Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Leih- und Leſebedingungen. 1. Ofensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 2 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen... 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen.. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wwirdJ 9 175 onnement. Daſſelbe[muß voraus ſbezahlt werden und eträgt:— 8. für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —N—————:——————— auf 1 Monat: 4 1 Mk.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mct.— Pf. David Alroy. ) 3 Frei nach dem Engliſchen von B'Jéraeli. 5 ““ Leipzig, Oskar Leiner. 1862. .„ L Keſch Gl von ſeinen als ob es das veräch der umſtel für einen don Saha von Saba doch noch treuer Ca Erſter Abſchnitt. 1. Trompeten ſchmetterten ihre Schlußfanfaren, als der Reſch Glutha, d. i.„der Fürſt der Gefangenſchaft“ von ſeinem weißen Maulthiere ſtieg; ſein Gefolge jubelte, als ob es noch ein freies, ſelbſtſtändiges Volk ſei, und wäre das verächtliche Lächeln nicht geweſen, das ſich in den Mienen der umſtehenden Muſelmänner zeigte, ſo hätte man es eher für einen Tag des Triumphes als einer Steuerzahlung halten ſollen.* „Noch iſt der Ruhm nicht verſchwunden!“ rief der ehr⸗ würdige Boſtenai aus, als er in die Halle ſeiner Wohnung trat.„Es iſt freilich nicht wie bei'm Beſuche der Königin 4 von Saba unter Salomon, aber bei alle dem iſt der Ruhm doch noch nicht verſchwunden. Du haſt Dich wohl benommen, treuer Caleb.“— Des alten Mannes Muth ward mit jedem Schritte in ſeinem eignen Hauſe kräftiger, und ſicherte ihn immer mehr gegen die letzten Gegenſtände ſeiner Furcht, die lauten Verwünſchungen und die drohenden Wurfgeräthe der ungläubigen Menge. „Es wird ſein ein Tag der Freude und des Dankes!“ fuhr der Fürſt fort;„und ſieh nach, mein ehrlicher Caleb, daß die Trompeter auch gut bedient werden. Dieſer letzte Tuſch war brav ausgeführt. Freilich klang er nicht wie das Schmettern der Trompeten vor Jericho; deſſen ohn⸗ erachtet aber zeigte er an, daß der Herr der Heerſchaaren 1 2 mit uns ſei. Wie die verfluchten Ismaeliten ſtutzten! Sahſt Du, Caleb, den gewaltigen Türken im grünen Gewande mir zur Linken? Beim Scepter Jacobs, er ward bleich! O! es ſoll dies uns ſein ein Tag der Freude und des Dankes! Und ſchone nicht den Wein, noch die Fleiſchtöpfe für das Volk. Sieh ſelbſt darnach, mein Kind, denn das Volk ſchrie tapfer und mit lauter Stimme. Es war freilich nicht gleich dem großen Geſchrei im Felde, als die Bundeslade zurück— kehrte, aber deſſen ohnerachtet war es gut geſchrieen und zeigte, daß der Ruhm noch nicht verſchwunden iſt. So ſchone alſo den Wein nicht, mein Sohn, und trinke auf den Untergang Ismaels in dem Safte, von dem es nicht koſten darf.“ — Es war allerdings ein großer Tag für Israel!— rief Caleb, als Echo zu ſeines Herrn Entzücken. „Wäre der Zug verboten worden,“ fuhr Boſtenai fort, „wär' es unter allen Fürſten nur mir beſchieden geweſen, den verfluchten Tribut zu Fuß, ohne Trompeten und Wache bringen zu müſſen, bei dieſem Scepter, mein guter Caleb, bin ich feſt überzeugt, daß, ſo langſam dies alte Blut auch jetzt in meinen Adern rinnt, ich doch... doch es iſt unnütz, darüber zu ſprechen— der Gott unſrer Väter iſt unſre Zuflucht geweſen.“ — Wahrhaftig, Herr, wir waren wie David in der Wüſte Siph, jetzt aber ſind wir die Geſalbten des Herrn in dem feſten Hauſe Engaddi. „Der Ruhm iſt noch in der That nicht ganz ver⸗ verſchwunden,“ begann der Fürſt von Neuem in milderem Tone,„aber wenn— ich will Dir etwas ſagen, Caleb— preiſe den Herrn, daß Du noch jung biſt.“ — Mein Fürſt kann auch lange leben, um noch frohe Tage zu ſ ſehen.— „Nein, mein Kind, Du verſtehſt mich falſch. Euer Fürſt hat gelebt, um den Tag der Trauer zu ſehen. Nicht — 3 an das Kommende dachte ich, als ich Dich den Herrn prei⸗ ſen hieß, daß Du noch jung ſeiſt. Ich bedachte vielmehr, Caleb, daß wenn Deine Haare ſo weiß wären wie die mei⸗ nen, wenn Du zurückblicken könnteſt, wie ich, in die Tage die verfloſſen ſind, die Tage, wo es keines Geſchenks be⸗ durfte, um zu beweiſen, daß wir Fürſten ſeien, die glor⸗ reichen Tage, wo wir ſelbſt die Gefangenſchaft gefangen nahmen, ja, mein Sohn, da bedachte ich, was für ein rei⸗ ches Erbtheil es doch ſei, geboren zu ſein, nach den Freu⸗ den die vorübergegangen ſind.“ — Mein Vater lebte in Babylon,— ſagte Caleb. „O! nenne es nicht!... nenne es nicht!“ rief der alt⸗ Heerführer aus. Schwarz war der Tag, an dem wir die ſes zweite Zion verlorent Wir waren zwar auch damals Sklaven des Egypters, aber dennoch herrſchten wir wahrhaft über das Reich des Pharao. O Caleb, Caleb, Du, der Du⸗ alles weißt... die Tage der Mühe... die Nächte, ruhelos wie von einem liebeſiechen Knaben durchgewacht, die es Deinem Fürſten gekoſtet hat, um die Erlaubniß zu erhalten, den Tag unſers Tributes mit der armſeligen Begleitung einer Wache von ſechs Mann zu erfreuen, Du, der Du alle die Schwierigkeiten kennſt, die ich überwand, Zeuge warſt aller meiner Demüthigungen, was würdeſt Du zu dem Beutel mit Dirhems ſagen, von ſiebentauſend Schwertern umgeben?“ — Siebentauſend Schwerter? „Nicht eins weniger; mein Vater ſchwang eins derſelben.“ — Es war dies wahrlich ein großer Tag für Israel!— „O! das iſt noch nichts. Als der alte Alroy Fürſe war... der alte David Alroy— dreißig Jahre lang, guter Caleb... dreißig ganzer Jahre lang bezahlten wir dem Kalifen gar keinen Tribut.“ — Keinen Tribut! keinen Tribut dreißig Jahre lang! Kein Wunder, mein Fürſt, daß die Philiſter endlich die Zinſen nachgefordert haben!— 1* 4 „Ol das iſt noch nichts!“ fuhr der alte Boſtenai fort, ohne auf ſeines Dieners Aeußerungen zu achten.„Als Moctador Kalif war, ſandte er zu demſelben Fürſten David, um zu erfahren, weshalb die Dirhems nicht gezahlt würden, da beſtieg David gleich ſein Roß und begleitet von all' den Erſten im Volke ritt er zu dem Palaſte und ſagte dem Kalifen, daß der Tribut ein Anerkenntniß ſei, welches der Schwache dem Stärkern gewährt, um ſich deſſen Schutz und Schirm zu verſichern, und da nun er und ſein Volk die Stadt zehn Jahre lang gegen die Seltſchucken beſetzt und vertheidigt, ſei vielmehr der Kalif im Rückſtand gegen ihn.“ — Wir werden noch einen Eeell eine Leiter beſteigen ſehen!— rief Caleb mit vor Staunen weit aufgeriſſenen Augen. „Es iſt vollkommen wahr,“ fuhr der Fürſt fort,„denn oft habe ich meinen Vater dieſes erzählen hören. Er war damals noch ein Kind, und ſeine Mutter hob ihn auf dem Arme empor, um den Zug zurückkommen zu ſehen, und alles Volk jubelte:„„der Scepter iſt nicht entfallen von Jakob!““ — Es war wahrhaftig ein großer Tag für Israel!— „Ol das iſt noch nichts. Ich könnte Dir noch ganz andre Dinge erzählen! Aber wir ſchwatzen hier, und unſer Geſchäft iſt noch nicht zu Ende. Geh zu dem Volke; die Wittwen und Waiſen warten. Gieb ihnen reichlich, guter Caleb; die Beute der Cananiter iſt nicht mehr unſer Theil, aber der Herr iſt doch noch immer unſer Gott, und bei alle dem iſt dies doch ein großer Tag für Israel. Und, Caleb, ſage meinem Neffen, David Alroy, daß ich begehre mit ihm zu ſprechen.“ — Schnell will ich alles verrichten, guter Herr! Wir wunderten uns ſelbſt, daß unſer geehrter Herr, Euer Neffe, nicht mit dem Geſchenke heut einherzog.— „Wer heißt euch, ſich zu wundern? Wie lang willſt Du noch hier müßig ſtehen?... Geh und beeile Dich!... Sie wundern ſich, daß er heut nicht mit dem Tribut ge⸗ zogen iſt. Seht doch! des Volkes Stimme! Dieſer Knabe wird noch unſer Untergang ſein: eine kluge Hand um un⸗ ſer zerſplittertes Scepter zu führen! Ich habe ihn beobachtet von ſeiner Kindheit an; er ſollte gelebt haben in Babylon. Das alte Blut der Alroy fließt noch in ſeinen Adern. Ein hoch ſich wagender Stamm! Als ich jung, war ſein Groß⸗ vater mein Freund. Ich hatte da ſelbſt noch ſolche Ein⸗ bildungen. Träume, Träume! Wir ſind gerathen in böſe Zeiten, und dennoch gedeihen wir noch. Ich habe lang genug gelebt, um zu begreifen, daß eine reiche Caravane, beladen mit den Shawls von Indien und den Stoffen von Samarkand, wenn auch gerade nicht wie ein Tanz vor der Bundeslade, doch auch einen guten Anblick gewährt. Und unſre hartherzigen Gebieter mit all' ihrem Stolze, können ſie denn beſtehen ohne uns? Darum ſprießen wir noch im— mer friſch auf. Ich habe gelebt um zu ſehen, wie der hochmüthige Kalif herabgeſunken zu einem Sklaven, niedriger als Israel. Und die ſiegreichen, wollüſtigen Seldſchucken, zittern ſie nicht eben jetzt bei der leiſen Nennung des fernen Namens von Arsland? Aber ich, Boſtenai, und die ſchwachen Ueberbleibſel unſrer zerſtreuten Stämme, wir ſind noch da, und, Dank ſei es unſerm Gott! wir gedeihen; die Zeit der Macht zwar iſt vorüber, daher müſſen wir blühen durch Klugheit. Den Spott und den Hohn, den Fluch und wohl auch den Schlag, Israel muß ſie jetzt ertragen, und mit Ruhe, ja ſelbſt mit lächelndem Antlitz. Was iſt's denn auch? Für jeden Spott und Hohn, für jeden Fluch werde ich einen Dirhem haben, und für jeden Schlag— der wird dafür dereinſt büßen, der ihn mir verſetzte. Doch ſieh, da kommt er, mein Neffe! Sein Großvater war mein Freund. Iſt's mir doch als ſehe ich-ihn jetzt vor mir! Derſelbe 6 Alroy war auch mein Spielgenoſſe in den Tagen der Kind⸗ heit. Und doch will nicht paſſen dieſe zerbrechliche Geſtalt und dieſes mädchenhafte Angeſicht zu den finſteren Leiden⸗ ſchaften und gefährlichen Einbildungen die verborgen liegen, wie ich fürchte, in dieſer zarten Bruſt.... Nun Neffe?“ — Ihr habt mein begehrt, Oheim.— „Ja, doch Oheime begehren oft, aber die Neffen ge⸗ währen ſelten.“ — Ich wenigſtens kann nichts verweigern; denn ich habe nichts zu geben.— „Du haſt ein Juwel, welches ſehr begehrt wird.“ — Ein Juwel! Ha! dieſen Kopfſchmuck. Ihr gabt mir ihn, mein Oheim, er iſt der Eure.— „Ich danke Dir. Manch glühenden Rubin, manch ſanfte und ſchattige Perle und manchen Smaragd, glänzend wie ein Stern in der weiten Wüſte erblicke ich, mein Kind. Es ſind ausgewählte Steine, und doch vermiſſe ich ein weit köſtlicheres Juwel, das, als ich Dir dieſen reichen Schmuck gab, David, ich glaubte, Du beſäßeſt es noch.“ — Und das wäre, Herr?— „Gehorſam.“ — Dies iſt ein Wort von zweifelhaftem Werthe, Herr: denn gehorchen, wenn Unedles befohlen wird, iſt keine Tugend.— „Ich ſehe, Du lieſeſt meine Gedanken. Mit Einem Worte, ich ſandte nach Dir, um zu wiſſen, weshalb Du heut Dich nicht an mich ſchloſſeſt, um unſern—“ — Tribut.— „Ganz recht: Tribut. Warum warſt Du abweſend?“ — Weil es ein Tribut war. Ich bezahle keinen.— „Wenn nicht der mühſame Lauf von ſiebenzig Wintern das Gedächtniß meiner kindiſchen Tollheiten dennoch mir noch gelaſſen hätte, würde ich Dich für raſend halten, David! Glaubſt du denn, daß, weil ich alt bin, ich in —Q—— 4 Schande vergafft ſei, und das Haus der Schmach mir ge⸗ falle? Wär' das Leben eine bloße Frage zwiſchen Freiheit und Sklaverei, Ehre und Schmach, ſo könnte jeder leicht entſcheiden. Glaube mir, es gehört nur wenig Geiſt dazu, um ein mürriſcher Patriot in einer elenden Heimath zu ſein, um Deinem Heldenverdruſſe gegen Deine Leidens genoſſen Luft zu machen, deren Kümmerniſſe Du nicht zu lindern vermagſt. Aber Euer Geſchlecht war immer aus ſolchem Stoffe bereitet. Solche Befreier gab's immer eine Menge in dem Hauſe der Alroy. Und was war der Er⸗ folg? Ich fand Dich und Deine Schweſter als verwaiſte Kinder, Euer Scepter gebrochen, Eure Stämme zerſtreut. Der Tribut, den wir jetzt wenigſtens wie Fürſten zahlen, ward damals mit der Geißel eingetrieben und in Ketten dargebracht. Ich ſammelte wieder unſer zerſtreutes Volk, ich ſtellte wieder her unſern alten Thron, und dieſer Tag, auf den Du ſchauſt als auf einen Tag der Demüthigung und der Trauer, mag wohl mit Recht angeſehen werden als ein Tag des Triumphes und der Feſtlichkeit; denn be⸗ weiſt er nicht den Ismaeliten ins Angeſicht, daß der Scep⸗ ter noch nicht entfallen iſt von Jakob?“ — Ich bitte Euch, Oheim, ſprecht nicht von ſolchen Dingen. Ich möchte nicht gern vergeſſen, daß Ihr mein Verwandter ſeid und ein gütiger noch dazu. Laßt uns daher nicht mit einander rechten. Was mein Gefühl betrifft, ſo gilt das gleich. Es iſt nun einmal mein, und ich ver⸗ mag es nicht zu ändern. Was aber meine Vorfahren an⸗ geht, ſo ſcheint doch, wenn ſie auch viele Pläne entwarfen und wenige ausführten, unſere Abkunft eben dadurch rein geblieben zu ſein, und ich bin ihr treuer Sohn. Wenigſtens Einer aber war ein Held.— „Ah, der große Alroy; Du kannſt wohl ſtolz ſein auf ſolch einen Vorfahren.“ — Ich bin beſchämt, Oheim— ſehr beſchämt.— 8 „Sein Scepter iſt noch vorhanden. Mindeſtens habe ich es nicht verrathen. Und dies führt mich zu dem eigent⸗ lichen Zwecke dieſer Unterredung. Dieſes Scepter möchte ich gern zurückgeben.“ — An wen?— „An ſeinen rechtmäßigen Eigner: an Dich ſelbſt.“ — O nein, nein!— Ich bitte Euch, Oheim. Doch ich bitte Euch nicht, ich beſchwöre Euch auf meinen Knieen, Herr, vergeßt ſo ganz, daß ich ein Recht darauf habe, wie ich hiermit völlig ihm entſage. Dieſes Scepter... Ihr habt es weiſe und gut geführt, ich beſchwöre Euch alſo, behaltet es. Wahrhaftig, guter Oheim, ich habe nicht die geringſte Anlage zu all' den mühſamen Pflichten eines ſol⸗ chen Amtes „Du ſehnſt Dich nach Ruhm, ſcheuſt Dich aber vor Arbeit.“ — Arbeit ohne Ruhm iſt Tagelöhnerwerk.— „Du biſt ein Kind!“ Lebe denn und lerne, daß das ſchönſte Loos des Lebens in erfüllten Pflichten und wohl⸗ verdienter Ruhe beſteht.“ — Iſt mein Loos Ruhe, werd' ich ſie auch in einem Sumpfe finden.“ „O David, David! es liegt eine Wildheit in Deiner Sinnesweiſe, vor der ich oft zittern muß. Du biſt zu viel allein, Kind! Und deshalb und wegen andrer noch wich⸗ tigerer Gründe verlange ich, daß Du endlich das Dir an⸗ geerbte Amt übernehmeſt. Was meine geringe Erfahrung beitragen kann, um Dir beizuſtehen, als Dein Nathgeber, das werde ich ſtets Dir gern gewähren, und was das Uebrige betrifft, ſo wird unſer Gott Dich nicht verlaſſen, Dich, ein verwaiſtes Kind, und geboren aus königlichem Blute.“ — Nicht weiter, nicht weiter! theurer Oheim. Ich habe wenig Luſt einen Thron zu beſteigen, auf welchem ich doch nur der erſte Sklave bin.— dieſe r. ihres Käſten Theil Sklave⸗ dort 1. Iſt da ſt ſüf wohl⸗ neinem Deiner zu viel ch wich⸗ Dir an⸗ fahrung athgeber, ſchem ich — 9 „Ei, ei, Du biſt jung! Leben wir denn wie Sklaven? Iſt dieſe Halle ein Sklavengemach? Dieſe köſtlichen Teppiche, dieſe reichen Divans, in welchem ſtolzen Harem fänden wir ihres Gleichen? Ich fühle mich nicht als Sklave. Meine Käſten ſind voll Dirhems. Iſt das Sklavenart? Der reichſte Theil der Caravane gehört ſtets Boſtenai. Heißt das ein Sklave ſein? Geh auf den Bazar in Bagdad, und Du wirſt dort meinen Namen mächtiger finden, als den des Kalifen Iſt das ein Zeichen der Sklaverei?“ — Oheim, Ihr arbeitet für Andere.— „So thun wir alle, ſo thut die Biene, und doch iſt ſie frei und glücklich.“ — Wenigſtens hat ſie einen Stachel.— „Deſſen ſie nur Einmal ſich bedienen kann: und wenn ſie ſiiht„ 77 o ſtirbt ſie, und wie ein Held. Solch ein Tod iſt füßer, a ls ihr Honig.— „Ja, ja, Du biſt jung, ſehr jung! Ich habe nur ſo meine Einbildungen. Träume, nichts als Träume. Ich möchte Dich ſo gern glücklich ſehen, Kind! Kömm, und heitre Dein Antlitz auf. Heut iſt doch bei alledem ein großer Tag. Hätteſt Du geſehen, was ich habe geſehen, David, Du würdeſt auch Dich dankbar fühlen. Komm denn und laß uns genießen. Der Ismaelite, das verfluchte Kind der Hagar, heut muß er bekennen, daß Du ein Fürſt biſt. Heut vollendeſt Du gerade Dein chtzehnis. es Nahi Die Gebräuche unſers Volkes verlangen es, daß Du jetzt die äußeren Zeichen der Man nbarkeit annehmen arſe. Heut alſo beginnt Dein Reich, und bei unſerm Feſte will ich Dich den Aelteſten als ihren Fürſten vorſtellen. So lebe denn wohl auf eine kurze Zeit, mein Kind. Erheitre Dein Antlitz zum Lächeln. Ich werde ſorglich Deiner Ge⸗ genwart harren.“ — Lebt wohl, Herr.— Hiermit wandte er ſich und ſah ſeinem Oheim nach. Je mehr Boſtenai ſich entfernte, um ſo mehr ſchwand nach und nach der finſtre Ausdruck ſeines Geſich Erſchlaffung folgte auf Keckheit. Er ſeufzte, er warf ſich auf einen Seſſel und verbarg das Geſicht in ſeine Hände. Plötzlich ſprang er auf und ging mit unruhigem, ſchweren Schritte das Gemach entlang. Er blieb ſtehen und lehnte ſich an eine Säule. Dann ſprach er mit be⸗ bender, gedämpfter Stimme:„Ach! mein Herz iſt voll Kum⸗ mers, und meine Seele iſt dunkel von Sorge! Wer bin ich? Was iſt dies alles? Eine Wolke hängt ſchwer über meinem Leben. Gott meiner Väter, laß ſie ſich entladen! Ich weiß nicht was ich fühle, aber was ich fühle gleicht dem Wahnſinn! So zu ſein iſt nicht Leben, wenn Leben iſt was ich manchmal träume, und wagen darf zu denken, es könne ſo ſein. Athmen, Nahrung nehmen, ſchlafen, wachen und wieder athmen— wieder ein Daſein fühlen ohne Hoffnung; wenn dies Leben iſt, warum denn dieſe brütenden Gedanken, die mir zuflüſtern, daß Tod beſſer ſei als dies?— Hinweg, hinweg! Der Feind verſucht mich! Aber wozu? Welche namenloſe That, vor der dieſe Hand zurückbebt? Nein, nein, es darf nicht ſein. Das königliche Blut von zweimal zweitauſend Jahren muß nicht ſterben — ſterben wie ein Traum. O! mein Herz iſt voll Kum⸗ mers und meine Seele iſt dunkel von Sorge!— Horch! Die Trompeten, die unſre Schmach verkünden. O wenn ſie doch zur Schlacht i eieien Herr der Heerſchaaren! Laß mich ſiegen oder ſterben! Laß mich erobern wie David, oder ſterben, Herr, wie we— Ach! wäre ich doch noch in den Wäldern wie ſonſt, ein einſames, ſchwermüthiges Kind! Jede Blume, die ihr keckes Haupt erhübe, ſollte der Feind im Turban ſein, und ich würde ein Schwert ſchwin⸗ gen aus einem ſchwanken Zweige geſchnitzt, und Rache fin⸗ den in jedem Streiche, der ihren farbigen Stolz vernichtete.— Doch da Wbantaſi ih auch T gergang ſie nicht Daſeins daß ich, ich mich Folgt do fühlen J eeit mein noch flü ad ſelte Schläfe Thräne der Thre Kummer „Gl nennen dem An a. Babylo nicht. p wieder Hſtehen it be⸗ n Leben uten, ſchlafen, fühlen David, och noch müthiges ollte der ſchwwin⸗ ache fin⸗ htelo. Doch das iſt vorbei. Vorüber dieſer ſüße Frühling, wo Phantaſie die Tröſterin war der Einſamkeit. Und doch bin ich auch jetzt allein. Aber wie allein! Der Wahnſinn der Vergangenheit und die Verzweiflung der Zukunft— ſind ſie nicht die auserwählten Gefährten meines erfreulichen Daſeins?— Noch erinnere ich mich, wie ich ein Kind war, daß ich ausrief: wäre ich doch ein Mann! und jetzt möchte ich mich hinſetzen und rufen, laßt mich wieder ein Kind ſein. Folgt doch der Sonnenſchein der Bruſt nicht mehr auf jene kühlen Regenſchauer des Schmerzes; nicht die lichte Jahres⸗ zeit meines kindlichen Frühlings, als Sorge und Weh nur noch flüchtige Täuſchungen waren!— Seht dieſe reiche und ſeltene Hauptzier! Ihre Steine könnten eines Sultans Schläfe ſchmücken. Könnt' ich nur weinen, für jede heiße Thräne gäb' ich ein glühendes Juwel hin. Ach! die Zeit der Thränen iſt vorüber, und jetzt— mein Herz iſt voll Kummer und meine Seſt iſt dunkel von Sorge. „Gott meiner Väter!— denn ich darf Dich nicht nennen den Gott ihrer verworfenen Söhne— aber bei dem Andenken an Sinai laß mich Dir ſagen, daß noch etwas von jenem alten Blute durch meine Adern rinnt, daß es noch Einen giebt, der gern mit Dir ſpräche von Angeſicht zu Angeſicht— ſpräche und ſiegte! „Und wenn das Verſprechen, an das wir uns halten, keine Täuſchung iſt, ſo laß ihn kommen, und das ſchnell, denn Dein Diener Israel, o Herr! iſt jetzt ein Sklave, ſo niedrig, ſo elend, ſo verachtet, daß ſelbſt da, als unſre Väter ihre Harfen hingen an die Ufer der Waſſer von Babylon, es ein Paradies war gegen das, was wir jetzt leiden. „Ach! ſie leiden nicht; ſie tragen's nur und fühlen's nicht. Oder bewachen unſre beſchattenden Cherubim jetzt wieder die Bundeslade? „Und eben jetzt zuckt ein glühender Blitz durch die Dunkelheit meines Geiſtes wenn, wenn— Ol ſchreck⸗ 12 lichſter aller Schmerzen, von Ruhm zu träumen in Ver zweiflung! Nein, ich lebe und ſterbe als das unedelſte aller Weſen! Schönheit und Liebe, Ruf und hohe Thaten, das Lächeln des Weibes und der Blick der Männer und das adelnde Bewußtſein eignen Werthes und all' der kühne Wettlauf ſchöpferiſcher Leidenſchaften— ſie ſind nicht für mich— und ich, Alroy, der ferne Nachkomme geſalbter Könige, mit einer Seele, die nach Herrſchaft ſchmachtet, ich ſtehe hier und ſtrecke meinen Arm vergebens nach meinem verlornen Scepter aus, ich der entehrteſte aller Sklaven! dHa, Ha! Hört doch! Feſtlichkeit hält ihren heitern Einzug in dieſe Leid athmenden Mauern. Wir ſind heut luſtig; und doch, ehe jene ſtolze Sonne, deren mächtiger Lauf einſt vor unſeren Schwertern ſtill ſtand, die ſie jetzt nicht einmal mehr ihrer Strahlen für werth hält, ehe jene ſtolze Sonne, gleich einem Helden aus dem Felde des Siegs, eintritt in das Zelt ihrer Ruhe, ſoll eine That gethan ſein.“ „O, meine Heldenväter! wenn dieſer ſchwache Arm Euer Erbtheil nicht wieder erringen kann, wenn der ſchmutzige Eber noch ferner ſich wälzen wird in Euren lieblichen Wein⸗ gärten, ſo will ich wenigſtens Euch nicht entehren. Laßt mich untergehen. Das Haus Davids iſt nicht mehr; nicht länger ſoll unſer geweihter Saame ſich verbergen wie eine verdorbene Saat in dieſer entarteten Erde. Können wir nicht frei und unſre eigenen Herren ſein, nun, ſo wollen wir ſterben!“ — Ol ſprich nicht alſo, mein Bruder!— ſo erklang eine Stimme, ſo ſanft, ſo ſüß, ſo voll Muſik.— Und er ſah eine weibliche Geſtalt neben ſich knieen. Ihr Geſicht iſt verborgen, ihre Lippen drücken ſich auf eine Hand, die ſie leiſ' ſich ſtahl. Und jetzt hebt ſie auf ihr Haupt, und wartet mit liebender Geduld auf einen Blick von Einem, der ſelten lächelt. — O ſprich nicht alſo, mein Bruder!— * 1 Er die geſtir ſich am Du es! bedarf i ich bitte Feſt. 1 mußt k dem T Kleid z miſche ein Fü 6 inzug luſtig; nuf einſt einmal »Sonne, ntritt in Hhe Arm chmutzige en Wein— ſu. Laßt ar; vicht nen wir auf eine auf ihr nen Blick .13 Er wendet ſich um, er blickt in ein Geſicht, ſchön wie die geſtirnte Nacht— in jenen Ländern, wo kein Wölkchen ſich am Himmel erſchauen läßt, wo alles un uten auf der Erde ſo mild iſt und alles oben in der Luft ſo ſtill, daß jede Leidenſchaft hinwegſchmilzt, und das Leben nur ein duftender Traum zu ſein ſcheint. — Ich bin auch gewandert in dieſen Ländern und habe ſie durchſtreift, die tönenden Haine des Jordan. Ach! könnte die Nachtigall, die zu Syriens Roſe ſang, jetzt zu mir ſingen, den Ruhm kommender Jahre würde ich darum geben, ihren Akkorden zu lauſchen!— Er wendet ſich, er ſchaut und neigt ſich herab. Sein Herz iſt voll, ſeine Stimme leis. „Mirjam! Du Verſcheucherin der finſteren Geiſter! Biſt Du es? Was uiſſi Du hier?“ — Was ich hier will? Biſt denn Du nicht hier? und bedarf ich noch eines andern Grundes? O theurer Bruder, ich bitte Dich, komm mit mir und miſche Dich in unſer Feſt. Unfre Wände ſind behangen mit den Blumen, die Du liebſt. Ich pflückte ſie am Rande des Quells. Die heiligen Lampen ſind geſchmückt und aufgeſtellt, und Du mußt heller auflodern laſſen ihre erſte Flamme. Außer dem Thore wartet meine Dienerin, um Dir ein feſtlich Kleid zu bieten. Komm alſo, theurer Bruder, komm und miſche Dich in unſer Feſt.— „Warum ein Feſt?“ — O! ſind denn nicht in Deinem theuren Namen dieſe Lampen entzündet, dieſe Kränze anſgebangen⸗ Heut iſt uns ein Fürſt gegeben, heut— „Ein Fürſt ohne Reich!“ — Doch nicht ohne das, was ein Reich koſtbar macht, und wonach manch' königliches Herz geſeufzt hat— treue Unterthanen.— „Sklaven, Mirjam, nichts als Sklaven.“ 14 — Was wir ſind, mein Bruder, das geſchah nach Gottes Willen. Laß uns alſo uns beugen und zittern.— „Ich will mich nicht beugen, ich kann nicht zittern.“ — Still, David, ſtill! Dieſer hochmüthige Sinn war es, der die Rache des Herrn auf uns herabrief. „Dieſer hochmüthige Sinn war es, der Kanaan eroberte.“ — O mein Bruder, mein theurer, theurer Bruder! ich hörte wohl von dem finſtern Gelſs⸗ der über Dich ge⸗ kommen, und ich eilte herbei und hoffte, Deine Mirjam ſollte ihn bannen. Was wir geweſen ſind, Alroy, iſt ein ſchöner Traum, und was wir ſein werden, eine wenigſtens eben ſo ſchöne Hoffnung, und was wir auch ſein mögen, Du biſt mein Bruder! In Deiner Liebe finde ich das Glück der Gegenwart, und theurer iſt ir Deine ſeltene Umarmung, Dein ſparſames Lächeln, als all' der verblichene Glanz un⸗ ſers Geſchlechts, unſre ſtolzen Vrnen und unſre glänzenden Hallen.— „Wer wartet draußen?“ — Caleb.— „Caleb!“ Herr!— „Geh und ſage meinem Oheim, daß ich ſogleich zum Feſte kommen werde. Verlaß mich einen Augenblick, ge⸗ liebte Schweſter. Bald werde ich wieder bei Dir ſein. O! trockne dieſe Thränen, mein Leben, oder laß ſie mich hem⸗ men mit einem Kuſſe der Brudeliede — d Alroy, das ſ nicht Thränen des Schmerzes.— 9 2) „Gott ſei mit Dir, Krgen Lebewohl, wenn auch nur für einen Augenblick. Du biſt der Reiz und der Troſt meines Lebens. Lebewohl, lebewohl!— Ich fühle es, daß Einfluß der Frauen Gewalt hat über mich. Aber Helden ziemt das nicht! Ich kenne nicht Liebe, nur jene reine Zu⸗ neigung, die zwiſchen mir beſteht und dieſem Mädchen, einer Waiſe und meiner Schweſter. Wir ſehen einander ſo ähnlich, meinen Ohei im 1 tan ich dieſe Buſen, von dem der Sorc und tin Auf fernung Naum, Sage ne einſame, vor Son ſchloß, ſie wiede Er Alſchiroe Sultans bei ihm, Dienerj h nach un. en.“ m war — berte 4 ruder! hom⸗ h hem⸗ ähnlich, daß, als am verfloſſenen Paſſafeſt, ſie im Scherz meinen Turban um ihr anmuthiges Haupt wand, mein Oheim ſie David nannte. Die Töchter meines Stammes, ſie gefallen mir nicht, obgleich ſie für ſchön gelten. Wären unſre Söhne ſo tapfer wie dieſe reizend, ſo könnten wir noch tanzen in Zion. Aber oft habe ich gedacht, daß, wenn ich dieſe finſtre Stirn legen könnte an einen ſchneeigen Buſen, der mein wäre, und wohnen in der Wüſte, fern von dem Anblicke und der Kenntniß der Menſchen, und all' der Sorge und Mühe und dem Elende, das um mich ſtöhnt und ringt und ſeußzet, ich vielleicht frei würde von dieſer tiefen Empfindung übermannenden Weh's, das auf meinem Daſein laſtet. Fürwahr! Leben iſt nur ein Traum, und der meine ſollte ſchwer ſein.“ „ 2. Außerhalb der Thore von Hamadan, in geringer Ent⸗ fernung von der Stadt, befand ſich ein eingeſchloſſener Raum, in deſſen Mitte ein altes Grabmal ſich erhob, der Sage nach das Grab von Eſther und Mardachai. Dieſer einſame, feierliche Ort war ein verborgener Lieblingsplatz für Alroy, und vom Mahle entfliehend eilte er eine Stunde vor Sonnenuntergang auch heut dahin. Als er die ſchwere Thüre des Begräbnißplatzes auf⸗ ſchloß, hörte er Hufſchlag hinter ſich, und kaum hatte er ſie wieder geſchloſſen, rief jemand ihn an. Er blickte auf und erkannte den jungen ſchwelgeriſchen Alſchiroch, den Befehlshaber der Stadt und Bruder des Sultans der Seldſchucken. Nur ein Mann zu Fuß war bei ihm, ein Araber, ſein verworfner Günſtling, der bekannte Diener ſeiner Ausſchweifungen. „Hund!“ rief der zornige Alſchiroch aus;„biſt Du taub oder verſtockt? oder beides? Sollen wir unſre Sklaven zweimal rufen? Schließ dieſe Thür auf!“ 16 Warum?— fragte Alroy. „Warum! Bei'm heiligen Propheten, er unterfängt ſich uns zu fragen! Schließ auf, oder Dein Kopf ſoll dafür einſtehen.“ — Wer biſt Du,— fragte Alroy, deſſen Stimme ſo laut erſchallt? Biſt Du irgend ein trunkener Türke, der die Befehle ſeines Propheten überſchritten und etwas anderes als Waſſer genoſſen hat? Geh, oder ich werde Dich ver⸗ klagen vor Deinem Cadi.— So ſprechend, wandte er ſich zum Grabe hin. „Bei den Augen meiner Mutter, der Hund ſpotter unſrer! Wär' es nicht ſchon zu ſpät, und dieſes Pferd nicht wie ein ungezähmter Tiger, ich wollt' ihn auf der Stelle pfählen. Rede Du mit dem Hunde, Muſtapha!“ — Würdiger Hebräer,— ſprach nun der weichliche Muſtapha, ſich ihm nähernd:— wahrſcheinlich wißt Ihr nicht, daß dieſes unſer gebietender Herr, daß dieſes Al⸗ ſchiroch iſt. Seiner Hoheit möchten gern mit ihrem Roſſe über dieſen Begräbnißplatz dieſes trefflichen Volkes reiten, da er wegen dringender Angelegenheiten zu einem heiligen Santon muß, der auf der andern Seite des Hügels wohnt, und die Zeit drängt.“ — Iſt dieſes unſer Gouverneur Alſchiroch, dann biſt Du ohne Zweifel ſein treuer Sklav Muſtapha.— „Das bin ich in der That, ſein armer Sklav. Nun alſo, junger Mann? — Dann ſchätze Dich glücklich, daß das Thor ver⸗ ſchloſſen iſt. Erſt ge eſtern beleidigteſt Du die Schweſter eines Dieners meines Hauſes. Ich möchte nicht gern meine Ha dn mit ſo elendem Blute beſudeln wie das Deine.. fort alſo, Verworfner, fort!— „Heiliger Prophet! wer iſt dieſer Hund?“ rief der ſtaunende Befehlshaber aus. anfengs ein gewo „ rüſſen 4 Alro öffnete ſi wilde Ro Ein Augenobe M dem We⸗ und das ſich erhel 19 eb alles erſcheine n. gt ſich dafür ume ſo der die inderes ch ver⸗ er ſich ſpottet ter eines — . „Es iſt der junge Alroy,“ flüſterte Muſtapha, der ihn anfangs nicht erkannt hatte:„ſie nennen ihn ihren Fürſten: ein gewaltig hartköpfiger Jüngling. Herr, wir thäten beſſer, weiter zu gehn.“ „Der junge Alroy! Ich werde mir ihn merken. Sie müſſen alſo auch einen Fürſten haben! Der junge Alroy! Gut, laß uns weiter reiten— und, Du Hund!“ rief Al⸗ ſchiroch indem er ſich in den Steigbügeln erhob und mit der Hand drohte;„Hund! denke an Deinen Tribut!“ Alroy ſtürzte der Thür zu. Aber das ſchwere S Schloß öffnete ſich nur langſam, und ehe dies geſchehen, hatte das wilde Roß Alſchiroch ſchon weit hinweg getragen. Ein Ausdruck unterdrückter Wuth zeigte ſich noch einen Augenblick auf Alroy's Geſicht. Er ſtarrte ſtieren Auges dem Wege nach, wohin ſein entflohener Feind geſprengt, und ging dann langſam zu dem Grabe. Doch ſtand ſein aufgeregtes Gemüth nur wenig im Einklange mit der ſtillen Träumerei, welcher er dort hatte nachhängen wollen. Er war unruhig und geſtört, und ging alſo von da hinweg in das Gehölz, welches auf dem Gipfel des Begräbnißplatzes ſich erhebt. Hier fand er endlich ſich ſelbſt auf einem Hügel wieder von jungen Pinien bewachſen, in deren Mitte ſich eine mächtige Zeder erhob. Unter ihre hetden en Lleſi⸗ warf er ſich hin, und ſchaute nun in mitten deſſen ein marmorner Springbrum reichve and, deſſen zierte Kuppel von gewur ndenen Säulen getragen ward, nad um, welche her eine breite Inſchrift in hebräiſcher prache lief. Die Füße wldwo⸗ chſenden Blumen biſſen umr rankt. Das ſanfte ließ all echennen Die ruhige Stunde, der reizende Anblick, die Milde 2 der weißen Säulen waren mit von geſtreiften Kür⸗ Licht des Sonnenuntergangs einem milden und doch glänzenden Schimmer 18 und Stille, die ihren Duft rings ergoſſen, die liebliche Kühlung, welche ſanft begann und die Vögel aufrief, ihr Gefieder in dem Hauche der Dämmerung zu erfriſchen, und ihre glänzenden Schwingen zu dem Himmel, ſchön wie dieſe, zu erheben.— Ach! welcher düſtre Geiſt würde nicht er heitert durch den milden Genius des ſänftigenden Abends Und Alroy blickte auf die reizende Einſamkeit der Erde, und eine Thräne ſtahl ſich ſeine männliche Wange herab. „Es iſt ſonderbar! ſolch ſtiller Stunde, ſtelle das gelobte Land. Und gend eine ſonnige Landſch ich erwache, iſt mir 8, als ſei rum bin ich's nicht? Die Caravane, Güter durch die Wüſte ie führt, würde mich auch dahin führen. Aber ich bleibe hi nge mein unglückſeliges Leben in dem müſf ſ vollbringe nichts. 8 Jeruſalem! Ich ſollte glauben, auch wenn ich ſo allein bin in mir immer vor, ich blicke in omnmnen&r 1 1 t ir meinen Träumen ſteht ir ft vor meinen Augen, und wem ich in Canaan geweſen. Wa die meines Oheims verhaßten Stadt, und nur Ein Blick auf Dich würde mich begeiſtern bis zur ſpannendſten Erregung. Und dennoch— auf Deine Trüm⸗ mein Oh mer zu blicken!— ſagt mir, daß kein Stein auf dem ben Deinem Ten 3 Furchtbar! Giebts Hoffnung mehr?“ „Die Steine ſind gefallen, aber mit Marmor wollen wir Dich wieder auf⸗ bauen; die Sycomoren ſind umgehauen, aber durch Zedern wollen wir ſie er ſetzen.“ „Horch den Chor unſrer Mädchen, wie ſie ihren Abend⸗ beſuch dem Brunnen bringen! Der Geſang iſt propheti iſch. — Wie ſchön ſchwimmen ihre ſanftvereinten Stimmen au if der mild dahinſtrömenden Luft.“ —⏑—ÿ—ᷣ—ꝛ—ꝛ—ꝛ—ꝛ—ꝛ—ꝛ—x—xxꝛõ Nlc,g: lſchirochs Sommer⸗ J Ue Re 19 „Aber ich will Dich wieder aufbauen, und Du ſollſt gebaut werden, o Jungfrau von Israel! Und wieder ſollſt Du Dich bekleiden mit Deinen Geändern. und wieder ſchreiten zum Tanz mit de en, die da fröhlich ſind. Und wieder ſollſt Du pflanzen Weingärten an den Bergen von Samaria.“ „Sieh, wie die weißen Geſtalten leuchten durch das glänzende Laub der Gebüſche, wenn ſie herabſteigen die ſanfte Anhöhe! Ein ſchöner Verein im herrlichen Iuee jede gekleidet in feierliche Gewänder, verhüllend zeſicht mit beſcheidener Hand, und auf dem anmuthi 1 gend. Meine Schweſter führt das wohlgef Gefãäß ſte den Zu Jetzt kommen ſie zu dem Brunnen, und tauchen ihre C—A Gefäße in das Waſſer, rein und ſchön wie ſie ſelbſt. Ei⸗ nige ruhen aus unter den marmorne len: Andere, zend, pflü duftendſten und winden ſie n, und jenes fröhliche Mädchen taucht jetzt die zarten ger in das feuchte Gefäß, und ſpritzt neckende Tropfen auf ihre lachenden Schweſtern. Horch! ſie ſingen von neuem.“ „O Wein von Sib mahe zn dein er Sommer frucht und zu deiner iſt ein Räu⸗ 2 ber gekommen!“ mitten unter den Bl Ein Geſchrei, ein Gekreiſch, ein langes, wildes Ge⸗ kreiſch, Unordnung, Flucht, Verzweiflung! Ha! Aus 8 den 1* Gehölze ſtürzt ein Mann im Turban, und bemächtigt ſich der Führerin des Chors. Ihre Gefährtinnen entfliehen nach allen Seiten, Mirjam allein bleibt in den Armen Alſchirochs. Die Waſſerſäule ſteigt wild empor aus der Bruſt des Sommer⸗Oceans, wenn plötzlich die Wolken verkünden, daß 9* 29 der ruhige Feſttag des Himmels vorüber, und die krei⸗ ſchenden Seevögel eine Zeit grauſer Erregung melden; aber die Säule, die der See entſteigt, iſt nicht ſo furchtbar wie er— der junge Alroy. Bleich und wahnſinnig ſprang er empor, und riß einen Baum heraus an ſeinen friſchen Zweigen, und herab die Anhöhe ſtürzend in gewaltigen Sprüngen, ſchnaubend vor Grimm, ſchlug er den Räuber mit der mächtigen Pinie an die Schläfe. Alſchiroch fiel leblos auf den Boden, und Mirjam ohnmächtig in ihres Bruders Arm. Da ſtand er nun, ſtarr und unbeweglich in ſeiner Schweſter todtbleiches Antlitz blickend, ſelbſt erſchöpft von Leidenſchaft und That, die geliebte Beſinnungsloſe haltend. Eines der entflohenen Mädchen erſchien forſchend in der Ferne wieder. Als ſie ihre Gebieterin in den Armen Eines aus ihrem Volke erblickte, kehrte ihr der Muth zurück und rief die zerſtreuten Gefährtinnen wieder herbei. Sie ſammelten ſich um ihre Gebieterin. Die eine lüftete ihren Schleier; eine andre brachte Waſſer aus dem Brunnen, und benetzte das ſich wieder belebende Antlitz. Mirjam aber öffnete die Augen und ſagte:„Mein Bruder!“ und er antwortete:— ich bin hier.— und ſie entgegnete mit leiſer Stimme:„Flieh', David, fliehe, denn der Mann den Du ſchlugeſt, iſt ein Fürſt unter dem Volke.“ — Er wird gnädig ſein, o Schweſter, und hat gewiß, da er zuerſt frevelte, meine Beleidigung jetzt vergeſſen.— „Gerechtigkeit und Gnade; o mein Bruder! was kön⸗ nen dieſe elenden Tyrannen wiſſen von beiden! Schon hat er Dich vielleicht verurtheilt zu einer langen, ausgedachten Marter, ſchon— O! unausſprechlich iſt mein Schmerz! flieh, mein Bruder, flieh! — Fürchte Dich nicht, Mirjam. Möchte doch dieſes ganze verfluchte Geſchlecht uns nicht mehr beunruhigen, als dieſer ihr ſonſtiger Gebieter. Sieh', er ſchläft tief. Aber ſein Le duſtend und d kals b unmo Er ſch wir de üicher worteſt bewußs Mädch zublick Todt! dieſer können warun ſchlug Dies D krei⸗ den: hibar emen ab de d vor ne an und ſeinet ft von altend. end in Armen zurück e eme us dem Antlitz. 21 ſein Leichnam ſoll nicht beflecken unſern reinen Quell, unſre duftenden Blumen. In den Wald will ich ihn bringen, und dann zu Nacht wieder hierher kommen und die Scha⸗ kals belauſchen bei ihrem Feſte.—. 4 „Du ſprichſt irre, David! Wie? Nein, nein, es iſt unmöglich! Er iſt nicht todt! Du haſt ihn nicht erſchlagen! Er ſchläft— er fürchtet ſich. Er ſtellt ſich nur todt, damit wir von ihm fortgehen und er dann wieder ſich erhebe in Sicherheit. Mädchen, ſeht doch nur hin. David, Du ant⸗ worteſt nicht! Bruder, theurer Bruder! Er liegt gewiß hier bewußtlos. Ich glaubte er ſei entfloh'n. Bringt Waſſer, Mädchen, für den Furchtbaren. Ich wage es nicht ihn an⸗ zublicken.“. — Hinweg! Ich will ihn ſehen und triumphiren. Todt! Alſchiroch todt! O! noch vor einem Augenblicke war dieſer bekleidete Leichnam ein Fürſt, mein Tyrann. So können wir uns alſo ihrer befreien? Wenn der Fürſt fiel, warum nicht auch das Volk? Unrettbar todt, und ich er⸗ ſchlug ihn. Ha! nun fühle ich mich endlich als ein Mann. Dies heißt doch Leben. Laßt mich leben, um zu tödten!— „Wehe! Unſer Haus iſt geſunken! Die Wildheit ſeiner Züge erſchreckt mich. David, ich bitte Dich, ende! Er hört mich nicht; meine Stimme iſt vielleicht zu leis. Ich bin wohl ſehr ſchwach. O Mädchen, kniet vor euren Fürſten hin, und ſänftigt den Wahnſinn ſeiner Leidenſchaft.“ — Ha, dies iſt mein Goliath! eine Schleuder oder ein Baum, es iſt daſſelbe. Der Herr der Heerſchaaren iſt mit uns. Mit Recht nennt man mich David. Wär' dieſer Schlag nur vervielfacht, thäten nur die Diener aus dem Hauſe meines Oheims daſſelbe, wie ſollten wir wiederſehen die Tage von Elah! Der Philiſter, der feige, ſchwelgeriſche Philiſter; er wagte es, meine Schweſter zu berühren! O! daß doch ſein ganzer Stamm hier wäre, alle, alle! Ich 22 würde ſolche Feuerbrände knüpfen an die Schwänze ihrer Füchſe, daß die Gluth leuchten ſollte zur Freiheit.— Indem er ſprach, eilte ein Mädchen, das bis jetzt noch entfernt geblieben war, mit ängſtlicher Geberde auf die Anderen zu. „Flieht, flieht!“ rief ſie aus:„ſie kommen, ſie kommen.“ Mirjam lag ſchwach und matt in den Armen einer Gefährtin, aber ihr Ohr vernahm ſchnell dieſe Worte, und ſie riß ſich empor nnd ergriff ihres Bruders Arm. „Alroy! David! theurer, geliebter Bruder! Ich be⸗ ſchwöre Dich, Höre! Ich bin ja Deine Schweſter, Deine Mirjam. Sie kommen, die hartherzigen, böſen Männer, um Dich zu tödten, zu martern, mein theurer Bruder! Er⸗ manne Dich, David, aus dieſem wilden Traume; rette Dich — flieh!“ — Ahl! Du biſt es Mirjam! Sei ruhig; Theure, Du ſiehſt ja, daß er feſt ſchläft. Ich will meine Sinne ſam⸗ meln. Ich träumte von edlen Vorſätzen und mächtigen Hoffnungen. Das iſt nun vorbei. Ich bin wieder ich ſelbſt. Was begehrſt Du alſo, meine ſüße Schweſter?— „Sie kommen, die wilden Begleiter dieſes Erſchlagenen, um Dich zu ergreifen. Flieh, David!“ — Und ich ſoll Dich verlaſſen?— „Ich und meine Gefährtinnen haben noch Zeit durch den Nebenweg zu entfliehen, durch den wir hierher kamen, in meines Oheims Garten. Sind wir in ſeiner Wohnung, ſo ſind wir für den Augenblick ſicher— ſo ſicher, als unſer armes Geſchlecht je ſein kann. Boſtenai iſt reich, klug, er⸗ fahren in Geſchäften und kennt dieſe Männer ſo ganz, daß alles gut gehen wird. Ich fürchte nichts, gewiß nichts. Aber Du, biſt Du hier, und ſie finden Dich, dann kann nur Dein Blut ihren Durſt ſtillen. Sind ſie aber über⸗ zeugt, daß Du entflohen,— thu' es, ich beſchwöre Dich,— ſo wird ihr vormaliger Herr hier, den ſie ſchwerlich lieben konnter alle n 7„ wenig mun Nach ein nächtigen eder ich ſter?— lagenen, eit durch rkamen, vohnung, ies unſer klug, er⸗ ganz, daß ß richts. ann kann er über⸗ Dich,— ſich lieben 52 23 3 konnten... wenn man ſie reichlich beſchenkt, und ſie ſollen alle meine Edelſteine haben, ſo werden ſie bald eben ſo wenig ſeiner gedenken, als er jetzt noch Leben in ſich hat. O nein, mein Bruder, fürchte nicht, ich komme ſchon wieder nach Hauſe. Für dieſe Mädchen ſorge ich ſchon. Jetzt müſſen wir die Kraft des Königsblutes zeigen, das unſre Adern durchſtrömt. Ich will ſie gerettet ſehn... oder mit ihnen ſterben.“ — O meine Schweſter, iſt mir's doch, als hätte ich mich nie ſo Bruder gefühlt, wie in dieſer Stunde. Meine theure Mirjam, was iſt Leben? was iſt Rache, was Ruhm und Freiheit ohne Dich? Ich bleibe.— Roſſesgewieher erſcholl aus dem Dickicht. „Ach, ſie kommen, ſie kommen!“ rief außer ſich Mirjam. — Horch! wieder Gewieher! Ein Roß iſt's, das ſeinen Reiter ſucht. Ich ſehe es. Muth, Mirjam! es iſt kein Feind, ſondern ein naher Freund in der Zeit der Gefahr. Es iſt Alſchiroch's Roß. Er ritt an mir vorbei beim Gra⸗ besplatz, ehe die Sonne ſank. Ich ſah es wohl: ein köſt⸗ liches Roß.— Er ſtürzte in das Dickicht und brachte bald das Roß aus dieſem. Neulich erſt war das ſtattliche Thier ſeiner heimathlichen Wüſte entzogen worden. Die ſträubende Mähne, das Auge voll Feuer, die Kühnheit der weit geöffneten Nüſtern be⸗ zeugten ſeinen Stolz und die edle Reinheit ſeiner Abſtam⸗ mung. Seine Farbe war gleich der dunkeln ſternglänzenden Nacht, es ſtampfte den Boden mit dem leichten Huf, wie ein Adler, der mit den Schwingen ſchlägt. Alroy ſchwang ſich auf des Roſſes Rücken und führte es mit Meiſterhand. „Hal rief er aus; ich fühle mich mehr als Held, denn als Flüchtling. Lebewohl, meine Schweſter; lebt wohl, Ihr holden Mädchen; lebt alle wohl und liebt meine köſtliche 24 Mirjam. Einen Kuß, ſüße Schweſter:“ und er beugte ſich zu ihr herab und flüſterte:„Sage dem guten Boſtenai, er ſoll ſein Gold nicht ſparen, Geliebte, denn ich bin überzeugt in tiefer Bruſt, daß ehe ein Jahr mit langſamen Schritt vorüber, ich wiederkehren werde, und unſre Herren hier. ſollen mir dann büßen dieſen eiligen Ritt und ſchmerzliches Scheiden. Jetzt in die Wüſte!“ . Yeme in de Eine führt Hauch nicht mit a herabf Schwi des j lgte ſich rai, er derzeugt Schritt den hier Zweiter Abſchnitt. 4. Eile, fliehe dahin, du ſtolzes Roß, und drücke deine Spur auf die pfadloſe Wüſte. Unter dir iſt die unbegränzte Erde, über dir der unbegränzte Himmel, ein eherner Boden, eine glühende Luft. Schnell, ſchnell dahin, du ſtolzes Roß, die pfadloſe Wüſte entlang! O! glaubſt du, daß dieſe ſalzigen Ebenen dich zu Yemens glückſeligen Haynen führen, und daß du athmeſt in dem heißen Hauche den gewürzigen Duft Arabiens? Eine ſüße Täuſchung, edles Roß, denn dieſe ſalzige Wüſte führt nicht zu den glückſeligen Haynen Yemens, und der Hauch, den du einziehſt, wenn die Abendluft beginnt, iſt nicht der gewürzige Duft Arabiens. Der Tag hat geendet, die Sterne ſind emporgeſtiegen mit allem Glanze eines Himmels über der Wüſte, und die herabſichſenkende Nacht bringt Troſt auf ihren thauigten Schwingen dem todtmüden Körper, den bleichen Wangen des jungen Fürſten von Israel. Und noch immer ſprengt das Roß vorwärts, und noch immer hält es ſein kräftiger Muth aufrecht. Zeit und Raum, der brennende Boden, der ſengende Strahl weichen dem Sturme ſeines Laufes, ſeinen ſtählernen Nerven, ſeinen ehernen Adern. Nahrung und Waſſer haben ſie nicht; keine freundliche Quelle, kein nährender Baum ſteigt vereinet freudig empor. 26 Dort giebt es kein Thier, keinen Vogel in dieſer ewigkahlen, grauweißen Wüſte. Nichts unterbricht die allwaltende Stille. Selbſt des Schakals heimtückiſches Geſchrei würde ſanſte Melodie dünken. Eine graue wilde Ratte mit weißem Barte, aus einem verwitterten Dorngebüſch ſich ſtehlend, mit einem jungen Schneckenhauſe in den elfenbeinernen Zähnen, fletſcht ſie luſtig im Mondlicht. Das iſt ihre ein⸗ zige Geſellſchaft. Der Morgen kommt, der friſche, erquickende Morgen, nach dem ſelbſt der Schuldbelaſtete ſeufzet. Der Morgen kommt, und alles wird wieder ſichtbar. Und das Licht fällt wie ein Siegel auf die Erde, und ihr Anblick iſt verwandelt wie Wachs durch den Stempel. Vor ihnen und zu ihrer Rechten die ſandige Wüſte, aber während der Nacht waren ſie der Gebirgskette näher gekommen, welche die Wüſte zur Linken begränzt, und wohin Alroy gleich anfangs ſein Roß gelenkt. Dieſe Berge waren ein Theil des gewaltigen Elburs*), und als die Sonne ſich hinter einer hohen Gebirgsſpitze erhub, blieb das Roß plötzlich ſtehen und wieherte, als ob es nach Waſſer verlange. Aber Alroy, ſelbſt erſchöpft, konnte es nur mit Liebkoſungen beruhigen. Und das Roß, voll Muth's, verſtand ſeinen Herrn und wieherte wieder fröhlich. Eine bis zwei Stunden lang zogen nun der Fürſt und ſein treuer Gefährte langſam einher, als aber der Tag weiter ſchritt, ward die Hitze ſo drückend, und der Durſt ſo übermannend, daß Alroy das Roß wieder nach den Gebirgen zu ſpornte, wo er eine Quelle zu finden gewiß war. Das Roß eilte willig vorwärts und ſchien ſeines Herrn Sehnſucht zu theilen, dieſe ſtarre, erſchöpfende Wüſte zu verlaſſen. *) Gebirgskette, die an den Kaukaſus ſtößt, am kaspiſchen Meer hinzieht, und ſich an die öſtlichen aſiatiſchen Gebirge anſchließt. — T mit ſi laſſen madar ſprech vorzi Nacken u der bende Er ve gelang Er kn Hand frucht tief tauch ſer de s di Kopf an D Herr nur: 198 pitze „als ob erſchöpft, das Roß, te wi jeder ürſt und dor Tag der Tag Gebirgen ar. Das Sehnſucht iſſen. ſchen Meer ßt —2 Mehr als einmal kämpfte der unglückliche Flüchtling mit ſich ſelbſt, ob er ſich nicht vom Sattel herunterſinken laſſen und ſterben ſollte. Keine Marter hätte ihn in Ha⸗ madan erwartet, die nicht dieſer ausgedehnten und unaus⸗ ſprechlichen Beängſtigung, die er jetzt empfand, bei weitem vorzuziehen geweſen wäre. Als er nun ſo auf des Roſſes Nacken hangend vorwärts ſchwankte, bemerkte er einen Pfad in der Wüſte, der ihm dunkler ſchien, als der ihn umge⸗ bende Sand. Hier glaubte er vielleicht Waſſer anzutreffen. Er verſuchte es, das Roß anzuhalten, aber nur mühſam gelang es ihm, mühſamer aber war noch ſein Herabſteigen. Er kniete nun nieder und wühlte den Sand mit ſchwacher Hand auf. Sehr feucht war dieſer. Faſt erlag er der fruchtloſen Arbeit. Endl ich aber, als er wohl einen Fuß tief gegraben hatte, quoll ihm etwas Waſſer entgegen. Er tauchte die Hand darein, aber es war ſalzig wie das Waſ⸗ ſer des Ozeans. Als das Roß das Waſſer erblickte, ſpitzte es die Ohren, als es aber daran voch, wendete es den Kopf ab und wieherte kläglich. „Armes, gutes Thier!“ rief Alroy aus;„ich bin Schuld an Deinem Leiden, und möchte Dir doch ſo gern ein guter Herr ſein, wenn mir's die Welt verſtattete. O, daß wir nur noch einmal an unſern ſchönen Brunnen wären! Dies zu denken iſt Wahnſinn! Und Mirjam auch! Ach, ich fürchte, ich bin weichherzig krank!“ Und nun lehnte er ſich an ſein Roß mit dem Gefühle gänzlicher Erſchöpfung und brach in krampfhaftes Schluchzen aus. Und das Roß winſelte ſanft und wandte den Kopf und rieb ſeine Stirn ſanft an Alroy's Arm, als wolle es ihn tröſten in ſeinem Leiden. Und ſenderbar, Alroy war beruhigter durch das Ausſtrömen dieſes Gefühls, und er⸗ freut durch die Freundlichkeit ſeines treuen Roſſes, beugte er ſich wieder herab und nahm Waſſer und goß es ihm über die Füße, um ſie abzukühlen, und wiſchte ihm den Schweiß von der Stirn und wuſch dieſe, und das Roß wieherte von neuem. Jetzt verſuchte Alroy es wieder zu beſteigen, aber ſeine Kräfte reichten nicht hin. Da kniete das Roß augenblicklich nieder und nahm ihn auf ſeinen Rücken. Sobald aber der Fürſt im Sattel ſaß, erhob ſich das Roß und ſprengte wieder freudig in der alten Richtung weiter. Gegen Son⸗ nenuntergang waren ſie nur noch zwei Meilen von dem felſigen und hügeligen Boden entfernt, in welchen das Ge⸗ birge auslief, und Alroy entdeckte von weitem die Kuppel des lang erwarteten Brunnens. Mit geſtärktem Muthe und geſammelter Kraft liebkoſte er ſeines Roſſes Nacken, es nach der Richtung der Kuppel hinſpornend, und das Roß ſpitzte die Ohren und beſchleunigte ſeinen Schritt. Gerade mit Sonnenuntergang erreichten ſie die Quelle. Alroy ſprang vom Roſſe und wollte es zu dem Brunnen leiten, aber das Thier ſträubte ſich dagegen. Es ſtand fürchterlich zitternd mit ſtieren Augen da, ſenkte dann ſein Haupt, fiel mit tiefem Geſtöhn zu Boden und— ſtarb. 2 Nacht bringt Ruhe: Nacht bringt Troſt; Ruhe dem Müden, Troſt dem Betrübten. Dem Verzweifelnden aber bringt die Nacht Verzweiflung. Der Mond war früh hinabgeſunken, aber tauſend Sterne ſtanden an dem Himmel. Die mächtigen Berge ſtiegen ernſt empor in die helle, ſtille Luft. Im Walde war alles ruhig. Der müde Wind rauſchte nicht länger, ſondern hatte ſich leicht auf ſein Bett von Blättern geſenkt, und ſchlief wie ein Menſch. Alles ſchweigend, nur die Quelle rieſelte. Und neben der Quelle lag ein Jüngling. Plötzlich ſchleicht ein Weſen durch die ſchwarzen, zer⸗ borſtenen Felſen einher. Ha! der Schakal wittert von Weitem den reichen Fraß der Leiche des Roſſes. Schnell 1 aber ſtill liches M kal und den Gei raubt! drei, da hölze ſ ducch i 8 Noß er ſeine blicklich d aber prengte Son⸗ i dem as Ge⸗ Kuppel he und es nach z ſpitzte Quelle. Brunnen 3 ſtand un ſein tarb. ihe dem en aber tauſend Verge Walde länger, geſenkt nur die üngling. en, zer⸗ ert von Schnell aber ſtill ſchleicht er und hält an und wittert. Ein köſt⸗ liches Mahl zu Nacht für dieſe treffliche Geſellſchaft. Scha⸗ kal und Fuchs und Marder, eilt! ehe des Morgens Anbruch den Geier herbei ruft zu ſeinem Feſte und euch die Beute raubt! Der Schakal leckte des Roſſes Blut und heulte vor Entzücken. Und einen Augenblick darauf hörte man ein leiſes Gebell aus der Entfernung. Und der Schakal löſete das Fleiſch von einer der Rippen, und ſtieß wieder einen Schrei finſtern Jubels aus. Horch! wie ſchnell ſie ſchreiten. Erſt ſechs und dann drei, daherrennend mit wilder Freude. Und aus dem Ge⸗ hölze ſchlich ſich ein Marder. Aber die Schakals, kühn durch ihre Anzahl, jagten ihn fort, und dort ſtand er außer⸗ halb des Kreiſes, bebend, ſchön und beſchämt, mit ſeinen weißen Zähnen und glänzendem Fell, und funkelnden Augen von raſender Wuth. Plötzlich aber, ſo wie einer der halbgeſättigten Scha⸗ kals von dem getödteten Roſſe zurücktrat, und ein gelöſetes Glied noch an einer zuckenden Nerve davon ſchleppte, that der Marder einen Sprung auf ſeinen Feind, entriß ihm die Beute und floh in den Wald. Das wilde Triumphgeheul der räuberiſchen Horde er⸗ weckte einen Löwen von ſeinem Lager. Seine mächtige Geſtalt zeigte ſich ſchwarz wie Ebenholz, auf einer entfern⸗ ten Erhöhung. Sein Schweif ringelte ſich wie eine Schlange. Er brüllte, und die Schakals zitterten, und endeten augen⸗ blicklich ihr Mahl, ihre Köpfe nach der Richtung hin wen⸗ dend, von woher die Stimme ihres Oberherrn erſcholl. Er ſchritt vor, er trat auf ſie zu Sie zogen ſich zurück. Er neigte ſein Haupt, unterſuchte das Ger ippe mit herablaſſen⸗ der Neugier und wendete ſich ſogleich mit königlicher Ver⸗ achtung von ihm ab. Wieder verſammelten ſich die Schakals um die Eingeweide. Der Löwe ging nach dem Brunnen, 30 um zu trinken. Er bemerkte einen Mann. Seine Mähne hob ſich, ſein Schweif war wild bewegt, er neigte ſich über den ſchlafenden Fürſten, ſtieß ein ſchauerliches Gebrüll aus das Alroy erwech 32 3. Er erwachte. Sein Blick traf die flammenden Augen des ungeheuren Thieres, die auf ihn, mit einem Gefühle aus Begier und Staunen gemiſcht, gerichtet waren. Er erwachte wie aus einer Ohnmacht; aber dieſe traumfreie Bewußtloſigkeit hatte rſchöpften Kräfte des betrübten 1— fficht. Er ſammelte augenblicklich 3 wieder e erinnerte ſich alles Vergangenen und begriff ctige Lage. Er richtete einen ſo gebietenden gegenwär „ 6* ℳ und forſchenden Blick auf den Löwen, wie deſſen it lang ſahen ſich n königlichem Wettkampf an, aber e blag des Thieres dem Genius des Menſchen. Der nte ſich, ſenkte ſeinen Schweif, ſchlich hinweg voll Furcht durch die Felſen und ſtürzte dann in NDor Morgen drach 1 Sj„panß ſich Der Morgen brach an. Ein Silberlicht ergoöß ſich über den blauen Sternenhimmel. Lieblich iſt der Athem aber der Tag bringt der Frühe. Die Nacht bringt 8 Freude. Das Lied eines einſamen Vogels, ſingend in der Wild⸗ niß! Ein einſamer Vogel, der ſein Lied freudig ertönen läßt. Sonnig und mild, und leicht und klar ſchwebten ſeine luftigen Töne durch den Himmel, und ſtrömten dahin mit ſchuldloſem Jubel. Der einſame Jüngling ſchaut vom Brunnen her auf den einſamen Vogel. Hoch in der Luft fliegt dieſer herrlich, „¼ ſoj wlegl ſen ger zal Dd n! P niß. † 31 ähn wiegt ſeine hochrothen Schwingen, und ſein ſchneeiger, lan⸗ übe ger, zarter Schweif glänzt wie ein Meteor in der Sonne dlls Das Lied eines einſamen Vogels ſingend in der Wild⸗ niß! Plötzlich ſchwebt er herab und fliegt dreimal in an⸗ muthigen Kreiſen um das Haupt des he bräiſchen Fürſten. Dann läßt er neben dieſen ſanft einen Zweig friſcher wür⸗ lugen ziger Datteln fallen. ffühle Er iſt fort, er iſt fort, der holde Fremdling! entfloh'n 1 in das Palmenland, de er liebt, entfloh'n di ein ſchöner, wohlthuender Traum. Vor einem Augenblicke war er noch da, glänzend in der ſonnigen Luft, und jetzt iſt der Himmel ohne Gaſt. Nicht mehr hört man ihn, den Geſang des einſamen Vogels, ſingend in der Wildniß. „Wie Du nährteſt Elias, ſo haſt Du auch mich D nährt, Gott meiner Väter!“ Und Alroy ſtand auf und veg wandte ſich nach der Seite, wo weit, weit in der Ferne n in das ümmerte Jeruſalem lag, und betete. Und dann en Datteln und trank aus dem aß voll des Vertrauens auf d ng Davids ſeine Er Nm in nun kömmli zu beſteigen, ein mühe⸗ wei Stunden na ich 2 Mittag en voller und beſchwerlicher Weg. 31 erreichte er den Gipfel der erſten Reihe, und ſchaute über eine wilde und chaotiſche Wüſte, voll Abgründe und Sch ten, und finſtre, unergründliche Tiefen. 7 1 Vib⸗ ihn umgeben den Höhen waren in allen Richtungen durchfurcht von aus — getrockneten Bergſtrömen, und nur hie und da nä eine wilde Ziege auf einſamer Stelle dürftiger und herber Weide. Viele Meilen weit dehnte ſich dieſe Wüſte aus. Den Hintergrund bildete eine noch höhere Reihe von Ber⸗ gen, und jenſeits dieſer, hoch wie der blaue Himmel, hoben V ————— 2 32 ſich die höchſten Gipfel des Elburs empor, im Glanze ihrer ſpitzigen Gletſcher und ihres ewigen Schnees. Deutlich ſah man, daß Alroy auf der ganzen Strecke ſeiner Flucht kein Fremdling war. Er hatte nie in der Richtung ſeines Weges gezaudert, und jetzt ſtieg er, nach⸗ dem er eine kurze Zeit auf dem Gipfel ausgeruht hatte, auf einem von der Natur gebildeten, aber vielfach gekrümm⸗ ten Pfade zur linken Seite herab, bis eine ſchwarze Berg ſchlucht ſeine Schritte hemmte. Kaum acht bis neun Schritt trennten ihn von dem entgegengeſetzten Bergrande, der ſie bildete, aber der Abgrund unten— man konnte keinen Blick in deſſen unendliche Tiefe werfen, ohne mit kaltem chuer zurückzubeben. Der Fürſt kniete nieder und unterſuchte die Umgebung mit ſurefltinem Auge. Endlich hob er einen kleinen vier⸗ eckigen Stein auf, der eine Metallplatte bedeckte, und aus dem Buſen einen Talisman von Carneol ziehend„ in wel⸗ chem die ſeltſamſten Züge eingegraben waren, klopfte er dreimal damit auf die Platte. Ein leiſes, feierliches Ge⸗ räuſch ließ ſich rings umher vernehmen. Jetzt ſprang die Platte auf, und Alroy nahm eine mehrere Ellen lange, eiſerne Kette aus dieſem Verſchluſſe, die er bis zum ent⸗ gegenſtehen Rande hinüber warf. Die Kette blieb ohne Schwierigkeit an dem Felſen banden⸗ und ward ſichtlich durch einen magnetiſchen Einfluß dort befeſtigt. Nun ergriff ſie der Fürſt mit beiden Händen und ſchwang ſich über den Abgrund. Als er jenſeits angekommen, ſchleuderte er die Kette zurück, die gegenüberliegende Oeffnung verſchwand, und ihr Deckel ſchloß ſich wieder mit demſelben feierlichen Geräuſche, wie zuvor. 6. Alroy gelangte nun wohl hundert Schritte lang durch einen natürlichen Kreuzgang von Baſalt, bis er zu einem weiten elben E der bil ſiner 7 kalt. T boden g den Felſ Vorſpruu ttürzte. in eine Die weiten fernten jedoch, türliche In der Tafel, geichen eine Lag den Wä und and Als gekniet der entf G war wöhnlich einem ſchwarz wand, Charakt ihrer Strecke in der „ nach⸗ hatte, rümm⸗ Berg⸗ Schritt der ſie keinen kaltem gebung en vier⸗ 33 weiten und unbedeckten eingeſchloſſenen Raume von dem⸗ ſelben Geſtein kam, den ein Fremdling leicht für ein Werk der bildenden Menſchenhand hätte anſehen können. In ſeiner Mitte ſprang eine nie verſiegende Quelle empor, eiſig kalt. Das Waſſer hatte ſich einen Rinnſal durch den Fuß⸗ boden gebahnt, und mochte wohl eine Strecke weit zwiſchen den Felſen ſich fortwinden, bis es zuletzt von einem ſchroffen Vorſprunge mit ſchäumender Fülle in einen tiefen Abgrund ſtürzte. Alroy ging über dieſen Vorhof hinweg, und trat in eine große Höhle. Die Höhle war faſt kreisförmig, und bekam von einer weiten Oeffnung in der Höhe Licht. Eine in einem ent⸗ fernten dunklen Winkel derſelben brennende Lampe zeigte jedoch an, daß ihr Bewohner ſich nicht allein auf dieſe na⸗ türliche Quelle der größten Wohlthat des Daſeins verließ. In der Mitte dieſer Höhle befand ſich eine runde eherne Tafel, in welche fremde Charaktere und geheimnißvolle Zeichen und Geſtalten gegraben waren, und neben ihr war eine Lagerſtätte, auf welcher verſchiedene Bücher lagen. An den Wänden hing ein Schild, einige Bogen und Pfeile, und andre Waffen. Als der„Fürſt der Gefangenſchaft“ nieder⸗ gekniet war, und das leere Lager geküßt hatte, trat aus der entfernteſten Gegend der Höhle eine Geſtalt ans Licht. Es war ein Mann von mittlern Jahren, weit über die ge⸗ wöhnliche Länge, von ausgezeichnet kräftigem Baue, und einem ſtark gezeichneten, aber majeſtätiſchen Geſichte. Sein ſchwarzer Bart lief tief herab über ein dunkelrothes Ge⸗ wand, welches ein ſchwarzer Gürtel hielt, auf dem gelbe Charaktere gleich denen jener ehernen Tafel geſtickt waren. Auch ſein Turban war ſchwarz, und ſchwarz ſeine großen, feurigen Augen. Der Fremde nahte ſich ſo leiſ', daß Alroy ihn nicht gewahrte, bis er ſelbſt wieder aufgeſtanden war. 3 „Jabaſtor!“ rief der Fürſt aus. — Geweihter Abkömmling Davids,— entgegnete der Cabaliſt,— ich erwartete Dich. In vergangener Nacht las ich von Dir in den Sternen. Sie ſprachen von Ungemach. „Ungemach oder Triumph, die Zeit muß lehren wel⸗ ches, großer Meiſter. Jetzt bin ich ein Flüchtling und er⸗ ſchöpft. Die Verfolger ſind hinter mir, aber nun hoffe ich ihnen entronnen zu ſein. Ich habe einen Ismaeliten erſchlagen.“ E aber ſei —— an ſeine mernder 5 * „mein ſeiner bemerkt, Hoffnun Abkömm ſtrömt e ergründe Als digris, Nation! wie war wir noch dieſes B nes Fül oder Ar das glo ſchlug, glanz ül der Tha nete der lacht las ungemah. pen wel⸗ und er⸗ hoffe ich mmaeliten Dritter Abſchnitt. 1. Es war Mitternacht. Alroy ſchlief auf der Lagerſtätte, aber ſein Schlaf war unruhig. Jabaſtor ſtand regungslos an ſeiner Seite und betrachtete aufmerkſam den ſchlum⸗ mernden Gaſt. „Die einzige Hoffnung Israels,“ murmelte der Cabaliſt, „mein Pflegling und mein Fürſt! Lange ſchon habe ich in ſeiner jugendlichen Seele den Saamen mächtiger Thaten bemerkt, und über ſein fpäteres Leben oft mit prophetiſcher Hoffnung nachgedacht. Das Blut Davids, der geweihte Abkömmling eines auserkornen Stammes! In ſeinen Adern ſtrömt etwas Geheimnißvolles, das meine Wiſſenſchaft nicht ergründen kann. Als ich in meiner Jugend unſer Banner erhob am Tigris, dem Strome meines Geburtslandes, und unſre Nation herbeirief, das Land unſrer Väter wieder zu erobern, wie waren wir zahlreich, mächtig und ſtark! Da waren wir noch ein Volk, und ſie verſammelten ſich muthig um dieſes Banner. Mangelte uns Rathes? bedurften wir ei⸗ nes Führers? Wer mag behaupten, daß Jabaſtor's Kopf oder Arm irgendwo fehlte? Und doch zerrann der Traum, das glorreiche Geſicht zerrann. O! als ich Marvan nieder⸗ ſchlug, und das Lager des Kalifen ſeinen flammenden Ab⸗ glanz über den blutigen Strom warf— ha, damals in der That lebte ich! Zwanzig Jahre des Strebens mögen 3 36 mir Verzeihung erwerben, daß ich damals des Hauptmittels bei dem Zauber vergaß— des Bluts, das neben mir ſchlummert. Zurück rufe ich mir das rühmliche Entzücken jenes heiligen Kampfes mitten unter den Felſen des Kaukaſus. Ein Flüchtling, ein Verbannter, ein ausgeſtoßener Elender, deſſen Leben zur Jagd für alle dient, und den der niedrigſte Knecht erſchlagen kann ohne Geheis. Mich, der ich ein Meſſias ſein wollte. Verbrenne deine Bücher, Jabaſtor! zerbrich deine eher⸗ nen Tafeln; vergiß dein hohes Wiſſen, Cabaliſt! und lies nicht länger in den Sternen! In vergangener Nacht aber ſtand ich an dem Abgrunde, der meine Wohnung umgürtet; in der einen Hand hielt ich meinen geweihten Talisman, der den unausſprechlichen Namen Gottes trägt, und in der andern das geheimnißvolle Verzeichniß unſers heiligen Stam⸗ mes. Ich bedachte, daß ich Geiſter herbeigerufen, daß ich mit dem großen Geſchiedenen Gemeinſchaft gepflogen hatte, daß der ſternenhelle Himmel für mich eine bekannte Sprache rede. Ich rief als Troſt in meine düſtre Seele zurück, daß ich mein Wiſſen ſtets nur zu einem heiligen und edlen Zwecke angewendet. Als ich Israels dachte, meines er⸗ wählten, meines alten Volkes— als Sklaven, elender Sklaven! mächtig war ich verſucht, mich herab zu ſtürzen in den bodenloſen Abgrund, und Kenntniß und Leben zu⸗ gleich zu enden. Aber als ich auf den Stern Davids blickte, erhob ſich um ſeine Strahlen her plötzlich ein Gewirr, und immer und immer wieder ſchoß ein Meteor aus dem ſilbernen Schleier. Ich las, daß Unruhe walte in dem heiligen Saamen, und nun kommt dieſer Jüngling, der eine That vollbrachte, die...“ — Die Bundeslade, die Bundeslade! ich ſchaue ſie!— G T bewieſen lige St dem Et Halſes D. Getäfel die Fel am Q tend, aufblich Ei wild un hof. 3 Schäu Dadide „ ſeine mein; fürchte „ „ Lebew bin der ptmittelz ben mit den jenes Kaukafus. Elender, niedrigſte ich ein eine eher⸗ und lies aacht aber umgürtet, Dalisman, nd in der gen Stam⸗ 1, daß ich gen hatte, te Sprache urück, daß und edlen neines er⸗ —, elender zu ſtürzen Leben zu⸗ erhob ſich ind immer t filbernen m heiligen eine That aue ſie 1— 37 „Der Schlafende ſpricht; die Worte des Schlaf's ſind heilig.“ — Nur aus dem Hauſe Davids kommt die Rettung.— „Eine hohe Wahrheit: mein Leben hat ſie nur zu ſehr bewieſen.— Er iſt ruhiger geworden. Es iſt um die hei⸗ lige Stunde. Ich will mich in den Hof begeben, und nach dem Sterne blicken, der das Schickſal ſeines königlichen Hauſes beherrſcht.“ 2. Der Strahl des Mondes fiel auf den Brunnen. Das Getäfel des Hofes war ein Lichtſtrom. Finſter hoben ſich die Felſen umher in die Höh'. Jabaſtor ſetzte ſich nieder am Quell, und ſeinen Talisman in der linken Hand hal⸗ tend, überſchattete er ſeine Augen mit der andern, als er aufblickte zum leuchtenden Himmel. Ein Schrei! Sein Name ward gerufen. Alroy ſtürzte wild und athemlos, mit ausgeſtreckten Armen in den Vor⸗ hof. Der Cabaliſt ſprang auf, ergriff ihn, und faßte den Schäumenden, krampfhaft Zuckenden ſorglich in ſeine Arme. „Jabaſtor, Jabaſtor!“ — Ich bin hier, mein Sohn.— „Der Herr hat geſprochen.“ — Der Herr iſt unſ're Zuflucht. Beruhige Dich, Sohn Davids, und ſage mir alles.— „Ich ſchlief, Meiſter; iſt dem nicht ſo?“ — Ja, Du ſchlief'ſt, mein Sohn. Erſchöpft durch ſeine Flucht und die aufregende Erzählung ſeiner That, lag mein Fürſt auf der Lagerſtätte und ſchlummerte. Aber ich fürchte, dieſer Schlummer war nicht Ruhe.— „Ruhe und ich haben jetzt nichts mit einander gemein. Lebewohl ſage ich für immer dieſem unſeligen Worte. Ich bin der Geſalbte des Herrn.“ — Trink aus dem Brunnen, David; es wird Dich wiederherſtellen.— „Stelle den alten Bund wieder her, ſtelle die Bundes⸗ lade wieder her, die heilige Stadt!“ — Der Geiſt des Herrn iſt über Dich gekommen. Sohn Davids, ich beſchwöre Dich, ſage mir alles, was vor⸗ gegangen. Ich bin ein Levit; in meiner Hand halte ich den unausſprechlichen Namen.— „So nimm denn Deine Trompete, und rufe das Volk auf, und befiehl ihm ſchnell unſern Tempel wieder herzu⸗ ſtellen. Die Steine ſind zerfallen, aber wir werden ihn mit Marmor wieder aufbauen. Hörteſt Du dieſen Chor?“ — Er erklang allein an Dein auserwähltes Ohr.— „Nein, nein, es war nicht hier! Und doch, Mirjam, Mirjam, meine Schweſter, wie würdeſt Du weinen, wenn Du wüßteſt was geſchehen? Thränen der Freude, o Mäd⸗ chen! Wo bin ich? Dies iſt nicht unſer Brunnen! Und doch ſagteſt Du, der Brunnen! Halte mich nicht für irre. Ich kenne Dich, ich kenne alles. Du biſt Jabaſtor; ich bin Alroy. Aber Du ſagteſt, der Brunnen, und das verwirrte mich, und rief mir wieder in's Gedächtniß dort jene... „Gott Israels! ich kniee vor Dir! Hier, in der Ein⸗ ſamkeit der wildeſten Natur, mein einziger Zeuge hier die⸗ ſer heilige Mann, kniee ich und gelobe. Herr! ich will voll⸗ bringen Dein Geheis. Ich bin jung, ich bin ſehr jung, o Gott, und ſchwach; aber Du, o Herr, Du biſt allmächtig. Welch ein Gott iſt gleich wie Du? Zweifle nicht an meinem Muthe, o Herr, und erfülle mich mit Deinem Geiſte; aber gedenke, Herr, auch Mirjams. Dieß iſt der einzige irdiſche Gedanke, den ich noch hege, und er iſt rein vor Dir.“ — Immer noch von ſeiner Schweſter!— Beruhige Dich, mein Sohn.— „Heiliger Meiſter, Du gedenkſt noch deſſen, als ich Dein Pflegling war hier in dieſer Höhle. Du haſt ſie nicht ve benen, b Ich wa mit der meiner weihen „0 giffel— „l es nur dabei! Nein, ſchöne aber unde ich n habe, zu le lich ſchaut jir urd Dich Vundes⸗ hekommen. was vor⸗ halte ich das Volk der herzu⸗ in ihn mit or? Ohr. „Mifam, en, wenn „o Mid⸗ Und doch irre. Ich bin Alroy. irrte mich, der Ein⸗ hier die⸗ wil voll⸗ -r jung, o allmächtig. m meinem eiſte; aber gee irdiſche ir⸗ I, als ich u haft ſie 39 nicht vergeſſen jene Tage des ruhigen Lernens, jene erha⸗ benen, langen, dahinſchwindenden Nächte heiligen Forſchens. Ich war gehorſam, ich hing an jedem Worte Deiner Rede mit der Hingebung, die entſpringen mußte aus Liebe.“ — Ich kann nicht weinen, Alroy; aber wäre es in meiner Macht, ſo wollte ich eine Thräne der Huldigung weihen dem Andenken jener Tage.— „Wie ruhig ſaßen wir auf dieſem oder jenem Felſen⸗ gipfel und ſchauten in die Sterne!“ — Ja, das thaten wir, mein theurer Sohn.— „Und wenn Du mich ja einmal ſchalteſt, ſo geſchah es nur halb im Scherz, und bloß meines Schweigens wegen.“ — Was will er damit ſagen? doch er wird ruhiger dabei! Wie feierlich ſein Antlitz im Mondlicht leuchtet. Nein, nicht Salomon auf ſeinem jugendlichen Throne konnte ſchöner ſein als er!— „Ich ſagte Dir nie eine Unwahrheit, Jabaſtor.“ — Mein Leben für Deine Wahrheitsliebe.— „Fürchte Dich nicht wegen dieſes Unterpfandes, und glaube mir. Auf dem Felſengipfel den Sternenhimmel mit Dir betrachtend, war ich nicht ruhiger als ich mich jetzo fühle.“ — Ich glaube Dir.— „Dann, Jabaſtor, dann glaube mir ſo ganz, als ich des Herrn Geſalbter bin.“ — Erzähle mir alles, mein Sohn.— „So höre denn. Ich ſchlief drinnen auf dem Lager, aber mein Schlaf war unruhig. Viele Träume hatte ich, undeutlich und unterbrochen. Keines ihrer Gebilde erinnere ich mich noch, außer daß ich eine leiſe Ahnung noch davon habe, es ſei mir beſchieden geweſen, in glücklicheren Tagen zu leben, als jetzt unſerm Stamme zu Theil werden. Plötz⸗ lich aber ſtand ich auf einem hohen, grauen Berge und ſchaute in die Sterne. Und als ich ſo ſchaute, erſcholl eine 40 Trompete. Noch tönt ſie durch meine Seele. Nie habe ich noch einen ſo feierlichen Klang gehört. Das Ungewitter, als es über dieſer Höhle rollte, und den Felſen zerſplitterte, deſſen Trümmer noch umher liegen, war nur ein ſchwacher, weltlicher Ton gegen dieſe allmächtige Muſik. Meine Wan⸗ gen wurden bleich, ich bangte nach Athem. Ein Flammen⸗ licht verbreitete ſich über den Himmel, die Sterne verſchwan⸗ den, und vortretend aus dem ſich theilenden Strahlenmeere erblickte ich ein gewaltiges Heer. „Nein, nicht als Saul unſre Streiter anführte gegen die Philiſter, nicht als Joab zählte die Kämpfer meines großen Vorfahrs, hatte ein menſchliches Auge einen Anblick ſo kriegeriſchen Glanzes. Wagen und Reiter, und glänzende Züge federngeſchmückter Krieger, zu kräftig, um eines Roſſes Hülfe zu bedürfen, Ströme ſchimmernder Speere und Fah⸗ nen wie Sonnenuntergang, ehrwürdige Prieſter ihre duf⸗ tenden Rauchfäſſer ſchwingend, und Propheten mit ihren goldnen Harfen die ſiegreichſte Zukunft beſingend. „„Wonne, ſangen ſie, für Israel; denn er kommt! er kommt in ſeinem Glanze und in ſeiner Macht, der hohe Meſſias unſrer alten Hoffnungen.““ „Und ſieh, jetzt zeigte ſich ein gewaltiger Wagen, von ſonderbaren Thieren gezogen, deren Geſtalten halb verbor⸗ gen waren durch die ſtrahlenden Flammen, auf denen ſie zu ſchwimmen ſchienen. In dieſem herrlichen Wagen ſtand ein Krieger, ſtolz und unbeweglich, ſeine Geſtalt, ſein Ant⸗ litz— halte meine Hand, Jabaſtor, indem ich es ausſpreche — dieſer Häuptling war ich ſelbſt!“ — Weiter, mein Sohn!— „Ich erſchrak in meinem Traume und erwachte. Auf⸗ ſitzend fand ich mich auf meinem Lager. Die Erſcheinung war vorüber. Nichts war mehr zu ſehen als das glänzende Mondlicht und die dunkle Höhle. Und als ich ſeufzte dar⸗ nach, daß ich je wieder erwacht war, und nachdachte über fene ſe von 1 wortet Aber Herr, und d Höhle welche der Pr ausgeg Heilige ich ſche und er gen. derauf Herz i D nachden bete v O O fährten „ Gehein wirde darf i 2 das h es aus nen a begeiſt ſeinem Nie habe ngewitter, doliteerte ſwacher, ene Wan⸗ Jlammen⸗ erſchwan⸗ dlenmeere re gegen r meines in Anblick glänzende es Roſſes und Fah⸗ ihre duf⸗ nit ihren ommt! er der hohe gen, von verbor⸗ denen ſie gen ſtand ein Ant⸗ usſpreche te. Auf⸗ ſcheinung glänzende ißzte dar⸗ cte über 41 jene ſeltſame Erſcheinung, klang eine leiſe, zarte Stimme von oben und rief: Alroy! Ich horchte auf, aber ich ant⸗ wortete nicht. Mir kam es vor, als ſei es nur Einbildung. Aber wieder ward mein Name genannt, und da betete ich: Herr, ich bin hier, was begehrſt Du? Niemand antwortete, und da kam große Furcht über mich, und ich eilte aus der Höhle, und ſuchte Dich, o Meiſter!“ — Es war eine„Bath⸗Kol,“„die Tochter der Stimme,“ welche ſprach. Seit der Gefangenſchaft, ſeitdem der Geiſt der Prophetin nicht mehr über den Geiſt eines aus Israel ausgegoſſen wird, iſt dies die einzige Art, wodurch die Heiligen vom Himmel her aufgerufen werden. Oft habe ich ſchon gehört von ihr, aber noch nie in dieſen traurigen und entarteten Tagen iſt ihr ſanfter Hauch zu uns gedrun⸗ gen. Dies ſind ſeltſame Zeiten und Zeichen. Der Wie⸗ deraufbau des Tempels iſt nah'. Sohn Davids, mein Herz iſt voll. Laß uns beten.— 3. Der Tag dämmerte ſchon, als Jabaſtor noch einſam nachdenkend unter den Felſen weilte. Alroy war im Ge⸗ bete verblieben in der Höhle. Oft und ſorglich ſchaute der Cabaliſt nach ſeinem Ge⸗ fährten und verfiel dann wieder in Nachſinnen. „Die Zeit iſt gekommen, wo ich dieſem Jünglinge die Geheimniſſe meines frühern Lebens enthüllen muß. Vieles wird er hören, das rühmlich; vieles, das ſchmachvoll. Nichts darf ich ihm verhehlen, nichts übergehen. „Sagen muß ich ihm, wie ich in die Ebenen des Tigris das heilige Banner unſers auserwählten Volkes erhob, und es aus ſeiner Sklaverei emporrief; wie verzweifelnd an ſei⸗ nen abtrünnigen Vätern und allein durch menſchliche Macht begeiſtert, ich vergebens nach dem hohen Amte ſtrebte, das ſeinem heiligen Blute allein vorbehalten iſt. Gott meiner 42 Väter, gewähre mir, daß mein künftiger Dienſt, der de⸗ müthige Dienſt einer zerknirſchten Seele, in den kommenden Tagen des Ruhms die unſrer warten, abbüßen möge die vormalige Ueberhebung! „Ihm aber ſtehen große Prüfungen bevor. Nicht leicht ſind ſie für den Erkornen, der ein Volk befreien ſoll aus Sklaverei. Der Herr iſt getreu ſeinem Verſprechen, aber der Herr wird erwählen ſeine Zeit und ſeinen Diener. Muth und Glaube, und tiefe Demuth, und feſtes Erdulden, und die wachſame und keuſche Seele, die von Verführung nicht befleckt werden kann, das ſind die Opfer, die wir auf ſeinen Altar legen, und ruhig warten, ob eine herab ſich ſenkende Flamme uns würdigen will, ſie anzunehmen und ſtrahlend zu ſegnen. „Es ſteht geſchrieben in dem furchtbaren Buche unſerer geheimnißvollen Lehre, daß der Retter und Erlöſer nicht allein entſpringen ſoll aus dem Hauſe unſerer Fürſten, ſon⸗ dern daß Niemand kommen ſoll uns zu befreien, allein und beiſtandslos, er habe denn das Scepter Salomo's wieder erlangt, das dieſer einſtens getragen in ſeinen zedernen Paläſten. „Dieſes Scepter muß erworben werden von dieſem ſchwachen Jüngling, unverſucht und zart, unbekannt mit den Pfaden dieſer fremden Welt, wo jeder Schritt Gefahr iſt. Wie viele Beſchwerden, wie viele Bedrohniſſe, welch tödtender Verdruſſ, welche düſtre Sorge, welche lange Ent⸗ ſagung, welche nimmer endenden Lockungen liegen nicht im Hinterhalte für dieſen zarten Knaben! O! Ihr meine Hei⸗ mathsgenoſſen, iſt dies Eure Hoffnung? Und ich, mit all' meiner Kunde, und all' meinem Muthe, und all' meiner tiefen Kenntniß des Menſchen, unglückliches Israel, warum bin ich nicht Dein Fürſt? „Weg von mir, gottläſternder Gedanke! Warf nicht ſein Ahnherr, eben ſo jung und unverſucht, ein bartloſer athme Vorfa ich ni nur Fura zu n liche wie in 1 als nein, weiß, Dein der de⸗ umenden möͤge die 84 8„ dicht leicht ſoll aus en, aber Dio Diener. Ardulden, rführung wir auf Berab ſich men und de unſerer jſer nicht ſten, ſon⸗ allein und 's wieder zedernen —n dieſem fannt mit tt Gefahr ſe, welch inge Ent⸗ nicht im neine Hei⸗ h, mit all al meiner el, warum Garf nicht bartloſer 43 Knabe, nur mit einer Schleuder und einem kleinen, glatten Steine, den gepanzerten Rieſen zu Boden und rettete ſein Volk? „Er iſt berufen, kein Anderer. Der Herr iſt mit ihm. Möge er ſein mit dem Herrn, und wir werden glücklich werden.“ 4. Sonnenuntergang war es am dritten Tage nach Alroy's Ankunft in der Höhle des Cabaliſten, als der„Fürſt der Gefangenſchaft“ ſeine Pilgerfahrt anfing, um das Scepter Salomos zu ſuchen. Schweigend nahmen der Pilger und ſein Meiſter ihren Weg zum Rande der Bergſchlucht, und ſtanden dort ſtill, um ſie zu verlaſſen— vielleicht auf immer. „Es iſt ein ſchwerer Augenblick, Alroy. Menſchliche Gefühle ſind nicht für Weſen gleich uns, aber dennoch for⸗ dern ſie ihr Recht. Denke an alles zurück. Halte den Talisman hoch wie Dein Leben, ja, heiße den Tod will⸗ kommen, indem Du ihn an's Herz drückſt, als daß Du athmeſt ohne ihn. Sei feſt, ſei fromm. Denk an Deine Vorfahren, denk an Deinen Gott!“ — Zweifelt nicht an mir, theurer Meiſter. Scheine ich nicht voll zu ſein des kühnen Geiſtes, der ſonſt vielleicht nur zu ſehr mein Antheil war, ſo ſchreibt dies nicht der Furcht zu, Jabaſtor, noch dem Schmerz ſelbſt, Dich verlaſſen zu müſſen, theurer Freund! Aber ſeit jene ſanfte und feier⸗ liche Stimme mich ſo erſchütternd anrief— ich weiß nicht wie es geſchehen— aber eine Veränderung iſt vorgegangen in meinem ganzen Weſen. Doch bin ich ſtark, o ſtärker als damals, wo ich den Ismaeliten niederſchlug. Nein, nein, fürchte nicht für mich. Der Herr, der alle Dinge weiß, weiß auch vollkommen, daß ich bereit bin zum Tode. Dein Gebet, Jabaſtor, und— 44 „Halt, mein Sohn. Mir fällt etwas bei. Sieh die⸗ ſen Ring. Es iſt ein auserleſener Smaragd. Du könnteſt Dich wundern, daß ich ſolch Spielwerk trage, aber, Alroy, ich hatte einſt einen Bruder, und vielleicht iſt er noch am Leben. Als wir ſchieden, gab er mir dieſes Zeichen ſeiner Liebe, einer Liebe, mein Sohn, feſt und innig, ob wir gleich ſehr von einander verſchieden waren. Nimm ihn. Die Stunde könnte kommen, wo Du ſeiner Hülfe bedürfteſt. Dieſer Stein wird ſie herbeiführen. Lebt er noch, ſo iſt er im Wohlſtande. Ich kenne ſeine Art und Weiſe wohl. Er war geboren für das was die Welt Glück nennt, Gott ſei mit Dir, geweihter Jüngling,— der Gott Abrahams und Iſaaks und Jakobs.“ Sie umarmten ſich. „Wir werden weich!“ rief der Cabaliſt aus.„O ver⸗ gebens drängen wir die Gefühle unſers menſchlichen Herzens zurück! Gott ſegne Dich und ſei mit Dir. Du haſt doch alles? Den Dolch und Deine Reiſetaſche. Dieſer Stab hat ſchon viele Dienſte geleiſtet. Ich ſchnitt ihn am Jordan ab. Ach! daß ich Dich begleiten könnte! Dann hätte es nichts auf ſich. Das ſchlimmſte wäre, zuſammen zu ſterben. Solch ein Schickſal wäre minder ſchmerzlich als ſchei⸗ den. Ich will wachen über Deinen Stern, mein Sohn. Du weineſt! Und auch ich? Wie? Was iſt das? bin ich denn noch Jabaſtor? Noch eine Umarmung, und dann.... ſage mir kein Lebewohl mehr, denke es nur.“ 3 unbekan den we ihrer? man, ſchunge der hei ſolchen den Ju De das In von H Carava⸗ dad we ſeine R Vanda erduld haben gen, e Vorſe 9 854 es unt det, in rene 9 eh die bönnteſt Alrop, noch am en ſeiner dir gleic n. Die dürfteſt ſo iſt er ohl. Er Gott ſei ims und „D ver⸗ Herzens zaſt doch Sötab hat Jordan hätte es uſterben. als ſchei⸗ n Sohn. bin ich dann.... Vierter Abſchnitt. 1. Der Sage nach konnte Salomo's Scepter nur in den unbekannten Gräbern der alten hebräiſchen Fürſten gefun⸗ den werden, und Niemand es zu berühren wagen, als einer ihrer Abkömmlinge. Verſehen mit dem cabaliſtiſchen Talis⸗ man, der ihn in ſeinen ſchweren und wichtigen Nachfor⸗ ſchungen leiten ſollte, begann Alroy ſeine Pilgerfahrt zu der heiligen Stadt. Zu dieſer Zeit war die Neigung zu ſolchen Wallfahrten eine herrſchende Leidenſchaft, ſowohl bei den Juden als den Chriſten. Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ richtete ſeinen Weg in das Innere jener großen Wüſte, die er bei ſeiner Flucht von Hamadan nur an der Gränze berührt hatte. Dem Caravanenzuge folgend, wollte er nach Babylon oder Bag⸗ dad wandern. Von der Hauptſtadt der Kalifen aus war ſeine Reiſe bis Jeruſalem verhältnißmäßig leicht; um aber Bagdad zu erreichen, mußte er Beſchwerden und Gefahren erdulden, deren Ausſicht jeden Andern hoffnungslos gelaſſen haben würde, der nicht das Gefühl in tiefſter Bruſt getra⸗ gen, er ſei der Gegenſtand einer allmächtigen und beſondern Vorſehung. Bloß in ein grobes ſchwarzes Gewand gekleidet, wie es unter den Kurden gewöhnlich, mit einem Stricke gegür⸗ det, in welchem ſein Dolch befeſtigt war, und das geſcho⸗ rene Haupt mit einem großen weißen Turban bedeckt, der 46 ihn vor der Hitze ſchirmte, ſchützte nur die Sandale ſeinen Fuß; auf dem Rücken trug er einen Sack mit getrocknetem Mais und gedörrtem Korn, nebſt einem ledernen Schlauche voll Waſſer. So wanderte ein Jüngling über den glühen⸗ den Sand Perſiens, deſſen Leben bis dahin ein ununter⸗ brochener Traum häuslicher Ueppigkeit und unſchuldiger Verwöhnung war. Während der warmen Nächte oder des frühſten bleichen Morgens reiſete er. Des Tages über ruhte er, glücklich ſchon, wenn er es an einem wohlthuenden Brunnen, von einem Palmbaume beſchattet, konnte, oder, aufſchreckend eine Gazelle von ihrem Lager, unter den wilden Gebüſchen rau⸗ her Felſen. Fehlten dieſe Hülfsmittel, ſo ſtreckte er ſich hin auf den Sand, und bildete ſich ein Zelt aus Stab und Turban. Drei Wochen waren vergangen, ſeit er die Höhle des Cabaliſten verlaſſen hatte. Bis dahin war ihm kein menſch⸗ liches Weſen begegnet. Die Wüſte war nun minder dürre. Karger Pflanzenwuchs keimte aus ergiebigerem Boden auf, die Ebene formte ſich in ſanftere Wellenlinien, der Geruch wilder Kräuter kräftigte ſeine Sinne, und ſeine Augen er⸗ götzten ſich an der ſchimmernden Geſtalt des vorüberfliegen⸗ den Vogels, Pilgrim wie er ſelbſt, nur leichter. Nicht lange, ſo zeigte ſich ein Hain von anmuthigen Palmen mit ihren hohen, dünnen Stämmen und herab⸗ hängenden Federkronen, ſanft und ſchön. Rings umher glänzte der grünende Raſen wie Smaragd. Silberſtröme floſſen aus einem hervorrieſelnden Quell und ſchlängelten ihre weißen Fäden durch den reizenden grünen Teppich. Vom Haine her erſcholl das beruhigende Gegirr der Tau⸗ ven, und Schwärme luſtiger, bunter Schmetterlinge, von ihren farbigen Flügeln ſchimmernden Lichtes getragen, ſpiel⸗ ten gefahrlos in der reinen Luft. Eine ſchöne, kühle Oaſe! Nach und au von de unbek niß ih noch jetzt no ihre p Straße A lang kend ben, bewußt dung die ſein M heiſe v fernen und T Von d Weg endlich mannen Grabde C le ſeinen ocnetem Sölauche Aühen⸗ ununter⸗ ſchuldiger bleichen glücklich nen, von dend eine chen rau⸗ ſich hin Stab und Höhle des in menſch⸗ der dürre. ooden auf, er Geruch Augen er⸗ verfliegen⸗ umuthigen nd herab⸗ gs umher Uverſtröme chlängelten u Teppich. der Tau⸗ linge, von gen, piel⸗ uͤhle Oaſe! 47 2. Alroy ruhte in dieſer reizenden Einſamkeit zwei Tage lang aus, ſich nährend mit den friſchen Datteln und trin⸗ kend das kühle Waſſer. Gern würde er noch verweilt ha⸗ ben, wäre er ſich ſeiner frühern Anſtrengung hinreichend bewußt geweſen, aber die Erinnerung an ſeine hohe Sen⸗ dung machte ihn ruhelos und ſtählte ihn zu den Leiden, die ſeiner noch warteten. Mit dem Anbruche des zweiten Tages nach ſeiner Ab⸗ reiſe von der Oaſis, ſah er zu ſeinem großen Staunen am fernen Horizonte ſchwach, aber ganz deutlich, die Mauern und Thürme einer weit ſich ausdehnenden Stadt vor ſich. Von dieſer unerwarteten Ausſicht belebt, ſetzte er ſeinen Weg mehrere Stunden nach Sonnenaufgange noch fort; endlich aber ſuchte er, gänzlich erſchöpft, gegen die über⸗ mannende Hitze Zuflucht unter der Kuppel des zerſtörten Grabdenkmals eines vormaligen muhamedaniſchen Heiligen. Nach Sonnenuntergang begann er dann die Reiſe wieder, und am Morgen befand er ſich nur noch einige Stunden von der Stadt. Hier hielt er an und ſchaute ſich ſorgfältig nach einer Spur um von ihren Bewohnern. Aber keiner war ſichtbar. Niemand zu Fuß noch zu Roß kam aus ih⸗ ren Thoren. Nicht ein einziges menſchliches Weſen, nicht einmal ein einſames Kameel regte ſich in der Nähe. Der Tag war für den Pilger ſchon zu weit vorge⸗ ſchritten, um weiter zu wandern, aber ſeine Sehnſucht, dieſe unbekannte Niederlaſſung zu erreichen und in das Geheim⸗ niß ihres Schweigens einzudringen war ſo groß, daß Alroy noch vor Sonnenuntergang durch ihre Thore ſchritt. Eine herrliche Stadt, auf eine Art gebaut, die ihm bis jetzt noch nicht vorgekommen war, bot ſeinem erregten Blicke ihre prachtvollen Trümmer, ihre einſame Größe. Lange Straßen von Paläſten, mit ihren ſchönen Reihen ſich nach 48 und nach verkleinernder Säulen, hier und da durch einen umgefallenen Schaft unterbrochen; weite Höfe, von noch geſchmückten, feierlichen Tempeln und ſchwelgeriſchen Bädern umgeben, mit ſeltenen Moſaikfußböden geſchmückt, und noch von ehemaliger Vergoldung ſchimmernd; dort und da ein noch hochanſtrebender Triumphbogen mit ſeinen zerſtückelten Frieſen; hier ein Obelisk von Granit mit ſonderbaren Charakteren bedeckt, über ſeinen umgeſtürzten Gefährten em⸗ porragend; dann und wann ein leeres, verfallenes Theater, eine lange, geſchmackvolle Waſſerleitung, eine Porphirſäule, einſt mit dem Heldenbildniſſe prunkend, das jetzt zerſchmet⸗ tert zu ihren Füßen liegt; und alles übergoſſen mit dem warmen Zwielicht eines morgenländiſchen Abends. Mit Staunen und Bewunderung blickte er auf dieſe ſeltſame, hinreißende Scene. Je länger er ſie betrachtete, deſto mehr reizte ſie ſeine Neugier. Kaum traute er ſich Athem zu holen. Mit gemiſchtem Gefühle der Eile und des Zögerns ſchritt er vor. Nach und nach entfalteten ſich neue Wunder vor ihm. Jede Wendung gewährte einen neuen Anblick noch größeren Glanzes. Der Wiederhall ſeines Schrittes ängſtigte ihn. Er ſchaute mit ſtarrem Auge, bebendem Herzen, wechſelnder Farbe um ſich. Alles war todtenſtill. Nur der hebräiſche Fürſt ſtand allein in Mitten der königlichen Schöpfung der mazedoniſchen Heerführer. Reiche und Herrſcherſtämme blühen und vergehen, die ſtolze Hauptſtadt wird zur einſamen Trümmerſtätte, das erobernde Königreich ſelbſt zur Wüſte; aber Israel bleibt noch, noch athmet ein Abkömmling der älteſten Könige unter dieſen königlichen Trümmern, und noch kann nie die ewige Sonne aufgehen, ohne die Thürme des lebenden Jeruſalems zu vergolden. Ein Wort, eine That, ein einziger Tag, ein ein⸗ ziger Mann, und wir können wieder eine Nation ſein. Ein Geſchrei! Er wendet ſich um; man ergreift ihn; vier wilde kurdiſche Räuber feſſeln und binden ihn. d Straße Ohnwe oniſche und be ſehen a war ene wüſtung bereitet b N war in roſigen obſchor als er unregel Gipfel welcher lich von R. hinauf gener in dem zu ſein Pferde eine gr gend o Mahl rch einen don noch n Widern und noch d da ein rſtückelten derbaren orten em⸗ Theater, phirſänle, zerſchmet⸗ mit dem auf dieſe eetrachtete, ute er ſich Eile und lteten ſich orte einen Wiederhall trem Auge, Alles war in Mitten veerführer. die ſtolze erobernde noch, noch nter dieſen vige Sonne ſalems zu g, ein ein⸗ ſein. greift ihn; ihn. Die Räuber ſchleppten ihren Gefangenen durch eine Straße, welche die größte der Stadt geweſen zu ſein ſchien. Ohnweit ihres Endes wandten ſie ſich bei einem kleinen ioniſchen Tempel, kletterten über einige umgeſtürzte Säulen und betraten einen Theil der Stadt, von verfallenerem An⸗ ſehen als der, den Alroy bis jetzt beſucht hatte. Der Weg war eng, oft gehemmt und rings umher Zeichen der Ver⸗ wüſtung, zu welchem das Aeußere der Stadt ihn nicht vor⸗ bereitet hatte. Die glänzende, aber kurze Dämmerung des Orients war im Verlöſchen: eine dunkle Purpurröthe folgte dem roſigen Anhauche, die entfernten Thürme hoben ſich ſchwarz, obſchon deutlich aus der reinen Luft, und der Mond, der, als er zuerſt in die Stadt getreten, am Himmel wie ein kleines weißes Wölkchen ſich gezeigt, glänzte nun mit trü⸗ geriſchem Lichte. Plötzlich erhob ſich vor ihnen eine gewaltige Stein⸗ maſſe. Eirund von Geſtalt und von Arkadenreihen gebil⸗ det, war ſie ſichtlich ſehr zertrümmert, und ein ungeheurer, unregelmäßiger und wellenförmiger Spalt, der faſt von dem Gipfel bis auf den Boden herabging, trennte die Seite, welcher jetzt Alroy und ſeine Gefährten ſich nahten, gänz⸗ lich von der andern. Nachdem ſie die Ueberreſte dieſer ſtarken Mauern hinaufgeklettert waren, ſtiegen die Räuber und ihr Gefan⸗ gener wieder in ein unermeßliches Amphitheater herab, das in dem ſchwankenden und bleichen Mondlichte noch größer zu ſein ſchien. Darin befanden ſich Gruppen von Menſchen, Pferden und Kameelen. Im tiefſten Hintergrunde lagerte eine große Menſchenmenge, auf Teppichen und Matten lie⸗ gend oder kauernd, damit beſchäftigt, ein rohes aber luſtiges Mahl einzunehmen. An ihrer Seite leuchtete ein Feuer. 4 —— 50 Die rothe, flackernde Flamme, mit dem weißen, ruhigen Mondſcheine gemiſcht, warf ein ſchwankendes Licht auf ihre wilden Geſichter, ihre glänzenden Waffen, weiten Gewänder und umwundenen Häupter. „Ein Spion!“ riefen die Räuber aus, indem ſie Alroy vor den Anführer ihrer Bande brachten. — Nun, ſo hängt ihn;— ſagte dieſer, ohne nur aufzuſehen. „Dieſer Wein, großer Scherirah, iſt vortrefflich, oder ich will kein wahrer Muſelmann ſein;“ entgegnete einer der Haupträuber;„aber Ihr ſeid zu grauſam. Mir iſt ſolch eine flüchtige Beſtrafung verhaßt. Laßt uns ihn erſt ein wenig martern, um etwas, das uns nützen kann, von ihm zu erfahren.“ — Wie Du willſt, Kisloch,— ſagte Scherirah;— wenn's Dir Spaß macht. Woher kommſt Du, Burſche? Er kann nicht antworten. Ganz gewiß ein Spion. Hängt ihn!— Die Räuber löſ'ten den Strick halb auf, womit ſie Alroy gefeſſelt hatten, um ihn zu einem andern Zwecke zu gebrauchen, als ein Dritter von den trefflichen Gefährten Scherirah's ſich in's Mittel legte. „Spione pflegen ſtets zu antworten, Hauptmann. Er iſt wahrſcheinlich vielmehr ein verkleideter Kaufmann.“ — Und hat verborgene Schätze bei ſich,— ſetzte Kis⸗ loch hinzu;— oft ſtecken in ſolchen ſchlechten Kleidern die ſchönſten Edelſteine. Wir thäten beſſer, ihn auszuſuchen.— „Nun, ſo ſucht ihn aus,“ verſetzte Scherirah mit ſeiner rauhen, gemeinen Stimme;„macht mit ihm, was ihr wollt, und gebt mir nur die Flaſche her. Dieſer griechiſche Wein iſt ganz vortrefflich. Schürt das Feuer an, Ihr Leute. Schlaft Ihr denn etwa? Und dann, Kisloch, kannſt Du, der Du die Grauſamkeit nicht leiden kannſt, ihn daran röſten, wenn Du ſonſt Luſt haſt.“ 5 rief di nicht jung, Kaufn Ich b ken, ſ nunge ſtert, hielt „Schq — Id ſtein Euch, ruhigen auf ihre Gewänder ſie Aroy ohne nur lich, oder einer der Piſ ſolch erſt ein von ihm erirah;— Burſche? n. Hängt womit ſie Zwecke zu Gefährten mann. Er ann.“ ſetzte Kis⸗ leidern die uſuchen.— mit ſeiner zihr woll, hiſche Wein Ihr Leute. kannſt Du, aran röſten, Die Räuber rüſteten ſich, Alroy zu entkleiden.„Freunde!“ rief dieſer aus;„denn ich wüßte gar nicht, weshalb ihr nicht Freunde ſein ſolltet, ſchont meiner. Ich bin arm, bin jung, bin unſchuldig. Ich bin weder ein Spion, noch ein Kaufmann. Ich habe weder böſe Abſichten, noch Vermögen. Ich bin ein Pilger.“ — Ganz beſtimmt ein Spion,— rief Scherirah aus; — ſie wollen alle Pilger ſein.— „Er ſpricht zu gut, um die Wahrheit zu ſagen,“ ſetzte Kisloch hinzu. — Alle Vielredner ſind Lügner!— ergänzte Scherirah. „Darum iſt Kisloch der Allerberedteſte von uns allen.“ — Ein Scherz beim Gelag, iſt ſo gut wie ein Fluch im Felde;— erwiederte Kisloch. „Aber, Ihr Burſchen,“ brummte Scherirah;„was macht Ihr nur für Umſtände. So ſucht doch den Gefangenen aus! Ich befehle es!“ Sie traten wieder vor und ergriffen ihn. Vergebens wehrte er ſich. „Hauptmann,“ rief einer von der Bande:„er hat auf der Bruſt ein Juwel!“ — Ich ſagt's Euch ja!— verſetzte der dritte Räuber. „Gieb mir es,“ ſagte Scherirah. Alroy aber riß ſich, voll Verzweiflung bei dem Gedan⸗ ken, ſeinen Talisman zu verlieren, eingedenk der Ermah⸗ nungen Jabaſtor's und von übernatürlichem Muthe begei⸗ ſtert, aus ihren Händen los, ergriff einen Feuerbrand, und hielt ſie damit von ſich ab. „Der Burſche hat Muth!“ ſagte Scherirah ruhig. „Schade nur, daß es ihm das Leben koſten wird.“ — Hört mich nur einen Augenblick an!— rief Alroy. — Ich bin ein Pilger, ärmer als ein Bettler. Der Edel⸗ ſtein hier iſt ein heiliges Emblem, ohne allen Werth für Euch, für mich unſchätzbar, und nur mit meinem Leben laß 4 52 ich es. Das kann ich Euch verſichern. Hütet alſo das Eure, denn der erſte, der mir ſich naht, iſt ein Kind des Todes. Ich bitte Euch demüthig, Hauptmann, laßt mich gehn.— „Schlagt ihn todt!“ ſagte Scherirah. — Stoßt ihn nieder!— rief Kisloch aus. „Gieb mir den Cdelſtein!“ brüllte der dritte Räuber. — Nun, ſo ſei mir der Gott Davids gnädig!— rief Alroy. „Er iſt ein Hebräer, ein Hebräer!“ Und damit ſprang Scherirah auf.„Laßt ihn los, laßt ihn los! Meine Mutter war eine Jüdin.“ Die Männer, die ſchon auf Alroy einſtürmten, ſenkten ihre Waffen, und traten einige Schritte zurück. Dieſer blieb jedoch immer noch auf ſeiner Hut. „Tapfrer Pilgrim,“ ſagte Scherirah vortretend mit ſanfter Stimme:„wollt Ihr nach der heiligen Stadt?“ — Der Stadt meiner Väter.— „Ein gefährlicher Weg! Und von woher?“ — Von Hamadan.— „Eine beſchwerliche Reiſe. Ihr bedürft der Ruhe. Euer Name?“ — David.— „David, Ihr ſeid unter Freunden. Bleibt hier und ruht aus ungeſtört. Ihr zögert. Fürchtet nichts! Das An⸗ gedenken meiner Mutter iſt ein Zauber, der mich ſtets be⸗ ſänftigt.“ Scherirah zog ſeinen Dolch, ſtach damit in ſeinen Arm, warf dann die Waffe weg, und bot die blutende Stelle Alroy. Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ berührte die offne Wunde mit ſeiner Lippe. „Meine Treue iſt verpfändet,“ ſagte der Räuber;„den Mann, in deſſen Adern mein eig'pes Blut fließt, kann ich nie verrathen.“ Dies ſagend, führte er Alroy zu ſeinem Lager. eſſen ich die Gs iſt 7 Jleiſche ſonderb iſt es Wieres 2 gegnete Jüdin, recht th Prophe Eure „ Vater Glaub von B von ſ zenden große von D 2n Neger „In m alſo das Kind des laßt mich Räuber. 33. 11— rief nit ſprang ne Mutter en, ſenkten deſer blieb etend mit tadt?“ der Nuhe. hier und [Das An⸗ h ſtets be⸗ it in ſeinen ie blutende berührte die zuber,„den t, kann ich zu ſeinem 4. „Eßt, David“ ſagte Scherirah. — Ich will Brot eſſen,— antwortete Alroy. „Habt Ihr denn in dieſen letzten Tagen ſo viel zu eſſen gehabt, daß Ihr dieſe zarte Gazelle ausſchlagt, welche ich dieſen Morgen mit meiner eigenen Lanze erlegt habe? Es iſt ein Futter für einen Kalifen!“ — Ich bitte Euch, gebt mir Brot.— „Meinetwegen auch! Aber daß ein Mann Brot dem Fleiſche vorzieht, und ſolchem Fleiſche wie dieſes, iſt doch ſonderbar.“ — Tauſend Dank, guter Scherirah; aber unſerm Volke iſt es verboten, von dem Fleiſche eines, ſelbſt auch reinen Thieres zu eſſen, das einem Lanzenſtoße erlegen.— „Ich habe von ſolchen Dingen erzählen hören,“ ent⸗ gegnete Scherirah nachdenklich.„Meine Mutter war eine Jüdin, und mein Vater ein Kurde. Aber ich denke, wer recht thut, wird auch ſelig.“ — Es giebt nur Einen Gott, und Mahomed iſt ſein Prophet!— rief Kisloch aus;— ob ich gleich Wein trinke. Eure Geſundheit, Hebräer.— „Ich will Dir helfen,“ ſagte der dritte Räuber.„Mein Vater war ein Gueber und opferte ſein Vermögen ſeinem Glauben, und die Folge davon iſt, daß ſein Sohn keins von Beiden hat.“ — Was mich betrifft,— ſagte ein vierter Räuber von ſehr dunkler Geſichtsfarbe und beſonders kleinen glän⸗ zenden Augen:— Ich bin ein Inder, und glaube an die große goldene Figur mit Karfunkel⸗Augen in dem Tempel von Delhi.— „Ich habe gar keine Religion,“ verſetzte ein mächtiger Neger im rothen Turban, ſeine weißen Zähne fletſchend: „In meinem Vaterlande haben ſie keine. Aber Calidas, 54 hätte ich früher von Deinem Gotte gehört, ſo hätte ich an ihn geglaubt.“ — Ich wünſchte, ich wäre ein Jude geworden,— rief Scherirah nach einigem Nachdenken.— Meine Mutter war eine brave Frau.— „Die Juden ſind ſehr reich!“ ſagte der dritte Räuber. — Wenn Ihr nach Jeruſalem geht, David, ſo werdet Ihr die Chriſten ſehen,— fuhr Scherirah fort. „Die verfluchten Giaours,“ rief Kisloch aus;„wir ſind alle gegen ſie.“ — Mit ihren weißen Geſichtern,— ſchalt der Neger. „Und blauen Augen,“ ſetzte der Inder hinzu. — Was könnt Ihr von Menſchen erwarten, die in einem Lande leben, wo keine Sonne ſcheint?“ bemerkte der Gueber. 5. Etwa zwei Stunden nach Mitternacht erwachte Alroy. Seine Gefährten lagen im tiefſten Schlafe. Der Mond war untergegangen; das Feuer erloſchen, nur einige glü⸗ hende Kohlen glimmten noch. Finſtre Schattenmaſſen hin⸗ gen über dem Amphitheater. Er ſtand auf und ſchritt vorſichtig über die ſchlafenden Räuber hinweg. Er war nicht im eigentlichſten Sinne des Worts ein Gefangener, aber wer konnte der Laune dieſer geſetzloſen Männer ver⸗ trauen? Der nächſte Tag erblickte ihn vielleicht als ihren Sklaven, oder Mitgenoſſen bei irgend einer räuberiſchen Unternehmung, wodurch er wieder zurück nach dem Kaukaſus oder Hamadan ſich wenden mußte. Die Verſuchung, ſich in Freiheit zu ſetzen, war unwiderſtehlich. Er klomm die zertrümmerte Mauer empor, ſtieg herab in die verſchlun⸗ genen Windungen, die zu dem ioniſchen Tempel führten, der ihm zum Wegweiſer diente, eilte durch die ſternerhellten einſan ſich w C den l die 4 und Plan überſt matte ſtenm Klein verla erheb und ſchw ein ware blick darn Faſt Hor fand ſchö nen der tte ich an orden,— ne Mutter e Räuber. ſo werdet „ſwir ſind der Neger. ¹ en, die in emertte der hte Alroy. Der Mond einige glü⸗ naſſen hin⸗ und ſchritt Er war Gefangener, tänner ver⸗ t als ihren räuberiſchen m Kaukaſus uchung, ſich klomm die 3 verſchlun⸗ vel führten, ternerhellten 55 einſamen Straßen, erreichte das große Thor, und befand ſich wieder in der Wüſte. Die Furcht verfolgt zu werden, trieb ihn mehrere Stun⸗ den lang raſtlos vorwärts. Die Wüſte ward wieder ſandig, die Hitze nahm zu. Der Lufthauch, welcher jene durchzieht, und im erſten Frühling nicht ſelten die Düfte wohlriechender Pflanzen mit ſich führt, ſtarb dahin. Eine bleiche Helle überſtrömte den Himmel. Durch die Natur ſchlich eine er⸗ mattende Stille. Selbſt die Inſekten ſchwiegen. Zum er⸗ ſtenmale auf ſeiner Pilgerſchaft ergriff das Gefühl tiefen Kleinmuths Alroy's Seele. Seine Kraft ſchien ihn plötzlich verlaſſen zu haben. Ein leiſer heißer Wind begann ſich zu erheben, ſeine Wangen mit giftigen Küſſen zu berühren, und ſeinen Körper durch ſeine vergiftende Umarmung zu ſchwächen. Kopf und Glieder brannten in dumpfem Weh, ein Gefühl, furchtbarer als der Schmerz ſelbſt; ſeine Augen waren verdunkelt, ſeine Zunge geſchwollen. Vergebens blickte er nach Hülfe umher, vergebens ſtreckte er ſeine Arme darnach aus, und rang ſie empor zum mitleidloſen Himmel. Faſt wahnſinnig vor Durſt, verſchwand ihm der grenzenloſe Horizont der Wüſte, und das unglückliche Schlachtopfer fand ſich mitten in ſeiner Pein dem Anſcheine nach von ſchönen fließenden Strömen umgeben; es waren die rin⸗ nenden Gewäſſer der Trugerſcheinung der Wüſte*). Die Sonne wurde blutig roth, der Himmel dunkler, der Sand erhob ſich in wilden Strömungen, der leis kla⸗ gende Wind brach in Geheul aus, und hauchte einen noch glühendern, noch verderblichern Athem. Nicht länger ver⸗ mochte es der Pilger ſich aufrecht zu erhalten. Muth, Glaube, Frömmigkeit verließen ihn mit ſeiner ſchwindenden Kraft. Er kämpfte nicht mehr gegen das Daſein an, er *) Die unter dem Namen Mirage oder Fata Morgana be⸗ kannte Lufterſcheinung. 56 gab ſich ſelbſt der Verzweiflung, dem Tode hin. Er ſank mit ſchwindelndem Haupte auf ein Knie, ſtützte ſich noch einen Augenblick mit der bebenden Hand, und fiel dann bewußtlos auf den Boden nieder. Unter dem Gebrüll des Windes hob ſich der Buſen der Erde und öffnete ſich; leichte Säulen von Sand rich⸗ teten ſich auf zu dem bleichen Himmel, und eilten auf ihr Schlachtopfer zu. Mit dem Getöſe des allgemeinen Chaos ſtieg undurchdringliche Dunkelheit herab auf die Wüſte. 2 ſt übe durch dern Allh⸗ bringt der m welen Samau 2 ehrerbi ſchäftig Kaufhe Jaldh im W 7 Teufel machen das Th 7 I/ * Er ſank ſich noch fiel dann der Buſen dand rich⸗ wauf ihr en Chaos Düſte. Fünfter Abſchnitt. 1. „Uun iſt er vorüber, der mühſame Weg, die Wüſte iſt überſtanden. Bald wird der Fluß, herrlich ſtrömend durch ſeine grünenden Palmenufer, unſern ermüdeten Glie⸗ dern Bäder bieten, wie der Kalif ſie nicht erkaufen kann. Allah⸗illah, Allah⸗hu.“ — Geſegnet der Mann, der nun eine Reliquie zurück⸗ bringt von unſers Propheten Grabe; geſegnet der Mann, der nun die Schätze des entlegenen Marktes entfaltet, Ju⸗ welen des dämmernden Oſtens, und Seidenzeuge des fernen Samarkand. Allah⸗-illah, Allah⸗hu!— „Die heilige Moſchee wird ihn grüßen mit tiefem und ehrerbietigem Gruße; willkommen wird ihn heißen der ge⸗ ſchäftige Bezeſtin“) mit vertraulichem Lächeln. Heiliger Kaufherr, genieße jetzt den doppelten Triumph Deiner Mühe. Aallah⸗illah, Allah⸗hu!“ — Das Kameel ſcheut ſich, Abdallah! Es muß etwas im Wege liegen. Sieh doch nach.— „Bei'm heiligen Steine! Ein todter Mann! Armer Teufel! Man ſollte doch nie eine Pilgerfahrt zu Fuße machen. Geht mir mit Eurer demüthigen Frömmigkeit. Stachle das Thier, damit's bei dem Leichnam vorbei geht.— „Der Prophet befiehlt Barmherzigkeit, Abdallah. Er *) Soviel als Bazar. 58 hat mein Unternehmen geſegnet, und ich will ſeine Vor⸗ ſchriften befolgen. Sieh nach, ob er ganz todt iſt.“ Es war die Caravane aus Mekka, die nach Bagdad zurückkehrte. Die Pilger befanden ſich nur noch eine Tage⸗ reiſe vom Euphrat, und feierten ihre Ankunft auf frucht⸗ barem Boden mit Jubelgeſängen. So weit das Auge nur reichen konnte, erſtreckte ſich die lange Linie ihres ausge⸗ dehnten Zuges über die Wüſte hinweg, tauſende von Ka⸗ meelen hintereinander, mit Waarenballen beladen, und jede Abtheilung durch eins derſelben von ausgezeichneter Größe angeführt, das mit klingenden Glöckchen vorläutete; Gruppen von Reitern, Schwärme von Tragſänften; alle Pilgrime bis an die Zähne bewaffnet, eine ſtarke Abtheilung Seld⸗ ſchuck'ſcher Reiterei den Vortrab bildend, und der Nachzug von einem Kurdiſchen Klan beſchützt, der die Sicherheit der durch ihr Gebiet ziehenden frommen Pilger beſchützte. Abdallah war der Lieblingsſklave des wohlthätigen Kaufherrn Ali. Den Befehlen ſeines Gebieters gehorchend, ſtieg er verdrüßlich von ſeinem Kameele, und unterſuchte den anſcheinend lebloſen Alroy. „Ein Kurde der Kleidung nach,“ rief Abdallah ſpöttiſch aus;„was will der hier?“ — Das iſt nicht das Geſicht eines Kurden,— ent⸗ gegnete Ali,— vielleicht ein Pilger aus den Gebirgen.— „Was er auch ſein mag, er iſt todt,“ antwortete der Sklave:„Am Ende ein verfluchter Giaour.“ — Gott iſt groß,— rief Ali aus;— er athmet noch! Sein Kaftan hebt ſich ja über der Bruſt.— „Das war der Wind:“ ſagte Abdallah. — Das war der Seufßzer eines Menſchenherzens;— entgegnete Ali. Jetzt hatten ſich mehrere Pilger zu Fuß um die Gruppe geſammelt. „Ich bin ein Hakim,“(Arzt) ſagte ein würdevoller Armeni chwach Armen Gott 6 dget Leben. 2 wenn antwor ihn m Kurde mir da etwas S langſa üffnete wand raſche 7 ſrie ſeine Vor⸗ ſt“ ih Vagdad dne Tage⸗ auf frucht⸗ Auge nur res ausge⸗ de von Ka⸗ und jede deter Größe 2, Gruppen e Pilgrime lung Seld⸗ Rt Nachzug e Sicherheit er beſchützte. vohlthätigen gehorchend, unterſuchte laah ſpöttiſch den,— ent⸗ hebirgen.— twortete der athmet noch! nherzens;— m die Gruppe würdevoller 59 Armenier.„Ich will ihm an den Puls fühlen. Er iſt ſchwach, aber er ſchlägt noch.“ — Es iſt nur Ein Gott!— rief Ali aus. „Und Mahomed iſt ſein Prophet!“ ſchloß Abdallah; „Ihr glaubt nicht an ihn, Ihr ungläubigen Armenier.“ — Ich bin ein Hakim,— entgegnete der ehrwürdige Armenier.— Obgleich nur ein Ungläubiger, hat mir doch Gott Geſchicklichkeit verliehen, Rechtgläubige zu heilen. Wür⸗ diger Ali, glaube mir, in dieſem jungen Manne iſt noch Leben.— „Hakim, Ihr ſollt Eure Dirhems zu zählen bekommen, wenn er in meinem Divan zu Bagdad wieder auflebt,“ antwortete Ali.„Der junge Menſch gefällt mir. Gott hat ihn mir zugeſendet. Er ſoll meine Pantoffeln tragen.“ — Gebt mir ein Kameel, und ich rette ſein Leben.— „Wir haben keines,“ erwiederte der Diener. — Geh' zu Fuß, Abdallah:— ſagte der Herr. „Soll ein Rechtgläubiger zu Fuße geh'n, um einem Kurden das Leben zu retten? Der Herr Pantoffelträger ſoll mir dafür Rede ſtehen, wenn die Baſtonade noch zu irgend etwas gut iſt;“ brummte Abdallah vor ſich hin. Der Armenier ließ Alroy zur Ader. Das Blut floß langſam, aber es floß doch. Der ,Fürſt der Gefangenſchaft“ öffnete ſeine Augen. „Es iſt nur Ein Gott,“ rief Ali. — Treff' ihn das böſe Auge!— murrte Abdallah. Der Armenier zog eine Herzſtärkung aus ſeinem Ge⸗ wande, und flößte ſie dem Kranken ein. Das Blut floß raſcher. „Er wird leben, würdiger Kaufherr;“ ſagte der Arzt. — Und Mahomed iſt ſein Prophet:— fuhr Ali fort. „Beim Steine zu Mekea, ich glaube es iſt ein Jude!“ ſchrie Abdallah. — Der Hund!— rief Ali. 60 „Pfui!“ ſagte ein Negerſklave, und wandte ſich mit Abſcheu ab. — Er wird ſterben;— ſagte der chriſtliche Arzt, und verband nicht einmal die Ader. „Und verdammt ſein:“ ſetzte Abdallah hinzu und ſprang wieder auf ſein Kameel. Der Zug ritt weiter: Die Caravane folgte. Ein Kur⸗ diſcher Reiter jagte vor. Er hielt ſein Roß an, als er bei Alroy vorbeikam, der ſich verblutete. „Welcher verfluchte Sklave hat einen aus meinem Klan verwundet?“ Der Kurde ſprang vom Pferde, riß ein Stück ſeines blauen Hemdes ab, ſtillte das Blut, und führte den un⸗ glücklichen Alroy zur Nachhut. Die Wüſte war zu Ende; die Caravane trat in eine große, fruchtbare Ebene. In der weiteſten Entfernung konnte man eine lange wellenförmige Reihe von Palmbäu⸗ men erblicken. Die Vorhut ſtieß ein Jubelgeſchrei aus, hob ihre ſchlanken Lanzen in die Luft und ſchlug mit den Sã⸗ beln im wilden Chor gegen ihre kleinen, runden Schilde von Erz. Alle Augen funkelten, alle Hände waren aufge⸗ hoben, alle Stimmen riefen, nur die nicht, welche verſtumm⸗ ten im Uebermaaße der Freude. Nach monatlichen Wan⸗ derungen in der öden Wüſte erblickten ſie den großen Euphrat. Breit und kühl, und prachtvoll, und rein ſtrömten die mächtigen Gewäſſer durch den ſchönen und fruchtbaren Boden. Ein belebender Lufthauch entſtieg ihrem Buſen. Jedes Weſen entgegnete ihrem begeiſternden Einfluſſe. Der Kranke ward geheilt, der Traurige ward froh, der Geſunde und Heitergeſtimmte brach in jubelndes Auflachen aus; da ſprang einer vom Kameele und küßte die blühende Erde; dort ſprengte von erneuter Kraft belebt ein andrer über die Ebene und warf den leichten Wurſſpieß in die Luft, Elfenbe als wol der Ge es vere teuerne 5 der in Lager zelten. ſich in Maſſen wiehern wälzten ausbre⸗ die Pi richtige Nuß, Kaffee. ſchem) Herzen heiten, Bis ti erhellte Gelächt zücken hendich Stellun der A Schau Welt Shawl te ſich mit Art, und und ſprang Ein Kur⸗ als er bei einem Klan tück ſeines te den un⸗ rat in eine Entfernung Palmhäu⸗ i aus, hob it den Sä⸗ den Schilde aren aufge⸗ everſtumm⸗ ſchen Wan⸗ den großen röntten die fruchtbaren tem Buſen. fluſſe. Der der Geſunde en aus; da zende Erde; ndrer über in die Luft, 61 als wolle er zeigen, daß Entbehrung und Mühſal ihn nicht der Geſchicklichkeit und Stärke beraubt habe, ohne welche es vergeblich wäre wieder in die Heimath der minder aben⸗ teuernden Brüder zu treten. Die Caravane raſtete am Ufer des gewaltigen Fluſſes, der in der Kühle des Sonnenunterganges glänzte. Das Lager ward abgeſteckt, die Ebene ſchimmerte von den Ge⸗ zelten. Die Kameele ſenkten ſich auf die Kniee, lagerten ſich in Gruppen, und die Waaren wurden neben ihnen in Maſſen aufgeſchichtet. Die abgezäumten Roſſe ſprangen wiehernd auf der Ebene, ſchüttelten luſtig die Häupter, und wälzten ſich in dem ungewohnten Futter. Ihre Matten ausbreitend und nach Mekka zugewandt, knieend, vollendeten die Pilger ihre Abendgebete. Nie war ein Dankerguß auf⸗ richtiger. Dann ſtanden ſie auf; Einige ſtürzten ſich in den Fluß, Andere zündeten Lampen an, noch Andere ſtampften Kaffee. Schaaren freundlicher Landleute kamen mit fri⸗ ſchem Mundvorrath, eifrig Abnehmer ſuchend bei ſo leichten Herzen und ſchweren Beuteln. Es war eine jener Gelegen⸗ heiten, wo der gewohnte Ernſt des Orients verſchwindet. Bis tief in die Nacht hörte man an den Ufern des ſtern⸗ erhellten Fluſſes die Klänge der Muſik, den Jubel und das Gelächter, und bis ſpät in die Nacht hättet ihr mit Ent⸗ zücken zuhören können den ſeltſamen Erzählungen der Mähr⸗ chendichter, oder bezaubert ſchauen auf die noch ſeltſameren Stellungen der tanzenden Mädchen. 2. Der große Bazar in Bagdad bot an dem Tage nach der Ankunft der Caravane ein ſehr belebtes und prachtvolles Schauſpiel dar. Alle köſtlichen und ſeltenen Erzeugniſſe der Welt waren auf dieſem berühmten Markte zu finden; die Shawls von Caſchmir und die Seiden von Syrien, das Elfenbein, die Federn und das Gold von Afrika, die Edel⸗ 62 ſteine Indiens, die Talismane Egyptens, die Wohlgerüche und Handſchriften Perſiens, die Spezereien und Gummi Arabiens, ſchöne Pferde, noch ſchönere Sklaven, Zobelmän⸗ tel, Ueberwürfe von Hermelin, Waffengeräthe, eben ſo treff⸗ lich an Schmuck als Eigenſchaft, ſeltne Thiere, noch ſelt⸗ nere Vögel, blaue Affen mit ſilbernen Halsbändern, weiße Gazellen an goldener Kette, Jagdhunde, Pfauen und Papa⸗ geien. Und überall ſeltſame, und geſchäftige und belebte Gruppen; Menſchen von allen Nationen, Glauben und Him⸗ melsſtrichen. Der prachtliebende, hochmüthige Türke, der anmuthige feine Araber, der Hebräer mit ſeinem ſchwarzen Käppchen und ängſtlichem Geſichte, der armeniſche Chriſt mit ſeinen dunklen weiten Gewändern und ſanftem Beneh⸗ men, und heitern Antlitz. Hier ſtolzirte der lebhafte, affek⸗ tirte und überkluge Perſer, und dort ſchritt der Circaſſier mit ſeinem langen Haare im Panzerhemde einher. Der ſchöne Georgier im Gedränge, mit dem Ebenholzgeſicht des Kaufmanns von Dongola oder Sennaar. Auf den langen, engen, überbauten und krummen Straßen des Bazars, an jeder Seite von Waarenhäuſern eingefaßt, war alles Geſchäft, Handel und Tauſch. Ein Fremder nahte, dem Anſcheine nach nicht von gewöhnlichem Stande. Zwei Pagen gingen ihm voraus, ſchöne georgiſche Knaben, in Purpurgewändern und Käppchen gleicher Art, feſt an dem Haupte anliegend, mit langen goldnen Trod⸗ deln. Der eine trug ein blauſammtnes Packet, und der andre ein verſchloſſenes Buch in reichem Bande. Vier Be⸗ waffnete zu Fuß folgten ihrem Herrn, der hinter den Pagen her auf einem milchweißen Maulthiere ritt. Es war ein Mann von mittlerm Alter, aber außerordentlich ſchön. Sein weites Gewand verbarg den einzigen Fehler ſeiner Geſtalt, einen durch Wohlleben zu großen Umfang. Seine Augen waren groß, ſanft und dunkel; ſeine Naſe, adler⸗ förmig gebogen, aber zart gebildet; ſein Mund klein und in ſchö Zähne Bart rruthic geruch aber ovalen viellech Geiſt a auf de prachtd Shawl Hälfte weißer ein G Bruſa Brillan war glänzte Juwel U „ Händl. Flüſter 1 des K aage blieben hielten „ bohlgerüche d Gummi Jobelmän⸗ den ſo treff noch ſelt⸗ eern, weiße und Papa⸗ und belebte n und Him⸗ Tücke, der n ſchwarzen iſche Chriſt tem Beneh⸗ hafte, affek⸗ er Ciregſſier iher. Der lgeſicht des nd krummen narenhäuſern Gauſch. Ein hewöhnlichem ne georgiſche gleicher Art, Inen Trod⸗ et, und der e. Vier Ve⸗ er den Pagen Es war ein entlich ſchön. Fehler ſeiner fang. Seine Naſe, adler⸗ nd klein und 63 im ſchönſten Verhältniſſe; ſeine Lippen voll und roth; ſeine Zähne regelmäßig und blendend weiß. Sein ſchwarzer Bart floß, jedoch nicht in zu beträchtlicher Länge, in an⸗ muthigen, natürlichen Locken herab, und duftete von Wohl⸗ geruch. Ein leichter Knebelbart beſchattete ſeine Oberlippe, aber kein Backenbart unterbrach die Anmuth der vollen ovalen Züge und das ſanfte Roth ſeines Geſichts. Obſchon vielleicht das Sinnliche etwas zu ſehr in dem Ausdrucke des Antlitzes dieſes Fremden hervortrat, ſo blickte doch Geiſt aus den lebhaften Augen, und Feinheit lag verborgen auf den zarten Lippen. Die Kleidung des Reiters war prachtvoll. Sein aus einem ſcharlachrothen Caſchemir⸗ Shawl geformter Turban war ſehr groß, und verbarg die Hälfte der blendend weißen Stirn. Das Untergewand von weißer Seide von Damascus, reich mit Silber geſtickt, hielt ein Gürtel zuſammen, aus einer goldſtoffnen Schärpe von Bruſa geformt. Ein Dolch hing daran, deſſen Griff von Brillanten und Rubinen funkelte. Das weite Obergewand war von carmoiſinrothem Tuche. Seine weißen Hände glänzten von Ringen, und an den Ohren ſchimmerten Juwelen. „Wer iſt dies?“ fragte ein egyptiſcher Kaufmann den Händler, deſſen Stoffe er eben unterſuchte, mit leiſem Flüſtern. — Es iſt der große Honain,— entgegnete dieſer. „Und was iſt er?“ fuhr der Egypter fort.„Iſt er des Kalifen Sohn?“ — Bah!l ein viel größerer Mann... ſein Leibarzt.— Das weiße Maulthier hielt an derſelben Waarennieder⸗ lage ſtill, wo dieſes Geſpräch geführt ward. Die Pagen blieben zu Seiten ihres Herrn ſtehn. Die Fußbegleiter hielten die Menge ab. „Kaufmann,“ ſagte Honain mit einem anmuthig her⸗ ablaſſenden Lächeln und einer wohltönenden Stimme wie Flötenlaut!„Kaufmann, haſt Du meinen Wunſch erfüllt?“ — Es giebt nur Einen Gott,— entgegnete der Kauf⸗ mann, welches der mitleidige Ali war,— und Mahomed iſt ſein Prophet. Es gelang mir nach Euer Hoheit Befehl, in Aleppo den bewußten verfluchten Giaour zu finden, und was Ihr begehrtet iſt hier.— Damit holte Ali einige grie⸗ chiſche Handſchriften herbei und überreichte ſie dem Be⸗ ſuchenden. „Ah!“ ſagte Gonain mit funkelndem Auge;„vortreff⸗ lich!... ſie koſten?“ — Der Ungläubige wollte mir ſie nicht unter 500 Dirhems laſſen,— antwortete Ali. „Ibrahim, laß dieſem würdigen Kaufmanne 1000 auszahlen.“ — Eben ſo vielmal Dank Euch, großer Honain.— Der Arzt des Kalifen verbeugte ſich anmuthig. „Vorwärts, Pagen,“ fuhr Honain fort.„Woher die⸗ ſes Getümmel? Ibrahim, ſieh zu, daß der Weg frei wird. Was ſoll nur das bedeuten?“ Eine Menge Menſchen kamen herzu, und trieben einen Jüngling vor ſich her, der obſchon ganz erſchöpft, ſich doch noch gegen ſeine unedlen Verfolger wehrte. „Zum Cadi, zum Cadi!“ rief der vorderſte von ihnen, welches Abdallah war,„ſchleppt ihn zum Cadi.“ — CEdler Herr!— rief der Jüngling, indem er ſich mit plötzlicher Anſtrengung den Händen Derer entriß, die ihn feſthielten und Honain's Gewand ergriff: ich bin un⸗ ſchuldig und verfolgt! Helft mir, ich beſchwöre Euch!— „Zum Cadi, zum Cadi!“ ſchrie Abdallah:„der Spitz⸗ bube hat mir meinen Ring geſtohlen... den Ring, den mir meine treue Fatime an unſerm Hochzeitstage gegeben hat, und den ich nicht wieder hergäbe, ſelbſt für meines Herrn Schätze nicht.“ wand nicht klag tete Eure Euer ein; ſchlie daß aber als mich 2, gen ſtreich mir mir Bettl ausg gefä Hor timme wie i efflt?“ der Kauf⸗ Nahpmed heit Iefehl, finden, und einige grie⸗ dem Pe⸗ ; worteff⸗ unter 500 anne 1000 onain.— Woher die⸗ g ftei wird. rieben einen fft, ſich doch von ihnen, dem er ſich entriß, die ich bin un⸗ Euch!— „der Epilz⸗ n Ring, den cage gegeben für meines 65 Der Jüngling hielt ſich immer noch an Honain's Ge⸗ wande feſt und richtete auf ihn, da er vor Erſchöpfung nicht ſprechen konnte, ſeine ſchönen, flehenden Augen. „Still!“ rief Honain!„ich will hier Richter ſein.“ — Der graße Honain! Hört auf den großen Honain!— „Sprich, Du Schreier, worüber haſt Du Dich zu be⸗ klagen?“ ſagte Honain zu Abdallah. — Wenn's Eure Hoheit gefälligſt erlauben,— antwor⸗ tete Abdallah mit weinerlicher Stimme,— ich bin der Sklave Eures getreuen Dieners Ali. Ich habe oft die Ehre gehabt Euer Hoheit aufzuwarten. Dieſer junge Spitzbube hier, ein Bettler, hat mir, während ich auf einem Kaffeehauſe ſchlief, meinen Ring geſtohlen. O! ich habe meine Zeugen, daß ich geſchlafen habe. Es iſt ein herrlicher Smaragd, aber wenn Eure Hoheit es erlauben, mir doppelt koſtbar als Liebespfand meiner Fatime. Nichts in der Welt könnte mich dahin bringen, ihn wegzugeben, und da ich nun ſchlafe —. hier ſtehen drei angeſehene Männer, die mir es bezeu⸗ gen werden, daß ich ſchlief... kommt dieſer junge Land⸗ ſtreicher, wenn Eure Hoheit es erlauben, thut als ob er mir meinen Kaffee anböt, nimmt meinen Finger und zieht mir den koſtbaren Ring ab, den er jetzt noch auf ſeiner Bettlerklaue trägt, und will mir ihn nicht eher wieder her⸗ ausgeben, als bis er die Baſtonade wird bekommen haben.— „Abdallah iſt ein treuer Sklave, wenn Euer Hoheit gefälligſt erlauben, und ein Hadſchi)“ ſagte Ali, ſein Herr. — Und was ſagſt Du dazu, Burſche?— fragte Honain.— „Daß er ein falſcher Böſewicht iſt, der lügt, wie Skla⸗ ven es immer zu thun pflegen.“ — Derb, und vielleicht wahr,— verſetzte Honain. „Du nennſt mich einen Sklaven, Du junger Spitzbube!“ *) Einer der die Wallfahrt nach Mekka gemacht hat. 5 66 rief Abdallah aus;„ſoll ich Dir ſagen, wer Du biſt? Euer Hoheit! hört ja nicht auf ihn. Es iſt eine wahre Schande, eine ſolche Creatur vor Euch zu bringen; denn beim hei⸗ ligen Steine, und ſo wahr ich ein Hadſchi bin, ich zweifle gar nicht daran, daß er ein Jude iſt.“ Honain ward etwas bleich und biß ſich in die Lippen. Es that ihm vielleicht leid, daß er ſo öffentlich ſich für ein ſo verhaßtes Weſen verwendet hatte, als ein Hebräer war, aber er wollte doch auch nicht Jemand aufgeben, den er kurz zuvor entſchloſſen war zu vertheidigen, und ſo fragte er den Jüngling weiter, woher er den Ring bekommen habe. Dieſen Ring gab mir mein theuerſter Freund, als ich zuerſt eine gefährliche Pilgerfahrt antrat, die noch jetzt nicht vollendet iſt. Es giebt außer Dem der mir ihn ſchenkte, nur noch eine Perſon in der Welt, der ich ihn überlaſſen könnte, und mit dieſer Perſon bin ich nicht bekannt. Möge alles dieſes auch ungewöhnlich ſcheinen, wahr iſt es gewiß. Ich bin verlaſſen und freundlos, aber ich bin kein Bettler, und kein Elend wird mich auch dahin bringen, einer zu werden. Da ich mich durch verſchiedene Umſtände völlig erſchöpft fühlte, trat ich in das Kaffeehaus und legte mich hin, vielleicht um zu ſterben. Ich konnte nicht ſchlafen, ob meine Augen ſich gleich geſchloſſen hatten, und nichts würde mich aus meiner gänzlichen Erſchlaffung, die ich für einen Todeskampf hielt, geweckt haben, als dieſer Räuber, der nicht warten wollte bis ihm mein Tod verſtattete, ſich ruhig in den Beſitz eines Edelſteines zu ſetzen, den ich höher achte als mein Leben.“ — Zeige mir den Edelſtein.— Der Jüngling hielt Honain ſeine Hand hin, der ihm an den Puls fühlte, und dann den Ring ihm abzog. „O meine Fatime!“ rief Abdallah. Juw er n deckte betra Auge verben / 6 forſch das! um, unter Hona für 1 diſt? Euer eSchande, dein hei⸗ ich zweifle die Lippen. ich für ein rüer war, n, den er dſo fragte bekommen nd, als ich h jegt richt en ſchenkte, überlaſſen nt. Möge es gewiß. in Bettler, 7, einer zu inde völlig legte mich hlafen, ob ichts würde für einen äuber, der ſih ruhig höher achte n, der ihm tzog. — Schweige!— ſagte Honain.— Page, rufe einen Juwelier.— Honain unterſuchte den Ring ſehr ſorgfältig. Mochte er nun kurzſichtig ſein, oder das trügeriſche Licht des be⸗ deckten Bazars ihn daran hindern, den Ring gehörig zu betrachten, kurz er hielt die Hand vor die Stirn, und einige Augenblicke lang war ſein Geſicht nicht zu ſehen. Der Juwelier kam, legte ſeine Hand auf's Herz, und verbeugte ſich vor Honain. „Schätze dieſen Ring“ ſagte Honain leis zu ihm. Der Juwelier nahm den Ring, betrachtete ihn mit forſchenden Augen nach allen Richtungen, hielt ihn gegen das Licht, berührte ihn mit der Zunge, drehte ihn um und um, und erklärte zuletzt, daß er einen ſolchen Ring nicht unter tauſend Dirhems verkaufen könne. „Wie die Sache ſich nun auch verhalten möge,“ ſagte Honain zu Abdallah,„biſt Du bereit, von dieſem Ringe für 1000 Dirhems zu laſſen?“ — O ganz gewiß!— rief Abdallah. „Und Du, Burſche, willſt Du, wenn die Entſcheidung zu Deinem Vortheile ausfällt, für den Ring das Doppelte von dem annehmen, wie hoch ihn der Juwelier ſchätzt? — Herr, ich habe die Wahrheit geſprochen. Ich kann dieſen Ring ſelbſt für den Palaſt des Kalifen nicht weg⸗ geben.— „Die Wahrheit iſt immer ſieghaft!“ rief Honain. „Jüngling, der Ring iſt Dein; und für Dich, Du Schurke, Lügner, Dieb und Verläumder! für Dich... die Baſtonade, die Du dieſem unſchuldigen jungen Mann zudachteſt. Ibra⸗ him, beſorge daß er fünfhundert bekommt. Junger Pilger, Du biſt nicht mehr verlaſſen und freundlos. Folge mir in meinen Palaſt.“ 68 3. Das gewölbte Gemach war ſehr geräumig und von den ſchönſten Verhältniſſen. Die Decke, mit grünem Tafel⸗ werk ausgelegt und ſilbernen Sternen beſät, ruhte auf ver⸗ bundenen Säulen von weißem und grünem Marmor. Aus der Mitte eines gewürfelten Fußbodens von demſelben Geſtein fprang eine Fontaine empor, und der Waſſerſtrahl fiel in ein grünes Porphirbaſſin zurück. Auf einer ſilbernen Lagerſtätte neben dem Brunnen ruhte Honain. Er erhob ſeine Augen von der buntgemalten Perga⸗ mentrolle, auf welche er lange geblickt hatte, ſchlug in die Hände, ein nubiſcher Sklave nahte ſich ihm, kreuzte die Arme über der Bruſt, und beugte ſich ſchweigend vor ſei⸗ nem Gebieter. „Wie geht es dem hebräiſchen Jünglinge, Alnaſchar?“ — Herr, das Fieber iſt nicht wiedergekommen. Wir gaben ihm den Trank; er ſchlummerte mehrere Stunden lang und iſt nun erwacht, matt aber wohl.— „Laß ihn aufſtehen und hieherkommen.“ Der Nubier verſchwand. „Nichts iſt doch ſonderbarer als Sympathie,“ ſprach der Arzt des Kalifen nachdenkend zu ſich ſelbſt:„alles löſet ſich in dieſes Prinzip auf, und ich muß geſtehn, daß dieſer Gelehrte es ſehr gründlich und gut behandelt. Ein geiſt⸗ reicher Mann und eine gewandte Feder! Aber er klügelt zu ſehr. Er iſt zu ſcholaſtiſch. Beobachtungen können uns mehr belehren als Dogmen. Im Nachdenken über meine leidenſchaftliche Jugend lernte ich Weisheit. Ich habe ſo viel geſehen, daß ich mich zu wundern aufgehört habe. Mögen wir's bezweifeln wie wir wollen, es giebt doch ein Geheimniß, das wir nicht zu durchdringen vermögen. Und doch liegt es uns nahe. Ich glaube, manchmal, ein Schritt, nur noch ein einziger Schritt, und wir ſtehen im Lichte!... Thor wohl. und 1 Wang ſchwer Nachd teten! gewal Fremd viele 6 und d Schatz verehr alles! ein ge 4 Zuhe Doch und von nem Tafel⸗ te auf ver⸗ mor. Aus demſelben gaſſerſtrahl er ſilbernen ten Perga⸗ llug in die treuzte die end dor ſei⸗ Alnaſchar?“ mmen. Wir te Stunden bie,“ ſprach „alles löſet „daß dieſer Ein geiſt rer klügelt können uns über meine Ich habe ſo gehört habe. tebt doch ein nögen. Und hein Schritt m Lihtel.. 69 Da kommt mein Kranker. Die Röthe iſt von ſeiner Wange geſchwunden, und ſein tiefes Auge iſt matt und ſchwermuthsvoll. Und doch iſt's ein edles Antlitz!.. Nachdenken thront und Leidenſchaft lauſcht in dieſen ermat⸗ teten Blicken. Mich zieht, ich weiß nicht wie es zugeht, ein gewaltiger Zug zu dieſem verlaß'nen Jünglinge.... Lieber Fremdling, wie geht es Dir?“ — Sehr wohl, o Herr! Ich komme, um Dir für Deine viele Güte zu danken. Aber nur Worte ſind mein Dank, und dieſe noch ſchwach. Doch iſt der Segen der Waiſe ein Schatz.— „Ihr ſeid alſo eine Waiſe?“ — Ich habe keine Aeltern mehr, als den Gott meiner Väter.— „Und dieſer Gott iſt?“ — Der Gott Israels.— „Das glaubte ich. Er iſt eine Gottheit, die wir alle verehren müſſen, wenn er der große Schöpfer iſt, dem wir alles verdanken.“ — Er iſt was er iſt, und wir ſind was wir ſind.. ein gefallenes Volk, aber doch noch gläubig.— „Glauben iſt Kraft.“ — Deine Worte ſind Wahrheit, und Kraft muß ſiegen.— „Eine Prophezeiung! — Mancher Prophet wird gering geachtet, bis die Zukunft ſeine wahre Begeiſt'rung beweiſet.— „Ihr ſeid jung und hoffnungsvoll.“ — Das war mein Vorfahr auch im Thale von Elah. Doch ich ſpreche mit einem Muſelmanne, und es iſt alſo Thorheit.— „Ich habe vieles geleſen, und verſtehe Euch alſo recht wohl. Was mich betrifft, ſo glaube ich an die Wahrheit, und wünſche, alle Menſchen thäten daſſelbe. Doch möchte 70 ich wohl gern den Namen deſſen wiſſen, der jetzt zu meinem Hauſe gehört,“ — Man nennt mich David.— „David, Ihr beſitzet einen Ring, einen Smaragd, in welchem ſeltſame Charaktere eingegraben ſind; hebräiſche, wie ich glaube.“ — Hier iſt er.— „Ein ſchöner Stein! und dieſe Inſchrift heißt?“ — Etwas ganz einfaches: Getrennt aber Eins. Das theure Andenken eines liebenden Bruders.— „Eures Bruders?“ — Ich hatte nie einen Bruder.— „Ich habe eine große Neigung zu dieſem Ringe. Ihr beſinnt Euch. Seht Euch um in meinem Palaſte, und wählt Euch zur Vergeltung für ihn was Ihr nur wollt.“ — Gller Herr! der Stein hat nur geringen Werth; wäre er aber auch ſo koſtbar, daß er auf der Stirn des Kalifen glänzen dürfte, er wäre nur eine ſchlechte Vergel⸗ tung für all' Eure Güte gegen mich. Dieſer Ring iſt aber mehr ein anvertrautes Unterpfand als ein Beſitzthum, und ſo ſonderbar es auch klingen mag... ob ich ihn gleich Euch nicht geben darf, der über das Leben des Unglück⸗ ſeligen, der ihn trägt, gebieten kann, da er dieſes gerettet hat, ſo kann doch mir vielleicht morgen ſchon unverhofft ein Fremder begegnen und ihn als den ſeinen in gerechten Anſpruch nehmen.— „Und dieſer Fremde wäre?“ — Der Bruder des Gebers.— „Der Bruder Jabaſtors?“ — Jabaſtor!— „So iſt's! Ich bin dieſer getrennte Bruder.“ f — Groß iſt der Gott Israels! Nimm den Ring! Doch was iſt das? Der Bruder Jabaſtors ein Häuptling im Turban?... ein Muhamedaner? Sprich, o ſprich, daß du ih ſage e ſerm ſegnen 7 Jüng Glaub verſch du b Freuu der H u meinem aragd, in hebräſſhe, uge. Ihr laſte, und rnur wollt“ en Werth; Stirn des te Vergel⸗ ig iſt aber thum, und ihn gleich 8 Unglück⸗ ſes gerettet unverhofft mgerechten den Ring! Häuptling ſprich, daß 71 Du ihren verworfnen Glauben nicht angenommen haſt! o ſage es mir, daß Du kein Verräther geworden biſt an un⸗ ſerm heiligen Geſetze, und ich will das Glück dieſer Stunde ſegnen.— „Ich bin keinem Gotte untreu. Beruhige Dich, holder Jüngling. Dies ſind höhere Fragen, als Dein ſchwacher Glaube jetzt ertragen kann. Wir wollen zu anderer Zeit davon ſprechen, mein Sohn. Jetzt von meinem Bruder und Dir. Er lebt und befſindet ſich wohl?“ — Er lebt im Glauben: den Frommen geht es immer wohl.— „Ein edler Träumer! Ob unſere Gemüther gleich ganz verſchieden waren, liebte ich ihn doch ſtets. Und Du? Du biſt nicht was Du ſcheinſt. Sage mir alles. Jabaſtors Freund kann nicht gemeinen Sinnes ſein. Dein Geſicht iſt der Herold Deines Ruhms. Vertraue mir.“ — Ich bin Alroy.— „Wie? der„Fürſt der Gefangenſchaft?““ — So iſt's.— „Der, welcher Alſchiroch erſchlug?“ — Leider!— „Meine Theilnahme an Dir war prophetiſch. Ich liebte Dich bei'm erſten Anblicke. Und was willſt Du hier? Es iſt ein Preis geſetzt auf Deinen Kopf. Weißt Du das nicht?“ — Zum erſtenmale höre ich's, aber bin weder erſtaunt, noch beunruhigt. Ich bin in des Herrn Geſchäfte.— „Was willſt Du?“ — Sein Volk befrei'n.— „Der Zögling Jabaſtors! Ich ſehe alles! Ein neues Opfer ſeiner Träume. Ich will dieſen Jüngling retten. David, denn Dein Name darf nicht genannt werden in dieſer Stadt, die Sonne iſt untergegangen. Folge mir auf 72 die Terraſſe und laß uns die Kühlung des Abendwinde s genießen.“ 4. „Welche Zeit iſt es, David?“ — Nach Mitternacht. Ich möchte doch wiſſen, ob Dein Bruder unſer glückliches Zuſammentreffen in den Sternen leſen wird?— „Menſchen leſen das, was ſie wünſchen. Er iſt ein gelehrter Cabaliſt.“ — Aber was wir wünſchen kommt von oben.— „So ſagt man. Wir ſelbſt ſchaffen unſer Glück, und nennen es dann Schickſal.“ — Und doch erſcholl die Stimme...„die Tochter der Stimme“, welche Samuel aufforderte.— „Ihr habt mir ſonderbare Dinge erzählt, aber ich habe noch ſonderbarere aufgeklärt geſehen.“ — Mein Glaube iſt ein Felſen.— „ An dem Ihr zerſchellen könnt.“ — Biſt Du ein Sadducäer?— „Ich bin ein Mann, der Menſchen kennt.“ — Ihr ſeid gelehrt, aber anders als Jabaſtor.— „Wir ſind daſſelbe, und doch verſchieden. Tag und Nacht ſind beides Theile der Zeit.“ — Und Dein Theil iſt?— „Wahrheit.“ — Das heißt, Licht.— „Ja. So blendend, daß es manchmal Finſterniß ſcheint.“ — Wie Deine Anſicht.— „Ihr ſeid jung.“ — Iſt Jugend ein Fehler?— „Nein, im Gegentheile. Aber wir können die Frucht nicht genießen, während der Baum blüht.“ 1 ] 245 in jene ſor Un ndwindes diſſen, ob n in den Er iſt ein en.— Slück, und die Tochter „aber ich aſtor.— Tag und Finſterniß die Fruch 73 — Welche Frucht?— „Erkenntniß.“ — Ich habe geforſcht.— „Worin?“ — In allen heiligen Dingen.— „Woher weißt Du, daß ſie heilig ſind?“ — Sie kommen von Gott.— „Daher kommt alles. Iſt jedes Ding deshalb heilig?“ — Sie ſind der verkündete Ausdruck ſeines Willens.— „Nach Jabaſtors Anſicht. Fragt den Mann, der dort in jener Moſchee betet, und er wird Euch ſagen, daß Jaba⸗ ſtor Schö Unrecht hat.“ — Kurz, Du biſt ein Moslem.— „Nein.“ — Was denn?— „Ich habe Dir's geſagt... ein Menſch. — Aber was beteſt Du an?— „Was iſt Anbetung?“ — Schuldige Verehrung des Geſchaffenen gegen den pfer.— „Wer iſt dies?“ — Unſer Gott.— „Der Gott Israels?“ — Allerdings.— „Dann zündet ihm nur eine ganz kleine Zahl Weih⸗ rauch an.“ mir Blut. — Wir ſind das auserwählte Volk.— „Auserwählt zu Hohn, Spott und Schmach. Erkläre ſolche Wahl.“ — Wir vergaßen ihn, bevor er uns züchtigte.— „Warum thaten wir das?“ — Du kennſt die Geſchichte unſers heiligen Volkes?— „Ja, ich kenne ſie; wie jede Geſchichte, Annalen voll 7 —y 74 — Annalen voll Sieg, der wieder herabthauen wird.— „Wenn Erlöſung nur ein anderer Name für Blutver⸗ gießen iſt, ſo beneide ich keinen Meſſias.“ — Biſt Du Jabaſtors Bruder?— b „So pflegte unſere Mutter zu ſagen; ein ſanftes, edles Weib.“ — Honain, Du biſt reich, und weiſe, und mächtig. Deine Untergebenen ſprechen von Dir mit Preis oder Furcht, und beides iſt empfehlend. Du haſt unſere alte Bundes⸗ lade verlaſſen; weshalb?... gilt gleich. Wir wollen dar⸗ über nicht ſtreiten. Es iſt doch etwas, daß Du, ob auch ein Entfremdeter, doch kein Renegat biſt. Die Welt meint es gut mit Dir, Honain. Aber wenn ſtatt Segnungen und Kniebeugungen Du gleich Deinen Brüdern nur mit Stößen und Flüchen behandelt würdeſt, wenn Du jeden Morgen auf ſtehen müßteſt, nur um zu fühlen, daß Daſein eine Schmach ſei, und Du Dich von Allen die Dich umgeben, als etwas unglückliches und bösartiges geflohen ſäheſt; wenn es Dein Loos wäre, gleich dem ihren, wenn's zum Höchſten kommt, in einer niedrigen und ungekannten Laufbahn einherzu⸗ ſchreiten, hoffnungslos und ohne Ziel, oder mit keiner andern Hoffnung, keinem andern Ziele als einem herab⸗ würdigenden; und alles dieſes doch mit dem lebendigen Gefühle Deines innern Werthes, und der tiefen Ueberzeu⸗ gung einer höhern Abkunft,— dann würde Honain viel⸗ leicht auch ergründen, daß dieſer Zuſtand wohl werth ſei eeines Strebens nach Freiheit und Ehre.— „Ich bitte Euch um Verzeihung, David. Ich glaubte, Ihr wäret Jabaſtors Zögling, ein träumeriſcher Lehrling, aber ich ſehe, Ihr habt hohen Ehrgeiz.“ — Ich bin ein Fürſt, und möchte gern ein Fürſt ſein ohne meine Feſſeln.— „Hört mir zu, Alroy,“ ſagte Honain leiſer, und ſchlang ſeinen Arm um ihn.„Ich bin Euer Freund. Unſere Be⸗ kanntſch 3c liel in Krau aber ich daher unſerer Sympat ſeht ver weiß, e Polke, frei ſein aber ich geit un Jabaſto Entſchu Land, den Gr ihren K Niemand jetzt.. Arroy, Abenteu Euch hie mir irge Vorneh Ihr kö Krieg, Gebote Ihr G Kopfe. könnt unendli und H. ſen wird.— ür Blutver⸗ unftes, edles ind mächti. oder Furcht, te Bundes⸗ wollen dar⸗ du, ob auch Welt meint nungen und mit Stößen Morgen auf⸗ eine Schmach 1, als etwas enn es Dein iſten kommt, on einherzu⸗ t mit keiner einem herab⸗ n lebendigen en Ueberzeu⸗ Honain viel⸗ ohl werth ſei Ich glaubte, cer Lehrling, in Fürſt ſein „und ſchlang Unſere Be⸗ 75 kanntſchaft iſt zwar noch ſehr jung, doch was ſchadet das? Ich liebe Euch, Ich rettete Euch vor Unbill, ich pflegte Euch in Krankheit, noch jetzt iſt Euer Leben in meiner Gewalt, aber ich würde es mit meinem eigenen beſchützen. Zweifelt daher nicht an mir. Unſere Zuneigungen ſtehen nicht in unſerer Macht, und Ihr habt die meinige gewonnen. Die Sympathie zwiſchen uns iſt vollkommen. Ihr ſeht mich, ſeht wer ich bin; ein Hebräer, obgleich ohne daß es Jemand weiß; einer von jenem verachteten, verworfenen, verfolgten Volke, deſſen Oberhaupt Ihr ſeid. Auch ich wollte gern frei ſein und geehrt. Freiheit und Ehre habe ich erlangt, aber ich war mein eigener Meſſias. Ich verließ in früher Zeit unſere unſelige Sache, doch nicht ohne Prüfung. Frage Jabaſtor, wie ich kämpfte. Jugend konnte meine einzige Entſchuldigung bei dieſem Schritte ſein. Ich verließ dieſes Land, ich ergab mich den Wiſſenſchaften und lebte unter den Griechen. Von Conſtantinopel kehrte ich mit allen ihren Kenntniſſen und einigen ihrer Fertigkeiten zurück. Niemand kannte mich. Ich nahm den Turban, und bin jetzt... der gefeierte Honain. Benutzt meine Erfahrung, Alroy, und erſpart Euch großes Elend. Laßt dieſes letzte Abenteuer zu Euerm Vortheile ſich wenden. Niemand kann Euch hier erkennen. Ich will Euch als meinen Sohn, den mir irgend eine ſchöne Griechin geboren, hier unter den Vornehmſten einführen. Die ganze Welt liegt vor Euch. Ihr könnt kämpfen, Ihr könnt lieben, Ihr könnt genießen. Krieg, und Frauen, und Ueppigkeit, alles ſteht Euch zu Gebote. Mit Euerm Aeußern und Euern Talenten könnt Ihr Großveſſir werden. Werft den Unſinn aus Euerm Kopfe. In dem jetzigen zerrütteten Zuſtande des Reichs könnt Ihr Euch ſogar ein Königreich herausbilden, das unendlich reizender ſein wird, als das dürre Land, wo Milch und Honig fleußt. Ich habe dieſes Land geſehen, mein 76 Sohn; eine felſige Wildniß, wo ich mein Pferd nicht auf die Weide hinſchicken möchte.“ Er neigte ſich herab und richtete ſeine Augen mit for⸗ ſchendem Blicke auf ſeinen Gefährten. Das Mondlicht fiel auf das entſchloſſene Antlitz des„Fürſten der Gefangen⸗ ſchaft.“ „Honain,“ entgegnete er, indem er ihm die Hand drückte,„ich danke Dir. Du kennſt mich nicht, aber doch danke ich Dir.“ — Ihr ſeid alſo zur Zerſtörung entſchloſſen?— „Zum Ruhme, zum ewigen Ruhme.“ — Iſt denn ein günſtiger Erfolg möglich?— „Iſt denn ein ungünſtiger möglich?“ — Ihr ſeid wahnſinnig.— „Ich bin feſt im Glauben.“ Genug. Keine Antwort mehr. Ihr habt jetzt nur noch einen Ausweg. Mein Bruder hat Euer Unternehmen von einer Bedingung abhängig gemacht, aber von einer unmöglichen. Erlangt den Scepter Salomo's, und ich will Euer Unterthan werden! Ihr werdet ein Jahr hinbringen in dieſer Bemühung. Ihr ſeid jung und könnt es daran wenden. Hoffentlich werdet Ihr nichts ſchlimmeres erfahren, als Zeitverluſt, der freilich auch ſehr wichtig iſt. Meine Pflicht iſt es nun, nach allen Euren Leiden Euch wenigſtens in guten Verhältniſſen auf Eure Abenteuer auszuſenden, und Euch Mittel und Wege zu einer minder beſchwerlichen Pilgerfahrt zu verſchaffen, als bis jetzt Euer Loos geweſen iſt. Glaubt mir, Ihr kommt wieder nach Bagdad und nehmt mein Anerbieten an. Jetzt ſteigt der Nachtthau hernieder, wir wollen alſo zu unſerm Divan zurückkehren und noch eine Schale Kaffee trinken.— Terraß einerL rührte Honain 79 De traten beſchriet eine lau zum F befeſtig zend ſe J. ihn tra in das tung z Strome dem gel ob er eine Ze Stadt ſeltener ſein Oh förmig G das B. Vorhä ſeinem A ſtillen dehntes n die Hand „aber doch en?— 2 abt jezt nur Unternehmen r von einer und ich will r hinbringen unt es daran eres erfahren, giſt. Meine ch wenigſtens auszuſenden, beſchwerlichen s geweſen iſt d und nehmt hau hernieder, ren und noch 77 5. Als einige Tage nach dieſer Unterredung auf der Terraſſe Alroy in dem ſchönen Garten ſeines Wirths in einer Laube ruhte, und über ſeine Zukunft nachdachte, be⸗ rührte ihn Jemand von hinten. Er ſchaute auf. Es war Honain. „Folgt mir,“ ſagte Jabaſtors Bruder. Der Prinz ſtand auf und folgte ihm ſchweigend. So traten ſie in das Haus, und nachdem ſie durch das vor⸗ beſchriebene Gemach gekommen waren, gingen ſie durch eine lange Galerie, welche in eine breite Treppe endete, die zum Fluſſe herabführte. Am Ende derſelben war ein Boot befeſtigt, das auf dem blauen Tigris in der Sonne glän⸗ zend ſchwamm. Jetzt gab Honain Alroy ein ſammtnes Packet, das er ihn tragen hieß, und dann ſtiegen ſie die Stufen hinab, in das bedeckte Boot. Ohne dem Schiffer irgend eine Rich⸗ tung zu beſtimmen, befanden ſie ſich bald auf dem vollen Strome. Am Schalle der vorüberfahrenden Schiffe und dem gelegentlichen Rufen des Bootsmanns bemerkte Alroy, ob er gleich nicht nach außen ſehen konnte, daß ihr Weg eine Zeitlang auf einer der vorzüglichſten Stromfahrten der Stadt fortging. Nach und nach wurden aber dieſe Töne ſeltener, und hörten endlich ganz auf, ſo daß alles was ſein Ohr vernehmen konnte, bloß das regelmäßige und ein⸗ förmige Plätſchern ihres eigenen Ruders war. Endlich hielt nach Verlauf von beinahe einer Stunde das Boot ſtill und ward an eine Treppe befeſtigt. Die Vorhänge wurden hinweggezogen, und Honain ſtieg mit ſeinem Gefährten aus. Aus einem Cypreſſenhaine am Ufer des breiten, aber ſtillen Fluſſes erhob ſich ein niedriges, aber ſehr ausge⸗ dehntes Gebäude, mit weißen und goldenen Arabesken 78 bemalt, unregelmäßig aber maleriſch in ſeiner Form, mit einigen kleinen Kuppeln, und hohen und ſchlanken Thürmen. Der reißende Strom hatte ſie weit von der Stadt hinweg⸗ geführt, die in großer Entfernung noch ſichtbar war. Um⸗ her erblickte man weder eine Wohnung, noch ein menſch⸗ liches Weſen. Am gegenüberſtehenden Ufer lagen ummau⸗ erte Gärten. Selbſt kein Boot ruderte vorüber. Honain winkte immer noch ſchweigend Alroy zu, ihm zu folgen, ging zu einer kleinen Thür und klopfte an. Augenblicklich ward von einem einzelnen Nubier geöffnet, der ſich ehrerbietig verbeugte, als die Beſuchenden vorüber⸗ gingen. So ſchritten ſie durch einen niedrigen und düſtern Gang, der mit Bogen von Gitterwerk bedeckt war, bis ſie an eine Thür von Schildkröt' und Perlmutter gelangten. Hier wendete ſich Honain, der vorausgegangen, zu Alroy um, und rief ihm zu:„Was auch geſchehen und wer Euch auch nahen mag, ſprecht nicht, ſo lieb Euch Euer und mein Leben iſt.“ Das Thor ward geöffnet, und ſie befanden ſich in einer großen prachtvollen Halle. Pfeiler von vielfarbigem Marmor ſtiegen aus roth und blauer Fußtäfelung von demſelben Gehalt empor und trugen eine gewölbte, kreis⸗ förmige und hoch ſich hebende Decke von Purpur, Scharlach und Gold. Um einen Springbrunnen her, der ſich aus einem unermeßlichen Becken von Lapislazuli funfzig Fuß hoch erhob, ſaß auf kleinen gelben Matten aus der Berberei eine Gruppe nubiſcher Eunuchen in reiche Gewänder von Gold und Scharlach gekleidet, und mit elfenbeinernen Streit⸗ äxten bewaffnet, deren mit den köſtlichſten Arabesken auf's. feinſte ausgelegten Griffe von den blauen und glänzenden Klingen ſonderbar abſtachen. Als der Befehlshaber der Eunuchen⸗Wache Honain erblickte, ſtand er auf, legte die Hand auf Kopf, Mund und Herz und begrüßte ihn damit. Der Arzt des Kalifen bedeutet vol, ¹ Gunuch dr, Ho ſe durch Na raten ſi war von ſhwwammn Geräuſch in ſich hefühl ordentli Säulene mit den dann ve Es aus ein gearbeite Bogen geniale rothen) hocherhq Schlang funkeln ſtreckten D und ſch Das m und G der ein er ſeine „Würdi Form, mit en Würmen. tadt hinweg⸗ rwar. Um⸗ ein menſch⸗ igen ummau⸗ J. roy zu, ihm d klopfte an. bier geöffnet, den vorüber⸗ und düſtern war, bis ſie ter gelangten. gen, zu Alroy und wer Cuch uer und mein anden ſich in zvielfarbigem Stäfelung von wölbte, kreis⸗ rur, Scharlach der ſich aus funffig Fuß s der Berberei Hewänder von mernen Streit⸗ trabesken aufs ind glänzenden Lache Honain pf Mund und des Kalifen 79 bedeutete Alroy zurückzubleiben, trat einige Schritte weiter vor, und ließ ſich in ein flüſterndes Geſpräch mit dem Eunuchen ein. Nach einigen Minuten ſetzte ſich dieſer wie⸗ der, Honain winkte Alroy ihm zu folgen, und ſo ſchritten ſie durch die Halle. Nachdem ſie durch einen offenen Bogen gekommen, traten ſie in einen viereckigen Roſenhof. Jedes Blumenbeet war von einem Strome funkelnden Waſſers umfloſſen, und ſchwamm wie eine Feeninſel auf einem Zauberozeane. Das Geräuſch des Waſſers und der Duft der Blumen vermiſch⸗ ten ſich mit einander und brachten ein einſchläferndes Gefühl hervor, dem zu widerſtehen Alroy nur ſeine außer⸗ ordentliche Neugier befähigte. Sie gingen nun längs einem Säulengang von leichter, luftiger Bauart hin, der die Halle mit dem übrigen Theile der Gebäude verband, und ſtanden dann vor einem hohen, prächtigen Portale. Es war ein ſteinernes Thor, dreißig Fuß in der Höhe, aus einem einzigen Blocke von grün und rothem Jaspis gearbeitet, und in einen phantaſtiſchen, wellenförmigen Bogen ausgehauen, wie ihn die Sarazenen lieben. Der geniale Künſtler hatte den Vortheil benutzt, den ihm die rothen Adern des koſtbaren Steins darboten, und ſie in hocherhabener Arbeit zu zwei großen, kühngewundenen Schlangen zugemeißelt, die ihre gekrönten Häupter und funkelnden Augen auf Honain und ſeinen Gefährten vor⸗ ſtreckten. Der Arzt des Kalifen zog ſeinen Dolch aus dem Gürtel und ſchlug damit dreimal auf eines dieſer Schlangenhäupter. Das maſſive Portal öffnete ſich mit gewaltigem Geräuſch und Getöſe, und vor ihnen ſtand ein abyſſiniſcher Rieſe, der einen brüllenden Löwen am Leitſeil hielt. „Still, Harun!“ ſagte Honain zu dem Thiere, indem er ſeinen Arm hob, und der Löwe krümmte ſich ſchweigend. „Würdiger Morgargon, ich bringe Euch einen Bekannten.“ 80 Der Abyſſinier zeigte ſeine Fangzähne, breiter und weißer als die des Löwen, indem er grinſend den Gruß des höf⸗ lichen Honain in Empfang nahm und ſtieß einige ungebil⸗ dete Töne aus, aber ſprechen konnte er nicht, denn er war ſtumm. Das Portal von Jaspis führte die Wandernden in ein hohes, geräumiges und gewölbtes Gemach, durch hohe Fenſter von mattem Glaſe beleuchtet, mit Tapeten von Silber und Seide behangen, von den köſtlichſten Teppichen bedeckt und von gewaltigen Lagerſtätten umgeben. So gingen ſie durch mehrere ähnliche Gemächer, in deren eini⸗ gen ſich Spuren zeigten, daß ſie erſt vor Kurzem bewohnt geweſen waren, bis ſie zu einem andern viereckigen Raume gelangten, den ein ganz ſonderbarer Springbrunnen faſt ausfüllte. Dieſer erhob ſich aus einem goldnen mit Perlen ausgelegten Becken, um welches her Geſtalten von ſeltenen vierfüßigen Thieren, aus dem köſtlichſten Metall und edlen Steinen geformt, ſtanden. Hier ſchlich ein goldner Tiger mit flammenden Augen von Rubin und wellenförmigen Streifen von Opal, wie nach einem blutigen Mahle, zu dem erfriſchenden Ouell; ein Kamelopard hob ſeinen ſchlanken ſilbernen Nacken aus der Mitte einer Gruppe aller Ein⸗ wohner des Waldes, und glänzende Schaaren von Affen aus köſtlichen Steinen ſaßen und ſtanden in jeder nur möglichen phantaſtiſchen Stellung auf dem Rande des Beckens. Der Springbrunnen ſelbſt war ein Baum von Gold und Silber, der ſich in unzählige Zweige vertheilte, mit den verſchiedenartigſten Vögeln bedeckt, deren Gefieder durch gleichfarbige, koſtbare Steine nachgeahmt war, und die ſo wie ſie aus ihren Schnäbeln das erfriſchende und melodiſche Element ergoſſen, in den reizendſten Tonweiſen zu ſingen ſchienen. Kaum konnte ſich Alroy eines Ausruf's der Bewun⸗ derun⸗ Finge und ſ . wund loſes ein k Alroy reitet. hatte geſehe lich näher Fußt. Ein Vier Halsb dert) Reiter auf ei war. devoll. ſpießes von G nen G und weißer ruß des hüf nige ungebil denn er war andernden in 4 durch hohe Tapeten von ten Teppichen mgeben. So en deren eini⸗ zeem bewohnt digen Raume gbrunnen faſt ten mit Perlen von ſeltenen tall und edlen goldner Tiger vellenförmigen Mahle, zu dem inen ſchlanken ppe aller Ein⸗ ren von Affen in jeder nur n Rande des um von Gold vertheilte, mit Gefieder durch ae, und die ſo und melodiſche eiſen zu ſingen s der Bewun⸗ 81 derung enthalten, aber Honain wendete ſich ſchnell mit dem Finger auf den Mund gelegt zu ihm, verließ das Viereck, und ſo traten ſie in die Gärten. Hohe Terraſſen, dunkle Maſſen von Cypreſſen, ge⸗ wundene Gänge von Akazien, in der Entfernung ein end⸗ loſes Paradies, und hie und da ein funkelnder Pavillon, ein köſtlicher Kiosk. Sein Anblick vom Fluſſe aus hatte Alroy nicht auf die Ausdehnung des Palaſtes ſelbſt vorbe⸗ reitet. Dieſer ſchien nun kein Ende zu haben, und doch hatte er bis jetzt nur einen ſehr kleinen Theil deſſelben geſehen. Indem ſie ſo vorwärts ſchritten, hörten ſie plötz⸗ lich Trompetengeſchmetter. Der Klang kam näher und näher, ward lauter und lauter. Bald hörte man auch die Fußtritte nahender Menſchen. Honain zog Alroy bei Seite. Ein Zug trat aus einem dunklen Cypreſſenhaine hervor. Vierhundert Männer führten eben ſo viele Jagdhunde mit Halsbändern von Gold und Rubinen. Dann kamen hun⸗ dert Mann, jeder mit einem bedeckten Falken. Ferner ſechs Reiter in reicher Kleidung. Nach ihnen ein einzelner Reiter auf einem Roſſe, deſſen Stirn mit einem Sterne bezeichnet war. Der Reiter war von mittlerm Alter, ſchön und wür⸗ devoll. Er war einfach gekleidet, der Stiel ſeines Jagd⸗ ſpießes aber mit köſtlichen Diamanten beſetzt und die Spitze von Gold. Eine Schaar nubiſcher Eunuchen, in ſcharlach⸗ nen Gewändern, mit elfenbeinernen Streitäxten, ſchloß den Zug. „Der Kalif!“ flüſterte Honain, als ſie vorüber waren, und legte ſchnell den Finger wieder auf die Lippen, um jede weitere Frage zu verhindern. Dies beſtätigte endlich Alroy's Vermuthung, daß ſie ſich im Palaſte des Beherr⸗ ſchers der Gläubigen befänden. Die Wandrer gingen nun auf einem ungebahnten, ge⸗ krümmten Wege weiter fort, der ſie nach einiger Zeit zu einem kleinen und ſanft ſich herabſenkenden freien Platze 6 82² brachte, der mit Zedern von beträchtlicher Größe umgeben war. Auf dieſem Platze ſtand ein Kiosk, ein langes Ge⸗ bäude mit vielen Fenſtern, die mit Blenden geſchützt und noch überdies durch ein vorſpringendes Dach beſchirmt waren. Der Kiosk war aus weißem und grünem Marmor gebaut, und es führten längs des Gebäudes Stufen hinauf, abwechſelnd aus gleichem Marmor und faſt ganz mit Ro⸗ ſenbäumen bedeckt, Honain beſtieg die Stufen allein und trat in den Kiosk. Nach einigen Minuten ſah er aus einem der Fenſter und winkte Alroy. David ſchritt vor, Honain aber, der ſich vor einer Uebereilung von ihm fürch⸗ tete, ging ihm entgegen und flüſterte mit einem leiſen Tone, zwiſchen kaum geöffneten Lippen, zu ihm:„Denkt daran, daß Ihr taub, ſtumm und ein Eunuch ſeid.“ Alroy konnte ſich kaum des Lachens erwehren, und der„Fürſt der Ge⸗ fangenſchaft“ und der Arzt des Kalifen traten nun zuſam⸗ men in den Kiosk. Zwei verſchleierte Frauen und zwei Eunuchen von der Wache empfingen ſie im Vorzimmer. Darauf traten ſie in ein Gemach, das faſt die ganze Länge des Kiosk einnahm, auf der einen Seite nach dem Garten zu ging, und auf der andern eine mit Elfenbeinverzierungen ausgelegte Wand mit Niſchen in grünem Fresco gemalt zeigte, in deren jeder ein Roſenbaum ſtand. Auch war jede Niſche mit einem faſt unſichtbaren goldnen Gitterwerk bedeckt, unter welchem eine Nachtigall weilte, die daher ſtets der geliebten Roſe treu zu bleiben ſchien. Am Fuße jeder Niſche befand ſich ein Springbrunnen, ſtatt des Waſſers aber glänzte jedes Becken von dem reinſten Queckſilber. Die Decke des Kiosk beſtand aus Perlmutter mit Schildkröt ausgelegt. Der Fußboden zeigte eine Moſaik von den ſeltenſten Marmor⸗ arten und köſtlichſten Steinen, die trefflichſten Früchte und ſchönſten Blumen darſtellend. Ueber dieſen Fußboden goß ein Knabe aus Georgien dann und wann kühlende, wohl⸗ e umgeben langes Ge⸗ ſchütt und beſchirmt m Marmor fen hinaif 3 mit Ro⸗ allein und h er aus ſchrit vor, ihm fürch⸗ eiſen Tone, enkt daran, lroy konnte rſt der Ge⸗ nun zuſam⸗ en von der aaten ſie in d einnahm, 3, und auf legte Wand deren jeder mit einem ter welchem ebten Roſe befand ſich länzte jedes e des Kiosk gelegt. Der in Marmor⸗ Früchte und ßboden goß ende, wohl⸗ 83 riechende Gewäſſer. Am Ende dieſes geſchmackvollen Ge⸗ machs ſtand ein Divan von lichtgrüner Seide mit Perlen geſtickt, nebſt Kiſſen von weißem Sammt und Gold. Auf einem dieſer Kiſſen, in Mitten des Divan, ſaß eine Dame. Sie ſah aufmerkſam auf ein Buch, welches auf ihren Knieen lag und perſiſche Gedichte enthielt, während eine ihrer Hände mit einem Roſenkranze von Perlen und Smaragden ſpielte, und die andere eine lange goldene Kette hielt, welche eine weiße Gazelle feſſelte. Als Honain und ſein Gefährte eintraten, blickte die Dame auf. Sie war ſehr jung; nicht älter als Alroy. Ihr langes, lichtbraunes Haar, eine hohe und weiße Stirn, mit blauen Adern durchwebt, umgebend, fiel mit Perlen, durchflochten auf ihre Schultern wieder herab. Ihre Augen waren ſehr groß und dunkelblau, ihre Naſe zart, aber hoch und gebogen. Die Schönheit ihres Geſichts war hinreißend, und als ſie aufſchaute und Honain grüßte, bildeten ſich auf ihren reizenden Wangen zwei Grübchen, die auf die bezau⸗ berndſte Art gegen den allgemeinen Ausdruck ihrer Züge, der ſtolz und verachtend war, abſtachen. Sie war in ein Gewand von carmoiſinrother Seide gekleidet, ein grüner Shawl ſchlang ſich um ihren Wuchs, und aus ihm blickte der diamantne Griff eines kleinen Dolches. Ihre vollen weißen Arme zeigten ſich in unendlicher Zartheit, wenn ſie gelegentlich aus den großen, weiten Hängeärmeln hervor⸗ ſchauten. Der Eine war mit Juwelen bedeckt, der rechte Arm aber ganz nackt. Honain näherte ſich und küßte verneigt der Dame vor⸗ geſtreckte Hand. Alroy zog ſich in den Hintergrund. „Man ſagte mir,“ begann der Arzt, ſich lächelnd wieder verbeugend,„daß die Roſe der Welt welke an die⸗ ſem Morgen, und ihr Sklave eilte auf ihren Befehl herbei, um ihrer zu pflegen.“ — Es war Südwind, aber der Wind hat ſich geän⸗ 6* 84 dert und die Roſe der Welt iſt wieder beſſer;— entgegnete lachend die Dame. Honain fühlte ihr an den Puls. „Ungleich,“ ſagte der Arzt. — Wie ich ſelbſt,— entgegnete jene.— Iſt das ein neuer Sklave?— „Neu angekauft und von großem Werthe; er ſieht gut aus, hat den Vortheil taub und ſtumm zu ſein, und iſt unſchädlich in jeder Hinſicht.“ — Das iſt Schade!— erwiederte die Dame.— Es iſt, als ob alle gut ausſehenden Perſonen dazu geboren wären, keinen Nutzen zu ſchaffen. Ich zum Beiſpiele.— „Das Gerücht flüſtert aber das Gegentheil,“ bemerkte der Arzt. — Wie ſo?— fragte jene. „Der junge König von Chovaresm.“ — Bah! Ich habe mir vorgenommen, ihn zu verab⸗ ſcheuen. Ein Barbar!— „Ein Held!“ — Saht Ihr ihn je?— „Allerdings.“ — Iſt er ſchön?— „Ein Erzen gel.“ — Und prachtliebend?— „Iſt er nicht ein Eroberer? Die ganze Beute einer Welt wird die Eure werden.“ — Ich bin der Pracht müde. Ich erbaute mir dieſen Kiosk, um ihrer zu vergeſſen.— „Er iſt nicht im mindeſten glänzend,“ ſagte Honain und ſah ſich lächelnd um. — Nein— antwortete die Dame mit ſelbſtzufriedener Miene,— hier wenigſtens kann man vergeſſen, daß man das Unglück hat eine Fürſtin zu ſein.— „Es iſt allerdings ein großes Unglück.“ ſein. ſtete entgegnete er ſieht gut in, und iſt dame.— Cs azu geboren ippiele.— 1,“ bemerkte m zu verab⸗ Beute einer te mir dieſen ſagte Honain lbſtzufriedener en, daß man 85 — Und doch ſoll's noch das einzige erträgliche Loos ſein.— „Verſteht ſich.“ — Wenigſtens für unſer unglückliches Geſchlecht.— „Sehr unglücklich.“ — Wenn ich nur wenigſtens ein Mann wäre.— „Was für ein Held würdet Ihr ſein!“ — Ich würde mir ein Vergnügen daraus machen, in ſteter Unruhe zu leben.— „Daran zweifle ich nicht im geringſten.“ — Habt Ihr mir die Bücher verſchafft?— fragte verdrüßlich die Prinzeſſin. „Mein Skllave trägt ſie,“ entgegnete Honain. — So laßt ſie mich gleich ſehen.— Honain nahm Alroy das Paket ab, und legte deſſen Inhalt vor, der aus denſelben Bänden griechiſcher Gedichte beſtand, die der Handelsmann für ihn erkauft hatte. „Ich bin der Poeſie überdrüſſig,“ ſagte die Prinzeſſin, indem ſie die theuren Bände durchblätterte und dann weg⸗ legte.„Ich ſehne mich darnach, die Welt zu ſehen.“ — Auch dieſer würdet Ihr bald müde werden;— entgegnete der Arzt. „Ich glaube, daß gemeine Lente nie müde werden;“ ſagte die Prinzeſſin. — Ausgenommen bei der Arbeit. Sorge begleitet ſie durch's Leben.— „Was iſt Sorge?“ fragte die Prinzeſſin lächelnd. — Sie iſt eine unſichtbare, aber allmächtige Gottheit. Sie ſtiehlt die Röthe von den Wangen und die Leichtigkeit aus den Pulſen, ſie raubt den Appetit und macht das Haar grau.— „Sie iſt alſo keine wahre Gottheit, ſondern ein Götzen⸗ bild, das wir uns ſelbſt machen. Ich bin eine ächte Ma⸗ 86 homedanerin und werde ſie alſo nicht anbeten. Erzählt mir etwas Neues, Honain.“ — Der junge König von Chovaresm.— „Wieder von dem Barbaren! Ihr ſeid von ihm be⸗ ſtochen! Ich will nichts von ihm wiſſen. Ein Gefängniß zu verlaſſen, um mich wieder in ein anderes einzuſchließen .. Denkt mir nicht daran. Nein, mein lieber Hakim, wenn ich ja heirathe, heirathe ich, um frei zu ſein.“ — Das iſt unmöglich.— „Meine Mutter war frei, bis ſie eine Königin und Sklavin ward. Ich denke ſo zu enden, wie ſie begann. Ihr wißt, wer ſie war?“ Honain wußte es recht gut, aber er war zu politiſch, um ſich nicht zu ſtellen, als wiſſe er es nicht. „Die Tochter eines Räubers,“ fuhr die Prinzeſſin fort, „die an der Seite ihres Vaters focht. Das iſt doch noch eine Exiſtenz! Ich möchte ein Räuber ſein! Das liegt ſo im Blute. Ich möchte gern mein künftiges Schickſal wiſſen, Honain. Ihr ſeid ein Aſtrolog, wahrſagt mir.“ — Ich habe ſchon Eure Nativität geſtellt. Euer Stern iſt ein Comet.— „Das iſt eine gute Vorbedeutung: glänzende Unord⸗ nung und irrender Glanz. Ich wünſchte, ich wäre ein Stern!“ ſetzte die Prinzeſſin mit tiefer, voller Stimme und nachdenkender Miene hinzu:„ein Stern am klaren, blauen Himmel, ſchön und frei. Honain, die Gazelle hat ihre Kette zerriſſen und frißt mir meine Roſen ab!“ Alroy eilte hinzu und bemächtigte ſich des anmuthigen Flüchtlings. Honain warf ihm einen ängſtlichen Blick zu. Die Prinzeſſin nahm die Kette aus Alroy's Hand und rich⸗ tete ein forſchendes Auge auf ihn. „Was für helle Augen das arme Thierchen doch hat!“ vief ſie aus. — Die Gazelle?— fragte der Arzt. b Crjähl don ihm be⸗ 1 Gefängniß inzuſchließen dakim, wenn oönigin und ſie begann. volitiſch, um inzeſſin fort, ſt doch noch das liegt ſo ſcſſal wiſſen, Euer Stern ende Unord⸗ ch wäre ein Stimme und aren, blauen le hat ihre anmuthigen hen Blick zu. nd und rich⸗ doch hat!“ 87 „Nein, Euer Sklav;“ erwiederte die Prinzeſſin.„Wa⸗ rum wird er denn roth? Wäre er nicht taub und ſtumm, ſo ſollte man glauben, er habe mich verſtanden.“ — Er iſt ſehr beſcheiden,— verſetzte Honain, nicht ohne große Beſorgniß;— und erſchrickt vor der Freiheit, die er ſich genommen hat.— „Ich liebe Beſcheidenheit: ſie iſt ſo anziehend. Ich bin auch beſcheiden; meint Ihr nicht?“ — O gewiß.— „Und anziehend?“ — Außerordentlich.—. „Mir ſind alle anziehenden Perſonen verhaßt. Es geht doch in der Welt nichts über einförmige Dummheit.“ — Nichts!— „Der Tag fließt in ſolcher Geſellſchaft ſo heiter hin.“ — So iſt'’s.— „Keine Verwirrung, keine Auftritte.“ — Keine.— „Auch iſt's eine Regel für mich, nur häßliche Sklaven zu haben.“ — Da habt Ihr ſehr Recht.— „Honain, wollt Ihr mir denn immer widerſprechen Ihr wißt wohl, daß ich die ſchönſten Sklaven von der Welt habe.“ — Das weiß Jedermann.— „Und wißt Ihr auch, daß Euer neuer Ankauf, der, wie Ihr ſagt, zu ſeinem Poſten vollkommen geeignet iſt, mir ſehr anſteht? Seid Ihr nicht derſelben Meinung?“ — O, das verſteht ſich. Ich zweifle gar nicht, daß Euer Hoheit ihn vollkommen geeignet finden würden, und nichts in der Welt würde mir mehr Vergnügen machen, ihn Euch zu überlaſſen, aber ich bin bei der letzten Geſchichte mit der Circaſſierin ſo in Unannehmlichkeiten gerathen, daß— 7 88 „O laßt ihn mir, laßt ihn mir!“ — Gewiß, gewiß,— entgegnete der Arzt und ſuchte das Geſpräch abzulenken;— und wenn der König von Chovaresm in Bagdad ankommt, könnt Ihr ihn Seiner Majeſtät zum Geſchenke machen.— „Vortrefflich! und iſt der König wirklich ſchön, und jung, und tapfer? Hat er aber auch Geſchmack?“ — Ihr habt genug für zwei.— „Wenn er nur gegen die Griechen Krieg erklärte!“ — Warum ſeid Ihr ſo erbittert gegen die armen Griechen?— „Ihr wißt, daß ſie Ungläubige ſind. Ueberdies könn⸗ ten ſie ihn ſchlagen, und ich dann das Vergnügen haben, gefangen genommen zu werden,“ — Vortrefflich.— „Reizend! Conſtantinopel zu ſehen, und den Kaiſer zu heirathen!“ — Den Kaiſer heirathen!— „Das verſteht ſich. Er verliebte ſich jedenfalls i in mich.“ — Jedenfalls.— „Und dann... und dann möchte ich Paris erobern.“ — Paris?— „Seid Ihr in Paris geweſen?“ — Sa.— „Da ſperrt man die Männer ein,“ lächelte die Prin⸗ zeſſin,„und läßt die Frauen thun was ſie wollen?“ — Ihr könnt immer thun, was Ihr nur wollt;— entgegnete Honain und ſtand auf. „Ihr geht?“ — Meine Beſuche dürfen nicht zu lange dauern.— „Lebt wohl, lieber Honain!“ ſagte die Prinzeſſin ſchwer⸗ muthsvoll.„Ihr ſeid die einzige Perſon in ganz Bagdad, die eine Idee hat, und Ihr verlaßt mich! Mein Loos iſt ſchrecklich, alles zu fühlen und doch nichts zu ſein. Dieſe zücher ung felle-0 üibe ich d öe frngen Geſtern. ſ ſe, wnd abſchreie mit einer könnt Ihr Alroy nat amm die ſchwoarzen Die Boot zu tönende Minarets der Bark prachtvo bäude er merung einher. kelnden⸗ und Mac ſten For klopfte d E fangenſe 89 Bücher und Blumen, dieſe zarten Vögel, dieſe ſchöne Ga⸗ zelle— ach! Dichter mögen ſagen, was ſie wollen, wie gern gäbe ich alle dieſe zierlichen Tröſtungen des Lebens in der Gefangenſchaft gegen eine einzige Stunde der Freiheit auf. Geſtern ſchrieb ich einige Verſe an mich ſelbſt; da, nehmt ſie, und laßt ſie von dem beſten Schreiber in der Stadt abſchreiben. Silberne Buchſtaben auf veilchenblauem Grunde „ mit einer ſchönen Blumeneinfaſſung. Die Zeichnung dazu V könnt Ihr ſelbſt machen. Lebt wohl! Komm her, Stummer!“ Alroy nahte ſich auf ihren Wink und kniete nieder.„Da, nimm dieſen Roſenkranz, um Deines Herrn und Deiner — ſchwarzen Augen willen.“ Die beiden Gefährten kehrten wieder ſchweigend in ihr Boot zurück. Die Sonne ging unter. Die laute, wohl⸗ tönende Stimme der Muezzin erſcholl von den unzähligen Minarets der glänzenden Stadt. Honain zog die Vorhänge der Barke zurück. Bagdad ſtieg vor ihnen in dichten Maſſen prachtvoller zwiſchen Gärten und Gebüſchen gelegener Ge⸗ einer ih. bäude empor. Eine unzählbare, durch die ſtärkende Däm⸗ merung gelockte Volksmaſſe ſtrömte in allen Richtungen rn.“ einher. Der Fluß war mit ſchimmernden Kaiks*), die fun⸗ kelnden Terraſſen mit prächtigen Gruppen bedeckt. Glanz und Macht, Luxus und Schönheit waren in ihren anziehend⸗ ſſten Formen vor ihnen ausgegoſſen, und Alroy's Herz rin⸗ klopfte dieſer Herrlichkeit entgegen. „Ein hinreißender Anblick!“ ſagte der„Fürſt der Ge⸗ — fangenſchaft.“ — Sehr verſchieden von Hamadan;— verſetzte der Arzt des Kalifen. —„Heut habe ich Wunder geſehen!“ rief Alroy. ver⸗— Die Welt liegt vor Euch offen!— entgegnete ihm Honain. *) Eine Art langer und ſchmaler türkiſcher Fahrzeuge. 90 Alroy antwortete nicht, aber nach einigen Minuten 9. ſagte er mit zögernder Stimme:„Wer war die Dame?“ fangenen — Die Prinzeſſin Schirin,— erwiederte Honain;3— Augenb die Lieblingstochter des Kalifen. Ihre Mutter war aus des Kal Georgien und eine Ungläubige.—„6 9„8 6. ſterung Das Mondlicht fiel auf Alroy, der auf einem Ruhe⸗ ihres bette lag. Sein Geſicht war hinter ſeinem Arm verborgen. diſe he Er lag regungslos, ſchlief aber nicht. M. Plötzlich ſprang er auf und ging im Zimmer mit un-cFljichal ruhigen Schritten hin und her. Manchmal blieb er ſtehen Sadduße und blickte ſtarr auf den Boden. Dann ſchritt er zum Väter, Fenſter und kühlte ſeine glühende Stirn an der mitternächt⸗ geſchick lichen Luft. 50 Es verſtrich eine ganze Stunde und der„Fürſt der ein We Gefangenſchaft“ blieb in derſelben Stellung. Dann aber wie ein wandte er ſich und ſchritt zu einem porphirnen Dreifuße, feiine B. nahm dort einen Roſenkranz von Juwelen und drückte ihn- ſ heda an ſeine Lippen. gekrönte „Der Geiſt meiner Träume, endlich naht er ſich; jene Großer Geſtalt, nach der ich geſeufzt und geweint habe, die Geſtalt, pelch ei die in meiner glühendſten Phantaſie emporſtieg, wenn ich Eine Vo meine Augen vor den geräuſchvollen Schatten dieſer trüben„O Welt ſchloß.“ rife ich „Schirin! Schirin! hier in dieſer Einſamkeit ſtröme ich Bei alle Dir die lange aufgeſparte Leidenſchaft aus, die Leidenſchaft in mei meines Lebens: keines gewöhnlichen, ſondern eines Lebens ten un voll tiefen Gefühls und ſchöpferiſcher Gedanken. Owie Veſenz ſchön Du biſt! Nein, mehr als ſchön! Denn Du biſt mir. wie ein Morgentraum! Warum biſt Du nicht mein? wa⸗ licher; rum müſſen wir eine ſo köſtliche Zeit verlieren in unſerm thut m ſtrahlenden Leben, und unſer Schickſal armſelig machen, da Prüfun es ſo reich und ſchön ſein könnte? warnte 91 „Thor! haſt Du vergeſſen? Das Entzücken eines Ge⸗ fangenen in ſeinem Kerker, deſſen kühne Phantaſie einen Augenblick lang ſeine Feſſeln Lügen ſtraft— die Tochter des Kalifen und ein— Jude!“ „Gebt mir meines Vaters Scepter!“ „Fort mit den Talismans! Ich bedarf keiner Begei⸗ ſterung als das Andenken an ſie, keines Zaubers als ihres Namens. Bei'm Himmel! Ich will einziehen in dieſe herrliche Stadt als Sieger, oder ich will untergehen.“ ni u⸗„Wir ſelbſt ſchaffen unſer Glück und nennen es dann u,uN Schickſal. Du ſprachſt weiſe, Honain. Du Feinſter aller t ſtehen Sadduzäer! Das geheiligte Blut floß in den Adern meiner dt zumt Väter, und ſie thaten nichts; aber ich habe einen Arm, fernäch⸗ geſchickt ein Scepter zu führen, und ich will mir es gewinnen. .„Ich kann nicht zweifeln an meinem Siege. Sieg iſt ürt der ein Theil meines Daſeins. Ich bin geboren zum Ruhme, un aber wie ein Baum geboren ward ſeine Frucht zu tragen, oder Dreiſſhe, ſeine Blüthen auszubreiten. Die That iſt geſchehen. Sie ücte ihne iſt bedacht und geſchehen. Ich will den größten meiner gekrönten Vorfahren befragen, und das in ſeinem Grabe. 3 Ruhe⸗ fborgen. ih; fene Großer Salomo! Er freite auch um Pharao's Tochter. Ha! eGeſtalt welch ein Morgenroth der Zukunft für meine Hoffnungen! venn ich Eine Vorbedeutung, eine auserwählte!“ r trüben„Oft habe ich meine traurige Jugend verflucht, jetzt rufe ich Dir Heil zu. Du warſt eine köſtliche Vorbereitung. röme ich Bei allen Himmeln, ich bin voll Freude: zum Erſtenmale denſchft in meinem Leben fühle ich ſie. Ich könnte lachen und fech⸗ 3 Lebens ten und trinken. Ich bin neu geboren; ich bin ein andres O wie Weſen; ich bin wahnſinnig!“ biſt mir„Aber wie? Der junge König von Chovaresm, ein jugend⸗ in? wa⸗ licher Held! Wär' er doch Alſchiroch geweſen. Mein Herz unſerm thut mir weh ſchon bei dem bloßen Namen. Ach! meine ſchen, da Prüfungen haben noch nicht einmal begonnen. Jabaſtor warnte mich, der gute, aufrichtige Jabaſtor! Sein Talisman 92 drückt auf mein ſtürmiſches Herz und ſcheint mich zu war⸗ nen. Ich bin in Gefahr. Ein Prahler ſtehe ich hier, und fülle die gleichgültige Luft mit eitlen Worten, während nichts vollendet iſt. Ich werde irr! Der junge König von Chovaresm! Was bin ich, verglichen mit dieſem Fürſten? Ein Nichts, außer in meinen Gedanken. Nicht würdig wür⸗ den ſie mich achten auf dem ganzen Bazar auch nur ſeinen Steigbügel zu halten.— O dieſer Streit, dieſer harte, nie endende Streit zwiſchen meinem Looſe und meinem pochen⸗ den Herzen, zwiſchen der eiſigen Wirklichkeit und den raſen⸗ den Wünſchen, die in meiner Bruſt leben!“ „Süße Stimme, die Du von Deiner heiligen Heimath herabſtiegſt in Jabaſtor's entlegene Höhle und Troſt mir zuflüſterteſt, athme wieder! Athme mir wieder Deine ſanfte Aufforderung an's einſame Ohr und ſcheuche hinweg die Ge⸗ danken, die mich umlagern. Gedanken, ſchwarz und zwei⸗ felvoll, wie herab ſich ſenkende Raubvögel, lauernd auf den Fall eines Helden, und glühenden Auges bei dem Sturze des Tapfern. Es liegt etwas Unſeliges in dieſen menſchen⸗ reichen Städten. Nur in der Kinſamkeit blüht der Glaube.“ Hier warf er ſich auf ſein Lager, ließ ſein Haupt ſin⸗ ken und ſchien in Nachdenken verloren. Plötzlich aber ſprang er auf, ergriff ſeine Schreibtafel und zeichnete Folgendes ein: „Honain, ich bin die ganze Nacht über gleich David in der Wüſte Siph geweſen; aber durch des Herrn Bei⸗ ſtand habe ich geſiegt. Ich fliehe aus dieſer gefahrvollen Stadt an das Werk, das ich nur zu lange verſäumt habe. Verſuche es nicht, mich aufzufinden, und nimm meinen Dank an.“ * E an jede Felsſch E. Schwac nigen d reichte Ebene Alles! gel u Gipfel Der P Lächeln 8 ſeinen einen ſo k ſeiner dräng ten u Delba dieſe muthi⸗ e ſanfte die Ge⸗ lid zwei⸗ auf den Sturze enſchen⸗ laube.“ upt ſin⸗ ſprang des ein: David n Bei⸗ rvollen t habe. meinen BGechſter Abſchnitt. 1. Eine ſengende Sonne, ein blauer, glühender Himmel, an jeder Seite hohe Ketten ſchwarzer, kahler Berge, dunkle Felsſchluchten, tiefe Höhlen, bodenloſe Abgründe! Ein einſames Weſen bewegte ſich in der Entfernung. Schwach und mühſam klimmte ein Pilger den ſteilen, ſtei⸗ nigen Pfad empor. Die ſchwülen Stunden ſchritten weiter, der Pilger er⸗ reichte endlich den Gipfel des Gebirgs, eine ſchmale, rauhe Ebene mit großen Maſſen abgeriſſener Felsſtücke überſtreut. Alles umher Verwüſtung. Keine Quelle, kein Obdach, Vö⸗ gel und Inſekten gleich ſtumm. Aber es war doch der Gipfel! Keine höhere Bergſpitze drohte in der Entfernung. Der Pilger hielt an, athmete leichter, und ein ſchwaches Lächeln ſpielte auf ſeinem ermatteten aber ernſten Angeſichte. Hier ruhte er wenige Minuten, und zog dann aus ſeinem Reiſeſacke einige Heuſchrecken und wilden Honig und einen kleinen Schlauch mit Waſſer. Sein Mahl war eben ſo kurz als einfach. Eine brennende Sehnſucht den Ort ſeiner Beſtimmung vor Einbruch der Nacht zu erreichen, drängte ihn vorwärts. Bald war die Bergebene überſchrit⸗ ten und das Abſteigen begann. Erſt zeigte ſich ein einzelner Oelbaum, dann eine Gruppe derſelben, und bald ſchwollen dieſe zu einem Walde an. Sein Weg ging durch den an⸗ muthigen und ungewohnten Schatten. Aus dem Walde 94 heraustretend, ſah er, daß er faſt die Hälfte des Berges wieder herabgekommen ſei. Dieſer endete ſteil in einer ſehr düſtern und engen Schlucht, die durch einen gegenüber lie⸗ genden Berg gebildet ward, deſſen hoher Gipfel mit einer Stadt gekrönt war, die maleriſch, ſtufenweis ſich an ihm heraufzog. Man konnte ſich nichts Wüſteres, Schrecklicheres und Wilderes denken, als die ſie umgebende Gegend, in welcher ſich auch nicht eine Spur von Anbau zeigte. Die Stadt ſtand da, wie der letzte Fechter in einem Amphitheater der Vernichtung. Sie war mit einer Mauer und hohen Thürmen um⸗ geben, deren Bauart dem Pilger völlig fremd erſchien. Thore mit Zugbrücken und Fallgattern, viereckige Thürme und gewaltige Schießſcharten. In Stahl gewaffnete Schild⸗ wachen, glänzend im Sonnenſcheine, wanderten in regel⸗ mäßigen Zwiſchenräumen auf dem ſchützenden Walle umher, und auf einem hohen Thurme wehte eine ſchneeweiße Fahne mit einem dunkelrothen Kreuze. Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ erblickte endlich die verlorene Hauptſtadt ſeiner Ahnen. 2. Vor einigen Monaten würde ein ſolcher Anblick alle ſchlummernden Leidenſchaften Alroy's aufgeregt haben, aber Zeit, Leiden und traurige Erfahrungen hatten bereits den kühnen Geiſt des hebräiſchen Fürſten einigermaßen gebeugt. Er ſchaute auf Jeruſalem, er betrachtete die Stadt David's, von den gewaltigen Kriegern des Chriſtenthums beſetzt, und bedroht von den zahlloſen Heeren des Halbmonds. Die beiden großen Hälften der Welt ſchienen um einen Preis zu kämpfen, um deſſen Rettung willen er, der ein⸗ ſame Wanderer, die Wüſte durchkreuzt hatte. Hielt ihn auch ſein Glaube davon ab, an der Möglichkeit des Gelin⸗ gens dieſe tief, daß den Gärt Caucaſus jemals a Ätt geſch geſchlagen Hoffnung herab, ſ ſezte Anh jeruſalen Man nahe an wacht n herab, biger Kl um zu g werde. oder beſ wenn Gefäh Geld g ſprich 9 II iſt unſe wäre e ihm ni und er Berges er ſehr ber lie⸗ it einer an ihm res und welcher e Stadt ater der en um⸗ ferſchien. Würme n regel⸗ umher, Fahne lich die lick alle n, aber eits den gebeugt. David's, beſett, monds. einen eer ein⸗ elt ihn Gelin⸗ 95 gens dieſer Unternehmung zu zweifeln, ſo fühlte er es doch tief, daß die Welt etwas ganz Anderes ſei, als er ſich in den Gärten von Hamadan und zwiſchen den Felſen des Caucaſus vorgeſtellt hatte, und daß, wenn ſein Vorhaben jemals ausgeführt werden ſollte, es ganz allein auf Eine Art geſchehen könne. Ruhig, vielleicht ſogar etwas nieder⸗ geſchlagen, aber voll frommer Demuth, und von heiliger Hoffnung nicht verlaſſen, ſtieg er in das Thal Joſaphat herab, ſtillte ſeinen Durſt im Siloah, ſtieg die entgegenge⸗ ſetzte Anhöhe hinauf, und bald trat nun David Alroy in Jeruſalem durch das Thor von Zion ein. Man hatte ihm geſagt, daß das Quartier ſeines Volkes nahe an dieſem Eingange liege. Er fragte nun eine Schild⸗ wacht nach dem Wege dahin; dieſe ließ ſich aber nicht herab, ihm zu antworten. Ein alter Mann in ſehr ſcha⸗ biger Kleidung, der eben vorüber ging, winkte ihm. „Was begehrſt Du, Freund?“ fragte Alroy. — Du errundigſt Dich nach dem Quartiere unſeres Volkes. Du mußt wahrhaftig ſehr fremd in Jeruſalem ſein, um zu glauben, daß ein Franke mit einem Juden ſprechen werde. Du kannſt von Glück ſagen, daß Du nicht geſtoßen oder beſchimpft wurdeſt.— „Beſchimpft und geſtoßen! Wehe dieſen Hunden, wenn—“ — Still, ſtill! um Gottes Willen!— ſagte ſein neuer Gefährte in großer Angſt.— Haſt Du ihrem Anführer Geld geliehen, daß Du ſo zu ſprechen wagſt? In Jeruſalem ſpricht unſer Volk nur halb laut.— „Meinetwegen: um Worte handelt ſich's nicht. Wo iſt unſer Quartier?“ — Hat man je ſo etwas geſehen! Spricht er nicht, als wäre er ein Franke? Ich bewahre ihn davor, daß man ihm nicht mit einem Blechhandſchuh den Kopf einſchlägt, und er— 96. „Mein Freund, ich bin müde. Unſer Quartier?“ — Wen begehrt Ihr dort?— „Den oberſten Rabbi.“ — Habt Ihr Briefe an ihn?— „Was geht das Euch an?“ — Still! ſtill! Ihr wißt gar nicht, wie es in Jeru⸗ ſalem zugeht, junger Mann. So kommt Ihr nicht fort. Wo kommt Ihr her?— „Von Bagdad.“ — Bagdad! Jeruſalem iſt nicht Bagdad. Ein Türke iſt ein Thier, aber ein Chriſt iſt ein Teufel.— „Aber unſer Quartier, unſer Quartier!“ — So haltet doch nur Ruhe. Ihr fragt nach dem oberſten Rabbi?— „Ja, ja!“ — Rabbi Zimri.— „Kann ſein. Ich weiß das nicht, iſt mir auch einerlei.“ — Weiß es nicht, und iſt ihm einerlei! Das geht ja gar nicht; ſo kommt Ihr in Jeruſalem nicht fort. An ſo etwas müßt Ihr gar nicht denken.— „Hört, ich ſehe, daß Ihr ein elender Schwätzer ſeid. Zeigt mir unſer Quartier, und ich will Euch gut bezahlen — oder packt Euch.“ — Mich packen? Biſt Du ein Hebräer? Sich packen zu irgend Jemand zu ſagen! Ihr kommt von Bagdad! Da will ich Euch etwas ſagen: geht wieder zurück nach Bagdad. Für Jeruſalem paßt Ihr nicht im geringſten.— „Euer grauer Bart iſt Euer Glück! Alter Narr, ich bin ein Pilger und eben angekommen, müde über allen Ausdruck, und Ihr haltet mich hier auf, um Euerm alber⸗ nen Geſchwätze zuzuhören!“ — Albernes Geſchwätz! Ei, ei! was ſoll das heißen?— „Führt mich zum Rabbi Zimri— wenn das ſein Name iſt?“ Ich ken her, hie ftornieg 17 ihm g. 9 Wenn mal h ſo gut ſo gro ſchlecht kann darbri gelehre ſprich ich b war der ſprech das ier 20 in Jeru⸗ nicht fort. lin Türke nach dem einerlei.“ s geht ja tt. An ſo vätzer ſeid. t bezahlen bich packen Vagdad! wrück nach ngſten.— Narr, ich über allen erm alber⸗ heißen!— das ſein 97 — Wenn das ſein Name iſt! Nun, jedermann kennt doch den Rabbi Zimri, den oberſten Rabbi von Jeruſalem, den Nachfolger Aarons! Wir haben unſern Tempel noch, was wollen ſie denn da weiter? Ein gar gelehrter Mann iſt der Rabbi Zimri.— „Verwünſchter Plauderer! Ich ſchäme mich, meine Ge⸗ duld an einem ſolchen Narren zu verſchwenden.“ — Plauderer! Narr! ei, ei, wer ſeid denn Ihr?— „Einer, den Ihr nicht begreifen könnt. Und nun kein Wort weiter. Führt mich zu Euerm Oberhaupte.“ — Oberhaupt! Da habt Ihr nicht weit zu gehen. Ich kenne niemand von unſerm Volke, der ſein Haupt hö⸗ her, hielt als ich, und ſie nennen mich Zimri.— „Wie? Der oberſte Rabbi!— Dieſer gelehrte Mann!“ — Nichts geringeres. Ich denke doch, Ihr habt von ihm gehört?— „Laßt ſuns das Vorgefallene vergeſſen, guter Zimri. Wenn große Männer Incognito ſpielen, müſſen ſie manch⸗ mal harte Worte hören. Das geſchieht dem Kalifen eben ſo gut wie Euch. Ich freue mich, die Bekanntſchaft eines ſo großen Gelehrten zu machen. Obgleich noch jung und ſchlecht gekleidet, habe ich doch die Welt etwas geſehen und kann am nächſten Sabbat in der Synagoge mehr Dirhems darbringen, als Ihr vielleicht glauben dürftet. Guter und gelehrter Zimri, ich wünſchte Euer Gaſt zu ſein.“ — Ein ſehr achtungswerther junger Mann! und er ſpricht jetzt ſo leis und ſanft! Aber es war ein Glück, daß ich bei der Hand war. Guter— wie iſt Euer Name?— „David.“ — Ein recht verſtändiger Name!— guter David, es war ein Glück, daß ich bei der Hand war, als Ihr mit der Schildwacht ſpracht. Ein Jude mit einem Franken ſprechen, und noch dazu mit einer Schildwacht! Ei, ei, ei! das iſt was ſchönes! Ha, ha, ha, wie wird Rabbi 4 98 Maimon lachen! Wahrhaftig, es war ein wahres Glück? Nicht wahr?— „Allerdings, ein großes Glück.“ — Nun, das iſt doch aufrichtig!— Da, den Weg⸗ da! Es iſt nicht weit. Wir ſind unſrer wenig hier, mein lieber Herr, aber es wird eine beſſere Zeit kommen, ja, ſie wird kommen.— „Das glaube ich auch.— Iſt das Euer Haus?“ — Ein ganz beſcheidenes. Jeruſalem iſt nicht Bag⸗ dad, aber Ihr ſeid willkommen.— 3. „König Pirgandicus war drinn,“ ſagte Rabbi Maimon; „aber ſeitdem niemand mehr.“ — Und wann lebte der?— fragte Alroy. „Seiner Regierung wird im Talmud gedacht,“ ent⸗ gegnete Rabbi Zimri;„aber im Talmud ſtehen keine Jah⸗ reszahlen.“ — Es iſt wohl lange her?— ſagte Alroy. „Seit der Gefangenſchaft,“ verſetzte Rabbi Maimon. — Ich glaube es kaum, entgegnete Rabbi Zimri, weshalb wäre er denn da König genannt?— „War er aus dem Stamme David?“ fragte Alroy weiter. — Ohne Zweifel,— antwortete Rabbi Maimon;— er war einer unſrer größten Könige und beſiegte Julius Cäſar.— „Sein Königreich lag in dem nördlichen Theile Afri⸗ ka's,“ ſetzte Rabbi Zimri hinzu,„und exiſtirt noch heutigen Tages, wenn wir es nur finden könnten.“ — Ja, ja,— fuhr Rabbi Maimon fort,— das Scep⸗ ter iſt nie aus Juda gewichen; und er ritt ſtets auf einem weißen Elephanten.— „Mit goldnen Decken,“ ergänzte Rabbi Zimri. 8 Glück? den Weg ler, mein 8 27 Maimon: ht 7 ent⸗ eine Jah⸗ uas Scep⸗ uf einem 99 — Und beſuchte die Gräber der Könige?— fragte Alroy. „Ohne Zweifel;“ erwiederte Rabbi Maimon:„die ganze Sache ſteht im Talmud.“ — Und jetzt kann dieſe Niemand mehr finden?— „Niemand!“ antwortete Rabbi Zimri; dem gelehrten Moſes Halevy jedoch zu Folge, liegen ſie in einem Thale der Gebirge des Libanon's, welches von dem Erzengel Michael verſiegelt ward.“ — Der berühmte Gelehrte Abarbanel aus Babylon, — ſagte Rabbi Maimon,— giebt in ſeinem Commentar zu der Gemara hundert und zwanzig Gründe zum Beweiſe an, daß ſie bei der Einnahme des Tempels unter die Erde verſunken ſind.— „Kein Menſch ſchreibt ſo gelehrt wie Abarbanel von Babylon!“ rief Rabbi Zimri aus. — Der große Rabbi Akiba von Pumpedita,— ſetzte Rabbi Maimon hinzu,— hat ſie jedoch alle widerlegt, und glaubt, daß dieſe Gräber in den Himmel verſetzt worden ſeien.— „Und was iſt nun wahr?“ fragte Rabbi Zimri. — Keines von beiden;— antwortete Rabbi Maimon. „Einhundert und zwanzig Gründe ſind doch ein tüch⸗ tiger Beweis;“ warf Rabbi Zimri ein. — Der hochgelahrte und berühmte Aaron Mendola von Granada,— entgegnete Rabbi Maimon;— hat ge⸗ zeigt, daß wir die Gräber der Könige im ſüdlichen Spa⸗ nien zu ſuchen haben.— „Alles, was Mendola ſchreibt, iſt der Beachtung werth:“ ſagte Rabbi Zimri. — Rabbi Hillel von Samaria iſt jeden Augenblick zwei Mendola's werth;— erwiederte Rabbi Maimon. „Das iſt ein ſehr gelehrter Mann!“ bemerkte Rabbi Zimri;„und was ſagt der?“ 7* 100 Hillel beweiſt, daß es zweierlei Gräber der Könige giebt,— ſagte Rabbi Maimon;— und daß keins von beiden doch das rechte iſt.— „Was für ein gelehrter Mann!“ rief Rabbi Zimri aus. — Und ſehr genügend;— bemerkte Alroy. „Das ſind erhabene Gegenſtände,“ fuhr Rabbi Maimon fort, und ſeine Augen blinzelten wohlgefällig.„Euer Gaſt, Rabbi Zimri, muß die Abhandlung des gelehrten Schimri von Damascus„Ueber wirkliche Unmöglichkeiten“ leſen.“ — Das iſt ein Werk!— rief Zimri aus. „Drei Nächte nach einander ſchlief ich nicht, nachdem ich's geleſen hatte,“ ſagte Maimon.„Es enthält zwölftau⸗ ſend fünfhundert und ſieben und dreißig Anführungen aus dem Pentateuch und nicht eine einzige Original⸗Bemerkung.“ — Es gab damals wahre Rieſen:— ſagte Zimri;— wir ſind jetzt nur Kinder dagegen.— „Das erſte Kapitel ſagt ganz daſſelbe, man mag es rückwärts oder vorwärts leſen;“ fuhr Maimon fort. — Iſchabod!— rief Zimri aus. „Und der Anfangsbuchſtabe jeder Abtheilung iſt ein kabaliſtiſches Zeichen eines Königs von Juda.“ — Der Tempel wird doch wieder aufgebaut!— ſagte Zimri. „Ja, ja, das nenne ich Gelehrſamkeit!“ rief Maimon aus.„Aber was iſt dieſes große Werk Ueber wirkliche Unmöglichkeiten gegen jenes tiefe, bewundernswürdige und—“ — Heiliger Rabbi!— ſagte ein junger Vorleſer aus der Synagoge, der jetzt eben eintrat,— die Stunde iſt da.— „Das iſt mir unlieb! Gelehrter Maimon, ich muß in die Synagoge. Ich könnte Euch den ganzen Tag über zuhören. Kommt David, das Volk erwartet uns.“ Zimri und Alroy verließen das Haus und gingen großes ber der dazu ſei ein wahr mir ſch gandicu⸗ Pirgand ben, d gemach Fürſt. nen G ſcher ſ Ausge weiter ob unſ Könige 3 von ti aus. Naimon r Gaf, Schimi ſen. 1 achdem ölftau⸗ een aus rkung.“ mri,— mag es iſt ein — ſagte Naimon virkliche würdige eſer aus unde iſt muß in g über gingen 101. durch die engen und bergigen Gaſſen zu der Hauptſynagoge der Hebräer. „Es thut dem ehrwürdigen Maimon ſehr leid, daß er uns nicht begleiten kann,“ ſagte Rabbi Zimri.„Ihr habt ohnſtreitig ſchon in Bagdad von ihm gehört. Ein ſehr gelehrter Mann.“ Alroy verbeugte ſich ſchweigend. „Er ſieht für ſein Alter noch recht gut aus. Ihr wür⸗ det wohl kaum glauben, daß er mein Lehrer war.“ — Ich erkenne nur, daß Ihr viel von ſeiner Gelehr⸗ ſamkeit geerbt habt.— „Ihr ſeid zu gütig. Wenn noch ein Jahr vorüber iſt, wird Rabbi Maimon deren hundert und zehn werden: nächſtes Oſterfeſt.“ — Das glaube ich wohl.— „Wird er zu ſeinen Vätern geſammelt, ſo verliſcht ein großes Licht in Israel. Ihr wolltet etwas über die Grä⸗ ber der Könige wiſſen, da ſagte ich Euch, daß er der Mann dazu ſei. Wie voll von allem er war! O! ſein Geiſt iſt ein wahres Ei.“ — Ein etwas altes. Ich fürchte, ſeine Leitung wird mir ſchwerlich das beneidenswerthe Glück des Königs Pir⸗ gandicus verſchaffen.— „Unter uns, lieber David; da wir von dem Könige Pirgandicus ſprechen, ſo kann ich mir nicht helfen, zu glau⸗ ben, daß der gelehrte Maimon ein kleines Mißverſtändniß gemacht hat. So viel ich weiß, war Pirgandicus nur ein Fürſt. Es war nach der Gefangenſchaft, und ich wüßte kei⸗ nen Gewährsmann dafür, daß irgend einer unſerer Beherr⸗ ſcher ſeit der Zerſtörung einen höhern Titel geführt habe. Ausgemacht, bloß ein Fürſt! Ich möchte es freilich Niemand weiter zuflüſtern als Euch, aber mir kommts doch vor, als ob unſer würdiger Freund etwas alt würde. Wir müſſen 10² uns immer aber dabei an ſeine Jahre erinnern. Hundert und zehn zum nächſten Paſſah. Das iſt eine große Bürde.“ — Ja, und wenn man ſeine Gelehrſamkeit dazu nimmt, wahrhaſtig eine recht große!— „Ihr ſeid ſchon ſeit einer Woche in Jeruſalem und habt unſre Synagoge noch nicht beſucht! Ob auch nicht von Zedern und Elfenbein, iſt ſie doch auch ein Tempel. Hier⸗ hin! Nur eine Woche erſt ſeid Ihr hier? Wie Ihr doch jetzt ganz ein anderer Menſch ſeid! Ich werde unſer erſtes Zuſammentreffen nie vergeſſen. Ihr kanntet mich nicht. Das war luſtig! Und als ich Euch ſagte, ich ſei der oberſte Rabbi Zimri, wie waret Ihr da gleich verändert? Auch habt Ihr Eure volle Eßluſt wieder bekommen. O! es iſt etwas ſehr Angenehmes, wieder unter ſeinem Volke zu ſein. Links hin. So! wir müſſen hier etwas abwärts ſteigen. Wir halten unſre Zuſammenkünfte auf einem ehemaligen Kirchhofe. Ihr habt gewiß einen ſchönen Tempel in Bag⸗ dad, davon bin ich überzeugt. Jeruſalem iſt nicht Bagdad. Aber dieſer hat auch ſeine Urſachen. Er iſt ſichrer, und wir ſind nicht ſehr reich, wünſchen auch nicht ſo zu ſcheinen.“ 4. Ein langer Gang führte ſie zu einer Anzahl kleiner, niedriger Gemächer, wo man aus einem in das andere ging. Sie wurden von ehernen Lampen erleuchtet, die hier und da in leeren Niſchen ſtanden, in welchen ſonſt Leich⸗ name gelegen hatten, und die jetzt durch den Rauch der Lampen beſchmutzt waren. Zwiſchen zwei⸗ und dreihundert Perſonen waren in dieſen Gemächern verſammelt, und wer aus dem hellen Tageslichte dahin herabſtieg, konnte kaum etwas unterſcheiden. Nach und nach gewöhnte ſich aber das Auge an die trübe und dunſtige Atmoſphäre, und Al⸗ roy erblickte in dem letzten und beſſer erleuchteten Gemache ein hohes Bauwerk von Cedernholz, das Nachbild der ſ Bundeslade geweihten b Hier fangen in gelobten, wieſen ſie⸗ gen. Ihr gelſen, di vom Vorl Nachdem I einen Band aller jener den ſeiner gekräftigt, „ keinen an was unſer das Feuer lieber das Warum n nen? Wo können?2 Ein „Elie det;„es ſ von Adan Der Augen a ſo verleg „Nu 9 ſchvarzbre einen rot Lampe ei ndert rde.“ mmt, nund t don Hier⸗ doch erſtes nicht. berſte Auch es iſt ſein. teigen. aligen Bag⸗ aodad. „ und (nen.“ leiner, andere te hiet Leich⸗ ich der zundert nd wer e kaum haber nd A-⸗ emache Id der 103 Bundeslade, in welchem ſich die heiligen Gefäße und die geweihten Abſchriften des Geſetzes befanden. Hier ſtanden die unglücklichen Ueberreſte Israels, ge⸗ fangen in ihrer ehemaligen Hauptſtadt, in Reihen aufgeſtellt, gelobten, trotz ihrer Leiden, ihrem Gotte Treue, und be⸗ wieſen ſie, ohnerachtet alles Schmerzes getäuſchter Hoffnun⸗ gen. Ihr einfacher Gottesdienſt war beendet, die Gebete geleſen, die Antworten gegeben, das Geſetz aufgelegt und vom Vorbeter ihre frommen Gaben bekannt gemacht. Nachdem nun dieſes geſchehen, öffnete der ehrwüdige Zimri einen Band des Talmuds und legte, durch die Anſichten aller jener unterrichteten und berühmten Männer, der Hel⸗ den ſeiner gelehrten Geſpräche mit dem bejahrten Maimon, gekräftigt, dem verſammelten Volke das Geſetz aus. „Es ſteht geſchrieben,“ ſagte der Rabbi,„Du ſollſt keinen andern Gott haben neben mir. Wißt Ihr aber, was unſer Vater Abraham ſagte, als Nimrod ihm befahl, das Feuer anzubeten? Abraham antwortete: warum nicht lieber das Waſſer, welches das Feuer verlöſchen kann? Warum nicht die Wolken, welche Waſſer herabgießen kön⸗ nen? Warum nicht die Winde, welche Wolken erzeugen können? Warum nicht Gott, welcher Winde ſchaffen kann?“ Ein Gemurmel des Beifalls lief durch die Verſammlung. „Eliezer,“ ſagte Zimri zu einem jungen Rabbi gewen⸗ det;„es ſteht geſchrieben, daß der Herr eine Rippe nahm von Adam als dieſer ſchlief. Iſt denn Gott ein Räuber?“ Der junge Rabbi richtete beſtürzt und verlegen ſeine Augen auf den Boden. Die Verſammlung ſelbſt war eben ſo verlegen und etwas beunruhigt darüber. „Nun? Keine Antwort?“ ſagte Zimri. — Rabbi,— entgegnete ein Fremder, ein großer ſchwarzbrauner afrikaniſcher Pilger, der in einer Ecke in einen rothen Mantel gehüllt ſtand, und über den eine Lampe ein flackerndes Licht ergoß:„Rabbi, in mein Haus brachen in vergangener Nacht Räuber ein und ſtahlen mir ein irdenes Geſchirr, ließen mir aber ſtatt deſſen ein gol⸗ denes Gefäß zurück.— „Wohl geſprochen, ſehr wohl geſprochen!“ rief die Ver⸗ ſammlung. Der Beifall war laut. „Gelehrter Zimri,“ fuhr der Afrikaner fort;„es ſteht in der Gemara, daß es einen Jüngling in Jeruſalem gab, der in Liebe gerieth zu einer ſchönen Jungfrau, ſie aber verhöhnte ihn. Und der Jüngling war ſo ergriffen von dieſer Leidenſchaft, daß er nicht ſprechen konnte; wenn er ſie aber anſichtig ward, blickte er flehend auf ſie und ſie verlachte ihn. Eines Tages nun begab ſich der Jüngling, da er nicht mehr wußte, was er beginnen ſollte, in die Wüſte; und gegen Nachtzeit ging er wieder nach Hauſe, die Thoöre der Stadt aber waren verſchloſſen. Und er ſtieg herab in das Thal Joſaphat und trat in das Grabmal Abſalons und ſchlief darin. Und er träumte einen Traum, und am folgenden Morgen ging er voll Heiterkeit in die Stadt. Und die Jungfrau begegnete ihm und fragte ihn: Biſt Du das, der ſo lacht? Und er antwortete: Geſtern war ich traurig und in Verzweiflung, und ging aus der Stadt in die Wüſte, und kehrte zurück, aber die Thore der Stadt waren verſchloſſen, und ich ſtieg herab in das Thal Joſaphat und trat in das Grabmal Abſalon's und ſchlief darin, und träumte einen Traum, und ſeitdem habe ich immer gelacht. Und die Jungfrau ſagte: erzähle mir Dei⸗ nen Traum. Und er antwortete und ſagte: ich werde mei⸗ nen Traum bloß meinem Weibe erzählen, denn er betrifft ihre Ehre. Und die Jungfrau ward neugierig und ſagte: ich bin Dein Weib, erzähle mir Deinen Traum. Und ſo⸗ gleich gingen ſie, und wurden verheirathet, und lachten ſeitdem ſtets alle Beide. Nun, hochgelehrter Zimri, was ſoll dieſe Erzählung bedeuten, ein bloßer Scherz für einen Neſter d größten kaner.„ iſt unſer weiſt, do Davids. kaner fo 73c ſ nem Bei Der warf ei aber de des Afri zes Haa Gewände teriſtiſche vortrat. A „ Ihr Eu nete de ling, ich es Schüle dem h M dem G. ſein, „ls ſteht eem gab, ſie aber ffen von wenn er und ſie füngling, e, in die h Hauſe, der ſtieg Grabmal tTraum, eit in die agte ihn: : Geſtern jhaus der Thore der das Thal ind ſchlief habe ich mir Dei⸗ verde mei⸗ er betrifft und ſagte: Und ſo⸗ id lachten mri, was für einen 105 Meiſter des Geſetzes, aber ſie ward geſchrieben von dem größten Gelehrten der Gefangenſchaft?“ — Das überſteigt meine Begriffe,— antwortete der oberſte Rabbi. Nabbi Eliezer ſchwieg. Die Verſammlung murrte. „So höre dann jetzt die Auslegung“ ſagte der Afri⸗ kaner.„Der Jüngling iſt unſer Volk, und die Jungfrau⸗ iſt unſer verlornes Zion, und das Grabmal Abſalons be⸗ weiſt, daß die Rettung allein kommen kann vom Hauſe Davids. Hörſt Du dies, junger Mann?“ fuhr der Afri⸗ kaner fort, trat vor und legte ſeine Hand auf Alroy. „Ich ſpreche zu Dir, weil ich tiefe Aufmerkſamkeit in Dei⸗ nem Benehmen beobachtet habe.“ Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ war betroffen und warf einen Blick in das ſchwarzbraune Geſicht vor ihm; aber der Blick las nichts. Der obere Theil des Geſichts des Afrikaners war halb durch dichtes, gekraus'tes ſchwar⸗ zes Haar verhüllt, und der untere durch ſeine ſonderbaren Gewänder. Ein glühendes Auge war das einzige Charak⸗ teriſtiſche, das wie ein Blitz aus einer finſtern Wolke her⸗ vortrat. „Iſt meine Aufmerkſamkeit der einzige Grund, weshalb Ihr Euch an mich wendet?“ fragte Alroy. — Wer giebt gern alle ſeine Gründe an?— entgeg⸗ nete der Afrikaner mit lachendem Spott. „Ich mag ſie auch nicht wiſſen. So viel nur, Fremd⸗ ling, daß was Ihr auch nur immer damit meinen mögt, ich es doch begreifen kann.“ — Sehr wohl! Hochgelehrter Zimri; iſt dies Dein Schüler? Dann wünſche ich Dir Glück. Ich mag ihn wohl dem hoffnungsvollen Eliezer gleich ſtellen.— Mit dieſen Worten ſchritt der lange Afrikaner aus dem Genmtache. Alroy würde ihm auf der Stelle nachgeeilt ſein, um weiter und ohne Zeugen mit ihm zu ſprechen, 106 aber es verfloſſen bei den höflichen Aufmerkſamkeiten Zim⸗ ri's gegen ihn einige Minuten, ehe er fortkonnte, und dann ſah er ſich nach dem Fremden vergebens um. Er forſchte nun in der Verſammlung ſeinethalb, aber Niemand kannte den Afrikaner. Er war Keines unter ihnen Gaſt, Keines Schuldner, und Niemand hatte ihn allem Anſcheine nach vorher jemals geſehen. 5. Die Trompete erſcholl ſchon zum Thorſchluſſe, als Al⸗ roy aus dem Thore von Zion trat. Die Verſuchung war zu unwiderſtehlich. So eilte er denn mehr als hundert Schritte weit fort, ohne rückwärts zu ſehen, und als er dies that, bemerkte er zu ſeiner Freude, daß er in dieſer Nacht nicht wieder zurückkönne. Die Sonne war unterge⸗ gangen, aber der Oelberg war noch beſchienen von ihren letzten Strahlen, das Thal Joſaphat dagegen lag im tiefſten Schatten zu ſeinen Füßen. Eine Zeit lang wanderte er in den Bergen umher, betrachtete Jeruſalem von hundert verſchiedenen Punkten aus, und ſchaute auf die einzelnen Planeten und ganzen Sternbilder, die nach und nach in helleres Licht oder über den Horizont traten. Endlich ſtieg er etwas erſchöpft in das Thal hinab. Der ſchmale Bach Siloa ſah wie ein Silberfaden aus, der ſich im Mondlichte dahinwand. Einige heimathloſe Arme ſchliefen unter dem Gewölbe ſeiner Quelle. Verſchiedene einzelne Grabmäler von beträchtlichem Um⸗ ange erhoben ſich am Fuße des Oelberges. In der Gebirgskette, die ſich zum Oelberge zum Fluſſe Jordan hinzieht, befindet ſich die große Höhle von Gethſe⸗ mane, eine gewaltige Oeffnung, ein Werk der Natur und Kunſt, das vor undenklichen Zeiten entſtand. Denn an den hohen Baſaltſäulen ſind ſonderbare Charaktere und unnatürliche Geſtalten ausgehauen, und an vielen Orten ſind die n ſynmetriſh ſündigt i zwungenen gearbeitet Es 1 im glänzen ſchwarze, Weſen ſtan Es w nem Gürte alsdann e⸗ Je l die Höhle, durch Ku mäuſe floc und zünde kunſwvollen Dieſe ſenkte ſich tung mit licht lange Höhe hint Die Seite grabenen Faſt in dieſer ſerfalles jetzt beme daß er am Herz beb ſchritt. wieder di Schrecken Zim⸗ dann orſchte kannte Keines 2 nach 18 Al⸗ g war undert als er dieſer nterge⸗ ihren tiefſten umher, dunkten ganzen er über öpft in ie ein Einige Qyelle. n Um⸗ Nuuſſe Gethſe⸗ ur und enn an re und Orten 107 ſind die natürlichen Verzierungen durch Bildhauerhände zu ſymmetriſcher Täfelei und wunderbaren Capitälen vervoll⸗ ſtändigt worden. Ein Werk, das, wie man ſagt, von be⸗ zwungenen und gefangenen Geiſtern für den großen König gearbeitet worden. Es war Mitternacht. Der kalte Vollmond ſchimmerte im glänzenden Lichte auf das enge, von allen Seiten durch ſchwarze, kahle Berge geſchloſſene Thal. Ein einzelnes Weſen ſtand an dem Eingange in die Höhle. Es war Alroy. Er nahm Stein und Stahl aus ſei⸗ nem Gürtel, zündete ſich damit eine Fackel an, und trat alsdann ein. Je weiter er ſorgfältig vorſchritt, deſto enger wurde die Höhle, und er befand ſich bald am Ende einer offenbar durch Kunſt gearbeiteten Gallerie. Eine Schaar Fleder⸗ mäuſe flog auf, und verlöſchte ſeine Fackel. Er bückte ſich und zündete ſie wieder an und bemerkte, daß er auf einem kunſtvollen Fußboden gehe. Dieſe Gallerie war von großer Ausdehnung, und ſenkte ſich nach und nach tiefer. Da ſie in gerader Rich⸗ tung mit dem Eingange der Höhle fortlief, blieb das Mond⸗ licht lange ſichtbar, doch bemerkte Alroy, daß er wegen der Höhe hinter ihm nicht mehr nach außenhin ſehen konnte. Die Seiten dieſer Gallerie waren mit ſonderbaren einge⸗ grabenen Geſtalten bedeckt. Faſt zwei Stunden ging der„Fürſt der Gefangenſchaft“ in dieſer Gallerie fort. Ein entferntes Geräuſch eines Waſ⸗ ſerfalles nahm immer mehr zu, je weiter er ſchritt, und jetzt bemerkte er an dem ganz nahen Getöſe und Geplätſcher, daß er an deſſen Rande ſtehe. Es war ſehr finſter. Sein Herz bebte. Er unterſuchte erſt den Boden, ehe er weiter ſchritt. Plötzlich ziſchte der Schaum weiter vor, und löſchte wieder die Fackel. Die drohende Gefahr erfüllte ihn mit Schrecken, und er trat einige Schritte zurück, verſuchte es 103 aber vergebens ſeine gänzlich durchnäßte Fackel wieder anzuzünden. Sein Muth verließ ihn; alle Anſtrengung ſchien er⸗ folglos. Schon ſtand er im Begriffe ſich der Verzweiflung hinzugeben, als eine in der Dunkelheit ihm gegenüber ſich verbreitende Helle ſeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog. Eine kleine glänzend rothe Wolke ſchien auf ihn zuzu⸗ ſegeln. Sie öffnete ſich; ihrem Schooße entquoll ein ſilber⸗ ner Stern; dann verſchwand ſie. Aber der Stern blieb, der ſilberne Stern, und warf einen langen Streifen zittern⸗ den Lichts auf den breiten und wogenden Strom, der jetzt ſchäumend und wirbelnd ſich von allen Seiten Alroy's Augen enthüllte. Dieſe rettende Erſcheinung belebte den abenteuernden Pilger wieder. Ein dunkler Schatten im Vorgrunde, der den Lichtſtreif unterbrach, welchen der Stern auf das Waſſer warf, fiel in ſeine Augen. Er begab ſich wieder an ſeine vorige Stelle und unterſuchte ihn genauer. Es war ein Boot, und in dem Boote ſaß ſtumm und unbeweglich eine große ſonderbare Geſtalt, wie er ſie an den Wänden der Gallerie ausgehauen geſehen hatte. David Alroy empfahl ſein Schickſal dem Gotte Israels und ſprang in das Boot. In demſelben Augenblicke erhob die Geſtalt das Ruder, und das Boot gerieth in Bewegung. Der Waſſerfall theilte ſich plötzlich nach der Richtung des langen Streifens, den das Sternenlicht bildete, und die Barke glitt durch die ho⸗ hen, geſchiedenen Maſſen. So ging es einige Minuten lang fort, bis ſie zu ei⸗ nem ſchönen vom Monde beſchienenen See kamen. In der Entfernung lagen Gebirge. Alroy betrachtete ſeinen Ge⸗ fährten mit einem Gefühle von Neugier, das nicht ohne Schauder war. Bemerkenswerth war es, daß Alroy es auf keine Art dahin bringen konnte, deſſen Aufmerkfamkeit auf ſcch zu iie den nicht Boot dos der Gefan Hier Löwen vo als das hinauflfe führte. T und Alror Höhe des Hier lem. Di verkennen und Eile Zion. A dieſe Lan⸗ zum erſte alle von köſtlichen Stadt, di von einer umgeben: ſen, hoh Zeder und von der nungen, Weinlau Und empor, groß, ſo ſeine un händen e „Ga wieder ien er⸗ ſveiflung lüber ſich n zuzu⸗ n ſilber⸗ n blieb, zittern⸗ der jetzt Alroys an ſeine war ein lich eine unden der te Jraels as Ruder, fall theilte ens, den h die ho⸗ ſie zu ei⸗ In der ennen Ge⸗ icht ohne oy es auf umkeit auf 109 ſich zu ziehen. Er ſchien von dem Daſein des Mitſchiffen⸗ den nicht das mindeſte zu wiſſen. Endlich erreichte das Boot das gegenüberliegende Ufer des Sees, und der„Fürſt der Gefangenſchaft“ ſtieg aus. Hier ſah er ſich am Eingang zweier Reihen coloſſaler Löwen von rothem Granit, welche ſich ſo weit ausdehnten, als das Auge ſehen konnte, und an der Seite des Berges hinaufliefen, bis zu deſſen Gipfel eine herrliche Treppe führte. Das leichte Hinaufſteigen war daher bald vollendet, und Alvoy erreichte, durch die Löwenreihen hingehend, die Höhe des Berges. Hier erblickte er zu ſeinem größten Erſtaunen Jeruſa⸗ lem. Die merkwürdige Lage dieſer Stadt war nicht zu verkennen. Zu ſeinen Füßen befanden ſich Joſaphat, Kidron und Siloa. Er ſtand auf dem Oelberge; vor ihm lag Zion. Aber wie verſchieden war in jeder andern Hinſicht dieſe Landſchaft für Jemand, der vor ein Paar Tagen ſie zum erſtenmal erblickt hatte. Die Hügel umher grünten alle von Weingärten, und ſchimmerten von Sommerpaläſten, köſtlichen Pavillons und verſchwenderiſchen Anlagen. Die Stadt, die ſich ganz über den Berg Zion hin erſtreckte, war von einer weißmarmornen Mauer mit gold'nen Zinnen umgeben: prachtvolle Thore und Pilaſter, blühende Terraſ⸗ ſen, hohe Bauwerke von den ſeltenſten Materialien, von Zeder und Elfenbein und köſtlichen Steinen, und Säulen von der ausgeſuchteſten Arbeit und den phantaſtiſchſten Ord⸗ nungen, Capitäler von Lotus und Palmen, und Frieſe von Weinlaub und Oelzweigen. Und in der Mitte hob ſich ein gewaltiger Tempel empor, Begeiſtexung ſelbſt in ſeiner Form, ein Tempel, ſo groß, ſo prachtvoll, daß kein Prieſter erſt zu ſagen brauchte, ſeine unvergleichliche Herrlichkeit ſei nicht von Menſchen⸗ händen erbaut! „Gott meiner Väter!“ rief Alroy aus:„Ich bin ein 110 armes und ſchwaches Geſchöpf, und mein Leben war ein Leben voller Träume und Erſcheinungen, und ich habe⸗ manchmal geglaubt, meinem Gehirne fehle der Gedanken Zuſammenhang;— aber wo bin ich jetzt? Schlafe ich oder lebe ich? Bin ich ein Träumender oder ein Geiſt? Dieſe Prüfung iſt zu ſchwer!“ Hier ſank er auf den Boden, und verbarg das Angeſicht in ſeine Hände. Sein überreiz⸗ ter Geiſt ſchien ihn zu verlaſſen: er weinte bitterlich. Viele Minuten verſtrichen, ehe Alroy ſich wieder faſſen konnte. Die wilden Ausbrüche ſeines Weinens gingen in Schluchzen über, und das Schluchzen ſtarb hinweg in Seuf⸗ zer. Endlich aber ruhig durch Erſchöpfung, fing er wieder an aufzublicken, und ſieh! die herrliche Stadt war nicht mehr zu ſchauen! Vor ihm lag eine vom Mond beſchienene Ebene, über welche die Reihen der granitnen Löwen ſich ebenfalls hinwegzogen, und nur mit den entfernten Bergen zu enden ſchienen. Dieſen Punkt erreichte endlich der„Fürſt der Gefangen⸗ ſchaft,“ und ſtand nun vor einem ungeheuern in die Felſen gehauenen Portale, viele hundert Fuß hoch, von Gruppen rieſenhafter Caryatiden gehalten. Ueber dem Portale wa⸗ ren hebräiſche Charaktere eingegraben, die, näher unterſucht, als dieſelben ſich zeigten, wie die auf Jabaſtor's Talisman. Und jetzt zog denn Alroy dieſes überköſtliche und langge⸗ hegte Pfand aus ſeinem Buſen, und drückte, gehorſam der erhaltenen Weiſung, das Siegel auf das Rieſenthor. Dieſes öffnete ſich mit einem Donnerſchalle, lauter als ein Erdbeben. Bleich, angſtvoll und ſchwankend trat der „Fürſt der Gefangenſchaft“ in eine gränzenloſe Halle, die mit freihangenden ungeheuern Kugeln glühenden Metalls erleuchtet war. An jeder Seite der Halle ſaß eine Reihe von Königen auf gold'nen Thronen, und als der Pilger eintrat, erhoben ſie ſich von ihren Sitzen, nahmen ihre Kronen ab, und ſchwangen ſie dreimal um ihr Haupt, und riefen dr Dir, Br. Der den Bod einer S hatte, u die Fürſt ſchaftloſer bemerkend denn, na nit feſten Schritte: Und andern dem eine Größe, Blicken. und zerſp nig ſei, t Und würdige weißes G alt. Das Schwächen feierlicher mit einer dem er erguß in den Sait Und Tyrone, erglänzte renden A fenbein,j war ein ich habe dedanken ich oder t Dieſe Boden, überreij⸗ ch. der faſſen bingen in in Seuf⸗ er wieder var nicht eſchienene löwen ſich en Vergen Gefangen⸗ die Felſen Gruppen brtale wa⸗ fdunterſucht, Talisman. d langge⸗ drſam der or. lauter als d trat der Halle, die n Metalls eine Reihe der Pilger hmen ihre daupt, und 111 riefen dreimal im feierlichen Chor: Heil Dir Alroy! Heil Dir, Bruder König! Deine Krone wartet Dein!“ Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ ſtand zitternd, mit auf den Boden geſenkten Augen da, und hielt ſich athemlos an einer Säule. Und als er ſich endlich ein wenig erholt hatte, und es wagte wieder aufzuſchauen, ſah er, daß ſich die Fürſten wieder niedergelaſſen, ihren ruhigen und leiden⸗ ſchaftloſen Geſichtern nach, ohnſtreitig ſeine Gegenwart nicht bemerkend. Dies aber gab ihm Muth, und ſo ſchritt er denn, nach jeder Seite der Halle abwechſelnd hinſtarrend, mit feſtem, aber vielleicht nur durch Verzweiflung geſicherten Schritte vorwärts. Und er gelangte zu den beiden Thronen, die von den andern abgeſondert in der Mitte der Halle ſtanden. Auf dem einen ſaß eine edle Geſtalt, weit über gewöhnliche Größe, mit übereinandergeſchlagenen Armen und geſenkten Blicken. Ihr Fuß ruhte auf einem zerbrochenen Schwerte und zerſplitterten Scepter, welches bewies, daß ſie ein Kö⸗ nig ſei, trotz des mit keiner Krone geſchmückten Hauptes. Und auf dem gegenüberſtehenden Throne ſaß eine ehr⸗ würdige Geſtalt, mit weit herabfließendem Barte, in ein weißes Gewand gekleidet. Ihr Geſicht war ſchön, obgleich alt. Das Alter hatte ſich hier eingeſchlichen ohne ſeine Schwächen, und die Zeit ſie bloß mit ſanfter Würde und feierlicher Anmuth bekleidet. Das Geſicht des Königs war mit einem himmliſchen Blicke nach oben gerichtet, und in⸗ dem er ſo mit Augen voll Liebe und Preis und Dankes⸗ erguß in die Höhe ſchaute, ſchienen ſeine Finger die beben⸗ den Saiten einer goldnen Harfe zu berühren. Und weiter hin, und hoch über allen, auf einem Throne, der ſich über die ganze Breite der Halle erſtreckte, erglänzte eine erhabene Erſcheinung, das Auge des hinſtar⸗ renden Alroy glanzvoll blendend. Funfzig Stufen von El⸗ fenbein, jede Stufe von goldnen Löwen bewacht, führten zu 112 einem Throne von Jaspis. Ein funkelndes Licht ergoß ſich ſchimmernd von dem ſtrahlenden Diadem und dem leuchtenden Angeſichte Deſſen, der auf dem Throne ſaß— ſchön wie ein Weib, aber majeſtätiſch wie ein Held. Und in der einen Hand hielt er ein Siegel und in der andern ein Scepter. Und als Alroy den Fuß des Thrones erreicht hatte, blieb er ſtehn, und ſein Herz entſank ihm. Und er betete einige Minuten lang in ſchweigender Andacht, und ohne es zu wagen den Blick zu erheben, ſchritt er die erſte Stufe zum Throne hinauf, und die zweite, und die dritte, und ſo weiter, mit leiſem, ſchwankenden Fuße, bis er die neun und vierzigſte erreichte. Der„Fürſt der Gefangenſchaft“ erhob ſeine Augen. Er ſtand vor dem Monarchen, Geſicht zu Geſicht. Verge⸗ bens verſuchte es Alroy, deſſen Aufmerkſamkeit auf ſich zu ziehn, oder ſeinen Blick zu feſſeln. Die großen ſchwarzen Augen voll übernatürlichen Glanzes ſchienen fähig, alle Dinge zu durchdringen, und alle Dinge zu erhellen, aber ſie blitzten ohne einen Strahl auf Alroy zu werfen. Bleich wie ein Geſpenſt ſtand der Pilger, deſſen Wan⸗ derſchaft jetzt am Endpunkte zu ſein ſchien, kalt und zitternd vor dem Gegenſtande all ſeines Strebens, all ſeiner Mühen. Aber er dachte an ſein Vaterland, ſein Volk, ſei⸗ nen Gott, und während ſeine ſtumme Lippe den Namen Jehovah's ausathmete, ſtreckte er den Arm feierlich aus und griff mit edler Feſtigkeit nach dem unwiderſtehlichen Scepter ſeines Vorfahren. Und als er es ergriffen, verſchwand alles vor ſeinen Augen! 6. Stunden oder Jahre konnten für ihn verfloſſen ſein, als Alroy wieder zum Selbſtbewußtſein gelangte. Seine Augen lane unher. E auf den W Morgen ah den Scheit ſeine Glied wirren Ha an das Ve zuſtehen, un Veſens ru dem ſorglic ergoß d dem ſaß— Und andern t hatte, r betete ohne es e Stufe und ſo eun und Augen. Verge⸗ f ſich zu chwarzen zig, alle n, aber 1. ſen Wan⸗ dätternd all ſeiner Volk, ſei⸗ Namen blich aus ſſtehlichen vor ſeinen oſſen ſein, e. Seine 113 Augen langſam öffnend, warf er einen unbeſtimmten Blick umher. Er lag in der Höhle von Gethſemane, hingeſtreckt auf den Boden. Der Mond war untergegangen, und der Morgen angebrochen, nur ein einzelner Stern glänzte über den Scheiteln der dunklen Gebirge. Langſam bewegte er ſeine Glieder, dann wollte er die Hand erheben zu ſeinem wirren Haupte, aber ſie hielt ein Scepter! Die Erinnerung an das Vergangene kehrte ihm zurück. Er verſuchte auf⸗ zuſtehen, und fand, daß er in den Armen eines menſchlichen Weſens ruhte. Er wandte ſein Haupt— und begegnete dem ſorglichen Blicke Jabaſtor's! Biebenter Abſchnitt. 1. „Euer Schritt iſt unſtät, Oheim.“ — So wie mein Geiſt.— „Es wird alles wohl gehen.“ — Mirjam, wir haben die beſten Tage überlebt. Bereite Dich vor auf Kummer, liebliches Mädchen. Ich ſorge nicht für mich ſelbſt, denn ich bin alt, und das Alter macht uns alle zu Helden. Ich habe geduldet, und kann noch mehr erdulden. Je näher wir unſerm Ziele kommen, deſto gehärteter ſcheint unſer Geiſt zu werden. Ich habe meinen Wohlſtand mit der Arbeit eines gedankenvollen Lebens erbaut, in einem Morgen zuſammenſtürzen, und mein Volk, obgleich nur ein ſchwacher Ueberreſt, doch noch ein Volk, zerſtreut geſehen, und ſchlimmer noch. Ich habe geweint über daſſelbe, obgleich keine Thräne ſelbſtſüchtigen Grams je dieſe verlebte Wange benetzte. Und wäre ich allein— aber ach! Das iſt der Schmerz! Der Troſt mei⸗ ner Tage iſt jetzt meine Sorge. Meine theure Mirjam mit mir im Gefängniß, in der düſtern Zelle des Kerkers.— „Weint nicht um mich, theurer Oheim. Lieber laßt uns beten, daß uns unſer Gott nicht verlaſſe.“ — Wir wußten es nicht, als wir uns wohl befanden. Unſere Stunden floſſen ruhig dahin, und da murrten wir. Im Gedeihen murrten wir, und jetzt ſind wir hart gezüch⸗ tigt und mit Recht. Die Kunde des Vergangenen iſt Is⸗ rels Ver in der w ſcheuchen b vir frei ſe iſt Gefang uns brach Dein Weſ ts iſt wir nährte, als Haus gefal ken: es kön „Ohei wir wollen beſchwwöre „Sag Schmerz, rochs ſchon — Ne Braver Ju Mirjam, 3 ſpotten und der Stunde es die Rett von aller Prüfung, Bau des 4 „Ihr und weiſe jett nicht lichſten El und zahle um neue.“ — W überlebt. en. Ic das Alter und kann kommen, Ich habe kenvollen zen, und doch noch Ich habe tſüchtigen wäte ich roſt mei⸗ irjam mit ebo.— ieber laßt befanden. rreen wir. t gezüch⸗ n iſt J⸗ 115 raels Verderben. Das Vergangene iſt ein Traum, und in der wachenden Gegenwart ſollten wir ihn von uns ſcheuchen dieſen entnervenden Schatten. Warum wollten wir frei ſein? Wir murrten gegen die Gefangenſchaft. Dies iſt Gefangenſchaft. Dieſe dumpfe, düſtre Zelle, wohin man uns brachte um zu ſterben. O Jugend, raſche Jugend! Dein Weſen iſt Zerſtörung. Noch geſtern ein Kind... es iſt mir als ob ich ihn noch geſtern in dieſen Armen nährte, als ein unbefangenes Kind... und jetzt iſt unſer Haus gefallen durch ſeine That! Ich will daran nicht den⸗ ken: es könnte mich zum Wahnſinne treiben.— „Oheim, theuerſter Oheim, wir lebten zuſammen, und wir wollen zuſammen ſterben, und beide in Liebe: aber ich beſchwöre Euch! ſprecht nicht ſo harte Worte gegen David.“ — Soll ich ihn preiſen?— „Sagt gar nichts. Was er gethan hat, that er im Schmerz, that er alles in Ehren. Sollte er denn Alſchi⸗ roch's ſchonen?“ — Nein, nein! Ich würde ihn ſelbſt erſchlagen haben. Braver Junge, er that ſeine Schuldigkeit, und ich... ich, Mirjam, Dein Oheim, den ſie hinter ſeinen Rücken ver⸗ ſpotten und ihn einen Geizhals nennen, blieb ich zurück in der Stunde der Prüfung? Schonte ich meine Schätze, wenn es die Rettung meines Volkes galt? Zog ich mich hinweg von aller Unruhe und Mühe dieſer Zeit? Eine Zeit der Prüfung, meine Mirjam, doch verglichen mit dieſer, der Bau des Tempels.— „Ihr waret da, was Ihr immer geweſen ſeid, der beſte und weiſeſte. Und da der Gott unſ'rer Väter uns auch jetzt nicht verließ, ſelbſt nicht in dieſer Wildniß des ſchreck⸗ lichſten Elends, ſo zolle ich ihm Dank im ſteten Glauben und zahle ihm für vergangene Wohlthaten durch Gebete um neue.“ — Wohl, wohl! Das Leben muß enden. Die Stunde 8* naht, wo wir unſern Gebietern gegenübertreten und die Ver⸗ ſuchung verſpotten müſſen. O der Gerechtigkeit, die mit Drohungen beginnt und mit Martern endet! Du ſchweigſt, Mirjam?— „Ich ſpreche zu meinem Gotte.“ — Was iſt das für ein Geräuſch? Eine Geſtalt be⸗ wegt ſich hinter dieſem dunkelnden Gitter. Unſer Kerker⸗ meiſter? Nein, nein, es iſt Caleb. Treues Kind, ich fürchte Du haſt zu viel gewagt.— „Ich komme mit Erlaubniß, Herr, und bringe gute Nachricht.“ — Er lächelt! Iſt's möglich? Sprich, ſprich.— „Alroy hat den Harem unſers Gouverneurs, als die⸗ ſer von Bagdad nach dieſer Stadt unter Geleit ſeiner aus⸗ erwählteſten Krieger zog, gefangen genommen. Und nun hat er Botſchaft geſendet mit dem Anerbieten, ihn für Euch und die Euern auszutauſchen. Und Haſſan hat geantwor⸗ tet, daß ſeine Frauen nur ſeinem Schwerte ihre Frei⸗ heit verdanken ſollten. In der Zwiſchenzeit ſind aber der Abgeſandte Eures Neffen und er dahin übereingekommen, daß die beiderſeitigen Gefangenen mit der geziemendſten Freundlichkeit behandelt werden ſollen. Ihr werdet daher wieder in Euern Palaſt zurückkehren können, und eben ertönte die Trompete vor der großen Moſchee, um das ganze Heer gegen Alroy aufzubieten, den Haſſan gelobt hat todt oder lebendig nach Hamadan zu bringen.“ — Der Harem des Gouverneurs! Und von ſeinen beſten Truppen bewacht! Das iſt eine große That. Er gedachte unſerer. Treuer Sohn! Der Harem des Gouver⸗ neurs! Seine beſten Truppen! Das iſt eine ſehr große That. Der Herr iſt gewißlich mit ihm. Er hat den Muth ſeines großen Vaters. Wenn ich mir ihn ſo denke.. ein Kind! Ich gab ihm zu eſſen... Caleb! Kann denn dies David ſein? Aber er ſchlug Alſchiroch! Mirjam! wo it ſet W Sie liegt a ſt rict dh unſerm Pal kann es 1 Mehr Waſſe wieder war Neuigkeiten, neurs!.. da mich wiede Gefangener kann ihm gelingen ko möchte ich Wir wollen da ich wie ſogar mit f bern verbu⸗ —3 erſt zu eini ſei. Er h macht. Ih „Das wünſchte n Nan ſagt, gen gekom ihm verbu „Der nung. Icg um ſich zu die Ver die mit ſchweigſt Heſtalt be⸗ er Kerder⸗ ich fürchte reinge gute .— §, als die⸗ ſeiner aus⸗ Und nun m für Cuch geantwor⸗ ihre Frei⸗ d aber der ngekommen, ziemendſten erdet daher und eben „ um das ſan gelobt en.“ von ſeinen That. Er des Gouver⸗ ſehr große t den Muth denke... Kann denn ürjam! wo iſt ſie? Würdiger Caleb, ſieh doch nach dem Mädchen. Sie liegt am Boden! Todt, völlig todt. Hole Waſſer. Es iſt nicht eben völlig rein... aber wir werden bald in⸗ unſerm Palaſt ſein. Den Harem des Gouverneurs! Ich kann es noch nicht glauben. So ſprenge doch, ſprenge! Mehr Waſſer! Ich will ihr die Hände reiben. Sie werden wieder warm! Sie ſchlägt die Augen auf! Mirjam, köſtliche Neuigkeiten, mein Herzblatt! Den Harem des Gouver⸗ neurs!. 2. „Da ſind wir ja wieder daheim, Caleb! Ich fühle mich wieder ganz jung. Daheim bin ich, aber doch ein Gefangener. Ihr ſagtet, daß ſich das Heer verſammle; es kann ihm nicht gelingen. Glaubſt Du, Caleb, daß es ihm gelingen kann? Ich hoffe, er wird lieber ſterben. Gefangen möchte ich ihn nicht ſehen. Ich fürchte, ſie martern ihn. Wir wollen auch ſterben; wir wollen alle ſterben. Jetzt da ich wieder aus dem Kerker bin, glaube ich, ich könnte ſogar mit fechten. Iſt's denn wahr, daß er ſich mit Räu⸗ bern verbunden hat?“ — Ich ſprach mit dem Boten und hörte, daß er zu⸗ erſt zu einigen Räubern in den Ruinen der Wüſte geflüchtet ſei. Er habe ihre Bekanntſchaft auf ſeiner Pilgerfahrt ge⸗ macht. Ihr Anführer ſoll einer aus unſerm Volke ſein.— „Das freut mich. Da kann er mit ihm eſſen. Ich wünſchte nicht, daß er Unreines mit den Ismaeliten eſſe.“ — Herr! unſer Volk ſtrömt ihm von allen Seiten zu. Man ſagt, Jabaſtor, der große Cabaliſt, ſei von den Ber⸗ gen gekommen mit zehntauſend Mann, und habe ſich mit ihm verbunden.— „Der große Jabaſtor! Da iſt doch wieder einige Hoff⸗ nung. Ich kenne Jabaſtor ſehr wohl. Er iſt zu weiſe, um ſich zu einem hoffnungsloſen Unternehmen zu geſellen. 118 Es iſt ein großer Name, ein gewaltiger Geiſt. Ich habe ſolche Dinge von dieſem Jabaſtor gehört, daß Du davor ſtaunen würdeſt wie Saul vor dem Geiſte! Ich bin voll Hoffnung; ich fühle mich gar nicht wie ein Gefangener. Er ſchlug die Wache des Harems und hat jetzt den großen Jabaſtor für ſich, da ſchlägt er ſie alle.“ — Der Bote ſagte, er habe den Harem bloß genom⸗ men, um ſeinen Oheim und ſeine Schweſter zu befreien.— „Er hat mich ſtets geliebt: ich habe aber auch meine Schuldigkeit an ihm gethan. Ja, das habe ich. Jabaſtor! Der Name iſt ein wahrer Zauber! Es giebt Leute in Bag⸗ dad, die in der Nacht aufſtehen würden, um ſich zu Ja⸗ baſtor zu begeben. Ich will hoffen, daß David ſeinem Rathe in allem folgt. Ich wollte, ich hätte ſeinen Diener geſehen, damit ich ihm auch eine Botſchaft ſenden gekonnt.“ — Herr! Fürſt Alroy bedarf des Raths nicht eben ſehr, das kann ich Euch verſichern. Man ſagt, er führe das Scepter des großen Salomo, das er ſelbſt aus den unbekannten Gräbern von Paläſtina geholt habe.— „Das Scepter Salomo's!... wers nur glauben könnte! Das iſt eine wundervolle Zeit! Wo ſind wir nur? Rufe mir Mirjam, ich will ihr das alles erzählen. Aber bedenke nur, David, ein bloßes Kind mit dem Scepter Salomo's, und Jabaſtor auch! Ich habe große Zuverſicht. Der Herr verwirre ſeine Feinde!“ Die mächtige Trommel der Seldſchucken ertönte, dann folgte das Geſchmetter ihrer ſchallenden Trompeten, und dieſem Roſſeſtampfen. Hinter den Blenden ihres Gemachs ſahen Mirjam und ihre Mädchen den prachtvollen Zug der Reiter im Turban vorüberziehen, die jetzt in glänzenden Waffen und köſtlichen Shawls ſchimmernd, auf ihren küh⸗ nen Roſſen ſtolz erhoben dahin ſprengten, die einzige Hoff⸗ nung Israels zu beſiegen und zu zertrümmern. Auf einem arabiſchen Hengſte, ſchwärzer als die Nacht, ritt der ſtolze Haſſan, Gefangene ſhöne Se tigen Tri Augen un ihn ſchau ließ ſein keit ſeines vorüber. Die ſchiedenen zuerſt ihre Straßen Auße niedrigen und Turk war voll reiteten, ſchäftigun bens. Ra Kameele Säulen, und zertr Iwe Jabaſtor ihm ihre Herz die ihren be allem Ei und ſeine Glauben auf Gefah ch habe davor bin voll angener. Kroßen genom⸗ reien.— h meine ahaſtor! in Bag⸗ zu Ja⸗ d ſeinem n Diener gekonnt.“ icht eben er führe aus den glauben wir nur⸗ en. Aber Scepter zuverſicht. nte, dann ten, und Gemachs 1 Zug der glänzenden hren küh⸗ gige Hof⸗ Auf einem der ſtole 119 Haſſan, und als er an der Wohnung ſeiner vormaligen Gefangenen vorüberkam, ſchwenkte der hochmüthige, aber ſchöne Seldſchucke, entweder in jubelnder Vorahnung künf⸗ tigen Triumphes, oder in der Vorausſetzung, daß ſchöne Augen und reizende Geſichter hinter dieſem Gitterwerke auf ihn ſchauten, ſein Schwert hoch über dem Haupte, und ließ ſein Roß Stellungen annehmen, welche die Geſchicklich⸗ keit ſeines Reiters an den Tag legten. Der Zug ging vorüber. 3. Die verlaſſene Stadt der Wüſte bot einen ganz ver⸗ ſchiedenen Anblick dar, als damals, wo Alroy voll Staunen zuerſt ihre hohen Thürme erblickte und in den ſchweigſamen Straßen ihrer Paläſtereihen wanderte. Außerhalb der Thore war ein zahlreiches Lager jener niedrigen ſchwarzen Zelte aufgeſchlagen, die unter Kurden und Turkomanen ſo gebräuchlich ſind. Die Hauptſtraße war voll geſchäftiger Gruppen, die alles zum Zuge vorbe⸗ reiteten, und wimmelte von allen den geräuſchvollen Be⸗ ſchäftigungen eines unregelmäßigen und abenteuerlichen Le⸗ bens. Roſſe ſtanden in verfallenen Gemächern, und hohe Kameele hoben ihre ruhigen Geſichter über die zerbrochenen Säulen, oder knieeten ſtill zwiſchen umgeſtürzten Statuen und zertrümmerten Obelisken. Zwei Monate waren kaum vergangen, ſeit Alroy und Jabaſtor Scherirah in ſeinem Schlupfwinkel aufgeſucht und ihm ihre heilige Sendung angekündigt hatten. Das harte Herz dieſes Mannes, deſſen Mutter eine Jüdin war, hatte ihren begeiſterten Verkündigungen endlich nachgegeben. Mit allem Eifer der Bekehrung ſchloß er ſich ihrer Sache an, und ſeine bunte Bande trug nicht lange Bedenken, einen Glauben anzunehmen, der, indem er die ſicherſte Ausſicht auf Gefahr und Abenteuer verlieh, auch zugleich die auf 120 Reichthum und ſogar auf Herrſchaft gewährte. Von der Stadt der Wüſte aus ſandte nun der neue Meſſias ſeine Boten in die benachbarten Städte, um den Brüdern in Gefangenſchaft ſeine Ankunft zu verkünden. Die Hebräer, ein ſtolzes und halsſtarriges Volk, immer zur Rebellion geneigt, nahmen die Botſchaft ihres vor allen geliebten Fürſten mit Entzücken auf. Der Abkömmling David's und der Mörder Alſchiroch's hatte doppelte Anſprüche auf ihr Vertrauen und ihre Verbindung, und ſo ſtrömte die Blüthe der hebräiſchen Jugend aus den benachbarten Städten des Califats haufenweiſe herbei, dem wiedererlangten Scepter Salomo’s ihre Huldigung darzubringen. Die Regierung ſah anfangs die ganze Sache mit Ver⸗ achtung an, und der Sultan der Seldſchucken begnügte ſich damit, einen Preis auf den Kopf des Mörders ſeines Bru⸗ ders zu ſetzen; als aber mehrere Städte gebrandſchatzt wurden, und mehr als eine muſelmänniſche Caravane im Namen des Gottes Abrahams, Iſaaks und Jakobs geplün⸗ dert, ſo gelangten Befehle aus Bagdad an den neuen Gou⸗ verneur von Hamadan, Haſſan Subah, den Räubern oder Rebellen das Handwerk zu legen, und David Alroy todt oder lebendig in die Hauptſtadt zu liefern. Die hebräiſchen Unzufriedenen wurden von ihren min⸗ der kühnen aber nicht minder theilnehmenden Brüdern von allem unterrichtet, was in dem Hauptquartier des Feindes vorging. Spione kamen an demſelben Tage in der Stadt der Wüſte an und verkündeten Alroy, daß ſein Oheim zu Hamadan in ein Gefängniß geworfen worden ſei, und ein Haufe auserwählter Truppen im Begriffe ſtehe, einen könig⸗ lichen Harem von Bagdad nach Perſien zu begleiten. Alroy griff dieſe Begleitung in Perſon an, ſchlug ſie gänzlich und nahm den Harem gefangen. Es zeigte ſich, daß es der des Gouverneurs von Hamadan ſei, und wenn auch die lebhafte Hoffnung des Siegers über dieſe Täuſchung einen A vit geſe ſeiner Dieſer man be Wüther ergrif ten, die ſtieg er lichen S Stillung In fangene Rechten ling, w Palme, Heerfüh fähr fur Jünglin Mann „ Jabaſt rirah Augen ſprang kehrt. ward in das Vache, an de Von der as ſeine dern in Oebräer deellion gellebten ids und auf iht ie Blüthe adten des Scepter mit Ver⸗ rügte ſich ines Bru⸗ randſchatt avane im geplün⸗ uen Gou⸗ bern oder Alroy todt hren min⸗ dern von s Feindes der Stadt Oheim zu i, und ein nen könig⸗ iten. ſchlug ſie zeigte ſich, und wenn Täuſchung 121 einen Augenblick lang unzufrieden war, ſo ward doch, wie wir geſehen haben, um dieſen Preis Freiheit und Sicherheit ſeiner theuern, obſchon entfernten Verwandten erlangt. Dieſer Erfolg beſchleunigte auch das Unternehmen, welches man bereits zur Eroberung von Hamadan vorbereitet hatte. Wüthend ſprang Haſſan Subah von ſeinem Divan auf, ergriff ſein Schwert, und ohne auf die Hülfsvölker zu war⸗ ten, die er von den benachbarten Heerführern gefodert, be⸗ ſtieg er ſein Roß, um an der Spitze von zweitauſend treff⸗ lichen Seldſchuckſchen Reitern zur Rache ſeiner Liebe und Stillung ſeines Durſtes nach Alroy's Blute zu eilen. In dem Amphitheater, welches Alroy zuerſt als Ge⸗ fangener betrat, ſaß dieſer nun und hielt Rath. Zu ſeiner Rechten Jabaſtor, Scherirah zu ſeiner Linken. Ein Jüng⸗ ling, wenig älter als er, aber hoch gewachſen gleich einer Palme, und ſtark wie ein junger Löwe, war der vierte Heerführer. In der Entfernung ſtanden und lagen ohnge⸗ fähr funfzig vollſtändig Bewaffnete umher. „Iſt das Volk gezählt, Abner?“ fragte Alroy den Jüngling. — So eben: Dreihundert Reiter und zweitauſend Mann Fußvolk; dieſe aber brauchen noch Waffen.— „Der Herr wird ſie uns zur rechten Zeit ſenden,“ ſagte Jabaſtor,„unterdeſſen laßt ſie Wurfſpieße zubereiten.“ — Verlaßt Euch auf den Herrn!— murmelte Sche⸗ rirah mit geſenktem Haupte und auf den Boden gerichteten Augen. Ein lautes Geſchrei ward in der Stadt gehört. Alroy ſprang von ſeinem Teppich auf. Der Bote war zurückge⸗ kehrt. Bleich und entſtellt, mit Schweiß und Staub bedeckt, ward der treue Bote faſt auf den Schultern des Volkes in das Amphitheater getragen. Vergebens verſuchte es die Wache, der Menge den Zugang zu wehren. Sie klimmten an den Bindungen der Bogen hinauf, füllten die leeren 122 und zertrümmerten Sitze des alten Circus an, trugen ſich Einer den Andern auf den Schultern und erſtiegen ſo die Capitäler der hohen Säulen. Die ganze Menge war ver⸗ ſammelt, um die Nachricht zu hören. Der Anblick erinnerte an den vormaligen Zweck dieſes Gebäudes, und Alroy und ſein Kriegerhaufe ſchienen die Gladiatoren eines ehemaliglen Kampfſpieles zu ſein. „Sprich,“ ſagte Alroy,„ſprich ſelbſt das Schlimmſte. Keine Nachricht kann Diejenigen ſchrecken, die der Herr rächen will.“ — Beherrſcher Israels, alſo ſprach Haſſan Subah:— antwortete der Bote.— Mein Harem ſoll ſeine Freiheit nur meinem Schwerte verdanken. Ich unterhandle nicht mit Rebellen, doch führe ich auch nicht mit Greiſen und Frauen Krieg. Zwiſchen Boſtenai und ſeinem Hauſe auf der einen, und den Gefangenen Deines Herrn auf der an⸗ dern Seite ſei daher Friede. Geh, ſage Alroy, ich will ihn mit ſeinem Herzblute beſiegeln. Doch höre! Dein Oheim und Deine Schweſter ſind wieder in ihrem Palaſte. Alroy legte ſeine Hand einen Augenblick vor die Au⸗ gen, doch ſich ſchnell wieder faſſend, fragte er weiter nach den Bewegungen des Feindes. „Ich bin durch die Wüſte auf einem ſchnellen Drome⸗ dare gekommen, das mir Schelohmi vor dem Thor lieh, deſſen Herz unſ'’rer Sache ergeben iſt. Ich habe nicht ge⸗ zögert noch geſchlafen. Morgen vor Sonnenaufgang wer⸗ den die Philiſter hier ſein, von Haſſan Subah ſelbſt ange⸗ führt. Der Herr der Heerſchaaren ſei mit uns! Seit wir Canaan eroberten, hat Israel nicht wieder mit einer ſolchen Macht gekämpft!“ Ein Gemurmel lief durch die Verſammlung. Man wechſelte forſchende Blicke, und einer drückte unwillkührlich des Andern Arm. „Die Zeit der Prüfung iſt gekommen,“ ſagte ein die gewoe höhniſch „S „Ob de male ge tes Da Herrn Aſſyrer Mann; waren heutige liſce⸗ Hauſes und ſt Vort, hört! Anfang habe. en ſich ſo die ar ver⸗ nnerte oy und naligen immſte. r Herr dah:— Freiheit e nicht ſen und nuſe auf der an⸗ ich will lDein laſte. die Au⸗ ter nach Drome⸗ or lieh, nicht ge⸗ ng wer⸗ ſt ange⸗ Seit wir rſolchen Nan lkührlich gte ein 123 Hebräer von mittleren Jahren, der zwanzig Jahre zuvor unter Jabaſtor gefochten hatte. — Laßt mich ſterben für die Bundeslade!— rief ein junger begeiſterter Krieger aus Abner's Schaar. „Ich dachte, wir wollten einen heimlichen Plan aus⸗ führen,“ flüſterte Kisloch, der Kurde, zu Kalidas, dem In⸗ der.„Warum hätten wir es denn ſonſt aufgegeben, auf die gewohnte ruhige Weiſe zu rauben?“ — Und wären Juden geworden!— ſagte der Gueber höhniſch. „Seht nur auf Scherirah,“ rief der Neger grinſend. „Ob der nicht Salomo's Scepter küßt.“ — Ich wünſchte, er hätte Alroy gleich beim erſten⸗ male gehangen, wo er ihn geſehen hat:— murrte Kalidas. „Söhne des Bundes!“ rief Alroy aus;„der Herr hat ſie in eure Hände gegeben. Morgen Abends gehen wir nach Hamadan!“ Ein lauter Jubel folgte dieſem Ausrufe. „Es ſteht geſchrieben,“ ſagte Jabaſtor, indem er ein Buch öffnete;„Hört! ich werde dieſe Stadt vertheidigen um ſie zu retten, um meinetwillen, und um meines Knech⸗ tes David's willen. Und es geſchah, daß der Engel des Herrn ausging in dieſer Nacht, und ſchlug im Lager der Aſſyrer hundert und vier Heerhaufen und fünftauſend Mann; und als man früh am Morgen auſfſtand, ſiehe, da waren Alle todte Leichname.... Als ich aber an dieſem heutigen Morgen nach den Sternen ſchaute und das himm⸗ liſche Alphabet las, ſiehe, da bewegte ſich der Stern des Hauſes David's, und ſieben andere Sterne bewegten ſich und ſtanden zuſammen und bildeten einen Kreis. Und das Wort, das ſie bildeten, war mir ein Geheimniß. Doch hört! ich habe das Buch geöffnet, und jeder Stern iſt der Anfangsbuchſtabe des Targum, das ich Euch jetzt vorgeleſen habe. Daher iſt das Schickſal des Sanherib auch das Schickſal des Haſſan Subah! Vertraut auf ihn allezeit, Ihr Völker: und ſchüttet aus Euer Herz vor ihm. Gott iſt unſ're Zuflucht. Sela!“ Plötzlich erſchien eine weibliche Geſtalt an der höchſten Spitze des Amphitheaters, auf den wenigen Ueberreſten der oberſten Sitz⸗Reihe, von der bloß ein einſamer Bogen übriggeblieben war. Der Volkshaufe verſtummte augen⸗ blicklich, jede Zunge war ſtumm, jedes Auge dahin gerichtet. Selbſt Kisloch und ſeine Gefährten ſtaunten ſchweigend und unbeweglich, als ſie auf Eſther blickten, die Prophetin. Ihre erhabene Stellung, ihre Ehrfurcht einflößende Bewegung, das Glühen ihres großen Auges, ihr ſchönes aber ernſtes Geſicht, ihr ſchwarzes Haar, das ihr faſt bis an die Kniee reichte, und das bleiche Licht des Mondes, der eben an der gegenüberliegenden Seite des Amphithea⸗ ters emporſtieg, einen Silberſchimmer auf ihre Geſtalt warf und ſie, während alles umher in tiefes Dunkel gehüllt war, mit einem wunderbaren Scheine umfloß, alles dieſes ver⸗ eint machte ſie zum Gegenſtande der allgemeinſten Theil⸗ nahme und Aufmerkſamkeit, während ſie mit mächtiger, hochtönender Stimme alſo ſprach: „Sie kommen, ſie kommen! Aber werden ſie wieder gehn? Still! hörſt Du es, Du Haus Jacob's, daß Du ge⸗ rufen wirſt Israel, und daher kommſt von den Gewäſſern von Juda. Ich höre ihre Trommeln in der Wüſte, und der Schall ihrer Trompeten iſt gleich wie der Abendwind, aber ein Beſchluß iſt ausgegangen, und er ſagt: daß ein Sterblicher köſtlicher ſein ſoll als feines Gold, ja, ein Mann mehr als das reiche Erz von Ophir.“ „Sie kommen, ſie kommen! Aber werden ſie wieder gehn? Ich ſehe den Blitz ihrer Schwerter, ich vernehme das Wiehern ihrer gewaltigen Roſſe, aber ein Beſchluß iſt aus⸗ gegangen, und er ſagt: eine Aehrenleſe wird gehalten wer⸗ den unter ihnen gleich dem Schütteln des Oelbaumes; zwei oder dre oder fü 36 gehen? Hamad wüſtun die vil lon fül des Ett Wölfe ihren ihre T. ſoll we Waſſer Denn ſeinen wiederl ſeid fre denn d ſpenden mit ſch der B wandt lich e Schwe ſeine ſeinen übern rung tr ſch ſchucke A ott iſ hcſſten ſten der Bogen augen⸗ erichtet. veigend ophetin. lößende ſchönes faſt bis Rondes, phithea⸗ at warf illt war, ſes ver⸗ Wheil⸗ ächtiger, wieder Du ge⸗ wäſſern ſte, und endwind, daß ein n Mann e wieder hme das iſt aus⸗ ten wer⸗ es; zwei 125 oder drei Beeren auf der Spitze des höchſten Wipfels, vier oder fünf an den äußerſten Zweigen. „Sie kommen, ſie kommen! Aber werden ſie wieder gehen? Hört! Ein Beſchluß iſt ausgegangen, und er ſagt: Hamadan ſoll Dir gegeben werden zur Beute, und Ver⸗ wüſtung ſoll fallen auf Babylon. Und dort ſollen wohnen die wilden Thiere der Wüſte, und heulende Ungeheuer ſol⸗ len füllen ihre Häuſer, und dort ſollen hauſen die Töchter des Straußes, und der Uhu aufſchlagen ſein Gezelt. Und Wölfe ſollen heulen in ihren Paläſten, und Drachen in ihren wollüſtigen Luſtgebäuden. Ihre Zeit iſt gekommen, ihre Tage ſollen nicht verlängert werden, Rohr und Lotus ſoll wachſen in ihren Flüſſen, und die Wieſen an ihren Waſſerleitungen ſollen ſein wie der Sand der Wüſte. Denn es iſt ein leichtes Werk vor dem Herrn, daß er ſende ſeinen Knecht, um aufzurichten die Stämme Jacobs, und wiederherzuſtellen den Reſt Israels. Singt, o Himmel, und ſeid fröhlich; Erde, brich aus in Jubel, und Ihr Berge, denn der Herr hat ſein Volk getröſtet und will Gnade ſpenden ſeinen Betrübten!“ Sie endete, ſtieg die ſteile Seite des Amphitheaters mit ſchnellem Schritte herab, von Schlußſtein zu Schlußſtein der Bogen ſpringend, und hüpfte mit wunderbarer Ge⸗ wandtheit von einem Trümmerhaufen zum andern. End⸗ lich erreichte ſie den Boden und ſtürzte athemlos, von Schweiß bedeckt zu Alroy hin, warf ſich zur Erde, umarmte ſeine Füße und wiſchte mit ihrem Haar den Staub von ſeinen Sandalen. Die verſammelte Menge brach in laute Ausrufungen übernatürlichen Vertrauens und leidenſchaftlicher Begeiſte⸗ rung aus. Sie ſah ihren Meſſias ſein wundervolles Scep⸗ ter ſchwingen. Sie dachte Haſſan Subah und ſeine Seld⸗ ſchucken nur als Schlachtopfer, und den morgenden Tag 126 nur als einen Tag, der eine neue Aera beginnen ſolle des fuhr 8 Triumphes der Freiheit und der Herrſchaft! der u 4.. ſprecht o Nach fünftägigem Marſche ſchlug Haſſan Subah ſein In prachtvolles Zelt in der reizenden Oaſe auf, welche Alroy wortete als einſamen Pilger ſo köſtliche Erfriſchung dargeboten aber ij hatte. Rings umher, wohl eine Viertelſtunde weit, zogen„ ſich die Zelte ſeiner Krieger und der zahlreichen mit Waſ⸗ aber me ſer und Proviant für ſein Heer beladenen Caravane, die nich ihn begleitet hatte. Während er hier ausruhte, ſuchte er zugleich Nachrichten über die Stellung ſeines Feindes Werſuchu einzuziehen. Juden F Ein Heerhaufen, den er danach ausgeſendet hatte, kam R faſt ſogleich wieder mit einer kleinen Caravane zurück, die anführen von den Räubern neuerlichſt ausgeplündert worden war. bruch d Der Kaufherr, ein ehrwürdiger und frommer Muſelmann, ſteht. ward vor den Gouverneur von Hamadan geführt. ten, Eu „Aus dem Schlupfwinkel der Räuber?“ fragte Haſſan. Velſprech — Leider!— antwortete der Kaumann. panze fü „Iſt er weit?“ iind ſie? — Eine Tagereiſe.— nahe?“ „Und Ihr verließet ihn?“— — Geſtern früh.— verpflicht „Wie ſtark ſind ſie?“ und es Der Kaufmann zögerte. ich bin „Machen ſie keine Gefangene?“ fragte der Gouverneur nen Vo und warf einen forſchenden Blick auf den der vor ihm hält ſich ſtand. Dirhem — Heiliger Prophet! was für ein elender Menſch bin können, ich!— rief der ehrwürdige Kaufmann und brach in Thrä⸗ Nieman nen aus.— Ein treuer Unterthan des Kalifen bin ich ge⸗ weſen w zwungen, den Rebellen zu dienen, ein frommer Muſelmann Procent muß ich Juden beiſtehn! Laßt mich aufhängen, Herr!— naadan le des ah ſein Altoh geboten zogen t Waſ⸗ ne, die ihte er Feindes te, kam ſc, die n war. Amann, Haſſan. verneur vor ihm nſch bin n Thrä⸗ ich ge⸗ ſelmann err!— 127 fuhr der Unglückſelige händeringend fort.— Laßt mich auf der Stelle hängen. Ich habe genug gelebt.— „Was ſoll das heißen?“ fragte Haſſan;„ſprecht, Freund, ſprecht ohne Scheu.“ — Ich bin ein treuer Diener des Kalifen,— ant⸗ wortete der Kaufmann,— ich bin ein frommer Muſelmann, aber ich habe zehntauſend Dirhems verloren.— „Das iſt mir leid: auch ich habe etwas verloren, aber mein Verluſt geht Euch nichts an, noch der Eurige mich.“ — Verflucht ſei die Stunde, wo dieſe Hunde mich in Verſuchung führten! Sagt mir, iſt's eine Sünde, einem Juden ſein Wort nicht zu halten?— „Im Gegentheile. Ich könnte Euch mehrere Mollahs anführen, die Euch lehren würden, daß ein ſolcher Wort⸗ bruch die größte Tugend iſt. Ich ſehe ſchon, wie die Sache ſteht. Ihr habt Eure Freiheit unter der Bedingung erhal⸗ ten, Eure mitleidsvollen Plünderer nicht zu verrathen. Verſprechungen, die man durch Furcht entlockte, ſind Po⸗ panze für Thoren. Sagt mir alles was Ihr wißt. Wo ſind ſie? Wie ſtark iſt ihre Anzahl? Halten Sie uns für nahe?“ — Ich bin ein treuer Unterthan des Kalifen und verpflichtet ihm zu dienen; ich bin ein frommer Muſelmann, und es iſt meine Pflicht, alle Giaours zu vernichten; aber ich bin auch ein Menſch, und muß daher auf meinen eig'⸗ nen Vortheil ſehen. Erhabner Gouverneur, die Sache ver⸗ hält ſich kürzlich ſo: dieſe Böſewichter haben mir 10,000 Dirhems abgenommen, wie meine Sklaven Euch verſichern können, das heißt wenigſtens Güter auf Höhe dieſer Summe. Niemand wird beweiſen können, daß ſie weniger werth ge⸗ weſen wären. Allerdings rechne ich jedoch noch die hundert Procent Gewinn dazu. Ich wollte meine Shawls in Ha⸗ madan verkaufen, und ſie waren mir wenigſtens 10,000 128 Dirhems werth. Fragt nur meine Sklaven, ob man noch jemals eine ſolche Auswahl von Shawls geſehen hat?— „Zur Sache, zur Sache! Die Räuber?“ — Ich bin bei der Sache. Die Shawls ſind die Sache. Denn wenn ich von den Shawls und meinem un⸗ glückſeligen Schickſale ſprach, müßt Ihr wiſſen, daß der Anführer der Räuber...— „Alroy?“ — Ein ſtattlicher junger Mann, wie ſie ihn aber hei⸗ ßen weiß ich nicht. Der Anführer ſagte alſo zu mir: Kauf⸗ mann, Du ſiehſt traurig aus. Traurig, entgegnete ich: nun, Ihr würdet wohl auch traurig ausſehen, wenn Ihr gefan⸗ gen wäret, und zehntauſend Dirhems eingebüßt hättet. Iſt denn dieſer Kram da zehntauſend Dirhems werth? fragte er. Mit den funfzig Procent, die ich in Hamadan daran verdienen wollte, ſagte ich. Funfzig Procent; erwiederte er, Du biſt ein alter Spitzbube. Spitzbube; ſagte ich, es ſollte mich nur einer in Bagdad einmal ſo nennen! Spitzbube oder nicht, verſetzte er, Du kannſt Dir aus dieſer Verlegenheit helfen. Wie denn? fragte ich. Du biſt ein ganz ehrwürdig aus⸗ ſehender Mann, erwiederte er, und ich wollte darauf wetten, auch ein guter Muſelmann obendrein. Das bin ich, ſagte ich, ob Ihr gleich ein Jude ſeid; aber wie mir hier mein Glaube helfen kann, das weiß ich wahrhaftig nicht, wenn nicht der Engel Gabriel, wie es in dem 55ſten Verſe des 27ſten Kapitels des Koran ſteht...— „Still, ſtill!“ rief Haſſan aus:„zur Sache, zur Sache!“ — Ich bin immer bei der Sache, Ihr bringt mich nur wieder heraus. Um es aber ſo kurz als möglich zu machen, der Anführer der Räuber weiß, daß Ihr da ſeid, und weiß ſich nicht zu helfen, ob er gleich groß that. Das konnte ich ganz deutlich ſehen. So ließ er mich denn, wie Ihr ſeht, mit einigen meiner Sklaven gehen, und gab mir eine Anweiſung von 5000 Dirhems auf einen Mann Namens ich aber Bedingur Mahomme ſollte.— Ei N/ wiſſen n ich anfan wieder h das man gläubigen ſend Dir entdecken „5 hems, un „A liche H die Nach ten ihn etwa ſieh So hört jzunge M Vorfälle fort, ſo Gefange nigen, ſchenkte ich mit, daß die Nacht u ſchiert in noch dat?— ind die ꝛem un⸗ daß der ber hei⸗ : Kauf⸗ h: wun, r gefan⸗ tet. Iſt fragte in daran ederte er, es ſollte uͤbe oder it helfen. dig aus⸗ uf wetten, ich, ſagte dier mein tt, wenn Verſe des Sache!“ ingt mich röglich zu rda ſeid, gat. Das denn, wie gab mir i Mann 129 Namens Boſtenai in Hamadan... Ihr kennt ihn vieleeicht, ich aber gar nicht: taugt er denn etwas?... unter der Bedingung, daß wenn ich etwa auf Euch ſtieße, ich Euch, Mahomed möge mir's vergeben! eine Lüge ſagen ſollte.—: „Eine Lüge!“ — Ja, ja, eine Lüge. Aber dieſe jüdiſchen Hunde wiſſen nicht was ein ächter frommer Mann iſt, und als ich anfangen wollte, Euch die Lüge zu ſagen, war ich bald wieder heraus. Wenn alſo, edler Haſſan, ein Verſprechen, das man einem Juden gegeben hat, einen wahren Recht⸗ gläubigen nicht binden kann, und Ihr mir für die fünftau⸗ ſend Dirhems einſteht, will ich Euch auf der Stelle alles entdecken.— „Seid ganz ohne Sorgen wegen der fünftauſend Dir⸗ hems, und ſagt mir alles.“ — Ich ſoll ſie bezahlt bekommen?— „Auf mein Ehrenwort.“ 1 — Schön, ſchön! Nun ſo wißt denn, daß die abſcheu⸗ lichen Hunde ſehr ſchwach und voll Schreckens ſind über die Nachricht Eurer Fortſchritte. Einer, ich glaube ſie nann⸗ ten ihn Jabaſtor, iſt mit dem größten Theile dieſes Volkes, etwa ſiebenhundert Mann, in's Innere der Wüſte gezogen. So hörte ich, aber gewiß weiß ich's freilich nicht. Der junge Mann, den Ihr Alroy nennt, iſt bei einem der letzten Vorfälle verwundet worden, konnte alſo nicht mit ihnen fort, ſondern blieb in den Ruinen mit einigen weiblichen Gefangenen, einigen Schätzen, und etwa hundert der Sei⸗ nigen, die in den Grabmälern verborgen liegen. Er ſchenkte mir unter der Bedingung meine Freiheit, daß, wenn ich mit Euch etwa zuſammen käme, ich Euch verſichern ſollte, daß die Hunde, mehr als 5000 Mann ſtark, Euch in der Nacht umgangen hätten und gerade auf Hamadan zu mar⸗ ſchiert wären. Sie redeten mir zu, Euch recht in Furcht 9 zu jagen, aber das war eine Lüge, und ich konnte ſie nicht über den Mund bringen. Jetzt wißt Ihr nun die reine Wahrheit, und wenn es eine Sünde iſt, einem Ungläubigen ſein Wort nicht zu halten, ſo ſeid Ihr dafür verantwortlich, eben ſo wie für die 5000 Dirhems, welches eigentlich 10,000 hätten ſein ſollen.— „Wo iſt Eure Anweiſung?“ — Hier iſt ſie,— ſagte der Kaufmann und zog ſie aus ſeinem Untergewande:— ein recht ordentliches Doku⸗ ment, auf einen gewiſſen Boſtenai gezogen, den ſie mir als gewaltig reich beſchrieben, und der mir ſonach 5000 Dir⸗ hems auszahlen ſoll, wenn in Folge meiner Mittheilungen Haſſan Subah... das ſeid Ihr ſelbſt,.. nach Hamadan zurückkehrt, ohne ſie anzugreifen.— „Des alten Boſtenai Kopf ſoll dafür bürgen.“ — Das freut mich ſehr. Wär' ich aber an Eurer Stelle, ſo ließ ich ihn vorher mich bezahlen.— „Kaufmann,“ ſagte Haſſan,„habt Ihr etwas dagegen, noch einmal Euern Freund Alroy zu beſuchen?“ — Das verhüte Allah!— „In meiner Geſellſchaft?“ — Das macht einen Unterſchied.— „Seid unſer Führer, und ich verdopple die Dirhems.“ — Das würde mir meine hundert Procent erſt erſetzen. Es iſt mir nicht ſo recht angenehm, aber... in Eurer Geſellſchaft macht das einen Unterſchied. Verliert nur keine Zeit. Eilt Ihr raſch vorwärts, könnt Ihr Alroy noch ge⸗ fangen bekommen. Jetzt oder nie! Die Judenhunde, einen Rechtgläubigen auszuplündern!— „Oglu,“ ſagte Haſſan zu einem ſeiner Offiziere.„Zu Pferd! Ihr braucht die Zelte nicht abbrechen zu laſſen. Können wir die Stadt noch bis heut Abend erreichen, Kaufmann?“ nen Sta einzudrin berichtete ordnete 1 aufſtellen machen, große Po Die und glär wilden N nen und wurden übernatür ſchwang d ſänſtigt i das meche Narſches keinem Fl die prahl terbrochen Die glänzte und zart „Hi diente, in Dſſizieren ſtraße de 5 ſie nicht ie reine äubigen wortlich, egentlich zog ſie 8 Doku⸗ mir als 00 Dir⸗ eilungen Hamadan 1 in Eurer dagegen, irhems.” erſetzen. in Eurer nur keine noch ge⸗ dd, einen ere.„Zu zu laſſen. erreichen, 131 — Eine Stunde vor Sonnenuntergang, wenn Ihr gleich aufbrecht.— „Laßt die Trommel rühren. Zu Pferde, zu Pferde!“ D. Die Seldſchucken hielten vor den Mauern der verlaß'⸗ nen Stadt. Ihr Anführer ordnete einen Heerhaufen ab, einzudringen und zu recognoſciren. Er kehrte zurück und berichtete deren anſcheinendes Leerſtehen. Haſſan Subah ordnete nun an, daß eine Wache ſich unter den Mauern aufſtellen ſolle, um dem Feinde jede Flucht unmöglich zu machen, und zog mit ſeinen übrigen Kriegern durch das große Portal in die ſchweigende Straße. Die noch immer vorwaltende Pracht dieſes ſonderbaren und glänzenden Anblicks übte ſelbſt auf das Gemüth dieſer wilden Reiter ihren Einfluß aus. Sie blickten mit Stau⸗ nen und Bewunderung um ſich. Ihre wilden Geſichter wurden ſanfter, die Wuth des Einrückens geſtillt. Ein übernatürliches Gefühl von Ruhe übermannte ſie. Keiner ſchwang den Säbel, das unbändige Roß ſchien eben ſo be⸗ ſänftigt wie ſein Reiter, und kein Ton ward gehört als das mechaniſche, ſchwermüthige Geſtampfe des regelmäßigen Marſches, nicht von der militäriſchen Muſik gehoben, von keinem Fluche oder Scherze begleitet, und ſelbſt nicht durch die prahleriſchen Sprünge eines übermüthigen Roſſes un⸗ terbrochen. Die Sonne war im Untergehn. Der Abendſtern glänzte über dem weißen ioniſchen Tempel, der ſich heiter und zart in den ſtrahlenden Purpurhimmel hob. „Hieher,“ ſagte der Kaufmann, der ihnen als Führer diente, indem er ſich zu Haſſan umwandte, der von ſeinen Offizieren umgeben, die Vorhut anführte. Die ganze Haupt⸗ ſtraße der Stadt wurde mit Seldſchuckſchen Kriegern ange⸗ füllt. Ihre ſchwarzen Roſſe, ihre ſchneeweißen Turbane, 9⸗ 13² mit Federn des ſchwarzen Adlers und rothen Reihers ge⸗ ſchmückt, der Schimmer ihrer Waffen beim Sonnenunter⸗ gange, und die lange wogende Perſpektive ſchöner Formen und glänzender Farben.... Dieſe Schaar von Helden in einer Straße von Paläſten,... ſelten hatte der Krieg ein eindruckreicheres, und maleriſcheres Schauſpiel dargeboten. „Hieher!“ rief der Kaufmann wieder und zeigte auf die enge Wendung an dem ioniſchen Tempel vorbei, wel⸗ cher ſie durch verfallene Straßen zu dem Amphitheater führte. „Halt!“ ſchrie hier eine wilde, gellende Stimme. Jeder Krieger hielt augenblicklich ſein Pferd an. „Wer ſprach hier?“ fragte Haſſan Subah. — Ich!— antwortete eine Stimme. Und unter dem Portikus des Tempels ſtand eine weibliche Geſtalt mit em⸗ porgehobenen Armen. „Und wer biſt Du?“ fragte Haſſan Subah, nicht we⸗ nig beſtürzt. — Dein böſer Genius, Seldſchuck!— Haſſan Subah bleich wie ſeine elfenbeinerne Streitaxt, antwortete nicht. Jeder, der es hörte, ſchauderte. Das furchtbare Weib blieb unbeweglich unter der Tempelhalle. „Weib, Hexe oder Gottheit,“ rief endlich Haſſan Subah aus,„was willſt Du hier?“ — Seldſchuck! Sieh dieſen Stern. Es iſt ein bloßer Tropfen Lichts; wer aber von Deiner wilden Schaar kann ohne Ehrfurcht auf ihn blicken? Und doch kommſt Du, ſchlechter als Siſera, kommſt um zu ſtreiten gegen die, für welche ſelbſt die Sterne fechten auf ihren Bahnen!— „Eine jüdiſche Hexe!“ rief der Seldſchuck. — Eine jüdiſche Hexe! Sei dem ſo: ſo ſoll mein Zau⸗ ber auf Dich fallen, und dieſer Zauber heißt Zerſtörung. Erwache, erwache, Debora! erwache und beginne Dei⸗ nen Sang: erhebe Dich, Barak, und führe die Gefan⸗ genen d noam! Un zu verd ergoß ſt ſen von ſeinen rühmtes Kampfge deren S Stadt ei ſich min durch d Zuſam nung, ſich ein ihrer g cadirt der ſich die be⸗ griffen, Richtun die Ord vorüber Stelle z hers ge⸗ enunter⸗ Formen elden in Krieg ein geboten. eigte auf bei, wel⸗ hitheater me. an. mter dem tmit em⸗ nicht we⸗ Streitaxt, erte. Das empelhall. an Subah ein bloßer haar kann ommſt Du, en die, für n!— mein Zau⸗ rſttörung. ginne Der die Gefan⸗ 133 genen davon, ſelbſt ein Gefangener, Du Sohn des Abi⸗ noam!— Und in demſelben Augenblicke ſchien ſich der Himmel zu verdunkeln, eine Wolke von Pfeilen und Wurſſpießen ergoß ſich überallher auf die Seldſchucken. Ungeheure Maſ⸗ ſen von Stein und Marmor wurden von allen Seiten her geſchleudert, Roſſe wurden von Speeren niedergeſtochen, geführt von unſichtbaren Händen, und Reiter ſtürzten zu Boden ohne vorhergehenden Kampf, und wurden von ihren erſchrockenen und in Unordnung gerathenen Brüdern zer⸗ treten. „Wir ſind verrathen!“ rief Haſſan und ſchleuderte ſeinen Wurſſpieß nach dem Kaufmann. Der Kaufmann war aber verſchwunden. Die Seldſchucken erhoben ihr be⸗ rühmtes Kampfgeſchrei. „Oglu! wieder in die Wüſte!“ befahl ihr Heerführer. Doch kaum hatte die Wache vor den Mauern das Kampfgeſchrei ihrer Gefährten gehört, als ſie auch, wegen deren Sicherheit in Sorgen, zu ihrem Beiſtande in die Stadt eilte. Die auf ihrem Rückzuge mit jedem Augenblicke ſich mindernden Heereskräfte Subah's wurden ſelbſt hierbei durch den gewaltigen Eifer ſeiner Hülfsſchaar geſtört. Das Zuſammentreffen beider Abtheilungen vermehrte die Unord⸗ nung, und als endlich die neuhinzugekommenen Seldſchucken ſich einigermaßen wieder geſammelt hatten, fanden ſie zu ihrer großen Beängſtigung das Portal vom Feinde barri⸗ cadirt und beſetzt. Durch die Gegenwart ihres Heerführers, der ſich bei der Nachhut befand, nicht angeregt, wurden die beſtürzten Krieger von einem paniſchen Schrecken er⸗ griffen, und zerſtreuten ſich, ihre Pferde ſpornend, nach allen Richtungen der Stadt. Vergebens ſuchte Haſſan Subah die Ordnung wiederherzuſtellen. Der Augenblick dazu war vorüber. Mit etwa dreißig Mann ſich auf eine offene Stelle zurückziehend, welche im Zuge durch die Stadt ſein ſchneller Blick beobachtet hatte, erwartete der gefürchtete Gouverneur von Hamadan, tapfer ſich vertheidigend, mit ächtem Kriegermuthe das unvermeidliche Schickſal, indem er doch noch nicht ganz die Hoffnung aufgab, daß irgend eine Wendung ihn aus dieſer verzweiflungsvollen Lage retten könne. Und jetzt ſchienen, wie durch einen Zauberſchlag, be⸗ waffnete Männer aus jedem Theile der Stadt zu erſtehen. Aus jeder Maſſe von Trümmern, aus jedem eingeſtürzten Tempel und verwitterten Hauſe, aus jeder Katakombe und jedem Keller, hinter jeder Säule und jedem Obelisken her⸗ vor, erhob ſich ein wilder Krieger mit blutiger Waffe. Das Niedermetzeln der Seldſchucken war allgemein. Die Reiter ſprengten in wilder Flucht durch die zerſtörten Stra⸗ ßen, von Haufen Fußvolks verfolgt. Manchmal ſammelten ſich die Seldſchucken zu einzelnen Maſſen und fochten wie Verzweifelnde: wie kräftig aber ihr Widerſtand auch gegen den offnen Feind ſein mochte, unmöglich war es, den ge⸗ heimen Gegnern zu widerſtehen. Keinen Ort zur Zuflucht gab es, keine Möglichkeit, auch nur einen Augenblick Zeit zum Athmen zu gewinnen. Zogen ſie ſich an eine Mauer zurück, ſtarrte dieſe augenblicklich von Speeren. Verſuchten ſie es, ſich in einem Hofe wieder zu formiren, ſo ſanken ſie unter niederſtürzenden Maſſen dahin, die von allen Punkten her ſie überſchütteten. Wildes Geſchrei der Rache, verbun⸗ den mit den gellenden Klängen der Hörner und dem Ge⸗ töſe der Cymbeln und Trompeten, erſcholl in jedem Tbale der Stadt. „Könnten wir nur die Mauern überſteigen und in die Wüſte ſprengen,“ rief Haſſan Subah einem der Wenigen zu, die ihm noch übrig geblieben waren:„das iſt unſere einzige Rettung. Hier müſſen wir wie Hunde umkommen! Träfe ich nur auf Alroy!“ Drei der Seldſchucken ſprengten eiligſt an dem offe⸗ Schwert — Dritte. „N Metelei. Könnte We Subah. F hört alle „Bi Hie ſpieß na ab, abe ermann Kraft Klinge D . ν mir, dq brochen Seldſchu ffürchtete end, mit indem er Zend eine ge vetten clag, be⸗ erſtehen. geſtürzten umbe und sken her⸗ er Waffe. ein. Die ten Stra⸗ ſammelten ochten wie uch gegen „den ge⸗ r Jyflucht ablick Zeit ne Mauer Verſuchten ſanken ſie e Punkten e, verbun⸗ dem Ge⸗ dem Theile und in die r Wenigen Hiſt unſere mkommen! dem off⸗ 135 nen Platze vorüber, von mehreren Hebräern zu Pferde verfolgt. „Abner! ſtrecke ſie alle nieder! Schone keinen; denk an Amalek!“ rief ihr jugendlicher Führer, ſein blutiges Schwert ſchwingend. — Nieder ſind ſie— einer— zwei— da ſtürzt der Dritte. Mein Wurfſpieß traf ihn gut.— „Dein Roß blutet heftig.— Wo iſt Jabaſtor?“ — An dem Thore. Mein Arm ſchmerzt von der Metzelei. Der Herr hat ſie in unſere Hände gegeben. Könnte ich nur auf ihren Anführer ſtoßen!— „Wende Dich, Bluthund, hier iſt er!“ rief Haſſan Subah. — Fort, Abner, das iſt meine Sache.— „Fürſt, Ihr habt ſchon Tauſende beſiegt!“ — Und Abner Zehntauſend. Nein, dies Geſchäft ge⸗ hört allein mir. Komm an, Türke.— „Biſt Du Alroy?“ — Ich bin's.— „Der Alſchiroch erſchlug?“ — Ich erſchlug ihn.— „Rebell und Mörder.“ 1 — Was Du willſt. Jetzt wahre Dich— Hiermit ſchleuderte der hebräiſche Fürſt einen Wurf⸗ ſpieß nach dem Seldſchucken. Er prallte vom Bruſtharniſch ab, aber Haſſan Subah ſchwankte auf dem Roſſe. Bald ermannte er ſich jedoch wieder und griff Alroy mit voller Kraft an. Ihre Schwerter kreuzten ſich und Haſſan's Klinge zerſchellte. „Der mir dieſe Klinge verkaufte,“ rief Haſſan,„ſagte mir, daß ſie gefeit ſei und bloß von einem Kalifen zer⸗ brochen werden könne. Er war ein Lügner!“ — Kann möglich ſein!— ſagte Alroy und hieb den Seldſchucken vom Roſſe. Abner hatte unterdeß deſſen Ge⸗ — 6 8 136 fährten zerſtreut. Alroy ſprang von ſeinem ermatteten Roſſe und beſtieg den ſchwarzen Hengſt ſeines getödteten Feindes. Dann ſtürzte er ſich wieder mitten ins Gefecht. Die Schatten der Nacht ſanken herab, das Geſchrei nahm nach und nach ab, der Kampf erſtarb. Einige un⸗ glückliche Muſelmänner, die von den Pferden abgeſtiegen waren und ſich unter den Trümmern zu verbergen geſucht hatten, wurden nur noch dann und wann aufgeſpürt, vor⸗ gezogen und niedergehauen. Lange ſchon vor Mitternacht hatte der letzte Seldſchucke geendet. Der Mond warf volles Licht auf die Straße der Pa⸗ läſte, die mit erſchlagenen Feinden und ihren lebenden Siegern angefüllt war. Feuer wurden angezündet, Fackeln leuchteten, die Sieger bereiteten unter Hymnen des Preiſes und Dankes ein Feſtmahl. Ein Zug nahte ſich. Eſther, die Prophetin, tanzte mit Zuſammenſchlagen der Becken vor dem Meſſias Israels, der auf ſein Siegerſchwert gelehnt daſtand, von Jabaſtor, Abner, Scherirah, und ſeinen erſten Heerführern umgeben. Wer konnte jetzt an der Gültigkeit ſeiner Sendung zwei⸗ feln? Die weite, ſchweigende Wüſte tönte von dem Jubel⸗ rufe ſeiner begeiſterten Anhänger wieder. 6. Langſam ſchlichen die angſtvollen Stunden in den Wohnungen der Juden zu Hamadan dahin. Immer von Neuem beſprach ſich der ehrwürdige Boſtenai mit den theilnehmenden aber hoffnungsloſen Aelteſten über die Mög⸗ lichkeit des Erfolgs. Mirjam verblieb in ſtetem Gebete. Ihre glänzendſten Hoffnungen verſtiegen ſich nicht über das Entkommen ihres Fürſten. Vierzehn Tage waren vorüber, und noch hatte man keine Nachrichten vom Erfolg des Abzugs erhalten, als ge⸗ gen Abend plötzlich ein Poſten auf einem Wachthurme das biſcheine blickich und Stt Freude männer, Hebräer 2 6 Wache Schildwe Wällen, darzubri den Un Allah's iſt’“ ſ verſetzte Hunde brauch “„ Augen, matteten etödteten GEffecht Geſchrei aige un⸗ dgeſtiegen en geſucht ürt, vor⸗ itternacht der Pa⸗ lebenden t, Fackeln 8 Preſſes tanzte mit 2 Jeragels, Jabaſtor, umgeben. dung zwei⸗ eem Jubel⸗ n in den zmmer von i mit den er die Mög⸗ em Gebete. ht über das hatte man ten, als ge⸗ churme das 137 Erſcheinen Bewaffneter in der Entfernung meldete. Augen⸗ blicklich drängten ſich die beſorgten Einwohner auf die Wälle, und Straßen und Märkte waren mit Neugierigen angefüllt. Freude thronte auf der triumphirenden Stirne der Muſel⸗ männer, kaltes Beben durchzuckte das bangende Herz der Hebräer. „Es iſt nur ein Gott!“ ſagte der Hauptmann der Wache am Thore. — Und Mahomed ſein Prophet;— antwortete die Schildwacht. „Morgen wollen wir allen dieſen Judenhunden die Naſen abſchneiden.“ — Das Scepter iſt uns entfallen;— rief der ver⸗ zweifelnde Boſtenai. „Herr, gedenke David's!“ flehte leis Mirjam, warf ſich nieder im Hofe des Palaſtes und beſtreute ihr Haupt mit Aſche. Die Mollah's zogen in feierlicher Prozeſſion zu den Wällen, um dem ſiegreichen Haſſan Subah ihren Segen darzubringen. Die Muezzin beſtiegen die Minarets, um den Untergang der Sonne zu erwarten und die Macht Allah's mit erneuter Begeiſterung zu verkünden. „Ich bin nur neugierig, ob Alroy todt oder lebendig iſt?“ ſagte der Hauptmann der Thorwache. — Iſt er lebendig, ſo wird er geſpießt werden;— verſetzte die Schildwacht. „Und iſt er todt, ſo wirft man den Leichnam den Hunden vor,“ vollendete der Hauptmann,„das iſt der Ge⸗ brauch.“ — Boſtenai wird gehängt.— „Und ſeine Nichte auch.“ — Hm!l wer weiß! Haſſan Subah liebt ſchwarze Augen.— „Ich will hoffen, daß ein rechtgläubiger Muſelmann 138 keine Jüdin berühren wird!“ rief ein erzürnter ſchwarzer Eunuch aus. — Sie kommen näher. Was für ein Staub!— ſagte der Hauptmann. „Ich ſehe Haſſan Subah!“ rief die Schildwacht. — Ich auch!— ſagte der Eunuch.— Ich kenne ſein ſchwarzes Pferd.— „Ich bin neugierig, wie viele Dirhems der alte Bo⸗ ſtenai im Vermögen haben wird;“— ſagte der Hauptmann. — Unzählige!— entgegnete die Schildwacht. „Es wird doch wohl nicht geplündert werden?“ fragte der Eunuch. — Je nun, wir werden's ſehen!— verſetzte der „Hauptmann.— Tauſend bin ich freilich dem alten Sche⸗ lomi ſchuldig, aber bezahlt wird nun nichts mehr, wie Ihr wißt.— 5 „Bewahre!“ ſagte der ſchwarze Eunuch,„den Rebellen.“ Eine Schaar Reiter ſprengte vor. Ihr Anführer ſpornte ſein ſtolzes Roß der Mauer zu. „Im Namen des Propheten, wer iſt das?“ rief der wachthabende Hauptmann etwas beſtürzt aus. — Ich habe ihn noch nie geſehen,— ſagte die Schild⸗ wacht;— ob er gleich wie ein Seldſchucke gekleidet iſt. Ohnſtreitig Jemand aus Bagdad.— Eine Trompete erſcholl. „Wer hält hier Wache?“ fragte der Krieger. — Ich bin der Hauptmann der Thorwacht.— „So öffnet es dem Könige von Israel.“ — Wem?— fragte der ſtaunende Hauptmann. „Dem König David. Der Herr hat Haſſan Subah und deſſen Heer in unſere Hände gegeben, und von all' den ſtolzen Seldſchucken iſt kein Einziger übrig geblieben. Oeffnet das Thor, ſage ich, und verlieret keine Zeit. Ich bin Jabaſtor, ein Stellvertreter des Herrn. Dieſes Schwert ſt mein G Volk, Ih gezeigt h ſpricht d offen me beſitzet, Mann a Kaneele ſagte der uns verit di Eile zu die ſtau und der Kraft ih nach der Fräulein den Sa Do Platz v verſamr bezog verſchw Minar behang D verkünd jübelte, geſchrei. ſchwarzer ſagte ct. enne ſein alte Bo⸗ ptmann. 21. * feagte ſetzte der ten Sche⸗ „wie Ihr ſebellen.“ r ſpornte rief der ie Schild⸗ Keidet iſt. ann. an Subah von all geblieben. geit. Ich s Schwert 139 iſt mein Auftrag. Oeffne das Thor, und Du und Dein Volk, Ihr ſollt die Gnade genießen, die Ihr nie für Andere gezeigt habt. Zögerſt Du aber noch einen Augenblick, dann ſpricht der König, unſer Herr, alſo: ich will Euer Thor offen machen und zerſtören, und alles vernichten, was Ihr beſitzet, und Eurer ſelbſt nicht ſchonen, und erſchlagen ſo Mann als Weib, Kinder und Säuglinge, Ochſen und Schafe, Kameele und Maulthiere.“ — Ruft den ehrwürdigen Herrn Boſtenai her,— ſagte der Hauptmann zähneklappernd;— er wird ſich für uns verwenden.— „Und das holdſelige Fräulein Mirjam,“ ſetzte die Schildwacht hinzu;„ſie iſt ſtets mitleidsvoll.“ — Ich will den Zug anführen!— rief der ſchwarze Eunuch;— ich bin ſchon an Frauen gewöhnt.— Die Prozeſſion der Mollahs ſtürzte in der profanſten Eile zu ihrem Kloſter zurück; die Sonne ging unter, und die ſtaunenden Muezzins ſtanden mit offenem Munde da und vergaßen gänzlich die Macht ihrer Gottheit und die Kraft ihres Propheten zu verkünden. Das ganze Volk rief nach dem ehrwürdigen Herrn Boſtenci und dem holdſeligen Fräulein Mirjam und lief haufenweiſe herbei, um zuerſt den Saum ihrer Kleider zu küſſen.— Das Hauptthor von Hamadan ſtieß auf den freien Platz vor der großen Moſchee. Hier hatte ſich das Volk verſammelt. Die Thore wurden geöffnet, und Jabaſtor bezog mit den Seinen die Wache. Die kurze Dämmerung verſchwand, die Schatten der Nacht ſenkten ſich herab. Die Minarets waren erleuchtet, die Häuſer mit Blumengewinden behangen, die Wälle mit Teppichen bedeckt. Der Klang der Trommeln, Trompeten und Zimbeln verkündete die Ankunft des hebräiſchen Heeres. Das Volk jubelte, das Heer antwortete von Außen mit lautem Sieges⸗ geſchrei. Unter dem Schimmer der Fackeln ſprengte ein ——— Jüngling auf einem rabenſchwarzen Roſſe, ſein Schwert ſchwingend, an der Spitze ſeiner Leibwachen in die Stadt — das Volk fiel auf die Kniee und rief:—„Lange lebe Alroyl“ Ein ehrwürdiger Mann, ein ſchönes Mädchen mit niedergeſenkten Augen führend, ſchritt einher. Hinter ihnen Abgeordnete, aus den angeſehenſten Einwohnern der Stadt beſtehend. Sie kamen, um Schutz und Gnade zu erflehen. Als er ſie erblickte, ſchwang ſich der jugendliche Krieger von ſeinem Roſſe, warf ſein Schwert hinweg und rief, das Mädchen in ſeine Arme ſchließend:„Mirjam, Schweſter, dies iſt wahrhaftig Triumph!“ 7. Aſien tönte vom Aufſtande der Juden und der Nieder⸗ metzelung der Seldſchucken wieder. Haufen von Hebräern aus den reichen Städten Perſiens und den volkreichen Nie⸗ derlaſſungen am Tigris und Euphrat, ſtrömten ſtündlich nach Hamadan. Die aufgebrachten Muſelmänner verfolgten die Glau⸗ bensbrüder des glücklichen Rebellen, und dieſes unkluge Benehmen beſchleunigte ihren Fall. Bagdad's Reichthum floß in die hebräiſche Hauptſtadt. Sitzend auf dem Divan Haſſan Subah's, und das Scepter Salomo's führend, em⸗ pfing der König von Israel die Huldigung ſeiner treuen Unterthanen und ſchickte ſeine Abgeſandten nach Syrien und Egypten. Die wohlverſehenen Zeughäuſer von Hamadan verwaudelten ſchnell die Pilger in Krieger. Die Stadt vermochte nicht mehr die vermehrte und ſtets anwachſende Volksmenge aufzunehmen. Außerhalb der Mauern ward daher unter dem Befehle Abner's ein großes Lager gebildet, wo die Truppen täglich geübt und zu größeren Unterneh⸗ mungen, als einem Handgemenge in der Wüſte gebildet wurden. Ein Monat war ſeit der Uebergabe Hamadan’s ver⸗ der Shn bräer en ſchlagen riſt des geträum purpurn von ſelt und Gon Ein gedernho volles W tragend. leitung bringen. Cherubin Dankes man ſo A trat Al nahten umſtehe einem ſetzte er eine K dögling a Schwert die Stadt ledeAlrop ädchen mit finter ihnen der Stadt zu erflehen. che Krieger d rief das Schweſter, der Neder⸗ on Hebräern kreichen Ne⸗ en ſtündlich n die Glau⸗ ſes unkluge 8 Reichthum dem Divan führend, em⸗ einer treuen HSyrien und in Hamadan Die Stadt anwachſende Nauern wad Lager gebidet, ten Unterneh⸗ giſte gebildet madau's ver⸗ 141 floſſen, da verſammelte ſich die Volksmaſſe auf dem Platze vor der großen Moſchee, die jetzt in eine Synagoge ver⸗ wandelt worden war. In geordnete Reihen war die Menge abgetheilt und die Terraſſe jedes Hauſes beſetzt. In der Mitte des Platzes war ein ungeheurer Altar von Zedernholz und Erz aufgerichtet, und an jeder Seite deſſelben ſtand eine Schaar von Prieſtern, die Schlachtopfer, einen jungen Stier und zwei untadelhafte Widder, bewachend. Beim Schalle der Trompeten öffneten ſich die Thore der Synagoge und zeigten dem ſtaunenden Auge der He⸗ bräer ein großes, geſtreiftes Zelt, das in dem Hofe aufge⸗ ſchlagen war. Der heilige, jetzt nicht mehr hülfloſe Ueber⸗ reſt des Volks ſchaute das Tabernakel, wovon er ſo lange geträumt hatte, im Glanze der Sonne ſtrahlend, mit ſeinen purpurnen und ſcharlachnen Behängen, ſeinen Vorhängen von ſeltnen Stoffen, und ſeiner Ausſchmückung von Silber und Gold. Ein Zug von Prieſtern trat vor, auf Stäben von Zedernholz, welche durch goldne Ringe liefen, ein pracht⸗ volles Werk, die Arbeit der geſchickteſten perſiſchen Künſtler, tragend. Tag und Nacht hatten ſie unter Jabaſtor's An⸗ leitung daran gearbeitet, dieſes Wunderwerk zu Stande zu bringen. Auf's Neue erblickten die Kinder Israels die Cherubim. Sie brachen aus in eine jubelnde Hymne des Dankes, und Viele zogen ihre Schwerter und riefen laut, man ſolle ſie führen gegen die Cananiter. Aus den geheimnißvollen Vorhängen des Allerheiligſten trat Alroy, Jabaſtor an der Hand haltend, hervor. Sie nahten dem Altare. Und Alroy nahm Gewänder von den umſtehenden Prieſtern, und legte ſie Jabaſtor an, nebſt einem Gürtel, und dem Bruſtſchild von Edelſteinen. Dann ſetzte er die Mitra auf Jabaſtors Haupt, und auf dieſe eine Krone, und Oel auf deſſen Haupt gießend, weihte der Zögling ſeinen Meiſter zum Hohenprieſter von Israel. 143 Die Opfer wurden geſchlachtet und die Sühnopfer entzündet. Unter Wolken von Weihrauch, Strömen von Muſik und dem Jubelrufe eines ergebenen Volkes, unter Wohlgeruch, Melodie und Begeiſterung, beſtieg Alroy ſein Streitroß und zog an der Spitze von 20,000 Kriegern aus, um Medien zu erobern. 8. Die große und wichtige Provinz Aderbijan, mit der Hauptſtadt Hamadan, war aus dem alten Medien gebildet worden. Ihr Schickſal ward in einem Treffen entſchieden. Auf der Ebene von Nehawend ſtieß Alroy mit den in der Eil angeworbenen Schaaren des Atabek*) von Kermanſchah zuſammen, und ſchlug ſie gänzlich. Innerhalb eines Mo⸗ nates hatte jede Stadt dieſer Provinz die Oberherrſchaft des neuen Monarchen anerkannt, und dieſer überließ Abner die Vollendung der Eroberung von Lariſtan, und zog nach Perſien. Die unglaublichen und unwiderſtehlichen Fortſchritte Alroy's ſcheuchten Togrul, den Türkiſchen Sultan von Perſien,**) aus dem ſchwelgeriſchen Müßiggange der Paläſte von Niſchabur. Er ließ ſeine Emire beſcheiden in der Kaiſerſtadt Rhey zuſammenzukommen, um mit Einem zer⸗ malmendem Schlage den übermüthigen Rebellen zu ver⸗ nichten. Religion, Muth und Geiſt walteten zwar vereint in dem Heere Alroy's, doch war auch nicht zu läugnen, daß ihm die feſte Nationalanhänglichkeit ſeines eigenthümlichen und zerſtreuten Volkes ſehr zu Statten kam, wodurch er *) Eigentlich Vater des Fürſten, Würde der ehemaligen Aufſeher und Erzieher Seldſchuck'ſcher Fürſten. Sie bildeten in Aſien 4 Fürſten⸗ ſtämme. *) Das Kalifat beſtand damals aus vier Sultanien. von aller erhielt. in jedem deren B. wiſſen konnte. Nacht ü der Erde Emire, tan Togr nahe End von den jidiſchen gelobte, Kriegern Alroy zu Die ſtens fün außer ein nen Einw Rechtgläu Bactiarer eingereiht Golde de heit auf ſchwingen Wa komanen ſchucken Jakob! gedehnte hern The genoſſen terei grif Sühnopfer wömen von Ales, unter Alroy ſein rjegern aus, in, mit der en gebildet entſchieden. den in der Kermanſchah Heines Mo⸗ 1 echanihr haft 5 Abner d„ m Fortſchritte Sultan von der Paläſte iden in der Einem zer⸗ len zu ver⸗ r vereint in äugnen, daß nthümlichen odurch er igen Aufſeher ſen 4 Fürſten⸗ von allen Bewegungen des Feindes auf's ſchnellſte Nachricht erhielt. Ohne alle Vorbereitung fand er an jedem Hofe, in jedem Lager, in jedem Divan thätige Anhänger, durch deren Beiſtand er die Anſchläge ſeiner Feinde im voraus wiſſen und ihre Zuverſicht zu ihrem Verderben wenden konnte. So ward denn auch die Kaiſerſtadt Rhey in der Nacht überfallen, geplündert und mit Feuer und Schwert der Erde gleich gemacht. Die erſchreckten und beſtürzten Emire, die noch zu entfliehen vermochten, eilten zum Sul⸗ tan Togrul, riſſen ihre Bärte aus, und prophezeiten das nahe Ende der Welt. Die Paläſte von Niſchabur tönten von den Verwünſchungen ihres Gebieters wieder, der die jüdiſchen Hunde verfluchte, eine Pilgerfahrt nach Mekka gelobte, ſich ſelbſt an die Spitze einer zahlloſen Menge von Kriegern ſtellte, und nach den Ebenen von Irak eilte, um Alroy zu vernichten. Die perſiſche Heeresmacht war der hebräiſchen wenig⸗ ſtens fünffach an Zahl überlegen. Der Caucaſus hatte außer einer ſtarken Abtheilung von Seldſchucken ſeine fer⸗ nen Einwohner in Menge ergoſſen, um die Schaaren der Rechtgläubigen zu vermehren. Die wilden Stämme der Bactiaren ſogar mit ihren weithintreffenden Bogen wurden eingereiht, und die furchtbaren Turkomanen gaben, vom Golde des Sultans gelockt, für einen Augenblick ihre Frei⸗ heit auf, um in ſeinem Heere ihre langen Lanzen zu ſchwingen. Was ſind aber wilde Bactiaren und furchtbare Tur⸗ komanen, ja, was ſelbſt kriegsgebildete und kühne Seld⸗ ſchucken gegen die Krieger des Gottes Abraham, Iſaak und Jakob! Beim erſten Angriffe gelang es Alroy, das weit⸗ gedehnte Centrum Togru's zu durchbrechen und den grö⸗ ßern Theil der Türken von ihren minder geübten Kampf⸗ genoſſen zu trennen. An der Spitze ſeiner mediſchen Rei⸗ terei griff er die Krieger des Caucaſus an und ſchlug ſie 33 gänzlich. Die wilden Stämme der Bactiaren ſchoſſen ihre Pfeile ab und flohen, und die furchtbaren Turkomanen plünderten das Feldgeräth ihres eigenen Anführers. Die Türken ſelbſt fochten verzweiflungsvoll; da ſie aber von ihren Bundesgenoſſen verlaſſen und von einem begeiſterten Feinde umzingelt waren, vermochten alle ihre Anſtrengungen nichts, und ihre Niederlage war gräßlich. Togrul ward erſchlagen, als er eben einen überaus heftigen, aber fruchtloſen Angriff befehligte, und nach ſeinem Falle glich das Treffen mehr einer Metzelei als einer Schlacht. Die Ebene ſtarrte vom Blute der Seldſchucken. Kein Quartier ward gegeben noch verlangt. Zwanzigtauſend auserleſene Krieger fielen auf Seiten der Türken, der Ueberreſt ward zerſtreut und rettete ſich in die Gebirge. Alroy über⸗ ließ es Scherirah die Ordnung wieder herzuſtellen, und ging am Tage darauf an der Spitze von 3000 Reitern nach Niſchabur, welche Stadt er ſchon aufforderte, ehe noch die Einwohner etwas von der Niederlage und dem Tode ihres Sultans erfahren hatten. Die Hauptſtadt Perſiens entging dem Schickſale, das Rhey betroffen hatte, nur durch einen unrühmlichen Vertrag und ſchweren Tribut. Die Schätze der Cosroës und der Gasneviden wurden nach Ha⸗ madan gebracht, wohin jeder Tag neue Nachricht eines Sieges oder einer Eroberung ſendete. Während Alroy den Frieden eigenmächtig in den Pa⸗ läſten von Niſchabur vorſchrieb, hatte Abner Lariſtan un⸗ terworfen, zog über die Gebirge, und traf in Perſien mit den Verſtärkungen ein, die ihm Jabaſtor zugeführt hatte. Jetzt überließ Alroy die Regierung und Beſetzung ſeiner neuen Eroberungen dieſem tapfern Heerführer und kehrte in Folge der Nachrichten, die er aus Hamadan erhalten hatte, an der Spitze der Eroberer Perſiens in Eilmärſchen nach dieſer Stadt zurück. als Al des A Feſtund Nacht ernſten richtigte Monare Medien ner abe habende um das D und die Jabaſto nicht mu der Ha verſamm auch de ebenſo man vo Siegers der Hee 9 mit du kriegern belader Städte Tatar Veg z Wihher allen« ſen ihre komanen da ſie i einem alle ihre gräßlich heftigen, alle glich ht. Die Quartier Serleſene reſt ward oy über⸗ len, und 9 Reitern ehe noch dem Tode Perſiens nut durch but. Die nach Ha⸗ icht eines den Pa⸗ riſtan un⸗ derſien mit ührt hatte. ung ſeiner und kehrte n echalten ölmärſchen 145 9. Die Armee ſtand noch eine Tagereiſe von Hamadan, als Alroy ſie verließ und bloß von ſeinem Stabe begleitet des Abends dort einritt. Er begab ſich ſogleich in die Feſtung und ließ Jabaſtor zu einer Berathung rufen. Die Nacht floß dem Könige und dem Hohenprieſter in dieſer ernſten Beſchäftigung hin. Am andern Morgen benach⸗ richtigte ein Erlaß die Einwohner von der Rückkehr ihres Monarchen, von der Errichtung des neuen Königreiches von Medien und Perſien, als deſſen Hauptſtadt Hamadan, Ab⸗ ner aber zum Vicekönig erkoren ward, und von dem vor⸗ habenden, augenblicklich anzutretenden Zuge nach Syrien, um das„Land der Verheißung“ wieder zu erobern. Der Plan zu dieſem Zuge war lange gemacht worden, und die Vorbereitungen dazu ſchon ſehr weit vorgeſchritten. Jabaſtor war während der Abweſenheit ſeines Zöglings nicht müßig geweſen. Es waren hunderttauſend Krieger in der Hauptſtadt des Königreichs von Medien und Perſien verſammelt: Der größte Theil Hebräer; doch vermehrten auch der Araber viele, müde des türkiſchen Jochs, und ebenſo viele tapfere Abenteurer vom Caspiſchen Meere, die man von einem leeren Götzendienſte leicht zur Religion des Siegers bekehrt hatte, die Reihen des Heeres des Herrn der Heerſchaaren. Hamadan's Ebene war mit Zelten bedeckt, die Straßen mit durchziehenden Truppen gefüllt, die Bazars voll des kriegeriſchen Bedarfs. Lange Caravanen von Kameelen, beladen mit Vorräthen, kamen täglich aus den benachbarten Städten herbei; jeden Augenblick ſprengte ein hochmüthiger Tatar mit Nachrichten in die Stadt und eilte den ſteilen Weg zur Feſtung hinauf. Der Klang der Waffen, das Wiehern der Roſſe, der Schall der Kriegsmuſik ertönte aus allen Theilen der Stadt. Die Geſchäftigkeit und die Schäte 10 146 der Welt ſchienen für den Augenblick in Hamadan geſam⸗ melt. Jeder hatte irgend einen wichtigen Zweck; Gold glänzte in allen Händen. Alle großen Triebfedern waren im Spiele, alle Urſachen menſchlicher Anſtrengung in leb⸗ hafter Bewegung. Jedes Auge funkelte, jeder Fuß trat feſt und kräftig auf, jeder that als ob von ſeinem Bemühn das Schickſal Aller abhinge, als ob der allgemeine Wille mit ſeinem eigenen Streben im engſten Einklange ſei. Eine mächtige Bevölkerung, von einem hohen Grade der Auf⸗ regung begeiſtert, iſt der erhabenſte Anblick!, Der Beherrſcher der Gläubigen erhob die Fahne des Propheten an den Ufern des Tigris. Die geheime Nachricht von dieſem Vorhaben hatte Alroy ſo ſchnell aus Perſien zurückgeführt. Der ſchlummernde Enthuſiasmus der Muſel⸗ männer ward durch dieſe ſeltne, myſtiſche Feierlichkeit ge⸗ weckt, und dieſer Wirkung gingen wohlüberlegte Vorberei⸗ tungen voraus. Das Heer der Seldſchucken von Bagdad allein belief ſich auf funfzig tauſend Mann. Der Sultan von Syrien führte die Krieger herbei, welche die arabiſchen Fürſten von Damascus und Aleppo beſiegt hatten, während die alten Provinzen Klein⸗Aſiens, die das reiche und mäch⸗ tige Königreich des Seldſchuckiſchen Rum bildeten, eine Myriade jener unvergleichlichen Reiterei ausſtrömten, die ſo oft den Heeren der Kaiſer gefährlich geworden war. Nie war noch eine ſo große Armee am Ufer des Tigris ſeit der Regierung Harun Alraſchid's verſammelt worden. Je⸗ den Tag rückte ein neuer kriegserfahrener Atabeck an der Spitze ſeiner bewaffneten Schaar in die Hauptſtadt des Kalifen, oder ſchlug ſeine Gezelte an dem Ufer des Fluſſes auf; jeden Tag ſetzte der ſtolze Emir irgend eines entfern⸗ ten Fürſtenthumes die ſchwelgeriſchen Babylonier in Stau⸗ nen oder Furcht, durch die ſeltſamen oder ungezügelten Krieger, die er in den Wüſten Arabiens oder an den Küſten des Euxinus um ſeine Fahne geſchaart hatte. In einer Ausdehnn des Fluſ Fahnen, gen, dem bedeckt, d Seldſchu Die Aſiens ſa ſeen zu h Landes z ſprochen war. Ve Heerſchaa waffnetes pen und von 10,0 welche al und„die Rieſe, in funkeln be⸗ Scepter ragte voll Die heilig Das in feierlich dem Wal darten u gelangten kerung d des begei ging Sch Kermanſch heiligen( halte ſe geſam⸗ 3 Gold n waren iin leh⸗ trat feſt nühn das Lille mit .. Eine der Auf⸗ ihne des Nachricht Perſien r Muſſel⸗ ckeit ge⸗ Vorberei⸗ Bagdad Sultan rabiſchen während nd mäch⸗ ten, eine n, die ſo ar. Nie gris ſeit den. Je⸗ kan der ſtadt des 3 Fluſſes entfern⸗ in Stau⸗ gezügelten en Küſten In einer 147 Ausdehnung vieler Stunden waren die beiderſeitigen Ufer des Fluſſes, ſo weit das Auge nur reichte, mit den bunten Fahnen, den glänzenden Standarten, den wehenden Flag⸗ gen, dem ſchwankenden Federſchmucke des gewaltigen Heeres bedeckt, deſſen Oberbefehlshaber Malek, der Großſultan der Seldſchucken und Gouverneur des Palaſtes des Kalifen war. Dies war die Heeresmacht, die ſich auf den Ebenen Aſiens ſammelte, um die Fortſchritte des hebräiſchen Für⸗ ſten zu hemmen, und die Eroberung des merkwürdigen Landes zu hindern, das dem Glauben ſeiner Väter ver⸗ ſprochen und durch ihre Abtrünnigkeit verloren gegangen war. Vor den Mauern Hamadans hielt Alroy über die Heerſchaaren Israels Muſterung, 60,000 Mann ſchwer be⸗ waffnetes Fußvolk, 30,000 Bogenſchützen und leichte Trup⸗ pen und 20,000 Reiter. Nächſt dieſen war noch eine Schaar von 10,000 mit Piken bewaffneter Reiter gebildet worden, welche alle bereits im perſiſchen Feldzuge gedient hatten und„die heilige Wache“ hießen. In ihrer Mitte trug ein Rieſe, in einem Gehäuſe von gediegenem Golde mit Kar⸗ funkeln beſetzt, auf einer ſtarken Lanze von Zedernholz das Scepter Salomos. Elnebar war es, der es trug, und er ragte volle drei Fuß über gewöhnliche Mannsgröße vor. Die heilige Wache befehligte Asriel, Abner's Bruder. Das Heer war in drei Treffen getheilt. Alle zogen in feierlicher Ordnung vor Alroy's Throne, den man auf dem Walle errichtet hatte, vorüber, und ſenkten ihre Stan⸗ darten und Lanzen, als ſie vor den heldenmüthigen Führer gelangten. Coſtenai und Mirjam, ſo wie die ganze Bevöl— kerung der Stadt, waren von den Mauern aus Zeugen des begeiſternden Schauſpiels. An demſelben Abende noch ging Scherirah an der Spitze von 40,000 Mann über Kermanſchah nach Bagdad zu und Jabaſtor, der in ſeinen heiligen Gewändern befehligte und das Gelübde gethan hatte, ſein Schwert nicht eher abzulegen, bis der Tempel 10 148 wieder aufgebaut ſei, führte ſeine Heeresabtheilung über das Siegesfeld von Nehawend. An dem Paſſe Kerrund, welcher in die Provinz Bagdad leitete, ſollten ſie zuſammen⸗ treffen und die Ankunft des Königs erwarten. Mit Tages Anbruch verließen die königliche Heeres⸗ abtheilung und die heilige Wache, beide unter Anführung Asriel's, die Hauptſtadt. Alroy verweilte noch, und wohl konnte man noch einige Stunden lang ſehen, wie die Krie⸗ ger ſeines Generalſtabes um die Feſtung her ſich trieben, oder ihre Geſchicklichkeit im Wurfſpießſchleudern übten, in⸗ dem ſie ihre ungeduldigen Roſſe vor den Thoren tummel⸗ ten. Der König war bei ſeiner Schweſter Mirjam. In dem Garten ihres Oheims ging er mit ihr auf und ab. Sein Arm war um ihren ſchlanken Wuchs ge⸗ ſchlungen, und mit der ſeinigen faßte er ihre ſanfte, zarte Hand. Thränen ſtrömten aus ihren niedergeſenkten Augen über die bleichen Wangen. So wanderten ſie ſchweigend einher, der Bruder und die Schweſter, und vor der Rein⸗ heit ihrer überſchwänglichen Liebe verſchwand ſogar der Ehrgeiz. Er öffnete die vergitterte Thür. Sie traten ein in das enge, reichbegrünte Thal. Vor ihnen lag der Mar⸗ morbrunnen mit ſeinen Säulen und ſeiner Kuppel, ohnfern ſtanden Alroy's Streitroß und ein einzelner Diener. Da blieben ſie ſtehn, und Alroy pflückte Blumen und ſchmückte Mirjam's Haar damit. Er hätte ſo gern das Bittre der Trennung durch ein Lächeln verſüßt. Sanft ließ er den umſchlingenden Arm ſinken, faſt unmerklich ihre bebende Hand. „Schweſter meiner Seele,“ flüſterte er;„als wir hier zum letztenmale ſchieden, war ich ein Flüchtling und jetzt verlaſſe ich Dich als Herrſcher.“ Sie wandte ſich, warf ſich um ſeinen Nacken und ver⸗ barg ihr Geſicht an ſeiner Bruſt. Arme. Lippen, verſchwat Der mäßiger Verluſte linge ber bräiſchen Auf ordnung ſultan d unter de und der unregelm ſtelt. S Kriegszu Jet Hebräer äußerſten der Nach Malek a beiderſei tönte d Schalle eine ha Von de Jahrhun Schlacht ung über Kerrund, uſammen⸗ e Heeres⸗ Anführung und wohl die Krie⸗ c trieben, übten, in⸗ ntummel⸗ m. t ihr auf Vuchs ge⸗ anſte, zarte ten Augen ſchweigend der Rein⸗ ſogar der traten ein g der Mar⸗ el, ohnfern ner. lumen und gern das ßt. Sanft nerklich ihre ls wir hier ig und jetzt i und ver⸗ 149 „Mein holdes Weſen, beruhige Dich, wir ſehen uns in Bagdad wieder!“ b Er winkte ihren in der Entfernung gebliebenen Die⸗ nerinnen. Sie traten näher und er legte Mirjam in ihre Arme. Dann ergriff er ihre Hand, drückte ſie an ſeine Lippen, eilte zu ſeinem Roſſe, ſchwang ſich hinauf und verſchwand. 10. Der Paß Kerrund war von einem Haufen unregel⸗ mäßiger Reiterei nur ſchwach vertheidigt. Mit geringem Verluſte nahm ihn die Vorhut Scherirah's, und die Flücht⸗ linge bereiteten des Kalifen Heer auf die Ankunft der he⸗ bräiſchen Krieger vor. Auf der Ebene am Tigris ſtand der Feind in Schlacht⸗ ordnung. Das Nitteltreffen befehligte Malek, der Groß⸗ ſultan der Seldſchucken ſelbſt: der rechte Flügel lehnte ſich unter des Sultans von Syrien Anführung an den Fluß und der linke war unter dem Sultan von Rum auf einem unregelmäßig aufſteigenden Boden ſehr vortheilhaft aufge⸗ ſtellt“ So erwartete Malek, ſtolz auf Anzahl, Tapferkeit, Kriegszucht und Stellung, den Beſieger Perſiens. Jetzt gewahrte man die glänzenden Heereszüge der Hebräer wie ſie aus den Engpäſſen vorkamen und ſich am äußerſten Ende der Ebene aufſtellten. Noch vor Einbruch der Nacht befand ſich das Lager derſelben ohnweit des von Malek aufgeſchlagenen. Man konnte deutlich die Feuer der beiderſeitigen Heere unterſcheiden, und dann und wann tönte der Klang der feindlichen Muſik mit ahnungsvollem Schalle an die Ohren der ſich Gegenüberſtehenden. Kaum eine halbe Meile trennte die gewaltigen Heeresmaſſen. Von dem morgenden Tage vielleicht hing das Schickſal von Jahrhunderten ab. Wie feierlich iſt der Abend vor der Schlacht! 150 Alroy beſuchte, nur in Begleitung einiger Hauptleute, die Zelte der Krieger perſönlich und verſprach ihnen auf morgen finen Sieg, gegen welchen die von Nehawend und Niſchabur nur unbedeutend ſein würden. Ihre kühnen und feurigen Geſichter bewieſen zugleich feſten Muth und feſtes Vertrauen. Salomo's Scepter ward in feierlicher Prozeſſion durch das Lager getragen. Auf dem Gipfel eines großen Hügels, vielleicht des Grabes eines klaſſiſchen Hel⸗ den, ſtrömte Eſther, die Prophetin, von den eifrigſten Zelo⸗ ten des Heeres umgeben, ihre hinreißende Begeiſterung aus. Es war ein anziehendes Gemälde, dieſe ſchöne, wilde Jung⸗ frau zu ſehen und die Gruppen ernſter und andächtiger Krieger, die rothe Flamme der Wachtfeuer, die ſich mit den ſilbernen Strahlen des Mondes miſchte, wie ſie die bunten Turbane und glänzenden Waffen der Umſtehenden be⸗ leuchtete. In Alroy's Zelte berieth ſich Jabaſtor mit ſeinem Zöglinge über die morgende Leitung. „Es iſt hier ganz anders als damals, wo wir in der Höhle des Caucaſus Rath hielten,“ ſagte Alroy, als der Hoheprieſter aufſtand um fortzugehen. — Und doch hat es eine große Aehnlichkeit, o Herr! Der Gott unſ'rer Väter iſt auch jetzt mit uns.— „Ja, der Gott der Heerſchaaren. Es giebt keinen Weg als den des Siegs.“ 4 — Ihr denkt nach?— „Ueber die Vergangenheit. Die Gegenwart iſt vorbe⸗ reitet. Zu vieles Nachdenken würde ſie abſtumpfen.“ — Das Vergangene gehört der Weisheit, das Gegen⸗ wärtige der That, aber das Zukünftige der Freude. Der Gedanke, daß der Bau des Tempels nahe iſt, daß des Herrn Erwählter wieder einmal leben wird in dem Hauſe David's, beſchäftigt meinen ganzen Geiſt, und wenn ich über unſern künftigen Ruhm nachdenke, verliere ich in meinem enthuſia Ant erl den noc 5 Abende jett, Ja „ ſtimmune Nufe mi der mich winkte: rufen,„ komme, Jo Ol die geworb Auge purne um füt Aiiens. Vo gedachte auptleute, bnen auf dend und e kühnen duth und feierlcher pfel eines chen He⸗ den gel⸗ ung aus. de Jung⸗ ndächtiger mit den ie bunten nden be⸗ it ſeinem ir in der als der o Herr! öt keinen iſt vorbe⸗ n.“ s Gegen⸗ lde. Der daß des em Hauſe ich über meinem 151 enthuſiaſtiſchen Entzücken faſt den Ernſt, den mein heiliges Amt erheiſcht.— „Jeruſalem... ich habe es geſehn! Wie viele Stun⸗ den noch, bis der Tag anbricht?“ — Etwa drei.— „Ich könnte faſt ſchlafen. Immer war ich ſonſt am Abende vor der Schlacht ſo unruhig. Woher kommt das jetzt, Jabaſtor?“ — Euer Glaube, Herr, iſt feſt.— „Ja, ich habe nicht die mindeſte Furcht. Meine Be⸗ ſtimmung iſt noch nicht vollendet. Gute Nacht, Jabaſtor. Tapfrer Prieſter, ſeht noch nach Asriel... Phares!“ — Herr!— „Wecke mich um die zweite Nachtwache. Gute Nacht, Knabe.“ — Gute Nacht, Herr.— 11. „Es iſt um die zweite Nachtwache, Herr!“ — So bald! Ich fühle mich friſch wie ein Adler. Rufe mir Scherirah, Knabe.... Es war ein ſüßer Traum, der mich umgaukelte, eine reizende Erſcheinung, die mir winkte:„Nach Bagdad, nach Bagdad!“ ſchien ſie mir zuzu⸗ rufen,„da wird Deines Glückes Vollendung kommen.“ Ich komme, mein Siegerſchwert wird mir die Bahn brechen.... Ich will die Vorhänge meines Zeltes hinwegziehen. Ol dieſe majeſtätiſche Erſcheinung! Und ich habe dieſes Heer geworben! Ueber die weite Ebene hinweg, ſo weit nur mein Auge ſchauen kann, füllen ſeine ſchneeigen Zelte die pur⸗ purne Landſchaft, ſchaaren ſich Legionen um ihre Fahnen, um für mein Loos zu kämpfen. Es iſt der Todeskampf Aſiens. Vor einem Jahre lag ich auf derſelben Stelle und gedachte zu ſterben— ein ungekanntes Weſen, oder wenn „ 8 — — 152 gekannt, nur dazu, um verachtet zu werden; und jetzt ziehen die Sultane der Welt mir entgegen. Ich habe keine Furcht. Meine Beſtimmung iſt noch nicht vollendet. Und welches iſt ihr Ziel? Möge dies jene Macht entſcheiden, welche bisher all' meinen Lauf geleitet hat. Jeruſalem, Jeruſalem... immer nur auf Jeruſalem gerichtet! Mit all' ſeiner Kunde iſt er doch nur ein be⸗ ſchränkter Zelot, deſſen träumeriſche Erinnerung gern die Zukunft geſtaltete, wie es die Vergangenheit war. O Bag⸗ dad, Bagdad! in deinen funkelnden Hallen giebt es einen Zauber, der ſeine ganze Cabala aufwiegt! Ha! Scherirah! Der Tag wird gleich anbrechen; noch ſcheinen die Sterne. Die Luft iſt lieblich und erfriſchend. Heut iſt ein großer Tag, Scherirah, für Israel und für Dich. Du leiteſt den erſten Angriff. Komm einen Augen⸗ blick in mein Zelt, mein tapfrer Scherirah!— 12. Der Tag brach an. Ein ſtarker Heereszug der Hebräer ging unter Scherirah's Anführung gegen das Mitteltreffen der Armee des Kalifen vor. Eine andre Abtheilung, von Jabaſtor befehligt, griff den linken Flügel an, der unter dem Sultan von Rum ſtand. Kaum hatte Alroy bemerkt, daß Scherirah das Centrum der Türken geſprengt hatte, als er ſich ſelbſt an die Spitze der heiligen Wache ſetzte und Unordnung und Verwirrung unter jenen durch einen unwiderſtehlichen Angriff noch vermehrte. Die Heeresab⸗ theilung des Sultans von Syrien und ein großer Theil des Mitteltreffens wurden gänzlich geſchlagen und in den Fluß gedrängt, während der übrige Theil der Streitkräfte Maleks von ſeinem linken Flügel völlig getrennt ward. Während aber Alroy auf dieſe Art ſchon den Sieg entſchieden glaubte, erwartete die Abtheilung Jabaſtor's ein ganz anderes Loos. Der Sultan von Rum, der in einer ſehr 5 fehligte, gewöhnt an, und lett ſelb gänzlich verſuchte vergeben tans züu des Mon ſchlagen. zu vernic türkiſchen Jabaſtor angegrif andere⸗ Alroy's! dieſe Uel ferner zu heiligen. genheit, Als der das ſchle ließ er ſe beſter Dr Kalffen, und bew ſen war ſtändig. Städte, die Leich Türken und Sy Emire up t iehen Furcht. welches velche eruſalem ein be⸗ eern die OBag⸗ s einen en; noch riſchend. und für Augen⸗ Hebräer teltreffen ag, von er unter bemerkt, gt hatte, hhe ſetzte ch einen deeresab⸗ er Theil din den reitkräfte vard. den Sieg tors ein in einer 2 153 ſehr vortheilhaften Stellung ſich befand und Truppen be⸗ fehligte, die an die Disciplin der Römer in Conſtantinopel gewöhnt waren, nahm Jabaſtor's Angriff ohne zu wanken an, und ſchlug dieſen nicht nur zurück, ſondern machte zu⸗ letzt ſelbſt einen Ausfall, der dieſen Flügel der Hebräer gänzlich in Unordnung brachte und zerſtreute. Vergebens verſuchte es Jabaſtor, ſeine Truppen wieder zu ſammeln, vergebens ſtreckte er ſelbſt den Standartenträger des Sul⸗ tans zu Boden und drang ſogar einmal bis zum Zelte des Monarchen vor. Seine Abtheilung ward gänzlich ge⸗ ſchlagen. Der Eifer des Sultans von Rum ſeine Gegner zu vernichten, hinderte ihn daran, die traurige Lage des türkiſchen Centrums zu bemerken. Hätte er, nachdem er Jabaſtors Heerhaufen geſchlagen, Alroy nur im Rücken angegriffen, ſo würde das Schickſal dieſes Tages eine ganz andere Wendung genommen haben. Jetzt aber entdeckte Alroy's Adlerauge ſchnell deſſen Unvorſichtigkeit und benutzte dieſe Uebereilung. Er überließ es Ithamar das Centrum ferner zu verfolgen, griff den Sultan von Rum mit der heiligen Wache an und verſchaffte dadurch Jabaſtor Gele⸗ genheit, einen Theil ſeiner Streitkräfte wieder zu vereinen. Als der Sultan von Rum bemerkte, daß das Treffen durch das ſchlechte Benehmen ſeiner Mitheerführer verloren ſei, ließ er ſeine Truppen ſich wenden, zog ſich eiligſt, aber in beſter Ordnung nach Bagdad zurück, nahm daſelbſt den Kalifen, deſſen Harem und einen Theil ſeiner Schätze mit und bewirkte glücklich ſeine Flucht nach Syrien. Unterdeſ⸗ ſen war die Niederlage der übrigen türkiſchen Armee voll⸗ ſtändig. Der Tigris ſtrömte von ihrem Blute, und die Städte, wodurch er floß, wurden von Alroy's Siege durch die Leichname ſeiner Feinde unterrichtet. Dreißigtauſend Türken blieben. Unter ihnen die Sultane von Bagdad und Syrien, und eine außerordentliche Menge Atabeks. Emire und Hauptleute. Eine ganze Heeresabtheilung ergab 154 3 ſich, als ſie ſich umzingelt ſah, auf Gnade und Ungnade und lieferte ihre Waffen aus. Die Lager und Schätze der drei Sultane wurden ebenfalls genommen und die fliehen⸗ den Schaaren waren ſo vollkommen in Unordnung, daß ſie nirgends es wagten ſich zu ſammeln, ſondern zerſtreut und in Verzweiflung die benachbarten Provinzen überſchwemm⸗ ten und ſie plünderten. Die Heeresabtheilung Jabaſtor's hatte gleichfalls bedeutenden Verluſt erlitten, der übrige Theil des Heeres aber ſehr geringen. Die Schlacht dauerte nur drei Stunden. Ihre Folgen waren unermeßlich. Da⸗ vid Alroy war jetzt Herr des Oſtens. 13. Die Ebene war mit Leichen von Menſchen und Pfer⸗ den, mit Waffen und Standarten und umgeſtürzten Zelten beſäet. Als Alroy von der Verfolgung des Sultans von Rum zurückgekehrt war, ließ er durch Trompetenſchall zu den Waffen rufen, ſprang mit Blut und Staub bedeckt von ſeinem Streitroſſe und ſtellte ſich, auf ſein blutiges Schwert ſich lehnend, und von ſeinen ſiegreichen Heerführern umge⸗ ben, vor Malek's Zelt. „Jabaſtor!“ rief er zuerſt und reichte dem Hohenprie⸗ ſter die Hand;„es war ein Glück, daß Eure Truppen ei⸗ nen ſolchen Anführer hatten! Kein andrer als Ihr hätte ſie wieder ſammeln können. Ihr müßt Eure Burſchen ein wenig mehr einüben, ehe ſie wieder Cappadociſche Reiterei angreifen. Tapfrer Scherirah, wir werden Deinen Angriff nie vergeſſen. Asriel, ſage der heiligen Wache in meinem Namen, daß wir den Sieg am Tigris ihren Schwertern verdanken. Ithamar, welches ſind unſere geruhteſten Truppen?“ — Die Legion von Aderbjan, Herr.— „Wie ſtark kann ſie wohl ſein?“ jam. S — ogleich 7 Attheihe und fod Rum ei und er müſſen die Tru ſich dort auf und leiſtet, ſi Aber la iſt der meinem „J theilung bis wir! Bruder dan abg „ Geſchenk heilige S tin? I Schwert lange ſchleude „N eine Art Und je * Ungnade häße der d fliehen⸗ 2 daß ſie treut und ſchwenm⸗ Jabaſtors er übrige ht dauerte ch. Da⸗ und Pfer⸗ en Zelten ltans von nſchall zu deck von SSchwert in unge⸗ vohenprie⸗ uppen ei⸗ Ihr hätte rſchen ein e Reiterei en Angriff in meinem Schwertern geruhteſten 155 — Zwölftauſend Mann. Zwei Drittheile davon ſind ſogleich bereit.— „Tapfrer Ithamar, nimm die Aderbjanen und eine Abtheilung unſ'rer heiligen Wache, eile damit nach Bagdad und fodre die Stadt auf. Bietet Dir der Sultan von Rum eine Schlacht an, ſo ſuche Dir eine gute Stellung, und er ſoll ſchleunigſt ſeinen Wunſch erfüllt ſehn. Für jetzt müſſen nach den ſchnellen Märſchen und heftigem Gefecht die Truppen wieder ausruhn. Ich glaube immer, er wird ſich dort nicht aufgehalten haben. Fodre die Stadt alſo auf und verkünde, daß wenn ſie den geringſten Widerſtand leiſtet, ſie ſo verwüſtet werden ſoll, wie das alte Babylon. Aber laß Dich mit keiner bewaffneten Macht ein.... Wo iſt der Krieger, der mich vor einem Schlage rettete, der meinem Haupte drohte? Er hieß Benaja.“ — Ich erwarte Euern Befehl.— „Ihr ſeid Hauptmann. Schließt Euch der Heeresab⸗ theilung Ithamar's an und erringt Euch neue Lorbeeren bis wir uns wieder ſehen. Trauter Asriel, meldet Euerm Bruder unſer Glück.“ — Herr! es ſind ſchon mehrere Tataren nach Hama⸗ dan abgeſendet.— „Gut. Schickt noch einen mit dieſen Zeilen an Mir⸗ jam. Sendet Malek's Zelt als Siegesbeute der Stadt zum Geſchenke. Elnebar, Goliath der Hebräer, Ihr trugt unſre heilige Standarte wie ein Held! Wie geht es der Prophe⸗ tin? Ich ſah ſie bei'm Angriffe in unſern Reihen, ein Schwert ſchwingend mit ihrem Schwanenarm, das ſchwarze lange Haar wie ein Strom ſie umfließend, die Augen Blitze ſchleudernd.“ — Der König blutet,— ſagte Jabaſtor. „Nur wenig. Es wird mir wohl thun. Ich fühle eine Art Fieber. Gebt mir einen Trunk friſchen Waſſers! Und jetzt zu unſern verwundeten Freunden. Arriel, — —— 156 ordne Du das Lager. Es iſt Sabbathabend. Die Zeit drängt.“ 14. Die Todten wurden geplündert und in den Fluß ge⸗ worfen. Alle Hebräer bezogen das Lager. Alroy beſuchte mit ſeinen vorzüglichſten Heerführern die Verwundeten und lobte die Tapfern. Die Geſchäftigkeit, die ſtets auf einen Sieg folgt, ward jetzt noch durch die Sorgfalt des Heeres, den bevorſtehenden Sabbath mit der dankbarſten Genauig⸗ keit zu begehen, vermehrt. 1 Mit Sonnenuntergang begann er. Der wellenförmige Horizont machte es ſchwer, den Augenblick dieſes Untergangs völlig genau zu beſtimmen. Die rothe Scheibe ſank hinter die purpurnen Berge; der ganze Himmel war mit Roſen⸗ gluth übergoſſen. Jetzt erblickte man die Zeloten, ſtolz auf ihre Kenntniß des Talmud's, wie ſie ein Gewind von weißer Seide in den Händen hielten und durch die Beobach⸗ tung der ſich ändernden Farben darauf, den Eintritt des Sabbaths verkündeten. Als das Gewind noch golden war, tönte der Hammer des Waffenſchmieds noch wieder, glühte noch das Feuer des Kochs, führten die Reiter ihre Roſſe⸗ noch zum Strome, richtete das geſchäftige Fußvolk ſeine Zelte noch in die Höhe und arbeitete an den Palliſaden. Das Gewind ward roſenfarb, die Waffenſchmiede arbeiteten mit ſtärkerem Eifer, der Koch blies mit vermehrtem Athem, die Reiter ſprengten aus dem Waſſer, das Fußvolk warf einen unruhigen Blick auf die bleicher werdende Däm⸗ merung. Das Gewind von Seide ward blau; ein düſteres, trü⸗ bes, todtes, ſchweres Farbenſpiel überzog ſeine Reinheit. Die Heimchen fingen an zu ſchwirren, die Fledermaus flog kreiſend über den Zelten, Hörner tönten von allen Punkten her, die Sonne war untergegangen; der Sabbath hatte begonne geliſcht ſchen h meines war N. gelte d nen, ſte De den Alt dienende des Go ſiegreich Ebene. die Au ſernung chreiten Jeder ſorgſam die So ſchallten Eifer, d gehende lachende keiten Dotſſch bald Mahle A mit do Syrien ſei, en habe, Alroy Nluß ge⸗ bejuchte eten und zuf einen Heeres, HDenauig⸗ nförmige tergangs nt hinter it Roſen⸗ ſtolz auf on weißer Beobach⸗ tritt des den war, et, glühte hre Roſſe volk ſeine galliſaden. arbeiteten m Athem, volk warf idde Däm⸗ teres, trü⸗ Reinheit. maus flog Punkten dath hatte 157 begonnen. Die Waffenſchmiede war ſtill, das Feuer aus⸗ gelöſcht, das Gewieher der Roſſe und das Getös der Men⸗ ſchen hörte augenblicklich auf. Ein tiefes, plötzliches, allge⸗ meines Schweigen ſenkte ſich auf das gewaltige Heer. Es war Nacht. Die heilige Sabbath⸗Lampe funkelte in jedem Zelte des Lagers, das an Stille und Glanz mit dem ſtum⸗ men, ſternenhellen Himmel wetteiferte. Der Morgen kam. Die Krieger verſammelten ſich um den Altar und das Opfer. Der Hoheprieſter und die ihm dienenden Leviten verkündeten die Einheit und die Allmacht des Gottes Israel's und die tiefgefühlte Antwort ſeines ſiegreichen und auserwählten Volkes hallte wieder über die Ebene. Dann begaben ſie ſich zu ihren Zelten zurück, um die Auslegung des Geſetzes zu vernehmen. Selbſt die Ent⸗ fernung eines Sabbathsweges durfte nicht den Raum über⸗ ſchreiten, der zwiſchen Jeruſalem und dem Oelberge iſt. Jeder Hebräer, der heut aus dem Lager gehen mußte, zählte ſorgſam die Schritte ſeines Sabbathsweges. Endlich ging die Sonne wieder unter, und plötzlich brannten Feuer, ſchallten Stimmen, eilten Menſchen einher mit demſelben Eifer, derſelben Schnelligkeit, welche die Stille des vorher⸗ gehenden Abends ſo plötzlich beendet hatte. Ausbrüche lachenden Muths, Klänge der Muſik kündeten die Feſtlich⸗ keiten der nächſten Nacht an. Aus allen benachbarten Dorfſchaften waren Lebensmittel herbeigeſchafft worden, und bald gedachten die frommen Sieger ihrer Triumphe beim Mahle der Freude. Am folgenden Morgen kam ein Tatar von Ithamar mit der Nachricht an, daß der Sultan von Rum ſich nach Syrien zurückgezogen habe, und Bagdad zwar unvertheidigt ſei, er aber doch den Bitten der Einwohner nachgegeben habe, ehe die Truppen in die Stadt einrückten, einigen an Alroy zu ſendenden Abgeordneten freies Geleit zu bewilligen. 158 15. Am Morgen verkündeten Boten die Ankunft dieſer Geſandtſchaft. Alle Truppen ſtanden unter den Waffen. Alroy hatte befohlen, daß die Bittenden durch das ganze Lager geführt werden ſollten, ehe ſie zu dem königlichen Zelte gelangten, an deſſen beiden Seiten die heilige Wache aufgeſtellt ſtand. Als die Vorhänge des Zeltes weggezogen wurden, erblickte man den Sieger ſelbſt auf einem pracht⸗ vollen Divan ſitzend. Ihm zur Rechten ſtand Jabaſtor in ſeinem hohenprieſterlichen Gewande und zur Linken Scheri⸗ rah. Hinter ihm hielt der rieſige Elnebar das heilige Scepter empor. An jeder Seite im Zelte ſtand eine Menge ſeiner Heerführer. Zimbeln ertönten, und dumpfe Pauken und die ſchal⸗ lenden Klänge der Trompeten. Den Anfang des Zuges konnte man in der weiten Entfernung der Zeltſtraße er⸗ blicken. Erſt kam eine Schaar ſchöner Jünglinge, je zwei und zwei, Blumen ſtreuend, dann eine Bande Muſiker in weiten Gewändern von Goldſtoff, Klagetöne lockend aus ihren ſilbernen Trompeten. Dieſen folgten Sklaven aus allen Weltgegenden, den Tribut der reichſten und köſtlichſten Produkte ihrer Heimath tragend, Neger mit Elephantenzäh⸗ nen, Federn von Straußen, und Becken mit Goldſtaub; Syrier mit koſtbaren Waffen, Perſer mit Gefäßen voll Ro⸗ ſenöl, und Indier mit Körben voll Perlen von Ormus und weichen Shawls von Kaſchmir. Von ſeinen Kindern um⸗ geben, deren Jedes abwechſelnd eine weiße oder hellbraune Gazelle führte, leitete ein in ſeinen blauen Mantel gekleide⸗ ter Araber eine hohe, zahme Giraffe an einem carmoiſinen Bande. Hierauf folgten funfzig ſtarke Männer paarweiſe, welche ſilberne Schilder voll goldner Münzen, oder herrlich gearbeitete und mit Edelſteinen eingelegte Becher trugen. Der Klang der Zimbeln verkündete das Erſcheinen der hrenklei Gläubige und der und Her ſo wie d Dar Geſchirr! Diener in Roſſe wa lihen Ste mos, rur Bein Schaar ſ und elfen ten vor Jungfrau durch lan hüllt war So verbeugte Seite des ſandten e dads mit und ung rührte je Zeichen Platz der Chr Kalifen wie ſein ſeiner B Geſicht, ſt dieſer Waffen. d ganze öniglichen ge Wache ggezogen n pracht⸗ baſtor in Scheri⸗ 3 heilige ne Menge die ſchal⸗ 8 Zuges traße er⸗ je zwei uſiker in kend aus awen aus öſtlichſten antenzäh⸗ oldſtaub; voll Ro⸗ mus und dern um⸗ ellbraune gekleide⸗ rmoiſinen daarweiſe, — herrlich rugen. einen der Ehrenkleider, die aus den Vorräthen des Beherrſchers der Gläubigen ausgeſucht waren, die Seidenzeuge aus Aleppo und der Goldſtoff von Damascus, mit Beſätzen von Zobel und Hermelin und Flaum aus der Bruſt des Schwans, ſo wie Felle des weißen Fuchſes. Darauf folgten zwei graue Dromedare mit ſilbernem Geſchirr und mehrere reichgezäumte Roſſe, jedes von einem Diener in prachtvoller Kleidung geführt. Das letzte der Roſſe war ſchneeweiß und auf ſeiner Stirn eine Art röth⸗ lichen Sterns, ein Roß aus dem heiligen Marſtalle Salo⸗ mo's, nur allein von Abkömmlingen des Propheten beſtiegen. Beim dumpfen Getös der Heerpauken nahte dann eine Schaar ſchwarzer Eunuchen mit ihren ſcharlachnen Kleidern und elfenbeinernen Streitärten. Sie umgaben und ſchirm⸗ ten vor dem Blicke der Menge vierzehn ſchöne cirkaſſiſche Jungfrauen, deren reizendes Antlitz und vollendeter Wuchs durch lange Schleier und weite Gewänder zum Theil ver⸗ hüllt ward. So wie dieſer prachtvolle Zug ſich dem Sieger nahte, verbeugte er ſich demüthig vor Alroy und ſtellte ſich an jeder Seite des breiten Zugangs in Ordnung auf. Die Abge⸗ ſandten erſchienen. Zwölf der angeſehenſten Bürger Bag⸗ dad's mit übereinander geſchlagenen Armen, geſenkten Augen und ungeordneter Kleidung. Stumm und demüthig be⸗ rührte jeder die Erde mit der Hand, küßte dieſe dann zum Zeichen der Unterwerfung, trat hierauf bei Seite und machte Platz dem erſten Abgeordneten und Sprecher— Honain. 16. Ehrerbietig doch anmuthig verbeugte ſich der Arzt des Kalifen vor dem Eroberer des Oſtens. Sein Aeußeres, wie ſein Benehmen, ſtach nicht wenig gegen den Anblick ſeiner Begleiter ab. Nicht minder ruhig und heiter ſein Geſicht, nicht minder reich und ſorgfältig ſeine Kleidung 160 als damals, wo er zuerſt Alroy im Bazar von Bagdad aus den Klauen des ſchändlichen Abdallah rettete. Er ſprach, und jeder Ton ſchwieg vor dem Wohlklange ſeiner Stimme. „Eroberer der Welt! Jene Beſtimmung, mit der zu kämpfen vergebens iſt, hat unſer Leben und Gut in Deine Macht gegeben. Deine Sklaven bieten Dir Proben ihrer Reichthümer dar; nicht als Tribut, denn all' das ihrige iſt Dein, ſondern nur, um Dir die Erzeugniſſe der Sicher⸗ heit und des Friedens vorzulegen, damit Du Dich über⸗ zeugeſt, Gnade ſei für den Sieger eben ſo vortheilhaft wie für den Beſiegten, es ſei beſſer, zu erhalten, als zu zerſtören, und weiſer, zu genießen, als auszurotten. „Das Schickſal ließ uns als Sklaven des Kalifen ge⸗ boren werden; daſſelbe Schickſal hat ſeinen Scepter Deinen Händen überliefert. Wir bringen Dir nun dieſelbe Unter⸗ werfung, die wir ihm weihten, und bitten Dich um denſel⸗ ben Schutz, den er uns gewährte. „Was Du auch entſcheiden mögeſt, wir müſſen uns beugen unter Deinem Beſchluß, mit der Demuth, wie die Obergewalt ſie gebietet. Doch ſind wir nicht hoffnungslos. Wir können es nicht vergeſſen, wie glücklich wir ſind, uns nicht an ein barbariſches Oberhaupt wenden zu müſſen, das nicht Theil nehmen kann an den Forderungen der Bildung, der Kunſtſchöpfungen, der edlern Antriebe der Menſchlich⸗ keit. Wir erkennen Deine unwiderſtehliche Macht an, aber wir wagen es, Alles von einem Fürſten zu hoffen, deſſen Geiſt Jedermann anerkennt und bewundert, der einen Theil ſeiner Jugend den Sorgen der Regierung und den Waffen entzog, um der höhern Forderungen der Kenntniß willen, deſſen Gemüth durch einen reinen und erhabenen Glauben veredelt ward, und der ſeine Abkunft herleitet aus einem berühmten und heiligen Stamme, deſſen Alter ohne Gleichen ſelbſt der Prophet anerkennt.“ Hie das el des Sie E zurüch Jsrael gewähtt — 6 2 baſtor wo prieſter 6 ehrt wer wiſſen, d herrſcher Än 2 . „‿ Krieg!“ volle Mi B 70 Difzier wache, ten ſoll ſchaffen wetteife und da Dolchh de lüßte ih „⁸ n Bagdad Lohlllange it der zu in Deine oben ihrer das ihrige er Sicher⸗ dich über⸗ eilhaft wie zerſtören, Kalifen ge⸗ ter Deinen Abe Unter⸗ um denſel⸗ liſſen uns ·, wie die fnungslos. ſind, uns nüſſen, das Bildung, Menſchlich⸗ t an, aber fen, deſſen einen Theil den Waffen niß willen, en Glauben aus einem ne Gleichen Hier endete er. Ein Gemurmel des Beifalls lief durch das Zelt, ſchwieg aber im Augenblicke, ſo wie die Lippen des Siegers ſich öffneten. „Edler Emir,“ entgegnete Alroy,„kehre nach Bagdad zurück und ſage Deinen Mibürgern, daß der König von Israel ihren Perſonen Schutz, ihrem Eigenthume Sicherheit gewährt.“ — Und ihrem Glauben?— fragte der Abgeordnete leiſer. „Duldung;“ erwiederte Alroy, indem er ſich zu Ja⸗ baſtor wandte. — Bis auf weitere Anordnungen;— ſetzte der Hohe⸗ prieſter hinzu. „Emir,“ ſagte Alroy,„die Perſon des Kalifen ſoll ge⸗ ehrt werden.“ — Eure Hoheit,— entgegnete Honain,— mögen wiſſen, daß der Sultan von Rum mit unſerm vorigen Be⸗ herrſcher ſich zurückgezogen hat.— „Und ſein Harem?— — Auch mit dieſem.— „Das war unnöthig. Wir führen nicht mit Weibern Krieg!“ — Männer ſowohl als Frauen müſſen die gnaden⸗ volle Milde Eurer Hoheit anerkennen.— „Benoni!“ rief Alroy, indem er ſich an einen jungen Offizier ſeiner Leibwache wandte,„befehlige Du die Ehren⸗ wache, welche dieſen edlen Emir bei ſeiner Rückkehr beglei⸗ ten ſoll. Wir Krieger, Herr, haben es bloß mit Erz zu ſchaffen, und können daher mit der Pracht Bagdad's nicht wetteifern; tragt aber dieſen Stahl zu Ehren des Gebers!“ und damit hielt Honain einen von Edelſteinen funkelnden Dolch hin. Der Abgeſandte Bagdad's trat vor, nahm den Dolch, küßte ihn und ſteckte ihn in ſeinen Gürtel. „Scherirah,“ fuhr Alroy fort,„Euch empfehle ich dieſen 11 9 9 162 edlen Emir. Gebt ihm ein ausgewähltes Zelt zu ſeinem Gebrauch, und laſſet ſein Gefolge ſich nicht über die rauhe Kriegszucht unſers Lagers beklagen.“ — Wenn es Euer Hoheit gefällig iſt,— entgegnete Honain,— ſo werde ich mit Eurer Erlaubniß jetzt, da ich meine Pflicht erfüllt, mich wieder auf den Rückweg begeben. Ich habe daheim ein nur darum minder dringendes Geſchäft, weil es mich ſelbſt betrifft.— „Wie Ihr wollt, edler Emir. Benoni, auf Deinen Poſten. Lebt wohl.“ Die Abgeordneten traten wieder vor, verbeugten und entfernten ſich. Alroy wandte ſich zu Jabaſtor. „Kein gewöhnlicher Mann iſt dies, Jabaſtor.“ — Ein ſehr anmuthiger Türke, Herr!“ „Hälſt Du ihn für einen Türken?“ — Seiner Kleidung nach.— „Kann ſein. Asriel, laß das Lager abbrechen. Wir marſchiren ſogleich nach Bagdad. 17. Die Heerführer entfernten ſich, um die nothwendigen Vorkehrungen zum Marſche zu treffen. Die Nachricht von dem unmittelbaren Zuge nach Bagdad ward bald im Lager bekannt und erregte den lebhafteſten Enthuſiasmus. Alles legte Hand an's Werk, brach Zelte ab und rüſtete Waffen und Roſſe. Alroy blieb in ſeinem Zelte. Die Vorhänge wurden vorgezogen. Er war allein und in tiefes Nachdenken verſunken. „Alroy!“ tönte eine Stimme. Er ſchreckte auf und ſchaute um ſich. Eſther ſtand vor ihm, die Prophetin. „Eſther! Du biſt es?“ — Alroy! ziehe nicht nach Babylon!— „Wie ſo?“ iſt mir 1 Propheti „D meiner Sieg, E Berufe z — an. O, nach Ba „Sd kann ihr feln, daß irgend ei ſchauten W, ſanft ihr U ſeinem de rauhe enggegnete dt, da ich begeben. — Geſchäft, Deinen gien und wwendigen richt von im Lager 8. Alles e Waffen Vorhänge lachdenken ſtand vor 163 — So wahr ich lebe, der Herr hat es geſprochen. Gehe nicht nach Babylon!— „Meiner ſchönſten Eroberung mich nicht erfreuen?“ — Geh nicht nach Babylon!— „Was erſchreckt Dich?“ — Geh nicht nach Babylon!— „Soll ich denn das Loos meines Lebens ändern ohne eine Urſach?“ — Der Herr hat geſprochen. Iſt das nicht eine Urſach?— „Ich bin des Herrn Auserwählter. Seine Warnung iſt mir noch nicht erſchollen.“ — Sie erſchallt Dir jetzt. Verachtet der König die Prophetin des Herrn? Das war Ahab's Sünde!— „Dich verachten! Den Mund verachten, der der Herold meiner Siege iſt! Das hieße Gott läſtern. Prophezeihe Sieg, Eſther, und Alroy wird nie an Deinem göttlichen Berufe zweifeln.“ — Er zweifelt jetzt daran. Ich ſeh's, er zweifelt dar⸗ an. O, mein König! Ich ſage Dir nochmals: geh nicht nach Babylon!— „Schöne Jungfrau, Deine Augen ſchießen Blitze. Wer kann ihren wilden, reinen Glanz erblicken und daran zwei⸗ feln, daß Eſther begeiſtert ſei? Sei ruhig, holdes Mädchen, irgend ein Traum verwirrt Deinen Geiſt.“ — Alroy, Alroy, geh nicht nach Babylon!— „Ich kenne keine Furcht— mein Leben iſt verzaubert.“ — Weh mir, er hört mich nicht! Es iſt Alles ver⸗ loren.— „Es iſt Alles gewonnen, reizende Jungfrau!“ — Ich wollte, wir wären auf dem heiligen Berge und ſchauten die Sterne Zions.— „Eſther,“ ſagte Alroy, indem er ſich ihr nahte und ſanft ihre Hand ergriff:„Die Hauptſtadt des Oſtens wird 11* 164 bald ihre Wunder Deinen Blicken entfalten. Bereite Dich vor auf das Außerordentlichſte. Mädchen, wir ſind nicht mehr in der Wüſte! Vergiß Deine ſchwermüthigen Träume. Komm, wähle Dir einen Gemahl aus meinen Heerführern, und ich will Dir ein Königreich als Mitgift ſchenken. Gern ſäh' ich eine Krone auf dieſer Kaiſerſtirne. Sie verdient eine.“ Die Prophetin wandte ihre ſchwarzen Augen mit vollem Blicke auf Alroy. Was in ihrer Seele vorging, war weder ſichtbar noch ausgeſprochen. Sie ſah feſt und abſichtsvoll in das ruhige, unerforſchliche Geſicht des Siegers, warf ſeine Hand zurück und ſtürzte aus dem Zelt. und S wie der den T 9 Ozeans erobert das He St Herrn ihre Kl fahren Roſſe Ihr in die Ih d Stund derte, dieſer Wagen Reiter in den E weine eite dich und nicht Träume. eführern, en. Gern derdient it vollem ar weder vſichtsvoll es, warf Achter Abſchnitt. 1. Fahnenwehen, Trompetengeſchmetter, Pferdegewieher und Speeresglanz! Es ſchwimmt am entfernten Horizonte wie der Morgen, wenn das Grau der Nacht ſtrahlend in den Tag übergeht. Horch! Der Schritt des Fußvolks wie die Fluth des Ozeans, wenn ſie nach und nach vordringt und das Ufer erobert. Vom Gipfel des Berges ſtrömt, wie ein Fluß, das Heer herab und ergießt ſich über die Ebene. Streiter von Juda! Heilige Männer, die Ihr für den Herrn kämpft! Das Land, worin Eure Väter weinten und ihre Klageharfen rührten, die ſtolze Stadt, wo Eure Vor⸗ fahren ihren erkalteten, entlegenen Heerd bejammerten, Eure Roſſe wiehern jetzt auf ihrer Ebene, und einziehen werdet Ihr in ihre Paläſte. Streiter von Juda! heilige Männer, die Ihr für den Herrn kämpft! Vorwärts, raſch vorwärts, Ihr tapfern Stämme, die Stunde iſt gekommen. Alle Verſprechungen der Jahrhun⸗ derte, alle Zeichen der heiligen Sagen, ſie treffen ein in dieſer entzückenden Stunde. Wo iſt nun des Unterdrückers Wagen, wo Eures Tyrannen Purpurgewand? Roß und Reiter ſind daniedergeſtürzt, Roß und Reiter niedergeſtürzt in den Staub! Erhebe Dich, Rahel, aus der Wüſte; erhebe Dich und weine nicht mehr. Nicht mehr braucht Deiner einſamen 166 Palme Schatten Deinen Kummer zu verbergen. Der Herr hat geſtillt der Wittwe Thräne. Sei getröſtet, Deine Kin⸗ der leben wieder! Sieh! Auf der jubelnden Ebene glänzt der flinke As⸗ riel wie ein Stern, und der männliche Scherirah ſchwingt ſeinen Speer neben des ernſten Jabaſtors Schwerte. Und Er iſt da, der Auserwählte, gefeiert von prophetiſchen Har⸗ fen, deſſen Leben iſt wie der Morgenthau auf Zion's hei⸗ ligem Hügel, der Auserwählte, der ſein Volk zum Siege führt, Ihr Streiter von Juda, heilige Männer, die Ihr für den Herrn kämpft! Sie kommen, ſie kommen!—— Die Wälle der Stadt waren mit ihren Einwohnern überfüllt, der Strom funkelte von zehntauſend Booten, die Bazars waren geſchloſſen, die Straßen mit Reihen Volks beſetzt, und die Terraſſe jedes Hauſes mit Zuſchauern be⸗ deckt. Am Morgen war Ithamar mit ſeiner Heeresabthei⸗ lung als Beſatzung in die Stadt gezogen. Und jetzt nahte ſich die Vorhut des hebräiſchen Heeres, nachdem man ſie ſchon lange aus der Ferne geſehen hatte, den Mauern. Aus dem Hauptheere ſprengte eine mächtige Schaar Reiterei in ſchnellſter Eile vor. Auf einem milchweißen Roſſe, von einem glänzenden Kriegergefolge begleitet, gelangte Alroy unter dem Jubel der unzählbaren Menge an das Thor. Hier ward er von Ithamar und den früheren Abge⸗ ordneten empfangen, nur Honain war nicht dabei. Von ſeinen Heerführern und einer ſtarken Abtheilung der heiligen Wache begleitet, ward Alroy durch die vorzüglichſten Stra⸗ ßen und Plätze der Stadt geführt, bis er am Hauptein⸗ gange des Serails oder Palaſtes des Kalifen anlangte. Durch ein weites Portal kam er in einen großen, vierecki⸗ gen Hof, wo er abſtieg, und ihm von dem Hauptmann der Eunuchen⸗Wache gehuldigt ward. In der vorigen Beglei⸗ tung ſeiner erſten Befehlshaber und unmittelbarſten Diener ward el deren her erin der Ka H des Be „ Aroy den ihn durchſich darreich mung d zufriede Gränze nung! gern u monatl Stadt. ſtor, ſ genheit Kloſter keine mit D G w. nicht hiehe kurzes ſo tap Don Der Herr eine Kin— ſinke As⸗ ſchwingt rte. Und ſchen Har⸗ ion s hei⸗ um Siege „die Ihr nwohnern ooten, die hen Volks ſauern be⸗ eresabthei⸗ fett nahte man ſie Mauern. ar Reiterei toſſe, don gte Alroy Wor. ten Abge⸗ bei. Von er heiligen ſten Stra⸗ Hauptein⸗ anlangte. , vierecki⸗ mann der en Beglei⸗ en Diener 167 ward er nun durch eine lange Reihe von Zimmern geführt, deren er ſich noch von ſeinem erſten Beſuche mit Honain her erinnerte, bis er in dem Saale des großen Reichsraths der Kalifen ankam. Hier warf ſich der Sieger auf den prachtvollen Divan des Beherrſchers der Gläubigen. „Ein bequemer Sitz nach einem langen Marſche!“ rief Alroy aus, als er den Kaffee mit den Lippen berührte, den ihn der Oberſte der Eunuchen in einer Schale von durchſichtigem dunkelrothen Porzellan, mit Perlen beſetzt, darreichte.„Ithamar, jetzt ſage an: Wie haſt Du die Stim⸗ mung der Stadt gefunden? Wo iſt der Sultan von Rum?“ — Die Stadt, o Herr, iſt ruhig und, wie ich glaube, zufrieden. Der Sultan und der Kalif weilen noch an der Gränze der Provinz.— „Das dachte ich mir. Scherirah wird das in Ord⸗ nung bringen. Laß die Truppen vor den Mauern ſich la⸗ gern und die Beſatzung, aus zehntauſend Mann beſtehend, monatlich ſich ablöſen. Ithamar, Du biſt Gouverneur der Stadt. Asriel befehligt die Truppen. Ehrwürdiger Jaba⸗ ſtor, ſetze mir einen Bericht über die bürgerlichen Angele⸗ genheiten der Hauptſtadt auf. Deine Wohnung iſt das Kloſter der Derwiſche. Tapfrer Scherirah, Dir kann ich keine lange Ruhe vergönnen. In drei Tagen mußt Du mit Deiner Heeresabtheilung jenſeits des Fluſſes ſtehen. Es wird ſchnell abgethan ſein. Ich ſehe voraus, daß ſie nicht fechten werden. Kommt alle morgen Mittags wieder hieher, um Rath zu pflegen. Lebt wohl.“ Die Heerführer gingen hinweg, der Hoheprieſter blieb. „Wenn es Euch nicht ſtört, Herr, bitte ich um ein kurzes Gehör.“ — Theuerſter Jabaſtor, ſprich nur.— „Herr, ich wollte mit Dir von Abidan ſprechen, einem ſo tapfern Streiter als irgend einer im Heere. Es ſchmerzt mich ſehr, daß ſeine Dienſte, durch irgend einen unglück⸗ lichen Zufall, ſtets übergangen werden.“ — Abidan! ich kenne ihn wohl,— ein tapfrer Mann, aber ein Träumer, ein Träumer.— „Ein Träumer, Herr! Glaube mir, er iſt ein treuer Sohn Israels, und einer, deſſen Glaube tief gewurzelt iſt.“ — Guter Jabaſtor, wir ſind alle treue Söhne Isra⸗ els. Laß mich aber Männer um mich haben, die nicht ſelbſt bei der Mittagsſonne Erſcheinungen ſehen. Wir müſ⸗ ſen uns vor Träumern bewahren.— „Träume ſind die Orakel Gottes.“ — Wenn Gott ſie ſendet. Sehr wahr, Jabaſtor. Aber dieſer Abidan und die Geſellſchaft, zu der er gehört, ſind von hochfliegenden Ideen erfüllt, aus alten Traditionen aufgefaßt, die, wenn man danach handeln wollte, jede Re⸗ gierung unmöglich machen würden,— kurz, es ſind gefähr⸗ liche Menſchen.— „Die wahre Blüthe Israel's! Irgend Jemand hat Dein heiliges Ohr gegen ſie vergiftet.“ — Nein, Niemand, ehrwürdiger Jabaſtor. Ich habe keinen Rathgeber, außer Dir ſelbſt. Sie mögen die Blüthe Israels ſein, aber ſie ſind nicht die Frucht. Gute Krieger — aber ſchlechte Unterthanen; vortreffliche Mittel, durch die wir größere Zwecke erreichen können. Ich will nicht, daß Träumer in Anſehen ſtehen. Ich muß praktiſche Män⸗ ner um mich haben— thätige Männer. Sieh Abner, As⸗ riel, Ithamar, Medad, ſieh, wie ſie ſich dem aneignen, was ſie umgiebt, und doch unbeſiegbare Heerführer ſind. Sie ſind aber praktiſche Männer, Jabaſtor; ſie haben Augen und gebrauchen ſie. Sie kennen den Unterſchied der Zeiten und Verhältniſſe. Aber dieſer Abidan hat keinen andern Gedanken, als den Tempel wieder aufzubauen! Ein eng⸗ herziger Frömmling, der der Form die Hauptſache aufopfern würde. Mit ſolchen Bauleuten würde der Tempel, wenn er ſih en xrflbe2 in das, nennen be „E nungen d oder ihre Veltſtehe Dir unbe nichts me Morgen i Der Er Gegenwa⸗ Schlacht. ſtille Sch lich wiede ner Herr darfs kein „Sal Jetzt giel ohne ſein Volk befr ßen Salc ter erlan Auffluge Schichal narchen Schatten mächtige Fluſſes. „Di den Lohr unglit er Mann ein treuer uzelt iſt.“ hne Jsra⸗ die nicht Vir miſ ſtor. Aber hört, ſind raditionen jede Re⸗ id gefähr⸗ hat Dein Ich habe die Blüthe e Krieger el, durch vill nicht, ſche Män⸗ bner, As⸗ mnen, was ind. Sie en Augen der geiten en andern Ein eng⸗ aufopfern del, wenn 169 er ſich erhebt, bald wieder einſtürzen. Bedenke einmal, derſelbe Abidan predigte im Lager gegen meinen Einzug in das, was dem verſchmitzten Fanatiker„Babylon“ zu nennen beliebt, und plagte mich mit einer Erſcheinung.— „Es gab eine Zeit, wo Du nicht ſo übel von Erſchei⸗ nungen dachteſt.“ — Bin ich Abidan? Müſſen Andere ihr Benehmen oder ihre Anſichten nach den meinigen geſtalten? In dieſer Welt ſtehe ich allein, ein Weſen anderer Art als Ihr, ſelbſt Dir unbegreiflich. Laß uns davon abbrechen. Ich will nichts mehr davon hören, und habe ſchon zu viel gehört. Morgen im Rathe.— Der Hoheprieſter ging ſchweigend fort. „Er iſt fort!— endlich bin ich allein. Ich kann die Gegenwart dieſer Menſchen nicht ertragen, außer in der Schlacht. Ihre Worte, ſelbſt ihre Blicke ſtören mir die ſtille Schöpfung meiner brütenden Gedanken. Ich bin end⸗ lich wieder allein, und die Einſamkeit war die Wiege mei⸗ ner Herrſchaft. Jetzt fühle ich mich begeiſtert. Jetzt be⸗ darfs keiner Mummerei, um ein Wunder zu bewirken. „Salomo's Scepter! Es kann ſein. Was weiter? Jetzt giebt es hier das Scepter Alroy's. Was iſt jenes ohne ſeinen Geiſt? Die Sage erzählte, daß Niemand unſer Volk befreien könne, der nicht das Scepter führe des gro⸗ ßen Salomo. Die Sage wußte, daß Niemand dieſes Scep⸗ ter erlangen könne, ohne einen Geiſt, vor deſſen erhabenem Auffluge die Mächte der Welt ſich beugen würden wie das Schickſal. Ich errang es. Ich ſah die geſpenſtiſchen Mo⸗ narchen in ihrem Grabe, und dieſelbe Hand, welche ihre Schattenherrſchaft ergriff, ergriff auch das Diadem der mächtigen Kalifen an den ſtolzen Wogen ihres kaiſerlichen Fluſſes. „Die Welt iſt mein. Und ſoll ich den Lohn aufgeben, den Lohn, den alle Helden ſich eigneten, um die albernen 6 170 Sagen eines träumeriſchen Prieſters wahr zu machen, und eine Ueberlieferung zu heiligen? Er eroberte Aſien und erbaute den Tempel. Soll dies der Inhalt meiner Anna⸗ len ſein? Soll dieſer Glanz des Kaiſerthums ſchnell ein⸗ ſchrumpfen zu einem leeren, ärmlichen Gebieten über irgend eine kleine Provinz, zum beſcheidenen Patriarchenthum einer Hirtenhorde? Iſt der Gott der Heerſchaaren ein ſo ſchwacher Gott, daß wir eine Schranke ſtellen müſſen ſeiner Herrſchaft, und die Gränzen der Allmacht feſtſtellen zwiſchen dem Jor⸗ dan und dem Libanon? Nein, ſo ſteht es nicht geſchrieben! und wär' es auch, ſo will ich meine Begeiſterung ſetzen gegen die Vorausſehung meiner Vorfahren. Ich bin auch ein Prophet, und Bagdad ſoll mein Zion ſein. Die Toch⸗ ter der Stimme! O! ich bin deutlich berufen. Ich bin des Herrn Diener, nicht Jabaſtors. Seine Verehrung, ſeine Anbetung will ich allgemein machen, wie es ſeine Macht iſt, und welcher Prieſter ſoll es wagen, an meinem Glauben zu zweifeln, weil ſeine Altäre auf anderen Hügeln rauchen, als auf denen von Juda? „Ich muß Honain ſehen. Dieſer Mann hat großen Geiſt. Er allein nur kann mein Vorhaben faſſen. Univer⸗ ſalherrſchaft kann nicht gegründet werden auf Sektenvorur⸗ theile und ausſchließliche Rechte eines kleinen Stammes. Jabaſtor würde die Muſelmänner umbringen, wie Amalek, die Muſelmänner, der bei weitem größte und wichtigſte Theil meiner Unterthanen. Er würde mein Reich entvöl⸗ kern, damit man nicht ſagen möge, daß Ismael die Erb⸗ ſchaft Israels getheilt habe. Fanatiker! Ich will ihn ab⸗ ſenden zur Eroberung von Judäa. Wir müſſen uns ver⸗ einigen. Es muß etwas geſchehen, um die Beſiegten an unſere ſiegende Macht zu ketten. Jener kühne Sultan von Rum— ich wünſchte, Abner hätte ſich ihm entgegengeſtellt. Davonzufliehen mit dem Harem! Ich bin halb entſchloſſen, mich an die Spitze des ihn verfolgenden Heeres zu ſtellen, und zu verbir ih möch wir uns fligt üb ich ihm wohin fu jener gl Die Ord Meine K Oberauf Durch d Könnte geſehen: Hier ſin Schwert Ein Glü⸗ wieder fi Kleid. Perlen g Gürtel! Schön! Die mit ein hielt an Jluſſes hinweg Treppe Hi lange G und gri war im ihen, und Aſien und ner Anna⸗ ſchnell ein über irgend thum einer o ſchwacher Herrſchaft dem Jor⸗ geſchrieben! rung ſetzen h bin auch Die Toch⸗ Ich bin des rung, ſeine ſeine Macht em Glauben In rauchen, hat großen en. Univer⸗ vektenvorur⸗ Stammes. vie Amalek, d wichtigſte teich entoöl⸗ eel die Erb⸗ will ihn ah— m uns ver⸗ zeſiegten an Sultan von gegengeſtelt entſchloſſen, s zu ſtellen 171 und— die Leidenſchaft meines Herzens mit der Politik zu verbinden— und dennoch— Honain iſt der Mann— ich möchte ihn zu einer Sendung gebrauchen. Könnten wir uns vergleichen? Ich haſſe Verträge. Meine Phantaſie fliegt über alle Ziele hinweg. Ich muß ihn ſehen. Könnte ich ihm nur alles ſagen, was ich denke! Dieſe Thür— wohin führt ſie? Ha! iſt mir's doch, als erinnerte ich mich jener glänzenden Gallerie! Niemand hier? Kein Diener? Die Ordnung in unſerm Palaſte iſt nicht eben ſtreng. Meine Krieger ſind keine Höflinge. Welch ein trefflicher Oberaufſeher des Palaſtes würde Honain ſein! Alles ſtill. Durch dieſe Säle bin ich ſicherlich ſchon einmal gegangen. Könnte ich nur das kleine Thor am Ufer des Fluſſes un⸗ geſehen und unentdeckt erreichen! Es wäre nicht unmöglich. Hier ſind viele Gewänder. Ich will mich verkleiden. Treues Schwert, Du haſt Deine Pflicht gethan, ruhe einſtweilen. Ein Glück iſt's, daß ich keinen Bart habe. Man wird mich wieder für einen Eunuchen halten. So! ein ſehr ſchönes Kleid. Ein Dolch, zu einem Ritze gut, Pantoffeln mit Perlen geſtickt, ein Kaftan von Goldſtoff, ein Kaſchemirner Gürtel und ein Zobelpelz.— Ein Blick in den Spiegel.— Schön! Jetzt ſehe ich aus wie der Eroberer einer Welt!“ 2.. Die Dämmerung trat ein. Ein kleines, einſames Boot mit einem einzigen Ruderer glitt den Tigris entlang und hielt am Bogengange eines Hauſes, das am Rande des Fluſſes lag. Der Ruderer zog die Vorhänge im Boote hinweg, der einzelne Schiffende darin ſtieg aus und die Treppen des Bogenganges hinauf. Hier öffnete er ein goldnes Gitter, ſchritt durch eine lange Galerie und trat in einen ſchönen Saal von weißem und grünem Marmor, der zu den Gärten führte. Niemand war im Gemach. Der Fremde ſetzte ſich auf ein ſilbernes 172 Ruhebett, das an dem Rande eines Springbrunnens ſtand, deſſen Strahl ſich aus der Mitte des Zimmers erhob und in ein Porphirbecken zurückfiel. Ein ſanftes Geflüſter weckte den Fremden aus ſeinen Träumen; ein ſanftes Geflüſter, das den Namen Honain leis murmelte. Der Fremde blickte auf. Eine in einen bis auf den Boden herabgehen⸗ den Schleier gehüllte Geſtalt ſchritt von dem Garten her. „Honain!“ ſagte die ſich nähernde Geſtalt und warf den Schleier zurück.„Honain! Ah! Da iſt ja der ſchöne Stumme wieder!“ Ein weibliches Weſen, lieblicher als der roſige Morgen, erblickte den unerwarteten Gaſt. Beide ſtaunten ſchweigend einander an. Da trat ein Mann, mit einer Kerze in der Hand, in den entfernteſten Theil des Saales. Sorgfältig verſchloß er die Thür, langſam ſchritt er mit leiſen Schrit⸗ ten vor und nahte ſich der Verſchleierten und dem Fremden. „Alroy!“ rief der ſtaunende Honain, und die Kerze entſank ſeiner Hand. „Alroy!“ rief erſchrocken Jene aus, ward blaß und lehnte ſich an eine Säule. — Tochter des Kalifen!— ſagte der Beherrſcher Is⸗ raels, indem er vortrat, auf ein Knie fiel und ihre herab⸗ geſunkene Hand ergriff:— ja, ich bin jener Alroy, dem das Schickſal das Reich Deines Vaters anheimgegeben hat, aber die Fürſtin Schirin kann nichts zu fürchten haben von Dem, der dieſen Beweis ihres Wohlwollens höher, als alle ſeine Siege ſchätzt:— und damit zog er einen Roſenkranz von Perlen und Smaragden aus dem Buſen, ſtand lang⸗ ſam auf und ließ ihn in ihrer zitternden Hand. Die Prinzeſſin wandte ſich ab und verbarg ihr Geſicht an dem Arme, mit dem ſie ſich an der Säule feſthielt. „Theurer Honain,“ ſagte Alroy,„Ihr glaubtet, ich habe die Vergangenheit vergeſſen,— Ihr hieltet mich für un⸗ dankbar. Meine Gegenwart hier beweiſt Euch, daß dem nich ſo i erfahren, erfüllen.“ Aufregung das ihn! meine We vormalige welcher ich dürſte, ha einigerma die günſt Lebenswe Gefühlen Ich war gen wird ſchwiegen ihr Abge bis jetzt d der Bewe bleiben, lich ausſ jetzt die; Abenddä lung in von mir kleidung iſt kurz Euern „ Schirin auch ſog wichtige jett zur ens ſtand, erhob und ſter weckte Gefliſter r Fremde erabgehen⸗ zarten her. und warf der ſchöne eMorgen, ſchweigend de in der Sorgfältig ſen Schrit⸗ Fremden. die Kerze blaß und rrſcher Is⸗ hhre herab⸗ Alroy, dem geben hat, haben don , als alle Roſenkranz ſtand lang⸗ ihr Geſicht eſthielt. tet, ich habe ch für un⸗ „daß dem nicht ſo iſt. Ich bin hierhergeeilt, um Eure Wünſche zu erfahren, um ſie, wenn es in meiner Macht ſteht, alle zu erfüllen.“— — Herr!— erwiederte Honain, der ſich von der Aufregung, in die er ſelten gerieth, und von dem Staunen, das ihn nicht oft überraſchte, wieder erholt hatte.— Herr! meine Wünſche ſind gering. Ihr ſeht die Tochter meines vormaligen Gebieters vor Euch. Eine Unterredung, wegen welcher ich ſchwerlich die Verzeihung dieſer Dame erhalten dürfte, hat Euch mit ihrer Lage und ihren Geſinnungen einigermaßen bekannt gemacht. Die Fürſtin Schirin benutzte die günſtige Gelegenheit der jetzigen Unruhen, um einer Lebensweiſe zu entrinnen, die ſchon ſeit langer Zeit ihren Gefühlen widerſprach, einer Beſtmimung, vor der ſie zitterte. Ich war Ihr einziger Rathgeber, und, wie ſie ſich überzeu⸗ gen wird, ein treuer, obgleich vielleicht ein minder ver⸗ ſchwiegener. Die unwiderſtehlichen Bitten der Einwohner, ihr Abgeſandter an den Sieger zu werden, verhinderten bis jetzt die vorgehabte Flucht. Seitdem hielt ich es, wegen der Bewegungen der Heere, für gerathener, für jetzt hier zu bleiben, ob ich gleich das Gerücht meiner Abreiſe gefliſſent⸗ lich ausſprengen ließ. In dem Kiosk meines Gartens iſt jetzt die Fürſtin Schirin eine freiwillige Gefangene. In der Abenddämmerung ſchleicht ſie ſich zu der ſchwachen Erho⸗ lung in meiner Geſellſchaft herbei, und um die Nachrichten von mir zu hören, die ich des Tages über in meiner Ver⸗ kleidung einzuziehen im Stande bin. Die Geſchichte, Herr, iſt kurz und einfach. Wir ſind in Eurer Gewalt; ich flehe Euern Schutz an.— „Guter Honain, deſſen bedürft Ihr nicht. Die Fürſtin Schirin braucht blos einen Wunſch auszuſprechen, um ihn auch ſogleich erfüllt zu ſehen. Ich wollte mit Euch über wichtige Gegenſtände ſprechen, Honain, aber ich ziehe mich jetzt zurück, um hier nicht zu ſtören. Morgen werde ich, 3 5 1 1 4 — — wenn Ihr es wollt, in derſelben Verkleidung und zu der⸗ ſelben Stunde wieder hier ſein. Unterdeſſen theilt Euch die Prinzeſſin vielleicht ihre Wünſche mit, und Ihr legt ſie mir vor. Wenn ein ſicheres Geleit in irgend ein Land, wenn irgend ein Palaſt, oder irgend eine Provinz zu ihrem Auf⸗ enthalte und Befehl— doch ich will Der nichts anbieten, die allein gebieten ſollte. Lebt wohl, Prinzeſſin! Verzeiht das Vergangene! Morgen alſo, theurer Honain! Laß uns ja hier wieder zuſammenkommen. Gute Nacht!“ 3. „Die Königliche Stirn war umwölkt!“ ſagte Ithamar zu Asriel, als ſie beim Fortgehen aus dem hohen Rathe in ihr köſtliches Boot ſtiegen. — Mit Gedanken: es liegt ihm ſo viel im Sinne, daß es zu bewundern iſt, wie er's nur tragen kann.— „Ich habe ihn am Abende vor der Schlacht heiter und fröhlich, obgleich ruhig bei wichtigeren Dingen geſehen, als die jetzt auf ihm laſten. Seine Stirn war umwölkt; wie mir's aber ſcheint, nicht mit Gedanken, ſondern vielmehr mit Verdruß. Bemerktet Ihr's, wie er Jabaſtor ſchalt?“ — Stark! Der finſtere Hoheprieſter erbebte davor und zerſtieß, als er den Befehl unterzeichnete, in der Wuth ſei⸗ nen Rohrſtift. Nie ſah ich Jemand bleicher werden!— „Oder ſtiller. Er ſah aus wie ein verkörperter Sturm. Ich will's Euch offen ſagen, Avsriel, dieſer finſtere Prieſter liebt uns nicht.“ — Habt Ihr das Geheimniß auch entdeckt, Ithamar? Wir ſind nicht von ſeiner Schule. Auch, im Vertrauen, unſer Herr iſt es nicht. Ich bin recht froh, daß der König ſo abgeneigt gegen Abidan iſt. Wär' Er im Rathe, hielt er es mit Jabaſtor.— „O, er iſt ein bloßes Werkzeug von dieſem! Was meint Ihr von Scherirah?“ könnt da — geht, mif ih Cuch auf Jab wäre hie nehmen. wahr, da Do „De Abner!“ möchte a wird?— „W rirah ab kommt nn betrifft, ſ „Nä der Leibe E bräiſchen Großwe D „ die ſyriſ an der baſtor iſt „ nd zu der⸗ t Euch die egt ſie mir kand, wenn ihrem Auf⸗ anbieten, Lerzeiht Laß uns 2 Ithamar hen Rathe Sinne, daß acht heiter en geſehen, umwölkt; m vielmehr ſchalt?“ davor und Wuth ſei⸗ den!— ter Sturm. ere Prieſter „Ichamar! Vertrauen, z der König gathe, hielt ſem! Was 175 — Ich traue ihm nicht. So lange es an's Fechten geht, miſcht er ſich in weiter nichts, aber, merkt Euch, was ich Euch ſage, Ithamar, in ruhigen Zeiten wird er auch auf Jabaſtors Seite treten.— „Medad ſoll mit in den Rath kommen, der hält's mit uns.“ — Mit Herz und Seele. Ich wünſchte, Euer Bruder wäre hier, Asriel; er allein könnte es mit Jabaſtor auf⸗ nehmen. Alroy liebt Euern Bruder wie ſich ſelbſt. Iſt's wahr, daß er Mirjam heirathet?— „Der König wünſcht es. Eine ſchöne Verbindung für Abner!“ — Wir können noch Alles möglich machen! Ich möchte aber nur wiſſen, wer Vicekönig von Syrien werden wird?—. „Wenn wir's erſt werden eingenommen haben. Sche⸗ rirah aber gewiß nicht. Sagt mir's nach, Ithamar, der kommt nie an's Ruder. Ihr, oder ich vielleicht. Was mich betrifft, ſo bliebe ich lieber, wie ich jetzt bin.“ — Ihr habt einen guten Poſten: den beſten— „Nächſt dem Commando der Stadt. Dies ſollte mit der Leibwacht verbunden ſein.“ — Verhelft mir, daß ich Syrien bekomme, und Ihr könnt dann mein Commando haben. „Einverſtanden. Jabaſtor verlangt, daß in einer he⸗ bräiſchen Monarchie der Hoheprieſter auch zugleich der Großweſſir ſei.“ — Alroy wird ſein eigner Miniſter ſein.— „Das weiß ich doch nicht ganz gewiß. Wenn er nun die ſyriſche Expedition ſelbſt befehligt, muß er doch Jemand an der Spitze der Geſchäfte in Bagdad zurücklaſſen. Ja⸗ baſtor iſt kein Feldherr.— „Ganz und gar nicht. Alroy wird froh ſein, ihn zu 3 6 — 5 176 Hauſe zu laſſen. Der Sultan von Rum wird nicht ſtets ſo gefügig ſein.“ — Ha, ha, hal das war eine Flucht!— „Bei'm Himmel! Ich glaubte, es wäre alles aus. Ihr machtet einen herrlichen Angriff.“ 3 — Ich werde es nie vergeſſen. Ich überrannte bei⸗ nah Jabaſtor.— „Hättet Ihr's doch gethan!“ 4. Die Tochter des Kalifen ſchreitet einher, um ſich der Kühle der Luft zu erfreun: nur ihre Laute iſt ihre Beglei⸗ terin. Sie ſetzt ſich nieder an des Springbrunnens Rand und ſchaut ſinnend auf den Fall der Gewäſſer. Ihre Wange ruht auf ihrem Arme, wie die Frucht auf einem anmuthigen Zweige. Tiefnachdenkend iſt das Antlitz der ſchönen, herrlichen Jungfrau. Sie erſchrickt. Eine warme, wollüſtige Lippe drückt ihre zarte, müßige Hand. Es iſt ihre Lieblings⸗Gazelle. Die reizende Begleiterin fragt mit ihren großen, hellen Augen, beredter als manche Zunge, ſtumm nach der Urſache all' dieſes Nachdenkens. „Ach, meine holde Gazelle. Du ſchöne Gazelle!“ ruft die Prinzeſſin:„Deine Lippen ſind ſanfter, als der Schwan, aber ſeine hauchten Leidenſchaft, als ſie dieſe Hand küßten! Deine Augen ſind wie die Sterne der Nacht, aber ſeine glänzten von Leidenſchaft, als ſie auf mich blickten. O, meine ſchöne Gazelle!“ Sie nahm ihre Laute, fuhr wild mit den Fingern in die ſchrillenden Saiten, und zu dem roſigen Himmel blickend, um deſſen ganze Poeſie zu entlehnen, ſang ſie: Wie dort an Syriens mächt'gen Himmel Des Morgeus Schimmer ſtrahlt und wallt, So ſtand der Held, die Augen ſprühen, In Herrſcherhoheit die Geſtalt. ] „ einmal! Di vor ihl Schritte 7 Gegend werden. „dieſer lloſſen, und es rung a Prinze bräuch veränd hätten. G / Ein rei nich ſtet 3 aus. Jhr rannte bei⸗ im ſich der hre Beglei⸗ nens Rand äſſer. Ihre t auf einem Antlitz der eine warme, nd. Es iſt n fragt mit nche Zunge, zzelle!“ ruft der Schwan, and küßten! „aber ſeine blicten. O, Fingern in amel blickend, 177 Mein Herz, es gleicht der dunkeln Erde, Auf die des Morgens Schimmer fällt, Wie ſie nun glänzt und roſig leuchtet: Mein Herz ward eine Liebeswelt. Wie dort an Syriens nächt'gem Himmel Des Morgens Schimmer ſtrahlt und wallt, So ſtand der Held, die Augen ſprühen, In Herrſcherhoheit die Geſtalt. „Noch einmal, noch einmal! O! ſinget dieſen Vers noch einmal!“ Die Prinzeſſin erſchrak und blickte umher. Alroy ſtand vor ihr. Sie ſprang auf, wollte gehen, aber beim erſten Schritte hielt der Eroberer ſie an der Hand zurück. „Holde Fürſtin!“ rief er;„laßt nicht durch meine Gegenwart Schönheit und Tonkunſt zugleich verſcheucht werden.“ — Herr! ohnſtreitig wartet Honain auf Euch. Laßt mich ihn rufen.— „Prinzeſſin! nicht mit Honain wünſchte ich zu ſprechen.“ Er ſetzte ſich neben ſie. Sein Antlitz war bleich, ſein Herz bebte. „Dieſer Garten,“ begann er endlich mit leiſem Tone; „dieſer Garten— nur ein kurzer, kurzer Zeitraum iſt ver⸗ floſſen, ſeit ich zuerſt in ſeinen reizenden Räumen wandelte, und es kommen mir dieſe Tage wie die entfernte Erinne⸗ rung an ein anderes Leben vor.“ — Es iſt auch ein anderes Leben!— verſetzte die Prinzeſſin.— Wir ſelbſt, die Welt, alle Formen und Ge⸗ bräuche, alle Gefühle und Gewohnheiten haben ſich ſo ſehr verändert, als ob wir in einer andern Sphäre geathmet hätten.— „Eine große Veränderung.“ — Seit Ihr zuerſt meinen ſchönen Kiosk beſuchtet. Ein reizendes Spielwerk. O ſchont ihn, wenn Ihr wollt!— 12 178 „Er iſt mir heilig, ſo wie Ihr ſelbſt.“ — Ihr ſeid ein höflicher Eroberer.— „Ich bin kein Eroberer, ſchöne Schirin, ſondern ein demüthigerer Sklave, als da ich das erſtemal vor Eurer Gegenwart mich neigte.“ — und ein Pfand mit hinwegnahmt, das ich nicht vergaß. Hier iſt Euer Roſenkranz.— „Gebt mir ihn wieder. Er war mein Troſt in man⸗ cher Gefahr, reizende Schirin. Am Abende vor der Schlacht ruhte er auf meinem Herzen.“ Sie hielt ihm den Roſenkranz hin und wendete das Haupt weg. Ihre Hand blieb in der ſeinen. Er drückte ſie an ſeine Lippen. Mit dem rechten Arme hielt er dieſe Hand, den linken ſchlang er um ihre Hüfte, als er vor ihr auf einem Knie niederſank. „O ſchön! o mehr als ſchön! denn Du biſt mir wie ein ungeſtörter Traum!“ rief der jugendliche Beherrſcher Israels.„Laß mich meine Bewunderung ausathmen. Ich biete Dir kein Königreich an, keine Schätze, nichts von dem, was nur die ſchrankenloſeſte Phantaſie ſich erdenken kann — alles das kannſt Du erhalten, doch Du beſaßeſt es ja ſchon; aber wenn die glühendſte Hingebung eines Geiſtes, der nie der Macht eines Weibes noch unterlag, wenn die tiefſte Verehrung der Seele Alroy's ein würdiges Opfer Dir ſcheinen kann vor dem Heiligenſchein Deiner Schönheit, Deiner Alles überſtrahlenden Anmuth, ſo verehre ich Dich, Schirin, ſo bete ich Dich an! „Seit ich Dich zuerſt erblickte, ſeit Deine Schönheit zuerſt über meinem Leben aufging wie ein Stern, der mei⸗ ner Beſtimmung glänzt, iſt Dein Götterbild ſtets in dem Heiligthume meiner verſchwiegenen Liebe aufgeſtellt geweſen. Denn ſie war ein Weſen, das, wenn Du es auch nur hät⸗ teſt ahnen können, Beſchimpfung für Dich ſein mußte. Seitdem habe ich die Beleidigungen einer Reihe von Jahr⸗ hunder bin zu ter wi fher ligen Glanz Liebe, Lebens „9 du ſch der Ar zu den Glaub werder ihrer Antlitz die N Krone, Ich bi rin me geleſen eine g. verbor zen. keine Hamg von 2 dor Curer ich nicht in man⸗ er Schlacht endete das Er drücke t er dieſe er vor ihr iſt mir wie Beherrſcher wmen. Ich Hvon dem, enken kann ſaßeſt es ja nes Geiſtes, , wenn die iges Opfer rSchönheit, re ich Dich, e Schönheit m, der mei⸗ tets in dem ellt geweſen. ch nur hät⸗ ſein mußte. von Jahr⸗ 179 hunderten abgewaſchen in dem edelſten Blute Aſiens; ich bin zurückgekehrt in Ruhm und Stolz, um mein altes Scep⸗ ter wieder zu erfaſſen; aber ſüßer bei weitem als Rache, ſüßer bei weitem, als das ſchnelle Verſammeln meiner hei⸗ ligen Stämme, als die Fluth des Triumphes und der Glanz der Herrſchaft, iſt dieſer kurze Augenblick anbetender Liebe, in welchem ich ausſtröme die Leidenſchaft meines Lebens! „O meine Seele, mein Leben, mein ganzes Daſein! Du ſchweigſt, aber Dein Schweigen iſt ſüßer als das Sprechen der Andern. Neige Dich, o neige Dich, theure Schirin, zu dem der vor Dir fleht. Dein Glaube, Deines Vaters Glaube, Deine heimathliche Sitte, alles dieſes ſoll geehrt werden, reizendes Weſen! Pharao's Tochter neigte ſich in ihrer dunkeln Schönheit zu meinem großen Vorfahr. Dein Antlitz iſt wie der ſonnenhelle, entzückende Tag! Laß nicht die Nachwelt ſagen, die Tochter des Nils theilte Israels Krone, aber die Tochter des Tigris verwarf unſer Scepter. Ich bin nicht Salomo, aber ich fühle es, daß, wenn Schi⸗ rin meinen Thron theilte, auch meine glorreichen Annalen geleſen werden ſollten von der uns überlebenden Zeit, als eine geheimnißvolle und thatenreiche Sage!“ Hier endete er. Die Prinzeſſin wandte ihr bis dahin verborgen gehaltenes Antlitz und neigte es zu ſeinem Her⸗ zen.„O Alroy!“ rief ſie aus,„ich habe keinen Glauben, keine Heimath, kein Daſein, als Dich!“ 5. „Der König kommt heut ſpät.“ — Iſt es wahr, Asriel, daß ein Eilbote da iſt von Hamadan?— „Ohne Bedeutung, Ithamar. Er bringt Privatbriefe von Abner. Alles iſt ruhig.“ 12- 180 — Die Stunde iſt lange vorbei. Wann ziehen wir fort⸗— G „Das Heer iſt völlig bereit. Ich warte nur auf Be⸗ fehl. Der Rath von dieſem Morgen wird vielleicht ent⸗ ſcheiden.“ — Der Rath wird ſich heute nur verſammeln, um bürgerliche Angelegenheiten in der Hauptſtadt zu ordnen,— bemerkte Jabaſtor. „So?“ ſagte Asriel.„Iſt Euer Vortrag fertig, Ja⸗ baſtor?“ — Hier iſt er,— entgegnete der Hoheprieſter.— Der hebräiſche Geſetzgeber braucht nur kurzes Nachdenken, um ſo etwas zu ordnen. Er beſitzt ein Muſter, das die Zeit nicht zerſtören, kein menſchliches Nachdenken verbeſſern kann.— Ithamar und Apsriel warfen ſich einander bedeutſame Blicke zu. Scherirah ſah feierlich vor ſich hin. Asriel unterbrach endlich das Schweigen. „Bagdad iſt doch eine herrliche Stadt: Ich habe Eure Quartiere noch nicht beſucht, Jabaſtor. Ihr ſeid doch gut untergebracht?“ — Es geht ſchon. Ich hoffe, daß wir hier nicht lange zaudern ſollen. Das große Werk iſt noch nicht vollendet.— „Wie weit iſt es bis zu der heiligen Stadt? fragte Scherirah. — Ein Marſch von einem Monate,— verſetzte Ja⸗ aſtor. „Und wenn Ihr dort ſeid?“ fragte Ithamar. — Könnt Ihr mit den Franken fechten;— entgegnete Asriel. „Jabaſtor, wie groß iſt Jeruſalem wohl? fuhr Ithamar fort.„Iſt's wahr, wie ich einmal gehört habe, daß es nicht größer iſt, als das Serail hier, mit Gärten und allem?“ der wolle jett glänz häuſe Alroy ſtützen leuten dem habe. und Botej bald umar Bewe zitter bitten Geda Woh werd ehen wir auf Be⸗ leicht ent⸗ neln, un rdnen,— tig, Ja⸗ r.— Der nten, um die Zeit verbeſſern dedeutſame 1. ALriel habe Eure doch gut hier nicht noch nicht dt? fragte erſetzte Ja⸗ ar. entgegnete r Ithamar daß es nicht allem?“ 181 — Jeruſalems Ruhm iſt untergegangen,— erwiederte der Hoheprieſter:— ihre Steine ſind zerfallen, aber wir wollen ſie wieder von Marmor erbauen, und Zion, das jetzt außerhalb der Mauern der Chriſten liegt, ſoll wieder glänzen, wie in den alten Zeiten, von Paläſten und Land⸗ häuſern.— Trompetengeſchmetter, die Thüren öffneten ſich, und Alroy trat, auf den Arm des Abgeſandten von Bagdad ſich ſtützend, ein. „Tapfre Heerführer,“ ſagte er zu den erſtaunten Haupt⸗ leuten:„In dieſem edeln Fremden erblickt Ihr einen Mann, dem ich ſo wie Euch mein unbegränztes Vertrauen geſchenkt habe. Jabaſtor, ſieh Deinen Bruder!“ — Honain! Du biſt Honain!— rief der Hoheprieſter und ſprang von ſeinem Sitze auf.— Ich habe tauſend Boten nach Dir ausgeſchickt.— Jabaſtor, deſſen Geſicht bald bleich war vor Staunen, bald glühte in Bruderliebe, umarmte den langentbehrten, und verbarg, von innerer Bewegung übermannt, ſein Antlitz an deſſen Schulter. „Herr!“ rief endlich der Hoheprieſter mit ſchwacher, zitternder Stimme aus:„ich muß Euch um Verzeihung bitten, daß ich in meiner Stellung auch nur einem andern Gedanken habe Raum geben können, als dem an Euer Wohl. Es iſt vorüber, und Ihr, der Ihr ja alles wißt, werdet mir vergeben.“ — Alles was Jabaſtor angeht, gehört auch mit zu meinem Wohle. Er iſt der Grundpfeiler meiner Herrſchaft. — Alroy ſtreckte hier die Hand aus und berief den Hohen⸗ prieſter zu ſeiner Rechten.— Scherirah, Du ziehſt noch die⸗ ſen Abend fort.— Der rauhe Heerführer verbeugte ſich ſchweigend. „Was iſt das?“ fuhr Alroy fort, als Jabaſtor ihm eine Pergamentrolle überreichte.„Ha! Euer Vortrag!... Ordnung der Stämme... Dienſt der Leviten... Für⸗ 182 ſten des Volkes... Aelteſten Israels.... Die Zeit wird kommen, wo dies alles zur Ausführung gelangen ſoll. Jetzt, Jabaſtor, müſſen wir genügſam ſein, und uns mit Maaß⸗ regeln begnügen, wodurch die Ordnung erhalten, das Ei⸗ genthum geſchützt und Gerechtigkeit gehandhabt werden kann. Iſt's wahr, daß einige Krieger eine Moſchee geplündert haben?“ — Herr! davon wollte ich eben ſprechen. Es waren keine Plünderer, ſondern vielleicht nur allzueifrige Männer, welche geleſen und ſich daran erinnert haben, daß wir von Grund aus zerſtören ſollen alle die Orte, worin die Natio⸗ nen, über welche ihr gebieten werdet, ihren Göttern dien⸗ ten auf hohen Gebirgen, und auf den Hügeln, und unter den grünen Bäumen. Und Ihr ſollt ihre Altare umſtürzen, und..— „Jabaſtor, iſt dieß eine Synagoge? Bin ich in einem Rathe tapfrer Staatsmänner oder träumeriſcher Rabbiner? Haben wir mit Hülfe ſolch er Geſetze Niſchabur erobert und den Tigris überſchritten? Tapfrer und weiſer Jabaſtor, Du biſt beſſerer Dinge würdig und zu allem Großen fähig. Ich bitte Dich, dringe zum letztenmale auf ſolche Gegen⸗ ſtände. Sind jene Frevler gefangen?“ — Sie waren gefangen. Ich habe ſie freigelaſſen.— „Frei gelaſſen! Gehangen ſollten ſie werden! Gehan⸗ gen auf dem öffentlichſten Platze! Iſt dieß die Art, den Mu⸗ ſelmann zu einem treuen Unterthan zu machen? Jabaſtor, Israel ehrt Dich, und ich, ſein Oberherr, ich weiß, daß kein treuerer, tapfrer noch gelehrterer Mann zu meiner Fahne ſich geſellte, als Du, aber leider ſehe ich, daß die Höhlen des Caucaſus keine Schule ſind, wo man regieren lernt.“ — Herr! ich habe demüthig bisher geglaubt, die Schule wo man regieren lerne, ſei das Geſetz Moſes.— „Allerdings, aber unſeren Zeiten angepaßt.“ weiſe Jsrael was C ..nc Es w rufen, ihn d halb! Wahr von ſ deshal wir ſ will ſpeiſet komn mög alle ihn Jeit wird dl. deg it Maß⸗ das E⸗ den kann. eplündert 7s waren Männer, wir von ie Natio⸗ tern dien⸗ und unter umſtürzen, in einem labbiner! öbert und Jabaſtor, zen fähig. he Gegen⸗ elaſſen.— Gehan⸗ den Mu⸗ Jabaſtor, weiß, daß zu meiner , daß die nregieren laubt, die Moſes.— 183 — Kann etwas GCöttliches geändert werden?— „Bin ich ſo lang wie Adam war? Wenn die Menſchen die Krone, die Roſe dieſer ganzen ſchönen Schöpfung, die göttlichſte von allen dieſen herrlichen Einrichtungen, wenn ſelbſt dieſe erleſenſten von allen gottähnlichen Werken, die Zeit verändert hat, warum ſoll ſie denn ein Geſetz ver⸗ ſchonen, das nur dazu gegeben wurde, um deren Handelns⸗ weiſe zu regeln. Guter Jabaſtor, wir müſſen den Thron Israels wieder herſtellen... das iſt meine Beſtimmung; was aber die Mittel dazu betrifft, ſo fragt ſichs nicht wie .. noch wo.... Asriel, was für Nachrichten von Medad?“ — Alles iſt ruhig zwiſchen dem Tigris und Euphrat. Es wäre wohl am beſten, ſeine Heeresabtheilung zurückzu⸗ rufen, die ſehr geneckt worden iſt. Ich dächte, wir löſeten ihn durch Abidan ab.— „So denke ich auch. Abidan kann eben ſo gut außer⸗ halb der Stadt beſchäftigt werden. Könnten wir noch die Wahrheit ergründen, ſo wollte ich darauf wetten, daß einige von ſeinen Leuten die Moſchee plünderten. Wir müſſen deshalb eine Bekanntmachung erlaſſen. Guter Jabaſtor, wir ſprechen noch darüber, wenn wir allein ſind. Jetzt will ich Euch Euerm Bruder überlaſſen. Scherirah, Ihr ſpeiſet mit mir zu Nacht, ehe Ihr von uns ſcheidet. Asriel, kommt mit in mein Cabinet.“ 6. „Ich muß den König ſprechen!“ — Heiliger Prieſter! er will allein ſein. Es iſt un⸗ möglich.— „Ich muß ihn ſprechen. Würdiger Pharez, ich nehme alle Verantwortung auf mich.“ — Die Befehle des Königs ſind heilig. Ihr könnt ihn nicht ſprechen.— „Wißt Ihr, wer ich bin?“ 184 — Ein Mann, den alle frommen Hebräer verehren.— „Und ſo ſage ich denn, daß ich den König ſprechen muß.“ — Heiliger Jabaſtor, es kann nicht geſchehen.— „Soll Israel untergehen wegen eines Knechtes? Geh. Ich muß ihn ſehn.“ — Komme es wohin es wolle! Ich erfülle meine Pflicht.— „Berühre nicht den Auserwählten des Herrn! Hund, Du ſollſt es büßen!“ Mit dieſen Worten warf Jabaſtor Pharez bei Seite, und drängte ſich nebſt dem Diener, der ihn am Gewande zurückzuhalten ſtrebte, in das königliche Gemach. „Was ſoll das bedeuten?“ rief Alroy vom Divan aufſpringend.„Jabaſtor! Pharez! hinweg! Iſt Bagdad denn in Aufruhr?“ — Schlimmer, viel ſchlimmer wird es bald mit Is⸗ rael ſtehen!— 1 „O L — Mein unglückſeliger Bruder hat mir alles erzählt, und ich will nicht eher mein Haupt niederlegen, bis ich meine Stimme erhoben habe, um Dich zu retten!— „Bin ich in Gefahr?“ — In der Wildniß, als die weite Wüſte unter Dei⸗ nem zitternden Fußtritte ſchwankte, und der dunkle Himmel ſeine brennenden Ströme herabgoß, warſt Du es minder. In dieſer Stunde des Todes bewachte Dich Einer, der ſeine treuen und geliebten Abkömmlinge nie vergißt, und jetzt, da er Dich aus dem Hauſe der Knechtſchaft gebracht hat, jetzt, da Dein Glück gleich einer edlen Zeder ſich in die Luft erhebt, und das ganze Land, überſchattet, biſt Du der Führer ſeines Volks, ſein Auserwählter, für den er ſolche Wunder that,... iſt Dein Herz gewendet von Deines Vaters Gott, und gelüſtet nach fremden Gräueln.— Dure Serails und den mit unten betrachtet aber forſ und ſagte ten Tone — 2 „Hör ihn mit nie verge nem Frer für würd zu dieſen fung ane bieten kon ein Geiſt, die faſt a doch gen den, der dig gefun wieder h Prieſter ſeine alln mehr?“ D „‿ näckiges ſo ſprech meine A ben wir meine A ehren.— ſdrechen 4.— le meine „Hund, ei Seite, Gewande m Divan Vagdad mit F⸗ erzählt, „ bis ich nter Dei⸗ Himmel minder. iner, der zißt, und gebracht er ſich in biſt Du r den er in Deines 185 Durch den großen Bogen, der in die Gärten des Serails führt, fiel das Mondlicht auf die lange Geſtalt und den aufgehobenen Arm des Prieſters. Alroy ſtand mit untergeſchlagenen Armen in einiger Entfernung und betrachtete Jabaſtor, während dieſer ſprach mit ruhigem, aber forſchenden Blicke. Plötzlich nahte er ſich ihm raſch und ſagte, ſeine Hand auf Jabaſtors Arm legend im ſanf⸗ ten Tone der Frage: Sprecht Ihr von dieſer Heirath?“ — Von der, die Salomo zu Grunde richtete.— „Hört mir zu, Jabaſtor,“ fuhr Alroy fort, indem er ihn mit ruhigem, aber feſten Tone unterbrach. Ich kann nie vergeſſen, daß ich mit meinem Lehrer ſpreche, mit mei⸗ nem Freunde. Der Herr, der alle Dinge kennt, hat mich für würdig erachtet zu ſeiner Sendung. Meine Fähigkeit zu dieſem hohen und heiligen Werke ward nicht ohne Prü⸗ fung anerkannt. Eine Abkunft, die niemand als ich dar⸗ bieten konnte, myſtiſche Studien wie ſie nur wenige treiben, ein Geiſt, der kühn allem entgegentrat, und eine Körperkraft die faſt alles ertrug... das waren meine Anſprüche:... doch genug davon. Ich habe die große Prüfung überſtan⸗ den, der Herr der Heerſchaaren hat mich nicht für unwür⸗ dig gefunden ſeines Auftrags, ich habe ſein altes Volk wieder hergeſtellt, ſeine Altäre rauchen von Opfern, ſeine Prieſter werden geehrt... Du bezeugſt es, Jabaſtor... ſeine allmächtige Einheit iſt erklärt. Was verlangſt Du mehr?“ — Alles!— „Dann kannte Euch Moſes wohl! Es iſt ein hart⸗ näckiges Volk.“ — Herr! habt Nachſicht mit mir. Spreche ich heftig, ſo ſpreche ich auch eifrig. Ihr fragt mich, was ich wünſche? meine Antwort iſt: ein Daſein als Nation, denn dieſes ha⸗ ben wir noch nicht. Ihr fragt mich, was ich wünſche? meine Antwort iſt: das Land der Verheißung. Ihr fragt — — — 16 Y8G 6 — — — — 186 mich, was ich wünſche? meine Antwort iſt: Jeruſalem! Ihr fragt mich, was ich wünſche? meine Antwort iſt: den Tem⸗ pel... alles was wir verloren haben, alles wonach wir uns geſehnt, alles wofür wir gefochten... unſer ſchönes Land, unſern heiligen Glauben, unſre einfachen Sitten und unſre alten Gebräuche.— „Sitten ändern ſich nach Zeit und Umſtänden, Ge⸗ bräuche kann man überall beobachten. Das Ephod*) auf Deiner Bruſt beweiſet unſern Glauben, und was das Land betrifft, iſt der Tigris kleiner als der Siloa, oder der Eu⸗ phrat minder tief als der Jordan?“ — Ach! ach! Es war eine herrliche Zeit, als Israel entfernt ſtand von anderen Nationen, ein ſchönes und hei⸗ liges Weſen, das Gott geweiht hatte! Wir waren da eine erleſene Familie, ein eigenthümliches Volk, ausgewählt vor anderen zu Gottes voller Freude. Alles um uns her war feierlich, tief und heilig. Wir ſcheuten den Fremden als etwas Unreines, das unſre einſame Heiligkeit meiden mußte, und indem wir uns an uns und unſern Gott hielten, floß unſer Leben dahin in einem einzigen feierlichen Strome tiefer Religion, wodurch der niedrigſte unter uns ſich grö⸗ ßer fühlte, als die Könige andrer Länder. Es war eine ruhmvolle Zeit. Ich glaubte, ſie ſei zurückgekehrt... aber ich erwache aus dieſem wie aus jedem andern Traume.— „Wir müſſen das Träumen laſſen, mein theurer Ja⸗ baſtor; wir müſſen handeln. Verfiele ich durch irgend ei⸗ nen Zufall in ſolche Träumereien, womit ich oft die gold⸗ nen Stunden in Hamadan oder in unſß'rer alten Höhle verſchwendete, ſo würde ich wohl eines ſchönen Morgens die Sultanſchaft von Rum an meinen Thoren rütteln hö⸗ ren.“ Alroy lächelte, als er dies ſagte. Er hätte gern der *) Der Leibrock der Hohenprieſter, aus Gold, bunter Wolle und Leinwand gewirkt.(Moſes, II. 28. 6.) ganzen 1 finlih Die Erit Geiſt. der Wal und znun jiteernd, — und ſeine Knie ligen Abt Jugend! nen eifrie reihem und alle Namen j ſeinem ge habenen 6 und reiße verführte, ſonſt auch handeln Bahn die ſei nur ei baume, hölliſchen kann! „l großen J Scepter. gegen die voll echa dſalem, Ihr ſt: den Tem. wonach wit unſer ſhönes Sitten und ſtänden, Ge as das Land der der Eu⸗ t, als Israel nes und hei⸗ daren da eine gewählt vor uns her war Fremden als neiden mußte, hielten, floß chen Strome uns ſich grö⸗ Es war eine ehrt... aber Traume.— theurer Ja⸗ rch irgend ei⸗ oft die go⸗: alten Höhle mnen Morgens en rütteln hö: hätte gern der unter Wolle und 187 ganzen Unterredung einen leichtern Ton gegeben, aber das feierliche Antlitz des Prieſters ſtimmte mit dieſer Leichtigkeit nicht überein. — Mein Herz iſt voll, und doch kann ich nicht ſprechen, Die Erinnerung an das Vergangene übermannt meinen Geiſt. Ich habe vergeblich geglaubt, meine von der Seele der Wahrheit begeiſterte Stimme würde ihn noch retten, und inun ſtehe ich hier in ſeiner Gegenwart, ſtumm und zitternd, wie ein Verbrecher. O mein Fürſt! mein Zögling! — und damit trat der Prieſter näher auf ihn zu, fiel auf ſeine Kniee und faßte Alroy's Gewand:— bei Deiner hei⸗ ligen Abkunft, bei der ſchönen Erinnerung an Deine feurige Jugend und unſre vereinten Arbeiten... bei allen Dei⸗ nen eifrigen Gedanken und feierlichem Sinnen, und glor⸗ reichem Strebem nach Ruhm... bei allen Deinen Leiden und allen Deinen Triumphen, und vor allem bei dem Namen jenes großen Gottes, der Dich auserleſen hat ſeinem geliebteſten Kinde... bei allen Wundern dieſer er⸗ habenen Sendung beſchwöre ich Dich! Erhebe Dich, Alroy, und reiße Dich empor. Die Lockſpeiſe, die Deine Väter verführte, verlockt ſonſt auch Dich! Dieſe Delilah ſchneidet ſonſt auch Deine myſtiſche Locke ab! Geiſter gleich Dir handeln nicht halb. Einmal abgewichen von der geraden Bahn die vor Dir liegt, und ob Du gleich vermeinſt, es ſei nur ein ſtilles Plätzchen zur Ruhe unter dem Schatten⸗ baume, wirſt Du doch bald wandeln in der Tiefe eines hölliſchen Waldes, aus welchem nichts Dich mehr erretten kann!— „Und hätte ich auch das feurige Blut ererbt meines großen Vorfahren, ſo habe ich doch wenigſtens auch ſein Scepter. Sollte je menſchliche Macht etwas vermögen gegen die übernatürliche Herrſchaft über Himmel und Hölle?“ — Herr, o Herr! Die Sage, die vom Sinai kam, iſt voll erhabener Lehre. Ordne nur Dein Benehmen nach 188 dieſen Orakeln, und alles wird wohl ergehen. Sie verkün⸗ det aber, daß unſer Volk nur durch Den wieder hergeſtellt werden kann, der es mit dem Stabe Salomos regiert. Herr! als der Allmächtige dieſem großen Könige ſeine Freu⸗ den darbot, kennſt Du auch deſſen erhabene Beſcheidenheit. Reichthum und langes Leben, Herrſchaft und Rache waren nicht die Wahl des Mannes, dem alles Zufällige angeboten ward. Die Sage enthält ſowohl einen innern Geiſt als eine äußere Anſicht. Die Erlangung des Preiſes war ein weiſes Zeugniß Deiner Fähigkeit zu herrſchen. Du haſt ſein Scepter; aber ohne ſeine Weisheit... iſt es nur ein Stab von Zederholz.— „Ha, ha! habe ich Dich da? Es iſt mir lieb, Jabaſtor, Dich als Staatsmann zu ſehen. Höre mich, Freund. Meine Gefühle für jene Königstochter kommen hier wenig oder gar nicht in Betrachtung. Laß ſie bei Seite, und da⸗ für uns dieſe Frage aus dem Geſichtspunkte anſehen, aus welchem Du ſie nahmſt, im Lichte der Staatskunſt, nicht der Leidenſchaft. Ich bin kein Verräther an dem Gotte Israels, in deſſen Namen ich ſiegte, und in deſſen Namen ich herrſchen werde, aber Du biſt ein Gelehrter, Du kannſt uns belehren. Ich habe von keinem Befehle gehört, meine ruhmvolle Herrſchaft auch nur über die kleinſte Provinz aufzugeben. Ich bin Herr von Aſien, und ſo ſoll es auch meine ſpäte Nachkommenſchaft ſein. Unſer Volk iſt nur ein Bruchſtück, nur ein kleiner Theil der zahlloſen Millio⸗ nen, die meinem Scepter gehorchen. Was ich beſitze, kann ich vertheidigen, es wäre aber doch möglich, daß meine Kinder nicht den Geiſt ihres Vaters erbten. Dann werden die Muſelmänner ihre Herrſchaft bereitwilliger anerkennen, wenn ſie bedenken, daß eine Tochter des Kalifen ihnen das Daſein gab. Du ſiehſt, daß ich auch ſtaatsklug bin, lieber Jabaſtor.“ — Die Staatsklugheit des Sohnes von Kareah war ſein Ungl beſtraft. oand. E o daß ſe her hat e teen ausg uns nicht ihm treu ſehen. D dieſe Abge thun mit; blik Zeug geſetze? ihnen eſſe ſten Bedü ben. Vor lichen Hee Du kannſt Jeit ein „ch ſchaaren a von Niſch einige klei Baden an für das J halb derſc dem er a it gebild Geſet beg din Reich Vaum ſei ſceint, vo Thau bed Sie verkün⸗ de hergejel unus regien. ge ſeine Freu⸗ Wechedenhet Nache waren gge angeboten ern Geiſt als feiſes war ein n. Du haft ſt es nur ein led, Jabaſtor nich, Freund. en hier wenig. Seite, und da⸗ anſehen, aus tskunſt, nicht n dem Gotte deſſen Namen er, Du kannſt gehört, meine einſte Provinz ſoll es auch Volk iſt nur lloſen Millio⸗ h beſitze, kann h, daß meine Dann werden er anerkennen, fen ihnen das ug bin, lieber Kareah war 189 ſein Unglück. Er zog Egypten Judäa vor und ward dafür beſtraft. O Herr! Gott hat Judäa geſegnet: es iſt ſein Land. Er wollte es erfüllt haben mit ſeinem eigenen Volke, ſo daß ſeine Anbetung dort immer blühe und wachſe. Da⸗ her hat er uns durch viele ſonderliche Gebräuche und Sit⸗ ten ausgezeichnet vor allen andern Nationen, ſo daß wir uns nicht zugleich mit dieſen vermiſchen, und doch auch ihm treu bleiben können. Wir müſſen allein für uns be⸗ ſtehen. Der Hauptzweck und Inhalt unſers Geſetzes iſt der, dieſe Abgeſchiedenheit zu erhalten. Was haben wir zu thun mit Bagdad, oder deſſen Volke, wo wir jeden Augen⸗ blick Zeugen ſein müſſen der Uebertretung eines unſerer Geſetze? Können wir mit ihnen beten? Können wir mit ihnen eſſen? In den höchſten Pflichten, wie bei den niedrig⸗ ſten Bedürfniſſen, können wir nichts mit ihnen gemein ha⸗ ben. Vom Altare unſers Gottes an bis an unſern häus⸗ lichen Heerd ſind wir gleich von ihnen getrennt. Herr! Du kannſt König von Bagdad ſein, aber nicht zu gleicher Zeit ein Jude!— „Ich bin was ich bin. Ich bete den Herrn der Heer⸗ ſchaaren an. Vielleicht wird er nach ſeiner Gnade die Tage von Niſchabur und dem Tigris als Ausgleichung gegen einige kleine Verſtöße in den Vorſchriften beim Backen und Baden annehmen.“ — Höre auf meine Worte! Durch die Vorſchriften für das Backen und Baden erhob ſich Alroy, und außer⸗ halb derſelben wird er untergehn. Der Genius des Volks, dem er angehörte, hob ihn in die Höhe, und dieſer Genius iſt gebildet worden durch das Geſetz Moſis. Auf dieſes Geſetz begründet, würde er einer langen Nachkommenſchaft ein Reich haben hinterlaſſen können, doch jetzt, obſchon der Baum ſeines Glücks am Rande eines Stroms aufzuwachſen ſcheint, von tauſend Quellen genährt, und ſeine Zweige mit Thau bedeckt ſind, doch jetzt frißt ſchon ein Krebs an 190 ſeinem Marke, und morgen wird er umfallen gleich einem verwelkten Kürbis. Ach! wehe, wehe Israel! Wir haben uns lange von Pappeln ernährt, aber die Wein⸗Ernte zu verlieren, wo ſie nun eben reif geworden, das iſt ſehr ſchmerzlich! Ach! als ich Deine erſchöpften Glieder in der Höhle von Gethſemane vom Boden erhob, und der Stern David's hell leuchtete am Himmel über Deiner erhabenen Vollendung, wer hätte da von einer Nacht träumen können, gleich dieſer? Lebt wohl, Herr.— „Halt, Jabaſtor! frühſter, theuerſter Freund, ich be⸗ ſchwöre Dich, bleib!“ Der Prieſter kehrte langſam zurück, der Fürſt zögerte. „Scheide nicht im Zorne von mir, Jabaſtor!“ — In Sorge, Herr! nur in Sorge: aber in tiefer und furchtbarer.— „Israel iſt Herr Aſiens, mein Jabaſtor. Was haben wir zu fürchten?“ — Salomo baute Tadmor in der Wüſte, und ſeine Flotte brachte Gold von Ophir, und doch ward Alroy als Sklave geboren.— „Starb aber nicht als Sklave. Die Sultane der Welt ſind untergegangen vor mir. Ich habe keine Furcht. Nein, gehe nicht. Du wirſt doch wenigſtens in die Sterne einiges Vertrauen ſetzen, Du gelehrter Cabaliſt? Sieh denn alſo. Mein Planet ſcheint ſo hell, wie mein Glück.“ Damit zog Alroy den Vorhang hinweg und ging mit Jabaſtor auf die Terraſſe. Ein ſchöner Stern leuchtete am Himmel. Als ſie ſo auf ihn blickten, veränderte ſich ſeine Farbe und ein blutigrothes Meteor entſprang in ſeinem Kreiſe und verſank in dem Weltraume. Der Eroberer und der Prieſter ſahen ſich einander zu gleicher Zeit an. Ihre Geſichter waren bleich, forſchend, unruhig. „Herr,“ begann endlich Jabaſtor,„ziehe nach Judäa!“ — Es bedeutet Krieg,— verſetzte Alroy, der ſich wieder ſien.— „ nah. L Ei Dreima wirklich den Gar Geiſt, vo „2 „D ſagte Ho unterhalt getheilt! der The zu Bagd einer u allgemei legen. um dieſe Sultan erklären Bekann theilung Kenntni Mir ſch *) an die M dlac einem Wrr haben LeirErnte; zu das iſt ſehr Nieder; in der nd der St tern er erhabenen umen können, eund, ich be⸗ JFürſt zügerk. tor!“ aber in tiefer Was haben te, und ſeine rd Alroy als tane der Welt Furcht. Nein, Sterne einiges eh denn alſo. Damit zog Jahaſtor auf am Himmel. ne Farbe und m Kreiſe und d der Prieſter Zore Geſichter nach Judäa!“ oh, der ſich 191 wieder zu faſſen ſuchte.— Vielleicht Unruhen in Per⸗ ſien.— „Unruhen daheim, nichts anderes. Die Gefahr iſt nah. Sieh Dich vor!“ Ein wildes Aufſchreien drang von dem Garten her. Dreimal vernahm man es. „Was bedeutet das Alles?“ rief Alroy. aus, jetzt wirklich beſorgt.„Nimm Wachen, Jabaſtor, und unterſuche den Garten.“ — Es iſt nutzlos, und könnte ſchaden. Es war ein Geiſt, von dem dieſer Laut kam.— „Was ſagte er?“ — Mene, mene, tekel, upharsin!—*) 7. „Die alte Geſchichte! Der Prieſter gegen den König!“ ſagte Honain zu Alroy, als dieſer ihm bei ihrer Morgen⸗ unterhaltung die Begebenheiten der vergangenen Nacht mit⸗ getheilt hatte.„Mein frommer Bruder wünſcht Euch zu der Theokratie zurückzuführen, und fürchtet, daß, wenn er zu Bagdad betet ſtatt zu Zion, er leicht bloß das Oberhaupt einer untergeordneten Sekte werden könne, ſtatt an die allgemeinen Zügel für eine ganze Nation mit Hand anzu⸗ legen. Was das Meteor betrifft, ſo muß Scherirah faſt um dieſelbe Zeit über den Fluß gegangen ſein, und der Sultan von Rum mag daher das blutige Wunderzeichen erklären. Den Schrei anlangend, ſo muß ich, da ich keine Bekanntſchaft mit Geiſtern habe, ſolche wunderbarliche Mit⸗ theilungen den begünſtigteren Ohren und eingeweihteren Kenntniſſen Euer Hoheit und meines Bruders überlaſſen. Mir ſcheint derſelbe von der„Tochter der Stimme“ in *) Die Worte, welche bei Balſazer's Feſte in Babel die Hand an die Mauer ſchrieb und nur Daniel zu leſen und zu deuten vermochte. 192 mehr als einer Hinſicht verſchieden geweſen zu ſein, da er nicht nur ſehr geräuſchvoll war, ſondern auch völlig unver⸗ ſtändlich, dem Einzigen ausgenommen, der ein Intereſſe an ſeiner Auslegung nahm— einer geiſtreichen Auslegung, wie ich nicht läugnen kann. Wenn ich meine Stelle als Euer Hoheit Kammerherr antrete, will ich wenigſtens dafür ſtehen, daß Euer Schlummer weder durch Geiſter, noch an⸗ dere noch unwillkommenere Beſuche geſtört werden ſoll.“ — Tritt ſie nur endlich einmal an, guter Honain. Wie geht es heut meiner perſiſchen Roſe, meiner ſüßen Schirin?— „Sie ergötzt ſich in Eurer Abweſenheit an Euerm Bilde. Sie ſchenkt mir kein Wort, das kann ich Euch ver⸗ ſichern.“ — O! ich weiß, daß Du ein allgemeiner Liebling dieſes Geſchlechts biſt, Honain. Ich werde eiferſüchtig werden.—— „Ich wollte, Euer Hoheit hätte Grund dazu:“ ſagte Honain ſehr ehrbar. 8. Die bevorſtehende Vermählung des Königs der Hebräer mit der Prinzeſſin von Bagdad ward durch ganz Aſien bekannt gemacht. Auf der Ebene am Tigris bereitete man alles zu dieſem großen Volksfeſte vor. Ganze Wälder wur⸗ den gefällt, um Materialien für die Bauten und Holz für die Gaſtmähler zu ſpenden. Alle Gouverneure der Pro⸗ vinzen und Städte, alle hohe Beamten und Vornehme bei⸗ der Nationen wurden namentlich eingeladen und langten Tag vor Tag in größtem Glanze zu Bagdad an. Unter ihnen der Vicekönig von Medien und Perſien und ſeine junge Gemahlin, die Fürſtin Mirjam, mit einem Gefolge von faſt zehntauſend Perſonen. Ein Thron, zu dem man auf hundert mit rothem Tuch krönte Seite dieſen ter e Meng Dieſe bedec Panie ter N Poſſen jeder Hof! ſtädtiſ ſchöne Melo. dort ſten J den ſich di als Lr dann Hol, Kameg darin zog d eigene wolle und beitet erhob naret daß mit S ſen, da er Iltereſſe an Auslegung, ne Stelle als digſtens dafür ſter, noch an⸗ rden ſoll.“ uter Honain. neiner ſüßen t an Cuerm ich Euch ver⸗ iner Liebling e eiferſüchig dazu:“ ſagte s der Hebräer ganz Aſien bereitete man Wälder wur⸗ und Holz für re der Pro⸗ ornehme bei⸗ und langten d an. Unter en und ſeine inem Gefolge mit rothem 193 Tuch belegten Stufen ſtieg und den ein goldner Baldachin krönte, ward in der Mitte der Ebene errichtet; an jeder Seite zwei minder hohe, aber gleich prachtvolle. Gegenüber dieſen Thronen bildeten hundert Schartaks oder Amphithea⸗ ter einen unermeßlichen Halbkreis, doch ſo, daß für die Menge zwiſchen dieſen Bauwerken hinreichender Platz blieb. Dieſe Schartaks waren mit Teppichen des reichſten Brokats bedeckt, und an jedem erhob ſich ein glänzendes, köſtliches Panier. Auf einigen derſelben ſtanden Banden ausgeſuch⸗ ter Muſiker, auf anderen Geſellſchaften von Jongleurs, Poſſenreißern und Märchenerzählern. Fünf Schartaks an jeder Seite der drei Throne waren zum Gebrauch für den Hof beſtimmt, auf den übrigen befanden ſich verſchiedene ſtädtiſche Gewerbe. Hier hatten die Früchtehändler einen ſchönen Garten angelegt, der von Granatäpfeln, Kürbiſſen, Melonen, Orangen, Mandel⸗ und Piſtaziennüſſen wimmelte; dort ſtellten die Fleiſcher ihre Gerichte, in den wunderbar⸗ ſten Formen zubereitet, aus, ſo wie ausgeſtopfte Thiere in den lächerlichſten Gruppen. Anderswo verſammelten ſich die Kürſchner, wie zu einem Maskenballe, ſämmtlich als Löwen, Tiger, Leoparden und Füchſe gekleidet, und dann wieder zeigten ſich die Tapezierer, ſtolz auf ein von Holz, Rohrſtäben, Stricken und gemalten Linnen geformtes Kameel, das umherging als wäre es lebendig, obgleich der darin ſich befindende Mann zuweilen einen Vorhang weg⸗ zog und der ſtaunenden Menge den Künſtler in ſeinem eigenen Kunſtwerke zeigte. Weiterhin konnte man die Baum⸗ wollenweber ſehen, deren Schartak voll Vögel aller Formen und Farben war, aber doch nur aus der von ihnen bear⸗ beiteten Pflanzengattung gebildet, und von demſelben Stoffe erhob ſich, aus Rohrſtäben zuſammengeſetzt, ein hohes Mi⸗ naret aus der Mitte in die Höhe, von dem jeder glaubte, daß es mit Backſteinen und Mörtel erbaut ſei. Es war mit Stickerei bedeckt, und auf der Spitze ſtand ein ſo künſt⸗ 13 194 lich nachgeahmter Storch, daß die Kinder ihn mit Piſtazien zu verſcheuchen ſuchten. Die Sattler zeigten ihre Geſchick⸗ lichkeit in zwei oben offenen und von Dromedaren getra⸗ genen Sänften, in deren jeder ſich ein ſchönes Frauenzimmer befand, welches die Zuſchauer mit vergoldeten Lederbällen unterhielt, die es mit Händen und Füßen auswarf. Auch waren die Mattenmacher in Beweiſen ihrer Kunſtfertigkeit nicht zurückgeblieben, denn ſtatt eines gewöhnlichen Paniers zeigten ſie eine große Standarte von Rohrgeflecht, mit zwei Reihen einer kufiſchen Inſchrift, welche die beglückten Namen Alroy's und Schirin's feierte. Kurz, auf jedem Schartak konnte man bewundernswerthe Proben vom Wohlſtande Bagdad's und der Kunſtfertigkeit ſeiner Bewohner erblicken. Um dieſen ungeheuren Circus überallher, in einer Ausdehnung von mehr als einer Stunde weit, war die Ebene mit zahlloſen Zelten bedeckt. In beſtimmten Zwiſchen⸗ räumen ſtanden Tafeln mit jeder Art von Lebensmitteln, Flaſchen Weines und Krüge mit Scherbet, verbunden mit unzähligen Schüſſeln der auserleſenſten Früchte und Teller erfriſchender Conditorei⸗Waaren. Eine Schaar von Dienern wartete dabei auf, und ob ſie gleich Jedem zugänglich wa⸗ ren, ward doch auch das Verzehrte ſo ſchnell und reichlich wieder erſetzt, daß dieſe Tafeln ſtets beſetzt zu ſein ſchienen. Damit aber die Freude des Volkes ganz vollkommen ſei, ward ihm verſtattet, ſich jedem Vergnügen rückſichtslos hinzugeben, welchem es nur wollte, und dies folgendermaßen bekannt gemacht: „Dies iſt die Zeit der Feſtlichkeit, des Ver⸗ gnügens und der Freude. Niemand ſoll den andern ſchelten, noch ſich über ihn be⸗ klagen. Der Reiche ſoll den Armen nicht kränken, noch der Starke den Schwachen. Keiner ſoll den andern fragen, warum haſt Du das gethan?“ J verſam ſangen biſchen des„ Stirn nes lie die K ibber d des ſy noch e wolüſt werfen heiten und g der an — Bu entgege Damit unglüc fallen trug, 1 entgeg in Cu lidas, Zung 7 hier Almoſ Piſtazien eGeſchick den getra⸗ jenzimmer dderbällen rf. Auch ſtfertigkeit Paniers mit zwei en Namen Schartak Lohlſtande erblicken. in einer var die Zwiſchen⸗ smitteln, nden mit nd Teller Dienern glich wa⸗ d reichlich ſchienen. llommen ſcſſichtslos dermaßen des Ver⸗ nd ſoll ihn be⸗ en nicht wwachen. um haſt 195 Millionen Menſchen hatten ſich in dieſem Paradieſe verſammelt. Sie freuten ſich, ſchmauſ'ten, jubelten, tanzten, ſangen. Sie hörten den bezaubernden Erzählungen der ara⸗ biſchen Improviſatoren zu, oder gaben ſich den Geſängen des perſiſchen Dichters hin, wenn er die mondlichthelle Stirn ſeiner Heldin und die abgezehrte, düſtre Geſtalt ſei⸗ nes liebeſiechen Helden malte; ſie betrachteten mit Staunen die Kunſtſtücke des Jongleurs vom Ganges, oder lachten über den verſchmitzten Witz und die dargeſtellten Scherze des ſyriſchen Mimen. Doch ſelbſt der Ueberſatte mochte noch einen Blick auf die einladenden Stellungen und die wollüſtige Anmuth der tanzenden Mädchen aus Egypten werfen. Ueberall gab es Melodie und Heiterkeit, Selten⸗ heiten und Schönheit. Jedermann vergaß ſeiner Sorgen und gab ſich unerſchöpflicher Luſt hin. „Ich werde zum Höfling,“ ſagte Kisloch, der Kurde, der an einer der Schauſtellungen Theil nahm. — Und ich menſchlich,— ſagte Kalidas, der Indianer. — Burſche, wie kannſt Du es wagen, der Bekanntmachung entgegen zu handeln, und das Kind hier zu ſchlagen?— Damit wandte er ſich an einen der Tafelaufſeher, der den unglückſeligen Treiber eines Kameels bearbeitete, das ge⸗ fallen war, und dabei zwei Körbe mit Porzellan, die es trug, zerbrochen hatte. „Beſorgt Ihr Eure eigenen Angelegenheiten, Burſche,“ entgegnete der Aufſeher,„und dankt Gott, daß Ihr einmal in Eurem Leben zu Mittag eſſen könnt.“ — Spricht man ſo mit einem Offizier?— ſagte Ka⸗ lidas, der Indianer.— Ich habe große Luſt, Dir die Zunge herauszureißen.— „Laßt es gut ſein, kleiner Junge,“ rief der Gueber; „hier haſt Du einen Dirhem. Lauf fort und ſei fröhlich.“ — Ein Wunder!— grinſete der Neger;— er giebt Almoſen!— 3* 13. 198 „Und Ihr ſeid witzig!“ erwiederte der Gueber.„Dies iſt ein Tag voll Wunder.“ — Was fangen wir nun an?— fragte Kisloch. „Wir wollen zu Mittag eſſen;“ ſchlug der Neger vor. — Ja, unter dieſer Platane;— ſagte Kalidas.— Es ſpeiſt ſich beſſer ſo allein. Es iſt mir alles zuwider, außer wir.— „Halt hier, Spitzbube!“ rief der Gueber.„Wie heißt Du?“ — Ich bin ein Hadſchi,— ſagte unſer alter Freund Abdallah, der Diener des mitleidigen Kaufmanns Ali, der heut einen dienſtleiſtenden Aufſeher machte. „Seid Ihr ein Jude, Schuft?“ fuhr der Gueber fort; „das iſt das Einzige, warum ſich's jetzt handelt. Bringt Wein her, Ihr verfluchter Giaour.“ — Auf der Stelle,— ſetzte Kisloch hinzu:— und ein Pillau.—. „Und eine Gazelle mit Mandeln gefüllt;“ ſagte Kalidas. — Und einige Zuckerpflaumen!— rief der Neger. „Schnell, Du hölliſcher Heide, oder ich ſchicke den Wurſſpieß da Dir in den Rücken!“ ſchrie der Gueber. Der knechtiſche Abdallah eilte was er konnte, und kam bald mit zwei Flaſchen Wein zurück, begleitet von vier Dienern, jeder mit einer Schüſſel voll Leckereien. „Wo wollt Ihr hin, Ihr verwünſchten Spitzbuben?“ fluchte Kisloch:„wartet hier wahren Rechtgläubigen auf.“ — Es iſt beſſer, wir bleiben allein, es ſpricht ſich freier;— flüſterte Kalidas. „Nun, ſo packt Euch fort, Ihr Hunde!“ brummte Kisloch. Abdallah und ſeine Begleiter eilten hinweg, wurden aber bald wieder zurück gerufen. „Warum bringt Ihr keinen Schiras⸗Wein?“ fragte Kalidas mit glühendem Auge. 1.„Dies Aoch Neger vor. alidas.— 3 zuwider, Wie heißt er Freund AI, der jeber ſott; t. Bringt :— und e Kalidas. Neger. ſchicke den jeber. und kam von vier tzbuben?“ igen auf.“ ſpricht ſich brummte 3, wurden 1“ fragte 197 — Der Pillau iſt angebrannt!— donnerte Kisloch. „Ihr habt ein mit Piſtaziennüſſen gefülltes Lamm, ſtatt der Gazelle mit Mandeln gebracht!“ ſagte der Gueber. — Bei weitem nicht Zuckerpflaumen genug;— rief der Neger. „Alles iſt ſchlecht!“ eiferte Kisloch.„Geht und holt uns einen Kabob.“*) Nach und nach ward jedoch auch dieſe unerſättliche Geſellſchaft zufrieden geſtellt, ſetzte ſich unter die Platane und ſtopfte ſich mit allen Leckerbiſſen des Orients voll. Je mehr ihr Appetit abnahm, je freundlicher wurden ſie. „Einen Becher, Kalidas, und ein Lied;“ ſagte Kisloch. — Das iſt ein ſchöner Gegenſtand;— entgegnete der Gueber;— kommt Kali, er wird Euch begeiſtern.— „Meinetwegen! ſtimmt nur tüchtig mit ein.“ Und Kalidas ſang: Trinkt und trinkt und trinket wieder, Denken, Fühlen, trinkt es nieder! Was iſt Liebe? Nur ein Sehnen, Was iſt Ruhm? O, nur ein Wähnen; Reichthum? Immer mehr bedürfen— Alles habe ich, kann ich ſchlürfen. Wohnt im Herzen Dir ein Weh, Wirf' es in des Bechers See; Drückt Dich eine Sorge wund, Senk' ſie auf des Bechers Grund! Trinkt und trinkt und trinket wieder, Denken, Fühlen, trink es nieder! „Horcht! Trompeten! Der König und die Königin! Der Zug kommt. Fort, fort!“ — Noch einmal! Sie müſſen ſchon ganz nahe ſein. Fort, auf einen guten Platz.— „Zerſchlagt erſt Teller und Becher! So! Und nun vorwärts!“ *) Kabob, geröſtete Fleiſchſtücke, eine Lieblingsſpeiſe. 198 Von allen Seiten her ſtürzte die Menge in den großen Circus, während tauſend Cymbeln erklangen und zahlloſe Trompeten ſchmetterten. In der Entfernung konnte man aus Bagdad's Thoren eine ſchimmernde Menſchenmenge, die Vorhut des Brautzuges, herauskommen ſehen. Es waren fünfhundert mit Blumen bekränzte Mädchen, ſo ſchön wie die Knospen in ihren Haaren. Ihre fliegen⸗ den Gewänder waren weißer, als Schnee, jedes hielt einen Palmenzweig in der Hand. Hierauf kam eine Schaar trefflicher Muſiker in goldnen Kleidern, auf ſilbernen Trompeten blaſend. Dann fünfhundert Jünglinge, glänzend wie Sterne, in anſchließende Gewänder von weißem Fuchſe gekleidet, abwechſelnd Becken mit Früchten oder Blumen tragend. Ihnen folgte wieder eine Schaar geübter Muſiker in ſilbernen Kleidern, auf goldnen Trompeten blaſend. Sechs ausgeſuchte Roſſe, mit reichen Decken, jedes von einem jungen Araber geführt. Medad's Hausoffizianten, in carmoiſin Gewändern mit Zobel beſetzt. Medad's Standarte. Medad ſelbſt, auf einem kohlſchwarzen Araber, von dreihundert Offizieren ſeiner Abtheilung gefolgt, welche alle auf Pferden der reinſten Race ritten. Sklaven, die Medad's Hochzeitsgeſchenk, ſechs damas⸗ ceniſche Säbel von unvergleichlicher Arbeit, trugen. Zwölf auserleſene, mit prachtvollen Decken geſchmückte Roſſe, jedes von einem jungen Anatolier geführt. Ithamar's Hausoffizianten, in violetnen Gewändern, mit Hermelin beſetzt. Ithamar's Standarte. Ithamar ſelbſt, auf einem ſchneeweißen anatoliſchen Hengſte, von ſechshundert Offizieren gefolgt, welche alle auf Pferden der reinſten Race ritten. den großen und zahlloſe konnte man menge, die te Midchen, hre fliegen⸗ hielt einen in goldnen wie Sterne, ſe gekleidet, tragend./ Muſiker in end. „jedes von ändern mit raber, von welche alle ichs damas⸗ gen. I geſchmückte tt. Gewändern, anatoliſchen ſche alle auf 199 Sklaven, die Ithamars Hochzeitsgeſchenke brachten. Ein goldenes Gefäß von Rubin, auf einem violetnen Throne getragen. Einhundert Neger, in deren durchbohrten Naſen Bril⸗ lantringe hingen, und welche auf Blaſe⸗Inſtrumenten und Keſſelpauken ſpielten. Die Standarte der Stadt Bagdad. Abgeordnete der Bürger Bagdad's. Zweihundert Maulthiere mit ſeidnen und goldgeſtickten Decken, woran kleine goldne Glöckchen hingen. Sie trugen die prachtvollen Gewänder, welche die Stadt der Prinzeſſin verehrte. Neben jedem Maulthiere ging ein wie eine Peri gekleidetes Mädchen mit beſternten Flügeln, und ein Mann in der Maske eines häßlichen Diven. Die Standarte Egypten's. Abgeordnete von den Hebräern in Egypten, auf Dro⸗ medaren mit Silberzäumung reitend. Funfzig Sklaven, welche das Geſchenk für die Prinzeſ⸗ ſin an goldnen Seilen trugen, eine überaus große Bade⸗ wanne von Jaspis, ſehr ſchön gearbeitet, der Sarkophag eines vormaligen Tempels, für eine ungeheure Summe erkauft. Die Standarte Syrien's. Abgeordnete von den Hebräern aus dem gelobten Lande, an ihrer Spitze Rabbi Zimri ſelbſt, jeder ſeine Gabe für das Brautpaar, ein prachtvolles Gefäß mit Erde vom Berge Sinai in der Hand tragend. Die Standarte von Hamadan. Abgeordnete von den Bürgern Hamadan's, an ihrer Spitze der ehrwürdige Boſtenai ſelbſt, deſſen prachtvolles Roß Caleb führte. Das Geſchenk, welches die Stadt Hamadan Alroy, nach ſeinem eignen Wunſche brachte, der Becher nämlich, 200 in welchem der Fürſt der Gefangenſchaft ſeinen Tribut brachte, jetzt mit. Sand gefüllt. Funfzig auserleſene Roſſe, jedes mit prachtvoller Decke und von einem jungen Meder oder Perſer geführt. Die Hausoffizianten von Abner und Mirjam, an Zahl zwölfhundert, in Ketten⸗Rüſtungen von Gold und Elfenbein gekleidet. Die Standarte der Meder und Perſer. Zwei weiße Elephanten mit goldnen Sänften, in Wwa. chen der Vicekönig und ſeine Gemahlin ſaßen. Abner's Geſchenk für Alroy, zwölf Staats⸗ easahen mit Decken mit Juwelen geſtickt, jeder von einem tenrüſtung von Gold und Elfenbein gekleideten Indianer geführt. Mirjam's Geſchenk an Schirin, funfzig Roſenpflanzen gus Rocnabad,— ein weißer Shawl aus Kaſchmir, funſ⸗ zig Fuß lang, in einen Fächergriff zuſammengefaltet, funf⸗ zig Sonnenſchirme, jeder aus einer Feder des Vogels Roc gemacht, und funfzig criſtallne Gefäße voll der ausgeſuch⸗ teſten Wohlgerüche, jedes mit einem Talisman von koſtbaren Steinen verſiegelt. Dieſen folgte die Eunuchen⸗Wache. Dann kamen die Muſtker des Serails, aus dreihundert Zwergen beſtehend, die allerdings ſehr häßlich anzuſehen, aber die vollkommenſten Muſiker von der Welt waren. Die Roſſe Salomo's, an Zahl einhundert, jedes mit einem natürlichen Sterne auf der Stirn, ungeſattelt, und bloß an einem mit Diamanten beſetzten Zügel geführt. Die Hausoffizianten von Alroy und Schirin. Zuerſt Honain auf einem nußbraunen Roſſe reitend, das mit Sil⸗ ber beſchlagen war. Die Kleidung des Reiters war mit ſilbernen Sternen beſäet. An ſeinem roſenfarbnen Turban prangte eine zitternde Agraffe von Brillanten, in tauſend wechſelnden Farben ſchimmernd. leiderlei kledet, wänder: Untergel goldne 1 Da Ein goldnen von zwöl gezogen. Für den Zug So Ebene 1 oberer u fen bede Throne der tapfe die Scha Die und Ha zogen v zeigten ig Proclam dann be⸗ nach de die Geſt Die Sie reſſin ſe ten Dol en Tribut oler decee tt. , an Jahl Elfenbein in wel⸗ Aeph 1 n i Ret Idianer enpflanzen mir, fünſs. ltet, funf⸗ ogels Roc zusgeſuch⸗ koſtbaren reihundert anzuſehen, aren. jedes mit ttelt, und führt. n. Zuerſt mit Sil⸗ war mit n Turban in tauſend 201 Ihm folgten zweihundert Pagen, und alsdann Dienende beiderlei Geſchlechts, nahe an zweitauſend, prachtvoll ge⸗ kleidet, reiche Gefäße, köſtliche Helme und glänzende Ge⸗ wänder tragend. Der Schatzmeiſter und zweihundert ſeiner Untergebenen kamen dann, welche nach allen Seiten hin goldne Dirhems auswarfen. Das Scepter Salomo's, von Asriel ſelbſt getragen. Ein hoher, prachtvoller Wagen aus blauem Email mit goldnen Rädern, und Achſeln von Turkiſſen und Brillanten, von zwölf ſchwanenweißen heiligen Roſſen je vier und vier gezogen. Auf dieſem Wagen Alroy und Schirin. Fünfhundert Mann der heiligen Leibwache ſchloſſen den Zug. So ging er unter dem Zurufe des Volkes über die Ebene und längs des gewaltigen Circus herum. Der Er⸗ oberer und ſeine Braut beſtiegen ihren Thron: ſeine Stu⸗ fen bedeckten ſich mit Jünglingen und Mädchen. Auf dem Throne rechts ſaß der ehrwürdige Boſtenai, auf dem links der tapfere Vicekönig und ſeine Gemahlin. Der Hof füllte die Schartaks auf beiden Seiten. Die Abgeordneten brachten ihre Geſchenke, die Anführer und Hauptleute ihre Huldigung dar, die Gewerke der Stadt zogen vor dem Throne in beſter Ordnung vorüber und zeigten ihre mannigfache Betriebſamkeit. Dreimal ward die Proclamation unter Trompetenſchall bekannt gemacht, und dann begannen die Spiele. Tauſend Reiter ſprengten in die Arena und warfen ihre Wurfſpieße. Sie galoppirten in größtem Fluge und hielten dann ihre Roſſe plötzlich an, indem ſie ihre Spieße nach dem kleinen aber funkelnden Schildchen warfen, das die Geſtalt eines ſeltnen und glänzenden Vogels nachahmte. Die Sieger erhielten ihre Preiſe aus der Hand der Prin⸗ zeſſin ſelbſt, welche in ſchönen Shawls, mit Juwelen beſetz⸗ ten Dolchen, und Roſenkränzen von Edelſteinen beſtanden 202 Manchmal verkündeten die Trompeten auch einen ausgeſetz⸗ ten Preis von der Vicekönigin, manchmal von dem ehr⸗ würdigen Boſtenai, manchmal von den ſiegreichen Generalen, oder den trefflichen Abgeordneten, manchmal von den ver⸗ einten Gewerken, manchmal von der Stadt Bagdad, manch⸗ mal von der Stadt Hamadan. Die Stunden flohen in endloſer und herrlicher Abwechslung vorüber. „Ich wollte wir wären allein, meine geliebte Schirin!“ flüſterte Alroy ſeiner Braut zu. — So auch ich; und doch freut es mich, ganz Aſien zu Alroy's Füßen zu ſehen.— „Geht denn die Sonne heut' gar nicht unter! Gieb mir Deine Hand, Geliebte!“ — Still, ſtill! Sieh, wie Mirjam lächelt.— „Liebſt Du meine Schweſter, Du Holdſelige!“ — Niemand inniger als nur Dich.— „Sprich nicht von meiner Schweſter, ſprich von uns. Glaubſt Du nicht, Liebe, daß die Sonne bald untergehen wird?“ — Ich kann's nicht erkennen; Deine Augen blenden mich... ſie ſind ſo glänzend, ſo ſüß!— „O, meine geliebte Seele, könnte ich nur meine ganze Liebe in Deine Bruſt überſtrömen!“ — Du biſt ſehr ernſt.— „Wahre Liebe iſt immer ſo.“ — O nein! mein Süßer! Mich macht ſie kühn und ſchwärmeriſch. Ich möchte Thaten vollbringen, aber was, weiß ich nicht. Ich wollte, wir hätten Flügel, dann flögen wir weit, weit hinweg.— „Sieh, ich muß dieſen Sieger in den Spielen begrüßen. Da muß ich Deine Hand aus der meinen laſſen. Theure Hand, lebe wohl! Denk an mich, indeß ich ſpreche, mein geliebtes Leben.... Es iſt geſchehn. Gieb mir Deine Hand 1. ſt dast 8 Staub tragend Aufſehe ſch at an den Gerücht richeen! von Rul niß. D iſced und in C nem ſ nen D alle Pe Zuſtime dieſes; D D mit d rung ſ Feuer hochzei Zauben jeder loſen breite Punkt in a im Sf des 96 flacker nen ausgeſe von dem ehr den generalen 4 von den ber⸗. addad, manch⸗ ee flohen in , Lanz Aiien unter! Gieb ige“ ich von uns. d untergehen ugen blenden meine ganze ſie kühn und en, aber was, „dann flögen elen begrüßen. ſſen. Theure ſpreche, mein b mir Deine 203 Hand wieder, oder ſonſt glaube ich, müßt' ich ſterben. Was iſt das?“. Ein Reiter, nicht in feſtlicher Kleidung, ſondern mit Staub bedeckt, ſprengte in den Circus, eine lange Lanze tragend, an deren Spitze ein Pergament befeſtigt war. Die Aufſeher bei den Spielen ſuchten ihn abzuhalten, er ließ ſich aber nicht beſchwichtigen. Seine Botſchaft war nur an den König allein gerichtet. Durch die Menge kreiſte ein Gerücht von Neuigkeiten vom Heere. Und es waren auch Nach⸗ richten vom Heere. Noch ein Sieg! Scherirah hatte den Sultan von Rum geſchlagen, und dieſer bat jetzt um Frieden und Bünd⸗ niß. Die Nachricht war allerdings ſchon früh angelangt, der hö⸗ fiſche Honain hatte es aber ſo einzurichten gewußt, daß ſie ſpäter und in einem wirkſamern Augenblicke mitgetheilt werden ſ ollte. Es bedurfte aber kaum noch dieſer Aufregung an ei⸗ nem ſo köſtlichen Tage. Doch jubelte das Volk, die gold⸗ nen Dirhems wurden in erneuter Zahl ausgeworfen, und alle Partheien erkannten dieſe Nachricht für eine feierliche Zuſtimmung Jehovah's oder Allah's zu der Vermählung dieſes Tages. Die Sonne ging unter, der Hof erhob ſich und kehrte mit demſelben Pomp in das Serail zurück. Die Dämme⸗ rung ſchwand, ein auf einer fernen Höhe angezündetes Feuer gab das Zeichen, daß Alroy und Schirin in das hochzeitliche Gemach traten, und plötzlich ſtrahlten wie durch Zauberei, die große Stadt, jede Moſchee, jedes Minaret, jeder Thurm, jede Terraſſe, die ganze Ebene und die zahl⸗ loſen Landhäuſer, und der unermeßliche Circus, und der breite, ſich windende Strom, von Lichtesglanz. Von allen Punkten ſchimmerte eine Lampe, eine Fackel, eine Laterne in allen Farbenabſtufungen, ungeheure Leuchten glänzten im Silberſchein auf der Spitze jedes Schartaks, und längs des ganzen Horizonts entzündeten ſich gewaltige Feuer mit flackernden Flammen der Holzſtöße. 204 Sieben Tage und ſieben Nächte lang dauerten dieſe Freudenfeſte in ſteter Abwechslung. Lange, ſehr lange er⸗ innerte man ſich noch an das Hochzeitfeſt des hebräiſchen Fürſten mit der Tochter des Kalifen; lange, ſehr lange nachher noch ſaßen die Landleute in den Ebenen am Tigris, an den Ufern des ſternenhellen Fluſſes und erzählten ihrer ſtaunenden Nachkommenſchaft dieſe Wunderſage. Welch ein ruhmgekrönter Menſch war nun David Al⸗ roy, der Herr des mächtigſten Reiches der Welt, vermählt mit der ſchönſten aller Fürſtinnen, umgeben von einem glücklichen und gehorſamen Volke, bewacht von unbeſiegba⸗ ren Heeren, ein Sterblicher, über den die Erde all' ihr Glück, der Himmel all' ſeine Gunſt ergoß... und dieß alles durch die Kraft ſeines eigenen Geiſtes! Mi Mitten un des Wind blick die Jab auf die „Ic „Aber w Dunkelhem weſenheit mir wie gebeugt. „Sie im Serai Donnerſch Mauer ſe gewogen bald von weinen. einen Se Ielſazar! „Ve denvoller deshalb auerten dieſe 8 — t lange er⸗ ¹hebrſhen „ſehr lange n am digrs, nd erjählten erſage. i David A lt vermählt von einem unbeſiegba⸗ Erde all ihr .. und dieß — Neunter Abſchnitt. 1. Miternacht war es, und noch wüthete der Sturm. Mitten unter dem Gebrüll des Donners und dem Brauſen des Windes enthüllten Ströme zackiger Blitze jeden Augen⸗ blick die breite, aufgeſchwellte Bruſt des unruhigen Tigris. Jabaſtor blickte von der Gallerie ſeines Palaſtes aus auf die wilde Scene. Sein Anlitz war feierlich, aber bewegt. „Ich wollte, er wäre hier!“ rief der Hoheprieſter aus. „Aber warum wünſche ich denn deſſen Gegenwart, der allein Dunkelheit herführt? Aber bin ich denn froh in ſeiner Ab⸗ weſenheit? O, ich bin ein Nichts! Dieſes Bagdad laſtet auf mir wie ein bleiernes Gewand; mein Geiſt iſt dumpf und gebeugt. „Sie ſagen, Alroy gebe heute Nacht ein großes Feſtmahl im Serail und trinke auf das Wohl ſeiner Buhlerin unter Donnerſchlägen. Giebt's denn da keine Hand, die an die Mauer ſchriebe?„Er iſt zu leicht erfunden worden; er iſt gewogen und zu leicht erfunden worden. Sein Reich wird bald von ihm entfallen, und dann...“ O, ich könnte weinen... So jung, ſo groß, ſo begünſtigt! So nur noch einen Schritt, ein David zu ſein, und nun ein verruchter Belſazar! „Verfloß deshalb ſeine anmuthige Jugend in gedan⸗ kenvoller Einſamkeit und geheimnißvollem Forſchen? Erweckte deshalb der heilige Bote ſeinen frommen Sinn? Durchſtrich 206 er deshalb die wilde Wüſte und pflegte Gemeinſchaft mit ſeinen Vätern in ihren Gräbern? Iſt dies das Ziel aller ſeiner Siege, all ſeines unermeßlichen Strebens? Mit einer Buhlerin zu ſchwelgen! „Vor einem Jahr in derſelben Nacht... es war die vor der Schlacht... ſtand ich in ſeinem Zelte, um ſein letztes Wort zu erwarten. Er dachte eine Zeitlang nach und ſagte dann: Gute Nacht, Jabaſtor! Ich hielt mich für den nächſten an ſeinem Herzen, ſo wie er ſtets dem meinen der nächſte war; doch das iſt nun alles vorüber. Jetzt ſagt er nicht mehr: Gute Nacht, Jabaſtor! Wie? was iſt das? Bin ich denn zum Kinde geworden? „Der Auserwählte des Herrn iſt jetzt ein Gefangener in den dünnen Gittern eines Kiosk und ſchaut nicht mehr auf die Welt, die er eroberte. Egypten und Syrien, ſelbſt das entfernteſte Indien ſenden ihre Botſchafter, um Alroy zu begrüßen, den großen, den ſtolzen, den unbeſiegbaren. Und wo iſt er? In einem weichen Paradieſe von Mädchen und Eunuchen, mit Blumen bekränzt, ſchmelzenden Geſängen und den regekloſen Tönen einer liebeklagenden Laute hor⸗ chend. Im Rathe fließen ſeine Stunden nicht mehr hin, alles überläßt er ſeinen Günſtlingen, deren Führer jener gaukleriſche Feind iſt, den ich einmal meinen Bruder nannte. „Warum bleibe ich hier? Wohin ſollte ich aber fliehen? Meine Gegenwart ſcheint mir noch ein Band des Anſtandes zu ſein. Legte ich das Ephod ab, ſo fürchte ich ſehr, es würde auf keiner andern Bruſt wieder glänzen. Er geht nicht zum Opfer. Man ſagt, er beobachte kein Faſten, keine heilige Vorſchrift, und die Schwelgereien ihrer Feſte wür⸗ den ſelbſt durch den Sabbath nicht geſtört. Ich habe ihn, ſeit er vermählt iſt, nicht dreimal wieder geſehen. Honain hat ihr geſagt, ich ſei gegen die Heirath, und ſo hegt ſie einen Haß wider mich, wie nur ein Weib ihn fühlen kann. Unſre heff haben, d gfthrlich einzigen! vor Jaba furchtbare mit geſpen Gebäude. zelnen R vieder du Augenblie das Boot Man „We — G „Abi 4 82 „So unter den Jaba wenigen? jugendliche Manne,) und wohl untere T Stirn un gedankenv ungewöhn „Ein 0. F änſchaft mi Jel aller 8 Mit einer „ var die lte, um ſein eitlang nach jelt mich für dem meinen füber. Jetzt ge! was iſt —Gefangener t nicht mehr Syrien, ſelbſt „ um Alroy nbeſiegbaren. on Mädchen een Geſängen Laute hor⸗ ft mehr hin, Führer jener inen Bruder aber fliehen? es Anſtandes ich ſehr, es zen. Er geht Faſten, keine er Feſte wür⸗ Ich habe ihn, hen. Honain dſo hegt ſie fühlen kann. 207 Unſre heftigen Leidenſchaften zerſtückeln ſich in tauſend Vor⸗ haben, das Weib hat nur ein einziges. Seine Liebe iſt gefährlich, aber ſein Haß tödtlich. „Sieh! Ein Boot tanzt auf den Wellen. In einer ſolchen Nacht... kann nur Einer dieſes wagen.“ Bald ſichtbar, bald in Finſterniß gehüllt, mit einer einzigen Leuchte am Vordertheile, ſchwebte die leichte Barke vor Jabaſtors beſorgten Blicken auf den Wogen. Ein furchtbarer Blitz erhellte den ganzen Strom und beleuchtete mit geſpenſtiſchem Lichte ſelbſt die entfernteſten Maſſen der Gebäude. Das Boot und die arbeitende Geſtalt des ein⸗ zelnen Ruderers waren deutlich zu erkennen. Jetzt alles wieder dunkel, der Wind ließ plötzlich nach. Nach wenigen Augenblicken hörte man das Plätſchern des Ruders, und das Boot hielt deutlich unterhalb des Palaſtes. Man klopft an den geheimen Eingang. „Wer klopft?“ fragte Jabaſtor. — Ein Freund Israels.— „Abidan, der Stimme nach. Biſt Du allein?“ — Die Prophetin iſt bei mir; ſie allein.— „Sogleich. Ich will die Thüre öffnen. Zieh das Boot unter den Bogen.“ Jabaſtor ſtieg von der Gallerie herab und kam nach wenigen Augenblicken mit zwei Ankömmlingen zurück, der jugendlichen Prophetin Eſther und ihrem Begleiter, einem Manne, nicht von großer Geſtalt, aber beſonders kräftig und wohlgebaut. Sein Geſicht war ſehr ſchwermüthig, der untere Theil rauh und hart, aber in der breiten, klaren Stirn und den tiefliegenden Augen zeigte ſich ein Grad gedankenvoller Schönheit, der auf orientaliſchen Geſichtern ungewöhnlich iſt. „Eine ungeſtüme Nacht,“ ſagte Jabaſtor. — Für die, ſo ſie fürchten;— entgegnete Abidan. 208 Mir hat die Sonne ſo wenig Freude gebracht, daß ick den Sturm nicht ſcheue.— „Was giebt es Neues?“ — Unglück! Wehe! Wehe!— „Dein gewöhnliches Lied, meine Schweſter! Wird der Tag nie anbrechen, wo wir ein anderes anſtimmen?“ — Wehe, Wehe, Wehe! Unausſprechliches Wehe!— „Abidan, wie geht es?“ — Sehr gut.— „Wahrhaftig?“ — Je nachdem man es nimmt.— „Du biſt kurz.“ — Bitter.— „Biſt Du bei Hofe geweſen, daß Du ſo vorſichtig in Deinen Reden zu ſein gelernt haſt, Freund?“ — Wer weiß was noch geſchieht. Vielleicht werden wir alle Höflinge mit der Zeit, Jabaſtor, ob ich gleich fürchte, wir thaten zu viel, um belohnt zu werden. Ich gab ihm mein Blut, und Du noch etwas mehr, und jetzt ſind wir in Bagdad. Ich wünſchte beim Himmel, der Regen Sodoms fiele auf ihre Dächer.— „Du haſt mir etwas Schreckliches zu erzählen. Ich ſehe es an Deiner finſtern Stirn, die ſich verdüſtert wie der Sturm. Sprich es aus, Mann! Ich kann das Schlimmſte ertragen, und bin darauf vorbereitet.“ — So nimm es denn hin. Alroy hat ſich ſelbſt zum Kalifen ausgerufen. Abner iſt zum Sultan von Perſien ernannt. Asriel, Ithamar, Medad und die erſten Heer⸗ führer ſind Weſſire geworden, Honain ihr Oberhaupt. Vier vornehme Muſelmänner ſind in den Rath mit aufgenommen. Die Prinzeſſin geht nächſten Freitag im feſtlichen Aufzuge zur Moſchee, und man ſagt ſogar, daß ſie Dein Zögling dahin begleite.— „Das will ich nicht glauben bei dem Gotte auf Sinai, das Auge nicht Schel rücht Ich munn ausſp Wund gehen ermah “/ haupt! Brude Brüde daß ich den N er. Wird der immen?“ 8 Wehe!— —ꝛ—ꝛ—ꝛꝛꝛ— ovorſichtig in elleicht werden ob ich glich werden. Ich ehr, und jetzt nel, der Regen erzählen. Ih düſtert wie der 9s Sſnnie ſcch ſelb ſt zum n von Perſen die erſten Heer⸗ berhaupt. Ver taufgenommen. ſtlchen Aufzuge Dein Zögling potte auf Sinai, 209 das will ich nicht glauben! Und wären meine eigenen Augen die verruchten Zeugen ſolcher That, ich würde es nicht glauben. In die Moſchee gehen! Sie treiben ihren Scherz mit Dir, mein guter Abidan, ihren Scherz!“ — Es kann ſein. Es iſt bloß ein Gerücht, aber Ge⸗ rüchte verkünden Thaten. Alles übrige iſt vollkommen wahr. Ich erfuhr es von meinem Verwandten, dem kräftigen Zal⸗ munna. Er ging vom Bankett fort.— „Soll ich zu ihm gehen? Vielleicht ein Wort von mir . Zur Moſchee! Ein bloßes Gerücht, und noch dazu ein falſches. Ich kann es nie glauben, nein, nein, nein, nie, nie! Iſt er nicht der Auserwählte des Herrn? Fluch, un⸗ ausſprechlicher Fluch auf die Tochter des Moabiten! Kein Wunder, wenn es donnert! Beim Himmel, ich will hin⸗ gehen, und ihm Trotz bieten bei ſeinen Gelagen!“ — Ihr kennt Eure Macht beſſer, als Abidan. Ihr ermahntet ihn vor ſeiner Vermählung, aber dennoch...— „Vermählte er ſich. Das iſt wahr. Honain ihr Ober⸗ haupt! Und ich behielt ſeinen Ring! Honain iſt mein Bruder. Habe ich denn keinen Dolch, um das Band der Brüderſchaft zu zerſchneiden?“ — Wir haben alle Dolche, Jabaſtor, wüßten wir nur, wozu wir ſie gebrauchen ſollten.— „Es iſt ſonderbar... nach zwanzigjähriger Trennung ſahen wir uns wieder. Du warſt nicht mit dabei, Abidan. Es geſchah im Rathe. Es iſt doch ſonderbar, er ſchien ſich vor meiner Umarmung zu ſcheuen.“ — Honain iſt ein Philoſoph und glaubt an Sympa⸗ thie. Scheint es doch, als ob deren keine zwiſchen Euch Beiden vorgewaltet habe. Sein Syſtem befreit Euch alſo von allen Banden.— „Weißt Du auch gewiß, daß das Uebrige wahr iſt? An die Moſchee will ich nicht glauben... iſt doch das Uebrige ſchlimm genug.“ 14 210 — Zalmunna kam eben vom Bankett. Haſſan, Subah's Bruder, ſaß über ihm.— „Subah's Bruder! dann iſt alles aus! Iſt er mit im Rathe?“ — Ja; er und Andere.— „Wo iſt jetzt Israel?“ — Es ſollte in ſeinen Zelten ſein.— „Wehe, Wehe, Wehe! unausſprechliches Wehe!“ rief die Prophetin, die bewegungslos im Hintergrunde des Ge⸗ machs geſtanden hatte, und auf die Unterredung nicht zu achten ſchien. Jabaſtor ging mit unruhigen Schritten in der Gallerie auf und ab. Plötzlich blieb er ſtehen, trat auf Abidan zu, ergriff deſſen Arm und ſah ihm finſter in's Geſicht.„Ich kenne Deine Gedanken, Abidan,“ rief der Prieſter aus; „aber es kann nicht ſein. Ich habe jedes Gefühl aus mei⸗ mem Herzen fortan verbannt, verbannt für immer; ich habe keinen Bruder jetzt mehr, keinen Freund, keinen Zög⸗ ling, und, wie ich fürchte, auch keinen Sproſſen David's! Israel iſt mir alles und alles. Ich habe kein anderes Le⸗ ben... nicht alſo Schwäche, noch Mitleid hält meinen Arm zurück. Mein Herz iſt ſo hart wie das Deine.“ — Was hält es alſo ſonſt zurück?— „Daß auch wir fallen, wenn er fällt. Er iſt der letzte ſeines heiligen Stammes. Es giebt keine andere Hand mehr, die unſer Scepter ergreifen könnte.“ — Unſer Scepter!... welches Scepter?— „Das Scepter unſerer Könige.“ — Könige?— „Nun, warum blickſt Du ſo finſter?“ — Wie blickte der Prophet, als das hartnäckige Volk durchaus einen König haben wollte? Lächelte er? Jubelte er und klatſchte in die Hände und rief:„Gott erhalte den König!? O Jabaſtor! Du zweiter Samuel unſeres unver⸗ ſtündigen ren Kön ſihlechter wer Aar Gideon“ Locken! Gelübde ſind leic nicht etir Köt die gleie ſtören! aus Abt 3c hö Väter. und ta ihre M Nein, Krone ſetteſt. Geiſt w Du ha unſelige Seele ſengend alle Lel ſchmach C er wit im Jehel“ rief ag vicht zu der Gallerie Abidan zu, ſicht.„Ich rieſter aus, hl aus mei⸗ immer; ich keinen Zög⸗ en Davids! anderes Le⸗ hält meinen Ddeine.“ iſt der letzte Hand mehr, näcige Volk er? Jubelte erhalte den ſeres under⸗ 211 ſtändigen Volks! es gab eine Zeit, wo Israel keinen ande⸗ ren König hatte, als ſeinen Gott. Waren wir damals ſchlechter? Eroberten Könige Cangaan? Wer war Moſes, wer Aaron, wer der mächtige Joſua? War das Schwert Gideon's ein königliches Schwert? Beſchatteten Simſon's Locken königliche Schläfe? Würde ein König ſein feierliches Gelübde gehalten haben, wie es Jephta that? Königsworte ſind leicht wie die Luft, wenn, um ſie zu verwirklichen, Ihr nicht etwa nur einem Unterthan zu nahe treten müßt! Könige! was iſt ein König? Warum ſoll ein Einzelner die gleiche Heiligkeit unſeres ganzen auserwählten Volkes ſtören? Iſt ihr Blut reiner als das unſere? Wir ſind alle aus Abraham's Saamen. Wer war Saul und wer David? Ich hörte nie, daß ſie andere Weſen waren als unſere Väter. Laß ſie fromm geweſen ſein, was ſie nicht waren, und tapfer und weiſe, was auch Andere waren, hat denn ihre Nachkommenſchaft ein Vorrecht für alle Tugenden? Nein, Jabaſtor! Du irrteſt nie, als damals, wo Du eine Krone auf das Haupt dieſes hochmüthigen Aufſchößlings ſetzteſt. Was er that, hätten Tauſende auch gethan. Dein Geiſt war es, der ihn zur That begeiſterte. Und jetzt iſt er ein König, und jetzt zittert Jabaſtor, die wahre Seele Israel's, der unſer Richter und Führer ſein ſollte, jetzt zittert Jabaſtor in Ungnade, während unſer unheiliger Sanhedrin mit Ammonitern erfüllt iſt!— „O Abidan! Du haſt mich bis ins Leben getroffen! Du haſt Gedanken aufgeweckt, die dann und wann, wie unſelige, erſtickende Nebel aus den tiefen Abgründen meiner Seele emporſtiegen und die ich verſcheuchte.“ — Laß ſie emporſteigen, laß ſie die Strahlen dieſer ſengenden Sonne verhüllen, unter der wir vergehen, die alle Lebenskraft aufzehrt und uns in dumpfer Erſchöpfung ſchmachten läßt.— „Freude! Freude! unausſprechliche Freude!“ 14* 212 — Horch! die Prophetin hat ihr Lied geändert und doch hörte ſie uns nicht. Der Geiſt des Herrn iſt wahr⸗ haft mit ihr. Komm, Jabaſtor, ich ſehe, daß Dein Herz offen iſt für Deines Volkes Leiden. Deines Volkes, mein Jabaſtor, denn biſt Du nicht unſer Richter? wenigſtens ſollteſt Du es ſein.— „Können wir die Herrſchaft Gottes über ſein Volk durch ſeinen geweiheten Prieſter zurückrufen?... Iſt das möglich? — Sage nur ein Wort und es iſt geſchehen, Jabaſtor! Erſchrick nicht! Glaubſt Du denn, es gebe nicht noch treue Ohren in Israel? Glaubſt Du denn, Deine Kinder hätten gedankenlos mit angeſehen, die ſchimpflichen Beleidigungen, die man auf Dich häufte, auf Dich, ihren Prieſter, ihren angebeteten Hohenprieſter, den Mann, der uns die ſchönſten Tage der Vergangenheit zurückruft, die Tage unſerer großen Richter? Nur ein Wort, nur eine Bewegung dieſes mit der Mitra gezierten Hauptes und... „Die Muſelmänner im Rath! Wir wiſſen, was nach⸗ kommen wird. Israel liegt in Todeszuckungen. Mir ſcheint, die Zeit ſei reif, Abidan!“ — So denken wir auch, großer Mann! Darum ſprich ein Wort und zwanzigtauſend Speere werden die Bundes⸗ lade ſchützen. Ich ſtehe für meine Mannſchaft. Der tapfere Scherirah blickt grimmig auf die Moabiten. Ein Wort von Dir und die ganze Syriſche Armee ſchließt ſich unſerm Paniere an... dem Löwen von Juda; der ſoll es ſein. Laß den Tyrannen und ſeine Satrapen ſterben, dann ver⸗ einen ſich die übrigen mit uns. Wir rufen das alte Geſetz aus, überlaſſen Babylon ſeinem blutigen Schickſale und ziehen gen Zion.— „Zion, ſein Jugendtraum; Zion — Ihr denkt nach?— „König oder nicht König, er bleibt des Herrn Auser⸗ 14 wählter. Oel goß Blute? — wegt... „A Sieh, i Phantaſt vielleicht geſproch Herz. Sinn w „T meinem Sorgen, Wenn laſſe Di Nacht iſt den Flu ſtilles G Ja Zimmer ſchloſſen ſein ehe das Ger hob er in Tode . tiefſter ich höre hinweg ewählt wir, w winden 9d ern iſt ſt wahr a Dei Herz Volkes mein di wenigſens ber ſein Volk ... It das en, Jabaſtor! icht noch trele Kinder hätten Veleddigungen, Prieſter, ihren die ſchönſten unſerer großen dieſes mit der n, was nach⸗ . Mir ſcheint, Darum ſprich n die Bundes⸗ t. Der tapfere en. Ein Wort eßt ſich unſerm r ſoll es ſein. ben, dann ver⸗ das alte Geſet Schichale und Herrn Auser⸗ wählter. Soll dieſe Hand, die auf ſein heiliges Haupt das Oel goß, dieſes Balſamſiegel wieder abwaſchen mit ſeinem Blute? Soll ich ihn tödten?“ — Seine StimmeV iſt leiſ', aber ſein Geſicht iſt be⸗ wegt... Herr! wie nun?— „Wer biſt Du? Ha! Abidan, der treue, brave Abidan! Sieh', ich dachte nach darüber, ob dieß alles nicht bloß die Phantaſie eines Traumes ſei. Der morgende Tag bringt vielleicht kälteren Rath. Ein Geſpräch bei Tafel, im Rauſche geſprochen. Laß es uns vergeſſen. Der Herr wende ſein Herz. Wer weiß, Abidan?“ — CEdler Herr, noch vor einem Augenblicke war Euer Sinn wie Euer Glaube, feſt, entſchloſſen; und jetzt...— „Tadle mich nicht, guter Abidan. Es iſt etwas in meinem Geiſte, das Du nicht ergründen kannſt; geheime Sorgen, die ganz allein mir angehören. Verlaß mich jetzt. Wenn Israel nach mir ruft, werde ich nicht fehlen. Ver⸗ laſſe Dich darauf, Abidan. Doch nein, gehe nicht: Die Nacht iſt ſehr rauh und die Prophetin kann dem anſchwellen⸗ den Fluſſe nicht Widerſtand leiſten. Ich gehe jetzt in mein ſtilles Gemach und komme bald wieder zurück.“ Jabaſtor verließ die Gallerie und trat in ein kleines Zimmer. Verſchiedene große Bücher, aufgeſchlagen und ver⸗ ſchloſſen, lagen auf dem Divan umher. Vor ihm ſtand ſein eherner kabbaliſtiſcher Tiſch. Mit Vorſicht verſchloß er das Gemach. Dann trat er in die Mitte deſſelben. Hier hob er ſeine Hände zum Himmel und rang ſie dann wie in Todesangſt. „Iſt es dahin gekommen?“ jammerte er in dem Tone tiefſter Zerkniſchung.„Iſt es dahin gekommen? Was mußte ich hören? Was iſt geſchehen? Hinweg, teufliſcher Verſucher, hinweg! O Leben, o Ruhm, o mein Vaterland, mein aus⸗ erwähltes Volk, mein heiliger Glaube!.. Warum leben wir, warum handeln wir, warum haben wir Gefühl für 214 etwas, das ruhmwürdig oder heilig iſt? Laßt mich ſterben ... laßt mich ſterben! Die Qual des Daſeins iſt zu groß.“ Er warf ſich auf das Lager, er vergrub ſein trauern⸗ des Antlitz in ſein Gewand. Sein kräftiges Herz ward von Weh durchzuckt. So lag er da, der große, edle Mann, hingeſtreckt und dem Schmerze dahingegeben. 2. „Der Lärm des Banketts ſchwirrt mir noch vor den Ohren. Ich bin ſo gern allein.“ — Mit mir?— „Du biſt ich ſelbſt. Ich habe kein anderes Leben.“ — Süßer Liebling! Es iſt jetzt das eines Kalifen.— „Ich bin alles, was Du willſt, Seele meines entzücken⸗ den Daſeins. Pracht und Herrſchaft, Ruhm und Sieg kom⸗ men mir nur vor wie bleiche, verdunkelte Edelſteine gegen Dein ſüßes Lächeln.“ — Meine klagende Nachtigall, werden wir heute jagen?— „Ach, meine Roſe, ich möchte lieber auf dieſem ſchwel⸗ lenden Lager liegen und auf Deine Schönheit blicken!“ — Oder wollen wir auf dem kühlen Azurſee in einem glänzenden Boote gleich einer Muſchel der Seenymphen ſchiffen, von Schwänen begleitet?— „Kein See iſt ſo blau, wie Deiner Augen Tiefe, kein Schwan ſo weiß, wie Dein runder Arm!“ — Oder unſere Falken ſteigen laſſen, daß ſie den goldenen Faſan zu unſeren Füßen herabbringen?— „Ich bin der goldene Faſan zu Deinen Füßen; be⸗ darfſt Du noch reicherer Beute?“ — Erinnerſt Du Dich noch Deines erſten Beſuchs in dieſem lieben Kiosk, mein ſchöner Stummer? Du ſtandeſt da mit untergeſchlagenen Armen und beſcheidenen Blicken, und nur zuweilen ſtahl ſich aus dieſen dunklen Augen ein weint Vaſe Gefäß ſein ſtande geben violett nich ſterben . zu groß.“ ſein trauern⸗ erz ward von ddle Mann, noch vor den es Leden.“ à Kalifen.— mes entzücken⸗ ind Sieg kom⸗ elſteine gegen n wir heute dieſem ſchwel⸗ tblicken!“ urſee in einem Seenymphen en Tiefe, kein daß ſie den gen?— n Füßen; be⸗ ten Befuhs in ⸗ Da ſtandeſt denen Blicken, len Augen ein 215 Strahl, der mir die Wange bleichte. Mir iſt's, als ob ich Dich noch vor mir ſähe, Du ſchüchterner Vogel. Weißt Du auch, daß ich, als Du davon flogſt, ſo kindiſch war, daß ich zu weinen anfing?— „O nein, Du weinteſt nicht!“ — Doch, doch! Ich beſinne mich recht wohl.— „O, ſage es mir noch einmal, meine geliebteſte Schirin, weinteſt Du wirklich?“ — Ja, ja, ich that's, meine Seele!“— „Ich wollte, ich könnte dieſe Thränen in eine kriſtallene Vaſe faſſen, eine Provinz gäb' ich für ein ſo köſtliches Gefäß.“ Sie ſchlang ihren Arm um ſeinen Nacken und bedeckte ſein Geſicht mit Küſſen. Von den Minarets ertönte Sonnenuntergang. Sie ſtanden auf und wanderten mit einander in dem ſie um⸗ gebenden Paradieſe. Der Himmel war mit einem blas⸗ violetten Hauche überzogen, ein einzelner Stern ſtand neben dem bleichen Monde, der mit einem matten Schimmer ſanft und ſchattenfrei wie eine Perl' leuchtete. „Schön!“ rief die nachdenkende Schirin aus, als ſie auf den Stern blickte.„O mein Alroy, warum können wir nicht immer allein leben, immer im Paradieſe?“ — Ich bin des Herrſchens müde,— entgegnete Alroy lächelnd;— laß uns fliehen.— „Giebt's denn kein Eiland mit allem, was das Leben reizend machen kann, aber unzugänglich den Menſchen? Wie wenig bedürfen wir! Ach, wenn dieſe Gärten, ſtatt von dem verhaßten Bagdad umgeben zu ſein, nur von irgend einem ſchönen Ocean umfloſſen wären.“ — Meine Geliebte, wir leben in einem Paradieſe und werden ſelten geſtört, Dank ſei es Honain.— „Aber ſchon das Bewußtſein, daß noch andere Men⸗ ſchen mit darin ſich befinden, als wir allein, iſt mir pein⸗ 4 3 ſ —— —— —— 216 lich. Jedermann, der auch nur an Dich denkt, ſcheint mir einen Theil Deines Ichs zu rauben. Ueberdieß bin ich der Pracht und der Paläſte überdrüßig. Wie gern lebte ich in einer Höhle von Tropfſtein mit Dir und ſchlief auf einem Lager weicher Blätter.“ Ein Zwerg unterbrach dieſe anziehende Unterredung, der außerdem, daß er ſehr klein und häßlich, auch noch ſtumm war. Er verbeugte ſich vor der Prinzeſſin und nahm dann zu einer umſtändlichen pantomimiſchen Darſtellung ſeine Zuflucht, aus welcher ſie endlich ſo viel herausbrachte, daß es Zeit zum Speiſen ſei. Niemand ſonſt würde es ge⸗ wagt haben, das königliche Paar zu ſtören, aber dieſes kleine Weſen war ein privilegirter Liebling. Alroy und Schirin traten nun in das Serail. Eine außerordentlich große Dreifuß⸗Lampe, worin wohlriechendes Oel brannte, verbreitete ein ſanftes Licht in dem pracht⸗ vollen Gemache. Im Hintergrunde ſtand eine Schaar in Scharlach gekleideter Eunuchen, jeder einen ſilbernen Stab haltend. Der Kalif und die Sultanin ſetzten ſich auf ein mit hundert Kiſſen bedecktes Lager. Auf der einen Seite deſſelben ſtand der Hauptmann der Wache und andere Be⸗ amten des Haushalts, und auf der andern eine Zahl ſchö⸗ ner Sklavinnen in köſtlichen Gewändern. Die Dienerreihe am Ende des Gemachs öffnete ſich und eine Schaar Sklaven erſchien, welche Schüſſeln von Elfenbein und Gold, Ebenholz und Silber mit den ausge⸗ ſuchteſten und ſorgfältigſt bereiteten Leckerbiſſen trugen. Dieſe wurden von den ſie umgebenden Perſonen Alroy und Schi⸗ rin dargeboten. Die Prinzeſſin nahm einen aus einer einzigen Perle gearbeiteten Löffel, deſſen langer und dünner goldener Stiel mit Rubinen eingelegt war, und aß damit etwas Safranſuppe, die ſie ſehr liebte. Dann genoß ſie die Bruſt eines jungen, mit Mandeln gefüllten und mit Veilchen und Milch zubereiteten Schwanes. Wenn ſie nun ſo ein ſt Perſon lefahl den Go beſchäft Ortolan nährent reichlich ren Fin davon ſ rend de von Gr Der Ka ſie von letzt ger bedeute den bre Kannen von der Baumw des Nil Zuckerp zu trink muthigſt Muſiker „T Dank ſ Deine g Auch T trifft, ner Lig hören. und all ſcheint mir bin ich der ledte ich in auf einem nterredung, auch noch und nahm Darſtellung ausbrachte, üͤrde es ge⸗ aber dieſes erail. Eine hlriechendes dem pracht⸗ Schaar in ernen Stab ſich auf ein einen Seite andere Be⸗ e Zahl ſchö⸗ öffnete ſich hüſſeln von den ausge⸗ ugen. Dieſe y und Schi⸗ aus einer und dünner d aß damit m genoß ſie en und mit enn ſie nun ſo ein wenig ihren Appetit geſtillt hatte und einer gewiſſen Perſon ein beſonderes Zeichen ihrer Gunſt zu geben wünſchte, befahl ſie dem Hauptmann der Wache, den ganzen folgen⸗ den Gang Speiſen nebſt ihren Grüßen abzuſenden. Sie beſchäftigte ſich alsdann mit einer Schüſſel jener zarten Ortolanen, welche von den Weinblättern von Schiras ſich nähren und womit der Gouverneur von Niſchabur ſie ſtets reichlich verſorgte. Die zarten Glieder, mit ihren noch zarte⸗ ren Fingern zerlegend, drang ſie darauf, daß auch Alroy davon ſpeiſen mußte, der ihr denn endlich nachgab. Wäh⸗ rend deſſen erfriſchten ſie ſich mit ihrem Lieblingsſcherbet von Granatäpfeln und dem goldenen Weine des Libanon. Der Kalif, der keine Ortolanen mehr eſſen konnte, obgleich ſie von ſo lieblichen Fingern dargeboten wurden, war zu⸗ letzt genöthigt, nach„Reis“ zu verlangen, welches ſo viel bedeutet, als den Tiſch abtragen zu laſſen. Die Aufwarten⸗ den brachten nun jedem der Beiden goldene Becken und Kannen von Felskriſtall mit Roſenwaſſer gefüllt, nebſt Tüchern von der ſeltenen egyptiſchen Leinwand, die bloß von der Baumwolle verfertigt werden kann, welche an den Ufern des Nils wächſt. Indeß ſie ſich nun damit unterhielten, Zuckerpflaumen zu eſſen und mit Zimmt gewürzten Kaffee zu trinken, tanzten die Sklavinnen vor ihnen in den an⸗ muthigſten Stellungen, nach den Melodieen unſichtbarer Muſiker. „Meine entzückende Schirin,“ ſagte der Kalif,„ich habe, Dank ſei es Deiner Aufmerkſamkeit, vortrefflich geſpeiſt. Deine Sklavinnen tanzen wundervoll und ſind höchſt reizend. Auch Deine Muſik verdient alles Lob; was mich aber be⸗ trifft, ſo möchte ich doch lieber allein ſein und einem Dei⸗ ner Lieder zuhören.“ — Ich habe heut' ein neues gedichtet. Du ſollſt es hören.— Und damit ſchlug ſie in ihre weißen Händchen und alle Anweſenden zogen ſich unverzüglich zurück. „Die Sterne ſtehlen ſich hinweg, ſo will auch ich's. Trauriger Anblick! Jabaſtor mit diebiſchem Schritt, wie ein entehrtes Weſen daher ſchleichen zu ſehen! O! möge der Zweck die That heiligen— die Würfel ſind geworfen.“ Indem der Hoheprieſter ſo ſprach, hüllte er ſich in ein dunkeles Gewand und trat aus ſeinem Palaſte in die ge⸗ räuſchvollen Straßen. Bei Nacht iſt die Regſamkeit des orientaliſchen Lebens beſonders auffallend. Die engen, krum⸗ men Straßen, voll von einer Menſchenmenge, die nun die erquickende Luft einathmet, die vollgedrängten Kaffeehäuſer, die luſtigen Gruppen und dann wieder ruhigere Wanderer, Muſik und Tanz und die belebten Mittheilungen des Dich⸗ ters und Erzählers, alles verbindet ſich, den ſternenhellen Stunden einen verführeriſchen, hinreißenden Charakter von Luſt und Abenteuerlichkeit zu verleihen. Es war die Nacht nach dem Beſuche Abidan's und der Prophetin. Jabaſtor hatte eingewilligt, Abidan auf dem Platze vor der großen Moſchee zwei Stunden nach Sonnen⸗ untergang zu treffen, und dahin ging er jetzt. „Ich komme etwas zu früh,“ ſagte er zu ſich ſelbſt, als er auf den großen Platz trat, über welchen der aufgehende Mond eine volle Lichtfluth ergoß. Einige dunkele Schatten menſchlicher Geſtalten allein bewegten ſich in der Entfer⸗ nung. Die Menſchenmenge war auf den Straßen und in den Kaffeehäuſern.„Ich komme etwas zu früh,“ ſagte alſo Jabaſtor.„Verſchwörer ſind wachſam. Ich beeile die Zu⸗ ſammenkunft und fürchte mich doch davor. Seit er mich in dieſes Geſchäft verwickelte, habe ich nicht geſchlafen. Mein Geiſt iſt ein Chaos. Ich will nicht denken. Muß es ge⸗ ſchehen, ſo mag es auf der Stelle geſchehen. Ich bin mehr geneigt, dieſen Dolch in Jabaſtor's Bruſt zu ſtoßen, als in das Herz Alroy's. Wär' Leben oder Herrſchaft das elende agni nehr nen R ich ſo baſtor N/ verknü eitel u Welt, legte n aus U. wilden ſterben mich t verlaſſ verzwe ten M 1 vielleic haben mehr! Stern ſie ma Meine Aber i meine Hal! Abida reiflich berüh für n dil auch ich hritt, wie ein d 1 iie ſein — nöge der geworfen.“ et ſich in ein de in die ge⸗ egſamkeit dee engen, krum⸗ die nun die Kaffeehäuſer, ere Wanderer, gen des Dic ſternenhellen Gharakter von an's und der dan auf dem nach Sonnen⸗ ſich ſelbſt, als er aufgehende kkele Schatten der Enffer⸗ raßen und in —,“ ſagte alſo beeile die Zu⸗ Seit er mich chlafen. Mein Muß es ge⸗ Ich bin mehr ſooßen, als in ſt das elende 219 Wagniß, wollte ich ein Leben enden, das mir keine Freude mehr gewähren kann, oder ein Anſehen aufgeben, das kei⸗ nen Reiz für mich hat; aber Israel, Israel! Du, für das ich ſo viel erduldet habe— laß mich vergeſſen, daß Ja⸗ baſtor eine Mutter hatte. „Wär' der Gedanke nicht, der mich mit meinem Gotte verknüpft und mein Gemüth zu höherer Richtung leitet, wie eitel und trüb, wie mühſelig und leer wäre dieſe ſogenannte Welt, an die ſie denken! Nur dieſer Gedanke nicht und ich legte mich hin und ſtürbe. Ja! mein Herz würde brechen aus Ueberdruß, meine gewaltigen Leidenſchaften mit ihrer wilden aber lodernden Flamme würden vergehen und er⸗ ſterben, und der ſtarke Geiſt, der ſtets auf meine Laufbahn mich trieb und mich vorwärts ſtachelte, würde das Ruder verlaſſen, das es ſo lange führte, wie ein beſtürzter Pilot verzweifelnd in der weit entlegenen Mitte eines unbekann⸗ ten Meeres. „Arbeit und Lernen, Mühe und Sorge, kräftige That, vielleicht die Zeit und Verdruß, der ſchlimmer iſt als Alles, haben ihr Werk an mir gethan und nicht vergebens. Nicht mehr bin ich derſelbe Jabaſtor, der im Caucaſus nach den Sternen blickte. Kommt mir es doch vor, als leuchteten ſie matter denn ſonſt. Die Glorie meines Lebens verliſcht. Meine Blätter ſind trocken, gefärbt, aber nicht befleckt. Aber in Einem bin ich unerſchütterlich derſelbe— ich habe meinen Gott nicht verlaſſen, weder in That noch Gedanken. Ha! wer biſt Du?“ — Ein Freund Israel's.— „Es freut mich, daß Israel einen Freund hat. Edler Abidan, ich habe Alles, was zwiſchen uns vorgefallen iſt, reiflich überlegt. Ich muß Dir ſagen, daß Du eine Saite berührteſt, auf der ich früher auch ſchon ſpielte, aber nur für mich ganz allein. Ein gellender Ton; ja, ja, ein gellen— 220 der Ton; aber es iſt nun einmal ſo, und da es ſo iſt, ſo bringe mich zu Deinen Freunden, Abidan.“ — CEdler Jabaſtor, Du biſt, für was ich Dich hielt— „Abidan, ſie ſagen, das Bewußtſein Recht zu handeln, ſei der ſicherſte Führer zu Glück und Befriedigung.“ — So iſt's.— „Und Du glaubſt es auch?—“ — Ohne Zweifel.— „Wir handeln recht?“ — Das iſt ein zu ſchwaches Wort für ein ſo heiliges Unternehmen.— „Ich bin ſehr unglücklich!“ 4. Der Hoheprieſter und ſein Gefährte traten in Abidan's Haus. Jabaſtor redete die ſchon Verſammelten an. „Braver Scherirah, es freut mich, Dich hier zu finden. Wenn fehlte Scherirah je, ſobald es Israel betraf? Tapfe⸗ rer Zalmunna, wir haben einander noch nicht oft genug geſehen, der Fehler liegt an mir. Holde Prophetin, Dei⸗ nen Segen! „Edle Freunde, weshalb wir hier zuſammengekommen ſind, iſt Allen bekannt. Nicht träumen hätten wir uns ſolche Zuſammenkunft laſſen, als wir über den Tigris gingen. Doch nichts davon. Zu handeln, kamen wir hierher, nicht zu ſprechen. Unſer Geiſt iſt entſchloſſen, unſer großes Vor⸗ haben bedarf keiner Vorſtellungen. Wenn es Einen unter uns giebt, der Israel ſehen möchte als Sklaven Ismael's, der verlieren möchte alles, wofür wir gebetet, wofür wir gefochten, alles, was wir gewonnen haben, und alles, wo⸗ für wir bereit ſind zu ſterben— wenn Einer unter uns wäre, der es dulden könnte, die Bundeslade beſchimpft zu ſehen, und Jehova's Altar befleckt mit heidniſchem Opfer, wenn Einer unter uns wäre, der nicht nach Zion ſich ſehnte, der nicd wieder das ſer ss iſt! ſteit E — alle, a n hat un⸗ Zalmun aus. beobach langen N Krieg wegen liegen! wiß ſe des H ſind a ſein u „ Dpfer Ihr d blicke durch Fall ſo wä felhaf de S ſo iſt, ſo dic hilt— zu handeln ung.“ ſo heiliges in Abidaws an. r zu finden. Tapfe⸗ toft genug hetin, Dei⸗ raf? engekommen er uns ſolche ris gingen. jerher, nicht großes Vor⸗ Einen unter n Jsmaels, wofür wir d alles, wo⸗ r unter uns eſchimpft zu ſhem Opfer, Nſich ſehnte, —— — 221 der nicht ſein Leben daran wenden möchte, den Tempel wieder aufgebaut und das Erbe wieder erlangt zu ſehen, das ſeine Väter verloren, der entferne ſich von hier! Aber es iſt kein ſolcher unter Euch. So ſteht denn feſt und be⸗ freit Euer Vaterland!“ — Wir ſind bereit, großer Jabaſtor, wir ſind bereit, alle, alle!— „Ich weiß es; Ihr ſeid gleich mir. Nothwendigkeit hat uns Entſchluß gelehrt. Jetzt zu unſern Plänen. Sprich Zalmunna.“ — CEdler Jabaſtor, ich ſehe viele Schwierigkeiten vor⸗ aus. Alroy kommt nicht mehr aus ſeinem Palaſte. Un⸗ beobachtet können wir, wie Ihr wißt, nicht in dieſen ge⸗ langen. Was ſagt Ihr dazu, Scherirah? „Ich kann mich auf meine Krieger verlaſſen; aber Krieg gegen Alroy iſt, ohne der Gefahr zu gedenken, doch wegen des Ausgangs zweifelhaft.“ — Ich bin bereit zu ſterben, aber nicht zu unter⸗ liegen!— rief Abidan.— Wir müſſen unſerer Sache ge— wiß ſein. Offener Krieg iſt nicht zu rathen. Die Maſſe des Heeres wird es mit ihren Anführern halten und dieſe ſind auf der Seite des Tyrannen. Laßt die That geſchehen ſein und ſie müſſen ſich mit uns verbinden.— „Iſt's nicht möglich, ſeine Gegenwart bei irgend einem Opfer zu Ehren eines Sieges zu erlangen?— Was denkt Ihr davon?“ — Ich zweifle ſehr daran, Jabaſtor. In dieſem Augen⸗ blicke wünſcht er es keinesweges, unſere Nationalgebräuche durch ſeine königliche Perſönlichkeit zu heiligen. Auf jeden Fall hält ihn ſeine Gemahlin zurück. Und käme er auch, ſo wäre der glückliche Erfolg doch ſchwer und deshalb zwei⸗ felhaft.— „Edle Krieger, hört auf eines Weibes Stimme!“ rief die Prophetin vortretend.„Sie iſt nur ſchwach, aber durch 6 6 V — — —— — — — — — ͦ 222 ſolche Werkzeuge, ſelbſt durch das Lallen eines Kindes, pflegt der Herr mit ſeinem erwählten Volke zu ſprechen. Es giebt einen geheimen Weg, auf welchem ich in die Gärten des Palaſtes gelangen kann. Morgen Nacht, wenn der Mond in ſeiner mitternächtlichen Laube weilt, ſoll das verruchte Gebäude auflodern. Haltet Abidan's Krieger bereit, und in dem Augenblicke, wo die Flammen zuerſt emporſteigen, zieht zu dem Thore des Serails, als brächtet Ihr Hülfe. Die erſchrockene Wache wird Euch kein Hinderniß entgegen⸗ ſetzen. Indem nun die Truppen ſich der Eingänge bemäch⸗ tigen, eilt Ihr ſelbſt, Zalmunna, Abidan und Jabaſtor, in das königliche Gemach und vollbringt die That. Unter⸗ deſſen laßt den tapfern Scherirah mit all' den Seinen den Palaſt umringen, als wiſſe er nichts von dem, was ge⸗ ſchehen. Dann tretet Ihr vor, zeigt, hier nöthig, mit Thrä⸗ nen, den unglückſeligen Leichnam den Kriegern und verkün⸗ det das Prieſterreich Gottes.“ — Der Herr iſt's, der aus Dir ſpricht,— ſagte Abidan, der ohnſtreitig auf den Vorſchlag vorbereitet war.— Er hat ſie in unſere Hände gegeben.— „Ein kühner Plan,“ ſagte Jabaſtor nachdenkend;„und doch gefällt er mir. Er iſt ſchnell und das iſt etwas. Ich glaube, er iſt ſicher.“ — Es kann nicht fehlen!— rief Zalmunna aus;— — denn wenn die Flamme nicht aufſteigt, bleiben wir, wo wir ſind.— „Ich ſtimme bei!“ ſagte Scherirah. — Wohlan denn!— vrief Jabaſtor,— ſo ſei es. Morgen Abend laßt uns hier wieder, wohlvorbereitet, zu⸗ ſammenkommen. Gute Nacht.— „Gute Nacht, heiliger Prieſter! Wie ſtehen die Sterne, Jabaſtor?“. — Sehr unruhig; ſchon ſeit einigen Tagen. Ich weiß nicht, was ſie vorbedeuten.— „Hei — L „He genblik. „Al einzelner C , ril, Ii lihe We ſellen fü andern; ſelbſt ke ihn beſit „D uns gefe Zal Boden es die † „E — Das Feind J „Ie den Ma Andere Nacht.“ Es in Gen eine Tr din ndes„pf flegt he. G giebt e Gärten des in der Nond das verruchte Mein„und emporſt eigen, t Ihr Sülfe iß entg gegen⸗ inge bemäch⸗ nd Iabaſtor, Dhat. Unter⸗ Seinen den was ge⸗ 3 uu Thri⸗ und verkün⸗ agte Ab bidan, var.— Er inkend;„und etwas. Ich ma aus;— ben wir, wo — ſo ſei es. rbereitet, zu⸗ die Sterne, en. Ich weiß — 223 „Heil für Israel.“ — Laß es uns hoffen. Gute Nacht, theuere Freunde.— „Herr,“ ſagte Abidan,„bleibe nur noch einen Au⸗ genblick.“ — Was giebt's? Ich möchte gern gehen.— „Alroy muß ſterben, Herr, glaubſt Du aber, daß ein einzelner Tod den Bund beſiegeln wird?“ — Das Weib?— „0, das Weib! Ich dachte nicht an das Weib. As⸗ riel, Ithamar, Medad?“— — Tapfre Krieger! Seid überzeugt, ſie werden nütz⸗ liche Werkzeuge für uns werden. Solche vereinzelte Ge⸗ ſellen fürchte ich nicht. Sie folgen ihren Führern, gleich andern Weſen, die zum Gehorchen geboren ſind. Da ſie ſelbſt keinen Kopf haben, müſſen ſie uns folgen, die wir ihn beſitzen.— „Das glaube ich auch. Giebt's ſonſt Niemand, der uns gefährlich ſein könnte?“ Zalmunna und Scherirah ließen ihre Augen auf den Boden ſinken. Ein tiefes Schweigen. Endlich unterbrach es die Prophetin. „Ein Gericht iſt ausgegangen gegen Honain!“ — Nein! Er iſt Jabaſtor's Bruder!— rief Abidan. — Das iſt genug, um ſelbſt einen noch eingefleiſchtern Feind Israel's zu retten, wenn es deren gäbe.— „Ich habe keinen Bruder, Abidan. Nicht Ich werde den Mann, von den Ihr ſprecht, erſchlagen, da es noch Andere giebt, die es thun können. Und ſomit denn gute Nacht.“ 5. Es war tiefe Nacht. Nur eine einzige Lampe brannte im Gemache, das auf eine offne Gallerie ging, von welcher eine Treppe in die Gärten des Serails führte. 224 Eine weibliche Geſtalt beſtieg die Treppe mit leiſen, vorſichtigen Schritten. Sie blieb auf der Treppe ſtehen und ſah ſich um, mit einem Fuße ſchon im Gemache. Sie trat ein. Es war ein Zimmer von geringem Um⸗ fange, aber reich verziert. In der fernſten Ecke ſtand ein elfenbeinernes Bett mit einem Gazevorhange von Silber⸗ gewebe, der, ohne das freie Athemholen zu hindern, die Schlafenden vor den Inſektenſchwärmen einer orientaliſchen Nacht ſchützte. An einer Ottomane lehnte ein großes eher⸗ nes Schild nach alterthümlicher Form, und daneben einige Helme und ſeltene Waffen. „Ein unwiderſtehlicher Trieb hat mich in dieſes Ge⸗ mach geführt,“ ſagte die Prophetin.„Das Licht neckte mich wie ein Geſpenſt, und wohin ich auch ging, ſchien es mir zu winken. „Eine Lagerſtätte und ein Schlafender!“ Sie trat näher hinzu und zog den Vorhang vorſichtig hinweg. Bleich und bebend ſchauderte ſie zurück, doch mit leiſem Schritte. Sie erblickte Alroy! Einen Augenblick lang lehnte ſie ſich, von ihren Em⸗ pfindungen überwältigt, an die Wand. Dann trat ſie wie⸗ der vor und ſtarrte auf ihr die Gefahr nicht ahnendes Opfer. „Kann der Schuldbelaſtete ſchlafen wie der Schuldloſe? Wer ſollte glauben, daß dieſer ſchöne Schläfer das höchſte Vertrauen verrieth, daß je der Himmel einem Menſchen ſchenkte? Er ſieht nicht aus wie ein Tyrann und Verräther: ruhig ſeine Stirn und mild ſein friedlicher Athem! Sein langes ſchwarzes Haar, ſchwarz wie die Schwinge des Ra⸗ ben, iſt ſeiner Feſſel entronnen und fließt wie eine wilde, ſtürmiſche Nacht über ſeine blaſſe, mondbeleuchtete Stirn. Seine Wange iſt zart, und Ruhe hat ſie röthlich angehaucht. Auf ſeiner Lippe ſcheint ein Liebeswort zu ſchweben, das ſie nicht verlaſſen will. Iſt dies derſelbe Alroy, den wir nit Jube des More nwähren 4— verbergen Hart it heimliche die Män vinnen. men unſe eene Glu „Re haſſe, od es, daß zugleich führen Müſſen kern ver die Verr Ich köm wegen ſi „, „N. wieder z Ich will That ſe tödten?“ Sie einen t ihn in menſchli Alroy von Abe zerſchellt w mit leiſe, wagpe ſtehen Gemache. n geringem Un⸗ —Ccke ſtand ein ge von Silher⸗ u hindern, de e orientaliſchen mn großes cher⸗ daneben einige ˖ein dieſes Ge⸗ Licht neckte mich z, ſchien es mir 74 thang vorſichtig urück, doch mit von ihren Em⸗ un trat ſie wie⸗ nicht ahnendes der Schuldloſe? äfer das höchſte einem Menſchen und Verräther: er Athem! Sein hwinge des Na⸗ wie eine wilde, lleuchtete Stirn. hlich angehaucht. l ſchweben, das Alroy, den wir 225 mit Jubel begrüßten, als er wie der junge, glänzende Stern des Morgens in der Wüſte aufging, und, Anderen Freude gewährend, mir allein nur.“— „O! ſtill mein Herz! Und laß Dein Geheimniß ſich verbergen in das Leichenhaus überwundener Leidenſchaft. Hart iſt das Loos der Frauen: zu lieben und es zu ver⸗ heimlichen, iſt unſre ſchwere Pflicht! O ſchmerzliches Leben! Die Männer gaben uns Geſetze und machten uns zu Skla⸗ vinnen. Und ſo welken wir dahin und ſterben, oder neh⸗ men unſere Zuflucht zu nichtigen Wahnbildern, auf die wir jene Gluth wenden, die edlern Zwecken beſtimmt ſein ſollte. „Reizender Held! Ich weiß nicht, ob ich Dich mehr haſſe, oder mehr liebe. Sterben mußt Du; aber ich fühle es, daß ich mit Dir ſterben ſollte. O! daß doch dieſe Nacht zugleich uns zum Hochzeitbett und zum Grabesſcheiterhaufen führen könnte! Muß dieſe weiße Bruſt ſich blutig färben? Müſſen dieſe ſtarken Glieder von jenen blutdürſtigen Hen⸗ kern verunſtaltet werden? Iſt das Gerechtigkeit? Sie lügen, die Verräther, wenn ſie Dich treulos nennen unſerm Gotte. Ich könnte Dich anbeten! Sieh, die ſchönen Lippen, ſie be⸗ wegen ſich! Horch der Muſik ihrer Töne!“ „„Schirin! Schirin!““ „Nur dieſes Wortes bedurfte es, um meinen Geiſt wieder zurückzurufen! O Thörin! Wohin verirrteſt Du Dich? Ich will nicht warten auf ſpäte Gerechtigkeit. Ich will die That ſelbſt vollbringen. Sollte ich meinen Siſera nicht tödten?“ Sie ergriff einen Dolch, der auf der Ottomane lag, einen trefflichen, ſcharf geſchliffenen Stahl. Hoch hob ſie ihn in die Höhe und zuckte ihn auf ſeine Bruſt mit über⸗ menſchlicher Kraft. Er traf auf den Talisman, den Jabaſtor Alroy gegeben hatte, und den dieſer, aus einem Ueberreſte von Aberglauben, noch trug. Und als die Klinge ihn traf, zerſchellte ſie in tauſend Stücke. 15 226 Der Kalif erhob ſich auf ſeinem Lager. Seine Augen begegneten der Prophetin, die über ihm in bleicher Ver⸗ zweiflung ſtand, den Dolchgriff in der Hand. „Was iſt das! Schirin! Wer biſt Du? Eſther!“ Er ſprang auf vom Lager, rief nach Pharez und ergriff der Prophetin beide Hände.„Sprich!“ fuhr er fort:„biſt Du Eſther? Was willſt Du hier?“ Sie brach in ein wildes Gelächter aus. Sich ſeinen Händen entwindend, zog ſie ihn nach der Gallerie. Hier erblickte er das Hauptgebäude des Serails in Flammen. Ihre beiden Hände mit ſeiner ſtarken Rechte ergreifend, zog er ſie zu der Ottomane, ergriff einen Helm und ſchlug da⸗ mit auf das gewaltige Schild. Es tönte wie eine Glocke. Pharez erwachte aus ſeinem Schlummer und ſtürzte in's Gemach. „Pharez! Verrath! Verrath! Gieb ſogleich Befehl, daß die Thore des Palaſtes geſchloſſen werden. Geh, eile! Sprich mit dem Hauptmann ſelbſt. Rufe alle die Meinen herzu. Laß ſie die Waffen ergreifen. Es gilt unſer Leben, darum ſchnell!“ Der ganze Palaſt kam in Bewegung. Alroy übergab die erſchöpfte, wie es ſchien, bewußtloſe Eſther, der Eunuchen⸗ wache. Sklaven und Dienerſchaft ſtürzten von allen Seiten herbei. Auch Schirin eilte hinzu, mit entfeſſeltem Haar, fliegendem Gewande, von einer Schaar Mädchen mit Fackeln gefolgt. „Mein Leben! was iſt mit Dir?“ — Nichts, nichts, meine Geliebte. Es wird bald alles wieder in Ordnung ſein!— entgegnete Alroy, indem er die Splitter des zerſchellten Dolches aufhob, die er eben entdeckt hatte.„Man hat mir an's Leben gewollt; der Palaſt ſteht in Flammen; ich fürchte, daß die Stadt in Aufruhr iſt. Mädchen, habt auf Eure Gebieterin Acht.— (Schirin war in ihre Arme geſunken).— Ich werde gleich wieder Gurü Hoi Mehrex wie die Fr bfnden ſie ren, Diener und Beſtürz rolls, füre de Mauer gen? Due ii Mesru! der Gärtne die dazwiſe rickt heran erwartete ie laß erzwing tuf den V Jpor ſchor Ni Pharez? — A. Eile di alles, iſt du je ale Trome Siin Augen blecher Ver⸗ Eſther“ Er d ergrif der drt:„biſt Du Sich ſeinen allerie. Hier in Fammen. greifend, zog ind ſchlug da⸗ e eine Glocke. ſtürzte ins h Befehl, daß Geh, eile! e die Meinen unſer Leben, lroy übergab der Eunuchen⸗ n allen Seiten ſeelem Haar, en mit Fackeln ird bald alles roy, indem er „die er eben gewollt; der die Stadt in tterin Acht.— h werde gleich 227 wieder zurück ſein.— So ſprechend, eilte er in den großen Hof. Mehrere tauſend Perſonen— denn die Bevölkerung wie die Freiungen des Serails waren ſehr beträchtlich— befanden ſich bereits dort; Eunuchen, Pagen, Frauen, Skla⸗ ven, Diener und einige Krieger. Alles war in Unordnung und Beſtürzung. Das Feuer wüthete innerhalb, geheimniß⸗ volles, furchtbares Geſchrei von Außen. Da verkündete der Ruf: der Kalif, der Kalif! Alroy's Ankunft, und ver⸗ urſachte eine verhältnißmäßige Stille. „Wo iſt der Hauptmann der Wache?“ fragte er. „Wohl! Oeffnet Niemand die Thore. Wer wagt's, über die Mauer zu klettern und Asriel eine Botſchaft zu brin⸗ gen? Du? Brav! Morgen ſollſt Du ſelbſt befehlen. Wo iſt Mesru? Nimm die Eunuchen⸗Wache und die Mannſchaft der Gärtner, und löſche das Feuer um jeden Preis. Reißt die dazwiſchen liegenden Gebäude nieder. Abidan's Schaar rückt heran, um zu helfen. Ha! das dachte ich wohl. Das verwartete ich. Laßt ſie nicht herein. Sie wollen den Ein⸗ laß erzwingen. Ha! ganz wie ich dachte. Der Wurfſpieß traf den Verräther gut! Gebt mir Waffen. Ich will das Thor ſchon halten. Schickt noch einmal zu Asriel. Wo iſt Pharez?“ — An Eurer Seite, Herr!— „Eile zu der Königin, treuer Pharez, und ſage ihr, daß alles gut ſteht. Wollte der Himmel, es wäre ſo! Hör⸗ teſt Du je ein ſo furchtbares Getöſe? Iſt's doch, als ob alle Trommeln und Zimbeln der ganzen Stadt zuſammen⸗ klängen! Abgeredetes Spiel, wie ich vermuthe. Wenn nur Asriel käme! Iſt Pharez zurück?“ — Hier bin ich, Herr!— „Wie geht's der Königin?“ — Sie ſtünde gern an Eurer Seite.— „Nein, nein! Beſetzt dort das Thor. Wer ſagte doch, 15* 228 daß ſie Feuer davor anzündeten? Es iſt wahr! Wir müſſen einen Ausfall machen, wenn's zum Schlimmſten kommt, und wenigſtens ſterben wie Soldaten. O Asriel! Asriel!“ — Herr! Die Truppen ſtrömen von allen Gegenden der Stadt herbei.— „Es iſt Asriel.“ — Nein, Herr! es iſt nicht die Leibwache. Mir ſcheint’s, als wären es Scherirah's Krieger.— „Hm! Ich weiß nicht, was alles dies bedeuten ſoll, aber Verrath iſt es, ſchändlicher Verrath, das iſt gewiß. Wo iſt Honain?“ — Bei der Königin, Herr.— „Wohl. Was iſt das für ein Rufen?“ — Es iſt der Bote, den Ihr an Arriel ſendetet. Platz für ihn!— „Herr! ich konnte die Leibwache nicht erreichen.“ — Nicht ſie erreichen! Gott meiner Väter; was hin⸗ derte Dich daran?— „Herr! ich ward gefangen!“ — Gefangen! Bei dem Donner des Sinai! führen wir denn Krieg? Wer nahm Dich gefangen?— „Herr, ſie haben Deinen Tod ausgerufen.“ — Wer?— „Der Rath der Aelteſten. So hörte ich wenigſtens. Abidan, Zalmunna.—“ — Rebellen und Hunde! Wer ſonſt noch?— „Der Hoheprieſter.“ — Hal Steht es ſo? Iſt's wahr, daß Scherirah ſich mit ihnen verbunden hat?— „Seine Mannſchaft umzingelt das Serail. Keine Hülfe kann uns nahen, wenn ſie ſich nicht durchſchlägt.“ — O! wäre ich nur mit meiner braven Leibwache dort! Sollen wir denn hier wie Ratten ſterben, ohne Mühe gemordet! Die feigen Buben! Haltet aus, haltet aus, Ihr Treuen! perden mwyfer A Herz be⸗ geboren, it verza⸗ „G, Dich, g Deines? der Gef hier ſei angeleg und bit 28 der He daß De bis er! haßten blute g. Anfange Bruder, nach et wird un 83 ſtrengu⸗ zuartie die klei hatte, m Dir miſſen kommt, und Asriel len Gegenden Mr ſſzente, bedeuten ſoll, as iſt gewiß. griel ſendetet. reichen.“ er, was bin⸗ jinai! führen 1“ Scherirah ſich Keine Hülfe ägt.“ den Leibwache , ohne Mühe altet aus, Ihr 1 229 Treuen! Es iſt ein ſchweres Werk, aber einige von uns werden ſich deſſen nachher erfreuen. Wer heut treu und tapfer Alroy beiſteht, ſoll morgen Alles haben, was ſein Herz begehrt. Fürchtet Euch nicht! Ich ward nicht dazu geboren, in einem Bürgeraufſtande zu fallen. Mein Leben iſt verzaubert. Ja, ſo iſt es!— 6. „Geh zu dem Kalifen, mein guter Honain, ich bitte Dichz, geh! Ich kann mich ſchon halten, aber er bedarf Deines Raths. Bitte ihn, daß er ſein koſtbares Leben nicht der Gefahr ausſetze. Die Böſewichter! Asriel muß bald hier ſein. Was meinſt Du dazu?“ — Es hat keine Gefahr. Ihre Pläne ſind ſchlecht angelegt. Ich habe dieſe ſtürmiſche Nacht längſt erwartet und bin daher mehr beſorgt, als beunruhigt.— „Ich bin es, nach der ſie ſtreben, Ich, die ſie haſſen! Der Hoheprieſter auch! Ja, ja! Ich habe immer geahnt, daß Dein ſtolzer Bruder, guter Honain, nicht ruhen werde, bis er mich von dieſem Throne geſtoßen, oder meinen ver⸗ haßten Namen aus unſern Jahrbüchern mit meinem Herz⸗ blute gewaſchen habe. Böſer, böſer Jabaſtor! Gleich vom Anfange her zürnte er auf mich. Iſt er denn wirklich Dein Bruder, Honain?“ — Ich denke nicht gern daran. Er ſtrebt aber noch nach etwas anderm, als nach Deinem Leben. Die Zeit wird uns mehr lehren, als alle unſere Gedanken.— 7. Die Befeſtigungen des Serails widerſtanden allen An⸗ ſtrengungen der Rebellen. Scherirah blieb in ſeinem Stand⸗ quartiere mit ſeinen Truppen unter den Waffen, und rief die kleine Schaar wieder zurück, die er anfangs abgeſendet hatte, eben ſowohl um den Gang der Sache zu beobachten, 230 als um Abidan zu unterſtützen. Asriel und Ithamar boten ihre Truppen im Rücken dieſes Letztern auf, und bei Ta⸗ gesanbruch war eine Abtheilung der Leibwache über den Fluß gekommen, deſſen Bewachung Scherirah anvertraut war, und hatte ſich in den Palaſt geworfen. Alroy machte nun an der Spitze dieſer friſchen Krieger einen Ausfall. Seine Gegenwart brachte einen Erfolg hervor, der vielleicht nie zweifelhaft geweſen war. Abidan's Heeresabtheilung focht mit der Verzweiflung, wie ſie ihr Schickſal mit ſich brachte. Das Blutbad war furchtbar, aber ihre Niederlage vollſtändig. Sie kämpften nicht länger in Maſſen, oder mit irgend einem allgemeinen Plane. Nur daran dachten ſie, ſich zu retten, oder wenigſtens ihr Leben ſo theuer als mög⸗ lich zu erkaufen. Einige entflohen, andere zerſtreuten ſich. Noch andere ſetzten ſich in Häuſern feſt, und einige befeſtig⸗ ten ſogar den Bazar. Jetzt fanden alle Gräuel des Krie⸗ ges in den Straßen ſtatt. Häuſer ſtanden in Flammen, Blut floß in Strömen. An der Spitze einer Schaar von Getreuen zeigte ſich Abidan durch Muth und Beſonnenheit eines beſſern Erfolgs würdig. Endlich ſtand er allein, nur von ſeinen Feinden umringt. Mit dem Rücken ſich an ein Gebäude in einer engen Straße, wo die Menge ſeiner Gegner ihnen ſelbſt nur hinderlich werden konnte, lehnend, fielen die drei Vor⸗ derſten derſelben vor ſeinem unwiderſtehlichen Schwerte. Die verſperrte Thür gab dem Andrange der Menge nach. Abidan floh die engen Treppen hinauf, und als er auf einen Abſatz derſelben kam, wendete er ſich plötzlich und ſpaltete dem, der ihn zunächſt drängte, den Schädel. De⸗ nen, die ihn verfolgten, wälzte er den gewaltigen Leichnam entgegen, ihr Weiterſchreiten dadurch verzögernd, er ſelbſt aber eilte vorwärts und gelangte ſo auf die Terraſſe des Hauſes. Drei Krieger der Leibwache folgten ihm, als er von Terraſſe zu Terraſſe ſprang. Der eine, mit einem Purfſp die S riß er das 9 tern b kam d den. ſchöpft durch ſchwan Schwe ſo das er ſich ſchleu Jetzt Rebel Gema durch in ein ſich b ſer S Strö⸗ wort ſein menie beobe ſchrit einen reit Sold auf kein durc lager d d Ithamar boten uf, und bei Ta⸗ wate iber de tirah anvertraut 1 Alroh machte teinen Augfal. or, der viellicht deeresabtheilung Schickal mit ſich ihre Niederlage Maſſen, oder mit aran dachten ſie, theuer als mög⸗ ezerſtreuten ſich. einige befeſtg⸗ Dräuel des Krie⸗ n in Flammen, reuen zeigte ſich beſſern Erfolgs ſeinen Feinden jebäude in einer ner ihnen ſelbſt en die drei Vor⸗ lichen Schwerte. der Menge nach. und als er auf ich plötzlich und n Schädel. De⸗ altigen Leichnam gernd, er ſelbſt die Terraſſe des ten ihm, als er ine, mit einem 231 Wurfſpieße bewaffnet, ſchleuderte dieſen dem Heerführer nach. Die Spitze verwundete Abidan nur leicht. Aus dem Arme riß er ſich aber den Spieß und ſchleuderte ihn zurück in das Herz des Senders. Die zwei anderen, nur mit Schwer⸗ tern bewaffneten Soldaten drängten immer näher. Endlich kam er auf die letzte Terraſſe in einer Maſſe von Gebäu⸗ den. Da ſtand er an der Schwelle des Abgrundes. Er ſchöpfte wieder Athem. Jene nahten ihm. Er äffte ſie durch ſchnelles Wechſeln ſeiner Stellung. Plötzlich aber ſchwang er mit bewundernswürdiger Geſchicklichkeit ſein Schwert kreuzweiſe über die Schenkel ſeines hintern Feindes, ſo daß er laut aufſchreiend zu Boden ſank. Dann ſtürzte er ſich auf den ihn von vorn Angreifenden, packte ihn und ſchleuderte ihn in die Straße hinunter, wo er zerſchellte. Jetzt bot ſich eine Fallthüre dem verzweifelnden Auge des Rebellen dar. Er ſtieg ſie ſchnell hinab und ſtand in einem Gemache mit Frauen angefüllt. Sie kreiſchten, er aber eilte durch ſie hindurch, gelangte eine Treppe hinunter und trat in eine Kammer, in welcher ein alter, bettlägeriger Mann ſich befand. Der alte Invalid fragte nach der Urſache die⸗ ſer Störung und ſtarb beim Anblicke des furchtbaren, mit Strömen Blut bedeckten Weſens vor ihm, ehe er eine Ant⸗ wort erhalten konnte. Abidan verſchloß die Thüre, wuſch ſein blutbeflecktes Geſicht, zog das dunkle Gewand des Ar⸗ meniers an und eilte wieder hinweg, um das Gefecht zu beobachten. Die dunkle Straße war einſam. Ungehindert ſchritt der Heerführer weiter. An der Ecke ſtieß er auf einen Soldaten, der ein Pferd für ſeinen Hauptmann be⸗ reit hielt. Abidan zog, waffenlos, einen Dolch aus des Soldaten Gürtel, ſtieß ihn dieſem in's Herz, ſchwang ſich auf das Pferd und ſprengte nach dem Fluſſe zu. Hier war kein Boot zu finden. Er ſchwamm auf dem ſtarken Roſſe durch den Strom. Das jenſeitige Ufer war erreicht. Dort lagerte eine Heerde Kameele an einem Brunnen. Der Tu⸗ 232 mult hatte ihre Treiber zerſtreut. Er beſtieg das dem An⸗ ſcheine nach flüchtigſte und ritt darauf zum nächſten Stadt⸗ thor. Die Wache verſagte ihm den Ausgang. Er verbarg ſeine Unruhe. Ein Hochzeitszug, der vom Lande zurück⸗ kehrte, nahte ſich. In deſſen Mitte ſtürzte er und überritt die Braut auf ihrem vergoldeten Wagen. Mitten unter der daraus entſtandenen Unordnung, dem Geſchrei, den Flüchen, dem Gedränge, erzwang er ſich den Weg durch das Thor, ſprengte in's Freie und hielt nicht eher an, als bis er die Wüſte erreicht hatte. 8. Der Tumult ließ nach. Das Geſchrei der Krieger, das Gekreiſch der Frauen, der wilde Klang der Waffen, alles ſchwieg. Die Flammen waren gelöſcht, das Blutbad endete. Der Aufruhr war unterdrückt, und die Ordnung wieder hergeſtellt. Die ſiegenden Truppen durchſtreiften die Stadt, in welcher alle Häuſer geſchloſſen waren, und gegen Abend nahm der Eroberer ſelbſt in ſeinem Staatsſaale die Berichte und Glückwünſche der Heerführer an. Abidan's Flucht ſchien durch Jabaſtor's Gefangennehmung ausge⸗ glichen. Nachdem der Hoheprieſter Wunder der Tapferkeit verrichtet, war er übermannt und als Gefangener in das Serail gebracht worden. Scherirah's Benehmen ward nicht zu ſtreng beurtheilt. Es ward eine Commiſſion niederge⸗ ſetzt, um dieſe geheimnißvolle Angelegenheit näher zu unter⸗ ſuchen, und Alroy begab ſich ins Bad, um nach den Mühen des erſten Sieg's, den er nicht für einen Triumph anſehen konnte, ſich wieder zu ſtärken. Als er ſchwermüthig und erſchöpft auf ſeinem Lager hier ruhte, ward Schirin gemeldet. Die Königin warf ſich an ſeinen Hals und bedeckte ihn mit Küſſen. Ihr Herz ergab ſich ganz dem Entzücken, ihr Gemüth erleichterte ſich⸗ die Laſt, die ſie bedrückte, ſchwand. nicht wagt — mehr auf morden zu drigen Sk ben! Ich können. mich gew mehr verl Mir iſts noch imme hoffe, Du 2 T zu befürch niger lieb „Alle können.. Umfaſſe ie nur ein w gen ſich n in einem lich ſein? 9 —) waren. und alles Sturm du ds den Ar. üſten Stadt Er verbarg ande zurück und überritt ten unter der den Flüchen, h das Thr, bis er die der Krieger, der Vaffen, das Blutbad ie Drdnung jſtreiften die und gegen atsſaale die . Abidans ung ausge⸗ r Tapferkeit ener in das ward nicht e—n niederge⸗ er zu unter⸗ den Mühen nph anſehen inem Lager in warf ſich Ihr Herz eicherte ſich⸗ 233 „Mein Rubin!“ rief ſie aus, mit dem ſüßeſten Tone der ſanfteſten Stimme, und drängte ihr Geſicht tief in ſeine Bruſt:„mein Rubin! liebſt Du mich?“ Er lächelte ſelig, indem er ſie an ſein Herz drückte. „Mein Rubin, Deine Perle iſt ſo voll Furcht, daß ſie nicht wagt zu Dir aufzublicken! Die Böſewichter! Mich haſſen ſie, mich möchten ſie gern aus Deinem Wege räumen.“ — Es hat keine Gefahr mehr, meine Süße! Alles iſt vorbei. Sprich nicht, nein— denke nicht mehr daran.— „O! die gottloſen Menſchen! Es giebt keine Freude mehr auf Erden, wenn ſolche Weſen noch leben! Alroy morden zu wollen, ihren erhabenen Herrn, der ſie aus nie⸗ drigen Sklaven zu Fürſten gemacht hat! Undankbare Bu⸗ ben! Ich bin ſo aufgeregt— ich werde nie wieder ſchlafen können. Doch nein! Mich nur haſſen ſie. O! ſie tödten mich gewiß auch noch einmal. Du darfſt mich nun nicht mehr verlaſſen, nie, nie! Hörteſt Du nicht ein Geräuſch? Mir iſt's immer, als wären ſie noch hier, als wollten ſie noch immer ihre Dolche uns in die Bruſt ſtoßen. O! ich hoffe, Du liebſt mich noch, mein Leben!“ — Faſſe Muth, meine Geliebte. Es iſt nichts mehr zu befürchten, meine Seele! Ich kann Dich nicht noch in⸗ niger lieben, ſonſt thät' ich es.— „Alle Freude iſt dahin! Ich werde nie wieder ſchlafen können. O, mein Geliebter, lebſt Du denn wirklich noch? Umfaſſe ich denn noch wirklich meinen Alroy, oder iſt dies nur ein wilder, unruhiger Traum, und meine Arme ſchlin⸗ gen ſich nur um einen Schatten, ich ſelbſt nur ein Geſpenſt in einem Grabe? Die böſen Menſchen! Kann es denn mög⸗ lich ſein? Unſer reizendes Glück iſt für immer entflohen.“ — Nein, mein ſüßes Kind! noch ſind wir, was wir waren. Nur einige, bald vorüber gehende Stunden noch, und alles wird wieder ſo glanzvoll daſtehen, als hätte kein Sturm durch unſere ſonnigen Tage gerauſcht.— 234 „Haſt Du Asriel geſehen? Er ſpricht ſo furchtbare Dinge.“ — Wie ſo?— G „O wehe mir! ich bin verlaſſen! Ich habe keinen Freund mehr!“ — Schirin!— „Sie dürſten nach meinem Blute. Ja, ich weiß es, daß ſie darnach dürſten.“ — O! welch ein Wahn.— „Ein Wahn? Frage Asriel, frage Ithamar. Es ſteht geſchrieben auf ihren Tafeln, auf ihrer blutigen Liſte von Raub und Mord. Dein Tod ſollte bloß zu dem meinen führen, und hätten ſie hoffen können, daß Du mich ihnen hingeben werdeſt, ſo hätten ſie Deiner geſchont. Ja, mich haſſen ſie, mich wollen ſie vernichten. Dieſe Geſtalt wollten ſie zerſtückeln und zertreten, dieſen Buſen wollten ſie auf⸗ reißen und martern, und dieſes warme Blut, das allein für Dich fließt, wollte der ſchändliche Jabaſtor auf dem Altare ſeiner alten Rache vergießen. Er haßte mich ſtets!“ — Jabaſtor! Schirin! wo ſind wir, und was ſind wir? O! mein Herz will brechen. Ich ſcheuchte ihn aus meinen Gedanken, und nun muß ich daran denken, daß er mein— Gefangener iſt! Gott des Himmels, Gott meiner Väter, mußte es dahin kommen? Warum iſt er nicht ent⸗ kommen? Warum mußte Abidan, ein gemeiner Gurgel⸗ ſchneider, ſein unedles Leben retten, und dieſe große Seele, dieſes hohe, ernſte Weſen— O wehe mir! Ich habe lange genug gelebt. Wollte der Himmel, ſie hätten mich nicht gefehlt, ſie hätten—— „Halt ein, Alroy! Ich bitte Dich, Geliebter, ſei ruhig. Ich kam zu Dir, um Dich zu beſänftigen, nicht um Deine Leidenſchaften aufzuregen. Ich ſagte nicht, daß Jabaſtor Deinen Tod gewollt habe, obgleich Asriel es behauptet; nur gegen mich kämpft er, und wenn Jabaſtor wirklich ein Mann wirklich Deiner Nuhe l um all armes 1 wird.ü meines Dir froꝛ iſt Qual d funchümne habe kemen iee. ch weiß es, . GEs ſteht en Liſte von dem meinen wmich ihnen Ja, mich eſtalt wollten lten ſie auf⸗ , das allein or auf dem mich ſtets!“ nd was ſind cte ihn aus aken, daß er Gott meiner er nicht ent⸗ ner Gurgel⸗ große Seele, hhabe lange n nich nicht er, ſei rihig. ht um Deine daß Jabaſtor 3 behauptet; wirklich ein 235 Mann iſt, der Deinem Herzen ſo nahe ſteht— wenn er wirklich zu Deinem Glücke ſo unentbehrlich iſt, und mit Deiner Sklavin, die vor Dir kniet, nicht in geziemender Ruhe leben kann, ſo kenne ich meine Pflicht, Herr. Nicht um alles möchte ich Dein Glück geſtört ſehen, um mein armes Herz zu retten, ob ich gleich glaube, daß es brechen wird. Ich will gehen, und ſterben, und das härteſte Loos meines Lebens für das ſüßeſte Glück halten, wenn es nur Dir frommt.“ — O Schirin! was wollteſt Du? Dies— dies nur iſt Qual!— „Dich glücklich und ſicher ſehen; nichts weiter.“ — Ich bin beides, wenn Du es biſt.— „Sorge nicht für mich; ich bin ein Nichts.“ — Du biſt alles, alles für mich.— „Beruhige Dich, meine Seele. Es ſchmerzt mich, daß, als ich kam, um Dich zu beſänftigen, ich Dich nur noch mehr aufgeregt habe. Es iſt ja alles gut, alles. Sprich es aus, daß Jabaſtor leben ſoll. Was weiter? Er lebt, und iſt dann wohl pflichtgetreuer als zuvor. Das iſt alles.“ — Er lebt, er iſt mein Gefangener und erwartet ſein Urtheil. Es muß ihm werden.— „Ja wohl.“ — Sollen wir verzeihn?— „Mein Herr wird thun, was ihm gefällig iſt.“ — Nein, meine Schirin! O ich bitte Dich, ſei mild. Ich bin ſehr unglücklich. Sprich, was begehrſt Du?— „Muß ich ſprechen, ſo muß ich auch ausrufen— ſein Leben!“ — Weh mir!— „Hat unſere Liebe noch einen Reiz für Dich, feſſelt Dich noch die Hoffnung künftigen Glücks, nicht minder herrlich als das verfloſſene, an dieſe trübe Welt, ſo wie ich dies fühle und allein es fühle, ſo muß ich Dir zurufen, 236 ſein Leben! ſein ganzes Leben! Er ſteht zwiſchen uns und unſerer Liebe, Alroy, und hat immer zwiſchen uns geſtan⸗ den. Es giebt kein Glück für uns, ſo lange Jabaſtor noch athmet, und ich kann nicht dieſelbe Schirin für Dich ſein, wie ich es war, wenn dieſer ſtolze Rebell lebt, um als Kundſchafter und Verläumder meiner Handlungen mir ent⸗ gegen zu ſtehen.“ — Laß uns ihn verbannen! ja, verbannen.— „Daß er mit den Rebellen ſich verſchwöre! Iſt dies Deine Weisheit?“ — O Schirin! ich liebe dieſen Mann nicht, ob ich's wohl eigentlich ſollte; aber wüßteſt Du nur alles?— „Ich weiß nur zu viel, Alroy. Vom Beginn an war der Gedanke an ihn mir verhaßt. Komm, mein ſüßer Ge⸗ liebter, gewähre dieſes Geſchenk Deiner Schirin, die dieſer abſcheuliche Mann ſo erſchreckt hat! Ich fürchte, er hat mehr Unglück angeſtiftet, als Du glaubſt. O! er wollte uns alle unſere Hoffnungen ſtehlen! Wird es noch thun! Darum ein Geſchenk! Es iſt nicht viel, was ich begehre— eines Verräthers Haupt. Gieb mir Deinen Siegelring. Du willſt nicht? Nun, ſo will ich mir ihn nehmen. Wie? Du wider⸗ ſetzeſt Dich! O! ich weiß ſchon, Du haſt mir oft geſagt, daß ein Kuß jede Weigerung beſiegen könne. Da iſt einer. Iſt er ſüß? Du ſollſt noch einen haben, und noch einen. Da habe ich den Ring! Nun, lebe wohl, mein Adler, ich will bald wiederkommen, und mich wieder betten in Dei⸗ nem Neſte.“ 9. „Sie hat meinen Ring genommen! Was ſoll das be⸗ deuten? Schirin! Biſt Du fort? Gewiß nicht. Sie ſcherzt nur. Jabaſtor! Eines Verräthers Haupt! Iſt Niemand das Pharez!“ — Herr!— nain! Er meines D ſie ſcherit ten Blick. — A „Was — Dein hat meinen ihn ihr. Jabaſtor n — nir ſch „Sein — A „Ja, — N vernahm. „Wie — E die Ungna gorreichen „Ein 2 Die Köni ſelbſt in gen. Ach uns und uns geſtan⸗ baſtor noch dich ſein t, un als n mir ent⸗ — 1 It dies t, ob ichs 82— nn an war ſüßer Ge⸗ „die dieſer er hat mehr te uns alle ! Darum e— eines du wilſt Du wider⸗ oft gefagt, a iſt einer. noch einen. Aller, ich ten in Dei⸗ ſoll das be— Sie ſcherzt jemand da! —— —————— 237 „Ging die Königin dort hinaus?“ — Allerdings, Herr.— „Weinend?“ — Nein, ſehr heiter.— „Rufe Honain— ſchnell wie Gedanken! Honain! Ho⸗ nain! Er wartet draußen. Ich habe den glücklichſten Theil meines Daſeins durchlebt. Mein Herz iſt gebrochen. Aber ſie ſcherzt gewiß.— Ha, Honain. Verzeihe meine zerſtreu⸗ ten Blicke. Eile in das Zeughaus! Eile!“ — Was ſoll ich dort?— „Was Du dort ſollſt? O! ich rede irr! Dein Bruder — Dein großer Bruder— die Königin— die Königin hat meinen Siegelring mir entriſſen— das heißt, ich gab ihn ihr. Flieh! o eile! oder im nächſten Augenblicke lebt Jabaſtor nicht mehr!— Er iſt fort! Pharez! Deinen Arm — mir ſchwindelt!“ 10. „Seiner Hoheit iſt heut ſehr unwohl.“ — Man ſagt, er ſei heut früh in Ohnmacht gefallen.— „Ja, im Bade.“ — Nein, nein, nicht im Bade. Als er Jabaſtor's Tod vernahm.— „Wie ſtarb er denn?“ — Er erdroſſelte ſich ſelbſt. Sein großes Herz konnte die Ungnade nicht ertragen, und ſo endete er alle ſeine glorreichen Thaten ſelbſt.— „Ein großer Mann.“ — Wir werden nicht ſobald ſeines Gleichen ſehen. Die Königin hatte ihm Verzeihung ausgewirkt, und eilte ſelbſt in das Zeughaus, um dorthin die Nachricht zu brin⸗ gen. Ach! zu ſpät!— „Das ſind doch ſonderbare Zeiten! Jabaſtor todt!“ — Ein ſehr wichtiges Ereigniß.— 238 „Wer wird Hoherprieſter werden?“ — Ich glaube, daß man die Stelle gar nicht wieder beſetzen wird.— „Speiſt Ihr mit Ithamar heut Abend?“ — Ja.— „Ich auch. Wir wollen zuſammen gehen. Die Kö⸗ nigin hatte Verzeihung für ihn erhalten! Hm! es iſt doch ſonderbar.“ — Allerdings. Abidan ſoll entwiſcht ſein.— „So hörte ich auch. Werden wir Medad heut Abend finden?“ — Wahrſcheinlich.— kommt! D der Monat Erl noch nicht woch nicht! los ohne il „Wir leben „Er ko nicht zu u Unſre Brü ſeligen Str „Wir leben Er ko mit ſanfte „Wir den d Auge Leuchten g iſeen ſich non, auf Die Kö⸗ iſt doch t Abend —yᷓ r —— Zehnter Abſchnitt. 1. „Er kommt noch nicht! Seine reizende Geſtalt glänzt noch nicht an unſerm umnachteten Himmel. Er kommt noch nicht! Die dunkeln Sterne ſcheinen traurig und glanz⸗ los ohne ihren König. Er kommt noch nicht.“ „Wir ſind die Wächter des Mondes, und leben einſam, um Licht zu verkünden.“ „Er kommt noch nicht! Seine heilige Geſtalt ruft noch nicht zu unſerm Feſte der Weihe. Er kommt noch nicht. Unſre Brüder warten ſtumm und regungslos auf ſeinen! ſeligen Strahl. Er kommt noch nicht!“ „Wir ſind die Wächter des Mondes, und leben einſam, um Licht zu verkünden.“ Er kommt, er kommt! Seine ſchöne Geſtalt ſchwebt mit ſanftem Glanze in der funkelnden Luft. Er kommt, er kommt! Die Thürme glühen und erzählen dem Volke, daß der Monat beginnt.“ „Wir ſind die Wächter des Mondes, zu kün⸗ den dem Volke, daß der Monat beginnt.“ Augenblicklich entzündeten die heiligen Wächter die Leuchten auf der bergigen Spitze, und tauſend Gluthen er⸗ goſſen ſich rings über das Land. Vom Caucaſus zum Liba⸗ non, auf jedem Hügel eine Krone von Licht! 240 2. „Herr! Ein Tatar iſt von Hamadan angelangt, der nur Euch zu ſprechen begehrt. Ich ſagte ihm, daß Euer Hoheit beſchäftigt ſei, und ſendete ihn zu Honain, aber er läßt ſich nicht abweiſen. Und da ich nun glaubte, daß vielleicht die Fürſtin Mirjam...“ — Von Hamadan? Du thateſt wohl daran, Pharez. Führe ihn her.— Der Tatar trat ein. „Was bringſt Du? Gutes will ich hoffen.“ — Verzeiht, o Herr! Das Schlimmſte! Ich komme vom Vicekönig Abner mit dem Befehle, den Kalifen zu ſprechen, aber ſonſt Niemand.— „Nun, Du ſtehſt vor dem Kalifen. Sprich alſo. Was läßt mir der Vicekönig ſagen?“ — Herr, ich ſoll Euch verkünden, daß in dem Augen⸗ blicke, wo das Wachtfeuer, welches das Feſt des Neumondes verkündete, auf dem Caucaſus angezündet wurde, der ge⸗ fürchtete Herrſcher von Chovaresm, der große Alp Arslan, in Euer Reich eindrang, und jetzt ganz Perſien überſtrömt.— „Ha! Und Abner?“ — Iſt in's Feld gerückt und bittet um Hülfe.— „Sie ſoll ihm werden. Das iſt eine wichtige Nachricht. Wann verließeſt Du Hamadan?“ — Nacht und Tag bin ich auf dem ſchnellſten Dro⸗ medare gereiſ't. Der dritte Morgen ſieht mich hier in Bagdad.— „Du haſt Deine Schuldigkeit gethan. Pharez, ſorge für dieſen treuen Boten gut. Rufe mir Honain. „Alp Arslan! Ein berühmter Krieger! In dem Augen⸗ blicke, wo das Wachtfeuer angezündet wurde? Alſo kein ſchneller Einfall, ſondern lang vorher überlegt. Das gefällt mir nicht.“ —; ein Tatar der Niema Kalifen zu zu ſagen, den Bergen ſchändliche vinz aufge habe.— „Ite — di halten.— „Ich einige Unr⸗ - 3 „Sieh Pharez.. verſtehſt m — E „Abid ſo gut du fürchte ſeh Neuigkeite Eind „Die Gränze.“ — 9 Ic komme Kalifen zu alſo. Was dem Augen⸗ Neumondes e, der ge⸗ llp Arslan, erſtrömt.— lffe.— h Nachricht. ellſten Dro⸗ ich hier in harez, ſorge n. dem Augen⸗ Nlo kein Das gefällt — 241 — Herr,— ſagte Pharez, als er wieder eintrat:— ein Tatar iſt von den Gränzen des Reichs angekommen, der Niemand als Euch ſelbſt ſprechen will. Ich ſagte ihm, Eure Hoheit ſei emſig beſchäftigt. Ich denke, er bringt nur dieſelben Nachrichten, und..— „Es iſt wohl möglich. Aber denke übrigens nie, lieber Pharez. Ich will den Mann ſprechen.“ Der Tatar trat ein. „Nun, woher kommſt Du?“ — Von Moſul. Der Gouverneur befahl mir, den Kalifen zu ſprechen, aber ſonſt Niemand, und Euer Hoheit zu ſagen, daß in dem Augenblicke, wo die Wachtfeuer auf den Bergen das Feſt des Neumondes ankündigten, der ſchändliche Rebell Abidan das Banner Juda's in der Pro⸗ vinz aufgepflanzt und Krieg gegen Eure Majeſtät erklärt habe.— „Iſt er ſtark?“ — Die königlichen Truppen müſſen ſich in der Feſtung halten.— „Ich weiß genug. Eile gleich wieder zurück. Es wird einige Unruhe geben... Haſt Du Honain gerufen?“ — Ich that es.— „Sieh zu, daß der Bote gehörig bedient werde, und Pharez... hörſt Du, laß Niemand mit ihnen ſprechen. Du verſtehſt mich?“ — Eure Hoheit können ganz ruhig ſein.— „Abidan wieder zu Kräften! Dieſes mal ſoll er nicht ſo gut durchkommen. Ich muß Scherirah ſprechen. Ich fürchte ſehr, daß... Was iſt das wieder? Noch mehr Neuigkeiten!“ Ein dritter Tatar trat ein. „Dieſer Tatar, Eure Hoheit, kommt von der ſyriſchen Gränze.“ — Ohnſtreitig ungünſtiger Wind. Sprich.— 16 242 „Herr, verzeiht! ich bringe ſehr traurige Nachrichten.“ — Heraus mit den ſchlimmſten!— „Ich komme von Medad.“ — Nun, hat er auch rebellirt? Es ſcheint ein an⸗ ſteckendes Fieber zu ſein.— „O nein, erhabner Herr, Medad hat keinen andern Gedanken, als Euern Ruhm. Ach! er hat ihn jetzt nur gegen furchtbare Gefahren zu beſchützen. Er hat mir an⸗ befohlen, nur den Kalifen zu ſprechen, ſonſt aber Niemand, und Eurer Hoheit zu ſagen, daß in dem Augenblicke, wo die Wachtfeuer das Feſt des Neumondes auf dem Libanon verkündeten, der Sultan von Rum und der vormalige ara⸗ biſche Kalif die Standarte ihres Propheten vor ihrem Heere aufrollten, und jetzt gen Bagdad ziehen.“ — Die Verſchwörung iſt offenbar! Iſt Honain da? Laß die Weſſire augenblicklich zu einem Rathe zuſammen⸗ kommen. Die Welt iſt gegen mich aufgeſtanden. Wohl! Ich bin des Friedens müde. Sie ſollen mich nicht ſchlafend finden!— „Ihr ſeht,“ ſagte Alroy, ehe der Rath ſich trennte, „daß wir ſie einzeln angreifen müſſen. Daran iſt kein Zweifel. Stoßen ſie zuſammen, ſo wird die Gefahr für uns viel größer. Vereinzelt müſſen wir ſie alſo zerſtreuen. Ich ſelbſt ziehe nach Perſien. Ithamar muß ſich zwiſchen den Sultan und Abidan werfen, Medad ſich auf Ithamar zu⸗ rückziehen. Scherirah ſoll die Hauptſtadt bewachen. Honain, Du biſt Regent. Und ſomit lebt wohl. Noch in dieſer Nacht breche ich auf. Muth, Ihr braven Gefährten! Dieß iſt ein Ungewitter, aber viele Zedern überleben den Blitz⸗ ſtrahl.“ Der Rath trennte ſich. „Theurer Scherirah,“ ſagte der Kalif zu dieſem,„warte noch. 3 polt, imdenn und Scherir enziges ver — Her dber das B „Das i zurüähalten ſprechen. 3 — Ich „Ja, ih ihm aud zu nahe b dann werde haben!“ — Hel Scheritah i .,. leihet u Alroy weggegeben auf meinen nicht. Ich welcher me wie Scher dann wohl deſſen ſcho „Wel ſirnig m nur gefol was vorg Nachrichen.“ ſcheint en an— keinen andern ihn jetzt nur hat mir an⸗ aber Niemand, eenblicke, wo dem Libanon vormalige ara⸗ or ihrem Heere ſt Honain da athe zuſammen⸗ anden. Wohll nicht ſchlafend — th ſich trennte, Daran iſt kein Gefahr für uns zerttreuen. Ic ch zwiſchen den uf Ithamar zu⸗ achen. Honain, Noch in dieſer gefährten! Diſ leben den Blit⸗ 1 dieſem,„ware 243 noch. Ich will allein mit Dir ſprechen. Honain, fuhr er fort, imdem er dem Großweſſir aus dem Saale nachging, und Scherirah allein ließ;„Honain, ich habe noch kein einziges vertrautes Wort mit Dir geredet. Was denkſt Du von alle dem?“ — Herr! ich bin auf das Schlimmſte gefaßt, hoffe aber das Beſte.— „Das iſt weiſe. Wenn Abner nur dieſen Chovaresmier zurückhalten könnte! Ich will eben mit Scherirah allein ſprechen. Ich hege großen Verdacht gegen ihn.“ — Ich ſtehe für... ſeinen Verrath.— „Ja, ja, ich hege großen Verdacht. Deshalb gebe ich ihm auch kein Commando. Ich möchte ihn nicht gern zu nahe bei ſeinem vormaligen Gefährten ſehen. Aber dann werden wir Rebellen als Beſatzung in der Stadt haben!“ Scherirah iſt ein tapferer Heerführer, ein ſehr tapferer, aber ... leihet mir Euern Siegelring. Ich bitte Euch, Herr!— Alroy ward blaß.„Nein, nein, ich habe ihn einmal weggegeben und nun nie wieder. Du haſt da eine Saite berührt, die mich ſehr traurig macht. Ich habe eine Laſt auf meinem Gewiſſen... wie, oder was, das weiß ich nicht. Ich bin unſchuldig jedoch. Du weißt, Honain, daß ich unſchuldig bin.“ — Einſtehen will ich für Euer Hoheit. Der Mann, welcher menſchliche Milde genug beſitzt, um eines Weſens wie Scherirah zu ſchonen, wenn es ihm im Wege ſteht, kann wohl den Glauben verdienen, daß er mit edlerer Gnade deſſen ſchonte, der weit beſſer war als dieſer.— „Wehe mir! Solch' ein Gedanke könnte mich wahn⸗ ſinnig machen. Warum iſt er nicht hier? Hätte ich ihm nur gefolgt... ſtill! ſtill! Geh zur Königin und ſage ihr, was vorgefallen iſt. Ich gehe zu Scherirah.“ 16* — Herr, es iſt jetzt keine Zeit dazu, leis aufzutreten. 244 Der Kalif kam zurück.— Für „Verzeihe mir, wackerer Scherirah! In ſolchen Augen⸗ſhe, wie ich, blicken müſſen meine Freunde ſchon Nachſicht haben.“ ind keine S — CEuer Hoheit nimmt allzu viele Rückſicht.— und werden „Du ſiehſt, Scherirah, woher der Wind weht. Es giebt„Schön! viel zu thun, tapferes Gemüth! Ich bedarf eines treuen,] üil ich noch! zuverläſſigen Freundes, in deſſen Buſen ich alles ausſchütten Tuppen vert kann, was mich bedrängt. Ich war anfangs geſonnen, Dich dine Legion gegen Arslan zu ſenden, aber es iſt vielleicht beſſer, wenn Uir verdanken ich ſelbſt gehe. Dieß ſind Augenblicke, wo man nicht ſchei⸗— Icht nen muß, ſich vor etwas zu ſcheuen, und doch weiß man! girs möglit nicht, wie der Ausgang ſich zeigen kann... Ein Unfallſöhen?— und die Stadt nebſt der Umgegend erhebt ſich vielleicht!„‚FSie ſin gegen uns, und dieſe falſchen Muſelmänner werden uns an ſoeſfſt he untreu. Deshalb ſollte ich hier bleiben, laſſe ich aber dn ganz unte Scherirah hier, iſt's ſo gut als ob ich's ſelbſt wäre. Das e wi ſcheid fühle ich tief und das iſt ein Troſt für mich. Es könnte gſere zertrün kommen, daß ich mich auf die Stadt zurückziehen müßte. Bereite Dich darauf vor, Scherirah. Laß mich im Rücken treue, hülfreiche Freunde finden. Ich übergebe Dir einen Alroy tr wichtigen Platz. Sei würdig meines Vertrauens. Ja, Du ales?“ wirſt es ſein, das weiß ich.“ Sie ſpr — Cuer Hoheit kann verſichert ſein, daß ich keinen aaen. andern Gedanken hege, als für Euer Wohl, Euern Ruhm. Fürchte Zweifelt nicht an meiner Ergebenheit, Herr. Ich bin keiner gſbehen. G jener ſüßſchwatzenden Jünglinge, voll ihrer eigenen Thaten ſel von ib und Lippenweisheit, aber ich habe ein Leben, das Euerm on den ne Dienſte geweiht und bereit iſt, zu jeder Zeit jeder Gefahr arn nicht entgegenzutreten.— atprießen.“ „Das weiß ich, Scherirah, ich weiß es und fühle es— tief. Was meinſt Du von allen dieſen Bewegungen?“ wieg! Ich — Sie ſind nicht übel berechnet und doch zweifle ich„Das nicht, daß Euer Majeſtät über alle ſiegen wird.— Wi ſcheide „Glaubſt Du, daß das Heer gut geſinnt ſei?“ i uſſere e ſolchen Augen ht haben.“ cſicht.— veht. Es gie ef eines treuen ales auscchütte geſonnen, Did ht beſer, vem man nicht ſchet doch weiß maf ... Ein Unfal öt ſich vielleic ner werden und „laſſe ich abe Abſt wäre. Da lich. Es könnt ückiehen müßte mich im Rückn rgebe Dir eine auens. Ja, d daß ich keinen I, Euern Ruhm . Ich bin keiner eigenen Thabe ben, das Euem eit jeder Gefoht es und fühle e wegungen?“ Hdoch zweifle i wird.— unt ſei?“ 245 — Für meine Krieger ſtehe ich. Es ſind rauhe Bur⸗ ſchen, wie ich, vielleicht ein wenig allzuplump, Hoheit. Wir ſind keine Staatspuppen, aber wir kennen unſere Pflicht und werden ſie erfüllen.— „Schön! weiter brauche ich nichts. Che ich fortgehe, will ich noch Heerſchau halten. Laß ein Geſchenk unter die Truppen vertheilen und... faſt hätte ich's vergeſſen, daß Deine Legion künftig die Legion von Syrien heißen ſoll. Wir verdanken unſere ſchönſte Provinz ihren Waffen.“ — Ich werde ihnen Euer Hoheit Wunſch mittheilen. Wär's möglich, ſo würde dieß ihre Ergebenheit noch er⸗ höhen?—* „Sie ſind meine Kinder, gehören mir alſo ganz an. Du ſpeiſeſt heut mit mir im Serail, Scherirah. Wir wer⸗ den ganz unter uns ſein. Laß uns noch zuſammen trinken, ehe wir ſcheiden. Wir ſind ja alte Freunde! Du haſt doch unſere zertrümmerte Stadt nicht vergeſſen?“ 4. Alroy trat in Schirin's Gemach.„Geliebte, weißt Du alles?“ Sie ſprang auf und ſchlang ihre Arme um ſeinen Nacken. Fürchte nichts, mein Leben. Unſ'rer Königin ſoll nichts geſchehen. Es wird alles ſchnell beendet ſein. Zwei Dritt⸗ theile von ihnen ſind ſchon früher geſchlagen worden, und was den neuen Kämpfer betrifft, ſo dürfen unſere Lor⸗ beeren nicht welken; und aus ſeinem Blute ſollen uns neue entſprießen.“ — O mein theurer Alroy, zieh nicht ſelbſt in den Krieg! Ich beſchwöre Dich. Kann nicht Asriel ſiegen?— „Das ſoll er auch... aber in meiner Begleitung. Wir ſcheiden nur auf einige Zeit... auf kurze nur. Es iſt unſere erſte Trennung; möchte es unſere letzte ſein!“ 246 — O nein, nein! o ſprich nicht von Trennung.— „Die Heere ſtehen unter den Waffen; der Anbruch des nächſten Morgens ſoll meine Trompeten hören. — Nein, ich verlaſſe Dich nicht! Was hat denn Schi⸗ rin noch zu thun, ohne Alroy? Haſt Du mir nicht oft ge⸗ ſagt, daß ich Deine Begeiſterung ſei? Und darf ich Dir da fehlen in der Stunde der Gefahr? Nein, ich verlaſſe Dich nie!— „Du bleibſt meinen Gedanken, meiner Seele ſtets gegen⸗ wärtig. Im Schlachtgewühl werde ich der Geliebten ge⸗ denken, für die allein ich ja ſiege.“ — Nein, nein, ich gehe mit Dir; ich muß mit Dir gehen, Alroy. Ich will Dir kein Hinderniß machen, mein Geliebter, nein, gewiß nicht. Ich habe kein Gefolge, nicht einmal eine einzige Dienerin. Glaube mir, ich weiß, wie das echte Weib eines Kriegers ſich benehmen muß. Ich will Dich bewachen, wenn Du ſchläfſt, Dich verbinden, wenn Du verwundet biſt, und wenn Du in die Schlacht gehſt, will ich Dir das Schwert gürten um die kriegeriſche Hüfte und mit Siegesküſſen Dir Victoria zuflüſtern.— „O meine Schirin, in Deinen Augen liegt ſchon Sieg. Wir ſchlagen ſie, mein geliebtes Weib.“ — Abidan, doppelt falſcher Abidan, o, warum mußteſt Du nicht doppelt ſterben?“ Hal die unſelige Prophetin ſagte, ehe ſie ſtarb, dieſe Ereigniſſe zuvor und ſpielte an auf ſeinen künftigen Verrath.— „Denk' nicht an ihn.“ — Und der Chovaresmier... glaubſt Du, daß er ſehr ſtark ſei?“ „Stark genug für unſern Ruhm. Er iſt ein mächtiger Krieger. Ich hoffe, daß Abner uns nicht unſern Sieg über ihn rauben wird.“ — Wenn Du nur ſeegſt, ſo iſt's mir gleich durch weſſen Schwert. Gehſt Du denn wirklich morgen?— 1 6 ——‿—‿z½g ulig vorbe giternacht oager zur bißt Du e äht:— „Ganz — Ver dht Asriel wIr⸗ — Da⸗ doch etwas fen.— „Thu mein Gema inem Kuſſe Der K ber mit A ab ſchritt, „Wer — B „Ich Todesſtrei⸗ Königin Schriſten unter de Schicke d Medad a lich geth ennung.— Anbruch des n. at denn Sthi⸗ richt iſt g⸗ uf ich Dir da verlaſſe dic Ae ſtets gegen⸗ Geliebten ge⸗ muß mit Dir machen, mein Gefolge, nicht ich weiß, wie muß. Ich will binden, wenn schl h o 1 Schlacht gehſt, xgeriſche Hüfte gt ſchon Sieg. varum mußteſt ige Prophetin und ſpielte an du, daß er ſehr ein mächtiger ſern Sieg über Hdurch weſſen n. „Mit Tagesanbruch. Ich bitte Dich, bleib, meine Süße!“ — Nein, nein! Ich verlaſſe Dich nicht. Ich bin ſchon völlig vorbereitet. Mit Tagesanbruch alſo? Es iſt bald Mitternacht. Ich will mich nur ein Weilchen auf dieſes Lager zur Ruhe legen und dann in meiner Sänfte reiſen. Weißt Du es auch gewiß, daß Alp Arslan ſelbſt im Felde ſteht?— „Ganz gewiß, meine Holde.“ — Verflucht ſei ſeine Krone! Wir wollen ſie erobern. Geht Asriel mit uns?— „Jd.“ — Das iſt gut. Alſo mit Tagesanbruch. Ich bin doch etwas müde. Ich glaube, ich werde recht ſanft ſchla⸗ fen.— „Thu' das, mein geliebtes Herz. Ich gehe jetzt in mein Gemach und bei Tagesanbruch wecke ich Dich mit einem Kuſſe.“ 5. Der Kalif begab ſich in ſein Gemach, wo ſeine Schrei⸗ ber mit Arbeiten beſchäftigt waren. Während er auf und ab ſchritt, dictirte er ihnen die nothwendigen Inſtructionen. „Wer befehligt die Wache?“ — Benajah, Herr.— „Ich beſinne mich auf ihn. Er rettete mich vor einem Todesſtreiche am Tigris. Dieß iſt etwas für ihn. Die Königin begleitet uns. Ihm ſei ſie anvertraut. Dieſe Schriften dem Weſſir. Mit Tagesanbruch ſoll das Heer unter den Waffen ſtehen. Dieſer Tagesbefehl für Asriel. Schicke dieſes ſogleich nach Hamadan. Iſt der Tatar an Medad abgeſendet? Gut. Du haſt Deine Schuldigkeit red⸗ lich gethan. Nun zur Ruhe. Pharez!“ — Herrl— 248 „Ich will heute Nacht nicht ſchlafen. Gieb mir zu trinken. Geh zur Ruhe, guter Junge. Ich bedarf weiter nichts. Gute Nacht.“ — Gute Nacht, mein gnädiger Herr!— „Ich will mich ſammeln. Bin ich doch endlich allein. Ich bin ruhig, aber mein Geiſt iſt nicht heiter. Nicht bin ich, was ich war. Wer hätte vor vier und zwanzig Stun⸗ den ſich alles das träumen laſſen? Alles wieder auf dem Spiele! Noch einmal in's Feld, zum Kampfe für Reich und Daſein! Ich vermiſſe den kräftigen Geiſt meiner frühern Zeit. Ich bin nicht, was ich war. Ich habe wenig Ver⸗ trauen. Alles um mich her ſcheint ſich verändert zu haben und träge und maſchinenartig geworden zu ſein. Wo ſind dieſe glühenden Augen, dieſe Sieg verkündenden Mienen, die ich am Abend vor einer Schlacht um mich her ſah, um mich, den Auserwählten des Herrn? Ich ſehe keine ſol⸗ chen mehr. Verändert ſind ſie ſo wie ich es bin. Ha! dieſer Abidan war ein Heer, und nun ſicht er gegen mich. Sie ſprach von der Prophetin. Ich erinnere mich, daß dieſes Weib die erregende Trompete unſerer Schaaren war, und wo iſt ſie jetzt? Ein Opfer meiner Gerechtigkeit! Und wo iſt Er, der weit Mächtigere, der Freund, der Rathgeber, der ſtete Führer, der Lehrer meiner Kindheit, der feſte, gütige, treue Wächter meiner ganzen glänzenden Laufbahn, deſſen Tage und Nächte nur damit beſchäftigt waren, mir Ruhm zu erwerben! Ach! ich komme mir eher vor wie ein verurtheilter, verzweifelnder Abtrünniger, als wie ein junger Held am Vorabende der Schlacht, von dem Andenken an ſtete Siege durchglüht! „Ha! was für eine ehrwürdige Geſtalt ſteigt dort aus der Erde Schooß vor mir auf? Du mußt Jemand ſein, den ich nicht zu nennen wage und doch will— das Eben⸗ bild Jabaſtor's! Hinweg! Warum ſiehſt Du mich ſo zürnend an? Ich erſchlug Dich nicht! Träume ich oder wache ich? „Es ver Nein Muth ſerben. E⸗ die Stimme Nehawend! Geiſt, ob ich habe ich den Hal was wo Ein fürd von einem ſe der Gemäche vankten. „Ein C de Erde ſich Oat es Dich Jeiten.“ — Cue „Und 2 luſtig ſein? da! dieſer ſ ſttagen, P nagen, viele — Her ieb wir zu darf weiter dlich allein. Nicht bin enzig Stun⸗ er auf dem Reich und der frühern wenig Ver⸗ tt zu haben . Vo ſind en Mienen, c her ſah, e keine ſol⸗ Hal dieſer mich. Sie daß dieſes war, und t! Und wo Nathgeber, „der feſte, Laufbahn, varen, mir vor wie ein ein junger ndenken an öt dort aus mand ſein, das Eben⸗ ſo zürnend wache ich? 249 Ich ſehe ihn! Ja, ich ſehe Dich! Aber ich fürchte Dich nicht, ich fürchte nichts! Ich bin Alroy. „Sprich! Ich beſchwöre Dich, erhabene Erſcheinung, ſprich! Bei der Erinnerung an die Vergangenheit, ob es gleich Wahnſinn iſt, ſo beſchwöre ich Dich doch, laß mich wieder die Laute hören aus meiner Kindheit!“ „„Alroy, Alroy, Alroy!““ „Ich höre Dir zu, wie der letzten Poſaune.“ „„Finde mich auf der Ebene von Neha⸗ wend.““ „Es iſt fort! „Es verſchwand. Gott meiner Väter, es war Jabaſtor! Mein Muth iſt gelähmt! Niederlegen könnte ich mich und ſterben. Es war Jabaſtor! Noch ſchallt wie ferner Donner die Stimme in mein Ohr: Finde mich auf der Ebene von Nehawend! O! ich werde Dich nicht verfehlen dort, edler Geiſt, ob ich gleich meinem Urtheile entgegen gehe. Jabaſtor! Habe ich denn Jabaſtor wirklich geſehen? Ja, ich ſahe ihn! Ha! was war das?“ Ein fürchterlicher Donnerſchlag krachte über dem Palaſte, von einem ſonderbar gellenden Tone gefolgt, der aus einem der Gemächer zu kommen ſchien. Die Mauern des Serails wankten. „Ein Erdbeben!“ rief Alroy aus.„O! wenn doch die Erde ſich öffnete und Alles verſchlänge! Ha, Pharez! Hat es Dich aufgeweckt? Pharez, wir leben in merkwürdigen Zeiten.“ — Euer Hoheit iſt ſehr bleich.— „Und Du auch, mein Sohn. Sollte ich denn etwa luſtig ſein? Bleich! o, wir können wohl bleich ausſehen! Hal dieſer ſchreckliche Ton noch einmal! Ich kann es nicht ertragen, Pharez, ich kann es nicht. Vieles habe ich er⸗ tragen, vieles, aber dies kann ich nicht.“ — Herr, es iſt im Zeughauſe.— 250 „Lauf und ſieh! Doch nein, ich will nicht allein ſein. Wo iſt Benajah? Laß ihn gehen. Bleibe hier, Pharez, bleibe bei mir. Pharez führte den Kalifen zu einem Ruhebette, auf welches ſich Alroy bleich und zitternd legte. Ein paar Mi⸗ nuten darauf fragte er, ob Benajah noch nicht zurückge⸗ kehrt ſei. — Er kommt ſo ehen, Herr!— „Gut. Was gab es?“ — Herr! einen höchſt traurigen Zufall. Als der Don⸗ ner über dem Palaſte erſcholl, fiel die heilige Standarte von dem Orte, wo ſie aufbewahrt wird und zerſplitterte in tauſend Stücke. Und ſonderbar, nirgends kann man das Scepter Salomo's finden! Keine Spur davon!— „Sagt nichts von dem, was vorgefallen, wenn Ihr mich liebt, Kinder! Laßt Niemand in das Zeughaus. Ver⸗ laß mich, Benajah. Du auch, Pharez.“ Sie entfernten ſich. Alroy wartete auf ihr Fortgehen mit Blicken unausſprechlicher Angſt. Kaum waren ſie ver⸗ ſchwunden, als er dem Ruhebette zuſtürzte, ſich auf die Kniee niederwarf, das Geſicht mit beiden Händen bedeckte, in einen Strom heißer Thränen ausbrach und rief:—„O Herr, mein Gott! ich habe Dich verlaſſen und jetzt haſt Du mich verlaſſen!“ 6. Endlich ſchlich ſich der Schlaf zu den Sinnen des er⸗ ſchöpften und zerrütteten Kalifen. Er warf ſich auf den Divan und fiel bald in einen tiefen Schlummer. Er träumte. Aus dem Gemache, in welchem er ruhte, gelangte man durch einen hohen und weiten, mit einem jetzt zurückge⸗ zogenen Vorhange bedeckten Bogen in einen unermeßlichen Saal. Plötzlich erſchien dieſer Audienzſaal hell erleuchtet. Er ſprang von ſeinem Lager auf, ſchritt vor— und ge⸗ wahrte m deß der ſreclich Rieſige un ds Saale freckten A Am Ende von Prieſt Alroy ſcho ſih in i Salomo, den König Die eines Kind weiflungs lehnte und loſen Geſt pprochen. die leiſeſte Erſcheinun Plöt ein Zug. Geſtalten als ſie v Lebhaftigk unterbrach auf Harfe auch nur Dieſ mal rund auf dem Und Siegel t in lichte allein ſein. , Pharez, ldant M⸗ it zurichge 3 der Don⸗ „Standarte ſplitterte in in man das wenn Ihr haus. Ver⸗ Fortgehen ren ſie ver⸗ ich auf die den bedecke, rief:—„O ett haft Du nen des er⸗ ich auf den Er träumte. elangte man etzt zurückge⸗ nermeßlichen exleuchtet. — und ge⸗ 251 wahrte mit dem Schauder der Furcht und der Neugier, daß der ganze Saal mit Weſen angefüllt war, allerdings ſchrecklich anzuſehen, aber beſonders für ihn noch ſchrecklicher. Rieſige und myſteriöſe Geſtalten, welche an den Wänden des Saales ſich hinzogen, und von denen jede im ausge⸗ ſtreckten Arme eine Fackel hielt, erkannte er furchtbare Geiſter. Am Ende des Saales ſaß auf einem prachtvollen Throne, von Prieſtern und Höflingen umgeben, ein Monarch, den Alroy ſchon einmal erblickt hatte, Salomo der Große! Alroy ſah ihn in Stellung und Aehnlichkeit wieder als denſelben Salomo, deſſen Scepter der„Fürſt der Gefangenſchaft“ in den Königsgräbern von Judäa erfaßt hatte. Die wundervolle Verſammlung ſchien die Gegenwart eines Kindes der Erde nicht zu gewahren, das mit ver⸗ zweiflungsvollem Muthe an einer Säule des Bogeneinganges lehnte und voll Verwunderung auf die ſtummen, regungs⸗ loſen Geſtalten ſtarrte. Nichts ward gethan, nichts ge⸗ ſprochen. Keiner bewegte ſich, nicht Einer ſchien ſelbſt durch die leiſeſte Regung anzudeuten, daß er ſich einer andern Erſcheinung bewußt, als ſeiner eignen. Plötzlich erhob ſich aus dem Boden, dicht vor Alroy, ein Zug. Krieger mit mächtigen Waffen und ehrwürdige Geſtalten in weiten Gewändern und langen Bärten. Und als ſie vorüber ſchritten, gaben ſie doch, ohnerachtet der Lebhaftigkeit ihrer Bewegungen, keinen Ton von ſich, noch unterbrachen die Muſiker, von denen eine große Schaar auf Harfen und Pſaltern, Zimbeln und Hörnern ſpielten, auch nur im mindeſten das gewaltige Schweigen. Dieſer große Zug, der immer ſich erneute, ging drei⸗ mal rund um den Saal her, verbeugte ſich vor Dem, der auf dem Throne ſaß und ſtellte ſich in Ordnung auf. Und nun traten zwölf Geſtalten ein, welche ein großes Siegel trugen. Der grüne Stein und die eingegrabenen, in lichten Flammen ſtrahlenden Charaktere waren dieſelben, 252 wie auf dem Talisman Jabaſtor's, den Alroy noch auf dem Herzen trug. Und die zwölf Geſtalten legten das große Siegel vor Salomo nieder und beugten ſich demüthig, und der König beugte ſich auch. In demſelben Augenblicke fühlte Alroy einen Schmerz am Herzen. Sogleich fühlte er nach der leidenden Stelle. Ach! der Talisman, den der Dolch Eſther's getroffen hatte, zerfiel in Stücke. Der Zug hatte geendet. Eine einzelne Geſtalt ſchritt vor. Nur was er bis dahin geſehen, erlebt, hielt Alroy aufrecht, daß er nicht vor Jabaſtor's Schatten niederſank. Denn Dieſer war es. Er ſchritt vor, ein Scepter tragend. Er ſchritt vor und kniete vor dem Throne und bot das Scepter dar der erhabenen, gekrönten Erſcheinung. Und Salomo's Geſtalt ſtreckte den Arm aus und nahm das Scepter und augenblicklich verſchwand die ganze ungeheure Verſammlung! Alroy erwachte. Er ſprang auf und trat augenblick⸗ lich in den Saal, aber alles war finſter und ſtill. Eine Trompete erſcholl. Er erkannte den Schall ſeines Heeres. Schnell griff er hin nach dem Vorhange, ſchob dieſen bei Seite und erblickte den erſten Strahl des anbrechenden Tages. 7. Jetzt wieder auf dem Roſſe, wieder von ſeinen Legionen umgeben, ſeine Sinne wieder geſchmeichelt und entflammt von den wehenden Panieren und begeiſternden Trompeten, wieder ſich bewußt, daß die Macht noch in ſeinen Händen ſei, und des hohen Beweiſes, um den es ſich jetzt handele, bekam Alroy größtentheils ſeine gewöhnliche Geiſtesſtärke und Selbſtherrſchaft wieder. Mit dem erhöhten Nerven⸗ leben kehrte auch ſeine Kraft zurück und die Größe der drohenden Gefahr ſchien die Fruchtbarkeit ſeines Genius nur höher aufzuregen. varesm Perſien ſammeng m Sche ihm zu laſſen. So rund u 30,000 verweilt gönnen Gränze angriff ſchlug. jedoch meines Schlach ſtellte, ſten Si erwarte D zu ein überwi war ei geſchlo entſchi rend tet, a Hinten noih auf das grcße üthig, und liee fühlte te er nach der Dolch talt ſchritt elt Alroy diederſank. tragend. bot das ing. Und gahm das ungeheure rugenblick⸗ ill. Eine s Heeres. dieſen bei brechenden Legionen entflammt rompeten, n Händen t handele, eiſtesſtärke n Nerven⸗ Dröße der s Genius 253 In beſchleunigten Märſchen eilte er an der Spitze von 50,000 Mann nach Medien. Am Abende des zweiten Tages kamen neue Boten von Abner und meldeten, wie dieſer dem mächtigen, faſt zahlloſen Heere des Königs von Cho⸗ varesm nicht habe Widerſtand leiſten können und daher Perſien ganz geräumt und ſeine Truppen in Lariſtan zu⸗ ſammengezogen habe. Alroy ſendete nun ſogleich Befehle an Scherirah, mit ſeiner Heeresabtheilung unverweilt zu ihm zu ſtoßen und die Hauptſtadt ihrem Schickſale zu über⸗ laſſen. So überſchritten ſie denn wieder die Gebirge von Ker⸗ rund und ſtießen mit Abner und der mediſchen Armee, 30,000 Mann ſtark, am Fluſſe Abeah zuſammen. Hier verweilte Alroy eine Nacht, um ſeinen Truppen Ruhe zu gönnen und rückte am folgenden Morgen an die perſiſche Gränze vor, wo er unerwartet die Vorpoſten Alp Arslan's angriff und ſie mit großem Verluſte in dieſe Provinz zurück⸗ ſchlug. Die Heeresmacht des Königs von Chovaresm war jedoch ſo beträchtlich, daß ſich der Kalif auf kein allge⸗ meines Gefecht einlaſſen wollte, ſich daher zurückzog und in Schlachtordnung ohnweit der Ebene von Nehawend auf⸗ ſtellte, dem Schauplatze eines ſeiner früheſten und glänzend⸗ ſten Siege, wo er die ſtündlich gehoffte Ankunft Scherirah's erwartete. Der König von Chovaresm jedoch, der die Sache ſchnell zu einer Entſcheidung bringen wollte und ſich auf ſeine überwiegende Macht verließ, rückte auf der Stelle vor. Es war einleuchtend, daß in zwei bis drei Tagen eine Schlacht geſchlagen werden mußte, welche das Schickſal des Orients entſchied. Am Morgen nach ihrer Ankunft bei Nehawend, wäh⸗ rend der Kalif, nur von einigen wenigen Offizieren beglei⸗ tet, auf die Jagd geritten war, ward er plötzlich aus einem Hinterhalte von Chovaresmiern angegriffen. Alroy und 254 ſeine Gefährten vertheidigten ſich ſo verzweiflungsvoll, daß ſie endlich die Angreifenden zurückſchlugen, ob dieſe ihnen gleich dreifach an Zahl überlegen waren. Als der An⸗ führer der Chovaresmier ſich zurückzog, ſchoß er einen Pfeil auf den Kalifen ab, der dieſen getödtet hätte, wenn ſich nicht ein junger Ofſizier der Leibwache dazwiſchen geworfen und das Geſchoß mit ſeiner eigenen Bruſt aufgefangen hätte. Jener Hinterhalt eilte darauf in vollſter Unordnung in's Lager zurück, Alroy ſelbſt aber geleitete das ſterbende Opfer unwandelbarer Treue und kriegeriſchen Enthuſiasmus in ſein Zelt. Dort ward der heftig blutende Krieger auf das könig⸗ liche Feldbett gelegt. Der geſchickteſte Wundarzt ward her⸗ beigerufen, ſchüttelte aber, nachdem er die Wunde unterſucht hatte, das Haupt. Der ſterbende Krieger fühlte ſeine hoff⸗ nungsloſe Lage ſelbſt. Nur dadurch, daß man den Pfeil aus der Wunde zog, konnte ſein Todeskampf erleichtert, mußte aber zugleich der unmittelbare Tod herbeigeführt werden. Er wünſchte daher mit ſeinem Fürſten allein zu bleiben. „Herr,“ ſagte er da,„ich muß ſterben und ſterbe ohne Klage. Immer habe ich es für den rühmlichſten Tod ge⸗ halten, in Deinem Dienſte zu ſterben. Das Schickſal hat mir dies vergönnt; und ward mir der Tod nicht auf dem Schlachtfelde ſelbſt zu Theil, ſo tröſtet mich doch dies, daß mein Tod das theuerſte aller Leben gerettet hat. O Herr! ich habe eine Schweſter.“ — Erſchöpfe Dich nicht, theurer Freund, indem Du mir ſie nennſt. Sei überzeugt, daß ich Alle, welche Dir angehören, als die Meinigen betrachten werde.— „Daran zweifle ich nicht. O! hätte ich tauſend Leben für einen ſolchen Gebieter hinzugeben! Aber ich habe eine Bürde auf meinem Gewiſſen und kann nicht ſterben in Frie⸗ den, bis ich ſie Dir kund gemacht.“ Denn l Wurfſpie groß. 4 weiter! „S „8 König i ſage mit D 4 fehle m Honain. Er weh gefeſſelt Was ko ſie ſich nigen. vergeſſe geſproc davon mich e mir e tigere Pvoll, daß diſe ihnen l der An⸗ einen gfeil in ſih richt worfen und angen hätt. rdnung ins bende Opfer ſiasmus in dus könig⸗ —t ward her⸗ de unterſucht e ſeine hof⸗ an den Pfeil f erleichtelt herbeigeführt ten allein zu ſterbe ohne ſten Tod ge⸗ Schickſal hat icht auf dem och dies, daß nt. O Herr! , indem du „welche dir auſend Leben ich habe eine eben in Jrie⸗ 255 Sprich offen. Haſt Du Jemand gekränkt, und Alroy's Macht und Vermögen reichen hin, Deinen getrübten Sinn zu erleichtern, ſo wird er dieſe nicht ſchonen, jenes zu thun. Sei deſſen verſichert.— „Edler Herr! großmüthiger Kalif! ich muß kurz ſein. Denn ob ich gleich noch ſo lange leben kann, als dieſer Wurfſpieß in der Wunde bleibt, iſt doch meine Erſchöpfung groß. Herr! die That, von welcher ich ſprach, betrifft Dich.“ — Wie?— „Ich hatte die Wache, als Jabaſtor ſtarb.“ — Mächte des Himmels! Ich bin ganz Ohr. Sprich weiter!— „Sie ſagen, er habe ſich ſelbſt erdroſſelt?“ — Ja, ſo ſagte man mir ſtets.— „Du biſt unſchuldig. Ich danke meinem Gott, mein König iſt unſchuldig!“ — Sei deſſen verſichert, bei Israel's Hoffnung. Aber ſage mir Alles, ich bitte Dich.— „Die Königin kam mit dem Siegelringe. Solchem Be⸗ fehle mußte ich nachgeben. Sie trat ein und hinter ihr Honain. Ich vernahm lautes Geſpräch, Jabaſtor's Stimme. Er wehrte ſich, aber ſeine kräftige Geſtalt, verwundet und gefeſſelt, konnte doch nicht widerſtehen. Wehe, wehe, Herr! Was konnte ich thun wider ſolche Gegner? Verſtohlen ſchlichen ſie ſich aus dem Gemache. Ihre Blicke begegneten den mei⸗ nigen. Nie werde ich dieſes blutgierige, gleißende Geſicht vergeſſen. — Du haſt nie über dieſes traurige Ende mit Jemand geſprochen?— „Mit Niemand, Herr! Und warum ich auch jetzt noch davon rede, kann ich nicht ſagen, es müßte denn ſein, daß mich eine innere Eingebung dazu anzutreiben ſcheint, und mir es bedünkt, als ob die, ſo dieſes thaten, auch noch blu⸗ tigere Werke vollbringen könnten, wenn's deren gäbe. 256 — Du haſt mir allen Frieden, alle Hoffnung auf Frie⸗ den geraubt— und doch danke ich Dir. Jetzt weiß ich, was das Leben werth iſt. Ich habe nie gern an einen ſolchen furchtbaren Tag gedacht, und ob ich gleich manchmal von heimlicher That geträumt, ſo war die ſchlimmſte doch noch unſchuldsvoll gegen das, was Du mir berichtet.— „Es iſt geſchehen, und ich bitte Dich jetzt, Dein Ge⸗ heimniß dadurch vollkommen zu ſichern, daß Du aus meiner matten Bruſt dieſen Wurſſpieß zieheſt.“ — Treues Herz, das iſt ein trauriger Dienſt.— „Ich werde freudig ſterben, wenn Du ihn ſelbſt voll⸗ bringſt.“ — Es iſt geſchehen.— „Gott erhalte Alroy!“ 8. Während Alroy, in Gedanken verſenkt, vor dem Leich⸗ name ſtand, erhob ſich ein Trompetengeſchmetter und ein Eunuch kündigte, in's Zelt tretend, Schirin's Ankunft von Kerrund her an. Gleich darauf trat die Fürſtin, nachdem ſie aus ihrer Sänfte geſtiegen, ebenfalls in das Zelt. Alroy zog ſein Obergewand aus und legte es auf den Leichnam. „Mein Geliebter!“ rief die Fürſtin, indem ſie zu dem Kalifen eilte;„ich vernahm Alles. Sei meinetwegen außer Sorge. Ich kann einen Leichnam ſehen. Bin ich doch eines Helden Gattin. Ich bin an Blut gewöhnt.“ — Ach! ach!— „Warum biſt Du ſo bleich? Du giebſt mir keinen Kuß! Hat Dich dieſer Mann ſo erſchüttert? Es iſt ein trauriger Fall, aber morgen kann Tauſenden ein gleiches ſchreckliches Schickſal beſchieden ſein. Wie? Du zitterſt! O, Du ſanftes Gemüth! Der Tod dieſes Einzelnen, eines treuen, edlen Herzens, hat meinen Alroy ſo heftig angegriffen! Und doch biſt Du an Schlachten gewöhnt. O nein! Das iſt zu weit gerieben. Wie? nich dir zuglei Sie nur kühl bette. Da ein und t „Dieſe Bleibe hier ließ er ſie. Er ve Beklemmun ihre Liebe, dervolle Ge fühlte, daß ben hange, fir ihn kein Ebbe und Er verſcheu Gutem und unveränder dächtniſſe So kehrte der in das ſchloß er ſi und flüſtert Es w der Kalif Ankommen einer Sti ch Jabaſta Glider be ung auf Frie⸗ edt weiß ich en an einen ch umämal limmſte dc richtet.— , Dein Ge⸗ N aus meiner uſt.— ſelbſt vol⸗ er dem Leich⸗ tter und ein Ankunft von in, nachdem Zelt. Alroy en Leichnam. n ſie zu dem wegen außer h doch eines keinen Kuß! ein traurier z ſchrecklihes „Du ſanftes reuen, edlen en! Und doch z iſt zu weit 257 getrieben. Biſt Du denn nicht froh, mich wiederzuſehen, Wie? nicht einmal ein Lächeln? Und ich komme, um mit Dir zugleich zu kämpfen. Ich muß einen Kuß haben!“ Sie ſchlang ſich um ſeinen Nacken. Alroy erwiederte nur kühl ihre Umarmung und führte ſie zu einem Ruhe⸗ bette. Dann klopfte er in die Hände; zwei Soldaten traten ein und trugen den Leichnam hinweg. „Dieſes Zelt iſt nun geeigneter für Dein Verweilen. Bleibe hier, ich komme gleich zurück.“ So ſprechend, ver⸗ ließ er ſie. Er verließ ſie, aber ihr gebeugter Blick voll ängſtlicher Beklemmung drang ihm durch's Herz. Er dachte an alle ihre Liebe, all' ihre Liebenswürdigkeit, er rief ſich die wun⸗ dervolle Geſchichte ihres Verhältniſſes in's Gedächtniß. Er fühlte, daß er für ſie, und nur allein für ſie, noch am Le⸗ ben hange, daß ohne ihre belebende Liebe ſelbſt der Sieg für ihn keinen Werth haben würde. Sein Geiſt wogte in Ebbe und Fluth der Leidenſchaft und Vernunft. Jene ſiegte. Er verſcheuchte aus ſeiner Seele alle Unterſcheidung von Gutem und Böſem; er beſchloß, geſchehe auch was da wolle, unveränderlich an ihr feſt zu halten, er riß aus ſeinem Ge⸗ dächtniſſe die Erinnerung der eben gehörten Entdeckung. So kehrte er mit einem von Liebe ſtrahlenden Geſichte wie⸗ der in das Zelt zurück. Da fand er ſie weinend. Innig ſchloß er ſie in ſeine Arme, bedeckte ſie mit tauſend Küſſen und flüſterte ihr zwiſchen jedem Kuſſe ſeine heiße Liebe zu. 9. Es war Mitternacht. Schirin ruhte in Alroy's Armen. Der Kalif war in Sorge und Unruhe wegen Scherirah's Ankommen nur eben kaum eingeſchlummert, als der Ton einer Stimme ihn wieder erweckte. Er blickte um ſich und ſah Jabaſtor's Geſpenſt. Das Haar ſträubte ſich ihm, ſeine Glieder bebten, ein kalter Schweiß überzog ihn, als er ſo 17 258 auf die furchtbare Geſtalt ſchaute, die nur zwei Schritte von ſeinem Lager ſtand. Bewußtlos ließ er die ſchöne Bürde aus ſeinen Armen gleiten, erhob ſich vom Ruhebette und beugte ſich vorwärts. „Alroy, Alroy, Alroy!“ — Hier bin ich.— „Morgen iſt Israel gerächt!“ — Was giebt es?— rief die Prinzeſſin, erwachend, aus. In der Verwirrung der Furcht vergaß Alroy ganz das Geſpenſt, wendete ſich zu ihr und legte ihr die Hand auf die Augen. Als er wieder um ſich blickte, war die Erſcheinung verſchwunden. „Was hatteſt Du denn, Alroy? — Nichts, meine Geliebte. Eines Kriegers Weib muß ſonderbare Anblicke ertragen lernen, doch wollte ich Dir einen erſparen. Einer meiner Leute vergaß, daß Du hier warſt, und ſtürzte in einem Zuſtande in das Zelt, der ſich für ein weibliches Auge nicht geziemt hätte. Ich muß fort, mein Leben. Ich will Deine Sklaven herbeirufen. Noch einen Kuß! Leb' wohl! doch nur auf kurze Zeit.— 10. „Morgen iſt Israel gerächt! Wie? in Chovaresmiſchem Blute! Ich habe kein Vertrauen darauf. Sey's denn. Alles iſt jetzt außer meiner Herrſchaft. Ein wildes Schickſal reißt mich mit ſich fort. Ich kann ſeinen Lauf nicht hemmen, noch leiten das Schiff. Weiter denn! Wer befehligt die Wache?“ — Benomi, Herr, Dein Knecht.— „Schickt zum Vicekönige. Beſcheidet ihn hierher zu mir. Wer iſt dies?“ — Ein Bote von Scherirah, der ſo eben angelangt iſt. Scherirah hat in vergangener Nacht die Gebirge von berund uü ſoßen. 7 „Ein ſoll hier i Brav, mei um wiede habt ſchon Das it ein werden dur — Go Dir.— „Darf inn einzeln ich kannte — Wo Sprich nur „Ich 1 det uns mo — Di „Das mann will — Sie Lager.— „Das Ihr wollt lleinen Hau whore von dr Sohnd — Gi Was eßt ih vollte, mei ichten. E Die drung ſtra Scritte von ſööne Vürde tuhebette und , erwachend, Alroy ganz ihr die Hand dte, war die *s Weib muß ollte ich Dir daß Du hier gelt, der ſic zch muß fort, irufen. Noch t.— vvaresmiſchem 3 denn. Alles Schickſal reißt ncht hemmen, befehligt die n hierher zu hen angelangt Gebirge don — 259 Kerrund überſchritten und wird mit Tagesanbruch zu Dir ſtoßen.— „Eine gute Nachricht. Hole mir Abner. Eile! Er ſoll hier meiner warten. Ich will indeß das Lager beſuchen. Brav, meine tapferen Genoſſen, Ihr ſeid hieher gekommen, um wieder mit Alroy zu ſiegen. Ich wette darauf, Ihr habt ſchon in der Ebene von Nehawend mit mir gefochten. Das iſt ein fruchtbarer Boden, und er ſoll noch fruchtbarer werden durch Chovaresmiſches Blut.“ — Gott erhalte unſern König! Unſer Leben gehört Dir.— „Darf ich Euch etwas ſagen, mein Hauptmann?“ rief ein einzelner Krieger.„Nehmt mir das nicht übel, aber ich kannte Euch ſchon, ehe Ihr Kalif wurdet.“ — Wackeres Herz, ich liebe ſolche Freimüthigkeit. Sprich nur getroſt.— „Ich wollte ſagen, daß ich doch hoffen will. Ihr wer⸗ det uns morgen ſelbſt anführen? Einige behaupten nein!“ — Die haben Unrecht.— „Das dachte ich mir gleich. O! für meinen Haupt⸗ mann will ich wohl immer ſtehen— aber die Königin!“ — Sie iſt ein ächtes Soldatenweib und lebt mit im Lager.— „Das iſt brav. Nun, ich ſagt's Euch ja, Kameraden. Ihr wollt mir's nur nicht glauben, aber ich kannte unſern kleinen Hauptmann lange ſchon vor Euch. Ich wohnte am Thore von Hamadan, mit Euer Hoheit Erlaubniß, und bin der Sohn des alten Schelomi.“ — Gieb mir Deine Hand— ein wahrer Freund! Was eßt ihr hier, Burſche? Laßt mich einmal koſten! Ich wollte, mein Koch könnte mir auch einen ſolchen Pillau zu⸗ richten. Er ſchmeckt vortrefflich.— Die Soldaten ſtellten ſich, mit Augen von Bewun⸗ derung ſtrahlend, um ihren Heerführer. Es war ein ſchö⸗ 17* 260 nes Gemälde— der Held in der Mitte, die verſchiedenen Gruppen umher; einige mit ihm ſprechend, andere kochend, noch andere Kaffee bereitend, alle ihm durch Wort und That irgend ein Zeugniß ihrer Ergebenheit darbringend, und mit inniger Hingebung den vollkommenſten Freimuth. verbindend. „Wir ſchlagen ſie, Kinder!“ — Das hat keine Noth mit Euch; Ihr ſchlagt ſie ſtets.— „Ich thue das Meine, und ſo auch Ihr. Ein guter General iſt nichts werth ohne gute Truppen.“ — Ja, ja, das iſt wahr. Gute Truppen gehören dazu. Was haltet Ihr von Alp Arslan?— „Ich glaube, er wird uns ſo viel zu thun geben, als alle unſere anderen Feinde zuſammen, doch das heißt nicht zu viel.“ — Gut, gut! Gott erhalte Alroy!— Benomi kam jetzt und meldete, daß der Vicekönig warte. „Ich muß Euch verlaſſen, Kinder:“ ſagte Alroy. „Wir wollen wieder zuſammen eſſen, wenn wir geſiegt haben.“ — Gott erhalte Euch, Herr! Wir wollen Eure Feinde ſchon vertilgen.— „Sie ſind gut geſinnt, und doch war's ein anderer Geiſt, der in früheren Zeiten uns beſeelte. Das fühle ich tief. Dies ſind Menſchen, die einem Führer treu ſind, der ſie nie verließ, und einer Sache anhängen, die— zum Plündern führt. Es ſind nur brave Miethlinge. Weiter nichts. O! wo ſind jetzt die ſtreitbaren Männer Juda's! Wo ſind die Männer, die, wenn ſie ihre Schwerter zogen, einen Sieges⸗Pſalm heiligen Triumphs begannen? Am Abende vor der Schlacht glick ſonſt das Feld einer uner⸗ meßlichen Synagoge. Prieſter und Altäre, flammende Opfer und rauchende Weihgefäße, Gruppen von kühnen Zeloten, de nit Wo lut und! ten, Canaa- Jun, Abne — J „Schf Ich wollte, — De eblict mar ohnſtreitig „Sie ſe angreifen treflich! Nu Scherirah n Jit— gelt — Unf Tagesanbru che ſie ſich MAriel den Bruder Ab — W det uns ihr läſchleunigg ſeel' als R — nüſſen E verſchiedenen nder bchen, 1 Watt und t dubtigen, aſten Freinuth Jhr ſchlagt ſi „ Ein guter Rehören dazu. dun geben, als das heißt nicht Licekönig warte. ſagte Alroy. in wir geſiegt en Eure Reinde rs ein anderrr Das fühle ih rtreu ſind, der en, die— zum thlinge. Weite Nänner Judasl Schwerter zogen, begannen? An Feld einer uncr⸗ lammende Opfer fübnen Zeloten, 261 die mit Wahnſinn an prophetiſchen Lippen hingen, und mit Blut und heiligen Gelübden den feierlichen Bund beſiegel⸗ ten, Canaan zu erobern. Alles iſt verändert, ſo wie ich. Nun, Abner? Du haſt Dich tüchtig eingehüllt.“ — Iſt's wahr, daß Scherirah da iſt?— „Ich fürchte, daß nicht alles ſo iſt, wie es ſein ſollte. Ich wollte, der Tag bräche an.“ — Der Feind rückt vor. Einige ihrer Heereshaufen erblickt man ſchon. Meine Feldwachen haben ſie erſpäht. Ohnſtreitig wollen ſie ſich auf der Ebene aufſtellen.— „Sie laſſen ſich ſchon ſehen! Ha! Dann wollen wir ſie angreifen, ehe ſie noch in voller Ordnung ſtehen. Vor⸗ trefflich! Nun ſchlagen wir ſie. Muth, Muth, mein Bruder! Scherirah wird früh bei guter Zeit hier ſein, zur rechten Zeit— gewiß zu recht früher Zeit.“ — Unſere Truppen ſind voll guten Muthes.— Mit Tagesanbruch greife mit 30,000 Reitern ihre Reihen an, eehe ſie ſich bilden. Ich will den rechten Flügel nehmen, Asriel den linken. Es ſoll eine Familienſache werden, Bruder Abner. Wie geht es Mirjam?“ — Wie ich dieſen Morgen hörte, ganz gut. Sie ſen⸗ det uns ihre Liebe und Gebete. Die Königin iſt hier?— „Sie kam dieſen Abend. Sie befindet ſich wohl.“ Ich hoffe, mein Schwert ſoll ihrer Kinder Thron be⸗ ſchützen.— „Gut. Gieb nur Deine Befehle. Auf der Stelle die Schlacht. Ich will Boten abſenden, um Scherirah's Ankunft zu beſchleunigen. Es läßt ſich Alles gut an. Die Leibwacht ſtell' als Reſerve auf.“ — So ſei es! Lebt wohl! Wenn wir uns wiederſehen, müſſen Eure Feinde ſchon Eure Sklaven ſein.— 262 11. Bei'm erſten Anbruche des Tages griff die hebräiſche Reiterei, mit Ausnahme der Leibwacht, die vorrückenden Colonnen der Chovaresmier an, warf ſie mit unwiderſteh⸗ licher Gewalt und hieb ſie zuſammen. Alp Arslan ſuchte ſeine Truppen zu ſammeln und ſtellte endlich das Mittel⸗ treffen in guter Ordnung wieder her. Nun führten Alroy und Asriel ihre Heeresabtheilungen vor, und das Treffen ward allgemein. Mehrere Stunden lang wüthete die Schlacht, und beide Heere hielten ſich tapfer. Der Verluſt der Chovaresmier war groß, aber ihr feſter Charakter und ihre Mehrzahl hielten eine Zeitlang dem Ungeſtüme der Hebräer und der ganzen Kraft ihrer Führer das Gleichgewicht. An dieſem Tage ſtellte Alroy alle ſeine früheren Heldenthaten in Schatten. Zwölfmal griff er an der Spitze ſeiner hei⸗ ligen Leibwache die Feinde an und drang mehr als einmal ſelbſt bis zu Alp Arslan's Zelte vor. Vergebens ſtrebte er darnach, im Zweikampf auf dieſen berühmten Heerführer zu ſtoßen. Beide Monarchen fochten in den Reihen der Ihrigen; das Schickſal hatte aber be⸗ ſchloſſen, daß ihre Schwerter ſich nicht treffen ſollten. Vier Stunden vor Mittags ſah endlich Alroy ein, daß, wenn nicht Scherirah komme, er gegen die große Ueberzahl ſich nicht halten könne. Er war zeitig genöthigt, ſeine Reſerve mit in den Kampf zu ziehen, und obgleich die Zahl der Getödteten im feindlichen Heere bei weitem die übertraf, welche die Hebräer bei irgend einem ihrer früheren Siege erlegt, bildeten die Chovaresmier doch noch immer eine unabſehbare Fronte, die ſtets durch friſche Truppen wieder ergänzt ward. Auf ſeine Anzahl ſich verlaſſend, und die Schwäche ſeiner Gegner wohl kennend, begnügte ſich Arslan damit, vertheidigungsweiſe zu Werke zu gehen, und durch Pderſtand feine Geg Alrot der heilig und Aeri ſich unter auf Sche endlich, ei greude die tten Hülß gewonnen Soldaten Aunde au war unwi gung, nur men zu ſe Beſtürzung dete, daß! Scherirah' angegtiffe mehr eine ren Kräft ren umrin Punkten Armee völ tapferſten auf Selbſ madan. daß Alles ſeiner Le Schirin 1 von Feind Acht Ihre Anz die hebräſch evorrückenden t un deſt Arslan ſucte h das Mittl⸗ führten Alroh d das Teeffen te die Schlacht, r Welluſt der akter und ihre ne der Hebräer chgewicht. An Heldenthaten itze ſeiner hei⸗ ehr als einmal impf auf dieſen narchen fochten hatte aber be⸗ ſollten. Vier in, daß, wenn Ueberzahl ſich „ſeine Reſerve die Zahl der die übertraf, früheren Siege ch immer eine rruppen wieder ſend, und die te ſih Arslang en, und durch 263 Widerſtand gegen ihre furchtbaren und wiederholten Angriffe ſeine Gegner zu ermüden. Alroy hatte ſich einen Augenblick lang an der Spitze der heiligen Leibwache aus dem Gefechte gezogen. Abner und Asriel hielten es noch aufrecht, und der Kalif rüſtete ſich unterdeß zu neuen Anſtrengungen, während er angſtvoll auf Scherirah's Ankunft wartete. In der fünften Stunde endlich, erblickte er von einer Anhöhe aus mit der höchſten Freude die ſich nahenden Paniere der ſehnſuchtsvoll erwar⸗ teten Hülfstruppen! Ueberzeugt nunmehr, daß die Schlacht gewonnen ſei, machte er dieſe erfreuliche Nachricht ſeinen Soldaten bekannt und führte ſie, von der begeiſternden Kunde aufgeregt, noch einmal zum Angriffe vor. Dieſer war unwiderſtehlich. Scherirah ſchien nur noch zur Verfol⸗ gung, nur noch zur Vervollſtändigung des Sieges angekom⸗ men zu ſein. Aber wie groß war Alroy's Schrecken und Beſtürzung, als Benajah auf ihn losſtürzte und ihm mel⸗ dete, daß die lang erwartete Hülfe aus den vereinten Heeren Scherirah's und Abidan's beſtehe, und ihn bereits im Rücken angegriffen habe. Hier konnte kein menſchliches Genie mehr eine Rettung erdenken. Die erſchöpften Hebräer, de⸗ ren Kräfte bis auf das Aeußerſte angeſtrengt worden, wa⸗ ren umringt. Die Chovaresmier rückten zugleich von allen Punkten aus vor. In wenigen Minuten war die hebräiſche Armee völlig aufgelöſt. Voll Verzweiflung warfen ſelbſt die tapferſten Krieger ihre Schwerter weg. Jeder war nur auf Selbſterhaltung bedacht. Selbſt Abner floh nach Ha⸗ madan. Arriel ward erſchlagen. Alroy floh, als er ſah, daß Alles verloren ſei, an der Spitze von etwa dreihundert ſeiner Leibwache zu ſeinem Zelte, nahm die ohnmächtige Schirin vor ſich auf den Sattel, hieb ſich durch Schaaren von Feinden durch und eilte in die Wüſte. Acht und vierzig Stunden lang raſteten ſie nirgends. Ihre Anzahl war bald bis auf ein Drittheil vermindert. 264 Am Morgen des dritten Tages ſtiegen ſie von den Roſſen und erquickten ſich an einer Quelle. Nur die Hälfte konnte ſich wieder in die Sättel ſchwingen. Schirin ſprach kein Wort. Fort ging es wieder, und nach jeder Stunde blieb ein todtmüder Genoſſe dahinten. Endlich, am fünften Tage, noch etwa achtzig Mann ſtark, gelangten ſie zu einem Pal⸗ menwalde. Hier raſteten ſie. Alroy nahm Schirin in ſeine Arme, und der Schatten ſchien dieſe wieder zu beleben. Sie öffnete die Augen, drückte ſeine Hand und lächelte. Er gab ihr einige Datteln, und ſie erfriſchte ſich mit Waſſer. „Bald werden unſere Beſchwerden vorüber ſein, Ge⸗ liebteſte,“ flüſterte er ihr zu.„Ich habe Alles verloren, aber nur Dich nicht.“ Wieder beſtiegen ſie die Roſſe, und minder raſch vor⸗ wärts eilend, gelangten ſie am Abende zu der zerſtörten Stadt, wohin Alroy vom Anfange an ſeine Richtung ge⸗ nommen hatte. Die große Straße herab reitend, kamen ſie in das alte Amphitheater. Hier ſtiegen ſie ab. Alroy be⸗ reitete von ſeinen und der Seinen Gewändern ein Lager für Schirin. Einige ſuchten Holz, von dem ſich große Vor⸗ räthe fanden, und zündeten mächtige Feuer an. Andere jagten, da es noch Tageshell war, nach Gazellen, und wa⸗ ren glücklich genug, ihr Nachteſſen damit zu verſorgen, während andere Waſſer aus der wohlbekannten Leitung holten. Nach einer Stunde, als ſie ſo Gruppenweiſe um die Feuer lagen, und ihr ſchnell bereitetes Mahl verzehrten, hätte man glauben ſollen, ſie ſeien nicht die geſchlagenen und des Luxus gewohnten Leibwachen eines mächtigen Mo⸗ narchen, ſondern die gewöhnlichen Bewohner dieſes wilden Aufenthalts. „Wohl, meine Burſchen,“ ſagte Alroy, als er die Hände ſich über der emporlodernden Flamme rieb,„es iſt hier doch jedenfalls beſſer, als in der Wüſte!“ und ſehen fer hinwe „So ſchläfſt at Benc bin ſtets „Das bin, ſond uns einig Sie die angre Zeiten her gefäße un dieſer Ge⸗ für die den offen hier redet Sie wur angewieſe Punkten zum Sa rend noc führten, du beſorg oden Roſſen dälſe konnte ſprach kein Stunde bleb munien Aag, deinem Pal⸗ üirin in ſine zu beleben. und lächelte. mit Paſſer. er ſein, Ge⸗ lles verloren, der raſch vor⸗ der zerſtörten Richtung ge⸗ id, kamen ſie .Arlroy be⸗ en ein Lager große Vor⸗ an. Andere en, und wa⸗ zu verſorgen, nten Leitung ppenweiſe um hl verzehrten, geſchlagenen ächtigen Mo⸗ dieſes wilden er die Hände 3s iſ hie 12. Nach allen dieſen Anſtrengungen fiel Alroy in einen tiefen, traumloſen Schlaf. Als er erwachte, ſtand die Sonne ſchon hoch, aber Schirin ſchlief noch. Er küßte ſie, und lächelnd öffnete ſie die Augen. „Du biſt jetzt das Weib eines Räubers,“ ſagte auch er lächelnd.„Wie gefällt Dir die neue Lebensart?“ — Mit Dir! Vortrefflich.— „Bleib hier, meine Süße! ich muß unſere Leute weckon und ſehen, wie es ſteht.“ Und damit über mehrere Schlä⸗ fer hinwegſpringend, ſtieß er zuletzt auf Benajah. „So? mein braver Hauptmann der Leibwacht! Du ſchläfſt auch noch? Auf, auf!“ Benajah ſprang mit fröhlicher Miene empor.— Ich bin ſtets bereit, Herr!— „Das weiß ich; aber bedenke, daß ich kein König mehr bin, ſondern ein bloßer Mitgeſell. Komm mit, und laß uns einige Ordnung in die Sache bringen.“ Sie gingen aus dem Amphitheater und unterſuchten die angrenzenden Gebäude. Hier fanden ſie, von vorigen Zeiten her, noch viele Vorräthe, Matten, Zelte, Holz, Trink⸗ gefäße und anderes Hausgeräth. Sie beſtimmten nun eines dieſer Gebäude zum Stalle, und das andere zur Wohnung für die Ihrigen. Dann beriefen ſie ihre Gefährten auf den offenen Platz, dem Orte, wo Haſſan Subah erlag, und hier redete Alroy ſie an, und theilte ihnen ſeine Pläne mit. Sie wurden in Abtheilungen geordnet. Jeder bekam ſein angewieſenes Geſchäft. Einige wurden an verſchiedenen Punkten als Wachen aufgeſtellt, andere auf die Jagd, oder zum Sammeln von Datteln in der Oaſe ausgeſendet, wäh⸗ rend noch andere die Roſſe auf die naheliegende Weide führten, oder zurückblieben, um die Geſchäfte im Innern zu beſorgen. Das Amphitheater ward gereinigt. Ein nicht 266 glänzendes aber bequemes Zelt ward für Schirin eingerich⸗ tet. Sie bedeckten den Boden deſſelben mit Matten, und Jeder ſuchte den Andern in den Bemühungen zweckmäßiger Einrichtungen für die Fürſtin zu übertreffen. Ihre freund⸗ lichen Worte und ihr begeiſterndes Lächeln belebten zugleich deren Eifer und Erfindungsgabe. Sie wurden bald an ihr rauhes aber abenteuerliches Leben gewöhnt. Seine Neuheit gefiel ihnen, und die ſtete Aufregung dringender Nothwendigkeit ließ ihnen keine Zeit, über ihr ſchreckliches Loos nachzudenken. So lange Alroy lebte, ſchwand auch nie die Hoffnung aus ihren leichtgläu⸗ bigen Herzen. Der Einfluß ſeines Genies auf ſie war ſo groß, daß ſelbſt der Niedergeſchlagenſte fühlte, mit ihm be⸗ ſiegt zu ſein, ſei ehrenvoller, als mit einem Andern zu ſie⸗ gen. Sie waren eine treue und ergebene Schaar, und an heiteren Geſichtern fehlte es nicht, wenn ſie ſich zur Nacht im Amphitheater zu ihrem gemeinſchaftlichen Mahle ver⸗ ſammelten. Kaum hatte Alroy alle ſeine Vorkehrungen getroffen, als er Kundſchafter nach allen Richtungen ausſandte, um ſich Nachrichten zu verſchaffen, und vorzüglich, wo möglich, mit Ithamar und Medad, wenn ſie noch lebten und einige Streitkräfte erhalten hätten, in Verbindung zu treten. Vierzehn Tage vergingen, ohne daß ſich ein Fremder genaht hätte; dann aber kamen vier Perſonen in ihre Ver⸗ borgenheit, die dem Oberhaupte nicht ſehr willkommen wa⸗ ren, ob er gleich ſeinen Verdruß bei ihrem Anblicke verbarg. Dies war Kisloch, der Kurde, und Kalidas, der Indianer, und ihre unzertrennlichen Gefährten, der Gueber und der Neger. 13. „Edler Hauptmann,“ ſagte Kisloch,„wir hoffen, daß Ihr es uns vergönnen werdet, in Eure Schaar einzutreten. Gs iſt n ſehlen ge haben wi Vir vern gleich, T der Menſ Schlacht Guch woh —4 — Ich ke Beſte wie ih hoff, geblieben! „So — l den?— „Nich — T „Ha „de Bagdad a — G „Ich Honain ſt ſie gewiß — 4 „All der Stadt —1 Schweſter „Dh Herr!“ — G in ſdngerich. Natten, und Jhre freund⸗ ten zugleih ſenteuerliches und die ſtete 3 keine geit, lange Alroy n leicht tgläu⸗ ſie war ſo mit ihm be⸗ ndern zu ſie⸗ aar, und an c zur Nacht Mahle ver⸗ en getroffen, Sſandte, um wo möglich, n und einige treten. ein Fremder in ihre Ver⸗ kommen wa⸗ glick verbarg. der Indianer, eber und der hoffen, daß einzutreten. 267 Es iſt nicht das erſtemal, daß wir hier unter Euren Be⸗ fehlen gedient haben. Alte Mitgenoſſen in Leid und Freud, haben wir das Beſte wie das Schlimmſte zuſammen erlebt. Wir vermutheten bald, wo Ihr zu finden ſein würdet, ob⸗ gleich, Dank ſei es den immer wohlthätigen Erfindungen der Menſchen, man allgemein glaubt, Ihr wäret in der Schlacht geblieben. Ich hoffe, edle Fürſtin, Ihr befindet Euch wohl?“ ſetzte er, vor Schirin ſich verbeugend, hinzu. — Ihr ſeid willkommen, Freunde,— entgegnete Alroy. — Ich kenne Euern Werth. Ihr habt, wie Ihr ſagt, das Beſte wie das Schlimmſte mit mir erlebt, und werdet, wie ich hoffe, bald wieder Beſſeres erleben. Ich in der Schlacht geblieben!— o, das iſt gut!— „So ſagt man allgemein,“ verſetzte Kalidas. — Und was ſonſt für Nachrichten von unſeren Freun⸗ den?— „Nicht eben gute, aber doch ſeltſame.“ — Wie ſo?— „Hamadan iſt genommen.“ — Darauf war ich vorbereitet. Sagt mir Alles.— „Der alte Boſtenai und Fürſtin Mirjam ſind nach Bagdad als Gefangene gebracht worden.“ — Gefangene!— „Ich hoffe aber, es ſoll ihnen kein Leid geſchehen. Honain ſteht bei dem Sieger in großem Anſehen und wird ſie gewiß in ſeinen Schutz nehmen.“ — Honain in Anſehen!— „Allerdings. Er machte Bedingungen wegen Uebergabe der Stadt, und zwar recht vortheilhafte.“ — Hal Er war ſtets gewand. Wohl! wenn er meine Schweſter rettet, mag er immerhin in Anſehen ſtehen.— „Ohne allen Zweifel. Es kann noch Alles gut gehen, Herr!“ — Laßt uns handeln, nicht bloß hoffen. Wo iſt Abner?— „Todt.“ — Im Treffen?— „Ja.“ — Weißt Du das gewiß?— „Ich ſah ihn fallen und focht neben ihm.“ — Eines Kriegers Tod iſt jetzt unſer größtes Glück. Ich freue mich, daß er nicht gefangen ward. Wo ſind Medad und Ithamar?— „Sie flohen nach Egypten.“ — So haben wir auf keine Unterſtützung weiter zu rechnen?— „Nur auf Eure Leibwache hier.“ — Sie iſt ſtark genug, um eine Caravane zu plündern. Honain ſteht alſo in Anſehen?— „In ſehr großem. Er wird uns auch gute Bedingun⸗ gen machen.“ — Das ſind ſeltſame Nachrichten.— „Aber wahre.“ — Wohl! Ihr ſeid willkommen! Theilt mit uns, was wir haben. Nur das Unentbehrlichſte, und dies manchmal kaum; aber wir haben ehemals ſchon zuſammen geſchmauſt, und können es auch wieder. Nach Egypten entflohen! War's nicht ſo?— „Ja, Herr.“ — Schirin, ſäh'ſt Du wohl gern den Nil?— „Ich habe von Krokodillen darin gehört.“ 14. War auch die Gegenwart Kisloch's und ſeiner Gefähr⸗ ten Alroy nicht eben angenehm, ſo wurden dieſe doch bald unter der übrigen Schaar ſehr beliebt. Ihre Lokalkenntniß und Erfahrung von dem Leben in der Wüſte machte ſie zu ſchätzbaren Verbündeten, und bei der gegenwärtigen einför⸗ migen Lebensart der Flüchtlinge war ihr geräuſchvoller Scherz! ſelbſt da die erſte verſchaff ſeine Sc Getreuen kommen ten. Be ihm mit einige ſ Geld, d Bedürfni noch ein erſchöpſt nes Daſ Seite ſei Ein Alroy d rend er ihr leich Geliebte gegnete herrſche — 6o iſt ihrg jetzt. und u Mir k größere Ktes Glüt. Wo ſind weiter zu plündern. Bedingun⸗ uns, was manchmal geſchmauſt, hen! Wars ner Gefähr⸗ e doch bald kalkenntniß achte ſie zu ggen einför⸗ räuſchvoller 269 Scherz und ihre ſtete Heiterkeit nicht unwillkommen. Alroy ſelbſt dachte nun an eine Flucht nach Egypten. Er beſchloß, die erſte Gelegenheit zu ergreifen, ſich einige Kameele zu verſchaffen, und hoffte dann, daß er und Schirin, wenn er ſeine Schaar, mit Ausnahme Benajah's und einiger andern Getreuen, entlaſſen, als Kaufleute verkleidet durch Syrien kommen und über Paläſtina nach Egypten gelangen könn⸗ ten. Bei dieſen Plänen und Ausſichten erſchien die Zukunft ihm mit jedem Tage in heitererm Lichte. Er beſaß noch einige ſchätzbare Juwelen, und war überzeugt, daß das Geld, das er dafür in Cairo löſen könne, für alle ſeine Bedürfniſſe hinreichen würde. Da er nun bereits, obgleich noch ein Jüngling, ſchon alle Leidenſchaften des Lebens erſchöpft hatte, blickte er freudig auf ein ruhiges Ende ſei⸗ nes Daſeins in irgend einer dichteriſchen Einſamkeit an der Seite ſeiner ſchönen Gefährtin. Eines Abends, als ſie aus der Oaſe zurückkehrten, und Alroy das Kameel führte, auf welchem Schirin ſaß, wäh⸗ rend er unausgeſetzt in ihr begeiſtertes Auge blickte, ſchien ihr leichter Sinn ſich an irgend einem reizenden Bilde der Zukunft zu weiden. „Wenn wir ſo durch die Wüſte reiſen werden, mein Geliebter!“ ſagte ſie;„kann man dies Mühe nennen?“ — Wo Liebe iſt, giebt es keine Mühe mehr!— ent⸗ gegnete Alroy. „Und wir waren geſchaffen zu lieben, nicht aber zu herrſchen;“ ſetzte Schirin hinzu. — Das Vergangene iſt ein Traum,— ſagte Alroy. — So ſprachen die Weiſen, aber bis wir nicht handeln, iſt ihre Weisheit in den Wind geſprochen. Das fühle ich jetzt. Haben wir je ſonſt irgendwo, als in der Wüſte gelebt, und uns von etwas anderem genährt, als von Datteln? Mir kommt das ſehr natürlich vor. Würde ich nicht durch größere Sicherheit in entferntere Länder gereizt, könnte ich 270 hier bleiben, ein freier und glücklicher Wegelagerer. Zeit, Gewöhnung und Nothwendigkeit bilden unſer Weſen. Als ich zum erſtenmale Scherirah unter dieſen Trümmern ſah, wie ſchreckte ich da mit Schauder vor dieſem entwürdigten Menſchen zurück, und jetzt ſtrebe ich darnach, ſein Erbe zu ſein. Man ſollte nicht nachdenken!— „Nein, Theurer! nur immer hoffen!“ ſo ſagte Schirin, als ſie durch das Thor gelangten. Die Nacht war ſchön, die Luft noch warm und ſanft. Schirin blickte in den ſternenhellen Himmel.„Wir dachten nicht an ſolchen Himmel, als wir in Bagdad waren!“ rief ſie aus;„und was war doch, o mein Leben, der Glanz unſerer Paläſte gegen dieſen Anblick? Wir haben ja noch Alles, was Menſchen nur begehren können, Freiheit, Schön⸗ heit und Jugend. Mir iſt's immer ſo, Alroy, als ob wir recht bald auf dieſe wunderbare Vergangenheit wie auf eine andere, niedrigere Welt zurückblicken würden. Wäre dies doch Egypten! Das iſt mein einziger Wunſch.“ — Der bald erfüllt werden ſoll. Alles wird in kur⸗ zer Zeit in Ordnung ſein. Nur noch wenige Tage, und Schirin wird ihr Kameel zu einer längern Reiſe beſteigen, als um Datteln einzuſammeln. Du wirſt ängſtlich auf der Reiſe ſein, fürchte ich.— „Nein, gewiß nicht. Ich werde Euch Alle beſchämen.“ Sie kamen in den Circus und ſetzten ſich um das lo⸗ dernde Feuer. Selten war Alroy ſeit der letzten Nieder⸗ lage ſo heiter geweſen. Schirin ſang der Schaar ein ara⸗ biſches Lied, wobei dieſe im Chor einfiel. Spät erſt begab man ſich zur Ruhe, und Alles ging zufrieden und fröhlich zu ſeinem Lager. Einige Stunden nachher ward Alroy, bei Tagesanbruch, durch einen ſchweren Druck auf der Bruſt aus ſeinem Schlummer geweckt. Er fuhr auf. Ein wilder Krieger knieete über ihm. Er wollte ihn von ſich ſtoßen, aber die Hand we Püe w und rief Amphith Seine N Kisloch hob ihn eilte mit erblickte e Wuth ha in die I und es g das Werl Wie er nicht. waren fü brüten. erregten e ſich ſo vi Vor ihm von derſel gerfahrt gab ihm nem Aug Lippe. E gab ihm ſich die L Chovares Sie Kameele einigen Alroy w deſſen Ka riſen. D 82 an. Jei, eſen. Als nmern ſah, twürdigten in Erbe zu ſte Schirin, und ſanft. dir dachten aren!“ rief der Glanz en ja noch eit, Schön⸗ als ob wir ie auf eine Wäre dies ad in kur⸗ Tage, und e beſteigen, lich auf der beſchämen.“ im das lo⸗ ten Nieder⸗ ar ein ara⸗ erſt begab ind fröhlich gesanbruch, aus ſeinem er Krieger n, aber die 271 Hand war ihm gebunden. Er wollte aufſpringen, aber die Füße waren ihm gefeſſelt. Er ſah ſich nach Schirin um und rief nach ihr, aber nur ein Schrei antwortete. Das Amphitheater war mit Chovaresmiſchen Truppen angefüllt. Seine Mannſchaft war überfallen und übermannt worden. Kisloch und der Gueber hatten die Wacht gehabt. Man hob ihn vom Boden auf, warf ihn auf ein Kameel und eilte mit ihm ſogleich aus dem Circus. Auf allen Seiten erblickte er Verwirrung und Verderben. Verzweiflung und Wuth hatten ihn ſprachlos gemacht. Das Kameel ſchritt in die Wüſte. Hier umringte es eine Schaar von Reiterei und es ging ſchnelleren Schrittes weiter. Das Ganze ſchien das Werk eines Augenblicks. Wie lange Alroy unterweges zugebracht hatte, wußte er nicht. Er hatte die Zeit nicht beachtet. Nacht und Tag waren für ihn daſſelbe. Er befand ſich in dumpfem Hin⸗ brüten. Die Milde der Luft und das Grün des Bodens erregten endlich zum Theil ſeine Aufmerkſamkeit. Er ward ſich ſo viel bewußt, daß ſie die Wüſte verlaſſen hatten. Vor ihm lag ein großer Strom. Er erblickte den Euphrat von derſelben Stelle aus, wo er ihn bei ſeiner erſten Pil⸗ gerfahrt geſehen. Dieſer ergreifende Ideenzuſammenhang gab ihm die Erinnerung wieder. Eine Thräne entfloß ſei⸗ nem Auge. Der bittere Tropfen benetzte die vertrocknete Lippe. Er bat den nächſten Reiter um Waſſer. Die Wache gab ihm einen naſſen Schwamm, mit dem er nur mühſam ſich die Lippen netzen konnte, dann ließ er ihn fallen. Der Chovaresmier ſchlug ihn. Sie gelangten zum Fluſſe. Der Gefangene ward vom Kameele gehoben und in ein bedecktes Boot geſetzt. Nach einigen Stunden landeten ſie bei einem kleinen Dorfe. Alroy ward auf einen Eſel geſetzt, mit dem Rücken nach deſſen Kopfe zu. Seine Kleidung war beſchmutzt und zer⸗ riſſen. Die Kinder warfen mit Koth nach ihm. Ein altes . — Weib ſetzte ihm mit einer fanatiſchen Verwünſchung eine Krone von Papier auf. Nur mit Mühe konnten ſeine Wachen hindern, daß ihr Schlachtopfer nicht in Stücken zerriſſen ward. Und in dieſem Zuſtande zog Alroy gegen Mittag des vierzehnten Tages wieder in Bagdad ein. 15. In den düſteren Räumen eines unterirdiſchen Gefäng⸗ niſſes lag der ehemalige Gebieter Aſiens. Der Gefangene ſeufzte nicht, weinte nicht, klagte nicht. Er ſprach auch nicht. Er dachte ſogar nicht. Mehrere Tage lang blieb er in einem Zuſtande dumpfer Bewußtloſigkeit. Am Morgen des vierten Tages genoß er nur mechaniſch etwas von den ſchlechten Nahrungsmitteln, welche ſeine Kerkermeiſter ihm brachten. Ihre Fackeln, um welche her die Fledermäuſe ſchwirrten und mit den Flügeln ſchlugen, und aus den klei⸗ nen Augen blinzelten, warfen einen geſpenſtiſchen Schein über die näheren Mauern des Kerkers, während die ent⸗ fernteren dem Blicke des Gefangenen unerreichbar waren. Als die Kerkermeiſter ihn verlaſſen hatten, blieb Alroy in völliger Finſterniß. Das Bild der Vergangenheit trat vor ihn. Vergebens verſuchte er das ihn umgebende Dunkel zu durchdringen. Seine Hände waren gebunden, ſeine Füße mit Ketten be⸗ laſtet. Der Gedanke, daß man vielleicht ſeines Lebens ſcho⸗ nen wolle, damit er noch länger in dieſem furchtbaren Zu⸗ ſtande ſelbſtbewußter Vernichtung ſchmachte, erfüllte ihn mit Wahnſinn. Er hätte mit ſeinen Feſſeln ſich die Stirn zer⸗ ſchmettert, wenn ihn die Ketten nicht zurückgehalten. Er warf ſich auf den feuchten, rauhen Boden. Sein Fall ver⸗ ſtörte eine Menge unreiner Weſen. Er hörte das ſchnelle Fortſchlüpfen einer Schlange, das langſame Hinwegkriechen eines Haufens von Scorpionen und das eilige Entfliehen der flüchtigen Ratten. Verglichen mit dieſem kleinlichen nehr ausr dlnde ſchie foher Geiſ rürdigender prang er a neuer Schrit bndlich wau nct zu erh macten Felſe lihkeit ausn de Schleim maugenbliclic noch im Du ſen Empfin mochten es bollen Leide wweilung a veit von al nahme, ja Geiſt ihn j Hände in d Es lie einer männ unbedingtes verlaſſen u⸗ aumſelige uns zu ve Geiſt daran einem aus. hat die g dann ko Zieht zum Tode Die 3 niſchung eine konnten ſeine tt in Stücken Alroy gegen dad ein. ceen Geftng⸗ er Gefangene ſorach auch ſe lang blieb Am Morgen twas von den ermeiſter ihm Fledermäuſe aus den klei⸗ iſchen Schein rend die ent⸗ ſchbar waren. lieb Alroy in mn. Vergebens durchdringen. nit Ketten be⸗ Lebens ſcho⸗ urchtbaren Zu⸗ füllte ihn mit die Stirn zer⸗ kgehalten. Er Sein Fall ver⸗ te das ſchnelle Hinwegkriechen lige Entfliehen im kleinlichen 273 Elende ſchienen ſeine großen Unglücksfälle nur gering. Sein hoher Geiſt konnte ihn bei dieſen ärmlichen und herab⸗ würdigenden Zufällen nicht ſtärkend kräftigen. Voll Ekel ſprang er auf und ſcheute jede Bewegung, aus Furcht, ein neuer Schritt möchte eine neue Scheußlichkeit nach ſich ziehen. Endlich war die gänzlich erſchöpfte Natur unfähig, ſich auf⸗ recht zu erhalten. Er tappte ſich zu ſeinem rauhen, in den nackten Felſen gehauenen Sitze, der ſeine einzige Bequem⸗ lichkeit ausmachte. Er ſtreckte die Hand aus. Sie berührte die Schleimhaut dieſes und jenes häßlichen Thieres, das augenblicklich davon huſchte, während die glühenden Augen noch im Dunkel leuchteten. Alroy ſchauderte mit der widrig⸗ ſten Empfindung zurück. Seine erſchütterten Nerven ver⸗ mochten es nicht, dieſe niedrige Gefahr, dieſe neuen, ekel⸗ vollen Leiden zu ertragen. Er mußte einen Laut der Ver⸗ zweiflung ausſtoßen, und wenn er bedachte, daß er hier weit von allem menſchlichen Troſte, aller menſchlichen Theil⸗ nahme, ja aller menſchlichen Hülfe entfernt ſei, ſchien ſein Geiſt ihn für Augenblicke zu verlaſſen, und er rang die Hände in dumpfem, hülfloſen Weh. Es liegt etwas Schreckliches in der ſchwindenden Kraft einer männlichen Seele! Ein Mann, der auf ſeinen Geiſt unbedingtes Vertrauen ſetzte, ſich nun in Einem Tage ganz verlaſſen und herabgeſtimmt zu ſehen! Das ſchmerzt! Jeder armſelige Schwachkopf ſcheint dann nur dazu da zu ſein, uns zu verhöhnen. Schwer glaubt allerdings ein großer Geiſt daran, daß ſeine unerſchöpflichen Kräfte endlich nicht mehr ausreichen könnten. Aber es iſt dem ſo. Wie bei einem ausgetrockneten Quell hat der immerwährende Zufluß, hat die glänzende Fruchtbarkeit aufgehört und für immer. Dann kommt der Wahnſinn des Rückblicks. Zieht einen Vorhang vor! Einen Vorhang über dieſe zum Tode ängſtigende Zergliederung! Ich kann nicht mehr! Die Tage der Kindheit, ſeiner holden Schweſter Stimme 18 274 und liebkoſendes Lächeln, ihre ſchuldloſen Zeitvertreibe und die freundliche Sorgfalt ihrer treuen Diener, alle dieſe ſanften Kleinigkeiten eines friedlichen häuslichen Lebens, waren die Gebilde und Erinnerungen, die vor den brennen⸗ den Blicken Alroy's im wilden Wechſel ſchwirrten und vor ſeine gemarterte Seele traten. Herrſchaft und Ruhm, ſeine heilige Nation, ſeine Kaiſerbraut— dieſes, alles dieſes war nichts. Ihr Werth war verſchwunden mit dem ſchöpferi⸗ ſchen Geiſte, der ſie zur Thätigkeit beſchworen hatte. Nur die reinen Empfindungen der Natur blieben, und alle ſeine Gedanken und Schmerzen, all' ſein Verſtändniß, all' ſeine Erregung ſtrömte in ſeiner Schweſter zuſammen. Es war der ſiebente Morgen. Ein Wächter trat zur ungewohnten Stunde ein, befeſtigte eine Fackel in einer Ver⸗ tiefung der Mauer und kündigte an, daß eine Perſon draußen ſei, welche Erlaubniß habe, den Gefangenen zu ſprechen. Es waren die erſten Worte einer Menſchenſtimme, welche Alroy ſeit einer Gefangenſchaft hörte, die ihm ein Lebens⸗ alter, ein langer finſterer Zeitraum ſchien, der alles aus⸗ gelöſcht habe. Er bebte zuſammen bei den barſchen Tönen. Er wollte antworten, aber ſeine Lippen verſagten ihm den Dienſt. Langſam hob er die belaſteten Arme empor und verſuchte durch Zeichen zu verſtehen zu geben, daß er wohl gehört, was man geſagt, denn nicht ohne die innerſte Auf⸗ regung hatte er die Botſchaft vernommen. Mit geſpannter Neugier blickte er nach dem Eingange, und je mehr er blickte, je ſtärker zitterte er. Da trat der Beſuchende ein, tief in einen ſchwarzen Kaftan verhüllt. Der Wächter verſchwand, der Kaftan fiel, und Honain ſtand vor ihm. „Mein geliebter Alroy,“ ſagte Jabaſtor's Bruder, ſchritt vor und drückte den Gefangenen an ſein Herz. Wäre es Mirjam geweſen, Alroy wäre vor Freude geſtorben, aber der Anblick dieſes Mannes der Welt rief ihn in das Welt⸗ leben zurück. Der Widerſtreit ſeiner Empfindungen war wunderbal gülfe. A anzurathe der ehemc — 0 A zu finden. „Und herbeiführ 3 „Verz O meine Rol geweſen, Schirin? „Si ſt erſchöpf „In — D nain, ſei f was ihr „Sie „Lebg 9 es iſt un „Ich ſechung, ingehen. — dertreihe und d, ale dieſe lichen Lebens 4 den brennen⸗ rrten und vor d Ruhm, ſ les dieſ eine es war dem ſchöpferi⸗ n hatte. Nur und alle ſeine niß, all ſeine ten. ichter trat zur in einer Ver⸗ Perſon draußen n zu ſprechen. timme, welche m ein Lebens⸗ der alles aus⸗ ſarſchen Tönen. jagten ihm den me empor und ;, daß er wohl e innerſte Auf⸗ Mit geſpannter mehr er blicke, de ein, tief in ter verſchwand, Bruder, ſchitt Herz. Wäre es gftorben, aber n in das Welt⸗ findungen war 275 wunderbar. Stolz, vielleicht ſelbſt Hoffnung, kam ihm zu Hülfe. Alles, woran er nur dachte, ſchien ihm Faſſung anzurathen. Einen Augenblick lang war er alſo wieder der ehemalige. — Ich freue mich, Honain, wenigſtens Dich gerettet zu finden.— „Und ich mich auch, wenn meine Rettung die Deinige herbeiführen kann.“ — Immer wieder Hoffnungsgeflüſter!— „Verzweiflung iſt das Ende der Thoren.“ — O Honain! das iſt eine ſchwere Prüfung. Ich kann meine Rolle ſpielen und doch bedünkt mich's, es wäre beſſer geweſen, wir hätten uns nie wiedergeſehen. Wie geht es Schirin?— „Sie denkt an Dich.“ — So kann ſie doch an etwas denken. Mein Geiſt iſt erſchöpft. Wo iſt Mirjam?— „In Freiheit.“ — Das iſt etwas. Das haſt Du gethan. Wackerer Ho⸗ nain, ſei freundlich mit dieſem lieben Weſen. Du biſt alles, was ihr noch übrig blieb.— „Sie hat Dich.“ — Zu ihrer Verzweiflung.— „Lebe und ſei ihre Zuflucht.“ — Wie das? Flucht aus dieſen Mauern? Nein, nein, es iſt unmöglich.— „Ich halte es nicht dafür.“ — Wahrhaftig! O, ich will alles thun. Sprich! Sprich! Können wir beſtechen? Können wir tödten? Können wir 2— „Beruhige Dich, mein Freund. Es bedarf keiner Be⸗ ſtechung, keines Blutvergießens. Bedingungen müſſen wir eingehen.“ — Bedingungen! Auf den Ebenen von Nehawend hätten 18* wir ſie wohl machen können. Aber Bedingungen für ein gefangenes Schlachtopfer?— „Warum Schlachtopfer?“ — Iſt Arslan denn ſo großmüthig?— „Er iſt ein wildes Thier, ungezähmter, als der Bär, der ſeine Zähne fletſcht in ſeiner Heimath Wäldern.“ — Wie kannſt Du dann von Hoffnung ſprechen? „Nicht von ihr, ſondern von Gewißheit.“ — Theurer Honain, mein Gehirn iſt ſchwach, aber ich kann ſtarke Dinge ertragen, ſonſt wär' ich nicht hier. Ich bitte Dich, ſprich es aus!— 4 „Mit einem Worte, Dein Leben iſt gerettet.“ — Wie? gerettet!— „Sobald Du es ſelbſt willſt.“ — Ob ich es will? Das Leben iſt ſo ſüß. O! ich fühle ſeine ganze Süße. Ich bedarf nur wenig. Freiheit und Einſamkeit iſt alles, wonach ich verlange. Mein Leben gerettet! Ich kann es nicht glauben! Und Du haſt dieſe That vollbracht? Du mächtiger Menſch, der über alle See⸗ len gebietet.— „Ich habe keinen andern Gedanken, als Dir zu dienen, mein Fürſt.“ — Nenne mich nicht Fürſt, nenne mich Deinen Alroy. Mein Leben iſt gerettet? Wann kann ich fort? Ich möchte nach Egypten. Du warſt in Egypten, nicht wahr, Honain?— „Ein wundervolles Land; es wird Dir ſehr gefallen.“ — Wann können wir fort? Wann kann ich dieſen finſtern, ſchauerlichen Kerker verlaſſen? Er iſt ſchrecklicher als alle ihre Qualen, Honain! Luft und Licht, und mein Geiſt, glaube ich wahrlich, wird nie gebeugt ſich fühlen; aber dieſer furchtbare Kerker!... „Alroy, Du biſt ein hoher Geiſt, der größte, den ich je gekannt oder von dem ich je geleſen.“ — Still, ſtill, mein Theurer; ich bin ein gebrochenes guhr, abe ſchen Red gehen.— „No Schmeich geht uns ſäßeſt ein der Tat Höre nun ernſt. I „Nu in Triun eingetrete nur auf Lehre.“ „8i „Gl handeln. dieſen G daß wir ich habe cen To Du ſcho ungen für ein ls dor N⸗ als der Bär, aldern.“ ſprechen? vach, aber ich icht hier. Ich ttet.“ ſiß. dl ich enig. Freiheit . Mein Leben Du haſt diſe über alle See⸗ dir zu dienen, Deinen Mroy. 2 t? Ich möchte r,Honain?— ſehr gefallen“ unn ich dieſen iſt ſchrecklicher cht, und mein gt ſich fühlen; größte, den ich in gebrochenes 277 Rohr, aber ich bin doch frei. Es iſt jetzt keine Zeit zu höf⸗ lichen Redensarten. Laß uns gehen, laß uns auf der Stelle gehen.— „Noch einen Augenblick, geliebter Alroy. Ich bin kein Schmeichler. Was ich ſagte, kam aus meinem Herzen und geht uns viel und augenblicklich an. Ich ſagte, du be⸗ ſäßeſt einen ungewöhnlichen Geiſt, Alroy, und Du haſt in der That einen Geiſt, der nichts gemein hat mit Anderen. Höre nun, mein Fürſt. Du haſt viel geleſen, gründlich und ernſt. Wenige Menſchen haben mehr geſehen als Du.“ — Schön, ſchön!— „Nur einen Augenblick Geduld. Du biſt nach Bagdad im Triumph gezogen und in dieſelbe Stadt mit jeder Schmach eingetreten, welche der niedrige Sinn unſeres Geſchlechts nur auf ſein Schlachtopfer häufen kann. Es war eine große Lehre.“ — Das fühle ich wohl.— „Sie zeigt uns, wie elend und werthlos die Meinung iſt, welche unſere Mitmenſchen von uns hegen.“ — O, nur zu wahr!— „Es freut mich, Dich in dieſer erſprießlichen Stimmung zu ſehen. Sie iſt voller Weisheit.“ — Der Unglückliche iſt oft weiſe.— „Glaube aber iſt nichts, wenn wir nicht auch darnach handeln. Die Zeit iſt da, wo Du beweiſen mußt, daß Du dieſen Grundſätzen vollkommen ergeben biſt. Ich ſagte Dir, daß wir Bedingungen vorſchreiben könnten. Nun denn, ich habe es gethan. Morgen ſollte Alroy ſterben und wel⸗ chen Todes! Eines Todes der unendlichſten Qualen! Haſt Du ſchon einen Menſchen pfählen ſehen?“ — Ha!— „Es bloß zu ſehen iſt Verdammung!“ — Gott des Himmels!— „Es iſt ſo ſchrecklich, daß man ſtets bemerkt hat, wie 278 die vorzeitigen Todesfälle in den Städten, wo dieſe ſchauer⸗ liche Hinrichtung ſtatt findet, ſich dann vermehren.“ — Sprich nicht mehr davon. Ich kann es nicht er⸗ tragen.— „Morgen erwartete Dich dieſe Todesſtrafe. Was Schi⸗ rin betrifft... — Sie nicht! o nein, ſie gewiß nicht!— „Nein, gegen Schirin waren ſie mitleidiger. Sie iſt die Tochter eines Kalifen. Das ward nicht vergeſſen. Ihr Leben ſollte das Beil enden. Ihr ſchöner Nacken würde der Kunſt des Henkers wenige Mühe gemacht haben. Deine Schweſter aber, Mirjam... ſie iſt eine Hexe, eine jüdiſche Hexe! Lebendig ſollte ſie verbrannt werden.“ — Ich will es nicht glauben; nein, nein, nicht glau⸗ ben! Gräßliche, blutdürſtige Dämonen! Als ich die Macht beſaß, ſchonte ich ſie alle... alle außer... o wehe mir! warum mußte ich geboren werden!— „Du vergiſſeſt Dich ſelbſt. Ich ſprach von dem, was hat geſchehen ſollen, nicht von dem, was geſchehen wird. Ich bin eingeſchritten und habe mit dem Sieger geſprochen. Ich habe ihm Bedingungen gemacht.“ — Welche ſind es?... welche können es ſein?— „Sie ſind leicht. Für einen Philoſophen, wie Alroy, eine bloße Ceremonie.“ Faſſe Dich kurz, kurz!— „Du ſiehſt, daß Deine Laufbahn für die Muſelmänner ein großer Abſcheu iſt. Ich bemerkte dieſe Schwäche und wirkte dem gemäß. Deine bloße Niederlage, Dein bloßer Tod würde den Flecken an ihrem Paniere, ihrem Glauben, nicht abwaſchen. Seit Alroy aufſtand, iſt die öffentliche Meinung von wirren Phantaſieen durchdrungen. Die Ge⸗ danken der Völker ſchweifen hin und her mit jenem furcht⸗ baren Wechſel, der keine ſichere Begründung der Staaten zuläßt. Niemand weiß, woran ſich halten oder wem ver⸗ 21 trauen. ſiiten. ren, als G dagegen⸗ gehört a haben mü handele d durch Dei gebracht, und die ügerem uns auch dert werd ſammelte vordem T irdiſchen einen 3 an die dung a die öffe heſchwi ger. Sie iſt dgeſſen. Ihr Nacken vürde haben. Deine eine jüdiſche d vicht glau⸗ ich die Macht o wehe mir! n dem, was ſchehen wird. er geſprochen. Muſelmänner Schwäche und Dein bloßer tem Glauben, dee öffentliche en. Die Ge— jenem furcht⸗ der Staaten der wem ver⸗ 219 trauen. Der Glaube wird bezweifelt, die Obergewalt be⸗ ſtritten. Sie möchten Deine glücklichen Erfolge gern ande⸗ ren, als bloß menſchlichen Mitteln zuſchreiben, müſſen aber dagegen Deiner Sendung ihr Anſehen benehmen. Dahin gehört auch der gute Ruf einer ſchönen und mächtigen Fürſtin, einer Tochter ihrer Kalifen, den ſie gern im Klaren haben möchten. Ich bemerke alles dieſes, beobachte und handele darnach. Könnten wir daher Mittel finden, wo⸗ durch Deine lauernden Anhänger für immer zum Schweigen gebracht, dieſer große Scandal auf eine gute Art vertilgt und die öffentliche Stimmung zu ruhigerem und vernünf⸗ tigerem Gleichgewicht umgewandelt würde, ſo würden ſie uns auch viel, ſehr viel zugeſtehen.“ — Deine Anſicht iſt einleuchtend, aber nicht Deine Mittel ſind es.— „Sie ſtehen in Deiner Gewalt.“ — In meiner? Das iſt ein ſchweres Räthſel. Löſe mir es!—— „Morgen Mittag wirſt Du vor dieſen Arslan gefor⸗ dert werden. Dort wird man Dich in Gegenwart des ver⸗ ſammelten Volks, das jetzt eben ſo ſehr ihm anhängt, als vordem Dir, der Zauberei und des Verkehrs mit den unter⸗ irdiſchen Mächten anklagen. Bekenne Dich ſchuldig.“ — Gut! Was weiter?— „Eine Kleinigkeit. Dann werden ſie Dich wegen der Fürſtin Schirin befragen. Es wird Dir nicht ſchwer wer⸗ den, zu bekennen, daß Alroy die Tochter des Kalifen durch einen Zauber gewann— der jetzt gelöſ't iſt.“ — So, ſo. Iſt das Alles?— „Die Hauptſache. Du kannſt dann noch einige Reden an die hebräiſchen Gefangenen richten, Deine göttliche Sen⸗ dung ableugnen und ſo weiter, um, wie Du wohl einſiehſt, die öffentliche Meinung über dieſen Punkt für immer zu beſchwichtigen.“ 280 — Ja, ja, und dann—?— „Nichts mehr, ausgenommen der Form wegen— denn erfüllſt Du das Alles, ſo wird man Dich gehen laſſen, wo⸗ hin Du nur willſt und Dir ſo viele Schätze ſpenden, als Du nur verlangſt— alſo bloß der Form wegen würde ich— wenn ich an Deiner Stelle wäre— denn erwarten wird man's wohl— ich würde mich gerade öffentlich ſo ſtellen, als ob ich unſern Glauben abſchwüre und mich vor ihrem Propheten beugte.“ — Hal biſt Du da? Iſt dies Deine Freiheit! Weiche von mir, Verſucher! Nein, nein! nie, nie! Nicht ein Aleph, nicht ein Aleph! Nicht ein Aleph will ich nachgeben. Und wäre nimmer endende Marter mein Loos, ich verſchmähe, ich verwerfe Deine Bedingungen! Iſt dies Deine ſtolze Ver⸗ achtung gegen unſer armes Geſchlecht?— Meinen Gott zu verleugnen! mich ſelbſt als den Elendeſten der Elenden und niedriger als den Niedrigſten zu zeigen! Herrliche Philo⸗ ſophie! O Honain! Hätten wir uns doch nie geſehen!— „Oder uns nie getrennt. Wahr! Hätte mein Wort ge⸗ golten, ſo wäre Alroy nie verrathen worden.“ — Nicht weiter. Ich beſchwöre Dich, nicht weiter! Verlaß mich.— „Wär' dies ein Palaſt, ſo thät' ich es. Harte Worte werden, wenn ſie in Bekümmerniß geſprochen, durch ein be⸗ freundetes Ohr gemildert.“ — Sage was Du willſt; ich bin der Auserwählte des Herrn. Als ſolcher hätte ich leben ſollen, als ſolcher will ich wenigſtens ſterben— „Und Mirjam?“ — Der Herr wird ſie nicht verlaſſen: nie verließ ſie ihn.— „Schirin?“ — Schirin! O! eben nur ihretwillen gedenk' ich wie ein Held zu ſterben! Soll man ſagen, ſie habe einen feigen Sklaven Renegate Tränken um der ſein, wi gleich ih glüht vo⸗ ſoll mein glorreich bo zu der leiſe un Mroy's küßte ſe klirrten. „A ſchaft“ a Muſik. glauben. kann die auf mich gegneten einem Nimm d Finſtern „A mir, da „9 degen— denn en laſſe, wo⸗ ſpenden, als wegen würde denn erwarten e öfentlic ſo und mich vor eiheit Weiche dt en Aleph, hgeben. Und h verſchmähe, ine ſtolze Ver⸗ einen Gott zu Elenden und rriiche Philo⸗ geſehen!— ein Vort ge⸗ nicht weiter! Harte Worte durch ein be⸗ Serwählte des z ſolcher will ne verließ ſie denk ich wie einen feigen . Sklaven geliebt, einen niedrigen Betrüger, einen gemeinen Renegaten, einen elenden Gaukler mit Zaubermitteln und Tränken? O nein, nein! und wär' es bloß um ihretwillen, um der Süßen, Holden willen, ſo ſoll mein Ende groß ſein, wie mein Leben. Gleich der Sonne erhob ich mich, gleich ihr will ich untergehen. Noch iſt die Welt durch⸗ glüht von meines Ruhmes Glanze, und meine letzte Stunde ſoll meinen Mittag nicht ſchänden, der ſtürmiſch war, aber glorreich.— Honain nahm die Fackel aus der Vertiefung und ging zu der Thür. Sie war nicht verſchloſſen. Er öffnete ſie leiſe und ließ eine verhüllte weibliche Geſtalt herein. Zu Alroy's Füßen warf ſich die Geſtalt und eine ſanfte Lippe küßte ſeine Hand. Es durchſchütterte ihn, ſeine Ketten klirrten. „Alroy!“ flüſterte die knieende Geſtalt. — Welche Stimme!— rief der„Fürſt der Gefangen⸗ ſchaft“ aus.— Sie tönt an mein Ohr, wie längſt vergeſſene Muſik. Ich will es nicht glauben. Nein! ich kann es nicht glauben. Biſt Du Schirin?— „Ich bin die Unglückſelige, die ſie Deine Braut nann⸗ ten.“ — O! was ſind Qualen gegen dieſe! Welcher Pfahl kann dieſem furchtbaren Augenblicke gleichen? Blick' nicht auf mich, laß ſich unſere Augen nicht begegnen. Sie be⸗ gegneten ſich vordem, wie zwei ſchimmernde Fluthen, die in einem großen Strome ſtrahlenden Lichts zuſammenfließen. Nimm die Fackel hinweg, Honain. Laß undurchdringliche Finſterniß unſer finſteres Schickſal bedecken.— „Alroy!“ — Sie ſpricht noch einmal. Iſt ſie wahnſinnig, gleich mir, daß ſie ſo mit der Todesangſt ſpielen kann?— „Herr,“ ſagte Honain vortretend und ſeine Hand ſanft 282 auf den Arm des Gefangenen legend,„ich bitte Dich, Deine Leidenſchaft zu mäßigen. Du haſt einige treue Freunde hier, die gern gemeinſam in Ruhe für Dein dauerndes Wohl wirkten.“ — Mein Wohl! Er ſpottet mein.— „Ich beſchwöre Dich, Herr, ſei ruhig. Wenn ich wirk⸗ lich mit dem großen Alroy ſpreche, den Jedermann fürchtete und noch fürchten ſoll, ſo bitte ich Dich, zu bedenken, daß eine Heldenſeele nicht allein in Paläſten oder auf dem Schlachtfelde ſiegen und befehlen kann. Auftritte, wie die⸗ ſer, ſind die großen Prüfungen eines höhern Gemüths. So lange wir leben, iſt unſer Leib ein Tempel, über den unſer Geiſt ſeine göttliche Begeiſterung ergießt, und ſo lange der Altar noch nicht umgeſtoßen iſt, kann die Gottheit noch Wunder darin wirken. Erhebe Dich alſo, edler Herr; be⸗ denke, daß, ob Kalif oder Sklave, kein Menſch unter den Lebendigen athmet, der Alroy gleich. Und ſolch' ein Weſen ſollte fallen ohne Widerſtreben, wie ein armer Schwächling, der ſich auf nichts verlaſſen kann, als auf die blind ge⸗ miſchten Zufälle des Glücks? Ich bin auch ein Prophet und fühle, daß Du noch ſiegen wirſt.“ — So gieb mir mein Scepter, gieb mir das Scepter! .... Ich ſpreche zu dem unrechten Bruder. Nein, Du warſt es nicht, nicht Du, der mir es gab.— „Erwirb Dir's noch einmal. Der Herr verließ David eine Zeit lang, aber er verzieh ihm doch und er ſtarb noch als König.“ — Ein Weib war Schuld an ſeinem Falle.— „Aber Dich erhebt ein Weib wieder. Dieſe edle Fürſtin, hat ſie nicht auch gelitten? Und doch iſt ihr Geiſt unge⸗ beugt. Hör' ihren Rath; er iſt freundlich und tief.“ — So war auch unſere Liebe.— „Und iſt es noch, mein Alroy!“ rief Schirin aus. „Sey ruhig, ich bitte Dich, ſei ruhig. Um meinetwillen; lin ich's vas Hon der nie ſ rith, ein ſpri es ihr beglü ferner ge dem Gar wandelter den Mei keiner, in keine ſiegende das Dei noch ver glücklich Pforten haſt Sch ſchwengl Ketten Deine nit ihr mich an Klänge bei ihre Ich wei „ wegküſſ Deine und u Dich 8 Ach, Deine le Freunde dauernde nich wilk⸗ in fürchtete denken, daß wauf dem e, wie die⸗ müths. So den unſer lange der öttheit noch r Herr; be⸗ hunter den ein Weſen chwächling, e blind ge⸗ drophet und as Scepter! Nein, Du rließ David rſtarb noch 6.— edle Fürſtin, Geiſt unge⸗ tief.“ Schirin aus. neinetwillen; bin ich's doch auch Deinetwegen. Du haſt auf alles gehört, was Honain Dir ſagte, jener weiſe Mann, mein Alroy, der nie ſich irrte. Es iſt ja nur ein Wort, wozu er Dir räth, ein leeres Wort, eine ganz unbedeutende Form. Aber ſprich es und Du biſt frei, und Alroy und Schirin können ihr beglücktes Leben wieder vereinen, und es in ſüßer Luſt ferner genießen. Erinnerſt Du Dich nicht, wenn wir in dem Garten unſerer Freude, der Herrſchaft müde, umher wandelten, wie oft haſt Du da nach einer freundlichen Inſel, den Menſchen unbekannt, geſeufzt, wo Du Deine Tage in keiner, als in meiner treuen Begleitung zubringen möchteſt, in keinen Abenteuern mehr, nur im Genuß unſerer nie ver⸗ ſiegenden Liebe? O, mein Alroy, dieſes Leben, es kann noch das Deine werden! Und Du zögerſt noch? Du nennſt Dich noch verlaſſen bei ſo viel Treue, hältſt Dich noch für un⸗ glücklich, wenn das Paradies mit allen ſeinen reizenden Pforten ſich Dir zum Eintritt öffnet? O nein, nein! Du haſt Schirin vergeſſen, haſt ſie vergeſſen, Deine Dich über⸗ ſchwenglich liebende Schirin, die an Deinem Bilde hier in Ketten mehr noch hängt, als damals ſie that, wo dieſe Deine ſüßen Hände mit Juwelen geſchmückt waren und mit ihren vollen Locken ſpielten!“ — Sie ſpricht von einer andern Welt. Ich erinnere mich an ſo etwas. Wer biſt Du, der dieſe harmoniſchen Klänge in einen Kerker geſandt? Mein Geiſt wird milder bei ihren ſchmelzenden Worten. Meine Augen ſind feucht. Ich weine! O! das iſt luſtig! Schmerz iſt Freude im Ver⸗ gleich mit meiner Verzweiflung. Ich dachte nie wieder eine Thräne zu vergießen! Mein Hirn drückt mich minder glü⸗ hend.— „Weine, ich bitte Dich, weine! Aber laß ſie mich hin⸗ wegküſſen dieſe Thränen, liebe Seele! Glaubteſt Du denn, Deine Schirin habe Dich verlaſſen? Du wirſt frei werden und unter einem milderen Himmel mit ſeinem treuen 284 Weibe leben. O! ich bin wieder glücklich, da ich in Dei⸗ ner Nähe bin! Nur Deine Trennung von mir war Elend für mich! Dieſer Kerker, mir ſcheint er unſer glänzender Kiosk! Iſt es der Sonnenſtrahl oder Dein Lächeln, mein Süßer, was dieſe Mauern ſo mit Wonne erfüllt?“ — Lächelte ich? O! das will ich nicht glauben!— „Ja, Du thateſt es. O ſeht, er lächelt wieder. Dieß iſt ja Freiheit! Es giebt nichts was Unglück hieße. Es iſt nur eine Lüge, um Thoren zu ängſtigen!“ — Honain! was iſt das? Bin ich nicht wirklich heiter? Liegt denn in ihrem Athem ſchon eine ſolche Begeiſterung? Ich bin ein anderes Weſen. O! verſchwende keine Küſſe an dieſe häßlichen Feſſeln.— „Mir kommen ſie golden vor.“ Sie ſchwiegen Beide. Schirin zog Alroy auf den rauhen Sitz, ſetzte ſich ſchmeichelnd auf ſeine Kniee, ſchlang ihre Arme um ſeinen Nacken und verbarg ihr Geſicht an ſeiner Bruſt. Nach einigen Minuten erhob ſie wieder ihr Haupt und flüſterte mit dem unwiderſtehlichen Tone ſüßen Jubels in ſein Ohr:„Morgen werden wir frei ſein!“ — Morgen! Iſt das Gericht ſo nahe?— rief der Gefangene mit bewegter Stimme und veränderter Miene: — Morgen!— Nicht ohne Haſt zog er Schirin von ſeinen Knieen und ſprang von ſeinem Sitze auf.— Morgen! o wenn es doch vorüber wär'! Morgen! Liegt mir doch in dieſem einzelnen Worte das Schickſal von Jahrhunderten! Soll man ſagen, daß morgen Alroy... Ha! wer biſt Du, der jetzt vor mir emporſteigt? Furchtbarer, gewaltiger Geiſt, Du biſt zeitig genug gekom⸗ men, mich von meinem tiefſten Verderben zu retten. Nimm mich an Deine Bruſt, die nicht durchbohrt ward. Nein, ſie durchbohrten Dich nicht! Du ſiehſt mich hier verkehrend mit Deinen Mördern. O! ich bin unſchuldig. Frage ſie, furchtbarer Geiſt, frage ſie und rufe ihre feindlichen Seelen auf zu p ſchvc 99 gekreiſch wild, u wie er den Auc verlaſſen Der ſuchte e wagte e wandte Stimme: Hor ſeinen A Noch nie „S gewiß et „ Honain! ſo! ha, Unſchul nicht ei die dies hin Dei⸗ dar Elend glänzender ſeln mein en!— er. Dieß e. Es iſt ic heiter? ſeſterung? eine Küſſe auf den ee, ſchlang Geſicht an wieder ihr one ſüßen ein!“ rief der er Miene: von ſeinen Norgen! ir doch in hunderten! mporſteigt? uig gekom⸗ em. Nimm nd. Nein, verkehtend Frage ſie, en Seelen ¹ 285 auf, zu bekennen, daß ich rein bin. Sie möchten mich gern ſo ſchwarz machen wie ſich ſelbſt, aber ſie ſollen es nicht.— „Honain, Honain!“ rief die Fürſtin mit furchtbarem Gekreiſch aus, als ſie zu dem Arzte floh:„Er iſt wieder wild, wieder gewaltſam erregt. O, beruhige ihn. Sieh, wie er daſteht mit ausgeſtrecktem Arme und ſtieren, ſtarren⸗ den Augen, furchtbare Worte herausſtoßend! Meine Kräfte verlaſſen mich. Das iſt zu ſchrecklich.“ Der Arzt ſchritt vor und trat zu Alroy, vergebens ſuchte er deſſen Aufmerkſamkeit auf ſich zu lenken. Er wagte es ſeinen Arm zu berühren. Der Fürſt erſchrak, wandte ſich um, und, ihn erkennend, ſchrie er mit gellender Stimme:„Hinweg, Brudermörder, hinweg!“ Honain trat bleich und zitternd zurück. Schirin faßte ſeinen Arm.„Was ſagte er, Honain? Du ſprichſt nicht. Noch nie ſah ich Dich ſo bleich. Biſt Du wahnſinnig?“ — O daß ich's wäre!— „Sind denn alle Menſchen raſend geworden? Er ſagte gewiß etwas. O! theile es mir mit! Was war es?“ — Frage ihn ſelbſt.— „Ich wage es nicht. Sage mir, o ſage es mir, Honain!“ — Das wage ich nicht.— „War es ein Wort?“ — O! ein Wort, um Todte aufzuwecken. Laß uns gehn.— „Ohne unſern Zweck erreicht zu haben? Feigherziger! Ich will mit ihm ſprechen. Mein theurer Alroy!“ ſo flüſterte ſanft die Fürſtin, als ſie ſich ihm wieder nahte. — Wie? hat der Fuchs die Tigerin verlaſſen? Iſt es ſo? ha, ha! Giebt es denn kein Gericht? Werden nur die Unſchuldigen verfolgt? Ich bin ſchuldlos; ich habe Dich nicht erwürgt. Er hatte Recht, als er ſagte: Hüte Dich! die dies thaten, können auch noch gräßlicheres thun. Und hier ſind ſie ſchon bereit zu ihrem verdammungsvollen Werke. Dein Körper litt, großer Jabaſtor, aber mir wollen ſie Leib und Seele zugleich erwürgen!— Die Fürſtin ſchrie auf und ſank in die Arme des vor⸗ tretenden Honain, der ſie aus dem Kerker trug. 16. Nach dem Falle Hamadan's waren Boſtenai und Mir⸗ jam als Gefangene nach Bagdad gebracht worden. Durch Honain's Vermittelung unterlag ihre Gefangenſchaft nicht der gewöhnlichen Härte, aber ſie waren doch auf ihre Ge⸗ mächer in der Feſtung beſchränkt. Bis jetzt waren alle Verſuche Mirjam's, ihren Bruder zu ſehen, vergebens ge⸗ weſen. Honain war der einzige Menſch, an den ſie ſich um Beiſtand wenden konnte, und er hatte immer als Antwort auf ihr Andringen ſeinen Mangel an Kraft ihr zu helfen vorgeſchützt. Vergebens hatte ſie durch das Anerbieten ei⸗ niger ihr noch gebliebenen Juwelen ſich die Mitwirkung ihrer Wachen zu verſchaffen geſucht, welche die Anmuth und Milde ihres Benehmens ihr bereits geneigt gemacht hatten. Nicht einmal Nachricht von ſich hatte ſie Alroy zukommen laſſen können. Jetzt aber, nach dem erfolgloſen Beſuche Honain's im Kerker, begab ſich der ehemalige Weſſir zu der Gefangenen, und indem er ſie mit zarter Geſchicklichkeit in Kenntniß der nahe bevorſtehenden Kataſtrophe ſetzte, kün⸗ digte er ihr an, daß es ihm endlich gelungen ſei, die ge⸗ wünſchte Erlaubniß für ſie zu erhalten, ihren Bruder zu beſuchen, und während ſie vor der Nähe eines Ereigniſſes ſchauderte, für das ſie ſich ſchon ſeit ſo langer Zeit vorzu⸗ bereiten geſucht hatte, flüſterte ihr Honain unter einigen Ermäßigungen die Mittel zu, womit er daſſelbe immer noch abzuwenden ſich ſchmeichle. Mirjam hörte ihn ſchweigend an, und er vermochte bei all' ſeiner ausgelernten Kunſt es nicht, ihr auch nur die leiſeſte Andeutung ihrer eignen ——— Min 50 ſchen Erg tete ihre war blic Heer Anſ erhe ſeine mild was Sch dieſe ſtimn trau Mff deut gan nie meh Ne eine inn we au⸗ mme ihn tief dr e des vor⸗ und Mir⸗ ei. Durch chaft nicht f ihre Ge⸗ ſparen alle gebens ge⸗ ſie ſih un 1s Antwort rzu helfen erbieten ei⸗ Nitwirkung umuth und iht hatten. zukommen en Beſuche Weſſir zu ſchicklichkeit ſetzte, kün⸗ ſei, die ge⸗ Bruder zu Ereigniſſes eit vorzu⸗ er einigen mmer noch ſchweigend Kunſt es er eignen 287 Meinung in Betreff ihrer Willfährigkeit dabei zu entlocken. So ſchieden ſie denn. Honain ſo hoffnungsreich, wie Men⸗ ſchen gleich ihm immer ſind. Da Mirjam ſowohl für Alroy als für ſich ſelbſt das Ergreifende eines unvorbereiteten Zuſammentreffens fürch⸗ tete, ſo bediente ſie ſich Honain's Einfluß, um Kaleb an ihren Bruder abzuſenden, damit dieſer ihn auf ihre Gegen⸗ wart vorbereite, und wegen der Zeit, wo er dieſen Augen⸗ blick wünſche, ihn befrage. Kaleb fand ſeinen ehemaligen Herrn erſchöpft auf dem Boden ſeines Gefängniſſes liegend. Anfangs wollte er nicht ſprechen, noch auch nur das Haupt erheben; ja, er ſchien ſelbſt lange Zeit den treuen Diener ſeines Oheims nicht zu erkennen. Endlich aber ward er milder, und als er vollends erfuhr, wer der Bote ſei, und was er bringe, ſchien er zwar zuerſt nicht geneigt, ſeine Schweſter zu ſehen, endlich aber lehnte er doch nur für jetzt dieſe Zuſammenkunft ab, da er allzu erſchöpft ſei, und be⸗ ſtimmte die erſte Stunde des nächſten Morgens zu dieſem traurigen Beſuche. Der ehrwürdige Boſtenai hatte ſeit dem Falle ſeines Neffen faſt gar nicht mehr geſprochen. Es war nur zu deutlich, daß ſeine Geiſteskräfte, wenn ſie ihn auch nicht ganz verlaſſen hatten, doch ſehr geſchwächt waren. Er ſtand nie von ſeinem Lager auf und bekümmerte ſich um nichts mehr was vorging. So zeigte er auch nicht die geringſte Neugier, kaum noch ein Gefühl. Wenn er auch manchmal eine Bemerkung murmelte, ſo gab ſie doch faſt immer nur innern Unwillen kund, und es ſchien ihn unangenehm, wenn ſich ihm irgend Jemand nahte, Mirjam ausgenommen, aus deren Hand er allein die kargen Lebensmittel anneh⸗ men wollte, die er ſonſt gar nicht berühren mochte. Seine ihm treuergebene Nichte gewann es aber bei all' ihrem tiefeinſchneidenden Kummer dennoch über ſich, dem Beſchützer ihrer Jugend ſtets eine ruhige Miene, ein aufmerkſames 288 5 14 Auge, eine milde Stimme und eine geſchäftige Hand zu zeigen. Ihre Religion und Tugend, die Feſtigkeit ihres Glaubens, und die Begeiſterung ihrer Unſchuld hielten die⸗ ſes reine, unglückliche Weſen in allem ihren unverdienten und gränzenloſen Elende aufrecht. Mitternacht war längſt ſchon vorüber, als Abner's junge Wittwe auf ihrem Lager ſanft ſchlummerte. Die reizende Beruna und die ſchöne Bathſeba beobachteten bei geöffneten Fenſterläden die Stunden der Nacht. „Soll ich ſie aufwecken?“ ſagte die ſchöne Bathſeba. „Mir iſt's, als ob die Sterne bläſſer würden. Sie bat, daß man ſie lange vor Tagesanbruch wecken ſolle.“ — Ihr Schlaf iſt zu reizend! Laß uns ſie nicht wecken; — entgegnete Beruna.— Wir erwecken ſie nur zum Kummcr.— „Möchten doch ihre Träume wenigſtens glücklich ſein Sie ſchläft ſo ruhig wie eine Blume.“ — Der Schleier iſt ihrem Haupte entfallen. Ich will ihr ihn leiſe wieder heraufziehn. So recht, liebe Bathſeba?— „Ganz recht, theure Beruna. Ihr Geſicht ſieht in den Shawl eingehüllt wie eine Perle aus ihrer Schale. Doch ſtill! ſie bewegt ſich.“ — Bathſeba!— „Ich bin hier, theure Herrin.“ — Bricht bald der Morgen an?— „Noch nicht, liebe Herrin. Noch iſt es Nacht. Doch iſt Mitternacht ſchon lange vorüber. Iſt mir's doch als ſpür' ich des Morgens erſtehenden Hauch. Aber es iſt noch Nacht, und der Neumond ſcheint wie eine Sichel am Him⸗ melsfelde in Mitten der Sternenernte.“ — Beruna, liebes Mädchen, gieb mir Deinen Arm. Ich will aufſtehen.— Die Mädchen traten hinzu und halfen ihrer Gebieterin ſanft ſich zu erheben und an's Fenſter zu treten. dand zu ket ihres jelten die⸗ verdienten 3 Acner' erte. Die chteten bei Nathſeba. Sie bat, le 7 ich wecken; nur zum lücklich ſein . Ich will athſeba?— ieht in den hale. Doch hacht. Doch s doch als es iſt noch el am Him⸗ Deinen Arm er Gebiterin n. noch nie ſo ruhig geſchlafen wie eben. Meine Träume waren ſanft und beruhigend. Ich ſah ihn, aber er lächelte. Habe ich lange geſchlafe, liebe Mädchen? Ihr ſeid ſehr wachſam.“ — Theure Herrin, ſoll ich Deinen Shawl bringen? Die Luft iſt friſch.— „Aber mild. Ich danke Dir, nein. Meine Stirn iſt nicht ſo kühl, daß ſie einer Bedeckung bedürfe. Eine ſchöne Nacht!“ Mirjam ſchaute weit hinaus über die mondbeſchienene Hauptſtadt. Die hohe Lage der Feſtung gewährte einen ausgedehnten Blick auf die gewaltigen Maſſen von Gebäu⸗ den, jede an ſich eine Stadt, die nur durch die hohen und mächtigen Kuppeln, die langen, dünnen und weißen Mina⸗ rets der Moſcheen oder die ſchwarzen hochanſtrebenden Ge⸗ ſtalten einſamer Cypreſſen unterbrochen wurden, und durch welche der im Mondlicht glänzend dahin rauſchende Tigris ſeinen ſtolzen Strom ergoß. Alles ſchwieg. Kein Boot ſchwamm auf dem ſchnellen Fluſſe, keine einzige Stimme unterbrach die Stille der ſchlummernden Millionen. So ſchaute ſie, und als ſie ſchaute, mußte ſie unwillkühr⸗ lich dieſen Anblick, der wie das Grab aller Leiden⸗ ſchaften des Menſchengeſchlechts erſchien, mit dem unver⸗ gleichbaren Glanze jenes begeiſternden Schauſpiels verglei⸗ chen, das Bagdad bei der Feier von Alroy'’s Vermählung darbot. Wie verſchieden war auch damals ihre Lage gegen jetzt, und wie glücklich! Die einzige Schweſter eines treu⸗ ergebenen Bruders, des Herrn und Eroberers von Aſien; die Gattin ſeines ſiegreichſten Befehlshabers, eines Mannes, der aller ihrer Tugenden werth war, und deſſen jugendliche Tapferkeit ein Diadem auf ihre Stirn geſetzt hatte. Mirjam hatte ihre hohe Stellung weder Sorge noch Verbrechen gebracht. Sie hatte ihre Mildthätigkeit nur allgemeiner, 19 290 ihr Wohlwollen nur allmächtiger gemacht. Sie konnte ſich ſelbſt in dieſer ernſten Stunde der ſchärfſten Selbſtprüfung, das reine Weſen konnte ſich bei aller ihrer Beſcheidenheit und Demuth nicht anklagen, daß ſie ihre Unterwerfung gegen Gott, oder ihre Pflichten gegen ihre Nebenmenſchen auch nur einen Augenblick vergeſſen habe. Wenn ſich aber ihre Gedanken dann wieder zu dem Weſen wandten, von dem ſie ſich eigentlich nie entfernt hatten, und wenn ſie ſeiner gedachte, und ſeines ganzen Lebens, und all' der tauſend Vorfälle ſeiner Jugend, Geheimniſſe für die Welt und nur ihr allein bekannt, die aber die Vorahnung ſeines Ruhmes waren; und wenn ſie nun dachte an alle ſeine herrlichen Eigenſchaften, an all ſeine ſüße Zuneigung, ſeinen Ruhm ohne Gleichen, und das ihn bedrohende Loos; da er⸗ zwangen ſich in ſchweigender Todesangſt ihre Thränen einen Weg über ihre bleichen und ſchwermuthsvollen Wangen. Sie neigte ihr Haupt auf Bathſeba's Schulter, und die ſanfte Beruna drückte ihre bebende Hand. Der Mond ging unter, die Sterne wurden weißer und bleicher, und einer nach dem andern erloſch. Jenſeits der weiten Ebne des Tigris, dem Schauplatze des hochzeitlichen Prunks, ſchimmerte der dunkel purpurfarbne Horizont von einem glänzenden Streife, weiß und orange. Das feierliche Gebet der Muezzin erſcholl von den Minarets. Jemand klopfte an die Thür. Es war Kaleb. „Ich bin bereit,“ ſagte Mirjam; und bedeckte einen Augenblick lang ihr Geſicht mit ihrer Rechten. Denkt an mich, holde Mädchen! betet für mich!“ 17. 1 Auf Kaleb geſtützt, und von einem Wächter, welcher Fackeln trug, geleuchtet, ſtieg Mirjam die dumpfen, zertrüm⸗ merten Stufen herab, welche in den Kerker führten. Ihre Kräfte verließen ſie, als ſie zu deſſen Thüre kam. Sie blieb Der T Alroy kräftig hielt ſagte Muthe J der M außerh und te den, Es lä⸗ ſtürzte „ſolch gefang „ diellei wiede ich n Ich voll verzi denn Seit ante ſich torifung, heidenheit erwerfung mmenſchen r zu dem entfernt dn Lebens, unniſſe für orahnung alle ſeine ng, ſeinen os; da er⸗ änen einen zVangen. , und die veißer und enſeits der ochzeillichen rizont don as feierliche . Jemand deckte einen Denkt an hter, welcher en, zertrum⸗ Prtn. Ihre ekam. Sie 291 blieb ſtehn und lehnte ſich an die kalte, feuchte Mauer. Der Wächter und Kaleb gingen ihr voraus. Sie vernahm Alroy's Stimme. Dieſe war feſt und mild. Ihr Ton kräftigte ſie. Kaleb ſchritt mit einer Fackel voran, und hielt ſie ihr vor die Füße; und als er ſich herabbeugte, ſagte er:„Mein Herr befahl mir, Euch zu bitten, guten Muths zu ſein, denn er iſt es.“ Nachdem der Wächter eine Fackel in die Vertiefung der Mauer geſtellt, entfernte er ſich. Mirjam bat Kaleb außerhalb zu bleiben. Dann faßte ſie alle Kraft zuſammen, und trat in den furchtbaren Raum. Alroy war aufgeſtan⸗ den, um ſie zu empfangen. Das Licht fiel auf ſein Geſicht. Es lächelte. Mirjam konnte ſich nicht länger halten. Sie ſtürzte vor und drückte ihn an ihr Herz. „O meine Theure, meine Geliebteſte!“ flüſterte Alroy; „ſolch ein Wiederſehen nimmt ſelbſt den Gefangenen noch gefangen!“ Aber die Schweſter konnte nicht ſprechen. Sie lehnte ihr Haupt auf ſeine Schulter und ſchloß ihre Augen feſt zu, damit ſie nicht weinten. „Muth, geliebtes Herz! Muth!“ flüſterte der Gefangene. „O, ich bin ja glücklich!“ — Mein Bruder! o mein Bruder!— „Hätten wir uns geſtern geſehen, ſo würdeſt Du mich vielleicht etwas verſtört gefunden haben. Heut bin ich aber wieder ich ſelbſt. Seit ich den Tigris überſchritt, entſinne ich mich nicht ſo eine innere Ruhe empfunden zu haben. Ich habe ſüße Träume gehabt, theure Mirjam, Träume voll Troſtes, und mehr als Träume. Der Herr hat mir verziehen, das glaube ich zuverſichtlich.“ — O mein Bruder! Deine Worte ſind voll Troſtes, denn auch ich habe geträumt, und geträumt voll Beruhigung. Seit Deinem Falle iſt mein Geiſt nie ruhiger geweſen.— „O ich bin ſehr glücklich.“ 19* 292 — Sage mir das noch einmal, mein David, laß ſie mich noch einmal hören, dieſe Worte des Troſtes!— „O es iſt vollkommen wahr, meine treue Freundin. Ich ſpreche es nicht bloß aus freundlicher Verſtellung, um Dir Freude zu machen. Denn wiſſe, in vergangener Nacht .ob nun dem Herrn gereute ſeines Zornes, oder ob einige furchtbare Prüfungen, von denen ich nicht ſprechen, nie mehr an ſie denken mag, mir Verzeihung erworben hatten für meine vielfachen Sünden... aber es geſchah, daß um dieſe Zeit, als mein Engel Mirjam ihre freundliche Botſchaft ſandte, ein Gefühl der Ruhe über mich kam, wie ich lang ſchon es mir erſehnt. So fiel ich denn in einen Schlummer, tief und ſanft, und ſtatt jener wilden und wir⸗ ren Bilder, die während der letzten Zeit mein Hirn um⸗ ſchwirrt hatten, wenn es ruhen ſollte,— ſtatt der Blitze von Herrſchaft und Verſchwörung, der Züge grimmigen Krieges und höhnender Liebe,— ſtand ich an unſerm hei⸗ mathlichen Springbrunnen und pflückte Blumen mit meiner frühſten Jugendfreundin. Und als ich die blühenden Ge⸗ fangenen um Deine fliegenden Locken wand, und Dich küßte als Du lächelteſt, da kam Jabaſtor, der große, belei⸗ digte Mann, nicht mehr ernſt und zürnend, ſondern mit wohlwollenden Blicken, und voll von Liebe. Und er ſagte: „David, der Herr hat Deine Glaubenstreue geſchaut, ohn⸗ erachtet der Finſterniß Deines Kerkers.“ Damit verſchwand er. Geliebte Schweſter, er ſprach von einigen harten Ver⸗ ſuchungen, denen ich durch Hülfe des Himmels widerſtan⸗ den. Nichts mehr davon! Ich erwachte. Und horch! Noch hörte ich meinen Namen rufen. Voll meines Morgentrau⸗ mes dachte ich, Du ſeieſt es und antwortete: Theure Schweſter, biſt Du hier? Aber Niemand antwortete wieder. Und als ich dann nachdachte, erkannte mein Gedächtniß jene ſchwirrenden Töne wieder, welche Alroy in Jabaſtor's Höhle beriefen.“ ——— Vaterl mir d können Eine Schlu gang, Thate d laß ſee 34— Freundin. lung, um ener Nacht , oder ob t ſprechen, erworben geſchah, freundliche ) kam, wie in einen n und wir⸗ Hirn um⸗ der Blite grimmigen inſerm hei⸗ nit meiner henden Ge⸗ und Dich roße, belei⸗ ondern mit d er ſagte: Haut, ohn⸗ verſchwand arten Ver⸗ widerſtan⸗ porch! Noch Norgentrau⸗ te: Theure tete wieder. Gedächniß 1 Jabaſtor 3 2⁵ — Die Tochter der Stimme?— „Dieſelbe heilige Botſchaft. Ich bin voll Glaubens⸗ freudigkeit. Der Herr hat mir verziehen. Glaube es ſicherlich.“ — Ich kann nicht daran zweifeln, David. Du haſt große Dinge gethan für Israel. Niemand in dieſen Zeiten hat ſich erhoben gleich Dir. Biſt Du auch gefallen, ſo warſt Du jung, und ſchwer verſucht.— „Doch Israel, Israel! Fühlte ich es nicht, daß mein Vaterland einen würdigern Führer zu erwarten habe, bräche mir das Herz. Ich habe mein Vaterland verrathen!“ — O nein, nein, nein! Du haſt gezeigt was wir thun können und werden. Dein Andenken ſchon iſt Begeiſterung. Eine große Laufbahn, ob auch irre geführt an ihrem Schluſſe, iſt doch ein Grenzſtein menſchlicher Kraft. Unter⸗ gang, wenn er erhaben, erfüllt auch ſeinen Zweck. Große Thaten ſind große Vermächtniſſe und wirken mit wunder⸗ vollem Wucher. An dem was Menſchen thaten, lernen wir, was Menſchen thun können, und meſſen darnach die Kraft und Ausſicht unſers Geſchlechts.— „Ach, es iſt keiner da, der meinen Namen erhalte! Er wird herabgewürdigt, oder noch ſchlimmer, er wird ver⸗ geſſen werden.“ — Nie, nie! Das Andenken an große Thaten ſtirbt nie. Des Ruhmes Sonne, mag ſie auch eine Zeit lang verdun⸗ kelt werden, zuletzt ſcheint ſie doch wieder. Und ſo wird, theurer Bruder, vielleicht ein Dichter in weitentlegener Zeit, in deſſen Adern unſer heiliges Blut ſtrömt, glühend begei⸗ ſtert durch dieſen Stoff aus den Sagen ſeiner Nation, ſeine Harfe ertönen laſſen von Alroy's gewaltſamem Laufe, und einem Namen, der nur allzu lange vergeſſen war, neue Weihe verleihen.— „Möge Liebe Dich zur Prophetin machen!“ rief Alroy aus, ſein Haupt herabneigend und ſie umarmend.„O Ge⸗ 294 liebteſte, verweile nicht länger. Es iſt beſſer, wir ſcheiden mit dieſem feſten Muthe.“ Sie zog ſich von ihm ab, faltete ihre Hände und rief kraftvoll:— Wir ſcheiden nicht von einander! Ich ſterbe mit Dir.— „Himmliſches Weſen, ſei ruhig, ruhig! Laß mich nicht ſchwach werden.“ — Ich bin ruhig. Sieh, ich weine nicht. Keine Thräne, auch nicht eine. Sie ſind alle in meinem Herzen.— „So geh denn, meine Mirjam, Engel des Lichts und der Huld. Weile nicht länger, ich bitte Dich, geh! Ich möchte nicht gern an das Vergangene denken. Laß meinen ganzen Geiſt ſich in die Gegenwart verſenken. Deine Ge⸗ genwart ruft mir die Tage von vordem zurück und macht mich zu weich. Bringe dem Oheim meinen Pflichtzoll. Geh, meine Theuerſte, geh!“ — Und Dich verlaſſen ſoll ich, Dich verlaſſen um.. o mein David! ſahſt Du, ſprachſt Du... Honain?— „Nicht weiter, nicht weiter! Laß dieſen verabſcheuten Namen nicht Deine heiligen Lippen entweihen. Erwecke nicht den Dämon in mir.“ — Ich ſchweige, o ich ſchweige. Aber es bringt zum Wahnſinn! O mein Bruder, es ſteht Dir eine ſchwere Prüfung bevor.— „Der Gott Israel's iſt meine Zuflucht. Er rettete unſ're Väter in dem feurigen Ofen. Er wird auch mich retten.“ — Ich bin voll Vertrauen! O laß mich hier bleiben.— „Ich möchte gern ſtill, möchte gern allein ſein. Ich kann nicht ſprechen, Mirjam. Ich bitte Die, die keinen andern Gedanken hatte als nur für meine Wünſche, um eine Gunſt, die letzte, die höchſte. Verlaß mich, Du Ge⸗ ſegnete.“ — Ich gehe. O Alroy, lebe wohl! Laß mich Dich vir ſcheiden 1 Ih ſterbe d nich nict icht Keine T Herzen.— Lühts und 5,eh 3 Laß meinen Deine Ge⸗ und macht ictzoll. Geh, ſſen um., nain?— perabſcheuten n. Erwecke bringt zum eine ſchwere Er rettete d auch mich rbleiben.— ſein. Ich die keinen Wünſche, um ch, Du Ge⸗ nich Dich küſſen! Noch einmal, und noch einmal! Laß mich knieen und Dich ſegnen. Bruder, geliebter Bruder, großer und ruhmvoller Bruder, ich bin Deiner werth: ich will nicht weinen. Ich bin ſtolzer in dieſem furchtbaren Augenblicke auf Deine Liebe, als alle Deine Feinde es über ihren grau⸗ ſamen Triumph ſein können!— 18. Beruna und Bathſeba empfingen ihre Herrin, als dieſe in ihr Gemach zurückkehrte, Sie bemerkten ihre Traurigkeit. Sie war ſtill, bleich und kalt. So brachten ſie ſie auf ihr Ruhebett, auf das ſie ſich mit ſtarrem, theilnahmloſen Blick ſetzte; ihre bebenden Lippen ſchwiegen, ihre Augen richteten ſich in dumpfer Bewußtloſigkeit auf den Boden, und die Arme hingen mattgefaltet vor ihr herab. Beruna ſchlich ſich hinter ſie, den Kopf ihr mit Kiſſen unterſtützend, und Bathſeba trocknete ihr, ohne daß ſie es merkte, den leichten Schaum vom Munde. So blieb Mirjam mehrere Stunden, und ihre treuen Dienerinnen lauſchten vergebens nach ir⸗ gend einem Zeichen ihres Selbſtbewußtſeins. Plötzlich erſcholl eine Trompete. „Was iſt das?“ rief Mirjam kreiſchend aus, und ſchaute mit wirrem Blicke empor. 3 Kein's der Mädchen antwortete, weil ſie wußten, daß es das Zeichen ſei, Alroy gehe zu ſeinem Gerichte. Mirjam blieb in derſelben Stellung, blieb mit dem⸗ ſelben Ausdrucke wirrer Frage. Wieder ein anderer Trom⸗ petenſtoß, und darauf das Geſchrei des Volkes. Da hob ſie ihre Arme zum Himmel empor, neigte ihr Haupt... und ſtarb. 19. Der Platz vor der großen Moſchee, dieſelbe Stelle, wo Jabaſtor und Abidan ſich getroffen hatten, war zum 296 Orte des bevorſtehenden Gerichts über Alroy beſtimmt. Dahin begaben ſich mit Sonnenaufgang Tauſende von Schauluſtigen aus der Stadt. Im Mittelpunkte des Mark⸗ tes war ein großer Kreis durch ein carmoiſines Seil ab⸗ geſperrt und von Chovaresmiſchen Kriegern bewacht. Rund um daſſelbe drängte ſich die anſchwellende Menge wie die rauſchenden Wogen des Oceans; wenn aber die Fluth mit zu großer Gewalt anſtürmte, beſchwichtigten die wilden Cho⸗ varesmier das unbezwingbare Element, indem ſie ihre un⸗ ſanften Streitärte erhoben, und Köpfe und Schultern der ihnen zunächſt ſtehenden Schlachtopfer damit bearbeiteten. Als der Morgen weiter vorſchritt, bedeckten ſich die Ter⸗ raſſen der umliegenden Häuſer, die von Zelten überbaut waren, mit Zuſchauern. Ganz Bagdad war auf den Füßen. Seit der Vermählung Alroy'’s hatte es dort nicht wieder einen ſo luſtigen Morgen gegeben, als am Tage ſeiner Pfählung. An dem einen Ende des Kreiſes war ein prachtvoller Thron errichtet. Zwiſchen ihm und dem andern Ende, aber etwas zurück, ſtand eine Schaar ſchwarzer Eunuchen, häßlich anzuſehen, welche, weiß gekleidet und mit verſchie⸗ denen Marterwerkzeugen bewaffnet, die ungeheuern, hohen, dünnen und ſcharfen Pfähle umgaben, die zu der Schluß⸗ feierlichkeit vorbereitet waren. Der Klang der Trompeten, der Schall der Zimbeln und das wilde Getöſe der Trommeln, verkündeten Alp Arslan's Ankunft aus dem Serail. Ein Eingang zu dem Kreiſe war für ihn freigehalten worden. Als der königliche Zug ſich durch das Volk wand, konnte man ihn an der ſchimmernden und wogenden Reihe von Ehrenfedern und den wehenden Fahnen erkennen, auf welchen die Namen Allah's und des Propheten ſtanden. Plötzlich beſtieg unter dem Schalle der Muſik und dem Rufen der Zuſchauer, von denen viele auf den Terraſſen ſich auf die Kniee war⸗ 1 fen, T Heerf Kadis 4 und vielme und nieder eine? daß d den 4 nach nehme bund der von! Wage freiter Eiſen Theil Unwi wegur riſſen Locker gert, lif ve noch gebot Alp Gebie Proph deſimmt. ende von des Mark⸗ Seil ah⸗ t. Rund e wie die Nuh mi den Cho⸗ ihre un⸗ Altern der arbeiteten die Ter⸗ überbaut en Füßen öt wieder age ſeiner achtvoller rn Ende, Sunuchen, verſchie⸗ , hohen, r Schluß⸗ Zimbeln eten Alp g zu dem königliche n an der dern und e Namen ieg unter zuſchauer, niee var⸗ 297 fen, Alp Arslan den Thron, um welchen her ſeine oberſten Heerführer und eine Abordnung von Mollah's, Imans, Kadis und anderen angeſehenen Perſonen der Stadt ſtand. Der König von Chovaresm war groß von Geſtalt, und etwas mager. Seine Geſichtsfarbe war weiß oder vielmehr röthlich; er hatte einen rothen Bart, blaue Augen und eine platte Naſe. In dem Augenblicke, wo er ſich niedergelaſſen hatte, hörte man gegenüber in weiter Ferne eine Trompete, und die Zuſchauer ziſchelten einander zu, daß der große Gefangene nun herbeigeführt würde. Zuerſt trat eine Schaar Chovaresmiſcher Wachen in den Kreis und ſtellte ſich um das Seil her, mit dem Rücken nach den Zuſchauern zu. Dann kamen funfzig der vor⸗ nehmſten hebräiſchen Gefangenen, mit auf den Rücken ge⸗ bundenen Händen, doch dies deutlich mehr der Form als der Sicherheit wegen. Auf dieſe folgte ein kleiner bedeckter, von Maulthieren gezogener und von Wachen umgebener Wagen, welche den von ſeinen Ketten an den Füßen be⸗ freiten, aber immer noch an den Händen mit ſchweren Eiſen belaſteten Alroy geleiteten. Durch die Menge lief ein allgemeines Gemurmel von Theilnahme, und Staunen, und Furcht, und Triumph. Unwillkührlich ſchauerte Jeder zuſammen. In raſcher Be⸗ wegung wogte das Volk hin und her. Sein Gewand zer⸗ riſſen und beſchmutzt, das Haupt unbedeckt, die langen Locken über die Stirn hereinhangend, bleich und abgema⸗ gert, aber noch immer kräftig, warf der Eroberer und Ka⸗ lif von Bagdad einen ruhigen Herrſcherblick auf die, ſo noch vor Kurzem ſeine Sklaven waren. Wieder ſchmetterten die Trompeten, es ward Stille geboten, und ein Ausrufer verkündete, daß Seine Hoheit, Alp Arslan, der erhabene Herrſcher von Chovaresm, ihr Gebieter, Beſchützer und König, Rächer Allah's und des Propheten gegen alle rebelliſchen und übelgeſinnten Juden 2ss und Giaour's ſprechen wolle. Tiefe, allgemeine Stille folgte, und dann ertönte eine Stimme, laut, wie die des Adlers im Sturme. „David Alroy!“ rief ſein Beſieger.„Du biſt heut hieher gebracht worden, nicht wegen Gerichts noch Urtheil. Gefangen genommen und bewaffnet gegen Deinen geſetz⸗ mäßigen Oberherrn, wirſt Du, wie jeder andere Rebell, auf Dein Loos bereits vorbereitet ſein. Ein ſolches Verbrechen allein verdient ſchon die härteſte Züchtigung. Was verdienſt denn aber Du, der Du beladen biſt mit tauſend Schänd⸗ lichkeiten, der Du Allah und den Propheten geläſtert, und mit Hülfe von Zauberkünſten und Beiſtand von Höllen⸗ mächten den Frieden von Königreichen geſtört, unendliches Blutvergießen veranlaßt, alle Geſetze, Religion und Sitte übertreten, die Gemüther der Dir ergebenen Anhänger ver⸗ führt, und vor allem durch einen unzweifelhaften Vertrag mit Eblis,*) durch die fürchterlichſten Zaubereien und ſchändlichſten Beſchwörungen die Sinne einer erhabenen Prinzeſſin, die bis dahin durch die Uebung jeder Tugend berühmt, und vom eigenen Stamme des Propheten war, gefeſſelt haſt? „Betrachte dieſe Pfähle von Palmenholz, ſpitziger als eine Lanze! Die ſchrecklichſte Vergeltung, welche Menſchen⸗ witz für Verbrechen erdenken konnte, wartet Dein. Deine Schandthaten aber übertreffen alle menſchliche Rache. Schau hin, zu Deinem genügenden Lohne, auf jene hölliſchen Mächte, durch deren ſchwarze Mitwirkung Du ſolche Un⸗ glücksfälle bewirkt haſt. Deine Strafe iſt öffentlich, damit Jedermann erfahre, daß der Schuldige ihr nie entgeht, und daß, wenn Dein Herz auch nur von dem kleinſten Grade der Zerknirſchung wegen Deiner zahlreichen Schlachtopfer durchdrungen iſt, Du heute durch das freie Bekenntniß der *) Der mohamedaniſche Teufel. unwi Schlo befre Höre vertr thate glück ſei E ſei G Pro⸗ 299 all een. unwiderſtehlichen Mittel, womit Du ſie verführteſt, dieſe 5 Schlachtopfer von dem peinlichen und ſchmachvollen Ende bit heu befreien kannſt, das ihnen jetzt um Deinetwillen droht. h Urhel. Höre, verſammeltes Volk, die unendliche Gnade des Stell⸗ nen gich vertreters Allah's! Er verſtattet dem Böſewichte, ſeine Un⸗ Rebell af thaten zu bekennen, und durch ſein Geſtändniß ſeine un⸗ Lerbuecen Wucſhen Schlachtopfer zu retten. Ich ſprach es. Allah . h ei Ehre!“ enua Und das Volk rief:„Er ſagte es! Er ſagte es! Allah d Schänd⸗ ſei Ehre! Er iſt groß, groß iſt er! und Mahomed iſt ſein ſten, und Prophet!“ dölen— Kann ich jetzt ſprechen?— fragte Alroy, als der unendlihes Tumult nachgelaſſen hatte. Die Melodie ſeiner kräftigen und üitte Stimme gebot allgemeine Aufmerkſamkeit. hänger ver⸗ Alp Arslan neigte ſein Haupt genehmigend. en Lertrag„König von Chovaresm! Hier ſtehe ich, angeklagt vie⸗ ereien und V ler Verbrechen. Höre auch jetzt meine Antwort. Man erhabenen ſagt, ich ſei ein Rebell. Darauf antworte ich: ich bin ein er Tugend Fürſt wie Du, von heiligem Stamme, und von noch weit heten war, älterem, als der Deine. Ich erkenne mich Niemandem zu Pflichten verbunden, als meinem Gott, und habe ich dieſe biziger als verletzt, ſo muß man mich erſt noch lehren, daß Alp Ars⸗ Nenſchen⸗ lan der Rächer iſt der Macht des Ewigen. Was Deinen in. Dene Gott und Deinen Propheten betrifft, ſo kenne ich ſie nicht, che. Schau ob ſie wohl den meinen anerkennen. Wohl eingerichtet höliſcen) iſt's in jedem Staate, daß mein Volk abgeſondert ſteht von ſolche Un⸗ anderen Nationen, und trotz aller ſeiner Leiden immer ſo tlich, damit ſtehen wird. Weiter nun, wegen der Gottesläſterung: ich ntgeht, und bin einem tiefgewurzelten Glauben ehemaliger Zeit treu, ſten Graͤdle den ſelbſt die heiligen Schriften Deines Stammes noch ver⸗ clachtopfer ehren. Was die Zauberkünſte betrifft, die ich verübte, und enntniß ere die hölliſchen Mächte, mit denen ich es halten ſoll, ſo wiſſe, König, daß ich das Panier meines Glaubens auf den be⸗ ſtimmten Befehl meines Gottes, des großen Weltſchöpfers, 300 erhob. Was bedurfte ich da noch der Zauberei? Was des Betrugs durch kleinliche Feinde, da ſeine Allmacht mich ſtützte? Meine Magie war ſeine Begeiſterung. Bedarf's noch des Beweiſes, daß bei ſolcher Hülfe mein Volk ſich ſchaarenweiſ' um mich verſammelte? Die Zeit wird kom⸗ men, wo aus unſerm alten Samen ein würdigeres Ober⸗ haupt entſtehen wird, das ſelbſt Du, Herr, nicht wirſt ver⸗ nichten können. „Was jene unglückliche Fürſtin anlangt, von der Ihr, wie mich's bedünkt, nicht eben mit großer Schonung ſprecht, ſo iſt ſie mein Weib, mein freiwilliges Weib, die Tochter eines Kalifen— aber doch mein Weib, obgleich Eure Pfähle ſie bald zur Wittwe machen werden. Nicht ſtehe ich hier, um Rechenſchaft abzulegen wegen weiblicher Launen. Glaube mir, Herr, ſie überließ ihre Schönheit meinen ent⸗ zückten Armen unter keiner weitern Ueberredung als der, wie ſie ſich für einen Krieger und einen König geziemte. Sonderbar mag Dir's auf Deinem Throne vorkommen, daß die Blume Aſien's von einem ſo niedrigen Manne ge⸗ pflückt ward, als ich bin. Aber bedenke, daß die Zufälle des Glücks noch ſonderbarer ſind. Ich war nicht immer, was ich jetzt bin. Wir trafen früher auf einander. Es gab einen Tag, und das iſt nicht allzu lange her, wo ohne die Verrätherei einiger Schurken, die ich hier erblicke, das Glück wohl geneigt ſchien, unſer Loos gerade umzudrehen. Hätte ich geſiegt, ſo verſichere ich Dir, ich hätte mehr Gnade gezeigt.“ Der König der Chovaresmier war der leidenſchaftlichſte aller Menſchen. Er hatte nach dem Zureden und Unter⸗ richte ſeiner Räthe geſprochen, welche ihm verſichert hatten, daß der Ton, in dem er ſpräche, Alroy dahin bewegen würde, alles einzugeſtehen, was er verlange, und beſon⸗ ders den Ruf der Fürſtin Schirin zu retten, welcher es bereits gelungen war, Alp Arslan zu überzeugen, daß ſie Aan 3010 acht mich die gekränkteſte ihres ganzen Gefchlechts ſei. Jetzt ſtampfte Jedafs alſo der König der Chovaresmier dreimal mit dem Fuße Volk ſch auf den Teppich vor ſeinem Throne und rief mit großer dird kom— Heftigkeit:„Bei meinem Barte! Ihr habt mich betrogen: tes Dbe. der Hund hat nichts geſtanden!“ wirſt ver⸗ Alle Räthe und oberſten Heerführer, und die Mollahs, und die Imans, und die Kadis und die vornehmſten Per⸗ der Ihr, ſonen der Stadt waren in der größten Beſtürzung. Sie u ſprect, beriethen ſich augenblicklich unter einander und ſtimmten e Tohhe nach vielem Gezänk endlich darin überein, daß es, ehe man ich Eure zu dem Aeußerſten ſchreite, am Gerathenſten ſei, zu verſu⸗ ſich ſthe chen, das zu beweiſen, was der Gefangene nicht bekennen rLaunen. wolle. So ſtand denn ein ſehr ehrwürdiger Scheik auf, enen ent⸗ in weite grüne Gewänder gekleidet, mit einem langen wei⸗ als der ßen Barte und einem Turban wie der Thurm zu Babel. gezjente Sein heiliger Ruf verſchaffte ihm allgemeine Stille, während Konmen er ein langes Gebet ſprach, worin er Allah und den Pro⸗ 4 esläſterlichen Juden Giaour's zu anne ge⸗ pheten bat, alle gottesläſterlichen Juden und G 3 e Jwüle Schanden zu machen, und Worte der Wahrheit aus dem ht unne Munde frommer Männer ſtrömen zu laſſen. Und nun der 6 rief der ehrwürdige Scheik alle Zeugen gegen David Alroy 3 auf. Augenblicklich trat Kisloch der Kurde vor, und als 1 ohne er auf eine Erhöhung geſtiegen, zog der Kadi von Bagdad ice, das aus einem ſammtnen Beutel eine Rolle und las eine Aus⸗ ſtudrehen. ſage ab, in welcher der würdige Kisloch behauptete, daß ir Gnude er mit dem Gefangenen, David Alroy, zuerſt in den Trüm⸗ nree mern eines gewiſſen Ortes in der Wüſte, dem Schlupfwin⸗ aftliſe kel der Räuber, deren Oberhaupt Alroy geweſen, bekannt d Unte- geworden ſei; daß er, Kisloch, damals ein angeſehener tt hatte Kaufmann, und ſeine Karavane von dieſen Räubern ge⸗ bebegen plündert, er ſelbſt aber gefangen genommen worden; daß d beſon⸗ in der zweiten Nacht ſeiner Einkerkerung Alroy ihm in velcher s5 Geſtalt eines Löwen erſchienen ſei, und in der dritten in „daß ſie der eines Stiers mit feurigen Augen; daß er gewohnt ſei, 302 ſich ſtets umzugeſtalten; daß er oft Geiſter herbeirufe; daß endlich, in einer furchtbaren Nacht, Eblis ſelbſt mit einem großen Gefolge gekommen ſei, und Alroy mit dem Scepter Salomon'’s Ben Daud beſchenkt, am nächſten Tage darauf aber Alroy ſein Panier aufgerichtet und bald nach⸗ her Haſſan Subah und deſſen Seldſchucken mit ſichtbarem Beiſtande vieler ſchrecklichen Dämonen gemordet habe. Kalidas der Indianer, der Gueber und der Neger, und noch einige gleichartige Geiſter, wurden in dem beweiſenden Charakter ihrer Ausſagen durch das hellleuchtende Zeugniß Kisloch des Kurden nicht verdunkelt. Die unwiderſtehliche Laufbahn des hebräiſchen Eroberers ward unwiderſprechlich dargethan, und die Ehre der muſelmänniſchen Waffen und Reinheit des mahomedaniſchen Glaubens in ihrer ehemali⸗ gen Glorie und unbeflecktem Rufe wieder hergeſtellt. Es war bewieſen, daß David Alroy ein Kind des Eblis, ein Hexenmeiſter und im Beſitz von Zaubermitteln und magiſchen Giften ſei. Das Volk hörte mit Schauder und Unwillen zu. Es würde ſich durch die Wachen gedrängt, und ihn in Stücke geriſſen haben, hätte es ſich nicht vor den Chovaresmiſchen Streitäxten gefürchtet. Es tröſtete ſich daher mit der Ausſicht auf die nahen Martern. Der Kadi von Bagdad verbeugte ſich vor dem Könige von Chovaresm und flüſterte aus ehrfurchtsvoller Entfer⸗ nung ihm ins Ohr. Die Trompeten erſchollen, die Aus⸗ rufer geboten Schweigen und die königlichen Lippen be⸗ wegten ſich wieder. „Höre, o höre, mein Volk, und ſei weiſe! Der oberſte Kadi wird jetzt die Ausſage der königlichen Prinzeſſin Schirin, des Hauptſchlachtopfers dieſes Zauberers verleſen.“ Und die Ausſage ward verleſen, welche bezeugte, daß David Alroy einen Talisman beſeſſen und auf ſeinem Herzen getragen habe, der ihm von Eblis gegeben worden, und deſſen Kraft ſo groß geweſen, daß, wenn er auf das —— deirüfe, Abſt mit nit den ten Tage d nach⸗ ichtbarem abe. ger, und deiſenden Jeugniß erſtehliche ſprechlich fen und ehemali⸗ eergeſtellt es Chlis, teln und uder und gedrängt, nicht vor z tröſtete —n. in Könige r Entfer⸗ die Aus⸗ pen be⸗ er oberſte ſprinzeſſin verleſen.“ gte, daß j ſeinem worden, auf das 303 Herz eines weiblichen Weſens gedrückt worden, dieſes nicht länger Herr ſeines Willens geblieben ſei. Dieſes unglück⸗ liche Geſchick habe denn auch die Tochter des Beherrſchers der Gläubigen getroffen. „Steht das ſo geſchrieben?“ fragte der Gefangene. — Es ſteht ſo geſchrieben,— entgegnete der Kadi; — und iſt mit der kaiſerlichen Unterſchrift der Prinzeſſin verſehen.— „Es iſt ein Betrug!— Der König von Chovaresm ſprang von ſeinem Throne auf und flog in der Wuth faſt alle Stufen von demſelben herab. Sein Geſicht war wie Scharlach, ſein Bart gleich einer Flamme. Einem Lieblings⸗Miniſter gelang es noch, das königliche Gewand zurückzuhalten. „Tödtet den Hund auf der Stelle!“ ſchrie der König. — Die Prinzeſſin iſt ſelbſt hier,— ſagte der Kadi; — um Zeugniß abzulegen von dem Zauber, deſſen Opfer ſie ward, von dem ſie aber nun durch die Macht Allah's und ſeines Propheten erlöſet iſt.— Alroy ſchauderte. „Tretet näher, königliche Prinzeſſin,“ rief der Kadi; „und wenn die Ausſage, die Ihr jetzt mit angehört habt, in der That wahr iſt, ſo vergönnt es uns, daß Ihr die kaiſerliche Hand emporhebt, welche dieſelbe mit ihrer Un⸗ terſchrift verſah.“ Eine Schaar Eunuchen, die neben dem Throne ſtand, trat auseinander, und eine weibliche, vom Kopfe bis zum Fuße in einen Schleier gehüllte Geſtalt erſchien. Unter der athemloſen Erregung der ganzen verſammelten Menge hielt ſie die Hand empor. Da ſchloſſen ſich die Reihen der Eu⸗ nuchen wieder, man hörte einen lauten Schrei, und die verhüllte Geſtalt war verſchwunden. „Ich bin bereit zu Deinen Martern, König!“ ſagte Alroy im Tone größter Abſpannung. Seine Feſtigkeit 304 ſchien ihm verlaſſen zu haben. Seine Augen waren auf den Boden gerichtet. Dem Anſcheine nach war er in tiefes Nachdenken verſunken, oder hatte ſich der Verzweiflung überlaſſen. „Macht die Pfähle zurecht!“ rief Alp Arslan. Ein unwillkührliches aber allgemeines Schaudern durch⸗ rieſelte ſichtlich die ganze Verſammlung. Ein Sklave trat vor, und bot Alroy eine Schriftrolle dar. Er erkannte den Nubier, der dem Honain diente. Sein ehemaliger Miniſter benachrichtigte ihn, daß er in der Nähe ſei, daß die Bedingungen, die er ihm im Kerker an⸗ geboten, noch jetzt würden eingegangen werden, daß, wenn Alroy, wie er nicht zweifle und warum er ihn beſchwöre, ſie annehmen wolle, er nur die Rolle in ſeinen Buſen zu ſtecken brauche; wäre er aber immer noch unerbittlich, noch zu einem furchtbaren und ſchmachvollen Ende wahnſinnig entſchloſſen, er ſie zerreißen und auf den Boden werfen möge. Keinen Augenblick ſich beſinnend, nahm Alroy die Rolle und zerriß ſie mit der größten Kraft in tauſend Stücke. Ein Windſtoß führte die Ueberbleibſel weit und breit umher. Die Menge balgte ſich um dieſes letzte An⸗ denken von David Alroy, und dieſer geringe Zufall verur⸗ ſachte große Unordnung. Unterdeſſen bereiteten die Neger die Werkzeuge der Martern und des Todes. „Die Hartnäckigkeit dieſes jüdiſchen Hundes macht mich raſend,“ ſagte der König der Chovaresmier zu ſeinen Höf⸗ lingen.„Ich muß noch mit ihm ſprechen, ehe er ſtirbt.“ Der Lieblings⸗Miniſter bat ſeinen Fürſten, ſich zu beruhigen, aber der königliche Bart ward ſo roth, und die königlichen Augen ſprühten ſo fürchterliche Feuerfunken, daß auch die⸗ ſer angſtvoll ſchwieg. Die Trompeten ſchmetterten, die Ausrufer geboten Stille, und man hörte wieder Alp Arslan's Stimme. nit dem varesmiſch Gewand. ter, als Mutter. Zauberm wird ent ſinken. Ghovares Ihm nac oberſten die Ima „H ſchämter tigen M Dir Dde unſern in die G Der at die Leid aus, 6 ja, ich Eblis, ügunge waren auf er in tiefs erzweiſtung an. ddern durch⸗ Schriſtrolle win diente deer in der Kerker an⸗ daß, wenn m beſchwöre, en Buſen zu bittlich, noch wahnſinnig oden werfen n Alroy die in tauſend el weit und es lette An⸗ ufall verur⸗ erkzeuge der macht mich ſeinen Höf⸗ eer ſtirbt.“ beruhigen, e königlichen aß auch die⸗ tfer geboten timme. 305 „Hund, ſiehſt Du nicht, was man dort für Dich be⸗ reitet? Weißt Du nicht, was Deiner wartet in den Hallen Deines Meiſters Eblis? Kann ein Jude auch durch falſchen Stolz ſo geleitet werden? Iſt das Leben nicht ſüß? Iſt's nicht beſſer, mein Pantoffelträger zu ſein, als gepfählt?“ — Großmüthiger Alp Arslan,— erwiederte Alroy mit dem Tone unverſtellter Verachtung;— glaubſt Du denn, daß irgend eine Marter der Erinnerung gleich komme, daß ich von Dir beſiegt worden bin?— „Bei meinem Barte, er ſpottet meiner!“ rief der Cho⸗ varesmiſche Monarch.„Er trotzt mir. Berührt nicht mein Gewand. Ich will mit ihm ſprechen. Ihr ſeht nicht wei⸗ ter, als ein behaubeter Falke, Ihr Söhne einer blinden Mutter. Dies iſt ein Zauberer. Er hat immer noch ein Zaubermittel im Vorrath, womit er ſich retten wird. Er wird entweder in die Luft fliegen oder in die Erde ver⸗ ſinken. Er lacht zu Euern Martern.“ Der König von Chovaresm ſtieg eiligſt die Stufen ſeines Thrones herab. Ihm nach der Lieblings⸗Miniſter und ſeine Räthe, und ſeine oberſten Heerführer, und die Kadis, und die Mollahs, und die Imans, und die vornehmſten Perſonen der Stadt. „Hepenmeiſter!“ rief Alp Arslan ihn an:„unver⸗ ſchämter Zauberer! niederträchtiger Sohn einer niederträch⸗ tigen Mutter! Hund aller Hunde! Trotzeſt Du uns? Flüſtert Dir Dein Meiſter Eblis noch Hoffnung zu? Lachſt Du zu unſern Züchtigungen? Wirſt Du in die Luft fliegen oder in die Erde verſinken? He, he! iſt's nicht ſo? iſt's nicht ſo?“ Der athemloſe Monarch mußte aufhören, ſo ſehr hatte ihn die Leidenſchaft erſchöpft. Er riß ſeinen Bart mit den Wurzeln aus, er ſtampfte in unbezähmbarer Wuth mit den Füßen. — Du biſt weiſer, als Deine Räthe, königlicher Arslan: ja, ich trotze Dir. Mein Meiſter und Herr, obgleich nicht Eblis, hat mich nicht verlaſſen. Ich lache Deiner Züch⸗ tigungen. Ich verachte Deine Martern. Ich werde beides: 20 306 in die Erde ſinken und mich in die Lüfte erheben. Haſt Du nun zur Genüge?— „Bei meinem Barte!“ ſchrie Arslan außer ſich.„Ich habe! So möge Dich denn Eblis retten, wenn er kann!“ und damit zog der König der Chovaresmier, der berühm⸗ teſte Führer des Schwerts in ganz Aſien, ſeine Klinge gleich einem Blitze aus ihrer Scheide und führte einen Streich nach Alroy's Haupte. Es fiel, und als es fiel, ſchien ein Lächeln triumphirender Verachtung um die ſterbenden Züge des Helden zu ſchweben und ſeine Feinde zu fragen:„Wo ſind nun alle Eure Martern?“ Muachwort. Die Erfahrung lehrt, daß ein Vorwort zu einer ro⸗ mantiſchen Dichtung, wenn nicht geradezu ungeeignet, doch gewiß höchſt überflüſſig iſt. Wer ſich darnach ſehnt, ſich in ein Erzeugniß des dichteriſchen Geiſtes zu verſenken oder ſeine Seele auf den Schwingen der Poeſie in eine reinere Luft, in einen lichteren Aether zu erheben, der will nicht erſt durch die Halle eines Vorworts wandeln, ſondern ohne Weiteres in den Garten voll prangender Blumen und Früchte treten. Eine gelehrte Abhandlung über den Stoff der Dichtung oder über die Art und Anlage derſel⸗ ben, über die Grundſätze und Anſchauungen, aus welchen die Charaktere und Ereigniſſe, die Expoſition und der Schluß erwuchſen, iſt dem Leſer nun gar unangenehm. Weiß er im Voraus, wie dürftig die Wirklichkeit war, welche der Dichter zu dem Bauwerk ſeiner Einbildungskraft verbrauchte, ſchrumpfen dadurch die erhabenen Geſtalten, an denen er ſich erheben und ergötzen ſoll, zu winzigen und magern — — — Figuren halb ve in Ger ttndlich in eine er es d Kolorit durch und we den ha Anmerl unterdr hinzu. D männen hauſe, in der hatten, die Fit Syſtem ſein, d Juden nicht z ordentl tät, de es als daß di das B noch h daher, ſei, de ſpielen Anſicht zu vern eben. daft ſich. I . mIch er kann!“ er berühm⸗ Din„r. nge gleich teiner ro⸗ ignet, doch znt, ſich in enken oder ine reinere will nicht , ſondern r Blumen über den age derſel⸗ us welchen der Schluß Weiß er velche der erbrauchte, denen er d magern 307 Figuren zuſammen: ſo iſt der Genuß im Voraus ſchon halb verloren. Eine Dichtung muß eben ſo wenig, wie ein Gemälde, einer gelehrten Erklärung bedürfen, um ver⸗ ſtändlich zu werden. Will uns der Dichter oder Künſtler in eine ferne Zeit oder entlegene Gegend verſetzen, ſo muß er es verſtehen, in ſeine Zeichnung ſolche Züge und in ſein Kolorit ſolche Farben zu miſchen, daß uns das Kunſtwerk durch ſich ſelbſt verſtändlich wird, ſonſt unterlaſſe er es und wähle einen einfacheren Gegenſtand. Aus dieſen Grün⸗ den haben wir ſowohl das Vorwort, als auch die gelehrten Anmerkungen, die der Verfaſſer ſeinem Werke hinzugefügt, unterdrückt und fügen nur einige Bemerkungen am Schluſſe hinzu. Der Verfaſſer iſt einer der bekannteſten engliſchen Staats⸗ männer der Gegenwart, der Führer der Tory's im Unter⸗ hauſe, wie es Lord Derby im Oberhauſe iſt. Wenn daher in der letzten Zeit die Tory's ein Miniſterium zu bilden hatten, ſo fehlte d'Israeli in demſelben nicht; er übernahm die Finanzen, hatte aber kein Glück mit ſeinem finanziellen Syſtem. Nicht minder wird es Vielen der Leſer bekannt ſein, daß Benjamin d'Israeli der Sohn eines getauften Juden iſt und, obſchon er zu dem Glauben ſeiner Väter nicht zurückkehrte, dieſer Abſtammung dennoch einen außer⸗ ordentlichen Werth beilegt. Er iſt ſtolz auf die Nationali⸗ tät, der ſeine Familie ihren Urſprung verdankt, und erkennt es als einen großen phyſiſchen und pſychiſchen Vorzug an, daß die Juden ſich unvermiſcht erhalten haben, und daß das Blut der Moſes und David, der Samuel und Jeſaias noch heute ohne Kreuzung in ihren Adern rollt. Er glaubt daher, daß ihnen noch eine große Beſtimmung vorbehalten ſei, daß ſie noch eine große Rolle in der Weltgeſchichte zu ſpielen, eine inhaltsſchwere Miſſion zu löſen haben. Dieſe Anſichten hat er in mehreren Romanen ausgeſprochen und zu verkörpern geſucht, wie er ſie nicht minder in einigen 20* 308 fmatsmänniſchen Schriften darzulegen und zu erweiſen ge⸗ ſucht hat.— Von dieſer, bei getauften Juden und ihren Abkömmlingen ſo ſeltenen Vorliebe beſeelt, erfaßte d'Israeli die geſchichtliche Notiz von David Alroy, ſeinem Aufſtande und Untergange mit großer Begeiſterung und bildete daraus die Dichtung, welcher der freundliche Leſer auf den vor⸗ liegenden Blättern ſeine Aufmerkſamkeit ſchenkte. Mehr⸗ jährige Reiſen im Oriente befähigten den Dichter, ſeinem Gemälde überall das echte orieutaliſche Kolorit zu geben, und bei der geringen Wandelbarkeit der Sitten und Ge⸗ bräuche im Morgenlande vermochte er ſo in ſeltenem Grade Dichtung und Wahrheit zu verbinden. Die Begeiſterung für die Geſchichte und den Beruf ſeines Stammes ließ ihn das vollſte, warmſte Blut in die Adern ſeiner Helden gießen und ſeine entzündete Phantaſie vermochte auch die Sprache dem orientaliſchen Charakter und den Motiven der auf⸗ tretenden Perſonen gemäß eigenthümlich zu formen. Druck von Oskar Leiner in Leipzig. — — — veiſen ge⸗ und ihren deruei Aufſtande te daraus den vor⸗ . Mehr⸗ —, ſeinem du geben, und Ge dem Grade geiſterung sis ihn den gießen t Sprache V der auf⸗ en. ————— — rey Control Chart Green vellow- Hed Magenta Grey 2 SGres Grey 4 Black