⸗Baſis ſuchte, da er die fruͤhere bei Dresden hatte aufgeben muͤſſen. 2 So kam der 14. Oktober heran, jener merkwuͤrdige Tag, der Preußens Schickſal einſt entſchied. Wir Alle hatten ſehnlichſt gewuͤnſcht, uns an dieſem Tage mit Bonaparte zu meſ⸗ ſen, um ihn an Jena zu erinnern und an den Wechſel des Lebens. Daraus wurde aber nichts. Dagegen ſtuͤrzte der Regen in Stroͤmen herab, riß unſre aus laubloſen Zweigen kuͤnſtlich zu⸗ ſammengefuͤgten Huͤtten ein und ließ keinen trocknen Faden an uns. Vergebens ſuchte man Feuer anzumachen. Sturm und Regen verei⸗ telte alle Muͤhe. So lagen wir denn, vor Frooſt zitternd, wie erſtarrt auf oder vielmehr Iin dem durchweichten Boden, ohne Stroh und 3 7 182— Feuer und ſtellten erbauliche Betrachtungen an. Mir wurde dieſer Zuſtand zuletzt unertraͤglich. Ich ſah mich nach Schutz und Huͤlfe um, da ich meinem Koͤrper nicht viel trauen durfte. Ein raſcher Entſchluß war noͤthig. Ich ſuchte Waſſen und Gepaͤck, und ſchlich gegen eilf Uhr Abends in die Vorſtadt, wo mich ein freund⸗ licher Buͤrger aufnahm. Zufäͤllig fand ich bei ihm ſchon einen Freund, den das Unwetter ebenfalls hieher getrieben hatte. Wir handel⸗ ten zwar ſtrafbar, indem wir heimlich die Fahne verließen, doch troͤſteten wir uns damit, daß ein großer Theil der Offiziere ebenfalls in der Stadt die Nacht hinbringe, und daß es Pflicht ſey, fuͤr ſeinen Koͤrper zu ſorgen, um ihn fuͤr die bevorſtehende Schlacht kraͤftig zu erhalten. Unſre Kleider wurden getrocknet, eine Streu nahm die durch Kaffee erwaͤrmten Glie⸗ der auf, und wir waͤhnten uns in einem Para⸗ dieſe, wenn wir das trauliche Stuͤbchen mit dem freien Himmel verglichen, von dem noch immer der Regen in Stroͤmen herabſtuͤrzte. Ganz in der Stille wollten wir uns am Mor⸗ gen wieder hinausſchleichen. Doch ploͤtzlich hoͤr⸗ ten wir gegen drei Uhr ein ſtarkes Pferdege⸗ trappel; ich ſtuͤrzte hinaus, Erkundigung einzu⸗ gen an. träͤglch. im, da durfte. h ſuchte ſdl Uhr ſteund⸗ ich bei Unwetter handel⸗ nlich die s damit, nfalls in daß es gen, um raͤftig zu net, eine ten Glie⸗ em Para⸗ bchen mit dem noch rabſtuͤrzte. am Mor⸗ zlich hor⸗ Pferdege⸗ ung einzu⸗ 7 — 183— ziehn, und ſiehe da,— die ganze Armee war aufgebrochen. Schnell warfen wir uns in die Kleider und arbeiteten uns zwiſchen den Bri⸗ gaden hindurch, die den ganzen Weg einnah⸗ men. Doch wir waren ſchon ſamt mehreren Andern vermißt worden und mußten uns eine Strafwache fuͤr unſer Verbrechen gefallen laſſen. Wir waren damit vollkommen zufrieden, weil unſer freundliche und milde Hauptmann die Sache nicht ſehr ernſt aufnahm und uns nur mit dem Finger drohte. Es ging an dieſem Tage uͤber Loͤbejuͤn nach Halle zu und wir ſchlugen das Lager am Fuß des Petersberges auf. Alle ahneten wir das große Trauerſpiel, das einige Tage darauf das Schickſal der Welt entſchied. Alle ſehnten wir uns aber auch darnach, denn hoͤchſt verdrießlich und ertoͤdtend waren die ewigen Kreuz⸗ und Querzüͤge in ſo großen Maſſen, die, den Heu⸗ ſchrecken aͤhnlich, alle Vorraͤthe verſchlangen. Dazu kam noch ein fortwaͤhrender Regen, der den ſchweren Boden ſo aufweichte, daß man kaum von der Stelle konnte. Unſre Kleider, vorzuͤglich das Schuhzeug, waren zerriſſen, und an Reinigung war wenig oder gar nicht zu denken, da wir wie die Thiere des Feldes ſtets — 184— im Freien lagen und die Staͤdte nur fluͤchtig beruͤhrten. Das gab uns ein martialiſches An⸗ ſehn, denn alle ſanfte Gefuͤhle hatte der Re⸗ gen fortgeſpuͤlt. So waren wir denn recht vor⸗ bereitet zu einer Schlacht, durch die man ſich alles Verlorne wieder erringen will, Kleidung und Stiefeln, eine Huͤtte und ein Bett, und inſonverheit den innern Frieden, der durch Hun⸗ gern, Durſten, Frieren und andre Strapazen fuͤr den Augenblick untergraben wird. Nicht einmal Tabak gab's in jener Faſtenzeit. Den 16. Oktober begann bekanntlich das Schlachten bei Leipzig. Furchtbar rollte am Horizont der Donner des Geſchuͤtzes, der uns fuͤr heute mit ſeinen Blitzen noch verſchonte. Der alte, kuͤhne Marſchall ſchlug ſich bei Moͤk⸗ kern mit dem uͤberlegnen Feinde, waͤhrend wir bei Halle ſtanden, um ihn, im Fall der Noth, zu unterſtuͤtzen. Warum ihm nicht ſchon am fruͤhen Morgen einige Diviſionen zu Huͤlfe ge⸗ ſandt wurden, um dem Angriff groͤßeren Nach⸗ druck zu geben und der Moͤglichkeit des Ver⸗ luſtes vorzubeugen?— Dieſe Frage aufzuwer⸗ fen, muß erlaubt ſeyn, da die Ruhe der Nord⸗ armee an dieſem Tage der Rechtfertigung be⸗ darf. Sie ſtand hoͤchſtens drei Meilen vom Schlach eine ho mittage cheſſch in, h dieſem löſen k mehrt ſchirten von bekame vorbei wir in wo an armee daß d vorher der uns verſchonte. bei Mäk, hrend wir der Not, ſchon am Huͤlfe ge⸗ ten Nach⸗ des Ver⸗ aufzuwer⸗ der Nord⸗ gung be⸗ ilen vom —— —f— — — 185— Schlachtfelde entfernt und ihr Vortrab noch eine halbe Meile naͤher. Um zehn Uhr Vor⸗ mittags haͤtte alſo dieſer ſich beſtimmt mit der ſchleſiſchen Armee vereinigen und die erſchoͤpf⸗ ten, halb aufgeriebnen Regimenter, die an dieſem Tage faſt das Unmoͤgliche leiſteten, ab⸗ loͤſen koͤnnen. Doch das geſchah nicht, viel⸗ mehr verhielten wir uns ganz ruhig und mar⸗ ſchirten erſt dann, als wir die Nachricht von der voͤlligen Niederlage des Feindes bekamen, uͤber Landsberg., oͤſtlich von Halle vorbei, gegen Leipzig zu. Den 17ten kamen wir in die Naͤhe dieſer Stadt, nach Podelwitz, wo an dem Tage das Hauptquartier der Nord⸗ armee war. Schon unterweges hoͤrten wir, daß die große Armee ſich ebenfalls den Tag vorher, ſuͤdlich von Leipzig mit Napoleon ge⸗ meſſen habe, daß der Sieg aber nicht entſchie⸗ den ſey. Uns war dies genug, um uͤberzeugt zu werden, daß eine Hauptſchlacht bevorſtehe, daß ein Halbzirkel durch die Verbuͤndeten um Leipzig gebildet werden ſolle, und daß wir die ſchleſiſche und große Armee mit einander in Verbindung ſetzen ſollten. Wir tauſchten alſo mit jener und nahmen das Centrum, das ſie ſonſt gebildet hatte, ein⸗ 185— Unſer Regiment wurde in Podelwitz ein⸗ quartirt, ſo daß auf jedes Haus eine halbe Compagnie kam. Die Jaͤger bekamen eine ſchlechte Huͤtte, wo Einer dem Andern im Wege ſtand, und wo der Boden und der Keller zu Huͤlfe genommen werden mußte, um ſich nicht gegenſeitig zu erdruͤcken. Wir wurden hier von mancherlei Beduͤrfniſſen gequaͤlt, vorzuͤglich vom Hunger. Unſre ganze Nahrung hatte in dieſen Tagen blos in Feldruͤben, aus denen das be⸗ kannte Oel gepreßt wird, in Moͤhren und Ret⸗ tig beſtanden. An Brod und Kartoffeln war nicht zu denken. Jenes war durch den Regen zu Teig und ungenießbar geworden, dieſe wa⸗ ren nirgends mehr zu finden. Wir theilten ge⸗ genſeitig, was wir noch beſaßen, und ſahen uns traurig an; denn wir hatten keine Aus⸗ ſicht, am folgenden Tage die leeren Brodbeu⸗ tel zu fuͤllen. Vor dem Regen geſchuͤtzt, ſtan⸗ den und lagen wir ſo in dem Haͤuschen, deſ⸗ ſen Fenſter und Kamine zerſchlagen waren, und froren in der Dunkelheit. Zum Gluͤck fiel mir ein, nech ein Wachslicht zu haben, womit ich mich ſchon mehrere Wochen getragen hatte. So hatten wir denn doch wenigſtens Licht(die Fenſter wurden mit Brettern zugeſetzt)— an Schlafe deſten h Jch Buſenſte dem Re Gs wat Jugend guublik zu groß beſorge Scheid Heſtig Lettent es ein nicht u in der ein frei zu bert wir u im bl wunden ihn ra gag i einen im Ar der ſe delnig ein, eine halbe kamen eine im Wege tKeller zu n ſch nicht en hier von düͤglich vom te in dieſen zen das he, u und Ret⸗ toffeln war den Regen dieſe wa⸗ theilten ger und ſahen keine Aus⸗ Brodbeu⸗ hutt, ſtan⸗ ichen, deſ⸗ waren, und ück fiel mir womit ich gen hatte. 8 Licht(die bt)— an — 187— Schlafen war nicht zu denken. Nur die Muͤ⸗ deſten hatte es uͤberwaͤltigt.— Ich kann nicht unterlaſſen, hiebei eines Buſenfreundes zu gedenken, der bei einem an⸗ dern Regiment ſtehend, mich beſuchen wollte. Es war ein ſtiller, guter Junge und mein Jugendgeſpiele geweſen. Nur auf einen Au⸗ geublick konnte ich ihn ſprechen, da der Tumult zu groß war und ich uͤberdies ein Geſchaͤft zu beſorgen hatte. Traurig gab er mir beim Scheiden die Hand und warf ſich dann mit Heftigkeit an meine Bruſt.„Ich ſehe dich zum Letztenmal— fluͤſterte er mir zu— mir ſagt es ein dunkles Gefuͤhl, daß ich die Schlacht nicht uͤberleben werde. Gruͤß daher alle Lieben in der Heimath und ſage ihnen, ich ſey als ein freier Deutſcher geſtorben.“ Ich ſuchte ihn zu beruhigen, aber vergebens. So trennten wir uns. In Leipzigs Gaͤrten traf ich ihn im blutigen Handgemenge. Todte und Ver⸗ wundete lagen durch und uͤber einander. Auch ihn raffte ploͤtzlich eine Kugel hin. Der Schuß ging ihm durch das eine Auge und gab ihm einen ſchnellen und leichten Tod. Seine Buͤchſe im Arm, lag er als ein treuer Braͤutigam da, der ſeine Braut auch nicht im Tode laſſen — 188— will. Den andern Tag, wo ich ihn ſchon voͤl⸗ lig ausgepluͤndert und nackend fand, grub ich ihm mit mehreren guten Freunden ein Grab auf derſelben Stelle, wo er geblieben war. Mancherlei begannen wir, uns die lange Nacht abzukuͤrzen, weil wir uns doch nicht ſchlafen legen konnten. Wilhelm Tell wurde vorgeleſen. Er regte heilige, große Gefuͤhle in uns auf und erhob uns ſo uͤber die druͤckende Gegenwart, daß wir ſie mit allen ihren Be⸗ duͤrfniſſen und Maͤngeln vergaßen. Ich mußte hinaus in's Freie, in die Einſamkeit, das Herz vor Gott auszuſchuͤtten und die Laſt, die es druͤckte, abzuwerfen. Der Regen hatte auf⸗ gehoͤrt, der Sternenhimmel lag rein und klar uͤber dem ſchlafenden Heere. Da blickten denn ſo viel Augen in mein Herz hinein, daß ſich das Heimweh allmaͤhlich verlor, daß ich ruhig bei dem Gedanken blieb, vielleicht morgen das junge Leben zu verlieren, daß ich mein Schick⸗ ſal in die Hand des Vaters gab, der ſeine Kinder freundlich leitet, ja daß ſelbſt der Ge⸗ danke, ein Kruͤppel werden zu koͤnnen, mir meinen Muth nicht raubte. Ach, wer du auch ſeyſt, geneigter Leſer! biſt du in Noth und Gefahr, ſiehſt du den Tod vor Augen und in ſanet d nen Y einens en baan dnn nundetbe und dir Seele f vor dem Schleier der und Wohl! Schlach ausfäͤlt nicht, t blindes entgehen Alles b0 iſ, wn Ich ſelbſt d Es bra⸗ lchten? einande gen ſol war di i ſchon d, 1 ein Grah en war. 8 die lange Wdoch nich dl wurde eGefühle in ie druͤckende ihren Be, Ich mußte zmmkeit„ das die Laſt, die hatte auf. dein und klar blickten denn „ dah ſich H ich ruhig morgen das mein Schick⸗ „ der ſeine lſt der Ge⸗ nnen, wir der du auch Noth und agen und in ' Nrhb ich — 189— ſeiner abſchreckendſten Geſtalt, o! wirf nur ei⸗ nen Blick hinauf zu ihm, der ihn ſendet, einen ⸗Blick hinein in's Herz, das deine Fra⸗ gen beantwortet, und an dem Nachthimmel deines Lebens geht ein Stern auf, der mit wunderbaren Strahlen dein inneres Leben trifft und dir Glaube, Liebe und Hoffnung in die Seele floͤßt. Der Leidende bete nur, wenn er vor dem raͤthſelhaften Iſisbilde ſteht, und der Schleier faͤllt, der der frevelnden Neugier, wie der ungeſtuͤmen Wißbegierde nimmer gehorcht. Wohl dem Krieger, der die Nacht vor einer Schlacht mit ſolchen Gedanken und Gefuͤhlen ausfuͤllt; ruhig ſteht er in der Todesgefahr da, nicht, weil er wie ein Tuͤrke und Heide an ein blindes Verhaͤngniß glaubt, dem er doch nicht entgehen koͤnne, ſondern weil er weiß, daß Alles vom Herrn kommt und daher das Beſte iſt, was da kommen kann. Ich wurde in dieſer Anſchauung meiner ſelbſt durch einen ploͤtzlichen Laͤrm unterbrochen. Es brannte im Hauſe, der Boden ſtand in lichten Flammen. Alles ſchrie und lief durch einander. Man wußte nicht, wo man anfan⸗ gen ſollte, man ſah keine Rettung, und doch war die Gefahr groß und wuchs mit jedem — 190— Augenblick; denn auf dem Boden ſtanden we⸗ nigſtens hundert geladene Buͤchſen und mit Pa⸗ tronen angefuͤllte Kartuſchen, die hier ihren Platz gefunden hatten, weil er unten durchaus fehlte. Jeder wollte zuerſt hinauf, um ſeine Buͤchſe zu retten. Dabei fiel uns ein, daß drei unſrer Kameraden oben ſchliefen. Man gab ſie verloren, denn wie ſollte man loͤſchen, da es an Waſſer fehlte. Dazu kam, daß jeder Laͤrm vermieden werden ſollte, um nicht das Regiment und die Generale und Oberſten auf unſer Ungluͤck aufmerkſam zu machen. Endlich bemerkte Jemand auf dem Hofe eine Miſt⸗ pfutze, deren Schlamm bekanntlich zum Loͤſchen viel tauglicher als Waſſer iſt. Alle Feldkeſſel und Kochgeſchirre wurden nun mit dieſem un⸗ ſaubern Stoffe angefuͤllt; augenblicklich hatten ſich zwei Reihen bis auf den Boden hinauf gebildet, und weil ſo viel Haͤnde geſchaͤftig und . Einige ſo dreiſt waren, mit Duͤnger und naſ⸗ ſen Tuͤchern das Feuer zu erſticken, das rings 9 „um ſie loderte, ſo gelang ihnen ſowohl dies, als auch jene Jaͤger, die durch den Laͤrm zwar erwacht, aber durch den entſetzlichen Qualm betaͤubt waren, in Sicherheit zu bringen, ohne daß im Dorfe Laͤrm wurde, was uns uͤbel be⸗ kommen dem Lei gt, dl Glick t Staden in und trgtiſe worden Dotf Naub uns eb häͤtte rung ſ die gan daß di leckt u Flachs datauf Zweckm lich no zum 3 ſtanden we, und mit Da⸗ hier ihren en durchaus „ um ſeine 4 en, daß dfen. Nan man loſche, a, daß jeder m nicht das Oberſten auf en. Endlich eine Miſt⸗ zum Löſchen le Telteſſe dieſem un⸗ lich hatten den hinauf ſchaͤftig und eer und naſ⸗ „das rings ſowohl dies, Läͤrm zwar hen Qualm ingen, ohne ins uͤhel he⸗ — — r — — 4191— kommen ſeyn wuͤrde, da man dies Ungluͤck mehr dem Leichtſinn und der Unvorſichtigkeit der Jäͤ⸗ ger, als dem Zufall zugeſchrieben haͤtte. Zum Gluͤck war Keiner der oben Schlafenden zu Schaden gekommen, eben ſo wenig auch Buͤch⸗ ſen und Kartuſchen. Waͤren ſie erſt vom Feuer ergriffen worden, ſo wuͤrde das Dach geſprengt worden ſeyn, und das ganze große und ſchoͤne Dorf waͤre aller Wahrſcheinlichkeit nach ein Raub der Flammen geworden. Das aͤngſtigte uns eben ſo ſehr, weil das Hauptquartier dann haͤtte auswandern muͤſſen. Und welche Stoͤ⸗ rung haͤtte das gegeben, da die Befehlshaber die ganze Nacht durcharbeiteten! Es fand ſich nachher, daß der Schornſtein große Ritzen hatte, und da einige Jaͤger in der Kuͤche ein maͤchtiges Feuer angemacht hat⸗ ten, mehr um ſich zu waͤrmen, als ein fettes Tafelſtuͤck zu bereiten, ſo war es kein Wunder, daß die Flamme durch jene Ritzen hindurch ge⸗ leckt und den oben am Schornſtein liegenden Flachs angezuͤndet hatte. Aus Vorſicht wurde darauf eine Schildwache oben hingeſtellt, deren Zweckmaͤßigkeit bald anerkannt wurde, da ploͤtz⸗ lich nach einer Stunde die verborgene Gluth zum Zweitenmal in lichte Flammen aufſchlug. 19²2 Sie wurde aber diesmal aus dem Grunde ge⸗ löſcht. Aus dem Schlaf wurde nun in dieſer Nacht gar nichts; der Schreck hatte Alle voͤllig munter gemacht, drum wurden die wenigen Standen bis zum Anbruch des Tages unter mancherlei traulichen Herzensergießungen hin⸗ gebracht. Endlich brach der Morgen des verhaͤngniß⸗ vollen 18. Oktobers an, heiter, friſch und rein, wie die Zeit, die er in ſeinem Schooße trug. Es wurde lebendig im Heere. Alles brach auf, ordnete und ſtellte ſich. Mit Feldmuſik matſchirte jedes Regiment ab und ein freudiges, tuͤchtiges Leben ruͤhrte ſich in Allen. Dahinten hatte Jeder die Armſeligkeiten der Welt gelaſ⸗ ſen, ſich losgemacht von ihren Feſſein, ſelbſt der innere Despot verſtummte vor dem hoͤhe⸗ ren Leben, das den Sinn durchgluͤhte, und frei trat der freie Mann in die Schranken, um den ſchoͤnſten Preis zu erringen und das aͤußere Heiligthum, das als ein inneres ſchon laͤngſt aus dem Grabe der Selbſtſucht und Suͤnde auferſtanden war, den frechen Haͤnden der Raͤuber zu entreißen. Eine kraͤftige Be⸗ geiſterung regte ſich im Heere, nicht die aus Uebetreizung und Nervenſchwaͤche erzeugte, die das H6 raketen ſch iht wiſ it jräfeln duf unſern net du neten b hätten, wieder den er Melſch iſt es Deutſch ſteigen ter all des A ſch na bereini mit der denn d gen. 9 lich und ſche und die gto Grunde ge⸗ un in dieſe Alle vͤllig ie wenigm ades untet ungen hin⸗ bethäͤngniß, ſc und rei, chooße trug. Alles brach it Feldmuſt in freudiges, Dahinten Mält gaaaſe ſein, ſelbſt dem höhe⸗ uͤhte, und Schranken, en und das nneres ſchon jſtſucht und hen Haͤnden räͤftige Be⸗ ht die aus rzeugte, die die große Armee. Einige Grade des Zirkels — 193— das Herz auf Augenblicke erhebt, nicht dieſe raketenartige, ſondern die frohe jauchzende, die ſich ihres Daſeyns in Gott, im Ewigen be⸗ wußt iſt.— Wie haͤtten wir ſo an dem Siege zweifeln koͤnnen!— Auf das Staͤdtchen Taucha richteten wir unſern Marſch, waͤhrend ferner Kanonendon⸗ ner dumpf am Horizont hinrollte. Wir begeg⸗ neten bald mehreren ruſſiſchen Regimentern und hoͤrten, daß ſie unter Benningſen ſtaͤnden. Alſo wieder eine neue Armee, wie aus dem Erdbo⸗ den erſtiegen.„Wo kommen doch alle die Menſchen her“— rief Einer dem Andern zu— „iſt es doch nicht anders, als waͤren in Deutſchlands Fluren Drachenzaͤhne geſaͤet, ſo ſteigen die geharniſchten Reiter und Rit⸗ ter aus der Nacht des Unglaubens und des Zweifels hervor.“— Dies Corps wandte ſich nachher jubelnd und ſingend ſuͤdlich, und vereinigte ſich durch ſeinen linken Fluͤgel— mit dem rechten der großen Armee, und ſo war denn die eiſerne Kette rings um Leipzig gezo⸗ gen. Nordweſtlich die ſchleſiſche Armee, noͤrd⸗ lich und öͤſtlich die Nordarmee und die polni⸗ ſche unter Benningſen, ſuͤdlich und ſuͤdweſtlich 13 — 194— blieben fuͤr die geſchlagne feindliche Armee of⸗ fen, die man doch nicht aufheben und gefan⸗ gen nehmen konnte, weil ſie mehr als 180,000 Mann zaͤhlte. Durch Taucha ging es eigentlich im vollen Trabe unter frohem Jubel und Geſang. Alle Thuͤren und Laden waren verſchloſſen, Nie⸗ mand von den Einwohnern ließ ſich ſehen, hoͤchſtens zeigte ſich ein Geſicht an den obern Fenſtern, und nur mit Muͤhe bekamen wir ei⸗ nen Boten. Warum ſie uns nicht mit lautem Jubel empfingen, weiß ich nicht; ſchon die Menge der durch das Staͤdtchen eilenden Trup⸗ pen haͤtte ihnen allenfalls Vertrauen einfloͤßen koͤnnen. Doch es war noch ſehr fruͤh. Die nachfolgenden Truppen moͤgen ja wohl begruͤßt und empfangen worden ſeyn Bald darauf ſollten wir eine große Freude erleben. Mehrere ſaͤchſiſche Regimenter nehm⸗ lich gingen zu uns uͤber, ſowohl Fußvolk als Rei⸗ terei. Als wir ſie anſichtig wurden, rief uns der Major zu:„Kinder, ſingt einmal! ſingt doch„den Koͤnig ſegne Gott!!“ und ihr Haut⸗ boiſten blaſet und begleitet den Geſang. Da hielt Alles ſtill und mit frohem, frommen Ge⸗ ſang wurden die ſaͤchſiſchen deutſchen Bruͤder aufgend fromme der bet Fäldtd hii erle umkehre ſe uns Bagage un ell men kot ſaken. wie Ad unanſeh fuͤßigen glücklich ſchwind kaſch un warde, ¹ ſal haue zogen ſ wurden zig mit Triffen ſerven u letzte Kr wich uuf Aree df⸗ und gefan⸗ 5 180,000 Wim vollen ſang. Ale ſſen, Nie⸗ ſich ſehen, den obern nen wir ei mit lautem ſchon die enden Trup⸗ n einfͤßen ſäh. Die ohl begrißt oße Freude enter nehm⸗ volk als Nei, n, rief uns nmal! ſingt d ihr Haut⸗ ang.“ Da ommen Gen den Bruͤder — 195— ommen. Aller Groll war vergeſſen, nur mczen Ruͤhrung durchdrang Alle, daß Gott deenme die Herzen der Verirrten von dem Leadade fortgewendet und fuͤr 6 waber eit erleuchtet hatte. Sie ſchloſſen uieden hiitehren ſogleich an uns an; auch n. ſie uns, daß feindliche von ihnen verlaſſene 1. i r Naͤhe halte, und daß ſie ſte, Danoge e Beer e nicht haͤtten neh en. Dafuͤr hatten wir ja aber b9⸗ haße 4 und jubelnd ſtuͤrzten ſie, ſim cu das gewitterte Wild, auf ihren Whüerean ſchwer bepackten und doch ſchnell⸗ Danlehdgnenn herbei, und nahmen die„. gluͤcklich in Empfang. Darauf asen 3 i Dorf Paun. a dich it aninn annuenhen und genommen zunh dund in Flammen uufging. Gleiches Schick⸗ ſuhena mehrere andere Doͤrfer. Immer enger 5 en ſich die Feinde zuſammen, immer raſcher 3 d den ſie verfolgt, immer deutlicher trar Leip⸗ de9 nn ſeinen vielen Thuͤrmen hervor. de be Treffen dehnten ſich unſre Linien dus, d d ſerven ungerechnet. Da wandte der dein 5 letzte Kraft an, uns Widerſtand zu leiſten. wich nun keinen Schritt mehr, nachdem ihm — 196— die meiſten Doͤrfer um Leipzig abgenommen worden waren. Ein neues Leben erwachte noch einmal in ihm, es glich auf Deutſchlands Flu⸗ ren dem letzten Aufflackern eines ſo eben erloͤ⸗ ſchenden Lichtes. 14 Schon ehe wir in die ungeheure Schlacht⸗ linie ruͤckten, betaͤubte uns der entſetzliche Ka⸗ nonendonner, der einem ununterbrochnen, er⸗ ſchuͤtternden Schützenfeaer glich. Aber wie ſtieg derſelbe, als wir unſern Batterien immer naͤher kamen, zu deren Bedeckung wir eben beſtimmt waren!— Wir hatten hier daſſelbe Schickſal, das uns bei Dennewitz traf, nehmlich viele Stunden lang dem feindlichen Kanonenfeuer ausgeſetzt zu ſeyn,— eine wahre Marter fuͤr den Soldaten und die groͤßte Pruͤfung ſeines Muthes, ſeiner Standhaftigkeit, da er, ſelbſt unthaͤtig, ſeinen Leib Preis geben muß und die Scheibe feindlicher Paßkugeln iſt. Bald ſahen wir die Sonne an dem heitern Himmel nicht mehr. Ein dicker, gelber Dampf huͤllte ſie ein. Wie blaſſes Mondlicht brach ſie nur auf Augenblicke durch das fremde Gewoͤlk hin⸗ durch, die Thaten der Menſchenkinder voll Wehmuth anzuſchaun Unter unſern Fuͤßen er⸗ bebte die Erde und ſelbſt die Luft zitterte von dem un Man k vor dem iigne E üllzte ei ſch ſeine uns wa wenige ſenden, Regime ſchettite Treffen Hoffnun unſerer telt. S mer noe wir um gerade Klayper einer zweckloſ nach Th Sonne und wir ſend S rief mo chte noch nds Flu⸗ den erl, Sclacht⸗ ſiche Ka⸗ nnen, er⸗ wie ſtieg mer naͤher beſtimmt Schickſal nlich viele oonenfeuer Tdarter fuͤr ung ſeines er, ſelbſt muß und ſt. Bald n Himmel npf huͤllte ch ſie nur woͤlk hin nder voll Fuͤßen er⸗ itterte von — 197— dem unaufhoͤrlichen Krachen und Donnern. Man konnte im eigentlichen Sinn des Worts vor dem Donner der 1500 Feuerſchluͤnde das eigne Wort nicht hoͤren. Rings am Horizonte blitzte ein Feuer, auf und meilenweit erſtreckte ſich ſeine verheerende Wirkſamkeit. Doch uͤber uns waltete ein guͤtiges Geſchick, denn nur wenige Kugeln, im Verhaͤltniß zu den Tau⸗ ſenden, die geſchoſſen wurden, ſchlugen in's Regiment ein; meiſtentheils ſprangen die riko⸗ ſchettirenden daruͤber hinweg und in's zweite Treffen und in die Reſerve hinein. Doch unſre Hoffnung, vorzudringen und Leipzig, den Pol unſerer Hoffnungen, zu nehmen, wurde verei⸗ telt. Es wurde ſechs und ſieben Uhr und im⸗ mer noch ſtanden wir auf derſelben Stelle, die wir um ein Uhr eingenommen hatten. Nach gerade wurden wir unruhig, denn obgleich Klappern zum Handwerk und Kanonenfeuer zu einer Schlacht gehoͤrt, ſo waren wir doch des zweckloſen Laͤrmens uͤberdruͤſſig und ſehnten uns nach Thaten. Dieſe Unruhe wuchs, als die Sonne unterging, unſre Batterien zuruͤckgingen und wir mit ihnen, waren es auch nur tau⸗ ſend Schritt.„Alſo kein vollſtaͤndiger Sieg,“ rief man ſich gegenſeitig zu,„aiſo geht die — 198— Blutarbeit morgen von neuem los.“ Doch ohne kleinlaut zu werden, hofften wir von Gott das Beſte und lagerten uns unweit eines brennenden Dorfes. Bald haͤtte mir eine der letzten feindlichen Granaten das Leben geraubt. Als wir nehmlich bei einbrechender Dunkelheit zur Deckung unſrer Batterien in einem trock⸗ nen Feldgraben ſtanden und ich ſorglos mit dem Nachbar ſprach, in der Meinung, die Schlacht ſey nun voͤllig zu Ende, riß mich dieſer in einem Augenblick, wo ich durch einen ploͤtzlichen Glanz geblendet wurde, mit ſich zu Boden. Sauſend fuhr eine Granate uͤber mich hin, ſiel einen Schritt hinter mir nieder, durchwuͤhlte die Erde und zerſprang mit entſetz⸗ lichem Krachen. Doch ſie verſchwendete ihre Kraft. Nur mit Erde wurden wir bedeckt und waren gerettet. Still und geruͤhrt druͤckte ich dem Freunde die Hand. Worte findet in ſolchen Augenblicken das Herz nicht. An Ort und Stelle angelangt, machten wir darauf maͤchtige Feuer an, um die durch⸗ gefrornen Glieder zu erwaͤrmen. Zu kochen hatten wir nichts, als Eingeweide, die wir zufaͤllig fanden, abwuſchen, kochten und dann, ſo zaͤh ſie waren, zerriſſen und verſchlangen; Doth ir von ſt eines ne der taubt. aielheit trock⸗ os mit d, die mich th einen ſich zu e uͤher nieder, entſetz⸗ ete ihre bedeckt druͤckte indet in machten edurch⸗ kochen die wit d dann, langen; — — 199— denn Hunger thut weh. Wie hart und ſcho⸗ nungslos der Krieg iſt, ſah ich an jenem Abend wieder. Alles Holz im Dorfe ward fortge⸗ ſchleppt, kein Hausgeraͤth blieb verſchont, Thuͤ⸗ ren und Tiſche brannten und doch war der Mangel an Holz noch nicht gedeckt.— Noch ſtanden einige Haͤuſer unverſehrt, noch hatte ſie die im Dorfe wuͤthende Flamme verſchont: da wurden ſie angezuͤndet, und als ſie nach vieler Muͤhe in der praſſelnden Gluth ſich auf⸗ loͤſten, wurden die brennenden Balken in's La⸗ ger gezogen, um hier fluͤchtige Waͤrme zu ver⸗ breiten. Einen erhabnen, wenn gleich ſchauervollen Anblick gewaͤhrte uns noch jener Abend. Sie⸗ ben bis acht Doͤrfer brannten rings in der Naͤhe und Ferne und von hochrothem Feuer gluͤhte der Nachthimmel. Saͤulenaͤhnlich ſtie⸗ gen die leckenden Flammen empor, als wollten ſie die einzeln hindurch ſchimmernden Sterne, die ein ruhiges, heitres Licht ausgoſſen, ent⸗ zuͤnden und in die empoͤrten Elemente der Erde hinabziehn. So weit der Blick reichte, fand er meilenweit zwiſchen dieſen brennenden Doͤr⸗ fern die Wachtfeuer der Feinde und Freunde, huͤpfenden Irrlichtern gleich, und um dieſelben 200— eine halbe Million gelagert, die, aus blutigem Kampfe kommend, die Ruhe ſuchte. Ach! viele Tauſende hatten ſie ſchon gefunden, den To⸗ desſchlummer. Was um ſie vorging, das Thun und Treiben ihrer empoͤrten Bruͤder— kuͤm⸗ merte ſie nicht mehr; ſie hatten uͤberwunden, die Schuld ihrer Natur bezahlt, und was ſie im Leben nicht fanden, Frieden und Wahrheit, im Sterben gefunden. Ach! aber ſo viele Tau⸗ ſende bluteten auch jetzt unter dem Meſſer der Wundaͤrzte. Ihr ſtarrer Blick wird zur Tod⸗ tenklage, und waͤhrend man gn ihnen ſaͤgt und ſchneidet, ſucht die ermattete Seele vergeblich die bunten Bilder der Vergangenheit zu ord⸗ nen, und blickt fragend zum Himmel empor, warum ſo Entſetzliches geſchehen muͤſſe. Gegen den Einen bricht endlich der wuͤthende Schmerz aus, der ſo viel Tauſende dem Baal opfere, ohne ſatt zu werden. Zur Anklage wird der Schmerz und Verdammniß ſpricht uͤber den großen Wuͤrger die Verzweiflung aus. Dort, wo jede Frage beantwortet werden wird, wird ſich das ſchwere Raͤthſel der grauſen Sphynp loͤſen. Bis dahin, glaͤubige Seele! harre lie⸗ bend und hoffend und trachte darnach, daß dir Niemand deine Krone raube. Nicht die Welt⸗ lutigen h viele den To⸗ 5 Thun 3 kuͤm, dunden, was ſie zahrheit ele Tau iſſer der ut Tod⸗ ſägt und ergeblich zu ord⸗ empor, Gegen Schmerz opfere, vird der ber den Dort, d, wird Sphynp arre lie⸗ daß dir ie Welt⸗ — geſchichte iſt das Weltgericht, ſie weiſt nur hin auf das Gericht, vor welches Fuͤrſten und Bettler treten muͤſſen.„Das Warum wird offenbar, wenn die Todten auferſtehn.“ Wir hatten herrliche Feuer angemacht, denn das alte, trockne Hausgeraͤth ſehnte ſich or⸗ dentlich nach ſeinem Flammentode, um zu ſchoͤnerem Leben aus ſeiner Aſche aufzubluͤhn. Wir goͤnnten ihm dieſen Prozeß herzlich. Un⸗ ſer General, freundlich und herablaſſend, wie der alte Fritz, blieb, umherwandelnd und Er⸗ kundigung einziehend, endlich bei dem Feuer ſtehen, um das ich mich mit guten Freunden gelagert hatte. Ein Lehnſtuhl, der als Re⸗ ſerve im zweiten Treffen ſtand und erſt gegen Morgen in die Feuerlinie einruͤcken ſollte, diente kurz vor ſeinem Tode noch einem edlen Zwecke. Laͤchelnd nahm ihn der Feldherr ein, und als wir uns, wie Kinder um den Vater, draͤngten und ihn fragten, ob die Schlacht ge⸗ wonnen ſey, ſo erzaͤhlte er: Napoleon ſey im Begriff, noch dieſe Nacht abzuziehn und Deutſch⸗ land ſey frei. Da ſtuͤrzten uns denn die Thraͤ⸗ nen aus den Augen und unnennbare Gefuͤhle preßten uns das Herz zuſammen; denn nun leuchteten uns aus allen den Feuern und Flam⸗ — — — ,† —VVV—O⏑——— men, die uns umwogten, die Worte hervor: „dein Reich komme;“ nun war's, als ſpraͤchen alle die zahlloſen Sterne am Himmel, wie verklaͤnte Engel, die Botſchaft herab:„Ehre ſey Gott in der Hoͤhe und Friede auf Erden;“ nun ſauſten nicht mehr Herbſtſtuͤrme um die lodernden Flammen, ſondern es war Auferſte⸗ hungsodem, der die Todten zum Weltgericht rief.— Ach! wie frei athmete nun nach dem erſten Gebete, unſre Bruſt. Wir waren ja Alle aus einem wuͤſten Traum erwacht. War's uns doch, als zoͤge der Boͤſe ſelbſt, heimlich knirſchend und wuͤthend, fort. So wie der Ungluͤckliche dann erſt frei athmet, wenn er ein feindliches Weſen von ſeinem innern Le⸗ ben, ſeinen bedrohten Heiliathuͤmern ſich ent⸗ fernen ſieht; wenn der Unhold, der mitten in ſeine Seligkeit hineingriff, verſchwindet und Engel Gottes ihm zu dienen kommen: ſo war es uns um's Herz, als wir hoͤrten:„Napo⸗ leon ziehe ab.“ O! mit welcher Freude hoͤrten wir dem Feldherrn zu, als er fortfuhr: „Kinder! morgen wird Leipzig geſtuͤrmt. Da ſollt ihr es denn von neuem ſamt allen Jaͤgern beweiſen, daß ihr ſterben gelernt habet Heute habt ihr nichts thun koͤnnen, morgen ſollet ir wir duſt dem halle zünde hielt rech nach bis dar⸗ ſh huͤl uns hetvot, „ wie „Ehre erden;“ um die luferſte ltgericht ich dem aren ja War's heimlich wie der benn er etn Le⸗ ſich ent⸗ ſtten in et und ſo war Napo⸗ Freude ertfuhr: t. Da Jäͤgern Heute en ſollet ihr viel thun.“ Wohl that uns dieſe Rede, da wir in dem Augenblick zum Reflektiren weder Luſt noch Zeit hatten; zufrieden waren wir mit dem Looſe, morgen mit dem Tode Hochzeit zu halten, der ſchon heute die Brautfackeln ange⸗ zündet hatte. Mit mancherlei Hiſtorien unter⸗ hielten wir darauf den verehrten Feldherrn, der recht aufmerkſam zuhoͤrte und dieſen und jenen nach ſeinem fruͤhern Berufe und Stande fragte, bis er uns endlich winkte und ermuͤdet, bald darauf einſchlief. Da wurden auch wir ſtill, ſchoben den Torniſter als Kopfkiſſen unter, huͤllten uns ein, ſo gut es ging, und ſoͤhnten uns mit unſrem Himmelbett aus— und ich? ich dachte noch recht lebhaft an die fernen Ael⸗ tern und Freunde, eilte im Geiſte als Bote zu ihnen, ihnen unſern Sieg und die Ausſicht auf den nahen Frieden zu verkündigen, mich an ihren Thraͤnen zu weiden, und ihnen in ei⸗ nem ſuͤßen Kuſſe alle Sorgen und Angſt zu, nehmen. So traͤumend fuͤhrte mich der Schlaf in ſeine Bilderwelt, ſeine Paradieſe, die er aus der zerſtoͤrten Wirklichkeit hervorruft— und es war ſchon heller Morgen, als Freun⸗ desgrüße mich weckten und auf die Myrthen⸗ krone hindeuteten, die heute zu erringen war. 1 —* — — 204— Ach! Mancher von ihnen fand ſie an dem Tage, dem erſten nach dem Auferſtehungstage deut⸗ ſcher Freiheit. Sie gab ſo Vielen den To⸗ deskuß. Gegen acht Uhr brachen wir auf gen Leipzig und wunderten uns doch ein wenig, durchaus nichts vom Feinde zu erblicken Jeden Augen⸗ blick glaubten wir, er werde losbrennen, aber die tiefſte Stille herrſchte in der ganzen Ge⸗ gend, ſo daß uns der geſtrige Tag wie ein Traum erſchienen waͤre, haͤtten uns nicht ſo viel tauſend Leichen, Paßkugeln, zertruͤmmerte Wagen u. ſ. w. an die Wahrheit jener Schrek⸗ kensſtunden erinnert So geht der Menſch uͤber die erkaltete Lava, die ſich verheerend in's Thal ergoſſen, feſt und ruhig, und blickt be⸗ ſonnen in den noch rauchenden Krater des Ber⸗ ges hinab, der ſo eben ausruht von ſeinen vernichtenden Auswuͤrfen. Er kuͤndigt ſich recht eigentlich als der Elemente Meiſter an und lä⸗ chelt zu ihrer Wuth, die ſich in ſich ſelbſt ver⸗ zehrt, ohne ſeine Plaͤne zu vernichten und ſei⸗ nen Entwuͤrfen Grenzen zu ſetzen. Wir wandten uns ein wenig noͤrdlich von Leipzig und kamen auf die große Landſtraße, die von Halle nach Leipzig fuͤhrt. Nahe an m Tage, Ce deut, den To, Leipzig durchaug Auann, en, aber zen Ge⸗ wie ein nicht ſo uͤmmerte Schrek Menſch end in's blickt be, des Ber⸗ ſeinen ſich recht und lä⸗ löſt ver⸗ und ſeie lich von adſtraße, Nahe an — 205— den aͤußerſten Gaͤrten der Stadt wurde Halt gemacht. Einzelne Schuͤſſe unterbrachen die tiefe Stille, uns an das Daſeyn des Feindes erinnernd, den wir fuͤr ſehr eigenſinnig hielten, da er es wagte, eine offne Stadt zu vertheidi⸗ gen. Dieſer Trotz empoͤrte uns, weil wir uͤberzeugt waren, daß er zu nichts fuͤhren koͤnne, als Tauſenden von uns noch das Leben zu rauben. Ueberhaupt fiel es uns, die wir jetzt Zeit zum Sinnen und Nachdenken hatten, auf, daß die Stadt geſtuͤrmt werden ſollte, da das feindliche Heer bereits zuruͤckgegangen war und die zur Deckung des Ruͤckzuges beſtimmte Abtheilung immer nur ſehr ſchwach ſeyn konnte. Sie haͤtte eben ſo gut abgeſchnitten werden koͤnnen, da der Uebergang uͤber die Elſter und Pleiße mit keinen Schwierigkeiten verbunden iſt. Beide Fluͤſſe ſind ja eigentlich nur große Graͤben. Indeß hielt man den feindlichen Nachtrab ge⸗ wiß fuͤr ſehr unbedeutend und glaubte, ihn in wenig Minuten uͤber den Haufen werfen zu— koͤnnen. Darum wurde die Stadt erſt mit ge⸗ ringer Macht angegriffen und erſt dann, als alle Angriffe fehlſchlugen, mit Maſſen geſtuͤrmt. Obgleich wir durch dieſe Bemerkungen nicht unmuthig wurden, und wohl erſt nachher die — — ——— — 2896— Unzweckmaͤßigkeit der Angriffe von uns einge⸗ ſehen wurde, ſo ward es uns doch in jenen Augenblicken recht deutlich, daß Soldatenbluͤt keinen Werth habe. Verſchwendet wird es oft, weil die Schonungsloſigkeit reif durchdachte Plaͤne uͤberfluͤſſig und begangne Fehler wieder gut macht. Die Armee haͤtte fuͤglich um ſechs Uhr ſchon vor den Mauern Leipzigs ſtehen, ei⸗ nige Corps ſuͤdlich und noͤrdlich davon vorſchie⸗ ben und dadurch weit glaͤnzendere Reſultate er⸗ zwingen koͤnnen, da ſchon am Morgen die Verwirrung des Feindes in der Stadt unbe⸗ ſchreiblich war. Erwiedert man, daß damals Napoleon ſelbſt noch in der Stadt mit ſeinen Garden geweſen ſey: nun um ſo beſſer, ſo wuͤrden jener und dieſe ebenfalls in unſre Haͤnde gerathen ſeyn, da ja die Stadt von allen Sei⸗ ten geſtuͤrmt werden konnte. Sicherlich waͤren die Folgen der Schlacht bei la belle Alliance minder bedeutend geweſen, wenn nicht der Fuͤrſt Bluͤcher den Feind noch in der Nacht verfolgt und ihn aus allen ſeinen Stellungen und La⸗ gern vertrieben haͤtte. Genappe war wie Leip⸗ zig noch vom Feinde beſetzt, und er haͤtte ſich, im Fall er die Nacht Ruhe gehabt haͤtte, hier zweifelsohne geſetzt und beſonnen und ruhig us einge, in ſenen datenblut d es oſt, achdachte d wieder um ſechs gehen, ei⸗ vorſchie ultate er, orgen die adt unbe⸗ ß damals nit ſeinen eſſer, ſo ſte Hände lenn Sei⸗ ch woͤren Alliance der Fuͤrſt verfolgt und La⸗ wie Leip otte ſich, oͤtte, hier nd tuhig den Ruͤckzug gedeckt. Der Fuͤrſt ließ ihm aber dieſe Ruhe nicht, ſondern(und hier war das Aufopfern einiger Hunderte angebracht) ſtuͤrmte mit Muth und Ungeſtuͤm die Stadt, ſo daß ſich Napoleon nur wie durch ein Wunder ret⸗ ten konnte Da man aber den 19. Oktober fruͤh Morgens oder ſchon in der Nacht den Angriff auf die Stadt unterließ, dem Feinde ſo eine goldne Bruͤcke baute, obgleich er die am Rannſtaͤdter Thor ſelbſt zerſtoͤrte ſo mußte auch der Sturm ſpaͤter unterbleiben, da in dem Augen⸗ blick, wo die Stadt geſtuͤrmt wurde, die feindliche Armee ſchon wenigſtens eine Meile auf dem We⸗ ge nach Weißenfels zuruͤckgegangen war, folglich der Nachtrab haͤtte abgeſchnitten werden koͤn⸗ nen. Er haͤtte ſich dann auf Gnade und Un⸗ gnade ergeben muͤſſen, Leipzigs Gaͤrten und Vorſtaͤdte blieben verſchont und 2 bis 3000 Verbuͤndete haͤtten nicht noch am 19 Oktober zum Theil ihr Grab, zum Theil das Lazareth und ihren Abſchied als Kruͤppel gefunden. Es iſt bei weitem ſchwerer, den Sieg zu benutzen, als ihn zu erringen. Jenes iſt nicht jedem Feldherrn gegeben. Friedrich II. iſt dadurch unſterblich geworden, denn er war groͤßer nach, als in der Schlacht.— Sollte aber die Stadt — 2098— einmal angegriffen werden, ſo mußte man ſich nicht lange bei der Vorrede aufhalten, ſondern mit ganzer Kraft und Gewalt verfahren, die dem Deutſchen am meiſten zuſagt. Nirgends aber iſt er ungeſchickter, als im Schuͤtzenge⸗ fecht. Hierin wird er von dem Franzoſen bei weitem uͤbertroffen. Waͤhrend ſich dieſer wie ein Aal windet und kruͤmmt, jeden Stein und Strauch zum Schanzkorb macht und ſo dem Feinde faſt gar keine Flaͤche Preis giebt, ſtellt ſich jener dreiſt und keck hin, und eh' er los⸗ brennt, iſt er ſchon todt. Es erſcheint ihm ſchimpflich— und es liegt dies in ſeinem ed⸗ len, ſtolzen Charakter— unſichtbar ſeine Ku⸗ geln in des Feindes Bruſt zu ſchleudern; es liegt darin gleichſam etwas Heimtuͤckiſches und Feiges, drum mag er's nicht, ſondern er tritt, wie die alten Ritter, gern in die Schranken offentlich hin und fordert den Gegner heraus. Das muß er denn freilich oft mit dem Leben buͤßen, wiewohl die vom Feinde ausgeſchrieene Dummheit ſeinem brechenden Herzen Ehre macht. Ein ſolches Schuͤtzengefecht nimmt da⸗ her auch bald ein Ende. Der Deutſche haͤlt's nicht lange aus. Wuͤthend ſtuͤrzt er hervor aus dem Verſteck, das ihn ſchuͤtzt, ohne ihn man ſch „ſondern ken, die Nirgende duͤtzenge, aoſen bei düſn wie ötein und d ſo dem eöt, ſtellt P er los, heint ihm ſeinem ed⸗ ſeine Ku⸗ dern; es iſches und mer niitt, Schranken r heraus. dem Leben geſchrieene gen Chre immt da⸗ che haͤll's er hervor ohne ihn — 209— weiter zu bringen, und gebraucht die Kolbe, mit der er beſſer umzugehen weiß. Mit ihr zeichnet er die Fragezeichen an den feindlichen Schädel, die die Erde nicht mehr beantwortet, und das Punktum, was er mit dem Bajon⸗ net ſetzt, iſt gewoͤhnlich das Ende eines kuͤnſt⸗ lichen Perioden, der kein Ende zu nehmen ſcheint. Das geſchah aber Anfangs nicht. Ge⸗ gen zehn Uhr drangen ungefaͤhr 6 bis 700 Jaͤger von den verſchiedenen Regimentern in die Gaͤrten von Leipzig ein, die groͤßtentheils mit Mauern umgeben ſind. Sie richteten we⸗ nig aus, denn die Feinde ſchoſſen aus den Thuͤren und Fenſtern der Gartenhaͤuſer und denen der Vorſtadt, die daran graͤnzen, und waren alſo aufs herrlichſte gedeckt. Wir aber ſtanden im Freien und verloren eine große Menge, ohne zu wiſſen, wodurch, woher, warum, denn man ſah auch nicht einen Franzoſen; das Gefecht zog ſich daher ſehr in die Laͤnge, obgleich die Reſerven ſchon alle im Feuer ſtanden. Wahnſinn waͤre es geweſen, mit ſo wenig Jaͤgern die Haͤuſer ſtuͤrmen zu wollen, da uͤberdies die Buͤchſen ſich dazu ſchlecht eignen. Hier ſiel denn mancher brave Juͤng⸗ ling, ohne daß etwas ausgerichtet wurde, zu 3 14 85 — 210— mal da die Begleitung der Verwundeten Viele dem Kampf entzog. Endlich kamen mehrere Bataillone an, und nun gings denn freilich mit einem Hurrah auf die Feinde los, die gluͤckli⸗ cherweiſe ſo eben die Haͤuſer großentheils ver⸗ laſſen hatten, um uns entweder gefangen zu nehmen, oder doch gaͤnzlich zu vertreiben. Das Bajonnet und die Kolbe entſchied wie gewoͤhn⸗ lich. Viele Jaͤger hingen die ſchon verſchleimte Buͤchſe uͤber und nahmen die hier entſcheidende Muskete. Moͤrderiſch wurde nun der Kampf. An Pardon war nicht zu denken. Theils vor, theils in den Haͤuſern wurden die Franzoſen niedergeſtoßen. Jeder hatte den Tod eines Freundes zu raͤchen und wußte uͤberdies, wie es die Welſchen machen, wenn ſie gefangen werden. Jetzt fallen ſie klaͤglich nieder und bitten flehentlich um ihr Leben, und den Au⸗ genblick darauf greifen ſie, wenn eine ſchwache Bedeckung ſie zuruͤckbringt, nach Gewehren und befreien ſich wieder, indem ſie zu Meuchelmoͤr⸗ dern herabſinken. Ganze Vierecke fallen nieder, wenn feindliche Reiterei ſie durchbrochen hat, um im naͤchſten Augenblick ſchon ihre Aufer⸗ ſtehung zu feiern, und im Ruͤcken der Feinde Zerſtoͤrungen anzurichten. Darum ſind zum eten Vile mehrere reili mi iee gluͤcli, iheils ver⸗ fargen zu iben. Das ie gewihn, verſchleimte ſhdeme der Kampf. Theils vor, Franzo zoſen Tod eines eedies, wie e gefangen nieder und d den Au⸗ ne ſchwache wehren und Neuchelmör⸗ llen nieder, rochen hat, hre Aufer⸗ der Feinde 1 ſind zum — 211— i lanen zweck⸗ in Infanteriemaſſen Uh daee i bohren dhaaen andere Reiter. Aeehah 3 e maͤßiger mit leichter Muͤ i intodten mit lei 45 d Sahen dh zu fruͤhe Auferſtehung, w 1 er gelingt. 5 veenn n uns deehn im Tumult des Kampfes eers e Fenſtern i inwohner aus den d Awrfn 8 Etoen herunter, die es aitss Lun urder waͤhrend die Feinde die ſdandan d unter einem 5, inecec 1 eurune eurden Ich machte in der 8. bes 3 1 efa nne in einem Paar een Siren kleine einkleidern beſtehend, mir bei mnad 69 2 ich mannigfache Defekte an den thig, da aden kte und die Sohien ſchon mit Bindf⸗ bemer n muͤſſen. Leider waren durn anſcien derne Stiefeln zu klein und nun hh oße Schmerzen, zumal da ich de uhcltka ur leichten Prellſchuß an den Fu wenenee te Ein freundlicher und herz⸗ beltuuden hen in der Vorſtadt langte uns, in⸗ he 2 dideangen, einige Flaſchen Wein dennuen 8 uns ungemein ſtaͤrkten. So 8 hers, e trinkend und ſchießend das Halli⸗ genden— ein ruͤhrender, erſchuͤttern⸗ de Vauc be ſich uns dar. Alle Fenſter der — ———, —— ☛ — 2412— lagen gedraͤngt voll; aus allen wehten weiße Tuͤcher herab und ein rauſchendes Lebehoch em⸗ pfing uns. Vor uns die fliehenden Feinde, uͤber uns die jubelnden Einwohner, ſo ging es im Trabe vorwaͤrts. Wer, der dieſen Augenblick erlebte, mag und kann ihn vergeſſen, wer ihn aber auch ſchildern! Freudetrunken eilten wir ſogleich aus einem andern Thore hinaus, dem Feinde nach, der noch nicht ganz gebaͤndigt war. Aber alle Regimenter loͤſten ſich jetzt auf. Ruſſen, Schweden, Preußen und Oe⸗ ſterreicher, Alles wogte durch einander. Da traf es ſich denn, daß Ruſſen auf Oeſterreicher, dieſe auf die Schweden ſchoſſen, weil Jeder den Feind ſuchte und durchaus ſchießen wollte. Wie manche Patrone iſt hier umſonſt verknallt worden! Man war in dieſem Gedraͤnge ſei⸗ nes Lebens nicht ſicher, obgleich vom Feinde nichts zu ſehen war. Graͤnzenlos war die Ver⸗ wirrung. Einige hundert feindliche Reiter haͤtten dieſen ganzen Knaͤul niederhauen und zerſprengen koͤnnen, weil Jeder dem Andern hinderlich war. Auch ſtuͤrzten ſechs bis acht franzoͤſiſche Kuiraſſier auf den Haufen los und trieben ihn— horribile dictu— wenigſtens drei⸗ bis vierhundert Schritt zuruͤck. Da be⸗ — 213 ten weiße ehoch ſann er ſich und nun legten die Tauſende auf dan die wenigen Reiter an, die im Nu mit ihren 9 In Roſſen zuſammenſtuͤrzten, von zahlloſen Kugeln gihg es durchbohrt. So eben drang die Maſſe vor Angenb 8 5 4 einem Thore vorbei, aus dem ruſſiſche ſchwere 1 „ bwer 4 4. Ma Reiter hervorquollen. Viele von ihnen wurden vi 89 getoͤdtet, die uͤbrigen prallten zuruͤck und hiel⸗ 69 ten im Thore ſtill, bis der Irrthum eingeſehen 170 5 wurde. So waͤlzte ſich dieſe ganze Maſſe, * 5 wohl aus 3000 Mann beſtehend, auf die Bat⸗ der d erien hin, die am Rannſtaͤdter Thor aufge⸗ dale 7 Dſ fahren waren, und ſchrecklich wuͤtheten die Kar⸗ ſterih aͤtſchen unter uns. Doch ſtuͤrzten immer wie⸗ d1 hhe der friſche Truppen heran; die hinterſten draͤng⸗ Ben wollte. ten die vorderſten, und nachdem dreimal die Kverknalt verheerenden Kugeln unter uns gewuͤthet hat⸗ unge ſie een, waren die Batterien erreicht und genom⸗ en dende men.— Inbelnd ſtuͤrzten wir auf ſie los und r die Ver im Freudenrauſche umarmten wir ſie, von de⸗⸗ che Reiter nen viele noch nie gebraucht worden waren hauen und und wie Gold gluͤhten. Wir fanden 128 Ka⸗ m Andern nonen in einander gefahren, und nur die vor⸗ bis acht derſten von ihnen hatten gegen uns gerichtet los und werden koͤnnen. Die Beſpannung fehlte und wenigſtens Alles lag und ſtand in toller Verwirrung durch Da he⸗ einander, Todte und Verwundete, Freund und — 214— Feind, Munitions⸗ und Bagagewagen, Kano⸗ nen und Pulverkarren, Arzneiflaſchen und Land⸗ karten, Gewehre und Torniſter. In dem Au⸗ genblick, wo jene Maſſe zur Rannſtaͤdter Bruͤcke vordrang, eilte ein Theil unſers Regiments durch das Rannſtaͤdter Thor zu demſelben Ziele hin, den Major von P** an ſeiner Spitze, der hier verwundet niederſtuͤrzte. Als ſeine Soldaten ſtutzten, ermuthigte ſie der kuͤhne, unerſchrockne Fuͤhrer, und rachedurſtend drangen ſie uͤber ihn hinweg, dem Tode entgegen. Doch nur dadurch gelang ihnen der Angriff, daß die feindliche Artillerie ihre Kraͤfte vertheilen mußte, und daß die bunte Maſſe in der Vorſtadt ſich durch nichts in der Welt ſchrecken und aufhal⸗ ten ließ. So war denn endlich der Kampf geendet, die Stadt in unſern Haͤnden und die Beute unermeßlich, doch eben ſo ungeheuer das Ge⸗ wuͤhl. Wer mag dieſes wie jene beſchreiben! Der Eine zog ein halbes Dutzend Beutepferde nach ſich, um ſie ſogleich an die Kinder Israels zu verkaufen, ein Andrer ſchleppte ſich mit ſchwe⸗ ren Mantelſaͤcken, ein Dritter trug einen zer⸗ brochnen Adler, um ihn gegen das eiſerne Kreuz einzutauſchen, ein Vierter, Infanteriſt, beſt En dub ſche cem beſt Gel ten von ein und leot den und thal nen ſtra en, Kand⸗ und Land, dem Au⸗ ter Brüͤcke Negiments ſädn giele der Syig, Als ſeine der kühne, d drangen den. Doch ff, daß die ken mußte, orſtadt ſich ind aufhal⸗ pf geendet, die Beute t das Ge⸗ deſchreiben! Beutepſerde der Jeraels mit ſchwe⸗ einen zer⸗ das eiſerne Infanteriſt Ort und Stelle noch fand. — 215— beſtieg mit Sack und Pack einen ſtattlichen Englaͤnder, und Andere trieben die Gefangenen dutzendweiſe, wie Schafe vor ſich her. Unbe⸗ ſchreiblich war die Gier und Habſucht bei Man⸗ chem, die ſich aber hier oft auf der Stelle beſtrafte. Es ſielen unter andern auch viele Geldwagen in unſre Haͤnde. Um ſie ſchwaͤrm⸗ ten die Soldaten wie Bienen. Ehe noch einen von ihnen die Menge umdraͤngte, fand ſich ein Soldat von unſerm Regiment bei ihm ein und fuͤllte ſein ganzes Czakot mit Napo⸗ leond'ors an. Forteilend beſinnt er ſich und denkt, du kannſt dir ja auch wohl die Taſchen und den Brodbeutel voll fuͤllen. Gedacht, ge⸗ than. Vorſichtig ſtellt er das Czakot unter ei⸗ nen Baum, bedeckt es mit Gras und Ge⸗ ſtraͤuch und eilt zuruͤck, ſeinen Brodbeutel ſchon im Voraus ausweidend. Als er jedoch hin⸗ kommt, findet er den Wagen ſchon ſo ſehr umdraͤngt, daß er wieder umkehrt, zufrieden, doch ſein Czakot voll zu wiſſen. Das war denn freilich gegruͤndet, doch nur mit dem Unter⸗ ſchied, daß es fort war und mit ihm ſein Schatz, den er wie im Traum beſeſſen hatte. Ein ver⸗ ſchuͤttetes Goldſtuͤckk war Alles, was er an 216 Unſerm Regimente wurde die Ehre zu Theil, jenes eroberte Geſchuͤtz zu bewachen. So wie es das erſte in der Stadt geweſen war, ſo hatte es auch groͤßtentheils dieſes genommen. Selbſt die Einwohner Leipzigs wußten das und zeigten laͤchelnd mit Fingern auf unſre weißen Kragen, woran wir ihnen kenntlich ge⸗ worden waren. Die Menge der Gefangnen, die Verwun⸗ deten mitgerechnet, belief ſich im Ganzen auf 30,000 Mann, unter ihnen mehrere Generale, s. B. der General Regnier, der von einem Jaͤ⸗ ger unſers Regiments gefangen genommen wurde. Obwohl dieſer gewiß dafuͤr eine ange⸗ meſſene Belohnung verdiente, ſo waͤre ihm die⸗ ſelbe doch faſt entzogen worden. Er riß nehm⸗ lich den General vom Pferde und in der Hitze ihm ſeine Ehrenzeichen ab. Das Pferd nahm ein andrer Jaͤger und der General wurde Ver⸗ wundeten, die eben zuruͤckgingen, uͤbergeben. Wahrſcheinlich fuͤhlte er ſich hierbei ſehr un⸗ wohl, weil er in Gefahr war, gemißhandelt zu werden. Er begab ſich alſo in den Schutz eines voruͤbergehenden Offiziers, was jene Ver⸗ wundete zuließen, weil ſie ihren Gefangnen nicht kannten. Der Offizier brachte ihn darauf 8 2 zu Than, Oo wie war, o ſenommen. ten das auf unſre enntlich da d Verwun⸗ Hhanzen auf Genetale, anem Iie genommen eine ange⸗ t ihm die⸗ riß nehm⸗ der Hite ferd nahm wurde Ver⸗ uͤbergeben. i ſehr un⸗ mißhandelt den Schutz jene Ver⸗ Gefangnen ihn darauf — 217— in Sicherheit, meldete es und erhielt zur Be⸗ lohnung— das eiſerne Kreuz. Erſt ein hal⸗ bes Jahr darauf erhielt es der Jaͤger auch, da er beweiſen konnte, daß er den General geſangen genommen. Uebrigens iſt bekanntlich auf jene bequeme Weiſe Mancher ein Ritter geworden. Nachdem Alles geendet war, ging ich in die Stadt zuruͤck, mich zu ekquicken. Nur eine Stimme iſt daruͤber, mit welcher Freude und Herzlichkeit wir von den biedern Einwohnern Leipzigs aufgenommen wurden. Rauſchend war ihre Freude uͤber den ſo ſchnellen, gluͤcklichen Wechſel der Dinge. Sie leuchtete aus Aller Augen hervor. Was ſie bei der Seele hatten, gaben ſie heraus, uns Hungrige zu ſpeiſen, uns Durſtige zu traͤnken und auf mancherlei Weiſe zu erquicken. Als laͤngſt Erſehnte wa⸗ ren wir uͤberall willkommen, uͤberall zu Hauſe, und wahrlich! oft ruͤhrend war der Ausbruch dankbarer Freude, mit der man zum Genuß eingeladen wurde. Alle Straßen waren von ihnen angefuͤllt und zwiſchen durch draͤngten ſich die verſchiedenen Uniformen, Einer den Andern ſuchend, um ſich ſeines Beſitzes oder Verluſtes bewußt zu werden. Ich ſchlug mich f— durch das Gewuͤhl hindurch, betrachtete von weitem die hohen Monarchen und Generale, die auf dem Markt hielten, und waͤhlte ein niedliches Haͤuschen in einer abgelegenen Straße zum Abſteigequartier. Ein ſchoͤnes, junges, freundliches Maͤdchen lag, eh' ich's mir verſah, in meinen Armen und druͤckte mich kuͤſſend an ſich. Ueberraſcht von dieſen mir wildfremden Liebkoſungen, wollte ich ihr ihren Irrthum ſo eben vorhalten, als ſie von ſelbſt anfing:„Sie ſind ein Preuße, d. h. ein Retter und folglich mein Bruder. Kommen Sie herauf zu meinen Aeltern und eſſen und trinken Sie.“ Ich folgte mechaniſch, wurde herzlich empfangen, ſchauderte vor dem Spiegel vor meiner Geſtalt zuruͤck, die ich kaum vor Blut und Schweiß erkannte, reinigte mich, antwortete auf die endloſen Fragen der lieben Gaſtfreunde nur wenig, aß und trank enorm, und ſtreckte mich erſchoͤpft auf ein Sopha hin, ein Stuͤndchen zu ſchlummern. Beim Erwachen glaubte ich, eine guͤtige Fee habe mich ploͤtzlich in die Hei⸗ math verſetzt. Alles kam mir wie ein ſchwerer, wuͤſter Traum vor, und maͤhrchenhaft lagen die vergangnen Stunden hinter mir, die mich noch im Schlaf mit ſcheußlichen Larven und Fratzen umga⸗ gebun auch! ſie ti wanne Freila vfigen Neug Wit bedr nach fort, deß G Qual wir bliebe Stard duͤrff voua ſer t einen lichen ger. Weit Freu te von nerale, te ein Straße unges, derſah, end an temden uum ſo „Sie folglich meinen Jc angen, Geſtalt chweiß uf die e nur e mich ndchen zte ic, e Hei⸗ werer, hen die h noch Fratzen — 219— umgaukelt hatten. Alle die freundlichen Um⸗ gebungen gebildeter Menſchen waren mir, wenn auch nicht fremd, doch neu geworden, wodurch ſie einen eignen Reiz in meinen Augen ge— wannen, welche mehrere Monate hindurch in Freilagern, auf Maͤrſchen und in engen, dum⸗ pfigen Huͤtten ſie ſo ungern entbehrt hatten. Neugeboren und geſtaͤrkt ſagte ich dem biedern Wirth und den Seinigen Lebewohl, vergaß es, bedraͤngt von ſo mannigfachen Gefuͤhlen, mich nach ihrem Namen zu erkundigen und eilte fort, mein Regiment aufzuſuchen, das unter⸗ deß ſo ziemlich wieder beiſammen war. Gegen Abend wurde uns zu einſtweiligen Quartieren die Vorſtadt angewieſen, doch weil wir fuͤrchteten, morgen weiter zu marſchiren, blieben Viele, nach erhaltnem Urlaub, in der Stadt, um noch manchen nothwendigen Be⸗ duͤrfniſſen abzuhelfen. Auf allen Straßen bi⸗ vouakirten Ruſſen und Oeſterreicher, alle Haͤu⸗ ſer waren verſchloſſen und vergeblich ſuchte ich einen Schuhmacher auf, um ihm einen chriſt⸗ lichen Tauſch anzubieten. Ich mußte noch laͤn⸗ ger Pein leiden. Kaum oͤffnete ſich uns ein Weinkeller. Hier fanden wir zufaͤllig einen Freund, der einen erbeuteten Mantelſack mu ſterte. Der fruͤhere Beſitzer war ein franzoͤſi⸗ ſcher Oberſter geweſen und beim Sturm auf Leipzig geblieben. Wir fanden unter andern viele Briefe ſeiner Gattin an ihn, die die in⸗ zigſte Liebe und Zaͤrtlichkeit athmeten, die ihn beſchworen, ſich, ihres kleinen Louis und der zarten Adele wegen, zu ſchonen, und ihr nicht noch mehr Ungluͤck und Elend zu bereiten, da ſie ja ſchon drei Bruͤder im Kriege verlo⸗ ren.“ Wie bedauerten wir das arme Weib! Ihr Gatte war erſchlagen, ihre Briefe, ge⸗ wiß ein Heiligthum fuͤr ihn, waren in den Haͤnden fremder Menſchen und ihre Hoffnun⸗ gen vernichtet. Wahrlich, im dem Augenblick trat der Krieg wie ein blutig Geſpenſt vor unſer Auge, das uns mit Schauder und Ent⸗ ſetzen erfuͤllte. Voll Wehmuth betrachteten wir die Briefe unſrer Aeltern und Freunde, und ſahen ſchon im Geiſte unſer Grab vor uns und die Briefe zu Patronen verbraucht. Eine Einquartirung, die wir beſtimmt erwar⸗ tet hatten, wurde uns in den folgenden Tagen nicht. Wir lagen draußen im Freilager, dicht beim Schindanger, und mitten unter todten Men⸗ ſchen und Pferden, die erſt den dritten Tag eingeſcharrt wurden. Nichts iſt ſchrecklicher, als d nackt zuſan gelahe die m ter d einan 9 3u, an. mit, ſſe ſ Niem ſtens Todt Looſe laͤut abſint taͤglich voruͤb Krieg handl ſonder dieſe gedeng anlaßt ſanziſ n auf andern die in⸗ ie ihn — und nd ihr rreiten, verlo⸗ Weib! 2, ge⸗ in den offnun⸗ enblick ſt voe d Ent⸗ in wir und 8r uns erwar⸗ Tagen d·cht Men⸗ in Tag clicher, —— — 221— als der Anblick einer ſolchen Beerdigung. Die nackten Leichname werden je zwei und zwei zuſammen gebunden, auf einen Schubkarren geladen und in eine große Grube geworfen, die mit Kalk und Erde bedeckt wird, wenn ih⸗ rer dreißig bis vierzig darin, Freund und Feind einander in den Armen, liegen. Niemand druͤckt hier den Armen das Auge zu, es ſtarrt gebrochen das feindliche Leben an. Niemand giebt ihnen ein Liebeszeichen mit, nur Kalk wird hinterher geworfen, um ſie ſchnell in Staub und Aſche aufzuloͤſen. Niemand folgt ihrer fremden Bahre, als hoͤch⸗ ſtens eine Thraͤne des Mitleids, nicht dem Todten, denn wer kennt ihn?— ſondern dem Looſe des Kriegers geweint. Kein Glockenge⸗ laͤut erſchallt, kein Sterbelied begleitet ihr Hin⸗ abſinken. Es iſt, als geſchehe etwas ganz all⸗ taͤgliches, ſo gleichguͤltig gehen die Menſchen voruͤber und ihren Geſchaͤften nach. Mag der Krieg, dies große Schachſpiel, eine ſolche Be⸗ handlung der Todten nicht nur entſchuldigen, ſondern auch verlangen, es empoͤren dennoch dieſe Scenen, wenn man der Feierlichkeiten gedenkt, die eine Beerdigung im Frieden ver, anlaßt. Zu ſehr iſt ein weiches Herz daran 7 gewoͤhnt, als daß es nicht den Krieger bekla⸗ gen ſollte, der nach ſeinem Tode in der Feld⸗ ſchlacht, nackt, vielleicht an ſeinen Moͤrder feſt gebunden, in die kalte Erde geworfen wird, um ſie ein halbes Jahrhundert hindurch zu duͤngen. So gern ſich der Blick hiervon fort⸗ wendet, ſo giebt es doch rohe Seelen genug, die die Neugierde treibt, Scenen der Art auf⸗ zuſuchen. Ich habe in Leipzig Frauen geſehen, deren Anzug wenigſtens Wohlſtand verrieth und auf Bildung hindeutete, die an den Ar⸗ men ihrer Maͤnner die Spaziergaͤnge der Stadt beſuchten, um die Todten zu beſichtigen. Oft wurden die nackten Todten von ihnen um⸗ gewendet, um ihre Todeswunden zu ſehen, und wenn ſie ſich denn auch wohl ſchaudernd da⸗ von fortwanden, ſo fiel ihr Blick doch im Au⸗ genblick darauf auf ein anderes Opfer, das nicht beweint, ſondern nur beſichtigt wurde. Zur Ehre der Leipziger Frauen will und muß ich glauben, daß der aͤußere Schmuck dieſer Neugierigen nicht ein Beweis von ihrem wuͤr⸗ digen Standpunkt in der Geſellſchaft geweſen ſey. Sie moͤgen wohl zu der verworfnen Klaſſe gehoͤrt haben, die gegen ihren eignen Koͤrper keine Achtung haben. L hatte Waͤre Beule und lc wir d ſöhxt duͤrfti Eulen nig d Frang kuͤmm lichen, gleich Scho und d los ſch deſteiſ ſich h liegen ten da ihn gij fentlich tend, gleichg ſie fo bekla er Feld Moͤrder n wird, rch zu d fort⸗ Rnag, lrt auf⸗ geſehen, verrieth den Ar⸗ ge der chtigen. en um⸗ en, und end da⸗ in Au⸗ „ das wurde. nd muß k dieſer wuͤr⸗ ſeweſen Klaſſe Körper ‿ Leipzig ſelbſt lag voller Garden, und daher hatten wir freilich keinen Platz mehr daſelbſt. Waͤre daher nicht jeder Einzelne durch gemachte Beute in den Stand geſetzt worden, Staͤrkung und Labung in der Stadt zu ſuchen, ſo wuͤrden wir die drei Tage ein hoͤchſt elendes Leben ge⸗ fuͤhrt haben, weil die Verpflegung nur ſehr noth⸗ duͤrftig war. Unſre Magazine waren noch in Eulenburg. So aber kuͤmmerten wir uns we⸗ nig darum. Dagegen hatten die verwundeten Franzoſen ein hoͤchſt trauriges Loos. Niemand kuͤmmerte ſich um ſie. Ich ſah einen Ungluͤck⸗ lichen, der den Arm in einer Binde trug, ob⸗ gleich er nur noch an einigen Nerven hing. Schon war der kalte Brand hinzugeſchlagen und der ganze Arm kohlſchwarz. Wie bewußt⸗ los ſchlich der Leidende einher, an rohem Pfer⸗ defleiſche nagend. Rußlands Scenen erneuerten ſich hier. An todten Pferden ſah ich Manche liegen und Mahlzeit halten, und Andere ſuch⸗ ten den Hafer aus Pferdemiſt und ſchluckten ihn gierig hinunter. Vor den Thuͤren, auf öͤf⸗ fentlicher Straße lagen ſie halbnackt und blu⸗ tend, ohne Samariter zu finden. Kalt und gleichguͤltig ſchlichen die Hausbewohner uͤber ſie fort und wuͤrdigten ſie kaum eines Blickes, 51 So groß war die Erbitterung gegen ſie. Viele die helfen wollten, waren wieder zu arm dazu, denn es herrſchte in den Tagen in der Stadt ein ſo großer Mangel, daß kaum fuͤr die verwundeten Sieger geſorgt werden konnte. Die Ungluͤcklichen erinnerten mich an eine heilige Pflicht, nehmlich meine verwundeten Bruͤder in den Lazarethen aufzuſuchen und von ihnen Abſchied zu nehmen. Ich fand ſie end⸗ lich nach langem Suchen unter den Hunderten heraus, die unter dem Meſſer der Aerzte ſeufz⸗ ten und wimmerten, Ein herzzerſchneidender Anblick. Faſt bereuete ich's, als ein Benei⸗ denswerther unter dieſen Ungluͤcklichen umher⸗ zugehen, die in der Bluͤthe ihrer Tage auf dem harten Sterbebette lagen. Viele von ih⸗ nen waren noch blutjung, noch im Knabenal⸗ ter, aber ruhig, ja heiter lagen die blaſſen, entſtellten Kinder da, Bilder des innern Frie⸗ dens. Das Gefuͤhl des Sieges und der er⸗ rungnen Freiheit hatte ihnen eine Begeiſterung gegeben, die ſie noch auf ihrem Sterbebette nicht verließ. Das Einzige, was ſie quaͤlte, war die Entfernung von ihren Aeltern und die Sehnſucht nach ihnen, die ſie nicht mit Bitterkeit gegen ihr Schickſal erfuͤllte, ſondern und Opfe mitg ſie ſi ſelnen in de liege gen. der und in ſe deten het g. ichh mein mißt . Vule m dah Stadt fuͤr die ante. an eine undenen und von ſie end⸗ nderten te ſeufße edender Benei⸗ umher⸗ R auf von ih⸗ abenal⸗ Aaſſen, n Frie⸗ der er⸗ iſterung tbebette guaͤlte, i und cht mit ſondern 225— Thraͤnen in ihre Augen trieb. Wurde es mir ir⸗ gend klar, daß der Geiſt Gottes uns beſeelte, daß eine hoͤhere Liebe mit der unſrigen war, ſo war es hier. O, wie haͤtten ſie denn ſonſt ſo ruhig und freudig dulden koͤnnen! Inſonderheit ruͤhrte und erhdb mich das Verhalten eines meiner Freunde, eines gewiſſen B**, der, hoͤchſtens ſiebzehn Jahr alt, mit mir bei demſelben Detachement ſtand. Sein aͤlterer Bruder war im Regiment Chirur⸗ gus. Beide Bruͤder liebten ſich treu und zaͤrtlich, und brachten ſich oft gegenſeitig die groͤßten Opfer. Alle Schlachten hatten ſie bisher gluͤcklich mitgemacht. Beim Sturm von Leipzig verloren ſte ſich Beide aus dem Geſicht und Jeder ging ſeinem Berufe nach. Der juͤngere Br** wurde in der Vorſtadt gefaͤhrlich verwundet und blieb liegen, waͤhrend wir Andern weiter vordran⸗ gen. Einige Zeit darauf kommt der aͤltere, der Chirurgus, eiligen Laufes dieſelbe Straße und wird von einem Buͤrger dringend gebeten, in ſein Haus zu kommen, um einen Verwan⸗ deten zu verbinden.„Ich habe keine Zeit, lie⸗ ber Freund!“ antwortet ihm dieſer,„ſo gern ich helfen wollte; denn ich muß nothwendig zu meinem Regimente, wo ich gewiß ſchon ver⸗ mißt werde.“ Doch der Buͤrger laͤßt mit Bit⸗ 15 — 226— ten nicht nach, und nach vielem Zureden ent⸗ ſchließt er ſich dazu und eilt hinein. Man zeigt ihm den Huͤlfloſen, der nackt und ent⸗ ſtellt da liegt und— es iſt ſein eigner Bru⸗ der. Sein Schenkel war von einer Kartaͤt⸗ ſchenkugel voͤllig zerſchmettert. Ohne ſich hel⸗ fen zu koͤnnen, war er auf der Straße liegen geblieben und von Ruſſen rein ausgezogen worden. So im Schmutze nackend liegend hatte ihn der barmherzige Samariter gefunden und in's Haus tragen laſſen. Wer mag den Schmerz des Bruders beſchreiben, der ſeine Geſchicklichkeit und Kenntniſſe dazu anwenden mußte, ſeinem Bruder auf kurze Zeit das Le⸗ ben zu friſten. Er konnte ihn vor Thraͤnen kaum verbinden und mußte ſeine ganze Stand⸗ haftigkeit aufbieten, um nur das Nothwendigſte zu thun. Den andern Tag war er in's Laza⸗ reth gebracht worden. Ruhig und heiter lag er da, geduldig wie ein Lamm, hielt er dem Bruder ſtill und troͤſtete ihn, der ſelbſt faſt in Verzweiflung war.„Gruͤß meine Mutter— waren ſeine letzten Worte—„ſage ihr, daß ich wie ein Held geſtorben ſey, ohne Schmerz und Reue; erzaͤhle ihr nichts von meiner To⸗ desart und erſetze ihr durch zwiefache Liebe, en ene Man nd ent⸗ r Bru, Kartär⸗ ic hel⸗ 1 liegaa gezogen liegend efunden nag den er ſeine zwenden das Le⸗ Thaͤnen Stand⸗ endigſte à Laza⸗ ter lag er dem faſt in tter— t, daß Schmerz ner To⸗ e Liebe, was ſie in mir verlor. Sage ihr, daß ich eine Reue nur mit in's Grab nehme, die, ihr oft ſo viel Kummer gemacht zu haben, und danke ihr in meinem Namen fuͤr all' das un⸗ endliche Gute, was ſie an mir gethan, und wofuͤr ſie nur Gott belohnen kann. Jetzt, jetzt,“ wimmerte er leiſer,„kommt der Tod.“ Noch einmal ſah er den Bruder mit einem Blick voll Liebe an und gab ſeinen Geiſt auf.„Se⸗ lig Alle, die in dem Herrn entſchlafen.“ Er⸗ ſchuͤttert bis in's innerſte Leben, verließ ich ei⸗ nen Ort, von dem ich fuͤrchtete, daß ich ihn auch noch einmal genauer kennen lernen duͤrfte, denn der Krieg ſpart ſich ſo manches Opfer auf; doch bebte ich vor ihm nicht zuruͤck, denn ich hatte von neuem von meinen Bruͤdern das Sterben gelernt. Ich fuͤhlte, nicht ſchlechter und feiger als ſie zu ſeyn, ohne mir das zum Verdienſt anzurechnen; denn ohne Gott iſt der Menſch ein Wurm, der ſich vor dem Tode kruͤmmt, er muͤßte denn durch das Laſter ſchon unter's Thier geſunken ſeyn, oder ſein Bewußt⸗ ſeyn verloren haben. Nicht lange und doch zu lange, in Hinſicht auf den Feind, verweilten wir bei Leipzig. Am 2lſten Abends brachen wir auf und richteten — 228— unſern Marſch auf Weißenfels. Auf dem Schlachtfelde bei Luͤtzen hielten die verſchiednen Regimenter einige Augenblicke ſtill, ſie dem Andenken des großen Koͤnigs zu widmen, der hier bekanntlich fuͤr das proteſtantiſche Deutſch⸗ land, oder beſſer fuͤr ſeinen Glauben, ſeinen erhabnen Geiſt aushauchte. Eine kurze Rede unterrichtete hievon den Unwiſſenden, eine tiefe feierliche Stille folgte, darauf wurde von der Regimentsmuſik ein Choral geſpielt und ſchwei⸗ gend zog die Armee durch die unabſehbare, zum Schlachtfelde ſich recht eignende Ebene zur Saale hin. Mit wunden Fuͤßen ſchleppte ich mich noch bis zu dem beruͤhmten Dorfe Roßbach, wo wir faſt Alle im unergruͤndlichen Kothe ſtecken blieben. Jetzt konnte ich nicht weiter. Ich mußte nothgedrungen zuruͤckbleiben, entweder um meine Stiefeln umzutauſchen, oder in ir⸗ gend einer Stadt ein Paar neue machen zu laſſen. Aehnliches und noch wohl ein aͤrgeres Schickſal hatten zwei Freunde, die ebenfalls zuruͤckblieben. Hinkend legten wir den Tag zwei Meilen zuruͤck und waren endlich ſo gluͤcklich, in dem Staͤdtchen Laucha uns neu und bequem geſtiefelt zu ſehen. Dennoch waren wir nicht im Stande, die Armee, die eilig vorruͤckte, f dem hiednen e dem „ der dutſch, ſeinen e Rade ne tiefe von der ſchwei⸗ ſehbare, ene zur ich mich ch, wo ſtecken Ich ntweder tin ir⸗ ſchen zu aͤrgeres ebenfalls ag zwei gücklic, bequem vir nicht orruͤckte, — 229— einzuholen. Wir wurden alſo ſogenannte Ma⸗ rodeurs, d. h. Soldaten, die auf ihre eigne Hand leben und ſich ſelbſt Quartier verſchaf⸗ fen. Als ſolche kamen wir eines Tages in ein thuͤringiſches Dorf, das unweit der Landſtraße lag, und uns noch Lebensmittel, die in den auf der Militairſtraße liegenden Doͤrfern fehl⸗ ten, darzubieten ſchien. Hier wurde ich ploͤtz⸗ lich aus einem Oberjaͤger ein Juſtizamtmann. Denn kaum hatten wir das Dorf betreten, ſo kam uns eine nette, junge Frau entgegen und bat uns dringend um Huͤlfe. Wir verwieſen ſie an den Schulzen, aber der war ſamt den andern Honoratioren des Dorfes gefluͤchtet und die Gemeine war in dem Augenblick verwaiſt. Es handelte ſich um einen Diebſtahl, den die Preußen begangen haben ſollten, beſtehend in Friesroͤcken und Frauenhemden. Die einer al⸗ ten Gevatterin und Nachbarin anvertrauten Sachen in einem wohl verſchloſſnen Koffer, der nicht die geringſten Spuren aͤuß'rer Verletzung zeigte, waren unſtreitig von der Alten ſelbſt bei Seite gebracht. So viel war uns ſogleich klar, denn Soldaten ſchleppen ſich nur ungern mit Friesroͤcken. Ich ließ Jene alſo kommen, ſie hatte ein abſchreckendes Aeuß're und waͤre gewiß vor zweihundert Jahren als Hexe ver⸗ brannt worden, ſpannte den Hahn und drohte, ſie zu erſchießen, wenn ſie ihr Verbrechen laͤugnen wolle. Ein erwachſener Bengel, ihr Sohn, ſtand neben ihr und Beide heulten um die Wette. Doch ſie geſtanden, als ich Ernſt zu machen ſchien, und laͤugneten nicht, im Na⸗ men des Koͤnigs von Preußen von jenen Sa⸗ chen proviſoriſchen Beſitz genommen zu ha⸗ ben.— Das Geſtohlne wurde herbeigeſchafft. „Was doch ein geſpannter Hahn nicht alles vermag, dachte ich, dergleichen ſollten in jeder Gerichtsſtube billig ſeyn, um ſo manches Re⸗ den und Schreiben zu erſparen. Ein Druck und ſiehe— die Wahrheit wird gleichſam her⸗ ausgepreßt und ein Rieß Papier wird geſchont. So kehrten denn flugs die Sachen vor mir in den Rechtszuſtand zuruͤck, wie es ſich nach der Leipziger Schlacht uͤberall geziemte. Pulver und Blei hatte auch hier, wie im Großen entſchieden.„Aber Strafe mußt du doch be⸗ kommen, rief ich der Jammernden zu, die haſt du doppelt verdient, da du uns zu Deckmaͤn⸗ teln deiner Suͤnden gebraucht haſt. Man ſchicke den Stock im Dorfe herum, es ver⸗ ſammle ſich, um Zeuge unſrer Gerechtigkeits⸗ de ver⸗ drohte, brechen I, ihr en um Enſt im Na in Sa⸗ zu ha⸗ ſſchafft. t alles in jeder hes Ne⸗ Druck am her⸗ ſeſchont. mir in ach der Pulver Großen doch bes die hoſt eckmäͤn⸗ Man es bet⸗ htigkeits⸗ ſo daß ich kaum die hohen Gleichen eines Blik⸗ — 23³1— pflege zu ſeyn,“ ſo gebot ich, der hier Herr und Richter war. Alles geſchah; man ſtroͤmte zuſammen. Nachdem ich eine feierliche Rede gehalten, fragte ich die Menge, ob die Alte Schlaͤge verdiene. Alle bejahten es laut und kraͤftig.„Vox populi, vox dei!“ fiel mir dabei ein, und alsbald lag die Diebin auf ei⸗ nem Bunde Stroh, das bei der Hand war, und meine Freunde erniedrigten ſich zu Buͤt⸗ teln. Kaum konnte man vor Staub einander ſehen, ſo ſelten waren dieſe Roͤcke ausgeklopft worden. Dem Sohne gings nicht beſſer. Nach beendigter Exekution bedankte ſich die ganze Gemeine dafuͤr und lud uns zu Mittag ein, das wir natuͤrlich nicht verſchmaͤhten, da es uns jetzt wie den Raben ging, fuͤr die auch der liebe Gott ſorgen muß.— Darauf ſetzten wir unſern Marſch fort. Ungeachtet ich eine Krankheit im Anmarſch fuͤhlte, deren Vorbo⸗ ten Mangel an Eßluſt und Magenweh waren, ſchlich ich dennoch, ohne Abentheuer zu erleben, der Armee nach, wurde uͤberall liebreich aufge⸗ nommen und bedauert, kaͤmpfte mit den ſchlech⸗ ten Wegen in Thuͤringen und im Eichsfelde, verlor mit der Eßluſt faſt die Luſt zum Schauen, tes würdigte, und in's Goͤttinger Muſaͤum und in die beruͤhmte Bibliothek mich faſt trei⸗ ben ließ; ſchlich immer matter und elender uͤber Hameln und Buͤckeburg, wo ich in dem Syndikus K*à einen ſehr gefaͤlligen und freund⸗ lichen Wirth fand, nach Minden und von dort über H**, B*, L** nach H*, wo ich faſt entſeelt ankam und meinen Tod vor Augen ſah. Eine Zeit lang ſtand ich unterweges an der Spitze von zwanzig bis fuͤnf und zwanzig rekonvaleszirten Landwehrleuten, die mir ein Commandant anvertraut hatte. Sie liefen mir aber ſchon am folgenden Tage Alle wieder fort, weil ich ſtreng auf Ordnung hielt. Mit dem Herzensfreund S** ſah ich mich bald wieder allein, und auch dieſer verließ mich in HX*, um ſo ſchnell als moͤglich die Armee zu erreichen. Der ploͤtzliche Wechſel des Lebens vor und in Leipzig, verbunden mit allen fruͤhe⸗ ren Strapazen, warf mich auf's Krankenbett, von dem ich nie wieder aufzuſtehen glaubte. Ende der erſten Abtheilung. Verbeſſerung⸗ Seite 166 bierte Zeile v. u. ſtatt 16. Sept. lies 6. Sept. duſäum ſſt trei elender in dem ſreund⸗ on dort ich faß Augen ges an zwanzig nir ein ſen mir wieder Mit ch bald mich in mee zu Lobens nfruͤhe⸗ kenbett, ubte, 19 rey Control Chart Green vellow Hed Magenta