. 8 „I 5 Das GOpfer von Amalfi Die Todesgeſeliſchaft in Neapel. Hiſtoriſch⸗romaneiſche Erzählung von Zulius Conard. Dritter Band. —————;ÿ/⸗ÿ⸗ÿ⸗õ-ÿℳℳ)ñ⸗ͤ———— Berlin. O. Seehagen's Verlag. Das Recht der Ueberſetzung iſt vorbehalten In Caſtrovi der Höh vier bis fühtt. di nicht ſc den La Bild ein Scott od Vo auf die di Bettler Haustl Le den Si daß me ten Arn hinwegh Oſteria di Deck, di mera o Das In der Oſteria. In der eigentlichen Räuberprovinz von Calabrien, zwiſchen Caſtrovillari und Coſenza, acht Miglien von Nicaſtro, liegt auf der Höhe eines ſteilen Felſens eine kleine Stadt, die nur aus vier bis fünf elenden Häuſern beſteht und den Namen Aritozza führt.— Die einzige Oſteria(Wirthshaus) dieſes Orts iſt zwar nicht ſchlechter als beinahe alle übrigen in dieſer wüſten und öden Landſchaft ſind, aber doch charakteriſtiſch genug, um das Bild eines Volkslebens zu liefern, wie es Cervantes und Walter Scott oft mit ſo treuer Naturwahrheit gezeichnet haben. Von der Straße kommend, trifft man zuerſt, ſo zu ſagen, auf die Ehrengarde des Hauſes. Dieſe beſteht aus abgemagerten Hunden und zerlumpten Bettlern, die ſich einander die Ehre ſtreitig machen, zunächſt der Hausthür zu liegen. Letztere, mit Stöcken und Steinen verſehen, pflegen dann den Sieg davonzutragen und liegen ſo nahe an der Schwelle, daß man über die zur Schau ausgelegten Beulen an den nack⸗ ten Armen und Beinen dieſer ſchwarzbraunen, frechen Kerle erſt hinwegſteigen muß, ehe man in das innere Heiligthum der Oſteria ſchreiten kann. Dieſes iſt ein mäßig großes viereckiges Zimmer mit einer Decke, die aus dem etwas ſchiefliegenden Dache beſteht. Die Malerei deſſelben hat mehr Aehnlichkeit mit einer Ca⸗ mera obſcura als mit einer menſchlichen Wohnung. Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 1.) 41 642 Der Rauch wenigſtens, welcher vielleicht ein halbes Jahr⸗ hundert ſchon ungeſtört dem Backofen entſtrömt war, hatte ſeine Schuldigkeit gethan, die Wände und Dachſparren mit einem ſchwarzbraunen Ruß zu überziehen. In der Höhe, faſt unter der Decke fanden ſich die beiden einzigen Fenſtern, welche freilich auf den Luxus der Geſellſchaft niemals Anſpruch gemacht. Sie hatten daher keine Glasſcheiben, ſondern waren nur mit einem geſchwärzten, hölzernen Gitter verwahrt, wodurch die unheimliche Gaſtſtube das düſtere Anſehen eines Gefängniſſes erhielt. Statt der Läden waren Klappen angebracht, um auch dieſe kleinen Luftlöcher bei ſehr ſchlechtem Wetter feſt verſchließen zu können. Vor dem Einſchiebeloche des Backofens bildete ein über zwei Tonnen gelegtes Brett, den Tiſch, welcher mit unreinen Töpfen, Schüſſeln und Tellern beſetzt war. Einige Katzen beſorgten hier das Abwaſchen, indem ſie ihr Möglichſtes thaten, das Geſchirr rein zu lecken. Der calabriſchen Sauberkeit ſchien dies auch vollkommen zu genügen, da eine greiſe, alte Magd nur mit einem ſchmutzi⸗ gen Tuche die Teller noch etwas nachwiſchte und alsdann zum Gebrauche für die einkehrenden Gäſte aufſtellte. Der Feuerheerd beſtand ſeltſamerweiſe aus einem kleinen Mauerwerk von Lehm und Steinen, welches auf einer breiten, hölzernen Bank angebracht war. Auf dieſem Heerde ſah man einige Töpfe ſtehen, der eine enthielt Waſſer zu einem Maccaronigerichte, welches die anwe⸗ ſenden Gäſte mit Gier zu erwarten ſchienen. In dem andern Topfe wurden Spozzati(kleine Fleiſchſtücke) in ihrer langen Brühe warm gehalten. Dieſes Lieblingsgericht der Calabreſen ſcheint, wenn es einmal gekocht iſt, eine ewige Dauer zu haben, denn es werden nicht nur unbedenklich die auf den Tellern noch übrig gebliebe⸗ nen, oder zwiſchen den Zähnen noch zu hart gefundenen Stück⸗ chen wieder hineingeworfen, ſondern auch die verzehrten durch Fleiſchſtücke erſetzt, welche denn durch tägliches Auſtoihen endlich gehörig erweicht werden. 4 Ueber erſtiegen M Dort zwiebeln und leere Schuhe in zwiſc einen Weg das Schla Links det gefale des Hauſſe Einig ſaſchen g gemein al al Der Käſe und gen und ten Later dieſen R Neb ſes— d. die im waren. Solc prellen u kehren u auf dieſe Eir mit mar Da aus ab Röhren löcher bi Die Virthst Wande Hie Ueber dem Backofen, der durch eine Art von Hühnerleiter erſtiegen werden kann, ruhen hölzerne Stützen. Dort liegen Kürbiſſe und Maishaufen,— Säcke mit Korn, Zwiebeln— alte Stühle, Zäume und Sättel, zerbrochene Krüge und leere Fäſſer— eine Flinte, eine Jagdtaſche und zerriſſene Schuhe in einer wahrhaft genialen Unordnung durcheinander. Zwiſchen dieſen Gegenſtänden hindurch hat man ſich indeß einen Weg zu bahnen gewußt, welcher mittelſt einer Klappe in das Schlafgemach des Hauſes führt. Links in der Ecke iſt das verbotene Paradies dieſer Herberge der gefallenen Engel angebracht, die eigentliche Schankwirthſchaft des Hauſes. 3 Einige Querbretter übereinander enthalten die großen Wein⸗ flaſchen, Krüge und Töpfe, welche letztere in dieſer Gegend all⸗ gemein als Trinkgefäße dienen. Der Reichthum des Wirths verräth ſich durch einige Brode, Käſe und Schinken, die nahe am Boden auf einem Brette lie⸗ gen und zwar neben einem großen Waſſerkruge, einer beſtäub⸗ ten Laterne, einer Schnellwage, die wohl in doppelter Hinſicht dieſen Namen verdienen mag. Neben dieſer befand ſich noch ein Gegenſtand, es war die⸗ ſes— die berüchtigte Bettelbüchſe, an welcher abſcheulich ſchön die im Purgatorio(Fegefeuer) brennenden Seelen abgemalt waren. Solche Seele, wie die des Wirths, der ſeine Gäſte oft genug prellen mag, oder wie Diejenigen, welche hier überhaupt ein⸗ kehren und die Landſtraßen als ihre Domäne betrachten, ſchauen auf dieſe Bettelbüchſe mit einer gewiſſen frommen Scheu. Etwas von der Wand entfernt ſteht der Ladentiſch, welcher mit mancherlei Geräthen bedeckt iſt. Das Merkwürdigſte unter denſelben ſind die Weinſchläuche aus abgezogenen Hammelfellen angefertigt, deren Füße mit Röhren verſchloſſen ſind, und zugleich die Trink⸗ und Spund⸗ löcher bilden. 3 Die eigentliche Bühne'des Gaſthofslebens iſt die lange Wirthstafel, welche an der linken Seite der Stube die ganze Wand einnimmt.— Hier ſaßen auf ſchmalen Bänken und baufälligen alten 41* 644 Tonnen die rohen Geſellen, welche zu den häufigſten Gäſten ſolcher Oſteria gehörten. Es waren Maulthiertreiber und Jagdliebhaber, das heißt Menſchen von braunen markirten Zügen, in der düſteren, calabre⸗ ſiſchen Kleidung, mit dunkeln Mänteln und ſpitzen, zuckerhutför⸗ migen Hüten. Ihre Bewaffnung beſtand aus langen Karabinern und Dolchen. Ihre pfiffigen und doch geiſtloſen Augen verriethen, daß ihre Liebhaberei eben ſo gern im Gebiete des Vicekönigs und der Bauern, als auch auf der Landſtraße Beute finde. Ihre Geſpräche waren wenig geeignet, den Reiſenden zu beruhigen, den etwa ein Zufall zum Beobachter dieſer Scene gemacht haben würde. 7 Sie erzählten einander die mancherlei Heldenthaten großer Räuber in den Gebirgen und klagten über die Juſtiz, welche ſolchen Männern, die doch nur ihrer Nahrung nachgingen, bis⸗ weilen die Köpfe auf Pfähle zu ſtecken pflege. — Jetzt hat unſere gute Regierung ſchon lange keinen Räuber gezüchtigt, ſagte einer, denn ſte bedurfte der Herren ſehr oft zu eigenen Zwecken. — Nicht die Regierung, ſondern nur einzelne Perſonen derſelben, ſagte ein Zweiter. — Jetzt ſoll es übrigens in Neapel etwas ſcharf hergehen, rief ein Dritter, habt Ihr nichts gehört? — Es iſt mir bekannt geworden, daß dort Revolution aus⸗ gebrochen ſei und es ſich hauptſächlich um die Fruchtſteuer handle — ein armer Fiſcher, Maſaniello ſoll der Führer des Volkes ſein. Die Männer, welche dieſes Geſpräch führten, waren ſtets geneigt, das Gepäck der Reiſenden zu erleichtern und ſtanden daher mit denen, welche es zu transportiren pflegen, in muncher vertraulichen Beziehung. Die Maulthiertreiber ſuchen immer bei einem Topfe ſtarken Weines gute Freundſchaft mit ſolchen Herren der Landſtraße zu halten. Sie verſichern wenigſtens dadurch ihr Leben, und die fremde Waare iſt ihnen weniger ans Herz gewachſen als dieſes. Ein Prieſter, deſſen Ordensregel ſich ſchwer beſtimmen ließ, 4 freilich konnte ſeine Je heute ſo er iſ ſe auf Ei wohl r heute h bezeichn er in a ihn zu ten, ent 4 4 „ » 7 — denn er trug Hut und Mantel wie die Uebrigen, führte, auf dem einzigen, halb gebrochenen Lehnſeſſel hingeſtreckt, das große Wort und goß dabei mit hochgehobenem Arme einen Topf voll Wein nach dem anderen in die durſtige Kehle hinab. Außer dieſen Gäſten befanden ſich noch als einheimiſch in der Gaſtſtube, der Wirth, ein wohlgenährter, phlegmatiſcher Menſch, die Wirthin, deren erwachſene Tochter und mehrere Kinder. Einige Schweine, ein Dutzend Hühner und vier Katzen vollendeten die nobele Geſellſchaft. Plötzlich trat der Wirth zu dem Prieſter und begann mit ihm ein geheimes Geſpräch. — Padre, ſagte er leiſe, Sie wurden heute ſchon bei mir geſucht. — Corpo di dio, doch nicht von der hohen Obrigkeit? — Nein, Padre, es war ein Cavalier, der Sie zu ſprechen wünſchte? — Ein Cavalier? — So ſchloß ich aus ſeiner Sprache, ſeine Kleidung war freilich nur die eines gewöhnlichen Neapolitaners, ſein Geſicht konnte übrigens nicht ſchön genannt werden. — Kam er aus Neapel? — So ſagte er dnigiene indem er zugleich bemerkte, daß ſeine Zeit ſehr gemeſſen ſei, er müßte Sie auf alle Fälle noch heute ſprechen. — Habt Ihr ihm denn gleich Rede geſtanden? — Nicht doch, Padre, ſo unvorſichtig bin ich nicht— auch er iſt ſchlau und leitete erſt nach vielen Umwegen das Geſpräch auf Sie, bis ich endlich merkte, daß er ein Mann ſei, dem man wohl vertrauen dürfe. — Iſt er hier in Eurem Hotel geblieben? — Nein, Padre, ich vermochte ihm nicht zu ſagen, ob Sie heute hier eintreffen werden, habe ihm jedoch den Ort genau bezeichnet, wo er Sie beſtimmt finden kann, und morgen wird er in aller Frühe bei Ihnen eintreffen— halten Sie ſich bereit, ihn zu empfangen. — Von ſeinem Anliegen hat er nichts geſagt? — Nur ſo viel habe ich aus den Geſprächen, die wir führ⸗ ten, entnommen, daß er einen Feind verfolge, denn er bat mich, — 646 auf einen jungen Mönch zu vigiliren, der, wie er beſtimmt wiſſe, dieſe Gegend paſſiren und mit jedem Augenblicke hier eintreffen müſſe. Dieſer werde auf alle Fälle hier übernachten, da doch kein Reiſender im Finſtern durch das Gebirge zieht. Er gab mir den Auftrag, ihn auszuforſchen, in welcher Angelegenheit er reiſt, zugleich ſollte ich wie zufällig den Namen Leonore nennen, ich würde dann wohl eine Veränderung in ſeinen Zügen wahr⸗ nehmen— am heutigen Abend begehrte er Auskunft. — Eine ſeltſame Geſchichte, ſagte der Mönch kopfſchüttelnd. — Allerdings, ich weiß auch nicht recht, was ich davon halten ſoll. — Hat der Cavalier bei Euch Nachtquartier beſtellt. — Allerdings. Ein Gaſt. Wir haben jetzt von den Geſprächen, die hier geführt wur⸗ den, wie von den Annehmlichkeiten dieſes Hotels überhaupt ſchon genug geſprochen, um die junge Dame nicht beneidenswerth zu finden, die ſo eben zur Abendzeit vor der Pforte des Hauſes an⸗ gelangt war. Ihr Gefolge beſtand aus Frauen und Dienern und einer geringen Bedeckung ſpaniſcher Soldaten. Ddie junge Dame befand ſich in einer wunderlichen, bunt bemalten Sänfte, welche hinten auf zwei pfeifenden Rädern ruhte. Dieſe waren aus Holz geſchnitten und bewegten ſich eben ſo ſchwerfällig als die großen Maulthiere, welche dieſe ſonderbare Kutſche zogen. Noch weit ſonderbarer nahm ſich die Reiſegelegenheit der Kammerfrauen aus, von welchen immer ein Paar in großen —j Körben al gen wurde Die Sänfte g Die verkündete Tochter de in de Ge wolle, um Der Alle Dien ausmacht aus Neap Selb der Grot hatte, ſic aus Pug in der( worden, dieſe Ge Wa Oſteria großem In den ſie ſie es u Anhäng hofften, noch nit Al thümlich verſchwe Be welches und zur Er im köni —— Körben auf beiden Seiten eines Eſels im Gleichgewichte getra⸗ gen wurden. Die Diener waren zu Fuß und ſtark bewaffnet hinter der Sänfte gefolgt, während die Soldaten den Reiſezug eröffneten. Die Diener beſetzten ſehr geräuſchvoll das Haus und verkündeten mit großem Geſchrei im Innern die Ankunft der Tochter des Vicekönigs von Neapel, welche nach ihren Gütern in der Gegend von Coſenza reiſen und dieſe Oſteria beehren wolle, um hier Nachtquartier zu halten. Der Reiſezug hatte nicht in dieſer Weiſe Neapel verlaſſen. Alle Diener, wie Zofen und Soldaten, welche Leonore's Gefolge ausmachten, mußten ſich einzeln und zwar als Mönche verkappt aus Neapel begeben. Selbſt Leonore mußte ſich ſo entfernen, und erſt kurz vor der Grotte der heiligen Anna, wo ſie ihrem Gefolge geboten hatte, ſich zu ſammeln, hatten Alle die läſtige Mönchtracht ab⸗ gelegt. Bis hierher mußte man die Reiſe zu Fuß zurücklegen— aus Puzzuola waren indeſſen während des Aufenthaltes Leonore's in der Grotte, die Sänfte, Eſel und Maulthiere herbeigeſchafft worden, und ſo gelangte denn der Zug am nächſten Abend in dieſe Gegend. Was die Bekanntmachung der Ankunft der Prinzeß in der Oſteria betrifft, ſo ward dieſe von den Dienern abſichtlich mit großem Geſchrei publicirt. In Neapel und in der nächſten Umgebung der Stadt wür⸗ den ſie ſich gehütet haben, dies zu thun, hier aber glaubten ſte es um ſo mehr wagen zu dürfen, weil ſie auf die frühere Anhänglichkeit dieſer Provinzen noch rechneten und weil, wie ſie hofften, bis in dieſe Gegend das Gerücht von der Empörung noch nicht gedrungen wäre. Als der Mönch dieſe Anmeldung hörte, zeigte ſich eine eigen⸗ thümliche Veränderung in ſeinen Zügen, die aber bald wisder 4 verſchwand. Bereitwillig räumte der Wirth das einzige gimmer ein, und zur Aufnahme von vornehmen Gäſten eingerichtet war. Er ſchwur heim heiligen Nicolao von Coſenza, daß ſelbſt im königlichen Palaſte zu Neapel kein ſchöneres Zimmer zu fin⸗ welches ſich außer der großen Gaſtſtube in dieſer Berr befand „ 1 648 den ſei und nannte zugleich ein Dutzend Herzöge, welche hier ſchon übernachtet und geſchlummert hätten wie Engel im Pa⸗ radieſe. Fenſter oder auch nur Luken gab es freilich in den vier halb vermoderten Wänden, welche dieſes Prachtzimmer bildeten, nicht. Dergleichen hält man in Calabrien für höchſt überflüſſig, weil die geöffnete Thür bei gutem Wetter Luft und Licht genug für die leichte Arbeit des ſüßen Nichtsthuns einläßt. Bei ſchlechtem Wetter dagegen würden unbeglaſte Oeffnun⸗ gen nur dazu beitragen, den Schutz der Gebäude zu vermindern. Leonore trat in die Gaſtſtube und wurde bei dem Anblick der ſie umgebenden Geſichter, wenn auch nicht mit Furcht, denn dieſe kannte ſie nicht, doch mit einem Gefühl von Bangen erfüllt. Die Gäſte erhoben ſich bei ihrem Eintritt, ohne jedoch be⸗ ſondere Ehrfurchtsbezeugungen zu äußern— nur der Wirth verneigte ſich tief. — Bona Jeva(guten Abend) Donna, grüßte er. Leonore erwiderte den Gruß leicht und folgte ihm in die eben geſchilderis elende Stube. — Sie iſt ſchön, ſagte einer der widerlichen Gäſte. Bei San Nicolao, ja, rief ein Zweiter, ich wünſ ſchte der Schwiegerf ſohn Seiner Hoheit zu werden. Ein ſchallendes Gelächter folgte dieſem geiſtreichen Wite. Durch dieſe neuen Gäſte wurden die vorhin erwähnten Jagd⸗ liebhaber im Allgemeinen nicht weniger beunruhigt, als die vierfüßigen und befiederten Bewohner der Gaſtſtube. Die Furcht vor Soldaten und einer Anzahl bewaffneter Diener war Leuten ihres Gewerbes nicht eben ſehr zu ver⸗ argen. Doch den neapolitaniſchen Dienern der Prinzeß ſchienen dieſe Gäſte, deren eigentliches Geſchäft ſie nicht kannten, nicht Hoedeutender zu ſein, als andere Landleute der Gegend. Die Soldaten aber hüteten ſich wohl, es mit Männern zu verderben, die am rechten Fleck nur den Finger krumm machen durften, um ihre Seelen früher in's Fegefeuer wandern zu laſ⸗ ſen, als es ſonſt nach dem Laufe der Natur der Fall gewe⸗ ſen wäre. Die Calabreſen an der langen Tafel regten ſich nicht, wäh⸗ rend 2 bei i Maulthien ihre Schi Ein eine un niſſe h orgniſ gihr rächſen H dt angek meiſter de Geſpruch — der Seele bewaffnete werden. — 2 Menſch, riethen, die von wohl Ur Silawald Scäglian chen Wi da, wo hen läß gewiß C kleinen dern laſ haft for die linke erhalten en), ab Regieru 8 rend die Prinzeſſin durch die Gaſtſtube ging; diejenigen, welche ſich bei ihrer Ankunft erhoben hatten, waren zwei oder drei Maulthiertreiber geweſen, von denen auch die Bemerkung über ihre Schönheit ausgegangen war. 649 ih. Ein ſcharfer Beobachter würde in den ſchwarzen Glotzblicken 4 8 eine Augenſprache wahrgenommen haben, die wohl gerechte Be⸗ 3 für 14 ſorgniſſe hätte einflößen können. dun b Während der Wirth hinauseilte und dienſtfertig von der nächſten Klippe einen Ziegenbock herbeiholte, um ihn zur Ehre ern. der angekommenen Gäſte zu ſchlachten, ließ ſich der Haushof⸗ meiſter der Prinzeß mit den verdächtigen Jagdliebhabern in ein fenn Geſpräch ein. gen 1— Eine öde Gegend, Signori, ſprach er freundlich— bei ¹ der Seele meiner Mutter, wenn man nicht mit ſtarker und gut⸗ be⸗ bewaffneter Bedeckung reiſte, ſo müßte man doch ängſtlich irth 8 werden. — Bein heiligen Antonio! ſchrie ein baumlanger kräftiger Menſch, deſſen feurige Blicke die heftigſten Leidenſchaften ver⸗ die riethen, und ſtrich das glänzend ſchwarze Haar aus der Stirn, die von einer breiten, tiefen Narbe entſtellt war— Ihr halt wohl Urſache, auf Eurer Hut zu ſein, Signore. der— Es wäre Schade um das junge Blut, die ſchöne Dame, n die Ihr mit Euch führt! ſagte ein Anderer bedeutungsvoll. e.— Wenn ſie einen Spaziergang zu Fuß in die Klüfte des 6 agd⸗. Silawaldes, oder über die kahlen Berge von Nicaſtro oder de Scigliano machen müßte— fiel ein Dritter ein. — Wir ſind ehrliche Leute, die Noth treibt, ſich ein Stück⸗ heter chen Wildfleiſch zu ſuchen, ſagte der Erſte wieder, natürlich nur ver⸗ 4 da, wo es der liebe Gott nicht gerade für den Vicekönig gedei⸗ 8 hen läßt, aber es wäre kein Wunder, Signore, und verdiente 3 nen. gewiß Entſchuldigung, wenn man ſich mit aller Höflichkeit einen icht kleinen Zoll von den Reichen erbäte, die uns eigentlich ausplün⸗ dern laſſen. zu— Si Signore—(Ja, mein Herr), fuhr ein Anderer leb⸗ en 1 haft fort, der durch einen ſchwarzen krauſen Bart und die auf aſ⸗’ die linke Schulter geworfene Jacke ein beſonders wildes Anſehen ze⸗ 8 erhalten hatte, das ganze Land iſt voll Malandrini(Spitzbu⸗ ben), aber wer hat ſie auf dem Gewiſſen?— II governo(die h⸗ 1. Regierung), der Vicekönig, Herzog von Arcos ſoll ein Puter 650 Mann ſein und das beſte Herz haben, das wißt Ihr ja ſelbſt, Signore, denn Ihr ſeid in ſeinen Dienſten; aber es wird dafür geſorgt, daß er der blindeſte Mann im ganzen Reiche bleibe— Signore, es iſt ein großes Unglück, wenn die Beamten, Herzöge und Barone, die Feudalherren überhaupt, uns arme Leute brandſchatzen und nach Belieben auspfänden können. — Das kommt nur davon, ſagte ein Zweiter, weil dieſe Leute zu großes Recht im Lande haben, was die Räthe des Vicekönigs ihnen vorthuen, machen ſie ihnen nach. — Ganz recht, rief der Dritte, der Miniſter, Don Heran⸗ dez von Monteja brandſchatzt das ganze Land durch die Frucht⸗ ſteuer, und die Edelleute die armen Bauern. — Was aber will man machen? ſagte der Erſte wieder, man muß ſich in das Unglück fügen; dieſe reichen Leute können den armen Landleuten Haus und Hof, Eſel und Kuh nehmen. — Aber ſeinen Carabiner läßt ſich kein braver Calabreſe abpfänden, ſagte der Zweite, und wer dieſen hat und Pulver und Blei und ſein gutes Meſſer dazu, der, Signore, bei San Antonio, verhungert in unſern Bergen nicht. — Unſere Regierung mag zum Teufel gehen! ſchrie ein kurzer, lebhafter Kerl, indem er aufſprang und heftig mit ſei⸗ nem Meſſer in den Tiſch ſtieß. — Und der Vicekönig mag ihr folgen, rief ein anderer un⸗ ter den Maulthiertreibern, die ſich bis jetzt in dieſes Geſpräch noch nicht gemiſcht hatten. Der Haushofmeiſter erbleichte und hätte ſich gern zurückge⸗ zogen, wollte aber ſeine Angſt dadurch nicht kennzeichnen und blieb. 3 — Calabreſen, rief jetzt plötzlich ein ſchöner junger Menſch, der eben in die Gaſtſtube getreten war; ich häabe Euer Geſpräch draußen belauſcht und kann mich nicht genug über Euch wundern. — Corpo di dio!— Warum? rief der kurze Kerl. — Weil Ihr nicht wißt, was in der Welt vorgeht, und wie Neapel Fortſchritte macht; doch vor allen Dingen ſagt mir, ſeid Ihr Neapolitaner oder Spanier? — Welche ſonderbare Frage, erwiderte der baumlange Jagdliebhaber; wir ſind Neapolitaner— evviva dolce Napoli! — Eyvviva dolce Napoli! wiederholten Alle einſtimmig, doch ſagt. kom ttwas ml fommen l es weitet konime vo richten. Der fungen N mit wüth Seiten be Ihr ſeid die ärgſt ganze Ja Cuch off Euch au geſchafft niello, h Neapel. W — Umiteiſe Plü Fremder Griff ei tansmu⸗ ner abte Lüge, B Jadliet Fra Lor ſochen, nach C ſchaffen machen: ſagt, kommt Ihr von dort, es giebt Revolution z wir haben ſo etwas munkeln gehört, aber die Landſbirren wollen es nicht auf⸗ kommen laſſen und ſperren einen Jeden in das Gefängniß, der es weiter erzählt. — Neapel iſt im Aufſtande, erwiderte der junge Mann; ich komme von dort und kann Euch Alles der Wahrheit getreu be⸗ richten. — Erzählt— erzählt! Der Haushofmeiſter hatte ſich ſchon vor der Ankunft des jungen Mannes entfernt, denn er hatte bemerkt, daß man ihn mit wüthenden, drohenden und mißtrauiſchen Blicken von allen Seiten betrachtete. — Hört, ſagte der Fremde, mein Bericht wird Euch Freude — Es giebt keinen Vicekönig mehr— Neapel iſt frei und Ihr ſeid frei vom Spaniſchen Joche, nicht nur die Fruchtſteuer, die ärgſte, ſondern auch alle übrigen ſind abgeſchafft— das ganze Jagdrevier, welches Ihr jetzt heimlich beſuchen müßt, ſteht Euch offen, die Edelleute dürfen Euch nicht mehr hindern und Euch auch keine Frohnden mehr abfordern— der Adel iſt ab⸗ geſchafft und ganz Neapel glücklich— ein armer Fiſcher, Maſa⸗ niello, hat dies Alles bewirkt, dafür iſt er jetzt Gouverneur von Neapel. — Sagt Ihr die Wahrheit? fragten Viele. — Ich ſchwöre es Euch, daß es ſo iſt. — Eyvviva Napoli! Evviva Masaniello! ertönte es laut im Umkreiſe. Plötzlich aber erhob ſich der Mönch, warf ſich auf den Fremden und zog aus dem Gürtel ein Crucifix, welches den Griff eines verborgenen Dolches bildete.— Oeffne Deinen Sa⸗ tansmund nicht, rief er laut, um dieſe friedlichen Landbewoh⸗ ner abtrünnig von den Geſetzen zu machen— was er ſagt, iſt Lüge, Brüder, glaubt es mir, wendete er ſich zu den Andern. — Er ſteht im Solde der Regierung, murmelte einer der Jagdliebhaber ſeinem Nachbar zu, es iſt der räuberiſche Mönch Fra Lorenzo— man ſagt, die Behörde von Coſenza hat ihn be⸗ ſtochen, damit er, wenn ſich die Revolution von Neapel auch nach Calabrien verbreiten ſollte, wieder Ruhe und Ordnung ſchaffen möge. 652 Die Jagdliebhaber verſpürten ſchon Luſt, dem Fremden bei⸗ zuſtehen, allein in dieſem Augenblick drang eine ungemein große Anzahl fremder, verwegener Perſonen ein, in welchen ſie die Räuber aus den Gebirgen erkannten, und dieſer Umſtand ge⸗ nügte, ſie für den Mönch zu ſtimmen. Der Fremde, welcher die Nachricht über Neapel mitgetheilt hatte, wurde von dem Geiſtlichen, ohne daß er ihm ein weiteres Leid zufügte, aus der Gaſtſtube geworfen, und bald hatten ſich auch die Jagdliebhaber entfernt. Der Mönch hatte mit einigen der zuletzt Angekommenen ein geheimes Geſpräch geführt, als ob er ihnen eine Inſtruktion ge⸗ geben, worauf dieſe ſich von den Andern gefolgt, entfernten. Nur er und die Maulthiertreiber waren noch zurückge⸗ blieben— wenige Augenblicke ſpäter war auch der Haus⸗ hofmeiſter Leonore's wieder erſchienen. — Ich danke Euch, Padre, ſagte er, daß Ihr mit ſolchem Eifer Partei für die gute Sache, alſo für unſern rechtmäßigen König von Spanien genommen habt, unſere gute Prinzeß wird gewiß ſehr erfreut ſein, wenn ſie es erfährt. Der Mönch ſchien in Folge dieſer Dankſagung ſich durch⸗ aus nicht geſchmeichelt zu fühlen. Einige Augenblicke ſah er mit einem unbeſchreiblichen Aus⸗ druck auf den Haushofmeiſter, dann hatte er wieder die fröm⸗ melnde Miene eines Kloſtergeiſtlichen angenommen. — Die von hier aus für Fuhrwerk gebahnte Straße hört auf, Signore, ſagte er mit einem zutraulichen Weſen, es führen nur noch Fuß⸗ und Maulthierſteige über das Gebirge, welchen von dieſen wollen Sie einſchlagen? — Ach, Padre, ich glaube, ein jeder iſt gefährlich genug, verſetzte der Haushofmeiſter, denn es wimmelt in dieſer Gegend von Räubern. — O glaubt es nicht, Signore, es iſt nichts daran, das Gebirge iſt nur verſchrieen, man kann allerdings nicht zweifeln, daß früher die Räuber ihr Weſen getrieben, aber dieſe ſind plötzlich verſchwunden, vermuthlich ſind ſie nach Neapel gegan⸗ gen, um dort während der Revolution ein Geſchäft zu machen. — Padre, gewiß war Neapel von Räubern angefüllt, aber dieſe ſind, dem Himmel ſei Dank, jetzt niedergemetzelt— dieſes Werk iſt das einzige Heilbringende, welches der Pöbel vollbracht präche ab erfahren, Der dem Neap Weg anzu allein der Er v Prinzeß a auf dem noch ſeit ſei; inde viel gena der Ort, werden m Nach Maggiort mit dener verabrede *) E die entwel — 65⁵53 hat, nichtsdeſtoweniger ſoll es hier doch nicht geheuer ſein, man ſpricht viel von einem Mönch, der im Gebirge hauſen ſoll. — Ach, Ihr meint Fra Lorenzo! — Ganz recht, ſo wird er genannt. — Fra Lorenzo, lächelte der Mönch, hat ſein Handwerk aufgegeben und ſich wieder in ſein Kloſter zurückgezogen, um Buße zu thun. — O Padre, wie ſchrecklich, ein Mönch und ein Räuber zugleich,— o welche böſe Zeit.. Der Prieſter ſuchte den Haushofmeiſter von dieſem Ge⸗ ſpräche abzulenken und in äußerſt geſchickter Weiſe wiederholt zu erfahren, welchen Weg die Reiſenden nehmen werden. Der Haushofmeiſter war nun zwar ſchlau genug, wie dies dem Neapolitaner überhaupt eigen iſt, ihm einen ganz anderen Weg anzugeben, als wirklich ſeine Abſicht war einzuſchlagen, allein der gute Kloſtergeiſtliche ließ ſich dadurch nicht täuſchen. Er verſicherte, daß ihn dieſes nur aus Intereſſe für die Prinzeß anginge, da auf dem einen Wege die Brücke abgebrochen, auf dem andern ein Waldſtrom übergetreten ſei, und der dritte noch ſeit dem großen Erdbeben durch ein Felſenſtück verrammelt ſei; indeß würden die Maulthiertreiber über dieſen Gegenſtand viel genauere Auskunft geben können, denn hier ſei ja ohnehin der Ort, wo ſtatt des Wagens eine Cavalcatura*) genommen werden müſſe. Nach dieſer Auseinanderſetzung entfernte er ſich, und der Maggiorduomo(Haushofmeiſter) miethete einige Maulthiertreiber mit denen er über die zu nehmenden verſchiedenen Wege ſich verabredete. *) Ein eigenthümlicher Ausdruck für jeden Transport mit Reitthieren, die entweder Perſonen, oder Gepäck und Sänften tragen. 654 Leonore hatte ſich in ihrem Gemache mit Hilfe ihrer Frauen ſo gut als es nur gehen konnte, für eine Nacht eingerichtet. Das nöthige Geräth und leichte Matratzen wurden nämlich zu jener Zeit in dieſer Gegend Italiens, wohl auch heute noch von jedem Reiſenden auf Maulthieren mit ſich geführt. Der vorher ſtattgehabte Lärm war zu ihr gedrungen, allein er hatte ihr an Schrecken gewöhntes Gemüth wenig beläſtigt, nichtsdeſtoweniger aber war dies von andern Regungen bewegt, ihr Geiſt weilte bei— Giulio. Sie hatte in der Grotte, wie es ſchien, auf ewig Abſchied von ihm genommen, und als ſie dieſelbe verlaſſen, war der ge⸗ liebte Mann in die Ferne verſchwundem Sie hatte die Reiſe nach Coſenza ſchon öfter gemacht, aber niemals blickte ſie ſo ängſtlich, ſo traurig als heute auf die tie⸗ fen Thäler und Pfade, die ſich durch die Gebirge der Appeninnen dahinzogen. Bei der hohen Lage der Oſteria ſah ſie, als ſte hinausge⸗ gangen war, um die erfriſchende Abendluft einzuathmen, unter ihren Füßen die zahlloſen Bergkuppen und tiefen Einſchnitte der Landſchaft ſich ausdehnen bis zu den fernen, unerſteigbaren Höhenzügen, wie ein im Sturmgebrauſe verſteinertes Meer. Die wenigen Städte, Dörfer und Burgen, die man von hier aus überſehen konnte, lagen Alle auf unerklimmbaren Hö⸗ hen, von feſten Mauern umſchloſſen. Die Thäler waren von reißenden Bergſtrömen und rollen⸗ den Felsſtücken gefüllt und jede menſchliche Kultur ſchien hier ein Ende zu haben. Nur in rauher Wildheit beherrſchte der Menſch dieſe Wüſte, und einſam ſtand dort auf einem ſenkrechten Felſenkegel ein zot⸗ tig bekleideter Ziegenhirt neben einem künſtlichen Holzkreuze, welches die Stelle bezeichnet, wo erſt kürzlich ein Raubmord verübt worden war. Von einem unwillkürlichen Schauder ergriffen, eilte ſie in das Haus und ſuchte ihr Lager auf, um die Ruhe zu ſuchen, deren ſie ſo ſehr bedurfte. Es war ſchon Nacht, als eine männliche Geſtalt an die Thür der Oſteria pochte, bald erſchien der fluchende Wirth. Als dieſer aber den Einlaß begehrenden Gaſt mit der Lampe näher betrachtet hatte, war jede Spur von Unmuth verſchwun⸗ Nachdenken 9 —½ greift ſeine Untergeben 5 Weſe ver — verwitter beben in Eine des Cava — C ale Fälle irgend ei geworden dieſer S Oſteria kundigen Giflge Virth ſ valiere, 65⁵ den, und eingedenk der reichen Gabe, die er heute von dem Ca⸗ valier, der jetzt vor ihm ſtand, empfangen hatte, verneigte er ſich tief und führte den Fremden gern in die Gaſtſtube. — Iſt der junge Mönch angekommen? fragte er kurz. — Nein, gnädigſter Herr. — Aber eine junge Dame? — Die Tochter des Herzogs von Arcos, aber ſprechen Sie leiſe, man könnte uns hören. Ein Lächeln der Befriedigung ſchwebte um den Mund des Fremden.. — CEs hauſen Räuber im Gebirge, ſagte er nach kurzem Nachdenken, der iunge Mönch könnte ermordet worden ſein. — Möglic), aber in Wahrheit glaube ich daran nicht. — Warum zweifelt Ihr? — Der Anführer der Bande iſt ſelbſt ein Geiſtlicher und greift ſeines Gleichen nicht an, beſtraft vielmehr denjenigen ſeiner Untergebenen mit dem Tode, der Hand an einen Prieſter legt. — So muß der Reiſende wohl auf irgend eine andere Weiſe verunglückt ſein, ſagte der Cavalier. — Es könnte ſein, daß er in einen der Erdriſſe, oder in die verwitterten Schluchten hineingefallen iſt, welche das große Erd⸗ beben in unſerer Gegend hinterlaſſen hat. Eine ſataniſche Schadenfreude erhellte das finſtere Antlitz des Cavaliers, der jetzt eine gewiſſe Unruhe verrieth. — Es ſind dies Alles Annahmen, und der Menſch muß auf alle Fälle immer das ſeine thun, ſagte er, der Mönch kann durch irgend einen Zufall, eine Erkrankung, oder durch ein unfähig gewordenes Pferd zurückgeblieben ſein, nach einer Beſeitigung dieſer Hinderniſſe aber die Reiſe wieder fortſetzen und dieſe Oſteria berühren, trifft dieſer Fall zu, dann bezeichnet dem Un⸗ kundigen den Weg, welchen ich einſchlagen werde. — Alſo den, der zu Fra Lorenzo führt, lachte der Wirth. — Ganz recht, aber habt Ihr dieſen geſehen? — Er wird Sie morgen in der Frühe erwarten. — Ihr ſagt doch die Wahrheit— die Prinzeß hat in ihrem Gefolge keinen jungen Mönch gehabt? fragte der Fremde, den Wirth ſcharf firirend. — Bei San Nicolao, ich lüge nicht, gnädigſter Herr, Ca⸗ valiere Ihres gleichen werden ſtets mit Redlichkeit bedient, aber 1 656 Sie wollen zu Fra Lorenzo, der Weg zu ihm iſt nicht ohne Ge⸗ fahr— haben Sie einen Freipaß? — Ich würde ſonſt nicht allein dieſe Gegend paſſiren. Dieſe Antwort beſtärkte den Wirth in ſeinem Glauben, daß dieſer Fremde eine ſehr hoch geſtellte Perſon ſein müſſe, immer mehr, und er machte eine Verbeugung nach der anderen. — Was die Dame anbetrifft, ſo wißt Ihr, wohin ihre Reiſe geht, fragte der Cavalier nach einer Pauſe. — Nach Coſenza, gnädigſter Herr. — Es führen wohl verſchiedene Wege dahin? — Drei.—. — So bezeichnet ihr denjenigen, welcher n den Räubern unſicher gemacht wird. ar — Dafür ſorgen die Maulthiertreiber bereits, gnädigſter Herr, wiewohl mich das junge Blut dauert, aber ich tröſte mich mit dem Gedanken, daß die Räuber viel zu klug ſind, ſo hochge⸗ ſtellte Perſönlichkeiten zu ermorden. — Iſt es ſchon Mitternacht? fragte der Fremde, ohne auf die Rede des geſchwätzigen Wirths Gewicht zu legen. — Es iſt erſt elf Uhr, gnädigſter Herr. — So will ich bei Euch bis drei Uhr raſten, dann haltet mein Maulthier bereit. — Es iſt auch dieſe Stunde die äußerſte aufzubrechen, wenn Sie den Räuber um ſechs Uhr noch an dem bezeichneten Orte finden wollen, aber es giebt leider keinen anderen Platz für Sie als der Schuppen, gnädigſter Herr. — Es iſt freilich ſehr traurig, daß Ihr dieſe Oſteria nicht für Standesperſonen eingerichtet habt, verſetzte der Cavalier verdrießlich. — Das iſt wohl der Fall, gnädigſter Herr, entgegnete der Oſterienbeſitzer in ſeinem Stolze gekränkt, aber das einzige Zim⸗ mer dieſer Art hat die Prinzeß eingenommen. — So weiſt mir ein anderes an. — Ich beſitze eben nur dies eine— — So— ſo— dann laßt mich raſten, wo es auch ſei, ſagte der Fremde lächelnd, dem Ermüdeten bekommt die Ruhe auf Heu eben ſo gut, als auf dem Daunenlager. Er folgte dem Wirth nach dem Heuſchuppen, woſelbſt er bis zur bezeichneten Stunde ruhte. Gegen drei Uhr erſchien feigen beſtie thiere gen h daß mer ihre 657 der Wirth, und bald darauf trug den Fremden ein geſatteltes Maulthier, welchem ein Führer voranging, ſeinem Ziele ent⸗ gegen. Zwei Stunden ſpäter war auch Leonore reiſefertig. Ohne Beſchützer, ohne Bruder, ohne Freundin, nur von feigen, unzuverläſſigen Dienern und einigen Soldaten umgeben, beſtieg ſie mit einem unheimlichen Grauen die von zwei Maul⸗ thieren getragene Sänfte, und dieſe verſchwand, gleich den Uebri⸗ gen hinter der nahen Felswand. Räuber⸗Andacht. Es war ein nebelgrauer Morgen, wie er ſich im Juli im ſüdlichen Italien ſelten ſo düſter findet, als eine Anzahl bewaff⸗ neter Männer wie Gemſen über einen Felſenkamm ſtiegen und ſich in einer Vertiefung lagerten, während Wachtpoſten nach allen Seiten auf unzugänglich ſcheinenden Zacken ausgeſtellt wurden. Ehe wir aber dieſe Geſellſchaft näher betrachten, werfen wir einen Blick auf die unabſehbare Bergwüſte, die ſich vor un⸗ ſeren Augen öffnet, bis hinaus auf die Höhe des Meeres, wäh⸗ rend überall in den Mittelgründen die Nebel zerreißen und ſich zu grauen Wolkenmaſſen verdichten, aus welchen einzelne Felſen⸗ kegel herauftauchen. So gleicht die ganze unermeßliche Fläche einer wellenförmig übereinander gerollten Felſenmaſſe. Bald aber erkennt man, daß dieſe ſcheinbare Ebene in tiefe, ſenkrechte Schluchten zerriſſen iſt, in welcher brauſende Berg⸗ ſtröme unaufhörliche Nebel bereiten. Das Opſer von Amalfi.(Pr. uI.*) 42 —-—= 658 Man ſieht, ſo weit das Auge reicht, keine Spur von menſch⸗ lichen Wohnungen. Nur tief im Norden dämmert ein Schatten, wie Ruinen einer alten Burg, zwiſchen welchen einige Hütten angebaut ſind. Man ſteht bald, daß ſich dieſe noch bewohnten Trümmer auf einem ſenkrechten Felſenkegel erheben, doch begreift man nicht, wie dort im Gebiete der Adler, zwiſchen den zerfallenen Ueber⸗ reſten einer großen Vorzeit, ſich Menſchen anſiedeln konnten. Es iſt das verrufene Räuberneſt Acri im dieſſeitigen Cala⸗ brien, deſſen unzugängliche Schlupfwinkel zu erklimmen weder da⸗ mals Landſbirren, noch heute Gensd'armeriebrigaden gewagt habe Keine Spur eines Fußſteiges, kein fruchtbares Thal durch⸗ ſchneidet dieſe öde Gegend, in der man weder Baum noch Strauch ſieht. Die einzige Unterbrechung des grauen Tons dieſer zertrüm⸗ merten Welt gewähren im Hintergrunde die bewaldeten Kuppen anderer Höhen der Appenninen. Im Oſten aber ſah man am äußerſten Horizont auf der feurig glühenden Himmelswand, zwiſchen zerriſſenen Wolken⸗ maſſen, das Zeichen des heiligen Glaubens. Dort zeigte ſich das dunkle Schattenbild eines Kreuzes, welches der fromme Sinn einer Marcheſa ihrem Gemahl hatte errichten laſſen, der, auf der Jagd begriffen, durch die Kugel eines Räubers gefallen war. Nun ſollte man denken, dieſes Sinnbild des Erlöſers, das gleichſam mitten in der glühenden Sonnenkugel zu ſchweben ſcheint, müßte einen ſo erhebenden Eindruck auf die menſchliche Seele machen, daß ſich dadurch die Gemüther der Verbrecher zerknirſcht fühlen, wenn ſie ſich hier verſammeln, um einen Raub zu begehen. Aber die Religion im Süden iſt mehr Sache einer glühen⸗ den Phantaſie und eines dunklen Gefühls, als der tief geiſtigen Erkenntniß des Weſens und Wirkens der Gottheit— mehr Wahn, als Glaubensinnigkeit. Der Räuber in den Gebirgen Neapels betet nicht zu Chriſtus, daß er ihm Raub und Mord vergeben ſolle, ſondern daß er ihm beiſtehen möge, ſie zu vollbringen. Der Griff ſeines Dolches iſt ein— Crucifix.— — darf Chriken. heinn, di iun Sün Sie g di Kecht So a⸗ Das Bagniß, nsgekund birgspfad Bedeckung Gana des Mor Calabreſ daß eine Csn welchen jetzt erhol geraubtes Er Schulter das Mö bis auf Er Karabin aufgehen ſichtbar Herrn v Kirhhe, verliert. Er enſch⸗ 1 uinen t ſind. ümmer nicht Ueber⸗ en. Cala⸗ der da⸗ habe durch⸗ noch ertrüm⸗ Ruppen uf der olken⸗ reujes, hatte Kugel 5, das weben ſchliche brecher einen lühen⸗ ſtigen mehr —ÿʒ——— Hat er das kalte Eiſen glücklich in die Brnſt ſeines Schlacht⸗ opfers geſtoßen, dann wirft er ſich vor das Bild des Heilandes, das ſich an ſeiner Mordwaffe befindet, nieder und dankt ihm für den Erfolg ſeines Unternehmens.. Uebrigens ſind die Räuber Calabriens nicht ganz ſo bigot, als ihre römiſchen Gefährten, aber ein Prieſter bei der Bande darf niemals fehlen, denn ſie ſind ihrer Meinung nach gute Chriſten, wenn ſie nur bisweilen, bei außerordentlichen Gelegen⸗ heiten, eine Meſſe hören und durch die geweihte Hoſtie von ihren Sünden befreit werden. Sie glauben dadurch bei der himmliſchen Heiligenherrſchaft ein Recht auf Glück und Verbrechen zu gewinnen. So auch hier.— Das Unternehmen, welches bevorſtand, war ein bedeutendes Wagniß, denn man wußte, daß die Reiſenden, welche, wie man ausgekundſchaftet hatte, den in der Tiefe ſich hinziehenden Ge⸗ birgspfad durchſchreiten würden, eine ſtarke und wohlbewaffnete Bedeckung bei ſich führten. Ganz ohne Eindruck war das Kreuzbild im Purpurgrunde des Morgenlichts auch nicht auf die glühende Phantaſie der Calabreſen geblieben, und ſo verlangten verſchiedene Stimmen, daß eine Meſſe geleſen werden ſollte.. Es war der Prieſter der Bande, der ſchreckliche Fra Lorenzo, welchen wir ſchon in der Oſteria kennen gelernt haben, der ſich jetzt erhob und mit feierlichem Ernſt den Kelch loshäkelte, ein geraubtes Kirchengut, der neben ſeinem Dolche im Gürtel hing. Er ſchlug den braunen, langhaarigen Mantel von den Schultern zurück und löſte den Knotenſtrick des Gürtels, damit das Mönchsgewand, das aufgeſchürzt war, in ſchweren Falten bis auf die Füße herabfalle. Er legte ſeinen ſpitzen, calabreſiſchen Hut neben den langen Karabiner auf ein Felſenſtück nieder, und indem das Licht der aufgehenden Morgenſonne die Mönchstonſur auf dem Scheitel ſichtbar werden ließ, war der Räuber in einen Diener des Herrn verwandelt,. Es iſt übrigens ein bekannter Grundſatz der römiſchen Kirche, daß der Prieſter durch Verbrechen ſeine Weihen nicht verliert.— Er ordnete bedächtig und langſam das Meßgeräth auf einer 3 42* Felſenplatte, die hier in der feierlichen Stille einer großarti⸗ gen Natur einen wahrhaft erhabenen Gottesaltar bildete, würdig eines ſchönen Opfers menſchlicher Andacht— nur nicht, wenn ſie, wie hier, von einem Räuber ausgeht. Von dieſem Augenblick an hatte das Gefühl des Feierlichen die ganze Bande ergriffen. Die Räuber ſtanden im Kreiſe umher und falteten die Hände um den Lauf ihres Karabiners. In dieſer Stellung erwarteten ſie mit geſenkten Häuptern und Sammlung der Seele den Augenblick der weihevollen Er⸗ öffnung des heiligen Meßopfers. Endlich trat der Räuberprieſter an den Altar. — Interibo ad altare dei(ich werde eingehen zum Altare Gottes), ſprach er mit feierlicher Stimme. Jetzt antwortete der jüngſte der Bande ebenſo feierlich und gemeſſen in ſingendem Tone: — Ad deum, qui laeteficiat juventutem meam(zu Gott, welcher meine Jugend erheitern möge). Murmelnd wurde darauf die Meſſe geleſen. Endlich kam der Prieſter zur Einſegnung der Hoſtie, und die Räuber ſanken andächtig auf ihr Knie nieder. Ein Zuſammenklirren ihrer Dolche bezeichnete den Augen⸗ blick der Erhebung des Leibes des Herrn. Der Geiſtliche ſchloß mit Nachdruck, indem er rief:„ite, missa est!“(Geht, die Meſſe iſt zu Ende.) Mit dieſem Augenblick aber war auch ſchon der Eindruck der heiligen Handlung verwiſcht. Die Räuber hatten ſich geräuſchvoll erhoben und ſtreckten ſich dann auf den Boden nieder, oder ſetzten ſich auf hervorra⸗ gende Steine und griffen eilig wieder zu den Würfelbechern, um ihre Lieblingsbeſchäftigung zu beginnen. Der Prieſter ſchürzte ſein Gewand wieder auf, wickelte ſorgfältig den Kelch in das Altartuch und befeſtigte das geweihte Geräth am Gürtel Er bedeckte das Zeichen der Prieſterweihe, die ſchon etwas verwachſene Tonſur, und bald ſtand er zum Morde gerüſtet un⸗ ter ſeinen Genoſſen, deren Haupt und Führer er war. alſo dur Alles dar Die ihtt Hi was beg bei uns mann! ich glau Nagent den, in der wie ei find vo gel an Spiel oßarti⸗ würdig wenn ſerichen Ein unerwarteter Ausgang. kten die In dieſem Augenblick ſtieg auf einer fernen Felſenkuppe eine Rauchſäule auf. ſäuptern— Brüder, rief Fra Lorenzo— jetzt gilt es— ſie kom⸗ en Et. men; die Hirten, unſere treuen Verbündeten verkünden uns das Herannahen des Reiſezuges durch ihr Feuerzeichen— ſie ziehen alſo durch das Thal von Bagnare veccio— auf, es kommt Altare Alles darauf an, daß der Hinterhalt gut gelegt werde! Die Räuber waren jauchzend aufgeſprungen und ſchwenkten ihre Hüte— einer der Bande trat zu ihm. ich und— — Padre Hauptman, ſagte er, wenn uns der Fang gelingt, ( Gott wwmas beginnen wir mit der Prinzeß? 1— Sie wird gefangen, verſteht ſich von ſelbſt, und bleibt bei uns, bis das Löſegeld eingeſandt iſt. ie, und 4 Und wie hoch wollt Ihr dies feſtſetzen, Padre Haupt⸗ mann? augen⸗— Auf dreißigtauſend Ducaten. — Eine ſchöne Summo, verſetzte der Räuber lächelnd, aber ich glaube, wir werden uns verrechnen. 4 1— Corpo di dio— in wie fern? ndtuf— Weil es unmöglich iſt, daß der Vicekönig in dieſem Augenblick über eine ſo hohe Summe gebietet. irnitn— Dann mag er ſich an ſeinen Freund Maſaniello wen⸗ rvug den, verſetzte Fra Lorenzo mit boshaftem Lächeln. — Die Sache iſt ſehr ernſt, Padre Hauptmann, ich glaube 1n, Um in der That, der Herzog von Arcos iſt in dieſem Augenblick arm vitele wis ein Bettelmönch. Vuur— Das ſoll unſere Sorge nicht ſein, wir haben Sicherheit, weihte 3 vollſtändig gedeckt. — Wenn er aber nun das Pfand nicht einlöſt, aus Man⸗ etwg‚s an Dukaten? et un⸗— Er wird doch das Leben der Prinzeß nicht auf das Spiel ſetzen? rief Fra Lorenzo halb lächelnd, halb unwillig. — Er wird verzweifelt ſein, aber er wird ſie nicht retter 662 können, wir haben uns ſchon manchmal durch zu hohes Schrau⸗ ben des Löſegeldes verrechnet. — Das heißt, wir haben manche Gräfin oder Herzogin tödten müſſen, weil ſie uns Zehrung koſtete und nicht vom Herrn Gemahl eingelöſt wurde, indem er ihrer überdrüſſig war und ſeinen Schöpfer dankte, ſich auf dieſe bequeme Weiſe ihrer entledigen zu können. — Ich dächte, wir ſtellten den Preis des Löſegeldes unter den obwaltenden Umſtänden bei dem Vicekönig etwas niedriger. — Es bleibt bei meiner Beſtimmungz; zahlt ſeine Hoheit nicht, dann muß die junge Dame ſterben, wir haben weder Ge⸗ legenheit zu ihrer Beherbergung, noch paſſende Nahrung für ſie, die Zeit ihrer Gefangenſchaft kann höchſtens acht Tage währen, dann aber Freiheit durch Löſegeld, oder Tod— und nun geht, ich werde folgen. Die Räuber wollten ſich entfernen, als die Ankunft eines Fremden ein lautes Geſchrei unter ihnen verurſachte und ſie zum Bleiben veranlaßte. Fra Lorenzo erinnerte ſich, daß der Wirth der Oſteria von einem Cavalier geſprochen hätte, der eine Zuſammenkunft mit ihm begehrte. Er gab ſeinen Leuten ein Zeichen zum Schweigen und ging dann bis auf etwa dreißig Schritte dem Fremden entgegen, wel⸗ cher mühſam den Felſen hinanklimmte, während ihm ein Knecht der Oſteria voranſchritt. Endlich ſtand der Fremde vor dem Räuber, und dieſer warf einen durchdringenden, forſchenden Blick auf ihn. — Es iſt ſelten, redete er den Angekommenen an, daß ein gewöhnlicher Menſch es wagt, das Antlitz Fra Lorenzo's zu ſehen, es ſei denn, daß er ſein Todesurtheil von dieſem hört, deßhalb, Fremdling, müßt Ihr entweder eine hochgeſtellte Per⸗ ſon ſein, die meiner Dienſte bedarf, oder die im ſchlimmſten Falle ein gutes Löſegeld ſichert, aber Euer Antlitz iſt mir bekannt— Ihr kommt aus Neapel. — Ganz recht, Signore. — Habt Ihr einen Freipaß oder irgend eine Empfehlung an mich? Der Gefragte überreichte dem Räuber ein Blatt, deſſen In⸗ halt dieſer raſch durchflog. vor mir zuvorz de daß er N Napel zu vrücken. um gegen Volk ſu —2 iußerſt verſehte fache, i Arcos nen zu Viceior Räube ruhigt halters ſelbſt a iſt die unmögl 663 Sogleich zeigte er eine Veränderung in ſeinem Benehmen. — Ich habe alſo die Ehre, ſeine Excellenz, Don Herandez, vor mir zu ſehen, ſagte er in etwas freundlicherem Tone als zuvor; der alte Fuchs, der dieſe Zeilen ſchreibt, weiß ſehr wohl, daß er Fra Lorenzo keine Lumpen empfehlen darf und daß dieſer aus dem geehrten Gaſte ſeinen Nutzen ziehen wird. — Wie ſoll das verſtanden ſein? verſetzte Herandez etwas verlegen.. — Nennen Sie mir vor Allem Ihr Begehren, Ercel enz. — Zunächſt möchte ich fragen, ob Ihr gewillt wäret, nach Neapel zu kommen, um mit Eurer Bande den Aufſtand zu unter⸗ drücken. — Das iſt unmöglich, Excellenz, meine Bande iſt zu ſchwach, um gegen Maſaniello's Schlächter, überhaupt gegen ein ganzes Volk zu kämpfen. — Wie viele Mitglieder zählt Eure Bande? — Sehen Sie dort hin. — Iſt ſie vollzählig in dieſem Augenblick? fragte Herandez äußerſt überraſcht. — Es fehlt Keiner— es ſind etwa funfzig an der Zahl, verſetzte der Räubermönch, aber zählten ſie ſelbſt das hundert⸗ fache, ich würde mich nicht dazu verſtehen, mit dem Herzog von Arcos jetzt in Verbindung zu treten. — Ich wäre neugierig, die Gründe dieſer Weigerung ken⸗ nen zu lernen, ſagte Herandez kleinlaut. — Dieſe liegen nahe genug. 8 — Mir aber ſehr fehr fern. — Nun, Eccellenz, es iſt klar, daß das Regiment dieſes Vicekönigs von Neapel zu Ende gehen muß, entgegnete der Räuber. 3 — Ihr täuſcht Euch, das Volk wird jetzt vielleicht ſchon be⸗ ruhigt ſein, wenn es den ihm angebotenen Vergleich des Statt⸗ halters angenommen hat. — Um ſo weniger bedürfte es alſo meines Einſchreitens, ſelbſt aber, wenn das Volk den Herzog von Arcos nicht verjagt, iſt die Herrſchaft des Vicekönigs immerhin zu Ende. — Wer wollte dies herbeiführen? — Seine Majeſtät, der König Philipp von Spanien kann unmöglich länger einem Stellvertreter die Regierung über ein Land anvertrauen, deſſen Einwohner ihn ſo weit gedemüthigt haben, daß er gezwungen ward, ihnen einen Vergleich anzutra⸗ gen, aber ich bin ein ſchlechter Politiker, Excellenz, und wenn Sie keine fernere Miſſion zu mir führt, dann muß ich die Audienz ſchließen, meine Zeit iſt gemeſſen. Er gab ſeinen Leuten einen Wink und dieſe ſtiegen in das Thal hinab. — Ich habe noch andere Angelegenheiten zu erledigen— ſagte Herandez mit ſeltſamer Betonung. — Um was handelt es ſich? Ich muß Excellenz ganz erge⸗ benſt bitten, ſich kurz zu faſſen. Herandez ſenkte den Ton ſeiner Stimme und theilte dem Räuber ſein Anliegen mit. — Es iſt gut, ſagte Fra Lorenzo, ich werde den Auftrag vollziehen; wäre es in der That ein Mönch, ſo hätte ich eher am Freitag gegeſſen, als Jenem den Dolch in die Bruſt geſtoßen, da er aber nur das Gewand eines Dieners des Herrn trägt, ſo muß er für dieſe Entweihung des Heiligen fallen, auch ohne die hundert Ducaten, um welche ich Eure Excellenz als Belohnung für dieſen Dienſt erſuche. — Ihr ſeid theuer, agte Herandez etwas mißlaunig. — Glauben Sie, Ercellenz, daß Fra Lorenzo für einen Rea⸗ len morden ſoll, wie ein neapolitaniſcher Bandit— ich habe Ruf, ich weiß es, und ſchon dieſen muß man bezahlen., — Nun, endlich zum letzten Punkt: giebt es mehre Banden im dieſem Gebirge? — Wozu dieſe Frage? — Die Prinzeß, die Tochter des Vicekönigs von Neapel wird heute durch dieſes Thal ziehen und ich wünſchte, daß ſie in Eure Gewalt gelange. — Ein ſonderbarer Wunſch— fürwahr. — Ich wünſche nämlich nicht, daß die Prinzeß mit jenem Mönch zuſammentreffe und wollte ſie lieber unter Euren Schutz ſtellen, Fra Lorenzo, als ſie den Verfolgungen dieſes mir ver⸗ haßten Menſchen ausgeſetzt ſehen— ich weiß, daß Euch das Leben der Prinzeß heilig iſt und daß Ihr viel zu ritterlich denkt, um für eine Dame Löſegeld zu verlangen, die Ihr nicht gefan⸗ gen nehmt, ſondern die Euch nur als Schützling anvertraut wird. — Sie Eneellenz, w vethält ſi Herann trjett hin — 30 Antwottäl Gie —Gger das Meine — Dal Eut an nuch ſchon! gen gehalte nach ihren Mänch ihr zu büßen. — De hauyt den wit vicht! ich Euer — 3 fügen hat. — J. Creellenz, äinen Mal Läſegeld ve wußte ber meinen L könig von er zahlt! Mit randez au ſich dieſer — D verzweiflu Er w die Räͤuben den edlen erge⸗ e dem ſuiftrag ih eher ſtoßen, ſigt, ſo e die nung Rea⸗ habe anden Neapel ſie in jenem Schutz ver⸗ das denkt, ſefan⸗ traut 66⁵ — Sie würden meine Tugenden nicht zu hoch anſchlagen, Ercellenz, wenn es ſich verhielte, wie Sie ſagen, die Sache aber verhält ſich ganz anders. Herandez gerieth wiederum in Verlegenheit— was ſollte er jetzt hören. — Zunächſt, fuhr Fra Lorenzo fort, bin ich Ihnen noch die Antwort auf die Frage nach verſchiedenen Banden ſchuldig. — Giebt es ſolche noch? — Gewiß, aber dieſes Revier iſt bis auf zwanzig Miglien das Meine und nun? — Dann bin ich alſo überzeugt, daß die Prinzeß nur Eurem Schutze anvertraut wird,— ich wünſche nämlich nicht, wie ich auch ſchon geſagt habe, daß ſie in irgend einer Schlucht gefan⸗ gen gehalten, ſondern daß ſie vielmehr unter Eurer Bedeckung nach ihren Gütern bei Coſenza geſchafft werde, damit der junge Mönch ihr nicht nahen kann, ohne ſein Vergehen mit dem Tode zu büßen. — Der junge Mönch wird fallen, Excellenz, wenn er über⸗ haupt den Weg durch mein Revier nimmt, in welchem Falle er mir nicht entgehen kann, was aber die Prinzeß betrifft, ſo kann ich Euer Ercellenz Wunſch nicht erfüllen. — Ihr ſprecht wie Einer, der ſchon über die Dame zu ver⸗ fügen hat. — In wenigen Stunden wird ſte in meiner Gewalt ſein, Erxcellenz, ich würde, wenn Sie freiwillig eine Dame, oder auch einen Mann gleichviel, meinem Schutze anvertrauen, auf jedes Löſegeld verzichten, die Prinzeß aber iſt meine Gefangene, ich wußte bereits, daß ſie dieſe Gegend paſſirt und breche jetzt mit meinen Leuten auf, ſie zu überfallen, übermorgen wird der Vice⸗ könig von ihrem Schickſal in Kenntniß geſetzt ſein— entweder er zahlt das Löſegeld, oder ſte— ſtirbt. 3 Mit dieſen letzten Worten entfernte er ſich, ohne Don He⸗ randez auch nur eines Blickes zu würdigen, und vergebens hatte ſich dieſer bemüht, den Räuber zurückzuhalten. — Das iſt ein unerwarteter Ausgang, ſagte Don Herandez verzweiflungsvoll. Er wußte nur zu gut, daß ihm keine Behörde Schutz gegen die Räuber bieten konnte, er hätte es ſonſt wohl verſucht, ihnen den edlen Fang abjagen zu laſſen. 666 Auch die Landleute würden ſich nicht entſchloſſen haben, ihm beizuſtehen, denn dieſe ſind meiſtens auf Seiten der mörderiſchen Söhne des Gebirges. Er trat den Rückweg an, um ſo bald als möglich nach Neapel zu gelangen.. Auch wir wollen von ihm ſcheiden, ebenſo die Prinzeß ihrem Schickſal überlaſſen.— „ Der Apotheker. Wirklich war eine augenblickliche Ruhe in Neapel eingetre⸗ ten, und der Herzog von Arcos harrte ſehnlichſt der Rückkehr ſeines vertrauten Rathgebers, um mit ihm gemeinſam zu wir⸗ ken, das heißt, die herrſchende Ruhe, die übrigens nur auf dem Umſtand beruhte, daß man nicht mordete, zu ſeinem Nutzen aus⸗ zubeuten.. Wir wollen uns indeſſen keiner Illuſion hingeben, indem wir glauben, daß das Volk in Wirklichkeit ſo friedlich geſtimmt war, als es den Anſchein hatte. 1 Argwohn, Mißtrauen und Haß gegen die Exdelleute zeigten ſich, man möchte ſagen, in jedem Winkel der Stadt. Zwar ruhte vorläufig das Mordbeil, aber Jeder, der dem Blutgerüſt vorüberging, war in ſeinem Innerſten überzeugt, daß die Miſſion deſſelben noch immer nicht vollbracht war. Noch hatte Maſaniello ja ſeinem Volke nicht den Frieden perſönlich angekündigt, noch hatte man nicht bemerkt, daß der Statthalter im Caſtel Nuovo nur mit ihm, in Gegenwart von ganz Neapel unterhandelt,— noch war der Fiſcher von Amalfi nicht am Fenſter des Statthalters erſchienen, um laut zu beken⸗ nen, daß er befriedigt ſei. 6* 2 Erſt, iche Rühe Nach! veniger G Es Herzog d eines Nn aus Wwerſa Der T men hörte In Gemeld wenn beſen = N betheiligen darf dieſer — G Don Herau hin begebe Folger Hetogsd Esn in die I Der denn er i Der cognito, werden, d deren Ga er wüdd nicht der Don als der; Der der, wel lickeit an ſich nach eß ihrem 1 eingette Rückfehr zu wir⸗ auf dem zen aus⸗ „indem geſtimmt e zeigten der dem uugt, daß Frieden daß der vart von Amalſi u bekena das er jedoch unter einer jovialen Außenſeite Erſt, wenn dieſer Augenblick eingetreten, war an eine wirk⸗ liche Ruhe zu denken. 4 Nach wie vor verfolgte man die Flüchtlinge, wenn auch mit weniger Geſchrei als früher. Es war am nächſten Tage nach ſeinem Beſuche bei dem Herzog von Mattalone, als dem Statthalter die Anwefenheit eines Menſchen gemeldet wurde, der fich Leonardo Santonini aus Averſa nannte. Der Vicekönig verrieth einige Unruhe, als er dieſen Na⸗ men hörte und verfärbte ſich, ſchon wollte er den Befehl geben, den Gemeldeten eintreten zu laſſen, als er ſich ſchnell eines An⸗ deren beſann. — Nein, ſagte er leiſe, ich ſelbſt kann mich unmöglich dabei betheiligen, ich will die Sache Don Herandez überlaſſen, mich darf dieſer Giftmiſcher nicht kennen. — Sage dem Manne, nicht ich, ſondern ſeine Excellenz, Don Herandez wird ihn empfangen, er möge ſich jetzt gleich da⸗ hin begeben, vielleicht iſt er ſchon zurückgekehrt. Folgen wir dem Apotheker, welcher von dem Diener des Herzogs den geheimen Aufenthalt des Miniſters erfahren hatte. Es mochte etwa um die achte Stunde Abends ſein, als er in die Wohnung von Don Herandez anlangte. Der Menſch wunderte ſich nicht über den ſeltſamen Ort, denn er wußte, daß der Miniſter verfolgt war. Der einzige Diener, welchen Don Herandez in dieſem In⸗ cognito, das wir bei einer anderen Gelegenheit kennen lernen werden, bei ſich behalten hatte, war ſehr überraſcht, einen an⸗ deren Gaſt als höchſtens den alten Celeſto zu empfangen, und er würde ihn in rauher Weiſe abgewieſen haben, hätte ihm nicht der herzogliche Diener einige Worte zugeflüſtert. Don Herandez war etwa ſeit einer Stunde zurückgekehrt, als der Apotheker in ſein Zimmer trat.— Der Mann hatte ein außerordentlich boshaftes Geſicht, und der, welcher ihn empfing, empfand ein heimliches Grauen 7 zu verbergen wußte. — Excellenz, redete ihn der Fremde mit kriechender Höf⸗ lichkeit an, mich ſendet Seine Hoheit, der Vicekönig zu Ihnen. 4 — Das iſt ein Empfehlungsbrief, der Jedem bei mir Einlaß erwirkt, aber in welcher Angelegenheit kommt Ihr zu mir? — Ich weiß es nicht, Excellenz. — Eine ſeltſame Antwort, aber Ihr müßt doch wiſſen, was Ihr wünſcht, wenn Ihr bei mir erſcheint. — Ich wünſche Nichts, ich glaube vielmehr, es wird von mir etwas gewünſcht, ſagte der Apotheker mit grinſendem Lächeln.— — Von Euch?— verſetzte Herandez verächtlich— wer ſeid Ihr denn eigentlich? — Ich bin Apotheker, bereite Gifte, Liebestränke, Pulver, Salben und Minturen aller Art, ſagte der Apotheker, Ercellenz dürfen nur bei dem Herzog von Mattalone fragen, auch bei vielen andern hohen Herrſchaften— außer denjenigen geehrten Herren, welche jetzt von den Henkern Neapels hingerichtet ſind, ſetzte er mit einem Gemiſch von Spott und Theilnahme hinzu und ſie werden Ihnen ſagen, daß ich ein außerordentlich tüchtiger Mann bin. Der Abſcheu, den Herandez gegen dieſen Menſchen hegte, ſteigerte ſich noch. — Wenn ich Euch recht verſtehe, ſagte er kurz, ſo ſeid Ihr Giftmiſcher. — Es kommt auf den Namen nicht an, Ercellenz. — Und Ihr ſtandet mit dem Herzog von Mattalone in Verbindung, fragte Herandez aufmerkſam. — Zu dienen, Excellenz, es mögen nun wohl ſechsundzwan⸗ zig Jahre her ſein. — Und in welcher Weiſe ſtandet Ihr mit dem Herzog in Verbindung? — Ich weiß nicht, ob ich ſprechen darf, man muß diskret ſein, Excellenz. — Der Herzog wird Euch nicht mehr ſchaden, denn er be⸗ findet ſich in der Gewalt des Volkes, und Ihr wißt, was das ſagen will. — Ich habe ſeinen Kopf noch an keinem Pfahl bemerkt, verſetzte der Menſch mit boshaftem Lächeln, aber wenn Excellenz auf Ehrenwort verſichern zu ſchweigen, ſo mag der Herzog ru⸗ hig leben. — Ich werde ſchweigen. wahnſinnig haben, zuſtand ſich dem Tüde = Di dernd.— — Ich Verſon noc — W bar ſind? — De tollen Hun Heran einige Auc — N dem et ſi — ſener bede und iſt au Hoheit mu ſönlich nic Enter Ere führt ſet Jetzt er einſt quemer ogleich d Er dimoniſch war abge e hinzu dentlich hegte, ſeid Ihr lone in ndzwan⸗ erzog in diskret ner be⸗ das das vemerkt, frcellenz og ru⸗ 669 — Nun, ich bereitete ihm ein Gift, aber er hat es nicht angewendet. — Woher iſt Euch dies bekannt? — Ich kenne die Perſon, die es erhalten ſollte, ſte iſt nicht wahnſinnig geworden und lebt noch, würde ſie davon genoſſen haben, ſo wäre ſie augenblicklich wahnſinnig geworden, welcher Zuſtand ſich bis zur Raſerei geſtaltet und nach drei Tagen mit dem Tode enden mußte. — Dies iſt alſo nicht geſchehen? fragte Herandez ſchau⸗ dernd.— — Ich ſagte Ihnen bereits, Excellenz, daß die betreffende Perſon noch am Leben ſei. — Woraus gewinnt Ihr ein Gift, deſſen Folgen ſo furcht⸗ bar ſind? fragte Herandez mit leiſer Stimme. — Der größte Beſtandtheil deſſelben iſt der Geifer von tollen Hunden, antwortete Jener ruhig. Herandez empfand einen unüberwindlichen Ekel und war einige Augenblicke unfähig, etwas zu ſprechen. — Was wollt Ihr aber eigentlich bei mir? fragte er, nach⸗ dem er ſich wieder geſammelt. 1 — Ercellenz, Seine Hoheit der Herzog, ließ mich rufen, ſagte jener bedeutungsvoll— wer nach mir ſchickt, weiß, was er will, und iſt auch überzeugt, daß ich ſeine Wünſche erkenne— ſeine Hoheit muß wohl meiner geheimen Dienſte bedürfen, aber per⸗ ſönlich nicht mit mir unterhandeln wollen, weßhalb er mich zu Eurer Excellenz ſchickt— errathen Sie nun, was mich zu Ihnen führt? ſetzte er mit hämiſchem Lächeln hinzu. Jetzt erſt erinnerte ſich Herandez gewiſſer Aeußerungen, die er einſt dem Herzog von Arcos betreffs der Beſeitigung unbe⸗ quemer Perſonen gethan und ſchalt ſich einfältig, daß er nicht ogleich die Miſſion dieſes Gaſtes bei ihm errathen hatte. Er trat zu ihm— Beide flüſterten leiſe— Beide lächelten dämoniſch, geheimnißvoll— und ein todtbringendes Geſchäft war abgeſchloſſen. 4 3b Makenjeſt i jiuchen, in 3 M of den Gra Was thaten die Borgia? hehnlächlin zge, den ich Um die zehnte Stunde am Abend deſſelben Tages ſtand nüg. Sind Herandez vor dem Statthalter, von welchem er mit einer wah⸗ Nin, ren Herzensfreude empfangen wurde. vir niſen 1 Gleich auf den erſten Augenblick erkannte der Miniſter, daß lan der Herzog von dem Schickſal der Prinzeß noch keine Kennt⸗ in Das niß hatte. in während Er fühlte ſich um ſo weniger bewogen, der Ueberbringer ratungbvoll ſolcher Hiobspoſt zu ſein, als er die nach Umſtänden heitere— füt Laune des Regenten bemerkte. ebe Die traurige Ueberzeugung hatte er, daß Fra Lorenzo ſeine Boten an den Statthalter ſenden würde, wenn Leonora über⸗ ſi haupt in ſeine Gewalt gefallen, was ja noch nicht beſtimtt Haun eerwieſen war. G — Sie waren wohl vier Tage abweſend, Don Herandez? eer de J fragte der Vicekönig. niſtet mit) — Nicht ganz, Hoheit, nun, wie ſtehen die Dinge in 2. Neapel? Beide! — So gut, als es überhaupt nach den obwaltenden Ver⸗/ haben„. hältniſſen möglich iſt— man mordet mindeſtens nicht— Ma⸗ r ſaniello iſt abgeſpannt, aber— er läßt noch verfolgen, und das and N 2 Volk will die Geſuchten unter allen Umſtänden ſeiner Rache ValteDbern überweiſen. Paliſte iſ — Namentlich diejenigen, deren Habhaftwerden mit einem und Preiſe gekrönt iſt? verſetzte Don Herandez, halb lachend, halb— N bebend.— Ei — Es giebt nur einen Mann in ganz Neapel, dem dieſe— So Chre zu Theil ward, verſetzte der Herzog lächelnd. luhig. — Und der— bin ich— es ſcheint doch aber, daß die hei⸗— Wer lige Jungfrau mit mir iſt. werde ich m — Dieſe iſt immer mit Regenten und ihren Räthen, außer⸗ Hoheit, alſo dem aber iſt Ihre Verkleidung ſo vortrefflich, daß es ſelbſt die⸗ werden— ſen Spürhunden unmöglich wird, Sie darunter zu erkennen. darber faſt — Es iſt bereits die dritte Verkappung, zu der ich meine it in ihn g Zuflucht genommen habe. 671 — Ich hoffe, wir werden bald Gelegenheit haben, ein Maskenfeſt zu veranſtalten, dann, Don Herandez, werde ich Sie eerſuchen, in dieſem edlen Coſtüm zu erſcheinen, damit der ganze Hof den Grafen Monteja als Fiſcher der Bei begrüßen und mit hohnlächelnder Verachtung ſich dieſes Pöbelaufſtandes erinnern 1 es ſtand möge, den ich nun gänzlich zu unterdrücken hoffe. r wah⸗— Sind Nachrichten von Andreas Doria eingegangen? 8 — Nein, ich hoffe, ihn binnen acht Tagen zu begrüßen, er, das wir müſſen alſo Alles anwenden, um die Ruhe aufrecht zu er⸗ Kennt⸗ halten. — Das iſt nur möglich, Hoheit, wenn wir die Füh⸗ tbringer rer währenddeſſen für uns gewinnen— ſagte Herandez be⸗ heitere deutungsvoll. — Für uns gewinnen? do ſeine— Haben wir ſie für uns gewonnen, dann ſind ſie— be⸗ ra über⸗ ſeitigt—.— eanuf— Sprechen Sie ſich über Ihre Anſicht deutlicher aus, Don Herandez. eranden— Es war Jemand— bei mir, Hoheit— ſagte der Mi⸗ niſter mit Nachdruck. finge in.— Der Apotheker? Beide lächelten und ſchienen ſich vollkommen verſtanden zu en Ver⸗ haben. — Ma⸗— Die Sache iſt auf das Beſte geordnet, ſagte Herandez, Ind das und der Born der Erlöſung harrt des Schmachtenden. Der rRache Volks⸗Oberanführer, der Pöbelfiſcher von Amalfi muß hier im Palaſte erſcheinen, mit ungeheurem Pomp empfangen werden it inen und—.1 nd, halb— Nuns fragte der Statthalter etwas zögernd. — Ein Page reicht Erfriſchungen umher— en diſe b So— ſo— aber ein Page?— fragte der Herzog un⸗ ruhig. die hei⸗— Wenn ein ſolcher nicht würdig genug erſcheint, dann werde ich mir ſelber die Ehre geben—— Sie verſtehen mich, außer⸗ Hoheit, alſo der Pöbelhäuptling Maſaniello ſoll gut empfangen bſt di⸗ werden— und ſo viel Schmeichelhaftes hören, daß er vor Freude ner darüber faſt— wahnſinnig— werden muß— das ganze Volk h mein iſt in ihm geehrt, und nach drei— Tagen, hören Sie wohl, 672 Hoheit, ich ſage, nach drei Tagen— wird die Ruhe in Neapel hergeſtellt ſein. — Sie meinen ſchon, nach— drei Tagen? fragte der Her⸗ zog ſo leiſe, daß er kaum verſtändlich war. — So ward mir wenigſtens von glaubhafter Seite— ver⸗ ſichert, widrigenfalls muß man noch eine Einladung ergehen laſſen, um die Wiederherſtellung der Ruhe zu beſchleunigen. Der Herzog ging zerſtreut und unruhig auf und nieder. — Sie haben mich verſtanden, Hoheit?— ſagte Herandez lächelnd. — Vollkommen. — Sie ſcheinen ein wenig unentſchloſſen. — Sie können ſich wohl über eine kleine, ſo natürliche Alteration nicht wundern. — Ohne Opfer— kein Reſultat. — Aber— — Ich kenne Ihre Bedenken, Hoheit, aber was thaten die Borgia— die Tudor— die Medicis? Im Uebrigen ſtehe ich für Alles— ſagte Herandez— wir müſſen Ruhe ſchaffen und— — Und?. — Rache nehmen, entgegnete Herandez mit düſterer Ent⸗ ſchloſſenheit, man hat zu vieles edle Blut vergoſſen, und dieſer Pöbel ſoll uns wahrlich jeden Tropfen mit tauſend Leben bezah⸗ len— ich habe aich übrigens auch an Seine Majeſtät nach Ma⸗ drid endlich um Hülfe gewandt— in meinem erſten Schreiben ſuchte ich dieſe nicht nach, weil ich den Aufſtand nur für eine gewöhnliche Pöbelemeute hielt, als man aber alle ſtaatlichen Inſtitutionen umſtürzte und eine vollſtändige Pöbelherrſchaft organiſirte, da war es an der Zeit, Hülfe zu fordern, und ſie wird und muß uns werden. — Hörten Sie nichts von Giulio Caraffa? — Ich hoffe, er wird nicht mehr zurückkehren— — Und wenn dieſer Fall dennoch eintreten würde. — Dann läßt man ihn kurze Zeit ſich amüſiren, verſetzte Herandez lächelnd, bis wir wieder das Steuerruder ergriffen haben. — Und dann?„ — Erfolgt ſeine Hinrichtung, deren Befehl ich mir dur ſnn Excell ieß und de ließ 8 on. ſch 1 1 rig, i Vem Lie ſollte o n. Einadunge ausfertigen dn ſoll. 38 leiſer Stin Lebens zäh ſtellung de übermorgen ſaniello ge ihn in T Gerede in morgen gleichen⸗ ſen Feierl ſein; der ane gewiſ vern bedt Roll. Man geſchmied machen. Dor vermochte in Neapel V der Her⸗ ite— ver⸗ ig ergehen nigen. nieder, Heranden natürliche in ſtehe ich e ſchaffen ſterer Ent⸗ und dieſer ben bezah⸗ nach Ma⸗ Schreiben ur für eine ſtaatlichen elherrſchaft rn, und ſie . . „verſetzte ergriffen „ mir durch thaten de 673 ſeine Excellenz, Don Olivarez, bei Seiner Majeſtät erwirken ließ und der bald eingehen muß. 3 — Die Prinzeß iſt nach Coſenza gegangen, das wiſſen Sie ſchon. — Ich weiß es, Hoheit, verſetzte Herandez plötzlich ſo trau⸗ rig, daß es dem Statthalter auffallen mußte.— — Warum ſo niedergeſchlagen? rief der Herzog lächelnd. Wenn Sie die unglückliche Liebe meiner Tochter ſo beunruhigen ſollte, ſo mögen Sie zu Ihrem Troſte erfahren, daß ich bereits Einladungen zu deren Vermählungsfeier mit Ihnen habe ausfertigen laſſen, welche noch dieſen Monat vollzogen wer— den ſoll. — Ich bin Ihnen dankbar dafür, verſetzte Herandez mit leiſer Stimme und werde dieſen Tag zu den glücklichſten meines Lebens zählen. Was nun unſeren Plan betreffs der Wiederher⸗ ſtellung der Ordnung betrifft, ſo müſſen wir eilen und ſchon übermorgen an die Arbeit gehen; zunächſt ſollen Boten an Ma⸗ ſaniello geſendet werden, ihm koſtbare Kleider überbringen und ihn im Triumph hierher führen. Der morgende Tag muß viel Gerede in Neapel von dem Feſtzuge machen, welcher über⸗ morgen ſtattfinden ſoll, damit auch das Volk, bei dem der⸗ gleichen Dinge immer reüſſiren, ſeine Anſtalten zu einer gewiſ⸗ ſen Feierlichkeit treffe. Dieſer Tag muß ein Feſttag für Neapel ſein; der Erzbiſchof möge den Fiſcher begleiten, damit der Sache eine gewiſſe Wichtigkeit beigelegt werde— von den Volksanfüh⸗ rern bedürfen wir nur ſeiner— die übrigen ſpielen keine Rolle. Man ſprach noch mehr, und ein gräßlicher Plan ward geſchmiedet, um ein unglückliches Volk noch unglücklicher zu machen. Don Herandez entfernte ſich freudig— der Statthalter vermochte vor Aufregung kein Auge zu ſchließen. Das gpfer von Amalſi.(Pv. 1u. 3) 43 674 Der Feſtzug. In ſeiner armſeligen Hütte hatte Maſaniello ſich kaum vom Lager erhoben, als er laut ſeinen Namen rufen hörte. Livia beſchwor ihn, zurückzubleiben, ſte meinte, er bedürfe noch der Ruhe. — Wenn das Volk ruft, ſagte er, giebt es für Maſaniello keine Ruhe— lebe wohl, geliebtes Weib. Er eilte hinab zu der lauten Menge, und die weinende Gattin blickte ihm traurig nach. Ihr Kopf ſchwindelte, als ſie das Geſchrei hörte, womit Maſaniello von dem Volkshaufen begrüßt ward. Sie zitterte, daß ihm vielleicht eine Gefahr drohte, bald aber vernahm ſie Stimmen, die ſie ermuthigten. — Boten vom Statthalter mit dem Geheimſchreiber des Erzbiſchofs— ertönte es. — Führt ſie hierher, antwortete Maſaniello mit erregter Stimme, der Vicekönig iſt des Volkes Freund. Es ward jetzt eine prächtig geſchmückte Geſandtſchaft durch das Volksgedränge vor die Thür der armſeligen Hütte geführt. — Was verlangt Seine Hoheit von uns? ſagte Maſaniello — redet, daß mein Volk es vernehme. — Seine Hoheit ſendet Euer Excellenz einen freundlichen, brüderlichen Gruß— war die Antwort. Der Herr Herzog will Ihnen ſeinen Dank für die glückliche Beruhigung der Stadt darbringen, wie er bereits Gott und der heiligen Jungfrau der Carmine gedankt hat,— er ladet Sie durch uns ein, ihn in ſeinem königlichen Palaſt zu beſuchen. Er ſchickt Ihnen dieſe koſtbaren Kleider, die einem Manne von Ihrem Geiſte und Ihren Herrſchergaben ziemen und der ſo hoch in ſeiner Achtung ſteht. Seine Eminenz, der Kardinal⸗Biſchof iſt erſucht worden, Euer Excellenz zu begleiten. Ein tiefes Schweigen folgte, während welches einige Pa⸗ gen mit koſtbaren Gewändern in den Vordergrund traten und 8 — Maſoniello wikdetolt Jeßt prchendſte = Ge — Ge — E dem Altar alle Stimm = A — Je vernehmen — G der alte ſicht mit einmal ge uns dahin man ſoll Herzen der · ſein, wie ten, antn Noch biſchofs g ſchienen, Er ſe Anführer Als e er an eine Er ver zu erkenne! Seide und ſh kaum irte. bedürfe nſaniello einende womit e, bald ber des erregter t durch eführt. ſaniello dlichen, zog will r Stadt frau der ihn in n dieſe ſte und llchtung vorden, ge Pa⸗ en und Maſaniello gab ihnen den Befehl, dieſe in ſein Haus zu be⸗ fördern. Endlich erhob der Fiſcher von Amalfi ſeine klangvolle Stimme ſo laut, daß man ſie an dem äußerſten Ende des Platzes hörte. — Was ſagt mein Volk? rief er. Keine Antwort erfolgte. — Soll Maſaniello den Statthalter beſuchen? fragte er wiederholt. Jetzt ließ ſich ein verworrenes Geſchrei mit den wider⸗ ſprechendſten Antworten vernehmen. — Geho, gehe, riefen Einige. — Gehe nicht, gehe nicht, riefen Andere. — Er trachtet Dir nach dem Leben, wie vor Kurzem an dem Altar der heiligen Jungfrau! ſo riefen die meiſten, ja faſt alle Stimmen, ſo daß die wenigen beiſtimmenden übertönt wurden. — Alſo mein Volk will nicht, daß ich gehe? — Jetzt ließen ſich viele Stimmen dafür, weniger dagegen vernehmen, unter den Erſteren war auch Celeſto. — Er wagt es nicht, Dich anzutaſten, Maſaniello, flüſterte der alte Heuchler; gehe hin und ſprich von Angeſicht zu Ange⸗ ſicht mit dieſen ſtolzen Männern.— Des Volkes Sache hat nun einmal geſiegt und ſoll ferner im Siege bleiben— wir wollen uns dahin begeben, und das ganze Volk möge uns begleiten, man ſoll ſehen, daß Ordnung in unſrer Regierung iſt und die Herzen der Menge für uns ſchlagen.— — So ſei es, der Erzbiſchof möge uns begleiten und Zeuge ſein, wie wir für das Volk antworten, deſſen Sache wir verfech⸗ ten, antwortete Maſaniello und zog ſich in ſeine Hütte zurück. Noch ehe der Wunſch Maſaniello's in den Palaſt des Erz⸗ biſchofs gedrungen, war dieſer ſchon auf dem Marktplatze er⸗ ſchienen, denn er war von höherer Seite dazu veranlaßt worden. Er ſchien bereit ſich dem Zuge anzuſchließen, welcher den Anführer des Volkes zu dem Statthalter begleiten ſollte. Als er den Platz betrat, fand er Alles ſo verändert, daß er an einen augenblicklichen Zauber glaubte. Er vermochte die umliegenden, armſeligen Häuſer kaum wieder zu erkennen, denn ſie waren mit den koſtbarſten Teppichen von Seide und Sammet in den prächtigſten Farben decorirt. 43* 676 Auf den Dächern der Häuſer ſah man Kinder und Weiber, während der ganze Platz mit bewaffneten Männern gefüllt war. Hundertundfünfzig Fahnen wehten, und als das Geſchrei der Volksmenge die Ankunft des Biſchofs meldete, welcher eben aus ſeiner Kutſche ſtieg, da ſprengte ein Reiter, in Silberſtoff gekleidet, herbei, um ihn zu bewillkommnen. Auf dem Kopfe trug er einen ſpaniſchen Hut, von welchem eine weiße Feder wehte— ſeine Haltung auf dem Roſſe, das feurig durch die Menge jagte, war ſtolz und kühn. Der Erzbiſchof, der die Edelleute des Hofes wohl ziemlich genau kannte, blickte einige Minuten auf dieſe ſchöne, glänzende Erſcheinung und konnte ſich ſo wenig erinnern, ſie geſehen zu haben, daß er ſich fragte, welcher. ſpaniſche Edelmann es ſein möchte, der ihn mit einer ſo bekannten Stimme anredete, bis er endlich in dieſem— Maſaniello, den armen Fiſcher von Amalſi — erkannte. — Hochwürdigſter Vater, nahm Letzterer das Wort,— wir begeben uns zu dem Statthalter, unſer Volk wünſcht es. — Wohlan, gehen wir, mein Sohn, antwortete der Erz⸗ biſchof, denn es wird ein Friedensbeſuch ſein,— wir wollen die Documente, welche die zwiſchen dem Volk und dem Herzog feſtgeſetzten Beſtimmungen enthalten, mit uns nehmen, damit Seine Hoheit ſie vor uns Allen beſchwöre, der Erfolg werde dann in Gottes Hand gelegt. Mit Ueberraſchung bemerkte der Biſchof, daß die Anführer des Volkes den Zug ſchon geordnet hatten.. Tauſende waren bemüht, ſich den Weg durch das Gedränge zu bahnen. Maſaniello ſprengte voran, ſtellte die Haufen unter ihre Fahnen, bezeichnete Jedem ſeinen Platz im Zuge und beſtimmte zugleich, wie ſich Alle vor dem Palaſt des Vicekönigs aufſtellen ſollten. Als dieſe Vorbereitungen getroffen waren, näherte er ſich wieder dem Wagen des Erzbiſchofs und rief ſeine nächſten Be⸗ gleiter an ſeine Seite. Der Erzbiſchof mußte den Zug eröffnen. Dieſem folgte Celeſto in einer goldenen Sänfte, hinter ihm ritt Maſaniello in ſeinem Prachtanzuge. Der Zug wollte ſich eben in Bewegung ſetzen, als ein eigen⸗ Maſch bot er Ma grif den ben Schl Port, i der Veſt . R. ſchallte, Er Herand man m niello's d blicke diſcher, geworde All Weiber, llt war. Geſchrei er eben ilberſtoff welchem ſe, das ziemlich änzende ſehen zu es ſein , bis er Amalfi ort,— ht es. der Erz⸗ r wollen Herzog —, damit rde dann Inführer hedränge nter ihre beſtimmte aufſtellen eer ſic ſten Be⸗ nter ihm in eigen⸗ thümlicher Vorfall ſich ereignete, der dem jungen Anführer Ge⸗ legenheit gab, ſeine Geiſtesgegenwart und Entſchloſſenheit zu zeigen. 2 — Maſaniello!— ertönte eine Stimme in kurzer Ent⸗ fernung. Der Gerufene blickte ſich um. — Ihr ſeid verrathen— bleibt zurück. — Wozu dieſe Warnung? rief Maſaniello. — Habt Ihr nicht die Schlüſſel von der Veſte San Ermo in Händen, ſo werdet Ihr nie wieder in Eure Wohnung zurück⸗ kehren, ich beſchwöre es. Ein verwirrtes Geſchrei und alle Zeichen eines Aufſtandes folgten dieſer Unheil drohenden Warnung. Maſaniello wendete ſich zu dem Volkshaufen, hob den Fin⸗ ger empor, und augenblicklich trat Todesſtille ein. — Bringt mir den Schlüſſel des Thurmes von San Lo⸗ renzo? rief er gebieteriſch. Man brachte ihm nach wenigen Augenblicken den verlang⸗ ten Schlüſſel auf einem ſilbernen Teller. — Und nun überliefert mir den elenden Friedensſtörer, ge⸗ bot er weiter. Man ſchleppte eine verlarvte Geſtalt herbei, Maſaniello er⸗ griff den ſchweren Schlüſſel und verſetzte jenem damit einen der⸗ ben Schlag. — Nimm das hin, Unheilverkünder, nahm er wieder das Wort, ich hoffe, dieſer Schlüſſel wird ebenſo genügen als der der Veſte von San Ermo. Man ließ den Vermummten los, ein lautes Lebehoch er⸗ ſchallte, und der Zug ſetzte ſich endlich in Bewegung. Es war in der That ein großartiger Anblick, und Don Herandez hatte Recht, als er dem Herzog von Arcos bedeutete, man müſſe ſchon einen Tag zuvor von dieſer Einladung Maſa⸗ niello's und der deßhalb ſtattfindenden Feier ſprechen. Das Volk war in einer Art begeiſterter Betäubung und blickte geſchmeichelt und mit Stolz auf den kühnen, jungen Fiſcher, der ſo plötzlich ein hoher, gnädiger Herr, ein Edelmann geworden war. Alle Häuſer auf dem Wege, den er einſchlagen mußte, 678 waren gleich den Häuſ ern auf dem Platze del Carmine ge⸗ ſchmückt. Unzählige Lampen und d Fackln wurden von den Erdgeſchoſ⸗ ſen bis zu den Dächern angebracht, um bei der Rückkehr des Zuges, welche man nicht vor Anbruch des Abends erwartete, zur Illumination angezündet zu werden. Der Zug bewegte ſich übrigens in der größten Ordnung und Ruhe. Ein Geſchichtsſchreiber ſagt, daß hundertundfünfzigtauſend Menſchen Maſaniello begleitet haben, ſich aber zweimal ſo viel längs des Weges von ſeiner Wohnung bis zu dem Palaſte in gedrängten Haufen aufgeſtellt haben ſollen. Als Maſaniello vor dem Schloſſe angelangt war, machte der Zug Halt, und alle Zuſchauer drängten ſich ſeitwärts, um ihm einen Weg zu öffnen. Die Phiole. Der Anblick, den der Palaſt darbot, hatte nichts von dem Feſtlichen der Stadt, ſondern etwas Erſchreckendes. Der ganze Raum vor dem Schloſſe war verſchanzt und nur ein ſchmaler Weg offen, während alle Fenſter mit ſpaniſchen Soldaten beſetzt zu ſein ſchienen. An den Zugängen waren Geſchütze aufgefahren und Solda⸗ ten mit brennenden Lunten ſtanden ſo entſchloſſen da, als ob jede Frage um Leben oder Tod erſt keiner Erwägung bedurft hätte. Dieſer Anblick machte einen tiefen Eindruck auf Maſa⸗ niello's Gemüth. Er hielt ſein Pferd an, erhob ſich im Angeſichte der ganzen Menge in den Steigbügeln, winkte einen Herold herbei, und dieſer erſchien. Lan von Amalf N enge wie Es d Schluſts f — D latvte hatt betäubende Maſar ut Geſc — M rücgelehrt dem ander Er ve hob dann iitternd w leddödoll Er Palaſtes JIhm Riemand gleiten. Ce ſanielle Treppe! geben. De ger Kal angeſpa ihnen in entgegen. Sein Hand enn Der oben ang lautlos g .= geſhoſ kehr des wartete, rdnung ſo viel laſte in ſchte der um ihm ine ge⸗ tauſend —— 679 — Lange, lange lebe das getreueſte Volk und Maſaniello von Amalfi! rief er, und donnernd hallte dieſer Ruf in der Menge wieder. Es war unzweifelhaft, daß der kriegeriſche Anblick des Schloſſes einen niederdrückenden Eindruck machen mußte. — Da hat man den Verrath— das Trugſpiel, der Ver⸗ larvte hatte vollkommen Recht, murmelte Mancher während der betäubenden Evviva's. Maſaniello erhob ſeine Hand, und ſogleich verſtummte das laute Geſchrei. — Mein Volk, rief er in feſtem aber ruhigem Tone, wenn ich nicht eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang zu Euch zu⸗ rückgekehrt bin, ſo laſſet von dieſem Schloſſe keinen Stein auf dem andern. Er verſank auf einige Minuten in tiefe Gedanken und er⸗ hob dann wieder ſeine Stimme, die aber jetzt traurig und zitternd war. — Wenn ich umkomme, mein Volk, ſagte er, ſo bete mit— leidsvoll ein„Ave“ für meine Seele. Er ſprengte dann vorwärts und näherte ſich der Pforte des Palaſtes. Ihm folgten der Erzbiſchof und Celeſto, ſonſt aber durfte emand von Allen, die ſich nachdrängen wollten, ihn be⸗ gleiten. Es erhob ſich übrigens ein unbeſchreiblicher Lärm, als Ma⸗ ſaniello verſchwunden war. Dieſer ſtieg mit ſeinem Gefolge die Treppe hinauf, um ſich zu dem Zimmer des Vicekönigs zu be⸗ geben. Der Herzog, der, wie wir wiſſen, mit bewunderungswürdi⸗ ger Kaltblütigkeit und tiefer Kenntniß des Volkscharakters Alles angeſpannt hatte, um die empörte Menge zu verhöhnen, ging ihnen in Begleitung Don Herandez's und der übrigen Räthe entgegen. Sein erſter Blick fiel auf Maſaniello, er ſtreckte ihm die Hand entgegen, um ihn zu bewillkommnen. Der junge Mann flog die Treppe raſch hinauf, kaum aber oben angelangt, ſchwankte er einige Augenblicke und ſank dann lautlos zu des Statthalters Füßen.. — Ein Wink des Schickſals, flüſterte Herandez— der Him⸗ —õy— 680 mel will, daß die That geſchehe, es wäre ohne dieſen Unfall nicht möglich geweſen. Der Herzog bückte ſich und war Maſaniello beim Aufſtehen behülflich. Die Wangen des armen Fiſchers waren leichenblaß, ſeine Glieder ſteif, er vermochte ſich nicht zu bewegen. Sogleich wurde er in eines der Gemächer gebracht und auf ein Ruhebett niedergelegt; Alle folgten ihm und blieben in kur⸗ zer Entfernung, ſtehen, nur Don Herandez war unmittelbar zu dem Kranken getreten und beugte ſich tief über ihn herab. Er that, als horche er nach dem Herzſchlag und fühlte dann, freilich mit etwas zitternder, aber ſchneller Hand nach der Puls⸗ ader an der Schläfe. Niemand aber hatte bemerkt, daß er währenddeſſen etwas von dem Inhalt einer kleinen Phiole ſo geſchickt in das Ohr des Bewußtloſen träufelte, daß auch kein Tröpflein davon vor⸗ beifloß. — Der arme junge Mann— ſagte er in äußerſt theilneh⸗ mendem Tone, nachdem dies geſchehen war, und trat zu den Uebrigen, von denen ihn Keiner, nicht einmal der Herzog und Celeſto's böſes Auge beobachtet hatte. Es vergingen mehrere Minuten in der bangſten Erwar⸗ tung, denn obgleich der Palaſt ſtark in Vertheidigungszuſtand geſetzt war, ſo hätte man doch dieſer zahlreichen Maſſe gegen⸗ über keinen ernſten Widerſtand entgegenſetzen können, und ſchon verrieth der wilde Lärm auf dem Schloßplatze, wie ſehr man dem Statthalter in jeder Beziehung mißtraute. — Ich rufe Gott zum Zeugen, hochwürdigſter Herr, ſprach dieſer zum Erzbiſchof, wie unſchuldig ich an dieſem Mißgeſchick bin und wie ſehr ich es beklage. Währenddeſſen trat Herandez zu einem Diener. — Rufe augenblicklich zwanzig bis dreißig Deutſche herbei, flüſterte er dieſem zu; ſie ſollen dieſe Thüren mit ihrem Leben vertheidigen. Der Herzog wendete ſich zu Maſaniello, deſſen Zuſtand ſich ſehr— verändert hatte, und als ein Blick Herandez's den Letz⸗ teren traf, wurde er leichenblaß. — Herandez iſt ſchnell, ſagte er leiſe. Die Geſichtsmuskeln des jungen Fiſchers zuckten krampfhaft, ſeine Zähne nen Mund, ein kleinet ſchafes Au Er Biſchf li dem Balcon gewinnen, thebdigen. — Stl heſlürzt — Re — Nie bedenklicher von Krämg der Aufreg Manne bei iſ ſeine S bann— b Drau das Fenſt Man Biſchof, d willens em Unterredun Verge des Suut durch das —] die Luft, Die waren üb noch regun Währ tin Todes Näthe hate Heundez! Man Abiheilung lufſtehen lß, ſeine und auf in kur⸗ elbar zu ab. ie dann, er Puls⸗ u etwas das Ohr pon vor⸗ heilneh⸗ zu den zog und Erwar⸗ Szuſtand gegen⸗ d ſchon )r man t, ſprach ißgeſchick herbei, Leben ind ſich n Letz⸗ pfhaft, 681 ſeine Zähne waren zuſammengebiſſen und Schaum trat vor ſei⸗ nen Mund, während ſich an der Schläfengegend der linken Seite ein kleiner ſchwarzer Punkt zeigte, den aber nur ein äußerſt ſcharfes Auge bemerken konnte. — Er iſt ſeinem Ende nahe, flüſterte der Herzog dem Biſchof zu; gehen Sie, hochwürdigſter Herr, zeigen Sie ſich auf dem Balcon dem Volke, man wird ungeduldig; wir wollen Zeit gewinnen, denn wenn er ſtirbt, müſſen wir den Palaſt ver⸗ theidigen. — Stirbt?— wiederholte der Erzbiſchof überraſcht und beſtürzt. — Merken Sie nicht die Gefahr? — Nicht die geringſte, Hoheit— wenn der Zuſtand nicht bedenklicher wird, ſo iſt nichts zu befürchten, er iſt bis jetzt nur von Krämpfen befallen, welche ſich in Folge des Hungers und der Aufregung eingeſtellt haben, ſich aber bei dieſem jungen Manne bei beſſerer Lebensweiſe noch verlieren können— freilich iſt ſeine Seele bisweilen etwas getrübt, aber auch dieſes Uebel kann— bei geeigneter Behandlung gehoben werden. Draußen nahm der Lärm überhand, und der Biſchof öffnete das Fenſter und trat auf den Balcon. Man ſchrie laut nach Maſaniello— vergebens erklärte der Biſchof, der übrigens mit den deutlichſten Merkmalen des Un⸗ willens empfangen wurde, daß der Anführer des Volkes in eine Unterredung mit dem Vicekönig begriffen wäre. Vergebens ermahnte er zur Geduld und auf die Redlichkeit des Statthalters zu vertrauen, ſeine Stimme wurde übertönt durch das Geſchrei des Volkes. — Maſaniello— Maſaniello— donnerte es ſo laut durch die Luft, daß der Palaſt erſchüttert ſchien. Die Geſichter, welche das Lager des Fiſchers umſtanden, waren übrigens eben ſo bleich, als das ſeine— er lag immer noch regungslos. Während der Pauſen zwiſchen dem Volksgeſchrei herrſchte ein Todesſchweigen im Zimmer. Der Erzbiſchof und die meiſten Räthe hatten nur Augen für Maſaniello, doch der Herzog und Herandez blickten ſich unverwandt und bedeutungsvoll an. Man vernahm bald abgemeſſene Soldatenſchritte, da eine Abtheilung der Schloßwache das Zimmer von Außen beſetzte, 682 und als das Waffengeklirr vernommen wurde, richteten ſich alle Blicke auf den Herzog. Jetzt war Herandez zu dieſem getreten und flüſterte ihm einige Worte zu, worauf er den Biſchof und einige Edelleute auf die Seite zog, um mit ihnen einen Entſchluß zu berathen. — Es gilt Tod oder Leben, ſagte er— wenn der Fiſcher ſtirbt, ſind wir verloren. — Was wollen Sie thun, Hoheit? fragten Mehrere. Das Schloß vertheidigen, ich habe wirkungsvolle Mittel. Der Herzog nannte dieſe und wurde nur mit ſichtlichem Widerſtreben angehört. Ein neues, wildes und betäubendes Geſchrei ward auf dem Schloßplatze vernommen, es war ſo furchtbar, daß es ausreichte, um Maſaniello aus ſeiner Erſtarrung zu wecken. Der Herzog nahte ſich ihm und fragte mit Theilnahme nach ſeinem Befinden. Maſaniello blickte einige Augenblicke überraſcht um ſich und ſprang dann mit Ungeſtüm auf. Die Stimmung des Herzogs von Arcos, der jetzt leichter athmete, veränderte ſich, als er ſah, daß Maſaniello noch nicht dem Tode verfallen war, und ſeiner Beſorgniß folgten jetzt Aeuße⸗ rungen der Freude. Der Lärm auf dem Schloßplatze aber war währenddeſſen ſo heftig geworden, daß im Palaſt keine Stimme mehr vernehm⸗ bar war. Maſaniello blickte mit einem gewiſſen Stolze umher. — Sie rufen mich, ſagte er, und trat nach einer kurzen Pauſe düſteren Schweigens, die Aller Herzen pochen machte, zu dem Statthalter. — Wir wollen die lauten Stimmen dieſes getreuen Volkes zum Schweigen bringen, begann er wieder; wenn Eure Hoheit mich auf den Balkon begleiten wollen, werden Sie ſehen, daß es ſanft wie ein Lamm iſt. Wenngleich der Herzog nicht zur Heiterkeit geneigt war, ſo mußte er doch über den ſeltſamen Vergleich lächeln, den Maſa⸗ niello in Bezug auf die heulende Menge machte. Er trat mit dem jungen Fiſcher auf den Balkon— an dieſelbe Stelle, wo er bei dem Beginn des Aufſtandes Zeuge der Macht des Volksanführers geweſen war und ſollte nun einen Beweis dis ſchnellen waltige For Ehe w unterlaſſen, aus dem 6 wieder zu b Kaum Macht äuße zug des giſe pen des La einem bis: iſes Mal Amalfi!“ Maſan zu ſtillen ge freulich war kommen. An jen uſes in d ein zu jene Als e hatte er F — DA Lumpen zur Erſt al der Vewund fühlte erd bisher ini auf ihn w Ein den die Ah in ſeinen; Schweigen — En⸗ Volk ſei hat Mard, da Er wi ſogleich ben ſich alle tterte ihm Cdelleute erathen. r Fiſcher re. Mittel. chtlichem auf dem -usreichte, hme nach um ſich t leichter noch nicht izt Aeuße⸗ deſſen ſo vernehm⸗ e. ter kurzen nachte, zu en Volkes re Hoheit n, daß es. t war, ſo en Maſa⸗ m diefelbe er Macht Beweis 683 des ſchnellen Gehorſams erhalten, der ſeit ſo kurzer Zeit ſo ge⸗ waltige Fortſchritte gemacht hatte. Che wir weiter erzählen, wollen wir die Bemerkung nicht unterlaſſen, daß der Herzog ſich während der Tage der Ruhe aus dem Caſtel Nuovo entfernt hatte, um das bönigliche Schloß wieder zu beziehen. Kaum waren ſie auf den Balkon gelangt, als ſich die ganze Macht äußeren Glanzes geltend machte, welche der koſtbare An⸗ zug des Fiſchers, den man bisher nur barfuß und in den Lum⸗ pen des Lazzarone geſehen, auf die Menge ausübte, denn mit einem bis dahin noch nicht ſtattgehabten Enthuſiasmus ertönte dieſes Mal der Ruf:„Lange, lange lebe Maſaniello von Amalfi!“ Maſaniello hatte ſich dem Volke in der Abſicht, den Lärm zu ſtillen gezeigt, aber jener Ruf, der ſeinem Ohre immer er⸗ freulich war, ſchien ihm in dieſem Augenblick beſonders will⸗ kommen. An jenem Tage wurde der Same eines höfiſchen Verderb⸗ niſſes in das ſchlichte Gemüth des Volksanführers gelegt, ſagt ein zu jener Zeit lebender Geſchichtsſchreiber. Als er den von dem Statthalter erhaltenen Anzug anlegte, hatte er Folgendes geſagt: — Das iſt Palaſtputz; Maſaniello wird wieder zu ſeinen Lumpen zurückkehren. Erſt als das Geſchrei, worin die Anhänglichkeit an ihn mit der Bewunderung ſeines Koſtüms verſchmolz, an ſein Ohr drang, fühlte er die Gewalt, mit welcher die menſchliche Eitelkeit, die bisher in ihm geſchlummert hatte und plötzlich erwacht war, auch auf ihn wirkte. Ein ſelbſtgefälliges Lächeln, dann ein plötzlicher Schatten, den die Ahnung einer künftigen Veränderung bewirkte, zeigte ſich in ſeinen Zügen— er erhob gebieteriſch ſeine Hand, und— Schweigen folgte. — Eure Hoheit, nahm er das Wort, hat gehört, dieſes Volk ſei hartnäckig und böſe; kann der König, unſer Herr in Madrid, das Volk ſo regieren?— geben Sie Acht! Er winkte mit der Hand in wagerechter Richtung, und ſogleich bewegte ſich die Menge ohne Murren, und nach Ab⸗ lauf weniger Minuten hatten ſich Alle vom Schauplatz zurück⸗ gezogen. Dieſe Lehre machte einen tiefen Eindruck auf das Gemüth des Herzogs, und ſie ſollte jedem Tyrannen beweiſen, daß man mit moraliſchem Uebergewicht eher ein Volk regiere als mit Kartätſchen. Ritter, Edelmann und Blutrichter. Der Herzog kehrte mit Maſaniello in das Zimmer zurück, wo ſeine Räthe verſammelt waren und ſchritt zu dem Tages⸗ geſchäfte. — Wir haben geſiegt, Hoheit, flüſterte Herandez leiſe dem Statthalter zu. Jetzt legte Celeſto die bereits genehmigten Beſtimmungen vor und las die wenigen Paragraphen, in welche man ſie zuſammen⸗ gedrängt hatte. Zuerſt Abſchaffung aller ſeit den Tagen Karls des Fünften aufgelegten Abgaben, wodurch neun Zehntheile der jährlichen Einkünfte des Reichs mit einem Federſtriche fortgenommen wurden. Dann folgte die Verfügung, daß künftig aus keiner Urſache und unter keinem Vorwande neue Abgaben aufgelegt werden ſollten. drungene Zugeſtändniß, daß das Volk mit dem Adel gleiches Stimmrecht haben ſollte. — Die Wünſche unſeres getreuen Volkes ſind gewährt, be⸗ gann der Herzog, als Celeſto geendet hatte, nun möchte ich auch noch einen Wunſch von ihm gewährt haben.. — Was begehrt Eure Hoheit? fragte Maſaniello. Endlich vernahm man das durch Maſaniello's Willen abge⸗ Kei der Krone, — Jch jeder Mon⸗ Tode beſtr Verſöhnund = Frie G reichte dem b Don d eintitich G danke, der Iin errathe 1 Die T eine nach d nahmen die fang.— Höten wir eben ſ uns erinne ſtolz ſeine ler war. Er u — des getrel Währ don der S Ward Maſariel Dar⸗ beſtätigte — daß dieſen Auszeichn ihm weil klären wie ss ſoll niello von zen Geſchl Die( Don Here Gemüth daß man. als mit — er zurück, in Tages⸗ zleiſe dem ungen vor uſammen⸗ 5 Fünften jährlichen genommen ner Urſache. gt ueden — ⸗ llen abge⸗ I gleiches vährt, be⸗ eich auch — Keine Verfolgung mehr gegen Cdelleute und die Räthe der Krone, ſchon genug des Blutes iſt gefloſſen. — Ich werde meinem Volke jede Verfolgung unterſagen, jeder Mord, der zur Kenntniß kommt, ſoll von nun ab mit dem Tode beſtraft werden,— Maſaniello will den Frieden und die Verſöhnung. — Friede alſo und Verſöhnung, verſetzte der Herzog u reichte dem Fiſcher die Hand. Don Herandez namentlich athmete letzt leichter, aber ein heimtückiſches Lächeln verkündete irgend einen unheimlichen Ge⸗ danken, der in ſeinem Inneren keimte— vielleicht haben wir ihn errathen. Die Beſtimmungen dieſes neuen Vertrages wurden nun eine nach der andern von allen Räthen beſchworen, und jetzt nahmen die Schmeicheleien des Herzogs von Arcos ihren An⸗ fang.— Hören wir, wie weit dieſe getrieben wurden, ſo möchten wir eben ſo viel Mitleid als Verwunderung fühlen, wenn wir uns erinnern, welche hohe Stellung der Herzog einnahm, wie ſtolz ſeine Gemüthsart, wie heimtückiſch und wie rachſüchtig er war. Er umarmte Maſaniello und begrüßte ihn als den Retter des getreuen Volkes. Während er ſo ſprach, trocknete er dem Fiſcher den Schweiß von der Stirn und— küßte ihn oft. Ward jemals ein Judaskuß gegeben, ſo war es der, welchen Maſaniello vom Herzog von Arcos jetzt empfangen hatte. Darauf legte er ihm eine goldene Kette um den Hals und beſtätigte ihn in der Würde eines Oberanführers des Volkes. — Es ziemt ſich, wendete er ſich dann zu den Edelleuten, daß dieſer junge Held noch einen Beweis unſerer Liebe und eine Auszeichnung erhalte, die des hohen Vertrauens, das unſer Volk ihm weiht, würdig ſei— und ſomit denn, junger Held, er⸗ klären wir Dich fortan zu einem Ritter und Edeln des Reichs, — es ſoll Dir ein Adelsdiplom ausgefertigt werden— Maſa⸗ niello von Amalfi ſei ferner Dein Name und der Deines gan⸗ zen Geſchlechts. Die Edelleute überließen ſich einem heimlichen Gekicher und Don Herandez ſelbſt fand dieſe Komödie für überflüſſig, denn * 686 der Herzog wußte ſo gut wie er, wie es um den armen Fiſcher beſtellt war. Die Weltgeſchichte hat wohl in ihren Blättern keinen Be⸗ trug nachzuweiſen, der grauſamer war als der vorliegende. Doch wir ſind noch nicht zu Ende, das ſchändliche Gaukel⸗ ſpiel, die frevelhafte Herablaſſung des Herzogs von Arcos ſollte noch weiter gehen. Als Maſaniello und ſeine Begleiter den Palaſt verlaſſen hatten, um nach der Stadt zurückzukehren, die bereits illuminirt war, da der Abend ſchon herangerückt, ſtieg der Statthalter in ſeinen Wagen und fuhr nach der Kirche del Carmine. Hier dankte er vor den Augen des ganzen Volkes, Gott für ein Ereigniß, das er als eine glückliche Ausgleichung aller Zwiſtigkeiten anzuſehen vorgab. Er fuhr an Maſaniello's Wohnung vorüber, wo Livia un⸗ ruhig aus dem Fenſter auf die Volksmenge blickte, und als er ſie gewahr wurde, entblößte er ſein Haupt und grüßte ehrer⸗ bierig, während er in ſeinem Innerſten ſie und den Pöbel, dem ſie ſeiner Meinung nach entſproſſen, auf das Unverſöhnlichſte haßte. Der arme Fiſcher oder Maſaniello von Amalfi, wie er jetzt hieß, war nach der Rückkehr aus dem Palaſte des Herzogs ein ganz anderer Menſch geworden. Er legte zwar ſeinem Verſprechen gemäß den feſtlichen An⸗ zug ab, doch das Gift höfiſcher Schmeicheleien war in ſeine Seele gedrungen und ſetzte ſeinen Kopf in unaufhörlichen Schwindel. Die Keime der unſeligen Krankheit, die anfänglich nur dem forſchenden Blicke der ſanften Livia ſichtbar geweſen waren und die vielleicht niemals oder doch mindeſtens ſobald nicht zum Ausbruch gekommen wären, hätte er ſich nicht nach dem Schloſſe begeben, um in die Nähe von Don Herandez zu gelangen, ent⸗ wickelten ſich nun ſchnell um ſeinen Geiſt und ſeinen Körper zu zerſtören. Seit Paolo's Mordverſuche hatte er ſtreng, ja grauſam ge⸗ herrſcht— nun aber übte er ſeine Gewalt immer noch aus, ob⸗ gleich ſeine Worte und Handlungen das untrüglichſte Gepräge des Wahnſinns an ſich trugen. Die boshaften Schauſpieler und Mörder hatten ſich jetzt u ier eig fulgt ihre haite das nommen. Die alt les Veriprt Befehl vun brannt und gehiuft bis Man e Beualmäch geichisſtte Der El waren in ei Herand in ſtummer wieder beger Es gad net Muth Man Stadt ſter ſchwader n Aber nicht entga dett, dem augendlicki wollte daß Schiffe ſelt Es bl er mußte zum Obert gen Stund rem Schme ſchwanden. Die E das Volk fo Diejeni lleidungen blieben. en Fiſcher einen Be⸗ gende. e Gaufel⸗ reos ſollte — verlaſſen illuminint halter in les, Gott ung aller Livig un⸗ d als er te ehrer⸗ bel, dem öhnlichſte die er jeßt rzogs ein hen An⸗ in ſeine hörlichen nur dem aren und dcht zum Schloſſe en, ent⸗ örper zu ſam ge⸗ us, ob⸗ Hepräge ich jetzt 687 in ihrer eigenen Schlinge gefangen, ſie hatten ein ſolches Re⸗ fultat ihrer nichtswürdigen Frevel nicht erwartet, und ſchnell hatte das Schickſal die bitterſte Rache dafür an ihnen ge⸗ nommen. Die alte Blutgier war in Maſaniello erwacht,— trotz ſei⸗ nes Verſprechens hatte er neue Verbannungen verfügt, auf ſeinen Befehl wurde ein Palaſt nach dem anderen geplündert und ver⸗ brannt und blutige Köpfe wurden vor ſeiner Richterbühne auf⸗ gehäuft, bis ſie ihm ſelber läſtig wurden. Man errichtete in der Toledoſtraße einen Block, und ein Bevollmächtigter erhielt den Auftrag, an dieſer zweiten Blut⸗ gerichtsſtätte den Vorſitz zu führen. Der Stolz der Edelleute war nun auf's Neue gebeugt; Alle waren in einer düſtern Stimmung. Herandez zitterte und die Freunde des Statthalters ſchlichen in ſtummer Verzweiflung zu der Veſte Nuovo, wohin er ſich wieder begeben hatte— der Herzog ſelber wurde kleinmüthig. Es gab wiederum einen Augenblick, in welchem ihr geſunke⸗ ner Muth ſich etwas gehoben fühlte. Man erblickte nämlich Schiffe auf dem Meere, die nach der Stadt ſteuerten, und es ergab ſich bald, daß es Doria's Ge⸗ ſchwader war, welches vor Molo di Gaeta gelegen hatte. Aber auch dem Anführer des Volkes war dieſer Umſtand nicht entgangen, und der Statthalter wurde alsbald aufgefor⸗ dert, dem Befehlshaber des Geſchwaders die Weiſung zu geben, augenblicklich zurückzukehren, woher er gekommen, wenn er nicht wollte, daß kein Mann von der Beſatzung übrig bliebe und die Schiffe ſelbſt den Flammen Preis gegeben würden. Es blieb dem Herzog von Arcos nun keine andere Wahl, er mußte ſich den Befehlen des Mannes fügen, den er ſelbſt zum Oberbefehlshaber der Stadt ernannt hatte, und nach weni⸗ gen Stunden ſah er von der Zinne ſeines Thurmes mit bitte⸗ rem Schmerze, daß die Schiffe nach und nach in die Ferne ver⸗ ſchwanden. Die Edelleute wurden nun mehr verfolgt als zuvor, und das Volk fand täglich Beute für ſeine Rache. Diejenigen, welchen es gelungen, ſich in verſchiedenen Ver⸗ kleidungen aus der Stadt zu ſchleichen, waren verſchont ge⸗ blieben. . 5——————— ———— ͦWVcs—— 688 Hatten ſie das Unglück, auf der Flucht ertappt zu werden, dann fielen ihre Köpfe ohne Verzug und Verhör. Was die Ergreifung Don Herandez's betrifft, ſo beſchränkte man ſich nicht mehr, den Befehl mit der darin vermerkten Preis⸗ erhöhung an dem Blutgerüſt anzuſchlagen, ſondern denſelben durch Trommelſchlag täglich in den Haupttheilen der Stadt dem Volke bekannt zu machen. Die ganze Stadt war nun der Willkür eines Wahnſinni⸗ gen verfallen, aber dieſer Wahnſinn, der ſich jetzt ſo furchtbar, ſo ſchnell entwickelte— wer hatte ihn hervorgerufen?—— Maſaniello befand ſich von Tagesanbruch bis zum Abend ununterbrochen auf ſeiner Blutbühne, ja, bisweilen ſogar wäh⸗ rend der ganzen Nacht, und oft genug blickte der ſtille Mond auf einen Menſchen, der einſam auf dem Gerüſte ſtand und in tiefes Nachdenken verſunken vor ſich hinſtarrte. . Wenn er ſein düſteres Auge hingegen auf die Köpfe der Opfer richtete, welche ihn angrinſten, ſtieß er ein gellendes Lachen aus, welches ſchauervoll das düſtere Schweigen der Nacht unterbrach. Die Richterbühne hatte, wie jetzt Alles in Neapel, ein ande⸗ res Anſehen erhalten. Maſaniello war bei Tage wenigſtens von Schreibern und Sachwaltern umgeben, die ſeine Entſcheidungen niederſchrieben und in geſetzliche Formen kleideten. Er miſchte nun nicht mehr Scherze wie ehemals in ſeine ſchiedsrichterlichen Ausſprüche, er war mürriſch, reizbar und launenhaft. Seine eigenen Anhänger zitterten vor dem Tone ſeiner Stimme, und als ſie ſahen, daß ſein Schwert auf dem Nacken des Adels abgeſtumpft war und auch Köpfe des Volkes traf, dachten ſie ſelber an die Flucht. Noch aber wagte es Niemand, gegen ihn zu murren— Schweigen folgte der Begeiſterung, und Maſaniello fuhr fort, zu morden. Es bedurfte nur ſeines Winkes, und ein Kopf rollte in den Sand, oder ein Palaſt ſank in Aſche und Trümmer⸗ haufen. Während ſolcher Auftritte ſuchte ſein Gemüth Erheiterung und Zerſtreuung in unſinnigen Kleinigkeiten. So f ausgeichn Den Em wegte ſ hinab, d Maulthi Unte ftrom, w den ſchäu ſenkluft Dwr an der Be ſteil, da Regen hinabfüh Doc welche R Da ninen hi Niuberne halber H das g T werden, beſchrinkte ſen Preiz⸗ denſelben tadt dem lahnſimi⸗ furchtbar, m Abend gar wäh⸗ lle Mond d und in Köpfe der gellendes der Nacht ein ande⸗ ibern und rſchrieben in ſeine bar und ine ſeiner im Nacken Ilkes traf, hrren— hr fort, pf rollte ümmer⸗ ſeiterung So ſprach er nur von prächtigen Livreen und glänzenden Auszeichnungen ſeines Gefolges. 1 Den Bewohnern der Hütten in der Nähe ſeines elenden Hauſes befahl er augenblicklich, ihre Wohnungen zu räumen, da er die Abſicht hätte, dieſe niederzureißen und an ihrer Stelle einen Palaſt für ſich zu bauen. Das Volk ertrug alle ſolche tauſendfältige Tollheiten mit wunderbarer Geduld, und noch verrieth kein offenes Murren, daß das Volk ſich von ihm abgewandt hätte. In der Schlucht. Ein langer Maulthierzug, von Bewaffneten begleitet, be⸗ wegte ſich langſam und vorſichtig auf einem jener Felſenſteige hinab, die nur für kühne Fußgänger oder das ſicher ſchreitende Maulthier gangbar ſind. Unten in der Tiefe rauſchte mit hohlem Gebrauſe ein Berg⸗ ſtrom, welcher anſehnliche Granitſtücke mit ſich fortrollte, die den ſchäumenden Wellen, welche faſt die ganze Breite der Fel⸗ ſenkluft auszufüllen ſchienen, nicht widerſtehen konnten. Durch dieſe Schlucht führt der nur ſelten betretene Pfad an der entgegengeſetzten Seite wieder hinauf. Beide Felſenwände von unüberſteigbarer Höhe waren ſo ſteil, daß der Weg nur auf verwitterten Vorſprüngen und vom Regen ausgewaſchenen Rollſteinen im Zickzack in die Tiefe hinabführte. Doch die Gefahr des Weges war noch nicht die geringſte, welche Reiſende hier zu beſtehen hatten. Da wo die Schlucht nach den bewaldeten Höhen der Appe⸗ ninen hin ſich öffnete, ragt auf einem ſteilen Felſenkegel das Räuberneſt Acri über die Wolkenzüge hervor, welche daſſelbe auf halber Höhe einſchließen.. Das Bpfer von Amalfi.(Bd. uI. 4) 44 690 Auf der entgegengeſetzten Seite öffnet ſich das Thal, um über die Kuppen tiefer liegender Berge hinaus einen unermeß⸗ lichen Durchblick auf die Höhe des Meeres zu geſtatten. Dieſes ſchaurige Thal hatte einen ſo wild⸗romantiſchen Cha⸗ racter, daß kein fühlender Menſch hinabſchauen konnte, ohne bis in das Innerſte erſchüttert zu werden. Um wie viel mehr mußte dies nicht bei Leonore der Fall ſein, die ſich in der von Maulthieren getragenen Sänfte befand, um die gefahrvolle Reiſe in das Innere des dieſſeitigen Cala⸗ brien fortzuſetzen. In der Gegend von Caſtro Villari lagen die bedeutenden Beſitzungen des Duca di Arcos. Hier befand ſich in einer ſchauervoll romantiſchen Gegend auf einem Berge ein feſtes Caſtel, welches noch aus dem ſtreit⸗ baren Mittelalter herrührte. Dort wollte ſich Leonore bis auf ruhigere Zeiten niederlaſ⸗ ſen und einſam trauern um— ihr verlorenes, und doch nie be⸗ ſeſſenes Glück.. Es tauchte in ihrer Seele unabläſſig das Bild Giulio's auf, und nur zu häufig zerdrückte ſie eine Thräne zwiſchen ihren Wimpern. Sie war in Gedanken verſunken, aus welchen ſie endlich der Intendant erweckte. — Erblicken Sie jene Häuſer dort, gnädigſte Prinzeß? fragte er mit leiſer Stimme. — Ich ſehe ſie genau, verſetzte Leonore. — Das iſt das berüchtigte Räuberneſt Acri— flüſterte er wiederum, als fürchtete er ſich, nur den Namen dieſes unheil⸗ vollen Fleckens zu nennen. — Ich kenne dieſen Ort, denn ich mache dieſe Reiſe nicht zum erſten Mal, und niemals habe ich bisher irgend einen Ueberfall erfahren. — Weil Sie immer unter ſo zahlreicher Bedeckung reiſten, daß kein Räuber es wagen durfte, doch die heilige Jungfrau ſei uns gnädig. Leonore, die ſchon vielen Gefahren getrotzt hatte und Muth genug beſaß, einer andern entgegenzugehen, war heute wegen der geſunkenen Schwingen ihrer ſonſt ſo kühn aufſtrebenden Srul eine ſcreiblichen Dieſes det auf dem die Tiefe 1 Ihr E, den Felſend himbllitn — Brig Sönattnö hier u mmnäglihte ſchmal, daß ohne hinabh Eben ſe ſen, um zu nchte Abgt Man auf die En Ledno nur perſör Zuruf die der Gefah⸗ Sie reichen und ruöſteigen; ſchloſſenen Es iſ Die vergrößert und man Frauen ei⸗ tur gekom Langſe Tiffe, die, Ider Die R ſcwunden; faht noch u hal, um nermeß⸗ cen Cha⸗ ohne bis der Fall befand, en Cala⸗ eutenden Gegend im ſtreit⸗ rriederlaſ⸗ nie be⸗ Giulio's zwiſchen nolich der Prinzeß? ſterte er unheil⸗ eiſe nicht nd einen reiſten, frau ſei d Muth wegen ebenden 691 Seele eine ganz andere— und ſie fühlte ſich von einer unbe⸗ ſchreiblichen Angſt ergriffen. Dieſes Gefühl wurde noch vermehrt durch den Schwindel, der auf dem ſteilen und gefahrvollen Wege durch einen Blick in die Tiefe erregt werden mußte. Ihr Schreck ſteigerte ſich, als ſte an der gegenüberliegen⸗ den Felſenwand bewaffnete Männer erblickte, welche in's Thal hinabkletterten. — Briganti(Räuber)! rief ſie unwillkürlich aus, und dieſer Schreckensruf pflanzte ſich von Mund zu Munde fort. Hier umzukehren und zu entfliehen, würde eine Sache der Unmöglichkeit geweſen ſein, denn der abhängige Weg war ſo ſchmal, daß ſich ein Maulthier darauf nicht umwenden konnte, ohne hinabzuſtürzen. Eben ſo wenig war es möglich, hier die Sänfte zu verlaſ⸗ ſen, um zu entfliehen— die Felswand auf der einen, der ſenk⸗ rechte Abgrund auf der anderen Seite geſtatteten keine Wahl. Man mußte der drohenden Gefahr entgegengehen und es auf die Entſcheidung der Waffen ankommen laſſen. Leonore war zum Aeußerſten entſchloſſen. Sie ſah, daß hier nur perſönlicher Muth entſcheidend war und feuerte daher durch Zuruf die Ihrigen an. Ihre Entſchloſſenheit ſteigerte ſich mit der Gefahr. Sie ließ ſich ein paar geladene Carabiner in die Sänfte reichen und fühlte nur dadurch ſich noch beängſtigt, daß ſie nicht ausſteigen und ihrem bewaffneten Geleite das Beiſpiel einer ent⸗ ſchloſſenen Todesverachtung geben konnte. Es iſt eine eigene Sache um den Frauenmuth. 1 Die kleinſte Gefahr bringt ſie zum Zittern, und ſo wie dieſe vergrößert wird, erhebt ſich ihr Gemüth über alles Kleinliche, und man hat nie einen edleren Muth geſehen, als den der Frauen eigen iſt, wenn ſie zum Bewußtſein ihrer höheren Na⸗ tur gekommen ſind. Langſam und vorſichtig rückte der Reiſezug hinab in die Tiefe, die entſchloſſenſten Männer befanden ſich in der Vorhut. Jeder trug ſein Gewehr in der Hand, den Hahn geſpannt. Die Räuber waren von der gegenüberliegenden Wand ver⸗ ſchwunden und in der Tiefe unſichtbar geworden, was die Ge⸗ fahr noch um ſo bedenklicher machte. 44* —— 692 Die offene Bruſt des Feindes konnte man hoffen, mit der Kugel zu erreichen, der Verſteckte hingegen war ſicher und konnte zugleich auch ſicherer treffen. Bald zeigte ſich auch, daß unten im Thale, welches vom Waldſtrom faſt ganz verſchloſſen zu ſein ſchien, das Terrain zum Hinterhalte äußerſt günſtig war. Tief eingeſchnittene Felſenritzen, vorſpringende Granitblöcke und einige Gebüſche von Gewächſen ſchienen jetzt belebt zu ſein, denn hier und dort ragte das Rohr einer Büchſe heraus und drohte den Tod, ohne daß man den Mann ſah, von deſſen Fin⸗ gerdruck die Entſcheidung über Leben und Tod abhing. So unter ſteigender Beſorgniß und wachſender Vorſicht er⸗ reichte man den Thalgrund, wo nur ein kleiner Raum zwiſchen der Felſenwand und dem Bergſtrom ſich befand, der hier jedoch nicht ohne Gefahr durch eine Furth durchwatet werden konnte. Plötzlich fiel ein Schuß und das vordere Maulthier, welches die Sänfte der Prinzeſſin trug, ſank in die Kniee. In dieſem Augenblick krachten mehrere Büchſen, einige der neapolitaniſchen Diener der Prinzeſſin waren gefallen. Die Uebrigen dadurch zur Wuth entflammt, ſchoſſen wieder dahin, wo ſie ein Feuergewehr im Verſteck blitzen ſahen. Bald hatte eine dichte Wolke von Pulverdampf den Thal⸗ grund ausgefüllt und die hervorbrechenden Räuber waren mit den Neapolitanern, die in Augenblicken der Wuth keine Furcht kennen, in ein mörderiſches Handgemenge gerathen. — Siamo Briganti(wir ſind Räuber)! hörte man jetzt ſpot⸗ tend rufen und dazwiſchen den in der Wuth gedämpften Fluch: Spara a sta carogna(ſchießt den Schurken nieder)! Leonore's Lage in dieſem Kampfgewühl war ſchrecklich. Die Sänfte war durch das geſtürzte Thier vorn niederge⸗ ſunken und ſo mußte ſie das Gleichgewicht auf dem Sitze ver⸗ lieren. Dabei war ſie in jedem Augenblick bedroht, umgeworfen zu werden, und Kugeln durchbohrten ſchon das Verdeck des Trag⸗ ſeſſels. Unfähig, ſich ſelbſt zu helfen, erwartete ſie nichts Geringe⸗ res, als den Tod in dieſem wilden ſchrecklichen Geſchrei und Gewehrfeuer. glözlich Eine ſ fchl ausſuſ ſch elu furchtbat 1 nundh un die Augm u Ein ſch rif iht u, ſchen. Noch i iinen Shle ber, dr ih ſeign. Der Se Krachen der den Räuber Beute daoe Erti der Kämp ihrem Ent laſt Tortoſ Giebt Ynittengun⸗ zu Wel,i horde folge Beſch dem ehem wir vorwe Es w als auf eit der zwar u ſohen Schre Ein zo Bene ware ten Arme b lund konnte ſelches vom rrain zum ranitblöck t zu ſei, raus und eſſen Fin⸗ orſicht er⸗ zwiſchen hier jedoch n konnte. t, welches einige der een wieder en. den Thal⸗ haren mit ne Furcht jetzt ſpot⸗ en Fluch: klich. niederge⸗ Size ver⸗ vorfen zu 6 Trag⸗ Geringe⸗ rei und „ mit der 693 Plötzlich wurde durch einen Kolbenſtoß das Gitter der Sänfte eingeſchlagen. Eine ſchreckliche Stimme dröhnte in ihr Ohr mit dem Be⸗ fehl, auszuſteigen, der hier unmöglich befolgt werden konnte. Schon ergriff eine kräftige Fauſt den Arm der Prinzeß, ein furchtbar langbärtiges Geſicht erſchien an der zerbrochenen Oeff⸗ unge nor voll Entſetzen wendete den Karabiner dorthin, ſchloß die Augen und drückte ab. Ein ſchrecklicher Fluch ertönte, aber eine mildere Stimme rief ihr zu, ſich nicht zu widerſetzen, Leben und Ehre ſei ihr ge⸗ ſichert. Noch wußte ſie nicht, wer zu ihr ſprach; ſie warf ſchnell einen Schleier über ihr Antlitz und übergab ſich dem Räu⸗ ber, der ihr behülflich war, aus der zerbrochenen Sänfte zu ſteigen. Der Schreck, die wilde Scene, Pulverdampf, Geſchrei und Krachen der Schüſſe machten es ihr unmöglich, einen Blick auf den Räuber zu werfen, der ſie raſch wie der Sturmwind, als Beute davontrug. Erſt in einer Felſenſchlucht, in welcher man vor den Kugeln der Kämpfenden ſich geſichert glaubte, blickte ſie auf und zu ihrem Entſetzen erkannte ſie den Menſchen, der ſie einſt im Pa⸗ laſt Tortoſa blenden wollte. Giebt es im menſchlichen Leben Tage der Leiden, der Noth, Anſtrengung, Entbehrung und Todesangſt, ſo wurde ſie Leonore zu Theil, indem ſie als Gefangene einer calabreſiſchen Räuber⸗ horde folgen mußte. Beſchreiben wir nicht die Scene, welche zwiſchen ihr und dem ehemaligen Galeerenſträfling ſtattgefunden, ſondern eilen wir vorwärts. Es war am dritten Tage, welcher auf jenes Ereigniß folgte, als auf einer nackten Felſenhöhe erſt ein Mann ſichtbar wurde, der zwar unbewaffnet war, aber durch ſein faſt thieriſches An⸗ ſehen Schrecken einflößte. Ein zottiges Ziegenfell bedeckte ſeinen Rücken, die braunen Beine waren bis über die Knie hinauf nackt, ſo wie die behaar⸗ ten Arme bis über die Achſeln. 694 Das wilde verworrene Haupthaar und der ſchwarze krauſe Bart ließen kaum ein menſchliches Antlitz erkennen. Dieſe Geſtalt lehnte ſich auf eine Keule und ſchaute dann mit vorgebogenem Leibe nach allen Seiten umherv; endlich ſchien er das Geſuchte entdeckt zu haben. Er pfiff gellend auf dem Finger und machte mit heftigen Geſticulationen einige Zeichen, welche bedeuten ſollten, das hier Alles ſicher ſei. Aus der Tiefe der Bergſchlucht ertönte der Ruf ha fame (ich habe Hunger). Jetzt verſchwand der wilde Ziegenhirt vom Gebirge auf der andern Seite hinter der Scene auf einem Felſenſtamm, der in einen tiefer liegenden Thalgrund hinunterführte, wo einige Hammel und Ziegen weideten. Bald ſtieg gegenüber ein bewaffneter Kalabreſe hinauf, unterſuchte ebenfalls die Sicherheit dieſer zum Nachtlager einer Räuberbande beſtimmten Felſenhöhe, indem er weit hinausſchaute in die ringsum unermeßliche Felſenwüſte. Auf ſeinem Wink folgten ihm zwei andere wild ausſehende Gaunergeſichter, mit langen Karabinern bewaffnet; auf dieſe drei, dann nach und nach in langen Zügen die ganze Bande. Der Räuberprieſter Fra Lorenzo war noch immer der ge⸗ fürchtete Häuptling derſelben. Unmittelbar nach ihm erſtieg eine ſchlanke weibliche Geſtalt die Höhe, mehr getragen als geführt von einem jungen Manne, der ſich nur wenig durch die Kleidung, aber bedeutend durch die etwas ſchwankende Haltung ſeines Körpers, wie durch das Eigenthümliche ſeiner Blicke auszeichnete. Es war immer wieder jener ehemalige Galeerenſträfling, welcher ſich bemühte, der Prinzeſſin die Beſchwerden ihrer Ge⸗ fangenſchaft zu erleichtern. Ein kühler Wind ſtrich von den Feldern der höheren Berg⸗ kuppen über dieſe Felſenplatte herab. — Signora, ſprach der Prieſter und Häuptling der Bande, der heiße Sirocco wird Ihnen in Neapel läſtig genug geweſen ſein, um dieſe Abkühlung hier erfriſchend zu finden. — Santa Madonna! der Menſch ſpottet noch meines Elen⸗ des! rief Leonore, die Hände faltend und ſtand da mit geſenktem 4 Huupte en tnigſte The Hier u Jener u Leonolee Gelegenhe diesmal d Mantel Äbe Sie w funger Freu iin Bravo berden geſ wahrhaft 3 nicht noch jarte Felſer Taank gefe — 8 vom wefſte — 2 unſere We die herrlic benheit g der Welten erreicht die ſete Höhle Bett von ſchöpften zugleich ſchauerlic kunſt kan⸗ ganze The ten; aber men, ſolch und wahr der Himm fühlen bei lange wäh ze trauſe llte dann ſich ſchien heftigen das hier lha fame auf der der in einige hinauf, er einer sſchaute sſehende uf dieſe Zande. der ge⸗ Geſtalt Manne, rch die cch das träfling, rer Ge⸗ Berg⸗ Bande, eeweſen Elen⸗ enktem 695 Haupte, ein Bild des Leidens, das in jeder fühlenden Seele die innigſte Theilnahme erweckt haben würde. Hier unter dieſen Menſchen gab es keine mitfühlende Bruſt. Jener Galeerenſträfling aber, der ſich ſtets bemüht hatte, zu Leonores größtem Leidweſen ſeine, ihr ſchon bei früheren Gelegenheiten bewieſene läſtige Höflichkeit zu zeigen, war auch diesmal wieder der Mann von gutem Ton und legte ſeinen Mantel über ihre Schulter. Sie war jetzt ſo in ſich verſunken, daß ſie Alles duldete, was um ſie her und mit ihr geſchah. — Bei dem heiligen Blute! rief Fra Lorenzo lachend, unſer junger Freund verſteht ſich auf ritterliche Galanterie ſo gut, wie ein Bravo auf ſeinen Dolch; aber im Ernſt, Signora, Sie werden geſtehen müſſen, daß auch wir Sie mit Anſtand und wahrhaft zärtlicher Fürſorge behandeln. Hatten Sie bis jetzt nicht noch in jeder Nacht ein reiches Lager, während uns der harte Felſen genügen muß? hat es Ihnen ſchon an Speiſe und Trank gefehlt? — Sehr gütig! entgegnete Leonore mit der Ironie einer vom tiefſten Schmerz durchdrungenen Seele. — Blicken Sie ſich um, nahm Fra Lorenzo das Wort, ſind unſere Wohnungen nicht die vortrefflichſten? unſere Höhlen nicht die herrlichſten Aufenthaltsorte? Man muß geſtehen, an Erha⸗ benheit gleicht nichts unſern Paläſten, welche der Baumeiſter der Welten errichtet hat! Kein Palladio und Michael Angelo erreicht die Großartigkeit ſolcher Schöpfungen! Freilich ſind un⸗ ſere Höhlenſalons etwas dunkel, ſchmucklos und feucht und das Bett von getrockneten Farrnkräutern iſt wenig geeignet, den er⸗ ſchöpften Gliedern Ruhe zu gewähren: allein die Fenſter, welche zugleich zur Thür dienen, eröffnen eine Ausſicht, welcher an ſchauerlich wilder Größe nichts auf Erden gleicht! Keine Koch⸗ kunſt kann ſaftreicheres Fleiſch bereiten, als wir, wenn wir das ganze Thier mit dem Fell in Gruben voll glühender Aſche bra⸗ ten; aber ohne Brot und Salz weigerte ſich freilich Ihr Gau men, ſolche Delicateſſen anzunehmen. Doch ſchön iſt es bei uns und wahrlich, die Straßen dieſer wunderlichen Stadt gleichen der Himmelsleiter Jakobs! Alſo Sie können ſich immer wohl fühlen bei uns und wird Ihr Aufenthalt ja auch nicht allzu lange währen; kommt der Hirt leer zurück, den wir ausgeſandt 696 haben, um das Löſegeld für Sie zu empfangen, ſo werden wir nicht umhin können, ein Ohr oder einen Finger von Ihnen als Wechſelbrief an Ihren Herrn Vater zu ſchicken, und wird eine ſolche blutige Anweiſung nicht honorirt,— Corpo di dio!— was bleibt uns dann übrig, wenn wir Männer von Ehre blei⸗ ben wollen, als Wort zu halten und Ihre Seele die Himmels⸗ leiter hinauf in Abrahams Schoß zu ſpediren?— Wir ſind ge⸗ recht, Signora, wir laſſen Keinen hinrichten, der ſein Leben nicht entweder durch Widerſtand oder durch verweigerte Zah⸗ lung des Löſegeldes verwirkt hat. — Ich bin überraſcht, lächelte Leonore ſchmerzlich, zu er⸗ fahren, daß man es wagt, hier noch von Gerechtigkeit und Ehre zu ſprechen. Auf einen Mord war ich gefaßt, aber nicht auf eine Hinrichtung! Die Summe, die Sie als Löſegeld verlangen, wird mein Vater in den gegenwärtigen Tagen nicht aufbringen können; ich würde mich mit leeren Hoffnungen täuſchen, wollte ich mir die Möglichkeit denken, daß er ſie anſchaffen könnte. Im Uebrigen bin ich zu ſtolz, um vor einer Mörderfauſt zu zittern! Ich bin in Ihrer Gewalt und mit dem Himmel verſöhnt, mit der Erde habe ich meine Rechnung abgeſchloſſen! Vollendet die Schandthat oder gönnt mir Ruhe, denn ich vermag dieſen er⸗ ſchöpften Körper nicht weiter zu ſchleppen! Seit drei Tagen ſchleift man mich in den Gebirgen umher, durch Abgründe und über Klippen, die ſonſt nie ein menſchlicher Fuß betreten hat! meine Füße bluten, meine Kraft iſt gebrochen, ich ſehne mich nach dem Ende ſolcher Leiden!— ich wünſche nur auf ſtillem Lager zu ſterben. Die Martern, die ich bei Euch ertragen muß, ſchreien laut zum Himmel um Rache! — Ich geſtehe, verſetzte Fra Lorenzo, daß Ihnen die Art und Weiſe unſerer Gaſtfreundſchaft etwas läſtig fallen mag, gern hätten wir Sie in die Wohnung der Weiber unſerer Bande nach Acri gebracht, oder Sie in einer Höhle verborgen, wenn nicht die Wichtigkeit unſeres Fanges die Vorſicht eines ſteten Wechſels unſeres Aufenthaltes forderte; hier aber, Signora, kön⸗ nen Sie ganz ruhig die Entſcheidung Ihres Schickſals abwar⸗ ten, wenn Sie ſich gefallen laſſen wollen, in die Höhle gebracht zu werden, deren Eingang ſich mitten in der nördlichen Felſen⸗ wand dieſer Klippe befindet. — Wieco, lachte der ehemalige Galeerenſträfling, in der Tro⸗ gwienhähl dünder Hüt die Dame d — Da berptieſter Gaſelſchaft die hinahfü den Stiindd und ein fat geonote ſe ſih nicht Shvwindel z — Und ſin? Hiet Mich aufd riſcen Aem hier, aher v — San loſigkeit ita wen Cawer können die pital unſen nug wären Dann Leonores 2 — Lß dem Aogru — G ſten ſein. —d Sinne mäd Sie ſe wartete me würde. Der M die Seite u — Ver Donna ſcho nicht ſo⸗ tden wir hnen als vird eine dol hre blei⸗ Himmel⸗ ſind ge⸗ in Leben te Zah⸗ zu er⸗ ind Chre icht auf rlangen, fbringen „wollte te. Im zittern! mit der det die jeſen er⸗ i Tagen nde und en hat! ie mich ſtillem n muß, die Art g, gern Bande „wenn ſteten , kön⸗ bwar⸗ bracht Felſen⸗ Tro⸗ Donna ſchon länger, Sie iſt Dir gewogen und Du liebſt ſie, 697 gloditenhöhle, die wir von unten aus dem Thalgrunde in ſchwin⸗ delnder Höhe geſehen haben? Steh uns bei, Maria, wie kann die Dame an dieſer ſenkrechten Felſenwand hinabſteigen? — Das iſt unſere Sorge, mein Sohn, verſetzte der Räu⸗ berprieſter ebenfalls in höhnendem Tone, Du wirſt der Donna Geſellſchaft leiſten und für ihre Bedienung ſorgen. Die Treppe, die hinabführt, iſt freilich etwas luftig und eigentlich nur für den Steinadler dieſer Höhen eingerichtet, aber ein gutes Seil und ein ſtarker Arm wird ſchon förderlich ſein. Leonore warf ſchaudernd einen Blick auf den Abgrund, dem ſie ſich nicht einmal auf zwanzig Schritte nahen konnte, ohne Schwindel zu empfinden. — Und hier, rief ſie, wollt Ihr Be Naen mich hinablaſ⸗ ſen? Hier ſollte ich ſchweben zwiſchen Hin acl und Abgrund? Mich auf die Stärke eines Seils und die Treue eines verräthe⸗ riſchen Armes verlaſſen? O, habt Erbarmen! Ermordet mich hier, aber verſchont mich mit ſolchen Zumuthungen. — Sangue di Dio, Signora! rief Fra Lorenzo, welche Ehr⸗ loſigkeit trauen Sie uns zu? Sehen Sie, da ziehen meine bra⸗ ven Cameraden ſchon das Seil aus dem Verſteck hervor, Sie können die Stärke deſſelben prüfen, und wir würden ja das Ca⸗ pital unſerer Beute ſelbſt vernichten, wenn wir gewiſſenlos ge⸗ nug wären, Sie hinabſtürzen zu laſſen. Dann flüſterte er ihr einige Worte zu, bei deren Anhörung Leonore's Antlitz ſich mit Todesbläſſe bedeckte. — Laßt mich hinunter! rief ſie voll Angſt und nahte ſich dem Abgrunde, laßt mich hinunter, oder ich ſtürze mich hinab. — Geduld, Geduld, Signora, es ſoll Alles zu Dien⸗ ſten ſein. — O Gott! rief die unglückliche Prinzeß, die kaum ihrer Sinne mächtig war. Sie ſank völlig erſchöpft auf ein Felsſtück nieder und er⸗ wartete mit ſcheinbarer Ruhe die Anſtalten, die man treffen würde. Der Mönch zog jetzt den ehemaligen Galeerenſträfling auf die Seite und flüſterte ihm einige Worte zu. — Verſtelle Dich nur nicht, junger Menſch, Du kennſt dieſe nicht ſo? — 8 698 — Und wenn dies der Fall wäre? fragte der Angeredete lächelnd, könnte ein ſo zartes Verhältniß Eurem ſchrecklichen Zweck hinderlich ſein? ſetzte er mit ſpöttiſchem Ausdruck hinzu. — Im Gegentheil, lächelte Fra Lorenzo und verneigte ſich mit einer Ehrerbietung, die wunderlich gegen die ruhige, kräf⸗ tige Haltung dieſes Menſchen abſtach. Etwa dreißig Fuß unter der Platte des Felſens, meh⸗ rere hundert Fuß über der Sohle der Thalſchlucht, in wel⸗ cher der Waldſtrom brauſte, befindet ſich in der ſenkrechten Felswand die Oeffnung, die zu der Trogloditenhöhle führt, in welcher Leonore die Entſcheidung ihres Schickſals abwarten ſollte. Bis hierher wurde ein Seil herabgelaſſen, deſſen oberes „Ende von einigen ſtarken Männern gehalten wurde. Der Galeerenſträfling umklammerte es mit Händen und Füßen und ließ ſich, ohne einen Schwindel zu empfinden, hinab. Er fand die Höhle bequem eingerichtet zu einer menſch⸗ lichen Wohnung. In früheren Zeiten hatte hier, wie die Sage ging, ein frommer Einſiedler gewohnt, der nur von den Gaben lebte, welche die Hirten der Wildniß ihm darbrachten. Eines Tages fand man ſeinen Körper unten im Thalgrunde zerſchmettert liegen. Die Räuber hatten ſich dieſes unzugänglichen Schlupfwin⸗ kels bemächtigt und nach und nach alle Bedürfniſſe des ver⸗ feinerten Lebens aus den Schlöſſern geraubt und dorthin ge⸗ bracht. „ Das Ganze beſtand aus mehreren ſchmuckloſen Gemächern, von welchen indeß nur das vordere durch den Eingang Tages⸗ licht empfing. Die tiefer liegenden Kammern konnten durch antique Lam⸗ pen, welche in Bereitſchaft ſtanden, erleuchtet werden. Ruhebe dott wie trocen. — Fa hierauf. Leonot⸗ bebte. Ei ein Geſbräc — Eo nahm ſie z SEer was ihre G — Sp ſein, thun fteit mich — Ge wort, Ihre daß Seine nicht einſe zuwücſtehe der ſchöne Leont in faſt dr vernahm. ihre gang haben. —0 Sie zu befeſti Blick in Asd bejeſtigt laſſen und von Mörd am zerreiß Von und ſchon 8, meh⸗ in wel⸗ inkrechten le führt, eebwarten oberes den und mpfinden, menſch⸗ ng, ein e lebte, algrunde lupfwin⸗ des ver⸗ thin ge⸗ nächern, Tages⸗ e Lam⸗ Ruhebetten, mit ſchwellenden Polſtern belegt, befanden ſich dort wie im Vorgemach, übrigens war die Luft rein und trocken. — Faſſen Sie Muth! Donna, rief der Galeerenſträfling hierauf. Leonore vernahm die Stimme dieſes elenden Menſchen und bebte. Sie hatte bemerkt, daß er ſich mit dem Hauptmann in ein Geſpräch eingelaſſen und eine ſchreckliche Ahnung beſchlich ſie. — Soll der Elende vielleicht meine Geſellſchaft theilen? nahm ſie zu dieſem gewendet das Wort. — Seien Sie unbeſorgt, Donna, es wird nichts geſchehen, was ihre Ehre auch nur im Mindeſten graviren könnte. — Sprecht, ſprecht! rief Leonore; ich will Eure Gefangene ſein, thun was Ihr wollt, mich in jedes Schickſal fügen, nur be⸗ freit mich von dieſem Menſchen. — Gehen Sie getroſt hinab, ich gebe Ihnen mein Ehren⸗ wort, Ihre Wünſche ſollen erfüllt werden. Zwar zweifeln Sie, daß Seine Hoheit, Ihr Vater die Summe, die wir verlangen, nicht einſenden wird; aber ich bin überzeugt, er wird nicht mehr zurückſtehen, wenn wir ein abgeſchnittenes Glied vom Körper der ſchönen Tochter nach Caſtel Nuovo ſchicken. Leonore ſchauderte, als ſie dieſe, mit ſchrecklicher Ruhe und in faſt drohendem Tone geſprochenen Worte des Räuberprieſters vernahm. Sie ſann einige Augenblicke nach und plötzlich ſchien ihre ganze Seelenſtärke wieder die Oberhand gewonnen zu haben. — Eilen Sie, Signora! rief der Mönch gebieteriſch. Sie wand ihren Shawl um ihre Knie, um ihre Kleider zu befeſtigen und ein Tuch um die Augen, um nicht durch den Blick in den Abgrund ihre Beſinnung zu verlieren. Alsdann wurde ihr vorſichtig das Seil unter den Armen befeſtigt und jetzt fühlte ſie ſich emporgehoben, dann hinabge⸗ laſſen und im nächſten Augenblick war das Bewußtſein, daß ſie, von Mörderfäuſten gehalten, über den unermeßlichen Abgrund am zerreißenden Seile ſchwebte, ſchrecklich erwacht. Von unendlicher Dauer ſchien ihr dieſe gefahrvolle Reiſe und ſchon flehte ſie zur heiligen Jungfrau um ſchnelle Erlöſung —i. — — — — — 700 durch den Tod oder Rettung, als ſtie ſich plötzlich auf's Neue umſchlungen fühlte. Das Seil wurde nachgelaſſen, alsdann gelöſt und erſchöpft ſank ſie zuſammen; und jetzt erſt, im Augenblick der Erlöſung von jenem Schweben, verlor ſie das Bewußtſein. In der Nacht. Es war Nacht, eine Geſtalt nahm eilig ihre Schritte nach dem Meere. Der Anblick der Stadt, die in jener Nacht von zahlloſen Fackeln und häufigen Bränden erhellt wurde, war für den Wan⸗ derer nicht neu und er ſchien dem Gedränge, das ſich gewöhn⸗ lich um ſolche Feuer ſammelte, und dem Lichtſchein auszuweichen, den ſie in den angrenzenden Straßen verbreiteten. Seine Richtung ging nach dem Molo, wo die neuen Be⸗ herrſcher der Stadt ihren Wohnſitz hatten. Die Veränderungen, die manche Dinge in Neapel erlitten, waren auch hier ſichtbar. Einſamkeit und Todesſtille waren dem gewöhnlichen leben⸗ digen Gewühle und Lärmen gefolgt. Hier pflegten die Menſchen am Abend ſich zu ſcherzender Er⸗ holung zu verſammeln, hier begannen die Arbeiten des Tages. Es war der größte Schauplatz, wo ſich die Neigung des feurigen Volks vom Anfang bis zum Ende des Jahres mit we⸗ nigen Unterbrechungen kund gab. Hier ſah man nebeneinander Prediger und Poſſenteißer, Handelsleute und Romanzenſänger auftreten, die den Platz unter ſich theilten und Munterkeit in die ernſteſten wie in die unbe⸗ deutendſten Lebensverhältniſſe brachten. Alles war nun anders. Die Maſten leerer Schiffe warfen ihre langen Schatten — über die S des nächtli Die le vertreib! entfeſſeltn war. 1 M ade, X Der ten Pellen wiegken. Er ſpe nung eine Nande dee welche ſc Pietre Die von Neape die Kaype ſchreiber; Nregen. Er kannten, Jeßt heftete,) wurde. Der Geüicht de Neem die ſeit Er hatte baren Vo Thre war blei⸗ rieth die, finn ankün In je aber ſein Weder blicend, de te nach hlloſen Wan⸗ ſewöhn⸗ weichen, en Be⸗ glitten, leben⸗ der Er⸗ Lages. ig des it we⸗ eißer, unter unbe⸗ atten blickend, den Geheimſchreiber an ſeiner Seite ſah. über die Straße des Hafendammes, aber kein Schritt außer dem des nächtlichen Wanderes war hörbar. Die lebendigen Gruppen hatten anderswo aufregenden Zeit⸗ vertreib und wilde Beſchäftigung gefunden, die mehr zu der entfeſſelten Leidenſchaft paßten, wovon die ganze Stadt ergriffen war. Die Natur aber war noch unverändert geblieben auf dem Pfade, den der Geheimſchreiber, denn er war es, verfolgte. Der Mond warf ſeinen vollen Glanz auf die ſanft beweg⸗ ten Wellen und auf die leichten Barken, die ſich auf ihnen wiegten. Er ſpähte wachſam umher und bemerkte in einiger Entfer⸗ nung eine Geſtalt, die vom Monde hell beleuchtet, am äußerſten Rande des Hafendammes ſtand und auf die Wellen hinabſah, welche ſich an einem unten ſtehenden Gebäude brachen. Pietro blieb ſtehen und betrachtete ſie genau. Die Geſtalt war in den groben braunen Mantel der Fiſcher von Neapel verhüllt, hatte die Arme darunter verſchränkt und die Kappe verbarg ſo ſorgfältig ihr Geſicht, daß der Geheim⸗ ſchreiber nach kurzem Bedenken ſich entſchloß, ihr näher zu treten.. Er wurde nicht bemerkt und ſtand an der Seite des Unbe⸗ kannten, ehe dieſer aus ſeiner Verſunkenheit aufgeſtört war. Jetzt bemerkte er, daß der Mann ſeine Blicke auf ein Boot heftete, welches von den Bewegungen der Wellen geſchaukelt wurde. Der Unbekannte wendete ſich um und als der Mond ſein Geſicht beleuchtete, ſah Pietro Maſaniello vor ſich. 3 Niemand als Pietro hatte mehr die Veränderung bemerkt, die ſeit einiger Zeit die Züge des jungen Fiſchers verriethen. Er hatte ihn ſcharf beobachtet und die Anzeichen einer furcht⸗ baren Verheerung in ſeinem Innern wahrgenommen. Thränen ſtanden auf Maſaniello's Wangen, ſein Geſicht war bleich, traurig und verſtört und ſein unſicherer Blick ver⸗ rieth die eigenthümliche Stumpfheit, die den beginnenden Wahn⸗ ſinn ankündigt. 4 In jenem Augenblick war zwar ſein Verſtand nicht getrübt, aber ſein Herz von Kummer gedrückt. Weder erſchrak er, noch war er überraſcht, als er ſich um⸗ — — — 7⁰² — Das Volk iſt unſerer müde, Pietro, begann er, es hat unſerm Verſtande ſeine Geſundheit genommen, unſern Gliedern ihre Kraft, unſerm ganzen Körper ſeine Rüſtigkeit, und man möchte uns wegwerfen wie einen abgenutzten Plunder. Mein Herz flüſtert mir zu, daß ich mit meinem Kummer Ruhe in den tiefen Wellen ſuchen ſolle. Sieh jenes kleine Boot, jenes Boot, wie die Wellen es hebt— es will den Fiſcher wieder haben und iſt unruhig wie ein ſtolzes Pferd, das auf ſeinen Reiter wartet. Jenes kleine Boot hat mich ſeit meiner Kindheit über dieſes Waſſer getragen, alle die glücklichen Stunden, die mir be⸗ ſchieden waren, habe ich darin zugebracht. Im Sommer und im Winter führte es mich luſtig über die Wellen und auf ſei⸗ nen dünnen Planken brachte ich mein ſuͤßes Weib in meine dürftige Hütte. Nie wird mein Fuß es wieder ſo leicht betre⸗ ten, als in jenen Zeiten, und wenn es mich wieder von hier hinwegführt, wird es mich dahin bringen, wo meine Seele Ruhe findet. Ich habe für das Volk mich abgemüht, ich habe mir Nahrung, Ruhe und den ſüßen Umgang mit dem einzigen We⸗ ſen, das mich liebt, entzogen, und jetzt blickt man finſter auf mich, wenn ich gehe, und man iſt ſtill, wenn ich komme, als ob ein finſterer Geiſt in meinem Schatten verborgen lauſchte. Auch Du, Pietro, haſt Dich verändert, Du ſiehſt mich nicht mehr an wie in früheren Zeiten, Deine Stirn iſt finſter, als ob Du ein Mörder wärſt, und Du ſiehſt mich an wie Paolo in jener Nacht, als er ſein Gewehr auf mich abfeuerte. Ach Gott, ſo behandeln mich alle meine Freunde. Er fuhr mit der Hand über das Geſicht, als ob er er⸗ ſchreckende Weſen hätte verſcheuchen wollen und ſchluchzte laut. Der Geheimſchreiber hatte zwar ſeine Gedanken auf andere Dinge gerichtet, welche das Mitleid mit dem Unglücklichen, den er vor ſich ſah, kaum aufkommen ließen, aber er war gerührt, als er den armen Wahnſinnigen ſo klagen hörte. — Maſaniello, nahm er nach kurzem Schweigen das Wort, wozu nutzt es, daß Du an die Scenen Deiner Vergangenheit zurückdenkſt? Die Menſchen, die ſich mit der ernſten Wirklichkeit eines gefahrvollen Lebens beſchäftigen, worin Du ſie geſtürzt, ſehen nun, daß ſie plötzlich ſtill ſtehen, als ob die ſchwindelnde Höhe, die ſie erſtiegen haben, Dich erſchrecke, und darum ſehen ſie Dich mißtrauiſch an. Wenn Blut fließt, haben ſie wenig Müleid mit 8 dieſe Jäti ſcain ante der rothe F beleuchtet gemach 6 Dich finen zeigen, da J bittcer Jron iſ Rit und Maſanic gefiſelte da ſchweren Tra C% — Lie dr, ſie ſollen ren Kelch, d ſuht dr ſo entfernten⸗ ihren Dier — M dem er eil Blick auf d Au hier an rüch in De ner mit T haben zu ſtrengunge morgen ge die Dich i einſchlafen doch einen beleſto, der ten, ehe ſie ſeine Abſich das Leben heinde ang und man per. M ein uhe in den enes Voct eder haben ſnen Reiter ſdheit über ie mir be⸗ mmer und dauf ſei⸗ in meine ſeicht betre⸗ t von hier eele Ruhe habe mir igen We⸗ nſter auf e, als ob chte. Auch t mehr an 5 Du ein rer Nacht, behandeln b er er⸗ zte laut, uf andere ſchen, den gerührt, as Wort, ngenheit erklichkeit geſtürzt, indelnde im ſehen e wenig 703³ Mitleid mit Thränen und mit Launen, die Thränen hervor⸗ rufen. Wenn Du erhöht und geehrt nach Amalfi zurückkehrſt, dann wird es Zeit genug ſein, von den heiteren Stunden der Kindheit und Deiner beginnenden Liebe zu Livia zu träumen; dieſe Zeit iſt noch nicht gekommen. Laß das Boot im Mond⸗ ſchein tanzen und gehe wieder auf den Schauplatz zurück, wo der rothe Fackelſchein die Köpfe unſerer tyranniſchen Edelleute beleuchtet. Man hat Dich zum Oberbefehlshaber dieſes Landes gemacht, der Vicekönig hat Dich umarmt, geherzt, geküßt und Dich ſeinen lieben, theuren Freund genannt; Du kannſt ihm nun zeigen, daß Deine Macht größer iſt als die ſeinige, fuhr er mit bitterer Ironie fort. Geh' auf das Blutgerüſt, ſage ich Dir, es iſt Zeit und noch viel zu thun. Maſaniello warf auf Pietro einen Blick, in welchem der gefeſſelte Dämon gegen ſeine Ketten kämpfte, und er ſchien einen ſchweren Traum abſchütteln zu wollen. — Sie ſind gezüchtigt, aber immer noch nicht gebeugt, rief er, ſie ſollen den bitteren Kelch bis zur Neige leeren, den bitte⸗ ren Kelch, den ſie für unſere Lippen gefüllt haben! Ha, Pietro! fuhr er fort und deutete auf einen Feuerſchein, der in einem entfernten Stadttheil leuchtete, ſieh doch, wie die Flammen luſtig ihren Dienſt verrichten. — Maſaniello, nahm der Geheimſchreiber das Wort, nach⸗ dem er einen langen, düſteren, zum Theil auch mitleidsvollen Blick auf den Fiſcher von Amalfi gerichtet hatte, warum weilſt Du hier an dem Meere? Was willſt Du beginnen? Kehre zu⸗ rück in Deine Wohnung, in die Arme Deiner Gattin, die Dei⸗ ner mit Thränen harrt! Mangel an Ruhe und die Aufregung haben zu heftig Dein Gemüth angegriffen, das an ſolche An⸗ ſtrengungen nicht gewöhnt. Gehe zur Ruhe, dann wirſt Du⸗ morgen geſtärkt ſein; indeß man muß beklagen, daß die Gefühle, die Dich in Bewegung ſetzen, bald erwachen und bald wieder einſchlafen. Du haſt den Marktplatz mit Leichen angefüllt und doch einen Feind verſchont, der furchtbar iſt, ich meine, den alten Celeſto, den Du bereits durchſchaut haſt. Glaube meinen Wor⸗ ten, ehe ſie in Erfüllung gehen. Wenn Celeſto die Zeit reif für ſeine Abſichten findet, wird er ſich eben ſo wenig bedenken, Dir das Leben zu nehmen, als er ſich jetzt bedenkt, die Häuſer ſeiner Feinde anzuzünden. Ich habe ihn lange beobachtet und ich ſage —— 704 Dir, daß wir Beide es nicht mit der Liſt dieſes Mannes auf⸗ nehmen können, von dem ich ſogar vermuthe, daß er mit dem Hofe in geheimer Verbindung ſteht. — Ich habe ihn erſt vor einer Stunde geſehen, erwiderte Maſaniello ruhig; er ſagte mir, Pietro wäre blutdürſtig wie Kain und treulos wie der Satan, und gab mir den Rath, klüg⸗ lich noch zu rechter Zeit Deinen Kopf auf den Pfahl ſtecken zu laſſen. Glaube mir, ſetzte er lächelnd und doch traurig hinzu, Maſaniello wird ſein Leben vertheidigen, ſo gewiß er es liebt; aber doch iſt es bitter, Menſchen zu mißtrauen, die geſchworen haben, wie Brüder zuſammenzuhalten. Doch wozu murren, kommt meine Stunde und ſucht man mein Leben, ſo ſoll man es finden. Sieh, Pietro, fuhr er fort, ſeinen Mantel zurückſchla⸗ gend, dieſes Bild der heiligen Jungfrau del Carmine machte Paolo's Schuß machtlos, wird es mich auch ſchützen, bis mein Werk vollendet iſt? Er verſank jetzt in tiefes Schweigen und folgte dann dem Geheimſchreiber auf einen ſtummen Wink deſſelben. Beide gingen ohne ein Wort mit einander zu wechſeln von dannen und gelangten nach dem Platze del Carmine, wo noch einige Menſchen verſammelt waren. Der Anblick dieſes Schauplatzes ſeiner Macht und ſeiner Berühmtheit brachte auf Maſaniello eine eigenthümliche Wir⸗ kung hervor. Sein Schritt wurde entſchiedener, ſein Auge leuchtete, ſein Haupt richtete ſich empor, und mit Stolz blickte er Jedem in's Antlitz, der ihm begegnete. Er hatte in ſeinem Geſpräche mit Pietro nicht zu viel ge⸗ ſagt wenn er behauptete:„Das Volk iſt unſerer müde!“ In der That ſchwieg bei ſeinem Nahen das laute Geläch⸗ ter, das immer vorherrſchende Siegesgeſchrei verſtummte in jeder Kehle. Jedermann ſchlich ſich hinweg oder wich ihm ängſtlich aus, und bald waren nur er und ſein ſchweigſamer Begleiter auf dem Platze. Sie näherten ſich der Blutbühne. Maſa lo ſchlich um die gräßlichen Siegeszeichen, die man nach wie Ir an dieſem Schreckensorte gewahrte und ſchien nach einem Gegenſtande zu ſuchen. — Hexo ſeinen Koh nuß rufgej ih desha halb ſtöbern. — DA ſul dr Naſani -3c Male dos 2 auch eit ni wohl ihr ſp votlas, ich mich umatm und ſeik S ſaniello wir — De machte Di — Un Maſaniello — u von den d — E ſie durch! Molo erzäl ſonders vor — W Miasmae ſich mit W — T mich aber haben, ale meiner O Nächſtenli mehr, in gethan, d Blut im, wie in jer Das 9 du murren, ſoll man e lärrücſſchla⸗ mine machte —n, bis mein e dann dem dechſeln von „ wo voch und ſeiner mliche Wir⸗ ſchtete, ſein Jedem ims zu viel ge⸗ de!“ zuute Geläch⸗ nte in jeder ggſtlich aus,. er auf dem n, die man ſchien nach 1 ¹ — 70⁵ — Herandez lebt noch— murmelte er; der Pfahl, der für ſeinen Kopf geſpitzt wurde, iſt des langen Wartens müde— er muß aufgefunden werden— ich ſelber will ihn ſuchen und ſollte ich deshalb alle Gemächer und Zellen des Caſtels Nuovo durch⸗ ſtöbern.. — Du haſt Dich ja verpflichtet, nicht mehr zu verfolgen, ſagte der Geheimſchreiber höhnend. Maſaniello ließ ein ſchallendes Gelächter hören. — Ich that es, aber hat man uns nicht auch unzählige Male das Wort gebrochen? rief er mit Bitterkeit aus, man will auch jetzt nicht erfüllen, was man zugeſagt hat, ich bemerkte wohl ihr ſpöttiſches Lachen, als der Alte unſere Bedingungen vorlas, ich ſah die Heimtücke in des Statthalters Auge, als er mich umarmte und bemerkte nur zu deutlich, welche Blicke er und ſein Spießgeſelle Herandez wechſelten— nein, Pietro, Ma⸗ ſaniello wird nicht eher raſten, bis er im Grabe ruht. — Der Herzog von Arcos umarmte, ja er küßte Dich und machte Dich ſogar zum Edelmann, verſetzte Pietro. — Und als Zugabe haben ſie mich noch vergiftet, verſetzte Maſaniello mit dumpfer Stimme. — Unbeſonnener, rief der Geheimſchreiber, nahmſt Du etwa von den dargereichten Speiſen und Getränken etwas an? — Es giebt Gifte, welche auch tödtlich ſind, ohne daß man ſie durch den Mund gehen läßt, Pietro; man hat es oft am Molo erzählt, und dieſe Spanier verſtehen die Mordkunſt be⸗ ſonders vortrefflich. — Wie— Du glaubſt, man habe Dich ein tödtliches Miasma einathmen laſſen? Unmöglich, es hätte ſonſt Alle, welche ſich mit Dir zugleich im Zimmer befanden, berühren müſſen. — Wie es zugehen konnte, weiß ich nicht, ich erinnere mich aber, ein leiſes Brennen im inneren Ohre empfunden zu haben, als ich auf dem Ruhebette lag; Herandez ſoll ſich während meiner Ohnmacht ſehr mit mir beſchäftigt haben, und aus Nächſtenliebe that es dieſer Teufel ſicher nicht; ich glaube viel⸗ mehr, in jenem Augenblick hat es mir der Satansminiſter an⸗ gethan, denn als ich aus dem Schloſſe kam, brannte mir da⸗ Blut im Hirne und in allen Adern, ich fühlte mich ſo nie zu wie in jener Stunde. Das pfer von Amalfi.(Bd. III. 5.) 45⁵ — — — 8 e —— 706 — Ja, ja, der Palaſt des Statthalters iſt ein Arſenal des Todes Maſaniello war einige Augenblicke in düſteres Schweigen verſunken und blickte ſtarr auf ſeinen Freund. — Pietro, hub er endlich traurig an, ſie ſagten ſchon längſt, ich ſei wahnſinnig— glaubteſt Du daran? — Du warſt oft exaltirt, aber nicht unſinnig. — Höre Freund, flüſterte er leiſe, indem er ſich angſtvoll an den Arm des Geheimſchreibers klammerte; ſeit ich den Palaſt des Vicekönigs verlaſſen habe, bin ich nicht nur wahnſinnig, ſondern ſchon raſend geweſen. Dieſe Worte waren in einem Tone geſprochen, welcher dem Geheimſchreiber durch Mark und Bein drang. — Armer Freund, ſagte dieſer, Du zitterſt, begieb Dich zur Ruhe.— 3 — Ich werde bald auf ewig ruhen, ach, auf Erden ſoll ich keinen Schlaf mehr finden. — Du wirſt ſchlafen, gehe, Dein Weib wartet. — Ach mein armes, armes Weib! rief Maſaniello hände⸗ ringend, ſie wacht, betet und weint. — Darum gehe, laß ſie nicht warten. — Ach zum erſten Mal hat mich dieſes Bildchen der Gebe⸗ nedeiten im Palaſt des Statthalters verlaſſen, ja, ja, ſie haben mich vergiftet, wahnſinnig gemacht, ich muß ſterben— höre Pietro, wenn meine Stunde gekommen und Herandez noch am Leben iſt, dann räche meinen Tod. — Er wird ſterben.— — Will er nicht bekennen, ſo laß ihn foltern, es war immer mein Lieblingsgedanke, dieſen Verworfenen recken und preſſen zu laſſen, wie er es mit uns gethan hat. — Ich werde ihn an derſelben Stelle foltern laſſen, wo er den armen Falcone mit glühenden Zangen zwicken ließ. — Brav, brav, mein guter Freund, rief Maſaniello mit einer Haſt, die den Schreiber unwillkürlich erſchreckte. — Geh jetzt zur Ruhe, Maſo, es iſt Zeit, mahnte er. Der 1 ſainem Huu gah erſtere GE lot ſonen Giden gellle halte Die Th Ergeſhoſes en Geſellſch Um ein machs einne Ihre Tr tinen wahrh Es war den Todesge Alle ir dem Gürte waren. Der T Speiſen beſe ten beinahe Die M wilden Zech widerliches Dieſe gelaſſenſte Kaum er gräßlich Dieſen verſtummte Man Simmung Oögle ſorgniſſer rſenal des 1 1 Schweigen don längſt angſtvol den Palaſt ahnſinnig lcher dem Dich zur 1 n ſoll ich o hände⸗ der Gebe⸗ ſie haben — höre noch am ar immer preſſen zu in, wo er niello mit ſorgniſſe regten, ſo erhob ſich ihr Geſchrei doch bald wieder. 3 Das Räthſel. Der Fiſcher näherte ſich, von dem Geheimſchreiber begleitet, ſeinem Hauſe, und als ſie die Schwelle deſſelben erreicht hatten, gab erſterer Pietro ein Zeichen, ihm zu folgen. CEs bot ſich ihnen ein Anblick dar, der wahrlich einen ſelt⸗ ſamen Widerſpruch mit dem Geſpräche bildete, welches ſie eben geführt hatten. Die Thür war weit geöffnet und aus dem Gemache des Erdgeſchoſſes ſtrömte ein Lichtglanz, der die Geſichter einer luſti⸗ gen Geſellſchaft beleuchtete. Um einen Tiſch, der beinahe den ganzen Raum des Ge⸗ maches einnahm, ſaßen mehr als zwanzig Zecher. Ihre Tracht bildete zu der Orgie, die ſie zu feiern ſchienen, einen wahrhaft ſchroffen Gegenſatz. Es war der finſtere, ſeltſame Anzug der uns bereits bekann⸗ ten Todesgeſellſchaft.. Alle trugen Waffen verſchiedener Art, die meiſt entblößt in dem Gürtel ſteckten und wie ihre Kleider mit Blut gefärbt waren.— 4 Der Tiſch war mit Weinflaſchen und den auserleſenſten Speiſen beſetzt, und viele Mitglieder dieſes Mörderbundes hat⸗ ten beinahe ſchon die Beſinnung verloren. Die Mauern des verfallenen Gebäudes erzitterten von ihrer wilden Zechluſt, und der Chor ihrer wüſten Lieder gab ſein widerliches Echo auf dem Marktplatze wieder. Dieſe Töne ſchienen Maſaniello ſogleich in die wildeſte, aus⸗ gelaſſenſte Stimmung zu verſetzen. Kaum war er mit lautem Geſchrei begrüßt worden, als er gräßlich gellend auflachte. Dieſem Gelächter folgte Schweigen, die ganze Geſellſchaft verſtummte, als wäre der Tod hereingetreten. Man war ſcharfſichtig in der Beobachtung der launiſchen Stimmung des Fiſchers geworden. Obgleich ſich aber in den Herzen der Zecher anfangs Be⸗ 45* 708 i Laut und jubelnd brachten ſie Maſaniello, dem oberſten 1 1 Volksanführer, ein Lebehoch.. Des Geheimſchreibers Stirn war umwölkt, er beobachtete 1 ſorgfältig das Benehmen jedes einzelnen der luſtigen Zecher. Sie legten ihre Masken ab, und der erſte, auf den Maſa⸗ 1* niello's Blicke fielen, war Giovanni Aniello, der Hauptmann der b ſchwarzen Schaar. diſſ Neben ihm ſaß Spadaro, ein finſter blickender und furcht⸗ die vſen loſer Jünger Salvator Roſa's.- N. Er verdankte ſeinen Beinamen der Bereitwilligkeit, womit nand unte er, wie ſein Meiſter, die Werkzeuge ihres friedlichen Berufs bei Keine Seite gelegt hatten, um das Schwert zu ergreifen, zugleich auch in— ſei 1 der unerhörten Grauſamkeit, womit er ſeine Waffe führte. u machen An der anderen Seite des Hauptmannes ſaß Salvator Roſa dieſe 4 4 in der Rüſtung, welche er auf einem ſeiner Bildniſſe trägt, die gſchr ko der Nachwelt hinterlaſſen blieben. ni nur Der Weinbecher machte oft die Runde, aber Salvators— P bleiche Wange verrieth, daß er nicht davon gekoſtet hatte. ter— a Er hielt eine Laute in der Hand, griff oft in die Saiten deltete und ſang miu wunderbarer Stimme eine melancholiſche Ro⸗ ſonen J 6 manze. 9 Fiſcher 1 Die Zecher klatſchten laut Beifall, bald aber wurden ſeine 3, zaubervollen Töne wieder von dem Geſchrei der Anderen u ſin übertönt. ü6 2. Maſaniello hatte ihm am eifrigſten zugehört, und als jener 1 Var geendet hatte, umſchlang er ihn und drückte ihn an ſeine Bruſt. 1 4— Sei willkommen, Maſo, ſagte Salvator. Die Nacht iſt Uid ohne Deine Gegenwart ſchwerfällig vorübergegangen und unſere 4 di 3 Freunde ſind der Geſänge und Erzählungen bald müde. zen an — Haben ne nicht Brod?— rief Maſaniello mit einer Bon den 6 Stimme, die Alle erſchreckte; ach ja, mein Volk wird unruhig. Er beugte ſich über den Tiſch, ergriff eine Flaſche, und als. er einen kräftigen Zug daraus gethan hatte, warf er ſte von ſich, iſ, wie daß ſie zerbrach. Ei — Ha, rief er, ſte ſchmeckt nach dem Blute der Erſchlage⸗ dann tr nen, der Wein iſt vergiftet, Freunde, der Herzog von Arcos hat ihn Euch wohl geſandt— doch laßt uns luſtig ſein, hört, ich it, wie will Euch ein Räthſel aufgeben.. Herande Er nd furcht⸗ t, womit erufs bei eich auch ſrte. ator Roſa trägt, die galvators e. 2 Saiten ſche Ro⸗ den ſeine Anderen als jener ne Bruſt. Nacht iſt d unſere mit einer inruhig. ound als von ſich, grſchlage⸗ lrcos hat hört, ich 3— Ein Rätbſel, ein Räthſel! riefen alle. — Man aß es weder, man trank es noch, Im Herzen aber wirkt's tödtlich doch— Man ging hinein, So ſchmuck und fein; Man kam heraus, Da— war es aus!— Dieſe Worte ſprach Maſaniello mit ſeltſamer Stimme, und die wüſten Zecher ſchienen tief davon erſchüttert zu ſein. — Nun, rief Maſaniello mit funkelnden Augen, iſt Nie⸗ mand unter Euch, der dieſes Räthſel errathen mag? Keine Antwort erfolgte— Alles blickte ſich erſtaunt an ſeit wann war Maſaniello im Stande geweſen, Verſe zu machen? Dieſe Frage ſchwebte wohl auf aller Lippen— der einfache Fiſcher konnte ſeine Worte in Verſen äußern, ein Vorzug, den ſonſt nur Salvator Roſa hatte. — Wer löſt das Räthſel? fragte er wiederholt und lau⸗ ter— aber kein Oedipus wollte ſich ſeaden, der dieſes Gleichniß deutete. Die Hörer waren um ſo weniger im Ttande, die ſelt⸗ ſamen Worte zu begreifen, als ſie nicht wußten, daß der arme Fiſcher von Amalfi wähnte, im Palaſte des Statthalters vergiftet zu ſein. — Iſt Niemand unter Euch, der es mir ſagen kann, ſelbſt nicht Salvator? fragte Maſaniello wieder. — Nein, Maſo, ich kann Dein Räthſel nicht löſen, verſetzte dieſer. — So will ich es Euch ſagen, rief Maſaniello mit düſte⸗ rem Lächeln, man reichte mir bei dem Herzog von Arcos etwas, von dem ich nicht aß und trank, und doch tögzet es mich. — Was kann dies alſo geweſen ſein? fragte Salvator. — Etwas, das durch die Ohren in mein Blut gedrungen iſt, wie ich vermuthe, entgegnete Maſaniello ſchaudernd. Ein dumpfer Schrei des Entſetzens durchlief die Menge— dann trat wieder banges Schweigen ein. Ja, ja, fuhr Maſaniello in ſchmerzlichem Tone fort, es iſt wie ich Euch ſage, die Spanier haben mich getödtet, Don Herandez war ihr Werkzeug. Er erzählte jetzt, was er ſchon ſeinem Freunde Pietro mit⸗ 710 getheilt hatte und wiederholte dann ſein in Verſe gekleidetes Räthſel. — Und darum, bemerkte er, als er endete, habe ich mein dem Statthalter gegebenes Verſprechen nicht erfüllt, ich werde verfolgen und morden, bis ich den Mörder Herandez habe fol⸗ tern und enthaupten laſſen. — Tod Don Herandez, dem Henker von Neapel! ließen ſich einige Stimmen vernehmen. — Hat man denn immer noch nicht Gelegenheit gefunden, Don Herandez zu ergreifen? fielen Andere ein. — Gewiß nicht, antworte Maſaniello, denn er verſteckt ſich in der Hölle, wo ihm die Gefährten gern eine Zufluchtsſtätte gewähren. — Es iſt ſchwer, dieſes Verbrechers habhaft zu werden, fiel Salvator Roſa ein, denn ohne Zweifel wählt er täglich, ja ſtündlich, eine andere Verkappung. — Sein Blut, ſein Blut, mich dürſtet danach! rief Maſa⸗ niello, deſſen Augen von einem unheimlichen Glanz erhellt waren. — Derjenige, der mir Herandez bringt, ſoll den Palaſt erhal⸗ ten, den ich für mich bauen laſſen werde— aber ach, mein Sarg wird bereits gezimmert. Dieſe ganze Scene hatte die fröhliche Stimmung der Geſell⸗ ſchaft zerſtört. Viele erhoben ſich, Einer nach dem Andern ſchlich hinaus, und die Wenigen, die zurückgeblieben, ſahen ein, wie gefährlich es ſein würde, eine neue Aufregung hervor zu rufen Maſaniello ſpielte mit dem Meſſer in ſeinem Gürtel, als Salvator Roſa auf ein Zeichen, welches ihm der Geheimſchrei⸗ ber gab, in die Laute griff. Jetzt nahte ſich Maſaniello und ſtellte ſich mit verſchränkten Armen dem Künſtler gegenüber. Nach einem kurzen Präludium ſtimmte Salvator die Melo⸗ die eines Fiſcherliedes an. Der düſtere Ernſt in Maſaniello's Zügen hatte jetzt augen⸗ blicklich einem wehmüthigen Lächeln Platz gemacht. Als die nadertehen des Sängers ſtieg, achtete er weniger auf die Stimmung ſeiner Zuhörer und ging plötzlich zu den aufregenden Räuberliedern über. ——— Maſan Imeres ſch Der Jechen, ui wodurh! J Der S eine Ldie Aller du beobac hervorged Seir ihren K wie gan lichen ganz an Mo ſchreiber ein, den M. und erg gekleid Maſaniello's Auge leuchtete, ſeine Wangen glühten und ſein Inneres ſchien von heftigen Leidenſchaften bewegt zu ſein. Der Geheimſchreiber gab jetzt Salvator ein warnendes Zeichen, und dieſer ſtimmte eine langſame, klagende Melodie an, 8 wodurch Maſaniello's Gemüth wieder beſänftigt ſchien. del! lien 8 ich mein ich werde b habe fol⸗ gefunden, 8 E erſteckt ſich 8 uchtsſtätte à werd. ſdgli 6,1 Das Portrait. ff M Der Künſtler legte endlich die Laute nieder, und es folgte äſt⸗ eine Todtenſtille. ethellt Aller Blicke waren auf Maſaniello's Antlitz gerichtet, um u zu beobachten, welche Wirkung die plötzliche Stille auf ihn erhal⸗ hervorgebracht hätte. ach, mein Seine Züge waren ſehr bewegt, während Thränen auf ſei⸗ nen Wangen glänzten. der Geſel⸗— Ach, es gab einſt ſchöne Zeiten, nahm er wehmuthsvoll rn ſchlich das Wort. ein, wie— O dieſe kehren wieder, fürchte nichts, verſetzte Salvator. u ruſen.— Meinſt Du wirklich? 4 irtel, als— Ich bin davon überzeugt. eimſchrei⸗— Nein, nein, Livia liebt mich nicht mehr, ſie entzieht mir ihren Kuß, gewiß denkt ſie, mein Athem ſei todtbringend, ach ſchränkten wie ganz anders war es auf La Cava. — VBeſchuldige nicht Deine liebende Gattin ſolcher ſchreck⸗ die Melo⸗ lichen Dinge, ſie liebt Dich immer noch. — Ach, als ich ſie zum erſten Male ſah, erſchien ſie mir t augen⸗ ganz anders; ja, ja, die Zeiten ändern ſich.„. . Maſaniello verſank in tiefe Traurigkeit, und der Geheim⸗ weniger ſchreiber, wie auch Salvator Roſa, ſahen die Nothwendigkeit h zu den ein, den Fiſcher auf andere Gedanken zu bringen. Mit freundlicher Vertraulichkeit nahte ſich ihm der Künſtler und ergriff ſeine Hand. 8 71² 6 Sie ſchl — Gewähre mir eine Bitte, Maſo, ſagte er leiſe. feate ſich d — Alles, was Du willſt. ſin Ri — Wir wünſchen, daß unſer Andenken mit dem Deinigen rard wohl auf die Nachwelt kommen möge. be Der ul 4— Und was kann ich thun? antt di 4— Wir bedürfen Deines Bildes. den des *— Das der heiligen Jungfrau? fragte der Fiſcher, indem Jic er dieſes lächelnd herauszog. u gut — Nicht doch— höre nur: der Stern Deines Ruhmes g. uud gu 4 kann nimmer erbleichen, und die Nachwelt wird uns Dank deaa 3 1 wiſſen, wenn wir Deine Züge gegen Vergeſſenheit ſchützen. Der len arme Künſtler möchte gern ſeinen Namenszug auf ein Gemälde n ſetzen, das über die Wogen der Zeit hinwegſchwimmen und— dadurch auch den armen Salvator vor dem Untergange retten das Portrc wird. Maſaniello ſchien immer noch nicht den Sinn dieſer Bitte, nethim 4 die in einer ſo wenig paſſenden Zeit ausgeſprochen war, zu be⸗ rftle dd greifen. Nahr Endlich deutete ein Lächeln an, daß er Salvator verſtanden hexiſhende ’1 6 und ihm das Anerbieten nicht unerwünſcht komme. M Aber die Stellung, in welcher er dem Künſtler ſitzen wollte, bald wi verrieth nur zu ſehr die wunderliche Gemüthsſtimmung des Leichenbl armen Fiſchers. Endl 1 1 Er warf ſeinen groben Mantel ab und erſchien, wie er ſich warf Aii täglich auf ſeiner Blutbühne zeigte. Noch 1' Seine Hemdärmel waren bis über die Ellbogen aufgerollt, übet den 4 die Bruſt und eine Schulter entblößt. tobte, ad Als er in einem Winkel des Gemaches den Federhut ſah, ein Geher den er bei ſeinem Beſuche im Palaſte des Statthalters getra⸗ Sei gen hatte, ſetzte er ihn auf. mächtigt Jetzt leuchtete aus ſeinen Zügen die muthwillige Fröhlich⸗ 1 keit ſeiner Knabenzeit, vielleicht— zum letzten Mal. begieb — Ich bin bereit, ſagte er. 5 Schon wollte Salvator beginnen, als Maſaniello ihn durch— eine neue Laune ſtöorte. miir das — Zuvor bringe mir eine Pfeife und die Tabacksbüchſe,— Pietro, rief er.. ſimate er Dieſer Wunſch war noch nicht erfüllt, als ſich die Thür Livi öffnete und Livia's bleiche und hinfällige Geſtalt hereinſchwebte. ſer, indem 8 Ruhmes lns Dank (tzen. Der Gemälde ſamen und unge retten ſer Bitte, t, zu be⸗ verſtanden ben wollte mung des vie er ſich nufgerollt, erhut ſah, ers getra⸗ Fröhlich⸗ ihn durch csbüchſe, die Thüt ſchwebte. Dänigen — 713 Sie ſchleppte ſich mühſam an die Seite ihres Gatten und ſetzte ſich zu ſeinen Füßen nieder. Mit Wehmuth ſah ſie dieſem Schauſpiel zu, und ſelten ward wohl ein Bildniß unter ſo ſonderbaren Umſtänden gemalt. Der außerordentlichen Gewandtheit jenes begabten Künſtlers verdankt die Nachwelt das Bild der ſanften und auffallenden Züge des Fiſchers von Amalfi, der ſehr bald des Zwanges ſei⸗ ner Stellung müde war. Nach einigen Anſtrengungen, ſich den Wünſchen ſeiner Freunde zu fügen, verrieth ſein Antlitz einen ſo unbeſtimmten Ausdruck, daß es ſehr ſchwer möglich war, eine Aehnlichkeit her⸗ vorzubringen. Salvator hielt inne und erwartete ungeduldig, daß der Ausdruck zurückkehren möge, der ihm am geeignetſten erſchien, das Portrait auszuführen. Während deſſen beobachtete er auf⸗ merkſam die Spuren, welche die in Maſaniello's Bruſt tobenden Gefühle auf ſeinem Antlitz zurückließen. Mehr als einmal ſchlug Letzterer die Augen vor dieſem be⸗ herrſchenden Blicke nieder. Die Farbe ſeines Geſichts wechſelte mit jeder Minute, bald zeigte ſich dunkel glühende Röthe, bald— erſchreckende Leichenbläſſe.. Endlich gab Salvator Roſa die undankbare Arbeit auf und warf unwillig den Pinſel von ſich. Noch hatte Maſaniello nicht, wie bald nachher, alle Gewalt über den finſteren Dämon verloren, der in ſeinem Inneren tobte, aber die Anzeichen dieſes Kampfes konnten Niemandem ein Geheimniß bleiben. Seine Glieder begannen zu beben, eine heftige Unruhe be⸗ mächtigte ſich ſeiner. 3 — Mein Maſo, begann Livia, indem ſie ſich erhob, komm, begieb Dich zur Ruhe. — Kind, noch bin ich nicht im Grabe. — O nicht immer dieſe düſteren Betrachtungen; ſie brechen mir das Herz. — Vermag man die Finſterniß von der Nacht zu bannen? fragte er traurig. Livia ſann einige Augenblicke nach. — Ja, mein Maſo, rief ſie lebhaft, der ſtille Mond, der — —— 5 — — 714 Tröſter, der bleiche Freund des Leides vermag die Finſterniß durch ſein ſanftes, mildes Licht zu bannen, vergleiche mich in dieſem Augenblick mit dem Monde, mein Maſo, meine Tröſtun⸗ gen mit ſeinem Lichte und die Finſterniß muß von Deiner Seele weichen, welche Du der Nacht gleichzuſtellen ſcheinſt. Mit dieſen Worten ergriff ſie ſeine Hand, und er ließ ſich von ihr willig wie ein Kind hinausführen. Als er ſich entfernt hatte, war tiefes Schweigen eingetre⸗ ten; die Zurückgebliebenen wechſelten mit einander Blicke, welche erriethen, daß ſie ſich in ihren Meinungen begegneten. — Der Unglückliche, ſeufzte Salvator— er iſt dem Wahn⸗ ſinn nahe. — Er bildet ſich ein, man habe ihm Gift in das Ohr ge⸗ träufelt, ſagte Pietro. — Das iſt wohl möglich, die Borgia's bedienten ſich häu⸗ fig ſolcher Gifte, wie auch ſolcher, deren Einathmen ſchon ge⸗ nügte, den Tod zu bewirken, verſetze Mirco Spadaro. Salvator Roſa betrachtete die Skizze, welche er von Maſa⸗ niello entworfen hatte. Der Künſtler hatte den günſtigſten Ausdruck aufgefaßt, den Maſaniello's Züge jemals zeigten. Das unvollendete, flüchtig hingeworfene Bild ſtellte ihn ſo dar, wie ihn die Geſchichte ſchildert. Er erſchien demnach jünger von Anſehen, als es bei einem Alter von etwa fünfundzwanzig Jahren gewöhnlich iſt, mit einem unruhigen Lächeln, einer leichten braunen Geſichtsfarbe, einer vollen Wange, wilden, hellbraunen Augen, einer vollen, breiten Bruſt und einem allgemein vorherrſchenden, munteren und ſanf⸗ ten Ausdruck in ſeinen Zügen. Durch eine ſonderbare Wirkung der Krankheit, die ihn be⸗ fallen hatte, war die ihm von Natur eigene Sanftmuth auf kurze Zeit zurückgekehrt und war eben ſo plötzlich wieder ver⸗ ſchwunden. Hätte der Künſtler den unglücklichen Fiſcher eine Stunde ſpäter wieder geſehen, er würde ihn nicht erkannt, alſo auch nicht gemalt haben. dn weiten gäſkro ville ſe nur nich hetand berzeugt ſein konnte, Theils wcht das haben, der ſinnung b Aber den Bräut die Räuber ethalten. Iu die zogs erſchö ſteuern. - über die Pauſe. — V. mand jetzt die ſchre — S S A A D Gijt wirkt une Tröſtun⸗ von dein ſcheinſ. 4 er ließ ſich ihe mich in ſen eingetre⸗ lick, welche T' em Vahn⸗ 8 Ohr ge⸗ n ſich häu⸗ i ſchon ge— on Maſa⸗ gefaßt, den ellte ihn ſo bei einem mit einem be, einer n, breiten und ſanf⸗ te ihn be⸗ muth auf ieder ver⸗ Stunde ſſo auch e dinſterniß 1 1 Der Marcheſe Salotti. Düſter und in ſich gekehrt blickte einige Stunden vor der der eben geſchilderten Scene der Herzog von Arcos in die Flam⸗ men der Kerzen, welche ſein Zimmer erhellten. Ihm gegenüber ſtand Herandez und beobachtete ſeinen künf⸗ tigen Schwiegervater ſehr aufmerkſam. — Alſo noch keine Kunde? brach er endlich das Schweigen. — Noch iſt der Bote nicht zurückgekehrt, ich habe bereits den zweiten abgeſandt.— Heilige Jungfrau, die Gegend bei Caſtro villare wird von unzähligen Räuberbanden verheert, wenn ſie nur nicht überfallen worden ſind. Herandez allein war von dem traurigen Schickſal Leonores überzeugt— er wußte, in welche Gewalt ſie nur gerathen ſein konnte, allein er beobachtete ein hartnäckiges Schweigen. Theils that er dies wohl aus Schaam über ſeine Feigheit, nicht das Mindeſte für die Befreiung ſeiner Braut gethan zu haben, der Statthalter hätte natürlich ſolche Niedrigkeit der Ge⸗ ſinnung bitter tadeln müſſen. Aber noch ein anderer Troſt lebte in der Seele des lieben⸗ den Bräutigams— es war die beſtimmte Ueberzeugung, daß die Räuber endlich Kunde geben müßten, um das Löſegeld zu erhalten. 1 Zu dieſem edlen Zweck wollte er, ſollte die Kaſſe des Her⸗ zogs erſchöpft ſein, mit vollen Händen aus der ſeinigen bei⸗ ſteuern.. — Iſt Ihnen denn von keiner anderen Seite eine Nachricht über die Prinzeß Pauſe. mand jetzt ſo leicht nach Neapel kommt, verſetzte der Statthalter, o die ſchreckliche Zeit. — Sie wird bald beffer werden. — So lange der Fiſcher lebt, müſſen wir todt— ſein. — Dafür wird er bald todt ſein und wir leben.— Das Gift wirkt langſam, aber ſicher— er wird ſterben. geworden, Hoheit? fragte er nach längerer 4 * — Von keiner— wie ſollte dies auch möglich ſein, da Nie⸗ — 1 3 1 1 1 1 4 4 4 8 4 4 1 9 I 5 39 4 . 8 3 I 9 716 — Bis dahin kann er das ganze Volk ermorden laſſen. — Macht er es zu arg, dann müſſen wir noch einmal zu der Phiole greifen, ſagte Herandez lächelnd, oder es giebt noch einen Weg. — Nun? — Der Fiſcher wird dem Volke und ſeinen Genoſſen läſtig, dieſe Stimmung muß benutzt werden,— ſagte Herandez bedeu⸗ tungsvoll. — Glauben Sie, es wäre möglich, ihn durch ſeine eigenen Freunde beſeitigen zu laſſen? fragte der Herzog, indem er un⸗ heimlich forſchend auf ſeinen Miniſter blickte. — Geſtatten Sie mir über dieſen Punkt zu ſchweigen, Ho⸗ heit, vorläufig müſſen wir immer noch dem Trauerſpiel ruhig zu⸗ ſchauen, ja ſogar gute Miene zum böſen Spiel machen, Feſte geben und den Fiſcher dazu einladen. — Don Herandez, wohin ſoll dieſe Tollheit zuletzt führen? fragte der Herzog faſt ärgerlich. — Zur Ruhe, Hoheit, verſetzte er mit einer tiefen Ver⸗ beugung. Plötzlich ward ein Geräuſch von unten vernommen, welches ſowohl den Statthalter als auch ſeinen Miniſter zu überraſchen ſchien. — Hören Sie, Don Herandez? fragte Erſterer. — Die Zugbrücke raſſelt nieder. — Welcher Gaſt könnte jetzt nahen? — Ohne Zweifel nur ein wichtiger— verſetzte Herandez etwas verlegen und wollte ſich entfernen. — Bleiben Sie, Don Herandez, man kann nicht wiſſen, ob in dieſem Augenblick nicht Depeſchen aus Spanien eintreffen, die ich faſt ſtündlich erwarte, tritt dieſer Umſtand jetzt ein, dann wäre Ihre Gegenwart nothwendig, begeben Sie ſich während⸗ deſſen in ein Nebengemach. Herandez entfernte ſich und bald darauf erſchien ein Diener. — Der Marqueſe Salotti bittet Eure Hoheit dringend um Einlaß, meldete er. — Dieſer Name iſt mir gänzlich unbekannt. — Er ſagt, daß er Sie in einer wichtigen und äußerſt drin⸗ genden Angelegenheit zu ſprechen begehre, Hoheit. der Gefragie Sie ko heſe beiwohne In dieſem einen Mantel robe, die ſchtd — Sie ugm. — Co n — Nenne = Bisw rrcheinen, He mir det Fall = Per — Dar haupt hierh Gnade habe — Dieſ ihn autoriſir und ich muß geeignet, eine ſind, lange A Ein wi Narcheſe — Der glicht einer racter hat, tret iſt dar aüher Ihnen ſein darf. Dieſe W niger Muth wäre,— 4 laſſen. ſen läſtg den bedeu⸗ ne eigenen hem er un⸗ igen, Ho⸗ lruhig zu⸗ chen, Feſte st führen? jefen Ver⸗ n, welches überraſchen Herandez wiſſen, ob eintreffen, ein, dann während⸗ mDiener. ggend um erſt drin⸗ einmal du giebt noch — Er möge eintreten, gab der Statthalter zur Antwort, indem er zugleich die Thür des Gemachs öffnete, wohin ſich He— randez zurückgezogen hatte, welchem er winkte, wieder hereinzu⸗ kommen— iſt Ihnen ein Marqueſe Salotti bekannt, ſetzte er hinzu. — Ich hörte dieſen Namen bis jetzt nicht nennen, verſetzte der Gefragte. — Sie können der Verhandlung mit dieſem Herrn Mar⸗ cheſe beiwohnen, Don Herandez, ſagte der Statthalter. In dieſem Augenblick trat der Gemeldete ein— er war in einen Mantel gehüllt, den er jetzt zurückſchlug, und die Garde⸗ robe, die ſichtbar wurde, ließ ſeinen Stand bezweifeln. — Sie ſind der Marcheſe Salotti? redete ihn der Her⸗ zog an. — So nannte ich mich. — Nennen Sie ſich anders als Sie heißen? — Bisweilen iſt man gezwungen, unter anderem Namen zu erſcheinen, Hoheit, und ich will nicht leugnen, daß dies auch bei mir der Fall iſt. — Wer ſind Sie denn eigentlich? — Darüber, wie über die Angelegenheit, die mich über⸗ haupt hierherführt, werde ich erſt Auskunft geben, wenn ich die Gnade habe, allein Eurer Hoheit gegenüberzuſtehen. — Dieſer Herr iſt mein erſter Rath und Miniſter, ich habe ihn autoriſtrt, der von Ihnen begehrten Audienz beizuwohnen, und ich muß bitten, ſchnell zu ſein, denn die Stunde iſt nicht geeignet, einen Gaſt, noch obendrein einen ſo dunkeln, als Sie ſind, lange anzuhören. Ein widerwärtiges Lächeln ſpielte um die Lippen des Marcheſe. — Der Miniſter, ſagte er, hat vielleicht das Recht oder die Pflicht einer Audienz beizuwohnen, welche einen amtlichen Cha⸗ racter hat, ich aber komme in einer Angelegenheit, die ſo dis⸗ eret iſt, daß Niemand, und wäre er der Erzengel Michael, außer Ihnen, Hoheit, bei der Verhandlung derſelben zugegen ſein darf. Dieſe Worte waren ſo entſchieden, daß ein Mann von we⸗ niger Muth wie der Statthalter vielleicht ängſtlich geworden wäre.— * —— — —— — —— —— — —— —— 718 Der Herzog überlegte, während er den Menſchen ſcharf fixirte. — Treten Sie in das Nebengemach, wendete er ſich dann zu Herandez, ich will hören, von welchen discreten Angelegen⸗ heiten hier die Rede ſein ſoll, ſetzte er dann mit einer gewiſſen Ironie hinzu. Als Herandez verſchwunden war, trat der Fremde unauf⸗ gefordert in etwas dreiſter Weiſe mäher. — Jetzt ſollen Sie erfahren, worzich bin, Hoheit, ſagte er, einen kleinen in Papier gehüllten Gegenſtand hervorholend. Der Statthalter war überraſcht zurückgetreten und blickte neugierig auf das, was der Fremde enthüllte. — Kennen Sie dieſen Reif? fragte der Letztere. — Heilige Jungfrau, es iſt der Ring meiner Tochter? rief der Herzog beſtürzt; wie kommen Sie in den Beſitz deſſelben? — Mit dem Rechte der freien Männer in den Abruzzen, verſetzte der Fremde trotzig. — Jetzt errathe ich, wer Ihr ſeid, rief der Herzog, ja meine Ahnung beſtätigt ſich, meine unglückliche Tochter iſt in die Ge⸗ walt der Räuber gekommen. — 3u2 dienen, Hoheit, aber Sie dürfen die Prinzeß nicht unglücklich nennen, da ihre Lage durch eine Kleinigkeit geän⸗ dert wird. — Ja, ich will ſie ändern, verſetzte der Herzog erbittert, indem ich die Bande aufreiben laſſe und ſie ſomit befreie. — Es iſt ſchwer mit uns, den Söhnen des Gebirges Krieg zu führen, die Natur hat uns eine Veſte gebaut, welche nicht zu nehmen iſt wie dieſes Caſtel, außerdem dürfte es Ihnen ſchwer werden, Hoheit, jetzt ſo viele Mannſchaften aufzutreiben, als ein Kampf gegen uns erfordert. — Elender, ich werde Dich niederſchießen laſſen, ſogleich. — Bin ich bis morgen Abend ſieben Uhr nicht in meiner Heimath, Hoheit, dann wird um acht Uhr das Todesurtheil an der Prinzeß vollſtreckt. Der Herzog erbleichte, er zitterte vor Schrecken und Zorn am ganzen Körper. — Um was handelt es ſich alſo? fragte er kurz und leiſe. — Sie können es ſich wohl denken— um das Löſegeld. — Ich we beltit di 3 Vit aua iſt da bme⸗ Vie h ſd. Ungeduld Pr p Reichthund d dreiiitauſend Der Herz — Oreißi dien? dreihig — Ducat trach ihn der Ennge A gen Ehritten — Welch dann, und da — Gi eine Regiert ſeze etwas! Grunde ſteh tung, ſei ſie auszurotten, ren Verbünde bleiben. — So der Stimme, — Wol ich mir die die Kirche legen zu laſſ — Nim — Alſo — Ja böſegeld, ſonn Esn ter zurückgeſe 1 ſich dann gelegen⸗ er gewiſen de unauf⸗ , ſagte er olend. ſund blickte hter? rief ſcen ſcharf V belläuft, die Ihr verlangt? eſſelben? Abrußzen, ja meine in die Ge⸗ linzeß nicht gkeit geän⸗ zerbittert, reie. ges Krieg lche nicht 2s Ihnen zutreiben, ſogleich. in meiner irtheil u ind Zorn n leiſe. ſegeld. — Ich weiß es— ich meine nur, wie hoch ſich die Summe — Wir beſtimmen immer das Löſegeld je nach dem Werthe des Gegenſtandes, Hoheit, verſetzte der Räuber lächelnd; die Summe iſt daher nicht gering. — Wie hoch— wie hoch?! rief der Herzog mit zorniger Ungeduld. — Wir haben in Erwägung des hohen Standes und des Reichthums der Gefangenen das Löſegeld auf eine Höhe von dreißigtauſend Ducaten beſtimmt. Der Herzog trat erſchreckt zurück. — Dreißigtauſend Ducaten— ſeid Ihr von Sinnen, Ban⸗ diten? dreißigtauſend— — Ducaten ſind eine Kleinigkeit für Euer Hoheit, unter⸗ brach ihn der Räuber lächelnd. Einige Augenblicke ſchwieg der Herzog und ging mit haſti⸗ gen Schritten auf und nieder. — Welche Frechheit, welche unerhörte Schmach? rief er dann, und das nennen die Briganti Geſetz. — Es iſt nur Schade, daß weder Sie, Hoheit, noch irgend eine Regierung Italiens gegen das Räuberthum und ſeine Ge⸗ ſetze etwas unternehmen kann, ſo lange die Abruzzi auf ihrem Grunde ſtehen, wird es auch Räuber geben und keiner Regie⸗ rung, ſei ſie auch noch ſo ſtark, wird es jemals gelingen, ſie auszurotten, im Gegentheil, ſie wird ſich ihrer immer als wacke⸗ ren Verbündeten bedienen; ſo war es ſtets, ſo wird es immer bleiben. — So wird es nicht bleiben, rief der Herzog mit donnern⸗ der Stimme, ich werde es Dir beweiſen. — Wollen mir Eure Hoheit das Löſegeld geben, ſo bitte ich, mir die Summe entweder ſogleich zu übergeben, oder ſie in die Kirche hinter dem Altar der Kapelle San Antonio nieder⸗ legen zu laſſen. — Nimmermehr— rief der Herzog heftig. — Alſo Sie wollen nicht, Hoheit? — Ja ich will der Bande etwas ſchicken, aber nicht das Löſegeld, ſondern— Deinen Kopf. — Es wuürde Ihnen dafür das ſchönere Haupt Ihrer Toch⸗ ter zurückgeſchickt werden, Hoheit, ſagte der Räuber ruhig. H 720 Der Herzog ſah wohl ein, daß ihm nichts anderes übrig bleiben würde, als die Forderung der Räuber zu bewilligen, ihm blieb keine andere Wahl, aber wo ſollte er dieſe Summe in die⸗ ſem Augenblick hernehmen? aus eigenen Mitteln— unmöglich; aus dem Staatsſchatz?— er war erſchöpft. — Ich werde Euch zwanzigtauſend Dusaten geben, ſagte er, zehntauſend ſpäter. — Bedaure, von meinem Chef keine Inſtruktionen erhalten zu haben, mich auf Unterhandlungen einzulaſſen; dreißigtauſend Ducaten. — Ich werde Dich hängen laſſen, rief der Statthalter empört. — Sie kommen dadurch nicht zum Ziel, Hoheit, lächelte der Räuber. Alſo Sie ſetz en das Leben der ſchönen Prinzeß auf das Spiel? — Ich gebe die verlangte Summe nicht. — Mit dieſen Worten haben Sie das Loos Ihrer Tochter entſchieden, Hoheit. — Möge ſich die heilige Jungfrau ihrer erbarmen, ich kann ſte nicht retten, ich beuge nicht mein Haupt, ich demüthige mich vor dieſen Banditen nicht. — Aber Ihre Tochter, Ihre Tochter, Hoheit, ſie ſtirbt, wenn Sie ſich weigern. — Verlaß mich, Elender, und ſage Deinem Chef, daß ich ihn und ſeine Bande werde hängen laſſen, zugleich aber melde ihm, daß ich bereit ſei, zwanzigtauſend Dukaten zu zahlen, ſollte es möglich ſein, das Ganze— Ihr werdet dann das Geld an der bezeichneten Stelle finden. — Es müßte dies aber noch im Laufe des heutigen Tages geſchehen, wenn das Leben der Prinzeß nicht bedroht ſein ſoll. — Genug der Schmach und der Demüthigung, rief der Duca di Arcos, indem er nach ſeinem Degen griff; ich habe entſchieden, und mit Dir nichts mehr zu ſchaffen, elender Ban⸗ dit,— hinaus alſo! Der Räuber entfernte ſich mit grinſendem Lächeln, und faſt in demſelben Augenblick ſtürzte Herandez aus dem Neben emach herein. Wel donna— — Sie — Die gen Räuber Wand 9. geſi el Statthalter, noch das die rig fü für die verrichten k — Es tücklung J genten ſtehe Uebel verni — Cbe kann, verme bannen; der die Räuber Ayyl— de herbeizuſch 8 J — J4 ergründen, — 3ch Ueberſchuß — W. Hetan Herzogs T — A Erſterer,e t Sache muf nacht iſt b Re um über d — Si weiß? * Ad Das Dp fis übrig gen, ihm in die⸗ mglich; ſagte er, erhalten igtauſend atthalter lächelte inzeß auf Tochter ich kann hige mich ſie ſtirbt, „daß ich eer melde en, ſollte Geld an en Tages ein ſoll rief der ich habe der Ban⸗ und faſt en zmach * * 1 Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 6) 4 46 — Welch ein gräßliches Unglück! rief er, die beklagenswerthe Donna— wir müſſen helfen! — Sie wiſſen ſchon? — Die Unterhaltung zwiſchen Ihnen und dem nichtswürdi⸗ gen Räuber war lebhaft und laut genug, um auch hinter einer Wand gehört zu werden. — Welche Schmach, welche neue Demüthigungl! klagte der Statthalter, nicht genug das Joch des Pöbels, muß man auch noch das dieſer verwünſchten Räuberhorden tragen— wie trau⸗ rig für die italieniſchen Regierungen, daß ſie dieſe Banden nicht vernichten können. — Es liegt dieſer Umſtand einzig und allein an der Zer⸗ ſtückelung Italiens, würden alle dieſe Länder unter einem Re⸗ genten ſtehen, dann müßte man mit ſo vereinter Kraft leicht das Uebel vernichten können. — Eben ſo wenig man dem Meere ſeine Wellen nehmen kann, vermag man auch das Räuberthum aus Italien zu ver⸗ bannen; der Sturm treibt die Wogen, die Verhältniſſe gebären die Räuber und die Natur ſelbſt gewährt ihnen ein ſicheres Aſyl— doch wir müſſen daran denken, dreißigtauſend Ducaten herbeizuſchaffen. — Ich weiß Rath, Hoheit, verſetzte Herandez langſam. — Ich habe mich vergebens bemüht, irgend einen Fond zu ergründen, denn meine Caſſe i*ſt jetzt zu geſchwächt. — Ich habe nachgeſonnen und ermittelt, daß noch ein Ueberſchuß von funfzigtauſend Ducaten vorhanden iſt. — Woher ſtammend? fragte der Statthalter haſtig. Herandez gab darüber die nähere Aufklärung und des Herzogs Blicke leuchteten. — Würden die Lenker des Aufſtandes darum wiſſen, ſagte Erſterer, es wäre dieſer Fond längſt in ihrem Beſitz. — Ich lege alſo die Angelegenheit in Ihre Hände— die Sache muß heute erledigt werden, ich ſage heute, denn Mitter⸗ nacht iſt bereits vorüber. — Rechnen Sie auf mich, Hoheit, und nun will ich gehen, um über das Ende des Fiſchers nachzuſinnen. — Sind Sie überzeugt, daß Niemand um jenen Ueberſchuß weiß? — Ich bin es, Hoheit, das Geld liegt ſchon ſeit der Statt⸗ 722 halterſchaft des Herzogs von Oſſuna; mich ſelbſt ſetzte nur ein Zufall von ſeinem Vorhandenſein in Kenntniß. Herandez wollte ſich entfernen, doch der Herzog hielt ihn zurück. — Laſſen Sie uns noch ein wenig mit einander plaudern, Don Herandez, es wird mir in dieſer Einſamkeit unheimlich, namentlich, wenn ich an das Schickſal meiner Tochter denke, deren Leben an einem Faden hängt. — Man wird den Schurken zeitig genug das Löſegeld zu⸗ ſtellen. — Zugleich aber ſoll auch die Landmiliz Calabriens aufge⸗ boten werden, gegen die Räuber vorzugehen. — Wird geſchehen, Hoheit. — Es iſt ſeltſam, die Einladungen zur Vermählung mei⸗ ner Tochter mit Ihnen ſind bereits ausgefertigt, und die näch⸗ ſten Stunden ſchon können die Ahſendung derſelben überflüſſig machen. — Ich ſage Ihnen, Hoheit, ich bürge mit meinem Leben für das der Prinzeß. — Die Aeußerungen des Banditen ſind ſehr entſchieden, ich kenne dieſe Kerle; ſie ſind in der Vollziehung ihrer grauſa⸗ men Geſetze ſchnell, und oft ward ſchon eine ſolche unmenſchliche Hinrichtung eine Viertelſtunde vor dem Eintreffen des Löſegeldes vollſtreckt. — Es liegt dies weniger an Grauſamkeit, als an einer gewiſſen Nothwendigkeit. — Gewiß, Sie ſind für die Aufbewahrung der Gefangenen auf längere Zeit nicht eingerichtet. Man kam allmälig von dieſem Thema auf ein anderes, und dieſes andere mußte wohl eben ſo wichtig geweſen ſein als die Angelegenheit der Prinzeß, denn die Behandlung deſſelben währte bis gegen Morgen. Mit Entſetzen erhob ſich Herandez, als er dies gewahrte. — Ich muß mich entfernen, Hoheit, ſchon erwacht der Tag, und die Spürhunde ſind wachſam. — Aber in dieſer Verkleidung fürchten Sie Entdeckung? — Es iſt dieſe letzte, über die ich zu verfügen habe. — Warum wieſen Sie die Zuflucht in dieſem Caſtel, die ich Ihnen anbot, zurück? fragte der Statthalter vorwurfsvoll. — Mei heit, verſetz hätte ich do emeinte Danke abge der 9 crete Rüchſ forſche nich — Aloo Wit Bed ner Tochter — 50 die Rettune — Eb einen Führ — G Ge man ſe de wir noch nicht meh Kopf abge Mit Statthalte ur ein elt ihn audern, einit, denke deld zu⸗ aufge⸗ ig mei⸗ enäch⸗ erflſſig — Leben ſchieden, graufa⸗ nſchliche ſegeldes —y— — meiner ungenen underes, ſein als eſſelben hrte. r Tag, 8 111 723 — Nein Aufenthalt iſt ſo geſichert wie in dieſer Veſte, Ho⸗ 1 heit, verſetzte Herandez etwas verlegen, und auf der Straße hätte ich doch ergriffen werden können, wenn ich das liebe wohl⸗ 1 gemeinte Anerbieten Eurer Hoheit nicht mit dem innigſten Danke abgelehnt haben würde. Der Herzog merkte, daß dem Miniſter irgend welche dis⸗ crete Rückſichten verboten, bei ihm Zuflucht zu nehmen und forſchte nicht weiter. — Alſo das Löſegeld? mahnte er. — Wird nach wenigen Stunden beſorgt ſein. — Bedenken Sie, daß ſelbſt ein Augenblick Zögerung mei⸗ ner Tochter, Ihrer Braut, den Tod bringen könnte. — Hoheit, ich verpfände mein Leben und meine Ehre für die Rettung der Prinzeß. — Eben ſo tragen Sie Sorge, daß ſich die Landmiliz unter einem Führer in Bewegung ſetze. — Es ſoll Alles erledigt werden. — Gelingt es auch nicht, die Bande zu vertilgen, ſo wird man ſie doch zerſtreuen. 4 — Sehr richtig, und was den Aufſtand betrifft, ſo müſſen wir noch ruhig zuſehen, bis der wahnſinnige Fiſcher von Amalfi nicht mehr am Leben iſt, dann wird auch der Empörung der Kopf abgeſchlagen ſein. Mit dieſer Verheißung entfernte ſich Herandez, und der Statthalter blieb allein. 1 4 4 4 5* 6 4 7 . *— A * 5 3 4 3 ¹ — — Welcher Argwohn! Herandez eilte durch die Straßen und nahte ſich endlich einem Gebäude, deſſen breite Vorderſeite mit einem in Marmor ausgehauenen Wappen über dem Eingange verrieth, daß es einſt angeſehene Bewohner gehabt hatte, während ſeine verfal⸗ lene Außenſeite und die ſchmutzigen Hütten, die ſich an ſeine Mauern lehnten, andeuten, daß die Zeit ſeines Anſehens ent⸗ ſchwunden war.. Der Haupteingang war vermauert. Die Fenſter des Erd⸗ geſchoſſes hatten Eiſengitter und nur eine enge Pforte, welche zu den Höfen der Nebengebäude führte, gewährte den Bewoh⸗ nern Einlaß. So ſehr verödet auch die Außenſeite des alten Palaſtes ſchien, ſo verrieth das Innere deſſelben doch neuere Spuren von Verwüſtung. Zwiſchen dem Pflaſter auf den Höfen wuchs zwar Gras und Unkraut, aber am Fuße der Haupttreppe, die zu dem obe⸗ ren Stockwerke führte, verloren ſich die Zeichen der Verwüſtung, als ob die müde Zeit ihre Senſe nur ſo weit geſchleppt und ſich geſcheut hätte, hinanzuſteigen, oder als ob die Spinnen ihr Ge⸗ webe ausgebreitet hätten, um die prächtigen Frescogemälde an den Wänden und Decken ihr zu verbergen. Das Licht drang nur ſpärlich durch die kleinen und von Schmutz getrübten Fenſter, aber die Gegenſtände, die es beleuch⸗ tete, waren noch immer herrlich und fürſtlich. In einem geräumigen Zimmer, deſſen Wände mit ſeidnen Tapeten geſchmückt waren und deſſen Decke noch in herrlichem Farbenglanze ſtrahlte, ſtand eine weibliche Geſtalt von etwa fünfundzwanzig Jahren, welcher dieſe einſamen Mauern allein zur Verfügung ſtanden. Die Beſchaffenheit ihrer Wohnung, und die ringsum herr⸗ ſchende Stille konnten auf die Vermuthung bringen, daß ſie eine Gefangene, oder doch von allem geſelligen Umgange abgeſchnit⸗ ten war. Wir! ſe damals wir das W Sie frahlt, i beſchattet, Ihre jeden ihrer ihrer dunke denſchaftic kannte, zu Ihr chem ſich ſchen Hoft Wir erſten Tac nich zerſt Wir L wit endlch v Herande Sie bracht. In! muth, the nen des) welche zu hötbar r G lich erri ihre St Die Spiegel freundlie Sie einem ſ Antlitz ſ eines M Er endlich armor daß es verfal⸗ ſeine s ent⸗ Erd⸗ welche Pewoh⸗ alaſtes u von r Gras m obe⸗ üſtung, d ſic r Ge⸗ de an dd von eleuch⸗ eidnen lichem etwa allein herr⸗ eine hnit⸗ — —— 72⁵5 Wir haben bereits die Bekanntſchaft dieſer Dame gemacht, ſie damals aber nicht näher betrachtet, heute iſt es nöthig, daß wir das Verſäumte nachholen. Sie hatte eine hohe, edle Geſtalt, ihre zarte, weiße Haut, ſtrahlte, ihre großen, leuchtenden Augen, von langen Wimpern beſchattet, hatten einen ſeltſamen lüſternen Ausdruck. Ihre Haltung war majeſtätiſch, und man hätte mit Recht jeden ihrer Züge edel nennen können, wenn nicht der Ausdruck ihrer dunkeln Augen, die bald Flammen ſprühten, bald ein lei⸗ denſchaftliches Schmachten verriethen, das keine Zurückhaltung kannte, zugleich etwas Unheimliches gehabt hätte. Ihr Anzug war koſtbar und von einem Schnitt, von wel⸗ ſchem ſich die Blicke der Herzogin von Arcos und ihrer ſpani⸗ ſchen Hofdamen mißbilligend abgewendet hätten. Wir ſahen dieſe Dame an einem frühen Morgen in den erſten Tagen des Aufſtandes auf der Terraſſe des damals noch nicht zerſtörten Palaſtes von Don Herandez. Wir wohnten dem Geſpräche bei, welches ſie an demſelben Tage mit dem Diener des Miniſters führte, und wir ſchieden endlich von ihr, als ſie in dem brennenden Palaſte ſich von Don Herandez nicht beſtimmen ließ, ihm zu ihrer Rettung zu folgen. Sie ward indeſſen gerettet— und nach dieſem Palaſt ge⸗ bracht. In den Zügen der ſchönen Frau verrieth ſich theils Schwer⸗ muth, theils Ungeduld, als ſie einige Stunden nach dem Entfer⸗ nen des Miniſters aus dem Caſtel Nuovo, auf die Tritte lauſchte, welche zuerſt auf der Treppe vernommen und dann im Gange hörbar wurden, welcher zu ihrem Zimmer führte. Es waren feſte und ſchwere Tritte, und als ſie augenblick⸗ lich errieth, welchen Beſuch ſte zu erwarten hatte, verfinſterte ſich ihre Stirn, und ihre verzogene Lippe verrieth Widerwillen. Dieſer Ausdruck aber war nur flüchtig, und als ſie in den Spiegel blickte, verſchwand der verrätheriſche Zug, um einem freundlicheren Platz zu machen. Sie wendete ſich nach der Thür, die ſich öffnete, und mit einem ſo finſtern Lächeln, als jemals auf einem weiblichen Antlitz ſichtbar wurde, bewillkommnete ſie die ſchmutzige Geſtalt eines Mannes. Er warf die Thür hinter ſich zu, riß ſein Fiſcherkleid ab, 726 ſcher Mi ſchleuderte eine Pike von ſich, ohne welche Niemand auszugehen tihummu wagte, und näherte ſich dann der reizenden Frau. ſchäften! In ihren Zügen zeigte ſich nichts weniger als Ueberraſchung 9 n er te bei dem Anblick einer ſo ſeltſamen Erſcheinung. den Caſtel Als er aber an ihre Seite kam und Miene machte, ſie zu in hufim umarmen, trat ſie einen Schritt zurück, und ihre Wangen er⸗ 4 einer glühten. 24 Aus den Blicken des zurückgewieſenen Zudringlichen leuch⸗ ſüglt tete Wuth, er nahm eine drohende Haltung an. 34 — Ein wenig Waſſer, Excellenz, wird Ihnen gut thun und ſätig Ihren Zorn dämpfen, ſagte ſie mit ſanfter Stimme; im Uebri⸗ duuſ M gen machen Sie in der That einen entſetzlichen Eindruck. ifen? Der Angeredete, in welchem wir Don Herandez erkennen, Gehihfe 3 näherte ſich dem Spiegel und blickte hinein. reſ mi⸗ — Es iſt die Mode in dieſen luſtigen Zeiten, eine ſolche heute n Garderobe anzulegen, ich habe ſchon daran gedacht, ſie unſerem Dieſenige Statthalter zu empfehlen— es iſt wahr, die Edelleute tragen dan iſ. e die Gewänder der Fiſcher und dieſe legen die Kleider der ,2 Erſteren an, die Spitzbuben— ehe noch einige Tage vergehen, 5 wird man den Schlächterdienſt auf Maſaniello's Richterbühne in Jacken mit goldenen Treſſen verrichten.— Man hat für meinen Erden- Kopf vierzigtauſend Ducaten geboten— was meinſt Du, lie⸗ bes Mädchen, iſt das nicht eine geziemende Abſchätzung? geänder! Dieſe Frage wurde zwar in ziemlich heiterem Tone ausge⸗ 2 ſprochen, aber ihre Wirkung verrieth ſich doch ſchnell und auf⸗ dieſer Lec fallend in Thereſia's Zügen. lſcen Sie ſenkte ihr Haupt, ihre Wimpern leſchatteten ihre men, un Augen und eine Thräne ſtahl ſich daraus hervor. aus, wel Nach einer längeren Pauſe heftete ſie einen traurigen Blick Ein auf Don Herandez. deer aber — Wir ſind übereingekommen, Ercellenz, nahm ſie das— Wort, daß ein gewiſſer Name niemals zwiſchen uns genannt— werden ſoll— der Mann, dem er angehört, iſt edler als Sie, durch zu und es giebt im ganzen Königreich kein milderes und wohl⸗— wollenderes Gemüth, als das ſeine. than; o — Ich wollte Dich nicht kränken, liebes Mädchen, verſetzte— Don Herandez, ich kenne Dein Herz und Dein Gemüth, und sgezei weiß, daß Du ihm an Sanftmuth ähnlich biſt— ja, es iſt nach Be etwas Edles in dem Character jenes Mannes, fuhr er mit heuch⸗ Welt me gehen ſchung ſie zu gen er⸗ leuch⸗ in und Nlebri⸗ nnen, ſolche riſerem ragen der ſgehen, hyne in meinen u, lie⸗ nusge auf⸗ ihre Blick e das nannt Sie, wohl⸗ rſetzte und es iſt heuch⸗ —ÿ—— A — 727 leriſcher Miene fort, und ich wünſchte wohl, daß ich ſein Freund ſein könnte, ich würde nicht verfolgt und ihm in ſeinen Amts⸗ geſchäften behülflich ſein— doch er bedarf meiner Dienſte nicht, denn er regiert dieſe Stadt beſſer, als die weiblichen Satrapen im Caſtel Nuovo— aber er hat Leute neben ſich, die ihn zum Wahnſinn treiben— Leute mit der Bosheit eines Satans und mit einer Liſt, welche ſelbſt die des Herzogs von Arcos über⸗ flügelt. — Auch die Ihre, Excellenz? — Ich bin nicht liſtig, mein liebes Weibchen, ſondern nur vorſichtig. — Man nennt es bei Ihnen ſtaatsklug, was Sie bei den Gehilfen Maſaniello's liſtig und boshaft nennen, verſetzte The⸗ reſia mit Bitterkeit— aber ich höre mit Staunen, daß Excellenz heute auch gegen das Caſtel Nuovo eifert, deſſen Mauern doch Diejenige einſchließt, welche Ihnen das theuerſte Gut auf Er⸗ den iſt. — Sprichſt Du von der Prinzeß? — Was könnte Ihnen ſonſt theurer ſein? — Du, mein liebes Mädchen, biſt mein höchſtes Gut auf Erden— ich haſſe die Prinzeß ſogar. — Seit wann hätte Don Herandez ſeine Geſinnung ſo geändert? — Nachdem ich einen tieferen Blick in das Schlangenherz dieſer Leonore gethan— ja, es iſt wahr, ich gab mich einem falſchen Wahne hin, aber ich bin wieder zu mir ſelber gekom⸗ men, und Dein Bild, meine theure Thereſia, füllte die Leere aus, welche die Prinzeß in meinem Herzen hervorgerufen. Ein Zug von Verachtung ſchwebte um die Lippen der Dame, der aber, unbemerkt von Don Herandez, bald verſchwand. — Sie wollen mich bethören, ſagte ſie leiſe. — Welche Beſchuldigung! Welcher Vortheil würde mir da⸗ durch zu Theil? — Sie wollen gut machen, was Sie einſt Schlechtes ge⸗ than; o warum überließen Sie mich nicht jener Einſamkeit? — Weil ich Dich groß machen will, Du ſollſt erhoben und ausgezeichnet ſein vor allen Edelfrauen Neapels— und gleich nach Beſeitigung des Aufſtandes ſollſt Du vor Gott und der Welt meine Gattin werden. 728 — Niemals! rief Thereſia haſtig. — Sollteſt Du noch immer an jenen Mann denken, an jenen Undankbaren, der Dich verlaſſen? Eine unheimliche Gluth leuchtete in dem Auge Thereſia's. — Ich denke an ihn, ſagte ſie mit unterdrückter Stimme, aber nur, um ihn zu verderben. — Und doch willſt Du mir nicht angehören? — Niemals! — Aber Du folgteſt mir einſt. — Nicht um die Ihre zu werden, ſondern mich den Läſte⸗ rungen des Leumundes zu entziehen. — Ich liebe Dich, Thereſia, rief Herandez, indem er ſich auf ein Knie niederließ. — Es ziemt ſich ſchlecht für den erſten Miniſter des Lan⸗ des, vor einem ſchlichten Landmädchen zu knieen. — Thereſia, Du liebſt mich alſo nicht, Du könnteſt mich auch morden ſehen? — Die heilige Jungfrau bewahre mich vor ſolchem Anblick. — Dann würdeſt Du vielleicht die Mörderhand abhalten, den Streich zu vollziehen, und bei dem Manne, in deſſen Hand mein Leben ſteht, für mich flehen. Thereſia blickte mit Verachtung auf den knieenden Feigling, deſſen heuchleriſche Seele ſie vollkommen durchſchaut hatte. — Wiſſen Sie, Excellenz, warum Sie vor mir knieen? fragte ſie. — Weil ich Dich liebe— Engel des Himmels! — Mit nichten, Excellenz, Sie wünſchen mich zur Fürbitte⸗ rin zu machen, wenn Ihre Stunde ſchlagen ſollte, um mich dann auf irgend eine Weiſe zu beſeitigen, entweder durch Gift oder Dolch. Herandez ſprang mit einer raſchen Bewegung vom Bo⸗ den auf. — Welcher Argwohn! rief er entrüſtet. — Ein gerechter. — Ich kann nicht leugnen, daß ich Deine Vermittelung wünſche, aber nur, um mich dem jetzigen Regenten unentbehrlich. zu machen, ihm Vortheile zu offenbaren, welche unſchätzbar für ihn ſind; und was die Hauptſache iſt, um für Dich zu leben, Thereſia, für Dich, die Du mir Alles biſt.) — Wo hierübet 3 feigen Re wollen Sie derben— ſal nicht ei Schut et ſ — Bei vollſändig — 3 unheimliche welche Sie dem Volke, Retter geft führt.— D ſonſt längft Theref unbeſchreih als auf d Als C auf ſeinem Aber es ihm ein Dieſe Miglien tion auf. Ind zu erfahre ſtande in Giul⸗ denden Tr ſeinem St Schonr Abends ei eigling, nieen? rbitte⸗ h dann ft oder Vo⸗ elung hrlich r für leben, ———y— jetzigen Regenten, wie Sie Maſaniello nennen, anbelangt, ſo woollen Sie ſich ihm nur nähern, um ihn deſto ſicherer zu ver⸗ derben— ich weiß es wohl, der Unglückliche kann ſeinem Schick⸗ ſal nicht entgehen, aber Gott und die heilige Jungfrau, in deren Schutz er ſteht, ſind allmächtig. 2* — Bei ſolchem Mißtrauen iſt Deine Abneigung gegen mich vollſtändig gerechtfertigt, ſagte Herandez traurig. — Ich will Ihnen beiſtehen, Excellenz, ſagte Thereſia mit unheimlichem Nachdruck, Sie ſollen von der Schmach, den Qualen, welche Sie jetzt erdulden, erlöſt werden, ich habe Einfluß bei dem Volke, Sie werden dies wiſſen, es hätte ſich ſonſt kein Retter gefunden, der mich aus Ihrem brennenden Palaſte ge⸗ führt.— — Du biſt keine Verrätherin, ich weiß es, Du würdeſt ſonſt längſt meinen Schlupfwinkel entdeckt haben. Thereſia betrachtete ihn mit Blicken, in welchem ſich ein unbeſchreiblicher Ausdruck kund gab, der aber eher auf Unheil als auf Freude deutete. 8 1 Als Giulio ſich von Leonore getrennt hatte, war er bald auf ſei Roſſe verſchwunden.. Aber ſchon weit hinter der Grotte der heiligen Anna fiel es ihm ein, daß er immer noch Mönchskleider trage. Dieſe Tracht konnte er nun entbehren, denn ſchon einige Miglien hinter Neapel hörte die Verfolgung der Revolu⸗ tion auf. In der Provinz wußte man, wie wir Gelegenheit hatten zu erfahren, nur ſehr wenig und Unvollkommenes von dem Auf⸗ ſtande in der Hauptſtadt. Giulio faßte nun den Entſchluß, ſich der ihm wenig zuſa⸗ genden Tracht zu entledigen und die Kleidung anzulegen, welche ſeinem Stande entſprach. Schon in dem nächſten Städtchen, wo er gegen zehn Uhr Abends eintraf, ſollt die Umwandlung vor ſich gehen. — Was Ihr Intereſſe für mich betrifft, ſo habe ich Ihnen hierüber meine Anſicht bereits mitgetheilt, was hingegen den 736 Er übernachtete daſelbſt und fühlte ſich am anderen Tage ſo angegriffen, daß er außer Stande war, ſeine Reiſe fortzu⸗ ſetzen. Die überſtandene Aufregung hatte ſeine geiſtigen und kör⸗ perlichen Kräfte auf das Aeußerſte angeſpannt, und es währte faſt drei Tage, ehe er an die Weiterreiſe denken konnte. Als er eben das Wirthshaus, in welchem er ſich aufgehal⸗ ten, verlaſſen wollte, um ſein Roß zu beſteigen, trat ein Mann in das Gaſtzimmer, der zwar Fiſcherkleidung trug, in welchem er aber ſogleich einen herzoglichen Diener erkannte. Auch dieſer hatte kaum den erſten Blick auf Giulio gerich⸗ tet, als er ihn ehrfurchtsvoll grüßte. — O gnädigſter Prinz, redete er ihn mit trauriger Stimme an, es iſt ein großes Unglück geſchehen. — Iſt der herzoglichen Familie ein Unheil widerfahren? — Ach die unglückliche Prinzeß— welch' ein Schickſal hat ſie ereilt! — Die Prinzeß?— rief Giulio fieberhaft geſpannt, ſprich, was iſt mit ihr geſchehen? — Sie befindet ſich in der Gewalt des Räubers Fra Lo⸗ renzo, verſetzte der Diener mit unterdrückter Stimme. — Woher ward Dir dieſe Schreckenskunde? rief Giulio, deſſen Antlitz ſich kreideweiß gefärbt hatte. 8 — Ich erfuhr es im Wirthshauſe zum blutigen Reiter, zwiſchen Acri und Coſenza. — Und dem Herzog von Arcos iſt dieſer Unfall ſeiner Tochter noch nicht bekannt? — Nein, gnädigſter Prinz, ich war von ihm vor vier Ta⸗ gen ausgeſandt, um die Prinzeß von Caſtrovillare ſogleich zurück⸗ zuberufen, ich erfuhr aber ihr Schickſal unterwegs? — Unvorſichtiger, warum ſprengteſt Du nicht ſogleich nach Neapel zurück? — Ich hätte es gethan, gnädigſter Prinz, und wären drei Pferde deßhalb daraufgegangen, allein ich ſelbſt mußte auf mei⸗ ner Hut ſein. — Dich hätten wohl die Räuber verſchont, verſetzte Giulio mit einem Anflug von Spott. — Nein, Eure Gnaden, die Räuber hatten erfahren, daß ein herzoglicher Bote nach der Prinzeß forſche und wollten nicht, u die Ku det Viceko⸗ um dies al lauern und J1 und nur it Napel il — JIc konnte, die lafenj ſie feineswegs ihrem Inte gleich von Löſegeld zu 2 mittheilen — R. die Prinze Gedirges — unternehr und dieſe ſen, was ugenbli orſteh ner l ſeiner ier Ta⸗ zurück⸗ h nach en drei f mei⸗ Giulio , daß 1 nicht, daß die Kunde von ihrem Schickſal nach Neapel gelange, damit der Vicekönig keine Anſtalten zu ihrer Befreiung treffen könnte, um dies alſo nicht herbeizuführen, hatten ſie beſchloſſen, mir auf⸗ lauern und mich beſeitigen zu laſſen. — Und wie entgingſt Du dieſem Schickſal? — Indem ich mich bei Tage in den Felſenklüften verbarg und nur in der Nacht meinen Weg fortſetzte, um glücklich nach Neapel zu gelangen. — Ich ſehe nur nicht ein, was die Räuber veranlaſſen konnte, dieſe Nachricht nicht an den Statthalter gelangen zu laſſen; ſie haben jetzt keine Verfolgung zu fürchten und ſind keineswegs ſo ängſtlicher Natur; außerdem aber liegt es in ihrem Intereſſe, den Verwandten irgend eines Gefangenen ſo⸗ gleich von deſſen Schickſal in Kenntniß zu ſetzen, um das übliche Löfegeld zu erlangen. — Dies pflegen Sie aber nur durch eines ihrer Mitglieder mittheilen zu laſſen. — Nun eile zum Herzog, ich will das Meine verſuchen, die Prinzeß zu retten, doch ſage mir, in welcher Gegend des Gebirges die Schurken hauſen. — Fra Lorenzo verheert mit ſeiner Bande die Ortſchaften um Coſenza, Caſtrovillare und die angrenzenden Umgebungen— aber wie, gnädigſter Prinz, Sie wollten es wagen? — Ich will und werde es. — Aber bedenken Sie—! aan darf nichts unverſucht laſſen. as wollten Sie, der Einzelne, gegen eine ganze Bande unternehmen. — Ich habe gleichwohl nur mit einem zu unterhandeln, und dieſer iſt der Hauptmann— doch vermagſt Du mir zu ſa⸗ jen, was den Herzog von Arcos beſtimmt hatte, die Prinzeß zur ugenblicklichen Rückkehr aufzufordern. — So viel ich vermuthe, hängt dieſer Umſtand mit der vorſtehenden Vermählung der Prinzeß zuſammen, ſagte der ener leiſe. — Die Vermählung mit dem Grafen Monteja ſteht alſo aher Ausſicht? fragte Giulio mit gepreßter Bruſt. — So hörte ich. 1 732 Blutſcenen und Vermählungsfeierlichkeiten, murmelte Giulio, das ſieht dem Herzog und dem Miniſter ähnlich. Dieſer Schlag wird gleichſam dem Volke in's Geſicht gegeben, man zündet Hoch⸗ zeitskerzen im Caſtel Nuovo an, während draußen die Furien der Rache toben,— und Du, unglückliches Opfer— arme Leonore!— Die Gefahr iſt nahe. In einem Engpaß der calabriſchen Gebirge erblickte man etwa um die ſechste Stunde Abends einen Reiter, welcher gedan⸗ kenvoll bald rechts bald links blickte. Der ſehr ſchmale Pfad zog ſich zwiſchen zwei Felswänden hin, und Giulio, er war der Reiter, wäre eine gewiſſe Beute des Todes geworden, wenn ſein Pferd einen Fehltritt gethan hätte, da ſich zahlreiche, weit aufgeriſſene Furchen in den Felſen zeigten, welche in einen tiefen Abgrund führten. Bald aber folgte dieſer Gefahr, welche die Natur den Rei⸗ ſenden bereitet hat und die die Aufmerkſamkeit des Reiters voll⸗ auf in Anſpruch nahm, eine andere, unheimliche Merkzeichen hingewieſen wurde. Der Weg, der hier allmälig abſchüſſiger wurde, zeigte an den auf deren Nähe Giulio durch Seiten dichtes Gebüſch, das dem Reiſenden in dieſer troſtloſen Einöde eine angenehme Abwechſelung bot, Mooſe bedeckte Boden lud verführeriſch den müden Wanderer zur kurzen Raſt ein. Aber erſchreckend und zu größter Vorſicht mahnend tauchten zahlreiche, mit Inſchriften verſehene ſchwarze Kreuze aus dem lieblichen Grün hervor. Dieſe Kreuze bezeichneten die Gräber der Reiſenden, welche von den maſſenhaften Räubern ermordet waren, die hier ihr Weſen trieben. 8 ³ und der mit weichem Ein and — wu Ei Sie ge Ddieſe? die aanze2 Et wr ſah, welch Er d durch M Nach in einer( Gebäude n bald einer Ed h ein eichen Uebe ee Geſte ſaß und Unte Bevo Blicke au ten einer ſtect war Sie ſchwarz, Giulio, Schlag et Hoch⸗ Furien — arme ckte man tt gedan⸗ elswänden iſſe Beute t gethan en Felſen⸗ den Rei⸗ tters voll⸗ ulio durch gte an den troſtloſen t weichem PWanderer r Vorſicht eſchwarze n, welche hier ihr z Der Menſch fühlt ſich oft von dem Schauervollen angezogen, ſo auch Giulio, der ſein Pferd anhielt und abſtieg, um die trau⸗ rigen Denkmäler näher in Augenſchein zu nehmen. Die Inſchriften auf dieſen Kreuzen ließen keinen Zweifel über die Todesart derjenigen zu, welche darunter ſchliefen. Auf einem der Querhölzer las Giulio Folgendes: „Hier wmard ein Reiſender erſchlagen. Betet für ſeine Seele zu der heiligen Jungfrau!“ Ein anderes Kreuz hatte folgende Inſchrift: 1„Hier wurden Bruder und Schweſter ermordet. Ein Grabeshügel umſchließt ihre Hüllen.“ Die gewöhnlichſte Aufſchrift aber lautet: „Hier wurde ein Menſch ermordet; Gott ſei ſeiner Seele gnädig!“ Dieſe Art Todtenhecke zog ſich wohl eine Stunde weit durch 1 die ganze Breite des Thales fort. Er wurde von einem geheimen Grauen beſchlichen, als er ſah, welche Opfer hier gefallen waren. Er dachte an Leonora, und ein kalter Schauder rieſelte ihm durch Mark und Bein. Nach anderthalb bis zwei Stunden ſah er links vom Wege in einer Entfernung von etwa einer Viertelſtunde ein kleines Gebäude weiß herüberſchimmern, das bald einem Wirthshauſe, bald einer Veſte glich. Es hatte eine Terraſſe mit einer Bruſtwehr, Zinnen und ein eichenes Thor mit Querbalken und Nägeln. Ueber dem Portal war das Bild eines Reiters mit brau⸗ nem Geſicht und ſchwarzem Barte gemalt, der auf einem Rappen ſaß und aus vielen Wunden blutete. Unter dem Bilde lasdman: „Zum blutigen Reiter.“ Bevor wir in das Wirthshaus treten, wollen wir unſere Blicke auf eine weibliche Geſtalt richten, welche im Schat⸗ ten einer alten Eiche, hinter einem geſchlängelten Wege ver⸗ ſteckt war. Sie zählte funfzehn bis achtzehn Jahre, ihr Haar, ſo ſchwarz, es dem bläulichen Rabengefieder gleich kam, fiel auf den Hals herab und umgab ein ovales Geſicht von ſehr edlem Ausdruck. Große blaue Augen, deren Brauen und Lider die Farbe des Haares hatten, Lippen wie Kirſchen und Wangen wie Ro⸗ ſen vollendeten das Bild des Mädchens, auf welches wir nicht ohne Urſache— die Aufmerkſamkeit des Leſers lenken. Sie ſaß auf einem großen Stein am Fuße eines der er⸗ wähnten Grabkreuze im Schatten der rieſigen Eiche, mit den nackten Füßen in einem Bache, deſſen Waſſer dieſe wie mit Silbergaze bedeckte, und ſpann. Während ſie mit der linken Hand die Spindel drehte, mit der rechten den Faden auszog und zugleich auf ihre Füße ſah, über welche die kleinen Wellen des Baches plätſcherten, ſang das Mädchen ein Lied, das keineswegs der Ausdruck ihrer Gedanken zu ſein, ſondern der Stimme, die in ihrem Herzen ſang, als Begleitung zu dienen ſchien. Von Zeit zu Zeit unterbrach die Sängerin den Geſang und ſchien in tiefe Gedanken verfallen. Plötzlich blickte ſie wieder auf, am Horizont erſchien ein junger Mann, der auf einem Roſſe in Galopp den Berg her⸗ unter kam. Der Reiter war jetzt ſo weit herangekommen, daß ſie ſeinen Anzug und ſein Geſicht erkennen konnte. Sie beobachtete den ſchönen Ankommenden mit ſeltſamer Theilnahme. — Der arme, junge Mann— wie ſchadel flüſterte ſie. Um zu dem Wirthshauſe zu gelangen, zu welcher ihn Eile trieb, mußte er noch über ein paar kleine Thäler. In jedem derſelben, wo der gebahnte Weg etwa nur acht oder zehn Fuß breit war und durch dichtes Gebüſch führte, ſtan⸗ den einige Kreuze, welche andeuten konnten, daß die Nähe des Wirthshauſes die Reiſenden keinesw’zs vor dem Schickſal be⸗ wahrt hatte, welches ein ſo allgemeine zu ſein ſchien, daß die⸗ jenigen, welche die Wege betraten, das Herz ſich wohl mit dem dreifachen Erze bepanzern mußten, von welchem Horaz in Bezug auf den erſten Seefahrer ſpricht. Als Giulio ſich dieſem ſchauerlichen Orte näherte, ſah er nur, ob ſein Schwert auch an ſeiner Seite hing und ob ſich der Carabiner noch an dem Sattelbogen befände. Als dies hatt, rit ſunme Gi Auf dem einmal in d Als et! als mache de mädlich ſttürz dem. Kal Die get Weg wendet Oſeeria zu er Erſtens einer Strech Seiten verſte Sie lag ihnen liegen Als die men hoben Knie, nah mechaniſch Schne den Reiter lich ein Gef alſo keinesw Schuß abzu ſchrecte un bei einem auch ſein! Dieſe That died ſten Kreuze ten, die ſo ihre Börſe Gewehre Porten ab „Das Auf d von 735 Als dies die Hand mechaniſch, aber ohne Angſt unterſucht von ſehr hatte, ritt er im Schritt, mit furchtloſem Antlitz durch die ie Farbe ſchlimme Gegend, wie man ſie dort nennt. wie Ro⸗ Auf dem höchſten Punkte des Weges richtete er ſich noch wit nicht einmal in den Steigbügeln auf, um die Oſteria beſſer zu ſehen. Als er dieſe erblickte, gab er dem Pferde die Sporen, und 5 der er⸗ als mache der Wunſch, dem Herren zu dienen, das Thier uner⸗ mit den müdlich, ſtürzte es in das kleine Thal hinab wie ein Boot, das wie mit von dem Kamme der Wogen in die Tiefe hinabſchießt. Die geringe Aufmerkſamkeit, welche Giulio jetzt auf den hte, mit Weg wendete und der brennende Wunſch, den er hegte, die hüße ſah, Oſteria zu erreichen, hatten wahrſcheinlich zwei Wirkungen. ſang das Erſtens waren ihm etwa zehn Männer entgangen, die in Gedanken einer Strecke von einer Viertelſtunde in dem Dickicht zu beiden ang, als Seiten verſteckt waren. Sie lagen auf der Erde nnd erhielten die Lunten der neben ang und ihnen liegenden Gewehre ſorgſam glühend. 8 Als die unſichtbaren Männer das Pferdegetrappel vernah⸗ Hien ein men, hoben ſie den Kopf, ſtützten den linken Arm auf das linke derg her⸗ Knie, nahmen mit der rechten Hand das Gewehr und legten es mechaniſch an die Achſel. ſte ſeinen Schnell aber überlegten dieſe Männer im Hinterhalte, als ſie den Reiter ſo ſchnell vorüberkommen ſahen, er habe wahrſchein⸗ ſeltſamer lich ein Geſchäft in der Oſteria und ſteige da ab; ſie brauchten aalſo keineswegs an der Landſtraße einen verrätheriſch knallenden eſie. Schuß abzufeuern, der vielleicht einen anſehnlichen Reiſezug er⸗ ihn Eile ſchreckte und ablenkte, der ihnen reichere Beute bot, als ſie bei einem einzelnen Reiter zu finden iſt, ſo reich und elegant er nur acht auch ſein mochte. rte,ſan⸗ Dieſe auf dem Boden liegenden Männer waren in der Mähe des That die Lieferanten für die Gräber, auf die ſie als gute Chri⸗ icſal be⸗ ſten Kreuze pflanzten, nachdem ſie die Reiſenden hineingelegt hat⸗ daß die⸗ ten, die ſo unvorſichtig geweſen waren, auf Gefahr ihres Lebens mit dem ihre Börſe vertheidigen zu wollen, welche die Räuber mit dem in Bezug Gewehre in der Hand in der altherkömmlichen Weiſe mit den Worten abgefordert hatten: „ſah er„Das Leben oder die Börſe!“ ſich der Auf dieſe ihr wohlbekannte Gefahr hatte das Mädchen 736 gedeutet, als ſie den ſchönen Reiſenden kommen jah und mit einem Seufzer die Worte ſprach: „Wie ſchade!“ Die Männer im Hinterhalte hatten indeß, wie wir geſehen haben, aus irgend einer Urſache kein Zeichen von ihrer An⸗ weſenheit gegeben. Wie aber Jäger, denen ſie gleichen, ihre Poſten verlaſſen, ſobald das Wild vorüber iſt, ſo kamen auch Einige von ihnen, die erſt den Kopf vorſtreckten, dann den ganzen Körper, hinter dem Reiſenden aus dem Gebüſche hervor und gingen auf die Oſteria zu, in deren Hof der Reiter ſprengte. In dem Hofe ſtand ein Knecht, das Pferd in Empfang zu nehmen. — Ein Maaß Gerſte für mein Pferd, ein Glas Wein für mich, das iſt Alles, was ich begehre. Als Giulio dieſe Worte geſagt hatte, erſchien der Wirth an dem Fenſter und die Männer aus den Gebüſchen an der Thür. Von beiden Seiten ſah man einander an und die Blicke der Männer ſchienen zu fragen: — Haben wir recht gethan, daß wir ihn nicht anhielten? — Vollkommen— antwortete der Wirth. Giulio hatte dieſen doppelten Blick nicht bemerkt, weil er damit beſchäftigt geweſen war, den Staub von ſeinem leichten Mantel zu ſchütteln. — Treten Sie ein, Signore, ſagte der Wirth, wenn auch die Oſteria zum blutigen Reiter im Gebirge liegt, iſt ſie doch, Gott ſei Dank, nicht ſo unverſorgt, wie die übrigen wenigen, deren Beſitzer außergewöhnliche Lumpen ſind— wir haben alle Arten von Wildpret, nur nicht Haſen, die unreine Thiere ſind. — Ich werde von Eurem Anerbieten keinen Gebrauch ma⸗ chen, verſetzte Giulio kurz, ſondern nur ein Glas Wein trinken und einige Feigen eſſen— meine Zeit iſt kurz. — Wollen Sie denn nicht in der Oſteria bleiben, Signore? fragte der Wirth ſcheinbar beſtürzt. — Ich werde gleich weiter reiſen. — Signore, bedenken Sie, daß die Sonne im Sinken iſt. — Nun? Und was will das bedeuten? — Man reiſt nicht in der Nacht durch das Gebirge, Sig⸗ nore, namentlich, wenn man wie Sie, allein iſt. Das I — Die z in den G allein reiſe ſcale fallen größere Gn Perlangle Der W 1 un dem Gaf — Was e5 Recht? — Ger Vogel könne hätte ſicher Richtung e — Unſ — In treffen, un man ſich in — N und zuver — 6 ſenden, m als die ſich Der Menſch her nommen he — V 344 Räuber d — 9 Diener. — alt oder wir geſehen tihret An⸗ u verliſſe von ihnen, rper, hinter gen auf die impfang zu 3 Wein für rWirth an der Thür. e Blicke der anhielten? rkt, weil er nem leichten wenn auch iſt ſie doch, n wenigen, haben alle Tiere ſind. ebrauch ma⸗ Lein trinken n, Signore? Sinken iſt. birge, Sig⸗ Das Wort„allein“ hatte er beſonders ſtark betont. — Die Sorge für meine Sicherheit liegt nur mir ob, daß es in den Gebirgen Räuber giebt, iſt mir bekannt, ob ich ferner allein reiſe oder in Begleitung, dürfte auch nicht in die Wag⸗ ſchale fallen, denn die Banditen ſcheuen ſich nicht ſo leicht, eine größere Caravane anzugreifen,— jetzt geht und bringt mir das Verlangte. Der Wirth verließ das Zimmer, einer der Männer, welche an dem Gaſttiſche Platz genommen hatte, folgte ihm. — Was glaubſt Du, Matheo? fragte er den Erſteren, war es Recht? — Gewiß habt Ihr Recht daran gethan; den einzelnen Vogel könnt ihr bei mir rupfen, hättet Ihr ihn erſchoſſen, ſo hätte ſicher der Reiſezug, welcher unterwegs iſt, eine andere Richtung eingeſchlagen. — Unſere Vorſicht war alſo völlig gerechtfertigt. — In weniger als einer Stunde wird die Geſellſchaft ein⸗ treffen, um hier zu übernachten, aber ſeid vorſichtig, während man ſich in der Gaſtſtube blicken läßt. — Wir verſtehen unſer Geſchäft— ſeid Ihr indeß auch gut und zuverläſſig unterrichtet, Matheo? — Genovino brachte mir die Kunde, er begegnete den Rei⸗ ſenden, man fragte ihn nach einer Oſteria, er empfahl meine als die ſicherſte und beſte— doch frage ihn ſelbſt. Der Wirth rief den Betreffenden, und darauf trat der Menſch herbei, welcher Giulio's Pferd vorher in Empfang ge⸗ nommen hatte.. — Wie ſtark war die Geſellſchaft, Genovino? fragte der Räuber dieſen. — Zwei Signori, eine Signora, eine Duenna und zwei Diener. — Die Weiber kümmern mich nicht, alſo vier Männer, alt oder jung? — Es war nur ein alter Cavalier unter ihnen. — Sind ſie ſtark bewaffnet? — Bis an die Zähne, ſie führen Dolche, Karabiner und Hakenbüchſen bei ſich. — Gut, Genovino, Du wirſt, nachdem der Fang gemacht, Das Hpfer von Amalfi.(Bd. III. 7.) 47 Deine Procente erhalten, und der Burſche da drinnen— wendete ſich der Räuber an den Wirth, während Genovino verſchwand. — Wird ſogleich wieder die Oſteria verlaſſen. — Weißt Du, wohin er die Reiſe nimmt? — Noch nicht, ich werde es ſogleich erfahren. — Der Wirth eerſchien wenige Augenblicke ſpäter vor Giulio mit einem Glaſe Wein und einem Teller Feigen. — Wohin geht die Reiſe, Signore? fragte er. — Ich will in die Gegend von Coſenza. — Nach Coſenza? wiederholte der Wirth erſtaunt, da ha⸗ ben Sie wohl einen falſchen Weg genommen, denn Sie haben wenigſtens dreißig Stunden bis dahin zurückzulegen. Giulio wurde durch dieſe Nachricht ſehr beſtürzt, aber er mißtraute den Spitzbubenaugen des Wirths. — Umſomehr muß ich die Nacht daranſetzen, ſagte er kurz, zahlte ſeine Zeche und ſprengte nach wenigen Augenblicken von dannen. Ziehe in Frieden mit Gott. Das ſchöne Mädchen, deren wir vorhin Erwähnung tha⸗ ten, hatte, als ſie den jungen Reiter bemerkte, wie wir uns er⸗ innern werden, die Worte„wie ſchade“ ausgerufen. Als er in der Oſteria eingekehrt war, eilte ſie ihm nach, ſchlich um die Fenſter des Hauſes und ſchien, wenn auch nicht Alles gehört, ſo doch die Hauptſache geahnt zu haben. Sie verließ das Haus und kehrte nicht wieder rechts zu der Eiche zurück, ſondern wendete ſich links. Es währte kaum zehn Minuten, als Giulio bei ihr vor⸗ überritt und jetzt des ſchönen Mädchens anſichtig wurde; ſie hatte ſich ſo geſtellt, daß ſie von ihm bemerkt werden mußte. ic den mit ſenza von hi — Zwa — Got von der Oſt — Da funftehn Re den ſich ſüdd — VPel mein Kind, Das N cem ſich D — Ke ſie mit tra — R. — M. Melan Lied, deſſen — G ſollen, ſagte Das rchte Han Linken auf — Re — D — Ke — D .— Go ich auch me S Kil rung tha⸗ r uns er⸗ ihm nach, zuch nicht rechts zu ihr vor⸗ urde; ſie nußte. 739 — Wo führt der Weg nach Coſenza, liebes Mädchen, fragte er, indem er ſein Pferd anhielt, der Wirth in der Oſteria ſagt, der Weg dahin erfordere dreißig Stunden, aber ich glaube ihm nicht.— 4 — So weit iſt es nicht, aber Sie haben ſich einen Umweg von mindeſtens funfzehn Stunden gemacht. 1 — Dann habe ich mich in dem Gebirge verirrt, wiewohl ich den mir bezeichneten Weg einſchlug; wie weit alſo iſt Co⸗ ſenza von hier entfernt? — Zwanzig Stunden. — Gott, man ſagte mir, es ſei nur noch zwölf Miglien von der Oſteria. — Dann hat man ein anderes Wirthshaus gemeint, das funfzehn Meilen nördlich von hier liegt, Sie aber, Signore, ha⸗ ben ſich ſüdlich gewendet. — Welch' ein Mißgeſchick, ſagte Giulio beſtürzt,— ſage, mein Kind, iſt der Weg mindeſtens gut und vielleicht ſicher. Das Mädcheu betrachtete Giulio mit einem Blick, in wel⸗ chem ſich Theilnahme, Angſt und Warnung ausſprachen. — Kennen Sie das Lied vom Wanderer, Signore? fragte ſie mit traurigem Ausdruck. — Nein, mein ſchönes Kind. — Merken Sie auf, Signore. Melancholiſch wie eine Nachtigall ſang das Mädchen ein Lied, deſſen letzte Verſe lauteten: „Lebe wohl, Wanderer, lebe wohl, Ziehe in Frieden mit Gott!. — Es ſcheint dieſes Lied eine Warnung für mich ſein zu ſollen, ſagte Giulio, von dieſen Tönen wunderbar berührt. Das Mädchen trat noch drei Schritte näher, legte ihre rechte Hand an den Hals des Pferdes und den Zeigefinger der Linken auf ihre Lippen. 1 — Reiſen Sie nicht weiter, ſagte ſie leiſe. — Danrn ſoll ich in der Oſteria übernachten? — Kehren Sie um. — Du ſpotteſt meiner, Mädchen, verſetzte Giulio. — Gott ſei mein Zeuge, daß ich Ihnen den Rath gebe, den ich auch meinem Bruder ertheilen würde. — Kind, ich muß fort, wie kann ich umkehren? . 47* 740 — Nur nicht zur Nacht, wenn Sie vielleicht auch den Räubern entgehen, ſo müßten Sie in irgend einem Abgrund Ihr Ende finden,— Signore, man kann im Gebirge nur bei Tage reiſen, wenn man keinen Führer hat. Es war Giulio, was das Mädchen ſagte, ſo einleuchtend, daß er zu ſchwanken anfing. — Aber in der Oſteria ſcheint mir der Aufenthalt gefahr⸗ drohender als im Gebirge, ſagte er nach kurzer Ueberlegung. — Vertrauen Sie mir, Signore? — Vollkommen. — Folgen Sie mir. Das Mädchen ging voran. Nach Ablauf einer Stunde be⸗ fand ſich Giulio in einer geräumigen Höhle, wohin ihm auch das Pferd folgen konnte. — Hier ſind Sie ſicher, ſagte das Mädchen, ruhen Sie einige Stunden, Signore, um zehn Uhr werde ich bei Ihnen ſein, um Sie auf den rechten Weg zu bringen, welchen Sie ohne mich nicht finden werden. Giulio hatte es ſich möglichſt bequem gemacht und war auch bald in einen feſten Schlaf verſunken, aus dem er plötzlich durch ein ſanftes Rütteln geweckt wurde. Er ſprang auf und das junge Mädchen, in Begleitung eines kleinen Hündchens ſtand vor ihm. — Es iſt zehn Uhr, ſagte ſie. — Und ich bin bereit, alſo Du willſt mich fuͤhren, gutes Mädchen. — Bis Sie auf dem rechten Wege ſind. Giulio warf ihr einen dankbaren Blick zu und ging an ihrer Seite. Er führte ſein Pferd am Zügel mit ſich, und über⸗ ließ ſich ſeinen Gedanken. Sie hatten etwa fünfhundert Schritte zurückgelegt, als plötzlich das Hündchen ſtehen blieb, ſich auf die Hinterbeine ſtellte und umherwitterte, als ob es etwas erforſchen wollte. — Nun, Bellino, was giebts? fragte das Mädchen. Das Hündchen ſprang an ſie heran, leckte wedelnd ihre Hände und faßte mit der Pfote ihr Gewand, als wollte es ſie zurückhalten. — Giulio nauſchen Das T Somme Nachden fatten,ſank heftigen Kar mntgangen w Giulio Einige Kopf an er athemlos, A ul nen durch die S und ſchlug! — Ach, — Wr — IJ n mir, als w Sie e und verſch Gebuſch. Sie he in Thränen vor ſo glüc Giulic räthſelhaft ſchloß, daß Er ſe was er glauben. War ihn wiede ſch ſelbſt „Was nicht wei⸗ Er b 741 uch den A Giulio begann, von einem unbeſtimmten Gefühl getrieben, grund zu lauſchen— aber er vernahm nichts. 8 nur bii Das Dunkel war ſo dicht, als es in Italien in einer ſchö⸗ nen Sommernacht überhaupt ſein kann. 8. euchtenn, Nachdem ſie noch einige Schritte vorſichtig vorwärts gethan . hatten, ſank plötzlich das Mädchen, das ſchon längere Zeit in einem gefahr⸗ heftigen Kampfe mit ſich begriffen ſchien, was freilich Giulio gung. entgangen war, auf den Boden. Giunlio trat erſchreckt zu ihr. Einige Augenblicke ſaß ſie mit geſchloſſenen Augen da, den Kopf an einen Eichſtamm gelehnt, mit offenem Munde und nde be⸗ athemlos, als ſei ſie ohn mächtig geworden. hm auch— Adine! rief Giulio, dem ſie dieſen Namen als den ihren vorher bezeichnet hatte. 6 ihen Sie Die Angeredete hob den Kopf empor wie ein Kind, welches⸗ ei Ihnen durch die Stimme der Mutter aus dem Schlafe geweckt wird, Sie ohne und ſchlug langſam die ſchönen Augen auf. 6 — AOch, mein Gott! flüſterte ſie. 59 — Was iſt Dir, liebes Mädchen? 6 — Ich weiß es nicht, antwortete die Gefragte, aber es iſt und war mir, als müßte ich ſterben. rplözlich Sie erhob ſich, ging langſam und wankend von der Eiche auf und und verſchwand plötzlich in dem zu beiden Seiten ſich zeigenden ündchens Gebuſch. Sie hielt dabei ihren Kopf mit beiden Händen und ſchien in Thränen ausbrechen zu wollen, obgleich ſie ſich noch nie zu⸗ 1 n, gutes vor ſo glücklich gefühlt hatte, als in dieſer— Stunde. Ginlio blickte ihr beſtürzt nach, dieſer Zwiſchenfall war ihm räthſelhaft— das Hündchen folgte ihr nicht, woraus Giulio Hging an ſchloß, daß Adine nicht weit gegangen ſein konnte. und über⸗ Er ſeufzte, hüllte ſich in ſeinen Mantel und wußte nicht, was er denken ſollte,— an Verrath vermochte er nicht zu egt, als glauben. nterbeine Warum aber hatte das Mädchen ihn hierhergeführt, um pollte. ihn wieder zu verlaſſen? Warum weinte ſie? Warum fühlte er 3 ſich ſelbſt ſo ſeltſam berührt? nd ihre W. Was ſollte er beginnen? Unkundig des Weges, vermochte er te es ſe nicht, weiter zu gehen. Er war unſchlüſſig. Er beſchloß endlich, einige Zeit auf die Rückkehr des Mäd⸗ 742 chens zu warten, welche ſeiner Meinung nach ohne Zweifel bald erfolgen müßte, trotzdem das Hündchen jetzt auch verſchwun⸗ den war. Er warf ſich auf den Boden und ſchloß unwillkürlich die Augen. Es mochte etwa eine Stunde verfloſſen ſein, als ein ängſt⸗ licher, lebhafter Ruf ſein Ohr traf. — Signore, Signore! hörte er deutlich. Das Mädchen ſtand im Dunkel neben ihm und zeigte nach Weſten. — Nun, fragte Giulio, was giebt es? — Sehen Sie, Signore! ſagte das Mädchen mit leiſer Stimme. Giulio blickte auf die bezeichnete Stelle— der Himmel war glühend roth. — Feuer! murmelte er. — Es iſt Feuer im Gebirge— am Horizonte dort ſpiegelt ſich der Widerſchein. In dieſem Augenblick jagte ein Hirſch mit ſeiner Kuh und ſeinem Kalbe pfeilſchnell vorüber von Weſten nach Oſten. — Kommen Sie, Signore, ſagte das Mädchen; das Gefühl dieſer Thiere iſt ſicherer, als die Klugheit der Menſchen, ſie zei⸗ gen uns, wohin wir uns wenden müſſen und daß kein Augen⸗ blick zu verlieren ſei. — Gott, welch ein Mißgeſchick. — Noch iſt nichts verloren. — Zeit, mein Kind. — Beſſer dieſe, als das Leben! rief das Mädchen haſtig. — Und der Weg nach Coſenza? — Kann auch von Oſten genommen werden, er dauert nur länger; kommen Sie, kommen Sie! mahnte dringend das Mädchen. Mit dieſen Worten eilte ſie davon, der Hund ſprang ihr bellend nach und Giulio folgte mißmuthig. Sie hatten ſich eine kurze Strecke entfernt, als das Thier wiederum Zeichen gab, welche Giulio und am allerwenigſten Adine nicht entgangen waren. Das Dunkel wurde immer dichter— Beide blieben ſtrhen und lauſchten. uuögeruch de den Bran Es — Dor 8 gte, und mifernt. 3 Biſt ger Ahnung Utſache der — Auc — Wo Lohnſoldaten da ſie nicht das Gebirgß Genüge haf — Wo erforſchen, Die I ihten Schl Höhen ſo in dem es Bald Felſenkeg den Aug Irdeſtal Sie zuſteigen — hmzu: V einander 8 weifel bald verſchwun⸗ lirlih die — ein ängſt⸗ geigte nach mit leiſer immel war rt ſpiegelt Kuh und ten. as Gefühl en, ſie gei— in Augen⸗ haſtig. er dauert ngend das prang ihr das Thier wenigſten en ſtehen 743³ — Es iſt mir, als hörte ich kniſtern und verſpürte auch Brandgeruch, ſagte Giulio; ſollten wir uns geirrt haben un. dem Brande entgegengeeilt ſein, ſtatt ihm zu entfliehen? — Dort war der Brand, ſagte Adine, indem ſie nach Weſten zeigte, und wir haben uns ziemlich in gerader Linie von ihm entfernt. — Biſt Du Deiner Sache gewiß, fragte Giulio, von ban ger Ahnung ergriffen. — Sehen Sie den Stern da droben? Er war und iſt noch zu unſerer Rechten— das Feuer muß übrigens an zwei Orten im Gebirge begonnen haben. — Begonnen haben und angeſteckt ſein, rief Giulio, der die Urſache der Entſtehung zu ahnen begann. — Angeſteckt? — Wohl, liebes Mädchen, es werden vielleicht calabreſiſche Lohnſoldaten eine Räuberbande verfolgt und belagert haben, und da ſie nicht zu ihren Schlupfwinkeln dringen können, ſtecken ſie das Gebirge, das im ganzen Umkreiſe Bäume und Geſtrüpp ur Genüge hat, in Brand, um die Schurken zu vernichten. — Wohl möglich, aber ich will dort hinaufſteigen, um zu erforſchen, wo es brennt. Die Tochter des Gebirges, der die ganze Umgebung mit ihren Schluchten und Zacken, mit ihren Dickichten, Thälern und Höhen ſo bekannt war, wie einem Kinde der Park des Schloſſes, in dem es aufgewachſen war, eilte davon. Bald erreichte ſie den Fuß eines faſt gerade emporſteigenden Felſenkegels, klimmte an demſelben hinauf und ſtand nach weni⸗ gen Augenblicken auf dem Gipfel wie eine Statue auf dem Piedeſtal. Sie hatte kaum fünf Minuten nöthig gehabt, um hinauf⸗ zuſteigen und bedurfte höchſtens einer zum Herabſteigen. — Nun? fragte Giulio. — Es iſt Feuer; dann zeigte ſie nach Süden und ſetzte hinzu: Wir müſſen dorthin, ehe die beiden Enden der Flammen einander erreichen. 744 .— Bleibe zurück, Mädchen, bat Giulio, ich werde es nicht dulden, daß Du mit mir gehſt. — Und ich werde nicht zögern, Ihnen zu folgen. — Warum willſt Du Dein Leben um meinetwillen wagen, liebes Mädchen? — Ich kann unmöglich zugeben, daß Sie, der Fremde, ſich allein in die gewiſſe Gefahr begeben, während ich, mit allen Schluchten vertraut, Ihnen vielleicht eine Zufluchtsſtätte zei⸗ gen kann. — Nein, nein, bleibe, kehre zu Deinem heimathlichen Heerde zurück. — Mein heimathlicher Heerd? ſeufzte das Mädchen; wo Koll ich ihn ſuchen? — So wäreſt Du nicht in der Oſteria zu Hauſe? — Ich bin dort aufgewachſen, aber der Wirth und ſein Weis und nicht meine Eltern. Das Mädchen gann heftig zu weinen. — Vertraue mir Deinen Schmerz, liebes Mädchen, nahm Giulio in theilnahmsvollem Tone das Wort. — Ich hörte einſt von einer alten Frau, daß meine Eltern in der Oſteria ermordet wurden und man mich in Ermange⸗ lung eines eigenen an Kindesſtatt angenommen hatte. — Und Du konnteſt bei dieſen Barbaren bleiben? — Ich blieb bei ihnen, um Rache zu nehmen, aber am heutigen Tage faßte ich den Entſchluß, ſie zu verlaſſen. — So plötzlich? — Ich kehre nicht mehr zurück. — Und Deine Rache? — Will ich dem Himmel überlaſſen, ſagte das Mädchen in Thränen, Signore, Sie ſind der erſte unter allen Gäſten, die ich in der Oſteria ſah, der mir ganz beſondere Theilnahme ein⸗ flößt, es iſt ein gewiſſes Etwas, das mich zu Ihnen zieht— darum habe ich Sie gerettet— Sie wären dem Tode verfallen, hätten Sie in dieſer Nacht in der Oſteria geſchlafen. — Retteteſt Du nicht auch Andere, wenn Du es vermoch⸗ teſo⸗ fragte Giulio. — Niemand— verſetzte die Gefragte mit dumpfer Stimme; ich ließ Alles morden, was in der Oſteria übernachtete, wenn mich mein Gewiſſen auch tadelte. Welch ützt — Mein iiht auch 3 A- Giulio ſ arll Eltern zu ſů Aine we Selt — Hätte lhan, ich wu ſezte Giulio Adine X — Ver Sie mich ni man von J ſchmachtet ho Su — Wr Gud, Oder habe nur Sie n nit ihren — Be Ich — Und N A Hier fragte Gin — beweiſen wenn ich trauen faf ich das G — Welch ei ein Geſtändniß, junges Mädchen! rief Giulio be⸗ uurzt. rde es nit 1e—— Meine Eltern waren ermordet worden, warum ſollten wagen, nicht auch Andere ſterben? d 5 Giulio ſchauderte, als er dieſes offene Bekenntniß hörte. Sremde, ſch— m ſollten ſo viele Opfer fallen, den Tod Deiner mit ilen Eltern zu fühnen, was haben Sie derſchuldei? fragte er. 4 sſtäte ei Adine weinte, — Seit heute iſt es anders geworden, ſagte ſie. hen Heerde— Hätteſt Du mir vorhin gebeichtet, wie Du es jetzt ge⸗ than, ich würde Deine Rettung nicht angenommen haben, ver⸗ ſetzte Giulio kalt. r Adine warf ſich leidenſchaftlich auf ihr Knie nieder. dchen; wo — Verzeihung, Verzeihung, Signore, flehte ſie, verachten h umd ſein Sie mich nicht, man kann keine anderen Gefühle hegen, wenn man von Jugend auf nur unter Räubern und Mörd’ 4 ge⸗ ſchmachtet hat. 39 ſen, nahm— Du ſelbſt biſt frei von Raub?* eine Eltern Gut, oder gar an ein Menſchenleben Hand gelegt hätte, ich Ermange⸗ habe nur Verbrechen geduldet, aber niemals verübt. . Ä Sie weinte unausgeſetzt, hatte Giulio's Hand ergriffen, ſie 4 it ihren Thränen beuetzt und er war gerührt. „aber an— Beklagenswerthes Mädchen! ſagte er. 1. 1— Ich bin nicht mehr beklagenswerth, Signore. f— Und warum nicht noch in dieſem Augenblick? — Weil ich fühle, daß ich beſſer geworden bin— ſeit— Hier ſchwieg ſie und ſenkte verlegen die Blicke. Mädchenin— Weißt Du, daß die alte Frau Dir die Wahrheit ſagte? Gäſten, die frragte Giulio nach vorangegangenem kurzen Schweigen. nahme ein— Sie wollte die behauptete Thatſache durch Documente en jiht— beweiſen und empfahl mir, nichts darüber verlauten zu laſſen, e vrrfallen, wwoenn ich nicht einmal einen Menſchen fände, zu dem ich Ver⸗ trauen faſſen könnte; Sie ſind der Erſte, Signore, Ihnen habe es vermoch⸗ ich das Geheimniß offenbart. — Wo wohnt die Frau? rStimme⸗— Vier Stunden von hier, in dem Dorfe Azedo. ete, wenn— Und ſie hat Documente aufzuweiſen? —² So ſagte ſie, ich ſelbſt ſah keines. — Bewahre mich der Himmel, daß ich jemals an fremdes 746 — Sie nannte Dir auch nicht den Namen Deiner Eltern? — Niemals, ſie ſagte mir nur, daß ſie Edelleute gewe⸗ ſen ſeien. — Wie alt biſt Du, liebes Mädchen? — Siebenzehn Jahre. — Und Deine Eltern ſollten woher ſtammen? — Aus Neapel. Giulio wurde von einer Vermuthung beſchlichen, die er vorläufig nicht aufkommen ließ, aber er richtete einen ſchärferen Blick auf Adine, als er es bisher gethan hatte. — Alſo es iſt Dein feſter Entſchluß, nicht in die Oſteria zurückzukehren. — Nie wieder, laſſen Sie mich mit ſich gehen, Signore, flehte Adine, ich will Ihnen als Dienerin folgen, oder haben Sie keine Braut, daß ich ihr dienen darf? Giulio wurde durch dieſe Worte wehmüthig berührt. Er dachte an Leonore, blickte dann auf das verlaſſene Weſen, das ſich ihm ſo ſchnell angeſchloſſen, wie gern wäre er ihr eine Stütze geweſen, aber war er nicht ſelbſt ein einſamer, verlaſſe⸗ ner Wanderer, der nicht wußte, wohin er ſich wenden ſollte. — Määdchen, ſagte er traurig, ich kann nichts für Dich thun, ich ſelbſt bin ohne Ziel, unſtät und flüchtig, ein zweiter Kain, wohin alſo ſoll ich Dich führen? was kann ich Dir bie⸗ ten, wäre ich in meinem Vaterlande geblieben, dann hätte ich mich für Deine Angelegenheit warm intereſſirt, nicht eher ge⸗ raſter, bis ich die Mörder Deiner Eltern der gerechten Strafe und Dir das den Gemordeten geraubte Gut übergeben, ſo aber vermag ich Nichts, Nichts für Dich zu thun.— — Ich verlange Nichts weiter als Ihnen zu dienen, Sig⸗ nore, ſagte das Mädchen, aufs Neue in Thränen ausbrechend, auch Sie ſind nicht glücklich— und die Unglücklichen pflegen ſich gern aneinander zu klammern. üct Sie ware und je weite er wurde Gewaltig eber, Wölfe die ſchw ſch ſelten au Gleichw den dieſer T hatte und di Durchgang;z — Hier nore, da iſ Sie der ſie die Flu — So zu unſerer Wege. Nach et — Soll dieſet Umſta liches Scha Himmels i Mine — Un In die Nedde blick an ihnen d Da — W iner El ltern! lleud gewe⸗ 9 hen, die er n ſchärferen 1—— die Oſteria oder haben erührt. Er Weſen, das rihr eine t, verlaſſe⸗ en ſollte. is für dich ein zweiter ich Dir bie⸗ in häͤtte ich zſt eher ge⸗ ten Strafe en, ſo aber 1 Signore, eenen, Sig⸗ ausbrechend, pſltger ſih 2 Das Feuer. Sie waren während dieſes Geſprächs vorwärts gegangen, und je weiter ſie nach Süden vordrangen, deſto üppiger und dichter wurde die Vegetation. Gewaltiges Brombeergebüſch, in welchem ſich gewöhnlich Eber, Wölfe und wilde Katzen aufhalten, wucherte hier. Die ſchwachen Thiere hingegen, Hirſche und Rehe wagten ſich ſelten auf das Gebiet ihrer furchtbaren Feinde. Gleichwohl ſah man jetzt gleich fahlen Blitzen ſcheue Heer⸗ den dieſer Thiere vorüberjagen, welche das Feuer aufgeſchreckt — A hatte und die in der Richtung hinflohen, welche ihnen einen Daurchgang zu gewähren ſchien. — Hierher, hierher, rief Adine, fürchten Sie nichts, Sig⸗ nore, da iſt unſer Führer. Sie deutete auf den vorhin erwähnten Stern, nach welchem ſte die Flucht richtete. — So lange er ſo weit zu unſerer Linken iſt, als er eben zu unſerer Rechten war, fuhr Adine fort; ſind wir auf gutem Wege. Nach etwa zehn Minuten veſchleierte ſich der Stern. — Sollten wir ein Gewitter bekommen? rief Giulio, dem dieſer Umſtand nicht entgangen war; es wäre ein eigenthüm⸗ liches Schauſpiel, dieſes Feuer im Gebirge mit dem Waſſer des Himmels kämpfen zu ſehen. Adine war ſtehen geblieben und ergriff die Hand Giulio's. — Den Stern verhüllt keine Wolke, ſagte ſie leiſe. — Was iſt es ſonſt? — Bacans — Unmöglich— der Wind weht aus Süden. In dieſem Augenblick hörten ſie einen entſetzlichen Laut.— Beide blickten auf, als ein Wolf heulend mit leuchtenden Augen an ihnen dicht vorübereilte, und zwar von Süden nach Norden. — Das Feuer— das Feuer! rief Adine erſchreckt aus. — Was iſt denn? 748 — Wir kommen zu ſpät,— eine Feuerwand erhebt ſich vor uns. — Warto, ich will mich überzeugen, rief Giulio. Er ergriff mit dieſen Worten die erſten Zweige einer Tanne und ſchwang ſich hinauf auf den Baum. Kaum aber hatte ſein Fuß die Erde verlaſſen, als ſich ein ſchreckliches Brummen über ihm vernehmen ließ. — Ein Bär, ein Bär! rief Adine erſchreckt, kommen Sie, kommen Sie— nach Norden, nach Norden, es iſt der einzige Weg, der offen iſt. Die Bewohner des Gebirgswaldes, Hirſche und Rehe, Eber, Wölfe und Luchſe, flüchteten nach der einzigen Seite hin, in welcher ſich die Flammen noch nicht zeigten. Schaaren von Rebhühnern flogen vor dem Feuer auf, hin und her, an die Bäume an und fielen betäubt vor den beiden Fliehenden nieder, während die Nachtvögel, Fürſten der Dunkel⸗ heit mit heiſerem Geſchrei den ſeltſamen Tag begrüßten, welcher von der Erde aufzugehen, ſtatt vom Himmel herabzukommen⸗ ſchien. — Kommen Sie, kommen Sie, mahnte Adine dringender. — Wohin, nach welcher Seite? fragte Giulio, der jetzt auch zu erſchrecken anfing, vielleicht weniger um ſich als um das Mädchen, welches aus Anhänglichkeit an ihn eine Gefahr theilte, die ſie hätte vermeiden können, wenn ſie in der Oſteria geblie⸗ ben wäre. — Hierher, hierher, gab Adine haſtig zur Antwort; da ha⸗ ben wir den Nordſtern vor uns, übrigens folgen wir dem Hunde, ihn leiret ſein Inſtinkt. 7 Sie eilten in die Richtung hin, welche ihnen nicht blos der Hund, ihr Fluchtgefährte, ſondern auch die wilden Thiere an⸗ deuteten, die dahinjagten, als würden ſie von dem heißen Athem des Sirocco getrieben. Plötzlich blieb der Hund ſtehen, während das Pferd, wel⸗ ches ſeinem Herren noch immer gefolgt war, einen ſonſt von dieſem Thiere nie gehörten, eigenthümlichen Ton ausſtieß. — Es iſt nutzlos, weiter zu gehen, ſagte Giulio beklommen, wir ſind vom Feuer umgeben, ſo weit die Blicke reichen. Mit dieſen Worten ſetzte er ſich auf einen Felſen, als hielt er es für überflüſſig, weiter zu gehen. wolen wrine gin Es konnt kriſe von elſc volle lindurd Nan hö läher kam, zandes war. Das M Blicen innic Wer in gielleicht die wiß aber de in ihre Arr ſterben, dh⸗ mit beben hinzu. Viell Herzen*de — U ſutben— Adin ihren In er de ſich Adine ging noch etwa hundert Schritte vorwärts, wie um o. ſich zu überzeugen, ob Giulio die Wahrheit geſagt hätte. eine dun. Aber weder ihr Hund folgte ihr, noch ſetzte das Pferd einen Fuß, und das Mädchen kehrte zu Giulio zurück, der den Kopf ads ſch i in die Hände geſtützt hatte. n Er ſchien entſchloſſen zu ſein, ohne einen Schritt weiter zu gehen, die Entwickelung des ſchrecklichen Ereigniſſes abwarten zu der eini wollen.. 1 3 iige Es konnte übrigens kein Zweifel mehr auftauchen, im Um⸗ kreiſe von etwa einer Stunde ſah der Himmel durch eine Rauch⸗ dehe, E ehe Eber woolke hindurch blutroth aus. te hin, in 4 mmen Sie 1 Man hörte ein grauſiges Ziſchen, das ſchnell näher und er auf, hi naäher kam, welches ein Zeichen von dem Fortſchritte des Wald⸗ dr 585 brandes war. 5* er Dunkel Das Mädchen blieb neben Giulio ſtehen, welchen ſie mit 1 weige Blicken inniger Theilnahme betrachtete... 3. Kankomt 3 Wer in ihren Gedanken hätte leſen können, würde darin . wielleicht die Furcht vor einer ſo verzweiflungsvollen Lage, ge⸗ ringerdtt 4 wiß disr, den geheimen Wunſch entdeckt haben, den jungen Mann rr izt u* in ihre Arme ſchließen zu dürfen und ſo zugleich mit ihm zu 6 In— 5 ſterben, ohne einen Verſuch zu wagen, ſich zu retten.. ar i da Aber ſie ſchien dieſe Verſuchung mächtig zu bekämpfen. ahr theilte— Signore— flüſterte ſie leiſe. eria geblie⸗ Der Angeredete blickte auf. — Arme Adine, ſagte er, ſo jung, ſo ſchön, und Du ſollſt ſterben. — Verlaſſen Sie das Leben ungern? 4— Ich ſcheide ungern, aber nicht um Meinetwillen, ſon⸗ ht blos der· dern— Thiere an⸗— Wohl um einer Anderen willen— unterbrach ihn Adine ißen Ahen= mit bebender Stimme; ich ſterbe gern— ſetzte ſie entſchloſſen hiinzu.— Pfer, wel⸗* Vielleicht erkannte Giulio in dieſem Augenblick, was in dem ſonſt von Herzendes jungen Mädchens vorging. öſtieß— Um meines Vaterlandes willen möchte ich nicht gern beklommen, ſterben— gab Giulio zur Antwort.. Adine jubelte laut auf— jetzt ſchwand die Verzweiflung aus ihrem Innern— die Hoffnung gewann Oberhand. — Ich danke Ihnen, ſagte ſie, kommen Sie. * 8 rt; da ha⸗ dem Hunde, 7⁵⁰ — Warum ſoll ich Dir folgen— iſt es nicht gleich, ob uns die Flammen hier ereilen, oder ob wir ihnen entgegengehen? — Folgen Sie mir, Signore, ſprach das Mädchen in flehen⸗ dem Tone. — Siehſt Du denn nicht, daß wir verloren ſind? verſetzte Ginlio achſelzuckend. — Wir ſind gerettet, gab Adine zur Antwort— ich ſtehe dafür ein. Giulio wußte nicht, was er von dieſen Worten denken ſollte, da er jeden Weg zur Rettung abgeſchnitten ſah, er erhob ſich mechaniſch. — Kommen Sie, kommen Sie, mahnte das Mädchen drin⸗ gend, weil Sie um Ihres Vaterlandes willen nicht gern ſterben, ſoll Sie Ihr Vaterland auch nicht beweinen. Ohne ihm Zeit zur Beſinnung zu laſſen, ergriff ſie ſeine Hand und zog ihn nach einer anderen Seite hin. Er folgte ihr zwar mechaniſch, aber doch mit jenem Eifer der Selbſterhaltung, der in jedem ſterblichen Weſen lebt. Es war, als ſchöpften der Hund und das Pferd ſelbſt wie⸗ der Hoffnung, als ſie bemerkten, daß die Fliehenden ſich nach einer andern Richtung hin bewegten. Das Ziſchen und Praſſeln der Flammen kam näher und näher, während die Luft, welche Giulio und ſeine Begleiterin athmeten, heiß zu werden begann. Plötzlich ſchien das Geräuſch des Feuers gewaltig zuzuneh⸗ men, und bei jedem Schritte, den ſie weiter gingen, ungeſtümer zu werden. Giulio hielt das Mädchen zurück. — Um Gottes Willen, wohin? rief er athemlos, wir kön⸗ nen unmöglich weiter, wir müſſen ſterben! — Kommen Sie, kommen Siec, ich bitte, ich flehe— zau⸗ dern Sie nicht. ₰ Da iſt ja der Brand— hörſt Du— hörſt Du? rief Giulio und ſtreckte die Hand nach der Richtung hin, von welcher der Wind kam. — Wohl möglich, Signore, antwortete das Mädchen lächelnd, daß Sie an die Stimmeu im Gebirge noch ſo wenig gewöhnt ſind, um das Rauſchen eines Waſſerfalls für das Brauſen der Flammen zu halten. mächtige Waſſet Es ſtr ggi kecht, 5 4 tbuh fig brhen wi ne Prſſermän u3 dS Bett d — Kommer rich daß ich fi Sie zog G wie ein Regend einer Tiefe von dit ſeine flüſſ Pgrund drei mer ſich ein lweiner Entfe Nach eini teicht, von de Wine w abet Giulio Et war higt und k nicht widerf Größe zu ül Manche lich⸗wonnige Das S Flammentre nach dem U Ein u ſchlang ſich den nach. Biswe dicche oder prum, lief fa in eir Iluminati Eine — Nlit ob un,s,— Es iſt wahr, verſetzte Giulio, indem er weiter ging, Du gengehen? haft Recht, wir könnten uns dem Feuer entziehen, wenn wir dem en in ſlehen. Waldbach folgen in ſeinem Bette, zwiſchen zwei Feuerſäulen hin⸗ durchgehen, wie die Israeliten unter dem Schutze Gottes zwiſchen G 1 iind? zwei Waſſerwänden durch das Meer ſchritten— glaubſt Du aber, verſe ieij daß das Bett des Waldbaches nicht bereits beſetzt ſein wird. i ſiehe— Kommen Sie nur, rief das Mädchen, ſagte ich Ihnen nicht, daß ich für Alles ſtehe. denken polte, Sie zog Giulio nach der Felſenplatte fort, wo am Tage er erhob ſch wie ein Regenbogen, in der Nacht gleich einem Mondſtrahl, der mächtige Waſſerſtrahl herabſtürzte, der zuerſt auf einen Felſen in idchen drin. einer Tiefe von fünfundzwanzig Fuß aufſchlug, mit Donnerge⸗ gern ſtetben, töſe ſeine flüſſige Maſſe zerſtäubte und im Schaume in einen Abgrund drei bis vierhundert Fuß herabſtürzte, auf deſſen Bo⸗ den er ſich ein Bett wühlte und den Bach bildete, der brauſend in einer Entfernung von drei Stunden in das Meer floß. jenem Eifer Nach einigen Minuten hatten die Flüchtigen den Felſen er⸗ lebt. reicht, von dem das Waſſer in die Tiefe fiel. dſelbſt wie Adine wollte ſogleich den gefährlichen Weg hinabklettern, den ſich nach aber Giulio hielt ſie zurück. Er war über ſein und ſeiner Begleiterin Leben faſt beru⸗ mnäher und higt und konnte in ſeinem poetiſchen Gemüthe dem Wunſche Begleiterin nicht widerſtehen, die Gefahr, der er entgangen, in ihrer ganzen Größe zu überſchauen. ig zuzuneh⸗ Manche Seelen finden in ſolchen Erregungen einen ſchauer⸗ ungeſtümer lich-wonnigen Genuß. Das Schauſpiel war allerdings großartig genug. Der Flammenkreis hatte ſich nach dem Mittelpunkte zu verengt und nach dem Umfange erweitert.. Ein unermeßliches Feuerband, das immer breiter wurde, ſchlang ſich um das Gebirge und rückte blitzſchnell den Fliehen⸗ riff ſie ſeine os, wir köͤn⸗ ihe— zan ddeen nach. ſt Du? rief Zisweilen erfaßte die Flamme den Stamm einer Broßen 5* Eiche oder Fichte, wand ſich wie eine Schlange um denſelben herum, lief an den Aeſten hin und zündete ſie ſo über und über hen lächelnd, faſt in einem Augenblicke an wie zu einer großen, feſtlichen ig gewöhnt Illumination. Brauſen der Eine kurze Zeit kniſterte und hüpfte die Flamme, dann brach von welcher 752 endlich krachend der Baum zuſammen und die Funken ſprühten weit umher. Wenn die Flamme harzige, niedrige Gebüſche erreichte, dann lief ſie, äͤhnlich wie Pulver, mit ungemeiner Schnelligkeit über den grünen Teppich dahin. Hier und da brannten alte Korkeichen auf einem großen Felſenſtück— die Gluth dörrte es aus oder zerriß es; es konnte ſich nicht mehr halten und ſtürzte mit den Bäumen donnernd wie eine glühende, ſprühende Cascade in eine Schlucht hinab, wo es ſofort eine neue Feuersbrunſt entzündete. Giulio blieb einen Augenblick begeiſtert vor dieſem Gluth⸗ ungeheuer ſtehen, das mit ſeinen Feuerzeichen die grüne Inſel abnagte, auf welcher er die Flammenfluth betrachtete. Von dieſem noch unberührten Theile ließen ſich Töne aller 4 Art vernehmen. Das Geſchrei der Hirſche, Heulen der Wölfe, Grunzen der Wildſchweine, Bellen der Füchſe, und wäre es Tag geweſen, ſo hätte man ſicher alle dieſe Thiere ohne Haß gegen einander, nur mit der Gefahr beſchäftigt, welche ſie auf einem ſo ſchmalen Raume zuſammendrängte, nach allen Seiten in dem Dickicht umherlaufen ſehen, über das ſich bereits ein warmer Dampf verbreitete, der Vorläufer des Brandes. Adine aber, als fürchtete ſie mehr für Giulio, als dieſer für ſich, zog ihn mit Gewalt hinweg. — Die Gefahr naht— kommen Sie, kommen Sie, Sig⸗ nore! rief ſie. Mit dieſen Worten winkte ſie ihm, zu folgen und wagte ſich zuerſt in den Abgrund hinab. Dieſes Hinabſteigen, welches Adine nicht zum erſten Male zu verſuchen ſchien, war ſelbſt für Giulio gefährlich und würde für einen Andern unmöglich geweſen ſein. D weiße Dunſt, der an den Seiten der Berge ſchwebt und von dem Windeshauche bewegt wird, konnte nicht leichter und anmuthiger ſein, als dieſe Tochter des Gebirges, während ſie an dem faſt ſenkrecht abfallenden Felſen hinabging. Glücklicherweiſe wuchs hier und da in den Granitriſſen Myrthe⸗ punkt für Hände ſich teſigen T Das als dö db gerte ed. Das fahr, die auf die F Sein nun woll hewegte in det T Giu Schichſal vergeſſen Auch natürlich großmüt und het zatück En muthige ſen des verzwe wilden . M als ſie von Fl M ong d ihren C Das 3 ſprühten 1 ich de, dann 4 ighei über 2 8 nem großen 4 es konnte donnernd ucht hinab, in Gluth⸗ rüne Inſel Tüne aller der Wölfe, tre es Ta Haß gegen nuf einem en in den in warmet rſten Male und würde gge ſchwebt cht leichte „während ranitriſſen 4 Hände ſich an die Lianen(Schlingpflanzen) hielten, die gleich rieſigen Tauſendfüßlern an der Felſenwand emporkletterten. Das treue Pferd war ſeinem Herrn bis hierher gefolgt; als es aber erkannte, welchen WWe es jetzt nehmen ſollte, zö⸗ gerte es. Das kluge Thier blickte um ſich und ſgh die größere Ge⸗ fahr, die ſeiner oben harrte, es blickte bald in die Tiefe, bald auf die Flammen, als ob es überlegte, was es thun ſollte. Sein Herr befand ſich bereits auf dem gefahrvollen Wege, nun wollte auch das edle Thier nicht länger zögern, es wieherte, bewegte ſeinen Schweif, that einen gewaltigen Sprung— und in der Tiefe lag es zerſchmettert. Giulio war von Schreck und Wehmuth ergriffen, als er das Schickſal des Thieres ſah, welches er in ſeiner Erregung völlig vergeſſen hatte. Auch das Hündchen vermochte ſeiner Gebieterin nicht auf natürlichem Wege zu folgen, es hatte aber das Beiſpiel ſeines großmüthigen Begleiters geſehen, es winſelte, heulte, ſprang hin und her, blickte in die Tiefe und kroch dann wieder zitternd zurück.. Endlich machte es einen Satz und ſprang mit lautem Ge⸗ bell hinab. Adine ſtieg ſchweigend hinab und zeigte Giulio auf dieſe Weiſe den Weg. Von Zeit zu Zeit drehte ſie ſich um und winkte Giulio er⸗ muthigend zu, denn Ihre Stimme würde er im Toſen und Brau⸗ ſen des Waſſerſturzes, unter dem Praſſeln der Flammen und dem verzweiflungsvollen Geſchrei der immer enger eingeſchloſſenen wilden Thiere nicht vernommen haben. Mehr als einmal blieb das arme Mädchen zitternd ſtehen, als ſie Giulio über den Abgrund ſchweben von Flügeln getragen. Mehr als einmal ſtreckte ſie die Hände nach ihm aus und ging dann wieder ein Paar Schritte zurück, damit er ſich auf ihren Arm ſtützen möchte. Er aber ſchämte ſich, durch ein Mar chen übertroffen zu wer⸗ Zas Bpfer von Amalfi.(Bv. 1u 8.) 48 ſah, als würde er Myrthen⸗ oder Erdbeerbüſche, welche im Nothfalle als Stütz⸗ punkt für die Füße Giulio's dienen konnten, während ſeine — 754 den Sdasninder furchtbarſten Todesgefahr, welche es umgab, un⸗ arſchütterlichuzu bleiben ſchien. ialg Erſammelte ſeine Kräfte, nahm ſeine ganze Unerſchrocken⸗ heit, ſeine vft bewieſene Kaltblütigkeit, Thatkraft und Todesver⸗ achtung zufammen dund folgte dem Mädchen auf dem wahrhaft halsbvecheriſchen Wage. 55 Als Adine etwa fünfundzwanzig Fuß tief hinabgekommen war„ das heißt) daw ndie Stelle, wo der Waſſerſturz ſich auf dinem vorſtehenden Folſenblocke brach, ging ſie nicht weiter hin⸗ unterullaf nud, 59o 5pt 1Sldit 3992Sie lbewogtegſich vielmehr ſchief can dem Berge hin und nä⸗ hertè ſich dem Waſſer, won dem ſieſich anfänglich aus Vorſicht centfernto hatte? doder umherſpritzende Schaum und Regen die Steine glatter, ſchlüpfriger und folglich gefährlicher machte. nd Mebrigensſ verbreitete der Brand ſeinem ſo hellen Schein, daß ew den ſtellen⸗Weg faſt for Pläͤnzetid beleuchtete, wie Son⸗ nenlicht. r L e A 1 jun Wieſes Licht aber vertinggerto⸗ Wie⸗ Gefähr keineswegs, ver⸗ größerte ſte ſogar, eben weil(ess dieſelbe oſichtbar mlachte! i nid„Giulio begann den Plan ⸗Avines zu errithen und bald blieb ahm ein Zweifel! mehrbübriglun 51120 α Nbild 12 dnn Adine gelangte jetzt auf den Felſen, auf deſſen äußetſtem Rande ſich der Wafferfall brachf aber iſte kehrte ſich ſogleich um, damit ſie im Nothfalle Giulio bei dem Hinabſteigen⸗ beiſtähda Fönntern ailnie gies d id nspisatchf Dieſes Mädchen glich dem Geiſte des Gebirges vercges 2808 Waſſerfalls, als ſie ſo ndaſtcuud„nach dem Fungen Mänkte hin vorgkbeugt, dens ſis die Hand entgegenſtreckteln n ieidtum 1990 Auf der einen Seite warl ſie von der Einbiegurg des dun⸗ keln Felſens, auf der underen von dem Bogen des Waſſerfalls umrahmt, der im Widerſcheine der Flammen dem Diamennten⸗ vogen ceineri: von der Erdo enaue dem Himmel geſpänntzen Brücke glich.(o n2doarchf iuur 94 1sdir ailnie ff eln Nicht ohne Mühe gelangte Giulio über den, went auich lur kurzen Raum, der ihnnoch von Adine trennte!“ 3ln 105306 ſun Dernnackte Fuß des Müdchens ſtand ſicher auf den kleinen Unebenheiten des Geſtades, auf welchemmé der Stiefel Giulio's leicht ausglittasdi schn Chit imhcht 1905 19 8 LI 44 FlEM 01 2 119 III9 D1 19G 1419,G ah. Leonc hinabgela⸗ Blicken ih bemächtig Sie Gefange Abe Flug iht Alles we ihre See Ach dieſen Le We Blitze d tes Aug haben il ſchüttern Som nore in Ho⸗ Gebitge Es genug ſeden S rſchrocken⸗ Todesver⸗ wahrh haft geionmen ſich auf eiter— und nä⸗ Vorſccht ſegen die chte. Schein, ie Son⸗ ver⸗ ,g TILI Kußeß leich um, beiſtehen al Festls ünite hin 19Dldtuim des di fefäls amoltten⸗ pnnxn ) f Al⸗ aich fäur wkleinen Giulib's 1 9 . dht, ſingab, un⸗ — In dem Augenblick, als er eben den Granitblock beſteigen wollte, trat er fehl,— verlor das Gleichgewicht— und wankte. — Barmherziger Vater im Himmel, ſchrie Adine, er ſtürzt in den Abgrund, und ich bin Schuld an ſeinem Tode. Die Rückkehr des Abgeſandten. Leonore erwachte in der Tiefe der Höhle, wohin man ſie hinabgelaſſen hatte. Blicken ihren Aufenthaltsort, und eine namenloſe Verzweiflung bemächtigte ſich ihrer. Sie war von Allen, die ihr theuer waren, getrennt, eine Gefangene unter Räubern. Aber nur auf Einen unter dieſen Allen richtete ſich der Flug ihrer Gedanken— Giulio blieb ihr ewig fern— Alles, Alles war verloren und ein unendlicher Schmerz durchalüihte ihre Seele. Ach wäre er um ſie geweſen, ſie hätte dann nichts von dieſen Leiden empfunden, ja vielleicht gern gelitten. Wenn des Schickſals Donnerwolken uns umgeben und die Blitze des Lebens zucken, ſo darf der Menſch nur in ein gelieb⸗ tes Auge blicken, und alle Schrecken des Himmels und der Hölle haben ihre Macht verloren, das Gemüth der Bedrängten zu er⸗ ſchüttern. Solche Empfindungen mußten es geweſen ſein, welche Leo⸗ nore in ihrer einſamen Gefangenſchaft beherrſchten. Hoch über dieſer Unglücklichen lagen die wilden Räuber der Gebirge. Es bildete die Felſenplatte eine Vertiefung, welche bedeutend genug war, um dieſe ſchrecklichen Menſchen dem Auge eines jeden Spähers auf den umliegenden Höhen zu verbergen. 48* Sie athmete tief auf, maß mit angſtvollen 756 Nur auf der äußerſten Felſenſpitze ſtand eine einſame Schildwacht— im Felſenkeſſel war es indeſſen deſto regſamer. Hier lagen die ſchwarzbraunen Männer in allen Stellungen am Boden. Einige putzten ihre Gewehre, zogen die Schüſſe aus und luden aufs Neue, um ihres Schuſſes gewiß zu ſein, während Andere Dolche und Meſſer ſchliffen. Dort lagen mehrere auf den Ellenbogen geſtützt und ſpiel⸗ ten mit Karten, deren Bilder kaum noch zu erkennen waren. Hier wurde ein im Felle gebratener Hammel aus der Grube gezogen und mehr zerriſſen als zerlegt. Nicht weit davon lag einer der calabreſiſchen Weinſchläuche, die aus rauhen Hammelfellen gemacht werden und aus den Oeffnungen der Beine ſogen die Männer der Berge den ſtarken Wein von Crotona. An einer dritten Stelle geriethen zwei Räuber in Streit, der mit kurzen, hart ausgeſtoßenen unverſtändlichen Worten ge⸗ führt wurde— einen Augenblick ſpäter funkelten Meſſer in den Händen der Streitenden. Niemand verſuchte es, ſie wieder zu beſänftigen, noch zu entwaffnen, und ehe noch eine Minute vergangen war, lag der eine derſelben, durch die Bruſt geſtoßen, blutend und röchelnd am Boden. Der Mörder nahm ruhig wieder ſeinen alten Platz ein, ſchnitt ſich mit dem noch blutigen Meſſer ein Stück Fleiſch ab, welches er mit außerordentlicher Gier verſchlang. Niemand machte ihm Vorwürfe— der Vorfall ſchien von gar keiner Bedeutung zu ſein— der Prieſter und Hauptmann der Bande wendete ſich gegen den Sterbenden. — Armer Camillo, ſagte Fra Lorenzo theilnehmend. Der Angeredete ſchlug die Blicke auf. — Kannſt Du noch beichten? Der Gefragte ſchüttelte verneinend den Kopf, und Fra Lo⸗ renzo hielt ihm das Crucifix zum Kuſſe vor. — Willſt Du mit Groll im Herzen ſterben— fragte er, oder wie ein guter Chriſt den ſegnen, der Dir wehe that?— — Se moro ti perdono, se campo t'avvampo(wenn ich ſterbe, ſo verzeihe ich Dir, komme ich davon, ſo verderbe ich Dich) antwortete der Sterbende mit dem charakteriſtiſchen Sprüchwor von Gutm ichnet. bichne 3 nieder, in Hände des Die — G1 keine Rette armer Jut die Hölle — Re gin vom! dem Audd — 4 bitte für er murme Von Worte:„ det Stim Dieſ Augenbli Sie Hände, Gemurme Niem doch die religiöſen Kau Todten über St ein verte der Seel Fra Lore 1 wird, de Hie einſame lgſamer. aus und während nd ſpiel⸗ waren. er Grube ſchläuche, aus den n ſtarken Streit, rten ge⸗ in den noch zu „lag der röchelnd lat ein, eiſch ab, jien von uptmann — Fra Lo⸗ agte er, nt?— enn ich erbe ich iſtiſchen tellunn — —— Sprüchwort der Neapolitaner, welches die ſonderbare Miſchung von Gutmüthigkeit und Rachſucht in ihrem Charakter be⸗ zeichnet. — Chriſt bedenke Dein Ende, ſprach der Prieſter und kniete nieder, indem er gewaltſam die ſchon krampfhaft geſchloſſenen Hände des Sterbenden faltete. Die Wimper des Angeredeten zuckten krampfhaft.. — Sorge für das Heil Deiner Seele, Camillo, denn es iſt keine Rettung mehr möglich— Du mußt in's Grab beißen, armer Junge, und möchteſt doch nicht gern, daß Dein Leib in die Hölle fahre. — Regina sanctissima rosarii, ora pro me(heilige Köni⸗ gin vom Roſenkranz, bitte für mich) ſtöhnte der Sterbende mit dem Ausdruck der Seelenangſt in den Augen. — Advocata nostra, ora pro eo—(Unſere Fürſprecherin, bitte für ihn), betete eintönig der Prieſter nach; alsdann ſagte er murmelnd die ganze Litanei her. Von Zeit zu Zeit unterbrach ihn der Sterbende durch die Worte:„ora pro me— ora pro me!“ bis ihm der Athem mit der Stimme ſchwand. Dieſe Scene hatte doch die rohen Gemüther für einen Augenblick ernſter geſtimmt. Sie ließen von ihrer Beſchäftigung ab und falteten die Hände, indem ihre Lippen ſich leiſe bewegten, um in dumpfem Gemurmel die Litanei nachzuſprechen. Niemand verließ übrigens dabei ſeine bequeme Stellung— doch die Theilnahme dieſer gefühlloſen Herzen galt. mehr der religiöſen Handlung als der Menſchlichkeit. Kaum war jene dadurch beendigt, daß der Prieſter dem Todten die Augen zudrückte und ihm das Zeichen des Kreuzes über Stirn und Bruſt machte, ſo ſtand er auf. — Beim heiligen Antonio, nahm er das Wort, Du führſt 1 ein verteufeltes Meſſer, Beppo— es war ein Meiſterſtich, bei der Seele meiner Mutter. — Nicht umſonſt ging ich in die hohe Schule des großen Fra Lorenzo, antwortete der Mörder. 3 — Nun macht aber, daß der arme Narr bei Seite geſchafft wird, denn wir haben mehr zu überlegen, ſagte der Prieſter. Hierauf erhoben ſich zwei Männer nachläſſig, zogen die 758 Leiche bei den Beinen bis an den Rand des Felſens und ſtürz⸗ ten ſie gleichgültig in den ſchwarzen Abgrund hinab. Die anweſenden Hirten aber— welche Geſellſchaft den Räu⸗ bern niemals fehlte— ſchnitzten ein Kreuz aus ein paar Stä⸗ ben, die ſie ineinander fügten, und klemmten es feſt in eine Fel⸗ ſenritze, an der Stelle, wo der Räuber gefallen war. Es neigte ſich der Abend des folgenden Tages, als ein Hirt, der in der zottigen Kleidung von Ziegenfellen, mit ſchwarzem, verworrenem Bart und Haupthaar, einem wilden Thiere ähn⸗ licher als einem Menſchen, die Felſenhöhe erſtieg. — Diamine Anſelmo, redete ihn der Mönch an, Du bliebſt lange, haſt Du ſeine Hoheit geſprochen? — Ich hatte die Ehre. — Und ſeine Antwort? — Nach längerer Unterhandlung hatte er ſich endlich, als er ſchon Unſinn genug geſprochen, dazu verſtanden, das verlangte Löſegeld an der betreffenden Stelle niederlegen zu laſſen. — Haſt Du es gefunden? — Nicht einen Ducaten, Padre! — Sangue di Dio— dann muß die Prinzeſſin ſterben! rief der Prieſter mit wüthender Geberde, aber ſage mir, Anſelmo, war es Dir möglich, in dieſer Maskerade zu Seiner Hoheit zu gelangen? — Raſch riß der Gefragte Bart und Perücke herunter, warf den Mantel von ſich, und wenn es nicht ſchon früher geſchah, er⸗ kennen wir jetzt den nächtlichen Abgeſandten, welcher dem Statt⸗ halter ſeine Aufwartung gemacht hatte. — Hier ſeht Ihr den Marcheſe Salotti vor Euch, ſagte er lachend. — Marcheſe Salotti— wiederholte die Bande mit Bei⸗ fallsrufen; ein ſolcher Mann macht uns mindeſtens Ehre. — Schweigt! gebot der Moͤnch; alſo kein Löſegeld? — Wunderbarer Weiſe habe ich es nicht gefunden. — Dann muß das Todesurtheil an der Prinzeß vollſtreckt werden 5 Neues vol — — N wahrhafte 4 raſt wie —1 — 6 gern gand keine Sol ſich der zuweiſen ſaniello? befehloha nicht ohl manche unter U Demüthj iſt ein einzigen Räuber Puth Lorenzo in mei hwarzem, jere ähn⸗ Pu bliehſt blich, als verlangte en. ben! rief Anſelmo, Hoheit zu ter, warf ſchah, er⸗ em Statt⸗ ſagte er nit Bei⸗ re. pollſtreck ein Hir, — 75⁵9 werden— aber das läuft uns nicht davon, ſage uns etwas Neues von Neapel. — Es geht dort luſtig her. — Nun? — Man mordet, man brennt, man plündert— es iſt ein wahrhafter Jubel. — Und Maſaniello? — Decretirt Todesurtheile, Preiserhöhungen auf Köpfe und raſt wie ein Ungeheuer. — Und ſeine Hoheit ſieht ruhig zu? — Es bleibt ihm wohl nichts Anderes übrig— er würde gern ganz Neapel in den Grund ſchießen laſſen, allein er hat keine Soldaten, war ſogar obenein gezwungen, diejenigen, welche ſich der Küſte zur Hülfe nahten, auf Maſaniello's Befehl zurück⸗ zuweiſen. — Alſo regiert nicht der Herzog von Arcos, ſondern Ma⸗ ſaniello? — Ganz recht, aber der Vicekönig ſelbſt hat ihn zum Ober⸗ befehlshaber ernannt— übrigens wird dieſer Herzog von Arcos nicht ohne guten Grund dieſem Treiben ſo ruhig zuſehen. — Er iſt ſchlau und verſchmitzt und wird gewiß noch auf manche Liſt ſinnen. — Wie er es ſchon oft gethan hat— ergänzte der Räuber. — Noch geſtern habe ich ihn bedauert, ja, ich hätte ihm unter Umſtänden Hülfe geleiſtet, heute gönne ich ihm dieſe Demüthigung von Herzen gern, verſetzte der Mönch, denn er iſt ein grauſamer Geizhals, der nicht einmal das Leben ſeiner einzigen Tochter berückſichtigt— da lobe ich mir Maſaniello Gewiß, denn er hat vierzigtauſend Ducaten auf den Kopf des erſten Miniſters, Don Herandez, Grafen von Monteja, geſetzt. Ein Zug von Ueberraſchung zeigte ſich in dem Antlitz des Räubers Fra Lorenzo. — Vierzigtauſend Ducaten? ſtotterte er. O, ich könnte vor Wuth raſend werden! rief er dann mit finſteren Blicken. — Welchen Aerger giebt es denn Padre? fragte Anſelmo. — Wir hätten dieſen Preis gewinnen können, rief Fra Lorenzo, denn der Verfolgte befand ſich vor wenigen Tagen in meiner Gewalt. 760 — Corpo di Dio! Das iſt allerdings ärgerlich! rief die Bande einſtimmig, der ein langes Murren folgte. — Hört, Freunde, ſagte der Mönch, er führte einen Frei⸗ paß bei ſich, der mußte ihn eigentlich ſchützen, aber dieſer gilt nur für die Landſtraße und nicht für die Stadt— das Löſegeld muß verdient werden— wer hat Luſt, einen Auftrag zu über⸗ nehmen, der es uns ſichert? Alle traten zum Hauptmann. — In der That, lächelte dieſer, der Kopf des Miniſters findet viele Bewerber— es werden alſo ſechs Mann nach Nea⸗ pel gehen, um Don Herandez in die Hände ſeiner Feinde zu liefern. Die ganze Bande ſtimmte ein wüſtes Freudengeſchrei an. — Ich und Anſelmo werden ebenfalls nach Neapel gehen— und wir ſind unſeres Fanges gewiß. — Der Miniſter wird ſchwer zu fangen ſein, da er ſicher im Caſtel Nuovo ein Unterkommen hat, verſetzte Anſelmo. — Er kann uns nicht entgehen— ſagte der Mönch mit Beſtimmtheit. — Woher wißt Ihr dies ſo gewiß, Padre? — Ein Mitglied der Volksregierung, mir perſönlich bekannt, hat ihm den Freipaß gegeben, mit dieſem ſteht alſo ſeine Excellenz in Verbindung— wir werden überhaupt aufmerkſam ſein, und dann kann er uns unmöglich entwiſchen— ich felbſt werde frei⸗ lich die Hauptſache thun— doch ſage mir, Nſelino. giebt es noch mehr preisgekrönte Köpfe? — Noch einige. — Nenne die Namen. — Unter Anderen habe ich gehört, daß man auch den Prin⸗ zen Giulio Caraffa verfolgt, der in der Tracht eines Mönchs aus dem Gefängniß entkommen ſein ſoll. Des Mönches Züge erheiterten ſich. — In einer gewiſſen Angelegenheit dieſes Prinzen hat der Miniſter mit mir verhandelt, ſagte er— er hat mir nämlich ſeinen Tod auf die Seele gebunden— ungliücklicherweiſe hat ſich der betreffende junge Mönch noch nirgends gezeigt— übrigens iſt ſein Kopf bereits bezahlt. — Von dem Miniſter? riefen Alle. Der ¹ 3 Volksregie — übrigens Lauer ſei Lorenzo, und wit Die Sendung fuhr der zurichte das ne Rückſich daß wi ſchönen glaube ben Fri⸗ ieſer gilt Läſegeld zu über⸗ Miniſters ach Nea⸗ Feinde zu ei an. gehen— er ſicher 9 nch mit bekannt, Errellenz ein, und rde frei⸗ giebt es en Prin⸗ Mönchs hat der nämlich brigens rief die 1 —;—— derſh Der Mönch neigte bejahend ſein Haupt. — Iſt denn auf das Leben des Prinzen auch von der Volksregierung ein Preis geſetzt? fragte einer der Räuber. — Ich glaube, viertauſend Ducaten, antwortete Anſelmo. — Corpo di Dio! Dann wollen wir ſuchen, das Geld zu veerdienen! ſchrie der Mörder deſſen, den der Mönch im Todes⸗ kampfe beiſtand.— Sollte er denn durch das Gebirge kommen? — So ſagte der Miniſter, der eines kleinen Eiferſuchts⸗ handels wegen mit dem Prinzen nicht auf beſonders freundſchaft⸗ lichem Fuße ſteht, verſetzte Fra Lorenzo, da dieſer diejenige liebt, welche ſeine Gattin werden ſoll, und wißt Ihr, wie ſich dieſe Dame nennt? — Wer iſt ſie— wer iſt ſie? fragte man allgemein. — Unſere Gefangene— gab der Räubermönch zur Ant⸗ wort. — Die Prinzeß? ſchrieen Alle wild durcheinander. — Soll ich es Euch wiederholen? — Seltſam, daß alle Drei ſterben müſſen! rief Anſelmo; übrigens müſſen wir nach dieſem jungen Mönch ſtark auf der Lauer ſein und in verſchiedene Gegenden einen Mann abſenden. — Dieſes Lumpengeld kann uns nicht viel nützen, rief Fra Lorenzo, beſſer ſind die vierzigtauſend Ducaten für ſeine Excellenz, und wir wollen ſie verdienen. Dieſem Beſchluß folgte ein allgemeines Beifallsgeſchrei. — Und nun will ich der Gefangenen das Reſultat unſerer Sendung mittheilen und ſie zugleich auf ihren Tod vorbereiten, fuhr der Hauptmann fort. — Padro, ſeid Ihr wirklich entſchloſſen, die Prinzeſſin hin⸗ zurichten? fragte Anſelmo. — Was bleibt uns ſonſt übrig? — Wäre nicht ein zweiter, ſtrengerer Verſuch beſſer, alſo das nachholen, was ſonſt immer gleich geſchieht und nur aus Rückſicht gegen den Vicekönig noch unterblieben war. — Dieſe Rückſicht war allerdings überflüſſig, und Du meinſt, daß wir das Verſäumte nachholen? — Gewiß, Padre, wir nehmen ein Glied des Körpers der ſchönen Prinzeß mit uns und präſentiren es dem Herzog, ich glaube, er wird dann nicht länger zögern. 762 noch das Leben laſſe, die Operation ſogleich ſelber machen. Mit dieſen Worten entfernte er ſich. Ein geſchickter Operateur. Faſt drei Tage waren Leonore in ihrer ſchrecklichen Ge⸗ fangenſchaft verfloſſen, als der Mönch vor ihr ſtand. — Donna, ſagte er, ich werde mir erlauben, einige Worte mit Ihnen zu ſprechen— und zwar in einer höchſt wichtigen Angelegenheit für uns Beide. — Wozu die lange Einleitung? fragte Leonore kalt. — Sie haben Recht, Prinzeß, und wir wollen ſchnell ſein. Der Bote iſt von Ihrem Vater zurückgekehrt. — Und hat das Löſegeld nicht gebracht. — Es thut mir leid, dies bethätigen zu müſſen. Sie wiſ⸗ ſen alſo, Prinzeß, welches Loos Ihrer wartet. — Ihr habt es mir ſchon längſt mitgetheilt, und ich bin zum Tode bereit. — Ich muß Ihnen bekennen, Signora, daß ich dieſe Hand⸗ lungsweiſe von Seiner Hoheit, dem Vicekönig von Neapel, ſehr grauſam finde. Ein höhniſches Lächeln ſchwebte um Leonore's Lippen. — Ihr findet grauſam, daß mein Vater Euren Seckel durch die Bewilligung Eurer unverſchämten Forderung nicht bereichert hat, ſagte ſie; ich finde es vollkommen gerechtfertigt. — Alſo Sie wundern ſich nicht über einen ſolchen Raben⸗ vater, verehrte Prinzeß? fragte der Mönch mit eigenthümlicher Betonung. — Ich danke meinem Vater für dieſe Nichtbewilligung, denn das Leben iſt mir eine Laſt. — Ich werde mir die Sache überlegen, ſagte der Mönch; jedenfalls will ich mich aber zu ihr begeben, und wenn ich ihr bin durch erſcheinen künftige lipys d legung, mir De Raum ſch mit ſtehen, gegang denken, * eines! 763 — So jung, und welche Sprache? Welche Gründe könnten 16 hi ddiieſe rechtfertigen? —— Welche Gründe auch vorwalten mögen, ſie intereſſiren immer nur mich allein, und ich fühle mich nicht berufen, irgend Jemand, am allerwenigſten einem Räuber und Mörder näheren Aufſchluß darüber zu geben. Leonore drehte ihm ſtolz den Rücken, und der Mönch ſchien verletzt. — Signora, ſagte er in ziemlich gleichgültigem Tone, ich bin durchaus wenig neugierig, allein es muß doch wunderbar erſcheinen, daß Sie, die Tochter des Herzogs von Arcos, die künftige Gemahlin eines der begünſtigſten Staatsmänner Phi⸗ lipp's des Vierten, nicht leben wollen. — Ich will es nicht, weil ich eben nicht will. hen Ge⸗— Meine Tochter, ſagte der Räuber nach längerer Ueber⸗ legung, ich will jetzt einmal als Prieſter zu Dir ſprechen; öffne Worte mir Dein Herz— ich vermuthe, daß eine Neigung in demſelben ichtigen Raum gefunden, welche ſowohl Deinem Vater mißfällt, als auch ſich mit Deinem Stande nicht vereint .— Ich will weder dem Prieſter, noch dem Räuber Rede jell ſein. ſtehen, verſetzte Leonore verächtlich— das Löſegeld iſt nicht ein⸗ gegangen, Ihr kennt Eure Aufgabe, ſeid alſo ſchnell. — Damit Sie ſehen, daß ich minder grauſam bin, als Sie 1 die wiſ⸗ denken, will ich Ihnen eine Freude bereiten. 3 — Mir eine Freude? fragte Leonore achſelzuckend. ich bin— Wozu mir Gelegenheit wird durch die Mitwiſſenſchaft eines kleinen Herzensgeheimniſſes Eurer Hoheit, ſagte der Räu⸗ Hand⸗ ber nicht ohne Spott. el, ſehr Leonore war durch dieſe Aeußerung verwirrt und beſtürzt, ſie firirte den Mönch, war aber augenblicklich keiner Worte n. fähig. ldurch— Sie ſcheinen zu ſtaunen, Prinzeß; nun, Sie ſollen ſo⸗ wichert gleich hören, daß ich die Wahrheit ſage: Sie lieben den Prin⸗ zen Giulio Caraffa, nicht ſo? Naben⸗ Als dieſer Name genannt wurde, fühlte Leonore ihr Herz nlicher krampfhaft erbeben; ſie war verwundert, wie ihr theuerſtes,⸗ nur in der verborgenſten Falte ihres Herzens aufbewahrtes Ge⸗ heimniß zur Kenntniß des Räubers gelangen konnte, allein ſie gung,— d Vund hielt es unter ihrer Würde, darnach zu forſchen. ¹ 1 764 — Sie ſchweigen, Sennora? fragte der Mönch. Leonora ſenkte die Blicke zu Boden und blieb ſtumm. — Quis tacet— consentit—(wer ſchweigt, giebt zu), ſagt der Lateiner, fuhr der Mönch lächelnd fort— ich weiß, daß der Prinz von Caraffa Ihrem Herzen nahe ſteht und will deß⸗ halb Sorge tragen, daß Sie ihn vor Ihrem Tode noch einmal ſehen— wollen Sie dies? — Nein! verſetzte Leonore mit feſter Stimme. — Sie weigern ſich? — Entfernt Euch, gebot Leonore mit Entſchiedenheit, oder macht meinen Qualen ein Ende— ich wiederhole, daß ich zum Sterben bereit bin. — Ueber Ihren Tod, Sennora, habe ich allein zu verfügen, ſagte der Räuber mit Selbſtbewußtſein, und in meiner Willkür ſteht es, Ihren Tod nach Belieben eintreten zu laſſen. — O, ſchiebt ihn nicht lange hinaus, flehte Leonore. — Und es muß doch geſchehen; Sie werden noch nicht ſter⸗ ben, Prinzeß, ich habe mir die Sache überlegt und beſchloſſen, noch einmal mit Ihrem Vater zu unterhandeln. — O, thut es nicht, ich wiederhole Euch, der Tod iſt mir willkommen. — Aber nicht mir— ſagte der Mönch lächelnd, und ich werde meinen Plan ausführen. — Es wird Eunch nichts nützen, mein Vater kann in dieſem Augenblick nicht über die gewünſchte Summe verfügen, wie ich Euch bereits geſagt habe. — Der Weg, den wir jetzt einſchlagen, muß und wird zum Ziele führen, Prinzeß, ſagte der Mönch ſo bedeutungsvoll, daß es Leonore auffallen mußte. — Was wollt Ihr beginnen? fragte ſie. — Eine Maßregel anwenden, die ſonſt ohne alle Umſtände gleich zu geſchehen pflegt, bei Ihnen aber unterblieben iſt. — Warum hat man mit mir eine Ausnahme gemacht? — Weil man die Schönheit nicht— verſtümmeln wollte. — Verſtümmeln? rief Leonore erbleichend.— — Leider, Signora, muß dieſer Fall nun bei Ihnen ein⸗ treten— es herrſcht bei uns ein altes Geſetz, daß man, um das Löſegeld von den Verwandten zu empfangen, irgend ein Glied des Gefangenen mittſchickt. 1 Leono Stimme a einen Prie — K tet zu Ro vermag m und Rom zielei die icher Nat ration. Leone ihm ab. 3 Körpers, Vater ein — A rückukehr tion an Der hinaufzu Noch der in de Hand, r Schulter ſchnell g ein geſch erfügen, Wi 2 dieſem vie ich td zum U, daß iſtände Leonore wurde unwillkürlich von einem Fröſteln ange⸗ wandelt. — O Ihr entmenſchten Barbaren! rief ſie mit ſchmerzlicher Stimme aus, und Ihr, elender Räuberchef, wagt es noch, Euch einen Prieſter zu nennen. — Keine himmliſche Macht, als höchſtens der heilige Va⸗ ter zu Rom, ſeine Heiligkeit, Papſt Innocenz, ſagte der Mönch, vermag mir die einmal empfangene Prieſterweihe abzuſprechen, und Rom— iſt weit, ſetzte er lächelnd hinzu— doch nun zum Ziele; dieſe Verſtümmelung, Sennora, iſt keineswegs ſo ſchreck⸗ licher Natur, ſie iſt im Gegentheil nur eine unbedeutende Ope⸗ ration. Leonore wandte entſetzt und voll Abſcheu ihr Antlitz von ihm ab. — Ich werde alſo, fuhr der Prieſter fort, ein Glied ihres Körpers, wir wollen den kleinen Finger wählen, Ihrem Herrn Vater einſenden, dann wird er ſchon andere Seiten aufſpannen. — Aus meinen Augen, Scheuſal! — Das werde ich thun, Signora, aber nur, um bald zu⸗ rückzukehren, damit ich mir perſönlich die Ehre gebe, die Opera⸗ tion an Ihrer ſchönen Hand zu vollziehen. Der Mönch gab ein Zeichen— das Seil erſchien, um ihn hinaufzuwinden— er verſchwand. Noch ehe eine Viertelſtunde veronnen war, erſchien er wie⸗ der in der Höhle; ein ſcharfes breites Meſſer blitzte in ſeiner Hand, während leinene Streifen zum Verbande über ſeiner Schulter hingen. 1 — Jetzt, Signora, machen Sie ſich bereit, die Sache wird ſchnell geſchehen und durchaus nicht ſchmerzlich ſein— ich bin ein geſchickter Operateur. Der Mann mit dem Beil. Am Abend deſſelben Tages, an welchem Herandez das Ge⸗ ſpräch mit Thereſia geführt hatte, etwa um die elfte Stunde ſaß der alte Celeſto in ſeiner Kellerwohnung und war im Leſen verſchiedener Documente vertieft. Einer der Thürſteher trat plötzlich ein und meldete Beſuch. — Wer begehrt mich zu ſprechen? rief Celeſto, ſcheinbar aärgerlich wegen des unberufenen Störers. — Ein Fiſcher— war die Antwort. — Laß ihn kommen, gebot er dem Diener und verbarg raſch die Papiere, die er vor ſich hatte, Bald darauf trat ein Mann in einem groben Fiſcher⸗ mantel ein.— — Sie wagen zu viel, Excellenz, redete Celeſto den Ange⸗ kommenen an. — Ich glaube nicht mehr zu wagen, als jeder andere Nea⸗ politaner, welcher ſich auf die Straße wagt, denn Niemand iſt jetzt ſeines Lebens ſicher— und Ihr zittert Alle vor dem furcht⸗ barſten aller Schlächter der Welt. — Wir zittern Alle, verſetzte der Alte mit dumpfer Stimme. — Was waren Nero, Caligula, Don Pedro von Caſtilien gegen Maſaniello, Lämmer im Vergleich zu dieſem Tiger, dieſem Blutmenſchen. — Er iſt grauſam— es iſt wahr. — Jene könnte man noch entſchuldigen, denn ſie waren ge⸗ borene Herrſcher und hatten immerhin ein gewiſſes Recht, ihre Unterthanen zu züchtigen. — Niemand hat das Recht, nach Willkür zu wirthſchaften, die Welt gehört Gott und nicht den Tyrannen, wenn geborene Herrſcher das Privilegium haben ſollen, Blut zu vergießen, ſo kann ich auch nicht begreifen, warum diejenigen, welche ſich dazu emporſchwingen, nicht gleichfalls ihre Macht zeigen ſollen— es iſt nicht zu leugnen, daß Maſaniello in dieſem Augenblick Herr von Neapel iſt und allerdings Veranlaſſung bietet, zu zittern. — Iht — Wit — Und ſon? rief ſiſet Wa — Ihn dez m Han di gerſeßte Cel ſnd wir Be — Der — Sie eit er den hauptet, er niglichen S — Er — E. zu haben, eigenthümli — Ih denn in ſe Spannunc — E träufelt. Heran anwandeln entgangen Bald lachen. — T wird ihm — E Creigniſſe, Hrnandey nicht ohne 3 das Ge⸗ te Stunde inm Leſen e Beſuch ſcheinbar Fiſcher⸗ den Ange⸗ ndere Naa⸗ iemand iſt em furcht⸗ Stimme. Caſtilien er, dieſem waren ge⸗ techt, ihre hſchaften, geborene jeßen, ſo ſich dazu — es iſt Herr von n. verbarg 767 — Ihr Alle zittert vor ihm, ich weiß es. — Wir ſind mindeſtens ſehr beſorgt. — Und Ihr wollt dieſe Geißel Neapels noch lange ſchalten laſſen? rief Herandez entrüſtet. — Was ſollen wir thun? verſetzte Celeſto. — Ihn ſtürzen— den Schlächter ſchlachten— entgegnete Herandez mit donnernder Stimme. — Bei der heiligen Jungfrau, ſprechen Sie nicht ſo laut, verſetzte Celeſto in flüſterndem Tone— wenn man Sie hört, ſind wir Beide verloren.— — Der Schlächter ſchläft jetzt. — Sie kennen ihn ſchlecht— er kennt keinen Schlummer ſeit er den Palaſt des Herzogs von Arcos verlaſſen— er be⸗ hauptet, er ſei auf eine höchſt eigenthümliche Weiſe in dem kö⸗ niglichen Schloſſe vergiftet worden. — Er iſt wahnſinnig— rief Herandez verlegen. — Es ſcheint ihn dieſe fire Idee zum Wahnſinn gebracht zu haben, auch giebt er die Art und Weiſe dieſer Vergiftung eigenthümlich an, ſagte Celeſto mit ſcharfem Nachdruck. — Ihr habt dies ſchon einmal geſagt— was bildet er ſich denn in ſeinem Wahnſinn ein? fragte Herandez mit ängſtlicher Spannung. — Er behauptet, man habe ihm Gift in das Ohr ge⸗ träufelt. Herandez, ſo verbrecheriſch er auch war, vermochte die ihn anwandelnde Beſtürzung nicht zu unterdrücken, was Celeſto nicht entgangen war. Bald aber begann der Miniſter laut und unangenehm zu lachen.. — Der elende, wahnſinnige Narr, ſagte er— wer aber wird ihm glauben? — Excellenz, wir leben in einer Zeit, wo man die finſterſten Ereigniſſe, in Bezug auf einen Mann aus dem Volke, mit dem Palaſt des Herzogs von Arcos in Zuſammenhang bringen würde⸗ndn 3 — Das ſoll alſo heißen— mit dem Herzog ſelbſt, verſetzte Herandez in vorwurfsvollem Tone. asmores Das habenich nicht geſagt, Excellenz, aber das Volk iſt nicht ohne Verdacht m ſagte Celeſto leiſe. 768 — Erklärt Euch deutlicher. — Ich glaube, ich war deutlich genug, Excellenz, Sie zu warnen, am allermeiſten Sie, auf deſſen Ergreifung man ohne⸗ hin einen Preis von vierzigtauſend Ducaten geſetzt hat. Wiewohl Herandez in ſeinem Inneren hebte, vermochte er doch ein hämiſches Lächeln nicht zu unterdrücken. — Ich hoffe, der Steckbrief auf mich wird nicht erledigt werden, ſagte er im Tone zuverſichtlicher Ruhe. — Seien Sie auf der Hut, Excellenz— entgegnete Celeſto mit warnender Stimme. Dabei warf er auf Herandez einen jener ſeltſamen Blicke, vor welchem Jeder ſchauderte— und auch der Miniſter fühlte ſich unheimlich berührt. — Ihr ſeht ſchon wieder mit dem eigenthümlichen, unheil⸗ vollen Ausdruck Eures Auges auf mich, ſagte er, Ihr wißt, ich liebe ihn nicht. — Ich möchte behaupten, mein Blick ſei lange nicht ſo drohend, ſo furchtbar wie der des Don Silva, den alle Welt den Gettatore nennt, und mit dem Excellenz länger in Verbin⸗ dung ſtehen als mit mir— aber Sie haben ſich an ſein Auge gewöhnt— an meines nicht.— — Man kann ſich an Euren Anblick nicht gewöhnen, Pater! — Sprechen wir von etwas Anderem, Excellenz,— fiel Celeſto ausweichend ein— in welcher Angelegenheit ſind Sie bei mir erſchienen— ſie muß wichtig ſein. — Wichtig und traurig zugleich. — Laſſen Sie mich hören. — Es iſt ein großes Unglück geſchehen, zu deſſen Abwen⸗ dung ich Eurer Vermittelung bedarf. — Sie ſoll Ihnen werden, Excellenz, wenn es möglich iſt, aber wen betrifft das Unglück? — Die Prinzeß— — Sie machen mich neugierig, doch was könnte ich beitra⸗ gen, ein Unglück von dem Haupte der Prinzeß abzuwenden? fragte Celeſto überraſcht. — Die Tochter des Vicekönigs iſt auf ihrer Reiſe nach Calabrien in die Gefangenſchaft des Räubermönchs Fra Lorenzo⸗ gerathen, und dieſer Elende verlangt ein Löſegeld von dreißig —— ruſſend D den ſollen Summe i allein ſtat er kann do welchen ic — U — 9 wünſche, ihm gelang Geld beſte nehmen. J die nur zu aber in C — 3 — E Armen, ab es ſich um — T G wichtigen leuchtende fragte H — 9 Leben zu gen ein t mit ſeine 0 ſchon die Schritte aus leicht alſo ſelbſt Das g 769 tauſend Ducaten, welche ihm ſchon heute hätten eingeliefert wer⸗ den ſollen. Der Herzog glaubte in der geſtrigen Nacht, dieſe Summe noch aus ſeiner Schatzkammer entnehmen zu können, allein ſtatt des Geldes fand er dort nur geleerte Beutel vor— er kann daher augenblicklich nur über zwanzigtauſend Ducaten, zu welchen ich die Hälfte beiſteuere, verfügen. — Und was ſoll ich nun thun? Y— Ihr ſeid mit dem elenden Mönch befreundet, und ich nete Celeſto wünſche, daß die Summe durch Eure Vermittelung ſogleich zu ihm gelange, dann wird der Nichtswürdige, der auf das ganze men Blick, SGSeld beſteht, zufrieden geſtellt ſein und von dem Reſt Abſtand iſter fühlte nehmen. — Ich will es verſuchen, ſagte Celeſto mit einer Betonung, hen, unheil die nur zu ſehr zeigte, wie gern er das Geſchäft abwickeln wollte; r wißt, ich aber in Geldſachen kennt Fra Lorenzo keine Freundſchaft. — Ihr könntet wirklich glauben, er würde ſich weigern? ge nicht ſogſt— Er iſt wenigſtens ſehr eigenſinnig, ſpendet wohl den alle Welt Armen, aber erläßt den Reichen auch nicht einen Realen, wenn in Verbin⸗ es ſich um ein Löſegeld handelt. ſein Auge— Das wäre allerdings ein grauenvolles Unglück. .— Haben Sie das Geld bei der Hand? 8 gewöhnen,— Hier iſt es, ſagte Herandez, indem er Celeſto einen ge⸗ wichtigen Beutel überreichte, welchen der Alte mit unheimlich enz,— fiel leuchtenden Augen in ſeinen Händen wog. t ſind Sie— Ich will ſogleich mich ſelber damit auf den Weg machen, 1 ſagte er. 65 — Ihr fürchtet alſo nicht, daß es ſchon zu ſpät ſein könnte? fragte Herandez etwas kleinlaut. hen Abwen⸗— Nein, der elende Räuber wird ſich hüten, ſo leicht ein Leben zu opfern, welches ihm, wenn auch nicht heute, ſo doch mor⸗ mäͤglic iſ gen ein theures Löſegeld bringt, und das er früher oder ſpäter mit ſeinem eigenen Leben büßen müßte. — Ich denke wie Ihr, ſagte Herandez, welcher übrigens ich beitra⸗ ſchon die Polizeibehörde in Calabrien angewieſen hatte, ſogleich bruwenden⸗ Schritte für die Befreiung der Prinzeß zu thun, was er jedoch 1 aaus leicht erklärlichen Gründen dem Alten verſchwieg; Ihr wollt alſo ſelbſt zu dem Räuber? 1 — Ich werde noch in dieſer Nacht aufbrechen. Das Hpfer von Amalfi.(Bd. I 49 1 Reiſe nach fra Lorenze⸗ von dreißig 770 — Wie aber, wenn Ihr den Räuber nicht fändet, der viel⸗ leicht gar ſelber in Gefangenſchaft gerathen ſein könnte? Celeſto warf auf den Miniſter einen durchdringenden Blick. — Es iſt nicht anzunehmen, ſagte er ſcharf, daß der Räu⸗ ber von einer anderen Seite her, als von der Regierung über⸗ fallen werden könnte; würde ſeine Bande ſelbſt zerſtreut, ſo giebt es Schlupfwinkel in den Gebirgen, die außer ihm Niemand kennt und keine menſchliche Macht ergründen könnte— ſollte Fra Lorenzo indeſſen gefangen ſein, nun, dann erhalten Sie das Geld zurück. Ein zufriedenes Lächeln zeigte ſich in Herandez's Angeſicht. — Ich werde Euch erkenntlich ſein, ſagte er, die Zeit iſt nicht fern, wo meine alte Macht hergeſtellt ſein wird— ich werde noch in dieſem Monat meine Vermählung mit der Prin⸗ zeß feiern, und Ihr kennt meinen Einfluß bei ſeiner Hoheit in Madrid. Er reichte Celeſto die Hand und entfernte ſich, während der Alte ihm mit unbeſchreiblichem Hohne nachblickte. — Du biſt betrogen, Teufel, murmelte er, ſteckte den Beu⸗ tel, den er kaum tragen konnte, zu ſich und war im Begriff, das Zimmer zu verlaſſen. Nein, ſagte er plötzlich— die Angelegen⸗ heit kann morgen früh erledigt werden. Als Herandez die Wohnung Celeſto's verlaſſen hatte, eilte er über den Platz del Carmine. Düſter erhob ſich die Richterbühne mit ihren gräßlichen Trophäen, im ſchauervollen Lichte des Mondes. Herandez bebte bei dieſem Anblick, er hätte gern die Augen geſchloſſen, allein er vermochte es nicht. Als ob eine überirdiſche Gewalt ſeine Blicke an das Blut⸗ gerüſt gefeſſelt hätte, ſo fühlte er ſich gezwungen, den Schreckens⸗ ort zu betrachten. Ein Grabesſchauer wehte ihn an, als er die Köpfe erblickte. Er wähnte, ſie ſchauten auf ihn mit zürnenden Blicken. Plötzlich wollte er bemerkt haben, daß ſich die Köpfe beweg⸗ ten— ſeine Blicke umnachteten ſich— ein Schwindel ergriffn ihn ſine ncht erha In de Straße, liches Kla Gerüſt be⸗ 3u g nicht entfli auf ihn g. Und Stätte de mochte di wollt hätt Bei d leer ſtand, Spitze tru Da Pfahl iſt Ein um— überall fe — 1 eine kreiſe Jett Glauben wollte— Die waren ne Mec kamen ur Mit dooben ei duc felrothem Boden ge Jett 1 der viel⸗ te? nden Flit der Räu⸗ ung über⸗ t ſo giebt Niemand — ſolte ſeen Sie das Y 1 Angeſicht. ſie Zeit it rd— ich der Prin⸗ Hoheit in ſährend der den Beu⸗ hegriff, das Angelegen⸗ atte, eilte gräßlichen die Augen das Blut⸗ Schreckens⸗ e erblickt. 1 pfe beweg⸗ del ergriff. 771 ihn, ſeine Beine zitterten— er konnte ſich nur mit Mühe auf⸗ recht erhalten. In dieſem Augenblick fuhr ein Windſtoß ächzend über die Straße, wirbelte den Staub auf und verurſachte ein unheim⸗ liches Klagegetön unter den Holzgeräthen, welche ſich auf dem Gerüſt befanden. Zu gleicher Zeit flatterte eine Schaar von krächzenden Raub⸗ vögeln herab, umkreiſten ihn und flogen dann mit geräuſchvollen Flügelſchlägen davon. Herandez blieb von Entſetzen gefaßt an der Stelle, er konnte nicht entfliehen, es war ihm, als hätten ſich unſichtbare Laſten auf ihn gewälzt, die ihn am Gehen hinderten. Und immer wieder trieb es ihn, hinaufzuſchauen nach der Stätte des Todes. Seine Blicke lenkten hinauf— er ver⸗ mochte die Augen nicht zu ſchließen, wie gern er es auch ge⸗ wollt hätte. Bei dieſer Gelegenheit bemerkte er, daß einer der Pfähle leer ſtand, während alle Uebrigen die gräßlichen Köpfe an der Spitze trugen. Da war es ihm, als flüſterte ihm Jemand leiſe zu: Der Pfahl iſt für Deinen Kopf beſtimmt, hüte Dich! Ein Schauder durchrieſelte ſein Gebein— er blickte ſich um— Niemand war an ſeiner Seite. Seine Blicke flogen überall forſchend umher— Alles leer. — Das iſt der Pfahl für Herandez's Kopf! rief plötzlich eine kreiſchende Stimme. Jetzt hatte er ſich nicht getäuſcht— gern gab er ſich dem Glauben hin, daß das Geflüſter, welches er vernommen haben wollte— Wahrheit wäre. Dieſe gräßliche Stimme— dieſe Tod verheißenden Worte waren nicht hinwegzuleugnen. Mechaniſch ſah er nach der Stelle hin, woher die Worte kamen und— neues Grauen erfüllte ihn. Mit offenem Munde, mit glotzenden Augen erblickte er da droben eine Geſtalt, welche ein Beil über ſich ſchwang. Hoch droben am Himmel aber leuchtete der Mond mit dun⸗ kelrothem Schein, als ſpiegelte ſich das Blut, welches dieſen Boden gefärbt hatte, in der nächtlichen Himmelsſcheibe ab. Jetzt hielt es ihn nicht länger— wie von Geiſtergewalt 49* 772 gezogen, wie von Windesſchwingen gehoben und wie von Furien gejagt, trieb es ihn von dannen. Er hatte alle ſeine Kräfte geſammelt und ſtürzte vor⸗ wärts. Seine Schritte hallten in den verödeten Straßen dumpf wieder. Er wähnte verfolgende Schritte hinter ſich zu vernehmen und wagte es nicht, ſich umzublicken. Aechzend und athemlos, keuchend vor Höllenangſt, eilte er vorwärts. 8 Immer und immer aber dachte er an die ſchrecklichen Worte, die er gehört— an den Mann mit dem Beile, den er geſehen hatte. Endlich gelangte er in ſeine Wohnung; ſchweißtriefend warf er ſich, nachdem er alle Thüren ſorgfältig aber mit zitternden Händen verriegelt hatte, auf ſein Lager. Der Mond warf ein grelles Licht auf die Wände und ſeine Phantaſie zeigte ihm ſcheußliche, ſchattenhafte Weſen, welche auf derſelben einen Geiſterreigen zu tanzen ſchienen. Er raffte ſich vom Lager auf, tappte mit geſchloſſenen Augen durch das Zimmer nach den Fenſtern hin und zog die Vorhänge zu, um nicht mehr durch den Schein des Mondes erſchreckt zu werden. Endlich, nach langem Hin⸗ und Herwerfen verſank er in einen unruhigen Schlaf. In der That ſtand auf dem Blutgerüſt ein Mann, welcher ſo in Gedanken verſunken war, daß er den nächtlichen Wanderer auf der Straße nicht bemerkt hatte. Plötzlich erwachte er aus ſeiner Träumerei, er blickte auf den leeren Pfahl und ſprach jene Worte, welche Herandez ge⸗ hört hatte. Kaum war dieſer aus der Nähe des Blutgerüſtes verſchwun⸗ den, als die Geſtalt da oben wild um ſich blickte. — Ich habe Schritte gehört, begann ſie, wer wagt es, außer dem Regenten Neapels in der Nacht über die Straße zu gehen? fuhr er in zürnendem Tone fort— nur der Verrath und das Verbrechen ſchreitet zu dieſer Stunde durch die Stadt, oder ſollte es Herandez ſein. Er hielt das Beil, welches ſich neben einem Blocke auf der Blutbühne befand, in der Hand und ſchwarn wild und drohend. athemloſe Schn wiederun De Ihr mi dieſem? ſcharffin lich auf Ereigni Lochter Geheim aus der zugeſtel ſon Furien Ben dumpf ernehmen athemos, en Worte, er geſehen fend warf jitternden und ſeine welche auf en Augen Vorhänge ſchreckt zu ſank er in 7, welcher Wanderer glickte auf andez ge⸗ eerſchwun⸗ wagt es, Straße zu Verrath ie Stadt, eauf der vild und urzte vor⸗ — Ja, ja, fuhr er dann fort, er war es, ich will ihm fol⸗ gen— hilf mir, Du blutig leuchtender Mond mit Deinem Lichte, ihn zu finden. Mit einem dumpfen Fall entſank das Beil ſeinen Händen — er verließ den Schreckensort und eilte dem Wanderer nach, deſſen Schritte er noch vernahm. — Ich finde ihn heute oder kiie, ſagte er und ſtürzte in athemloſer Haſt vorwärts. Die neue Sterbeliſte. Schon wollte ſich der alte Celeſto zu Bette begeben, als wiederum ein Beſuch erſchien, es war— der Geheimſchreiber. Der Alte begrüßte ihn mit einem freudigen Ausruf. — Wenngleich Ihr meinen Schlummer ſtört, rief er, ſo ſeid Ihr mir dennoch niemals ſo willkommen geweſen, als gerade in dieſem Augenblick. — Welches Ereigniß giebt es denn?— — Ein höchſt wichtiges und intereſſantes, Pietro, Ihr ſeid ſcharfſinnig, aber Ihr werdet darauf nicht kommen, weil es wirk⸗ lich außer aller Berechnung liegt. — Ihr macht mich ſehr geſpannt, Celeſto, betrifft dieſes Ereigniß Maſaniello? fragte der Geheimſchreiber haſtig. — Nicht ihn, ſondern den Herzog von Arcos— und ſein Töchterlein, welche eine Beute der Räuber geworden iſt. — Inwiefern intereſſirt dieſe Nachricht mich? ſagte der Geheimſchreiber in verächtlichem Tone. — Ihr ſollt es ſogleich erfahren. — Was kümmert mich die Prinzeß und ihr Schickſal. — Hört mich zu Ende— ein Löſegeld kann die Prinzeß aus der Gewalt der Räuber befreien— und dieſes Geld iſt mir zugeſtellt.. 774 = Nun wollt Ihr es behalten und die Dame ermorden laſſen, verſetzte der Geheimſchreiber lächelnd. — Sie ſoll nicht in dem Gewahrſam der Räuber bleiben, ſondern in unſere Gewalt gelangen. — Und was ſoll dann geſchehen? — Sie bleibt uns ſo lange, bis wir geſichert ſind, daß die Regierung uns nicht überliſtet. — Euer Plan gefällt mir, Celeſto, Ihr ſeid immer noch der alte Ränkemacher, aber glaubt Ihr denn, man wird ſie nicht mit Gewalt von Euch fordern? — Dies iſt unmöglich, denn Neapel gehört noch uns. — Könnt Ihr wiſſen, ob nicht ſchon fünfzigtauſend ſpa⸗ niſche Soldaten unterwegs ſind, um gegen Neapel zu ziehen. — In demſelben Augenblick, in welchem wir dieſe Nachricht erhalten, wird der Prinzeß der Dolch auf die Bruſt geſetzt.— — Und dann? — Erfolgt wohl der Tod, lächelte der Alte unheilvoll. — Und Ihr bildet Euch ein, man wird Neapel nicht dem Staube gleich machen? — Wenn es ſich um das Leben der Prinzeß handelt, ſicher „nicht— wenn der erſte Schuß auf die Stadt gegeben wird, fällt die Prinzeß— man wird ſich alſo hüten, ſo ihr Leben auf das Spiel zu ſetzen— es bleibt dabei, die Dame ſoll in unſere Gefangenſchaft gelangen, und ſchon morgen werde ich dafür Sorge tragen. — Sagt mir vor allen Dingen, wie es kommt, daß man Euch mit dieſem Auftrage beehrt hat? — Weil man vermuthet, daß die Lenker des Aufſtandes mit den Räubern in gutem Einverſtändniſſe ſind und weil man zehntauſend Ducaten von dem Löſegeld abmarkten will. — Wie hoch beläuft ſich die ganze Summe? — Fra Lorenzo verlangt dreißigtauſend Ducaten. — Allerdings eine enorme Summe, dieſer Räubermöͤnch ver⸗ ſteht ſeinen Vortheil zu benutzen— ſagte Pietro, aber wer hat Euch in dieſer Angelegenheit beſucht? ſetzte er hinzu, während er den Alten mit forſchenden, Argwohn verrathenden Blicken beobachtete. — Ein Edelmann.— — und von Don Herandez noch keine Kunde? Alte mit 9 dieſes G Opfer N Bei eine Fei uriheilt raſcht. dem er brechen Geheim ſie ſolle E den K ſchlug das V dernd. Ende 775 — Ich weiß nichts von der Perſon des Elenden, nur hörte ich eben, daß er noch in dieſem Monat ſeine Vermählung mit der Prinzeß feiern ſoll. — Es könnte ſich demnächſt leicht fügen, daß der Tod der Prieſter dieſes edeln Paares wird, verſetzte der Geheimſchreiber mmit Bitterkeit— und nun zu dem Geſchäftlichen.— noch der— Habt Ihr die neue Sterbeliſte angefertigt? fragte der nicht it. Alte mit grauenvoller Neugier. — Nein, verſetzte Pietro düſter— ich wollte Euch ſelber 8. ddieſes Geſchäft überlaſſen— Ihr kennt die dem Tode geweihten end ſp⸗ Opfer Neapels beſſer als ich. ehen— So kommt gleich an die Arbeit! Nachrict Beide ſetzten ſich an den Tiſch, der Geheimſchreiber tauchte ſetzt.— 1 eine Feder in das Dintenfaß und harrte der Namen der Ver⸗ unrtheilten. oll.— Carlo Pagotzi— ein Goldſchmied, ſagte der Alte. ſichthim— Was hat er begangen? fragte der Geheimſchreiber über⸗ 4 raſcht llt, ſicher Er war einem Edelmann bei der Flucht behülflich, in⸗ ird, fält dem er mit jenem die Kleider gewechſelt, und auf dieſes Ver⸗ eden au brechen ſteht— 1 nunſetee— Der Tod— fiel Pietro mit dumpfer Stimme ein. h dafür— Es wurde nun eine Reihe von Namen genannt und der Geheimſchreiber notirte ſorgfältig dieſe Todescandidaten. daß man— Sind ſie ſchon verhaftet? fragte er. — Nur drei von ihnen, die Uebrigen ſucht man noch— ndes mit ſie ſollen Alle an einem Tage hingerichtet werden. eil man Es folgte ein längeres Schweigen, der Geheimſchreiber hielt ddeen Kopf in die Hände geſtützt und ſtierte vor ſich hin; endlich ſhlug er die Blicke auf. — Was glaubt Ihr, Celeſto, nahm er in fragendem Tone 95 nch ver⸗ das Wort, werden wir eines natürlichen Todes ſterben? 1— Wie kommt Ihr auf dieſe Frage? rief der Alte ſchau⸗ vätend dernd. 1 Blicken— Eine Ahnung ſagt mir, unſer Blutregiment ſei bald zu Ende— man wird uns ſtürzen. — Von welcher Seite her? — Das Volk ſelbſt, Celeſto. wer hat 4 776 — Dann könnte man höchſtens Maſaniello aus dem Wege räumen wollen, aber wir, wir— — Sind ſeine Helfershelfer, unterbrach ihn der Geheim⸗ ſchreiber— übrigens iſt Maſaniello bereits aus dem Wege ge⸗ räumt. — Iſt er todt? fragte Celeſto überraſcht, während zugleich aus ſeinen Blicken eine wahrhaft dämoniſche Freude ſtrahlte. — Noch nicht, aber es unterliegt keinem Zweifel, daß er vergiftet iſt und ſterben wird— mit ſeinem Tode aber iſt Nea⸗ pel wieder in der Gewalt der alten Tyrannen. Der Alte hatte die Blicke zu Boden geſenkt wie einer, den böſes Gewiſſen in Furcht geſetzt hat. — Wir müſſen auf der Hut ſein, ſagte er, daß wir am Ruder bleiben und dann wird es auch geſchehen— das Volk will nur gut regiert ſein, wer an ſeiner Spitze ſteht, gilt ihm gleich. — Glaubt das nicht, Alter, ſagte der Geheimſchreiber; ſicher aber bin ich überzeugt, daß Ihr nicht von dem Volke als Ober⸗ befehlshaber geduldet würdet, ſetzte er in bedeutungsvoller Weiſe hinzu.— — Wohl möglich, aber laßt uns nicht über Ereigniſſe ſtrei⸗ ten, die noch nicht eingetreten ſind. — Wie ſteht es mit dem Herzog von Mattalone? fragte der Geheimſchreiber wie aus einem Traume erwachend. — Er iſt wahnſinnig. — Und ſie ahnt nichts, murmelte Pietro leiſe, hat man keine Hoffnung auf ſeine Wiederherſtellung? ſetzte er dann laut hinzu. — Es iſt nicht die geringſte Ausſicht vorhanden— verſetzte Celeſto; mag er übrigens in Wahnſinn dahinfahren, was ver⸗ liert eine Welt an ihm, was er an ihr. — Aber Ihr verliert einen Kopf, Celeſto, den Ihr gern hättet abſchlagen laſſen— ja, ja, alter Freund, ſo wird es Euch mit Mehreren gehen. — Noch iſt die Gewalt in unſern Händen— noch lebt Maſaniello— noch iſt dieſe neue Sterbeliſte in meinem Be⸗ reiche— und dieſe wird erledigt werden. Der Geheimſchreiber verließ den Alten und dieſer begab ſich zur Ruhe. Styr racht de Tr 2 in barſche — J ſchon, Euch Celeſt - P ich kenne ij 1 K ſeht dieſes Einig Jeilen; mir ſo el Cuch geft — Geheim⸗ ’ ege ge⸗ zublich faahlte, Ddaß er iſt Nea⸗ er, den wir am as Volk gilt ihm tz ſicher 8 Ober⸗ tr Weiſe ſſe ſtrei⸗ fragte at man un laut verſetzte aas ver⸗ ſt gern es Euch ch lebt m Be⸗ ab ſich n Wege 777 Schon am nächſten Tage erſchien ein Menſch bei ihm in der Tracht eines Lazzarone. — Wer ſeid Ihr und was begehrt Ihr? redete ihn Celeſto in barſcher Weiſe an. — Ich bin ein Abgeſandter von Don Herandez und glaubte ſchon, Euch nicht mehr zu treffen. Celeſto warf einen mißtrauiſchen Blick auf den Mann. — Was hat Don Herandez mit mir zu ſchaffen? fragte er, ich kenne ihn nicht. — Keine Umſtände, alter Mann, Ihr dürft mir trauen— ſeht dieſes Schreiben. Einige Augenblicke ſpäter las Celeſto folgende wenigen Zeilen: Alter Freund! Ueberbringer dieſer Zeilen kommt in meinem Auftrage zu Euch, Ihr dürft mit ihm offen und unumwunden ſprechen. Ich darf es wohl bei Tage nicht wagen, aus⸗ zugehen, und nach dem, was mir begegnete, als ich von Euch ſchied, auch nicht mehr in der Nacht. Hört den Cavalier an, er wird Euch näher auseinanderſetzen, was Ihr wiſſen müßt— übrigens ſind ſeine Worte die meinen. Nachdem er von Euch gegangen, macht Euch ſogleich auf den Weg nach den Gebirgen. Ihr kennt den Schreiber dieſes Briefes. Es unterlag keinem Zweifel, daß dieſes Schreiben von der Hand Herandez's herrührte, und Celeſto gewann jetzt Ver⸗ trauen. — Was haben Sie mir mitzutheilen, Signore? fragte er. — Don Herandez ſprach mit Euch über den Fiſcher von Amalfi? nahm der Edelmann leiſe das Wort. — Und zwar in ſehr ungehaltener Weiſe. — Das iſt wohl ſehr natürlich, verſetzte Jener; und er hat mir ſo eben mit gerechter Entrüſtung Alles wiederholt, was er Euch geſtern geſagt. — Und worin beſteht dieſes, Signore? — Der Miniſter hat dabei Euer Wohl gleichfalls im Auge. — Wohl aber nicht in der Bruſt, verſetzte Celeſto ſpöttiſch; nun, was meint denn Seine Ercellenz? 778 — Daß Maſaniello nur durch ſeine Freunde geſtürzt wer⸗ den kann. — Darin ſtimme ich Excellenz vollkommen bei. — Natürlich, Ihr ſeht ein— — Daß ſeine Feinde ihn nicht erreichen können, wenn ſie ihn nicht ſchon erreicht haben, verſetzte der Alte mit heimtücki⸗ ſchem Lächeln. — Ich verſtehe dieſe Aeußerung nicht, verſetzte der Edel⸗ mann betroffen. — Don Herandez wird begreifen, was ich meine— lächelte der Alte. — Wohl möglich, ich aber wollte nur ſagen, daß Ihr ein⸗ ſehen müßt, wie ſehr Ihr ſelber Urſache habt, vor dieſer Hyäne von Amalfi zu zittern. — Es iſt wahr— wir ſind beforgt. — Alſo macht ein Ende— flüſterte der Edelmaun— wer kann wiſſen, von wem ein Meuchelmord ausgegangen, wenn er geſchickt, namentlich in einer— Kirche ausgeführt wird? Die beiden Männer flüſterten noch längere Zeit mit ein⸗ ander, dann entfernte ſich der Edelmann mit wohlgefälligem Lächeln, nachdem er noch die Hand des Alten warm in der ſeinen gedrückt hatte. Der einſame Wanderer. Giulio wäre in den Abgrund geſtürzt, wenn nicht Adine, ſchneller wie der Gedanke, ihre Geiſtesgegenwart wiedererlangt und ihn mit einer Kraft, die man dem zarten Weſen nicht zu⸗ trauen konnte, an den Mantel gefaßt, eine Secunde lang ſchwe⸗ bend über den Abgrund gehalten und ihm ſo Zeit gegeben hätte, den Stützpunkt wiederzufinden. wie Krhſta A unwillkürl 3 —6: ſchone Se Noch tungen ve — dig war. Da erthellte Er ſtieg ſein Dure in die E det Höhl Die Wände ſtand. Ein in einer Gin der geöf Tiefe fül um der 779 Als dies geſchehen war, brachte ihn ein kräftiger Schwung zu dem Mädchen empor. Sobald er auf dem Felſen ſich in Sicherheit befand, verließ ihn auch die Kraft— ſeine Kniee wankten, ſeine Stirn bedeckte wenn ſe ſich mit Schweiß, und er würde auf den Felſen niedergefallen heimtüchi⸗ ſein, wenn er nicht, als er eine Stütze ſuchte, unter ſeiner Hand die bebende Schulter Adine's gefunden hätte. der Edel⸗ Durch den Waſſerſtrom hindurch, der durchſichtig und klar wie Kryſtall war, erblickte er den Waldbrand wie ein Zauberbild. 8 lächelte— Ach, wie großartig, wie ſchön, wie erhaben! rief Giulio unwillkürlich aus. Ihr ein⸗— Fühlen Sie ſich nun wohler, Signore? fragte Adine. ſer Hyüne— Ganz wohl, mein Kind, nur laß mich dieſes gräßlich ſſcchöne Schauſpiel noch genießen. Noch eine geraume Zeit hindurch blieb Giulio in Betrach⸗ a— wer tungen verſunken— endlich raffte er ſich auf. wenn er— Folgen Sie mir weiter, Signore, ſagte Adine. 6 d? Im Gefühle der Dankbarkeit blickte er ſich um, denn 3 t mit ein⸗ erſt jetzt hatte er Alles erkannt, was er dem Mädchen ſchul⸗ 31 efäͤli dig war. hiida Du ſah er mit Staunen eine von bleichem Lampenſchimmer erhellte Grotte, die ihm wie hergezaubert erſchien. Er trat langſam heran und je näher er kam, deſto höher ſtieg ſein Staunen. f Durch eine ſchmale Oeffnung hindurch, die von dem Felſen in die Grotte führte, ſah er, wie Adine eine Platte am Fuße der Höhle aufhob. 61 Die Grotte war in dem Felſen ausgehöhlt. Theile der Wände beſtanden aus Granit, wie der Fels, auf welchem Giulio ſtand. Ein Mooslager mit friſchem Farrenkraut bedeckt, dehnte ſich in einer Ecke der Grotte hin. — Kommen Sie, Signore! rief das Mädchen. Ginlio trat hinein, und ſah zu ſeiner Ueberraſchung von cht Adine, der geöffneten Platte einen Felſenpfad, welcher hinab in die dererlangt Tiefe führte. nicht ſu⸗— Wohin gelangt man auf dieſem Wege? fragte der Prinz. ng ſchwe⸗— Zur Rettung, Signore— wir müſſen ihn einſchlagen, ben hätte um der Gefahr des Verbrennens zu entgehen. 780 — Und wohin werden wir kommen? — Auf die Landſtraße, Signore, aber zuvor ſollen Sie ruhen. Mit dieſen Worten deutete ſie auf das Mooslager. — Ich fühle mich geſtärkt genug, um den Weg ſogleich fortſetzen zu können, aber Du, Mädchen, bedarfſt der Ruhe. — Auch ich bin bereit, weiter zu gehen, verſetzte Adine mit leiſer Stimme. — Welche Bewandtniß hat es mit dieſer Höhle? — Sie dient eigentlich den Räubern zur Zufluchtsſtätte, allein in der heutigen Nacht ſind wir geſichert— doch nun kom⸗ men Sie, Signore! Sie wollte vor Giulio hinabſteigen, allein ihre Kräfte wa⸗ ren erſchöpft. — Heilige Jungfrau, ich kann nicht weiter! ſtöhnte ſie und ſank zuſammen. — Armes Mädchen, Du warſt den Anſtrengungen nicht ge⸗ wachſen, die Du Dir aufgebürdet. — Ich möchte gern ſterben, Signore— gehen Sie jetzt mit Gott und überlaſſen Sie mich meinem Schickſal. — Und Du könnteſt glauben, armes Kind, daß ich Dich hier in ſo hülfloſer Lage zurücklaſſe. — Sie können mir nicht helfen, Signore, auch wird die Erſchöpfung vorübergehen, und wir werden uns auf der Land⸗ ſtraße treffen— dort werden wir uns nicht verfehlen. — Und dieſe führt? — Nach Coſenza. Giulio's Herz pochte, als er dieſen Namen hörte. Der Ge⸗ danke an das höchſte Gut ſeines Herzens ließ ſein Blut raſcher ſtrömen und er faßte den Entſchluß, ſogleich den Weg anzutre⸗ ten, namentlich, als er zu ſeiner Freude bemerkte, daß Adine's Unwohlſein nur eine Folge der Erſchöpfung und keine ernſte Er⸗ krankung war. Als er aber das bleiche Antlitz des Mädchens ſah, die Thrä⸗ nen, die in ihren Augen ſchwammen, begann er ſeinen Entſchluß zu bereuen und zögerte. Adine drang in ihn, nur immer voranzugehen und bezeich⸗ nete den Weg, wie auch die Stelle, wo er ſie erwarten ſollte. — — G will nur, Sie! überzeugt iche kiin Mit der keine diſche Sch Grotte vo⸗ traße, we In doch auch = ſein A Endl zeichnet h ſenſtück v Hier Schulter Sein Undſchaf Hin Hochget⸗ züge her abenteuer Von entfernt Hier Länge C ſich die chem de ſchlängel Hie mit Bau Ste hen bele Im labrien, Da er. pollen Sie eg ſogleich 1 Ruhe. Aine mit uchtsſtätt, nun kom⸗ räfte wa⸗ kite ſie und nicht ge⸗ ie jetzt mit 15 ich Dich wird die der Land⸗ Der Ge⸗ lut raſcher g anzutre⸗ aß Aine's ernſte Er⸗ die Thrä⸗ Entſchluß d bezeich⸗ ſollte 781 — Gehen Sie mit Gott und der heiligen Jungfrau, ich will nur eine Stunde raſten und Ihnen folgen. Sie wiederholte ihre Bitte dringender und Giulio, der auch überzeugt war, daß ſie mit allen Wegen genau vertraut und ſicher keinen Ueberfall zu fürchten hatte, gab endlich nach. Mit Tagesanbruch ſehen wir dieſen kühnen, jungen Mann, der keine Gefahr ſcheute und faſt fünf Stunden durch unterir⸗ diſche Schluchten gegangen war, welche er mit einer in der Grotte vorgefundenen Kienfackel beleuchtet hatte, auf der Land⸗ ſtraße, welche nach Coſenza führt, ſchreiten. In ſeinen Zügen hatte ſich eine düſtere Schwermuth und doch auch zugleich eine gewiſſe, männliche Reſignation gezeigt — ſein Antlitz war abgehärmt, aber noch immer ſchön. Endlich gelangte er an den Ort, welchen ihm Adine be⸗ zeichnet hatte, ſie zu erwarten— es war dies ein großes Fel⸗ ſenſtück von ſeltener Form, welches am Wege lag. Hier ließ er ſich nieder, indem er ſeinen Karabiner von der Schulter nahm und quer vor ſich auf den Schoß legte. Sein Auge ſtreifte gedankenvoll über die unermeßliche Landſchaft, welche vor ihm ausgebreitet lag. Hinter ihm erſchienen in den Dunſt der Ferne gehüllt, die Hochgeblrge Calabriens, deren Gipfel glänzend über die Nebel⸗ züge hervorragten, welche wie ein grauer Mantel die nackten, abenteuerlich gebildeten Marmorfelſen überragten. Von dem Brand im Gebirge, von dem er ſechs Stunden entfernt war, ſah er keine Spur mehr. Hier, wo die unwegſame Hauptſtraße, die durch die ganze Länge Calabriens bis nach Reggio hinabführt, vorüberzog, ſenkt ſich die Gegend ſchon merklich gegen das breite Thal zu, in wel⸗ chem der Kofilo mit ſeinen ſilberblinkenden, Wellen ſich hin— ſchlängelt. Hier ſind die Vorberge der Apenninen ſanft gerundet und mit Baumkronen geziert. Städte und Dörfer auf den immer niedriger werdenden Hö⸗ hen beleben die freundliche, unermeßliche Landſchaft. Im Hintergrunde lag Coſenza, wie alle Ortſchaften in Ca⸗ labrien, auf der Höhe eines Berges. Darüber hinaus ragte der große Silawald, aus welchem — 782² ſich zwei Bergſpitzen erhoben, die nach Süden zu den Hinter⸗ grund der Landſchaft abſchließen. Oel⸗ und Maulbeerbäume verſchönerten den Vordergrund. Dieſe Gegend mit den geheimnißvollen Gebirgen und Wal⸗ dungen im Hintergrunde, den idylliſchen Wohnplätzen und Staffagen in dem Vorder⸗ und Mittelgrunde, war ganz geeig⸗ net, die Seele eines ſolchen Wanderers mit Schwermuth zu er⸗ füllen. Wir kennen ihn und begreifen es, wie ſein Gemüth zer⸗ riſſen ſein mußte. Das unglückliche von Empörung und Tyrannei vernichtete Vaterland, der Schleier, der über das Verſchwinden Blanka's ausgebreitet war und die Sehnſucht ihn zu durchdringen— er⸗ füllten ſeine Seele. Der Gedanke an die unter den Feuertrümmern des Schloſſes begrabene Mutter und an den von Wahnfinn befallenen unglück⸗ lichen Vater drohten ihm das Herz zu zermalmen. Das Schickſal Leonore's, welche er in der Gewalt von Ban⸗ diten wußte, und das kühne Verlangen, ſie zu retten, die ſüße Erinnerung an die Geliebte ſeiner frühen Jugend und der un⸗ geheure Schmerz, ſie für immer verloren zu haben— dieſe weichlichen Gefühle im Kampfe mit der Kraft ſeines kühnen Geiſtes und ſeiner Liebe zur Freiheit, wodurch er ſich fort und fort angeſpornt fühlte, für die Sache des Vaterlandes das Höchſte zu unternehmen— das waren die aufgeregten Wellen, die ſeine Seele bewegten. Schon zwei Stunden waren ſeit ſeiner Ankunft verfloſſen — die Sonne ſtand hoch am Himmel— Adine war nicht er⸗ ſchienen. Die Ahnung eines Unglücks beſchlich ſeine Seele— er be⸗ reute bitter, das Mädchen allein zurückgelaſſen zu haben. Die Zeit entfloh, noch eine Stunde war verronnen— Giulio wußte nicht, was er beginnen ſollte. Er gerieth in einen heftigen Kampf mit ſich ſelber, ſollte er den Rückweg angetreten, um nach ſeiner Lebensretterin zu for⸗ ſchen, oder weiter gehen, wohin ihn wohl noch eine heiligere Pflicht rief, wo ſeiner eine Bedrängtere harrte, und dieſe Be⸗ drängte— war die Königin ſeines Herzens. Aber vecken? Co erſuchte⸗ Ueber wie er ſich Eben ausführen, von der durch das Der auf Schüß Er er Ein laute erkanute, — R rld vor Wut oder vich Mi und gab aber in Sche —( Der Zeit zu den geh⸗ Die nicht zu und die lenheil! rdergrund —n And Wal⸗ Janz geeig, nuth zu er⸗ PVemüth zet. vernichtete n Blanko gen— er⸗ ſes Schloſſe den unglück⸗ von Ban⸗ n, die ſüße den Hinter. —. ind der un⸗ en— dieſe nes kühnen ch fort und landes das en Wellen, verfloſſen tnicht er⸗ — er be⸗ den. rronnen— er, ſollte er rin zu for⸗ eheiligere dieſe Be⸗ nicht zu entfliehen— 783 Aber wo ſollte er ſie ſuchen, in welcher Schlucht ſie ent⸗ decken? Coſenza ſah er, wo aber waren die Mörderhöhlen, die er ſuchte? Ueberlaſſen wir ihn dieſem Kampfe, um ſpäter zu erfahren, wie er ſich entſchieden hatte. Eben wollte der Räubermönch ſeinen gräßlichen Vorſatz ausführen, ſchon hatte er das Meſſer gehoben, um den Finger von der ſchönen Hand Leonore’s zu trennen, als ein Schuß durch das Gebirge hallte. Der Mönch fuhr erſchrocken zurück, und bald folgten Schüſſe auf Schüſſe von allen Seiten. Er erbleichte und ließ ſchnell die Hand der Prinzeß fahren. Ein lautes Kampfgeſchrei ließ ſich vernehmen, und Fra Lorenzo erkannte, daß ſeine Geſellen angegriffen wurden. — Rettung, Rettung! rief Leonore aufgeregt. — Triumphiren Sie nicht, Donna, ſagte der Mönch mit vor Wuth bleichen, bebenden Lippen, ob wir vernichtet werden oder nicht, Sie werden dieſen Ort nicht mehr verlaſſen.— Mit dieſen Worten wand er ſich den Strick um den Leib und gab ein Zeichen, daß man ihn hinaufziehen ſollte, welches aber in dem wilden Kampfgeſchrei nicht gehört werden konnte. Schäumend vor Wuth befreite er ſich von der Leine.— — Gefangen— in der eigenen Schlinge! rief Leonore.— Der Räuber ſchien mit ſich zu kämpfen, aber es war keine Zeit zu verlieren— oben mordete man die Bande— er mußte den geheimen Ausweg wählen. Die Gefangene aber durfte dieſen nicht kennen lernen, um es blieb alſo keine Wahl— er mußte fort und die Prinzeß— ſterben. — Bereiten Sie ſich zum Tode!l rief er zähneknirſchend. — Ich bin es längſt. — Beten Sie ein Paternoſter— die Litanei für Ihl See⸗ lenheil! rief Fra Lorenzo haſtig. — Ich habe gebetet! — Noch einmal— ſchnell. 784 — Gott wird meiner Seele gnädig ſein, ich bete nicht auf das Geheiß eines Räubers. — Nun, ſo gehe heim in den ewigen Frieden, ſagte der Räuber, und ſchon hob er das Meſſer, als er plötzlich wieder von einem andern Gedanken angewandelt wurde. Statt Leonore zu tödten, holte er eine Binde hervor, welche er um die Augen der Unglücklichen legte. Aber Leonore war in einen Zuſtand von Betäubung geſun⸗ ken, nichtsdeſtoweniger vernahm ſie ein Geräuſch.— Das Bewußtſein war nicht geſchwunden, aber eine gänzliche Erſchlaffung hatte ſich ihrer bemächtigt. Erſt allmälig erholte ſie ſich und bald war ſie im Stande, ſich von der Binde zu befreien;— ſie ließ ihre Blicke durch die Höhle gleiten— der Räuber war verſchwunden.— Fra Lorenzo hatte die Seinen erreicht, aber nur, um ſie im furchtbaren Kampfe gegen die Landmiliz zu finden, welche von der Regierung aufgeboten war, um Leonore zu befreien. Ein Blick aber ſagte ihm, daß er hier nichts mehr thun könne und es am gerathenſten ſei, ſich zurückzuziehen. Er verbarg ſich in eine Felſenſchlucht, deren Oeffnung mit dichtem Felſengeſtrüpp verwachſen war. Kugeln flogen über ihn hinweg, und mit Wuth über ſeine gezwungene Unthätigkeit, ſah er zugleich die Seinen ſinken, ent⸗ fliehen und ſich verbergen. Die Wahrnehmung des letzteren Umſtandes gereichte ihm einigermaßen zur Genugthuung, er war zufrieden, daß er unter den ſich Zurückziehenden die genügende Anzahl für die Miſſion nach Neapel und unter dieſen Anſelmo bemerkte. Er hörte nach der Prinzeß fragen, Drohungen und Ver⸗ wünſchungen ausſtoßen, als man keine Auskunft erhielt und ſah endlich Diejenigen ohne Umſtände niederſtoßen, welche dieſe ver⸗ weigert hatten. Todte von beiden Seiten bedeckten theils das Gebirge, oder waren in Abgründe geſtürzt— die Soldaten zogen ab, ohne— die Prinzeß, und das Schweigen des Todes herrſchte. Es war Nacht geworden.— Fra Lorenzo wagte ſich jetzt aus ſeinem Verſteck hervor; er ſetzte ein ſilbernes Horn, welches er an der Seite trug, an den Mund und zwei helle Töne zitter⸗ ten durch das Gebirge. — Kaul gefallenen — mehr no Urſache ( wie die ren ſie? blick kein gen Kal . ſündliche flucht ne Euch in Aufentt nicht ſe und ich verletzt ſchuhd; leiſte a wohlal brecher Andere 6 ſagte der lich wieder dnicht auh vor, welche 4 ung geſun⸗ 3 gänzliche ſimn Stande, Plicke durch um ſie im rvelche von en nehr thun ffnung mit über ſeine ſinken, ent⸗ eichte ihm Zer unter e Miſſon und Ver⸗ lt und ſah dieſe ver⸗ irge, oder „ohne— ſich jezt welches ne zittey 1 1 1 zes Kaum waren dieſe verhallt, als ſich nach und nach die nicht gefallenen Räuber einſtellten. — Hier bin ich, Padre! — Wie viel zählt die Bande? — Eilf Mann! —— Eilf Mann von ſechszig? klagte der Mönch— ſchrecklich, aber die Zahl war Euch überlegen? — Nicht nur dieſer Umſtand ließ uns verlieren, Padre, mehr noch war die plöͤtzliche Ueberrumpelung die eigentliche Urſache. — Die Schurken ſchlichen ſich heran und überfielen uns wie die Diebe in der Nacht, aber die Wachtpoſten, wo wa⸗ ren ſie? — Das Unglück wollte, daß in dem verhängnißvollen Augen⸗ blick keine aufgeſtellt waren, wir wähnten uns zu ſicher. — Das iſt ſtets der Fall, wenn Ihr Euch dem unglückſeli⸗ gen Kartenſpiel überläßt, was abgeſehen von Allem ein ſehr ſündliches Spiel iſt, zu welchem gute Chriſten niemals ihre Zu⸗ flucht nehmen ſollten— ich ſagte es Euch ſtets, die Karte wird Euch in's Verderben ſtürzen— meidet ſie daher. — Aber es unterliegt keinem Zweifel, Padre, daß unſer Aufenthalt verrathen ſein mußte, ſonſt hätten uns die Soldaten nicht ſo leicht auffinden können, ſagte Anſelmo. — Allerdings verhält es ſich ſo, verſetzte Fra Lorenzo bitter, und ich kenne den Verräther. — Verdächtigt Ihr etwa mich, Padre, entgegnete Anſelmo verletzt und aufgeregt, ſo bin ich augenblicklich bereit, meine Un⸗ ſchuld zu beſchwören— Ihr wißt, ich bin ein guter Chriſt und leiſte als ſolcher keinen Meineid, glaubt Ihr mir indeſſen nicht, wohlan, ſo ſtoßt mich nieder— hier iſt meine Bruſt! — Es ſei fern von mir, Anſelmo, Dich eines ſolchen Ver⸗ brechens zu beſchuldigen; der Verräther, den ich meine, iſt kein Anderer, als ſeine Excellenz. — Don Herandez? — Nur er allein. Ein Geſchrei ertönte durch die Berge, ſchrecklicher, wie der Donner des Himmels. — Eure Wuth iſt gerechtfertigt, Kameraden, ſagte Fra Lo⸗ Das Hpfer von Amalfi.(Bd. III. 10) 50 8 786 renzo, wir wollen Rache nehmen, und noch in dieſer Nacht brechen wir nach Neapel auf, um den Preis zu verdienen. — Und die Prinzeß? — Bleibt zurück— ſagte der Räubermönch mit furchtbarer Bedeutung. — Ich verſtehe— verſetzte Anſelmo— und ein unheimliches Schweigen trat ein. — Es iſt zwar grauſam, allein mir bleibt keine dere Wahl, wenn ich dem Herzog von Arcos zeigen will, daß Fra Lorenzo nicht der Mann iſt, der mit ſich ſpielen läßt— jetzt, Freunde, zur Rache nach Neapel! Die Begegnung. Als Donna Leonore wieder zu ſich gekommen war, erinnerte ſte ſich deutlich, ein Geräuſch vernommen zu haben, welches, wie ihr jetzt klar ward, ganz dem Aufraſſeln einer Thür glich. Der Räuber wurde nicht in die Höhe gezogen, er mußte alſo einen anderen Ausweg von hier gefunden haben. Sie erinnerte ſich der Gegend, woher das Geräuſch gekom⸗ men war und trat in den Hintergrund der Höhle. Sie lauſchte— kein Geräuſch war vernehmbar; ſeit zwei Stunden hatte ſie der Räubermönch verlaſſen und bald darauf ſchwieg das Kampfgetümmel. Zwar ließen ſich wieder die ihr bekannt gewordenen Stim⸗ men der Räuber vernehmen, endlich aber waren auch ſie ver⸗ ſtummt. Dieſen Augenblick benutzte Leonore, um ihre Nachforſchun⸗ gen anzuſtellen. Sie nahm die Lampe, welche man ihr gelaſſen hatte, vom Steinblock, der zum Tiſche diente und tränkte ſie mit Oel aus einem Kruge. Alsba leuchtet ha hatte. Si merkte zu 1 vewegte⸗ Jeßt trenegng. Ein ſe nore ſtieg und Pulve Pulve unbedeuter Leon⸗ in ihrer: bare Erp. Sie! langte an Eine nach der ihn ein. Nach Lampe, u Ausgang Ind blicken da⸗ herrſchte mußten a Jetzt Sie ſank Schöpfer zens für Rettung. Aber Es chen glü⸗ ſelbſt das Auch ihr die durchſtro eſer Nacht enen. furchbarer heimliches 4* ine.dere daß Fra f w jett, erinnerte lches, wie ich er mußte ch gekom⸗ ſeit zwei Id darauf en Stim⸗ ſie ver⸗ forſchun⸗ gelaſſen e ſie mit 7 787 Alsbald entdeckte ſie, nachdem ſie den Boden ſorgfältig be⸗ leuchtet hatte, eine Art von Klinke, welche die Natur gebildet hatte. Sie faßte daran, zog ſie ein wenig nach ſich und be— merkte zu ihrer Freude, daß ſich in Folge deſſen eine Felſenplatte bewegte. 4 Jetzt ſpannte ſie alle Kräfte an und mit ungeheurer An⸗ ſtrengung war es ihr gelungen, die Felſenfallthür zu öffnen. Ein ſchmaler Gang führte in einen unteren Raum— Leo⸗ nore ſtieg mit Haſt hinab und entdeckte, daß hier die Waffen⸗ und Pulverkammer der Räuber war. Pulverfäſſer, geöffnete und geſchloſſene, ſtanden in dem nicht unbedeutenden Raume dicht aneinander. Leonore trat etwas zaghaft vor, denn ſie hielt die Lampe in ihrer Hand, und der geringſte Funke konnte hier eine furcht⸗ bare Exploſion verurſachen.. Sie hielt ſich möglichſt fern von den Pulverfäſſern und ge⸗ langte an einen ſchmalen, aufwärts führenden Gang. Eine freudige Ahnung ſagte ihr, daß dieſer Weg wohl nach der Oberfläche des Felſens führen könnte und ſie ſchlug ihn ein. Nach Ablauf von zehn Minuten verlöſchte ein Luftzug ihre Lampe, und ſie erkannte mit pochendem Herzen, daß ſtie ſich dem Ausgang näherte. In der That war es ihr gelungen, nach wenigen Augen⸗ blicken das Freie zu gewinnen— ſie blickte um ſich— überall herrſchte Schweigen— kein Wachtpoſten zeigte ſich, die Räuber mußten abgezogen ſein.. Jetzt ſchien Leonore aus der dringendſten Gefahr erlöſt. Sie ſank auf ihr Knie und dankte mit thränenvollen Blicken dem Schöpfer und allen Heiligen aus überſtrömender Fülle des Her⸗ zens für die glücklich überſtandenen Leiden und die wunderbare Rettung. Aber noch ein Name ſtrömte von ihren zitternden Lippen. Es liegt einmal in der menſchlichen Seele, nach irgend wel⸗ chen glücklich bekämpften Gefahren immer wieder zu hoffen, und ſelbſt das Unwahrſcheinlichſte zu erwarten. Auch in Leonore's Herz drang jener belebende Strahl, den ihr die Himmelstochter Hoffnung geſandt; ein wonniger Schauer durchſtrömte ihr Herz in ſehnſuchtsvoller Erinnerung, und von 50* 788 den Lippen tönte es leiſe, aber zuverſichtlich— Giulio, bald ſehen wir uns wieder! Der Vollmond beleuchtete magiſch die ſchaurige, wilde Fel⸗ ſenwüſte, die in einem Meere von Nebel zu ſchwimmen ſchien. Leonore blickte um ſich, welchen Weg ſollte ſie einſchlagen? Endlich hatte ſie ſich vollſtändig mit der Oertlichkeit bekannt gemacht. Sie ſah bald den gefahrvollen Steig, welcher öſtlich hinab⸗ führte und erinnerte ſich deutlich, daß ſie auf dieſen heraufge⸗ kommen war. Noch einmal ſchaute ſie zum Himmel empor und trat dann den gefahrvollen Weg in die Tiefe an. Sie war glücklich hinabgelangt und hatte ſchon eine bedeu⸗ tende Strecke zurückgelegt, als ſie plötzlich ferne Schritte aus ihren Gedanken weckten.— Sie blieb ſtehen, lauſchte— man kam näher, und eine ge⸗ wiſſe Zaghaftigkeit hatte ſich Leonore's bemächtigt. Noch ehe ſie indeſſen einen Entſchluß gefaßt hatte, ſtand eine männliche dichtverhüllte Geſtalt vor ihr. Dieſe ließ den Mantel fallen— öffnete die Arme, und mit einem lauten Freudenſchrei ſank Leonore an die heftig wogende Bruſt des Geliebten. Die ſeligen Empfindungen zu beſchreiben, welche die Lieben⸗ den bei dieſem ungeahnten Zuſammentreffen beſtürmten, oder die weinend⸗jubelnden Worte, welche ſie gewechſelt, wiederzugeben, ſind wir— wir geſtehen es offen— außer Stande und über⸗ laſſen es der Phantaſie derjenigen Leſer, die ſich jemals in ähn⸗ licher Lage befunden haben. Nachdem die tauſendfältigen Begrüßungen vorüber und die erſte ſtürmiſche Freude des Wiederſehens allmälig ſanfter gewor⸗ den war, hatten ſich die Ermüdeten auf zwei Felsſtücke nieder⸗ gelaſſen, um ſich die gegenſeitigen Erlebniſſe mitzutheilen. Giulio unterließ es nicht, ſeiner Lebensretterin Adine zu er⸗ wähnen und ſchloß ſeinen Bericht mit der Mittheilung, daß er das arme Mädchen an der von ihr bezeichneten Stelle eine ge⸗ raume Zeit hindurch vergebens erwartet habe und endlich den Weg zu ihr, Leonore genommen habe. — Ohne Zweifel iſt dem armen Kinde ein Unfall begegnet. — Ich fürchtete es auch und kann mir kaum vergeben, daß — — ic nicht n deonore, ſh — En welche zum — Un wollen wir ſollen. — 6 von hier au werden, we können jetz gend gerul Leono hatte ein wachſen w Er ve zögern ge und bald ſen ſanſter Schloſſe Giu wehmüth — ſagte er t des Schic nen muß für Dich Und ſchauen Stein ni Kopf au Sch ſie fühlt dönnen. Noc Welkenv neben ei iulio, bahh wilde Fel⸗ en ſchien. einſchlagen⸗ keit bekannt ſilch hinab. 1 heraufge⸗ trat dann eine bedeu⸗ chritte aus ind eine ge⸗ ſfatte, ſtand me, und mit ftig wogende die Lieben⸗ en, oder die derzugeben, und über⸗ als in ähn⸗ ber und die ifter gewor⸗ tücke nieder⸗ eilen. dine zu er⸗ ng, daß et ile eine ge endlich den ll begegnet rgeben, daß —— 789 ich nicht nach ihr geforſcht, allein die Zeit drängte, und Sie, Leonore, ſchwebten in Gefahr. — Und wer bezeichnete Ihnen den Weg hierher? — Einige Landleute nannten mir dieſe Gegend als diejenige, welche zumeiſt von Räubern verheert würde. — Und jetzt auf nach Coſenza— rief Leonore, von dort wollen wir Boten ſenden, welche nach der armen Adine forſchen ſollen. — Der Weg nach Coſenza iſt noch weit, auch kann ich ihn von hier aus nicht ergründen, dem indeſſen würde abgeholfen werden, wenn wir irgend einem Landmann begegnen, aber Sie können jetzt nicht bis dahin kommen, Leonore, ohne zuvor genü⸗ gend geruht zu haben. Leonore fühlte zu ſehr, daß ſie der Ruhe bedürfe. Giulio hatte ein Plätzchen aufgeſucht, welches reichlich mit Moos be⸗ wachſen war. Er veranlaßte Leonore, ſich hier niederzulaſſen. Nach einigem Zögern gehorchte ſie— Giulio breitete ſeinen Mantel über ſie, und bald ſchlief die Prinzeß unter freiem Himmel, auf dem Fel⸗ ſen ſanfter als auf dem weichen Daunenlager in dem königlichen Schloſſe ihres Vaters. Giulio bewachte die Schlummernde und betrachtete ſie mit wehmüthigem Ausdruck. — Ich habe Dich gefunden, um Dich wieder zu verlieren, ſagte er traurig— aber es liegt einmal in den Beſtimmungen des Schickſals, daß man ſich von dem Liebſten auf Erden tren⸗ nen muß— ſchlummere ſanft— heute iſt es mir noch vergönnt, für Dich zu wachen. Und ſo ſtand er eine geraume Zeit regungslos und im An⸗ ſchauen der Geliebten verſunken. Endlich ließ er ſich auf einen Stein nieder, legte den Karabiner neben ſich, ſtützte dann den Kopf auf die Hände und blickte gedankenvoll vor ſich hin. Schon nach zweiſtündigem Schlummer erwachte Leonore, ſie fühlte ſich jetzt geſtärkt genug, um den Weg fortſetzen zu können. Noch war es Nacht— der Mond hatte ſich hinter einen Wolkenvorhang verborgen, als das liebende Paar ſchweigend neben einander durch die Einöde wanderte. 790 Eine Strecke weit hatte ſich Giulio orientiren können, denn er nahm den Weg zurück auf welchem er hergekommen war. Aber die Landſchaft wurde immer wilder, und bei der jetzt vorherrſchenden Dunkelheit hatte er den richtigen Fußſteig ver⸗ loren. Im Zigeunerlager. In einem tiefen Thalgrunde hin zog ſich ein Gebüſch von Steineichen und indianiſchen Feigenbäumen. Hier ſchimmerte zwiſchen den ſaftigen Zweigen ein roth⸗ glühendes Feuer, deſſen ſenkrecht aufſteigende Dampfſäule den beiden nächtlichen Wanderern, die es plötzlich gewahrten, als Augenpunkt diente. Einem verlorenen Fußſteige folgend, ſuchten ſie bei dem un⸗ gewiſſen Schimmer des Mondes von der Höhe des Gebirges die Thalebene zu erreichen. Jetzt ſtanden Beide vom Gebüſch verſteckt unfern des grün⸗ überraſten Waldplätzchens, auf welchem das Feuer brannte. Sie beobachteten mit verhaltenem Athem die zahlloſen, wunderlichen Figuren, die auf dieſem Platze in einer geſchäfti⸗ gen Bewegung waren, welche dem Gewimmel eines Ameiſen⸗ haufens glich. Es war ſchwer zu unterſcheiden, ob dieſe affenartigen We⸗ ſen zu menſchlichen Geſchöpfen zu zählen waren, oder nicht. Sie hatten braune abgemagerte Körper, beinahe nackt, häß⸗ lich zum Erſchrecken, breite Naſen und Oberlippen. Ihre feurigen, kleinen Augen waren in einem ſonderbaren Winkel nach der Naſenſpitze zu geſchlitzt und bildeten einen wun⸗ verlichen Contraſt mit ihren blendend weißen Zähnen und den ſchwarzen, eingeölten und ſtraff niederhängenden Haaren. — Die den Rich zwiſ gelle von Sie bald gefal Dieſe Feuet hin in die F Die Ausweiden nach dem Erbauen Mel ein altes der Chier ſlüſternd Gsl dem Weſ unheimli Jed fen ſie il leiſeſten Das den zu ſe fernt vor ſchen, di desgeſetz den läng gelagert Die zer Entf Aüſcheu — die alle ein Ay tes Nol ii derj ſeſteig ver⸗ ebüſch von ein roth⸗ öfſäule den hrten, als ei dem un⸗ birges die des grün⸗ unnte. zahlloſen, geſchäfti⸗ Ameiſen⸗ iggen We⸗ nicht. nackt, häß⸗ nderbaren nen wun⸗ und den en. — 791 Die Weiber hatten oft zwei bis drei Kinder zugleich auf dem Rücken feſtgebunden.— Zwiſchen dieſen hingen rohe Stücke Fleiſch, oder auch blutige Felle von Ratten oder Kaninchen. Sie waren mit den Händen in ſteter Bewegung, indem ſie bald gefangene Eulen oder geſchoſſene Krähen rupften. Dieſe warfen ſie dann in Suppentöpfe, welche über dem Feuer hingen, das Andere, die trockenes Leſeholz zerbrachen und in die Flammen warfen, ſorgfältig unterhielten. Die Männer der Bande hatten ihre Beſchäftigung mit dem Ausweiden von todten Hunden und Füchſen, welche die Jäger nach dem Abſtreifen des Fells weggeworfen hatten, oder mit dem Erbauen niedriger Hütten. Mehrere jüngere, weibliche Weſen ſaßen niedergekauert um ein altes, weißhaariges Weib, welches ihnen die Geheimniſſe der Chieromantie(das Wahrſagen aus der Fläche der Hand) flüſternd enthüllte. Es lag etwas ſonderbar Scheues und Geheimnißvolles in dem Weſen und Treiben dieſer im ſtrengſten Sinne des Wortes unheimlichen Geſchöpfe. 1 Jede Bewegung war ſchnell und zuckend, ebenſo ſchnell war⸗ fen ſie ihre Blicke in die Dunkelheit des Waldes hinein und beim leiſeſten Geräuſch ſchreckten ſie zu gleicher Zeit zuſammen. Das Gefühl von Sicherheit ſchien ihnen ganz fremd gewor⸗ den zu ſein, obgleich das Thal ſehr einſam und noch weit ent⸗ fernt von allen menſchlichen Wohnungen lag. Es war ganz das Leben und Treiben heimathloſer Men⸗ ſchen, die es von Kindesbeinen an gewohnt waren, durch Lan⸗ desgeſetze für vogelfrei erklärt zu ſein— und unſere Leſer wer⸗ den längſt errathen haben, daß ſich hier eine Horde Zigeuner gelagert hatte. Die beiden Wanderer betrachteten dieſe Vorgänge aus kur⸗ zer Entfernung mit geheimem Grauen. — Welche Kobolde, ſagte Leonore mit einem Gefühl von Abſcheu und Ekel. — Es ſind Zigeuner, verſetzte Giulio, Menſchen wie wir, die aller Cultur unzugänglich, weil ihnen keine Regierung ein Aſyl geſtattet und ſie daher verdammt ſind, ein ſte⸗ tes Nomadenleben zu führen— aber wir wollen uns nicht — ⁵ ꝓÄ̃⁴yZ— — 792 gleich allen Uebrigen mit Abſcheu von ihnen wenden, ſondern ihren Rath in Anſpruch nehmen. — Welches Rathes bedürften wir, den wir dort ſuchen müßten. — Sie werden uns den Weg nach Coſenza zeigen. Ginlio ergriff Leonores Hand, und dieſe folgte ihm mit Widerſtreben zu den braunen Geſchöpfen. So wenig Giulio auch ihrem ſpitzbübiſchen Weſen traute, ſo glaubte er doch überzeugt zu ſein, daß es ihnen an Muth fehlte, ein Verbrechen zu begehen, denn er kannte ihre Furcht⸗ ſamkeit. 3 Je mehr ſich Leonore der düſteren Gruppe nahte, deſto mehr äußerte ſie ihren Widerwillen und ihre ernſteſten Beſorgniſſe. — Laſſen Sie uns nicht dorthin; mir ſchaudert, flehte ſie. — Kommen Sie, Prinzeß, getroſt. — Die Ahnung einer Gefahr beſchleicht mich wieder. — Ich bin bewaffnet. — Was half Ihnen die Waffe, als wir im Schloſſe mei⸗ nes Vaters vom Pöbel umringt waren. — Dort waren wir zwiſchen Mauern, hier befinden wir uns im Freien— fürchten Sie nichts, Leonore, dieſe armen, furchtſamen Menſchen wagen nicht ſo leicht einen Frevel— vor Allem aber iſt es nöthig, daß wir Aufſchluß erhalten über den Weg, den wir einſchlagen müſſen. So hatte Giulio die Beſorgniſſe Leonore'’s beſeitigt und Beide traten in das Gewühl der ſonderbaren, abenteuerlichen Geſtalten. Die Zigeuner fuhren ſcheu auseinander, und mehrere ver⸗ bargen ſich in die Gebüſche, als ein bewaffneter Reiſender an der Hand einer ſchönen Neapolitanerin in ihre Mitte trat. Indeß verſchwand ihre Furcht bald, als Giulio ſich nach dem Wege von Coſenza erkundigte und Leonore einige freundliche Worte zu einem der Weiber ſprach. Eine ſolche Ehre war dieſen Ausgeſtoßenen noch nie zu Theil geworden— eine Menge Männer und Mädchen erboten ſich mit lebhaftem Eifer, den Wegweiſer zu machen. Doch als ſich die Zigeuner ſo nahe um Leonore gedrängt hatten, wandelte dieſe wieder jener unüberwindliche Abſcheu an und wandelt. Ein Leonore Uebrigen, allin Gi zurückzutt der Männ den Uebr ſelt hatte. — 2 Herr und raſten zu Ind zu thun der Zig nicht zu wie ver deten] Di Brod m davon. Zigeune des Jig dem eg hloſſe mei⸗ finden wit eſe armen, vel— vor Nüber den eitigt und teuerlichen ehrere ver⸗ eiſender an trat. ſich nach freundliche ch nie zu en erboten gedrängt e Abſcheu an und ſie fühlte ſich von einer ſeltenen Kraftloſigkeit ange⸗ wandelt. Ein Mädchen, das ſich mit beſonders lebhaftem Eifer um Leonore beſchäftigt hatte, und reinlicher gekleidet war, als die Uebrigen, bemühte ſich, die Prinzeß, welche wankte, zu ſtützen, allein Giulio übernahm dieſe Pflicht und winkte der Zigeunerin, zurückzutreten. — Sie wollen nach Coſenza, gnädigſter Herr? fragte einer der Männer, welcher plötzlich herangetreten war, nachdem er mit den Uebrigen einen bedeutungsvollen Spitzbubenblick gewech⸗ ſelt hatte. — Ich ſagte es ſchon, verſetzte Giulio kurz und beſtimmt. — Noch in dieſer Stunde? — Sogleich! — Aber die edle Dame iſt krank— wollen der gnädigſte Herr uns nicht die Huld erweiſen, ſie bei uns bis zum Morgen raſten zu laſſen? In der That erkannte Giulio, daß Leonore keinen Schritt zu thun vermochte. — Ich kann nicht weiter, ſagte Letztere mit matter Stimme. — Sie hören es nun ſelbſt, gnädigſter Herr, wiederholte der Zigeuner, bleiben Sie bei uns. — Bei Euch? — Wir werden thun, was wir können, Sie brauchen ſich nicht zu fürchten. — Ich fürchte mich nicht, verſetzte Giulio beſtimmt. — Sie würden uns auch kränken, wenn Sie uns irgend⸗ wie verdächtigten; Nema, wendete er ſich zu dem reinlich geklei⸗ deten Mädchen, vollziehe Deine Pflicht. Ddie Angeredete kniete nieder und überreichte den Fremden Brod mit Salz zum Zeichen der Gaſtfreundſchaft; Giulio nahm davon. — Kennen Sie dieſe Sitte, gnädigſter Herr? fragte der Zigeuner. — Sie iſt mir unbekannt. — Dieſe Ceremonie will bedeuten, daß derjenige, welcher des Zigeuners Brod gekoſtet, es mit ihm getheilt hat, nichts von dem egyptiſchen Manne zu fürchten hat. 794 — Ich ſagte bereits, ich fürchte mich nicht, aber wo ſollte die Dame raſten? Jetzt wurde in einer Art Erdhütte von weichem Mooſe ein Lager errichtet und Leonore hineingeführt. Zugleich ergriffen zwei Männer ein Lamm, welches ſie ſo⸗ fort ſchlachteten und auf ihre Weiſe zubereiteten. Das ganze Thier wurde nämlich, ohne das Fell abzuziehen, auf duftige Kreuter gelegt und damit bedeckt. Dann ſchüttete man Erde darauf und zündete über dieſen Hügel ein großes Feuer an, wodurch das Fleiſch auf eine ſehr ſaftige Weiſe gebraten wurde. Waren die Zigeuner auch wenig bedenklich hinſichtlich der Wahl ihrer eigenen Nahrungsmittel, ſo ſuchten ſie doch für ihre Gäſte das Schmackhafteſte und Reinlichſte aus, was ſie bei ihrer herumziehenden Lebensweiſe nur hatten anſchaffen können. Giulio legte ſich an der Thür der Hütte auf den Boden nieder und bewachte das geliebte Weſen, welches nun allein ſei⸗ ner Obhut anvertraut war. Prophezeihungen. Endlich brach der Morgen heran, und die nächtliche Leb⸗ haftigkeit der Zigeuner wich einem trägen, ſchläfrigen Weſen. Dieſe Geiſter der Nacht pflegen die Tage zu verſchlafen, während ihnen in den Nächten eine wunderbare Lebendigkeit eigen iſt. In den Morgenſtunden hatte ſich die Anzahl der Zigeuner bedeutend vermehrt, denn von allen Seiten kamen Männer und Weiber von den naäͤchtlichen Streifzügen zurück und flüſterten, als ſie ihre Gäſte ſahen, ſich heimliche Worte zu, was einen ſorgſamen Beobachter wohl hätte ängſtigen können. Giul vielmehr — G ren Trauf —6 —7 in die B von dieſe daß dies mes, als ſagte Git unter die Jwe ſchwande blicken z Gin theuerſte — führen. ret Col Es bzuziehen, ber dieſen eine ſehr htlich der für ihre bei ihrer mnen. en Boden allein ſei⸗ tliche Leb⸗ Weſen. eerſchlafen, ebendigkeit Zigeuner inner und flüſterten, vas einen Giulio indeſſen beachtete dieſen Umſtand nicht, er öffnete vielmehr die Thür der Hütte, trat hinein und warf einen for⸗ ſchenden Blick auf Leonore, welche faſt in derſelben Minute die Augen aufſchlug. — Laſſen Sie uns aufbrechen, Giulio! rief ſie in äußerſter Erregung. — Wie fühlen Sie ſich jetzt, Leonore? — Geſtärkt und doch beengt— ach, ich hatte einen ſchwe⸗ ren Traum. — Eine ſehr natürliche Folge der Ereigniſſe, verſetzte Giulio. — Mir träumteo, eines dieſer Weiber habe mir einen Dolch in die Bruſt geſtoßen und tränke mein Herzblut— fort alſo von dieſem Ort. — Gewiß werden wir ihn ſogleich verlaſſen, aber ich hoffe, daß dies weniger aus Furcht vor der Erfüllung dieſes Trau⸗ mes, als aus Gründen der Nothwendigkeit überhaupt geſchieht, ſagte Giulio lächelnd. — Ich bin nicht abergläubiſch, Giulio, aber der Aufenthalt unter dieſen Menſchen iſt doch ſchrecklich, alſo kommen Sie. Zwei Zigeuner hatten dieſes Geſpräch belauſcht und ver⸗ ſchwanden von der Thür, kehrten jedoch nach wenigen Augen⸗ blicken zurück. Giulio und Leonore waren jetzt in das Freie getreten. — Sie wollen uns ſchon verlaſſen, gnädigſter Herr und theuerſte Dame? fragte einer der zurückgekehrten Zigeuner. — Gewiß, und Ihr wolltet uns auf den Weg nach Coſenza führen. — Ja, gnädigſter Herr, aber— die Coleira. — Was heißt Coleira? — So nennt ſich unſere Altmutter, unſere Königin. — Und warum nannteſt Du ihren Namen? — Sie wiünſcht ihre Gäſte zu ſehen. — Und in welcher Abſicht? — Ihnen den Segen mit auf den Weg zu geben. — Wir bedürfen des Segens Eurer Coleira nicht.⸗ — Es iſt Niemand glücklich geweſen, der den Segen unſe⸗ rer Coleira verſchmäht hat; kommen Sie, ſie wünſcht es. Es lag etwas ſo Dringendes in dieſer Aufforderung, daß 5 796 Giulio nachgeben mußte, ſchon um keine Furcht zu zeigen, und bald ſtand er und Leonore an der betreffenden Stelle. Die Zigeunerkönigin war eine kleine hundertjährige Frau, deren langes, weißes Haar gegen die dunkle, aſchgraue Farbe ihrer völlig aufgetrockneten Geſichtszüge auf eine ſeltſam ergrei⸗ fende Weiſe abſtach. Man hatte ihr auf einem abgeſägten Baumſtamm einen er⸗ höhten Sitz bereitet und durch belaubte Zweige einen Baldachin darüber gebildet. Es wagte ſich Niemand in ihre Nähe, ohne ihr die demüthig⸗ ſten Beweiſe einer abgöttiſchen Verehrung zu zeigen. Sie ſaß da, ſo einſam, kalt und regungslos, gleich einer Mumie aus verwichenen Jahrtauſenden, welche Niemand ohne Scheu betrachten kann, und es koſtete in der That Mühe, dieſes Weib für ein lebendes Geſchöpf zu halten. Leonore namentlich wurde bei dem Anblick dieſer eisgrauen Stammmutter von unendlichem Bangen angewandelt. Giulio trat näher, während Leonore ihm folgend, ſich un⸗ willkürlich feſt an ſeinen Arm geklammert hatte. Jetzt bewegte die Zigeunerkönigin ihre eingefallenen Lippen zum Sprechen, langſam und zitternd hob ſie ihre Hand auf und breitete ſie über die Liebenden aus. — Euer Gott ſegne Euch, murmelte ſie ſo leiſe, daß ihre Worte dem Geſäuſel eines Zephyrs vergleichbar waren— aber wollt Ihr die Coleira verlaſſen, ohne ſie gehört zu haben? — Wir haben Euren Segen vernommen— verſetzte Giulio. — Aber nicht meine Weiſſagungen.— — Ich bedarf deren nicht, entgegnete Giulio, ich kenne meine Vergangenheit.— — Aber nicht die Zukunft— unterbrach ihn die Alte, und die Jungfrau, wendete ſie ſich an Leonore. — Auch ich verzichte darauf. — Ihr thut Unrecht, man ſoll nicht zurücktreten, wenn ſich der Vorhang vor der Zukunft entrollt. — Ich habe keine Zukunft mehr, gab Giulio ſeufzend zur Antwort. — Reich mir Deine Hand, Edelmann, ſagte die Coleira. — Ich habe Dir geſagt, daß ich auf dergleichen Prophe⸗ geiungen j dt Zukun hören, ſag Die ſchenden? ſchen nicht verſt T —(. Du haſt lich ſein. vollem Le Lebenslin furchtbar Braut? Schmer Leonore“ unheiml des Ga Gi durchdr liebten vorange nicht w und ſel eisgrauen ſich un⸗ nen Lippen d auf und daß ihre n— aber ben? te Giulio. ich kenne Alte, und wenn ſich ufzend zur zeiungen nichts gebe, wer biſt Du, daß Du es wagſt, den Schleier der Zukunft lüften zu wollen. — Du fürchteſt Dich alſo, vielleicht etwas Schlimmes zu hören, ſagte das Weib mit einem Anflug von Spott. — Hier iſt meine Hand. Die Alte betrachtete die dargereichte Rechte mit ſeltſam for⸗ ſchenden Blicken und ſchüttelte bedenklich das Haupt. — Noch ſo jung und doch— murmelte ſie ſo leiſe, daß ſie nicht verſtanden werden konnte. — Was ſagſt Du, Alte? fragte Giulio. — Du haſt Recht, Edelmann, ſagte ſie nach kurzer Pauſe, Du haſt keine Zukunft, ſie wird wenigſtens kurz und ſchmerz⸗ lich ſein. — Weißt Du das ſo genau? fragte Giulio mit wehmuths⸗ vollem Lächeln. — Ich bin davon überzeugt— ich ſehe es an der kurzen Lebenslinie— armer, unglücklicher Mann, Dein Schickſal wird furchtbar ſein— doch ſage mir, iſt die ſchöne Dame Deine Braut? — Nein! 1 — Wohl ihr, denn ihr wird in dieſem Falle ein großer Schmerz erſpart. — Komme zur Sache, alte Frau, ſagte Giulio, während Leonore's Antlitz ſich mit Leichenbläſſe bedeckte. — Ich möchte nicht gern ſagen, was ich ſehe. — Svrich dreiſt— ich belächle Deine Prophezeiung. — Haſt Du Muth, Edelmann? fragte das alte Weib mit unheimlich blinzelnden Augen. — Ich fürchte wenigſtens Deine Prophezeiungen nicht. — Nun, ſo höre, ich ſehe auf Deiner Hand das Zeichen— des Galgens— ſagte ſie mit widerlich kreiſchender Stimme. Giulio erbleichte unwillkürlich und Leonore ſtieß einen durchdringenden Schrei aus und umſchlang den Arm ihres Ge⸗ liebten inniger. — Was ſoll dieſes Zeichen bedeuten? fragte der Prinz nach vorangegangenem, längerem Schweigen. — Es will ſagen, daß Du auf dem Blutgerüſt endeſt, aber nicht wie ein Dieb oder Mörder— Du wirſt ſchuldlos ſterben und ſelig werden.) 9 7 4 798 — Alſo ſchuldlos, wiederholte Giulio aufmerkſamer, und woraus erkennſt Du dies? — Ich ſehe ein kleines Kreuz am Ablauf der Lebenslinie, das deutet auf Märtyrertod. — Ich danke Dir, Alte, was Du auch geſagt haſt, es war mir nicht unlieb zu hören, verſetzte Giulio ernſt und wendete ſich mit der halbtodten Leonore zum Gehen. — Und die Jungfrau, will ſie nicht die Stimme des Schick⸗ ſals hören. — O wüßteſt Du die Zukunft zu ergründen und ſagteſt Du mir die Wahrheit, wie gern wollte ich Dir zuhören, aber— — Reich mir Deine Hand, Jungfrau. Leonore weigerte ſich, dieſer Aufforderung Folge zu leiſten, allein Giulio drang mit ſanfter Ueberredung in ſie und ſie ge⸗ horchte. — Viele Thränen, ſagte die Alte, indem ſie die Hand Leo⸗ nore's betrachtete— doch Du wirſt länger leben und Dein Ende wird nicht ſo unglücklich ſein, denn Du ſtirbſt nicht auf dem Blutgerüſt. — Alſo nur dann endet man Deiner Meinung nach un⸗ glücklich? ſagte Leonore in fragendem Tone und mit wehmüthi⸗ gem Lächeln. 4— Gewiß, bemerkte die Zigeunerkönigin, es iſt ſo meine Anſicht, aber hüte Dich, Jungfrau, daß man Dir nicht nahe mit Honig auf den Lippen und der Schlange im Herzen. — Das iſt wenigſtens ein guter Rath, den ich befolgen will, weil ich ihn mir längſt ſelber gegeben habe. — Hüte Dich aber auch vor Gift, Jungfrau, denn Du biſt von vielen Feinden umgeben. — Darin magſt Du Recht haben, alte Frau, doch laß uns in Frieden ziehen, unſer Weg iſt weit.— — Und zählte er auch Sternenweiten, zum Tode führt er doch, ſagte die Alte in eigenthümlichem Tone. — Wir müſſen einſt Alle ſterben— ſagte Leonore. — Gewiß Ihr werdet ſterben— er auf dem Blutgerüſt und Du durch— Gift.— — Genug, genug, rief Giulio, jetzt verſtumme, Alte. — Er ſtirbt am Rabenſteine, ſie tödtet Gift. Beide der Pfeil des Todes bald trifft.— wohl in Fe in welche getroffen. In ih manderung! war im A Die U n ſttzender Plöt dächtig er numelte — 7 — J. den er ihr er ermorde ahter zige 3 Mit und die b 3 denen Ka Die waffen, w Bald drohend 9 Die mer, und 1 31. ddenzlinie hſt, es war d wendete des Schick⸗ nd ſagteſt n, aber— du leiſten, (und ſie ge⸗ (Hand Leo⸗ Dein Ende auf dem g nach un⸗ wehmüthi⸗ ſt ſo meine nahe mit h befolgen nn Du biſt ch laß uns de führt er r. gerüſt und lte. b — 799 Dieſen Vers ließ das alte Weib in ſchauervoll ſingendem Tone mit einem dämoniſchen Triumph hören. — Schweige, ſchweige, alter Unglücksrabe, rief Giulio, in⸗ dem er den boshaften Ausdruck in dem Geſicht der Alten er⸗ kannte. Die Zigeunerkönigin wurde wüthend— noch einmal glüh⸗ ten ihre Augen in wildem Feuer— noch einmal erbleichte ſie, aber auf— ewig. Plötzlich erſtarrt ſaß ſie auf ihrem Throne,— die Hundert⸗ jährige, längſt eine Mumie, hatte noch in den letzten Augen⸗ blicken ihre vermeintliche Prophetengabe geübt— und war wohl in Folge der Anſtrengung, vielleicht auch der Aufregung, in welche ſie Giulio's Ausrufungen verſetzt hatte— vom Schlage getroffen. In ihrem ausgetrockneten Körper hatte der Tod keine Ver⸗ änderung mehr hervorbringen können, und der ſaftloſe Leichnam war im Augenblick erſtarrt. Die Umſtehenden hielten ſie für ſchlafend, denn ſie hatte oft n ſitzender Stellung geſchlummert. Plötzlich trat einer der Zigeuner, dem die Alte doch ver⸗ dächtig erſchien, an ſie heran, beobachtete ſie aufmerkſam und taumelte dann mit einem lauten Schrei zurück. — Sie iſt todt— rief er, unſere Coleira iſt todt.— — Todt wiederholten die Andern. — Ja todt, der Fremde hat ſie getödtet, durch den Aerger, den er ihr bereitete; wir gewährten ihm Gaſtfreundſchaft und er ermordete uns dafür die Königin. — Wir müſſen ihren Tod rächen, Brüder! rief jetzt ein alter Zigeuner. — Ja, rächen, rächen und— ſogleich! Mit dieſen Worten drängten ſich Alle ungeſtüm um Giulio und die bebende Leonore. — Zurüͤck, wem ſein Leben lieb iſt, rief Giulio, den gela⸗ denen Karabiner auf die Menge anlegend. Die Zigeuner ſtutzten, ſie kannten die Wirkung der Schieß⸗ waffen, wiewohl ſte keine ſolchen beſaßen. Bald aber griffen ſie nach ihren Keulen und ſchwangen ſie drohend gegen Giulio. Die Männer fluchten in ihrer Landesſprache, die Weiber 800 heulten und kreiſchten und tanzten klagend in burlesken Sprün⸗ gen um die todte Coleira. Leonore ſtand in drohender Haltung neben ihrem Geliebten und war feſt entſchloſſen, ſein und ihr Leben bis zum letzten Augenblick ſo theuer als möglich zu erkaufen. Ein Geſtändniß. Wenn wir uns für unſeren Romanhelden intereſſiren, ſo dürfte es auch geſtattet ſein, einen Blick auf die Lage ſeiner Familienmitglieder zu werfen, da doch mehr oder weniger ſein Schickſal von dem Wohl oder Wehe derſelben abhängig iſt. Wir haben erfahren, wie Giulio's Mutter ihren Tod ge⸗ funden und welches Loos ſeinem Vater zu Theil geworden war. Wir wiſſen ferner, daß ſeine Schweſter Blanca, nachdem ſie Giulio aus den Flammen gerettet hatte, von einem Mönch da⸗ vongetragen wurde. Gehen wir alſo auf dieſen Augenblick zurück, um auch hier der Kataſtrophe einer, man kann wohl ſagen, Schickſalstragödie beizuwohnen. Der Mönch trug Blanca aus dem Gedränge und trat mit ihr in ein Haus, und von da in einen Garten. Hier legte er ſeine Bürde nieder, zog einen Schlüſſel aus der Taſche, öffnete eine Pforte und gelangte mit der immer noch Bewußtloſen zu einigen Stufen, welche nach dem Geſtade führten. Hier ſtand ein Nachen, welchen der Mönch, nachdem er Blanca, die in demſelben Augenblick die Augen aufſchlug, ſchweigſam einen Blick an ſeiner Seite angewieſen, in Bewe⸗ gung ſetzte. — Mein Bruder, mein Vater nicht bei mir? nahm ſie das Wort, G nich? Ab Der nur eine ſchnell ſei Noch empor, 1 das Boot mit ihren Alo Ruder un Das der Wo herrſchen Jet Nachen zurüchgel mit Sc welche Di Etde zu das Ga Lebende D Blanka gleich, baren U lichen angew D eines mäuer Das ereſſiren, ſo Lage ſeiner ſweniger ſein gig iſt ren Tod ge⸗ eworden war. nachdem ſie n Mönch da⸗ im auch hier ſalstragödie und trat mit Schlüſſel aus t der immer dem Geſtade nachdem er en aufſchlun , in Bewe⸗ aahm ſie dar 801 Wort, Gott, was iſt aus ihnen geworden, wohin führt man mich? Aber Ihr ſeid ein Geiſtlicher, ich darf Euch vertrauen? Der Mönch legte den Finger auf den Mund und ſteuerte nur eine kleine Strecke in das Meer hinaus, nahm dann aber ſchnell ſeine Richtung nach der Vorſtadt La Mergellina. Noch immer loderten die Flammen längs der Ufer hoch empor, aber das Geſchrei ertönte nun ſchwächer aus der Ferne; das Boot ſetzte ſeinen Weg ſchnell fort, und bald lag die Stadt mit ihren Schrecken hinter ihnen. Als ſie bei Piedigrotto vorbeikamen, hob der Führer ſein Ruder und lauſchte einen Augenblick. Das Fahrzeug wurde fortgetrieben und das ſtille Plätſchern der Wogen war das einzige Geräuſch, welches die ringsum herrſchende Ruhe unterbrach. Jetzt ergriff der Mönch wieder das Ruder, und als der Nachen eine kurze Strecke, in geringer Entfernung von der Küſte zurückgelegt hatte, zeigte ſich plötzlich ein Licht, das nahe am Geſtade zu brennen ſchien. Bei dem ziemlich hellen Himmel konnte Blanca deutlich ſehen, daß das Gebäude, dem ſich das Boot näherte, eine Ruine war.. Eine Reihe niedriger, höhlenartiger Kammern war halb mit Schutt angefüllt— die Treppen hingen in der Richtung, welche ſie zufällig bei dem Einſturze erhalten hatten. Die düſteren Oeffnungen der Gänge, die in die Tiefe der Erde zu führen ſchienen, boten ein trauriges Willkommen und das Ganze ſchien mehr zu einer Wohnung der Todten, als der Lebenden beſtimmt zu ſein. Das Sternenlicht ſchimmerte über den Trümmerhaufen und Blanka ſah mit Zagen das Boot unter die Bogen gleiten, wenn⸗ gleich es ihr andererſeits wohlthuend war, fern von den furcht⸗ baren Auftritten der Stadt zu ſein. Ungewiß über ihr Schickſal, vertraute ſie doch dem Geiſt⸗ lichen und hätte er ihr den Weg durch die Tiefe des Meeres angewieſen. Der Nachen fuhr an die Mauer, wo der Mönch es mittelſt eines Strickes an einem Ringe befeſtigte, der ſich in dem Ge⸗ mäuer befand. Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 11.) 51 802 Er deutete dann auf die in den Felſen gehauenen Stufen und gab dem Mädchen ein Zeichen, hinanzuſteigen. Blanka gehorchte ohne Zögern und kam bald auf einen offenen Platz, der mit verſchiedenen Fiſchergeräthen bedeckt war und an deſſen Ende ſie die Thür einer Hütte ſah— ſie trat hinein. Ein Licht brannte auf dem Tiſche, aber kein Laut war hör⸗ bar, ſie und ihr Führer ſchienen die einzigen lebenden Weſen in der Hütte zu ſein. — Nennt mir Euren Namen Padre, nahm Blanka das Wort, daß ich weiß, wem ich meine Rettung aus der Gewalt des bedrohenden Pöbels, dem mich mein armer Bruder über⸗ laſſen mußte, zu danken habe. Der Mönch ſchwieg und ſchien unſchlüſſig und verlegen zu ſein. — Sprecht, Padre! Der Angeredete trat zurück. — Ich bin kein Mönch, Signora, ſagte er mit einer Stimme, deren Töne, obgleich gedämpft und zitternd, ſie durch⸗ bebten, als hätte ein Todter geſprochen. Mit dieſen Worten warf er ſeine Verkleidung ab, und Blanka erkannte— den Geheimſchreiber Pietro, deſſen Wangen glühten, deſſen Züge überhaupt die äußerſte Erregung ver⸗ riethen. Blanka erbleichte und erbebte, und doch zeigte ſich ein plötz⸗ licher und milder Glanz in ihren Blicken, die ſie indeſſen ſchnell zu Boden ſenkte. Pietro kniete vor ihr nieder. — Signora, nahm er mit tief bewegter Stimme das Wort, fürchten Sie nichts von mir— Gott iſt mein Zeuge, ich möchte nicht einmal durch ein flüchtiges Wort Ihnen Erröthen verur⸗ ſachen— Sie ſind jetzt mit mir allein in dieſer Hütte, und wie gern auch mein Mund dem übervollen Herzen Erleichterung ſei⸗ ner Qualen ſchaffen möchte, jedes Wort ſoll in dieſem Augen⸗ blick verſtummen. Gern wagte ich mein Leben, um Sie dem Volkshaufen zu entreißen, dem Sie ſchon überantwortet waren, ich bin ein Mitglied der Volksregierung, und hätte ein Zufall meine wahre Geſtalt verrathen, dann hätte man den Bürger, der es wagte, einer Ariſtokratin das Leben zu retten, geſteinigt. — ———— ——— Ic vire nach einit Schrecken, Sein Sinne ge blicke ihn entzündet 23 niederem Ihres Ve ſthig ſei Er! Aullit ſ Eine Auge leu wieder ſe Piet wagte es Leidenſch Er zitternd an ſeine zurück das Wo Leben ot O, dan mich be Er ſich nie doch ka hinweg ber in ſüße S. gen, d mich —n Stufen auf einen edeckt war ſie trat war hör⸗ Weſen in lanka das r Gewalt dder über⸗ verlegen mit einer ſie durch⸗ ab, und n Wangen gung ver⸗ ein plötz⸗ indeſſen das Wort, ich möchte en verur⸗ und wie erung ſei⸗ n Augen⸗ Sie dem t waren, in Zufall Bürger, geſteinigt 803 Ich wäre gern für Sie geſtorben— hier, Signora, fuhr er nach einigem Schweigen fort, ſind Sie ſicher und fern von den Schrecken, die in Neapel toben. Seine Worte wirkten wie ein Zauber und hielten Blanka's Sinne gefeſſelt. Sie ſchlug, als er ſchwieg, die Augen auf, blickte ihm in's Antlitz, und ſetzt ſchien ihr Blick von dem Feuer entzündet zu ſein, welches in dem ſeinen blitzte. — Alſo Sie ſind mein zweiter Retter? flüſterte ſte leiſe. — Ja, ich bin es, oder glauben Sie, daß ein Mann aus niederem Stande, der verachtete, oft verhöhnte und in dem Hauſe Ihres Vaters geſchmähte Schreiber keiner großen, kühnen That fähig ſei? Er hatte ſeinen flammenden Blick auf Blanka gerichtet, deren Antlitz ſich verfärbte. Eine hohe Gluth hatte ihre Wangen umfloſſen und ihr Auge leuchtete, bald aber erbleichte ſte, während ſich ihre Blicke wieder ſenkten.. Pietro fühlte, daß ſeine Worte ſie bewegt hatten, und er wagte es, die Entſcheidung einer ſeit lange genährten heftigen Leidenſchaft herbeizuführen. Er erhob ſich, trat näher zu ihr, und an allen Gliedern zitternd, faſt ohne Beſinnung, ergriff er ihre Hand, die er an ſeine Lippen ziehen wollte— Blanka aber bebte vor ihm zurück. — Blanka, Blanka, nahm er in ſanft vorwurfsvollem Tone das Wort, auch Sie ſtoßen den Mann zurück, der Ihnen ſein Leben opfern möchte, weil er dem niederen Stande entſproſſen? O, dann habe ich mich getäuſcht— ein ſchrecklicher Wahn hat mich bethört. Er ſchwieg und blickte traurig mit verſchränkten Armen vor ſich nieder. — Und doch, nahm er wieder nach einer Weile das Wort, doch kann ich jene ſchönſten Augenblicke meines Lebens nicht hinwegleugnen.— O, wie oft hörte ich, wenn man den Schrei⸗ ber in Ihrem Hauſe mit Hohn oder Mißtrauen anſah, Ihre ſüße Stimme für mich ſprechen— ich hörte, wie Sie Diejeni⸗ gen, die durch ihren Stand bevorrechtet waren und glaubten, mich verlachen zu dürfen, dringend ermahnten, nicht ſtolz und 51* 804 herriſch gegen Jemand zu ſein, deſſen Daſein freudenlos; ich hörte Sie für mich flehen, als man mich des Diebſtahls beſchul⸗ digte, wie Sie mich in Schutz gegen verächtlichen brandmarken⸗ den Argwohn nahmen.— Ja, ich ſah ſie über den Tadel wei⸗ nen, den Ihnen Ihre Fürſprache zuzog, und nur Ihrethalben habe ich die Sclaverei in Ihrem Hauſe länger ertragen, als es meine gekränkte Ehre, mein verletztes Selbſtgefühl geſtatteten. Ich habe geſchwiegen, während mein Herz zerſpringen wollte— ich habe die Thatkraft eines ſtolzen Geiſtes für Sclavenlohn geopfert, damit ich unter jeder Bedingung mit Ihnen unter einem Dache athmen, meine Blicke an ihrer holden Geſtalt, wenn auch nur flüchtig und nach langen Zwiſchenräumen weiden konnte, und ſo die Schwingen meiner armen, niedergedrückten Seele in Ihrer Nähe wieder gehoben werden möchten. Ich habe ertragen, geduldet, gelitten, um nur einen Augenblick heran⸗ nahen zu ſehen, wie dieſen— antworten Sie mir alſo, Blanka, ſoll ich darum von Ihnen zurückgeſtoßen werden? Die Angeredete blieb einige Augenblicke ſtumm und ſcheinbar ohne Theilnahme, während Pietro ihre Hand an ſeine Lippen drückte. Endlich erhob ſie ihre thränenvollen Blicke zu ihm und dieſe gaben die Antwort, die der Mund verſchwiegen hatte. Pietro vermochte ſeine Bewegung nicht länger zu unter⸗ drücken, er drückte ſie an ſeine Bruſt, ohne daß ſie ſich ſträubte. Er ſprach mit Feuer von ſeiner lange genährten Leidenſchaft, ſeinen Beobachtungen, ſeinen Zweifeln und Hoffnungen, ſeiner Eiferſucht und ſeinem Wahnſinn. Sie hörte ihn mit Thränen an und mit einem pochenden Herzen, das auch ſeine Geſtändniſſe hätte machen können; auch ſie konnte von Gefühlen ſprechen, die ihre Wangen geröthet, ihre Träume belebt, ſie in die Einſamkeit getrieben und ſie in mancher Sternennacht beſeligt hatten, wenn ſie unter dem Thurme der väterlichen Burg ſtand, in welcher Pietro's Wohnung war. Ja, Blanka, die Tochter des ſtolzen, dünkelvollen Herzogs von Mattalone liebte den unſcheinbaren, niedrig geborenen Schreiber— welche Rache des Schickſals an einem anmaßenden Ariſtokraten, der nur ſich und die Intereſſen der Regierung, nur den Stand und nicht den Menſchen kannte. Stunden Sternen, in Sie ſtüt dem Meere Pietro 1 dige Freignif Blanka. Es erſch alle ſeine 1 Peſen ihn — Geli ſolzes Gemi großmüthig ſuchte.— — RaY — An ſeht in mein Ihren das g ben, abet preſſen, ich der Ihren Sie ſind ſei ſein, wie au Herz zu bef ich will, we des Ruhme als es irge Gehen wir der Ruhe, wird Ihr als Sicher Die T erſten Aufr Der/ ſeinen Nach kehren. Das den Viichen Stunden verrannen— und Pietro wähnte ſich über den Sternen, in den Sphären der Glückeeligen. Sie ſtützten ſich auf die niedrige Bruſtwehr, welche ſich über dem Meere erhob. Pietro war weit mehr verſucht, dieſes plötzliche und freu⸗ dige Ereigniß nur für einen ſchönen Traum zu halten, als Blanka. Es erſchien ihm kaum glaublich, daß ein ſo ſchönes über aalle ſeine Wünſche und ſeine kühnſten Hoffnungen erhabenes Weſen ihn lange und heimlich geliebt haben könnte. — Geliebte Blanka, nahm er das Wort; Sie haben ein ſtolzes Gemüth vom Verderben gerettet; Sie haben ein Hexrz großmüthig und ſanft gemacht, das um jeden Preis Rache ſuchte.— 1 — Rache? 1 — An meinen Feinden, Blanka, an Ihrem Vater e Ich habe c heran⸗ Blanka, ſteht in meiner Macht, aber es ſei fern von mir, einem der Ihren das geringſte Leid zuzufügen, ich werde ſie niemals lie⸗ ben, aber auch nicht ſtrafen, um Ihnen keine Thränen zu er⸗ preſſen, ich werde meinen Gefährten gegenüber als Todfeind ddeer Ihren erſcheinen und ſie retten, wenn Ihnen Gefahr droht. S ie ſind ſeine Tochter, Blanka, deſſen werde ich ſtets eingedenk ſcheinbar e Lippen und dieſe zu Unter⸗ ſein, wie auch dieſes Augenblickes.— Ja, das Bewußtſein, Ihr ſträubte. Herz zu beſitzen, ſoll mich auf eine ruhmvolle Laufbahn führen, denſchaft ich will, wenn es das Schickſal fordert, den Tod der Ehre und 1, ſeiner des Ruhmes ſterben, um Ihrer Trauer ſo würdig zu ſein, als es irgend ein Edelmann an meiner Statt geweſen wäre. vochenden Gehen wir jetzt wieder in die Hütte, Blanka,— Sie bedürfen en; auch der Ruhe, und ich muß Sie jetzt verlaſſen— dieſe Wohnung geröthet, wird Ihr Gefängniß ſein, denn ſie gewährt Ihnen nichts mehr nd ſie in als Sicherheit und Ruhe. Thurme ng war. Herzogs eborenen aßenden ng, nur . Die Trennung ward einem Herzen ſchwer, das noch in der eerſten Aufregung eines Liebesgeſtändniſſes pochte. Der Morgenhimmel leuchtete ſchon, als der Geheimſchreiber ſeinen Nachen von dem Felſen löſte, um nach Neapel zurückzu⸗ kehren. Das weiße Gewand Blanka's ward ſichtbar, als er ſie aus den Blicken verloren hatte. f. 806 Glücklicher als ein Engel erreichte Pietro die Stadt, ohne zu ahnen, wie furchtbar er dieſe Liebe büßen würde, in der wir auch endlich die Urſache der Rettung des Herzogs und Giulio's aus der Gefangenſchaft erkennen. Ein zweiter Beſuch. Nach dem Abſchiede von Pietro begab ſich Blanka in die einſame Hütte um die Ruhe zu ſuchen; obgleich von Schrecken und Beſchwerden erſchöpft, vermochte ſie doch nicht, Schlaf zu finden. Sie dachte an Pietro— die Liebe, die lange in ihrer Bruſt geſchlummert hatte, war plötzlich allmächtig erwacht. Kaum hatte ſich ihre Wange geröthet, kaum ſich ihr Gefühl durch eine Thräne verrathen, als alle Bedenklichkeiten und Zwei⸗ fel entſchwanden, die ſie früher hegte. Bald aber folgten der kurzen, ſüßen Träumerei ſchmerzliche Gedanken. Wo war ihr Vater, ihre Mutter, ihr Bruder?— der Kummer um die Trennung von ihnen und um ihr ungewiſſes Schickſal laſtete ſchwer und niederdrückend auf ihrem Herzen und erpreßte ihren Augen Thränen. Sie gab indeſſen bald wieder der Hoffnung Raum, denn ſie wußte, daß außer ihrem Vater Niemand in dem brennenden Palaſte geweilt und tröſtete ſich, daß er durch den Keller ent⸗ kommen ſein würde, während ſie von ihrer Mutter überzeugt zu ſein glaubte, daß ſie im Caſtel Nuovo eine Zuflucht gefunden habe.— Sollten aber die Ihrigen in die Gewalt des Volkes ge⸗ kommen ſein, ſo war ſie noch weniger beſorgt, denn ſie hatte von Pietro das Verſprechen erhalten, ihnen im Falle der Gefahr beizuſtehen, und dieſer Verſicherung vertraute ſie felſenfeſt. Roch and üie ſeh hende Wan glü r bo tung de blickte. Alle Fols ich vor ihr dm Hofe— Sie ſchlo von den Bild Ihre gä Schlaf hetbe deren Anbete ſchaft. Die Zü ſchwebte um thörten ihre entſchwunden Das he und als ſie Augenblick, klar machte. An den von etwa maliger Sch ten nichts Sie we wenn ſie ni buſens, ode verändert! Als ſ Frau, trat — E — die Far käſtliches 6 ſid Sie Kude ſagt Ic — Al Nooch andere Bilder tauchten aber in ihrer Seele auf. Sie ſah das flammende Auge, die gerunzelte Stirn, die glühende Wange ihres Vaters. Sie wußte, mit welcher Verach⸗ tung der hochfahrende Mann auf Leute von Pietro's Abkunft blickte. Alle Folgen ihrer vermeintlichen Erniedrigung traten plötz⸗ lich vor ihre Seele— ſie ſah ſich verachtet von den Eltern und dem Hofe— nur Giulio's Zorn fürchtete ſie nicht. Sie ſchloß ihre Augen, gleichſam als wollte ſie ſich dadurch von den Bildern befreien, die an ihrer Seele vorüberzogen. Ihre gänzliche Erſchöpfung führte endlich den mitleidigen Schlaf herbei, und die Liebe, deren Reich ein Traum iſt und deren Anbeter alle Träumer ſind, gelangte wieder zur Herr⸗ ſhaft. ika in de Die Züge der Schlummernden wurden ruhiger, ein Lächeln Schrecke ſcchwebte um ihren Mund, und glänzende, ſüße Täuſchungen be⸗ Schlaf zu thörten ihre Seele,— die Schrecken und Bekümmerniſſe waren entſchwunden. ſrer Bruſt Das helle Tageslicht umleuchtete ſie bei ihrem Erwachen, und als ſie ſich in dem öden Gemache umblickte, vergingen einige r Gefüh! Augenblicke, ehe die Erinnerung an die Ereigniſſe ihr ihre Lage und Zwei⸗ klar machte. An dem offenen, kleinen Fenſter des Gemachs ſaß eine Frau hmerzliche von etwa fünfzig Jahren, deren Antlitz noch die Spuren ehe⸗ maliger Schönheit verriethen, aber ihre düſteren Blicke weiſſag⸗ 1— der ten nichts Gutes. ngewiſſes Sie war ſeit mehreren Stunden beſchäftigt geweſen, und erzen und wenn ſie nicht zuweilen auf die ſchimmernden Wellen des Meer⸗ buſens, oder auf die ruhige Geſtalt der Schlummernden ſah, un⸗ im, denn verändert bei ihrer Arbeit geblieben. ennenden Als ſich Blanka beim Erwachen bewegte, erhob ſich die eller ent⸗ Frau, trat zu ihr und betrachtete ſie. tzeugt zu 1— Ein hübſcher, bunter Schmetterling, murmelte ſie leiſe gefunen.— die Farben beſchmutzt— die Flügel zerriſſen— fürwahr ein köſtliches Spielzeug für Finger, die in Blut gewühlt haben— lles g⸗ find Sie nicht die Tochter des Herzogs von Mattalone, mein atte von. Kind? ſagte ſie dann laut. Gefahr— Ich bin es. — Alſo wahr? rief die Frau mit gellender Stimme— ein 808 Mädchen, wie Du, ſeine Tochter? Du träumſt, Kind, Du biſt von Sinnen— ſchlafe, ſchlafe, bis es wieder Nacht wird— ich werde keine angenehme Geſellſchaft für Dich ſein. Sie wendete ſich fort, um wieder zu ihrem Stuhle zu ge⸗ hen und murmelte Worte, welche Blanka nicht verſtand. — Nie gab es ein ſolches Verbrechen ohne ſeine Strafe, ſagte ſie— ich habe es niemals anders auf der Erde erlebt— Verbrechen erzeugt Verbrechen, und der Menſch erzeugt ſei⸗ nen eigenen Rächer— o, welche Genugthuung, Himmel, ich danke Dir. Jener Tag und die übrigen, die ihm folgten, waren für Blanka ſchrecklich— die Stunden ſchlichen träge dahin, ſie machte vergebliche Verſuche, die ungeſellige und abſtoßende Ge⸗ noſſin ihrer Einſamkeit freundlicher zu ſtimmen. Etwa am dritten Tage ihres Aufenthaltes an dieſem Orte betrachtete Blanka die letzten Sonnenſtrahlen, die gegen Weſten in Purpurgluth auf dem Meere vorſchwammen. Die ſcharfen, blauen Umriſſe der Berge wurden allmälig undeutlicher, während ein Nebel von den Inſeln Procida und Iſchia dunkel heranzog. Blanka zögerte noch immer, das Gemach zu verlaſſen, bis es ſo dunkel wurde, daß ſie ihre Geſellſchafterin von den übrigen Gegenſtänden kaum noch unterſcheiden konnte. Endlich ſtieg ſie jetzt die Treppe hinab, um friſche Luft zu ſchöpfen. Sie gelangte in einen kleinen, eingeſchloſſenen Raum, der an eine Terraſſe ſtieß, die ungefähr dreißig Fuß über dem Meere lag. Die Sterne leuchteten glänzend über ihr, und ſie konnte deutlich erkennen, daß ſie von der Landſeite eine hohe Mauer einſchloß und die Terraſſe, auf welcher ſie ſtand, eine in das Meer vorſpringende felſige Landzunge war. Sie ſtarrte in die Nacht hinaus und dachte unabläſſig an die Ihren. Sie ſah keine Lichter auf dem Meere, da die un⸗ ruhigen Auftritte am Geſtade den gewöhnlichen Gang der Ver⸗ hältniſſe geſtört hatten. Das dumpfe Gemurmel entfernter Stimmen drang an ihr Ohr, aber der leiſe Wellenſchlag am Fuße des Felſens, ein Ton, an welchen Blanka ſeit ihren Kinderjahren gewöhnt war, er⸗ weckte traurige Erinnerungen an theure Freunde vergangener zeiten, die fremdet hale Sie ſetz Getrachtunge falgte der u Als die Ggegenſtände ſchaffenheit Endlich rüuſches und Händen bede Ibs ſie in blickte. Ein kle näher der C von einem Ihr H. trümmerten mann— J Unfähi Antriebe un Sie ſa und den N ſah, als ob Die T und ehe d dunkle Gem Ihr 9 und Liebe; Sie h durch den Daun ſen herauf in dem Zi Es w bei der ma In de Blutbade, ſe Strafe, erlebt beugt ſei⸗ mel, ich aren für nhin, ſie ende Ge⸗ ſem Orte n Weſten allmälig cida und aſſen, bis en übrigen e Luft zu n Raum, über dem ſie konnte ſe Mauer in das läſſig an die un⸗ der Ver⸗ Pan ihr ein Ton, dar, er⸗ angener n T Du biſt wird le zu ge⸗ 809 Zeiten, die ſie durch ihren letzten Schritt ſich für immer ent— fremdet haben mußte. Sie ſetzte ſich auf die niedrige Bruſtwehr und verſank in Betrachtungen, während ihre Thränen floſſen— und eine Stunde folgte der anderen. Als die Nacht dunkler wurde, ſah ſie bisweilen entfernte Gegenſtände auf dem Meere ſchwimmen, deren Form und Be⸗ ſchaffenheit ſie jedoch nicht erkennen konnte. Endlich ermüdet durch die Einförmigkeit des dumpfen Ge⸗ räuſches und der Finſterniß, wollte ſie ihr Angeſicht mit beiden Händen bedecken, um Auge und Ohr gegen Alles zu verſchließen, als ſie in der weiten Ferne ein Licht, einen Fackelſchein er⸗ blickte. Ein kleiner Gegenſtand auf dem Meere ſchwamm immer näher der Stelle zu, wo ſie ſich befand; es war ein Boot, das von einem einzelnen Ruderer gelenkt wurde. Ihr Herz pochte hörbar, als das Fahrzeug ſich dem zer⸗ trümmerten Gebäude näherte und ſie erkannte in dem Fähr⸗ mann— Pietro.. Unfähig, ihre Gefühle zu bezwingen, folgte ſie dem erſten Antriebe und entfloh. Sie ſah, daß ihre Genoſſin ein Lämpchen angezündet hatte, und den Rücken gegen das Licht kehrend, auf das Meer hinaus⸗ ſah, als ob ſie Jemand erwartet hätte. Die Thür einer anſtoßenden Kammer war halb geöffnet, und ehe die Frau ſie bemerkt hatte, ſchlüpfte Blanka in das dunkle Gemach. Ihr Herz war bewegt von ſtreitenden Regungen, von Furcht und Liebe; athemlos ſtand ſie ſtill, um zu horchen. Sie hörte, wie das Boot an das Ufer ſtieß— der Strick durch den Ring am Felſen gezogen wurde, um es zu befeſtigen. Dann nahten ſich von der Terraſſe Tritte, welche die Stu⸗ fen heraufkamen, und im nächſten Augenblick befand ſich Pietro in dem Zimmer, wo die Frau mit der Lampe ſtand. Es war ein widerwärtiger Anblick, den der Geheimſchreiber bei der matten Beleuchtung darbot. In der That, man konnte ſagen, er rauchte noch von dem Blutbade, welches an demſelben Abend in der Kirche del Car⸗ 810 mine ſtattgefunden hatte— ſeine Hände, ſein Geſicht— ſeine Kleider waren blutig. Er war lebhaft bewegt und hielt krampfhaft eine Hellebarde in der Hand, die er einem ermordeten Spanier entriſſen hatte. Seine Augen waren wild und grimmig, und während die Alte ihre Lampe erhob und ihn beleuchtete, ſchweiften ſeine Blicke forſchend umher. Es ſchien dem Weibe erſt nach und nach klar zu werden, daß die glänzenden und feuchten Flecke auf ſeinen Kleidern und die rothen Spuren an Geſicht und Händen von Blut her⸗ rührten. Die Frau ſtreifte mit den Fingern über ſeinen Aermel. — Was iſt das, mein Kind? fragte ſie mit zitternder Stimme. — Es iſt Blutl verſetzte der Gefragte dumpf. — Ha, ha, es iſt Blut, wiederholte ſie— vielleicht, mur⸗ melte ſie leiſe, klebt an ſeinen Händen auch Vater⸗ oder Bruder⸗ blut— er war ſanft und gut, wie ein Kind, fuhr ſie dann wieder mit lauter Stimme fort; habe ich nicht geſagt, daß es ſo kommen würde? Wenn es keine Paläſte mehr zu verbrennen giebt, wird es an's Todtſchlagen gehen— ha, wie fürchterlich. Der Schreiber hatte düſter vor ſich hingeblickt und auf die Worte der Frau nicht geachtet. — Wo iſt das Mädchen, Mutter? fragte er, habt Ihr ſie gehen laſſen? Iſt ein Boot angekommen, während ich abwe⸗ ſend war? Wieder lachte die Alte ſpöttiſch. — Fürwahr, rief ſie, ein ſauberer Anzug— ei ja, eine paſſende Geſtalt, vor einem jungen Mädchen zu erſcheinen; glaubſt Du, Blut rieche einer ſolchen Naſe ſo gut, als der meinigen? Pietro warf mit Schauder die Hellebarde von ſich und hielt ſeine Hände gegen das Licht. — Waſſer, Mutter! rief er; um der heiligen Jungfrau willen, bringt mir Waſſer! Die Alte nahm die Lampe und trat in die Kammer, wo Blanka ſtand. Das Mädchen hatte dem Geſpräche zugehört und ſchien ent⸗ ſetzt über das Geheimniß, welches zwiſchen Mutter und Sohn zu walten ſchien, und Pietro's Anblick flößte ihr Abſcheu ein. die Fra Prſſer in A Im n Paſſer wun Blanca, ihre Blice ging der au in gedämpfte 3 der Frau, od det hergefall — Es Altar in der hatten ihre die Strafe — Und fort, iſt er, Schande au und die er ſchuldlos ur hier gefang Jahre verg jene Unglü Pietro den Sinn i — Du die Frau. — Jch 5 Frau heftit von alleden wiſſen, ab höchſte Zei ich habe ei Laden heil Der( anſtoßende — Bl Inn bre⸗ ſeine ellebarde n hatte. hrend die ine Blick werden, dern und Blut her⸗ -rmel. gitternder ſcht, mur⸗ Bruder⸗ ſie dann daß es ſo erbrennen cchterlich. id auf die ht Ihr ſie ich abwe⸗ ja, eine ij glaubſt nigen? und hielt Jungfrau mer, wo hien ent⸗ nd Sohn 1 ein. 811 Die Frau, von welcher ſie nicht bemerkt ſein mochte, goß Waſſer in ein Becken und ging damit wieder hinaus. Im nächſten Augenblick wuſch Pietro ſeine Hände, und das Waſſer wurde geröthet. Blanca, welche dies beobachten konnte, wendete ſchaudernd ihre Blicke ab. Das Geſpräch, welches da drinnen folgte, ent⸗ ging der aufmerkſamen Horcherin nicht, obgleich der Schreiber in gedämpftem Tone ſprach. — Iſt das Edelmannsblut? fragte die ziſchende Stimme der Frau, oder ſeid Ihr ſchon wie hungrige Wölfe über einan⸗ der hergefallen? — Es iſt das Blut Paolo's und ſeiner Räuber, auf dem Altar in der Kirche del Carmine vergoſſen, verſetzte Pietro; ſte hatten ihre Treue an ihre alten Herren verkauft, und dieſe iſt die Strafe dafür geweſen. — Und iſt der ſchlimmſte Räuber von Allen, fuhr die Alte fort, iſt er, der die Ehre eines glücklichen Hauſes raubte, erſt Schande auf Eine gebracht hatte, die er dann ermorden wollte, und die er auch bereits todt wähnt— auf Eine, die ebenſo ſchuldlos und ſchön war, als das einfältige Vögelein, das Du g g hier gefangen hältſt, iſt er gefallen?— Es ſind faſt dreißig Jahre vergangen, ſeitdem ich ihn nicht ſah, aber geſchworen habe, jene Unglückliche zu rächen und ſein Blut zu ſehen. Pietro antwortete nicht und ſah ihr in's Geſicht, als ob er den Sinn ihrer Worte nicht verſtanden hätte. 1 — Du ſcheinſt nicht zu errathen, von wem ich ſpreche? ſagte die Frau. — Ich weiß es nicht, Mutter. — Ich meine den Herzog von Mattalone, Kind! rief die Frau heftig; haſt Du Dein Leben ſo unnütz verträumt, daß Du von alledem nichts weißt?— Doch nein, Du konnteſt nichts wiſſen, aber jetzt iſt es die höchſte Zeit, gerade jetzt iſt es die höchſte Zeit, gerade jetzt, in dieſem Augenblick— komm, Pietro, ich habe ein Geheimniß für Dich, das Dich von einem gewiſſen Leiden heilen kann— höre mich an. Der Geheimſchreiber aber eilte, ſtatt ihr zuzuhören, in die anſtoßende Kammer, wo er ſogleich Blanka bemerkte. — Blanka, redete er ſie an, laß uns hinausgehen, meine Stirn brennt und die Luft in dieſer armſeligen Hütte gleicht 812 der in der Höhle von Neapel, welche ich ſo eben verlaſſen habe. Zwar wirft das milde Sternenlicht auch über dieſes Dach ſei⸗ nen Glanz wie über die Wohnungen der Reichen, aber das In⸗ nere iſt ein Anderes— laß uns alſo im Freien die wenigen glücklichen Stunden, die ich ſtehlen kann, genießen. Blanka antwortete nicht. — Du ſchweigſt, Du willſt nicht mit mir gehen, ſagte er, indem er ſanft ſeinen Arm um ſie ſchlang. Sie zitterte und ſie ſträubte ſich nicht länger, ihn zu beglei⸗ ten und athmete erleichtert, als ſie draußen die friſche Seeluft einathmete. Die Liebe hatte ſchon früher über ihre Schüchternheit geſiegt, wie über den Gedanken, von Allen verachtet zu ſein, die ihr bis⸗ her theuer geweſen waren, und ſie ſollte noch einmal ſiegen. Sie fühlte, daß der Liebesſchwur, den ſie mit dem Geheim⸗ ſchreiber gewechſelt, unverbrüchlich war. Mit jener Verzweiflung, die ein ſo eigenthümlicher Zug in der Gemüthsſtimmung furchtſamer Menſchen iſt, verbannte ſie aus ihrer Erinnerung Alles, was ſie geahnt, gehört und geſehen hatte. Sie umſchloß Pietro's Arm, warf ſich an ſeine Bruſt und brach in Thränen aus. — Ich habe Dir eine rauhe und unpaſſende Geſellſchaft gegeben, Blanka, ſagte er; aber nur für wenige Tage. Es wird allmälig wieder Ordnung der Veränderung der Dinge folgen, welchen ich das Glück verdanke, Dich an mein Herz drücken zu können, das ſo ſehnſuchtsvoll nach Dir geſchmachtet hat. Ich will Dich bald von hier in die Welt führen, die Dich als Pie⸗ tro's Gattin ehren ſoll. — Führe mich dahin, Pietro, wo mich Niemand kennt, ver⸗ ſetzte Blanka, ich kann Dich lieben, Dir dienen, für Dich leben, aber laß mich niemals wieder vor die Blicke derjenigen kommen, die mich gekannt haben. — Du ſchämſt Dich Deiner Wahl, Blanka? ſagte der Schreiber traurig. — Nein, Pietro, aber die Meinigen werden Scham empfinden. — So ſei es, dieſe Hütte war meine Heimath ſeit meiner ſindheit, un neinetwillen — Ewig — Dein geſchützt, von — Sie fütnſt mir u llebte. — 3h! duß es dus goſſen haben — Lebe ich werde D. und kann nie und mein Be Bald we Die erſt den Rücken; einem neuen Für al jahre bereite unterwerfen liche Entſchä Kindheit, und meine Mutter wird ſanft gegen Dich ſein um meinetwillen— Du wirſt mich alſo ewig lieben? — Ewig— aber meine Eltern, mein Bruder, Pietro? — Dein Vater und Giulio ſind vor der Wuth des Pöbels geſchützt, von Deiner Mutter weiß ich nichts. — Sie wird bei der Herzogin von Arcos Zuflucht gefun⸗ den haben. — Blanca, ſagte Pietro nach längerem Schweigen; Du zürnſt mir nicht wegen des vergoſſenen Blutes, das an mir klebte. — Ich hegte Abſcheu vor Dir, ſo lange ich nicht wußte, daß es das Blut von Räubern iſt, welche gleichfalls Blut ver⸗ goſſen haben— ich kann Dir darum nicht zürnen. — Lebe wohl, theure Blanka, rief Pietro begeiſtert aus, ich werde Dich ewig lieben— jetzt muß ich von Dir ſcheiden und kann nicht wiſſen, ob ich ſehr bald wiederkehre— die Pflicht unnd mein Beruf feſſeln mich an Neapel. Bald war er ihren Blicken entſchwunden. Die erſten ſchwachen Strahlen des Morgenlichtes, die über den Rücken des Soma's und Veſuv's leuchteten, riefen ihn zu einem neuen Tagewerk. Für alle Kränkungen, die ihm die vergangenen Lebens⸗ Heſelſchaft jahre bereiteten und welchen ſich ſein hochſtrebender Geiſt hatte Es wird unterwerfen müſſen, fand er in ſeiner glücklichen Liebe jetzt reich⸗ e folgen,. liche Entſchädigung. rücken zu hat. Ich als Pie⸗ d geſehen Bruſt und unnt, ver⸗ ich leben, kommen, agte der Scham meiner So rächt ſich das Schickſal. Die Ereigniſſe in unſerer Erzählung drängen ſich, je näher wir der Entwickelung kommen, ſchnell an einander, daher müſſen wir noch fortfahren, uns mit dem Geheimſchreiber zu beſchäf⸗ tigen. Wir erinnern uns, daß Pietro in einer Nacht mit Maſa⸗ niello am Meere zuſammentraf, und in ſeiner Geſellſchaft zu der zechenden Todesgeſellſchaft gelangte. Nur dieſer Umſtand hielt ihn von ſeinem Vorhaben ab, ſich zu Blanka zu begeben. Erſt eine Stunde vor Tagesanbruch und nachdem die Zech⸗ geſellſchaft aus einander gegangen war, dachte er wieder an den Weg, den er hatte einſchlagen wollen, als er Maſaniello be⸗ gegnete. Er ging nach dem Hafendamm zurück, wählte unter den vielen Böten, die herrenlos am Strande lagen, das leichteſte, ſprang hinein und ſtieß vom Ufer ab. Kaum befand er ſich auf dem Meere, als eine Geſtalt, wie ein gemeiner Fiſcher gekleidet, hinter einem Haufen von altem Sodakraut, der auf dem Molo lag, hervortrat, leicht in ein Boot ſprang und in gleicher Richtung ſteuerte. Man wird leicht errathen, daß wenigſtens eines der beiden Fahrzeuge nach der Hütte fuhr, in welcher Blanka wohnte. Die kurze Gefangenſchaft ſelbſt hatte eine auffallende Ver⸗ änderung in der zarten Geſtalt des Mädchens hervorgebracht. Es war nicht allein die Einſamkeit ihrer Wohnung, wie die Entbehrung der Freiheit, was ihre Wange gebleicht, ihre Glieder zittern gemacht und den Glanz ihrer Augen getrübt hatte. Gern blickte ſie auf die blauen und ſtillen Wogen, mit wel⸗ chen ſie ſeit ihren Kinderjahren vertraut geweſen war. Der leichte Schaum, der die Wellenrücken bedeckte, das Tauchen des Vogels, der über dieſe dahinſchwebte, der ſchnelle Flug eines kleinen Nachens— dieſes Alles trug dazu bei, daß et Anblick ni Sternenlich 1 ngsſonne glä Aber das wat von Kun dr den Glan zurückwirft. Wirr habe den romantiſch er aber ſeine: unterdrückte u ſaut werden! Nur ein zatten Pflanz können. In ſtren, gewachſen, un die ſte umgal ſchen Eltern verſucht: ma angehöre, ei ebenbürtig ſe Giulio a berechtigung In dieſe Eltern oft z Munde gehör Mit Pi aber ſie hatte gefeſſelten, genſtand ihr feigerte, in Die M. hen ſcharf! Augenblick g Herzag von ſich, Vanka n dn ſlüſterte ini je naher er müſſen u beſchäf⸗ it Maſa⸗ laft zu der en ab, ſich die Zech⸗ eer an den aniello be⸗ unter den z leichteſte, eſtalt, wie von altem hht in ein der beiden ohnte. lende Ver⸗ hebracht. uung, wie icht, ihre n getrübt mit wel⸗ ecte, das er ſchnelle bei, daß 815 der Anblick nicht eintönig wurde, mochte das Meer unter dem Sternenlicht prangen, oder herrlich in den Strahlen der Mit⸗ tagsſonne glänzen. Aber das Herz, das den Anblick dieſer Schönheiten genoß, war von Kummer gebeugt und glich einem getrübten Spiegel, der den Glanz und die Schönheit aller Gegenſtände nur matt zurückwirft. Wir haben bereits erwähnt, daß Blanka ſchon ſeit Jahren den romantiſchen Traum einer Zuneigung zu Pietro gehabt, daß er aber ſeine Neigung mit aller Kraft eines männlichen Herzens unterdrückte und wir wiſſen, wie er endlich ſeine B laut werden ließ, und von Blanka erhört wurde. Nur eine vertrautere Bekanntſchaft mit dem Bau dieſer zarten Pflanze würde ihr plötzliches Hinwelken erklärt haben können. In ſtrenger Abgeſchiedenheit und Natürlichkeit war ſie auf⸗ gewachſen, und ſeit ihrer Kindheit an der Liebe Derer gewöhnt, die ſie umgaben. Nur der unſägliche Dünkel ihrer ariſtokrati⸗ ſchen Eltern hatte ſchädlichen Einfluß auf ihr Gemüth zu üben verſucht: man ſagte ihr ſtets, daß ſie einem alten Geſchlechte angehöre, einen hochadligen Namen trage und Alles, was nicht ebenbürtig ſei, mit Gleichgiltigkeit oder Stolz betrachten müſſe. Giulio allein war es zu verdanken, daß Blanka die Gleich⸗ berechtigung aller Menſchen anerkannte. In dieſer Beziehung kam es daher zwiſchen ihr und den Eltern oft zu ſchroffen Auftritten, wie wir es ja aus Pietro's Munde gehört haben. Mit Pietro war ſie nur ſelten in Berührung gekommen, aber ſie hatte ſich verleiten laſſen, ihn als einen durch Umſtände gefeſſelten, ſtolzen Geiſt zu betrachten und ſo wurde er der Ge⸗ genſtand ihrer ſchwärmeriſchen Liebe, die ſich in dem Maße ſteigerte, in welchem Pietro geringſchätzend behandelt wurde. Die Mutter Pietro's, die jetzt um ſie war, hatte das Mäd⸗ chen ſcharf beobachtet, und da ſie glaubte, daß der geeignete Augenblick gekommen wäre, einen ſeit dreißig Jahren gegen den Herzog von Mattalone genährten Haß zu befriedigen, beeilte ſie ſich, Blanka noch unglücklicher zu machen. In den ſtillen Stunden der Dunkelheit trat ſie zu ihr und flüſterte in ihre Ohren, die keuſch und heilig waren, wie in der ewerbung 816 Kindheit, die finſtere Geſchichte der Verbrechen des Herzogs von Mattalone, ihres Vaters. Die letzten Worte, die ihre empörende Erzählung ſchloſſen, erſchütterten Blanka's Gemüth ſo heftig, daß die Unglückliche ſeit jenem Augenblick vielleicht nicht mehr eine deutliche Vorſtellung von ihrer Lage hatte. — Jener Sohn lebt noch! rief die Alte mit teufliſcher Ge⸗ nugthuung. — Er lebt?— wiederholte Blanka mit bebender Stimme. — Sie kennen ihn. — Ihr ſpannt mich auf die Folter, Frau! — Nun denn, jener Sohn heißt— Pietro. — Gott, alſo er wäre— — Ihr Bruder! unterbrach ſie das Weib mit hölliſchem Gelächter. — Heilige Jungfrau, welche gräßliche Eröffnung! rief Blanka, kaum noch ihrer Sinne mächtig. — So rächt ſich das Schickſal! fiel die Frau mit einer Stimme ein, welche Blanka's Seele zu erſchüttern drohte— Sie ſehen alſo, ich lebe, der Himmel hat mich vor dem Gifttrank be⸗ wahrt, welchen mir ein Apotheker aus Averſa reichen, und wel⸗ ches mich erſt wahnſinnig machen nnd dann tödten ſollte— ein Zufall rettete mich— ich gab Ihrem Bräutigam das Leben, Signora— Ihrem Bräutigam, in deſſen Adern das ariſtokra⸗ tiſche Blut der Caraffa fließt, aber in deſſen Herzen auch alle Grauſamkeit und Rachſucht wohnt, auf welche die Mutter ſchon in der zarteſten Jugend ſeine Gedanken lenkte— das Wiegen⸗ lied, welches ich ihm ſang, hieß: Räche, Söhnlein, räche, Der Mutter Schmach und Schwäche! Dieſe Strophe ſang ſie in Tönen, die dem Röcheln eines Sterbenden glichen. Blanka war regungslos, als dieſes gräßliche Lied zu Ende geſungen war; ihr Herz ſchien plötzlich verwelkt und jede Lebens⸗ kraft entſchwunden zu ſein. Von dieſer Stunde an hatte ſich ihrer eine gewiſſe Stumpf⸗ ſinnigkeit bemächtigt— ſie ward gleichgültig gegen Alles, was ſie umgab. Sie achtete nicht mehr auf die Abwechſelung von Tag und gutt, eenſ noſſin ihrer Sie war hei ergrifen, umher. Einige naht— Bl ſenufer ſtieß Treppe hera den getingſt Er tra Stimme an Auf ein ſtoßen, ja ſe haben. Sie ha Lippen drück ſprochenen? — Du det über di Er eil ter, welche haft⸗triumg Er w. hazte, aber obwaltete irgendwie Dhne zurück und Das 9p 817 Naacht, ebenſo wenig auf die Gegenwart der furchtbaren Ge⸗ nooſſin ihrer Einſamkeit. Sie war bleich und ſchien wie von einer tödtlichen Krank⸗ heit ergriffen, ihre Blicke ſchweiften ſtumpf und ohne alles Leben höllſchen Ein ſchrecklicher Auftritt. frung! rief Einige Stunden ſpäter hatte ſich Pietro dem Geſtade ge⸗ naht— Blanka hatte vernommen, wie ſein Boot an das Fel⸗ mit einer ſenufer ſtieß, ſie hatte jeden ſeiner Tritte gehört, als er die hte— Sie Treppe heraufkam, aber ſie blieb regungslos und machte nicht ifttrank be⸗ 1f den geringſten Verſuch, ihm entgegenzueilen. n, und wel⸗ Er trat leiſe in ihr Gemach und redete ſie mit ſanfter ollte— ein Stimme an. das Leben, Auf einige Augenblicke ſchien ſte alle Kraft, ihn zurückzu⸗ Hariſtotra⸗ ſtoßen, ja ſelbſt den Muth, vor ihm zurückzubeben, verloren zu mauch ale haben. utter ſchon Sie hatte ihm ihre Hand überlaſſen, welche er an ſeine s Wiegen⸗ Lippen drückte, hörte ſeine leidenſchaftlichen mit Begeiſterung ge⸗ ſprochenen Betheuerungen an, blieb aber ſtumm und eiſig. — Du biſt kalt, wie der Tod, Blanka! rief Pietro befrem⸗ det über dieſes Benehmen. heln eines Er eilte in das anſtoßende Gemach, hier traf er ſeine Mut⸗ ter, welche er flehentlich um Aufſchluß bat; aber nur ein bos⸗ d zu Ende haft⸗triumphirender Blick war ihre Antwort. ——— ede Lebens⸗ Er wußte zwar, wie ſehr ſie den Herzog von Mattalone — haßte, aber er ahnte das furchtbare Verhängniß nicht, welches e Stump obwaltete und konnte auch nicht vermuthen, daß ſie Blanka llles, was irgendwie verletzt habe. Ohne weiter in ſie zu dringen, kehrte er in die Kammer Tag un zurück und bat Blanka innig, mit ihm in's Freie zu gehen. Das Hpfer von Amalfi.(Bs. III. 12.) 52 Statt der Antwort ſtieß ihn Blanka mit Entſetzen zurück. — Blanka, Blanka, was habe ich gethan? rief Pietro in herzzerreißendem Tone. Anfangs ſchien ein Ausdruck von Milde ihr Herz zu be⸗ leben, bald aber war er der vorigen Gleichgültigkeit gewichen. — Blanka, ſprich nur ein Wort, ein einziges Wort! fuhr Pietro flehend fort. — Gehe von mir— der Fluch ruht auf uns Beiden! ver⸗ ſetzte ſte mit leiſer Stimme. — Der Fluch auf uns, Blanka? Nicht doch, theure Braut, der Segen des Himmels iſt mit uns. — Wo wir weilen, muß der Himmel fliehen und die Sterne weinen. — Erkläre Dich näher— flehte Pietro bedeutungsvoll. — Frage Deine Mutter, ſie wird Dir Auſſchluß geben, ich vermag es nicht, meine Sinne ſind verwirrt. Pietro ließ die kalte Hand Blanka's, die er krampfhaft um⸗ faßt hatte, fahren, ſtürzte in das Nebengemach und verſchloß ſorgfältig die Thür. — Was iſt geſchehen, Mutter, was haſt Du gethan? rief er mit dem Ausdruck der Verzweiflung. — Was ich mußte— ich warnte ſie, indem ich ihr ein Ge⸗ heimniß entdeckte. — Ein Geheimniß— und welches? — Höre, flüſterte die Frau, die Hölle müßte mit mir ſein, wenn ich dieſe, Eure Liebe duldete, denn— der Herzog von Mattalone iſt Dein Vater— Blanka Deine Schweſter! Pietro ſtand einige Augenblicke wie verſteinert— ſeine Augen waren auf das Weib gerichtet, während ſeine Arme ſchlaff herabhingen— endlich ſchien er wieder Faſſung gewonnen zu haben. — Mutter, Du lügſt! ſagte er dann düſter. — Mein Sohn, Gott iſt mein Zeuge, ich ſprach die Wahr⸗ heit! betheuerte die Alte. — Wo ſind die Beweiſe?. — Nenne dem Herzog von Mattalone den Namen Clara Modeſta, und ſein Erbleichen wird Dir den Beweis liefern. .— Ich verlange mehr, ſagte er, dieſer Beweis genügt mir nicht; anſer 4. 66 äufſchuß 9 — Wahl Lachen, ha, wahnſinnig! ihm den Ver — Nein, der Schmach, perbinden. Jc nit feierliche — du Teufel lachen — Mei ſer, ihr Flu⸗ mahnung. — Habe ih kannte vo s ſei meine nicht geboten und dem H — Du überzeugend — Und Was ſpricht — Dei das Weib, mit einem Pietro — di er ſich wier den Fluch — 8 Kache, der tenfliſchſte Härath D dieſen Frer ihn n dr en zurück Jietro in Perz ſu be, gewichen. Wort fuhr eiden! ver⸗ ſure Braut, die Sterne ingsvoll. geben, ich pfhaft un⸗ d verſchloß ethan? rief ihr ein Ge⸗ t mir ſein, derzog von ter! t— ſeine Arme ſchlaff wonnen zu die Wahr⸗ nen Clara jefern. genügt mir 819 nicht; außerdem iſt der Herzog wahnſinnig und kann, mir keinen Aufſchluß geben. — Wahnſinnig?— wiederholte das Weib mit teufliſchem Lachen, ha, welche himmliſche Vergeltung— er wollte mich wahnſinnig machen, und nun kommt das Schickſal und raubt ihm den Verſtand. — Nein, nein, jammerte Pietro, Du lügſt! Du willſt mit der Schmach, die Du über mich gebracht haſt, noch den Fluch verbinden. — Ich will Dich ſegnen, mein Sohn— ſagte die Mutter mit feierlicher Stimme. — Du mich ſegnen? verſetzte Pietro, o, wie würde der Teufel lachen! — Mein Sohn, der Eltern Segen baut den Kindern Häu⸗ ſer, ihr Fluch reißt ſie nieder! ſagte die Frau in frommer Er⸗ mahnung. — Habe ich Eltern? entgegnete Pietro verzweiflungsvoll, ich kannte von Kindesbeinen an nur ein Weib, das mir ſagte, es ſei meine Mutter— aber ſie lügt, dieſes Weib kann mich nicht geboren haben, dieſes Weib mit dem Auge des Gettatore und dem Herzen der Schlange. — Du biſt mein rechter Sohn! ſagte die Alte im Tone überzeugender Beſtimmtheit. — Und ich ſage, Du lügſt, Du biſt nicht meine Mutter! Was ſpricht dafür, daß ich Dein Sohn bin? — Deine Rachſucht— Dein Verlangen nach Blut— ſagte das Weib, beide Eigenſchaften haſt Du von mir ererbt, ſetzte ſie mit einem gewiſſen Stolz hinzu. Pietro ſtand minutenlang in einer Art von Betäubung. — Dieſes Weib ſpricht von Segen, murmelte er leiſe, als er ſich wieder geſammelt hatte; ſie ſpricht von Segen und hat den Fluch in die Welt gebracht, indem ſie mir das Leben gab. — Sei ein Mann, Pietro, und nimm an dem Manne Rache, der Dich ſchmachvoll und unglücklich gemacht hat— die teufliſchſte Vergeltung, die Du hätteſt üben können, wäre die Heirath Deiner Schweſter geweſen, es ſtand in meiner Gewalt, dieſen Frevel geſchehen zu laſſen, ja, ſchon ſtand ich im Begriff, ihn zu dulden, aber mein beſſeres Selbſt, die Furcht vor der 52* 820 ter Sohn, hielten mich zurück. — Elendes, verruchtes Weib, Du biſt meine Mutter nicht! ſtöhnte Pietro. — Sei ein Mann, klage nicht, ſondern handle— ich will Dich an das Lied erinnern, welches ich Dir ſo oft vorſingen mußte und das Du ſo gerne hörteſt. Hierauf ſang ſie mit näſelnder Stimme die uns bereits bekannten Worte. — Dieſes Wiegenlied foll Dir zum Todtengeſange werden nahm Pietro das Wort und ſtürzte ſich auf die Frau. — Er ſchlägt ſeine Mutter! kreiſchte die Alte, hu, ſeine Hand wird zum Grabe herauswachſen! — Du biſt nicht meine Mutter— Du lügſt! Blanka hatte in der Kammer dieſer Scene beigewohnt, ſie hörte Pietro erſt haſtig flüſtern, allmälig aber wurde ſeine Stimme lauter und ſchneller. Endlich ſchwieg er wieder, aber nun hörte Blanka ſchwan⸗ kende Schritte, welchen ein Geräuſch folgte, als ob etwas über den Fußboden geſchleppt würde. Die kreiſchende Stimme der Frau ließ ſich jetzt wieder ver⸗ nehmen, ſie ſchrie kläglich nicht um Hülfe, ſondern um Er⸗ barmen. — Ich gab Dir das Leben, flehte ſie, vergieße nicht mein Blut, Pietro, der Muttermord bringt einen Fluch, der nie wieder von dem Mörder weicht— ſchone mich, ſchone mich, Du haſt als Kind an dieſer Bruſt geruht, und ich habe Dich gehütet, ich habe für Dich geſorgt, Dich ernährt, und nun willſt Du mein Blut vergießen. Pietro, der die Frau ermorden wollte, ſchien von ſeinem blutigen Gedanken abzulaſſen, und nach einigen Augenblicken trat eine Todesſtille ein. Die Thür der Kammer wurde endlich wieder geöffnet, und Pietro ſtand vor Blanka. Seine Züge hatten ihren gewöhn⸗ lichen, ſanften Ausdruck. Der Auftritt, dem das unglückliche Mädchen beigewohnt hatte, konnte ſie kaum ſo erſchrecken, als die früher angehörte Erzählung.. Sie ſchauderte, als ſie Pietro's Hand berührte, aber es ge⸗ Strafe des Himmels und endlich Dein Seelenheil, mein gelieb⸗ lippen, dißf — Dein ij krank, ſh richt dulden, Bruder iſt n meines Lebe zum letzten — Ich zufriedenheit Sie ſah zuvot, ſie la Fteundlichte Augenblich Lippen bebt — Ge ihrer Seite ſelber, könn Grabes für Von d Anweſenhei Er w währte, un Endli Nothwend Er ve Blan⸗ färbte ſich ſchläge, ur Wäh⸗ Geſtade e e werden hu, ſeine wohnt, ſie urde ſeine ka ſchwan⸗ ſetwas über wieder ver⸗ en um Er⸗ mein Blut, wieder von u haſt als ehütet, ich t Du mein von ſeinem lugenblicen öffnet, und n gewöhn⸗ heigewohnt angehörte aber es ge⸗ 1 821 ſchah nicht aus Theilnahme an dem Schickſal ihrer Geſellſchaf⸗ terin, an welche ſie in dieſem Augenblick kaum zu denken ſchien. Die Hand, welche Pietro faßte, ſchien erſtarrt und das Ge⸗ ſicht, worauf er blickte, leblos zu ſein. Er flehte in leidenſchaftlicher Weiſe nur um ein einziges Wort, nur um einen freundlichen Blick. — Schone meines Vaters, Deines— Dieſe Worte kamen ſo ſchwach, ſo tonlos über Blanka's Lippen, daß ſie kaum verſtändlich waren. — Dein Vater, Blanka, Gott mag ſich ſeiner erbarmen, er iſt krank, ſehr krank, ich werde ihm kein Leid zufügen und auch nicht dulden, daß dies von anderer Seite her geſchehe, Dein Bruder iſt nicht in Neapel, ich habe ihn gerettet mit Gefahr meines Lebens, Du weißt es ja, ich theilte es Dir mit, als ich zum letzten Mal bei Dir war. — Ich hatte es vergeſſen, ſagte Blanka mit einer gewiſſen Zufriedenheit. Sie ſah ihn an, ihr Blick war nicht mehr ſo ſtumpf, als zuvor, ſie lächelte. Pietro aber erkannte nur zu bald, daß dieſe Freundlichkeit, dieſes Lächeln unnatürlich war, denn in demſelben Augenblick floſſen Thränen über ihre Wangen, während ihre Lippen bebten. — Gebe Gott, ſagte ſie, daß mein unglücklicher Bruder an ihrer Seite glücklich werde, ſie iſt ſchön und hochherzig wie er ſelber, könnte mein Gebet ihm folgen, ſo will ich jenſeits des Grabes für ihn flehen, wo ich bald ſein werde. Von dieſem Augenblick an ſchien die Unglückliche Pietro's Anweſenheit nicht mehr gewahr zu werden. Er weilte ſprachlos in ihrer Nähe, ſo lange die Dunkelheit währte, und hatte ſie unausgeſetzt angeblickt. Endlich mahnte ihn die anbrechende Dämmerung an die Nothwendigkeit des Aufbruchs. Er verließ mit einer gewiſſen Haſt die Hütte. Blanka ſah ihn mit heimlicher Freude ſcheiden, ihre Wange färbte ſich, und ihr Auge glänzte. Sie vernahm die Ruder⸗ ſchläge, und ihre Blicke lenkten ſich auf das ruhige Meer. Während ſie auf die Wellen hinabſah, die ſpielend an das Geſtade eilten und wieder zurückwichen, verbreiteten die erſten 822 Sonnenſtrahlen einen heiteren Glanz über den glatten Waſſer⸗ ſpiegel. — Welch ein Friede herrſcht da oben, welche Ruhe wohnt in der Tiefe, flüſterte Blanca leiſe. Jetzt erwachte zum erſten Mal der Gedanke in ihrer Seele, daß auch ſie unter jenen Wellen eine Zuflucht finden könnte. Die Täuſchung, die ſie erfahren und ihr verſtörtes Gemüth noch befangen hatte, gewährte ihr den Troſt des Todes, und ſie ſehnte ſich nach der Ruhe, welche dieſer unter jenem lächeln⸗ den Waſſergrabe verſprach. Die Verwünſchungen, welche Pietro geäußert hatte, als er die Hütte verließ, um zu den Metzeleien in Neapel zurückzukeh⸗ ren, waren nicht allein in Blanka's Ohr gedrungen. Das Weib erhob ſich von dem Fußboden der Kammer, wo ſie bisher gelegen hatte und ſie eilte ins Freie, um Blanka auf⸗ zuſuchen, welche ſich hinaus begeben hatte. Ihre Züge hatten den gewöhnlichen, finſteren Ausdruck ver⸗ loren. Tiefe Bekümmerniß und Entſetzen waren in dem Blicke verſchmolzen, den ſie auf Blanka richtete, welche jedoch dieſe Ver⸗ änderung nicht gewahrte. — Sie müſſen fliehen, mein Kind, ſagte die Frau mit ſanf⸗ terer und milderer Stimme als je vorher— ſein Verſtand iſt zerrüttet, und wenn Sie länger bleiben, wird er ſie ermorden. Blanka blickte ſie verwirrt an und gab keine Antwort. — Auch ſie ſcheint von Wahnſinn befallen und ſterben zu müſſen, flüſterte die Frau; wie furchtbar muß der Tod ſein, wenn ſchon ſein Schatten ſo zurückſtoßend iſt. Sie richtete ihr Auge wieder auf Blanka's Antlitz, und in dem Blicke, der ihr begegnete, las ſie die Gedanken, die ſich in des Mädchens Innerem regten ſo deutlich, als ob ſie auf der Stirn geſchrieben geweſen wären. Von dieſem Augenblick an ſetzte ſie ſich neben Blanka, folgte ihr, als ſie ſich wieder erhob und beobachtete ſie mit unermüde⸗ ter Aufmerkſamkeit. Es war Boot unbeme ziſcher von d ſieß und ma Er führt nach wenigen haben. Er hefte wohnte, aus ſah bisweilen bewegte. Hätte m ſchen konnen ungemeine Die Fo groben Anz chens und Von 3 Wuthblitz u dunkelroth. Der Fo und verſchl˖ werden, w ſehr betrüt Als d Fiſcher auf ergreifend, Er er angelegt h Einig Richtung, zurücgelaſ Pieir Der einſame Fährmann. Es war noch ſo dunkel auf dem Meere, daß ein ſchnelles Boot unbemerkt über die Wogen ſchiffen konnte, als ein junger Fiſcher von dem überhangenden, felſigen Ufer ſein Fahrzeug ab⸗ ſtieß und nach Neapel ſteuerte. Er führte das Ruder weniger kräftig als geſchickt, und ſchon aach wenigen Minuten ſchien ihn die leichte Arbeit ermüdet zu haben. Er heftete ſeine Blicke feſt auf die Hütte, in welcher Blanka wohnte, aus einem Fenſter derſelben ſchimmerte Licht, und man ſah bisweilen den Schatten einer Geſtalt, der ſich hin und her bewegte. Hätte man in den Zügen des einſamen Fährmannes for⸗ dieſe Ver⸗ ſchen können, fo würde man bemerkt haben, daß ſich darin eine uungemeine Aufregung kund gab. mit ſanfe Die Farbe ſeiner Wangen paßte übrigens wenig zu ſeinem gerſtand ſt groben Anzuge, ſie waren zart und weiß wie die eines Mäd⸗ rmorden.chens und Thränen überſtrömten ſie. wort. Von Zeit zu Zeit leuchtete aus dem dunkeln Auge ein ſterben zu Wuthblitz und mit ihm zugleich färbte ſich die bleiche Wange ein, wenn dunkelroth. Der Fährmann legte ſeine Hand an die brennende Stirn 6, und in und verſchloß ſein Auge, als ſollte ihm der Anblick deſſen nicht die ſich in werden, was er in der Hütte zu vermuthen ſchien und ihn ſo e auf der ſehr betrübte. Als das Licht da drinnen verſchwunden war, fuhr der junge ila, folge Fiſcher auf, ſtierte in die Dunkelheit hinaus, und ſeine Ruder nnetmüde⸗ ergreifend, trieb er den Nachen pfeilſchnell über die Wogen. Er erreichte das Ufer, und als er ſein Fahrzeug ſorgfältig angelegt hatte, ſprang er an das Land. Einige Minuten ſpäter fuhr ein anderes Boot in derſelben Richtung, ja faſt auf der Spur, die das erſte auf den Wellen zurückgelaſſen hatte. Pietro, er war der Fährmann deſſelben, ſah ſich argwöhniſch 824 um, ehe er landete, allein er vernahm keinen Tritt und ſah kein lebendes Weſen auf dem Hafendamm. Er ſprang jetzt an das Land, wickelte ſich feſter in ſeinen Mantel und wollte ſich nach der Stadt begeben. Plötzlich ſprang eine Geſtalt, wie er gekleidet, vom Boden auf und vertrat ihm den Weg. Schon griff Pietro nach dem Dolch, aber die Stimme, die ihn anredete, das Antlitz, welches er endlich erblickte, beruhigten ihn— er ließ die gehobene Waffe ſinken. — Erkennſt Du mich? fragte der junge Fiſcher. — Warun dieſe Frage, Thereſia, ich wollte Dich ſo eben beſuchen; aber wozu dieſe Verkleidung und was führt Dich zu dieſer Stunde hierher? Keine Feder vermag die Bewegung zu beſchreiben, die ſich in den Zügen des ſtolzen Mädchens offenbarte. Sie betrachtete ihn mit Unheil verkündenden Blicken und erwiderte kein Wort. Nach längerem Schweigen brach ſie endlich in ein wildes Gelächter aus, das aber bald wieder verſtummte. — Thereſia— ſagte Pietro, welch ein tolles Beginnen? — Du wollteſt kommen? fragte ſie ſpöttiſch; wußteſt Du noch von meinem Daſein? — Ich habe, ich kann Dich nicht vergeſſen, Thereſia. — Das haſt Du bewieſen, elender, gemeiner Menſch, indem Du die Tochter des Herzogs von Mattalone entführt— aber Gottes Rache wird Dich treffen. Pietro's Wange erglühte. Es bedurfte keiner weiteren Aeußerungen mehr, ihn zu überzeugen, daß ſein Geheimniß ent⸗ deckt ſei, und in ſeiner ſtolzen Seele erwachte ein eben ſolcher Groll, als in der Bruſt derjenigen, die vor ihm ſtand, vorhan⸗ den war. — Mir aus dem Wege, Weibl ſprach er, Du raſeſt und ich bin wahrlich nicht in der Stimmung, lange Geduld zu beob⸗ achten— haſt Du mir nachgeſpürt, ſo trifft Dich dieſe De⸗ müthigung gerecht— ein Spion iſt immer verächtlich und ent⸗ geht auch ſelten ſeinem Schickſal. — Wie Du ihm nicht entgehen wirſt, blutgieriger, mein⸗ eidiger Verräther. — Als Pie h hjeben, ſah ſ Er wuß vor dem G einen Schrit Das w. — Men gen Dich er ihren eifrigſt Braut! Sie eil Hohnes ſcha ſe eilte zut Der N Glocke des Det. — J Frau haſtie — Un wahnſinnig — Di heilen— l zu bewirken — Ab zog tödtet, — D er mich, ſe ſein ganze * ren, ſagte mag es. Währ in di zel Dieſe ſeine Bli ein wildes ginnen? bußteſt Du eſta. ſch, indem — aber weiteren imniß ent⸗ ben ſolcher , vorhan⸗ raſeſt und* zu beob⸗ dieſe De⸗ und ent⸗ r, mein⸗ Als Pietro ſeine Hand erhob, um Thereſta bei Seite zu ſchieben, ſah er einen Dolch vor ſich blinken. Er wußte, daß der Arm, der die Waffe ſchwang, auch nicht vor dem Gebrauche derſelben erbeben würde und trat beſtürzt einen Schritt zurück. Das wüthende Weib erhob noch einmal ihre Stimme. — MemmeVl rief ſie, andere Hände als dieſe haben ſich ge⸗ gen Dich erhoben, gehe nur hin— die Blutbühne erwartet ihren eifrigſten Verfechter— lebe wohl und denke an— die alte Braut! 1 Sie eilte hinweg, und das dumpfe Gelächter eines bitteren Hohnes ſchallte hinter ihr her. Ihr Entſchluß war gefaßt und ſie eilte zur Ausführung. 4 Der Morgen war kaum angebrochen, als es haſtig an der Glocke des Kloſters del Carmine leutete. Der Pförtner öffnete, ein junges Weib ſtand vor ihm. — Ich muß den Herzog von Mattalone ſprechen, ſagte die Frau haſtig. — Unmöglich— Niemand darf zu ihm— denn er iſt wahnſinnig. — Die Kundo, die ich bringe, kann leicht ſeinen Wahnſinn heilen— heftige Gemüthserſchütterungen pflegen das gewöhnlich zu bewirken; laßt mich ein, ich muß ihn ſprechen. — Aber Weib, Du haſt zu gewärtigen, daß Dich der Her⸗ zog tödtet, denn er raßt oft. — Deſto beſſer, eines ſolchen Mannes bedarf ich jetzt, tödtet er mich, ſo wird er noch einen Anderen tödten, der ſein Haus, ſein ganzes Geſchlecht mit Schmach bedeckt hat. — Ich kann Dir den Einlaß zum Herzog nicht gewäh⸗ ren, ſagte der Pförtner, aber begieb Dich zum Prior, er ver⸗ mag es. Während die Fremde dieſer Weiſung folgt, wollen wir uns in die Zelle des Herzogs begeben. Dieſer ſaß auf ſeinem Lager, das Haar war emporgeſträubt, ſeine Blicke ſpähten raſtlos umher— ſeine Wangen waren ein⸗ 826 gefallen, und wer ihn noch vor wenigen Wochen geſehen hätte, würde den damals in männlicher Kraft noch ſtrotzenden, ſchönen Mann, jetzt in dem hinfälligen Greiſe wohl ſchwerlich wieder⸗ erkannt haben. Er hatte während der ganzen Nacht nicht geſchlafen und unaufhörlich geraſ't; erſt gegen Morgen wurde er ruhiger und begann mit dem bei ihm wachenden Mönch ein Geſpräch. — Padro, ſagte er, meine Seele iſt ſehr krank. — Gott wird ſie geneſen laſſen, mein Sohn. — Ich werde alſo die Meinen im Himmel wiederkennen, was ſonſt unmöglich wäre. — Deine Seele, mein Sohn, iſt nur krank, ſo lange ſie der Hülle innewohnt, und dieſe ihren Einfluß auf ſie ausübtz iſt ſie von den Banden des Körpers befreit, dann geſundet ſie ſogleich. — Ach, meine Kinder, o, könnte ich ſie doch bald wieder⸗ ſehen! ſeufzte der Herzog mit unbeſchreiblich klagender Stimme; aber ach, ſie ſind ja Alle todt. — Der Prinz von Caraffa lebt, ſo viel man weiß, iſt er entkommen. — Aber wo weilt er, wo meine Tochter Blanka?— ach, das arme, unglückliche Mädchen! — Gott wird ſich ihrer angenommen haben, denn er iſt der Vater der Wittwen, Waiſen und Verlaſſenen. Plötzlich verfinſterte ſich das Antlitz des Herzogs, eine furcht⸗ bare Erinnerung ſchien ſich in ihm geregt zu haben. — Clara Modeſta! flüſterte er mit halblauter Stimme, in⸗ dem er ſchauderte. — Was murmelſt Du, mein Sohn— haſt Du einen Wunſch? fragte der Mönch theilnahmsvoll. — Padre, beantwortet mir eine Frage. — Was begehrſt Du zu wiſſen, mein Sohn? — Iſt es wahr, daß Gott die Verbrechen der Väter an den Kindern und Kindeskindern ahndet? — Ja, mein Sohn, aber er belohnt die Tugenden bis in das tauſendſte Geſchlecht. — Ach, es wäre entſetzlich! rief der Herzog, welcher ſich ge⸗ waltig erhob und haſtig durch das Zimmer ſchritt. hervor. D ſelben auf de — Jhr indem er im un— cs iſ ſichig, ſo u n Kindeskin — Wah Raſenden de Du nicht beg greoler zerſch Dieſe W Herzog aus düſteres Sch — Zer dem Tone, den zerſchme wunderbar — Wa der Mönch — Ich mit dumpfe — M Zinne des zu meinen Fanmen, untet mir, treiſchten lich ließ ſ geflügelten erkennen, lange ſte e ausübt, ſundet ſie d wieder⸗ Stimme eiß, iſt er 2— 30 er iſt der ne furcht⸗ zmme, in⸗ Du einen r an den en bis in ſich ge⸗ —— 827 — Was geht in Deinem Innern vor, mein Sohn? theile Dich mir mit. — Padro, ein ſchweres Verbrechen laſtet auf meiner Seele, es wäre furchtbar, wenn es meine Kinder— aber ach, ſie haben ja ſchon gebüßt. Die Raſerei brach auf einige Augenblicke mit erneuter Kraft hervor. Der Herzog ergriff einen Schemel und ging mit dem⸗ ſelben auf den Mönch los. — Ihr ſeid ein ausgemachter Lügner und Schurke! rief er, indem er im Begriff war, dem Mönch den Schädel zu zerſchmet⸗ tern— es iſt nicht möglich, daß der allbarmherzige Gott ſo rach⸗ ſüchtig, ſo ungerecht und grauſam ſein könnte, die Frevel noch an Kindeskindern zu ſtrafen. — Wahnſinniger, ſchrie der empörte Mönch, indem er dem Raſenden den Schemel entwand, ſprich nicht von Dingen, die Du nicht begreifſt— aber ich ſage Dir, der Himmel wird die Frevler zerſchmettern. Dieſe Worte ſchienen eine wunderbare Wirkung auf den Herzog ausgeübt zu haben, der plötzlich zuſammenbrach und in düſteres Schweigen verſank, während er vor ſich hinſtierte. — Zerſchmettern?— fragte er nach einer Weile in fragen⸗ dem Tone, ja, ja, Ihr habt Recht, Padre, die Verbrecher wer⸗ den zerſchmettert, und auch mir wird es ſo gehen— aber es iſt wunderbar— hm. — Was haſt Du denn mit Dir vor, mein Sohn? fragte der Mönch in beſänftigendem Tone. — Ich werde zerſchmettert werden— verſetzte der Herzog mit dumpfer Stimme. 3 — Warum behaupteſt Du das? — Gott hat es mir durch einen Traum verkündet. — So erzähle. 5— Mir träumte, es war dunkle Nacht, ich ſtand auf der Zinne des Thurmes San Lorenzo und blickte auf die Stadt, die zu meinen Füßen lag. Ueberall, wohin ich ſah, zeigten ſich Flammen, Blut und Leichen. Ein furchtbares Geſchrei ertönte unter mir, gräßliche, hölliſche Ungeheuer ſchwebten über mir und kreiſchten mit den menſchlichen unten um die Wette. Da plötz⸗ lich ließ ſich einer dieſer Höllengeiſter, welcher die Form eines geflügelten Rappen hatte, neben mir herab, grinſte mich an, er⸗ 828 griff mich und ließ mich, während er mich in ſeinen Klauen hielt und ein ſchreckliches Geſchrei ausſtieß, in die Tiefe fallen. Ich war zerſchmettert, und das Seltſamſte dabei war, daß ich, trotzdem mein Körper zerſtückelt, noch immer ſah, wie meine Glieder in die Flammen geworfen wurden. Der Mönch ſchauderte unwillkürlich. — Ein ſeltſamer Traum, ſagte er, aber warum ſiehſt Du darin ein ſeltſames Strafgericht, mein Sohn; haſt Du denn ſo furchtbare Verbrechen begangen, die ſolches Ende befürchten ließen? — Ich habe ſchwere Miſſethaten vollbracht, Padre— und Gott hat mir denſelben Tod dafür angekündigt, den Ihr dem Frevler vor wenigen Augenblicken verheißen habt. — Welches Verbrechen laſtet auf Deiner Seele, mein Sohn? fragte der Mönch beſtürzt. — Mord— Padre— ich habe ein Weib getödtet, oder vielmehr tödten laſſen.— — Du haſt ſchwer gefehlt, mein Sohn, aber Gott iſt barm⸗ herzig— Du büßeſt jetzt ſchon durch das Unglück Deiner Fa⸗ milie und durch Deine Krankheit— aber faſte und bete, dann wird er Dir gänzlich verziehen haben. In dieſem Augenblick pochte es an die Thür. Der Mönch erhob ſich, um zu öffnen, und nach wenigen Minuten erſchien ein Mädchen, von einem andern Geiſtlichen geführt. — Mein Sohn, wendete er ſich an den Herzog, dieſes Mädchen will mit Dir ſprechen, ſie ſagt, ſie habe Dir eine wichtige Botſchaft mitzutheilen, biſt Du fähig, ſie anzuhören? — Vollkommen, entgegnete der Herzog, erſtaunt bald den Geiſtlichen, bald die Fremde betrachtend. — Iſt nichts zu befürchten? fragte der Geiſtliche flüſternd denjenigen,— welcher den Kranken bewachte. — Er iſt jetzt ruhiger, ich will ſchon ſorgen, daß er der⸗ Fremden nichts zu Leide thut. — Wer kann mich noch zu ſprechen begehren? ſagte der Herzog in wunderbar mildem Tone; wer biſt Du Mädchen? — Ich heiße Thereſta, aber ich kann, was ich zu berichten habe, nur dem Herzog allein mittheilen. — Das iſt unmöglich, meine Tochter, ſagte der Mönch— ic bin übrig niß hat — Spri heiden Väter erfährt. Offenbau ſchien mit eit hn Dan⸗ Vieles nicht hen wäre. — Kom nit ſanfter — Herr das Wort— — Ja, — Nein — Wie, — Sie nennen, wer — Nex finde.— — Und dies erfahre — Ich ſchneiden,4 hört, verſetz ſich in Th zeigte. — d. und iſt de Ihre Tocht „Sie Beide kn Klauen Liefe fallen. ſat, daß ich wie meine ſieht Du du denn ſo befürchten dre— und in Ihr dem nein Sohn? ödtet, oder t iſt barm⸗ deiner Fa⸗ bete, dann Der Mönch ten erſchien — zog, dieſes e Dir eine zuhören? it bald den he flüſternd duß er der. ſagte der idchen? berichten Mönh- 1 I ich bin übrigens ein Mann, vor dem der Herzog kein Geheim⸗ niß hat. — Sprich nur, liebes Mädchen, verſetzte der Herzog, die beiden Väter dürfen hören, was der Herzog von Mattalone erfährt. Offenbar war dieſer Beſcheid Thereſia unangenehm, und ſte ſchien mit einem Entſchluß zu kämpfen. — Dann werde ich mich ſehr kurz faſſen, ſagte ſie, und Vieles nicht zur Sprache bringen, was im andern Falle geſche⸗ hen wäre. 3 — Komm nur näher, liebes Mädchen, ſagte der Herzog mit ſanfter Stimme und ſprich leiſe zu mir. — Herr Herzog, nahm Thereſia mit halblauter Stimme das Wort— Sie betrauern eine Tochter, nicht ſo? — Ja, liebes Mädchen, meine ſchöne Blanka iſt todt.— — Nein, Herr Herzog, ſie iſt nicht todt. — Wie, meine Tochter wäre nicht umgekommen? — Sie lebt, aber mit Schmach bedeckt, denn ſo muß ich es nennen, wenn ein gemeiner Menſch ſie zu ſeiner Braut erkoren. 1 — Nenne mir dieſen Menſchen oder ſage mir, wo ich ihn finde.— — Und was wollten Sie thun, Herr Herzog, wenn Sie dies erfahren haben?— fragte Thereſia mit düſterer Spannung. — Ich würde ihn erdroſſeln und dann ſeinen Kopf ab⸗ ſchneiden, Kind, ganz ſo, wie es jetzt in Neapel zum Tone ge⸗ hört, verſetzte der Herzog mit unheimlichem Nachdruck, während ſich in Thereſia's Antlitz ein Zug von befriedigter Rachſucht zeigte.— — Der Bräutigam Ihrer Tochter, Excellenz, heißt Pietro und iſt der Geheimſchreiber des Oberanführers des Volkes— Ihre Tochter weilt bei ſeiner Mutter— Sie wiſſen nun, wo Sie Beide finden können— und ich habe das Meine gethan. Die Launen des Oberanführers. Maſaniello war aus dem heiteren Kreiſe der Todesgeſell⸗ ſchaft in ſeine Wohnung gegangen.— Seine Beine wankten, er war aufgeregt und ermattet. Er warf ſich auf ſein Lager, aber der Schlaf, der ſich ihm nahte, war kein erquickender und ward von Träumen begleitet, die ſeine Erſchöpfung nur ſteigerten. Mehr als einmal fuhr er von ſeinem Lager empor, ſchrie laut auf und ſtörte dadurch den Schlummer Livia's, in welchen die unglückliche Frau gleichfalls vor Erſchöpfung geſunken war. — Erwache, erwache, Livia! rief er— Neapel gehört uns und wir vergeuden unſere Zeit mit unnützem Schlafe. — Ach, lieber Maſo, verſetzte die Frau traurig; eine Stunde Raſt iſt für Dich mehr werth als ein Königreich. — Welche Thorheit, Kind; ſiehe Dich nur um unter allen Monarchen der Welt, ob einer von ihnen wohl ruhig ſchlummern kann— theils ſchmauſen ſie, theils laſſen ſie die Geſchäfte nicht ſchlafen. — Du biſt kein Monarch, lieber Mann. — Ich bin Herrſcher von Neapel, das ganze Königreich ge⸗ hört mir, rief der Unglückliche. So ſprach er ununterbrochen, bis es endlich ſeiner Frau nach längerer Unterredung und Erinnerung an die ſchönen ent⸗ ſchwundenen Zeiten, wovon er ſich gern erzählen ließ, gelang ihn zu beruhigen, und ein fieberhafter Schlaf trat endlich an die Stelle der Schreckensbilder, die ihn in wachendem Zuſtande unausgeſetzt heimſuchten. Er hatte in der letzten Zeit nach ſehr launigen Antrieben gehandelt, und es war ihm durch die Schnelligkeit und Strenge ſeiner Strafen ſo leicht geworden, Alles zu ermöglichen, daß er Mittel fand, jeder Grille nachzugeben, welche ihm zufällig in den Sinn kam. Seine eigenen Anhänger, wie auch der Erzbiſchof von Nea⸗ pel, die Hofbeamten des Vicekönigs, ja dieſer ſelber, Alle zeigten ſich bereit, ſeine Wünſche zu erfüllen. E6 war er in den. le finer Richter Statt d gungen und biten die g Der Her Symptome de durch alle i Volksanführe ihm in ſeinen Eine ſe vornehmſten nrbringen So hatt daß der Kar Der Ka mit dem gar Gefolge zu Maſan ſamkeit bege Wenn von Fröhlie den, obgleic und roh. Aber i Worten un und vermos Man rede des 5 geführt, di genehm, a Das eine ſonde Maſa Chrerdiett darauf he 7 831 Es war ein großes Glück für die ſchwächere Partei, daß er in den letzten Tagen der fortwährenden Metzeleien, die auf ſeiner Richterbühne vorkamen, müde geworden war. Statt dieſer blutigen Auftritte ſuchte er nun Ehrenbezeu⸗ gungen und Pracht, ein ſeltſamer Contraſt mit den Grauſam⸗ keiten, die gleichzeitig von ſeinen Genoſſen begangen wurden. Der Herzog von Arcos beobachtete mit ſcharfem Blick die ’ odesgeſel⸗ Nattet. Er Symptome der fortſchreitenden Krankheit Maſaniello's und ſuchte ihm nahte, durch alle ihm zu Gebote ſtehenden Mittel die Thorheiten des t, die ſeine Volksanführers zur allgemeinen Kunde zu bringen, indem er ihm in ſeinen wunderlichſten Launen nachgab. ppor, ſchrie Eine ſeiner neueſten Grillen war der Anſpruch, daß die in welchen vornehmſten Staatsbeamten ihm perſönlich ihre Huldigungen nien war. darbringen ſollten. gehört uns So hatte er ſich auch bei dem Vicekönig darüber beſchwert, 1 daß der Kardinal Trivulzio ihn noch nicht beſucht hätte. rig; eine Der Kardinal erhielt ſogleich einen Wink und begab ſich eich. mit dem ganzen Pomp, den ſeine Würde erheiſcht, in glänzendem unter allen Gefolge zu dem Fiſcher des Volkes. ſchlummern Maſaniello war mit einer bedeutenden, natürlichen Bered⸗ chäfte nicht ſamkeit begabt. Wenn er aufgeregt war, ſo ließ er ſich leicht verleiten, von Fröhlichkeit zum Poſſenreißen überzugehen, und ſeine Geber⸗ igreich ge⸗ den, obgleich ſeinen Reden angemeſſen, waren zuweilen lächerlich 3 und roh. iner Frau Aber wie ſelbſt ſeine Feinde behaupteten, konnte er ſeinen hönen ent⸗ Worten und ſeinen Mienen, wenn er tadelte, oft Würde geben 5, gelang und vermochte ſie furchtbar zu machen, wenn er drohte. 1 endlich an Man hat ſeine Antwort auf die ſorgfältig einſtudirte An⸗ zZuſtande rede des Kardinals als einen Beweis der hohen Anſprüche an⸗ geführt, die er in ſeiner wahnſinnigen Ueberſpanntheit machte. Artrieben— Der Beſuch Eurer Eminenz, wiewohl ſpät, iſt mir an⸗ dStrenge genehm, antwortete er. 11 n, daß er Das Verhältniß zwiſchen dem Volke und dem Hofe hatte ufällig in eine ſonderbare und gefährliche Geſtaltung angenommen. Maſaniello äußerte das höchſte Vertrauen und die größte von Neu⸗ Ehrerbietung gegen den Herzog von Arcos, der dagegen eifrig le zeigten darauf bedacht war, ihm ſeine Launen nachzuſehen, wie Jemand, 83² der ſich gezwungen ſah, ſich den Wünſchen eines losgelaſſenen Wahnſinnigen zu fügen. Hatte Maſaniello ruhige und lichte Augenblicke, dann be⸗ wegten ſich Edelleute und Pagen zwiſchen dem Palaſte und ſei⸗ ner Wohnung hin und her, um Schmeicheleien und Grüße zu überbringen. In ſolchen Momenten wagten es ſelbſt Verfolgte, ſich öffent⸗ lich blicken zu laſſen, natürlich mit einer Maske verſehen. Während der Herzog auf dieſe Weiſe der Eitelkeit des Volkes und des Anführers ſchmeichelte, konnte er beſtändig Ma⸗ ſaniellos Abſichten erfahren und ſeine Handlungen beobachten laſſen. Jeder Tag, ja jede Stunde brachte etwas Neues— und der Herzog wie auch Don Herandez, welcher immer noch eine ziemlich ungeſtörte Thätigkeit entwickelten, mußten ihren ganzen Scharfſinn aufbieten, um ihre Gefälligkeiten ſo abzumeſſen, daß Erſterem die geringe Volksgunſt blieb, die Maſaniello, nachdem er ihm ſonſt Alles genommen hatte, gleichſam als Broſamen von ſeinem Ueberfluſſe zuertheilte. Die Neuerungsſucht ſchien noch nicht nachlaſſen zu wollen, und wenn nicht die unermüdete Thätigkeit des Richtbeils die Gemüther des Pöbels rege erhalten hätte, ſo würde dieſer ſeine Wünſche ebenſowenig gekannt haben, als der Vicekönig ſie zu ergründen vermochte. Maſaniello's Verordnungen, die noch immer Mordgier zeig⸗ ten, waren in der letzten Zeit häufiger geworden. Seit nicht mehr von der Erleichterung der Volkslaſten die Rede war, las man deſto mehr Beſchuldigungen gegen den Adel und Preisverheißungen für die Verhaftung von Flüchtlingen. Die auffallendſte und unbegreiflichſte dieſer Bekanntmachun⸗ gen erſchien unter Umſtänden, die auf die Vermuthung hätte führen können, daß ſie aus einer bedeutenden Veränderung in Maſaniello's Gemüthsſtimmung hervorgegangen wäre. Man ſah bei Tagesanbruch mitten auf dem Platze vor der Kirche del Carmine einen großen Steinblock mit der Aufſchrift: „Maſaniello, Oberanführer des Volkes, will, daß ſein Volk fortan nicht mehr ihm, ſondern dem Vicekönig, Herzog von Arcos, ge⸗ horchen ſoll.“ Als dieſe Verordnung unter dem Pöbel bekannt ward, iußeten ei ihm anvertt Andere Wahnſinnes was ihnen! Neben die noch wei Es wut ſch um die ſel. Nuovo l iriten d Es zeig füllt werden Bevor dm herzogl niſſes Erwä dürfte. Mit Blut des Sie ſ des Pöbel⸗ Blocken ei Da t —5 nicht auf Wſen un den Moörd grabe, und Das 8 833 äußerten einige den leiſen Argwohn, daß es Maſaniello mit der ihm anvertrauten Sache nicht redlich meine. Andere fanden darin wieder die erſten Anzeichen ſeines Wahnſinnes; die Meiſten aber lachten darüber wie über Alles, was ihnen unbegreiflich erſchien. Neben jenem Blocke war eine Bekanntmachung angeheftet, die noch weit mehr Aufſehen machte. Es wurde darin eröffnet, daß Maſaniello und ſeine Frau ſich um die Mittagsſtunde in glänzendem Aufzuge nach dem Ca⸗ ſtel Nuovo begeben wollten, um der Herzogin von Arcos einen feierlichen Beſuch zu machen. 3 Es zeigte ſich bald, daß dieſe Ankündigung buchſtäblich er⸗ füllt werden ſollte. Bevor wir indeſſen Maſaniello und ſeine Gemahlin nach dem herzoglichen Palaſte wallen ſehen, wollen wir eines Ereig⸗ niſſes Erwähnung thun, das uns wohl ebenſo ſehr intereſſiren dürfte. 1 zu wollen, ctbeils die dieſer ſeine nig ſie zu dgier zeig⸗ tolaſtn dee.. Die Landmilliz. n den Adel tlingen. Mitit geſchwungenen Keulen ſtanden die Zigeuner, um das intmachun⸗ Blut des vermeintlichen Mörders ihrer Königin zu vergießen. ing häütt 1 Sie ſchrieen und machten einen Lärm, welcher gegen den derung in des Pöbels von Neapel wie das Gebrüll eines Löwen mit dem 1 Blöcken eines Lammes verglichen werden konnte. e vor der Da trat plötzlich ein alter Zigeuner vor.— Lufſchiift— Haltet ein, gebot er, wir wollen dieſe beiden Chriſten olk fortan nicht auf dieſe Weiſe tödten, ſondern wie es uns von unſern tros, ge Weiſen und Gelehrten vorgeſchrieben iſt, welche ſagen, daß man den Mörder eines Mitgliedes unſeres Stammes lebendig be⸗ nt wan,. grabe, und zwar neben dem Ermordeten, damit dieſer die Seele 1 Bas Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 13.) 53 '3 1 834 des Frevlers perſönlich dem Gotte des Verderbens überantwor⸗ ten könne. Dieſer Vorſchlag wurde mit unendlichem Jubel aufge⸗ nommen. 7 — Aber, Freunde, nahm der Alte wieder das Wort, laßt uns nur Gerechtigkeit üben und nicht grauſam ſein— nur die⸗ ſer Chriſt hat das Leben verwirkt, nicht dieſe Chriſtin, laßt ſie in Frieden gehen, führt ſie nach Coſenza, dem Manne aber werde das Grab gegraben. Mit dieſem Vorſchlag war Alles einverſtanden. Sogleich erboten ſich zwei Zigeuner, die Prinzeß auf den Weg nach Co⸗ ſenza zu geleiten.— Natürlich wollte ſich Leonore nicht von ihrem Geliebten trennen, allein was half ihre Weigerung? — Du biſt ſchuldlos an dem Tode unſerer Coleira, Chriſtin, ſagte der Alte, kehre zurück zu Deinesgleichen. — Gehen Sie, Leonore, flehte Giulio, warum wollen Sie ſich ſelbſt dem Verderben weihen? Mein Loos wird dadurch nicht geändert, und Sie— Noch bevor er den Gedanken vollenden konnte, ward Leo⸗ nore mit Gewalt davongeführt. Giulio blickte ihr traurig nach. — Ziehe in Frieden, flüſterte er leiſe; Geliebte, lebe wohl! Auch Leonore's Lippen entfuhren ſchmerzliche Töne, welche ſich aber verloren, als ſie den Blicken des Geliebten entſchwun⸗ den war. Jetzt nahte ſich der alte Zigeuner Giulio. — Chriſt, ſagte er in friedlichem Tone, willſt Du zu Dei⸗ nem Gotte beten? — Ich bin mit ihm verſöhnt. — Wohl Dir, wenn Du ſolches ſagen kannſt; Du biſt alſo bereit, zu ſterben? — Sogleich. — Gut denn, Du wirſt nach unſerer Vorſchrift die erſten drei Stöße in die Erde thun, um Dein Grab zu machen. — Schnell, ſchnell den Grabſcheit! rief Giulio mit einer Geberde, welche nur zu deutlich zeigte, wie bald er Alles ent⸗ ſchieden zu ſehen wünſchte. — Man reiche dem Fremdling einen Spaten und weiſe ihm dann den Platz an, wo ſein Grab ſein ſoll; unter jener Eiche ie Co witd d ſcnell! Wäͤhrel 2 entfernt. S Plötzli vernehmen. bemerkte kei Es wal die Sänger denn auf de — Ach ihre Zährer Dieſer ließen, wel Leonor die calabreſ Kaum und nach v Als di ten, ergrif gekommen, Der loſtgkeit un mußte. Als d nannte, er ziet erſtat war, ſie befreien. 2 uns den Ihre An Dank, we — 1 8, um nen Untl Die Jug ſett Ma berantwor⸗ bel aufge⸗ ort gs nur die⸗ n, laßt ſte aber werde Sogleich nach Co⸗ Geliebten „Ghriſtin wollen Sie urch nicht ward Leo⸗ aurig nach. lebe wohl! ne, welche entſchwun⸗ u zu Dei⸗ u biſt alſo die erſten hen. mit einer Alles ent⸗ weiſe ihm ner Eiche 83⁵ wird die Coleira ſchlummern— das Uebrige wißt Ihr, ſeid ſchnell! Währenddeſſen hatte ſich Leonore eine bedeutende Strecke entfernt. Sie wurde freilich mehr geführt, als ſie ging. Plötzlich ließ ſich in kurzer Entfernung ein lauter Geſang vernehmen. Unwillkürlich ſchlug Leonore die Blicke auf, aber ſie bemerkte kein Weſen. Es waren viele Männerſtimmen, welche ſich hören ließen, die Sänger aber mußten ſich in irgend einem Thale befinden, denn auf den Anhöhen erſchien Alles verödet. — Ach, wenn Rettung nahte— dachte Leonore, während ihre Zähren über die Wangen floſſen. Dieſer Gedanke war kaum gefaßt, als ſich Bewaffnete blicken ließen, welche aus dem Thal emporſtiegen. Leonore ſtieß einen Freudenſchrei aus, denn ſie erkannte— die calabreſiſche Landmiliz. Kaum war ihr Schrei ertönt, als die Sänger verſtummten, und nach wenigen Augenblicken eilten ſte der Prinzeß zu Hülfe. Als die beiden Zigeuner, Leonore's Begleiter, dies bemerk⸗ ten, ergriffen ſie eilig die Flucht. Die Soldaten waren heran⸗ gekommen, während Leonore betend niedergeſunken war. Der Offizier erkundigte ſich nach der Urſache ihrer Hülf⸗ loſigkeit und erfuhr bei dieſer Gelegenheit Alles, was er wiſſen mußte. Als die Dame ſich die Tochter des Vicekönigs von Neapel nannte, erhoben die Soldaten ein Freudengeſchrei, und der Offi⸗ zier erſtattete ihr in einem kurzen Bericht, daß er ausgeſandt war, ſie aus der Gefangenſchaft des Räubers Fra Lorenzo zu befreien.— — Wir haben die Banditen vernichtet, keiner aber wollte uns den Aufenthaltsort Eurer Hoheit entdecken, wiewohl ſie Ihre Anweſenheit nicht leugneten— der heiligen Jungfrau ſei Dank, welche uns das Glück gewährt hat, Sie zu finden. — Und nun, mein Herr, folgen Sie mir, gebot die Prin⸗ zeß, um den unglücklichen Prinzen aus der Gewalt dieſer brau⸗ nen Unthiere zu befreien. Die Soldaten nahmen die Prinzeß in die Mitte und der Zug ſetzte ſich in Bewegung. 5 Man hatte im Zigeunerlager ſo eben die unheimliche Arbeit 53* 8ℳ 836 des Grabmachens vollendet, welcher Giulio, nachdem er in der bereit dn That die drei erſten Stöße ſelbſt gethan, mit dumpfer Ruhe zu⸗ an n geſehen. Schon wollte man den Unglücklichen in die Tiefe ſenken, Giulio erho als plötzlich die beiden Führer Leonore's athemlos und ſchweiß⸗ gebliebenen triefend herbeiſtürzten. Sie eil Sie waren noch nicht der Sprache fähig, aber ihr Weſen won Giulio trug alle Spuren äußerſter Angſt, und ihre Genoſſen drängten Paldesdunt ſich neugierig und furchtſam um ſie. Mittler — Eilt, eilt, Brüder, man kommtl ſtotterte der eine. naht, um C — Wer, was? ertönte es durcheinander..— Lbe — Calabreſiſche Landmiliz! war die Antwort. I= hier wer Die beiden Zigeuner erzählten mit kurzen Worten den Her⸗ üie gang der Sache, und ein Wuthgeſchrei folgte ihren Worten. 1 leite, mein Schnell war Alles eingepackt, die Coleira ward auf eine Ziel verfolg Bahre gelegt, und der Zug ſollte aufbrechen.— Und — Schlagt zuerſt den Chriſten todt, riefen einige Stim⸗-— Sie men, er hat Alles veranlaßt!— Git Viele nahten ſich mit ihren Keulen, um Giulio niederzu⸗ Vaters erh ſchlagen— dieſer aber, in der Ausſicht auf Hülfe, beſchloß nun, ſich währer ſein Leben ſo theuer als möglich, zu verkaufen.— W Mit einigen Schritten hatte er die Erdhütte erreicht—— d hier fand er ſeinen Carabiner, legte an, und einer ſeiner An⸗ und dann greifer ſtürzte im nächſten Augenblick nieder. gekommen Die Zigeuner, obgleich ſie Giulio hundertfach an Zahl über⸗ Giuulie legen waren, wagten ſich jetzt nicht heran, weil ſie die Eigen⸗ ein und e ſchaft des Feuergewehrs nicht ſo genau kannten, um zu wiſſen, keiten. daß man immer wieder laden müſſe, nachdem man den erſten— S Schuß gethan. ffagte er. Sie glaubten vielmehr in ihrer Einfalt, eine ſolche Schuß⸗ waffe tödte unausgeſetzt, ſobald ſie einmal abgefeuert war. men unm Währenddeſſen hatte Giulio Zeit gewonnen, ſeinem Kara-„Hoheit, d biner eine neue Ladung zu geben, allein auch er wollte nicht ibrigen tödten, als er ſah, daß ſeine Angreifer ruhig blieben. 2 In dieſem Augenblick aber ließ ſich der eintönige Schritt fg Wehn der nahenden Soldaten vernehmen. Dieſer Umſtand war das 9 Signal zum Aufbruch. feh und Eine Abtheilung der Zigeuner mit ihrer todten Coleira war tet undar 4 ihr Veſen n dräͤngten ſleine. d den Her⸗ Vorten. d auf eine ige Stim⸗ b niederzu⸗ ſchloß nun, erreicht— ſeiner An⸗ zahl über⸗ die Eigen⸗ zu wiſſen, den erſten he Schuß⸗ war. em Kara⸗ elte nicht he Schritt war das eira war er in der Ruhe zu üfe ſenien, 837 bereits vorangegangen und nur zehn Mann, welche ſich die Auf⸗ gabe geſtellt hatten, Giulio zu tödten, waren zurückgeblieben. Mit wüthenden Blicken, zähneknirſchend und mit gegen Giulio erhobenen geballten Fäuſten mußten auch dieſe Zurück⸗ gebliebenen den Genoſſen folgen. Sie eilten mit haſtigen Schritten davon, nahmen jedoch den von Giulio getödteten Zigeuner mit ſich und waren bald im Waldesdunkel verſchwunden. Mittlerweile war Leonore mit ihrer Begleitung herange⸗ naht, um Giulio mit ſich zu nehmen. — Leben Sie wohl, Leonore, ſagte der Prinz wehmuthsvoll — hier werden wir ſcheiden. — Sie gehen nach Coſenza, und zwar unter ſicherem Ge⸗ leite, meine Miſſion iſt nun vollbracht, auch ich will mein Ziel verfolgen. — Und dieſes iſt? — Sie kennen es— Madrid. — Giulio, ich gehe nicht nach Coſenza, der Wunſch meines Vaters erheiſcht meine augenblickliche Rückkehr nach Neapel, wo ſich während unſerer Abweſenheit die Dinge geändert haben. — Was geht in Neapel vor? — Dieſer Offizier iſt gut unterrichtet, hören Sie ihn an, und dann wird es Ihnen klar werden, daß der rechte Augenblick gekommen iſt, wo Sie in Neapel handeln können. Giulio ließ ſich ſogleich mit dem Offizier in ein Geſpräch ein und erfuhr von dieſem allerdings höchſt wichtige Neuig⸗ keiten. — Sind Ihnen dieſe Nachrichten direct zugegangen?— fragte er. — Nicht mir, ſondern unſerer Behörde, die Nachrichten ka⸗ men unmittelbar aus dem Caſtel Nuovo und waren von Seiner Hoheit, dem Vicekönig, ſeiner Excellenz, Don Herandez und den übrigen Staatsräthen unterzeichnet. — Alſo Maſaniello iſt wahnſinnig? fragte Giulio mit tie⸗ fer Wehmuth im Herzen. — Ja, es geht Alles drunter und drüber, Maſaniello be⸗ fiehlt und ſeine Hoheit muß gehorchen, der tolle Fiſcher ſchlach⸗ tet unbarmherzig, eben ſo wüthen ſeine Genoſſen, und zu dem 4 838 Allem macht der Vicekönig gute Miene, denn er weiß, daß der Aufſtand bald ſein Ende erreicht haben wird. 1 Jetzt trat Giulio zu Leonore, welche in einiger Entfernung ſtand. — Es iſt wahr, ſagte er, ich könnte jetzt in Neapel wirken, der arme Fiſcher iſt wahnſinnig und dem Volke iſt in dieſem Falle ſeine einzige Stütze geraubt, ich will nach der Hauptſtadt zurückkehren, theils um Maſaniello von Blutthaten abzuhalten, theils um zu verhindern, daß man den Zuſtand des unglücklichen Führers bei Hofe nicht zu ſehr mißbrauche, um ſo nach und nach ſich wieder die Gewalt anzueignen, die freilich jetzt auch in den Händen eines Unglücklichen iſt, dem man ſie wohl nehmen muß, ohne jedoch wieder dem Volke diejenigen Rechte zu rauben, welche man ihm in der Kirche del Carmine feierlichſt zurückgege⸗ ben hat. Leonore, man hat zwar ein Puppenſpiel getrieben, aber man hat einmal auf dem Altar Gottes dem Volke Zuge⸗ ſtändniſſe gemacht, wenn man auch geſcherzt hat, ichwill dafür Sorge tragen, daß man Ernſt mache— ich muß zwar noch ver⸗ kappt in meiner unglücklichen Vaterſtadt umherſchleichen, aber Sie ſollen von mir hören, Leonore— bei meiner Ehre— Giulio Caraffa wird nicht unthätig ſein und Seiner Excellenz, Don Herandez zeigen, daß ein Volk nicht mit ſeinen verbrieften Rech⸗ ten ein frevelhaftes Poſſenſpiel treiben läßt. Zwei Tage nach dieſer Scene gegen Abend zogen einige Mönche, welche nach und nach aus der Gegend von Pozzuola ka⸗ men, durch das Thor von Neapel,— einer von dieſen Geiſtlichen war indeſſen in der Nähe des Caſtel Nuovo verſchwunden. Eine Stunde ſpäter ſtand Leonore in dem Kreiſe der Ihren, und laute Freude hallte durch die Gemächer der Familie. Leonore hatte ihre Erlebniſſe mitgetheilt, klüglicher Weiſe aber jedes Zuſammentreffen mit dem Prinzen Caraffa ver⸗ ſchwiegen. Der Herzog von Arcos und ſeine Gemahlin bebten vor V Zorn, als ſie erfuhren, welche Demüthigung ihrer Tochter in ihrer Gefangenſchaft zu Theil geworden war. Auch Leonore erfuhr in Kürze die Vorgänge in Neapel, man theilte ihr mit, daß Maſaniello närriſch ſei und ihm jede Laune befriedigt werden müſſe, daß man dies aber gern thue. — Wenn wir merken, daß es mit dem tollen Fiſcher zu Ende geht, Doria, der chwader ul men laſſen. Man cem Hohn füllt wurde — Jc unter ande das Gegeng der Fall we den ſonſt n W Herzog et wieder ein von Amalf ihres Beſu — E wenn wir den mache ſem Treil Spielzeug Don Her — entgegnete Hülfe. — T Leonore, Geſpräch in ſchme⸗ Lächeln; raffa leb zen, ja n Jungfra i, daß der brtferung ſapel wirfen ſt in dieſm Hauptſtadt aözuhalte, unglücklichen fo nach und etzt auch in ohl nehmen zu rauben, zurückgege⸗ l getrieben, Lolke Zuge⸗ „ill dafür noch ver⸗ ichen, aber re— Giulio -llenz, Don ieften Rech⸗ gen einige ozuola ka⸗ Geiſtlichen nden. der Ihren, ilie. cher Weiſe taffa ver⸗ bebten vor Tochter in Y apel, man ede Laune. Fiſcher zu 839 Ende geht, ſagte der Statthalter, dann werden wir Andreas Doria, der nur wenige Meilen von der Küſte mit ſeinem Ge⸗ ſchwader unſeres Winkes harrt, das betreffende Signal zukom⸗ men laſſen. Man ſprach von den tollen Streichen des Fiſchers mit ſol⸗ chem Hohne, daß Leonore von tiefem Mitleid für Maſaniello er⸗ füllt wurde. — Ich beklage den Unglücklichen, ſagte ſie, der, wäre er unter andern Verhältniſſen aufgewachſen, Eurer Hoheit wohl das Gegengewicht gehalten hätte, wie dies ſchon jetzt zum Theil der Fall war, und wahrlich, Sie müſſen dies fühlen, Sie wür⸗ den ſonſt nicht ſo leicht ſeinen Launen nachgeben. — Wir handeln, wie wir eben handeln müſſen, verſetzte der Herzog etwas ſcharf, und morgen ſoll um einer Laune willen wieder ein Feſttag für Neapel ſein— ſeine Excellenz, der Fiſcher von Amalfi mit höchſt dero Gemahlin werden uns die Ehre ihres Beſuches zu Theil werden laſſen. — Es iſt uns eben nicht zur Ehre, noch zur Genugthuung, wenn wir aus dem Unglücklichen ein Spielzeug in unſern Hän⸗ den machen, ſagte Leonore in mißbilligender Weiſe, gehe in die⸗ ſem Treiben nicht zu weit, mein Vater, damit wir nicht zum Spielzeug des Spielzeuges werden— dieſen Rath möge auch Don Herandez hören, ſetzte ſie kalt hinzu. — Don Herandez bedarf Deines Rathes nicht, Leonore, entgegnete der Herzog kurz, ein Mann wie er, weiß ſich ſelber Hülfe.. — Was hört man von dem Herzog von Mattalone? fragte Leonore, welche deutlich zeigte, wie läſtig ihr das zuletzt geführte Geſpräch war. — Der Herzog iſt wahnſinnig. — Gott, ſo iſt die ganze Familie vernichtet! rief Leonore in ſchmerzlichem Tone aus. — Die ganze Familie? wiederholte der Herzog mit eiſigem Lächeln; das kann man nicht behaupten, ſo lange Giulio Ca⸗ raffa lebt. — O ich weiß ſehr wohl, man wünſcht den Tod des Prin⸗ zen, ja man wird Hand an ihn legen, aber ich hoffe, die heilige Jungfrau wird ihn bewahren. — Vorläufig iſt der Prinz fern von Neapel, und ich würde 840 mich wundern, wenn der Zufall keine Begegnung mit der Prin⸗ zeß herbeigeführt hätte, um eine feierliche Abſchiedsſcene ſtattfin⸗ den zu laſſen, und wenn dieſe auch in einer der Höhlen des Pauſilippo geſpielt hätte. Leonore ſah ſich verrathen; ihr Antlitz bedeckte ſich mit einer dunkeln Röthe; ſie wollte ſich entfernen. — Bleib, Leonore, gebot der Statthalter, ich muß noch mit Dir ſprechen— Du haſt Abſchied von dem Prinzen genommen, ohne Zweifel in der Ueberzeugung, daß er Dir als zukünftige Gattin des Miniſters auf ewig entſagen muß, nun ja, meine Tochter, er muß es— denn ſchon ſind die Einladungen zu Dei⸗ ner Vermählungsfeier geſchrieben und morgen ſollen ſie verſandt werden, bereite Dich darauf vor. — Ich bin es längſt, mein Vater. — Deine Gefangenſchaft unter den Räubern ſoll übrigens vor Jedermann verſchwiegen bleiben— Niemand außer mir und Deiner Mutter darf eine Ahnung von dieſer Schmach ha⸗ ben— und nun, meine Tochter, begieb Dich zur Ruhe, deren Du ſo ſehr bedarffſt. Mit thränenvollen Blicken und ſchwer belaſteter Bruſt ver⸗ ließ Leonore das Gemach ihres Vaters. Ein zweiter Triumphzug. Kaum war der nächſte Tag angebrochen, als die Vorberei⸗ tungen zu dem feſtlichen Zuge begannen, welcher Maſaniello und ſeine Gattin nach dem Palaſte des Statthalters geleiten ſollte. Die Straßen wurden mit grünem Laub beſtreut, koſtbare Teppiche hingen aus allen Feuſtern, während die Glocken ſämmt⸗ licher Kirchen läuteten. Celeſto ward in ſeinem Fellergemache, der Erzbiſchof Fila⸗ marino in ſeinem Palaſte aufge agten Züge ſchanz votbe Maſani rigern um JZum öffnung des ogin von A Man wo bendinge voll und koſtbare Es verſ ſe ankleiden, ſollten. Livigs wahrlich ni Hohn entſp Sie ſa thränenvolle Er klei uug, ſchüttel ſich die koſt Herzog von Als me angekommer Dienerinne zu Maſani w erſparer Maſa — Y man ehrt Neapel ze — 2 laß mich So Maſ ſeine Wa emperzul De ſtehen, der Prin⸗ ene ſtatti⸗ ählen des mit einer ü6 noch mit genommen, zuknftige la, meine en zu Dei⸗ le verſandt übrigens ußer mir hmach ha⸗ he, deren Bruft ver⸗ Vorberei⸗ nelll und en ſollte. boſtbare n ſämmt⸗ hof Fila⸗ 841 Maſaniello's Hütte war von Stallmeiſtern, Pagen, Stab⸗ trägern und zahlreichen Edelleuten umgeben. Zum Erſtaunen des Volkes erſchien einige Zeit vor der Er⸗ öffnung des Feſtzuges der ſechsſpännige Staatswagen der Her⸗ zogin von Arcos, um die arme Livia aufzunehmen. Man wollte das erbämliche Poſſenſpiel bis auf die kleinſten Ne⸗ bendinge vollſtändig machen, und ſandte prächtige Damengarderobe und koſtbare Schmuckgegenſtände, um die Fiſcherfrau zu putzen. Es verſteht ſich wohl von ſelbſt, daß es nicht an Zofen, die ſie ankleiden, nicht an Edeldamen fehlte, die ihr Gefolge bilden ſollten. Livia's Herz war gebrochen, und die arme Frau befand ſich wahrlich nicht in einer Stimmung, die ſolchem unverdienten Hohn entſprach. Sie ſaß auf ihrem dürftigen, Bette und betrachtete mit thränenvollen Blicken und gerungenen Händen die äußerſt er⸗ regten Züge ihres Gatten, während er ſich zu dem Mummen⸗ ſchanz vorbereitete. Er kleidete ſich in einen blauen mit Silber geſtickten An⸗ zug, ſchüttelte die langen weißen Federn ſeines Hutes, und legte ſich die koſtbare, goldene Kette um den Hals, welche ihm der Herzog von Arcos geſchenkt hatte. Als man Livia meldete, daß ein prächtiger Anzug für ſie angekommen wäre, und daß ſie ſich bereit halten müßte, die Dienerinnen zu empfangen, die ſie ankleiden ſollten, warf ſie ſich zu Maſaniello's Füßen und bat ihn, ihr dieſen grauſamen Spott zu erſparen. Maſaniello's Blicke verdüſterten ſich. — Wer wagt, von Spott zu ſprechen? rief er ungehalten, man ehrt uns, mein Kind, und will es dem ganzen Volke von Neapel zeigen. — Armer Maſo, Du biſt verblendet, betäubt, ſo gehe, aber laß mich zurück. So ſprach Livia und umſchlang weinend ſeine Kniee. Maſaniello fuhr jetzt wie von Mitleid ergriffen, zurück, ſeine Wangen erglühten, während er Livia den Arm reichte, ſie emporzuheben. Dieſe blieb mit niedergeſchlagenen Blicken vor ihrem Manne ſtehen, ohne ein Wort zu ſagen. 842 ſinns durch die ihm angeborene Sanftmuth überwältigt und durch die unendliche Liebe zu dieſer Frau, welche Livia ja nie⸗ mals bezweifelt hatte.. Er umarmte ſie und zog ſie ſanft an ſeine Bruſt. — Dein Mann wünſcht es, flüſterte er, und hat es ſchon lange gewünſcht; man beſchimpft Maſaniello, wenn man ihn erhöht und an's Licht zieht, während ſeine Gattin erniedrigt und in Dunkelheit bleibt. Livia fühlte, daß der Erwählte ihrer erſten Liebe ſelbſt noch in ſeinem Wahnſinn liebenswürdiger war, als viele Andere in ihrer Weisheit. Es ſchwebte ein Lächeln wie ein flüchtiger Sonnenſtrahl durch Wolkentrübe um ihre Lippen, und ſie erklärte ſich freudig bereit, ſeinem Wunſche nachzukommen. Die Zofen der Herzogin traten in das elende Gemach und fanden eine junge Frau, deren Schönheit den Hof, der ſich mit ihr beluſtigen wollte, hätte zieren können. Die tiefe Schwermuth, welche ſich auf Livia's bleichem Antlitz lagerte, verſcheuchte ſchnell den Spott, welchen die Zofen beim Eintritt in das Zimmer in ihrem Innern hegten, und die Worte deſſelben erſtarben auf ihren Lippen. Die meiſten von ihnen wurden von Theilnahme erfüllt und beklagten das arme Opfer, welchem ſie ſich jetzt mit Freundlich⸗ keit und Ehrfurcht nahten. Livia betrachtete weder mit Intereſſe noch mit Neugier die prächtigen, bunten Gewänder, die glänzenden Edelſteine und Schmuckſachen, welche für ſie beſtimmt waren. f Sie fügte ſich willig und gleichgültig den Anordnungen der Zofen, und als dieſe ihr die ärmlichen Kleider abnahmen, hätten ſie, würde Livia ehedem von ihnen gekannt geweſen ſein, wohl die Verheerungen wahrgenommen haben, welche Gram und Hun⸗ ger in wenigen Monaten an einer Geſtalt angerichtet hatten, die von der Natur ſo vollkommen mit allen Reizen ausge⸗ ſtattet war. Endlich war Livia in die koſtbarſten Gewänder gehüllt, welche der Garderobevorrath der Herzogin hatte liefern können, und Maſaniello, der ſich währenddeſſen entfernt hatte, ward hereingerufen, ſeine Gemahlin zu ſehen. In dieſem Augenblick wurde der böſe Geiſt ſeines Wahn⸗ 1 Gefallen ge getreuen Die nem — des Hetzoge Einer ſ ihm und wh nehmer an d Als der feuert, da J As Lir heran, ihr h Lichenb Arm, ſte be wuürdigen,! ihn flehend — Ho neeine Blich wenn ich d — Zu der Biſchof ſlehte die —6 der Erzbi iht Man Naſ wurde al von der eines Wähn⸗ lidi ja nie⸗ uſt. hat es chon in man ihn niedrigt und e ſelbſt noch e Andere in Sonnenſtrahl ſich freudig Gemach und der ſich mit 98 beichem en die Zofen hegten, und eerfüllt und Freundlich⸗ Neugier die elſteie und dnungen der hmen, hätten ſein, wohl m und Hun⸗ chtet hatten, eien ausge⸗ der gehüll fern können, hatte, wand 843 Er führte ſie auf ſeine Richterbühne, um ſie von hier ſei⸗ nem getreuen Volke zu zeigen. Die Zuſchauer waren zu klug, um zu lachen, und der An⸗ blick erregte zu vielen Widerwillen, als daß man Beifall hätte rufen können. Livia wurde zu dem Staatswagen geführt, und der feſtliche Zug ſetzte ſich in Bewegung. Neben dem Wagen ritt Maſaniello auf einem Pferde aus des Herzogs Stalle. Einer ſeiner Verwandten lief barfuß und zerlumpt neben ihm und war kaum weniger verwirrt, als die thätigen Theil⸗ nehmer an dem ſeltſamen Schauſpiele. Als der Zug vor den Palaſt ankam, wurde Geſchütz abge⸗ feuert, da Maſaniello an einer ſolchen Anerkennung ſeiner Macht Gefallen gefunden hatte. Als Livia's Wagen hielt, trat der Erzbiſchof Filamarino heran, ihr beim Ausſteigen behülflich zu ſein. Leichenblaß und heftig zitternd ſtützte ſie ſich auf ſeinen Arm, ſie betrachtete ihn verwirrt, aber der Anblick ſeiner ehr⸗ würdigen, liebreichen Züge beruhigte ſie ein wenig und ſte blickte ihn flehend und wehmuthsvoll an. — Hochwürdiger Vater, ſagte ſie, meine Bruſt beengt ſich, meine Blicke umnachten ſich bei dem Anblick dieſer Mauern, und wenn ich denke, wohin ich gehen ſoll. — Zu Staubgeborenen gleich Dir, meine Tochter, verſetzte der Biſchof, ſei nicht zaghaft. — Ach Gott, aber die Nähe dieſer vornehmen, hohen Leute. — Sie werden Dich freundlich empfangen, meine Tochter. — Und mein Mann, Hochwürdigſter, ſehen Sie nur, wie aufgeregt er iſt. — Dein armer Mann iſt recht krank, meine Tochter. — Ach, nehmen Sie ſich ſeiner an, hochwürdigſter Vater, flehte die arme Frau; ſein Verſtand iſt zerrüttet.. — Gott wird Euch Beide ſchützen, meine Tochter, verſetzte der Erzbiſchof ernſt und führte ſie an den Fuß der Treppe, wo ihr Mann ſie erwartete. Maſaniello's Erregung war wohl Niemand entgangen, wurde aber von Niemandem mit ſo ſchmerzlichen Gefühlen, als von der unglücklichen Livia bemerkt. 844 Er beugte ſich zu ihr, und ſeine wallenden Hutfedern be⸗ ſchatteten ihr Antlitz. — Sei ohne Furcht, liebe Livia, flüſterte er ihr zu, mein Triumph würde nicht vollſtändig ſein, ohne daß man auch Dich hier empfängt— man wird es weder durch Wort noch Blick wagen, Dir Verachtung zu zeigen— übrigens iſt der Herzog von Arcos ein ſehr redlicher Mann. — Du warſt bisher anderer Anſicht. — Ich hegte den Verdacht, man habe mich im Schloſſe des Vicekönigs vergiftet, aber es iſt nur eine thörichte Einbildung von mir geweſen, ich denke nicht mehr daran, nur Herandez— — Nun, was iſt es mit ihm? — Darf nicht im Schloſſe ſein, während man uns empfängt, ich gab den Herzog den Befehl, dieſen Elenden in einem ſo wich⸗ tigen, feierlichen Augenblick nicht vorkommen zu laſſen. — Und wird der Statthalter Deinen Willen vollziehen? — Er muß es wohl— Niemand weilt in Neapel über⸗ haupt, der es wagte, Maſaniello zu widerſprechen. Eine Einladung. Der Herzog von Arcos kam ihnen bis zur oberſten Stufe der Treppe entgegen, führte Livia's Hand an ſeine Lippen und geleitete ſie dann mit außerordentlicher Zuvorkommenheit in das Zimmer ſeiner Gemahlin, während Maſaniello viele Augenblicke zurückblieb. Die Herzogin hatte es an nichts fehlen laſſen, um die Augen der armen Frau zu blenden, und ſie hätte keinen größeren Lurus zeigen können, ſelbſt wenn ſie die Königin von Spanien empfan⸗ gen hätte. Man möchte es übrigens bezweifeln, ob ſich die Herzogin Herpogin. Herzogin. — Gew aich nicht au — Wie — Jch verſetzte die nennen. — Das gin mit ſpöt ſo titulirt ind Sie? — Eim — Alo — Abe können, ente Statt! rühren ſolle — Sel an eine der ſaniello dieſ — ECs — Ge an Livia p — Ne Dieſe Naſenrümg was er we ſprechen, ſ gen ihn, er es beft Einbildung ſerandez— nengſäng Heerzogin. 6 gewandter als die arme Fiſcherfrau benommen haben würde, ¹ wenn ſie einen Beſuch in Maſaniello's Hütte gemacht hätte. Als Livia genöthigt war, auf die höfiſchen Redensarten der Heerzogin und der Edelfrauen zu antworten, ſagte ſie einige miß⸗ fällige Wahrheiten. Herzogin. nem ſo wich⸗ en. olljichen? teapel über⸗ ſiinnd Sie? erſten Stufe — Gefällt es Eurer Excellenz in dieſem Hauſe? fragte die — Gewiß, Hoheit, ich kann aber nicht behaupten, daß ich mich nicht auch behaglich in meiner Wohnung befände. — Wie alt ſind Eure Ereellend⸗ war die zweite Frage der — Ich bin nur an den Namen Livia gewöhnt, Hoheit, veerſetzte die Geiragte⸗ geruhen auch Sie, mich nicht anders zu nennen. — Das verſtößt gegen die gute Sitte, verſetzte die Herzo⸗ gin mit ſpöttiſchem Lächeln; Sie ſind Excellenz und müſſen auch ſo titulirt werden— Ehre, dem Ehre gebührt, alſo wie alt — Einundzwanzig Jahre, Hoheit. — Alſo noch ſehr jung. — Aber ſchon alt genug, um Viel des Leides erzählen zu können, entgegnete Livia wehmüthig. Lippen und nheit in das Augenblicke m die Augen ßeren Lurub ien empfan⸗ ie Heroſn 1 3 Statt dieſe Antwort die kalten Herzen dieſer Frauen hätte rühren ſollen, lächelten ſie und trieben ihre Witze fort. — Sehen Sie, Gräfin Cantara, wendete ſich die Herzogin an eine der Hofdamen, wie prächtig Excellenz, Sennora di Ma⸗ ſaniello dieſes Kleid ſteht. — Es iſt wahr, ganz allerliebſt, antwortete die Angeredete. — Gefällt es Ihnen, Excellenz? fragte die Herzogin, ſich an Livia wendend. — Nein, Hoheit, verſetzte Livia kurz, ich mußte. Dieſe Antwort war die erſte, wegen welcher ein allgemeines Naſenrümpfen entſtand. — Sie mußten? fragte Donna di Arcos und warum? — Mein Mann hat es ſo gewollt, entgegnete Livia, und was er will geſchieht, Niemand in Neapel wagt, ihm zu wider⸗ ſprechen, ſelbſt ſeine Hoheit, der Vicekönig iſt zuvorkommend ge⸗ gen ihn, und ich, ſeine Frau, ſollte zögern, zu gehorchen, wenn er es befiehlt? 846 Dieſe Bemerkung, welche ſie, ohne beleidigen zu wollen, Beſtürzung und brachte auf einen Augenblick den verſchleierten Witz zum Schweigen, mit dem man ihr im Allgemeinen hier begegnete. 4 An der Seite der Herzogin ſtand eine hohe, weibliche Ge⸗ ſtalt, welche ſichtbare Theilnahme verrieth und Mitleid mit der i ſchönen von Wehmuth gebeugten Frau fühlte. Livia hatte bei ihrem Eintritt in das Zimmer unter den prächtig gekleideten und hochmüthigen Frauen ſich umgeſehen und auf allen Geſichtern, mit Ausnahme eines einzigen, Hohn und Widerwillen geleſen. Die theilnehmende Zuſchauerin, welche dieſe Ausnahme war, hatte eine würdevolle und gebieteriſche Haltung, ſelbſt Livia's ungeübtes Auge bemerkte, daß unter der heiteren Stirn ein ge⸗ heimer Kummer verborgen war. Es war, wir brauchen es wohl kaum zu ſagen, Leonore, und aus ihrem dunkeln Auge blitzten Vorwürfe auf Jede, die es wagte, den albernen Groll der Herzogin durch Neckereien gegen die Fiſcherfrau zu befriedigen. Als dem verſtändlichen Winke, den Livia gab, ein Todes⸗ ſchweigen folgte, blickte ſich Leonore im Kreiſe um und bemerkte, wie bleich die wenigen Worte der niedrigen Frau die Menge der ſtolzeſten Edeldamen gefärbt hatte. — Iſt es nicht wunderbar, redete ſie ihre Mutter an, ſo viel Liebenswürdigkeit, Beſcheidenheit und Geiſtesgegenwart zu⸗ gleich unter den ärmſten Klaſſen des Volkes zu finden? Die Aermſte iſt aufgeregt durch einen ſo ungewöhnlichen Auftritt und man ſollte ihr einige Erfriſchungen reichen. — Gern, Leonore, antwortete die Herzogin, Alles, was unſer Haus bietet, ſteht ihr zu Dienſt; man bringe Wein für V Maſaniello's Gattin! rief ſie laut. — Ein Glas Waſſer würde ich von Eurer Hoheit dankbar annehmen! erwiderte Livia. — Plötzlich wurde ihre Wange leichenblaß, ſie wankte und ſank in einen Seſſel, Leonore eilte ihr ſchnell zu Hülfe und be⸗ ſchäftigte ſich liebevoll um ſte. — Iſt Ihnen nicht wohl, gute Frau? fragte ſie. auch nur in der Einfalt ihres Herzens machte, erregte allgemeine 8 an ſein Leben In deren wille ſnell und fürc wüs ich ſah ung gerſtand gebra g erfüleen hätt liſen Sie mic ung und ſan ift, gebe und Kum llckichſten Me allein kon Dieſe Wor Marmorherzen ß war tief er Sie dachte Schicfal hatte ich mit Thrän — Komm Sie zu Ihrem Die Stir gen waren un in Volke lau Livia, w dls die, in d en ungewö Maſanit Volke nicht. Man ſ erſten zuſan Veſte hinter en zu wollen eJte allgemein verſchleirten gemeinen hier Wibliche Ge⸗ itleid mit der ner unter den imgeſehen und , Hohn und onahme war, ſelbſt Livia hen, Leonore, „ Jede, die es dereien gegen ), ein Todes⸗ und bemerkte, u die Menge putter an, ſo gegenwart zu⸗ finden? Die ichen Auftritt Alles, was nge Wein für oheit dankbar e wankte und zülfe und be⸗ 847 — Mirr iſt ganz wohl, aber ich höre die Stimme des Vol⸗ kes, und man ruft meinen Mann. — Und iſt Ihnen dieſe Stimme ſo unangenehm? — Nein, aber mir wird plötzlich ſo namenlos bange, eine ſeltſame Furcht wandelt mich an; glauben Sie, gnädigſte Prinzeß, es iſt nicht mein Wunſch geweſen, hierher zu kommen, aber ich bitte Sie demuthsvoll, haben Sie Mitleid mit dem gebrochenen Herzen einer armen Frau und machen Sie keinen Anſchlag ge⸗ gen ſein Leben! O thun Sie es nicht, um Ihrer ſelbſt willen, um deren willen, die Sie lieben, denn die Rache des Volkes iſt ſchnell und furchtbar. Sie haben wohl nicht geſehen und gehört, was ich ſah und hörte und was mich ſchon lange um meinen Verſtand gebracht haben würde, wenn ich nicht noch Pflichten zu erfüllen hätte. O gnädigſte Prinzeß, haben Sie Mitleid und laſſen Sie mich wieder zu meinem Manne führen— Sie ſind jung und ſanft, und könnten eines Tages noch erfahren, wie Liebe und Kummer ſich ſelbſt in dem Schickſal der jüngſten und glücklichſten Menſchen vereinen. Dieſe Worte blieben nicht ohne Wirkung auf Leonore, nur ſte allein konnte ihren Sinn ermeſſen; alle Frauen mit den Marmorherzen, die ſie umgaben, blieben theilnahmlos, die Prin⸗ zeß war tief erſchüttert. Sie dachte an ſich ſelbſt, und in der That, auch in ihrem Schickſal hatte ſich Liebe und Gram vereint, ihre Blicke füllten ſich mit Thränen, ſie reichte der armen Fiſcherfrau ihre Hand. — Kommen Sie, ſagte ſie mit bewegter Stimme; ich will Sie zu Ihrem Gatten führen. Die Stimmen, die in den Palaſt des Statthalters gedrun⸗ gen waren und Livia ſo erſchreckt hatten, waren in Wirklichkeit im Volke laut geworden, das nach ſeinem Anführer verlangte. Livia, welche ein ſchärferes Ohr für ſolches Geſchrei hatte, als die, in deren Umgebung ſie ſich befand, erſchienen die Stim⸗ men ungewöhnlich. Maſaniello's zweiter Beſuch bei dem Statthalter gefiel dem Volke nicht. Man ſchrieb die Veränderung in ſeinem Weſen ſchon der erſten Zuſammenkunft zu, und als man ſah, daß die Thore der Veſte hinter ihm verſchloſſen wurden und keine Bewegung ſeine Rückkehr ankündigte, wuchs das Murren zu einem lauten Geſchrei. Dieſer Unwille war Maſaniello ſehr unangenehm, er ſprang raſch von ſeinem Platze auf und eilte an ein Fenſter. — Ich komme, mein Volk, rief er, ſeht, hier iſt Euer An⸗ führer. Er wendete ſich hierauf zu dem Statthalter, und mit der dreiſten Ruhe, die Wahnſinnige bisweilen ſo gut anzunehmen wiſſen, machte er ſich zum Gehen bereit. — Wir haben Eurer Hoheit ſo früh unſere Aufwartung gemacht, ſagte er, und wir möchten Sie dagegen bitten, daß Sie 848 mit Ihrer Gemahlin mich und meine Frau auf einer Fahrt im Meerbuſen begleiten mögen. Der Herzog von Arcos gerieth in die äußerſte Verlegenheit, ja er zitterte ſogar vor dieſer Einladung, weil er die Folgen einer abſchlägigen Antwort kannte. Anderntheils aber war es nicht minder furchtbar, ſich vor brchufiasma des Vo gott des Der We folgen, der d Vor der und bemerkte der Ecke des Dieſer wenn auch wecken. Er nahn Kammer und der ganzen Stadt zu kompromittiren und auf dieſe Weiſe lächer⸗ lich zu machen. — Soll es heute ſein? fragte er kleinlaut. — Es wäre mir lieb, wenn es ſogleich geſchähe. — Möge es morgen geſchehen, ſagte der Herzog nach län⸗ gerer Ueberlegung; morgen, lieber Mafaniello, iſt das Feſt der heiligen Jungfrau del Carmine, und wir wollen Euch mit un⸗ ſerem ganzen Hofſtaat begleiten und mit allem Pomp, den das Volk wünſchen mag. — Nun, ſo ſei es morgen, Hoheit, gab Maſaniello zur Antwort, wir wollen anordnen, daß uns unſer Volk begleite. In dieſem Augenblick war es, als Livia bleich und erſchreckt in das Zimmer trat; Leonore, die ſie führte, bot Alles auf, ihre Angſt durch freundliche Worte zu beſchwichtigen. — Ach, meine Livia, ſagte Maſaniello, wir wollen gehen, denn unſer Volk verlangt nach uns. Er führte ſte hinaus, und bald beſtieg ſie wieder den Staats⸗ wagen der Herzogin, während er ſich in den Sattel ſeines Roſſes ſchwang.. Der Zug bewegte ſich durch die breiteren Straßen, wo die Volksmaſſen mehr Raum hatten. Maſaniello freute ſich über die Maſſen, obgleich ſie nicht, wie ehemals, Zeichen ihres großen Am A mache mit Züge das( Wer il merkt haber Er ble Erwartung — D 1 der Himm celd erlöſt Schuldigke loſigkeit z haben— will ich n des wahn dittere Re ehm und mit det it anzunehmen f Aufwartun tten, daß Ei ner Fahrt i in Verlegenzei er die Folgen tzar, ſich va Weiſe lächer ihe. rzog nach län⸗ tdas Feſt der Euch mit un⸗ ömp, den das kaſaniello zur alk begleite. und erſchreck llles auf, ihre wollen gehen r den Staats⸗ ſeines Roſſes aßen, wo di ſich über de ihres großen einem laute er ſter. ſen iſ Cuer An 1 1 Enthuſtasmus gaben, und wähnte ſich immer noch als der Ab⸗ gott des Volkes. Der Wagen des Erzbiſchofs Filagkarino mußte dem Zuge folgen, der auf dem Platze del Carmine wieder Halt machte. Vor der Thür des Hauſes öffnete man den Kutſchenſchlag und bemerkte, daß Livia, leichenblaß, mit geſchloſſenen Augen, in der Ecke des Wagens ſaß. Dieſer traurige Anblick genügte, wenn auch nur auf kurze Zeit, wecken. Er nahm die Frau in ſeine Arme, um den armen Fiſcher, aus ſeinem Wahnſinn zu er⸗ trug ſie in ihre elende Kammer und blieb bei ihr, bis ſie wieder zur Beſinnung kam. Der Mörderrath.— Am Abend deſſelben Tages ging Herandez in ſeinem Ge⸗ mache mit haſtigen Schritten auf und nieder, während ſeine Züge das Gepräge eines finſteren Triumphes trugen. Wer ihn beobachtet hätte, würde deutlich die Ungeduld be⸗ merkt haben, welche ſein ganzes Benehmen verrieth. Er blieb häufig ſtehen und lauſchte— als er ſich in ſeinen Erwartungen jedoch betrogen ſah, blieb er gedankenvoll ſtehen. — Die Holde iſt zurückgekehrt, nahm er endlich das Wort, der Himmel hat ſie ohne den Schurken Celeſto und ohne Löſe⸗ geld erlöſt— und unſere wackere calabreſiſche Landmiliz that ihre Schuldigkeit.— Ich will mit dem Alten nicht über ſeine Treu⸗ loſigkeit zu Gericht gehen, bald genug werde ich ſeinen Kopf haben— jetzt freilich brauche ich ihn, und auch in dieſer Stunde will ich mit ihm und einigen anderen Geſchöpfen über den Tod des wahnſinnigen Fiſchers berathen— iſt er gefallen, dann er⸗ zittere Neapel vor unſerer Rache, und der Brand, den unſere Das Apfer von Amalfi.(Bv. III. 14.) 54 850 7 Kanonen nicht in Deine Paläſte, ſondern in Deine Hütten legen werden, ſoll mir als Freudenfeuer bei meiner Vermählung leuch⸗ ten— ja, Leonore, Du wirſt bald mein ſein, unabänderlich— auf ewig, und Du— Thereſia— nun, Dich wird der Schmerz darüber— wahnſinnig machen— und tödten— ſeltſames Miß⸗ geſchick, Bruder und Schweſter an ein und derſelben Krankheit, ha, ha, ha! Plötzlich ließ ſich von Außen Geräuſch vernehmen— Heran⸗ dez horchte auf. — Sie kommenl ſagte er, und öffnete raſch die Thür, Drei Männer traten in das Zimmer. In dem einen dieſer Gäſte erkennen wir den alten Celeſto. In den Zügen der beiden anderen war außer Grauſamkeit und Liſt nichts Hervorſtechendes zu bemerken, wodurch ſie ſich von dem gemeinſten Pöbel unterſchieden hätten. Sie waren wie Fiſcher gekleidet, mit Meſſern und mit Blut befleckten Hellebarden bewaffnet. — Setzt Euch, meine Freunde, redete der Miniſter die An⸗ gekommenen an, wir wollen ſchnell zur Sache kommen, denn es i*ſt ſpät, und Ihr habt etwas lange auf Euch warten laſſen.— Ihr wißt, wir ſind verſammelt, um einen neuen Anführer zu wählen— einen neuen Anführer an die Stelle des jetzigen, der von ſeinem Verſtande Abſchied genommen hat, und Ihr, meine Herren alſo ſeid die Bewerber um die Stelle, die nunmehr bald erledigt ſein wird. Ob man das Amt einem einzigen Bewer⸗ ber anvertraue, wie es jetzt der Fall iſt, oder unter Dreien theile, wie es war, bevor Maſaniello Edelmann zu ſpielen gelernt hat, darüber werdet Ihr Euch ſpäter berathen. — Nicht darum allein bin ich gekommen, rief einer der rohen Geſellen— Maſaniello hat meines Bruders Blut vergoſ⸗ ſen, und ich will ſein Blut haben. — Um ſo beſſer, Freund, verſetzte Herandez, denn ſterben muß Maſaniello, wenn Ruhe eintreten ſoll, ſo lange er lebt, wird er immer eine Partei zur Seite haben. — Er hätte meinetwegen den Adel unter das Beil bringen und ſelber den Edelmann ſpielen können, ſagte der Erſte wieder, bis ſein Schädel vor Tollheit geborſten wäre, aber Blut fordert Blut.— Das L„Adel“ und„Blut“, welches der Kerl ſo leicht⸗ Freunde vergf ebenſo blutdü des Raſenden des Mordens wurde mit e Todesurtheil, — Es b daß um Eu Der Nart Volk wird ſo tödtet de alſo die Sa — Sie die drei M der dritte b. — Ich — Ma jett ſogar dieſer verflu wiſſen Alle geſetzt iſt, ſen ferner, warten hat gen Troph ſind ſie bei Ynblick jen Rrurſacht Cuch ſchie Hütten legen dlung kah⸗ indetlich— det Schmer ſames Ni⸗ Kranthei, — Heran⸗ Thür, einen dieſer Grauſamteit urch ſie ſich id mit Blut ſter die An⸗ en, denn es n laſſen.— Anführer zu jetzigen, der Ihr, meine nmehr bald gen Bewer⸗ reien theile, gelernt hat, ef einer der Blut vergoſ⸗ benn ſterben nge er lebt, geil bringen frſte wieder, Blut fordert erl ſo leicht —— 3 3 fertig ausſprach, verurſachte Herandez Herzklopfen, allein er be⸗ 851 herrſchte ſich — Ebendarum mag Maſaniello ſterben, ſagte er. — Sterben— wiederholten die Anderen mit wüthenden Geberden. — Maſaniello hat das Blut ſeiner älteſten und beſten Freunde vergoſſen, und keines Menſchen Leben iſt ſicher vor ſei⸗ nem Wahnſinn, rief Celeſto. Er iſt von Leuten umgeben, die ebenſo blutdürſtig und grauſam ſind, als er. Er hat die Wuth des Raſenden, während ſeinem Geheimſchreiber Pietro die Luſt des Mordens eigen iſt, alſo mein Rath iſt, daß ſie Beide ſterben mögen. Die Meinung des dritten Mannes in dem Mörderrath, wurde mit einem Fluche ausgeſprochen und war gleichfalls das Todesurtheil, das aber noch Andere umfaßte. — Es bleibt jetzt wenig zu erwägen, ſprach Herandez, außer daß um Eurerſelbſt willen die Sache ſchnell abgemacht werde. Der Narr macht morgen eine Luſtfahrt auf dem Meere. Das Volk wird einen Feſttag haben, und wenn der Zug zurückkehrt, ſo tödtet den Fiſcher und die Uebrigen, die Ihr genannt habt, alſo die Sache ſteht feſt? — Sie ſteht feſt, wie der Veſuv auf ſeinem Grundel riefen die drei Männer zugleich, und zwei volk ihnen entfernten ſich, der dritte blieb zurück— es war Celeſto. — Ich bewundere Ihren Muth, Excellenz, ſagte er. — Man gewöhnt ſich an die Gefahr, alter Freund, ich gehe jetzt ſogar mit mehr Zuverſicht als Vorſicht durch die Straßen dieſer verfluchten Stadt; die Kerle, die ſich eben entfernt haben, wiſſen Alle, daß ein ungeheurer Preis auf meine Verhaftung geſetzt iſt, und ich ſtand doch unangetaſtet vor ihnen; Sie wiſ⸗ ſen ferner, daß ſelbſt derjenige eine anſehnliche Belohnung zu er⸗ warten hat, der meinen Kopf bringt, den man gern zu den übri⸗ gen Trophäen auf der Richterbühne geſellen möchte, und doch ſind ſie befreundet mit mir. Ich kann nicht leugnen, daß der Anblick jener blutigen Pfähle mir oft ein unangenehmes Gefühl verurſacht hat, namentlich wurde ich in einer Nacht, als ich von Euch ſchied, dort von einem ſehr unangenehmen Eindruck be⸗ rührt, daß ich den Vorſatz faßte, mich gar nicht mehr auf 3 54* 85² Straße blicken zu laſſen— jetzt aber, wo ich den Tod des Fiſchers als feſtſtehend betrachte, bin ich nicht mehr ſo furchtſam. — Dieſe guten Männer werden ihr Wort halten, aber auch Sie, Excellenz, werden des Ihrigen eingedenk bleiben, ſagte Ce⸗ leſto mit Nachdruck. — Seid außer Sorge, Celeſto, wie ſich das Blatt auch wende, Ihr werdet immer gut daran ſein— und nun ſagt mir, en Kopf glei ob Ihr nichts von Giulio Caraffa gehört habt. 1' Der Alte 6— Ich weiß nichts von ihm, aber man vigilirt auf ihn, it dem Kopf wie auf jeden Flüchtling, und ſollte er es ſich gelüſten laſſen, 3 Du ſo nach Neapel zurückzukehren, dann harrt ſeiner— das Beil. II Kubleriſcher Eine düſtere Freude zeigte ſich in dem Antlitz des Miniſters. hen — Was die Gefangenſchaft der Prinzeß betrifft, ſo iſt dieſe, dem Himmil ſei Dank, aufgehoben, ſagte Herandez, indem er den Alten mit Schadenfreude betrachtete. — Iſt die Prinzeß frei?— fragte dieſer unangenehm be⸗ rührt und verlegen. 1 — Sie iſt in Sicherheit, denn ſie weilt im Caſtel Nuavo bei ihrem Vater. — O, das iſt mir ſehr unangenehm, nur wegen des Löſe⸗ geldes, das mir anvertraut war und das bereits unterwegs iſt; ich wollte mich ſelbſt zu dem Räuber begeben, allein mein Alter, meine Schwerfälligkeit— 1 — Sprecht nicht von dieſer Kleinigkeit, unterbrach ihn der, welcher blick mit glei Herandez, wir werden gelegentlich die Angelegenheit ordnen, Währen ſetzte er bedeutungsvoll hinzu. wegte trt Der alte Heuchler Celeſto verneigte ſich und ſah auf den neffamiei Miniſter mit forſchenden Blicken. Hätte — Nun wird wohl bald die Vermählung Eurer Excellenz einas wan gefeiert werden? fragte er. en he — In den erſten Tagen des Auguſt. l ſumae 3 — Es iſt doch vor allen Dingen gut, daß Sie die Herren, ir die mich hierher begleitet, nicht in Ihrem eigentlichen Verſteck lde empfangen haben— wollten ſie etwa Ihre Meinung ändern und, din en ſtatt ſich um die Rolle Maſaniello's, um den bewußten Preis be⸗ werben, dann würden ſie Eure Excellenz in dieſem Schlupfwin⸗ ir n. kel wohl ſuchen, aber nicht finden. — Ich verſtehe Euch, Celeſto, verſetzte Herandez lächelnd, wollt mir mit dieſer Aeußerung begreiflich machen, wie ſehr die Lebe; ter führte ddes giß 3 d des Fiſchers ich anerkennen müſſe, daß Ihr, dem meine verborgenen Aufent⸗ 38 haaltsorte bekannt ſind, ſo edel und großmüthig darüber ſchweigt, 1 uber auch und in der That, ich bin Euch dankbar, aber noch dankbarer 1, ſagte Ce⸗ werde ich ſein, wenn Ihr an die Aufgabe denkt, die Euch mor⸗ AA gen obliegt. ni auch— Maſaniello— ſoll ſterben. un ſagt mir,— Brav, und wenn Ihr den Prinzen ertappt, ſo laßt ſei⸗ nen Kopf gleichfalls auf den Pfahl ſtecken. lirt auf ihn, Der Alte nickte zum Zeichen des Einverſtändniſſes bejahend lüſten laſen,. mit dem Kopfe und verließ das Gemach. 6 Beil.— Du ſollſt Deine Pilgerbahn bald beendet haben, alter, 8Miniſters. heuchleriſcher Böſewicht, ſagte Herandez, während ſeltſamerweiſe ſ iſt dieſe, der, welcher ſo eben von ihm gegangen war, in demſelben Augen⸗ 3, indem er blick mit gleichen Gedanken ſich ſeiner erinnert hatte. ngenehm be⸗ aſtel Nuavo een des Löſe⸗ nterwegs iſt; mein Alter, In der Bude. erbrach ihn it ordnen, Während der Feſtzug ſich noch nach dem Caſtel Nuovo be⸗ wegte, trat ein Mönch in eines der Stadtthore, ohne die Auf⸗ merkſamkeit der wenigen Wächter auf ſich zu lenken. Hätte man ihn aufmerkſam betrachtet, ſo würde man ſeine etwas wankenden Schritte und einige Unruhe an ihm wahrge⸗ nommen haben. 1 Wir erkennen in dem Fremdling Giulio, welcher eine Nacht die Herren ⸗.. 1— Verſt in Pozzuola zurückgeblieben war, um ſich dort wieder in eine hen er 4 Mönchskutte zu hüllen, welche nicht ſobald aufzutreiben war, er ändern und, würde ſonſt mit Leonore zu gleicher Zeit in Neapel eingetrof⸗ in Preis be⸗ fen ſein. Schlupfwi Wir kennen die Urſache ſeiner Rückkehr— aber nicht allein 1 die Liebe zu ſeinem Vaterlande, ſondern auch die zu ſeinem Va⸗ dez lächelnd ter führte ihn nach Neapel zurück. en, wie ſeht ah auf den ter Excellen 4 „ 854 Ebenſo war es ſeine Abſicht geweſen, endlich etwas über das Schickſal ſeiner Schweſter zu erfahren und hatte zu dieſem Zwecke verſchiedene Pläne entworfen. Er hatte, als er Neapel verließ, Urſache, aus gewiſſen Aeuße⸗ rungen, welche Pietro gethan, den Argwohn zu ſchöpfen, daß ſein geheimnißvolles Benehmen in irgend einer Verbindung mit dem Verſchwinden Blanka's ſtehen mußte. Er hatte ſich zunächſt vorgenommen, Pietro's Schritte zu bewachen, und ihn zu verfolgen, bis er ihn endlich allein finden würde, um dann ſowohl Aufſchluß über den Aufenthalt ſeines Vaters von ihm zu erlangen, als ihm auch das Geheimniß, ſeine Schweſter betreffend, ſelbſt mit Gewalt zu entreißen. Er wollte ſich nach dem Platze del Carmine begeben, wo er zahlreiche Volkshaufen verſammelt zu finden hoffte. Die Straßen aber hatten jetzt ein auffallend verödetes Anſehen, und es war offenbar, daß irgend ein wichtiges Ereigniß alle Gemüther be⸗ ſchäftigen mußte. Als er dem Platze näher kam, vernahm er zwar ein Ge⸗ räuſch, welches auf eine lebhafte Bewegung deuten ließ, aber nicht den großen Zuſammenfluß von Menſchen ankündigte, den er zu finden hoffte. Der erſte Anblick, der ſich ihm bot, als er auf den Platz trat, war die Blutbühne, noch immer von Pfählen umgeben, auf welchen Menſchenköpfe ſteckten. Ein dichter Haufe, meiſt aus Kindern und Leuten aus dem Pöbel beſtehend, hatte ſich zuſammengedrängt Die Richter auf der Bühne waren eifrig beſchäftigt, die Angeklagten zu verurtheilen. Der Geheimſchreiber ſprach lebhaft zu dem verſammelten Volkshaufen. Seine Geberden waren leidenſchaftlich, ſein Ge⸗ ſicht gedunſen, ſeine Augen mit Blut unterlaufen, und ſeine Stimme klang heiſer und überreizt. Innerhalb der Verpfählung am Fuße der Bühne ſtanden zwei bis an die Hüfte entblößte Kerle, welche blutgefärbte große Meſſer in ihren Händen hielten und aufmerkſam die Vorgänge auf der Bühne beachteten. Während Giulio etwa eine Stunde vor der Richterbühne verweilte, ſah er ſchandernd viele Köpfe fallen und bemerkte, wie Pietto die nenſchliche Ermüdet andlich ſeine emeinſeen 2 ſchende Stim den Unterga dem Geheim Verwünſchu am häufggſte Er ſtütz er ſchliefe. Die B mäßig tran — He wüthender — 82 greifen, rie dienen wo⸗ zerreißen u — JIh wenn Ihr er wird u ziemlicher ſeinen Ko — 2 unterbrac — 1 heiliger b Tod der etwas über atte zu dieſen wiſſen Aeuß 1, ße⸗ ſchüpfen, daß vindung mit Schtitte u ällein finden uühalt ſinss eimniß, ſeine 3 geben, wo er Oiis er. n Nie Straßen und es war hemüther be⸗ var ein Ge⸗ ließ, aber digte, den er uf den Plat len umgeben, ten aus dem chäftigt, die zerſammelten ch, ſein Ge⸗ „und ſeine ihne ſtanden färbte große ie Vorgänge Nichterbühne emerkte, wie Pietro die Opfer anſtierte, die ſein Ausſpruch dem Tode ge— weiht hatte, Die Rückkehr von Maſaniello's Feſtzug und der wilde Lärm der Tauſende lenkte zwar ſeine Aufmerkſamkeit von der Blut⸗ bühne ab, aber nicht von dem furchtbaren Richter auf ihr. Er überlegte, wie er es am beſten mit einem Manne auf⸗ nehmen könnte, der durch ſeine Grauſamkeit jeden Anſpruch auf menſchliches Erbarmen verwirkt hatte. Ermüdet und betäubt von dem wilden Geſchrei, nahm Giulio endlich ſeine Zuflucht in eine der offenen Buden, die von dem gemeinſten Pöbel beſucht wurden, theils um die jetzt vorherr⸗ ſchende Stimmung Neapels kennen zu lernen, theils auch um den Untergang der Sonne abzuwarten, um dann ſich wieder zu dem Geheimſchreiber zu wenden. Man ſchrie, man tobte und nannte unter den gräßlichſten Verwünſchungen die Namen vieler Edelleute; Herandez aber war am häufigſten auf allen Lippen. Er ſtützte den Kopf auf ſeine Hände und ſtellte ſich, als ob er ſchliefe. Die Bude war beſtändig mit Menſchen angefüllt, die über⸗ mäßig tranken. — Herandez lebt noch immer, ſchrie ein großer Kerl mit wüthender Geberde, es iſt entſetzlich! — Sangue di dio! Wenn ich das Glück hätte, ihn zu er⸗ greifen, rief ein Anderer, ich würde mir kaum den Preis ver⸗ dienen wollen, meine Wuth iſt ſo groß, daß ich ihn in Stücke zerreißen und ſeine Glieder in den Golf werfen würde. — Ihr müßt ein ſehr reicher Mann ſein, ſchrie ein Mönch, wenn Ihr ſo leicht vierzigtauſend Ducaten opfern könnt; aber er wird wohl nicht mehr lange unentdeckt bleiben, ſetzte er mit ziemlicher Zuverſicht hinzu. — Meint Ihr, Padre? riefen Viele wild durcheinder. — Ich hoffe, man wird ſchon morgen, ſpäteſtens übermorgen ſeinen Kopf an dem Pfahle ſehen. — Morgen iſt das Feſt der heiligen Jungfrau del Carmine, unterbrachen Viele den Mönch. — Um ſo beſſer, wir könnten den Tag der Jungfrau nicht heiliger begehen, als wenn wir einem ſolchen Miſſethäter den Tod der Gerechtigkeit ſterben ließen. 6 856 Aus hundert Kehlen erſcholl darauf ein Evviva dem Mönch, deſſen freiſinnige Aeußerung eine außerordentliche Anerkennung gefunden hatte. Jetzt lenkte ſich das Geſpräch auf Maſaniello, deſſen Be⸗ nehmen man ohne Rückhalt tadelte. — Er hat das Volk für einen Anzug von Silberſtoff ver⸗ kauft! ſchrie ein Kerl mit lauter Stimme. — Das that er nicht, Freunde, ſagte der Mönch, aber glaubt mir, der Oberanführer iſt verrückt. — Gewiß iſt er verrückt— riefen die Meiſten, ſein ganzes Treiben ſpricht dafür. — Allerdings, nahm der Mönch das Wort; heute ritt er zum Statthalter, morgen wird er eine Meeresfahrt veran⸗ ſtalten. — Und der Herr Herzog wie der ganze Hof werden ſich gewiß recht luſtig gemacht haben über den armen, wahnſinnigen Pöbelfiſcher und ſeine Frau! rief ein Kerl mit Bitterkeit. Es wurde während dieſer Unterhaltung ſehr ſtark dem Weine zugeſprochen, plötzlich entſpann ſich ein Streit und ſchon blitzten die Meſſer, als es dem Mönch gelungen war, wieder Ruhe her⸗ zuſtellen — Corpo di Dio! Freunde! rief er, taucht lieber Eure Waffe in das Blut Eurer Feinde und nicht in das Eurer Ge⸗ noſſen, es giebt ja der Flüchtlinge noch ſo viele— ſagt mir, habt Ihr denn noch nichts von dem Prinzen Caraffa gehört, auf deſſen Ergreifung gleichfalls ein Preis ſteht? — Aber nur ein Lumpengeld von zweitauſend Ducaten! fiel ein betrunkener Lazzarone mit lallender Zunge ein. — Gleichviel, das Geld muß verdient werden, ſagte der Mönch, weiß man nichts von ihm? — Er iſt entkommen, rief Einer, Niemand weiß, wohin. — Sein Vater iſt wahnſinnig und befindet ſich in dem Kloſter del Carmine, ihn hat Gott gerichtet, wir brauchen nun nicht mehr Rache an ihm zu nehmen. Giulio war von Abſcheu und Entſetzen erfüllt, er hätte es bereut, dieſen Aufenthalt des niedrigſten Auswurfs von Neapel gewählt zu haben, aber hatte er hier nicht erfahren, wo ſein Vater weilt? Nur dieſer Umſtand, nicht etwa Furcht vor Entdeckung, — Hab trieb ihn eil vünſchungen Giulio ſin Herz he ſhen, und daß ihm Jen Es war n die abel ter 2 Fenſtern eine An allem die während deln unterhie Giulio ſchwand. Ehe wie noch eines G bar nach Gi ſchlafen hatt nat, ihm i 1— 39 — Ha den Namen — Ich — Fäl ſagt, als wi Caraffa wi —(Co Anſelmo? — E aaßt mich zweitauſen — S müſſen ſch ſchon auf kennen. 6— dem Män 1 neriennung d, deſſen Ro lberſuf ver⸗ Müäng, aber „ſein ganzes zheute rit fahrt veran. werden ſch vahnſinnigen terkeit, kdem Weine ſchon blitzten er Kuhe her⸗ lieber Cure 8 Curer Ge⸗ ſagt mir, raffa gehört, Ducaten! fiel n, ſagte der s, wohin. ſich in den rauchen nun er hätte es von Neapel ren, wo ſein Entdeckung, 8⁵5⁷ trieb ihn eilig aus der Bude, wo er ſeinen Namen unter Ver⸗ wünſchungen nennen hörte. Giulio nahm ſeinen Weg nach dem Kloſter del Carmine, ſein Herz pochte in der Erwartung, um ſeinen Vater wieder zu ſehen, und er beſchleunigte ſeine Schritte, ohne bemerkt zu haben, daß ihm Jemand folgte, Es war währenddeſſen Nacht geworden und überall leuchte⸗ ten die abendlichen Wachtfeuer, und Lichter brannten vor den Fenſtern eines jeden Hauſes.— An allen Straßenecken erblickte man Leute, welche die Feuer, die während der ganzen Nacht brennen mußten, mit Reiſigbün⸗ deln unterhielten. 1 Giulio hatte das Kloſter del Carmine erreicht und ver⸗ ſchwand. Ehe wir ihn jedoch wieder zurückkehren ſehen, müſſen wir noch eines Geſpräches Erwähnung thun, welches ſich, unmittel⸗ bar nach Giulios Entfernung in der Bude entſponnen hatte. — Habt ihr den Mönch bemerkt, der auf jenem Stuhle ge⸗ ſchlafen hatte, Padre? flüſterte ein Menſch, der an ihn heran⸗ trat, ihm zu. — Ich ſah ihn. — Habt Ihr geſehen, daß er ſich ſo eilig entfernte, als man den Namen Caraffa nannte. — Ich ſah nur, daß er ſchnell die Bude verließ. — Fällt Euch nichts auf, Padre; habt Ihr uns nicht ge⸗ ſagt, als wir im Gebirge auf ihn vigiliren ſollten, daß der junge Caraffa wie ein Mönch gekleidet ſein ſoll. — Corpo di Diol— Ihr könntet Recht haben— wo iſt Anſelmo? — Er forſcht mit unſeren Genoſſen nach Don Herandez, laßt mich dem hier eben verſchwundenen Mönche nacheilen, zweitauſend Ducaten mehr im Vermögen ſchaden uns nichts.— — Sehr wahr, unſere Kaſſe iſt jetzt erſchöpft, und wir müſſen ſchnell handeln, was Herandez betrifft, ſo glaube ich ihm ſchon auf der Spur zu ſein, morgen werde ich ſeinen Aufenthalt kennen. — Seid Ihr davon überzeugt? — So gewiß, wie ich weiß, daß das Amen dem Pater⸗ noſter folgt. 6 — — 858 — Nun denn wünſche ich Euch Glück, Padre; was mich be⸗ trifft, ſo will ich für die Ermittelung des Prinzen Sorge tra⸗ gen, mit dem ich außerdem noch eine Kleinigkeit aus früherer Zeit abzumache blick; es war im Palaſte Tortoſa— ich habe Euch die Geſchichte ſchon erzählt. — Ja ja, als die ſchöne Prinzeß aus Aerger über Dich die Guitarre zertrümmerte, verſetzte lächelnd der Mönch, in welchem wir Fra Lorenzo bereits erkannt haben werden; doch nun ver⸗ folge das Vögelein, ſetzte er hinzu, ſonſt holſt Du es nicht mehr ein. Der ehemalige Galeerenſträfling trat eilig aus der Bude, ſchon nach kurzer Zeit hatte er Giulio wieder im Auge und folgte ihm bis zum Kloſter nach. Als Giulio eingetreten war, gab er ſich ſogleich als der Prinz Caraffa zu erkennen und bat inſtändigſt, ihn zu ſeinem Vater zu führen. Sein Wunſch wurde erfüllt— nach wenigen Augenblicken ſtand er in der Zelle ſ ſeines Vaters— und jetzt folgte eine wahrhaft ergreifende Scene. Schickſal ſie ereilt, in einen ruhigen, nachdenkenden Zuſtand ver⸗ ſunken, anſtatt, wie zu erwarten ſtand, ungeſtümer zu werden. Er tobte, er raſte nicht mehr— aber er brütete und ſchien mit unſäglicher Anſtrengung alle ſeine Gedanken, alle ſeine Sinne mit Gewalt feſſeln zu wollen, um über die Art und Weiſe nachzudenken, wie er ſeine Tochter holen und dann Nache an ihrem Entführer nehmen ſollte. Als Giulio ſeinen Vater ſah, fuhr es ihm eiſig durch Mark und Bein. Er hatte ihn, den er, wenn auch als gebeugten, aber doch noch kräftigen Mann verlaſſen, jetzt als Greis wie⸗ dergefunden. Der Herzog firirte den Angekommenen mit ſcharfen Blicken und ſtieß dann laut einen Schrei aus, der ſo erſchütternd war, daß Giulio faſt bis zu Thränen gerührt war. Der Herzog war ſeit dem Beſuche Thereſia's, welche ihm mitgetheit hatte, daß Blanka noch am Leben ſei und welches — — — Das rer Stimme. — J. heftig. terte er. — Hiel — Ja, inem Pfahl tr ſchnell fo s iſt unm Rumpf ſetze Giulio vor ihm ſta Schmerz zer — Jch — Ach Herzog in G& mächtig wi — Ni dem Himm ſage mir, zurück. — Un die Unwah — A N dher ich k an den N 1 was mich 6 en Sorge tre lans ſriheta hänen Augen⸗ die Geſchiche über dich die h, in welchen 2 nun ver Du es nicht nicht s der Bude, uge und folgte leich als der ihn zu ſeinem Angenblicken t folgte eine welche ihm und welches Zuſtand der⸗ zu werden. eie und ſchien ¹, alle ſeine die Art und dann Rache g durch Nark ls gebeugten, s Greis wit⸗ arfen Bliken hütternd wal, — — Das iſt ja mein Sohn, mein Giulio, rief er mit heiſe⸗ rer Stimme. — Ja, mein geliebter Vater, Dein Sohn iſt gekommen, um Dich zu umarmen. Beide ruhten lange Bruſt an Bruſt, der Herzog ſchluchzte heftig. — AOch meine Kinder leben Beide, welch' ein Glück? ſtot⸗ terte er. — Hielteſt Du mich für todt, mein Vater. — Ja, mein Sohn, ich glaubte Dein Kopf ſäße bereits auf einem Pfahl, aber nein, nein, Du haſt den rechten Kopf, fuhr er ſchnell fort, indem er Giulio's Haupt betaſtete und es küßte, es iſt unmöglich, daß man Deinen Kopf auf einen fremden Rumpf ſetzen konnte. Giulio war tief ergriffen bei dem Bilde des Jammers, das vor ihm ſtand, bei den Worten, die er hörte, ein namenloſer Schmerz zerriß ſeine Bruſt. 8 — Ich bin Dein Sohn, mein Vater, ſagte er halblaut. — AHch daß ich doch jetzt meinen Verſtand hätte! klagte der Herzog in herzzerreißender Weiſe. — Sprich nicht ſo, mein Vater, Du biſt Deines Verſtandes mächtig wie früher. — Nicht doch, mein Sohn, ich bin wahnſinnig— aber dem Himmel ſei Dank, ich habe die Hoffnung zu geneſen, doch ſage mir, mein Sohn, unter welchen Verhältniſſen kehrſt Du zurück. — Unter den günſtigſten, verſetzte Giulio, der natürlich nur die Unwahrheit ſagte, um ſeinen Vater nicht zu betrüben. — Weißt Du denn, daß Deine Schweſter Blanka lebt? — Dieſe Eröffnung macht mich glücklich, aber wo kann ich ſte finden? — Mein Sohn, in Elend und Niedrigkeit! — Mein Vater, was ſagſt Du? rief Giulio zurücktaumelnd. — Sie iſt entführt von einem elenden Niederträchtigen, aber ich kenne ihren Aufenthalt, wir werden ſie holen und Rache an den Nichtswürdigen nehmen. — Wie iſt ſein Name? — Pietro— der Geheimſchreiber. 860 — Ha, meine Ahnung hat ſich beſtätigt, wo iſt ſie, mein Vater! rief Giulio haſtig. — Komm, ich will mit Dir gehen. ſ — Unmöglich, mein Vater, es iſt Nacht— und Du biſt leidend. — Geſund genug, um nach meiner Tochter zu forſchen. — Ueberlaß es dem Bruder— er wird die Schweſter, Dein Kind zu Dir führen, verſetzte Giulio mit ſo flehendem Ausdruck, daß der Herzog nachgab⸗ — Merk auf, Giulio, ſagte er, nicht gar zu weit vom Ha⸗ fendamm, aufwärts am Geſtade, wo der Meerbuſen die letzte Krümmung macht, ſteht eine einſame kleine Hütte mit einer Terraſſe, die in das Meer vorſpringt— da wirſt Du Deine Schweſter finden. Giulio war über dieſe präciſe Bezeichnung eines Wahnſin⸗ nigen überraſcht und erfreut. — Biſt Du auch ſicher unterrichtet? fragte er. — Ich bin meiner Sache ganz gewiß— eile, eile, ich harre Dein— aber was wirſt Du an dem Geheimfchreiber thun? ſagte der Herzog, deſſen Blicke jetzt einen furchtbaren Ausdruck angenommen hatten. — Ich will den Elenden verabſcheuen— das genüge, ſo⸗ bald wir Blanka retten, kann uns an der Beſtrafung dieſes Verworfenen nicht gelegen ſein? — Giulo— Rache will ich, kein feiges Erbarmen! rief der Herzog mit drohend erhobener Stimme. — Höre, mein Vater, unter dieſer Mönchskutte ruht ein Schwert; ſollte mir der Elende mit den Waffen in der Hand entgegentreten, dann werde ich handeln, wie es eines Caraffa, wie es eines Mannes überhaupt würdig iſt. — Ja, mein Sohn, der Menſch, der die Ehre unſerer Hau⸗ ſes beſchimpft, indem er es gewagt hat, ein ſchutzloſes Mädchen mit ſeiner Bewerbung zu beläſtigen, ſoll büßen, noch ehe die Sonne des nächſten Tages aufgeht; ſeine Stunden, ſeine Minu⸗ ten ſind gezählt, und was ſich auch ereignen möge, Pietro muß ſterben— merke es Dir, mein Sohn. Giulio preßte ſeines Vaters Hand und entfernte ſich. Kaum befand er ſich wieder auf dem Platze del Carmine, als der Menſch, der ihn erwartet hatte, ihm wieder folgte.. — Eri mn ſeinem gc dient, und leiſten. Giulio! der Fahrzeug Der Me ſprang dann lagen, ſette! ſchwunden. Celeſto nach dem ſe Herandez ge⸗ vergeſſen hat — Excc trat, der( verübt und jedenfalls zu gefallen iſt, — Me — Abe — Celc Löſegeld geſ ſo kann ich zwanzigtauf ich glaube, ſchreiber zu — De Ihnen ſcho⸗ Calabrien Hi inden er d für einen ſ — E und in der ſt ſie, me 1— Er iſt es ohne Zweifel, ich kenne ihn an ſeinem Gang, an ſeinem ganzem Weſen— die zweitauſend Ducaten ſind ver⸗ und Du biſt dien und morgen ſoll ſein Kopf jenen da droben Geſellſchaft eiſten. forſcen. Giulio hatte den Hafendamm erreicht und ſprang in eines weſter, din der Fahrzeuge, die vor ihm lagen. em Ausdruc Der Menſch, welcher ihm gefolgt war, blickte ihm nach, ſprang dann ſelber in ein Fahrzeug, deren mehrere am Ufer it vom Ha⸗ Waagen, ſetzte die Ruder ein und war bald in nebliger Ferne ver⸗ en die lezte ſchwunden. mit einet t Du Deine 28 Wahnſin⸗ Celeſto hatte nur wenige Schritte gethan, als er wieder nach dem ſchmutzigen Hauſe, aus welchem er eben von Don l, ich hare Herandez gekommen war, zurückkehrte, wie einer, der noch etwas b V vergeſſen hatte. b— Excellenz, ſagte er zu dem Miniſter, indem er vor ihn trat, der Geheimſchreiber hat heute unerhörte Grauſamkeiten verübt und würde, wenn er morgen noch am Leben wäre, ſich jedenfalls zum Regenten von Neapel machen, ſobald Maſaniello gefallen iſt, er muß noch heute ſterben. — Meinethalben noch in dieſer Stunde. — Aber zu dieſem Zweck ſind einige Geldmittel nöthig. — Celeſto, ich habe bisher nicht über das Euch anvertraute Löſegeld geſprochen, da Ihr mich indeſſen zu ſehr rupfen wollt, ſo kann ich die Frage nicht unterdrücken, was Ihr mit den zwanzigtauſend Ducaten begonnen habt, die ich Euch übergab, 3 ich glaube, ſie reichen hin, um einen Mörder für den Geheim⸗ nſerer Hau— ſcchreiber zu finden. es Rädchen 1— Der zwanzigſte Theil würde genügen, allein ich ſagte noch che die Ihnen ſchon, Ercellenz, daß das Geld ſich auf dem Wege nach ſein Minn Calabrien befindet. Pietro muß O— Hier ſind noch zwanzig Ducaten, rief Herandez unwillig, indem er das Geld auf den Tiſch warf; dieſe Summe genügt ſich. Kaum für einen ſo geringfügigen Mord. ne, als der— Es muß genug ſein, Excellenz, verſetzte der alte Schurke, und in der heutigen Nacht wird der Geheimſchreiber ſterben. eiber thun? en Ausdruck genüge, ſo⸗ afung dieſes nen! rief der tte ruht ein —n der Hand nes Caraffa, — Und Maſaniello? — Morgen. Damit entfernte ſich Celeſto und war ſehr bald wieder mit den beiden Spießgeſellen vereint, in deren Geſellſchaft wir ihn ſchon bei Herandez gefunden haben. Er führte ein langes Geſpräch mit ihnen. — Heute der Erſte, morgen der Zweite, ſagte der Alte. — Und übermorgen? fragte einer ſeiner Genoſſen lächelnd. — Don Herandez— war die Antwort Celeſto's. Ich ſehe nicht ein, warum wir das Geld nicht wenigſtens noch verdienen ſollen— vierzigtauſend Ducaten ſind keine Kleinigkeit— mit der Revolution wird es nach Maſaniello's Tode ſchlecht ſtehen, wir müſſen Neapel eilig verlaſſen und bedürfen der Zehrungs⸗ koſten. — Sehr richtig, ſagte der Angeredete, indem er zugleich den Entſchluß faßte, ſich auch des Alten zu entledigen; aber der Nächſte ſoll der Schreiber ſein— ich will mich in ſein Haus ſchleichen. — Keine Unvorſichtigkeit— dort darf die That nicht ge⸗ ſchehen. — Wo denn ſonſt? — Pietro pflegt faſt an jedem Abend nach dem Geſtade zu gehen und dort ein Fahrzeug zu beſteigen, lauert ihn dort auf und macht ihm ohne Geräuſch mit Eurem Meſſer den Garaus, aber eilt, denn die Zeit naht, in der er am Waſſer zu erſchei⸗ nen pflegt. Der Aufgeforderte drückte Celeſto's Hand, eilte nach dem Hafen, ſprang in ein Boot und ſtreckte ſich darin nieder. 1 andert. Pietro! ſchenden Einfl der Anführet lberhaupt vol Maſanie dungskraft b fährten bei welchen Jeden Er bema war, aber bis lvähniſche Be⸗ iheilige Folg Nach jer vergießen ge ſeellt, un2 den Edelleut Die No Händen zu! Leidenſchafte Nicht! hielt er hein Er fan einander d Pietro und hatte. So he Gemüth J hervoruru ſtand des Cs fo Kranlheit, ſende Kre d. d wieder mit ſceft wir ihn Der Fiſchermantel. der Ate. ſen lächeln. 08. Ich ſehe och verdienen gkeit— mit chlecht ſtehen, 1 er Jehrungs⸗ Pietro hatte am Anfange des Aufſtandes einen vorherr⸗ ſchenden Einfluß auf Maſaniello's Gemüth geübt, und ſo lange der Anführer eine deutliche Vorſtellung von ſeiner Lage und überhaupt von irgend etwas hatte, blieb dieſer Einfluß unver⸗ ändert. Maſaniello war bei ſeiner, von Natur ſcharfen Beurthei⸗ lungskraft bald im Stande geweſen, die Sinnesart ſeiner Ge⸗ r zugleih V fährten bei der Regierung und die perſönlichen Abſichten, von en⸗ aber n welchen Jeder geleitet wurde, vollkommen zu ergründen. in ſei er Er bemerkte die Eiferſucht, die bei ihnen rege geworden n Haus war, aber bis zu Paolo's Mordverſuche verbannte er jede arg⸗ han nict wöhniſche Beſorgniß, daß aus dieſen ſtreitenden Intereſſen nach⸗ 34 R ⸗ theilige Folgen für ihn hervorgehen könnten.. — Nach jenem Attentat aber war er immer eifriger im Blut⸗ . vergießen geworden und hatte unzählige Nachforſcht gen ange⸗ 5 Geſtade zu ſtellt, um Mitſchuldige des Mordanſchlages, namentlich unter ihn dort auf den Edelleuten und ihrem Anhange zu ermitteln. den Gataus, Die Nothwendigkeit, viele wichtige Angelegenheiten andern ſer zu erſchi⸗ Händen zu übergeben, hatte ihn abgehalten, die Intereſſen und ceeidenſchaften ſeiner Genoſſen genau zu erfahren. lte nach den MNiicht nur von ſeiner Frau, ſondern von allen Seiten er⸗ nieder. hielt er heimliche Warnungen gegen Anſchläge auf ſein Leben. Er fand, daß es für ſeine Verbündeten die beſte Waffe war, einander des Verrathes zu beſchuldigen, wie Celeſto es gegen 1 Pietro und dieſer in derſelben Stunde gegen Jenen verſucht hatte. So hatten viele Umſtände dazu beigetragen, in Maſaniello's Gemüth Anwandlungen von Blutdurſt und tiefer Schwermuth hervorzurufen, wodurch er für Alle, die ihn ſahen, ein Gegen⸗ ſtand des Schreckens, aber auch des Mitleids wurde. Es folgten dann viele andere launenhafte Aeußerungen ſeiner Krankheit, und ſeine Verbündeten ſahen, daß ſie ſich die wir⸗ kende Kraft der von ihnen gegründeten Herrſchaft aneignen 864 könnten, während die Verantwortlichkeit auf Maſaniello allein zurückfiel. Niemand erkannte dies deutlicher, als ſein Geheimſchreiber Pietro und ſein vertrauter Rathgeber— Celeſto. Zwiſchen dieſen Beiden begann der Kampf um die Oberge⸗ walt, den aber jeder auf verſchiedene Weiſe führte. Celeſto that dies durch geduldige Berathungen mit allen Volksklaſſen, durch beharrliches Streben nach Volksgunſt und zu gleicher Zeit durch heimliches, ränkevolles Einverſtändniß mit dem Statthalter, ſeinen Räthen und den Edelleuten. Pietro hingegen bewerkſtelligte ſeinen Kampf, indem er Ma⸗ ſaniello's Abſichten grauſam ausführte und die blutdürſtigen und rachſüchtigen Gelüſte befriedigte, die durch vereitelte Hoffnungen in ihm ſelber ſich regten. Pietro hatte ſeinen gewöhnlichen Platz auf der Richterbühne. Er tödtete durch Einflüſterungen und Federſtriche, wenn Maſaniello ſelber zugegen war, befand er ſich indeß allein, ſo ſchwang er das Schwert ſeines Gebieters mit furchtbarer Grau⸗ ſamkeit.. Dennoch war das Herz dieſes unglücklichen Mannes nicht ganz verdorben, und er blieb treu in der Freundſchaft, wie be⸗ harrlich in der Feindſchaft. So wachte er ſorgfältig über Maſaniello's Leben, wenn An⸗ dere ſich gegen dieſen, ſeinen Jugendfreund, wendeten. Er wies mit Verachtung und Drohung die häufigen Be⸗ ſtechungsverſuche des Vicekönigs zurück und verfolgte mit unver⸗ ſöhnlichem Haſſe den ganzen Adel. Celeſto's Verrätherei war ihm bekannt, und es war viel⸗ leicht Niemand in der Stadt, den er lieber getödtet hätte, nur Maſaniello's blindes Erbarmen ſchützte den Alten vor ſeinem Schwerte. G In ſeinem Eifer, Celeſto verurtheilt zu ſehen, hatte Pietro Maſaniello überredet, gedrängt und gedroht und durch ſeine Zu⸗ dringlichkeit den Anführer ſo ſehr beſtürmt, daß dieſer einſt, jetzt gegen den Alten eingenommen, ihm im Angeſichte der verſammel⸗ ten Volkshaufen einen Streich verſetzte. Kaum aber war dies geſchehen, als ſogleich die Reue folgte; Maſaniello umſchlang ihn, wie gewöhnlich, wenn er bewegt war, und beleſto 3 rihen Strei Mit ſch entgegen un konnte der— wie behaupte von Arcos⸗ Der Ge gegen Menſc Am En bracht, verl Wohnung;z Währen gegnete ihm gem Geſprä Hätte Seele des volle Furch an dieſer ſe geſehen hal Er ern Blick ſeines ſetzte ſeinen Kein Wohnung die eigener Thür aufſe hinan.— Eindruck a llärlichen ihn in ſei det er ſich Es h wieder die Ab daß er di Jas 9 im die Dh berge. . 9 WJen mit allen ksgunſt und du erſtändniß mi en. indem er Mo⸗ mi ürſtigen und te dafinan öhn lichen Pl Pl a rſtriche, wenn ndeß allein, ſo hibarer Grau⸗ ſchaft, wie be⸗ ben, wenn An⸗ n. häufigen Be⸗ gte mit unver⸗ d es war viel⸗ diet hätte, nur ten vor ſeinem 1 ,, hatte Pietro durch ſeine Zu⸗ ieſer einſt, jetzt der verſammel⸗⸗ iie Reue folgte er bewegt war aſaniello allei und Celeſto verſicherte ihn mit ſanften Worten, daß er ſich durch dieſen Streich ſehr geehrt fühlte. Mit ſchnellen Schritten eilte Maſaniello ſeinem Verderben entgegen und bei der traurigen Beſchaffenheit ſeines Gemüths konnte der Tod ihm nur eine Wohlthat ſein— der Tod, der wie behauptet wird, nach ſeinem erſten Beſuch bei dem Herzog von Arcos— unzweifelhaft— war. Der Geheimſchreiber aber blieb in ſeinem grimmigen Trotze gegen Menſchen und Schickſal unverändert, unbeugſam. Am Ende eines Tages, nachdem er ſeine Blutwerke voll⸗ bracht, verließ er die Richterbühne, um nach ſeiner armſeligen Wcohnung zurückzukehren. Während er ſich auf dem Wege nach derſelben befand, be⸗ Y gegnete ihm Celeſto, welcher mit einem anderen Manne in eifri⸗ 2 gem Geſpräch begriffen war. 1 Hätte irgend etwas von dem Aberglauben Paolo's an der Mannes nich Seele des Geheimſchreibers gehaftet, hätte er jene geheimniß⸗ volle Furcht vor dem böſen Auge des Alten gehegt, ſo würde er nin dieſer ſeltſamen Begegnung eine Unheil drohende Offenbarung geſehen haben. Er erwiderte mit ſeiner gewöͤhnlichen, trotzigen Miene den „Blick ſeines Machtgenoſſen, als er dicht an ihm vorüberging und ſſetzte ſeinen Weg nach Hauſe fort. Kein lebendes Weſen theilte ſeine ſchmutzige und düſtere Wohnung mit ihm. Er trat ſo behutſam ein, daß er kaum die eigenen Schritte vernahm, lauſchte aufmerkſam, ehe er die Thür aufſchloß und ging dann etwas zaghaft die finſtere Treppe hinan.— Der böſe Blick des Alten ſchien heute nicht ganz ohne Eindruck auf ihn geblieben zu ſein, er dachte mit einem uner⸗ klärlichen Schauder daran, und heute zum erſten Male wandelte ihn in ſeiner Wohnung ein Grauen an, eine gewiſſe Angſt, von der er ſich keine Rechenſchaft zu geben vermochte. Es herrſchte Todesſchweigen um ihn— endlich ging er wieder die Treppe hinab und verließ ſein Haus. Als er die Thür verſchloß, faßte ihn plötzlich der Gedanke, daß er vielleicht gehe, um niemals wiederzukehren. Das Upfer von, Am ilſi.(Bd. III. 15 55 1 866 Nie war Pietro von irgend einer Furcht angewandelt, aber heute hatte er die Stelle des Richters Maſaniello vertreten und nicht weniger als zwei und fünfzig Köpfe— abſchlagen laſſen.— Er dachte an die Todesangſt, die er in den Geſichtern der Verurtheilten las, er ſah noch immer den böſen Blick Celeſto's, und es waren daher jene Anwandlungen von Furcht vor einer ungewiſſen Gefahr, jene Ahnungen einer ſchrecklichen Kataſtrophe vollkommen natürlich. Er verlor ſich in eine der Straßen, die nach Caſtel Nuovo führt, ſetzte ſeinen Weg unter den Kanonen der Veſte fort und wendete ſich nach dem Strande. Die Lichter, die bisher ſeinen Pfad beleuchtet hatten, ver⸗ ſchwanden, und er ging mit ſchnellen Schritten zu der uns be⸗ reits bekannten Stelle, wo die Böte angelegt waren. In einem dieſer Fahrzeuge ſah er— einen Fiſchermantel— und dieſer Umſtand beſtimmte ſeine Wahl, die ihm verderblich werden ſollte. Er löſte den Strick, der das Boot an das Geſtade band, ſtieß vom Ufer ab, und der Nachen begann auf dem ruhigen Meere zu ſchwimmen. Er war ſo ſehr in ſich ſelbſt verloren, daß er das Ruder bald in ſeiner Hand ruhen und das leichte Boot langſam fort⸗ gleiten ließ, bis es endlich wieder unbeweglich auf den Wellen blieb.— — Sie ſoll nachgeben, oder ſterben— murmelte er leiſe, ſie iſt noch immer ſo ſchön, als ich ſie zum erſten Male fand, aber ſie ſoll mein ſein, gleichviel, welche Hinderniſſe auch da⸗ zwiſchen treten, mein ſein, oder ſterben, ich will ihren Leichnam hinabſenken in dieſe dunkle Fluth—— da mag ſie ewig ruhen. Plötzlich bewegte ſich der Fiſchermantel, auf den ſeine Blicke während ſeiner Träumerei unabläſſig gerichtet waren, ward an die Seite geworfen, und vor ihm ſtand eine hochgewachſene, männliche Geſtalt. — Das Schickſal führte Dich in dieſen Nachen, nahm der Mann das Wort, bereite Dich zum Tode. Pietro erkannte in dem vor ihm Stehenden einen Menſchen, der dem Pöbel angehörte. — Ich bit wih iht, fr —Eben! der ermordet, Pietro wa daß et ſeige G Erſcheinung in doch ſogleich ſe zu begegnen. Der Kam Wellen und un dauerte lange. Pietros des, und alsb Gewandtheit den Tod brin, Wie oft, wandtere, un Gegners lang Der Na Augenblick un Aber de wollte ſeines weichend, eine Ihre leich meten ſchwer, bede erſhöyſt Da faßt Mörders kräf tes, lange ar Pietro's ſeine Stimm Bruſt ſeines Aber er Mürder die nes Gegners ſchnitt ihm d Er war blutigen Kop elt, aber betreten bſchlagen dtern der Celeſto's por einer laſtrophe 1 Nuovo fort und en, ver uns he⸗ lantel— rderblich dde band, ruhigen 5 Ruder am fort⸗ Wellen er leiſe, ale fand, auch da⸗ teichnam ruhen. e Blicke vard an achſene, hm der enſchen, 867 — Ich bin der Geheimſchreiber Maſaniello's— kennſt Du mich nicht, fragte er mit drohender Geberde. — Eben darum ſollſt Du ſterben— Ihr habt meinen Bru⸗ der ermordet, und Blut fordert— Blut. Pietro war zu lange mit Gefahren vertraut geweſen, als daß er ſeine Geiſtesgegenwart verloren hätte. Obgleich ihn die Erſcheinung im erſten Augenblick erſchreckt hatte, ſo erkannte er doch ſogleich ſeine Lage und bereitete ſich, ſeinem Angreifer kühn zu begegnen. Der Kampf, den kein Auge ſah, inmitten der ſchweigenden Wellen und unter dem ſanften Sternenlichte, war furchtbar und dauerte lange. Pietro's langes Meſſer fuhr gegen die Klinge ſeines Fein⸗ des, und alsbald rangen ſie miteinander, um durch Stärke oder Gewandtheit den Kampf zu entſcheiden, der einem von ihnen den Tod bringen mußte. Wie oft, ſo war auch hier der ſchwächere Körper der ge⸗ wandtere, und Pietro vermochte der überlegenen Stärke ſeines Gegners lange Widerſtand zu leiſten. Der Nachen ſchwankte unter ihren Füßen, drohte jeden Augenblick umzuſchlagen und beide in das Waſſer zu werfen. Aber der grimmige Kampf dauerte fort. Der Fremde wollte ſeines Feindes Kehle faſſen, während Pietro, ihm aus⸗ weichend, eine Gelegenheit ſuchte, ins Waſſer zu ſpringen. Ihre leichte Bekleidung war in Fetzen zerriſſen— ſie ath meten ſchwer, allein kein Wort wurde gewechſelt, bis endlich beide erſchöpft vom Ringen abließen. Da faßte plötzlich in einem unbewachten Augenblicke des Mörders kräftige Hand die Kehle ſeines Gegners, und ein lau⸗ tes, lange anhaltendes Gelächter erſcholl. Pietro's Geſicht wurde ſchwarz, ſeine Glieder ermatteten, ſeine Stimme gurgelte einige Augenblicke, und er ſank an die Bruſt ſeines Gegners. Aber erſt, als ſein Feind ſich nicht mehr bewegte, ließ der Mörder die Kehle los, griff in das dichte, verwirrte Haar ſei⸗ nes Gegners, ſchleppte ihn zu dem Rande des Fahrzeuges und ſchnitt ihm den Kopf ab.. Er warf den Rumpf bedächtig in's Waſſer und ließ den blutigen Kopf auf den Boden des Fahrzeugs fallen. 75* 868 — Mein Bruder iſt gerächt— und Neapel hat einen Wütherich weniger, murmelte er, wer ihm den Kopf abgeſchnit⸗ ten, mag das gute Volk errathen. Somit ſprang er in die Wellen und erreichte in kurzer Zeit ſchwimmend den Molo. Eine peinliche Lage. Celeſto war nach ſeiner Wohnung gelangt und harrte mit vor Ungeduld pochendem Herzen dem Augenblick entgegen, in welchem er von dem Mörder nach Verabredung den Ausgang über das gegen Pietro gerichtete verbrecheriſche Unternehmen erfahren ſollte. Das Geſicht des Alten hatte in dieſem Augenblick einen unheimlicheren Ausdruck als je und war wirklich geeiguet, Schrecken zu verbre iten und Grauen einzuflößen. Eine Stunde war verfloſſen, als ihm der Thürſteher einen Beſuch ankündigte. Schon hoffte der alte Verbrecher, jetzt die erwartete Freudenbotſchaft zu vernehmen, aber er ſah ſich ge⸗ täuſcht, indem er erfuhr, daß es ein Mönch ſei, der ihn zu ſprechen begehrte. Endlich ließ er den Gemeldeten eintreten dieſer ſchlug die Kapuze zurück, und Celeſto erkannte— Fra Lorenzo⸗ — Guten Abend, alter Freund, grüßte dieſer, ich bin recht erfreut, Euch noch immer ſo munter zu ſehen, daß Ihr im Stande ſeid, an der Spitze einer ſo furchtbaren Bewegung zu ſtehen. Der Alte zeigte ein grinſendes Lächeln und reichte dem eigentlich unwillkommenen Gaſte die Hand. — Kann ich Euch in einer Angelegenheit dienen, mein Bruder? fragte er. — ei Weg von de — Wex winnen, ſo! eines Miggl machen verzeiht mir — Fra drucksweiſe. — Nu uns— un fannten eti — Wo 3h und wird r — X aber faß Ergreifung — Ga Wi —O — Au rauſend Dr 8 Stadt auf — N dieſes Gel⸗ . B. licher Mie Sache iſt 8 I im Beſtte — Ih usgang te nuei lick einen geeiguet, her einen (jetzt die h ſich ge⸗ er ihn zu ſer ſchlug 0. bin recht „mein Ihr in 4 egung zu chte dem 8 8* — CEi gewiß, mein lieber Freund, ich würde ſonſt nicht den Weg von den Abruzzen nach Neapel genommen haben. — Wenn Ihr hofft, bei der Volksregierung Einfluß zu ge⸗ winnen, ſo muß ich Euch von vornherein eröffnen, daß Ihr den Weg vergebens gemacht habt, das Volk will von den Räubern nichts mehr wiſſen, Ihr werdet von dem Schickſal Paolo's und ſeiner Bande wohl gehört haben, eben ſo von Frederigo? — Ich weiß Alles und bin weit entfernt, auf die Ehre eines Mitgliedes dieſer edeln Regentengenoſſenſchaft Anſprüche zu machen— deren Chef wahnſinnig und deren zweites Werkzeug verzeiht mir, Padre, ein alter Ränkemacher iſt. — Fra Lorenzo! rief Celeſto entrüſtet, mäßigt Eure Aus⸗ drucksweiſe. — Nur immer ruhig, alter Freund, Ihr wißt, wir kennen uns— und Ihr habt keinerlei Beweggründe einem treuen Be⸗ kannten etwas übel zu deuten. — Womit kann ich dienen? unterbrach Celeſto den Räuber. — Ihr ſollt es gleich hören— die Sache iſt ſehr nfach und wird mit wenigen Worten abgemacht ſein. — Ich bin gern zu jeder Gefälligkeit bereit, ſagte Celeſto, aber faßt Euch ſo kurz als möglich. — Die Regierung hat einen Preis auf Don Herandez's Ergreifung ausgeſetzt. — Ganz recht. — Wird das Geld gezahlt? — Ohne Zweifel, verſetzte Celeſto etwas verlegen. — Aus weſſen Hand empfängt man die betreffenden vierzig⸗ tauſend Ducaten? — Sie werden ohne Weiteres von dem Schatzmeiſter der Stadt auf unſere Anweiſung gezahlt. — Nun hört, Padre, ich bin nach Neapel gekommen, um dieſes Geld zu verdienen. — Brav, mein guter Lorenzo, ſagte Celeſto mit freund⸗ licher Miene, während er ihn in ſeinem Innern verwünſchte, die Sache iſt jedoch nicht ſo einfach. — Ich halte ſie für ſo einfach, daß ich mich bereits ſicher im Beſitze des Geldes wähne. — Ihr irrt, Fra Lorenzo. 870 — Nun denn, belehrt mich über die Schwierigkeiten, und ich werde ſie überwinden. — Don Herandez iſt nirgends zu entdecken— man ſucht ihn überall vergebens. — Celeſto, oder Pater Anſelmo, wie Ihr Euch auch nennt, macht mir keine Flauſen, verſetzte der Räuber halb entſchieden, halb lächelnd. — Was meint Ihr damite fragte der Alte verlegen. — Wir werden gleich vertrauter mit einander ſprechen, ge⸗ duldet Euch nur einen Augenblick.— Mit dieſen Worten trat Lorenzo außerordentlich ruhig an die Thür, ſchob den Riegel vor und kehrte mit dem Dolche in der Hand zurück. — Wozu dieſe ſonderbaren Vorkehrungen? fragte Celeſto erbleichend. — Um CEuch augenblicklich in das Jenſeits zu ſchicken, ſo⸗ bald ich merke, daß Ihr mich hintergeht.— Ihr ſteht mit Don Herandez in Verbindung, Ihr hättet ihm ſonſt keine Empfeh⸗ lung an mich gegeben. — Der Miniſter beſuchte mich in den erſten Tagen des Aufſtandes häufiger, jetzt aber iſt jede Verbindung zwiſchen uns aufgehoben. — Das mag ſein, ich frage indeſſen nicht nach Eurer Ver⸗ bindung mit ihm, ſondern nur nach ſeiner Wohnung. — Darüber vermag ich Euch keine Auskunft zu geben. — Ihr müßt ſterben, Alter, macht Euch zur großen Reiſe fertig! ſagte der Bandit und hob den Dolch. — Fra Lorenzo, was wollt Ihr thun? ſtotterte der Alte. — Ich ſagte Euch, daß Ihr des Todes ſeid, ſobald ich Euch auf einer Lüge ertappe— dies iſt jetzt geſchehen. — Wie könnt Ihr mir eine Unwahrheit nachweiſen? fragte der Alte, der in ſeinem Innern erbebte. — Celeſto, ich ſah Euch heute gegen Abend in eine der ſchmutzigſten Gaſſen Neapels treten— es waren zwei Männer in Eurer Geſellſchaft— Ihr namentlich, blicktet Euch ſehr ver⸗ ſtohlen um. Die beiden Männer kehrten bald zurück, Ihr bliebt etwas länger, und als Ihr endlich zum Vorſchein kamt, tratet Ihr noch einmal, und zwar mit einer eigenthümlichen Eile in das Haus, bis Ihr endlich herauskamt und davongingt— einige Auge deſen Jige ihm nach, nen Blicken Der A Ausrede il — We ſei, ſo dirj — Da ganze Hau — Un ſchreiblicher — N Fra Loren Der des Alten, — Be I 5 3 Aufenthal Freunde! höhniſchen eidiger V Menſchen er ſeinen — mit erhen Motive nicht zu 8 — 6 ſeines Ve Ä Ihr woll —2 2 fiten, und man ſucht uch nennt, entſchieden, gen. rechen, ge⸗ ruhig an Dolche in bte Celeſto bickn, ſo⸗ mit Don e Empfeh⸗ Tagen des diſchen uns Lurer Ver⸗ geben. oßen Reiſe eer Alte. dich Euch en? fragte eine der i Männer ſehr ver⸗ hr bliebt nt, tratet n Eile in gingt— einige Augenblicke ſpäter erſchien ein Menſch in Fiſchertracht, in deſſen Zügen ich Don Herandez zu erkennen wähnte, ich ſtürzte ihm nach, aber er war auf eine räthſelhaft ſchnelle Weiſe mei⸗ nen Blicken entſchwunden. Der Alte ſah ſich verrathen und wußte augenblicklich keine Ausrede zu finden. — Wenn Ihr glaubt, daß dort die Wohnung des Miniſters ſei, ſo dürftet Ihr ja nur nachforſchen. — Das iſt auch längſt geſchehen, aber wir durchſuchten das ganze Haus vergebens. — Und was ſoll ich nun thun? fragte Celeſto mit unbe⸗ ſchreiblicher Unruhe. — Mir den Schlupfwinkel des Miniſters entdecken, verſetzte Fra Lorenzo gebieteriſch. — Gott, ich bin es außer Stande. Der Bandit ſetzte die Spitze ſeines Dolches an die Kehle des Alten, der ſchaudernd das kalte Eiſen fühlte. — Betet, ſagte Erſterer ruhig. — Ihr wollt mich wirklich morden? — Gebt mir Auskunft, und Ihr ſeid frei. — Ich ſchwöre Euch, Fra Lorenzo, ich weiß nichts von dem Aufenthalte des Miniſters— Ihr werdet mir, Eurem alten Freunde wohl Glauben ſchenken. — Ihr ſeid mir der rechte Freund, rief der Bandit mit höhniſchem Lachen— Ihr ſeid ein alter, ränkeſüchtiger und mein⸗ eidiger Verräther, dem nichts heilig iſt und der Gott und Menſchen betrügt, der ſelbſt den eigenen Bruder verkauft, wenn er ſeinen Vortheil dadurch ſichern kann. — Heilige Jungfrau, welche Beſchuldigung! rief der Alte mit erheuchelter Sanftmuth. — Ich kenne Euch zu genau, um nicht zu wiſſen, welche Motive Euch bewegen, mir den Schlupfwinkel des Miniſters nicht zu entdecken. — Sie ſind ſehr einfach, und beruhen nur auf Unkenntniß ſeines Verſtecks.. — Einfach ſind ſie allerdings, lächelte der Räuber, denn Ihr wollt ſelbſt den Preis gewinnen. — Was ſoll mir, dem alten Manne, der ſchon am Rande —— 872 des Grabes ſteht, das Geld, von dem ich beim beſten Willen keinen Gebrauch mehr machen kann? — Täuſcht mich nicht, Celeſto, Ihr wißt, daß Euer Regi⸗ ment in Neapel über kurz oder lang zu Ende geht, darum be⸗ dürft Ihr des Geldes, um Euch damit auf und davon zu machen, und Euch an irgend einem ſchönen Plätzchen der Erde ein⸗fried liches Aſyl zu ſuchen und behaglich leben zu können. — Ihr beurtheilt mich wahrlich falſch. Falſch oder richtig, jetzt nennt mir den Schlupfwinkel des Miniſters, oder Ihr ſteht in der nächſten Minute vor dem himmliſchen Richter, dem Ihr Rechenſchaft für Euer ſündliches Leben werdet geben müſſen. Wieder fühlte Celeſto die Spitze des Dolches an ſeiner Kehle. — Schont meiner, Fra Lorenzo, ich will geſtehen. Er bezeichnete dem Räuber genau den Ort, an welchem er ihn finden ſollte, und dieſer firirte ihn mit ſcharfen, durchdrin⸗ genden Blicken. — Bei der heiligen Jungfrau, ich ſagte die Wahrheit. — Wir wollen ſehen folgt mir. — Gerechter Himmel, wohin? — Zu dem Orte, den Ihr mir bezeichnet habt. — Aber zu welchem Zweck? — Um Euch niederſtechen zu laſſen, ſobald Ihr mich betro gen habt, Alter, ſagte der Bandit mit großer Seelenruhe. — Laßt mich eine Verkleidung anlegen— flehte Celeſto. — Das mag geſchehen, aber ſeid ſchnell. Bald hatte der Alte eine Fiſcherkleidung angethan und folgte mit mehr vor Wuth als vor Schrecken bebenden Gliedern dem Banditen. Draußen angelangt, ſah Celeſto zwei Männer, mit welchen ſich der Räuber in ein heimliches Geſpräch einließ. Nehmt den Alten in die Mitte, ſagte er endlich ſo laut, daß es Celeſto hören konnte, und bei dem geringſten Verſuche, zu entfliehen, ſtoßt ihm den Dolch durch die Bruſt. Der erſte Theil des Befehls wurde ſogleich vollzogen. Celeſto mußte zwiſchen den beiden Männern gehen und befand ſich jetzt in einer wirklich peinlichen Lage. Ohne ein Wort zu wechſeln, ging man durch viele Gaſſen und Du) 3 unnge auf entweder nie den Brechw — Mi — Und bei Dirꝰ Ein Von d durch die und vergeb Et wl würde, un vor den F chen aus Seine Schreckens ) Ein oder auch ſtehend, ein taſche aufbe ein⸗fried⸗ lupfwinkel e vor dem ſündliches an ſeiner welchem er nich betro⸗ uhe. Celeſto. und folgte edern dem tt welchen h ſo laut, Verſuche, ogen.— d befand le Gaſfen und Straßen, bis Celeſto endlich vor einem finſteren, ruinenar⸗ tigen Gebäude Halt machte. — Hier iſt der Ort, ſagte er leiſe. 1 — Gut, ſagte Fra Lorenzo, Anſelmo wird mich begleiten, und Du, Venito, bleibſt bei dem Alten und hältſt den Dolch ſo lange auf ſeine Bruſt gezückt, bis Dir ein Zeichen wird, ihn entweder niederzumachen, oder ihn zu entlaſſen— biſt Du mit den Brechwerkzeugen verſehen, Anſelmo? — Mit allem Nothwendigen. — Und welche Waffen führſt Du außer dieſem Carabiner bei Dir?. — Ein Meſſer, zwei Dolche und eine Taſchenkeule.*) Ein ſchmerzlicher Augenblick. Von den bangſten Ahnungen ergriffen, ruderte Giulio ſchnell durch die Wogen hin, unbeſtimmter Schrecken beſchlich ſein Herz und vergebens kämpfte ſeine Vernunft gegen dieſe Regung. Er wußte, daß Pietro vor keiner Grauſamkeit zurückbeben würde, und es war nur eine ſchwache Hoffnung, daß die Furcht vor den Folgen den Geheimſchreiber abhalten konnte, ein Mäd⸗ chen aus einem alten, vornehmen Geſchlecht zu beleidigen. Seine Phantaſie war ſo erregt, daß er ſich von zahlloſen Schreckensbildern umgeben wähnte. Bald glaubte er den bren⸗ 2) Ein Mordwerkzeug, welches aus einer ſchweren eiſernen Kugel, oder auch nur aus einem ſpitzen an einem Schaft befeſtigten Steine be⸗ ſtehend, eine Art Hammer bildet, und ſeiner Winzigkeit wegen in jeder Rock⸗ taſche aufbewahrt werden kann, daher der Name Taſchenkeule. * 874 die I nenden Carlos wieder vor ſich zu ſehen, bald ſah er kleine ic) al die ſich, „Nachen nahen, die zu ſeiner Verfolgung ausgeſandt waren. eachten Unwillkürlich blickte er auf ſein Schwert, welches er auf den u beider Boden des Fahrzeuges niedergelegt hatte und— war wieder üie ruhig. e Er ſtrengte alle Kräfte an und fuhr mit einer Schnelligkeit den an durch die Wogen, welche die der Schreckgeſtalten, von denen er Win ſich verfolgt glaubte, zu überflügeln ſchien. trineie Die zahlreichen Lichter, die in allen Stadttheilen leuchteten, wurden jeden Augenblick undeutlicher— das Summen der Maſ⸗ auch d d ſen immer unvernehmlicher, und endlich erblickte Giulio die ein⸗ Sie b ſame Hütte, welche ihm von ſeinem Vater bezeichnet war und und Haß ſteuerte darauf zu. hinein. Die Fenſter waren von einem ſchwachen Lichtſchein erhellt; 5 das Boot ſtieß an die Mauer des Hauſes, und er ſprang auf lauter Ei die Stufe, die zur Treppe führte. 4 Seine Sinne waren erregt, und die tiefe Stille, welche—8 ringsum herrſchte, erfüllte ihn mit einem Todesſchauer. forſchen. Es war nicht die Ahnung eines gewiſſen Verderbens, wel⸗ 8 ches Giulio ſo zaghaft machte, vielmehr nur die Ungewißheit anderes W über das eigentliche Schickſal Blanka's, welche er ſo unſäglich hat ſehr liebte. 55 Ein Jeder von uns hat gewiß einmal, wenn er an der—* Grenze irgend einer Entſcheidung ſtand, Aehnliches empfunden. ſoll dieſer Nun denke man ſich die Nacht, welche den einſamen Wan⸗— E. derer umgab, die Schläge, die er ſchon ertragen und die ſeiner nicht liebe noch harrten, ſein Aufenthalt in einer Stadt, in der ein Preis— T auf ſeine Ergreifung ausgeſetzt war, kurz man erwäge ſeine— ganze Lage und man wird dieſe Zaghaftigkeit unſeres Helden deshalb gerechtfertigt finden. mit keine Die unteren Gemächer der Hütte waren verödet, und Giulio göttiſch, ſtieg die Treppe hinan. Dieſ Tiefes Schweigen herrſchte— keinen Laut vernahm er, und einigerma kein lebendes Weſen ſchien hier zu athmen.— Kaum aber hatte er die Thür entdeckt und geöffnet, als ſich ich kann ihm ein erſchütternder Anblick bot. nennt, ſo Blanka lag regungslos und leichenblaß auf einem elenden, ſchrecklich armſeligen Lager. Ihre Augen waren geſchloſſen, während ihre auch in! aufgelöſten Haare um ihren Hals hingen. die Frau 1 war und in erhellt ſprang auf le, welche bens, wel⸗ ngewißheit dunſäglich er an der pfunden. nen Wan⸗ die ſeiner ein Preis oäge ſeine es Helden nd Giulio er, und „als ſich elenden, rend ihre die Frau mit durchdringenden Blicken betrachtete. 875 Die Mutter Pietro's, die neben ihr geſeſſen hatte, erhob ſich, als die Thür ſich öffnete, beugte ſich, ohne den Eintretenden zu beachten, über die Schlummernde, um zu ſehen, ob das Ge⸗ räuſch der nahenden Schritte eine Veränderung in ihren Zügen hervorgebracht hatte und legte dann den Finger auf den Mund, den Fremden verſtehen zu laſſen, daß er ſchweige. Ginlio betrachtete das bleiche Mädchen, ſeine Augen waren thränenleer, allein er weinte— mit dem Herzen. — Wie er dem Vater gleicht, dachte die Frau, ganz ſo ſtand auch er einſt vor mir, nur nicht ſo traurig wie dieſer. Sie blickte mit einem ſeltſamen Gemiſch von Theilnahme und Haß auf den jungen Mann und murmelte etwas in ſich hinein. — Sie ſind der Prinz Caraffa? redete ſie ihn mit halb⸗ lauter Stimme an. — Ich bin es. — Sie führt der Wunſch her, nach Ihrer Schweſter zu forſchen. b — Sehr richtig, Frau, Ihr errathet ſogleich, daß mich kein anderes Verlangen in Eure Hütte treibt, aber meine Schweſter hat ſehr gelitten, was iſt mit ihr vorgegangen? — Sie hat Liebesgram— gnädigſter Herr. — Liebesgram, Frau? wiederholte Giulio entwürdigt, was ſoll dieſer Ausdruck ſagen? — Er iſt leicht verſtändlich, ſte liebt einen Mann, den Sie nicht lieben.— — Wer iſt der Mann? unterbrach Giulio die Frau. — Mein Sohn, gnädigſter Herr, aber zürnen Sie ihm deshalb nicht, er hat die junge Dame mit keinem Blick beläſtigt, mit keinem Worte beleidigt, ich verſichere Sie, er liebt ſie ab⸗ göttiſch, ach alle Beide ſind wahrlich zu beklagen. Dieſe Worte, überzeugend geſprochen, beruhigten Giulio einigermaßen. 3 — Aber meine Schweſter iſt leidend, angegriffen, ſagte er, ich kann mir nicht denken, daß nur Liebesgram, wie Ihr es nennt, ſolche Veränderung hervorbringen kann, es müſſen andere, ſchrecklichere Einwirkungen ſtattgefunden haben, ſetzte er, wenn auch in leiſem, aber doch entſchiednerem Tone hinzu, indem er 876 — Es widerfuhr ihr nichts— ſagte die Alte kurz. — Wie lange weilt meine Schweſter in dieſem Hauſe. — Es ſind bald vierzehn Tage darüber verſtoſſen. — Und Euer Sohn brachte ſie hierher? — Ja, gnädiger Herr, er entriß ſie den Händen des Pö⸗ bels, der den brennenden Palaſt Ihres Vaters umſtand und hat ſie auf dieſe Weiſe gerettet. Giulio's edles Herz empfand faſt Mitleid mit dem Geheim⸗ ſchreiber, als er ſah, daß er nur aus wahrhaft aufopfernder Liebe gehandelt hatte. — Erwartet Ihr Euern Sohn? fragte er mit ſanfterer Stimme. — Ja, gnädiger Herr, er wird bald eintreffen. — Giulio näherte ſich dem Bette, auf welchem Blanka lag, legte ſeine Hand auf ihr Herz, deſſen Schlag unregelmäßig und ſchwach war. Er legte ſein Haupt auf das Kiſſen, auf welchem ſie ruhte und vermochte ſich kaum der Thränen zu enthalten. Die Frau beobachtete ihn unausgeſetzt, ſtörte ihn indeſſen nicht im Geringſten, ſie ſelbſt ſchien von Kummer gebeugt und ihre Seele war ſtarr gleich der der bleichen Schläferin, an deren Lager ſie weilte. Giulio blieb wachend bei ſeiner Schweſter, aber ſchon waren Stunden verfloſſen, und die Schlummernde hatte noch nicht die Augen geöffnet. Giulio beugte ſich über Blanka und flüſterte endlich ihren Namen. Der Ton dieſer Stimme, wie leiſe er auch war, ſchien nicht ohne Wirkung zu bleiben; allein Blanka regte ſich noch nicht, es hatte den Anſchein, als kämpfe ſie gegen eine Erſtarrung, zu deren Beſiegung es ihr an Kräften gebrach. Die ſchwache Röthe, welche bereits über ihre Wangen flog, war wieder verſchwunden und nicht ohne Beſorgniß blickte Giulio auf ihren Zuſtand. Sein Herz hatte freudig geſchlagen, als ihre Beſinnung zurückzukehren ſchien, und war wieder traurig geworden, da er ſich getäuſcht ſah. Nichtsdeſtoweniger wollte er ſeine Bemühung, ſie zu er⸗ weten, forti Endlich Blan Dieſes? ben und I rieſelte durch Sie ſa Verwirrung gen liefen un Arro hier?— — Thel ſehr beſorgt — Unſ er fümpfte Giulio. —& im Herzen. w Leonor iſt wieder Nuovo. — Jh verſetzte Blo Jett de bleichte, der auf ihre S Einige dann wiede — Ei Eine, unglückliche ſollte? Konnt warteten, liche Beför Kloſter ein⸗ Ne Le des Pö⸗ und hat Geheim⸗ fopfernder ſa n fterer anka lag, äßig und ſte ruhte andeſſen beugt und an deren on waren nicht die lich ihren dien nicht och nicht, rrung, zu gen flog, te Giulio eſinnung I, da er 2 zu er⸗ Kloſter einſtehen— und es war daher beſſer, ſie in der elenden Endlich ſchlug ſie die Augen auf. — Blanka, redete ſie Giulio leiſe an. S Dieſes Wort genügte, um einen furchtbaren Kampf zwiſchen Leben und Tod zu entſcheiden. Das Blut ſtrömte in ihre Wangen, und neue Lebenswärme rieſelte durch ihre Glieder. Sie ſah auf Giulio, es lag etwas in ihrem Antlitz von Verwirrung und Zweifel, als endlich Thränen über ihre Wan⸗ gen liefen und ihre Lippen ſich bewegten. — Irre ich nicht, biſt Du es, Giulio? flüſterte ſie, Du hier?— — Theure Schweſter, ich bin zu Dir gekommeu, wir waren ſehr beſorgt um Dich. — Unſer Vater, ach ich habe ihn ſo lange nicht geſehen— er kämpfte gegen den Pöbel, haben ſie ihn nicht getödtet? ſprich, Giulio. — Er iſt gerettet, verſetzte der Angeredete mit tiefem Weh im Herzen. — Und die Mutter? die Prinzeß? Leonore war großen Gefahren preisgegeben, aber auch ſie iſt wieder gerettet und befindet ſich bei ihrem Vater im Caſtel Nuovo. — Ihr habt Euch gegrämt, und ach, Ihr wißt nicht Alles, verſetzte Blanka.— Jetzt dachte ſie an die letzten Ereigniſſe, und ihre Wange er⸗ bleichte, denn dieſe Erinnerung warf einen finſteren Schatten auf ihre Seele. Einige Minuten blickte ſie ſtarr auf ihren Bruder und ſank dann wieder in den vorigen Zuſtand zurück. — Ein ſchmerzlicher Augenblick, ſeufzte Giulio. Eine geraume Zeit war er mit ſich unſchlüſſig, ob er das unglückliche Mädchen mit ſich nehmen oder hier zurücklaſſen ſollte? Konnte er aber wiſſen, welche Ereigniſſe ihn unterwegs er⸗ warteten, ſelber verfolgt, konnte er vorläufig nicht für die glück⸗ liche Beförderung ſeiner Schweſter zu ihrem Vater nach dem wecken, forciren, ihr Erwachen vielmehr der Natur überlaſſen. 878 Hütte, wo ſie ſich wenigſtens in Sicherheit befand, zurückzu⸗ laſſen, als ſie irgend welchen neuen Gefahren auszuſetzen. Selbſt aber, wenn er Allem getrotzt haben würde, ſo war ſeine Schweſter jetzt unfähig, fortgeſchafft zu werden, und es blieb weiter nichts übrig, als ſie dem Schutze der Bewohnerin anzuempfehlen. Dies that er, richtete dann einen langen, wehmuthvollen Blick auf Blanka, küßte ihre bleiche Wange und ſtürzte hinaus, um ſchleunig nach Neapel zurückzukehren und ſeinen Vater über die Lage Blanka's zu beruhigen. Tod dem Verräther. Nacht war noch über Meer und Land gebreitet, als Giulio hinaustrat; raſch ſprang er in das Fahrzeug und ſetzte mit außerordentlicher Schnelligkeit das Boot in Bewegung. Er hatte ſchon eine Strecke zurückgelegt, als plötzlich ein anderes Fahrzeug au ſeiner Seite war, und ehe er noch Zeit hatte aufzublicken, ſtand ein Mann in ſeinem Nachen. — Ha, was iſt das? rief Giulio aufſpringend und nach ſeinem Degen greifend. — Kennen Sie mich nicht mehr, mein Prinz? redete ihn der Fremde an. — Du Elender? rief Giulio, der ſogleich trotz der Dunkel⸗ heik den ehemaligen Galeerenſkaven erkannte. — Ich bin es, mein Prinz, Sie erinnern ſich wohl mei⸗ ner noch. —. Mit Abſcheu, Nichtswürdiger— doch was willſt Du von mir? verlaſſe dieſes Fahrzeug, oder ich ſchleudere Dich in die Wellen, bei Gott, Bube, Du haſt eine ſchlechte Stunde zu dieſem Rencontre gewählt. 3 Der Gale — Sie fi Nelgier ſſt i ich will ſie be — Zur unter den ů — Der! Peinz, aberd Bitte richten derſelben. — Pas in dieſem Aue — Wenn verhelfen, me und brauche — Wie — Inden verdienen zu thun Sie es einem Lump alle Umſtän vorbereite; für würdigen — Schl aß ich den nen Honigwe — Dan — Ceen Knaben, da müßteſt mich keine Zeit u Währel ſilave die R ſchleudert. — Wo Ve — Dal und mit Bl des Galeere dürückzu⸗ ben e, ſo war 1, und es ewohnerin nuthvollen te hinaus, 4„ gater über als Giulio ſetzte mit lötzlich ein noch Zeit und nach redete ihn r Dunkel⸗ wohl mei⸗ villſt Du 1 Dich in Stunde zu V 879 Der Galeerenſklave ließ ein gräßliches Lachen hören. — Sie fragen, was ich will, mein Prinz, ſagte er, die Neugier iſt in einer Situation wie die Ihre, verzeihlich, und ich will ſie befriedigen. — Zur Sache, zur Sache, Menſch, mir brennt der Boden unter den Füßen, ich habe Eile. — Der Boden unter Ihren Füßen iſt ſehr ſchwankend, mein Prinz, aber das gehört nicht zur Sache— ich will an Sie eine Bitte richten und hoffe von Ihrer Großmuth auf Gewährung derſelben. — Was kannſt Du von mir verlangen— Gold beſitze ich in dieſem Augenblick nicht. — Wenn Sie es auch nicht haben, ſo können Sie mir dazu verhelfen, mein Prinz— ich bin ſehr arm, blutarm in der That und brauche Geld. — Wie kann ich Dir helfen? — Indem Sie ſo gütig ſind, mich die zweitauſend Ducaten verdienen zu laſſen, welche man auf Ihren Kopf geſetzt hat; thun Sie es, gnädigſter Prinz, ehe es einem Anderen, vielleicht einem Lumpen gelingt, das Geld zu verdienen, der Sie ohne alle Umſtände todtſchlägt— während ich Sie auf Ihre Lage vorbereite; als alter Bekannter dürften Sie mich auf alle Fälle für würdiger halten, den Preis zu verdienen. — Schlange, Du biſt wahrlich naiv, ich aber ſage Dir, daß ich den Meuchelmörder nicht ſo verachte, als Dich mit Dei⸗ nen Honigworten.— — Dann ſehe ich mich gezwungen, Strenge anzuwenden. — Elender Wicht, hältſt Du mich für einen unmündigen Knaben, daß ich mich Dir ſo leicht ergebe— ich dächte, Du müßteſt mich noch kennen, entferne Dich alſo, oder Du wirſt keine Zeit übrig haben, Deinen Beſuch zu bereuen. Während Giulio dieſe Worte ſprach, hatte der Galeeren⸗ ſklave die Ruder ergriffen und ſie weit in das Meer hinaus ge⸗ ſchleudert. — Wozu das, Schurke? rief Giulio entrüſtet. — Weil Sie der Ruder nicht mehr bedürfen werden. — Dann bedarfſt Du auch der Deinen nicht! rief Giulio, und mit Blitzesſchnelle ſchleuderte er die Ruder aus dem Boote des Galeerenſklaven den vorangeflogenen nach. 880 — Welche Frechheit? rief der Galeerenſklave. — Entferne Dich von meinem Bote! rief Giulio, Menſch, bringe mich nicht zur Verzweiflung. — Ich verlaſſe dieſen Nachen nicht eher, als bis ich Ihren Kopf habe, ſagte der Galeerenſträfling und zu gleicher Zeit fun⸗ kelte ein Dolch in ſeiner Hand, den er mit äußerſter Gewandt⸗ heit auf Giulio's Herz richtete. Aber Giulio war nicht der Mann, den man ſo leicht über⸗ winden konnte, raſch hatte er ſich durch einen Sprung in das andere Boot gerettet und nahm, den Degen in der Hand, eine vertheidigende Stellung an. Aber ſchnell wie ein Pfeil ſprang der Galeerenſträfling ihm nach. — Sie müſſen ſterben, mein Prinz, rief er— Ihre Uhr iſt abgelaufen— vorwärts denn. Mit der einen Hand griff er nach der Kehle Giulio's, wäh⸗ rend die andere den Dolch auf ſeine Bruſt zuckte. Ein wüthender Kampf begann, Giulio hatte ſich von dem ſchrecklichen Menſchen befreit und ihn zur Seite geſchleudert. Er dachte an ſeinen Vater, dem er ſchleunige Rückkehr ver⸗ ſprochen hatte und der ſeiner mit angſtvoller Spannung harren würde. Der Galeerenſclave drang noch einmal auf ihn ein, und Giulio, halb von Verzweiflung, halb von Wuth getrieben, ſtieß ſeinen Degen in die Bruſt des Anſtürmenden, der ſtöhnend auf den Boden des Nachens ſank. — Elender Mörder! ſagte er, Du haſt mein Blut ver⸗ goſſen. — Weil Du das Meine wollteſt, Scheuſal— ich mordete nicht, ich gebrauchte Nothwehr. — Heilige Jungfrau, ſei meiner Seele gnädig— ächzte der Galeerenſlave. Dieſe waren ſeine letzten Worte— ein convulſiviſches Zucken der Glieder zeigte ſich, ein kurzes Röcheln erfolgte— dann wurde er ſtill und ſtumm auf ewig. Einige Minuten lang ſchaute Giulio auf den Leichnam. — Himmel, ſagte er, Du biſt mein Zeuge, ich konnte nicht anders handeln. Dann ſprang er in ſeinen Nachen zurück, um ſich dem Ge⸗ iade umnhe gegen, an de CEr hatte chleudert ha⸗ — was ſollt Es blie dem Geſtade nach kurzer Strande ent Mit rü er nicht meh herrſhenden Nachen erbl In den hinein und ohne Fährn Mit die nicht me tet hatte. Währe Fahrzeugen Fiſchern be laßt hatte, Die F pen, die fa licht.— Sie ri deret, als Giulio ſog Ohne wieder for Er ſa nicht weit der erſte d u verberg die zur A Giuli kutte abge in den er Das 9 881 ſtade zu nähern. Aber jetzt ſtellte ſich ihm ein Hinderniß ent⸗ gegen, an das er im Augenblick nicht gedacht hatte. Er hatte nämlich vergeſſen, daß er die Ruder von ſich ge⸗ ſchleudert hatte.— Er befand ſich in ſchrecklicher Verlegenheit — was ſollte er thun? Es blieb ihm nur übrig, in die Fluth zu ſpringen und nach dem Geſtade zu ſchwimmen. Dieſen Weg wählte er denn auch lecht ibe nach kurzer Ueberlegung und bald trugen ihn die Wellen dem er⸗ Strande entgegen. Mit rüſtigem Arm durchſchnitt er die Fluth und ſchon war er nicht mehr weit vom Lande entfernt, als ſein Auge, trotz der renſrifln herrſchenden Dunkelheit, ganz in der Nähe einen herrenloſen afung Nachen erblickte. 1 In den nächſten Minuten hatte er dieſen erreicht, ſprang hinein und ergriff, ohne lange zu erwägen, warum das Boot ohne Fährmann war, das Ruder. Mit Schnelligkeit lenkte er den Nachen über die Wogen, die nicht mehr ſo verödet waren, als er es vielleicht erwar⸗ ſt von dem tet hatte. Gewandt lung in das (Hand, eine Phre Uhr iſt tlio's, wäh⸗ leudert Während er ſich dem Ufer näherte, begegnete er mehreren ückehr ver⸗ b Fahrzeugen, die in den Meerbuſen hinausſteuerten und mit rung harren Fiſchern beſetzt waren, welche die Nothwendigkeit endlich veran⸗ laßt hatte, ihrem friedlichen Gewerbe wieder nachzugehen. m ein, und Die Fackeln warfen ihren röthlichen Schein auf dieſe Grup⸗ cieben, ſtieß pen, die faſt ſo hell hervortraten, als beleuchtete ſie das Tages⸗ oͤhnend auf licht.— Sie riefen dem kleineren Fahrzeuge mit dem einſamen Ru⸗ Blut ver⸗ derer, als ſie vorüberflogen, den gewöhnlichen Gruß zu, den Giulio ſogar mit einer gewiſſen Freudigkeit erwiderte. ich mordet Ohne zu zögern ſetzte er ſeine Fahrt nach dem Hafendamm wwieder fort. ächzte der Er ſah am Landungsplatze eine Geſtalt in Fiſchertracht und nicht weit von dieſer eine andere, welche ſorgfältig verhüllt war, 5 vulſtviſches der erſte dieſer Beobachter hatte offenbar nicht die Abſicht, ſich erfolgte— zu verbergen und gehörte vermuthlich zu einem der Achtenüic ddie zur Abfahrt bereit am Ufer lagen. chnaum⁶£..wZ Giulio hatte, durch die Näſſe kalt geworden, die Mönchs⸗ onnte nicht kutte abgelegt, weil er einen Fiſchermantel im Nachen gewahrte, in den er ſich ſogleich hüllte, ebenſo die dicke wollene Mütze, h dem Ge⸗ Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 16., 56 882 welche gleichfalls dalag, tief über das Geſicht herabgezogen, daß er für einen vollendeten Fiſcher gelten konnte. Der am Strande Stehende erwartete die Landung des Nachens, und als dieſer an das Ufer ſtieß, bemerkte er einen blu⸗ tigen Kopf, welcher hinter dem Ruderer lag. — Weſſen Kopf haſt Du da, Freund? fragte er gleich⸗ giltig. Giulio wurde von einem heftigen Schrecken ergriffen, er blickte ſich um, und ein eiſiger Schauder durchrieſelte ihn, als er den bezeichneten Gegenſtand, den er ſowohl in der Angſt und Eile, als auch der vorherrſchenden Dunkelheit wegen, die erſt durch den Fackelſchein am Lande unterbrochen wurde, nicht ge⸗ wahrt hatte. Giulio blieb keine Zeit zur Ueberlegung übrig, er ver⸗ wünſchte allerdings das Verhängniß, welches ihn in dieſes Fahrzeug geführt hatte, allein es war unabänderlich; nur Geiſtes⸗ gegenwart vermochte ihn noch zu retten, und ſo entſchloß er ſich denn, vorläufig die erniedrigende und entwürdigende Rolle eines Mörders zu übernehmen. — Ich habe den Kopf eines Verräthers, antworte er mit ſcheinbarer Gleichgiltigkeit, aber mit tödtlicher Pein in ſeinem Innern. Wir werden dieſe Machination Giulio's ſicher nicht als Feigheit ausdeuten, wir haben genug Beweiſe ſeines Muthes, ja ſeiner Todesverachtung. Aber mußte er ſein Leben nicht behalten— gehörte es nicht dem Vaterlande? hatte er jetzt nicht noch die heilige Aufgabe, ſich zur Stütze ſeines unglücklichen Vaters wie ſeiner verlaſſenen Schweſter zu erhalten? was ſollte wohl aus Beiden werden ohne ihn?— Dieſe Rückſichten allein drangen ihm unerbittlich die Noth⸗ wendigkeit ſolcher Entwürdigung anf. Hätte er ſelbſt geſagt, daß er nichts von dieſem Kopfe, von ſeinem Vorhandenſein auf dem Boote wiſſe, wer würde ihm eine ſo wirklich unwahrſcheinliche Angabe geglaubt haben. Die zweite Geſtalt am Strande hatte aufmerkſam auf die Frage und Antwort gelauſcht und ſich dann in die Dunkelheit verloren. Giulio wollte jetzt an das Land ſpringen. i d a Dinen K gelungen 1 uß er eine ſeine Beute Giulio, ſich in eine Es wär nen Manne Hand nach borgen hatten eines Menſc — Ich eines jeden geltlich zu — Da nur ein reic ſchlagen kan ſitzen.— — Ich Armuth. — Da trage ihn! dann muß Voll A den blutigen einen laute Der Giulio ſor reits gewij men ihren mine, wo dewegten. Als ſi pfählung Köpfe viel dung des einen blu⸗ er gleich⸗ riffen, er ihn, als Angſt und die erſt nicht ge⸗ et ver⸗ in dieſes ir Geiſtes⸗ oß er ſich olle eines te er mit in ſeinem nicht als Muthes, ees nicht Aufgabe, erlaſſenen werden die Noth ſagt, daß* auf dem ceinliche auf die unkelheit — Ei Freund, redete ihn die erſte Geſtalt an. Du läßt ja Deinen Kopf zurück, ein jeder brave Neapolitaner, dem es gelungen iſt, den Kopf eines Flüchtlings abzuſchneiden, weiß, daß er eine Belohnung empfängt und kennt den Ort, wohin er ſeine Beute zu ſchaffen hat. Giulio, der ſich ſchon außer aller Verlegenheit wähnte, ſah ſich in eine neue, noch gräßlichere Lage geſtürzt. Es wäre ihm ein Leichtes geweſen, ſich von dieſem einzel⸗ nen Manne zu befreien und ſchon faßte die krampfhaft zitternde Hand nach dem Schwerte, welches er unter dem Mantel ver⸗ borgen hatte, aber er ſchauderte vor der abermaligen Tödtung. eines Menſchen zurück. — Ich mag den Lohn nicht haben, ſagte er, es iſt Pflicht eines jeden Neapolitaners, dieſen Dienſt dem Vaterlande unent⸗ geltlich zu leiſten.. — Das iſt wahr, Freund, aber die Noth iſt ſo groß, daß nur ein reicher Mann eine Belohnung von fünf Ducaten aus⸗ ſchlagen kann und Du ſcheinſt mir gerade nicht allzuviel zu be⸗ ſitzen.— — Ich bin arm wie Du. — Und doch zögerſt Du, dieſe Beute mit Dir zu nehmen? — Ich ſagte Dir bereits, ich verzichte— trotz meiner Armuth. — Das iſt verdächtig, Freund, packe Deinen Kopf ein und trage ihn nach dem Platze del Carmine; thuſt Du dies nicht, dann muß ich Dich ſelber für einen Verräther halten. Voll Abſcheu und Verzweiflung ſah Giulio ſich gezwungen, den blutigen Kopf in ſeinen Mantel zu wickeln, und indem er einen lauten Schrei des Entſetzens ausſtieß, ſtieg er an's Land. Der Fiſcher, dem dieſer Ruf nicht entgangen war, hatte Giulio ſorgfältig beobachtet, ſchöpfte Verdacht und begann be⸗ reits gewiſſe Schlüſſe zu ziehen. — Ich werde Dir folgen, Freund, ſagte er und Beide nah⸗ men ihren Weg gerade nach dem Platze vor der Kirche del Car⸗ mine, wo ſich noch einige Müßiggänger bei hellem Fackelſchein bewegten. Als ſich Giulio mit ſeinem ſchrecklichen Begleiter der Ver⸗ pfählung der Richterbühne genaht hatte, die noch immer die Köpfe vieler Opfer trug, blieb Letzterer plötzlich ſtehen. — 56· d — —— — — — 884 — Siehe Freund, ſagte er, hier ſind zwei Bekanntmachun⸗ gen, welche die Preisausſetzungen für die Ergreifung des Don Herandez und des Prinzen Caraffa enthalten— Du hätteſt ein gutes Geſchäft gemacht, wärſt Du namentlich im Beſitze des erſten Kopfes. Währenddeſſen waren die Uebrigen mit ihren helllodernden Fackeln herbeigekommen. — Unſer Freund hat hier einen Kopf, ſagte der Fiſcher zu dem Geſindel, den er auf einen der Pfähle ſtecken will; hervor mit dem Siegeszeichen. Schaudernd, am ganzen Körper bebend, zog Giulio den Kopf hervor. Die eben erwähnte Bekanntmachung war an einem in die Erde geſteckten Speer befeſtigt, auf deſſen Spitze Giulio die ihm aufgezwungene Beute ſteckte. Ein ſo ungewöhnliches Schauſpiel hatte die Neugier aller Anweſenden gereizt, man hatte Giulio unter rohen Scherzen Beifall zugejauchzt. Als man aber den Kopf näher mit der Fackel betrachtete und die Züge deſſelben erkannte, erhob ſich ein lautes Geſchrei. — Ergreift ihn, Tod dem Verräther! riefen viele Stimmen. — Er hat den Geheimſchreiber Pietro ermordet, fielen An⸗ dere ein— Tod dem Verräther. Nach dem Richtplatze. An demſelben Abend, nur wenige Stunden zuvor, alſo bald nachdem ſich Celeſto von ihm entfernt hatte, erhielt Don Heran⸗ dez von dem Herzog von Arcos folgenden Brief: Mein lieber Don Herandez! Es ſchmerzt mich aufrichtig, daß Sie heute nicht bei dem Beſuche des Fiſchers und ſeiner Frau zugegen ſein konn für mu ben err chel und beſ vor kön iſt. Mit fr Brief auf Nuovo mac — Ic verſicht me niellos iſt. Plötzli erledigen b legenheiten legenheiten zu ſchreibe! Madrid be Er ſetz fortzufahren Es we lich beendie Jetzt Haus zu men, wie Don zwei Weſ Diener, d einem ent Die; zut Ruhe ſetzt noch Nach lio die ihm kugier aller —t Scherzen detrachtete Geſchrei. eStimmen. fielen An⸗ alſo bald on Heran⸗ enicht bei gegen ſein konnten, allein ich mußte mein Verſprechen geben, Sie für dieſes Mal zu ercludiren, und Sie wiſſen, man muß den Launen dieſes wahnſinnigen Narren nachge⸗ ben, um das vorgeſteckte Ziel ſobald als möglich zu erreichen.— Es hat übrigens, beiläufig geſagt, man⸗ chen drolligen Spaß gegeben. Jetzt bin ich ungeſtört, und es wäre mir erwünſcht, wenn Sie mich ſogleich beſuchten, damit wir bei einigen Flaſchen über Ihre be⸗ vorſtehende Vermählung mit meiner Tochter ſprechen können, deren glückliche Rückkehr Ihnen bereits gemeldet iſt.— Es erwartet Sie Der Herzog von Arcos. Mit freudigem, hochklopfendem Herzen legte Herandez den Brief auf den Tiſch und wollte ſich auf den Weg nach Caſtel Nuovo machen. — Ich begebe mich um ſo lieber zu ihm, da ich mit Zu⸗- verſicht melden kann, daß morgen ſchon der Todestag Maſa⸗ niello's iſt. Plötzlich fiel es ihm ein, daß er noch mehre Geſchäfte zu erledigen hätte, aber das Geſpräch über die Vermählungsange⸗ legenheiten ſeiner Braut ſtand ihm höher als alle Staatsange⸗ legenheiten, und ſo beſchloß er denn, nur einen wichtigen Brief zu ſchreiben, der morgen unwiderruflich in aller Frühe nach Madrid befördert werden mußte. G Er ſetzte ſich, um mit der bereits begonnenen Arbeit wieder fortzufahren. Es war wohl über eine Stunde verfloſſen, als er ſie end⸗ lich beendigt hatte. Jetzt hüllte er ſich in ſeinen groben Fiſchermantel, um das Haus zu verlaſſen; plötzlich aber ließ ſich ein Geräuſch verneh⸗ men, wie wenn ſchleichende Tritte nahten. Don Herandez erſchrak— es waren außer ihm nur noch zwei Weſen unter dieſem Dache— eines derſelben war der Diener, doch dieſer war ſchon zur Ruhe gegangen und ſchlief in einem entlegenen Gemach. Die zweite in dieſem Hauſe lebende Seele hatte ſich ebenfalls zur Ruhe begeben, das wußte er ſicher, wer konnte ihn alſo jetzt noch ſtören? Nach wenigen Augenblicken ſollte ihm Aufſchluß werden. 886 Von Schrecken erfüllt ſtand er in einer Ecke des Gemachs, als ſich die Thür öffnete und zwei Männer eintraten. Der eine war wie ein Mönch gekleidet, der andere ging in der Tracht eines calabreſiſchen Bauern, die Geſichter Beider wa⸗ ren verhüllt. Der Mönch ſchlug die Kapuze zurück und Herandez erkannte — Fra Lorenzo. Noch wußte er nicht, was er von dieſem Be⸗ ſuche zu erwarten hatte, aber jedenfalls athmete er leichter, denn er war dem Räuber von Celeſto empfohlen und rechnete dieſes Umſtandes wegen nicht auf ſeine Feindſchaft. Er ging ihm äußerſt freundlich entgegen und reichte ihm die Hand, welche der Räuber auch annahm und ſogar warm drückte. Dieſes Zeichen von Freundſchaft verdrängte die letzte Spur von Furcht, es war ihm nur noch unbegreiflich, auf welche Weiſe der Räuber ſeinen Aufenthalt entdeckt hatte. — Ich freue mich, Euch in meinem Hauſe willkommen zu heißen, Padre, nahm er das Wort und bin in der That begie⸗ rig zu erfahren, was Euch zu mir führt, wer aber, dies möchte ich vor Allem wiſſen, hat Euch dieſen Ort als den meines Aufenthaltes bezeichnet? — Sage demjenigen, der dies that, Anſelmo, nahm der Räuber, ohne auf Herandez's Rede zu achten, das Wort, daß man ihn entlaſſe, die Uebrigen aber uns auf der Straße erwar⸗ ten mögen; Du ſelbſt kehre ſogleich zurück. Die Aeußerung des Mönchs ſchien Don Herandez's Be⸗ ſorgniſſe wieder wach zu rufen. — Was bedeutet das Alles, Padre?— fragte er etwas zögernd. — Sie werden es erfahren, Erxcellenz, nur Geduld. — Ich hoffe, Ihr kommt in freundſchaftlicher Abſicht. — In der freundllichſten und redlichſten, verſetzte der Mönch mit ganz beſonderem Nachdruck. — Und wer ſagte Euch, wo man mich finden könnte? fragte Herandez beruhigt. — Einer Ihrer Freunde, Excellenz,— ſagte der Räuber lächelnd. — Es kann nur der Mann ſein, der mir die Empfehlung an Euch gab.. — Nebendie — Und — Ihre Herande war aus der — Was mühſam etr. — Bede wohl einfach der Gerechti — Ger Napel Rich bedürfte? — Dh nit — Pat licher, Cuch blutdürſtiger — Ve ten nicht n laßt mich, lichen Wür Se — Exc ſcheut, deſſen nicht entblö — Hal — Cre welche Sie Heimtücke N faum noch — Un Sie mir fannte mei 1 erkannte leſem Ve⸗ ſnete dieſes leichte ihm Par warm bat begie⸗ es mochte i meines nahm der Vort, daß he erwar⸗ dess Be⸗ et etwas ht. er Mönch könnte? Räuber 1— Ich will es nicht leugnen, aber halten wir uns nicht 1 mit Nebendingen auf, kommen wir zur Hauptſache.— — Und dieſe wäre? — Ihre Auslieferung, Ercellenz. Herandez's Antlitz ſchien zu Marmor geworden, alles Blut war aus demſelben gewichen— er war unfähig zu ſprechen. — Was wollt Ihr damit ſagen? fragte er endlich nach mühſam errungener Faſſung. — Bedarf dies erſt einer Erklärung, Ercellenz? was iſt wohl einfacher, als daß ich gekommen bin, Ihre werthe Perſon der Gerechtigkeit zu überliefern. — Gerechtigkeit?— nennen Sie etwa die Schlächter von Neapel Richter, und was hätte ich verbrochen, das einer Sühne bedürfte? — Das zu erwägen iſt nicht meine Sache. — Padre, ich kann unmöglich glauben, daß Ihr, ein Geiſt⸗ licher, Euch herabwürdigen werdet, mich den Händen meiner blutdürſtigen Verfolger Preis zu geben. — Vergeſſen Sie nicht, Excellenz, daß ich noch einen zwei⸗ ten nicht minder ehrenhaften Stand bekleide, und dieſer veran⸗ laßt mich, Manches zu thun, was allerdings mit meiner geiſt⸗ lichen Würde nicht im Einklang zu bringen iſt. — Sehr wahr, der Verrath muß einem Prieſter fern liegen. — Excellenz, wenn ein Miniſter das Verbrechen nicht ſcheut, deſſen Sie ſoeben erwähnten, ſo darf ſich auch ein Prieſter nicht entblöden, es zu wählen— um zum Ziele zu gelangen. — Habe ich einen Verrath begangen? — Excellenz, ich will ſchweigen von den Verräthereien, welche Sie an dem Volke begingen, nur beiſpielsweiſe der Heimtücke erwähnen, mit welcher Sie gegen mich verfuhren. — Gegen Euch? — Sie haben mir die calabreſiſche Landmiliz auf den Hals gehetzt.— — Welche Verläumdung, fiel ihm Herandez in's Wort, der kaum noch Herr ſeiner Sinne war. 8 — Unterbrechen Sie mich nicht, Excellenz, und geſtatten Sie mir die Bemerkung, daß Sie lügen; Niemand als Sie kannte meinen Schlupfwinkel im Gebirge, Sie und die Hirten — ſſ 888 — dieſe aber haben mich ſicher nicht verrathen, denn ſie ſind meine getreuen Verbündeten. — Ihr vergeßt, daß Euer Freund Celeſto mir Euren Auf⸗ enthalt bezeichnet hat, ſtotterte Herandez. — Dafür bezeichnete er mir wieder den Euren, Ercellenz, entgegnete der Räuber lächelnd; Sie und kein Anderer haben dieſen Streich gegen mich geführt und ſollen ihn büßen. Herandez ſank athemlos und am ganzen Körper bebend auf einen Seſſel nieder und bedeckte ſein Antlitz mit den Händen. — Sie haben durch dieſen ſchnöden Verrath nicht nur faſt meine ganze Bande aufreiben laſſen, ſondern mich noch um das Löſegeld der Prinzeß gebracht, mir daher eine namhafte Summe förmlich entwendet. — Alſo Sie wollen Rache nehmen, Padre? rief Herandez mit gepreßter Stimme; o wie unchriſtlich! — Ich will nur Gleiches mit Gleichem vergelten und außer⸗ dem mich noch entſchädigen.— — Wodurch denn? fragte Don Herandez, deſſen Blicke angſtvoll über das Antlitz des Räubers glitten. — Durch den Preis von vierzigtauſend Ducaten, der auf Ihre Ergreifung geſetzt iſt, Don Herandez. — Barmherziger Himmel, rief Herandez in kläglicher Weiſe, um ſchnödes Geld einen Meuſchen auf das Blutgerüſt ſchaffen, es iſt ſchrecklich! — Excellenz, Sie haben um ſchnödes Gold viel größere Verbrechen begangen; vergeſſen Sie die Frevel, die Sie an einem ganzen Volke begingen, um die Fruchtſteuer zu erpreſſen und ſich dadurch bei Ihrem Könige beliebt zu machen?— nein, Excellenz, Sie müſſen fallen, fallen um der Gerechtigkeit willen und um anderen, ähnlichen Geſchöpfen wie Sie, ein warnendes Beiſpiel zu geben, wie ſich ein Volk rächt. b — Elender Verräther, ſchrie Herandez jetzt mit lauter Stimme, Judas, Ihr wollt mich wirklich den Mördern über⸗ liefern? — Ohne Zweifel— machen Sie ſich fertig, Excellenz, Sie müſſen mit mir gehen.— — Miſſen, rief Herandez, der jetzt plötzlich ſeinen ganzen Muth zuſammennahm, mit donnernder Stimme; wer wird mich zwingen? - 3ch phüdenheit Und elmno, welche — Glat fung ſo leich meinem leßt den iſt.. Mit die einer Ecke Räuber ein. Dieſer ſelmo den geworfen h — Lec dient keine — Da den mir he In de lich, um ſi wartet hef Endli mit Trotz davongefül — R als er mit Die 1 men Hera Mitt Zug in T Als Vuth, W Er r vierzigtan krampfha f Heranden ſſen Blice en, der auf icher Weiſe, ſchaffen, es hel größere ie Sie an u erpreſſen 2— rein, keeiit wilen wamendes nit lauter dern über⸗ ellen, Sie en ganjen wird mich und außer⸗ 889 — ch— verſetzte der Räuber im Tone äußerſter Ent⸗ ſchiedenheit. — Und auch ich, wie unſere übrigen Genoſſen, verſetzte An— ſelmo, welcher eben in das Zimmer trat. — Glaubt nicht, Ihr Schurken, daß Euch meine Ergrei⸗ fung ſo leicht werden ſoll; ich will mich vertheidigen, bis mit meinem letzten Blutstropfen mein letzter Athemzug verſchwun⸗ den iſt. Mit dieſen Worten hatte er eine Pike ergriffen, welche in eeiner Ecke ſtand und drang mit faſt raſender Wuth auf den Räuber ein. Dieſer aber wich gewandt dem Stoße aus, während An⸗ ſelmo den Angreifer von hinten gefaßt und ihn zu Boden geworfen hatte. — Lege ihm Feſſeln an, gebot ihm Fra Lorenzo, er ver⸗ dient keine Rückſicht. — Das war ſo eben mein Plan, Padre, aber Sie wer⸗ den mir helfen müſſen. In der That war die Hülfe des Raubermönchs erforder⸗ lich, um ſich des Tobenden zu bemächtigen, welcher einen uner⸗ wartet heftigen Widerſtaͤnd leiſtete. Endlich hatten ihn die beiden Männer üherwunden, und mit Trotz und Verzweiflung ſah ſich Don Herandez von ihnen davongeführt. — Nun, vorwärts, nach dem Richtplatz! ſagte Fra Lorenzo, als er mit dem gefeſſelten Opfer die Straße erreicht hatte. Die übrigen Banditen, welche unten gewartet hatten, nah⸗ men Herandez in die Mitte und gingen mit ihm davon. Mitternacht war längſt vorüber, als ſich dieſer unheimliche Zug in Bewegung ſetzte. Als Celeſto von den Räubern entlaſſen wurde, war er von Wuth, Verzweiflung und Rachgier erfüllt. Er war überzeugt, daß Fra Lorenzo jetzt in den Beſitz der vierzigtauſend Dukaten gelangen würde, während er ſelber mit krampfhafter Gier nach dem Golde ſtrebte, wofür er das Haupt 890 — Aber eines Menſchen, der ihm vertraute, an das Meſſer liefern. nu wollte. Aber noch war der Miniſter nicht in der Gewalt der Räu⸗ 5 . ber, vielleicht war er abweſend und befand ſich gar in dem Ca⸗.. 4 ſtel Nuovo. ſagl. Jch 3 Er beſchloß, in kurzer Entfernung den Erfolg des Räuber⸗— Lan beſuchs bei Don Herandez abzuwarten. un di e Wohl anderthalb Stunden waren verfloſſen, als Celeſto zu ies hfrih ſeinem Entſetzen bemerkte, daß man einen gebundenen Men⸗ aus dem 3 ſchen herbeibrachte, welcher kein anderer, als der Miniſtter ſein das Land 4 konnte. Frage wie d Jetzt eilte er, ſo gut es ſein Alter geſtattete, nach ſeiner Per Wohnung, um dort die Rückkehr des Mörders zu erwarten, gelten zu— welcher mit der Ermordung Pietro's beauftragt war. koyf mit C 4 Bevor er noch den Platz del Carmine erreicht hatte, kam W ein Menſch auf ihn zu, in welchem ſein ſcharfes Auge, obgleich werdet Ihr undurchdringliche Dunkelheit herrſchte, den von ihm Erwarteten lachendem L erkannte. Nun — Ich war ſchon bei Euch, Celeſto, redete ihn der Ange⸗ Dar kommene an, allein ich traf Euch nicht anweſend. 9 — Das werdet Ihr jetzt ſehr einleuchtend finden; iſt die— Ich That vollbracht? vielleich ſch — Sie iſt es.— Da Der Alte begann vor freudiger Erregung zu zittern. finſterem La — Morgen ſtirbt Maſaniello, murmelte er leiſe, dann bin— Wa ich Oberanführer von Neapel, und der Herzog von Arcos wird werräther zu einen ſchwereren Standpunkt haben, als bis jetzt— ja, auch er— Ma ſoll ſterben, eher kann ich nicht mit unumſchränkter Gewalt re⸗ ſtirbt morg gieren— aber, fuhr er fort, indem er ſich an den Mörder wen⸗ Richterbühn dete, kaum vermag ich zu glauben, daß Ihr die Wahrheit ſagt, Enthauptun — Ich ſchwöre. ſein.— — Auf welche Art habt Ihr ihn getödtet.— Ihr — Indem ich ihn erdroſſelte und ihm dann den Kopf ab⸗— O ſchnitt.— Wo — Und wo habt Ihr den Kopf? fragte Celeſto, indem er det Andere. ſich dem Menſchen ganz wie ein Jagdhund nahte, der in der— In Taſche ſeines Herrn Fleiſch witterte. Sie w — Ihr ſeid naß? ſagte er. Larmine g — Ja wohl, ich ſchwamm durch die Fluth, um— tönte. Räuber⸗ nen Men⸗ iniſter ſein lach ſeiner erwarten, atte, kam , obgleich rwarteten der Ange⸗ nz iſt die dann bin reos wird auch er ewalt re⸗ der wen⸗ eit ſagt. Kopf ab⸗ indem er r in der Celeſto zu — Aber wo iſt der Kopf? rief Celeſto heftiger; der Kopf des Geheimſchreibers, ich will ihn haben. — Ich ließ ihn im Boote zurück. — O, dann weiß ich immer nicht, ob Ihr die Wahrheit ſagt. 3 — Ich ließ ihn zurück, und er wurde von einem Fährmann an das Land gebracht, den man für ſeinen Mörder hielt— dies hörte ich am Strande, wo ich blieb, um zu erfahren, was aus dem Boote werden würde. Als der Fährmann daſſelbe an das Land zog, hörte ich die von einem Fiſcher an ihn gerichtete Frage wie die Antwort des Anderen und ging davon. — Aber es iſt doch nicht recht, einen Andern als Mörder gelten zu laſſen, ſagte der Alte mißbilligend; Ihr hättet den Kopf mit Euch nehmen ſollen. — Wenn Ihr erfahret, auf wem jetzt dieſe Schuld laſtet, werdet Ihr das nicht mehr ſagen, verſetzte der Nichtswürdige in lachendem Tone. — Nun, wen trifft die Schuld? — Den,. Prinzen Giulio Caraffa. — Sehr gut, mio figlio, aber haſt Du auch recht geſehen? — Ich erfuhr es auf dem Platze del Carmine, wo man ihn vielleicht ſchon in dieſem Augenblick hinrichtet. — Das darf noch nicht geſchehen, verſetzte der Alte mit finſterem Lächeln. — Warum wollt Ihr hindern, das Urtheil an dem Volks⸗ verräther zu vollſtrecken? — Man ſoll nicht in meine Rechte greifen, Maſaniello ſtirbt morgen; übermorgen werde ich als ſein Nachfolger die Richterbühne betreten und die Verurtheilung und gleichzeitige Enthauptung dieſes Edelmannes ſoll mein erſter Richterſpruch ſein.— — Ihr ſeid ehrgeizig, Celeſto, ſagte der Andere. — O nein, nur gerecht und pflichteifrig. — Wo ſoll aber der Prinz bis übermorgen bleiben? fragte der Andere. — In meinem Gewahrſam. Sie waren während dieſes Geſprächs auf den Platz del Carmine gelangt, wo ihnen ein furchtbares Geſchrei entgegen⸗ tönte. 892 Giulio ſtand regungslos unter den tobenden Haufen. Bald nachdem man den Kopf Pietro's erkannt, hatte man auch in dem Gefangenen den Prinzen Caraffa entdeckt. Ein fürchterliches Wuthgeſchrei ließ ſich vernehmen, und ſchon war man im Begriff, den unglücklichen Prinzen auf die Blutbühne zu ſchleppen, als Celeſto herantrat. — Was habt Ihr da, Freunde? fragte er mit krächzender Stimme; was wollt Ihr beginnen? — Wir wollen dem Prinzen Caraffa das Haupt abhauen und es auf den Pfahl ſtecken— der Verbrecher hat Pietro er⸗ mordet. — Verderben komme über ihnl! rief der Alte; gewiß, er muß ſterben— aber wollt Ihr eigenmächtig richten? Wollt Ihr Maſaniello's Machtſpruch denjenigen entziehen, deſſen verfluchte Hand ſeinen Lieblingsfreund getödtet hat?— Bedenket, wie müßte ſolches den Oberanführer kränken! — Er hat Recht! ließen ſich einige Stimmen vernehmen. — Und wo ſoll er bleiben? riefen Andere. — In meinem, in des Volkes Gewahrſam— aber wem iſt es gelungen, des längſt verfolgten Flüchtlings habhaft zu werden? — Ich habe ihn gefangen genommen, ſagte derienige, wel⸗ cher Giulio hierher begleitet hatte. — Morgen ſollen dieſem braven Manne zweitauſend Duca⸗ ten ausgezahlt werden, welche man auf die Ergreifung dieſes Verräthers geſetzt hat, ſagte Celeſto. — Verräther nennſt Du mich, elender, alter Heuchler? rief Giulio bebend vor Entrüſtung; doch, fuhr er mit geſenkter Stimme fort, ſoll ich mich hier vertheidigen, wo man nicht meine Rechtfertigung, ſondern nur mein Blut will? Unglückliches Neapel, in welchen Händen liegt Dein Schickſal? Ein lautes Wuthgeſchrei, mit Gelächter gemiſcht, übertönte ſeine Stimme, man umringte ihn und führte ihn auf einen Wink Celeſto's wieder nach dem Kerker, in welchem er ſchon einmal mit ſeinem Vater gefangen war. Fra Lc Giulios mi Eine ſch — Wer hat dieſer F — Ein genau, beler det Euch ſe Man d Licht der F Unglückliche Der ge⸗ druck— ur ſchiedenen; Jetzt einem Mun Eine? Karaiben un um Herand Dieſer wweiſtung u — Wif Volksblutſa Nacht gehü Maſſe eing Man Fiſcherman und Staub rend den breitete. Plötzli bat mit lau N fen. Bald in dem men, und ſen auf die kchzender bt abhauen Pietro er⸗ gewiß, er Vollt Ihr — verfluchte ſenket, wie rnehmen. aber wem habhaft zu lenige, wel⸗ ſend Duta⸗ fung dieſes uchler? rief t geſenkter Hman nicht nglückiches 1 , übertönte Hauf einen em er ſchon Ein verſuchter Kloſterſturm. Fra Lorenzo gelangte unmittelber nach der Verhaftung Giulio's mit ſeinem Gefangenen auf den Platz del Carmine. Einne ſchreiende Maſſe umringt ihn. — Wen bringt Ihr da, Padre? riefen die Meiſten; was hat dieſer Fiſcher verbrochen. — Ein Fiſcher? entgegnete der Räuber; beobachtet ihn nur genau, beleuchtet ſein mit Ruß bemaltes Geſicht, und Ihr wer⸗ det Euch ſehr bald überzeugen, wer dieſer Mann iſt. Man drängte ſich näher um den Gefangenen und ließ das Licht der Fackel auf ſein Antlitz ſcheinen, während Einige dem Unglücklichen einen Eimer mit Waſſer in's Geſicht goſſen. Der gefangene Miniſter machte jetzt einen kläglichen Ein⸗ druck— und man war ſehr bald bereit, ſein Antlitz mit ver⸗ ſchiedenen Fetzen, welche man am Boden fand, zu trocknen. Jetzt ließ ſich ein lauter Freudenſchrei hören und wie aus einem Munde ertönte es:„Don Herandez!“ Eine Art Freudengeheul erſchütterte die Luft und gleich den Karaiben um den geſchlachteten Feind, ſo tanzten die Anweſenden um Herandez. Dieſer ſtand unbeweglich, aus ſeinem Antlitz ſprachen Ver⸗ zweiflung und Vernichtung. — Wir haben ihn, wir haben ihn, den Steuererpreſſer, den Volksblutſauger! jauchzte man laut, daß es weit durch die in Nacht gehüllte, verödete Stadt drang und ſich bald eine größere Maſſe eingefunden hatte. Man zerrte den Gefangenen hin und her, zerriß ihm den Fiſchermantel und beſudelte ihn mit dem Schlamme aus Blut und Staub gemiſcht, welcher an dieſer Schreckensſtelle fortwäh⸗ rend den Boden bedeckte und einen gräßlichen Geruch ver⸗ breitete. 1 Plötzlich ſtellte ſich ein großer Kerl auf einen Stein und bat mit lauten Stimme um Schweigen.. — Maänner von Neapel, rief er, der Erzfeind dieſes Landes, 894 der Henker der Armuth— der Zecher unſeres Schweißes und Blutes, der Urheber dieſer Revolution iſt nun in unſerer Ge⸗ walt, und er ſoll erfahren, wie ein Volk, dem man Jahre hin⸗ durch den Nacken unter das Joch gebeugt, ſich rächen wird, es iſt klar, Ihr werdet mit mir übereinſtimmen, daß dieſer Menſch auf eine ungewöhnliche, qualvolle Weiſe ſterben muß,— laßt uns darum einen Todesrath bilden, in welchem über ſein Ende Beſchluß gefaßt werden ſoll. Ein lautes Beifallsgeſchrei folgte dieſer Aufforderung— Herandez aber, der nun die gräßliche Ueberzeugung hatte, daß es um ihn geſchehen war, vermochte kaum zu athmen. Seine Beine wankten, er glaubte, der Boden ſinke unter ſeinen Füßen, während ſein Herz nur langſam pochte, der Kreis⸗ lauf ſeines Blutes ſchien unterbrochen. — Auf welche Weiſe ſoll er ſterben? fragte der Kerl von vorhin. — Wir wollen ihn ſteinigen, riefen einzelne Stimmen. — Das tödtet zu ſchnell. — So laßt uns ihn viertheilen. — Auch das geht ſchnell. — Das Beſte iſt, rief ein Kerl mit grauſamem Lächeln, wir preſſen ihn, wie er uns ausgepreßt und ſtecken ihn dann in Brand, oder wir tödten ihn mit dem Rade. Dieſe letzte Angabe fand unendlichen Beifall und die meiſten Anhänger; man jubelte und jauchzte, warf die Mützen empor und klatſchte in die Hände als gäbe es ein Freudenfeſt. Das dem ſchrecklichſten, qualvollſten Tode geweihte Opfer ließ ein dumpfes, ſchmerzliches Stöhnen vernehmen. — Vergönnt auch mir ein Wort, ſagte jetzt der Mönch, der ſich bisher ſchweigend verhalten hatte. Ein Evviva ward hörbar und die allgemeine Aufforderung, zu ſprechen.. — Ihr wißt, Freunde, daß ein Preis auf die Ergreifung dieſes Volsblutſaugers ausgeſetzt iſt, blickt dorthin, jene Be⸗ kanntmachung ſichert dem Ergreifer vierzigtauſend Ducaten zu. — Es iſt wahr, und ſie ſollen Euch werden, Padre, rief der Mann, welcher den Vorſchlag des Todesrathes gemacht hatte; ich will Euch einen Beweis geben, daß er Euch von Herzen gegönnt iſt— ſeht, dieſe Leute hier ſind Alle ſehr arm, aber ich 1 tin überzeugi Duaten von neier dieſ üit es nich Man ga mung kund. — Um begehre übrig Kyelle zu E werdet Ihr u geſett hat, d ihn lebend bri gezahlt, wäh Ihr würdet unddreißigtau — Das — Alſo er ihn ſehe, Todesart ſter — Der ſo wenig ein kennt ihn. Ein verz — Er if von dem ſchre — Und Volksblutſaug Erzengel zue dem Beifalls — Ihr Herandez. — Rach — Ihr tommen. — In ſchungen und — Unte alt Celeſo dindung. weißes und unſerer Ge⸗ uß,. laßt rſein Ende erderung— hatte, daß 7. ſinke unter der Kreis⸗ er Kerl von ummen. Lächeln wir ihn dann in die meiſten tützen empor feſt. veihte Opfer Mönch, der 4 1 Jähre hin- n wird, ez die Naſh bin überzeugt, Niemand unter Allen würde auch nur nach einem Ducaten von dieſem Geld verlangen, das nur dem ehrlichen Ergreifer dieſes Elenden zukommt, von Gottes und Rechtswegen — iſt es nicht ſo, Freunde?— Man gab dem Sprecher dieſer Worte laut ſeine Zuſtim⸗ mung kund. — Um ſo beſſer, ſagte der Mönch— ich, meine Freunde, begehre übrigens nicht das Geld für mich, ich will dafür eine Kapelle zu Ehren des heiligen Antonio bauen laſſen, aber eins werdet Ihr mir zugeben, daß derjenige, welcher den Preis aus⸗ geſetzt hat, dieſen Menſchen ſehen muß, denn nur, wenn man ihn lebend bringt, wird die Summe von vierzigtauſend Ducaten gezahlt, während man für den Todten nur achttauſend giebt, Ihr würdet ſomit nicht mich, ſondern San Antonio um zwei⸗ unddreißigtauſend Ducaten benachtheiligen. — Das iſt wahr— riefen die Meiſten. — Alſo iſt mein Rath, wir führen ihn zu Maſaniello, daß . er ihn ſehe, und er wird Euch dann gern geſtatten, ihn jede Todesart ſterben zu laſſen, welche Ihr beſtimmt. — Der Schurke iſt ein Räuber! rief Herandez, er iſt eben ſo wenig ein Mönch, wie ich es bin, fragt den alten Celeſto, er kennt ihn. Ein verhöhnendes Gelächter war die Antwort. — Er iſt ein Räuber, ſchrie Herandez; hat denn Niemand von dem ſchrecklichen Fra Lorenzo gehört. lufforderung, Ergreifung n, jene Be⸗ Ducaten zu. Padre, rief emacht hatte von Herzen em, aber ich — Und wäre er der Teufel ſelber, dieſe That, Dich elenden Volksblutſauger ergriffen zu haben, genügt uns, um ihn zum Erzengel zu ernennen, rief einer aus der Menge unter ſchallen⸗ deem Beifallsgelächter. — Ihr Bluthunde, was habt Ihr von meinem Tode? rief Herandez. — Rache und keinen Valkoblulſauger mehr. — Ihr Thoren, wähnt Ihr, es wird kein Anderer nach mir kommen. — In Neapel nicht wieder! ſchrieen Alle unter Verwün⸗ ſchungen und Drohungen. — Unter Euren eigenen Anführern iſt ein Schurke, der alte Celeſto iſt ein Verräther, denn er ſtand mit mir in Ver⸗ bindung. 896 — Glaubt ihm nicht, dem Lügner, da er ſich ſelbſt verloren ſieht, will er noch Ehrenmänner ins Verderben ſtürzen, riefen mehrere Stimmen durcheinander. — Der alte Mann war ſo eben auf dem Platze, er kann noch nicht zur Ruhe gegangen ſein, rief der Rädelsführer von vorhin, man rufe ihn herbei, daß er die Verläumdungen dieſes Elenden mit eigenen Ohren höre. Sogleich entfernten ſich einige Männer und kehrten nach wenigen Augenblicken in Begleitung Celeſto's zurück, welcher eine gewiſſe Unruhe verrieth. — Dieſer Elende verläumdet Eunch, Celeſto, nahm der Kerl auf dem Steine das Wortz; beweiſt ihm, daß Ihr ein Ehren⸗ mann ſeid. — Wer iſt jener Mann? fragte der Alte, indem er ſich die Hand über die Augen legte, wie Jemand, welchen der Schein des Lichtes blendete. — Don Herandez, Graf von Monteja, der Miniſter, Steuererpreſſer, Volksblutſauger, Henker von Neapel und Ritter mehrer hoher Orden! ſchrieen viele Stimmen durcheinander. — Don Herandez, gefangen?— rief er; heilige Jungfrau, fuhr der alte Heuchler in andächtigem, frömmelndem Tone fort, habe Dank, daß Du unſere Feinde vernichten willſt, indem Du ſie uns übergiebſt; Don Herandez, Excellenz von Monteja, wendete er ſich an dieſen, was haben Sie gegen mich?— — Ich ſage Dir, hier in Gegenwart Deiner Anhänger, daß Du ein Verräther biſt, mit mir in Verbindung geſtanden haſt, einen Mordanſchlag wider Maſaniello im Schilde führſt, den Du morgen auszuführen gedenkſt, ob Ihr mich tödtet, oder nicht, ich ſage Euch die reine, unverfälſchte Wahrheit. Celeſto erbleichte, während er bemerkte, daß dieſe Beſchuldi⸗ gung, trotzdem ſie von dem verhaßteſten Menſchen in ganz Nea⸗ pel kam, doch auf keinen ganz unfruchtbaren Boden gefal⸗ len war. Schon las er Mißtrauen und Wuth in den Augen der Wächter, ſchon vernahm er dumpfe Flüche und Schimpfreden, aber ſeine unheimlichen Blicke, die er durchbohrend auf die Menge richtete, waren von ſo zauberhafter, niederdrückender Wirkung, daß Alle verſtummten. — Der böſe Blick— flüſterte man untereinander— der gle behert chenſchaft, — Dieß dds Wort, it droben übet 4 gebe ihn Eun — Nach ſtießen den b — 3u Herandez ſeiner Bande Ein Ho merte in ſeit wie ſeine K Wohnung a und die Flu Furchthe ten— auf durch die N ten und ſt reichen, die führten, Das(. chen der M verfolgt. Er floh er endlich v Et hat Verfolger! — A ichzte Here that ſich a⸗ der Mitteln b bedurfte Kleſter zu Füchtlinge Dieſe wenigen N Das 9 dſt verloren rzen, riefen d, er kann Sführer von ungen dieſes ehrten nach welcher eine m der Kerl ein Ehren⸗ er ſich die der Schein r Miniſter, und Ritter inander. Jungfrau, n Tone fort, ndem Du ſie ela, wendete hhänger, daß ſtanden haft, führſt, den „oder nicht, ſe Beſchuldi⸗ n ganz Nea⸗ Boden gefal⸗ Augen der Schimpfreden, uf die Menge der Wirkung, nder= det 897 Alte behert uns mit ſeinem verfluchten Blick, wenn wir ihn zur Rechenſchaft fordern. — Dieſen Elenden, nahm Celeſto mit erhobener Stimme das Wort, indem er die Hände faltend emporhob, wirſt Du da droben über den Wolken richten, Herr der Welten— ich über⸗ gebe ihn Eurer Rache! — Rache! Rache! brüllten die Meiſten und zerrten und ſtießen den bebenden Miniſter nach allen Seiten hin. — Zu Maſaniello mit ihm! riefen Andere, während ſich Herandez's Blicke plötzlich erheiterten, welcher das Lockerwerden ſeiner Bande in Folge des Hin⸗ und Herzerrens verſpürte. Ein Hoffnungsſtrahl, wenn auch nur ein ſchwacher, däm⸗ merte in ſeiner Seele auf und belebte ſeinen geſunkenen Muth, wie ſeine Kräfte, und ſchon hatte man den Weg zu Maſaniello's Wohnung angetreten, als er plötzlich die Bande zerriſſen hatte und die Flucht ergriff.“ Furchtbares Wuthgeſchrei ertönte, man ſuchte ihn zu hal⸗ ten— auf bewundernswerthe Weiſe bahnte er ſich den Weg durch die Maſſen, ſtieß Alle zurück, die ſich ihm entgegendräng⸗ ten und ſuchte den Eingang zu einer der engen Gaſſen zu er⸗ reichen, die zu den minder belebten und dunkleren Stadttheilen führten. Das Geſchrei des Pöbels ſteigerte ſich, und Herandez, wel⸗ chen der Muth der Verzweiflung trieb, ſah ſich von Tauſenden verfolgt. Er floh mit beflügelten Schritten durch mehrere Gaſſen, bis er endlich vor einem Kloſter ſtand. Er hatte einen gewaltigen Vorſprung gewonnen, aber ſeine Verfolger hatten ihn dennoch nicht aus ihren Augen verloren. — Aufgemacht, aufgemacht— ein Verfolgter ſucht Schutz! ächzte Herandez, indem er donnernd an die Pforte polterte, dieſe that ſich auf, und Herandez war— gerettet. Der Pöbel war in der letzten Zeit mit ſchnell wirkenden Mitteln bekannt geworden, ſolche Hinderniſſe zu beſeitigen, es bedurfte kaum noch des Befehls des Räubermönchs, das Kloſter zu belagern, um es nach nicht erfolgter Auslieferung des Flüchtlings, in Brand zu ſtecken. Dieſe Drohung wurde laut und wirkte, und ſchon nach wenigen Minuten wurde die Pforte geöffnet. Bas Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 17.) 57 898 Der Pöbel drang ein und ſuchte wüthend den Flüchtling— man forſchte in jeder Zelle, jedem Winkel nach ihm, allein er war ſpurlos verſchwunden. Der Miniſter wurde, nachdem er ſich den Mönchen zu er⸗ kennen gegeben, auf einem unterirdiſchen Wege ſchon in dem Augenblick in's Freie geſchafft, während welches der Pöbel draußen noch tobte und drohte. Die beſſere Anſicht. Der Aufruhr in der Stadt hatte nun eine furchtbare Höhe erreicht, und das Geſchrei nach Herandez's Kopf ertönte drohen⸗ der und furchtbarer als bisher. Die meiſten Schlupfwinkel in der Stadt wurden durchſucht, aber es war Niemandem gelungen, ſeine Spur aufzufinden. Der unterirdiſche Gang des Kloſters führte nach der Kirche der heiligen Anna, von hier gelangte Herandez, von einem Mönch geleitet, in's Freie. Mit haſtigen Schritten eilte er vorwärts, während er das Geſchrei ſeiner Verfolger in der Ferne vernahm— und fand endlich Zuflucht im Caſtel Nuovo. Mit Mühe erreichte er die Wachtſtube der Soldaten, wo er bewußtlos und erſchöpft zu Boden ſank. Die Nachricht von der Ankunft und dem Zuſtande des Mi⸗ niſters war bis in die Gemächer des Statthalters gedrungen, welcher trotz der ſpäten Stunde noch wach war. Er eilte hinab und ließ den Ohnmächtigen ſogleich nach ſei⸗ nen Gemächern ſchaffen, wo er unter dem Beiſtande des herzog⸗ lichen Arztes bald ins Leben gerufen war. Als er ſich erholt hatte, entfernte ſich der Arzt auf einen Wink des Statthalters. Armer ndete ihn de — Herandei, mit ¹ neine gebran Pottffeuile: — Und — Hohe ttagen. — Und nehmen, Exce — Hohe — Nur darf ein Mi — 3h nicht gebrand — Inw — Wir der heutigen — Sie niſter ſein, ſchichte alle Gewalt des mißhandelt! jeder Fürſt d jeder denkend handlung ei ben betracht yrer ſeines Dieſe der ſich übr zur Schau 3c Sie mir je⸗ ſelben einge — Alſ halter in f — Ich tb are Hähe nte drohen⸗ durchſuch, finden. der Kirche nem Mönch end er das und fand ten, wo er e des Mi⸗ gedrungen, hnach ſei⸗ es herzog⸗ auf einen redete ihn der Herzog theilnehmend an. 899 — Armer Freund, man hat Ihnen wohl arg zugeſetzt? — Ich bin erniedrigt, verhöhnt, gemißhandelt, verſetzte Herandez, mir iſt ein Schimpf angethan, ärger als jener erſte; meine gebrandmarkte Ehre geſtattet es mir nicht mehr, das Portefeuille zu tragen, welches mir ſeine Majeſtät anvertraut hat; mit dem heutigen Tage gebe ich es zurück. — Und wenn ich es nicht annehme? — Hoheit, das Portefeuille wurde mir vom Könige über⸗ tragen. — Und auch ſeine Majeſtät wird ſich weigern, es zurückzu⸗ nehmen, Excellenz, verſetzte der Statthalter kalt. — Hoheit— 1 — Nur mit dem Tode, unterbrach ihn der Statthalter, darf ein Miniſter von ſeinem Poſten weichen. — Ich bin ärger als todt— meine Ehre iſt dahin, bin ich nicht gebrandmarkt für ewige Zeiten? — Inwiefern, Excellenz? — Wird die Geſchichte nicht der Nachwelt die Ereigniſſe der heutigen Nacht überliefern? ſagte Herandez ſeufzend. — Sie ſind nicht der erſte und werden nicht der letzte Mi⸗ niſter ſein, Excellenz, dem dergleichen begegnete; wollte die Ge⸗ ſchichte alle Räthe der Krone brandmarken, welche einmal in die Gewalt des Volkes geriethen, das ſie wegen ihres Pflichteifers mißhandelt hat, dann würde es freilich ſchlimm beſtellt ſein und jeder Fürſt dürfte ſich vergebens nach einem Miniſter umſehen, jeder denkende, edlere Forſcher der Geſchichte aber wird die Miß⸗ handlung eines Miniſters nur immer als ein Verdienſt deſſel⸗ ben betrachten, da er doch immer nur in dieſem Falle ein Mär⸗ tyrer ſeines Fürſten und ſeines Berufes war. Dieſe Erläuterung hatte dem armen, betrübten Miniſter, der ſich übrigens gar nicht ſo ſehr gedemüthigt fühlte, als er es zur Schau trug, mit wunderbarem Troſte erfüllt. — Ich danke Ihnen, Hoheit, für die beſſere Anſicht, welche Sie mir jetzt beigebracht haben, ſagte er, und werde gewiß der⸗ ſelben eingedenk bleiben. — Alſo Sie behalten das Portefeuille? nahm der Statt⸗ halter in fragendem und ſcherzendem Tone das Wort. — Ich werde mir die Ehre geben, verſetzte Herandez mit 57* — 900 einer Verbeugung; aber Rache, Hoheit, Rache muß ich nehmen an dieſem Pöbel. — Nur kurze Zeit Geduld. — Ja, morgen— Sie wiſſen wohl ſchon, Hoheit? fragte Herandez mit bedeutungsvollem Blick. — Morgen— erwiderte der Statthalter mit leiſer und dennoch nachdrücklicher Stimme, iſt das Feſt der Jungfrau del Carmine— — Und?— — Es findet eine Luſtfahrt ſtatt— eine Luſtfahrt auf dem Meere und dann— wird Gottesdienſt in der Kirche ſein— Wenn manchem Leſer dieſe Worte des Statthalters auch noch unverſtändlich geblieben ſein mögen, ſo können wir ihm da⸗ gegen die Verſicherung geben, daß Herandez ihren tieferen ſchreck⸗ lichen Sinn genau verſtanden hatte. — Nun laſſen Sie uns einen Becher auf die baldige Ruhe ein Neapel trinken, ſagte der Herzog und deutete auf einige Flaſchen, welche entpfropft auf dem Tiſche ſtanden. Der Aufgeforderte füllte die Becher und Beide ſtießen an. — Auf das Wohl der Prinzeß, ſagte Don Herandez, auf unſere baldige Vermählung und— — Auf die Ruhe dieſer Stadt! fiel der Herzog ein. Beide wollten die Becher an ihre Lippen bringen, aber ent⸗ ſetzt ließen ſie davon ab, denn plötzlich ertönte draußen ein lautes, furchtbares Geſchrei. — Man begehrt Einlaß, ſagte der Herzog. — Man nennt meinen Namen, ſtotterte Herandez mit be⸗ benden Lippen. — Die Beſtien haben wohl gemerkt, daß Sie hier Obdach gefunden haben? — Und ich bin überzeugt, verſetzte Herandez mit erzwunge⸗ nem Lächeln, daß man mich nicht ausliefern wird. — Der Pöbel droht mit Erſtürmungl! rief der Statthalter aufſpringend, hören Sie nur, wie furchtbar ſeine Stimmen ſind, der Donner der Hölle kann nicht ärger ſein! — Und Sie werden dieſen Donner mit einem andern Don⸗ ner, beantworten— verſetzte Herandez mit boshaftem Lächeln, wir wollen ihnen die Köpfe zerſchmettern, wir müſſen mehr gane Valt könnten wir wiſchen mir brechen, we ſetzen will. In die — Ho rung Seine hen bereits nonen. — Un bethruetn O beſſerte er Meuterern — H wieder in Der bar dem — W er, als be ten war. weil es 4 während — 1 Mauern Maſaniel ſten Fein — feren ſchreck⸗ dige Ruhe auf einige ſtießen an. randez, auf ein. ;, aber ent⸗ raußen ein dez mit be⸗ zier Obdach t erwunge⸗ Statthalter mmen ſind, ndern Don⸗ im Lächeln, üſſen mehr Köpfe von ihnen haben als diejenigen, welche ſie auf die Ver⸗ pfählung um das Blutgerüſt geſteckt haben. — Sehr richtig, aber ich darf ihnen leider jetzt noch keine Gewalt entgegenſetzen. 3 — Es wäre ein Leichtes, dieſen Pöbel niederzuſchmettern, einige Kanonenkugeln würden ſchon genügen. — Sicher wäre dies der Fall, aber morgen würde ſich das ganze Volk zur Erſtürmung dieſer Veſte aufmachen und ihm könnten wir nicht widerſtehen, außerdem aber darf ich die jetzt zwiſchen mir und Maſaniello beſtehende Freundſchaft nicht unter⸗ brechen, wenn ich nicht Alles, alſo Neapel, auf das Spiel ſetzen will. In dieſem Augenblick trat ein Offizier ein. — Hoheit, meldete er beſtürzt, man begehrt die Ausliefe⸗ rung Seiner Ercellenz und droht mit Sturm, die Soldaten ſte⸗ hen bereits mit brennenden Lunten an der Seite ihrer Ka⸗ nonen. 4. — Um Gottes Willen keinen Schuß! rief der Statthalter, betheuern Sie, daß Don Herandez nicht hier ſei, oder nein, ver⸗ beſſerte er ſich raſch, ſagen Sie nichts, ich ſelbſt will mit den Meuterern ſprechen. — Hoheit, das darf ich nicht geſtatten, ſagte Herandez, der wieder in ſeinem tiefſten Innern erbebte. 4 Der Herzog drängte ſich hinaus und befand ſich unmittel⸗ bar dem Volke gegenüber. — Was begehrt Ihr, meine Kinder, in der Nacht? fragte er, als bei ſeinem Erſcheinen unwillkürlich Schweigen eingetre⸗ ten war.— — Das Volk von Neapel ſchläft nicht, antwortete der Räͤ⸗ delsführer. — Und warum wacht es? — Weil es die Tücke der Cdelleute nicht raſten läßt und weil es Don Herandez begehrt, der hier Zuflucht gefunden hat, während er jetzt vor ſeinen Richter geſtellt werden ſollte. — Und wer ſagt Euch, daß Don Herandez ſich in dieſen Mauern befindet, verſetzte der Statthalter; glaubt Ihr, ich würde Maſaniello, meinen Freund, ſo betrüben, indem ich ſeinen ärg⸗ ſten Feind verberge. — Man kann dies ſehr wohl thun, wenn nicht der Gegen⸗ ———. — 1— —— — 9⁰2 beweis geführt wird, und dieſer iſt nur möglich, wenn das Volk von Neapel die verborgenſten Gänge und Winkel des Caſtels durchſucht. Wir hatten ſchon oft Gelegenheit, die Geiſtesgegenwart des Statthalters kennen zu lernen und werden ſie jetzt wieder an ihm bewundern. — Meine Kinder, ſagte er mit feſter Stimme; ich bin be⸗ reit, Euch durch die ganze Veſte zu führen, Ihr ſollt mit mir ſelbſt bis in das Innerſte meiner Gemächer dringen— wer von Euch will mir folgen?— Muth bleibt niemals unbelohnt— die Geiſtesgegenwart des Statthalters, die allerdings nur einem Lotterieſpiel glich, grenzte hier wohl an Frechheit und darum ſiegte ſie. Seine Worte waren ſo herausfordernd und trugen das Gepräge einer ſolchen Sicherheit, daß die Anführer ſtutzten. Hierzu geſellte ſich noch die Furcht, daß ſie, waren ſie einmal in das Innere gedrungen, leicht überwältigt, theils niedergemacht, theils eingekerkert werden konnten. 3 Ein unverſtändliches Gemurmel ließ ſich vernehmen— der Pöbel zog ab, und einige Augenblicke ſpäter ſtand der Herzog lächelnd vor Herandez. — Nun ſind Sie gerettet, Ercellenz, ſagte er, aber Sie werden die Veſte nicht eher wieder verlaſſen, bis Ruhe in Nea⸗ pel herrſcht und dieſer Zeitpunkt iſt nahe.— Herandez verneigte ſich tief und war von Herzen froh, keine Gefahr ferner beſorgen zu dürfen. Aber es kann Niemend ſeinem Schickſal entgehen und das Verhängniß treibt denjenigen in's Verderben, der es ſich durch ſeine eigene Handlungsweiſe heraufbeſchworen hatte, wie Don Herandez. Als der Statthalter ihm die Eröffnung wiederholte, daß er die Vermählung mit der Prinzeß beſchleunigen müſſe, konnte Herandez nur mit Gewalt ſeine Verlegenheit verbergen. Zu dieſem Zwecke mußte noch ein mächtiges Hinderniß be⸗ ſeitigt werden— und zwar ſehr ſchnell, wollte der Bräutigam ſich nicht auf das Schrecklichſte compromittirt ſehen. — Hoheit, ſagte er nach längerem Schweigen; ich darf heute noch nicht von Ihrem huldreichen Anerbieten Gebrauch machen. = Heut 14?— ſn Pol — Und urüc 1 3t Scllſe auj ſchaffen. — Sie wenn Sie d auf das Sp — Gen Sie nur un dieſem Caſt — Si aber fürchte — Jch gewande, nicht blicker — M Sie dort! - d Orte währ Nach hüllt durch welches Th Heran auf und n Volkshaufe Un ſe ihn hier 1 und die T Kopfe brü — 3 nicht mehr der wählte lingerem der Docun nu das Volt ds Caſtel genwart des ſt wieder an ich bin he⸗ b mit mir — veer von fogegenwart eſpiel glic, trugen das ſrer ſtutzten. ſie einmal dergemacht, nen— der der Herzog , aber Sie hhe in Nea⸗ froh, keine a und das ſich durch wie Don lte, daß er ſee, konnte n. derniß be⸗ Bräutigam ich darf Gebrauch 903 — Heute nicht? fragte der Herzog überraſcht; wann denn ſonſt?— — Wohl erſt morgen zur Nacht. — Und aus welchen Gründen weiſen Sie mein Anerbieten zurück. — Ich habe noch wichtige Schriftſtücke in dem verfallenen Schloſſe aufbewahrt, welches ich bewohne; dieſe muß ich hierher ſchaffen. — Sie müſſen allerdings von unendlicher Wichtigkeit ſein, wenn Sie durch die Rückkehr nach Ihrer Wohnung Ihr Leben auf das Spiel ſetzen wollen. — Gewiß, Hoheit, ich würde es ſonſt unterlaſſen, ich werde Sie nur um eine Mönchskutte bitten, deren es ja ſo viele in dieſem Caſtel giebt. — Dieſe ſollen Sie erhalten und einen großen Bart dazu, aber fürchten Sie keine Erkennung? — Ich hoffe, man ſucht mich nicht mehr unter dem Mönchs⸗ gewande, außerdem werde ich mich bei Tage auf der Straße nicht blicken laſſen. — Man kennt aber bereits Ihren Schlupfwinkel und würde Sie dort wieder aufſuchen. — Das fürchte ich nicht, Niemand wird mich an einem Orte wähnen, wo man mich ſchon einmal entdeckt hat. Nach einer Stunde ſchlich ein bärtiger Mönch dicht ver⸗ hüllt durch die Straßen und war in dem Hauſe verſchwunden, welches Thereſia bewohnte. Herandez ging mit unruhigen Schritten in ſeinem Gemache auf und nieder.— Mehr als einmal hörte er die Tritte der Volkshaufen unter ſeinen Fenſtern dahinſtürmen. Um ſo mehr gewann er jetzt die Ueberzeugung, daß man ihn hier nicht mehr ſuchte und nun vernahm er das Geſchrei und die Verwünſchungen des Pöbels, der furchtbar nach ſeinem Kopfe brüllte, mit einer gewiſſen Ruhe. — Ich bin ſicher, ſagte er mit leiſer Stimme, man kommt nicht mehr hierher— es war ſchlau, daß ich dieſes Haus wie⸗ der wählte— aber mußte ich es nicht wählen? fuhr er nach längerem Schweigen fort; mußte ich nicht zurückkehren, um we⸗ der Documente, noch Juwelen zu retten, ſondern einzig und 904 allein, die Ehre zu hewahren, damit meine Braut niemals er⸗ fahre, was mich ihr auf ewig verhaßt machen könnte. Er ſchwieg, wurde nachdenkend und bleich und fuhr biswei⸗ len erſchreckt empor, als bebte er vor einem grauenvollen Ge⸗ danken zurück. — Was will ich thun? murmelte er, aber muß ich die That nicht vollbringen, kann ich anders handeln? Er ſetzte eine Glocke in Bewegung— ein Diener trat ein. — Iſt Thereſia in ihrem Gemache? fragte er. — Nein, Exrcellenz, ſie ging gleich aus dem Hauſe, nachdem Sie die Schurken davongeführt hatten. — Herandez erbleichte— als er dieſe Worte hörte, kam ihm ſogleich der Gedanke, daß ſie ihn verrathen könnte. — Sprach Sie nicht von einer Wiederkehr? fragte er leiſe. — Kein Wort. — Sollte Sie zurückkommen, ſo ſage ihr, ich wünſchte, daß ſie mit mir morgen zu Mittag ſpeiſe. — Sehr wohl, Excellenz, verſetzte der Diener überraſcht, denn es war ihm bisher noch nicht vorgekommen, daß ſein Herr mit jener Dame, oder vielmehr ſie mit ihm, an einem Tiſche geſpeiſt hätte. Kaum hatte ſich der Diener entfernt, als Herandez zu einem Schrank eilte, aus welchem er eine Flaſche Wein und eine kleine Phiole nahm. Er blickte ſich ſcheu um und dann goß er haſtig den Inhalt des kleinen Fläſchchens in die größere und bald befand ſich Alles wieder an ſeiner alten Stelle. — Davon hat auch der Bruder gekoſtet, wenngleich nicht mit dem Munde und wohl etwas zu wenig, ſagte er mit finſte⸗ rer Schadenfreude— dann verſtummte er. As der richt, daß befunden he Wuth tobte, man den Entkom An all rottet und Spur des Auch trächtigte, lich den R mit Feuer dacht hegte Der men nicht dort Zufl hatte. Selbſt heute gefei die angekü vermochten mung der Aber tet, es we Maſaniell Dieſe cher Blan Die gen Zuſta von Allen Erſt ter des G ren Blicke niemals tt⸗ e fuhr biswei⸗ wolen Ge⸗ Am Geſtade. uß ich die Als der Morgen angebrochen war, verbreitete ſich die Nach⸗ der de. richt, daß Don Herandez ſich bereits in den Händen des Volkes⸗ t krat ein. befunden habe und wieder entkommen ſei. . Wuth und Bitterkeit las man auf allen Geſichtern, man 4 iſe, nachdem tobte, man fluchte und ſchwor, Alles in Bewegung zu ſetzen, um . den Entkommenen zu entdecken. hörte, kam An allen Straßenecken hatten ſich Menſchen zuſammenge⸗ tie.. rottet und Pläne geſchmiedet, auf welche Weiſe man auf die agte er leiſe Spur des Flüchtlings kommen könnte. . Auch Fra Lorenzo, der am meiſten von dieſem Unglück Beein⸗ ünſchte, daß trächtigte, befand ſich unter den Volkshaufen und gab dann end⸗ . lich den Rath, jedes Haus in Neapel zu durchſuchen und überall überraſcht, mit Feuer und Schwert zu drohen, wo man am meiſten Ver⸗ 1 ſein Herr dacht hegte. einem Tiſche Der ſchlaue Räubermönch, wie alle dieſe Helden aber, ka⸗ men nicht auf den Gedanken, daß der Verſchwundene wieder 6 dez zu einem dort Zuflucht gefunden haben könnte, wo man ihn entdeckt deine kleine hatte.—. 3 Selbſt das Feſt der heiligen Jungfrau del Carmine, welches 4 den Inhalt heute gefeiert wurde und ſo viele Zerſtreuungen bot, wie auch nd ſich Alles die angekündigte Meeresfahrt, die unternommen werden ſollte, —b vermochten kaum die ſonſt ſo leicht veränderliche Gemüthsſtim⸗ agleich nicht mung der Neapolitaner zu zügeln. rmit finſte Aber noch eine zweite Schreckensnachricht hatte ſich verbrei⸗ tet, es war die von der Ermordung des vertrauteſten Freundes Maſaniello's durch einen der verhaßten Edelleute. Dieſe Kunde drang auch in die Hütte am Geſtade, in wel⸗ chher Blanca noch immer weilte. Die unglückliche Schweſter Giulio's lag in einem beſtändi⸗ 1 gen Zuſtande zwiſchen Schlaf und Wachen und wußte nichts von Allem, was um ſtie her geſchah. Erſt gegen vier Uhr erſchien ein alter Fiſcher bei der Mut⸗ ter des Geheimſchreibers, welche am Fenſter ſaß und mit düſte⸗ ren Blicken auf das Meer hinausſtarrte. ſe dann m — Erwartet Ihr Euren Sohn, Mutter? fragte er. — Jetzt nicht, aber am Abend. allin dii — Er wird nicht kommen. 3 — Warum behauptet Ihr dies, Giacomo! dem aäe — Weil es unmöglich iſt.,.„ — Unmöglich, daß er ſeine Mutter beſucht? rief die Alte Nihr für überraſcht. Blankn — Unmöglich— wiederholte der Fiſcher, es ſei denn, daß die Nutier Ihr den abgeſchnittenen Kopf Eures Sohnes wieder an deſſen 7 Wa Rumpf befeſtigen könntet. der hat ſen — Heilige Jungfraul kreiſchte die Alte, während ſie leichen⸗ vnung hing blaß wurde; was ſagt Ihr da? Blanka — Die ſchrecklichſte Wahrheit— man hat Euren Sohn er⸗ lächelte und mordet. ſcheu von ſe Die Alte ſtand lange ſprachlos da, aber einzelne Thränen dot floſſen über ihre Wangen, denn die Mutterliebe war ſelbſt in die⸗ Brudermoͤrd ſem rohen Gemüthe nicht untergegangen. Weib? höre — Wer hat meinen Sohn ermordet— fragte ſie nach län⸗ nen Bruder gerem Schweigen; that dies Maſaniello, ſein Freund? Dieſe — Nicht Maſaniello that es, ſondern ein Edelmann, der bracht zuh Prinz Giulio Caraffa. ſeltſam forſ — Nein, es iſt nicht möglich, ſagte die Frau, der Mann— W. ſieht ſo ſanft aus, ſo edel und weiß außerdem, daß ich mich— Ha ſchrecklich räche. mit furchtbe — Ich ſage Euch aber, man hat geſtern Abend in dem ihr dabei il Boote des Prinzen Caraffa, welches ihn an das Geſtade brachte, erfüllt wurd den Kopf Eures Sohnes gefunden— die Rache könnt Ihr ſpa⸗— Mei ren— das Volk wird ſie nehmen.— Kin — Sollte es doch der Fall ſein— ſollte er— ßen, als in — Es iſt, wie ich behaupte, und man hat den Mörder be⸗ keit, die M reits verhaftet— morgen wird Maſaniello Gericht über ihn— Mo halten.— Wa — Warum nicht ſchon heute? jammerte die Frau. Veib? — Weil heute das Feſt der heiligen Jungfrau del Carmine— Thr gefeiert wird und außerdem Maſaniello eine Luſtfahrt auf dem— De Meere macht, deshalb iſt er verhindert, Gerechtigkeit zu üben. nicht die G — Er macht eine Luſtfahrt, während er um ſeinen Freund Eingeweiden trauern ſollte— klagte die Frau; entfernt Euch, Fiſcher, fuhr ſehen, dann ich nach der ef die Alte denn, daß tan deſſen ſie leichen⸗ Sohn er⸗ ne Thränen lbſt in die⸗ nach län⸗ ¹ elmann, der der Mann aß ich mich ſend in dem lade brachte, t Ihr ſpa⸗ el Carmine rt auf dem zu üben. nen Freund iſcer, fuh 907 ſie dann mit Blicken fort, welche Unheil kündeten, ich muß allein ſein. Der Alte ging zur Thür hinaus, und die Frau nahte ſich dem Lager Blanka's und rüttelte ſie unſanft. — Wach auf, Weſen, wach auf— ich habe eine ſchreckliche Mähr für Dich. Blanka ſchlug die Augen auf und ſchaute ausdruckslos auf die Mutter Pietro's. — Was blickſt Du mich ſo ſtumpf an, rief dieſe; der Bru⸗ der hat ſeinen Bruder erſchlagen! ſetzte ſie mit grauenhafter Be⸗ tonung hinzu. Blanka ſchien ſie immer noch nicht verſtanden zu haben; ſie lächelte und reichte ihr die Hand, welche die Alte aber mit Ab⸗ ſcheu von ſich ſtieß. — Fort mit Deiner Hand, ſie gehört der Schweſter des Brudermörders anz haſt Du denn kein Gehör für meine Worte, Weib? höre es denn noch einmal: Dein Bruder Giulio hat ſei⸗ nen Bruder Pietro erſchlagen.. Dieſe beiden Namen ſchienen Blanka zur Beſinnung ge⸗ bracht zu haben, ſie richtete ſich empor und ſtierte die Frau mit ſeltſam forſchenden Blicken an. — Was ſagt Ihr? fragte ſie leiſe. — Haſt Du mich nicht verſtanden, Weib? rief die Frau mit furchtbarer Stimme und wiederholte ihre Worte, indem ſie ihr dabei in's Ohr ſchrie, daß Blanka von doppeltem Entſetzen erfüllt wurde. 4 — Mein Bruder ein Mörder? rief ſie, nein, Ihr lügt! — Kind, warum ſollte in ſeinen Adern anderes Blut flie⸗ ßen, als in denen ſeines Vaters, verſetzte das Weib mit Bitter⸗ keit, die Mattalone's waren von jeher blutdürſtig und grauſam. — Mag ſein, aber mein Bruder war es nie. — Wähnſt Du, daß ich dieſen Tod ungerächt laſſen werde, Weib? — Thut, was Euch gut dünkt. — Deinen Bruder will das Volk richten, aber ich will mir nicht die Genugthuung entziehen, mit dieſen Händen in ſeinen Eingeweiden wühlen zu können, und Du ſollſt erſt ſein Blut ſehen, dann will ich auch Dich der Rache opfern— jetzt gehe ich nach der Stadt, um Deinen Bruder in ſeinem Gefängniſſe 908 zu ermorden, und dann kehre ich zurück, um mit Dir Abrech⸗ s enif nung zu halten. neglih und Sie eilte hinaus und verſchloß die Thür der Hütte. 8 Die Erſt gegen Abend gelangte ſie nach dem Platze del Carmine. dwwas zugeft Sie war hier ganz unbekannt und wurde von dem Pöbel ge⸗ ſaugers. ſtoßen und verhöhnt. Jetzt w. — Zeigt mir den Kopf des Geheimſchreibers! ſchrie ſie un⸗ man fluchte ausgeſetzt.— Du Niemand hatte eine Ahnung, daß dieſe Frau die Mutter worden, ch Pietro's ſei; man warf ſie zu Boden und mehr als ein Mal on ſeinem war ſie in Gefahr, zertreten zu werden. Augenblicken — Wer iſt dieſes Weib? fragten viele Stimmen; es iſt— Ich wahnſinnig, was hat dieſe Alte mit den Kopfe des Geheim⸗ theuerte die ſchreibers zu ſchaffen?— du — Vielleicht will ſie ihn malen— lachte einer. 1— Ihr — Ich beſchwöre Euch, laßt mich ihn ſehen— ich bin ſeine habe faſt ni Mutter! Man b — Ihr lügt, die Mutter Pietro's ſtarb ſchon, als er noch unter den ft Kind war, rief einer aus der Menge; er hat es mir ſelbſt ſo Das b geſagt. ſtürm ten, d — Er wußte es nicht anders; erſt ſeit einem Jahre weiß ihr faa die er, daß er mein leiblicher Sohn iſt. Sie bl — Selbſt Maſaniello weiß nicht anders, als daß ſein treuer ihr Sohn Freund weder eine Mutter noch einen Vater hat, ſondern daß— Wo ſeine Eltern längſt geſtorben ſind. ihm dar Hͦ⸗ Nichtsdeſtoweniger war es der Frau gelungen, ſich durch die— ſer rück⸗ und vorwärts ſtrömenden Volksmaſſen einen Weg zu bah⸗ hier rufpfi nen, und ſo gelangte ſie bis zur Verpfählung, welche Maſa⸗ geht Dich niello's Bühne umgab.— Er Mit frohlockenden Blicken betrachtete ſie die Köpfe aller Frau. Uebrigen, endlich zeigte ſich ihr auch Pietro's blutiges Haupt Da auf der Pike. Caraffa? ſi So wüthend auch der Pöbel nach Rache dürſtete, Pietro efindet, mn war doch mehr gefürchtet, als beliebt geweſen. Man Er hatte keinen einzigen Freund, welcher bedacht geweſen Krvorren wäre, den Kopf fortzunehmen und zu begraben. zu affenba So entſtellt auch die Geſichtszüge waren, die Frau, die ihn können 4 geboren, an deren Bruſt er geruht, die ihn gehegt und gepflegt, zreneſer erkannte ihn auf den erſten Blick. Nrnj 909 ir Abrech,.. dc⸗ Es entfuhr ihrem Munde kein Laut, aber ſie ſtand unbe⸗ tte weglich und athemlos. [Carnine. Pöbel etwas zugeflüſtert hatte, weiß um den Aufenthalt des Volksblut⸗ Ag⸗ ſaugers. rie ſe u Jetzt wurde die Frau von einem wilden Haufen umringt, —— man fluchte und erhob drohend die Fäuſte gegen ſie. — Du biſt in der Begleitung des Don Herandez geſehen worden, ſchrie man, wo iſt der Elende? gieb uns Rechenſchaft von ſeinem Aufenthalte, oder Dein Kopf ſoll in den nächſten Augenblicken an einem dieſer Pfähle ſtecken. — Ich kenne dieſen Mann nicht, habe ihn nie geſehen, be⸗ theuerte die Frau. — Du lügſt, Weib, man hat Dich mit ihm geſehen. — Ihr irrt— hier waltet ein Mißverſtändniß ob— ich habe faſt nie meine einſame Hütte verlaſſen. Man brüllte, lärmte, drohte und behauptete in Wirklichkeit unter den furchtbarſten Flüchen eine unwahre Thatſache. Das betäubende Geſchrei, die Haufen, welche gegen ſie an⸗ ſtürmten, die rauhe Behandlung, die ſie erdulden mußte, raubte ihr fac die Beſinnung. Sje blieb bei der Behauptung, daß der ermordete Pietro ihr Sohn ſei. — Wo iſt ſein Mörder? rief ſie, laßt mich zu ihm, daß ich ihm dar Herz herausreiße. — ſegir werden ihn morgen ſteinigen und dann ſeinen Kerf hier aufpflanzen— heute giebt es andere luſtige Dinge; was geht Dich der Mörder des Geheimſchreibers an. — Er hat ſeinen Bruder ermordet— rief die wehklagende Frau. die Mutter ein Nal nen; es iſt 85 Geheim⸗ ich bin ſeine als er noch ir ſelbſt ſo Jahre weiß s ſein treuer ſondern daß Käöpfe aller tiges Haupt Cuaraffa? ſpottete man, ſage uns lieber, wo ſich Don Herandez befindet, urſinnige Alte. 7 1 Man ſchloß aus ihren Antworten, welche der Menge ſehr acht geweſen verworren erſchienen, daß ſie nicht geneigt wäre, irgend etwas zu offenbaren, was die Zuflucht des Miniſters hätte entdecken können, und daß ſie darum wußte, bezweifelte Niemand, ein ehrenhafter Ruffiani hatte es ja behauptet. Man ſchleppte ſie zu der Richterbühne, und hier wurde ihr ſtete, Pietro frau, die inn — Dieſes Weib, ſchrie plötzlich ein Kerl, dem ein Anderer — Dann wärſt Du wohl auch die Mutter des Prinzen 910 von einem der grimmigſten Menſchen, die heute hier über Leben und Tod gebieten, noch einmal dieſelbe Frage vorgelegt. Als man ihr endlich mit der Folter drohte, ſagte die Un⸗ glückliche, ſie hätte gehört, daß der Miniſter nach Benevento entkommen ſei. Jetzt ſtieg die Wuth des Pöbels auf das Höchſte und ein⸗ ſtimmig forderte man ihren Tod. Durch den Lärm aufgeſtört, verließ Celeſto das Kellerge⸗ mach und ging zu der Bühne in dem Augenblick, wo das Schick⸗ ſal der Frau von dem Worte des Mannes auf dem Richterſtuhle abhing. Der Alte verſuchte es, Maſaniello's herriſches Weſen nach⸗ zuahmen und erhob die Hand, um dadurch die Maſſe zum Schweigen zu bringen. Aber ſeine Eitelkeit erhielt eine derbe Lehre und er war ſehr verlegt, als er bemerkte, daß daß Gebrüll der wüthenden Menge nicht nur lauter ward, ſondern auch Gelächter, Ziſchen und Aus⸗ rufe des Hohnes erfolgten. Er befahl das unglückliche Opfer des Volkshaſſes an den Pfahl zu binden und zu geißeln, und dieſer Befehl ward alſo⸗ bald vollzogen. Das Schmerzensgeſchrei der Alten war ſo furchtbar, ſo durchdringend, daß eine Art von Mitleid ſich zu einigen Herzen der nicht ganz verthierten Maſſe den Weg bahnte. — Laßt ſie, ſchrie man, vielleicht iſt ſie doch ſchuldl. 9. Dieſer Ruf fand Nachahmer— man band de F au los, und ſie ſank bewußtlos nieder. Man kümmerte ſich nicht um ſte, und ſie hätte auf der Stelle, wo ſie lag, ſterben können, wenn nicht beim Anbruche der Dämmerung Männer mit Kar⸗ ren gekommen wären, um die Leichen fortzuſchaffen. Auch dieſe Frau wurde für eine Todte gehalten und auf einen Karren gelegt, welcher ſich mit ihr raſſelnd in Bewegung ſetzte.— Durch die Erſchütterung, welche ihr Körper jetzt erdulden mußte, kam ſie wieder zur Beſinnung. — Habt Ihr eine Chriſtenſeele, jammerte ſie zu dem Kar⸗ renſchieber gewendet, ſo laßt mich zurück, ich bin krank und be⸗ darf der Pflege. Ich achend, und Bald ſta te thun ſollt um ihre Lipp det hatte, un raffa“, war Am Feſ Es war frau del Ca des Aufſtan Maſang Führer hatt Tag anbrach Aufſtandes d Dieſes den, wie es aufgewachſer men ein mochte. Mit al Napel und Unzähli bunten Fetze in der Ste Meere und gund, da d Herzen anſp Der ei üder Leben 1 gt. zie die Un⸗ Veneventt b und ein⸗ s Kellerge⸗ das Schick⸗ lichterſtuhle Jeſen nach⸗ Maſſe zum er war ſehr den Menge r und Aus⸗ ſes an den ward alo⸗ 4 trchtbar, ſo ggen Herzen uldl.⸗. F au los, H vicht um ben können, er mit Kar⸗ en und auf etzt erdulden u dem Kar⸗ ank und be⸗ —.30 kann nur Todte gebrauchen, Alte, rief der Mann lachend, und werde Dich, die Lebende, daher abladen. Bald ſtand die Frau aufrecht und ſchien unſchlüſſig, was ſte thun ſollte, aber bald zeigte ein dämoniſches Lächeln, welches uum ihre Lippen ſchwebte, daß ſie einen teufliſchen Plan geſchmie⸗ det hatte, und mit den Worten„Mattalone“ und„Giulio Ca⸗ raffa“, war ſie verſchwunden. Am Feſte der heiligen Jungfrau del Carmine. Es war der ſiebenzehnte Juli, das Feſt der heiligen Jung⸗ frau del Carmine, der Tag, der urſprünglich zum Ausbruche des Aufſtandes beſtimmt geweſen. Maſaniello's Ungeduld, wie auch die Umtriebe anderer Führer hatten die Revolution beſchleunigt, und als der heutige Tag anbrach, wollte der Fiſcher von Amalft die Vollendung des Aufſtandes durch einen Triumph feiern. Dieſes Siegesfeſt ſollte durch eine Waſſerfahrt gefeiert wer den, wie es ein Mann, der, man kann ſagen, auf den Wellen aufgewachſen war, wohl wählen durfte und welchem Unterneh⸗ men ein Fiſchervolk auch freudig ſeine Zuſtimmung geben moochte. Mit aller Pracht des Juli zog die Morgendämmerung über Bewegung Neapel und ſeine herrliche Bai herauf. 4 Unzählige Barken von jeder Größe, geſchmückt mit allerlei bunten Fetzen, welche die Eigenthümer bei den Plünderungen in der Stadt ſich angeeignet hatten, waren ſchon auf dem Meere und der größte Theil des Volkes war in wilder Aufre⸗ gund, da dieſer öffentliche Triumph des blutigen Kampfes alle Herzen anſprach. Der einzige Ort, wo die allgemeine Begeiſterung keinen 912 Anklang zu finden ſchien, war die finſtere Wohnung des Vice⸗ königs, deren Geſchütze aus den Schießſcharten hervorblitzten, aber ſtumm blieben. Die ganze Gegend des Caſtels war verlaſſen, da die Volks⸗ maſſen ſich theils auf dem Marktplatze zuſammengedrängt hatten, und ſich dann in ungeheuren Strömen längs der Küſte nach Pauſilippo ergoſſen. Maſaniello befand ſich in der heftigſten Aufregung.— Er brach oft in Ausrufen kindiſcher Freude aus, und ſeine Vorbereitungen gingen bis zu endloſen Kleinlichkeiten. Alle Geſchäfte ruhten, und ſelbſt das Richtbeil ward in dieſem feſtlichen Augenblick zum Stillſtand gebracht. In der Stunde aber, in welcher Maſaniello's Aufregung am höchſten geſtiegen war, wurde ſein Herz ſchmerzlich durch die Nachricht von Pietro's Ermordung berührt. Seine Blicke verfinſterten ſich, er hielt dieſes Ereigniß für eine böſe Vorbedeutung und blieb lange ſtumm. — Wer iſt der Thäter? fragte er endlich. — Giulio Caraffa? antwortete der Ueberbringer der Nach⸗ richt.— t — Er ſterbe, aber nicht heute, morgen will ich Gericht über ihn halten, Ihr habt ihn doch ergriffen? — Er befindet ſich in Haft. Er winkte dem Manne hinauszugehen und blieb in ſeinem Gemache allein, wo er ſich den wildeſten Wuthausbrüchen überließ. Bald aber verſank er wieder in tiefe Schwermuth. — Nun wird auch die Reihe an mich kommen, murmelte er leiſe; ja, ja, ich weiß es, dieſes undankbare Volk iſt meiner müde.— Er ſah mit ſtarren Blicken um ſich, mehrere Gegenſtände, die in ſeinem Gemache zum Zwecke der Feſtlichkeit umherlagen, erinnerten ihn wieder an ſeine Beſchäftigung. Es lag in ſeiner Abſtcht, die Luſtfahrt auf dem Meere mit allem Pomp auszuſtatten, zu welchem ihm auch ſeine unum⸗ ſchränkte Macht genügende Mittel bot. Seine ſeltſamen Ausſchreitungen und Anordnungen hatten zwar die meiſten Menſchen überzeugt, daß ſein Verſtand nicht ganz geſund war, aber die Feſtlichkeit gefiel dem Volke ſo ſehr, duß alle ſein in ſammelt Jul das W Alle ſchi aubringen, w blutdürſtige um, währen und der Mor früͤher geſcht lich erſcheine Währen Veränderung Vor ſei Eile und a Jeder von d lichung des auffallendſte Schon Menge vere ſpetti. In den befand,, wo händler beij Auf de Fatben und ſen, Degen Diener leute, mit de dieſen Sache die ausgey lleidſam wä In ein los auf dem Sie ha traurige S⸗ Maſan vorlegte, ei wählt, welch Sie be Das gpfe ig des Vice⸗ daß alle ſeine Anhänger ſich mit demſelben Enthuſiasmus um eroatblizten, ihn ſammelten als in jenem Augenblick, wo er das erſte Mal das Wort für die Aufhebung der Abgaben ergriffen hatte. die Vollz. Alle ſchienen entſchloſſen, dieſen Tag wenigſtens luſtig hin⸗ ängt hatte, zubringen, was auch der folgende bringen mochte— nur einiges Küſte nach blutdürſtige Geſindel benutzte die Aufregung des ganzen Volkes, uum, während dieſes ſich der Zerſtreuung hingab, der Tobſucht ung.— unnd der Mordgier zu fröhnen, und daher werden uns auch die „und ſeine früher geſchilderten Scenen und Ereigniſſe dieſes Tages erklär⸗ n. lich erſcheinen. il ward in Während der Vorbereitungen zum Feſte nahm man gewiſſe Veränderungen in Maſaniello's Wohnung wahr. b Aufregung Vor ſeiner Hütte drängten ſich Menſchen, die mit großer ich durch die Eile und außerordentlich wichtiger Miene kamen und gingen. Jeder von dieſen brachte einen Schmuckgegenſtand zur Verherr⸗ Ereigniß füt lichung des Feſtes. Im Innern des Hauſes aber zeigte ſich der auffallendſte und traurigſte Contraſt. Schon vor der Treppe im Erdgeſchoß der Hütte hatten eine der Nach⸗ Menge vergnügungsſüchtiger Leute die ſchmale Treppe abge⸗ ſperrt.- ich Gerich 3 In dem Gemache, in welchem ſich Maſaniello's Lagerſtätte befand, waren Schneider, Juweliere, Sticker und Federſchmuck⸗ händler beiſammen. id in ſenem Auf dem Tiſch lagen die prächtigſten Gewänder in allen hausbrüchen Farben und Stoffen von Seide und Sammet, Federhüte, Treſ⸗ ſen, Degen und Lurusgegenſtände aller Art fehlten ebenſowenig. th. Diener aus dem Palaſte des Vicekönigs und junge Edel⸗ n. murnett leute, mit dergleichen Dingen vertraut, hielten Muſterung unter ſt it meiner dieſen Sachen, während Maſaniello, ihrer Entſcheidung harrend, die ausgewählten Gegenſtände anlegte, um zu ſehen, ob ſie kleidſam wären. In einer anderen Ecke ſaß Livia, hager, bleich und regungs⸗ los auf dem elenden Bette. Sie hatte ihre Hände verſchränkt und ſchaute düſter auf das traurige Schauſpiel, welches ſich ihr bot. Maſaniello hatte unter den Lurusgegenſtänden, die man ihm voorlegte, einen mit Hermelin beſetzten Sammetmantel ausge⸗ wählt, welchen er um Livia's Schultern legte. Sie bebte, allein ſie widerſetzte ſich ſeinem Wunſche nicht, Das Apfer von Amalſt.(Bd. uII 1s) 58 Gegenſtände, umherlagen, n Meere mit ſeine unum⸗ ngen hatten erſtand nicht golke ſo ſehr, 914 wenngleich ihr der wenig verhehlte Spott der Hofſchranzen nicht entgangen war. Plötzlich ließ ſich auf dem Platze del Carmine ein lautes Geſchrei vernehmen— Maſaniello eilte zur Richterbühne— die Sdelleute erbleichten. Livia ſchloß einige Minuten die Augen, während ihre Lippen bebten— Niemand unter den Umſtehenden hatte auf ſte beſon⸗ ders geachtet. Sie hatte nur für ein Weſen auf dieſer Welt gelebt, und es blieb ihr wenigſtens der tröſtliche Gedanke, daß Maſaniello, ſo lange ſein Gemüth nicht zerrüttet war, ſie heißinnig und über Alles liebte. Die Thür öffnete ſich und ihr Gatte trat wieder ein. Seine Züge hatten jede Spur von Schwermuth verloren, im Gegen⸗ theil ſtrahlte aus ſeinen Blicken Heiterkeit; er beſchäftigte ſich wieder mit ſeinem Anzuge und prangte bald in vollem Glanze. Alles war zum Aufbruche bereit, und man wartete nur noch auf den Herzog von Arcos, welcher ſeine Betheiligung an der Feſtlichkeit zugeſagt hatte, als plötzlich ein Bote von ihm ein⸗ trat, welcher meldete, daß er unwohl geworden ſei und unmög⸗ lich ſeine Wohnung verlaſſen könnte. Die Höflinge lächelten. Zugleich aber wurde auch gemeldet, daß die herzoglichen Barken bereit ſein ſollten, Maſaniello und ſein Gefolge aufzu⸗ nehmen. Maſaniello antwortete mit einer Höflichkeit, welche der Garderobe, die er angelegt hatte, vollkommen entſprach, und von dieſem Augenblick an war der Herzog von Arcos völlig ver⸗ geſſen. Das Geſchrei des Volkes auf dem Marktplatze und das Wirbeln der Trommeln verkündete jetzt, daß man zum Aufbruche bereit ſei.. Er trat nun noch einmal auf die Richterbühne und ſprach einige Augenblicke in blumenreichen, lieblichen, aber bald unver⸗ ſtändlichen Worten zu dem Volke. 1 Unter anderem Unſinn ſagte er auch, daß er den noch nicht gereiften Plan hätte, aus dem Freiplatze einen Seehafen zu machen und Neapel und Spanien durch eine Brücke zu verbin⸗ dn beide G jieben wollt Ein la lber dieſen und kehrten Alles bliche ſich i — Wo Unſer Volk Als Lit ben, abet il Sie rich die Umſtehe fälige Geſt Als er Vangen rit Als er merkte, ver Stimmung ihr wit ſta Sie b eine tiefe Die u ſich aber glaubte ſie ziehen zu k nzen nicht ein lautes die— die re Lippen ſie beſon⸗ elebt, und Naſaniell, ennig und in. Seine im Gegen⸗ äftigte ſich n Glanze. nur noch ig an der ihm ein⸗ nd unmög⸗ erzoglichen alge auffu⸗ welche der prach, und völlig ver⸗ e und das Aufbruche und ſprach bald unver⸗ noch nicht geehafen zu zu verbin⸗ den, beide Entwürfe aber erſt nach ſeiner Rückkehr in Erwägung ziehen wollte. Ein lautes, luſtiges Geſchrei unterbrach ihn, und erfreut über dieſen ſcheinbaren Beifall verbeugte er ſich vor dem Volke und kehrte in ſeine Wohnung zurück. Alles war nun zum Aufbruche bereit, Maſaniello aber blickte ſich in ſeinem Gemache um, als ſuche er etwas. — Woſ iſt meine holde Livia? fragte er, iſt ſie bereit?— Unſer Volk wartet. Als Livia dieſe Worte vernahm, verſuchte ſie ſich zu erhe⸗ ben, aber ihre Glieder verſagten ihr den Dienſt. Sie richtete ihr Haupt empor; in dieſem Augenblick traten die Umſtehenden an die Seite und Maſaniello gewahrte die hin⸗ fällige Geſtalt. Als er ihren Blicken begegnete und Thränen über ihre bleichen Wangen rieſeln ſah, überlief ihn ein plötzlicher Schauder. Als er indeſſen den bunten Mantel um ihre Schultern be⸗ merkte, verlor er ſchnell den Faden ſeiner Erinnerung, ſeine Stimmung veränderte ſich, indem er ſich ſtolz emporrichtete und ihr mit ſtattlichen Schritten entgegenging. Sie breitete die Arme gegen ihn aus, er aber machte ihr eine tiefe Verbeugung und verließ das Gemach. Die unglückliche Frau ließ keinen Klageton hören, als ſie ſich aber allein befand, ſchloß ſie ihre Augen, gleichſam als glaubte ſie ihrer Seele dadurch jeden ſchreklichen Eindruck ent⸗ ziehen zu können. Das Gold in den Wellen. 1 Maſaniello's erſter Gedanke war, in ſeinem neuen Feſtan⸗ zuge die Meſſe zu hören und der heiligen Jungfrau del Car⸗ mine, die ſeine Gefahren geſehen hatte, für den Triumph zu danken, der ihm nun zu Theil geworden war. Der Erzbiſchof Filamarino hielt das Hochamt, und als die Feierlichkeit beendet war, trat Maſaniello zu den Stufen des Altars und bat ihn um ſeinen Segen. Man bemerkte, daß die Wangen des Erzbiſchofs bei die⸗ ſer Gelegenheit bleich waren und Thränen in ſeinen Augen glänzten. Nachdem er Maſaniello geſegnet hatte, ſchloß er ihn in ſeine Arme. Das Volk verließ die Kirche und begleitete Maſaniello mit lautem Zurufe nach dem Geſtade, wo er ſeine Barke beſteigen wollte. Die Sonne ſtand bald im Süden und ſenkte ihre heißen Strahlen auf die halbnackten Schaaren und auf Maſaniello's Scheitel, der wahrlich keiner neuen Erhitzung bedurfte. Die Barke des Herzogs war prächtig ausgeſchmückt— ein Muſikchor ſtand bereit— und ein Freudengeſchrei empfing den Fiſcher, als er in das Fahrzeug ſtieg. Er war ſo lebhaft aufgeregt, daß er die Arme über den Kopf erhob, den Barken, die ſich um ihn drängten, laut zurief und kaum ſich abhalten ließ, bei der Führung ſeines Nachens ſelber Hand anzulegen. Kaum war das Fahrzeug vom Ufer abgeſtoßen, als unzäh⸗ lige, mit Menſchen beſetzte Kähne rings umher das Meer be⸗ deckten, während Tauſende längs der Küſte in der Richtung ſich bewegten, die das Luſtgeſchwader einſchlug. Als nun die Fahrzeuge auf dem Meere ſchwammen, über⸗ ließ ſich Maſaniello der wildeſten ausgelaſſenſten Luſtigkeit. Er blickte in das Waſſer, klatſchte in die Hände und ſchrie freudig auf, während Hunderte von nackten Kindern wetteifernd * ire Sprün ſchwanden, untertauchte — Ein eine Stimm Maſan nie die Wo dieſem Auge Er ließ Gold geben Alle Fo Schauſpiel, Man wild jubeln lich verſchn Maſan lauten Flüc Es ga Barke ſteue Einig. und ſchwa dem Gold Die ten ſich m niellos fre Hand nahe Dieſes ſtade bei„ ſtieg.— Püötz unbegreifli dem Augel Er w. die ihm it neue Sper Der der zahlloſ Sorge zu Es we en Feſtan⸗ del Car⸗ riumph zu dd als die tufen des à bei die⸗ tden Augen er ihn in miello mit te beſteigen ihre heißen laſaniellos ückt— ein npfing den e über den laut zurief es Nachens als unzäh⸗ Meer be⸗ lichtung ſich men, über⸗ ti igkeit. eund ſchrie wetteifernd ihre Sprünge vor ihm machten, bald unter den Wogen ver⸗ ſchwanden, bald an der Seite der Barke hinankletterten, wieder untertauchten, oder im Scherze mit einander rangen. — Einige Pfennige, lieber Maſaniello, ließ ſich plötzlich eine Stimme vernehmen, um der heiligen Jungfrau willen. Maſaniello hatte während ſeines Glücksrauſches vielleicht nie die Wonnen des Machtbeſitzes ſo lebhaft empfunden als in dieſem Augenblick. Er ließ ſich von ſeinen Begleitern nicht Pfennige, ſondern Gold geben und warf Dukaten in die Wellen hinaus. Alle Fahrzeuge wurden verlaſſen und es folgte jetzt ein Schauſpiel, das ſich kaum beſchreiben läßt. 7 Man ſah Hunderte von triefenden Köpfen über den Wellen, wild jubelnd, und als das Gold auf ſie herabregnete, augenblick⸗ lich verſchwinden. Maſaniello's Geſchrei wirkte wie ein Schlachtruf, aber die lauten Flüche getäuſchter Taucher folgten. Es gab Kämpfe über und unter den Wellen— Maſaniello's Barke ſteuerte nur langſam vorwärts. Einige Nachen folgten, aber die Meiſten waren verlaſſen und ſchwammen einſam auf den Wogen, da ihre Bemannung dem Goldregen nacheilte. Die gebräunten muskulöſen Geſtalten der Fiſcher vermiſch⸗ ten ſich mit zarten Knaben, welche untertauchten, um Maſa⸗ niello's freigiebige Spenden zu erhaſchen, und Alle wollten der Hand nahe ſein, die ſie auswarf. Dieſes Schauſpiel dauerte, bis die ſtattliche Barke das Ge⸗ ſtade bei Pauſtlippo erreicht hatte, wo Maſaniello an's Land ſtieg.— Plötzlich aber zeigte ſich zum Staunen der Zuſchauer eine unbegreifliche Veränderung in ſeiner Stimmung und zwar in dem Augenblick, wo ſein Fuß das Ufer betrat. Er wurde finſter und unempfindlich, ſchlug auf Alle ein, die ihm in den Weg traten und bedrohte, diejenigen, welche neue Spenden von ihm verlangten, mit dem Tode. Der Herzog hatte es nicht unterlaſſen, für die Bewirthung der zahlloſen Schaaren, welche dieſ ſem ſeltſamen Zuge folgten, Sorge zu tragen. Es waren am Strande Zelte aufgeſchlagen, Muſikchöre auf⸗ geſtellt, welche den Führer des Volkes bei ſeiner Landung be⸗ grüßten, und mehrere Diener des Statthalters drängten ſich vor, ihn zu einer Tafel einzuladen, welche mit Wein und Speiſen im Ueberfluß beſetzt war. In Maſaniello's Zügen zeigte ſich tiefe Schwermuth. Mit hochfahrendem Weſen empfing er die Aufmerkſamkeiten, die man ihm erwies und begehrte dann Erfriſchungen. Als man ihm Wein brachte, trank er Zug auf Zug, bis er berauſcht, ſeiner Launen entfeſſelt wurde. Hierauf befahl er Allen, mit ihm nach der Kirche von Pie⸗ digrotta zu ziehen. Als er dort ankam, waren die Thüren ver⸗ ſchloſſen, und er wurde von einigen zitternden Mönchen gebeten, den heiligen Tempel gegen Entweihung zu ſchützen. Die eigentliche Urſache dieſer Handlungsweiſe der Mönche war der Umſtand, daß die reichen Edelleute ihre koſtbarſte Habe in die Gewölbe der Kirche und des angrenzenden Kloſters ge⸗ ſchafft hatten und die Mönche daher beim Anblick dieſer Schaaren leicht einen Raub befürchten konnten. Maſaniello war dies bekannt, er ſchob die Geiſtlichen unſanft bei Seite und gab ſogleich den Befehl, die Thüren zu ſprengen. In wenigen Minuten war die Kirche ausgeplündert, und auf Maſaniello's Haupt fielen die Verwünſchungen der erſchrocke⸗ nen Mönche, welche nicht nur die ihnen anvertrauten Schätze, ſondern auch das Eigenthum der Kirche ſelbſt entwendet ſahen. Maſaniello war von der heftigen Aufregung völlig erſchöpft — und der Wein, den er getrunken hatte, brannte in ſeinen Eingeweiden wie Feuer. Er wurde von einem faſt unlöſchbaren Durſte befallen. — Waſſer, Waſſer, rief er, in meinen Eingeweiden wühlt ein reißendes Thier,— heilige Jungfrau, man hat mich vergif⸗ tet; mein Gehirn und mein Herz werden von einer Höllengluth verzehrt. Der Schaum ſtand auf ſeinen Lippen, ſein Auge leuchtete unheimlich, eine furchtbare Wildheit ſprach aus demſelben. Man brachte ihm Waſſer, er leerte haſtig das Glas und warf es dann weit von ſich. Er tobte und wüthete, aber Niemand wagte Hand an ihn zu legen, und man wich ſcheu vor ihm zurück. In ſeinen rücht ſtander u legen. Kaum u Met ſprang — Waß er, Deine ü Er taudh ler Mühe w Es gnb einſahen, do olgen habe Man b ſogleich nac Der 9. Wöhfen, ü Wein that Die B Fahrzeuge dem Verdee ſich um ih Er la fahren un Wohnung Bald von dem hingegen nahte. Der Haus, un gen Verit Der die Ausfü Von chen gege rend meh des Platz ſtraße au⸗ . andung b. en ſich vor, 1 d Speiſen nuth. riſamkeiten, 1 II. Jug, bis er e von Pie⸗ hüren ver⸗ en gebeten, der Mönche barſte Habe Kloſters ge⸗ r Schaaren Geiſtlichen die Thüren ündert, und er erſchrocke⸗ ten Schätze, ndet ſahen. lig erſchöpft zte in ſeinen efallen. beiden wühlt mich vergif⸗. Höllenaluth uge leuchtete ſelben. ss Glas und zund an ihn — 919 6 4* In ſeiner Raſerei befahl er, die Menſchen, welche ihm zu⸗ nächſt ſtanden, nach ſeiner Rückkehr in die Stadt auf den Block zu legen. Kaum war das Gedränge von ihm gewichen, als er in das Meer ſprang. — Waſſer, gieb Du mir Waſſer, Du blaues Meer, rief er, Deine Fluth wird mich heilen! Er tauchte ſeinen Kopf unter die Wogen und nur mit vie⸗ ler Mühe ward er vom Tode gerettet. Es gab immer noch Leute in ſeiner Nähe, welche ſehr wohl einſahen, daß ſein Tod in dieſem Augenblicke die ſchrecklichſten Folgen haben würde. Man brachte ihn ſchnell in ſeine Barke und gab Befehl, ſogleich nach Neapel zurückzukehren. Der größte Theil der Menge war ſchon, gleich hungrigen Wölfen, über die Speiſen und Getränke hergefallen— der Wein that ſeine Wirkung und es begann ein luſtiges Zechgelage. Die Barke des Statthalters fuhr ohne Begleitung anderer Fahrzeuge nach der Stadt zurück. Maſaniello ſtreckte ſich auf dem Verdecke nieder und achtete auf Niemand unter denen, welche ſich um ihn befanden. Er landete bald an derſelben Stelle, von welcher er abge⸗ fahren und ward auf den Armen ſeiner Begleiter nach ſeiner Wohnung getragen. Bald erhielten der Statthalter und der Erzbiſchof Nachricht von dem Ausgange des Feſtes, und Erſterer wußte— Letzterer hingegen vermuthete, daß Maſaniello's Laufbahn ſich ihrem Ende nahte. Der Erzbiſchof ſtellte einige ſeiner Diener vor Maſaniello's Haus, um den unglücklichen Mann pen irgend einer wahnſinni⸗ gen Verirrung abhalten zu laſſen. Der Herzog von Arcos ging nun kühn und entſchloſſen an die Ausführung ſeiner Pläne. Von den Zinnen der Veſte wurde Doria's Geſchwader Zei⸗ chen gegeben, ſich zur Fahrt nach Neapel bereit zu halten, wäh⸗ rend mehrere Abtheilungen der ſpaniſchen Leibwache die Zugänge des Platzes vor der Kirche del Carmine und die von der Toledo⸗ ſtraße auslaufenden Gaſſen beſetzen mußten. — Eine tragiſche Seene. Während viele der wüth zechten, fürchteten die ruhigeren Bürger, welche in der Stadt geblieben waren, keine böſen Folgen, als ſie namentlich Maſa⸗ niello zurückkehren ſahen und den Zuſtand ſeines Gemüthes wahrgenommen hatten. Sie bemerkten die Bewegungen der Soldaten und die eiligen Boten, welche von dem Statthalter zu dem Erzbiſchof und von dieſem wieder zu jenem hin und her gingen. Nichtsdeſtoweniger aber machte man die gewöhnlichen Vor⸗ bereitungen zu den nächtlichen Wachtfeuern, ſchlenderte auf dem Marktplatze umher und machte Pläne für den folgenden Tag. In dem Caſtel Nuovo herrſchte gleichfalls eine rege Thä⸗ tigkeit, und man traf dort alle Anſtalten zu dem entſcheidenden Kampfe um die Obergewalt. Man hat dem Herzog von Arcos den Vorwurf gemacht, daß er in jenem wichtigen Augenblicke unſchlüſſig geweſen ſei und mit Mördern— Rath gehalten hätte. Der Muth des Adels war erwacht, und die Soldaten rüſte⸗ ten ſich zum Kampfe. Maſaniello's Name allein hatte die That⸗ kraft der Edelleute gelähmt. Als indeſſen die Nachricht kam, daß der Fiſcher nicht mehr zu fürchten wäre, wurden ſie von einem plötzlichen Eifer er⸗ griffen, ſich auf den ſchrecklichen Pöbel zu ſtürzen, um Rache zu nehmen. Der Herzog von Arcos ließ ihre Vorbereitungen geſchehen, hielt aber die Zugbrücke aufgezogen und ließ die Mündungen der Geſchütze gegen die inneren Zugänge derſelben richten. Als der Tag vorrückte, verbreite ſich das Gerücht, daß ein⸗ zelne Haufen von Tauſenden und Zehntauſenden nach Neapel zurückgekehrt wären, und dies machte die Hofpartei wieder klein⸗ müthig. Der Herzog von Arcos allein— verlor den Muth nicht. Er hatte ſeine Anſtalten getroffen und erwartete die Dun⸗ endſten Aufrührer noch in Pauſilippo rlheit für dem Strom ſü 6 geheimniſt del Carmin Seine Herzogs, u fommenden rauſcht und Tages neue den Kopf Nieme beobachtete ſcheidung Kaum und dem u ſich auf de in Maſan zu unterr Maſe ſenden un ſam am! Die ben dem Nirg wie im G nen Schle Ald trat, wür ben, deſſe unzugäng In unglückli lehnt und Seit gen war Er vor weni Pauſtlippo 1 der&. der Stadt llich Maſa⸗ Gemüthes dro„er. die eiligen df und von lichen Vor⸗ tte auf dem den Tag. rege Thä⸗ ſſcheidenden emacht, daß ſei und mit daten rüſte⸗ e die That⸗ nicht mehr 1 Eifer er⸗ n Nache zu jgeſchehen, dungen t, daß ein⸗ ach Napel teder klein⸗ th nicht. die Dun⸗ V kelheit für die Ausführung derſelben, wenn auch Neapel vo dem Strome der zurückkehrenden Volkshaufen überfluthet ſein vor wenigen Stunden mit ſo vieler Sorgfalt ausgewählt hatte, 1 8 921 ſollte. Der Erzbiſchof von Filamarino, der nur zum Theil in die Geheimniſſe des Statthalters eingeweiht war, hielt in der Kirche del Carmine eine förmliche Wache. 3 Seine Späher waren eben ſo thätig als die Boten des Herzogs, und er vernahm mit Zittern die von Zeit zu Zeit an⸗ kommenden Nachrichten von der Rückkehr des Pöbels, der be⸗ „rauſcht und aufgeregt von der Hitze und den Anſtrengungen des Tages neue Metzeleien, Brandſtiftungen und vor allen Dingen den Kopf des Miniſters verlangte. 3 Niemand in der Stadt, ſelbſt nicht der Herzog von Arcos, beobachtete mit ſo lebhafter Theilnahme die herannahende Ent⸗ ſcheidung als Celeſto.— Kaum hatte er die Nachricht von Maſaniello's Rückkehr zund dem wahnſinnigen Treiben in Pauſilippo erhalten, als er ſich auf den Weg nach dem Platze del Carmine machte, um ſich in Maſaniello's Wohnung perſönlich von der Lage der Dinge zu unterrichten. Maſaniello's Hütte war nicht mehr von gehorſamen Tau⸗ ſenden umgeben, nur einige Diener des Erzbiſchofs hielten furcht⸗ ſam am Fuße der Treppe Wache. Die Richterbühne war verlaſſen und das Richtbeil lag ne⸗ ben dem Letzten, der gefallen war. A Nirgend gab es ein Lebenszeichen— im Hauſe war es ſtill wie im Grabe und draußen ſah es aus wie auf einem verlaſſe⸗ nen Schlachtfelde.. Als Celeſto in die oberen Kammern der elenden Wohnung trat, würde der Anblick, der ſich ihm darbot, jeden gerührt ha⸗ ben, deſſen Herz nicht ſchon lange für alle menſchliche Regung unzugänglich geweſen wäre. In einem Winkel des Gemachs auf dem Eſtrich ſaß der unglückliche Wahnſinnige. Er hatte den Kopf an die Wand ge⸗ lehnt und war bleich und matt. 5 Seine Augen hatten einen unnatürlichen Glanz, im Uebri⸗ gen war ihr Blick ausdruckslos und unſtät. Er war noch immer in der höfiſchen Tracht gekleidet, die er 4 1 die aber nun beſchmutzt, zerriſſen und vom Waſſer durchnäßt, kaum kenntlich war. Er ſchien ruhig zu ſein, und ſich ſtill erholend, ſpielte er mit der goldenen Kette, welche noch an ſeinem Halſe hing. Zuweilen brachte er die Kette näher vor die Augen— es zeigte ſich Verlegenheit in ſeinen Zügen, und er ſuchte unter den Falten ſeines Hemdes nach dem Marienbilde, das er von ſeiner Kindheit an getragen hatte. Nur eine Seele hing in den Stunden des Unglücks treu an ihm— es war Livia, die Geliebte ſeiner heitern Jugend. Mit verſchränkten Armen ſtand ſie vor ihm und beobachtete“ jede Bewegung in ſeinen Zügen. Man ſah in ihrem Antlitz keine Veränderung— es war wie ſeit vielen Tagen bleich und verrieth Erſchlaffung, auf ihren Wangen zeigte ſich ein brennend rother Fleck. Jede Hoffnung, die ſte vielleicht einſt in ihrer Bruſt ge⸗ hegt hatte, war erſtorben, niemals aber bot die Verzweiflung einen mehr tragiſchen Anblick als hier. Es ſchwebte ein Lächeln um ihren Mund, welches verſtänd⸗ licher, als Worte es ausſprechen konnten, ſagte, daß ſie ſich freute, daß die nächſte Veränderung für Beide eine Barmher⸗ zigkeit ſein würde. Einmal als der Leidende vergebens nach ſeinem Schutzbilde ſuchte, bewegte er ſeine Lippen. Sie beugte ſich zu ihm und hörte ihn matt flüſtern. — Wo iſt Livia? fragte er. Dieſe Worte lockten Thränen aus ihren Augen, und die Seligkeit über eine Liebe, treu bis an das Grab, die ſelbſt das Wirken des Verſtandes ſiegreich überdauerte, machte ihr Herz ſo glücklich, ihren Blick ſo ſtrahlend als an jenem Tage, an wel⸗ chem er unter den Reben von La Cava in kaum vernehmlicheren Tönen das erſte Geſtändniß der Liebe ihr zugeflüſtert hatte. Dieſes war die Scene, welche ſich dem teufliſchen Blicke Ce⸗ leſto's darſtellte. Unbemerkt war er hereingetreten, und indem er ſich über Maſaniello beugte, beobachtete er ihn einige Augenblicke ſcharf. — Rede mit ihm, Livia, nahm er endlich das Wort; er wird Deine Stimme kennen— er iſt erſchöpft, aber bei ſeiner Jugend wird er ſich ohne Zweifel bald erholen. Der Ton auf Maſtnitl Celeſto t aufheben,vae Sie legt lete mit eine Celeſto! ihren Zügen Blickes einge glich, deſſen entſcheiden— verließ das — Der wird ohnehi lich unſchädl Maſani Augen und Don ger erhober F — Se aber.— — V. ſie mit mir ſanfte Stin drrcnäßt 3 ſpielte er hing. ugen—e unter den von ſeiner cs treu an gend. beobachtete — es war auf ihren Bruſt ge⸗ tzweiflung verſtänd⸗ aß ſie ſich Barmher⸗ Schutzbilde rn. „und die ſelbſt das ihr Herz e, an wel⸗ ehmlicheren hatte. Blice Ce⸗ ſich über tee ſcarf. Port; er bei ſeinet Der Ton dieſer Stimme brachte einen flüchtigen Schatten auf Maſaniello's Angeſicht hervor; Livia antwortete nicht.— Cceleſto wollte die hagere Hand des unglücklichen Mannes aufheben, als die lückliche Frau plötzlich erſchrak. Sie legte ihre Hand auf die Schulter des Alten und deu⸗ tete mit einem ernſten verweiſenden Blick auf die Thür. Celeſto ließ ab— ob von der feierlichen Würde, die aus ihren Zügen ſprach, gerührt, oder durch den Ausdruck ihres Blickes eingeſchüchtert, der faſt dem wahnſinnigen ihres Mannes glich, deſſen Auge eben auf ſie ſchaute, vermögen wir nicht zu entſcheiden— er gehorchte ihrem Winke— wendete ſich um und verließ das Gemach. — Der Mord wäre faſt überflüſſig, murmelte er, denn er! wird ohnehin ſterben, aber es iſt beſſer, daß er ſobald als mög⸗ lich unſchädlich gemacht werde. Maſaniello ſchloß, nachdem ſich Celeſto entfernt hatte, die Augen und ſank in einen ruhigen Schlaf. Auf baldigen Frieden. Don Herandez hatte am nächſten Tage ſich kaum vom La⸗ ger erhoben, als er bei ſeinem Diener nach Thereſia forſchte. — Iſt ſie zurückgekehrt? fragte er. — Seit drei Stunden, gnädigſter Herr,— ſie ſchläft jetzt aber.— — Wenn ſie erwacht, ſo vergiß nicht, ihr zu melden, daß ſie mit mir ſpeiſen ſoll. — Ich weiß es ſchon, gnädigſter Herr. 4 Der Diener entfernte ſich, begab ſich ſogleich nach der Thür, 35 welche zu Thereſia's Gemächern führte, pochte leiſe an, und eine ſanfte Stimme rief:„Herein!“ 924 Er ging hinein, flüſterte Thereſia einige Worte zu, und dieſe erbleichte. — Du weißt es ſicher? fragte ſte. — Ich habe wenigſtens die Urſaches ks beſtimmt zu ver⸗ muthen. — Ich danke Dir, ſagte ſie.— Als Thereſia ſich wieder allein befand, zeigte ſich in ihrem Antlitz etwas Schreckliches— Unheilvolles. — Ja, er ſterbe, ſagte ſie— noch heute, ehe ſich die Sonne neigt, beſchließeſt Du Deinen Lauf, Don Herandez. Gegen drei Uhr Nachmittags ſchickte Herandez den Diener und ließ ſie wiederholt erſuchen, bei ihm zu erſcheinen. Sie folgte endlich der Einladung; als ſie in ſein Zimmer trat, ſtanden zwei gefüllte Becher neben mehreren Tellern mit Confekten auf dem Tiſche. — Du bleibſt lange, Thereſta, ſagte Herandez, der ihr freundlich entgegentrat, ſie zu dem Tiſche führte und ſie dann ſanft auf einen Seſſel niederdrückte. — Aber ich komme endlich, verſetzte ſie gleichgiltig. — Du warſt in der heutigen Nacht nicht im Hauſe, Thereſia. — Ich entfernte mich um elf Uhr und kehrte ſchon um zwei Uhr wieder zurück. — Und welchen Zweck kann die nächtliche Wanderung mei⸗ ner Thereſia haben. — Ich wollte Rache nehmen! — Rache— an wem? — An Pietro, allein ich kam zu ſpät, ein Anderer hat für mich gehandelt, wenn auch nicht der wahnſinnige Herzog von Mattalone, den ich damit beauftragte. — Was iſt denn mit dem Geheimſchreiber geſchehen? fragte Herandez aufmerkſam. — Er iſt todt. — Pietro todt?— wiederholte Herandez mit einem unwill⸗ kürlichen Schauder. — Ermordet von dem Prinzen Caraffa, deſſen Vater mir zu lange zögerte; als ich mich daher am geſtrigen Abend nach der Wohnung Pietro's begab, um die That ſelbſt zu vollziehen, gewahrte ich, daß er nicht anweſend war.— Ich ahnte, wohin er den Weg genommen haben konnte, ſchlug denſelben ein, um ün zu morden rfuhr ich was NRidche zäroffen. — Der m ſe, indem ſie — Und G ſchlagen, ſagſt dod Pietros g — Norge — Ich fte des Volkes üb — Excelle Stimme; es Stunde wird noch nicht, da taucht, ſein H Dieſe Wor gewiſſe Furcht — Laß! Thereſta, ſag vergeſſen; ſto⸗ indem er eine ren deutete. Thereſta empor und ſa Hohn und Ve — Auf b deutungsvollen ihre Lippen ſe — There digen Frieden — Ich k Du h — Wir nungsvoll, tri keeren. — There während ſein te zu, und unt zu der⸗ c in ihrem ein Zimmer Tellern mit 3, der ihr nd ſte dann nig. ſe, Thereſta. te ſchon um derung mei⸗ erer hat für Herzog von ehen? fragte nem unwill⸗ 1 Vater mir Abend nach pollziehen, jute, wohin den ein, um ihn zu morden— bevor ich jedoch noch mein Ziel erreicht hatte, erfuhr ich, was ich jetzt berichte. — Mädchen, Du wollteſt morden? rief Herandez ſichtlich betroffen. — Der möge rn, wer Thereſia je Vnener verſetzte ſie, indem ſie einen ſtechenden Blick auf den Miniſter richtete. — Und Giulio Caraffa hat Deinen ehemaligen Buhlen er⸗ ſchlagen, ſagſt Du? rief er haſtig, hat das Volk noch nicht den Tod Pietros gerächt? — Morgen wird er ſterben. — Ich freue mich, daß dieſer Erzfeind endlich der Rache des Volkes überantwortet wird. — Excellenz, ſagte Thereſia mit unheimlich⸗feierlicher Stimme; es leben noch viele Feinde der Nation, auch ihre Stunde wird ſchlagen, und mancher von ihnen ahnt ſicher jetzt noch nicht, daß er ſchon, ehe noch die Sonne ſich in das Meer taucht, ſein Haupt auf den Block legen muß. Dieſe Worte machten Herandez unwillkürlich erbeben. Eine gewiſſe Furcht wandelte ihn vor der Sprecherin derſelben an. — Laß uns das ſchreckliche Geſpräch nicht weiter fortſetzen, Chereſia, ſagte er, ſondern bei einem Becher Wein die Gräuel vergeſſen; ſtoße mit mir auf baldigen Frieden an, ſetzte er hinzu, indem er einen Pokal ergriff, während er haſtig auf den ande⸗ während ſein Herz heftig ſchlug; was ſoll das bedeuten? ren deutete. Thereſta ſenkte ihre Blicke zu Boden, ſchlug ſie dann wieder empor und ſah Herandez durchdringend, mit einem Ausdruck von Hohn und Verachtung an. — Auf baldigen Frieden, wiederholte ſie in dumpfem be⸗ deutungsvollem Tone und ergriff den Becher, den ſie zwar an ihre Lippen ſetzte, jedoch kein Tröpflein davon trank. — Thereſia! rief Herandez erſtaunt— Du ſtießeſt auf bal⸗ digen Frieden mit mir an und leerſt den Becher nicht? — Ich kann nicht, ich mag nicht, Excellenz. — Du kränkſt mich. — Wir wollen die Becher wechſeln, ſagte Thereſia bedeu⸗ tungsvoll, trinken Sie von dem Meinigen, ich werde den Ihren leeren. 3 — Thereſta! rief Herandez mit immer wachſendem Staunen, 926 — Ich will es Ihnen ſagen, Ercellenz, verſetzte Thereſia mit furchtbarem Ernſt; ich bin überzeugt, daß Sie mich vergif⸗ ten wollen, um mich nicht mehr fürchten zu dürfen— Ein furchtbarer Schauder durchrieſelten Herandez— ein tödtlicher Schrecken hatte ihn ergriffen. — Welch' ein gräßlicher Verdacht! rief er mit tonloſer Stimme, indem er Thereſia's Hand ergriff, welche ihm dieſe jedoch mit Hohngelächter entzog. — Trinken Sie nur einen einzigen Tropfen von dieſem Becher, ſagte ſie, und ich will Sie knieend um Verzeihung bitten. Herandez leerte ſein Trinkgefäß auf einen Zug, füllte es gleich wieder und trank es zum zweiten Male bis auf die Neige aus. — Habe ich Dir nun bewieſen, daß Dein Argwohn unbe⸗ gründet iſt? fragte er, während ſeine Blicke glühten. Schweigend ſchleuderte ſie den Becher von ſich, und der Wein floß über den Boden dahin. — Da haben Sie die Antwort auf Ihre Frage, Ercellenz, ſagte ſte nach kurzer Pauſe; Sie haben auf baldigen Frieden mit mir anſtoßen wollen, nun, Excellenz, wenn es mit Ihrem Sehnen nach dem Frieden Ernſt iſt, ſo ſoll dieſes geſtillt werden — bei der heiligen Jungfrau. Sie verließ mit haſtigen Schritten das Zimmer. Herandez wollte ihr nachſtürzen, allein es hielt ihn plötzlich eine Schwere in den Gliedern an der Stelle gebannt. Der ſchwere Wein, von dem er in ſeiner ohnehin ſchon auf⸗ geregten Gemüthsſtimmung zu haſtig und zu viel getrunken, hatte ihm das Blut nach dem Kopfe gejagt. Hierzu kam noch die Erſchöpfung, welche faſt beſtändiges Wachen herbeigeführt hatte— ſeine Augenlieder ſchienen zu Blei geworden. Er ſchleppte ſich mit Mühe in die Ecke des Zimmers, er⸗ griff einen Speer und zog zugleich einen Dolch hervor. — Sie muß ſterben, ſtotterte er, ſie darf nicht entkommen, ſonſt iſt es um mich geſchehen, den erſten Stoß mit dem Speer, den zweiten mit dem Dolche— dann wird es genug ſein— aber die That wird mir ſchwer, ich muß noch trinken.. Er füllte noch einen Becher und leerte ihn haſtig, aber die⸗ er Umſtand ol iehen. 1 Beher Noch eimal Srar und Dol de Lnger zu ſ Einige Stu erſter Blick über Mit leiſem tetrachtete ihn r Er athmete neben ihm, und Thereſia w die Hand aus, Sie erhob bohren wollen, ſie die Waffe ve — Thereſi unterdrücker S Taumel das C Der Pöbe als Thereſia i Nähe ihrer Wo Sie ging immte Abſicht ſe führten. Enige M‚ ichen, dren A it erinnerte. te Thereſn nich vergiſ ds— ein iit tonloſer ihn dieſe von dieſem Verzeihung , füllte es is auf die wohn unbe⸗ h, und der , Cecellenz, igen Frieden mit Ihrem ſtillt werden . Herandez ine Schwere n ſchon auf⸗ unken, hatte ’ beſtändiges ſchienen zu. immers, er⸗ vor. t entkommen, t dem Speer, genug ſeit—, en. 4. tig, aber die⸗ ſer Umſtand ſollte ihm hinderlich werden, das Verbrechen zu ooollziehen. 3 neben ihm, und der Griff des Dolches war ſeiner Hand nahe. unterdrückter Stimme hervor und verließ dann betäubt, wie im Taumel das Gemach. ſtimmte Abſicht und mochte kaum wiſſen, heit erinnerte. Der Becher entfiel ſeinen Händen. Noch eimal raffte er ſeine Kraft zuſammen und griff nach Speer und Dolch, aber nur, um mit beiden Wafefenſtücken auf das Lager zu ſtürzen, wo er bald in einen tiefen Schlaf verſank. Einige Stunden waren verfloſſen, als Thereſia eintrat, ihr erſter Blick überzeugte ſie von dem Zuſtande des Miniſters. Mit leiſem Tritte näherte ſie ſich allmälig ſeinem Lager und betrachtete ihn mit Hohn und Abſcheu. Er athmete ſchwer und war unruhig; der lange Speer lag Thereſia warf zuerſt die Lanze bei Seite und ſtreckte dann die Hand aus, um ihm noch die letzte Waffe zu nehmen. Sie erhob den Dolch, als ob ſie ſeine Bruſt hätte durch⸗ bohren wollen, aber ihr Arm zitterte und ſchaudernd ſchleuderte ſie die Waffe von ſich. — Thereſia iſt nicht zum Morde geboren! preßte ſie mit Den Kopf— den Kopf. Der Pöbel ver ſnh von Pauſtlippo zurückgekehrt, als Thereſia ins Freie gelangt war, und die Straßen in der Nähe ihrer Wohnung waren verödet. Sie ging lange umher, dem Anſcheine nach ohne eine be⸗ wohin ihre Schritte ſie führten. Einige Minuten blieb ſie vor der Kirche der heiligen Anna ſtehen, deren Anblick ſie an ein Ereigniß aus ihrer Vergangen⸗ 3 8 928 Die Thür war offen, und Thereſia ging hinein. Vor dem Altar brannte eine Lampe, aber das Gebäude war leer. Das Abendlicht warf die Schatten der rieſigen Heiligen⸗ bilder, die in der Seitenkapelle ſtanden, auf den Boden, und Thereſia's Gemüth wurde von einem unbeſtimmten Schrecken er⸗ griffen. Sie wollte mit ſchnellen Schritten die Kirche verlaſſen, als plötzlich ſchwere Tritte und flüſternde Stimmen an ihr Ohr drangen. Sie verbarg ſich raſch hinter einem Pfeiler und lauſchte athemlos. Es kamen drei Männer heran— Celeſto mit zwei Andern, die ſie nicht kannte. Sie hörte nur wenige Worte, welche anfangs ihr Blut nach dem Herzen trieben und ihre Augen mit Thränen füllten, aber bald kehrte ihre ganze Entſchloſſenheit zurück. Sie wartete, bis die Männer die Kirche verlaſſen hatten und eilte dann hinaus, aber jetzt nicht mehr ohne eine beſtimmte Abſicht. Pfeilſchnell ſchritt ſie durch die engſten und dunkelſten Gaſſen, und als ſie den Platz del Carmine erreicht hatte, eilte ſie in Maſaniello's Wohnung. Eine Todesſtille herrſchteh und der Anblick der vom Erz⸗ biſchof angeſtellten Wächter ließ ſie ſchon das traurige Schau⸗ ſpiel ahnen, das ihr werden ſollte. Maſaniello ſchlief noch— er ſchien wie ein Kind von den (Engeln, oder ein Mädchen von der erſten Begegnung mit dem Geliebten zu träumen, denn ein ſanftes Lächeln ſchwebte um ſeinen Mund und verlieh ſeinen Zügen jenen Liebreiz, den man früher ſo oft an ihm gewahrt hatte. Thereſia betrachtete ihn ſchweigend, bedeckte dann ihr Antlitz mit den Händen und brach in Thränen aus. Livia wendete ihr ſanftes Geſicht gegen ſie und ergriff ihre Hand. — Du hier, Thereſia? flüſterte ſie leiſe. Jetzt erſt bemerkte die Angeredete die Gattin Maſaniello's und ſie weinte noch heftiger. — Still, ſtill, flehte Livia. — Ja, ja, Du haſt Recht, Livia, ich ſtöre ſeinen Schlun Kunde davol ivia mit h Lager beugte ders drücke. — Heil ihm ein ſand — Sei — Er bei dem Sta ſinne geſtalte das Ohr get Thereſt — Arr Du wirſt y Böſewicht, In die men, man Befinden fo Thereſie dann einen Bruder, pref Ein lär gewahrte Tu Du ſen an. — Coy — Dir — Wo Thereſic Lächeln verb Das gpſe⸗ . Dor dem leer. n Heiligen⸗ Boden, und recken en⸗ erlaſſen, als an ihr Ohr und lauſchte wei Andern, s ihr Blut inen füllten, aſſen hatten ie beſtimmte eſten Gaſſen, eilte ſie in er vom Erz⸗ rige Schau⸗ dind von den ung mit dem ſchwebte um eiz, den man an ihr Antlitz dergriff ihre Maſaniello” nen Schlun 929 mer, und dieſer iſt wohlthätig für mich und ihn, denn er er⸗ ſpart ihm meinen Anblick, laß' mich ſeinen Mund küſſen, der nie einen Vorwurf gegen mich ausgeſprochen hat und auch jetzt ſich nicht zum Verdammungsſpruch gegen mich öffnen würde, ſo⸗ bald er mich angehört hätte. — Sein Geiſt iſt zerrüttet. — Ich habe ſoeben in der Kirche der heiligen Anna die Kunde davon vernommen. — Ach Gott, ſie haben ihn wahnſinnig gemacht, ſeufzte Livia mit thränenvollen Blicken, während Thereſia ſich über das Lager beugte und einen ſanften Kuß auf die Lippen ihres Bru⸗ ders drückte. — Heilige Jungfrau, ſteh ihm bei, flehte Livia und beſcheide ihm ein ſanftes Ende.— — Seit wann iſt mein armer Brnder ſo krank? — Er war ſchon leidend, aber ſeit ſeinem erſten Beſuche bei dem Statthalter hatte ſich das Leiden zum vollendeten Wahn⸗ ſinne geſtaltet— er behauptete, daß Don Herandez ihm Gift in das Ohr geträufelt habe. Thereſia fuhr zuſammen und wurde aufmerkſamer. — Armer Bruder, ſagte ſie dann in wehklagendem Tone— Du wirſt wahr geſprochen haben, ja, Herandez iſt ein elender Böſewicht, der uns Beide vernichten wollte— er ſterbe! In dieſem Augenblick ließ ſich ein lautes Geſchrei verneh⸗ men, man hörte deutlich Stimmen, welche nach Maſaniello's Befinden forſchten. Thereſta zögerte einige Augenblicke, ſie überlegte und ſchien dann einen Entſchluß gefaßt zu haben, küßte noch einmal ihren Bruder, preßte Livia an ihr Herz und ſtürzte hinaus. Ein lärmender Haufe ſtand vor der Thür, unter den Erſten gewahrte Thereſia einen zerlumpten Lazzarone. — Du biſt ein ſehr armer Mann? redete Thereſia die⸗ ſen an. — Corpo di Diol Ja, das bin ich. — Dir kann geholfen werden. — Wodurch? Thereſia flüſterte ihm einige Worte zu, und ein freudiges Lächeln verbreitete ſich über die Züge des Mannes. Bas Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 18) 59 930 Schon nach wenigen Augenblicken ertönte ein lautes Ge⸗ Eri ſchrei. acch iſt Mi — Herandez, Herandez! rief man von allen Seiten, und Ber Hunderte ſtürzten fort, ihre lang gehegte Rache zu befriedigen. welchem uee Bald hatte der Menſchenſtrom das Haus erreicht, in wel⸗ Er näh chem ſie ihr Opfer finden ſollten. 55 Ere Die Tritte der heranſtürmenden Maſſen, die donnernden greifung i Stimmen, die ſeinen Namen riefen, hatten Herandez ſchönſten ür Sie, m Traum zerſtört, in welchem er an der Seite Leonore's am ſiicht unbede Traualtare ſtand und der Prieſter eben ihre Hand in die Seine Heran legte.— haben. I Er ſprang von ſeinem Lager auf, blickte voll Verzweiſlung nicht wußte, um ſich, und mechaniſch griff ſeine Hand nach dem Speer, wel⸗— Sei cher neben ihm am Boden lag. wo ſind die 8 Das Haus erdröhnte von dem Gebrülle des Pöbels— es die H blieb dem geängſtigten Manne wenig Zeit, einen Entſchluß zu rückgekehrt faſſen, denn die ungeſtümen Tritte der Rächer wurden ſchon im bonden, abe Vorſaale laut. Auch di Endlich ward die Thür aufgeriſſen, und die Meuterer dran⸗ hatten ſich . gen ein. 1 daß das R 53— Was wollt Ihr Elenden? rief er mit aller ihm zu Ge⸗ 1 keine Beſch bote ſtehenden Kraft— ich bin Don Herandez, Graf von Mon⸗ Man teja, erſter Miniſter ſeiner Hoheit des Statthalters, der meinen vergebens. “ Tod rächen würde. Die ſ Ein ſchallendes Gelächter ertönte. plötzlich au — Wir ſuchen eben Seine Ercellenz, rief ein ſtarker breit⸗ vollziehen. ſchultriger Kerl, der mit einem großen Meſſer in der Hand auf— J ihn eindrang.— ches noch — Nicht doch, riefen die Andern, zu dem Blocke mit ihm. trauen. Er wurde umringt und bei den Haaren die Treppe hinab⸗ d gezerrt. Mit furchtbarem Triumph ſchleppte man ihn nach dem Blutgerüſt. de den 1 Herandez gewährte jetzt einen kläglichen Anblick— ſein Hachnihter Antlitz glich dem einer Leiche, ſeine Augeg hatten etwas glotzen⸗ Heran des, eine vollendete Abgeſtumpftheit hatte den feigen Verbrecher tand er m ergriffen.. i ſeiner — Den Kopf, den Kopf! ſchrie man ungeduldig.. un ſchreck — Laßt ihn von Maſaniello richten! rief eine ein zelne— A Stimme. reihendet S 1 lutes Ge⸗ Seiten, und Scfiei ſicht, in wa⸗ donnernden ndez ſchönſten Leonorez am in die Seine — Werzweſ ung Speer, wel⸗ Pöbels— es zEntſchluß zu erden ſchon im Raterer dran⸗ er ihm zu Ge⸗ raf von Mon⸗ 8, der meinen ſtarker breit der Hand auf occke mit ihm. Treppe hinah⸗ ihn nach dem inblik— ſen etwas gloßen- gen Vartricher ddig. eine einzete = Er iſt bereits verurtheilt, auch iſt Maſaniello krank.. — Bevor er ſtirbt, ſoll er beichten— ſagte ein Mönch, in welchem wir Fra Lorenzo erkennen. Er näherte ſich Don Herandez. — Ercellenz, flüſterte er ihm zu, der Preis auf Ihre Er⸗ greifung iſt mir verloren gegangen, es wäre daher Ehrenſache für Sie, mich zu entſchädigen und mir zu ſagen, wo Sie Ihr nicht unbedeutendes Vermögen aufbewahrt haben. Herandez ſtierte ihn an und ſchien ihn nicht verſtanden zu gaben Andere zur Antwort, haben. In der That waren ſeine Sinne ſo verwirrt, daß er nicht wußte, was um ihn her geſchah. — Seinen, Kopf, ſeinen Kopf! brüllte man auf's Neue— wo ſind die Henker?— Die Hauptpöbelmaſſen waren noch nicht von Pauſilippo zu-⸗ rückgekehrt— hier befunden ſich nur einige zerſtreute Vaga⸗ bonden, aber zahlreich genug, um einen Höllenlärm zu erheben. Auch diejenigen, welche ſonſt das Henkeramt übernommen, hatten ſich nach Pauſilippo begeben, da Maſaniello gewünſcht, daß das Richtbeil am heutigen Tage ruhen ſollte, mithin für ſie keine Beſchäftigung hier vorhanden war. Man tobte und ſchrie laut nach den Scharfrichtern, aber vergebens. Die ſechs Henker zechen in Pauſilippo! rief ein Kerl, der plötzlich auf das Blutgerüſt trat; aber ich will die Erecution vollziehen. — Mein Sohn, ſagte der Mönch lächelnd, ſobald Du ſol⸗ ches noch nicht gethan, darf man Dir dieſes Amt nicht anver⸗ trauen. 8 — Den Kopf— den Kopf! brüllte man auf's Neue. — Seid unbeſorgt, Padre, ſagte der Henkerſubſtitut; ich de den Kopf ſo gut abſchlagen, wie einer der profeſſionirten Nachrichter Maſaniello's. 4 Herandez war betäubt, faſt beſinnungslos. Ohne Regung ſtand er mit geſenktem Haupte, erſt dieſes letzte Geſpräch, das in ſeiner unmittelbaren Nähe geführt wurde, brachte ihn wieder zum ſchrecklichſten Bewußtſein. — Alſo ich ſoll ſterben?— rief er plötzlich mit herzzer⸗ reißender Stimme. 59* 93² — Sterben: hallte es rings um ihn ſchauervoll wider. — Erbarmen, heilige Jungfrau, beſchütze mich! ſtotterte Herandez, indem er die Hände faltete und ſich gegen die Kirche der Jungfrau del Carmine wendete. Ein lautes gräßliches Gelächter ließ ſich rings um ihn her vernehmen. — Den Kopf— den Kopf! brüllte man dann einſtimmig. — Knieen Sie nieder, Exrcellenz, ſagte der Mönch, es iſt um Sie geſchehen, beten Sie. Mit dieſen Worten drückte er den Delinquenten nieder. Dieſer faltete mechaniſch die Hände und verſuchte zu beten, aber es fehlte ihm an Sammlung— die Verzweiflung der peinvoll⸗ ſten Todesangſt hatte ihn nicht dazu kommen laſſen. Jetzt trat der Mann, der den Henker machte, zu ihm und wollte ihm eine Binde um die Augen werf Herandez ſchauderte und ſtieß ihn mie zurück— der Henker lachte— die Umſtehenden folgten ſeen⸗ jſpiel. — Der Wurm krümmt ſich! rief ein Lazzaron ttiſch, aber es nützt ihm nichts. Der Henker trat wieder zu Herandez und ſchleifte iy. dem Blocke. Der Miniſter aber ſetzte dem Manne einen ſo heſ⸗ tigen Widerſtand entgegen, daß viele Anweſende das Gerüſt er⸗ ſtiegen, ihm zu helfen. Unter Wuthgebrüll, Flüchen und Verwünſchungen war es gelungen, Herandez an den Block zu binden. Der Henker hob das Beil, es ſauſte nieder, aber ein Schrei des Entſetzens entfuhr der Maſſe— der dieſer Arbeit Unkundige hattenicht den Nacken, ſondern den Rücken des Opfers getrof⸗ fen, welches einen gräßlichen Schrei ausſtieß. Noch einmal ward das Beil geſchwungen, ſank herab, und eetzt— fiel das Haupt des Miniſters in den Sand. Ein lauter Freudenſchrei ward hörbar— Alles ſtürmte her⸗ auf, um den Leichnam des Gefallenen zu betrachten. — Dies iſt der Kopf des Steuererpreſſers, des Volksblut⸗ ſaugers, des Henkers von Neapel, ſchrie man mit lautem, wil⸗ dem Enthuſiasmus. Man ſteckte den Kopf auf eine Pike, trug ihn dann unter Maſaniello's Fenſter, den man laut aufforderte, das Opfer zu verhöhnen. 1 Die elen chrei, aber und Krankhe daß der Anf — Laß⸗ Stimme di Sime Re inen beſſer — Wo — Fo Der. ſchreckliche, welche das ziichen an Vor d man trat i gerecht einz Der M und wender Ed da nicht mach Mann vei bert hatte ſchreclliche Man wo man gab, daß Seiner H Der Der der, in w cl ſottere n die Keche um ihn het einſtimmig Nänch, es iſt uten nieder. beten, aber er peinvoll⸗ zu ihm und zurück— ſpiel. tiſch, leifte in. einen ſo he 8s Gerüſt er⸗ ingen war es et ein Schrei eit Unkundige pfers getrof⸗ herab, und ſtürmte her⸗ s Volksblut⸗ lautem, wil⸗ dann unter s Opfer u 933 Die elende Hütte erzitterte von dem ununterbrochenen Ge⸗ ſchrei, aber der unglückliche Bewohner lag noch von Wahnſinn und Krankheit erſchöpft auf dem Eſtrich, und der Pöbel erkannte, daß der Anführer taub gegen ſeinen Ruf war. — Laßt uus nun den Kopf auf den Pfahl ſtecken! rief eine Stimme, die ſich ſchon heiſer geſchrieen hatte. — Nein nicht auf den Pfahl! rief ein Anderer, ich habe einen beſſeren Gedanken. — Was räthſt Dus? ſprich. — Folgt mir. Der Kerl ergriff den Spieß, und bald bewegte ſich eine ſchreckliche, ſchreiende und heulende Prozeſſion durch die Straßen, welche das blutige Haupt des Opfers als ein gräßliches Sieges⸗ zeichen an ihrer Spitze trug. Vor dem Hauſe eines Kaufmanns ward Halt gemacht— man trat in den Laden und zwang den Beſitzer, den Kopf kunſt⸗ gerecht einzuballiren. Der Mann erkannte mit Entſetzen das Haupt des Miniſters und wendete ſich ſchaudernd ab. Er bat, er beſchwor, man möge ihm die ſchreckliche Zumuthung nicht machen, aber man fluchte, man drohte, und der unglückliche Mann verpackte den Kopf, nachdem man ihn vom Blute geſäu⸗ bert hatte, ſo gut und geſchickt, daß Niemand ahnte, welchen ſchrecklichen Gegenſtand die Umhüllung barg. Man entfernte ſich und begab ſich nach dem Caſtel Nuovo, wo man einem Soldaten das Packet mit der Bemerkung über⸗ gab, daß der Anführer des Volkes ſich beehre, dieſes Geſchenk Seiner Hoheit zu Füßen zu legen. Der Soldat verſchwand in das Innere der Veſte. Der Statthalter ging in äußerſter Erregung auf und nie⸗ der, in kurzer Entfernung ſtand der Prinz Satriano. — Nun, welche Nachrichten, Prinz? redete dieſen der Her⸗ zog an. — Der Löwe von Amalfi liegt gefeſſelt von Wahnſinn. — Aber er lebt noch? verſetzte der Herzog mit dumpfer Stimme. 934 — Er iſt noch am Leben, Hoheit, und die Wächter des Erzbiſchofs Filamarino halten das Haus beſetzt. — Sprachen Sie mit dem Alten? Vor zwei Stunden, Hoheit. Nun?— Alles beſorgt. Heute Abend? In der Kirche. Es iſt mein Wunſch, daß unſer ganzer Hof dem Got⸗ tesdienſte beiwohne, Prinz Satriano, wer wird die Meſſe leſen?— — Einer der Diaconen. .— Wie, nicht der Erzbiſchof ſelber? fragte der Statthalter überraſcht. — Nein, Hoheit, verſetzte der Gefragte; ſeine Eminenz wollte ſich für heute von allen Amtsgeſchäften zurückziehen, um ſeine Aufmerkſamkeit auf den Fiſcher zu richten, welchen er nicht anders nennt, als:„das Opfer von Amalfi!“ — Allerdings, eine ſehr praktiſche, aber ungerechtfertigte Benennung, lächelte der Statthalter, denn noch iſt Maſaniello kein Opfer geworden. — Haben Sie von Don Herandez Kunde gehabt, Hoheit? fragte Satriano. — Seit geſtern keine— er ward von dem Pöbel verfolgt, ich bat ihn im Caſtel zu bleiben, allein er weigerte ſich; ich muß Ihnen geſtehen, daß ich den Muth dieſes Herandez, den ich früher ſo wenig geſchätzt habe, bewundere. — Weil er ſich in's Waſſer werfen ließ— lächelte Sa⸗ triano. — Allerdings, das war nicht ritterlich von ihm, aber wenn man die Umſtände erwägt, doch verzeihlich.— Jetzt muß der arme Mann von einer Verkappung zur andern ſchreiten und wird verfolgt wie ein gehetztes Wild, aber ich will ihn glänzend entſchädigen— ſeine bevorſtehende Vermählung mit der Prinzeß iſt Ihnen bereits bekannt. — Ich bin davon unterrichtet, Hoheit.— — Sie ſoll am dritten Auguſt gefeiert werden. In dieſem Augenblick trat ein Diener ein, welcher ein Packet unter dem Arm trug. angegand Der befremdet nen, was Der gierig he Beide m traten. — ich he Det ſein Ant tauſend d Entſetzens ſinau wölde de dann ſol will ich, Der ſeiner E gen veri nach ger Abend ſ fach tre Staatsd den Gat⸗ die Meſſe tatthalter Emineng lehen, um en er nicht chtfertigte Maſameld Hoheit) verfolgt ſich; ich ez, den ich chhelte Sa⸗ aber wenn muß der keiten und glänzend r Prinzeß 935 — Was haſt Du das fragte der Vicekönig. — Es iſt ſo eben als ein Geſchenk von dem Volksanführer eingegangen, für Eure Hoheit beſtimmt, entgegnete der Diener. Der Herzog lächelte ſpöttiſch, ſchien aber doch ein Wenig befremdet und gab dem Diener den Befehl, das Packet zu öff⸗ nen, was ſogleich geſchah. Der Vicekönig und der Prinz Satriano drängten ſich neu⸗ gierig heran;z kaum aber war der kleine Ballen geöffnet, als Beide mit allen Zeichen des Entſetzens und des Grauens zurück⸗ traten. — Der Kopf des Miniſters, ſtotterte endlich der Statthalter — ich habe ihn gewarnt, doch ſein Verhängniß wollte es ſo. Der Prinz Satriano war keines Wortes fähig, er hatte ſein Antlitz mit den Händen bedeckt. — Wir werden Rache nehmen, Hoheit, ſagte er endlich mit leiſer Stimme. — Wahrlich, ſte ſollen mir für dieſen Kopf eines Miniſters tauſend der ihrigen geben, und nun entferne den Gegenſtand des Entſetzens, wendete ſich der Herzog an den Diener, der faſt be⸗ ſinnungslos vor Schrecken daſtand. Lege ihn in eines der Ge⸗ wölbe des Caſtels, bis man uns den Rumpf ausgeliefert hat, dann ſoll ein glänzendes Leichenbegängniß ſtattfinden— übrigens will ich, daß man den Vorfall noch verſchweige. Der Diener entfernte ſich, der Herzog vermochte kaum Herr ſeiner Erbitterung zu werden, der Prinz war in düſteres Schwei⸗ gen verſunken. — Diejenigen, welche dieſen Greuel geübt haben, nahm er nach geraumem Schweigen wieder das Wort, werden mir heute Abend ſchon wieder huldigen, und meine Rache wird ſie tauſend⸗ fach treffen für dieſes edle, vergoſſene Blut eines bewährten Staatsdieners und Freundes. — Als der Pöbel von dem Caſtel Nuovo zurückgekehrt war, begab er ſich nach dem Platze del Carmine. Indem man dem Hauſe vorüberzog, welches Pietro bewohnt hatte, erhob ſich ein furchtbares Geſchrei. 936 — Tod auch ihm! rief man mit ſchrecklichen Stimmen, während man nach dem Fenſter des erſten Stockwerks deutete. Hier ſtand nämlich ein junger Mann mit blaſſem Antlitz, welcher düſter auf die Tod brüllende Menge herabblickte. Es war Giulio, den Celeſto, wie wir wiſſen, hierher geſchafft hatte, wo er ſich ſeit der letzten Nacht befand. Dieſe Räume hatte er ſchon früher mit ſeinem Vater ge⸗ meinſam bewohnt, mit dem ſich ſein Geiſt unabläſſig beſchäf⸗ tigte— was war aus ihm geworden? Er dachte an Leonore, welche ihn in jener Nacht mit Todes verachtender Aufopferung aus dieſem Kerker befreit hatte. Die Erinnerung an Vater, Schweſter und an Diejenige, die er ſo heiß, ſo innig in ſein Herz geſchloſſen, für die er ge⸗ ſtritten, mit der er gelitten hatte, erpreßte ſeinem Auge eine Zähre. Schon einmal hatte ihn ein Geſchrei in aller Frühe aus den Gedanken erweckt, denen er ſich überlaſſen hatte, es war das der Maſſen, die ſich vor Maſaniello's Fenſter verſammelt hatten, um ihn nach Pauſilippo zu begleiten. Mit welcher Wehmuth ſah er auf den Volksanführer und mit welchem Hohn auf die Höflinge, die der Herzog von Arcos zum Gefolge des armen Fiſchers beſtimmt hatte. Jetzt ertönte ein zweites Geſchrei— und dieſes rief ihn zum Tode— aber er bebte nicht davor zurück— er war nicht gewöhnt, vor Gefahren zu zittern. Er hatte geſehen, daß man Herandez gerichtet und war nun überzeugt, daß ihn ein gleiches Loos erwartete. Man brüllte unten und drohte mit ſchrecklichen Geberden. — Tod ihm, Tod dem Verräther des Volkes! hörte er ru⸗ fen; dem Mörder des Freundes von Maſaniello. Bald war die Thür, die Celeſto verſchloſſen hatte, aufge⸗ brochen, und man ſtürmte die Treppe hinauf. — Vorwärts, zum Todez ſchrie der Anführer der Rotte, als man in das Zimmer drang. — Ich din bereit, verſetzte Giulio mit Ruhe. — Warum haſt Du Pietro ermordet, verfluchter Edelmann? rief ein Kerl, der Ginlio heftig rüttelte. — Berühre mich nicht, Schurke! rief der Prinz, indem er den Mann zu Boden ſchleuderte. zezt vun Gulio u mi Dieſer, die Holßbank derte ſee unte — Was Niemand abe Die Un hören. — Gült, dürfen mr üie ſchl dem Blutger Die V niellos We Unglücklich Die R den Zuſtand ſolchen Ver jenigen M ihm möglie Genaltthät Er wo Ausſchweif natürlichen lich voraus lime, welch gen würder — Frühe aus tte, es war verſammelt nfüder und g von Arcos ſes rief ihn er war nicht Id war unn Geherden. örte er ru⸗ ztte, aufge⸗ Ratte, als Edelmann? „indem er Jetzt win. das Geſchrei noch wüthender und man begann Giulio zu mißhandeln. Dieſer, von Entrüſtung und Verzweiflung getrieben, ergriff die Holzbank, welche ihm zum Sitzen gedient hatte und ſchleu⸗ derte ſie unter die Menge. — Was wollt Ihr Nichtswürdigen— rief er mit donnern⸗ der Stimme; an meiner Leiche mögt Ihr Eure Wuth kühlen, Niemand aber wage es, den Lebenden zu berühren. Die Unholde ließen ein gräßlich verhöhnendes Gelächter hören.. — Gut, ſo wollen wir Deine Leiche, riefen ſte; wir be⸗ dürfen nur Deines Kopfes, Freund.— Sie ſchleppten den Unglücklichen unter lautem Jubel nach dem Blutgerüſt. Der Meuchelmord. Die Wächter, die der Erzbiſchof Filamarino vor Maſa⸗ niello's Wohnung geſtellt hatte, waren nur angewieſen, den Unglücklichen zu verhindern, aus dem Hauſe zu gehen Die Nachrichten, die dem Erzbiſchof von Zeit zu Zeit über den Zuſtand des jungen Mannes gebracht wurden, ließen einen ſolchen Verſuch kaum fürchten, und er war darauf bedacht, die⸗ jenigen Maßregeln zu ergreifen, die ſein Einfluß auf das Volk ihm möglich machte, um irgend einen plötzlichen Ausbruch von Gewaltthätigkeiten zu verhüten. 1 Er war vielleicht der einzige Mann in Neapel, der die Ausſchweifungen des Volkes in ihrem wahren Lichte als die natürlichen Folgen früherer Bedrückungen betrachtete und deut⸗ lich vorausſah, daß, wenn die Gewalt wieder in die Hände käme, welchen ſie entriſſen war, eben ſo grauſame Auftritte fol⸗ gen würden. 938 „* Dieſe Ueberzeugung bewog ihn, ſich von beiden Parteien Thränen fern zu halten, obgleich ſeine Pflicht gegen den König ihn binwelkende, nöthigte, die Weiſungen, die der Statthalter ihm gab, nicht ganz Als ſie zu vernachläſſigen. ſeine Hand! Seine Theilnahme war mehr der Sache des Volkes zuge⸗— Biſt wendet, das lange und geduldig gelitten und nun nach abgewor⸗ in ſanſtem? fenem Joche nur dann auf eine endliche Verſöhnung hoffen— Ach, konnte, wenn es ſeine Bedrücker demüthigte und ihnen nachdrück⸗ die Kraft,! lich zeigte, wie gefährlich ihre frühere Ungerechtigkeit gewe⸗ ich die Hoff ſen war.— werden? Ka Der Biſchof war von dem Pöbel ſelbſt bei der wildeſten uu Ende gehl Aufregung ſelten durch ein Wort oder einen Ton beleidigt worden. Mehr als einmal hatte man auf ſeine Bitten das Richtbeil bei Seite gelegt, oder die Fackel ausgelöſcht, und Maſaniello hatte ſelbſt, als ſein Verſtand ſchon der Zerrüttung nahe war, auf den Rath des Erzbiſchofs wie auf die Stimme eines Va⸗ ters gehört. Als der Erzbiſchof die traurige Rückkehr Maſaniello's er⸗ fuhr, war er tief bewegt, und nachdem er ſeine Vorkehrungen zur Sicherung der Ruhe in der Stadt getroffen hatte, begab er geweint, al ſanfter Geiſt wurde, die iſt zum Tig gemacht! I ſtündlich imn Leiden zu En ſung bald W Jungfrau w ſich in Maſaniello's Wohnung. 1 Der E Die Vorbereitungen zur Ruhe, die er angeordnet, waren füͤren natürlich unzulänglich, da an allen Straßenecken nur Mönche dnn aufgeſtellt waren, welche die zurückgebliebenen zerſtreuten Vaga⸗ Der bunden vor irgend welchen Gewaltſtreichen warnen ſollten. Innae⸗ Wir haben geſehen, daß die Mönche, welche Zeugen der Hinrichtung Don Herandez's waren, auch nicht einen Wink gaben, um dieſe zu verhindern, ſo verhaßt war der Miniſter führte, und mine, betete ſelbſt bei den Geiſtlichen, die, wie wir oft erfahren hatten, immer Aurüc,. die Partei des Volkes hielten. Mire; Als der Erzbiſchof in Maſaniellos Hütte angekommen war, geſchieden, kam ihm Livia entgegen. zöölung ein — Er ſchläft, hochwürdigſter Vater, nahm ſie das Wort, des Drzog geben Sie ihm Ihren Segen; er wird hinüber gehen, ohne noch Ungsſ einmal ſein Auge auf dieſe unglückſelige Stadt zu richten, auf wurde Ma dieſe Stadt, die dem Unglück geweiht und auch ſein Unheil be⸗ Ein ſch reitet hat. Kenſender a erblic — Hei 2 den w en Tarteitn h abgewor⸗ nung hoffen en nachdrück tigkeit gewe⸗ der wibeſten on beleidigt das Richtbeil d Maſariallo ig nahe war, ne eines Va⸗ aniellos er⸗ Jor Wungen tte, begab er dnet, waren nur Mönche reuten Vaga⸗ ſollten. Zeugen der einen Wink er Miniſter tten, immer ommen wär, edas Wort, i, ohne noch richten, auf Unheil be⸗ .— 939 Thränen füllten die Augen des Erzbiſchofs, während er die hinwelkende, aber noch immer ſchöne Frau betrachtete. Als ſie die Zeichen ſeiner Theilnahme bemerkte, ergriff ſie ſeine Hand und küßte ſie. — Biſt Du gefaßt, meine Tochter? redete ſie der Erzbiſchof in ſanftem Tone an. — Ach, verſetzte Livia, es iſt vorbei, ich habe nicht mehr die Kraft, mich zu grämen. Sollte ich denn auch weinen, da ich die Hoffnung habe, daß alle ſeine Leiden nun vorüber ſein werden? Kann ich denn trauern, daß ein ſolches Elend nun zu Ende geht? O, ich habe endlos gejammert, ich habe geklagt, geweint, als ich ſah, daß ſeine Schönheit hinwelkte, daß ſein ſanfter Geiſt durch böſe Menſchen zu einer Grauſamkeit gereizt wurde, die nicht in ſeiner Natur lag. Er war ein Lamm und iſt zum Tiger geworden! ja, ſie haben einen Engel zum Dämon gemacht! Ich habe getrauert, als ich ſah, daß ſein edles Herz ſtündlich immer mehr brach; nun aber, da ich ſehe, daß ſeine Leiden zu Ende gehen, nun bete ich, daß ſeine und meine Erlö⸗ Jungfrau wird mir und ihm gnädig ſein hier und dort. Der Erzbiſchof verſuchte es nicht, eine ſolche Stimmung zu ſtören. Livia weinte ohne Unterlaß. Der Erzbiſchof hatte für dieſe Frau keine gewöhnlichen Troſtworte, war ſie doch ſchon ſelbſt ergeben in ihr Schickſal. Er reichte ihr die Hand, die ſie wieder an ihre Lippen führte, und ging mit ſchwerem Herzen in die Kirche del Car⸗ mine, betete dort und begab ſich dann wieder in ſeinen Palaſt zurück⸗ Wäre der Geiſt des unglücklichen Maſaniello ſo ruhig hin⸗ geſchieden, als Livia es geglaubt hatte, ſo würde uns die Er⸗ zählung einer grauſamen That erſpart worden ſein und der Ruf des Herzogs von Arcos einen Vertheidiger gefunden haben. Ungefähr eine Stunde nach dem Abſchiede des Erzbiſchofs wurde Maſaniello unruhig. 8 Ein ſchwarzer Geiſt ſchien um ihn zu ſchweben und ihn mit grinſender Miene anzuhöhnen, wenigſtens wollte er einen ſol⸗ chen erblickt haben. — Heilige Jungfrau! rief er mit herzzerreißender Stimme, — ſung bald und ohne Schmerz erfolgen möge, und die heilige —-— —— 940 verſcheuche dieſen ſchwarzen Dämon. Barmherziger Gott! der Berg Soma glüht in Flammen und will über meinem Haupte zuſammenſtürzen. Feuerwirbel und Lavaſtröme ereilen mich! Don⸗ nerſchläge erſchüttern die Erde, ſie bebt unter meinen Füßen! Hörſt Du es, Livia? ſiehſt Du nicht den glühenden Soma? hörſt Du nicht die Donner, wie ſie toben? Während dieſer Worte war er aufgeſprungen und durch das Zimmer gelaufen. Er ſtöhnte, wie von unerträglichen Schmerzen gefoltert, knirſchte mit den Zähnen und tobte in Wahnſinn und wilder Raſerei. Livia ſtand unerſchrocken vor ihm und allmälig beruhigten ihn die Töne ihrer ſanften Stimme. — Bleibe ruhig, mein theurer Maſo, ſo ruhig, ſo ſanft, wie Du es einſt warſt, als wir uns zu La Cava zum erſten Mal ſahen, wie Du mir den Blumenſtrauß überreichteſt und lächelteſt. Eine Thräne perlte an ihrer Wimper. Maſaniello blickte mit ſeinem glühenden Auge auf die ſchöne, bleiche Frau und ſchien mit Gewalt ſeine Raſerei zu bekämpfen; man konnte ſagen, ſeine Augen zitterten vor ihrem Blick und er ließ ſein Haupt über die Bruſt herabſinken. Plötzlich aber raffte er ſich auf und ſtürzte die Treppe hinab, eilte an ſeinen Wächtern vorüber und verlor ſich unter das Gedränge, das eben den Platz vor der Kirche füllte. Die Glocken läuteten, die Kirchthüren öffneten ſich, und ein Prieſter ſtand vor dem Altar, um den Abendgottesdienſt zu be⸗ ginnen. Die Kirche war gedrängt voll. In ſeiner Loge hatte der Herzog von Arcos neben ſeiner Tochter Platz genommen und hinter ihm befand ſich ein zahl⸗ reiches Gefolge von Edelleuten. Leonore war traurig, ihre Blicke ſchwammen in Thränen; es hatte ſie nicht nur der Befehl ihres Vaters hierher beſchie⸗ den, es war noch eine tiefere Urſache, die ſie bewog, die düſtere Veſte u verlaſſen. zie hatte noch keine Kunde von Giulio und hoffte unter⸗ wegs ihn entweder zu ſehen oder doch mindeſtens von ihm zu hören. Sie begleitete mit einer außergewöhnlichen Freudigkeit üyrn Vatet Rnge dahin 1 gſewahrten ſie Der Got dis Meßbuch Auf merkſamke Er wend nigen Maſan eilen.. Die 3ig als Wul Eine To Naſanie hatte. b — Gsi ein Prieſter ich ſehe, daß verläßt mich fe. Sie ben, denn ſt zweiten M Die K ſich verbrei wollte, und als ehedem Als er ihn drängte anzureden. Er ve und ſchilde Worten Al daß ſeine: Auch Sprecher, Von; Seite des wartete. Leonor Worte ſtief ger Gott, de en mich! don⸗ einen F Füßen! Soma? hörſt n und durch zen gefoltert und wilder is beruhigten dig, ſo ſanft, a zum erſten rreichteſt und be die ſchöne, 1u bekämpſen Blick und er te die Treppe glor ſich unter füllte. ſich, und ein sdienſt zu be⸗ neben ſeiner ſich ein zahl⸗ in Thränen; echer beſchie⸗ a, die düſtre hoffte unter⸗ von ihm zu Freudigkeit inm dupe ihren Vater nach Menge dahin, ſie gewahrten ſie, we das Meßbuch in ver Hand, 941 1 Kirche, ihre Blicke ſchweiften über die uten hinter jedem Pfeiler, aber nirgends ſuchten.— ſt ſollte eben beginnen, der Prieſter hatte als ein plötzliches Geſchrei ſeine Der Gottesd Aufmerkſamkeit erregte. Er wendete ſich um und ſah mit Beſtürzung den wahnſin⸗ nigen Maſaniello durch das Schiff der Kirche zu dem Altar eilen.— Die Züge des Unglücklichen verriethen mehr tiefen Kummer als Wuth. Eine Todesſtille war jetzt eingetreten. Maſaniello blieb ſtehen, als er ſich dem Geiſtlichen genähert hatte. — Es iſt nicht der Erzbiſchof, ſagte er traurig, aber doch ein Prieſter. O Padre, fuhr er mit ſchmerzlicher Stimme fort, ich ſehe, daß es um mich geſchehen iſt. Dieſes undankbare Volk verläßt mich und will mich den Händen meiner Feinde überlie⸗ fern. Sie werden vielleicht weinen, wenn ſie mich getödtet ha⸗ ben, denn ſie werden nie wieder einen Maſaniello finden, einen zweiten Mann, der für ſie thun wird, was ich gethan habe. Die Kirche ward immer mehr angefüllt, da das Gerücht ſich verbreitet hatte, daß Maſaniello eine neue Thorheit beginnen wollte, und ſein Wahnſinn war jetzt in dem Maße anziehend, als ehedem ſein Heidenmuth. Als er ſah, daß, wie gewöhnlich, ein Volkshaufen ſich um ihn drängte, ſtieg plötzlich der Wunſch in ihm auf, die Menge anzureden. Er verließ ſogleich ſeinen Standpunkt, beſtieg die Kanzel und ſchilderte mit ſo glühender Begeiſterung in ſo rührenden Worten Alles, was er für das Volk gethan urd gewagt hatte, daß ſeine rohen Zuhörer in Thränen zerfloſſen. Auch der Herzog von Arcos blickte unverwandt auf den Sprecher, ſein Herz pochte, bisweilen durchlief ihn ein Schauer Von Zeit zu Zeit lenkte er auch ſeine Blicke nach der einken Seite des Altars, als ob er von dort irgend ein Ereigniß er⸗ wartete. Leonore war von dem Weſen Maſaniello's wie durch ſeine Worte tief erſchüttert. — — Es gewährte ein ſeltſames Schauſpiel, den Mann in ſeinem ritterlichen Coſtüm auf der Kanzel ſtehend zu erblicken, einen Ritter weinen zu ſehen.—“* — Ich habe, ſagte er unter Anderem mit lauter, klangvoller aber trauriger Stimme, den Schlaf von meinem Nachtlager verſcheucht; ich bin ſo hager und abgezehrt worden, daß Ihr Mitleid fühlen würdet, wenn Ihr meinen Leib ſähet. Als er die Menge weinen ſah, wurde der lichte Augenblick ſeines Geiſtes wieder verdunkelt und, ohne an die Heiligkeit des Ortes zu denken, fing er an, ſich zu entkleiden, um die Wahr⸗ heit ſeiner Worte zu beweiſen. Das Mitleid der Zuhörer ging augenblicklich in Geſpött über.— Auf einen Wink des Prieſters zogen mehrere Mönche ihn mit Gewalt von der Kanzel und führten ihn ſchnell durch die Kirche in das Kloſter. Der Herzog von Arcos wurde jetzt von einer ungemeinen Unruhe ergriffen und blickte unverwandt immer nach der linken Seite hin. Maſaniello's Zuſtand war beklagenswerth, ſeine Glieder zit⸗ terten, er ſchluchzte krampfhaft, ein kalter Schweiß bedeckte ihn, und er ſchwankte. Endlich ward er in eine Zelle gebracht, wo er auf ein La⸗ rſank.: 3 Nönche, die immer von Maſaniello als einen himmli⸗ ſch. pfer geſprochen hatten, nahmen ſich ſeiner mit lieb⸗ reiche me an. S. ſeine Schläfe mit Wein, legten ihm wieder ſeine Kle ², und als er ein wenig ruhiger geworden war, empfahlen« ihn Gottes Barmherzigkeit und entfernten ſich aus der Zelle, um ihn der Ruhe zu überlaſſen. Eine geraume Zeit hindurch blieb er in der Lage, worin ſie ihn zurück gelaſſen hatten, da er zu ſehr erſchöpft war, als daß von der Ruheſtätte hätte erheben können. mälig kehrte ein lichterer Geiſtesblick zurück und er fühlte, in Ende ſchnell nahete.* Oie letzten Strahlen der untergehenden Sonne fielen in die Zelle. Er ſchleppte ſich zu dem kleinen Fenſter, das die Aus⸗ ſicht auf das Meer hatte, ſtemmte ſich auf den Vorſprung und, den Koopf auf auf die Natu⸗ Das geli nar hinter di ellte noch da Am Him ürrten Geiſte Die Um 1 Himmel ab, leuchteten. Die lei her zu komme erhellt. Es wat chwader rub deelben Stelle uc ke rende giſcher derz pochte N) à 1 Der B Flammen g. ſondern ruh Jenſeite (Sehnſucht dem Bergat uan trübten Em N. IJrfeln verſ iello ſah, Er ber wahnliche — V horch! die Anmalfi get ich voch f 1 Nit d Naſender v Heiligkeit des Ranche üön nell durch die ungemeinen ſc der linken te Glieder ſit⸗ bedeckte ihn, r auf ein La⸗ inen himmli⸗ ner mit lieh⸗ ihm wieder worden war, enten ſich aus 4 age, vorin ſe war, als daß Almalfi gebrochen. Nein, Ihr ſollt nicht triumphiren, noch lebe und er füllte, h feelen in die das die Aus⸗ rorung und, den Kopf auf die Hand Ihn warf er ſeinen Abſchiedsblick auf die Natur. Das geliebte Landſchaftsbild lag ſtill vor ihm, die Sonne war hinter die Wolken geſunken, aber ihr goldener Glanz er⸗ hellte noch das Meer. den, daß d Jer et er hit SHimmel ab, während ihr Fuß noch in hellen Purpurf arben Am Himmel glänzten wunderbare Gebilde, die mit der ver⸗ ſtörten Geiſtesſtimmung des Unglücklichen harmonirten. Die Umriſſe der Inſelberge zeichneten ſich dunkelblau am . leuchteten. Die leicht gekräuſelten Wellen, die ihm alle von Weſten her zu kommen ſchienen, waren von den letzten Sonnenſtrahlen erhellt. Es waren viele Segel auf dem Meere, da Doria's Ge⸗ ſchwader ruhig in dem Meerbuſen vor Anker lag, noch auf der⸗ ſelben Stelle, die Maſaniello ihm angewieſen hatte. Auch kleinere Fahrzeuge zeigten ſich ſeinem Blicke: heimkeh⸗ rende Fiſcher fuhren, kaum ſichtbar, in der Ferne. Maſaniello's Herz pochte freudig erregt. Nach einer Weile wendete er ſein Auge oſtwärts. Der Berg Soma ſtieg vor ihm auf, nicht furchtbar in Flammen gehüllt, wie er ihn im Wahnſinnstraume geſehen hatte, ſondern ruhig im Glanze des erbleichenden Abendlichts. Jenſeits lag die Gegend, wohin ſein ganzes Herz von ſüßer Sehnſucht gezogen war: es war Amalfi und Atrani und auf dem Bergabhang dazwiſchen ſah er ſeine niedrige Hütte. Thrä⸗ Vnen trübten ſeine Augen, und er wendete ſeine Blicke ab. Ein Nebel breitete ſich über das Meer, die Umriſſe der Inſeln verſchwanden, und die nächſten Gegenſtände, die Maſa⸗ niello ſah, waren die ſpaniſchen Schiffe. Er bemerkte plötzlich eine Bewegung unter ihnen und unge⸗ wöhnliche Signale wurden mit der Küſte gewechſelt. — Was iſt das? rief er mit lauter Stimme. Verrath! horch! die Böſewichter merken, daß die Kraft des Löwen von ich, noch fühle ich die Kraft in mir, Euch zu trotzen! Mit dieſen Worten ſtürzte er aus der Zelle, rannte wie ein Raſender vorwärts und befand ſich bald wieder in der Kirche 944 * unmittelbar vor dem Altar. Er beſtieg die Stufen deſſelben, erhob die Hände und rief mit donnernder Stimme: — Auf mein Volk, folge mir zur That! Neapel iſt ver⸗ rathen, ſpaniſche Schiffe umſchwärmen die Küſte, Signale wer⸗ den gewechſelt, man kommt, Dich zu feſſeln und in Ketten zu legen. Er hatte kaum dieſe Worte geſprochen, als ein Schuß fiel und ihn zu den Stufen des Altars niederſtreckte. In demſelben Augenblick ſtürzte Livia, die ihrem Manne nachgefolgt war, vor den Altar und ſah den Gatten in ſeinem Blute ſchwimmen, aber noch leben. Sie kniete vor ihm nieder und hob die Hände verzweiflungsvoll empor. — Mord! Mord; rief ſie und verharrte dann ſtarr in der⸗ ſelben Stellung. Unmittelbar hinter ihr ſah man den Mörder Maſaniello's. Das Piſtol in der Hand, blickte er mit gräßlichem Triumph auf das Opfer. Der Prieſter auf dem Altar brach in Thränen aus— all⸗ gemeine Verwirrung— ſchreckliches Geſchrei. Hinter Maſaniello befand ſich der Herzog von Arcos, wel⸗ cher von ſeiner Loge ſich hinabbegeben hatte, als er den Schuß vernommen. Die bebende Leonore, den blutenden Maſaniello mit ſchmerz⸗ lichem Entſetzen betrachtend, ſtand vor ihrem Vater und war einer Ohnmacht nahe, der Herzog mußte ſie ſtützen, damit ſie nicht zuſammenſank. Hinter dem Statthalter ſtanden einige Edelleute ſeines Ge⸗ folges, welche mit Gleichgültigkeit auf den unglücklichen Fiſcher ſchauten, deſſen Minuten gezählt waren. Wir haben bereits erfahren, daß die Pläne des Herzogs von Arcos nun gereift waren. Er hatte, wie wir wiſſen, ſeine Werkzeuge gewählt und ſie eilten, ſeine Befehle zu erfüllen. Sie waren Maſaniello in die Kirche gefolgt und als der Pöbel ſich mit Widerwillen von ſeinem Abgott wendete, wagten ſie es, ihn der Tyrannei zu beſchuldigen. — Maſaniello iſt ein blutdürſtiger Tiger, riefen ſie und dieſer Ruf wurde von vielen Stimmen wiederholt. Als der leide Kal der ihre Nieman Die Die auf ewit Der die Kit Lec langten M. auf dem Hie den M ſeinen dtufen d,. me: ſelben P.. Naaxd i der. , Signale wer⸗ 4 d in Kette u 1 ein Scuß fel . ihren Nanm hatten in ſeinen vor ihm nieder in ſtarr in der⸗ 8 er Maſamellos. glichem Triumph ten aus— all⸗ von AnR, wel⸗ s er den Schuß ell mit ſchmerz⸗ Vater und war tützen, damit ſie lleute ſeines Ge⸗ glücklichen Fiſchet me des Henng gewählt und ſt polgt und als der 1 wendete, mrgia riefn ſie um olt Das Bpfer von Amalfi.(Bd. III. 20.) 60 945 der leidenden Stadt. Kaum war Maſaniello vom Schuß getroffen, als die Mör⸗ der ihre Abſicht nicht mehr verhehlten. — Es lebe der König von Spanien! Niemand gehorche, Niemand nenne mehr Maſaniello! riefen ſie. Dieſer Schrei pflanzte ſich fort, und auf dem Platze vor der Kirche erſcholl ein vielſtimmiges Lebehoch für den Statthalter. Der unglückliche Mann hörte ſie. — Undankbare Verräther! ſtotterte er. Dies waren ſeine letzten Worte, ſeine Augen ſchloſſen ſich auf ewig. Der Herzog von Arcos verließ mit erheucheltem Entſetzen die Kirche. Leonore, von Edelleuten begleitet, folgte ihm, und bald ge⸗ langten ſie in ihrem Wagen nach dem Caſtel. Maſaniello's Leichnam wurde aus der Kirche getragen und auf dem Platz del Carmine niedergelegt. Hier wurde unter dem Gebrüll des Volkes der Kopf deſſel⸗ ben Mannes abgeſchnitten, den es noch vor wenigen Tagen ſeinen Abgott nannte. Dann ſchleppte man ſeinen Körper unter lautem Geheul durch die Straßen. So endete Maſaniello— das Opfer von Amalfi. Alsbald erhob ſich das Geſchrei, Maſaniello ſterbe, Friede Das undankbare Volk. Die Hofpartei war bisher durch die Liſt des Herzogs von Arcos im Stande geweſen, in einem Theile der Stadt ihre Ge⸗ walt zu behaupten und den adligen Familien Schutz zu gewäh⸗ ren, die ſo klug geweſen waren zu rechter Zeit im Caſtel Nuovo eine Zuflucht zu ſuchen. Die Zahl der Edelleute, welchen man dort einen zeitweiligen Aufenthalt geſtattete, konnte nicht groß ſein, und die Uebrigen ſuchten ſich, wie wir es auch zum Theil unſern Leſern vorge⸗ führt haben, in den Klöſtern oder in den Trümmern alter Pa⸗ läſte zu verbergen und ſchätzten ſich glücklich, ihr Leben und die Hoffnung auf beſſere Zeiten erhalten zu können. Niemand kannte beſſer als der Statthalter die Schwäche ſeiner Partei und er wunderte ſich täglich, daß der Pöbel ſo thöricht war, ihn nicht in's Verderben zu ſtürzen, da nur unbe⸗ deutende Anſtrengungen nöthig geweſen wären, ihn in ſeiner Veſte aushungern zu laſſen. So lange Maſaniello bei geſundem Berſtande geweſen war, hatte er ſeine ganze Thatkraft darauf gerichtet, das Volk zu einiger Ordnung zu bringen, und die günſtigen Erfolge erwie⸗ ſen ſeine genauen Kenntniſſe des Volkscharakters und ſeine eigene Feſtigkeit und Entſchloſſenheit. Zu ſehr beſchäftigt, ſeine Freunde im Zaume zu halten und die Feinde zu beſtrafen, die in ſeine Hand fielen, ſchien Maſa⸗ niello den Herzog von Arcos vergeſſen zu haben. Sein Verſtand begann ſchon zu wanken, als er freund⸗ ſchaftliche Anträge von dem Statthalter erhielt, der ihn in ſei⸗ ner Befehlshaberwürde förmlich beſtätigte. Dieſer Verkehr zwiſchen den beiden Gebietern der Geſchicke der Stadt wurde von Maſaniello mit ehrlicher Aufrichtigkeit, von dem Statthalter dagegen mit Lug und Trug unterhalten, und die Folge war, daß die wenigen Stunden, welche die Natur Maſaniello's Leben noch vergönnt haben würde, ihm durch Mör⸗ derhände entriſſen wurden.* es Herzog 3s von Stadt ihre Ge⸗. huh u gevid n Caſtel Nuodo den zeitweiligen d die Ulebrigen n Leſern vorge⸗ mern alter Pa⸗ Leden und die die Schwäche 5 w Käbel ſo „ da nur unbe⸗ ihn in ſeiner de geweſen war, t, das Volk zu Erfolge erwie⸗ und ſeine eigene zu halten und „ſchien Maſa⸗ als er freund⸗. der ihn in ſei⸗ en der Geſchicke r Aufrichtgkeit, ug untethalt elche die Natut ihn rurch Möt⸗ 41 machte, nicht in der Kathedrale geblieben zu ſein. Sein Herz war ſchwer empört über die That, aber er machte ſich ſogleich Die Nachricht von dem Tode Maſaniello's gelangte ſchnell in den Palaſt des Erzbiſchofs, welcher ſich bittere Vorwürfe auf den Weg, um dem Statthalter ſeine Glückwünſche darzubrin⸗ gen und ſich zu bemühen, den Rathſchlägen entgegen zu wirken, welche die feigherzigen Edelleute in den erſten Augenblicken ihres Sieges ihm aufzudringen verſuchen möchten. Er fand den Pöbel in einem neuen Anfall von Raſerei, de tadt wiederhallte von dem Geſchrei: es ſterbe Maſaniello. te ein Lebehoch für den Herzog von Arcos. „rakterlos, ſo undankbar war das Volk. K aoen aus der Hefe des Volkes feuerten Gewehre ab, bloß um an dem Lärm ſich zu ergötzen. Die Glocken läuteten, und die Volkshaufen wälzten ſich ohne Ziel hin und her. Nur mit Mühe konnte man einen Weg durch das Gedränge für den Erzbiſchof und ſein Gefolge bahnen. Als er vor den Palaſt des Statthalters ankam, ſtrömte ein ſo dichter Haufe an ihm vorüber, daß es unmöglich war, durch⸗ zudringen. Das furchtbare Geſchrei, das ſein Ohr traf, konnte ihn auf den Augenblick vorbereiten, der ihn erwartete. Man ſchleppte den Leichnam des armen Fiſchers durch die Straßen. Dem rohen Pöbelhaufen folgten Hunderte von Edelleuten, die plötzlich aus den Verſtecken hervorgekommen waren, jetzt zu Pferde ſaßen und von ihrem Wege abwichen, um dieſen gräß⸗ lichen Zug eine Strecke zu begleiten. Ein Schwarm von Höflingen hatte den Schlo die Thore des Schloſſes, die Höfe und die Vorzimmer beſetzt. Ddie Sonne ſchien wieder glänzend auf den prächtigen ahr⸗ laſt und auf das glatthäutige Gefolge, das wieder hervorgekom⸗ men war, trotzend und anmaßend wie immer. Nichtsdeſtoweniger fand der Erzbiſchof in dem Weſen des Pöbels eine günſtige Vorbedeutung für die Ruhe der Stadt. Doch wir haben genug von den feierlichen Berathungen „ ddieſer hochweiſen Herren gehört und treten in ein anderes Zim⸗ mer des Palaſtes. 4 Hier erblicken wir zwei Perſonen. 4 948 Auf einem Ruhebette lag eine leichenblaſſe Geſtalt, die ihre einem heit gege 1 Augen geſchloſſen hatte. u forſch Es war Blanka.. Nachen An ihrer Seite ſtand Leonore, welche eben aus der Kirche Pietro, 35 4 heimgekehrt war.. hatte. Sie war tief bewegt, als ſie die Geſtalt des jungen Mäd⸗ und ſche chens betrachtete. hierher Sie wollte ſoeben an die Zofe die Frage richten, auf welche Jet Weiſe die junge Dame, die ſie für todt gehalten, hierher ge⸗ ſte mit; kommen war, als ſich die Thür öffnete und Giulio eintrat. Als Ein Freudenſchrei entfuhr Leonore's Munde. Leonort, — Ich ſehe Sie wieder, Prinz, ſagte ſie mit leiſer Stimme, auf den ihm die Hand entgegen reichend. die et ei — Ja, Leonore, ich bin gekommen, um Ihnen eine Bitte drücke ſi ans Herz zu legen und dann auf ewig von Ihnen zu ſcheiden. Leo Hören Sie. Schon war ich dem Tode geweiht, der Pöbel hatte awinet. mich unter einer furchtbaren Beſchuldigung in einen Kerker ge⸗ ſchafft. Eine ganze Nacht hindurch ſaß ich da, Entſetzliches ſahen un ih: meine Augen während der Zeit, plötzlich wälzte ſich eine tobende len dn Rotte vor das Haus und zerrte mich hinab nach dem Blutgerüſt. 3 4 d Schon war des Henkers Arm erhoben, um mich zu enthaupten, 3 als der wahre Verbrecher ſich zwiſchen mich und den Nachrichter ſchweſter ſtürzte, ihm das Beil entriß und es von ſich ſchleuderte. Peu — Mich tödtet! rief er, laßt ihn frei, er iſt ſchuldlos wie witdet 3 das Licht der Sonne! mein Gewiſſen läßt mich nicht raſten, ich dee ich ii tödtete den Geheimſchreiber!. ihre Krä — Alſo Pietro, der Geheimſchreiber Maſaniello's, iſt todt? Zufluchts fragte Leonore. nung, 1 — Man hat ihn in der geſtrigen Nacht ermordet, wie man Klſtrs heute gegen Abend Don Herandez und eine Stunde ſpäter den el penlͤ armen Fiſcher von Amalfi getödtet hat. Ihr — Don Herandez iſt, ermordet? rief Leonore mit einem—. nicht. Gemiſch von Abſcheu und Entſetzen. 8— g — Das Volk hat Gericht über ihn gehalten. 41 — Während dieſe Scene auf dem Schaffot ſich ereignete, erter S nahm Giulio wieder das Wort, ertönte plötzlich auf dem Platze füßte. der Ruf: Maſaniello ſterbe, nieder mit dem blutdürſtigen Tiger,„ Ein es lebe der Herzog von Arcos. Die Aufmerkſamkeit der auf der Bla Blutbühne Stehenden wurde abgelenkt und ſomit mir Gelegen⸗ Geſundhe ſe geypre ſimme, Bitte eiden. hatte er ge ſahen bende Irri. upten, richter ds wie 949 heit gegeben, mich zu entfernen, um ſogleich nach meiner Schweſter zu forſchen. Mit Haſt eilte ich dem Geſtade zu, beſtieg einen Nachen und erreichte nach kurzer Zeit die Hütte, wohin ſie Pietro, den ſie liebt und der ihr in Liebe ergeben war, gebracht hatte. Die Thür des Hauſes war verſchloſſen, ich ſprengte ſie und ſchaffte meine unglückliche Schweſter in's Fahrzeug um ſie hierher zu bringen. Jetzt nahte er ſich dem Lager ſeiner Schweſter, betrachtete ſie mit Wehmuth und ſeufzte tief.*9. Als er ſich von dem Lager entfernt hatte, trat er wieder zu Leonore, führte ſie in eine Fenſterwölbung, wo ſich eine Ausſicht auf den ſtillen Spiegel des Meerbuſens darbot, faßte ihre Hand, die er einige Augenblicke hielt, ehe er Worte finden konnte, und drückte ſie dann an ſeine Lippen. Leonore zitterte, da ſie dies für die Vorbereitung zu einem ewigen Lebewohl hielt.— — Leonore, ſprach er, mein Herz iſt ſchmerzlich betrübt, in⸗ dem ich Ihnen Lebewohl ſage. Gott weiß, wie ich Ihnen für Alles danke, was ich Ihnen ſchuldig bin; aber ich bitte Sie dringend, fügen Sie noch die milde That hinzu, freundlich und ſchweſterlich über Blanka, die Schweſter Ihres unglücklichen Freundes zu wachen. Ich werde ſie bald verlaſſen, um ſie nie wieder zu ſehen in dieſer Welt, und das iſt die größte Wohlthat, die ich ihr jetzt zu erweiſen vermag. Wenn ihre Geſundheit und ihre Kräfte zurückgekehrt ſind, wie ich es hoffe, werden ſich ihr Zufluchtsorte öffnen, wo ſie noch Ruhe finden kann. Ihre Hoff⸗ nung, wie ihr Herz trägt Wittwentrauer und die Ruhe eines Kloſters wird ihr den beſten Troſt gewähren. Ich werde Nea⸗ pel verlaſſen. Thränen floſſen aus Leonore's Augen, aber ſie antwortete nicht. Giulio beugte ſich noch einmal über Blanca's Lager. — Lebe wohl, Blanca! ſagte er mit gedämpfter und verän⸗ derter Stimme, während er die bleiche Wange ſeiner Schweſter küßte. 5 Eine feierliche Stille folgte, und er verließ das Zimmer. Blanca wartete nicht auf die völlige Wiederherſtellung ihrer Geſundheit, um den Urtheilſpruch zu vollziehen, den Giulio über ſie geſprochen hatte. 950 Sie ſchwankte zum Altar, beugte ihr Haupt, um ſich die letzten Locken abſchneiden zu laſſen. Sie nahm den Schleier und legte das Gelübde ab, als ſie in den Nonnenorden der Lebendig⸗ begrabenen trat. Seitdem ward ihr Name in der That nicht mehr unter den Lebendigen genannt. Was wurde nach Maſaniello's Ermordung von dem Her⸗ zog von Arcos und ſeinen Räthen dem Volke dargeboten? Der Herzog wollte von den Mördern den blutigen Kopf kaufen, der die gegenwärtige Empörung heraufbeſchworen hatte, und glaubte nicht ohne Grund, daß er dem ſpaniſchen Hofe kein angenehmeres Geſchenk ſenden könnte. Aber nach einer kurzen Pauſe des Erſtaunens brüllte der Pöbel wieder durch die Stadt, das Richtbeil arbeitete wie früͤ⸗ her und der Herzog blieb in der Veſte eingeſchloſſen. Eines Abends erhielt er zwei Schreiben aus Madrid. Er erbrach das erſte und erbleichte, denn es enthielt ſeinen Abſchied. Als er das zweite entſiegelte, las er darin Folgendes: „Es war Unſer Wille, Eure Hoheit den Auftrag zu ertheilen, Giulio Caraffa ungeſäumt enthaupten zu laſſen, weil er Uns von verſchiedenen Seiten aus als einer der Hauptrebellen bezeichnet wurde. Schon waren Wir im Begriff, das Schreiben abzu⸗ ſenden, als Uns aus lauterer Quelle die Unſchuld und der edle Patriotismus des Prinzen geſchildert wurde. Wir haben daher Veranlaſſung genommen, den Prin⸗ zen Caraffa Eurer Hoheit beſonderer Huld zu empfeh⸗ len und ihn in Ihrem Staatsrath aufzunehmen. Sobald Eure Hoheit in Madrid eintreffen werden, werde ich Gelegenheit nehmen, Ihnen Näheres mitzu⸗ theilen. Genehmigen Sie die Verſicherung Meiner voll⸗ kommenſten Hochachtung und Meines Bedauerns, Ihnen im Namen Sr. Majeſtät Ihren Abſchied zuſenden zu müſſen Graf Olivarez.“ Der Statthalter, der ſich in der Hoffnung, daß der Abſchied wieder rückgängig gemacht werden könnte, alle mögliche Mühe geben h ige Au⸗ t, eine ttwe u ließ. Dieſe thöhnt Der Schmerze! Die dämmerun hatte, w jenden, ſ vurdägel Auc vor die Wittw Dül Schmaae ſanielleh endigeie Gi In mit ſeije ſeine I. ie. nes Gz n genötl m zu beki Ir man zalc machder ſtauſ de haltä bni Man cten B b die t ud ſeendig⸗ e den der⸗ Kopf hatte, fe kein te der iie frä⸗ ſeinen luftrag pten zu aus als abxu⸗ uld und wurde. Prin⸗ empfeh⸗ 1 werden, mitzu⸗ z.“ Abſchied e Müht 9⁵5³3 age Statthalter ließ ſich augenblicklich bereit geben hatte, ſeim ken des berühmten Todten zu huldigen. Er rige Augenblickam auszugraben und feierlich auszuſtellen und ett, einen anfrhaft großartige Vorbereitungen getroffen, ihn dittwe und di Ehren wieder zu beſtatten. ken ließ.» erhielt auch ſeine Leichenrede, ein Meiſterſtück Dieſe Ungr und rühmender Beredtſamkeit, wie es nur Pietro rhöhnt undkönnen, wenn er noch am Leben geweſen wäre. Deer akelt ſie auf dem Platze vor der Kirche del Carmine Schmerzen chte einen tiefen Eindruck. Die Volk, beſchämt über ſeine Undankbarkeit, ſagt ein Zeit⸗ dämmerutar bis zu Thränen gerührt. hatte, we folgte dem Redner und ſuchte die Ueberreſte des Wohl⸗ zenden, ſnd Freundes ſeiner Mitbürger zuſammen. zurückgel Leichnam wurde in den Fluthen des Sebeto bei Ma⸗ Auc Heimath gewaſchen, der Kopf von der Stelle genom⸗ vor die ſeine Feinde ihn zum Geſpött aufgeſteckt hatten, und Wittwe Leichnam vereinigt, den man in ein Tuch von weißer füllte. Schma ücklich war der, welcher die Hand oder den Fuß des ſanielle berühren durfte. endigeie Weiber weinten und ſtießen ein Klagegeſchrei aus, be⸗ t ihn mit Blumen, prieſen ihn als einen Heiligen und be⸗ Fiſchen ſeine Augen und ſeine Stirn mit ihren Roſenkränzen, die An andächtig küßten. mit ſeüe blinden Bettler belagerten die Eingänge der Kirchen. bine Für wen ſollen wir zu dem heiligen Maſaniello beten? Nie. nes Gz meldeten ſich Viele, welche von dieſem Anerbieten Ge⸗ genötl machen wollten und warfen den Bettlern eine Gabe hin. zu bekie bedeutendſten Künſtler malten Maſaniello's Bildniß und 3 modellirten es in Wachs. zolche Portraits wurden um jeden Preis gekauft. machder Leichnam Maſaniello's war einen ganzen Tag in der man ſtaufe del Carmine ausgeſtellt und dann erfolgte das feierlich⸗ halräbniß. Man trug die Leiche auf einer mit koſtbarem Sammet be ckten Bahre. 950 Sie ſchwankte zum Altar, beugte ihr Hadlötzlichen letzten Locken abſchneiden zu laſſen. Sie nahm: legte das Gelübde ab, als ſie in den Nonnenorde theit doch begrabenen trat. ies Antheil Seitdem ward ihr Name in der That nicht m heulende„ Lebendigen genannt. geichnam du. Was wurde nach Maſaniello's Ermordung voſeine dürftig, zog von Arcos und ſeinen Räthen dem Volke dargeb ibe enthielt Der Herzog wollte von den Mördern den blur kaufen, der die gegenwärtige Empörung heraufbeſchwor und glaubte nicht ohne Grund, daß er dem ſpaniſchen. angenehmeres Geſchenk ſenden könnte. 1 Aber nach einer kurzen Pauſe des Erſtaunens breben, ſich Pöbel wieder durch die Stadt, das Richtbeil arbeitete Jegen die her und der Herzog blieb in der Veſte eingeſchloſſen. Eines Abends erhielt er zwei Schreiben aus Madri Er erbrach das erſte und erbleichte, denn es enthielt Abſchied. Als er das zweite entſiegelte, las er darin Folgendes „Es war Unſer Wille, Eure Hoheit den A zu ertheilen, Giulio Caraffa ungeſäumt enthaup laſſen, weil er Uns von verſchiedenen Seiten al einer der Hauptrebellen bezeichnet wurde. Schon waren Wir im Begriff, das Schreiben ſenden, als Uns aus lauterer Quelle die Unſchul der edle Patriotismus des Prinzen geſchildert lieber Wir haben daher Veranlaſſung genommen, den er es zen Caraffa Eurer Hoheit beſonderer Huld zu ereinem len und ihn in Ihrem Staatsrath aufzunehmen. urch Sobald Eure Hoheit in Madrid eintreffen niſe der werde ich Gelegenheit nehmen, Ihnen Näheres t theilen. dem Genehmigen Sie die Verſicherung Meiner ſich kommenſten Hochachtung und Meines Bedauerns, J., im Namen Sr. Majeſtät Ihren Abſchied zuſenden ten müſſen e⸗ wo er den entging Graf Olivarez.“ 4 Der Statthalter, der ſich in der Hoffnung, daß der Abſchied 1 wieder rückgängig gemacht werden könnte, alle mögliche Mühe 4 8 Der ſinden, de befahl den es wurden mit königl Maſel von auften hätte mach Man und ſie m Das genoſſe, w Man thäters ur Der ſaniello's men, wo⸗ mit demL Seide hüll Glü Todten be Die ſtreuten i rührten ſe ſie dann Die . riefen ſie. 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Der Leichnam wurde in den Fluthen des Sebeto bei Ma⸗ ſaniello's Heimath gewaſchen, der Kopf von der Stelle genom⸗ men, wo ſeine Feinde ihn zum Geſpött aufgeſteckt hatten, und mit dem Leichnam vereinigt, den man in ein Tuch von weißer Seide hüllte. Glücklich war der, welcher die Hand oder den Fuß des Todten berühren durfte. Die Weiber weinten und ſtießen ein Klagegeſchrei aus, be⸗ ſtreuten ihn mit Blumen, prieſen ihn als einen Heiligen und be⸗ rührten ſeine Augen und ſeine Stirn mit ihren Roſenkränzen, die ſie dann andächtig küßten. Die blinden Bettler belagerten die Eingänge der Kirchen. — Für wen ſollen wir zu dem heiligen Maſaniello beten? riefen ſie. Es meldeten ſich Viele, welche von dieſem Anerbieten Ge⸗ brauch machen wollten und warfen den Bettlern eine Gabe hin. Die bedeutendſten Künſtler malten Maſaniello's Bildniß und Andere modellirten es in Wachs. Solche Portraits wurden um jeden Preis gekauft. Der Leichnam Maſaniello's war einen ganzen Tag in der Kirche del Carmine ausgeſtellt und dann erfolgte das feierlich⸗ Begräbniß. Man trug die Leiche auf einer mit koſtbarem Sammet be deckten Bahre. 994 Ein Feldherrnſtab ruhte in ihrer Hand, ein Schwert zur Seite. Geiſtliche in großer Anzahl, mit Fackeln in der Hand und Pſalmen ſingend, eröffneten den Zug. Acht Fahnen wehten um die Bahre. Die Abtheilung der Stadtwehr, gegen fünftauſend an der Zahl, unter dreißig Fahnen, folgten mit umflorten gedämpften Trommeln und umgekehrten Gewehren. Die Fenſter aller Häuſer längs des Weges waren mit Fackeln erhellt, die Glocken läuteten traurig und der Weg, den der Leichenzug verfolgte, war auf beiden Seiten mit Soldaten beſetzt. Als der Zug vor dem Palaſte des Statthalters vorüberkam, erwies die ſpaniſche Leibwache der Leiche die höchſten Ehrenbe⸗ zeugungen und der Statthalter in der Hoffnung, das Volk zu verſöhnen, ließ alle Fenſter des Palaſtes erleuchten und ſchickte acht Edelknaben mit brennenden Fackeln der Bahre entgegen. Gegen Morgen wurde die Leiche in der Kirche del Carmine begraben. So wurde der arme Fiſcher, wie man geſagt hat, gehuldigt wie ein König, getödtet wie ein Verbrecher, begraben wie ein Eroberer und nach ſeinem Tode verehrt wie ein Heiliger. Ein ſchmerzlicher Augenblick. Die Mutter Pietro's ſtand vor dem wahnſinnigen Matta⸗ lone. Dieſer ſammelte ſich— es war ein ſchreckliches Wieder⸗ erkennen. — Was willſt Du, Geſpenſt des Grabes? fragte er mit heiſerer Stimme; Du gehörſt dem Tode an, weiche von dem Le⸗ benden, was willſt Du? — Ihm ſagen, verſetzte das Weib mit niederträchtiger Schadenfreude, daß der Fluch, den ich auf das Haus Mattalone geſchleuder den Brude geetro, a grauen be wollte Dit der Du n morden w hat mich ſcheine, u und die Geſchlecht Deines 4 ſinns gen der Regie heute vo Höllenric Deinen a von meine Sie zugeworf Der weiflung Lippen. Der Plö ten vor Kunde, haftete; richtig n ja, der angewief — brachte Noc Hauch d — während A 955 vert 3 nn geeſchleudert habe, ſich ſchrecklich erfüllt hat— die Schweſter liebte den Bruder, Dein verfluchter Sohn Giulio tödtete ſeinen Bruder VPietro, aber das Volk wird ihn richten, und ehe noch die Nacht zu .. 3 c. 4 grauen beginnt, wird ſein Haupt auf dem Blutgerüſt fallen— ich and und dan der 4 woollte Dir dieſe frohe Kundſchaft bringen, Du elender Böſewicht, ſedänpften der Du mich einſt verhöhnteſt, verſtießeſt und dann mich gar er⸗ 4 morden wollteſt— der Himmel, mehr wohl aber noch die Hölle beren mit hat mich beſchützt, damit ich Dir noch einſt als Rachefurie er⸗ 8 Weg, de ſcheine, um Dich daran zu mahnen, daß der Himmel gerecht iſt 3 9/ n 3 4 und die Verbrechen der Väter ſtraft bis in das tauſendſte 1 Soldaten Geſchlecht.— Siehe, Dein Weib liegt unter den Trümmern — Deines Palaſtes begraben, Du ſelbſt biſt die Beute des Wahn⸗ 1 ühetn ſinns geworden— Dein Sohn iſt verachtet von dem Volke und 4 dand der Regierung, er hat ſeinen Bruder ermordet und wird noch 8 Valt zu heute vor die furchtbaren irdiſchen und den noch furchtbareren und ſchickte Höllenrichter treten— Deine Tochter Blanka liebte ihren Bruder, etgegen. Deinen andern Sohn Pietro, dem ich das Leben gab, ſie wird ICarmine von meiner Hand fallen. f Sie eilte hinaus, nachdem ſie donnernd die Thür hinter ſich zugeworfen. Der Herzog ſtarrte ihr mit den Blicken wahnſinniger Ver⸗ zweiflung und Wuth nach— ein wilder Schrei entfuhr ſeinen Lippen. Er hatte eine ſchreckliche Nacht. a- Der junge Morgen blickte in die Zelle des Wahnſinnigen. Plötzlich öffnete ſich die Thür und Giulio und Blanca knie⸗ 3 ten vor ſeinem Lager. — Mein geliebter Vater, rief Giulio, ich bringe Dir frohe Kunde, mein Name iſt gereinigt von dem Flecken, der daran haftete; man hat endlich in Madrid eingeſehen, daß ich es auf⸗ richtig mit der Sache des Königs, wie mit der des Volkes meine, 3 ja, der König hat beſtimmt, daß mir ein Platz im Staatsrathe en Mata⸗ angewieſen werde.— 1 4 Wieder⸗— Gott, ſegne meine Kinder und vergieb uns unſere Schuld, 44 brachte der Herzog mit Mühe heraus. gte er mit MNoch einen Druck der Hand— noch einen Kuß— ein en dem Le⸗ Hauch der Liebe— und ſein Herz hatte, aufgehört zu ſchlagen. — Das war ein ſchmerzlicher Augenblick, ſeufzte Giulio, während die weinende Blanca dem Vater die Augen zudrückte. 7 , gehudaet en wie ein iger. h — — tträchtiger Mattalont 8 ————— 956 Giulio, gleichſam dem Statthalter gegenüber von dem Mi⸗ niſter Olivarez füt ehrlich erklärt, trat in den Staatsdienſt. Er leitete die Geſchäfte Don Herandez's gewiſſenhaft und mit vielem Eifer zur Zufriedenheit des Landes und der Re⸗ gierung. Sechs Monate nach dem Tode ſeines Vaters fand ſeine Trauung mit der Prinzeß Leonore in der Kirche del Carmine unter großem Pompe ſtatt. Trootz ſeines Glückes aber beſchlichen ihn traurige Gedanken in der Erinnerung an ſeinen einſt an dieſer Stelle ſo hart be⸗ drängten Vater. Endlich ſollte die Verwaltung des Landes in andere Hände übergehen, um die Ruhe dauernd feſtzuſtellen. Der Winter ging vorüber— dem Frühling war der Som⸗ mer gefolgt, als der neue Statthalter, Don Juan de Auſtria, eintraf. Der Herzog von Arcos verließ Neapel; er ſchied von einem fluchenden Volke und fand einen unfreundlichen Empfang bei einem Hofe, der ihn mißachtete. Giulio blieb als Miniſter in Neapel zurück und lebte glück⸗ lich an Leonore's Seite, welche ihm einen Sohn geſchenkt hatte. Oft erinnerten ſich die Gatten jetzt in glücklicheren Tagen mit einer gewiſſen freudigen Genugthuung der verlebten ſtürmi⸗ ſchen Zeiten. Ende. Druck von W. Moeſer in Berlin. on dn Mi⸗ dienſt ſendaſ und bnd der Re⸗ —— fand ſeine del Carmine 1 Je Gedanken idere Hände at der Som⸗ n de Auſtritn, d von einen b 1 knpfang hei dledte glüchah ſhenkt hatte. b ſcheren Tagen lebten ſtürmi⸗ —— &X Grey Control Chart 33 Green vellow HRed Magenta