“ 4 8 — 8 — 8————— n—— “—,——— Das Hiſtoriſch⸗romantiſche Erzählung von Zulius Conard. S— Berlin. O. Seehagen's Verlag. Auf dem Platze del Carmine. Ein bewegtes Schauſpiel zeigte ſich auf dem Mercato del Car⸗ mine(Marktplatz) in Neapel. Zahlreiche Buden erſtreckten ſich in langen Reihen. Auf dem Boden ſaßen Männer und Frauen mit Fruchtkör⸗ ben, welche ſie zum Verkaufe anboten; an einer andern Stelle lagen die braunen Lazzaroni zu Tauſenden bei einander und fingen die Sonnenſtrahlen auf, die offene Bruſt mit einem leinenen Hemde und ſonſt nur mit kurzen Hoſen bekleidet. Sie hätten ſich wohl gefühlt, wäre Alles wie ſonſt geweſen; ſtatt aber wie zu andern Zeiten im ſtummen Fingerſpiele und mit lebhaften Geberden ihre Morra zu ſpielen oder mit hochgeſchwungenen Armen die Ellen langen Maccaroni in den weit aufgeriſſenen Mund hin⸗ einlaufen zu laſſen, ſtierten ſie jetzt mit ihren ſchwarzen Augen auf ein Gebäude, welches überhaupt die Aufmerkſamkeit des gan⸗ zen Volkes auf ſich lenkte; es war aus Stein und beſtand nur aus zwei bis drei Gemächern. Das ſpaniſche Reichswappen über dem Eingange bezeichnete es als ein öffentliches Gebäude und das Gedränge geſchäftiger uniformirter Beamten vor den Thüren, die dem Volke noch ver⸗ haßter waren, als die Soldaten, deutete an, daß hier die Steuer⸗ einnahme war. 8 8 Eine langjährige Erpreſſung hatte den Lebensſaft des Vol⸗ kes von Neapel ausgeſogen und es ſeiner körperlichen wie gei⸗ ſtigen Kraft beraubt, ſo daß ihm kein Muth mehr übrig ſchien, ſich ein beſſeres Loos zu ſchaffen. 5 5 1** . 4 .. In Folge dieſes Zuſtandes war eine förmliche Hungersnoth ausgebrochen; dieſe Plage, ſchlimmer als Peſt und Krieg, wüthete — in dem Herzen des Landes. Der Tod nahte ſich vielen Unglücklichen der niedern Volks⸗ klaſſe wie ein Schlaf der Ermattung, er forderte täglich, gleich einem ſchleichenden Geſpenſt ſeine Opfer und dennoch betrachteten ihn die Heimgeſuchten, ſonſt ſo kühn und lebhaft, mit jenem ſtumpfen zweifelhaften Blicke, welcher andeutet, daß ſelbſt die Liebe zum Leben in uns erſtorben iſt. Auf dem Mercato del Carmine, wo ſonſt ein jauchzendes Gewühl im Wohlſtande ſich hin und hertummelte, zeigte ſich heute, wie bereits geſagt, ein trauriges Bild. Hier lagen Männer erſchöpft und abgezehrt, dort ſaßen viele Frauen und Kinder zuſammengekauert, ſprachlos wie verſteinerte Leichen nebeneinander. Keine Klage ertönte, kein Geräuſch war hörbar als höch⸗ ſtens ein lauter Kuß, den eine Mutter auf die erſtarrenden Lippen ihres ſterbenden Kindes drückte, oder die Stimme eines Knaben, der mit dem Geſicht im Schooß verſteckt, nach Nah⸗ rung ſchrie. An einer andern Stelle zeigten ſich die Fiſcher Neapels, auch ſie ſtanden ſchweigend und düſter, nicht aber nahm man an ihnen jene Erſchlaffung wahr, welche ſich der übrigen Volks⸗ ſchichten bemächtigt hatte. Ein gewiſſer Trotz in ihren Zügen deutete an, daß ſie min⸗ deſtens im Stande waren, noch Widerſtand zu leiſten, daß ſie auf ein Mittel ſannen, das Joch, welches das Land drückte und ſolche Zuſtände hervorgerufen hatte, zu brechen. Haufen unwilliger Landleute ſtanden ſeit Tagesanbruch vor dem Steuergebäude und wiewohl ſie den Beamten, die ſich hin und her durch die Verkäufer drängten, keinen Widerſtand ent⸗ gegenſetzten, ſo beobachteten ſie doch mit finſtern Geſichtern die kleinlichen Plackereien, womit die Beamten thre Dienſtpflicht ausübten. Mit dem vorrückenden Tage füllte ſich der Marktplatz immer mehr und als ob man gleichgültig gegen die Fruchtſteuer geweſen wäre, die ſeit vielen Tagen die Käufer verſcheucht hatte, ſtröm⸗ ten Landleute herbei, die volle Körbe mit den Früchten der Jah⸗ „* — 4 5 4 reszeit, beſonders den köſtlichen Feigen aus der Gegend von Pozzuolo brachten. Heerden von Eſeln mit großen Körben beladen, die bis auf den Boden reichten, br chten Pfirſiche, Granatäpfel, Waſſerme⸗ lonen und ſtanden in dichten Gruppen um Haufen von Gemüſen, zahlreiche Böte aus allen Dörfern längs der Bai vermehrten jeden Augenblick die aufgehäuften Vorräthe und alle Zugänge zu dem Freiplatze waren verſtopft.„ Zahlloſe Schaaren von Knaben jedes Alters wanden ſich un⸗ ter die Bäuche der Eſel hindurch und begrüßten mit Jubelgeſchrei jeden neuen Zuwachs von Früchten, um ſich deren Abfall zuzu⸗ eignen, und wenn eilſer ihrer Genoſſen im Ergattern einiger verfaulter Feigen oder Pfirſiche glücklicher geweſen war, ſo ent⸗ ſpannen ſich zwiſchen dieſem und den Beeinträchtigten blutige Schlägereien. Dieſe dicht gedrängten Haufen umgab ein Kreis von müſ⸗ ſigen Lazzaroni, welche mit den jüngeren und verwegenern Plün⸗ derern wetteiferten— es war ein Schauſpiel, das in jedem an⸗ deren Lande, Verkäufer, Käufer und Steuereinnehmer zur Ber⸗ zweiflung gebracht haben würde. Unter den Gebäuden, die den lebhaften Platz umgaben, ſtand ein kleines, niedriges Haus, von ſchmutzigem Anſehen, nicht weit von einem Springbrunnen, in der Mitte einer Reihe ähnlicher Gebäude, der Kirche del Carmine gegenüber. Es mußte dem Aeußern nach nur von Leuten der n⸗ drigſten Volksklaſſe bewohnt geweſen ſein, hatte aber offenbar beſſere Zeiten gekannt, da zwiſchen den Fenſtern des oberen Stockwerks das Wappen Karls des Fünften ausgehauen war, das einzige Denkmal, welches an ſeine ehemalige Bedeutung erinnerte. Vor dem Thorwege dieſes Hauſes, in geringer Entfernung von dem unruhigeren Volkshaufen, ſtand eine Gruppe männlicher Geſtalten. Zunächſt erblicken wir einen jungen Mann, ungefähr vier⸗ undzwanzig Jahre alt, von hübſchem und einnehmendem Aeußeren. Seine Hautfarbe weaa wenig von der Sonne gebräunt; ſein a Auge ſchwarz, ſein Haupthaar kaſtanienbraun wallte in unge⸗ wöhnlicher Länge um ſeinen Hals. Auf ſeiner Oberlippe zeigte ſich ein blonder, erſt hervor⸗ ſprießender Schnurrbart; ſein Geſicht war voll. Er trug die 1 gewohnliche; Fiſcherkleidung, die ſeine ſchlanke Geſtalt ſo knaben⸗ haft erſcheinen ließ, als ob ſie noch nicht zum vollen Wuchſe ge⸗ langt wäre und gab ſeinen ungemein behenden und flinken Glie⸗ dern einen Anſtrich von Munterkeit und Leichtigkeit, welchen man bei den neben ihm ſtehenden Genoſſen vergebens geſucht haben würde. V Dieſer junge Mann hieß Tomaſo Anielo Maya, deſſen ge⸗ wöhnliche Beſchäftigung Angeln und der Einkauf kleiner Fiſche war, die er in den dürftigſten Stadttheilen verkaufte. Von den Umſtehenden heben wir noch einen großen, kräftig gebauten Mann hervor, von finſteren Zügen und grimmigem Anſehen, etwa dreißig Jahre alt, welcher mit den übrigen, mei⸗ ſtens Lazzaroni, ein längeres Geſpräch führte, auf das Tomaſo nicht zu achten ſchien, denn ſein Blick, auf irgend einen Gegen⸗ ſtand geheftet, war ſinnend und ſchwermüthig. Zuweilen ſpielte ein Lächeln mit einer faſt kindlichen Lieb⸗ lichkeit auf ſeinen Zügen und wenn es verſchwunden war, erhielt ſein Geſicht wieder den gewöhnlichen Ausdruck eines ſchwer⸗ müthigen Ernſtes. Schon mehrere Stunden hindurch verharrte er in dieſer Stellung, während die Genoſſen um ihn her bald laut mitein⸗ under ſprachen, bald heimlich flüſterten. — Ermanne Dich endlich, Tomaſo, nahm Donunied, der Mann mit den trotzigen Zügen, der ihm zunächſt ſtand, das Wort; Du genießeſt das höchſte Anſehen unter dem Volke Neapel's, Deinem Rufe wird jeder folgen, wie ein Kind dem des Vaters, zermagſt Du es länger anzuſehen, wie man unſer Blut ſaugt, blicke um Dich, ſieh, die verhungerten, bleichen Geſtalten, die ſich aum noch aufrecht zu erhalten vermögen, ſie ſchleichen umher vie die Schatten, oder liegen am Boden ausgeſtreckt wie Leichen, ber wenn es gilt, das Joch, welches auf Neapel haftet, zu bre⸗ hen, ſo werden alle dieſe Menſchen, trotz ihrer Ermattung, neu⸗ ſelebt erſcheinen und furchtbar den Arm gegen die Unterdrücker rheben, ſie niederſchmettern und Neapel vor dem Hancesiod chützen. 8 IJetzt ſchienen ſich die Züge des Angekedeten zu beleben, ſein luge wurde ſtrahlender, ſeine Haltung kühner.. — Heute iſt der dritte Juli, verſetzte er mit leiſer Stimme. — Wie ſoll ich dieſe Antwort deuten? fragte Dominico. „ 4 8 1 4. „ 3 „ 6 ſ—— —— 7 1 — Nun, am ſiebenzehnten Feſee Monats ſoll das Feſt unſerer lieben Frau von Carmel gefeiert werden, entgegnete Tomaſo leiſe, aber bedeutungsvoll. 1 — Du wirſt immer räthſelhafter. — Morgen Nacht in den Todtengewölhen. — Und dort? — Die Vorbereitung zur Rache, flüſterte Tomaſo leiſe un dumpf. — Sprich endlich deutlich. „— Morgen zur Mitternacht in den odtengewöͤlben wird Dir Licht werden. Plötzlich ließ ſich ein lautes Geſchrei vernehmen, in dem⸗ ſelben Augenblick ſchleppte ein Häſcher ein junges Weib mit un⸗ ſanfter Gewalt nach dem Steuerhauſe. Es war ein ſchrecklicher Anblick. Die Frau mochte kaum ſiebenzehn Jahre zählen; ſie war faſt nur in Lumpen gehüllt, ihre Füße waren nackt, ihre ganze Geſtalt erzählte die gräßliche Geſchichte eines qualvollen Hungerlebens und doch gab es vielleicht in der ganzen Stadt keine ſo liebliche Erſcheinung, kein ſo holdes Geſicht; aber mehr noch als ihre makelloſe Schönheit, mußte ihr großes, dunkeles Auge,— 8 ihre lilienweiße Haut, der Ausdruck rührender Ergebung in das 3 harte, ihr zugefallene Loos jeden Blick anziehen. Sie weinte, denn der Häſcher hatte ihr das Fruchtkörbchen entriſſen, welches ſie zu Markte gebracht. — Bei der Madonna, es iſt Livia, rief plötzlich Tomaſo, deſſen Körper bebte, deſſen Wangen erbleichten. — Es iſt Dein Weib, verſetzte Dominico, ha, nun wird der Löwe endlich die Mähnen ſchütteln. Noch ehe Tomaſo ſich aus ſeiner Beſtürzung zu reißen ver⸗ mochte, war raſch ein junger Cavalier an den Häſcher getreten. Er hatte eine hohe, impoſante Geſtalt, eine ſtolze Haltung und ein ſchönes männliches Antlitz, deſſen Züge ſowohl auf Kraft und Strenge, als auch auf Edelmuth und Genüthereichtyun ſchließen ließen. 1 — Was hat dieſes Weib verſchuldet? fragte er, einen fi ſteren Blick auf den Häſcher werfend, welcher beſtürzt einige Schritte Ahrch er und ehrerbietig grüßte. . ich bin ſchuldlos, Signor! weinte die junge Frau. 8 1 1 b 8 4— Sie hat Seine Majeſtät, den König, betrogen, ant⸗ wort ete der Häſcher, indem ſte das Zollhaus umging, um nicht die Fruchtſteuer zu bezahlen, es iſt daher meine Pflicht, ihre Früchte mit Beſchlag zu belegen und ſie nach dem Gefängniß zu bringen, außerdem muß ſie, oder einer ihrer Angehörigen eine Strafe von fünfzig Dukaten erlegen. — Sagt der Mann die Wahrheit, junge Frau? fragte der Cavalier. — Er ſagt die Wahrheit, Excellenza, antwortete die Ge⸗ fragte, während ihre Thränen reichlicher floſſen, ich bin zu arm, die hohe Fruchtſteuer zu bezahlen, die wenigen Pfirſiche, wenn ſie wirklich verwerthe, bringen mir kaum die Hälfte der Ver⸗ ſteuerungsſumme ein. — Wie iſt Dein Name, junge Frau? fragte der Cavalier mit äußerſter Theilnahme. — Es iſt ein Fiſcherweib aus Amalft, dort ſah ich ſie einſt am Eingange einer Hütte ſtehen, fiel der Häſcher ein. — Schweigt, bis Ihr gefragt werdet, rief der fremde Herr gebieteriſch dem Häſcher zu, welcher augenblicklich verſtummte; nenne mir Deinen Namen, wendete er ſich wieder zu der jungen zu. — Ich heiße Livia und bin die Frau des armen Fiſchers Tomaſo Aniello aus Amalfi. — Tomaſo Aniello iſt Dein Gatte? ſagte der junge Mann in wichtigem Tone, und er überläßt Dich dieſer Gefahr? — Er weiß nicht darum, er würde dieſen Ungeſtümen ſonſt in den Golf geſchleudert haben, wie einen abgeſtorbenen Fiſch. Wie lange ſeid Ihr vermählt? — Seit einem Jahre. — Folge mir zum Zollhauſe, junge Frau, ich werde Dich von der Strafe befreien, gebt ihr augenblicklich den Fruchtkorb zurück, rief er dann dem Häſcher zu und geht hinter mir her⸗ ich bürge Euch für die Gefangene. Ddieſer Vorfall hatte eine ungeheure Menſchenmenge ver⸗ ſammelt, ein Umſtand, welcher hinderte, daß Tomaſo Aniello, der in ziemlicher Entfernung ſtand, ſeiner bedrängten Prau. zu Hilfe kommen konnte. Der Pöbel zeigte große Luſt, den Haͤſcher mit einem Stein⸗ * 9— . hagel zu begrüßen, aber auf einen Wink des Cavaliers unter⸗ blieb jede Gewaltthätigkeit. Dieſer war in Begleitung Livias und des ihm folgenden Häſchers vor das Zollhaus getreten und zahlte zur höchſten Ver⸗ wunderung der Beamten die Steuer. — Jetzt gehe, gute Frau, und verkaufe Deine Früchte, ſagte er. — Noch darf ſie ſich nicht entfernen, Excellenza, nahm einer der Beamten das Wort. — Und wer wollte dies hindern, fragte der Cavalier mit finſterem Trotz. — Ich, im Namen Seiner Majeſtät des Königs, den jer gute Neapolitaner ehren muß, erwiderte der Gefragte. In dieſem Augenblick ließ ſich ein neues lautes Geſchrei vernehmen, zwei Häſcher brachten einen Menſchen herbei, welcher heftig und bitter die Regierung getadelt haben ſollte, wir er⸗ kennen in ihm— Tomaſo Aniello. — Fluch der Tyrannei, rief er mit furchtbarer Stimme, indem er die beiden Häſcher zur Seite ſchleuderte, daß einer der⸗ ſelben zu Boden ſtürzte— hinweg Ragazzo(Schurke), Ihr habt uns Alles genommen, wollt Ihr nun noch unſere Weibe Mit einer raſchen Bewegung hatte er ſich einen Weg n. 6 dem Zollhauſe gebahnt, und mit dem Rufe:„Tomaſo, mio caro“ (mein Theurer) ſank Livia weinend in die Arme ihres Gatten. Einen Augenblick trat Schweigen ein. Alles ſchaute auf das umſchlungene Ehepaar, insbeſondere aber widmete ihm der Cavalier eine theilnahmsvolle Aufmerk 1 ſamkeit. — So viel Armuth und doch ſo viel Liebe, murmelte er leiſe. — Was hatten die Schergen gegen Dich, geliebtes Weib? nahm Tomaſo endlich das Wort; wollten die Waapen an n dem letzten Reſt Deiner Früchte nagen? Er hatte kaum dieſe Worte geſprochen, als die Hiſcher ſch wieder ſeiner bemächtigten. — Ihr ſollt mich nicht anrühren, rief der lunge Fiſcher lauter Stimme, indem er ſich auf's Neue aus der Gen ſeiner Angreifer befreite; bei der heiligen Madonna, ehe — Ja, eine hohe Summe, wiederholte Tomaſo mit Bitter⸗ 10 Euch der Krater des Veſuv verſchlingen, ehe Ihr mir ein Leides thut; zittert vor Tomaſo Aniello! Neue Häſcher traten jetzt hinzu und bald kam es zu einem Conflict mit dem Volke, welches bereits Luſt zeigte, den Fiſcher und ſein Weib zu befreien; ſchon ertönte ein furchtbares Rache⸗ gebrüll, aber des Cavaliers⸗ Stimme übertönte wie der rollende Dunnet das Geſchrei, und Ruhe trat ein. —=² Seid Ihr Neapolitaner? rief er denen zu, welche am wüthendſten tobten, kein Eingeborener dieſer Stadt darf ſich ver⸗ meſſen, auf dieſe Weiſe einen Streit zu ſchlichten. Einem Anderen, der ſolche Worte geſprochen hätte, würde vielleicht ein Steinhagel zur Antwort geworden ſein; dieſem Cavalier gegenüber verſtummte die Menge, als ſtände ſie vor dem ewigen Gericht. — Laßt ab von dieſem Manne und ſeinem Weibe, nahm er wieder, zu den Häſchern gewendet, das Wort, ich, Prinz Giulio von Caraffa, hafte für Beide. Ddieſer Befehl wirkte. Thomaſa und Livia ergriffen die Hand ihres Befreiers und dieſer führte Beide vor die Beamten des Zollhauſes. — Warum ſollte dieſe Frau ſich vorher noch nicht ent⸗ fernen, nachdem ich die Summe für ſie bereits entrichtet hatte? fragte er einen der Beamten. Sie ſehen meine Herren, welche Scene Jhre Strenge hervorgerufen hat, und wenn das ſo fort⸗ 1 len. — Dieſe Frau hat eine Strafe von fünfzig Ducaten zu d r Gefragte. — Das iſt eine hohe Summe für dieſe armen Leute, ver⸗ der Prinz kopfſchüttelnd. eit, dhas man uns denn noch nicht genug das Mark aus den Knochen geſogen? Ich werde die Strafe nicht zahlen. liweu halb trotzig, weil ich es für ihn thun werde. Mit dieſen Worten warf er die verlangte Summe einem der Steuerbeamten vor die Füße und bahnt⸗ ſich dann raſch einen Weg durch die Menge. ztht, dann möge der Himmel Neapel vor ſeinem Untergange hlen, weil ſie die Steuerbehörde betrügen wollte, hicenet⸗ — Nein, er wird ſie nicht zahlen, rief Giulio Caraffa halb — f 41 amado Giulio In kes Al Laßzaro agen, nicht il gebore einetW T ehe ſie unter E dem P N ſtalten Gemüf J in do gewo nend! Jüge Grau blitzen Verda aber Mun T uun großt Natu tiefer — . tiefer muß man in der der * 11 — Eyviva il Prence, ertönte es von allen Seiten, evviva amado Giulio Caraffa!(Es lebe der Prinz, der liebenswürdige Giulio Caräffa!) Immer lauter erſchallten dieſe Beifallsbezeugungen des Vol⸗ kes, Alles ſchien plötzlich Leben gewonnen zu haben, die müßigen Lazzaroni's, wie andere, welche bisher ermattet auf dem Boden lagen, hatten ſich erhoben, ſte fühlten jetzt nicht ihre Erſchöpfung, nicht ihren Hunger, die großmüthige Handlungsweiſe eines hoch⸗ geborenen Edelmanns für eine arme Fiſchersfamilie hat Alle mit einer Begeiſterung erfüllt, welche ſie ihre Leiden vergeſſen ließ. Tomaſo und ſein Weib ſtanden lange wie betäubt da, und ehe ſie noch Zeit gewannen, ihrem Retter zu danken, war dieſer unter dem Gewoge der jauchzenden Volksmenge verſchwunden. Endlich verließen auch ſie den Mercato del Carmine, um dem Prinzen in ſeiner Wohnung ihren Dank zu ſagen. Nur Verkäufer, Käufer und einige andere ſchmutzige Ge⸗ ſtalten blieben zurück, dieſe dieleicht, um Früchte, Fiſche oder Gemüſe zu ſtehlen. In geringer Entfernung von den Letzteren ſtand ein Mann in äußerſt reicher Uniform, welcher der ganzen Scene mit bei⸗ gewohnt hatte. Er war in Gedanken vertieft und ſchante ſin⸗ nend den Maſſen nach. Die reiche Kleidung, die den Edelmann verrieth, trug nichts dazu bei, ſein abſchreckendes Aeußere zu mildern. Er hatte eine kleine, gedrungene Geſtalt, buſchiges, ruben⸗ ſchwarzes Haar, das Geſicht war ganzibedeckt von einem Schnurr⸗ und Backenbart. Obgleich noch jung an Jahren, waren die Züge gefurcht und abgelebt, die Geſichtsfarbe gelb und in's Graue ſpielend; die Augen klein, mit rothen Rändern und tückiſch blitzend; kurz, es war eine Geſtalt, der die Anweiſung auf ebige Verdammniß in allen Zügen zu leſen war. Bei San Gennaro del Teſoro, nahm er mit tiefer Stimme, aber leiſe das Wort, während ein ſpöttiſches Lächeln um ſeinen Mund ſchwebte, Prinz Caraffa hat ein edles Herz, und dieſer Triumpf wird ihm nicht ohne Urſache gezollt, denn er iſt der großmüthige Befreier des Fiſcherpacks; aber es liegt in der Natur der Sache, je höher man in der Volksgunſt ſteigt, deſto Pne ſinken. Mit dieſen Worten war er verſchwunden. „ 9 ——— ———— — 12 N — Don Herandez Ragazzo, murmelte eine der ſchmutzigen Geſtalten, dieſer gelbe Spanier, dieſer elende Rathgeber des Duca ſoll der Erſte ſein, deſſen Haupt von dem Blocke fällt, wenn die Stunde der Befreiung ſchlägt, und ſie darf nicht mehr lange auf ſich warten laſſen. Kurzer Beſuch. Auf einem der höchſten Gipfel zwiſchen Neapel und Salerno erhob ſich eines der vielen Schlöſſer des Herzogs⸗ Mattalone, Fürſten von Caraffa. In einem der Zimmer des Schloſſes erblickte man die Familie des Herzogs. Die Wände des hohen und großen Gemaches waren mit koſtbaren ſeidenen Tapeten geſchmückt, und die Decke hatten erſt vor Kurzem ausgezeichnete Künſtler gemalt, die zur Zeit nach Neapel ſtrömten. Der Herzog war ein Mann von etwa fünfzig Jahren, eine hohe und achtunggebietende Geſtalt, von ſtolzem aber freund⸗ lichem Weſen, der mehr das Anſehen eines Staatsmannes, als das eines Kriegers hatte. Seine Stirn war breit und hoch, ſein Auge hell und blau, ſeine Wange ungebräunt, ſein Bart kurz und gekräuſelt und wie das Haupthaar zum Theil ergraut. Er ſtand in einer Fenſtervertiefung neben ſeiner Tochter Blanka. Beide blickten hinaus ohne ein Wort mit einander zu wechſeln. dngs Blanka mochte etwa achtzehn Jahre zählen, ſie war von mittlerer Größe, hatte ein bleiches, anmuthvolles Antlitz, tief blaue ſeelenvolle Augen, während dunkelblonde üppige Flechten ſich wie ein Kranz um das Haupt zogen. Am zweiten Fenſter ſtand die Gemahlin des Herzogs, eine Dame von etwa vierzig Jahren, deren Antlitz noch deutlich alle Spuren einer ehemals unübertrefflichen Schönheit trug. Auch ihr Auge war auf die Landſchaft gerichtet; es herrſchte tiefes 8* — ——.—— Schwei trachtu 6 nieder, zer We hüſtere er heu. entgegn Düche leuchte ten ihr zog wi zurückb Herzo führen 8 und einem ur H wͤhert Erwa J trauri falls Giuli ſonſt; d Neben wohr ſhütt 13 Schweigen und die drei Anweſenden ſchienen ihren eigenen Be⸗ trachtungen nachzuhängen. Schon ſenkte ſich die Dämmerung auf Land und Meer her⸗ nieder, im Südweſt zuckte ein Wetterleuchten durch die ſchwar⸗ zen Wolken und näher erbrauſte der Orkan. —ᷣ Er wird nicht kommen, brach endlich der Herzog das düſtere Schweigen, faſt könnte ich ihm zürnen. — Ihm zürnen, Vater, Deinem einzigen Sohne? Bleibt er heute fern, ſo wird ihn irgend ein Umſtand abgehalten haben, entgegnete Blanka mit ſanftem Vorwurf.. — Sehr wahr, fiel die Mutter ein, während ſie ſich dem Tiſche nahte, auf welchen während deſſen ein Diener zwei Arm⸗ leuchter mit brennenden Kerzen geſtellt hatte; die Uebrigen folg⸗ ten ihrem Beiſpiele und alle Drei nahmen Plaz. 4 — Ich zürne Giulio nicht, meine Lieben, begann der Her⸗ zog wieder, weil er trotz ſeines Verſprechens, zu uns zu kommen, zurückbleibt, es ſind andere, tiefer liegende Gründe.— Der Herzog ſchwieg, wie Einer, der nicht gern ein Geſpräch weiter führen will und verſank in dumpfes Hinbrüten. Die peinliche Stille von vorhin war wieder eingetreten und Mutter wie Tochter mühten ſich vergebens den Herzog zu einem neuen Geſpräche zu bewegen und nahmen ihre Stickereien zur Hand. Plötzlich ließ ſich draußen Geräuſch vernehmen, raſche Tritte näherten ſich und durch die haſtig aufgeriſſeßs Thür trat der Erwartete ein. Nach den erſten Begrüßungen war die Stirn des Herzogs traurig, faſt finſter, während über das Antlitz des Sohnes gleich⸗ falls eine düſtere Wolke flog. — Ich war mehrere Tage abweſend, mein Vater, nahm iulio das Wort, Dein Empfang heute iſt nicht wie er mir ſonſt nach längerer Entfernung zu Theil wurde. Statt der Antwort winkte der Herzog dem Sohne i in ein Nebengemach, welches von zwei Kerzen erhellt war. — Giulio, nahm der Herzog das Wort, indem er dieſen mit ſcharfen Blicken fixirte, ich darf nicht länger über den Arg⸗ wohn ſcheiden⸗ der mein Herz beſchleicht und meine Seele er⸗ whütterr.— Giulio, Du biſt auf gefährlichem Wege— 14 — Mein Vater, Du erſchreckſt imich, werjettre Giulio über⸗ raſcht. — Die Jugend hat ein leicht empfängliches Gemüth—— warum ſollteſt Du alſo nicht den Ginſtiſterungen böſer Zunden zugänglich ſein? — Sollte ich bei Dir verläumdet ſein,— rief Giulio ver⸗ letzt, ſo nenne mir den Elenden, der dies gewagt. — Ich wäre zu ſtolz dem Verläumder Gehör zu geben, den ich verachten müßte.— Niemand hat es verſucht, den Saamen der Zwietracht zwiſchen Vater und Sohn zu ſtreuen; mein eige⸗ nes Herz flüſtert mir zu:„Hüte Deinen Sohn!“ — In wie fern, mein Vater, bedarf ich Deiner Obhut, wäre ich nicht Mann genug, mich ſelbſt zu ſchützen? entgegnete Giulio ſtolz, nein, mein Vater, laſſe das Gift des Argwohns aus Deiner Bruſt ſchwinden und denke immer, daß Dein Sohn ein Caraffa iſt— noch aber haſt Du mir nicht Deinen Arg⸗ wohn näher angedeutet. — Laß mich davon ſchweigen, ſagte der Herzog, dan Sohn in die Arme ſchließend, Alles, Alles iſt widerlegt, Du nennſt Dich mit Recht einen Caraffa und einem Sproſſen dieſes Geſchlechts läge jeder Verrath fern. — Verrath?— wiederholte Giulio mit glühenden Blicken. — Die Regierung hat Feinde, und ich zähle Dich zu dieſen. — Geſetzt, es wäre ſo, könnteſt Du mich tadeln, wenn ich einer Regierung abhold bin, welche das Mark des Landes verzehrt? Neue Steuern, neue Unzufriedenheiten, Murren gegen die Re⸗ gierung, Verwünſchungen gegen den Adel, Drohungen gegen Beide, das iſt es, wovon wir täglich hören. Sollte ich Dir die Laſten herzählen, die man einem armen, halb ausgehungerten und immer noch treuem Volke auferlegt,— wollte ich Vesein⸗ anderſetzen, wie unverſtändig man dieſe Abgaben auswählt, betrügeriſch man ſie verpachtet, wie übermüthig man ſie einſun. melt—? Du weißt es ſelbſt zu gut, als daß ich Dich darin erſt wie einen Knaben unterrichten ſollte— ich weiß, Du biſt dem Könige treu, nichts deſto weniger aber kannſt Du Dir ver⸗ hehlen, daß Seine Majeſtät das Treiben ſeiner Räthe zu Neapel nicht billigen dürfte, und ich fürchte, er wird nur zu bald Urſache die Herren zu verwünſchen, die ſo viel Unheil angerichtet, ſo viel Blut vergoſſ ſen, d viele Thränen erpreßt haben, ja, mein Vater, 1 Pagſchale Nache ſch war heut Weib vu⸗ ſuchte, m der Häſch den Blick ſollen, hä ſchon heut Der zu Boder —nl Joche zer teten Vol aus dem die er ſe unter die menſchlich haͤngniß mit Sch häſſigſten Landes il können; Neapolite Abſcheu Die nicht ein reicht, w ſchweigen 8 iu dem u 41 zog wit bieteric fort, g dic, d Git — 15 6 Vater, die Thränen eines ganzen Landes fallen ſchwer in die Wagſchale der Tyrannen, wehe ihnen, wenn die Stunde der 3 Rache ſchlägt, die ſich bereits kund zu geben droht! ich ſelbſt 1 war heute Zeuge eines erſchütternden Vorfalles; ein armes Weib wurde, weil ſie die unerſchwingliche Steuer zu umgehen ⸗ ſuchte, mit einer Strafe von fünfzig Ducaten belegt. Als ſie der Häſcher zu dem Beamten ſchleifte, da hätteſt Du die wüthen⸗ den Blicke, die drohenden Arme, die Flüche der Menge hören ſollen, hätte ich es nicht gehindert, ein Aufſtand wäre vielleicht 1 ſchon heute ausgebrochen. 8 Deer Herzog war nachdenkend geworden und hatte die Blicke zu Boden geſenkt. 1 Und bei der Noth, die das Land mit ihrem ehernen 8 Joche zermalmt, bei der Armuth des geiſtig und phyſiſch zerrüt⸗ f teeten Volkes, bei dem Jammergeſchrei der Hungernden, hallen aus dem Palaſte des Duca di Arcos die Freudenklänge der Feſte, die er ſeinen Räthen giebt; der Schlechteſte und Boshafteſte unter dieſen aber iſt dieſer elende Herandez, dieſer Tiger in 9 menſchlicher Geſtalt, und wenn einſt das unausbleibliche Ver⸗ heängniß kommt, ſo kann ich nur den Duca beklagen, er hat ſich mit Schmeichlern umgeben, die ihn in der Ausführung der ge— häſſigſten Grundſätze unterſtützen und die durch Plünderung des 1 Landes ihrer grenzenloſen Verſchwendung um ſo mehr fröhnen er können; ein ſolches Treiben, Vater, muß das Herz eines edlen 12 Neapolitaners, ob hoch oder niedrig geboren, mit Groll und 2* Abſcheu erfüllen. 4 Dieſes Geſpräch wäre noch weiter geführt worden, hätte en nicht ein eingetretener Diener dem Herzog einen Brief über⸗ 1 reicht, welchen er ſogleich erbrach und ihn, nachdem er geleſen, ſchweigend ſeinem Sohne reichte. — Schon wieder ein Feſt, ſagte Letzterer mit bitterm Lächeln, pie u dem man uns geladen. — Und welchem wir beiwohnen werden, verſegte der Her⸗ an og mit einer gewiſſen Strenge, indem er auf Giulio einen ge⸗ iſt bieteriſchen Blick heftete; im Uebrigen, fuhr er in milderem Tone et⸗ cort, glaube ich nicht, daß Du da fern bleiben könnteſt, wohin pel Dich Dein Herz zieht. 1e hpe Giulio ſchien äußerſt überraſcht. 2 KAtn aet— Was meinſt Du, mein Vater? 47 16 — Es iſt mir nicht entgangen, daß Dein Herz Donna Leonora gehört. — Man kann die Tochter lieben und doch das Treiben des Vaters verabſcheuen, verſetzte Giulio kurz und war im Begriff, ſich zu entfernen. 1— — Du willſt gehen, mein Sohn? rief der Herzog be⸗ fremdet. — Ich muß noch heute nach Neapel zurückkehren, entgegnete Giulio ausweichend. Er umarmte ſeinen Vater, verabſchiedete ſich von Mutter und Schweſter und verließ dann haſtig das Zimmer, das Zure⸗ den der Eltern hatte nicht vermocht, ihn zurückzuhalten. — Gott möge ihn ſchützen! ich fürchte, ſein Ungeſtüm wird ihn dem Verderben überantworten, ſagte der Herzog mit tiefem Ernſt, und nachdem er ſeine Familie mit der an ihn ergangenen Einladung bekannt machte, zog er ſich in ſein Zimmer zurück. Giulio hatte, nachdem er ſich von ſeiner Familie verab⸗ ſchiedet, nicht den Weg nach Neapel eingeſchlagen, ſondern ſich heimlich in den Garten begeben, in welchem er ſich unbelauſcht wußte und überließ ſich ſeinen Betrachtungen. Er dachte an den Zuſtand des bedrückten Volkes und immer noch ſchwebte ihm das Bild Tomaſo's und Livia's vor der Seele. Es glimmten Lichter von den Klippen und aus den Höhlen der Inſel Capri und hundert Fackeln leuchteten aus verſchiedenen Fiſcherböten, die noch unter dem dunkeln Schatten der Vorge⸗ birge verweilten. Zuweilen flog ein kleines Boot über die Licht⸗ ſäule, die der Mondſchein auf das Meer warf, während auf einen Augenblick jede Geſtalt am Bord ſichtbar wurde, und ver⸗ lor ſich dann wieder in dem dunkeln Schatten, die darüber hin⸗ aus das Meer deckten. Bei jeder dieſer Erſcheinungen war der Blick Giulio's ge⸗ —— ſpannt; Wogen räuſch dringen En zuweile Bootes bar ſe . Schlſ I Gondo ward wieder A gerde es a Geſtau nicht: hallen 3 ihre” S 4 ſproch Wort das g . lichen der Nme lorer dodf einen ſtill ſtänd 8 te * „* 17 ſpannt; kein Ton unterbrach das nächtliche Schweigen, denn die Wogen ſchlugen ſo ſchwach an den Fuß der Felſen, daß das Ge⸗ räuſch kaum zu der hohen Terraſſe, auf der er ſich befand, heran⸗ dringen konnte. Endlich ſchoß ein kleines Boot mit einem einzigen Ruderer ſchnell über den blinkenden Mondlichtſtreif; ein mattes Licht glänzte im Hintertheil des Schiffes. Giulio's Blick ſuchte die Schatten zu durchdringen und nur zuweilen war der Sternenglanz hinreichend, ihm den Lauf des Bootes zu zeigen, das flüchtig durch die Wellen ſchoß bar ſeinen Lauf nach ihm richtete. und offen⸗ Endlich war das Fahrzeug nur noch einen Steinwurf vom Schloſſe entfernt und ſchneller rudernd erreichte es bald daſſelbe. Wenige Augenblicke ſpäter ſaß Guilio an der Seite des Gondoliers. Es wurde nicht ein Wort geſprochen; das Boot ward gewendet und ſchoß mit der Schnelligkeit eines Adlers wieder in's Meer. Als das Fahrzeug eine Weile in gerader Linie ſeitwärts gerudert war, offenbar nur um ſich vom Schloſſe zu entfernen, nahm es allmälig eine ſchräge Richtung und näherte ſich wieder dem Geſtade, von welchem er ſich eben eilig entfernt hatte. Es war nicht mehr weit vom Lande, als es auf ein dumpfes und lang⸗ hallendes Pfeifen ſich ſchnell dem Ufer näherte. Zwei Geſtalten ſprangen aus dem Schatten auf und nahmen ihre Plätze an Giulio's Seite. Bis zu dieſem Augenblicke hatte Niemand eine Silbe ge⸗ ſprochen. Es begann nun ein leiſes, ernſtes Geſpräch und das Wort:„Amalfi“ wurde mehrere Male genannt, dahin richtete das Fahrzeug auch ſeinen Lauf. Die Namen von Leuten, die in einem finſtern und gefähr⸗ lichen Anſchlag verwickelt waren, wurden geheimnißvoll geflüſtert, aber die Schiffsgeſellſchaft ließ keine Hindeutung auf ihre eigenen Namen hören. Einmal, als das Geſpräch in ein leiſes Geflüſter ſich ver⸗ loren hatte, ließ der Schiffer das Ruder ruhen, es erfolgte eine Todesſtille und Einer aus der Geſellſchaft rief dem Horcher einen grimmigen und drohenden Fluch zu; das Boot ruderte ſtill vorwärts, der Mond beleuchtete nun glänzend alle Gegen⸗ ſtände längs der Küſte, die zahlloſen weißen Dörfer, die ſich an Das Bpfer von Amalfi.(Bd. 1) 2 18 die Felſen lehnten und die einſamen Fiſcherhütten, die dicht am Uferrande aus dem Berge vorſprangen, lagen im hellen Glanze. Aber aus keinem jener Häuſer ſchimmerte irgend ein Licht, das verrathen hätte, daß die Bewohner von ihrer gewöhnlichen Le⸗ bensweiſe abgewichen wären.— Das Boot war ſchon einige Stunden von Capo d'Orſo ent⸗ fernt und Atrani und Amalfi wurden ſichtbar, ohne daß irgend ein Vorfall die leiſe Berathung der Schiffsgeſellſchaft geſtört hätte. — Das Licht brennt! rief plötzlich Einer der Männer, und deutete auf eine kleine Hütte oberhalb Atrani's, woher ein matter Lampenſchein das angedeutete Zeichen gab. Das Boot flog mit verdoppelter Schnelligkeit nach der Küſte und in einigen Minuten klirrte es auf dem ſandigen Geſtade. Giulio und ſeine Gefährten ſprangen an's Ufer und ließen den Ruderer zur Bewachung des Fahrzeuges zurück. Dieſer blickte den ſich entfernenden, nächtlichen Wanderern aufmerkſam nach und war überzeugt, daß ſie auf verbotenen Wegen gingen, da ſie ſich unter dem niedrigen Strauchholz hin⸗ ſchlichen. In der Nähe der Stelle, wo ſie gelandet waren, ſtanden einige Hütten oder vielmehr Schuppen, wie es ſchien, mehr dazu beſtimmt, Netze und andere Fiſchergeräthſchaften aufzubewahren, als zu Menſchenwohnungen zu dienen, ſo wenig waren ſie für die Bedürfniſſe der ärmſten Heimath geeignet. 1 Sie beſtanden nur aus einem Erdgeſchoſſe in zwei Kammern getheilt, von welchen eine, mit Netzgeflechten, halb verbrannten Fackeln und einigen Hackenſpießen bedeckt war, während auch nackte Kinder unter zerlumpten Kleidern lagen, die man nach einem ſtürmiſchen Tage auf dem Meere, zum Trocknen hinge⸗ worfen hatte.— In der vorderen Kammer war der Vater mit den ältern Gliedern ſeiner Familie. Solche Wohnungen bedurften keiner Schlöſſer oder Riegel und waren nur ein geringes, dürftiges Obdach, um das ſchwä⸗ chere Geſchlecht gegen unfreundliche Witterung zu ſchützen. Der Wind drang überall in dieſe elenden Hütten, eben ſo oft fand der Regen Zugang; am häufigſten aber kehrte der Schrecklichſte der Schrecken, der Hunger, dort ein. ——ÿ—ÿ—ᷣy S die me und 1. den 6 I wir ei 4 funden G und d ruhen hüllt Auge eines deſſen Menj Unhe vind ſo al ſchen ſtellte ſolche bew⸗ unzä dieſe einer bei ſon ſr im 4 —— 6 19 So waren zu jener Zeit wie zum Theil noch heutigen Tages die meiſten Hütten der abgehärteten und ſchlichten Küſtenfiſcher, und nach einer ſolchen Wohnung nahmen Giulio und ſeine bei⸗ den Gefährten ihren Weg. Während wir ſie ihrem Ziele zu wandern laſſen, wollen wir einige Augenblicke zu dem Führer des Bootes zurückkehren. Dieſer hatte ſich kaum eine Viertelſtunde am Strande be⸗ funden, als ein zweites Boot nahte.. Eine verhüllte, männliche Geſtalt trat auf den Ruderer zu und dieſer ſprang vom Boden auf, auf welchem er ſich zum Aus⸗ ruhen niedergeſtreckt hatte.— Der Fremde war hoch gewachſen und ſein Geſicht ſo ver⸗ hüllt, daß der Ruderer davon nichts, als zwei dunkelglühende Augen erkennen konnte, welche in der Nacht leuchteten, wie die eines Tigers.-. — Bei der heiligen Jungfrau! murmelte der Ruderer, deſſen Körper plötzlich zitterte, wie ein Blatt im Winde; dieſer Menſch hat den böſen Blick, den Blick eines Gettatore, er bringt Unheil, Santa Maria, ſteh mir bei, ſetzte er, ſich bekreuzigend, hinzu. Es herrſchte zu jener Zeit, wie zum Theil noch heute, ein ſo allgemein verbreitetes Vorurtheil, daß der Blick gewiſſer Men⸗ ſchen unheilbringend ſei, daß ſogar die vornehmſten und hochge⸗ ſtellteſten Edelleute von dieſem Vorurtheil nicht frei waren; ſolche Menſchen nennt man noch jetzt Gettatore(Blickwerfer). Der zitternde Ruderer wagte nicht, den Menſchen, der un⸗ beweglich vor ihm ſtand, zu betrachten, er murmelte vielmehr unzählige Paternoſter und beſchwor alle Heiligen, um ihn vor dieſem Höllengettatore zu ſchützen. — Von wo kommſt Dus redete ihn endlich der Letztere mit einer ſchneidenden, durchdringenden Stimme an; antworte mir bei Deiner armen Seele der Wahrheit gemäß, wenn Du lügſt, ſo wird mein Blick Dir das gräßlichſte Verhängniß heraufbe⸗ ſchwören. b — Was ſoll ich ſagen, Excellenza? rief der arme Ruderer immer heftiger zitternd. — Zuerſt will ich wiſſen, woher Du kommſt? 2 — Direct von Neapel. 2* 20 — Das iſt mir bekannt, Ragazzo; aber ich will wiſſen, r wer Dich in Neapel gedungen. — Zwei Cavaliere, Excellenza. 1 — Ihre Namen? — Sind mir unbekannt. — Du wirſt ſterben, wenn Du mir nicht die Wahrheit ſagſt, verſetzte der Gettatore mit einer furchtbar prophetiſch klingenden Stimme, daß es dem Ruderer grauſte. — Nehmen Sie den Fluch zurück, Excellenza, flehte er in herzzerreißendem Tone, ich habe Weib und Kind und ſchwöre Ihnen, daß ich die Wahrheit ſagte. — Gut denn, alſo Du kennſt die beiden Cavaliere nicht? — Bei der Madonna, nein. — Du hielteſt vor dem Schloſſe des Herzogs von Matalone, es ſprang Jemand in's Boot, wer war es? — Es war nur Mondlicht, Excellenza, aber ich erkannte deutlich das Geſicht des jungen Mannes, dem heute früh in Neapel das„Evviva“ galt; man nannte ihn:„il prence Caraffal“ — Jetzt weiß ich genug, murmelte der Gettatore, wie konnte es kommen, fragte er dann laut, daß die beiden Cavaliere ſpäter einſtiegen, wenn ſie mit Dir zugleich von Neapel ſchifften? — Wir waren etwa anderthalb Stunden von Neapel ent⸗ fernt, als ich die beiden Cavaliere an's Land ſetzen mutzte. Hier gaben ſie mir den Befehl, nach dem Schloſſe des Fürſten Caraffa zu ſteuern, wo ein Cavalier das Boot beſteigen würde und dann zurückzukehren, um ſie wieder abzuholen; vermuthlich fürchteten ſie, ſich ſelbſt in die Nähe des Schloſſes zu wagen, anders kann ich mir dieſen Umſtand nicht erklären. — Wohl möglich, murmelte der Gettatore, denn der alte Caraffa ſoll kein Verräther ſein und darum weichen ſie ihm aus; doch weiter, ſagte er laut, indem ſeine glühenden Blicke den armen Ruderer zu durchbohren drohten. — Die Herren flüſterten mit einander leiſe, das einzige Wort, welches ſie zu mir ſprachen, war der Befehl hierher zu ſteuern. Hier ſchlichen ſie wie Geiſter, die etwas Böſes ſuchen, vor⸗ ſichtig fort, das iſt Alles, was ich weiß. — Genug, ſagte der Gettatore, der eben ſo leiſe verſchwand, als er gekommen war und bald durchſchnitten die Ruder ſeines Bootes mit kaum hörbarem Geräuſch die Fluth. Neape 5 ſchiede Uohe bigſt Fortt Tage gethar W halter Bürg 8 entſch ten E Man mit ſe und düher gen b dem bilde Veraj wer tteten kann alte ihm glicke mzige er zu vor⸗ vand, eines 21 Eine Stunde ſpäter kehrte Giulio und ſeine Genoſſ ſen nach ihrem Fahrzeug zurück, und landeten kurz vor Tagesanbruch in Neapel. Das geſtörte Duell. Der Morgen, der dieſen Ereigniſſen folgte, beleuchtete in Neapel ein lebendiges und ſeltſames Schauſpiel. Die Scene auf dem Mercato del Carmine hatte die ver⸗ ſchiedenartigſten Volksdemonſtrationen veranlaßt, die einen ſo drohenden Character angenommen hatten, daß ſelbſt die Ungläu⸗ bigſten und Unvorſichtigſten ernſt wurden und einſahen, wie die Fortdauer der geſellſchaftlichen Ordnung nur noch auf wenige Tage geſichert ſein könnte, wenn nicht ſchnell ein kräftiger Schritt gethan würde. Welches Mittel ergriffen werden müßte, war dem Statt⸗ halter und ſeinen Räthen ſo wenig klar, als der Mehrzahl der Bürger, die bei der Erhaltung der Ruhe betheiligt waren. Man hoffte allgemein, daß die Regierung vorbeugende und entſchiedene Maßregeln treffen werde und in dieſer unbeſtimm⸗ ten Erwartung war die Thatkraft der ganzen Stadt gebunden. Man flüſterte ſich zu, daß der Herzog Arcos Tag und Nacht mit ſeinen Räthen zuſammen wäre, Beſatzungen im Caſtell Nuovo und San Ermo unter den Waffen ſtänden und die Geſchütze dieſer Veſte ſcharf geladen und gegen die Stadt gerichtet wären. Die beunruhigendſten und widerſprechendſten Gerüchte gin⸗ gen von Mund zu Munde; bald, daß eine Verſchwörung unter dem Adel, an deren Spitze der Prinz von Caraffa ſtehe, ſich ge⸗ bildet hätte, bald, daß Kriegsvölker heranrückten. Die einzige Veranderung in der gewöhnlichen Ordnung der Dinge war nur 22 eine Verſtärkung der Schloßwache, die aus Deutſchen und Spa⸗ niern beſtand. Im Schloſſe hatte Alles ein unbefriedigendes und düſteres An⸗ ſehen. Der Geiſt des Herzogs von Arcos, des königlichen Statt⸗ halters, der ſonſt ſo fruchtbar an Hülfsmitteln und entſchloſſen war, ſchien gelähmt zu ſein, ehe die Entſcheidung heranrückte, Mit jedem Augenblicke erhielt er Nachrichten von offenem Murren, von kleinen Gewaltthätigkeiten unter dem Pöbel, von zahlreichen Verſammlungen, kurz von einer, am Rande des Auf⸗ ruhrs ſtehenden Stadt.„ Der Herzog befand ſich an ſeinem Schreibtiſche und hatte eben einen Brief verſiegelt. Kaum war dies geſchehen, ſo erhob er ſich und ſein bisher düſteres Antlitz hatte ſich plötzlich aufgeheitert. — Nein, rief er trotzig aus, ich fürchte ſie nicht, die Elen⸗ den, was will der armſelige Pöbel beginnen, noch habe ich Ge⸗ walt über dieſe Stadt und wehe dem, der mir Widerſtand ent⸗ gegenzuſetzen wagt, ſei er Edelmann, Bürger oder Lazzarone, er ſoll mir mit ſeinem Haupte dafür büßen. : Ein Diener trat ein und meldete den Prinzen Giulio Ca⸗ raffa. Der Herzog empfing ihn mit außerordentlicher Freude, trotz des finſtern Ernſtes, welchen er aus den Zügen ſeines Gaſtes las. — Es muß ein wichtiger Umſtand ſein, welcher den Prin⸗ zen Giulio Caraffa veranlaßt, vor mir zu erſcheinen, nahm der Duca das Wort, denn Wochen ſind vergangen, ſeitdem ich ihn nicht ſah. Viele Feſte fanden indeſſen an meinem Hofe ſtatt und keinem wohnte Prinz Caraffa bei; ich hoffe, daß er dem nächſtbevorſtehenden nicht fern bleiben werde. — Hoheit, nahm Giulio mit würdiger Haltung das Wort, die Zeiten ſind ernſt, ja drohend und erſcheinen mir wahrlich nicht geeignet Feſtlichkeiten zu veranſtalten; allein, das iſt Sache Eurer Hoheit; ich darf es nicht wagen Ihnen Vorwürfe zu machen; aber in Anbetracht des bedrückten Volkes und der dro⸗ henden Haltung halte ich es für meine heilige Pflicht Ihr Au⸗ genmerk auf die Zuſtände Neapels zu richten. Hoheit, werfen Sie einen Blick auf die Stadt; die obdachloſe Menge hat ihr Nachtlager unter den Eingängen der Kirchen, auf den Stufen der Paläſte, auf den Bruſtwehren im Schloßgarten, oder auf andern Falten eiebesg von hä Sie ei zu bef für der nen ih werde daß ſei degrün wenm. Nach Klipp bander aufger vertat werde von ei mantif J gewach wit he dat ſame blüh Haui war Neuße * Ca⸗ rreude, ſeines Prin⸗ n der h ihn futt dem Wort, hrlich Sache fe zu r dro⸗ ar Au⸗ werfen at ihr en der ndern 27 — Und doch fürchte ich einen Nebenbuhler, verſetzte Herunde mit tückiſchem Lächeln. — Nennen Sie mir ſeinen Namen, rief Duca di Arcos heftig. — Der edle Prinz Caraffa. — Niemals! rief Arcos, indem ſeine Stirn ſich in finſtere Falten zog; aber wie kommen Sie zu dieſem Verdacht? — Ich habe vor einiger Zeit bei einer Hoffeſtlichkeit ſein Liebesgeflüſter zwiſchen Beiden bemerkt. — Corpo di dio! tobte der Gouverneur, ich will nichts da⸗ von hören, ich habe Sie zum Schwiegerſohn erkoren, fürchten Sie einen Nebenbuhler, ſo iſt es Ihre Sache, ſich von dieſem zu befreien; im Uebrigen halte ich den Prinzen Caraffa nicht für den Mann, der ſeine Zeit in Liebeskoſen vergeudet; es ſchei⸗ nen ihn weit wichtigere Angelegenheiten zu beſchäftigen. — Ich habe recht geſehen und recht gehört, Hoheit, und werde meine Maßregeln treffen; aber auch Ihre Behauptung, daß ſein Geiſt außerdem mit wichtigeren Dingen beſchäftigt, iſt begründet, fuhr er mit ſpöttiſchem Lächeln fort, namentlich wenn man erwägt, daß er mit dem Pöbel kokettirt und ſich bei Nacht und Nebel in den Höhlen des Pauſilippo oder hinter den Klippen Amalfi's und Atrani's umhertreibt, um dort den Fiſcher⸗ banden ſeinen Rath zu ertheilen. — Unmöglich, Don Herandez, rief der Gouverneur mit weit aufgeriſſenen Augen; das klingt ja wie Berſchwörung und Hoch⸗ verrath. — Das habe ich nicht geſagt, Hoheit, morgen früh aber werde ich auch darüber Gewißheit haben; vorläuſig ſoll Ihnen von einem meiner vertrauteſten Späher über eine nächtlich⸗ro⸗ mantiſche Irrfahrt des Prinzen Bericht erſtattet werden. Mit dieſen Worten öffnete er die Thür, worauf ein hoch⸗ gewachſener Mann eintrat, von kräftigem und feſtem Gliederbau, mit hochrothem Haar und eben ſolchem Bart, mit wildflammen⸗ den, tiefliegenden Augen und einem unheildrohenden und grau⸗ ſamen Ausdruck ſeiner Züge; aber ſeine Geſichtsfarbe würde bllühend und friſch geweſen ſein, wenn nicht rauhe Lebensweiſe Hautausſchlag und Flecke zurückgelaſſen hätte. Im Uebrigen war ſeine Toilette elegant und gewählt und land mit⸗ ieinem Aeußern in ſeltſamem peripruch.““ 28 Er verneigte ſich ehrfurchtsvoll vor dem Statthalter, welcher bei ſeinem Anblick unwillkürlich zuſammenfuhr. — Don Silva, Spanier von Geburt, ſagte Herandez, wird ſich die Ehre geben, Euer Hoheit von ſeinem Wiſſen in Kennt⸗ niß zu ſetzen. G Der„Gettatore“, denn er war es, trat auf einen Wink des Statthalters näher und beantwortete die an ihn gerichteten Fragen, nachdem er eine kurze Mittheilung gemacht hatte. Der Duca hatte ihn mit Staunen und Entrüſtung ange⸗ hört und maß dann mit langen Schritten das Zimmer; man ſah es ihm deutlich an, daß eine ungewoͤhnliche Unruhe ſich ſeiner bemächtigt hatte. Herandez folgte aufmerkſam mit einem Ausdruck diaboliſcher Befriedigung jeder Bewegung des Duca, der wieder vor dem Gettatore ſtehen blieb. — Und Sie ſagen die Wahrheit Don Silva? fragte er ruhiger. — Sangue di dio(Gottes Blut) ich gebe meinen Kopf für meine Worte, ich werde mich heute Nacht in die Katakomben ſchleichen, wo es nicht geheuer ſein ſoll, und hoffe Euer Hoheit einen umfangreicheren Bericht erſtatten zu können. Der Statthalter ſchien befriedigt und gab dem Späher einen Wink, ſich zu entfernen. — Es iſt ein wahrer Juwel von einem Späher, bemerkte Herandez, als er ſich dem Statthalter gegenüber allein befand; Dank ſeinen Bemühungen werden wir ſehr bald etwaigen Ver⸗ ſchwörungen auf die Spur kommen. — Und Sie könnten glauben, daß ſich ſolche bilden? — Nach der Haltung des Volkes bin ich davon überzeugt, es thut nichts, wir haben zwar wenig Soldaten und keinen großen Ueberfluß an Geſchützen, aber mit dem bloßen Volke werden wir ſehr bald fertig werden; anders möchte es ſich ver⸗ halten, wenn ſich der Adel mit dem Pöbel verbindet, wie es aus dem Verhalten des Prinzen Caraffa hervorgeht; er iſt übrigens zurch eine Anwandlung von Großmuth zum Abgott des Pöbels eworden, denn dieſer brachte ihn geſtern in einem wahren riumphzuge nach dem Palaſte ſeines Vaters in der Toledo⸗ faße, den er während ſeines Aufenthaltes in Neapel bewohnt.. Sein braver Vater iſt mein der Regierung Freund, aM der edle auf ſein Rath; u Aber bei um an dem Ged öfentlich und ich ſimmun Herande alle Re ſie einm ſähen. ie V und den regei ſatzung Papſtg kommt, muß da Miſſion die Red Abruzze kappt ei werden dieſe vahe i . —— 29 der edle Herzog von Mattalone hat ſich während des Sommers auf ſeine Villa zurückgezogen und präſidirt daher nicht in meinem Rath; und dieſer Sohn, welche Diſtel in der Familie der Roſen! Aber bei der Liebe meines Königs, der mich hierhergeſchickt hat, um an ſeiner Statt zu herrſchen, ich will nicht zurückbeben vor dem Gedanken, dieſen entarteten Sohn einer hochadligen Familie öffentlich auf dem Mercato del Carmine enthaupten zu laſſen; und ich bin überzeugt, der Vater wird dieſem Urtheil ſeine Zu⸗ ſtimmung geben. — Auch ich bin für die Hinrichtung dieſes Caraffa, ſagte Herandez mit düſterm Lächeln, aber nicht für die öffentliche. — Nur ſo kann ein warnendes Beiſpiel ſtatuirt werden und alle Rebellen ſowohl im Adel als im Volke würden beben, wenn ſie einmal einen entſchiedenen Schritt von Seiten der Regierung ſähen. — Ich bin nicht der Anſicht Hoheit, es würde die öffent⸗ liche Vollſtreckung dieſes Bluturtheils nur um ſo mehr erbittern und den Ausbruch des gährenden Vulkans befördern. — Gleichviel, auch in dieſem Falle habe ich meine Maß⸗ regeln getroffen; auf die geringe ſpaniſche und deutſche Be⸗ ſatzung kann ich nicht rechnen; ich habe mich ſoeben brieflich an Papſt Innozenz um Beiſtand gewendet; allein ehe wirkliche Hülfe kommt, kann Neapel in einen Schutthaufen verwandelt ſein; es muß daher von anderer Seite Rettung werden und mit dieſer Miſſion, Don Herandez, ſollen Sie betraut werden. — Ich ſtehe zu Dienſten Hoheit, von welcher Hülfe iſt die Rede? — Wir machen ein Bündniß mit den Räubern in den Abruzzen, berufen Sie ſie ſchleunigſt nach Neapel, wo ſie ver⸗ kappt einhergehen und bricht in der That der Aufſtand los, dann werden dieſe Leute ihn ſehr bald dämpfen. — Ich bin zur Unterhandlung bereit Hoheit, und will zu dieſem Zweck mit dem kühnen Räuberhauptmann Paolo Car⸗ valho in Unterhandlung treten. 2 ——y ——— 4 diente, die 1 In den Gewölben des Todes. A Bevor wir weiter gehen, wird es nothwendig ſein, dem Leſer einen kurzen Ueberblick über die Zuſtände Neapels zur Zeit unſrer Erzählung zu geben. 4 Als die Krone von Neapel auf die ſpaniſchen Könige ge⸗ kommen war, wurde das Land von ſpaniſchen Granden als S th ner verwaltet, die dieſes hohe Amt zu dem Zwecke er⸗ hiellen durch Ueberredung, wenn es anging, auch gewaltſome Mittel, wo es nöthig, ſogar durch Erpreſſungen aller Art die Heere zu unterhalten, mit welchen jene herrſchſüchtigen und hab⸗ gierigen Könige ihre Uebermacht über Europa behaupten wollten. Sie wußten, daß die Herbeiſchaffung von Geldmitteln für die Abſichten ihres Königs zu den Pflichten gehörte, die ihnen oblagen, daß ihr Amt von kurzer Dauer war, und entweder die Gunſt des Hofes oder Verbannung in das Privatleben nach ihrer Zurückberufung ſie erwartete. 7 Das Königreich Neapel war lange ein Schauplatz der Hab⸗ ſucht und Bedrückungen der Regierung, ſowie der Armuth und der Noth des Volkes. 4 Abgeſehen von den gewöhnlichen Urſachen des Elendes ward Neapel auch noch, durch eine jährliche Truppenaushebung ge⸗ ſchwächt, welche namentlich zur Verſtärkung derjenigen Heere n fruchtloſen Kampf kämpfte, in den das Haus Habsburg verwickelt war. Die bisherigen Einkünfte des Königreichs, ehemals 5000 Kronen, betrugen jetzt 9,000,000 Livres, außer welcher unge⸗ heuren Summe Karl V. in acht und vierzig Jahren zehn ſo⸗ genannte Geſchenke, jedes von 3,000,000 erhielt.—— NPhilipp II., welcher vierzig Jahre regierte, empfing zwei und zwanzig ſolcher außerordentlichen Gaben, jede von der oben⸗ genannten Summe. Unter Philipp III. und IV. bis zum Jahre 1466 betrugen die außerordentlichen Abgaben dreihunderttauſend Millionen. Dieſes aber war noch nichts im Vergleich zu der Steuer, — der ſche Nath z welche einbrach Mit ſo ward Nur und ſo ſcließlich dn, doch Es welchem u ſchm ſo daß zu enhi Ir Ziit unſ fnig, e votismu doj alle den, N zu ver D einer de ſtattgef ihrer g A ten Sq Tagen mit mel Awähn übe rra fortzi E dem rZeit e ge⸗ n als de er⸗ lliſme lrt die dhab⸗ ollten. in für ihnen her die n nach Hab⸗ h und ward ng ge⸗ Heere Haus 5000 unge⸗ hn ſo⸗ 3 zwei roben⸗ 1Jähre tauſend Zteuer, 1 31 welche der Regierung allein jährlich dreiunddreißig Millionen einbrachte. Mit dieſer Abgabe war jeder Conſumtionsartikel belegt und ſo war durch ſie das Volk in das größte Elend gebracht. Nur Früchte waren bisher von dieſer Steuer ausgenommen, und ſo hielt ſich denn die niedrige Klaſſe Neapels faſt aus⸗ ſchließlich nur an dieſem, wenngleich ſchmackhaften und erquicken⸗ den, doch keineswegs nahrhaftem Produkt ihres herrlichen Bodens. Es giebt einen Zuſtand in der öffentlichen Stimmung, in welchem ſich dieſe demüthig unter das Joch ihrer Unterdrücker zu ſchmiegen ſcheint, während es innerlich bei ihr kocht und gährt, ſo daß es nur eines einzigen Funkens bedarf, die furchbare Maſſe zu entzünden. an dieſem Zuſtande befand ſich das Volk von Neapel zur Zeit unſerer Erzählung, als der Herzog von Arcos, der Vice⸗ könig, einer der habſüchtigſten Statthalter, den der ferne Des⸗ potismus mit unbeſchränkter Gewalt verſehen hatte, eine Abgabe auf alle Früchte legte, welche nach der Hauptſtadt gebracht wur⸗ den, hoffend, dadurch die Einkünfte um ſiebzig Millionen jährlich zu vermehren. Durch dieſes Verfahren ward die Regierung die Urheberin einer der ſeltſamſten und furchtbarſten Revolutionen, welche je ſtattgefunden und welche wir im Laufe unſerer Erzählung in ihrer grauſigen Entartung ſchildern werden. Alle drei Jahre wurden die, dem Königreich Neapel erpreß⸗ ten Schätze eingeſchifft und nach Spanien verſandt. Es hatte ſich das Gerücht verbreitet, daß in den nächſten Tagen das Admiralsſchiff, welches in der Bai vor Anker lage mit mehreren Millionen beladen werde, die beſtimmt ſeien, wie gewöhnlich durch die verſchwenderiſche Hand der ſpaniſchen Re⸗ gierung wieder vergeudet zu werden. 3 Warm beleuchtete die Sonne den glänzenden Golf von Neapel und die blendend weiße Reihe von Paläſten, welche an V der reizenden Uferſtraße von Chiaja die fünffachen Baumreihen überragten und ſich am Silberſchaume der leichten Brandung fortziehend, bis an den Fuß der Höhen des Pauſtlippo erſtreckten. Es war Abend und bald verglommen die letzten Strahlen der ſcheidenden Sonne, in weichen Uebergängen von brennendem Noth zum ſanften Carmoiſin, Violett, Blau, Gelb und Grau 32 am duftigen Gipfel des wie in der Luft ſchwebenden Caſtells San Ermo. Hoch im tiefblauen Aether ſchwammen die vergoldeten Fel⸗ der des Veſuv mit ſeiner leichten Rauchwolke; in tiefen Schatten ruhten die Häuſermaſſen der, wie ein Amphitheater den reizen⸗ den Meerbuſen umgebenden Stadt. Weit hinaus, jenſeits dieſer Maſſen, blitzten die Bergkuppen der Appenninen, und gegenüber, auf der Höhe der See, da, wo die Vorgebirge Campanella und Miſene den Golf umfangen, er⸗ hoben ſich als Wächter der Bucht in klaren, duftigen Umriſſen die groteske Felſeninſel Iſchia, die Wellenlinien der Inſel Cnpri und die liebliche Procida. 1 Im Angeſichte dieſes unausſprechlich reizenden Panorama's, welches das Entzücken aller Fremden bildet, am Strande von Neapel herrſchte eine unheimliche Stille unter der ſonſt ſo be⸗ wegten Maſſe des Volkes. Auf der glänzenden Strada di Chiaja, die ſonſt in den Abendſtunden mit prachtvollen Caroſſen und Menſchen überfüllt war, ſah man nur noch gewöhnliche Wagen, als ob die reiche und vornehme Welt ſich ſcheute, am Vorabend einer furchtbaren Volksherrſchaft ſich blicken zu laſſen. Allmälig aber fanden ſich Lazzaroni, Fiſcher und andere Einwohner, unter dieſen auch Edelleute, ein, welche ſich dem Stande nach gruppirten. 1 Man flüſterte heimlich mit einander und es hatte den An⸗ ſtrich, als ob wichtige Berathungen vor ſich gingen. Eine halbe Stunde währte dieſe Scene, dann gingen alle wieder von einander und ein aufmerkſames Auge hätte bemerkt, daß jeder Einzelne in ſeinen Händen einen Papierſtreifen hielt. In der Toledoſtraße ſah man einen Cavalier ſchnellen Schrit⸗ tes einen Pallaſt betreten, welcher, als er in ein Zimmer deſſel⸗ ben eintrat, ſchon viele Andere verſammelt ſah, unter dieſen auch Giiuulio Caraffa. Es war von den Zuſtänden Neapels die Redez Giulio Caraffa ſprach mit großer Begeiſterung von der Hülfe, die man dem unterdrückten Volke endlich zu Theil werden laſſen müßte! 1 — Der Uebermuth der Fremdherrſchaft, ſagte er, kennt keine Grenzen mehr und endlich müſſen wir, in deren Adern edles Neapolitanerblut rinnt, handeln. Soll uns das Volk be⸗ chämen und zuerſt Hand an das große Werk der Befreiung — legen? Lazzarot Fſſcher, dem ſ rathung ich folgt mi wel glnzend wach un Meine nicht ve rolt be wegung 6 derung am Auf in der Gi M das H überre „in der das gar delt ſich mit die anderan Fraund ſtells Fel⸗ aatten eizen⸗ ppen wo , er⸗ riſſen Lapri amas, de von ſo be— hiaja, und Jagen, rabend andere ) dem An⸗ een alle emerkt, hielt. Schrit⸗ deſfel⸗ n auch Redez Hülfe, n laſen „ kennt (Adern poll be⸗ efreiung 33 legen? Schon haben ſich die Fiſcher verbunden, ja ſelbſt die Lazzaroni, nur wir allein ſind müßig geblieben. Ein einfacher Fiſcher, Tomaſo Aniello, ein Menſch, an Geiſt und Talent man⸗ chem Fürſtenſohne überlegen, hat mich eingeladen, an den Be⸗ rathungen Theil zu nehmen, die er mit ſeinen Genoſſen hielt; ich folgte und hörte mit wahrhafter Verwunderung die Worte, mit welchen er die Schmach ſeines Vaterlandes ſchilderte. Mit glänzender Beredſamkeit rief er das geſunkene Nationalgefühl wach und forderte auf, endlich das ſpaniſche Joch abzuſchütteln. Meine Freunde, laſſen wir, die wir uns Cdelleute nennen, uns nicht von dem einfachen Sohne des Golfs und von den Lazza⸗ roni beſchämen, ſondern ſtellen wir uns an die Spitze der Be⸗ wegung. 3 Es wurden jetzt Anſichten für und gegen Giulio's Auffor⸗ derung kund, endlich kam man dahin überein, daß man ſich wohl am Aufſtande betheiligen wollte, wenn auch nicht mit der Waffe in der Hand, ſo doch durch Geldmittel.— Giulio wollte gegen dieſen Beſchluß eifern, allein plötzlich ward die Thüre aufgeriſſen und der Cayalier, den wir eben in das Haus treten ſahen, ſtürmte herein, nahte ſich Giulio und überreichte ihm einen Papierſtreifen, worauf er die Worte las: nin den Gewölben des Todes.“— — Alles iſt einig, ſagte der Fremde, Fiſcher, Lazzaroni, kurz das ganze Volk will ſich erheben wie ein Mann und es han⸗ delt ſich nur noch um den Führer des Aufſtandes. In der heu⸗ tigen Mitternacht wird man an dem beſtimmten Orte zu dieſem Zwecke verſammelt ſein. Giulio machte die Anweſenden, etwa zwanzig an der Zahl mit dieſer Nachricht bekannt, allein es zeigte Niemand Luſt der anberaumten Verſammlung beizuwohnen, nur Giulio und ſein Freund Giorgio Vitale entſchloſſen ſich dazu. 2 SGSegen eilf Uhr Abends gingen Beide ſchweigend Arm in Arm durch die Straße. Sie waren in dunkle Mäntel gehüllt, als plötzlich ſich ein Dritter zu ihnen geſellte, J — In den Gewölben des Todes? redete der Fremde ſie an. . für die Freiheit Neapels, gab Giulio zur Antwort; und Dein Name?„ 1. — Tomaſo Aniell,o— Das Opfer von Amalfi.(Bd. 1) 63 34 wärts.. Bekanntlich hat der Lazzarone keine Wohnung nöthig. Die unterirdiſchen Katakomben erſetzen ſie ihm; des Hausgeräths bedarf er nicht, Vorräthe ſchafft er nicht an, wozu auch? Die herrliche freigebige Natur, oft ein günſtiger Zufall, liefert ihm leicht die weggeworfene Schaale von einer Angurie(Waſſermelone), die er noch einmal abnagt, oder den Gewinn von einigen Grani, um ſich gütlich zu thun, dann aber iſt er genügſam und zufrie⸗ den und ruht im dolce far-niente(im ſüßen Nichtsthun) bis ihn der Hunger oder Durſt wieder in Bewegung ſetzt. Sein Weib, das ihm nicht immer von irgend einem gutmüthigen Kapußiner durch das heilige Sacrament der Ehe angetraut iſt, und ſeine Kinder, die häufig nicht ihren Vater kennen, theilen dieſes ſor⸗ genloſe Leben und pflegen für die Nächte wenigſtens einen ge⸗ meinſchaftlichen Schlupfwinkel zu haben, wo ſie auf dem kühlen Boden von Sand oder Stein glücklicher und zufriedener ruhen, als mancher Reiche auf ſeinem Daunenbette. So hatten ſich denn auch in jenen Tagen der Noth und der Verzweiflung mehrere tauſend Lazzaronifamilien in den wei⸗ ten Räumen der uralten Todtengrüfte, die in drei Stockwerken unter den Hallen der prachtvollen Kirche von San Gennaro dei Poveri und von hier aus unter einem Theile der, mit glänzen⸗ den Lavaquadern gepflaſterten Straßen der Stadt ſich hinziehen auf ihre nomadiſche Weiſe niedergelaſſen. Um ſo mehr war dies an dem Abend des erwähnten Tages der Fall, da ſie wußten, daß in der betreffenden Nacht der Auf⸗ ſtand daſelbſt organiſirt werden ſollte. Dort unten in den Gewölben des Todes war in dieſer Nacht ein abenteuerlich reges Leben. Dichte Finſterniß herrſchte in dieſen weiten unterirdiſchen Grüften,— nur hier und dort, von einzelnen Lichtpunkten un⸗ terbrochen, die aber viel zu ſchwach waren auf mehr als einige bleiche Geſichter oder weiße Todtenſchädel ein Entſetzen erregen⸗ des Streiflicht zu werfen..— So ſah man dort in einer glühenden, tiefinnigen Andacht ein junges weibliches Weſen vor einer Votivlampe knieen, welche irgend ein frommes Gemüth für die Seelen der chriſtlichen Mär⸗ tyrer geſtiftet hatte, die in längſt entſchwundenen Zeiten hier im Kein Wort wurde gewechſelt und alle drei ſchritten vor⸗ —p —⸗ℳ--⸗-— 4 B 4 Dunke ten un det we Lichtſt zeſſion, Lihte der Fa ſpfen llugen G lange tur z einen gleich jungen egelm in ein ge d da, Thra Lipper 6 war) den] der K 1 vor⸗ 3. Die bedrf errliche icht die 2), die Grani, zufrie⸗ bis ihn Weib, pußtner nd ſeine eſes ſor⸗ nen ge⸗ kühlen ruhen, oih und den wei⸗ ſchwerken naro dei glänzen⸗ hinziehen en Tages der Auf⸗ in dieſer rirdiſchen — ————— — —-— 35 Dunkel der Erde ihren geheimnißvollen Gottesdienſt halten muß⸗ ten und von den wilden Heiden entdeckt, unter Martern ermor⸗ det waren; oder dort hatte die Familie eines Mondazzari ein Lichtſtümpfchen— vielleicht Ueberbleibſel einer bußfertigen Pro⸗ zeſſton, gefunden und angezündet und man ſah bei dem ſchwachen Lichte der geweihten Kerze um den weißbärtigen Patriarchen der Familie ſeine nackten Urenkel ſpielen und einander mit Todten⸗ köpfen necken, die ſie wie Larven vor die ſchelmiſch blitzenden Augen hielten. Einem Kreiſe junger Mädchen, deren zerlumpte Kleidung lange nicht hinreichte, um die üppige Fülle einer frühreifen Na⸗ tur zu verbergen, diente ein Stück Cedernholz, das von irgend einem Sargdeckel losgebrochen war, zur Fackel und dieſe gab zu⸗ gleich einer abenteuerlichen Geſtalt ihr ſpärliches Licht, einem jungen Menſchen von erdfahlem Anſehen, aber ſcharfgezeichneten regelmäßigen Zügen, mit großen, tiefliegenden ſchwarzen Augen, in einen dunkeln zerriſſenen Mantel gehüllt, der zum Theil grau⸗ ſige Legenden, zum Theil Liebesromanzen mit ſchauervollem Aus⸗ druck, und hinreißendem Feuer ſang. Die großen Augen der jungen Mädchen füllten ſich mit Thrüien und hingen in ſchwärmeriſcher Spannung an ſeinen ippen. So weit der Widerhall ſeiner volltönenden Stimme reichte, war Alles ſtill und voll Spannung in dem geſpenſtiſch dämmern⸗ den Menſchengewühle. Plötzlich aber erhellte ſich dieſer Theil der Katakomben durch eine roth brennende Pechfackel. Jetzt wurde auch das ſchauerliche Nachtſtück erleuchtet, wel⸗ ches die ergreifendſten Contraſte darbot. Man ſah dort lachende Kinder und ernſte Greiſe, ſchöne Jugend und bleichen Tod, weiße Schädel und ſchwarze Augen. Unter den zahlloſen Familien, die in Lumpen gehüllt, hier eine Schlafſtätte für die Nacht geſucht hatten, entſtand eine leb⸗ hafte Bewegung; dunkle Geſtalten, gelblich bleiche Geſichter mit einem grauen Widerſchein angeflogen, ſchienen wie aus den Grä⸗ bern aufzuſteigen. So weit die Fackel ihre Streiflichter warf, erhellten ſich auf Augenblicke groteske Gruppen, wie ſie die Phan⸗ taſte eines Salvator Roſa und der Pinſel eines Rembrand nicht markiger geſchaffen und gemalt haben konnte. 3 36 Ein donnerndes„Evviva!“ erſcholl, als Giulio Caraffa, To⸗ maſo Aniello und Gennaro Vitale eintraten, welchen der Fackel⸗ träger voranleuchtete. Sie bahnten ſich einen Weg durch die Menge, welche ihnen wie ein Wirbelſturm folgte und gelangten zu einer anderen Stelle dieſes ſchauervollen Ortes, wo ihrer bereits die verſchie⸗ denartigſten Gruppen harrten, von denen ihnen gleichfalls ein tauſendfaches:„Evviva!“ entgegenſchallte.. — Tomaſo miol rief plötzlich mit einem unnachahmlich innigen Ausdruck die Stimme eines ſchönen bleichen Weibes, welches mit ausgebreiteten Armen auf Tomaſo Aniello ſtürzte; Du ließeſt lange auf Dich warten, flüſterte ſie leiſe, mir wurde ſo wehe vor ſchmerzlicher Ungeduld; doch nun komm, laß uns nach unſerer Hükte gehen, Mitternacht iſt vorüber und hier bei den Todten iſt es ſchauervoll. — Ich kann nicht mit Dir gehen, liebes Weib, verſetzte der Fiſcher zärtlich, ich habe Geſchäfte und muß bleiben. — Geſchäfte? wiederholte Livia mit bangem Ausdruck; kein Netz iſt ausgeworfen und am Strande liegt der Nachen, es ruht der Fiſch im Golf und Du willſt nicht raſten, nicht mit mir heimkehren in unſere friedliche Hütte? Tomaſo ſtieß einen dumpfen Seufzer aus. — Die Hütte iſt friedlich, aber armſelig, murmelte Tomaſa, dort wohnt in jeder Spalte, durch welche der nächtliche Sturm heult, der Hunger; doch es ſoll bald beſſer werden geliebtes Weib, Du meine zarte Blume, die Du verſchmachteſt vor Hunger, wie die Roſe, der es an Thau gebricht. Dich hungern zu ſehen, ſetzte er mit unbeſchreiblicher Wehmuth hinzu, ach, es iſt gräßlich! — Sprich nicht davon Tomaſo mio, ich fühle den Hunger nicht, wenn Du mich liebſt, Deine Liebe iſt der Thau der mich 4 labt und ſtärkt. G — Geh', geh mein ſüßes Weib, Du darfſt hier nicht weilen. — Ich gehen und Du bleiben Tomaſo? nimmermehr! — Du mußt. — Allein und zur Nacht? — Oft warſt Du des Nachts im Nachen allein, wenn er auf wilder, ankerloſer Fluth umhertanzte, warum bebſt Du heute? Doch bleibe, nur entferne Dich von dieſer Stelle, geh dort zu den T ſpreche mir früher Naht ghte ſage m vollbr blaue mels den b eln. der T und S ſchen wd einen Stim Sache ſeiner befin Neap kann haben Jeder J daet To⸗ ackel⸗ ihnen deren ſchie⸗ 3 ein mlich eibes, ürzte; wurde 3 uns er bei te der ; kein ruht it mir omaſa, Sturm eliebtes zunger, ſehen, es iſt Hunger wich 1.. At hielt ihn hoch empor. Es waren etwa zwanzig Männer in der Verſammlung; weilen. ſ. 1 heute? dort ſu 37 den Weibern, Du ſiehſt, hier ſind nur Männer, und was ſie zu ſprechen haben, gehört nicht für Euch. — AOch, wie iſt es Alles anders geworden, ſeufzte ſie, ſage mir Theurer, was habt Ihr vor? Du biſt geheimnißvoller als früher, Du biſt Tage lang abweſend und kehrſt erſt ſpät zur Nacht zurück; Du biſt zerſtreut und ſinnend, es iſt mir klar, es geht etwas Ungewöhnliches vor; theile Dich mir mit Tomaſo, ſage mir, was bedeutet dieſes düſtere Treiben? — Du wirſt es hören, Livia, und iſt erſt die kühne That vollbracht, dann wollen wir wieder mit einander ſprechen vom blauen Meere, den Blumen des Feldes, den Sternen des Him⸗ mels, dann werden wir auch wieder Früchte und Fiſche haben, den Hunger zu ſtillen. Livia umarmte ihren Gatten und verlor ſich in dem dun⸗ keln Hintergrund, wo weit entfernt von den bunten Gruppen der Männer, die hier über das Vaterland beriethen, die Weiber und Kindlein am Boden kauerten und letztere vielleicht von Pfir⸗ ſichen und Waſſermelonen träumten, dieſe gierig verſchlangen, und ach, dieſe armſeligen Früchte blieben ihnen nur im Traume! Einige Augenblicke herrſchte Schweigen. Tomaſo ſtieg auf einen Sarg und muſterte ſeine Umgebung mit ſcharfen Blicken. — Männer von Neapel, nahm er mit durchdringender Stimme das Wort, wir ſind hierher gekommen einer heiligen Sache wegen, ein Jeder unter uns wird von der Wichtigkeit ſeiner Miſſion durchdrungen ſein und wer ſich in dieſen Räumen befindet, kann nur gekommen ſein, ſein Leben dem bedrängten Neapel zu weihen; aber ſo wie der Verrath niemals fern bleibt, kann er auch zu uns ſeinen Fluch bringenden Schritt genommen haben, ich muß daher nach dem Erkennungszeichen fragen, das Jeder beſitzen muß, welcher unſerm Bunde anzugehören gedenkt⸗ Mit dieſen Worten zog er einen Papierſtreifen hervor und Alle zeigten das Erkennungszeichen, nur Einer unter ihnen konnte dieſes Papier nicht aufweiſen. — Wer ſeid Ihr? fragte Tomaſo, der ſeinem Nachbar die 5 Fackel entriß, deren Licht auf einen hochgewachſenen Mann fiel, deſſen Flammenblicke unheimlich auf ihn gerichtet waren. Ein lautes Gemurmel des Unwillens ließ ſich unter den . —— — — — — ͦ— — —— — Anweſenden vernehmen; zwanzig Dolche blitzten auf, bereit dieſes eine Herz zu durchbohren. Der fremde, hochgewachſene Mann näherte ſich mit unbe⸗ ſchreiblicher Würde dem Fiſcher. — Ich bin ein Mann, ſagte er, wie Du, von gleichen Ge⸗ danken beſeelt, hierher gekommen um in Euerm nächtlichen Rathe zu vernehmen, was geſchehen ſoll, das Leid des Vaterlandes in Freude zu verwandeln. Habe ich auch kein Erkennungszeichen, ſo wußte ich doch von dieſer Zuſammenkunft, die mich der Zufall erfahren ließ. Wäre ich ein Verräther, für den Ihr mich zu halten ſcheint, ſo hätte ich ſtatt meiner, königliche Soldaten hierher ge⸗ ſchickt, um die Verſchwörung, die hier etwa ſtattfinden ſoll, ſchon im Keime zu erſticken; aber Ihr ſeht keinen von den deutſchen und ſpaniſchen Schergen hier, haltet Ihr mich indeſſen für einen 5 Späher, wohlan denn, hier iſt meine Bruſt! Dieſe Worte hatten gewirkt. In Tomaſo's Zügen zeigte ſich ein Ausdruck der Zufriedenheit, die Dolche waren ver⸗ ſchwunden. W — Männer von Neapel, nahm Tomaſo wieder das Wort, wir ſind erſchienen, um einen heiligen Eid zu leiſten; den Eid, den Arm der Tyrannei zu lähmen, der mit eherner Wucht unſer Vaterland umſchlungen hält. Es bedarf nicht einer Schilderung ſeiner Lage, Ihr kennt ſie Alle, auf denn, laßt uns das Joch ab⸗ ſchütteln, den Felſen des Despotismus zertrümmern, zur Freiheit, zur Wiedergeburt Neapels! — Epvviva Tomaſo Aniello! erklang es um ihn her. — Ihr ſeid bereit mit Eurem Blute des Vaterlandes heil ge Rechte zu vertheidigen? nahm Tomaſo wieder das Wort. — Sterben für die Freiheit Neapels! riefen Alle zu gleicher Zeit, wir wollen kämpfen bis der letzte Blutstropfen unſerer Adern verſiegt iſt und Du Tomaſo Aniello ſollſt unſer Führer ſein!— Arm, den Dolch für die Freiheit zu heben, allein die Kriegskunſt iſt mir fremd, ſtatt meiner wählt dieſen Freund unſerer Sache, fuhr er fort, indem er auf Giulio Caraffa deutete, welcher bis jetzt ein ſtummer Zuhörer geweſen war; er iſt zwar ein Nobile (Edelmann) aber ſein Herz gehört dem Volke! — CGpoviva il prence Caraffa! ertönte es. — Nicht mich wählt! rief der Fiſcher, ich habe zwar einen — 4 ——— 6— 5 G aller des I Tomaſ leicht! Edelm bewach biſt de Dein⸗ dieſe dri heit eines gegen, der F . über ich Flam fort, nichts geblie heit Arm bleibe ( den( C nichts Vd 1 dem wur zugl Sche Aut 8 2 1 3* 39 ſeſes Giulio trat jetzt neben Tomaſo auf den Sarg und lehnte mit aller Entſchiedenheit den Antrag Tomaſo's ab. inde⸗— Des Volkes Rechte, erwiderte er, muß auch ein Mann des Volkes fordern, ſo gern ich auch das Anerbieten des edlen Ge. Tomaſo angenommen, muß ich es doch von mir weiſen, denn athe leicht könnte ſich doch in Eurer Bruſt ein Argwohn gegen den 3 in Edelmann regen, und ich würde nicht mit den Blicken des Argus hhen, bewacht ſein wollen; darum Tomaſo, Fiſcher von Amalfi, Du ufall biſt der Mann, dem Volke Neapels ein Führer zu ſein, Du haſt alten Deine arme Fiſcherhütte verlaſſen, zogſt aus der Heimath in I g⸗ 4 dieſe Stadt, um dem Volke näher zu ſein, Du warſt der Erſte, ſchon der in vielen nächtlichen Verſammlungen das Wort für die Frei⸗ tſchen heit erhob, Dein Name lebt in dem Munde des Volkes wie der einen eines Heiligen, jedes Herz ſchlägt Dir mit Begeiſterung ent⸗ gegen, jeder Arm erhebt ſich auf Deinen Wink, darum ſollſt Du eigte der Führer ſein. ve⸗- Tomaſo wurde einſtimmig gewählt. — Ich danke Euch meine Freunde für Euer Vertrauen, ſeid Wort, überzeugt, daß ich mich deſſen nicht unwürdig zeigen werde. Was n Ed, 3 ich nun noch zu ſagen habe, fuhr er zu dem Menſchen mit den unſer Fllammenblicken, in den wir den Gettatore erkannt haben werden, erung fort, darfſt Du Fremdling, nicht anhören. Du weißt bis jetzt h ab-⸗ nichts mehr als der Duca ſelbſt, auch ihm kann es nicht fremd eiheit, Y geblieben ſein, daß das Volk von Neapel murrt und ſeine Frei⸗ 3 heit erſtrebt. Er kennt aber nicht die Stunde, in der unſer ſ Arm ſich gegen ihn erheben ſoll; dieſe muß auch Dir unbekannt heil ge 3 bleiben. 1 Er gab einem der Anweſenden einen Wink und dieſer führte leicher dden Gettatore bis an den Ausgang der Katakonben. Unſettr Jetzt wurde die Berathung leiſer geführt und man vernahr Führer 1 8 nichts als die Worte:„das Feſt unſerer lieben Frä del Carmine und„die Galeere.“ t einen Hieraus geht alſo genügend hervor, daß man den Tag, an askunſ dem alljährlich das Volksfeſt der Jungfrau del Carmine gefeiert Sach⸗ wurde, als den, des Ausbruches der Revolution bezeichnet und cher bis zugleich beſtimmt hatte, daß das Admirals ſchiff, welches die Noile Schätze nach Spanien befördern ſollte, die, ſo zu ſagen, aus dem Blutſchweiß des ausgeſogenen Volkes beſtanden, vernichtet würde. Welch grauſiges Unheil dieſer Beſchluß heraufheſchworen, ———— ——õ— Fluth abſpiegelnd, während die Oberfläche werden wir in den folgenden Kapiteln dem Leſer in furchtbaren, Laber der hiſtoriſchen Wahrheit getreuen, Bildern, wiedergeben. Ein feierliches Gelübde wurde jetzt abgelegt und es ſollte bei den furchtbaren Mächten der Blutopfer nur zu gräßlichen Widerhall finden. Die nächtliche Audienz. Selbſt die weit herangerückte Mitternacht ließ Donna Leonora nicht zur Ruhe kommen. Die Ereigniſſe des Tages gingen an ihr vorüber, ſie dachte an das geſtörte Duell und an den Unheil verkündenden Blick ihres Vaters; ebenſo an deſſen ſchreckliche Andeutung, über ihre Hand bereits verfügt zu haben; ihr Herz hing an Giulio Caraffa und ſie erbebte vor dem Gedanken, einem Andern als ihm angehören zu müſſen. Eine ſchreckliche Ahnung ließ ihr Herz erbeben, ſie fürchtete, daß ihr Vater den Mann zu ihrem Gemahl erkoren, den ſie tödtlich haßte. Sie ſchauderte vor dem Gedanken an eine Verbindung mit dieſem— Herandez. Sie erhob ſich mit wüſtem Kopfe und öffnete das Fenſter, um ihre glühende Stirn durch die Nacht⸗ luft kühlen zu laſſen. Die Sommerhitze war mit ungewöhnlicher Heftigkeit einge⸗ ten, und nie war der Hauch der Seeluft willkommener, als Leonore auf den Balcon trat, auf das Eiſengeländer ſich ſtützte und bei dem Anblick der zauberiſchen Landſchaft, die ſich vor ihr ausbreitete, auf kurze Zeit die Erinnerun trachtungen verlor. Das Meer lag im ruhigſten Sommerſ den leiſeſten Wellenſchlag, Millionen glühend war, daß die Umriſſe in dem Waſſerſpiegel verſ goldenen Lichtglanz erhielten. 194 g an ihre letzten Be⸗ chlummer faſt ohne er Sterne auf, ſeiner nur ſo viel bewegt chwimmend, einen So gegen d auf. Es der Sch Wind ze Strahlel Wo ſchwebte baren! E den G wäͤhnt bergis W die Inſ und als Vücke d ten m werden in eine kampfe A Zufall das G ſchnell weme wenige mer Jhüre mir, dringe a ————— 41 Soma und Veſuv erhoben die blaue Linie ihres Rückens gegen den Himmel, und zwiſchen ihren Gipfeln ging der Mond auf. 3— „Es war einige Tage nach dem Vollmonde und ein Theil der Scheibe glich dem Rande einer flockigen Wolke, die der Wind zerriſſen hat, und als ſie ſich allmälig erhob, warfen die Strahlen einen breiten Lichtſtreif über das Meer. Während die Blicke der Donna dahin gerichtet waren, ſchwebte der Mond über den Veſuv und ſchaute in die furcht⸗ baren Höhlen des Berges. Eine dünne Rauchſäule ſtieg empor, die von Zeit zu Zeit den Glanz des Geſtirnes trübte, und in ihrer erhitzten Phantaſie wähnte ſie darin ein Opfer zu ſehen, das die Geiſter des Feuer⸗ berges dem Monde darbrachten. Weniger dem Einfluſſe des Mondſcheines ausgeſetzt, waren die Inſeln Capri und Iſchia in einen purpurnen Nebel gehüllt, und als ſie den Blick Leonorens hemmten, wendeten ſich ihre Blicke wieder abwärts zu dem Volke, das ihr Vater regierte. Es waren noch Fahrzeuge in der Bai und Fackeln leuchte⸗ ten mit rothem Glanze auf dem Waſſer. — Sie arbeiten noch immer, ſprach ſie verwirrt, und gewiß werden ſie ſich nicht ſehnen, die ruhigen Beſchäftigungen) die ſie in einer ſolchen Stunde treiben, mit dem blutigen Aufruhr⸗ kampfe zu vertauſchen. Aber der Lauf ihrer Gedanken wurde durch den leichteſten Zufall geſtört, denn ein plötzlicher Stoß des Nachtwindes brachte das Gemurmel einer wachſamen Volksmenge mit und ließ, ſchnell verwehend, den Ton vieler Stimmen hören. Nein, ſie ſchlafen nicht, murmelte Leonore, ſondern verwün⸗ ſchen Tag und Nacht ihren Gebieter. Plötzlich ſah ſie eine Geſtalt auf den Pallaſt zukommen, ein geheimes Grauen beſchlich ſie und dieſes ſteigerte ſich, als ſie wenige Augenblicke ſpäter Schritte vernahm und es in dem Zim⸗ mer ihres Vaters, neben welchem ſie ſich befand, laut wurde. — Mein Vater noch wach? murmelte ſie, indem ſie an der Thüre lauſchte, und delch einen Beſuch empfängt er— weh; mir, es iſt Herandes O, dieſer Elende kann nichts Gutes bringen. Uathne 2 121 1 1. Leonore hatte ſich nicht geirrt, ihr Vater hatte ſoeben den Beſuch ſeines ſchrecklichen Rathgebers empfangen. tad — Hoheit, nahm Herandez das Wort, ich bin erfreut Sie wach zu finden, denn ich habe Ihnen Entdeckungen zu machen⸗ — Nun, Herandez, ſeien Sie ſchnell, Ihr Antlitz trägt den Stempel des Unglücks; Ihre Blicke ſind ſtier, es leuchtet ein ſo ſchauerlicher Triumph aus ihnen; was giebt es? — Ich habe den Gettatore geſprochen, Hoheit. — Jetzt? — Vor wenigen Augenblicken. — Und was meldet er? * — Der Prinz iſt ein Verräther und gehört der Verſchwoͤ⸗ rung einer Pöbelbande an. 3 Der Herzog erbleichte und konnte nicht Herr ſeiner Aufre⸗ gung werden; er hob drohend ſeinen Arm empor und knirſchte mit den Zähnen. — Sie ſollen von ihrem Nebenbuhler entledigt ſein, ſchnel⸗ ler als Sie es ahnten, Herandez, flüſterte er mit unterdrückter Stimme; ich will ihn ſogleich verhaften laſſen und morgen in aller Frühe ſoll das Haupt des Verräthers fallen. — Das hieße Oel in's Feuer gießen, Hoheit, wir müſſen anders verfahren. Prinz Giulio Caraffa muß unſchädlich ge⸗ macht werden und verſchwinden, ohne daß es eine Seele in Neapel ahnt. — Meinen Sie durch den Dolch eines Bravo? Ich ent⸗ ſchließe mich nur ſchwer zum Meuchelmord, wenn das Geſetz handeln darf. — Gewiß, Hoheit, der Gerechtigkeit ſoll alle Genug⸗ thuung werden, nur nicht öffentlich. — Wie alſo iſt Ihr Rath?— — Herandez trat näher und ſagte: Uebermorgen iſt das Hoffeſt, Hoheit. — Nun? 26 Herandez gab nun ſeinen ſchrecklichen Rath mit ſo leiſer Stimme, daß man kaum annehmen konnte, ſein Sinn ſei dem Gouverneur klar geworden, hätte nicht ſein erbleichendes Antlitz, ſein rachedurſtiger Blick, ſeine convulſiviſche Handbewegung, mit der er den Arm des Höflings preßte, das Gegentheil bewieſen. — Sie ſind außer zum Staatsmanne auch zum Teufel ge⸗ 8. — 5 boren, H Ihnen, nier mit zogen u auch keit Brüſt d übermor P Sie bl vetnich den I grund Erſchei Würde wchtf rande in die eine) wenn Stund welche Sie i thanin ſie wi den Sie ichen. t den in ſo ſchwö⸗ Aufre⸗ irſchte chnel⸗ rückter gen in müſſen ch ge⸗ ele in ſcch ent⸗ Geſetz Genug⸗ - iſt das ſo leiſet ſei dem Artlit, ung, nit bewieſen. eufel ge⸗ „„ — 43 boren, Herandez, flüſterte er mit unterdrückter Stimme; ich danke Ihnen, Ihr Plan iſt vortrefflich. — So wird der Gerechtigkeit genügt, ſagte der gelbe Spa⸗ nier mit düſterm Lächeln, dem Volke eine bedeutende Stütze ent⸗ zogen und mir ein— Nebenbuhler.— Außerdem würde ſich auch kein Bravo jetzt gefunden haben, den Mordſtahl auf die Bruſt des Prinzen Caraffa zu richten; alſo, es bleibt dabei— übermorgen am Hoffeſte.— — Am Hoffeſte, wiederholte der Statthalter. Plötzlich ward die Thüre geöffnet und Leonore trat ein. Sie blieb wie angewurzelt an der Schwelle und warf einen vernichtenden Blick auf Herandez. Dann wandte ſie ihm ſtolz den Rücken und nahte ſich dem Herzog, welcher in den Hinter⸗ grund getreten war und mit Beſtürzung und Ueberraſchung das Erſcheinen ſeiner Tochter gewahrt hatte. — Ich begehre meinen Vater zu ſprechen, nahm ſie mit Würde das Wort, und das, was ich ihm zu ſagen habe, paßt nicht für Zeugen, iſt am allerwenigſten für das Ohr eines He⸗ randez geeignet. — Donna Leonora, verſetzte der Herzog in ſtrengem Tone, in dieſem Augenblick giebt der Statthalter ſeinem erſten Rath eine Audienz, der Vater wird für die Tochter zu ſprechen ſein, wenn dieſe geendet iſt; und auch erſt zu einer geziemenden Stunde, welche die mitternächtliche wahrlich nicht iſt. — Wohl denn, Hoheit, ſagte Leonore in einem Tone, in welchem ſich nur zu ſehr ihr beleidigter Stolz kund gab. Da Sie in dieſem Augenblick nicht die Tochter, nur die Unter⸗ thanin vor ſich ſehen, ſo muß dieſe ſich Ihrem Befehl fügen, ſie wird wiederkommen, allein es iſt nicht immer gut gethan, einen Unterthan von ſich zu weiſen, wenn dieſer ihn von den boshaften Rathſchlägen eines Miniſters warnen möchte, der Fürſt und Volk in's Verderben ſtürzt,— ſetzte ſie mit Nachdruck hinzu; ich beſchwöre Sie, Hoheit, bei der Madonna, entfernen Sie dieſen Menſchen von Ihrem Hofe, und vielleicht iſt das Unheil noch abzuwehren, das er allein heraufbeſchworen hat. Sein Hirn hat den Gedanken an die verhängnißvolle Fruchtſteuer ausgebrütet, er war es, der Sie antrieb Bluturtheile zu unter⸗ zeichnen, er iſt der Henker Neapels, Schrecken geht jedem ſeiner Schritte voran, Unheil folgt ihm auf den Ferſen. Er, der die —ʒ—— — —— — bitterſten Thränen einem ganzen Volke erpreßte, der ihm den Todesſchweiß aus den Poren trieb, ſoll der Rathgeber eines Herrſchers ſein? Wehe dem Monarchen, der ihm ſein Ohr leiht, den Sachwalter des Volks ſtießen ſie von ſich, um jenem Spanier Platz zu machen, o mein Vater, in dieſer Stunde rufe ich Ihnen zu, hüten Sie ſich vor dieſem Miniſter, zerreißen Sie das höl⸗ liſche Netz, mit welchem er Sie umgarnt hält, Sie ſind Herr in Neapel, oder iſt er es? Vollzieht er Ihre Befehle oder ordnen Sie ſich den Seinen unter? Fragen Sie ſich ſelber und Ihr edleres Selbſt muß Ihnen ſehr bald die richtige Antwort geben. Der Herzog war durch die Rede ſeiner Tochter ſo verwirrt geworden, daß er in den erſten Augenblicken nichts erwidern konnte; ſein Auge traf Herandez, welcher mit einem Gefühl von Scham und Wuth, geſenkten Blickes daſtand. — Verlaſſe mich, meine Tochter, brach der Herzog endlich in milderem Tone das Schweigen. — Ich will gehen, mein Vater, aber nicht eher, bis Du mir Dein Wort gegeben haſt, dieſen Miniſter nach Spanien zu⸗ rückzuſchicken, der es vergebens verſuchte in Neapel ſein Glück zu machen. Vielleicht gelingt es ihm wie hier den Volksſach⸗ walter, am Hofe zu Madrid den Reichs⸗ Miniſter Olivarez zu verdrängen. Mit ſeinem Scheiden wird der Segen wieder über dieſes Land kommen. Sage mir ferner, fuhr ſie mit leiſerer Stimme fort, indem ſie die Hand des Vaters ergriff und ſie ſanft drückte, was in Bezug auf das Schickſal des Prinzen Ca⸗ raffa in dieſem Augenblick beſchloſſen iſt? Ich weiß es, man hat einen verderblichen Plan geſchmiedet; ich weiß es, ich hörte ſei⸗ nen Namen nennen, von dem Feſte ſprechen und ahne, daß ein Schlag wider ihn geführt werden ſoll. Vater, vergiß nicht, daß der Prinz der Sohn eines Deiner vertrauteſten Freunde iſt, der Dir ſeinen Arm weiht, einem ſolchen Manne willſt Du den Schmerz bereiten, ihm den einzigen Sohn zu tödten? Bedenke, wenn einſt das langunterdrückte Volk erwacht, um ſeine Ketten abzuſchütteln, wenn die Flammen ſeiner Rache gegen Dich entbrennen und ſie Dir die einzige Tochter entriſſen, könnte dier gleichgiltig ſein? Auch Fürſt Earaffa hen würde, wenn Du ihm den Schmuck ſeiner es mit Abſcheu von dem Tyrannen wenden, Herz, das bluten amilie entriſſeſt und der ihm den ein⸗ — in den nen H Gelleu Tone wenn Don than, nicht Klik fügt h N kürt ihr 6 - Vertre dabei“ trotz entge derze Tage den eines leiht, anier hnen höl⸗ Herr dnen Ihr geden. wirrt vidern 'l von ndlich 6 Du en M⸗ Gruc ltsſach⸗ arez zu r über leiſerer nd ſie en Ca⸗ nan hat orte ſei⸗ daß ein ht, daß iſt, der en Arm bereiten, inſt das ſchütteln, n und ſie Herzen bluten iſſeſt und den ein⸗ ——-—— 45 zigen Sohn gemordet! Ja, Du willſt Hand an ihn legen und zwar auf die Einflüſterung jenes gelben Mannes dort. Sieh nur, wie er daſteht mit dem hämiſchen Lächeln, mit den rache⸗ glühenden Blicken; er ſcheint mit den Zähnen zu fletſchen, ſeine Zunge lechzt nach Blut, das Volk hat er geplündert und nun er in den geleerten Säckeln der zu Grunde gerichteten Bürger kei⸗ nen Heller mehr findet, gelüſtet es ihn nach den Gütern der Edelleute, ſprechen Sie, Excellenz, fuhr ſie in herausforderndem Tone zu dem Spanier gewendet fort, warum ſchweigen Sie, wenn ſolche Anklagen gegen Sie erhoben werden, antworten Sie, Don Herandez, was hat Ihnen der Prinz Caraffa zu Leide ge⸗ than, daß Sie ihm nach dem Leben trachten? Aber Sie ſollen nicht triumphiren! Der Gouverneur hatte mit Herandez einen bedeutungsvollen Blick gewechſelt und ſagte dann mit feſter Stimme; — Ich ſagte Ihnen jüngſt, daß ich über Ihre Hand ver⸗ fügt habe, dort ſteht Ihr Bräutigam, Sie werden nun wiſſen, daß Sie ſich ſelbſt compromittiren, wenn Sie fortfahren, den künftigen Gemahl in dieſer Weiſe zu ſchmähen! Mit einem Ausruf des Entſetzens bedeckte Donna Leonora ihr Geſicht und wankte zur Thür hinaus. Noch eine kurze Zeit hindurch flüſterte der Duca mit ſeinem Vertrauten und dann verließ dieſer mit den Worten:„es bleibt dabei“, das Zimmer. 1 Die Drohung. Die nächſten Tage nach den erzählten Ereigniſſen hatten, trotz des Hohnes, den man der drohenden Haltung des Volkes entgegenſetzte, der Regierung große Sorge bereitet, ſelbſt der Herzog von Arcos ließ einigen Mißmuth blicken und ſeit einigen Tagen ſtand ſeine Thüre außer Herandez auch andern Staats⸗ . nooch immer fanden ſich geben, obwohl der Beutel des Volkes ſo ganz erſchöpft war, daß 46 1 beamten offen, aber er hörte von Allen nur dieſelben finſtern Ahnungen. Man hatte ſich vergebens die Mühe gegeben, einer Ver⸗ ſchwörung auf die Spur zu kommen, und die einzige Hoffnung des Herzogs war auf ein eetwaiges Geſtändniß des Prinzen Ca⸗ raffa gerichtet, wenn der Schlag, den man gegen ihn beabſich⸗ tigte, geführt war.—. Dazu kamen noch Nachrichten von einem Angriff, womit Frankreich drohte, von Unglücksfällen ſpaniſcher Schiffe, von ge⸗ waltthärig eingeſammelten und trügeriſch vergeudeten und ver⸗ wendeten Geldern, von wachſender Unzufriedenheit unter dem Volke und ſelbſt den Edelleuten, von Verlegenheiten und Befürch⸗ tungen auf allen Seiten und ſchlimmer als Alles waren die leeren Kaſſen, die größte aller Vergehungen in den Augen des Hofes zu Madrid. Der Rath, der ſeit den Tagen Carls von Anjou das Par⸗ lament des Landes bildete und alle Steuern auflegen ſollte, hatte von Zeit zu Zeit manche Veränderungen erlitten und war im Laufe des letzten Jahrhunderts ſo völlig umgewandelt worden, daß das Volk keinen Wortführer mehr hatte. In den letzten Jahren war eine Million nach der andern bewilligt, eine Waare nach der andern beſteuert worden und dieſe herrlichen Räthe ſtets bereit zu in Verlegenheit kam, auf neue Abgaben zu ihr Scharffinn ſinnen. Der Miniſter Herandez Schon ſeit einigen Tagen ſch endlich erfand die Fruchtſteuer. rie die ganze Volksmaſſe, die ſich in Haufen ſammelte, Tag und Nacht gegen die Abgaben und Schmähſchriften gegen den Statthalter und die Edelleute wurden an die Mauern der Kirche und öffentlichen Gebäude, ſelbſt an die Thore des Palaſtes geheftet. Der Duca ging gedankenvoll in ſeinem Zimmer auf und nieder, als ihm ein Diener einen ſchwarzgeſiegelten Brief über⸗ reichte. Kaum hatte er grellen Farben gemalt zeigte Henker mit hochgeſchwungenem Beile ſtand. ddie Worte:„Wie die Thaten, ſo der Lohn!“ dieſen erbrochen, als er ſchauderte, denn in ſich ihm ein Block, vor welchem ein Darunter ſtanden Dieſen Denkſpruch 8 — eendet de demnächſ Kind ſch Vor einige A einer Gl Worte: Es Hüfling das eb durchla kann di heit bed 3 8 nicht, Spaß hat da können Neapel wäre d die A duch Soldat Vande, dtenre Pb Söh dutn und d aſtern Ver⸗ fnung 1 Ca⸗ ubſich⸗ vomit u ge⸗ id ver⸗ r dem ffürch⸗ en die hen des Par⸗ hatte dar im worden, andern en und ereit zu ar, daß aben zu htſteuer die ſich ben und wurden , ſelbſt auf und rief über⸗ ſſchem ein r ſtanden Dentipruch ———— ſendet dem Vicekönig von Neapel die: Todesgeſellſchaft, die demnächſt furchtbare Rechenſchaft fordern und weder Weih noch Kind ſchonen wird. Von vnüberwindlichem Grauen beſchlichen, ſtand der Duca einige Augenblicke ſprachlos, dann griff die bebende Hand nach einer Glocke und der hierauf eintretende Diener hörte nur die Worte: Don Herandez. Es war kaum eine Viertelſtunde verfloſſen, als der glatte Höfling vor ihm ſtand. Ohne eine Wort zu ſprechen überreichte ihm der Herzog das eben empfangene Schreiben, welches der Spanier lächelnd durchlas und es dann ruhig auf den Tiſch legte. — Sie lächeln? rief der Herzog überraſcht. — Ueber das ſeltſame Gemälde. — Don Herandez, ſagte der Herzog ernſt, nur Thorheit kann dieſe Warnung verachten, wir werden auf unſere Sicher⸗ heit bedacht ſein müſſen. — Nicht zaghaft Hoheit, die Sache iſt nicht ſo furchtbar, als es den Anſchein hat; die ſogenannte Todesgeſellſchaft exiſtirt nicht, es iſt nur ein erborgter Name, deſſen ſich irgend ein Spaßvogel bedient hat, um uns in Schrecken zu ſetzen. Noch hat das Caſtell Nuovo Kanonen, hinter denen Sie ſich verbergen können; jedoch aber rathe ich, daß Donna Leonora ſich von Neapel entferne, bis die Stimmung eine andere geworden, es wäre daher zweckmäßig, wenn ſie mit der Flotille, die demnächſt die Anker lichten ſoll, ſich nach Madrid begebe, ebenſo die Ducheſſa, Ihre Gemahlin. — Sie haben wohl geſprochen, Herandez, das Schiff iſt mit Soldaten bemannt, und die Frauen reiſen unter ſicherm Geleite. — Ich erwarte mit jeder Stunde den Räuber Paolo mit ſeiner Bande, nach dem ich bereits geſendet habe, und auf dieſes Ban⸗ ditenregiment können wir ſicher rechnen. Sie werden, ſollte der Pöbel ſich in der That bald rühren, ihn ſchnell in a ſeine Schranken weiſen. — Und Giulio Caraffa iſt immer noch frei — Morgen iſt das Feſt, Hoheit, verſetzte der Höfling be⸗ deutungsvoll, wir werden ihm zuvor ein Geſtändniß entlocken 8 dnd die Rädelsfüihrer der Verſchwörung ermitteln. 48 — Und Sie könnten glauben, der Prinz von Caraffa werde verrathen? E — Es giebt Mittel Hoheit, Widerſpenſtige zu zähmen. Der Statthalter wurde unwillkürlich aufmerkſam, während ſich ſein Antlitz ſeltſam veränderte. — Sie meinen? — Die Folter, Hoheit. — Mein Gott! — Zu welchem Zwecke ſollte denn dieſe Rechtswohlthat der Criminalprozeßordnung ſonſt vorhanden ſein? — Ich überlaſſe Ihnen den Delinquenten, ſagte der Herzog mit abgewandtem Geſicht.. A Warnung gegen Warnung. Am Abend deſſelben Tages hatte Donna Leonora den Prinzen Caraffa zu ſich beſcheiden laſſen. Um die zehnte Stunde erwartete ſie in ihrem Garten den Prinzen, welcher endlich erſchien. Durch eine Allee von Citronenbäumen, deren thauige Blüthen die Luft mit Wohlgerüchen füllten, führte ſte den Prinzen zu einem niedrigen Geländer, das den Rand einer ſteilen Anhöhe einfaßte. Das Meer lag vor ihnen ruhig und dunkel und außer dem Gemurmel der Wogen war überall Todesſtille verbreitet. Noch wurde kein Wort gewechſelt, ſtill und traurig blickte Leonore auf Giulio, dieſer deutete auf verſchiedene Züge des Landſchaftsbildes, das vor ihnen lag als wäre es ſein Wunſch geweſen, eine Mittheilung zu verzögern, die peinlich hätte ſein können. 1 up Leonora theilte ſeine Verlegenheit nicht, ſie kannte ſeine ſeltſamen Anwandlungen von Begeiſterung und Trübſinn, und obgleich ihre Seele von ganz anderen Dingen erfüllt war, ſo ſolgte i ——öö—— deutete. und in den 5 ſagen einigen erfüllt die mie für Si Mann gend Freun erfüllt zufall u erfü d n 49. S folgte ihr Blick doch ruhig der Richtung, auf welche er hin⸗ deutete. — Ich habe Sie rufen laſſen Prinz, begann ſie endlich, und in Anbetracht deſſen was ich Ihnen mitzutheilen haſe wer⸗ den Sie meine Kühnheit verzeihen, es ſchweben, ich möchte ſagen unheilvolle Geiſter in der Atmoſphäre, ſchon ſeit einigen Wochen iſt meine Seele von unſäglicher Bangigkeit erfüllt, aber ſeit den letzten Tagen haben ſich Dinge ereignet, die mich mit wahrhafter Beſorgniß erfüllen, mit Beſorgniß für Sie. — Für mich Donna? rief Giulio betroffen, bin ich nicht Mann? — Giulio, die glücklichen Stunden, die wir in unſrer Ju⸗ gend mit einander verlebten, gaben uns das Recht auf ewige Freundſchaft, wir gelobten einſt, wie von einer ſeltſamen Ahnung erfüllt, uns gegenſeitig zu ſchützen, wie wir es vermögen; der Zufall giebt mir Gelegenheit die Erſte zu ſein, dieſes Gelübde zu erfüllen.— Giulio, Sie ſind zu dem Feſte geladen, wel⸗ ches mein Vater, trotz des Nothſtandes im Lande, morgen giebt; — Prin,, erſcheinen Sie nicht. — Ich danke Ihnen für dieſe Mittheilung, theure Freun⸗ din, ſagte Giulio, allein es thut mir wahrlich leid, Ihrem Wunſche ausweichen zu müſſen; es würde mir ſchmachvoll Prinſen ſein, mich von Furcht abhalten zu laſſen, ſolti wenn dieſe ge⸗ rechtfertigt wäre. tten den— Ungliücklicher, ſie iſt gerechtfertigt!— — So ſagen Sie mir Alles, was Sie wiſſen... e Blüthen Ich weiß nur, daß man einen böſen Plan wider Sie im rinzen zu Schilde führt, welchen man bei Gelegenheit dieſes Feſtes auszu⸗ Anhöhe führen gedenkt. fu werde nen. während — that der r Herzog — nd außer— So nimmt man alſo zum Verrath ſeine Zuflucht? ſagte breitet. Giulio bitter; nun wohl denn, ich werde trotzen. rig blickte— Bei der Weihe jener heiligen Stunden Prinz, die un⸗ Jüge des ſere Jugend ſah, beſchwöre ich Sie, bleiben Sie fern, flehte h Wunſch Leonore mit Bangen. hätte ſein 1—— Ich trotze der Gefahr; in der That Donna, es ſchmerzt mich, die erſte Bitte, die Sie an mich richten, Ihnen verſagen zu müſſen, und laſſen Sie uns jetzt von anderen Dingen ſdrechen. unte ſeine Das Bpfer von Amalfi.(Bd. I.) 4 X ſinn, und t war, ſo ——— — Der Abend iſt ſo ſchön, verbannen wir die trüben Be⸗ trachtungen, werfen Sie einen Blick auf dieſe friedlichen Land— ſchaftsbilder im Lichte des aufgehenden Mondes; es werden ſchwere Tage kommen und man kann nicht wiſſen ob uns ein ſolcher Anblick noch einmal vergönnt ſein wird. Es lag in Giulio's Ton eine Miſchung von feierlichem Ernſt und Zärtlichkeit. — Seltſam Prinz, daß Sie mich in einem Augenblick, in wel⸗ chem ich Sie ſo dringend vor drohenden Gefahren warne, auf die Schönheit dieſes Landſchaftsbildes aufmerkſam machen; aber Sie meinten mit Recht, es ſei ungewiß, ob uns noch einmal eine Stunde, wie die heutige, ſchlägt; Sie haben die Wahrheit ge— ſagt, fuhr ſie fort, während aus dem Himmel ihrer Augen eine Wehmuthsthräne thaute und die zarten Roſen ihrer Wangen benetzte. Der morgende Abend ſchon wird Sie Ihrem Verhäng⸗ niß näher führen, ich habe Sie gewarnt, Sie ſchenkten mir kein Gehör, doch, Sie ſind Herr Ihres Willens. Ich werde in den nächſten Tagen Neapel verlaſſen und mich nach dem Hofe zu Madrid begeben; das Schiff, welches die Schätze Neapel's nach der ſpaniſchen Reſidenz führt, wird mich hinübertragen nach der Heimath meiner Ahnen. Jetzt bebte Giulio zuſammen, als wäre er plötzlich an den Rand eines Abgrundes verſetzt.. — Corpo di diol rief er, die Galeere ſoll Sie mit ſich nehmen? — Sie iſt ſicher escortirt, was fürchten Sie? — Und wäre ſie von der heiligen Jungfrau ſelbſt beſchützt, ſagte Giulio in einem Tone, der nur zu ſehr ſeine Angſt verrieth, ſo wäre ſie doch dem Verderben geweiht; Leonore, überſchreiten Sie das Bord dieſes Schiffes nicht, ſchon ſchweben die Geiſter der Vernichtung darüber! — Ich habe Sie gewarnt Giulio, morgen nicht dem Feſte beizuwohnen, Sie hörten mich nicht an; Sie warnen mich jetzt, nicht die Galeere zu beſteigen, ich weigere nung Gehör zu geben. Was dem Einen Recht, iſt dem Andern billig. — Bei der Madonna del Carmine, laſſen Sie ab von Ihrem Eigenſinn, ich bin Mann und muß der Gefahr entgegen gehen, mich ſchützt ja noch ein Schwert, aber Sie, ein Mädchen mich Ihrer War⸗ ſcußloo die ſiche lich fort derließ, ſagt, ie das Sch nach S ſie iſt u Ihnen beſtimm ſchenken dergelt ren en Lippen, Gefahr ich die die Ge ſes nie Feſte, gnädig R. Antwor d Citrone a der Koreut g und v gen dann Kühen den Be⸗ n Land⸗ werden uns ein erlichem in wel⸗ ne, auf n; aber mal eine heit ge⸗ gen eine Wangen gerhäng⸗ ten mir verde in m Hofe Neapels gen nach ) an den mit ſich beſchützt, verrieth, rſchreiten e Geiſter dem Feſte mich jetzt, ter War⸗ m Andern 4 ab von t entgegen Miädchen ——* 51 ſchutzlos auf einem, dem Untergange geweihten Fahrzeuge, ſind die ſichere Beute des Verderbens; Leonore, fuhr er leidenſchaft⸗ lich fort, indem er ihre Hand ergriff und ſich auf ein Knie nie⸗ derließ, ein Eid bindet meine Lippen, ich habe ſchon zu viel ge⸗ ſagt, ich darf Ihnen keine näheren Auseinanderſetzungen über das Schickſal dieſer Galeere machen, welche das Gold Neapels nach Spanien ſchaffen ſoll, aber ich habe die Ueberzeugung, ſie iſt unrettbar verloren, Sie allein erfahren dieſes Geheimniß, Ihnen darf ich es vertrauen. Sie warnen mich vor einer un⸗ beſtimmten Gefahr, ich Sie vor der gewiſſen, darum Leonore, ſchenken Sie mir Gehör, üben Sie nicht dieſe kleinliche Wieder⸗ vergeltung, bei Allem, was Ihrem Herzen theuer iſt, beſchwöre ich Sie, die Galeere nicht zu beſteigen! Leonore ſenkte ihr Haupt, während ihren Augen heiße Zäh⸗ ren entſtrömten. — Geht der Freund zu Grundo, flüſterte ſie mit bebenden Lippen, ſo mag auch die Freundin dahin fahren; Sie wollen der Gefahr trotzen— Sie ſollen auch mich nicht feig finden; auch ich biete meine Stirn dem drohenden Verhängniß, ich beſteige die Galeere, Prinz. — Leonore, wählen Sie jedes andere Fahrzeug, nur die⸗ ſes nicht. — Kommen Sie zum Feſte? — Ich muß.— — Nun, dann ruft uns Beide das Verhängniß, Sie zum Feſte, mich auf das Schiff, Santa Maria del Carmine, ſei uns gnädig! Noch ſtand ſie gsſenkten Hauptes da, ſie ſchien jedoch keine Antwort von Giulio zu erwarten. Der Nachtwind ſtrich durch die Zweige eines der großen Citronenbäume, welche ſich um ſie erhoben, und riß den Zweig ab, der über Leonora hing, und ſie wurde mit duftenden Blüthen beſtreut. Es folgte eine Todtenſtille. Giulio warf einen langen unbeſchreiblichen Blick auf Leonore und verließ dann, als hätte er einen Entſchluß gefaßt, mit haſti⸗ gen Schritten den Garten. Sie blickte ihm nach, ſo lange ihr Auge ihn erreichen konnte; dann ſtützte ſie ſich auf das Geländer, legte ihre Hand auf die glühenden Schläfe und ließ ihre Thränen fließen. Die ſchönſten .. 4* Erinnerungen traten vor ihre Seele und bildeten einen traurigen Gegenſatz zu der ſie beherrſchenden Melancholie. — Mein Entſchluß iſt gefaßt, ſeufzte ſie und wandte ſich um, die bezaubernde Stelle zu verlaſſen, an der ſie zum letzten Male an ſeiner Seite geſtanden hatte; aber in dieſem Augenblick ſah ſie wenige Schritte entfernt die dunkle Geſtalt eines Mannes, der mit gekreuzten Armen ihre Bewegungen beobachtete. Er war zum Theil durch die dicht belaubten Zweige der Citronenbäume verdeckt, während die Strahlen des Mondes die Terraſſe hell erleuchteten. Anfangs glaubte ſie, es ſei ihr Vater, ſchon wollte ſie ihm entgegengehen, ſchon ſchwebte ſein-Name auf ihren Lippen, als ihre Tritte den Eindringling erſchreckten. Ihre Bewegung war ſo plötzlich, oder der Mann, der es gewagt hatte, ſie zu belauſchen, ſo tief in Gedanken verloren, daß ſie an ſeiner Seite ſtand und ihm ins Geſicht ſah, ehe er ſich zurückziehen konnte.— Sie war wieder allein, aber ſie zitterte heftig, ihre Hände waren verſchränkt, und ihre Blicke folgten entſetzt der Richtung, in welcher der Mann verſchwunden war. Einige Minuten blieb ſie ſtarr vor Schrecken, dann aber bückte ſie ſich, ſammelte die Blüthen auf, die der Wind von den Zweigen der Citronenbäume geſchüttelt hatte und verließ die Terraſſe. Der Ueberfall. Wir wollen jetzt einen Rückblick auf das Leben eines Man⸗ nes werfen, der dazu berufen iſt, in unſerer Erzählung eine tra⸗ giſche Rolle zu übernehmen; es iſt Tomaſo Aniello, den wir von nun ab mit dem Namen Maſaniello bezeichnen, wie ihn ſeine Zeitgenoſſen nannten und auch die Geſchichte beibehalten. In dem Fiſcherdorfe zu Amalfi geboren, verlor er früh ſeine Eltern Jahre Schon halt ſo auf den A! ſchüne⸗ zuw entd Eẽ rüchte geheim ſagten denn. lautes bemert gen ſa das un B W ſchent des ( für die waren einen thume mache G heit ſe für ſei ſie al deſch ſtden geſen Es ſang net, tet iſt rigen um, Male t ſah nnes, 2 der 5 die e ihm , als der es loren, ehe er hände Nng, aber on den eß die Nan⸗- ine tra⸗ en wir ön ſeine üöh ſeine —— ——:—— Eltern und führte mit ſeiner Schweſter Thereſia, die wenige Jahre älter als er war, ein einſames, zurückgezogenes Leben. Schon als Knabe mußte er für ſein und ſeiner Schweſter Unter⸗ halt ſorgen und ernährte ſich vom Fiſchfang, deſſen Ertrag er auf den Märkten zu Neapel verkaufte. Als er etwa ſiebzehn Jahre zählte, verſchwand plötzlich die ſchöne Thereſia und vergebens bemühte ſich Maſaniello ihre Spur zu entdecken. Es hatten ſich über ihr Verſchwinden die ſeltſamſten Ge⸗ rüchte verbreitet, die Einen meinten, ſie hätte ſich wagen einer geheimen unglücklichen Liebe das Leben genommen, die Andern ſagten wieder, es hätte ſie ein Cavalier mit Gewalt entführt, denn man wollte eines Abends in der Gegend ihrer Hütte ſein lautes Hülfegeſchrei vernommen und bald darauf einen Nachen bemerkt haben, in welchem man Thereſia mit einem Manne rin⸗ gen ſah. Alle dieſe Gerüchte verſtummten bald und man vergaß das unglückliche Mädchen. Bald nach dieſer Zeit lernte Maſaniello eine Jungfrau ken⸗ nen, ſchön wie eine Hebe, deren Herz ein köſtliches Ge⸗ ſchenk zur rechten Zeit war, um ſeine bittere Betrübniß wegen des Verluſtes ſeiner Schweſter zu mildern.. Er hatte nicht viele Einrichtungen zu treffen, um ſeine Hütte für die Aufnahme ſeiner Braut zu ordnen, weltliche Reichthümer waren ihm nun einmal nicht beſcheert und es fiel ihm nicht einen Augenblick ein, daß er auch nur des geringſten Reich⸗ thums bedurfte, um das Herz, das ihm vertraute, glücklich zu machen. Er glaubte, daß die niedrigt Hütte, die ſeit ſeiner Kind⸗ heit ſeine Heimath geweſen war, mit geringen Ausbeſſerungen für ſeine ganze Lebenszeit aushalten könnte, und ſchon hätte er ſie als Gattin heimgeführt, wenn nicht Livia um einen kurzen Aufſchub gebeten hätte, welchem ſeine eigenen romantiſchen An⸗ ſichten zuſtimmten. — Es mag ſo ſein, ſüßes Mädchen, ſprach er, als ſie mit geſenktem Blicke und erröthender Wange ihre Bitte ausſprach. Es mag geſchehen, wenn der Frühling zurückkehrt, wenn der Ge⸗ ſang der Vögel, ſanft und fröhlich wie Du, Dich bewillkomm⸗ net, wenn Freude auf dem ganzen Angeſichte der Erde verbrei⸗ tet iſt und die Sonne am ſüßeſten auf das Meer herablächelt. —ʒõ—õ——— — . 54 Die Hochzeit wurde feſtgeſetzt und Maſaniello verlebte fröh⸗ lich und hoffnungsvoll den nächſten Winter. Er fuhr nicht ſel⸗ tener auf das ſtürmiſche Meer, er ſuchte nicht weniger die Ein⸗ ſamkeit, als in früherer Zeit, aber er verträumte nicht mehr, wie er es ſonſt gethan, die Stunden, die er an der Küſte zu⸗ bringen mußte. Er beſuchte Livia öfter und der Winter war noch nicht vor⸗ über, als die ſchüchterne Braut ihm geſtand, daß der Frühling zögere.— Endlich verjüngte ſich die Flur und die Trauung wurde vollzogen. Nachdem er die junge Frau in ſeine Hütte einge⸗ führt hatte, wurde Maſaniello von ſeinem Schwiegervater, dem es in ſeinens Hauſe bang ward, gebeten, dieſes mit ihm zu theilen; allein er lehnte das Anerbieten ab. Dem Anblick des Meeres, an deſſen Ufern er ſeit ſeiner Kindheit gelebt hätte, meinte er, könne er unmöglich entſagen. Er wäre nicht arm, ſetzte er hinzu, indem er auf die Alabaſter⸗ ſtirne und die erröthende Wange ſeiner jungen Frau deutete. Die Morgenröthe ſeines Eheſtandes währte einige Zeit hin⸗ durch, denn er zählte noch nicht zwanzig, Livia noch nicht ſiebzehn Jahre. Der Anfang dieſes durch Liebe geſchloſſenen Bundes war von ungewöhnlichen Umſtänden begleitet und nur um die Theil⸗ nahme unſerer Leſer für die Folge zu gewinnen, geben wir einen kurzen Ueberblick. Mehrere Jahre waren verfloſſen und Maſaniello, der in ſeiner Gemüthsſtimmung ſich mehr Feſtigkeit aneignete, um ſeiner jungen Frau eine zärtliche Sorgfalt zu widmen, machte ſeine einfache Hütte anziehender, als die Meereseinſamkeit, die er ſeit ſeiner Kindheit geliebt hatte.— Das junge Paar war nicht ohne Prüfungen geblieben und Maſaniello, ſchmerzlich bewegt, wenn er ſah, daß das zarte Weib in dürftiger Bekleidung bei der Winterkälte zitterte und ihre vollen, roſigen Wangen durch zu häufige Entbehrungen bleich und eingefallen wurden. Livia aber ertrug Alles nicht nur ohne Murren, ſondern mit inniger Freude, weil ihr eine Prüfung aufgelegt war, worin ſie ihre Liebe bewähren konnte. Jede Stunde überzeugte ſie, daß die Zuneigung ihres Gatten eine reichliche Entſchädigung für — die Unf ließ un digkeit, mer ein det Hei ſuct ha Nu düſtert, ab und erſte T ſtahle Gatte G menden mit Fr Gim erſt überl 3 ſeine W nicht, G Verne mit zog un und d 9 tunge net S vnahd kalte tung war fröh⸗ ht ſel⸗ Ein⸗ mehr, te zu⸗ tvor⸗ bling vurde einge⸗ t, dem hm zu ſeiner ſagen. aſter⸗ 2. vin⸗ nicht war Theil⸗ einen der in ſeiner ſeine er ſeit n und zatte ee und rungen ondern. worin ſe, daß ng für —— . 55. die Unfreundlichkeit war, die das Schickſal ihr zu Theil werden ließ und in Maſaniello's Bruſt wohnte eine angeborene Freu⸗ digkeit, welche eine ſüße Täuſchung unterſtützte, wenn ihm im⸗ mer ein lächelndes Antlitz entgegenkam. Er begleitete ſeine Gefährten fortwährend zu den Kapellen der Heiligen, deren Gedächtnißfeſte er ſeit ſeiner Kindheit be⸗ ſucht hatte. Nur bei ſolchen Gelegenheiten war die Stirne Livia's ver⸗ düſtert, denn ſeine Rückkehr hing von der Laune der Genoſſen ab und nur zu oft kehrte er traurig und erſchöpft heim; die erſte Thräne, die Livia ſeit ihrer Vermählung vergoſſen hatte, ſtahl ſich aus ihrem Auge, als ſie bis zur ſpäten Nacht auf den Gatten wartete, der zu einem Feſte nach Neapel gegangen war. Endlich trat der Erſehnte mit finſterer Stirne und flam⸗ mendem Auge in ſeine Wohnung. Livia beſtürmte ihn nicht mit Fragen, ſie merkte an ſeinem Gemüthe eine Aufregung, die im erſten Geheimniß wurzelte, das er ihr verſchwieg. Von dieſem Augenblick an war in ſeinem Weſen eine er⸗ ſchreckende Veränderung wahr zu nehmen, er vernachläſſigte ſein Gewerbe, ging häufiger nach Neapel, kehrte finſter zurück und überließ ſich der Einſamkeit. Zugleich beſuchten Fremdlinge von verdächtigem Anſehen ſeine Wohnung und Livia durfte die hier ſtattfindenden Geſpräche nicht anhören. Es konnte nun nicht ausbleiben, daß bei der beſtändigen Vernachläſſigung ihres einzigen Erwerbszweiges, der Fiſcherei, mit den neuen Freunden auch der Hunger in ihre Hütte zog und bald fühlte Livia, daß ſie ſchwächer, ihr Schritt unſicher und der Muth ihrer edeln Seele erſchüttert waren.. Alles dieſes erſchien ihr nur unbedeutend zu den Beobach⸗ tungen, die ſie an ihrem Gatten gemacht, die Aufregung ſei⸗ ner Seele verſcheuchte den Schlaf von ſeinem Lager, er war ungeduldig, empfindlich und reizbar gegen Andere. Als die Armuth ihn täglich mehr heimſuchte, zeigte er eine kalte Ueberhebung gegen ſeine Jugendfreunde, eine ſtolze Hal⸗ tung und ein geheimnißvolles Weſen; ſelbſt in ſeinem Hauſe war er traurig und ſchweigſam. 1 Aber gegen Livia wurde er zärtlicher und theilnehmender, 1 56 als fühlte er ein Unrecht gegen ſie. Oft, wenn ſeine Bruſt be⸗ ſchwert war, ſchloß er ſie in ſeine Arme und weinte. Livia's Herz erbebte dann in Wonne, indem ſie hoffte, daß er ſein Herz ihr erſchließen würde und ſie durch Troſt ſeine Bürde erleichtern könne; doch, als ob ein feierliches Gelübde ſeinen Mund verſiegelt hätte, endigten ſolche Anwandlungen in einen Seufzer und er verſank wieder in Trübſinn und bebte vor jeder Theilnahme zurück. Seine Geſtalt, ſo jugendfriſch ſie noch war, verrieth doch die Entkräftung, die ſchlafloſe Nächte und häufige Entbehrungen herbeiführten. Die ſchmerzlichſte aller Prüfungen war für Livia der trau⸗ rige Kampf, der gewöhnlich zwiſchen ihr und Maſaniello erfolgte, weenn ſie einander die dürftigen Biſſen aufdrängten; ihre blei⸗ chen Lippen ſuchten die Gegenwart des gräßlichſten aller Feinde, des Hungers, zu verleugnen, und wenn ſie ſolche Biſſen mit ein⸗ ander theilten, glaubte ſie ihrem Gatten die Lebensnahrung zu entziehen. Bei einer dieſer Gelegenheiten zeigte ſich in Maſaniello's Blicken ein ſo neuer ſchrecklicher Ausdruck, daß Livia's letzte Kraft gebrochen und ſie vor Gram beſinnungslos zuſammen⸗ ſtürzte. Als ſie ſich wieder erholt hatte ſaß Maſaniello neben ihr, während ihr Haupt an ſeiner Bruſt ruhte. Jetzt öffnete ſich ſein Herz und er erkannte, welche muthige und edle Seele Livia belebte; ſeit dieſem Augenblick wurde ſein Gemüth ruhiger; er ging mit leichtem Herzen auf das Meer und mit gebieteriſcher und furchtloſer Haltung trat er unter ſeine Mannſchaften. In der geräuſchvollen Hauptſtadt, woher Maſaniello ſeine Schwermuth mitgebracht, gab es nicht minder unglückliche Her⸗ zen, als das ſeinige, und der Hunger wohnte dort, wie in der Hütte des Fiſchers zu Amalfi, fand aber nicht ſo geduldige Opfer. G Die Staatsbehörden hatten den letzten Heller der Hülfs⸗ quellen erpreßt, der Herzog von Arcos ſollte noch mehr Geld herbeiſchaffen, denn des Königs Schatz war leer; man konnte den Duca mit einem erfahrenen Folterer vergleichen, der die Schrauben, die ſchon an den Gliedmaßen ſeiner Opfer ſaßen, mit ung Pulſe f Er als Me ſen ſa di Aufmere damm, grüßten einlief ließ, u ſame wiello mine U venn vieler ſchlage ſchwar wiſſen ſnd d ud de men fülle tes, ihm endli dern, ſt be⸗ e, daß ſeine elübde gen in tee vor hdoch ungen trau⸗ folgte, e blei⸗ Feinde, t ein⸗ ng zu niellos letzte mmen⸗ 1 ihr, wihige de ſein Meer unter ſeine 6 Her⸗ in der duldige Hülfs⸗ ſr Geld konnte der die ſaßen, r gr- — H ——ÿʒ—— 57 mit ungemeiner Heftigkeit feſter zog und ſorgfältiger nach dem Pulſe fühlte, als es vorher geſchehen war. Er war eben bemüht den letzten Ducaten herauszupreſſen, als Maſaniello's entſcheidende Beſuche zin Neapel dieſem Unwe⸗ ſen ſteuern ſollten. Ddie Veränderung in Maſaniello's Benehmen erregte bald Aufmerkſamkeit und die Fiſcher in Mergellina, auf dem Hafen⸗ damm, in Santa Lucia und auf dem Platze del Carmine be⸗ grüßten freudig ſein wohlbekanntes Boot, wenn es in die Bai einlief und ſchüttelten geheimnißvoll die Köpfe, als er ſie ver⸗ ließ, und nur wenn die Winde, der blaue Himmel und das ein⸗ ſame Meer ſie allein belauſchten, erzählten ſie ſich, daß Maſa⸗ niello eines Tages mit Hülfe der heiligen Jungfrau del Car⸗ mine Alles in Ordnung bringen würde. Und ſo ſollte es auch kommen. Bald verließ der Fiſcher Amalfi und ſiedelte nach Neapel über, um den Ereigniſſen näher zu ſein.. Es war an dem Tage nach jener verhängnißvollen, nächt⸗ lichen Audienz, als auf dem Mercato del Carmine ſich viele Fiſchergruppen gebildet hatten, unter denen ſich auch Maſaniello befand; man flüſterte mit einander und doch herrſchte ein ſo un⸗ heimliches Schweigen, daß den vornehmeren Edelmann, der zu⸗ fällig über den Platz dahinwandelte, ein Grauen durchrieſelte, wenn er die Todesſtille wahrnahm, die bei der Anweſenheit ſo vieler Menſchen herrſchte. — Geduld! Geduld! ſagte Maſaniello, bald wird die Stunde ſchlagen. — Wie lange noch ſollen wir Geduld haben? rief ein ſchwarzer Lazzarone, die braunen Arme drohend ſchüttelnd, wir wiſſen, das Admiralſchiff liegt in der Bai, drei Millionen Livres ſind darauf geladen, in den nächſten Tagen wird es abſegeln, und das ſchöne Gold, das man uns abgefoltert hat, nach Spa⸗ nien mit ſich nehmen, um des Königs Säckel von Neuem zu füllen; an jedem dieſer Goldſtücke klebt ein Tropfen unſeres Blu⸗ tes, warum fallen wir nicht darüber''her, warum entreißen wir ihm nicht die Ladung, um ſie unter uns zu theilen, damit wir endlich den lange ertragenen Hunger ſtillen. — Weil wir nicht plündern, ſondern nur Gerechtigkeit for⸗ dern, entgegnete Maſaniello in verweiſendem Tone. 58 Um — Heißt es plündern, wenn wir unſer Eigenthum nehmen? ſchenma Was man uns erpreßt, können wir zurückfordern. man flr — Raub bleibt Raub, und das Schiff hat bereits ſeine Be⸗ tönte. ſtimmung. 8c — Wir kennen die Beſtimmung, flüſterte der Lazzarone, aber All, warum zögern wir mit der Kataſtrophe, warum nicht gleich nen, wi Hand an das Werk legen? ger we — Weil es nun einmal ſo ſein ſoll, verſetzte Maſaniello 1 lih, wi kurz, jede Gewaltthat vor der beſtimmten Stunde wird mit dem zwiſche Leben gebüßt werden. Mit dieſen Worten wandte er dem Sprecher den Rücken zu. äber d — Hört, Freunde, flüſterte ein Menſch, jetzt mag ich's Euch er F ſagen, hätte ich es in Maſaniello's Gegenwart gethan, ſo wäre fes m es unklug geweſen, da er die That verhindern will, laßt die 3G Galeere, verſchont ſie bis zur gegebenen Stunde, denn’des Geiers M Junges wird ſie beſteigen, um nach Spanien zu reiſen. Wäre I 6 es nun nicht würdig, daß wir dem Alten ein Brandopfer brin⸗ gen, der uns ſo oft beſtohlen? ſetzte er mit gräßlichem Lächeln dält ſ hinzu. bleide Der Beifall, den dieſer grauſame Anſchlag fand, ſpiegelte eiger ſich auf allen Geſichtern dieſer Gruppe. Racheſprühende Blicke, ihm convulſiviſche Zuckungen, furchtbares Lächeln von bleichen Lippen, 6 Drohen von braunen, ausgedörrten Armen, ward überall ſichtbar. 5 — Woher haſt Du die Kunde? flüſterte ein Kerl, in deſſen nti Zügen Laſter und Noth ihren traurigen Stempel gedrückt hatten. 1 — Ich weiß es genau, ein Diener des Duca hat es mir alerd geſagt, die Frau Herzogin bleibt zurück, ſie will höchſt Dero Ge⸗ 1 V mahl nicht verlaſſen..... Thie — Nun, ſo mag ſie mit ihm ſterben! riefen Mehrere zu I A gleicher Zeit, es wird ein himmliſcher Abend werden, wenn die V Flammenſäulen des Brandopfers emporſteigen. Kewor In dieſem Augenblick ließ ſich ein lautes Geſchrei verneheh dll men, welches von einem Menſchenknäul ausging, der ſich in kur⸗ A zer Entfernung um eine glänzende Caroſſe verſammelt hatte. un — Dort kommen ſie ja, rief der Lazzarone, die ganze Fa⸗ II Hut milie, der Duca, die Ducheſſa und das Töchterlein; die Menge Hul will ihn aus dem Wagen zerren. dir Auch Maſaniello hatte ſich nun der Scene zugewendet und diſ war wie ein Pfeil verſchwunden. V erſt 1. 8 1 4 60 en zu. Cuch wäre ßt die Heiers Wäre brin⸗ cheln iegelte Blicke, Yppen, htbar. deſſen hatten. es mir ro Ge⸗ rre zu nn die erneh⸗ n kur⸗ tte. ge Fa⸗ Menge det und 59 Um des Statthalters Wagen hatte ſich eine ungeheure Men⸗ ſchenmaſſe angeſammelt, man bettelte, man ſchrie, man tobte, man fluchte, es war ein Getöſe, welches das des Meeres über⸗ tönte. Schmähſchriften, alte Nägel, abgenagte Fiſchgräten, kurz Alles, was man auf der Straße fand, mit Ausnahme von Stei⸗ nen, wurde nach dem Duca und ſeiner Familie geſchleudert, und wer weiß, was geſchehen wäre, wenn nicht Giulio Caraffa plötz⸗ lich, wie ein Blitz, und mit einer Stimme, wie der Donner, da⸗ zwiſchen getreten wäre. — Was beginnt Ihr Wahnſinnigen? rief er, daß es weit über den Mercato hintönte, wer es wagt, dem Herzog und ſei⸗ ner Familie auch nur das geringſte Leid zuzufügen, ſoll mir die⸗ ſes mit ſeinem Leben büßen. Er hatte den Degen gezogen und wie Spreu ſtob die Menge auseinander. Ein dumpfes Gemurmel des Unwillens ließ ſich vernehmen. — Das hat man davon, wenn man es mit den Edelleuten hält, ſagte ein Kerl mit verwegenem Antlitz, Verräther ſind und bleiben ſie doch, und früher oder ſpäter wird uns dieſe Exellenza zeigen, daß ſie nicht beſſer iſt, als alle Andern, und wir werden ihm eben ſo gut den Kopf abſchlagen müſſen. — Sehr richtig, ſagte ein Anderer, er beſchützt ſeine Stan⸗ desgenoſſen, eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus; faßt ihn! Schon wollten ſich Einige auf Giulio ſtürzen, welche dieſer allerdings von ſich abwehrte, aber dennoch wäre er vielleicht ein Opfer geworden, wenn ſich nicht Maſaniello zwiſchen ihn und die Angreifer geſtürzt hätte. Während deſſen hatte der Wagen des Statthalters Platz gewonnen, um ſich zu entfernen. Giulio blickte ihm wehmuths⸗ voll nach, denn in demſelben Grade, indem er dem Vater abhold war, zog ihn ſein Herz zur Tochter hin, die keineswegs mit ihren Eltern ſympathiſirte, jene hoffärtig und ſtolz, anmaßend und habgierig, dieſe leutſelig, ein Engel an Sanftmuth und Huld, hatte ein warmfühlendes Herz für die Leiden des armen, bedrückten Volkes, aber ſie vermochte nicht die Wunden des Lan⸗ des zu heilen, wo ein Herandez herrſchte, mußte eine Leonora verſtummen. 60 Sie warf einen Blick voll unausſprechlicher Liebe und Dankbarkeit auf Giulio und murmelte leiſe:„Er hat Dich gerettet und muß doch ſterben.“ Das Hoffeſt. Tdrpotz aller dieſer drohenden Erſcheinungen hatte der Herzog von Arcos ſich nicht abhalten laſſen, ſich den gewohnten Zer⸗ ſtreuungen hinzugeben; es war, als wollte er ſich ſelbſt die Augen verſchließen. Die feſtlich geſchmückten Säle waren von dem Lichte un⸗ zähliger Kronleuchter erhellt, welches, funkelnd von dem vielen Golde und von den Spiegeln, von den koſtbaren Kronen und Gürteln der ſchönen Tänzerinnen zurückſtrahlte. Giulio Caraffa war in Begleitung ſeiner Familie gleich⸗ falls erſchienen, er verwünſchte die Töne, die zur Freude und Luſt aufforderten, welche einen ſo ſchneidenden Gegenſatz zu ſeiner Stimmung bildeten, und doch mußte er ſich ſtellen, als nähme er Theil an jener rauſchenden Freude. Er ſtand in einer Fenſtervertiefung und ließ ſeine Blicke unruhig umherſchweifen. Sie ſchienen einen Gegenſtand zu ſuchen. — Sie iſt nicht anweſend, flüſterte er leiſe, welch' ein furcht⸗ barer Widerſpruch, fuhr er nach längerem Schweigen fort, unten ertönt das Hungergeheul des Volkes, hier jauchzt man im Ueber⸗ muth. Unten ſieht man verzweifelnde Geſtalten obdachlos um⸗ herirren, hier ſchweben leichtfertige und jubelnde Schaaren durch den Saal; doch ſchrecklich wird der Tag des Gerichtes ſein, den ich nicht hindern kann. Ihm gegenüber ſtand Don Herandez köſtlich geſchmückt und mit Orden von aller Herren Länder decorirt; auch ſeine Blicke ſchweiften ſpähend umher, endlich fielen ſie auf Giulio und leben haften. Jetz Edelleute über ſein deſt Du 2 ein Ande das Hin den Ste Giulio, hatte, ehen mi über ein Ein als er in den 3 cher 3 Leonora Ka Tänzeri Platz n nich man es Sinn f und St und die Ih ant 9 tei. als et ihre? Wolfe de und gerettet Herzog en Zer⸗ bſt die te un⸗ vielen en und gleich⸗ de und ſeiner nähme Blicke und zu furcht⸗ unten Ueber⸗ os um⸗ n durch in, den ick und Blice io und 61 1 blieben mit einem Ausdruck dämoniſchen Entzückens auf ihm haften. Jetzt trat Gennaro Vitale mit mehreren anderen befreundeten Edelleuten zu Giulio; letztere machten ihm freundliche Vorwürfe über ſein theilnahmloſes Verhalten. — Du ſtehſt da, ſagte Einer von ihnen lächelnd, als befän⸗ deſt Du Dich der Kanzel gegenüber. — Könnt Ihr's ihm verargen? fiel ein Anderer ein. — Ich möchte ihn mit einem Aſtronomen vergleichen, ſagte ein Anderer in ſcherzendem und doch bedeutungsvollem Tone, der das Himmelszelt in allen ſeinen Richtungen durchſtreift und doch den Stern nicht entdeckt, den er ſucht. — Jetzt geht er endlich auf, ſagte Gennaro und machte Giulio, der dieſen Reden wenig oder gar kein Gehör geſchenkt hatte, auf das Erſcheinen der Donna Leonora aufmerkſam, die eben mit ihren Damen durch die breite Flügelthür ihnen gegen⸗ über eintrat. Eine ſichtliche Veränderung zeigte ſich in Giulio's Antlitz, als er die ſonſt ſo blühende Geſtalt jetzt bleich und ſchattenartig in den Saal ſchweben ſah. In demſelben Augenblick trat Herandez auf ſie zu, zu glei⸗ cher Zeit begann die Muſik und der Miniſter führie Donna Leonora zum Tanze. Kaum aber waren die erſten Takte vorüber, als die bleiche Tänzerin wankte und Herandez ſich gezwungen ſah, ſie auf ihren Platz neben ihrer Mutter zurückzuführen. Er entfernte ſich jedoch nicht, ſondern ſuchte Leonore in ein Geſpräch zu ziehen, das, wie man es ihr offenbar anmerkte, ſie peinigte. Sie hatte keinen Sinn für den überläſtigen Bewerber, eine Welt von Gedanken und Sorgen lebte in ihrem Innern, die nur Einer beherrſchte und dieſer Eine— war Giulio. Ihre raſtlos umherſpähenden Blicke hatten den Gegenſtand ihrer Liebe erreicht und waren zärtlich warnend auf ihn gerich⸗ tet. Bisweilen aber glitten ſie auch nach dem Haupteingange, als erwartete ſie Jemand. Giulio blickte unverwandt auf das theure Antlitz Leonora's; ihre Augen glichen der Sonne, wenn ſie von einem leichten Wolkenſchleier verhüllt, ihre Strahlen nicht entwickeln kann. 3 11 62 Die Freunde Giulio's hatten ſich wieder zu den Tänzern ge⸗ ſellt, nur Gennaro war zurückgeblieben. — Sieh nur, wendete ſich dieſer zu ſeinem Freunde, wie der gelbe Spanier die Donna beläſtigt, wie jedes ſeiner Worte ſie unangenehm zu berühren, jeder ſeiner Blicke ihr ein Scorpion⸗ ſtich zu ſein ſcheint. — Und wie glücklich erſcheint er, der betreßte Schranze, der verdienſtvolle Miniſter, den ſein Monarch für jeden Bluts⸗ tropfen, den er dem Volke erpreßte, mit einem Orden deco⸗ rirt hat. — Seine Stunde wird ſchlagen, ſagte Gennaro; wenn nun das Volk ſeiner Wuth Luft macht, iſt er das erſte Opfer, denn ihn haßt es mehr als ſelbſt den Duca; doch ſieh nur, welche finſtere, ſchreckensvolle Blicke er uns, namentlich auf Dich ſchleu⸗ dert, bei der Madonna del Carmine, man könnte erſchrecken. — Du haſt Recht, und mich gelüſtet es faſt, ihn mit meinem Degen Bekanntſchaft machen zu laſſen; ſein Herz iſt von Stahl, mithin ein Degen der paſſendſte Magnet. In dieſem Augenblick begann das Orcheſter die rauſchenden Klänge des Fandango, der wie ein Zauber auf die Menge wirkte und bald drehte ſich Alles in dem, auch in Italien beliebten ſpaniſchen Nationaltanze. Die Muſik ergoß ſich in melancholiſchen Klängen, begleitet von dem Tone der Caſtagnetten, die Tänzerinnen ſchwebten gleich goldbeſchwingten Sylphen durch den Saal. — Wie dieſe Leute, doch alle Italiener, ſich an Allem, was aus Spanien herüber kommt, ergötzen, bemerkte Giulio.— Er wurde durch das Nahen einer der Damen aus dem Gefolge Leonoras in dieſem Geſpräche unterbrochen, dieſe ließ heimlich ein Briefchen in ſeine Hand gleiten und verſchwand. Giulio trat an die Seite und durchlas den kurzen Inhalt. „Ich beſchwöre Sie, ſo hieß es darin, den Saal zu ver⸗ laſſen, weil es noch Zeit iſt, eine Stunde mehr und es iſt zu ſpät!“ Lächelnd verbarg er das Schreiben, und auf eine Frage Gennaro's gab er Anfangs eine ausweichende Antwort, aber auf längeres Bitten des Freundes überreichte er dieſem das Billet.„ 1 2 geſellte micht Fol cie weit bald bön Dich dah — S Du gehö⸗ Varbarin Leo⸗ tet, ſie Wanger deck, in daß er Sie ſet, noch aber end N Matze⸗ flüͤſterte ihren Bla Bruder. inſtändi meint es andern Mit und die Don Stüſe Blich N ern ge⸗ wie der orte ſie orpion⸗ te, der Bluts⸗ deco⸗ nn nun r, denn welche ſchleu⸗ ken. meinem Stahl, Hed e wirkte heliebten egleitet webten m, was us dem eſe ließ vand. Inhalt. u ver⸗ iſt zu e Frage t, aber ſem das 63 — Eine Warnung, ſagte Gennaro ernſt und Du willſt ihr nicht Folge leiſten? — Nein, verſetzte Giulio kurz, ich möchte doch einmal ſehen, wie weit ſpaniſche Heimtücke geht. — Male den Teufel nicht an die Wand Freund, nur zu bald könnteſt Du einen traurigen Beweis erhalten; ich bitte Dich daher, dieſer Warnung von lieber Hand Gehör zu ſchenken. — Wenn ich es thue, ſo darfſt auch Du nicht zögern, denn Du gehörſt nicht minder zu den Verſchworenen, als ich, Gaetono Barbarini und Horazo Verzelli, doch ſieh, da kommen ſie. Leonore hatte Giulio mit krampfhafter Spannung beobach⸗ tet, ſie ſah ihn das geſandte Billet leſen und bald wurden ihre Wangen von glühender Röthe, bald von tödtlicher Bläſſe be⸗ deckt, in angſtvollem Harren erwartete ſie mit jedem Augenblick, daß er ſich entfernen würde, allein vergebens. Sie beobachtete die Gruppe der Verſchworenen unausge⸗ ſetzt, noch immer hoffend, daß ihr Wunſch ſich erfüllen werde, aber endlich erkannte ſie mit Entſetzen das Gegentheil. Jetzt ließ es ſie nicht länger raſten, ſie erhob ſich von ihrem Platze, eilte zu Donna Blanka von Caraffa, der Schweſter Giulios, flüſterte dieſer einige Worte zu und begab ſich dann wieder auf ihren Platz. Blanka nahte ſich, ohne daß es Aufſehen erregte, ihrem Bruder. — Donna Leonora, ſagte ſie mit leiſer Stimme, läßt Dich inſtändigſt bitten, Dich mit Deinen Freunden zu entfernen, ſie meint es drohe Euch Gefahr. — Wir werden nicht eher dieſen Saal verlaſſen, bis die andern Gäſte ſich entfernen. Mit dieſem Beſcheide kehrte Blanka an ihren Platz zurück, und die Bläſſe auf Leonora's Wangen trat merklicher hervor. Don Herandez hatte dieſes Alles beobachtet und ſeine Schlüſſe daraus gezogen; er wechſelte einige bedeutungsvolle delin mit dem Herzog von Arcos, welcher ſich darauf zu ihm geſellte. Ein kurzes Geſpräch fand ſtatt und der Herzog neigte bei⸗ Cfällig ſein Haupt. Plötzlich wurde ein wüſtes, wildes Geſchrei auf dem Schloßplatze hörbar, eine ungeheure Volksmaſſe hatte — ſich verſammelt, um ſeine Entrüſtung über die Schwelgereien im Schloſſe an den Tag zu legen. Ein grauſiges Klagegeſchrei miſchte ſich mit den Freuden⸗ klängen drinnen und bildete einen ſchaurigen, disharmoniſchen Contraſt. Die Muſik verſtummte, einen Augenblick zögerten die Tän⸗ zer, während man unten wildes Gehäul, Waffengeklirr, dumpfe Schläge und Stöße vernahm; der Herzog aber gab ein Zeichen, die Muſik begann aufs Neue und die Tänzer fuhren fort. Giulio warf einen Blick durch das Fenſter, der Platz war geſäubert, die doppelten Schloßwachen hatten das arme Volk, das eine Ovation gerechten Unwillens kundgab, auseinander⸗ getrieben. 4 Von Zeit zu Zeit ging Don Herandez in ein Vorzimmer, ſchaute hinab in den Hof und horchte, ob von der Straße nicht Pferdegetrappel zu vernehmen ſei; aber er hörte nichts Anderes, als das von den Nebenſälen herübertönende Geräuſch. Er kehrte wieder dahin zurück und wurde nach Ablauf einer halben Stunde durch einen herzoglichen Pagen hinausbeſchieden. Er folgte der Aufforderung; im Coridor erwartete ihn ein Mann von rieſenhafter Größe, welcher bis an den Kopf dicht in einen langen Reitermantel gehüllt war. 1 Auf dem Haupte trug er einen Hut, von welchem eine lange ſchwarze Feder herabwehte. Nach einigen Worten, die ihm der Fremde zugeflüſtert, reichte ihm Herandez die Hand, einige Worte wurden gewechſelt, und der Fremde entfernte ſich mit haſtigen Schritten, während Herandez in den Saal zurückkehrte. Hier raunte er dem Herzog von Arcos einige Worte zu, in deſſen Zügen eine merkliche Ver⸗ änderung ſich zeigte. Jetzt nahte ſich Herandez Giulio, und ſeinen drei Freun⸗ den, ließ ſich mit ihnen in ein längeres Geſpräch ein und for⸗ derte ſie in außerordentlich höflicher Weiſe auf, ihm behufs einer wichtigen Unterredung in ein anderes Zimmer zu folgen, da es hier zu geräuſchvoll wäre. 1 Unwillkürlich zögerte Gennaro, während ſich ſein Arm an Giulio klammerte. — Bleibe Giulio! flüſterte er.: Doch der Angeredete warf ihm einen zürnenden Blick zu, ſchritt, einer E lötzlic man ir D ſtürzun ben wi 1 ’ an ein AW bald Lande men, Giule mener Livre ließen einer meine an ten im euuden⸗ niſchen Tän⸗ dumpfe heichen, war b e Volk, nander⸗ zimmer, ze nicht nderes, f einer HRd. ihn ein pf dicht e lange cſüſer), che Ver⸗ Freun⸗ und ſot⸗ ufs einer in, da es Arm an Zlick nu 4 ewechſelt, während Herzog —— 65 ſchritt an der Seite des Spaniers von den Andern gefolgt, zu einer Seitenthür hinaus. — Da geht er hin in ſein Verderben, kreiſchte Leonore plötzlich und brach mit einem herzzerreißenden Schrei zuſammen; man trug ſie beſinnungslos in ihr Gemach. Dieſer unangenehme Zwiſchenfall hatte eine allgemeine Be⸗ ſtürzung hervorgerufen; die Muſik verſtummte, die Tänzer blie⸗ ben wie an den Boden gezaubert ſtehen, bald darauf ſah man die Pagen und Diener unruhig hin und herlaufen, es hatte ſich das Gerücht verbreitet, Donna Leonora ſei todt.— Es war natüärlich, daß die Stimmung der Geſellſchaft durch. ein ſolches Ereigniß nicht mehr gehoben werden konnte; die Gäſte zerſtreuten ſich in Nebengemächer, der Saal war geleert, an die Kerzen und Kronenleuchter verbreiteten ihren Lichtglanz nur auf einen verödeten Raum und bald verkündete das Raſſeln der davonfahrenden Caroſſen, daß die Gäſte ſich entfernt hatten. Herandez hatte ſich mit den vier Cavalieren in ein weit von dem Feſtſaale belegenes Gemach begeben und lud ſie ein, an einen mit Wein und Erfriſchungen reich beſetzten Tiſch Platz zu nehmen. Es entſpann ſich ein Geſpräch über die Tagesereigniſſe und bald ſpielte Herandez den Volksbeglücker. — Ich habe heute, ſagte er, dem Herzog den Nothſtand des Landes an das Herz gelegt, und wir ſind dahin übereingekom⸗ men, daß die Fruchtſteuer wieder abgeſchafft werde. — Dieſe Wohlthat wäre dem Volke willkommen, ſagte Giulio mit ungläubigem und ſpöttiſchem Lächeln, aber willkom⸗ mener noch möchte es ihm ſein, wenn Sie die drei Millionen Livres, ſtatt ſie dem Könige von Spanien zu ſenden, in Neapel ließen, um der täglich wachſenden Hungersnoth zu ſteuern. — Noch iſt das Geld in Neapel, ſagte Don Herandez mit einer kaum zu verbergenden Verlegenheit, aber trinken Sie meine Herren, fuhr er fort, indem er auf die gefüllten Becher deutete. — Ich bin gern bereit, ſagte Giulio einen Becher ergrei⸗ fend, wenn Sie auf das Wohl Neapels und auf den Untergang ſeiner Schergen trinken. Mit vor Wuth bebenden Händen ergriff Herandez den Bec⸗ und hielt ihn Giulio entgegen. Das Hpfer von Amalfi.(Bd. 1) * 66 — Sie zittern, Sie meinen es nicht aufrichtig! rief Giulio, ich muß hieraus annehmen, daß Sie ſich ſelbſt zu den Schergen Neapels zählen. Ich trinke mit Ihnen nicht, folgt meinem Bei⸗ ſpiel Freunde, wendete er ſich zu dieſen und ſchleuderte den Becher von ſich, welchem, wie auf einen Wink die andern bald folgten. Die vier Gefäße rollten mit dumpfem Geräuſch auf den Boden hin, auf welchem der köſtliche Wein hinfloß. — Koſten Sie jetzt davon, Don Herandez, rief Giulio im Tone äußerſter Erbitterung; man nennt dieſen Wein Lacrimae Chriſti(Thränen Chriſti), ich möchte ihn lieber lacrimae populi neapolitani(Thränen des neapolitaniſchen Volkes) nennen, denn aus dieſen iſt er gepreßt und Sie verſtehen es ja, dieſes Blut zu trinken. Der gelbe Spanier ſchien noch gelber zu werden, er knirſchte mit den Zähnen, ſchien zu lauſchen und ein Ausdruck der Be⸗ friedigung wurde trotz ſeiner Stimmung in ſeinen Zügen ſichtbar⸗ — Kehren wir jetzt nach dem Saal zurück Signori, ſagte er mit einem Ausdruck unſäglichen Spottes, Sie werden dort mehr Zerſtreuung finden als hier, wo wir uns heute wenigſtens nicht verſtändigen werden; aber wir ſehen uns wieder, ſetzte er bedeutungsvoll hinzu und verſchwand in eine Nebenthür, die er hinter ſich zuwarf. F Die vier Cavaliere verließen in einer eigenthümlichen Stimmung das Zimmer, um ſich nach dem großen Feſtſaale zu begebenz dieſen exreichten ſie auch bald, aber ſie glaubten zu träumen, als ſie die ſeltſame Veränderung gewahrten. Sie hatten ſich kaum eine Viertelſtunde zurückgezogen und der Saal war leer. Sie wechſelten einen Blick der Ueberraſchung, doch ſie ſpra⸗ chen kein Wort, es war nicht zu leugnen, daß ſich ihrer alle⸗ ſammt ein Gefühl von Unheimlichkeit bemächtigt hatte. Unwillkürlich griff Giulio nach ſeinem Degen, gab ſeinen Freunden einen Wink, ſie ſchritten auf den Hauptausgang zu, kaum aber in den Corridor gelangt, fanden ſie dieſen von einer Reihe ſpaniſcher Soldaten beſetzt. n Ein Offizier vertrat ihnen den Weg. — Ihre Degen meine Herren! rief er ihnen zu, Sie ſind Seine Gefangenen. 5 — — wir di ſich dar Mann bahnen 5 theidige Ihnen ſtens d erwart d mit v ſchen Hinter O 4 von I eine die gl an die nichte G ſich ih N Neng den Pöbe vwolle Biulio, zergen Vei⸗ e den n bald ff den lio im rrimae popul NMn ſetzte er die er mlichen eſtaale bten zu n. Sie er Säal ie ſpra⸗ er alle⸗ ſeinen ang zu, on einer Sie ſind 67 — Verrath! Verrath! riefen die Cavaliere. — Leonore! murmelte Giulio mit dumpfer Stimmez wollen wir dieſen Verrath an uns geſchehen laſſen Freunde? wendete er ſich dann laut an die Uebrigen; wir tragen ein Schwert, nur acht Mann ſtehen uns gegenüber, wir würden uns leicht den Weg bahnen können. Die Cavaliere zogen ihre Degen und nahmen eine ver⸗ theidigende Haltung an. — Geben Sie ſich keine Mühe, ſagte der Offizier, wenn es ;— Ihrnen ſelbſt gelänge uns zu überwältigen, ſo würden Sie höch⸗ ſtens bis zum Partal kommen, wo Sie ein zahlreicherer Trupp kerwartet. Leiſe ſenkten die Cavaliere die Klingen, ſtießen ſie dann mit verbiſſenem Groll in die Scheide und gaben ſie den ſpani⸗ ſchen Schergen, welche ſie umzingelten und mit ihnen in den Hintergrund des Corridors verſchwanden. In einem anderen Zimmer des Schloſſes ging der Herzog von Arcos in ungemeiner Aufregung auf und nieder und ſchien eine wichtige Nachricht zu erwarten; weder dachte er noch an ddie glänzende Geſellſchaft, an den Tumult auf dem Platze, noch an die erkrankte Tochter, nach derem Befinden er bis jetzt noch nicht einmal gefragt hatte; ganz andere Gedanken beſchäftigten ihn. Eine Viertelſtunde war er allein, als Herandez eintrat und ſſiich ihm ſchnell nahte. 3— Es iſt geſchehen, Hoheit, ſagte er mit einer Verbeugung und wir dürfen uns Glück wünſchen, die furchtbarſten Rebellen Neapels beſeitigen zu können. u2s 4— Zugleich aber iſt es wahrhaft ehrenrührig für uns, für den ganzen Adel, daß ſeine Söhne gerade an der Spitze des Pöbels ſtehen; hören Sie Herandez, mag geſchehen was da 1 woolle, es muß ein abſchreckendes Beiſpiel ſtatuirt werdenz die vier b 5. 2₰ 68— Herren ſollen morgen vor das Gericht geſtellt und übermorgen in aller Frühe öffentlich enthauptet werden; ſowohl das Volk als auch der Adel muß erbeben, der Pöbel wird, wenn er ſeine Hauptſtütze auf dem Blocke fallen ſieht, alle Aufſtandsideen fah⸗ ren laſſen, denn er iſt feig, nur in der Raſerei kann er furcht⸗ bar werden und ſollte etwa ein Edelmann Gelüſte verſpüren, ſich mit dem Auswurf Neapels verbrüdern zu wollen, ſo wird er durch die Hinrichtung ſeiner vier verſchworenen Brüder eines Beſſeren belehrt werden. — Hoheit, ſo leid es mir thut, kann ich Ihrem Plane nicht beiſtimmen, es läßt ſich nicht annehmen, daß das Volk durch dieſe Blutthat in Furcht gejagt würde. Ebenſo müßte ſie den, dadurch compromittirten Adel erbittern. Die vier Edelleute ſol⸗ len ſterben, das iſt auch meine Anſicht, allein ſterben, heimlich im Kerker durch Gift, ſo richtet man bei uns in Spanien, wenn man nicht Alles der Oeffentlichkeit vertrauen will; es iſt auch die bequemſte Art und Weiſe. Die Herren ſind übrigens ſo ver⸗ haftet, daß es keine Seele ahnt, ich habe ſie durch die unterir⸗ diſchen Gänge nach dem Caſtell ſchaffen laſſen, möge ſie das Volk ſuchen, wo es ihm beliebt, es wird ſie nicht finden, da ihre Leichname den Fiſchen des Golfs zur Nahrung dienen werden. — Wenn ſelbſt das Volk ſchweigt, entgegnete der Herzog, dann wird der Adel nach ihnen fragen und ſich nicht ſo leicht täuſchen laſſen, nein, ich will offen zu Werke gehen, ich habe nicht nöthig zu zittern, wo die Macht mein iſt; lich auf dem Mercato del Carmine ſterben, wir haben Kanonen und die Räuber, die, wie man mir meldete, bereits in Neapel ein⸗ gezogen ſind, werden in die Uniform unſerer Soldaten geſteckt, ſo hoffe ich, ſind wir des Aufſtandes entledigt, ein kriegeriſcher Anblick ſchreckt das Volk ſtets zurück und die Revolution wird im Keime erſtiickt. — Hoheit, ich füge mich Ihrem Wunſch, nur eines möchte ich noch entgegnen, es iſt doch entehrend, wenn wir das Banditen⸗ geſindel in die ehrliche ſpaniſche Uniform kleiden. — Nur für dieſe wenigen Stunden. — Was den Tod der Cavaliere betrifft, ſo wäre Gift beſſer. — Es bleibt bei der öffentlichen Enthauptung, ſagte der Duca im Tone äußerſter Entſchiedenheit, nur im ärgſten Falle würde ich zum geheimen Mord meine Zuflucht nehmen; er * ſte ſollen öffent- 7† machte Fin ſetzt erſt dem Coꝛ gelangt, und wei verſchwi war ſtiegen kleiner ſchnell buſen rudert der A die Ab auch ſe über d tauchte fille norgen ei als ſeine m fah⸗ furcht⸗ ſpüren, »wird eines nicht durch ie den, ute ſol⸗ jeimlich , wenn iſt auch ſo ver⸗ nterir⸗ ie das da ihre erden. Herzog, ſ leicht h habe öffent⸗ Ranonen apel ein⸗ geſteckt, geriſcher wird im möchte janditen⸗ fft beſſer. ſagte der ſen Falle zmen; er ͤͤͤ“ 1 1 . 69 machte eine Verbeugung und Herandez wußte, daß er entlaſ⸗ ſen war. Finſter wollte lſich der Herzog zur Ruhe begeben, allein jetzt erſt fiel ihm die erkrankte Tochter ein; er war kaum bis zu dem Corridor, der zu den Gemächern Donna Leonora's führte, gelangt, als die dienſtthuende Dame ſich ihm zu Füßen warf und weinend geſtand, Donna Leonora ſei auf räthſelhafte Weiſe verſchwunden. Der Schuß.— Der ſommerliche Mond, der eben in das zweite Viertel trat, war kaum über die welligen Umriſſe des Berges Soma aufge⸗ ſtiegen und ſchien über dem hohen Rücken zu verweilen, als ein kleiner Nachen aus einer der vielen Einſchnitte der Küſtenlinie ſchnell über den zitternden Lichtſtreif glitt, der auf dem Meer⸗ buſen ſich hinſtreckte; das Boot wurde von zwei Männern ge⸗ rudert, von denen der Eine etwa fünfundzwanzig Jahre alt, der Andere einige Jahre älter ſein mochte. Sie hatten offenbar die Abſicht, ihr mitternächtliches Abenteuer, von welcher Art es auch ſein mochte, heimlich auszuführen; denn ſie beugten ſich über die Ruder, ſo lange ſie in der Nähe der Küſte waren und tauchten dieſe ſo geräuſchlos in das Waſſer, daß ſie kaum die ſtille Oberfläche der Wellen zu berühren ſchienen, über welche das Boot glitt und ſo ſchoß das leichte Fahrzeug pfeilſchnell in die Bai hinaus. Der breite Lichtſtreif des Mondſcheins erſtreckte ſich über den Weg, den ſie einſchlagen wollten und da es ihre Abſicht war, fern von der Küſte zu ſein, ehe ſie es wagten über den Lichtſtreif zu fahren, nahmen ſie ihren Lauf in gerader Richtung 70 * an deſſem Rande, bis die wenigen fernen Lichter am Geſtade nur noch matt ſchimmerten, worauf ſie dann den Nachen in die Richtung der Küſte wendeten. Es war ungefähr eine Stunde nach Mitternacht, als ſie ihre Blicke nach dem dunkeln Rücken des Berges gerichtet hatten, über welchem der Mond noch ſichtbar war, um vielleicht die Augen⸗ blicke bis zum Untergange des nächtlichen Geſtirnes zu berechnen. — Wir dürfen nicht weiter, flüſterte der Eine, und müſſen die Fahrt noch hemmen. — Wir wagen ein gefährliches Unternehmen, verſetzte der Andere; Santa Maria del Carmine möge uns beſchützen! — Ich fürchte Nichts, antwortete der Andere; dem Fiſcher von Amalfi öffnen ſich ſchon heute Schloß und Riegel und koſtete es ſelbſt mein Leben, ſo ſtürbe ich doch für einen edeln Zweck. — Wann geſchah das Schreckliche? — In der geſtrigen Nacht, und eine Stunde darauf ſchon hatte ich Kunde. — Wie war dies möglich? — Sie ward mir durch eine hochgeſtellte Dame. — Dem Himmel ſei Dank, daß ſie Dir ward. — Ein blutiger Morgen wird bald über jene Stadt dort heraufziehen; aber er wird gerecht ſein und nur die Tyrannen dem Schwert der Rache überliefern. — Dieſer elende Herandez iſt ſchrecklicher, als der Duca, ſein Kopf ſoll der erſte ſein, der da fällt, ihm wird dann der Duca di Arcos und ſeine ganze Familie folgen, denn ſie haben lange genug von uns gezehrt, nun wollen wir als Entſchädigung von ihrem Blute zehren. 3 Der Andere ſchwieg, er hatte ſich mit den übergekreuzten Armen auf das eingezogene Ruder geſtützt und ſchien, in Gedan⸗ ken verſunken, die Worte ſeines Gefährten nicht gehört zu haben, — Und Du haſt von Deiner Schweſter immer noch keine Kunde? 1 Jetzt zuckte der Angeredete wie von einem Schlage getroffen krampfhaft zuſammen, ſein Antlitz, bisher ſanft und ruhig, hatte einen erſchreckenden Ausdruck angenommen, welcher ſich allmälig in einen wehmüthigen verwandelte. — Seit drei Jahren iſt ſie verſchwunden, ſagte er ſeufzendz aber warum fragſt Du plötzlich nach ihr? Haken 2 leute de gebeilt wir ſie finden; ſonſt li Prin O Als heftige reicht, lefen, ſtets! - Lichtkt wärts: von Se wieder Ar ſchwu Entfer dem„ ſtreckter A ſich al ten, ve E zu ſolch offenen Al Kachſc Jena p ſeien. — worde dere zeſtade in die als ſie hatten, Augen⸗ ꝛechnen. nüſſen dte der Fiſcher koſtete weck. f ſchon idt dort drannen Duca, un der haben digung kreuzten Gedan⸗ haben, S keine erroffen g, hatte allmälig ſeufzendz ruamm ͤͤͤ 71 — Es fiel mir jetzt ein, weil ich an die ſchurkiſchen Edel⸗ leute dachte, ich wette, wenn wir dieſe Volksunterdrücker gebeilt haben und ihre Paläſte in Flammen aufgehen, werden wir ſie bei einem dieſer Schurken, der ſie Dir geſtohlen hat, ſonſt längſt dem Unweſen geſteuert; nur eben jener unglückliche Prinz Giulio Caraffa macht eine Ausnahme. Als dieſer Name genannt wurde, machte der Andere eine heftige Bewegung. reicht, rief er haſtig, vielleicht iſt es zu ſpät. 1 — O Gott, auch ich fürchte, denn ich habe, bevor wir aus⸗ 3 liefen, den Gettatore geſehen und dieſer Diavolo bringt dem ſeets Unheil, den ſein Blick trifft. Allmälig wurde der Glanz auf der Fluth ſchwächer; die Lichtkette, die ſich vom Bergrücken zur Küſte und von ihr auf⸗ wärts über Paläſte und Weinberge bis zu den höchſten Zinnen von San Ermo erſtreckt hatte, ſchien zerriſſen zu ſein, um ſich wieder zu ihrer Quelle zu wenden, als der Nachen auf's Neue vorwärts ſchoß. Die Ruderer ſchienen mit jeder Stelle der wellenförmig ge⸗ ſchwungenen Küſte bekannt zu ſein, und ſie hielten ſich in ſteter Entfernung vom Lande, bis ſie an dem feſten Caſtell Nuovo und dem Pallaſte und den Gärten des Gouverneurs und der langge⸗ ſtreckten Vorſtadt la Mergellina vorüber waren. Als die Kirche von Piedigrotto ſichtbar wurde, näherten ſie ſiich allmälig dem Lande, aber, als ob ſie Gefahr befürchtet hät⸗ keen, verdoppelten ſie die Schnelligkeit ihrer Fahrt. Es war nicht ungewöhnlich, daß ſich Fahrzeuge jener Art zu ſolcher Stunde auf dem Waſſer befanden, und wären ſie auf Cooffenem Meere geweſen, ſo hätten ſie gar keinen Verdacht erregt. Allein die Männer kannten die ſtrenge und ungewöhnliche Woachſamkeit der Küſtenwächter und ihr Aeußeres konnte nicht IJene zu dem Glauben veranlaſſen, daß ſie mit Fiſchen beſchäftigt l ſeien. Il Sie hatten kein Licht und wäre ihr Boot genau unterſucht worden, ſo hätte man bemerkt, daß es weder ein Netz noch an⸗ dere Fiſchergeräthſchaften enthielt; dagegen lagen zwei ſpaniſche Hakenbüchſen, wie ſie zu jener Zeit gebräuchlich waren, darin, & ͤe— finden; unſer Adel iſt eben ſo ſchlecht wie die Spanier, er hätte⸗ — Vielleicht haben ſie ihm ſchon den tödtlichen Becher ge⸗ 1 42 und jeder der beiden Männer hatte ein langes Meſſer im Gürtel, furchtbarer, als von den Küſtenbewohnern getragen zu wer⸗ den pflegte. In jeder andern Beziehung konnten die beiden Männer für Fiſcher der ärmſten Klaſſe gelten, die ſowohl damals als noch heute die zahlreichſten Bewohner jener Stadttheile waren. Sie flüſterten mit einander und als ſie ſich dem Geſtade näherten, ſchienen ſie die verſchiedenen Einſchnitte der Küſte ſorg⸗ fältig zu prüfen, und ihre langſamen Bewegungen verriethen jetzt, daß ſie mit der Oertlichkeit keineswegs genau bekannt waren. Während ſie ſich mit dieſer unſichern Forſchung beſchäftigten, ſchlich ihr Boot von einer Einfahrt zur andern. Sie waren über die ſchönen, doch nicht auffallenden Trüm⸗ mer des Pallaſtes der Königin Johanna hinaus, von welchen die abergläubiſchen Fiſcher in Neapel ſo viele Schauderſagen zu erzählen wiſſen. Ihr Boot glitt von einem verfallenen Pallaſte zum andern, bis ſie unter die zertrümmerten Bogen eines Gebäudes gelang⸗ ten, das ſchon damals mit dem Namen Proſepio bezeichnet wurde. Es waren ausgedehnte und mächtige Trümmer und der Fel⸗ ſen, auf welchem ſie ſich erhoben, war von den Wogen unter⸗ waſchen und hatte tiefe Höhlen, die den Fiſchern als Zuflucht dienten. Das Gebäude ſchien keineswegs ein ſicherer Aufenthalt zu ſein, da die alten Mauern bei jedem Windſtoße erzitterten und häufig Steine aus den zerriſſenen Bögen und dem verfallenen Gemäuer herabſtürzten. Der Kiel knirrte endlich auf dem Sande, als ſich der jün⸗ gere Mann erhob, ſchnell in das ſeichte Waſſer ſprang und ſich in einen Mantel hüllte, dann nahm er eine der Hakenbüchſen, unterſuchte das Schloß ſorgfältig und verbarg ſie unter dem Mantel. — Ich muß ſie trotz des Lärmes, den ſie macht, doch mit. nehmen, ſagte er.— — Laß ſie hier, ſprach warnend der Gefährte. — Ich will' nun einmal, verſetzte der Andere, und wenn ich ſie abfeuere, ſo wird es ein Zeichen für Dich ſein, ohne Zeit⸗ verluſt vom Ufer abzuſtoßen. 4 vorwurfs fehren) einer gei ſchwand Aus fallenen bildet h ziegel gewande ſteigen, der un ſtecke l G und ber W denen Mge wende Fluch G ſetzte ſeines E ger in ſchweif um zu zu ihm 6 himnmel d xvlö ter Sch tieſes einer bürtel, wer⸗ her für § noch heſtade ſorg⸗ iethen ekannt ftigten, Trüm⸗ welchen gen zu indern, eelang⸗ Wurde. der Fel⸗ unter⸗ zuflucht halt zu ten und fallenen der jün⸗ und ſich büchſen, ter dem och mit. nd wenn hne geit⸗ ——2m —— 73 — Du fennſt mich beſſer, entgegnete der ältere Ruderer in vorwurfsvollem Tone.— — Lebe wohl, vielleicht ſiehſt Du mich nicht wieder, es kehren Mehrere oder Niemand zürück, ſprach der Andere mit einer gewiſſen Feierlichkeit, kletterte das Ufer hinan und ver⸗ ſchwand bald aus dem Geſichte. Aus dem Innern der Höhle, welches die Trümmer des zer⸗ fallenen Gebäudes und die ſteten Auswaſchungen der Wogen ge⸗ bildet hatten, führten mehrere, aufgehäuften Steinmaſſen und Ziegel zu dem oberen Theile der Trümmer, und es wurde dem gewandten Manne nicht ſchwer, ſchnell von Block zu Block zu ſteigen, bis er durch die verödeten Gänge auf den Söller kam, der unmittelbar über der Stelle war, wo ſein Gefährte im Ver⸗ ſtecke lag. Einige Augenblicke blieb er in nachdenkender Stellung. — Mit Gott und der heiligen Jungfrau, ſagte er dann und verſchwand. Während deſſen hatte derjenige, der mit dem Verſchwun⸗ denen auf das geheimnißvolle und unſichere Abenteuer ausge⸗ gangen war, ſein Boot unter den Schatten der Trümmer ge⸗ wendet und den Kiel ſeewärts gekehrt, um augenblicklich zur Flucht bereit zu ſein. Er warf ſeinen braunen Mantel um die Schultern und ſetzte ſich ruhig nieder, das Ruder in der Hand, die Rückkehr ſeines Gefährten abzuwarten. Er verſank weder in träumeriſches Nachdenken, noch weni⸗ ger in Schlaf, ſondern ließ ſeinen Blick über den Theil der Küſte ſchweifen, der dn ſichtbar war und neigte ſein Ohr vorwärts, um zu lauſchen, wenn der Wind aus der Stadt murmelnde Töne zu ihm herübertrug. So verfloß etwa eine Stunde und ſein Auge richtete ſich himmelwärts, um in den Sternen den Lauf der Zeit zu leſen, da plötzlich fiel ein Schuß, ein ferner, lang anhaltender lau⸗ ter Schrei, welcher zitternd verhallte, tönte herüber, dann folgte tiefes Schweigen. — Heilige Jungfrau, ſie haben ihn getödtet! rief er mit einer Geberde der Verzweiflung. Der Morgen nach dieſer Nacht war kaum Ein Henker ohne Opfer. angebrochen, als Neapel einen Anblick bot, der wohl geeignet erſchien, das Volk betroffen zu machen, alle S daten beſetzt, mehrere Hunderte außer de waren zum Staunen der Einwohner und überall zeigten ſich Lanzen, Geſchütze, Spaniſches Fußvolk, und die deutſchen Leibwachen des Vicekönig Weg zum Caſtell Nuovo, wo Giulio und ſe fährten eingekerkert waren, ſtimmten Freiplatz vor der Kirche Santa beſetzt. Die Eedelleute, Regierung und hochmüthig zugleich, ſo wie auch den, traßen und Plätze waren mit Sol⸗ r gewöhnlichen Beſatzung in die Stadt gekommen Pferde und Waffen. zu jener Zeit das berühmteſte in Europa, s hatten ſowohl den ine unglücklichen Ge⸗ zur Hinrichtung be⸗ Madonna del Carmine knechtiſch genug, ihre Anhänglichkeit an die ihren Abſcheu gegen das Volk und deſſen Rädelsführer zu zeigen, brachten ſo viele. Leute aus ihrem Gefolge, ten, auf den Schauplatz. Dieſe Schaaren ſtellten ſich in die N und waren bereit, läſte ihrer Gebieter auf ihnen Alles niederzumetzeln, was i Die Blicke aller Edelleute ſchienen e ſuchen, den Herzog von Mattalone. Der verzweifelnde Vater aber war fern geb Verfahren der Regierung gegen den verrätheriſchen n mußte, ſo konnte er es doch nicht über ſich gewin⸗ gleich er das Sohn billige nen, der Hinrichtung deſſelben be Die Nachricht dieſes Bluturth nen Hand des Herzogs von Arcos Landſitze geſandt, wohin er in der wieder begeben hatte. Jedoch hiervon ſpäte Die bewaffnete Mannſchaft der Regierun zende Gefolge des Adels gewährten einen ma izuwohnen. r, bleiben wir bei der Sce ig und das glän⸗ leriſchen Anblick. als ſie nur bewaffnen und ausrüſten konn⸗ ähe der befeſtigten Pal⸗ auf einen Wink von hnen in den Weg trat. ine Standesperſon zu lieben und wenn⸗ eils wurde ihm von der eige⸗ am Taäͤge zuvor nach ſeinem Nacht nach dem Hoffeſte ſich ne. —⸗—xxxxxꝛö—— —=——⸗⸗--::yj———ℳ— Der eobachte der Nac ſchaaren einzunch Dar aufrichte murrte! aufführe welche r Nobilis Vo Haufer bebend wohin M. einziehe das die erkaunt frwötete G kannt das vo geſteige d 4 der Pr Volk i gen mu Bahn gunze icigeze D donme ergieh ſchon wegu nen ſ 3 d S en, als s Volk t Sol⸗ ſatzung tommen Waffen. Futopa, ohl den hen Ge⸗ ung be⸗ armine A die gen das le Leute n konn⸗ ten Pal⸗ ink von erſon zu d wenn⸗ heriſchen gewin⸗ der eige⸗ h ſeinem feſte ſc as glän⸗ nblich — 1 8 1 8 75 Der Pöbel von Neapel, der keine beſtimmte Schlafzeit hat beobachtete die Vorbereitungen zu dem blutigen Werke ſchon in der Nacht zuvor, denn Haufen von Bewaffneten und Reiter⸗ ſchaaren zogen durch die Stadt, um die ihnen angewieſenen Poſten einzunehmen. Das Volk ſah auf dem Platze del Carmine ein Blutgerüſt aufrichten und hatte von ſeiner Beſtimmung keine Ahnung; man murrte und raunte ſich zu, daß der Statthalter dieſes Blutgerüſt aufführen laſſe, um alle Tage Diejenigen hinrichten zu laſſen, welche nur den geringſten Unwillen zeigten, denn an die vier Nobili's konnte Nirmand denken. Vor dem Hauſe, welches Maſaniello bewohnte, hatten ſie Haufen gebildet, allein ſtatt ſeiner erſchien Livia und klagte mit bebender Stimme, daß ihr Gatte abweſend und ſie nicht wüßte, wohin er gekommen ſei. Als er gegen Morgen noch nicht zurückgekehrt war und die einziehenden Mannſchaften ſich mehrten, wurde das arme Volk, das die ſchnelle Einigkeit unter ſeinen Beherrſchern nur zu ſehr erkannte, muthlos und man begegnete überall nur trotzigen und finſtern Blicken. Endlich wurden die Namen der verurtheilten Edelleute be⸗ kannt und ein düſteres Schweigen herrſchte unter dem Volke, das von wahrhafter Theilnahme für die Delinquenten und von geſteigertem Abſcheu gegen deren Henker erfüllt war. Der Freiplatz vor der Kirche del Carmine war natürlich der Punkt, der die meiſten Blicke anzog und dahin ſtrömte das Volk in ſo dichten Haufen, daß die deutſchen Reiter durchſpren⸗ gen mußten, um dem Fußvolke, welches den Platz beſetzen ſollte, Bahn zu machen. Von dem Freiplatze vertrieben, ſchien der ganze Haufen auf die Zinnen der umliegenden Häuſer ſich zu⸗ rückgezogen zu haben. Die Soldaten hatten ſchon längſt ihre Stellungen einge⸗ nommen, jede vorbeugende Maßregel, welche die Regierung zu ergreifen für gut fand, war vollendet, aber die Sonne ſtand ſchon hoch am Himmel und noch immer verrieth nicht eine Be⸗ wegung unter dem Gedränge, daß das große Schauſpiel begin⸗ nen ſollte. Don Herandez, an der Seite des Anführers, wartete an der Spitze eines zahlreichen Reiterhaufens auf dem Freiplatze, 76 2* als Erſteren ein Bote zu dem Königlichen Statthalter rief. Die Zögerung und dieſer neue Vorfall erweckten tauſend Gerüchte, unter welchen das, daß die Hinrichtung aufgeſchoben werden ſollte, das am meiſten verbreitetſte war. Abermals war eine Stunde verfloſſen; der Henker in ſeiner abſchreckenden, rothen Amtstracht ſtand neben dem Block und harrte des Opfers, als ein ſchnell zunehmendes Gerücht verkün⸗ digte, daß die Gefangenen nicht erſcheinen könnten, da man den Kerker leer gefunden hätte und ſie entkommen ſeien. Ein lautes Freudengeſchrei mit Drohungen vermiſcht, be⸗ grüßte dieſe Nachricht, eine unruhige und unheildrohende Bewe⸗ gung that ſich unter dem Volke kund. Die Soldaten unterſuchten auf einen Wink ihrer Anführer ihre Waffen und rüſteten ſich, den möglichen Folgen zu begegnen. Als die Begeiſterung der Menge den höchſten Punkt erreicht hatte, erſcholl ein betäubendes Freudengeſchrei, das ſich ſchnell und donnernd über den Meerbuſen verbreitete. — Eyvviva il prence Caraffa! ertönte es von allen Seiten. Das ganze Volk gerieth in Bewegung, als plötzlich eine kreiſchende Stimme ertönte. — Laßt Euch nicht irre machen, Männer von Neapel, die⸗ ſes Alles iſt nur Comödie, die Gefangenen ſind nicht entkommen, man hat ſie in ihren Kerkern vergiftet, ſucht ihre Leichen in der Tiefe des Golfs! Die Schergen, die ſchon ihre Waffen gegen Euch richten, ſind keine Soldaten, man hat Räuber gedungen, die Galeerenſclaven befreit und ſie in ſpaniſche Uniform geſteckt, um Euch zu täuſchen und einzuſchüchtern, damit Ihr Euch nicht empören ſollt. Dieſe Stimme war nicht überall hingedrungen und dieje⸗ nigen, welchen ſie vernehmlich war, hatten ſich umgeblickt und ſahen eine verhüllte Geſtalt in eine der engen Gaſſen verſchwin⸗ den, welche vom Platze del Carmine ablaufen; aber ſchnell ver⸗ breitete ſich die Nachricht des Gehörten unter der Menge und wie es in den Tiefen des Veſuv's in dumpfem Donner rollt, ehe die verheerende Flammenzunge aus ſeinem Rachen leckt, ſo ließ ſich ein Gemurmel der Wuth unter der Menge vernehmen. — Maſaniello! Maſaniello! riefen tauſend Stimmen. Kaum war dieſes Zeichen der Empörung ſichtbar geworden, als die Mannſchaften ihre Waffen gegen die Unzufriedenen richteten. — 4 fur Stund — gemordet Mau decken w Otdnung neten aui Ales zu Das Geräuſch hingab, mit Et Jt Arcos ein jun währer f. Die erüchte, werden ſeiner ock und verkün⸗ dan den t, be⸗. Bewe⸗ Inführer egegnen. erreicht ſchnell Seiten. ch eine pel, die⸗ kommen, ichen in en gegen edungen, geſteckt, uch nicht nd dieje⸗ lick und erſchwin⸗ nell ver⸗ enge und rollt, ehe , ſo ließ mell. nen. geworden, richteten. ———; ⸗ᷣs-— 7 — Laßt Euch nicht tödten, Neapolitaner, ſonſt könnt Ihr zur Stunde, die Gott für die Rache beſtimmt, nicht mehr handeln! — Diavolo! Diavolo! riefen Andere, die Regierung hat gemordet. 3 Man rief unabläſſig nach Maſaniello, der nirgends zu ent⸗ decken war, bis endlich die Ruhigeren die Unbeſonnenen zur Ordnung brachten, indem ſte ſie auf die Ueberzahl der Bewaff⸗ neten aufmerkſam machten; die jeden Augenblick bereit waren, Alles zu tödten. Das Volk kam zur Beſinnung und zog grollend, aber ohne Geräuſch zu verurſachen, ſich zurück, indem es ſich der Hoffnung hingab, daß am Feſte der lieben Frau del Carmine der Aufſtand mit Erfolg losbrechen werde. Die Masken. In der Nacht, in welcher man im Schloſſe des Duca di Arcos den Fandango tanzte, wachte in einer ärmlichen Hütte ein junger Mann; das bleiche Haupt war auf den Arm geſtützt, während ſeine Blicke auf die düſterbrennende Lampe gerichtet waren, welche vor ihm ſtand. t An ſeiner Seite ſtand eine junge Frau, die mit unbeſchreib⸗ licher Theilnahme auf den regungsloſen Mann ſchaute. — Maſo, flüſterte ſie mit leiſer Stimme. Der Angeredete antwortete nicht. — Maſo, flüſterte ſie, wiederholt, aber trauriger als zuvor, indem ſie ihn ſanft rüttelte. 4 — Du biſt es, Livia? antwortete Jener, wie aus einem Traume erwachend; willſt Du eſſen, meine Liebe? — Eſſen, wiederholte Livia, mit wehmüthigem Lächeln; Du vergiſſeſt, lieber Maſo, daß wir keine Speiſevorräthe im Hauſe haben. — 18 — Ja, ja, rief Jener, indem er ſich gewaltig von ſeinem Platze erhob, ich konnte einen Augenblick vergeſſen, daß Du hun⸗ gern mußt; bei der Madonna, Du ſchönſte Blume von Lacava mußt verdorren, Deine Wangen, einſt ſo roſig, ſind verblichen, Deine Lippen, einſt ſo roth, wie die Korallen des Meeres, ſind welk und blaß, Deine Augen, hell und leuchtend wie der Stern über der Hütte von Amalfi, ſind matt und erloſchen; ach ja, der Hunger ſchmerzt und zehrt, aber Geduld, Livia, fuhr er mit einem Blicke erſchreckender Wildheit fort, bald wirſt Du Alles im Ueberfluß haben, Kuchen, Wein, Pfirſiche, Zuckerbrod und die edelſten Leckerbiſſen, welche die Tafel des Tyrannen zieren, der jetzt beim heitern Mahle auf ſeinem Schloſſe ſchwelgt. Ihr ſollt darben, wie wir es gethan, darben und ſterben, Ihr habt die Menſchenrechte mit Füßen getreten, Ihr habt wie aus den Re⸗ ben den Saft, das Blut aus unſern Gliedern getrunken; Ihr habt die Lämmer zu Löwen gemacht, darum zittert vor dem Löwen von Amalfi. Livia war eine ſprachloſe Zuhörerin dieſer gewaltigen Aus⸗ brüche. Plötzlich brachen ihre Thränen ſtromweiſe hervor, ſie ließ ihr Haupt auf die Schulter des Gatten ſinken und ſtreichelte liebkoſend ſeine Wange. — Maſo, Maſo, was iſt aus Dir geworden, bei der ge⸗ benedeiten Madonna, verbanne ſolche blutige Gedanken, ich kann Dich ſo nicht ſprechen hören, das Herz zittert mir in der Bruſt bei jedem Worte. Gott bewahre Dich, daß Du Deine Hände nicht in Blut tauchſt; Segen kann nur da walten, wo Friede herrſcht, wo aber die Schranken gebrochen werden, wo ein Volk zur Hyäne wird, kann nur die Hölle ihre düſtere Reſidenz auf⸗ ſchlagen; die Großen ſind von Gott in die Welt geſetzt, um über die Kleineren zu herrſchen, ſo iſt das ewige Geſetz in der Natur. — Du täuſchſt Dich Kind, die Natur iſt auf Mord begründet, verſetzte Maſanielle bitter, jedes kleinere Geſchöpf dient dem grö⸗ ßeren zur Beutez das Lamm wird vom Wolf erwürgt und ſo geht es weiter bis zum Löwen hinauf, dem König der Thiere, aber furchtbarer noch iſt es unter den Menſchen, die hohen und gewaltigen unter ihnen ſind grauſamer als der Löwez er iſt großmüthig und verſchont die Maus, ein Tyrann verſchmäht es — — — — — Du zu die Ob9 kein Re nimmt fordern, ichts, askirt hutte gehe z und m N öffnete Ei d Dame truhen 5 men B M ſende K men m. nit ein au beric Waan Man freund gen w haupte Euch ſeinem Du hun⸗ n Lacava erblichen, eres, ſind er Stern h ja, der r er mit Alles in und die eren, der Ihr ſollt habt die den Re⸗ en; Ihr vor dem en Aus⸗ ſie Ueß ſtreichelte der ge⸗ ich kann er Bruſt e Hände vo Friede ein Volk denz auf⸗ ſetzt, um z in der egründet, dem grö⸗ gt und o r Thiere, ohen und e; er iſt hmäht es 79 nicht, das winzigſte Geſchöpf Neapels zu firafen, wenn es ihm die Steuer nicht bezahlt. — Um Gotteswillen Maſo welche Worte! Seit wann biſt Du zu dieſen Ideen gekommen, die nur dem Wahnſinn eigen; die Obrigkeit iſt von Gott, wo aber keine Obrigkeit, iſt auch kein Recht. — Sie hungert, ſagte Maſaniello bebend, ſie hungert und nimmt für die Plünderer das Wort. — Nein, nein, nicht doch mein Gatte, der Staat muß Steuern fordern, ſonſt kann er nicht beſtehen. — Sprich nicht von Dingen Livia, von denen ein Wr nichts verſteht, verſotzte Maſaniello in verweiſendem Tone. 4 — O lebten wir doch noch ſtill und friedlich in der Fiſcher⸗ hütte von Amalfi, ſeufzte Livia, wie glücklich waren wir da; doch gehe zur Ruhe Maſo, der Schlaf wird Deinen Körper Ktürken, und morgen wirſt Du andere Gedanken haben. Plötzlich ertönte ein Pochen draußen an der Pforte. Maſo öffnete ein Fenſter. Eine weibliche Stimme begehrte Einlaß. Der Fiſcher eilte hinaus und kehrte bald darauf mit zwei Damen zurück, welche in Mäntel gehüllt waren und Masken trugen, daß ihre Geſichter unkenntlich waren. Das einfache Fiſ ſcherpaar war von dieſem, offenbar vorneh⸗ men Beſuch überraſcht. Maſaniello gab ſeiner Frau einen Wink, ſich in die angren⸗ 1 zende Kammer zu begeben und dieſe gehorchte. — Seid Ihr der Fiſcher von Amalfi? fragte Eine der Da⸗ men mit ſanfter, wohlklingender Stimme. — — Ich bin Tomaſo Aniello, doch warum erſcheint Ihr maskirt? — Fragt nicht nach Nebenſachen Tomaſo, ſagte die Donna mit einer gewiſſen Haſt, ich habe Euch Dinge von Wichtigkeit zu berichten, der Ruf Eurer Kühnheit iſt bis in den Palaſt des Vicekönigs von Neapel gedrungen, darum ſuche ich Euch auf. Man hat einen hinterliſtigen Anſchlag auf das Leben des Volks⸗ freundes, Prinzen Giulio Caraffa gemacht; er iſt verhaftet, mor⸗ gen wird man über ihn Gericht halten und ihn übermorgen ent⸗ haupten, wenn man ihn nicht ſchon im Kerker vergiftet. An Euch nun wende ich mich Tomaſo, rettet, rettet ihn! Im Ca⸗ 80 1 ſtell Nuovo werdet Ihr ihn finden, Ihr werdet dem Volke dadurch einen großen Dienſt erweiſen. — Wer ſeid Ihr Donna, die in der Nacht in die Hütte des niedrig geborenenen Fiſchers dringt, um eine ſolche Bitte an ihn zu richten. — Eine Tochter des Volkes, antwortete die Gefragte. — Befleckt nicht Euer edles Herz durch eine Unwahrheit, Ihr ſeid keine Tochter des Volkes, Ihr ſeid hochgeboren, nennt mir Euren Namen. Kannſt Du ſchweigen Fiſcher von Amalfi? — Ich werde ſtumm ſein wie der Fiſch des Golfs. Ddie Donna flüſterte ihm ihren Namen zu. Maſaniello trat überraſcht zurück, ergriff dann die Hand der Donna und drückte ſie warm. — In Eurer Bruſt muß ein edles Herz ſchlagen Donna; aber mein ſchlichter Name iſt ſchon in Eure Paläſte gedrungen? — Ich kenne Euch Maſaniello, doch es iſt keine Zeit zu verlieren, wollt Ihr handeln? Ihr ſeid der einzige Mann in Neapel, dem ich vertraue. — Da die Nachricht von Euch kommt Donna, ſo muß ſie wahr ſein, ich werde den Prinzen retten mit Gefahr meines Lebens. Die Donna ließ etwas in die Hände des Fiſchers gleiten. — Wie Gold? rief er entrüſtet, o Donna, warum habt Ihr den ſchönen Traum zerſtreut, warum vernichtet Ihr den Ge⸗ danken Eurer Größe, der in meiner Seele zu wurzeln begann, aber es iſt wahr, fuhr er in geſenktem Tone fort, Ihr Vorneh⸗ men ſeid gewohnt uns Niedriggeborne nur als Sclaven zu be⸗ trachten, nehmt Euer Gold zurück Donna und lernt den Fiſcher von Amalfi beſſer achten. Die Donna gab der, hinter ihr ſtehenden Zofe einen Wink, und dieſe empfing die Börſe aus Maſaniellos Händen. — Verzeiht Tomaſo Aniello, ich dachte Ihr möchtet das Geld zur Beſtechung der Wächter verwenden können, ſagte die Donna mit einer Stimme, aus welcher Beſchämun und Reue ſprachen. 4( — To Tomaſo's Wort nicht zündet, wird daß Gold nichts nützen, kehrt, feine Donna, zurück woher Ihr gekommen ſeid, ich werde die Rettung des Prinzen verſuchen, ob es mir gelingen wird, kann Man dank durch Hütte te an rheit, nennt 1 Hand onna; ngen? eit zu nn in uß ſie neines iten. habt n Ge⸗ egann, orneh⸗ zu be⸗ Fiſher Wink, er das gte die d Reue nichts eid, ich 1 witd, ——— 3 1 kann ich nicht verſprechen; aber Ihr habt Euch an den rechten Mann gewendet. 5 Die beiden Masken entfernten ſich und Maſaniello blieb ge⸗ dankenvoll zurück. — Die Männer des Todes. Es war ungefähr eine Stunde vor Tagesanbruch. Die er⸗ ſten Töne einer erwachenden Welt erklangen längs der herrlichen Ufer des Meerbuſens von Salerno und ließen ſich von der nie ſchlummernden See unterſcheiden, die an der Küſte mur⸗ melte.— Dunkelheit lag noch auf Meer und Land, und der Schatten auf dem Waſſer war nicht dichter, als der auf den Vorge⸗ birgen, den Buchten und den tauſend zerſtreuten Menſchenwoh⸗ nungen. Noch regte kein Vogel ſeine Schwingen, aber ein Geſchlecht, fröhlicher als irgend ein Vogel, der je durch ſeinen Geſang das Morgenlicht verkündete, erwachte ſchon zu Luſt und Lied, wie wohl es zum Müſhſal erwachte. Unter den Tauſenden, die ſchon im Freien waren, ſah man einen Mann mit ſchnellkräftigem Schritte eine der Landſpitzen hinanklettern, die ſchroff und faſt ſenkrecht zwiſchen Salerno und 1 Amalfi in das Meer ſich ſenken. Seine Abſicht wäre von einem Beobachter nicht errathen worden, da er nicht einen gebahnten Weg verfolgte und ſich nicht darum zu kümmern ſchien, in welche Richtung ſeine Schritte ihn führten. Dem Anſcheine nach ſuchte er die höchſte Spitze des Berges zu erklimmen, um auf das ruhige Meer zu ſchauen und die erſten Lichter auf der Fluthenwelt zu belauſchen. Endlich hatte er den öden Gipfel erreicht. Das pfer von Amalfi.(Bd. I.) 6 — 82* Durch den Himmel über ihm zogen ſich langſam wechſelnde Maſſen von Wolken und Nebel, während augenblickliche Ver⸗ wandelungen über alle Gegenſtände glitten, die alle Farbenab⸗ ſtufungen im ſchönſten Gepränge zeigten. Nichts aber zog die Aufmerkſamkeit des Wanderers ſo ſehr an, als gerade der feſſelndſte Punkt am Meeresgeſtade, es war dies eines, jener ſtattlichen Schlöſſer des einheimiſchen Adels, das den Umgriffen der eiferſüchtigen Machthaber entgangen war, die ſtets nur danach ſtrebten die Veſten an der Küſtenlinie dem Staate zu ſichern. Der äußerſte Kreis der Veſte umſchloß den ganzen Gipfel eines vereinzelten Felſens, der auf der einen Seite über zweitauſend Fuß vom Rande des Waſſers ſenkrecht emporſtieg und in welchen Terraſſen und Gänge über einander eingehauen waren, von maſſenhaften Thürmchen überragt. Auf der Landſeite war dieſe ungeheure Veſte durch einen Graben mit einer Zugbrücke und allen künſtlichen Schutzwehren geſichert, welche der erfinderiſche Geiſt verſchiedener Geſchlechter von Eroberern, die ihres Beſitzthumes kaum ſicher waren, gegen Ueberfälle angebracht hatte. Dieſes Schloß gehörte zu den zahlreichen Beſitzungen der fürſtlichen Familie Caraffa, Herzoge von Mattalone. — So befeſtigt von außen, begann der Wanderer in weh⸗ müthigem Tone, und doch ſo unſicher drinnen; Madonna Maria ſchütze jenes Dach, dem viele Verhängniſſe auf unſichtbaren Schwingen entgegenſchweben; noch ſteht es da, herrlich und ſtolz und wer weiß, ob nicht ſchon die nächſten Tage es in einen Schutt⸗ und Trümmerhaufen verwandeln werden. Als der Wanderer dieſe Worte geſprochen, ſenkte ſich ſein Blick allmälig und unten zu ſeinen Füßen entdeckte er eine männ⸗ liche Geſtalt. Nicht weit unter ihm ſtand an einen, von Stürmen ge⸗ peitſchten Baumſtamm ſich lehnend, eine männliche Geſtalt re⸗ gungslos, und wie es ſchien, aufmerkſam lauſchend. — Sie ſind da, flüſterte er leiſe; nach wenigen Augenblicken war der Wanderer von der Höhe verſchwunden, um gleich darauf unten ſichtbar zu werden, wo die regungs harren ſchien. — Der Schleier der Nacht, redete er ihn an. loſe Geſtalt ſeiner zu 83 — Todesgeſellſchaft, gab Jener zur Antwort. — Wie viel verſammelt? — Zwanzig an der Zahl. — Die Stunde? — Kurz vor dem erſten Hahnenſchrei machten ſie ſich auf den Weg. — Dann können ſie nicht mehr fern ſein. In dieſem Augenblick ertönte der Klang eines fernen Glöck⸗ leins.— — Sie kommen, ſagte der Letztere und Beide hatten kaum Zeit in die Ebenen zu gelangen, als ſich allmälig etwa zwanzig männliche Geſtalten eingefunden hatten. 4 Das ganze Weſen dieſer Angekommenen hatte etwas Furcht erregendes, ihr Anzug war ſchwarz, auf dem Kopfe trugen ſie Barrette mit ſchwarzen Federn, welche durch eine Agraffe befeſtigt waren, in deren Mitte ein ſilberner Todtenſchädel auf zwei über⸗ kreuzten Knochen ſichtbar war. Dieſes Symbol des Todes war jedoch ſo klein, daß man es nur bei beſonderem Augenmerk wahrnehmen konnte, ihr Schritt war langſam und feierlich, ihre Geſichter erſchienen, durch die ſchwarze Tracht noch mehr gehoben, geiſterbleich. Einer dieſer Männer trat in die Mitte, während die Uebri⸗ gen einen engen Kreis um ihn bildeten. Er war ungefähr dreißig Jahre alt, hoch gewachſen, rüſtig und kräftig, ein hübſches und männliches Geſicht, wiewohl ſeine Wangen von der heißen Sonne gebrannt waren. Ein raben⸗ ſchwarzer und dichter Bart kräuſelte ſich um ſein Kinn, aber der vorherrſchende Ausdruck ſeiner Züge verrieth ſchnelle und uner⸗ ſchütterliche Entſchloſſenheit und Kühnheit. — Männer des Todes, begann er mit lauter klarer Stimme, fern von der qualerkorenen Stadt müſſen wir uns verſam⸗ meln um unſere Berathungen abzuhalten, ich brauche Euch nicht auseinander zu ſetzen, unter welchem Joche Neapel ſeufzt, Ihr wißt es ſelber; das arme Volk vermag nicht mehr zu ſchaffen, was eine übermüthige Regierung vergeudet und hat unter dem kühnen Fiſcher von Amalfi eine Erhebung gelobt, und es iſt die höchſte Zeit, denn in den nächſten Tagen wird das Admiralsſchiff dem Könige von Spanien das Sündengeld zuführen. Sollen wir nun das Volk allein kämpfen laſſen? Wir, Jünger der Kunſt, 6* 84 dürfen nicht müßig bleiben, wenn es gilt die hartherzige, eigen⸗ ſüchtige Fremdherrſchaft zu ſtürzen und einen übermüthigen Adel welche zu züchtigen. Die Sänger unter uns mögen die Lyra, die Maler man den Pinſel mit der Waffe vertauſchen und ſich mit dem Volke von vereinen, unſer Bund zählt bereits fünfhundert, in wenigen Ta⸗ Wmceerfleh gen wird dieſe Zahl ſich verdoppelt haben, fürchtet nicht, daß 4 uns der Sieg entgehen kann. Diejenigen, welche ihr vor wenigen deſſen Tagen auf dem Platze del Carmine unter Waffen ſahet, ſind hab keine Soldaten, man hat Räuber gedungen, Galeerenſclaven von ſciete den Ketten befreit, um ſie zur Schmach des Königs von Spanien ed auf einen Tag in ſeine Uniform zu ſtecken; heute iſt Alles wie⸗ daß der in der alten Ordnung und nur den wenigen deutſchen und difſe ſpaniſchen Leibwachen des Vicekönigs iſt die Vertheidigung über⸗ laſſen, ſie werden leicht entwaffnet und niedergemetzelt ſein. aß Männer des Todes, macht dem Namen, den unſere Geſellſchaft. trägt, Ehre, Blut muß fließen, wenn wir zum Ziele kommen wollen, das iſt furchtbar, aber nothwendig; haltet Euch auf fand meinen Wink bereit, begebt Euch einzeln nach der Stadt, in den gefur Todesgewölben ſoll der Sammelplatz ſein. Salvattor Roſa, der das Unglück hatte, Jahre lang unter den Räubern leben zu müſ⸗ w ſen, iſt ihnen in Neapel entkommen und wird ſich zu uns geſel⸗ Erd len. Gewiß wird er den unverzeihlichen Mord des Prinzen Ca⸗ raffa blutig rächen, denn er iſt dieſem Hauſe zu großem Dank dan verpflichtet, ſchon als Knabe ward er vom Fürſten Mattalone id reichlich unterſtützt und hatte daher Veranlaſſung dankbar zu ſein. dieſe Ein freudiges Gemurmel ließ ſich unter den Verſammelten Ane vernehmen, als ihr Anführer den Namen Salvator Roſa ge⸗ ge nannt hatte, dann gab Erſterer einen Wink, worauf alle ihre kert Häupter entblößten. Sie hoben ihre Hände empor und ein dit Racheſchwur tönte zum Himmel, nur der ſtumme Fels und nt das Meer hatten ihm gelauſcht; letzteres murmelte, aber nicht, um ihn zu verrathen. I — — —ᷣ — —— 4 —,᷑᷑——⁶/·- —— 85 Leonore weilte trauernd in ihrem Gemache. Sie war es, welche, wie wir errathen haben werden, in jener Nacht, während man ihr Verſchwinden im Schloſſe bemerkt hatte, bei dem Fiſcher von Amalfi geweſen, um die Rettung des Prinzen Caraffa zu erflehen. Zwei unſelige Tage waren verfloſſen; ſte hatte während deſſen von dem Vorgange auf dem Platze del Carmine Kunde gehabt, alſo erfahren, daß die hinzurichtenden Opfer nicht er⸗ ſchienen waren. Nichtsdeſtoweniger konnte ſie ſich der Hoffnung hingeben, daß die Rettung Giulios dem Fiſcher von Amalfi gelungen ſs dieſes glückliche Ereigniß hätte ſie erfahren müſſen. Sie hatte bereits zweimal nach der Wohnung Maſaniello's geſandt, immer aber ward ihr nur die Kunde, daß dieſer noch nicht zurückgekehrt ſei. In der nächſten Nacht nach dem Beſuche bei Maſaniello be⸗ fand ſie ſich wieder an derſelben Stelle, wo wir ſie ſchon einmal gefunden hatten. Gedankenvoll blickte ſie auf die ſchlummernde Landſchaft hin, namentlich ruhte ihr Auge auf dem Caſtell Nuovo, wo das einzige Weſen eingekerkert ſaß, das ihr das theuerſte auf Erden war. Es war ſchon lange Mitternacht vorüber, als ſie plötzlich ein Schuß aus der Gedankenwelt aufſchreckte, in welche ſie ſich in der Erinnerung früherer gluücklicherer Zeiten verſetzt hatte. Jetzt, wo ſchon zwei Tage verfloſſen waren, dachte ſie an dieſen Schuß und ſagte ſich, daß der unglückliche Fiſcher von Amalfi bei dem Rettungsverſuche Giulio's ein Opfer deſſelben geworden war; ebenſo glaubte ſie ſich überzeugt, daß die einge⸗ kerkerten Opfer in Folge der Ränke des ſpaniſchen Miniſters, durch Gift getödtet worden waren, und daß man die Hinrichtungsſceule nur geſpielt hatte, das Volk glauben zu machen, daß die Ge⸗ fangenen entkommen ſeien. Plötzlich erhob ſie ſich, als wollte ſie einen eben gefaßten Vorſatz ſchnell ausführen. ⸗Der Herzog von Areos ſtand in ſeinem Zimmer und ſchaute düſtet auf den ruhigen Wolkenſpiegel; der Gegenſtand, auf wel⸗ chem ſeine Blicke ruhten, wat eine bewaffnete Flotille, unter ſpaniſcher Flagge, die in der Bai vor Anker lag. Das Fahrzeug enthielt die letzte Schatzung, die er den —-—— — 86 Steuereinnehmern in Neapel zu entwinden im Stande geweſen war, und von Verlegenheiten gedrängt, hatte er mehrere Male gedacht den Schatz wieder ans Land bringen zu laſſen, um die Bedürfniſſe der örtlichen Verwaltung zu decken. Stolz lag ſie auf dem Waſſer, ein Bild der Ruhe, die am heutigen Tage weder in den Straßen waltete, noch in ſeiner betrübten Seele. Während er ſeine Blicke noch immer auf das Meer heftete, hörte er einen leichten, zögernden Schritt, einen Ton, den er ſehr gut kannte und der zu allen andern Zeiten Muſik für ſeine Seele war. Plötzlich ſtand an der Schwelle der Thür, in der vollen Be⸗ leuchtung der Sonne eine ſchöne weibliche Geſtalt, die unſchlüſſig zu ſein ſchien, ob ſie ſich nähern ſollte. Ihr ganzes Aeußere war würdevoll und ernſt, ihr rabenſchwarzes Haar hing in nachläſ⸗ ſigen Flechten herab, ihr großes dunkles Auge blickte ſtolz und zugleich düſter auf den Herzog. Dieſer betrachtete ſie einige Augenblicke ſchweigend. — Du biſt mir willkommen, liebe Tochter, tritt näher. — Ich ahne, daß ich nicht ungern geſehen bin, wenn Don Herandez nicht bei Dir weilt, entgegnete Leonore vorwurfsvoll. — Sieh doch, welch ein ruhiges Bild vor uns liegt, ver⸗ ſetzte der Herzog in ausweichendem Tone, ich bin recht beküm⸗ mert; doch Deine Gegenwart beſänftigt mein von Sorgen be⸗ wegtes Gemüth mehr, als die Schönheit des Meeres und des Himmels; es iſt ein neuer Dorn in die unbequeme Krone ge⸗ flochten worden, die meine Schläfe drückt und brennt. — Es giebt nur einen Dorn darin, mein Vater, Don Herandez, und dieſer Dorn wird Dir nicht nur die Krone koſten, ſondern auch die Seele verwunden; unmöglich kann Friede in Deiner Bruſt herrſchen, wenn Du den Blick auf jenen Gegen⸗ ſtand dort drüben richteſt, jene Flotille, die die erpreßten Steuern hinüber trägt; unmöglich kann Dir Ruhe werden, wenn Du an das Schickſal des Prinzen Caraffa und ſeiner Gefährten denkſt. Mein Vater, welche herabwürdigende Rolle haſt Du übernommen, welche gräßliche Comödie dem Volke von Neapel vorſpiegeln laſſen, auf Veranlaſſung des größten Comödianten, den je ein Hof nachzuweiſen hat; Du ließeſt ein Blutgerüſt errichten, während Du wußteſt, daß die Opfer bereits ermordet en die 87 waren. Gedanken, wie ſie Deine Seele erſchrecken, würden mir nicht nur den Frieden rauben, ſie müßten mich wahnſinnig machen; ich bin zu Dir gekommen, um endlich über das Comö⸗ diantenſpiel Aufſchluß zu erhalten. Sprich, was iſt aus den Gefangenen geworden? Sind ſie ermordet? hat man die Schand⸗ that gewagt, oder ſind ſie in Wahrheit entkommen? Der Herzog blickte die Tochter lange an und ſchien zu über⸗ legen, ob er ihr Rede ſtehen ſollte. — Mein Vater, rief Leonore leidenſchaftlich, indem ſie ſich auf ein Knie niederließ, Du warſt ſonſt ſo edel, ſo brav, nur böſe Einflüſterungen haben Dein liebes Herz unſeligen Furien Preis gegeben; Herandez trägt die Schuld allein, aber die Hölle hat nicht Macht an uns, wenn wir uns ihr zu entziehen wiſſen, er kann Dich nicht in einen Tiger verwandelt haben, der nur einer That fähig wäre, wie die, welche man an dem Prinzen begangen; ich will nicht glauben, daß Du ihn morden konnteſt; ſage nein, ſprich aus dieſes einzige Wort, und ich will Dich ſegnen; der Segen einer Tochter wiegt mehr auf, als der Deiner kirchlichen Würdenträger. Du ſchweigſt, Du antworteſt nicht, fuhr ſie nach einer längeren Pauſe fort, dann iſt das Gräßliche ge⸗ ſchehen, Vater, das Volk wird furchtbare Rechenſchaft für dieſen Mord fordern von Dir und Deinem Herandez, vergebens werdet Ihr Euch hinter den Schanzen des Verrathes ſichern; die Rache Neapels wird furchtbar tagen, zittert vor einem Volke, das ſich erhebt, um ein ſo unerträgliches Joch zu zertrümmern. Vergebens wirſt Du den Himmel um Schutz anrufen, wenn tauſend Dolche Dir entgegenblitzen, es wird eine ſchwarze Stunde ſein, in der ſich der Himmel verdüſtert, Gott zieht ſich zurück, wo Tyrannei zur Rechenſchaft gefordert wird. — Nicht weiter, rief der Gouverneur, den dieſe letzten Worte namentlich aus ſeiner Ruhe aufgeſcheucht hatten, hüte Dich vor meinem Zorn, um ihm aber zu entgehen, und zugleich beſchützt zu ſein in den Tagen der von Dir prophezeiten Volkserhebung, ſollſt Du die Flotille beſteigen, die morgen Abend ausläuft. — Ich will mich gern dem Verderben weihen, dem auch ſie überantwortet iſt, ſagte ſie, ohne daß es der erregte Herzog ge⸗ hört hatte und ſchritt haſtig zur Thüre hinaus. Es waren nur wenige Augenblicke nach ihrer Entfernung, 88 als ein Menſch mit ſchleichenden Schritten ſich nahte, es war Herandez.. — Wir ſind in arger Verlegenheit, Hoheit, ſagte der Mi⸗ niſter, die Räuber wollen uns nicht dienen. uri Sie wollen nicht? rief der Duca empört; kann das Ge⸗ ſindel nicht ſeinem Schutzpatron danken, daß ich es in den Schlupfwinkeln der Abruzzen nicht aufſuchen und niederſchießen ließ? Aber warum weigern ſie ſich? — Ihr Hauptmann iſt ein ſeltſamer Menſch, trotzdem er Räuber iſt, hat auch er ſeinen Begriff von Ehre, es war ihm die Maskerade ſchmachvoll, es ktänkte ihn, die königliche Uni⸗ form nur eine Stunde zu tragen und dann wieder dieſelbe ab⸗ legen zu müſſen; wir habenenun zu befürchten, daß das Geſindel uns mehr ſchadet als nützt, es könnte ſich mit dem Volke vex⸗ binden, und mit ihm in Gemeinſchaft, uns ausplündern. Vor allen Dingen rathe ich, die Flotille eher heute als morgen aus⸗ laufen zu laſſen, und die Damen Ihres Hauſes in Sicherheit zu bringen. — Meine Gattin hat ſich geweigert, ſich von mir zu trennen, meine Tochter wird nach Spanien gehen. — Ich hätte noch einen Wunſch, Hoheit. — Nennen Sie ihn. — Bevor Donna Leonora Neapel verläßt, wünſchte ich ſte als meine Gattin zu ſehen. — Wir leben in einer Zeit, Don Herandez, ſagte der Duca ernſt, in der man wahrlich nicht geneigt iſt, an eine Trauung zu denken, aber eine ſolche Ceremonie iſt bald vollzogen; theilen Sie ſelbſt meiner Tochter Ihr Ankiegen mit. —„ 8* —ͦ—x—x—xxx—’;;—:ED˖V:Q’————n—— —— D det N rieth men! Bera den täͤube duler 4 unter W laute Lazz hatte lichen Tiitte Richt wöhn des 2 au ne dheil 8 Re war ex⸗ Vor d. ſſt ucd dn eilen — Schlimme Vorzeichen. Nach den bisherigen Vorgängen in Neapel begann endlich der Nebel vor den Augen des Herzogs ſich zu löſen und er ge⸗ rieth in die äußerſte Beſorgniß. Er berief ſeinen Rath zuſam⸗ men und ſchloß ſich ſtundenlang mit dieſem ein. Unzählige Schaaren hatten vor dem Palaſte den Schluß der Berathungen erwartet und als ſie ſahen, daß die Edelleute, die den Staatsrath bildeten, nach Hauſe gingen, verkündete ein be⸗ täubendes Geſchrei in den entfernteſten Stadttheilen die Fort⸗ dauer der Unſchlüſſigkeit. Die Verſchwörung gegen die Regierung war natürlich nur unter den daran Betheiligten bekannt, den übrigen Bewohnern indeſſen ein Geheimniß geblieben. Der großte Theil hatte nun den Palaſt belagert und mit lautem Geſchrei die Aufhebung der(Fruchtſteuer verlangt; die Lazzaroni und tauſend Andere aus den niederen Volksſchichten hatten ihre Schlafſtellen in den Katakomben oder auch auf öffent⸗ lichen Plätzen lange vor Tagesanbruch verlaſſen, und ihre eiligen Tritte hallten auf dem Straßenpflaſter, als ſie ſich ohne beſtimmte Richtung hin und her drängten Es war Sonntag, der ſiebente Juli und frei von den ge⸗ wöhnlichen Beſchäftigungen, die wenigſtens einen gewiſſen Theil des Volkes verhindert hätte, an ſolchen Demonſtrationen Theil zu nehmen, wälzte ſich die Menge lärmend und tobend nach allen Theilen der Stadt.— Auf den Freiplätzen vor den Kirchen verſammelten ſich die neiſten Scharen, und bevor noch der Gottesdienſt begonnen, waren die Kirchen angefüllt. 18n3 Ein verwirrter Lärm, den der unharmoniſche Dialekt des Neapolitaners noch unharmoniſcher macht, die lauten und rauhen Stimmen der Lazzaroni, ein neuer und beleidigender Name, den die ſtolzen Spanier den zerlumpten Steuerbezahlern in Neapel angehangen hatten, ſchallten durch die ganze Stadt.. 1 90— Das Ohr des Herzogs von Arcos hatte ſich in der letzten Zeit an ſolche Töne gewöhnt und ſie raubten ihm durchaus nicht den Schlaf. Bei Tagesanbruch vereinigten ſich die Töne der Kirchen⸗ glocken mit dem allgemeinen Lärm und reizten die wildeſten Hau⸗ fen zu thatkräftigeren Anſtrengungen. Trotz der allgemein verbreiteten Aufregung wurden die ge⸗ wöhnlichen Andachtübungen nicht verſäumt, die Kirchen füllten und leerten ſich wieder und der heftigſte Lärmer unterbrach ſeine lebhaften Geberden und ſein lautes Geſchrei, wenn eine Bewe⸗ gung in dem Gedränge es ihm möglich machte, in die Kirche zu kommen, um ſeine Meſſe zu hören. Die Vorderſeite des Palaſtes hatte ein ſtattliches und fei⸗ erliches Ausſehen, das der Volksmenge während der erſten Tages⸗ ſtunden einige Scheu einflößte. Doppelte Schildwachen gingen ſtill vor jedem Eingange auf und nieder, lange Reihen von Gewehren waren längs der gan⸗ zen Vorderſeite aufgeſtellt, und hier und da Zelte aufgeſchlagen, um den Soldaten Obdach zu geben, die in der Nähe ihrer Waf⸗ fen ausruhten, aber wie ſich ein Gerücht verbreitet hatte, ſollten dieſe zugleich die Geſchütze verborgen haben, die man zur Ver⸗ theidigung des Freiplatzes aufgefahren hatte. Die ernſten Geſichter und die ſtolzen Schritte der ſpaniſchen Soldaten, die dem Volke unbeſchreiblich verhaßt waren, gaben dem Palaſte einen Anſchein von Sicherheit, der für einige Stun⸗ den hinreichend war, den unruhigen Schlummer der Bewohner gegen äußere Störung zu ſchützen. Als aber das Tageslicht die Stadt beleuchtete und der Pöbel ſah, wie zahlreich ſeine Maſſen waren, überlegte er nicht lange und beſchloß, wie die übrigen Freiplätze auch den Schloßplatz zu beſetzen. So drohend der Anblick war, der überall ſich darbot, ſo brach ſich doch der heitere Sinn des Neapolitaners oft unwill⸗ kürlich durch die empörten Gefühle Bahn, welche die Menge offenbar herbeigeführt hatten.— Kinder von zartem Alter mit langen und dünnen Rohrſtä⸗ ben, die ſie wie Piken auf den Schultern trugen, mit Fiſcher⸗ mützen, die ausgeſtopft waren, daß ſie aufrecht auf den Köpfen ſtanden, zogen voran, indem ſie die abgemeſſenen Schritte der ſpaniſchen Schildwachen nachäfften. en ht 91 Ein lautes, gellendes Gelächter, das dieſen Kinderaufzug be⸗ gleitete, deutete an, daß dieſe Art von Rache wenigſtens für den Augenblick genügte. Kaum aber war es bei vorrückendem Tage lebendiger ge⸗ worden, als dieſer Spötterei ernſtere Kundgebungen des Unmuths folgten. Die Pöbelhaufen entfernten ſich ein wenig von dem Palaſt; ihre Stimmen wurden verwirrter und vernehmlicher und man gewahrte unter ihnen Zeichen, die Plan und Abſicht verriethen. „ Es wurden jedoch keine Verſuche gemacht den Bewohnern des Palaſtes die Verbindung mit andern Stadttheilen abzu⸗ ſchneiden. Man ließ die berittenen Soldaten ungehindert kommen und gehen, die Volksmaſſen öffneten ſich ſogar, wenn die Die⸗ nerſchaft und die Boten des Statthalters nach den großen Stadt⸗ verſammlungen ſich begaben oder von dort zurückkamen, und erſt, als die adligen Mitglieder des Staatsrathes in den Pa⸗ laſt gingen, brach ein Geſchrei aus, daß die anhebende Empö⸗ rung ankündigte. — Nieder mit den verfluchten Steuern! brüllte man, nieder mit der ſchlechten Regierung! — Es lebe König Philipp! riefen Andere. — Es lebe Seine Heiligkeit der Pabſt! ſetzten wieder An⸗ dere dem vorangegangenen Rufe hinzu. Man hörte indeſſen noch keine Todesdrohung ausſtoßen. So vergingen die erſten Stunden des Vormittags, als aber die Thore des Palaſtes ſich öffneten, um die Staatsräthe hin⸗ auszulaſſen, änderte ſich plötzlich die Sachlage, und das laute Ge⸗ ſchrei, das bis in die innerſten Gemächer des Palaſtes drang, brachte dem Herzog von Arcos die erſte unzweifelhafte Kunde von dieſer Verwandlung. Es ging aus der allgemeinen Stimmung hervor, daß Alles zur Empörung bereit war, und das Volk nicht länger dulden wollte, aber es war keineswegs eine vorläufige Verabredung, die das weit verbreitete Lauffeuer der Volksunzufriedenheit zuerſt entzündete, auch erfolgte der Ausbruch nicht in den Umgebungen des Palaſtes. Am nächſten Tage wiederholte ſich der Lärm. Der Herzog blickte düſter auf alle dieſe Vorgänge; neben ihm ſtanden Gattin und Tochter, jede mit ihren eigenen Gedan⸗ ken beſchäftigt. 92 — So weit alſo mußte es kommen, ſeufzte die Herzogin,—“ nur fort, fort, rief ſie vann zu Leonore gewendet, Du mußt noch heute Neapel verlaſſen, meine Tochter. — Du darſſt nicht zögern, Leonore, ſtel der Gouverneur ein, es iſt vie höchſte Zeit, daß ich Dein Leben wenigſtens in Sicherheit bringe. — In Sicherheit? widerholte Leonore mit bitterm Lächeln, und wer bürgt Dir dafür, daß dieſé ſtolze Galeere nicht ein Raub des Verderbens wird. — Die Begleitung derſelben, verſetzte der Herzog mit ſtolzem Selbſtbewußtſein, es ſtnd ſpaniſche Soldaten. — Abet neapolitaniſche Galeerenſelaven; und warum iſt man ſo ängſtlich bemüht, gerade mein Leben zu ſichern? Warum ſoll ich nicht mit Dir ſterben, Vater, wenn Dir der Tod beſchie⸗ den ſein ſollte. Doch ja, fuhr ſie plötzlich, wie von einer unſe⸗ ligen Erinnerung angewandelt, fork, man führe mich nach dein Schiffe. Die Herzogin blickte bei dem eigenthümlichen Ausdruck, mit dem dieſe Worte geſprochen waren, mit einem Gemiſch von Be⸗ fremden und Beſtürzung ihre. Tochter an, allein ſie ſchwieg. —— Heute mit Sonnenuntergang wirſt Du das Schiff be⸗ ſteigen und Don Herandez wird Dich dahin begleiten. Leonore entfernte ſich mit einem langen, verzweiflungsvollen Blick auf ihren Vater und nachdem ſie auch ihre Mutter mit krampfhaftem Ungeſtüm an ihre Bruſt gedrückt hatte. 92 Auf der Barke. & Es war gegen Abend; eine zahlteiche Volksmenge hatte ſich auf dem ſchönen Sttande der heiligen Lucia vor den niedrigen aber unermeßlichen Gebäuden der Darſenna( melt und bildeten die ſeltſamſten Gruppen. 1 1 4 8 4 . Arſenal) verſam⸗ I 1 1 di Mitte legt ha 9 giemlic ger un nichts eingebo auf der langr 88 kei Was geſchä etwa vvil nicht! ſenden meine fen. 3 Dritte Weſen reter dere chinis tor det heſte der in ollen rmit tte ſtch drigen eerſam⸗ 93 Die Meiſten lagen auf dem Boden und ſtierten nach der Mitte der Bai, wo ſich eben die ſtolze Flottille vor Anker ge⸗ legt hatte. Obgleich in ganz Neapel die Beſtimmung dieſes Fahrzeuges ziemlich bekannt war, ſo gab es doch noch Viele, die ſich weni⸗ ger um die Angelegenheiten des Tages kümmern und vielleicht nichts von der Bedeutung deſſelben wußten. — Barbaro, rief ein langer Menſch mit gelbem Geſicht und eingebogenen Knieen einem ſeiner Nachbarn zu, Du dienſt ja auf dem Schiffe; haſt Du nichts erwittert, Deine Ohren ſind lang und die Kajülenwände dünn genug und an Neugier kann es keiner Chriſtenſeele fehlen, die jemals eine Barke geführt. Was ſollen die Anſtalten dort, fuhr er fort, indem er auf die geſchäftigen Marinari(Matroſen und Schiffer) wies, will man etwa den Golf auf Fäſſer ziehen und nach Spanien bringen, weil unſer guter Statthalter ſeine Thunfiſche und Sardellen uns nicht mehr gönnt und ſie vielleicht Seiner Majeſtät zum Koſten ſenden möchte? — Beim heiligen Januarius und ſeinen Trabanten, rief der Andere, eine kräftige Geſtalt, welche durch eine rothe Leib⸗ binde als Marinari kenntlich war, Du biſt der Sache auf die Spur gekommen— ich glaube ſelbſt der Carlos, unſer ſchönes Schiff und das übrige Schiffzeug, wird nicht eher in See ſtechen, bis alle Fiſche und das ganze Waſſer des Golfs an Bord ge⸗ bracht und in den Raum hinuntergehißt ſein werden, denn, bei meiner Seele, es wird ſchon Platz dafür gemacht in den Schif⸗ fen. Ich bin auch gerade ſo dumm nicht, wie ich ausſehe. — Siamo Galanturomini(wir ſind Edelleute), ſprach ein Dritter, ein ziemlich zerlumpter Lazzarone, welcher in ſeinem Weſen eine lächerliche Würde verrieth und in Begleitung meh⸗ rerer Kameraden hinzugetreten war, welche durch Stricke und leere Körbe andeuteten, daß ſie zu der größten Zunft der Fac⸗ chinit) gehörten; wir ſtehen in Dienſten bei dem Kücheninſpec⸗ tor Seiner Hoheit des Generalſtatthalters von Neapel, Ihr wer⸗ det begreifen Signori, daß Männer von unſerer Bedeutung die beſte Gelegenheit haben, Staatsgeheimniſſe zu erlauſchen. 1 Laſtträger, die man zu Hunderten auf dem Molo de Mercato der in der breiten Toledoſtraße in der Sonne liegen ſieht. ——x — —=— 94 — Bei San Gennaro del Toſoro! er iſt ein kluger Mann, fiel der lange Lazzarone ein, er wird uns Alles gründlich zu ſagen wiſſen. — Merkt auf, Galanturomini, ſprach der Zerlumpte mit ſpöttiſcher Miene, indem er den Finger an die Naſe legte; doch, bevor ich Euch mein Herz aufſchließe, möchte ich Euch noch fra⸗ gen, ob Ihr wirklich ſo ſchlechte Patrioten ſeid, nicht zu wiſſen, was vorgeht. — Wir wiſſen nicht das Geringſte, nur daß wir entſetzlich hungern müſſen und daß ganz Neapel in Aufregung iſt; wir aber waren zu müde, unſere Magen zu ausgedörrt, als daß wir uns an den Volksverſammlungen betheiligen mochten, die in den Höhlen, Todtengewölben, auf dem Mercato und an andern Stel⸗ len ſtattgefunden hatten. — Nun ſo hört: Seine Hoheit haben einpacken laſſen. — Einpacken laſſen? riefen die Anderen mit langen Ge⸗ ſichtern. — Was ich Euch ſage— — Und was denn? — Das Geld Neapels. Düſtere Geſichter, drohende Fäuſte zeigten ſich, dumpfe Flüche ließen ſich vernehmen. — Diavolo! ſchrieen die Matroſen und Schiffer, jetzt wiſſen wir, warum man die ſchweren Koffer ſo ſicher verwahrt hat.— Und Ihr ſolltet als ehrliche Neapolitaner noch mehr wiſſen, nahm ein Anderer, plötzlich Hinzutretender das Wort. Dieſes Schiff, flüſterte er leiſer, enthält nicht nur das Blutgeld unſerer Stadt, es ſind auch Spanier darauf und dieſe müſſen vernichtet werden, und wenn Ihr gute Patrioten ſeid, ſo werdet Ihr Euch mit den Galeerenſclaven in Verbindung ſetzen. Dieſe ſind neapolitaniſche Landeskinder wie Ihr, und die einzigen guten Chriſtenſeelen auf dem Fahrzeuge, denn alle Uebrigen ſind Spanier; höret, fuhr er fort, es iſt beſtimmt, daß dieſes Schiff den Flammen Preis ge⸗ geben werden ſoll; ich bin von den geheimen Volkslenkern aus⸗ erſehen, Euch, meine Freunde, mit dem Plane bekannt zu machen. Jetzt flüſterte er ſo leiſe, daß nur diejenigen ihn verſtehen konnten, an die ſeine Worte gerichtet waren. Ein düſterer Triumph zeigte ſich in den Geſichtern der Marinari. Flüche wiſſen hat. nahm Scif. Stadt, werden, mit den itaniſche ellen auf fuhr er reis g-e ern aus- machen. verſtehen tern det 95 — Bei der heiligen Jungfrau del Carmine, es ſoll ihrem Wunſche Gehör gegeben werden, flüſterten ſie, es lebe Maſaniello von Amalfi. Ein ſpaniſcher Offizier iſt erkauft und wird Euch die nöthi⸗ gen Befehle geben. Uebrigens habt Ihr hohe Geſellſchaft, denn die Tochter des Duca di Arcos ſoll nach Spanien befördert wer⸗ den und muß in den nächſten Augenblicken eintreffen. — Was ſoll das heißen? fragte ein Marinaro erregt. — Nun, die Schöne wird ebenſo wenig Spanien ſehen, als das neapolitaniſche Gold den Säckel des Königs füllen ſoll. Alles, in deſſen Abern ſpaniſches Blut fließt, muß ſterben, mit⸗ hin auch die Tochter des Geiers, der ſoviel von unſerm Blute gekoſtet. Alſo, ſeid auf dem Poſten, Neapolitaner! — Tod den Volksunterdrückern! riefen die Matroſen. Derjenige, welcher den Matroſen die geheimnißvolle Nach⸗ richt gebracht, hatte ſich ebenſo raſch entfernt, als er gekommen war, aber der Facchini war jetzt an die Gruppe herangetreten. — Was hat er Euch geſagt? rief er, ſeine großen Augen neugierig aufreißend. — Er hat uns geſagt, daß Du ganz Recht hatteſt, Mitglied der herzoglichen Küchengeſellſchaft, indem Du behaupteſt, daß Seine Hoheit einpacken laſſen, denn, wenn Jemand abreiſt, muß auch die Garderobe an Bord gebracht werden. — Nun, ich ſagte es ja ſchon, man hat Gold einpacken laſ⸗ ſen und läßt nun für die Tochter des Herzogs, die das Schiff beſteigen ſoll, verſchiedene Gewänder emballiren, damit ſie vor Seiner Majeſtät König Philipp IV. einen Fandango in ſpani⸗ ſcher Nationaltracht tanzen möge; doch was giebts da? In dieſem Augenblick fuhr langſam eine ganz vergoldete Caroſſe durch das Gedränge, einige Läufer und Trabanten vor⸗ aus, brachen Bahn durch die Menge. Sechs hochbeinige neapolitaniſche Roſſe waren mit gelben Decken, rothen Federbüſchen, ſilbernen Frangen und Glöckchen geſchmückt. In den Kutſchſchlägen und hinten auf dem Trittbrett hing eine Menge reich betreßter Lakaien. An beiden Seiten des Wagens ging ein Detaſchement gelb, in altſpaniſche Tracht gekleideter Hellebardiere. Eine Menge Facchini mit Kiſten und Körben, von mehr als 96 ſechszig Dienern begleitet, welche in weiten, ſackförmigen, mit Gold beſetzten Livreen, von lebhaften ſchreienden Farben gläuz⸗ ten, folgten dem Staatswagen. So war der Zug von Toledo herab am Giganten(ſo nennen die Neapolitaner die coloſſale Bildſäule des Herkules, die in der Nähe der Darſena ſteht) vorbei, dann über den Strand der heiligen Lucia nach dem Molo gekommen und hielt am Hafen⸗ damme in der Nähe einer, in das Meer hinabführenden Treppe ſtill.— Das Volk hatte Don Herandez erkannt. Dumpfe Flüche und Verwünſchungen wurden hörbar, aber es hatte Niemand gewagt, Hand an ihn zu legen; er durchſchritt die dichtgedrängten Maſſen von Lazzaroni und Marinari und beſtieg die bekannte, reich vergoldete und bunt bemalte Barke des Vicekönigs, welche von vierundzwanzig königlichen Barcaroli in raſche Bewegung geſetzt wurde. An ſeiner Hand führte er eine Dame von hoher Schönheit, in der wir Leonore erkennen..eu⸗ Sie ging mit feſten Schritten dem, ihrer harrenden Ver⸗ hängniß entgegen. Ohne auf den verhaßten Führer zu achten, dem ſie mechaniſch ihre Hand überließ, waren ihre Blicke bald auf die Flotille ge⸗ richtet, bald glitten ſie ſpähend über die Menge hin, als ſuchten ſie etwas. Einige Schritte zurück, durch das wieder zuſammenſtrömende Gedränge aufgehalten, ſah man ein zahlreiches Gefolge von adligen Herren und Damen ſich dem Ufer nahen. Noch entfernter waren die Laſtträger und die Dienerſchaft mit dem Gepäck, nur den Duca von Arcos und deſſen Gattin ſuchten Aller Blicke vergebens. Eben hatten Don Herandez und Donna Leonora die Barke beſtiegen und ſich auf den unter einem ſeidenen Baldachin be⸗ ſindlichen Sammetſeſſeln niedergelaſſen, als eine laute, durch⸗ dringende Stimme rief: Tod dem Henker Neapels! — Tod ihm! brüllte jetzt die ganze Menge. — Abgeſtoßen! ſchrie Don Herandez. Leonore ſtand auf und wollte, wie von einem Gedanken er⸗ faßt, an das Land zurück, doch ſchon hatten die Marinari das Tau vom Ringe am Quai gelöſt und mit ihren breiten Rudern mit gläuz⸗ ennen n der d der dafen⸗ reppe aber ſchritt i und Barke raaroli onheit, 1 Vet⸗ haniſch lle ge⸗ uchten mende ge von erſchaft Gattin Barke in be⸗ durch⸗ kken er⸗ ari das Rudern 97 den Nachen einige Fuß von der Treppe entfernt, als von oben herab dieſelbe Stimme donnerte:„Platz da!“ In dem Augenblick war auch ein junger Mann, der durch ſeinen Ausruf das Volk ſo ſchnell in Wuth geſetzt hatte, von der Höhe der Hafenmauer herab, mitten in die Barke hinein⸗ geſprungen und ſtand jetzt trotzig vor dem erbleichenden Herandez. Während auf dem Hafendamme in wildem Getümmel und mit lautem, durchdringendem Geſchrei die Menge der Lazzaroni und Marinari das Gefolge des Miniſters zerſtreute und ſeine Reiſeeffecten zerſtörte, in's Waſſer warf oder plünderte, eilten die königlichen Schiffer mit ſchnellen Ruderſchlägen das Weite zu gewinnen. Leonore ſtand aufrecht da und blickte mit ſeltſamer Reſigna⸗ tion auf das, was am Strande geſchah, ſie ſchien äußerlich ruhig, aber in ihrem Innern tobte ein Vulcan, der dem, welcher ſich in kurzer Entfernung von ihr erhob, nichts nachgab. Don Herandez ſaß auf einem der Sammetſeſſel; er wagte die Blicke nicht auf die vor ihm ſtehende Geſtalt zu erheben; er verwünſchte jetzt in ſeinem Herzen die Liebe zu Leonore, die ihn veranlaßte, ſich dieſer Gefahr Preis zu geben; doch, er hatte es nun einmal übernommen ſie nach dem Schiffe zu begleiten und konnte ſich von dieſer Aufgabe nur befreien, wenn er in das Waſſer ſprang, allein es beliebte ihm nicht ein kaltes Bad zu nehmen. Höchſt anziehend aber war die kraftvolle Erſcheinung des jungen Lazzarone, wenigſtens trug er die Kleidung eines ſolchen, ſein Hemd, das auf der Bruſt offen ſtand, war blendend weiß, ſtatt der leinenen Beinkleider und bloßen Füße trug er eine eng⸗ anſchließende Soldatenhoſe, ſein ſchlanker Leib war mit einem Gürtel umwunden, in welchem Piſtolen und Dolche ſteckten. Sein Hut war von der hohen, ſpitzen Form der Calabreſer; faſt ohne Rand, wie ihn wohl auch die Lazzaroni trugen, aber geſchmückt mit bunten Bändern und einer Adlerfeder, die eben⸗ ſowohl das Abzeichen der Wildſchützen in den Hochgebirgen Ca⸗ labriens, als das eines Räubers ſein konnte. Seine Haltung war gebieteriſch und feſt, in ſeinen Blicken der Ernſt eines männlichen, zu großen Unternehmungen ent⸗ ſchloſſenen Characters. Die ſonnenverbrannte Stirn, der finſtere Blick, den er auf Das Bpfer von Amalfi.(Bd. 1) 7 98 Don Herandez warf, erhöhten den Ausdruck von Muth und Verwegenheit.* Dieſer Mann, etwa anfangs der dreißiger Jahre, ſtand jetzt trotzig vor dem Miniſter, auf einen langen Carabiner geſtützt. — Ercellenza, nahm er zu Herandez gewendet, aber mit leiſer Stimme das Wort, ich hoffe, Sie werden mir geſtatten, Sie zu begleiten. — Und wenn ich mir die Ehre gebe dies zu thun? fragte Herandez mit ſpöttiſchem Lächeln, dann kenne ich noch immer nicht den Zweck Deines Anerbietens. — Iſt Ihnen meine Perſon überhaupt noch unbekannt? fragte der kühne Fremdling mit durchbohrenden Blicken. — Ich habe nicht die Ehre, verſetzte Herandez höhniſch. — Nun, Sie ſollen ſogleich, wenn auch nicht meinen Na⸗ men, ſo doch meine Befehle kennen und achten lernen. Kannſt Du ſchwimmen, Ragazzo. Don Herandez blickte empört um ſich, aber nirgends fand er Theilnahme; Leonore blieb wie bisher gleichgültig. — Im Namen des Volkes von Neapel, wendete ſich der Fremde an die Marinari, werft ihn in das Meer, ich befehle es Euch; er iſt der Urheber der Thränen dieſes Landes. Unter den Barcaroli, meiſtens aus Neapolitanern beſtehend, entſtand eine drohende Bewegung, doch zögerten ſie noch, den Befehl zu vollziehen. Herandez benutzte dieſen Augenblick, vielleicht hoffte er auf die Barcaroli, welche doch immerhin ſpaniſche Uniform trugen, irgend welchen Einfluß zu üben. — Er iſt ein Räuber, rief er, kraft der mir von Seiner Hoheit dem Vicekönig anvertrauten Gewalt, befehle ich Euch, ihn zu binden, damit er in den Kerkern des Caſtell Nuovo ſeine Frevelthat bereuen lerne. Die Barcaroli ſtanden unſchlüſſig. — Neapolitaner! rief der Fremdling mit erhobener Stimme, Ihr zögert mir zu gehorchen, ſeht nur den gelben Teufel an, aus jedem Zuge ſeines Geſichtes ſpricht Grauſamkeit und Bos⸗ heit; ich ſage Euch, er allein iſt der Schurke, der die Frucht⸗ ſteuer erſonnen; Tod ſolchen Creaturen, hört Ihr nicht die Ver⸗ wünſchungen Eures Volkes am Strande, von dem er zu weit —— entfer wärte — in w warf ſamm meine dete, Straf willer leiſe erfüi über Nn bran ten Bein ſchien aufhu die ſich lang ter Min mettt Eind ſoge und ſtand biner mit ütten, ragte awer innt? 4 Na⸗ aunſt fand ) der efehle hend, den er auf rugen, Seiner Euch, Luovo imme, fel an, Bos rucht⸗ Ver⸗ weit 99 entfernt iſt, als daß ihn die Steinwürfe erreichen könnten. Vor⸗ wärts, werft ihn in's Meer! Mit dem Ausrufe: Eyvviva il Populo¹ packten die Marinari in wildem Getümmel den ſich heftig ſträubenden Don Herandez, warfen ihn über Bord und die Wellen ſchlugen über ihm zu⸗ ſammen, — Ich bitte nach dem Beiſpiele unſers Weltheilandes für meinen Feind! rief Leonore, indem ſie ſich an den Fremden wen⸗ dete, übt Großmuth— habet Mitleid— er verdient zwar Strafe, aber ſeid menſchlich, um der Barmherzigkeit Gottes willen. 3 Der Angeredete überlegte einige Augenblicke. — Es iſt gleichviel, ob er ſo oder ſo ſtirbt, murmelte er leiſe, auch ſoll man die letzte Bitte einer dem Tode Geweihten erfüllen. Raſch warf er Mantel, Hut und Carabiner weg und ſprang über Bord in's Meer. Don Herandez kämpfte, ohne ſchwimmen zu können, mit den Wellen. Vom Strande erſchallte ein vieltauſendſtimmiges: brava, bravissima! Die Marinari hatten ſich auf die Ruder gelehnt und lach⸗ ten laut auf, wenn bald ein Arm mit Goldſtickereien, bald ein Bein mit ſeidenen Tricots herauftauchte, und das Meer ſelbſt ſchien ſich zu weigern, den Nichtswürdigen in ſeinen Schooß aufzunehmen und ſchnell wie ein Delphin theilte der Fremde die Wogen und ſchwamm mit ihm dem Strande zu, indem er ſich bemühte, deſſen Kopf außer Waſſer zu halten und batde ge⸗ langte er mit ſeiner Bürde an das Land. Don Herandez erſchien wie eine gebadete Katze, ein Geläch⸗ ter, von Verwünſchungen und Flüchen begleitet, empfing den Miniſter des Vicekönigs, welcher in ſeinem ausgewaſchenen Sam⸗ metkleide und dem triefenden Haar allerdings einen lächerlichen Eindruck machte. 4 88 Man wollte über ihn herfallen; einzelne Arme erhoben ſich ſogar gegen ſeinen Retter. — Zurück mit ihm in die Fluth! riefen viele Stimmen — Eure erſte That war gut, ſie leuchtete wie der Tag, doch die zweite verdunkelte ſie, ſchrieen Andere, warum x habi Ihr ihn wieder befreit. 7 100 — Es iſt beſſer, daß dieſer Elende von den Richtern, die das Volk in den nächſten Tagen ernennen wird, ſterbe, verſetzte der Bedrohte; auch mußte ich als Chriſt noch aus anderen ge⸗ heimen Gründen handeln, die ich jetzt nicht auseinanderſetzen kann, morgen ſollt Ihr es erfahren, Freunde. Alſo ſchont ſein für heute, ich gebe Euch mein Wort darauf, ſein Blut ſollt Ihr haben. Die wüthenden Lazzaroni ſtanden von ihrem Unternehmen ab und der Spanier eilte triefend und racheglüh end durch die Menge, welche ihn lärmend und lachend bis zu ſeinem Palaſt begleitete. Die heitern Marinari und Barcaroli hatten mit dem, den Neapolitanern eigenthümlichen, leicht bewegli chen Gemüth, dieſe Scene vergeſſen, ſie ſangen heitere Lieder und ruderten mit der dem Tode geweihten Beute vorwärts. So erreichten die Schiffenden endlich die zier liche Brigan⸗ tine, welche völlig ſegelfertig und bemannt, nur noch an einem Tau vor Anker lag. Die langen Hauptſegel waren zwar noch eingerefft, aber der Kundige im Seeweſen konnte wohl bemerken, daß Alles zur Abfahrt in Bereitſchaft gehalten wurde. „Die Matroſen ſtanden in Parade, und auf allen Maſten und Stangen flatterten im lebhafteſten Farb enſpiel die langen Wimpel; am Fockmaſte war die königliche Flagge aufgezogen, untex derſelben prangte die Admiralsflagge. Das Fallrepp, jene bekannte Prachttreppe, mit rothem Tuch belegt, die nur bei außerordentlich feierlichen Gelegenheiten in Bewegung geſetzt wird, wurde am Steuerbord der Brigantine herabgelaſſen und die Barke legte am Fuße derſelben an. Jetzt erhob ſich ein Officier, der bis dahin ſich ſchweigend verhalten und allen Vorgängen mit einer gewiſſen ſtumpfen Gleichgültigkeit zugeſehen hatte, um Leonore ein zula den, ſich von ihm an Bord führen zu laſſen. Der Officier war von mitteler, hagerer Geſtalt, hatte ein kleines, raſtlos umherſpähendes Auge, in ſeinem Antlitz lag etwas Lauerndes und Verrätheriſches. In reicher Uniform ſtanden am Bord im Halbkreiſe meh⸗ rere Seeofficiere, um der Tochter des⸗ Vicekönigs ihre Chrfurcht zu beweiſen. den dieſe der gan⸗ nem ader 3 zur aſten ngen gen, Tuch en in ntine igend pfen von e ein lag meh⸗ ͤ 101 — Der Raum iſt hier ſehr beſchränkt, Donna, nahm der, Leonore begleitende Officier das Wort, indem er die kleine, überaus zierlich angeordnete Damenkajüte öffnete, es bleiben mehrere Officiere an Bord und wir Alle werden uns ein⸗ ſchränken müſſen; ich hoffe, dieſe Kajüte wird Ihnen nicht zu eng ſein und ich werde das Glück haben, Ihr nächſter Wand⸗ nachbar zu ſein. — Wozu bedarf es dieſer Vorkehrungen, verſetzte Leonore unmuthig. — Wir könnten auf franzöſiſche und tuneſiſche Kaper ſtoßen, Donna. — Giebt es im ganzen Geſchwader des Königs von Spa⸗ nien kein größeres Schiff, deſſen Mannſchaft den Muth hätte, es mit allen Kapern des Meeres aufzunehmen? Der Lieutenant kniff die Lippen zuſammen, beſann ſich lange, dann zuckte ein boshaftes Lächeln über ſeine bleichen Wan⸗ gen, er warf auf Donna Leonora einen jener ſtechenden Sei⸗ tenblicke, welche ein edles Weſen erſchrecken können. Donna Leonora, nahm er in gemeſſenem Tone das Wort, es war dies das paſſendſte Fahrzeug, das wir wählen konnten, um Sie ſicher nach Spanien zu befördern. — Ich muß Ihnen geſtehen, verſetzte Donna Leonora mit Nachdruck, die Sicherheit auf dieſem Schiffe erſcheint mir zwei⸗ felhaft. — Könnten Euer Gnaden Bedenken tragen in meiner Nähe? rief der Officier ſeltſam berührt. — Allerdings, fiel ſie entſchloſſen ihm in die Rede, ich be⸗ klage es, bekennen zu müſſen, daß es mir angenehm geweſen ſein würde, die Reiſe nicht in Ihrer unmittelbaren Begleitung zu machen. — Donna, verſetzte der Angeredete mit Bitterkeit und Ironie, Ihr Wunſch iſt für mich zu ſchmeichelhaft, um es mir verſagen zu können, ihn auf eine Weiſe in Erfüllung zu bringen, die mir zugleich ſelbſt einige Genugthuung gewähren wird. Mit anbre⸗ chender Dunkelheit werde ich Sie auf das Admiralſchiff bringen laſſen, dort befinden ſich auch die Schätze Neapels, die wir nach Spanien führen; dort alſo müſſen auch Sie in Sicherheit ſein, das ganze Schiff ſoll zu Ihrer alleinigen Verfügung ſtehen, Sennora.— 102 Damit verbeugte er ſich auffallend tief und indem er ſich in ſeine Kajüte zurückzog, warf er noch einen jener grauſener⸗ regenden, tückiſchen Seitenblicke auf die Dame, wie ſie der Nea⸗ politaner ſo ſehr fürchtet, und Leonore begab ſich in ihre Ka⸗ jüte, wo ſie ein ſilbernes Bildniß der heiligen Jungfrau, das ſie an einer goldenen Kette verborgen trug, an die Wand hing und ſich, inbrünſtig betend, davor niederwarf. Ihre ſchönen Augen füllten ſich mit Thränen, ſo ſehr ver⸗ laſſen hatte ſich die, unter den zarteſten Rückſichten eines vor⸗ nehmen Hoflebens aufgewachſene Jungfrau noch nie gefühlt. Sie hatte, nachdem fie vom Lande abgeſtoßen war und die Brigantine erreicht hatte, nicht mehr an die verhängnißvolle Prophezeihung Giulio’s gedacht. Das Volk hatte zwar ſeinen Verwünſchungen Luft gemacht, doch keine Feuerbälle darauf geworfen, wie ſie vermuthete. Auf dem Schiffe ſelbſt glaubte ſie unter ſpaniſchen Mann⸗ ſchaften keine Urſache zu irgend welcher Befürchtung zu haben, die Galeerenknechte befanden ſich ja nicht auf dem Admirals⸗ ſchiffe, das ſie beſteigen ſollte. Als ſich ihr aber der Offizier, der ihr bisher ganz entgan⸗ gen, bemerklich gemacht hatte, durchrieſelte ſte ein banger Schauerz ſie hielt ihn für einen Spanier, allein, gab es nicht Verräther auch unter dieſer Nation? Die Neapolitaner, wenn ſte ſich em⸗ pörten, waren nur Rächer; jene konnten zu Verräthern werden. Dennoch aber verbannte ſie jede Furcht, denn Donna Leo⸗ nora wollte untergehen, der Tod mußte der zur Wohlthat wer⸗ den, deren Glück mit dem Verſchwinden Giulio's dahin war. Die Unglückliche wußte nicht, daß auch ſie dem Tode ge⸗ weiht und ahnte bis jetzt auch nichts von den Schrecken, die ihrer harrten. Bald wurde ſie durch ein gedämpftes, aber verworrenes Geräuſch in der großen Kafüte aus den wehmüthigen Betrach⸗ tungen geweckt, denen ſie ſich überlaſſen hatte. Dieſer unſcheinbare Vorfall brachte ſie in Unruhe. Sie hatte unausgeſetzt an Giulio gedacht, und ihr war plötzlich der Gedanke gekommen, daß er ja doch noch am Leben ſein könnte, ihr Vater hätte ihr, wäre der Prinz getödtet, aus dieſem Um⸗ ſtand kein Geheimniß gemacht.. Im Lenze der Jugend will die Hoffnung in unſerer Bruſt nicht immer auch das S zum! I auch 9 D klar an man lenten große verne G eintta W übet dar 1 Stin Creig im A gebre ihn! der ſ tigen 4 en 2* K vor ſtech kenn 3 vor nacht, vor⸗ L1 de volle ’ tann⸗ aben, rals⸗ 1 gan auetz äther em⸗ rden. Lo⸗ wer⸗ ar. l ge⸗ „ die renes rach⸗ ch der 3 önnte, Un⸗ 7 103 nicht gern ſterben, und wie die Sonne nach ſchwarzen Wettern immer wieder durch das düſtere Wolkenzelt bricht, ſo bahnt ſich auch neues Sehnen, neues Hoffen durch die Nacht unſerer Seele, das Herz pocht ſchneller, die Verzweiflung flieht und neue Luſt zum Leben erwacht. Auch Leonore befand ſich in dieſer Lage und jetzt ſtellte ſich auch mehr Furcht ein, als zuvor. Die Nothwendigkeit, ſich ſelbſt helfen zu müſſen, ging zu klar aus ihrer vereinſamten Lage hervor; ſie vermuthete, daß man ſie abgeſchloſſen, um ihre Aufmerkſamkeit nicht auf Alles zu lenken, was auf dem Schiffe vorgehe. Die dünnen Mahagoniwände, welche ihr Cabinet von der großen Kajüte trennten, machten es ihr möglich, jedes Wort zu vernehmen, das dort geſprochen wurde. 3 8 Ehe der bereits erwähnte Officier, der den Oberbefehl hatte, eintrat, war nur ein gedämpftes Geflüſter vernehmbar. Verſchiedene Stimmen drückten ſich leiſe aber mißbilligend über mancherlei Maßregeln aus, die man ſich nicht zu erklären vermochte. Tiefe Stille herrſchte einige Minuten; endlich ließ ſich die Stimme des Viceadmirals vernehmen. b — Meine Herren, nahm er das Wort, beklagenswerthe Ereigniſſe nöthigen zu außerordentlichen Maßregeln; Neapel iſt im Aufſtande, unſere Macht wird dort in den nächſten Tagen gebrochen ſein, Sie wiſſen, welche Schätze dieſes Schiff birgt. Hierauf wurde ſeine Stimme leiſer und Leonore vermochte ihn nicht mehr zu verſtehen. Mit tiefem Schweigen entfernten ſich die Officiere, nur der ſchreckliche Viceadmiral blieb zurück. Wenige Augenblicke darauf trat ein Menſch von widerwär⸗ tigem Aeußern ein. 8 Donna Leonora hatte Gelegenheit ihn durch eine, jetzt erſt entdeckte Spalte in der Bretterwand zu beobachten und bebte vor dem entſetzlichen Menſchen zurück, namentlich waren ſeine ſſtechenden, furchtbar glühenden Blicke unerträglich und wir er⸗ Vr 1 4 4 nora folgendes Geſpräch:„Ich ſchwöre bei kennen in ihm den uns bereits bekannten— Gettatore. E Anfangs wurde leiſe geflüſtert, dann vernahm Donna Leo⸗ . ———— 104 — Schwört nicht, unterbrach ihn der Lieutenant, Gott hört Euch nicht und die Heiligen ſchaudern vor Euch. — CErellenza! — Schweig' Menſch, ich kenne Dich beſſer, als Seine Ho⸗ heit der Vicekönig und deſſen Miniſter Don Herandez, ſie wiſ⸗ ſen nichts von Deiner Vergangenheit, Du biſt lebenslänglicher Kettenſtrafe entſprungen;— Du haſt neue Verbrechen, Mord und Kirchenraub auf Dein Haupt gehäuft, Du ſiehſt, ich kenne Dich genau, aber ich ſchweige, ſo lange Du mir treu dienſt, aber treuer, als dem Don Herandez,— verſtehſt Du mich? Ein Wort von mir und Du biſt verloren, ich habe Dich in dieſe Uniform geſteckt, die Dir eigentlich nicht zukommt. — Ich gehorche, ſprach der Entdeckte mit dumpfer Stimme. — Das erwarte ich; liegen die Galeeren hinter der Linie? — Nach Befehl. — Sind alle Bänke beſetzt? Die Galeerenſclaven darauf befindlich? — Nach Befehl!, wiederholte der Andere. — Wohl, dann vernimm meine Ordre. Jetzt zog er den Schrecklichen in ein entfernteres Fenſter und ſprach einige Worte ſo leiſe zu ihm, daß Donna Leonora davon nichts vernehmen konnte. Nur ſein grauſiges Hohnlachen ging ihr durch Mark und Bein. Beide verließen jetzt die Kajüte. Natürlich ahnte Leonore ein Unheil; es peinigten ſie namen⸗ loſe Schrecken, nichtsdeſtoweniger aber hatte ſie die leiſeſte Ah⸗ nung von dem, was eigentlich geſchehen ſollte. Die ſchnell im Süden faſt ohne dämmernden Uebergang zu⸗ nehmende Dunkelheit, das Knarren der Ankerwinde, das takt⸗ mäßige Treten der daran umgehenden Mannſchaft, der gleich⸗ förmige Zuruf und das Flattern der losgebundenen Segel, im Uebrigen eine Todtenſtille im Schiff, dieſes Alles war wohl ge⸗ eignet, ihre Unruhe zu ſteigern. Sie wagte kaum ihre Kajüte zu verlaſſen und doch ſah ſie bei den Anſtalten zur Abfahrt und auf dem geheimnißvollen, grauenerregenden Treiben im Schiffe, keine andere Rettung, als durch Entfernung auf ein anderes Schiff. Eben wollte ſie die Thür öffnen, als der ihr ſo widerwär⸗ 1 iige Officier eintrat. velc ſtech Ma ecch der die ſtw ten bra 6 kein 1 1 dtt hört ne Ho⸗ ſie wiſ⸗ glicher Mord kenne dienſt, mich? Ddich in Stimme. Linie? darauf Fenſter Leonora mlachen namen⸗ eſte Ah⸗ ang ſu⸗ ¹s takt⸗ gleich⸗ gel, im ohl ge⸗ ſah ſie ßvollen⸗ ung, als derwär⸗ 105 — Ich komme, begann er in einem Tone, der wenig Tröſt⸗ liches hatte, mein Wort zu löſen. Erlauben Sie mir Ihren Arm, Donna; die Schaluppe ſteht bereit Ihren Wünſchen zu ent⸗ ſprechen. Nur wenig erleichtert, mit zagendem Herzen ließ ſich Donna Leonora wieder zur Schiffstreppe führen; in den vordern Kajü⸗ ten und auf den Gängen brannten ſchon Laternen; dort ſtanden viele Officiere mit düſtern Blicken. Oben am Bord empfahl ſich ihr Begleiter, indem er ver⸗ ſicherte, der„Carlos“, ſo hieß dieſes Schiff, ſei ein guter Seg⸗ ler und ſie werde dort ihr Ziel eher erreichen, als er das ſeinige- Wie zweideutig dieſe Worte waren, konnte ſie aus ſeinen Augen nicht errathen, denn es war ſchon zu dunkel, um ſeine boshaften Seitenblicke beobachten zu können. Das Fallrepp war ſchon aufgezogen. Donna Leonora wurde daher in dem Seſſel, deſſen ſich die Damen bedienen, in die unten wartende Schaluppe herabgelaſſen. 1 Ein ſolches Schweben zwiſchen Himmel und Meer hat ohne⸗ hin ſchon etwas Beängſtigendes, wenn man nicht daran gewöhnt iſt und wie vielmehr unter ſo drohenden Umſtänden. In der Barke von der kleineren Gattung fand ſie vier Ru⸗ derer, die nicht geeignet waren, ihre Furcht zu vermindern. Es waren rohe, ſchwarzbärtige Menſchen, mit wilden Züg en welche das Licht der Schiffslaterne, das auf ſie fiel, grell ab⸗ ſtechen ließ. Am Steuerruder hinten, tief im Schatten, ſaß ein fünfter Mann, der ganz dicht in einen Mantel gehüllt war, nur der rechte Arm blieb frei, um das Steuer zu lenken. Die Brigantine war kaum verlaſſen, als ſie auch ſchon, nach der Seemannsſprache, anfing, ſich zu bewegen. Der Wind ſchwellte die weißen Segel und bald war ſie im Dunkel der Nacht ver⸗ ſchwunden. 4 Die Fahrt ging ſtill und ſchaurig unter den hohen Schat⸗ tenmaſſen mehrerer Linienſchiffe und Fregatten hindurch; grauſig brachen ſich die kurzen Wellen an den hohlen Schiffswänden. Oben auf dem Verdeck, vielleicht auch im Innern der Schiffe, ſchien alles Leben geſchwunden; und Donna Leonora wagte keine Frage. Die geheimnißvollen Schiffer ſprachen kein Wort; in ſo 106 ſchaurigem Schweigen mag wohl Charon ſeine Todten über den Styr in die Unterwelt gefahren haben. Bebend ſaß Leonore auf dem ihr durch eine Handbewegun bezeichneten Platze.* ¹ — O, wenn Giulio noch lebte und Du müßteſt ſterben, tönte es in ihrem Innern unabläſſig, und ſie bereute jetzt, ſeiner Warnung nicht Gehör geſchenkt zu haben. „ Die herrſchende Dunkelheit erhöhte ihr peinliches Gefühl und unwillkürlich ſprach ſie ſich darüber aus. — Seien Sie unbeſorgt, Ducheſſa, gab der Führer der Barke mit widerlicher Stimme zur Antwort, welche faſt wie ein unterdrücktes Lachen klang; ich werde die Fenſter Ihrer Kajüte ſo hell erleuchten laſſen, daß ſich ganz Neapel darüber wundern wird.. Donna Leonora war das Eigenthümliche dieſer Aeußerung entgangen und ſie fühlte ſich einigermaßen beruhigt. Endlich erreichte die Barke ihre nächſte Beſtimmung. Wie ein dunkler Felſen aus der Tiefe des Meeres, ſo ſtie⸗ gen die ſchwarzen Seitenwände des Schiffes himmelan empor, welches den Namen„Carlos“ führte und die erpreßten Steuern davonführen ſollte. 1 Oben auf dem dunkeln Koloſſe war kein Licht mehr zu er⸗ ſpähen, kein Anruf erfolgte von unten, kein Zuruf von oben. Hier war kein Empfang, kein Fallrepp wurde herabgelaſſen, nicht einmal die gewöhnliche Vorkehrung, um Damen an Bord zu bringen, der ſchwebende Seſſel war in Bereitſchaft geſetzt. Noch konnte Leonore nicht das Schreckliche ihrer Lage vor⸗ 83 ausſehen, aber ſchon dieſe Unzaſtlichkeit des Empfangs gehörte zu jenen Kleinigkeiten, welche feinfühlende Menſchen oft tiefer verletzen, als wirkliche Unglücksfälle. Während die Bootsleute die kleine Schaluppe befeſtigten, ſchlug der am Steuerruder ſitzende Mann ſeinen braunen Man⸗ tel aus einander und zog ein Feuerzeug aus der Taſche. ——— In der Dunkelheit, welche durch die Schatten der Schiffs⸗ wände und die ſchwarze Meerestiefe noch verdichtet wurde, ſprü 4 ten die dem Stahl entlockten Funken, leuchtend wie Blitze des Himmels und erhellten auf Augenblicke grell ein bärtiges, gelb⸗ lich grau erſcheinendes Antlitz, welches Leonore in Schrecken ſetzte.. E Kagüte geben ger iſ voller wand genage ten zu 8 ſtieg Schif und Nage G los“ N mel nen hier ſie ſi Tiefe fünd Fihr ber, hohe Krie erſr und Inn 3 fes Seer 15 er den dgung terben, ſeiner Hefühl er der bie ein Kajüte undern Krung ſtie⸗ empor, bteuern au er⸗ en. elaſſen, Bord etzt. ge vor⸗ gehörte ttiefer ſtigten, Man⸗ Führers übernahm. 107 Es war derſelbe furchtbare Menſch, dem der Officier in der Kajüte den geheimen, ihr nicht bekannt gewordenen Auftrag ge⸗ geben hatte. 1 vnfs Mit dieſem Menſchen auf dem trügeriſchen Elemente län⸗ ger in ein und derſelben Barke zu bleiben, mußte Leonore grauen⸗ voller erſcheinen, als jede andere Gefahr. Kaum war ihr angedeutet, ſich der ſteil an der Schiffs⸗ wand hinaufſteigenden Treppe zu bedienen, die aus ſtarken auf⸗ genagelten Leiſten mit zierlich geflochtenen Tauen an beiden Sei⸗ ten zum Anhalten beſtand, ſo ergriff ſie das Seil. Im Wahne, nun von dem Schrecklichen befreit zu ſein, ſtieg ſte in das ungewiſſe Dunkel der Höhe, die beſchwerliche Schiffstreppe hinauf. G 0 d Eine natürliche Leichtigkeit und Gewandtheit ihres Körpers und jene Entſchloſfenheit, welche die zarteſten Frauen oft erſt im Augenblick der Gefahr gewinnen, beflügelte ihre Schritte. So erreichte ſie das dunkle, menſchenleere Verdeck des„Car⸗ los“, deſſen Räume durch ein Chaos von Takellage und Tau⸗ werk verdüſtert, wenigſtens dem milden Sternenlichte des Him⸗ mels nicht allen Zugang verſagte.— 7 131 Hier alſo war der Ort, wo das Blutgeld des ausgeſoge⸗ nen Landes aufbewahrt war. Nur das Gold und ſie alſo ſollten hier weilen. bi Mi Jetzt ſtand Leonore einige Augenblicke, nicht wifſend, wohin ſie ſich begeben ſollte, bis eben jener Schreckliche, der aus der Tiefe von der See herauf ihr nachfolgte, mit der unten ange⸗ zündeten Blendlaterne den Backbord erſtieg und die Stelle ihres Mit dieſem Augenblick war Leonorens Muth wieder gebro⸗ chen, zagend folgte ſie dem ſchweigſamen Manne, der vier Fuß hohe Bord von ſtarken Balken gezimmert mit der aufgeſetzten Ga⸗ lerie war nur geeignet, das Gefühl ihrer Beengung zu vermehren. Die ungeheuer dicken Maſten mit ihren zahlloſen Tauen 1 erſtreckten ſich unabſehbar bis in die dunkle Tiefe des Himmels, und jeder Fußtritt auf dem Verdecke dröhnte dumpf aus dem Innern des Schiffes zurück. 245 So ging der Weg über den ganzen Mittelraum des Schif⸗ fes gegen das erhöhte Hintertheil des Decks, welches in der Seemannsſprache die Schanze genannt wird. St 108 Hier ſtieg ihr Führer eine kleine Treppe hinab, ſie folgte, dann durchſchritten ſie den mit einer Colonade eingefaßten vor⸗ deren Kajütenraum und öffnete die Glasthüren eines geräumi⸗ gen Saales. Durch dieſe gelangten ſie in die große Kajüte, welche ge⸗ räumiger und glänzender decorirt war, als die Kajüten in den untern Verdecken, und daher von den erſten Befehlshabern des Schiffes bewohnt zu werden pflegte,— jetzt war ſie leer. Leonore trat ein und blieb vor Entſetzen ſtehen. Das dämmernde Licht der kleinen Laterne vermochte nicht die weiten Räume dieſes Prunkgemaches zu erhellen; nur hie und da blitzte ein Widerſchein aus den deckenhohen Spiegeln und von den hellpolirten Vergoldungen zurück. Ihr ſchrecklicher Führer ſetzte jetzt die Blendlaterne auf den runden, glänzenden Mahagonitiſch, der in der Mitte des Salons ſtand. — Haben Sie noch etwas zu befehlen, Signora? fragte er zurücktretend, mich rufen andere Geſchäfte. — Jeſus Maria! rief Leonore händeringend, ſoll ich denn hier allein bleiben? — Die Beſatzung iſt auf Urlaub, entgegnete der Gettatore mit einem grauenvollen Blick, wenn es Ihnen aber recht iſt, ſo will ich Ihnen Geſellſchaft ſchicken. — Ihr ſeid kein Spanier? — Ebenſowenig wie der Lieutenant, der Sie begleitete, er iſt geborener Neapolitaner, lebte jedoch von ſeiner früheſten Ju⸗ gend an in Barcelona; ſein Herz aber iſt ein ächt neapolitaniſches, ſonſt hätte man ihn nicht zum Vicebefehlshaber dieſes Schiffes ernannt, ſetzte er mit höhniſchem Lächeln hinzu. — Wann wird dieſes todte ungeheure Schiff unter Segel gehen? — Das hängt von Ihnen ab, Signora, ich habe Auftrag, den„Carlos“ unter Ihre Befehle zu ſtellen, was hiermit ge⸗ ſchieht. Leonore trat an eines der großen Spiegelfenſter der Kajüte. — Und die Erleuchtung? rief ſie, wenn jene dunkeln Maſ⸗ ſen die zu uns gehörigen Schiffe ſind, ſo erblicke ich nirgend Licht; ich wünſche, daß noch einige Lichter angezündet werden, die ſchreckliche Dämmerung vermehrt das Furchtbare meiner Umgebung. aber S müſſen, Ihre U Loonor eben Schatte Niz ſe Tone, Carle nen, von! menzi jeden alſo h wac konn traue jener ihr er geſchü ſchwä doch Mari haltu Verate ſam nehr leere einen 3 folgte, ten vor⸗ ſeräumi⸗ ſche ge⸗ in den dern des ie wicht nur hie Spiegeln auf den Salons ragte er d dode hettatore t iſt, ſo tete, er ten Ju⸗ aniſches, Schiffes ——' r Segel Auftrag, emit ge⸗ Kajüte. in Maſ⸗ nirgend den, die gebung. 109 — Ich weiß hier nicht Beſcheid, entgegnete der Gettatore, aber Sie werden ſich ſchon mit dieſer kleinen Laterne begnügen müſſen, bis ich Ihnen eine Beleuchtung verſchaffen werde, welche Ihre glänzendſten Erwartungen überſteigen ſoll.— Ungewiß, wie dieſe Dienſtfertigkeit zu verſtehen ſei, warf Leonore einen forſchenden Blick auf den Mann, der ſich bisher eben nicht als gefällig erwieſen hatte. Aber er ſtand tief im Schatten und ſie ſah nur einen augenblicklichen unheimlichen Blitz ſeiner Augen. — Crellenza fürchtet ſich doch nicht? fragte er in einem Tone, in welchem ſich der Spott wohl nicht verkennen ließ; der „Carlos“, der die Steuern Neapels enthält, führt ſechszig Kano⸗ nen, in der untern Lage Vierundzwanzigpfünder, hier oben aber von leichterem Kaliber; aber dieſe beiden Zwölfpfünder im Da⸗ menzimmer ſind wie Cerberus vor der Hölle, ſie können damit jeden Feind abwehren, und für Ihre Sicherheit, Signora, wäre alſo hinlänglich geſorgt. Mit dieſen Worten beleuchtete er die glänzenden Kanonen, welche für eine Dame nicht eben beruhigende Wächter ſein konnten. Leonora's kindlich ergebenes Gemüth erhob ſich im Ver⸗ trauen auf die himmliſchen Mächte über die Schrecken, welche jener boshafte Menſch abſichtlich noch zu vermehren ſuchte und ihr edler Stolz wollte ihm den Triumph nicht gönnen, ſie ein⸗ geſchüchtert zu haben. — Ich mich fürchten? rief ſie, indem ſie ihre dunkeln, ſchwärmeriſchen Augen aufſchlug; warum fürchten? ſtehe ich doch überall unter dem Schutze der allerheiligſten Madonna Maria. — Nun, dann wuünſche ich Ihnen eine angenehme Unter⸗ haltung, entgegnete der Menſch mit boshaftem Lächeln und ent⸗ fernte ſich. Leonora's Herz pochte ängſtlich. Mit angeſpannter Aufmerk⸗ ſamkeit horchte ſie auf ſeine Tritte, ſo lange ſich dieſe noch ver⸗ nehmen ließen. Aber wie dumpf und ſchaurig ſie auch auf dem menſchen⸗ leeren Meergebäude ſchallten, ſie rührten doch immerhin von einem Sterblichen her, der noch in ihrer Nähe war. Jetzt war es ſtill, nur das Geplätſcher der kurzen Wel⸗ 110 * len gegen den hohlen Bauch des Schiffes tönte von unten empor, Eine Stunde verging in dieſer furchtbaren Einſamkeit; Ihre Empfindungen während deſſen waren unbeſchreiblich. Zuerſt ſtieg das Gefühl des Grauens faſt bis zum Wahn⸗ ſinn ſie hörte Geräuſch, wo nichts ertönte. Ihre Phantaſie belebte die Räume mit ſchrecklichen Geſtalten. Das leiſeſte Wehen eines Vorhanges brachte ſie einer Ohn⸗ macht nahe; endlich übte auch in dieſer ſo grauenvollen Einſam⸗ keit die Macht der Gewohnheit ihr ſüßes Recht menſchliche Lei⸗ den zu mildern. Ihre klare Beſonnenheit kehrte zurück. Jetzt vermochte ſie es, ihre Seele zum Gebet zu erheben; nach ihrem kindlich frommen Glauben wähnte ſie ſich unter den Schutz der heiligen Jungfrau geſtellt, indem ſie das Bild der⸗ ſelben vor ſich auf den Tiſch brachte und vor demſelben nieder⸗ kniete. Die Perlen des Roſenkranzes rollten zwiſchen ihren zarten Fingern, während ſie die, ihr ſelbſt unverſtändlichen, auswendig gelernten laleiniſchen Gebete murmelte. Aber bei dieſer gedankenloſen Beſchäftigung erhob ſich ihre Seele vertrauend, wie das Kind ſeiner Mutter zu der himmli⸗ ſchen Jungfrau und gewann dadurch ſene wunderbare Entſchloſ⸗ ſenheit, die nach wenigen Minuten ſchon ſo furchtbar geprüft werden ſollte. Sie trat an eines der ſchönen Kajütenfenſter, öffnete es und ſchaute hinaus in das weite wüſte Meer. Die Sterne mit dem doppelt glänzenden Lichte des ſüd⸗ lichen reinen Himmels funkelten ſtill und erhaben am Firmamente. Die Feuergarbe hoch oben auf dem Veſuv glühte und ſprühte in feierlicher Ruhe gleich einem wunderbaren Lichtmeteor, und um ſeinen dunkeln Scheitel blitzten im Roſenlichte die erleuch⸗ teten Felder. Am Molo glühte das ſtrahlende Lampenlicht auf dem un⸗ ſichtbaren Säulenſchafte des Leuchtthurms. In weiterer Ferne erhob ſich im ausgedehnten Halbkreiſe das himmliſche Neapel, deſſen ſpärlich erleuchtete Fenſter wie ein Kranz von funkelnden Sternen den dunkel wogenden Meerbuſen umzog. 5„ — —— Ne gſeichen tauſend ſchimm R. Trauer Lichtpu dier un auf vo ſehrend G und e teit, Man 6 u Sc d K drau Taun ſlacker ſchwad die E Schut M ari ſette dleibt thür Wher ad das hofft erul dein unten t; Ihre Wahn⸗ hantaſie r Ohn⸗ Linſam⸗ che Lei⸗ erheben; nter den ild der⸗ nieder⸗ zarten Swendig ſich ihre himmli⸗ ntſchloſ⸗ geprüft des und des ſüd⸗ namente. ſprühte or, und erleuch⸗ dem un⸗ wie ein eerbuſen ⸗ d 1 2 8 4 111 Jeder einzelne Lichtpunkt daſelbſt erſchien ihr als Wahr⸗ zeichen eines traulichen Familienkreiſes, und alle dieſe hundert⸗ tauſend ſpielenden Lichter fanden in den tanzenden Wogen ihren ſchimmernden Widerſchein. Nur der Halbkreis der Schiffsflotte war dunkel, wie in Trauerflor gehüllt. Auf ihrem Schiffe vielleicht war der einzige Lichtpunkt in dieſer ſchauervollen Einöde; doch plötzlich blitzten hier und dort, ſeitwärts und vorwärts auf allen Schiffen Lichter auf von verſchiedenen Größen und Flammen. — War das die verſprochene Erleuchtung oder die rück⸗ kehrende Beſatzung?— Einige Augenblicke war ſie geneigt, Letzteres zu glauben, und endlich hoffte ſie Erlöſung aus ihrer ſchrecklichen Einſam⸗ keit, denn ſie erwartete auch mit jeder Minute die Rückkehr der Mannſchaft des„Carlos“. Sie ſah deutlich kleine Schaluppen mit Laternen von Schiff zu Schiff hin und her ſich bewegen. 1 Sie wendete ſich vom Fenſter ab und plötzlich ſtrömte ein feiner Brandgeruch durch die halb geöffnete Kajütenthür. — Was war das? Was bedeutete das? Und dort, da draußen, war das nicht eine Feuerflamme, die am betheerten Tauwerk jenes Schiffes bis an die Maſten und Wimpel empor⸗ flackert? Und da, auch dort, im ganzen Halbkreiſe den das Ge⸗ ſchwader bildet? Nein, nein, flüſterte ſie, es iſt nichts, es wird die Erleuchtung ſein, man feiert vielleicht das Feſt irgend eines Schutzheiligen, doch, ich höre Geräuſch hier im Schiffe, es werden Marinari ſein, vielleicht gar mein Retter— vielleicht Giulio— ſetzte ſie mit heftiger pochendem Herzen hinzu; doch nein, er bleibt fern.. Mit dieſen Worten wendete ſie ſich ſchnell gegen die Glas⸗ thür der vordern Kajüte, woher ein Lichtſchimmer drang; es nahten Tritte, ein Menſch mit einer Fackel in der Hand erſchien, aber welch' ein Menſch? 1 1 Der Inſtinkt, in geſpannter Erwartung den erſten Blick auf das Antlitz eines Menſchen zu werfen, von dem man Gutes hofft, oder Böſes fürchtet, übte auf die verlaſſene Leonore einen beruhigenden Einfluß. Das Geſicht des Eintretenden war nicht abſchreckend; ſein Teint war ungewöhnlich weiß, ja ſogar noch zart, ſeine Züge 112 erſchienen noch ziemlich jugendlich und trugen das Gepräge lan⸗ ger Leiden, aber auch den einer ſtarren Gleichgültigkeit oder beſſer geſagt, Abgeſtorbenheit des Gefühls. Nur war ſeine Kleidung allerdings geeignet, Schrecken zu verbreiten. Beinkleid und Jacke waren von rothem Fries, ſein Hals nackt, ſein Kopf geſchoren, mit einer rothen Mütze bedeckt, deren langer Zipfel auf den Rücken herabhing, die Aermel kurz, ſo daß die muskuloſen Unterarme nackt erſchienen. Im erſten Augenblick hielt Leonore die ſonderbare Kleidung dieſes Menſchen für eine neue Art von Matroſenanzug, jetzt aber fiel ihr Blick auf eine eiſerne Handſchelle, die um das Gelenk der rechten Hand feſt genietet zu ſein ſchien, und nun gewann ſie die furchtbare Ueberzeugung, daß dieſer Menſch, der mit der Brandfackel ſo eben eintrat, ein entſprungener Galeerenſclave ſein mußte. Sie ſank von Schrecken überwältigt, einer Ohnmacht nahe, auf einen naheſtehenden Divan zurück, und jetzt wurde es ihr klar, welche gräßliche Bewandtniß es mit der verſprochenen Er⸗ leuchtung haben mußte. Die Galeerenſclaven waren befreit, um auf den Befehl der Volksführer und des Schiffsoffiziers, der in heimlichem Einver⸗ ſtändniß mit den Verſchworenen war, ein grauſiges Werk zu vollbringen. Es unterlag keinem Zweifel, daß dieſer abgeſendete Menſch ein Werkzeug der Rache Neapels war; aber was hatte ſie ver⸗ ſchuldet, daß ſie ein Opfer derſelben werden ſollte. Giulio mußte von dieſem Schickſal der Galeere bereits unter⸗ richtet geweſen ſein, daher ſeine Warnung. Der Menſch indeſſen ſchien nicht die geringſte feindliche Ab⸗ ſicht zu haben, denn er nahte ſich mit einem beſcheidenen An⸗ ſtande, überhaupt mit einem ziemlich abgeſchliffenen Weſen, welches eine frühere Erziehung in der großen Welt verrieth. — Es iſt hier ſehr einſam Signora,— ſprach er im Tone einer gewiſſen nachläſſigen Freundlichkeit, ich habe den Auftrag erhalten, Ihnen Geſellſchaft zu leiſten. — O ſanctiſſima Maria del Roſario! rief Leonore flehend, indem ſie ihre gefaltenen Hände emporhob, alſo lügt Dein ſchreck⸗ liches Aeußere und Du wärſt geſandt mir Rettung zu bringen; es ſollte Dir königlich belohnt werden! ige lan⸗ eit oder ſecken zu es, ſein bedeck, nel kurz, leidung tr aber Gelenk gewann mit der renſclave ht nahe, es ihr ien Er⸗ efehl der Einver⸗ Werk zu Menſch ſie ver⸗ s unter⸗ liche Ab⸗ nen An⸗ Weſen, ieth. im Tone Auftrag flehend, n ſchrec⸗ bringen; 113 — Der Lohn macht ſich von ſelbſt Signora, entgegnete er mit einer fürchterlicher Galanterie, mir war lange nicht das Glück zu Theil, mich in der Geſellſchaft einer ſo ſchönen, jungen Dame allein zu befinden. Ein Fröſteln des Entſetzens durchrieſelte ſie, denn ſie fühlte, daß ſie der rohen Gewalt dieſes Menſchen Preis gegeben ſei. — Sorge nur, wenn Du mir gefällig ſein willſt, daß hier die Kajüte hell erleuchtet wird, ſagte ſie mit leiſer Stimme, doch—— Himmel— Menſch— Ungeheuer— was bedeutet das?!— Feuer!— So kreiſchte ſie, und verzweiflungsvoll ſich emporraffend, verſuchte ſie, ihm die Fackel zu entreißen, doch zu ſpät, das Gräßliche war geſchehen. — Sie wünſchten die Kajüte hell erleuchtet, zu Befehl, ma dama, verſetzte er lächelnd, indem er die reichen Fenſtergar⸗ dinen angezündet und gleichzeitig leuchteten auch praſſelnde Flam⸗ men durch die Glasthüren der vorderen Kajüte herein, denn er hatte ſchon vor ſeinem Eintreten in die Takellage Feuer gelegt. Im erſten Schreck ſchlug Leonore ein Fenſter ein, gleichſam, als wollte ſie von Außen Hülfe rufen. Aber hier zeigte ſich das weite Meer, tief genug wogend, um in den öden Schooß einer ewigen Ruhe eine Verzweifelnde aufzunehmen, und dort weiter hinaus ein ſchrecklich ſchönes Schau⸗ ſpiel, da glühte und flammte es rings umher. Das ganze Schiffsgeſchwader ſtand in hellen Feuerflammen; man hatte ſich nicht damit begnügt, nur die Galeere anzuzünden, welche das Geld enthielt, ſondern auch die ſie begleitenden Fahr⸗ zeuge in Brand geſteckt. Der Offizier hatte ſich mit ſeiner Mannſchaft unter einem geheim gebliebenen Vorwande entfernt, nur Leonore war zurück⸗. geblieben. Die Unglückliche ſank, an der Rettung ihres Lebens ver⸗ zweifelnd, ohnmächtig auf den getäfelten Boden nieder. In wilder unaufhaltſamer Wuth ergriffen die Flammen die polirten Wände von Mahagoniholz und die koſtbaren Meubel und die Gefahr wurde in jedem Augenblick fürchterlicher. Der Galeerenſclave hob die Ohnmächtige auf und ließ ſie auf ein Sopha nieder, das von dem Feuer noch nicht ergriffen war. — Aus der Ohnmacht will ich Dich ſchon wecken, ſchöne Das Hpfer von Amalſi.(Bv. 1.) 8 — 114 Signora, murmelte er vor ſich hin, indem er von den Zünd⸗ löchern beider Zwölfpfünder die Hauben abnahm; das Gold, nach dem der ſpaniſche König gedürſtet und das Dein Vater eingeſcharrt, fuhr er mit düſterer Stimme fort, wird jetzt ge⸗ ſchmolzen, um Dich zu vergolden; ſchade nur, daß ich mir nichts davon mitnehmen kann. Nach wenigen Augenblicken fielen von den brennenden Gar⸗ dinen Funken auf das Pulver und ein furchtbarer Doppelknall aus beiden Kanonen erſchütterte die Schiffsräume und erfüllte die Kajüte mit Dampf. Leonore zuckte heftig zuſammen, ſprang empor, aber von neuem Entſetzen ergriffen, ſank ſie wieder zu Boden, ohne jedoch völlig das Bewußtſein verloren zu haben. — Es ließe ſich doch vor dem heiligen Antonio und meinem Gewiſſen nicht verantworten, ſprach der fürchterliche Menſch vor ſich hin, wenn man ihr nicht Zeit geſtattete, für das Heil ihrer Seele zu ſorgen; es iſt überhaupt ein gräßliches Ende im Rauche zu erſticken.— Auf dem Verdecke macht ſich die Sache beſſer, Gottes Blut, man iſt doch immer Menſch und hat auch noch ſeine ſchwachen Seiten. Damit nahm er die Unglückliche, welche zu erſchöpft war, um ſich widerſetzen zu können, in ſeine Arme und trug ſie raſch durch Rauch und Flammen hinaus auf's Verdeck. Hier aber zeigte ſich die Wuth der Flammen dem Blick noch ſchrecklicher. An den betheerten Tauen und dem Labyrinth einer unermeßlichen Takellage loderten die Flammen wie Fackeln und wanden ſich empor zu den Segeln der dicken Maſtbäume. Von unten aber tief herauf durch die Schiffsluken quoll der P Dampf des wie ein ächter Vulkan im Innern glühenden ſchiffes, als wäre es in den Veſuv verwandelt, der in kurzer Entfernung ſein Haupt erhob in ruhiger Majeſtät, gleichſam als wollte er, der Herr der Feuergeiſter ſich einmal das Schauſpiel eines andern brennenden Coloſſes verſchaffen. Ein erſtickender Theergeruch verbreitete ſich mit den dicken Rauchwolken, die ſchwer über das Verdeck dahinrollten. Der Galeerenſclave betrachtete mit jener unerklärbaren Luſt am Furchtbaren, Gewaltigen, welche Mordbrenner ſtets empfinden, ſollen, während ſie die zerſtörende Macht des Elementes erblicken Zünd⸗ Gohd, Water etzt ge⸗ nichts n Gar⸗ pelknall erfüllte der von e jedoch meinem ſſch vor il ihrer Rauche beſſer, 9 SG bat, um ie raſch ich noch th einer eln und uoll der ühenden n kurzer ſam als hauſpiel n dicken ren Luſt ppfinden, erblicken 11⁵ das ihre verruchte Hand angefacht, die praſſelnden Flammen und ließ ſich dann vor Leonore nieder. — Signora, nahm er mit plötzlicher Sentimentalität das Wort, die bei einer völligen Gefühlloſigkeit Grauſen erregen mußte, Signora, geſtatten Sie mir, Ihre Hand zu küſſen und eine Locke von Ihrem Haar mitzunehmen, damit mir ein ewiges Andenken von der holden Dame werde, die ich, meiner Pflicht und meinem Eide getreu— aufopfern mußte. Wozu ſollen Ihnen noch die ſchönen glänzenden Locken, fuhr er mit weicher Stimme fort, ein ſprühender Funke könnte Sie im näch⸗ ſten Augenblicke dieſes köſtlichen Schmuckes berauben, während mich ein ſolches Andenken zu den Glücklichſten der Sterblichen machen würde. — Hinweg Ungeheuer, grauſamer Tiger, laß mich Dein Höllenantlitz nicht mehr ſehen. Der Galeerenſclave ließ ein gräßliches Lachen hören. — Sie laſſen mir mit Unrecht dieſe Schmeicheleien zu Theil werden, ſagte er dann, wäre ich in der That ein Cannibale, ſo würde ich zu dem Scalpiermeſſer greifen und Haut und Haar von dem ſchönen Haupte trennen. Man kann unmöglich be⸗ ſcheidener ſein. Während dieſer Worte hielt ſeine Hand raſch einen blitzen⸗ den Dolch und war mit lächelnder Miene bemüht, eine von den herabgefallenen Locken Leonore's abzuſchneiden. Allein dieſe ſtieß ihn in Abſcheu und Empörung mit der letzten Kraft ihres Armes zurück. — Ich habe kein Glück mehr bei Damen, ſagte er mit einer gewiſſen Wehmuth, während er ſich erhob. Man ſoll auch nicht ſagen, fuhr er fort, daß ein Mann meines Schlages jemals un⸗ galant gegen das ſchöne Geſchlecht geweſen ſei, mich rufen übrigens andere Geſchäfte Signora, ich habe die Ehre mich Ihnen zu em⸗ pfehlen, für Ihre arme Seele werde ich Meſſe leſen laſſen, und ſollte ich einen Prieſter mit dem Dolche auf der Bruſt dazu zwingen müſſen; jedenfalls aber bitte ich auch Sie ſelbſt an Ihr ewiges Heil zu denken, denn die nächſten Minuten werden Sie nach dem Jenſeit befördern. Mit dieſen Worten eilte er gegen den Backbord und ſtieg ſchnell die Schiffstreppe hinab in eine, ihn dort erwartende Schaluppe. 8* — 116. Bald befand er ſich auf der hell erleuchteten Meeresfläche und war zwiſchen den brennenden Schiffen verſchwunden. Leonore aber befand ſich auf dem ungeheuern menſchenleeren Schiffe allein von den grauſigen Flammen umgeben, welche die Rache eines lang unterdrückten Volkes angezündet hatten. Sie ſank auf ein Knie und erwartete betend ihr Ende. Der Räuber. 4 21 Wir wollen uns zur Porta Capuana, dem Thore, durch welches der Weg nach Puglia führt, hinaus begeben. 1 Nachdem wir die treffliche, in Stein gehauene Arbeit an der Außenſeite deſſelben bewundert haben, wandern wir nach dem, ohngefähr zwei Meilen von der Porta Capuana entfernt liegenden Poggio Reale, um die rechts von der Landſtraße in einer Niederung befindlichen Ruinen des Palaſtes della Regina Giovanna(Palaſt der Königin Johanna) in Augenſchein zu —— Ddieſe Ueberreſte ſind noch heute immer bedeutend, n men eine große Strecke ein und beſtehen aus Mauerwerk, Thürmen, maſſiven Rauchfängen und Wendeltreppen. ne Es mochte etwa Abends um die elfte Stunde ſein als die Ruinen im geiſterhaften Strahle des Mondes unheimlich ihre Thurmſpitzen wie geſpenſtige Rieſen zum Himmel emporſtreckten, als wollten ſie den Wanderer warnen, dem Orte zu nahen, wo nach der fabelnden Welt nur böſe Geiſter ihr Weſen trieben. Eine Geſtalt in einen Mantel gehüllt, ſtieg eine Wendeltreppe hiinnan und ſtellte ſich an eines der Fenſter, welches die Ausſicht auf den Veſuv, auf Caſtellamare, Capri und die Bai hatten; ſie blickte unverwandt nach einer Richtung hin, als erwartete ſie Jemand. 1AS nehmen. 5 eh⸗ esfläche nleeren ſche die de. durch. beit an ir nach entfernt aße in Regina hein zu d, neh⸗ uerwerk. als die ich ihre ſtreckten, hen, wo eben. deltreppe Ausſicht tten; ſi artete ſte 117 Hier ſtand ſie und dachte jener unglücklichen Johanna, die einſt vielleicht oft an eben dieſem Fenſter weilte. e — Wo iſt ſie nun, die Gebieterin dieſes herrlichen Landes? begann die Geſtalt, in welcher wir, nachdem ſie ihren Mantel fallen ließ, einen Mann erkennen; die Herrin über das Schick⸗ ſal von Millionen, die ſchöne, mächtige und ſtolze Johanna, Gräfin von Provence, Königin von Neapel. Ihre Verbrechen ruhen wie ihre Reize im düſtern Grabe, ihr Herz, welches einſt ſo lebhaft ſchlug und andere Herzen zum heftigen Schlagen be⸗ wegte und oft auch brach, iſt längſt zu Staub geworden. G Jetzt ſeufzt ein Volk, nicht minder unglücklich als damals, Johanna fiel dem Schwerte der Gerechtigkeit anheim, die Tyran⸗ nen, welche heute das Land verheeren, wird ein gleiches Schick⸗ ſal treffen;— aber wo ſie nur bleiben?. Er ſtieg die Wendeltreppe wieder hinab, gelangte zu einem Trümmerhaufen und von hier nach einem andern Theile der Ruinen, offenbar in der Abſicht, diejenigen aufzuſuchen, welche ſiicch vielleicht ſchon hier befanden. Er ſtieg wiederum eine Treppe hinauf und befand ſich in einem noch leidlich erhaltenen großen Gemache, welches einen eigenthümlich ſchauerlichen Anblick gewährte. Im Lichte des Mondes zeigten ſich hier lebensgroße Büſten in Helm und Harniſch aus Stein gehauen, welche regungslos daſtanden, als wären es Ahnen, die ihr Stamm⸗ 1 ſchloß bewachten und dem etwa Nahenden den Zugang ver⸗ weigern wollten. Der nächtliche Gaſt dieſer Ruine betrachtete einige Augen⸗ 4 — blicke dieſe Schauergeſtalten, dann lehnte er ſich an einen Pfeiler und verſank in Gedanken. Kurze Zeit hatte er ſo geſtanden, als ſich plötzlich Geräuſch vernehmen ließ und nahende Tritte hörbar wurden. — Sie kommen, ſagte der Fremde. Bald darauf nahten ſich fünf Männer, welche Fackeln trugen, und ihr düſtrer Schein beleuchtete dieſen geſpenſterhaften Raum mmit ſeinen Steingeiſtern. — Gebenedeit ſei Madonna del Carmine, rief der Mann, deer ſich zuerſt hier eingefunden hatte, lebhaft aus, indem er einen der Nahenden umarmtez ach, ich hätte nicht gedacht, daß ich Dich wiederſehen würde. 118 — Und auch ich hoffte nicht auf das Glück, Dich in meine Arme zu ſchließen, nachdem ich Dein trauriges Schickſal er⸗ fahren habe. — Ich danke meine Rettung dieſem edeln Manne, dem Fiſcher von Amalfi, der mit eigener Lebensgefahr ſich dem Kerker nahte, einen der Wächter niederſchoß, wie es ihm gelungen, die Andern zu gewinnen, blieb mir bis jetzt unbekannt, doch möge er ſelber ſprechen. — Ich flehte, ich bat, ich beſchwor, nahm Maſaniello das Wort, das iſt Alles, was ich that, allein es wäre mir die Ret⸗ tung nicht gelungen, wenn nicht unter der Beſatzung ſich zwei Neapolitaner befunden hätten, ich führte den Prinzen nach meiner jetzt verödeten Schifferhütte auf Amalfi, wo er bis zum Aus⸗ bruche des Aufſtandes verweilen ſollte, und nur jetzt kam er hierher, um Sie wieder zu ſehen, deſſen Anweſenheit er in Neapel erfahren hatte. — Ja, mein Salvator, es trieb mich hieher, Dich in meine Arme zu ſchließen; auch die übrigen Freunde ſind gerettet, aber vor allen Dingen ſage mir, wie es Dir ergangen?. — Ich war gezwungen drei Jahre unter den Räubern zu leben, verſetzte Salvator mit trauriger Stimme, aber ich werde jetzt Gelegenheit haben, an dieſen Schurken Rache zu nehmen; Du wirſt von unſerm Bunde, der Todesgeſellſchaft gehört haben? — Maſaniello ſagte mir Alles, doch fort von hier nach Neapel, dorthin ruft mich eine heilige Pflicht. Maſaniello und Salvator Roſa erhoben Einwendungen, allein vergebens, Giulio Caraffa wies dieſe mit Entſchiedenheit zurück und wenige Augenblicke ſpäter verließen die Männer die Ruinen der Königin Johanna. Giulio blickte in die vom Mond beleuchtete Landſchaft, weh⸗ muthsvolle Erinnerungen beſchlichen ihn, und der Gedanke an ſeine Familie tauchte in ſeiner Seele auf. — Ich muß ſie ſehen, murmelte er, vielleicht zum letzten Male.— Du, mein Freund, wendete er ſich dann zu Salvator Roſa, willſt Du mich nach dem Schloſſe meines Vaters begleiten? Man wird ſich freuen, Dich dort zu empfangen, wir verweilen einige Stunden und gehen dann direkt nach Neapel. Mit pochendem Herzen ſagte Salvator Roſa zu, und trennte ſich in Begleitung Giulio's von den Uebrigen. A als N hinüb iſt er funfe zun Ihnen ihn de einer kenne ſue meine ſal er⸗ e, dem Kerker gen, die h möͤge ello das ie Ret⸗ ich zwei meiner m Aus⸗ kam er Neapel n meine et, aber bern zu ſch werde nehmen; thaben? ier nach ndungen, iedenheit nner die ift, weh⸗ danke an n letzten Salvator egleiten? verweilen d trennte ’ 119 Allein, kaum hatte ſich Giulio und ſein Freund entfernt, als Maſaniello hinter ihnen erſchien. — Wir dürfen uns nicht trennen, ſagte er, wir müſſen hinüber, wo unſer Patriarch wartet. — Der Patriach? fragte Giulio aufmerkſam, und wer iſt er? — Der einſtige Sachwalter des Volkes, der vor etwa funfzehn Jahren, als der Herzog von Oſſuna Vicekönig war, zum Tode verurtheilt und kurz vor ſeiner Hinrichtung gleich Ihnen entkommen war. Er iſt betagt und darum nennen wir ihn den„Patriarchen“. Vor zwei Tagen zurückgekehrt, hat er in einer der Hütten Atrani's Obdach gefunden. Sie müſſen ihn kennen lernen, es kann nicht anders ſein. Giulio überlegte einige Augenblicke und ohne eine Wort zu erwiedern ſchlug er und Salvator Roſa den Rückweg ein. In einer Hütte wachte einſam ein ſeltſamer Mannz er hatte ſchon mehrere Stunden der Nacht in unruhigen Gedanken zugebracht, bald horchend, bald wieder in tiefes Sinnen ſich verlierend. 1 Sein Anzug verrieth, daß er zu einer Klaſſe gehörte, die ſehr fern von den Genoſſen ſtand, die hier eintreffen ſollten, dä er ein prieſterliches Gewand trug. Noch weniger aber ſchienen ſich ſolche Zuflucht und das Nachtwachen für das hohe Alter des Mannes zu eignen, der mehr als achtzig Jahre zählte und ſeine hageren Wangen, ſeine Fuchsaugen, ſeine kahle, breite und hohe, von unzähligen Run⸗ zeln gefurchte Stirne konnten die Lebensweiſe andeuten, die er in dieſer langen Zeit geführt hatte. Dieſer Mann, ſtets in zahlloſe Anſchläge und Ränke ver⸗ wickelt, war durch verſchiedene Glückswechſel von Dürftigkeit zu Neichthum gegangen, von Glück, Chrenſtellen und Vertrauens⸗ ———— 120 ämtern bei Fürſten zu Ungnade, Verurtheilung zum Tode, Flucht und Verbannung herabgeſtiegen. Er hatte zwanzig Jahre dieſes leidenvollen Lebens in einem Kerker auf der Küſte Afrika's zugebracht, aber ſeine eiſenfeſte Geſundheit ertrug Alles, und ſein Leben ſchien aufgeſpart für die Stunde, die nun herankommen ſollte. In ſeinen ſpätern Jahren hatte er ſich unter die, Alles be⸗ ſchützende Fahne der Kirche geſtellt und ein Gewand angelegt, das viele Makel früherer Vergangenheit rein waſchen konnte. Es würde ſchwer ſein, die Argliſt, die Bosheit, die ſeltene Erfahrenheit und die geiſtvolle Verſchlagenheit zu ſchildern, welche die Züge dieſes alten Mannes andeuteten. Sein Haar war ſchneeweiß wie der lange ſpitze Bart, ſeine Haut weicher als die eines Kindes, aber von glasartigem und leichenhaftem Anſehen, ſein Auge groß und ſein Blick zwar etwas unſtät, doch durchbohrend und wild. Ueber alle Züge dieſes merkwürdigen Geſichtes aber hatte Ehrſucht, die herrſchende Leidenſchaft ſeines langen Lebens, einen Adel gebreitet, der ihren Ausdruck erhöhte. Seine Hal⸗ tung war eine ſehr gebückte, aber die hervorragenden Knochen ſeiner kräftigen Geſtalt, nicht mehr gerundet von den fleiſchigen Muskeln, die ihnen einſt Anmuth gegeben haben mochten, glichen Baumſtämmen, von tauſend Stürmen gexpeitſcht. Noch hatte keine Gebrechlichkeit der Sinne den alten Mann erinnert, daß andere Gedanken, wie etwa die, an das Grab—, für ſeine Seele geeigneter wären. Dieſer Mann war Caleſto Fabruzzio, deſſen Maſaniello ſchon Erwähnung gethan. Er war nach einer zwanzigjährigen Abweſenheit heimgekehrt, mit neuen Verbrechen belaſtet und in ſeiner Bruſt regte ſich geſchärfter Haß gegen ein Geſchlecht, das ihn während ſeines ganzen Lebens verfolgt hatte, Er neigte ſein Ohr nach der Thür der Hütte, als der erſte ſchwache Ton nahender Tritte zu ihm drang. Nach kurzem Lauſchen verbreitete ſich ein mattes Lächeln über ſein Antlitz und in ſeinem Auge verkündete ſich, wie bei einem„Gettatore“ jener eigene und unheilverkündende Blitz, der den Menſchen Furcht und Haß einflößte. Plötzlich ſtand ein Menſch vor ihm, deſſen Aeußeres nicht der gegen folg R rau Ener unſer Euch nicht nam glied ſum Guch wit Aleir zur Zei auf die n Tode, in einem eiſenfeſte dart für Alles be⸗ ungelegt, onnte. te ſeltene ſchildern, art, ſeine gem und ich zwar eer hatte Lebens, we Haͤ⸗ Knochen geiſchigen glichen n Mann Grab— faſaniello ingekehrt, regte ſich n' ſeines der erſte wie bei Blitz, der eres nich 121 minder ſchreckenerregend war, als ſeines; es war ein groß ge⸗ wachſener Menſch, breitſchulterig mit kühnen, trotzigen Zügen und grauſamem, wildem Ausdruck in den dunkelglühenden Blicken. — Eine gute Stunde möge uns vereinen, ſagte der Alte, die dürre Hand dem Fremden entgegenſtreckend; ich tadle Euch Paolo, daß Ihr Euch zu einem Schandſtücke habt brauchen laſſen.— — Seine Erellenz, Don Herandez hat uns nach Neapel gerufen, um ſeine Hoheit den Vicekönig zu beſchützen, ſie haben uns für eine Stunde in eine Uniform Zeſteckt, aber nur eine Stunde lang; Gottes Blut, das ärgerte uns, wir haben uns die Sache überlegt und wollten unſern Beiſtand lieber dem hart bedrängten Volke weihen. — Von Euerm Standpunkt habt Ihr Recht Paolo, verſetzte der Alte mit grinſendem Lächeln, denn ſobald Ihr Eure Dolche gegen die Regierung wendet, wird Eure Plünderung mehr Er⸗ folg haben, als bei dem ausgeſogenen Volke. — Das wollte ich nicht ſagen, verſetzte der Bandit, der Räuber braucht nicht immer Räuber zu ſein, wir morden und rauben nur in unſerm Reiche, den Abruzzen— — Gleichviel, fiel ihm der Alte haſtig in's Wort, mir gilt Euer Treiben gleich, jedenfalls aber ſtellt Euch vorläufig unter unſere Befehle, alſo die, der Lenker des Aufſtandes, bis ich Euch andere Ordre gebe. Vor allen Dingen gefällt es mir nicht, daß ſich Maſaniello mit einigen Edelleuten eingelaſſen hat, namentlich iſt mir dieſer Giulio Caraffa ein unliebſames Mit⸗ glied, Art läßt nicht von Art, und ich wünſche ihn lieber zum Teufel, als bei den Unſrigen; doch, man kommt, entfernt Luch raſch, man darf Euch bei mir nicht ſehen, es wird Maſaniello mit ſeinen Leuten ſein. Kommt morgen wieder, wir müſſen ſtets allein unterhandeln. Der Räuber wollte ſich entfernen, allein der Alte hielt ihn zurück und verbarg ihn in ein Nebengemach. — Sie ſind ſchon zu nahe, ſagte er, Ihr habt nicht mehr Zeit fortzukommen, liegt ruhig, wie in den Abruzzen, wenn Ihr auf Beute lauert. In der That ließ ſich ein Geräuſch vernehmen, ehe ſich jedoch die Thür öffnete, hatte das ſcharfe Ohr des Horchers aus den 122 Schritten, die ſich nahten, die Zahl und den Charakter ſeiner Gäſte errathen. Der erſte Ton, der zu ihm drang, rührte von einem kräf⸗ tigen und ſchweren Fuße her, der feſt auftrat. Gleich nachher folgte der ſchnellere und ſtärkere Schritt jugendlicher Aufregung und endlich ein leichter und geräuſchloſer Tritt, der kaum die Laſt einer Menſchengeſtalt zu tragen ſchien; der Tritt eines Menſchen, der gewohnt iſt leicht zu gehen. Der Erſte, der in die Hütte trat, war Maſaniello, ihm folgte die übrige Zahl der Edelleute und Salvator Roſa, den der Alte genau kannte. Ein höhniſches Lächeln flog über die Züge des Letzteren als er an die ſchwer vereinbarenden Eigenſchaften und Beſtrebungen des Jünglings dachte, der für einen Maler, Dichter, Markt⸗ ſchreier und Tonkünſtler galt, nun aber war er ein Verſchwörer. Dieſe Gäſte gehörten eigentlich nicht zu denen, die ſchon in der Nacht zuvor in die Hütte des Alten kamen; nicht zu Weſen, welche die rothen Blitze einer gewaltigen Umwälzung ſchleuderten, die ſich zum Verderben ihrer Feinde und Freunde vereinten, um die Paläſte zu bezeichnen, die der Zerſtörung geweiht ſein ſollten. Der Strom, der ſeine Quelle in der Höhle hatte, wo man ſich verſchworen, floß träge zu den ſchmutzigen Hütten des Pöbels ab, war zwar noch nicht an das helle Tageslicht gekommen, als es aber geſchah, ſah man, daß ſeine Wellen blutig und ſeine Opfer Aſchenhaufen waren. Zu dieſen zählten ſich namentlich die Räuber, welche ſich in dieſer Hütte des Alten zu der Blutmahlzeit verſammelt hatten, die bereitet werden ſollte. Ihnen gegenüber und den jetzt angekommenen Gäſten ſpielte Celeſto, wie wir bereits bemerkt haben, zwei Rollen. Die Männer begrüßten ſich nicht; der Greis, der Pater Anſelmo angeredet wurde, ſaß jetzt an einem plumpen Tiſche, der aus zwei ſchmalen, auf Tonnen genagelten Brettern beſtand; das Geſpräch, welches begonnen wurde, intereſſirt uns in ſeinem ganzen Inhalte nicht, da es Gegenſtände betraf, die uns zum Theile bekannt waren; es ſollten ja auch nur dem alten Celeſto diejenigen Edelleute vorgeſtellt werden, welche ſich an der Ver⸗ ſchwörung betheiligten; nur ſoviel ſei geſagt, daß die Letztern — dem al auf il wollte früher der R G der P chäge ds ſchi Verder er ihr W Ande ſtäͤnd Geſp ( Jüge mar wer und des ſein dieſe zum geher Räub erbän Feſte ſeeden los und gen liner ſeiner n kräf⸗ Schritt ſchloſer ſchien; ), ihm à, den ren als bungen Markt⸗ hwörer. chon in Weſen, derten, tA, eiht ſein wo man Pöbels hen, als ad ſeine eſich in hatten, n ſpielte t Pater 1 Tiſche, beſtand; n ſeinem uns zum n Celeſto der Ver⸗ Lettern 123 dem alten Celeſto durchaus nicht behagten und daß er im Stillen auf ihr Verderben ſann. Wohl mehr von Ehrgeiz getrieben, wollte er ſelber der Beherrſcher des Aufſtandes ſein, der ſchon früher, als an dem anberaumten Tage losbrechen ſollte, damit der Regierung nicht Zeit bleibe, ſich dagegen zu rüſten. Giulio Caraffa war ebenſowenig in ſeinem Innern von der Perſönlichkeit Celeſto's eingenommen, er hörte ſeinen Vor⸗ ſchlägen zu, unterließ es aber ſich irgendwie hineinzumiſchen; es ſchien ihm aus dem ganzen Weſen dieſes Alten das leibhafte Verderben entgegen zu leuchten, und nur bisweilen unterbrach er ihn durch einige ſchlagende Worte. Bald entfernte ſich Maſaniello mit Giulio Caraffa und den Anderen, welche nicht mit den Vorſchlägen Celeſto's im Einver⸗ ſtändniſſe waren. Gleich darauf kam der Räuber zum Vorſchein, der dem Geſpräche ſtumm zugehört hatte. Ein finſteres Lächeln hatte ſich über Celeſto's leichenhafte Züge verbreitet. W — Dieſer Maſaniello iſt ein ſonderbarer Menſch, ſagte er, man hat ſein Weib in's Gefängniß unter das niedrigſte Geſindel werfen wollen, weil ſie es verſucht hatte, etwas einzuſchmuggeln, und da er nun mit einigen Dukaten, die er der Mildthätigkeit des jungen Caraffa verdankt, davongekommen iſt, ſo ſcheint er ſein Buſenfreund geworden zu ſein. Hört Paolo, wir können dieſe Leute alle nicht gebrauchen, wir werden aber gute Miene zum böſen Spiel machen und vorläufig mit ihnen Hand in Hand gehen, bis wir gegen ſie auftreten können. — Auch ich will nicht mit ihnen fraterniſiren, ſagte der Räuber mit dem Fuße wild auf den Boden ſtampfend, ſie ſind erbämliche Feiglinge, die den Aufſtand durchaus nicht vor dem Feſte del Carmine eröffnen wollen, bis dahin verrinnen noch ſieben Tage, für die Regierung Zeit genug, ſich zu waffnen; nein Pater Anſelmo, ſchon morgen, wie Ihr es wollt, ſoll es los gehen, ich mit meinen Leuten werde Sorge tragen. — So iſt es gut, rief Celeſto, es muß gehandelt werden und eine gewiſſe Ordnung der Dinge eintreten, vor allen Din⸗ gen müſſen wir die Edelleute entfernen. Der Räuber deutete mit einer rohen Handbewegung auf Finen, im Gürtel ſteckenden Dolch. — 124 — Davon ſpäter, ſagte Celeſto leiſe, indem er eine ab⸗ wehrende Bewegung machte; der junge Caraffa verſteht es, ſich beliebt zu ma einzelne Handlungen wohlberechneter Lie n aes jee die ſeine, wird, wie wir an Maſaniello ſehen, die Thatkraft tapferer Männer gefeſſelt und wir werden wie Hunde zwiſchen Züchtigungen und Liebkoſungen gehalten, die willigen Sclaven des Adels; darum muß er vernichtet werden und Giulio Caraffa's Blut ſließen wie das aller übrigen Edel⸗ leute, wenn wir die Blutbühne erſt errichtet haben, und nun Eure Namensverzeichniſſe feiner Edelleute, fuhr er in heftigerem Tone fort, ihre Würde wird ſchwerlich dabei leiden, wenn wir einige Namen von geringerer Bedeutung mit ihnen vereinigen, die ich noch hinzuzufügen wünſche. Wir brauchen Gold und ein Schock Steuereinnehmer werden es uns ebenſo liefern als größere Leute, und Ihre Häuſer ebenſo luftig lodern als die Paläſte des Adels. 4* Der Räuber überreichte ihm die begehrte Liſte, und mit düſterm Lächeln überblickte der Alte das Papier. — Wer mit mir eine Rechnung abzumachen hat, ſoll ſie voll und pünktlich bezahlen; die hier Aufgezeichneten ſind Alle in meiner Schuld, fügt hinzu, ſo viel Euch beliebt, wenn nur der Herzog von Arcos oben anſteht, ſo bekümmere ich mich nicht um die übrigen Namen; es giebt Gefängniſſe und Paläſte genug, deren Brand den Flammenſchein des Veſuv's in den SHintergrund drängen kann. *— Laßt mir das Papier bis morgen, ich will die, dem Caraffa natürlich nicht fehlen ſoll. Bater und Richter. Im Palaſte des Herzogs von Mattalone herrſchte tiefe Trauer, er, ſeine Gattin und ſeine Tochter befanden ſich in einem Zim⸗ mer, ohne daß auch nur ein Wort gewechſelt wurde; die Nachricht Tode geweihten Namen hinzufügen unter denen der, des jungen Jüngl erig ue getre gedr „ Mo ſeinen von Anſtr ab⸗ ſich neter niello erden alten, erden Edel⸗ nun gerem mwit ngen, d ein ößere aläſte mit K& K d Alle n nur mich taläſte 1 den ‚dem hungen grauer, Zim⸗ jchricht —zz—— b 12⁵ von der Hinrichtung ſeines Sohnes war ihm ſchon einen Tag zuvor geworden und heute, ſeiner Meinung nach, das gräßliche Urtheil vollſtreckt. Er ſtand in einer Fenſterniſche und blickte hinaus auf das ſtille Meerz wenngleich der Schmerz um den Sohn das Herz zu brechen drohte, ſo behielt doch andererſeits die Ruhe oberhand über dieſes ſtarke, unbeugſame Gemüth. Im Hintergrunde des Zimmers ſaßen Mutter und Tochter ſich ſchweigend gegenüber, man wollte die Thränen verbergen, um nicht durch dieſe Zeugen verzweifelnder tiefer Trauer den Schmerz gegenſeitig zu ſteigern. Endlich erhob ſich die Herzogin wie von einer plötzlichen Entſchloſſenheit erfüllt, und trat zu ihrem Gatten. — Man hat heute Deinen Sohn ermordet, Rodrigo, ſagte ſie mit eiſiger Ruhe. — Er iſt nicht gemordet, er iſt nur geſtraft, verſetzte der Herzog düſter, denn er hat an der Regierung gefrepelt. — O Ihr Männer mit Euern eiſernen Herzen, ſeufzte die Herzogin, Ihr wollt die gräßlichſten Blutthaten unter dem Vor⸗ wande verletzter Pflichttreue beſchönigen. Giulio war noch jung, er hatte gefehlt, aber ſicher nicht in dem Grade, um ein ſo grauſames und ſchmachvolles Ende zu erleiden; bedenke mein Gatte, ſie haben Dir den letzten Sproſſen Deines alten Ge⸗ ſchlechtes geraubt, der Glanz Deines Hauſes iſt erloſchen, Dein Name, einſt ſo leuchtend in der Geſchichte, wird vergeſſen ſein, großer Gott, Mann, wie Du ruhig bleibſt, man hat heute das ſchöne Haupt Deines Kindes vom Blocke fallen laſſen!— Nein, Du fühlſt nicht, was eine Mäütter leidet, Du biſt nur der Vater, der lächelnd auf das Kind geblickt, den Knaben mit der ruhmreichen Geſchichte ſeiner Ahnen bekannt gemacht und den Jüngling oft mit herben Vorwürfen geſtraft, wenn er ſeiner feurigen Phantafie nicht die von Dir gewünſchten Feſſeln an⸗ legte— ich— bin ſeine Mutter, habe ihn unter meinem Herzen getragen, das geliebte Haupt des Säuglings an meine Bruſt gedrückt, den geliebten Mund geküßt als er mir das erſte ſüße „Mama mian entgegenſtotterte. Wie viele Nächte habe ich an ſeinem Bettchen gewacht, wenn er litt habe ich ihm die Thränen von den Wangen geküßt!— ich fühlte nichts von den raſtloſen Anſtrengungen, denen ich ſo oft ausgeſetzt war, in jeder Auf⸗ 126 opferung lag ein Lohn, in jedem Lächeln eine Seligkeit;— ja die Herzensſchläge einer Mutter ſind anders, als die kalten, ge⸗ meſſenen Pulſe des Vaters. Sollte ich nun dieſen einzigen Sohn geboren haben, um ſein Haupt auf dem Schafeott fallen zu ſehen? Nein, mein Gemahl, Prinz von Caraffa, Herzog von Mattalone, dulden Sie es nicht, daß man Ihr Wappen zer⸗ brochen und den letzten Sprößling Ihres Hauſes den Tod eines Verräthers ſterben ließ. Ich fordere Sie auf, Rache zu nehmen an ſeinen Henkern Herandez und Arcos, auf, auf, Alles mahnt zur Rache, zur blutigen Rache! Blanka, welche bisher ſich ſchweigend ihrem Kummer über⸗ laſſen hatte, brach bei den lauten, eindringlichen Klagen ihrer Mutter in Schluchzen aus. — Zur Rache, zur Rache mein Vater! rief auch ſie, dieſe Genugthuung fordern der trauernde Vater, der edle Neapolitaner und die Manen des Enthaupteten. Du gleichſt einem Baume, den man ſeines ſchönſten Schmuckes beraubt. — Mir bricht das Herz, nahm Mattalone mit dumpfer Stimme das Wort, ja, ſie haben mir den Sohn genommen, allein ſie durften nicht anders, ſie mußten den Edelleuten und dem Volke ein warnendes Beiſpiel geben, freilich iſt es bitter, daß man gerade aus dem Hauſe Caraffa ein Glied auf dem Schaffotte bluten ließ, es iſt der erſte Schandfleck auf dieſem makelloſen Geſchlecht; aber, fuhr er fort, indem die Adern auf ſeiner Stirn mächtig anſchwollen, ich will Rache nehmen, aber nicht an dem Herzog, er iſt der Stellvertreter des Königs, auch nicht an Herandez, er iſt der Winiſte aber an den Rebellen; furchtbar ſoll mein Schwert unker ihnen wüthen, und ich will den Säugling in der Wiege nicht verſchonen. In dieſem Augenblick ließ ſich das Geräuſch nahender Tritte vernehmen, und ehe noch die beſtürzte Familie Zeit hatte, ſich umzublicken, befand ſich— Giulio in ihrer Mitte. Die beiden Frauen ſanken an ſeine Bruſt, der Herzog ſtand ruhig, aber ein leiſes Beben ſeiner Arme verrieth die innere Bewegung. — Du lebſt, Giulio? nahm er mit leiſer Stimme das Wort, hat man Dich begnadigt? — Weder mich, noch meine andern Gefährten, wir danken * dem we aus del Blicken Gefand 3 ſie den überlie wir na 6 hettſch unbem Herzog Ei alls I befreit um ve Nein hob, d angen Weihr darf nicht wird Kumm Mutte der Verſ des Gefa von? — jd ¹ ge⸗ zigen fallen von zer⸗ eines hmen rahnt über⸗ ihrer dieſe itaner aume, mpfer awdd, n und bitter, f dem dieſem n auf „aber , auch bellen; h will Tritte e, ſich ſtand innere Wort, danken 127 dem wackern Fiſcher von Amalfi, durch deſſen Vermittelung wir aus dem Caſtel Nuovo entkamen, unſer Leben. — Du biſt entflohen, Giulio? rief der Herzog mit finſtern Blicken, wohlan denn, im Namen des Königs— Du biſt mein Gefangener. — Rodrigo!— kreiſchte die Herzogin. — Vater! rief Blanka. Beide Frauen umklammerten Giulio, gleichſam als wollten ſie den Bedrohten mit ihren Körpern decken. — Es iſt meine Pflicht, den Rebellen der Gerechtigkeit zu überliefern, verſetzte) der ſtrenge Vater, in einer Stunde brechen wir nach Neapel auf. Die Frauen ſtanden wie verſteinert, ein furchtbares Schweigen herrſchte. Plötzlich warf ſich der junge Fremdling, welcher bis dahin unbemerkt an der Thür ſtehen geblieben war, zu den Füßen des Herzogs. Ein Blick genügte, um ihn zu erkennen. — Salvator Roſa! riefen Alle einſtimmig. — Ja, er iſt es, rief der Genannte, das Schickſal, das ihn aus langjähriger Gefangenſchaft aus den Höhlen der Banditen befreit, führte ihn nach Neapel zurück und auch in dieſes Schloß, um verſöhnender Vermittler zwiſchen Vater und Sohn zu ſein. Nein Excellenz, fuhr er fort, indem er die Hände flehend empor⸗ hob, der Mann, der ſich einſt eines vaterloſen armen Knaben angenommen, deſſen Herz für mich ein Altar iſt, auf den ich den Weihrauch ewiger Dankbarkeit ſtreuen muß, der Mann kann und darf nicht ſo ganz die väterlich Miebe zurückdrängen, er wird nicht ſeinen Sohn den Schergen zurückgeben, ſolchen Triumph wird er den Henkern Neapels nicht zu Theil werden laſſen, ſolchen Kummer nicht ſeinem eigenen und dem Herzen einer liebenden Mutter, einer klagenden Schweſter bereiten. — Der iſt nicht der Sohn eines Caraffa, rief der Herzog, der ſich herablaſſen konnte mit dem Pöbel in Gemeinſchaft eine Verſchwörung gegen die Regierung anzuzetteln; und im Namen des Königs, des Geſetzes, Prinz von Caraffa, Sie ſind mein Gefangener. Giulio, der bisher in ſtarrem Staunen dageſtanden, umarmt von Mutter und Schweſter, befreite ſich mit Gewalt von ihnen. — ———-— 3 —*— —— 128 — Laßt mich, meine Theuern, ſagte er, einen Kuß auf die Wangen Beider drückend, ſteht auf, Salvator, bittet nicht für mich, der Herzog von Mattalone wird nicht ein Haar breit von ſeinem Entſchluſſe weichen, ich kenne dieſen Mann, denn er iſt mein Vater; er iſt gut und liebt mich, ſein Herz blutet, während er mich den Henkern Neapels überliefern will. Ich will ihn nicht tadeln, obgleich der Pflicht von der er ſpricht, nur mißver⸗ ſtandenes Ehrgefühl zu Grunde liegt. Sie ſprechen von Geſetzen, mein Vater, fuhr er, zu dem Herzog gewendet, fort, welch' ein Geſetz herrſcht denn in Neapel? Können Sie die Steuererpreſſung, die Bedrückung des Volkes, die Blutwirthſchaft, die Verſchwen⸗ dungsſucht eines übermüthigen Hofgelages, Zuſtände, die gleich Vi⸗ pern, mit ihrem Giftſtachel das Herz des Landes verwunden, Ge⸗ ſetzlichkeit nennen? Können Sie Den König nennen, der ein, ihm nicht angeſtammtes, ſondern anerobertes Land der Willkür eines habſüchtigen Arcos überläßt, der in Gemeinſchaft mit einem aus⸗ ſchweifenden, ränkevollen und boshaften Herandez, dieſen Würg⸗ engel des Volkes alltäglich, ja allſtündlich neue Laſten auf den gekrümmten Rücken der Einwohner wälzt? Der wahre Edelmann iſt nur der, in deſſen Herzen das wahre Wohl des. Vaterlandes lebt, dies wird aber nur durch den Wohlſtand des Volkes, nicht durch den Beiſtand einer Regierung bedingt, die argliſtig nur ihre Eriſtenz im Auge hat; und ob auch darum Millionen Herzen verbluten, was kümmert es ſie, wenn nur jeder dieſer Blutstropfen einen Dukaten mehr in ihren Seckel wirft? Ein wahrer Edel⸗ mann darf bei ſolchem Treiben nicht gleichgültig ſein und wenn er ſich ſeiner armen, unterdrückten Menſchenbrüder annimmt, wenn er ihnen zugiebt, daß unſäglich leiden, ſie aufrüttelt aus ihrer Erſchlaffung, um das Joch zu zertrümmern, dann hat er nur ſeine Schuldigkeit[gethan, dafür ladet dann eine hoch⸗ weiſe Regierung in Geſtalt eines Arcos und Herandez dieſen Edelmann zu einem Hoffeſte ein, um ihn dort verrätheriſch zu verhaften, weil ſie es nicht wagt aus Furcht und aus mangelnden Beweisgründen eine öffentliche Anklage zu erheben. Kannſt Du mein Vater, oder Sie, Herzog von Mattalone, Prinz von Caraffa einen ſolchen Zuſtand durch ein heiliges Wort recht⸗ fertigen und von ihm„im Namen des Geſetzes“ ſprechen, dann — bin ich Ihr Gefangener. Der Herzog ſtand regungslos und blickte düſter vor ſich, vielleich leicht b W geſchloſ nahe, längete Hanſes einer △ 9' Waſſer das E G man Herzo nach! A ſtieß ſt d RA Herz Geſpt Letzter ſeiner 6 der h Beſch nehme erreic datta zum Pfe auf die ct für it von et iſt ährend ill ihn nißver⸗ eſetzen, ch' ein eſſung, ſchwen⸗ n, Ge⸗ n, ihm r eines m aus- Würg⸗ uf den aN rlandes 5, nicht ig nur Herzen tropfen r Eel⸗ d wenn mimmt, ffrüttelt ann hat ne hoch dieſen riſch zu agelnden nnſt Du inz von rt rcch⸗ en, dann vor ſic, 129 vielleicht fühlte er nur zu ſehr die Wahrheit dieſer Worte. Viel⸗ 4 leicht begann ein gewaltiger Kampf in ſeinem Innern. 8 Während deſſen hatte die Mutter den Sohn in ihre Arme geſchloſſen und Salvators Arm die bebende Blanka, dem Sinken nahe, geſtützt. — Es bleibt bei meinem Entſchluſſe, ſagte der Herzog nach längerem Schweigen, ich muß handeln, wie es die Ehre des Hauſes Caraffa gebietet, Du bleibſt mein Gefangener, und in einer Stunde brechen wir auf. Der Herzog hatte überlegt, ob die Reiſe zu Lande oder zu Waſſer gemacht wöorden ſollte, bald aber entſchloß er ſich für das Erſtere. Gegen Mittag ſenkte ſich die Zugbrücke des Schloſſ ſes und man ſah eine Schaar von ungefähr zwanzig Reitern, die den Herzog Mattalone, ſeinen gefangenen Sohn und ſeine Tochter nach Neapel geleiten ſollte. Die Mutter blieb zurück. Als Giulio die breite Treppe hinab ſeinem Vater folgte, ſtieß ſie einen herzzerreißenden Schrei aus und ſank ohnmächtig nieder. b3 d Der Zug ſetzte ſich in Bewegung; dicht an der Seite des Herzogs ritt Salvator Roſa, mit welchem er ſcheinbar in ein Geſpräch begriffen war. Ihnen voran ritten Giulio und Blanka; Letztere weinte, aus den Zügen Giulios aber war jede Spur ſeiner früheren Aufregung verſchwunden. Die Geſellſchaft hatte eine lange Reiſe vor ſich, welche in der heißen Jahreszeit und auf den ſteilen Wegen mit großen Beſchwerden verbunden war. Der Staatswagen des Hel⸗ folgte, um Blanka aufzu⸗ nehmen, ſobald man die Heerſtraße zwiſchen Salerno und Neapel erreicht haben würde. Das Gemüth Giulio's ſchien, als er die Landſchaftsbilder betrachtete, eigenthümlich bewegt. An der Stelle, wo die Thürme der Veſte auf Capo d'Orſo zum letzten Mal geſehen werden konnten, hielt er ſein Pferd an. Er wußte, welchen Weg er nahm, doch gleichviel, ob er in Gefangenſchaft geführt, oder in Neapel frei würde, er fühlte doch, wie gefahrvoll und dornig die Laufbahn war, auf welcher er vorwärts eilen mußte, und Trauer beſchattete ſein ſchönes Das Opfer von Amalfi.(Bd. 1) 9— - I . 45 7 1 1 130 Antlitz, aus dem aber immer noch der kühne, eutſchloſſene Geiſt ſprach. Blanka warf einen forſchenden Blick auf die Züge ihres Bruders, ſie ſah wie die Traurigkeit darin ſich allmählich ſteigerte, und auch ihr Herz bebte banger, ihre Zähren ſfloſſen reichlicher unter den ſchönen Wimpern hervor. Doch ſie unterdrückte die Worte, die auf ihren Lippen zitterten, als er haſtig ſeinen Blick von dem Landſchaftsbilde wegwendete und ihn auf ſie richtete. Blanka, ſagte er, ich werde dieſe Thürme zum letzten Male geſehen haben, ſelbſt dann, wenn ich nicht ſterben ſollte, wird mir der ſüße Anblick nicht mehr werden. Der Aufſtand wird losbrechen und die Paläſte und Schlöſſer derjenigen Großen, die gegen das Volk waren, werden die Beute der Flammen werden. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke. Die Hände, die ein Mittel gegen das Unheil ergreifen ſollten und es auch jetzt noch könnten, laſſen ſich von einer habſüchtigen Regierung willig Feſſeln anlegen. Unſer Vater, der ehrenhafteſte Ritter in der Chriſtenheit dient boshaften Creaturen, während er ſeine Kraft und das Anſehen, das er immer noch genießt, für das be drängte Vaterland geltend machen könnte, aber ich fürchte, er geht ſeinem Verderben entgegen. Da reitet er hin, befangen von verrotteten Vorurtheilen, ſeine Seele iſt wie angezaubert, ſein edler Geiſt, ſein heller Verſtand verblendet. Ich weiß es, man wird ihn früher oder ſpäter trotz ſeiner Ergebenheit den Bewohnern des St. Ermo oder des Caſtel Nuovo zugeſellen, da man ihn heimlich haßt, namentlich Herandez. Der einzige Troſt, der mir bleibt, iſt, daß Du wenigſtens einen Beſchützer in Sal⸗ vator Roſa finden wirſt. SiehPlanka, wie die Straßen leben⸗ dig ſind, haſt Du nicht bemerkt wie viele Tauſende von allen Volksklaſſen nach Neapel ſtrömen, welche Unruhe auf allen Ge⸗ ſichtern zu leſen iſt; ſteh' nur die wild flammenden Blicke dieſer ſonſt ſo friedlichen Landleute. Ich glaube nicht, daß man jetzt längs der ganzen weiten Küſte ein einziges Segel, einen einzigen Arbeiter in den Feldern und Weinbergen finden würde. Kein Zweifel, der Aufſtand bricht früher los, als man es ahnt, das Lärmgeſchrei iſt erſchollen und Alles eilt wie wir nach Neapel; der Streich wird fallen, noch ehe wir dahin kommen. — O das Schickſal iſt nicht zu umgehen, wir können nicht in die Speichen ſeines Rades hindernd greifen, wer vermag den Ausbri nach nicht( gerade wäre ſie, nie „ F befand dem erfah⸗ nißvo den 2 lichen vorhe zu ſ Vol ſeit reder Zöge der grißt Geiſt ihres gerte, licher e die Blick tte. etzten ſollte, ſſtand oßen, nmen ände, auch rrung er in ſeine Le⸗ e, er ungen Ubert, Fes, den n, da Troſt, Sal⸗ eben⸗ Ge⸗ dieſer jetzt zigen Kein das zapel; ht in den allen — 131 Ausbruch des gährenden Vulkanes zu hemmen; doch, fuhr ſ. nach einer Weile fort, warum haſt Du Leonora's Warnung nicht Gehör geſchenkt? 8 — Mein Gott, rief Giulio, welchen Namen nennſt Du mir gerade jetzt, Himmel, wenn das Admiralsſchiff ſchon abgegangen wäre und ſie mit ſich geführt, ſetzte er leiſe hinzu. — Was ſagſt Du da? fragte Blanka. — Sollteſt Du Leonore ſehen, verſetzte Giulio, ſo überrede ſie, nicht nach Madrid zu gehen. — Sei deutlicher mein Bruder. — Ich kann s nicht, rief Giulio mit einer gewiſſen Angſt, aber die Madonna von Carmel ſei ihr gnädig, ſobald ihr Fuß das Bord des„Carlos“ beſtiegen.— An demſelben Tage, während ſich die Reiſenden unterwegs befanden, hatten die ſchon erwähnten Unruhen in Neapel vor dem Schloſſe und in allen Stadttheilen begonnen; wir haben erfahren, welch' gräßliches Unheil am Abend dieſem verhäng⸗ nißvollen Tage folgte, denn mit Entſetzen denken wir noch an g 9 1 den Brand des„Carlos.“ Ehe wir indeſſen zu der, dem Feuertode geweihten unglück⸗ lichen Heldin unſerer Erzählung zurückkehren, müſſen wir einiger vorhergegangenen Ereigniſſe Erwähnung thun. So ſehr Alles zu den ſtattgefundenen Erceſſen vorhereitet zu ſein ſchien, ſo war doch dieſer Tag von den Führern des Volkes nicht zum Beginne des Aufruhrs auserſehen, und obgleich ſeit Tagesanbruch Agitatoren bemüht geweſen waren, den verab⸗ redeten Ausbruch zu beſchleunigen, ſo wurden ſie doch durch die Zögerung und Unſchlüſſigkeit der zahlreichen Volkshaufen wie⸗ der muthlos und betrieben die Aufwiegelungen nur mit der größten Behutſamkeit. 44* 9“ 132 Einige der Hauptverſchwörer hatten, wie wir gehört haben, in ihrer geheimen Zuſammenkunft ſich vorgenommen, die Ent⸗ ſcheidung ſchneller herbeizuführen. Mehrere Umſtände, die ſie nicht beherrſchen konnten und welche, wie ſie freilich zur Zeit noch nicht wußten, meiſt durch den geheimen und verderblichen Einfluß des Miniſters Don Herandez herbeigeführt wurden, hatten dieſen Entſchluß erweckt. Es war auch urſprünglich die Abſicht geweſen, erſt um die Mitte des Monats zu offener Empörung überzugehen und die Zwiſchenzeit zu benutzen, Alles zur Sicherung des Gelingens vor⸗ zubereiten.* Am ſechszehnten Juli, dem Feſte der heiligen Jungfrau del Carmine, deren Kirche an dem größten Marktplatze lag, ſollte der Aufſtand beginnen. An jenem Tage wurde dieſer Platz durch zahlreiche Schaaren belebt, die aus der ganzen Umgegend herbei⸗ ſtrömten. Luſtbarkeiten aller Art reizten die lebhafte Theilnahme des Volkes während dieſer langen Feſtfeier. Den Gipfelpunkt aber, und zugleich den ſeltſamen Schluß des Feſtes, bildete eine, durch alte Gewohnheit geheiligte wunderliche Nachahmung eines Kampfes der ritterlichen Normanniſchen Vorfahren gegen die Ungläubigen. Schon eine Woche vorher wurde dazu in der Mitte des Freiplatzes ein großes hölzernes Gebäude errichtet, die Nach⸗ bildung einer Sarazenenveſte. Tragleiſten, Simſe und Haken bedeckten die ganze Vorder⸗ ſeite des Gebäudes, wo am Feitge die lockenden Preiſe aufge⸗ ſtellt wurden, die der Gewinn Wes Sieges ſein ſollten. Dieſe Preiſe beſtanden immer aus Eßwaaren, welche Neapolitaniſche Kämpfer am meiſten zu reizen vermochten und wurden ſo geordnet, daß ſie nicht nur zum Zwecke dienten, ſondern auch eine maleriſche Wirlung machten; zahlreiche Gewinde von allen Früchten, die ſich zuſammenbinden ließen, waren längs der Außenſeite des Ge⸗ bäudes, gleich Frieſen in Steinmetzarbeit, in Wellenlinien ge⸗ zogen; auf den Tragleiſten und Simſen ren alle Arten von Mehlwaaren ausgeſtellt, die der Stadt ſchon in jener Zeit die Be⸗ rühmtheit verſchafft hatten, welche ſie noch in unſeren Tagen hat, von dem nahrhaften Maccavoni bis zu dem fadenähnlichen ſogenannten Kapuzinerbart; an den Haken, die auf jedem Vor⸗ ſprunge getrock die Lo den u Ueber 1 in ord ſonder 3 getheil Beſitz aber chriſt und miett gann wafft Lebe 133 ſprunge des Gebäudes angebracht waren, ſah man Fleiſchſtücke, getrocknete Gewächſe und eßbare Muſcheln hängen; dieſes waren die Lockungen eines Feſtes, das leider nur einmal im Jahre den unternehmenden Kämpfern die Ausſicht auf augenblicklichen Ueberfluß, unter leichten Bedingungen, eröffnete. Dieſe köſtlichen Schätze waren aber keineswegs beſtimmt, in ordnungsloſem und wildem Tumult genommen zu werden, ſondern ſollten die Preiſe eines redlich erfochtenen Sieges ſein. Das Volk ward, unter erwählten Führern in zwei Haufen getheilt, von denen der eine Alarbi oder Arabi genannt, in den Beſitz der Veſte geſetzt wurde um ſie zu vertheidigen; der andere aber ſollte eine Schaar von Kreuzrittern darſtellen, die das chriſtliche Banner gegen die Mauern der Ungläubigen führten und dieſe waren mit allem Carnevalputz geſchmückt, den ſie miethen oder borgen konnten. Auf ein gegebenes Zeichen be⸗ gann der Angriff. Die chriſtlichen Ritter waren mit langen Rohrſtäben be⸗ waffnet, die Lanzen vorſtellen ſollten; die Sarazenen hingegen mit hölzernen Säbeln. Trompeten erſchallten, die Veſte ward erſtürmt, und die Lebensmittel belohnten als Preiſe die Sieger. 4 Die Verſchwörer konnten leicht auf den Gedanken kommen, daß die Freiheit, die der, durch jene Feſtlichkeiten herbeigerufenen, aufgeregten Menge gewährt wurde, die beſte Gelegenheit zur Ausführung ihrer Abſichten geben möchte, und darum hatten ſie beſchloſſen, am Feſte der heiligen Jungfrau den allgemeinen Aufſtand ausbrechen zu laſſen.„ Aber es geſchah, wie es bei ähnlichen Ereigniſſen faſt immer der Fall iſt, daß die Bemühungen der Anführer in der Zwiſchen⸗ zeit eine Entſcheidung beſchleunigt hatten, welche ſich nicht länger zurückhalten ließ, und obgleich nur noch zehn Tage bis zur feſt⸗ geſetzten Zeit fehlten, und die vielen triftigen Gründe, welche die Wahl jenes Feſttages urſprünglich rechtfertigten, noch immer gültig waren, ſo wurde doch das Zeichen zum Aufſtande gegeben. ſaniel Der ſiebente Juli. 1 ſen Denkwürdig vor allen andern Tagen in den unruhvollen 9 Jahrbüchern der Stadt war der ſiebente Juli 1647. Die Sonne hatte ihr glühendes Antlitz auf den Mercato neßr del Carmine gerichtet. Die Schuppen und Buden, die den Markt⸗ n platz faſt während des ganzen Jahres hindurch bedeckten, waregn d weggeräumt worden, um der Sarazenenveſte Platz zu machen. 1 bl Dieſes Gebäude war zwar noch nicht mit ſeinen lockenden” Verzierungen ausgeſtattet, aber doch ein ſehr einladender Punkt. be Der Marktplatz bot ein ähnliches Schauſpiel, wie wir es 5 ſchon am Eingange unſerer Erzählung beſchrieben haben, Land⸗ fiß leute mit ihren Fruchtkörben, Kinder, Käufer und Lazzaroni bor füllten den Platz. 1 dn Vor dem Steuerhauſe ſtanden die Beamten und harrten. derer, die den Zoll bezahlen ſollten. Auch hierher war das Gerücht Wi von dem Tumult vor dem herzoglichen Schloſſe gelangt, aber i — es rührte ſich noch keine Hand. Offenbar waren hier die en Ruhigeren und Beſonneneren beiſammen und auch viele, die 1 eir nichts von einem Aufſtande überhaupt ahnten. 4 — Vor dem kleinen ſchmutzigen Gebäude, welches wir bereits erwähnten, ſtand Maſaniello, im Geſpräch mit Andern be⸗ tdin geifen un — Heute wird der„Carlos“ abſegeln, ſagte er mit leiſer La Stimme zu zwei Männern, einen Jüngeren und einem Aelteren. — Und wie ich hörte, erwiderte der Jüngere, wird Don tt Herandez die Tochter des Vicekönigs nach dem Schiffe begleiten, K aber bei der heiligen Jungfrau, er ſoll das Waſſer des Golfs koſten! ſah — Glück auf den Wegl rief der Aeltere mit höhniſchem ſi Lächeln, doch ich will es übernehmen, einige Marinari von ſ unſerm Plan in Kenntniß zu ſetzen. — Woher kommt Dir die Kunde, daß die Prinzeſſin Leonore d mit dem Carlos Neapel verläßt? fragte Maſaniello den Jüngeten 3 mit größerer Aufmerkſamkeit. — Ich weiß es aus ſicherer Quelle, antwortete er. hvollen Nercato Markt⸗ waren chen. ckenden Punkt. wir es Land⸗ Paroni arrten che , aber ier die le, die bereits en be⸗ tleiſer lteren. ) Don gleiten, Golfs niſchem ri von teonore ngeren — 8 1 1 7 — 1 8 4 1 5 1 4 135 — Dann möge ſie die Gebenedeite ſchützen, flüſterte Ma⸗ ſaniello leiſe, ich vermag ſie nicht zu retten; o, daß Prinz Caraffa fern von Neapel weilt, wäre er hier, er könnte ihre Rettung bewerkſtelligen. Plötzlich öffnete ſich die Thuͤr des Hauſes hinter ihm und — Livia trat heraus. Ihre Wangen waren mit Thränen be⸗ netzt, und ſie legte zärtlich ihren Arm auf die Schulter des jungen Fiſchers. Sie war bemüht, ihn in das Haus zu ziehen, er ſah ihr in das liebliche Geſicht und folgte ihrer ſtummen Bitte, wie⸗ wohl ſcheinbar ungern.. Als ſie nun von den Genoſſen ihres Gatten nicht mehr bemerkt werden konnte, umſchlang ſie dieſen und brach in lautes Schluchzen aus. Sie hatte keine Worte, ihre Wünſche zu unter⸗ ſtützen, allein dieſe waren auch überflüſſig, denn ſie wurde voll— kommen verſtanden. 4 — Es wird ſich ein Mittel dagegen finden laſſen, liebes Weib, ſprach der Fiſcher, denn das menſchliche Herz kann es nicht länger ertragen; horch, fuhr er haſtig fort, während ein lautes Getöſe erſcholl, welches das gebrechliche Gebäude in ſeinen Grundlagen zu erſchüttern drohte, das war der Schrei eines ganzen, in wilde Verwünſchungen ausbrechenden Volkes. Das Geſicht der jungen Frau wurde leichenblaß, ſie ſchwankte, ward ohnmächtig und würde niedergeſunken ſein, wenn der junge Mann ſie nicht ſchnell umfaßt und auf das einzige, elende Lager getragen hätte, welches ſich in dem Gemache befand. Er beugte ſich über ſie hin, küßte ihre Stirn, und nachdem er ſie mit ſeinem abgeworfenen Schiffermantel bedeckt hatte, eilte er hinaus.*— Die beiden Männer warteten noch auf ihn und als ſie ſahen, daß aus den Blicken Maſaniello's die wildeſten Regungen ſeiner Natur hervorblitzten, gaben ſie ihm einen Wink ihnen zu folgen und ſtürzten ſich dann in das dichteſte Gedränge. In der Mitte des Freiplatzes, dem Gebäude gegenüber, wo die Steuereinnehmer ſaßen, fand der Auftritt ſtatt, der auch hier 9 erſten Unheil drohenden Ausbruch der Volkswuth erregt hatte. . Ein offener Raum war hier für die aufgehäuften Früchte beſtimmt, die in ungewöhnlicher Fülle zu Markte gebracht wurden. 4 136 Der Morgen war zwar ſchon weit vorgerückt, aber noch 4 nichts von all jenen Vorräthen verkauft. Die Steuereinnehmer ſtanden umher und warteten begierig auf das erſte Gebot eines Käufers, um die Abgabe zu fordern. Die armen Landleute prieſen wiederholt und mit verzwei⸗ felndem Herzen ihre friſchen Früchte, aber das Volk regte ſich nicht. Die glühende Sonne machte bereits die Früchte gelb und nahm ihnen ihre Friſche, ſie wurden mit jeder Minute mehr dem Verderben preisgegeben. Unter andern ſah man einen armen Landmann, der ſchon lange mit zitternden Lippen, mit verſtörtem und kummervollem Geſichte ſeine hinſchmachtenden Früchte betrachtete. Seine Stimme ſo kräftig, als er ſeinen Korb vom Kopfe nahm, war jetzt heiſer und zitternd geworden; es war ein alter Mann von Beſchwerden gebeugt und ärmlicher gekleidet als alle ſeine Nachbarn. Aber wer kannte die geheime Noth in der Hütte, die er verlaſſen hatte? Wer wußte, welche Augen ſehnlich ſeiner Rück⸗ kehr entgegenſahen?— Die Reichen in den Paläſten, die Räthe und der Vicekönig von Neapel ſicher nicht.— Seine Wangen waren vor Hunger abgezehrt, und vielleicht hatte dieſer in der Heimath noch jüngere Wangen welk gemacht. Seine Hoffnung war auf drei Körbchen mit reifen Feigen gebaut, welche, wie man es noch heutigen Tages in Neapel ſieht, angefüllt waren, zwiſchen jeder Schicht Blätter hatten und in eine Spitze ausliefen. Jüngere Hände waren offenbar bemüht geweſen, ſeine Früchte ſo lockend zu machen. Von Zeit zu Zeit glänzte eine Thräne auf den Wangen des Mannes, namentlich wenn er einen Blick auf ſeine Körbchen warf.* Er war ſchon vor Tagesanbruch auf dem Markte geweſen, hatte die Sonne immer höher ſteigen geſehen, und während ihre Strahlen ihn verſengten, verdorrten die Früchte vor ſeinen Augen.— 4 4 Endlich, als er alle Hoffnung verloren hatte und ſeine finſere Stimmung in Verzweiflung übergehen mochte, meldete ſich für einen noch wohl erhaltenen Theil ſeines Vorraths ein Käufer. Nachdem der alte Mann alle ſeine Beredtſamkeit aufgeboten⸗ hat le, Frücht gegenſt T die Ab dieſe; A Anthei Umſtet Wider 6 = — ·— Volt ten ſeine rung W Joch dem gonn trotzi den Alter etiff alten deſſen daihe 43 noch degierig pordern. ſerzwei⸗ hnicht. Ib und ir dem t ſchon rvollem Kopfe n alter ls alle die er Rück⸗ Räͤthe jelleicht emacht. Feigen Neapel en und Früchte Thräne Blick weſen, ährend ſeinen ſeine meldete s ein geboten 137 hatte, ward der Handel abgeſchloſſen, und eben wollte er die Früchte dem Käufer übergeben, als ſich ihm ein Hinderniß ent⸗ gegenſtellte, das ihn zur Verzweiflung brachte. Die Steuereinnehmer nämlich traten heran und verlangten die Abgabe— es entſtand ſogleich die Frage, welcher von Beiden dieſe zahlen müßte. Anfänglich nahmen die Beamten an dieſem Streite keinen Antheil, als aber der Zank eine gewaltthätige Einmiſchung der Umſtehenden herbeizuführen drohte, entſchieden ſie die Frage im Widerſpruch mit dem Gebrauch und erklärten, daß der Verkäufer die Steuer zahlen müßte. Eben war die Entſcheidung bekannt geworden, als das Volk mit lautem Geſchrei von allen Seiten ſich auf die Beam⸗ ten ſtürzte. Der alte Landmann, kaum noch ſeiner Sinne mächtig, ergriff ſeine Körbe und ſchleuderte die Früchte auf den Boden. — Gott ſchenkt uns Ueberfluß, und dieſe verfluchte Regie⸗ rung bringt uns Hunger! rief er, während er ſeine Arme drohend ſchüttelte. — Auf, auf, Brüder, ertönte eine Stimme, zerbrecht das Joch, das uns auferlegt iſt, in allen Theilen der Stadt, vor dem Palaſt des Tyrannen ſogar hat die Unruhe bereits be⸗ gonnen; warum bliebt Ihr ſo lange müßig? Dieſe Worte kamen von einem hochgewachſenen Manne mit trotzigem Aeußeren, wir erkennen in ihm den Räuber Paolo, den nächtlichen Gaſt in der Hütte Celeſto's— er hattenſein dem Alten gegebenes Verſprechen gelöſt. Es folgte nun ein Auftritt, mit welchem das Schauſpiel erhffnet wurde. Mit einem Schreig von dem alle Häuſer des alten Platzes erzitterten, ſtürzte ſich der ganze Pöbel, der während deſſen auch aus andern Stadttheilen herbeigeſtrömt war, auf die betheiligten Parteien. Höunderte von Kindern, deren Gegenwart bisher nur ihre gellenden Stimmen verrathen hatten, krochen unter erwachſenen Zuſchauern heran und ſtürzten ſich freudig und begierig, in der Hoffnung ihren leeren Magen etwas bieten zu können, auf die zertretenen Früchte. Der Anblick war unbeſchreiblich und in dieſem entſcheidoden 3 f 138 Augenblicke bahnte ſich auch Maſaniello den Weg durch das biin Gedränge. ſun Man machte ihm gern Platz und Alle begrüßten ihn mit bir lautem Jubel. 1 — Eyviva Masaniello! ertönte es von allen Seiten, führe ſii uns, wir folgen Dir, Fiſcher von Amalfi. du Die Steuereinnehmer ſuchten die Kinder von der Beute zu verjagen, und es folgte eine kurze Pauſe. Endlich bückte ſich Maſaniello zur Erde, hob einige beſchmutzte bü und zertretene Früchte auf und warf ſie einem der Steuerein⸗ Nald nehmer in's Geſicht. f diſer Ein lauter, donnernder Beifallsruf erſchallte von allen Seiten. neſe Die Handlung Maſaniello's war die ſchnelle Entſcheidung entg des armſeligen Streites, und ſo erfolgte bei dem erſten Aufrufe dulh des Volkes an den Verfechter ſeiner Rechte eine unheilverkün⸗ dende Antwort. Ver Jetzt flog der wilde, betäubende, lange nachhallende Ruf uunr, zum Himmel:- W „Es lebe Maſaniello! Nieder mit den Steuern— nieder mit der böſen Regierung; es lebe, es lebe Maſaniello von Amalfi!“ Es war keine noch ſo geheime, noch ſo entfernte Stelle Str innerhalb der weit ausgedehnten Stadt, wohin nicht jener wilde Mer Ruf gedrungen wäre. Auch der Herzog von Arcos, der von Maſaniello bis jetzt 1 noch nichts gehört, auch nicht wußte, was ſein Name bedeuten Zeich ſollte, vernahm dieſen Ruf.— Schon heute früh hatten Volksverſammlungen vor ſeinem ſie e Palaſt ſtattgefunden, aber ſie waren von der Schloßwache wieder Lar auseinander gejagt. Jetzt drohte ein neuer Ausbruch und dem Statthalter blieb die kein Zweifel, daß der erſte Streich gefallen war und ſein Schick⸗ dan ſal in der Wagſchale lag. Der Ruf Maſaniello, den Fiſchern der Bai und den Be⸗ ſch ſuchern des Mercato's ſo bekannt, den Ohren der Edelleute noch ſr fremd, ſollte in wenigen Tagen ihre Paläſte in Trümmer ſtürzen des und ſich mit dem Praſſeln der Flammen miſchen, welche die er übelerworbenen Schätze vieler Menſchenalter verzehrten. Als ſich die erſten Zeichen offener Gewalt verkündeten, eilten der rch das ihn mit n, führe Beute zu ſchmutzte euerein⸗ e allen cheidung Aufrufe lverkün⸗ de Ruf — nieder Amalfi!“ e Stelle er wilde bis jetzt bedeuten ſeinem ſe wieder er blieb Schick⸗ den Be⸗ ute noch t ſtürzen llche die n, eilten 139 die erſtaunten und erſchrockenen Steuereinnehmer in ihr Geſchäfts⸗ zimmer und es ward ein Bote an denjenigen Rath geſandt, der für die Erhaltung der Ruhe verantwortlich war. Die fliehenden Einnehmer wurden mit Steinwürfen ver⸗ folgt, und endlich griff der Pöbel mit furchtbaren Drohungen und Verwünſchungen das Gebäude an, deſſen ſchwache Thore bald geſprengt waren. Ein neuer Schrei gab der Wuth der ſtürmenden Haufen bald eine andere Richtung; der Name des Rathes: Andrea Naclerio, des Volksſachwalters ertönte in dem Gedränge, und dieſer Beamte, ein Neapolitaner, erſchien ſelbſt auf dem Mercato. Zu ſeinem Glück war er von Polizeidienern umgeben und dieſer Vorſicht verdankte er es, daß er einem ſchmachvollen Tode entging. Zu ſeinem Erſtaunen fand er, daß das bisher ſo ge⸗ duldige Volk zu ernſtem Widerſtande entſchloſſen war. — Volk von Neapel, nahm er mit lauter Stimme das Wort, Einwohner dieſer Stadt, was ſoll dieſer Tumult, ſagt mir, was Ihr eigentlich begehrt, und ich will ſuchen Eure Wünſche zu erfüllen, inſofern es in meiner Macht ſteht. Maſaniello trat vor. — Unſere Wünſche, ſagte er, laſſen ſich nicht hier auf der Straße auseinanderſetzen, ſie ſind nicht zahllos wie Sand am Meere, vor Allem wollen wir keine Fruchtſteuer. — Sie ſoll auf die Hälfte ermäßigt werden, verſetzte Andrea. Ein wildes Gelächter erfolgte, und Maſaniello gab ein Zeichen. 1 Ein Steinhagel flog auf den Beamten und ſeine Begleiter, ſie ergriffen die Flucht und es gelang ihnen in der Kirche del Carmine, ohne beſonders verletzt zu werden, Schutz zu finden. Maſaniello's Leidenſchaften waren nun einmal entfeſſelt und die Aufregung zeigte ſich in ſeinen Zügen, in der Gluth der Begeiſterung für ein kühnes Unternehmen. Seine dunkeln Augen blitzten, ſeine knabenhafte Geſtalt ſchien plötzlich eine ſtolze Haltung angenommen zu haben; er ſprang auf den plumpen Verkaufsſtand, wo kurz zuvor die Feigen des alten Mannes aufgeſtellt waren, und zum erſten Male ſprach er zu einer ſo zahlreichen Menge. Oft hatte er am Seegeſtade, oder in den ſtillen Höhlen an der Küſte die glühende Beredtſamkeit eines ſtolzen Geiſtes er⸗ 7 140 goſſen, der ſich unter den Feſſeln wand, die ſein Vaterland in Knechtſchaft hielten. Aber ſeine Zuhörer beſtanden nur aus ſeinen Genoſſen, armen Fiſchern. 4 Jetzt ſchaute er über die Häupter von Hunderttauſenden hinweg und ſprach vor einer ganzen Stadt. — Freuet Euch, meine Brüder! rief er, danket Gott und der heiligen Jungfrau vom Berge Carmel, denn die Stunde un⸗ ſerer Freiheit iſt gekommen; ſchämt Euch nicht, daß ein armer Fiſcher aufgeſtanden iſt, Euer Retter zu eſein; denn ein ſolcher war auch der heilige Petrus, der Rom vom Satan erlöſte. Es liegt mir nichts daran, wenn dieſer Leib zerfleiſcht, durch die Straßen geſchleppt, mein Kopf vom Rumpfe gehauen und ſchimpf⸗ lich auf den Galgen geſteckt wird. Die Steuern ſollen abge⸗ ſchafft werden, und dann ſei mir der Tod willkommen, denn mein Leben wird ruhmreich geweſen ſein! Dieſe Worte wurden in ſo ſchwärmeriſcher, ſchwungvoller Weiſe, mit ſolcher Begeiſterung geſprochen und von ſo eraltirten Bewegungen begleitet, daß die Zuhörer ſich unwiderſtehlich davon ergriffen fühlten. Seine feierliche Betheuerung konnte für ſeine Aufrichtigkeit zeugen, aber ſicher war Keiner unter der Menge, welcher geahnt hätte, daß dieſe Worte prophetiſch werden ſollten und derjenige, der ſie geſprochen, als Märtyrer fallen würde. Von dieſem Augenblick an wurde der Maſſe nicht länger Widerſtand entgegengeſetzt. Die ganze Stadt bot ein Bild der Verwirrung und des Aufruhrs dar. Der Pöbel wälzte ſich hin und her durch die Straßen, anſcheinend ohne Ziel oder Zweck. Aber bei all dieſer ſcheinbaren Unordnung waren die Geiſter, die den Sturm herauf beſchworen hatten, immer geſchäftig, ſoviel Ordnung zu erhalten, als überhaupt nöthig war, ihn zu lenken. Als Maſaniello ſeine Rede geendet hatte, ward er von Männern umringt, die zu zehn und zwanzig, ſo viel man in der Verwirrung bemerken konnte, aus den elendſten Hütten in der Nachbarſchaft hervorkamen. Sie trugen die wohlbekannte Tracht der Räuber aus dem Gebirge und waren mit Flinten, Dolchen, Piſtolen und langen Meſſern bewaffnet.— Paolo grüßte ſie und als er eine kleine Leibwache für ſich auserſehe dem Ma Mi eeichnete gebildet, geſteckt! Aue ſaniel Beinllei Sruſt o V heeres. In ein Ge der zu immer Menſch M geiſterä M wegu .n ſehe er ſich 85 — —— b gebens die S ihm? könige J wät h ſchw der hauf welc man Here and in ir aus uſenden ott und nde un⸗ armer ſolcher te. Es rch die mabge⸗ 1, denn ngvoller altirten davon chtigkeit geahnt erjenige, länger und des urch die Geiſter, g, ſoviel mlenken. er von man in ütten in aus dem d langen für ſich 141 auserſehen hatte, gab er den Uebrigen Befehl, die Zugänge zu dem Marktplatze zu beſetzen. Mit einer Schnelligkeit, die jede Stufe des Aufſtandes be⸗ eichnete, hatte man eine Fahne aus einem dunkeln Zeugſtreifen geebildet, wie ihn der Zufall darbot, dieſen auf einen Rohrſtab geſteckt und luſtig flatterte die Fahne an der Spitze des Haufens. Auch hatte man zufällig eine Trommel gefunden und Ma⸗ ſaaniello mit einer rothen Wollmütze auf dem Kopfe, in leinenen Beinkleidern, die kaum zum Knie reichten, in einem, auf der Bruſt offenen Hemde, übernahm die Anführung des Empörer⸗ heeres.— In dieſem Augenblicke erſchien auf dem Schauplatze, wie ein Geſpenſt, das aus dem Grabe emporgeſtiegen, ein Mann, der zu verſchiedenen Zeiten, ſeit beinahe einem Jahrhundert immer den Mercato beſucht hatte, ſo oft die Leidenſchaften der Menſchen wie jetzt, entfeſſelt geweſen, es war— Celeſto. Man ſah einen leichten Anflug von Aufregung in ſeinen geiſterähnlichen Zügen, ſeine Augen blitzten aus ihren tiefen Höhlen und ſeine rauhe Stimme zitterte von der Gemüthsbe⸗ wegung, die er zu verbergen ſtrebte. Als er ſah, daß der erſte Stein gegen die Macht der Ge⸗ — ſetze geſchleudert und das ganze Volk losgelaſſen war, arbeitete er ſich durch das Gedränge an Maſaniello's Seite. Das Geſchrei von allen Seiten war betäubend und ver⸗ gebens ſuchte er Gehör zu erlangen. Er legte ſeine Hand auf die Schulter des jungen Fiſchers, der ſich ehrerbietig beugte und ihm Aufmerkſamkeit ſchenkte. i — Vorwärts, ohne Zeitverluſt zu dem Palaſte des Vice⸗ königs! rief er. 3 Maſaniello ſchwang ſeine rothe Mütze. — Zu dem Palaſte des Vicekönigs, Freunde! wiederholte er mmit helltönender Stimme. Die Sonne, die ihren rothen Fittig ſchon in's Meer getaucht hatte, darf nicht verſinken, bevor uns der Herzog gehört hat.. In dieſem Augenblick, als der ſiegreiche, lärmende Volks⸗ haufen in Bewegung war, um ſich, ohne eigentlich zu wiſſen, in welcher Abſicht, zu dem Herzog von Arcos zu begeben, erblickte man aus der Ferne den Zug, welcher Donna Leonora und Don Herandez zum Molo begleitete. 6 142 Ein Theil des Volkshaufens erhob drohend die Arme und laute Verwünſchungen erfüllten die Luft. — Nieder mit Herandez! Tod der Tochter des Statthalters! ertönte es, und ein grauſiges Mordgebrüll begleitete dieſe Worte. Sie wollten ſich von dem Platze entfernen, doch Maſaniello gebot ein donnerndes Halt. — Noch keinen Mord, Ihr Wahnſinnigen! rief er, wartet die geeignete Stunde ab, die noch nicht gekommen iſt. Dieſe Worte verfehlten nicht ihre Wirkung. Die Meiſten blieben auf dem Platze, allein es war nicht zu verhindern, daß Viele davonliefen. 5 Unter den Letzteren befand ſich auch derjenige, welcher in die Barke Leonora's geſprungen und Don Herandez in das Waſſer geworfen hatte. Unter verwirrtem Geſchrei und öffentlichen Reden war es völlig Nacht geworden, als auch die Anführer die Nachricht erhielten, daß der Herzog von Mattalone mit ſeinem Sohne, einem jungen Mädchen und einem ſchwachen Geleite die Stadt betreten hätte. Ehe man vorbeugende Maßregeln ergreifen konnte, wurde der Name des Prinzen Caraffa, deſſen plötzliches Wiedererſcheinen eine freudige Aufregung hervorrief, mit lautem Jubel genannt. — Eyvviva il nobile prence Caraffa! ertönte es von allen Seiten. Dieſer Freudenſchrei hallte in dem Herzen des alten Celeſto mit Ingrimm wieder. — Da habt Ihr es Paolo, ſagte er zu dem neben ihm ſtehenden Räuber, wir müſſen ſchnell handeln, ehe uns dieſer Edelmann die Waffen aus den Händen nimmt, er kokettirt nur mit dem Volke, um es nachher um ſo ſicherer zu verrathen. — Seid überzeugt, ich werde das Meine thun, verſetzte der Räuber, indem er drohend die Fauſt ballte. Die Rufe, die dem alten Herzoge galten, thaten ſich nur vereinzelt kund. Der Zug, den wir auf der Landſtraße verlaſſen, hatte ſich der Stadt noch nicht genähert, als es ſich ſchon deut⸗ lich verrieth, daß es in ihren Mauern nicht mehr geheuer war. Tauſende von beſetzten Fuhrwerken aller Art, beſonders die buntbemalten, glänzend und vergoldeten Wagen der Vorſtädte, flogen mit luſtigem Schellengeläute unaufhörlich vorüber und nahmen ihren Weg nach Neapel. Giu beranna gnügte ſame Am zu mach die Hitz Er jene Er indeſſen Schweig So Dämme gab S ritt, e den H Vort, bei Ihr nicht iſt ſche ich hät Ueberz Herzo meine T ruhig me und halters! Worte. ſaniello wartet Meiſten n, daß lcher in in das völlig hielten, jungen hätte. wutde ſcheinen enannt. n allen Celeſto en ihm dieſer irt nur en. tzte der ich nur erlaſſen, n deut⸗ er war. eers die orſtädte, er und 143 Giulio Caraffa that, als ob er dieſe Andeutungen einer herannahenden Entſcheidung mit Gleichgültigkeit betrachtete, be⸗ gnügte ſich, in der ruhigſten Weiſe Bemerkungen über das ſelt⸗ ſame Ausſehen jener Gruppen und die Schnelligkeit der Pferde zu machen, und klagte häufig über die Unbequemlichkeit, welche die Hitze und der Staub verurſachten. Er richtete bisweilen Fragen an den Vater, der, ohne alle jene Erſcheinungen zu beachten, ſeinen Weg fortſetzte, erhielt indeſſen keine Antwort und verſank dann gleichfalls in düſteres Schweigen. Sobald der Thurm der Cathedrale del Carmine durch die Dämmerung ſichtbar wurde, fuhr er wie aus einem Traume auf, gab Salvator Roſa, der noch immer an der Seite ſeines Vaters ritt, einen Wink, ſich zurückzuziehen und wendete ſich dann an den Herzog. — Mein Vater, nahm er in wehmuthsvollem Tone das Wort, wir ſtehen dicht vor den Mauern von Neapel, iſt es noch bei Ihrem Entſchluſſe geblieben mich dem Herzoge auszuliefern? — Ich muß meine Pflicht erfüllen, verſetzte der Gefragte. — Ich bitte, ich beſchwöre Dich, Dein Vorhaben aufzugeben, nicht wegen meiner, ſondern Deinethalben. Du ſiehſt, das Volk iſt ſchon im Aufſtande begriffen, heute früh ahnte ich dies nicht, ich hätte Dich ſonſt darauf hingewieſen, jetzt aber habe ich die Ueberzeugung gewonnen und bitte Dich dringend, mich nicht zum Herzoge zu führen; ich bin bei dem Volke beliebt, und es darf meine Auslieferung nicht ſehen. Der Herzog ſchien ernſt und bekümmert. — Ich werde meine Pflicht thun, mein Sohn, ſagte er ruhig und Gott wird mir beiſtehen!— Giulio ſchlug traurig ſein Auge nieder und fragte nicht weiter. Es war ſchon dunkle Nacht als ſie durch das Stadtthor ritten. Kaum in die Straßen gelangt, waren ſie von einem gedrängten Haufen umgeben, der ſie mit dem wildeſten Geſchrei und den freudigſten Begrüßungen bewillkommnete. — Sieh, mein Vater, wie fie ſich freuen, flüſterte Giulio leiſe, müßte dieſe offene treue Kundgebung der Volksgunſt Deine Bruſt nicht mit größerer Genugthuung erfüllen, als das Wohl⸗ wollen einer trügeriſchen, argliſtigen Regierung, die Dich nur anlockt, um Dich ſo gewiſſer dem Verderben zu überantworten. —x— 144 — Ich habe mit dieſem Volke nichts gemein, aber der Re⸗ gierung Treue geſchworen, verſetzte der Herzog kurz. — Vertraue ihr nur, ſagte Giulio bitter und ſpöttiſch, ſie wird Dir die Ergebenheit in gewohnter Weiſe belohnen. — Nichts iſt wandelbarer als die Gunſt des Pöbels, das hat die Geſchichte nur zu oft bewieſen; es ſchmäht morgen, wo es heute huldigt, und ſteinigt heute, wo es geſtern angebetet hat. — Nur wenn es erfahren hat, daß man es betrog; ahnte Einer dieſer armen, nackten Menſchen, daß ich Dein Gefangener ſei, dann würde er furchtbare Rechenſchaft von Dir fordern. Sie hätten dieſes Geſpräch vielleicht noch weiter fortgeſetzt, wären ſie nicht durch das betäubende Triumphgeſchrei geſtört worden. Viele trugen Fackeln in der Hand und beleuchteten mit freudigen, oft auch mißtrauiſchen Blicken den Zug. Vergebens verſuchten ſie es, ihren eigenen Weg zu ver⸗ folgen; es war nur einer frei, wohin alle Schritte ſich wendeten und dieſer führte nach dem Platze del Carmine. Der Herzog erwiderte das Beifallsgeſchrei des Pöbels mit ſtolzer Höflichkeit, und mehr als einmal hatte er ſein Pferd barſch durch die gedrängten Schaaren geführt, während er zugleich die Zügel des Roſſes hielt, das ſeine Tochter ritt, welche blaß vor Beſorgniß, auf dem Sattel zitterte. In ganz anderer Weiſe nahm Giulio dieſe Huldigung auf; er grüßte nach allen Seiten hin und warnte, als er böswillige Blicke und dumpfes Murren bemerkte, den Vater, von einem un⸗ freundlichen Betragen abzuſtehen, da ſonſt Exceſſe vorkommen könnten, die er nicht zu hindern vermochte. Sie ſind ſo gut mein Vater! flehte auch Blanka mit ſanfter Stimme, warum lohnſt Du ihre Liebesbezeugungen in dieſer Weiſe? Vergebens waren dieſe Ermahnungen; er blickte mit ruhiger Verachtung auf die Menge, ohne die an ihn gerichteten Worte ſeiner Kinder zu beachten. Endlich gelangten ſie auf den Mercato und die erſten be⸗ kannten Geſichter, welche ſich Giulio beim Fackellichte zeigten, waren die Maſaniello's und Celeſto's. Er machte ſeine Schweſter auf die Führer des Volkes auf⸗ merkſam, namentlich auf Maſaniello, und dieſe bemerkte mit Ueberr Herrſch A ziſher durchd zoge v einen ich die Neaper Stim Ihrer der V ein ſcha ft G Sd Sat mich werde Yeſte Neap heiſch kehrt dieſer ihn. des Ante ad der Re⸗ tiſch, ſie 1s, das gen, wo etet hat. z ahnte angener ern. rigeſetz, geſtört eichteten zu ver⸗ vendeten els mit d dh zugleich che blaß ng aufz swillige nem un⸗ rkommen nka mit ngen in ruhiger n Worte eſten be⸗ geigten, ltes auf⸗ 3 —õÿ 145 Ueberraſchung den Ausdruck von Verſtand, Begeiſterung und Herrſcherſinn, der aus den Zügen des Letzteren ſprach. Als die Reiter ſich nahten, flüſterte Celeſto dem jungen Fiſcher einige Worte zu, worauf dieſer ſeine großen, ſchwarzen, durchdringenden Augen auf ihn heftete und ſich dann dem Her⸗ zoge von Mattalone näherte, den er freimüthig, aber nicht ohne einen Anflug von Ehrerbietung anredete. — Gnädigſter Herr, ſagte er, im Namen des Volkes muß ich die Frage an Sie richten, welchen Zweck Ihre Ankunft in Neapel hat; es hat ſich einiges Mißtrauen kundgegeben und Stimmen ſind laut geworden, welche von unredlichen Abſichten Ihrerſeits ſprachen; es iſt daher meine Pflicht, öffentlich nach der Urſache Ihres Hierſeins zu fragen. Ein ſpöttiſches Lächeln ſchwebte um die Lippen des Herzogs. — Iſt es ſchon ſo weit in Neapel gekommen, ſagte er, daß ein Edelmann, deſſen Wohnſitz in dieſer Stadt iſt, zur Rechen⸗ ſchaft wegen ſeiner Ankunft gezogen wird. 4. Ein dumpfes Gemurmel des Unwillens gab ſich kund. Schon tönten die Worte Diavolo, Ragazzo, als Giulio ſich im Sattel ob. — Volk von Neapel! rief er mit lauter Stimme, Ihr kennt mich, wo ich weile kann kein Verrath gegen Euch erſonnen werden. Mein Vater, der Herzog von Mattalone hat ſeine Veſte auf Capo d'Orſo verlaſſen, um ſie mit dem Palaſte in Neapel zu vertauſchen. Ein altes herkömmliches Recht aber er⸗ heiſcht, daß ein Edelmann, der nach längerer Abweſenheit heim⸗ kehrt, ſich, bevor er ſein Haus betritt, dem Vicekönig vorſtellt; dieſer Vorſchrift muß ſich mein Vater fügen, und ich begleite ihn. Im Uebrigen iſt der Herzog von Mattalone ein Freund des Volkes, ich bürge für ihn. Ein lautes donnerndes Evviva! war die Antwort auf dieſe Anrede, und der Herzog war von dem Einfluſſe ſeines Sohnes auf das Volk überraſcht. Zugleich aber auch beſchämte ihn der Edelmuth Giulio's, der ſeine Verhaftung auf dieſe Weiſe beſchönigt hatte. Eine Art von Wehmuth ſogar regte ſich in ſeinem Innern und ſchon wollte er die Wahrheit ſagen, als er durch das Dazwiſchentreten Maſaniello's geſtört wurde. Das Bpfer von Amalfi.(Bd. 1) 10 146 — Sie wollen zum Herzoge von Arcos? gnädigſter Herr, auch wir müſſen dahin. — Wie, Ihr wolltet noch heute zum Herzoge? rief Giulio dazwiſchen; was Ihr auch dort zu ſchaffen habt, führt Euer Vorhaben morgen aus, die Nacht gebietet Ruhe. Die Volksführer hielten eine kurze Berathung. — Sie werden geſtatten, ſagte dann der Fiſcher zum Her⸗ zoge, daß wir Ihnen das Geleite geben, es iſt in den Straßen ein großes Gedränge und man kann nicht wiſſen, ob nicht Un⸗ gebührlichkeiten vorkommen. Er verbeugte ſich dann vor dem Herzoge und gab Befehl vorwärts zu ziehen. Wie nach einer vorhergegangenen Verabredung umgab nun eine Räuberleibwache auf ein Zeichen ihres Anführers Paolo, den Herzog und ſein Gefolge. Die zerlumpte Fahne, ein trauriges Symbol ihrer Freiheits⸗ beſtrebungen, aber auch der grenzenloſen Armuth,„wurde ge⸗ ſchwenkt und der ganze Schwarm bewegte ſich vorwärts. Von dieſem Augenblick an war die Geſellſchaft des Herzogs nicht mehr im Stande, ſich nach eigner Willkür zu bewegen, ſondern mußte ſich dem Zuge des Gewühles fügen. Mehr als eine Stunde brauchte man zu dem kurzen Wege von dem Platze del Carmine bis zum Palaſte, und unaufhörlich ward Giulio mit freudigem Zuruf und Beweiſen von Ehr⸗ erbietung umgeben. Als Blanka's träge Haltung bei der drückenden Hitze der ſchwülen Nacht und unter dem erſtickenden Gedränge des Volks⸗ haufens verrieth, daß ſie einer Ohnmacht nahe war, reichte ihr ein derber, nackter Arm ein Glas Eislimonade, das ſchnell aus einer der ſeltſamen Buden herbeigeholt wurde, die ſowohl wegen ihres Inhalts, als wegen des, daran befindlichen Bildes der heiligen Jungfrau, verſchont geblieben war. Als die Spitze des Volkes den Freiplatz vor dem Palaſte erreicht hatte, erfolgte eine kurze Pauſe. Laßt den Herzog und ſeine Begleitung durch! rief eine Stimme. Mit großer Mühe ward ein Weg durch das Gedränge geöffnet und bald war die herzogliche Familie im Palaſt des Vicekönigs verſchwunden.. Alles brun es pot hat . 147 „ r Herr, Salvator Roſa blieb zurück und der Leibwache war es noch leinmal gelungen, das ſich bis jetzt ruhig verhaltende Volk von Giulo dem Platze zu verjagen. tt EMer Während deſſen wüthete Celeſto auf dem Platze del Carmine darüber, daß man dem Herzoge geſtattet hatte, ſich dem Vice⸗ könig vorzuſtellen. i der⸗ 1— Sie werden über Nacht Rathſchläge treffen, ganz Neapel Straßen in die Luft zu ſprengen, ſagte er grollend zu den Uebrigen; wir cht Un wollen uns ſogleich dahin begeben, damit jedem Verrath vor⸗ gebeugt werde. Befehl— Ich habe mein Wort gegeben, erſt morgen dem Herzoge die Wünſche des Volkes zu eröffnen, ſagte Maſaniello, und der gab nun Fiſcher von Amalfi iſt gewohnt, ſein Verſprechen zu erfüllen. Paolo,— Es iſt bald Mitternacht, begeben wir uns zur Ruhe. Plötzlich ertönte in kurzer Entfernung ein wüſtes Geſchrei; reiheits⸗ Alles blickte auf, ein blutrother Schein wie von einer Feuers⸗ irde ge⸗ 1 brunſt herrührend, wurde ſichtbar, und in dieſem Augenblick fiel es Maſaniello ſchwer auf das Herz, daß er Giulio den Trans⸗ Hetzogs port Donna Leonora's nach dem Carlos verſchwiegen hatte. Er bewegen, hatte es in der Fluth der ihn beſtürmenden Gedanken vergeſſen. n Wege ffhörlich i Chr⸗ Hitze der Volks⸗ ichte ihr nell aus l wegen— Gräßliche Entdeckung. ldes der 3 Es mochte etwa zehn Uhr Abends ſein, als der Herzog Hon Palaſte 4 Arcos durch das ſtürmiſche Eintreten ſeines Miniſters Herandez 3 aus den Gedanken emporgeſchreckt ward, denen er ſich über⸗ tief eine laſſen hatte. — Rache, Rache, Hoheit! rief er wuthſchnaubend, man hat deem Manne, den Seine Majeſtät, der König von Spanien hier⸗ hergeſandt hat, Eurer Hoheit erſter Rath zu ſein, einen Schimpf angethan, einen Schimpf, den nur Blut abwaſchen kann. 10* Hedränge alaſt des * 148 — Sie machen mich geſpannt, Don Herandez, was iſt denn vorgefallen? Vor Allem aber ſagen Sie mir, iſt meine Tochter glücklich nach dem„Carlos“ befördert? — Ja, ſie iſt in Sicherheit, verſetzte der Miniſter keuchend; die Marinari haben ſie nach dem Schiffe gebracht, welches vor Anker lag, aber ich, ich, ſetzte er zähneknirſchend hinzu— — Und was geſchah Ihnen Don Herandez? ſagen Sie es endlich. — Man hat mich in das Waſſer geworfen, ein Bube, ver⸗ muthlich einer der Räuber, die von uns abgefallen ſind, ſprang in die Barke, die die Prinzeß und ich bereits beſtiegen hatten, war frech genug, mit mir Händel anzufangen und warf mich, ehe ich es verhindern konnte, in das Waſſer. — Und die Marinari duldeten dies? — Die Schurken ſind Rebellen und ſcheinen mit dem Volke im Einverſtändniß zu ſein, doch ſie ſind ja Neapolitaner. — Aber Sie tragen einen Degen Don Herandez, wie konnte Ihnen ſolche Unbill widerfahren? — Was ſollte mein Degen gegen vielleicht zwanzig Feinde thun, die ſich unmittelbar um mich befanden? — Was er thun ſollte? wiederholte der Vicekönig mit finſteren Staunen, die Bruſt des Ragazzo durchbohren, der es gewagt hatte, Sie zu inſultiren; doch Sie ſind nicht ertrunken, wie ich ſehe. — Ich habe meine Rettung der Fürbitte Donna Leonora's zu danken; derſelbe, der mich in das Waſſer geworfen, brachte mich wieder an das Land zurück und beſchützte mich zugleich vor Mißhandlungen, um mich ſpäter deſto ſicherer zu verderben.— Triefend und zitternd eilte ich unter lautem ſpöttiſchem Gelächter des Pöbels durch die Straßen und gelangte endlich nach meiner Wohnung. Hier gönnte ich mir nur Zeit, meine Toilette zu wechſeln, um Eure Hoheit ſo ſchnell als möglich von der mir widerfahrenen Schmach in Kenntniß zu ſetzen und Sie um Ge⸗ nugthuung zu bitten, im Namen meines Herrn, König Phi⸗ lipp von Spanien! Der Herzog von Arcos bewegte ſich mit langſamen Schritten durch das Zimmer und ſchüttelte häufig ſein Haupt. — Wäre ich nicht entrüſtet über den ärgerlichen Vorfall, o könnte ich lachen, Excellenz, verzeihen Sie dies; bedauern s⸗ es Lan wir wer ed Na verl ben 1 8 d ul ha vo ver ma ſt denn Lochter ſchend; es vor 1 Sie , ver⸗ ſprang hatten, mich, Volke konnte Fnde ig mit der es unken, mota'? brachte ich vor den.— elächter meiner ette zu er mir m Ge⸗ 3 Phi⸗ hritten Vorfal, zuern L⸗ — 149 werth iſt es zugleich, daß dieſe Behandluug im Beiſein meiner Tochter Ihnen zu Theil geworden, vor Allem lieben die Frauen am Manne Ritterlichkeit; Ihr Benehmen, Don Herandez, hat ihr wenig Veranlaſſung gegeben, dieſe Tugend an Ihnen zu ge⸗ wahren und wird Ihre, gegen Sie gehegte Abneigung nur ſtei⸗ gern. Nein, Don Herandez, Sie hätten Ihr Leben auf das Spiel ſetzen und den Pöbelbuben niederſtechen müſſen; in dieſem Falle hätten Sie ſich wenigſtens als kein Feigling gezeigt, dem Pöbel, wie verworfen er auch ſein mag, imponirt dennoch Geiſtesgegenwart und Tapferkeit an Freund und Feind, Ihr Be⸗ tragen aber hat Veranlaſſung gegeben, Sie für erbärmlich zu halten, Sie wurden verhöhnt, allerdings eine traurige, ſchimpf⸗ liche Strafe, aber welche Genugthuung ſoll ich Ihnen geben? — Kanonen nach dem Mercato del Carmine und nach der Straße Santa Lucia ſchaffen und den Pöbel mit Kartätſchen niederſchmettern laſſen, das ſein Blut die Erde färbt und hin⸗ fließt zu den Fluthen des Golf, dann will ich mich für befriedigt erklären, und in Neapel wird Ruhe herrſchen. — Sie vergeſſen, daß wir bereits machtlos ſind, es iſt nicht der Pöbel, der ſich empört, ein ganzes Volk iſt aufgeſtanden, es läßt ſich wohl der Pöbel züchtigen, aber nicht ein ganzes Land bekämpfen, um dies aber ſelbſt zu ermöglichen, brauchen wir eine Armee, und wo iſt dieſe? — Ich ſage, Hoheit, der Pöbel iſt ſtets feig, er zittert, wenn er Entſchloſſenheit ſieht und nur mit dem Pöbel haben wir es zu thun. — Warum vertraten Sie dieſe Anſicht nicht, als Sie dem Ragazzo gegenüber ſtanden, Don Herandez, entgegnete der Gou⸗ verneur mit einem Anflug von Spott, ich muß Ihnen aber doch bemerken, daß Sie von dem Aufſtande, der bereits ausgebrochen iſt, durchaus noch keinen genauen Ueberblick gewonnen haben; es handelt ſich, wie ich ſchon einmal geſagt, um eine Volksempö⸗ rung, nicht um eine Pöbelemeute; das Volk hat jetzt die Macht, und wir müſſen ſchweigend zuſehen, bis uns Hülfe wird. Es hat einen armen Fiſcher, Maſaniello, zum Führer, einen Mann, vor deſſen Namen wir zittern müſſen, wenn ich die Sache recht verſtehe. — Seitdem der Prinz Caraffa ſein Amt als Pöbelhaupt⸗ mann niedergelegt hat, erwiderte Herandez in herabwürdigendem 150 Tone, hat allerdings der Fiſcher von Amalfi die Ehre, ſein wür⸗ diger Vertreter zu ſein. Schlimm genug, daß er unſerer Gewalt entkommen iſt, erſt heute, nachdem ich den Namen Maſaniello nennen hörte, habe ich mich nach dieſem Manne erkundigt und bin überzeugt, der Prinz von Caraffa iſt durch ſeine Vermittelung entkommen. Maſaniello regiert nicht nur das Volk, er ſcheint auch die Beam⸗ ten und alle meine Diener für ſich zu haben, das, Don Heran⸗ dez, mußte Ihnen auch klar geworden ſein, als Ihnen die Ma⸗ rinari keinen Beiſtand leiſteten und die heilige Jungfrau möge meiner Tochter gnädig ſein, welche ſich auf einem Schiffe befin⸗ det, das nur von Neapolitanern bemannt iſt. Von Gewaltmaß⸗ regeln unſererſeits kann augenblicklich keine Rede ſein, und ich bedaure, Ihnen die gewünſchte Genugthuung jetzt nicht geben zu können. So muß ich mich gedulden, Hoheit, ſagte Herandez nach längerem Schweigen mit einem Gemiſch von Spott und Beſorg⸗ niß, bis der Wind uns günſtiger weht. — Hüten Sie ſich, Herandez, ich glaube, Sie haben Urſache, vor der Volkswuth zu zittern. Ich theile in dieſer Beziehung ein gleiches Schickſal mit Ihnen, Hoheit; mein Schloß iſt indeſſen befeſtigt und mit guten Schießſcharten verſehen; ſo leicht ſoll es dem Geſindel nicht wer⸗ den, ſich deſſelben zu bemächtigen, aber, fuhr er fort, indem der grauſame Ausdruck ſeines Geſichtes jetzt in den Vordergrund trat, die Zeit wird kommen, wo wir das Blut dieſes Pöbels aus ſeinen eigenen Schädeln trinken werden, Doria wird uns Hülfe ſenden, aus Spanien werden Truppen kommen, ich habe meine Anſtalten getroffen bis dahin müſſen wir freilich auf unſerer Hut ſein. Er machte eine tiefe Verbeugung, um ſich zu entfernen, als plötzlich ein lautes Geſchrei vom Schloßplatze herauftönte. Der Vicekönig trat raſch an das Fenſter, Herandez folgte ihm. — Sie ſind ſchon wieder da, rief der Herzog, mein Gott, es iſt bald Mitternacht, und noch können ſie keine Ruhe finden. — Ich kann jetzt unmöglich gehen, Hoheit, verſetzte Heran⸗ dez erbleichend; ſie würden mich erdroſſeln. — Sie müſſen bleiben, Don Herandez. De Auflauf diener ſeines rück, u düſteren zimm warte ſeinen Weiſe rahßs Hül es, muß verge Giul talor rühr Auft⸗ ſiren geliel 85 T da M lud Ge laß ver dan Ver in wür⸗ mmen iſt, en hörte, berzeugt, kommen. e Beam⸗ Heran⸗ die Ma⸗ au möge fe befin⸗ valtmaß⸗ und ich ht geben dez nach Beſorg⸗ Wrache, icßal mit nit guten icht wer⸗ dem der dergrund öͤbels aus ins Hülfe be meine ff unſerer rnen, als te. Herandez nein Gott, he finden. te Heran⸗ 151 Der Vicekönig wollte ſoeben nach der Urſache dieſes neuen Auflaufes vor ſeinem Palaſte forſchen laſſen, als ein Kammer⸗ diener eintrat und die Ankunft des Herzogs von Mattalone und ſeines Sohnes meldete. — Prinz Giulio Caraffa? rief der Vicekönig überraſcht. — Ja, Hoheit. Nun dann fliegt der entwichene Vogel in den Käfig zu⸗ rück, und wir werden ihn ſicherer verwahren, fiel Herandez mi düſterem Lächeln ein. Sonſt Niemand um den Herzog? ſagte der Stadthalter. Seine Tochter, Hoheit, ſie hat ſich in eines der Seiten⸗ zimmer begeben, um die Rückkehr ihres Vaters dort abzu⸗ warten. Der Herzog und ſein Sohn mögen eintreten. Wenige Augenblicke darauf erſchien Mattalone, gefolgt von ſeinem Sohne. Der Vicekönig empfing ihn in zuvorkommender Weiſe, während er Giulio kaum zu beachten ſchien. — Wir ſehen uns in ſchlimmen Zeiten wieder, Fürſt Ca⸗ raffa, redete ihn der Vicekönig an, aber es wird mit Gottes Hülfe beſſer werden⸗ Sie ſind Ihrem König treu, ich weiß es, Herzog, um ſo betrübender war es mir, als ich erfahren mußte, daß ein Mitglied⸗Ihres ehrenwerthen Hauſes ſich ſo weit vergeſſen konnte, mit dem Pöbel zu fraterniſiren. Dieſe Worte ſind zwar nicht an mich gerichtet, begann Giulio, ich weiß aber, von welchem Mitgliede des Hauſes Mat⸗ talone die Rede iſt, Hoheit; Sie haben einen Gegenſtand be⸗ rührt, wegen deſſen ſchon einmal zwiſchen uns ein ſehr ernſter Auftritt ſtattgefunden hat, es betraf damals auch das Fraterni⸗ ſiren mit dem Pöbel; Hoheit, ich bin ſtolz darauf, von denen geliebt zu werden, welche Sie mit dieſem Worte bezeichnen, die⸗ ſes Bewußtſein erfüllt mich mit ſolcher Befriedigung, daß ich darum gern den ſchnöden Verrath vergeſſe, den Sie in Ihrem Palaſt gegen einen neapolitaniſchen Edelmann duldeten. Sie luden mich zu einem Feſte, und dieſer Mann dort, deſſen böſes Gewiſſen ihn ſtets die Blicke zu Boden ſchlagen läßt, veran⸗ laßte meine Verhaftung. Wer einen Einzelnen hintergeht, vermag auch ein ganzes Volk zu betrügen, Hoheit, und wer ſich dann eines ſo betrogenen Volkes annimmt, hat Anſprüche auf Verdienſt. 1. nd 152 Herandez ſchleuderte Giftblicke auf Giulio, während der Herzog von Mattalone in einer Fenſterniſche ſtand und auf den noch immer lärmenden Volkshaufen blickte. Als er indeſſen die Worte ſeines Sohnes vernahm, verließ er raſch ſeinen Standpunkt und führte Giulio zu dem Vicekönig. — Hier iſt der entwichene Gefangene, Hoheit, ſagte er, ich bin gekommen, ihn der Gerechtigkeit zu überliefern. — Unglücklicher, verblendeter Vater, nahm Giulio nach einer kurzen Pauſe das Wort, indem er traurig auf ihn blickte — mögeſt Du Deine mißverſtandene Pflicht niemals bereuen, in Gegenwart ſeiner Hoheit, des Vicekönigs von Neapel, wie jenes treuloſen Miniſters, rufe ich Dir zu:„hüte Dich vor Bei⸗ den— ſieh nur, wie die Blicke jenes Mannes auf Dirruh en, in der That, ſie gleichen denen eines Baſilisken, nur mit dem Unterſchied, daß ihr verderblicher Zauber ihr Opfer nicht augen⸗ blicklich zur Stelle bannt, ſondern es allmälig dem Verderben nachzieht— Du haſt mich ihnen überliefert, ſollte aber mein Haupt fallen, dann, mein Vater, zittre ich vor dieſem Augen⸗ blick; Neapel wird mein Leben von Dir fordern, jene Beiden werden ſich in ihren Kaſtels vor der Wuth des Volkes zu ſchützen wiſſen, Du armer, beklagenswerther Mann, wirſt daher bluten müſſen, und noch einmal rufe ich Dir zu: Hüte Dich vor Arcos, vor Herandez und dem Blutgerüſt, und jetzt, Hoheit, bin ich bereit, den Streich des Henkers zu empfangen. — Der auch nicht ausbleiben wird— verſetzte Herandez zähneknirſchend, aber mit unhörbarer Stimme. Ein lautes Geſchrei ließ ſich draußen vernehmen, man hörte deutlich die Worte:„Evviva il prence Caraffa.“ — Sie ſchreien bis in die Nacht inein, ſie können nicht ruhen, ſagte der Herzog von Arcos mit dumpfer Stimme. — Ein aufgejagtes Volk iſt nicht wie ein Kind durch ein Wiegenlied in Schlaf zu bringen— ein Volk, dem man den Tag geraubt, alſo die Freiheit und die Nahrung, fragt auch nicht nach der Nacht— ja, Hoheit, wie die ewige Gerechtigkeit niemals ſchlummert, ſo ſchläft auch die Rache nicht. — Sie ſind mein Gefangener, Prinz! rief der Herzog ent⸗ rüſtet. Das Geſchrei auf der Straße war verſtummt, die Wachen hatten das Volk auseinandergetrieben, aber aus der Ferne ließ ſich e Krach ein he 2 griff bleich brenn rande Fenſte ather ren Stin werd M in die ich Flan da⸗ rend der auf den verließ icekönig. ſagte er, lio nach n blickte dereuen, pel, wie vor Bei⸗ erruh en, mit dem t augen⸗ eerderben der mein Augen⸗ eBeiden olkes zu erſt daher Dich vor heit, bin Herandez an hörte een nicht ne. durch ein man den nagt auch rechtigkeit erzog ent⸗ Wachen derne ließ — 153 ſich ein anderes, eine Art dumpfes Geheul vernehmen, ein Krachen, wie wenn Kanonenſchüſſe fielen, wurde zugleich hörbar, ein heller Feuerſchein zeigte ſich am Himmel. Alle Anweſenden wurden von einem paniſchen Schrecken er⸗ griffen. Plötzlich riß ein Kammerdiener die Thür auf und ſtürzte bleich und verſtört mit den Worten:„Hoheit, der„Carlos“ brennt,“ auf den Vicekönig zu. 4 Das Antlitz deſſelben bedeckte ſich mit Todesbläſſe— He⸗ randez ſtieß einen dumpfen Schrei aus. Mattalone eilte an das Fenſter. — Mein Gott, das ganze Meer ſteht in Flammen! rief er athemlos. — Und die Prinzeß? fragte Giulio, wie aus einem ſchwe⸗ ren Traume erwacht. — Iſt auf dem Schiffe, entgegnete Arcos mit dumpfer Stimme. — O daß die Sünden der Väter an den Kindern geahndet werden! rief Giulio mit dem Ausdruck äußerſter Verzweiflung, von Euch fordere ich ihr Leben, das Leben der reinſten Seele in dieſem Schloſſe, fuhr er mit einer Stimme fort, daß Allen die Sinne vergingen. Ich fordere Urlaub, Herzog von Arcos, ich gehe, das unglückliche Opfer zu retten, oder mit ihm in den Flammen unterzugehen. I Der Schiffsbrand. Wie ein Raſender hatte Giulio das Freie erreicht. — Miraclo, ſchrie in dieſem Augenblicke ein Menſch, Feuer, das Meer brennt! — Ave Maria, purissima! ertönte es überall von allen Seiten. ——— 154 * Es war die verabredete Verbrennung der Schiffe, wie wir wiſſen, geheim gehalten, natürlich mußte alſo das Ereigniß auffallen, Schrecken und Verzweiflung ergriff die ſo leicht erreg⸗ baren Gemüther. Alles ſchrie und betete durcheinander und wogte drängend über einander herſtürmend. Giulio wurde mit dem Strudel fortgeriſſen, bald ſah er den Golf offen vor ſich liegen, und in der That, der erſte Ein⸗ druck war furchtbar erhaben— wie himmelanſprühende Feuer⸗ wogen,— wie ein brennendes Meer. Es war der Brand der Flotte, der die ganze Bevölkerung mit Ausnahme der männlichen Pöbelrotte in Schranken ge⸗ halten hatte. Man iſt dort an das ergreifende Naturereigniß eines Aus⸗ bruchs des Veſuvs gewöhnt, Alles ſtrömt alsdann zu den Kirchen. Lange Prozeſſionen von Büßenden in grauen Säcken, die nur für die Augen und Hände Löcher haben, wallen, geweihte Kerzen tragend, den Kirchen zu. Die Heiligen empfangen die Opfer der Gläubigen, alle Reliquien werden ausgeſtellt; man hört Litaneien und Bußgebete in den geweihten Hallen murmeln. Die bußfertige Menge drängt ſich bleich und zitternn zu den Beichtſtühlen. Zerknirſchte Sünder zerſchlagen ſich die Bruſt, während ſie Faſttage, Seelenmeſſen und geweihte Kerzen angeloben, um den feuerſpeienden Berg zu beruhigen, bis ſich die Lavaſtröme endlich dem Meere zuwenden und die Gefahr vorüber iſt. Ebenſo raſch aber erwacht dann plötzlich nach überſtandener Angſt die leichtſinnigſte Freude, und in dieſem Alles übertreiben⸗ den, in jedem Augenblicke überſprudelnden Volfe bricht die wil⸗ deſte Luſtigkeit aus. Ein anderer Eindruck war dagegen der, inmitten des Golfs brennende„Carlos.“ Als ob die Peſt in der Stadt gewüthet hätte, ſo verödet, ſo ausgeſtorben war Ihr Inneres. 12 Die ganze Bevölkerung, über dreimalhunderttauſend Men⸗ ſchen, befand ſich auf dem Strande und tiefe Stille herrſchte in dem weiten Halbkreiſe, der dieſes Schauſpiel umgab. Nit mehr alh Von Veſuv, von Por unter d Strande das Mee ſah man alle blei Ebe ſern ri Wieder D. Die ſt das ma gatte, d Flotte, N waren welche T ſein Le Theil der er 3 ſeine den P T Laubm fliehen in He wuuree dere die S den wußt herrl 6, wie reigniß erreg⸗ ängend ſah er e Ein⸗ Feuer⸗ lkerung ken ge⸗ 6 Aus⸗ zu den en, die weihte n, alle ßgebete ernd zu teend ſie um den endlich andener treiben⸗ die wil⸗ 3 Golfs ewüthet d Men⸗ ſchte in rmmn —— 155 Nie hatte man ein größeres Amphitheater geſehen, nie eine mehr alle Gemüther erſchütternde Darſtellung. Von den Höhen des Pauſilippo bis gegenüber am Fuße des Veſuv, zu den dunkeln ſchwerfälligen Steinmaſſen der Ruinen von Portici, in den reizenden Gartenanlagen der Villa reale unter den Baumreihen der Uferſtraße von Chiaja, auf dem Strande der Mergellina, der Santa Lucia und auf den weit in das Meer hineingreifenden Quais und Werkſtätten des Molo, ſah man, ſoweit das Auge nur reichte, Kopf an Kopf gedrängt, alle bleich vor Entſetzen, nur ſchaurig geröthet vom Feuerſchein. Ebenſo waren die weißen Reihen von Paläſten und Häu⸗ ſern ringsum von dem ganz eigenthümlichen Farbenton des Wiederſcheins angehaucht; nicht minder die ſchäumende Brandung. Der ganze Golf ſchien zu glühen; der Himmel zu brennen. Die ſtolzen Meergebäude, dies herrliche Schiffsgeſchwader— das majeſtätiſche Linienſchiff, die ſchlank und leicht gebaute Fre⸗ gatte, die Brigantinen, die Verbrechergaleeren, kurz die ganze Flotte, die dem Staate Millionen gekoſtet hatten, welche dem Gut und Blut, dem Schweiß und Fleiß der Unterthanen erpreßt waren, dort wurden ſie ein Opfer jenes furchtbaren Elementes, welches frevelnde Menſchenhand hineingeſchleudert hatte. Der Seemann betrachtet das ſchwimmende Haus, dem er ſein Leben vertraut auf unermeßlicher Meereswüſte wie einen Theil ſeiner ſelbſt; es iſt ſeine Geliebte und liebende Braut, mit der er lebt und untergeht. Jeder Strandbewohner aber iſt ſtolz auf ſeine Schiffe und ſeine Bruſt wallt höher, wenn er die Flagge von den ſchwimmen⸗ den Paläſten wehen ſieht. Der ſtarre Maſtenwald erſetzt ihm die duftenden Hallen der Laubwaldung, die ſchwellenden Segel ſieht er oft mit Thränen fliehen, mit Freude kommen und wenn beim Anbruch des Tages im Hafen von Neapel jedes Schiff mit einem Kanonenſchuß ſa⸗ lutirte, ſo gab dieſer Morgengruß dem Neapolitaner insbeſon⸗ dere das Gefühl von Sicherheit und die ſtolze Zuverſicht auf die Seemacht ſeines Vaterlandes, welche freilich jetzt einem frem⸗ den Despoten gehörte, aber doch einſt wieder frei werden konnte. Und dieſe Hoffnung, dieſes erhebende Hochgefühl, das Be⸗ wußtſein der Sicherheit ging in den Flammen unter, welche das herrliche Geſchwader verzehrten. 156 Nur die Bosheit triumphirte, in der Bruſt des edeln Neapo⸗ litaners regte ſich ein Gefühl unſäglichen Schmerzes obgleich er wußte, daß dieſe Schiffe drei Millionen bargen, welche man dem Lande abgezwungen und nach Spanien ſchaffen wollte. Und dieſe drei Millionen, wo waren ſie nun? Zerſchmolzen in Gluth, verſunken in Fluth. Nicht Worte vermögen ein ſolches Schauſpiel zu beſchreiben, kein Pinſel kann von jener magiſchen, zaubervollen Wirkung ein Bild entwerfen. Man wähnte das Flammenwogen der Hölle, ein Sprudeln empörter Feuerſtröme, ein Glühen von Himmel und Meer zu ſehen. Der Widerſchein hatte die ſchwarzen Wellen in Lichtflammen verwandelt, bis hinab in die Tiefe, wo der Rochen⸗ und Thun⸗ fiſch hauſen. Oft war der Hintergrund eine webende Gluth, in welcher man nichts Einzeines unterſchied, dann aber zogen ſich die dunkeln Theerdampfwolken rollend und wallend wie ein ſchwarzer Vorhang vor das Feuerbild. Wenn aber eben noch die Phantaſie arbeitete, ſich die ge⸗ heimnißvollen Schrecken im Ungeſehenen noch ſchrecklicher auszu⸗ malen, ſo zerriß oft plötzlich dieſe ſchaurige Wolkenmaſſe und erſt blitzten einzelne Flammen auf, dann enthüllte ſich das große Gluthgemälde dem Auge und man ſah in Augenblicken einer ſtillen Luft die ſtolzen Fregatten, ihre Flammen mit einer Ruhe tragen, gleich ſtarken Seelen, die dulden und untergehen, ohne zu klagen. Hatte man bei beſonderer Anſchauung erſt für Einzelnheiten Sinn gewonnen, ſo ſteigerte ſich das Entſetzen; hier ſah man brennende Pyramiden himmelhoch aufſteigen und ihr Ebenbild glühen, welches das Meer umgekehrt zurückſtrahlte. Noch erſchienen die ſchwarzen Rieſenleiber der Schiffe auf dem goldenen Grunde der Flammen, die aus jeder der Kanonen⸗ luken Feuer ſprühten wie glühende Augen von Seeungeheuern. Die ſchwarzen Stangen ſtarrten ſchaurig durch die Feuer⸗ wand hoch in die Lüfte, und hier und dort ſah man noch Men⸗ ſchen wie Feuergeiſter und ſchwarz wie Teufel, die ſich in den Flammen bewegen, und da man nicht wußte, daß es die Mord⸗ brenner von den Galeeren waren, die nach Raub ſuchten, ſo rührte die geuertodes Nan Lazzaroni vergebens nur nach! Mit Bahn dur gerade aus Dann rie zm entdech — mit herzu Geſchrei der edler Eine glühendes das theur mach da des Par über ihn ſo nahe —( G bei mein Waſſer Gin rend ſei gerichtet Die ſpeiender zu erſpäl hätte, linken« geblend weiblich ſammen 157 Neapo⸗ rührte die Hülfloſigkeit zahlloſer Menſchen in der Gefahr des glich er. Feuertodes alle Gemüther. he man Man wollte hinaus auf die See und helfen; auch den lie. Lazzaroni gelüſtete es nach Beute, man fand keine Barken; hmollen vergebens ſpähte man am weiten Halbkreiſe des Strandes auch nur nach einem einzigen Fahrzeuge. hreiben, Mit Verzweiflung und wilder Raſerei brach ſich Giulio ung ein. Bahn durch die Menge; ſeine Blicke ſchweiften rechts, links, gerade aus, überall, aber nirgends erſpähte er ein Fahrzeug. ptudeln Dann richtete er ſein Auge in die Flammen, um den Punkt — Meer zu entdecken, wo die unglückliche Leonora ſich befinden konnte. — Eine Barkel eine Barke! ſchrie er wie ein Wahnſinniger lammen mit herzzerreißender Stimme; aber vergebens, nur ein grauſiges Thun⸗ Geſchrei des mordluſtigen Pöbels, vermiſcht mit den Klagetönen der edler Denkenden war die Antwort. welcher Eine Menge von Gedanken und Plänen durchkreuzten ſein ſich die glühendes Hirn, kaum wußte er, was er beginnen ſollte; aber warzer das theure Menſchenleben mußte gerettet werden, wenn es noch— moöglich war, oder er, gleich ihr, der Geliebten, den Tod finden. die g⸗ Da plötzlich, wie ein Fieberkranker im höchſten Stadium auszu⸗ des Parorismus, ſprang er hinab in die Fluth, die brauſend und erſt über ihn ziſchte und ſchwamm mit unglaublicher Schnelligkeit, große ſo nahe als möglich den brennenden Schiffen zu. n einer— Strengt Eure Knochen an, rief ein Lazzarone lachend, r Ruhe bei meiner armen Seele, der muß Luſt haben, mit Feuer und „ ohne Waſſer zu kämpfen. Giulio theilte mit übermenſchlicher Kraft die Wogen, wäh⸗ Inheiten rend ſeine Blicke unausgeſetzt auf die feuerſprudelnden Schiffe äh man gerichtet waren. Fbenbil Die Mordbrenner hatten, für ihr Leben fürchtend, die feuer⸗ ſpeienden Schiffe verlaſſen, kein lebendes Weſen war dort noch zu erſpähen, doch, als ob ihn eine unſichtbare Macht gezwungen ffe auf Tua hütte, hob er, während der rechte Arm die Wogen theilte, den eheuerr. linken empor, legte die linke Hand über die Augen, um nicht Fruer⸗ geblendet zu werden. h Nen⸗— Dort, dort! rief er aus dumpfer Bruſt, ich ſehe ſie, ein in den weibliches Weſen im weißen Gewände, dort auf dem Bord des Mor⸗ flammenden Ungeheuers. 2 ten, ſ— Sie will ſich in's Meer ſürzen, Madonna Aiuta! 158 In dieſem Augenblick aber erfolgte eine furchtbare Er⸗ Salvator ſchütterung und ein Krachen, ein Knall ſo ſchrecklich, daß er ſich Niemand mit keinem Getöſe vergleichen ließ. Zugleich war die Luft ver⸗ finſtert, das Meer in Aufruhr, himmelhoch ſpritzten die Wellen, Räuber Giulio von einem erſtickenden Luftdruck umhüllt, verlor die Be⸗ ſinnung; dunkle Gegenſtände von ungeheurer Größe flogen durch flügge m die Luft, Feuerflammen ſprühten dazwiſchen und mitten im Meere mit Ent ſchien ſich ein Vulkan erhoben zu haben. der Tode Freiheit Verrath von mir Abeit Henter dieſer lange d Die Schreckensnacht. nardete ſe einſa Nachdem der Herzog von Mattalone mit ſeinem Gefolge in mihry das Schloß des Vicekönigs gelangt waren, hatten ſich die An⸗ ͤdten führer des Aufſtandes zur Berathung zurückgezogen. 2 Sie befanden ſich in einem entlegenen Theile der Kata-⸗ paator, komben, eine Fackel beleuchtete die Gruppe, welche ihre Berathung ſagt, w anfangs in flüſterndem Geſpräche abhielt. fallen i — Ja, aber es muß doch einmal eine gewiſſe Ordnung ein⸗ d treten, ſagte der alte Celeſto, daher wollen wir ohne Weiteres n(Eel Folgendes feſtſtellen: Paolo nimmt es mit der Palaſtwache auf, eintrat ſie beſteht nur aus fünfhundert Deutſchen und einigen Spaniern. J Dann muß er ſich zu dem Thurme San Lorenzo wenden, wo und di er, wie ich aus guter Quelle weiß, Geſchütze und andere Waffen⸗ Jene gattungen finden wird, deren wir unumgänglich bedürfen. Löſt fühlte, Rder dieſe Aufgabe zur Zufriedenheit, ſo hat er die Pflicht eines uhen wackern Vaterlandsfreundes erfüllt. Nicht weniger wichtig aber— iſt es, ſich des Herzog von Mattalone zu verſichern; dieſe Auf⸗ greife gabe wird Salvator Roſa übernehmen; er hielt ſich lange in vator ſeinem Hauſe auf und wird beſſer als wir den Augenblick kennen, aber in welchem wir den Bequemlichkeiten des edeln Herrn am wenig⸗ den T ſten zu nahe kommen. Wer ſich des jungen Giulio Caraffa ver⸗ nasju ſichern ſoll, kann ich nicht angeben, wenn, wie geſagt, ſich nicht 4 159 1 G⸗ Salvator durch ſein ritterliches Gefühl dazu eignet, wüßte ich 4 ſch Niemand zu nennen. N mi ver.— Daſſelbe Netz kann Vater und Sohn bedecken, fiel der deti Näuber Paolo höhniſch ein. i— Hat jemals das Junge die Alten getödtet, weil ſie es en durch flügge machten, rief Salvator Roſa, der ſich unter ihnen befand, n Mere mit Entrüſtung aus, auch ich will die Freiheit, denn ich gehöre der Todesgeſellſchaft an, die es ſich zur Aufgabe geſtellt, die Freiheit zu erkämpfen und die Tyrannen zu beſtrafen, Mord und Verrath aber liegt unſern Statuten fern, verlangt alſo nicht voon mir, daß ich meinen Wohlthäter verrathe; gebt die blutige Arbeit jedem Andern, Ihr werdet in dieſen Tagen genug der Henker bereit dafür finden. — Mit Gottes und der heiligen Jungfrau Hülfe— ja, dieſer Salvator aber iſt immer noch der Alte geblieben, er hatte lange die Ehre Mitglied unſerer Bande zu ſein, niemals aber mordete er. Statt mit uns hinaus zu ziehen auf Beute weilte er einſam in den Höhlen und pinſelte. Es iſt auch übrigens folge in nicht zu verlangen, daß er den Vater und Bruder der Geliebten! die An⸗ tödten ſoll. — Laßt uns von andern Dingen ſprechen, ſprach Sal⸗— er Katae vator, indem er dem Räuber einen vernichtenden Blick zuwarf, rathung ſagt, wer Neapel regieren ſoll, nachdem der blutige Streich ge⸗ fallen iſt? ung ein⸗ Dieſe Frage blieb unbeantwortet; der Blick Salvators forſchte Weiteres in Celeſto's Zügen, aber während der Todesſtille, welche jetzt ache auf, eintrat, heftete der Alte ſeine Augen auf den Boden. paniern. Ihr unheilverkündender Glanz erbleichte, die Lider zitterten den, wo und die langen hagern Fingern waren krampfhaft verſchränkt. Waffen⸗ Jene Frage hatte ſeine Ehrſucht im Innerſten berührt, und er en. Löſt fühlte, daß ſeine Gemüthsbewegung ſeine Empfindungen ver⸗ ht eines rathen mußte. 4 ztig aber— Ihr wolltet wohl ſelbſt das Zügel der Regierung er⸗ ieſe Ar greifen, Pater Anſelmo, wenn ich Euch recht verſtehe, fiel Sal⸗ fange in vator ein; auch ich bin ehrgeizig, ich will es nicht verſchweigen; Kkennen, aber ich ſtrebe nur nach Ruhm, nicht nach Macht; ich hege nicht m wenig⸗ den Wunſch, meine ſchwache Hand nach einem ſo hohen Preiſe auszuſtrecken. 1 3 affa ver⸗ 6 — Wäre auch nicht gut möglich, verſetzte der Räuber ſpöttiſch ſich nicht 160 lachend, die Hand, die nur gewohnt iſt, den Pinſel zu führen, würde das ſchwere Scepter nicht halten können. — Mein Vorſchlag iſt— Maſaniello, ſagte Celeſto mit heimtückiſchen Blicken, wir könnten ihn wenigſtens die Probe beſtehen laſſen, iſt er ſeiner Aufgabe nicht gewachſen, dann wählen wir einen andern unter uns. 4 — So hätten wir den Regenten, ſagte Salvator Roſa ein wenig lächelnd, aber welche Form der Verwaltung ſoll die be⸗ ſtehende erſetzen? Celeſto hatte jetzt auf Paolo geblickt, als forderte er dieſen auf, für ihn zu ſprechen, und er hatte ihn auch verſtanden.— Die breite Bruſt des Räubers hob ſich, er haftete ſeine grimmigen und flammenden Blicke auf das bleiche Antlitz des Alten. — Wer wegſchafft, muß wieder ſchaffen, ſagte Celeſto mit dumpfer Stimme, wir werden den Rath des Alters, die That⸗ kraft der Mannheit und den Eifer der Jugend brauchen, um ſicher durch dieſe Wirren zu kommen; es fehlt in Neapel nicht an redlichen und geſchickten Männern, iſt das Werk für Einen zu ſchwer, ſo muß es von Vielen ausgeführt werden. Seine Worte wurden mit Theilnahme angehört, und es würde ſchwer geweſen ſein, den Eindruck zu beſtimmen, den ſie gemacht hatten, denn das Schweigen, welches jetzt folgte, verrieth eine gewiſſe Verlegenheit.. Celeſto, dies bemerkend, gab ſchnell dem⸗Geſpräche eine an⸗ dere Richtung, und der verſchmitzte Geiſt des Intriguanten brachte Gegenſtände zur Sprache, um die geheimen Abſichten ſeiner Ge⸗ noſſen zu erforſchen. Es waren mehrere Stunden verfloſſen, ehe ſie ihre Pläne ordneten und die Rollen für den nächſten Tag vertheilten. * Als Celeſto's Vorſicht die erprobende Frage, die ſo viele ſelbſtſüchtigen Regungen erweckte, beſeitigt hatte, waren die Herzen der Verſchwörer allmälig gegen einander warm gewor⸗ den und nichts, Sal dheilna Einzelnt für odet die Reih lung der Der darüber, Alẽ Salvat einer a den Me Scene vators, Wes G um ei und di zuſamn Färbur flüchtie gerufe hingef Gemä Tag 3 ſchehen wärts heilig Sach Flüch Rath legen Räub 8 führen, to mit Probe dann oſa ein die he⸗ e ſeine itz des ſto mit That⸗ n, um nicht Einen und es den ſie errieth me an⸗ brachte er Ge⸗ Pläne 1 ſo viele ren die gewor⸗ 161 den und bei der Erwägung verſchiedener Pläne ereignete ſich nichts, was Mißtrauen oder Argwohn hätte erwecken können. Salvator Roſa hatte Alles ſchweigend, aber mit lebhafter Theilnahme beobachtet, denn es war ermüdend für ihn, die Einzelnheiten der Vorbereitungen, die kaltblütigen Erwägungen für oder gegen die Zerſtörung von Paläſten, die Fragen über die Reihenfolge der zu machenden Forderungen und die Behand⸗ lung der Soldaten anzuhören. Der Räuber hingegen und Celeſto beriethen und entſchieden darüber, ohne auf die Uebrigen Rückſicht zu nehmen. Als nun alle dieſe Angelegenheiten erörtert waren, machte Salvator Roſa den Vorſchlag der Trennung, und eine allgemeine Bewegung entſtand. Es folgte dann ein Auftritt, der zwar nur die Aufwallung einer augenblicklichen Begeiſterung war und gleich nachher von den Meiſten vergeſſen wurde; doch bei der Nachwelt wird dieſe Scene für immer leben, da ſie dem ſchöpferiſchen Geiſte Sal⸗ vators, der zu jener Zeit noch wenig bedeutete, den Hauch der Unſterblichkeit verliehen hat. Gleichſam als hätte er die Schatten, wie ſie vorſprangen, um ein feierliches Gelübde zu leiſten, an der Wand feſtgehalten, und die Geſtalten der Theilnehmer in den deutlichſten Umriſſen zuſammengeſtellt, ihnen die mitſprechendſte und die herrlichſte Färbung gegeben, Alles was edel und großartig war, aus der flüchtigen Schattenſcene herausgezogen und die dadurch hervor⸗ gerufenen glänzenden Phantaſieen der bewundernden Nachwelt hingeſtellt, ſchöpfte der geniale Künſtler den Stoff zu ſeinem Gemälde:„Catilina's Verſchwörung“, das bis auf den heutigen Tag Staunen erregt. Jeder der Verbündeten ergriff, wie dies ſchon einmal ge⸗ ſchehen war, die Hand ſeines Nachbars und hob ſie himmel⸗ wärts, während Alle ihr Leben und Alles was ihnen theuer und heilig war, für ihre gemeinſamen Anſtrengungen in der heiligen Sache ihres Vaterlandes verpfändeten, und die furchbarſten Flüche auf das Haupt desjenigen heraufbeſchworen, der durch Rath oder That ein Verräther werden würde. Bei dieſer Ge⸗ legenheit berührte Salvator Roſa mit der einen Hand den Räuber, während die andere den alten Prieſter faßte. Des Räubers Hand war feſt und das Fleiſch erſchien wie Das pfer von Amalfi.(Bd. 1) 11 162 Gluthaſche, die Celeſto's hingegen feucht und ſchlaff, ohne Be⸗ 1 un ohne Kraft, wie eine Leichenhand. Plötzlich ertönten in kurzer Entfernung lürmende Simmen. — Feuer, Feuer! hallte es in dumpfen Tönen näher und immer näher. — Corpo di dio! hörte man jetzt ganz deutlich, der Golf ſpeit Feuer, die Galeeren verbrennen mit dem Golde, das man uns geſtohlen und die Tochter des Diebes mit ihnen; ſie haben einen Preis von fünfhundert Ducaten auf die Errettung der Taube geſetzt, aber ein guter Neapolitaner rettet nicht mehr, was ſchon der Hölle verfallen iſt, ſie iſt von Sündern geboren und muß auch in Sünden untergehen. Es kamen dieſe Nachrichten von Lazzaroni, welche zu ihren nackten Familien heimkehrten. Die Anführer blickten ſich einige Momente ſtumm und er⸗ ſtarrt an; in jedem Geſicht zeigte ſich ein anderer Ausdruck, aus Salvator Roſa's Zügen ſprach Angſt und Verwirrung, des Räubers Angeſicht ließ Mordluſt erkennen, während das Antlitz des alten Celeſto eine ſataniſche Genugthuung zur Schau trug. — Laßt ſie ruhig verbrennen, nahm er mit dumpfer Stimme das Wort. — Gott ſei ihrer Seele gnädig und tröſte die Eltern, fiel der Räuber lächelnd ein. — Mein Gott, welch' ein grauſames Schickſal! Doch viel⸗ leicht iſt Rettung möglich, rief Salvator Roſa, ergriff die Fackel, die er ſo hoch hielt, als es die Decke der Felſenhülle geſtattete, und ſtürzte, von den Uebrigen gefolgt, hinaus. Es war eine fürchterliche Nacht, die Straßen wimmelten von wildem Gewühl. Hier ſah man Lazzaroni, befreite Galeeren⸗ ſclaven mit ihrer rothen Kleidung; beim Scheine der Fackeln, die laſſener Höllenungeheuer. - ſie hoch über ſich ſchwangen, machten ſie den Eindruck losge⸗ Paläſte,d Dem Schiffe w Bagno zlt Wohl Straßen! hatte und Schon ſogar eini Der ſhon auff ihr Blut⸗ Feue ſetzt, um ſuchte na auf dem Die noch in d der W Vorkehr ſtandes, Um bereits e Mit Menſch, gebrande Sd liche G ſtürzte 1 wir Sa Gure g⸗ oder es noch kei Du es gehört thätet Hülfe! 163 ne Be Dem zurückgebliebenen Geſindel und den Mordbrennern der Scchiffe war es gelungen, die übrigen Galeerenſclaven aus dem mmen. Bagno zu befreien. er und Wohl über zweitauſend dieſer Blutmenſchen durchzogen die w Straßen voll Rache gegen die Menſchheit, die ſie ausgeſtoßen t Golj hatte und gierig nach Raub, um leben zu können. 3 man Schon waren hier und dort einzelne Kaufläden geplündert, haben ſogar einige Erdolchte lagen bereits auf den Straßen. - der Der Mercato war der Sammelplatz dieſer Mordbanden, die mehr. ſchon anfingen, ſich unter verſchiedene Anführer zu ſtellen, um gboren ihr Blut⸗ und Zerſtörungswerk beginnen zu können. Feuerfeſte Gewölbe wurden geſtürmt und mit Wachen be⸗ ihren ſetzt, um die geraubten Waaren in Sicherheit zu bringen. Man ſuchte nach Waffen, beſonders aber nach Dolchen und Meſſern; nd er⸗ auf dem Mercato wurde eine Art von Kriegsrath gehalten. c, aus Die Anführer bezeichneten den verſchiedenen Banden die , des Paläſte, die geplündert werden ſollten, die Plünderung aber ſollte Autliz nooch in dieſer Nacht ſtattfinden, denn ſie fürchteten, daß am an⸗ uug. dern Tage ihr Reich ſchon zu Ende ſein könnte; entweder durch timne Vorkehrungen der Regierung, oder durch die Lenker des Auf⸗ ſtandes, die Raub und Mord nicht geſtatten würden. n, ſiel Um dieſen Vorſatz alſo auszuführen, theilten ſie ſich, wie bereits erwähnt, in verſchiedene Haufen. viel⸗ Mitten unter einem derſelben zeigte ſich ein wüthender Facel, Menſch, rothgekleidet wie die Galeerenſclaven, auf der Stirne attet, gebrandmarkt. 1t Schon deutete er auf einen Palaſt, als plötzlich eine männ⸗ liche Geſtalt mit der Schnelligkeit einer Gazelle ſich auf ihn ſtürzte und ihn zu Boden warf. — Nichtswürdige Mordbrenner! rief der Mann, in dem wir Salvator Roſa erkennen, mit donnernder Stimme, iſt das Eure ganze Bravour? Gebt Euch zur Ruh' Ihr Kanibalen, oder es ſoll ein Blutbad unter Euch angerichtet werden, wie noch keins bisher auf Erden geweſen. mmelten— Ragazzo! ſchrie der Galeerenſclave, wer biſt Du, daß leeren⸗ Du es wagſt, uns in unſerm Unternehmen zu ſtören, dieſe Nacht An, die gehört uns, die nächſten Tage werden erſt die Euren ſein, Ihr losge⸗ thätet beſſer, Euch mit uns zu vertragen. Ihr werdet unſere Hülfe brauchen. 11* 164 — Keinen Schritt weiter! rief Salvator Roſa, oder ich vollziehe meine Drohung und die nächſte Minute bringt Euch den Tod; auf einen Wink von mir werden nach wenigen Augenblicken die Straßen mit meinen Freunden angefüllt werden, um Euerm ſchändlichen Treiben ein Ziel zu ſetzen. Ein lautes Gelächter antwortete und die Galeerenſclaven zogen weiter. In demſelben Augenblick zog Salvator ein Horn hervor, ein langer zitternder Ton verhallte und wie ein hundertfaches Echo hallte es von allen Seiten wieder, aus nah' und fern. — Die Todesgeſellſchaft kennt ihr Signal, flüſterte Salvator. Kaum hatte er dieſe Worte geſprochen, als, wie aus der Erde hervorgezaubert, aus allen Kellern, aus Winkeln und Gaſſen ſchwarze Geſtalten erſchienen, an deren Baretten bei dem Feuer⸗ ſcheine, der Neapel erhellte, ihr gräßliches Symbol, der Todten⸗ kopf glänzte. Sie waren mit allen Waffengattungen verſehen, ein furchtbares Kampfgeſchrei erſcholl und bald drangen die feind⸗ lichen Partheien auf einander ein. Dolche und Säbel blitzten und hundert kräftige Fäuſte griffen aus und ſchwangen ihre Waffen. Jetzt begann ein furchtbares Morden. Jeder Einzelne von bei⸗ den Partheien ſchien ſich ſeinen Mann auserſehen zu haben. Jedes Mitglied der Todesgeſellſchaft umfaßte einen Galeerenſclaven, deren Anzahl ſich vermehrt hatte, und ſtieß ihm den Dolch durch den Rücken in's Herz., Schon Viele lagen ermordet am Boden und mit wüthen⸗ dem Geſchrei und mit Blut rauchenden Dolchen ſtürzte man weiter. Das Kampfgewühl hatte ſich verſtärkt, zu den Galeeren⸗ ſclaven geſellte ſich Geſindel der verworfenſten Art, während ſich zu der Todesgeſellſchaft Leute aus beſſern Klaſſen ſammelten. Auch dieſe letztere hatte ſchon manches Mitglied eingebüßt, die Galeerenſclaven aber wurden immer wilder und blutdürſtiger, je mehr Opfer unter ihren blitzſchnellen Dolchen fielen. Nie hat ein Schlachtgemälde ein furchtbareres Gewühl von Mordenden dargeſtellt, der Boden war ſchlüpfrig geworden von rauchendem Blute. Sterbende klammerten ſich an die Beine der Lebenden und riſſen ſie nieder, um noch einen Meſſerſtich anzubringen. Jetzt feuerten t nur um ſe Puloe Man ſch Wolkenma ringende? anderer S wüſtend! anrichteten Eine zen bünd mels, der veim We von Hun nach und Zähneknie Sal . meiſten. fen kön wilden ſchlüpfte Ueb ſeine Be folgen ſich er ten, wo Verfolg der ich bringt venigen werden, nſclaven dor, ein 8 Echo alvator. aus der HGaſſen Feuer⸗ Todten⸗ erſehen, efeind⸗ griffen von bei⸗ Jedes ſclaven, h durch wüthen⸗ te man aleeren⸗ end ſich ten. agebüßt, ürſtiger, ühl von den von den und — 165 Jetzt war auch eine Abtheilung Soldaten hinzugetreten und feuerten ihre Gewehre ab und dieſer Umſtand machte den Kampf nur um ſo erbitterter. Pulverdampf und Staub wirbelte über die ſchreckliche Scene. Man ſah ſie wie Schatten und Geiſter durch den Schleier dieſer Wolkenmaſſen kämpfen und mitten in dieſe, um Tod und Leben ringende Menſchenhaufen knallten die vollen Ladungen und von anderer Seite her wurden Eiſenſtücke hineingeworfen, welche ver⸗ wüſtend und verſtümmelnd wirkten und faſt mehr Verheerung anrichteten als die Kugeln der Soldaten. Eine neue Abtheilung der Todesgeſellſchaft drang mit Lan⸗ zen blind hinein in das dunkelwogende Meer des Mordgetüm⸗ mels, der Tod wüthete grauſig wie der Engel des Verderbens beim Weltgericht unter den Verdammten und das Schlachtgeheul von Hunderten tobte wie ein Donnerſturm und verhallte nur nach und nach in den Seufzern der Sterbenden oder im ſtillen Zähneknirſchen der Mordenden. Salvator Roſa aber wurde von den Galeerenſträflingen am meiſten geſucht und verfolgt; aber ſie hätten eher den Blitz grei⸗ fen können, als dieſen Menſchen, der mit der Schnelligkeit eines wilden Indianers hin und her ſprang, bald auf der Erde fort⸗ ſchlüpfte und bald über Leichen hinwegſetzte. Ueberall, wohin er ſich nur wendete, ließ er Leichen zurück, ſeine Bewegungen waren ſo ſchnell, daß ihnen das Auge kaum folgen konnte und nur aus dem Funkeln in ſeiner Hand ließ ſich erkennen, daß die zahlreichen Dolchſtiche von ihm herrühr⸗ ten, wodurch er ſich da eine blutige Bahn öffnete, wo ſeine Verfolger ſich mehrten, um ihm den Rückweg abzuſchneiden. Endlich war der Tod geſättigt, und während dieſe grauſige Mordſcene austobte, ging der Schiffsbrand in furchtbar feier⸗ licher Ruhe von ſtatten. Niemand von allen Dieſen dachte an das Opfer, das dort den Feuertod ſterben ſollte, noch an Den, welcher ſich in das Meer geſtürzt hatte, um es zu retten; nur von Denjenigen, welche ſich am Strande befanden, glitt mindeſtens ſo mancher Blick auf den Schwimmer und ein lautes Geſchrei ertönte, als man ihn im Pulverdampf verſchwinden ſah. Das furchtbare Krachen, welches vom Meere her ertönte, hatte auch die Beſinnungsloſen und in raſender Wuth ſich zer⸗ 166 dem Strande zu, während Andere ſich nach verſchiedenen Seiten hin zerſtreuten. Die wenigen ſpaniſchen Soldaten des Herzogs von Arcos lagen todt, von unzähligen Stichen zerfleiſcht, auf dem Kampf⸗ platz, wo die Todesgeſellſchaft ſich noch aufgeſtellt hatte. Viele Fackeln erhellten die Scene und zeigten die ſchwarze Fahne, welche ein rieſiger Menſch in der Hand hoch empor hielt, gleichſam als ſollte der Todtenſchädel, der auf derſelben grinſte, als warnendes Zeichen dienen. Lazzaroni und viele Andere waren vom Strande wieder zurückgekommen und hatten Haufen um die Todesgeſellſchaft ge⸗ bildet. Plötzlich ſprengte ein Reiter, mit einer Fackel in der Hand, heran. — Tauſend Ducati demjenigen, welcher die Rettung Ihrer Hoheit der Prinzeſſin Leonora vollbringt, rief er mit lauter Stimme. Ein lautes Lachen, mit dumpfem Gemurmel vermiſcht, wurde unter den Anweſenden hörbar. — Das iſt ſchon der zweite Abgeſandte, rief ein brauner zerlumpter Kerl zu ſeinem Nachbarn, der erſte hatte nur fünf⸗ hundert geboten. — Seine Hoheit der Vicekönig von Neapel ſollte nicht ſo kargen mit den Dukaten, die ihm wahrlich nicht ſehr ſauer ge⸗ worden ſind, denn ſie ſind aus unſerm Schweiße, unſern Knochen, Thränen und Seufzern erpreßt! riefen Andere mit einem Ge⸗ miſch von Bitterkeit und Spott. — Sagt ihm, fuhr ein Dritter fort, der Golf von Neapel würde auch ihn tragen, wenn er ſonſt ein guter Schwimmer wäre, es iſt ſeine Tochter, aber es heißt, der Herr wird die Sünde der Väter rächen an Kindern und Enkeln bis in das vierte Geſchlecht. Ein lautes wüſtes Geſchrei folgte dieſen Worten, aber Nie⸗ mand rührte ſich von der Stelle und der herzogliche Bote ſprengte verzweifelnd zurück. Während deſſen waren die Anführer des Aufſtandes heran⸗ gekommen, unter ihnen befanden ſich Celeſto, Maſaniello und der Räuber. a. fleiſchenden Kämpfer aufgeſchreckt. Viele von ihnen ſtrömten Leichen du biſt dem Ba vator R füllt wu dem Her Antwort verdam Sonne Leichen Nichté Nation, gen Ga ſind me weit be her, es 3 tern, voran der ſch Lddess ker de Roſa. U zeſſion —— römten Seiten Arcos Rampf⸗ hwarze hielt, rinſte, wieder aft ge⸗ Hand, Ihrer lauter wurde rauner fünf⸗ icht ſo ger ge⸗ nochen, m Ge⸗ Neapel immer ird die in das er Nie⸗ Bote heran⸗ lo und 167 — Welch ein Jammer, rief Maſaniello, indem er auf die Leichen zeigte, welche den Boden bedeckten, heilige Jungfrau, Du biſt mein Zeuge, das wollte ich nicht. — Die Galeerenſklaven haben es angerichtet, welche aus dem Bagno von den Mordbrennern befreit wurden, ſagte Sal⸗ vator Roſa. — Blut mußte erſt fließen, nachdem unſre Wünſche nicht er⸗ füllt wurden, verſetzte Maſaniello und dieſe ſollten erſt morgen dem Herzoge von Arcos kund gethan werden, ſeine verneinende Antwort würde die Blutthaten rechtfertigen, eine bejahende ſie verdammen, nun, wir werden es ja erfahren. Die morgende Sonne ſoll dieſe Scene des Grauens nicht mehr ſehen, und dieſe Leichen müſſen noch heute nach den Katakomben geſchafft werden. Nichts erinnere morgen mehr an dieſe Scene, dieſe Schmach der Nation, fort mit den Leichnamen, wendete er ſich zu den müßi⸗ gen Gaffern, gebt ihnen eine Ruheſtätte in den Katakomben, es ſind meiſtens Böſewichter, entſprungene Galeerenſklaven, die weit beſſer in der Tiefe des Golfs aufgehoben wären. Die Angeredeten machten ſich ſchnell über die Erſchlagenen her, es mochten wohl hundert an der Zahl ſein. Zu zwei und zwei luden ſie die Leichname über ihre Schul⸗ tern, und der Zug ſetzte ſich ſchweigend in Bewegung. Ihm voran ſchritten ſechs Fackelträger, dieſen folgte der rieſige Träger der ſchwarzen Fahne mit dem weißen Todtenkopf, dann ging die Todesgeſellſchaft zu zwei und zwei, hinter dieſen kamen die Len⸗ ker des Aufſtandes: Maſaniello, Paolo, Celeſto und Salvator Roſa. Unter einem zahlreichen Geleite gelangte die traurige Pro⸗ zeſſion nach den Todtengewölben. 168 Als Giulio aus dem Zimmer des Vicekönigs geſtürzt war, ſtanden die Anweſenden einige Augenblicke wie betäubt. Der Herzog von Matlälone, durch dieſes Ereigniß an das Wohl ſeiner eigenen Tochter erinnert, verließ gleichfalls den Saal und holte aus einem angrenzenden Gemache Blanka, mit welcher er nach großen Schwierigkeiten endlich ſeinen Palaſt in Neapel erreichte. kn⸗ — Und wo iſt Giulio? fragte Blanka mit Bangigkeit. — Nach dem Strande geeilt, um die Rettung Leonora's zu verſuchen.- — Gott dieſer Schritt kann ihm ſelbſt das Leben koſten! Als der Herzog in ſein Zimmer trat, fand er bereits ein Schreiben folgenden Inhalts vor: 9 „Seien Sie auf Ihrer Hut, ein ſchwarzer Anſchlag wird gegen Sie und die Ihren im Schilde geführt; in der Zeit der Gefahr ſoll ein Edelmann freilich an der Seite ſeines Fürſten ſtehen, aber nicht ihn gegen das Volk zu hetzen, ſondern ihm die Binde von den Augen zu nehmen, welche ihm treuloſe Räthe und Volksfeinde angelegt. Schaffen Sie die verfluchten Steuern ab, die den Armen von der Geſundheit zum Hunger, vom Hunger zum Wahnſinn bringen. Jagen Sie die Fuchs⸗ ſchwänzer und die Spitzbuben aus dem Hauſe des Statt⸗ halters und Sie werden Ihrem Vaterlande einen Dienſt leiſten. So werden Sie den Untergang Ihres Hauſes abwenden und vielleicht noch bei Zeiten Anſchlägen zu⸗ vorkommen, die Ihren Namen zu entehren trachten. Das iſt der Rath eines Freundes, der Sie ſchützen wird, ſo viel er vermag, ſo viel es in ſeiner Gewalt ſteht. Zögern Sie länger, ſo gehen Sie dem Unter⸗ gange entgegen und Sie werden Ihr Unglück verdienen.“ — Wie es gewöhnlich bei ſolchen Briefen iſt, keine Namens⸗ unterſchrift, bemerkte der Herzog. — Allerdings, verſetzte Blanka, aber die Handſchrift iſt mir nicht unbekannt. — Sie wäre Dir bekannt? fragte der Herzog geſpannt. — Sie gleicht den Schriftzügen Salvator Roſa's! entgegnete Blanka und verließ das Zimmer. Als ſie ihr Ge ach erreicht hatte, trat ſie auf den Balkon und ſchaute mit Entſetzen nach der gräßlichen Scene auf dem Meere. 4 Der Jacch unzä empot, Tauſ bis allmä ihre Bru nahe ſtan Sie nieder un glücklichen ſicch auf ſtand i richtete Als er endlie und ſtü Flamm Verderl gerichte weiflu ſein Oyf ſich no D zu ihn Exeelle lläglic 169 Der majeſtätiſche„Carlos“ war faſt niedergebrannt, aber war, nooch unzählige Flammenzungen leckten von brennenden Balken ndas empor, welche auf dem Meere ſchwammen. Saal Tauſende von Lichten ſchienen auf den Wellen zu hüpfen, ellher bis allmälig eines nach dem andern erloſch; ihr Herz pochte bang, ſeapel ihre Bruſt wurde ſchwer, ſie dachte an zwei Weſen, welche ihr nahe ſtanden. 4 1 Sie kehrte in's Zimmer zurück, warf ſich vor ein Cruzifir 's zu nieder und betete mit thränenvollen Blicken für die beiden Un⸗ . glücklichen und mit einigermaßen erleichertem Herzen warf ſie en! ſich auf das Lager, allein der Schlummer blieb ihr fern. ts ein ſchlag rt; in 12 an der n das lugen 1 öfeinde 1 —n ab, Kehren wir nun zu dem Herzoge von Arcos zurück.— Er vom ſtand in ſeinem Zimmer ſteif und regungslos wie eine aufge⸗ fuchs⸗ richtete Leiche. Statt⸗ Als ihn der Herzog von Mattalone verlaſſen hatte, ſchien Dienſt er endlich Leben gewonnen zu haben; er eilte an das Fenſter Hauſes und ſtürzte mit einem wüthenden Schrei zurück. en zu⸗— Madonna Marial rief er, Himmel und Meer ſtehen in achte Flammen und mein unglückliches Kind muß ein Opfer werden, hhüten Verderben komme über die Mordbrenner, die dieſes Unheil an⸗ Hewalt gerichtet haben! ſetzte er mit einem Ausdruck äußerſter Ver⸗ Unter⸗ zweiflung hinzu. enen.“— Und was wird man in Madrid ſagen, daß die drei Millionen „ ein Opfer dieſes Verbrechens geworden, verſetzte Herandez, welcher amend⸗. 3 ſich noch immer im Zimmer befand. ij nir Der Herzog wendete ſich mit einer gewaltigen Bewegung 4A zu ihm und muſterte ihn mit fürchterlichen Blicken. b — Haben Sie weiter nichts zu beklagen als das Gold, mt. t Excellenz? fragte er mit bitterem Vorwurfe. vneih— Ich beweine das Loos Donna Leonora's, ſagte er in 3 1 lläglicher Weiſe. 1» 170 1 — Und doch ſtehen Sie noch hier, während das Leben Ihrer Verlobten mit jeder Minute mehr gefährdet wird. — Aber theuerſte Hoheit, was kann ich thun? — Das fragen Sie noch? Giebt Ihnen Ihr Herz keine Ant⸗ wort, ſo will ich es thun; eilen Sie hinaus, ſetzen Sie Him⸗ mel und Erde in Bewegung, ſtürzen Sie ſich in's Meer und ſollten die Wogen Sie nicht tragen wollen, ſo beſchwören Sie die Geiſter der Tiefen, Sie hinüber zu führen nach dem brennen⸗ den Schiffe. Appelliren Sie an das Volk, rufen Sie ſeine Barm⸗ herzigkeit wach, ſagen Sie ihm, das Leben eines Mädchens, eines unſchuldigen Weſens, das Neapel nichts zu Leide gethan, ſei von den gräßlichſten aller Qualen, dem Feuertode bedroht. Man wird in dieſem Augenblick allen Haß vergeſſen und Ihnen beiſtehen. — Hoheit, das Volk würde mir mit Steinen antworten und mich höchſtens ſchwemmen wie eine Here, ſagte Herandez in kläglichem Tone. — Gott im Himmel ſei ihr gnädig! rief der Herzog ver⸗ zweiflungsvoll die Hände ringend. In dieſem Augenblick ward die Thür aufgeriſſen. Eine hochgewachſene bleiche Dame in weißem Nachtgewande mit wilden Blicken, aufgelöſtem Haar, ein Bild der Verzweiflung und der Verſtörtheit ſtürzte keuchend in das Zimmer, ſtellte den ſilbernen Armleuchter auf den Tiſch und ſank dann athemlos in die Arme des Gatten. — Inigo, ſtotterte ſie, Dein einziges Kind, rette, rette! Aber wie— rief ſie verwirrt um ſich blickend, Don Herandez noch hier?— Er heißt ein Grande von Spanien,— ein Ritter des goldenen Vließes und überläßt die Braut den Flammen?!— Er eilt nicht durch Nacht und Fluth, opfert nicht ſein eignes Leben dem Feuer, um ſie zu retten, für die er zu leben vorgiebt?! — Bei Sanct Giovannil mir blutet das Herz, aber ich bin nicht im Stande ſie zu retten, die Volkswuth, die Volkswuth! — Wehe Ihnen, daß Sie ſie wach gerufen, rief die Her⸗ zogin mit der ganzen Bitterkeit ihrer Verzweiflung, ward denn nicht in Ihrem Hirn der unglückſelige Gedanke der verhäng⸗ nißvollen Fruchtſteuer ausgebrütet? Waren Sie nicht der Mann, der meinem Gatten alle Höllenpläne an die Hand gegeben? Mit Ihrer Ankunft aus Spanien kam auch der Fluch über hiefes Land, ja aber mei ein treu des Clel dieſen 6 Spanien ſcheucht den Win den noch mein Ki zögern Flamm meiner d. Klang! einen„ Nawonc D noch i Mordb 86 einen? wöhnt, ein M aus d Stimn zu befr über liche, der v Mutt 15 Diene a Ihrer n Ant⸗ Him⸗ er und en Sie eennen⸗ Barm⸗ eines ſei von Man Ihnen worten rrandez 3 ver⸗ ewande eiftung te den los in rette! randez Ritter 421— eignes iebt?! ch bin uth! Her⸗ — 171 Land, ja Sie allein haben das ganze Unglück heraufbeſchworen, aber mein Kind, mein einziges Kind! Was kann ſie dafür, wenn ein treuloſer Miniſter ein Land in die Raſerei des Hungers und des Elends verſetzt?— Auf, auf! Inigo, mein Gatte, verbanne dieſen Geiſt des Verderbens aus Deinem Bereich, laß ihn nach Spanien zurückkehren, dann wird der Würgengel Neapels ver⸗ ſcheucht ſein; die Thränen, die er erpreßte, werden zwar noch an den Wimpern glänzen, aber keine anderen fließen, die Wun⸗ den noch nicht geheilt ſein, aber nicht mehr auf's Neue bluten; mein Kind, mein Hind! kreiſchte die unglückliche Mutter, warum zögern wir, jede Minute, die wir verträumen, bringt eine Flamme dem geliebten Haupte näher, dem Haupte, das an meiner Bruſt geruht. Der Herzog ſetzte eine Glocke in Bewegung; ihr gellender Klang rief eine Anzahl von Dienern in das Zimmer. — Es ſollen Boten in die Stadt reiten, befahl er und einen Preis von fünfhundert— von tauſend Ducaten auf die Nettung der Prinzeſſin ausrufen. Die Diener verließen eilig das Gemach, Herandez blieb noch immer. — Rache, Rache! ſtotterte er, Tod und Verderben dieſen Mordbrennern! Sein gelbes Antlitz nahm einen grauenvollen Ausdruck an, einen Ausdruck, vor dem der Herzog ſelbſt, an dies Geſicht ge⸗ wöhnt, zurückbebte. r. — Ihr eigner Arm mag rächen, Don Herandez, wenn Sie ein Mann ſind, rief er, in äußerſter Erbitterung. — Wer nicht den Muth hat, ein Mädchen, eine Braut— aus dem Flammen zu holen, fiel die Herzogin mit dumpfer Stimme ein, vermag auch nicht einen Staat aus dem Verderben zu befreien.. 1 — Es wäre beſſer, daß Sie uns allein ließen, ſagte der Herzog, über Staatsangelegenheiten zu ſprechen iſt keine Zeit; der könig⸗ liche Statthalter iſt für den Miniſter zu jeder Stunde vorhanden; der verzweifelte Vater aber muß der von Todesgram gemarterten Mutter eine Stütze ſein, deren auch er ſo ſehr bedarf. Herandez verbeugte ſich und verließ das Zimmer. Als er hinaus gelangt war, trat er zu einem wachthabenden Diener. 2 172 — — Hat Niemand nach mir gefragt rief er haſtig. — Ihr Diener, Eccellenz. — Und wo befindet er ſich? fragte er leichter athmend. — Er ließ ſich in das Toilettenzimmer des verſtorbenen Kammerherrn Cerigli führen. — Gut, gut, rief Herandez beruhigter und eilte davon. Wenige Augenblicke darauf ſtand er in einem kleinen ent⸗ legenen Gemach. Hier erwartete ihn ſein Diener mit einem Bündel in der Hand. — Es hat mir Mühe gemacht, Excellenz, aber ich habe es erlangt, ſagte der Diener und nahm aus dem Bündel einen ſchmutzigen Volksanzug hervor, welchen ſich Herandez anlegte und nachdem der Diener einen noch ſchmutzigern Mantel um ſeinen Herrn geworfen hatte, verließen Beide den Palaſt, um unentdeckt zu entkommen. Der Herzog von Arcos ſaß in einer Ecke ſeines Zimmers, die Arme überkreuzt, das Haupt auf die Bruſt geſenkt. In einem entfernteren Winkel, ihm gegenüber hatte ſeine Gattin Platz genommen, ein vollendetes Gemälde der Trauer, der Angſt und Verwirrung. Kein Wort wurde zwiſchen den beiden Gatten gewechſelt. — Es iſt die Sündenſchuld! brach endlich letztere das peini⸗ gende Schweigen. Die Thränen, die ein ganzes Volk weint, bleiben von Gott nicht ungeſehen. Der Noth⸗ und Schmerzens⸗ ſchrei eines Landes tönt zu ihm nicht vergebens empor, er zählt die Thränen, er hört die Klagen, aber er übt auch Vergeltung, ſchreckliche Vergeltung! Nur zu ſehr fühlte der Herzog den bittern Vorwurf ſeiner Gattin. — Was kann ich thun? rief er mit wildem, verſtörtem An⸗ geſicht, jetzt, wo das Verhängniß ſchon herabgekommen iſt über mein ſchuldbeladenes Haupt. O könnte ich gut machen, was ich verbrochen habe, würde mein Kind mir wiedergegeben; ich möchte auf den Knieen mich fortſchleppen, nach dem heiligen Grabe wallfahrten, wie ein Pilger von Land zu Lande gehen, um auf Golgatha dem Herrn meinen Dank darzubringen für das neu⸗ geſchenkte Leben meines Kindes; hätte ich geahnt, daß der Him⸗ mel ſo ſchwer mich ſtrafen würde, ſo ſehr das Schwert gegen meine eigene Bruſt kehren würde, ich hätte Erbarmen gehabt 4 mit dem O jetzt,) ] ihrem F Munde, gerraufte mit droh Deine To vater, K Athem iſt iſt Mord doch neit die Dich Dein C Der die Zung der Lipp In de W thür e die dar ſtarr ge ihnen v Krachen fühlte d kam, m Si Ein Blicke a Sinn g ihren d In reitend dhür ie ſih ſtine( d. rbenen on. n ent⸗ einem abe es einen mlegte el um t, um nmers, Kige LTrauer, hſelt. peini⸗ weint, rzens⸗ t zählt eltung, ſeiner m An⸗ ſt über vas ich möchte Grabe um auf s neu⸗ r Him⸗ gegen gehabt 173 mit dem Volke, ſeine Klagen gehört, ſeine Wunden geheilt!— O jetzt, jetzt iſt Alles verloren! — Mein Kind, mein Kind! kreiſchte die Herzogin von ihrem Platze auffahrend, gräßliche Wehklagen entfuhren ihrem Munde, während ſie auf und niederrannte und ſich das Haar zerraufte. Du, Du biſt Schuld daran, fuhr ſie fort, indem ſie mit drohender Geberde vor ihrem Gatten ſtehen blieb, Du haſt Deine Tochter ermordet und Herandez ſtand Dir bei. Raben⸗ vater, Kindesmörder, ich bleibe nicht in Deiner Nähe! Dein Athem iſt Gift, er haucht Peſt und Verderben aus, Dein Geruch iſt Mord, ſieh' wie der kalte Schweiß von Deiner Stirne rinnt, doch nein, das iſt kein Schweiß, es ſind die Thränen des Volkes, die Dich benetzen; hüte Dich, daß Du in dieſen Thränen nicht Dein Grab findeſt!— Der Herzog ſtand ſtumm da, er wollte ſprechen, allein die Zunge ſchien ihm gelähmt, nur ein convulſiviſches Zucken der Lippen ließ ſeinen Wunſch errathen.. In dieſem Augenblick erſchütterte ein furchtbares Krachen die Luft, die Scheiben des Palaſtes dröhnten, die breite Flügel⸗ thür eines Nebenzimmers ſprang auf, kalte Zugluft durch die darin geöffneten Fenſter ſtrömte herein und wehte die beiden ſtarr gegenüber Stehenden an, als ob ein Chor von Geiſtern ihnen vorüberſchwebte⸗ — Das waren die Kanonen des Schiffes, ich kenne ihr Krachen, ſagte der Herzog mit dumpfer Stimme. — Und mein Kind hat in dieſem Augenblicke geendet, ich fühlte den kalten Fittig ihres Geiſtes an mir vorüberziehen, er kam, mir ihren Tod zu melden. Sie ſtürzte beſinnungslos zuſammen.— Eine geraume Zeit ſtand der Herzog wie verſteinert, die ſtieren Blicke auf die lebloſe Gattin gerichtet; es war ihm nicht in den Sinn gekommen, Hülfe herbeizurufen, er würde die Herzogin ſonſt ihren Damen übergeben haben. In dieſem Augenblick ließ ſich Geräuſch vernehmen, die reitenden Boten waren zurückgekehrt und blieben ſtumm an der Thür ſtehen, dies Ereigniß rief die Herzogin wach, raſch erhob ſie ſich vom Boden. — Welche Nachricht bringt Ihr? riefen der Herzog und ſeine Gattin zu gleicher Zeit. 174 Keine Antwort erfolgte. — Sprecht! rief der Statthalter in donnerndem Tone. — Keine Hoffnung Hoheit, nahm endlich Einer von ihnen kleinlaut das Wort. — Was ſagt das Volk? ſchrie Arcos mit heiſerer Stimme. — Es verwünſcht ſeinen Herzog! rief die Herzogin in gellendem Tone und bedeckte mit den Händen ihr Antlittz. — Hat Niemand die Rettung der Unglücklichen verſucht? — Niemand Hoheit, entgegnete der Diener traurig, ach, daß ich es Ihnen ſagen muß, man überhäufte mich mit Schmähun⸗ gen, man verhöhnte mich. — Trotz der ausgeſetzten Belohnung? — Laute Verwünſchungen wetteiferten mit gräßlichem Ge⸗ lächter, als ich davon ſprach. — Und der Prinz Caraffa, haſt Du nichts von ihm gehört? — Nur, daß er in den Fluthen des Golf ſeinen Tod ge⸗ funden haben ſoll.— .— So ſind alſo zwei edle Opfer zu betrauern? kreiſchte die Herzogin und brach bewußtlos zuſammen. Der Herzog gab dem Diener ein Zeichen ſich zu entfernen 3 und blieb in düſterer Verzweiflung zurück, denn auch in ſeiner Bruſt hatte ſich die Stimme der Natur nicht verleugnet, ſein Vaterherz war von Reue, Qual und Schmerz zerriſſen und gefoltert. ¹ Ein guter Fang. Herandez hatte in Begleitung ſeines Dieners die entlegenſten Gaſſen gewählt um ſeinen Palaſt zu erreichen. Er hatte nur noch eine kurze Strecke zurückzulegen, als ein Haufe lärmenden Pöbels, welcher ſeine Blicke an dem grauſigen Schauſpiel des brennenden„Carlos“ genügſam geweidet hatte, ihm entgegeneilte — T mit dem getöſe. Verni angſt ergr nommen ihn aus d. —₰ 3l Sie weiten Die er ttat d fliehen ſo Hine verfluchte daß ſein ſeugt, daß Plötz es ſchien ein vode Satans Sei eines„G dem Gral kein Wort wie die Raſ Unſinnig ihm ſein Jede ſchien ihl die Stim der Bruf Dich de raubt, dafür n Vo erreicht 175 — Tod allen Bedrückern des Volkes! Tod Herandez! Nieder ſe. mmit dem gelben Spanier! ſo brüllte es wie lautes Donner⸗ ihnen etöſe. 4 Vernichtet, athemlos von allen Qualen folternder Todes⸗ timme. angſt ergriffen, ſtand Herandez, der ſein gräßliches Urtheil ver⸗ gin in nommen hatte, eine Weile unentſchloſſen, erſt ſein Diener riß ihn aus der verzweifelten Lethargie. 7 lcht?— Zurück, Excellenz, rief dieſer, Sie ſind verloren, wenn „ ach, Sie weiter gehen; man wird Sie trotz der Verkappung erkennen! nähun- Die Worte brachten den bebenden Spanier wieder zu ſich, er trat den Rückweg an und eilte vorwärts, wohin er aber fliehen ſollte, wußte er ſelber nicht. m Ge⸗ Hinter ihm ertönten die drohenden Stimmen derer, die ihn verfluchten; er wagte es nicht, ſich umzublicken, hoffte jedoch, n ihn daß ſein Diener ihn begleiten würde; hald jedoch war es über⸗ zeugt, daß dieſer zurückgeblieben ſein mußte. od ge⸗ Plötzlich ſtand an ſeiner Seite eine langgeſtreckte Figur, wie es ſchien im Greiſenalker; das Licht des Mondes zeigte ihm cte die ein todesblaſſes Antlitz, um deſſen Lippen das Lächeln eines Satans ſchwebte. ffernen Seine Blicke wuhten mit dem Verderben kündenden Ausdruck ſeiner eines„Gettatore“, oder mit dem eines Vampyrs auf ihn, der aus t, ſein dem Grabe zurückgekehrt war, um ſein Herzblut zu trinken; aber n und kein Wort entfuhr den Lippen dieſes Weſens; er ſtand regungslos wie die Bildſäule des Hercules. Raſch wandte Herandez ſein Antlitz und rannte wie ein Unſinniger vorwärts. Immer lauter und näher ertönte hinter ihm ſein Name von Todesdrohungen begleitet. Jedes Haus, an welchem ſein angſtvoller Blick vorüberſtreifle, ſchien ihm in ein Blutgerüſt verwandelt, das ihn erwartete, und die Stimme des Gewiſſens machte ihre gewaltige Maͤhnung in der Bruſt dieſes Sünders geltend. — Du haſt Deinen Fuß auf den Nacken derer geſetzt, die Dich verfolgen! ſo tönte es in ſeinem Innern; Du haſt ſie be⸗ genſen raubt, entkleidet, ihren Schweiß erpreßt, ihr Blut getrunken, 3 dafür wollen ſie Dich jetzt vor Gericht fordern. tte nur Von on ſolchen Gedanken gequält, hatte er eine Seitengaſſe 14 erreicht und rannte ungeſtüm, während die beengte Bruſt athem⸗ geneilte 176 Bevot los keuchte und ſein gemartertes Hirn den wirren Betrachtungen eeſer erſuc des Wahnſinns zu erliegen drohte. Endlich erſchien es ihm, als ob die Stimmen ſeiner Ver⸗ In d folger, welche letztere er überhaupt nur in ſeiner Phantaſie talieniſche hinter ſich wähnte, matter würden, bis ſie ganz verſtummten. lichen Län Athemlos war er außerhalb der Stadt in das Freie gelangt; ſtyl, den hier herrſchte geſpenſtiges Schweigen. kunſtreihe Er blickte zum Himmel empor, den das Mondlicht noch die geſchme immer glänzend erleuchtete, und eilte mit verzweifelter Haſt die ſie ſchr dem Geſtade zu. Cs w Er wendete ſeine Blicke nach Oſten, wo der Himmel tiefblau derer blit war wie das ganze Gewölbe über ihm, und ſeine Schritte be⸗ Neapel u ſchleunigend, war er in einigen Minuten am Ufer. ogs vor Jetzt athmete er erleichert auf, als die Wellen, die ſich zu Wohnſiz ſeinen Füßen kräuſelten, an die Seiten eines Bootes ſchlugen, Gleic das ſich in kurzer Entfernung zeigte. hracht, w Der Fährmann, in ſeinen Mantel gewickelt, war oder ſchien nehreren vielmehr im feſten Schlummer verſunken. Fahralt, Herandez hatte nicht Zeit, länger zu zögern, zog das Boot Bewaffn an dem Stricke, womit es befeſtigt war, zu ſich heran, ſprang Im hinein, weckte den Schiffer und zeigte vorwärts. die Scha⸗ Die Anweſenheit des Letzteren hatte hier offenbar einen ganz ubeſern. andern Zweck, als den ſchmutzigen Lazzarone, für den er den Ine Einſteigenden ſeiner Kleidung nach hielt, aufzunehmen. wirrten L Als er aber die Züge ſeines nächtlichen Fahrgaſtes näher glücliche betrachtet, lächelte er mit freudiger Genugthuung in ſich hinein. eigne V — Auf einen ſolchen Gaſt hätte ich nicht gerechnet, dachte in Begle er. Diejenigen, zu denen ich ihn führen will, werden ſich freuen; und ſch er aber, der mir hier zu warten befahl, wird mir verzeihen daß ich ihn im Stiche ließ— um dieſen guten Fang! zu gleiche — Nach Capril rief Herandez kurz. 2 Der Schiffer zog langſam den Strick ein und faßte grinſend achenlod das Ruder.. chtungen er Ver⸗ hantaſte mten. gelangt; cht noch er Haſt tiefblau ritte be⸗ e ſich zu ſchlugen, er ſchien das Boot t ſprang nen ganz er den 5 näher h hinein. t, dachte h freuen; ihen daß grinſend 3 177 Bevor wir Herandez begleiten, müſſen wir den geneigten Leſer erſuchen uns anders wohin zu folgen. In der Zeit, von welcher wir erzählen, war die Burg eines italieniſchen Edelmannes von ähnlichen Gebäuden in den nörd⸗ lichen Ländern Europa's ſehr verſchieden, ſowohl durch den Bau⸗ ſtyl, den Umfang des Gebäudes, die Eigenheit der Lage, die kunſtreichen Befeſtigungen, als auch durch die Pracht im Innern, die geſchmackvolle Einrichtung, die unvergleichlichen Kunſtwerke, die ſie ſchmückten und die feinen Sitten der Bewohner. Es war eine dieſer Burgen, auf welche der junge Wan⸗ derer blickte, den wir auf dem höchſten Gipfel zwiſchen Neapel und Salerno fanden, eines der vielen Schlöſſer des Her⸗ zogs von Mattalone der zur Zeit unſerer Erzählung ſeinen Wohnſitz dort hatte. Gleich nachdem er ſeinen Sohn gefangen nach Neapel ge⸗ bracht, wurde es auf dem Schloſſe ungewöhnlich lebhaft. Seit mehreren Stunden waren zahlreiche Haufen von Reitern und Fußvolk, alle mit trotzigen kühnen Geſichtern und der bunteſten Bewaffnung herangezogen. Im Schloßhofe wurden Zelte aufgeſchlagen, unter welche ſich die Schaaren lagerten, und Alle waren bemüht, ihre Waffen aus⸗ zubeſſern. In einem Zimmer des Schloſſes, das entfernt von dem ver⸗ wirrten Lärm des geſchäftigen Treibens lag, befand ſich die un⸗ glückliche Gattin des Herzogs, welche um den Sohn, den der eigne Vater gefangen geführt, trauerte, als plötzlich eine Zofe in Begleitung pes einzig zurückgebliebenen Dieners hereinſtürzte und ſich zu den Füßen der Gebieterin warf. — Fliehen Sie, fliehen Sie, gnädigſte Frau, riefen Beide zu gleicher Zeit, ſie ſind angekommen, die Furchtbaren! — Wer? was? rief die ohnehin ſchon geängſtigte Frau athemlos. — Die Räuber! die Räuber! — Räuber? erwiderte die Herzogin tonlos. Fahr wohl denn du ſchönes Ahnenhaus der Mattalone! fuhr ſie mit weinen⸗ der, halblauter Stimme fort. 4 Vom Diener und der Zofe geführt, wankte ſie auf einer ge ſeimen Treppe hinab und gelangte durch einen verborgenen Gang, der die Familiengruft der Mattalones berührte, in's Freie. Das Bpfer von Amalf.(Bd. 1)— 12 I88 — Nach La Cava, gebot ſie den Führern, zu dem guten Mateo, der gern die verjagte Herzogin aufnehmen wird. — Warum nicht den Nachen beſteigen? gnädigſte Frau, um nach Neapel zu ſteuern, fragte Lorenzo, der Diener. 4 — Nein nein, die Madonna ſchütze mich vor jener Stadt, in der das Blutgerüſt des Sohnes aufgerichtet wird. Die Räuber, nicht nur die zur Bande Paolo's gehörigen, ſondern auch noch andere, welche ſich mit dieſen verbunden, waren aus allen Theilen der Abruzzen herbeigeeilt, um ein Scherflein bei der blutigen Arbeit in Neapel zu erraffen. Sie hatten ſich im Geheimen zunächſt gegen die Burg des Herzogs von Mattalone verſchworen, um dieſe nicht nur zu plün⸗ dern, ſondern auch ſie wegen ihrer Lage zum Aufenthalt zu V wählen. Gegen fünf Uhr Nachmittags hielt ein Reiter vor den Pforten des Palaſtes. Ein gellendes Pfeifen kündigte die Ankunft des Fremden an, und eine Schildwache, wie aus der Erde hervorgezaubert, erſchien plötzlich. Der Angekommene war wie die Schildwache gekleidet; nur zeichnete er ſich durch ſeine Schärpe und die Feder auf der⸗ ſpitzigen Hute als Hauptmann aus. Als die Schildwache durch eine Bewegung ihre Ueberraſchung und einen wiedererkennenden, ſogar ehrfurchtsvollen war ſie ſchnell ver⸗ verrathen Blick auf den Fremden geworfen hatte, ſchwunden. Bald hatte ſich die Pforte geöffnet, über welcher das Wappen des Hauſes Mattalone eingehauen war. Der Fremde trat ein. Ungefähr zwanzig Pferde von der wegen ihrer Schnelligkeit und Ausdauer berühmten calabriſchen Zucht, die nach einer langen Reiſe Ruhe und Nahrung genoſſen, zeigten ſich ſeinem Blick. Ueberall lagen die hagern Geſtalten müder Reiter ausge⸗ ſtreckt, die neben ihren Carabinern ſchliefen. Der Räuberhauptmann Frederigo, ſo hieß der Fremde, ſtieß in ein Horn, und als wäre der Ton der Weltgerichtspoſaune am Auferſtehungstage durch das Reich der Todten gedrungen, ſo erhoben ſich die Schläͤfer, ergriffen ihre Carabiner und ſanden kampfbereit. Aber ten ſich. — die an? Euren forſchen, daß Iht gegeben, auch der nicht, d jetzt will ſtande, den. J mit er bei dem heute, Augenb Bande unter J gewen. treten T Ställe freund die Se Stadt die A vernae von( der, Hof Neap men, n guten rau, um — r Stadt, ehörigen, , waren ſcherflein Burg des zu plün⸗ tthalt zu vor den Fremden ubert. idet; nur auf der rraſchung htövollen 7 well ver⸗ s Wappen hnelligkeit ier langen Blick. ter ausge⸗ ende, ſie tspoſaune edrungen, nd ſtalden 179 Aber der Hauptmann gab einen Wink und die Waffen ſenk⸗ ten ſich. — Noch giebt es keinen Kampf, ſagte er mit einer Stimme, die an Befehlen gewöhnt war, aber bald genug werdet Ihr Euren Carabiner brauchen; ich komme von Neapel um zu er⸗ forſchen, ob meine Befehle vollzogen ſind; ich ſehe mit Freuden⸗ daß Ihr bereits eingetroffen ſeid. Kampf merke ich, hat es nicht gegeben, denn die Bande iſt vollzählig; außerdem begegnete mir auch der Herzog mit ſeiner Mannſchaft, und der gute Herr ahnte nicht, daß ſein Haus uns zur Wohnung dienen werde. Doch jetzt will ich die nöthigen Befehle geben, Neapel iſt bereits im Auf⸗ ſtande, mein Feind Paolo wird dort unzweifelhaft ſein Weſen trei⸗ ben. Ich habe mich vorläufig mit ihm verbunden, aber nur, da⸗ mit er mich weniger beeinträchtigen kann, Ihr werdet natürlich bei dem blutigen Tanze in Neapel zugegen ſein, nur noch nicht heute, erſt wenn Alles ſengt und brennt; dann iſt auch der Augenblick da, wo wir unſer Schwert gegen Paolo und ſeine Bande kehren und jetzt ſagt mir, wie viel von ſeinen Leuten ſind unter Euch? Mit dieſen letzteren Worten hatte er ſich an den Räuber gewendet, der während ſeiner Abweſenheit ſeine Stelle zu ver⸗ treten pflegte. — Sechszig Mann. — Wo ſind ſie einquartirt? Der Gefragte deutete ſchweigend auf eine lange Reihe von Ställen... — Gut, ſagte Frederigo, thue mir ihnen verbrüdert und be⸗ freundet, damit wir ſie ſpäter um ſo leichter erwürgen können; die Schurken ſchaden uns im Gebirge und würden dies in der Stadt noch mehr thun. Im Uebrigen ſollen zwanzig Mann in die Abruzzen zurückgehen, damit auch dort unſer Geſchäft nicht vernachläſſigt werde, Reiſende giebt es zu jeder Zeit. Was Euch von Gefangenen hierhergebracht wird, macht augenblicklich nie⸗ der, es ſei denn, daß ein gutes Löſegeld zu erwarten ſteht. Nachdem er noch mehrere Befehle gegeben, verließ er den Hof und kehrte nicht mehr zu Pferde, ſondern zu Waſſer nach Neapel zurück, wo ihn der Schiffer, welcher Herandez aufgenom⸗ men, wieder erwarten ſollte. 12* 180 Lauf des daß auch 3 Das und bald Der Volksblutſauger. talone de Herandez Aufregung hatte der Anblick des ruhigen Meeres, 4 Hen über das er glitt, nicht gemindert. für ſin Er ward im Gegentheil ängſtlicher, unruhiger und trieb i den Fiſcher zu vermehrter Anſtrengung. al d Er nöthigte ihn ſogar ein Segel aufzuziehen, obgleich der ſchwachen Wind ſo ſchwach war, daß kaum die Oberfläche der See gekräu⸗ Her ſelt wurde. als er b Der Fährmann gehorchte, wie es ſchien, gern, ohne ein nen Lau Wort zu erwidern, während Herandez, der im Hintertheile des derſeite Bootes ſaß, ſeine Blicke nach der Gegend von Capri ſandte. her Bald wurde der Umriß des Vorgebirges vom Capo dOrſo doc in in dem röthlichen Nebelſchleier ſichtbar, der um die Abhänge und ommen: den Gipfel hing. Börſe d Herandez konnte die furchtbaren Gedanken, die ihn beſtürm⸗ A ten, nicht verbannen. ſams f Ein Gedanke blitzte in ſeiner Seele auf, der mit dem ſelt⸗ u ſamen Aberglauben in Verbindung ſtand, für welchen faſt Alles Thurm in jener Zeit ſo empfänglich war, und dem er ſich ſelbſt nicht ſeine pli 1 ganz entwunden hatte.* Neihe v 4 Er dachte an das leichenhafte Antlitz, an den Blick der ho⸗ welchen hen Geſtalt, welche ihm bei ſeiner Flucht durch die Straße er⸗ d ſchienen war und vermochte nicht, ſich der bangen Ahnung des von in Unglücks zu entziehen, das ſchnell, wie man ſagte, diejenigen er⸗ Verbin reichte, die der Zauber jenes Blickes getroffen hatte.. D Das Waſſer erglänzte auf dem Wege, den das Boot ein-⸗filr ge ſchlug und das Ruder ſchien Sternenſchimmer aus den Wellen Ei zu ſchlagen, durch welche es das Fahrzeug fort trieb. tein des Auf einen Augenblick zerſtreute dieſer Anblick die Gedanken dez die des Spaniers; nichts deſtoweniger aber wurde er immer wieder E an das Gefährliche ſeiner Lage erinnert, wie leicht ſeine Lauf⸗ daß er bahn geendet ſein konnte, da man ihn bei anbrechendem Tage auf unr doch überall erkennen würde und überall war er verhaßt. Der Schiffer beobachtete, wie es ſchien, ebenſo aufmerkſam N wie Herandez den Himmel, das Schwellen des Segels und den 7 E einen Meeres, d trieb iich der gekräu⸗ hne ein eile des dte. dOrſo ge und eſtürm⸗ em ſelt⸗ ſt Alles ſt nicht der ho⸗ raße er⸗ ung des gen er⸗ vot ein⸗ Wellen gedanken wieder ꝛe Lauf⸗ m Tage merkſam und den 181 Lauf des Fahrzeugs; vielleicht um Herandez glauben zu machen, daß auch er bei dieſer nächtlichen Fahrt gefährdet ſein könnte. Das leichte Boot aber tanzte ſchnell über den Waſſerſpiegel und bald lag der dunkle Schatten der mächtigen Feſte von Mat⸗ talone deutlich vor ihm. Herandez war in ſich verſunken und hatte jetzt keinen Blick für ſeine Umgebung. Kein Licht ſchimmerte aus einem Fenſter des Schloſſes, und als das Boot näher kam, hörte man keinen andern Ton als den ſchwachen Wellenſchlag am Fuße des Felſens. Herandez warb ein wenig aus ſeiner Träumerei aufgeſtört, als er bemerkte, daß das Boot, ſtatt auf Capri zu ſteuern, ſei⸗ nen Lauf nahe an der Küſte nahm, und längſt der ganzen Vor⸗ derſeite des Schloſſes fuhr. Herandez merkte Unheil; warum hatte der Schiffer, der ihn doch unmöglich erkannt haben konnte, eine andere Richtung ge⸗ nommen? Oder hatte er Verdacht geſchöpft, als er die gefüllte Börſe von einem Lazzarone empfangen? Aber was ſollte er thun? Nach der Urſache dieſes Ungehor⸗ ſams forſchen, hieße noch mehr Verdacht erwecken; er überlegte. Ungefähr dreihundert Fuß von dem Felſen, wo ſich ein Thurm des Schloſſes Mattalone erhob, machte das Vorgebirge eine plötzliche Krümmung, und es zeigte ſich dem Seefahrer eine Reihe von Höhlen, deren Decke von Felſenſäulen geſtützt wurde, welche die um die Landſpitze ſtrömenden Wogen gebildet hatten. Dieſe Höhlen dienten den Böten zum Obdache und ſtanden von innen mit verſchiedendn Außengebäuden des Schloſſes in Verbindung, die an dem Felſenabhange ſich zeigten. Die Spitze des Bootes änderte plötzlich ihre Richtung und fuhr gerade nach der Oeffnung einer dieſer Höhlen. Eine kräftige Anſtrengung des Ruderers hatte die Schnellig⸗ keit des Fahrzeuges verdoppelt und ſchon wölbte ſich über Heran⸗ dez die finſtere Decke. Ein paniſcher Schrecken hatte dieſen ergriffen; der Argwohn, daß er erkannt und mithin verrathen ſei, ſtieg in ſeiner Seele auf und nur Geiſtesgegenwart und Muth konnten ihn retten. Er ſprang von ſeinem Sitze auf, eine Dolchklinge glänzte einen Augenblick im Mondenſcheine; als aber plötzlich das Segel 182 durch einen Zug der Leine, die es hielt, zu ſeinen Füßen fiel, ſtrauchelte er darüber, und ein kräftiger Schlag warf ihn nieder. Der Fuß des Schiffers ſtand auf der Bruſt des gefallenen Mannes, das Boot fuhr ſchnell unter das Deckengewölbe und in demſelben Augenblick ſchrillte ein gellendes Pfeifen durch die Höhle. — Männer Frederigo's! ſchrie der Schiffer mit lauter Stimme, herbei, ich ſollte Euch zwar Euren Hauptmann brin⸗ gen, aber ich ließ ihn zurück, weil ich einen guten Fang gethan; der gelbe Spanier, der Volksblutſauger befindet ſich in meiner Gewalt, ſein Verhängniß führte ihn zu mir und ich preiſe Ma⸗ donna Maria! Betrogen und verrathen entſchloß ſich Herandez ſein Leben theuer zu erkaufen, und es entſpann ſich ein heftiger Kampf. Das Boot ſchwankte hin und her, ſchweres Athmen und der Schlag der Wellen an der Felſenwand und den Stufen des Landungsplatzes verriethen die Wuth des Kampfes in der Höhle. Dieſes Ringen währte einige Minuten als ein ſchwerer Hieb es entſchied. Einer der beiden Kämpfer ſchwankte, ſtöhnte und ſtürzte ins Waſſer. Stimme. — Du ſollſt nicht ertrinken, Volksblutſauger! rief der Stellvertreter des Räubers Frederigo, welcher genaht war, das Waſſer ſoll Deine Verrätherei nicht verbergen, ehe ſie der Gal⸗ gen verkündet hat. Er rief der Schildwache zu, die den obern Eingang zu den Höhlen beobachtete. Es erfolgte nicht ſogleich Antwort. Endlich aber hörte er die Tritte bewaffneter Räuber; Fackeln warfen ihren rothen Schein über das Waſſer und beleuchteten Herandez todesblaſſes Antlitz.. — Welche wunderbare Veränderung, rief der Räuber hohn⸗ lachend, iſt mit dem Herrn Miniſter vorgegangen, der ſo plötzlich ſein Portefeuille aus den Händen gegeben und die reiche gold⸗ beſtickte Staatsuniform mit den armſeligen Lumpen eines Lazza⸗ rone vertauſcht hat; und jetzt gar ſeine Tage voller Wonne mit der ewigen Nacht des Todes, ſein prunkvolles Lager mit dem Grabe vertauſchen muß; ruft den Prieſter, ſchrie er mit lauterer Stimme, In dieſem Augenblick erſcholl in der Höhle eine laute, rauhe haßt Naer Schu ihn mit Kopf f au Der und auf Prieſter An der ihn Ma Befehl ſtube ge diten b D Haupt ſeiner Gemur Ausliem Weae tende deerſei ſchwer I fitt vertr ausge rande ſuchte des den ßen fiel, nieder. fallenen und in eHöhle. lauter in brin⸗ gethan; meiner iſe Ma⸗ n Leben umpf. den und ffen des Höhle. chwerer arzte ins e, rauhe ief der ar, das der Gal⸗ rzu den Fackeln uichteten er hohn⸗ plößlih che gold⸗ es Lazza⸗ onne mit mn Grabe Stimme, 6 5 183 der Schurke ſoll trotz ſeiner Verbrechen chriſtlich enden. Laßt ihn mit Gott ſich verſöhnen, denn mit Tagesanbruch ſoll ſein Kopf auf den Zinnen des Schloſſes ſtecken. Der unglückliche Heraudez ward aus dem Waſſer gezogen und anfangs ſchien es zweifelhaft zu ſein, ob die Ankunft des Prieſters ihm noch nützen könnte. Sar An der Seite der Stirn ſah man die Spur des Schlages, der ihn betäubt hatte. Man trug ihn die ſteinernen Stufen hinan und auf den Befehl des Räubers ward er auf den Fußboden einer Wacht⸗ ſtube gelegt, die früͤher wohl von Soldaten, jetzt aber von Ban⸗ diten beſetzt war. Die Räuber kannten die Sinnesart des ſtellvertretenden Hauptmannes zu gut, als daß ſie an der ſchnellen Verwirklichung ſeiner Drohung hätten zweifeln können und ſchon ließ ſich ein Gemurmel des Unwillens vernehmen. — Warum ihn tödten? riefen Mehrere, ihn, für deſſen Auslieferung Seine Hoheit, der Herzog von Arcos gern ein Löſegeld von zehntauſend Dukaten geben würde. — Nicht einhundert, Ihr Dummköpfe, rief der ſtellvertre⸗ tende Hauptmann, der Schurke iſt beim Volke einerſeits zu ver⸗ haßt und ſein Rath könnte ihm nur ſchaden, nicht nutzen; au⸗ drerſeits aber iſt die Kaſſe des Herzogs ſo geleert, daß er ſchwerlich an Auslöſungsſummen denken wird. Wäre der Prieſter der Räuberbande, denn einen ſolchen be⸗ ſitzt jede, ſogleich herbeigekommen, ſo hätte Frederigo als Stell⸗ vertreter das Vergnügen genoſſen, ſeine blutige Handlung ſchnell ausgeführt zu ſehen. Der Geiſtliche aber zögerte und während deſſen öffnete He⸗ vandez die Augen, erholte ſich von ſeiner Betäubung und ver⸗ ſuchte, ſich zu erheben. Allein ſeine Abſicht wurde vereitelt, denn auf ein Zeichen des Stellvertreters ward er augenblicklich umringt und an bei⸗ den Armen gebunden. Herandez Blicke verriethen die äußerſte Todesangſt. — Erbarmen! Erbarmen! flehte er mit kläglicher Stimme. — Seht, rief der Räuber, ſeht nur einen ſpaniſchen Miniſter um ſein Leben flehen, o glaubt nur Brüder, dieſe Menſchen ſind viel ärger und verwerſlicher als wir, wir berauben höch⸗ 184 ſtens einzelne Wanderer, ſie ein ganzes Volk und wenn die Ge⸗ legenheit günſtig iſt, auch die Fürſten. Der Böſewicht ver⸗ ſchmäht es nicht einmal, bei einem Räuber um Gnade zu flehen. — Ich bitte nicht um Gnade, nur um Aufſchub, verſetzte Herandez, bedenkt aber, welch' ein Löſegeld Eurer harrt, wenn Ihr meines Lebens ſchont. — Ich gebe Ihnen die Verſicherung, Excellenza, daß der Herzog von Arcos nicht einen Dukaten für Sie giebt; zugleich aber mögen Sie auch vernehmen, daß ein Löſegeld aus einem Schatze, der aus Thränen und Blut geſammelt iſt, ſelbſt ein Räuber verachtet. Dieſe Worte wurden mit einem vollen Maße von Hohn und Verachtung geſprochen und die Verhandlungen ſchienen zu Ende. Das Schweigen der Erwartung wurde indeſſen bald durch ein heftiges Gemurmel der Räuber unterbrochen. — Der Hauptmann! riefen ſie plötzlich, Platz für den Hauptmann! — Haltet Eure Waffen bereit! rief der Stellvertreter, als er dieſe Worte vernommen hatte, in ſtrengem Tone, der Haupt⸗ mann könnte ſonſt vielleicht andere Befehle ertheilen; ich will, daß dieſer Elende ſterbe, und Ihr, wendete er ſich zu Anderen, holt den Prieſter herbei, wenn der heilige Mann noch ſchlafen ſollte, ſo holt ihn aus dem Bette und ſagt ihm, es gelte eine arme Seele vor dem Fegefeuer zu ſchützen. Während Einige zur Vollziehung dieſes Auftrags aufbrachen, trat der Hauptmann zu der Gruppe. Als er einen Blick auf das Geſicht ſeines Stellvertreters ge⸗ worfen, und die Vorbereitungen gewahrt hatte, welche getroffen wurden, konnte er nicht zweifelhaft ſein, was geſchehen ſollte. — Ihr ſeht Hauptmann, welchen Fang wir gemacht haben, ſagte der Stellvertreter zu ſeinem Chef, der gute Fiſcher Bar⸗ bario, welcher Euch von Neapel mit ſich bringen ſollte, hat ſtatt Eurer dieſen edeln Gefangenen gebracht, nicht wahr, Ihr ſeid mit ihm zufrieden? — Ich ſehe nur einen lumpigen Lazzarone, ſagte Frederigo, mit verächtlichem Achſelzucken, was den Schurken Barbario an⸗ betrifft, der mich im Stiche gelaſſen, ſo hängt ihn zum Lohne dafür, ſobald Ihr ſeiner habhaft werdet. Hätte ich den trefflichen Calabreſen, der mich in zwei Stunden hierhergebracht, nicht einem B choren ſchadenft liche Fl Töchterl von Cat ertrunfen Plünder möge ue es iſt i nehmer Dienſt Schreck Angſt Neapel mit der wüſen Bewa indem Liegent rande getrac don) dieſes auf doch wolle Geri die Ge. icht ver⸗ zu flehen. verſetzte t, wenn daß der zugleich ss einem elbſt ein on. Hohn ienen zu ud durch für den ter als Haupt⸗ ich wil, Anderen, ſchlafen elte eine ſbrachen, eters ge⸗ getroffen ſollte. t haben, der Bar⸗ hat ſtatt Ihr ſeid rederigo, ario an⸗ m Lohne refflichen t, nicht — 185⁵ einem Bauern abgenommen, ich glaube, ich wartete noch vor den Thoren Neapels! — Was giebt's Neues in der Stadt? — Der Tanz hat ſchon begonnen, antwortete Frederigo mit ſchadenfrohem Lächeln, ein Feuerwerk iſt angezündet, die könig⸗ liche Flotte iſt in Brand geſteckt, und in ihren Flammen hat das Töchterlein des Statthalters ſeinen Tod gefunden. Der Prinz von Caraffa, der ſie retten wollte, iſt in den Fluthen des Golfs ertrunken. Die Galeerenſklaven ſind befreit und wollten eine Plünderung beginnen; die Todesgeſellſchaft, die Gott verdammen möge und einige ſpaniſche Soldaten haben dies vereitelt; aber es iſt ihnen nicht gelungen, die Galeerenſträflinge wieder feſt zu nehmen und dieſe wackern Leute können uns manchen guten Dienſt leiſten; morgen mit Anbruch des Tages werden die Schrecken der Stadt überhand nehmen, die Verwirrung und Angſt größer ſein. Um neun Uhr müſſen wir ſpäteſtens in Neapel ſein, um zu ſehen, wie der Wind geht, ob wir vorläufig mit der Regierung oder es mit dem Volke halten; jedenfalls müſſen wir unſern Vortheil wahren; doch, was hat es für eine Bewandtniß mit dem Lumpen? — Betrachtet Ihr ihn nur genau, ſagte der Stellvertreter, indem er einem andern Räuber einen Wink gab, den am Boden Liegenden mit der Fackel zu beleuchten. Frederigo erkannte den Gefangenen auf den erſten Blick. — Was ſehe ich? rief er überraſcht; der brave Barbario ſoll nicht gehängt werden, ſondern eine Belohnung von dreißig Dukaten erhalten, ſetzte er raſch hinzu. — Nicht wahr, Hauptmann, der Fang iſt gut. — In der That, lachte Jener, ich hätte den Miniſter He⸗ randez ſo nicht erkannt, er wird unzweifelhaft dieſe Uniform nicht getragen haben, während er mit Seiner Hoheit, dem Vicekönig von Neapel über das Schickſal des Staates berathſchlagte. — Nun, Hauptmann, meine Anſicht iſt, daß wir den Kopf dieſes Verräthers abſchlagen und ihn als warnendes Zeichen auf die höchſten Zinnen Neapels ſtecken. Löſegeld bringt er uns doch nicht ein. — Ich bin mit Euch einverſtanden, ſagte Frederigo, wir wollen den Herrn Miniſter nach Neapel ſchaffen und dort das Gericht an ihm vollziehen, es wird dies namentlich den über⸗ ———— —O⏑——— 186 müthigen Adel in Furcht ſetzen, er wird fliehen und uns ſeine Schätze zurücklaſſen. — Sein Kopf iſt leichter zu transportiren, ſagte Gregorio; ſo hieß der Stellvertreter. Herandez hatte zwar von dem leiſe geflüſterten Geſpräche kein Wort vernommen, aber ſein ſcharfes Auge hatte die Züge der beiden Männer beobachtet, die über ſein Schickſal beriethen und als er den Hohn in den Zügen des Hauptmanns und den fürchterlichen Ernſt des Stellvertreters ſah, bebte ſein Herz und ſein leichenblaſſes Antlitz verrieth deutlich die folternde Seelenangſt. Man brachte ihn in einen großen offenen Hof, der von niedrigen Gebäuden umgeben war; es ſtanden wenigſtens funfzig Mann unter den Waffen, und in der Mitte war ein Blutgerüft aufgerichtet. Der Prieſter war erſchienen, und Frederigo und Gregorio 1 ließen ſich mit ihm in ein Geſpräch ein. Die Zeugen dieſes Auftrittes bemerkten, daß die ſonſt ſo ruhigen Züge des Prieſters von Zorn bewegt wurden; ſeine Wangen glühten, ſeine Stirn war gerunzelt und ſeine Augen blitzten. Er nahm zuerſt das Wort und obgleich ſeine Stimme nur zu denjenigen drang, die ſie hören ſollten, ſo war doch der Inhalt ſeiner Rede Jedem verſtändlich. Der Hauptmann hörte mit unterdrückter Ungeduld ihn an und antwortete dann mit leidenſchaftlicher Geberde, während ſeine Züge Entſchloſſenheit ankündigten. Der Stellvertreter, deſſen Gemüth unbezwinglich war, unter⸗ brach den Geiſtlichen und— Gott gebe, daß Ihr's nicht bereuen möget, Bruder Auguſto! rief er dann in einem Tone, welcher von Entrüſtung zeugte. Aber die Unterhaltung währte nur noch eine kurze Zeit und die Scene änderte ſich nun plötzlich. Herandez wurde in ein Zimmer des Schloſſes gebracht, und man ſchien die Hinrichtung aufgeſchoben zu haben. 7 Da und her emporge tagesl Mitte T nicht Minn Qual ( und; ſie ſi um Hän er l herv und er j ns ſeine regorio; eſpräche ie Züge eriethen und den n Her, olternde der von funfzig utgerüſt jregorio ſonſt ſo 1z ſeine e Augen mme nur Inhalt ihn an während „ unter⸗ bereuen. welcher zeit und icht, und Eine Leiche. Das wilde Spiel erzürnter Wogen, welches Giulio hin— und hergeriſſen und in die Tiefe gezogen, hatte ihn wieder emporgebracht. Wenige Minuten genügten und das Meer war beruhigt, aber mit Schiffstrümmern bedeckt. Das Ereigniß ließ ſich überſehen. Eines der brennenden Schiffe war in die Luft geflogen; der Brand im Innern mußte die Pulverkammer ergriffen ge⸗ habt haben.„ Dunkle Wogen und ſchwarze Nacht bezeichneten die leer gewordene Stelle in der Reihe der brennenden Schiffe. Giulio hatte jetzt die unglückliche Leonore bemerkt, wie ſie „hoch oben am Bord des flammenden„Carlos“, ſtand. Welche Furcht und Hoffnungen, welche Schrecken und Entſetzen die Seele der Unglücklichen in den endlos ſcheinenden Stunden er⸗ füllt hatten, vermag keine Feder zu beſchreiben. Sie ſah den kühnen Schwimmer nahen— ſie erkannte beim tageshellen Schein Giulio ihren Retter und doch wußte ſie kein Mittel, ſich ihm bemerklich zu machen. Das praſſelnde Toben der Flamme würde ihre Stimme nicht überſchrieen haben, Giulio's Angſt erhöhte ſich mit jeder Minute, die Gefahr wurde immer größer, immer erſtickender der Qualm und die Gluth, welche ihn umwallte. — Rettung mein Prinz, Hülfe, Hülfe, hieher! Doch ungehört in praſſelnder Flamme verhallte ihr Ruf und verzweifelnd ſtieg ſie empor auf den Rand des Bords, indem ſte ſich an die leichte Gallerie feſtklammerte, welche dazu dient, um durch Zuſammenſtellung der aufgerollten Matratzen und Hängematten eine kugelfeſte Bruſtwehr zu bilden. Giulio kam näher, aber plötzlich erfolgte die Exploſion. War er untergegangen der rettende Engel? Nein, da taucht er herauf aus dem Dampf und Qualm, preßte Leonore mühſam hervor, hilf Heiland, welche Gluth!—-Noch einen Augenblick— und ich erſticke.— Heilige Madonna er kommt näher— aber er wird mich nicht mehr retten,— Himmel, dieſer Dampf iſt 188 nicht zu ertragen,— dieſe Qualmwolke, hinab in's Meer!— 1— da unten iſt Linderung, da giebt es Kühlung für die Gluth! n ſterben Dies waren ihre letzten Worte. wendete Im Innern des Schiffs wogten die Flammen, die die Segel⸗ kann die kammer ergriffen hatten. werden, Getheerte Leinwand, Taue in großen Vorräthen und Pech⸗ um an il tonnen geriethen plötzlich in Brand und verbreiteten eine ſo Giul furchtbare Gluth über das ganze Verdeck, einen ſo rabenſchwarzen er war Qualm, daß die ganze feuerſprühende Maſſe auf einmal, wie in aange in die dunkelſte Nacht gehüllt war. End. Als ſich dieſe verzog, war Leonore oben am Bord des füllten, Schiffes verſchwunden. Lippen, Jetzt war Giulio aber herangekommen und bemerkte, daß We etwas Weißes vom Grunde des Meeres herauftauchte, das aber bald wieder verſchwand. zeſſin h hinaus. — Barmherziger Gott, ſei mir gnädig, ich muß ſie retten Noc auf Leben und Tod! Santa Marial ſie iſt es!— Blicke un Mit dieſen Worten war er wieder in die ſchwarze Fluth 2 verſchwunden; Wellen und Kleidung hatten die ohnmächtige Gefang Leonore getragen, und der gewandte Schwimmer hatte ſte bald. erreicht. Der Herzog ſtand noch in troſtloſer ſtarrer Verzweiflung ßi ſeiner Gemahlin gegenüber, als plötzlich ein lauter Lärm ihn i ſein aus ſeiner Lethargie aufſchreckte. hatte Bald wurden die Thüren aufgeriſſen, und der erſchöpfte d Giulio trat keuchend ein; auf ſeinen Armen hielt er die todte l und ſe Geliebte, welche er ſanft auf eine Ottomane niederlegte. J Deer Herzog traute ſeinen Blicken kaum, als er den Ankom⸗ aus ſe menden gewahrte. giter Mit einem lauten Schrei ſtürzte er auf die Tochter zu und betrachtete das leichenhafte geliebte Haupt. 8 — — 5 2 189 Neer!— luth— Sie iſt dem Flammentode entkommen um den des Waſſers zu ſterben, ſagte er mit dumpfer Stimme, aber Ihnen Prinz, eSedel. wendete er ſich an Giulio, bin ich Dank ſchuldig; wenigſtens zel⸗ kann die theure Hülle der Verblichenen nun der Erde übergeben d eh⸗ werden, und es iſt uns unverwehrt ihre Ruheſtätte zu beſuchen, eine ſ um an ihrem Sarge Thränen zu weinen. Pwaren Giulio hatte wohl kaum auf die Worte des Duca geachtet, were er war vor der theuern Leiche niedergeſunken und verharrte lange in dieſer Stellung.— otd des Endlich hatte zr ſich aus den Betrachtungen, die ihn er⸗ füllten, emporgerafft, er drückte die Hand der Todten an ſeine 1 Lippen, erhob ſich und blickte vorwurfsvoll auf den Herzog. ht, dß Während deſſen waren die dienſtthuenden Zofen der Prin⸗ das aber zeſſin herbeigeeilt und weinend trugen ſie die lebloſe Gebieterin hinaus. Noch immer ſtand Giulio in düſteres Sinnen verloren, ſeine Blicke unverwandt auf den Herzog richtend. — Mein Urlaub iſt zu Ende Hoheit, ſagte er, ich bin Ihr Gefangener und bereit, das Blutgerüſt zu beſteigen. ** * * ie reten e Fluth mächtige ſie bald 2 Finſter und in ſich gekehrt ſtand der Herzog von Mattalone weiflung irm ihn in ſeinem Gemache. Es war ſchon zwei Uhr Nachts und noch hatte er von dem Sohne keine Kunde.. rſchöpfte Die ausgeſandten Diener waren noch nicht zurückgekehrt, die tödte und ſchmerzlich bittre Gefühle peinigten den Vater. Plötzlich riß ihn ein heftiges Pochen an der Hauspforte aus ſeinen Gedanken, er hörte öffnen und wenige Augenblicke ſpäter ſtürzte ſeine Gattin in das Zimmer. — Du ſo ſpät zur Nacht in Neapel? — Die Strafe des Himmels hat den Vater ereilt, der den Ankom⸗ zu und 190 eigenen Sohn zum Tode geführt, rief die unglückliche Mutter, indem ſie ſich erſchöpft in einen Seſſel warf. — Warum haſt Du Dich vom Schloſſe entfernt? Was haſt Du zu berichten? fragte der Herzog düſter. Zuvor gieb mir Rechenſchaft von meinem Sohne, meinem Giulio, was iſt aus ihm geworden? — Noch weiß ich es ſelber nicht. — Wie, Du biſt ſein Henker? Seit wann iſt es vorge⸗ kommen, daß dieſer nicht um das Opfer wüßte. — Sei milder gegen mich und urtheile nicht leichtfertig. — Nun, führteſt Du ihn nicht zur Schlachtbank? rief die Frau bitter. — Ich habe den entronnenen Staatsgefangenen wieder dem Herzoge zugeführt, wähne nicht, daß die Natur in meiner Bruſt ihre Stimme verleugnete, daß nicht auch mein Herz erbebte, als ich den eigenen Sohn vor den Richter brachte, aber wo die Pflicht gebot, mußte das Herz ſchweigen; doch, noch iſt das Gräßliche nicht geſchehen. — So lebt Giulio noch? rief die Herzogin lebhafter und erhob ſich ſchnell von ihrem Platze. — Das weiß ich nicht, verſetzte der Herzog dumpf. Er theilte nun ſeiner Gattin von dem Unglück mit welches Donna Leonore betroffen und wie Giulio ſich beurlaubt habe, gewiß in der Abſicht, ſie zu retten. — Welch' ein Held! ſagte ſie, welch' ein edles, großes Herz ſchlägt in ſeiner Bruſt, und ſolch ein Leben ſoll von Henkers⸗ hand vernichtet werden? fuhr ſie, laut jammernd fort; doch was iſt aus ihm geworden? Haſt Du noch keine Nachricht? — Noch keine; allein ich erwarte mit jedem Augenblick die Rückkehr der Diener. Und was hat ſich auf dem Schloſſe ereignet? — Das Wappen der Mattalone iſt beſchimpft, Dein Schloß dient den Räubern der Abruzzen zum Aufenthalt; wenige Stun⸗ den nach Deiner Entfernung drang die raubende Rotte ein, und ſchlug dort ihre Reſidenz auf, ich floh, begab mich nach La Cava in der Meinung dort ein Obdach zu finden, aber die Landleute wieſen mich eiſig von ſich; ſie verweigerten der Gattin eines Volks⸗ feindes einen Flecken in ihrer Hütte. 4 Auf wüthend Stimme Mattalo züchtigen 1t I zugleich. 8 Leute, Jedem nähere es dem ziehen; ließen edle 4 ſtürmi Schick die RN. Beide, Seligt 8 ſchaue ſtimm ihn Sohr der 7 haſt ſamke 191 1 Mutter, Auf des Herzogs Geſicht glühten die Flammen des Zornes; das hai wüthend ſtampfte er auf den Boden.— — Die Räuber werde ich vertreiben, rief er mit furchtbarer Stimme und die elenden Bauern, die Dir, der Herzogin von meinem Mattalone, ein Unterkommen verweigerten, mit dem Schwerte züchtigen. 1 In dieſem Augenblick traten einige Diener ein. 5rvorge— Welche Kunde! riefen der Herzog und ſeine Gattin 1 zugleich. fertig— Der Prinz lebt, antworteten die Gefragten. rief die Die Herzogin ſtieß einen Freudenſchrei aus und hätte die Leute, die ihr dieſe Kunde brachten, faſt umarmt. Sie händigte der dem Jedem einige Goldſtücke ein und drang ſtürmiſch in ſie um ner Bruſt nähere Auskunft. debte, als— Soviel uns bekannt geworden, ſagte Einer der Leute, iſt wo die es dem Prinzen gelungen, Donna Leonore aus den Fluthen zu iſt das ziehen; er erreichte mit ihr den Palaſt des Vicekönigs; ob die Donna lebt, vermögen wir nicht zu ſagen; aber unter dem Volke after und ließen ſich dumpfe Flüche vernehmen; man tadelte nicht nur die ddle Handlungsweiſe des Prinzen; man überſchüttete ihn noch mit wünſchungen und meinte, er ſei ein eben ſolcher Feind hs des Wlkes, als die übrigen Nobile⸗ abt habe, Eine Stunde banger Erwartung war für den Herzog und eeine Gemahlin verfloſſen als Giulio plötzlich eintrat. ößes Herz Die Mutter eilte dem verloren geglaubten Sohne mit Henkers ſtürmiſchem Entzücken entgegen; auch Blanka, welche, um das doch was Schickſal des Bruders beunruhigt, nicht raſten konnte und die ddie Nachricht von dem Zurückgekehrten ereilt, war erſchienen und enblic die Beide, Mutter und Tochter weinten heiße Zähren innigſter Schloſſe 8 Seligkeit. Der Herzog ſtand ſinnend auf die Gruppe ſeiner Familie in Schloß ſchauend; man konnte aus dem Ausdruck ſeiner Züge nichts Be⸗ ige Stun⸗ ſtimmtes folgern; endlich aber trat er zu dem Sohne und drückte ein, und ihn an ſein Herz. „La Cava— Du haſt eine ritterliche, edle That vollbracht mein Landleute Sohn, nahm er das Wort, eine That, welche in den Annalen nes Voll’⸗ der Mattalone'ſchen Familiengeſchichte ewig prangen wird, Du haſt ein Menſchenleben gerettet, das Bosheit und entartete Grau⸗ ſamkeit dem gewiſſen Tode geweiht. —— ——‧— — 192 — — Es iſt wahr, ſagte Giulio finſter, die Einwohner Neapels Der fühlten ſchon lange, daß ein Fieber im Anzuge war, ſie wurden Porte unruhig, ihr Verſtand verwirrte ſich und kein Arzt, der es ſelbſt Er vermocht hätte, half ihnen, welch' ein Wunder, daß es endlich zum Paroxismus gekommen iſt; hat das Volk nicht lange ge⸗ nug vergebens nach Abhülfe der Beſchwerden und Erleichterung prajiee der Laſten geſchrieen; begehrte es nicht ſchon vor Jahren den t Nac Freibrief Carl V., in welchem mildere Beſtimmungen über die i Steuern enthalten ſind. 3 anbande — Es fehlt ihnen eine Zwangsjacke mein Sohn, ſagte der 4 Herzog kalt, und ich hoffe, wir werden ſie ihnen mit Gottes. Hülfe bald anlegen können. Seiner entwers — Eine Zwangsjacke? wiederholte Giulio, während eine dunkle Gluth ſeine bleichen Wangen färbte, es wäre gut, wenn Her 3 man eine ſolche den Beherrſchern des Volkes anlegte, um ſie in ic wil ihrer Zügelloſigkeit zu bändigen. Du irrſt Vater, wenn Du wähnſt, daß das Volk von Neapel ſich von ſeiner Regierung ſo leicht wird beſiegen laſſen; es werden furchtbar blutige Tage kommen, alle Schrecken einer grauenvollen Revolution werden dieſe Stadt heimſuchen; der getretene Wurm krümmt wehe ihnen, auf deren Haupt die Schuld der Schr fallen wird! Eine längere Pauſe trat ein; der Herzog ging mit v r* ſchränkten Armen nachdenkend durch das Zimmer, während Mutter und Schweſter noch immer in der zärtlichſten Weiſe ſich um Giulio beſchäftigten. billig — Lebt die Prinzeß? fragte Blanka, endlich das Schweigen führt brechend. Herzo — Die dem Feuertode Entkommene iſt ein Opfer der Fluthen Herrſc geworden, verſetzte der Gefragte mit finſterm Ernſt.— wird, Blanka und ihre Mutter falteten die Hände, ein leiſes D Gebet entſtrömte ihren Lippen, während in ihren Augen Thränen ein, glänzten. mit — Madonna ſei ihrer Seele gnädig, ſagte die Herzogin, es konnte Dir nicht gelingen die Leiche zu beleben mein Sohn, das — fuhr ſie zu dieſem gewendet fort, immerhin aber haſt Du doch ſchwei Dein eignes Leben gewagt, und eine Heldenthat vollbracht, wie 3 ſie nur eines Mattalone würdig und ich hoffe Seine Hoheit wäre wird das anerkannt und Dir die Freiheit gegeben haben. aber Neapel wurden es ſelbſt endlich ange ge⸗ ichterung gren den über die ſagte der t Gottes end eine ut, wenn im ſie in denn Du erung ſo während Weiſe ſich ſchweigen er Fluthen ein leiſes Thränen Herzogin, ein Sohn, Du doch racht wie ne Hoheit en. 4 mit ver⸗ 1 lcher nwerden 193 — Er that es, verſetzte Giulio, aber— Der Herzog hatte dieſes Geſpräch nicht beachtet; die letzten Worte jedoch weckten ihn aus ſeinen Gedanken. Er nahte ſich dem Sohne. — Der Herzog von Arcos hat Dich begnadigt, mein Sohn? fragte er. — Er hat mir die Freiheit gegeben, wiederholte Giulio mit Nachdruck, und ich will die dadurch gewonnene Zeit gut anwenden. — Darf Dein Vater erfahren, was Du zu thun gedenkſt? — Ich werde nach Madrid gehen, um vor dem Throne Seiner Majeſtät eine Schilderung von der Lage Neapels zu entwerfen; ich will ihm ein Gemälde entrollen, vor dem ſein Herz erbeben und das ihm ſein innerſtes Mark erſchüttern ſoll; ja ich will beantragen, daß der Herzog von Arcos zurückberufen und Neapel ein eingeborener Statthalter, oder mindeſtens ein ben werde, der die Rechte des Volkes ehrt, der nicht ſein Ohr leiht, in deſſen Hirn die Fruchtſteuer ausgebrütet wurde. ich ein verwerflicher Plan! rief der Herzog. geil Du Dich gegen die Regierung auflehnſt. Sttzt es gegen die Regierung auflehnen, wenn man Perordnungen und Gelüſte ihrer zeitweiligen Beamten be⸗ t und wer giebt uns die Ueberzeugung, daß der König billigt, in welcher Weiſe die erlaſſenen Verordnungen ausge⸗ führt werden? Verhehlen wir uns nicht mein Vater, daß der Herzog von Arcos ein ränkevoller, habſüchtiger und argliſtiger Herrſcher iſt, der in der Geſchichte das traurige Denkmal haben wird, als erſter Inſpector einer Erxecutionsbehörde zu prangen. Der Herzog erwiderte kein Wort; eine längere Pauſe trat ein, während die Herzogin und Blanka den kühnen Sprecher mit Staunen und Beſorgniß betrachteten. — Mein Vater iſt ein Ehrenmann, nahm Giulio wieder das Wort, ich bin überzeugt, er wird über meinen Vorſatz ſchweigen. — Ich will es, wie wohl mit ſchwerem Herzen, denn es wäre meine Pflicht, den Vicekönig darauf aufmerkſam zu machen; aber man könnte dem Reiſenden in den Abruzzen auflauern Das HOpfer von Amalſi.(Bd. 1) 13 194 um ſeine Pläne zu vereiteln,— dieſe Furcht läßt die Stimme der Pflicht verſtummen. — Ja, eine Regierung, entgegnete Giulio mit Verachtung, welche ſich nicht ſcheut, mit den Räubern ein Bündniß zu knüpfen, bebt auch vor dem Morde nicht zurückz; das ſcheinſt ſelbſt Du, ihr Freund, zuzugeben, und ſolcher Regierung ſoll ein Mattalone dienen? Es hatte noch eine lange Unterredung in der Familie des Herzogs ſtattgefunden; die Aeußerungen Giulios waren von ſo mächtigem Einfluß auf den Vater, daß dieſer ſeinen Sohn innig in ſeine Arme ſchloß, und wenn er auch nicht jede einzelne An— ſicht deſſelben theilte und den Vorſatz, nach Spanien zu ge⸗ hen, verurtheilte, ſo mußte er doch den Muth und das edle Herz des Sohnes bewundern, der bereit war, für die Sache des Vol⸗ kes ſein Leben zu opfern. 4 —Giulio, nahm er das Wort; Du haſt Dein Leben einen ſchlechten Zweck gewidmet, das Volk muß m Zügel geha er 3 ¹ N. 10 werden, wenn die Grundveſten des Staats nicht w ich kann Deine Anſchauungen nicht theilen und e Ou thum willſt, darf ich nicht wiſſen. 1.“ — Ich will Dir nur erwidern, daß das Volk nig gierung wegen, ſondern dieſe letztere des V es we iſt Regierungen wechſeln, Dynaſtien ſterben aus, aber leben fort und ihr Wohl nur kann das der Regierung be gen ohne ein Volk kann ſie nicht beſtehen; ſie wäre in eine ich Falle null und nichtig; nicht die Waffen ſchützen ſie, nicht Roß noch Reiſige, ſondern die Liebe des Volkes, die weiſe und ge⸗ rechte Handhabung der Geſetze halten den Staat zuſammen. — Alſo Du willſt uns verlaſſen, Giulio? fragten die Her⸗ zogin und Blanka zugleich. — Meine Pflicht und die Wohlfahrt Neapels erfordern es; doch bevor ich ſcheide, will ich es verſuchen, von anderer Seite auf den Herzog von Arcos einwirken zu laſſen; ſcheitert auch dieſer Verſuch, dann iſt ein gräßliches Blutbad unvermeidlich. Er entfernte ſich, ohne die Frage wohin? beantwortet zu haben. Zwei Stunden ſpäter, als kaum der Morgen graute, hatte ſich eine endloſe Volksmaſſe vor dem Palaſt des Herzogs von Mattalone verſammelt, welche ſtürmiſch nach Ginlio forſchte. Es! Sohn al Im det Umſt nicht beke Drol vernehme worfen, und uner Was Diejenig EvVra So nigſtens NM laſtes 195 Stimme 1 1. uint V Es hatte ſich das Gerücht verbreitet, daß der Vater den ctung Sohn als Gefangenen dem Vicekönig zugeführt. 1. rüpfen Im Allgemeinen war ſeine Rückkehr aus dem Palaſte wie ſ du der Umſtand, daß er die Prinzeß aus der Fluth gezogen, noch ttalon nicht bekannt geworden; nur einzelne Lazzaroni wußten darum. Drohungen und Verwünſchungen ließen ſich auf der Straße lie d vernehmen; ſchon wurden Steine nach einzelnen Scheiben ge⸗ woorfen, welche klirrend zu Boden fielen, als der Herzog kühn hoſ o und unerſchrocken auf den Balkon trat und zum Volke ſprach. Äinnig Was er ſagte, hatte einen wunderbaren Einfluß geübt und e An⸗ Diejenigen, welche eben noch gedroht, riefen mit lauter Stimme: zu ge⸗„Evviva il duca Mattalone padro del prenze Giulio Caraffa!“ l Her So ward in einem Augenblick die Anſicht des Volkes, we⸗ 8s Vol nigſtens zum Theil geändert. . dem Herzog von Mattalone, als eingefleiſchter Ariſtokrat und Emnem Valksfeindebishenabekannt, wurde jetzt gehuldigt und Viele be⸗ chalten. augehhtett gtteithnzum Vermittler zwiſchen ſich und dem Vice⸗ ſollen; V könig; bald etſich mehr Anhänger, der Wunſch fand bei 1 ſhun Betall und der Herzog mußte, ob er wollte h od, ſich uemen, herab zu kommen und von einem un⸗ geheuren Volkshaufen umgeben, ſah er ſich gezwungen, den Weg 3 iſt dum P laſt des Denti Arcos anzutreten. Wlleer itlemhe ſich auch in dieſer Situation fühlte, ſo dingen, mußte de h der Nothwendigkeit gehorchen, da er im Weige⸗ achen rungsfaule augenblickliche Steinigung und Demolirung des Pa⸗ cht Roß laſtes zu gewärtigen hatte. und ge⸗ nen. die Her⸗ dern es; er Seite tert auch idlich Eine wichtige Unterredung. vortet zu Die Morgenröthe hatte den Himmel mit ihrem ſanften e, haite Hauche geküßt, bald folgte ihr die glühende Kugel der Himmels⸗ gs von königin, welche ſich immer mehr aus dem ſie umgebenden Wol⸗ ſche kenſchleier hob. 13* 196 An dem hohen Erkerfenſter ſeines Gemaches ſtand der Erz⸗ biſchof von Neapel, Filamarino. Schon lange hatte er in Betrachtungen dageſtanden, den Blick unverwandt zum Himmel gerichtet. Die Ereigniſſe der Nacht waren ihm in ihrer ganzen Furchtbarkeit noch nicht be⸗ kannt geworden; er wußte nur von dem Aufflammen der Flotte. Jetzt aber, in dieſem Augenblick hatte er ſich aller Gedanken an das Irdiſche entſchlagen; ſeine Seele betete, wenn auch ſein Mund ſchwieg. Die hohe Idee der erwachenden Natur erinnerte ihn an die Auferſtehung Chriſti. — So wie jene Strahlenkugel im Oſten, begann er mit on Flammen umzuckt, von einer Glorie umkleidet, verkannt, zwiſchen Miſſethätern; er, bet zitterte, die Erde borſt, die Sonne ihr ſtand er, der Erlöſer; und hatte er nich er nicht Liebe und Hoffnung Allen hinter auch Du Neapel, ein furchtbarer Morgen auf, er verkündet die Schreckensherrſchaft Pöbels, aber— Er wurde in dem Vollenden dieſes Gedankens Eintreten eines Mönchs unterbrochen. — Der Prinz Caraffa, meldete er. Der Geiſtliche ſchien außerordentlich überraſcht und gab den Befehl, daß der Gemeldete erſcheine. Giunlio trat ein. — Verzeihung, Eminenz, wenn ich dieſe Zeit gewählt habe, Ihnen eine Bitte an's Herz zu legen, aber es giebt Ereigniſſe, die keine Stunde berückſichtigen laſſen. — Mein Prin,, ſagte der Biſchof in wohlwollendem Tone, ich bin für Sie in jedem Augenblick bereit, was verlangen Sie? — Sie ſind Erzbiſchof von Neapel, Eminenz? — Seine Heiligkeit Papſt Innocenz hat mich zu dieſer Würde erhoben. — Als wahrer Biſchof muß Ihnen nicht nur das geiſtige, ſondern at liegen. und Neape Rotte hat man hat ſeine Sch die Mord losgelaſſen König Ku von ſolche —” losgelaſſe Leidenſch .1 S Flammer Flotte f Gewalt Volk iſt ſind ſein wenn S Der Blicken; heißt es über ihr aber O. — 197 der Er ſondern auch das weltliche Wohl Ihrer Heerde am Herzen liegen. en, den 3— So wahr mir Gott helfe, es iſt wie Sie ſagen, Prinz, iſſe der und Neapels Schickſal liegt mir am Herzen; eine rohe, gottloſe icht be⸗ Rotte hat es gewagt, an den Seilen des Staates zu rütteln, Flotte. man hat die königliche Flotte angezündet, aber der Himmel wird nken an ſeine Schleuſen aufthun, blutige Ströme werden h erabſtürzen Mund die Mordbrenner zu erſäufen; die Hölle hat ihre Ungeheuer losgelaſſen, um die geſetzliche Ordnung umzuſtoßen und dem guten ihn an König Kummer zu bereiten; was wird, was kann das Ende ſein von ſolchem Treiben? er mit— Eminen,, verſetzte Giulio, Ihr Zorn iſt ganz gerecht, ein n Grabe losgelaſſenes Volk gleicht den Ungeheuren der Hölle, ſind die elche die Leidenſchaften einmal entfeſſelt, dann kennen ſie keine Grenzen ſtand er meh zaber vergeſſen Sie nicht, daß man die unglücklichen Ein⸗ nus des ohner Nec bis zum Aeußerſten getrieben; wir kennen den inenz— ich habe nur gehört, daß ſeine Opfer, — Wahnſinne anheimfallen. Das Volk von zurch Hunger zum Wahnſinn, zur Raſerei Grleichterung ſeiner Laſten gebeten, gefleht, ruckgewieſen; jetzt kennt es keine Schran⸗ 3 auWieſenigen zu bezeichnen, welche fremdes Gut in n das Volk von Neapel aber hat freilich in einem 22 das des höchſten Wuthparorismus ſein Eigenthum in Flammen aufgehen laſſen, das Gold, welches die Räume der Flotte füllte, war ein erpreßtes Gut, welches die Regierung mit gab den Gewalt genommen; es wurde ihr nicht freiwillig gezahlt; das Volk iſt entartet, das iſt außer allem Zweifel, entarteter aber ſind ſeine Gebieter und viel Blut wird noch fließen, Eminenz, wenn Sie es nicht verſuchen, Ihren Einfluß geltend zu machen. alt habe zehi Der Erzbiſchof ſah Giulio mit ſtaunenden und prüfenden Blicken an. n Tone,— In dem dreizehnten Capitel der Römer im erſten Verſe 1 gie heißt es:„Jedermann ſei unterthan der Obrigkeit, die Gewalt 4 über ihn hat, denn es iſt keine Obrigkeit ohne von Gott, wo u diee aber Obrigkeit iſt, die iſt von Gott verordnet.“ — Wohl wahr, Eminenz, aber hat Gott dieſe Obrigkeit geſtige etwa nur eingeſetzt, damit ſie alle Unterthanen als Spielbälle — ————— 198 oder Puppen betrachte, hat er ihr befohlen, das Land durch Steuern zu erdrücken und aushungern zu laſſen? Doch Eminenz, laſſen Sie uns in dieſem wichtigen Augenblick keine Bibeleregeſe halten, die Zeit iſt zu koſtbar, um ſie nutzlos zu verwenden, ich „habe geſagt, es wird viel Blut fließen und noch ehe die Sonne V im Süden ſteht, könnte ſchon ein furchtbares Gemetzel begonnen haben.— 2 — Und was kann ich thun? unterbrach ihn der Biſchof. — Vielleicht Alles hindern.. — Aber wie? — Indem Sie ſich ſogleich zum Herzog von Arcos begeben und ihn beſchwören, ſofort durch eine Proclamation bekannt machen au laſſen, daß er die drückendſte aller Steuern, die Fruchtſteuer 5 27 zufhebt, daß er ferner den Spanier Herandez entlaſſe; dann dürfte Aufſtand vielleicht ſchon im Keime erſtickt und manche 2 ge That verhindert ſein, welche die verhängnißpallſt gebären würde. — Und Sie glauben, Prinz, der mir beſtimmen laſſen, ein Steuergeſetz null und nichtig zu erklären? — Ich weiß, Sie üben auf ihn( — Nur was den Cultus betrifft, R — Ohl! legen Sie ihm nur die Sache an weicher geſtimmt als früher, wo ich es ſchon einmell d ſucht habe, ihn zu ermahnen, denn die Revolution hat, bes noch und ſchmerzlichen Weh verwundet. — Sein Herz? rief der Biſchof verwundert. als erſtes Opfer gefallen. er ſein Antlitz bedeckte. — Ich wünſchte, ich könnte widerrufen. Prinzeß ſolch' ein ihüichat ereilen konnte. Liebe betroffen. das Land, das er regiert, erſchütterte, ſein Herz mit einem tiefen — Ja, verſetzte Giulio, die Prinzeß Donna Leonora iſt ihr — Mein Gott, was ſagen Sie? fiel der Biſchof ein, indem — Seien Sie ausführlicher, wie war es möglich, daß die Giulio folgte dieſer Aufforderung und ſchilderte in kurzer aber draſtiſcher Weiſe das Uugläcs, das den Gegenſtand ſeiner Ein längeres Schwegen trat ein und währte fort, bis es ferbrach⸗ — erwacht. Bitte erfü um ihn zu vvon Neape Er w dann zur Der über den — in einer wäre ant Gn belebt— ſchrei di Git Maſſe b d durch Wminen, eleregeſe den, ich e Sonne degonnen ſchof. eben und machen ichtſteuer an dürfte iſt ihr n, indem daß die in kutzer nd ſeiner t, bis 6 ——ſ 199 ein Geräuſch von außen wie das dumpfe Toſen des Meeres un⸗ terbrach. 1 — Horch, horch, rief der Erzbiſchof, die Ungeheuer ſind ſchon erwacht. — O bringen Sie ſie zur Ruhe, Eminenz, indem Sie meine Bitte erfüllen, begeben Sie ſich ſogleich zum Herzog von Arcos, um ihn zu ermahnen; in ſeiner Macht ſteht es, ſchreckliche Tage von Neapel fern zu halten, eilen Sie, eilen Sie! Er warf einen flehenden Blick auf den Biſchof und ſtürmte dann zur Thür hinaus. Der Biſchof ſiand lange in Gedanken verſunken, er ſann über den Rath Giulio's nach. — Nein, ſagte er plötzlich, ich wage es nicht, den Herzog in einer ſo wichtigen Sache zu ſtören, er hat ſeine Räthe, es uinhgenn e wollte ich mich als ſolchen ihm aufbürden. 18 1 Eine Seene im Schloſſe. Giulio ſtürmte vorwärts— die Straßen waren ſchon ſehr belebt— der Pöbel erfüllte mit ſeinem grauenvollen Mordge⸗ ſchrei die Luft.— Giulio gelangte auf den Schloßplatz, den eine unabſehbare Maſſe beſetzt hatte— Alles aber war noch unbewaffnet. — Der Herzog von Mattalone— murmelte man überall. — Was iſt es denn mit dem Herzog? fragte Giulio über⸗ raſcht. — Er hat ſich zum Führer des Volkes und als Vermittler zwiſchen dem letzteren und dem Herzog von Arcos erklärt— ſo lautete die Antwort. — Der Herzog von Mattalone? fragte Giulio, der ſeinen Ohren nicht traute, noch einmal einen in der Nähe ſtehenden Lazzarone, der ihn nicht kannte; ſeid Ihr genau unterrichtet? K T — 1 —— — ——— —— ihm nicht entgangen war. 200 — Ich weiß es ganz beſtimmt— verſetzte der Gefragte— Mai doch da kommt Maſaniello— winkte m Ein betäubendes Freudengeſchrei folgte dieſen Worten. Bald gewahrte der Fiſcher von Amalfi den Prinzen von genug, Caraffa und begrüßte ihn ehrerbietig und freudig zugleich. 1 Beide Männer hatten Mühe, ſich durch das Gedränge Bahn Widerſpe zu brechen. Palaſte — Was wollt Ihr jetzt beginnen? fragte Giulio. Giu — Dem Herzog einen Beſuch machen— entgegnete Maſa⸗ manche T niello kurz. entganger — Und Ihr verlangt? — Die Aufhebung der Fruchtſteuer. einige ſch Wenige Augenblicke ſpäter ſtanden Giulio und der Fiſcher 6 von Amalfi neben dem Herzog von Mattalone, welcher von einem wird es zahlreichen Volkshaufen nach dem Palaſt gedrängt wurde. Räuber — Was ſoll das bedeuten? fragte Maſägiello mit gebiete⸗ riſcher Stimme und drohenden Blicken, wähzend Giulionſtaunend auf ſeinen Vater ſah, deſſen Verlegenheit und Bekloin nheik — Der Herzog von Mattalone will zwiſche dem Herzog von Arcos vermitteln, enta gn ete ei fragten. 11 Maſaniello's Stirne verfinſterte ſich anfangs aber einen langen, durchdringenden Blick auf de rzog worfen hatte, ſchwanden allmälig die düſteren Wolken. — Gnädigſter Herr, ſagte er dann in gutmüthiger Weiſe— — es iſt wahr; Sie ſind in jenem Palaſte beſſer bekannt, als ſetzte C ch es ſein kann, und wir werden Ihnen verbunden ſein, wenn alſo nu Sie dieſes treue Volk in die Zimmer des Statthalters führen— wollen. Braut — Wenn Du mich allein begleiten willſt, Fiſcher von Amalfi, zann di ſo ſoll es geſchehen, aber ich will nicht eine ſo ausgelaſſene Schaar Wnn zu ſeiner Hoheit führen.— 8 Ein ſanftes aber ſpöttiſches Lächeln war die einzige Antwort, thedrale die Maſaniello zu geben beliebte, während ein dumpfes Gemur⸗ verſiche mel der Menge kund gab, wie unzufrieden ſie mit dieſer Ant⸗ 8 wort war.— Die Bewegung ſtockte.— war di ſegt— 201 agte— Maſaniello wendete ſich zu ſeinem nächſten Gefolge und winkte mit der Hand vorwärts. n.— Es ſind, um den ganzen Palaſt zu durchſuchen, Unſerer en von genug, rief er ſtreng und gebieteriſch. h. Tiefes Schweigen folgte dieſen Worten; keine Miene der e Bahn Widerſpenſtigkeit zeigte ſich— und Alles drängte ſich nach dem Palaſte zu, deſſen Haupttreppe man bereits erreicht hatte. Ginlio befand ſich in der Nähe ſeines Vaters und vernahm Maſa⸗ manche Drohung, ſo wie ihm mancher mißtrauiſche Blick nicht entgangen war. — Er wird uns verrathen, verlaßt Euch darauf, ſagten einige ſchmutzige Lazzaroni. Fiſcher— Wir müſſen alle Edelleute hängen und köpfen, anders n einem wird es nicht gehen, fiel ein Zweiter ein, in welchem wir den e. Räuber Paolo erkennen, und der dort ſoll der erſte ſein, ſetzte er, auf Giulio deutend, hinzu. o⸗ braviſſimo— ſagte der alte Celeſto, beifällig mit enhek dem wälkeligen Kopfe nickend. Der und ſein Vater ſind die utenen ſie haben ſich heuchleriſch bemüht, die Volksgunſt us und 8 Lilu gin um es dann noch ſicherer dem Verrathe zu weihen. reunde, ſagte ein Dritter, könnt Ihr glauben, daß ein 1 h der die Tochter des Statthalters liebt, ein Volksfreund er ſein Der Mann, der dieſe Worte ſprach, war kein anderer als — der Gettatore. er Weiſe— Der hat ſie gerettet— Du haſt Recht, Freund— ver⸗ ut, als ſetzte Celeſto, aber ſie iſt todt— eine Vermählungsfeier kann ,, wenn alſo nur im Himmel ſtattfinden. führen— Um ſo mehr iſt es nöthig, daß wir den Bräutigam der Braut bald nachſenden, fiel Paolo ſpöttiſch lächelnd ein— dann Amali, zann die Trauung ſehr bald im Beiſein der himmliſchen Heer⸗ Schaar ſchaaren vollzogen werden. — Ich ſage Euch, Freunde, die Trauung wird in der Ka⸗ Antwort, khedrale del Carmine oder in irgend einer anderen ſtattfinden, gemur verſicherte der Gettatore. ſer Aut⸗ V— Wie iſt das zu verſtehen? — Die Donna lebt, iſt wohl und munter, ein Starrkrampf war die Folge der Aufregung, gber die Liebe hat ihn ſchnell be⸗ ſſiiegt— ſie iſt das probateſte Recept, lächelte der Gettatore. ε 6. * 4 1 S 5 4 1 1 3 4 5 11 5 3 1 4 1 1 1 . 3 202 — Woher kommt Dir dieſe Kunde, Freund Blickwerfer? fragte der Räuber lachend. — Von einem mir befreundeten Leiblakai des Herrn Her⸗ zogs; dieſer gute Mann bringt mir alle wichtigen Neuigkeiten des Schloſſes— er iſt mein Verwandter. — Unmöglich, ſie iſt todt— rief ein großer, brauner Kerl; ich ſelbſt ſah ſie in die Fluthen ſpringen. — Blickt dorthin, rief der Gettatore, indem er auf die Fenſter des Palaſtes deutete. Die Uebrigen ſahen auf die bezeichnete Stelle, und in der That gewahrten ſie— Donna Leonora, welche bleich und trau⸗ rig neben ihrem Vater ſtand. — Es iſt wahr, ſagte der Räuber, ſie lebt. — Dieſe Art hat eine ganz andere Natur als Unſer einer, bemerkte der ſchmutzige Lazzarone. — Ach was, andere Natur, ſchrie ein Zweiter, ſie ſind reich, haben alle nur erdenkliche Pflege und die bexü mteſten Aerzte— während wir jetzt der leichteſten Krankheit z Opfer fallen. — Streitet Euch nicht, Freunde, polterte der Räuber! dazwiſchen; ein altes Sprüchwort ſagt:„was hängen ſäuft nicht!“ Ihr werdet ſicher bald die Augenweide das liebende Paar mit dem Stricke um den Hals zu ſe wollen ihm ſogar die Aufmerkſamkeit erweiſen, ihm und ſeinem Anhange einen ganz neuen Galgen zu errichten, einen Galgen, an welchem noch kein ſchmutziger Volksmenſch gehängt wor⸗ den iſt. — Seht nur, da geht der ganze Haufe die Treppe hinauf, ſagte Celeſto, Maſaniello, der Herzog von Mattalone und ſein Sohn Giulio Caraffa; ſie werden ſchon für die Beglückung Neapels Sorge tragen— gebt nur Acht. — Jedenfalls laßt uns, während die Herren zur Unter⸗ handlung ſchreiten, ein wenig Sturmmuſik anſtimmen. Ein Beifallsgelächter folgte dieſen Worten, und Alle dräng⸗ ten vorwärts. Unter von Arcos üünften ged darbot, auc Es wa troffen wor Von d Veranlaſſur Zwſcenzei Dazu Nacht, w eine geſch Er li mahlin u verweilt Der ts endlich hante eri gen ſei,! Nit nug, das Furcht u irgend we ſich ſo lei Wir fahr des geſcheut! bare Ver tine ſolch zurück. Der Sohaten Ahnunge ſorgniſſe Er eines Vo Veſonnen werfet? en Her⸗ b gkeiten er Kerl; auf die in der nd trau⸗ er einer, ſie ſind e 1Opfer dſeinem Galgen, agt wor⸗ e hinauf, und ſein eglütung ar Unter⸗ lle dräng⸗ 203 Unter allen möglichen Ereigniſſen, an welche der Herzog von Arcos und ſeine Rathgeber in ihren glorreichen Zuſammen⸗ künften gedacht hatten, war das Schauſpiel, welches ſich ihnen darbot, auch nicht für einen Augenblick vor ihre Seele getreten. Es waren trotz der drohenden Vorgänge keine Anſtalten ge⸗ troffen worden, einer Gefahr zu begegnen. Von der Brandſtiftung, die wohl zu ernſteren Maaßregeln Veranlaſſung gegeben, bis zu dieſer Stunde, war eine zu kurze Zwiſchenzeit geweſen, in der nichts geſchehen konnte. Dazu kam noch das erſchütternde Familienereigniß in der Nacht, welches den Herzog unfähig gemacht hatte, an irgend eine geſchäftliche Angelegenheit zu denken. Er liebte ſeine Tochter und hatte in Geſellſchaft ſeiner Ge⸗ mahlin unausgeſetzt an dem Lager der ſcheinbaren Todten verweilt. Der herbeigerufene Arzt, deſſen unabläſſigen Bemühungen es endlich gelungen war, Leonore wieder ins Leben zu rufen, hatte erklärt, daß durchaus nicht die geringſte Gefahr zu beſor⸗ gen ſei, und dieſer Ausſpruch machte den Herzog wieder muthvoll. Mit dem anbrechenden Tage fühlte ſich Leonore kräftig ge⸗ nug, das Lager zunverlaſſen, mehr aber wohl bewog ſie die Furcht und Verwirrung, welche im Palaſte herrſchte, kein Zeichen irgend welcher Schwäche zu verrathen; das ſtarke Mädchen ließ ſich ſo leicht von keinem Sturme niederwerfen. Wir haben die Ergebung bemerkt, mit welcher ſie der Ge⸗ fahr des Flammentodes begegnete; wir ſahen, daß ſie es nicht geſcheut hatte, ſich in die Fluth zu ſtürzen, als ſie das unrett⸗ bare Verderbeu, das ſie ereilen ſollte, nicht umgehen konnte; eine ſolche Seele bebt auch nicht vor einem bloßen Volksauflaufe zurück. Deer Palaſt war von etwa tauſend ſpaniſchen und deutſchen Soldaten beſetzt, aber in den Straßen tobten Hunderttauſende in der erſten Aufregung des Wahnſinns. Wie wohl der Herzog von Arcos jetzt von den bangſten Ahnungen erfüllt war, ſo hegte er doch nicht die geringſten Be⸗ ſorgniſſe für ſeine perſönliche Sicherheit. Er behielt in jedem Augenblicke, wo ſein Leben in der Hand eines Volkes war, das ſeinen Namen verwünſchte, vollkommene Beſonnenheit. — ℳñQ— — — 204 Er nahm ſeine ganze Thatkraft zuſammen, das Unheil zu bekämpfen, deſſen Maaß nun voll war. Zum Glück ſah er ſich in dieſer äußerſten Geſöhr von zit⸗ ternden Rathgebern befreit, durch deren Befürchtungen und Un⸗ ſchlüſſigkeit ſeine eigenen Maßregeln gelähmt wurden. Kaum hatte ſich Leonore von ihrem Lager erhoben, als der Herzog von Arcos, um jede perſönliche Rückſicht aus ſeinem Gemüthe zu verbannen, dafür Sorge trug, ſeine Familie gegen Beleidigungen zu ſichern; er ſchickte deshalb ſeine Gemahlin nebſt ihrer Dienerſchaft in das Caſtel Nuovo. Auch Leonore ſollte die Mutter begleiten, dieſe aber ließ ſich weder durch Befehle noch durch Bitten bewegen in die Veſte zu gehen. — Ich bleibe, ſagte ſie mit einer Entſchiedenheit, die den Herzog in Erſtaunen ſetzte, der wohl aber Urſachen zu Grunde liegen mochten, die er nicht errieth. Es war wenig Zeit zur Ueberredung und ehe er Leonore's Widerſtand beſiegen konnte, trat plötzlich ein Bote in das Zim⸗ mer, welcher die Nachricht brachte, daß man die Zugbrücke der Veſte aufgezogen habe und alle Verbindung mit dem Palaſte aufgehoben ſei. Als die erſten Beſorgniſſe für die Sicherheit ſeiner Tochter ſich verloren hatten, war es für den Herzog nicht wenig ange⸗ nehm, die Unterſtützung eines Geiſtes zu haben, der zwar dem ſeinigen nicht an Hülfsmitteln, wohl aber an Muth nichts nachgab. Leonore haßte wohl die Unterdrückung, ſte war eine ent⸗ ſchiedene Gegnerin des Regiments, das ihr Vater in Gemein⸗ ſchaft mit Herandez über Neapel führte, aber ſie billigte auch nicht eine Empörung, die mit ſo gräßlichen Ereigniſſen begon⸗ nen hatte. Sie liebte das Volk, inſofern ſie ſein Wohl wünſchte, ſie wollte es vor Hunger geſchützt und von der Laſt des Steuer⸗ druckes befreit ſehen, aber die Entartung, die Zerſtörungsſucht, Mordbrennerei und Raubgelüſte, die ſie zu gewahren wähnte, waren ihr ein Gräuel, ihr ſanftes Gemüth ſträubte ſich gegen jede Entartung und Ausgelaſſenheit und ſo fand ſie Urſache na⸗ mentlich ſeit der an ihr verübten Gewaltthat, in der ſte nichts als Morde Gewalt be Der ſeinem Gen blick, wo ſ entſchiedene von jenen welche ihn — Fü Talent in — J ſte, allein jener Nach zu entbin — von Seine penſiren. treten, D S Entſchluß — einer Wo allein ich — f ein Gehe werde; a es bei de Aufſtande Leon auf den bald erfa n nheil u von zt⸗ und Un⸗ 1 als der ſeinem te gegen lin nebſt ber ließ die Veſte die den Grunde eonore's 8s Zim⸗ rücke der eine ent⸗ Gemein⸗ ligte auch en begon⸗ nſchte, ſie 3 Steuer⸗ ungsſucht, n wähnte, ſich gegen rjache na⸗ ſe nichts 205 als Mordgier und Grauſamkeit ſah, die empörten Elemente mit Gewalt bezwungen zu ſehen. Der Herzog von Arcos befand ſich mit ſeiner Tochter in ſeinem Gemache und es mußte ihm auffallen, daß in dem Augen⸗ blick, wo ſich keine Abhülfe mehr hoffen ließ, die ruhigen und entſchiedenen Rathſchläge des hochherzigen Mädchens ſo ſehr von jenen fruchtloſen und unausführbaren Plänen abwichen, welche ihn bisher in Unthätigkeit gehalten hatten. — Fürwahr, Leonore, ſagte er, ich ahnte nicht, welch' ein Talent in Dir ſchlummert. — Ich gab meinem Vater ſchon manchen Rath, verſetzte ſte, allein er wies ihn ſtets zurück; o hätteſt Du mich noch in jener Nacht gehört, als ich Dich bat, Herandez von ſeinem Amte zu entbinden, es wäre nicht ſo weit gekommen. — Es lag nicht in meiner Macht, Leonore, Herandez iſt von Seiner Majeſtät hierhergeſchickt, und ich kann ihn nicht dis⸗ penſiren. Im Uebrigen mag ich ihm nicht feindlich gegenüber treten, Du weißt, er iſt Dein erklärter Bräutigam. — Mein Vater, noch immer verharrſt Du bei dieſem Entſchluß? — Ich muß es, meine Tochter, ich würde Dich gern von einer Wahl entbinden, welche Deinem Herzen ſo entgegen iſt, allein ich kann es nicht— ein Geheimniß— — Ein Geheimniß? unterbrach ihn Leonore überraſcht. — Meine Tochter, ich darf nichts darüber ſagen, es iſt eben ein Geheimniß, vielleicht kommt eine Zeit, in der ich ſprechen werde; allein verſichern kann ich es nicht, vorläufig aber muß es bei der Beſtimmung bleiben, daß Du nach Unterdrückung des Aufſtandes ihm zum Altar folgſt. Leonore wollte eine Antwort geben, allein ein eintretender Diener, welcher dem Herzog ein Schreiben überbrachte, hin⸗ derte ſie. — Der Biſchof Filamarino tröſtet mich Deines vermeint⸗ lichen Todes wegen, ſagte der Herzog, nachdem er den Brief auf den Tiſch legte, er und ganz Neapel wird mit Gottes Hülfe bald erfahren, daß Du lebeſt. 1 — Und wem verdanke ich meine Rettung? — Dem Herrn der Welt, Leonore. — Zunächſt dem Prinzen Caraffa, ohne ihn wäre ich heuté —— ˖V̈⏑—˖— 206 ein Mahl für die Fiſche des Golfs; ich zog den Tod in den Fluthen dem des Feuers vor. Ein gräßliches Geſchrei ließ ſich jetzt von unten her ver⸗ uehmen. Der Herzog wechſelte mit ſeiner Tochter einen vielſagen⸗ den Blick. Die Fenſter des Gemaches führten nach dem Hauptſammel⸗ platz der Volkshaufen. Bisher hatte Leonore trotz der nächtlichen Ereigniſſe gewähnt, daß vor Anbruch der nächſten Nacht kein entſcheidender Schritt von Seiten des Volkes zu erwarten wäre, weil ſie bemerkte, daß ſich Unſicherheit in den Bewegungen der Maſſen zeigte und offen bar noch kein Plan gereift zu ſein ſchien. Jetzt aber hatte ſie ihre Meinung geändert. Lauter, furchtbarer Lärm tönte ununterbrochen fort. — Es lebe Maſaniello, der Volksbefreier, ſo hörte man un⸗ abläſſig rufen. — Nieder mit dem Herzog von Arcos, dem Tyrannen von Neapel; nieder mit Herandez, dem gelben Spanier! Tod den Steuererpreſſern, den Henkern des Landes! Leonore erbleichte, mehr aber aus Beſorgniß für ihren Vater als ſich ſelbſt.* — Rette Dich durch Flucht, flehte ſie mit zitternder Lippe, fliehe, fliehe! Beide ſtanden an dem Fenſter und Leonore verſuchte es, ihren Vater zu entfernen. Aber ehe ſie noch eine weitere Bewegung machen konnte, ertönte ein zweites Geſchrei und ein anderer Name wurde ge⸗ nannt. — Es lebe der Prinz von Caraffa, der Volksfreund! erſchallte es laut. Leonore's Auge glänzte und ſie blickte ihrem Vater in das Geſicht, als ob ſie ihm ſeine Sicherheit hätte verkünden wollen. Aber wie erſtaunte ſie über die Seelenruhe des Herzogs als ſie bemerkte, daß er in dieſem Augenblick ein Biscuit ge⸗ mächlich in Wein tauchte und es mit großem Wohlbehagen verzehrte. Seine Stirn erſchien ſo ruhig, als ob er den Schloßplatz wie gewöhnlich leer geſehen hätte. Er he er nicht ſe Ehe L tönte ein lone galt. — A — E des Stattk Volksfreun zuertheilt — nung, ſte ſie komme Vater, ſle —„ Das Schläge, Thore des 4( ſich unte Herzog e mögen 1 beliebt. der Die des Herz den Wach Zutritt e Polt Statthal‚ bis in ſe 68 neue Cri ſtürmten. Nacht ei 3 ein den Er hatte jenen Schrei gehört und unbekümmert veränderte ler nicht ſeine Stellung. her ver⸗ Ehe Leonore ihrer Ueberraſchung Worte geben konnte, er⸗ önte ein drittes Lebehoch, welches dem Herzog von Matta⸗ ſelſage lone galt. 8 — Auch ihm huldigt man? fragte Leonore überraſcht. ſammel⸗— So ſcheint es, Leonore, war die kaltblütige Antwort des Statthalters, ich hörte, er ſei ſeit der heutigen Nacht ein wähnt, Volksfreund geworden; und er ſpielt die Rolle gut, die man ihm ‚Schritt zuertheilt hat. rkte, daß— Sieh nur Vater, rief Leonore und zeigte auf die Oeff⸗ nd offen nung, ſieh nur, ſie kommen, ſei es in guter oder böſer Abſicht, ſie kommen, ſie kommen, Gott ſei uns gnädig! Fliehe, mein Vater, fliehe, weil es noch Zeit iſt! — Nicht von der Stelle, rief der Herzog mit feſter Stimme. man un⸗ Das jetzt überhand nehmende Geſchrei, die Stöße und Schläge, welche es begleiteten, verrieth, daß man gegen die nen von Thore des Palaſtes anſtürme. Tod dn:— Die Thore ſollen ſogleich geöffnet werden und die Wachen ſich unter allen Umſtänden jeder Gegenwehr enthalten, rief der ür ihten Heerzog einem Thürſteher zu; unſere irre geleiteteten Unterthanen mögen ungeſtört in dieſes Zimmer kommen, wenn es ihnen ne beliebt. 1. Der Angeredete entfernte ſich eilig. uchte es, Die Ungeduld der Volkshaufen war indeſſen der Höflichkeit b des Herzogs zuvorgekommen, und es hatte zwiſchen ihnen und en konnte, den Wachen einige leichte Angriffe gegeben, ehe der Haufen freien vurde ge Zutritt erlangte. Polternde Tritte in den Gängen und Zimmern gaben dem erſchallte Statthalter nur einige Augenblicke vorher die Kunde, daß man bis in ſeine Gemächer dringen wollte— Leonore's Herz pochte. er in das Es war in dem höfiſchen Leben des Herzogs eine erſchreckende, —n wollen.] neue Erſcheinung, die verwirrten Töne zu hören, die nun heran⸗ JHetogs ſtürmten. isclit ge⸗— Vater, Vater! rief Leonore mit unterdrückter Stimme. hlbehagen— Faſſung, meine Tochter, Du haſt in der vergangenen Nacht einer größeren Gefahr in das Geſicht geſehen. thlozyla— Mir bangt um Dich. 1 207 — Sei unbeſorgt. ——éͤ!ꝛ:7“ézẽvãyvkzjj 208 — Horch, horch— o wie ſchrecklich!— ſie werden Dich morden! — Sie werden es nicht.— Das Zuwerfen der Thüren— der wiederholte Ruf ſeines Namens— das unwillige Geſchrei, welches die Aufrührer aus⸗ ſtießen, wenn ſie ohne Erfolg von Zimmer zu Zimmer geſtürzt waren, Alles ſchien anzukündigen, daß ihm Beleidigung, vielleicht Gewaltthätigkeit drohte. Der Herzog aber fürchtete nicht für ſich, nur ſeiner Tochter Schickſal lag ihm am Herzen. — Leonore, armes Mädchen, ſeufzte er. — Warum beklagſt Du mich, ich konnte fliehen und zog es vor, zu bleiben. — O Gott, warum thateſt Du es? — Mein Vater, wir ſtehen in Gottes Hand— horch nur, ſie brüllen nach uns— nach Dir. — Ja ſie ſuchen mich, die Beſtien— wehe, wenn dieſe Furien geweckt und die Leidenſchaften entfeſſelt ſind. — Sie ſind unglücklich genug, aber wehe auch Denen, die ſie zu Furien gemacht haben, verſetzte Leonore, ach, mein Vater, ich warnte Dich oft genug vor der Stunde der Rache— jetzt iſt es zu ſpät. Als die Tritte der lärmenden Menge näher kamen, beobach⸗ tete der Herzog eine ungemeine Beſonnenheit. Er öffnete ſelbſt die Thür ſeines Zimmers und machte ſich darauf gefaßt, die Nahenden mit einer gewiſſen heiteren Herab⸗ laſſung zu empfangen. Er ſchien vollkommen auf den Anblick vorbereitet, der ſich ihm jetzt bot. Es war ein Haufen aus den niedrigſten Volksklaſſen, welcher alle Fenſter beſetzte und das Werk der Zerſtörung eifrig betrieb. Unter furchtbarem Wuthgeheul wurden die Fenſterrahmen zerſchlagen, und koſtbare Zimmergeräthe wanderten von Hand zu Hand bis zu den Fenſtern. Hier wurde Alles mit furchtbarem Gepolter in den Hof geworfen und mit lautem, wildem Jauchzen unten begrüßt. Meubel, die man transportiren konnte, wurden hinaus⸗ geſchleudert, die prächtigen Sammetpolſter wurden von den Seſſeln tianiſche klirrende Hurrahr Pöbels. — haben w Viel den Wän und alle In minder und Sa Boden, worren Me⸗ gehüllt, Geſch Ausdru vollen hatten Lumpen das ſich präͤſenti Ei bald da koſtbare! ſtampfte In Bettgeſt ſchnitten Dauner 1 en Dic 4 f ſeints ker aus⸗ geſtürzt vielleicht Tochter dzog es zrch nur, an dieſe nen, die Vater, — ießt * beobach⸗ achte ſich n Herab⸗ der ſich (esklaſſen, ng eifrig 209 Seſſeln geſchnitten und dieſe zertrümmert. Marmorvaſen, vene⸗ tianiſche Spiegel wanderten in den Hofraum hinab, und das klirrende Geräuſch, das ſie verurſachten, miſchte ſich mit dem Hurrahrufe und dem gräßlichen Beifallsgeſchrei des raſenden Pöbels. — Es hat unſer Geld gekoſtet, ertönte es überall, mithin haben wir auch das Recht, es zu zerſtören. Viele machten ſich den Zeitvertreib, die reichen Tapeten von den Wänden zu reißen, die vergoldeten Einfaſſungen abzubrechen und alle Thüren aus den Angeln zu heben. In den Garderobenzimmern der Herzogin bot ſich ein nicht minder arges Schauſpiel dar, hier lagen Gewänder von Atlas und Sammet mit Goldſtickerei und Perlenborden zerſtreut am Boden, Agraffen, Diademe, Fächer, Handſchuhe, Alles lag ver⸗ worren untereinander. Mehrere zerlumpte Weiber hatten ſich in koſtbare Schleppen gehüllt, die ſie von Kleidern abgetrennt hatten; ihre braunen Geſichter, ihr ſtruppiges Haar, ihre wild glühenden Blicke, der Ausdruck grauſamer Schadenfreude, Alles bot einen ſchauer⸗ vollen Contraſt zu den Staatsgewändern, die ſie angelegt hatten und in denen ſie noch häßlicher erſchienen, als in ihren Lumpen. — Jetzt bin ich Frau Herzogin, ſagte eines dieſer Weiber, das ſich mit frecher Geberde vor dem großen Toilettenſpiegel präſentirte. im Ein wildes Gelächter ihrer Gefährtinnen erfolgte und bald darauf zerſchlugen Einige die Spiegel, während Andere die koſtbaren Gewänder und Toilettengegenſtände mit ihren Füßen ſtampften. In den Schlafgemächern war ein ähnliches Schauſpiel, die Bettgeſtelle wurden zerſchlagen, prächtige Seidenpfühle aufge⸗ ſchnitten und unter lautem Enthuſiasmus warf man die weichen Daunen zum Fenſter hinaus. Die Anführer des Aufſtandes überließen dieſe Verwüſtungen dem Gefolge, während ſie ſelbſt an andere Dinge dachten. Paolo's Bande hatte ſich der Waffen der Schloßwache be⸗ mächtigt, ſie unter den Pöbel, der ſich draußen drängte, vertheilt und dann alle Zugänge des Palaſtes beſetzt. mobis Maſaniello hatte es übernommen mit dem Statthalter zu Das Bpfer von Amalſi.(Bd. 1) 14 Fmße und ſtießen ein wi nehmen wollte und ſeine erſte Handlung zeu 210 fprechen, und er war der Erſte, den der Herzog erblickte, als der Haufen eindrang. Hunderte in gleicher Tracht folgten ihrem Führer auf dem ldes Jubelgeſchrei aus, als ſie den Herzog endlich gefunden hatten. — Da iſt er, da iſt er, der von Neapel, der habſüchtige Knecht König mit ihm! Maſaniello gab ein die Menge. Er allein ſchritt vor, Steuererpreſſer, der Tyrann Philipps, nieder Zeichen und augenblicklich verſtummte als ob er in das Zimmer des Statt⸗ halters hätte treten wollen, blieb aber plötzlich ſtehen. — Platz dem edeln Prinzen Giulio Caraffa und dem Her⸗ zoge von Mattalone, ſeinem Vater, gebot er. Der Herzog und Giulio traten zuerſt in das Zimmer, Maſaniello folgte. Offenbar war der Herzog mit ſich einig, wie er ſich be⸗ gte von großer Ehr⸗ erbietung. Auch Giulio verneigte ſich, Ergebenheit ſeines Vaters. Nichtsdeſtoweniger fan günſtiges Vorzeichen und i als Giulio, der von ihrer Gene hatte, ihre Hand küßte. Maſaniello's Stirne verfinſterte ſich, als er dieſ tritt ſah. Auch unter Denienigen, ſich wüthende Geſichter, und e Munde zu Munde. — Ich ſagte es gleich, ſagte der Eine. al — Corpo di dio— er iſt ein Verräther, fluchte der Andere. — Seht nur, wie er mit der Tochter des nichtswürdigen Tyrannen ſich freut. — Sie ſollen ſterben, wieder. doch nicht mit der höfiſchen d Leonore in dieſer Huldigung ein hre Blicke füllten ſich mit Thränen ſung bereits Kunde erhalten — en Auf⸗ Alle zu gleicher Zeit— rief der Erſte eigentlich uns zum Führer aufgedrungen? Er gab ein paar welche die Thür verſperrten, zeigten in dumpfes Gemurmel ging von — Das haben wir davon, ſagte ein Anderer, wer hat ihn lumpige Mattalon weſen al faßt, der Wortn Volkes ßiſcher zutragen man Gi des Lau zu Gr. den zu gemein kommer die un ſanillo nahme Beleid geſchel ſpreche Aühüh als der zuf dem Herzog Tyrann nieder tummte Statt⸗ im Her⸗ Zimmer, ſich be⸗ Chr⸗ höfſſchen ung e in Thränen erhalten ſen Auf⸗ t, zeigten V ging von er Andere. würdigen der Erſt t hat ihn ein paar 1 211 lumpige Dukaten, damit man Maſaniello's Weib loslaſſe und das war das einzige Zeichen ſeiner Volksfreundlichkeit. Maſaniello gab ihnen einen Wink und ſie ſchwiegen. Der Herzog von Arcos war mit dem ſtolzen Schritte und der ruhigen Stirne, wodurch er ſich vor allen Spaniern am Hofe auszeichnete, vorgetreten, die Angekommenen zu begrüßen. Die unerwartete Ehrerbietung, die ſowohl der Herzog von Mattalone und deſſen Sohn ihm bewies, war ihm ſo lieb ge⸗ weſen als ſeiner Tochter, und ſchon hatte er den Entſchluß ge⸗ faßt, den jungen Fiſcher anzuſprechen, als Giulio plötzlich das Wort nahm. — Hoheit, redete er den Herzog an, eine Deputation des Volkes von Neapel, an deren Spitze ihr Führer Maſaniello, der Fiſcher von Amalfi ſteht, iſt erſchienen, Ihnen eine Bitte vor⸗ zutragen. — Keine Bitte, eine Fordernng, eine Forderung, unterbrach man Giulio. — Eine Forderung alſo, fuhr Giulio fort, dem Nothſtande des Landes muß abgeholfen ſein, wenn nicht Volk und Regierung zu Grunde gerichtet ſein ſollen. Der junge Fiſcher von Amalfi aber iſt von dem Volke erwählt, ſeine Intereſſen wahrzunehmen und will Eurer Hoheit bi⸗ Wünſche und Forderungen des Landes eröffnen. Giulio ſchwieg und trat bei Seite. — Ich habe Eure Ankunft ſeit Sonnenaufgang erwartet, redete der Vicekönig Maſaniello mit einem gewiſſen Lächeln an, ich war überzeugt, Ihr würdet, um Abhülfe Eurer Beſchwer⸗ den zu ſuchen, Euch an den Stellvertreter Eures Königs, unſeres gemeinſamen Gebieters und Vaters wenden. Ihr ſeid will⸗ kommen, wie kann ich Euch dienen? Dadurch, daß Sie die verfluchten Steuern aufheben, die uns wahnſinnig gemacht haben, Hoheit, antwortete Ma⸗ ſanillo und daß Sie Diejenigen züchtigen, die bei der Empfang⸗ nahme derſelben unſere harten Prüfungen durch Hohn und Beleidigung noch erhöht haben, dies und noch viel mehr muß geſchehen und ſchnell geſchehen. Wir brauchen nur Ihr Ver⸗ ſprechen, gnädigſter Herr, fuhr er fort, daß unſere Beſchwerden Abhülfe finden ſollen; dieſes Fenſter führt auf den Platz, wo 4 14* — 8 4 5 212 . das Volk verſammelt iſt und es wird gut ſein, wenn Sie mir die Verſicherung geben, daß Sie ihm helfen wollen. —+ Er trat nach dieſen Worten an das Fenſter und öffnete es. Kaum war ſeine rothe Mütze dem Volkshaufen ſichtbar ge⸗ worden, als ihn ein lautes Geſchrei begrüßte. 1 Maſaniello erhob den Finger und es folgte tiefe Stille. Ein ſiegſtolzes Lächeln flog über ſeine Züge als er auf die 1. 1 zahlloſe Menge hinblickte. Er wendete ſich um und winkte dem Statthalter, an ſeine Seite zu treten. 4 Dieſer folgte ſeiner Aufforderung, trat augenblicklich zu ihm und alsbald erhob ſich ein Schrei der Verwünſchung und 4 Drohung. 1 Dieſe Veränderung mißfiel Maſaniello nicht. — Tod dem Herzoge von Arcos! Tod den Spaniern wie 3 allen Feinden des Vaterlandes, ſchrie man wild durcheinander, 4 während ſich tauſend Arme zum Schlage erhoben. — Dahin ſind die Leute durch böſe Maßregeln gebracht worden, rief Maſaniello, und doch ſind ſie nicht ganz unlenkſam in ihrem Wahnſinn; geben Sie Acht Hoheit, wie leicht ſie ſich von Denjenigen gebieten laſſen, die ihnen lieb ſind. Er winkte mit der Hand, und eine Todtenſtille herrſchte unter der ganzen Menge. Nach einer Weile erhob er wieder 1 4.**—— 1 ſeine Hand, und die ganze Stadt hallte von dem Rufe wider: —„Es lebe Maſaniello von Amalfi!“ Der Herzog erbleichte und verrieth einen Augenblick Unruhe. — Es würde vielleicht unſerm Volke lieb ſein, nahm er 4 das Wort, wenn wir hinab gingen und ihm betheuerten, daß wir bereit ſind, den Uebelſtänden abzuhelfen. + 14 1. 4 Sie wollten den Balkon, auf dem ſie ſtanden, verlaſſen um den Vorſatz auszuführen, als es dem Herzog plötzlich einfiel, 1 1 daß ſeine Tochter durch ſeine Entfernung leicht in eine gefähr⸗ liche Lage kommen könnte. 8 Leonore ſchien den Gedanken ihres Vaters errathen zu haben. — Sei ohne Furcht mein Vater, ſprach ſie, jetzt iſt nicht die Zeit, Schwäche zu zeigen, übrigens wird der Prinz von Caraffa mir gern ſeinen Schutz gewähren. 3 — Niemand wird es wagen ein ſchutzloſes Mädchen kränken zu wollen, verſetzte Giulio, und ſo gern ich auch von der Ehre gebrauch es wäre! — wird geſte Maſe und als begleiten, Die zurüäge Hand d ich beſch ſchon na zwar ha ſchwichti weit iſt und Vo Maſſe Schrecke Landes ſließen, dhuere unnitz; jetzt un herbeig Mißtra Wohnmu uns hä ie mir nete es. bar ge⸗ ille. auf die kte dem 3 llich u ng und ern wie inander, gebracht A t ſie ſich herrſchte r wieder wider: Unruhe. nahm er tten, daß laſſen um h einftel, e gefähr⸗ rathen zu tnicht die n Caraffa en kränken der Eke 213 Gebrauch mache, der Donna zur Seite zu ſtehen, ſo glaube ich, es wäre vortheilhafter, wenn ich Sie begleitete. — Nicht doch Giulio, ſagte ſein Vater, bleibe, ſeine Hoheit wird geſtatten, daß ichsmit ihm gehe. Maſaniello ſtampfte ungeduldig mit ſeinem nackten Fuße und als endlich der Statthalter ſich bereit erklärt hatte, ihn zu begleiten, verließen Beide von dem Herzoge gefolgt, das Zimmer. Der erſte Schreckenstag. Diejenigen aber, welche die Thür beſetzt hatten, waren zurückgeblieben. 3 — Donna Leonore, nahm Giulio das Wort, indem er die Hand der Prinzeſſin ergriff und ſie warm in die ſeine drückte, ich beſchwöre Sie, dieſen Palaſt zu verlaſſen, welcher vielleicht ſchon nach wenigen Stunden ein Raub der Flammen ſein wird; zwar hat es der Herzog verſucht, das aufgeregte Volk zu be⸗ ſchwichtigen, allein es wird ihm nicht mehr gelingen; ſchon zu weit iſt die Wunde des Landes geriſſen. Die Kluft zwiſchen Fürſt und Volk iſt zu groß, Neapel iſt jetzt einer unzurechnungsfähigen Maſſe hin gegeben, die einen Aufſtand begonnen hat, der mit Schrecken enden wird; nicht nur Diejenigen, die das Schickſal des Landes verſchuldet haben werden fallen, auch edles Blut wird fließen, und ich zweifle nicht, daß ſchon ein Preis auf manches thuere Haupt geſetzt— doch das ſind Dinge, deren Erörterung jetzt unnütz iſt, Donna. — Ja ſie ſind unnütz, Prinz, gab Leonore zur Antwort, jetzt unnütz, wo der Jammer böſer Rathſchläge ſolches Verderben herbeigeführt hat, das ſich hätte abwenden laſſen, wenn nicht Mißtrauen, Stolz und Trägheit die wenigen Männer in ihren Wohnungent zurückgehalten, deren Erfahrung und Beliebtheit uns hätte retten können. 1 17 3 — 214 — Beliebtheit? wiederholte Giulio achſelzuckend, wie viele gab es denn in dem Rathe Ihres herzoglichen Vaters, welche ſich dieſes Vorzuges erfreuen konnten? — Allerdings waren ſolche zu zählen, aber Sie ſelber Prinz hätten Ihren Einfluß geltend machen können. — Vermag ſelbſt die Gottheit ein aufgeregtes, von hochge⸗ thürmten Wogen bewegtes Meer zu beſchwichtigen, bevor der Sturm ſich gelegt? wie alſo ſollte ich einer Maſſe gebieten, welche von Hunger und Verzweiflung gereizt, nicht eher raſten will, bis ſie geſättigt iſt, geſättigt— am Blute ſeiner Unter⸗ drücker; übrigens iſt nichts wankelmüthiger als Volksgunſt, und auch ſchon gegen mich haben ſich drohende Stimmen des Miß⸗ trauens, ja ſogar des Haſſes vernehmen laſſen— — Wie wäre es möglich? rief Leonore erſchreckt. — Meinem eigenen Ohre glaube ich wohl trauen zu dürfen. — Hüten Sie ſich Prinz— ziehen Sie ſich ganz von dem Schauplatze des Schreckens zurück. — Ich ſollte müßig bleiben, wo Alles thätig iſt? — Thätig? — Das Volk arbeitet an dem Verderben der Großen, und dieſe bemühen, ſich das Volk zu beſiegen, wiewohl ſie in dem furchtbaren Kampfe unterliegen werden— jede Parthei iſt alſo in ihrer Weiſe thätig, und ich allein ſollte müßig bleiben? — Und was wollen Sie thun? — Das Intereſſe des Landes wahrnehmen. — Aber wie, Prinz?, was könnten Sie beginnen? — Neapels Geſchick liegt mir am Herzen, denn das Vater⸗ land iſt mir theuer, das arme betrogene und entnervte Volk muß einen Beiſtand haben, ich will ihm ein ſolcher ſein und ſollte ich ſelbſt als Opfer fallen, gern gebe ich mein Leben für die Frei⸗ heit und den Wohlſtand des qualerkorenen, thränenüberſchwemm⸗ ten Neapels. — Gott, ich fürchte, Sie werden ein Opfer! rief Leonore mit gepreßter Stimme; es giebt Menſchen, denen man es förm⸗ lich anſieht, daß ſie zu einem frühzeitigen Tode beſtimmt ſind, zu dieſen gehören Sie, Giulio; wäre ich abergläubiſch, dann würde ich geſagt haben, daß Sie der Blick eines Gettatore ge⸗ troffen— Sie— 2 Sie wurde durch ein Geräuſch unterbrochen, indem ſich — durch die ungeſtün Auf verſchiede mit unte der Pöb in dem? zukehren. bis auf nung ü— folgen bis es Ei er warj in Flan Aufevib zarone, daher, auf ih⸗ es mit müthig um dier ſchwebt Männe feig hi ihnen D etwas Herzog einen des he Cardi lich ſe Nacht bleiben te viele welche Prin hochge⸗ dor der ebieten, raſten Unter⸗ nſt, und 6 Mſ⸗ dürfen. don dem en, und in dem iſt alſo n? 3 Vater⸗ dolk muß ſollte ich die Frei⸗ chwemm⸗ Leonore es förm⸗ umt ſind, ch, dand aiore ge⸗ ndem ſich — 215 durch die Thürwachen des Volkes der Herzog von Mattalone ungeſtüm und aufgeregt hindurchdrängte. Auf dem Schloßplatze ertönte ein grauenvolles Gebrüll, die verſchiedenartigſten Flüche und Drohungen ließen ſich vernehmen. — Um Gottes Willen, Prinzeſſin, fliehen Sie, begann er mit unterdrückter Stimme; die Gefahr beginnt zu wachſen— der Pöbel will Blut ſehen— der Herzog, Ihr Vater, iſt mitten in dem Volksgedränge, und es iſt ihm unmöglich hieher zurück⸗ zukehren. Böſe Zungen reizen die Leidenſchaften des Volkes bis auf das Aeußerſte— und es bleibt jetzt keine andere Hoff⸗ nung übrig, als Alle in Sicherheit zu bringen, eilen Sie Prinzeß, folgen Sie mir nach meiner Wohnung, wo Sie verweilen werden bis es Ihnen möglich ſein wird, nach Caſtel Nuovo zu gelangen. Eine finſtere Wolke kam über die ſtolzen Züge Giulio's und er warf auf ſeinen Vater einen kalten Blick. — Deine Wohnung mein Vater, wird ohne Zweifel ſelbſt in Flammen ſteh'n, ehe die Sonne untergeht; dort iſt der Aufenthalt der Prinzeß gefährdeter als in der Hütte eines Laz⸗ zarone, ſagte er im Tone äußerſten Vorwurfs daher, daß die Herren, ſo lange ſie noch athmen können, ſtets auf ihre Macht trotzen und jede Warnung des Volkes verhöhnen, es mit kaltem, mitleidigem Achſelzucken betrachten und ſich hoch⸗ miüthig mit der Stärke ihrer Regierung brulſten; wie iſt es jetzt um dieſe Regierung und um ihre Stützen beſtellt? Ihr Haupt ſchwebt in drohender Gefahr und deſſen Räthe, die ſogenannten Maänner der rettenden That haben ſich geflüchtet oder zittern feig hinter ihren verſchloſſenen Thüren. Nein, mein Vater, mit ihnen geht Donna Leonore nicht. Der Herzog blickte zürnend auf ſeinen Sohn. Er wollte etwas erwidern, allein Leonore kam ihm zuvor. ige- Wo haben Sie meinem Vater verlaſſen? fragte ſie haſtig. — Ich half Seiner Hoheit in den Wagen; antwortete der Herzog, und als er Gold unter den Pöbel warf, bahnte er ſich einen Weg und hat nun eine Zuflucht im Kloſter bei der Kirche des heiligen Ludwig gefunden; ich habe vertraute Boten an den Cardinal geſchickt und zweifle nicht, daß es Ihrem Vater mög⸗ lich ſein wird nach San Ermo zu fliehen um bei Anbruch der Nacht nach Caſtel Nuovo zu kommen, und Sie wollten hier bleiben? Prinzeſſin, ich beſchwöre Sie, das Schloß zu verlaſſenk .* — aber das kommt —— — —— ——— ——— ———ÿõ 216 — Aber wohin ſoll ich gehen? — Wenn Sie nicht meinen Palaſt wählen, dann allerdings bin ich ſelbſt um einen Rath verlegen, auf den Straßen herrſcht Entſetzen, Tauſende von dem Geſindel ſtreifen bereits plündernd umher, man hat alles Geräthe zerſtört und aus den Fenſtern ge⸗ worfen; doch hören Sie das furchtbare Gebrüll. — Brod oder Tod! Hülfe oder Mord! tönte es ſchauervoll herauf. Leonore war in die äußerſte Beſtürzung gerathen, ſie er⸗ bleichte, zitterte und hielt ihre Hände vor den Augen. Giulio trat zu ihr und flüſterte ihr einige Worte zu, die außer ihr Niemand hörte. Sie ſtutzte, ſah ihn verſtört an und drängte ihre Thränen zurück. — Ich danke Ihnen für Ihr Anerbieten Herzog von Mat⸗ talone, ſagte ſie, ich bleibe hier. — Dann ſei Ihnen die heilige Jungfrau gnädig, rief der Herzog. Er verweilte noch einige Augenblicke. — Und Dü mein Sohn? ſagte er nach kurzem Sinnen. — Ich bleibe bei der Prinzeß. b — Und Madrid? Ein vorwurfsvoller Blick des Sohnes machte den Vater auf eine Unvorſichtigkeit aufmerkſam, der vergeſſen hatte, daß er über die beabſichtigte Reiſe Giulio's ſchweigen ſollte. Ein Murren an der Thür verkündete, daß das gehörte Wort bereits dort Mißtrauen erregt hatte. Noch einige Minuten verweilte der Herzog, dann reichte er ſeinem Sohne die Hand. — Gott ſchütze Dich vor Jenen dort, ſagte er mit feier⸗ lichem Ernſt. Es ſind Zeiten, mein Sohn, die uns beweiſen, wie rathſam es wäre, Famili eintracht zu bewahren, man geht von einander, aber man mnn icht wiſſen, ob man ſich wiederſieht. 4 Dann verließ er eiligen Schrittes des Zimmer. — Nun dürfen auch wir nicht länger zögern Prinzeſſin, unſere Augenblicke in dieſem Palaſt ſind gezählt, tommen Sie, ehe ich es nicht mehr vermag, Sie zu retten. — ruſch Haupt — 2 ich daran — 1 — ben Sie, ich hoff Giul Tritt na kam imm Mi⸗ ſie mit — Stimmen — drohend ſie ſoll ger zwi Giulio; dige, we Cuch di einer ge ein Nea ſam ſein Ein Büchen . Kc faßt ha erdinge herrſcht ündernd tern ge⸗ auervoll ſie er⸗ zu, die Thränen in Mat⸗ rief der nnen. n Vater tte, daß rte Wort reichte er nit feier⸗ beweiſen, en, man man ſich grinzeſſin, men Sie, — — bengemächern aber ertönte ein wüſtes Geſchrei, während wildes 217 ich daran denke. — Hier lauert der Tod. — Und dort hat er bereits ſeine Opfer erkoren. — Kommen Sie, es giebt keinen anderen Weg; dort blei⸗ ben Sie, bis ich komme, um Mitternacht werde ich erſcheinen; ich hoffe Sie dann nach dem Caſtel Nuovo geleiten zu können — raſch— raſch— ſie kommen. Giulio's ſcharfes Ohr hatte ſich nicht geirrt, der dumpfe Tritt nackter Füße auf den Treppen und in den Vorzimmern kam immer näher. — Gott ja, ich ſehe ſie auch. — Kommen Sie— kommen Sie! Mit dieſen Worten hatte er Leonore's Arm ergriffen, um ſie mit ſich zu ziehen, allein die Thürſteher umringten ihn. — Nicht von der Stelle, riefen ſie mit erſchreckenden Stimmen.— — Wer wollte mich daran hindern?— verſetzte Giulio mit drohender Entſchiedenheit. — Dieſe Tochter des Tyrannen bleibt in unſerer Gewalt, ſie ſoll uns als Geißel dienen, nur ſo können wir den alten Ti⸗ ger zwingen und giebt er nicht nach, ſo ſieht er zuerſt das Haupt ſeines Jungen fallen, dann rollt das ſeine ihm nach. — Menſchen, macht mich nicht zum Wahnſinnigen! rief Giulio ſeinen Degen ziehend; wollt Ihr Hand an eine unſchul⸗ dige, wehrloſe Jungfrau legen? Was kann ſie dafür, daß man Euch die Steuern erpreßte! Soll ſie die Fehler, die Verbrechen einer gewiſſenloſen Regierung büßen? Nein, das wollt Ihr nicht, ein Neapolitaner kann Gerechtigkeit fordern, aber nicht grau⸗ ſam ſein. Einige ſtutzten und traten zurück, Andere aber ſahen mit Blicken auf ihn, die das Gräßlichſte verkündeten. Leonore zitterte am Arme Giulio's, den ſie krampfhaft er⸗ faßt hatte. Sie ſah ſeelenvoll auf ihn. — Ueberlaſſen Sie mich dieſen Leuten, Prinz, damit Ihr Leben gerettet werde, ſagte ſie mit flehender, kaum hörbarer Stimme. 3 Im Innern des Zimmers herrſchte Schweigen, in den Ne⸗ — Aber jener Aufenthalt iſt ſchrcaich. mir ſchaudert, wenn —,——— — ᷣ—— — —.— 218 Jauchzeu der Entartung, Mord⸗ und Raubſucht ſich vernehmen ließen.. Schon rüttelte man an der großen Flügelthür, welche ſie noch von den Furchtbaren trennte. — Ergreift ſie, fort mit ihr, und wenn dieſer Prinz es hin⸗ dert, ſo werft ihn aus dem Fenſter! 4 Kaum waren dieſe Worte geſprochen, als der Haufe ſich theilte, die Einen ergriffen Leonore, die Anderen ſtürmten auf Giulio ein. — Nehmt die Dirne mit Euch! riefen Einige, wir werden dieſen zum Fenſter hinauswerfen, mögen ſie ihn unten als Möbel betrachten.. Ein ſchallendes Gelächter begleitete dieſe Worte. . „ Der Brand des Steuergebäudes. Kaum war der Statthalter auf dem Schloßplatze erſchienen, als die furchtbarſten Verwünſchungen ihn beſtürmten. 4 Er ward umringt, geſtoßen, hin und her geſchoben. Seine Stimme war in dem Aufruhr kaum hörbar und er wurde von allen Seiten ſo ſehr gedrängt, daß er weder vorwärts noch rückwärts konnte. Vergebens erklärte er ſeine Bereitwilligkeit, die Wünſche des Volkes zu erfüllen, die Steuern ſogleich aufzuheben und unbe⸗ liebte Rathgeber nicht mehr anzuhören. Man hörte ihn nicht an und antwortete mit Beleidigungen und Verwünſchungen. In der größten Aufregung gelang es ihm endlich wieder auf den Schloßhof zu kommen und als er hier zufällig einen ange⸗ ſpannten Wagen fand, ſprang er hinein und befahl dem Kutſcher ſich mit Gewalt den Weg durch das Gedränge zu bahnen. 9 9 I* Die Der der Her fen war ſtarrten. Der bis es d Nad die Ludn des heili Mi aus, ein dazwiſch Bei aus den D ſtande war m leerenſt d. ſpäteren d aufgehe gen To ſchunge V furchtb gewalte wollten ſtand „ dinal; gelern T bekann ten ihr rnehmen elche ſe ſ es hin⸗ uffe ſich iten auf werden s Möbel wichienen, 1 or und er vorwärts und unbe⸗ inſche des idigungen ich widet mnen ange⸗ m Kutſcher nen. 3 219 X Dieſes Unternehmen war noch gefährlicher, als das erſte. Der Wagen ward umringt, von allen Seiten erklettert, und der Herzog konnte ſich nur, als er Goldſtücke unter den Hau⸗ fen warf, von den grimmigen Geſichtern befreien, die ihn an- ſtarrten. Der Wagen wurde lange vorwärts und rückwärts gedrängt, bis es dem Kutſcher endlich möglich war, ſchneller zu fahren. Nach einer übermäßigen Anſtrengung der Pferde hatte er die Ludwigskirche erreicht, an welche das Kloſter der Mönche des heiligen Franz von Paula ſtieß. Mit einem raſchen Satze ſprang der Herzog von Arcos hin⸗ aus, ein Pförtchen hatte ſich geöffnet und ihn aufgenommen. Der Pöbel folgte ihm, das Kloſter ward angegriffen und die Wuth der Aufrührer ſtieg noch höher. Schüſſe knallten, Schläge ertönten, Scheiben klirrten, und dazwiſchen heulte das Wuthgebrüll der losgelaſſenen Maſſen. Bei dem Angriff auf das Kloſter wurde zufällig ein Mann aus dem Volkshaufen durch einen Schuß getödtet. Dies war das erſte Blut, welches bei dem eigentlichen Auf⸗ ſtande vergoſſen ward, denn das, welches in jener Nacht floß, war mehr eine Folge räuberiſ ſcher Abſichten der entfeſſelten Ga⸗ leerenſklaven, als ſocialer Erhebung. Dieſes Blut veranlaßte einen ſchnellen Uebergang zu den ſpäteren Auftritten dieſer berühmten Revolution. Der Gefallene, der wie ein Fiſcher gekleidet war, wurde aufgehoben, auf einige Planken gelegt und unter einem ſchauri⸗ gen Todtenhymnus, begleitet von Rachegeſchrei und Verwün⸗ ſchungen, durch alle Stadttheile getragen. Während deſſen wurde der Angriff auf das Kloſter mit furchtbarer Heftigkeit fortgeſetzt, die Stöße und Schläge wurden gewaltiger, die Schüſſe krachten heftiger, aber nicht ſo leicht wollten die mächtigen Eichenthüren, die einen tapferern Wider⸗ ſtand leiſteten als manche Wache, weichen. Plötzlich entſtand eine augenblickliche Pauſe, denn der Car⸗ dinal Filamarino, Erzbiſchof von Neapel, den wir bereits kennen gelernt, war in ſeinem Wagen vorgefahren. Dieſer Mann war als leutſelig und unerſchrocken allgemein bekannt; er war in ſeiner geiſtlichen Amtskleidung und Alle mach⸗ ten ihm ehrerbietig Platz, während zugleich die Leiche des Fiſchers, ₰ 220 mit welcher man wieder zurückgekehrt war, vor ihm nieder⸗ die gelegt wurde. nmehrte — Rache, Rache Heiligkeit! Schaffen Sie uns Genugthuung Oh und Gerechtigkeit, flehten viele Stimmen, welche theils einen Stattha drohenden, theils einen wehmüthigen, ja weinerlichen Aus⸗ Marktpl druck hatten. 4 Ta — Man hat Euch hart behandelt, meine Kinder, ſprach der ädem Erzbiſchof und Ihr ſollt Abhülfe finden; tragt dieſen armen angſam Mann in die Kirche und ich will ihm ein chriſtliches Begräbniß Ein geben; aber ſagt mir, warum zerſtört Ihr das Heiligthum, es den er ſe iſt nicht recht, die Hand an das Gotteshaus zu legen, wen ſucht lag und Ihr hier an der Stätte des Friedens? 3 M — Den Statthalter, den Vicekönig. der den — Ihr habt ihn aus dem Schloſſe vertrieben? D — Er hat uns gehetzt wie wilde Thiere, darum haben wir Fiſcher auch auf ihn Jagd gemacht, aber er hat ſich verkrochen, er hat Al hier Schutz gefunden. pörung — Was verlangt Ihr von dem Statthalter?. 1 emvian — Die Steuern, die Steuern! riefen alle Stimmen. 1— — Ihr ſollt davon befreit wkrden, antwortete der Biſchof, der S aber tretet zurück, ſetzte er mit leiſerer Stimme hinzu, indem er das ſü ſich an diejenigen wendete, welche den Sturm auf die Kloſter⸗ die St pforte wieder erneuerten. Wenn Ihr ſo ruchlos Gottes Tempel das Fe zerſtört, wird ſeine Rache Euch auch treffen. nan d Der Haufen zog ſich zurück, und der Erzbiſchof trat in das(ganz H Kloſter, deſſen Pforte ſich hinter ihm ſchloß. 1 K Er verweilte länger, als es den Aufrührern, die ſeine Rück⸗ vwelche kehr abwarteten, lieb war; und eben wollten ſie den Angriff welche ’ 1 wieder beginnen, als der Erwartete mit einer Pergamentrolle— I in der Hand heraustrat. um da 2— Dieſes Blatt, begann er, enthält die vom Statthalter 3 erlangten Zugeſtändniſſe. Stoßer — Folgt mir, Ihr Alle, nach dem Mexcato, dort will ich die Urkunde, vor der Kirche del Carmine öffentlich bekannt o colle machen. Ueber dieſe Nachricht vergaß man den Herzog von Arcos, und t und der Pöbel folgte dem Erzbiſchofe mit lautem Freuden⸗ ſiegi geſchrei. 1 nieder⸗ thuung s einen 1 Aus⸗ ach der armen gräbniß wum, es en ſucht ben wir er hat 1. Biſchf, indem er Kloſter⸗ Tempel vin das ine Rück⸗ Angrif mentrolle ratthalter twill ich Hbekannt on Arcos, Freuden⸗ 221 Die Nacht war nun angebrochen und die Dunkelheit ver⸗ mehrte die Verwirrung, die überall herrſchte. Ohne den Erzbiſchof zu beargwöhnen, daß er die Flucht des Statthalters erleichtern wollte, drängte ſich die Menge nach dem Marktplatze. Tauſende umgaben den Wagen des Prälaten, den ſie bei jedem Schritte jubelnd begrüßten und je mehr ſie ihn nöthigten, ang ſam zu fahren, begünſtigten ſie ſeine Liſt. Ein furchtbares Schauſpiel erwartete ihn auf dem Platze, den er ſelbſt gewählt hatte, weil er von der Ludwigskirche entfernt lag und anziehend für ſeine gefährliche Begleitung war. Maſaniello hatte ſich ſchon lange von dem Haufen getrennt, der den Statthalter in dem Kloſter belagerte. Der erſte Streich war gefallen und die Gegenwart des Fiſchers von Amalfi anderswo nöthig. Als er auf dem Mercato, dem Hauptſchauplatz der Em⸗ pörung angelangt war, wurde er mit lautem Inbelgeſchrei empfangen. — Zündet das Steuergebäude an! rief er mit weit tönen⸗ der Stimme, dieſes Gebäude, deſſen Räume ſo oft und ſo lange das ſündliche Geld gefüllt, das man uns abgefoltert hat, holt die Steuerbücher heraus und verbrennt ſte auf dem Platze, in das Fegefeuer mit dem Sündenregiſter! Ja, meine Freunde, da man den Himmel aus unſerer Bruſt herausgeriſſen, wollen wir ganz Hölle, ganz Verderben ſein! Kreiſchen, Pfeifen, Heulen, Geſchrei und rothe Mützen, welche zahlreich emporgeſchleudert wurden, verkündeten die Freude, welche dieſer Befehl allgemein hervorgerufen hatte. Wie eine ſtürmiſche Lawine wälzte ſich ein tobender Haufe um das Gebäude. Jetzt entſtand ein Poltern, ein Knacken, ein Brechen, ein Stoßen und Schlagen, wie es wohl noch nie gehört worden war. Man ſchien ſich nicht mit den Flammen allein begnügen zu wollen, es ſollte erſt demolirt werden. — Nieder mit dem Leichenhauſe unſres Wohlſtandes! ſchrieen und tobten tauſende von Stimmen. Man zertrümmerte Scheiben, brach die Penſterkreuze aus und ſtieg in das Häuschen, während Andere beſchäftigt waren, die Pforte zu zerſprengen und das Dach abzudecken. —— 222 Die Fackel, die nun endlich dem Zerſtörungswerke zu Hülfe kam, loderte bald; ſie begann ihre Arbeit und zeigte ſich als das ſchnellſte Werkzeug unter den Vielen, die man angewendet hatte. Maſaniello's Befehl war ſehr klug, denn die bereits ein⸗ getretene Finſterniß würde nicht die Begeiſterung erweckt haben, die für das noch zu vollbringende Werk nöthig war. Der Fiſcher von Amalfi blieb auf dem Mercato bis die Flammen über dem Dache des verurtheilten Gebäudes empor⸗ loderten und entfernte ſich dann, um für den folgenden Tag Verabredungen zu treffen. Als die Flamme am höchſten geſtiegen war, erſchien der Haufen, den der Erzbiſchof geleitet hatte, auf dem Platze und gab durch Klatſchen und Schreien ſeinen Beifall zu erkennen. Die Ehrfurcht des Pöbels gegen den würdigen Greis hatte ſich im Uebrigen nicht vermindert, aber während der Aufruhr fortſchritt, hatten ſich die Forderungen des Volkes ſehr geſteigert, daß am Ende nur wenige Menſchen wußten, was ſie eigentlich wünſchten. Der ganze Platz war von dem brennenden Gebäude hell erleuchtet, und als der Erzbiſchof erſchien, wurden tauſend Fackeln angezündet, um ihm bei der Vorleſung der Urkunde zu leuchten. Er trat vor den Eingang der Kirche del Carmine und eine Pauſe trat ein. Er wendete ſeine Blicke auf die Stätte der Verwüſtung;— es war ein ergreifender und feierlicher Anblick zugleich, den alten Mann bei der Vollziehung eines ſolchen Auftrages und von ſolchen Zuhörern umgeben zu ſehen. Die wilden grimmigen Geſichter, die ihn anſtarrten, die ruckweiſe auflodernden rothen Flammen, das Kniſtern der brennen⸗ den Balken“ der ſchauervolle Jubel, der das um ſich greifende Feuer begrüßte, und beſonders die geſpannte Erwartung, zu der ſich noch Streit geſellte, Alles dieſes bildete ein Ganzes, das jenen Augenblick vielleicht zu den gewaltigſten des Aufſtandes machte. — Geduld meine Kinder, begann er mit bewegter Stimme, laßt mich erſt einige Augenblicke zu Athem kommen! Einige Stimmen der Ungeduld aber wurden hörbar, und der Erzbiſchof warf einen verzweifelten Blick gen Himmel. aähmte, bl K dem Amte wan ſie e nachfotger Augenbli hörer zur Ma den Rät rief ein drohend NN die Abſ für den im Sen laßt Euc ſeine St dem Kle Stattha derantw I lärmende unklug laſſen, Sicherh CEs ſich nich u Hülfe als das et hatte. its ein⸗ t haben, bis die empor⸗ den Tag hiien der latze und ennen. eis hatte Aufruhr eſteigert, igentlich zude hell d Fackeln leuchten. und eine ſtung; 5 den alten und von rien, die brennen⸗ greifende ttung, zu Auſſtandes rStimme, rbat, und zmel. 223 — Seht, rief er mit wehmüthigem Ausdruck, was unge⸗ zähmte, blinde Wuth angerichtet hat. — Keine Predigt! riefen Einige, die minder Ehrfurcht vor dem Amte des Prieſters hatten. — Zum Ziele, zum Ziele! riefen Andere. — So höret denn! rief der Biſchof und begann die Ver⸗ leſung der Urkunde. Die Verſprechungen, die ſie enthielt, waren offen und hätte man ſie einen Tag früher gegeben, ſo würde man vielleicht allen nachfolgenden Drangſalen vorgebeugt haben, aber in dieſem Augenblick blieben ſie weit hinter den Erwartungen der Zu⸗ hörer zurück. Man ſchrie, die Schrift wäre nicht in gehöriger Form von den Räthen des Statthalters unterzeichnet und daher nutzlos. = Man will uns zum Narren halten, das ſind nur Poſſen! rief ein großer breitſchultriger Kerl, der ſeine braunen Arme drohend emporſchwang. Seine Eminenz ſollten ſich zur Ver⸗ breitung ſolcher Unwahrheiten und Täuſchungen nicht hergeben. — Wir verlangen den Freibrief Carl' V., ſchrie ein Anderer, die Abſch zaffung aller Steuern und gleiche Stimmberechtigung für den Bevollmächtigten, den hochmüthigen Vertretern des Adels im Senat gegenüber. — Aber ſo hört doch meine Kinder und denkt doch nur, laßt Euch nicht von der Leidenſchaft hinreißen, aber bald ward ſeine Stimme von tauſend Schreiern übertönt. — Er geht auf Betrug aus! iefen Einzelne, laßt uns nach dem Kloſter zurückkehren. — Auf, auf, nach dem Kloſter! widerhallte es, laßt uns den Statthalter zwingen, ſich vor dem Richterſtuhle des Volkes zu verantworten. 3 In einigen Augenblicken war der Marktplatz leer und die lärmenden Haufen eilten nach dem Kloſter zurück, das ſie ſo unklug verlaſſen hatten.. Der Herzog von Arcos hatte die Zwiſchenzeit, welche die Schlauheit des Erzbiſchofs ihm verſchaffte, nicht unbenutzt ge⸗ laſſen, und einige Edelleute, die als ſeine Rathgeber auch ihre Sicherheit bedroht ſahen, hatten ſich mit ihm entfernt. Es waren meiſt Leute, von deren Hülfsmitteln oder Muth 1 nicht viel hoffen ließ, aber zum Glück für den Herzog befand —õM—õ—õ——; 224 ſich unter ihnen ein Mann, welcher, obgleich beim Kampfe kaum betheiligt, doch Thatkraft und raſche Entſchloſſenheit mitbrachte. Die erſten Worte, die er ſprach, brachten Troſt und friſchen Muth in das Herz des Statthalters. — Ew. Hoheit muß von hier entfliehen, ſagte er, der Pöbel wird ſchwerlich dem Verleſen von Pergamenten lange bei⸗ wohnen, da die Fackel ihr Werk begonnen hat; glauben Sie mir Hoheit, es fehlt ſeinem Wahnſinn nicht ſo ſehr an Liſt als man meint; Sie werden eine Leiter im Kloſtergarten bereit finden und auf der andern Seite der Mauer erwartet Sie eine Sänfte; wenn Sie eilen, können Sie mit geringer Gefahr nach San Ermo kommen. Um des Herzogs Lippen ſchwebte ein bitteres Lächeln. — Um zu verhungern, mein lieber Freund? verſetzte er; es giebt dort weder Waffen, noch Kriegsbedarf, noch Lebensmittel. — Es wäre beſſer, dort einige Stunden hungern als hier umzukommen, verſetzte der Rath; nach Caſtel Nuovo können Sie unmöglich gelangen, der Weg dahin iſt gänzlich abgeſchnitten. — Hat denn Niemand Don Herandez geſehen? fragte der Herzog.. Keiner vermochte dieſe Frage zu beantworten. — Sah ihn Niemand, hörte Niemand von ihm? fragte der Herzog eindringlicher. Die Räthe verneinten dieſe Frage. — Dann iſt der Unglückliche ohne Zweifel ein Opfer der Volkswuth geworden; ſagte der Herzog von Arcos und verſank in Gedanken. — Eilen Sie, eilen Sie Hoheit, mahnten die Räthe drin⸗ gender, ehe Ihr eignes Leben bedroht wird. Der Statthalter erwachte wie aus einem Traume, machte keine weiteren Einwendungen und folgte mechaniſch ſeinen Be⸗ gleitern in den Kloſtergarten. Er überſtieg die Mauer und ſtand bald in der dunkeln Straße. Das Geſchrei des Pöbels war noch entfernt, und der Herzog ſtieg in die Sänfte, die ſeiner wartete. Als man aber einige Schritte auf dem engen und ſteilen Wege, der nach San Ermo führte, zurückgelegt hatte, ergab* ſich, dat kommen De als möt So Di Carmin En der Fack zuflucht In Ax langt und hi G und bl Ei Nuovo dx 4 Fami 1 ſei. 2 forſche T rang den 9 allzul währ ſchle 4 de dfe kun itbracht. dfriſchn er, der ange bei Sie mir als man it finden eSänfte; dan Ermo eln. zte er; es ensmittel. nnen Sie wätken. fragte der . de fragte der Oyfer der nd verſant äthe drin⸗ ne, machte einen Be⸗ er dunkeln der Herzog und feile ergab c3³ — als hier 8 4 225 — ſich, daß die Laſt zu ſchwer war, um ſo ſchnell vorwärts zu kommen, als es die Umſtände erforderten. Der Herzog ſtieg jetzt aus der Sänfte und eilte ſo ſchnell als möglich weiter. So oft er ſtehen blieb, ſchien ſich das Geſchrei zu nähern. Die rothe Flamme loderte noch über dem Mercato del Carmine. Endlich erreichte der Statthalter die Veſte, ehe das Lodern der Fackeln in verſchiedenen Stadttheilen ihm verrieth, daß ſein Zufluchtsort wieder angegriffen wurde. In der Nähe ſtand ſchon ein Gebäude in Flammen. Als der Herzog und ſeine Begleiter nach San Ermo ge⸗ langt waren, zog er ſich mit dieſen in ſeine Gemächer zurück und hielt dort einen langen Rath. Gegen Mitternacht begaben ſie ſich auf die Zinnen der Veſte und blickten auf die geräuſchvolle Stadt. Eine Stunde ſpäter zog dieſelbe Geſellſchaft nach Caſtel Nuovo herab, wo ſie nach Ueberwindung einiger nicht unbe⸗ deutender Gefahren endlich Obdach fanden. Kaum hier angelangt, forſchte der Herzog nach ſeiner Familie b Mit Entſetzen erfuhr er, daß Leonore noch nicht anweſend ſei. Was ſollte der unglückliche Vater beginnen, wo nach ihr forſchen laſſen? Wohin ſollte er zuerſt Boten entſenden? Die Herzogin lag in ihrem Gemache auf den Knieen und rang verzweifelnsvoll die Hände, der Statthalter aber gehörte den Regierungsgeſchäften und durfte ſich nicht der Verzweiflung allzulange hingeben. Verſchwunden. Giulio ſtand von wilden, drohenden Geſichtern umringt, während Leonore von zwei Kerlen unſanft nach der Thür ge⸗ ſchleppt wurde. CEr bebte vor Wuth, ſchon wollte er den Degen in die Bruſt 15— Das Bpfer von Amalfi.(Sd. 1) ————— 226 des ihm zunächſt ſtehenden Gegners ſtoßen, allein er beherrſchte ſich mit wunderbarer Kraft. — Vater, Vater! rief er mit lauter Stimme, Du hatteſt recht, als Du mir ſagteſt, die Gunſt des Volkes ſei wandelbar, es ſchmähe morgen, wo es heute huldigt und ſteinigt heute, wo es geſtern angebetet hat. Dieſe wenigen Worten waren genügend, um ſeine aufge⸗ regte Umgebung wenigſtens auf einige Augenblicke in Schranken zu halten, auch Diejenigen, welche Leonore davon führen wollten, blieben zurück. — Ihr Wahnſinnigen, fuhr Giulio fort, welcher Umſtand hat ſo plötzlich Eure Anſicht über mich geändert? noch geſtern waret Ihr überzeugt, daß ich ein Freund des Volkes ſei, habt mich mit Jubel empfangen, mich mit Euren Segenswünſchen überſchüttet, ja Ihr drängtet Euch ſo nahe an mich, mir die Hand zu küſſen, daß mir kaum möglich war, meinem Pferde Bahn zu brechen, heute ſchon wollt Ihr mich zum Gefangenen machen und mich vermuthlich zu dem Blutgerüſt führen— was um Alles in der Welt, rechtfertigt ſolchen Schritt? — Wir ſind eines Anderen belehrt worden, rief einer der Verwegenſten. — Klügere Männer als wir haben uns aufmerkſam ge⸗ macht, daß Sie nimmermehr ein Freund des Volkes ſein können, ſagte ein Anderer. — Jetzt haben wir es mit unſeren eigenen Augen geſehen, rief ein Dritter, der Liebhaber der Prinzeß kann kein Führer des Volkes ſein. — Wer hat mich denn zu Eurem Führer gemacht? rief Giulio in mißbilligendem Tone; ich bin Euer Führer nicht, dieſes Amt iſt bereits dem Fiſcher von Amalfi übertragen, ich will nur der Beſchützer Eurer Rechte ſein. — Ein ſchöner Beſchützer— ſagten Alle laut. — Sie wollen nur die Maßregeln kennen lernen, die wir getroffen haben, den Aufſtand durchzuführen, ſchrie ein Anderer. — Gewiß, ſo lange will der edle Prinz der Beſchützer unſerer Rechte ſein, ſind ihm aber unſere Pläne bekannt, dann dann giebt er uns in gewohnter echt rief ein ſagt er uns Lebewohl, griſtokratiſcher Weiſe einen Stoß mit dem Fuße— Vierter. ſich unter — 6 frei, er i nehmt mi retten. dadurch, in unſere In! — 4 Schläͤgen ſtürzte he Sar nen der Manche der Sch Als Giulio b — 2 Stͤmmer uns übe die Ante die Ande nicht beg N Geſinnu einige? Almoſen freiung tden h errſchte hatteſt delbar, te, wo aufge⸗ ranken ollten, Umſtand geſtern i, habt ünſchen te Hand ahn zu machen 1s um ner der 1 ſam ge— können, geſehen, Führer t? rief t, dieſes vill nur die wir Anderer. eſchüter it, dann nter echt rief ein -ͦ 227 — Und theili 3 ann ſeinem erlauchten Schwiegervater mit was er uns abgelau ſcht hat, rief wieder ein Anderer. — Fort mit ihm, fort mit ſeiner Braut— Tod allen Beiden! ſchrieen Alle zugleich mit drohender Geberde. Jetzt riß ſich Leonore von ihren Angreifern los und ſtürzte ſich unter die Wüthenden. — Gnade, Gnade! rief ſie mit flehender Geberde, laßt ihn frei, er iſt Euer wahrer Freund; bedarf es eines Opfers, ſo nehmt mich, gern gebe ich mein Leben hin, um das ſeine zu retten. — Prinzeſſin! rief Giulio erſtarrt, welche Worte! — Laſſen Sie mich ſterben, Prinz, vielleicht erkaufe ich dadurch Ihre Freiheit, meines Vaters Ruhe und Neapels Frieden. — Vorwärts mit Beiden, ſchrieen die Tobenden; dieſe Beiden in unſerer Gewalt, und der Sieg iſt uns geſichert. In dieſem Augenblick wich die Thür des Nebengemachs den Schlägen und Stößen, ſie ward aufgeriſſen und ein neuer Haufen ſtürzte herein. Sein Anblick war furchtbar, die meiſten glichen den Dämo⸗ nen der Zerſtörung, ihre Blicke glühten wie die gehetzter Tiger. Mancher Hände waren blutig, vermuthlich vom Zertrümmern der Scheiben, Spiegel und Möbel. Als der drohende Haufe die Gefahr erblickte, in welcher ſich Ginlio befand, ſtutzte er. — Was iſt's mit dem edeln Prinzen Caraffa? riefen viele Stimmen durcheinander; was that er? — Der Prinz iſt ein Heuchler— er und ſeine Braut ſollen uns überantwortet ſein, wenn wir Erfolge erzielen wollen, war die Antwort. — Die Prinzeſſin bleibe unſerer Gewalt verfallen, verſetzten die Anderen, ſie mag uns als Geißel dienen, wir können aber nicht begreifen, warum der Prinz unſer Gefangener ſein ſoll? Jetzt trat ein großer ſchwarzer Kerl vor. — Welche anderen Beweiſe habt Ihr denn für die gute Geſinnung des Prinzen als daß er Maſaniello's Weib durch einige Dukaten von der Verhaftung befreite; das war nur ein Almoſen für den reichen Caraffa, der, hätte es ſich um die Be⸗ freiung eines Edelmannes gehandelt, wohl das Zehnfache ge⸗ geben haben würde. Ihr werdet wohl zugeſtehen, das der Lieb⸗ 15* haber der Prinzeß es mit der Sache des Volkes nicht recht meinen kann. — Sehr wahr! riefen die Anderen, jetzt ebenfalls auf Giulio einſtürmend. — Gnade, Gnade, rief Leonore, ſchont ſeiner, nehmt mich hin; ich bin zu ſterben bereit. — Nicht dieſe Entwürdigung, Prinzeß, rief Giulio; Ihr Elenden, wendete er ſich an die Tobenden, laßt dieſe Jungfrau frei, oder Ihr zwingt mich zum Aeußerſten, ſeht, ich habe die Waffe in der Hand, was ſtört mich, mir damit Bahn zu brechen und Jeden niederzuſtoßen, der mir hindernd in den Weg tritt, was anders als die Rückſicht gegen Eure Verblendung. Heimtückiſche Buben haben mich verdächtigt, und es iſt ihnen gelungen, Euch gegen mich aufzuwiegeln.— Ich will Eure Rechte ſchützen mit allen mir zu Gebote ſtehenden Kräften und Mitteln, Alles, ſelbſt das Leben opfern, Eure Befreiung von den Laſten herbeizuführen— ſolches aber bin ich nur zu thun bereit für ein unglückliches Volk, das ſeinen Unwillen wohl durch eine all⸗ gemeine Erhebung laut kund giebt, aber nicht für Pöbel, deſſen Leidenſchaften entfeſſelt ſind und der dieſe Gelegenheit nur zu benutzen ſcheint, um zu rauben und zu morden, der nach Freiheit brüllt, um ſeine eigene Schreckensherrſchaft zu verbreiten.— Das aber will kein rechtſchaffener Neapolitaner, das haßt Maſaniello, und ſolche Ueberſchreitungen verabſcheut Giulio Caraffa nicht nur, er wird ſie auch mit dem Schwerte in der Hand hindern, wo er es vermag. Blickt auf das Zerſtörungswerk, das Ihr bereits begonnen, blickt auf dieſe wehrloſe Jungfrau, die Ihr mit Euch ſchleifen wollt, und ſagt mir, ob Euch die Scham nicht das Blut in die Wangen treibt?— Ein furchtbares Geſchrei unterbrach ihn. — Nieder mit dem Verräther, ſchrie man jetzt einſtimmig; er ſelbſt hat ſich als ſolchen bekannt. Fort mit der Tochter des Erpreſſers! ſchrieen Andere, fort mit Beiden, ihre Köpfe, ihre Köpfe! — Nur den des Prinzen Caraffa! ſchrie ein großer Kerl, der plötzlich in das Zimmer trat, und in welchem wir einen Räuber erkennen. Er hat recht, brüllte ein Anderer, der Kopf des Prinzen falle ſog auf ihre — ihn hin, der es auzufüge Mi und dech ſeinem migem der P. Prinze ſtürzte — — d D G Donn Deger 6 war verſch laſſen ſchrie des C im S. borge laßt und Vern 229 ht uc falle ſogleich, der des Mädchens bleibe noch bis auf Weiteres auf ihrem Rumpfe. — Glaubt Ihr, daß mein Kopf Euch nütze, ſo nehmt ihn hin, rief Giulio mit furchtbarer Stimme, aber wehe dem, der es wagt, dieſer Donna auch nur das geringſte Leid if Giulio zmt mich zuzufügen. lio; Ihr. Mit dieſen Worten drängte er Leonore's Angreifer zurück Jungfrau und deckte ſie, indem er das Schwert drohend emporhielt mit habe die ſeinem Körper. Bahn zu— Fort mit ihr, nieder mit ihm! ſchrie ein Kerl mit grim— den Weꝛg migem Geſicht und nahte ſich Giulio mit drohender Geberde. ndung.—— Zurück, Verwegener, oder Du biſt des Todes! rief iſt ihnen der Prinz. are Rechte— Nieder mit allen Beiden, war die allgemeine Antwort. Mitteln, Der Wüthendſte unter allen drang ungeſtümer auf den den Laſten. Prinzen ein, da ſauſte ſein Schwert, und blutend, aber lautlos bereit für ſtürzte der Schreckliche nieder. eine alle Mit einem wildem Racheſchrei traten die Uebrigen zurück. d, Dſen Dieſer Umſtand war für Giulio günſtig. t nur zu Er hatte Raum gewonnen, mit der einen Hand umſpannte er — h Freiheit Donna Leonore, während die andere krampfhaft das Gefäß des 1— Das Degens umfaßt hielt, mit welchem er ſich jetzt Bahn brach. Naſaniello, So ſtürzte er mit der theuren Bürde zur Thür hinaus und afn nicht: war nach wenigen Augenblicken auf eine zauberhafte Weiſe hindern, verſchwunden. das Iͤr— Auf, auf, verfolgt ſie, ſie können dieſe Räume nicht ver⸗ die Ihr laſſen haben, brüllten Alle Rache ſchnaubend. ie Schan— Mord, Mord— er hat ihn getödtet, den guten Guiſeppo, ſchrie ein Anderer— er iſt noch im Schloſſe, er und die Tochter des Erpreſſers.— 3.5 — Ihr täuſcht Euch, rief der Räuber; ſie ſind nicht mehr im Schloſſe, ohne Zweifel haben ſie den Weg auf einem ver⸗ borgenen Gange nach den Katakomben gefunden. — Auf, auf, nach den Katakomben! riefen viele Stimmen, laßt uns die Todtengewölbe in allen Richtungen durchſuchen und die Ausgänge derſelben beſetzt halten. — Unter wüſtem Durcheinandertoben, unter Rachegeheul, Verwünſchungen und Freiheitsrufen verließen ſie den Palaſt, inſtimmig; en Andere, wir einen ees Prinzen Er 4. von unzä 230 um ihren ſchrecklichen Vorſatz auszuführen, ließen jedoch einige Wachen zurück, welche die Verfolgten, falls ſie hier wieder zum ſittlicer Vorſchein kommen, ſogleich in Empfang nehmen ſollten. ſamer wi foſtet hat elnen G pibten Mit der leiſeſt Mit Farbe, furchtba⸗ Das ſeltſame Verſchwinden des Prinzen Caraffa, dem man ihre Kr nun die verrätheriſchſten Abſichten zugemuthet hatte, nachdem bäude z namentlich ſein Verhältniß zu Donna Leonore bekannt geworden, Al hatte die bisherige Gunſt des Pöbels in das Gegentheil um⸗ verkroch gewandelt.— Als der Haufen, der übrigens aus der verworfenſten Men⸗ ſchenklaſſe Neapels, namentlich aus Galeerenſträflingen beſtand, wild un aus dem Palaſte ſtürzte, theilte er ſich in zwei Abtheilungen. dot Bo Der eine blieb auf dem Platze, der andere zog nach den 1 geraub Katakomben.— In demſelben Augenblicke ließ ſich ein ſchauervoller Geſang Caraff vernehmen und in kurzer Entfernung brachte man einen Todten Viceköl herbei— es war der bei dem Kloſterſturm Gefallene. Ei — Blut iſt gefloſſen, tönte es von allen Seiten— zur giiegen Rache, zur Rache! noch m 6 Während die gräßliche Prozeſſion vorüberzog, entblößten die- 1 Anweſenden ihre Häupter, ließen ſich auf ein Knie nieder und beſchre beteten. N 1 Als man jedoch mit dem Leichnam vorüber war, erhob ſich uent Alles und heulte auf's Neue: Rache, Rache! lu 4 Plötzlich eilten einige ſpaniſche Soldaten vorüber, und dieſe Aat Unglücklichen ſollten die nächſten Opfer werden. eund 6— Nieder mit den ſpaniſchen Schergen, brüllte es furchtber A m zum Himmel empor. umd Kaum war dieſe ſchreckliche Aufforderung erfolgt, als hundert au b Dolche blitzten, während ein Mark und Bein durchdringendes Mordgeſchrei hörbar wurde. In wenigen Augenblicken lagen die beklagenswerthen Spanier, „ ich einige teder zum dem man nachdem geworden, atheil um⸗ ten Men⸗ tbeſtand, N. nach den er Geſang en Todten en— zur glößten die nieder und erhob ſich und dieſe furchtat als hundert dringendes n Spanier, ——— 1 231 von unzähligen Dolchſtichen getroffen, am Boden, und in uner⸗ ſättlicher Kanibalen⸗Blutgier, die, wie bei dem Tiger noch grau⸗ ſamer wird, wenn ſeine lechzende Zunge erſt warmes Blut ge⸗ koſtet hat, wurden die Leichen zerriſſen, zerſchnitten und die ein⸗ zelnen Glieder derſelben, noch zuckend und bluttriefend auf ge⸗ ſpitzten Holzſtäben umher getragen. Mit dieſen erſten Ausbrüchen der Volkswuth ſchien auch der leiſeſte Schatten der Ordnung beſeitigt zu ſein. Mit Schaum vor dem Munde, bleich und mit aſchgrauer Farbe, zitternd vor Wuth, mit geballten Fäuſten ließen die furchtbaren Geſtalten ihre Wuth an dem Schloſſe aus, ſo weit ihre Kräfte überhaupt ausreichten, dieſes gewaltige maſſive Ge⸗ bäude zu demoliren. Alle Diener des Herzogs von Arcos, die ſich bisher nicht verkrochen hatten, wurden in dieſem Augenblicke erdolcht. — Tod und Verderben allen Großen! donnerte die Menge wild und raſend durcheinander. — Alle Paläſte geplündert und alle Bewohner gemordet, ihr Blut vergoſſen, wie ſie es mit dem unſeren thaten, ihr Geld geraubt, wie ſie das unſere entwendet haben, ſchrieen Andere. — Hölle und Teufel, Tod und Verderben, nieder mit den Caraffa's, mit Herandez und allen Edelleuten und Räthen des Vicekönigs. Ein rieſiger Kerl war auf einen umgeſtürzten Wagen ge⸗ ſtiegen und ſprach zu der Maſſe mit wüthender Geberde, um es noch mehr zu fanatiſiren. Eine ſchreckliche grauſenerregende Scene— die keine Fede, beſchreibt— kein Pinſel malt. Nur wer Aehnliches erlebt hat, vermag ſich ein Bild davon zu entwerfen. 4 Unter allen Ungeheuern wie ſie die Fabelzeit, ſo lange die Welt ſteht, mit fürchterlicher Phantaſie erſonnen, hat es nie Schrecklicheres gegeben— als ein Volk in Wuth. Alle Mächte der Hölle ſcheinen heraufbeſchworen zu ſein, und der gewaltigſte Zauber iſt zu ohnmächtig, um ſie wieder zu bannen.— 4. * 232 In einem düſtern Raume der Todtengewölbe, von dem matten Licht einer Ampel erhellt, welche hier die Wohnung einer Lazzarone⸗Familie bezeichnete, zeigten ſich zwei Geſtalten. Die eine männliche ſtand aufrecht und blickte unverwandt auf ein weibliches Weſen, welches auf einem alten Sargdeckel Platz genommen hatte. Es herrſchte eine ſchauervolle Dämmerung, trotzdem erkennen wir die beiden Flüchtlinge Donna Leonore und— Giulio Caraffa. Sie waren in der That, wie der Pöbel vermuthet hatte, durch eine Leonore bekannte, einem fremden Auge aber unſicht⸗ bare Tapetenthür entkommen. Nachdem ſie lange unterirdiſche Gänge durchſchritten hatten, gelangten ſie in die Gewölbe des Todes. Unermeßlich weit und groß waren die ſchauervollen Hallen der Verweſung, und der Unkundige konnte wohl in dieſem von Schädeln und Gerippen belebten Raume den Eingang, aber nie⸗ mals den Ausweg finden. Durch undurchdringliche Dunkelheit hatten die beiden Flücht⸗ linge ſchon ſtundenlang große Strecken zurückgelegt. Leonore ſtöhnte von Zeit zu Zeit und drohte niederzuſinken, Giulio's Arm ſtützte ſie. — Muth, Prinzeß, ſagte er, wir werden einen Ausgang finden und unter dem Schutze der Nacht, welche wohl ſchon längſt angebrochen ſein muß, wird es mir gelingen, Sie nach dem Caſtel Nuovo zu bringen. — Und Sie, Prinz? — Ich werde Schutz finden. Doch nicht im Palaſt Ihres Vaters? Dort ſuche ich ihn nicht. — Und wo denn ſonſt? fragte Leonore, von bangen Gefühlen beſtürmt. — Im Tode, wenn mich mein Schwert nicht rettet, ver⸗ ſetzte Giulio mit einer gewiſſen bitteren Reſignation, Leonore's Augen füllten ſich mit Thränen, ſie vermochte kein Wort hervorzubringen, ihr Herz war ſchwer, ſie hätte den Ge⸗ liebten tröſten, ihm ſo Vieles ſagen mögen, aber die Sprache verſagte ihr den Dienſt. Ihre Gemüthsbewegung wurde immer gewaltiger, und bald vermochte ſie kaum noch einen Schritt zu chun H⁴ brem un nicht me ſchimmer zu könn eine kurz — Lazzaror es uns die Be treiben Unterge werde i 8 teten Sarge J Verkläͤ Gewan 3- ein we L in ein ) blick ft wieder ſchichte d Ausm finden Schwe von dem ung einer 4. verwandt zargdeckel erkennen Caraffa. et hatte, unſicht⸗ en hatten, en Hallen jeſem von aber nie⸗ n Flücht⸗ erzuſinken, Ausgang ohl ſchon Sie nach Gefühlen ttet, ver⸗ nochte kein e den Ge⸗ e Sprache 3 und bald —-OQOQ— —. b 233 Sie lehnte ſich krampfhaft an Giulio's Arm und ſchritt ihrem ungewiſſen Schickſal hier im Reiche des Todes entgegen. — Ich kann nicht weiter, ächzte ſie, die Füße wollen mich nicht mehr tragen. — Muth, Muth, Faſſung, Prinzeſſin, ich erblicke Licht⸗ ſchimmer, er wird mir genügen, um mich beſſer zurecht finden zu können, oder uns mindeſtens eine Stätte zeigen, wo wir eine kurze Zeit Ruhe genießen können. — Ruhe— an dieſem Ort? — Es haben in dieſen Räumen eine große Anzahl von Lazzaroni und anderen Müßiggängern ihre Wohnung, gelingt es uns eine ſolche aufzufinden, dann können wir raſten, denn die Bewohner werden jetzt in den Straßen Neapels ihr Weſen treiben. — Gewiß, aber wenn ſie zurückkehren, ſind wir dem gewiſſen Untergange geweiht. — So lange ich es vermag den Degen zu führen, Prinzeß, werde ich für unſere Rettung kämpfen. Sie gelangten jetzt in die weite, von einer Ampel erleuch⸗ teten Halle, und erſchöpft ſant Leonore auf den Deckel eines Sarges. Ihre Geſtalt war gedengbe und faſt glich ſie ſchon einer Verklärten oder Wahnſinnigen, im aufgelöſten Rabenhaar, weißen Gewande und mit dem geiſterbleichen Geſicht. Zwiſchen den Händen hielt ſie ein ſilbernes Crucifir und ein weißes Thränentuch. Bisweilen ſchlug ſie das Auge zum Himmel empor, und in einem einzigen kindlich frommen Blick flehte ſie um Rettung. Man konnte den Raum, wo ſie ſich befand, in dieſem Augen⸗ blick für eine Kirche halten, in welcher eine verklärte Heilige wieder erſchienen war, um von einem lebenden Weſen die Ge⸗ ſchichte ihres Märtyrerthums niederſchreiben zu laſſen. Die Zugluft, die ſie umgab deutete darauf hin, daß eine Ausmündung in der Nähe ſein mußte. — Wir müſſen fort, Giulio, ſie werden kommen und uns finden, ich höre Geräuſch, rief Leonore plötzlich. — Nicht doch, Prinzeß, Ihre Phantaſie iſt erregt, es herrich Schweigen wie zuvor. — Und Sie fürchten nicht, daß man uns verfolgen wird. 4 234 — Ich glaube es ſelbſt, ſie geben ſo leicht kein Opfer frei, 1 noch iſt indeſſen nichts zu befürchten. ih fürh Beide ſchwiegen, Leonore vernahm gern dieſen Troſt und verharrte in ihrer melancholiſchen Stellung. Prinzeſſt In der That ließ ſich jetzt Geräuſch vernehmen.— auch wi Ein dumpfes, drohendes Gemurmel ſtörte jetzt die Harmonie denn wir des heiligen Bildes, welches Giulio im Verein mit Leonore werden. darſtellten.— Der — Sie kommen, ſie kommen! rief Leonore aufhorchend. dem Dege Dieſes Zögern der Entſcheidung, das langſame und unab⸗ gende H wendbare Heranſchreiten der Gefahr ſchien eine Grauſamkeit Der des Schickſals zu ſein.— deutlich 4 Es glich einer Nacht auf der Folter, wo in der ſchaurigen Stille die Phantaſte jedes Schreckbild für die nächſte Zukunft zu 8 dem Ungeheuerlichen überſpannte.. grüfte Giulio hatte langſam ſeinen Degen gezogen und hielt ihn krampfhaft umſpannt. der, der Das Gemurmel wurde vernehmbarer, verworrene Stimmen preſſers drangen näher— der Name Caraffa, von Verwünſchungen be⸗ gleitet, ließ ſich vernehmen. beiden Jetzt war der Augenblick gekommen, in welchem die Ver⸗ welche folgten Urſache hatten, zu zittern. Die Rotte, welche ſie verfolgte und meiſtens aus ſchlechtem Geſindel, Räubern und Galeerenſträflingen beſtanden, hatten ihre Abſicht die Katakomben zu durchſuchen ausgeführt. Von zwölf Uhr Mittags hatten ſie ihre Verfolgung be⸗ gonnen und jetzt, wo die Mitternachtsſtunde bereits herangenaht, 1 waren ſie erſt am Ziele. — Dort— dort— kreiſchte Leonore, blicken Sie hin, Prinz. In kurzer Entfernung ließ ſich ein buntes abenteuerliches Gewimmel erkennen. Näherkommendes Fackellicht beleuchtete eine Rotte theils ſchwarz⸗, theils rothgekleideter Menſchen. Ihre Geſichter ſchienen gleichfalls ſehr geröthet, und in Ver⸗ bindung mit ihrer Kleidung, unter der Beleuchtung glichen die Ir Nahenden einem Höllenheer, welches ſein Reich auf der Erde I Zeiten verbreiten wollte. ll eine S — Corpo di dio— ich glaube da ſind ſie! ſchrie der Haufe, einjige welcher jetzt näher gekommen war. unzwei fruen! fer frei ooſt und Harmonie Leonore end. d unab⸗ znuſamkeit haurigen kkunft zu hielt ihn Stimmen uden de⸗ die Ver⸗ ſchlechtem —, hatten gung be— angenaht, n, Prinz. teuerliches heleuchtele hen. d in Vet⸗ glichen die der Erde der Haufe, 235 — Ave Maria, purissima! rief Leonore, ſei uns gnädig— ich fürchte nichts, denn Gott iſt bei mir. — Ich werde kämpfen bis auf den letzten Blutstropfen, Prinzeſſin, verſetzte Giulio, vertrauen Sie mir, aber Sie thäten auch wohl daran, Ihre Seele den Himmliſchen zu empfehlen, denn wir dürfen ſchwerlich hoffen, von dieſer Rotte verſchont zu werden. 8 Der Pöbel drang näher, und Giulio trat entſchloſſen, mit dem Degen in der Hand, vor Leonore umd nahm eine vertheidi⸗ gende Haltung an. Der Haufe war nur noch wenige Schritte entfernt, und deutlich zeigten ihm die Fackeln ſeine Umgebung. — Sie ſind es, ſie ſind es! brüllten Alle. Ein gräßliches Geſchrei, welches ſchauervoll durch die Todten⸗ grüfte hallte, begleitete dieſe Worte. — Tod ihnen, dreifachen, martervollen Tod, ihm dem Mör⸗ der, dem Verräther und dem Liebhaber der Tochter des Er⸗ preſſers.- — Auch ſie ſterbe! ertönte es furchtbar drohend, und die beiden Unglücklichen waren nun von ihren Henkern umringt, welche lauter wie Donnergebrüll ihr Leben forderten. Eine Sitzung des Volkstribunals. In einem kleinen und ſchmutz igen Schuppen, der in ruhigen Zeiten von Fiſchern benutzt wurde, verſammelten ſich ungefähr eine Stunde nach Mitternacht die Lenker des Aufſtandes, die einzigen, die irgend etwas vorbereitet hatten, um ſich über den unzweifelhaften Erfolg des erſten Tages der Ungebundenheit zu fruen und für den nächſten ſich zu berathen. e, 236 Das Gebäude, welches mitten in der Stadt lag, hatte we⸗ der Thür noch Fenſter und bildete einen breiten, niedrigen Bo⸗ gen, der in ſeiner ganzen Länge nach der Straßenſeite offen war. Die Wände waren ſchwarz wie der Fußboden. Im Innern ſah man zwei lange Bänke und einen plumpen Tiſch, um welchen die ſeltſamen Gebieter der Geſchicke Neapels ſaßen. Der Raum vor dieſem Schuppen war von bewaffneten Männern ſcharf bewacht. Jeder hatte in dieſer Verſammlung ſeinen Platz nach dem Range eingenommen, den er in der jungen Republik zu erlan⸗ gen hoffte. Maſaniello ſaß an der Oberſtelle, zu ſeiner Rechten hatte der alte Celeſto, noch immer im Prieſterkleide, Platz genommen. Zu ſeiner Linken ſaß ein. Mann, der zum Geheimſchreiber ernannt war— weiter abwärts Paolo, der Räuber. Salvator Roſa, der nichts von der Begeiſterung empfand, welche den Uebrigen bei der Nachwelt zur Entſchuldigung diente, ſetzte ſich neben Celeſto. Man verlor keine Zeit mit Förmlichkeiten, Begrüßungen, oder mit all zu genauen Einleitungen. Maſaniello war ſehr aufgeregt, die ruhige Erwartung, die ſich bisher in ſeinen Zügen ausſprach, das Nachdenken über die von ihm und ſeinen Mithürgern erlittenen Ungerechtigkeiten und Mittel, ihnen entgegenzutreten, waren verſchwunden. Aus ſeinen Augen blitzte das Feuer dey Entſchloſſenheit, ſeine Lippen bebten, ſeine Pulſe ſchlugen heftig, und jedes Glied faſt ſchien von peinlicher Unruhe bewegt. Celeſto's ſcharfes Auge beobachtete ihn und bemerkte mit einiger Beſorgniß die Aufregung und die Herrſchermiene, welche ihm zum erſten Mal bei demjenigen auffiel, dem ſo Vieles und Wichtiges anvertraut werden ſollte. — Es hat gut begonnen, rief Maſaniello mit trunkener Siegesfreude, und bei der heiligen Jungfrau, es ſoll eben ſo enden— hört, was die redlichen Stimmen unſere Freiheit ver⸗ künden— ich habe früher oft ſolche Worte gehört, aber ſie wur⸗ den auf dem Waſſer der einſamen Bai, in den Höhlen des Pau⸗ ſilippo, oder hinter den Felſen und in den kleinen Buchten auf procida Träumen von eine Stadt— Elendes der Wut Landen! Er! nen die! die Beſt an Cele bens al rechnet gewöhn gerufen Markty baren einen; rief M Beſtim freilich leeren, wohnen das ich hatte we⸗ igen Bo⸗ ofen war. plumpen Neapels waffneten nach dem zu erlan⸗ hten hatte 5 eenommen. imſchreiber empfand, n diente, grüßungen, artung, die n über die echtigkeiten den. hloſſenheit, hedes Glied merkte mit ene, welche Vieles und trunkener ſoll eben o reiheit vet⸗ er ſie wur⸗ n des Pau⸗ zuchten auj —— 3 237 „. 1 4 Procida und Capri geflüſtert, aber niemals, außer in meinen Träumen, hörte ich ſie ſo freudig und kühn ausſprechen, preiſen von einem ganzen Volk, daß es klingen wird von Stadt zu Stadt— der alte Veſuv, deſſen ehrwürdiges Haupt ſo viel des Elendes Jahrhunderte lang geſehen und deſſen Rachen Flammen der Wuth ſpie, wird es jetzt hinausbrüllen in die Welt und allen Landen verkünden:„Neapel iſt frei!“ Er hielt einige Minuten inne und ſah mit Blicken, aus de⸗ nen die tiefſte Begeiſterung ſprach, rings umher, als wollte er die Beſtätigung ſeiner Worte aus den Zügen der Anderen leſen. — Was ſagt Ihr, ehrwürdiger Vater, wendete er ſich dann an Celeſto; haben wir unſer Wort gehalten— hat man verge⸗ bens auf die Fiſcher von Neapel, Caſtellamare und Amalfi ge⸗ rechnet?— — Ja ſie haben edel begonnen, entgegnete Celeſto mit ſeiner gewöhnlichen Ruhe und dem verachtenden Hohne. Sie haben gerufen und geſchrieen, wie es ſich für Lungen paßt, die auf dem Marktplatz del Carmine ſich geübt haben. — Vor allen Dingen, fiel Paolo ein, hat man einen furcht⸗ baren Irrthum eingeſehen. — Einen Irrthum? fragten mehrere Stimmen. — Nun ja, man hielt den Prinzen Giulio Caraffa für einen Freund des Volkes. 8 — Und wer behauptet das Gegentheil beweiſen zu können? rief Maſaniello und Salvator zugleich.— — Ich und Neapels Volk, verſetzte Paolo im Tone äußerſter Beſtimmtheit. — Neapels Volk verkennt den Prinzen nicht, ſagte Maſaniello, freilich iſt die Sache anders, wenn Ihr die losgelaſſenen Ga⸗ leerenſträflinge, die Bravo's, Diebe, Müßiggänger und die Be⸗ wohner der Todesgewölbe zu dem Volke zählt. — Meine Nachrichten kommen nicht von ſolchem Geſindel, das ich haſſe wie Ihr, ſondern aus guter Quelle. — Und welcher Verbrechen beſchuldigt man den Prinzen? fragte Salvator geſpannt. — Des Verrathes und— Mordes, verſetzte der Räuber. Um Celeſto's Lippen ſchwebte ein Lächeln der Zufriedenheit, während Maſaniello's und Salvator's Züge die äußerſte Be⸗ ſtürzung verriethen. —öö— 238 — Sprecht, gebot der Alte, als Regierungsbeamte müſſen wir Eure Anklage hören. — Heute bei der Erſtürmung des königlichen Schloſſes hat der Prinz mit dem Degen in der Hand den Palaſt vertheidigt und bei dieſer Gelegenheit einen der Eindringenden getödtet— er hat ferner die Abſicht nach Madrid zu gehen, um von dem Könige einen Oberbefehl über Truppen zu erlangen, die er ge⸗ gen Neapel führen will und iſt der Verlobte der Prinzeß Leo⸗ nore, deren Leben er gerettet und die er dem Volke entführt, welches ſie bereits gefangen hatte, um ſie als Geißel zu behal⸗ ten— ich glaube, dieſe drei Punkte genügen wohl, um ihn vor den Richterſtuhl des Volkes ſtellen zu können. — Sie genügen— fiel der alte Celeſto ein, um ſein Haupt vom Rumpfe zu trennen und es auf einem Spieße durch die Straßen tragen zu laſſen. — Wir werden ihn verhören, fiel Maſaniello ein und falls ſich die Anklage beſtätigt, ihn den Tod des Verräthers ſterben laſſen. — Armer Freund, jetzt iſt es um Dich geſchehen— mur⸗ melte Salvator Roſa leiſe für ſich. — Es iſt möglich, daß er bereits der Volkswuth zum Opfer gefallen iſt, rief der Räuber, denn er verſchwand plötzlich mit der Prinzeß, man vermuthet ſie unter den Katakomben und ver⸗ folgt ſie, ob man ſie ergriffen, oder gar ſchon getödtet hat, weiß ich noch nicht. — Alſo in jedem Falle ſind uns Beide gewiß, ſagte Celeſto mit unheimlicher Freude— todt oder lebend— das gute Volk, wie es auf ſeinem Poſten iſt, wenn es gilt, Edelleute einzufangen, ſie haben ſchon etwas geleiſtet, die ehrlichen Leute; was ſie ſonſt noch thun können, werden wir morgen erfahren; zweihundert⸗ tauſend Menſchen mit Binſenlichtern in der Hand, können es wohl dahin bringen, uns die Freiheit zu verſchaffen;— ſie ha— ben alſo gut geſchrieen und werden morgen noch vielmehr ſchreien — ſetzte er lächelnd hinzu. Jetzt ſprang Maſaniello wüthend von ſeinem Platze auf. — Soll das Hohn ſein? rief er mit bedeutungsvollem Nachdruck. — Nein, nein, es iſt mein Ernſt, verſicherte Celeſto. Sollte Erſteres der Fall ſein, Vater Celeſto, ſo erwidere ch Euch ſhen ul Binſenli tecken. aber es wähnten waffnet morgen. leuten, d Regieru feine D Revolu gegen greifen ſchmach ſtürzt? heilig b Sd angeta ſchändl Beiſtar Dinge Tagen, Kopf u ſteckt ſe ſchreib Beiſta gen B. Volksf wie w bendie Celeſt gzeigt: rie 239 miüſen ich Euch, daß ſie den Vicekönig aus ſeinem Palaſte, die Deut⸗ ſchen und Spanier aus ihren Wachtſtuben geſchrieen, und die ſſes hat Binſenlichter können noch dazu dienen, die Stadt in Brand zu riheidigt ſtecken. odtet—— Alles ganz gut, mein Freund, verſetzte Celeſto ruhig, von dem aber es muß vielmehr geſchehen, bis jetzt blieb es außer den er⸗ e er N⸗ wähnten Kleinigkeiten nur eigentlich bei leerem Geſchrei. Be⸗ zeß Leo⸗ waffnet die Schreier und ſchafft Nahrung für ihren Hunger auf ntführt, morgen. Meint Ihr, man habe keine Gewehre bei den Kauf⸗ behal⸗ leuten, die dem Adel anhangen, verſteckt?— kein Mehl für die ihn vor Regierung in den Kellern der Einkäufer? giebt es keine Degen, keine Dolche, kein Pulver?— und wenn es an dieſen für eine n Haupt Revolution unerläßlich nöthigen Effekten fehlt, können wir dann durch die gegen den Adel und ſein Gefolge Krieg führen, Feſtungen an⸗ greifen und einnehmen? ſollen die Opfer in den Gefängniſſen und falls ſchmachten, bis das leere Freiheitsgeſchrei ihre Käfige zuſammen⸗ ſterben ſtürzt? muß man die Verzgeichniſſe des allgemeinen Vermögens heilig halten? ſollen die Paläſte der Edelleute mit allen ihren — mar⸗. Schätzen, die man dem Blute des Volkes abgepreßt hat, un⸗ angetaſtet bleiben?— ſoll der Herzog von Arcos mit ſeinen imm Opfer ſchändlichen Rathgebern ungeſtört im Caſtel Nuovo bleiben, bis gich mit Beiſtand aus Spanien oder Toscana kommt?— An alle dieſe und ver⸗ Dinge muß man denken, mein junger Freund, oder in wenigen at, weß Tagen, ja vielleicht ſogar in wenigen Stunden, wird man Euren Kopf und den Meinigen auf dem Mercato del Carmine aufge⸗ gleſto mit ſteckt ſehen. golt, wie— An alle dieſe Dinge hat man gedacht, fiel der Geheim⸗ ufangen ſchreiber ein, allein es muß noch entſchieden werden, ob wir ohne ſie ſonſf Beiſtand für unſere Freiheit kämpfen, oder ob wir uns unter billi⸗ ihundert⸗ gen Bedingungen mit Edelleuten verbinden ſollen, die bisher als annen es Volksfreunde geſprochen haben. ſe ha-— Hat man dies nicht ſchon verſucht und nicht geſehen, rſchrien wie weit man damit gekommen, iſt nicht Giulio Caraffa ein le⸗ bendiges Beiſpiel für die Zweckloſigkeit ſolcher Vorſchläge? rief e aiff Celeſto wüthend. uvollm— Aber ſein Vater hat ſich heute früh als Volksfreund ge⸗ eeigt und verſichert, er werde das Intereſſe Neapels wahrnehmen 1— rief ein Anderer. erwidere E 44 1 A 240 — Aber nach ſeiner Anſicht, rief der Räuber Paolo lachend dazwiſchen. — Es haben Viele ſeine Verſprechungen angehört, ihm Beifall zugejauchzt und ihn im Triumph nach dem Schloſſe des Herzogs geführt, dort als Vermittler aufzutreten. — Kein rechtſchaffener Neapolitaner, nur einfältiges, elen⸗ des Lumpengeſindel, das nichts weiß, nichts verſteht und bei jedem ſchönen Worte gleich ſein„Evviva“ ertönen läßt, konnte dies gethan haben, brüllte Paolo. — Der Herzog von Mattalone iſt ein falſcher und niedri⸗ ger Verräther, wie ſein Söhnchen, rief Celeſto, vor Wuth ſchäumend, und nicht ſchlagender wie hier iſt das Sprüchwort anwendbar:„der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ Matta⸗ lone iſt ein Ariſtokrat von echtem Schrot und Korn uud würde mit Vergnügen ein ganzes Volk opfern, wenn es gälte, ſeine eigenen ſelbſtſüchtigen Intereſſen zu behaupten— Tod dem gan zen Adel— ich kenne ihn zu gut— Tod dem Herzog von Arcos, Herandez und Giulio Caraffa— Verderben jedem Palaſte, unter deſſem Dache Jemand von dem ſtolzen, eigennützigen und ränkeſüchtigen Adel athmet, der der Regierung nur eine Stütze iſt, weil ſie ſeine Intereſſen ſchützt, deſſen Patriotismus aber ein Ende hätte, ſobald eine freiſinnige Staatsherrſchaft an Stelle der alten träte. Die Worte des alten Mannes erſchienen den meiſten Mit⸗ gliedern widerwärtig, nur Paolo lächelte beifällig. Es herrſchte einige Augenblicke Schweigen. — Tod Jedem, der Tod verdient, begann endlich Maſaniello würdevoll und feierlich, aber ich will nicht zum Blutvergießen getrieben werden, um wie Ihr, Vater Celeſto, alte langgenährte Rache zu befriedigen.— Wir Alle haben gelitten und das Blut aller Edelleute in Neapel würde uns unſere an Hungertod verendeten Kinder nicht wiedergeben können— mögen wir uns darüber wohl verſtändigen— ich habe geſchworen, die Steuern abzuſchaffen, und dies will ich, welche Hinderniſſe auch zu über winden wären, thun, mit reinem Gewiſſen, ruhigem Herzen und ohne Furcht. Aber wehe dem, der meine alten Freunde und Kameraden, die guten, harmloſen Fiſcher der Bai, aufſtachelt, damit ſie als Werkzeuge eigenſüchtiger Rache zu Mordbrennern und Räubern werden. ( Celeſt druck 3 beileg abred klärun J ₰ noſſen mache mit noſſen Vorg gänge G Maie ſorgf mißtr deſſen 4 zu hec läͤſſig dring olo lachend. ehört, ihm Schloſſe des tiges, elen⸗ eht und bei ißt, konnte und niedri⸗ vor Wuth Sprüchwort “ Natta⸗ und würde gälte, ſeine dd dem gan⸗ gvon Arcos, m Palaſte, agennützigen V g nur eine gatriotisnus herrſchaft an neiſten Mit— Maſaniell Zlutvergießen langgenährte und das Blut Hungertod 1 gen wit uns die Steuern nuch 8 zigem Herzen 3 alten Freunde i, aufſtachelt, Rordbrennern zu über⸗ 4 241 Dieſe Worte, welche einen ungeſchminkten Verweis gegen Celeſto enthielten, waren ſcharf betont und verfehlten ihren Ein⸗ druck nicht. Ein abermaliges Schweigen trat ein. Die Obergewalt, die der junge Fiſcher ſich ſo unerwartet beilegte, ſtützte ſich ebenſowenig auf eine vorhergegangene Ver⸗ abredung unter den Anführern, als auf eine ausdrückliche Er⸗ klärung der Volkshaufen. In jenem Augenblick aber war Niemand unter ſeinen Ge⸗ noſſen vorhanden, der es gewagt hätte, ſie ihm ſtreitig zu machen. Salvator Roſa, der eigentlich nur durch Unzufriedenheit mit der Welt und durch Aerger über die einigen Kunſtge⸗ noſſen reichlich zugetheilte Hofgunſt, zur Theilnahme an dieſen Vorgängen verleitet war, blickte ruhig auf dieſe erſten Vor⸗ gänge der Empörung, ohne viel an die Folgen zu denken. Es entging indeſſen ſeinem Scharfblick nicht, daß der alte Ränkemacher Celeſto Abſichten hatte, die er vor ſeinen Genoſſen ſorgfältig verbarg. Er bemerkte ferner, daß der Räuber Paolo gegen Celeſto mißtrauiſch und argwöhniſch war und vor dem jungen Fiſcher, deſſen redliches Gemüth er kannte, eine gewiſſe Scheu fühlte. Die geheimnißvollen Gedanken, die ſelbſt der Geheimſchreiber zu hegen ſchien, waren nicht ſo leicht zu entziffern. Salvator ſuchte in den Geſichtern, die ihn umgaben, unab— läſſig zu forſchen und in die finſteren Seelen ſeiner Genoſſen zu dringen. Maſaniello's Worte und das Schweigen, das ihnen gefolgt war, hatten ihm Alles offen gelegt. Von dieſem Augenblick führte er jede Liſt und jeden Wink ſeiner Gefährten auf den wahren Beweggrund zurück. Dieſe peinliche Stille blieb auf Maſaniello's Gemüth nicht ohne Wirkung. Seine Züge waren bisher heiter erſchienen, wenngleich nicht ohne Erregung. 5 In dieſem Augenblick aber trat ihm eine Ahnung ſeiner wahren Lage vor die Seele, und mit ihr erwachte ſchnell die Thatkraft, die ihn ſo auszeichnen ſollte. — Paolo, nahm er im Tone äußerſter Entſchiedenheit das Das Apfer von Amalfi.(B. 1.) 16 — 242 Wort; wir wiſſen, daß im Thurme des Kloſters San Lorenzo zehn Geſchütze, und überdies Gewehre, Pulver und Blei vor⸗ handen ſind. — Sehr wahr. — Wir müſſen dieſe nothwendigen Kriegsgeräthſchaften haben; wollt Ihr es mit Euren Leuten unternehmen, ſie vor Tagesanbruch zu holen? — Ich bin bereit, verſetzte der Räuber, wenn ich das Ma⸗ növer nach meiner Weiſe ausführen kann. — Führt es aus, wie Ihr wollt, ſagte Maſaniello, nur gut, wir dürfen nicht gleich Anfangs eine Niederlage erleiden; ſchreibt es auf, fuhr er mit kalter Beſtimmtheit zu dem Ge⸗ heimſchreiber gewendet fort, daß unſer Freund Paolo ſich mit ſeinem Kopfe für die Einnahme von San Lorenzo verbürgt— es giebt Feinde des Volkes, die beſtraft werden müſſen, und dar⸗ auf werde ich achten.— Ihr, Geheimſchreiber Pietro, werdet es mit den Edelleuten aufnehmen und dafür ſorgen, daß das Brod wohlfeil wird, damit es Jedermann kaufen kann.— Nun genug für heute; wer Ruhe braucht, der ſuche ſie. Er richtete dann ſein Auge, worin jetzt wieder die Heiter⸗ keit einer früheren Zeit aufblitzte, auf Salvator Roſa. — Wir haben ein bewegtes Tagewerk gehabt, nahm er weiter das Wort, und können uns wohl nach ernſthaften Berathungen eine Stunde der Zerſtreuung gönnen. Die Nacht hat kaum die Mitte erreicht und wir müſſen entweder in Grübeleien verſinken oder ſchlafen, um Beides aber zu vermeiden, ſo beendet die Ge⸗ chichte, Salvator, die Ihr vor einigen Tagen begonnen habt, uns zu erzählen.— Sie war ſo rührend, ſo erſchütternd, daß alle Zuhörer weinten, und ſie würden Euch gern Geld gegeben haben, wenn der Herzog von Arcos uns überhaupt andere Schätze gelaſſen hätte als— Thränen— jetzt kann ich, wir Alle können lachen; mögen die Edelleute nun weinen— Sal⸗ vator, erzählt, wie ging es der Fiſchertochter von Amalfi? Der angeredete junge Künſtler ſchien von derſelben leicht⸗ une ergriffen zu werden, die bei Maſaniello eine ſo Umwandlung ſeiner Gefühle herbeigeführt hatte. Er verſcheuchte die düſtere Stimmung, welche ſich ſeiner be⸗ mächtigt und wurde heiter wie ein Knabe. Für Salvator, der vor Fiſchern auf dem Hafendamm, vor —— — — Kindern und v prochen hatte, ddet über ſeine In der 1 bahn keine zuh die ſein heftige Voltsſprache, den, als die ju Neapel. Keines d Salvatord Le Mehr vi man noch he Caſtello ſieht Salvator niſſe, welche d ren hatte, entf Et ging Maſaniel Bänke ſeiner — Hier Tiſch deutete. — Das fen Alle. Salvator Er ſprac in dem Dial Stehgreiſſche In Ma Knabenzeit. den folgende Das ge von ſeinem ſtaunens und Die Ge immer, wer fall fand. Er ſpr orderdey 243 Kindern und verſchiedenartigem Geſindel auf dem Mercato ge⸗ ſprochen hatte, war es ziemlich gleichgültig, wer ihm zuhörte, oder über ſeine Einfälle lachte. In der That fand er in der glücklichſten Zeit ſeiner Lauf⸗ bahn keine Zuhörer, die ihn ſo ſehr entzückten und begeiſterten, die ſein heftiges Geberdenſpiel, ſeine kräftigen Scherze und die Volksſprache, worin er ſie vortrug, beſſer zu würdigen verſtan⸗ den, als die jungen und feurigen Lazzaroni am Meerbuſen von Neapel. Keines der vorhandenen Werke kann uns ein Bild von Salvator's Leiſtungen als Improviſator geben. Mehr vielleicht vermögen dies ähnliche Schauſpiele, die man noch heute auf dem Hafendamm zu Neapel äm Largo di Caſtello ſieht. Salvator Roſa mochte gern dem Gedanken an die Schreck⸗ niſſe, welche die Auftritte der letzten Zeit um ihn beraufbeſchwo⸗ ren hatte, entfliehen. Er ging auf die aufgeregte Laune des Fiſchers ein. Maſaniello ſprang von ſeinem Platze auf und ſtieß die Bänke ſeiner Gefährten auf die Seite. — Hier hinauf, rief er dem Künſtler zu, indem er auf den Tiſch deutete. — Das Ende der Geſchichte von der Fiſcherstochter! rie⸗ fen Alle. Salvator folgte dieſer Aufforderung. Er ſprach unter dem Beifallsrufen ſeiner ſeltſamen Zuhörer in dem Dialekte, den er und ſie am meiſten verſtanden, in jenen Stehgreifſcherzen, die ihn ſchon berühmt gemacht hatten. In Maſaniello erwachte die alte, kindliche Fröhlichkeit ſeiner Knabenzeit. Die Auftritte der verfloſſenen Tage, die Pläne für den folgenden waren vergeſſen. Das gebrechliche Sparrwerk der elenden Hütte wiederhallte von ſeinem lärmenden Gelächter und den Ausrufen ſeines Er⸗ ſtaunens und Entzückens. Die Gemüthsſtimmung des Künſtlers ward erwärmt wie immer, wenn er einen ſo aufrichtigen und lärmenden Bei⸗ fall fand. Er ſprach in mannichfaltigen Abwechſelungen in Ton⸗ und Geberdenſpiel, eine Reihe wunderbarer Dichtungen, zuweilen in 16* 244 Verſen, die eine ſcharfe und feine Satyre mit den plumpſten Scherzen vermiſchten. Zuweilen bewegte er ſich in Rede und der entſprechenden Antwort darauf, bald brach er in Geſang aus, bald brachte er Geſpräche voll grimmiger und betäubender Streitſucht. Keine Feder könnte das kindiſche Entzücken beſchreiben, das Maſaniello empfand, wie keine die widerſtreitenden Eigenthüm⸗ lichkeiten ſeines Gemüthes überhaupt. Selbſt der finſtere Geheimſchreiber Pietro ließ ſich auf Augen⸗ blicke verleiten, ſeine angenommene Schweigſamkeit und Zurück⸗ haltung zu vergeſſen. Dieſe Verwandtſchaft ihrer Neigungen, welche ſie zuweilen zu ſolcher Begeiſterung hinriß, daß ſie von unbezwinglichen Ge⸗ fühlen bewegt, ſich in die Arme ſchloſſen, war dem wachſamen Argusauge des alten Intriguanten Celeſto nicht entgangen. Ein Lächeln, das eben ſo viel Ergötzen als Hohn aus⸗ drückte, ſchlich ſich zuweilen in ſeine hageren Züge, aber ſelten wendete er ſeine Blicke von dem Räuber ab, welcher der einzige unter den Anweſenden war, deſſen Geſicht unbeweglich blieb. Die Nacht war ſchon weit vorgerückt, als Maſaniello's Ge⸗ danken ſich wieder zu den für den anderen Tag entworfenen Plänen wendeten. Die Blutarbeiten waren beſtimmt und die Geſellſchaft ging auseinander. — Es muß anders werden, ſagte Celeſto zu Paolo. — So darf es allerdings nicht mehr lange fortgehen, verſetzte der Räuber mit unheimlicher Bedeutung. In dieſem Augenblick ſtürmte ein ſchreiender Pöbelhaufen vorüber, dem ein anderer entgegenkam. — Wir haben ſie, wir haben ſie— rief der erſte Haufe. — Alle Beide? — Den Prinzen und ſeine Geliebte— wir fanden ſie in den Gewölben des Todes.„ — Leben ſie noch? — Man hält ſo eben Gericht über ſie, vielleicht hat die Gerechtigkeit ſchon Genugthuung, doch geht hin, überzeugt Euch ſeelber, uns iſt eine andere Miſſion übertragen. — Nach den Katakomben, nach den Katakomben! laßt uns der Jufii b Richtung der — Poll unſerer Blut Celeſto. — Nicht lichen Hunde Hinmelteich ben immerhi werth. Auf der eine ſeltſam — Hie ten Sieſta. Aus de Kühnheit. Enn Je in der Han Die S wie ſchlum. Etwa un laſche In kur den, deſſen, wir jedoch— Jezt u des Herzog laſeen hatte iu ziehen. Doch f. die uns * 245* der Juſtiz beimbhnen! riefen viele Stimmen und ſtürmten in die Richtung der Gewölbe des Todes. — Wollen wir ihn dieſer Juſtiz entziehen, um ihn auf unſerer Blutbühne zu richten? fragte der Räuber den alten Celeſto. — Nicht doch, Paolo, laßt ihn unter den Händen dieſer red⸗ lichen Hunde verenden, er wird ohne Zweifel auch ſo in das Himmelreich gelangen, wenn es ihm beſtimmt iſt, und wir ha⸗ ben immerhin einen Edelmann weniger, das iſt auch etwas werth. Drei Bedingungen. Auf der Landſtraße, kurz vor den Thoren Neapels zeigte ſich eine ſeltſame Scene. — Hier lagen etwa hundert Männer am Boden und hiel⸗ ten Sieſta. Aus den Zügen der Schläfer ſprachen Trotz und wilde Kühnheit. Ein Jeder von ihnen hielt einen Dolch oder einen Karabiner in der Hand.— Die Sonne beleuchtete ihre braunen Geſichter und ließ ſie wie ſchlummernde Weſen aus einer fremden Welt erſcheinen. Etwa acht Männer gingen als Schildwachen auf und nieder und lauſchten eifrig auf jedes Geräuſch. In kurzer Entfernung von dieſen lag ein Menſch am Bo⸗ den, deſſen Kleidung den Lazzarone verrieth, aus deſſen ⸗Zügen wir jedoch— den Miniſter des Vicekönigs von Neapel erkennen. Jetzt werden wir wiſſen, daß die Räuber, welche das Schloß des Herzogs von Mattalone bezogen; ihren Aufenthalt ver⸗ laſſen hatten, um der Anweiſung ihres Chefs gemäß, nach Neapel zu ziehen. Doch nicht alle dieſe Leute waren Räuber, es hatte ſich zu 1 6 4 246. „ ihnen noch verſchiedenartiges Gefindel geſell, ness nichts ver⸗ — 1 lieren konnte als das Leben und dieſes gern auf das Spiel ten ſetzte, um jetzt in Neapel ſein Heil zu verſuchen. 4 derde Selbſt einige verlaufene Kapuziner, welche wegen irgend eines 6 Vergehens gegen die Vorſchrift ihres Ordens ausgeſtoßen waren, ner hatten als Geiſtliche bei der Bande eine Stellung gefunden und— ſuchten ihr Amt ſo gut als möglich auszufüllen. 4.., Nachdem Herandez einen Tag und eine Nacht hindurch auf 4 Kayff dem Schloſſe gefangen gehalten war, ohne zu wiſſen, was aus 6. ihm werden ſollte, trat endlich am nächſten Tage der Stellvertre-: weiger ter des Hauptmanns in ſein Zimmer. di e — Guten Morgen, Ercellenza! grüßte der Eintretende den 4 furchtſam aufblickenden Miniſter.* 4 — Ihr kommt, mich zum Tode zu führen, ſtotterte er. — Nein, Ercellenza. ii d — Wie, ſolltet Ihr mich frei geben wollen? rief Herandez bne b mit geſpannter Erwartung aus. din — Hören Sie die Bedingungen Ihrer Freiheit. tund: — Raſch— raſch, theilt Sie mir mit, ich will ſie er⸗ Einw füllen. — Wir wollen ſehen— in der heutigen Nacht erhielt ich zerten von meinem Chef die Nachricht, daß es für uns an der Zeit wäre, nach Neapel zu kommen, weil der Aufſtand bereits in der 85 du Blüthe ſei, zugleich inſtruirte er mich in Bezug auf Sie. ider! — Was verlangt man alſo von mir? feager — Erſtens haben Sie fünftauſend Ducaten Löſegeld zu len- zahlen.. 1 — Und dann? 1 Kron — Bei ſeiner Hoheit, dem Vicekönig zu bewerkſtelligen, daß—.. unſer Hauptmann Mitglied ſeines Rathes werde. Siei — Und dabei doch ſein Handwerk treibe? ₰ — Dieſes hat durchaus keinen Einfluß auf ſein Amt. denye — Ich will Alles aufbieten, um dies zu ermöglichen, ver⸗ ſetzte Herandez, ich kann nicht leugnen, daß die Erfüllung dieſer Ihne letzten Bedingung etwas ſchwer halten wird. I auch — Warum ſchwer? polterte der Räuber. — Weil ich nicht allein darüber zu entſcheiden habe und ſeine Hoheit doch wohl meinen Vorſchlag, den Hauptmann be⸗ ſein, treffend, verwerfen wird. ihr g 247 er⸗— Corpo di dio!— warum verwerfen? piel— Mein Gottw, dieſe Frage könntet Ihr Euch ſelber beant⸗ worten. nes— Sprechen Sie, gebot der Räuber, noch ſind Sit in mei⸗ ren ner Gewalt, was meinen Sie eigentlich? und— Es ſetzt mich in Verlegenheit. — Ich befehle Ihnen, zu ſprechen, Miniſter, oder Ihr Kopf fällt! drohte der Räuber mit Furcht einflößender Geberde. un— Nun— es liegt ja ſo nahe— ſeine Hoheit wird ſich tre⸗ weigern, einen Herrn zu ſeinem Rathe zu ernennen, der außer⸗ dem noch eine andere— Charge— Sie verſtehen inich wohl— den— Vollkommen— lächelte Jener. — Ich meine nämlich— — Seine Hoheit will keinen Rath, der zugleich ein Räuber i*ſt, verſetzte der Wüthende. Sangue di dio, dann müßte er alle nde ſeine Räthe zum Teufel jagen und— ſich ſelbſt— ſind Sie 1 denn beſſer als wir, Ercellenza, haben Sie nicht unter der Lei⸗ tung Ihres Chefs Neapel auf das grauſamſte beraubt und ſeine d* Einwohrer gemordet? 3— Man kann leicht das Höchſte in den Staub herab⸗ h 3 zerren— zeit— Aber auch eben ſo leicht das Niedrigſte emporziehen und 5 es durch Geſetze heiligen, aber ich bin nicht gewillt, mit Ihnen de über dieſen Gegenſtand noch länger zu rechten, ſondern nur zu 1 fragen, ob Sie die zweite Bedingung wie die erſte erfüllen wol⸗ a len— es ſteht in Ihrer Macht— — In meiner Macht?— rief Herandez erſtaunt, nur die G Krone hat das Recht, über die Wahl ihrer Räthe zu beſtimmen. — Der Vicekönig vertraut Ihnen und thut blindlings, was du Sie ihm ſagen. 4 — Ich gebe das Verſprechen⸗ mich für den Häubimanm zu verwenden. ———Er iſt eben ſo tüchtig wie Sie, er raubt, er mordet gleich ber⸗ Ihnen und verſteht es eben ſo gut, Steuern zu erpreſſen, wenn dieſer aauch in Form eines Löſegelds. Ein eigenthümlicher Ausdruck zeigte ſich in Herandez Antlitz. 7— Es ſcheint Ihnen dieſer Vergleich nicht ſchmeichelhaft zu eund ſein, Erxeellenza, thut mir leid, aber der Wahrheit muß ſtets die n be⸗ iihr gebührende Ehre bleiben— mein Hauptmann hat eben ſo 248 viel gelernt und iſt auch aus adeligem Geſchlecht, inſofern es erforderlich iſt, daß die Ahnen ſich zur Fahne des Raubritter⸗ unterze thums bekennen— und nun zur dritten und letzten Bedingung. 2 — Und dieſe endlich wäre? 7 — Vielleicht für Sie die Unangenehmſte— I Sie ſir — Laſſen Sie mich hören. JWaicht, d — Die Prinzeß Leonore iſt Ihre Verlobte, Don Herandez? das ne — Woher iſt Euch dies bekannt? fragte der Angeredete, der haben! ſeine Ueberraſchung nicht verbergen konnte. gen zu — Uns entgeht nichts, was bei Hofe vorkommt, wir haben 1 dort unſere Späher wie überall.— laſſen, — Was hat alſo Eure Frage zu bedeuten?— — Ich fordere von Ihnen Entſagung! rief der Räuber E beſtimmt. oben Herandez erbleichte und trat einige Schritte zurück. keren — Ich verſtehe Euch in der That nicht, ſtotterte er. — Es giebt nichts einfacheres— lächelte der Räuber; ich verlange im Namen des Hauptmanns, daß Sie dem Herzog von Arcos erklären, auf die Hand der Prinzeß Leonore zu ver⸗ zichten. — Es wäre eine Beleidigung ſowohl gegen den Vicekönig, als auch deſſen Tochter. — Seine Hoheit wird Ihnen nicht ſo ſehr zürnen, am allerwenigſten aber die Prinzeß, denn ein Anderer, Prinz Giunlio Caraffa, iſt der Gegenſtand ihrer Liebe; ſchade nur, daß das d Bündniß dieſer beiden Liebenden nicht zu Stande kommen wird; Die alſo Sie entſagen? auf 2 — Aber zu welchem Zweck ſoll ich entſagen? nach — Das iſt nicht Ihre, ſondern meine Sache, Sie ſind ddch4 ſelbſtverſtändlich bereit? Räube Herandez überlegte nicht, ſondern war jetzt feſt entſchloſſen, J jede Bedingung anzunehmen, denn er war überzeugt, daß er, 3 ſobald er aus der Gewalt der Räuber befreit ſei, ſeine Selbſt⸗ myſtiſ ſtändigkeit wieder erlangt und ſomit eigenes Thun und Laſſen habe. unge — Ich entſage, ſprach er. — Gut denn, unterzeichnen Sie dieſes Blatt, Excellenz. kurz Herandez nahm etwas überraſcht das Papier und las dar⸗ auf die Bedingungen, welche ihm eben. mündlich bekannt gemacht Neue 1 worden waren. p 1 8 249 — Hier iſt Tinte und Feder, ſagte der Räuber, und Herandez unterzeichnete. 4 — Jetzt wäre ich wohl entlaſſen, ſagte Herandez.. — Noch nicht— Sie haben unterzeichnet, Herr Miniſter, Sie ſind zwar an Wortbrüchigkeiten gewöhnt, glauben Sie aber nicht, daß wir uns von Ihnen am Narrenſeile führen laſſen wie das neapolitaniſche Volk, das jetzt auch endlich erwacht iſt, wir haben Mittel in Händen, Sie zur Erfüllung Ihrer Verſprechun⸗ gen zu zwingen.— — Ich werde mir keine Unwahrheit zu Schulden kommen laſſen, ſagte Herandez und machte Mienoe, ſich zu entfernen. — Halt, Sie werden die Reiſe nach Neapel mit uns machen. Eine Stunde ſpäter befand ſich Herandez in der Mitte des oben erwähnten Geſindels, welches unterwegs einen immer ſtär⸗ keren Zuwachs erhalten hatte. Ein Zahn des heiligen Sebaſtian. Die Sieſta war längſt vorüber— ſchon dunkelte die Nacht. Die Sterne glühten hell und klar, als ſich das Heer dieſer Bande auf Befehl des ſtellvertretenden Chefs in Bewegung ſetzte, um nach Neapel zu gelangen. Herandez ging zwiſchen dem Letzteren und einem anderen Räuber, von Beiden ſcharf beobachtet. Man hatte beſchloſſen, ihn bis zu ſeinem Palaſt zu begleiten. Die Nacht übt auf jedes ſterbliche Weſen einen gewiſſen myſtiſchen Einfluß, umſomehr auf dieſe Wanderer, die einem ſehr ungewiſſen Schickſal entgegen zogen. Es herrſchte Schweigen, und der leichtfertige Scherz, der kurz zuvor noch die Oberhand hatte, war jetzt verſtummt. Auf manchem Geſicht war ſogar Furchtſamkeit und vielleicht Reue über das Unternehmen zu leſen. Die Kapuziner, welche ſolche Bemerkung natürlich nur an 250 den Zuläufern, nicht an den Räubern machten, ſuchten hier und da den ſinkenden Muth zu beleben. — Es iſt ein Gotteskampf, in den wir ziehen, meine Freunde, ſagten ſie, dem unterdrückten Volke muß man beiſtehen, ſo will es der Himmel, er wird allen Kämpfern Seligkeit zu Theil werden laſſen. Sie reichten das Crucifir zum Kuſſe hin und verſprachen unausgeſetzt Seelenmeſſen. Hauptſächlich aber bemühten ſich die Herren für einen heiligen Handel mit Reliquien, die ſie verkauften. — Padre, klagte ein baumlanger Kehrichtſucher; ich habe Furcht. — Figlio mio(mein Sohn) wovor? antwortete ein wohl⸗ beleibter Mönch, den Jener vertraulich angeredet hatte; wir kommen alle, die wir in dieſen Gotteskampf ziehen, in das Himmelreich. — Ich fand am Freitag ein Stück Fleiſch im Kehricht, fuhr Jener traurig fort; ich hatte großen Hunger. — Und was thateſt Du damit mein Sohn? — Ich verzehrte es natürlich. — Große Sünde. — O diol ſtöhnte Jener. — Hätteſt Du Vater und Mutter vergiftet, es könnte Dir leichter vergeben werden, ich abſolvire Dich nicht. — So muß meine Seele ewig im Fegfeuer brennen? ſeufzte der Frevler am Faſtengebote. — Biſt Du ſtets ein frommer Chriſt geweſen? — Ich habe fleißig gebeichtet. — Nun dann werden die Heiligen Mitleid mit Dir haben, mein lieber Sohn, tröſtete der Mönch. — Um welches Opfer? — Haſt Du Geld mein Sohn, ſo verkaufe ich Dir dieſen Zahn vom heiligen Sebaſtian, er macht ſtich⸗ und ſchußfeſt. — Otto grani,(etwa einen Dreier) Padre, mehr nicht, klagte der Arme wehmüthig. — Das iſt allerdings ſehr wenig, mein Sohn. — Ich beſitze nicht mehr, es iſt mein Letztes, mein Alles, ſagte der Kehrichtſucher und hielt die kleine Münze in der offe⸗ nen Hand. * Brüder! ich fief zarone braucht möge ſ ſtellen!; geſpro Jeder und de nünftig gegoſſe ſte tre das W enden A reichten Dir fzte ben, eſen ich, lles, offe⸗ 251 — Gieb nur her, ſagte der Mönch; dieſe Reliquie iſt unter Brüdern tauſend Scudi werth; Dir aber, Figlio mio, verkaufe ich ſie für ein Lumpengeld— per amor di dio—(um der Liebe Gottes Willen), aber ſchweig davon, ſage es Niemand. An einer anderen Stelle des Räuberheeres unterhielt man ſich in ähnlicher Weiſe. — Wer für das Volk von Neapel kämpft, ſagte ein Laz⸗ zarone zu ſeinem Nebenmann, der wird ſelig werden; man braucht kein Prieſter zu ſein, um das zu verſichern; übrigens möge ſich ein ſolcher dreiſt vor die Mündung einer Kanone ſtellen und losbrennen laſſen, fällt er, ſo wird ſein Name heilig geſprochen werden, bleibt er aber leben, ſo wird er ſiegen, denn Jeder von uns ſteht unter dem Schutze des heiligen Janarius und der Sanctiſſima Madonna Maria. — Er ſpricht wie ein weiſer Mann, fiel ein Zweiter ein. — Ich geſtehe, ſagte ein Anderer, daß ich ſelbſt nicht ver⸗ nünftiger hätte reden können. — Uvnd ich behaupte, erklärte ein Vierter, wenn eine Kugel gegoſſen wird, ſo beſtimmen die Geiſter der Hölle ſchon, wen ſie treffen ſoll, und wenn ein Menſch geboren wird, ſo wird in das Buch des Schickſals geſchrieben, wann, wo und wie er enden ſoll. Auf dieſe Weiſe wurde der Weg gekürzt, und endlich er⸗ reichten ſie Neapel. Sie kommen. Als Herandez in ſein Hotel gelangte, trat ſein vertrauter Diener zu ihm und begrüßte ihn freudig. — Dem Himmel ſei Dank, daß Sie wieder zurückgekehrt ſind, Excellenza, ich hielt Sie bereits für todt, ſagte er. — Ich war auch nahe daran, ſagte der Miniſter, aber 25² jetzt bin ich wieder der Alte und wehe ihnen, ſetzte er zähne⸗ knirſchend hinzu. — Ach das Bolk iſt ſchrecklich— hier iſt ſchon Blut gefloſſen. — Es wird noch mehr fließen, entgegnete Herandez, glaube nur, die Rebellen ſollen die ganze Macht der Regierung kennen und fürchten lernen— doch hat ſeine Hoheit nach mir geforſcht? — Nein, Exrcellenza. — Nein?— ſagſt Dus? rief Herandez beſtürzt. — Seine Hoheit hat aus dem Schloſſe fliehen müſſen, der Pöbel hat es demolirt. — Schrecklich, ſchrecklich, aber es iſt wohl einleuchtend, daß der arme Herzog in der eigenen Angſt nicht an mich gedacht hatte; wohin hat er ſich begeben? — Wie ich höre nach Caſtel Nuovo. — Und die Prinzeſſin mit ihm dahin, nicht ſo? — Nein gnädiger Herr, ach die arme Donna! — Was bedeutet dieſer Ausruf? fragte Herandez äußerſt beſtürzt; ſprich. — Die Prinzeß ſoll ein Opfer der Volkswuth geworden ſein⸗ — Donna Leonore? Menſch, was ſagſt Du? fragte Herandez athemlos, indem er in einen Seſſel ſank. — Man ſpricht allgemein davon, daß ſie und der Prinz Caraffa in den unterirdiſchen Gewölben ihren Tod gefunden haben, verſetzte der Diener. — Unglaublich, ſchrecklich! — Und doch wird die Wahrheit dieſer Thatſache verbürgt, der Pöbel triumphirt, die beſſer Geſinnten ſchaudern; es heißt allgemein, daß man morgen die Köpfe der beiden Gemordeten auf Speeren durch die Straßen tragen wird. Herandez war bleich wie Wachs, er bebte an allen Gliedern. — Rache, Rache! ſagte er mit tonloſer Stimme. — Ach es geht ſchrecklich in Neapel her, ſagte der Diener, man mordet, man ſengt und brennt, ſtürmende Pöbelhaufen ziehen umher und drohen Untergang allen Großen, ich fürchte, auch an uns wird die Reihe kommen. — Mein Haus iſt geſchützt, es ſoll den Beſtien nicht ſo leicht werden— aber die Prinzeß, die Unglückliche! — Die arme Donna, Gott ſei ihrer Seele gnädig! — — er gefall ſei Dan würden, ohne I. Pl erbleicht ſie ſpri He mir ne etwas? ſter we andere, E hörte d haben des E T Stiſ H geöffne ——— ͦ-— — 253 — Was den Prinzen betrifft, ſo wundert es mich, daß auch er gefallen iſt, er, der Liebling der Beſtien. — Ich kann nur ſagen, was ich gehört habe; dem Himmel ſei Dank, daß Sie glücklich in Ihr Haus gelangt ſind, Sie würden, wenn Sie nicht in dieſer Kleidung ausgegangen wären, ohne Zweifel vom Pöbel zerriſſen worden ſein. Plötzlich ließ ſich ein dumpfer Seufzer vernehmen, Herandez erbleichte.— — Horch, ſagte er. — Sie iſt es, gnädigſter Herr. — Weiß ſie von den Vorgängen? — Es iſt ihr Alles bekannt. — Und wie verhält ſie ſich? — Wie gewöhnlich, ſie beobachtet ein unheimliches Schweigen, ſie ſpricht oft mit ſich ſelbſt und nennt Ihren Namen. Herandez ſchauderte. — Ich bebe, wenn ich daran denke, ſagte er; ach ſie wird mir noch vielen Kummer bereiten; es ahnt doch Niemand etwas? ſetzte er hinzu, indem er furchtſame Blicke nach dem Fen⸗ ſter warf. — Bis jetzt keine Seele, lautete die Antwort, und Herandez athmete leichter auf. Einige Augenblicke ſpäter krachten zwei i Schüſſe. — Heilige gebenedeite Jungfraul rief der Diener; ſie kom⸗ men, ſie kommen. Er wollte hinausſtürzen, Herandez aber dien ihn feſt und ſtöhnte laut. — Kaum einer Gefahr entgangen, empfängt mich ſchon die andero, ſtotterte er erbleichend. Es hatte ſich unten ein furchtbarer Lärm erhoben— man hörte die Thore öffnen. — Verrath, Verrath! ſchrie Herandez, meine eigenen Diener haben die Feinde eingelaſſen, ſonſt konnten ſie ſich ſo leicht nicht des Eingangs bemächtigen. Der Tumult unten im Hauſe wurde immer tobender, Schüſſe durchdröhnten ſchon die Hallen. Herandez ſteckte ängſtlich den Kopf durch die nur wenig geöffnete Thür in den angrenzenden Saal. ————————— 254 Dieſer war leer— die herabgebrannten Kerzen hüllten ihn in unheimliche Dämmerung. Er trat ſchaudernd zurück, am ganzen Körper bebend. Seine Phantaſie ertrug es nicht, ſich mit allen Schrecken, die eine empörte wüthende Rotte verbreitete, bekannt zu machen. Er faßte nicht den Muth, ſich den Gefahren aus ſetzen, welche ihm von einem Mörderhaufen drohten. — Sie kommen, um Gericht über Dich zu halten, ſo tönte es in ſeinem Innern— und es dunkelte vor ſeinen Blicken. Jetzt nahten Fußtritte— die Thür öffnete ſich— der Ein⸗ tretende war bei dem vorherrſchenden Halbdunkel nicht zu er⸗ kennen. Er verſchloß jedoch vorſichtig und verriegelte die ſchwere ſtarke Eiſenthür von innen. Zu Hülfe. b Nicht weit von dem Schuppen, wo die Lenker des Aufſtandes ihren nächtlichen Rath gehalten, ſtand eine elende Hütte, deren Aeußeres wir ſchon beſchrieben haben. Nichts konnte armſeliger ſein als die beiden Gemächer, die ſie enthielt. Sie war in ihrer Einrichtung den Fiſcherwohnungen in Amalfi gleich, nur mit dem Unterſchiede, daß ein Gemach im Erdgeſchoß lag, während ſich das andere im erſten Stockwerk befand. Während Maſaniello in der erſten Nacht nach dem Auf⸗ ſtande die ganze Welt, ja ſeinen eigenen Schmerz vergaß und ein ſo ſchallendes, heiteres Gelächter ausſtieß, als ob er wieder in die Tage der Kindheit zurückgekehrt wäre, wachte in der Hütte eine jugendliche Frau, über deren bleiche Wangen Thränen floſſen.— „. Schlu ( verkün ſ Ein des Nac Die entfernt Be ſie erble We auf ihre Hetz ve Ob Steuer worfen, So baxen S weinte A empor, ließ ſie nung G Thräͤn anerk hatte ndes deren dit n in h im kwerk Auf⸗ und ieder der ränen * 25⁵ Eine kleine Lampe brannte in der Kammer, und jeder Hauch des Nachtwindes bewegte die Flamme. Die bekümmerte Frau horchte— jeder Ton, der aus den entfernten Stadttheilen zu ihr drang, erſchreckte ſie. Bei jedem Tritt, der ſich ihrer Wohnung näherte, ſprang ſie erbleichend und zitternd auf. Wenn das Geräuſch an ihrer Thür vorüberging, fiel ſie auf ihrem Seſſel zurück und ließ ihr Haupt ſinken, als ob ihr Herz verwelkt und erſtarrt gewaſen wäre. Obgleich ihre Geſtalt unter den Entbehrungen, welche die Steuern auch dem Aermſten auferlegten, gelitten hatte, war ſie immer noch ſchön. Das Elend hatte ſie ſo empfindlich gemacht, daß ſie ſelbſt in der warmen Julinacht Froſt anwandelte. Ein Fiſchermantel war über ihre zerriſſenen Kleider ge⸗ worfen, auf welchen ihre langen Locken herabfielen. So hatte ſie mehre Stunden in der langen und furcht⸗ baren Nacht durchwacht, bis ſie endlich ihrer Erſchöpfung erlag. Sie legte ihre Arme auf den Tiſch, ihr Haupt darüber und weinte ſich in den Schlaf. 3 Aber der Schlummer war unruhig— ſie fuhr erſchreckt empor, böſe Träume mußten ſie geängſtigt haben, und bisweilen ließ ſie ein leiſes Stöhnen hören. Wir dürfen wohl nicht erſt erwähnen, daß dieſe unglückliche Frau, Livia, die Gattin Maſaniello's war. Es war lange nach Mitternacht, als endlich der ſo hi ſuchtsvoll erwartete Schritt nahte. Es war der leichte, ſchnelle Tritt eines nackten Fußes, und die Thürklinke ward aufgedrückt. Livia ſchlief noch, als Maſaniello in ſeine armſelige Woh⸗ nung trat— ſein erſter Blick traf ſie. Er näherte ſich ihr leiſe, betrachtete ſie lange und innig, Thränen traten in ſeine Augen und fielen auf das Antlitz der Schlummernden herab. Jene unerklärliche Wahrnehmung, deren Wirkſamkeit wir anerkennen müſſen, wiewohl ihre Quelle uns unerforſchlich bleibt, hatte dem Geiſte der jungen Frau die Nähe des geliebten Guatten verkündet. Obgleich Maſaniello unbeweglich ſtand und kaum athnet⸗ ———— —= —— —— ———. ———ͤ— —— heit doch nicht raſten laſſen. 256 um ihren Schlummer nicht zu ſtören, ſo hatte ſie ſeine Anweſen⸗ Sdiee richtete ſich erwachend empor und warf einen langen, kummerſchweren Blick auf ihn. 2 Sie ſchien durch ſeinen Anblick weder erſchreckt, noch über⸗ raſcht, obgleich ihr Herz heftig pochte und die Verfärbung ihrer Wangen die Bewegung verrieth, welche ſeine Gegenwart ihr verurſacht hatte. — Habe ich denn geſchlafen, lieber Maſo, ſprach ſie, wäh⸗ rend ſich ihre Augen mit Thränen füllten; habe ich geſchlafen, als Du nicht bei mir warſt? — Du ſchliefſt, verſetzte der Angeredete erſchüttert. — Gott weiß es, ich habe gewacht und geweint, bis ich nicht mehr fürchtete, einzuſchlafen, und doch übermannte mich der Schlummer. — Tröſte Dich, meine Liebe, entgegnete Maſaniello— ich zürne Dir nicht, daß Du ſchliefſt, die Ruhe iſt Dir nöthig. — Und Du wachteſt, mein theurer Mann? ſagte Livia mit ſanftem Vorwurf. — Es mußte ſo ſein. — Und wo warſt Du ſo lange? Maſaniello ſah ſie mit einem tief melancholiſchen Ausdruck an, allein er beantwortete dieſe Frage nicht. — O mein Lieber, wir haben zu einer böſen Stunde unſere Wohnung in Amalfi verlaſſen, wir kannten bis zu jenem Augen⸗ blick keinen Kummer, und wie ſelten ſind ſeit damals unſere Augen ohne Thränen geblieben.— Maſaniello umſchlang ſie und drückte ſie an ſein Herz. — Es werden beſſere Tage kommen, ſagte er in zärt⸗ lichem Tone. — Nein, nein, ſie kommen nicht— der Stern unſeres Lebens iſt im Sinken, ſeufzte Livia. — Hoffe nur, Du Liebe. — Es kann in dieſe wunde Bruſt der Strahl der Hoffnung nicht mehr dringen. — Sei unverzagt, theure Livia, wir wollen uns wieder freuen— tröſtete ſie Maſaniello, und es giebt ſelbſt gegenwärtig Augenblicke, in denen ich mich glücklich fühle. — ſere ſto Seele, durchr Hunge folgen eines g Kurzem fahren um Di zu wer ſelbſt d die ni böſen vielleich Nachri zur H. zu rette ihn an eines mir an Rache ſonſt v C als ob eiſeſter — geſcheh⸗ gebe, d Das 257 — Dieſe Verſicherung entſchädigt mich für die Trauer meiner Seele, für die bangen Stunden— — Dieſe einſamen und kummervollen Stunden ſollen Dir durch ruhige Jahre vergütet werden, unterbrach ſie Maſaniello, dem Hunger, der jetzt unſere Glieder abzehrt, ſoll ſo viel Ueberfluß folgen als erforderlich iſt, zufrieden zu leben. Die Lobſprüche eines ganzen Volkes ſollen den Schimpf verwiſchen, der Dir vor Kurzem von den Steuereinnehmern auf dem Mercato wider⸗ fahren— Dich wollten ſie von Deines Mannes Herzen reißen, um Dich unter Diebe und den Abſchaum dieſer unreinen Stadt zu werfen, ſo wahr ein gerechter Gott im Himmel lebt, ſie ſollen ſelbſt dieſen Verſuch bitter beklagen. — Warum noch an Rache denken? warum eine That ſtrafen, die nicht geſchehen iſt, hat nicht der gute Prinz Caraffa den böſen Vorſatz vereitelt? — Er that es, und ach, er wird dennoch ſterben, er iſt vielleicht ſchon todt. — Der edle Caraffa todt? rief Livia erſchreckt durch dieſe Nachricht.— — Ja, ſie ſagen, er ſei ein Verräther. 8 — Nimmermehr— rief Livia, nein, das Lamm wird nicht zur Hyäne— wenn ihm wirklich Gefahr droht, ſo eile, ihn zu retten. — Ich kann es nicht, Livia, ich muß die Anklage wider ihn anhören und die Sache unterſuchen, ſo erfordert es mein Amt. — Was ſprichſt Du von einem Amt, mein Lieber? fragte Livia erſtaunt. f — Meine Theure, forſche nicht danach, Du wirſt Alles eines Tages erfahren, aber die Erinnerung an die Dir und mir an jenem Tage widerfahrene Schmach hat alle Furien der Rache wieder wach gerufen, die in Deiner Nähe, meine Geliebte, ſonſt verſtummten. Er ſchlug mit der Fauſt auf den Tiſch und blickte um her, als ob die Volksmenge, wie am Tage auf ſein Wort, ja auf ein leiſeſtes Zeichen gewartet hätte, ſeine Wünſche zu vollziehen. — O lieber Maſo, ſprach die ſanfte Dulderin, möchten un⸗ ſere ſtolzen Herren Dir ſo leicht verzeihen, was in dieſer Nacht geſchehen iſt, als ich den Steuereinnehmern die Kränkung ver⸗ gebe, die mich nur ſchmerzt, in ſo fern ſie Dir wehe thut. Doch Das Bpfer von Amalſi.(Bd. 1) 17 — —ö— — — „—— 1— 258 ſprich, lieber Maſo, was haſt Du gethan? Die ganze Stadt er⸗ zittert vor dem Geſchrei und den Flüchen des Volkes, und wie vermagſt Du, ein armer Fiſcher, ſeinen Wahnſinn zu bändigen? — So leicht als die ſüße Stimme meiner ſanften Livia mich bändigt, erwiderte Maſaniello lächelnd; die Leute ſind nicht wahnſinnig, wenngleich man es lange genug darauf angelegt hat, ſie zur Raſerei zu bringen— doch mögen ſie wahnſinnig ſein oder nicht, Dein Maſo, wenn auch nur ein armer Fiſcher, kann und wird ſie lenken— den Auswurf des Volkes, den Pöbel werde ich, wenn er zu ſtarke Uebergriffe macht, zu ſtrafen wiſſen, das Volk ſelbſt iſt ehrlich und gut, es läßt ſich leicht lenken, ſo⸗ bald ihm die Gerechtigkeit nicht entzogen wird. — O glaube es nicht, Maſo, verſetzte Livia, Du biſt zu vertrauensvoll, zu ehrlich bei dieſem Werke gegen Deine Ge⸗ fährten und Freunde. Maſaniello lächelte. — Livia, das verſtehſt Du nicht, ſagte er mit ſanftem Vorwurf. — Ich bin zwar nur ein ſchwaches Weib und wenig geübt, die Gemüthsart anderer Menſchen zu erforſchen, aber ich ſehe doch, daß die Leute, welche ſich mit Dir vereinigt haben, nicht Deine wahren Freunde ſind.* — Inwiefern nicht, welche Beweiſe haſt Du für Deine Befürchtung? fragte Maſaniello heftig. — Glaubſt Du denn Celeſto, oder der Räuber Paolo ſei einer Kameradſchaft fähig? Sei überzeugt, Maſo, der Eine würde Dich verkaufen, der Andere Dich ermorden, ſobald ſie es für ihre Zwecke dienlich fänden; ſie fürchten ſich vielleicht vor Deinem Einfluß, Dein Ungeſtüm hält ſie noch in Schrecken, aber merke Dir meine Worte, einer von ihnen wird Dich noch verrathen. blicke, er ſtarrte vor ſich hin. — Es iſt möglich, meine theure Livia, nahm er nach län⸗ gerem Schweigen das Wort. — Alſo Du glaubſt mir? — Ich ſage eben, daß es möglich ſei, aber ſie müſſen ihre ſuchen wollen. Rachepläne gut und ſicher anlegen, wenn ſie es ver Er hielt inne und gexieth in Nachdenken. * Maſaniello's offene Stirn verfinſterte ſich auf einige Augen⸗ ¹ 8 Deiner — mir ent Livig,“ ſchon lebend, ung au mein 7 E an ihr aber redlich gemach 259 — Warum ſchweigſt Du, Maſo? fragte Livia überraſcht; fahre fort, ich bitte Dich, was meinteſt Du vorhin? — Ich meinte nur, daß viele Köpfe fallen müſſen, wenn mein Kopf fällt, und was würde es ihnen dann helfen? — Ich warne Dich vor ihnen, mein Geliebter, ſei auf Deiner Hut, ach Du, mein Alles— mir wird ſo bange. — Sei ruhig, meine Liebe. — Ach was ſollte aus mir werden, wenn ſie Dich, Dich mir entriſſen. — Noch bin ich bei Dir, beruhige Dich alſo, meine ſüße Livia, tröſtete Maſaniello. — Siehe, mein Theurer, ich habe Dich in meinen Träumen ſchon oft todt geſehen. — Aber wenn Du erwachteſt, ſahſt Du mich immer wieder lebend, lächelte Maſaniello. — Träume kommen von Gott und den Heiligen, ſie ſollen uns auf Gefahren aufmerkſam machen, ach, mein Maſo, erhöre mein Flehen, hüte Dich vor Celeſto und dem Räuber Paolo. Sie umſchlang den Gatten und drückte ihn mit Ungeſtüm an ihre Bruſt. — Ich will Deiner Warnung Gehör geben, liebes Weib, aber was meinſt Du, iſt denn auch mein Freund Pietro un⸗ redlich, den ich ſeit einigen Tagen zu meinem Geheimſchreiber gemacht?— — Ich kenne ihn nicht. — Du ſahſt ihn doch ſo oft.“ — Ich kann ihn nicht leiden, auch er iſt ein Böſewicht. — Inwiefern? — Hat er nicht Deine Schweſter, die ſich von ihm geliebt wähnte, verlaſſen, ſo daß die Arme deßhalb dem Wahnſinn ver⸗ fiel und ſich ohne Zweifel aus Gram um ihn das Leben ge— nommen? Hat er ihr nicht Hoffnung gemacht, ſie als ſeine Gattin heimzuführen? und ſtatt ſein Wort zu halten, ſtatt ſich dem redlichen Fiſcherhandwerk zuzuwenden, hat er Thereſia und Amalfi verlaſſen und hier in Neapel das Schreiben bei den Ge⸗ richtsherren erlernt und iſt nun ſtolz und ein vornehmer Herr geworden; er hat an Deiner Schweſter ſchlecht gehandelt, warum ſollte er nicht auch von Dir abfallen? — Vietro iſt ein guter Menſa meine Liebe. 17*44 260 — O Du trauſt Allen, bis Du zu ſpät Deine Harmloſigkeit bereuen wirſt; ich traue keinem von Deinen Freunden. Der arme Maler, deſſen luſtige Geſchichten uns am Molo ergötzten, der oft am Meere zum Tanz aufſpielte, iſt der einzige, dem ich traue, aber ich glaube, er kann in Zeiten, wie die jetzigen, wenig nützen. Ich ehre ihn, weil er Dich jüngſt zum Lachen gereizt und dadurch mein Herz ſo unſäglich glücklich gemacht hat.— O wie viel lieber möchte ich mich mit Arbeit abmühen und hungern, als Dich ſo in Anſpruch genommen, ſo aufgeregt zu ſehen, wie jetzt. — Gehe zu Bette, Liebe, ſagte Maſanie llo, Mitternacht iſt längſt vorüber, auch ich muß ein Paar Stunden der Ruhe genießen. Wenn die Sonne aufgeht, muß ich wieder thätig ſein, und geht ſie unter, dann ſoll Deine thörichte Furcht ver⸗ ſchwunden ſein. — Ich wage es nicht, Ruhe zu ſuchen, entgegnete Livia, mein Kopf ſchwindelt, und ſchwer fließt das Blut in meinen Adern— auch muß ich wach bleiben aus Fürſorge um Dich, denn wenn ich eingeſchlafen wäre, würdeſt Du mich verlaſſen. Nur ungern und erſt auf wiederholtes Bitten ließ Livia ſich bewegen, ſich auf ihr Lager niederzulaſſen, aber ſie hielt Maſa⸗ niello's Hand feſt umſchlungen, als wollte ſie ihn dadurch hin⸗ dern, ſich zu entfernen. Wie Maſaniello vorausgeſehen hatte, fiel ſie, von Kummer und Wachen erſchöpft, bald in tiefen Schlaf. Er horchte auf ihr ſchwaches Athmen, ihre Lippen leiſe und bebend flüſterten. Es waren Gebete, die ſie für ſein frau emporſandte. Oft beugte er ſich über ſie, küßte ſanft ihre Stirn und Wangen, bis er endlich ſeine Hand von ihr losmachte. Dann nahm er von ſeinem Halſe ein klein es Scapulier mit einem kleinen, metallenen Bildniß der Madonna, drückte es ehrfurchtsvoll an ſeine Lippen und kniete betend nieder. Die unheilverkündende Warnung ſeiner Frau hatte ihn tief berührt. Er fühlte, daß ſie die Denkungsweiſe ſeiner Gefährten beſſer durchſchaut hatte als er, daß er außer ihr in der ganzen Stadt kein liebendes Weſen hatte, daß er einſam daſtehe unter 4 auf die Worte, die Wohl zur heiligen Jung— 8 Feinder Augen! E 4 3 8 1 J Mome ſonder daß ſe Verwa D auch n ein fu⸗ ſtand ihn li 2 Poche I verſtör acht tuhe ätig ver⸗ via, inen zpulier te es tief hrten anzen unter 261 Feinden, die ſich Freunde nennen und daß ſein Leben in jedem Augenblick gefährdet ſei. Er betete lange und inbrünſtig. Man wird uns das längere Verweilen bei den früheren Momenten aus der kurzen, aber ereignißvollen Laufbahn dieſes ſonderbaren Mannes verzeihen, wenn wir die Verſicherung geben, daß ſein Charakter ſchon zwölf Stunden ſpäter eine mächtige Verwandlung vorgenommen hatte. Das fröhliche Weſen, das ihn früher beſeelte und zeitweiſe auch noch jetzt zum Vorſchein kam, war völlig geſchwunden und ein furchtbarer Dämon in ihm ertwacht, der ihn zu einem Gegen⸗ ſtand ſowohl des Schreckens, als auch des Mitleids für Alle, die ihn liebten, machte. Auch er wollte ſich jetzt zur Ruhe begeben, allein ein heftiges Pochen an der Thür verhinderte ihn daran. Wenige Augenblicke ſpäter trat Salpe verſtört in die Hütte. — Zu Hülfe, zu Hülfe! flehte — Was iſt denn geſchehen? — Gott im Himmel ſollen wir ihn morden laſſen. — Von wem ſprichſt Du? fragte Maſaniello, wie aus oſa, bleich und einem Traume erwachend. — Von Giulio Caraffa. — Nun? — Sie werden ihn ermorden— der Pöbel, der heulend durch die Straßen zieht, behauptet ſogar, daß man über Beide bereits Gericht gehalten hat, über ihn und die Prinzeß. — Was kann ich thun? — Dich ſofort zu dem wahnſinnigen Haufen begeben, der größtentheils aus Galeerenſträflingen und Bettlern beſteht und Deinen Machtſpruch geltend machen, daß ſie ihn loslaſſen. — Ich kann es nicht, Salvator! — Wie, ſo ſpricht Maſaniello? rief der Künſtler überraſcht und zürnend. — Nein, ich kann es nicht, wiederholte der Fiſcher von Amalfi im Tone äußerſter Entſchiedenheit, wenngleich ich es gern thäte. — Und wer hindert Dich? — Mein Amt— ich zweifle nicht, das man ihn auf meinen 262 Befehl losgeben würde, geſchieht dies aber, ſo iſt es meine Pflicht, den Angeklagten zu verhaften und vor Gericht zu ſtellen, Du biſt wohl überzeugt, das ſein Kopf dann fallen müßte, ſeine Richter würden ihn ohne Zweifel für ſchuldig erachten. — Ja, Maſaniello, das iſt wahr, aber er muß gerettet werden! rief Salvator Roſa in großer Angſt; Gott, während wir hier mit einander unterhandeln, hat man vielleicht ſchon zwei der edelſten Weſen Neapels hingemordet. — Auch die Donna iſt brav, ſagte Maſaniello, es iſt wahr, ich möchte ſie Beide retten, aber wie?— — Komm ſogleich mit mir, ſie ſollen ſich in den Katakomben befinden. — Die Räume derſelben ſind unermeßlich groß. — Ich habe mir die Richtung bezeichnen laſſen, weiß alſo, uchten Mörder finden, rief Salvator und be⸗ zeichnete Ma aniell au die Stelle. väre wa da, wo der Palaſt Tortoſa ſteht. Don Tortoſa iſt Grande von Spanien und hat die königliche Kammerherrenwürde, er iſt der Bruder der Herzogin von Arcos, obgleich Spanier, iſt er nicht unedel, vor allen Dingen aber wird er großmüthig genug ſein, einen Rettungsverſuch an ſeiner eigenen Nichte zu wagen, er müßte alſo von der Sache unter⸗ richtet werden— das iſt der einzige Rath, den ich zu geben vermag.— — Du meinſt, auch der Prinz müſſe bei dieſer Gelegenheit gerettet werden können. — Wenn dies überhaupt noch möglich iſt, vielleicht, eile . var alſo, den Greis von dem Schickſal der Unglücklichen in Kenntniß zu ſetzen, aber ſei ſchnell, Du wirſt ſelbſt begreifen, daß ich mich leider in dieſe Angelegenheit nicht hineinmiſchen darf, aber auch eben ſo wenig könnteſt Du Dich bei der Rotte ſehen laſſen, ſie würden uns ſelber des Hochverraths anklagen und glaube mir, Salvator, man lauert auf eine Gelegenheit, wenigſtens meinen Kopf zu holen, es iſt ſchade, daß meine Freunde ſo ehrſüchtig und neidiſch ſind; doch nun geh— eile— die heilige Jungfrau ſei mit Dir! E Menſch E und be V ſie wol N Itand I ein la entwe - der gr 6 ſein? drohe — keine 9. actur Eirnd auf rothe graue gih haft luft gebl˖ nicht 263 Ein Gericht in den Todtengewölben. Ein gräulicher Knäuel von zerlumpten, ſchwarzbraunen Menſchen hatte ſich um Giulio und Leonore gebildet. Etwa fünf Schritte entfernt ſtand ein rieſiger Fackelträger und beleuchtete die Scene. 1 Wäre dieſe nicht Grauſen erregend geweſen, ſo hätte man ſte wohl maleriſch nennen können.. Man denke ſich das Bild, welche Effecte im Contraſt, welche grandioſe Licht⸗ und Schattenpartieen. Dort beim hellen Fackelſchein ſtand ein großer Kerl in ein langes, ſchwarzes Gewand gekleidet, das er wohl irgend wo entwendet haben mußte.. Nicht weit von ihm in Dämmerung der gräßlichen Gruppe ſtand Giulio mit höcher em Schwert. Der Ausdruck ſeiner Züge war furchtbar entſchloſſen— ſein Antlitz erſchien geröthet— ſeine Blicke waren finſter und drohend. Halb ſeitwärts, halb hinter ihm ſtand Leonore, bleich; aber keine Furcht ließ ſich an ihr bemerken. Ihr Haupt war emporgerichtet, ſie blickte voll ſtolzer Ver⸗ achtung, man könnte ſagen, herausfordernd auf die Maſſe, deren Eindruck Entſetzen erregend war. Man denke ſich Menſchen, die einer vieljährigen Kettenſtrafe auf den Galeeren entſprungen, in ihrer Kleidung von ſchmutzig rother Leinwand, mit geſchorenen Köpfen und ſchwarzen, oft grauen, verwilderten Bärten. Ihre wahrhaften Gaunerphyſignomieen waren von der Sonne geſchwärzt, ihre Geſtalten übrigens abgezehrt wie Skelette. Ihre ſtarren, ſchwarzen Augen bewegten ſich tief und bos⸗ haft drohend in den großen Höhlen. Neben dieſen ſtanden befreite Züchtlinge, welche die Kerker⸗ luft unterirdiſcher Gefängniſſe zu einem graugelben Farbenton gebleicht hatte. Ihre früher einmal weiß geweſene Linnenkleidung hatte noch nicht den langjährigen an ihr haftenden Modergeruch verloren. Zwiſchen dieſen drängten ſich Ruffia—Behrichtſucher) und mgeben von 264 Bettler der geringſten Gattung, die ſelbſt der arme Lazzarone nur mit ſtolzer Verachtung behandelt. Die Kleidung der Letzteren aus einem zerriſſenen, ſchwärz⸗ lichen Hemde und einem kurzen, abgenutzten Beinkleide beſtehend, wozu noch der Hauptſchmuck eines durchlöcherten Hutdeckels kam, war eben dürftig genug, um den Reichthum blicken zu laſſen, den die Natur auf dieſe Kerngeſtüälten verſchwendet hatte. Unſere feinere Welt würde ſie jetzt nur noch in den Räuber⸗ ſcenen eines Salvator Roſa, oder in den Schlachtſtücken eines Rugendas ſehen können. Und dieſe Geſtalten denke man ſich wie verſteinert in den Augenblicken der Aufregung furchtbarer Leidenſchaften, in theatra⸗ liſchen Stellungen, wie ſie die Lebhaftigkeit des feurigen Naturells der Neapolitaner hervorbringt. Es war der majeſtätiſche und zugleich drohende Anblick unſerer beiden Helden, der einige Augenblicke ihre Bewegungen aufhielt.. Die gewohnte Scheu und Unterwürfigkeit machte dieſe Wüthenden ſelbſt jetzt etwas betroffen. In Neapel lebt das Volk mäßig, dort giebt es keine andere Trunkenheit als die der Leidenſchaften. Dieſe aber iſt freilich fürchterlich; bei dieſen erregbaren Kindern der Natur ſind die Gemüther leicht beſänftigt, aber auch ſchnell wieder entflammt. Giulio hatte unter dieſer Rotte faſt keinen von Denjenigen bemerkt, die ihn im herzoglichen Palaſt umgaben. Dort ſah er wenigſtens einige Lazzarone, einige aus dem Volke, hier nur das gräßlichſte, verworfenſte Geſindel. — Was wollt Ihr Nichtswürdigen? rief er mit donnernder Stimme, warum verfolgt Ihr uns, zurück, oder mein Degen durchbohrt Jeden, der ſich mir, oder dieſer Dame naht. — Wir wollen Rache nehmen für den Mord unſeres Kame⸗ raden, alſo Sie, Prinz Caraffa niederſtechen und dieſe Tochter des Erpreſſers abführen— über Sie Prinz, ſoll ſogleich Ge⸗ richt gehalten werden, im Namen der Gerechtigkeit, im Namen des Volkes von Neapel. — Ihr wagt von Gerechtigkeit zu ſprechen, Ihr Euch zum Volke zu zählen, Ihr, die das Geſetz⸗ verurtheilt, die die menſch⸗ liche Geſellſchaft an— ſtoßen hat, weil Ihr ſie bedrohtet, räube⸗ riſches Zorned Leben 6 ſo dro weiche wenig, ſuchte ſeighe noch ( einzel G menſch heit nicht Halt furch mit d in n mit nicht Degs gehr Kerl von befö werd 26⁵ riſches Geſindel, verlaßt uns, oder Ihr ſollt die Gewalt meines Zornes fühlen— zurück alſo Ribaldi(Schufte), wenn Euch Euer Leben lieb iſt. Dieſe Worte waren ſo gebieteriſch geſprochen, er hatte eine ſo drohende Haltung angenommen, daß der Pöbel wirklich ſtutzte. Giulio, der wohl wußte, daß dieſe rohen Gemüther den weicheren Gefühlen des Mitleids und der Menſchlichkeit, die er wenigſtens für Leonore beanſprucht hätte, unzugänglich waren, ſuchte ſie wenigſtens einzuſchüchtern, da er theils ihre eigentliche Feigheit fannte, theils ihre Betroffenheit bemerkt hatte. In der menſchlichen Natur giebt es ſo manche, wunderbare, noch unaufgelöſte Widerſprüche. Einen ſolchen gewahrte man im nächſten Augenblick. Der mit Meſſern verſehene Pöbelhaufe ſtürzte vor dem einzelnen, nur mit einem Degen bewaffneten Manne zurück. Es war vielleicht jener thieriſche Inſtinkt, welcher bei Natur⸗ menſchen viel mächtiger iſt als die Vernunft, und die Gewohn⸗ heit zu gehorchen, die ſie jetzt gedankenlos machte, ſo daß ſie nicht erkannten, daß ſie die Stärkeren waren. Vielleicht hätte Giulio ſich und Leonore durch dieſe kühne Haltung gerettet, wenn nicht plötzlich im Hintergrunde ſich eine furchtbare Stimme hätte vernehmen laſſen. — Ihr feigen Schurken, warum bebt Ihr zurück? Nieder mit dem Verräther, fort mit der Tochter des Erpreſſers. — Nieder, nieder mit ihm, brüllte die Menge.. Ihre unentſchloſſene Haltung verwandelte ſich augenblicklich in wilde, drohende Bewegung. Es ſprangen einige von den kahlköpfigen Rothjacken vor, die mit gezückten, breiten Meſſern nach der Freude lechzten, ihr lang nicht geübtes Banditenhandwerk wieder zu verſuchen. Der Erſte, der ſich Giulio genaht hatte, fiel von ſeinem Degen getroffen, aber im nächſten Augenblick war er mit Höllen⸗ gebrüll, Flüchen und Verwünſchungen entwaffnet und von ſechs Kerlen feſtgehalten. Leonore hatte ein gleiches Schickſal, ſie ſtand bewegungslos von zwei Bettlern umgeben. — Jetzt wird man Ihren Bräutigam nach dem Himmel befördern, Tochter des Erpreſſers, wohin Sie ihm bald folgen werden, ſagte einer derſelben, merken Sie alf! 266 Leonore ſchleuderte auf ihn einen Blick ſtolzer Verachtung, ohne ihn einer Antwort zu würdigen. Sechs Meſſer waren auf Giulio gezückt, als dieſelbe Stimme von vorhin ein gebieteriſches„Halt“ ertönen ließ. Jetzt trat gravitätiſch ein junger Mann vor, der der An⸗ führer der ganzen Bande zu ſein ſchien und durch Ausſtrecken des Armes die gezückten Meſſer aufhielt. Sein Aeußeres verrieth, wenn man hier überhaupt ſo ſagen kann, eine gewiſſe Bildung. I Er trug feine Kleidung, die freilich weder ihm, noch über⸗ haupt ein Stück zum Anderen paßte. Dieſe war ſo wunderlich gemiſcht, daß man ſie leicht als zuſammengeraubt erkennen konnte. Er war der Einzige, der die Ehre hatte, einen Mantel zu tragen wie ein Lazzarone. Doch ſah man wohl an dem geſchorenen Kopfe und einem noch feſtgenieteten Eiſenringe an der ausgeſtreckten, rechten Hand, daß auch dieſer Unglückliche an dem Ruder einer königlichen Galeere feſtgeſchmiedet geweſen war. d — Corpo di Bacco!— rief er, Ihr ſeid doch ſchäbiges Ge⸗ ſindel, Ihr habt nicht das geringſte Point d'honneur! — Wie meint Ihr das? warunm ſind wir ſchäbiges Geſindel? — Weil Ihr morden wollt. — Wir wollen nur richten! riefen die Anderen. — Schweigt! gebot der Anführer mit einer Stentorſtimme, die nicht vergebens verhallt war. Alle ſchwiegen und ſchienen der Befehle dieſes ſeltſamen Häuptlings gewärtig. 1 — Der Prinz Giulio Caraffa hat ſein Leben verwirkt, be⸗ gann der Letztere, dies wird Niemand leugnen, außer dem Ver⸗ rathe hat er ſich noch des Mordes ſchuldig gemacht. Nichts⸗ deſtoweniger aber ſoll er auf dieſe Weiſe getödtet werden. — Wie denn ſonſt? ſchrieen mehrere Stimmen dazwiſchen. — Errichtet ein Volkstribunal! — Ein Volkstribunal! widerholte die Rotte, Evviva Ma⸗ ſaniello!. Ihr Freudengeſchrei drang ſchauervoll, wie das Jubeln von Dämonen durch die düſteren Räume der Todtengewölbe. gemein einem e Ihnen uns, de Cin antwort errichter Blutur Großen höhnun nur plu auch ſte tödtend Ordnu jede g würfe, mehr a antzieh der Ei noch wenn G ſedoch mmne An⸗ cken gen ber⸗ — n 267 — Nennt nicht den Namen Maſaniello, der mit Ench nichts gemein hat, Ribaldi! rief Giulio. — Schweigen Sie, mein Prinz, gebot der Anführer mit einem eigenthümlichen Lächeln; noch iſt nicht die Zeit, in der es Ihnen geſtattet iſt, zu ſprechen, im Uebrigen ſteht Maſaniello uns, den Männern des Volkes näher als Ihnen, dem Edelmann. Ein verächtliches Lächeln ſchwebte um Giulio's Lippen, er antwortete nicht. — Alſo, wendete ſich der Anführer wieder zu den Seinen, errichtet ein Volkstribunal und ſprecht dem Angeklagten ſein Bluturtheil, in beſter Form Rechtens— es lebe die Gerechtigkeit! die Gerechtigkeit, Tod allen Verräthern, allen Großen des Reichs. — Dieſes Diebestribunal, rief Giulio heftig, welche Ver⸗ höhnung göttlicher und menſchlicher Geſetze, Ihr Elenden wollt nur plündern, morden und brennen; aber ſolche Zeiten bringen auch ſtets ſolche Ungeheuer hervor. — Schweigen Sie, mein Prinz, fiel der Anführer mit ſeiner tödtenden Höflichkeit ein, es thut mir leid, Sie wieder zur Ordnung rufen zu müſſen, ich muß Ihnen jedoch erwidern, daß jede große Zeit große Männer hervorbringt, die anderen Vor⸗ würfe, die Sie ſo freundlich waren uns zu machen, beziehen ſich mehr auf Eriſtenzfragen, welche nicht hierher gehören. — Du biſt der Aergſte von Allen, Verworfener! rief Giulio, doch nun beginnt, was Ihr wollt, ich werde geduldig das Ende des Rathes des Volkstribunals abwarten und Euch keines Wortes mehr würdigen. — So geziemt es auch dem Philoſophen, mein Prinz. Leonore machte jetzt einen Verſuch, ſich ihren Angreifern zu entziehen, aber ſie bemühte ſich vergebens, dieſe hielten ſie feſt. — Was wollen Sie denn, Donna, ſtehen Sie ſtill, riei der Eine. — Sie wollen wohl Abſchied nehmen von Ihrem Bräutigam, noch iſt es nicht ſo weit, und man wird Ihnen ſchon ſagen, wenn es Zeit iſt. Giulio hatte dieſe Worte gehört. — Welcher Hohn, welche Entwürdigung! ſagte er halblaut, jedoch ſo, daß es Leonore hören konnte. — ——— 268 — Ich verachte die Elenden, Prinz, ſeien Sie um mich nicht bekümmert, ſagte ſie leiſe. — Verzeihung, Leonore, entgegnete dieſer mit einem Aus⸗ druck unſäglicher Wehmuth, Verzeihung, daß ich Sie hierher ge⸗ führt habe, dieſen Auftritt habe ich freilich nicht erwartet. — Ich ſterbe gern und bin Ihnen dankbar, Prinz, verſetzte Leonore mit einer himmliſchen Reſignation. — Ich muß um Ruhe bitten, rief der Anführer. — Zur Sache, zur Sache, ſchrieen die Wüthenden, nieder mit den Großen, nieder mit Giulio Caraffa. Jedes dieſer Worte bildete einen ſchmerzlich verwundeten Wiederhall in Leonore's Bruſt. Sie zitterte, aber ſie ſchwieg und blickte mit der Reſignation einer Verklärten bald gen Himmel, bald auf Giulio. — Gut, gebot der Anführer, beim heiligen Andreas von Avellino, ihm ſoll ſein Recht werden.— Heda, Signore Reduto, Ihr ſeid ja Advokat geweſen und habt die Feder mit der Kette vertauſchen müſſen, weil Ihr ſo gefällig waret, für gute Bezah⸗ lung beiden Parteien zu dienen. Ihr hättet dafür längſt Prä⸗ ſident des Tribuuals werden müſſen, nun wohl, ich erhebe Euch, kraft meines Amtes zu dieſer Würde, Signore Reduto— und Ihr beiden Galanthuomini, Fra Ludovico, welcher Großinquiſi⸗ tor von Madrid hätte werden müſſen und ſich nichts hat zu Schulden kommen laſſen, als eine ſchöne Ketzerin auffangen und einmauern laſſen, weil ſie Eurer Liebesbewerbung kein Gehör ſchenken wollte, und Euch, Signor Benedetto, der zugleich als Sbirre im Solde der Regierung und in den Katakomben an der Spitze der Banditen ſtand— Euch inſtallire ich hiermit im Namen der Vertheidiger der Volksrechte als Richter über Leben und Tod.— Macht es kurz, Brüder, und ſeid nicht grauſam, Sie ſehen, mein Prinz, man kann nicht gerechter ſein. Mit Verachtung wandte ſich Giulio von ihm und entblößte ſeine Bruſt. — Mordet mich, Banditen, ſprach er mit Entrüſtung, aber ſchändet nicht die heiligen Formen des Rechts. — Reprotesto!l(ich proteſtire dagegen) Das Gericht iſt er⸗ öffnet— der Kläger trete vor! rief Signor Reduto, der zer⸗ lumpte Eradvokat, in rother Galeerenkleidung, der einen ſchwarz⸗ ſeidenen Mantel, welchen Leonore als den ihrer Mutter er⸗ kannte gefunde umhing M ſagte e werden, zum Sf tragen N mern morde. W heimli Geripn Siand W lächter mit T ſchwa Boshe nals G dienen es wi 2 keine Giuli rathe Kame Gewe nieder — 8 269 kannte und welchen er wohl in einem der erbrochenen Schränke gefunden haben mochte, zum Zeichen ſeiner Präſid entenwürde umhing. Mit einem gebieteriſchen Weſen trat er zu dem Anführer. — Wir bedürfen eines Gerichtstiſches und eines Seſſels, ſagte er. — Es ſollen ſogleich alle nöthigen Effekten herbeigeſchafft werden, jenes alte umgeſtürzte Marmordenkmal dort möge Euch zum Sitz dienen, für den Tiſch werden wir gleichfalls Sorge tragen— einige Särge, wendete er ſich dann zu ſeiner Rotte. Nach wenigen Augenblicken waren einige mit Staub, Wür⸗ 1 mern und Reptilien bedeckte, verwitterte Särge vor dem Mar⸗ mordenkmal übereinander geſtellt worden.— Während des Transports der Särge vernahm man ein un⸗ heimliches Praſſeln, welches wohl von den darin befindlichen Gerippen hergerührt haben mochte. — Ein wenig Reinlichkeit möchte ich mir erbitten, befahl Signor Reduto, auf die Reptilien deutend. Bald waren die Kröten von den Särgen mit rohem Ge⸗ lächter in den Hintergrund geworfen, und Signor Reduto nahm mit Würde auf dem umgeſtürzten Denkmal Platz. Seine Beiſitzer ließen ſich rechts und links von ihm nieder. In den hageren, eingefallenen Geſichtern und blinzelnden, ſchwarzen Augen der Letzteren zeigte ſich eine gewiſſe joviale Bosheit, welche das Grauen erregende, Unerhörte dieſes Tribu⸗ nals noch erhöhte. Ein Jeder von ihnen legte ſein Meſſer auf den zum Tiſche dienenden Sarg. — Wir brauchen einen Todtenkopf! ſchrie der Vorſitzende, tes wird doch in dieſen Räumen ein ſolcher zu haben ſein. Als man auf den erſten Augenblick keinen entdeckte und keine Zeit verlieren wollte, deutete der Anführer auf den von Giulio's Degen Gefallenen und ſchnell ward ſeine Abſicht er⸗ rathen. Alſobald knieten zwei der Kannibalen auf die Leiche des Kameraden nieder, ſchnitten ihm mit einer bewundernswürdigen Gewandtheit den Kopf ab und legten ihn vor dem Präſidenten nieder. CQ/— ———— 27o 2* Jetzt wurden noch zwei kleine Pechfackeln angezündet und zu beiden Seiten des ſchrecklichen Gerichtstiſches aufgeſtellt. Gräßlich verzerrt ſchaute das bleiche, blutige Haupt der Scene zu. — Der Ankläger trete vor! gebot Signor Reduto. Der Angeklagte wurde gebunden und ließ es willig, mit Verachtung in den Zügen und Abſcheu im Herzen, geſchehen. Leonore verhüllte ihr Antlitz. — O Gott, wie furchtbar iſt dieſe Prüfung, jammerte ſte. — Nur keine Klage, Prinzeß, verſetzte Giulio, kein Zeug⸗ niß irgend welcher Bewegung dieſem Geſindel gegenüber. Dieſe Worte Giulio's verfehlten ihre Wirkung nicht. Leonore's Antlitz verſteinerte ſogleich zum Ausdruck einer kalten Verachtung, kein Zug verrieth einen Kleinmuth, der ihrer edeln Seele ſonſt auch ſtets fern war. Jetzt war ein Menſch mit abgefeimten Gaunergeſicht vorge⸗ treten, er blickte lange umher und ſchien ſich auf die Rede vor⸗ zubereiten, die er halten ſollte. Eine rothe Galeerenkleidung hing in Fetzen zerriſſen um ſeinen langen, hageren Körper..— Eine rothe wollene Mütze, hinten lang herabhängend bis auf die Mitte des Rückens, trug er ſo weit über die Stirn her⸗ abgezogen, daß faſt die Augen dadurch verſteckt wurden. — Kläger, worauf beſinnſt Du Dich? donnerte Signor Reduto, Du haſt den größten Skandal gemacht, nun aber ſchweigt Dein Mund— rede, verdammter Schlingel, oder glaubſt Du, Rechtsgelehrte, wie wir, ſitzen wie Faſtnachtsnarren zu Gericht? entweder Du, oder er— Blut ſoll fließen, oder ich will ver⸗ dammt ſein, mein Meſſer niemals wieder in das Blut eines Chriſtenherzens zu tauchen— rede alſo Schurke — Ich klage den Prinzen Giulio Caraffa, Sohn des Her⸗ zogs von Mattalone, des Mordes und des Volksverrathes an — Wenn ich es gleich unter meiner Würde halte, Euch Rede zu ſtehen, ſagte Giulio, ſo fordere ich Dich dennoch auf, Deine Anſchuldigung zu beweiſen, elender Galeerenknecht. — Beweiſe ſollen Ihnen werden, Prinz Caraffa; ich war der einzige unter dieſen Herren hier, ſagte der Ankläger, auf ſeine Genoſſen deutend, welcher Ihr Geſpräch mit der Prinzeſſin belauſcht hat, die anderen Zeugen haben ſich auf der Straße zer⸗ —— —COCQ˖OñOQ—Q— ſtreut derer e Brand heit de er höhr Nation und de der La denn ge Ihrer nen w du lie⸗ will d nur d zu plü Rdo rief( Beha Prin, Söhn Ande der goſſe bewi einen Unte ſur vor Sch Kir Ueb geſc mit —— * 271 ſtreut— ein Theil ſchloß ſich den Kloſterſtürmern an, ein an⸗ derer eilte dem Mercato zu, um das verfluchte Steuergebäude in Brand zu ſtecken, einige haben ſich zu dem Gefolge ſeiner Ho⸗ heit des Vicekönigs geſellt, als dieſer das Schloß verließ, fuhr er höhniſch lächelnd fort, nur ich allein wollte, im Intereſſe der Nation den edeln Fang nicht aufgeben, darum eilte ich Ihnen und der Prinzeß nach, dieſe Herren, denen ich Mittheilung von der Lage der Dinge machte, folgten mir, und ſo iſt es uns denn gelungen, Sie hier zu ereilen— ich hörte alſo, wie Sie Ihrer Braut ſagten, daß Sie nur ein Freund des Volkes ſchei⸗ nen wollen, um es deſto ſicherer zu verrathen und an das Meſſer zu liefern. 1 — Er lügt, der Elende! rief Leonore, der Prinz Caraffa will dem Volke wohl, mit Geſindel Eures Schlages freilich, das nur das Wort Freiheit im Munde führt, um zu morden und zu plündern, hat er nichts gemein. — Ich habe der Dame nicht das Wort ertheilt, rief Signor Reduto. 1 — Prinzeß, nur nicht dieſe Herabwürdigung Ihrer ſelbſt, rief Giulio entrüſtet. — Meine Herren, ſagte der Ankläger, ich glaube, meine Behauptung wird ſchon durch den Umſtand unterſtützt, daß der Prinz die Tochter des Erpreſſers liebt, und daß er zwei edle Söhne des Volkes ermordet hat— den Einen im Palaſt, den Anderen, unſeren unglücklichen Kameraden hier. — Dieſer Mord geſchah vor unſeren eigenen Augen, rief der Vorſitzende.— Wer Blut vergießt, des Blut ſoll wieder ver⸗ goſſen werden.— Das Verbrechen des Verraths aber muß auch bewieſen werden. — Ich habe gelogen, Padre, ſagte der Ankläger jetzt zu einem Menſchen, der ein kurzes Mönchsgewand über die rothen Unterkleider des Galeerenſklaven geworfen hatte und deſſen Ton⸗ ſur ſeinen früheren Stand verrieth, wie rette ich meine Seele vor der Sünde der Lüge, die ſie belaſtet? — Durch Faſten und Gebet, Figlio mio, verſetzte der Schreckensprieſter mit einem gleißneriſchen Blicke; die heilige Kirche theilt mit uns ihre unerforſchlichen Gnadenſchätze, vom Ueberfluß der guten Werke, welchen die Heiligen und Frommen geſammelt haben, an verirrte Schäflein von der Heerde des — „ 272 Herrn— Deine Sünde wird Dir vergeben werden, ſo Du Buße J thuen würdeſt und der Kirche den Zehnten von Deinem Er⸗ weilen werbe gelobeſt. H — Aber ich werde ſchwören müſſen, Padre. umher — Ein Eid für ein gutes Werk geſchworen, wird nicht auf G der Wage des Gerechten gewogen, und ein gutes Werk iſt es, Anlitz einen Edelmann zum Tode zu helfen. wüſtes — Ich ſchwöre, rief der Ankläger mit einer Frechheit, die Runffa ſich ſelbſt überbietet, indem ſie noch eine leiſe Stimme im Innern D niederzukämpfen ſich bemüht; eine Reliquie her, ich beſchwöre von de meine Ausſage, ſetzte er hinzu. G — Eine Reliquie? flüſterte der Banditenmönch; rufe den— Namen eines Heiligen an, aber nicht den unſeres Schutzheiligen 3 von Neapel. Das heilige Blut von San Gennaro würde nicht wieder flüſſig werden, wäre es durch Meineid entweiht, und das d Neapel müßte untergehen wie Sodom und Gomorrha, wenn. Jemand den Heiligen erzürnt, der zur Linken Gottes ſitzt.— — Du beſchwörſt Deine Ausſage, Ankläger! rief Signor Reduto. ſchlau Der Aufgeforderte gehorchte und leiſtete den ihm vorge⸗ ſchriebenen Eid. ati Es trat ein erwartungsvolles Schweigen ein— eine ge⸗f wiſſe Feierlichkeit war vorherrſchend. ſe wi Jetzt erhob ſich der Richter und ſeine Beſitzer. — Schuldig zum Tode!l ſprach er. Wieder Pauſe. — Welches Todes ſoll er ſterben? riefen die Anweſenden. Bede — Den auf dem Scheiterhaufen! rief der Richter mit furcht⸗ 1 4 barem Lächeln. und Leonore ſtieß einen grellen Schrei aus, während Giulio unbeweglich ſtand, kein Zug ſeines Geſichtes deutete auf irgend wund eine Schwäche. eml Während auf eine ſo empörende Weiſe das Banditenperſonal iich die Formen einer Gerichtsſitzung verhöhnten, war in kurzer Entfernung ein Greis wie durch Zaubermacht zum Vorſchein ge-⸗ dann kommen. Er ſchien ſeiner Kleidung nach ein herrſchaftlicher Diener habe zu ſein.— Seine Züge trugen das Gepräge der Würde, er flößte Ehrfurcht ein. 2 G 1 Gehe 1 . 278 15 Mit ſchmerzlicher Wehmuth blickte er dem Treiben zu, bis⸗ 3 weilen faltete er die Hände zum Gebete. Häufig ließ er wieder ſeine Blicke angſtvoll und unruhig . umher gleiten, als ob er nach irgend Etwas forſchte. 40 Endlich zeigte ſich ein Zug von Zufriedenheit in ſeinem 5 Anlitz, und während nach dem geſprochenen Todesurtheil ein 1 wüſtes, verworrenes Freudengeſchrei ertönte, nähert er ſich einem die Ruffiani. ern Dieſen zog er eine kurze Strecke zurück, was in dem Tumult wore von den Anderen nicht bemerkt wurde. Er flüſterte einige Minuten mit ihm. den— Seid Ihr entſchloſſen? fragte er dann raſch. ligen— Wieviel alſo? nicht Der Alte ließ etwas in die Hände des Menſchen gleiten, und das dieſer wog. venn— Ich bin zufrieden, ſagte er mit heimtückiſchem Lächeln. — Dann alſo kann mein Wunſch erfüllt werden. r— Sogleich, wartet einen Augenblick, ich muß die Sache ſchlau anſtellen. otgee Er kehrte mit dieſen Worten zu den Uebrigen zurück und trat in die Nähe der beiden Männer, welche Leonore hielten. ge⸗ Y— Laßt ſie los, flüſterte er einem derſelben zu; wir holen ſie wieder, nachdem wir den Prinzen kalt gemacht haben. — Was heißt das? — Ihr werdet ſpäter Alles erfahren.— 4 Er machte ſeinem Kameraden ein geheimes Zeichen, deſſen den. Bedeutung dieſer zu kennen ſchien. urcht⸗ Wenige Augenblicke ſpäter wurde Leonore ſeitwärts gedrängt und ihr ein Tuch in den Mund geſtopft. ziulio Sie vermochte nun keinen Laut von ſich zu geben und rgend wurde immer weiter in die Dunkelheit zurückgeſchoben, wo ſie eendlich in eine finſtere Maueröffnung gedrängt ward, welche ſonal ſich ſogleich ſchloß. kurzer Ein dumpfer Schrei ertönte, welchem Jammerlaute folgten, n ge dann war Alles ſtill. Das Geſindel aber lärmte und tobte fort, ohne bemerkt zu diener haben, waß währenddeſſen in aller Eile vorgegangen war. e, ct Alle drängten ſich nämlich mordgierig und mit gräßlichem Geheul um das ihnen verfallene Opfer und zuckten trotz des Das Hpfer von Amalfi.(Bo. 1) 18 richterlichen Erkenntniſſes ihre Meſſer auf den unglücklichen auf die Särge; beim heiligen Pantaleone, wo 274 Ginlio. — Haltet ein, Schurken, rief Signor Reduto und ſprang Juſtiz! man muß ſich ſchämen, Richter unter Euch zu heißen, weder iſt der Coujon zum Meſſer, noch zuͤ Kugel, nur einzig und allein zum Feuertode verdammt. Errichtet von den alten Särgen einen Scheiterhaufen, und Ihr Beiden, Antonio und Michaelo vollſtreckt die Sentenz.— Ihr haftet mit Euren Köpfen dafür, daß ihm von dieſen nichts zu Leide geſchieht— nur das Geſetz ſoll ihn richten. — Eyyviva la giustitia del populo!(es lebe die Volksjuſtiz) rief der Häuptling und ſchwenkte ſeinen Hut. Hundert Kehlen riefen es ihm nach, während der unglück⸗ liche Giulio von Mörderhänden fortgezerrt wurde. Er wollte einen letzten Scheideblick auf Leonore richten, aber — dieſe war verſchwunden. Gräßlich war die Freude der Banditen und ihre Augen und Meſſer blitzen im Halbdunkel, und ſo wälzte ſich die ganze Maſſe nach einem geräumigen Ort, um das Opier daſelbſt dem Flammentode zu weihen. Nur der Richter, der Häuptling und einige Andere waren zurückgeblieben um zu berathen, wie der Reſt der Nacht verwen⸗ det werden ſollte. — Wo iſt die Donna? rief plötzlich der Letztere, wie aus einem Traume erwachend. — Wo iſt die Tochter des Erpreſſers? ſtimmte der Rich⸗ Iter ein. — Fort, verſchwunden— entkommen! ſchrie der Häuptling zähneknirſchend. — Sie iſt nicht verſchwunden, denn ich cnne ihren Auf⸗ enthalt. Dieſe Worte kamen von dem Ruffiani, mit welchem der alte Mann, der ſo plötzlich ſichtbar geworden, verhandelt hatte. — Nun, wo iſt ſie, Schurke? riefen der Richter und der Häuptling zugleich. Der Gefragte erſtattete nun ſeinen Bericht, und ein Lächeln der Zufriedenheit, ja der Freude belebte die Geſichter der beiden Männer. t Redute mit fü Dame dem d Mann uren — iſtiz) aber und ganze dem zaten wen⸗ aus Rich⸗ — 275 — Das haſt Du gut gemacht, Burſche, ſagte der Richter. — Sehr brav, Figlio mio, fiel der Häuptling ein; Signor Reduto, wendete er ſich dann zu dem Richter, ich werde mich mit fünfzig Mann nach dem bezeichneten Orte begeben, um die Dame zu holen und zugleich eine reiche Beute zu machen; nach⸗ dem das Todesurtheil vollſtreckt iſt, folgt mir mit der übrigen Mannſchaft nach. Im Palaſte Tortoſa. Es war in derſelben Nacht, während die im vorigen Kapi⸗ tel erwähnten Schreckensſcenen in den Todtengewölben vorgin⸗ gen, als in einem reich verzierten Gemache ein alter Mann mit kummerſchwerem Antlitz in einem Seſſel ruhte. Tiefes Schweigen umgab ihn, nur vom Mercato her drang ein dumpfes Geräuſch zu ihm. — Plötzlich öffnete ſich die Thür— ein alter Diener er⸗ ſchien. — Ach, gnädiger Herr, es geht ſchrecklich her— der Herr hat ein furchtbares Strafgericht über Neapel verhängt, klagte der Alte händeringend. — Gott möge die Elenden verdammen, die ſich wider ihren König und deſſen Regierung auflehnen, verſetzte der Herzog Tor⸗ toſa, ſie ſengen und brennen, nicht ſo? — So eben haben ſie das Steuergebäude in Flammen geſteckt.— — Ob nur mein Schwager, der Vicekönig, in Sicherheit ſein mag, ſie haben ihn und ſeine Familie aus dem Palaſt ge— jagt, was wird aus ihnen geworden ſein?— — Der Himmel wird ihnen beiſtehen. 18* . 4 2. 4— g——— ——.— 8ö8ͤoͤͤͤͤoͤoooöoooe— ——————————*— 2— ——4———————.——— 2— 2 ————*—*—————————— 2 276 — Ich werde morgen in aller Frühe Neapel verlaſſen, ich will den Dämonen entfliehen. — Und wohin werden Sie ſich begeben, gnädigſter Herr? — Nach Rom. Der Herzog von Tortoſa dehnte die Unterhaltung mit ſeinem alten Diener wohl über eine Stunde aus— die Nähe deſſel⸗ ben war ihm erwünſcht, denn das Alleinſein in ſolcher Nacht war ſchrecklich. Plötzlich pochte es von außen ſtark und heftig, beide Männer wurden von Entſetzen erfaßt. — Gott, jetzt kommen die Ungeheuer auch zu uns! rief der Diener— heilige Jungfrau von Carmel, ſteh' uns bei! Der Herzog lauſchte angſtvoll— das Pochen wurde an⸗ haltender— eine Stimme begehrte laut Einlaß. — Das ſind keine Meuterer, ſagte er etwas beruhigt, gehe um zu hören, was es giebt, Vargas! Der Angeredete entfernte ſich und kehrte bald mit der Mel⸗ dung zurück, daß ein junger Künſtler, Salvator Roſa genannt, ihn dringend zu ſprechen begehre. gon Ich kenne den Menſchen, ſagte der Alte, ich ſah ihn ſchon por Jahren„oft auf dem Molo das Volk durch ſeine Lieder, ſoine Reime und Spüße grgötzennr er iſt keineswegs zu fürchten. — Du mußt mich mich wenkennen, Vargas, ſagte der “ mich mehr Grauen als Furcht; ich würde ſelbſt jetzt nach; in meinem Greiſenalter, nicht erbeben Hox den feindlichen Kanönen“ der offenen Schlacht. Nur der Gedanke von den Ungeheuern des Pöbels zerfleiſcht zu werpdan, Frweckt doch in mir Entſetzen e der Foinde morbet, weil er muß, den Pöͤhel, weiller will, zener gehr für dis Sache ſeines Baterlandes in den Kampf, dieſen treibt Mopdii und Raubſucht⸗ zum Würgen ullerdinga umter, dem Borwanden des Meiheits⸗ kampfe 3he, dem Sanden Bnngas um welchem ſder Poͤbeldié⸗ Herrſchaft gewinnt! Laf ichin naerd Inn m*onf a wmmoh gnädjgſtarg HeurSes ſt wahr rhkr furchtbarer noch ſind die Repreſſalien einer Gewaltherrſchaft, ſagen Sie nur, äs! ſoll, pexnaune Mannäthull um ſeinen Wülleni kund zu geben, um zu. ſa genn wiß ſehn ihuidien Laſtaw drückemfli die dmam ſihm dufete! legk, erbittet er eine Audienznbeiadem Momarchen„ ſot wird ihnt die Antwort, er möge eine ſchriftliche Eingabe machen) koͤmmt er 8 ⁹ 41 dieſer! genten beſeiti ‚kann was ken he unvern „₰ 9 er, ich außer! — do von Dir Augen jeder, hten. der auen alter, lacht. ht zu weil kinds bacht. heits⸗ Aitid- ſDſnn noch 1hss w um fet ihct mt er ———-ℳy-——;ʒ;, b 2 dieſer Aufforderung nach, ſo wird das Schreiben, ſtatt zu dem Re⸗ genten zu gelangen, von einem Hofrath entweder unerbrochen beſeitigt, oder achſelzuckend geleſen und mit der Randbemerkung „kann nicht berückſichtigt werden“ dem Petenten zurückgeſandt!— was alſo bleibt übrig als Gewalt, freilich muß dieſe ihre Schran⸗ ken haben, aber Uebergriffe ſind bei dergleichen Gelegenheiten unvermeidlich. Die Blicke des Herzogs verfinſterten ſich. — Sprich künftighin nicht mehr von Politik, Vargas, ſagte er, ich verbiete Dir jede Meinung— hüte Dich aber, ſolche zu äußern, es ſei denn, daß ſie im Intereſſe der Regierung wäre — doch frage den Fremden, was er zu ſo ſpäter Stunde noch von mir begehrt, ich wünſche nicht geſtört zu ſein, er möge Dir ſein Anliegen mittheilen. Der Alte entfernte ſich demüthig und kam nach wenigen Augenblicken in äußerſter Beſtürzung zurück.— — Ach, gnädigſter Herr, ſagte er athemlos. — Du biſt bleich wie der Tod— was giebt's? — Ach, Excellenza, die Prinzeß! — Nun, Alter, ſei ſchnell, ſage mir, hat man das unglück⸗ liche Mädchen ermordet? Dieſe Ungeheuer würden ſelbſt nicht zögern, ein hülfloſes Weib zu tödten. — Noch iſt ſie vielleicht am Leben. — Was alſo iſt nun vorgefallen, oder was ſoll geſchehen? ſprich, Vargas, ich werde ungeduldig. — Der Fremde war zwar erbittert, daß er von Ihnen nicht empfangen wurde, Fluch dem ariſtokratiſchen Hochmuth, rief er, aber im Intereſſe der Menſchlichkeit und zweier edeln Seelen, will ich ſagen, was ich weiß! Der Diener theilte jetzt ſeinem Herrn das Nähere mit, und dieſer ſtand bleich und bewegungslos, als wäre er verzaubert — einige Momente blieb er ſprachlos. 1 — Rettung, Rettung! Vargas, wenn es möglich iſt— hier iſt Gold! ſagte er dann mit unterdrückter Stimme, Du wirſt durch unſere Familiengruft leicht an den Schreckensort gelangen! — Ich will meine Seele Gott und der gebenedeiten Jung⸗ frau empfehlen und dahin gehen, ſagte der alte Diener, gnädigſter Herr, aber beten auch Sie— es thut wahrlich Noth— ent⸗ weder kehren alſo zwei zurück, oder Sie ſehen Niemanden wieder. 278 Er eilte hinaus, und wir wiſſen bereits, wo wir ihn eß wiederſahen. W— poruch Gleich nachdem er mit dem Ruffiani unterhandelt hatte, 1 4 kehrte er durch die Oeffnung in der Mauer, welche von dieſem im Je Schreckensort zunächſt nach der Todtengruft ſeines Herrn führte, 1 dahin zurück. kai Hier wartete er nur wenige Minuten, als Leonore ſchon 1 von dem Elenden hineingedrängt wurde. vnen Mit von Freude erglühtem Herzen warf er die Thür zu 6 riß der Prinzeß das Tuch aus dem Munde, und dieſe ſtieß einen Angſtſchrei aus. Nutt — Wohin bin ich gekommen? rief ſie. — Sie ſind in dem Hauſe Ihres Oheims! 1 d⸗ — Ich gerettet, und er?— uch — Gott ſei ſeiner Seele gnädig!— lc Leonore folgte dem alten Manne, der ſie durch eine undurch⸗ Hi dringliche Dunkelheit führte, mit gefoltertem Herzen. Duſe Endlich gelangten ſie in erleuchtete Räume, und bald ſank 1 die Unglückliche an die Bruſt ihres greiſen Oheims. ue — Gerettet! jauchzte dieſer, und der Prinz? feis — Ach entſetzlich, die Hyänen, klagte Leonore.* — Nun, haben ſie ihn getödtet? dend — Sie führen ihn zum Tode— ja die Flammen, ach jetzt 3 vielleicht umzingelt ihn ſchon das Fegfeuer, welches dieſe Teufel wast angezündet haben.— — Jeder Menſch erreicht ſein Ziel, ſprach der Herzog von lühe Tortoſa feierlich, indem er ſeiner Nichte liebreich die Hand reichte Wil und ſte ſanft auf einen Prunkſeſſel niederdrückte; der Eine verläßt 1 früher, der Andere ſpäter das Irrſal dieſes Lebens— menſch- liche Klugheit kann die Stunde des Austritts auch nicht eine Minute im Voraus berechnen. Was ſind auch Jahre im Meere 3 der Ewigkeit?— Wie leer und nichtig iſt auch dieſe Welt, die wir doch ſo lieb haben gegen die geahnte Wonne der ewigen ich Seele.. Leonore warf einen langen, traurigen Blick auf ihren Oheim. Seligkeit— meine gute Leonore— der Menſch ſollte in jeder 1 Stunde zum Scheiden bereit ſein und nicht klagen, wenn ihm 3 ein Freund oder Bruder durch die dunkle Pforte vorangeht, denn nur! ſein Weg führt in den Himmelsgarten.— Waffne alſo Deine d 1 . 11 ihn zatte, jeſem hrte, ſchon zu einen urch⸗ KNf jetzt Teufel von reichte erläßt enſch⸗ eine Meere lt, die wigen jeder ihm „denn Deine öhein —x 279 Offenbar war ſie mit dieſer Philoſophie, dem Troſte des Greiſenalters nicht einverſtanden, doch wagte ſie keinen Wider⸗ ſpruch. — Dem Scheiden aus dieſer Welt folgt das Wiederſehen im Jenſeits, fuhr der alte Herr mit feierlicher Stimme fort. Dieſe Worte hatten ihre Wirkung auf das Gemüth der religiöſen Jungfrau nicht verfehlt. Der ſüße Troſt des Wiederſehens im Jenſeits ließ ſie die momentane Qual des Dieſſeits einigermaßen bekämpfen. Sie holte ein Crucifir hervor, weinte und betete. — Jetzt ſage mir, Mutter, Leonore? — Von meinem Vater habe ich nur die Nachricht gehabt, daß er ſich in den Händen des Volkes befand, meine Mutter iſt nach Caſtel Nuovo gegangen, was ich verſchmähte. — O der entartete Pöbel— nun er wird mit Gottes Hülfe beſiegt werden. — Der Pöbel iſt furchtbar, es iſt wahr, aber wer hat denn ſeine Schreckensherrſchaft hervorgerufen, hätte man dieſen Leuten ihre gerechten Forderungen bewilligt, den der entfeſſelten Leidenſchaften hätte nicht ſtattgefunden. — Mein Kind, eine Regierung kann nicht Alles gut heißen, was das Volk will. — Aber ein Volk will auch nicht der Spielball einer Re⸗ gierung ſein, es ſteht überhaupt im Widerſpruch mit der menſch⸗ lichen Vernunft, zu verlangen, daß Hunderttauſende ſich der Willkür und Laune eines Einzigen fügen ſollen. Tortoſa blickte überraſcht auf ſeine Nichte. — Du haſt ſchädliche Grundſätze, Leonore, ſagte er an. — Ach, die Anhänger der Regierung nennen Alles ſchädlich, was ihrem Intereſſe zuwider ſcheint, aber die Wahrheit läßt ſich nun einmal nicht unterdrücken. — Solche Worte von der Tochter des Vicekönigs? rief Tortoſa unwillig, doch es iſt mir klar, daß Du ſolche Ideen nur dem verderblichen Einfluß des Prinzen Caraffa zu danken haſt. — Mein Oheim, der Prinz wollte nur Gerechtigkeit für die Nation. — Und Du haſt jetzt die beſten Beweiſe, wie treulos, wie wie geht es Deinem Vater— Deiner ſie wären friedlich wie ſtets geweſenz und all dieſer Jammer, dieſes Brennen und Mor⸗ ——— ———— 280 undankbar eine Nation iſt, indem ſie einen ihrer eifrigſten An⸗ hänger zum Scheiterhaufen führt.„ — Das thut nicht die Nation, das thut nur ihr Auswurf, der ſolche Zeiten in demſelben Maße zu ſeinem Nutzen ausbeutet, als eine übermüthige Regierung das Volk tyranniſirt, während ſie ſich allmächtig wähnt— die Mörder des Prinzen ſind ent⸗ feſſelte Galeerenſclaven, alſo der Abſchaum der Nation, wie die Henker des Volkes die Helfershelfer, alſo ſchlechte, unwürdige Rathgeber, die Hefe einer Regierung ſind. — Gott, welche Sprache! — Es iſt die der Wahrheit, die freilich mein Oheim, der in Madrid an einem Hofe groß geworden iſt, wo noch das Ge⸗ ſpenſt des Despotismus eines Philipps des Zweiten hauſt, nicht begreifen kann, allein wir wollen keinen Streit— in ſo böſen Zeiten, wo man nicht wiſſen kann, ob nicht der nächſte Augen⸗ blick ſchon Tod bereitet. Kaum hatte Leonore dieſe Worte geſprochen, als ſich ein lauter Tumult auf der Straße vernehmen ließ. Die Prinzeß fuhr ſchaudernd zuſammen. — Da ſind ſie, ſagte ſie mit halblauter Stimme; ſie haben den unglücklichen Prinzen ermordet und kommen nun, um auch mich zu opfern— ſie haben mein Verſchwinden bemerkt und meinen Aufenthalt errathen. Der alte Kammerdiener trat jetzt bleich wie ein Todter und ſchwankend wie ein Schatten ein. — Sie ſtürmen das Haus, ſagte er ächzend.— Sein Körper war hinfällig, jedes Glied bebte. Leonore ſtand aufrecht, kein Blick, kein Ton verrieth ihre innere Stimmung. 7 — Gnädigſter Herr, ſagte der alte Kammerdiener, indem er beſcheiden vortrat, ſtände nicht ein koſtbares junges Leben au 3 dem S nehme des P anfan⸗ meeiner hohe noth, und 2 Bleida Ihr lo abzuk gend, aber ich bit ohl ſch leben An⸗ durf, eutet, drend ent⸗ e die tdige der Ge⸗ nicht böſen gen⸗ jein haben wauch t und t und ihre indem den aul 281 dem Spiele, ich würde mich nicht unterfangen, das Wort zu nehmen; man hört aber ſchon die Schrecklichen in der Vorhalle des Portals, von wo ſie ſchon Küche und Keller zu plündern anfangen, ich möchte Ihnen und der Donna rathen, ſich nach meinem beſcheidenen Kämmerlein zu begeben, das freilich für ſo hohe Herrſchaften kein genügender Aufenthalt iſt, aber die Todes⸗ noth, die jetzt naht, nimmt ja auch keine Rückſicht auf Stand und Würde, ziehen Sie ſich dahin zurück, es liegt zwiſchen dem Bleidache und vier Schornſteinen verſteckt genug. — Armer Vargas, ſagte Leonore mitleidig, ſo ſchlecht ſeid Ihr logirt. — Hoch genug, lächelte der Alte, um meiner Seele den Weg abzukürzen, den ſie bald antreten muß, aber jetzt wage ich drin⸗ gend, meine Bitte zu wiederholen. — Prinzeß, Sie gehen mit ihm, gebot entſchieden Tortoſa, aber ich.— — Nein, mein Oheim, Sie werden gehen und ich bleiben, ich bin die Urſache dieſes Auftrittes, mich ſuchen die Elenden, wohlan, ſie ſollen mich finden. — Nimmermehr! — Oheim, ich beſchwöre Sie, laſſen Sie mich, die Schuldige ſich den Henkern ausliefern, dann werden ſie zufrieden ſein, leben Sie wohl. Sie wollte ſich haſtig entfernen, aber Tortöſa zog ſie zurück. — Du biſt im Irrthum, meine Nichte, wenn Du wähnſt, dieſe Ribaldi wollen nur Dich, Raubſucht, Diebesgelüſte führt ſie hieher, wer weiß, ob es dieſelbe Rotte iſt, der Du entkommen biſt, glaube nur, es ziehen mehre Haufen dieſer Beſtien jengend und plündernd durch die Straßen. — Erlauben Sie gnädigſter Herr, daß ein alter Diener, an deſſen Leben nichts mehr liegt, den Almoſenier des Herzogs und den Kammerherrn ſeiner Majeſtät mache, ſprach Vargas und ſtreckte ſeine zitternde Rechte nach dem Geldbeutel aus, der bereits auf dem Tiſche ſtand, den er aber ſeines ſchweren Ge⸗ wichtes halber nicht zu heben vermochte. — Gehen Sie mit ihm, Oheim, flehte Leonore. — Nimmermehr, entgegnete Tortoſa mit Würde, in einer Anwandelung von Schwäche bebte ich vorher, aber meine Seele hat ſich an den Gedanken der Gefahr gewöhnt— man ſoll nicht — — ——.—— 44 282 4 b 8 ſagen, daß ein Don Tortoſa vor Rebellen geflohen iſt— ich ſollte mich auch retten und Dich der Gefahr überlaſſen, ſollten ſie nach meinem Blute lechzen, ſo würden ſie übrigens jeden bereits Winkel des Palaſtes durchſuchen, bis ſie mich gefunden haben. nichts — Sie ſind ein Wohlthäter der Armen Neapels, gnädigſter A Herr, nahm der alte Diener wieder das Wort, und würden Saal L t hunderte Wittwen und Waiſen ihres Verſorgers und Wohle 8 thäters berauben. im Al — Sie würden ſich ſelbſt berauben, entgegnete Tortoſa, er-⸗ 3 griff mit ſeiner noch immer kräftigen Rechten den ſchweren A Geldſack und entfernte ſich durch die Hauptthür des Saals mit den ge einem gebietenden Blick, der jeden Verſuch beſeitigte, ihn zurück⸗ erſt a zuhalten.— Leonore begab ſich weinend mit ringenden Händen in ein— anſtoßendes Cabinet, um vor dem Bilde der heiligſten Madonna— Maria knieend zu beten..— Der alte Vargas, ganz allein im ungeheuren Saale, wagte 5 es jetzt erſt, ſich auf die Tiſchplatte zu ſtützen, um ſeinem zum— Tode erſchöpften Körper eine kurze Raſt zu gönnen. feagte Aber dieſe Stellung genügte nicht lange, ſein Antlitz wurde 1— bleicher, ſeine Züge erſchlafften und verfielen immer mehr. gende Seine Augen ſchienen gebrochen zu ſein— die Bruſt ath⸗ hunde mete ſchwer auf. dunkel Dann ſank er langſam auf den Teppich vor dem Tiſch nieder, die nu ſein Haupt fiel unter die Prunkdecke zurück, welche ſeinen letzten aus d Kampf verhüllen zu wollen ſchien. Ichr Wohl ihm, wenn er ausgelitten hätte, dem treuen Herzen Rauf des alten Dieners würde ein großer Schmerz dadurch erſpart ſein. zechi war! 1 ihrer Mord ii wihe Qſeiner Während deſſen wurde der Lärm immer heftiger— das Geſchrei der Tumultuanten drang furchtbar näher. ane Leonore warf einen Blick in den Saal. —— * lten leden en. gſter den Johle her⸗ deren mit rück⸗ — ein onna agte G zum durde ath⸗ jeder, etzten erzen ſein. - da? 283 Dieſer war leer— den Todten am Boden ſah ſie nicht. Leonore hatte beſchloſſen, ihren Oheim aufzuſuchen, ſie war bereits an Gefahren gewöhnt, der Gedanke daran hatte für ſie nichts Erſchreckendes mehr. Aber ſeltſamerweiſe zitterte ſie, allein durch den dunkeln Saal und die einſamen weiten Vorhallen zu gehen. Die Seelenkraft der Frauen überwindet wohl das Große, im Kleinen aber erliegt ihre zartere Natur. Jetzt öffnete ſich die Thür— ihr Oheim trat ein. Alle Spuren eines furchtbaren Entſetzens ſprachen ſich auf den geſpannten Zügen noch aus, und die Farbe des Lebens trat erſt allmälig auf ſeine bleich gewordene Wangen zurück. — Es wird ernſt, begann er nach einigem Zögern. — Sie brüllen nach mir, mein Oheim, nicht ſo? — Nein, Leonore— — Sie wollen rauben? — Ich gab ihnen Gold. — Und das, wonach ſie gelüſten, hat ſie nicht zurück gehalten? fragte Leonore mit Spannung. — Ich warf oben auf der breiten Treppe ſtehend, die klin⸗ genden Silberlinge unter die Menge, erzählte Tortoſa, und hundert Kehlen ſchrieen mir ein„Evviva“ zu, und unten in der dunkeln Vorhalle zezgten ſich bluthrothe, ſchreckliche Geſtalten, die nur hier und da von dem Lichte einiger Feuerbrände, die ſie aus der Küche geholt haben mochten, grell beleuchtet waren. Ich rief ihnen verſöhnende Worte zu, aber unten entſtand eine Rauferei— Meſſer blitzten, ſie kämpften um die Carlini und Zechinen, die ich mit vollen Händen hinunterwarf, aber bald war mein Vorrath erſchöpft. Einige bluteten unter den Meſſern ihrer Raubgeſellen. Das rauchende Blut hatte ihre Luſt am Morde aufgeregt. — Mehr Geld! ſchrieen Einige. — Der ſchenkt uns nichts, Brüder, ſchrie ein fürchterlicher rieſiger Menſch mit kahlgeſchorenem Kopfe und ſchwarzem, ver⸗ wildertem Bart, beim heiligen Antonio, ſein Palaſt mit allen ſeinen Schätzen iſt ja unſer Eigenthum. — Auf, auf, rief ein Anderer, wer ſeine Goldſtücke wie eine Hand voll Sand fortwirft, muß mehr dergleichen haben. — Hier giebt es zu buskiren, Brüder, bei der Seele meines — ————— ———————————— — 284 Dolches— ich will hier ein reicher Mann werden, weil ich eines lange genug gedarbt habe, und dieſer Coujon will uns mit tigen! Bettelmünze abſpeiſen. 3 6 — Siamo galanthuomini riefen wieder Andere mit drohender ESchlif Geberde, und dieſer Spanier will uns wie Bettelbuben behandeln? Syrak — Ach, es ſind dieſelben Verworfenen, welche den Prinzen T ermordet haben! 4 und de — Ich hielt es unter dieſen Wüthenden für gerathen, mich des To zurückzuziehen, unterbrach ſie Tortoſa, aber eben blitzten Meſſer d und es war nur noch die Friſt, welche mir durch eine kurze Stimn Unentſchloſſenheit gegönnt wurde, die es mir möglich machte, imme mich zu retten und die feſten Thüren der Vorſäle und Vorge⸗ G mächer zu verriegeln. Ehe ſie ſechs Thüren durchbrechen, haben ffillen, wir Zeit, das Nöthige anzuordnen.— herbei — Heilige Jungfrau, die Ungeheuer, die den Prinzen auf J ſo grauſame Weiſe ermodet haben, wehklagte Leonore, werden derſelb auch mit Ihnen kein Mitleid haben, ich verlange keine Schonung, Ei ich will gern ſterben. IN W — Du darſſt und wirſt nicht ſterben, Leonore, ſondern Dich 1 mit Vargas in das von ihm angedeutete Verſteck zurückziehen; Erbre⸗ mir aber ſoll er meinen Kammerherrn⸗Mantel bringen, iſt es gierig möglich auf dieſe entmenſchten Geſchöpfe zu wirken, ſo muß man S verſuchen, ihnen zu imponiren— ein hündiſches Kriechen vor gedrän den Reichen und Mächtigern iſt ihnen zur anderen Natur ge⸗ 1 worden— aber wo iſt der alte Mann?— meima — Mater amabilis(gebenedeite Mutter), ſchrie Leonore, da diama liegt er. lu 8 DOhne ein Wort zu ſagen, zog Tortoſa den Hingeſunkenen Gallen unter dem Tiſch hervor, ſtützte ſich auf ein Knie und richtete deſſen Oberkörper in die Höhe.— ſeine! — Reiche mir das Licht her, Leonore, vielleicht hat ihn nur J eine Ohnmacht angewandelt, er war ein treuer Menſch, und ſanden man muß das Aeußerſte verſuchen, ihm zu helfen. geſpre Leonore gehorchte. 6 Tortoſa hielt das brennende Licht vor den Mund des bleichen Menſe Greiſes— ein ergreifender, entſetzlicher Anblick. teriich Die Flamme bewegte ſich vom leiſen Athem. 4 — Er lebt! rief Leonore. Nd. at ociefen Jetzt kniete ſie ohne Entſetzen nieder, um durch Vorhalten lich mit ender deln? inzen mich leſſer turze achte, orge⸗ haben n auf erden nung, Dich ehen; iſt es man n vor er ge⸗ te, da kkenen ichtete n nur „ und leichen 285⁵ eines ergriffenen Flacons mit flüchtigen Eſſenzen den Ohnmäch⸗ tigen wieder zu beleben. Seine Wiederbelebung gelang endlich durch Einreibung der Schläfen und endlich durch den Genuß eines Glaſes ſtärkenden Syrakuſerweines. Dieſes Werk der Barmherzigkeit wurde unter dem Toben und den Stößen der Banditen gegen die Thür, unter den Schrecken des Todes geführt. Der greiſe Diener ſtand wieder aufrecht, indem er mit leiſer Stimme um Verzeihung bat, daß ihn die Ohnmacht in dieſem Zimmer überraſcht hätte. Es ſchien ihn übrigens mit einer gewiſſen Freude zu er⸗ füllen, daß er den Befehl erhielt, den Staatsmantel des Herzogs herbeizuholen. Jetzt aber krachte das Geräth in den Vorſälen— die Thüren derſelben waren erbrochen. Ein Jubelgeſchrei ſo grauſig und ſchrecklich, wie man es von menſchlichen Stimmen nie gehört hat, dröhnte herein. Fenſter und Möbel hörte man ſchon zertrümmern, und das Erbrechen der großen alterthümlichen Schränke ſchien die raub⸗ gierige Bande nur noch auf Augenblicke aufzuhalten. Tortoſa hatte Donna Leonore in ein Nebeihoemiuiß zurück⸗ gedrängt. Vargas hing ihm den mit Hermelin aufgeſchlagenen Sam⸗ metmantel um, dann reichte er ihm den ſpaniſchen Hut mit der diamantnen Agraffe und weißen Feder. Tortoſa ſteckte den Degen an die Seite und war nun mit— allen Zeichen einer hohen Würde belleidet. So ſtellte er ſich neben den Marmortiſch, auf welchen er ſeine linke Hand ſtützte. Mit Ernſt und Entſchloſſenheit in den Zügen erwartete er ſonden Augenblick, in welchem endlich auch die letzte Saalthür geſprengt ſein würde. Schon dröhnten Stöße dagegen. Aber eine wilde, tobende Menſchenmaſſe machte bald jede andere Bewegung, als ein fürch⸗ terliches Andrängen unmöglich. — Hier werden wir die Tochter des Erpreſſers finden! riefen viels Stimmenn — Ja, hier muß ſie verborgen ſein, laſſen wir uns di⸗ — ———— —— 6 — 286 Beute nicht entgehen, für die uns eine ganze Nation Dank ſagen wir Ge wird! ſchrieen Andere. Furchtbares Krachen folgte dieſen Worten. 1 3 Endlich brachen die Thürflügel in den Fugen auseinander,— und mit den Trümmern derſelben ſtürzten die Vorderſten auf ghr di den geſchliffenen Moſaikboden des Saales nieder, und die Nach— e folgenden fielen und ſtiegen über ſie her. 1 ſdrecher Es war eine gräuliche Scene, wie dieſe ſchwarzbraunen ſ ein Manichen in der Dämmerung des Hintergrundes am Boden muniß mit einander rangen und fluchten. 2 Nur die Meſſer ſah man blitzen, und mehr wie einer von Gewal dieſem hölliſchen Gewürm, ſuchte ſich durch Meſſerſtiche von dem darn Nächſten zu befreien, den ihm die Gewalt des Andrangs auf A den Leib geworfen hatte und war unbekümmert darum, ob es ſnitt dem Leben eines Vaters oder Bruders galt.-lboſban So vergingen mehre Minuten, ehe die furchtbaren Männer Rütt in dicht gedrängten Maſſen dem Greiſe gegenüberſtanden, welchem 5 das Blut ſchon am Boden entgegenrieſelie, ehe nur noch von b einer Seite ein Angriff geſchehen war. rüimen — Guten Abend, Herzog von Tortoſa, begrüßte ihn der ſam v Anführer, in welchem wir denſelben Menſchen erkennen, der auch G die Rotte in den Katakomben befehligte; Sie werden verzeihen, ſich d daß wir Ihnen eine ſo unangenehme Stunde bereiten, allein im ht 3 Intereſſe der Nation giebt es keine Rückſicht. dn — Was wollt Ihr Elenden? Verlangt Ihr Geld? es ſoll ffüh Euch werden! 4 — Wir werden urns erlauben, Ihr Vermögen im Intereſſe P des Volkes von Neapel zu confisciren, ohne daß Sie uns dabei⸗ un ſ behülflich ſind, außerdem aber haben wir noch eine Miſſion in eine dieſem Hauſe. üni — Und welche wäre dies? w — Prinzeß Donna Leonore von Arcos befindet ſich in dieſeem d Hauſe, Sie werden dies als Cavalier nicht leugnen. nicht — Und wenn dem ſo wäre? I. 3 nug — Dann werden Sie uns die Dame ausliefern. — Die Prinzeß iſt in meinem Hauſe, aber Ihr ſollt ſie 3 nicht haben, bei der heiligen Madonna!—. zu der Ein ſpöttiſches Lächeln ſchwebte um die Lippen des Häuptlingg. ſagen nder, auf Nach⸗ nunen Zoden rvon n dem s auf ob es tänner lchem h von n der r auch geihen, ein im 5 ſoll nereſſe dabei ſion in dieſem ollt ſte etlings. 287 — Wollen Sie ſich alſo die Unannehunlichteit bereiten, daß wir Gewaltmaßregeln anwenden? — Ich verachte Euch, Geſindel. — Die Prinzeß wird unſere Gefangene. — Die Prinzeß Eure Gefangene, Ihr ſchäbigen Lumpen, Ihr Diebe und Mörder, welche Anmaßung. — Ich bitte mit mehr Reſpect von unſeren Perſonen zu ſprechen, Herr Spanier; wollen Sie alſo die Donna gutwillig ausliefern? — Sucht ſie. — Ihr Wille ſoll geſchehen, Excellenza; Sie wünſchen alſo Gewaltmaßregeln— bindet ihn, wendete ſich der Häuptling dann zu ſeinen Gefährten. Augenblicklich ſprangen einige Banditen herbei, riſſen und ſchnitten dem unglücklichen Greiſe den Hermelinmantel und ſeine koſtbare Kleidung vom Leibe, indem Andere ſeine Hände auf den Rücken banden. Während dieſes Auftritts ging der junge Anführer dieſer entmenſchten Rotte mit auf den Rücken gelegten Händen lang⸗ ſam vor den Mannorwänden des Saales auf und nieder. Er betrachtete die Schildereien und alten Oelgemälde, welche ſich dort befanden mit eigenthümlicher Kennermiene. Eine weibiſche Sentimentalität ſchien ſeine ganze Seele den ſchönen Künſten zugewendet zu haben, während das men ſchliche Gefühl ihm völlig entfremdet war. Das grauſige Blutgericht, welches er in den Katakomben an⸗ geordnet hatte, die hier wieder verübten Schreckensthaten ſchienen ihn ſo wenig zu intereſſiren, daß er mit angenehmer Stimme eine liebliche Barkarole vor ſich ſingend, ganz in Betrachten eines Bildes verſunken war, welches in der Nähe der Thür hing, aus welcher Leonore trat.— Dieſe hatte gehört, daß man nach ihr forſchte und wollte nicht länger verborgen bleiben. Ihr bleiches Antlitz, von dem aufgelöſten Haar umwallt, trug das Gepräge der Verzweiflung. Ihr Blick fiel auf ihren Oheim, bald aber wendete ſie ſich zu dem Häuptling. Jetzt erſt, als ſie dieſen Menſchen beim hellen Kerzenſcheine ſah, erkannte ſie trotz ſeiner veränderten Kleidung, den Mord⸗ 288 hiin ve brenner wieder, der das Schiff angezündet hatte, auf welchem bn ſie ſich befand.— Ehe Leonoree noch ein Wort hervorzubringen vermochte, re⸗ Haupt dete ſie der Galeerenſklave an. finem — So überheben Sie uns der Mühe, das Haus nach ziehen Ighnen zu durchſuchen, Prinzeß, ſagte er, indem er höflich ſeinen den S durchlöcherten Hut lüftete, es iſt mir wahrhaft angenehm, daß gefale die Sache leicht und glatt abgeht. 5 deut, — Hier bin ich, nichtswürdiger Mörder, ſchone alſo das die ſch Leben dieſes Greiſes, morde ihn nicht wie den unglücklichen gen ſe Prinzen.— oll g — Laſſen Sie die Todten ruhen, Prinzeß, und jetzt uns ein Wenig von der Kunſt unterhalten; nicht wahr, man findet oft noch gute Bilder in den alten Paläſten— ſo erſtaune ich, nicht dort noch eine Madonna della Segliola zu finden, die ganz be⸗ die H ſtimmt noch aus der blühendſten Kunſtperiode des göttlichen find Meiſters Urbino herrührt. Dieſen Raphael, Donna, liebe ich ſen, — das iſt meine ſchwache Seite. finer So beſchwöre ich Dich denn bei dem heiligen, unſterblichen verd Urbilde dieſer Kunſtſchöpfung, rette den unglücklichen Greis. 1 — Schöne Donna, rief er, wofür halten Sie michz ich bin bun⸗ ein Eletto del populo; das Recht erfleht man nicht, man fordert G i es, und bei der Seele meines Dolches, man ſoll nicht vergeblich iſh an meine Gerechtigkeit appelliren; aber Sie werden begreifen, deren Donna, daß ein Haupt des Volkes höhere Pflichten hat, als benn einer ſchönen Dame zu huldigen, es würde dem Regenten von Neapel übel anſtehen, in den Gang Rechtens einzugreifen, es dir müßten ſonſt Nichtigkeiten die Kaſſation des Urtels rechtfertigen rĩ k — aber erklären Sie mir vor Allem, wie kommt jene ſchlechte ſur Copie eines Carlo Dolce hier unter die echten Meiſterwerke? — Wie dieſe ſchlechte Copie eines Menſchen unter dieſe fulg von der Natur ſo treu gemalten Ungeheuer, entgegnete Leonore ne mit unſäglicher Bitterkeit, doch fuhr ſie mit einem leiſen Anflug 1 ſchmerzlicher Ironie fort, ich will dem gerechten Oberrichter, dem Blic Regenten des Volks von Neapel, der von dem Könige und mei⸗ on nem Vater wie von nicht vorhandenen Perſonen ſpricht, Gele⸗ genheit geben, Gerechtigkeit zu üben, der Prinz von Caraffa Wan wird auf die Ausſage eines Spitzbuben und Galeerenſträflings melg . 2 elchem te, re⸗ nach ſeinen , daß ſo das klichen t uns findet ne ich, nz be⸗ ttlichen ebe ich blichen is. ich bin fordert geblich reifen, 4, abs en von fen, es fertigen ſchlechte erke? r dieſe Leonore Anflug er, dem a mei⸗ Gele⸗ Caraffa räflings 289 hin verurtheilt, ſollte die Juſtiz noch nicht vollſtreckt ſein, ſo ſtoßen Sie es um. — Reden Sie hier leiſe von Spitzbuben, entgegnete der Hauptmann lächelnd— hier giebt es mancherlei Menſchen von feinem Gefühl, die dergleichen Ehrentitel leicht auf ſich ſelbſt be⸗ ziehen könnten; was indeß Ihr Caſſationsgeſuch betrifft, ſo wer⸗ den Sie finden, daß ihre Thränen nicht auf einen heißen Stein gefallen ſind.— Lucian, wandte er ſich dann an einen ſeiner Leute, eile zurück nach den Katakomben und ſage Signor Reduto, die ſchöne Donna habe ſich beſchwert, daß eine Nullität began⸗ gen ſei, man vermiſſe Beweiſe, bei der Seele meiner Mutter, es ſoll gerecht gerichtet werden. Der Angeredete entfernte ſich. — Ob er noch zeitig genug kommen wird, weiß ich freilich nicht, Signora, nahm der Häuptling wieder das Wort, denn die Herren, welche mit der Hinrichtung des Prinzen beauftragt ſind, pflegen ſchnell zu handeln, doch wir wollen das Beſte hof⸗ fen, und Ihr Anderen bringt dieſen Spanier, den Schwager ſeiner Hoheit hinaus in die Vorhalle, dort ſoll auch er gerichtet werden, ſobald Signor Reduto eintreffen wird— nur zwei mö⸗ gen zurückbleiben, mit der Donna will ich ſelber Abrechnung halten, denn mir war es ſtets intereſſant, mich mit dem ſchönen Geſchlecht zu befreunden. Man ſchleifte den Herzog Tortoſa hinaus, während Leonore, deren bewundernswürdige Standhaftiakeit jetzt ihr Ende erreicht, bewußtlos zuſammenbrach. — Im Nebengemach habe ich ein Ruhebett bemerkt, legt die Donna darauf nieder, gebot der Häuptling den beiden Zu⸗ rückgebliebenen, aber geht ſanft mit ihr um, oder Eure Köpfe fallen noch in dieſer Nacht. Leonore wurde in das Nebengemach gebracht und der Elende folgte, ſchickte ſeine Gefährten wieder hinaus und blieb im Zim⸗ mer, deſſen Gegenſtände er muſterte und betrachtete. Vor Allem war es eine prächtige Guitarre, welche ſeine Blicke feſſelte. — Ein ſchönes Inſtrument, ſagte er, nahm ſie von der Wand herab, an der ſie befeſtigt war und begann in lieblichen melancholiſchen Accorden zu präludiren. Das 9pfer von Amalfi.(Bd. 1.) 19 ——— 290 Blenden. Als die Lebensgeiſter der unglücklichen Leonore ſich wieder regten und ſie erwachte, waren ihre Sinne verwirrt. Es ſchien, als ob Jemand in Ihrer Nähe Guitarre ſpielte 1 und ein ſchmelzendes Lied von der Wonne des Mai's dazu ſinge. So wenig auch die eben erlebten Schauerſcenen an die Möglichkeit einer lyriſchen Stimmung glauben laſſen konnten, ſo ließ ſich doch die Wirklichkeit des Geſanges keinen Augenblick bezweifeln. Das Krachen der Schränke, die in entfernten Zimmern zer⸗ brochen wurden und ein dumpfes Geſchrei, welches durch die zer⸗ ſchlagenen Fenſter von der Straße heraufſchallte, begleiteten die⸗ ſen Geſang. Leonore blickte auf und wußte nicht, ob ſie ihren Augen trauen ſollte. Da ſaß jener wunderlich furchtbare Menſch, der ſich tändelnd vielleicht einer lyriſchen Reminiscenz aus ſeinen noch ſchuldloſen Zugendjahren hingab, während der tägliche Verkehr mit den verruchteſten Verbrechern auf der Galeere und die ſelbſt erdul⸗ dete Erniedrigung alles Gefühl für menſchliches Elend in ihm abgeſtumpft hatte.. Dieſer Menſch ſaß jetzt lächelnd in einem Seſſel vor ihrem Lager und hatte eine Guitarre im Arm, worauf er mit vieler Virtuoſität ſpielte.. — Sie ſcheinen ſich zu wundern, Donna, daß ich ſpiele, aber ich ſagte Ihnen bereits, ich bin ein Mann aus guter Ge⸗ ſellſchaft, ein Galanthuomine; ohne Zweifel ſind auch Sie muſi⸗ kaliſch. Leonore würdigte ihn keiner Antwort. — Nun, Donna, Sie ſchweigen, ſo will ich noch ein ſicilia⸗ niſches Hirtenliedchen zum Beſten geben, merken Sie auf, es hat eine allerliebſte Melodie. Er ſang, während Leonore ſchauderte. 1b Sie ſtarrte ihn an, als könnte ſie nicht begreifen, was der Menſch beabſichtige. 2— wieder ſpielte finge. m die ten, ſo enblick en zer⸗ ie zer⸗ en die⸗ Augen indelnd ldloſen it den erdul⸗ in ihm ihrem t vieler piele, ter Ge⸗ e muſt⸗ ſicilia⸗ was der 291 Sie warf nur einen Blick auf ihre Umgebung, auf die zer⸗ trümmerten Spiegel in dieſem Gemache, während im Saal, deſſen Flügelthüren geöffnet waren, die Leichen der im Gedränge er⸗ ſtochenen Banditen auf dem Boden lagen. Dann erinnerte ſie ſich der Scene in den Katakomben, ſie ſah den gräßlichen Richter vor den Särgen auf dem umgeſtürz⸗ ten Denkmal ſitzen. Noch erblickte ſie das abgeſchnittene Menſchenhaupt, ſchreck⸗ lich ſchaudervoll. Das Lied des Häuptlings war zu Ende, er legte das Inſtru⸗ ment auf den Tiſch. — Jetzt werden Sie ſingen, Donna, ſagte er höflich. — Singen? fragte Leonore mit kaum beſchreiblicher Ent⸗ rüſtung. — Gewiß, Donna, Geſang erfreut des Menſchen Herz, und Ihnen thut Freude wahrlich Noth. — Aus meinen Augen, Ungeheuer! — Noch nicht, Donna, ich habe noch eine wichtige Miſ⸗ ſion zu vollbringen, ſagte er bedeutungsvoll. — Habt Ihr nicht ſchon gemordet und geplündert, Unge⸗ heuer? — Singen Sie nur, Donna, ſagte der Verworfene lächelnd; wir haben keine weitere Störung zu befürchten, als vielleicht noch einige Fragen nach verborgenen Schätzen, alſo, wenn's ge⸗ fällig wäre. Mit dieſen Worten hielt er ihr die Guitarre hin. Leonore ergriff das Inſtrument und ſchleuderte es von ſich, daß es auf den Boden fiel und mit lang anhaltendem, brauſen⸗ dem Geräuſch in Stücke ſprang. — Welche ſeltſame Exaltation! lächelte der Häuptling. — Verlaßt mich, Scheuſal, Euer Anblick bringt mir den Tod! rief Leonore. — Noch nicht, vielleicht nach wenigen Augenblicken, wenn Alles— vollbracht iſt. — Was meint Ihr? Was wollt Ihr noch? — Etwas ſehr Wichtiges, Donna, antwortete der Gefragte; aber ich ſehe durchaus nicht ein, warum Sie ſich an dem ſhuld⸗ loſen Saitenſpiel vergreifen?— ſ 19* 292 Er ſuchte die Stücke auf und ſuchte ſie wieder zuſammen geledt zu preſſen. lch u In dieſem Augenblicke drangen einige von den Schurken in das Zimmer, welche ſich während deſſen mit der Plünderung dieſer beſchäftigt hatten. G — Wo befinden ſich die Schätze des gnädigen Herrn? haben fragten ſie, Leonore mit drohenden Blicken betrachtend. 6 — Sucht ſie, elende Spitzbuben! war die Antwort. 4 3— Seien Sie höflicher gegen dieſe Herren! gebot der heißt Häuptling, ſie dürften ſonſt gleichfalls den guten Ton außer Acht laſſen. 1 weite — Geld, Geld— wo ſind die Edelſteine? donnerten die Schü Furchtbaren. V Ein Blick unſäglicher Verachtung und tödtlichſter Entrüſtung ſhen war die Antwort Leonore's. — Wollen wir nicht Zwangsmaaßregeln anwenden? fragte perſel einer der Kerle den ſchrecklichen Chef. 1 — Sie hören es, Donna, wendete ſich dieſer zu Leonore; i Sie werden alſo ſolchen Unannehmlichkeiten nur durch die(ie Beantwortung der an Sie gerichteten Frage entgehen können; des es iſt zwar nicht zu verlangen, daß Sie völligen Aufſchluß über nit den Gewahrſam der Schätze dieſes Hauſes geben, da Sie vor kaum einer halben Stunde in dieſen Palaſt gekommen ſind, aber war etwas werden Sie wohl wiſſen, daher Donna, ſprechen Sie! 4 — Mordet mich, elendes Geſindel, warum ſchont Ihr mich noch? rief Leonore verzweifelt, macht mit mir ein Ende wie mit aun den Uebrigen, ich begehre nicht zu leben, aber ſeid überzeugt, 4 nicht nur mein Vater, ſondern auch das ganze Volk von Neapel hat wird Eure Grauſamkeit zu ſtrafen wiſſen, und nun, Ihr Unge⸗ heuer, ſtoßt zu. Tod! — Nicht doch, Donna, es iſt für jetzt unmöglich. — Erſt das Geld— wo iſt es? brüllten die Anderen, das d Geld, das Geld, oder bei der Hölle, Sie ſollen es uns mit Ge⸗ ie walt ausliefern. n Ll — Ich fürchte, Prinzeß, ſagte der Häuptling, Ihre Weige⸗ kin rung wird Ihre niedlichen Füße in Gefahr bringen— meine 4 9¹ Leute pflegen von unten herauf zu fragen. Ich für mein Theil 4 würde die Unterbrechung unſerer Unterhaltung bedauern— n wenn man zehn Jahre hindurch unter rohen Galeerenſklaven fe —— — umen en in erung errn? der außer n die üſtung fragte NAMe; ch die nnen; ß über ie vor aber die! t wich vie mit erzeugt, Neapel Unge⸗ en, das nit Ge⸗ Weige⸗ meine n Theil gern— nſklaven — ——õ4 293 gelebt hat, ſo fühlt man ſich in gebildeter Converſation ſehr glück⸗ lich und zufrieden. Leonore warf einen ſeltſam fragenden Blick auf den Sprecher dieſer Worte— ſie ſchauderte. — Sie verſtehen mich nicht, wohlan, Sie ſollen Aufklärung haben, Donna, herbei Edgardo. Ein langer Galeerenſklave erſchien. — Wie geht man mit Widerſpenſtigen um? ſprich, was heißt es, von unten herauf zu fragen. 5—5 — Man nähert die Flamme zuerſt den Fußſohlen und ſo weiter, entgegnete der Gefragte mit der Harmloſigkeit eines Schülers. Leonore ſtieß einen Schrei der Entrüſtung und des Ab⸗ ſcheues aus. — Iſt es möglich, Gott, daß ſich die menſchliche Natur ſo verleugnet.— O welche Barbaren, welche Tiger! — Mit nichten, Prinzeß, Sie verkennen uns, wir wollen nur Strenge anwenden und Ihnen zugleich die Güte erweiſen Sie dem Scheiterhaufen nahe zu bringen, welcher die Ueberreſte des Prinzen Caraffa verzehrt hat— doch iſt Signor Reduto mit den Anderen noch nicht zurückgekehrt? — Noch nicht, verſetzte der, an den dieſe Frage gerichtet war, im Tone bangen Staunens, Der Häuptling ſchien beunruhigt. — Es iſt mir ſelber räthſelhaft, ſagte dieſer für ſich, und nun, Donna zum letzten Mal, wollen Sie ſprechen? Leonore ſtand mit abgewandtem Geſicht, furchtbare Gefühle hatten ſie beſtürmt. — Das Gold— die Schätze— die Juwelen, Gold oder Tod! brüllten die Tiger. — Ich bitte Sie um Ihrer ſelbſt willen, Prinzeß, entziehen Sie ſich dieſer Gewaltmaßregel durch eine raſche Antwort— Sie ſehen, die Herren werden ſchon ſehr ungeduldig. Leonore verharrte in ihrer Stellung, ſie blieb regungslos, kein Wort kam über ihre Lippen. — Wohlan, ſo geſchehe, wie es recht iſt, ſagte der Menſch; gnädigſte Donna, man wird uns grauſam nennen, aber verſetzen Sie ſich in unſere Lage und Sie werden das Nothwendige un⸗ ſerer Handlungsweiſe begreifen— unſere Zeit iſt gemeſſen, wir * —— — — — 7 8 , 3—y⁰ 4————— 8— ——————*———— ——-———-— — 1—. 1 294 können nicht wiſſen, ob uns die Freiheit der Steuererpreſſung ſo lange zu Theil bleiben wird, als dieſe Ihr Herr Vater hatte; wenngleich das Volk von Neapel im Allgemeinen ſehr er⸗ bittert und empört iſt, ſo dürfte es doch nicht mit jeder unſerer Maaßregeln einverſtanden ſein, daher müſſen wir die uns viel⸗ leicht nur ſpärlich zugemeſſene Freiheit zu unſerem Privatvortheil ſo gut und ſo raſch als möglich benutzen. — Das Volk von Neapel wird Euch ſteinigen, wenn es Euch nicht wieder in die Bagno's wirft— Euer Reich kann nicht lange währen, wenn eine Gottheit waltet. — Gold, Gold, raſch, Donna! brüllte die Bande. — Aus meinen Augen, Ihr Teufel, oder tödtet mich. — Alſo die Donna weigert ſich ſtandhaft, nahm das Un⸗ geheuer in ſeiner gewöhnlichen übermüthigen Weiſe das Wort; es muß das Schreckliche geſchehen— ſchafft die Donna nach dem Scheiterhaufen des Prinzen, wendete er ſich zu ſeinen Leu⸗ ten, aber es ſoll mit der ſcharfen Frage langſam und ordnungs⸗ mäßig verfahren werden— ich will nicht, daß man meinem vielleicht kurzen Regimente in Neapel nachſage, daß eine ſchlechte Juſtiz während deſſelben gewaltet habe— bekennt ſie dann nicht, oder iſt ſie von einer Ohnmacht befangen, ſo mögt Ihr ſie immer von unten herauf zu Pulver brennen— aber vorſichtig, meine Lieben, es iſt eine hübſche Dame, mit der Ihr es zu thun habt, man muß mit ihr ſäuberlich umgehen— ſchonend und keine Gräuſamkeit, ich werde mir während deſſen noch einmal den ſchönen Kopf von Dominicino betrachten, man kann ſich an guten Bildern nicht ſatt ſehen. Er machte vor Leonore eine tiefe Verbeugung und war im Begriff, ſich zu entfernen. Die Banditen hatten ſich dem ihnen geweihten Opfer mit furchtbarem Freudengeſchrei genaht, um es anzugreifen. 1 — Himmel, ſchütze mich, kreiſchte Leonore, Gott, welche Schmach! 6 Der Häuptling, der ſchon die Thür erreicht hatte, blieb plötzlich ſtehen und überlegte einige Augenblicke. — Zurück, ſagte er, ich will es mit der Donna noch einmal in Güte verſuchen, vielleicht nützt es. 1c Su Auf ein Zeichen von ihm entfernten ſich die Banditen, wie⸗ wohl ungern und zerſtreuten ſich in die Nebengemächer. — Sie, i zeichnu ſein zu den H nicht i oder i J vor ſi g hes i Galeen Da ſung Jater ter⸗ ſerer viel⸗ etheil in es kann Un⸗ Vort; nach Leu⸗ ungs⸗ einem hlechte dann Ihr ſie ſchtig, ihun dund ainmal ſch an dar im er mit welche blieb einmal , wie⸗ —— ———õ—— 295 — Nun, Sennora, Sie ſehen, ich thue was ich kann, ſagen Sie, wo ſind die Schätze Ihres Oheims? — Fraget den Schatzmeiſter.. — Wenn Sie den alten Diener deſſelben mit dieſer Be⸗ zeichnung meinen, ſo thut es mir Leid, Ihnen nicht zu Dienſten ſein zu können, denn meine Leute haben den Herrn aus Mitleid den Heiligen zugeſellt, weil ſie ihn für einen Erdenbewohner nicht mehr tauglich befunden. — Ungeheuer— — Jetzt im Ernſt, oder ich muß endlich thun, was mich reuen könnte. Mit dieſen Worten zog er einen Dolch hervor und legte ihn vor ſich auf den Tiſch. Leonore's heldenmüthige Seele bezwang das Entſetzen, wel⸗ ches ihr dieſer Menſch einflößte. — Meinſt Du, ich fürchte Deinen Dolch, nichtswürdiger Galeerenſklave? ſagte ſie, ich will nicht leben, die Tochter des Duca von Arcos weiß zu ſterben. — Das bezweifle ich nicht, aber Sie ſind noch ſo jung. — Stoße den Dolch in die Bruſt. — O nein, ich habe es anders überlegt, ich werde ſtatt von unten herauf, von oben herunter fragen; alſo ich ſtoße nicht in die Bruſt. — Himmel, befreie mich von dieſem Verworfenen, warum haſt Du kein Erbarmen? — Weil er Erbarmen mit mir hat— aber zur Sache, in die Bruſt ſtoße ich nicht, ein ſo dummer Teufel bin ich nicht, dann würden wir ſicher auf die Schätze verzichten müſſen, allein es giebt noch eine andere Weiſe, die ich in Anwendung bringen will— die Augen, Sennora. — Die Augen? — Ja wohl, Prinzeß, Blenden— will ich Sie, falls Sie nicht bekennen. Das Ungeheuer hob jetzt den Dolch empor, welcher Leonore für immer des Lichtes ihrer ſchönen Augen berauben ſollte. 4* wo iſt das Gold? raſch ſagen Sie es, 29u99 Derjenige, welcher in das Zimmer des Miniſter Herandez getreten, war der Pförtner des Hauſes. — Excellenza, die Buben hatten den Schlüſſel zur Haupt⸗ pforte, wie konnte dies zugehen? fragte er. 1 Herandez war ſo verwirrt, daß er nicht einmal wußte, was Jener ſagte, ſeine Blicke ſtierten den Sprechenden voll Todes⸗ angſt an. Plötzlich ertönte draußen eine rauhe Stimme. — Aufgemacht— aufgemacht, ſonſt wird die Thür einge⸗ ſchlagen, es ſind gute Freunde, die Einlaß begehren. Bei dem Klange dieſer Stimme fuhr Herandez ſchaudernd zuſammen— ſein Antlitz ward bleich, eine Erinnerung weckte ihn aus ſeiner bisherigen Lethargie. Er trat nach wenigen Augenblicken zur Thür, öffnete ſie und ließ Frederigo, den Räuberchef ein. — Sie ſind nicht allein, Excellenz, ſagte dieſer, auf die bei⸗ den Männer deutend, welche anweſend waren, ich muß mit. Ihnen ohne Zeugeu ſprechen. Zitternd gab Herandez den beiden Dienern einen Wink, ſich zu entfernen, und dieſe gehorchten. —= Sie werden ohne Zweifel einen Angriff auf Ihr Eigen⸗ thum erwartet haben, Don Herandez, nahm der Räuber das Wort, als ſie ſich allein befanden, allein dem iſt nicht ſo, im Gegen⸗ theil haben wir Ihren Palaſt geſchützt und einen Trupp Lumpen⸗ kerls verjagt, welche wohl unabhängig von den Führern des Aufſtandes auf eigene Hand ihr Weſen treiben— ich komme alſo in friedlicher Abſicht mit einigen meiner Leute zu Ihnen, Sie um Obdach für dieſe Nacht zu bitten.— Des Miniſters Züge erheiterten ſich, als er hörte, daß es ihm nicht an das Leben gehen ſollte. — Wie viel Mann haben Sie gebracht? fragte er.. — Nur ſechs, und mit dieſen wenigen Leuten habe ich den ganzen Trupp von Bettlern und Ruffiani verjagt. — Und wo ſind die übrigen Herren, die mich nach Neapel begleitet haben? — Alle auf ihren Poſten— verſetzte der Räuber bedeu⸗ tungsvoll. — Es ſoll Ihren anweſenden Leuten Haus, Küche und Keller zur Verfügung ſtehen. 3 1 . „ t 8 1 „. 3 G 1 tanden daupt⸗ „was Todes⸗ einge⸗ udernd weckte ete ſie ie bei⸗ z mit ni, ſich Eigen⸗ Wort, Gegen⸗ mpen⸗ in des komme Ihnen, daß es ich den Neapel bedeu⸗ he und 297 Er ging hinaus, um die nöthigen Befehle zu ertheilen und kehrte bald wieder zurück. — Und nun, Don Herandez, ſagte der Räuber, Woilen wir von Geſchäftsangelegenheiten ſprechen. Der Miniſter gerieth in Verlegenheit. — Ich will hören. — Sie ſind bereits mit den Bedingungen. bekannt gemacht, unter denen Ihre Entlaſſung erfolgte. — Sehr wohl, antwortete Herandez ſtotternd. — Zunächſt bitte ich um die Erfüllung des erſten Punktes. — Sie ieſthen alſo das Löſegeld. — Ohne Zö — Sogleich. L Mit ſchwerem Herrr Pwerretuhts Herandez dem Räuber das verlangte Geld in mehreren Rollen. — Gut, ſagte dieſer mit wohlgefälligem Lächeln, und nun zu dem zweiten Punkt, meine Protection bei dem Herzog von Arcos betreffend— mein Stellvertreter hat mir bereits mitge⸗ theilt, daß Sie ſich bei der Verhandlung dieſer Angelegenheit etwas difficil zeigten, ich will Sie alſo dieſer Mühe überheben. — Sie wollen von dem Wunſche, in die Dienſte des Vice⸗ königs zu treten, zurückſtehen? — Das nicht, aber ich verlange Sie nicht mehr als Ver⸗ mittler, ſondern will ſelbſt die Sache in die Hand nehmen und dem Herzog von Arcos meinen Beſuch machen, Sie aber ſollen mich zu ihm führen. — Für jetzt iſt es mir unmöglich— verſetzte Herandez kleinlaut. — Warum unmöglich?— polterte der Räuber, indem er wüthend nach ſeinem Karabiner griff. — Weil ich mich auf der Straße nicht zeigen darf, ohne zu befürchten, ein Opfer der Volkswuth zu werden. — Sie haben die Kleidung eines Lazzarone angelegt, und dieſe dürfte Sie vor Erkennung ſchützen. — Ich glaube es nicht, das Volk von Neapel kennt mich zu genau, würde es mir aber auch gelingen, nach dem Caſtel Nuovo zu gelangen, wohin ſich der Vicekönig, wie Sie wohl wiſſen werden, zurückgezogen hat, dürfte ſich der Miniſter in ſolcher Tracht ihm nahen? — . —————- ——————— —— 1 ——— — 298 — In ſolchen Zeiten iſt Alles zu entſchuldigen— und Sie werden mit mir gehen. — Unmöglich, ich darf, ich kann nicht— verſetzte Herandez in kläglichem Tone; Sie müſſen es ſelbſt einſehen. — Gut denn, ſo will ich Ihnen Aufſchub gewähren, bis ſich ein günſtigerer Augenblick naht, verſetzte der Räuber, dann werde ich zu Ihnen kommen, um Sie zu holen— und wahrlich, dann ſoll keine Ausrede gelten, ſetzte er mit ſehr bedeutungs⸗ vollem und drohendem Nachdruck hinzu. — Ich werde bereit ſein, mit Ihnen zu gehen, ſagte Herandez halblaut, die Erfüllung der dritten Bedingung, die Entſagung der Prinzeß betreffend, verbietet ſich leider jetzt von ſelbſt. — Das verſtehe ich nicht, rief der Räuber verwundert; es bleibt beim Alten. — So wiſſen Sie es noch nicht? — Ich bin begierig. — Donna Leonore hat mit dem Prinzen Caraffa zu gleicher Zeit ihren Tod in den Katakomben gefunden. — Dapvon iſt mir nichts bekannt, entgegnete der Räuber ſehr zuverläſſig, es bleibt bei der Verabredung, und eines Tages werde ich Ihnen das Entſagungsſchreiben, welches Sie dem Herzog von Arcos überſenden ſollen, in die Feder dictiren, da⸗ mit es in gehöriger Form abgefaßt wird, doch nun, Sennor, laſſen Sie mir ein Gemach anweiſen, auch ich bedarf der Ruhe, denn die nächſten Tagen werden ſtürmiſch ſein.— Auf ein von Herandez gegebenes Zeichen erſchien ein Diener. — Sind die Herren, die mich begleitet haben, untergebracht? fragte der Räuber den Eingetretenen. — Sie ſchlafen bereits? — Und wo? 99. — Im Seitenflügel des Hintergebäudes. — Ich ſage Ihnen Lebewohl, Don Herandez, denn noch vor Tagesanbruch werde ich Ihren Palaſt verlaſſen, bis dahin aber will ich der Ruhe genießen., Er entfernte ſich mit dem Diener. Herandez blieb in der äußerſten Aufregung zurück. — Wie wird es enden, murmelte er leiſe; wer kann wiſſen, ob man noch das Licht des nächſten Tages ſieht. Eine geraume Zeit hindurch ſchien er ſich mit vielfachen Betrach —— 299 Betrachtungen beſchäftigt zu haben, als ihn plötzlich ein Gedanke angewandelt hatte, der ihn aufrüttelte. Er klingelte, und bald ſtand der Diener vor ihm, der ſich vorhin mit dem Räuber entfernt hatte. Er warf einen forſchenden Blick auf den Eingetretenen. — Du biſt mir ergeben, ich kann auf Deine Treue rechnen? redete er ihn mit leiſer Stimme an. — Ich bin Ihnen mit Leib und Seele ergeben, Exrcellenza. — Hat der Mann Dir irgend eine Mittheilung gemacht? — Nicht die geringſte. 3— Und haſt Du ihn nicht in die Nähe des betreffenden Gemachs gebracht? — Bei der gebenedeiten Jungfrau, nein, er iſt gleichfalls im linken Seitengebäude untergebracht— das erwähnte Gemach liegt im rechten. — Ich glaube Dir— es kann doch bis dahin kein Geräuſch, kein Laut von dem bewußten Ort dringen?. — Unmöglich. — Uwd haſt Du ſie auch heute beobachtet? fragte Herandez in leiſe flüſterndem Tone. — Wie Eure Ercellenz befohlen haben, verfuhr ich auch heute. — Jetzt biſt Du Deines Amtes enthoben, da ich wieder zurückgekehrt bin und den Palaſt nicht eher verlaſſe, bis die Schreckenstage ihr Ende erreicht haben werden— ich habe alſo ſelbſt die Aufſicht. Glockengeläute. Mitſ furchtbarem Geſchrei wurde Giulio fortgeführt— bis endlich der gräßliche Zug auf einen Wink des Signor Reduto, welcher nach der Entfernung des Anführers der Bande nacheilte, 1 Halt machte. — Hier ſoll der Act der Gerechtigkeit vollzogen werden, al 1 ½ 300 nahm dieſer das Wort, indem er auf einen Haufen von Leichen ſun deutete; ſeht nur, hier liegen ſie, viele unſerer Kameraden, welche drn von der verfluchten Todesgeſellſchaft ermordet und hieher gebracht nge nin wurden; dieſe Execution ſoll ihnen zugleich ein Opfer ſein, ein Brandopfer, welches dem Herrn wohlgefallen wird. 3 — Laßt uns den Scheiterhaufen errichten! rief eine andere Kling Stimme. D — Den Scheiterhaufen— den Scheiterhaufen— das Brand⸗ Naye- opfer dem Herrn für den Tod unſerer Brüder! ſchrieen alle arnen Uebrigen. durch Ein furchtbares Getöſe wurde hörbar— von allen Seiten die S brachte man Särge herbei, thürmte ſie übereinander und ein— omm Freudengeſchrei ließ ſich vernehmen. Plötzlich erſchallte der grelle Ton eines Glöckleins, und dann— trat ein ſchauervolles Schweigen ein. — Pper l'anima del povero giustiziato!(Für die Seele des armen Delinquenten) ſprach dann in tiefem, flehendem Tone eine üuim 3i klagende Stimme. 5 Jetzt wurde zugleich über den Köpfen der durch den ſelte ſamen ſchauervollen Eindruck dieſer Worte wie zu Stein gewor⸗ Blick denen ſchrecklichen Menſchen ein lederner Beutel ſichtbar, an welchem rothgemalte Seelen im Fegfeuer zu bemerken waren. Abſch Dieſer Beutel war an einer Stange befeſtigt, mit welchet ein alter Kapuzinermönch mit über den Kopf gezogener Kutte aber ihn herumreichte. Es war keineswegs ein ſeltenes Ereigniß, daß hier ein des Mönch zum Vorſchein kam, welcher in den Gewölben des Todes ein Gebet für das verſtorbene Mitglied irgend einer Lazza-⸗ ſinn rone⸗ oder Bettlerfamilie hielt, das hier im Tode wie im Leben bleiben ſollte. 3 ſchon . Aber das plötzliche Erſcheinen des Mönchs, ſeine bange klagende Stimme hatte doch eine ſeltſame Wirkung ſelbſt auf N dieſe Verworfenen hervorgebracht, die jetzt vielleicht an ihr eige⸗ Gal nes Ende erinnert wurden. lich Der Kapuziner, der den Prinzen Caraffa nicht erkannte, hatte hier ein unglückliches, dem Tode geweihtes Opfer bemerkt gekd und glaubte ſomit ſeine Schuldigkeit thun zu müſſen. 9 Es war merkwürdig, wie in dieſem Augenblick alle die grau⸗ doch Leichen welche ebracht n, ein andere Brand⸗ n alle Seiten nd ein d dann ele des ee eine en ſelt⸗ gewor⸗ ar, an ren. welcher Kutte ier ein Todes Lazza⸗ m Leben 1 bange bſt auf hr eige⸗ bemerkt ie grau⸗ 1 rkannte, 301 ſamen gefühlloſen Mörder von einem frommen Mitleide für die arme Seele ihres Schlachtopfers ergriffen wurden. Ein jeder von ihnen legte einen Grano Ganderthalt Pfen⸗ ninge) in den Beutel. Zugleich küßte der Spender die rothen Seelen auf dem Klingelbeutel des terminirenden Bettelmönchs. Uebrigens ſieht man ſolche wohl noch heute faſt täglich in Neapel gehen; ſie werden gleichſam für die Unterpächter der armen Seelen im Fegfeuer gehalten, und unausgeſetzt ertönt durch die Straßen der Ruf:„per l'anima del purgatorio!“(für die Seelen im Fegfeuer.) Der Mönch war bis in die Nähe des Unglücklichen ge⸗ kommen, den er lange betrachtete. Der Prinz mußte ihm fremd geweſen ſein, denn er hatte auch jetzt kein Zeichen des Staunens oder der Ehrfurcht gegeben. Er zog ein ſilbernes Crucifir aus dem Buſen, welches er ihm zum Kuſſe hinhielt. — Maria purissima! ſprach er mit ſalbungsvoller Stimme. Giulio wendete ſich ab und warf auf den Mönch einen Blick voll Hohn und Staunen. Wäre er nicht gefeſſelt geweſen, er würde ihn vielleicht mit Abſcheu von ſich geſtoßen haben. Der Mönch hatte ſeine Hand zum Segen erhoben, dieſe aber wurde plötzlich feſtgehalten. — Padre, rief der Bandit, der dies that, mit allen Zeichen des Entſetzens; der arme Sünder hat noch nicht gebeichtet! — hUſpetto, ſchrie der Galeerenprieſter mit einer wahn⸗ ſinnigen Geſtikulation, indem er zu ſeinem ehemaligen Amts⸗ bruder trat; denkt Euch, mein Bruder, dieſes Geſindel, dem ich ſchon ſeit langer Zeit angehöre, will es wagen unſerem Herrgott eine Seele zu ſtehlen. Der Kapuziner war durch den Anblick dieſes Prieſters und Galeerenſclaven in einer Perſon, doch ein wenig alterirt, nament⸗ lich als er ihn Bruder nannte. — Was haſt Du gethan, Figlio mio, daß Du zu ihnen gekommen biſt? fragte er. — Ich habe menſchlich gefehlt, wie Ihr Alle, mein Bruder, doch ſtören wir nicht die heilige Handlung. — Alſo der Delinquent hat noch nicht gebeichtet? 302 — Du ſiehſt es ja, mein Bruder, verſetzte der Galeeren⸗ prieſter; mordet und raubt ſo viel Ihr wollt, das iſt einmal Eure Natur, Ihr Beſtien, fuhr er wieder zu den Anderen ge⸗ wendet fort, vergreift Euch an dem Leibe dieſes Volksverräthers nach Herzensluſt, aber rettet ſeine Seele, ſonſt beſtehlt Ihr Gott und ſeine Heiligen— wie würde der Teufel hohnlachen und die ganze Hölle jubeln, wenn Ihr dieſen Armenſünder ohne Beichte und Abſolution in den Tod ſchicktet und Belzebub den Samiel mit einer Legion Dämonen ausſendete, um Eure eigenen, ſchwar⸗ zen Seelen nachzuholen— das wäre ein Fiſchzug des Teufels, wie ihn ſelbſt der heilige Petrus nicht reicher gezogen hat— Ihr Heuchler Ihr— da zahlt Ihr für eine Seele, die kein Meſſeleſen erretten kann— da— da— Ihr Schurken, nehmt Eure Opfer zurück, fuhr er fort, indem er dem Kapuziner den Klingebeutel entriß; der Himmel verwirft Euch mit Curen Grani.— 8⸗ 81 4 1Ig. Jetzt warf er die Kupfermünzen unter die Gaunerbande. Auf den ſchwarzbraunen Geſichtern der Letzteren wurden alle Spuren einer ſchauerlichen Furcht ſichtbar. Einige Augenblicke ſtanden die Banditen wie vom Donner gerührt, dann warfen ſie ſich untereinander mit den blitzenden Augen ſcheue Blice uf.. — Henrico, hob Einer an, per amor di dio(uin der Liebe Gottes Willen) der Armeſünder ſoll beichten. er Jeder Eindruck haftet nicht lange bei dieſen ſo leicht erregten Menſchen, am wenigſten vermögen Geſinnungen von Milde bei ihnen lange nachhaltig zu ſein. 7 Nach wenigen Augenblicken ertönte ſchon von einigen ver⸗ ſtockten Gemüthern ein lautes Geſchrei. — Zur Hölle mit ihm, riefen dieſe, ein Verräther iſt kein guter Chriſt. 9 — Ihr habt recht, ſeine Seele gehört dem Teufel, und keine Meſſe vermag ſie zu retten. 6 — Der Scheiterhaufen ſoll angezündet werden, riefen An⸗ dere, fort, fort mit ihm! — Halt, rief eine donnernde Stimme, und eine kraftvolle Fauſt warf zu gleicher Zeit die Banditen zurück. 8 Dieſe waren beſtürzt, als ſie Signor Reduto vor ſich ſahen, ſo Furcht einflößend erſchien der Ausdruck ſeines Geſichts. Ihr zu d es ku Entr⸗ Treib Sinn des hier dem Sig 3 leeren⸗ inmal en ge⸗ äthers rGott nd die Beichte Samiel hwar⸗ euffels, hat— ee kein nehmt her den Euren de. Ae Donner tzenden tLiebe tregten lde bei en ver⸗ iſt ein id keine fen An⸗ zaftvolle h ſahen, 5. —O — IETrr 303 &. — Wer hat Euch ein Recht gegeben auch die Seele dieſes Mannes zu morden? rief er zürnend; der Leib ſoll ſterben nach Urtel und Recht, aber die Seele iſt Gottes Eigenthum— habt Ihr denn kein Gewiſſen, Ihr Be Padre, wendete er ſich zu dem Kapuziner, bereitet ihn, Tode vor, aber macht es kurz. Der Angeredete näherte ſich dem Delinquenten, welcher mit Entrüſtung aber auch zugleich mit todesverachtender Ruhe dem Treiben dieſer Ungeſtüme ſchweigend zuſah. — Der heilige Januarius möge hier Deinen chriſtlichen Sinn ſegnen, mein Sohn, ſagte er feierlich, indem er das Zeichen des Kreuzes zu machen verſuchte, was ihm aber nicht gelang— hier gleich in der Nähe iſt eine Kapelle, dorthin will ich mit dem Armenſünder gehen. — Hier iſt doch keine Spitzbüberei im Schildet fragte Signor Reduto. — Ueberzeugt Euch, ſagte der Prieſter. Der ganze Zug bewegte ſich vorwärts, man gelangte wirk⸗ lich nach einer Kapelle, welche hier wohl früher behufs der Ab⸗ haltung von Seelenmeſſen für die hier Behrabenen errichtet worden war. Man trat ein. — Ich will gleich unterſuchen, ob dieſe Kapelle keinen ge⸗ heimen Ausgang hat, der nach der Todtengruft irgend einer fürſtlichen Familie führt, ſagte Signor Reduto. Mit dieſen Worten klopfte er an alle getäfelten Wände, um zu unterſuchen, ob ſich vielleicht eine geheime Thür daſelbſt befände. Aber bald kehrte er mit einem Ausdruck der Befriedigung zurück. — Mein Verdacht begründet ſich nicht, ſagte er, und die heilige Handlung mag vor ſich gehen. — Ite missa est,(Geht, die Meſſe iſt aus,), ſprach der Prieſter mit Ernſt und Würde, indem er den Schrank öffnete, in welchem die heiligen Geräthe— die funkelnde Monſtranz und der Kelch ſichtbar wurden. Mit einer gewiſſen Demuth zog ſich Signor Reduto mit 8 ſeinen Genoſſen zurück und ließ den Prieſter mit ſeinem Beicht— befohlenen allein. 304 Mit einem leiſe geſprochenen Ave Maria hielten die Ban⸗ diten Wache vor der Thür. Während ſie zu den Heiligen im Himmel Gebete empor⸗ ſandten, pochten zuglei Herzen vor heißer Blutgier, und die Nichtswürdigen konn zum den Augenblick erwarten, wo dieſe befriedigt wurde. b — Jetzt ſind wir allei flüſterte der Geiſtliche in einem ganz anderen Tone als zuvor; ſagen Sie mir vor Allem wer Sie ſind, und wie Sie in die Gewalt dieſer Mordbuben ge⸗ langten. Dieſe Worte flößten Giulio Vertrauen ein. — Sie ſind wohl nicht lange in Neapel, Padre? ver⸗ ſetzte er. — Seit acht Tagen weile ich in dieſer ſündenvollen Stadt, vorher war ich in Averſa. — Sie würden mich wohl ſonſt gekannt haben; mein Name iſt Caraffa. Der Prieſter fuhr überraſcht und erſchreckt zurück. — I prence Caraffa? fragte er mit tonloſer Stimme— Gott und die heilige Jungfrau erbarme ſich Ihrer, aber wie kann ich Sie retten?—— — MNeine Rettung aus der Gewalt dieſer blutdürſtigen Mord- und Raubgeſellen iſt unmöglich, aber wenn Sie etwas für mich thun wollen, Padre, ſo melden Sie meinen Tod meinem Vater, dem Herzog von Mattalone. — Ich will es, Prinz, ach, mein Herz blutet, aber wie konnten Sie in die Gefangenſchaft dieſer Rotte gerathen? Giulio bedeutete ihm dies in kurzen Worten. — Ach Gott, auch die Prinzeß— o Madonna Maria hilf, hilf; doch Sie werden ſterben, mein Sohn, wenn ein Heiliger Sie nicht durch ein Wunder rettet. — Es geſchieht kein Wunder, Padre, ſagte Giulio mit Wehmuth und Bitterkeit. — Die nächſten Augenblicke werden Sie dem gräßlichſten Tode überliefern, mein Sohn, wollen Sie die kurze Zeit nicht noch benutzen, ſich mit Ihrem Schöpfer zu verſöhnen. — So viel ich mich erinnere, habe ich den Himmel nicht beleidigt, verſetzte Giulio ernſt. — Kein Menſch iſt ohne Sünde, mein Sohn, beichten Sie. me— r wie rſtigen etwas neinem er wie a hilj eiliger o mit ☛ lichſten t nicht el nicht getheilt, ein Sündenbekenntniß halte ich für unnöthig. 305⁵ — Alles, was ich zu ſagen hatte, habe ich Ihnen bereits mit⸗ — Schnell, mein Sohn, horchen Sie— rief der Geiſtliche tief erſchüttert; ſie brüllen nach ihrem Opfer. Es ließ ſich wirklich ein gräßliches Geſchrei vernehmen, einzelne Stimmen forderten den Delinquenten, andere fragten, ob die heilige Handlung noch nichf vorüber ſei. Aber ſo verworfen auch die Unholde waren, ſo ſehr ſie auch nach dem Blute des beklagenswerthen Giulio gelüſteten, es wagte Niemand, die Ceremonie durch voreiliges Eindringen zu ſtören. — Gott, was ſoll ich thun?— rief der Prieſter todtenbleich. — Mich ausliefern, wenn Sie Ihr eigenes Leben nicht ge⸗ fährden wollen. — Aber Sie haben nicht gebeichtet. — Sagen Sie, es ſei geſchehen. Das Geſchrei wurde ungeſtümer, man begann bereits an die Thür zu gehen, der Prieſter bebte an allen Gliedern, während Giulio düſter vor ſich hinbrütete. — Ich muß der Noth des Augenblicks gehorchen, ſagte der Geiſtliche mit ſchmerzerfüllter Stimme— Gott ſei Ihnen gnädig, mein Sohn. Die Rotte brüllte, wie die Verdammten in der Hölle. End⸗ lich öffnete ſich die Thür. Der Prieſter trat heraus. Sein Haupt war mit der brau⸗ nen Kutte verhüllt, die Hand hielt die Monſtranz in die Höhe. — Nun, mein Bruder? fragte der Galeerenprieſter. — La pressa(er hat ihn empfangen), ſagte der Kapuziner⸗ mönch feierlich. — Er hat den Leib des Herrn empfangen, meine Brüder, rief der Galeerengeiſtliche. — La pressa, la pressa! rief die Menge und ſtürzte bei dem Anblick des Allerheiligſten auf die Knie nieder. Doch kaum war der Prieſter verſchwunden, als auch die Banditen ſchon wieder aufſprangen. Mit einer durch die Zögerung verdoppelten Wuth bemäch⸗ tigten ſie ſich Giulio's und ſchleppten ihn fort. Schon bewegte ſich die Fackel, die alten aufgethürmten Särge in Brand zu ſtecken, als die Stimme des Signor Reduto ertönte. Das Bpfer von Amalfi.(S8. 1) 20 als 306 ₰ℳ — Ihr Eſel, ſchrie er, der Delinquent ſteht noch nicht auf ſeinem Platze und Ihr wollt anzünden? 4 Eben wollte man den Prinzen auf den Scheiterhaufen ſtellen, plötzlich ein dumpfes Geräuſch hörbar wurde. — Was iſt das? rief Reduto etwas beſtürzt, indem er ſein Ohr lauſchend ſeitwärts neis 1 Es ſchienen eilige Tritte bar, und in demſelben Augenblick ertönte ein grelles geläute. Zu gleicher Zeit ließ ſich eine ſchwarze Fahne blicken, von der ein blendend weißer Todtenſchädel grinſte.. — Die Todesgeſellſchaft— die Todesgeſellſchaft! ſchrie Sig⸗ nor Reduto, unſere Feinde nahen. Ein grauenvolles Kampfgeſchrei ließ ſich vernehmen, und wenige Minuten ſpäter fand wieder ein gleiches Gemetzel ſtatt, wie in jener Nacht in den Straßen Neapels. Wieder beleuchteten die Fackeln eine gräßliche Scene des Todes und der Verzweiflung— faſt die ganze Rotte der Galeeren⸗ ſträflinge, Bettler und Ruffiani war aufgerieben. Die Todesgeſellſchaft war auf Veranlaſſung Salvator Roſa's herbeigeeilt, der, auf die Gefahr hin, die Gunſt bei den Lenkern des Aufſtandes nicht nur einzubüßen, ſondern ſein eigenes Leben zu gefährden, Giulio's Rettung herbeiführte. Der junge Maler hatte mit eigenen Händen des Freundes Feſſel gelöſt, und dieſer lag halb todt in ſeinen Armen. — Gerettet, mein Prinz, ſagte er.— — Dank, tauſendfachen Dank— aber wußteſt Du— — Nur jetzt keine Fragen, noch nicht gelöſt. — Was mag aus der verwirrt um ſich blickend.. — Ich vermuthe ſie im Palaſte Tortoſa und fürchte die un⸗ glückliche Donna ſchwebt in gleicher Gefahr. Dieſe Nachricht richtete ſchnell Giulio's geſunkene Kräfte wieder auf. Er entriß einem Mitgliede der Todesgeſellſchaft den Degen und hob ihn hoch empor. — Freunde, rief er mit lauter Stimme, wir alle wollen Freiheit und Gerechtigkeit und Erlöſung des Volkes von dem zu nahen, Fackelſchein wurde ſicht⸗ Glocken⸗ ſtotterte Giulio; woher Prinz, wir haben unſere Aufgabe Prinzeß geworden ſein? rief Giulio 4* :— 1 t auf tellen t ſein ſich⸗ ocken⸗ „von Sig⸗ „und ſtatt, e des eeren⸗ Roſa's enkern Leben eundes wohet Gufgabe Giulio die un⸗ Kräfte aft den wollen don dem 307 auf ihm laſtenden Joche, wir wollen ihm helfen und beiſtehen, aber ebenſo auch Mordluſt, Raubgier und Bosheit ſtrafen— darum Freunde, mir nach, vorwärts mit Gott für die Freiheit des Volkes und das Wohl des Vaterlandes, aber auch ge⸗ gen Despotismus und Bosheit, wo ſie ſich auch immer finden. Mit lautem Ausdruck ihrer Herrrerenhen ſtürzten die Män⸗ ner des Todtenbundes ſich Giulio nach und bald gelangten ſie in's Freie. Sie hatten, da ſie die ihnen unbekannte Verbindung zwiſchen den Katakomben und dem Palaſte nicht benutzen konnten, eine ziemliche Strecke zurückzulegen, ehe ſie den Palaſt Tortoſa er⸗ reichten. Endlich kamen ſie an. Eine Anzahl von Banditen war un⸗ ten verſammelt, und bald wurde man handgemein. Giulio, deſſen Degen ihm hier nur geringe Dienſte thun konnte, erhielt von einem ſeiner Genoſſen einen Karabiner und drang, während die Uebrigen den Platz ſäuberten, in das Innere, Sein Herz pochte— Gott, wenn er zu ſpät gekommen, wenn die unglückliche Leonore ein Opfer dieſer Beſtien geworden wäre, Leben gaben ihm den Muth und die Kraft eines Ueberirdiſchen. Wie ein Raſender drang er vor und beſeitigte Alles, was ihm den Weg ſtreitig zu machen ſuchte. Mit furchtbaren und blitzſchnellen Kolbenſchlägen zerſchmet⸗ terte er einige Köpfe der Banditen und Bettler, welche ſich um ihn drängten. Er war jetzt durch die Vorhalle bis zur Treppe gelangt— mindeſtens zehn Galeerenſträflinge ſtellten ſich ihm in den Weg. — Verrath— Verrath, er iſt entkommen, ſchrieen ſie, un⸗ ſere Brüder ſind überwunden, tödtet ihn, tödtet ihn! — Die Todesgeſellſchaft— die Todesgeſellſchaft! ertönten draußen die Stimmen ihrer Kameraden. Ginlio ſtellte ſich mitten im Kreiſe von wüthenden Räubern und Mordbrennern auf. Er ſetzte den Karabiner über den Kopf in eine Zirkelbewe⸗ ½ gung, hierdurch mußte Jedem, der ſich ihm nahte, der Schädel zerſchmettert werden.— 20* Die Verzweiflung und die Angſt um das geliebte bedrohte —-:——— 308 Ein wahrhaft kühner Angriff macht auf dieſe feigen Ver⸗ brecher immer einen niederdrückenden Eindruck. Voll Entſetzen wichen ſie zurück, doch bald ſahen ſie, daß ſie hier mindeſtens nur einen einzelnen Feind zu bekämpfen hatten.. Unter furchtbarem Fluchen und ſchrecklichen Geberden zuck⸗ ten ſie die Meſſer und umſchlichen mit lauernden Blicken den kühnen Kämpfer, um ihm von hinten einen Stoß beizubringen. Dooch Niemand wagte ſich näher in den Zauberkreis des furchtloſen Mannes, der jetzt einer ganzen Welt zu trotzen wagte, da es die Retttung eines wehrloſen Mädchens betraf, eines Mädchens, das ſeinem Herzen ſo theuer war. Aber wohl auch Entrüſtung über die von dieſem Geſindel ihm zu Theil gewordene ſchmachvolle Behandlung mochten ihn zu Rachegefühlen geſtimmt haben. Da plötzlich ſtieg einer der Banditen in eine Niſche, deren Marmorſtatue zertrümmert war und legte ein Feuerrohr, daß er irgendwo ergattert hatte, auf ihn an. — Macht Platz! ſchrie er, auf dieſen Schuß ſoll er fallen und wenn er der Teufel ſelbſt wäre— ich habe eine geweihte Kugel eingeladen und einen Zahn vom heiligen Antonius. Auf der entgegengeſetzten Seite wich die Menge zurück, aber ſchneller noch, als der Drohende abdrücken konnte, hatte Giulio den Karabiner umgewendet und ihn mit einer Geſchwindigkeit, die dem Zucken des Blitzes glich, von der Höhe herabgeſchoſſen, ſo daß er laut heulend auf das Quaderpflaſter des Bodens niederſtürzte.— 3 Den Augenblick der Betroffenheit benutzte Giulio und eilte die Treppe hinauf. Ein ſchrecklicher Anblick bot ſich ihm hier. Umgeſtürzte, zertrümmerte Möbel— zerriſſene Tapeten und Gardinen lagen zerſtreut umher und er mußte ſich mühevoll den Weg nach den Gemächern bahnen. Alle Thüren waren geöffnet— er trat in das erſte Zimmer — es bot in nicht geringerem Grade einen Anblick der Ver⸗ wüſtung. Nachdem er eine lange Reihe von Gemächern durchſchritten, kam er in den großen Saal, am Boden lagen Banditenleichen, Ver⸗ , daß mpfen zuck⸗ en den ngen. s des trotzen betraf, eſindel ihn zu deren daß er fallen eweihte 2 9. c, aber Giulio digkeit, doſen Bodens und eilte ten und voll den Zimmer er Ver⸗ ſchritten, nleichen, 309 und in geringer Entfernung der todte Körper des alten Vargas, deſſen Kehle durchſchnitten war. Jetzt ertönte ein wüſtes Kampfgeſchrei auch im Inneren, auf der Treppe, die Männer des Todes mußten draußen ihre Arbeit vollendet haben und begannen ſie nun in dem Corridor und auf der Treppe. Noch ſtand Giulio betäubt von dem neuen Schreckenanblick — ſeine Blicke ſchweiften verwirrt umher, ſie ſuchten— Leonore. Plötzlich glaubte er Geräuſch zu vernehmen, welches aus dem Nebengemach kam— er lauſchte— kein Zweifel— er hörte eine Stimme. Er horchte aufmerkſamer und erkanntt die ſüßklingende Stimme jenes Kerls, welcher die furchtbare Gerichtsſitzung in den Katakomben vorgeſchlagen hatte. Aber noch eine Stimme ließ ſich vernehmen— eine, die ihm bis in das Innerſte ſeiner Seele drang. Jetzt, wie von einem Wirbelwind fortgeriſſen, ſtürzte er vor⸗ wärts.— Er trat ein— und ihm nebelt's vor den Blicken, als er den Häuptling der Bande erblickte, welcher den Dolch auf das Auge Leonores’s gezückt hielt. Es war keine Zeit übrig, das bereits abgeſchoſſene Gewehr aufs Neue zu laden, mit einem Sprunge hatte er den Nichts⸗ würdigen erreicht und ihn zu Boden geſchleudert. Leonore ſank von freudiger Ueberraſchung überwältigt ohn⸗ mächtig auf das Lager zurück. Der Häuptling hatte ſich wieder erhoben und blickte erſtaunt um ſich. Bis hierher war der Lärm noch nicht gedrungen, und er hatte keine Ahnung von dem Vorgefallenen. — Was ſoll das heißen; mein Prinz, nahm er das Wort; hat der Caſſationshof das Urtel vernichtet, oder ſollten Sie ent⸗ kommen ſein, erklären Sie ſich. — Du wirſt es bald erfahren, Nichtswürdiger — Keine Beleidigung, mein Prinz, ich fordere Erklärung. Jetzt ertönte das Kampfgeſchrei— der Häuptling der Ga⸗ leerenſträflinge ſtutzte und trat an ein Fenſter. Unten zeigte ſich ein dunkler Hofraum, einzelne Klagelaute drangen herauf, vermuthlich von Verwundeten, welche hier eine Zuflucht gefunden hatten. 4 — Was bedeutet das Alles? fragte der Halerrenſträſtinn. deſſen —— —— ——— 310 blickliche Erklärung. Er trat mit dem Meſſer in der Hand auf Giulio zu und ſetzte es drohen d auf ſeine Bruſt. — Zurück, Bandit, rief dieſer, indem er ihm raſch das Meſſer entwand und es von ſich ſchleuderte, jetzt ſteht nicht mehr das gefeſſelte dem Tode geweihte Opfer, ſondern ein Mann vor Dir, der Dich zittern machen wird— Erklärung, die Du for⸗ derſt, ſoll Dir der nächſte Augenblick geben. Noch einmal warf ſich der Bandenführer auf Giulio und griff nach ſeiner Kehle, in der Abſicht ihn zu erwürgen.— — Stirb, ſtirb, Verräther des Volkes, rief er zähneknir⸗ ſchend. 3— Zurück, Bandit, verſetzte Giulio, Du zwingſt mich, Dich zu tödten. dem Furchtbaren zu befreien. Dieſer ſah, daß ſein Spiel verloren, er hörte die Feinde nahen und wollte wenigſtens Rache.— Verwirrt ſann er einige Augenblicke nach, während ſeine Blicke unheimlich blinzelnd auf Giulio gerichtet waren. Vielleicht überlegte er, auf welche Weiſe er ſeinen Gegner ſchnell niedermachen konnte, aber dieſer war ihm gewachſen und er faßte einen anderen Entſchluß. — Rache muß ich haben, rief er mit der Stimme eines ein Opfer muß mir werden. Mit dem Sprunge einer Panterkatze warf er ſich auf die bewußtloſe Leonore, ergriff ein Kiſſen und preßte es gewaltig auf das todtbleiche Antlitz, um ſie zu erſticken. Bis hierher hatte ſich Giulio, der es verabſcheute, ohne Noth Blut zu vergießen, ſelbſt das eines angreifenden Bandi⸗ ten, beherrſcht, aber jetzt hatte ſeine Großmuth ihr Ziel er⸗ reicht.. 1 — Hyäne, rief er, Du mußt ſterben— es giebt keine an⸗ dere Wahl! Deer Dolch in ſeiner Hand blitzte auf, fuhr nieder und ge⸗ troffen ſank der Galeerenſträfling zu Boden. — —— Stimme jetzt etwas Unheimliches angenommen hatte— augen⸗ Nicht ohne Kraftanſtrengung war es ihm gelungen, ſich von brüllenden Löwen— ſoll denn Alles umſonſt geweſen ſein?— ——j—— Dich h von Feinde ſeine auf die waltig ohne Bandi⸗ iel er⸗ ne an⸗ ind ge⸗ — 311 Aber nach wenigen Augenblicken richtete er ſich wieder auf, ein Blick des tiefſten Haſſes und des gräßlichſten Hohnes fiel auf Giulio. — Sie haben mich verwundet, aber nicht getödtet, rief er mit bebender Stimme, zittern Sie vor mir, wenn wir uns wiederſehen, Sie und dieſe Beute, welche Sie mir entriſſen. Mit dieſen Worten ſtürzte er in ein Seitengemach. Der Abſchied. Der Prinz beſchäftigte ſich nunmehr mit der ohnmächtigen Leonore. Er warf einen langen traurigen Blick auf das ſchöne bleiche Antlitz, welches bei der matten Beleuchtung der faſt nie⸗ dergebrannten Kerzen etwas Geiſterhaftes an ſich hatte— und drückte dann einen ſanften Kuß auf ihre Stirn. — Und doch auf ewig getrennt,— ſeufzte er mit einem Ausdruck von Schmerz und Bitterkeit. Jetzt regte ſich Leonore; nicht das lärmende Kampfgetöſe, das ſchon längſt näher gedrungen war, nicht die lauten Ver⸗ wünſchungen des Banditenhäuptlings hatten es vermocht, ihre Ohnmacht zu ſtören, dieſer Kuß des Geliebten— ſeine kaum hörbar geſprochenen Worte thaten Alles. 1 Die geheimnißvolle Sympathie der Liebe hatte wieder ihre Allmacht bewährt. 2 Leonore richtete ſich empor und ſah den Prinzen vor ſich ſtehen. — Gerettet— ſprach ſie mit leiſer, zitternder Stimme. — Ja gerettet, wiederholte Giulio, ihre Hand faſſend, 8 fommen Sie, Donna, nur fort von dieſem Schreckensort. Er richtete ſie ſanft empor, und Leonore ſtand aufrecht. ————— 312 — Wohin ſoll ich gehen? fragte ſie wehmuthsvoll, ach, für He die Tochter des Duca di Arcos wird ſich ſchwerlich ein gaſt⸗ al liches Aſyl in Neapel bieten. b — Es iſt wahr, verſetzte Giulio, ich dachte noch nicht an 1 ei den Aufenthalt Ihres Vaters, er hat ſich unmitelbar vor uns 1 de aus dem Schloſſe entfernt; aber wohin mag er den Weg ge⸗ nommen haben? Jetzt wurden Tritte hörbar, laute Stimmen ertönten, aber„ nicht mehr ſolche, die erſchrecken konnten. V Die Thür öffnete ſich, und zwei Mitglieder der Todesgeſell⸗ ſchaft führten den Herzog von Tortoſa herein und ließen ihn ſanft auf einen Seſſel nieder. Leonore warf einen flüchtigen Blick auf die Eintretenden; die düſteren Männer des Todes mit ihrem abenteuerlichen An⸗ zuge erſchreckten ſie. Man hatte den alten Mann in einem Gemach des unteren Stockwerks gefeſſelt am Boden gefunden; er war gleichfalls für den Flammentod beſtimmt. Die eindringenden Männer des Todes hatten ihn ſeiner Feſſeln entledigt und ihn zu ſeiner Nichte geführt, nach der er forſchte. Leonore erſchien Alles wie ein Traum, ihre Phantaſie war von den erlebten Schaudern noch ſo erfüllt, daß ſie an einen ſo ſchnellen Wechſel der Dinge kaum zu glauben vermochte. Sie begriff nicht, auf welche Weiſe Giulio's Rettung her⸗ beigeführt worden war und fragte mit Theilnahme nich den Vorgängen, welche dieſe bewirkten. Giulio gab ihr eine kurze aber genügende Auskunft. Leo⸗ nore wünſchte ihrem Oheim Glück, daß er dem Verderben ent⸗ riſſen und dankte den beiden, Männern, welche auich änweſend waren, für ihre Hilfe. Dieſe gaben auf die Frage nach dem Aufenthalt des Duen di Arcos Auskunft.. — Alſo der Vicekönig hat im Caſtel Nuovo eine Zuflucht gefunden, ſagte Giulio, nun denn, Prinzeß, geſtatten Sie, das eic Sie zu ihm führe. Wiewohl die Männer der Todesgeſellſchaft für den Prinzen Caraffa, deſſen Geſinnung ſie kannten, ein tiefes Intereſſe hat⸗ ten und ihn hochachteten, ſo konnten ſie doch ſeine Neigung a d für gaſt⸗ t an uns 3 ge⸗ aber eſell⸗ ihn nden; An⸗ teren s für ſeiner der er war ten ſo her⸗ h den Ko⸗ teit⸗ beſend Duco uflucht e, daß rinzen hat⸗ ung zu 313 der Tochter ihres Feindes nicht billigen und blickten finſtär auf ihn. Giulio wendete ſich nun an ſeine Retter und bat ſier um eine Escorte, damit die Prinzeß nach dem Caſtel geleitet wer⸗ den könne. Allein dieſe wurde ihm verſagt. — Wir durften ſie den Händen der Kanibalen entreißen, Prinz, aber unter keinen Umſtänden eine Handlung begehen, die das Mißtrauen des Volkes gegen uns rege machen würde, und nicht mit Unrecht.— — Gott, Sie ſehen eine wehrloſe Dame und weigern ſich, ſie zu ſchützen? — Die Donna iſt die Tochter des Vicekönigs, dem wir keinen Dienſt erweiſen können, bevor er dem Volke gerecht geworden. — Meine Nichte möge in dieſem Palaſt bleiben, ſagte Tortoſa, den ſolche Worte natürlich unangenehm berührten. Auch Leonore flüſterte Giulio zu, keine fernere Bitte an dieſe Männer zu richten, die ſich übrigens bald entfernten. Der Prinz hoffte wenigſtens Salvator Roſa auch anweſend zu finden, allein er hatte ſich zurückgezogen, vielleicht um den Lenkern des Aufſtandes, denen bis jetzt ſein Einſchreiten gegen die Pöbelbande in den Katakomben unbekannnt geblieben, nicht durch längere Theilnahme an dieſer Action verrathen zu werden. — Nun ſo bleiben Sie, Donna, ſagte er nach längerem Nachdenken, den Andrang von Pöbelhaufen dieſer Gattung ha⸗ ben Sie nicht mehr zu fürchten, ſie ſind vollig unſchädlich ge⸗ macht, und das Volk von Neapel wird ſicher nicht Uebergriffe wagen, wie ſie dieſe Mordbrenner begingen. — Donna Leonore wird, wenn es ihre Geſundheit geſtat⸗ tet, morgen mit mir Neapel⸗ verlaſſen, ſagte Tortoſa; ich haht Alles zu Reiſe vorbereitet. — Uund wohin werden Sie ſich begeben? fragfe Giuii — Nach Rom! — Ich werde Neapel nicht verlaſſen, verſetzte Leonore mit Beſtimmtheit. — Du willſt einen Ort nicht meiden, an dem die Hölle ihr Weſen treibt? rief Tortoſa erſtaunt. — Nein, ich will vielmehr meinen Vater, der durch dieſe mumr(§86 314 Ereigniſſe wohl eine andere Anſchauung gewonnen haben wird, überreden, dem Volke ſein Recht zu geben. — Damit es plündern und morden kann? rief der Alte, der vor Wuth zitterte. — Verzeihen Sie, Excellenz, wenn ich das Wort nehme, fiel Giulio ein, aber ungerechtfertigten Aeußerungen gegenüber iſt es meine Pflicht, zu ſprechen. Das Volk will weder plün⸗ dern, noch morden, ſondern nur ſein Recht. Ich bin Edelmann gleich Ihnen, aber kann trotzdem nicht die Binde vor die Augen legen, um nicht zu ſehen, wie ſehr das Volk bedrückt iſt von einer fremden Regierung und wie ein einheimiſcher, knechtiſch geſinnter Adel, der die Erniedrigung ſeines Vaterlandes und die Erpreſſung, die man an ſeinen Landsleuten und Brüdern übt, mit Beifall billigt, nur um einem ränkevollen, habſüchtigen und despotiſchen Regiment zu huldigen. Statt daß der neapolita⸗ niſche Edelmann ſich mit dem Volke erhebt, um mit ihm ge— meinſam das ſpaniſche Joch abzuſchütteln, flieht er, oder verkriecht ſich hinter die Schießſcharten ſeiner Burgen. Sie ſprechen von Plünderung und Mord, fragen Sie ſich, ob die Regierung nicht mehr geplündert und gemordet hat als das Volk— legen Sie die Hand auf's Herz und geben Sie ſich die Antwort darauf. Die Exceſſe dieſer Nacht rühren nicht von dem Volke, ſondern von einer Räuberrotte her. Sie ſelbſt haben ſoeben Beweiſe gehabt, daß es hochherzige Männer giebt, die das wehrloſe Un⸗ glück beſchützen, jene befreiten Verbrecher und Bettler, welche die Revolution benutzen, um allerdings ihrer Raubſucht zu fröh⸗ nen, unſchädlich gemacht haben— was alſo, verzeihen Sie mir die Frage, wäre aus Ihnen geworden, wenn die Männer der Todesgeſellſchaft Ihnen nicht durch ihre Dazwiſchenkunft bewie⸗ ſen hätte, daß ſie Brand und Mordgelüſte nicht dulden? Sie ſind Spanier, Sennor, können alſo keine Sympathie für Neapels Unglück haben— wenigſtens aber ſollten Sie dieſes Unglück nicht dem Volke, ſondern ſeiner elenden, argliſtigen und despoti⸗ ſchen Regierung zur Laſt legen. Tortoſa war von dieſer Aeußerung ſo betroffen, daß er einige Augenblicke ſprachlos blieb. Seine Stirn hatte ſich in finſtere Falten gezogen— ſein Blick wurde drohend und heftete ſich durchbohrend auf Giulio. — Hier ſteht die Tochter des Vicekönigs von Neapel, be⸗ vitd, Alte, hme, rüber blün⸗ nann ugen von htiſch d die übt, und olita⸗ n ge⸗ riecht von nicht 1 Sie rauf. ndern eweiſe e Un⸗ velche froh⸗ le mir er der bewie⸗ e ſind rapels nglück spoti⸗ daß er f ſein zulio. l, be⸗ — 315 gann er nach längerem Schweigen, indem er auf Leonore deutete, und Sie wagen es, ſo zu ſprechen? — Ich ſcheue die Gegenwart der Prinzeß nicht, wenn ich die Wahrheit ſagen will, nahm Giulio das Wort; ich habe ſie dem Vater nicht verſchwiegen, warum ſollte ich dies ihr gegen⸗ über thun?— übrigens glaube ich, daß die Prinzeß meine An⸗ ſichten nicht verdammt. — Nein, Prinz Caraffa, rief Leonore, wie auch mein Oheim von mir denken mag, aber ich kann Ihre edeln Beſtrebungen, dem verlaſſenen, unglücklichen und unterdrückten Volke von Neapel einem Herandez gegenüber eine Stütze zu ſein, nur billigen. Ja, Herzog von Tortoſa, dieſer Prinz von Caraffa iſt der einzige von allen Edelleuten dieſer Reſidenz, der nicht wie alle übrigen jedem Worte eines Herrſchers einen unglaublichen Scharfſinn beilegt und ihm mit Entzücken lauſcht, nicht jede ſeiner Maß⸗ regeln mit allerunterthänigſter Unterwürfigkeit gut heißt, ſon⸗ dern welcher es wagt, ſeine Mißbilligung offen und laut kund zu geben, er iſt der einzige, der es wagt, ſeinem Fürſten ſelbſt auf die Gefahr ſeiner Ungnade, die Wahrheit zu ſagen, ſol 1 Männer ſind ſelten, darum verdienen ſie die Achtung von Hoch und Niedrig. Giulio warf auf Leonore einen dankbaren Blick und zog ihre Hand an ſeine Lippen. — Leben Sie wohl, Prinzeß— ſagte er im Tone äußerſter Wehmuth; wir ſehen uns ſobald nicht wieder. — Sie ſprechen ſo ſeltſam, ſo bedeutungsvoll. — Ich werde Neapel verlaſſen— — Sie wollen ſcheiden, Prinz? — Es muß ſein— Prinzeß, ſagte er, indem er ihre Hand noch einmal an ſeine Lippen zog— Neapels Schickſal fordert es— die Pflicht ruft, und ich muß ihr folgen. — Und Sie gehen? — Nach Madrid! Ein ſeltſames Lächeln, in welchem ſich ein Gemiſch von Triumph und unheimlicher Freude zeigte, ſchwebte um Tor⸗ toſa's Lippen. — Sonderbar, murmelte er. Leonore hatte in dieſem Augenblicke zufällig auf ihren Oheim geblickt, ſein Lächeln bemerkt, ſein Gemurmel vernommen. 316 „Es bemächtigte ſich ihrer ein Gefühl, wie wenn eine eiſige Hand ſich um ihr Herz geſchlungen und es gehalten hätte. — Prinz, gehen Sie nicht nach Madrid— flehte ſie. — Ich ſagte bereits, es muß ſein. 88 — Ich bitte, ich beſchwöre Sie zu bleiben; rief ſie inbrün⸗ ſtiger, dort, wo der finſtere Geiſt eines Philipp II. noch umgeht, wo Inquiſition und Despotismus Hand in Hand gehen, und Argliſt, Heimtücke, Rachſucht, Heuchelei und Habgier zu Tugen⸗ den gezählt werden, iſt kein Ort für Sie. — Mich führt eine edle Abſicht dahin, Prinzeß, die Thränen eines Volkes ſollen geſtillt, die Leiden des Vaterlandes gemildert werden, ſagte Giulio traurig, ich hoffe das in Madrid zu bewerk⸗ ſtelligen. 1. 1usI2d9. uAn u6 — O Prinz, Sie täuſchen ſich— man denkt in Madrid über dieſe Thränen und dieſes Leid nicht wie Sie. b — Das eben weiß ich und will es ändern, o, Don Juan von Oeſterreich iſt großherig, ich habe ihn kennen gelernt, er wird Vermittler ſein zwiſchen Neapel und dem König. — Vergeſſen Sie nicht, daß Juan bei Hofe einen Gegner hat, deſſen Einfluß mächtiger iſt, als der ſeine. G — Sie ſprechen von dem Miniſter Olivarez. — Ja, von ihm, dem ränkeſüchtigen, dem heimtückiſchen, hart⸗ herzigen Manne.— — Ich fürchte ihn nicht, Prinzeß— und nun noch einmal, leben Sie wohl. 9 2 719 1 Er eilte raſch zur Thür hinaus, und Leonore ließ ihr Haupt ſinken. — Das war ein Abſchied auf Nimmerwiederſehen, flüſterte ſie nach längerem Schweigen in einem Tone, der den tiefſten Seelenſchmerz verrieth. 15. — Auf Nimmerwiederſehen— wiederholte Tortoſa mit un⸗ heimlichem Nachdruck und leiſer Stimme, aber laut genug, um von Leonore gehört zu werden. 1 d Die Prinzeß fuhr bei dieſen Worten ihres Oheims zuſammen, als würde ihr Todesurtheil geſprochen. dämuir. — Sprachen Sie zu mir? fragte ſie mit bebender Stimme, — Ich ſprach kein Wort, Leonore, Du täuſchteſt Dich, ver⸗ ſetzte Tortoſa, ſich im Innern über die Unvorſichtigkeit ſeiner 1 — „ * 9 lauten Aeußerung Vorwürfe machend. 1 achtu Läche ken! Ihne entge Plär ſich Auf verf rohe Hau ſcho ſich inmal, Haupt lüſterte tiefſten lit un⸗ g, um immen, timme, h, ver⸗ ſeiner 317 Leonore ſah mit einem Blicke, der halb Tadel, halb Ver⸗ achtung ausdrückte, auf den Oheim. — Ich habe Sie verſtanden, ſagte ſte in eiſigem Tone, Ihr Lächeln vorhin, Ihre Worte jetzt— ich weiß, was ich zu den⸗ ken habe. — Begeben Sie ſich zur Ruhe, Donna Leonore, dieſe iſt Ihnen nach der Aufregung Bedürfniß. — Mehr wäre dieſe dem ſchwachen Greiſe anzuempfehlen, entgegnete Leonore kalt, aber er will wachen, um über finſtere Pläne zu brüten. Die Diener waren wieder aus den Verſtecken, wohin ſie ſich zurückgezogen, vorgekommen. Einer derſelben erhielt den Auftrag, die Prinzeß nach den Gemächern zu führen, welche die verſtorbene Gattin Tortoſa's bewohnt hatte und welche von der rohen Hand der Zerſtörung nicht berührt worden waren. Leonore begab ſich wankenden Schrittes und gebeugten Hauptes dahin, während ſich ihr Oheim gleichfalls in die ver⸗ ſchont gebliebenen Fremdengemächer zurückhoͤg. Er ging mit langſamen Schritten auf und nieder und ſetzte ſich dann nach geraumer Zeit an einen Schreibtiſch. Dieſer hinfällige Greis fühl e in dieſem Augenblick nichts von der Erſchöpfung, die ihn offenbar befallen haben mußte— Gedanken ganz eigener Art hatten ihn faſt mehr aufgeregt, als die Gegenwart der Banditen. Das ſonſt ehrwürdige Antlitz Tortoſa's hatte, während er ſchrieb, einen ganz anderen Ausdruck angenommen; bald erſchien es drohend finſter, bald höhniſch lächelnd. Als er ſeine Arbeit vollendet hatte, läutete er nach einem Diener, und dieſer erſchien. — Trage ſogleich dieſes Schreiben zu Don Herandez, gebot er, und der Diener entfernte ſich. 7 Nach Ablauf einer Stunde kehrte der Diener zurück und überreichte Tortoſa ein Schreiben, welches dieſer mit vielem Intereſſe erbrach: Eure Excellenz, ſo hieß es in demſelben, empfangen hiemit meinen innigſten Dank für die wichtige Nach⸗ richt, die Sie mir zukommen ließen— Ihr werthes Schreiben an ſeine Excellenz, den Staats⸗Miniſter Olivarez ſoll beſorgt und eines von mir demſelben bei⸗ Augenblicke ſpäter öffnete ſich die Thür. 318 gefügt werden.— Dieſer Prinz Caraffa kann auf keine bequemere Weiſe beſeitigt werden.— Der Prinzeß, welche, wie ich jetzt zu meiner Freude erfahren, kein Opfer der Pöbelrotte geworden und ſich in Ihrem Hauſe befindet, meinen herzlichen Gruß.— Gleich nach Beſeitigung der Unruhen ſoll nach der eigenen Ausſage ſeiner Hoheit, des Vicekönigs, unſere Vermählung ſein.—. Ach, es geht jetzt ſchrecklich her in dieſer Stadt— es darf in der That Niemand wagen, ſein Haus zu verlaſſen. Mit dem Wunſche und der Hoffnung, daß die Pöbelherrſchaft ein baldiges Ende haben möge, habe ich die Ehre zu ſein Euer Exgellenz wohlgewogener NMCTIORAN n Herandez. Mit läheſere wezathen Bne faltete Tortoſa das Schreibeke ſuſammen wnyebegab ſich endlich zur Ruhe. ereenl —„ Ferd- Still und traurig trat Giulio ſeinen Rückweg an.— In den Straßen herrſchte tiefes Schweigen, nur auf dem Mercato, der von den flammenden Lichtern der ſüdlichen Sterne und dem noch brennenden Steuergebäude erhellt war, zeigten ſich einige ſchattenhafte Weſen, welche wie düſtere Dämonen erſchienen, die hier die Gluth noch einmal zum hellen Brande ſchüren wollten. Kaum hatte Giulio den Mercato erreicht, als er plötzlich ſtehen blieb. Einige Augenblicke überließ er ſich dem Nachſinnen, dann ſetzte er wieder den Weg fort und blieb bald vor der niedrigen Hütte ſtehen, welche Salvator Roſa etwa zwei Stunden zuvor verlaſſen hatte.—. Er pochte heftig an— ein Fenſter öffnete ſich. — Wer begehrt Einlaß? fragte eine wohlklingende Stimme. — Prinz Caraffa— war die Antwort. Ein Ausruf der Verwunderung wurde hörbar und wenige ‿ — ff keine Freude und ſich 16.— ach der unſere tadt— Haus zu daß die e, habe indez. Tortoſa e. 2 In Nercato, nd dem einige ꝛen, die wollten. plötzlich dann jedrigen n zuvor Stimme. wenige 319 Maſaniello, eine düſter brennende Lampe in der Hand, kam zum Vorſchein und lud den Prinzen ein, näher zu treten. — Sie ſind gerettet, Prinz? redete er ihn an, welche wun⸗ derbare Fügung des Himmels. — Ich bin der Gewalt der Mordbrenner entkommen— die Todesgeſellſchaft hat mich befreit. Maſaniello's Züge verfinſterten ſich. — Mordbrenner, Prinz? wiederholte er unmuthig. — Kannſt Du die Galeerenſträflinge, die gemeinſten Bettler Neapels und die Ruffiani mit einem anderen Namen bezeichnen? ſagte Giulio— geh hinaus und ſieh, was ſie angerichtet haben — ich möchte nicht glauben, daß der Fiſcher von Amalfi die Be⸗ fehle hierzu ertheilt hat. — Gewiß ſind dieſe Elenden Verworfene, welche die allge⸗ meine Volkserhebung zu ihren eigennützigen Zwecken ausbeuten, das iſt unleugbar; aber nichts deſtoweniger bedürfen wir ſolcher Geſchöpfe.— — Ihr bedürft dieſer Nichtswürdigen? — Hat nicht auch die Regierung Foltersknechte, Henker, Steuereinnehmer, Schergen, Erpreſſer und mehr dergleichen— ſo wenig wie dieſe ohne ihre Helfershelfer beſtehen kann, eben ſo wenig können wir auf ſolche Mordbanden verzichten— übri⸗ gens gab ich ſelbſt den Befehl, das Steuergebäude in Flammen aufſteigen zu laſſen. — Und zu welchem Zweck? — Es ſoll keine Spur von dieſem Hauſe übrig bleiben, von dem aus ſo viel Unheil über Neapel gekommen iſt. — Und was nützt das Brennen? 1b — Wozu nützt das Brennen der Hölle?— ſie thut es, um zu ſtrafen, auch aus Neapel haben die Tyrannen eine Hölle ge⸗ macht; mag daher die Flamme luſtig lodern. Ein Ausdruck des Schreckens gab ſich in Maſaniello's Zügen kund; Giulio war von der Veränderung in ſeinem ganzen Weſen äußerſt überraſcht. — Das iſt der Fiſcher von Amalfi nicht mehr, der in den Schluchten von Atrani vor mir ſtand— murmelte er. Maſaniello war lange in Hedanken vertieft, er hatte das Haupt über die Bruſt ſinken laſſen und blickte endlich auf Giulio. — Prinz, ſagte er dann traurig, verlaſſen Sie eilig Neapel. 320 — Und wozu mir dieſe Weiſung? — Ihr Aufenthalt iſt hier gefährdet; fliehen Sie, ich kann Sie nicht ſchützen. 8 — Was habe ich denn eigentlich verbrochen, daß man mir ſo plötzlich nachſtellt. — Ihre Liebe zu der Tochter des Vicekönigs hat Veran-⸗ laſſung gegeben, die verſchiedenartigſten Gerüchte zu verbreiten. — Ich werde Neapel verlaſſen und bin gekommen, dies Dir zu melden, Fiſcher von Amalfi. — So hatten Sie dieſen Entſchluß ſchon früher gefaßt? fragte Maſaniello aufmerkſam. — Ja, guter Maſaniello, ich will einen Schritt für das Wohl Neapels thun, der wohl von größerem Erfolg ſein wird, als Euer Morden, Sengen und Brennen— ich bin nur zu Dir gekommen, um Dich als das Volkshaupt zu bitten, die Prinzeß, falls das Verhängniß ſie in Eure Gewalt führt, vor Rohheiten zu ſchützen. — Sie waren mir einſt gefällig, Prinz Caraffa, und ich will daran denken, bereits rettete ich Sie aus dem Caſtel Nuovo— ich hoffe auch der Prinzeß nützlich ſein zu können— doch allmäch⸗ tig bin ich nicht— iſt das Volk einmal von dem Fanatismus der Empörung ergriffen, dann können ſelbſt ſeine Lenker es nicht immer zügeln— wann reiſen Sie? — Noch vor Tagesanbruch. — Nach Madrid? ⸗ — Woher iſt Dir dies bereits bekannt? — Ich erfuhr es heute. 4 — Lebe wohl, Fiſcher von Amalfi! rief er haſtig und eilte zur Thür hinaus. Voll bitterer Gefühle ſtürzte Giulip durch die jetzt verödeten Straßen und erreichte erſchöpft den Palaſt ſeines Vaters. igEr hatte indeſſen nicht bemerkt, daß ihm ein Menſch gefolgt war, welcher ſchon vor Maſaniello's Hütte gelauſcht und wohl jedes Wort verſtanden hatte, was dort geſprochen wurde. Als Giulio in den Palaſt verſchwunden war, wartete der Mann einige Augenblicke und ſtürmte dann davon, wie wenn er einen Vorſatz ſchnell ausführen mußte— es war der Gettatore h kann an mir Veran⸗ breiten. es Dir gefaßt? für das n witd, zu Dir Prinzeß, ohheiten ——— ——— und ich Uovo— allmäch⸗ atismus es nicht —— nd eilte — erödeten 5. jgefolgt nd wohl tete der wenn er jettatore 08¹8 v eleo 00 2 41 AOo Sude S5e P68 Nſſe 96678 OES Sriſ8 Leuo lodlon 4ed 8.1n0102