1 * * 8 N Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur on. Eduard Ofkmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Aeih- und Ceſebedingungen. 1. Offensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen.. „ 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 6 3 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe pinterlegen⸗ welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 1 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für whchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mf. Pf. 1 Mr. 50 Ff. 2 Mk. Pff. 5 — Se Veat —= 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſenr. verlorene und defecte Bucher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, deſchmteb, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der zeſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 3 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —⸗ „ N Die Marltyrnm — QQO—-— o der. der Triumph des Chriſtenthums. Nach dem Franzoͤfiſchen des F. A. de Chateaubriand. b Frei bearbeitet — von k 4 „ Darmſtadt . bei Car!l Wilhelm Leske. 16810., . Seiner Hoheit d em Fuͤrſten Primas tiefſter Unterthaͤnigkeit gewidmet „ von 4 dem Verfaſſer. —.———— 800 An den Leſer. Ich uͤbergebe hier den Haͤnden des Publikums eine freie Bearbeitung des juͤngſten Erzeugniſſes von Chateaubriands Muſe. Die fruͤheren Werke dieſes Schriftſtellers: Génie du Christianisme und Atala wurden in der litterariſchen Welt mit dem groͤßten Enthuſiasmus aufgenommen, und mit dem beinah ungetheilten Beifall der kompeten⸗ teſten Richter gekroͤnt. Fuͤr die Wahrheit dieſer Behauptung buͤrgen zum Theil die fuͤnf Aufla⸗ gen, welche der Génie du Christianisme und die zwoͤlfe, welche die Atala erlebte. Auch vor⸗ liegendes Werk wurde mit Beifall aufgenommen, VI in mebreren oͤffentlichen Zeitſchriften geprieſen und als ein klaſſiſches Produkt anerkannt. Selbſt jene Kritiker, die die Tendenz deſſelben, die Ver⸗ miſchung des heidniſchen und chriſtlichen Mythus und mehrere andere Schwaͤchen(mitunter ſehr buter) tadelten, mußten ihm eine Fuͤlle von Schoͤnheiten, eine bluhende poetiſche Proſe und ſo viele andere Verdienſte zugeehen, daß dadurch jene von ihnen geruͤgte Flecken ganz verſchwinden wuͤrden, wenn auch ihr Tadel uͤber jede Wider⸗ legung erhaben waͤre. Eine o anerkannte Vortrefflichkeit der Mar- tyrs war es, die mich zu ihrer Bearbeitung be⸗ ſtimmte: dieſes Unternehmen, wurde mir nicht allein durch das techniſche der Uibertragung eines ſolchen Werks, in welchem ein Schatz von Kennt⸗ niſſen der alten Geographie und Geſchichte, von Lokalitaͤten und Sitten der Vorzeit niedergelegt iſt; ſondern hauptſachlich durch die Wahl der Diktion ſelbſt ſehr erſchwert. Chateaubriands hoher poeti⸗ ſcher Schwung, ſeme flammende, oft ungeregelte Phantaſie, das geniale Feuer, was in den Mar- tyrs athmet, und der Rhythmus, der mn ſeiner Proſe oft erklingt, machten mir es zur beinah — ——r— VII unerlaͤßlichen Pflicht, ihn in rhythmiſcher Proſe zu uͤbertragen. In wie fern mir dies gelungen ſeie, ob ich des Dichters Gefuͤhle, Viſionen, Gemaͤlde, kurz ihn ſelbſt in ſeinem juͤngſten Kinde treu wiedergegeben habe, daruͤber wird das Pubnkum entſcheiden. Ruͤckſichtlich der im Originale groͤßtentheils franzoͤſiſch zugeſchnittenen geographiſchen und my⸗ thologiſchen Nomenklatur bemerke ich, daß ich mir die Zufriedenheit der Litteratoren erworben zu haben glaube, indem ich ſie, beſonderß im Munde eines erzaͤlenden Griechen, ihrer griechiſchen Ur⸗ ſprache wiedergab.. Der groͤßere Theil der Leſer wird vielleicht Noten bei dem Werke vermiſſen. Chateaubriand giebt, in ſeiner Vorrede, als Grund dieſes Man⸗ gels, die Beſorgniß an, ſein Buch moͤge zu vo⸗ luminoͤs werden, und ſcheint, wegen der Noten, auf eine guͤnſtige Aufnahme ſeines Gedichts und auf die Zukunft zu vertroͤſten. Vielleicht er⸗ ſcheint daher, wenn gegenwaͤrtige Bearbeitung eine zweite Auflage erleben ſollte, ſolche mit den eben⸗ VIII falls in unſre Mutterſprache uͤbertragenen Noten des Originals, wenn dieſe inzwiſchen erſchienen ſeyn werden. Darmſtadt den 9. Junius 1809. v. Haupt. — — Vorrede. J⸗ habe in einem fruͤhern Werke die Behauptung auf⸗ geſtellt: die chriſtliche Religion ſcheine mir im Helden⸗ gedicht der Entwicklung der Charaktere und dem Spiel der Leidenſchaften guͤnſtiger als das Heidenthum; ich habe dort ferner geſagt, das Wunderbare unſrer Reli⸗ gion koͤnne vielleicht mit dem aus der Mythologie ent— lehnten Wunderbaren den Kampf beſtehen: dieſe mehr oder weniger beſtrittenen Meinungen ſuche ich durch ein Beiſpiel zu belegen. Um den Leſer zum unpartheiiſchen Richter dieſes großen litterariſchen Streits zu machen, glaubte ich, einen Stoff aufſuchen zu muͤſſen, der, in einer Rahme, das Gemaͤlde beider Religionen, die Moral, die Opfer und den Prunk beider Gottesverehrungen zuſammenfaßte; einen Stoff, in dem die Sprache der Geneſis neben der der Odyßee erklingen, in dem Homers Jupiter neben Miltons Jehova thronen koͤnnte, ohne der Froͤmmigkeit, dem guten Geſchmack und der Wahrſcheinlichkeit der Sit⸗ ten zu nah zu treten. X Als ich dieſe Idee aufgefaßt, fand ich leicht die hi⸗ ſtoriſche Epoche, in der beide Religionen ſich die Hand boten. Die Handlung beginnt im Augenblick der von Dio⸗ kletian befohlnen Chriſtenverfolgung, am Schluß des dritten Jahrhunderts. Damals war noch nicht der Chri⸗ ſtenglaube der herrſchende des Roͤmerreichs, aber ſeine Altaͤre ſtanden ſchon den Goͤtzentempeln zur Seite. Die handelnden Perſonen ſind aus beiden Religio⸗ nen genommen. Ich beginne damit, ſie zu ſchildern; die Erzaͤhlung malt dann den Zuſtand des Chriſtenthums in der bekannten Welt in der Epoche der Handlung; der ſelbſt uͤbrige Theil des Werks entwickelt die Handlung, die ſich durch ihre Kataſtrophe an den allgemeinen Chri⸗ ſtenmord anknuͤpft. Ich habe mich vielleicht durch den Stoff blenden laſſen; er ſchien mir fruchtbar. Es liegt wirklich, beim erſten Uiberblick, zu Tage, daß er mich uͤber das heid⸗ niſche und uͤber das heilige Alterthum gebieten ließ. Auſſerdem fand ich in der Erzaͤhlung und in dem Lauf der Ereigniſſe Mittel, das Gemaͤlde der verſchiednen Provinzen des Roͤmerreichs herbeizufuͤhren: ich geleite den Leſer zu den Franken und Galliern, zur Wiege un⸗ frer Ahnen. Griechenland, Italien, Judaͤa, Egypten, Sparta, Athen, Rom, Neapel, Jeruſalem, Memphis, Arkadiens Thaͤler, die Wuͤſten der Thebais bilden die andern Anſichten, oder Perſpektiven des Gemaͤldes. Die Perſonen ſind faſt alle hiſtoriſch. Es iſt bekannt, welches Ungeheuer Galerius geweſen. Diokletian habe ich etwas beſſer und groͤßer geſchildert, als er in den Schriftſtellern ſeiner Zeit erſcheint; ein Beweis meiner Unpartheilichkeit. Ich habe alles Gehaͤſſige der Verfol⸗ gung auf Galerius und Hierokles zuruͤckgeworfen. .—— ———— ri⸗ ine gio⸗ ern; ums ng; ng, Lhri⸗ nden beim heid⸗ ließ. Kauf bnen leite un⸗ ten, his, die annt, habe den ſleiner rfol⸗ XI Lactantius ſagt woͤrtlich: Deinde...... in Hieroclem, ex vicario praesidem, qui auctor et consiliarius ad faciendam persecutionem fuit. 1) „...... Hierokles, der der Rathgeber und Ur⸗ heber der Verfolgung war. Nachdem Tillemont von dem Rathe geſprochen, wo uͤber die Chriſtenermordung gehandelt wurde, fuͤgt er hinzu: „Dioclétien consentit à remettre la chose au conseil, „afin de se décharger de la haine de cette résolution sur „ceux, qui l'avaient conseillée. On appela à cette déli- „beration quelques officiers de justice et de guerre, les- „quels, soit par inclination propre, soit par complaisan- „ce, appuyeèrent le sentiment de Galérius. Hiéroclés „fut un des plus ardens à conseiller la persécution.*2) „(Diokletian bewilligte, die Sache dem Rath vor⸗ „zulegen, um das Gehaͤſſige des Beſchluſſes auf jene „hinuͤberzuwaͤlzen, die dazu gerathen hatten. Man be⸗ „rief zu dieſer Berathſchlagung einige Staats- und „Kriegsbeamten, die, ſei's aus eignem Antriebe, ſei's „aus Gefaͤlligkeit, Galerius Meinung unterſtuͤtzten. Hie⸗ „rokles war einer von jenen, die am eifrigſten zur Ver— „folgung riethen.“) Dieſer Befehlshaber von Alexandrien verfolgte, laut den Zeugniſſen der ganzen Geſchichte die Kirche mit ſchrecklichen Bedraͤngniſſen. Er war Sophiſt, und ließ, waͤhrend er die Chriſten mordete, ein Werk, unter dem dem Titel⸗„Philalethes“ oder„der Freund der Wahr⸗ 1) De Mortib. Persec. cap. XVI. 2) Mem. Eccles, t. 5. pag. 20. edit. in 4. Paris. XII heit“ gegen ſie erſcheinen. Euſebius 1) widerlegte ihn zum Theil in einer Abhandlung, die wir noch beſitzen, auch Laktantius verfaßte ſeine Inſtitutio⸗ nen 2) um jene Schrift zu beantworten. Pearſon 3) hielt Hierokles, den Chriſtenverfolger, fuͤr denſelben, der den Commentar uͤber Pythagoras goldne Verſe ſchrieb. Tillemont 4) ſcheint der Meinung des heiligen Biſchoffs von Cheſter zu ſeyn; und Jonſius 5), der in dem Hie⸗ rokles der Bibliothek des Pothius jenen wiederfinden will, den Euſebius widerlegte 6), entkraͤftet Pearſons Meinung nicht; er beſtaͤttigt ſie vielmehr. Dacier, der, wie Boileau bemerkt, aus dem Schriftſteller, den er uͤber⸗ ſetzt, immer einen Weiſen machen will 7) bekämoft die Meinung des gelehrten Pearſon; doch ſind Daciers Grunde ſchwach; und es iſt wahrſcheinlich, daß Hierokles der Ver⸗ folger, und der Verfaſſer des Philaletes, auch der Ver⸗ faſſer des Commentars ſeie. Anfangs Vicarius praefectorum, wurde Hierokles dann Befehlshaber von Bythinien. Die Menaea 8) des h. Epiphanius 9) und die Acta des Martyrthums des 1) Eusebii Caesariensis in Hieroclem liber cum Philos- trato editus. Paris 1608. 2) Lact. Inst. lib. 5. cap.. 3) in den Prolegomenen zu Hierokles Werken. 1673. tom. 2. pr. pag. 3. 19. 4) Mem. Eoccles. tom. 5. 2. edit. in 4to. Paris 1702. 5) de scriptoribus historiae philosophicae. Francof. 1659. lib. 3. cap. 18. 6) Um ſeine Meinung zu behaupten, muß Jonſius ſa⸗ gen, dieſer Euſebius ſei nicht der von Caeſareg. 7) Bolaeana. 8) Menaea magna Graecorum pag. 177. Venet. 1525. 9) Epiphanii panarium adversus haereses, pag. 717. Lutetiae 1622. —— „mier „ les „ innlt „ Däs „ ges „ Se 5 „ tepr „zer „gen „Me „— — legte wir utio⸗ n 3) ben, rieb. poffs Hie⸗ nden ſons der, üͤber⸗ t die rrunde Ver⸗ Ver⸗ XIII h. Edeſus 1) beweiſen, daß Hierokles auch Befehlshaber von Egypten war, wo er große Grauſamkeiten uͤbte. Fleury, der hier Lactantius folgt, wenn er von Hie⸗ rokles ſpricht, erwaͤhnt noch eines andern Sophiſten, der zu gleicher Zeit gegen die Chriſten ſchrieb; er entwirft von dieſem unbekannten Sophiſten folgendes Bild: „Dans le mème temps, que l'on abattoit l'Eglise de „Nicomédie, il y eut deux auteurs, qui publièrent des „Ecrits contre la Religion chretienne. L'un étoit philosophe „de profession, mais dont les moeurs étoient contraires à „la doctrine: en public il commandoit la modération, la „ frugalité, la pauvreté; mais il aimoit l'argent, le plaisir „et la dépense, et faisoit meilleure chère chez lui, qu'au „ palais: tous ses vices se couvraient par l'extérieur de „Ses cheveux et de son manteau.... Il publia trois „livres contre la Réligion chretienne. II disoit d'abord „qu'il étoit du devoir d'un philosophe de remédier aux „erreurs des hommes..... quiil vouloit montrer la lu- „mière de la sagesse à ceux qui ne la vovyaieur pas, et „les guérir de ceste obstination, qui les faisoit souffrir „ inutilement tant des tourmens. Afn que l'on ne doutat „pas du motif qui l'excitoit, il s'étendoit sur les louau- „ges des princes, relevoit leur pieté et leur sagesse qui „Se signaloient même dans la défense de la religion, en „ reprimant une superstition impie et puérile 2). „(Zu derſelben Zeit, als man die Kirche Nikomediens „zerſtoͤrte, erſchienen von zwei Verfaſſern Schriften ge⸗ „gen die Chriſtenreligion. Der eine war Philoſoph von „Metier, aber ſeine Sitten lagen mit ſeinen Lehren im 1) de Martyr. Palaest. cap. 4. Euseb. 2) Hist. Eccles. liv. 8. tom. II. pag. 420. edit, in 89* Paris 1717. XIV „Widerſpruch: vor der Welt predigte er Maͤßigung, „Nuͤchternheit, Armuth; doch liebte er Geld, Genuͤſſe „und Verſchwendung, und lebte in ſeinem Hauſe praͤch⸗ „tiger als im Pallaſt: ſeine Laſter alle bedeckte er mit „dem Aeußern ſeiner Haare und ſeines Mantels. Er „ſchrieb drei Werke gegen die Chriſtenreligion: im Ein⸗ „gange ſagte er; es ſei des Philoſophen Pflicht, die Men⸗ „ſchen von ihren Irrthuͤmern zu befreien; er wolle das „Licht der Weisheit denen zeigen, die es nicht ſaͤhen und „ſie von der Verſtockung heilen, die vergebens ihnen ſo „viel Quaal bereite. Um keinen Zweifel uͤber die „Motife uͤbrig zu laſſen, die ihn ſpornten, breitete er „ſich uͤber das Lob der Fuͤrſten aus, erhob ihre Froͤmmig⸗ „keit und Weisheit, die ſie durch ihre Religionsverthei⸗ „digung ſelbſt verkuͤndeten, indem ſie einen ruchloſen, „kindiſchen Aberglauben unterdruͤckten.)“ Die Feigheit dieſes Sophiſten, der die Chriſten an— griff, waͤhrend das Henkerbeil unter ihnen wuͤthete, em⸗ poͤrte die Heiden ſelbſt; er erhielt von den Kaiſern den Lohn nicht, den er erwartete 1). Dieſer Charakter, von Laktantius entworfen, beweiſt, daß ich Hierokles nur mit den Sitten ſeiner Zeit aus⸗ geſtattet habe. Hierokles war ſelbſt Sophiſt, Schrift⸗ ſteller, Redner und Verfolger: „L'autre auteur,“ ſagt Fleury,„étoit du nombre „des juges, et un de ceux qui avoient conseillé la perse- „cution. On croit, que c'étoit Hiérocles, né en une pe- „tite ville de Carie, et depuis gouverneur d'Alexandrie. „Il écrivit deux livres,'uil intitula Philalethès, c'est- a- „dire, Ami de la vérité, et adressa son discours aux Chre- „tiens mêmes, pour ne pas paroitre les attaquer, mais 1) Lact. Inst. lib. 5. cap. 4. pag. 470. Ein⸗ Men⸗ 2 das nund en ſo die ete er umig⸗ erthei⸗ loſen, en an⸗ „em⸗ n den weiſt, aus⸗ ſchrift⸗ ombre persè- ne pe⸗ aandrie. est-- Chre- mais — — XV „leur donner des salutaires conseils. II s'efforqoit de mon- „„trer de la contradiction dans les Ecritures Saàintes, et „en paroissoit si bien instruit qu'il sembloit avoir été „Chrétien 1). („Der andere Schriftſteller war unter der Zahl der „Richter; einer von denen, die zur Verfolgung gerathen „hatten. Man glaubt, es ſeie Hierokles geweſen, in „einer kleinen Stadt in Carien geboren, in der Folge „Befehlshaber von Alexandrien. Er ſchrieb zwei Buͤcher, „die er„Philalethes“ nannte, das iſt„Freund der „Wahrheit,“ und richtete ſeine Worte an die Chriſten „ſelbſt, um den Schein zu haben, nicht als wenn er ſie „angreifen, ſondern als wenn er ihnen heilſame Rath⸗ „ſchlaͤge ertheilen wollte. Er beſtrebte ſich, Widerſpruͤ⸗ „che in der heiligen Schrift darzu thun, und zeigte ſich „darinn ſo gut unterrichtet, daß es ſchien, als ſeie er „ein Chriſt geweſen.“) Ich habe alſo Hierokles nicht verlaͤumdet. Ich achte und ehre wahre Philoſophie. Auch wird man bemerken, daß die Worte Philoſoph und Philoſophie in meinem Werke nirgends angegriffen werden. Jeder Menſch, deſ⸗ ſen Betragen edel, deſſen Geſinnungen groß und erhaben ſind, der durch Niedrigkeiten ſich nie herabwuͤrdigt, der im Grunde ſeines Herzens eine rechtliche Unabhaͤngigkeit bewahrt, ſcheint mir achtungswerth, ſeine Meinungen ſeien, welche ſie immer wollen. Allein die Sophiſten in allen Laͤndern, in allen Zeiten, ſind der Verachtung werth, weil ſie, das Trefflichſte mißbrauchend, dem Abſcheu wei⸗ hen, was am heiligſten die Menſchen achten. Ich komme nun zu den Anachronismen. Die groͤßten Maͤnner, welche die Kirche erzeugte, erſchienen beinah 1) Hist. Ecclesiast. Liv. VIII, Tom. II. in No. XVI 2 alle zwiſchen dem Ende des dritten und dem Anfang des vierten Jahrhunderts. Um dieſe erhabenen Geſtalten dem Auge des Leſers voruͤberzufuͤhren, ſah ich mich gezwun— gen, die Zeiten ein wenig ſich zu naͤhern: indeſſen ſpielen dieſe Perſonen, die in der Erzaͤhlung vorkommen oder auch nur genannt werden, keine wichtigen Rollen; ſie ſind rein epiſodiſch, und beinah gar nicht eng mit der Handlung verwebt; ſie ſind nur da, um an ſchoͤne Na⸗ men zu erinnern und edle Erinnrungen wieder aufzu⸗ wecken. Ich glaube, des Leſers Unwillen nicht zu ver⸗ dienen, wenn ich ihn in Rom mit dem heiligen Hiero⸗ nymus und dem heiligen Auguſtin zuſammentreffen laſſe; wenn er ſie, von Jugendfeuer hingeriſſen, in Fehler ver⸗ fallen ſieht, die ſie ſo lang beweinten, und die ſie ſo be— redſam ſchilderten. Uebrigens liegen zwiſchen dem Tode Diokletians und Hieronymus Geburt nur acht und zwan⸗ zig Jahre, und auſſerdem habe ich, indem ich Hierony⸗ mus und Auguſtin handeln ließ, hiſtoriſche Sitte getreu gemalt. Die beiden großen Maͤnner ſprechen und han— deln, wie ſie, wenige Jahre nachher, an derſelben Stelle und unter aͤhnlichen Verhaͤltniſſen ſprachen und handelten. Muß ich des Anachronismen Pharamunds und ſeiner Soͤhne hier erwaͤhnen? Man ſieht aus Sidonius Apolli⸗ naris, aus Gregorius von Tours, aus der Fredegarn zugeſchriebenen Epitome regum Francorum und aus Mont⸗ faucons Alterthuͤmern, daß mehrere Pharamunde, mehrere Clodio, mehrere Meroveen exiſtirt haben. Die Franken⸗ khnige von denen ich ſprach, ſeien denn, wenn man es ſo verlangt, nicht die unter dieſen Namen bekannten, ſon⸗ dern andre Koͤnige, ihre Ahnen. Ich habe den Schauplatz nach Rom, nicht nach Niko⸗ medien, Diokletians beſtaͤndigen Aufenthalt verlegt. Der Leſer unſrer Zeiten ſtellt ſich einen Roͤmerkaiſer nicht leicht ng des in dem awun⸗ dielen oder n; ſie nit der ne Na⸗ aufzu⸗ zu ver⸗ Hiero⸗ laſſe; ler ver⸗ ſo be⸗ n Tode zwan⸗ jerony⸗ getreu d han⸗ Stelle delten. dſeiner Apolli⸗ edegarn Nont- mehrere granken⸗ man es en, ſon⸗ h Niko⸗ ht leicht XVII anderſt, als in Rom vor: es giebt Dinge, die die Phan— taſie nicht zu trennen vermag. Racine hat mit Recht in der Vorrede zur Andromache bemerkt, man koͤnne der Wittwe Hektors nicht wohl einen fremden Sohn geben. Uibrigens mag mich das Beiſpiel Virgils, Fenelons und Voltaires bei denen entſchuldigen und vertreten, die dieſe Achnachronismen tadeln. Man hatte mich aufgefordert, Noten zu meinem Werke zu liefern: es wuͤrden wirklich wenige Schriften deren mehr empfaͤnglich ſeyn, als dieſe Arbeit. Ich fand in den Schriftſtellern, die ich zu Rathe zog, beinah all⸗ gemein unbekannte Dinge, die ich benuͤtzte. Der Leſer, der die Quellen nicht kennt, koͤnnte dieſe ungewoͤhnlichen Dinge fuͤr Fantaſiegebilde des Verfaſſers nehmen; ein gleiches iſt mir ſchon ruͤckſichtlich des Stoffs der Atala begegnet. Ein paar Beiſpiele dieſer merkwuͤrdigen Thatſachen. „Frankreich iſt ein wildes, mit Wald bedecktes Land, das jenſeits des Rheins beginnt ꝛc. ꝛc.“ Ich ſtuͤtze mich hier auf das Anſehen des heiligen Hie⸗ ronymus im Leben des heiligen Hilarion. Auſſerdem hab ich Peutingers) Karte fuͤr mich, und ich glaube ſelbſt, daß Ammianus Marcellinus dem Land der Franken den Namen Frankreich giebt. Ich laſſe die beiden Decius im Kampfe gegen die Franken umkommen; dies iſt nicht die allgemeine Mei⸗ nung, allein ich folge der Chronik von Alexandrien 2). An einer andern Stelle ſpreche ich vom Hafen von Nimes, und nehme ſo fuͤr einen Augenblick die Meinung jener an, die turris magna fuͤr einen Leuchtthurm halten. 1) Peutingeriana tabula itineraria. Viennae 1753. in fol 2) Chronicon Paschale. Parisiis 1688. in fol. Nℳ 9 XVIII Ueber Alexanders Sarg kann man Quintus Curtius, Strabo, Diodor von Sizilien ꝛc. zu Rathe ziehen. Die Augenfarbe der Franken, die gruͤne Farbe, mit der die Longobarden ihre Wange faͤrbten, ſinw aus Sidonius Briefen und Gedichten geſchoͤpfte Thatſachen. Uiber die Schilderung roͤmiſcher Feſte, uͤber oͤffent⸗ liche Entehrungen, uͤber den Luxos der Amphitheater, uͤber die fuͤnfhundert Loͤwen, das Safranwaſſer, kann man Cicero, Sueton, Tacitus, Florus nachleſen; Au⸗ guſts Geſchichtſchreiber ſind voll dieſer Schilderungen. Die geographiſchen Merkwuͤrdigkeiten Galliens, Griechenlands, Syriens, Egyptens ſind aus Julius Caͤ⸗ ſar, Diodor von Sizilien, Plinius, Strabo, Pauſanias, dem Ungenannten von Ravenna Pomponius Mela, aus der Sammlung der Panegyriſten, aus Libanius in ſeiner Re de an Conſtantin und in ſeinem Werke, Baſilikus betit⸗ telt, aus Sidonius Appollinaris und endlich aus meinen eigenen Reiſen geſchoͤpft. Ueber die Sitten der Franken, der Gallier und der andern Barbaren habe ich, auſſer den bereits angefuͤhr⸗ ten Verfaſſern, die Chronik von Idace, Priscus Pani⸗ tes(Fragmente uͤber die Geſandſchaften) Julian(in ſeiner erſten Rede und dem Buch der Caͤſarn) Agathias und Procopius uͤber die Waffen der Franken, Gregor von Tours und die Chroniken, Salvian, Oroſus, Be⸗- da venerabilis, Iſidor von Sevilla, Saxo grammaticus, die Edda, die Einleitung zur Geſchichte Carl des fuͤnften, Blairs Bemerkungen uber Oßian Pelloutier, die Ge⸗ ſchichte der Celten, verſchiedene Artikel von Ducange, Joinville und Froiſſard nachgeleſen. 8 Die Sitten der erſten Chriſten, die Formel der Acta Martyrum, die verſchiedenen Ceremonien, die Schilderung der Kirchen, ſind aus Euſebius, Socrates Sozomenes, rtius, n. Farbe, w aus cen. ofent⸗ heater, kann n; Au⸗ gen. alliens, aus Cäͤ⸗ ſanias, la, aus iner Re s betit⸗ meinen und der gefuͤhr⸗ 3 Pani⸗ an(in Agathias Gregor us, Be- maticus, füͤnften/ die Ge⸗ Ducange⸗ der Acta ilderung omenes/ XIX Lactantius, den Apologiſten, den Acta Martyrum, aus allen Kirchenvaͤtern, aus Tillemont und Fleury entnommen. Ich bitte daher den Leſer, wenn er auf etwas ſtoͤßt, das ihm auffaͤllt, vorauszuſetzen, daß ſolches nicht von meiner Erfindung ſeie, und daß ich keine andre Abſicht hatte, als einen Zug merkwuͤrdiger Sitten, ein merk⸗ wuͤrdiges Denkmal, eine unbekannte Thatſache aufzuſtel⸗ len. Zuweilen habe ich auch, wenn ich eine Perſon aus der mir ausgewaͤhlten Epoche ſchilderte, in mein Ge— maͤlde ein Wort, einen Gedanken eingewebt, die ich aus den Schriften des dargeſtellten ſelbſt geſchoͤpft, nicht als verdienten grade eben das Wort, der Gedanke als Mu⸗ ſter des Schoͤnen, des Aeſtthetiſchen, ausgehoben zu werden, ſondern weil ſie Zeiten und Charaktere ſchaͤrfer bezeichnen. Das alles haͤtte ungezweifelt Stoff zu No⸗ ten geliefert; allein ehe ich die Baͤnde noch mehr an— ſchwellen will, muß ich erſt abwarten, ob mein Buch ge⸗ leſen, und ob die Leſewelt es nicht ſchon zu lange finden werde. Ich habe die Martyrn im Jabr 1802 zu Rom, einige Monate nach dem Erſcheinen des Génie du Christianisme, angefangen; ſeitdem habe ich unablaͤſſig daran ge⸗ arbeitet.— Meine Ausbeute aus verſchiedenen Schrif⸗ ten iſt ſo betraͤchtlich, daß ich fuͤr die Buͤcher von den Franken und Galliern allein zwei dicke Baͤnde Materia⸗ lien geſammelt habe. Auſſerdem habe ich Freunde von mannichfaltigem Geſchmack und verſchiednen litterariſchen Prinzipien zu Rath gezogen. Endlich, nicht zufrieden mit all dieſen Studien, dieſen Aufopfrungen, dieſen Zwei⸗ feln, ſchiffte ich mich ein, und beſuchte die Gegenden ſelbſt, deren Gemaͤlde ich entwerfen wollte.— Haͤtte auch mein Werk gar kein Verdienſt, ſo haͤtte es wenig⸗ ſtens das Intereſſe einer Reiſe nach den beruͤhmteſten XX Stätten der Geſchichte. Ich ſieng meine Wandrungen bei den Ruinen von Sparta an, und endigte ſie erſt bei Kar⸗ thagos Truͤmmern, indem ich Argos, Korinth, Athen, Conſtantinopel, Jeruſalem und Memphis bereiste. Der Leſer kann daher, beim Durchleſen der Schilderungen, die die Martyrn enthalten, uͤberzeugt ſeyn, daß es aͤhn⸗ liche Gemaͤlde nach der Natur, nicht prunkende, aus der Luft gegriffne Beſchreibungen ſind. Einige derſelben ſind ſelbſt ganz neu: kein Reiſender der neuern Zeiten hat, wenigſtens ſo viel ich weiß, 1) ein Gemaͤlde von Meſſe⸗ nien, von einem Theil Arkadiens, und vom Thal Lako⸗ nikas geliefert. Chandler, Wheler, Spon, le Roy, Herr v. Choiſeul, haben Sparta nicht beſucht; Fauvel und einige Englaͤnder haben in den neuſten Zeiten dieſe beruͤhmte Stadt unterſucht, aber das Reſultat ihrer Ar⸗ beiten noch nicht bekannt gemacht. Auch das Gemaͤlde von Jeruſalem und vom todten Meer iſt getreu. Die Kirche des heiligen Grabs, die via dolorosa ſind, wie ich ſie darſtelle. Die Frucht, die meine Heldinn am Ufer des todten Meers pfluͤckt, deren Exiſtenz man laͤugnete, fin et ſich allenthalben, zwei bis drei Meilen ſuͤdlich von Jericho; der Baum der ſie traͤgt, iſt eine Art Zitronenbaum; ich habe ſelbſt mehrere ſolche Fruͤchte nach Frankreich ge⸗ bracht. 2) 1) Coronelli, Pellegrin, la Guilletiere und mehrere venetianiſchen Schriftſteller haben von Lazedaemon ge⸗ ſprochen, allein ſehr oberflaͤchlich und unbefriedigend. Hr. von Poucqueville trefflich uͤber alles, was er würklich ſah, ſcheint uͤber Miſtra getaͤuſcht worden zu ſeyn; Miſtra iſt nicht Sparta; es liegt zwei Mei⸗ len vom Eurotas, auf einem Ruͤcken des Taygetos. Die Ruinen von Sparta liegen in dem Dorfe Ma— ula. 2) Dieſe Reiſe, welche ich einzig in der Abſicht unter⸗ nahm, die Gegenden zu ſehen und zu ſchildern, in gen bei ei Kar⸗ Athen, Der ungen, 8 aͤhn⸗ aus der en ſind en hat, Meſſe, l Lako⸗ Roy, Fauvel en dieſe hret Ar⸗ Hemäͤlde u. Die d, wie am Ufer ugnete, ich von nbaum; feich ge⸗ mehrere emon ge⸗ edigend. was er worden wei Mei⸗ apgetos. Nfe Ma⸗ ht unter⸗ ern, in XXI Das iſt es, was ich that, um die Martyrn der Auf⸗ merkſamkeit des Publikums weniger unwerth zu machen. Gluͤcklich werde ich mich fuͤhlen, wenn der Dichterhauch, der Athens und Jeruſalems Ruinen belebt, auch in mei⸗ nem Werke weht! Ich ſprach von meinen Studien und Reiſen nicht aus eitler Prunkſucht, ſondern um das ge⸗ rechte Mißtrauen, das ich in meine Talente ſetze und mein Beſtreben zu beurkunden, ihnen durch alle Mittel nachzuhelfen, die mir zu Gebote ſtehen: auch ſind dieſe Arbeiten ein Beweis meiner hohen Achtung fuͤr das Pu⸗ blikum und des Gewichtes, das ich auf alles lege, was nah oder fern das Intereſſe der Religion beruͤhrt. Ich habe itzt nur noch uͤber die Gattung zu ſprechen, welcher dieſes Gedicht eigentlich angehoͤrt. Ich will bei einer ſo lang beſtrittenen Frage keiner Meinung huldigen, ſondern nur Autoritaͤten anfuͤhren. Man fragt: ob es Gedichte in Proſe geben koͤnne? Eine Frage, die im Grunde wohl nichts andres, als ein Wortſtreit ſeyn duͤrfte. die ich die Handlung der Martyrn verſetzen wollte, mußte mir nothwendig eine Menge meinem Stoffe fremder Beobachtungen liefern; ich habe wichtige Thatſachen uͤber die Geographie Griechenlands, uͤber die Lage von Sparta, uͤber Argos, Myzene, Ko—⸗ rinth, Athen geſammelt; Pergamus in Myſien, Je⸗ ruſalem, das todte Meer, Egypten und Carthago, deſſen Ruinen bei weitem merkwuͤrdiger ſind, als man allgemein glaubt, nehmen eine bedeutende Stelle in meinem Tagebuch ein. Dies Tagebuch koͤnnte auch, ohne die ſchon in die Martyrn eingewebten Schil⸗ derungen, noch von Intereſſe ſeyn. Vielleicht er⸗ ſcheint es einſt unter dem Titel: „Itinéraire de Paris à Jerusalem et de Jerusalem à Paris, en passant par la Gréce et revenant par l'Egypte, la Barbarie et l'Espagne.“ XXII Ariſtoteles, deſſen Urtheile als Geſetze gelten, ſagt beſtimmt: die Epopee koͤnne in Proſe oder in Verſen ge⸗ ſchrieben werden: H dε ⁴τπ οε bvo roic A6yoi Junoig Ij roic usrοοα 1). Und, merkwuͤrdig iſt es, daß er dem homeriſchen oder einfachen Vers, einen Namen giebt, der ihn der Proſe naͤhert: Daμ‿ᷣ οα, wie er von der pöetiſchen Proſe ſagt: PiMBos,ꝗ Aeοs. Dionys von Halikarnaß, deſſen Anſehen eben ſo ge⸗ achtet iſt, ſagt: „Es iſt moͤglich, daß ein Werk in Proſe einem ſchoͤ⸗ „nen Gedichte oder ſanften Verſen aͤhnelt; ein Gedicht „und lyriſche Geſaͤnge koͤnnen Aehnlichkeit mit redneri⸗ „ſcher Proſe haben.“ TLoc Jedεderas Aee‿ duerooc duola van omueri i Aea, as räe oinud„e Aeos e i As Su, axs, adaAuCioy 2). Der naͤmliche Schriftſteller fuͤhrt liebliche Verſe des Simonides auf die Danäe an, und fuͤgt hinzu: „Dieſe Verſe gleichen ganz einer ſchoͤnen Proſe.*3) Strabo vermiſcht auf dieſelbe Weiſe Verſe und Proſa 4). Das Jahrhundert Ludwig des vierzehnten, vom Geiſt des Alterthums durchdrungen, ſcheint uͤber die Epo⸗ (Tagebuch einer Reiſe von Paris durch Griechenland nach Jeruſalem, und von Jeruſalem durch Egypten, die Barbarey und Spanien zuruͤck nach Paris.) 1) Arist. Paris. 1645. in 8. de Art. Pöet. p. 2. 2) Dion. Halic tom. II. pag. 51. cap. 25. 3) Id. pag. 60. 2) Strab. lib. 1. p. 12. fol. 1597. hes! ben. rigkei fangs du II Gedich ſeyn. Härte hat, Dicht „et! „Na „fall „den „maq „macg „ob „br de kend epiſch eben )) ſagt n ge⸗ Aol- oder proſe Proſe ſ ge⸗ ſchoͤ⸗ Redicht edneri⸗ LA . uAo- ſe des 2.3) oſa 4). vom je Epo⸗ henland ypten .) XXIII pee in Proſe die naͤmliche Meinung angenommen zu ha⸗ ben. Als Telemach erſchien, geſtand man ihm ohne Schwie⸗ rigkeiten den Namen eines Gedichtes zu. Es wurde an⸗ fangs unter dem Titel: Avantures de Télémaque, ousuite du IV Livre de l'Odyssée bekannt. Die Fortſetzung eines Gedichts kann aber doch nichts andres, als ein Gedicht ſeyn. Boileau, der uͤbrigens uͤber Telemach mit einer Haͤrte abſprach, welche die Nachwelt nicht gut geheißen hat, vergleicht ihn der Odyßee und nennt Fenelon einen Dichter. „Il ya,“ ſagt er,„de l'agrément dans ce livre „et une imitation de l'Odyssée, que j'approuve fort. L'a- „vidité, avec laquelle on le lit, fait bien voir, que, si „ L'on traduisoit Homére en beaux mots, il feroit l'effet, „qu'il doit faire ét qu'il a toujours faitt... Le „Mentor du Télémaque dit de fort bonnes choses, quoi- „qu'un peu hardies, et eufin M. de Cambrai me paroit „beaucoup meilleur pöete que théologien. 1) „(Es waltet in dem Werke eine Anmuth und eine „Nachahmung der Odyßee, der ich meinen groͤßten Bei⸗ „fall zolle. Die Begierde, mit der man es ließt, liefert „den Beweis, daß Homer, gut uͤberſetzt, die Wirkung „machen wuͤrde, die er machen muß und die er immer „machte Telemachs Mentor ſagt ſehr gute, „obwohl etwas gewagte Sachen, und der Herr von Cam⸗ „bray ſcheint mir ein beßrer Dichter als Theologe. Achtzehn Monate nach Fenelons Tod nannte Louis de Sacy, einer Ausgabe Telemachs ſeinen Beifall ſchen⸗ kend, dies Werk: un pöeme épique quoiqu'en prose(ein epiſches Gedicht, obgleich in Proſe.) Ramſay nennt es eben ſo. 1) Lettres de Boileau et de Brossette. tom. I. pag⸗ 46. XXIV Der Abbé de Chanterac, Fenelons vertrauter Freund, ſagt in einem Schreiben an den Cardinal Gabrieli: „Notre prélat avoit autre fois composé cet ouvrage „(le Télémaque) en suivant le mêôme plan qu' Homére „ dans son Iliade et son Odyssée ou Virgile dans son Enéide. „„ Ce li vre pourroit etre regardé comme un pöcme: il n'y „» manque que lerhythme. L'auteur avoit voulu lui donner „le charme et l'harmonie du style pöetique.“ 1) „Cunſer Biſchoff befolgte in dieſem Werke(Cele— „mach) denſelben Plan wie Homer in der Ilias und „Odyßee, und Virgil in der Eneide. Dies Buch koͤnnte „als Gedicht gelten; es fehlt nichts als der Rythmus. „Der Verfaſſer wollte ihm den Reitz und die Harmonie „des pöetiſchen Styls verleihen.)“ Man hoͤre Fenelon ſelbſt: „„Pour Télémaque, c'est une narration fabuleuse en „forme de pöeme héroique, comme ceux d'Homére et de „Virgile.“2) (Celemach iſt eine fabelhafte Erzaͤhlung in Form ei⸗ nes Heldengedichts, wie jene Homers und Virgils.) Gewiß entſcheidend! 3) 1) Hist, de Fénélon. par M. de Bausset. tom. II. p. 194. 2) Id. pag. 196. Manuscrits de Fenelon. 3) Auſſer dieſen Autoritaͤten fuͤhre ich hier noch Blair an: er iſt den Franzoſen nicht unbedingt guͤltig, al⸗ lein er bewaͤhrt die Meinung der Auslaͤnder uͤber Te⸗ lemach, und iſt in allem, was in die Litteratur der Alten einſchlaͤgt, von ſehr groſſem Gewichte; auch naͤhert ſich Doktor Blair unter allen engliſchen Cri⸗ tikern am meiſten unſerm Geſchmack, und unſern litterariſchen Urtheilen. „In revieving the Epic Poets, it were injust to make „no mention of the amiable author of the Aventures of „Telemachus. His work, thoughnot composed in „Verse, is justly entitled to be held a Poem. The „measured poetical Prose, in which it is written, tiker les l tig i Volt eriſti müde recht ſche weili Ein zuto als reund, rage omére néide. il wy ſonner (Cele⸗ 3 und kinnte hmus. monie euse en e et de orm ei⸗ its. ⁰) p. 191. Blair ig, al⸗ ber Te⸗ tur der e; auch hen Cri⸗ unſern to make tures of osed in „ MTie pritten, XXV Faydit 1) und Gueudeville 2) waren die erſten Cri⸗ tiker, die dem Telemach, gegen die Meinung des Ariſtote⸗ les und ihres Zeitalters, den Titel eines Gedichtes ſtrei⸗ tig machten, eine ſonderbare Erſcheinung! Seitdem haben Voltaire und La Harpe erklaͤrt, daß kein Gedicht in Proſe exiſtire; die Nachahmungen des Telemach hatten ſie er— mudet und mit Widerwillen erfuͤllt. Allein, iſt dies ge— recht? Soll man alle Verſe verdammen, weil taͤglich ſchlechte gemacht werden, und giebt es nicht toͤdlich lang⸗ weilige Heldengedichte in Verſen?“ Wenn CTelemach kein Gedicht iſt, was waͤre er denn?— Ein Roman?— davon iſt er in dem Sinn, wie wir heut⸗ zutage die beiden Worte verſtehen, gewiß noch weiter als vom Gedicht verſchieden. So liegt die Frage da, die Entſcheidung uͤberlaſſe ich kompetenten Richtern; Verlangt man es, ſo will ich gern dem Verdammungsurtheil uͤber die Gattung meines Werks mich unterwerfen, und will gerne wiederholen, was ich in der Vorrede zur Atala ſagte: zwanzig ſchoͤne Verſe Homers, Virgils oder Racines werden immer uͤber die ſchönſte Proſe der Welt den Preis erhalten.— Dann „is remarkably harmonious; and gives the Style nearly „as much elevation as te French language is capable „of supporting, even in regular verse.“ (Bei Aufzoͤhlung der epiſchen Dichter waͤre es un⸗ gerecht, des liebenswuͤrdigen Verfaſſers der Avantures de Télémaque nicht zu erwaͤhnen. Dies Werk, obgleich nicht in Verſen geſchrieben, wird mit Recht ein Helden⸗ gedicht genannt. Die rythmiſch poetiſche Proſe in der es geſchrieben iſt, iſt ausgezeichnet harmoniſch und giebt dem Stile die hoͤchſte Erhabenheit, deren das Fran⸗ zoͤſiſche, ſelbſt in Verſen faͤhig iſt.*) 1) La Télémacomanie. 2) Critique générale du Telemaque-. *) Lect. ou Rhet. By H. Blair. tom 3. p. 276. ** XXVI bitte ich die Dichter um Vergebung, daß ich die Toͤchter des Gedaͤchtniſſes um Beiſtand anrief, als ich die Martyrn beſang. Plato ſagt bei Plutarch; er entlehne der Dicht⸗ kunſt den Rythmus als Wagen, um darauf zum Himmel zu fliegen; auch ich haͤtte dieſen Wagen gern beſtiegen; doch ich fuͤrchte, die Gottheit, die mich begeiſtert, ſei eine der Muſen, die der Helikon nicht kennt, die fluͤgel— los zu Fuße gehn, wie Horaz ſagt, eine„Musa pedestris“ ichter rtyrn Dicht⸗ mmel gen; „ ſei ſuͤgel⸗ tri“ E r ſt e 8 B u ch. I. Band ——⸗—⸗ꝛꝛꝛℳõõ— — ——OOO⸗O⸗⸗õͤ——— ———— —O—ÿ—ÿ—ℳ·õ⸗—-——— ——— Inhalt. Anrufung der beiden Muſen, der heiligen und der heid⸗ niſchen. Andeutung des Ganzen. Diokletian be⸗ herrſcht das Roͤmerreich. Unter ſeinem Szepter be ginnen die Tempel des wahren Gottes neben den Goͤtzentempeln emporzuſteigen. Die Hoͤlle bereitet ſich zum letzten Kampfe, die Altaͤre des Gottesſohnes umzuſtuͤrzen. Der Ewige geſtattet den Hoͤllengeiſtern, die Kirche, zur Pruͤfung der Glaͤubigen, zu verfol⸗ gen; die Glaͤubigen werden in der Pruͤfung trium⸗ phiren, des Heiles Fahne wird auf des Weltalls Thron gepflanzt: die Welt verdankt den Sieg zwei Opfern, von Gott erkohren, der Chriſten und Hei⸗ den Vergehen zu ſuͤhnen. Die Opfer⸗ Anrufunz der Muſe. Homers Familie. Demodokos, der Ho⸗ meriden letzter Sproͤßling wird zum Brieſter Homers, in des Saͤngers Tempel auf dem Berg Ithome in Meßenien, ernannt. Meßenien. Demodokos weiht ſeine einzige Tochter Kymodokaͤ dem Dienſt der Mu⸗ ſen, um ſie den Nachſtellungen Hierokles, Procon⸗ ſuls von Achaja und Galerius Günſtlings zu entzie⸗ hen.— Kymodokaͤs Erziehung. Homeriſche Sitte. Kymodoka zieht mit ihrer Pflegerinn allein zum Feſt der Limnaͤiſchen Diana: auf dem Ruͤckwege verirrt ſie ſich; ſie trifft einen jungen Mann, am Rand ei⸗ ner Quelle eingeſchlafen. Ihr Erſtaunen. Es iſt Eudoros, Laſthenes Sohn; er geleitet Kymodokaͤ zu ihrem Vater zuruͤck. Freude des alten Prieſters, beim Wiederſehn der Tochter. Er erzaͤhlt ihr Eudo⸗ ros Urſprung; ſeine Familie iſt eine der edelſten und reichſten in Arkadien— Eudoros, im Heere beruͤhmt, iſt der Freund des Prinzen Conſtantin, des Sohns des Conſtantius. Demodokos zieht mit ſeiner Toch⸗ ter zu Eudoros, ihm Geſchenke zu bringen und Laſt⸗ henes Familie zu danken. ſtrom einſa hold, hebt. ge w in Feſt derirrt Eudo⸗ en und ruͤhmt, Sohns —r Toch⸗ ind Laſt⸗ Erſtes Buch. Der Chriſten Kampf, die Siege will ich ſingen, die eines Martyrpaares ruhmvoll Streben, über der Hölle freche Schaaren, den Gläubigen errang. Dich heilge Muſe fleh ich an, die auf Sorrents und Albions blinden Sänger einſt Begeiſtrung nieder⸗ ſtrömte; dich, die in hehrer Stille auf Tabors Gipfel einſam thront; dich, die, der ſinnenden Betrachtung hold, der ernſten Andacht Schwinge zu dem Himmel hebt.— Lehre du, auf Davids Harfe, mich Geſän⸗ ge wiedertönen, ſchenke meinem Auge jene Thränen, die einſt Jeremias Augen Sions Schickſal⸗ ausge⸗ preßt— der verfolgten Kirche⸗Leiden will ich ſingen. Auch du, des Pindos jungfräuliche Muſe, du Hellas bilderreiche Tochter, ſteig' auch du vom Gipfel 4 Helikons herab; zerpflücken will ich nicht die blumig— ten Gewinde, mit denen du ſelbſt Gräber deckſt; o du der Dichtung heitre Göttinn, die auch den Schmerz, den Tod ſogar nicht in des Ernſts Gewänder hüllt.— Herbei der Täuſchung trügeriſche Muſe, herbei zum Kampfe mit der Wahrheit Göttinn!— Einſt ließ in dei— nem Namen man des Leidens herbſten Schmerz ſie dulden; heut feire du beſchämt der Siegerinn Triumph, be⸗ kenne Muſe heut, daß ihr der Leier Preis gebührt. Neunmal brüteten der Hölle Geiſter Chriſtus Kirche ſchon Verderben; neunmal war das heilge Schiff, das Gefahren nie zerſtören, allen Stürmen ſchon entflohn.— Frieden ſchwebte auf der Erde Reichen, Diokletians geübte Hand ſchwang den Szep⸗ ter der Welt. Unter dieſes großen Fürſten Schutze blühte den Chriſten einer Ruhe Vollgenuß, den ſie zuvor nie kannten. Schon ſtieg des Weihrauchs Wol⸗ ke aus des wahren Gottes Tempeln, nicht mehr allein von dem Altar der Götzen auf; mit jedem Tage wuchs der Gläub'gen Heerde— Reichthum, Ruhm und Ehrenſtellen winkten nicht mehr Zeus Verehrern nur allein: es war der Hölle Reich bedroht; des Himmels Siege ſtrebte ſie zu hemmen. Allvater ſah der Chri⸗ ſten Tugend, vom Glück bekrönt, erſchlaffen; den Höllengeiſtern gab er Macht, Verfolgung gegen ſie von neuem anzufachen— die letzte Schreckensprobe ſollt' es ſeyn; ſie ſollte auf des Weltalls Thron des Kreuzes Glanz erheben, es ſollten der falſchen Götter dempel Muſen⸗ ſtammes Q% allen Liet Familie bewohn teten. tenzeit, vereint, die, auf Liebling. folgte d thys Se baut, d ten hüll den au in dem über C Kymod modoko kronen. lden; „ be⸗ ort. Hriſus heilge türmen een ſie Wol⸗ allein wuchs m und en nur oimmels er Chri⸗ n; den egen ſie sprobe ron des Götter 5 Tempel dann zerſtört in Staub und Moder ſinken. Muſen, lehret mich die Wege, wie des Menſchen⸗ ſtammes alter Feind der Menſchen Leidenſchaften, vor allen Liebe und Ruhmſucht zu Dienern ſeiner Plane ſchuf. Zeigt voll Unſchuld mir die Jungfrau, zeigt den erhabnen Bußer mir, die am Tage des Triumphes und der Trauer glänzten— unter Götzendienern wähl⸗ te ſie, unter Gläubigen wählte ihn der Himmel, ſie ſollten die Sühnopfer der Chriſten, der Heiden auch ſeyn. Demodokos war der letzte Sprößling einer der Familien von Homaeriden, die einſt die Inſel Chios bewohnten, und ihren Stamm von Homaeros ablei⸗ teten. Die Eltern hatten ihn, in ſeiner Jugend Blü⸗ tenzeit, mit Epicharis, der Tochter Cleobulos aus Kreta vereint, mit der ſchönſten der jungfräulichen Mädchen, die, auf blumigten Auen am Fuß des Talaeos, Hermäs Lieblingsberges, im flüchtigen Tanze ſchwebten. Er folgte der Gattinn nach Gortynä, von Rhadaman⸗ thys Sohn an Lethäos Ufern, der Platane nah er⸗ baut, die Zeus und Europa's Freuden in ihren Schat⸗ ten hüllte.— Neunmal hatte Selene der Daktylen wilde Hölen beglänzt, da beſuchte Epicharis ihre Heer⸗ den auf Ida.— Hier faßten ſie die Mutterwehen; in dem geheiligten Haine, wo Platons drei Greiſe, über Geſetzen forſchend, weilten, erblickte die zarte Kymodokeia das Licht: die Augurn verkündeten: De⸗ modokos Tochter werde mit Ruhm die Weisheit be⸗ krönen. 6 Bald ſchloß ſich Epicharis Auge dem milden Lich⸗ te des Himmels; nur ſchmerzlich ruhten itzt Demodo⸗ kos Blicke auf Lethäos Fluten; auf den Knien ſeiner Ehe einzge Frucht zu wiegen; mit einem Lächlen, bei welchem Thränen floßen, im Anblick dieſes holden Weſens zu ſchwelgen, das ihm der ſchönen Epicharis Züge mahlte, war nun des Armen einz'ger Troſt. Meßeniens Bewohner bauten damals Homäros einen Tempel; Demodokos, ſo heiſchten ſies, ſollte der Oberprieſter ſeyn. Voll Wonne gewährt'’ er ihr Verlangen; denn gerne wollt' er von der Gegend ſcheiden, auf der des Himmels Zorn ihm ſchwer zu ruhen ſchien. Den Manen ſeiner Gattinn, den Flußen, von Zeus entſproßen, des Ida gaſtlichen Nymphen, Gorrtynä's Schutzgottheiten weiht' er Opfer, und zog mit ſeiner Tochter fort, Homaeros kleines Bild und die Penaten im Geleite. Von günſt'gem Wind geſchwellt die Seegel, er⸗ blickte bald ſein Schiff Tänaros Vorgebürge, es ſteu⸗ ert längſt der Küſte Otylos, Thalamä, Leuktra hin und ankert im Schatten von Choerios Hain. Die Meßenier, in des Unglücks Schule zur Weisheit ge— reift, empfiengen Demodokos wie eines Gottes Spröß⸗ ling; ſie führten im Triumphe ihn zum Heiligthum, das ſeinem Ahnherrn ſie geweiht. Dort ſah den Sänger man im Bilde eines koloſ⸗ ſalen Flußgotts dargeſtellt, mit deſſen Fluten andre Flüſſe ihre Urnen füllten. Der Tempel beherrſchte Epaminondas Stadt; in einem bejahrten Olivenhai⸗ ſe war el lleich eine enhebt. Drakels S wo Ariſto des Schie te Fernen Blick, w preße ſtol wo des A ſtromen, leß. J kraͤnzten Bäche un verſiegte, Blumen de Kühle Städte, in bunten maͤlde: Teikka? Urne ſtel tos den und Ste ſe reitze einſt be⸗ Portiku⸗ mit lache kreis. 7 ne war er erbaut auf Ithomes Berg, der einſam frei, gleich einer Urne von Azur, in Meßeniens Gefilden ſich erhebt. Des Tempels Grundfeſten, ſo heiſchte des Orakels Spruch, ſollte man an jener Stelle graben, wo Ariſtomänäs einſt die eherne Urne barg, auf der das Schickſal ſeines Vaterlandes ruhte.— In wei⸗ te Fernen über die Gefilde hin ſchweifte von hier der Blick, wo Hügel da und dort ſich heben, wo die Cy— preße ſtolz das Haupt zum Himmel ſtreckt; Gefilde, wo des Amphitos, des Pamiſos, des Balyra Fluten ſtrömen, in den der blinde Thamyris die Lyra ſinken ließ. Roſenlorbeern und Haeräs Lieblingsgebüſche be⸗ kränzten das Bette des Waldſt Bäche und Quellen; in Thälern, wo die Silberwelle roms, die rieſelnden. verſiegte, ſah man die düftenden Büſche Bäche von Blumen noch ziehn, ſpenden des Schattens erquicken⸗ de Kühle, wo einſt das Silber der Fluten erfriſchte. Städte, Ruinen und Maale der Kunſt ſchmückten, in buntem Wechſel zerſtreut, das ländlich ſchöne Ge⸗ mälde: Andania, Zeuge von Meropäs Thränen, Trikka Asklepios Wiege, Geranea, wo Machaons Urne ſteht, Phaerä, wo dem ſchlauen Ithaker Iphi⸗ tos den Bogen reichte, der Pänelopeias Freier fällte, und Stenyklerus, wo Tyrtäos Lieder ſchallten.— Die⸗ ſe reitzenden Gefilde, von des alten Neleus Szepter einſt beherrſcht, ſchienen von Ithomes Gipfel, vom Portikus des Homerstempels herab, ein Korb gefüllt mit lachendem Grün, mehr als 800 Stadien im Um⸗ kreis. Zwiſchen Weſten und Süden ſchlang das me⸗ 8 ßeniſche Meer ein ſchimmerndes ſilbernes Band, im Oſten und Norden, begränzten des Taygetos Kette, Lykäas Bergrücken und Elis Gebürge den Blick. Die⸗ ſer, auf dem Erdkreis einz'ge Horizont malte eines Volkes Kriegerleben, Hirtenſitten, Feſte; eines Volks, das ſeines Looſes Trauerſzenen nach der Freuden⸗ feſte Epochen zälte. Schon waren ſeit des Tempels Weihe, fünfzehn Jahre hingeſchwunden; einſam ruhig lebte Demodo— kos an Homäros Altare. Seine Tochter Kymodo⸗ keia blühte unter ſeinen Blicken auf, dem Olivenſpröß⸗ ling gleich, den, an einer Quelle Rand, mit lieben⸗ der Sorge der Gärtner erzieht; dem Erd' und Him⸗ mel liebend lächlen.— Nichts hätte Demodokos Wonne getrübt, wenn er der Tochter den Gemahl gefunden, der ſie zum Prunkpallaſte heimgeführt, und dort mit zarter Innigkeit geliebt; es wagte keiner ihre Hand zu bitten, denn, Hierokles, Achaias Prokon⸗ ſul, Galerius Günſtling glühte von Liebe zu Kymodo⸗ keia, ſo wollte es ihr Unglücksloos.— Zur Gattinn heiſcht' er ſie— doch bat das meßeniſche Mädchen den Vater, ſie dem verruchten Römer nicht zu opfern, bei deſſen Blicken ſchon ſie bang erbebte. Demodo— kos erhörte gern der Tochter Flehen, er mogte Ky— modokeias Loos den Händen des Barbaren nicht ver⸗ trauen, auf dem der Greuelthaten Argwohn ruhte, und deſſen Grauſamkeit die erſte Gattinn ſchon in's Grab geſtürzt. Die Weigerung hatte tief des Pro⸗ conſuls Stolz verwundet; doch höher flammte ſeiner biebe Glu Macht/ d zu erringe nntziehen, feigteihr kenloſen! re ſchneid heilige Ge Klänge, ſeiner the non von 2 M eignen † rührte ſie nehr erbl auch euch Heerden Unſchuld konnte. Im mit der hüllte ſi △₰ Demode hauchte ein; er ſchen zu den⸗ ehn odo⸗ odo⸗ roß⸗ ben⸗ Him⸗ dokos nahl und ihre kon⸗ odo⸗ tinn chen fern, nodo⸗ Ky⸗ ver⸗ uühte, in's Pro⸗ iner 9 Liebe Glut, die Mittel alle wollte er verſuchen, die Macht, dem Böſewicht gewährt, die Beute ſeiner Lüſte zu erringen. Um ſeine Tochter Hierokles Liebe zu entziehen, hatte Demodokos den Muſen ſie geweiht. Er zeigte ihr der Opfer heilige Sitte, er lehrte ſie die fle— ckenloſen Kälber wählen, das Stirnenhaar der Stie⸗ re ſchneiden, es in des Feuers Gluten werfen, die heilige Gerſte ſtreuen, vor allen lehrt' er ſie der Lyra Klänge, des Unglücklichen ſüßen Troſt. Oft ſaß mit ſeiner theuren Tochter er, auf eines ſteilen Felſens Gipfel am Meergeſtade; da ſangen ſie Strophen aus der Ilias und Odyßee, Andromachaes Liebe, Päne⸗ lopäs Weisheit, Nauſikaas Zucht; ſie ſangen die Lei— den, das Erbtheil der ſterblichen Menſchen, Agamäm— non von der Gattinn geopfert, Odyßeus am Thor des eignen Pallaſts Allmoſen flehend; das Loos des Armen rührte ſie, der nicht den Rauch der väterlichen Hütte mehr erblickt, und fern vom heimiſchen Boden ſtirbt; auch euch beklagten ſie, ihr Jünglinge, die einſt die Heerden eurer Königsväter huteten, die dieſes Lebens Unſchuld nicht von Achilleus Schreckensarm erretten konnte. Im weiſen Umgang mit den Muſen, den Geiſt mit der Vorzeit ſchönſten Erinnrungen genährt, ent— hüllte ſich mit jedem Tag ein neuer Reitz Kymodokäs.— Demodokos in der Weisheit Heiligthümern eingeweiht, hauchte nun der Tochter den Hang zu holder Einfalt ein; er ſuchte ſo des Mädchens Götterflug dem Irdi— ſchen zu nähern. Froh ſah er die Laute aus der Hand 10 ſie legen, ſah ſie dann die Urne aus der Quelle fül⸗ len, oder des Tempels Schleier in dem Strome wa⸗ ſchen. Wenn ſie oft an Wintertagen, an einer Säule Schaft gelehnt, bei der Flamme lichtem Glanz, die Spindel drehte; dann ſprach zur Tochter er die Worte: „Kymodokä, ich ſuchte von deiner Kindheit Ta⸗ „gen an, dir jede Tugend und alle Gaben der Muſen „zu ſchenken; denn empfangen müſſen wir die Seele, „wenn ſie ein zum Körper zieht, wie der Gäſte aus „Olympos einen, dem man Kronen, den man Weih⸗ „rauch zollt. Aber fürchte, Epicharis Tochter, fürch⸗ „te mir die Überſpannung, die die Herrſchaft der Ver⸗ „nunft zerſtört, laß uns fromm Athänä bitten, daß „ſie Weisheit uns gewähre, die in unſrer Seele „ſanfte Mäßigung, der Wahrheit Schweſter, zeugt, „ohne die nur alles Trug und Täuſchung iſt.“ So ſchenkten reitzende Gebilde Kymodokeia Won⸗ ne, weiſe Lehren Unterricht.— Der Muſen Zau— ber, dem ſie ſich geweiht, prägte ihren Zügen, der Stimme ſich und ihrem Herzen ein. Itzt ſenkte ſie die langen Augenlieder, ihr Schatten ſpielte auf der Lilienwange; da glaubte man die ernſte Melpomenä zu erblicken; doch lächelnd war ſie Thalia, ſchlug ſie das Auge auf. Die dunklen Locken glichen Hiazin⸗ tenblüten, ihr Wuchs der Palme auf Delos. Einſt ſuchte, in der Ferne, ſie mit ihrem Vater Diktam— pflanzen; ſie folgten, um dies Kleinod aufzuſpüren, einer Hindinn, von Oechaliſchen Bogenſchützen ver⸗ wundet— da erblickte man ſie auf der Berge Gipfel; ſchnell erſ ter üngſte den Juger Der! gewöhnlich und Lakon glcksquelle Meßene ei bei.— 4 Mädchen Schweſter froh entz Pater ja ter Preis dann ſehn Ruhme ni Dem den Homaͤ ter nach Li rer Pflegen e.( Tochter hi die gen die hängten. Hand der der Wand nena ſie Einſt tam⸗ lren, ber⸗ 1 1 ſchnell erſcholl das Gerücht: Neſtor und ſeiner Toch— ter jüngſte, die ſchöne Polikaſtä ſeien in Iras Hain den Jägern erſchienen. Der Artemis Limnäa Feſt nahte, ſchon ward der gewöhnliche Zug bereitet, der feierlich an Meßeniens und Lakonikas Grenze wallte. Dieſer Zug, die Un⸗ glücksquelle der alten Kriege zwiſchen Lakedaimon und Meßene einſt, lockte itzt nur friedliche Zuſchauer her⸗ bei.— Kymodokeia wählten die Greiſe, der jungen Mädchen Chöre zu führen, die Apollons keuſcher Schweſter Opfergaben ſpenden ſollten.— Kindlich froh entzückte ſie dies ehrenvolle Amt, ſtralte auf den Vater ja ſein Glanz zurück— denn hörte er der Toch⸗ ter Preis, berührte er die von ihr errungnen Kronen, dann ſehnt' er ſich nach anderm Glück, nach anderm Ruhme nicht Demodokos, den ein Opfer, von einem Frem— den Homäros dargebracht, feſſelte, konnte ſeine Toch⸗ ter nach Limnä nicht geleiten. Sie zog allein mit ih⸗ rer Pflegerinn Eurymeduſa, Alkymedons aus Naxos Tochter hin zum Feſte; doch ruhig war der Greis, denn Achaias Prokonſul war damals bei Cäſar Gale⸗ rius in Rom.— Der Artemis Tempel ſtand im An— geſicht des meßeniſchen Golfs auf einer Spitze des A. Taygetos, in einem Pinienhaine, wo an den Zwei⸗ gen die Jäger der erlegten wilden Thiere Beute auf⸗ hängten.— Des Tempels Mauern trugen von der Hand der Zeit die Farbe welken Laubs, die Farbe, die der Wandrer heute noch an Roms und Athens Ruinen 1 2 ſieht. Der Artemis Bildſäule ſtand auf dem Altare in des Tempels Mitte, von eines Bildners Meiſter⸗ hand geſchaffen. Da ſtand der Läto Tochter, der Füße einen vorgeſtreckt, die Rechte faßt einen Pfeil im Köcher, der von der Schulter hängt; die Hindinn Kerynitis mit Goldgeweih und ehrnen Läufen birgt ſich unter den Bogen, den die Göttinn in der herab⸗ geſunknen Rechten trägt. Der Stral des Mondes, auf der Hälfte ſeiner Laufbahn, beglaͤnzte den Tempel, da ſtimmte Kymo⸗ dokeia an der Gefärtinnen Spitze(ihrer waren ſo viele als Okeaniden) die Hymne an die jungfräuliche Göttinn an. Eine Schaar von Jägern ſiel in den Ge⸗ ſang der Maͤdchen ein: „Schlingt euch in ſchwebende Tänze, verdoppelt, „führet den Chor, den heilgen zurück! „Artemis, der Wälder Herrſcherinn, nimm die from⸗ „men Gelübde gnädig auf, von erwählten Jungfraun, „makelloſen Kindern, auf Sibillens Rath, dir darge⸗ „bracht.— Auf der ſchwimmenden Delos, unter eines „Palmbaums Schatten, biſt du einſt zum Licht er⸗ „wacht.— Lätos Wehen mild zu lindern kreisten Schwä⸗ „ne mit Geſang ſiebenmal um die harmonienreiche Inſel „her— ihre Lieder zu verewgen erfand dein Götter⸗ „bruder, der Lyra ſieben Saiten. „Schlingt euch in ſchwebende Tänze, verdop⸗ „pelt, führet den Chor, den heiligen zurück! „Du liebſt der Flüſſe Ufer, der Haine Schatten, „ des grünenden Kragos, des kühlen Algidon und des „dunkeln „farchth „Halbme gichwer „Schwe „gieb den z „Sch dbr „G „ führet Die ihre Lerk Bogen, Hirſch Die Se von der rem Va es warni Die Luf wonnige Bruſt. Meer, men in die Se wie ei zu ruh nä auf dokeia hend in ltare iſter⸗ Füße l im dinn birgt erab⸗ ſeiner ymo⸗ n ſo uliche n Ge⸗ ppelt, from⸗ aun, arge⸗ eines bteer⸗ chwa⸗ Inſel 13 „dunkeln Erymanthos Wälder. Artemis, mit dem „furchtbringenden Bogen; Selänä, deren Haupt der „Halbmond ſchmückt; Haekatä mit Schlang' und „Schwert bewaffnet, gieb der Jugend reine Sitten, „gieb dem Alter Ruhe, Neſtors Stamm gieb Söhne, „Schätze, gieb ihm Ruhm. „Schlingt euch in ſchwebende Tänze, verdoppelt, „führet den Chor, den heil'gen zurück!“ Die Hymne war geendet, die Mädchen nahmen ihre Lorbeerkränze ab, und hiengen, mit der Jäger Bogen, ſie an der Artemis Altar.— Ein weißer Hirſch ward der Königinn des Schweigens geopfert. Die Schaar zerſtreute ſich, Kymodokä ſchlug, geleitet von der Pflegerinn, einen Fußpfad ein, der ſie zu ih⸗ rem Vater führen ſollte. Es war der Nächte eine, wo der Schatten helles Dunkel Hellas ſchönen Himmel zu verſchleiern ſcheut, es war nicht Finſterniß, es war des Tages Ferne nur.— Die Luft, ſie war, wie Milch und Honig mild; voll wonnigem Entzücken trank in vollen Zügen ſie die Bruſt. Taygetos Höhen, ihm gegenüber Meßeniens Meer, Kolonides und Akritas Vorgebürge ſchwam⸗ men in ſanftem Zauberlichte; eine joniſche Flotte zog die Segel bei, um in Coroneas Hafen einzulaufen, wie eine Schaar Zugtauben den Flügel ſenkt, um zu ruhn auf wirtlichem Geſtade. Leis ſtöhnt' Alkyo⸗ nä auf ihrem Neſte; nächtliche Winde wehten Kymo— dokeia des Diktams Düfte und Poſeidons Stimme zu: hend im Thale weilte der Blick des Hirten auf des Mon⸗ 14 T des Scheibe, von der Sterne ſchimmerndem Gefolg umringt; es füllte mit Wonne ſich ſein Herz. Die junge Prieſterinn der Muſen wallte ſchwei⸗ gend den Bergen entlang. Trunken von Entzücken ſchweiften ihre Blicke zu den Zauberſtellen hin, wo Zeus und Lykurgos Wiege den Alten ſtand; ein ſin⸗ nig Bild, daß Götterdienſt und die Geſetze nur eine Quelle kennen, daß Hand in Hand ſie gehen ſollen.— Des Mädchens Bruſt erfüllten heil'ge Andachtsſchau⸗ er; in jedem Laut, in jedem leiſen Regen ſah, und hörte Wunder ſie.— Des Meeres Wogenbrauſen war ihr das dumpfe Brüllen der Löwen Kybeläs, in Oechalias Hain herabgeſtiegen; der Holztaube ein⸗ ſam Girren war ihr der Hörnerton der Artemis, die auf Thurias Höhen jagte. Sie wandert weiter fort; reitzende Gebilde ver ſcheuchen ihre Furcht, ſie füllen ihre Seele; ſie denkt der alten Sagen von der ſo berühmten Inſel, wo das Licht ſie einſt erblickte; des Labyrinths; der Tänze Cretenſiſcher Mädchen, die noch ſeine Schlangenpfade malen; des ſinnreichen Dädalos; Ikaros des unbeſonne⸗ nen; Idomeneus und ſeines Sohnes; vor allen denkt des unglücklichen Schweſterpaares, Phädras, Ariadnäs ſie.— Itzt hat ſie den Weg verlohren, ihr folgt nicht mehr die Pflegerinn; ſie fleht der Haine Götter, die Napajen, die Dryaden an, ſie bleiben ihrem Fle⸗ hen ſtumm— da glaubt die fernen Himmliſchen in Mänalos Thälern ſie verſammelt, wo die Arkadier ih⸗ nen feierliche Opfer weihn. Ferne tönt der Woge Prauſen; Eos Wier Ein! peln, ſtuͤ ſen hoch Nymphen drer ihner umſchling loſe eine ſchien.— Chpreſſen Jägers? Endymio ter wahn königinn der Gott im Hai Kleidesſ heimniß nieder: „9 beſonne bohren! otter/ Fle n in rih⸗ Loge 15 Brauſen; ſie eilt in der Najade Schutz, zu harren Eos Wiederkehr. Ein friſcher Waſſerquell, begränzt von hohen Pap⸗ peln, ſtürzte in großen Wellen ſchäumend vom Fel⸗ ſen hoch herab; auf dieſes Felſens Spitze ſtand den Nymphen ein Altar, wo Gelübde, Opfer der Wan— drer ihnen weihte. Eben wollte den Altar Kymodokä umſchlingen, die Gottheit dieſer Quelle bitten wollte ſie, des Vaters Unruh mild zu ſtillen, da gewahrte ſie einen Jüngling, der, hingelehnt am Felſen, ſchlief. Das auf die Bruſt geſenkte Haupt, das auf der lin⸗ ken Schulter ruhte, ſtützte leiſe einer Lanze Schaft; die Hand auf dieſe Lanze achtlos hingeſunken, faßte loſe eines Hundes Koppel, der einem Laut zu lauſchen ſchien.— Des Nachtgeſtirnes Stral, durch zweier Cypreſſen Zweige gebrochen ſpielend, beglänzte des Jägers Antlitz— ſo malte ein Nachfolger Apelles Endymions Schlummer einſt.— Demodokos Toch⸗ ter wähnte würklich, der Jüngling ſei der Wälder⸗ königinn Geliebter— des Zephirs leiſe Klage ſchien der Göttinn Seufzer ihr; ein flüchtger Mondenſtral im Hain dünkt ihr der ſcheidenden Artemis weißer Kleidesſaum.— Erſchrocken bebend ſürchtet ſie Ge— heimniße geſtört; flehend ſinkt ſie auf die Kniee nieder: „Phoibos furchtbare Schweſter, ſchone der un⸗ beſonnenen Jungfrau, laß deinen Pfeil ſie nicht durch⸗ bohren!— Nur eine Tochter hat mein Vater, 16 meine Mutter, die du ſchon gefällt, ſie prunkte mit eitlem Stolze nie auf mein Gebohrenſeyn.“ Bei dieſen Lauten bellt der Hund, der Jäger er⸗ wacht.— Erſtaunt, die Jungfrau knieend zu erbli⸗ cken, erhebt er ſich raſch. „Biſt du“ ſpricht Kymodokä verwirrt, noch im⸗ mer knieend,„der Jäger Endymion nicht?“ „Und du“ verſetzt ihr eben ſo beſtürzt der Jüng⸗ ling,„du biſt ein Engel nicht?“ „Ein Engel?“ entgegnet Demodokos Tochter. Verwirrt ſpricht nun der Fremdling:„Weib, erhebe dich, vor Gott nur ſoll man knieen!“ Nach eines Augenblickes Schweigen beginnt zum Jäger der Muſen Prieſterinn:„Biſt du, in ſterb— licher Hülle, der Götter einer nicht, dann biſt ein Fremder du, den gleich mir, im Hain die Satyrn irrgelenkt.— In welchem Hafen lief dein Fahrzeug ein?— Kömmſt du aus Tyrus, berühmt durch ſeiner Handelsleute Schätze, oder aus dem reitzenden Co⸗ rinth, von deinen Wirthen reich beſchenkt?— Biſt du der Männer einer, die bis zu Herakläs Säulen auf den Meeren handeln? Oder folgſt dem wilden Aräs du zum Kampfe? Doch vielleicht biſt du ein Sohn der Sterblichen, die einſt der Szepter ſchmückte, die einſt über das Land, an Heerden reich, geliebt von den Olimpiern herrſchten?“ Der Fremdling entgegnete die Worte ihr:„Es giebt nur einen Gott, der Welten Herrſcher, ich bin nur Menſch, der Schwächen und Verwirrung voll. gemiſch den Gei eine ne als, ſie zu „ich! ter,“ ſie ſich ſeyn“ Laſthe er wa hörbg Dure paar bos Ihr ſ des A J. ilden u ein ückte, eliebt „Es hbin voll. 17 Eudoros iſt mein Name, Laſthenes Sohn bin ich. Ich komme von Thalamä her, zum Vater will zurück ich kehren; es überraſchte mich dich Nacht, ich ſchlief am Rande dieſer Quelle ein.— Doch du, wie weilſt allein du hier?— die Schaam bewahre dir der Him⸗ mel, nach Gottesfurcht die ſchönſte Furcht.“ Dieſes Mannes Worte bewegten tief Kymodokä— ſie fühlte Ehrfurcht mit Liebe, Vertrauen mit Schauern gemiſcht.— Der Worte Ernſt ſchien ganz der reitzen⸗ den Geſtalt des Jünglings zu widerſtreben. Sie wähnte eine neue Menſchengattung zu erblicken,ernſter und edler, als, die ſie ſonſt gekannt. Eudoros Rührung dachte ſie zu mehren, die ihm ihr Loos zu wecken ſchien, „ich bin Homaeros, des unſterblichen Sängers Toch⸗ ter,“ ſprach ſie itzt. 1 „Ich kenne ein ſchönres Buch, als Homers Ge⸗ ſänge“ war des Jünglings Antwort. Durch dieſer Worte Kürze außer Faſſung, ſagte ſie ſich leiſe ſelbſt:„aus Sparta muß der Jüngling ſeyn“.— Ihre Geſchichte erzälte ſie ihm dann; Laſthenes Sohn erbot ſich, ſie zum Vater zu begleiten— er wanderte vor ihr her. Demodokos Tochter folgte, hörbar war das Säuſeln ihres Athems, ſie zitterte.— Durch Sprechen wollte ſie nun Muth gewinnen; ein paar Worte begann ſie von der heilgen Nyx; des Ere⸗ bos Gattin, Eros und der Hesperiden Mutter. Ihr Führer unterbrach ſie:„ich ſehe nur Geſtirne, die des Allmächtgen Preis verkünden!“ I. Band. 2 18 Neue Beſtürzung ſenkten die Worte ins Herz der Muſenprieſterinn.— Was ſollte ſie von dieſem Un— bekannten denken, der ihr zuvor der Götter einer ſchien?— War er ein Böſewicht, der nächtlich auf der Erde ſchweifte, gehaßt von Menſchen, von Göt— tern verfolgt? Oder war ein Seeräuber er, dem Schiff entſtiegen, um ihre Kinder den Vätern zu rauben? Kymodokä fühlte von bangem Entſetzen ſich ergriffen, doch zu verrathen wagte ſie es nicht.— Gränzlos war ihr Erſtaunen, als ihr Führer ſich herab zu einem verlaßnen Sklaven bückte, der dort am Rand der Stra⸗ ße lag, als er ihn Bruder nannte, und ihm, zur Decke ſeiner Blöße, den eignen Mantel gab. „Fremdling“ ſprach ſie„du glaubſt gewiß, der Sklave ſei ein Gott, in die Geſtalt des Bettlers ein— gehüllt, das Herz der Sterblichen zu prüfen?“ „Nein, entgegnete Eudoros, der Menſchen ei⸗ nen glaub' ich ihn.“. Ein kühles Lüftchen wehte aus Oſten, es brach die Morgenröthe an; da ſtieg aus Lakonikas Gebürgen wolkenlos, in ſtiller Größe, die Sonne flammenſtra⸗ lend am Himmel auf. Itzt ſtürzte, aus eines nahen Haines Mitte, Eurymeduſa mit offnen Armen auf Kymodokeia zu.„Meine Tochter, rief ſie; was haſt du mir für Schmerz bereitet; mein Jammerſtöhnen bebte durch die Luft; ich glaubte dich von Pan ent⸗ führt; es ſchleicht in Wäldern immer der gefähr⸗ liche; nichts gleicht, hat mit Silen dem Greiſe er ge— tanzt, des Gottes Kühnheit. Wie hätt' ich ohne dich — luch das Mäd vor miten th war ich in der Naxos/ meine Shaur der Mä durchſtreifen, Hafen Cretas tynä, als eines dritten Nachtwe eilen mag. N Teppiche aus M Er kauftemich die Dämatars Preis. Da ſp er an ſeines( grauſame Eileit in meine Arme ter dienen. V gebohren; die ſchaukelte auf m nur wollteſt du Geſchrey, wen Eurymedu an ihre Bruſt ſen tief beweg ſie;„Sieh Sohn.“ Dor Der Jüng keend dieſer Szer der 19 vor meinem theuren Herrn erſcheinen können? Noch war ich in der Jugend erſter Blüte, ich ſpielte auf Naxos, meines Vaterlands, Geſtade; da raubte eine Schaar der Männer mich, die gewaffnet Thetys Reich durchſtreifen, und reiche Beute ſammlen. In einem Hafen Cretas verkauften ſie mich, ſo ferne von Gor⸗ tynä, als eines Mannes raſcher Schritt, zwiſchen der dritten Nachtwache und des Tages Mitte, Raum durch⸗ eilen mag. Nach Lebenä kam dein Vater, um an Teppiche aus Milet Früchte aus Theodoſia zu tauſchen. Er kaufte mich aus meiner Räuber Händen, zwei Stiere, die Dämätärs Furchen nie gezogen, waren des Kaufes Preis. Da ſpäter meine Treue er erkannte, beſtellte er an ſeines Ehegemaches Thüren mich.— Als die grauſame Eileithyia Epicharis Auge geſchloßen, da legt' in meine Arme dich dein Vater; ich ſollte dir zur Mut⸗ ter dienen. Viel Ungemach hat deine Kindheit mir gebohren; die Nächte weilte ich an deiner Wiege, ſchaukelte auf meinen Knieen dich; von meiner Hand nur wollteſt du die Nahrung koſten; mir folgte dein Geſchrey, wenn einen Augenblick ich dich verließ.“ Eurymeduſa ſchloß bei dieſen Worten Kymodokä an ihre Bruſt, die Erde bethauten ihre Thränen. Auch das Mädchen, von der Pflegerinn Schmeichelko⸗ ſen tief bewegt, umarmte weinend mit den Worten ſie;„Sieh Mutter, der iſt Eudoros, Laſthenes Sohn.“ Der Jüngling, auf den Speer gelehnt, ſah läch⸗ lend dieſer Szene zu; ſeiner Züge angebohrner Ernſt 20 war ſüßen Rührungen gewichen. Doch rief er bald ihn zurück:„Demodokos Tochter, ſprach er, hier dei⸗ ne Pflegerinn, nicht fern iſt deines Vaters Wohnung. Gott erbarme deiner Seele ſich!“ Er harret nicht des Mädchens Antwort, und eilt mit Adlerſchnelle fort. Der Muſen Prieſterinn, in der Auguren Kunſt erfahren, zweifelt länger nicht, der Jäger ſei ein Himmliſcher geweſen; ſie wendet ſcheu das Haupt, ſie fürchtet den Olympier zu erbli⸗ cken und zu ſterben. Dann klimmte eilig ſie Ithomäs Berg empor, gieng an Arsinbes und Clepſydras Quel⸗ len vorüber, und pochte an Homäros Tempel. Der alte Oberprieſter war die ganze Nacht im Wald umhergeirrt, nach Leuktra hatte er, nach Phaerä, nach Limnä Skla⸗ ven ausgeſchickt. Nicht gnügte mehr des Achatiſchen Prokonſuls Ferne, die Vaterliebe zu beruhigen; De— modokos fürchtete nun Gewaltthat von Hierokles; war gleich der Böſewicht in Rom; er ſah für Kimodokä nur Leiden. Als herein ſie nun mit ihrer Pflegerinn tritt, da ſitzt der unglückliche Vater beim Heerd am Boden; das Haupt in ſein Gewand gehüllt, benetzt die Aſche er mit Thränen. Bei der Tochter ſchnellem Ein⸗ tritt tödet faſt den Greis die Freude. In ſeine Arme ſtürzt Kymodokä, nur abgebrochne Seufzer ſtöhnen; von ſolchen Lauten tönt der Luftbewohner Neſt, wenn den Kleinen die Mutter Speiſe bringt. Endlich hemm— te er der Thränen Lauf und ſprach:„ Welcher Gott, hat, meine Tochter, dich dem Vater wieder zugeführt? Wie konnt' ich dich allein zum Tempel ziehen laſſen?— 97 Unſte Feinde ten, dr di Aber geze Cäſars Füßen be mir oder rall nen Vater ſei ſehn; auf der nrſuct/ dl t ihe geraubt. der kinderlosz ſe, die die It die Gotter he Sohne keine Kymode ſchönen Han „Vater Walde ware wars ein Got Demod von ſeiner B „ein Fremd du, Homa führſt zu un deinem Ahn ſer gegen i Was wird maeride, he rief er bald er, hier dei— 8 Wohnung. ort, und eilt leſterinn, in laͤnger nicht, ſie wendet pier zu erbli⸗ ſie Ithomäs Nydras Quel⸗ del. Der alte umhergeirrt, Limna Skla⸗ es Achatiſchen ruhigen; De⸗ jerokles; war ür Kimodokc er Pflegerinn eim Heerd am lt, benetzt die ſchnellem Ein⸗ In ſeine Arme ufzer ſtohnen; er Neſt, wenn Endlich hemm⸗ Welcher Gott, der ugefühtt! hen laſſen?— *8 21 Unſre Feinde ſcheut' ich, fürchtete Hierokles Traban⸗ ten, der die Götter verlacht und Vaterthränen höhnt. — Aber gezogen wär' ich übers Meer, hätte zu des Cäſars Füßen ihn gefleht: gieb mir Kymodokä zurück, oder raube mir des Lebens Licht.— Dann hüätte dei⸗ nen Vater ſeinen Schmerz der Sonne klagen man ge⸗ ſehn; auf der ganzen Erde hätt' ich dich, wie Dämätär geſucht, als ihre Tochter ſie zurücke heiſchte, die Aidäs ihr geraubt. Beklagenswerth iſt eines Greiſes Loos, der kinderlos zum Orkus geht.— Man flieht die Hül⸗ le, die die Jugend höhnt: ein Böswicht war der Greis, die Götter haben ſeinen Stamm verlöſcht, er hat der Söhne keinen, der das Grab ihm hölt!“ Kymodokae ſtreichelte den alten Vater mit der ſchönen Hand, ſie ſpielt mit ſeinem Silberbart: „Vater, der Unſterblichen göttlicher Sänger, im Walde waren wir verirrt; ein Jüngling, oder, eher wars ein Gott, hat uns zurückgeführt.“ Demodokos ſtand bei dieſen Worten auf; er wies von ſeiner Bruſt die Tochter weg:„wie,“ rief er aus, „ein Fremdling ſchenkt dich deinem Vater wieder, und du, Homaeros Tochter, der Muſen Prieſterinn, du führſt zu unſrem Dach ihn nicht?— Was wär' aus deinem Ahnherrn einſt geworden, hätte man nicht beſ⸗ ſer gegen ihn die Pflicht der Gaſtfreiheit geübt?— Was wird ganz Hellas ſagen? Demodokos, der Ho⸗ maeride, hat einem Bittenden die Thür verſchloſſen. 22 Nicht tödlicher könnte mein Kummer ſeyn, wenn ich Kymodokeias Vater nicht mehr hieße.“ Eurymeduſa ſah den Grimm Demodokos, entſchuldi⸗ gen wollte ſie das Mädchen: „Demodokos, mein theurer Herr, verdamme dei⸗ ne Tochter nicht.— Ich will aus meines Herzens Tiefe offen zu dir ſprechen. Schön war, wie ein Olym⸗ pier, und jung der Fremdling; drum haben wir zu fol⸗ gen nicht ihn eingeladen, wir ſcheuten den Verdacht, der in der Erdenkinder Buſen oft ſich hebt.“ „Eurymeduſa, verſetzt Demodokos, welche Wor⸗ te ſind der Lippe dir entſchlüpft? Sonſt ſchien nicht Weisheit dir zu manglen, es hat ein Gott die Sinne dir verwirrt. Wiſſe, ich öffne den Buſen ungerechtem Mißtraun nicht, nichts weiß ich, als den Menſchen, mehr zu haſſen, der keinem Menſchenherzen traut.“ Das Mittel, Demodokos zu ſänftgen, hatte itzt Kymodokae gefunden. „Heilger Oberprieſter, ſprach ſie, ſtille, darum fleh' ich, deines Grimms Ergüße— gleich dem Hun⸗ ger, iſt der Zorn ſchlimmen Beginnens Quelle; noch können meinen Fehler wir verbeßern. Der Jüngling nannte ſeinen Namen mir, du kennſt vielleicht den alten Stamm; er nennt Eudoros ſich, Laſthenes Sohn iſt er.“ tief in keia⸗ 7 vergeb ne Ju dir; d zuwür gar, Töchte mand Urſor Linos ſiegt, die N nern Götte ſproße lybios nos u Krieg Fürſt höchſ Dit 4 wenn ich jentſchuldi⸗ tdammedei⸗ ſs Herſens e ein Olym. wir zu fol⸗ Verdacht, 7 welche Wor⸗ ſchien nicht die Sinne ungerechtem ſchen, mehr 7 hatte itzt lle, darum dem Hun⸗ uelle; noch r Jüngling elleicht den enes Sohn 23 Mit ſüßer Überredung drangen die klugen Worte tief in Demodokos Herz, zaͤrtlich umſieng er Kymodo— keia. „Meine Tochter, ſprach der Greis zu ihr, nicht vergebens ſorgte ich für deiner Jugend Bildung, kei— ne Jungfrau deines Alters beſiegt den Geiſt an Reife dir; die Charitinnen nur vermögen, Schleier künſtlicher zu würken. Doch wer vermag den Grazien, der jüngſten gar, der göttlichen Paſithea zu gleichen?— Ja, Töchterchen, ich kenne Eudoros alten Stamm. Nie⸗ mand kennt, wie ich, der Götter und der Menſchen Urſprung; und in der Vorzeit ſelbſt hätten Orpheus, Linos, Homasèros oder Askraeas Greis nur mich be⸗ ſiegt, denn jener Vorzeit. Menſchen übertrafen weit die Menſchen unſrer Tage. Unter Arkadiens Bewoh⸗ nern iſt Laſthenes der erſten einer; er ſtammt aus Götter⸗ und Heröenblut; er iſt vom Alpheos ent⸗ ſproßen, und zählt den großen Philopoemen und Po⸗ lybios, den Liebling Kalliopaes, der Tochter Chro⸗ nos und Aſtrajas, unter ſeiner Ahnen Reihe. In des Kriegsgotts Spielen hat er triumphirt und unſre Fürſten lieben ihn— des Heeres und des Staates höchſte Stellen hat er ſchon bekleidet. Norgen, wenn Dikae, Eunomia und Eiraenge, die lieblichen Horen, des Tages Pforten öffen, dann beſteigen einen Wagen wir, und bringen Spenden Eudoros dar, deſſen Weis⸗ heit und tapfern Muth die Sage preist.“ So ſprach der Greis, und ſchritt mit Eurymedu⸗ ſen und der Tochter in des Tempels Hallen, wo Bern⸗ 24 ſtein, Erz, und Schildkrötſchalen glänzten— Ein Sklave mit goldnem Waſchgefäß und ſilbernem Becken goß des Waſſers reine Flut über die Hände des Prie⸗ ſters Homaeros.— Demodokos ergreift nun einen Becher, reinigt durch die Flamme ihn, gießt Wein und Waſſer drein, und ſtrömt die heilige Libation zur Erde, die Laren zu verſöohnen. Kymodokae entfernt ſich in ihr Gemach, ſie ſchmeckt des Bades Süßigkeit, und ſtreckt ſich dann auf lydiſche Teppiche, mit Egyp⸗ tens zarten Linnen bedeckt— des Schlummers Ga⸗ ben waren ihr verſagt, umſonſt bat ſie die Göttinn der Nacht, ihrer Schatten Ambroſia auf ſie auszugie⸗ ßen. Kaum bleichte das Morgenroth den Oſten, da erſchallte Demodokos Stimme, er rief den verſtändi⸗ gen Sklaven. Evemon, Boetous Sohn öffnet den Behälter, in dem der Wagen Geräthe ruhn. Er fügt die Achſe in die tönenden achtſpeichichten Räder, durch Schienen von Erze gefeſtet; in ſchwankende Riemen hängt er den elfenbeinernen Wagen; fügt dann zum Wagen die Deichſel und heftet an ihre Spitze das ſchimmernde Joch. Heſtioneus aus Epiros, Renner zu ziehen geübt, führt zwei kräftige Maulthiere von blendender Weiße herbey; er lenkt die ſpringenden unter das Joch und bedeckt ſie mit dem goldfunkelnden Geſchirre. Eurymeduſa, von Jahren und Erfahrung grau bringt Brod und Wein, des Menſchen Stärke, auch legt ſie die Gabe für Laſthenes Sohn in den Wa⸗ gen. br wat gede hhaiſtos ſtae er be Gemahl dem hoche Hylae an Stieren! Jlions? nahm Jl den köſtl dann, ſterbend ſpätern allerwart Söhnen die Lieder eingehauc die Lieden Haͤnde; mes letzt heſtimmt In ßen das geheimn wand, tinnen ſe kreuzt ſie 25 gen.— Von Erz ein Becher wars, ſein Boden war gedoppelt, ein wunderbares Werk; es hatte Hae⸗ phaiſtos Heraklaes Geſchichte da gebildet, wie Alkae⸗ ſtae er befreit, und ſo das Gaſtrecht lohnt, das ihr Gemahl gewährt ihm hatte. Den Becher hatte Ajax dem hochgerühmten Waffenſchmied, dem Tychios aus Hylae an jenen Schild, mit den Häuten von ſieben Stieren bedeckt, vertauſcht, den Telamons Sohn bei Ilions Belagerung trug. Ein Sprößling Tychios nahm Ilions Sänger gaſtlich auf, und ſchenkte ihm den köſtlichen Becher. Homaeros zog nach Samos dann, er weilte in Cleophylos Wohnung, und ließ ſterbend den Becher und ſeine Lieder ihm.— In ſpätern Zeiten, als Lykurgos, Lakedaimons König allerwärts nach Weisheit ſpürte, kam zu Cleophylos Söhnen er— ſie boten mit Homaeros Becher ihm die Lieder dar, dem unſterblichen Sänger von Apollon eingehaucht.— Nach Lykurgos Tod erbte die Welt die Lieder, der Becher kam wieder in der Homaeriden Hände; ſo erhielt Demodokos ihn, des heilgeg Stam⸗ mes letzter Sprößling, der ihn dem Sohne Laſthenes beſtimmt. Im züchtigen Gemach ſchlüpft zu Kymodokaes Fü⸗ ßen das Nachtgewand herab, der jungfräulichen Schaam geheimnißvolles Werk; und nun umfließt ſie ein Ge⸗ wand, der Lilie vergleichbar, das die keuſchen Chari— tinnen ſelbſt um ihren Buſen ſchlingen; leichte Bänder kreuzt ſie um den nackten Fuß, des Haares düftende 26 Treßen hält auf dem Haupte eine goldne Nadel feſt. Die Pflegerinn bringt ihr der Muſen weißen Schleier, der gleich der Sonne ſtralt, den unter allen tief das Schmuckkäſtgen, von Duft erfüllet, barg. Kymodokae verhüllt das Haupt mit dieſem jungfräulichen Gewebe, und tritt aus dem Gemach, den Vater aufzuſuchen. Itzt naht der Greis im langen Prunkgewande, das, von Purpurfranzen reich, ein Gürtel hält, von einer Haekatombe Werth. Es ſchlingt ſich um ſein Haupt die Krone von Papyrus, Apollons heilgen Zweig faßt ſeine Hand. Den Wagen beſteigt er, an ſeiner Sei⸗ te ſitzt Kymodokae. Evemon ergreift die Zügel, und ſtürmt mit tönender Geißel auf die fleckenloſen Maule ein. Dort fliegen ſie; die flüchtgen Räder zeichnen in dem Staube kaum die Spuren, die das ſchnelle Schiff im Fliehen auf dem Meere zieht. „Der Himmel laß' es meine Tochter nie,“ ſprach, während des Wagens Flug, Demodokos;„an Dank⸗ barkeit uns fehlen.— Nicht ſo verhaßt ſind Zeus des Orkus Pforten, als es die Undankbaren ſind; nicht lange leben ſie, ſind immer einer Eumenide Raub.— Doch über denen waltet ſchützend eine Gott⸗ heit, deren Seele Wohlthaten nie vergißt. Bei den Egyptern ſtand der Götter Wiege, weil der Erdenſöh⸗ ne dankbarſte ſie ſind. 5127 el feſt. hleier, jef daß nodokae zewebe, ſuchen. 2, das, en einer Haupt eig faßt er Sei⸗. dl, und Zweites B uch. Maule zeichnen ſchnelle ſprach, Dank⸗ d Zeus en ſind; umenide ne Gott⸗ Bei den rdenſh⸗ Inhallt. Demodokos und Kymodokaes Ankunft in Arkadien. Sie begegnen, bei Aglaus von Pſophis Grab, einem Greiſe; er fuͤhrt Demodokos auf die Felder, wo Laſt⸗ henes Familie mit der Erndte beſchaͤftigt iſt. Kymo⸗ dokae erkennt Eudoros. Ruͤckkehr nach Laſthenes Wohnung. Sitten der Chriſten Abendgebet. Kyrillos, Beichtiger und Martyr, Biſchoff von Lake⸗ daimon koͤmmt an. Er bittet Eudoros, ihm ſeine Begebenheiten zu erzaͤlen. Abendmalzeit. Nach dem Mahle genießen die Familie und die Fremden die Abendkuͤhle in den Baumgaͤrten am Alpheos. De⸗ modokos fodert Kymodokge auf, die Lyra zu ſpielen. Kymodokaes Geſang. Auch Eudoros ſingt. Beide Familien pflegen der Ruhe. Kyrillos Traum; ſein Gebet.— —— —.. Zweites Buch. Da Sonne ſtieg auf ihrer himmliſchen Laufbahn im⸗ mer höher; mit geflügeltem Lauf zogen die raſchen Maulthiere den Wagen. Zur Stunde, wo ermüdet der Richter den Richtſtuhl froh verläßt, zum Mittags⸗ mal zu eilen, erreichte Homaeros Prieſter die Grän⸗ ze von Arkadien; zu Phigaleia ruhte er, durch der Oreſt⸗ haſier Opfertod berühmt. Der edle Ankajos der Spröß⸗ ling Agapenors, der bei Ilions Belagrung die Arka⸗ dier führte, übte das Gaſtrecht an Demodokos. An⸗ kajos Söhne entledigen die dampfenden Maule des Joches, waſchen ihnen den beſtäubten Nacken mit rei⸗ nem Quell, und werfen zartes Futter ihnen vor, an der Neda Ufern gemäht. Kymodokae zum Bade füh⸗ ren junge Phrygierinnen, die der Freiheit Kleinod 30 verlohren; der Wirth Demodokos bekleidet ihn mit einer zarten Tunika und einem köſtlichen Mantel: der Ju⸗ gend Fürſt, der älteſte von Ankajos Söhnen, mit der Silberpappel Zweig bekränzt, opfert Haeraklaes einen Eber, in Erymanthos Hain genährt; des Thie⸗ res Stücke, die zum Opfer er beſtimmt, werden mit Fett bedeckt, mit Libationen dann auf Kohlenglut verzehrt. Ein langes Eiſen, fünffach abgetheilt, bie⸗ tet der kniſternden Flamme die Reſte des geweihten Fleiſches dar: des Opfers ſaftger Rücken und der Stü⸗ cke köſtlichſte reicht man den Fremdlingen— Demo⸗ dokos erhält des Fleiſches dreifach mehr, als alle an⸗ dern Gäſte. In einen goldnen Becher ſtrömt purpur⸗ flutend zehnjähriger, düftender Wein: Daemaetaers Gaben, die Triptolemos den frommen Arkas kennen lehrte, ſpeisten ſtatt der Eichel ſie, die die Pelasger einſt, Arkadiens Urbewohner, nährte. Doch froh genießt nicht Demodokos des Gaſt⸗ rrechts Ehre; er brennt, bei Laſthenes zu ſeyn. Schon ſtreute die Nacht ihre Schatten auf die Wege; nun ſöndert man des Opfers Zunge, der Mutter der Träu⸗ me ſtrömt der Libationen letzte— dann führt man Homaeros Prieſter, und der Muſen Prieſterinn in die tönende Halle, wo weiche Felle die Sklaven be⸗ reitet ſchon hatten. Mit Sehnſucht harrt Demodokos des Lichtes Wiederkehr. „To Auge eine te, weh d Dankbegie ſen darf m ein ehern den.“ Mit pel Jeus ließ Dem Vergeben halten, Es rollt rynomaes ſeinen Sc er weg, wiederfand ſagte, dee einmal hie Uber der Stel führt bie ſteht ein phen des laus von? te, deng Delphos, 31 „Tochter, ſprach er zu Kymodokae, von deren Auge eine unbekannte Macht den Schlummer ſcheuch⸗ te, weh den Menſchen, die das Mitleid oder heiße Dankbegier nie aus Morpheus Armen riß— mit Ei⸗ ſen darf man nicht in der Olympier Tempel ſchreiten; ein ehern Herz wird in Elyſion nie den Eingang fin— den.“ Mit ihrem erſten Glanze hatte Eos kaum den Tem⸗ pel Zeus beſtraͤlt, der den Berg Lykaeos krönt, da ließ Demodokos die Maule an den Wagen ſchirren. Vergebens will den Gaſt Ankajos, der edle, zurücke halten, mit der Tochter zieht Homaeros Prieſter fort. Es rollt der Wagen dröhnend durch die Hallen, Eu— rynomaes Tempel eilt er zu, den ein Cypreßenhain in ſeinen Schatten hüllt; über den Berg Elaeion fährt er weg, vorüber an der Grotte, wo Pan Demaetaer wiederfand, als ihre Spenden dem Landmann ſie ver— ſagte, doch durch die Moiren ſich erweichen ließ, die einmal hier den Erdenkindern günſtig waren. über den Alpheos ſetzen die Reiſenden unterhalb der Stelle, wo Gortynios er aufnimmt, ihr Weg führt bis an Ladons klare Fluten ſie hinab. Dort ſteht ein altes Gräbermaal, das mit Ulmen die Nim— phen des Gebürgs umpflanzt; des armen Arkadiers Ag⸗ laus von Pſophis Grab war es, den hohe Tugend ſchmück⸗ te, den glücklicher als Lydiens König die Prieſterinn zu Delphos pries. Zwei Wege liefen von dem Grabe aus: 3 2 kängſt dem Alpheos zog der eine her, der andre ſtieg em⸗ por in das Gebürge. Als noch Evemon ſinnend dachte, welchem der Weg' er folgen ſollte, da gewahrt' er einen hochbe⸗ tagten Mann, der an Aglaus Grabmal ſaß. Das Gewand des Greiſes von gemeinem weißen Stoff, war darinn nur verſchieden vom Gewand der griechiſchen Weiſen— hier ſchien die Reiſenden er zu erwarten, doch ohne Neugier, ohne zudringlich zu ſeyn. Itzt ſah den Wagen er verweilen, ſtand auf und ſprach zu Demodokos die Worte: „Willſt, Reiſender, den Weg du wiſſen, oder willſt du Laſthenes beſuchen?— Herzlich wird es ihn erfreun, wenn du bei ihm ruhen willſt.“ „Fremdling, verſetzte ihm Demodokos, nicht glücklicher begegnete Haermaes dem alten Priamos, als, Hektors Vater er, in der Hellenen Lager zog. Einen Weiſen verkündet dein Gewand, kurz ſind dei⸗ ner Rede Worte, aber ſinn⸗ und weisheitsvoll.— Offen will ich zu dir ſprechen; zum reichen Laſthenes will ich ziehn, dem ſeiner Haabe Fülle den Ruf des hoͤchſten Glücks verſchafft.— Gewiß wohnt dort er im Pallaſte, den an Ladons Ufern ich erblicke, der gleich des Gottes von Kyllaenae Tempel glänzt?“ „Hierokles, Proconſul von Achaja iſt des Palla⸗ ſtes Herr, entgegnet ihm der Unbekannte, du ſiehſt vor di Stroh henes⸗ E greift zäunun 7. Erndte Diene wo La prangt Garbe bern ü die W Schni mit e war ſter laſen ließen ſollte ſamm 1 3 ſtieg em⸗ hem der hochbe⸗ h. Das toff, wat lechiſchen erwarten, Hauf und ſen, oder h wird es 1 s, nicht Priamos, ager zog. tsvoll.— Laſthenes n Ruf des dort er im der gleich des Palla⸗ du ſiehſt 33 vor dir deines Wirths Umzäunung; dort unter jenem Strohdach, auf des Berges Rucken, da wohnet Laſt⸗ henes. Er ſprachs und öffnet eine Schranke ihm, er⸗ greift die Maule bei dem Zügel, und läßt in die Um— zäunung den Wagen ein. „Herr,“ ſpricht er zu Demodokos,„heut iſt der Erndte Tag; will zum nahen Dach die Maule dein Diener leiten, dann will ich dich zum Felde führen, wo Laſthenes mit den Seinen weilt. Vom Wagen ſtieg, mit Kymodokge, Demodokos; ſie folgten dem Fremdling. Auf einem Pfade wallten ſie, der durch Reben fuͤhrte, am Abhang hingepflanzt, wo hohe majeſtät'ſche Buchen, hier und dort zerſtreuet, prangten. Sie erblickten bald ein Feld, auf dem ſich Garbenhaufen thürmten, mit Männern und mit Wei⸗ bern überdeckt; die einen ſchnitten, banden die AÄhre; die Wagen belaſteten andre.— Itzt traten unter die Schnitter ſie, da rief der Unbekannte:„der Herr ſei mit euch!“„Gott ſchenke euch ſeinen Seegen,“ war der Schnitter Antwort. Bei der Arbeit ſangen ſie einen Geſang von ern⸗ ſter Melodie— AUhrenleſerinnen folgten ihnen; ſie laſen die Ahrenmenge, die wohlbedacht zurücke jene ließen, ſo hatte der Gebieter es befohlen; die Armen ſollten, ohne zu erröthen, ein wenig des Getreides ſammlen. Kymodokae erkannte den Jüngling ſchon I. Band. 3 34 von ferne, den ſie im Wald erblickt; mit der Mutter und den Schweſtern ſaß auf Garben im Schatten einer Andrachnae er.— Die Familie erhob ſich, und gieng den Fremdlingen entgegen. „Sephora,“ ſprach Demodokos Führer,„liebes Weib, laß der Vorſehung uns danken, die Reiſende zu uns geführt.“ „Wie,“ rief Kimodokeias Vater,„dies alſo, dies der reiche Laſthenes, und ich, ich hab' ihn nicht erkannt! So ſpielen die Götter mit der Menſchen Scharfſinn! Ich nahm für einen Sklaven dich, von dem Gebieter aufgeſtellt, des Gaſtrechts Pflicht zu üben“ Laſthenes neigte ſich. Eudoros, mit geſenktem Blick, die Hand der jüngſten Schweſter reichend, ſtand hinter ſeiner Mutter ehrfurchtsvoll. „Mein Gaſtfreund, und du Laſthenes kluge Gat⸗ tinn, Taelemachos Mutter ähnlich,“ ſprach Demodo⸗ kos,„euch hat gewiß der Sohn geſagt, was er für meine Tochter that, die in den Wäldern irrgelenkt die Satyrn hatten. Zeigt Eudoros, den Edlen mir, daß ich, wie meinen Sohn, ans Herz ihn ſchließe.“ „Dort ſteht hinter der Mutter Eudoros,“ ver⸗ ſetzt ihm Laſthenes,„was er für deine Tochter that, ich weiß es nicht, er hat davon uns nicht geſprochen.“ 8 Wie, dachte verwirrungsvoll Demodokos, es iſt der ſchlichte Hirte da der Krieger, der über Cartha⸗ go triu der 2 Homa obgleie prang ros ich ne jü hold! ihr? nehn Mel Glüc glück⸗ War Muſe alſo, nicht ſchen von cht zu nktem zend, Gat⸗ node⸗ er füͤr ikt die mir, ße. ver⸗ that, hen.“ es iſt artha⸗ 3 5 go triumphirte, der britanniſchen Legion Tribun, er der Freund Conſtantins? Als vom erſten Erſtaunen er ſich erholt, rief Homaeros Prieſter aus:„an dieſem Heröenwuchs, obgleich nicht ſo, wie Laſthenes erhoben,(die Kinder prangen nicht mehr in der Väter Kraft) hätte Eudo⸗ ros ich erkennen ſollen.— Du könnteſt meiner Söh⸗ ne jüngſter ſeyn; die Götter ſeien deinen Wünſchen hold!— Eine Urne bring' ich dir, unſchätzbar iſt ihr Werth; mein Sklave wird ſie aus dem Wagen nehmen; aus meinen Händen ſollſt du ſie empfangen. — Tapfrer junger Krieger, dir glich an Schönheit Meleagros nicht, als Atalantaes Blicke er entzückte.— Glücklich dein Vater, deine Mutter glücklich, doch glücklicher noch das Weib, das einſt dein Lager theilt! Wäre die Jungfrau, die wiedergefundne, den keuſchen Muſen nicht geweiht...? Die jungen Leute verwirrte Demodokos Re⸗ de.— Schnell war Eudoros Antwort:„die darge⸗ botne Spende nehm' ich an, wenn euren Opfern ſie nicht diente. Noch nicht geendet war der Tag; die Familie lud die Fremden ein, mit ihr an einer Quelle Rand zu ruhn. Eudoros Schweſtern, zu der Eltern Füßen, wanden aus blau und rothen Blumen Kränze für ein nahes Feſt.— Weiterhin erblickte man der Schnit⸗ ter Urnen, ihre Becher, und in einiger aufgepflanz⸗ 36 ten Garben Schatten ſchlief ein Kind in ſeiner Wiege. „Gaſtfreund,“ ſprach zu Laſthenes Demodokos, „du ſcheinſt, Neſtor, des göttlichen, Tage hier zu le⸗ ben. Nie ſah ich einer ſolchen Szene Bild, iſts nicht auf dem Schilde Achilleus: dort hatte einen König Haephaiſtos in der Schnitter Kreis gebildet; wonnig ſchweigend ſchwang der Hirt der Völker über die Fur⸗ chen den Szepter.— Hier mangelt nur unter Zeus Eiche des Stieres Opfer.— Die ſeegenreiche Erndte — die arbeitſamen treuen Sklaven!“ „Nicht meine Sklaven ſind die Schnitter mehr, verſetzt ihm Laſthenes; mein Glauben verbietet, Skla⸗ ven mir zu haben, die Freiheit ſchenkt' ich ihnen. „Laſthenes,“ ſpricht drauf zu ihm Demodokos, „ich ſehe nun, daß der Ruf, Zeus Stimme, die Wahr⸗ heit mir verkündet— du haſt gewiß der neuen Sekte zugeſchworen, die einen Gott, von unſern Ahnen nicht gekannt, verehrt;“ „Ein Chriſt bin ich, entgegnet Laſthenes.“ Homaeros Sprößling blieb ſtumm und ſtaunend eine Weile, dann nahm das Wort er wieder:„Ver⸗ zeih mir, Gaſtfreund, meine Offenheit; der Wahrheit, der Tochter Chronos und der Tugend Mutter, hab' ich ſtets gehorcht.— Die Götter ſind gerecht, wie kann des Glückes Fülle, die dich umgiebt, mit den Frevel⸗ ſeiner okos, zu le⸗ nicht König vonnig 2 Fur⸗ Zeus endte 37 thaten ich vereinen, die man Schuld den Chriſten giebt?“ Laſthenes verſetzte:„Fremdling, nicht Frevler ſind die Chriſten; nicht gerecht noch ungerecht ſind eure Götter; ſie ſind ein eitles Nichts.— Erfüllt mit Einfalt ſind der Meinen Herzen, dem Willen des einzig wahren Gottes huldgen ſie; drum ruht auf mei— nen Feldern, meinen Heerden, unter ihren Händen, Seegen.— Der Himmel ſchenkte mir, die du hier ſiehſt, die kluge Gattinn; Freundſchaft ohne Wandel, Demuth und Frauenzucht, ſonſt heiſcht' ich nichts von ihr. Meine Wünſche hat Gott geſeegnet, er ſchenkte gehorſame Kinder, der Greiſe ſchönſte Kronen, mir. Sie lieben die Eltern und ſind glücklich, weil ſie das Dach des Vaters feſſelt. Vereint ſind wir, mein Weibd und ich, ergraut; nicht alle waren meine Tage gut; dreißig Jahre ſchlief ſie an meiner Seite, doch hat ſie meines Lagers Sorgen, meines Herzens heim⸗ liche Zerknirſchung nie enthüllt.— Ihr ſchenke ſie⸗ benmal den Frieden Gott, mit dem ſie mich beglückt.— Nie wird ſie, wie ichs wünſche, glücklich ſeyn.“ So ſchloß des Chriſten aus der Vorzeit Herz ſich auf, als er von ſeiner Gattinn ſprach. Mit Lkebe hörte ihn Kymodokae; dieſer Sitten Adel durchdrang der jungen Heidinn Seele, und ſelbſt Demodokos muſte Homaeros und ſeine Götter alle zurück ſich ins Gedächtniß rufen, ſonſt hätte hingeriſſen ihn der Wahrheit Kraft. 3 38 Itzt ſprach zu Laſthenes der Vater Kymodokeias: „Ganz ſchienſt du aus der Urzeit mir, doch fand ich in Homaeros deine Worte nicht.— Dein Schwei— gen ſchmückt des Schweigens Würde der Weiſen. Du ſchwingſt zu den erhabenſten Gefühlen nicht mit Eu— ripides goldnem Fittig; mit Platons Götterſchwin⸗ gen dich empor. Im Schooſe ſüßen überfluſſes ſchmeckſt du der Freundſchaft Reitze, nichts athmet Zwang um dich; da weilt Zufriedenheit; mit Überredung, Liebe. Bewahre lang dein Glück und deine Schätze!“ „Nie habe ich, ſprach Laſthenes, die Schätze mein geglaubt; für meine Chriſtenbrüder, für die Heiden, für Reiſende, für jeden Unglücklichen ſamml' ich ſie: ihre Verwaltung gab mir Gott; vielleicht nimmt er ſie wieder hin; ſein Name ſei gebenedeit!“ Die Rede hatte Laſthenes geendet, da ſtieg herab die Sonne auf Pholbes Gipfel, nach Olympias ſchim⸗ merndem Horizonte hin: unbeweglich ſchien, einen Augenblick, vergrößert das Geſtirn des Tags, es ſchwebte einem großen goldnen Schilde gleich auf dem Gebürge. Alpheos und Ladons Haine, Telphußas und Lykäons ferner Schnee erſchimmerten im Roſen⸗ lichte; die Lüftchen ſanken; auf Arkadiens Thäler ſenkte ſich die tiefſte Ruhe der Natur.— Die Schnit⸗ ter kehrten von der Arbeit heim; die Familie, die Frem⸗ den unter ſich, trat nun den Rückweg an. In bun⸗ tem Gemiſche zogen Herr und Diener; des Landbaus Geräthe trugen ſie: ihnen folgten Maulthiere mit hußas Roſen⸗ Thäler zchnit⸗ Frem⸗ bun⸗ dbaus mit 2 39 ſichrem Tritt, beladen mit Holz, auf den Höhen ge⸗ fällt: Ochſen, das umgeſtürzte Ackergeräthe langſam nachziehend, und die Wagen unter der Laſt der Gar⸗ ben ſchwankend. Als zur Wohnung man gelangte, tönte einer Glocke Hall. „Wir verrichten nun das Abendgebet, ſprach kaſt⸗ henes zu Demodokos; erlaubt ihr uns, einen Augen⸗ blick euch zu verlaſſen, oder folgt ihr lieber uns?“ „Die Götter mögen mich bewahren, die Bitten zu verachten, Zeus hinkende Töchter, die Atäs Zorn zu ſtillen einzig nur vermögen.“ In einem Hof, von Scheunen und Ställen um⸗ ſchloſſen, verſammelt man ſich nun. Aus einigen Bie⸗ nenſtöcken wehten ſüße Gerüche hier, mit der Kühe Milchgedüft gemiſcht, die von der Weide kehrten. Ein Ziehbrunnen ſtand in des Hofes Mitte da; ſei⸗ ne Pfoſten, von Epheu dicht umſchlungen, krönten zwei Alben, die in Körben wuchſen. Ein Nußbaum, von Laſthenes Grosmutter hingepflanzt, ſtreute auf den Brunnen ſeine Kühle. Unter des häuslichen Bau⸗ mes Schatten ſtand Laſthenes, das Haupt entblößt, nach Oſten das Geſicht gekehrt. Die Hirten und die Schnitter ſanken auf der Ahren friſches Stroh, um den Gebieter, auf die Kniee. Mit erhabner Stim⸗ me ſprach der Hausvater das Gebet, das, aus der Kinder, aus der Diener Munde, wiedertönte. X 40 „Kehre nächtlich Herr, in dieſe Hütte ein, de „ſcheuche die luftigen Träume. Des Tags Ge⸗ ſick, ch „wänder legen wir nun ab, bekleide uns mit der dentage, „Unſchuld und Unſterblichkeit Gewand, das der bietet dru „Ureltern Ungehorſam uns geraubt.— Wenn de Abend „wir einſt im Grabe ſchlummern, dann laß die beräiten. „Seelen, Herr, bei dir im Himmel ruhn!“ ſezen We AVuodde, d Itzt kehrte man zur Hütte, wo gaſtlich das Mahl gen Wun bereitet ward. Ein Mann und ein Weib erſcheinen, Geflugel ſie tragen zwei große eherne Vaſen, mit Waſſer ge⸗ zur Spe füllt, das die Flamme erwärmte. Der Diener wuſch böcklein Demodokos, die Dienerinn ſeiner Tochter Füße; itzt kirſche, ſalbt man ſie mit düftendem köſtlichem Ole, und trock⸗ koſtet he net ſie mit weißem Linnen dann. Laſthenes älteſte Tochter, ſo alt wie Kymodokge, ſtieg in die gewölbte Eb⸗ kühle Halle nieder. Dinge jeder Art, die des Men— ſchreiten ſchen Leben nähren, waren da bewahrt. Auf Eichen⸗ es nahe bohlen, an der Mauer gefeſtet, ſah Schläuche mit reitend, Öl man gefüllt, ſüß wie Attikas Hl: Maaſe von Stein, ein Mar Altären gleich geformt, verziert mit Löwenköpfen, in denen ſich des Weizens feinſte Blume barg; Vaſen dem wer Er war mit Honig aus Creta, nicht ſo weiß, doch düftender des Se als Honig von Hybla; auch Amphoren, gefüllt mit der Ma Wein aus Chios, durch langer Jahre Kraft dem Bal⸗ V duldet! ſam gleich. Laſthenes Tochter füllte des wohlthätigen herab; Safts eine Urne, der bei des Mahles traulichem Zir⸗ Jeruſal⸗ kel die Herzen der Menſchen erfreut. 1n Kirchenr des Erde 4¹ Die Diener wiſſen nicht, ob unter dem Wein— ſtock, ob unter dem Feigbaum, wie an einem Freu⸗ dentage, ſie das Feſt bereiten ſollen. Als ſie den Ge— bieter drum befragen, gebietet Laſthenes, im Saal des Abendmahls, von glänzendem Buchſe den Tiſch zu bereiten. Sie wäſchen mit dem Schwamm ihn und ſetzen Weidenkörbchen auf, gefüllt mit ungeſäuertem Brode, das in der Aſche man gebacken. Dann brin⸗ gen Wurzeln ſie auf Schüßeln von einfachem Thon, Geflugel und Fiſche aus Stymphalos See der Familie zur Speiſe beſtimmt; den Fremden ſetzt ein Ziegen⸗ böcklein man vor, das auf Aliphera's Berg die Meer⸗ kirſche, in Maeleneaes Thal, den Cytiſus kaum ge⸗ koſtet hatte. Eben wollten die Gäſte zur wirthlichen Tafel ſchreiten, da verkündete Laſthenes eine Dienerinn, es nahe durch die Cedern ein Greis auf einem Eſel reitend, Mariens Gatten vergleichbar.— Bald trat ein Mann herein; ehrwürdig war ſein Antlitz, unter dem weißen Mantel trug er eines Hirten Kleid.— Er war kahl, nicht von Natur; die Flamme hatte einſt des Schädels Haare ihm verzehrt; die Stirne trug der Marter Narben noch, die er unter Valerian er⸗ duldet hatte. Silbern floß der Bart zum Gürtel ihm herab; ihn ſtützte ein Stock, gleich einem Hirtenſtab; Jeruſalems Biſchoff hatt' ihn ihm geſendet, der erſten Kirchenväter ſchlichte Spende; ihres Hirtenamtes und des Erdenwallens ſinnig Bild. 8 4 2 Kyrillos, Lakedaimons Biſchoff war's; in der Chriſten Verfolgung hatten, als tod, die Henker ihn verlaſſen; wider ſeinen Willen wurde zur Prieſter⸗ würde er erhoben. Er verbarg ſich lange, um dem Biſchoffsſtabe zu entgehn; doch unnütz war die Demuth ihm: ſeines Dieners Aufenthalt enthüllte Gott den Gläubigen. Laſthenes und die Seinen empfingen mit der tief— ſten Ehrfurcht ihn; ſie ſanken vor ihm nieder, küßten ihm die heiligen Füße, ſangen Hoſanna, und grüßten mit den Namen des Heiligſten, des Gottgeliebten ihn. „Beim Apollon,“ rief Demodokos, indem er, mit Bändern umwunden, ſeinen Lorbeer ſchwang: „der göttergleichſte Greis iſt er, den meine Augen je erblickt— welchen Szepter führſt du, Mann von Jahren ſchwer belaſtet? Biſt du ein König, oder der Prieſter einer, geweiht der Götter Altären? Verkün⸗ de mir der Gottheit Namen, der du dienſt, auf daß ich Opfer ihr zu weihn vermöge!“ Erſtaunensvoll blickte auf Demodokos eine Weile Kyrillos, ſprach dann mit liebevollem Lächlen: „Herr, der Szepter iſt der Hirtenſtab, mit dem ich meine Heerde leite, denn ein Hirt bin ich und nicht ein König. In einer Krippe, unter Hirten iſt der Gott gebohren, dem ich meine Opfer weihe. Du ſlli ihn/ Spende 1 vandte S zu dir mi erfüllet i ſace forſ ſprochen, will, w. len. 71 D O Homac kobs ſt ſich he tion m ihn gu ſtes Je nicht b — Währe Stelle Apoſt rillos Kyme der ji ſüßer tief be der Ch 3. 3 in der denker ihn Prieſter⸗ um dem e Demuth Gott den it der tief⸗ er, küßten nd grüßten lebten ihn. indem er, r ſchwang: Augen je hann von oder der 2Verkün⸗ , auf daß eine Weile len: 5, mit dem ein ich und Hirten iſt eihe. Du 43 ſollſt ihn, willſt du's, kennen lernen; dein Herz zur Spende iſt das einzge Opfer, das er heiſcht.“ Itzt wandte Kyrillos ſich zu Laſthenes:„du weiſt es, was zu dir mich führt. Unſres Eudoros öffentliche Buße erfüllet mit Bewundrung unſre Brüder, nach der Ur⸗ ſache forſchen alle. Seine Geſchichre hat er mir ver⸗ ſprochen, in den zwei Tagen, die bei euch ich weilen will, wird er meinen Wunſch, ſo hoff' ich es, erfül— len. Die Sitze ſtellten zur Tafel die Diener itzt.— Homaeros Prieſter ſetzte dem Prieſter des Gottes Ja⸗ kobs ſich zur Seite; die Familie reihte um das Mahl ſich her. Einen Becher ergriff Demodokos, die Liba⸗ tion wollt' er Laſthenes Penaten ſpenden, da hielt ihn gütig Lakedaimons Biſchoff ab:“ des Götzendien⸗ ſtes Zeichen verbeut uns unſer Glaube, du wirſt uns nicht betrüben wollen?“ Ruhig und voll Herzlichkeit war das Geſpräch. Während eines Theils des Mahles las unterrichtende Stellen Eudoros, aus dem Evangelium und der Apoſtel Briefen geſchöpft. Gefühlvoll erläuterte Ky⸗ rillos, was Paulus von der Gatten Pflichten ſpricht. Kymodokae bebte; der Thränen Perle rollt' ihr von der jungfräulichen Waͤnge— auch Eudoros fühlte ſüßer Rührung Zauber, Herrn und Diener waren tief bewegt.— So war, mit des Danks Gebeten, der Chriſten abendliches Mahl. 44 Geendet war die Mahlzeit; an des Baumgartens Pforte ſetzte man ſich nun auf eine Bank von Stein: ſie war der Richtſtuhl Laſthenes, wenn Recht er ſei— nen Dienern ſprach. Dem ſchlichten Hirten gleich, den dem Ruhme das Verhängniß weiht, wälzte an des Baumgartens Fuße, in ländlichem Schatten der Alpheos die Fluten, die Piſas Palme bald bekrönen ſollte. Aus Aphroditaes Hain, vom Grab der Pflegerinn Asklaepios herabge⸗ ſtiegen, durchſchlängelte grünende Matten der Ladon, und miſchte die kriſtallne Fluth mit Alpheos Woge. Myrten, Erlen, Spykomoren grünten in den tiefen Thälern, die beide Flüße wäſſerten. Den ganzen Kreis des Horizontes ſchloß amphiteatraliſch der Gebürge Kette. Dichte Wälder krönten die Gipfel der Berge, von Bären, Hirſchen, Waldeſeln und ungeheuern Schildkröten belebt; zu Lyren diente ihre Schaale.— In wilder Schweine Häute eingehüllt, leiteten unter Pinien und Felſen die Hirten große Ziegenheerden. Dem Gotte Epidauros war das flüchtige Thier ge⸗ weiht, denn mit Gummi war ſein Fell beladen, das an dem Bart und ſeinen Seidenhaaren klebte, wenn den Ciſtus auf unerſtiegnen Höhn es nagte. Ernſt und lachend, einfach und erhaben war in dem Gemälde alles. Der Mond in ſeiner letzten Hälfte glänzte an des Himmels Mitte, halbgekreis⸗ ten Lampen gleich, die an der Martyrn Gräbern die erſten Laſthened nicht an in Demu Quellen mern gle ge bang drung, an der der Toch nenden 7 modoka then. dem ſto Zeige! ter gebe heit Ler Geſtade Klitain künden Muſer me ihr „ 6 er bot ſprach durchli ſüße N imgarteng n Stein: öt er ſei⸗ n Nuhme mgartens e Fluten, hroditaes herabge⸗ er Ladon, “s Poge. den tiefen zen Kreis Gebürge er Berge, geheuern haale.— en unter nheerden. Thier ge⸗ den, das te, wenn n war in er letzten lgekreis⸗ Grabern 45⁵ die erſten Gläubigen brannten. Betrachtend hieng Laſthenes Familie an der einſamen Szene, ſie dachte nicht an Hellas nicht'ge Gaukelſpiele. Kyrillos ſchmolz in Demuth vor der Macht, die im Schoos der Felſen Quellen birgt; bei deren Tritt, den furchtſamen Läm⸗ mern gleich oder dem hüpfenden Widder, die Gebür⸗ ge bang erzittern. Der Weisheit zollte er Bewun⸗ drung, die wie Libanons Ceder, wie die Platane, an der Fluten Rand, erhaben thront. Begierdevoll, der Tochter Gaben zu enthüllen, unterbrach die ſin⸗ nenden Demodokos: „Der Muſen junger Zögling, ſprach er zu Ky— modokae, bereite Entzücken deinen hochgeehrten Wir⸗ then. Sanfte Gefälligkeit giebt allen Reiz dem Leben, dem ſtolzen Sinn entrückt jede Gabe Phoibos Apollon. Zeige uns, daß du von Homaeros ſtammeſt. Die Dich⸗ ter geben den Sterblichen Geſetze, ſie ſind der Weis⸗ heit Lehrer ihnen. Als Agamaemnon nach Ilions Geſtaden zog, da ließ einen göttlichen Sänger bei Klitaimnaeſtra er daheim, der Tugend Stimme ihr zu künden: nach einer wüſten Inſel ſchleppte Aigiſtos den Muſenſohn; dann erſt ſchwieg der Königinn die Stim⸗ me ihrer Pflichten.“ So ſprach Demodokos. Eudoros holte eine Lyra, er bot ſie der jungen Griechinn dar; ein paar Worte ſprach ſie verwirrt, mit holder Sanftmuth; ſtand auf, durchlief die Saiten der Lyra; dann ließ der Stimme ſüße Melodieen ſie erſchallen. 46 Mit dem Preis der Muſen begann ſie: 1 „Ihr habt, alles die Menſchen gelehrt,“ ſang ſie,„ihr ſeid des Lebens einz'ger Troſt, dem Schmerze ſchenkt ihr Seufzer, und unſern Freuden Harmonie. Nur eine Gabe ward den Sterblichen vom Himmel; die Poeſie, die göttliche; ihr habt ihm dies Kleinod ohne Preis geſchenkt. O ihr, Mnemoſinaes Tochter, die Olympos Hain, und Tempes Thäler, die Caſta⸗ lias Flut ihr liebt, ſendet auf einer Jungfrau Stim⸗ me eure Kraft hernieder, die eurem Dienſte ſich ge⸗ weiht!“ So rief Kymodokae die Muſen an, dann ſang ſie die Geburt der Götter: Zeus von des Vaters Wurh errettet; Athaenae Zeus Gehirn entſprungen; Hae⸗ bae, Haeraes Tochter; Aphroditae, dem Flutenſchaum entſtiegen, und die Charitinnen, denen ſie das Da⸗ ſeyn gab.— Auch des Menſchen Schöpfung ſang ſie, den Prometheus Feuerſtral belebte; Pandora mit der verderbenſchwangern Büchſe; den Menſchenſtamm durch Deukalion und Pyrrha erneut.— Dann erzählte ſie der Götter und der Menſchen Verwandlungen; die Heliaden in Pappeln umgeſtaltet, ihrer Thränen Am⸗ bra von des Eridanos Woge fortgewälzt. Daphnae, Baucis, Klytige, Philomaelae, Atalantae, Eos Thränen ſang ſie, in Thau verwandelt, Ariadnaes Krone, hoch am Aether prangend. Auch euch vergaß ſie nicht, ihr Quellen, Flüſſe, Nährer des Schatten⸗ hains; ſie pries den alten Paeneios, den Ismenos und den dungen/ den Dich geliebt/ ſo oft du ½ 8 die einſt ſang ſie Odyßeu⸗ des des Priame Sie ſa ſich O Hunde der Ge Anblick N Ahnhe ken zu ter M an ſie der T Sohr nes e von flehte Seine t,’, ſang Schmerze Harmonie, Himmel; es Kleinod es Tochter, die Caſta⸗ rau Stim⸗ ſſte ſich ge⸗ ann ſang ſie aters Vuth ngen; Hae⸗ lutenſchaum je das Da⸗ g ſang ſie, ra mit der ſtamm durch erzählte ſie lungen; die ihhränen Am⸗ Daphnae, antae, Eos „Ariadnaes euch vergaß es Schatten⸗ i Jsmenos 47 und den Erymanthos, des Maeandros Schlangenwin⸗ dungen, den berühmten Skamandros, Spercheios, den Dichtern werth; Eurotas, von Tyndaros Gattinn geliebt, und den Flußgott, den Maeoniens Schwäne ſo oft durch Geſänge entzückten. Doch wie ſollte ſie von den Heröen ſchweigen, die einſt Homaeros feierte? Von neuem Feuer glühend, ſang ſie Achilleus Zorn, den Griechen ſo verderblich; Odyßeus, Ajax und Phoenix im Gezelte des Freun⸗ des des Patroklos, Andromachae am Skeiſchen Thore, Priamos zu den Füſſen des Mörders ſeines Hektors. Sie ſang Paenelopaes Gram; ſang wie bei Eumaios ſich Odyſſeus und Taelemachos erkannten; des treuen Hundes Tod, den alten Laertaes, wie er ſeiner Fel⸗ der Garten jätet, und bei der dreizehn Birnbäume Anblick weint, die ſeinen Söhnen er geſchenkt. Nicht ſingen konnte Kymodokä des unſterblichen Ahnherrn Verſe, ohne ein paar Laute ſeinem Anden⸗ ken zu weihen. Sie malte die arme tugendreiche Mut⸗ ter Meleſigenaes, wie in der Nacht die Lampe wieder an ſie zündet, wie die Spindel ſie ergreift, um mit der Wolle Preis ein wenig Frucht zur Nahrung des Sohnes zu erkaufen. Dann ſang ſie, wie Meleſige⸗ nes erblindet und Homaeros von nun an hieß, wie, von Stadt zu Stadt er wandernd, um Gaſtrecht flehte, und unter Hylaes Pappel ſeine Lieder ſang. Seine langen Reiſen erzählte ſie, die Nacht, die an 48 Chios Ufern er verlebt, ſein Abentheuer mit Glaukos Hunden. Der Leichenſpiele dachte ſie des Königs von Euboea, wo Heſiodos mit Homaeros um der Dichtkunſt Preis zu ringen wagte; doch ſchwieg ſie von der Greiſe Urtheil, die der Tage und der Arbeit Sänger krönten, weil den Menſchen ſeine Lehren nütz⸗ licher geweſen. Kymodokeia ſchwieg: es verſtummte, an ihren Buſen gelehnt, im ſchönen Arme die Lyra. Da ſtand der Muſen Prieſterinn auf des Raſens grüner Matte; Ladons und Alpheos Lüftchen wehten um der Lyra Sai⸗ ten die ſchwarze flatternde Locke. In weiſſe Schleier eingehüllt, vom Mondenſtral beglänzt, war ſie ein Göt⸗ terbild, Olympos Höhn entſtiegen. Vergebens heiſchte entzückt einen Becher Demodokos, dem Gott der Dich⸗ tung eine Libation zu ſpenden.— Die Chriſten ſchwiegen, ſie zollten nicht Kymodokae den Preis, den ihm ſie zu verdienen ſchien: „Meine Gaſtfreunde, rief er aus, ihr liebt nicht die Geſänge? Rührt doch die Götter und die Sterb⸗ lichen die Harmonie!— Aidaes, den unerbittlichen, entzückte Orpheus: weiß bekleidet, auf des Weltalls goldner Achſe ſitzend, horchen die Parzen ſelbſt der Sphärenmelodie; ſo ſagt Pythagoras, in des Olym⸗ pos Reichen eingeweiht. Der Vorzeit Menſchen, durch Weisheit hochberühmt, gaben vom Reize der Muſik entzückt, ihr des Geſetzes Namen. Mich drängt nicht d Ton der Hainen N ihr St los ihn der kiu klug en reitzer lleichſt des S dem C flatte harrt Sior wurf len, Adnel it Glaukog es Königs s um der ſchwieg ſie der Arbeit fehren nüt⸗ — an ihren . Da ſtand ner Matte; er Lyra Sai⸗ ’ ſo G iſſe Schleier ſie ein Göt⸗ bens heiſchte att der Dich⸗ ee Chriſten Preis, den r liebt nicht die Sterb⸗ erbittlichen, es Weltalls n ſelbſt der des Aym⸗ Menſchen, Reize der en. Mich 49 drängt eine Gottheit, zu geſtehen: wäre meine Tochter nicht die Muſenprieſterinn, dann wäre ihrer Stimme Ton der Taube Girren mir geweſen, die, in Creta's Hainen, dem Zeus Ambroſia gebracht.““ Nicht die Geſänge dieſes Mädchens ſinds, es iſt ihr Stoff, der Schweigen uns gebeut, verſetzt Kyril⸗ los ihm. Einſt leuchten wird vielleicht der Tag, wo der kindlich unbefangnen Vorzeit Täuſchungen nur klug erdachte Fabeln ſind, von der Dichter Lied beſun⸗ gen. In Dunkel hüllen ſie euch itzt den Geiſt, feſ⸗ ſeln unter ein Joch im Leben euch, das nicht dem Menſchengeiſte ziemt, das ins Verderben nach dem Tode eure Seele ſtürzt.— Wähnt nicht, daß wir der ſanften Töne Reitz nicht liebend fühlen— iſt un— ſer Glauben ſelbſt ja Harmonie und Liebe! Deine reitzerfüllte Tochter, die mit Recht der Taube du ver⸗ gleichſt, würde Töne, rührender noch, girren, wenn des Stoffes Zucht mit ihrer Stimme Unſchuld in hol⸗ dem Einklang webte.— Arme verlaßne Turteltaube flattre zum Gebürge, wo des Gatten die Gattinn harrt, fliege zu den geheimnißvollen Hainen hin, wo Sions Töchter deiner Klage lauſchen!“ Dann wendete zu Laſthenes Sohne ſich Kyrillos: „Zeige Demodokos mein Sohn, daß uns ſein Vor⸗ wurf nicht gebühre: ſinge uns der heil'gen Bücher Stel⸗ len, die die Apollinaren, unſre Brüder, für die Lyra ordneten; beweiſe ihm, daß wir nicht feind der ſchönen I. Band 4 50 Dichtkunſt, nicht ſchuldloſer Freuden Feinde ſind.— Oft dienten Jehovah unſere Geſänge, ungläub'ge Her⸗ zen mild zu rühren.“ An einer nahen Saalweide Zweigen war eine Ly⸗ ra aufgehängt, größer und ſtärker als Kimodokaes Ly— ra; ein hebräiſcher Cinnor war's; die Saiten abge⸗ ſpannt hatte der nächtliche Thau. Eudoros nahm das Inſtrument herab; er ſtimmt' es und ſtand im Kreiſe da, dem jungen David gleich, wie durch der Harfe Töne er den Dämon ſcheuchen will, der König Saul beſeſſen. Zu dem geſtirnten Himmel ſchlug den Blick Eudoros, und ſtimmte dann die Himne, die erhabne, an. Er ſang des Chaos Schöpfung; das Licht, durch eines Wortes Macht gebohren; die Erde, wie ſie Bäum' und Thiere zeugt; den Menſchen, nach Gottes Bild geſchaffen, mit Lebenshauch belebt; Eva aus Adams Seite gebildet; bei der Geburten erſter, des Weibes Wonn’ und Schmerz; Kains und Abels Brand⸗ opfer, des Bruders Mord; und Menſchenblut, wie es zuerſt zum Himmel rauchte. Dann ſang er Abrams Tage; es tönte ſanfter die Lyra, als er die Palme, den Ziehbrunnen, das Kameel, der Wüſte Anagren, als er den reiſenden Pa⸗ triarchen vor dem Zelte ſitzend, als Galaads Heer⸗ den, Libanons Thäler, Hermons Gipfel, Horeb; als preſſe on un dan g feiert in der ſchend wie d gege! ſterb er, ſein arch den den Kön der und de ſind.— ub'ge Her⸗ at eine Ly⸗ dokaes Ly⸗ aiten abge⸗ Bnahm das im Kreiſe der Harfe onig Saul g den Plick die erhabne, licht, durch de, wie ſie nach Gottes z Eva aus erſter, des bels Brand⸗ enblut, wie onte ſanfter unnen, das eiſenden Pa⸗ alaads Heer⸗ l, Horeb; 51 als Sinai, als er Jerichos Roſenbüſche, Cades Cy⸗ preſſen, Idumaeas Palmen, Ephraim, Sichem, Si⸗ on und Solyma, der Cedern Waldſtrom und des Jor⸗ dan geheiligte Gewäſſer ſang.— Auch die Richter feiert' er, an den Thoren der Stadt verſammelt, Booz in der Schnitter Mitte, Gideon ſein Getreide dre⸗ ſchend, von einem Engel heimgeſucht; den alten Tobias, wie dem Sohne, vom treuen Hund verkündet er ent⸗ gegengieng; Agar, das Haupt wendend, um Ismäel ſterben nicht zu ſehen. Joſephs Begebenheit erzählte er, wie die Brüder ihn erkennen, Benjamins und ſeine Thränen; Jakob, Pharaon dargeſtellt; des Patri⸗ archen Leiche in Mambres Höle eingeſenkt, um bei den Vätern dort zu ſchlafen; dann ſang er Moiſes bei den Hirten Madians. Itzt ließ andre Akkorde er ertönen; er ſang des Königs Ezechias und der Isräeliten Geſang am Ufer der Flüſſe Babylons; Ramas Stimme ließ er ſtöhnen, und ſeufzen Amos Sohn: „Weinet, ihr Thore von Jeruſalem; deine Kin⸗ der Sion, deine Prieſter werden als Sklaven fort⸗ geſchleppt!“ Er ſang der Menſchen ungezählte Eitelkeiten: des Reichthums, des Wiſſens, des Ruhmes, der Freund⸗ ſchaft, des Lebens, des Nachruhms Eitelkeit! Das falſche Glück des Ruchloſen malte er, und pries glück⸗ 59 2 licher den ſterbenden Gerechten, als den Böswicht, der ihn überlebt.— Des tugendhaften Armen und des ſtarken Weibes Preis ſang er. „Sie hat die Wolle und den Lein geholt, mit „ſinnig kluger Hand hat ſie gearbeitet: in der Nacht „hebt ſie vom Lager ſich empor, die Arbeit den Die „nern, das Brod den Dienerinnen auszutheilen; ſie „iſt mit Schönheit angethan. Es haben erhoben ihre „Söhne ſich, und glücklich ſie geprieſen; es hat ſich „erhoben ihr Gatte, er hat ihr Lob verkündet.“ „Herr!“ rief der junge Chriſt, entflammt von dieſen Bildern, aus,„du biſt der Himmel wahrer „Herrſcher; dem Morgenroth haſt ſeine Stelle du ge— „wieſen. Auf deinen Ruf erhebt im Oſten ſich die „Sonne; einem ſtolzen Rieſen gleich, oder dem ſtra⸗ „lenden Gatten, der von dem Hochzeitlager ſteigt, „ſo ſchreitet ſie einher. Du rufſt dem Donner; er „antwortet zitternd dir:„hier bin ich, Herr.“ Du „ſenkſt der Himmel Hochgewölbe; in den Wirbeln „ſtürmt dein Geiſt; die Erde bebt bei deines Grim⸗ „mes Hauch; erſchrocken fliehn die Todten aus den „Gräbern.— Wie groß biſt du in deinen Werken, „Gott! Was iſt der Menſch, dem des Herzens Huld „du ſchenkſt? Und doch ſorget für ihn ewig die un⸗ „ermeßne Güte! Mächt'ger, güt'ger Gott, uner⸗ „ſchaffnes Weſen, der Tage Uranfang, Preis ſei „deiner Macht, deiner Barmherzigkeit der Liebe „Zoll!“ 6 hallte ſtatt de lichen modokc ergriff Der he ihnen Schate heiten wähne ſie ih allem entſch verſuc tung Fremd ew'ge nen z an 2 2 0 dnd So ſang Laſthenes Sohn. Die Himne Sions hallte ferne in Arkadiens Hölen wieder; überraſcht, mit ſtatt der weibiſchen Töne der Flöte Pans, die männ⸗ acht lichen Accorde der Harfe Davids wiederzutönen. De⸗ Ddie modokos und ſeine Tochter waren von Erſtaunen zu ſie ergriffen; ihrer Gefühle Zeichen fehlten ihnen.— ihre Der helle Stralenglanz der Schrift hatte die Herzen ſch ihnen geblendet, gewöhnt, nur Licht, mit dem ſich Schatten miſchte, zu empfangen: ſie kannten die Gott— heiten nicht, die gefeiert Eudoros hatte; doch ihn von wähnten ſie Apollon; einen goldnen Dreyfuß wollten ahrer ſie ihm weihen, von der Flamme unberührt. Vor u ge⸗ allem dachte des Lobs des ſtarken Weibs Kymodokae, h die entſchloſſen war ſie auf der Lyra den Geſang einſt zu ſtra⸗ verſuchen. Die Chriſtenfamilie war in ernſte Betrach⸗ eigt, tung tief verſunken; was hohe Dichtung nur den ; er Fremden ſchien, das waren heil'ge Miſterien, war D ew'ge Wahrheit ihnen.— Lang hätte die Verſamm⸗ beln lung noch geſchwiegen, da ſtörte ſie der Hirten lauter Prim⸗ Beifall. Kymodokaes und Eudoros Stimmen hatten den die Lüfte zu ihnen hin geweht; ſie waren, den Tö⸗ —ken, nen zu lauſchen, in Schaaren herabgeſtiegen vom Ge⸗ Huld bürge. Zwiſchen den Muſen und Seiränen wähnten, ., an Alpheos Geſtade, den Wettkampf ſie erneut, den e un— 7 8 einſt gekämpft ſie hatten; als Achelous Töchter, ven uner. h. 2 den gelehrten Schweſtern beſiegt, die Fittige verlie⸗ 5 ſel 5 4 giebe ren mußten. Schon war zuruͤckgelegt die halbe Bahn der Nacht: Lakedaimons Biſchoff ladet zur Ruh die Gäſte ein. 54 Dem Winzer gleich, am Tagesſchluß ermüdet, ruft dreimal er zum Herrn, und betet an. Die Chriſten geben ſich den Kuß des Friedens, und kehren, züchtig in ſich ſelbſt geſammelt, zu dem Dach der heimiſchen Hütte. Zum Gemache führt Demodokos ein Diener, das nicht ferne von Kymodokae man ihm bereitet.— über das Wort des Lebens ſinnt Kyrillos und ſtreckt ſich dann aufs Binſenlager. Kaum hat das Auge er ge⸗ ſchloſſen, da ſchwebt ein Traum zu ihm hernieder: ihm däucht, es öffnen ſich der alten Marter Wunden; von neuem fühlt mit ausdrucksloſer Wonne er ſein Blut für Jeſus Chriſtus flieſſen. Auch einen Jüngling, eine Jungfrau ſieht er itzt, von Licht umſchimmert, von der Erde auf zum Himmel ſteigen: mit der Palme, die ſie in den Händen tragen, ſieht er Folge ſie ihm winken— verſchleiert war ihr Haupt, drum konnt' er ihre Züge nicht erkennen.— Voll heil'ger Unruh wacht' er auf; in dem geheimnißvollen Traume glaubt für die Chriſten eine Botſchaft er zu finden.— Er begann zu beten unter Thränengüſſen; rufen hörte man ihn im Schweigen der Nacht: „Bedarf es, Gott, der Opfer noch, ſo wähle „mich zum Heile deines Volks!“ Drittes B uch. In⸗halt. Kyrillos Gebet ſteigt zum Throne des Allmaͤchtigen. Der Himmel, die Engel und Heiligen. Tabernakel der Mutter des Erloͤſers. Des Vaters und des Soh⸗ nes Allerheiligſtes. Der heilige Geiſt. Die Drei⸗ einigkeit. Kyrillos Gebet dringt zu dem Schoͤpfer: der Ewige nimmt es an, doch erklaͤrt er, Lakedai⸗ mons Biſchoff ſei das Opfer nicht, das die Chriſten erloͤſen ſoll. Worte des Sohns. Rede des Vaters. Eudoros iſt das erwaͤhlte Opfer. Gruͤnde dieſer Wahl. Gott Sohn enthuͤllt ganz des Vaters Plane. Kymodokge iſt die zweite Hoſtie, die der Himmel heiſcht. Die himmliſchen Streiter ergreifen die Waffen. Geſang der Heiligen und der Engel. △ Am T. Der Allo mons Bi ner Barn Chriſten ſind, d Wunde! lichen. ſelbſt; der vielg meſſen Drittes Buch. 2 JIum Thron des Ew'gen ſtiegen Kyrillos letzte Worte. Der Allvater nahm das Opfer an, doch war Lakedai⸗ mons Biſchoff nicht das Opferlamm, das Gott in ſei⸗ ner Barmherzigkeit und ſeinem Grimm gewählt, die Chriſten zu erlöſen. Im Mittelpunkt erſchaffner Welten, in unzähl⸗ barer Sterne Mitte, die ihre Zugänge, Wälle, Wege ſind, dort ſchwebet Gottes unermeßne Stadt; ihre Wunder zu erzälen vermögen Zungen nicht der Sterb⸗ lichen. Der Ew'ge pflanzte die zwölf Grundpfeiler ſelbſt; umſchloß ſie dann mit jener Jaspismauer, die der vielgeliebte Jünger mit goldnem Maas den Engel meſſen ſah. Mit des Allmächt'gen Glorie angethan 58 iſt Jeruſalem, die unſichtbare, wie die Gattinn dem Gemahl, geſchmückt. Seid fern der Erde Prunkge⸗ bäude, ihr naht den Maalen nicht der heil'gen Stadt. Da eifert mit der Form Vollendung des reichen Stof⸗ fes höchſter Prunk. Da thronen in den Lüften ſchwe⸗ bend aus Diamant und Saphirn Gallerien, die ſchwach des Menſchen Geiſt in Babels Gärten nachgebildet: Triumphbogen, aus der Sterne ſchimmerndſten gebildet, ſteigen dort empor— hier verketten Hallen von Son⸗ nen ſich, durch des Athers Räume zur Unendlichkeit verlängert, Palmyras Säulen in dem Sand der Wü⸗ ſten gleich.— Belebt ſind hier der Baukunſt Werke. Es iſt mit Geiſt erfüllt ſelbſt Gottes Stadt; nichts iſt in der Geicker Reichen tode Materie nur, nichts in des ew'gen Daſeyns Stätte unbelebt. Uns täuſcht das materielle Wort, das zu des Menſchen Sinnen die Muſe ſprechen muß: ſie muß dem Luftgebilde Körper ſchenken, das, wie ein Göttertraum, in ſüßem Schlum⸗ mer vor uns ſchwebt. Das ſtralende Jeruſalem umkränzen zauberiſche Gärten. Vier Flüſſe ſtrömen vom Thron des Ewi⸗ gen, ſie bewäſſern des Himmels Eden; in ihren Flu⸗ ten wälzen Gottes Weisheit ſie und reine Liebe.— Es eint, es miſcht ſich die geheimnißvolle Woge; ſie läßt mit unſterblichen Myrthen die Lilie ſproſſen, der Gattinn vergleichbar, und die Blumen die des Gatten Lager ſchmücken. Der Baum des Lebens erhebt ſich auf des Weihrauchs Hügeln; weiterhin ſtreckt der Baum des Wiſ die unzah der Natt tuelle W los Geſe Der Aut taumeln heit brin Oft wall ten dieſe ſtroömen D ſtralt, Mittag roth ge erfüllten ne Son! ohne A von al ſtrömt 4 filden Seram der H theilt: ſind ſi Luft u in dem unkge⸗ Stadt. Stof⸗ ſchwe⸗ chwach bildet: bildet, Son⸗ lichkeit er Wü⸗ Werke. ichts iſt ichts in iſcht das nen die Körper Schlum⸗ uberiſche es Gwi⸗ ren Flu⸗ jebe.— ege; ſie ſen, der „Gatten hebt ſich r Baum 59 des Wiſſens nach allen Seiten die tiefen Wurzeln, die unzahlbaren Zweige: die Myſterien der Gottheit, der Natur verborgene Geſetze, moraliſche und intellek— tuelle Wahrheit, des Guten und des Böſen wandel⸗ los Geſetz trägt er unter goldbelaubtem Dache.— Der Auserwählten Nahrung iſt dies Wiſſen, das uns taumeln macht, denn in den Reichen der höchſten Weis⸗ heit bringt den Tod nicht mehr der Erkenntniß Frucht. Oft wallt der Menſchheit großes Ahnenpaar zum Schat⸗ ten dieſes Wunderbaums, dort, laſſen ſie die Thränen ſtrömen, wie ſie weinen der Gerechte kann. Das Licht, das hier in dieſen ſeeligen Gefilden ſtralt, iſt aus des Morgens Roſenſchimmer, aus des Mittags Flammenſtral und aus des Abends Purpur⸗ roth gemiſcht: doch flammet kein Geſtirn am glanz— erfüllten Horizonte; es ſteiget keine Sonne auf, kei⸗ ne Sonne ſinkt in den Gefilden, wo alles ohne Ende, ohne Anfang alles iſt— im namenloſen Lichte, das, von allen Enden her wie zarter Thau hernieder⸗ ſtrömt, glänzt hier der Tag der wonnevollen Ewigkeit. In den Vorhöfen der heil'gen Stadt, in den Ge— filden, die ſie rings umſchließen, ſind die Cherubine, Seraphine, die Engel und Erzengel, die Thronen und der Herrſcher Schaaren verſammelt, in Chören abge— theilt: die Diener der Werke, des Willens Gottes ſind ſie alle. Dem einen gab er über Feuer, Erde, Luft und Waſſer Allgewalt; die Jahrszeiten, Winde, 60 Stürme ſollen andre lenken.— Sie ſchenken der Ahre Reife; der friſch entſproßnen Blume pflegen ſie, und beugen hin zur Erde des Baumes alten Stamm.— Sie ſtöhnen im bejahrten Haine; ſie ſprechen in der Woge Brauſen; die Flüſſe gießen ſie von Bergen hoch herab. Sabaoth und Eloahs zwanzigtauſend Krie⸗ gerwagen hüten jene; über des Herren Köcher, ſeine furchtbar ſichern Blitze, über die Renner wachen ſie, die ſchrecklichen, auf denen die Peſt, der Krieg ein⸗ her, der Tod und Hunger ſtürmen.— Raſtlos regen der Geſtirne Schwung Millionen dieſer Geiſter; in dieſem hohen Götteramte löſen, gleich der Heere wach⸗ ſam regen Poſten, ſich die Engel wechſelnd ab.— Von Gottes Hauch ſind alle nicht zugleich geformt; in der Ewigkeit Geſchlechtern haben die Engel gleiches Alter nicht: zahllos wurde eine Schaar mit dem Men⸗ ſchen einſt geſchaffen, ſeine Tugenden zu ſtützen, die Leidenſchaften ihm zu zügeln; gegen der Hölle Sturm ſein Schutz zu ſeyn. Auch die Sterblichen ſind hier verſammelt, die Tugend auf der Erde übten: die Patriarchen ſitzen unter goldnen Palmen; die Propheten von zwei Licht⸗ ſtralen die Stirn erſchimmernd; die Apoſtel, die heil'⸗ gen Evangelien auf den Herzen; die Schriftgelehrten, deren Hand die Feder, die unvergängliche führt; die Einſiedler in Himmelsgrotten tief verborgen; die Martyrn, angethan mit ſchimmernden Gewanden; die Jungfraun, bekränzt mit Edens Roſen; die Witt⸗ 1 wen/ de friedbring Gewande Elend ihr Wie ſohn, der ein flücht Glückes kennt nt iſt der ihre Se ſey; es Götteno des hohen Daſeyn hebt, de Reitze b zen verg nur— Freund die, in die Gr⸗ hochbeg geſtade; und Kla en hoch Krie⸗ ſeine eg ein— regen ter; in re wach⸗ ab.— eformt; gleiches m Men⸗ n, die Sturm elt, die n ſitzen ei Licht⸗ die heil⸗ vanden; Witt⸗ 61 wen, deren Haupt ein langer Schleier ſchmückt; die friedbringenden Weiber alle, die, im einfach linnenen Gewande, unſre Thränen tröſtend ſtillten; unſrem Elend ihre Dienſte weihten. Wie kann der Sterbliche, der ſchwache Unglücks⸗ ſohn, der Seeligkeiten Fülle mahlen? Beklagenswerth, ein flüchtig Schattenbild, kennt nicht der Menſch des Glückes Heiligthum.— Wenn des gläubigen Chri⸗ ſten Seele von des Körpers Hülle ſcheidet(wie der er⸗ fahrne Steuermann den ſchwachen Kiel verläßt, den bald der Ozean in ſeinen Abgrund ſchlingt) dann er— kennt nur ſie die wahre Seeligkeit. Das Bewuſtſeyn iſt der Auserwählten höchſtes Glück, daß unermeßen ihre Seeligkeit und unbeſchränkt im Raum der Zeiten ſey; es gleicht ihr Daſeyn wandellos des Erdenſohnes Göttenvonne, der Tugend oder Heldenmuth geübt; des hohen Genius, der einen göttlichen Gedanken ins Daſeyn rief; des Mannes, dem den Buſen edle Liebe hebt, dem durch Leiden lang geprüfter Freundſchaft Reitze blühn. Es ſind nicht in der Auserwählten Her⸗ zen verglimmt die edleren Gefühle; ſie ſind geläutert nur— dort lieben ſich noch Brüder, Schweſtern, Freunde, Gatten; es ſchmückt die Wechſelneigungen, die, in der Gottheit Schoos zuſammenſtralend, leben, die Größe Gottes, ſeine Ewigkeit. Itzt ruhn die hochbeglückten Seelen an der Lieb' und Weisheit Fluß⸗ geſtade; da preiſen unabläßig ſie des Allgütigen Macht und Klarheit: 8) — „Wie groß biſt du, o Gott,“ ſo tönen ihre Wor⸗ te;„alles, was du, o Herr, geſchaffen, iſt von „dem Maas der Zeit umſchloſſen; die Zeit, die ein „endlos Meer den Sterblichen erſcheint, ſie iſt ein „Tröpfchen nur, das in der Ewigkeiten Ozean ver⸗ „ſchwimmt!“ dun durchwandeln, um der Herrſcher König würdger zu preiſen, ſein wunderwerthes Werk die Auserwählten: entzückende Gebilde beut die Schöpfung ihnen, von jedem Standpunkt des Weltalls aus be⸗ trachtet, dar: ſo breiten(ließe mit Großem ſich das Kleine meſſen) vor des Wandrers Blick ſich des In⸗ dus zaubriſche Gefilde hin; Kaſchemirs und Dellis reiche Thäler; Geſtade, mit Perlen beſäet, von Am— bra bedüftet, wo die ſanfte Woge an des Zimmets Blütenbaume ſtirbt. Der Himmel Farbenſpiel, der Sphären Größe, ihre Kreiſe, in Umſchwung und Entfernung wechſelnd, ſind ſeel'gen Geiſtern des Be⸗ wunderns Quelle, die ihnen nie verſiegt. Nach den Geſetzen forſchen ſie, die dieſer ſchweren Maſſen Rol— len ſo leicht im flüß'gen AÄther lenken. Sie wallen hin zum Monde, dem friedlichen, der, in der Nächte Schweigen, der Freundſchaft Herzergüſſe oder ihr Gebet beglänzte. Das feuchte flimmernde Geſtirn, das vor des Morgens Tritten wandelt, dieſer andre Planet, der ein Demant in der Sonne goldnen Locken ſcheint; mit langem Jahre den Weltball, deſſen Bahn vier erbleichende Fackeln nur beglänzen; jene Erde, in Trauer einen R wandeln gen erle hier die gottgewe Sonnen Lyra un raſten! Schöpf mert ei Gränd tet, E 1 Blicken Kumm Wünſch Nath u wieder bender zu des liegen doch! mente des T der 2 dem hre Wor⸗ iſt von die ein ee iſt ein Kan ver⸗ er König Werk die chöpfung aus be⸗ ſich das des In⸗ d Dellis von Am⸗ Zimmets die!, der ung und des Be⸗ Nach den aſſen Rol⸗ ne wallen er Nächte oder ihr Geſtirn, eſſer andre nen Locken ſee Bahn Erde, in 63 Trauer eingehüllt, von des Tages Stralen fern, die einen Ring gleich untröſtbaren Wittwen trägt; dieſe wandelnden Lichter alle, die des Menſchen Wohnun⸗ gen erleuchten, ſie wecken zu ſinnender Betrachtung hier die Auserwählten.— Dann ſchwingen ſich die gottgeweihten Seelen zu jenen Welten auf, denen Sonnen unſre Sterne ſind; dort klingen ihnen der Lyra und des Himmelsſchwanes Zaubertöne. Nicht raſten läßt ihr Forſchen Gott; es ſtrömen ewig neue Schöpfungen von ſeiner Allmacht aus: itzt zertrüm⸗ mert eine altergraue Welt er an des Raumes letzter Gränze, oder bringt, von der Engel Schaar gelei⸗ tet, Schönheit, Ordnung in den Schoos des Chaos. Das ſtaunenswertheſte, was ſich der Heiligen Blicken zeigt, es iſt der Menſch. Sie theilen unſern Kummer noch, ſie theilen unſre Freuden— unſre Wünſche hören ſie, und flehn für uns, ſie ſind uns Rath und Schutz. Kehrt zur Hürde der Sünder einer wieder, dann tönet ihr Frohlocken ſiebenmal: voll lie— bender Schauer zittern ſie, wenn eine ſcheue Seele zu des Weltenrichters Fuß der Todesengel führt. Es liegen unſre Leidenſchaften vor ihrem Blicke offen da; doch bleibt ihnen unenthüllt die Kunſt, die ſo vieler Ele⸗ mente Wiederſtreben in unſerm Buſen eng verwebt; des Weltalls Geſetze durchſchaun läßt Gott die Seligen; der Menſchenherzen wundervoll Geheimniß iſt nur dem Schöpfer unenthüllt. Wenn dann bewundrungsvolle Liebe, wenn des Himmels höchſte Wonne, oder fanfter Trauer Rüh⸗ rung der Auserwählten Buſen heben, dann tönt aus ihrem Mund das Dreimalheilig, das mit Entzücken die Himmel ewig füllt. Es ordnet die Göttermelo⸗ die der prophetiſche König; Aſaph, der Davids Schmer⸗ zen tönte, gebeut den Inſtrumenten, die der Hauch belebt; über die Harfen, Pſalterien, Lyren, die un— ter der Engel Hand erklingen, gebieten Kores Söhne. Die ſechs Schöpfungstage, des Herrn Ruhe, des al⸗ ten und des neuen Wortes Feſte werden wechſelnd im Reich der Unvergänglichkeit geſungen. Dann kränzt ein licht'rer Strahlenſchein die heil'gen Hallen: es tö⸗ nen dann von Gottes Thron, vom Lichte ſelbſt, in dem der Geiſter Reiche ſchwimmen, die ſanften zarten Himmelstöne, die, von dem Sterblichen gehört, den Tod ihm bringen würden.— Wo, Muſe, wo die Bilder finden, der Engel Feſte auszumalen?— Unter dem Baldachin von Orients Fürſten, wenn auf dem Thron, von köſtlichem Geſteine funkelnd, den prunk⸗ erfüllten Hof der Herrſcher um ſich ſammelt?— Oder ſoll Jeruſalem, die irdiſche dir die Farben leihen, als Salomon dem Herrn das Heiligthum des gläubigen Volkes weihte? Da bebten Sions Zinnen von der Poſaunen Donnerſchall, als der Leviten Chöre den Stufengeſang wiedertönten; Iſräels Aelteſten wallten mit Salomon vor Moſes Tafeln her: zahllos fielen Opfer unter des hohen Prieſters Hand; um des Bun⸗ des Arche ſchlangen Judas Töchter ſich in abgemeßnem Schritt; henlichte Vor wo ange die Hart glänzt vo der Witt Klarheit auf verl des gehe trübten ſie unſt des Br terthrän flehen Barmhe der Lieb⸗ ſie der K na, Joſ des We deren e geſtalten in der vor ihr iſt ſuſſe Unſchul H Smarag 1. Ba enn des Ruh⸗ ont aus tzücken kermelo⸗ Schmer⸗ Hauch die un⸗ Söhne. des al⸗ And im kränzt Hes to⸗ lbſt, in mzarten rt, den wo die Unter uf dem prunk⸗ — Oder den, als fäubigen von der ore den wallten s fielen es Bun neßnem 65 Schritt; ihr Tanz, wie ihre Hymnen fromm, ver— herrlichte des Schöpfers Preis. Vor allem in dem göttlich reinen Tabernakel, wo angebetet des Erlöſers Mutter weilt, erklingen die Harmonien des himmliſchen Jeruſalems. Da glänzt vom Chor der heil'gen Weiber, der Jungfraun, der Wittwen umringt Maria auf dem Thron, aus Klarheit aufgebaut. Der Erde Seufzer alle ſteigen auf verborgnen Pfaden hinauf zu dieſem Throne: des geheimſten Elends Schmerzenslaute höret der Be⸗ trübten Tröſterinn; auf des Weihrauchs Altar bringt ſie unſre Thränenopfer zu des Sohnes Fuüſſen dar; des Brandopfers Kraft zu mehren, miſcht ihre Göt— terthränen ſie darein. Der Menſchen Schutzgeiſter flehen unabläſſig für die ird'ſchen Freunde zu der Barmherzigkeiten Königinn.— Knieend dienen ihr der Lieb' und Gnade ſanfte Seraphine, es umſteht ſie der Krippe rührende Verſammlung: Gabriel, An⸗ na, Joſeph, Bethlems Hirten und des Morgenlan⸗ des Weiſen.— Auch drängen hier die Kinder ſich, deren erſter Hauch der letzte war; in kleine Engel um⸗ geſtaltet, ſcheinen ſie kindliche Geſpielen des Erlöſers in der Wiege. Goldne Rauchfäſſer ſchwingen ſie vor ihrer Himmelsmutter; ihr Schwung, ihr Fall iſt ſüſſe Harmonie; aus ihnen ſteigt der Lieb' und Unſchuld Duft in lichten Wölkchen auf. Hundert Stufen von Rubin, Karfunkel und Smaragd führen aus Mariens Wohnung zu des I. Band. 5 66 Menſcherlöſers Heiligthum; dort erhält der Sohn durch ſeinen Blick die Welten, die der Vater werden hieß. Er ſitzt an der geheimnißvollen Tafel; Greiſe, vier und zwanzig an der Zahl, mit weiſſem Gewand und goldnen Kronen angethan, auf Thronen ihm zur Seite. Lebend ſteht bei ihm ſein Wagen, Blitz und Donner zucken aus den Rädern. Wenn der Völker Meſſias den Erwählten in ſeiner innerſten Natur, in vollem Götterglanz erſcheint, dann ſtürzen ſie den Todten gleich vor ſeinem Antlitz nieder; da ſtreckt er die Rechte aus und ſpricht: „Steht auf, und fürchtet nichts, euch hat mein „Vater geſegnet; blickt auf mich, ich bin der An— „fang und das Ende.“ Jenſeits des Heiligthums des Wortes breiten licht⸗ voll ſich Flammenräume hin; der Vater wohnt im Schooſe dieſer Lebenstiefen. er iſt von allem, was einſt war, was iſt, was ſeyn wird, Urquell; in ihm verſchmilzt mit Gegenwart die Zukunft und Vergan⸗ genheit. Wahrheiten thronen dert, vom Himmel ſelbſt noch unbegriffen; Gottes Vorwiſſen und des Menſchen Freiheit; Seyn, das in Nichts zerrinnen und Nichts, das Daſeyn werden kann: hier wird, vom Blick der Engel fern, vollendet der Dreifaltigkeit Ge⸗ heimniß.— Es eint in dieſen undurchdrungnen Tie⸗ fen mit Sohn und Vater ſich der Geiſt, der von dem Vater zu dem Sohn, zum Vater von dem Sohne ewig ſich Dreieck Heiligen; Rellen; d himmels heit, der Erden un formen n ſich zurue Welten Di Flamme heiten e kenthron ein Krei ſitzt der e ſeiner Liu hovas fu ruhig wi zen wei wieder; ſchen de die für K da zeigte die drei Sohne, Sohn werden Greiſe, Gewand ihm zur litz und Volker atur, in ſie den treckt er hat mein der An⸗ iten licht⸗ ohnt im m, was ;in ihm Vergan⸗ Himmel und des zerrinnen vird, vom igkeit Ge⸗ gnen Tie⸗ „der von in Sohne 67 ewig ſich auf und niederſchwingt.— Ein flammend Dreieck zeigt ſich dann am Thor des Heiligſten der Heiligen; in ehrerbiet'gen Schauern ſtockt der Sphären Rollen; der Engel Hoſanna ſchweigt, es harren des Himmels Kriegerſchaaren ſtille der Beſchlüſſe der Ein— heit, der ewiglebenden; ob er der dreimal heilige auf Erden und im Himmel die Körper und die Götter⸗ formen nicht umgeſtalten, ob er der Weſen Urſtoff zu ſich zurück nicht rufen, in ſeiner Ewigkeiten Schoos die Welten zurück nicht ſinken laſſen will. Die Urweſen ſcheideu ſich, verſchwunden iſt das Flammendreieck, entſchleiert das Orakel; drei Gott⸗ heiten enthüllen ſich dem Blick.— Von einem Wol— kenthron getragen faßt einen Zirkel des Vaters Hand, ein Kreis iſt unter ſeinen Füſſen: zu ſeiner Rechten ſitzt der Sohn mit Blitz gewaffnet, es ſchwinget ſich zu ſeiner Linken der Geiſt in einer Feuerſäule auf. Je⸗ hovas furchtbare Augenbraunen nicken, da beginnen ruhig wieder die Zeiten ihren Lauf: des Chaos Grän⸗ zen weichen zu der alten Stelle, die Geſtirne rollen wieder in des alten Einklangs Bahn. Horchend lau— ſchen der Stimme des Allmächtigen nun die Himmel; die für das Weltall ſeinen Willen itzt verkündet. Kyrillos Flehen drang zum Thron des Ewigen; da zeigten ſo der Heiligen und Engel geblendetem Blick die drei Perſonen ſich, es ſprach der Vater zu dem Sohne, der vor der Zeiten Anfang gezeuget war: 68 „Sohn meiner geiſtigen Natur, du Wort, „das ohne Ende aus dem Schooſe mir, zurück mir „ohne Ende ſtrömt, des Weltalls Band und „Liebe, der Höllengeiſter Sieger, Menſcherlöſer; „das Flehen eines deiner Martyrer iſt zu mir „aufgeſtiegen. Geſchlagen hat die Stunde, wo „deines Kreutzes Triumphe blühn. Es hat ſchon „lang genug neben deinen Altären der Götzendienſt „die Tempel aufgebaut; verſchwinden ſoll er von „der Welt.— Ein neuer Cyrus iſt geboren; er „wird der Höllengeiſter Bild zertrümmern; der Cae⸗ „ſarn Thron wird er in deines Tabernakels Schat⸗ „ten pflanzen. Doch die Chriſten, o mein Sohn, „von Stahl und Flammen unbeſiegt, ſie hat des „Friedens ſüße Frucht verzärtelt. Ich ließ, um „beſſer ſie zu prüfen, ſie Gold und Ehrenſtellen ken⸗ „nen; nur des Glücks Verſuchung konnte ſie beſie— „gen. Eh' ihrer Herrſchaft ſich der Erdball ſchmiegt, „ſeien des beſchiednen Ruhms ſie werth; ſie haben „meines Zornes Flammen angefacht, nur den ge⸗ „läuterten ſoll vor meinen Augen Gnade werden. „Den Satan will ich auf die Erde los laſſen; für „die Gläubigen beginnt die letzte Prüfungsſtunde; „gefallen ſind die Chriſten, ich ſtrafe ſie; in mei⸗ „nem Willlen ſind die Opfer auserkohren.“ So ſprach der Herr, der in gehölter Hand der Tiefen Wäſſer maß; er deſſen Zorn gleich der D mpf⸗ wolke eines unermeßnen Brandes ſich erhebt, der in ſei⸗ ner ſcher/ Sohn/ all We ſchwund dens ſo „kei 69 Wort, ruck mir ner Wage die Himmel wog. Der göttlich ſanfte Herr⸗ nnd und ſcher, dem kein Erdenſohn an Schöne gleicht; der herlöſer; Sohn, der mit dem Geiſt alleine leben würde, wenn zu mir alle Weſen vor Jehovas Grimm zum Nichts hinabge⸗ de, wo ſchwunden wären; der Gott der Milde und des Frie⸗ zat ſchon dens ſprach ſo zum ſtarken Schreckensgott: zendienſt l er von„Dein Willle ſei erfüllt, du Vater aller Ewig⸗ eren; er„keiten: es wallet Hand in Hand mit deiner Güte derCae⸗„die Gerechtigkeit; Triumph verkündeſt du mit der „Verfolgung. Es gnügt, ſo ſeh' ich es, nicht dei— 3„nem Grimme des heil'gen Biſchoffs Opfer⸗ deſſen t hat des„Seufhzer auf zu dir geſtiegen ſind; der Fürſt, mein leß, un„Kreuz auf ſeinen Thron zu pflanzen, auserſehen, jelen ken„darf für die Brüder nicht zum Opfer fallen, denn .„es ſind wandellos des Heiles Wege. Meines ii deſe„Geſetzes Kämpfer haſt du unter Erdenkindern nicht ſchmieg„erkohren, deren Stirn die Königsbinde ſchmückt— ſe haben„denn nicht den Purpur habe ich getragen; im den ge⸗„Schoos der Größe nicht ward unter Adams Söh⸗ 1 werdn.„nen ich geboren; aus Dunkel ſchritt ich hin zum lſen; füͤt„martervollen Tode, mit Blut die Menſchen zu er⸗ gsſtunde;„löſen.“ e; in mei⸗ 4 Der Menſcherlöſer ſchwieg, da begann der Va⸗ ter wieder; ſeine Stimme glich des Donners Hand der majeſtät'ſchem Rollen, wenn er über den Häuptern er D mof⸗ zahlloſer Schaaren brüllt, zur Würgeſchlacht bereit: der in ſei⸗ es ſchweigen die Signale; die Cohorten ſtehn bewe⸗ 70 gungslos, vom Sonnenlichte halb beglänzt, halb in den immer dunklern Schatten eingehullt; kein Lüft⸗ chen ſchwellt die Fahnen, die nieder auf die Hand des Trägers ſinken; es tönet nur der Pferde Schnau⸗ ben, die beim Donnerrollen wiehern; bei dem ſtum⸗ men Erze dampft die Lunte ungenützt: von der Blitze Glanz geblendet lauſcht der Krieger ſtill den Donner⸗ tönen. „Wort, dem Geiſte gleich, der aus von Sohn „und Vater geht, dein Wille,“ ſo ſprach der Ewige, „kann nicht von meinem ſich entfernen; ich will den „Himmeln ihn enthüllen; meine Befehle ſeyn ſie „zu vollziehn bereit. Kyrillos Tugend will ich krö— „nen, doch iſt er nicht, den ich vor allen auser⸗ „ſehen. Gelitten hat er ſchon in meines Sohnes „ Namen, meine Gerechtigkeit heiſcht eine ganze „Hoſtie. Auch Conſtantin iſt nicht das Opfer, „das ich auserkohren; triumphiren wird er ſicher⸗ „lich; doch blüht nicht ihm der Ruhm, ſein Blut „am Fuß des Kreuzes zu verſtrömen; aus Leiden⸗ „ſchaften, die an Höfen herrſchen, aus der Politik „und Ehrſucht Planen entſproſſen würden ſeinen Op⸗ „fertod die Menſchen wähnen. Das Opfer, das „durch Chriſtus Leiden, durch ſeines Götterblutes „Preis mein würdig iſt; dies Opfer, das von tau⸗ „ſend andern den Reihen führen wird; es muß ein „Menſch von niedrem Stamme ſeyn, den Welt⸗ „erlöſer nachzuahmen; auf daß von ſeinem Opfer⸗ halb in in Lüft e Hand Schnau⸗ m ſtum⸗ er Blitze Donner⸗ n Sohn Swige, will den ſeyn ſie lich kro⸗ en auser⸗ Sohnes ne ganze Opfer, er ſicher⸗ ein Blut Leiden⸗ er Politik einen Op⸗ pfer, das tterblutes von tau⸗ 3 muß ein en Welt⸗ m Opfer⸗ ¹/ 1 „tode aller Erdenplane Argwohn ferne ſei. Auch „muß der Chriſt, dem Tod geweiht, der Kirche Ar⸗ „gerniß erweckt, ſeine Irrthümer er beweint dann „haben, dem erſten der Apoſtel gleich— ſo ſoll „zur Reue die ſünd'gen Chriſten er entflammen, ge⸗ „duldig meine Vaterſtrafen er ſie tragen lehren. „Die Seele aller Plane der Gläubigen, des Prin⸗ „zen Stütze, der den Götzendienſt zernichtet, wird, „in der Menſchheit Annalen unbekannt der auser⸗ „kohrne Kämpfer bleiben; ſo will der Völker Weis⸗ „heit ich beſchämen, die über ihre Quellen ſtets „der Reiche Umwälzungen täuſchen. Doch glän⸗ „zend wird der Ruhm des Beichtigers in des Him— „mels Räumen ſtralen. Schon habe ich, um ihn „mit Tugenden zu ſchmücken, die er am Tag des „Kampfs bedarf, zu des Erdballs Nationen allen „ihn an meiner Hand geleitet; das Evangelium „hab' ich ihm gezeigt, das allenthalben ſich Altäre „baut; auf dieſer Reiſen Bahn, zu meinen Zwecken „auserſehen, ließ von der Hölle Geiſtern ich den „Neuerwählten oft verſuchen, zu meinen Altären noch „nicht zurückgekehrt. Ein großer, doch ſein letzter „Fehlſchritt, hat in des Unglücks Tiefen ihn verſenkt, „und aus dem Grabesdunkel ihn gerettet. Seiner Bu⸗ „ße Thränen ſtrömten, es hat ein Einſiedler, ſo habe „ich befohlen, meiner Plane ihm einen Theil ent⸗ „ſchleiert: er wird nun bald der Palme, die ich „ihm bereitet, würdig ſeyn. Dies iſt das Opfer 72² „das den Grimm mir ſänft'gen und Luzifer hinab „zum Abgrund wieder ſtürzen wird. Vor dem Richter der Welten neigte Chriſtus ſich; da bebte in den unermeßnen Räumen alles, nur Got⸗ tes Schemel bebte nicht. In ihren Grundfeſten ward die Höll' erſchüttert: Satan, bei des Menſchenſohnes Regen, bang erſchauernd, ahndete für der gefallnen Engel Schaaren neue Quaalen. Die Lippen öffnete das Wort; die Lippen, wo das Geſetz der Milde thront; den Himmel füllten ſeine Laute, ſüßer als der Gerech⸗ tigkeit Öl, mit dem geſalbet Salomon einſt ward; reiner als das Stöhnen von Samarias Quelle; lieb⸗ licher, als in Nazareths Gärten oder Tabors Thal das Flüſtern in den Blütenzweigen der Olive, auf denen ſich des Lenzes laue Lüftchen wiegen. „Schöpfer der Welten,“ ſprach der Sohn, „wer mag deiner Beſchluſſe Weisheit widerſtreben, „wer ergründen deiner Wege Tiefen? Nur Satan „und der Böſewicht wagen zu murren gegen deinen „Willen. O laß, allmächt'ger Vater, laß die Him⸗ „mel deiner Plane ganzen Umfang wiſſen. Einen „zweiten Petrus ſendeſt du der gläubigen Schaar; „auch den Heiden wird ihr Opfer: es eint auf ewig „ſich am Fuß Calvariens der Chriſten und der Hei⸗ „den Schaar. Unter Jungfraun ſei das Opfer aus⸗ „erkohren, der Heidenſitte unreinheit zu ſühnen. „Des Martyrs auserſehne Gattinn, durch ihn der „Göbe „Epeol „der b nnen d „Schul „dem „wird nſtlu Himm des T ſich 9. der L Opfer den ur riener tyrgatt petua, ßen I get den de v. die keit Blitz bine entfle der h er hinah ſtus ſich; nur Got⸗ een ward enſohnes gefallnen offnete thront; Gerech⸗ t ward; le; lieb⸗ Thal das uf denen Sohn, ſtreben, Satan N deinen die Him⸗ Einen Schaar; auf ewig der Hei⸗ pfer aus⸗ ſühnen. ihn der 73³ „Götzen Tempeln entriſſen, wird ihm des Ruhmes „Sporn. Nicht hülflos wirſt die Opfer du verlaſſen, „der böſen Geiſter Wuthgrimm hingegeben. Es wapp⸗ „nen deine Legionen ſich, ſie fliegen zu der Chriſten „Schutze; ich ſelbſt, ich will den Beichtiger, geweiht „dem Heil der Brüder, ſtützen; meine Göttermutter „wird die Jungfrau ſchützen, die der Ewigkeit Be⸗ „ſchlüſſe in deine Tabernakel rufen.“ So ſprach Emmanuel; voll Staunen ſchlugen die Himmel alle den Blick zur Erde. Maria, am Fuß des Throns des Sohnes ſitzend, fühlte von Mitleid ſich gerührt; ſie ſandte vom hohen Firmament herab, der Liebe erſten Blick auf das zarte, ihr vertraute Opfer. Plötzlich ergrünten der Beicht'ger Palmen in den unſterblichen Händen wieder: es öffnete die Gla— rienerfüllten Reihen die Flammenſchaar; dem Mar⸗ tyrgattenpaare räumten zwiſchen Felicitas und Per⸗ petua, zwiſchen Stephan dem erhabnen und den gro⸗ ßen Makkabäern eine Stelle ſie. Die Lanze ſchwin get Michäel, des alten Drachen Sieger; den funkeln⸗ den Harniſch legen die Himmelskrieger an; die Schil⸗ de von Gold und von Demant, des Herren Köcher, die Flammenſchwerter ſteigen von den Hallen der Ewig⸗ keit herab; es regt Emmanuels Wagen auf ſeiner Blitz⸗ und donnerſchwangern Achſe ſich: der Cheru bine Sturmesflügel rauſchen, und ihrer Blicke Wuth entflammt. Zu der Greiſe Tafel ſteigt Chriſtus wie⸗ der herab; zwei Gewande bieten ſeinem Seegen, in 74 des Lammes Blute friſch gebleicht, ſie dar; der allmäch⸗„Go tige Vater verſchließt ſich wieder in die Tiefen ſeiner 3„me Ewigkeiten; es ſtrömt der Geiſt, der heil'ge, Licht⸗„der meere ſo blendend aus, daß die Schöpfung wieder ins„hül Reich der Nacht hinabgeſunken ſcheint. Den Lobge⸗„ nen ſang ſtimmen der Heilgen und der Engel Chöre an:„er d nſch „Glorie ſei dir in des Himmels Höhen Gott!„gei „Auf der'Erde ſegne Friede eure Tage, ihr, nde „die auf der Güte und der Milde Pfaden wandelt.„6 „Du ſühnſt, o Gotteslamm, die Sünden unſrer 7K „ſt „Welt. Der Unſchuld und der Demuth Wunder, „geſtatteſt Opfern du, aus dem Reich des Nichts 7 „entſproſſen, deinem Beiſpiele zu folgen, für der „Sünder Heil ſich hinzugeben. Ihr, Chriſtus „Diener, die die Welt verfolgt, ſtaunt nicht ver⸗ „wirrungsvoll ob dem Glück des Böſewichts: kein „Siechen ſchleppt ihn an des Todes Pforten— „nicht kennet er der Menſchheit Leiden; mit Dün⸗ „kel ſieht man ihn umgeben(wie guldne Ketten „um den Hals ſich ſchlingen) er berauſcht ſich beim „Gottesraube ſeiner Tafel; er ſcherzt und ſchläft, „als hätt' er Böſes nie geübt, und ſtirbt dann auf „dem Lager ruhig, das Waiſen und Wittwen er „geraubt— doch wo, wo führen ſeine Pfade hin? 2 „In ſeinem Herzen ſpricht unſinnig der Bö⸗ „ſewicht:„es iſt kein Gott; er ſtehe auf, zer⸗„ „nichte ſeine Feinde!“ Da ſchreitet furchtbar allmäͤch⸗ ſeiner Licht⸗ dder ins n Lobge⸗ te an: Gott! e, ihr, vandelt. ; unſter Wunder, s Nachts für der Chriſtus ſicht ver⸗ ts: kein arten— vit Dün⸗ * Ketten ſich beim a ſchlaft, dann auf ttwen er fade hin? der Bö⸗ auf, zer⸗ furchtbar 7⁵ „Gott einher, es ſchwanken erſchüttert des Him⸗ „mels Säulen; der Gewöäſſer tiefſter Grund und „der Erde Eingeweide liegen vor dem Herrn ent⸗ „hüllet da.— Verzehrend Feuer flammt aus ſei⸗ „nem Munde; von Cherubims getragen ſtürmet „er daher und ſendet allerwärts die glühenden Ge⸗ „ſchoſſe.— Wo ſind der Ruchloſen Kinder hin⸗ „geſchwunden?— Sieben Geſchlechter ſind ſeit „der Väter Freveln hinabgeſunken, und noch ſucht. „Gott im Grimm die Kinder heim: zur ſtreng be „ſtimmten Stunde naht er, ein ſchuldig Volk zu „ſtrafen, er ſcheucht den Böſewicht im Pallaſt von „Alöe und Cedern auf; verſchwunden iſt des ſchnell— „entflohnen Glückes Truggeſtalt. „Selig, wer, mit Thränenblicken in den Thaͤ⸗ „lern wandelnd, Gott als Seegensquelle ſucht. „Seelig, wem die Frevel Gott verziehen, wer den „Ruhm in ſeiner Buße ſindet! Seelig, wer ſei⸗ „ner guten Werke Tempel, wie den Tempel Sa⸗ „lomons, in Schweigen baut; wo nicht der Schlag „der Axt, des Hammers Ton nicht hallte, als der „Arbeiter das Haus des Herrn, erfüllt von Ehr⸗ „furcht, aufgebaut. Ihr alle, die das Thränen⸗ „brod auf Erden eſſen, laßt zu des Ew'gen Preis „die Himne wiedertönen: „Glorie ſei dir, in des Himmels Höhen, „Gott!“ Viertes B uch. Inhalt. Kyrillos, die Chriſtenfamilie, Demodokos und Kymodo⸗ kae verſammeln ſich auf einer Inſel am Zuſammen⸗ fluß des Ladon und des Alpheos, um Laſthenes Sohn ſeine Schickſale erzaͤlen zu hoͤren. Eudoros beginnt ſeine Erzählung. Urſprung von Laſthenes Familie. Sie lehnt ſich gegen die Roͤmer auf, als ſie in Grie⸗ chenland einfallen. Der Aelteſte von Laſthenes Fa⸗ milte muß als Geißel ſich nach Rom begeben; die Familie bekehrt ſich zum Chriſtenthum. Eudoros Kinderjahre. Mit ſechzehn Jahren geht er, ſtatt ſeines Vaters, nach Rom. Ein Stürm. Schilde⸗ rung des Archipels. Eudoros Ankunft in Italien. Gemaͤlde von Rom. Eudoros ſchließt enge Freund⸗ ſchaft mit Auguſtin, Hieronymus und dem Prinzen Conſtantin, Conſtantius Sohn. Ihre Charactere. Eudoros wird bei Hofe eingefuͤhrt. Diokletian. Galerius. Diokletians Hof. Hierokles, der Sophiſt, Achajas Prokonſul, der Guͤnſtling des Galerius. Eudoros und Hierokles Feindſchaft. Eudoros giebt ſich jeder Ausſchweifung der Jugend hin; er vergißt ſeines Glaubens. Marcellinus, Roms Biſchoff Er droht Eudoros mit dem Kirchenbanne, wenn er nicht in der Kirche Schoos zuruͤckkehrt Der Bann wird gegen Eudoros ausgeſprochen. Amphiteater des Ti⸗ tus. Vorgefuͤhle. Kymodo⸗ lſammen⸗ des Sohn beginnt Familie. in Grie⸗ henes Fa⸗ eben; die Eudoros er, ſiatt Schilde⸗ Italien. e Freund⸗ Prinzen haractere. lokletian. Sophiſt⸗ Galerius. ros giebt er vetgißt ſchof Er ian er nicht Bann wird ter des Ti⸗ Viertes Buch. In.einem unbekannten Thale, in Arkadiens Hai— nen tief verborgen, ahndeten nicht Eudoros und Ky⸗ modokae, daß auf ihnen itzt der Heil'gen und der En⸗ gel Blicke weilten, daß über ihrem Loos ſelbſt der Allmächt'ge ſann— ſo ſuchte Nachors Gott, in ihrer Heerden Mitte, die von Bethel weſtlich weideten, die Hirten Kanaans heim. Der Schwalbe Zwitſchern verkündete Laſthenes des Tages Grauen; da hob er raſch vom Lager ſich, er hüllte ſich in einen Mantel ein, von der Gattinn Fleiß gewebt, er war, den Greiſen lieb, mit Wolle ausgeſchlagen. Er trat hervor; geleitet von zwei Hunden aus Lakonika, den treuen Wächtern, naht' 80 er der Stelle, dem Biſchoff Lakedaimons zur Ruhſtatt auserſehen: doch in der Felder Mitte ſieht den heil'gen Prieſter er zum Ewigen Gebete ſenden.— Die Hun⸗ de eilen zu Kyrillos hin; die Köpfe ſchmeichelnd nieder⸗ ſenkend, ſcheinen ihres Herrn Gehorſam, ſeine Ehrfurcht ſie dem Biſchoff zu bezeugen. Es grüßen ſich voll Ernſt die achtungswerthen Chriſten; an der Gebürge Abhang wal⸗ len ſie, von der Vorzeit weiſen Lehren koſend: ſo führte den Anchiſaes in Pheneos Haine einſt Evandros, der Ar⸗ kadier; als dort, noch glücklich Priamos aus Sa⸗ lamis Haeſionae die Schweſter holte; auch ſo em— pfieng Evandros, an's Tiberufer hingebannt, des alten Gaſtfreunds großen Sohn, als über die Herrſcher Ilions der Leiden Fülle das Schickſal ausgegoſſen. Auch Demodokos erſchien; es folgte ihm Kymodo⸗ kae; ſchöner war die Jungfrau als der junge Tag, wenn er empor an des Aufgangs Hügeln flammend ſteigt. In des Gebürges Seite, das hinter Laſthenes Wohnung ſich erhob, war eine Grotte ausgehölt, der Tauben und der Sperlinge gewohnter Aufenthalt. Dort verbarg, gleich den Anachoreten der Thebais, ſich Eudoros, Thränen der Buße zu vergießen. An der Grotte Wänden ſah man ein Crucifix und Waffen, eine Eichenkrone, den Preis der Kämpfe, auch trium⸗ phaliſchen Schmuck am Fuß des Crucifixes aufgehängt. Von neuem fühlte in des Herzens Tiefen Eudoros Stürm ſchreckt Nacht rothes da wuſ ab: die dung d Schönl bande bildet gewar Hind ſam! tödet trank der E lenkor die Lo ſchuld zen h tet i gege der Krie näch nes nen harr rillo J. uhſtatt heil'gen le Hun⸗ nieder⸗ ihrfurcht Ernſt die aang wal⸗ ſe führte , der Ar⸗ aus Sa⸗ ſo em⸗ des alten Herrſcher goſſen. Kymodo⸗ ge Tag, lammend Laſthenes eholt, der ufenthalt. hebais ſich An der Vaffen, uch trium⸗ ufgehängt. Eudoros 81 Stürme ſich erheben, zu ſehr von ihm gekannt. Er⸗ ſchreckt von der Gefahren Wiederkehr, hatte die ganze Nacht zum Himmel er gefleht. Als vor des Morgen⸗ rothes Schimmer die Schatten der Nacht entflohen, da wuſch im reinen Quell er ſeiner Thränen Spuren ab: die Grotte wollte er verlaſſen— durch ſeine Klei⸗ dung ohne Prunk und Schmuck ſtrebt' er, ſeiner Schönheit Glanz zu mildern: galliſche Stiefelſchuhe band er an die Füße, aus einer wilden Ziege Haut ge⸗ bildet: unter eines Jägers Tunika barg er das Buß⸗ gewand— um die Schultern warf er einer weißen Hindinn Haut und feſtete ſie auf der Bruſt— grau— ſam hatte ſie ein Hirt mit einem Schleuderwurf ge⸗ tödet, als mit ihrem Kalbe ſie aus Achelous Fluten trank. Die Linke ſchwang zwei Wurfſpieße, aus Holz der Eſche gebildet; an die Rechte hieng er der Koral⸗ lenkörnerkräͤnze einen, mit denen die Martyrjungfraun die Locken ſchmückten, wenn ſie zum Tode giengen— ſchuldloſe Kronen; der Gebete Zahl, die ſchlichte Her⸗ zen hinauf zum Herren ſandten, zu bezeichnen, dien⸗ tet ihr in der Folge! Gegen der Waͤlder Thiere und gegen der Höllengeiſter Stürme ſo gewaffnet, ſtieg von der Felſen Spitze Eudores nieder; dem chriſtlichen Krieger der Thebaiſchen Legion vergleichbar, der, nach nächtlicher Wache, zurück zum Lager kehrt. Über ei⸗ nes Waldſtroms Flut ſchritt er, und eilte zu der klei⸗ nen Schaar, die am Fuß des Baumgartens ſeiner harrte. Zu ſeiner Lippe führt den Saum er von Ky⸗ rillos Mantel, empfängt den väterlichen Seegen, und I. Band. 6 8² neigt ſich, mit geſenktem Blick, vor Demodokos und Kymodokae. Des Morgens hellſter Roſenſchimmer erbluhte auf der Stirn der Tochter Homaeros. Aus dem Weibergemache ſchritten züchtig nun Sephora und die drei Töchter her.— Zum Sohne Laſthenes ſprach Lakedaimons Biſchoff. „Eudoros, voll Neugier weilt auf dir der Blick des Chriſtengriechenlands. Wer hörte von deinen Un⸗ glückslooſen, von deiner Reue nicht? Selbſt deine Gaͤſte aus Meßenien werden, ſo wähne ich gewiß, nicht antheillos die Erzählung deines Schickſals hören.“ „Weiſer Greis, deſſen Gewand der Menſchen⸗ hirten einen kündet, rief Demodokos, es ſtrömt kein Wort von deinem Munde, das nicht im Buſen Athae⸗ nae dir erweckt.— Die Wahrheit haſt du ausge— ſprochen; Homaeros, meinem Götterahnen, gleich, vermögte fünf, ſechs Jahre ſelbſt ich zu erzälen, oder Erzählungen zu lauſchen. So ſüß ſind eines Mannes Worte, der der Länder viele durchwanderte; wenn draußen Wind und Regen ſtürmen, und er von jeg⸗ licher Gefahr im Hafen, bei des Gaſtfreunds trautem Mahle, was er erduldet, uns erzählt. Wenn ich Haeraklaes Becher leere, dann fühle ich von Thränen gern mein Auge naß; denn heilger iſt die Libation, in die ſich Zähren miſchen. Der Leiden Gemälde, die auf die Erdenſöhne laſtend Zeus herniederſendet, dämpft des Feſtes wilde Trunkenheit und läßt der Göt⸗ 1 ter uns dir wit fen⸗ d fer, we mit heit dem St des Lan u- flutete rer We bepflan diens! chen ein die ſcho ſas Qu Daphn zuziehen Exzählu Diener Geſtad Fluß h Demo und ſu / als S leihen ne euq kos und chimmer 3. Aus hora und ſes ſprach der Blick einen Un⸗ bſt deine gewiß, öhöxen.“ Menſchen⸗ romt kein ſen Athae⸗ du ausge⸗ gleich, en, oder Mannes te; wenn rvon jeg⸗ 8s trautem Wenn ich n Thränen Libation, Gemalde/ ederſendet, ſt der Göt⸗ 4 83 ter uns gedenken. Auch dir, lieber Eudoros, auch dir wird wonnig dünken, die Stürme dir zuruckzuru⸗ fen, denen⸗KMhvol du geſtanden haſt: der Schif⸗ fer, wenn er heim zum väterlichen Felde kehrt, er läßt mit heimlichem Behagen den Blick auf Rudern und dem Steuer weilen, die winterlich beim ſtillen Heerd des Landmanns hängen.“ Unterhalb des Baumgartens ſich vereinend um— flutete der Ladon und der Alpheos eine Inſel: aus ih⸗ rer Wogen Vermählung ſchien ſie entſproſſen: ſie war bepflanzt mit jenen hochbejahrten Bäumen, die Arka⸗ diens Völker ihre Ahnen wähnten. Da fallte die Bu⸗ chen einſt Alkymedon, aus deren Holze er den Hirten die ſchönen Taßen ſchnitzte; dort zeigte auch Araethu⸗ ſas Quelle man und den Lorbeer, unter deſſen Rinde Daphnae wohnte. Auf dieſe einſam ſtille Inſel hin⸗ zuziehen ward beſchloſſen, damit in ſeiner Schickſale Erzählung Eudoros nicht geſtöret würde. Laſthenes Diener entfeſſeln einen langen Nachen von des Alpheos Geſtade, aus einem Kieferſtamm gezimmert; den Fluß hinab gleiten die Familie und die Fremden.— Demodokos ſah ſinnend der Schiffer Geſcyicklichkeit, und ſprach erfüllt mit Trauer: „Arkadier, wo ſind die Zeiten hingeſchwunden, als Schiffe, zum Zug nach Ilion, euch die Atreiden leihen muſten, als Odyßeus Ruder Daemaetaers Wan⸗ ne euch noch ſchien? Itzt gebt ihr, ohne zu erblaſſen, 84 des unermeßnen Meeres Wuth euch preis. e., ſo will es Chronos Sohn, Gefahren dem Menſchen lockend winken, er ſoll, gleich einem Wötterbilde ſie umfaſſen!“ Man landet bald an der Inſel öſtlicher Spitze, wo halb in Trümmern zwei Altäre ſtanden: der eine, an Alpheos Geſtade, war dem Sturme heilig, an La⸗ dons Ufer der andre war der Ruh geweiht. Zwiſchen den Altären entſprudelt' Araethuſas Quell der Erde und ſtrömte ſchnell dem Fluſſe zu, der ſeine Liebe ihr geweiht. Sehnſuchtig, Eudoros Erzählung zu hören, verweilt das Häufgen hier; ſie lagern in der Pappeln Schatten ſich; aufgehend vergoldete die Sonne ihre Wipfel. Um Beiſtand fleht der junge Chriſt zum Him⸗ mel, und beginnet dann: „Ich muß euch einen Augenblick von meinem Urſprung ſprechen, denn er, er iſt die erſte Quelle meines Unglücks. Durch meine Mutter bin von Me— garas frommem Weibe ich entſproſſen, die Phokions Gebeine unter ihren Heerd vergrub; ſie ſprach:„be⸗ wahre treu des Redlichen Gebeine, du lieber Heerd!“ „Philopoemen war mein väterlicher Ahnherr. Er wagte es, ihr wißt's, allein den Römern zu wi⸗ derſtreben, als ſie, ein freies Volk, die Freiheit Grie⸗ chenland geraubt. Es unterlag mein Ahnherr in ſei— nes Edelmuths Beginnen; was kümmert Unglück, Tod/ ren/ d Pulſe „ ſeinem Manne Polybi nach) MitL die U einen das Bewo der O raubt Haup ange ſollte Es ſollen, Menſchen terbilde ſie zer Spitze, der eine, ig, an La⸗ Zwiſchen I der Erde e Lebe ihr ig zu horen, der Pappeln Sonne ihre iſt zum Him⸗ don meinem erſte Quelle bin von Me⸗ die Phokions ſprach:„be⸗ lieber Heerd!“ her Ahnherr. ömern zu wi⸗ Freiheit Grie⸗ Inhern in ſei⸗ nert Unglüc, 3⁵ Tod, wenn, bei unſerm Namen nach zweitauſend Jah⸗ ren, der Nachwelt noch verkündet, eines edlen Herzens Pulſe raſcher ſtürmen!“ „Das Vaterland, in ſeinen letzten Zügen, um ſeinem Undänk treu zu bleiben, reichte ſeiner großen Maͤnner letztem den Schierlingsbecher. Der jüngere Polybios, von rührendem Gepräng umgeben, brachte nach Megalopolis von Meßene Philopoemens Aſche. Mit Kronen belaſtet, mit Bändern umwunden ſchien die Urne die Aſche Griechenlands zu bergen. Es trug, einem erſchöpften Boden gleich, ſeitdem nicht mehr das Mutterland der großen Bürgeredlen Früchte. Bewahrt hat es den ſchönen Namen, doch gleicht es der Statüe Themiſtoklaes; es haben ihr den Kopf ge⸗ raubt die Athaener unſrer Tage, um eines Sklaven Haupt auf ihren Rumpf zu pflanzen.“ „Nicht ruhig ſchlummerte der Achajer Feldherr in des Grabes Tiefen: ein paar Jahre waren ſeit ſei⸗ nem Tode hingeſchwunden, da ward als Romas Feind er angeklagt, und peinlich vor dem Proconſul Mum⸗ mius, dem Zerſtörer Corinthos er verfolgt. Poly— bios, von Szipio Naſica geſchützt, gelangs, Philo⸗ poemens Statüen der Verbannung zu entreißen, doch ward, durch der Anklage Gottesraub, die Eiferſucht der Römer gegen des letzten Griechen Blut von neuem angefacht: meiner Familie ÄAlteſter, ſo heiſchten ſie's, ſollte, wenn die ſechzehn er erreicht, nach Rom geſen⸗ 86 det werden, als Geißel in des Senates Händen die⸗ nen.“ „Gebeugt unter des Unglücks Bürde, und im⸗ mer ihres Haupts beraubt, verließ mein Stamm bald Megalopolis; bald zog er hier in dieſer Berge Mitte; bald in ein andres Erbe fort, das an Taygetos Fuß, längſt Meßeniens Buſen hin ſich ſtreckt. Paulus, des Heidenthums erhabener Apoſtel, brachte nach Co⸗ rinthos Balſam, zu heilen alle Schmerzen. Als in dem Römerreich der Chriſten Glaube ſich erhob, da waren Sklaven, niedergebeugte Fürſten allerwärts zu ſchauen; der Erdball ſeufzte nach Troſt und Hoff⸗ nungen.“ „Durch des Unglücks Schule, durch arkad'ſcher Sitte Einfalt vorbereitet, war mein Stamm in Grie⸗ chenland der erſte, Chriſtus Lehren ſich zu weihen. Unterthänig dieſem Götterjoche, ſchwanden, an des Alpheos Geſtade, in Taygetos Hainen, mir der Kind⸗ heit Tage hin.— Der Glaube hüllte meine Seele in ſeiner Fitt'ge Schatten, er ließ, gleich einer zarten — 9 Blume, ſie zu früh die Knoſpe nicht entſchleiern; er ſchien der Jugendjahre Einfalt mir verlängernd die Unſchuld ſelbſt mit reinrer Unſchuld noch zu ſchmücken.“ „Mir nahte die Stunde der Verbannung. Ich war meiner Familie Aelteſter, das ſechzehnte hatt' ich zurückgelegt; wir wohnten in Meſſeniens Gefilden. Mein T aus beſo Griechen! und Sege ter, und Segel au weihte de der ſturn Welt, i zen ſoll noch we zu ſpen gen, n Doch ſe an der winkte trug, Alé ich da ſpäͤht ſäuget väterlig / und im⸗ tamm bald ge Mitte; etos Fuß, Paulus, e nach Co⸗ n. Als in erhob, da allerwärts ſt und Hoff⸗ Harkad'ſcher m in Grie⸗ zu weihen. n, an des eder Kind⸗ neine Seele einer zarten hleiern; er angernd die ſchmucken.“ nung. Ich ne hatt' ich z Gefilden. 87 Mein Vater deſſen Stelle ich nun füllen ſollte, durfte, aus beſondrer Gunſt, vor meinem Abzug noch nach Griechenland zurückekehren: er gab mir ſeinen Rath und Segen. In Phaeraes Hafen führte mich die Mut⸗ ter, und gab zum Schiff mir das Geleite. Man zog die Segel auf, da ſtreckte ſie die Hand zum Himmel, und weihre dem Allmächtigen ihr Opfer. Es brach ihr Herz, der ſturmerfullten Meere dachte ſie, der ſtürmevollern Welt, in der ich, ein erfahrungsloſer Schiffer, kreu⸗ zen ſollte. Schon ſtach der Kiel in hohe See, und noch weilte bei mir Sephora, dem Jüngling Muth zu ſpenden; ſo lehrt das Junge die Taubenmutter flie⸗ gen, wenn zum erſtenmale es das Mutterneſt verläßt. Doch ſcheiden mußte ſie, ſie ſtieg herab ins Boot, das, an der Trireme Seite gefeſtet, ihrer harrte.— Lang winkte ſie noch an der Barke Bord, die ſie zum Ufer trug, mir zu: mein Jammern bebte durch die Lüfte. Als ich gewahren die liebe Mutter nicht mehr konnte, da ſpähten nach dem Dache noch die Blicke, wo ich ge⸗ ſäuget ward, noch nach der Bäume Wipfel auf dem väterlichen Erbe. Es währte lang die Fahrt; kaum waren Theganuſaes Inſel wir vorüber, da zwang ein Sturm aus Weſten uns in des Aufgangs Gegenden zu fliehen, bis zu des Hellespontes Mündung. Nach ſieben Tagen Sturm, wo alles Land dem Blick entſchwunden war, da ließ das Glück uns an der Mündung des Simois zu Achil— eus Grabmal flüchten.— Es legte ſich der Sturm, 88 nun wollten wir wieder nach Weſten ſteuern, doch 2 dauernd blies der Zephyr, den des Himmels Widder 2 heruber von Hesperiens Geſtaden fuͤhrt, den Segeln een widrig uns entgegen; bald wurden an Aeoliens Geſta⸗ I de wer geſchleudert, bald in Thrakaes und Theſſalias Iin Gewäſſer.— Der Griechen Archipel durchſchifften njſi wir, wo mit der Anmuth reizender Geſtade, mit der jhe Sonne lichtem Glanze, mit dem Balſamduft der lauen Ada Lufte, die Namen hehr und groß, die Erinnerungen niſ der Vorzeit im Wettkampf eifern. Die Vorgeburge alle erblickten wir, mit Tempeln oder Gräbern ausge⸗ 1 ſchmückt. Da liefen wir in manchem Hafen ein, be⸗ noch! wunderten die Städte, deren einige die Namen der lag 1 Blumenköniginnen ſchmücken; die Roſe, die Hiazinthe, zur li das Veilchen lieh den Namen ihnen; mit ihren Völ⸗ nur od kern gleich fruchtbaren Saamen angefüllt, entfalten, die M an des Meeres Ufer, ſie den Schoos dem Sonnenſtral. ſtand d Mir war noch kaum die Kinderzeit entſchwunden; es weilten war voll Leben mir die Phantaſie, mein Herz der tie⸗ ſie diel fen Rührung offen. Auf unſerm Schiffe war ein Grie⸗ des eig che, von ſeinem Vaterland, gleich allen Griechen, ganzer hoch entzückt; die Orte nannt' er mir, die unſrem Stadt Blick vorüberzogen. „Die Bäume dieſer Haine folgten Orpheus Leier⸗ „tönen; das Gebürge, das weit in die Ferne hin „den Schatten ſtreut, es mußte zum Gebilde Ale⸗ „randers dienen; Olympos iſt der andre Berg, ſein „Thal iſt Tempes Thal— dort Deles, das in der war i dem E Quell Frie⸗ hen, ſrem eeier⸗ ehin Ale⸗ ſein der 89 „Wogen Mitte ſchwamm; da Naxos, wo verlaſſen „Ariadnae blieb; an dieſem Ufer landete Kekrops „einſt; Platon lehrte auf des Vorgebürges Spitze: „zu jenen Wogen ſprach Demoſthenaes; es badete „in dieſen Fluten Phrynae, als Aphroditae man „ſie wähnte; das Vaterland der Götter, der Schön⸗ „heit, und der Kunſte,“ rief der Athäner aus, in⸗ „dem des Grimmes Zähren ihm entſtrömten,„es „iſt itzt der Barbaren Raub.“ „Als wir Megaras Golf durchſchifften, da wuchs noch ſeines Grimmes Stärke. Vor unſern Blicken lag Aegina, zur Rechten der Pyreos; Corinthos lag zur Linken.— Es waren die Städte, ſo blühend einſt, nur öde Trümmerhaufen. Das Schauſpiel ſchien auch die Matroſen ſelbſt zu rühren. In tiefem Schweigen ſtand die Menge, auf's Verdeck geeilt; die Blicke aller weilten auf den Trümmern; für eigne Leiden waren ſie vielleicht des Troſtes Quelle manchem; verglich er des eignen Schmerzes Nichts den Unglückslooſen, die ganzen Nationen fallen, die vor den Blicken hier der Stadte Leichen hingebreitet hatten.“ „über meine keimende Vernunft ſchien dieſe Lehre zu erhaben— ich hatte ſie verſtanden— verſchloſſen war ihr das Gefühl der andern Jünglinge, die auf dem Schiffe ſich mit mir befanden. Des Unterſchiedes Quelle war der Glaube; ein. Chriſt war ich, ſie wa— ren Heiden. Das Heidenthum, die Leidenſchaften 90 .* 4 vor den Jahren früh enthüllend, verſpätet die Bildung der Vernunft: das Chriſtenthum, des Herzens Kind⸗ lichkeit verlängernd, macht männlich früh den Geiſt er— ſtarken. Mit Ernſtgedanken nährt es uns von frühen Kindestagen, und ehrt, ſchon in der Windel ſelbſt, des Menſchen hohe Würde, behandelt in der Wiege uns als ernſte, hocherhabne Weſen,— denn einen Engel ſiehts im Kinde, das noch an zarter Bruſt die Mutter ſäugt. Nur Zeus Verwandlungen kannten die jugendlichen Reisgefährten, die Ruinen waren ih⸗ nen ſtumm, die da vor ihren Blicken lagen; mit dem Propheten ſaß, in meiner Phantaſie, ich auf der öden Städte Trümmern, ich dachte Babels bei Ko⸗ rinth. „Eines Abwegs muß ich hier erwähnen, der mir der erſte Schritt zum Abgrund ward; und, wie es immer zu geſchehen pflegt, die Schlinge, in der ich mich gefangen, ſchien ungefährlich ſchuldlos nur. Wir ſannen noch über der Reiche Umwälzungen, da, ſah'n einen Theorenzug aus der Trümmer Mitte wir erſcheinen. O, du, der Hellas lächelnder Genius, den kein Unglück erſticken, keine Lehre vielleicht erhellen kann; eine Geſandſchaft der Athäner zu De⸗ los Feſten war's. Der Götter Bilder zierten den Kiel, mit Band und Blumen ausgeſchmückt. Die Se⸗ gel, von der Morgenröthe Stralen mit Purpur über⸗ goſſen, ſchwellte der Zephyre lindes Wehen; vergoldet urchten die Ruder die kriſtallne Meeresfläche. Weih⸗ taucj Flute ſange Schit Leide dies Wag⸗ bend ſcheu bei. der, liene über⸗ As! kannt Geba ſtes mein wa gep gan Geh rurd det umk ldung Kind⸗ iſt er⸗ rüͤhen elbſt, Viege einen ſt die nnten en ih⸗ t dem uf der ei Ko⸗ er mir vie es er ich nur. da, te wir enius, elleicht zu De⸗ en den ie Se⸗ rüber⸗ goldet Weih⸗ —— —y—-— 91 rauch und Libationen ſtrömten die Theoren, auf die Fluten hingeneigt: Pindars und Simonides Hymnen, ſangen Jünglinge in Chören, auf dem Hintertheil des Schiffes ſchlangen ſich Jungfraun in Tänzen, die Laetos Leiden malten. Entzückt ward meine Phantaſie durch dies Gebilde, das einem Morgenwölkchen, oder dem Wagen einer Gottheit, auf der Winde Flügeln ſchwe⸗ bend, gleich, entſchwand.— So wohnte ohne Ab⸗ ſcheu ich zum erſtenmal dem Gottesdienſt der Heiden bei. Endlich ſah'n wir des Pelloponeſus Gebürge wie⸗ der, aus der Ferne grüßte ich das Mutterland. Ita⸗ liens Küſte ſtieg bald aus der Wellen Schooſe— Neue überraſchende Gefühle harrten zu Brunduſium mein. Als des Landes Ufer ich betrat, aus dem weltherrſchen⸗ de Befehle über den Erdball flattern, da wehte unge— kannter Größe Geiſt mich an. Der Griechen zierliche Gebäude erſetzten koloſſale Maſſen, eines andern Gei⸗ ſtes Stempel trugen ſie. Nit jedem Schritte wuchs mein Staunen, als auf der Via Appia ich weiter wallte. Es ſcheint, mit breit behaunen Felſenſtücken, gepflaſtert, die Straße beſtimmt, dem Wallen des ganzen Menſchenſtamms zu trotzen: ſich durch Apuliens Gebürge windend, Neapels Golf entlang, durch An⸗ xurs, Albas und Roms Gefilde hin ſich breitend, bil⸗ det eine Linie ſie; mehr als 300 Meilen in der Länge, umkränzt mit Tempeln, Gräbern und Palläſten, und endigt in der Stadt der Ewigkeit, des Weltalls Haupt⸗ 92² ſtadt, und würdig, es zu ſeyn. So vieler Wunder Anblick machte mich trunken, taumelnd; nie hätte ich an dieſe Trunkenheit geglaubt, nie ſie leiſe nur ge⸗ ahndet. „Vergebens wollten meines Vaters Freunde, denen er mich empfohlen hatte, den Zauber löſen, von dem ich eng umfangen war. Unabläſſig, unermü⸗ det irrte ich zum Capitol vom Forum, von der Roſtren Viertel zum Marsfelde hin: dann eilte ich zum Thea⸗ ter des Germanikus, zum Moles Adrians, zu Neros Cirkus und Agrippas Pantheon: bei dieſen Streife⸗ reien gefahrenvoller Neugier ward der Chriſten de⸗ muthvolle Kirche ganz von mir vergeſſen.“ „Mit immer neuem Reiz zog eines Volkes re⸗ ges Leben, aus der Erde Völkern allen in Eins ver⸗ ſchmolzen; der Marſch der Römer, der Gallier, der Deutſchen, der Afrikaner und der Griechen, in Waffen und Kleidungen verſchieden zog mich an. Ein alter Sabi⸗ ner gieng hier, mit Sandalen aus Birkenrinde den Fuß bekleidet, an dem Senator vorüber, in Purpur ein⸗ gehüllt; einer Hetaere Wagen hielt dort des Conſula⸗ ren Sänfte auf: des Klytumnus ſtattliche Ochſen ſchleppten des Volskers alten Wagen zum Forum: eines römiſchen Ritters Jagdgefolfe verſperrte die Via Sacra; Prieſter eilten zu dem Weihrauchopfer, Rhetoren zum Amt der weiſen Lehren.“ theke einen Gebc alles ge. mit Stre ſame dem hier ſte los Län Cäſ die ſcho ſelb halb die —— 93 „Wie oft beſuchte ich die Thermen, mit Biblio⸗ theken ausgeſtattet; die Palläſte, einſtürzend hier die einen, die andern halb zertrümmert dort, um andern Gebäuden das Material zu leihen. Es trägt in Rom alles des Herrſchens und der Unvergänglichkeit Geprä⸗ ge. Da gattet ſich des röm'ſchen Horizontes Größe mit den kräftig großen Umriſſen römiſcher Baukunſt: Stralen vergleichbar, die in einem Mittelpunkt zu— ſammenfließen, führen Aquedukte auf Triumphbogen dem Königsvolk des Waſſers Fluten zu; es verſtummt hier nie der Quellen Plätſchern, Rauſchen: Statüen ſtehen zahllos da— ein Volk erſcheinen ſie bewegungs⸗ los in eines regen Volkes Mitte. Aller Zeiten, aller Länder Denkmale; der Könige, der Conſuln, der Cäſarn Werke; die Obelisken aus Egypten weggeraubt; die Grabmale, Griechenland entriſſen; des Himmels ſchönſtes Licht, der Berge Florgedüft und ihre Formen; ſelbſt des Tiberſtromes wilder Lauf, die Heerden nur halbgezähmter Stuten, die aus ſeinen Fluten trinken; die Gefilde, die der Bürger Roms zu bauen itzt ver⸗ ſchmäht, weil mit jedem Jahre das Machtwort an be— ſiegte Nationen er ſich vorbehält, welcher Strich der Erde, ihn zu nähren, geehrt ſich fühlen ſoll; das al⸗ les verkündet die Ewigkeit der Herrſcherſtadt: den Grundriß der Unvergänglichen ſah ich ſogar in Mar⸗ morfelſen auf dem Kapitole eingegraben, damit ſelbſt ihr Gebilde nie verlöſchen möge „Tief dringt in unſre Herzen der Chriſten⸗ glaube ein; denn er ſtrebt, den Seelenfrieden uns 94 zu wahren, und legt dem Grübelgeiſte wie den Lei— denſchaften Zügel an. Die regſte, lebenvollſte Phan⸗ taſie, der ich mich ganz zu eigen gab, war meines Sturzes erſte Quelle. Als in des gewohnten Wir⸗ kens Kreis zurück ich endlich kehrte, da fühlte ich den Sinn für alles Ernſte mir entſchwunden; mit Neid erfüllte mich das Loos der jungen Heiden, die ohne Gewiſſenspein ſich allen Freuden ihrer Jugend weihen durften. Eumenes, der Rhetor, bekleidete damals zu Rom einen Lehrſtuhl, den nachher er nach Gallien verſetzte.— Unter Quintilians erſtem Schüler hatt' er in ſeiner Jugend ſich gebildet; der erſten Häuſer Jünglinge beſuchten ſeine Stunden.— Ich machte mir des großen Meiſters Lehren eigen; bald knüpften an die Mitſchüler mich des Umgangs traute Bande. Ein Kleeblatt vor allen feſſelte an mich aufrichtig, liebevoll die Freundſchaft: Auguſtin, Hieronymus und Conſtantin, des Caeſar Conſtantius Sohn. „Hieronymus, aus edlem Stamm Pannoniens entſproſſen, verkündete ſchon früh die glänzendſten Ta— lente, mit dem Sturme jeder Leidenſchaft gepaart. Die Flammengluten ſeiner Phantaſie ließen keinen Moment ihn ruh'n.— Von des Studierens höch⸗ ſter Anſtrengung zu zügelloſen Freuden ſchwärmt' er mit unbegreiflich leichtem Sinne. Zum Zorne ſchnell entflammt, ruhlos, Beleidigungen leicht verzeihend; gefühllos oder hohen Schwunges, ſchien zum Ideale unbegränzter Ausſchweifungen, oder zum Muſter der ſtrengſt gnügte nL zweiten wertheſte des erſte aanfter tung ſti doch ko nes Ge Saiten ſprudelt tief em ausgeſpi Strale Klippe je Bis zur redſamke Redners flüchten ſich ein ton ſer 4/ kundet Seelen Fürſten mit he deid hne ihen 8 zu lllien hatt' duſer nachte poften ande. chtig, und nens n Ta⸗ paart. keinen 1 n' er ſchnell hend; deale rder 95 ſtrengſten Tugend er geſchaffen; der Flammenſeele gnügte Rom nur, oder eine Wüſte.“ „Ein Dorf in Carthagos Conſulat war meines zweiten Freundes Wiege; Auguſtin iſt der liebens⸗ wertheſte der Menſchen. Sein Charakter, wie der des erſten, von Leidenſchaften glühend, iſt doch voll ſanfter Lieblichkeit; angebohrner Hang zu der Betrach⸗ tung ſtillem Sinnen dämpft die wilden Feuergluten; doch könnte man den Jüngling des Mißbrauchs ſei⸗ nes Geiſtes zeihen; auch reißen ſeiner Seele zarte Saiten ihn oft zur Überſpannung hin. Ihm ent— ſprudelt ſtets ein Srrom bedeutſam ſchwerer Worte, tief empfundene Gefühle, in glänzenden Gebilden ausgeſprochen. Gebohren unter Afrikas heißem Strale, war das Weib ihm und Hieronymus die Klippe jeder Tugend, die Quelle ihrer Verirrungen.— Bis zur Ausſchweifung empfänglich dem Reitze der Be⸗ redſamkeit, harrt er vielleicht nur eines gottbeſeelten Redners, um in des wahren Glaubens Schoos zu flüchten: wenn irgend Auguſtin dem Dienſt der Kirche ſich einſt weiht, dann wird er bald der Chriſten Pla— ton ſeyn.“ „Konſtantin, eines großen Cäſars Sohn, ver⸗ kündet ſelbſt des großen Mannes Eigenſchaften. Seelenſtärke eint er mit des Körpers Schöne, den Fürſten eine edle Gabe, die ſchöner Thaten Glanz⸗ mit hellerm Schimmer ſchmückt. Helenen ſeiner 96 Mutter, ward das Glück, unter Chriſtus Satzungen das Licht des Tages zu erblicken; es ziehet Conſtan⸗ tin, gleich ſeinem Vater, ein heimlich reges Streben zu dieſem Himmelsglauben hin. Durch die Milde der höchſten Sanftmuth flammen des Heldenſinnes Züge; es ſtralt hindurch das Myſtiſchwunderbare, das Menſchen der Himmel aufzuprägen pflegt, die er beſtimmt, das Weltall umzuſtalten. Heil ihm, wenn des Zornes wilde Stürme nicht in ſeiner Bruſt ent⸗ brennen, ſo furchtbar in ſtets geebneten Gemüthern.— Wie ſehr ſind Fürſten zu beklagen, daß, ach zu ſchnell, man ihrem Wink gehorcht— man ſollte Nachſicht, ihnen zollen!— Wir ſollten nie vergeſſen, daß wir der erſten Regung Werk erblicken; daß Gott, um Wa⸗ che über Leidenſchaften ſie zu lehren, zwiſchen dem ſchnell aufkeimenden Gedanken der Frevelthat und der Vollführungihnen eines Momentes Aufſchub, nicht ge⸗ währt. „So waren die drei Freunde, mit denen in Rom meine Tage ich verlebte. Gleich mir, war Conſtantin eine Geißel in Diokletians Händen. Der Lage Ahn— lichkeit, mehr noch als die Gleichheit unſrer Jahre, ge⸗ wann des Prinzen Neigung mir: nichts öffnet der Freundſchaft mehr die Seelen, als des Geſchickes Ahnlichkeit, vor allem, wenn dies Loos nicht glücklich iſt. Conſtantin wollte meines Glückes Werkzeug ſeyn, er führte mich an Hof. „Bei meiner Ankunft in Romas Stadt, war ge⸗ theilt die Macht in Diokletians Händen, wie ihr ſie heut ter d hatt Herrſ nur eln 1 fern ner mogen Flüſſe waſſe Abge Stur das E ein n nichts 8 vom T zu ken kann. Diog Die zum Cari Ste der? hatte. tzungen Conſtan⸗ Streben 2 Milde enſinnes derbare, „ die er „wenn ruſt ent⸗ hern.— jſchnell, Nachſicht daß wir um Wa⸗ chen dem t und der nicht ge⸗ in Rom onſtantin age Ahn⸗ Jahre, ge⸗ offnet der Geſchickes t glücklich zeug ſeyn, t, war ge⸗ ſie iht ſie —— „ 97 heut noch ſeht. Der Kaiſer hatte ſich Maximian, un⸗ ter dem Titel Auguſtus; Conſtantius und Galerius hatt' er ſich als Cäſarn zugeſellt. So war unter vier Herrſchern der Erdenkreis getheilt, doch erkannte er nur eines Gebieters Szepter. „Ich muß den Hof euch ſchildern, von dem euch, fern zu leben, ein glücklich Loos beſchied. Möge ſei— ner Stürme Brauſen nie zu eurem Ohre dringen; mögen in tiefer unbekannter Stille eure Tage den Flüſſen gleich verſtrömen, die dieſes Thales Gründe wäſſern. Doch ach, es ſchützt nicht immer des Lebens Abgeſchiedenheit vor der Allgewalt der Fürſten! Der Sturm, der Felſen aus der Wurzel reißt, weht auch das Sandkorn fort; oft hat des Königs Szepter ſchon ein namenlos verborgen Haupt zerſchmettert. Da nichts vor Blitzesſtralen ſchützen kann, die hoch herab vom Throne zucken; ſo iſt es nützlich weiſe, die Hand zu kennen, die auf uns nieder Verderben ſchleudern kann. „Diokletian(Diokles einſt genannt) ward in Dioklea, einer kleinen Stadt Dalmatiens, gebohren. Die Waffen trug er in der Jugend unter Probus; zum großen Feldherrn ward er dort gebildet. Unter Carinus und Numerian bekleidete er die wichtige Stelle eines Comes Domesticorum, er wurde ſelbſt der Nachfolger Numerians, als er deſſen Tod gerächt hatte.“ I. Band. 7 98 „Zum Kaiſer hatten Diokletian kaum des Ori⸗ ents Legionen ausgerufen, da zog er gegen Carinus, Numerians Bruder aus, der im Weſten herrſchte: einen Sieg erkämpft' er über ihn; den Sieg, der ihm der Welt Alleinherrſchaft errang. „Mit glänzenden Eigenſchaften iſt Diokletian ausgeſtattet. Umfaſſend iſt ſein Geiſt, voll Kraft und kühn; doch ſtützt nicht ſein Charakter, oft zu ſchwach, ganz ihm des Genies bedeutungsvoll Gewicht: was Großes er und Kleines würkt, ſtrömt aus der beiden Quellen einer. Drum bildet ſein Leben eine Kette von Handlungen, des grellſten Widerſtrebens voll. Bald iſt er tapfrer, muth⸗ und einſichtsvoller Furſt; er trotzt dem Tode, und kennt des Kaiſerthu⸗ mes Würde; dann muß Galerius zu Fuß dem Kaiſer⸗ wagen, gleich dem letzten der Soldaten, folgen. Bald zittert er, von banger Furcht erbebend, vor eben dem Galerius; da ſchwankt er unſchlüſſig zwiſchen tau⸗ ſend Planen, dann wird er des tiefſten Aberglaubens beweinenswerthes Opfer; er flüchtet vor des Grabes Schrecken hinter die Namen Gott und Ewigkeit, die ruchlos er ſich ſelbſt verliehen. Der Ordnung Strenge waltet über ſeinen Sitten, ſeine Unternehmungen be⸗ gleitet die Beharrlichkeit; für Freuden, wie für Täu⸗ ſchungen, verſchloſſen, glaubt er an Tugend nicht, und harrt auf keinen Dank— vielleicht läßt Verachtung des Menſchenſtammes einſt des Reichs Beherrſcher den Purpur niederlegen— er lehret dann die Erde, daß nich ſe ſen/ al 76 Nothwe rimian, ſollten/ Staatsl erhöhen allein e er hat Galeri rimian doch ro Hofe a 2 der Hee hirten, Unglüch folge die He der K mer q ſich a Tyran 4/ Mal, etian Kraft ft zu vicht: as der eine rebens Zvoller ſerthu⸗ Kaiſer⸗ olgen. eben ntau⸗ ubens Nrabes t, die btrenge gen be⸗ Täu⸗ tt, und ichtung er den , daß 99 nicht ſchwerer Diokletian es ward, den Thron zu miſ⸗ ſen, als einſt ihn zu beſteigen. „Sei's Schwachheit, Politik oder das Werk der Nothwendigkeit; Diokletian hat die Macht mit Ma⸗ rimian, Conſtantius und Galerius getheilt. Tiefer ſollten, als er, die Fürſten ſtehen, ſo heiſcht' es ſeine Staatsklugheit, der er vielleicht einſt fluchen wird; erhöhen ſollten ſie des Größern Werth. Conſtantius allein erregte durch ſeine Tugenden ihm Beſorgniſſe; er hat ihn fern vom Hof in Galliens Schoos verbannt, Galerius aber bei ſich zurückbehalten. Laßt von Ma— ximian mich ſchweigen; er iſt ein tapfrer Krieger, doch roh und bildungslos als Fürſt, ihm mangelt bei Hofe aller Einfluß; von Galerius will ich ſprechen. „In den Hütten der Daker geboren, nährte er, der Heerden Wächter, unter dem Gürtel des Ziegen— hirten, zügelloſen Ehrgeitz.— Dies iſt des Staates Unglücksloos, wo der Machthaber Geſetze die Nach⸗ folge nicht beſtimmen; da fühlen nach dem Höchſten die Herzen brennende Begierde: es kann da jeder nach der Krone greifen und(die Ehrſucht ſtützt nicht im— mer auf Talente ſich) es ſchwingt ein hoher Genius ſich auf; doch das Weltall quälen zwanzig kleinliche Tyrannen. „Auf ſeiner Stirne ſcheint Galerius der Laſter Maal, ihr Brandmaal, eingeprägt zu tragen; ein 100 Rieſe iſt's, mit Schreckensſtimme und furchtbar wil—⸗ dem Blick. Der Römer bleiche Nachkömmlinge geben ihm den Namen Armentarius, und glauben ſo durch Spott ſich für die Furcht zu rächen, in die ſie ſtets der Cäſar peitſcht.— Einem Menſchen gleich, den ſein halbes Leben durch der Hunger aufgezehrt, verſchwelgt den Tag Galerius an vollen Tafeln, und ſetzt, bis in der Nächte tiefes Dunkel, die viehiſch niedrigen Bacchanale fort. Mitten unter dieſen müßigen Sa⸗ turnalen ſeiner Größe, ſtrebt er mit jeder Kraft, des erſten Urſprungs Nacktheit in ſchaamloſen Luxus zu verſtecken: er hülle noch ſo tief ſich in des Kaiſerman— tels Falten, er iſt nicht weit genug, das Hirtenkleid zu decken. 9 „Galerius mit unerſättlichem Durſt nach Macht, mit Neigung zu Gewalt und Grauſamkeiten ausge⸗ ſtattet, hat noch einen Hang mit an den Hef gebracht, der einſt im Herz des Reiches wüten kann; er iſt von blinder Wuth gegen die Chriſtenſchaar erfüllt. Des Cäſars Mutter, ein abergläubiſch rohes Bauernweib, brachte in ihrem Dorfe oft den Gottheiten der Gebür⸗ ge Opfer. Ergrimmt, daß des Evangeliums Jünger ihren Götzendienſt verſchmähten, hat ſie dem Sohne ihren Haß gegen die Gläubigen früh eingeflößt. Schon hat Galerius den ſchwachen Barbaren Maximian zur Chriſtenverfolgung hingelenkt, doch vermogte er noch nicht über des Kaiſers weiſe Mäßigung zu ſiegen. Es ſchätzt uns Diokletian in ſeines Herzens Tiefen: er weißje und z ben; Dototl Chriſt wird ſi und ih⸗ ben der bar fü gerühr um iht weiß des n eh' er vielleich // ten und in dem oder d tian, er die nur i Sinn zerſtä / ken in rauhe dar wil⸗ e geben durch tets der en ſein hwelgt t, bis edrigen en Sa⸗ aft, des uxus zu iſerman⸗ rtenkleid Macht, ausge⸗ ebracht, iſt von Des ernweib, r Gebür⸗ 5 Jünger n Sohne t. Schon mian zur eer noch gen. Es efen: er 101 weiß es wohl, das ſeines Heeres tapferſte wir ſtnd, und zählt auf unſer Wort, wenn wir es einmal ga⸗ ben; näher hat er uns ſelbſt ſeinem Thron geſtellt. Dorotheus, ſeines Pallaſtes erſter Beamter iſt ein Chriſt, mit hoher Tugend ausgeſtattet.— Bald wird ſich euch enthüllen, daß Priska die Kaiſerinn und ihre Tochter, die Prinzeſſion Valeria, dem Glau⸗ ben des Erlöſers heimlich geweiht ſich haben. Dank— bar für Diokletians Güte, von dem Vertrauen tief gerührt, das er ihnen ſchenkt, bilden die Gläubigen um ihn Schranken, die jedem Angriff trotzen. Dies weiß Galerius, und höher flammet ſeine Wuth: denn des wahren Gottes Diener muß er erſt verderben, eh' er zum Kaiſer dringen kann, dem er die Macht vielleicht beneidet. „So ſind die beiden Fürſten, die, wie des Gu— ten und des Böſen Genien, Glück oder Verwüſtung in dem Reich verbreiten, nach dem nun einer weicht, oder den Siegerpreis erkämpft. Wie konnte Diokle⸗ tian, in Menſchenkenntniß hocherfahren, wie konnt' er dieſen Cäſar wählen?— Des Räthſels Aufſchluß liegt nur in dem Machtgebot der Vorſicht, die der Fürſten Sinn vereitelt, und die Rathſchläge der Völker in Nichts zerſtäubt. „Heil dir Galerius, wärſt in des Lagers Schran⸗ ken immer du geblieben, dort wären nur des Kriegers rauhe Töne, der Gefahren Ruf und die Stimme des 102 Ruhmes dir erſchallt! Du hätteſt unter Waffenklirren die elenden Schranzen nicht gehört, die des Laſters Funken zu entflammen, die Tugend zu erſticken trach⸗ ten; den Rathſchlägen eines treuloſen Günſtlings hätteſt du nicht dich ergeben, der raſtlos dich zum Fre⸗ vel ſpernt.— Es gehört der Günſtling einer Men⸗ ſchenklaſſe zu, die ihr, Freunde, kennen ſollt, denn die Looſe des Jahrhunderts, der Chriſten Schickſal wird ſie lenken. „Die altergrau geſunkne Roma nährt eine So⸗ phiſtenſchaar in ihrem Schooſe: Porphyrius, Jam⸗ blichius, Libanius, Maximus, deren Meinungen und Sitten Gelächter uns erregen würden, wäre die Thorheit nicht ſo oft der Frevelthat Beginnen. Sie, die Schüler eines nicht'gen Wiſſens, wüten gegen die Chriſten feindlich; die Einſamkeit preiſen ſie, feiern das Glück des Mittelſtandes; doch betteln ſie um Gold und kriechen zu der Großen Füßen. Eine Stadt zu bauen ſind ernſtlich die einen beſchäftigt, von Wei⸗ ſen bevölkert, die, Platons Geſetzen unterthan, als Freunde, als Brüder, des Daſeyns Tage in ſtillem Frieden leben: die andern dringen ſinnend in die Tiefen der Natur, in der Egypter Hieroglyphen eingehüllt— in der Idee ſuchen jene, in der Materie dieſe alles: Republicken im Schoos der Monarchien predigen an⸗ dre; den geſellſchaftlichen Verein wollen ſie zertrüm⸗ mern, um nach neuem Plan ihn wieder aufzuführen. Noch andre wollen, die Gläubigen nachahmend, Mo⸗ — nklirren kaſters trach⸗ nſtlings im Fre⸗ Men⸗ denn chickſal ne So⸗ „Jam⸗ inungen vare die Sie, igen die feiern n Gold tLadt zu n Wei⸗ an, als n ſtillem ee Tiefen ehüllt- ſe alles: igen an⸗ zertrim⸗ Iführen. d, Me⸗ 103 ral dem Volk verkünden: in Tempeln und an Straßenecken verſammeln ſie den Pöbel, und verkau⸗ fen, von Marktſchreierbühnen herunter, Tugenden, die ihre Werke, ihre Sitten nicht verkünden. Getheilt für das Gute, zur Frevelthat vereint, von eitlem Sinne aufgeblaſen, wähnen ſie erhabne Geiſter ſich, die hoch über aller Pöbelweisheit thronen: keine abentheu⸗ erlichen Ideen, keine tolle Thorheit, keines Syſtemes Mißgeburt giebt es, die die Sophiſten nicht zum Lichte fördern. Hierokles prangt an ihrer Spitze; er iſt es werth, der Führer dieſer Schaar zu ſeyn. „Dieſer Günſtling des Galerius, zu ſehr nur iſt es euch bekannt, beherrſcht Achaja itzt; der Men⸗ ſchen iſt er einer, die der Staaten Stürme in den Rath der Großen führen; die eine Gattung von Ta⸗ lent für Staatsverwaltung, eine nicht wünſchens⸗ werthe übung, über alles mit Fertigkeit zu ſprechen, ihnen nützlich macht. Grieche iſt Hierokles von Ge— burt; er ſoll ein Chriſt in ſeiner Jugendzeit geweſen ſeyn— der Stolz der Menſchenweisheit hat ihm den Geiſt entartet, da warf er in der Philoſophen Sekten ſich. An ihm iſt jede Spur der Urreligion verſchwun⸗ den; es müſte denn die Wuth, der Wahnſinn ſeyn, zu der ihn Gottes Name peitſcht, den er verläugnet hat. Der Heuchler Sprache, der Afterweisheit Schulmanieren hat er ſich angeeignet. Die ſchönen Worte: Freiheit, Tugend, Wiſſen, Aufklärung, Menſchenglück, ſie ſtrömen ſtets aus ſeinem Munde: 104 doch iſt ein kriechender Schranze dieſer Brutus, es iſt von ſchändlich geilen Leidenſchaften dieſer Cato ſtets gepeinigt; der Erdenſöhne unduldſamſter, iſt er der Duldung eifriger Apoſtel; er verfolgt die Menſchheit mit blut'gem Haſſe, der er der Anbetung Weihrauch zollt.— Ihn haßt Conſtantin; Diokletian fürchtet und verachtet ihn, doch hat er Galerius innigſtes Ver⸗ trauen ſich erworben: es buhlt nur Publius, Präfekt von Rom, mit ihm um dieſes Fürſten Gunſt. Hie— rokles ſtrebt, den Geiſt des unglucklichen Cäſars zu vergiften; er beut der Welt das abſcheuwerthe Schau⸗ ſpiel eines erträumten Weiſen, der, unter dem Panier der Aufklärung, des Menſchenherrſchers Geiſt auf Abwege der Verirrung lenkt. „Auguſtin, Hieronymus und ich, wir lernten Hierokles in Eumenes Schule kennen. Sein Ton, entſcheidend und ſentenzenreich, ſein Anſehen von Wichtigkeit und Stolz machten unſrer offnen Einfalt ihn verhaßt. Sein Außres ſchon ſtößt jede Neigung, das Vertrauen ab: die eng gepreßte Stirn verkün⸗ det Syſtemenſucht, mit Eigenſinn gepaart: raſtlos rollt, ſo wie bei wilden Thieren, das falſche Auge; ſcheue Wildheit wohnt in ſeinem Blicke: ein niedrig grauſam Lächlen hält die geſchwollne Lippe ſtets halbgeöffnet: die dünnen ſtraffen Haare, die um den Kopf unordentlich hängen, haben mit des Haares Hauptſchmuck nichts gemein, das Gott einem Schleier gleich, über des Jünglings Schulter gießt, mit de eyniſch phiſten das G. Feder aus die „ ganz e / ihn ſe er der mich auch k Conſta tiefe nicht r zu verd bald! T Jahre verleb ſchwen als ſe mich der F künſtel es iſt ſtets er der chheit rauch rchtet Ver⸗ räfekt Hie⸗ rs zu Schau⸗ Panier ſt auf ernten Ton, von infalt gung, erkün⸗ raſtlos Auge; nedrig ſtets m den Haares einem gießt/ 105 mit dem er das Haupt des Greiſes krönt. Etwas cyniſch ſchaudervolles athmet in jedem Zuge des So⸗ phiſten.— Die Hand des Elenden würde ſchlecht das Schwert des Kriegers, doch leicht des Atheiſten Feder oder das Beil des Henkers führen, das ſpricht aus dieſen Zügen. „So häßlich iſt der Menſch, wenn er der Seele ganz entſagt, und einzig Sklav des Körpers iſt. „Mich beleidigte Hierokles, doch ich, ich wieß ihn ſo zurück, daß, vor des ganzen Hofes Blicken, er der Beſchämung Opfer ward; itzt flammte gegen mich ein unverſöhnter Haß in ſeinem Herzen auf; auch konnt' er Diokletians Gunſt, die Freundſchaft Conſtantins mir nicht verzeihen. Der Eigenliebe tiefe Wunde, des Neides wilde Flammen ließen ihn nicht ruhn, noch raſten, bis er Gelegenheit, mich zu verderben fand; und ach, ſie ward ihm nur zu bald! „Wie wenig war ich da beneidenswerth! Drei Jahre gnügten, in der Jugend Taumel zu Rom verlebt, den Glauben ganz vergeſſen mich zu laſſen. — Der laue Kaltſinn ward mir eigen, für den ſo ſchwer die Heilung iſt, der weniger Rettungswege als ſelbſt uns das Verbrechen läßtt. Oft ſcheuchten mich jedoch Sephoras Briefe und die Ermahnungen der Freunde meines Vaters, aus meiner Ruhe er⸗ künſteltem Gebäude auf. 106 „Auch Marcellin, Biſchoff von Rom, der Kir⸗ che höchſtes Oberhaupt, war der Menſchen einer, die mit treuer Seele an Laſthenes noch hiengen. Auf dem Kirchhof der Chriſten hauste er, jenſeits der Tiber, in einer Wüſtenei, bei des heil'gen Petrus und Pau⸗ lus Grabe. Seine Wohnung(zwei Zellen) lehnte ſich an der Kirchhofskapelle Mauer an. Ein Glöck— chen, an des Friedhofs Pforte aufgehangen, verkün⸗ dete dem Biſchoff die Ankunft der Lebenden und Tod⸗ ten. An ſeiner Thüre, die er ſelbſt den Wandrern öffnete, ſah man die Wanderſtäbe und Sandalen der Biſchöffe, die, aus allen Gegenden der Erde, ihm Re⸗ chenſchaft von Chriſtus Heerde gaben. Da ſah man Paphnuzius aus Thebais, deſſen Wort die böſen Gei⸗ ſter ſcheuchte; Spyridion aus Kypros Inſel, der, die Schaafe hütend, Wunder würkte, Jakob aus Niſibe, dem der Weiſſagung Gabe der Himmel ſchenkte; und Oſius, den Beichtiger aus Cordova; Archelaus aus Caschares, der Manes mit Beſchämung ſchlug; Jo⸗ hannes, der des Glaubens Licht nach Perſien trug; Frumentius, der in Aethiopien die Kirche gründete; Theophilus, der von der Sendung nach Indien wieder⸗ kehrte; und die Chriſtenſklavinn, die, als Gefangne, der Iberer ganzes Volk bekehrte. Ein Gang von hoch⸗ bejahrten Eiben, der durch des Kirchhofs ganze Länge zog, war Biſchoff Marcellins Verſammlungsſaal. Da wandelte er in ſeiner Brüder Mitte, und rathſchlagte über das Wohl der Kirche. Donats, Novatians, Arius Ketzerlehren zu erſticken, Canone zu verkünden, der Kir⸗ ier, die luf dem diber, d Pau⸗ lehnte Glöck⸗ verkün⸗ nd Tod⸗ dandrern alen der ihm Re⸗ ſah man ſen Gei⸗ der, die Niſtbe, te; und aus aus 9; Jo⸗ n trug; ründete; Nwieder⸗ efangne, von hoch⸗ ae Länge aal. Da hſchlagte vatians, künden, 107 Concilien zu verſammeln, Hoſpitäler zu erbauen, Slaven zu erlöſen, den Armen, den Waiſen, Frem— den Hülfe; Apoſtel den Barbaren hinzuſenden, das wars, worüber die Völkerhirten mit Kraft und Würde ſich beriethen. Oft ſtieg in der Nächte tiefem Dunkel, für aller Heil alleine wachend, Marcellin aus ſeiner Zelle zum Grabe der Apoſtel nieder. Auf die heil'gen Reſte hingeſunken, betet' er die ganze Nacht; erſt bei des Tages frühem Strale hob er wie⸗ der ſich empor.— Dann entblöste er die greiſe Silber⸗ locke, ſetzte aus weiſſer Wolle die Thiare hin zur Erde, und ſtreckte hier in unbekannter Einſamkeit die Hand des Friedens aus; er ſpendete der Stadt, der ganzen Welt den Segen. „Wenn ich vom Hofe Diokletians hierher zum Hofe eines Chriſten kam, dann füllte ſtets ein Wun— der mich mit Staunen. Im Schöoſe dieſer evangeli— ſchen Armuth fand ich die Sagen vom Pallaſt Auguſts und des Maecenas wieder; die Geſchliffenheit der al⸗ ten Sitte, ernſten Frohſinn, einfach edle Sprache, des Unterrichtes Wechſel, richtigen Geſchmack und Urtheile voll Gewicht. Es ſchien die düſtre Hütte vom Himmel auserſehen, die Wiege eines zweiten Roms, das einzige Aſyl der Kunſt, der Wiſſenſchaft— und der Kultur zu werden. „Alle Wege verſuchte Marcellin, mich in Gottes Schoos zurüchuleiten. Oft führt' er, wenn die Son⸗ 108 ne ſank, mich an der Tiber Ufer oder zu Salluſtus Gärten hin. Von unſrem Glauben ſprach er da, und ſtrebte, über meine Fehler die Augen mir zu öffnen; den Sinn für Wahrheit hatte mir der Jugend Gaukel⸗ ſpiel erſtickt. Es waren ohne Frucht des Biſchoffs Lehren; ſtatt dieſer heilſamen Wandrungen wünſchte zu des Frontons Platanen, zum Portikus des Pom pejus oder der Livia, mit Gemälden der Vorzeit aus⸗ geſchmückt, ich mich zurück. Geſtehen will ich es,(zwar wird es ewig mich beſchämen,) ich ſehnte mich zu der Iſis und Kybelae Tempeln, zu Adonis Feſten, zum Circus, in's Theater hin, wo längſt die Zucht bei Ovids Leiertönen ſcheu entfloh. Geſcheitert war jede liebende Ermahnung, da ſchritt zur Strenge endlich Mar— cellin. „Gezwungen werde ich mich ſehen, ſo ſprach er oft zu mir, dich von der Gläubigen Gemeinſchaft auszuſchlieſſen, wenn, von den Sakramenten Chriſti fern, du künftig lebſt.“ „ Taub war ich ſeinem Vaterrath, ich lachte ſei. ner Drohungen, mein Leben ward zum öffentlichen Argerniß! Den Bannſtral mußte der Biſchoff endlich auf mich ſchleudern. „Ich gieng einſt, Marcellinus zu beſuchen; ich kaͤute an des Kirchhofs Gitter.— Des Gitters Flu gel rauſchen, in ihren Angeln knarrend, auf. Den Biſch hen. des B Lamm Biſcho den G rechten zuckter der gl der b. treule war len ſt den? Uluſtus und ffnen; jaukel⸗ ſchoffs inſchte Pom⸗ t aus⸗ (war zu der 1, zum Ovids lebende Mar⸗ ſprach ſchaft Lhriſti hte ſei. ntlichen endlich 109 Biſchoff ſehe ich an der Kapelle offnem Eingang ſte— hen. Ein ſchrecklich Buch faßt ſeine Rechte, ein Bild des Buchs, mit ſieben Siegeln verſchloſſen, die das Lamm allein nur löſen kann. Diakonen, Prieſter, Biſchöffe ſtanden in bewegungsloſem Schweigen auf den Gräbern umher gereiht, gleich einer Schaar Ge— rechten, zu Gottes Gerichten auferſtanden. Flammen zuckten aus des Biſchoffs Auge. Nicht war er mehr der güt'ge Hirt, der das verirrte Lamm zur Hürde wie⸗ der bringt; Moiſes wars, wie er des goldnen Kalbs treuloſen Anbetern das Todesurtheil kündet; Chriſtus war er, der des Tempels Entheiliger aus ſeinen Hal— len ſtößt. Ich ſchreite näher; mir vertritt ein Exorziſt den Weg. „Itzt ſtrecken die Biſchöffe die Arme alle mir entgegen; die Häupter wendend erheben gegen mich ſie ihre Hände; mit Schreckenslauten ruft der Pon⸗ tifax: „Fluch, wer durch ſeine Sitten des Chriſtenna⸗ „mens Reinheit befleckt! Fluch, wer des wah⸗ „ren Gottes Altären ſich nicht naht! Fluch, „wer mit kühlem Muth des Götzendienſtes Greuel „ſieht!“ Aus dem Munde aller Biſchöffe tönt: „Fluch!“ 110 „In die Kirche ſchreitet Marcellin, vor mir ſchließt ſich die heil'ge Pforte. Der Auserwählten Schaar zerſtreuet ſich; ſie meiden meine Nähe— ich ſpreche— keine Antwort— wie einen Menſchen fliehen ſie mich, der, peſtkrank, Anſteckung um ſich her verhaucht. Wie Adam, aus Eden einſt verbannt, ſo fühl' ich einſam mich in einer Welt, wo Stacheln ſich mit Dornen gatten, verflucht durch meinen Sün⸗ denfall. „Verwirrt, betäubt, von Schwindeln ergriffen, beſteig' ich ſchwankend meinen Wagen. Auf gerade⸗ wohl ſporn' ich die Renner an; itzt kehre ich nach Rom zurück, verirre mich und komme, auf weiten Umwegen, endlich zum Amphitheater Vespaſians. Hier halte ich der ſchaumbedeckten Roße Zügel an, und ſchwinge mich vom Wagen. Der Quelle nahe ich, wo die Gladiatoren, die ſiegend überlebenden, nach ihren Kämpfen, mit friſchem Trunke ſich erquicken; ich wollte meiner Zunge Gluten kühlen. Am vorigen Tage hatte Agläe, eine reiche edle Römerinn, Spiele hier gegeben; itzt ſtand verlaſſen öde der Schauplatz abſcheulicher Ergötzungen. Vom hohen Himmel ver— folgt mich das ſchuldlos reine Lamm, das auch meine Sünden einſt geopfert haben. Unſtät und flüchtig, ein zweiter Cain, trete ich in das Amphitheater ein, und dringe in die einſam düſtren Gallerien. Kein Laut verhallte dort; ein paar Vögel nur flatterten mit ſcheu⸗ em Fittich zu den Gewölben auf. Die verſchiedenen Otock ein we Site! des wil Vaͤterji Phanta der Ge aufgeba Ein wu me! läſte E baute Volk! allem 2 ſunken phiteate bebte, noch d man ohne ausge Löwen verla gieng. ich zu „deſt 111 . mir Stockwerke hatt' ich nun durcheilt, da laſſe ich mich, ählten ein wenig ruhiger, in der erſten Reihe auf einem — ic Sitze nieder. Im Anblick dieſes heidniſchen Gebaͤu⸗ nſchen des will ich der Gottheit Bannfluch, die Religion der n ſich Väter ich vergeſſen. Umſonſt! Auch hier ſtellt meiner annt, Phantaſie der Rache Gott ſich dar, es durchzückt mich ſcheln der Gedanke; dies Gebäude ward von einem Volke Sün⸗ aufgebaut, das, wie Chriſtus ſprach, zerſtäubet iſt. Ein wundervoll Verhängniß waltet über Jakobs Stam⸗ me! Iſrael, von Pharao gefangen, baute die Pal— tiffen, läſte Egyptens; Iſrael, von Vespaſian gefangen, er⸗ gerade⸗ baute dies Denkmal der Römermacht. Es iſt dies ) Rem Volk beſtimmt, in ſeines Elends größter Tiefe, bei wegen, allem Großen mitzuwirken.“ alte ich winge„Noch war ich tief in meine Betrachtungen ver⸗ do die ſunken, da brüllten die wilden Thiere, in des Am— ihren phiteaters unterirdiſchen Behältern eingeſchloſſen: ich ; ich bebte, auf die Arena fielen meine Blicke; da ſah ich drigen noch das Blut der Armen, die in den letzten Spielen Syiele man zerreiſſen ließ.— Mich ergreift Verwirrung auplat ohne Namen; mir däucht; ich ſei in der Arena Mitte el der ausgeſetzt, gezwungen, unter dem Würgerzahn der meine Löwen, mein Daſeyn zu verröchlen, oder Gott zu g in verläugnen; den Gott, der einſt zum Tode für mich 1, und gieng.„Du biſt ein Chriſt nicht mehr,“ ſo ſprach N Lal ich zu mir ſelbſt,„doch wie, wenn du es wieder wür⸗ ſber„deſt, wie wollteſt du beginnen?“ edenen 112 „Ich erhebe mich ſchnell, ſtürze hinaus aus dem Gebäude, beſteige meinen Wagen, und kehre zu mei⸗ ner Wohnung wieder. Die ganze Nacht hallte meines Gewiſſens Schreckensfrage in meinem Buſen nach. Selbſt heute noch ſteht oft die Szene vor meinem innren Auge da, als ſei ſie eine ſtille Himmelsbotſchaft.“ Eudoros ſprachs, doch ſchnell verſtummte er. Mit ſtarrem Blick, ſein ganzes Weſen tief bewegt, ſchien er von einer himmliſchen Erſcheinung Glanz ergriffen. überraſcht ſchwieg die Verſammlung, es tönte nur des Alpheos und Ladons Murmeln, die am Doppel⸗ geſtad der Inſel plätſchernd ſpielten. Eudoros Mut— ter ſprang erſchrocken auf. Der junge Chriſt erholte ſich; die mütterliche Sorge zu beruhigen, begann er wieder ſeine Rede. aus dem zu mei⸗ meines en nach, meinem ſhaft.“ er. Mit t, ſchien ergriffen. onte nur Doppel⸗ ros Mut⸗ ſt erholte degann er I. Band Inhal t. Folge der Erzaͤhlung. Der Hof bezieht den Sommer⸗ gufenthalt zu Bajge. Neapel. Aglaes Wohnung. Eudoros, Hieronymus und Auguſtins Luſtwandrun⸗ gen. Ihr Geſpraͤch an Szipios Grab. Thraſeas, Einſiedler am Veſuv. Seine Geſchichte. Trennung der drei Freunde. Eudoros kehrt mit dem Hofe nach Rom zuruͤck. Die Catacomben. Begebenheit der Kaiſerinn Priska und ihrer Tochter Valeria. Eudoros, vom Hof verbannt, wird zum Heer des Conſtantius in das Exil geſchickt, verlaͤßt Rom und durchzieht Italien und Gallien. Er koͤmmt nach Agrippina, an die Ufer des Rheins, und findet das roͤmiſche Heer bereit, die Franken zu bekriegen. Er dient als gemeiner Krieger unter den Cretenſi⸗ ſchen Bogenſchuͤtzen, die, mit den Galliern, den Vortrab vom Heer des Conſtantius bilden. 2 den ij erloſch ſie hö angſt ohne te v nun den mmer wung, ndrun⸗ taſeas, ennung n Hofe benheit ZJaleria. deer des om und nt nach det das kriegen. rretenſi⸗ n, den Fuͤnftes Buch. „ Der Eindruck dieſes Unglückstags auf meinen Geiſt, den ihr ſo lebendig ſtark itzt ſaht, war damals ſchnell erloſchen. Mich umringten meine Jugendfreunde; ſie höhnten meine Schreckensſchauer, meine Gewiſſens⸗ angſt, und lachten der Bannſtralen eines Biſchoffs ohne Anſehn, ohne Macht, von niemanden gekannt. „Der Hof zog itzt von Rom nach Bajae; er führ⸗ te vom Schauplatz meiner Verirrungen mich weg; und nun war die Erinnrung meiner Strafe auch verſchwun⸗ den— ich glaubte ewig für die Chriſten mich verloh⸗ ren, und warf mich in den Schoos der Sinnefreuden. „Den Sommer, den, nicht ferne von Neapel, ich mit Hieronymus und Auguſtin verlebte, würde ich 116 unter meines Lebens ſchönſte Tage zälen; könnte man, der Gottheit ganz vergeſſend, im Täuſchungstaumel wil⸗ der Leidenſchaft, noch ſchöne Tage leben. „Prunkvoll und glänzend war der Hof: alle Prin⸗ zen, der Cäſarn Kinder oder Freunde, waren da ver⸗ ſammelt. Da ſah man Licinius 1), Severus ²), die Waffenbrüder des Galerius; Daia 3³), der ſeine Wül⸗ der erſt verlaſſen, deſſelben Cäſars Neffe; Maxentius 4) den Sohn Auguſtus Maximians. Doch unſer Zirkel galt Conſtantinen mehr als jene Fürſten, die hämiſch ihm ſeine Tugend, ſeine Tapferkeit, den großen Na— men ihm beneideten; ſie waren ſeine Feinde, im Stil⸗ len, oder öffentlich. „In Neapel beſuchten wir oft den Pallaſt Agläes, einer römiſchen Dame, deren Namen ich euch ſchon genannt. Sie war aus Senatorenſtamm, des Pro⸗ konſul Arſaces Tochter; unermeßlich waren ihre Schä⸗ tze. Drei und ſiebzig Aufſeher verwalteten die Güter ihr, und dreimal hatte ſie auf eigne Koſten Spiele dem Volk gegeben. Mit Grazie, mit der Talente 1) Er ward nach Severus Tod, Auguſtus. 2) Ward bei Diokletians Thronentſagung, Caeſar, nach Conſtantins Tod, Auguſtus. 3) Ward bei Diokletians Thronentſagung Caeſar. 4) Der Tyrann der ſich des Purpurs bemeiſterte, den Conſtantin an Roms Thoren ſchlug, Fülle vereint und L ihr, n geword Propen vorgen Conſ Nuhr zius Geb Gei mer hin Mit Feſt Neiſ ſteh deg kin kla te man, mel wil⸗ ſe Prin⸗ da ver⸗ 2), die ne Wäl⸗ ntius 4) er Zirkel hämiſch ßen Na⸗ im Stil⸗ Agläes, uch ſchon ees Pro⸗ te Schä⸗ ie Güter n Spiele Talente eſar, nach geſar. erte, den 117 Fülle gieng ihre Schönheit Hand in Hand; um ſie vereinte alles ſich, was noch der Sitte Zierlichkeit und Sinn für Kunſt und Wiſſenſchaft bewahrte. Heil ihr, wäre ſie in Roms Verfall eine zweite Cornelia geworden; hätte ſie die Weiber nicht, berühmt durch Properzens, Ovids und Tibulls Geſänge uns wieder vorgezaubert! „Sebaſtian 1) Pacomus ²) Centurionen bei Conſtantins Wache, der Schauſpieler Geneſius ³) mit Ruhm bekannt, der Roscius Talenté erbte, Bonifa⸗ zius 4), der Oberaufſeher in Agläes Pallaſte, der Gebieterinn vielleicht zu werth, verſchönten, durch Geiſt und frohe Laune, die Feſte der wollüſt'gen Rö⸗ merinn. Doch hatte Bonifaz, dem Sinnentaumel hingegeben, drei hohe Seelentugenden: Gaſtlichkeit, Mitleid und Freigebigkeit. Wenn er von Orgien und Feſten ſchied, dann eilt' er zu den Plätzen hin, den Reiſenden, den Armen, den Fremden hülfreich beizu⸗ ſtehn. Aglae ſelbſt, im Schooſe des frivolſten Lebens, hegte hohe Achtung für die Gläubigen, ſie glaubte kindlich an der Martyrn Reliquien. Geneſius, er⸗ klärter Feind der Chriſten, verhöhnte ihre Schwäche. 1) Der kriegeriſche Martyr, Vertheidiger der roͤmiſchen Kirche zubenamt. 2) Der Einſiedler aus Thebais, der anfangs unter Conſtantin diente. 3) Der Martyr. 4) Der Martpr. 118 „Auch ich, ſprach ſie, ich habe meinen Aberglau⸗ ben. Ich baue auf die Kraft der Aſche eines Chriſten, der für ſeinen Gott geſtorben iſt; Bonifaz ſoll Reli⸗ quien mir holen.“ „Erhabne Gebieterinn,“ verſetzte lachend Boni⸗ faz;„ich werde Gold und Weihrauch nehmen; ich hole euch Reliquien, ich werde ſie euch bringen; doch, kommen meine eignen als eines Martyrs Reliquien euch zu, dann nehmt ſie gnädig auf. „Wir brachten einen Theil der Nächte in dieſem gefährlich verführungsvollen Zirkel hin; ich bewohnte mit Hieronymus und Auguſtin die Villa Conſtantins, die am Abhang Pauſilypos ſteht. An jedem Morgen, wenn im Oſten die Morgenröthe kaum erſchimmerte, wallte ich zu einem Portikus, der hin am Meerge⸗ ſtade zog. Über des Veſuvs Gipfel ſtieg flammend die Sonne auf; in mildem Zauberlichte ſchwammen die Ketten der Gebürge von Salern, des Meers Azur, von weißen Fiſcherſeegeln überſaet, die Inſeln Caprea, Oenaria, und Prochyta 1) das Meer, Miſenums Vorgebürge und Bajae mit allen ſeinen Wonnereitzen. „Lieblicher und friſcher ſind als Blumen, als Früchte, vom Thau erfriſcht, Neapels Gegenden, wenn aus dem nächtlichen Dunkel hervor ſie treten. 1) Iſchia und Procida. Wenn mich hier n dieſen und u halſan des E luft mit glei ſchi W der zur gli berglau⸗ hriſten, U Reli⸗ Boni⸗ n; ich doch, eliquien dieſem ewohnte tantins, Norgen, nmerte, Neerge⸗ ind die en die Amur, Laprea, ſenums ereihen. n, als genden, treten. 119 Wenn ich den Portikus betrat, dann ſah ich überraſcht mich an des Meers Geſtade; die Welle tönte kaum hier wie der Quelle leiſes Murmeln. Entzückt von dieſem himmliſchen Gemälde lehnt' ich an einer Säule, und weilte plan⸗ und ſehnſuchtlos an dieſer Stelle, balſamiſche Lüfte einzuſaugen. So mächtig war hier des Entzückens Zauber, daß mir durch dieſe Götter⸗ luft gewandelt mein ganzes Weſen ſchien; daß ich, mit wahrer Engelswonne, für die mir Worte fehlen, gleich einem reinen Geiſte, zum Himmel aufzufliegen ſchien.— Allmächtiger, wie ferne war ich von dem Weſen der Himmelsgeiſter, die nicht das Band der Lei⸗ denſchaften feſſelt! Des Körpers rohe Maſſe zog mich zum Staube dieſer Welt hernieder; und ach, ich Un⸗ glücklicher, ich fühlte der Schöpfung ſüße Reitze, und dachte ſo ſelten des Weltenſchöpfers!— Frei, wie es ſchien, dünkt' ich im Meer des Lichtes mir zu ſchwim⸗ men; der Chriſt, mit Ketten ſchwer belaſtet, den des Glaubens wegen man hinab in einen Kerker ſchleuder⸗ te; er war's, der unter ſich die Erde ließ, und ſich hinan zum Stral der ew'gen Sonne ſchwang! „Wir jagten raſtlos nach unſern erträumten Freuden. Wir ſpürten einer Schönheit, der Mit⸗ ſchuldgen unſrer Lüſte nach, oder wir harrten ihrer— da ſahn wir ſie im Nachen zu uns ſchiffen, auf der Wellen Spiegelfläche uns Liebe lächeln— wir wogten auf des Meeres ebner Flut mit ihr, und ſtreuten Blumen auf den Wellenſpiegel; dann folgten wir des 1 20 Zauberinn in der Mirtenhaine Schatten, in die glück⸗ lichen Gefilde, wo das Elyſium Virgil fand— ſo flogen unſre Tage hin; der Thränen und der Reue un⸗ verſiegbare Quelle. Ach, ſollt' es nicht Himmelsſtriche geben, die, durch ihr Wolluſtathmen, Gefahr der Tu⸗ gend bringen?— Dies wollte uns vielleicht die fein erträumre Fabel künden: es ſei Parthenopae auf einer Seirene Grab gebaut? Der Gefilde ſammetartig lich⸗ tes Grün, das laue Wehn der Lufte, die ſanft gerun⸗ deten Gebürge, der Flüß' und Thäler Wellenformen ſind Schmeichellockungen den Sinnen, die alles mit ſüßer Ruhe füllt, die nichts verwundet. Hat halb nackt der Bewohner Neapolis den Obol gewonnen, der zu des Tages Brod ihm reicht; dann weigert er der Arbeit ſich: ihm gnüget das Gefühl, daß er un⸗ ter mildem Seegenshimmel lebe. Die eine Lebens⸗ hälfte verträumt er bewegungslos im Sonnenſtrale; die andre läßt er ſich, mit des Entzückens Freudenlau⸗ ten, auf einem Wagen ziehn; dann ſtreckt er ſich die Nacht auf eines Tempels Stufen, und ſchläft, um ſeine Zukunft unbeſorgt, am Fuße ſeiner Götterbilder. „Uns trieb der Unſinn— könnt ihrs glauben 2— dieſe Menſchen zu beneiden, ihr Leben ohne Ausblick in die Ferne, ohne ein„Morgen“ ſchien uns des Glü⸗ ckes höchſte Fülle. Oft kosten wir darüber, wenn, dem Mittagsſtrale zu entfliehen, wir hinab in des Pal⸗ laſts Gewölbe ſtiegen, die unter's Meer ſich zogen. Da hörten, auf Lagern von Elfenbein wir hingeſtreckt die Vog ein Etu ten die denbl Ar in der I gen ſie N die Wog⸗ Kreiſe, hier lebe Blick— hätte m / gerinn niſchen ſchieden geiſt be Forſche er; er gründe ſtin a am S zum 6 ten C Leiden glück⸗ — ſ le un⸗ ſtriche r Tu⸗ fein einer lich⸗ ſerun⸗ rmen 3 mit t halb nnen, ert er ar un⸗ ebens⸗ trale; nlau⸗ ˖die um alder. n— lick in Glü⸗ venn, Pal⸗ ogen. freckt 121 die Woge über unſerm Haupte brauſen. Wenn uns ein Sturm in dieſen Hallen überraſchte, dann zünde⸗ ten die Sklaven Lampen an, mit dem köſtlichſten Nar⸗ denöl Arabiens gefüllt. Neapolitanerinnen erſchienen, in der Jugend Blüte; in Nolaniſchen Gefäßen tru— gen ſie Roſen aus Päſtum: ſie ſangen, während außen die Woge donnerte, und ſchlangen ſich in ſanfter Tänze Kreiſe, die Hellas Sitte mir zurücke riefen— es trat hier lebenvoll des Dichters Fantaſiegebild vor unſern Blick— der Nereiden Spiele in Poſeidons Grotte hätte man zu ſehn gewähnt. „Wenn die Sonne ſich hinter das Grab der Pfle⸗ gerinn Aeneens barg, und einen Theil des neapolita⸗ niſchen Golfs in Pauſilypos Schatten hüllte, dann ſchieden die drei Freunde. Hieronymus, von Forſcher⸗ geiſt beſeelt, durchſpähte das Geſtade, wo Plinius des Forſchergeiſtes Opfer ward; Herkulanums Aſche beſuchte er; er ſuchte der Solfatara drohendes Gebrauſe zu er⸗ gründen. Seinen Virgil in der Hand, wallte Augu⸗ ſtin an den Geſtaden, wo der Unſterbliche einſt ſang; am See Avernus, zu Sibyllens Grotte, zum Acheron, zum Styx, und in Elyſion— am Grab des liebezar⸗ ten Genius, der ſie ſo rührend ſang, da las er Didos Leiden, das Unglücksloos der armen Königinn. „Von edlem Wiſſensdurſte brennend, hieß mich Conſtantin ihm zu den Maalen folgen, durch den Grif⸗ fel der Geſchichte heilig. Wir umſchifften in einer 1 2 2 Barke Bajaes Golf: wir fanden die Trümmer der Villa Ciceros, wir erkannten die Stelle, wo Agrip⸗ pina Schiffbruch litt, wo ſie ſich rettete; den Pallaſt ſah'’n wir, wo der Sohn der Vollbringung des Mut⸗ termordes harrte; und weiter hin die Wohnung, wo den Mördern den Schoos die Mutter darbot, der Ne⸗ ron einſt getragen hatte. Zu Kaprea ſah'n wir die unterirdiſchen Hallen, die Zeugen von Tibers Schan⸗ de.„Weh dem,“ ſprach Conſtantin,„der eine Welt beherrſcht, und den der eignen Schuld Bewußt⸗ ſeyn zwingt, ſich ſelbſt auf dieſen Felſen hinzubannen.“ „Lieber machten dieſe Hochgefühle im Buſen des Erben des Conſtantius, vielleicht des Römerreiches ſelbſt, den edlen Prinzen, ben Beſchützer, den Geſpielen meiner Jugend mir. Kein Anlaß durfte ungenützt verſtreichen; wo ich des Ruhmes brennende Gefühle im tiefen Grun⸗ de ſeines Herzens wecken konnte; denn mir ſchien der Ruhmdurſt Conſtantins die Hoffnung einer Welt.“ „Nach dieſen Streifereien harrte unſer ein wol⸗ luſtathmend Bad. In ihrer Gärten Mitte hatte uns Agläe ein köſtlich langes Mahl bereitet. Zum Abend⸗ ſchmauſe war eine Teraſſe am Meergeſtade unter Orangenblüten auserſehen. Der Mondenſtral war Fackel uns; er glänzte ſchleierlos im lichten Kreis der Sterne, ſo ſtralet eine Königinn in ihres Hofes Mitte: es erbleichte in ſeinem Schimmerlicht die Flam— me, die auf dem Gipfel des Veſuves glänzt; er malte mit Auu ſog eine hinem Görrent ſe malte auf dem in Ho des Er ten G mergr Bluͤte Genu „liebt „allel „Cyp „Gro „ter immer der wo Agrip⸗ en Pallaſt des Mut⸗ lung, wo der Re⸗ n wir die Schan⸗ der eine d Bewußt⸗ ubannen.“ desErben ſelbſt, den len meiner erſtreichen; fen Grun⸗ ſchien der Velt.“ r ein wol⸗ hatte uns um Abend⸗ ade unter nſtral war hten Kreis dres Hofes tdie Flam⸗ zer malte 1 23 mit Azur die rothen Feuerdämpfe des Vulkans, und zog einen Regenbogen in die Nacht. Das ſchöne Phänomen, die Scheibe des friedlichen Geſtirns, Sorrentums, 1) Pompejas ²) und Härakleias ³) Kü⸗ ſte malten ſich im Wellenſpiegel; aus der Ferne tönte auf dem Meere der Geſang des Fiſchers aus Neapel. „Die Becher füllten wir mit köſtlichem Wein, in Horazens Kellern gefunden; den drei Schweſtern des Eros, der Macht und Schönheit Töchtern, brach⸗ ten Geſundheiten wir aus. Die Stirne mit dem Im— mergrün des Epheus und mit Roſen bekränzt, deren Blüte ſo ſchnell verwelkt, befeuerten wir uns zum Genuß des Lebens, indem wir ſeiner Kürze dachten: „Wir müſſen ſcheiden von der Erde, von den ge⸗ „liebten Wänden, von der theuren Gebieterinn. Von „allen Bäumen, die unſre Hand gepflanzt, folgt die „Cypreſſe, die verhaßte, dem Gebieter nur in's „Grab.“ „Dann ſangen wir zur Lyra unſrer Leidenſchaf⸗ „ten Frevel: „Fern die geheiligten Sandalen, die Zierde keu⸗ „ſcher Zucht, und ihr langen Gewänder, die der 1) Sorrent. 2) Pompeji. 3) Herkulanum. 1 24 „Jungfraun Fuß verhüllen; der Venus ſüſſe Beute „und ihre frohe Gaben will ich ſingen! Des Hermus „und des Ganges Schätze mögen andre häufen; im „Schlachtgewühl mögen andre eitlen Ruhm ſich holen; „mir iſt's nur Ruhm, der Schönheit Sklav zu ſeyn, „die mit Entzücken mich erfüllt. Ich liebe das Leben „in ländlichen Gefilden; der Wieſen bunten Schmelz, „der Flüſſe Ufer liebe ich! Laßt, ohne Ruhm, im „Schatten kühler Haine, die Tage mir entſchwinden! „Welche Wonne, Delien in unſern Gefilden zu ge⸗ „leiten, das neugeborne Lamm ihr auf dem Arm ent⸗ „gegenwiegen! Wenn im Sturmwind nächtlich mei⸗ „ne Hütte ſchwankt, wenn der Regen auf mein Dach „hernieder ſtrömt.... „Doch was ſoll ich das zügelloſe Leben drei Un— ſinniger euch länger malen; laßt lieber euch die Un⸗ luſt ſchildern, die Hand in Hand mit Freuden geht, vom wahren Glücke ach ſo fern! Glaubt nicht, wir hätten in trügeriſcher Wolluſt Schoos uns glücklich dort gefühlt; uns peinigte beſchreibungsloſer Unruh Quaal. Nicht Lieben nur war unſer Glück, wir ſtrebten auch, geliebt zu ſeyn— denn leben wollten wir in dem geliebten Gegenſtande. Wir fanden Wahr⸗ heit, ſüſſen Frieden nicht in unſrer Liebe, nur Thrä⸗ nen, Kaltſinn, Trug und Eiferſucht. Verrathen, oder ungetreu, ſchien uns das Weib, dem wir nun Liebe weihten, die einzige, der ewig unſere Herzen glühen ſollten. Der erſten fehlte des Körpers oder der Seele Rei/ wir det der unſe ler/ die erſten L gel lieſſ ten und derkäm genblic unſtes die ei der. lich O ſe Beute Hermus ifen; im h helen; zu ſeyn, is Leben Schmelz, hm, im winden! n zu ge⸗ Arm ent⸗ lich mei⸗ ein Dach drei Un⸗ die Un⸗ n geht, ht, wir glücklich r Unruh ick, wir wollten en Wahr⸗ ur Thra⸗ rrathen, sun Liebe glühen Seele 1 25 Reiz, der unſre Neigung feſſeln konnte. Und hatten wir der Träume Ideal gefunden, dann war bald wie— der unſer Herz erſchlafft; der Blick entdeckte neue Feh⸗ ler, die geahndet wir nicht hätten; bald folgten dem erſten Opfer unſre Klagen. Dieſer Halbgefühle Män⸗ gel lieſſen nur verwirrte Bilder uns zurück; ſie führ⸗ ten uns in der Genüſſe Zauber eine Schaar ſie nie— derkämpfender Erinnrungen, und ſtörten ſo des Au⸗ genblickes Freuden. Da waren elend wir im Schooſe unſres Glücks, weil wir entſagt der Tugend hatten, die einzig wahr den Menſchen nährt; weil wir entſagt der Himmelsſchönheit hatten, die des Buſens unend⸗ lich Sehnen zu ſtillen einzig nur vermag. „Der Vorſicht Güte ließ im Dunkel unſrer See⸗ len plötzlich einen Gnadenſtral erglänzen: der Freuden übermaas ließ uns der Himmel die Quelle der erſten frommen Regung ſeyn; ſo ſind wunderbar verſchlun⸗ gen des Herren Wege!“ „Bei Liternum ¹) fanden wir uns einſt, als wir durch Bajaes Gegend ſtreiften. Unſre Blicke fielen auf das Grab des Scipio Afrikanus; wir nahten ehr⸗ erbietig. Da ſteht das Maal am Meergeſtade, herab⸗ geſtürzt vom Sturm iſt die Statüe, die einſt es krön⸗ te. Noch trägt die Innſchrift des Sarkophages Ta— fel: 1) Patria. 1 26 „Undankbares Vaterland, nicht ber⸗ „gen ſollſt du mein Gebein!“ „Thränen entſtrömten unſerm Auge, als wir der Tugend, als der Verbannung wir des Siegers über Hannibal gedachten. Des Grabmals Rohheit ſelbſt, die, den ſtolzen Mauſoleen nah, die, ſo vielen unge⸗ kannten Männern aufgethürmt, Italiens Erde decken, die Blicke überraſchend trifft, drang mit tiefer Rüh⸗ rung uns in's Herz. Wir wagten auf dem Grabe nicht zu ruhen; wir lagerten uns an ſeinem Fuße, und feierten in frommem Schweigen, als ſeyen wir am Fuſſe des Altars.— Nach einiger Augenblicke Sinnen, ſprach mit erhabner Stimme ſo Hieronymus: „Freunde, die Aſche des größten Römers läßt unſre Kleinheit, des Lebens Unbedeutſamkeit mich fühlen, die allmählig mich zu Boden drückt. Mir mangelt, ſtets etwas, das fühl' ich nur zu wahr. Seit langer Zeit drängt in die Ferne mich ein un— bekannter Trieb: am Tage zwanzigmal bin ich bereit, euch Lebewohl zu ſagen, umherzuirren auf dem Er⸗ denkreiſe. Soll dieſer Unruh Quelle nicht in unſrer Meinungen, in unſrer Wiͤnſche Leere liegen? Klagt laut nicht Szipios Lebenslauf uns an? Seht ihr den Afrikaner die Gattinn dem Gatten wiederſchenken, malt unter Himmelsgeiſtern den großen Mann euch Cicero, wie in einem Traume er ein andres Leben dem Aemilian zeigt, wo der Tugend ihre Kränze blühn; entſtrom fühlt ih dem verſ † mein eic Niſbehe le, nich nut na in der an mit Glücke das L Ach r wenn irgend war n / „zu di Vetle Anac kunf 1 nie! mus, ſeine nach V cht ber⸗ 1ls wir der egers über eit ſelbſt, ſen unge⸗ de decken, fer Rüh⸗ em Grabe em duße, ſeyen wir lugenblicke eronymus: mers läͤßt keit mich ft. Mir zu wahr. hein un⸗ ich bereit/ dem Er⸗ in unſrer en? Klagt ht ihr den erſchenken, Nann euch Leben dem ze bluühn; 2* 127 entſtrömen euch da nicht Thränen der Bewunderung, fühlt ihr nicht, daß eines Glückes Fülle blüht, von dem verſchieden, nach dem wir ſtreben?“ „Hieronymus,“ verſetzte Auguſtin,„du haſt mein eignes Loos gemalt; gleich dir quält mich ein Mißbehagen, deſſen Quelle mir verborgen iſt: ich füh⸗ le, nicht wie du, der Unruh regen Drang, ich ſeufze nur nach Ruhe; gleich Szipio mögt' ich meine Tage in der Ruhe himmliſcher Gefilden leben. Es nagt an mir ein heimlich ſtilles Schmachten, ich weiß des Glückes Quelle nicht zu finden; je länger ich über das Leben ſinne, je weniger hat es für mich Reize. Ach wenn es eine uns verborgene Wahrheit gäbe; wenn einer unverſiegbar unerſchöpften Liebe Quelle irgend ſtrömte, in die ich ganz verſinken könnte; ach war nicht, Szipio, dein Traum ein göttlich Irren...“ „Wie wollte ich,“ rief ſtürmiſch itzt Hieronymus, „zu dieſer Quelle vollEntzücken eilen! Des Jordans Ufer, Betlems Grotte, ihr würdet bald mich unter eure Anachoreten zälen! Ihr Gebirge Judaeas, die Zu⸗ kunft vermögte dann den Gedanken an eure Wüſten nie mehr von dem an meine Buße zu trennen?“ „Die Worte ſprach mit einer Heftigkeit Hierony⸗ mus, die mit Erſtaunen uns erfüllte. Es hob ſich ſeine Bruſt; er war dem Hirſche gleich, der dürſtend nach der Quelle Fluten lechzt.“ 1 28 „Euer Bekenntniß, meine Freunde, begann ich itzt, iſt— wie ſonderbar— iſt auch das meinige. Doch einen ſich in mir die beiden Wunden deren Quaal ihr einzeln duldet. Oft zieht dies namenloſe Weh die Blicke nach dem Glauben meiner Kinder⸗ tage mir zurück.“ „Meine Mutter, eine Chriſtin, verſetzte Augu⸗ ſtin, pries oft mir ihres Glaubens Reize; ich würde, ſprach ſie oft, in ihm das Glück des Lebens finden. Die lieberfüllte Mutter wohnt an der Wogen Küſte gegenüber, vielleicht ſchweift itzt vom jenſeitigen Ge⸗ ſtade ihr Blick auf ihnen hin, ſie denket meiner itzt vielleicht!“ „Kaum hatte Auguſtin geendet, da trat ein Mann, im Gewand der Philoſophen Epiktets, aus Szipios Grab hervor. Er ſchien gereifter Jahre, doch mehr der Jugend als dem Alter nah. Engelheiterkeit waltete in jedem ſeiner Züge, die Lippen ſchienen nur zu ſüßen Liebesworten ſich zu öffnen.“ „Ihr Jünglinge,“ ſo ſprach er, uns ſchnell der überraſchung zu entheben,„könntet ihr mir wohl ver⸗ zeihen?— Ich ſaß hier in dem Maale, als ihr er⸗ ſchient, und hörte, ohne daß ichs wollte, eure Reden. Ich kenne eure Geſchichte, hört nun die meine auch; ſie kann euch Nutzen bringen.— Vielleicht gewährt ſie Heilung euren Leiden, über die ihr eben klagtet.“ „ er ließ nieder/ begann ich 8 meinige. nden deren znamenloſe ier Kinder⸗ ſezte Augu⸗ ich würde, dens finden. bogen Küſte ſſeitigen Ge⸗ meiner itzt da trat ein iktets, aus Jahre, doch gelheiterkeit en ſchienen 7 is ſchnell der tir wohl ver⸗ als ihr er⸗ eure Reden. meine auch; icht gewährt en klagtet.“ 129 „Der Fremdling harrte unſrer Antwort nicht; er ließ mit edler Vertraulichkeit ſich in unſe⸗ Mitte nieder, und ſprach alſo: „Ich bin der chriſtliche Einſiedler vom Veſuv, „von dem vielleicht die Kunde zu euch drang; denn „ich bin des Berggipfels einziger Bewohner. Zu des „Afrikaners Grab wall' ich zuweilen; vernehmt, wa⸗ „rum. Als dem großen Mann, in ſeiner Einſamkeit „zu Liternum, die Tugend für des Vaterlandes Undank „Troſt gewährte, da landeten Piraten am Geſtade. „Des großen Verbannten Haus ward nun von ihnen „angegriffen; ſie kannten den Beſitzer nicht. Schon „hatten die Mauer ſie erſtiegen, da eilten Sklaven „dem Geräuſche zu, um den Gebieter zu vertheidigen. „Wie,“ riefen ſie,„ihr wagts, das Haus des Szi— „pio zu verletzen?“ Von Ehrfurchtsſchauern machte „ſie der große Name beben; ſie warfen ihre Waffen „weg, uud baten um die Gnade nur, den Sieger „Hannibals zu ſehen; ſie ſahen ihn, und ſchieden dann „voll ſtaunender Bewundrung. „Mein Ahnherr Thraſeas, ein edler Sikyoner, „war der Piraten einer. In zarter Kindheit ſchon „entführt, ward durch die Räuber er gezwungen, auf „ihren Schiffen Dienſt zu thun. Er barg ſich in dem „Hauſe Szipios, und warf, als die Piraten ſich ent⸗ „fernt, ſich zu des Gaſtfreunds Füßen, erzählte dann „ihm die Begebenheit. Gerührt von ſeinem Looſe I. Band. 9 130 „ſchickte Afrikanus ihn ins Vaterland zurück, doch „waren Thraſeas Eltern, während ſeiner Gefangen⸗ „ſchaft, geſtorben; zerſplittert waren ſeine Güter. „Mein Ahne kehrte zu dem Befreier wieder; er ſchenk⸗ „te in der Nähe ſeiner Villa ihm ein kleines Gut, „und vermählte ihn mit einer armen römiſchen Rit⸗ „terstochter. „Aus dieſem Stamm bin ich entſproſſen: ihr „ſeht, ich thue Recht, das Grabmal Szipios zu eh⸗ „ren. Meine Jugend war ſtürmevoll; ich prüfte alles, „und alles gab mir überdruß. Ich war beredt, mir „blühte Ruhm; doch ſagt' ich mir:„ Was iſt der „Ruhm der Wiſſenſchaften, im Leben oft be kämpft, „nach dem Tode zweifelhaft, mit dem Laſter und der „Mittelmäßigkeit ſo oft getheilt?“— Die Ehr⸗ „ſucht quälte mich; mir ward ein ehrenvoller Poſten, „da ſagte ich: verlohnte dies der Mühe, ein fried⸗ „lich Leben aufzugeben; erſetzt mir, was ich finde, „wohl, was ich verlohren habe? So wars mit allem. „Von meines Alters Freuden überſättigt, ſah in der „Zukunft ich nichts beſſres mehr; mir raubten noch „die Gluten meiner Phantaſie das wenige, was „würklich ich beſaß. Ihr Jünglinge, es iſt dem Men⸗ „ſchen ſehr verderblich, wenn er zu früh der Wünſche „hohes Ziel erreicht, und im Raume einiger Jahre „eines langen Lebens Täuſchungen durchwandert „hat. n. „ganz „Große „wohnt „ernſter „Pettil „nen in „1 „ da g „land „mer „Ma „wag „wur „Ma „der „geze „geſp „Beſ „we „da „C „ſe „ tr. „ fu lick, doch Gefangen ne Güter. er ſchenk⸗ ines Gut, ſchen Nit⸗ teſſen, ihr bios zu eh— prüfte alles, beredt, mir Was iſt der t belämpft, ter und der Die Ehr⸗ ler Poſten, ein fried⸗ ich finde, à wit allem. „ſah in der aaubten noch enige, was iſt dem Men⸗ der Wünſche niger Jahre durchwandert 131 „Ich ſtreifte eines Tages, von düſtrer Trauer „ganz erfüllt, in einem Viertel Roms, wo ſelten „Große weilen, von einem zahlreich armen Volk be⸗ „wohnt. Da trat vor meine Blicke ein Gebäude in „ernſtem Stil, von ſonderbarer Bauart. Unter dem „Portikus ſtanden Menſchen bewegungslos, und ſchie⸗ „nen in Betrachtung tief verſunken. „Noch ſucht' ich dieſes Denkmal zu ergründen, „da gieng ein Mann an mir vorrüber, aus Griechen⸗ „land entſproſſen, gleich mir, ein eingewohnter Rö⸗ „mer. Er ſtammte von Perſeus, dem letzten König „Makedoniens. Seine Ahnen wurden dem Triumph⸗ „wagen des Aemilius Paulus nachgeſchleppt, und „wurden Schreiber beim Gerichte dann in Rom. „Man hatte mir dies Launenſpiel des Schickſals, an „der via sacra Ecke, unter einem elenden Dache, einſt „gezeigt; mit dieſem Perſeus hatte ich zuweilen ſchon „geſprochen. Ich hielt ihn an, und fragte nach der „Beſtimmung des Gebäudes, auf dem der Blick mir „weilte!— Du ſiehſt die Stätte, verſetzte er mir „da, wo ich Alexanders Thron vergeſſe; ich bin ein „Chriſt. Über des Portikus Stufen ſchritt Per⸗ „ſeus, wandelte durch der Katechumenen Mitte und „trat dann in den Tempel ein. Ich folgte ihm; ich „fuhlte tief mein Innerſtes bewegt. „Daſſelbe Mißverhältniß, das im Außern des „Gebäudes herrſchte, erſchien mir hier im Innern 132 „wieder; doch erſetzten dieſe Fehler der Gewölbe küh⸗ „ner Styl, und die frommen Schauer, die in ihrem „Dunkel wohnten. Es ſtrömte hier nicht das Blut der „Opfer und der Orgien, die den Altar der falſchen „Götter beſudeln; hier in der Chriſten Tabernakel „ſchien Reinheit und andächt'ge Sammlung nur zu „wohnen. Kaum tönte durch die Stille der Verſamm⸗ „lung einiger Kinder ſchuldlos Lallen, von Müttern „auf dem Arm gewiegt.— Nah war die Nacht; „es kämpfte das Licht der Lampen mit dem Dämmer— „ſcheine, in den der Kirche Schiff, in den das Aller⸗ „heiligſte ſich hüllte. An fernen Altären ſah man die „Chriſten allenthalben beten; es wehte noch der Weih⸗ „rauchduft des Gottesdienſts, der eben endete, und „der düftenden Wachskerzen Wohlgerüche, die eben „ausgelöſcht man hatte. „Ein Prieſter mit Buch und Lampe trat aus ei⸗ „ner verborgnen Thüre ein, und ſtieg auf eine hohe „Kanzel. Dumpf hallte das Geräufch der niederknie⸗ „enden Verſammlung. Nun las der Prieſter heilige „Gebete, dann ſtimmt' er eine Bitte an, auf die aus „allen Theilen des Gebäudes halbleis die Chriſten „antworteten. Der Einklang der Antworten in ſo „vielen Stimmen, ihr abgemeßnes Wiederholen, war „rührungsvoll; beſonders, wenn man des Hirten „Worte und die Lage ſeiner Heerde beachtete. „Troſt der Betrübten,“ betete der Prieſter, „Zuflucht der Kranken!. 1““ „Sinn 3 71 C / „kannt heigne ſtiege nlich! „mir „„ weil ſtem 133 ewölhe ku⸗ ie in ihrem„Die verfolgten Chriſten alle ergänzten nun den das Blut der„Sinn der Bitte: der falſchen Bitte für uns! Bitt für uns! 1 itte für uns! Bitt für uns!“ Tabernakel 4/ f fi n d. 52. g nur zu„In dieſer langen Reihe der Menſchenleiden er⸗ V ſ..—. Verſamm.„kannte jeder die ſeinigen beſonders, und weihte der Mütter. 8. n Müttern„eignen Noth der Bitten einige, die auf zum Himmelg die Nacht; „ſtiegen.— Bald kam auch meine Reihe. Deut⸗ m Dimmer„lich hört' ich die Worte den Leviten ſprechen: n das Aller⸗ ſah man die„Vorſicht Gottes, Friede des Herzens, Ruh' im ch der Weih⸗„Sturme. endete, und he, die eben„Da hielt er ein, es füllten ſich mit Thränen „mir die Augen, es ſchien mir jeder Blick auf mir zu „weilen; es ſchien, als riefe die liebevolle Schaar: trat aus ei⸗ f eine hohe„Bitte für ihn! Bitt für ihn!“ niederkniee ieſter heilige„Von der Kanzel ſtieg der Prieſter, die Verſamm⸗ , auf die aus„lung zerſtreute ſich. Gerührt bis in des Herzens die Chriſten„Tiefen, beſuchte ich itzt Marcellin, das Oberhaupt worten in ſo„des Glaubens, der Troſt für alles ſpendet: ich malt' erholen, war„ihm meines Lebens Kummer— er entſchleierte mir des Hirten„die Wahrheiten ſeiner Lehre: ich ward ein Chriſt, htete.„und ſeitdem iſt aller Kummer mir entſchwunden.“ der Prieſter/„Die Geſchichte des Einſiedlers und dieſes Chri— ſtenweiſen liebliche Offenheit entzückten uns. Wir ſtell⸗ 134 ten ihm nun manche Frage, ſeine Antworten waren voll edler Offenheit. Wir konnten nicht genug ihn hören: ſeiner Stimme Klang war ſüße Harmonie, die tief das Innerſte bewegt. Blühende Beredſamkeit, und doch ſo einfach ſchlicht, ſtrömte natürlich von der Lippe ihm: der Vorzeit Anſtrich verlieh er auch dem Unbedeutſamſten; wir waren hingeriſſen. Er wieder⸗ holte ſich, gleich den Alten; doch ſchenkte die Wie⸗ derholung,(bei andern wär' ein Mangel ſie geweſen) ſeiner Rede Anmuth und Grazie. Er dünkte uns einer der Geſetzgeber Griechenlands, die, auf der goldnen Lyra, einſt der Tugend Schönheit und die Macht der Götter ſangen, und ſo Geſetze den Menſchen gaben. „Er ſchied; geendet war nun ein Geſpräch, in dem drei glaubensloſe Jünglinge im Glauben einzig das Ende ihrer Leiden fanden. Es flöſte des Afrika⸗ nus Grab uns ſicher den Gedanken ein: die Aſche ei⸗ nes verfolgten großen Mannes erhebt zum Himmel die Gefühle. Wir ſchieden zögernd von Literns Ge⸗ ſtade, und ſanken in die Arme uns; geheime Ahndung füllte mit Trauer unſre Herzen, wir ſchienen uns das letzte Lebewohl zu ſagen. Als nach Neapel wir zurücke⸗ kehrten, da hatten unſre Freuden nicht mehr den al⸗ ten Reitz. Sebaſtian und Pacomus waren im Begriff, zum Heere abzugehn, von Geneſius und Bonifazius ſchien entwichen der alte Frohſinn; ſchwermüthig ſchien Agläe, von Gewiſſenspein gequält. Der Hof zog fort von Bajae; Hieronymus und Auguſtin kehrten nach NRon nach ttin Thra rony⸗ Gall erſte ten waren genug ihn Harmonie, tredſamkeit, ch von der rauch dem Er wieder⸗ e die Wie⸗ ſie geweſen) ite uns einer der goldnen Macht der ſchen gaben. Beſpräch, in auben einzig des Afnka⸗ die Aſche ei⸗ im Himmel Literns Ge⸗ me Ahndung enen uns das lwir zurücke⸗ mehr den al⸗ in im Vegriff d Bonifozius muthigſchien r Hefzeg fort kahrten nach 135 Rom zurück; ich folgte Conſtantin in ſeinen Pallaſt nach Tibur. Hier empfieng ich ein Schreiben Augu— ſtins. Er ſchrieb mir; gerührt von ſeiner Mutter Thränen, wolle er nach Carthago zu ihr reiſen; Hie⸗ ronymus bereite ſich zum Zug nach Spanien, nach Gallien, Pannonien und nach den Wüſten, von den erſten Chriſteneinſiedlern bewohnt. „Ob wir uns einſt noch wiederſehen,“ ſo ſchloß „Auguſtin den Brief,„das weiß ich nicht. So iſt „das Leben, voll kurzer Wonne, langer Leiden; eine „Kette von Verbindungen, erſt angeknüpft und bald „zerriſſen!— Durch eines ſonderbaren Unſterns „Walten werden die Bande zu einer Stunde nie ge⸗ „ſchlungen, die Dauer ihnen verheißen könnte: man „trifft den Freund, mit dem man ſeines Daſeyns Ta⸗ „ge leben mögte, im Augenblick, wo ihn das Schick— „ſal ferne von uns ruft; wir haben nun das langge⸗ „ſuchte Herz gefunden, doch ach am Vorabend des „Tags, wo ſeine Pulſe ſtocken ſollen. Tauſend Er— „eigniſſe, tauſend Dinge trennen die Menſchen, die — kömmt die N „ſich in des Lebens Räumen lieben; dann „Trennung durch kalte Todenhand; zu Staub zer⸗ „nichtet ſind dann unſre Plane alle. Denkſt unſeres „Geſprächs du noch, als unſre Blicke einſt auf Nea⸗ „pels Buſen ruhten? Da verglichen einem Seeha⸗ „fen wir das Leben, wo Menſchen aller Länder, aller „Zungen landen. Von der Ankommenden, von der „Abfahrenden Geſchrey ertönet das Geſtade: Freunde 136 „empfangend vergießen die einen Freudethränen; dort „ſagen ſich die Scheidenden ein ewiges Lebewohl; denn „in des Lebens Hafen kehrt nie der ausgelaufene zu⸗ „rück. Drum laß, Eudoros, klaglos uns die Tren⸗ „nung tragen, die in der Jahre Lauf gewinkt doch „einmal hätte, und dann wären nicht durch Entfer⸗ „nung vorbereitet, wir, wie itzt, geweſen. Eudoros wollte fortſetzen der Erzählung Lauf, da brachten das Morgenmahl die Diener Laſthenes. Friſches Getraide, in der AÄhre leicht geröſtet, breiteten ſie auf den Raſen, die Eichel des Phaqus und Milch⸗ ſpeiſen, in denen noch die Form der Körbchen einge⸗ drückt.— Die Herzen ſchlugen bewegt von mancher⸗ lei Gefühlen: Kyrillos bewunderte, doch verrieth er es im Aeuſſern nicht, den Jüngling, der, dem prophe⸗ tiſchen König gleich, aus der Tiefe brünſtig flehte: „Erbarme meiner, dich o Herr, nach der Größe „deiner Barmherzigkeit!“ Demodokos hatte in Eudoros Erzählung nur weniges verſtanden: er fand nicht Polyphemos, nicht Kirkae, nicht Zauber, Schiffbrüche fand er nicht— er hatte in dieſen neuen Harmonieenlauten kaum einige Klänge von Homaeros Lyra noch erkannt, Kymodokae hatte zum Bewundern ganz den Sohn des Laſthenes verſtanden; doch wußte ſie die Trauer ſich nicht zu ent⸗ räthſeln, die ſie bei dem Gedanken faßte; daß oft Eu⸗ nen; dor ohl denn ufene zu⸗ die Tren. inkt doch Entfer⸗ g Lauf, Laſthenes, breiteten nd Milch⸗ een einge⸗ mancher⸗ errieth er n prophe⸗ ehte: er Größe lung nur oos, nicht nicht— um einige ymodokas Laſthenes ht zu ent⸗ ß oft Eu⸗ 137 doros ſchon geliebt, und daß er nun bereue, einſt ge⸗ liebt zu haben. Sie flüſterte dem Vater heimlich zu: das Köpfchen ſanft an ſeine Bruſt gelehnt,„ich wei⸗ ne, Vater, als wär ich eine Chriſtinn.“ Geendet war das Mahl, da ſprach Demodokos: „Sohn des Laſthenes, mich entzücken deine Re⸗ den, vermag ich ihre Weisheit gleich nicht ganz zu faſſen. Mir ſcheint der Chriſten Sprache die Poeſie der Vernunft zu ſeyn, von der Athaenae mir den Schlüſſel nicht verliehen. Ende, Jüngling, die Er— zählung; laß dich nicht ſtören, wenn der Zuhörer einer dir Thränen zollt, denn dergleichen iſt ja oft erlebt. Als ein Sohn Apollons Ilions Fall an Alkinous Ta⸗ fel ſang, da ſah man einen Fremdling, verhüllt das Haupt im Mantel, weinen. Laß immerhin Kymodo⸗ kae der Rührung Thränen: es hat dem Mitleid Zeus die jugendlichen Herzen hingegeben, Uns Greiſen, un⸗ ter Chronos Laſt gebeugt, uns ſchenkt er Frieden und Gerechtigkeit; doch mangeln uns das Mitleid und die zarteren Gefühle, die des Lebens ſchönſte Tage ſchmücken. Es haben die Götter den Erbeſzeptern das Alter gleich gemacht, auf denen, vom Vater zu dem Sohne wan⸗ dernd, bei einem alten Stamme, der Jahrhunderte Majeſtät zu laſten ſcheint, die aber nicht mehr Blüten ſchmucken, ſeit ſie, vom Mutterſtamme fern, ver⸗ tpocknet ſind. 138 „Eudoros begann von neuem wieder: „Beraubt der Freunde, ſchien Rom mir eine weite Oede. Unruhe herrſchte an dem Hofe: Maxi⸗ mian mußte von Malland nach Pannonien ziehen, von einem Einfall der Gothen und der Karpier bedroht— die Franken hatten Batavien, von Con⸗ ſtantius vertheidigt, weggenommen; in Afrika waren die Quinquegentianer, ein neues Volk, in Waffen plötzlich aufgetreten— Diokletian, ſo hieß es, wolle ſelbſt nach Agypten gehen, wo des Tyrannen Achilleus Aufruhr ſeine Gegenwart erheiſchte: auch Galerius rüſtete zur Abreiſe, um Narſes zu bekämpfen. Dieſer Partherkrieg ſetzte den alten Kaiſer vor allen ſehr in Schrecken, er dachte an das Loos Palerians. Galerius, von dem Gefühle aufgeblaſen, daß ſeines Armes nun das Reich bedürfe, ganz Hierokles Einlispelungen hinge⸗ geben, ſuchte ſich des Geiſtes Diokletians nun völlig zu bemeiſtern; er ließ des Neides Gluten ungeſcheut gegen Conſtantius itzt lodern, deſſen Verdienſte, deſ⸗ ſen edler Stamm ihm Dorn im Auge waren. Con⸗ ſtantin fand ſehr natürlich ſich in dieſer Eiferſucht begriffen; und ich, des jungen Prinzen Freund, der ſchwächſte, und noch das beſondre Ziel von Hiero⸗ kles Feindſchaft; auf mir laſtete das Vollgewicht des Haſſes des Galerius. „Ich beſuchte einſt, als Conſtantin der Senats⸗ verſammlung beiwohnte, die Quelle Egeria. Es — ilherra zu gel Metell lichkeit ſch ich Stelle den. ein, vor m gewiſ nur ren bekle tend Gra dieſe Verg Töne ten m meif ſan ur eine Marxi⸗ ziehen. Karpier n Con⸗ waren Waffen 8, welle ſchilleus Halerius Dieſer ſehr in zalerius, nun das hinge⸗ vollig geſcheut ſte, deſ⸗ . Con⸗ iiferſucht und, der Hiero⸗ wicht des Senats⸗ 3 4. CEb 139 überraſchte mich die Nacht; um wieder zur Via Appia zu gelangen, geh' ich nach dem Grabmal der Cäcilia Metella, dem Meiſterwerk der Größe und der Zier⸗ lichkeit.— Ich wandle durch verödete Gefilde, da ſeh ich Menſchen durch das Dunkel ſchlüpfen; an einer Stelle verweilen alle, und ſind dann ſchnell verſchwun⸗ den. Von Neugier angeſpornt, tret' ich in die Höle ein, wo die myſtiſchen Geſtalten hinabgeſtiegen— vor mir hin zogen ſich unterirdiſche Gänge, die, in gewiſſen Fernen, von der Decke ſchwebende Lampen nur ſchwach erhellten. Die Wände dieſer Grüfte wa⸗ ren mit dreifach über einander aufgeſtellten Särgen bekleidet. Der Lampen düſtrer Todenſchein, hinglei— tend an den Säulen der Gewölbe, ſich leiſe auf den Gräbern wiegend, ſchien ein grauenvolles Leben in dieſe ewig bewegungsloſen Wohnungen zu hauchen. Vergebens ſuchte ich, mit angeſtrengtem Horchen, Töne zu erlauſchen, um in dieſes Schweigens Klüf— ten meinen Fuß zu lenken; ich hörte nur das Pochen meines Herzens in der lautloſen Ruhe dieſer Stätte. Zurücke wollt' ich kehren, dech war es nun zu ſpät— ich erwählte einen falſchen Weg, nicht mehr entwin⸗ den konnt' ich mit dem Labyrinth; ich ſah immer tie⸗ fer mich verſtrickt. Meine Verwirrung ſteigt mit jedem Augenblick, denn neue Gänge öffnen, ſie kreuzen ſich von allen Seiten.— Je ämſiger ich nach dem Wege ſpähe, je mehr verirr' ich mich, ich ſchreite bald lang⸗ ſam vor, bald eil' ich ſchnell vorüber— itzt tönt das 140 Echo meiner Tritte wieder, da glaube ich mit Eile wandeln hinter mir zu hören. „Lang war ich ſchon umhergeirrt, allmälig ſchwan⸗ den meine Kräfte; ich ließ an einem öden Kreuzweg der Stadt des Tods mich nieder; dort blickte ich mit banger Unruh auf den Schein der beinah ausgebrann⸗ ten Lampen, die zu erlöſchen drohten. Da ſteiget aus der Tiefe dieſer Grabgewölbe eine Harmonie, dem fer⸗ nen Chor der Himmelsgeiſter zu vergleichen: die Göt⸗ terlaute ſtarben und lebten wieder wechſelnd auf; ſie ſchienen, in der, Gewölbe verſchlungnen Pfaden ſich verlierend, noch ſchmelzender zu werden. Ich ſpringe auf, und nahe mich der Stelle, von wannen die Zau⸗ berharmonieen tönen: erleuchtet ſteht ein Saal vor meinen Blicken. Es feierte da Mareellin auf einem Grab, mit Blumen ausgeſchmückt, der Chriſten Myſte⸗ rien; junge Mädchen, in weiſſe Schleier eingehüllt, ſangen am Fuſſe des Altars— zahlreich umſtand das Opfer die Verſammlung. Die Catacomben erkenn' ich itzt. Ein Gemiſch von Schaam, von Reue, von überraſchenden Gefühlen kobt nun in meiner Seele.— Neues Erſtaunen— die Kaiſerinn mit ihrer Tochter zwiſchen Dorotheus und Sebaſtian wähn' ich in dem dichten Haufen zu erblicken. Nie ſtand ein wunder— voller Schauſpiel vor dem Auge eines Sterblichen; nie ward noch würdiger Gott angebetet, nie ward ſeine Größe ſprechender verkündet. So mächtig iſt der Glaube; er treibt die Gattin eines Römerkaiſers⸗ gleich lich zu hinzue ten M ter M loſtet tungen des B dann ſaͤnge gläng Wog Cato Ich lent gleich empf tern yte t Eile hwan⸗ ugweg h mit rann⸗ et aus em fer⸗ le Göt⸗ uf; ſie en ſich ſpringe le Jau⸗ dal vor einem Myſte⸗ hüllt, d das erkenn e, von eele.— Tochter in dem punder⸗ glichen; 2 ward htig iſt faiſers⸗ 141 gleich einer Ehebrecherinn, das kaiſerliche Lager heim⸗ lich zu verlaſſen; zum Sammelplatz der Unglücklichen hinzueilen, und Chriſtus am Altare eines unbekann⸗ ten Martyrs, unter Gräbern, unter Geächteten, un⸗ ter Menſchen aufzuſuchen, auf denen nur Verachtung laſtet!— Noch war ich ſinnend in dieſe Betrach⸗ tungen verloren, da neigt ſich ein Diakonus hin zu des Biſchoffs Ohren; ein paar Worte flüſtert er, giebt dann ein Zeichen— da verſtummen plötzlich die Ge⸗ ſänge, die Lampen verlöſchen, verſchwunden iſt die glänzende Erſcheinung. Durch der heiligen Schaaren Wogen fortgedrängt bin ich wieder am Eingang der Catacomben. „Dies Ereigniß änderte meines Schickſals Lauf. Ich hatte nichts mir vorzurücken, doch ward ich al⸗ lenthalben angeklagt; ſo folgt nicht ſtets dem Frevel gleich die Strafe; allein es läßt uns Gott, um uns empfindlicher zu ſtrafen, ein rechtliches Beginnen ſchei— tern, oder giebt der Menſchen Ungerechtigkeit uns preis. „Es war mir unbekannt, daß Priska die Kai⸗ ſerinn und ihre Tochter Chriſtinnen geworden; es hatten dieſen hohen Sieg dem Ruchloſen die Gläubi⸗ gen verborgen: nicht in der Kirche wagten die Prin— zeſſinnen, Galerius Wuth beſorgend zu erſcheinen; vom tugendſamen Dorotheus geleitet; beteten des Nachts ſie in den Catacomben. Der Zufall führte 142 mich ins Heiligthum der Toden; die Prieſter gewahr⸗ ten mein; ſie glaubten den Ruchloſen, von heilger Stätte ausgeſchloſſen, nur herabgeſtiegen, ein Ge⸗ heimniß zu entſchleiern, das zu verbergen der Kirche wichtig war. Sie löſchten nun die Lampen aus, mir den Anblick der Kaiſerinn zu entziehen, die ich jedoch erkannt noch zeitig hatte. „Galerius ließ über der Kaiſerinn Beginnen wa⸗ chen; man hatte ihren Hang zum neuen Glauben ſchon vermuthet. Spione, von Heerokles ausgeſendet, waren den Fürſtinnen bis zu den Catacomben nachge⸗ folgt; ſie ſahen mich heraus mit ihnen treten. Kaum hatte der Spionen Kunde der Sophiſt gehört, da bracht' er ſie Galerius; zu Diokletian eilte dieſer. „Nun, rief er ihm entgegen, du haſt nie glau⸗ ben wollen, was unter deinen Augen ſelbſt geſchieht! Die Kaiſerinn und Valeria, deine Tochter ſind Chriſt⸗ innen. Noch heute Nacht haben die Höle ſie beſucht, von der ruchloſen Sekte abſcheulichen Myſterien be⸗ fleckt.— Und wen, wen glaubſt du den Führer der Prinzeſſinnen? Der Grieche iſts, aus dem Stamm entſproſſen, den Römern immer widerſtrebend; der Verräther, der, um ſeine Plane beſſer zu verlarven, Verläugnung des Glaubens der Empörer heuchelt, de⸗ nen er im Stillen dient; der Treuloſe, der ohne Naſt den Geiſt des Prinzen Conſtantin vergiftet. Daſſteht weit umfaſſend die Verſchwörung gegen dich entlarvt, in dle n zehl, d das Geſ aus ihn „2 haßt vol ger, ei thum ſe verratl meines Gieng linge ter we mich d Endli⸗ Freun ſtrebet Unglü und z te; b thig eine für von ſers ſen ewahr⸗ heilger in Ge⸗ Kirche , mir jedoch nen wa⸗ Zlauben eſendet, nachge⸗ Kaum rt, da ſer. e glau⸗ chieht! Chriſt⸗ deſucht, rien be⸗ hrer der Stamm nd; der larven, eelt, de⸗ yne Naſt Daſieht nelarrt, 143 in die man die Deinigen ſelbſt zu flechten ſtrebt. Be— fiehl, daß man Eudoros greife, laß in Folterquaalen das Geſtändniß ſeiner Frevel, der Mitſchuld'gen Namen Haus ihm preſſen.“ „Mich mußte ganz der Schein verdammen. Ge⸗ haßt von allen, ſchien ich den Chriſten ein Abtrünni⸗ ger, ein Verräther. Hierokles ſah ſie in dem Irr— thum ſchweben; er ſagte laut: ich hätte die Kaiſerinn verrathen. Den Heiden ihrerſeits war ich Apoſtel meines Glaubens, der Kaiſerfamilie Verfuhrer.— Gieng ich durch des Pallaſtes Säle, dann ſah die Höf⸗ linge ich voll Verachtung lächlen; mein ſtrengſter Rich⸗ ter war ihre Hefe: ſelbſt in den Straßen verfolgte mich das Volk mit Schimpf und Drohungsworten.— Endlich ward ſo peinvoll meine Lage, daß, ohne die Freundſchaft Conſtantins, ich nach dem Leben mir ge— ſtrebet hätte. Der edle Prinz verließ mich auch im Unglück nicht; erklärte ohne Scheu ſich meinen Freund, und zeigte mit Vorbedacht ſich öffentlich an meiner Sei⸗ te; bei Auguſtus ſchützte er mich gegen den Cäſar mu⸗ thig, er verbreitete es allenthalben: ich ſei des Neides eines Sophiſten Opfer, der Galerius Günſtling ſeie. „Rom und den Hof beſchäftigte die Sache; die für die Chriſten und den Ruf der Kaiſerinn gefährlich, von hohem Gewicht erſchien. Dem Spruch des Kai— ſers ſah ängſtlich man entgegen, doch lagen nicht im We⸗ ſen Diokletians gewaltſame Beſchlüſſe. Der Greis 144 erwählte ſich ein Mittel, in dem ſein ſtaatskluger Genius ſich malt. Unvermuthet erklärte er: Erdich⸗ tung ſeien die in Rom umlaufenden Gerüchte; es hät⸗ ten den Pallaſt in jener Nacht, wo man in den Catacomben ſie geſehen haben wollte, die Prinzeſſin⸗ nen nicht verlaſſen: Priska und Valeria, Chriſtinnen zu ſeyn entfernt, hätten des Reichs Gottheiten Op⸗ fer dargebracht— er werde ſtreng die Urheber der falſchen Kunde ſtrafen, und verbiete, noch weiter von dieſer lächerlich ſchändlichen Begebenheit zu ſprechen. „Doch muſte einer das Opfer für alle ſeyn, ſo heiſchts der Höfe Sitte; befohlen ward mir, Rom zu meiden, und zu Conſtantius Heer zu ziehn, das, an des Rheines Ufern, im Lager ſtand. „Zum Zug nach Gallien bereitete ich mich, zu⸗ frieden mit dem Loos, das auf die Bahn der Waffen, das hinaus aus einem Leben nun mich führte, meinem Charakter widerſtrebend. Doch ſo kräftig waltet der Gewohnheit Macht, vielleicht der Zauber auch, der auf berühmten Stätten weilt; ich ſchied aus Rom nicht ganz mit leichtem Herzen.— Da zog ich hin in ſtil⸗ ler Nacht, als ich aus Conſtantins Umarmung mich geriſſen; ich wandelte durch öde Straßen, am nun ver⸗ laßnen Haus vorrüber, wo ich mit Auguſtin und mit Hieronymus gewohnt einſt hatte.— Still und ein⸗ ſam ſtand das Forum; halb deutlich, halb verſchwim⸗ mend, traten die Umriſſe der zalloſen Maale, die es be⸗ decken/ pels des Titus u mern ei verſchwu ferne w flimmert ſchender Zinnen Laſt de 4/ wallte die ſie Walde liert ſi denen durchſty krönen genwi ſtröm von der r bekrä Qlive und de den mehr und d 1. T 145 atz 1 decken, der Roſtren, des Friedenstempels, des Tem⸗ ;8s hüt pels des Jupiter Stator und der Fortuna, der Bogen in den Titus und Gerers ans den Schatten por⸗ gleich Trüm. inzeſi mern einer mächt gen Stadt⸗ wenn längſt ihe Volk tennen verſchwunden iſt.— Als eine Strecke von Rom ich ten Dhe ferne war⸗, da kehrte ich mich um. Im Sternenlichte tet de flimmerte die Tiber, zwiſchen der Stadt verwirrt ſich mi⸗ ſchenden Denkmalen die Woge wälzend, des Kapitols Zinnen blickten mir entgegen, ſie ſchienen ſich unter der Laſt des Weltenraubs zu neigen. eiter von vrechen. ſe ſo 1.. 3. hn, ſo„Die Via Cassia, auf der ich nach Etrurien Rom; 3,. om zu wallte, verliert allmählig die wenigen Monumente, das, an die ſie ſchmücken; ſie zieht zwiſchen einem hochbejahrten Walde und dem See von Volſinium vorbey, und ver⸗ liert ſich dann in ſchwarz aufragende Gebürge, auf nic, zu⸗ denen ſich die Wolken lagern, von Räuberhorden ſtets Waffen, durchſtreift. Ein Berg, deſſen Gipfel Felſenzacken meinem krönen, ein Waldſtrom, der in zwanzigfachen Schlan⸗ faltet der genwindungen zurükkehrend die Woge wälzt, und aus— auch, der ſtrömend ſein Bett zerreißt, bilden hier die Gränze Rom nicht von Etrurien.— Da treten an die Stelle der Größe in in ſtil⸗ der römiſchen Geſilde enge Thäler und Hügel mit Haide sung mich bekränzt, deren bleiches Grün ſich mit dem Grün der Nnun ver⸗ Olive miſcht. Ich ließ die Apenninen hinter mir, nund mit unnd ſtieg in Gallia Cisalpina nieder. Dunkler wur⸗ und ein⸗ de der Azur des Himmels; die Gebürge umzog nicht zerſchwim⸗ mehr das Lichtgedüft, in dem die Berge Griechenlands die es be⸗ und des ebern Italiens Gebürge ſchwimmen. Aus der 1. Band. 10 146 Ferne glänzten mir der Alpen weiße Haäupter her; bald erklimmt' ich ihre ſteilen Höhen. Es ſchienen auf dieſen Bergen mir unzerſtörbar groß die Werke der Natur; was Menſchenhände hier erſchaffen, erſchien gebrechlich mir und elend. Hier hundertjähr'ge Bäu⸗ me, Waſſerfälle, deren Sturz Jahrhunderte erlebte; Felſen, die Sieger der Zeit und Hannibals— dort Holzbrucken, Schaafhürden, Hütten von Erde aufge⸗ baut. Sollte der Ziegenhirt der Alpen, beim Anblick dieſer ew'gen Maſſen, die ihn umſchließen, von des Lebens Kürze tief ergriffen, es der Müh nicht lohnend finden, Denkmale aufzuführen, die ſeiner Tage Dauer überleben? „Aus den Alpen führte mich eine in ungeheure Felſen eingehöhlte Halle. Ich erſtieg den Theil des Vienner Landes, wo die Vocontier wohnen 1) und ſtieg dann zur Colonie des Lucius 2) herab. Wie ehrfurchtsvoll würde Pothins und Irenaeus Sitz ich itzt erblicken und der Rhone Fluten, von Martyrblut gefärbt. Längſt des Arars ³) wallte ich dann auf⸗ wärts— ein Strom, bekränzt mit reitzerfüllten Hü⸗ geln; ſo ſanft wälzt er die Fluten hin, daß getäuſcht das Auge forſcht, nach welcher Richtung hin ſie fließen. Den Namen gab ihm einſt ein junger Gallier, der 1) Dauphiné. 2) Lyon. 3) Die Saöne. verzwe Brude verern an Gr und de „ Marſe entgen ner2 drem durch ſchaft geſäu ter her; ſchienen Verke der erſchien ge Bäu⸗ erlebte; — dort de aufge⸗ m Antlick von des —t lohnend age Dauer ungeheure Theil des n 1) und b. Wie Sitz ich Kardhrblut dann auf⸗ üllten Hü⸗ getäͤuſcht ſie fließen. allier, der 147 verzweifelnd ſich in ſeine Wellen ſtürzte, nachdem er den⸗ Bruder verloren. Von dannen zog ich zu den Tre⸗ verern ¹); in den drei Gallien iſt ihre Stadt die erſte an Größe und an Schönheit. Ich glitt die Moſel und den Rhein hinab, und war bald zu Agrippina ²). „Conſtantius empfieng mich gütig: „Eudoros“ ſprach er zu mir,„morgen ſetzen in Marſch ſich meine Legionen; den Franken ziehen wir entgegen. Unter den Kretern dienſt du erſt als gemei⸗ ner Bogenſchütze; beim Vortrab auf des Rheines an— drem Ufer lagern ſie. Begieb dich hin zu ihnen, glänze durch Muth und dein Betragen: zeigſt du der Freund⸗ ſchaft meines Sohns dich würdig, dann werd' ich un⸗ geſäumt zu des Heeres erſten Stellen dich erheben.“ „Hier beginnt die zweite der Sturmepochen, die die Reihe meiner Tage mit ſtetem Wechſel füllten. Aus Arkadiens friedlich ſtillen Thalen ward ich in die Stürme eines römiſchen Kaiſerhofs verſchlagen; itzt ſah ich mich aus dem Schoos der weichſten Uippigkeit, aus den Kreiſen, wo Kultur und Sitte thronten, in ein gefahrvoll rauhes Leben, in eines Barbarenvolkes Mitte hingeſchleudert! 1) Das Trierſche. 2) C;dlln. E R Sechstes Inhal t. Folge der Erzaͤhlung. Marſch des Roͤmerheers nach Ba⸗ tavien. Es ſtoͤßt auf die Franken. Schlachtfeld. Ordnung und Aufzaͤhlung des Roͤmerheers; des Heers der Franken. Pharamund, Clodio, Meroveus. Kriegslieder. Fraͤnkiſche Bardiets. Schlacht. An⸗ griff der Gallier auf die Franken. Gefecht der Rei⸗ terey Zweikampf des galliſchen Heerfuhrers Ver⸗ cingetorix mit Meroveus, dem Sohn des Franken⸗ koͤnigs. Die Römer weichen. Die Chriſtenlegion ſturmt von einem Huͤgel herab und erneut den Kampf. — Handgemeng. Die Franken ziehen ſich in ihr Lager zuruͤck. Eudoros erhaͤlt die Buͤrgerkrone; Conſtantius ernennt ihn zum Anfuͤhrer der Griechen. Der Kampf beginnt wieder bei Tagsanbruch. Die Roͤmer greifen das Lager der Franken an. Die Wel⸗ len empoͤren ſich. Die Roͤmer fliehen vor dem Mee⸗ re. Eudoros faͤllt, nach langem Kampfe, von meh⸗ rern Wunden durchbohrt. Ein Sklave der Franken leiſtet ihm Huͤlfe und traͤgt ihn in eine Hoͤle. nach Ba⸗ hlachtfeld. des Hetrd Meroveus. acht. An⸗ t der Rei⸗ prers Ver⸗ Franken⸗ iſtenlegion en Kampf. ſich in ihr gerkrone; Griechen. uch. Die Die Wel⸗ dem Mee⸗ von meh⸗ „Franken Ae. Sechstes Buch. „ Gebärgigt, mit Wald bedeckt iſt das Land der Franken: es beginnt jenſeits des Rheins, und nimmt den Raum ein, den Batavien im Weſten, das Land der Skandinaven im Norden, Germanien im Oſten, im Mittag Gallien begränzt. Die Völker, die in dieſer Wüſte wohnen, ſind die wildeſten Barbaren, ſie nährt nur Fleiſch von wilden Thieren; ſtets blinkt der Stahl in ihrer Rechten: der Friede iſt das här⸗ teſte Joch der Sklaverey, das ihnen aufgebürdet wer⸗ den kann. Reife, Schnee und Winde ſind ihnen ſüß und wonnig. Dem Meere trotzen ſie; ſie lachen der Stürme, und kennen, ihrer ſpottend, des Ozeanes Klippen, als hätten ſie zum tiefſten Grund hinabge⸗ ſehen. Dies ruhloſe Volk verwüſtet ohne Ende des d 152 Römerreiches Gränzen. Unter Gordian, des from⸗ men, Szepter, erſchienen ſie zum erſtenmal dem ſchreck⸗ erfüllten Gallien; die beiden Decius fielen in einem Zuge gegen ſie: Probus, der ſie nur zurücke drängte, gab darum ſich den Ruhmestitel: Francicus.— So edel, ſo furchtbar ſchien dies Volk, daß ihm zu Gun⸗ ſten man eine Ausnahme vom Geſetze machte, das dem Kaiſerhauſe verbeut, ſich mit Barbarenblut zu einen. Es hatten die Franken, die fürchterlichen, ſich der Inſel Batavien nun bemeiſtert; ſein Heer ver⸗ ſammelte Conſtantius, ſie aus der Erobrung zu ver⸗ treiben. „Nach dem Marſche einiger Tage rückten wir 4 auf den Sumpfboden von Batavien: es iſt nur dünne Erdenrinde, auf einer Waſſermaſſe ſchwimmend. Das Land, durchkreuzt von des Rheines Armen, vom Ozean gebadet, oft von ihm überſchwemmt, von Kie⸗ fern und Birkenwäldern ſtarrend, bot unbeſiegbare Hinderniſſe bei jedem Schritt uns dar. „Von den Mühen des Tags erſchöpft, waren nur ein paar nächtliche Stunden, die müden Glieder zu erquicken, mir vergönnt. Oft ſchwand in dieſem kurzen Schlummer mir das Bewuſtſeyn meines neuen Looſes: wenn bei des Morgenrothes erſtem Strale aus den Lagertrompeten der Diana Lied erſchallte, dann ſtaunte ich, in der Wälder Mitte die Augen aufzu⸗ ſchlagen. Doch waltete ein ſüßer Zauber auf dem Er⸗ wachen d entgange nir in Wiederhe eiſts B Wonnig noch geſ Krieger nen Re wandel zu ſcher empor Fluß, den O. und eil der ſei „/ Genüſſ gen m Herbſſ Vorp Blick mer, geſpa Feind krächz ſann mich f s from⸗ ſchreck⸗ n einem rangte, heer ver⸗ zu ver⸗ ten wir dünne mend. / bom —i Kie⸗ egbare waren Glieder dieſem neuen lale aus dann auffl⸗ em Er⸗ 153 wachen des Kriegers, der den nächtlichen Gefahren entgangen war. Nie hört' ich, ohne daß Kriegerfreude mir im Buſen ſtürmte, das Getön der Zinken, vom Wiederhall der Felſen nachgetönt, und der Pferde erſtes Wiehern, die das Morgenroth begrüſten.— Wonnig ſah ich das Lager, in Schlaf verſunken; die noch geſchloßnen Zelten, aus denen hie und da ein Krieger, halb gekleidet, trat; den Centurio, der, ſei— nen Rebenſtab ſchwingend, vor den Waffenbündeln wandelte; die bewegungsloſe Wache, die, den Schlaf zu ſcheuchen,(ſo malt man den Gott des Schweigens) empor den Finger ſtreckte; den Reuter, der durch den Fluß, von der Glut des Morgenſtrals vergoldet, ſetzte; den Opfergehülfen, der zum Opfer Waſſer ſchöpfte— und einen Hirten oft, auf ſeinen Hirtenſtab gelehnt, der ſeine Heerde tränkte. „Nicht ließ das Lagerleben Roms und Neapels Genüſſe mich vermiſſen, doch regt' es andre Erinnrun⸗ gen mir auf. Oft fand ich mich allein, in langen Herbſtesnächten, als gemeiner Krieger, auf des Heers Vorpoſten zur Wache ausgeſtellt. Es weilte da mein Blick auf den regelmäßig abgetheilten Feuern der Rö— mer, auf den zerſtreuten der Frankenhorden; mit halb⸗ geſpanntem Bogen lauſchte ich den dumpfen Tönen des Feindesheers, dem Brauſen der Woge, und dem Ge— krächz der Nachtvögel, die im Dunkel flatterten; dann ſann ich über meines Looſes Eigenheiten. Ich ſah mich für Barbaren, Griechenlands Tyrannen, gegen 154 andre Barbaren kämpfen, die mich nie beleidigt hat⸗ ten.— Liebe zum Vaterlande flammte wieder auf in meines Herzens Tiefen, Arkadien erſchien mir da; geſchmückt mit allen ſeinen Reitzen. Oft koste ich, auf mühevollen Märſchen, beim Regen, in dem Moor Bataviens; oft unterm Hüttendach des Hirten, wo wir die Nacht geruht; oft bei dem Feuer, das wir für unſre Wache an des Lagers Spitze zündeten, oft kost' ich da mit andern Griechenjünglingen, gleich mir verbannt, vom theuren Mutterlande? Die Spiele unſrer Jugend, die Jünglingstage, der Familien Be⸗ gebenheiten erzälten wir uns dann. Der Athener pries Athens Künſte, ſeine Sitte; der Sparter heiſchte den Preis für Lakedaimon: der Makedonier erhob über die Legionen hoch den Phalanx; und konnte nicht es dulden, daß dem Alexander Cäſarn man verglich.— Homaeros verdankt ihr meiner Vaterſtadt, rief ein Krieger aus Smyrna, und ſang dann augenblicks der Schiffe Zahl, Ajax und Hektors Kampf— ſo dekla— mirten einſt die Athener, zu Syrakus gefangen, die Verſe des Euripides, um in den Feſſeln ſich zu tröſten. „Doch blickten wir umher, und ſahn Germaniens düſter flachen Horizond, den lichtloſen Himmel, der unter ſeinem tiefgeſenkten Gewölbe uns zu erdrücken ſchien; den kraftloſen Stral der Sonne, der nicht mit Farbenſchmelz die Erde malt: dachten wir der ſchim⸗ mernden Gefilde Griechenlands, von hohem, reichem Heorizont bekraͤnzt; der Düfte der Orangenbäume, „. der Rei mels/ ergriff lande⸗ ein Gr delte/ werfur uns. war, im? melt entg ſtade bei das leidigt hat wieder auf ten mir da; koste ich, dem Mor dirten, wo t, das wir deien, oft gleich mir Die Spiele amilien Be⸗ der Athener arter heiſchte rerhob über nte nicht es verglich.— t, rief ein enblicks der — ſo dekla⸗ fangen, die h zu tröſten. Germaniens Himmel, der zu erdrucken der nicht vir der ſchim⸗ em, reichem ngenbäͤume, — 155 der Reize unſrer Blumen, des Sammtazurs eines Him⸗ mels, in dem ein goldner Lichtglanz webt— dann ergriff ſo gewaltig uns das Sehnen nach dem Mutter⸗ lande, daß unſre Adler wir faſt verlaſſen hätten: nur ein Grieche weilte unter uns, der dieſe Gefühle ta⸗ delte, der uns zur Übung unſrer Pflicht, zur Unter⸗ werfung unſrem Looſe mahnte; er ſchien ein Feiger uns.— Ex kämpfte bald und ſtarb als Held— er war, erfuhren wir, ein Chriſt geweſen. „Es hatte Conſtantius die Franken überraſcht— im Anfang mieden ſie den Kampf— doch als geſam⸗ melt ſie ihre Streiter hatten, da rückten ſie uns kühn entgegen und boten Schlacht uns an des Meers Ge⸗ ſtade. Die Nacht verſtrich bei beider Heere Rüſtung; bei Tagesanbruch ſtanden ſich die Kämpfer im Geſichte. „Die eiſerne und die blitzende Legion bildeten das Centrum im Heere des Conſtantius. „Vor der erſten Linie zeigten ſich die Vexillaren, mit einer Löwenhaut bekleidet, die über Kopf und Schultern ihnen fiel. Sie trugen erhaben die Feld⸗ zeichen der Kohorten: den Adler, den Drachen, den Wolf, den Minotaur; die Zeichen waren von Wohl⸗ gerüchen durchdüftet, und mit Kieferzweigen, weil Blumen mangelten, geſchmückt. „Die hastati, mit Schild und Lanze gewaffnet, bildeten, hinter den Vexillaren, die erſte Linie. 156 „Die Principes, mit Schwertern gewaffnet, wa⸗ reu in der zweiten Linie, in der dritten die Triarii. Sie ſchwangen das pilum in der Linken; ihre Schil⸗ de waren an den Picken aufgehängt, die eingepflanzt vor ihnen ſtanden; ſie beugten das rechte Knie zur Erde, und harrten dem Signal des Kampfs entgegen. „In der Linie der Legionen waren Zwiſchen⸗ räume ausgeſpart, durch Kriegsmaſchinen ausgefüllt. „An der Legionen linker Seite breitete einem lebenvollen Vorhang die Reiterei der Bundsgenoſ⸗ ſen hin. Auf Rennern, den Tigern gleich, gefleckt, und wie die Adler flüchtig, wogten anmuthig die Reuter Numantias, Sagunts und der zauberiſchen Ufer des Betis. Ein leichter Federhut beſchattete die Stirne; um die Schultern flatterte ein kleiner Mau— tel, ein krummer Säaͤbel klirte an ihrer Seite. Sie flogen, den Kopf auf ihrer Pferde Hals geſenkt, zwei kurze Wurfſpieße in der Hand, die Zügel in den Zäh— nen, in den Feind. Der junge Viriat riß die Wuth der wetterſchnellen Reuter ihm nach in das Getümmel. Germanen, von Rieſenwuchs, in das ſchimmernde Ge⸗ ſchwader eingemiſcht, ſtarrten, gleich Thürmen, hier und dort empor. Eine Kappe bedeckte ihr Haupt; die Rechte ſchwang eine Eichenkeule; ſie ſaßen auf wilden Hengſten, ohne Sättel. Ihnen nahe ſchau⸗ erten numidiſche Reuter, mit Bogen nur bewaffnet, ffnet, wa⸗ Triarii, hre Schil igepflanzt Knie zur entgegen. Jwiſchen⸗ ausgefullt. eete einem undsgenoſ⸗ gefleckt, nuthig die uberiſchen attete die her Man⸗ ite. Sie enkt, zwei den Zäh⸗ die Wuth getümmel. nernde Ge⸗ nen, hier dr Haupt; aßen auf ahe ſchau⸗ hewaffnet, ⸗ 197 mit einer Chlamys nur bekleidet, unter dem rauhen Himmelsſriche. „ Auf dem rechten Flügel hielt bewegungslos die ſtolze Schaar der römiſchen Ritter: ſilbern war ihr Helm, gekrönt mit einer Wölfinn in Korallen; der Harniſch funkelte in Gold; in einem azurnen Wehrgehänge hieng an ihrer Seite ein ſchweres iberiſches Schwert— eine Purpurdecke breitete ſich unter dem Sattel hin, mit Elfenbein verziert; ihre Hand mit dem Panzerhandſchuh bedeckt, faßte die ſeidnen Zü⸗ gel, mit denen ſie ſchwarze Stuten lenkten„ raben⸗ ſchwarzer als die Nacht.“ „Die Cretenſiſchen Bogenſchützen, die römiſchen Veliten und die Schaaren der Gallier waren auf der Fronte der Armee zerſtreut. Bei den letzten iſt der Kriegergeiſt mit der Natur ſo innig feſt verwebt, daß im Getümmel zum Heerführer oft der Krieger wird; er ſammelt die zerſtreuten Kriegsgefährten, giebt einen weiſen Anſchlag, und zeigt den Poſten ihnen, den ſie nehmen ſollen.— Nichts gleicht dem Sturmestoben ihres Angriffs— noch überlegt der Deutſche, da ha— ben ſie Waldſtröme und Gebürge ſchon durchwatet, überſtiegen: man glaubt ſie noch am Fuß der Feſtung; und ſchon erblickt man hoch ſie auf genommner Schanze. Vergebens würde der ſchnellſte Reuter im Angriff ih⸗ nen vorzueilen ſtreben; der Gallier lacht der eitlen Mühe, ſpringt vor den Pferden in die Lüfte, und 158 ſcheint ſpottend ihnen zuzurufen:„eh würdet ihr die Winde auf der Ebne, oder in den Lüften die Vögel haſchen. „Hoch hob dieſer Barbaren Haupt ſich in die Luͤfte; friſch war ihre Farbe, ihr Auge blau, der Blick war wild und drohend— ſie trugen weite Ho⸗ ſen, ihre Tunika war verbrämt mit Purpurſtreifen, das treue Schwert hielt dicht an ihrer Seite feſt ein Ledergurt.— Nie trennt der Gallier ſich von ſei⸗ nem Schwerte; vermählt gleichſam mit dem Gebie— ter begleitets ihn im Leben, es folgt ihm auf den Schei⸗ terhaufen, und ſteigt mit ihm in's Grab hinab. So— war das Loos der Gattinnen in Gallien einſt, ſo iſt es noch am Geſtade des Indus. „Einer verderbenſchwangern Wolke gleich, ſtand noch auf einem Hügel die Chriſtenlegion, die keuſche, zubenamt; hinter dem Heere bildete ſie den Rück— halt und des Cäſars Wache. Sie erſetzte bei Con⸗ ſtantius die Thebaiſche Legion, durch Maximian hin— gewürgt. Viktor 1¹), ein geprieſener Krieger aus Mar⸗ ſilia, führte zum Kampf die Streiter des Glaubens, der gleich edel den Panzer des Veteranen und das härne Hemd des Büſſers trägt. 1) Der Martyr. 7 man Pfähle ters w unter! allen der Ke ten ur die S das der nung des T Hell uns det ihr die die Pögel ſich in die blau, der weue Ho⸗ zurſtreifen, eite feſt ein ſch von ſei— dem Gebie⸗ f den Schei⸗ hinab. So einſt, ſo iſt leich, ſtand die keuſche, den Rück⸗ zte bei Con⸗ aximian hin⸗ ger aus Mar⸗ es Elaubens/ nen und das 159 „Allerwärts traf nun der Blick auf reges Leben; man ſah des Standartenträgers Signale, der die Pfähle, die Linien zu bezeichnen, pflanzte; des Reu⸗ ters wildes Treiben; das Wogen der Soldaten, die unter dem Rebenſtabe des Centurio ſich richteten. Von allen Seiten tönte der Renner wildes Wiehern, der Ketten Klirren; das dumpfe Rollen der Catapul⸗ ten und Balliſten; des Fußvolks abgemeßner Tritt; die Stimme der Anführer, die Befehle wiederholend; das Rauſchen der Picken, die nach dem Commandowort der Tribunen ſich hoben oder ſenkten. In Schlachtord⸗ nung reihten ſich die Römer bei der Trompeten, bei des Hornes und des Lituus Schall; wir Creter, Hellas, unter Barbaren ſelbſt noch treu, wir ordneten uns bei der Lyra Tönen- „Bei des Römerheeres Prunk und Schimmer erſchien das Heer der Feinde, durch den Contraſt der wilden Rohheit, noch ſchrecklicher. „In Felle von Bären, von Seekälbern, von Auerochſen und von Ebern eingehüllt, erſchienen von fern die Franken gleich einer Heerde wilder Thiere. Die enge, kurze Tunika zeigte ihren Wuchs in ſeiner vollen Höhe, und barg die Knie ihnen nicht. Das Auge der Barbaͤren hat des Meeres Farbe, wenn die Wuth des Sturms es ſchwellt. Ihr blondes Haar, das über die Bruſt ſie vorne fallen laſſen, mit einem rothen Saft gefärbt, iſt dem Blute und dem Feuer 1 60 zu vergleichen. Den Bart laſſen die meiſten nur oberhalb des Mundes wachſen, um ihren Lippen mehr AÄhnlichkeit mit der Schnauze der Hunde und der Wölfe zu verſchaffen. Die einen führen in der Rech⸗ ten lange Spieße, und in der Linken Schilde, die ſie mit eines Rades Schnelle drehen: andre führen, ſtattdes Schildes, eine Art von Wurfſpießen, Halbpicken ge⸗ nannt, verſehn mit Widerhacken: doch in dem Gürtel führen alle die ſchreckliche Franziska, eine zweiſchnei⸗ digte Streitaxt, den Stiel mit hartem Stahl bedeckt— des Verderbens Waffe, die mit Todesruf der Franke ſchwingt, die ſelten das Ziel verfehlt, vom uner— ſchrocknen Blick ihr auserſehen. „Dieſe Barbaren, der alten Germanenſitte treu, hatten keilförmig ſich aufgeſtellt, ihre gewohnte Schlacht⸗ ordnung. Nit raſchem Ungeſtümme, doch mit immer gleichem, abgemeßnem Schritt rückte das Schreckens⸗ dreieck an, in dem man Spieße nur, Thierhäute und halbnackte Körper unterſchied: der Römer Linie ſtrebt' es durchzubrechen. An des Dreiecks Spitze ſtanden Tapfre mit ſtruppicht langem Bart, Eiſenringe an den Armen; geſchworen hatte jeder, die Sklavenzeichen nicht mehr abzulegen, bis einen Römer er geopfert. Jeden Führer in dem Heere umringten die Krieger ſeiner Familie, beharrlicher im Kampfe, erkämpft er ſo den Sieg, oder ſtarb mit ſeinen Freunden. Unter einem Sinnbild ſammelte ſich jeder Stamm: den edel⸗ ſten bezeichneten drei Lanzenſpitzen oder Bienen. Pha⸗ zeiſten nur ppen mehr e und der tder Rech⸗ de, die ſie n, ſtattzdes bpicken ge⸗ dem Gürtel zweiſchnei⸗ h bedeckt— der Franke vom uner⸗ enſitte treu, te Schlacht⸗ mit immer Schreckens⸗ rhaute und Linie ſtebr itze ſtanden ringe an den klavenzeichen er geopfert. die Krieger erkampft er nden. Unter m: den edel⸗ ienen. Pha 161 ramund, der Sicambren greiſer König, war des Hee⸗ res Führer; einen Theil des Commandos hatte er dem Enkel Meroveus anvertraut. Die Reuterey der Fran⸗ ken deckte, den Reutern der Römer gegenüber, die Flanken ihres Fußvolks: in ihren Helmen, offnen Rachen gleich gebildet, beſchattet von zwei Geierflü— geln, in ihren Eiſenpanzern und ihren weiſſen Schil⸗ den ſchienen ſie Fantome oder Wunderbilder, wie im Sturme, in der Wolken Mitte, man ſie ſieht. Clodio, Pharamunds Sohn, der Vater Meroveens glänzte an der Spitze der drohend wilden Reuter. „Am Sandufer, hinter dem Bienenſchwarm der Feinde, erblickte man ihr Lager, einem Markt von Feldbauern und Fiſchern zu vergleichen; mit Weibern, Kindern war es angefüllt, verſchanzt durch Schiffe von Leder und durch Wagen mit großen Och⸗ ſen beſpannt. Nicht ferne von dieſem ländlichen La⸗ ger trieben drei Zauberinnen, in Lumpen eingehüllt, junge Füllen aus einem heil'gen Haine; es ſollte ihr Lauf verkünden, wenn Sieg Thuiskon verheiſſe. Das Meer auf einer, Wälder auf der andern Seite bil⸗ deten den Rahmen des großen Gemäldes. „Itzt goß die Morgenſonne, aus eines Goldge⸗ wölkes Falten ſich entſchleiernd, Lichtſtröme auf Wald und Ozean und auf die beiden Heere. Von der Hel⸗ me und der Lanzen Blitzen ſchien die Erde zu er⸗ I. Band. 11 162 ◻ glüͤhen; Kriegermuſik tönt Julius Caſars alte Weiſe, als er nach Gallien zog.— Es ſtürmt nun Wuth in allen Herzen, die Augen rollen, dürſtend nach Fein⸗ desblut; an dem Schwerte zuckt die Fauſt. Die Pfer⸗ de ſteigen, im Sande wühlen ihre Hufe; die Mähnen ſchütteln ſie; das ſchäumende Gebiß peitſcht die glut— erfüllte Bruſt; die dampfenden Naslöcher ſtrecken ſie zum Himmel, die Kriegertöne einzuſaugen. Die Ro⸗ mer ſtimmen den Geſang des Probus an: „Wenn wir tauſend Frankenkrieger ſchlagen, dann „ſtehn uns nicht Millionen Perſer.“ „Den Paͤan wiederholt der Chor der Griechen, der Gallier die Hymne der Druiden. Den Schlacht— geſängen antworten die Franken: die hohlen Schilde an den Mund gepreßt laſſen ein Brüllen ſie ertönen, vergleichbar dem Brauſon der Woge, wenn ſie, vom Sturm gepeitſcht, am Felſen ſich bricht; dann ſtim— men ſie mit furchtbar gellenden Geſchrei, das Bardiet zum Lobe ihrer Helden an: „Pharamund! Pharamund, wir haben mit dem „Schwert gekämpft!“ „Wir haben geſchwungen die Streitart mit dop— „pelter Schneide. Schweiß ſtrömte von der Stirn „der Krieger, er rann von ihren Armen. Die „Adler und das gelbfüſſigte Gevögel ſchrie freudig hober Schl ſpieſ Ate Weiſe, nun Wuh⸗ nach Fein⸗ Die Pfer⸗ ie Mähnen t die glut⸗ ſtrecken ſie , . Die Ro⸗ lagen, dann er Griechen, en Schlacht⸗ hlen Schilde ſie ertonen, in ſie, vom dann ſtim⸗ das Bardiet nben mit dem taxt mit dop⸗ on der Stirn lemen. Die ſchrie freudig 163 „auf— der Rabe ſchwamm in Leichenblut, der „ganze Ozean war eine Wunde nur; lang weinten „die Jungfraun! „Pharamund! Pharamund, wir haben mit dem „Schwert gekämpft! „In Schlachten ſanken unſre Väter; alle Geier „ſtöhnten drob, denn unſre Väter ſpeisten ſie mit „Blut und Mord! Laßt Gattinnen uns wählen, „deren Brüſten Blut, nicht Milch entſtröme; mit „tapfrem Muthe ſollen ſie die Herzen unſrer Söh— „ne füllen. Pharamund, das Bardiet iſt geen⸗ „det, es eilen die Stunden des Lebens, winkt uns „der Tod, dann lächeln wir!“ „So ſangen vierzigtauſend Barbaren. Im Tackte hoben, ſenkten die Reuter die weiſſen Schilde; beim Schlußvers jeder Strophe ſchlugen ſie mit des Wurf⸗ ſpießes Eiſen an die Stahlbedeckte Bruſt. „Die Franken ſind auf Pfeilwurfsweite der leich⸗ ten Truppen nun ſchon vorgerückt; da machen beide Heere Halt. Es herrſchet tiefes Schweigen: der Caeſar, in der Mitte der Chriſtenlegion, befiehlt, den Purpurwaffenrock hoch zu erheben,— des Kampfs Signal— da ſpannt der Bogenſchütze ſeinen Bogen; die Picken fällt das Fußvolk; die Reuter alle reiſſen zugleich die Schwerter aus der Scheide; in der Luft 164 kreuzt ſich ihr Wetterleuchten. Aus dem Schvos der Legionen erkönt nun das Geſchrey: 6 „Sieg, Sieg dem Kaiſer!“ „Den Ruf erwiedert der Barbaren grauenvoll Geheul— nicht ſo wüthend kracht der Donner auf der Apenninen Gipfeln, nicht ſo grimmig brüllt der Aetna, wenn er Feuerſtröme in den Schoos des Meeres gießt— es peitſcht ſo mächtig nicht ſein Ge— ſtade der Ozean, wenn ein Wirbelſturm, vom Ewi— gen herabgeſandt, die Catarakten des Abgrunds ent— feſſelt hat. 4 „Die Gallier ſchleudern zuerſt gegen die Fran⸗ ken ihre Wurfſpieße, greifen zum Schwerte dann, und ſtürmen in den Feind, der unerſchrocken ſie em⸗ pfängt.— Sie kehren dreimal zum Angriff wieder, doch dreimal bricht ihr Sturm am ungeheuern Heer, das ſie zurücke drängt; ſo prallt von den Borden des großen Schiffs, das mit widrigem Winde ſegelt, die Woge ab, und flieht, und braust entlang des Schiffes Seiten. Tapfer, doch gewandter als die Gallier, ſen— den wir Griechen einen Pfeilregen den Sicambren entgegen; wir weichen, ohne unſre Reihen zu trennen, langſam rückwärts, und ermüden ſo zwei Linien des feindlichen Dreiecks. Gleich dem Stiere, der, auf hundert Weiden Sieger, ſtolz auf das verſtümmelte Gehörn und die breiten Wunden ſeiner Bruſt, unter G choos der m grauenvoll Donner auf g brüllt der Schood des nicht ſein Ge⸗ 1, vom Ewi⸗ bgrunds ent⸗ den die Fran⸗ hwerte dann, ocken ſie em⸗ griff wieder, deuern Heer, a Borden des de ſegelt, die g des Shhiffes Gallier, ſen⸗ iI Sicambren en zu trennen/ vei Linien des ere, der, auf verſtümmelte Buuft/ unter 165 des Mittags Gluten, mit Wuth der Bremſe Stiche fühlt; ſo machten die Franken, von unſerm Pfeil durchbohrt, die Wunden ohne Ruhm und ohne Rache wüthend.— Ven blinder Raſerei gepeitſcht, zerbre⸗ brechen ſie den Pfeil im Buſen, und waͤlzen ſich am Boden, von Zuckungen der Todesangſt zerwühlt. „Die Reiterei der Römer ſprengt vor, um in den Feind einzuhauen: Clodio ſtürmt ihr entgegen, hoch ſaß der langhaarigte König auf einer unfruchtbaren Stute, halb weiß, halb ſchwarz, unter Rehböcken und Renn⸗ thieren erzogen im Geſtüte Pharamunds: ſie ſtammte, ſo ſagten die Barbaren, von Rinfax ab, dem Pferd der Nacht, mit eiſigt ſtarrer Mähne, und von Skin⸗ fax, dem Pferd des Tags, deſſen Mähne von Licht⸗ glanz ſchimmerte; wenn im Winter ſie auf dem Wa⸗ gen aus Rinde, ohne Achſe und ohne Räder, den Ge⸗ bieter zog, dann ließen nie Spuren in dem Eis die Hufe; leichter als das Blatt der Birke, das im Win⸗ de ſchwebend flattert, ſtreifte kaum ſie des gefallnen Schnees Fläche. „Einen grimmigen Kampf beginnt nun auf den Flügeln die Reiterei der beiden Heere. „Furchtbar wälzen ſich indeß die Fußvolkshaufen der Barbaren den Legionen entgegen.— „Die Legionen öffnen ſich, verändern ihre Schlacht⸗ linie und greifen mit Picken des feindlichen Dreiecks 0 beide Verderſeiten gewaltig an; die Veliten, Gallier und Griechen ſtürmen auf die dritte ein. Die Fran⸗ ken werden gleich einer großen Feſtung, nun belagert. Heißer wird das Handgemeng; ein Wirbel rothen Staubs ſteigt auf und hängt über dem Haupt der Kämpfer. Es ſtromt das Blut, dem Waldſtrom gleich, von Winterregen angeſchwellt, gleich des Euripos Wogen in der Meerenge von Euboea. Der Franke, auf die breiten Wunden ſtolz, die auf des halbnackten Körpers Weiße noch blutender erſcheinen, iſt ein Ge⸗ ſpenſt, aus Gräbern losgelaſſen, und mitten unter Todten brüllend. Der Waffen lichtes Blinken hat itzt des Staubs, des Schweiſſes und des Mordes Farbe überzogen. Zerſplittert ſind die Helme, die Federbüſche abgeriſſen, geſpaltet die Schilde, durch⸗ bohrt die Harniſche.— Der Flammenathem von hunderttauſend Kämpfern bildet, ſich über dem Schlacht⸗ felde ſammelnd, eine Lufterſcheinung, durch die von Zeit zu Zeit das Leuchten eines Schwertes zuckt, wie des Blitzes Flammenſtral durch eines Gewitters Dämmerſchein.— Im Geſchrei, in wildem Schim— pfen, Drohen, bei der Schwerter Klirren, beim Tö⸗ nen der Wurfſpieße, bei der Pfeile urd des Wurf— geſchoſſes Pfeifen, beim Krachen der Kriegsmaſchinen wird nicht mehr gehört der Führer Stimme. „Meroveus hatte unter den Römern furchtbar gewuͤrgt. Er ſtand auf einem ungeheuern Wagen, bei ihm zwölf Waffengefährten, ſeine zwölf Pairs ge⸗ en, G Die d Dee Fran⸗ unb allier klagert. irbel rothen Haupt der trom lleich, 25 Euripos er Franke, halbnackten iſt ein Ge⸗ nitten unter Blinken hat des Mordes Helme, die oilde, durch⸗ nathem von em Schlacht⸗ rch die von rtes zuckt, Gewitters [dem Schim⸗ en, beim To⸗ d des Wurf⸗ egsmaſchinen me. ern furchthan gern Wagen, olf Pairs ge⸗ 167 nannt; hoch ragte ſein. Haupt über alle auf. über dem Wagen ſlatterte ein Feldzeichen, benamt die Ori⸗ flamme. Mit grauenvoller Beute beladen zogen den Wagen drei Stiere, deren Knie vem Blute trieften, auf deren Hörnern ſcheuslich zerrißne Glieder hiengen. Der Erbe des Schwertes Pharamunds war an Alter, Schönheit, Wuth, der Dämon Thraziens, der nur an brennender Städte Gluten ſeiner Altäre Flamme zün⸗ det. Meroveus galt den Franken die wundervolle Frucht der heimlich ſtillen Liebe der Gattinn Clodios zu einem Seeungeheuer; des jungen Sikambren blon⸗ des Haar, geſchmückt mit einer Lilienkrone, glich dem kräftig goldnen Flachs, den eine jungfräulich wei⸗ ße Binde um die Spindel einer Barbarenköniginn e das gefeſſelt. Seine Wange färbte das th der Beeren wilder Roſen, die in Germaniens Wäldern unter Schnee noch glühen. Um den Hals hatte die Mutter ihm ein Band von Muſchelwerk geſchlungen, wie die Gallier Heiligthümer an die Zweige des ſchönſten Sprößlings im heil'gen Haine hängen. Wenn Mero⸗ veus, die weiße Fahne in der Rechten ſchwingend, die ſtolzen Sikambren zum Feld der Ehre rief, dann jauchzten ſie voll Kriegesluſt und warmer Liebe: be⸗ wundernd huldigten ſie drei Heldenſprößlingen, dem Grosvater, Sohn und Vater. „Meroveus, von Mord geſättigt, ſah bewegungs⸗ loes herab vom Wagen auf die Leichen, die er in Hau— fen hingeſtreckt auf der Ebne hatte. So ruht der 168 Löwe aus Numidien, wenn eine Schaafheerde unter ſeinem Zahne blutete: ſein Hunger iſt geſtillt— heiß qualmt der Mord aus ſeinem Schlunde; bald ſchließt, bald öffnet er den müden Rachen, von Wolleflocken ſtarrend: er ruhet endlich in erwürgter Lämmer Mitte, die Mähne, von blut'gem Thau befeuchtet, wogt auf des Nackens Seiten nieder; er kreuzt die krafterfüllten Klauen, und ſtreckt den Kopf auf ihre Enden hin; das Auge halbgeſchloſſen, beleckt er noch die zarten Lämmer, die um ihn ausgeſtreckt im Staube liegen. „Der Heerführer der Gallier ſieht Meroveus in dieſer beſchimpfend ſtolzen Ruhe. Seine Wuth ent⸗ flammt; er naht dem Sprößling Pharamunds und ruft ihm ſpottend zu: „Feldherr mit dem langen Haare, anderſt ſollſt du bald auf dem Throne des Mars der Gallier ſitzen.— Du verdienſt, o junger Held, in Teuts Pallaſt des Stahles Zeichen mitzubringen; du ſollſt in ſchimpfli— chem Alter mir nicht ſchmachten.“ „Wer biſt du,“ entgegnet Meroveus bitter läch⸗ lend,„biſt du von altem edlem Stamme? Du fürch⸗ teſt meinen Speer nicht, Römerſklave?“ „Nur eines fürchte ich,“ verſetzt von Grimm erbebend, ihm der Gallier;“ der Himmel könne auf mein Haupt hernieder ſtürzen.“ eerde unter lt— heiß ald ſchließt, Volleſlcken imer Mitte, wogt auf afterfüllten enden hin; die zarten ibe liegen. NVeroveus in Vuth ent. inunds und inderſt ſollſt er ſitzen.— Pallaſt des n ſchimpfli⸗ bitter läch⸗ 2 Du fürch⸗ von Grimm el konne auf 169 „Laß mir die Erde nur,“ war die Antwort des ſtolzen Sikambren. „O ja,“ ſchrie wüthend der Gallier„die Erde, die du von mir erringſt, ſie ſoll auf ewig dein Erbe ſeyn.“ 9 „Itzt ſtützt ſich Meroveus auf den Speer, und ſchwingt über die Stiere ſich vom Wagen; vor ihrem Haupte ſteht er da, und bietet Kampf dem Gallier, der ihm entgegen eilt. „Die Heere machen Halt, der Führer Kampf zu ſchauen. Der Gallier ſtürzt, den Degen in der Fauſt, auf den Frankenjüngling ein, drängt ihn, haut, verwundet ſeine Schulter und zwingt ihn, unter der Stiere Hörner ſich zu flüchten. Meroveus ſchleudert die Halbpicke— ſie ſenkt die Wiederhacken in des Gal— liers Schild; itzt ſchwingt, gleich einem Leoparden, ſich Clodios Sohn empor, tritt auf den Wurfpfeil mit ſeiner ganzen Schwere, beugt ihn zur Erde, und neiget mit ihm ſo des Feindes Schild. Gezwungen, den Körper zu entblößen, zeigt das Haupt itzt der un⸗ gluckliche Gallier. Meroveus ſchwingt die Streitaxt; ſie pfeifet jegt und trifft die Stirn des Galliers; wie die Axt des Holzhauers den Kieferſtamm.— Ge⸗ ſpalten iſt des Kriegers Haupt, auf beiden Seiten ſtromt Gehirn, die Augen rollen hin zur Erde.— 9 ſteht einen Augenblick der Rumpf, die Hände 170 zuckend in die Luft geſtreckt; ein Schauſpiel, Grauſen gemiſcht mit Mitleid, zu erwecken. „Ein ſchmerzliches Geſchrei preßt der Anblick aus der Bruſt der Gallier. Ihr Führer war der letzte Sprößling des Vercingetorix, der Caeſars Glück ſoe lang die Wage hielt. Es ſchien mit ſeinem Tod der Gallier Reich, den Römern entriſſen, den Franken nun errungen— ſie umſchlingen freudejubelnd Mero⸗ veus, erheben ihn auf einem Schilde, und rufen ihn zum König mit ſeinen Vätern aus, als der Sikambren tapferſten. Schrecken begann der Legionen Arm zu lähmen. Conſtantius, deſſen Blicke aus des Rückhalts Mitte den Bewegungen der Truppen folgten, gewahrt die Muthloſigkeit der Cohorten. Er wendet ſich zu der Legion der Chriſten:„Tapfre Krieger, das Loos von „Rom liegt itzt in euren Händen. Auf, in den Feind!“ „Vor dem Caeſar ſenken die Glaͤubigen die Adler, von deren Spitze des Glaubens Fahne faattert. Vik⸗ tor befiehlt: die Legion ſetzt ſich in Marſch und ſteigt ſchweigend herab vom Hügel. Jeder Krieger trägt ein Kreuz auf ſeinem Schilde, umgeben mit den Wor⸗ ten:„Hoc signo vinces.“— Die Centurionen alle waren Martyrn, mit Narben, vom Feuer und vom Stahl, bedeckt. Was vermogte gegen dieſe Männer die Furcht vor Tod und Wunden?— Rüh⸗ rende Treue! Für ihre Fürſten wollten ſie verſprützen — in den Lille Ebene Lauf ſie Feue gold wend ſten Stu getre mild alter es ſel ret ſt die ner mas d fä duſen nbren im zu khalts wahrt zu der s von ind!“ Adler, Pik⸗ ſteigt trägt Wor⸗ rionen prützen 2⸗2 12.—— des Blutes letzte Tropfen; deſſen Quellen dieſe faſt vertrocknet hatten. „Keine Furcht, doch auch keine Freude malte ſich in den Zügen der Chriſtenhelden; einer makelloſen Lilie war ihre Tapferkeit vergleichbar.— In der Ebene rückte vor die Legion; da fühlten die Franken im Lauf des Sieges ſich gehemmt; ſie ſahen, ſo erzählten ſie, an der Spitze dieſer Legion eine Wolken- und Feuerſäule und einen weißen Ritter, mit Lanz' und goldnem Schild gewappnet. Die fliehenden Römer wenden ſich; Hoffnung erblühet wieder in den ſchwäch— ſten, feigſten Herzen: ſo blickt, wenn, nach einem Sturm der Nacht, im Oſten die Morgenſonne ſtralt, getroſt der Landmann zum Geſtirn des Tags, von dem mild die Natur erglänzt— unter dem Epheu der altergrauen Hütte zwitſchert froh der junge Sperling, es ſetzt der Greis ſich auf der Pforte Schwellen, er hö ret ſüße Töne in den Lüften, und preißt den Ewigen „Als nun die Krieger Chriſti nahen, da ſchließen die Barbaren ihre Reihen, die Römer rotten ſich von neuem. Das Schlachtfeld hat die Legion erreicht; ſie macht itzt Halt, beugt das Knie zur Erde, und em pfängt aus eines Friedensdieners Hand den Seegen des Gottes der Heere. Conſtantius ſelbſt nimmt ab die Lorbeerkrone, und neiget ſich. Empor hebt ſich die heil'ge Schaar; ſie wirft den Wurfſpieß nicht; ſie naht mit hochgeſchwungnem Schwert dem Feind 172 —.. Auf allen Seiten erneut ſich nun der Kampf: eine weite Lücke öffnet ſich die Chriſtenſchaar in der Barba⸗ ren Reihen— licht wird es in den Tiefen dieſer le⸗ benvollen Feſtung. „Römer, Griechen, Gallier, alle ſtürmen Vik⸗ tor wir nach in der Franken durchbrochne Reihen. Auf eines geregelten Heers Angriffe folgen itzt Szenen, den Kämpfen der Helden Ilions vergleichbar. Tau⸗ ſend Kriegergruppen drängen, ſtoßen, treiben ſich, allenthalben Schmerz, Verzweiflung, Flucht. Um⸗ ſonſt, ihr Frankentöchter, habt Balſam für Wunden ihr bereitet, die ihr nicht heilen könnt. Dem einen hat des Wurfpfeils Spitze das Herz durchbohrt, er fühlt des Mutterlandes heilig liebe Bilder aus ſeinen Tiefen ſchwinden; jenem zerſchmettert beide Arme ein Keulenſchlag, er wird nicht mehr den Sohn an ſeinen Vaterbuſen drücken, den noch an zarter Bruſt die Gat⸗ tinn ſäugt.— Um den Pallaſt der eine, um die Hütte klagt der andre; der um ſeine Freuden, jener um ſeinen Schmerz; denn, wie das Glück, ſo feſſelt das Elend auch an's Leben.— Da ſtirbt, umringt von ſeinen Waffenbrüdern, ein Heidenkrieger; ſein Mund ſtrömt ſterbend Fluch den Göttern und ſeinem Caeſar aus; dort endet der Chriſt einſam, mit der ei⸗ nen Hand zurück die Eingeweide preſſend, in der an⸗ dern ein Crucifix, für ſeinen Kaiſer betend. Die Si⸗ cambren, alle Wunden vorne, auf den Rücken hinge⸗ eine Barba⸗ der le⸗ Vik⸗ Auf zenen, Tau⸗ n ſich, Um⸗ Vunden n einen hrt, er ſeinen me ein ſeinen ie Gat⸗ um die , jener o feſſelt umringt er; ſein ſeinem t der ei⸗ der an⸗ Die Si⸗ hinge⸗ 173 ſtreckt, blickten wild im Tode noch, es wagte kaum der muthigſte, ſie anzublicken. „Nie will ich euch, der Frankenjünglinge edles Paar, vergeſſen, das auf des Mords Gefilden dort ich fand. Die treuen Freunde, liebender als weiſe, hatten, um gleiches Loos ſich zu bereiten, mit einer Eiſenkette aneinander ſich gefeſſelt.— Der eine ſank, entſeelt vom Pfeile eines Creters; der andre, mit ſchmerzlich grauſer Wunde, hielt, noch lebend, bei dem Waffenbruder ſich zur Hälfte aufgerichtet. Er ſprach:„Krieger, du ruhſt vom Schlachtgetümmel aus; nicht mehr wirſt meiner Stimme du das Auge öffnen, doch unzerbrochen iſt die Kette unſrer Freund⸗ ſchaft; ſie feſſelt mich noch itzt an deine Seite.“ „Der junge Franke endet, er neiget ſich, und ſtirbt auf ſeines Freundes Leiche. Es miſchen, verwirren ſich die ſchönen Locken, der wogenden Flamme des Doppeldreifußes gleich, die auf einem Altar erliſcht; gleich dem feuchten Flimmerglanz des Zwillingsſterns, der zur Ruhe in des Meeres Flut ſich ſenkt. Des Todes unzerſtörbare Feſſel ſchlingt ſich um das Paar, durch andre Bande ſchon verſchlungen. „Der matten Arme Streiche fallen langſamer; ſchneidender und wimmernder wird nun der Klageton, Bald haben Schaaren von Verwundeten den Todes⸗ kampf geendet, dann herrſcht ein grauenvolles Schwei⸗ gen; bald leben wieder auf die Schmerzeslaute, und 1/74 ſteigen in langen Klagetönen zum Himmel auf. Pfer⸗ de irren herrenlos, ſie bäumen oder winden ſich auf Leichen; verlaßne Kriegsmaſchinen brennen da und dort als Leichenfackeln des ungeheuern Trauerfeſtes. „In ihre Schatten hüllte die Nacht den Schau— platz der Menſchenwuth.— Beſiegt, doch immer furchtbar, zogen ſich die Franken in ihre Wagenburg. Die Nacht, ſo nothig unſrer Ruhe, war eine Nacht der Unruh nur— wir fürchteten Angriffe mit jedem Augenblick. Das Geſchrei der Barbaren war der wil— den Thiere Heulen zu vergleichen; die Tapfern beklag— ten ſie, die ſie verloren hatten, und bereiteten ſich ſelbſt dem Tode.— Wir wagten nicht, die Waffen abzulegen, oder Feuer anzuzünden. Der Römerkrie⸗ ger ſchauerte; er ſuchte ſich im Dunkel, rief ſich zu, und flehte um Waſſer oder Brod, mit ihren zerriſſenen Gewanden verbanden ſie die Wunden. Die Wachen antworteten ſich, indem ſie den Nachtruf einander ſen⸗ deten. „Gefallen waren die Führer der Creter alle. Philopoemens Blut ſchien meinen Waffenbrüdern ein günſtig Zeichen; ſie hatten ihren Führer mich ernannt. Des Feindes Sturm hatt' ich auf mich gezogen, und ſo der gänzlichen Zernichtung die Eiſenlegion entriſſen. Beſtättigung in meiner Stelle, Conſtantius Lob und eine Eichenkrone waren des Glückeszufalls Lohn. An der leichten Truppen Spitze ſtieß ich faſt an's Lager der Schau. immer nburg. Nacht t jedem der wil⸗ beklag⸗ ten ſich Waffen merkrie⸗ ſich zu, riſſenen Lachen er ſen⸗ ter alle. dern ein ernannt. en, und ntriſſen Lob und An der „r der agel de 175 Barbaren— ich ſehnte mit Ungeduld der Morgenrö⸗— the mich entgegen: ein Schauſpiel enthüllte uns dies Morgenroth, das an Schrecken alles übertraf, was wir zuvor geſehen hatten. „Die Franken hatten in der Nacht die Köpfe den Römerleichen abgeſchnitten, und auf Picken ſie vor ihrem Lager aufgepflanzt, nach uns das Antlitz hinge⸗ kehrt. In des Lagers Mitte erhob ſich ein ungeheu⸗ rer Scheiterhaufen, von Pferdeſätteln und zerbrochnen Schilden aufgethürmt. Der alte Pharamund, das Auge ſchrecklich rollend, das lange Silberhaar im Mor⸗ genwinde flatternd, ſaß auf des Scheiterhaufens Spitze. An ſeinem Fuße ſtanden Meroveus und Clo dio; gleich Fackeln faßte ihre Hand zweier zerbroch⸗ nen Picken Flammenſchaft, bereit den Leichenthron des Vaters anzuzünden, wenn den Römern es gelänge, die Burg der Wagen zu erſtürmen. 4 2 „Schmerz und Staunen lähmte unſre Zungen; es ſchien durch ſoviel hohen Sinn und ſoviel Grauſam— keit der Sieger ſelbſt beſiegt. Thränen entſtrömten unſern Augen beim Anblick der blut'gen Häupter unſrer Waffenbrüder: es denken alle, wie der erbleich— te ſtumme Mund der Freundſchaft Wort noch geſtern ſprach. Bald folgt der Schmerzesklage der heiße Durſt nach Rache: nicht erwartet wird des Sturms Signal; nichts mehr vermag des Kriegers Wuth zu widerſtre⸗ ben— zertrümmert ſind die Wagen; das Lager öff⸗ 176 net ſich, man ſtürzt hinein. Da ſteht vor unſerm Blick ein neuer Feind: in ſchwarze Gewande eingehüllt, ſtürzen die Weiber der Barbaren uns entgegen, durch⸗ bohren ſich mit unſern Waffen, oder ſtreben, ſie un⸗ ſern Händen zu entwinden. Die halten beim Barte den fliehenden Sikamber feſt, und führen wieder ihn zum Kampf; jene zerreißen, trunknen Bacchantinnen vergleichbar, die Gatten und die Väter— viele er⸗ würgen ihre Kinder, und werfen ſie unter der Men⸗ ſchen Fuß, unter die Hufe der Pferde; noch andre ſchlingen um ihren Hals die Todesſchnur, feſſeln ſich an der Ochſen Hörner, und laſſen, graunvoll hin⸗ geſchleppt, ſich ſo erdroſſeln. Der Weiber eine ſchreit in der Mitte der Gefährtinnen:„Römer, eure Ge⸗ ſchenke waren nicht alle verderblich; ihr habt uns das Eiſen, das feſſeinde, gebracht, ihr ſchenkt auch Eiſen uns, das uns die Freiheit giebt!“— Sie ſank, durchbohrt von ihrem Dolche. 1 „Zernichtet waren die Völker Pharamunds, hätte der Himmel(vielleicht hat er großen Verhängniſſen ſie aufbewahrt) nicht den Kriegerreſt gerettet. Ein Sturmwind braußt aus Nordweſten; die Wogen ſtürzen auf das Sandfeld— ſchlammigt und ſchäu⸗ mend ſtürmt eine der Aequinoktialfluten daher, die in dieſen Gegenden den ganzen Ozean aus ſeinem Bett zu peitſchen ſcheinen.— Als mächt'ger Bunds⸗ genoſſe der Barbaren dringt das Meer in der Fran⸗ ken Lager, die Römer zu vertreiben.— Vor dem Heer kehrt Pate entſti Verw kend/ Szene men nur einer ſelbſ ſcif mit aus dieſe ſeine unſit die 4 Uber Waf duß ſer; ſich Ge⸗ gen zohn unſerm gehüll, durch⸗ ſie un⸗ —VBarte der ihn ntinnen dele er⸗ er Men⸗ h andre feſſeln voll hin⸗ 8 e ſchreit eure Ge⸗ uns das akt auch — Sie §, hätte ungniſſen et. Ein Wogen nd ſchäu⸗ zer, die 3 ſeinem Bundd⸗ eer Fran⸗ Vor dem —j 177 Heer der Wellen weicht der Römer; der Franken Muth kehrt wieder— ſie wähnen, das Seeungeheuer, der Vater ihres jungen Fürſten, ſei den Grotten von Azur entſtiegen, um ſchützend ihnen beizuſtehn. Unſre Verwirrung benützen ſie; des Meers Gewalt verſtär⸗ kend, drängen, treiben ſie uns zurück. Wundervolle Szenen ſtehn vor dem Blicke allenthalben; da ſchwim⸗ men geſchreckte Stiere mit den Wagen, die ſie ziehn, nur die krummen Hörner blicken aus den Wogen; einer Schaar von Flüſſen gleichen ſie, die dem Ozean ſelbſt ihre Gaben bringen— flott werden die Leder⸗ ſchiffe der Salier, ſie verfolgen uns mit Steuer- und mit Ruderſtreichen. Meroveus hatte eine Barke ſich aus einem großen Weidenſchild gebildet; getragen von dieſer kriegeriſchen Concha, verfolgt' er uns, im Geleite ſeiner Pairs, die, Tritonen gleich, ihn umwogten. Von unſinniger Freude ergriffen, klatſchten die Weiber in die Hände, und ſegneten die Wogen, die befreienden. Überall bricht ſich die ſteigende Welle und beſprützt die Waffen; der Reuter verſinkt im Wogengrab, der Fußknecht reckt nur das Schwert noch aus dem Waſ⸗ ſer; Leichen, die belebt von neuem ſcheinen, wälzen ſich zwiſchen Sand und Schlamm und Meergras hin. Getrennt von unſern Legionen bekämpft' ich mit eini⸗ gen Kriegern lange einen Barbarenhaufen; der Über⸗ zohl erlag ich endlich, und fiel, bedeckt mit Wunden, in meiner Waffenbrüder Mitte, die tod an meiner Seite lagen. I. Band. 12 178 „So lag ich ein paar Stunden beſinnungslos. Als dem Licht mein Auge ſich wieder öffnete, da ſah ich die feuchte Sandebene nur, verlaſſen von den Wel⸗ len; Leichen von Ertrunknen, halb in den Sand be⸗ graben; das Meer, in unermeßner Ferne, bläulicht einen Streif am Horizonte ziehn. Aufrichten wollt' ich mich, doch ich vermogt' es nicht; ich muſte auf dem Rücken liegen bleiben, den Blick zum Himmel auf ge⸗ richtet.— Meine Seele wogte zwiſchen Tod und Le⸗ ben, da hört' ich eine Stimme lateiniſch die Worte ſprechen:—„Lebt hier noch einer, der gebe es durch Worte kund.“ Mühſam wendete ich mich nach der Stimme hin, und ſah einen Franken, in dem ich am Kriegskleid von Birkenrinde einen Sklaven erkannte: meine Bewegung gewahrte er, eilte zu mir hin, und ſprach, als er mein Vaterland an meinem Gewand errieth:„junger Grieche, faſſe Muth!“ Er kniete an meiner Seite nieder, bückte ſich herab zu mir, und unterſuchte meine Wunden.„Ich glaube ſie nicht gefährlich,“ rief er aus, und zog aus einer Taſche von Ziegenfellen dann Balſam, Kräuter und eine Flaſche reinen Waſſers. Er wuſch die Wunden mir, reinigte ſie linde, und verband ſie dann mit langen Schilfblättern.— Durch leiſes Kopfnicken und durch das Staunen, das ſich in meinem feaſt erloſchnen Auge malte, vermogt' ich einzig ihm zu danken. Als er nun mich wegbringen wollte, ward er ſehr verlegen. Er blickte voll Unruh um uns her, denn er fürchtete, ſo ſagt' er in der Folge mir, von einem Haufen Bar⸗ barel te; Mitt wahrt Hälft mir zu auf ſei ſam( überſe dem mang geho geüb in's bekra herab tern, die? pfleg und lebe mein den, dungslos. „ da ſah den Wel⸗ Band be⸗ bläulicht en wollt' auf dem lauf ge⸗ und Le⸗ ie Worte ees durch nach der m ich am erkannte: hin, und Gewand Er kniete zu mir, ſie nicht er Taſche und eine den mir, nt langen und durch erloſchnen ken. Als verlegen. fuͤrchtete/ ffen Bar⸗ 179 baren entdeckt zu werden. Die Stunde der Fluth nah⸗ te; aus der Gefahr ſelbſt ſchöpfte mein Befreier das Mittel meiner Rettung: ein Boot der Franken ge⸗ wahrte er, geſcheitert auf dem Sande; er richtete zur Hälfte mich erſt auf, dann neigt' er beinah ganz vor mir zur Erde ſich, zog ſanft zu ihm mich hin, lud mich auf ſeine Schultern; ſtand auf, und trug mich müh⸗ ſam(er war hochbejahrt) zum nahen Kahn. Bald überſchwemmte wieder die See die Sandküſte; aus dem Sande riß der Sklave eine Picke, der das Eiſen mangelte, und lenkte den Kahn, als die Woge ihn gehoben hatte, mit der zerbrochnen Waffe, gleich dem— geübteſten Piloten.— Weit trieb uns die Fluth in's Land an die Geſtade eines Stroms, mit Wald bekränzt. „Der Franke kannte die Gegenden; er ſtieg herab in's Waſſer, lud mich von neuem auf die Schul⸗ tern, und trug mich ſo in eine unterirdiſche Höle, wo die Barbaren ihr Getreid im Kriege zu verbergen pflegten. Hier bereitete er mir von Moos ein Lager, und reichte mir ein wenig Wein, mich wieder zu be⸗ leben. „Armer Unglücklicher“ ſprach er nun zu mir in meiner eignen Sprache;“ ich muß von dir itzt ſchei⸗ den, du muſt die Nacht allein hier weilen. Ich hoffe, morgen dir frohe Kunde mitzubringen, ſuche indeß ein wenig des Schlummers zu genießen.“ 180 „Er ſprach's und breitete auf mich ſein ärm⸗ liches Gewand, von dem er, mich zu decken, ſich ent— blößte, und floh dann in's Gehölze. ſein arm⸗ ſich ent⸗ „.—. 8 B Inhal ſt. Folge der Erzaͤhlung. Eudoros wird Pharamunds Sklave. Zacharias Geſchichte. Clotilde, Pharamunds Ge⸗ mahlinn. Beginnen des Chriſtenthums unter den Franken. Ihre Sitten. Wiederkehr des Fruͤhlings. Jagd. Die Barbaren des Norden. Ovids Grab. Eudoros rettet Meroveus das Leben. Meroveus verheißt ihm Freiheit. Ruͤckkehr der Jaͤger in Pha⸗ ramunds Lager. Die Goͤttinn Hertha. Feſt der Fran⸗ ken. Sie rathſchlagen uͤber Krieg oder Friede mit den Roͤmern. Camulogenes und Chloderichs Wort⸗ wechſel. Die Franken beſchließen, um Frieden zu bitten. Eudoros wird frei; die Franken tragen ihm Friedens⸗ vorſchlaͤge an Conſtantius auf. Zacharias geleitet Eudoros an Galliens Graͤnze. Ihr Abſchied. klave. 6 Ge⸗ eer den lings. Grab. roveus Pha⸗ Fran⸗ de mit Wort⸗ bitten. dens⸗ leitet Siebentes Buch. „ Bei Haeraklaes,“ rief Demodokos, Eudoros Er⸗ zälung unterbrechend,„ Asklaepios Kinder hab' ich ſtets geliebt. Mitleidig ſind ſie gegen die Menſchen, und kennen das Verborgne; man findet unter Göttern, Kentauren, Heröen und Hirten ſie.— Wie nannte ſich, mein Sohn, der göttliche Barbar, dem Zeus, ſo ſcheint es mir, ſein Loos nicht aus des Guten Urne zog? Der Herr der Wolken beſtimmt nach Willkühr das Loos der Sterblichen; dem einen ſchenkt er Glück, die andern ſtürzet er in jedes Unglücks Tiefen. Itha⸗ kas König muſte einſt ſich wonnig fühlen, als er auf einem Lager von dürren Blättern ruhte, mit eignen Händen von ihm aufgehäuft. Es wäre, bei tugend⸗ ſamern Menſchen, einſt ein Günſtling des Gottes von 184 Epidauros der Krieger Gefährte und ihr Freund geweſen, bei einem unwirthlichen Volke iſt er nun ein Sklave. Doch eile, Sohn des Laſthenes, des Befreiers Namen mir zu nennen, denn ehren will ich ihn, wie Machaon einſt der alte Neſtor ehrte.“ „Harold, nannten ihn die Franken,“ entgeg⸗ nete lächelnd ihm Eudoros.“ Bei des Tages erſtem Strale kehrte, wie er verheißen, er zu mir zurück. Ein Weib war mit ihm, bekleidet mit linnenem Ge⸗ wande, in Purpur getaucht, halb nackt war ihre Bruſt und ihre Arme nackt nach Frankenſitte. Beim erſten Anblick ſah man in ihren Zügen ein unerklärliches Ge⸗ miſch von Barbarey und Menſchenliebe walten; einer Geſichtsbildung Stempel wars, ſtark und wild von der Natur geſchaffen, doch durch des Mitleids und der Sanftmuth fremdart'ges Uiben ſanft gemildert. „Junger Grieche,“ ſprach der Sklave,„danke Clotilden, der Gemahlinn Pharamunds, meines Ge⸗ bieters. Sie hat Gnade dir vom Gatten ausgewürkt, und will dich ſelbſt abholen, um vor den Franken dich zu ſchützen. Wenn du geheilt von deinen Wunden biſt, dann wirſt ein dankbar treuer Sklave du ſicher ſeyn. 2 „Sklaven traten in die Höle; ſie legten mich auf verſchlungne Zweige und trugen mich ins Lager meines Herrn. 7 genttu zucht 1 gehen/ Verwuf Es dat Nachte Heere zum e ganz verna her. von Walle die w aus Stein bock, ren war doch der gemi Haa der von d Sol mich ager 185 Die Franken muſten, ihrer Tapferkeit und des Wo⸗ genſturmes unerachtet, den Sieg der Legionen Kriegs⸗ zucht überlaſſen; glücklich, gänzlicher Niederlage zu ent⸗ gehen, wichen ſie vor den Siegern. Mit den andern Verwundeten ward ich auf die Wagen hingeworfen. Es dauerte der Marſch vierzehn Tage und vierzehn Nächte, nach des Nordens Tiefen; als man vor dem Heere des Konſtantius ſich ſicher glaubte, da wurde zum erſtenmale Halt gemacht. „Kaum hatt' ich noch die Schrecken meiner Lage ganz gefühlt: doch, als die Ruhe meine Wunden zu vernarben begann, da blickt' ich ſchauernd um mich her. Ich ſah mich in der Wälder Mitte, Sklave von Barbaren, in einer Hütte eingeſperrt, die, einem Walle gleich, ein Kreis von jungen Bäumen ſchloß, die wachſend ſich verſchlingen ſollten. Ein roher Trank, aus Waizen bereitet; ein wenig Gerſte, zwiſchen zwei Steinen zermalmt; Lappen von Dammwild oder Reh⸗ bock, aus Mitleid mir zuweilen hingeſchleudert, wa⸗ ren meines Lebens Nahrung. Des Tages eine Hälfte war ich auf meinem Heulager mir einſam überlaſſen; doch bittrer litt ich noch, als in der Einſamkeiz, in der Barbaren Gegenwart. Der Dunſt des Bärenfettes gemiſcht mit Aſche von Eſchenholz, mit dem ſie ihre Haare einrieben, der Qualm des geröſteten Fleiſches, der Luftmangel in der Hütte und die Rauchwolke, von der ſie ſtets erfüllet war, raubten den Athem mir. So ließ mich gerecht die Vorſehung Neapels Hochge⸗ 186 nüſſe, die Wohlgerüche und die Üppigkeit entgelten, in denen ich mich einſt berauſchte. G„Der alte Sklave, an ſeine Pflichten angefeſſelt, konnte nur Minuten meinen Leiden ſchenken. Stau⸗ nen machte mich ſeiner Züge Heiterkeit, die unter der Arbeit Laſt ihn nie verließ. „Eudoros“ ſprach er eines Abends,„geheilt ſind beinah deine Wunden, morgen beginnſt du das Tagwerk deiner neuen Pflichten. Man wird mit eini⸗ gen Sklaven, um Holz zu holen, tief in den Wald dich ſchicken. Rufe, mein Sohn und mein Gefährte, rufe deine Tugend dir zur Hülfe; flehſt du zum Him⸗ mel, dann wird Beiſtand er dir ſenden. „Der Sklave gieng, und ließ mich der Ver⸗ zweiflung heimgegeben.— Furchtbar bewegt durch⸗ wachte ich die Nacht, ich faßte und verwarf im Wech⸗ ſel tauſend Plane. Bald wollt' ich meine Tage kür⸗ zen, bald ſann ich zu entfliehen.— Dech fliehen, ſchwach und ohne Stütze?— Wie den Weg aus dieſen Wäldern finden?— Ach mir blieb ein Troſt in meinen Leiden— der Glaube— das einzige Mit⸗ tel der Befreiung, an das ich nicht gedacht. Mich überraſchte in dieſer Seelenangſt der Tag, da ſchallte plötzlich eine Stimme: „Steh auf, Römerſklape!“ nen, ſamm ſie in hieſſe als gnü zula warn mat Nor wang mein ich la ſah gelten, efeſſelt, Stau⸗ er der (geheilt du das lit eini⸗ Wald efährte, Him⸗ r Ver⸗ durch⸗ Wech⸗ ge kuͤr⸗ lliehen, Jeg aus in Troſt ge Mit⸗ Mich ſchallte 187 „Eine Eberhaut gab man mir zur Bekleidung, ein Ochſenhorn, um Waſſer mir zu ſchöpfen, einen getrockneten Fiſch zur Speiſe— ſo folgte ich den Sklaven, die den Weg mir zeigten. „Als ſie nun angelangt im Walde waren, began⸗ nen, unter Schnee und welkem Laub, Baumzweige ſie ſammeln, vom Winde abgebrochen. Sie thürmten ſie in Haufen, und banden ſie mit Rinde dann. Sie hieſſen mich durch Zeichen, ihnen uachzuahmen; doch als ſie ſahen, daß unkundig ich der Arbeit ſei, be⸗ gnügten ſie ſich, mir ein Bündel dürrer Zweige auf⸗ zuladen.— Niedergebeugt unter das Sklavenjoch ward mir die ſtolze Stirne, auf Schnee wandelte der matte Fuß; vom Reife ſträubte ſich mein Haar, der Nordwind erſtarrte mir im Aug die Thräne. Den wankenden Tritt ſtützt' ich mit einem Zweige, den meinem Bündel ich entriſſen; dem Greiſe gleich ſchlich ich langſam zwiſchen des Waldes Baumen her. „Dem Schmerze wollt' ich eben unterliegen, da ſah ich plötzlich neben mir den alten Sklaven mit einem Bündel belaſtet, ſchwerer als das meinige; er lächelte mit der ſtillen Seelenruh mir zu, die niemals ihn ver⸗ ließ.— Des Schaamgefühls vermogt' ich nicht, mich zu erwehren. „Wie,“ ſo ſprach ich zu mir ſelbſt;„der Greis, von Jahren tiefgebeugt, lächelt unter der Bürde, 188 ſer die dreifach die meine überwiegt, und ich, ſo jung und haren w kräftig, ich weine!“ m auf mit Näg „Eudoros,“ ſprach zu mir mein Befreier, bezeugen „du fühlſt, wie ſchwer die erſte Bürde laſtet? denen di Junger Gefährte, Gewohnheit und Ergebung werden und den die andern dir erleichtern. Sieh her, welche Laſt in herab A meinen Jahren zu tragen endlich mir gelang!“ „ „Mir,“ rief ich,„mir die Laſt, die deine Kniee Schne beugt. Ich mögte, von deinen Leiden dich befreiend, heraus ſterben!“ lud m die erſ „Mein Sohn, ich habe keine Leiden— warum dann: dem Tode rufen?— Ich will mit dem Leben dich verſöhnen.— Laß hier uns in der Nähe ruhn; wir, zünden Feuer an, und koſen dann zuſammen.“„Schi⸗ „Lager „Holperigte Hügel erklimmten wir, gebildet,„kenn wie ich bald gewahrte, aus römiſcher Gebäude Trüm⸗ heike mern. Hohe Eichen! wuchſen hier bei einem andern nzul Geſchlechte ihrer Schweſtern, die an ihrem Fuſſe ge⸗„ſelt ſunken lagen. Als auf die Spitze der Hügel wir gelang⸗„Ab ten, erblickte ich die Einfaſſung eines öden Lagers.„ ſen „dan „Hier ſiehſt du,“ ſprach der alte Sklave,„die„ſius Wälder Teutoburgs und Varus Lager. Die Erdpira⸗ n mide, die du in der Mitte ſiehſt, iſt das Grabmal, in dem der gewürgten Legionen Reſte Gremanikus ver⸗ und ldet, Fuͤm⸗ ndern 189 ſcharren ließ. Doch geöffnet wurde es von den Bar⸗ baren wieder; von neuem wurden die Gebeine der Rö⸗ mer auf die Erde hingeſtreut; die gebleichten Schädel, mit Nägeln an die Baumſtämme gefeſtet, können dir's bezeugen. Etwas entfernter ſiehſt du die Altäre, auf denen die Centurionen der erſten Rotten man erwürgte und den Richtſtuhl, aus Raſen aufgethürmt, von dem herab Arminius zu den Deutſchen ſprach. „Bei den Worten warf das Reiſerbündel auf den Schnee der Greis. Ein paar Zweige zog er dann heraus, mit denen er ein kleines Feuer zündete; er lud mich ein, mich neben ihn zu lagern, zu wärmen die erſtarrten Hände, und erzählte mir ſeine Geſchichte dann: „Wirſt du, mein Sohn noch länger über dein „Schickſal klagen, wagſt du im Angeſicht von Varus „Lager von eignem Leiden noch zu ſprechen? Oder er⸗ „kennſt du hier das Loos, das allen Menſchen fällt, „erkennſt, wie es unnütz ſei, gegen Leiden ſich auf⸗ „zulehnen, vom Menſchenleben unzertrennbar?— Ich „ſelbſt bin dir ein treffend Beiſpiel von dem, was „Aberwitz des Schickſals Launen nennt.— Du be⸗ „ſeufzeſt deinen Sklavenſtand?— Was wirſt du „dann wohl ſagen, wenn einen Sprößling des Caſ⸗ „ſius du in mir, Sklaven ſiehſt, in mir, der freiwil⸗ „lig ein Sklave iſt? 190 „Als meine Ahnen man aus Rom verbannte, „weil ſie gekämpft für Freiheit hatten; als ihre Bil⸗ „der ſelbſt beim Leichenzug man nicht mehr tragen „durfte, da flüchtete ſich mein Stamm unter des Chri⸗ „ſtenglaubens Flügel, der wahren Unabhängigkeit „Aſyl. „Die Seele genährt mit den Vorſchriften des „göttlichen Geſetzes dient' ich lange als gemeiner „Krieger in der Thebaiſchen Legion, wo ich den Na⸗ „men Zacharias führte. Es ließ die Chriſtenlegion „Maximian bei Agaunum in den Alpen morden, weil „ſie den falſchen Göttern zu opfern ſich geweigert „hatte. Auf ewig unvergeßlich ward hier der ſanfte „Geiſt des Evangeliums bewährt. Viertau⸗ „ſend Veteranen, ergraut im Waffenſpiel, kraft⸗ „voll, mit Schwert und Picke in der Fauſt, boten, „friedlichen Lämmern gleich, den Henkern ihren Nak⸗ „ken dar. In ihre Seele kam auch nicht der leiſeſte „Gedanke der Vertheidigung; ſo tief war in ihr Herz „des Meiſters Lehre eingegraben, der Gehorſam ih⸗ „nen auferlegt, und die Rache unterſagt. Zuerſt fiel „Mauritius, der Führer der Legion. Unter dem „Schwerte ſanken die meiſten Krièger. Man hatte „die Hände auf den Rücken mir gefeſſelt. Da ſaß „ich unter der Schlachtopfer Schaar, und harrte des „Todesſtreichs, doch verborgen ſind der Vorſicht „Wege; in dem allgemeinen Würgen vergaß man „meiner. Die um mich aufgethürmten Leichen ver⸗ „ bargen haue e „ſeinem „Um „nich he ſeines I ich mei „geblend „merten „Duftr „der am „hatte „ich ſu „mit r „überne „meinel „meinen mdas He „neuen „Stelle „Dann „Thrä „wallt / „und „mich „zuſteh egien „weil eigert aanfte ertau⸗ kraft⸗ oten, Nak⸗ ſeſte 191 „bargen mich den Blicken der Centurionen; vollendet „hatte ſein Werk Maximian, und zog dann fort mit „ſeinem Heere. „Um die zweite Nachtwache lag alles um „mich her in tiefem Schweigen, ich hörte nur noch „eines Waldſtroms Brauſen im Gebürge; da erhub „ich mein Haupt, und ſah von einem Wunder mich „geblendet. Die Leichen meiner Waffenbrüder ſchim⸗ „merten in lichtem Stralenglanze; es ſtieg ein ſüſſer „Duft von ihnen auf. Ich betete den Gott der Wun⸗ „der an, der meiner Tage Opfer verſchmäht noch „hatte; begraben konnt' ich nicht ſo viele Heilige; „ich ſuchte nur den großen Mauritius. Ich fand ihn „mit nächtlich gefallnem Schnee halbbedeckt. Von „übernatürlicher Kraft erſtarkt, entledigte ich mich „meiner Feſſeln, hölte mit dem Schaft einer Lanze „meinem Feldherrn ein tiefes Grab, und vereinte dort „das Haupt Mauritius mit ſeinem Rumpfe. Den „neuen Makkabäer fleht' ich, ſeinem Kämpfer eine „Stelle bald in des Himmels Kriegerſchaaren zu erbitten. „Dann ſchied ich vom Gefilde des Triumphes und der „Thränen; ich ſchlug den Weg nach Gallien ein, und „wallte hin zu Dionys, Lutetias erſtem Biſchoff. „Mit Freudenthränen empfieng mich der Heilige, „und nahm mich unter ſeine Diszipeln auf. Als er „mich fähig hielt, in ſeinem Amt ihm hülfreich bei— „zuſtehn, da legte er mir die Hände auf, weihte zum 192² „Prieſter Chriſti mich, und ſprach:„Demüthiger „Zacharias, ſei menſchenliebend, fromm, das ſind „ die Lehren alle, die ich dir zu geben habe.“— Stets „meine Freunde zu verlieren, war meines Schickſals „Lauf, und ſtets durch eine Hand! Das Haupt ab⸗ „ſchlagen ließ Maximian dem Dionyſius und ſeinen Ge⸗ „fährten Ruſtikus und Eleutherius. Das war in Gal⸗ „lien ſein letztes Werk, das er bald an Conſtantius „dann abtrat. „Unabläßig ſtand vor meinem Auge meines heili⸗ „gen Biſchoffs Lehre. Von Verlangen fühlte ich mich „brennen, den Unglücklichen zu dienen; oft fleht' ich „Dionys, mir durch ſein Wort beim Sohn Mariens „dieſe Gnade zu erbitten. „Die Chriſten Lutetias hatten in eine Grotte „ihren Biſchoff eingeſenkt, am Fuß des Hügels, wo „man ihn enthauptet hatte. Der Berg des Mars „hieß dieſer Hügel, durch Sümpfe war er von der Se⸗ „quana getrennt. Als eines Tags ich durch dieſe „Sümpfe ſchritt, daſtürzte, außer ſich, ſchreiend, ein „Chriſtenweib auf mich zu:„Zacharias, ich bin die „ärmſte aller Weiber! Die Franken haben meinen „Mann gefangen, drei unerzogne Kinder ließ er mir „daheim, kein Mittel, ſie zu nähren!“ Ein flüchtig „Roth ſtieg itzt auf meine Stirne, ich fühlte, daß Gott, „auf des großen Martyrs Bitte, den ich angefleht, „mir dieſe Gnade ſende; doch barg ich meine Freude, „und ſprach nur zu dem Weibe:„Sei guten Muths, d „Unglück „Glauber ner in d „Die R „Fianke „hin, „Tauſch „ders ſe „ich auf „andere „ein. 2 „ter ſoll nihm en „der a „nem „Kind 91 „ hat n „wohn „ Gluck J. Ba nüthiger as ſind Stets dickſals aupt ab⸗ nen Ge⸗ in Gal— tantius es heili⸗ ich mich geht' ich Mariens Grotte As, wo — M 5 9 ar. meinen er mir fluchtig iß Gott, gefleht, Freude, Muths, 193 „dein wird ſich Gott erbarmen.“ Und ohne länger „zu verweilen trat ich den Weg nach Agrippina an. „Ich kannte den gefangnen Krieger. Er war „ein Chriſt, und eine Zeitlang ich ſein Waffenbru⸗ „der. Der Mann war ſchlichten Sinns, er fürchtete „im Glücke Gott, doch leicht ſank ihm der Muth im „Unglück; zu beſorgen war, er werde im Leiden den „Glauben verläugnen. Zu Agrippina hörte ich, daß „er in die Hände des Feldherrn der Salier gefallen. „Die Römer hatten einen Wafefenſtillſtand mit den „Franken abgeſchloſſen. Ich gieng zu den Barbaren „hin, ſtellte Pharamund mich dar, und bet zum „Tauſch mich für den Chriſten an— ich konnte an⸗ „ders ſein Lösgeld nicht bezahlen, denn nichts beſaß „ich auf der Welt. Stark und kräftig war ich, der „andere Sklave war ſchwach; man gieng den Vorſchlag „ein. Nur eine Bedingung ſetzte ich; mein Gebie⸗ „ter ſollte zurücke den Gefangnen ſenden, doch nacht „ihm enthüllen, wie er losgekauft ſeie So geſchahs, „der arme Familienvater kehrte freudenvoll zu ſei⸗ „nem Heerde, zu tröſten ſein Weib, zu nähren ſeine „Kinder. „Seitdem bin ich Sklave hier geblieben— wohl „hat mir Gott gelohnt— denn, unter dieſen Völkern „wohnend, ward Chriſtus Lehre auszuſäen mir das „Gluck. Beſonders längſt der Flüſſe Ufern ſtrebe ich I. Band. 13 . 194 „mit allen Kräften das Unglück trauriger Verſuche „wieder gut zu machen. Die Barbaren um zu prüfen, „ob ihre Kinder einſt rüſtig werden, pflegen ſie auf ei⸗ „nem Schild den Wogen auszuſetzen. Nur die oben⸗ „ſchwimmenden erhalten ſie, und laſſen zu Grunde „gehn die übrigen. Wenn aus der Flut zu retten „dieſe kleinen Engel mir gelingt, dann tauf' ich ſie „in des Vaters, des Sohnes und des heil'gen Gei⸗ „ſtes Namen, den Himmel ihnen außzuſchlieſſen. „Die Schlachtgefilde bieten noch reichre Erndte „mir; da ſchleiche ich, gleich dem Würgerwolf im „Dunkel unter Mord und Leichen. Ich rufe dann „den Sterbenden, die mich erſchienen, ſie zu plün⸗ „dern, wähnen: ich male ihnen ein beßres Leben, „und mühe mich, ſie hin in Abrams Schoos zu „ſenden.— Sind nicht tödtlich ſie verwundet, dann „verſuch' ich Hülfe, und hoffe ſo durch Chriſtenliebe „dem Gott der Armen und der Leidenden ſie zu ge⸗ „winnen. „Meiner Eroberungen ſchönſte bis daher iſt mei⸗ „nes alten Gebieters Pharamund jugendliche Gat⸗ unn. Es hat Clotilde ihr Herz dem Menſchen⸗ hn geöffnet. Wild und grauſam war ſie; mitlei⸗ 3, ſanft iſt ſie geworden. Sie hilft jeden Tag paar Unglückliche mir retten. Sie iſt's, der du „dein Leben dankſt. Als ich ihr zu verkünden eilte, „daß ich unter den Toden dich gefunden, da dachte . daß die dem Ga deine Be lieben die 9 geduldlo „opfern T d „Sühlſt „bittet „ dich ve ndir zu „er geb „Himm „ren, b „den M „wohin „trug. „dens „ſollte „ſeyn: 7 Worte heimni nicht, verwirn erſuche drufen, auf ei le oben⸗ Grunde retten ich ſie en Gei⸗ en. Erndte wolf im ffe dann zu plün⸗ Leben, kenliebe zu ge iſt mei⸗ he Gat Renſchen⸗ ; mitlei⸗ en eilte, a dachte 195 „ſie zuerſt, verborgen in der Grotte dich zu halten, „um der Sklaverei dich zu entreiſſen. Sie erfuhr, „daß die Franken weiter rückwärts zögen; ſie mußte „dem Gatten das Geheimniß nun enthüllen, und „deine Begnadigung von ihm erbitten— denn es „lieben die Barbaren geſunde ſtarke Sklaven, allein, „geduldlos von Natur, das Leben ſelbſt verachtend, „opfern ſie faſt immer die Verwundeten. „Dies iſt, mein Sohn, die Geſchichte Zacharias. „Fühlſt du, daß etwas er für dich gewirkt, dann „bittet er nur das zum Lohn, daß du nicht nieder „ dich vom Kummer beugen laſſeſt, daß du die Seele „dir zu retten ihm geſtatreſt, nachdem den Körper „er geborgen. Du biſt Eudoros unter dem milden „Himmelsſtrich, dem Land der Wunder nah, gebo⸗ „ren, bei den bildungsreichen Völkern, die Cultur „den Menſchen ſchenkten, im Land der Griechen, „wohin Paulus, der göttliche, des Glaubens Lichtſtral „trug. So viel Vorzüge wurden dir vor des Nor⸗ „dens Söhnen mit rohem Geiſt und wilder Sitte, „ſollteſt des Evangeliums Liebe unempfäanglicher du „ſeyn?“ „Einem Stachel gleich drangen Zachariens letzte Worte mir ins Herz; ich erlag dem unwürdigen Ge— heimniß meines Lebens: zu dem Befreier wagt' ich nicht, das Auge aufzuſchlagen. Da ſtand ich, der verwirrungslos dem Blick der Weltenherrn begegnet 196 hatte, zernichtet vor der Majeſtät eines alten Chri⸗ ſtenprieſters, des Sklaven von Barbaren.— Schaam feſſelte die Zunge mir, das Vergeſſen meines Glau⸗ bens zu geſtehen; Verlangen, alles zu bekennen, ſpornte mich; meine Beſtürzung war gränzenlos. Zacharias gewahrte es, er glaubte meine Wunden wieder auf⸗ gegangen und fragte beſorgt mich um meiner Unruh Quelle. Beſiegt durch ſo viel Güte, mit Thränen, die wider meinen Willen Bahn ſich brachen, warf ich mich zu des Greiſes Füſſen: „Mein Vater, nicht des Körpers Wunden blu⸗ ten, tödlicher und tiefer iſt die Wunde. Du, der ſoviel des Edlen, im Namen ſeines Glaubens, übt, kannſt du es glauben, da wir uns, ach ſo wenig gleichen, daß denſelben Glauben ich bekenne.“ „Jeſus Chriſtus,“ rief der Heilige, die Hand zum Himmel ausgeſtreckt;„Jeſus Chriſtus, mein göttlicher Gebieter, du haſt hier neben mir noch einen Diener!“ „Ich bin ein Chriſt,“ verſetzte ich.“ „Der Mann der Liebe ſchlingt mich in ſeine Ar⸗ me, benetzt mich dann mit Thränen, preßt an die Silberlecken mich, und ſpricht, erſtickt von Freude⸗ ſchluchzen: 1 Bürden Hütte des M eines; che, n Orake riens, mit ein friſch denn n n Chri. Schaam 3 Glau⸗ ſpornte acharias er auf⸗ Unruh dranen, „ warf den blu⸗ du, der 3, übt, wenig 77 Hand mein ſch einen eine Ar an die Freude⸗ 197 „Mein Bruder, lieber Bruder! Einen Bruder habe ich gefunden!“ „Ich wiederholte: „Ein Chriſt bin ich; ich bin ein Chriſt.“ „Herabgeſtiegen war indeß die Nacht.— Die Bürden ergriffen wir nun wieder, und kehrten heim zur Hütte Pharamunds. Des andern Tages holte er bei des Morgens Graun mich ab. Er führte mich in eines Waldes Tiefen. Im Stamme einer alten Bu⸗ che, wo einſt Secovia, der Germanen Wahrſagerinn, Orakelſprüche gab, erblickte ich ein kleines Bild Ma⸗ riens, der Mutter des Erlöſers. Geſchmückt war es mit einer Epheuranke, mit reifer Frucht beladen, ganz friſch gefeſtet zu der Mutter und des Kindes Füſſen; denn noch nicht war mit Schnee bedeckt die Ranke. „Noch heute Nacht“ ſprach zu mir Zacharias, „habe ich der Gattinn unſres Herrn verkündet, daß unter uns ein Bruder weile. Erfüllt von Wonne eilte ſie im Dunkel her zu dieſer Stätte, den Altar zu ſchmücken, und Marien dieſen Zweig, der Freude Opfer, darzubringen.“ „Die Rede hatte Zacharias kaum geendet, da ſahn Clotilden herzu wir eilen. An der Buche Fuß ſank auf die Kniee nieder ſie im Schnee.— Wir 198 knieeten uns an ihre Seite; ſie ſprach des Herrn Ge⸗ bet in einer wilden Sprache— ſo ſah unter den Fran⸗ ken ich des Chriſtenthums Beginnen.— Himmels⸗ glaube, wer vermag deiner Wiege Reize auszumalen! Wie zöttlich ſchien in Betlem er Judaeas Hirten; wie däucht' er wundervoll mir in den Catacomben, als eine macht'ge Kaiſerinn vor ihm in Staub ich ſinken ſah; und hätte Thränen nicht vergoſſen, wer unter einem Baum Germaniens ihn wiederfand, von einem Römerfſklaven, einem gefangnen Griechen und einer Barbarenköniginn als Anbeter nur umgeben! „Was hatte ich noch zu erwarten, um zur Hürde zurückzukehren? Mich hatte überdruß zurückgebracht von eitlen Freuden; meinen Geiſt hatte der Einſiedler des Veſuvs erſchürtert; mein Herz beherrſchte Zacha⸗ rias; doch ſtand geſchrieben: ich ſolle erſt durch eine Kette von Erfahrungen und Leiden zurück zur Wahr⸗ heit kehren. „ Zacharias verdoppelte bei mir den Eifer und die Sorge. Ich glaubte, hört' ich ihn, des Him⸗ mels Ruf zu hören.— Welche Lehre bot nicht ſchon der Anblick des Chriſtenerben des Caßius und Brutus dar! Der Mörder Caäſars aus der Stoa Sekte, erklärt, nach einem Leben, kurz, frei, glorreich und mächtig, die Tugend ein Fantom; Chriſtus liebreich frommer Jünger, alt, arm, ein ungekannter Sklave predigt: nichts ſei als die Tugend hienieden wahres Gul. u fenner von keine kannte ga Alterthün hütend/ etzihlt e er mir: „ doros, um ve Erzähl du it inneru neuer durch ſagſt du das vol Menſe lenen det a rer, Nan ner, „Es get rn Ge⸗ n Fran⸗ mmels⸗ mmalen! Hirten; en, als ſinken unter einem d einer Hürde gebracht inſiedler Zacha⸗ ſch eine Wahr⸗ fer und 3 Him⸗ ht ſchon Brutus 199 Gut. Der Prieſter, der die Chriſtenliebe nur allein zu kennen ſchien, war vom Sinn für Wiſſenſchaft von reinem Litterar⸗ und Kunſtgeſchmack beſeelt; er kannte ganz die griechiſchen, hebruiſchen, lateiniſchen Alterthümer. Entzückend war es, wenn, die Heerden hütend, er von der Vorzeit Menſchen ſprach. Oft erzählt' er mir von unſrer Herren Sitten, dann ſagt' er mir:. „Wenn du zurück nach Hellas kehrſt, lieber Eu⸗ doros, dann wird man ſich um dich verſammeln, um von den Sitten der langhaarigten Könige Erzählungen zu hören.— Die Leiden, die du itzt erduldeſt, werden dir Quelle ſüſſer Er⸗ innerung. Unter den geiſterfüllten Voölkern wirſt ein neuer Herodot du ſeyn, aus fernem Lande angelangt, durch Wundererzählungen ſie zu bezaubern. Dann ſagſt du ihnen: ein Volk lebe in Germaniens Wäldern, das von den Trojern ſeinen Urſprung leite(denn die Menſchen alle, entzückt durch eure Dichtungen, Hel⸗ lenen, begehren ihren Theil daran) dies Volk, gebil⸗ det aus der Germanen, der Sicambren, der Bruckte⸗ rer, der Salier, der Catten Stämmen, habe den Namen Franken angenemmen, das heißt: freie Män⸗ ner, ſie ſeien würdig dieſes Namens. „Monarchiſch iſt die Staatsform der Franken. „Es eint ſich die Gewalt, unter verſchiednen Königen „getheilt, in eines einz'gen Hand, wenn dringende 200 „Gefahr es heiſcht. Dem Stamm der Salier,(ihr „Haupt iſt Pharamund) fällt immer faſt das Ehren⸗ „loos der hochſten Macht, weil den Barbaren der medelſte er gilt. Den Ruf verdankt er ſeiner Sitte, „die Weiber vom Gebieten auszuſchließen und einem „Krieger nur den Szepter zu vertrauen. „Zweimal im Jahr verſammeln ſich die Franken, „im Mai und März, die Angelegenheiten der Nation „zu berathen. In voller Ruſtung gehn ſie zur Ver⸗ „ſammlung. Der König ſetzt ſich unter eine Eiche „und nimmt freudig Geſchenke an, ihm dargeboten. „Er hort der Untergebnen oder beſſer der Gefährten „Klage und übt mit Billigkeit das Recht. „Jährlich wechſelt das Eigenthum. Eine Fami⸗ „lie baut in jedem Jahr die Ländereien, ihr von dem „Furſten zugetheilt, und nach der Erndte kehrt wieder „zum Gemeinbeſitz das fruchtentleerte Feld. „Die Sitten alle tragen das Gepräge dieſer Ein— „falt. Du ſiehſt: mit den Gebietern theilen wir Ge⸗ „wand, Milch, Käſe, die Erdhütte und das Lager „von Bärenfellen. „Geſtern warſt du Zeuge von Meroveus Hoch⸗ „zeit. Eine Franziska, ein Schild, ein Weidenkahn, „ein gezäumtes Roß, ein Joch Ochſen waren die „ Hochzeitsgeſchenke des Erben der Frankenkrone. „Wenn fentan „ tanzt; iſt/ da ſcheiter nmide h nL 1 hald wo dem eun ſen ſche röthlich ſtatt d ſch m kehrte 7 Waffer des B Mers leiten ſchied den, niſche Wäld t,(ihr Ehren⸗ tren der Sute, d einem tanken, Nauion ür Ver⸗ e Eiche geboten. efahrten Fami⸗ don dem wieder ſer Ein⸗ vir Ge⸗ 5Lager Holh⸗ enkahn, en die krene. 201 „Wenn er in ſeines Alters Spielen am beſten den Waf⸗ „fentanz zwiſchen Lanzen und bloßen Schwertern „tanzt; wenn tapfer er im Kriege, gerecht im Frieden „iſt, dann kann nach ſeinem Tode er einen Leichen⸗ „ſcheiterhaufen, auf ſein Grab ſelbſt eine Raſenpyra⸗ „mide hoffen. 4 „So ſprach Zacharias. „Endlich belebte der Lenz des Nordens Wälder; bald war alles in Thal und Hainen umgeſtaltet. Aus dem eintönigen Weiß der Reife traten zuerſt der Fel⸗ ſen ſchwarze Zacken vor; dann zeigten ſich der Weiden röthlich junge Spreſſen: fruhe Stauden ſchmuckten ſtatt der Eiskriſtalle, die an ihren Spitzen hiengen, ſich met Blütenkränzen.— Mit den Fruͤhlingstagen kehrte die Zeit der Kämpfe wieder. „Ein Theil der Franken griff von neuem zu den Waffen, andre ruſteten ſich zur Jagd des Auerochſen und des Bären in fernen Gegenden. Die Jäger führte Meroveus an, ich war unter den Sklaven, die ihn ge⸗ leiten ſollten. Ich ſagte Zacharias Lebewohl, und ſchied auf einige Zeit vom tugendhafteſten der Menſchen. „Unglaublich ſchnell durchſtreiften wir die Gegen⸗ den, die ſich vom Meere Skandiens bis zu des Euxi— niſchen Pontus Sandflächen ſtrecken. Es dienen dieſe Wälder zum Durchzug hundert Barbarenvölkern, die 202 wechſelnd ihre Flut zum Römerreiche wälzen. Man ſollte glauben, es ſei aus Süden eine Stimme ihnen ertönt, die ſie vom Oſten und aus Norden ruft.— Ihr Name, ihr Stamm, ihr Mutterland?— Fragt drum den Himmel, der ſie leitet, denn unbekannt den Nenſchen ſind ſie, wie die Gegend, von wannen und wohin ſie ziehn. Sie kommen; für ſie iſt alles ſchon bereitet: die Bäume ſind ihr Zelt, die Wüſten ihre Straße. Wo ſie gelagert, willſt du wiſſen?— Sieh die Gebeine gewürgter Heerden, die Kiefern, wie vom Blitz zerknickt, die flammenden Wälder und die Ebe⸗ nen mit Aſche überſäet. „Als eines Tags ich von den Jägern etwas mich entfernte, fand ich mich an des Iſters Ufern, des Eu⸗ xiniſchen Pontus Wogen im Geſichte.— Ein Grab⸗ mal gewahrte ich von Stein, auf dem ein Lorbeer grünte; ich riß die Kräuter weg, die einige lateini⸗ ſche Züge mir verhüllten; es gelang mir bald, den er⸗ ſten Vers der Elegieen eines unglucklichen Dichters zu entziffern: „PARVE(NEC INVIDEO) SINE ME, LIBERN IB18 IN URBEM=S (Kleines Buch, du gehſt, von mir unbeneidet, ohne mich nach Rom). „Nicht Worte malen mein Gefühl, als ich in der Tiefe dieſer Wüſte Naſos Grabmal fand. Trau⸗ rig ſann mir um 2 lent zum der Gem dies Romg Jahre ſü Pölker, dieſes4 ſchien. hüͤgel, ſüß iſt baren verſtan / nur,! die Pr. einſt he me ſeien ſern il zum? heit wiede Löwi borge Hand mir r Man e ihnen n Grah⸗ Lorbeer lateini⸗ den er⸗ dichters LIREN eneidet, 1 s ich in Trau⸗ 203 rig ſann ich über der Verbannung Leiden, die auch mir im Buſen wühlten; ich ſann, wie wenig das Ta⸗ lent zum Glücke führe. Rom, das heute im Genuß der Gemälde des ſinnigſten ſeiner Dichter ſchwelgt, dies Rom ſah trocknen Auges Ovids Thränen zwanzig Jahre fließen. Nicht ſo undankbar, als Auſoniens Völker, denken der Iſterufer wilde Bewohner noch dieſes Orpheus, der in ihren Wäldern einſt er⸗ ſchien. Sie ſchlingen ſich in Tänzen um ſeinen Aſchen⸗ hügel, ſelbſt Klänge ſeiner Sprache tönen noch— ſo ſüß iſt ihnen des Römers Gedächtniß, der einen Bar⸗ baren ſelbſt ſich glaubte, weil ihn der Sarmate nicht verſtand. „Durchzogen hatten die Franken ſo viele Länder nur, um ein paar Stämme ihres Volkes heimzuſuchen, die Probus an des Euxiniſchen Pontus Ufer verſetzt einſt hatte. Angelangt, erfuhren wir: dieſe Stäm⸗ me ſeien ſeit Monaten verſchwunden, und unbekanut ſei'n ihre Looſe. Da beſchloß Meroveus Augenblicks, zum Lager Pharamunds zurückzukehren. „Am Grab Ovids ſollte ich das Glück der Frei⸗ heit finden, ſo hatte die Vorſicht es geordnet.— Als wieder an dem Maal vorbei wir zogen, da ſtürzte eine Löwinn, die, ihre Jungen dort zu werfen, ſich ver⸗ borgen hatte, auf Meroveus los. Es fiel von meiner Hand die Wütende. Mein junger Gebieter verſprach, mir von ſeinem Vater nun die Freiheit zu erbitten. 204 Ich ward auf dem übrigen Jagdzuge ſein Gefährte, und ſchlief an ſeiner Seite. Oft ſprach ich ihm von jener Würgeſchlacht, wo drei ungezähmte Stiere ihn gezogen, er bebte freudig bei ſeines Ruhmes Angeden⸗ ken. Oft erzählt' ich ihm von unſres Landes Sagen und Gebräuchen, doch von meinen Erzählungen allen hört' er nur mit Wonne Haeraklaes und Theſeus Tha⸗ ten. Wenn ich unſre Künſte ihm entfaltend ſchilderte, dann ſchwang er ſeinen Speer und ſprach voll Unge⸗ duld zu mir:„Grieche, Grieche, ich bin dein Herr!“ „Nach einiger Monate Abweſenheit kehrten wir in's Lager Pharamunds zurück. Verödet ſtand die Kö⸗ nigshütte: der langhaarigte Feldherr hatte Gäſte be⸗ wirthet, und zu ihrer Ehre ſeine Schätze alle ſchon vergeudet; dann ſucht' er in eines nahen Feldherrn Hütte Lebensnahrung, und dieſer, von dem Barbaren⸗ könig auch nun aufgezehrt, war zu einem dritten Feld⸗ herrn mit ihm hingezogen. Wir fanden endlich Pha⸗ ramund beim großen Schmauſe, den Reitz dieſer unbe⸗ fangnen Gaſtlichkeit genießend; er erzälte uns den An⸗ laß ſeiner Feſte. „Im Mittelpunkt des Meers der Sueven liegt eine Inſel, Chaſta genannt, der Göttinn Hertha ge⸗ widmet. Es prangt der Göttinn Bild auf einem Wa⸗ gen, mit Schleiern ſtets verhüllt. Der Wagen, gezo⸗ gen von weißen Kuhkälbern, rellt zu feſtbeſtimmter Zeit durch Deutſchlands Nationen hin.— Dann ſchweigt tönen n klirren. nißvolle die ihr( nen Aug feierlich man wi Fortda⸗ Mir u der K. / ſtand bereite gewaf Rolle ſonder tapfer legte. veus waff Drei ner, Ber⸗ Cam ten efährte, im von lere ihn Ingeden. Sagen en allen us Tha⸗ aͤderte, l Unge. Herr!" rten wir ddie Kö⸗ Häſte be⸗ lle ſchon feldherrn arbaren⸗ en Feld⸗ ch Pha⸗ et unbe⸗ den An⸗ ven liegt ſertha ge⸗ nem Wa⸗ en, gezo⸗ ſtimmter Danu 3 205 ſchweigt der Feindſchaft Hader; einen Augenblick er⸗ tönen nicht mehr des Nordens Wälder vom Waffen⸗ klirren. Bei den Barbaren angelangt war die geheim⸗ nißvolle Göttinn; wir kamen mitten unter Feſten an, die ihr Erſcheinen feiern. Kaum fand Zacharias ei⸗ nen Augenblick, in ſeine Arme mich zu ſchließen. Zum feierlichen Mahle waren die Feldherrn alle eingeladen; man wollte über des Friedens Abſchluß, oder über die Fortdauer des Kriegs gegen die Römer ſich berathen. Mir ward das Schenkenamt, Meroveus ſetzte ſich in der Krieger Mitte. „Da ſaßen ſie im halben Kreiſe, in ihrer Mitte ſtand der Heerd, auf dem das Fleiſch zum Feſte man bereitete.— Jeder Führer, wie zum Kriege, ganz gewaffnet, ſaß auf einem Bündel Gras, oder auf einer Rolle von Häuten; vor ihm ein kleines Tiſchgen, ge⸗ ſondert von den andern, auf das man, nachdem er tapfer oder edel war, des Opfers einen Theil ihm legte. Auf der erſten Stelle ſaß der Krieger,(Mero⸗ veus war's) der tapferſte erkannt. Freigelaßne, ge⸗ waffnet mit Schild und Lanze, trugen da und dorthin Dreifüße, mit Fleiſch belaſtet, und Auerochſenhör⸗ ner, mit Weizenſaft gefüllt. „Gegen des Schmauſes Ende begann man die Berathung. Im Bund der Franken war ein Gallier, Camulogenes mit Namen, ein Sprößling des berühm⸗ ten Greiſes, der Lutetia gegen Labien, den Feldherrn 206 Caeſars, einſt vertheidigte. Erzogen unter den vier⸗ zigtauſend Zöglingen in Auguſtodunums 1) Schulen, hatte ſeine glänzende Erziehung er unter Marſilias und Burdigalias 2) Rhetoren ausgebildet; doch Un⸗ beſtändigkeit, den Galliern eigen, hatte in der Ba⸗ gauden Empörung ihn gezogen. Die empörten Bau⸗ ern bezähmte Maximian, da gieng zu den Franken Camulogenes, die wegen ſeiner Reichthümer und ſei⸗ ner Tapferkeit ihn aufnahmen. Die Prieſter beim Mahle Pharamunds geboten Stille; der Gallier ſtand auf, und ſchlug vor,(der langen Verbannung viel⸗ leicht müde insgeheim) Geſandte an den Caeſar abzu⸗ ſchicken. Er pries die Kriegszucht der Römerlegionen, die Tapferkeit Conſtantius, die Süßigkeit des Frie⸗ dens und die Freuden der Geſelligkeit. „So mag zu uns ein Gallier ſprechen,“ entgeg⸗ net Chloderich, der Frankenſtämme Führer einer „das darf uns nicht befremden, denn Lohn erwartet er vom vorigen Gebieter. O ja, die Rebe des Cen⸗ turie läßt leichter als mein Speer ſich ſchwingen, und weniger gefahrvoll iſts, auf Purpur Caeſarn auf dem Capitole anzubeten, als in dieſer Hütte auf einer Bä— renhaut ihn zu verachten. Geſehen hab' ich ſelbſt in Rom die gierigen Beſitzer von Palläſten; beklagens⸗ 1) Autuͤn. 2) Bordeaux. werth noch in bar ſind Erobert len ſie flammt zum T Römer 7 mit 9. / geſtür hier von d noch n Weibe als ſie bedroß ſchwe Sze det ij der käm geto Mei ten Biza en vier⸗ chulen, larſiliag och Un⸗ er Ba⸗ Bau⸗ ranken und ſei⸗ er beim er ſtand ing viel ſer hzu⸗ al ad egionen, es Frie⸗ entgeg⸗ einer wartet Cen⸗ en, und auf dem ner Ba⸗ ſelbſt in klagene⸗ 207 werth ſind ſie, denn nach einer Hütte ſehnen ſie ſich noch in unſern Wäldern; glaubt mir, nicht ſo furcht— bar ſind ſie, als eines Galliers Schrecken ſie euch malt. Erobert durch dieſe Nation von Weibern können, wol⸗ len ſie's, die Gallier um Frieden betteln— doch flammt ein Etwas auf in Chloderich; es drängt ihn zum Brand des Capitols, und zur Vertilgung des Römernamens von der Erde.“ „Beifall jauchzte der Rede die Verſammlung, mit geſchwungner Lanze ſchlugen alle an die Schilde. „Auf dann, auf nach Rom,“ verſetzte mit Un—⸗ geſtümm der Gallier.„Was wollt in euren Wäldern hier verborgen ihr beginnen? Ihr Tapfern ſprecht von der Tiber Uibergang, und ſeid über den Rhein noch nicht gedrungen! Die Gallierſklaven, von einem Weibervolk beſiegt, ſaßen nicht beim Schmauſe ruhig, als ſie die Stadt verwüſteten, die aus der Ferne ihr bedroht.— Wißt ihr, daß eines Galliers Eiſen⸗ ſchwert die Waage ſinken machte, auf der des Weltalls Szepter lag? Wo etwas Großes aufgekeimt, da fin⸗ det ihr meine Ahnen. Die Gallier allein ſchreckte nicht der Anblick Aleranders. Caeſar hat zehn Jahre ſie be⸗ kämpft, und unterlegen wäre er der Stärke Vercin⸗ getorix, wären nicht uneins die Gallier geweſen. Meinen Vätern waren des Weltalls berühmteſte Stät⸗ ten unterworfen. Sie haben Griechenland verwüſtet, Bizanz erobert, auf Trojas Ruinen ſich gebettet, 208 Mithridates Reich beſeſſen, und die Szythen jenſeits des Taurus beſiegt, die keinem Sieger noch gewichen waren. An meine Ahnen ſcheint der Erde Loos gefeſ⸗ ſelt,— eine verhängnißvolle Nation mit des Geheim⸗ niſſes Gepräge. Es ſcheint, als ſei den Völker allen im Lauf der Zeiten die Stimme erſchallt, die Brennus Ankunft zu Rom verkündete, als ſie im nächtlichen Schweigen zu Ceditius die Worte ſprach:„Verkünde, Ceditius, den Tribunen, morgen würden in Rom die Gallier ſeyn.“ „Fortfahren wollte Camulogenes, da unterbrach ihn Chloderich durch ſchallendes Gelächter; mit dem Schwertknopf ſtieß er auf des Schmauſes Tafel, ſtürzte um ſein Trinkgeſchirr und ſchrie: „Langhaarigte Könige, habt ihr von des galli— ſchen Wahrſagerweibes langer Rede etwas nur begrif⸗ fen?— Wer unter euch hat von Alexander, von Mithridates je gehört?— Du magſt es, Camuloge⸗ nes, verſtehen, hohe Reden zu halten in deiner Her⸗ ren Sprache, doch ſpare dir die Mühe, vor uns ſie auszuſprechen, Leſen und Schreiben zu lernen, ver⸗ bieten wir unſern Kindern, die Kunſt des Sklaven⸗ lebens— nur Schwerter, Kämpfe, Blut begehren wir:“ „Ein ſtürmiſches Geſchrei erhebt ſich nun im Rathe der Barbaren. Der Gallier rächt ſeinen Schimpf durch der Verachtung Hohn: „V Alerander ſ hör' er ger/ die i zu zernicht er wolle/ „ bre,„w. ſoll dein das Feld rigten§ A ſpöttiſch Mühen ſammeln mir Teut „2 den Sp. 7/ blicken. „. Schwer „2 de macht 1 Ba ſenſeitt ewichen ds gefeſ⸗ Geheim⸗ er allen rennus tlichen ünde, Rom die terbrach nit dem „ſturzte es galli⸗ muloge⸗ er Her⸗ uns ſie en, der⸗ Sklaven⸗ b egehren nun im t ſeinen 2⁰9 „Weil denn Chloderich, der hochberühmte, nicht Alexandern kennt, und nicht die langen Reden liebt, ſo hör' er nur ein Wort: haben die Franken nur Krie⸗ ger, die ihm gleichen, um das Capitol durch Flammen zu zernichten, dann iſt mein Rath: der Preis ſei, was er wolle, den Frieden anzunehmen. „Verräther,“ ſchrie wuthſchaͤumend der Sikam⸗ bre,„wenig Jahre werden ſchwinden, dann hoff' ich, ſoll dein Volk ſchon andern Herren fröhnen: wenn du das Feld dem Franken bauſt, dann wirſt der langhaa⸗ rigten Könige Tapferkeit du fühlen.“ „Wenn ich nur deine fürchten ſoll“ entgegnet ſpöttiſch ihm der Gallier,„dann nehm' ich mir die Mühe nicht, ein Schlangenei im Neumond mir zu ſammeln, um vor Verderben mich zu ſchützen, das mir Teut bereitet. „Wütend zuckte Chloderich auf Camulogenes den Speer, und ſprach mit wuterſtickter Stimme: „Wagſt du's ja nicht, nur dieſen einmal anzu⸗ blicken.“ „Du lügſt,“ verſetzt der Gallier; er zieht das Schwert, und ſtürzt auf den Franken los. „Man warr ſich zwiſchen beide Krieger. Ein En⸗ de machten die Prieſter dieſem erneuten Feſte der Ken⸗ I. Band. 14 210 tauren und Lapithen. Am andern Tag,— es war gefüllt des Mondes Scheibe— entſchied man nun in Ruhe, was trunken man berathen hatte, wenn Ver⸗ ſtellung nicht die Herzen kennen, und hohem Begin⸗ nen ſie ſich öffnen. Beſchloſſen wurden Friedensvorſchläge an die Rö⸗ mer: ſchon hatte Meroveus, ſeinem Worte treu, die Freiheit von ſeinem Vater mir erwürkt; man er⸗ ſah mich nun, des Rathes Worte an Conſtantius zu bringen. Meine Freiheit verkündeten mir Zacharias und Clotilde; ſie beſchworen mich, den Weg gleich an⸗ zutreten, und ſo der Barbaren angebohrnem Unbeſtand mich zu entziehen— ich ergab mich ihren Beſorgniſ⸗ ſen. Zacharias geleitete mich an Galliens Gränze. Meiner Wonne, die Freiheit wieder zu genießen, glich der Schmerz der Trennung von dem Greiſe. Vergebens drängt' ich ihn, mir nachzufolgen; verge⸗ bens beklagt' ich tief gerührt die Leiden, die ihn nie⸗ derbeugten. Er pflückte, während wir zuſammen wan⸗ delten, eine wilde Lilie, deren Spitze durch den Schnee zu brechen begann, und ſprach: „Dieſe Lilie iſt das Bild des Haupts der Salier und ſeines Stammes; ſchöner wächſt ſie von Natur in dieſen Wäldern, als in einem Boden, in winterlichem Eis nicht ſo erſtarrt; ſie glänzt ſtralender, als die Rei⸗ fe, die ſie decken, die liebend ſie in ihrem Schooſe hegen, ihre Keime nicht zerſtören. Ich hoffe, dieſe es war mnun in enn Ver⸗ Begin⸗ die Rö⸗ te treu, man er⸗ antius zu Zacharias gleich an⸗ Unbeſtand Beſorgniſ⸗ 3 Gränze. genießen, n Greiſe. ; verge⸗ eihn nie⸗ amen wan⸗ den Schnee der Salier Natur in interlichem als die Rei⸗ m Schooſe offe/ dieſe 211 rauhen Tage meines Lebens, mir bei meines Herrn Familie hingeſchwunden, werden vor Gott mich einſt der Lilie ähnlich machen: es muß die Seele, ſoll in voller Herrlichkeit ſie ſich entfalten, unter des Unglücks rauher Rinde begraben ſeyn.“ „Als er die Worte geſprochen, verweilte Zacha⸗ rias, zeigte auf den Himmel, wo wir uns einſtens wiederfinden ſollten; und ohne mir noch Zeit zu laſſen, zu ſeinen Füßen hinzuſinken, ſchied er, als er ſeine letzte Lehre mir geſpendet. So pflegte Chriſtus, deſ⸗ ſen Beiſpielen er folgt, die Jünger gern zu lehren, wenn am See Genezareth er wandelte, wenn dem Grün der Matten, der Thäler Lilien er Worte lieh. Inhalt. Die Erzaͤhlung wird unterbrochen. Beginnen der Liebe Eudoros und Kymodokges. Satan will dieſe Liebe benuͤtzen, um Verwirrung in der Kirche anzufachen. Die Höoͤlle. Verſammlung der Hoͤllengeiſter. Rede des Daemons des Mordes. Rede des Daemons der Afterweisheit. Rede des Daemons der Wolluuſt. Htans Rede. Die Hoͤllengeiſter vertheilen ſich auf ie Erde. er Liebe ſe Liebe ufachen. Rede ons der Woluſt ſich auf Achtes Buch. Endoros Erzählung hatte ſchon bis zu des Tages neun⸗ ter Stunde ſich verlängert. Glühend ſchoß den Flam⸗ menſtral die Sonne auf Arkadiens Gebürge; es war verſtummt der Vögel Schaar, und hatte in Ladons Büſchen ſich verborgen. Zu einer zweiten Mahlzeit lud Laſthenes die Fremden, und ſchlug ihnen vor, das Ende der Geſchichte ſeines Sohns zum nächſten Tage zu verſchieben. Man verließ die Altäre und die Inſel,⸗ und wallte ſchweigend zum gaſtlichen Dache.. Kaum hörte in der übrigen Tagszeit man ein paar abgebrochne Worte. Lakedaimons Biſchoff ſchien tief über die Geſchichte des Sohnes Laſthenes zu ſinnen. Sein Gemälde bewundert' er vom Zuſtand der Kir⸗ 216 che, von ihrem Fortſchreiten auf dem ganzen Erden⸗ kreiſe. Aus dieſes Bildes Mitte ſah hervortreten er die Menſchen, die Verderben den Gläubigen drohten; deren Charactere, die Eudoros ihm geſchildert, nur trübe Zukunft ahnden ließen. Kyrillos ſelbſt erhielt unruhbringende Nachrichten von Rom, die er der tu⸗ gendreichen Familie verſchweigen zu müſſen glaubte. „Auch von Eudoros floh die Ruhe fern. Zu des Kreuzes Füßen trug er des Herzens tiefe Unruh hin, er wußte nicht, daß ihm Gottes Fügung ſie bereitet. Gebete und Kaſteiungen verdoppelt' er, doch durch der Buße Thränen glänzten ſeinem Blick die ſchönen Lo⸗ cken, die Alabaſterhände, der zierliche Wuchs, die kindlich unſchuldvolle Grazie der Sprößlinginn Homae⸗ ros. Er ſah die ſchüchtern ſanften Blicke auf ihm wei⸗ len, die holden Züge, in denen ſich die Gefühle mal⸗ ten, die er ſchilderte; ſelbſt die er noch nicht ausge⸗ ſprochen hatte.— In zarter Schaam ſah er die ſchuld⸗ loſe Jungfrau ſich verſchönen, als Roms und Baiaes ſchuldvolle Genüſſe er erzälte— in Todesbläſſe bleichte ihre Wange, wenn Kämpfe er beſchrieb, wenn er von Sklaveret und Wunden ſprach! 6 „Auch im Buſen der Muſenprieſterinn ſtürmte verwirrter Gefühle Drang, ſie war von ungekannten Regungen ergriffen. Aus ihrer Doppelkindheit traten mit einmal Geiſt und Herz hervor. Vor dem Licht des Chriſtenglaubens ſchwand des Geiſtes Unwiſſen⸗ heit; der lei dervoll gen, 9 71 ſprach geladen Kriege einer ſ ſtig, Verha ach ſor ihr me Bande Lyren ſen? d alles w wohnt, ros?— Rechtt ter Li Unglu edlen ſich 3 Daem und H dem G die Alt Ju des h hin, ereitet. arch der ſen Lo⸗ 3, die Homae, m wei⸗ urmte unten rraten Licht iſſen⸗ 217 heit; die Unerfahrenheit des Herzens wich dem Stral der Leidenſchaft. Die Jungfrau fühlte— wie wun⸗ dervoll— der Weisheit und der Liebe Sturmeswo⸗ gen, gepaart mit ihrer Wonne. „Mein Vater, welcher Götterfremdling,“ ſo ſprach ſie zu Demodokos,„hat uns zu ſeinem Mahl geladen! Wie groß iſt Laſthenes durch Herz und Kriegerthaten! Soll er nicht der erſten Weltbewohner einer ſeyn, die Zeus in Götter, den Menſchen gün— ſtig, umgeſtaltet? Wie viele Kämpfe hat, grauſamer Verhängniſſe Spiel, er ſchon beſtanden, der Leiden ach ſoviel erduldet! Ihr Muſen keuſch und mächtig, ihr meine Schutzgöttinnen, wo weiltet ihr, als niedre Bande die edlen Hände feſſelten? Vermogten eurer Lyren Klänge des Heldenjünglings Feſſeln nicht zu lö— ſen? doch verkünde mir, Homaeros Prieſter; du, der alles weiß, bei dem die weiſe Mäßigung der Greiſe wohnt, ſprich, von welchem Glauben ſprach Eudo⸗ ros?— Er iſt ſo ſchön, ſein Glaube, er leitet zum Rechtthun alle Herzen, und ſtillt die Stürme thörig⸗ ter Liebe. Die Genoſſen dieſes Glaubens ſind dem Unglücklichen ſtets helfend beizuſtehn bereit, einem edlen Nachbarn gleich, der ſich bevor zu gürten, nicht ſich Zeit vergönnt. Laß uns zu Tempeln wallen, laß Daemaetaer, der geſetzegebenden, uns Lämmer opfern, und Helios, der in die Zukunft blickt. Mit ſchleppen⸗ dem Gewande, den Libationenbecher in der Hand, laß die Altäre, mit Blut befeuchtet, uns umkreiſen; die 218 heil'gen Kuchen wollen wir bereiten, zu enthüllen laß uns ſtreben, wer der unſterbliche Geiſt ſei, der Eudo⸗ ros ſchützt.— Es ſpricht, ich fühle es, eine geheim⸗ nißvolle Gottheit zu meinem Herzen— doch darf die Jungfrau in der Jünglinge Geheimniß dringen, darf ſie nach ihren Göttern ſpüren? Darf keuſche Zucht den Schleier lüften, um die Orakel zu befragen? „So ſprach Kymodokae; Thränen ſtrömten aus dem Auge in ihren Buſen nieder. „So näherte zwei Herzen ſich der Himmel, deren Bund den Triumph des Kreuzes feiern ſollte. Satan wollte durch des auserwählten Paares Liebe Schrek⸗ kensſtürme wecken; ſo einte alles ſich, des Ewigen Beſchlüſſe zu erfüllen. Es hatte eben der Fürſt der Finſterniß die Wandrung zu der Erde Tempeln itzt vollendet. Beſucht hatte er die Heiligthümer der Lügen und des Trugs: die Höle des Trophonios, die geheimen Schallöcher im Tempel der Spobille, Delphos Dreifüſſe, Teuts Steinaltar, der Iſis, Mi⸗ tras und Wiſthnus unterirdiſche Gewölbe. Die Op⸗ fer ſtockten allenthalben, öde ſtanden die Orakel; nah war die Stunde, wo des Götzendienſtes Täuſchungen vor Chriſtus Wahrheit ſchwinden ſollten. Satan ſah ſeufzend ſeiner Macht Verfall, doch wollt' er ohne Kampf nicht unterliegen. Bei der Hölle Ewigkeit ſchwur er, die Diener des wahren Gottes zu zernich⸗ ten; doch hatte er vergeſſen, daß des Quaalenreiches Pforten mogen. Ewigen wollte; über di vergonn ſcheidet der Fin / verbra⸗ wenn 3 Tagsg Parth bar, ſtets b Stein die ih von do Schlu fun Nich den unva Flug wo ſie gleig ſchla len laß r Eudo⸗ geheim⸗ nten aus el, deren Satan Schrek⸗ 3 Ewigen Fürſt der npeln itt imer der phenios, Soybille, Iſis,M⸗ Die Oy⸗ takel; nah auſchungen Satan ſah lt' er ohne e Ewigkeit zu jernich⸗ galenreiches 219 Pforten gegen des Menſchenſohns Geliebte nichts ver⸗ mögen. Es kannte der verworfene Erzengel nicht des Ewigen Willen, der ſeine ſchuldige Kirche ſtrafen wollte; doch fühlte er, daß einen Augenblick Macht über die Gläubigen ihm ward, daß der Himmel ihm vergönnt, die ſchwarzen Plane zu erfüllen.— Da ſcheidet ſchnell er von der Erde, und ſteigt zum Reich der Finſterniß hinab. „So ſieht man auf dem Gipfel des Veſuvs einen verbrannten Felſen, von Aſche umflattert, hängen— wenn Harz und Schwefel, im Berge neuentflammt, das Tagsgeſtirn verdunkeln, wenn das Meer ſiedet, und Parthenopae, einer trunknen Bacchantinn vergleich⸗ bar, wankt, dann ändert des Vulkans Gipfel die ſtets bewegliche Geſtalt; die Lava ſinkt, es rollt der Stein und ſtürzt donnernd in die Flammentiefen, die ihn heraufgeſchleudert— ſo ſtürzt ſich Satan von der Hölle ausgeſpieen, wieder in die gähnenden Schlünde des Abgrunds. Schneller als Gedanken⸗ flug durcheilt er all die Räume, die eines Tags in Nichts verſchwinden ſollen, jenſeits des Chaos toben⸗ den Trümmern kömmt er an die Gränze des Reichs, unvergänglich wie die Rache, die es gebildet; mit Fluch belaſtete Gefilde, des Todes Grab und Wiege, wo keines Zeitenmaaſes Regel gilt— nicht werden ſie vergehen, wenn einſt das Weltall, einem Zelte gleich, verſchwindet, für eines Tages Dauer aufge⸗ ſchlagen. Unwillkührlich benetzt eine Thräne des 2 20 verworfnen Geiſtes Auge, als er hinab ins Reich der Nacht ſich ſtürzt. Nur ſchwach erhellet ſeine Feuerlanze um ihn der Schatten dichtes Dunkel— er folgt keinem Weg in dieſen Finſterniſſen, doch ſinkt er, von der Frevel Gewicht belaſtet, von ſelbſt hinab zur Hölle. Noch ſieht er nicht den fernen Schein der Flammen, die, ohne Nahrung, ewig un⸗ erlöſchend brennen, und ſchon ſchlägt das Gewimmer der Verworfnen ihm an's Ohr. Er weilt und ſchauert bei dem erſten Stöhnen ewiger Leiden— mit Stau⸗ nen füllt ihren Fürſten ſelbſt die Hölle. Regungen von Mitleid und Gewiſſenspein ergreifen das Herz des abtrünnigen Erzengels. „Ich, ich alſo bin's;“ ſo rief er aus„der „dieſe Kerker hölte, der dieſe Leiden häufte. Fremd „wäre das Böſe in des Allmächt'gen Reichen ohne „mich geweſen— was hatte mir das edle, ſchöne „Weſen, was hatte mir der Menſch gethan?“.... „Fortſetzen wollte Satan noch unnützer Reue Klagen, da öffnen ſich des Abgrunds Feuerſchlünde, und rufen ihn zu andern Gedanken. „Ein Fantom ſchwingt ſich auf der unerbittlich tauben Pforten Schwelle; es iſt der Tod. Einem dunklen Flecken gleich, erſcheint er auf der Kerker Flammen, die ihm im Rücken brennen— durch ſein Gerippe zucken des Höllenlichtes bleiche Stralen zwi⸗ ſchen d Krone Polkern er ſch die er d fliegt er tauſend men. T die klein den win Eine S gen, die ſchlagen Chriſtus D O ſchließt eine Re verkünde Feind d gegen. 4/ „dir d „ Köm zu meine „neue ins Reich let ſeine Dunkel— ſen, doch von ſelbſt n fernen ewig un⸗ Bewimmer no ſchauert mit Stau⸗ ungen von Herz des aus„der 2. Fremd hen ohne ſchone n1... tzer Reue eſchlunde, nerbittlich Einem der Kerker durch ſein falen zwie 221 ſchen der Gebeine Hölen. Vielfarbigt ſchmückt eine Krone ihm das Haupt, er hat die Steine der Erde Völkern und Königen geraubt. Zuweilen ſchmückt er ſich mit Lappen von Purpur oder grobem Tuch, die er dem Reichen, dem Bettler abgeriſſen. Itzt fliegt er, dann ſchleppt er ſich, und wandelt ſich in tauſend Truggeſtalten, ſelbſt in der Schönheit For— men. Taub würde man ihn wähnen, und doch hört er die kleinſten Lebenslaute. Er ſcheint blind, und ſieht den winzig kleinen Wurm, der in dem Graſe kriecht. Eine Senſe faßt die Rechte, wie ſie Schnitter tra— gen, die andre birgt die einz'ge Wunde, die ihm ge— ſchlagen ward, die auf dem Gipfel Golgathas ihm Chriſtus in den Buſen ſchlug. Das Verbrechen öffnet der Hölle Pforten, es ſchließt ſie der Tod. Den beiden Ungeheuern hatte eine Regung grauſer Liebe des Vaters Ankunft ſchon verkündet. In der Ferne erkannte ſchon der Tod den Feind der Menſchen, und flog ihm freudevoll ent⸗ gegen. „Mein Vater,“ rief er aus„ich neige vor „dir das Haupt, das vor keinem je ſich beugte.— „Kömmſt du, des Sohnes unerſättlich heißen Hunger „zu ſtillen?— Ich bin des ew'gen Einerley bei „meinem Schmauſe müde; von dir erwart' ich eine neue Welt, ſie zu verſchlingen.“ 222 „Das Haupt wandte Satan, ergriffen von Ent⸗ ſetzen, um des Geripps Umarmung auszuweichen. Mit ſeiner Lanze drängt' er's weg, und entgegnet im Vorüberſtreifen: „Gerächt wirſt du, o Tod, du wirſt zufrieden „ſeyn, deines einz'gen Siegers zahllos Volk will „preis ich deinem Wüthen geben.“ Die Worte ſprach das Haupt der Höllengeiſter, und ſchritt dann in die Wohnungen, wo ewig ſeine Opfer weinen. Er wandelt durch die brennenden Gefilde.— Die ganze Hölle iſt beim Anblick ihres Königs in Bewegung— hellre Flammen zucken aus den Schei— terhaufen; den Verworfnen, der ſich am Ziele höch⸗ ſter Pein ſchon glaubte, zerwühlet herberer Quaalen Folter. So ſtreckt in Sahras Wüſte, den Gluten eines regelloſen Sturms erliegend, der ſchwarze Afri⸗ kaner ſich in Sand unter lechzende Löwen und Schlan⸗ gen hin; er glaubt der Marter höchſtes Ziel erreicht; da blickt mit trübem Stral die Sonne durch die waſſerloſen Wolken, und läßt ihn neue Quaalen fühlen. Wer vermag zu malen dieſer Stätte Grauſen“ wo alle Lebensleiden vergröſſert, ins Unendliche ver⸗ ewigt, verſammelt ſind! Mit hundert Demantban⸗ den Ver⸗ tan/ jeden den k Stin pfen im J „ 90 „rte „ ul „ be en von Ent. uszuweichen. entgegnet ſt zufrieden Volk will vollengeiſter, ewig ſeine s Königs in us den Schei⸗ n Ziele höch⸗ rer Quaalen den Gluten une durch di In 9 ſeue Quaalen atte Grauſen! Unendliche ver⸗ Demantban⸗ 4*ᷣ 223 den auf einen Thron aus Erz gefeſſelt, beherrſcht der Verzweiflung Dämon das Reich des Grams. Sa⸗ tan, das Ohr gewöhnt an Höllenlaute, erkennt in jedem Winſeln den beſtraften Fehler, und den Schmerz, den der Gequälte fühlt. Er hört des erſten Mörders Stimme, er hört den reichen Praſſer um einen Tro⸗ pfen Waſſers flehn, er lacht der Klage des Armen, der im Namen ſeiner Lumpen des Himmels Reich begehrt. „Unſinniger,“ ſo ſpricht er nun zu ihm,„du „glaubteſt, Mangel ſolle dir ſtatt jeder Tugend gel⸗ „ten; die Könige alle glaubteſt du in meinem Reiche „und alle deine Brüder um meinen Nebenbuhler her „verſammelt? Elendes, niedriges Geſchöpf, du warſt „unverſchämt, ein Lügner, niederträchtig, neidiſch „auf fremdes Gut, der Feind von allem, was durch „,Erziehung, Geburt und Ehre über dich ſich hob, „und du verlangeſt Kronen?— Du magſt mit dem „herzloſen Reichen hier lodern, der mit Recht dich „von ſich ſtieß, der aber Gewand und Brod dir „ſchuldig war.“ In ihren Martern rief eine Schaar Unglück⸗ licher zu Satan auf: „Wir haben dich angebetet, Jupiter, und dar⸗ um läſſeſt du, Verfluchter, uns hier in Flammen ſchmachten!“ 1 224 Der übermüthige Erzengel entgegnet hohnlächelnd ihnen: „Ihr habt mich Chriſtus vorgezogen, theilt nun „meine Ehren, meine Freuden!“ Nicht des Körpers Quaalen ſind die herbſten, die die Seelen der Verdammten fühlen. Sie bewah⸗ ren ihres göttlichen Urſprungs Angedenken, und tra— gen im Buſen der Schönheit Gottes unverlöſchliches Gebilde; ewig klagen ſie um den Gebieter, den ſie verloren haben: es weckt unabläſſig dieſe Klage der Seelen Anblick, deren Wohnungen der Hölle Reich berühren, die, wenn ſie Verirrungen gebußt, hinauf zu des Himmels Räumen fliegen. Bei allen dieſen übeln quält noch die Verworfnen Seelengram, und Beſchämung der Verbrechen, die auf Erden ſie geübte des Heuchlers Leiden mehrt die Ehrfurcht, die ſeiner erlognen Tugend noch der Erdkreis zollt. Die prunk⸗ voll hohen Namen, die ein getäuſchtes Jahrhundert berühmten Todten giebt, ſind die ſer Todten Quaal, in der Wahrheit und der Rache Flammen. Fromme Wünſche, von der Freundſchaft fuͤr verlorne Seelen zum Himmel liebevoll geſendet, bringen dieſen un⸗ tröſtlichen Seelen, in des Abgrunds Tiefen Jammer nur. Dann ſieht man dieſe Sünder aus den Grä— bern ſteigen, die Strafen der göttlichen Gerechtig⸗ keit enthüllen ſie der Erde, und ſprechen zu den Menſchen:„betet nicht für mich ich bin gerichtet.“ / umflu ſeht und de um die vor der der in Mauer halb r Heide Schra König ſich, V nen. Geiſt luten Ae⸗ ben zuf Unge lehrte der F ſenkt hof auf cken Sie V bar; 225 alächelnd „Im Mittelpunkt der Hölle, von einem Ozean umflutet, der nur Blut und Thränenwogen wälzt, eilt nun ſteht unter Felſen ein ſchwarzes Schloß, des Todes und der Verzweiflung Werk. Ew'ge Donner rollen um die drohenden Zinnen; ein verdorrter Baum iſt eröſten, vor dem Eingang eingepflanzt, und auf der Spitze ebevah⸗ der in neunfacher Windung in ſich zurückgebognen und tra⸗ Mauer flattert des Hochmuths Fahne, vom Blitze oſchichs halb verzehrt. Die Geiſter, welche Parzen einſt die „den ſo Heiden nannten, wachen an des finſtern Pallaſtes glage der Schranken. Satan erſcheint am Eingang ſeines le Reic Königsſitzes. Die drei Wachen des Pallaſts erheben hinau ſich, und laſſen mit dumpfem Schreckenston den ehr⸗ 9 L nen Hammer auf die ehrne Pforte fallen. Drei undre vr Geiſter, als Furien göttlich einſt verehrt, öffnen die m, un luterfüllten Thüren— da ſieht man eine lange ie qelbte a 4— 4 dee Ae r. öder Hallen gähnen, den unterirdiſchen Gewöl— e ſeiner ben zu vergleichen, wo die Prieſter der Egypter die Ungeheuer bargen, die ſie anzubeten die Menſchen lehrten. Des Schreckensſitzes Kuppeln ertönen von der Feuerflammen wildem Brauſen; ein bleicher Schein ſenkt ſich vom glühenden Gewölbe. Im erſten Vor⸗ hof liegt die Ewigkeit der Schmerzen bewegungslos auf ihrem Eiſenlager, ſelbſt ihres Herzens Pulſe ſto— cken, eine nie abgelaufne Sanduhr faßt die Nechte.— leſen un⸗ Jammer den Grä⸗ Sie kennt und ſpricht ein einz'ges Wort— ein furcht⸗ Herechtig⸗ bar:„Ewig!“ zu den„Itzt hat der Höllenreiche Herrſcher ſein ſcheus⸗ richtet.“ 4 liches Gemach betreten, da befiehlt er den vier Feldherrn I. Band. 15 226 der verworfnen Engellegionen, der Hölle Rath zuſam⸗ 8 menzuberufen. Die Höllengeiſter ſtürmen fort, des auc Herrſchers Befehle zu vollſtrecken. Mit Schaaren fül⸗ derb len ſich Satans weite Verſammlungsſäle, ſie lagern relbe ſich auf des düſtern Amphiteaters gluterfüllte Stufen; lihte mit den Inſignien erlogner Macht, wie Sterbliche ih⸗ Laſte nen anbetend huldigen, ſo ſtellen ſie ſich ein. Einen die Dreizack trägt der eine, mit dem vergebens er die Mee⸗ re peitſcht: denn Gott allein gehorchen ſie; ein andrer will ein lügenhaft Geſtirn, mit falſcher Stralenglorie uns bekränzt— der ſtolze Rieſe will er ſeyn, den jeden Mor⸗ met gen Gott von dannen ſendet, wo ſich das Morgenroth Lu⸗ erhebt. Hier ſchwatzt der Dämon falſcher Weisheit, ein da brüllt des Krieges Geiſt; dort lächelt der Wolluſt mit Dämon.— Venus nennen ihn die Menſchen, als au Aſtarte kennt ihn die Hölle— wollüſt'ges Schmachten ſchwimmt im Auge, Verwirrung ſendet in die ſeine Stimme— der glanzerfüllte Gürtel, der ſich um ſeine Hüfte ſchlingt, iſt der Höllenmächte gefah⸗ renvollſtes Werk. Der Nationen falſche Götter alle ſind hier im Rath verſammelt; Mitra, Baal und Mo⸗ loch; Anubis, Brama, Teut, Odin, Erminſaul und noch tauſend Fantome unſrer Leidenſchaft und unſrer Launen. Töchter des Himmels, wurden die Leidenſchaften mit dem Leben uns gegeben: ſo lang wir rein im Bu— ſen ſie bewahren, bewachen ſchützend ſie die Engel; doch wenn ſie frech entarten, dann beherrſcht ſie der ath zuſam. 8 fert, de daaren fuͤl ſie lagern Stufen; bliche ih⸗ Einen tdie Mee⸗ ein andrer talenglorie eden Mor⸗ dergenroth Weisheit, er Welluſt der ſich die gefah⸗ Vorter alle al und Mo⸗ ainſaul und und unſrer denſchaften ein im Bu⸗ die Engel; ſcht ſie der 227 Dämonen Szepter. So iſt bald edel und bald ſündig auch unſre Liebe, der Grimm bald heilig, bald ver⸗ derbend— einen edlen Stolz giebt es und einen fre⸗ velvollen Hochmuth, einen viehiſch tollen Muth und lichterfüllte Tapferkeit. Groß iſt der Menſch! Seine Laſter, ſeine Tugenden beſchäftigen den Himmel und die Hölle, ſie ſind ſelbſt Theile ihrer Macht. Nicht mehr, wie das Geſtirn des Morgens, das uns des Tages Stralen bringt; einem ſchrecklichen Co⸗ meten gleich, beſteigt, in der Geiſterſchaaren Mitte, Luzifer den Thron. So wie in einem Sturme man eine Woge hoch über andre Wellen ſich erheben, und mit ſchäumendem Gebürge dem Schiffer drohen ſieht; auch ſo wie man beim Brande einer Stadt in der Mit⸗ te rauchender Gebäude einen hohen Thurm erblickt, deſſen Zinnen die Flamme krönt— ſo erſcheint der gefallne Erzengel in der Mitte der Gefährten. Er ſchwingt den Höllenſzepter, an den durch ein ſubtiles Feuer der Uibel ganze Schaar gefeſſelt iſt.— Den Gram verbergend, der ihn nagend quält, ſpricht Sa⸗ tan itzt zu der Verſammlung: „Götter der Nationen, Höllenmächte, Flam⸗ „mengeiſter, tapfre Krieger, unbeſiegte Streiter, „edles unabhängiges Geſchlecht, hochherz'ge Kinder „dieſes mächt'gen Vaterlandes, erſchienen iſt des „Ruhmes Tag; erndten ſollen wir die Früchte der „Kämpfe und Beharrlichkeit. Seit ich des Tyrannen 228 „Joch zertrümmert, ſtrebt' ich, würdig mich der „Macht zu zeigen, die ihr anvertraut mir habt. Ich „habe euch das Weltall unterworfen; ihr hört von „hier die Klagen der Abkömmlinge des Menſchen, der „Rin der Seeligkeit Gefilden eure Stelle nehmen ſollte. „Um das erbärmliche Geſchlecht zu retten, mußte den „eignen Sohn unſer Verfolger hinab zur Erde ſen⸗ „den— erſchienen iſt er, der Meßias. Er hat's ge⸗ „wagt, in unſre Reiche einzudringen, und hättet „meine Kühnheit ihr geſtützt, dann hätten wir mit „Feſſeln ihn belaſtet und in des Abgrunds Tiefen ge— „fangen ihn gehalten. Dann war auf immer der „Kampf zwiſchen dem Ewigen und uns geendet; „doch dahin iſt jener günſt'ge Augenblick, drum müſ⸗ „ſen von neuem die Waffen wir ergreifen. Es wächſt „die Zahl der Chriſtusdiener. Zu feſt vertrauend un⸗ „ſern Rechten, verſäumten wir, unſre Altäre zu be— „ſchützen; laßt alle denn vereint noch einen Sturm „uns wagen, des Kreuzes Stamm zu ſtürzen, der „uns droht; laßt die ſchnellſten Mittel uns berathen, „um dieſen Sieg uns zu erringen.“ So ſprach in ew'ger Nacht Chriſtus beſiegter Got⸗ tesläſterer, der Engel, der mit ſeinem Kreuze den Er— löſer der Hölle Pforten brechen, der Isräels Gerech⸗ tenſchaaren ihn befreien ſah— da flohen betäubt, zernichtet die Ddämonen vor dem Götterglanze— ſeldſt Satans Haupt lag unter ſeines Reiches Trümmern, von eines Weibes Fuß zertreten. mich der bt. Ich dört don den, der en ſollte. ißte den nde ſen en, der derathen, egter Got eden Er⸗ s Gerech⸗ betäubt, — ſeldſt ummern, 229 Geendet hatte die Rede der Vater des Böſen; da erhob ſich des Mordes Dämon. Die blutgefärbten Arme, die wütende Geberde, die grauſendwilde S tim⸗ me dieſes verworfnen Engels verkünden die Verbre⸗ chen, die ihn beſudeln, und der Gefuͤhle Sturm, der ihm im Buſen wütet. Nicht vermag er den Gedan⸗ ken zu ertragen, daß ſeiner Wuth ein Chriſt entgehe— ſo ſieht man in dem Ozean, der der neuen Welt Ge⸗ ſtade peitſcht, ein Seethier in der Wogen Mitte ſeiner Beute folgen— wenn der ſchimmernde Fiſch dann ſchnell die Silberflügel ſchwingt, und, Luftbewohner eines Augenblicks, die Rettung in den Lüften ſucht, dann tobt das Unthier betrogen auf den Wellen, ſpeit Wolken von Schaum und Dämpfen aus, und ſchreckt ohnmächtig wütend die Matroſen. „Wozu noch Rathes pflegen,“ ſchrie der blutig wilde Engel,„bedarfs, die Chriſten zu zernichten, „andrer Mittel noch als Henker und als Flammen? „Laßt mir, der Nationen Götter, mir laßt die Sor— „ge, wieder eure Tempel aufzubauen. Meinem Szep⸗ „ter untergeben iſt der Fürſt, der bald der Römer „Reich beherrſchen wird. Ich will Galerius Grau⸗ „ſamkeit entflammen. Vom ungeheuxen letzten Mor— „de ſollen in ſeiner Anbeter Blut die Altäre unſres „Feindes ſchwimmen. Als Satan in's Verderben „den erſten Menſchen ſtürzte, begann er nur den „Sieg, durch der Chriſten Vertilgung werde ich ihn „krönen.“ 230 Er ſprichts, da fällt der Hölle Todesangſt den wilden Geiſt mit einmal an. Ein Geſchrei läßt er er⸗ ſchallen, dem Verbrecher gleich, von des Henkers Schwert getroffen; gleich dem Mörder, den des Ge— wiſſens Stachel quält. Glühend perlt Schweis ihm auf der Stirne; wie Blut träuft es von ſeinem Mun⸗ de; er kruͤmmt ſich vergebens unter der Laſt des Flu⸗ ches der Verworfenheit. Der falſchen Weisheit Dämon erhebt ſich nun mit einem Ernſte, der trauervoller Thorheit gleicht. Der Stimme erlogne Strenge, die ſcheinbare Geiſtes⸗ ruhe täuſchen die Schaaren der Geblendeten. Ver⸗ gleichbar einer ſchönen Blume auf giftesſchwangrem Stengel, lockt er verführeriſch die Menſchen an, um ihnen Tod zu geben. Er nimmt die Geſtalt eines Greiſes an, des Hauptes von der Schulen einer, die in Achen und Alexandrien verbreitet waren. Weißes Haar, mit der Olive Zweig gekränzt, die halbkahle Stirne erwerben ihm der Menſchen Gunſt; doch, wenn man näher ihn betrachtet, gewahret man die Tiefe der Heuchelei und Niedrigkeiten, und der wahren Ver⸗ nunft abſcheulichen Haß. Sein Verbrechen begann ſchon bei der Welten Schöpfung, ſobald geſchaffen ſie zu eitlen Klügeleien Raum ihm gaben. Er tadelte die Werke des Allmächtigen, und wollte, in ſeinem Stolz, unter den Engeln und im Reich der höchſten Weisheit eine andre Ordnung ſtiften. Er war der Gott esläug⸗ nung Vater, des ſcheuslichen Fantoms, das ſelbſt ngſt den ſch nun t gleicht. Geiſtes⸗ Ver⸗ wangrem an, um alt eines er, die Weißes albkahle aaffen ſie nelte die m Stolz/ Weisheit ttesläͤug⸗ , das ſelbſt F 231 Satan nicht gezeuget hatte, das mit dem Tode Liebe pflegte, als in der Hölle er erſchien.— Doch zollt gleich der Unglückslehren Dämon ſelbſt der eignen Weis⸗ heit Beifall, ſo weiß er doch, wie verderblich den Sterblichen ſie ſind, und jauchzt dem Unheil, das ſie auf der Erde ſtiften.— Schuldiger, als die empör⸗ ten Engelalle, kennt er ſeine eignen Frevel, und macht ſie ſich zum Ruhm. So ſprach die Afterweisheit, ſpä⸗ ter als die Zeit gebohren, zum Rathe der Dämenen: „Stets habe ich, du weißt es, o Monarch der „Hölle, gegen die Gewalt geſtimmt. Nur Grübeln, „Sanftmuth, Uiberredung erringen uns den Sieg. „Laßt unter unſern Anbetern, laßt unter den Chri⸗ „ſten ſelbſt Grundſätze mich ſäen, die der Geſellſchaft „Bande löſen, und der Reiche Grundpfeiler untergra⸗ „ben. Schon hat in meine Arme Hierokles, Gale⸗ „rius Liebling, ſich geworfen.— Es wächſt die „Zahl der Sekten: heimgeben will ich der eignen Ver⸗ „nunft die Menſchen; meine Tochter, die Gottesläug⸗ „nung will ich ihnen ſenden, des Tods Geliebte und „der Hoffnung Feindinn. Sie ſollen ſelbſt des We⸗ „ſens Daſeyn läugnen, das ſie ſchuf.“ „Kämpfe ſollt ihr nicht beſtehen, deren Looſe „zweifelnd fallen; zwingen will ich den Ewigen, zum „zweitenmal ſeine Geſchöpfe zu zernichten.“ So ſprach der Höllengeiſter verworfenſter; in wildem Getümmel zollten Beifall die Däͤmonen. 232 Dieſer kläglichen Freude Töne hallten längſt der Hölle Gewölben hin Die Verworfnen wähnten, neue Quaalen hätten ihre Peiniger erfunden. Die See⸗ len, die unbewacht in ihren Flammenkerkern lagen, entſchlüpften nun der Glut, und eilten hen zum Rath; Werkzeuge ihrer Martern ſchleppten ſie mit ſich, die eine ihr Leichentuch in Flammen; ihr Bleigewand eine andere; die dritte Eiszapfen, die an ihrem thränen⸗ vollen Auge hiengen, Schlangen jene, die ſie zernag⸗ ten. Die graßlichen Zuſchauer des gräßlichen Senats beſteigen ihre Plätze auf den brennenden Tribunen. Satan ruft, ſelbſt erſchrocken, den Geſpenſtern, den Wachtern der Schatten: den eitlen Chimären, den Unglücksträumen, den Harpien mit ſchmutziger Klaue, mit ſtarren Zügen dem Schauder, mit gift'gem Blick der Rache, den nie ſchlummernden Gewiſſensbiſſen, der Thorheit, der unbegreiflichen; den bleichen Schmer⸗ zen und dem Tode.“ 1 „Schleppt,“ ſchrie er ihnen zu,„ſchleppt in die „Kerker wieder die Verbrecher, oder zittert, daß Sa⸗ „„tan euch nicht zu ihnen ſchmiede!“ Eitle Drohungen; es miſchen ſich unter die Ver⸗ worfnen die Fantome, und wollen, ihnen gleich, im Rathe ihrer Fürſten ſeyn. Begonnen hätte itzt vielleicht ein Schreckenskampf, hätte Gott, der Wächter der Gerechtigkeit, der Ordnung einz'ge Quelle, ſelbſt in der Hölle Tiefen, den Aufruhr nicht 233 geendet. Er ſtreckte aus den Arm: an den Wänden des Saales der Verfluchten erſchien der Schatten ſei⸗ ner Hand. Da faßt ein tiefes Graun die Seelen der Verdammten und der empörten Engel: zu ihren Quaalen kehren jene; als Gotteshand verſchwunden, der Holle ten, neue — Die See⸗ ern lagen, zum Nath; t ſich di 7 13.... wand beginnen dieſe wieder die Berathung. and eine 1 thranen⸗ 8 Dr.. ie Der Wolluſt Dämon, auf ſeinem Polſter halh ie zernag⸗ gelagert, verſucht zu lächeln; er ſtrengt ſich an, den Kopf empor zu heben. Nach dem empörten Erzengel, der gefallnen Engel ſchönſter, ſind ihm der Reitze eini⸗ en Senatz Tubunen. — in, den ge geblieben, mit denen ihn der Schöpfer ausge⸗ Meh⸗ den ſchmückt, doch aus dem ſanften Blicke, aus dem Lä⸗ ger Klaue, cheln, aus der Stimme Tönen leuchtet Gift und falſche Pend Blick Tücke vor. Geſchaffen für die Liebe, ewiger Bewoh⸗ ſ ner der Reiche des Haſſes, trägt ungeduldig er ſein 3 Leiden— zu weichlich, ein Wuthgeſchrei zum Him— mel aufzuſenden, weint er nur, und ſpricht mit tie⸗ fen Seufzern: oot in die daß Sa⸗„Ihr Götter des Olympos, und ihr, die ich „weniger kenne, Gottheiten der Druiden und Brach⸗ „manen, verhelen will ichs nicht, ſchwer liegt auf mir rdie Ver⸗„die Hölle! Ihr wißts, ich nährte gegen den Ewigen gleich, im„nie des Haſſes Quelle; in Empörung folgt' ich und hätte itzt„im Sturze einem geliebten Engel nur. Doch, da ott, der„mit euch vom Himmel ich geſtürzt, ſo will ich lange g ein,ge„wenigſtens im Kreis der Erdenkinder leben, nicht ruhr nicht 4„von der Erde mich verbannen laſſen. Mir rufen 234 „Tyrus, Heliopolis, Paphos, Amathunt; auf dem „Berge Libanon erglänzt mein Stern. Da ſtehen „meine Zaubertempel, da werden ſüſſe Feſte mir ge⸗ „feiert, dort ſtehen meine Schwäne, die mich durch „die Lüfte ziehn; dort hab' ich Blumen, Weihrauch, „Düfte, friſche Raſen, wolluſtathmende Tänze, la— „chende Opfer! Und dieſen ſchwachen Erſatz für Him⸗ „melsfreuden ſollten die Chriſten mir entreiſſen? Die „Myrte meiner Lauben, die der Hölle ſo viele Opfer „zollt, ſollte zum rauhen Kreuze ſich geſtalten, das „nur die Zahl der Himmelsbürger mehrt?— Herr⸗ „ lich ſoll ſich meine Macht verkünden. Eines ſtren⸗ „gen Glaubens Jünger zu beſiegen, bedarf es nicht „der Weisheit, der Gewalt; zarte Gefühle will ich „ gegen ſie bewaffnen; Sieg verbürgt euch dieſer Gür⸗ „tel. Bald ſoll mein Schmeichelkoſen des keuſchen „Gottes rauhe Diener verweichlichen: bezwingen will „ich die zuͤchtig ſtrengen Jungfraun, und bis in ihre „Wüſten die Einſiedler ſelbſt verfolgen, die meinem „Zauber zu entfliehen wähnen. Es jauchzt der Weis⸗ „heit Engel, daß Hierokles unſerm Feinde er ge⸗ „raubt: auch meinem Dienſte opfert er. Schon hab' „ich in dem Buſen ihm ein ſündig Feuer angezündet; „vollenden werde ich mein Werk.— Eiferſucht will „ich entflammen, will ſpielend die Welt umwälzen, „und durch Genüſſe die Menſchen zu euch ein in's „Reich der Quaalen führen.“ 1 lächlen Schlan etbleich übte F G drin de ſamml / „ geg „eing „um „St „wil „ ken „alle „geh⸗ „Ew „ au D „‿ „zI „94 „ſe „de eſte m 8 e mir ge⸗ mich durch M. 7 Weihraut, 7 Tanze, la⸗ 5 für Him⸗ aſſen? Die diele Opfer falten, das 1— Herr⸗ Eines ſtren⸗ darf es nicht uhle will ich dieſer Gur⸗ des keuſchen vingen will bis in ihre die meinem tder Weis⸗ inde er ge⸗ Schon hab⸗ angezündet; ferſucht will umwäͤlzen, uch ein in's — 23⁵ Aſtarte ſprachs und ſank dann hin auf's Lager: lächlen will er, doch heimlich ſticht in's Herz die Schlange ihn, die unter ſeinem Gürtel haust— es erbleicht der ſchwache Dämon; der Höllenbanden ge⸗ übte Führer errathen ſeine Wunde. Getheilt hatten die drei Meinungen den Sanhe— drin der Hölle. Stillſchweigen gebot Satan der Ver⸗ ſammlung: „Gefährten, würdig eurer iſt der Rath, den ihr „gegeben, doch ſtatt von drei gleichweiſen Meinungen „eine auszuwählen, laßt allen zugleich uns folgen, „um glänzender zu ſiegen. Zu Hülfe laßt noch den „Stolz und Götzendienſt uns rufen! Ich ſelbſt, ich „will den Aberglauben im Herzen Diokletians erwek⸗ „ken und Ehrſucht in der Seele des Galerius. Ihr „alle, der Nationen Götter, ſtützt mein Beginnen; „gehet, fliegt, erregt des Volkes und der Prieſter „Eifer. Beſteiget wieder den Olymp, laßt wieder „aufleben der Dichter Fabeln. Von neuem ſollen „Daphnaes und Dodonas Haine Orakel ſpenden: „zwiſchen Fanatikern und Gottesläugnern ſei die Welt „getheilt— wilde Leidenſchaften ſoll der Wolluſt ſüſ— „ſes Gift entflammen, und dieſer Unheilsſumme ſoll „der Chriſten Verfolgung grauſenvoll entblühn.“ Alſo ſprach Lucifer; dreimal ſchlug auf den Thron er mit dem Szepter; dreifach hallt aus des Abgrunds 236 Schlünden ein langes Brüllen wieder. Das Chaos, der Hölle einzig finſtrer Nachbar, fühlt die Erſchüt— terung, es öffnet ſich, und bahnt in ſeines Schooſes Tiefen einem ſchwachen Lichtſtral Weg; der bis in der Verworfnen Nacht ſich ſenkt. Nie war ſeit dem Tage, wo er, abſchüttelnd des Gehorſams Joch, ſich Feind des Ewigen erklärte, Satan furchtbarer erſchie⸗ nen. Es erheben ſich die Höllenlegionen, ſie ſcheiden aus dem Rathe, durchwandern das Thränenmeer, der Quaalen Reich, und fliegen hin zur Pforte, wo Wa⸗ che der Tod und das Verbrechen halten. Beim Glanze flammender Feuereßen zieht die unreine Schaar daher; ſo flattern in unterirdiſchen Gewölben, beim Fackel⸗ ſchein, die Zwittervögel, deren Fittig von ſchmutzigen Inſekten gewebet ſcheint. In des Höllenpallaſtes Vorhof, vor dem Lager, wo die Ewigkeit der Schmerzen ruht, iſt eine Lampe aufgehängt: es brennt die Urflamme des Himmels⸗ zornes da, die die ew'gen Flammenkerker angezündet. Satan nimmt einen Funken dieſes Feuers. Im er⸗ ſten Aufſchwung berührt er den geſtirnten Gürtel, der zweite Tritt trägt ihn zu den Wohnungen der Men⸗ ſchen hin. Den Unglücksfunken trägt er in die Tem⸗ pel alle, und zündet auf der Götzen Altären die erloſch⸗ nen Feuer wieder. Da ſchwingt Athaenae ihre Lanze, Bacchos ſchwingt den Thyrſus, den Bogen ſpannt Apollon, Eros ſchwingt die Fackel; Aeneas alte Pe⸗ naten ſprechen geheimnißvolle Worte, die Zukunft derkü Pater der 5 ten B tus K. t die rnn Lle Erſchüt⸗ nes ſes Scheoſes der bis in Jech, ſch er erſchie enm r nenmeer, der te 9 Wa⸗ Wa⸗ e, wo Schaar daher; beim Fackel⸗ en ſch mutzigen angezundet. 3 AG ers. Im er⸗ Eurtel, der zen der Men⸗ en die erloſch⸗ eihre Lanze, zogen ſponnt geas alte Pe⸗ die Zukunft 237 verkünden Ilions Götter auf dem Kapitole. Der Lüge Vater ordnet einen Geiſt des Trugs zu jedem Bild der Heidengötter— er lenkt der unſichtbaren Cohor⸗ ten Bewegungen; und läßt, im Einklang gegen Chri⸗ ſtus Kirche, die Dämonen alle würken. SB — 2 Neunt e s Inhalt. Fortſetzung von Eudoros Erzaͤhlung. Eudoros am Hofe Conſtantius, Er zieht nach der Inſel der Bretonen. Ihm wird die Ehre des Triumphs. Er kehrt nach Gallien zuruͤck und wird zum Befehlshaber von Ar⸗ morika ernannt. Die Gallier. Armorika. Welle⸗ das Geſchichte. ¹ Seinen Verheißungen zu treu, war der Wollüſte Dämon in den Goldpallaſt hinabgeſtiegen, wo der Af⸗ terweiſen Schüler wohnte. In ſeinem Herzen weckt er die gedämpfte Flamme; ſeinen Begierden malt er das Bild der Tochter Homaeros, und durchbohrt ihn dann mit einem Pfeile, getaucht in die Gewäſſer, die Gomorrhas rauchende Ruinen decken. Hätte Hiero— kles die Muſenprieſterinn von einer andern Liebe ent— zündet itzt geſehen, hätt' er ſie geſehen, wie an Eudo⸗ ros ihre Blicke hiengen, der ſeine Erzählung fortzuſe⸗ tzen ſich bereitet, dann hätte Eiferſucht mit Wuth des Chriſtenfeindes Herz entflammt. Mit ihren Gäſten ſchmeckt die Familie Laſthenes die letzten Friedensau⸗ genblicke, vom Himmel hienieden ihr vergönnt. Wie I. Band. 16 242 am vorigen Tag, bei des Morgenrothes erſtem Strale, ſitzen Laſthenes mit ſeinen Töchtern und der Gattinn, Kyrillos; mit Kymodokae, Demodokos an des Baum⸗ gartens Pforte ſchon verſammelt; geſpannten Sinnes lauſchen ſie dem büßenden Krieger, der die Erzählung wieder ſo beginnt: „Ich habe euch erzält, daß an Galliens Gränze Zacharias mich verließ. Conſtantius war damals zu Lutetia. Nach einigen müherfüllten Tagen kam ich bei den Belgen*) der Sequana an. Vor meinen Blicken ſtand zuerſt in der Pariſier Sümpfen ein Thurm, acht⸗ eckigt aufgebaut, acht Gottheiten der Gallier gehei⸗ ligt. Nach Süden zu, zweitauſend Schritte von Lu⸗ tetia, jenſeits des Stroms, der es umſchlingt, er⸗ blickte Haeſus Tempel man; näher, auf einer Wie⸗ ſenmatte, an des Fluſſes Ufern, ſtand ein zweiter Tempel, der Iſis geheiligt; im Norden ſah auf einem Hügel man Ruinen eines dritten, einſt Teut geweiht. Es war der Marsberg dieſer Hügel, wo die Martyr⸗ palme Dionys errungen hatte. „Als der Sequana ich mich nahte, erblickt' ich, hinter einem Vorhang von Saalweiden und Nußbäu⸗ men, ihre klare Fluth, durchſichtig, trefflichen Ge⸗ ſchmacks, und ſelten fallend oder ſteigend. Gärten, mit ein paar Feigen angepflanzt, mit Stroh umwun⸗ 1) Die Bewohner der Isle de France. Strale, gattinn, Baum⸗ Sinnes ählung Gränze mals zu kam ich Blicken m, acht⸗ er gehei⸗ von Lu⸗ ngt, er⸗ ger Wie⸗ zweiter uf einem geweiht. Martyr⸗ glickt ich, Nußbau⸗ ichen Ge⸗ Gaͤrten, umwun⸗ —— 243 den, um vor den Fröſten ſie zu ſchützen, waren ihrer Geſtade einz'ge Zierde. Mühſam fand ich das geſuchte Dorf, Lutetia genannt, das iſt: der ſchöne Stein, die ſchöne Säule. Ein Hirte zeigte mir es endlich in der Sequana Mitte, auf einer Inſel, die ſich in Schif⸗ fesform verlängert. Zwei Holzbrücken, vertheidigt von zwei Thürmen, wo man den Zins dem Caeſar zahlt, vereinen das erbärmlich ſchlechte Dorf mit des Fluſſes beiden Ufern. „über die Brücke im Norden gelangt' ich in die Hauptſtadt der Pariſier— im Innern ſah ich nur von Holz und Erde Hütten, mit Stroh gedeckt, ge⸗ heizt mit Oefen. Nur ein Denkmal erblickt ich hier— einen Altar, dem Zeus von der Schiffergilde aufge⸗ baut. Doch an dem jenſeitigen Ufer des mittäglichen Arms der Sequana ſah man, auf dem Hügel Lucoti⸗ tius, eine römiſche Waſſerleitung, einen Cirkus, ein Amphitheater und den Pallaſt der Thermen, von Con⸗ ſtantius bewohnt. „Als Caeſar hörte, ich ſtehe am Thore des Pal⸗ laſts, da rief er: „Laßt herein den Freund meines Sohnes treten!“ „Ich warf mich zu des Fürſten Füßen, er hob mich gütig auf, beehrte mit ſeinem Lob mich vor dem Hofe, ergriff mich bei der Hand, und führte mich in 24 ½ den Saal des Raths. Ich erzälte ihm, was bei den Pritt Franken mir begegnet. Conſtantius ſchien entzückt, maßt. daß endlich dieſe Völker eingewilligt, die Waffen ab⸗ hen/ zulegen; einen Centurio ſandte er auf der Stelle ab, dern, Frieden mit ihnen zu unterhandeln. Mit Schmerz ge⸗ werde wahrte ich Conſtantius Bläſſe und ſeine Schwäche noch viellei vermehrt. diokl & ur 1. daß In des Fürſten Pallaſte fand ich Galliens und Gale Italiens berühmteſte Gläubigen verſammelt. Da glänz⸗ 3ch ten Donatian und Rogatian, ein liebenswürdig Brüu⸗ derpaar; Gervaſius und Protaſius, der Chriſten Oreſt hi und Pyladaes; Procula aus Marſilia; Juſtus aus heh Lugdunum; dann der Sohn des Praefekts über Gal⸗ zur lien, Ambroſius, ein Muſter von Wiſſenſchaft, Be⸗ gen. harrlichkeit und Unbeſcholtenheit. Wie Penophon, ſol⸗ hur len Bienen ihn genährt haben: in ihm erwartete einen bar Redner und großen Mann die Kirche. ktiu Pell „Ich fühlte heißes Verlangen, aus Conſtantius dei Munde die Verändrungen zu hören, die in meiner S Gefangenſchaft am Hofe Diokletians ſich ereignet.— d Bald ließ er mich in des Pallaſtes Gärten rufen, die ge von dem Hügel Lucotitius bis zur Wieſe, wo, am g Ufer der Sequana, der Iſis Tempel ſteht, ſich amphi⸗ 6 theatraliſch neigen. be „Eudoros,“ ſprach der Caeſar,„wir werden la itzt Carauſius bekämpfen, und von dem Tyrannen bei den ntzuͤckt, feen ab⸗ felle ab, nerz ge⸗ he noch ens und da glän ligg Brü⸗ en Oreſt tus aus er Eal. ft, Be⸗ hon, ſol⸗ ele einen ſtantius meiner agnet.— fen, die wo, am ch amphi⸗ werden r Tyrannen 245 7 Brittanien befreien, der ſich den Kaiſerpurpur ange⸗ maßt. Doch eh wir hin nach dieſer Provinz nun zie⸗ hen, will ich dir des Staates Lage in Rom erſt ſchil⸗ dern, auf daß nach dem, was ich dir hier enthüllen werde, du deine Handlungsweiſe regelſt. Dir denkts vielleicht, daß, als zu mir du hin nach Gallien kamſt, Diokletian nach Egypten, den Frieden ihm zu geben, daß Galerius, die Perſer zu bekämpfen, zog. Es hat Galerius den Sieg erfochten; ſeitdem kennt keine Schranken ſeine Ehrſucht mehr, ſein Uibermuth. Er hat Valerien, die Tochter Diokletians geehlicht und hehlt nicht länger ſein Verlangen, den Schwäher zur Entſagung zwingend, zum Kaiſerthrone zu gelan⸗ gen. Diokletian, ſchon alternd, den Geiſt geſchwächt durch eine Krankheit, vermag kaum mehr dem Undank⸗ baren Widerſtand zu leiſten. Galerius Creaturen triumphiren; hoher Gunſt erfreut Hierokles ſich: des Pelloponeſus, deines Vaterlands, Prokonſul iſt dein Feind ernannt. Tauſend Gefahren drohen meinem Sohne; Verderben bereitet ihm Galerius, mit einem Löwen drängt' er ihn zu kämpfen, und hat ihm ein gefahrenvolles Unternehmen gegen die Sarmaten auf⸗ gebürdet. Maxentius begünſtigt er, Maximians Sohn; er liebt ihn nicht, doch ſieht er in ihm den Ne⸗ benbuhler Conſtantins. So verkündet, Eudoros, al⸗ les, daß eine Umwälzung nahe unſrer harrt; doch ſo lang in mir ein Reſt von Lebensodem weht, zittre ich nicht vor Galerius Eiferſucht. Mein Sohn entfliehe ſeinen Wächtern, er eile her zum Vater: dann wird — 246 es ſich enthuͤllen, wagt man mich anzugreifen, daß der Völker Liebe ein unerſtiegner Wall den Fürſten iſt. „Nach ein paar Tagen zogen wir nach der Bre⸗ tonen Inſel, die von dem Erdenkreis der Ozean geſchie⸗ den. Die Pikten hatten die Mauer Agricolas ange⸗ griffen, die einſt Tacitus verewigte. Es hatte auch Carauſius, um Widerſtand Conſtantius zu leiſten, die Reſte der alten Partheien des Caraktakus und der Königinn Budizea aufgewiegelt So waren in des Burgerkrieges Verwirrung und in eines ausländiſchen Krieges Gräueln wir befangen. Ein wenig Muths, dem Stamme eigen, aus dem ich meinen Urſprung leite, gepaart mit einer Reihe glücklicher Kriegertha⸗ ten, führten mich ſtufenweiſe zum Po ſten des erſten Tribuns der brittaniſchen Legion. Bald ward ich An⸗ führer der Reuterey— mir gehorchte das Heer, als unter Petuarias*) Mauern die Pikten unterlagen. Eine Colonie die an des Abus ²) Ufer die galliſchen Pariſier verpflanzten.] Ich griff Carauſius an den Ufern der Thameſis ³) an— ein ſchilfbedeckter Fluß, der die ſumpfigte Stadt Londinum 4) badet. Es hatte dies Schlachtfeld der Uſurpator ſich gewählt, weil ſich unbeſiegbar hier die Bretonen wähnten: dort ſtand ein 1) Beverley in York. 2) Der Humber. 3) Die Themſe. 4) London. daß der iſt. Bre⸗ geſchie⸗ ange⸗ te auch leiſten, und der in des ndiſchen Muths, lrſorung hegertha⸗ s erſten ich An⸗ er, als rlagen. alliſchen an den er Fluß, Eshatte weil ſich ſtand ein 247 alter Thurm, von deſſen Zinnen ein Barde, ich weiß nicht, welche Chriſtengräber, die dieſe Stätte verherrli⸗ chen einſt ſollten, in prophetiſchem Geſang verkündete.) Beſiegt ward hier Carauſius, ermordet von den eig⸗ nen Kriegern. Mir ließ Conſtantius des Sieges gan⸗ zen Ruhm. Mein Schreiben ſchickte er dem Kaiſer, gekrönt mit Lorbeerkränzen. Er erbat mir die Ehre der Statüe und jene Feier, die an die Stelle des Triumphes trat. Bald kehrten wir nach Gallien zu⸗ rück; einen neuen Beweis ſeiner mächt'gen Freund⸗ ſchaft wollte mir der Caeſar geben; er ſetzte mich zum Befehlshaber in Armorika.— Ich rüſtete mich zum Zug in die Provinzen, wo noch der Dienſt der Drui⸗ den blühte, deren Geſtade oft von des Nordens Bar⸗ baren viel Ungemach erduldeten. „Geendet waren meines Zuges Rüſtungen: Ro⸗ gatian, Sebaſtian, Gervaſius, Protaſius; in des Caeſars Pallaſt die Chriſten alle, ſtrömten zu mir hin, mir Lebewohl zu ſagen. „Vielleicht finden wir,“ ſo riefen ſie„untet Verfolgungen, unter Prüfungen, in Rom uns wie⸗ der. Möge uns im Tode als würd'ge Chriſten, als alte Freunde der Glaube einſt vereinen! „Gallien durchzog ich einige Monden, eh ich in meine Provinz mich hinbegab. Kein Land kann je ein ähnliches Gemiſche von Sitten, Religionen, Cultur 1) Weſtminſter. 248 und Barbarei euch bieten. Unter Griechen, Römer und Gallier; unter Chriſten, unter Teuts und Jupi⸗ ters Verehrer getheilt, ſtellt es jeden Contraſt euch dar. „Lange Römerſtraßen ziehen durch die Wälder der Druiden. In der Sieger Colonien, in der Mitte wilder Haine ſtehn der Griechen und der Römerbau⸗ kunſt ſchönſte Maale: Aquedukte mit dreifachen Galle⸗ rien über Waldſtrömen hängend, Amphitheater, Ca⸗ pitole, Tempel von höchſter Zierlichkeit. Nicht ferne von den Colonien ſtehn des Galliers runde Hütten, die Veſten aus Stein und Balken aufgethürmt, an deren Thoren Wolfsfüße, Eulengerippe und Todten⸗ knochen angenagelt hängen. Zu Lugdunum, zu Nar⸗ bona, zu Marſilia übt mit Erfolg ſich der Gallier Ju⸗ gend in der Kunſt Demoſthenes und Cicerons; ein paar Schritte in's Gebürge, da hört ihr eine rauhe Sprache nur, dem Gekrächz der. Raben zu vergleichen. Auf einer Felſenſpitze trotzt ein Römerſchloß, tief im Thale ſteht die Chriſtenkapelle, dem Altare nah, wo Menſchen⸗ opfer der Druide ſchlachtet. Ich ſah den Legionſolda⸗ ten, tief in der Wüſte, auf eines Lagers Wällen Wache halten; den Gallier mit der Senatorstoga in ſeiner Wälder Sträuche ſich verwickeln. Auf Augu⸗ ſtodunums Hügel reifte die Falernertraube; Korinths Olive grünte zu Marſilia, und um Narbona wehten die Dufte der Bienen Attikas. 7. find/ w In ihre man auf Reuters Körner, bilden f türlich! griff n denen den Tu ſie ein am lie terlant 2 nen ei einſt g dem C Werks er ſa na; Schl Töne Gleig Füße rohes haͤtte daß in odten⸗ Nar⸗ er Ju⸗ paar rache einer ſteht ſchen⸗ ſolda⸗ Lällen ga in 249 „Die Wälder, dieſes Landes Hauptcharakter, find, was Bewundrung in jeder Gegend Galliens weckt. In ihrem weiten Umfangskreiſe ſtößt hier und dort man auf verlaßne Römerlager; des Roſſes und des Reuters Gerippe ſieht im Graſe man begraben. Die Körner, die der Krieger einſt zu ſeiner Nahrung ſäete, bilden fremde, cultivirte Colonien, von Galliens na— türlich wilden Pflanzen hier umſchloſſen. Rührung er— griff mich, als die Hauspflanzen ich erkannte, von denen einige aus Hellas ſtammten. Sie grünten in den Thälern, auf den Hügeln, wie im Mutterlande ſie einſt pflegten: ſo laſſen der Verbannten Geſchlechter am liebſten ſich an Stellen nieder, die ſie an's Va⸗ terland erinnern. 1 „Noch denkt mir heute, wie ich unter den Rui⸗ nen eines Römerlagers einen Hirten der Barbaren einſt gewahrte. Die Wurzeln auswühlend, die unter dem Gemäuer krochen, vollendeten die Zerſtörung des Werks der Weltenherrſcher ſeine gierigen Schweine— er ſaß ruhig auf Trümmern einer porta decuma- na; unter dem Arme preßt' er einen windgefüllten Schlauch, und belebte ſo einer Flöte Hauch, deren Töne ſüß ihm ſchienen. Da ſah ich, wie mit tiefem Gleichmuth ein Hirt der Cäſarn Lager unter ſeine Füße trat: groſſen erhabenen Erinnrungen zog ſein rohes Inſtrument er vor und ſeine Ziegenhaut— ich hätte fuhlen ſollen, wie wenig man bedarf zum Leben; daß in des kurzen Raumes Schranken es wenig gilt« 250 ob eine Welt man durch Poſaunenſchall erſchüttert, oder durch einer Schalmeye leiſes Stöhnen den Hain entzückt. „Zu den Rhedonen ¹) kam ich endlich. Nur Haiden, Wälder, enge tiefe Thäler, durchkreuzt von kleinen Strömen, die aufwärts nicht der Schiffer ſchifft, die ungekannte Fluth zum Meere wälzen: ein⸗ ſam trauervolle Gegenden, ſtürmiſch, in Nebel ein⸗ gehüllt, von der Winde Brauſen wiedertönend, deren felſigt ſtarre Küſte wüthend des Ozeans Welle peitſcht. „Das Schloß, wo ich meinen Sitz hatte, ein paar Meilen vom Meergeſtad entlegen, war eine alte Veſte der Gallier, durch Julius Cäſar vergröſſert, als die Veneter ²), als die Curioſoliten ³) er be— kriegte. Auf einem Felſen war's erbaut, an Wäͤlder angelehnt, von einem See gebadet. „Vom Reſt der Welt geſchieden, verlebt' ich ein paar Monden hier in Einſamkeit; ſie war mir heil⸗ ſam, ich ſtieg hinab in mein Gewiſſen, unterſuchte Wunden, die, ſeit von Zacharias ich geſchieden, nie ich zu berühren wagte, ich drang in meines Glaubens 1) Die Bewohner von Rennes ꝛc. 2) Die Bewohner von Vannes. 3) Die Bewohner der Gegend um Dinam. Diefen mehr/ glaubt⸗ den me durch! in mei Gefüh umfier ſchaft ren! dann rſchüttert, den Hain b. Nur reuzt von Schiffer lzen: ein⸗ Nebel ein⸗ end, deren le peitſcht. hatte, ein reine alte ergroſſert, 3) er be⸗ in Wälder edr ich ein mir heil⸗ unterſuchte dieden, nie Glaubens 251 Tiefen. Mit jedem Tage ſchwand die bittere Unruh mehr, die Umgang mit den Menſchen nährt. Schon glaubt' ich einen Sieg gewiß, der Kräfte heiſchte, den meinigen überlegen. Geſchwächt war meine Seele durch meine Sorgloſigkeit und mein ſünd'ges Leben; in meines Geiſtes alten Zweifeln, ſelbſt in meiner Gefühle Weichlichkeit fand ich Reize, die mich eng umfiengen: lockenden Schönen glichen meine Leiden⸗ ſchaften, die mich durch Schmeichelkoſen feſſelten. „Ein Ereigniß ſtörte plötzlich Unterſuchungen, de⸗ ren Reſultate ſo wichtig ſeyn mir ſollten. „Die Krieger hinterbrachten mir: ſeit ein paar Tage komme bei einbrechender Nacht aus dem Wald ein Weib, beſteige einſam eine Barke, ſchiffe über den See, lande am andern Ufer, und verſchwinde dann. „Mir war bewußt, daß ihren Weibern die wich⸗ tigſten Geheimniſſe die Gallier vertrauen, daß einem Rath der Töchter und der Gattinnen ſie Angelegen⸗ heiten überlaſſen, die ſie unter ſich zu ſchlichten nicht vermogten. Die Urſitte hatten Armorikas Bewohner treu bewahrt, und ungeduldig trugen ſie der Römer Joch. Wie alle Gallier, tapfer bis zur Verwegenheit, zeichnete Offenheit, ausſchließlich ihnen eigen, ge— walt'ger Haß und heiße Liebe und der Gefühle Eigen⸗ ſinn ſie aus, den zu ändern, zu beſiegen nichts ver⸗ mag. 1 252 „Eins hätte mich beruhigen ſollen: viel Chriſten waren in Armorika, und treue Unterthanen ſind die Chriſten, doch Clarus, der Kirche der Rhedonen Hirt, ein tugendreicher Prieſter war zu Condivincum: Auf⸗ klärungen konnte er nur geben, die mir mangelten. Bei Diokletian konnte das leichteſte Verſehen mich verderben, und Conſtantius, meinem Schützer, Schaden ſtiften, drum wollt' ich die Erzählung der Soldaten nicht verachten; doch da ich dieſer Menſchen Rohheit kannte, beſchloß ich ſelbſt nach der Gallierinn zu ſpähen. „Gegen Abend legt' ich meine Waffen an, be⸗ deckte ſie mit einem friedlichen Gewande, verließ ge⸗ heim das Schloß, und eilte an des Sees Geſtade, an die Stelle, bezeichnet mir von den Soldaten. „Unter den Felſen verborgen harrt' ich eine Weile; doch nichts erſchien. Da ſchlagen Töne plötzlich an mein Ohr, aus des Sees Mitte vom Winde zu mir hergeweht. Ich lauſche, und höre Laute eines Men⸗ ſchenſtimme. Nun ſeh' ich hoch auf Wogen eine Barke ſchweben; itzt gleitet ſie herab, verſchwindet im Schooſe zweier Wellen, und zeigt ſich wieder auf eines Wogen⸗ berges Gipfel, dann naht ſie dem Geſtade. Es lenket ſie ein Weib, ſie ſingt im Kampfe gegen des Sturmes Toben; mit den Winden ſcheint ſie kuhn zu ſpielen; man hätte in ihrer Macht ſie wähnen ſollen, ſo ſchien ſie ihnen keck zu trotzen. Stücke Leinwand, Lämmer⸗ ans L und ei Pappe gieng warji Aerm ne L Eiche der die 5 ſtreu den, Wor Buſe wal der wan Mo ein dre gepf um Chriſten ſind die en Hirt, m: Auf⸗ angelten. en mich Schaden Soldaten Rohheit erinn zu uch an e zu mir nes Men⸗ nne Barke nSchooſe „Wogen⸗ Es lenket Sturmes ſpielen; ſo ſchien Lammer⸗ La 253 felle, Wachskuchen und kleine Runde von Silber und von Gold ſah ich ſie wechſelnd zum Opfer in des Sees Fluten werfen. „Itzt iſt ſie am Geſtade, ſie ſchwingt ſich raſch ans Land, feſtet an einen Weidenſtamm den Kahn, und eilt in des Waldes Dickicht, ſich ſtützend auf den Pappelzweig, den in der Hand ſie führte. Ganz nah gieng ſie an mir vorüber; ſie ſah mich nicht. Hoch war ihr Wuchs; eine ſchwarze Tunika, kurz und ohne Aermel verſchleierte ihre Nacktheit kaum. Eine gold⸗ ne Sichel trug ſie an ihrem Gürtel; ſie kränzte ein Eichenzweig.— Eine Tochter der Gallier verkündete der Arme und des Geſichtes Weiße; das blaue Auge, die Roſenlippe, die langen blonden Haare, die zer⸗ ſtreut im Winde flatterten; ſie ſchienen ſanft dem wil⸗ den, ſtolzen Gang zu widerſtreben. Schreckliche Worte ſang ſie mit melodienreicher Stimme, der nackte Buſen wogte gleich dem Wellenſchaum. „Ich folgte ihr in einiger Entfernung. Sie wallte durch einen Kaſtanienwald, deſſen Bäume, der Zeit an Alter gleich, am Wipfel vertrocknet alle waren. Dann wanderten wir über Steppen, mit Moos und Farrenkraut bedeckt; an ihre Gränze ſtieß ein Gehölz, und in der Mitte des Gehölzes eine an⸗ dre Haide, mehrere Meilen im Umkreis. Nie war gepflügt der Boden; Steine hatte man dahin geſäet, um unzugänglich das Land dem Karſte und dem Pflug 254 zu machen. Am Ende dieſer Oede ſtieg der einſam Hua ſteilen Felſen einer in die Lüfte,(Dolmin nennen ſie in d die Gallier) die der Krieger Grab bezeichnen. In undun ſeiner Furchen Mitte wird die unförmlichen Pirami⸗ tin, a den einſt der Landmann ſchauen— ſchreckenſtaunend nid ſa wirder von unſichtbaren böſen Mächten das Denkmal Waſſer roher Ahnenſtärke erzeuget wähnen. Effnbe erkanne Herabgeſtiegen war die Nacht. Unfern des Stei⸗ den S nes blieb das Mädchen ſtehn: ſie klatſchte dreimal in die Hände, und ſprach mit lauter Stimme die ge⸗ 4 heimnißvollen Worte: die he ward „Auguilanneuf!“ die E . nen W „ Itzt glänzen im Dunkel der Haine tauſend Eiche Lichter, aus jeder Eiche ſcheint ein Gallier zu wer⸗ ner den— in Schaaren kommen aus ihren Schlupfwin⸗ dem keln die Barbaren— ganz gewaffnet die einen— die a Eichenzweige andre in der Rechten, in der Linken Miſte Fackeln. In meiner Maske miſche ich mich in die ausg Haufen— der Verſammlung erſtem Sturme folgt Ordnung nun und Andacht; es beginnt der feierliche Zug. „Druiden wallten an der Spitze, zwei weiſſe Opferſtiere führten ſie; die Barden folgten und ließen Ste Teuts Lob zu einer Art von Leier ſchallen: die Schü⸗ ler kamen dann, von einem Waffenherold im weiſſen ihne Pirami. ſtaunend Denkmal des Stei⸗ 2 dreimal me die ge⸗ e tauſend r zu wer⸗ hlupfwin⸗ einen— er Linken ſch in die arme folgt feierliche wei weiſſe und ließen die Schü⸗ im weiſſen 255 Gewande begleitet; ein Hut mit zwei Fluͤgeln deckte ihm das Haupt, die Rechte faßte einen Verbenazweig, umwunden von zwei Schlangen. Drei Senani tra⸗ ten, an der Stelle von drei Druiden, dem Waffenhe⸗ rold nach: ein Brod trug der eine, ein Gefäß mit Waſſer gefüllt der andre; der dritte eine Hand aus Elfenbein. Die Druidinn(ich hatte itzt ihr Amt erkannt) beſchloß den Zug; ſie nahm, des Archidrui⸗ den Sprößling, ſeine Stelle ein. „Es wallte der Zug der Eiche zu, auf der man die heil'ge Miſtel entdeckt hatte. Am Fuß des Baums ward ein Altar errichtet, auf dem ein wenig Brods die Senani verbrannten und ein paar Tropfen rei⸗ nen Weins ausgoſſen. Dann beſtieg weißbekleidet die Eiche ein Eubage, und nahm mit der Druidinn gold⸗ ner Sichel die Miſtel ab; ein weiſſes Gewand, unter dem Baume hingebreitet, empfieng die heil'ge Pflanze; die andern Eubagen ſchlachteten die Opfer, und die Miſtel ward in gleichen Theilen der Verſammlung ausgetheilt. „Die Zeremonie war geendet, man kehrte zum Grabmaal nun zurück: ein bloßes Schwert ward ein⸗ gepflanzt, des Mallus(oder Rathes) Mitte zu be⸗ zeichnen: an des Dolmins Fuße lehnten zwei andre Steine, ſie ſtützten einen dritten, der horizontal auf ihnen lag. 256 Die Druidinn ſteigt hinauf auf die Tribüne. Ge⸗ waffnet umſtehen ſie die Gallier; Fackeln ſchwingen die Senani und Eubagen: die Herzen faßte ſtille Rüh⸗ rung bei der Scene, dem Bild der alten Freiheit. Dicke Thränentropfen fielen aus dem Auge ſilberlockig⸗ ter Krieger, ſie rollten auf die Schilde hin. Alle vor⸗ gelehnt, geſtützt auf ihre Lanzen, ſchienen ſie den Worten der Druidinn ſchon zu lauſchen. „Der Druidinn Blicke ſchweiften auf den Krie⸗ gern, den Stellvertretern eines Volks, das zuerſt die Worte an die Menſchen wagte:„Wehe den Be⸗ ſiegten!— Ein Frevelwort, zurück auf's eigne Haupt gefallen. In der Druidinn Zügen las man die Gefühle, von dieſem Schickſalswechſel im Buſen ihr erregt. Sie entriß ſich ihren Träumen, und ſprach: „Ihr treuen Kinder Teuts, ihr, die in der „Sklaverey des Vaterlands der Väter Glauben und „Geſetz bewahrt, nicht thränenlos vermag ich um mich „her zu ſchauen! Sind dies des Volkes Reſte, das einſt „der Welt Geſetze gab? Wo ſind ſie, die blühenden „Staaten Galliens, wo iſt der Weiberrath, dem „einſt der große Hannibal ſich ſchmiegte? Wo ſind „die Druiden, die in ihren heil'gen Pflanzſchulen „zahlreiche Jugend uns erzogen? Verbannt von „Tyrannen, leben kaum noch einige, in wilden Hö— „len „itt9 „gen. „von d „ Llente „Prieſ „allen „genof „mäld „gen? „Kin „euer wzum „Kax iſie „ fallt „Mul „die „ da ei wneinhe nſo „nac „ter 7 iſt L „RN „re „dr 1 257 ine. Ge,„len unbekannt. Die ſchwache Druidinn Welleda ſwingen„iſt alleine noch euch übrig, eure Oofer zu vollbrin⸗ ſile Rüh„gen. O Inſel Sayne⸗ ehrwürdig heil ge Inſel, Freiheit„von den neun Junafraun, die im Heiligthum euch berlocig ienton⸗ lin alleine ich noch Uörig. Bald wird ohne Ale vor V„Prieſter Deut⸗ bald ehne Altäre ſeyn. Doch warum uſe den V„allen Hoffnungen entſagen? Einen mächt'gen Bunds⸗ „genoſſen will ich euch verkünden: bedarf es ein Ge⸗ „mälde eurer Leiden, um in die Waffen euch zu ja— „gen? Geborne Sklaven, durchlebt ihr kaum die „Kindertage, da führen euch die Römer weg. Und F2— 8.— = = -— „euer Loos?— Mir iſt es unbekannt.— Ihr eeift e den Be„zum Mannesalter, und ſterbt auf eurer Gränze im f's eigne„Kampfe für Tyrannen, oder zieht die Furche, die mlas man„ſie nährt. Verdammt zu der Arbeiten härteſten, echſel im„fällt ihr die eignen Wälder, und baut mit unerhörten Träumen,„Mühen die Straſſen, die bis in eures Landes Herz „die Sklavenkette tragen. Itzt iſt der Zugang offen, „da eilen freudejubelnd Druck und Sklaverey und Tod „einher auf dieſen Straſſen.— Und wenn ihr dann 4 4„ſo viele Unbild überlebt, dann ſchleppt man euch 6—„nach Rom: dort zwingt man euch, in Amphithea⸗ um mich„tern eingeſperrt, euch wechſelsweis zu morden; dort das einſt „iſt euer Todesröcheln eines blutgierigen Volkes „Luſt.— Edler und würdiger könnt, Gallier, ihr „RNom beſuchen. Gedenkt, daß eurer Name Wande⸗ „rer bedeutet. Erſcheint wie die furchtbaren Wan⸗ „drer, eure Ahnen, eure Vorgänger, plötzlich auf I. Band. 17 bluͤhenden hth, dem Wo ſind unzſchulen annt von ilden Ho⸗ 258 „dem Capitole. Man heiſcht in Titus Amphitheater „euch?— Zieht hin, gehorcht den erlauchten Zu⸗ „ſchauern, die euch rufen. Lehrt ſterben die Römer, „aber nicht bei ihren Feſten euer Blut verſprützend; „ſie haben lang genug euren Unterricht ſtudien, „laßt nun ſie auch ihn üben. Nicht unmöglich iſt „mein Vorſchlag. Der Franken Stämme, die in „Spanien ſich angebaut, kehren itzt in's Vater⸗ „land zurück— im Angeſichte eurer Küſten iſt die „Flotte, nur dem Signale harren ſie entgegen, „um zu Hülfe euch zu eilen. Doch krönet unſre „Waffen nicht der Himmel, ſiegt das Glück der „Cäſarn wieder, nun dann ſuchen mit den Franken „wir einen Winkel auf der Erde, dem fremd die „Sklavenkette iſt. Ein Vaterland mögen des Aus⸗ „lands Völker uns geſtatten oder weigern, nie wird „uns Erde fehlen, uns zu nähren oder um zu „ſterben.“ „Die Rede, im Fackelſchein auf einer Haide, bei einem Grabmal ausgeſprochen, vermögen Laute nicht zu ſchildern; die halberwürgten Stiere miſchten, im Blute ſchwimmend, das Todesbrüllen in des Sturmes Pfeifen— ſo malt man Zu⸗ ſammenkünfte uns der Höllengeiſter, von Zaube— rinnen nächtlich verſammelt in der Wüſte. Es ſchwieg die Stimme der Vernunft beim Sturme entflammter Phantaſie. Ohne zu berathen, ward beſchloſſen, ſich mit den Franken zu vereinen. Dreimal verſucht' ein Kriege ihn zu des M 1 ſzene. opfer ſichter einen thäͤter da eit Glaub Greis der. geſtieg auf ei Gewal der R Ich w denn und gefal mein dem fürch beſchl ter, uhitheater uchten Zu⸗ ie Römer, prützend; ſtudie,, nöglich iſt die in 5 Pater⸗ en iſt die entgegen, dnet unſre Glück der Franken fremd die des Aus⸗ nie wird er um zu Haide, en Laute Stiere desbrüllen man Zu⸗ n Zaube⸗ is ſchwieg tflammter oſſen, ſch kſucht ein 259 Krieger ſich dagegen zu erheben, dreimal zwang man ihn zum Schweigen; beim drittenmal ſchnitt ein Stuck des Mantels ihm der Waffenherold ab. „Es war dies nur das Vorſpiel einer Schauer⸗ ſzene. Mit lautem Schreien heiſcht ein Menſchen⸗ opfer nun die Menge, um des Himmels Willen ſichrer zu ergründen. Einſt bewahrten für dieſe Opfer einen vom Geſetz zum Tode ſchon verdammten Miſſe⸗ thäter die Druiden. Erklären mußte die Druidinn, da ein auserſehnes Opfer mangle, ſo heiſche der Glaube einen Greis, als Teuts angenehmſtes Opfer. „Itzt bringt man ein Eiſenbecken, in dem den Greis Welleda würgen ſoll, und ſetzt vor ihr es nie⸗ der. Sie war von der Gräbertribüne nicht herab⸗ geſtiegen, von der zum Volke ſie geſprochen: ſie ſetzte auf ein ehrnes Dreieck ſich; es war zerrüttet ihr Gewand, ihr Haar wildfliegend, ein Dolch blinkte in der Rechten, und unter ihrem Fuß ein Feuerbrand. Ich weiß nicht, wie geendet noch die Szene hätte— denn verſucht hätt' ich des Opfers Unterbrechung, und wäre unter der Barbaren Stahl vielleicht gefallen— des Himmels Güte oder Grimm endete meine verwirrungsvolle Lage. Die Geſtirne nahten dem Ziele ihrer Bahn, des Tages Ueberraſchung fürchteten die Gallier. Mit dem abſcheulichen Opfer beſchloſſen ſie zu harren, bis Düs, der Schatten Va⸗ ter, die nächſte Nacht am Himmelsbogen aufgeführt. 260 Auf der Haide zerſtreuten ſich die Haufen, es ver— glimmten die Fackeln. Ein paar geſchwungne Feuer— brände glänzten in der Wälder Dickicht noch mit windbewegter Flamme, ferne erſchallte der Bardenge⸗ ſang in ſcheidenden traurigen Tönen. „Teut will Blut; er hat in der Druideneiche ge— „ſprochen. Geſchnitten iſt mit goldner Sichel die hei— „lige Miſtel, am ſechsten Tage des Monds, am er⸗ „ſten Tag des Jahrhunderts. Blut will Teut, er „hat in der Druideneiche geſprochen.“ „Ich eilte ſchnell in's Schloß zurück, und ließ die Gallierſtämme zu mir rufen. Als verſammelt ſie am Fuß der Veſte waren, da macht' ich ihnen kund: ich kenne ihre aufrühriſche Verſammlungen und die Verſchwörung, gegen den Cäſar angeſponnen. „Starr von Schrecken waren die Barbaren. Umringt von Römerkriegern, glaubten ſie den letzten Au⸗ genblick erſchienen. Itzt erſchallen Jammertöne— ein Weiberhaufe ſtürzt in die Verſammlung. Chriſtin⸗ nen waren ſie, und trugen im Arm die neugetauf⸗ ten Kinder. Sie ſtürzen vor meinen Knieen nieder, flehen Gnade für die Brüder, Söhne, Gatten— die Neugebornen bieten ſie mir dar, und bitten, im Namen dieſes friedebringenden Geſchlechts, ich möge Mitleid, Sanftmuth üben. „Wie konnt ich ihrem Flehen widerſtreben, wie konnte der Chriſtenliebe Zachariens ich vergeſſen? Ich hob die Weiber auf. , und ließ ſammelt ſie hnen kund: en und die nen. Barbaren. letzten Au⸗ one— ein Chriſtin⸗ neugetauf⸗ ieen nieder, Gatten— bitten, im s, ich möge eſtreben, wie rgeſſen? Ich 261 „Meine Schweſtern,“ ſo ſprach ich zu ihnen, „ich gewähre euch die Gnade, die ihr in Chriſtus „Namen euch erfleht, der gemeinſam unſer Herr „und Meiſter iſt. Ihr bürget mir für eure Gatten, „verſprecht, daß ſie getreu dem Cäſar bleiben, dann „bin ich ruhig.“ „Die Armoriker ſtießen ein Freudengeſchrei aus; zum Himmel erhoben ſie die Milde, die mir ſo we⸗ nig koſtete. Das Verſprechen entriß ich ihnen, eh' ich ſie entließ, daß ſie den Opfern entſagen wollten, ſo grauſenvoll, daß ſie Tiber und Nero ſelbſt ver⸗ bannten. Auch verlangt' ich die Druidinn Welleda und ihren Vater Segenax mir ausgeliefert, den Er⸗ ſten unter den Rhedonen. Die Geiſſeln führten ſie am Abend mir noch zu, ich gab ihnen im Schloße Aufenthalt. Dann ſandt' ich eine Flotte aus; ſie ſtieß auf die der Franken, und zwang ſie, ſich von Armo⸗ rikas Küſte zu entfernen. Die alte Ordnung kehrte wieder; Folgen hatte nur für mich der Vorfall, die ich euch itzt erzählen will. Eudoros ſtockte hier im Lauf der Rede. Er ſchien verlegen, ſchlug die Augen nieder, ſie ſielen unwillkührlich wieder auf Kymodokä— Röthe färbte ihre Wangen, als hätte Eudoros Gedanken ſie errathen. Ihre Verwirrung bemerkte Kyrillos, und wandte ſich zur Gattinn Laſthenes: „Sephora,“ ſprach er,„ ich will das heil'ge Opfer für Eudoros verrichten, wenn er ſeine Erzäh⸗ 262 lung geendet hat. Wollt ihr mir den Altar bereiten laſſen? Sephora erhob ſich; ihre Töchter folgten. Die ſchüchterne Kymodokae wagte nicht, bei den Greiſen allein zu weilen; ſie gieng mit den Weibern, doch ſchmerzlich ungern folgte ſie. Demodokos ſah, gleich dem flücht'gen Reh, ſie über des Baumgartens Matte ſtreifen, er rief von Freude trunken: „Welcher Ruhm gleicht dem des Vaters, der „ſeine Kinder unter ſeinem Blicke wachſen, ſich ver⸗ „ſchönen ſieht! Selbſt Zeus liebte Haeraklaes ſeinen „Sohn. Beſorgniſſe und Todesangſt fühlte ſelbſt „der Unſterbliche, denn ein Vaterherz ſchlug ihm im „Buſen. Lieber Eudoros, auch du gebiehrſt den El— „Itern ſolche Beſorgniſſe, ſolche Freuden. Fahre zu „erzählen fort. Ich liebe die Chriſten, ich will es „nur geſtehen: der Bitten Kinder, feolgen ſie, gleich „ihren Müttern, jeder Unbild auf dem Fuße, das „Bböſe wieder gut zu machen, das ſie gewürket hat. „Sie ſind muthig wie der Löwe, und, wie die Taube, „ſanft— ihr Herz iſt friedevoll und weiſe— nur „Schade, daß ſie Zeus nicht kennen!— Doch da „ſpreche ich, ſo gerne ich dich hören mögte. So „ſind, mein Sohn, ſo ſind die Greiſe— wenn „eine Rede ſie begonnen, ſo entzückt ſie ihre eigene „Weisheit; es treibt ſie eine Gottheit, und dann „vermögen ſie nicht abzubrechen. Eudoros begann von neuem: ſich ver⸗ ſeinen te ſelbſt ihm im den El⸗ ahre zu will es gleich 2, das tet hat. Taube, — nur eigene d dann Ende von Welledas Geſchichte. Inhalt. Folge der Erzaͤhlung. Zehntes Buch. Geſciichte. „ Joh habe euch erzält, daß mit dem Vater, Welle⸗ da in meinem Schloſſe hauste. Gram und Unruh ſtürzten Segenax in ein hitziges Fieber, in dem ihm jede Sorge angedieh, welche der Menſchheit Pflichten heiſchen. Vater und Tochter beſuchte jeden Tag ich in dem Thurme, wohin ich beide bringen ließ. Mit Wonne füllte dieſe Handlungsweiſe, von der der an⸗ dern Befehlshaber ſo verſchieden, das unglückliche Paar: zum Leben kehrte der Greis, und zufriedner ſchien die Druidinn bald, die anfangs tiefer Kummer niederbeugte. Ich traf ſie mit heitrem Blick in des Schloſſes Höfen, in den Sälen, Gallerien, gehei— men Gängen, Wendeltreppen, wandelnd, die oben auf die Veſte führten: ſie vervielfachte ſich unter meinen S — — 266. b Helle Tritten— itzt glaubt' ich ſie bei ihrem Vater, da ſah metla ich plötzlich, einer Erſcheinung gleich, ſie am Ende hen— eines düſtren Ganges. aüfßer d „Es war ein ſeltnes Weib. Sie war, wie alle den 1 Gallierinnen, anziehend, voll von Launen. Lebendig Ane n war ihr Blick, der Mund ein wenig ſpöttiſch, ihr ſe jed Lächlen ſanft und geiſterfüllt. Bald war in ihren Be⸗ tragen Stolz, bald Wolluſt; Hingebung und Würde, d Kunſt und Unſchuld webten in ihrem ganzen Weſen. ze; Mit Staunen würde bei einer Halbwilden tiefe Kennt⸗ niß der Litteratur der Griechen und ihrer Landsge⸗ 1 mich! ſchichte ich gefunden haben, wäre mir entgangen, daß Welleda aus des Archidruiden Geſchlechte ſtamme, und daß ein Senani ſie erzogen, um dem gelehrten Or⸗ den der Gallierprieſter zugeſellt zu werden Stolz be— herrſchte die Barbarinn, und ihrer Gefühle Uiberſpan⸗ uung gränzte an Zerrüttung oft. „In einem Waffenſaale durchwacht' ich einſt allein 4 die Nacht, wo nur durch enge, tiefe ffnungen, gebahnt durch der Steine ganze Dicke, den Himmel man erblickte. Ein matter Stral, vom Sternenlicht durch dieſe Öffnungen geſendet, beglänzte die Lanzen. und die Adler, die längſt der Mauer hin ſich reihten. 3 Ma Keine Fackel brannte, ich wandelte in nächtlichem ſänf Dunkel. umg „Itzt bleicht am Ende der Gallerie ein blaßer 1 Dämmerſchein die Schatten. Stufenweiſe wächſt die »/ 7 da ſah m Ende wie alle adendig ch, ihr dren Be⸗ Würde, Weſen. fe Kennt⸗ Landsge⸗ tgangen, ſtamme, rten Or⸗ Stolz be⸗ 5 erſpan⸗ nſt allein nungen, Himmel rnenlicht e Lanzen reihten. ctlichem in blaßer gachſt die 267 Helle; bald erblicke ich Welleda. Sie trug der Rö⸗ merlampen eine, die an goldner Kette niederſchwe⸗ ben— die blonden Haare, auf dem Scheitel griechiſch aufgewunden, ſchmückte ein Verbenakranz, den Drui⸗ den eine heilige Pflanze. Ihr einziges Gewand war eine weiße Tunika: an Schöne, Adel, Größe, übertraf ſie jede Königstochter. „ An eines Schildes Riemen hieng ſie ihre Lam⸗ pe; dann kam auf mich ſie zu und ſprach: „ Mein Vater ſchläft, ſetze dich nieder, höre mich!“ „Von der Mauer löst' ich ein Siegeszeichen von Wurfpfeilen und von Picken, und legte es zur Erde; wir ſetzten uns zum Lampenſchein auf dieſen Waffenbündel. „Weiſt du,“ ſprach itzt die junge Barbarinn, „daß ich eine Feye bin?“ 8 „Ich forſchte nach des Worts Bedeutung. „Es haben,“ entgegnet ſie„der Gallier Feen Macht, die Stürme zu erregen, beſchwörend ſie zu ſänftigen; ſich unſichtbar zu machen, und ſich in Thiere umzuſtalten.“ „Ich erkenne keine ſolche Macht“ verſetzt ich ernſt. „Wie könnt vernünftig, eine Macht ihr zu beſitzen, 268 waͤhnen, die niemals ihr geübt? Meine Religion haßt ſolchen Aberglauben. Es gehorchen Gott allein die Stürme.“ „Ich ſpreche nicht von deinem Gotte,“ verſetzte ſie mit Ungeduld.„Sprich, haſt du die letzte Nacht im Hain der Quelle Stöhnen nicht gehört, nicht der Lüftchen Klage in dem Graſe, das an deinem Fenſter keimt?— Ich, ich ſtöhnte in den Lüftchen, ſtöhnte in der Quelle; denn geſehen hatte ich, daß du der Wäſſer Murmeln, der Lüftchen Summen liebſt.“ „ Mitleid fühlt' ich mit der Unſinnigen: es malte ſich in meinen Zügen dies Gefühl. 3 „Du bemitleideſt mich. Doch glaubſt du von Wahnſinn mich ergriffen, dann gieb nur dir die Schuld. Warum haſt ſo gütig meinen Vater du ge— rettet, warum ſo viele Sanftmuth gegen mich geübt? Jungfrau bin ich, Jungfrau aus der Inſel Sayne— mir winkt der Tod— ich bewahre, oder breche mein Ge⸗ lübde— du haſt die Schuld. Das iſt's, was ich dir ſagen wollte; lebe wohl!“ „Sie ſtand itzt auf, ergriff die Lampe, und ver⸗ ſchwand. „Nie hat quälender ein Schmerz im Buſen mir gewühlt; den Seelenfrieden einer Unſchuld ſtören, das iſt der Unfälle ſchrecklichſter. Entſchlummert war ich/ ſchlü zur dieſe meing der agion haßt allein die derſetzte 6te Nacht nicht der en: es malte ubſt du von ur dir die ater du ge nich geübt? 1Sayne— che wein Ge⸗ was ich dir de, und ver Buſen mir chhuld ſtoren, ummert war 269 ich, von Gefahren rings umgeben; zufrieden, Ent⸗ ſchlüſſe des Guten und den Willen mir zu fühlen, zur Hürde eines Tags zurückzukehren. Strafe harrte dieſes lauen Sinnes; mit Wohlgefallen hatte ich in meinem Buſen Leidenſchaft gewiegt, verdiente drum der Leidenſchaften Züchtigung. „Es hatte damals auch der Himmel mich jeden Schutzes vor der drohenden Gefahr beraubt. Clarus, der Chriſten Hirt, war fern; zu ſchwach war noch Se⸗ genax, um aus dem Schloß zu ziehen, und ohne Grauſamkeit vermogte die Tochter ich vom Vater nicht zu trennen. So mußte den Feind im Innern ich be⸗ wahren, und wider Willen ſeinen Stürmen ſtehn. Ver⸗ gebens hörte ich auf, den Greis zu beſuchen, vergebens entzog ich mich Welledas Blicken, ich fand ſie allent— halben. An Orten, wo ich vorüber kommen mußte, harrte ſie meiner Tagelang, und ſprach von ihrer Liebe mir. „Zwar fühlte ich, daß wahre Neigung mir im Buſen Welleda nie entflammen würde; es fehlte ihr der heimlich ſtille Zauber, der unſres Lebens Looſe lenkt; doch in der Jugendblüte ſtand die Tochter Se⸗ genax; ſchön war ſie, durchglüht von Leidenſchaft— wenn der Worte Feuerglut von ihren Lippen ſprühte, dann tobten brauſend alle meine Sinnen. „Unfern des Schloſſes, in der Haine einem, die keuſchen benamt von den Druiden, ſah man einen er⸗ 270 ſtorbnen Baum, vom Eiſen der Rinde beraubt. Dies Fantom trat bleich aus des Waldes dunklem Hinter⸗ grund hervor. Als Erminſaul verehrt, war dieſer Baum eine Schreckensgottheit den Barbaren, die, in Leiden, wie in Wonnefreuden, nur zum Tode flehn. Um das Götzenbild ſtanden ein paar Eichen, die Wur⸗ zel mit Menſchenblut beſprengt; hiengen der Gallier Waffen, ihre Kriegerzeichen: an die Aſte ſchlugen ſie die Winde, ſie klangen zuſammen⸗ klirrend in dumpfen Schauertönen. an ihren Zweigen „Oft wallte ich zu dieſem Heiligthum, von zahl⸗ loſen Erinnrungen des alten Celtenſtamms umflatter Sinnend weilt' ich eines Tages dort. Fernhin brüll⸗ te der Nord, und ſtürmte Moos und Epheubuſchel von der Bäume Stämmen. Plötzlich erſchien Welleda mir. t.— „Du fliehſt mich“ ſprach ſie„du ſuchſt der Wüſte tiefſte Oeden, um meiner Gegenwart dich zu entziehn? — Umſonſt— die Winde ſtürmen Welleda zu dir hin, gleich dieſem welken Mooſe, das vor dem Fuß dir nie— derfällt.“ „Sie ſtellte vor mir ſi ch hin; die Arme kreuzte ſie, blickte dann ſtarr mich an, und ſprach: „Ich habe viel dir zu entdecken, lang mögt' ich mit dir koſen. Ich weiß es, läſtig ſind dir meine Kla⸗ 5 Sweigen ichen: an zuſammen⸗ p 15b don gal l⸗ flattert— nhin brüͤll heubuſchel n Welleda eer Wüſte entziehn? dir hin, iß dir nie⸗ reuzte ſie, mögt' ich neine Kla⸗ 271 gen, ſie werden die Liebe nie im Buſen wecken; doch berauſchen will ich mich in Worten, die ich meiner Liebe gebe; gern nähr' ich mich mit meiner Flamme, male gern dir ihre Wuthgewalt! Wie glücklich könn⸗ ten wir nicht ſeyn, wenn du mir Liebe ſchenkteſt! Unſern Gefühlen würden eine Sprache, des Him⸗ mels würdig, wir erſchaffen; itzt fehlen mir die Wor⸗ te, weil mein Gefühl in deiner Seele kein ver⸗ wandtes findet. „Ein Windſtoß erſchütterte den Hain; Klage er⸗ tönte dem Erz der Schilde. Erſchrocken hebt das Haupt Welleda, und blickt auf die ſchwebenden Tro⸗ phäen: 8* „Meines Vaters Waffen ſtöhnen, ſie verkün⸗ den mir Unglück!“ „Nach eines Augenblickes Schweigen fuhr ſie fort: „Ihre Quelle muß deine Gleichgültigkeit doch haben. So viel Liebe hätte dir Wechſelgefühl im Bu⸗ ſen wecken müſſen— zuſelten ſcheint mir ſolche Kälte.“ „Von neuem ſtockte ſie, dann ſchien ſie aus tie— fem Sinnen aufzufahren, und rief: „Gefunden hab' ich das Geheimniß— du biſt nur darum nicht mir hold, weil ich nichts, deiner werth, dir bieten kann! „Dann nahte ſie mir, wie im Wahnſinne, legte mir die Hand aufs Herz und ſprach: 272 „Krieger, ruhig ſchlägt dein Herz unter der Hand der Liebe; doch raſcher würde es vielleicht beim Anblick eines Thrones ſtürmen? Sprich, heiſcheſt du ein Reich? Eine Gallierinn hatte es Diokletian verheißen, ſie war Prophetinn nur; Prophetinn bin ich und ein liebend Weib. Für dich vermag ich alles. Du weißt, wir haben den Purpur oft vergeben. Heimlich will ich unſre Krieger waffnen; Teut wird dir günſtig ſeyn, und beizuſtehen deinen Wünſchen will ich den Himmel zwingen. Aus ihren Wäldern will ich die Druiden locken; ich ſchwinge ſelbſt den Eichenzweig, und ziehe mit zum Kampfe. Und, fällt nicht glücklich unſer Loos, dann giebt es Hölen no in Gallien, wo, eine neue Eponine, ich meinen Gatten verbergen kann. Du ſprichſt von Gatten, unglückliche Welleda— doch nie blüht dir der Liebe Glück!“ „Es ſtirbt die Stimme der jungen Gallierinn, die auf mein Herz gehaltne Hand ſinkt nieder; das Mädchen neigt das Haupt, in einem Thränenſtrom er⸗ liſcht die Flammenglut. „Mit Schauern füllte mich die Unterredung, ich begann nun zu beſorgen, vergebens werde mein Widerſtreben ſeyn. Als Welleda endete, da fühlte ich im Innerſten mich tief gerührt: ich fühlte den ganzen Tag das Brennen ihrer Hand auf meinem Herzen. Noch ein letztes, mich zu retten, wollt' ich wagen; einen Entſchluß faßte ich, dem Uibel vorzu⸗ beugen, doch ward es nur gefährlicher— denn, wenn Und zie und ziehe unſer Loos, eine neue ann. Du — doch nie Gallierinn, nterredung, erde mein „da fuͤhlte — fuhlte den auf meinem , wollt' ich Uibel vorzu⸗ denn, wenn Gott uns ſtrafen will, läßt er die eigne Weisheit uns verderben, und achtet nicht zu ſpäter Klugheit. „Ich ſagte euch, daß ich anfänglich Segenax in ſeiner Schwäche aus dem Schloß nicht ſenden konnte. Des Greiſes Kräfte kehrten wieder, die Gefahr wuchs mit jedem Tage— ein Schreiben des Caeſars ſchützt' ich vor, das mir befohlen, die Gefangnen hinwegzu⸗ ſenden. Eh ſie ſchied, wollte Welleda mich noch ſpre⸗ chen— ich weigerte ſie zu ſehen, um beiden eine Schmerzensſzene uns zu ſparen: Kindesliebe ließ ſie vom Vater ſich nicht trennen; ſie folgte ihm, ſo hatt' ich's vorgeſehen. Des andern Tags erſchien ſie an des Schloſſes Pforte— man ſagte ihr, ich ſei auf einer Reiſe fern; da ſenkte ſie das Haupt, und kehrte ſchwei⸗ gend wieder in's Gehölze. So erſchien ſie ein paar Tage; es ward ihr ſtets der nämliche Beſcheid. Das letztemal verweilte ſie lange, an einen Baum gelehnt, der Veſte Mauern mit den Blicken meſſend! Ich er⸗ blickte das Mädchen durch ein Fenſter— meine Thränen floſſen— ſie entfernte ſich mit zögernden Schritten und kam nicht mehr. „Allmählig kehrte meine Ruhe wieder; von ihrer Unglücksliebe glaubte Welleda ich geheilt. Des Ker⸗ kers müde, in den ich mich geſperrt, wollte ich Land⸗ luft athmen. Eine Bärenhaut warf ich um meine Schultern, waffnete mich mit einem Jägerſpieße; verließ das Schloß, und lagerte mich auf einem hohen Hügel, von dem herab man die britanniſche Meerenge erblickte. I. Band. 18 274 „Wie Odyßeus, um ſein Ithaka klagend, oder wie die Trojanerinnen in Siziliens Gefilde hingebannt, blickt' ich auf der Wogen weite Fläche— Thränen entſtrömten mir. „ An des Taygetos Fuß gebohren,“ ſo ſprach ich zu mir ſelbſt,“ war des Meeres traurig dumpfes Brauſen der erſte Ton, der beim Eintritt in das Leben mir erſchallte. An wieviel Geſtaden ſchon ſah ich dieſelbe Flut ſich brechen, auf der itzt meine Blicke ruhn? Wer hätte vor ein paar Jahren mir ge⸗ ſagt, daß an der Küſte von Italien, an der Bataver, der Bretonen, der Gallier Sandgeſtaden mir dieſe Woge ſtöhnen würde, die auf Meßeniens kriſtallnem Sand ich ſanft ſich wälzen ſah? Wo iſt meines Pil— gerwallens Ziel?— Wohl mir, hätte mich der Tod hinweggenommen, eh ich meine Erdenwandrungen be⸗ gonnen, als mein Schickſal noch nicht der Erzählung Stoff mir bot.“ „So dacht' ich ſinnend, als nah bei mir eine Stimme, begleitet von einer Zitter Klang ertönte. In den Tönen, durch Pauſen, durch des Waldes Brauſen und des Meers Gemurmel, durch des Wet⸗ tervogels und der Seelerche Geſchrei unterbrochen, webte ein wilder Zauber. Welleda gewahrte ich ſo⸗ gleich, auf der Haide ſitzend: ihr Putz verkündete des Geiſts Zerrüttung. Sie trug eine Halskette von Ha⸗ gebutten; die Zitter hieng an einem Geflecht von welckem Farrenkraut und Epheu ihr am Buſen; ein weiſſer Schleier floß, über's Haupt geworfen, ihr auf die Füſſe nieder. In dieſer ſonderbaren Tracht, den ſchon iBt meine en mir ge⸗ rBataver, mir dieſe kriſtallnem neines Pil ch der Tod rungen be Erzahlung mir eine g ertonte 2s Waldes des Wet⸗ terbrochen, rte ich ſo⸗ ite von Ha⸗ echt don zuſen; ein oorfen, ihr ren Tracht, 275 bleich, das Auge thränenſchwer, war immer noch ihre Schönheit blendend. Halbnackt ſaß ſie hinter einem Buſche; ſo malen Dichter Didos Schatten, der dem Neumond, durch die Wolken brechend, gleich, im Mirthenhain erſcheint. „Eine Bewegung, die ich, die Tochter Segenax erblickend, machte, fiel ihr in's Auge. Bei meinem Anblick glänzt verwirrte Freude in ihren Zügen. Sie winkt geheimnißvoll mir zu und ſpricht: „Wußt' ich es doch, daß ich hierher dich ziehen würde. Nichts widerſteht der Allmacht meiner Klänge.“ „Dann ſang ſie wieder: „Herkules du biſt in's grüne Aquitanien herab⸗ „geſtiegen; Pyrene, die Iberiens Gebürgen ihren „Namen ſchenkte, Pyrene, die Tochter des Königs „Bebrycius, ehlichte den Griechenhelden; denn die „Weiberherzen haben die Griechen ſtets geraubt.“ „Welleda ſtand auf, nahte mir, und ſprach die Worte: „Mich führt, ich weiß nicht, welcher Zauber ſtets auf deine Tritte; ich irre um dein Schloß, und traure, daß nicht hinein ich dringen kann. Doch Zau⸗ ber habe ich bereitet; den Selago will ich ſuchen— ein Opfer von Brod und Wein will ich erſt ſpenden; weiß werde ich mich kleiden, die Füße ſeien nackt; die Rechte, unter der Tunika verborgen, wird die Pflanze ausrupfen, und die Linke der Rechten ſie entreißen— dann vermag mir nichts zu widerſtreben. Auf dem Mondenſtrale werde ich zu dir dann ſchlüpfen; in eine 276 Holztaube mich geſtalten, und auf des Thurmes Zinnen fliegen, wo du wohnſt. Ha, wüßte ich, was, mehr als mich, du liebſt, ich könnte... doch nein, um meinetwillen ſollſt du nur mich lieben, du wärſt mir ungetreu, wenn du in fremder Form mich liebteſt.“ „Ein Schrei der Verzweiflung tönte itzt von Wel⸗ ledas Lippen. „Bald wechſelt' ihre Phantaſie zin meinen Augen ſuchte ſie zu leſen, als wollte mein Geheimniß ſie er⸗ gründen: „O ich weiß es nun,“ rief ſie,„die Römerin⸗ nen haben dein Herz erſchöpft; du haſt zu heftig ſie geliebt! Sind reicher ſie als ich an Reitzen? Schwäne ſind nicht ſo weiß, als galliſche Mädchen: in unſerm Auge ſtralt der Farbenglanz des Himmels, ſo ſchön ſind unſre Haare, daß deine Römerinnen ſie von uns entborgen; doch grünet üppig ſchön das Laub nur in der Bäume Wipfeln, auf denen es entſproßte. Sieh hier das Haar, das meinen Scheitel ſchmückt— es zierte itzt, hätt' ich es miſſen wollen, die Stirne eurer Kaiſerinn: es iſt mein Diadem, ich habe dir es auf⸗ bewahrt. Weißt du, daß unſre Väter, Brüder, Gat⸗ ten der Gottheit Spuren in uns finden? Vielleicht hat dir ein Lügenruf erzählt, die Gallierinnen ſeien flatterhaft, ungetreu und launenvoll? Glaube der Zun⸗ ge des Gerüchtes nicht. Ernſt und in den Folgen ſchrecklich iſt der Druidenkinder Leidenſchaft.“ „ Der Unglücklichen Hände faßt' ich in die mei⸗ nen, und druͤckte ſie voll Zartlichkeit. 5 Zinnen as, mehr lein, um värſt mir bteſt. den Wel⸗ en Augen niß ſie er 5 omerin⸗ heftig ſie in unſerm ſo ſchön le von uns ub nur in üder, Gat⸗ Vielleicht anen ſeien in die mel 2 7 6 „Wenn du mich liebſt, Welleda, dann gieb mir auch Beweiſe: kehre zurück zu deinem Vater, er be— darf deiner Stütze. Gieb einem Schmerze dich nicht hin, der deine Sinne dir verwirrt, und Tod mir brin⸗ gen wird.“ „Ich ſtieg herab vom Hügel; Welleda folgte mir Wir wandelten durch die Gefilde, auf unbeſuchten Pfa⸗ den, wo der Raſen keimte. „Hätteſt du mich geliebt,“ begann Welleda, „wie wonnig hätten die Gefilde wir durchſtreift! Welch Glück, mit dir auf dieſem öden Pfad zu wallen, dem Lamme gleich, deſſen Wolleflocken hier an Dornen hängen!“ „Sie ſtockte; blickte auf ihre hagern Arme, und ſprach lächelnd: „Auch mich haben zerfleiſcht die Dornen dieſer Wüſte, ſie rauben jeden Tag mir mehr von meiner Hülle.“ „Dann verſank ſie wieder in ihre Träume: „Am Rande dieſes Baches, am Fuße dieſes Baums, längſt dieſer Hecken, den Furchen entlang, aus denen der Saaten junge Keime lächeln, die ich nicht reifen ſehen werde, wären in des Sonnenunter⸗ gangs Betrachtung wir verſunken. Oft hätten in Stürmen, in einer öden Scheune, oder in den Ruinen einer Hütte verborgen, dem Stöhnen der Winde unter dem verlaßnen Strohdach wir gelauſcht. Wähnteſt du, ich hätte in meines Glückes Träumen nach Prunk, Palläſten, Schätzen mich geſehnt? Demüthiger wa⸗ 278. ren meine Wünſche, ach und ſie wurden nicht erhört. Sah ich, in des Gehölzes Tiefen, eines Hirten Wan⸗ derhütte, dann dacht' ich ſtets: ſie würde mit dir mir gnügen. Glücklicher als die Szythen, deren Geſchichte die Druiden mir erzählten, würden unſre Hütte wir von Wüſtenei zu Oeden führen; ſo wenig würde unſre Wohnung als unſer Leben an der Erde kleben.“ „Beim Eingang eines Hains von Kiefern und von Lerchen waren wir nun angelangt. Es verweilte mit den Worten die Tochter Segenax: „Mein Vater wohnt in dieſem Haine; du ſollſt nicht ein in ſeine Wohnung dringen, er klagt des Toch⸗ terraubs dich an. Mich kannſt du, ohne herbe Leiden, in meines Kummers Tiefen ſehn, denn jung bin ich und krafterfüllt; es bricht das Herz bei eines Greiſes Thränen. Ich werde in deinem Schloſſe dich beſu⸗ chen. „Sie ſprachs, und eilte fort. „Dieſer Vorfall war meiner Sinne letzter Todes⸗ ſtoß. So gefahrenvoll ſind Leidenſchaften; ſelbſt ohne ſie zu theilen, athmen wir in ihren Kreiſen Gift, das alle Sinne uns berauſcht. Als Welleda in ſo traurig⸗ zärtlichen Gefühlen ſich ergoß, da war ich zwanzigmal bereit, zu ihren Füßen hinzuſinken, ſtaunen ſie ob ihrem Sieg zu ſehn, ſie durch das Geſtändniß meines Unterliegens zu entzücken.— Als eben ich erliegen wollte, da dankt' ich nur dem Mitleid ſelbſt, mir von der Armen eingeflößt, mein Heil. Doch ſtürzte dies M Mivlid eben, das mir erſt Rettung brachte, mich ins erhoͤrt. Van dir mir ſchichte ee wir un ſre in und erweilte nur von te dies ich ins 270 Verderben; es raubte mir die letzten Kräfte. Mein Ausharren gegen Welleda war verſchwunden; meiner Strenge Uibermaas klagt' ich als Quelle ihrer Geiſtes⸗ zerrüttung an. Die Trauerprobe meines Muths machte den Muth ſelbſt mir verhaßt; ich verſank itzt wieder in die alte Schwäche, verſchwunden war mein Selbſt⸗ vertrauen; auf Clarus Rückkehr ſtützte ſich allein noch das Gebäude meiner Hoffnungen. „Ein paar Tage ſchwanden hin: nicht mehr er— ſchien, wie ſie verheißen, Welleda vor dem Schloſſe; ein Unglück begann ich zu beſorgen. Unruhvoll wollt' ich nach Segenax Wehnung mich begeben, da brachte ein Krieger, vom Meergeſtade hergeeilt, die Kunde mir, der Franken Flotte erſcheine wieder im Geſichte von Armorika. Ich muſte eilen. Düſter war der Tag, Sturm ſchien alles zu verkünden: die Wachſamkeit verdoppelt' ich; denn beinah immer wählen, zum Lan⸗ den, Stürme die Barbaren. Die Krieger ließ ich überall in Waffen treten, verſchanzen die gefäͤhrlichſten Stellen. Bei dieſer Arbeit ſchwand der Tag; in der Nacht wütete der Sturm, und brachte uns erneuerte Beſorgniſſe. „Am Rande einer gefahrvollen Küſte, auf einer Steppe, wo ein paar Gräſer kaum im dürrem Sande keimen, ſteht eine lange Reihe von Druidenſteinen, dem Maale gleich, wo einſt Welleda ich geſehen hatte. Da ſtehen ſie, vom Wind, vom Regen und von der Wellen Wuth gepeitſcht, einſam zwiſchen Himmel, Meer und Erde. Ihr Urſprung wie ihr Zweck ſind 280 unbekannt. Denkmale der Druidenweisheit, verkün⸗ den ſie Geheimniſſe der Sterndeuter, oder Miſterien der Gottheit, das iſt unbefannt. Doch ohne tiefe Schauer naht dieſen Steinen nie der Gallier. Sie ſagen, es erſchienen Wandelfeuer dort, es tön⸗ ten Stimmen von Fantomen. „Des Ortes Einſamkeit, das Grauſen, das an dieſer Stätte weht, ſchienen mir günſtig der Landung der Barbaren. Ich ſtellte eine Wache an die Küſte, und wollte ſelbſt die Nacht dort weilen. 5 „Ein Sklave, den ich mit einem Schreiben an Welleda ſchickte, hatte es mir zurückgebracht. Er hatte die Druidinn nicht gefunden; um des Tages dritte Stunde hatte den Vater ſie verlaſſen, man kannte nicht ihr Loos. Meine Beſorgniſſe mehrte dieſe Kunde. Zerwühlt von Gram, ſetzte ich mich einſam fern von den Soldaten nieder. Da hör' ich plötzlich ein Geräuſch, und glaube eine Geſtalt im Dunkel zu erblicken. Mein Schwert fliegt aus der Scheide, ich ſpringe auf, und eile dem fliehenden Fantome nach. Wie ſtaunte ich, als Welleda ich er— griff! „Wie,“ ſagte ſie mir leiſe„du biſt's, du wuß⸗ teſt, daß hier ich weile?“ „Nein,“ entgegne ich,„doch du, die Römer wollteſt du verrathen? ℳ. „Verrathen,“ verſetzte ſie entrüſtet!„Habe ich dir nicht geſchworen, nicht gegen dich zu handeln? Folge mir, und ſiehe, was ich hier beginne.“ — Epit dumpe Sturm hüllte ſturm in ra kann legt an Sie Mac ſie d belat ben. Tagf ſel ihre wiy den die Gr me blic 281 „Meine Hand ergriff ſie, und führte mich zur Spitze des letzten Druidenfelſens. . aur„An Klippen brach ſich unter uns die See mit 4 3* dumpfem Donnerbrauſen. Die Wirbelfluth, vom kon Sturm gepeitſcht, ſtürmte hinauf zum Felſen, und da8 hüllte uns in Schaum und Feuerfunken. Wolken rud an ſtürmten am Himmel über des Mondes Scheibe, der in raſchem Laufe duxch ein Chaos hinzueilen ſchien. „Höre Sichn ſprach nun Welleda:„dir unbe⸗ kannte Fiſcher wohnen an der Küſte; wenn zurückge⸗ 4 a legt die halbe Bahn der Nacht, dann pocht es ihnen Er an der Pforte, und ruft mit leiſer Stimme ihnen. Anges I Sie werden an's Geſtade eilen; ſie kennen nicht die „ man Macht, die ihre Tritte ſpornt. Leere Kähne werden mehrte ſie da finden; doch ſind die Kähne mit Todtenſeelen ſo h mich beladen, daß kaum ſie noch über die Fluten ſich erhe⸗ or ich ben. In weniger als einer Stunde Raum legen eine alt im Tagfahrt ſie zurück, und führen die Seelen zur In us der ſel der Bretonen. Sie werden niemand ſehen, bei henden ihrer Fahrt, beim Landen nicht; doch eine Stimme ich er⸗ wird ertönen, die dem Seelenwächter die überſchiffen⸗ den zählt. Sind Weiber in den Barken, dann nennt zdu wuß⸗ die Stimme ihrer Gatten Namen. Du weißt es, Grauſamer, ob ſie den meinen nennen kann.“ Romer„Welledas Aberglauben wollt' ich niederkämpfen. „Schweige,“ ſprach ſie itzt, als wäre ruchlos Habe ich meine Rede.„Bald wirſt den Feuerwirbel du er⸗ andeln? blicken, der der Seelen Üüberfahrt verkündet. Hörſt du nicht ihr Geſchrei ſchon tönen?“ 28²2 „Welleda ſchwieg, und horchte mit geſpanntem Lauſchen. „Nach der Stille einiger Augenblicke begann ſie wieder: „Wenn einſt ich nicht mehr bin, dann verſprich mir von meinem Vater Kunde. Wenn einer ſtirbt, dann ſchreibe mir, und wirf den Brief auf ſeinen Scheiterhaufen: er kömmt im Reich der Erinnerung mir zu; ich leſe ihn dann mit Entzücken, und ſo verſtehn wir uns noch über's Grab hinüber.“ „Itzt rollt wüthend eine Woge gegen den Fel⸗ ſen an, und erſchüttert ihn in ſeinen Grundfeſten: ein Windſtoß zerreißt die Wolken, ein bleicher Monden⸗ ſtral zuckt auf der Wellenfläche. Dumpfe Schauer⸗ klänge tönen an des Meers Geſtaden— der Klippen Trauervogel, die Seemöve, läßt ihre Klage ſtöhnen, dem Angſtgeſchrei des Menſchen gleich, der den Tod im Wellengrabe findet; erſchrocken ruft die Wache zu den Waffen. Welleda breitet bebend ihre Arme aus und ruft: „Man harret meiner!“ „Sie wollte in die Fluth ſich ſtürzen; ich hielt beim Schleier ſie zurück. „O Kyrillos, wie ſoll ich weiter dir erzählen?— Schaam und Verwirrung röthen mir die Wange; doch meine Fehler alle will ich itzt geſtehen; ich bringe alle, nichts verhehlend, ſie vor deines Greiſenalters Richterſtuhl.— Nach meinem Schiff bruch flüchte ich zu deine herzigke „EC tignes E Lebesper o viel L mir nur „ Sturm zu ſey 1/ von T Holle heulte Gattin floh, meln; es fe ſchwe ſenvi Fure nicht ich getä um ſchiet hätte iſpanntem egann ſie verſprich er ſtirbt, uf ſeinen rinnerung „ und ſe den Fel⸗ feſten: ein Monden⸗ Schauer⸗ r Klippen hnen, dem Tod im de zu den t aus und zich hielt aäͤhlen?— VWange; ich bringe eiſenalters uchte ich 283 zu deiner Chriſtenliebe, wie zum Hafen der Barm⸗ herzigkeit! „Erſchöpft von Kämpfen, die ich gegen mein eignes Selbſt gekämpft, vermogt' ich Welledas letzter Liebesprobe nicht zu widerſtehen. Soviel Schönheit, ſo viel Leidenſchaft, ſo viel Verzweiflung, hatten auch mir nun die Vernunft geraubt— ich unterlag. „Nein,“ ſprach ich im Dunkel der Nacht, im Sturmestoben,„nicht ſtark genug bin ich, ein Chriſt zu ſeyn!“ „Welleda umſchlangen meine Arme, ich rief, von Wuthgefühl ergriffen:„Ich liebe dich!“ Die Hölle jauchzte dem Unglücksbande zu; im Abgrund heulten alle Höllengeiſter: der Patriarchen keuſche Gattinnen wendeten die Häupter, mein guter Engel floh, das Antlitz in den Fittich hüllend, den Him⸗ meln zu! „Zu leben willigte die Tochter Segenax; beſſer, es fehlt' ihr nun an Kraft, zu ſterben. Sie ſtarrte ſchweigend vor ſich hin in namenloſer Wonne, in grau⸗ ſenvollen Qualen: Liebe, Schaam, Gewiſſensfolter, Furcht und Staunen ſtürmten in Welledas Herzen; nicht glauben konnte ſie, daß der gefühllos kalte Eudoros ich noch ſeie, ſie wähnte ſich von einem Nachtgeſpenſt getäuſcht, und berührte meine Haare, meine Hände, um mit Gewißheit mein Daſeyn ganz zu fühlen. Mir ſchien mein Glück der Verzweiflung zu vergleichen, und hätte man im Schooſe unſrer Wonne uns geſehen, 284 das Ge man hätte Verbrecher uns gewähnt, denen man das gländ Todesurtheil kündet. neüte „Den Stempel der Gottverdammniß fühlt ich viſen mir nun aufgeprägt: ich verzweifelte an meiner Selig⸗ Wellede keit und an der Allmacht der göttlichen Barmherzig⸗ helen. keit. Dichtes Dunkel, einer Dampfwolke gleich, ds ſch ſtieg nun mir in der Seele auf; es zogen, ſo ſchien dein ſc es mir, der Höllengeiſter Schaaren in ihre Tiefen verkin ein— neue Ideen belebten meine Zunge, von meinen Dorf! Lippen ſtrömten des Höllenreiches Worte: V Kunde „Welleda, laß, alles um uns her vergeſſend, ten d uns beide einzig nur uns leben; entſagen laß uns unſern meine Göttern, im Wonnetaumel ſoll dann das Gewiſſen V— ſchweigen. Warum haben allmächt'ge Leidenſchaften menſt die Götter uns verliehen? Sie mögen, wollen ſie's, fen u uns für Geſchenke ſtrafen, die ſie uns ausgeſpendet. 1 Ich habe dir im Buſen von deiner Liebe Wuth ge⸗ entge ſchöpft; da nun von uns die Tugend flieht, ſo laß tmn uns denn, durch alle Lebensfreuden, der Ewigkeiten Qual verdienen! „So entſtrömten mir des Abſcheu's Worte: bie Chriſtus verwechſelt' ich mit Teut, und wagte Gottes⸗. läſterungen, dem Reich entſtammt, wo ewig Thränen übe flieſſen, wo Seufzer ewig ſtöhnen. „Weinend, lachend um die Wette, ſchwieg Wel⸗ zitt leda, der Geſchöpfe glücklichſtes, doch auch ihr unglück— Sch vollſtes. Des Himmes Bogen bleichte im Morgen⸗ Ich voth; die Feinde kamen nicht. Ich kehrte heim zum Dru Schloße, mein Opfer folgte mir. Zweimal hüllte n nan das fühlt ich ner Sel ig⸗ ar mherzig⸗ de gleich, t, ſo ſchien don meinen vergeſſend, uns unſern s Gewiſſen ldenſchaften golſo ollen ſie’s, (sgeſpendet. Moutk„ Wuth ge⸗ ſot, ſo laß Coigkenten s Worte 285 das Geſtirn, das in der Tagesbahn Scheideſtunde glänzt, unſre Röthe in ſeinen Schatten ein; zweimal weckte uns der Morgenſtern zu Schaam und zu Ge⸗ wiſſensqugalen. Beim dritten Morgenroth beſtieg Welleda meinen Wagen, um Segenax zu mir zu holen. Kaum war im Eichenhaine ſie verſchwunden, da ſah ich eine Rauch⸗ und Feuerſäule über den Waͤl⸗ dern ſich erheben. Als eben die Signale ich gewahrte, verkündete mir ein Centurio, man höre von Dorf zu Dorf der Gallier Geſchrei erſchallen, mit dem ſie eine Kunde ſich verbreiten. Ich glaubte, die Franken hät⸗ ten das Geſtade angegriffen, und eilte hinaus mit meinen Kriegern. „Bald ſeh' ich Bauern von allen Seiten zuſam⸗ menſtrömen. Sie bilden ſich zu einem großen Hau— fen und nahen mir. „An der Römer Spitze zieh' ich der Bauernſchaar entgegen. Als auf Wurfſpießesweite ich genaht, da trat mit bloßem Haupt allein ich zwiſchen beide Heere: „Gallier, was hat euch hier verſammelt? Haben die Franken in Armorika gelandet? Bietet ihr Hülfe mir, oder ſteht ihr, Caeſars Feinde, mir itzt gegen⸗ über?“ „Ein Greis verläßt die Reihen. Der Nacken zittert unter ſeines Panzers Laſt, ein unnütz Schwert ſchwingt ſeine Rechte.— O Staunen! Ich glaube der Rüſtungen eine zu erkennen, die im Druidenhaine ich geſehen. Beſtürzung, Schmerz 286 verwirren meinen Blick— der Krieger— es iſt Se⸗ genax! „Gallier,“ rief er aus,„Zeugen ſei'n die Waf⸗ fen meiner Jugend, die ich vom Stamm der Ermin—⸗ ſäule holte, wo ich geweiht ſie hatte; er iſts, der mir das Silberhaar mit Schande deckt. Ein Eubage folgte meiner Tochter; ihre Sinne ſind entſchwunden: er ſah im Dunkel dieſes Römers Frevel. Die Jungfrau von Sayne, eine Veſtale, iſt entehrt. Rächt eure Töchter, eure Gattinnen, rächt die Gallier und eure Götter! „Er ſprichts, und ſchleudert mit kraftlos ſchwa⸗ cher Hand den Wurfſpieß mir entgegen. Matt ſinkt er vor mir hin zur Erde; ich hätte ihn geſegnet, hätt' er mein Herz durchbohrt. Die Gallier ſtürzen mit Ge⸗ ſchrei auf mich: meine Krieger rücken zu meinem Schutze vor. Umſonſt verſuch' ich es, die Kämpfer aufzuhalten. Es iſt nicht mehr des Augenblicks Ge— tümmel, es iſt ein blut'ger Kampf; zum Himmel ſtei⸗ gen auf die Schreckenstöne. Ihrem Hain entquollen ſchienen die Götter der Druiden, ſie ſchienen, von einer Hürde hoch herab, die Gallier zum Morden zu entflammen, ſo furchtlos kühn kämpften dieſe Bauern!— Der Streiche ſpottend, die meinem Haupte drohten, ſuche ich nur Segenax zu retten: doch als ich gerade der Soldaten Händen ihn entreiſſe, als ich hinter einem Eichenſtamm ihn ſchützen will, da bohrt ein Wurfpfeil, aus des Haufens Mitte her⸗ geſchleudert, mit gräßlichem Geziſche ſich in des Grei⸗ ſes nen, Dach hullte . Ein? ten ſchein den ſie/ verſe erken Spr Ung durc er und eure aftlos ſchwa⸗ N„„— Matt ſinkt net, hätt' er zen mit Ge⸗ zu meinem die Kämpfer nblicks Ge⸗ Pimmel ſtei⸗ (n entauellen hienen, von um Morden laoften dieſe zu retten: ihn entreiſe⸗ ſchützen will, 5 Mitte her⸗ in des Grei⸗ 287 ſes Eingeweide; er fällt, unter dem Baume ſeiner Ah⸗ nen, dem alten Priam gleich, unter ſeines Lorbeers Dach, der die Hausaltäre ihm in ſeinen Schatten hüllte. „Ein Wagen erſcheint itzt an der Gränze der Ebne. Ein Weib mit flatterndem Gewand und mit zerſtreu⸗ ten Haaren ſpornt, vorgelehnt, der Renner Feuer, ſie ſcheint flügeln ihren Tritt zu wollen. Welleda hatte den Vater zu Hauſe nicht gefunden: vernommen hatte ſie, daß er, zu rächen der Tochter Ehre, die Gallier verſammle. Verrathen ſieht ſich die Druidinn, ſie erkennt des Fehlers ganze Schwere. Des Greiſes Spuren folgt ſie nach, gelangt zur Ebne, wo des Unglückskampfes Wüthen tobt, peitſcht die Pferde durch die Reihen, und erblickt mich ſtöhnlend auf des Vaters Leiche, zu meinen Füſſen hingeſtreckt. Des Schmerzes Allgewalt erliegend, hält Welleda die Renner an, und ruft vom Wagen hoch herab: „Gallier, laßt die Waffen raſten: ich, ich bin Quelle eurer Leiden, meinen Vater habe ich getödet. Wagt euer Leben länger nicht für eine frevelvolle Tochter. Unſchuldig iſt der Römer. Die Jungfrau von Sayne ward nicht geſchändet; ſie hat ſich ſelbſt ihm hingegeben; freiwillig gebrochen hat ſie ihr Ge⸗ lübde. Möge mein Tod dem Vaterlande Frieden ſchenken!“ „Sie ſprachs, riß von der Stirne die Verbena⸗ krone, und nahm vom Gürtel die goldne Sichel, als wollte ſie den Göttern Opfer ſpenden: 288 „Nicht mehr will ich,“ rief ſie,„der Veſtale Schmuck entweihen!“ Sie zuckt auf ihren Nacken die heil'ge Opfer⸗ ſichel; es ſprützt ihr Blut. Der Schnitterinn vergleich⸗ bar, die ihr Tagewerk vollendet, und an der Furchen Ende müd' entſchlummert, ſo ſinkt Welleda auf ihrem Wagen nieder; die goldne Sichel gleitet aus der mat⸗ ten Todtenhand; ſanft neigt das Haupt ſich hin auf ihre Schulter. Sie will noch des Geliebten Namen lallen, doch unverſtändliches Gemurmel enttönet nur dem Munde: ich war nur in den Träumen des Gal⸗ liermädchens noch, ewiger Schlummer hatte das Auge ihr geſchloſſen. ge Opfer⸗ n 1 dergleich⸗ din auf Eilftes B uſch. I. Band. 19 Inhalt. Folge der Erzaͤlung. Eudoros Reue. Seine öffentliche Buße. Er verlaͤßt das Heer und geht nach Egyp⸗ ten, um von Diokletian Entlaſſung zu erbitten. Fahrt. Egypten. Eudoros wird von Diokletian entlaſſen. Die Thebais. Eudoros Ruͤckkehr zu ſei⸗ nem Vater. Ende der Erzählung. öffentliche Egyyp⸗ erbitten. Diokletian ehr zu ſei⸗ Eilftes Buch. „ Vergebt den Thränen, die noch aus meinem Auge ſtrömen. Mit Gewalt mußten mich die Centurionen in ihrer Mitte halten, als Welleda ſich ermordete. Des Himmels Strafen ſind gerecht, ich ſollte, die ich verführt, nicht wiederſehn, als um hinab ſie in das Grab zu ſtürzen! „Hier beginnt, Kyrillos, meines Lebens größter Abſchnitt; er war meine Rückkehr zu meinem Glauben. Fehler, die allein mich trafen, die auf mein eignes Ich in ihren Folgen zurück nur fielen, hatte bisher ich wenig nur beachtet, doch als ich mich die Quelle fremder Leiden ſah, da empörte ſich gegen mich mein Herz. Die Wage ſank; ich zögerte nicht länger. Cla⸗ rus kam; ich ſank zu ſeinen Füßen, bekannte ihm die 292 Verirrungen meines Lebens. Er umarmte mich mit Freudenwonne, und legte einen Theil mir der zu ge⸗ linden Buße auf, deren Fortſetzung ihr heute ſeht. „Seelenfieber ähneln den Fiebern unſers Körpers, Ortsveränderung bedarfs, um ſie zu heilen. Ich be⸗ ſchloß, aus Armorika zu ſcheiden, der Welt mein Le⸗ bewohl zu ſagen, und unter dem Dache meiner Väter meine Verirrungen zu beweinen. Ich ſchickte Con⸗ ſtantius die Inſignien meines Amts zurück, und bat ihn um Erlaubniß, von den Waffen und meinem Zeit⸗ alter abzuſcheiden. Der Cäſar verſuchte alle Mittel, mich zurück zu halten. Er ernannte mich zum prätoriſchen Präfekten von Gallien— die höchſte Würde, deren Macht ſich über Spanien und die Inſel der Bre⸗ tonen breitet. Doch als Conſtantius gewahrte, daß unerſchütterlich in meinem Sinn ich ſei, da ſchrieb er mir die Worte voll ſeiner gewohnten Güte: „Nicht ſelbſt vermag ich dir die erflehte Gnade „zu vergönnen, weil du dem Römervolke angehörſt: „es kann der Kaiſer nur dein Loos beſtimmen; drum „ziehe hin zu ihm. Bitte um deine Entlaſſung; wei⸗ „gert ſie dir Auguſtus, dann kehre zum Caeſar zurück.“ „Ich gab den Befehlshaberſtab über Armorika dem Tribun, der meine Stelle nehmen ſollte, ſchloß Clarus in die Arme, und rührungs⸗ und quaalenvoll ſchied ich von den Hainen, von den Oeden, wo einſt Welleda weilte. Im Hafen von Nismes ſchiffte ich mich ein: ich kam nach Oſtia, und ſah Rom, meiner erſten Verirrungen Schauplatz, wieder. Vergebens zo⸗ 2 mich mit zu ge⸗ te ſeht. 8 Körperz, Ich be⸗ mein Le⸗ ner Väter ſckte Con und bat anem Zeit⸗ chte alle mich zum ſte Vürde, ſchrieb er e Gnade ngehorſt: en; drum ſung; wei⸗ ar zuruck. Armorika te, ſchloß zuaalenvoll „wo einſt ſchiffte ich , meiner gebens zo⸗ 293 gen ein paar Jugendfreunde mich zu ihren Feſten hin— meine Trauer ſtörte ihres Schmauſes Freuden— ein Lächeln wollte ich erzwingen, den Becher hielt ich lang an meiner Lippe, die Thränen zu verbergen, die mei⸗ nem Aug' entſtrömten. Ich warf mich zu den Füßen des Chriſtenhaupts, das mich aus der Gemeinſchaft der Gläubigen verbannte, und flehte, mich wieder mit der Heerde zu vereinen. Marzellin ließ mich zur Buße, er ließ ſogar Abkürzung mich meiner Prufung hoffen, und nach ſieben Jahren Einlaß in das Haus des Herrn, wenn in der Reue ich verharrte. „Itzt hatt' ich meine Bitte Diokletian nur noch vorzutragen; er weilte in Egypten. Seine Rückkehr wollt' ich nicht erwarsen, ich entſchloß mich, nach Orient zu wallen. „Im Moles Mark Aurels lag eins der Chriſten⸗ ſchiffe, die Alexandriens Biſchöffe in Zeit der Noth abſchicken, Getraide, den Chriſten zur Erleichtrung, abzuholen. Seegelfertig nach Egipten lag das Schiff, ich ſchiffte mich ein. Das Wetter war günſtig; wir lichteten die Anker: ſchnell entſchwand Italiens Küſte unſerm Blick. „Ich hatte ſchon dies Meer durchſeegelt, als Arkadien, das Mutterland, zum erſtenmale ich ver⸗ ließ. Jung war ich da, voll Hoffnungen; ich träumte nur von Ehre, Ruhm und Glück, nur in den Träu⸗ men meiner Phantaſie noch kannte ich die Welt.“— „Und itzt, ſo ſprach ich zu mir ſelbſt; wie iſt ſo alles anders?— Ich kehre aus der Welt zurück, 294 was habe ich auf dieſer trauervollen Pilgerfahrt für Lehren mir geſammelt?“ „Das Schiffsvolk waren Chriſten: unſers Glau⸗ bens Pflichten, auf dem Schiffe ſelbſt erfüllt, ſchie⸗ nen der Szene Majeſtät zu mehren. Es ſahn nicht mehr dieſe Menſchen, zurückgekehrt zum Reiche der Vernunft, Aphroditä aus glanzerfülltem Wellenſpiegel ſteigen, und auf der Horen Flügel zum Himmel auf ſich ſchwingen— ſie ſtaunten die Hand des Schöpfers an, die des Abgrunds Tiefen hölte, und, nach Ge— fallen, Schrecken oder Anmuth auf die Wogen ſtreut.— Bedürfen wir der Fabel von Alkyonae und Keyx, um rührende Beziehungen zwiſchen den Vögeln, die auf der Meeresfläche ſchweben und unſerm Loos zu finden? Wenn müde Schwalben ſich an unſre Maſten klammer⸗ ten, dann drängt' es uns, nach unſerm Vaterlande ſie zu fragen. Sie hatten unſre Hütte vielleicht um⸗ flattert, vielleicht an unſer Dach ihr Neſt geklebt.— Erkenne hier, Demodokos, der Chriſten Einfalt, die ſie den Kindern ähnlich macht. Dem Seemann gilt ein Herz, gekrönt mit Unſchuld, mehr, als ein Ver⸗ deck, geſchmückt mit Blumenkränzen; die Gefühle in denen reine Seelen ſich ergießen, gelten mehr dem Herrn der Meere, als Wein, der ihm aus goldnem Becher ſtrömt. „Schweigend blickten in der Nacht wir auf zum Firmament, wo wonnig für den Gott die Sterne glänzen, der ſie ſchuf; zum ſchönen Himmel, zu des Friedens ſeeligen Gefilden, die ich ewig Welleda ver⸗ rfhn ü ers Glau⸗ llt, ſchie⸗ uhn nicht ceiche der lenſpiegel mmel auf Schöpfers nach Ge⸗ zſtreut.— Reyr, um die auf u finden? klammer⸗ zaterlande eicht um⸗ klebt.— falt, die aann gilt ein Ver⸗ Gefühle mehr dem goldnem auf zum Sterne 1, zu des lleda ver⸗ 295 ſchloſſen hatte— nicht eitle, frevelvolle Gebete ſand⸗ ten wir hinauf zu den Geſtirnen! „Nicht ferne von Carthago und von Utika ſchifften wir vorüber: Marius und Catos Tugend und Ver⸗ brechen boten mir nur wenig Ruhm, viel Unglück dar. An dieſen Geſtaden hätt' ich Auguſtin umarmen mögen. Bei des Hügels Anblick, wo Didos Burg einſt ſtand, zerfloß ich ganz in Thränen. Eine Rauchſäule, die auf am Ufer ſtieg, ſchien, wie dem Sohn Anchiſaes, mir den Brand des Leichenſcheiterhaufens zu verkün⸗ den. Im Looſe der Carthagerköniginn fand ich das Schickſal der Prieſterinn der Gallier. Ich barg das Haupt in meine Hände, und ſtieß ſchmerzvolle Seufzer aus. Auch ich ſuchte Flucht auf des Meeres Räumen, auch ich hatte einem Weibe Tod gebracht, doch war ich ohne Ruhm und ohne Zukunft, nicht, wie Aeneas, Ilions und Hektors letzter Erbe— es ſtand mir nicht, wie ihm, des Himmels Ruf, des Römerreiches Loos ent⸗ ſchuldigend zur Seite. „An Haermaes Vorgebürge ſchifften wir vorüber, und an dem Cap, wo Szipio, Roms Fortuna grüßend, mit ſeinem Heere landen wollte. Vom Wind zur klei⸗ nen Syrte hingetrieben, entdeckten wir den Thurm, in den ſich Hannibal verbarg, als heimlich er ſich ein— geſchifft, des Vaterlandes Undank zu entfliehen— wehn doch an allen Küſten, wo wir landen, der Lei⸗ den und des Undanks Spuren! So glaubt' ich auch am jenſeitigen Geſtade Siziliens Verres Schlachtopfer zu erblicken, die vom Marterpfahle hoch herab Todes⸗ h —xx 296 blicke nach Rom vergebens ſendeten— nicht ſo ver— gebens fleht an ſeinem Kreuz der Chriſt zu ſeinem Va⸗ terlande! „Schon lagen zur Rechten hinter uns der Loto⸗ phagen reitzerfullte Inſel, der Philenen Altäre und Leptis, Severus Vaterland. Itzt gewahrten wir zur Linken Kretas erſte Berge, und ſchifften bald durch den Meerbuſen von Kyrene. Im dreizehnten Morgenroth erglänzte der Himmel, da ſahen längſt der Wogen am Horizonte wir herauf ein flaches ödes Ufer ſteigen. Jenſeits einer weiten Sandfläche feſſelte bald unſre Blicke eine hohe Säule. Die Seeleute erkannten die Säule des Pompejus, durch Pollio, Egyptens Prä⸗ fekten, itzt Diokletian geweiht. Dieſem Denkmaale ſteuerten wir zu; den Wallern verkündet's Alexanders Tochterſtadt, erbaut vom Sieger bei Arbela zur Grab⸗ ſtätte dem pharſaliſchen Beſiegten Wir warfen, vom Pharus weſtlich, Anker im großen Hafen Alexandriens. Petrus 1), Biſchoff der berühmten Stadt, nahm mich mit Vatergüte auf; er bot mir Wohnung im Ge⸗ bäude der Diener des Altars; doch ließen mich Ver⸗ wandſchaftsbande der ſchönen frommen Aecaterina 2) Haus erwählen. „Eh' ich zu Diokletian hin nach Oberegypten zog, verweilt' ich ein paar Tage zu Alexandria, um ſeine Wunder zu betrachten. Die Bibliothek vor allem er⸗ 1) Der Martyr. 2²) Aekaterina, die Maximians Liebe verſchmaͤhte. wecke gelehr Da tre ner dei Larthe 1us Apolo ledas Män ſcef gleich died der jt ſo der L are und wir zur durch den orgenroth Togen am t ſteigen. ald unſre unten die ens Prä⸗ enkmaale lexanders ur Grab⸗ en, vom ndriens. „nahm g im Ge⸗ nich Ver⸗ terina ²) pten zog, um ſeine allem er⸗ ver⸗ inem Va⸗ oto⸗ 297 weckte mir Bewundrung: an ihrer Spitze ſtand der gelehrte Didymus, Ariſtarchus würd'ger Nachfolger. Da traf ich Weiſen aller Länder, die berühmteſten Män— ner der Kirchen Aſiens und Afrikas: Arnobius*) aus Carthago; Athanaſius ²) aus Alexandria, Euſebius ³) aus Caeſarea, Timotheus, Pamphilius ³) alle Apologiſten, Doktoren oder Chriſtus Beichtiger. Wel⸗ ledas ſchwacher Verführer wagte kaum, in der ſtarken Männer Kreiſen das Auge aufzuſchlagen, die Leiden⸗ ſchaften beſtegt, entthronet hatten, den Erobrern gleich, die herab der Himmel ſendet, mit der Geißet die Fürſten zu züchtigen, und den Fuß auf den Nacken der Könige zu ſetzen. „Eines Abends war ich in dieſem Vorrathshauſe der Seelenmittel und der Seelengifte allein geblie⸗ ben. Von einer Marmorgallerie blickte ich auf Alexan⸗ dria hernieder, vom Scheideſtral des Tags beglänzt. Meine Blicke weilten auf der Stadt, von einer Mil⸗ lion Bewohnern bevölkert, zwiſchen drei Wüſten hin⸗ gebaut— zwiſchen dem Meere, den Sandwüſten Ly⸗ biens und zwiſchen Nekropolis, der Todenſtadt, an Größe gleich der Stadt der Lebenden. Mein Auge ſchweifte über ſo viel Denkmaale hin; über den Pharus, das Timo⸗ nium, den Hippodromus, den Pallaſt der Ptolomaeer, 1) Der Apologiſt, deſſen Werke wir beſitzen, 2) Der Patriarch. 3) Der Geſchichtſchreiber. 4) Der Martyr, Euſebius Lehrer⸗ 298 die Saeulen der Cleopatra— bei den zwei Hafen weilte ich, bedeckt mit Schiffen, Zeugen der Grosmuth des erſten der Caeſarn, und des Schmerzes der Cornelia. Selbſt die Form der Stadt ergriff mich wunderbar: ſie malt ſich, einem makedoniſchen Pan⸗ zer vergleichbar, im Sande Lybiens hin— ſei's, um des Stifters Gedächtniß zu verewigen; ſeis, um dem Wanderer zu ſagen, daß fruͤchtebringend des Griechen⸗ helden Waffen waren; daß Alexanders Lanze Städte hervor in Wüſten rief, wie Athaenaes Speer aus der Erde Schooſen einſt die blühende Olive lockte. „Verzeiht dem Bilde, das unreiner Quelle eben ich entliehen. Durchdrungen von Bewundrung Alexan⸗ ders, kehrte ich ins Innre der Bibliothek zurück; einen Saal ſah ich, den ich noch nicht durchſpäht hatte. Am Ende dieſes Saales ſtand aus Glas ein kleines Denkmal, von dem der Abendſonne Stralen wieder⸗ glänzten. Ich nahte mich, es war ein Sarg; durch den durchſichtigen Kriſtall erblickt' ich, in des Sarges Tiefe, einen König, geſtorben in der Jahre Blüte, mit gold⸗ ner Krone ſeine Stirn geſchmückt, von allen Inſignien der Macht umgeben. Seelengröße, die ſie einſt be⸗ lebte, wehte noch in den bewegungsloſen Zügen: er ſchien der Tapfern Schlaf zu ſchlafen, die hin im Tode ſanken, die auf ihre Schwerter das Haupt ge⸗ bettet. „Ein Mann ſaß bei dem Sarge; er ſchien im Leſen tief begriffen. Ich blickte hin nach ſeinem Buche, die Bibel der Siebzig erkannt' ich, die man mir den zwei eugen der Schmerzes griff mich een Pan⸗ ſers, um um dem Griechen⸗ ge Stidte er aus der e. zuelle eben ng Alexan⸗ ek zurück; daht hatte. ein kleines en wieder⸗ durch den des Tiefe, mit gold⸗ Inſignien eeinſt be⸗ Zugen: er ie hin im Haupt ge⸗ ſchien im em Buche, man mir 299 ſchon gezeigt. Er hielt ſie bei dem Vers der Mak⸗ kabäer aufgerollt: „Als Alexander über Darius ſiegte, da zog er „an die Gränze hin der Welt, es verſtummte vor „ihm die Erde. Dann erkannte er, daß nah die „Stunde ſeines Todes ſei. Des Hofes Großen kränz⸗ „ten mit dem Diadem nach ſeinem Tode alle ſich die „Stirne, die Übel vervielfachten ſich auf der Erde.“ „Ich blickte wieder auf den Sarg: die Geſtalt in ſeiner Tiefe ſchien ähnlich mir den Büſten Alexanders.— Verſtummt auf ewig war der Held, vor dem der Erd⸗ ball einſt geſchwiegen. Am Sarg des größten der Erobrer ein gemeiner Chriſt, eben des Helden Geſchichte und Verhängniß leſend— ein weites Feld der ſinnenden Betrachtung!„Iſt,“ ſo ſprach ich zu mir ſelbſt, „iſt auch der größte Menſch ſo wenig, was ſind denn ſeine Werke! Alexandrien, die ſtolze, wird einſt, gleich ihrem Stifter untergehen. Zernichten werden ſie die Wüſten einſt, die ſie umſchließen; Meer und Sand und Tod werden ſie gleich einem Gut verſchlin⸗ gen, das man ihnen raubte; auf den zertrümmerten Ruinen wird wieder ſeine Zelte der Araber ſchlagen.“ „Am andern Tage ſchifft' ich mich nach Memphis ein. Wir fanden uns bald in des Meeres Mitte, in des Nils gerötheten Gewäſſern— dann verkünde⸗ ten ein paar Palmen(ſie ſchienen auf die Wogen hingepflanzt), uns ein Land, das man noch nicht er⸗ blickte. Allmählig ſtieg die Erde, die ſie trug, her⸗ auf am Horizonte. Nun entdeckten wir ſtufenweiſe 300 in verwirrtem Gemiſche die Zinnen der Tempel des Canopus; endlich breitete vor unſren Blicken ſich Egypten hin, im Glanze eben verſiegter Überſchwem⸗ mung, einer fruchtbaren Kuh gleich, die in des Nilus Wogen ſich gebadet. „Wir liefen in den Strom mit vollen Segeln ein; es grüßte ihn das Jauchzen der Matroſen, ſie führten ſeine heil'ge Fluth zum Munde. Gefilde, der Waſſerebne gleich, ſtreckten ſich auf beiden Seiten hin. Den fruchtbaren Moor beſchatteten kaum Sy⸗ eomoren, mit Feigen ſchwer belaſtet und Palmen, die das Schilf des Niles ſcheinen. Zuweilen ſchleicht feindlich ſich die Oede in der Ebne Grün, und ſchlingt ſich hin in langen goldnen Schlangen, dürre Mäan⸗ der in den Schoos der üpp'gen Fülle zeichnend. Be⸗ ſäet hat in Menge der Menſch dieſe Erde mit Obe— lisken, Säulen, Pyramiden, der Baukunſt einſam freien Werken, die alten Eichenſtämme künſtlich hier erſetzend, die einem jedes Jahr verjüngten Bo⸗ den die Natur verſagte. „Zu unſrer Rechten begannen der lybiſchen Gebürge erſte Windungen hervorzutreten, zur Linken die Berg— gipfel des Erythräiſchen Meers. Bald erblickten wir im leeren Raume zwiſchen beiden Gebürgsketten die Gipfel der zwei großen Pyramiden. Da ſtehen ſie am Eingang des Nilusthals, und ſcheinen Egyptens Leichenthore oder Triumphbogen, des Todes Siegen hier errichtet— hier haust mit ſeinem ganzen Volke Pharao, und um ihn ſtarren ſeine Gräher. 2 der 30 umſchl Charof darf⸗ mit ih gen. ken ve aufſue berul ich, kende die i weiſe zu de Joſe nige 908”5 301 mpel d cken 3„Nicht ferne, wie im Schatten dieſer Heimath rſchwem, der Zernichtung, erhebt ſich Memphis, von Gräbern Nilus umſchloſſen. Vom See Acheruſia gebadet, über den Charon die Todten ſchiffte, der Gräberebne nah, be⸗ Segeln darf, ſo ſcheints, die Stadt nur eines Schritts, um en, ſie mit ihren Geſchlechtern, in die Unterwelt hinabzuſtei⸗ e, der gen. Ich weilte nicht lang in dieſer Stadt, geſun⸗ Gaen ken von dem Gipfel ihrer Größe. Diokletian immer um Sh⸗ aufſuchend ſchifft' ich aufwärts bis zur Inſel Siena, hulnen, berühmt durch Juvenals Verbannung. Theben beſucht ſöleict ich, di⸗ Stadt mit hundert Thoren, Keutyras vrun⸗ ſöling kende Ruinen⸗ und der ierkauſend Enädte einige, 4d die in ihrem Lauf des Nilus Flut beſpült. — Laſe„Vergebens ſuchte ich Egypten, das ernſte, j. d weiſe, das Inachos und Kekrops unſerm Hellas ſchenkte, . zu dem Homer, Lykurg, Pythagoras, zu dem Jakob, teinſonn Joſeph, Moiſes wallten; wo nach dem Tod die Kö⸗ Wli nige das Volk einſt richtete; wo auf des Vaters Leiche ten Bo⸗ als Pfand man Summen lieh; das Land, wo der Va⸗ ter, der den Sohn gemordet, drei Tage lang des Gebürge Sohnes Körper umſchlungen halten mußte, wo ein iie Verf Sarg um des Feſtes Tafel in die Runde ging, wo ften wir die Häuſer Herbergen, und Behauſungen die Grä⸗ etten die ber hießen. Ich forſchte die Prieſter aus, durch des ſehen ſie Himmels und der Erde Sagen Weisheit hoch berühmt. Egyptens Betrüger fand ich nur, die mit Bändern die Wahrheit, Siegen gleich ihren Mumien, umwinden, und unter ihre en Volke 6 Todten ſie hinab in ihre Leichengrüfte ſenken.— Zurückgeſunken in rohe Unwiſſenheit, verſtehen ſie 3⁰02 nicht mehr die Hieroglyphenſprache— ſtumm ſchwei⸗ gen ihnen, wie der Zukunft, ihre abentheuerlich fre⸗ chen Zeichen— ſo iſt der meiſten ihrer Maale, der Sphinre, Koloße, Obelisken Beziehung auf Sitten und Geſchichte nun verſchwunden. Alles iſt an dieſen Geſtaden umgewandelt, nur der Aberglaube, geheiligt durch der Ahnen Gedächtniß, iſt geblieben: er gleicht den ehrnen Ungeheuern, die in dieſem Klima, das ſie treu bewahrt, zu tilgen nicht ganz die Zeit vermag. Hintertheil und Nacken ſind in den Sand begraben, doch recken ſie noch unter Gräbern das grauſenvolle Haupt empor. „Diokletian traf ich endlich bei den großen Katarak⸗ ten, wo einen Vertrag mit Nubiens Völkern er geſchloſſen. Der Kaiſer ſprach von Kriegerehre, die mir geworden war, und ſchien meinen Entſchluß zu bedauern.“ „Wenn du indeß,“ ſprach er zu mir,„auf dei⸗ nem Sinne wandellos beſtehſt, dann magſt du in dein Vaterland zurücke kehren. Deinen Dienſten gewähr' ich dieſe Gnade; du ſollſt der erſte deines Stammes ſeyn, der wieder heim zum väterlichen Dache kehrt, eh' einen Sohn zur Geißel er dem Römervolk ge— laſſen. „Freudenvoll, mich frei zu fühlen, blieben noch andre Maale der Vorzeit in Egypten mir zu ſehen, die mehr zu meiner Reue, meiner Gewiſſenspein, die mehr zu meinen Gefühlen ſtimmten. Nah war ich der Wüſte, der Zeuginn der Iſräelitenflucht, ich be⸗ ſchloß/ wallen. — Zwei T r leiten/ nach G was 7 Vorra vor m ſchen Gebüꝛ zen- Gefild ſchilde Tode. n ſchwei⸗ lich fre. ale, der Sitten dieſen eheiligt gleicht na, das vermag. egraben, uſenvolle Katarak⸗ ſchloſſen. eworden rn. auf dei⸗ in dein dtammes e kehrt, wolk ge⸗ ben noch mſehen, ein, die war ich ic be⸗ 3⁰03 ſchloß, ſie, den Weg nach Syrien ziehend, zu durch⸗ wallen. Den Fluß Egyptens ſchiffte ich wieder herab. Zwei Tagereiſen ober Memphis nahm ich einen Füh⸗ rer— an des rothen Meers Geſtade ſollt' er mich ge⸗ leiten, von da mußt ich nach Arſinöe ¹) ziehen, um nach Gaza mit Kaufleuten aus Syrien zu wallen. Et⸗ was Datteln und Waſſerſchläuche, das war der ganze Vorrath unſrer Reiſe. Auf einem Dromedare zog vor mir der Führer her, ich folgte auf einer arabi⸗ ſchen Stute. Wir zogen über die erſte Kette von Gebürgen weg, die des Nils öſtliches Geſtade krän⸗ zen— aus unſern Blicken ſchwanden die gewäſſerten Gefilde; uns empfieng eine dürre Sandebne— nichts ſchildert treffender den Übergang vom Leben zu dem Tode. „Denkt euch ſandbedeckte Flächen, gefurcht von winterlichem Regen, von des Sommers Glut ver⸗ brannt— röthlichen Anblicks und furchtbar nackt. Nur hie und da decken indiſche ſtachelvolle Feigen kleine Striche des gränzenloſen Sandes— der Wind ſaust durch den gewaffneten Wald, doch die unbieg⸗ ſamen Zweige vermag er nicht zu krümmen— mit Staunen füllen verſteinte Schiffestrümmer den Blick; Steinhaufen, in gewiſſen Entfernungen gethürmt, bezeichnen den Weg der Caravanen. 1) Suez. 3⁰4 „Einen’ ganzen Tag durchzogen wir die Ebene. Dann erklimmten wir eine zweite Kette von Gebürgen, wo eine größere, ödere Ebene wir entdeckten. „Es ſank die Nacht hernieder— der Mond be— glänzte die einſam leere Wüſte: auf ſchattenloſer Oede ſah man nur des Dromedars bewegungsloſen Schatten, und die flatternden Schatten einiger Gazellenheerden. Durch die Stille tönte nur der Eber Brauſen, die welke Wurzeln nagten, und der Geſang der Grille, die ver— gebens hier im unwirthbaren Sande ſich nach dem Heerd des Landmanns ſehnt. „Wir brachen vor der Wiederkehr des Tages auf. Die Sonne ſtieg ſtralenlos empor, vergleichbar, von glutenrothem Eiſen, einem Flammenrade. Mit jedem Momente ſtieg die Hitze. Um des Tages dritte Stunde zeigte Unruhe das Dromedar. Die Naſe bohrt' es in den Sand und ſchnaubte mit Gewalt. Von Zeit zu Zeit ſtöhnten des Straußen Trauerlaute— hinab in der Erde Schoos eilten Schlangen und Chamaeleone.— Mein Führer blickte auf zum Himmel und erbleichte; ich fragt' ihn um die Quelle ſeiner Angſt. „Ich fürchte,“ ſprach er„den Wind aus Sü⸗ „den, wir müſſen fliehen.“ „Gegen Norden das Geſicht gewendet, flog er mit ſeines Dromedares höchſter Schnelle fort: ich folgte ihm— ſchneller war, als wir, der Schrackngwind⸗ der uns bedrohte. —˙ 3⁰5⁵ e Ebene.„„„... köürzen„Von der Wüſte Gränze ſtürmt ein Wirbelwind 9 daher. Aufgewirbelt flieht der Boden unter unſern Trittenz andre Sandſäulen, uns im Rücken aufge⸗ Lond be⸗ ſtürmt, ſtürzen herab auf unſre Häupter. Irrend in ſer Oede einem Labyrinthe bewegter, gleicher Hügel, erklärt ſchatten, der Führer: daß er den Weg nicht mehr erkenne— heerden. zu füllen unſres Unglücks Maas, liefen, bei des Ren⸗ diewelke V nens Wetterſchnelle, uns die Waſſerſchläuche aus. „die ver⸗ Keuchend, von Durſtesglut zerquält, hielten wir mit em Heerd Macht den Athem an, denn Flammen beſorgten wir — zu athmen— in Strömen floß der Schweiß von un⸗ ſern matten Gliedern.— Es verdoppelt ſich des ages auf. Sturmes Raſen; er wühlt bis in der Erde graue Ve⸗ bar, von ſten, und ſtürmt der Wüſte Flammeneingeweide zum Mitjedem Himmel auf. In einem Wirbel glühenden Sands teStunde begraben, entſchwindet meinem Blick der Führer.— drt es in Itzt höre ich ihn ſchreien; ich fliege hin zu ſeiner Zeit zu Stimme— tod war der Unglückliche, vom Flammen⸗ hinab in wind auf die Sandfläche hingeſchmettert, verſchwun⸗ dleone.—/ den war ſein Dromedar. ebleichte;„Vergebens verſuchte ich, den unglücklichen Ge— fährten zum Leben zu erwecken; umſonſt war mein Bemühn. In einiger Ferne ſetzte ich mich nieder, des eh V Pferdes Zügel an der Hand— ich hoffte nur auf den, der die Gluten in Azarias Feuerofen in kühle Lüfte , flog er und ſanften Thau gewandelt. Eine Akazie, die hier ich folgte grünte, bot mir Schutz. Hinter dieſer ſchwachen kenswind Schutzwehr harrte ich dem Ende des Sturms entgegen. Gegen Abend trat wieder Nordwind ein; die Luft I. Band. 20 306 verlohr die Flammenglut; der Sand ſenkte ſich von Himmel nieder, und entſchleierte die Sterne— un⸗ nütze Fackeln, die mir nur der Wüſte Unermeßlichkeit beglänzten! „Jede Gränze war verſchwunden, aller Pfade Spur verwiſcht. Landſchaften aus Sand, vom Wind gebildet, boten auf allen Seiten neue Schöpfungen, einen neuen Anblick dar. Von Hunger, von Ermat⸗ tung, von Durſt erſchöpft, vermogte ſeine Laſt nicht mehr mein Roß zu tragen; es legte ſterbend ſich zu meinen Füßen. Des Tages Anbruch vollendete meine Quaal— die Sonnenglut raubte mir den Reſt der Kräfte; ich verſuchte ein paar Schritte, doch bald un⸗ fähig, mich weiter fortzuſchleppen, barg ich das Haupt in einem Buſche, und erwartete, nein, ich rief den Tod. „Schon hatte die Sonne die Hälfte ihrer Bahn zurückgelegt, da tönt das Brüllen eines Löwen. Ich erhebe mich mühſam, und ſehe das Schreckensthier über die Sandebne hinſtürmen. Mich faßte der Ge⸗ danke, es eile vielleicht der Löwe einer Auelle zu, den Thieren dieſer Einſamkeit bekannt.— Der Macht empfahl ich mich, die Daniel einſt ſchützte, pries Gott, ſtand auf, und folgte in der Fern dem abentheuerlichen Führer. Bald kamen wir zu einem kleinen Thale— da ſprudelte, von Moos umgrünt, ein friſcher Waſ⸗ ſerbrunn; ein Dattelbaum ſtieg bei der Quelle in die Lüfte; die reifen Früchte prangten unter den gekrümm⸗ ten Blättern. Die ungehoffte Hülfe gab mir das Le⸗ ben n entfer beim ſtiegen als der pfung von ih ſollte. / bürge meine durch mirz und die al gen Tritt kel ein den L er ſten Mu e ich vom — un Flichkeit Pfade Wind ungen, Ermat⸗ aſt nicht ſich zu e meine Reſt der bald un⸗ s Haupt rief den er Bahn 7. Ich nsthier der Ge⸗ elle zu, er Macht les Gott, uerlichen Thale— er Waſ⸗ in die ekrümm⸗ (t⸗ das da? Le⸗ 3⁰7 ben wieder. Aus der Quelle trank der Löwe, und entfernte ſich dann leiſe, als wollt' er ſeinen Platz beim Mahl der Vorſehung mir räumen. Die Tage ſtiegen vor mir auf, als der Erdball in der Wiege lag, als der erſte Menſch, von Sünde unbefleckt, der Schö⸗ pfung Thiere um ihren König ſpielen, den Namen ſie von ihm erfragen ſah, der in der Wüſte ſie bezeichnen ſollte. „Im Palmenthale gewahrte man ein hohes Ge⸗ bürge gegen Oſten. Nach dieſem Pharus lenkt' ich meine Schritte; er ſchien durch die ſtarren Wogen, durch die dichte Fluth des Sandozeans, zum Hafen mir zu winken. Zum Fuße des Gebürgs gelangt ich, und begann, verbrannte, ſchwarze Felſen zu erklimmen, die allerwärts den Horizont verſchloſſen. Herabgeſtie— gen war die Nacht, es ſchallte nur mir eines Raubthiers Tritt, das vor mir wandelte, und im nächtlichen Dun⸗ kel ein paar verdorrte Pflanzen käute— ich glaubte, den Löwen von der Quelle zu erkennen. Iktt brüllte er— der unbekannten Gebürge Echo ſchienen zum er⸗ ſtenmale zu erwachen, ſie antworteten mit dumpfem Murmeln des Löwen Schreckenstönen. Er ſtand vor einer Höle, deren Eingang ein Stein verſchloß. Ein matter Schein dämmert durch die Felſenritzen— das Herz von Staunen und von Hoffnung hoͤrbar pochend, nah' ich, ſpähe— o Wunder! Ein Licht blinkt aus der Grotte Tiefe mir entgegen. „Wer du auch ſeiſt,“ ſo rief ich aus„der wilde Thiere zähmt, erbarme dich eines verirrten Wandrers!“ 3⁰08 „Die Worte hatt' ich kaum geſprochen, da hoͤrt⸗ ich von einer Greiſenſtimme einen bibliſchen Geſang ertönen. „O Chriſt,“ rief ich von neuem,„nimm dei— nen Bruder auf!“— „Im Augenblick erſchien ein Greis, mürb von der Laſt des Alters; ſein Haupt ſchien Jahre, ſoviel wie Jacob, einſt, zu zälen— ein Gewand trug er aus Palmenblättern. „Fremdling,“ ſprach er,„ſei willkommen! du ſiehſt hier einen Menſchen, der eben zum Staube kehren will. Meines ſeel'gen Schlummers Stunde iſt gekommen, doch kann ich, ein paar Momente noch, das Gaſtrecht dir gewähren.— Tritt ein, mein Bru⸗ der, in Paulus Grotte.“ „Von Ehrfurchtſchauern bebend folgt' ich dem Stifter des Chriſtenthums in den Sandwuͤſten der Thebais. „Im Hintergrund der Grotte breitete ein Palm⸗ baum die verſchlungnen Zweige nach allen Seiten hin, und bildete eine Art von Vorhof, wo eine klare Quelle ſprudelte; ein kleiner Bach kehrte, aus ihrem Schooſe kaum entglitten, in der Erde Tiefen zurück. An den Rand der Quelle lagerte ſich Paul mit mir; der Löwe, der den Brunn Arabiens mir gezeigt, ſchmiegte ſich zu unſern Füßen. „Fremdling,“ ſprach mit ſeel'ger Einfalt der Einſiedler nun:„wie geht es in der Welt? Baut man dort noch Städte? Welcher Herrſcher fuͤhrt den Szep⸗ ter! ſeit hur hen/ di der geſt nich zu „5 ein Br die Vo und lu chen. der ho mich mich ſchicht / vermq abſicht der ga Nerd hier dezir du b leſen haſt auf Gla die nen wen 309 da hört Geſang ter? Ich bewohne hundert Jahre dieſe Grotte, und ſeit hundert Jahren habe ich zwei Menſchen nur geſe— imm dei hen, dich heute und Anton, den Erben meiner Wüſte, der geſtern an meiner Thüre pochte, und morgen, ürb von mich zu begraben, wiederkehrt.“ ſoviel„Paul ſprachs, und holte in einer Felſenhölung tuug er b ein Brod vom reinſten Waizenmehle. Er ſagte mir, die Vorſehung ſende jeden Tag ihm dies zur Nahrung, kommen! und lud mich ein, mit ihm das Himmelsbrod zu bre⸗ Staube chen. Dann ſchlürften wir ein wenig Waſſers aus Stunde der hohlen Hand; nach dem genügſamen Mahle fragte inte noch, mich der Heilige, was in dieſe unwirthbare Wüſte nein Vru mich geführt. Er hörte meines Lebens traurige Ge⸗ ſchichte und ſprach: ich dem„Eudoros, groß waren deine Fehler, doch alles üiſten der vermag zu ſühnen der Reue Herzensthräne. Nicht abſichtlos hat des Chriſtenthumes erſtes Keimen auf in Palm der ganzen Erde die Vorſicht dir gezeigt. Unter des eiten vin, Nordens Bären, in ſeinem Eiſe haſt du es gefunden; dre Quell hier in der Einſamkeit, unter Löwen, unter des Wen⸗ n Scheoſe dezirkels Gluten findeſt du es wieder. Kämpfer Chriſti, üt. An du biſt zu ſtreiten, zu ſiegen für den Glauben auser⸗ nir; der leſen. Gott, deſſen Wege unergründlich ſind, du ſhnuegt haſt in dieſe Grotte den jungen Beichtiger geführt, auf daß ich die Zukunft ihm enthülle, auf daß ſeines ifful N Glaubens Tiefen ich ihn ergründen lehre, und durch die Gnade das Werk vollende, das die Natur begon⸗ nen. Ruhe hier den ganzen Tag, Eudoros: morgen, wenn empor die Sonne ſteigt, wollen zu Gott wir Baut man 1 den Szep 310 auf dem Berge beten; vor meinem Tode will ich noch zu dir ſprechen.“ „Lang malte der Anachorete mir des Glaubens und des Guten Schönheit, das er über den Menſchen⸗ ſtamm einſt ausſtrömen wird. Sonderbare Contraſte webten in des Greiſen Reden. Kindlich unbefangen war er, der Natur ſich überlaſſend; die Welt, ihre Größen, Wonnen, Leiden, alles ſchien von ihm ver⸗ geſſen oder nie von ihm gekannt.— Doch, ſtieg Gott in ſeine Seele nieder, dann wurde er des Geiſtes voll; Vergangenheit und Zukunft lagen vor ſeinem Blicke offen da. So fanden zwei Menſchennaturen in einer Körperhülle ſich vereinigt; nicht ließ es ſich entſchei⸗ den, ob Paulus der wiſſensloſe oder Paulus der Pro⸗ phet Bewundrung mehr verdiene; denn der Einfalt des erſten war des letztern Göttlichkeit gewährt. „Lehren gab mir Paul, voll ernſter Sanftmuth, voll anmuth'ger Weisheit, und hieß ein Loblied mich mit ihm dem Schöpfer ſingen: er ſtand auf und ſtimmte, unter der Palme ſtehend, die Himne an: „Gelobt ſeiſt du o Herr, Gott unſrer Väter, du „haſt nicht meine Niedrigkeit verſchmäht!“ „Einſamkeit, meine Gattinn, du verlierſt den „Bewohner, dem du Süßigkeit geſchenkt!“ „Keuſch muß der Leib, der Mund muß rein, vom „Himmelslicht des Einſiedlers Geiſt erleuchtet ſeyn!“ „Heil'ge Trauer der Buße, durchbohre meine „Seele, einem goldnen Stachel gleich, und erfülle „ſis mit Himmelsſchmerz. Mütter der Tugenden ſind ,Thl mel / mich? lager nigsp Bahr ich noch laubens enſchen⸗ ontraſte ffangen t, ihre ihm ver⸗ leg Gott des voll; n Blicke neiner entſchei⸗ der Pro⸗ Einfalt t ftmuth, ed mich ſummte äter, du jerſt den in, vom t ſeyn! re meine d erfülle nden ſind 311 „Thränen, ein Schemel iſt das Unglück, zum Him⸗ „mel aufzuſteigen.“ „Des Heiligen Gebet war kaum geendet, als mich ein ſüßer, tiefer Schlaf ergriff. Auf dem Aſchen⸗ lager entſchlummert' ich, das Paulus mehr als Kö⸗ nigspolſter galt. Die Sonne war am Ziele ihrer Bahn, als dem Lichte ich das Auge öffnete. Der Eremite ſprach: „Stehe auf, bete, iß, dann laß uns zum Ge⸗ „bürge wallen!“ „Ich gehorchte; wir brachen auf. Länger als ſechs Stunden erklimmten wir ſteile Felſen; beim Ta⸗ gesanbruch hatten des Berges Colzim höchſten Gipfel wir erſtiegen. „Ein unermeßlich großer Horizont breitete im Kreiſe ſich um uns. Im Oſten des Horeb und des Sinai Gipfel, die Wüſte Sur, das rothe Meer; im Süden die Gebürgsketten der Thebais; im Norden die öden Flächen, wo die Hebräer Pharao verfolgte, und in Weſten, jenſeits der Sandwüſten, wo ich mich verirrte, Egyptens Segensthal⸗ „Im Roſenlicht des Morgenroths, das am Him⸗ melsbogen des glückſelg'en Arabiens erglänzte; erſchim⸗ merte das Gemälde. Die Onagre, die Gazelle, der Strauß flogen über die Haide hin; mit bedächtigem Tritt zogen die Kameele einer Karavane, durch den verſtändigen Eſel geleitet, der ihnen Führer war. Auf dem rothen Meere glitten Schiffe, mit Wohl— gerüchen und Seide beladen, oder trugen einen Wei⸗ oö““ —— — 312 ſen an Indiens Geſtade. Dieſe Gränze zweier Wel⸗ ten mit Glanz bekrönend, ſtieg endlich die Sonne auf; lichtſtralend thronte ſie auf Sinais Gipfel, ein Bild, nur ſchwach, doch glanzerfüllt des Gottes, den Moſes einſt dort hoch auf jenem Berge ſah. „Der Einſiedler nahm das Wort: „Glaubensbekenner, blicke um dich her. Sieh dort den Orient, die Wiege aller Religionen und aller Erdumwälzungen— hier das Egypten, das deinem Griechenlande zierdevolle Götter, das miß⸗ geſtaltete Götzen dem Indier gab— da die Wüſte Sur, wo Moſes das Geſetz empfieng; in dieſen Ge— genden iſt Chriſtus auch erſchienen— und kommen wird der Tag, wo ein Sprößling Ismäels unter des Arabers Zelten wieder das Reich des Irrthums grün⸗ den wird. Auch der Moral geſchriebene Geſetze ſind Früchte dieſes üppigen Bodens. Es waren des Auf⸗ gangs Völker ſtets,(als würde eine große von ihren Vätern begonnenen Empörung: noch beſtraft,) Ty⸗ rannen unterworfen— ſo iſt(ein wundervolles Ge— genwürken!) bei der Sklavenkette die Moral entſproſ⸗ ſen, und aus der Leiden Heimath kam der Glaube. Auch Seſoſtris, Cambyſes, Alexanders, Cäſars Heere hat die Wüſte hier erblickt. Kommende Jahrhun⸗ derte, ihr werdet Heere dorthin führen, an Zahl nicht kleiner; Krieger, nicht weniger berühmt! Alle große Geſtaltungen, die dem Menſchenſtamm ſich eingeprägt, entquollen dieſem Lande, oder ſind in ſeinem Schoos verſchwunden. Übernatürlich waltet ral g und ſahſt liebe beim giebt/ ernſt durch Chri Chri gen. liche ſpiel gew ung ſtrich führ 313 r Wel. ¹ Sunne noch ein gewaltig Streben an den Geſtaden hier, d, ar wo der erſte Menſch in's Leben trat; geheimnißvoller i, da Zauber webt noch um der Schöpfung Wiege und um 3 des Lichtes Quelle. „Doch laß die Menſchengrößen, die wechſelnd Sieh in das Grab geſunken, uns nicht beachten, laß auf 6 n und den berühmten Jahrhunderten den Blick nicht raſten, 3 „ das die eine Schaufel Erde trennt, die ein wenig Staubs 5 miß. bedeckt— den Chriſten iſt vor allem der Orient das Vüſte 1 Land der Wunder. Ge„Du ſahſt das Chriſtenthum, von der Mo— dde ral geſtützt, bei den kultivirten Völkern Italiens eer de und Griechenlands den Weg ſich bahnen; einziehen grün⸗ ſahſt du unſern Glauben an der Hand der Chriſten⸗ e ſid liebe unter Galliens und Germaniens Wilden— hier zAuf beim Wirken einer Natur, die dem Geiſte Starrſinn ihren giebt, und ſo die Seele ſchwächt; bei einem Volke, ˖DV. ernſt durch politiſche Verfaſſung, und leichtbeweglich 8 Ge⸗ durch ſein Clima, wären ungenügend Moral und tſproſ⸗ Chriſtenliebe. Nur verhüllt im Bußgewande vermag laube. Chriſtus Lehre in Iſis und Ammons Tempel einzudrin⸗ Heere gen. Der Weichlichkeit muß ſie das Schauſpiel jeg⸗ othun⸗ licher Entſagung bieten, ſie muß der Prieſter Gaukel⸗ Zahl ſpielen widerſtreben, und den falſchen Götterlügen Alle gewiſſe Wunder, wahre Orakel entgegenſtellen— nur m ſich ungewohnte Tugendſzenen vermögen das zauberum— nd in ſtrickte Volk des Cirkus und Theaters Spielen zu ent⸗ waltet 4 1 führen.— Wo große Frevel Menſchen üben, da be ———x—x———ꝑ—— 314 darf es großer Sühnungen, auf daß ihre Suimmd den Ruf der Sünde übertöne. „Dies iſt der Miſſionarienentſtehung Grund, die in mir beginnen, und in der Einöde hier fort⸗ dauern werden. Bewundre unſer göttlich Oberhaupt, das ſeine Streiter nach Ort und Hinderniſſen ordnet, die zu beſiegen ſind. Betrachte die zwei Glauben, die Angeſicht zu Angeſicht hier kämpfen werden. Oſiris alter Dienſt, ſich in der Zeiten Nacht verlierend, auf Sagen, Prunk und Myſterien trotzend, glaubt ſich den Sieg gewiß. Egyptens großer Drache lagen! ſich in ſeiner Gewäſſer Mitte und ſpricht:„der Fluß iſt mein!“ Er glaubt, ſtets werden dem Krokodil die Menſchen Weihrauch ſtreuen; der Götter größter wer⸗ de der Stier ſtets ſeyn, den an der Krippe man er⸗ würgt. Ein Heer wird, mein Sohn, ſich in der Wüſte bilden, und ausziehn, die Wahrheit zu erkämpfen. Aus der Thebais und Scetes Einöden zieht es her; heil'ge Greiſe ſinds; nur weiße Stäbe tragen ſie, des Irrthums Prieſter in ihren Tempeln zu bela⸗ gern. Fruchtbare Felder beſitzen dieſe, und ſind in Luxus, in Genüſſen verſunken; jene wohnen in glühen⸗ dem Sande bei allen Mühen des Lebens. Die Hölle ahndet ihren Sturz, ſie kämpft mit allen Kräften um den Sieg; der Wolluſt, der Goldgier, der Ehrſucht böſe Geiſter ſtreben, die treue Kriegerſchaar auf Ab⸗ wege hin zu leiten. Der Himmel ſendet Hulfe ſeinen Kindern; Wunder verſchwendet er für ſie. Wer ver⸗ mag alle die rühmlich großen Einſiedler zu nennen, Stimme Grund, er fort⸗ thaupt, ordnet, lauben, 1. Oſtris end, auf aubt ſich agen ſich Fluß iſt kodil die ster wer⸗ man er⸗ er Wüſte kämpfen. es her; gen ſie, zu bela⸗ ſind in n gluͤhen⸗ die Holle aften um Ehrſucht auf Ab⸗ ffe ſeinen Wer ver⸗ nennen; ———— 315 Antonius, Serapion, Macarius, Pacomus? Ihnen blüht der Sieg: der Herr bekleidet mit Egypten ſich, wie der Hirt mit ſeinem Mantel. Allenthalben, wo der Irrthum einſt geſprochen, erſchallt der Wahrheit Stimme; wohin die Lügengötter einſt Geheimniße geſtellt, dahin ſtellt Chriſtus einen Heiligen. Erobert werden die Grotten der Thebais; in Leichenkatacom⸗ ben wohnen Lebende, tod für der Erde Leiden⸗ ſchaften. Die Götter, erſtürmt in ihren Tempeln, kehren zum Fluß, zum Pfluge wieder. Triumphge⸗ ſchrei erſchallt von Cheops Pyramide bis zum Grabe Orſymandues. Joſephs Nachkommen kehren zum Lande Geßen— die Eroberung, erfleht durch der Sieger Thrä⸗ nen, koſtet keine Zähre den Beſiegten!“ „Einen Augenblick ſchwieg Paulus und begann dann wieder: „Eudoros, du wirſt nicht mehr aus den Reihen der Krieger Chriſti treten? Wenn du nicht des Him⸗ mels Stimme widerſtrebſt, welche Krone harrt dann deiner, welcher Ruhm wird dich überſtralen!— Was könnteſt unter Menſchen du itzt ſuchen— hat Reize für dich die Welt? Mögteſt du, dem Iſräelitenfrevler gleich, Tänze um das goldne Kalb wohl führen? Kennſt du das Erdeloos, das dieſem Reiche droht, das lange ſchon den Menſchenſtamm zerſchmettert? Bald führen der Weltenherrn Verbrechen den Tag der Rache bei. Die Gläubigen haben ſie verfolgt, mit Martyrblut haben ſie ſich gefüllt, gleich des Al tares Bechern und ſeinen Hörnern. —.——— 2 316 „Paul brach von neuem ab; er breitete nach dem Berge Horeb ſeine Arme, lebendig Feuer ſtralte aus dem Auge: eine Flamme ſchwebte über ſeinem Haupte, die runzelvolle Stirne glänzte in Götterjugend— ein neuer Elias, rief er aus: „Woher die ſtreifenden Stämme, die Zuflucht in des Einſiedlers Höle ſuchen? Wer ſind die Völker, den vier Weltgegenden entquollen? Siehſt du die ſcheuslichen Reuter, der Dämonen und der ſcythiſchen Zauberinnen unreine Früchte 1)2— Die Geißel Got⸗ tes führt ſie an 2). Flüchtiger als Leoparden ſind ihre Pferde, ſie thürmen Schaaren von Gefangnen, wie Sandhügel, auf! Was wollen dieſe Könige, in Thier⸗ häute eingehullt, das Haupt mit einem Barbarenhut bedeckt3)? Was jene mit grünbemalter Wange ³)? Warum würgen die nackten Männer die Gefangnen rings um die belagerte Stadt⁰)?— Halt' ein— das Ungeheuer hat des geſchlachteten Römers Blut geſchlurft s)! Alle kommen aus den Wüſten eines Schreckenslandes, alle ziehen nach dem neuen Babel hin.— Biſt du gefallen, Städteköniginn? Liegt im Staub dein Capitol? Wie öde dein Gefilde, wie einſam ſtille um dich her! Doch, Wunder, das 1) Die Hunnen. 2) Attila. 3) Die Gothen. 4) Die Lombarden. 5) Die Franken und Vandalen. 6) Der Sarazene. 317 Kreuz erglänzt in des Staubwirbels Mitte, ſchwebt über Roma, der auferſtandenen, und bezeichnet ihre Gebäude. Paul, der Anachoreten Vater, freue dich vor deinem Tode! Deine Kinder hauſen in den Rui⸗ nen des Caͤſarnpallaſtes; die Hallen, wo beſchworen einſt der Tod der Chriſten ward, ſind in fromme Klöſter 1) umgeſtaltet; die Buße wohnt, wo trium⸗ phirend das Verbrechen herrſchte!“ „Pauls Hände ſanken— es verglimmte das Feuer, das aus ihm glühte,— wieder ein Sterblicher geworden, ward wieder ſterblich ihm die Sprache. „Eudoros,“ ſprach er,„wir müſſen ſcheiden. Ich darf vom Gebürge nicht mehr niederſteigen— es naht, der mich begraben wird— verhuͤllen wird er dieſen ärmlichen Körper, und Staub dem Staube wiedergeben. Du wirſt ihn am Fuß des Felſens finden; harre ſeiner Rückkehr, er wird den Weg dir zeigen.“ „Der hohe Greis zwang mich, von ihm zu ſchei⸗ den. Traurig, verſunken in Ernſtgedanken ent⸗ fernte ich mich ſchweigend. Ich hörte Paul ſeinen Schwanengeſang anſtimmen. Bereit, auf dem Altar ſich zu verbrennen, begrüßte der greiſe Phoenix mit Geſang der Jugend Wiederkehr. Am Fuße des Ge— bürgs traf ich einen andern Greis, der mit ſchnellen Schritten wandelte. Er trug das Gewand des Atha⸗ naſius, das Paul zum Leichentuch verlangte. Der 1) Diokletians Thermen, von Carthaͤuſern bewohnt. 318 große Antonius war's, geprüft durch ſo viel Kaͤmpfe gegen der Hölle Macht. Ich wollte zu ihm ſprechen— doch er rief, immer vorwärts ſchreitend: „Ich habe Elias, ich habe in der Wüſte Jo⸗ hannes geſehn, Paul ſah ich in einem Paradieſe!“ „Er eilte fort, den ganzen Tag harrte ich ſeiner Wiederkehr— er kam des andern Tages erſt zurück, ſeine Thränen ſtrömten. „Mein Sohn,“ rief er mir nahend„der Se⸗ raphin weilt nicht mehr auf der Erde. Kaum hatt' ich von dir geſtern mich entfernt, da ſah ich, in einem Chor von Engeln und Propheten, Paul, in weißem Stralenlicht verklärt, zum Himmel ſteigen. Icheilte auf des Berges Gipfel; den Heiligen erblickt' ich dort auf den Knieen liegend, erhabnen Haupts, die Arme zum Himmel ausgeſtreckt. Er ſchien noch zu beten und— war nicht mehr! Meine Hand grub mit des Löwen Hülfe, der ihn genährt, ſein Grab, ſein Kleid aus Palmenblättern iſt mein Erbe.“ „So ſchilderte Antonius mir den Tod des erſten der Anachoreten. Wir traten unſern Weg nun an; und kamen zu dem Münſter, wo unter Antonius Lei⸗ tung ſich die Kämpferſchaar ſchon bildete, deren Ero⸗ brungen mir Paul verkündete. Ein Einſiedler führte mich nach Arſinbe; bald zog ich mit Kaufleuten aus Ptolemais weiter. Bei meinem Zug durch Aſien, verweilt' ich an den heil'gen Stätten, dort fand ich die fromme Helene, die Gattinn des Conſtantius, meines edlen Gönners, die Mutter Conſtantins mei⸗ nes erl Kirchen ſus, di mus, Sardes die wei geliebt ward zu trei mir ſe ſenhe wiede ſcheid in B in me die il Herze ſolcher Jüng ſeine und tigen mit kann Ma verg rillo ſchen deißem ſch eilte ch dort Arme (beten it des Kleld erſten n an; füͤhrte en ous Aſien, fand ntius, 4 mei⸗ us mel⸗ 3¹9 nes erhabnen Freundes. Dann beſucht' ich die ſieben Kirchen von Patmos Propheten geſtiftet; Ephe⸗ ſus, die geduldige; Smyrna, die betrübte; Perga⸗ mus, erfüllt von Glauben; Thyatira, die liebevolle; Sardes, in der Todten Reihe geordnet; Laodizea, die weiße Gewande kaufen ſoll, und Philadelphia, geliebt von dem Beſitzer der Schlüſſel Davids.— Mir ward das Glück, in Byzanz den Prinzen Conſtantin zu treffen— er ſchloß mich in die Arme, und vertraute mir ſeine großen Plane. Nach zehn Jahren Abwe⸗ ſenheit und Leiden ſah ich euch, meine Eltern, endlich wieder. Hört der Himmel meine Wünſche, dann ſcheide ich nicht mehr aus Arkadiens Thälern; beglückt, in Buße meine Tage da zu leben, und im Tode einſt in meiner Väter Gruft zu ſchlafen.“ „So endete Eudoros die Erzählung: die Greiſe, die ihm horchten, feierten in tiefem Schweigen. Im Herzensgrund dankte dem Schöpfer Laſthenes, daß ſolchen Sohn er ihm gegeben; Kyrillos hatte dem Jüngling nichts zu ſagen, der ſo offen im Geſtändniß ſeiner Fehler war— er blickt' ihn ſelbſt mit Ehrfurcht und Bewundrung im Gemiſche an, als einen Beich⸗ tiger, zum höchſten Loos vom Himmel auserkohren— mit Schauern füllte Demodokos faſt Eudoros unge⸗ kannte Sprache, ſeine unbegreiflich hohen Tugenden. Majeſtätiſch erheben ſich die drei Greiſe; drei Königen vergleichbar, und kehren zu Laſthenes Hütte.— Ky⸗ rillos vollbringt für Eudoros das furchtbare Opfer, ſcheidet von ſeinen Wirthen, und kehrt zurück nach 3 20 Lakedaimon. Eudoros birgt ſich in die Grotte, die Zeuginn ſeiner Buße. Mit der Tochter bleibt allein Demodokos, ſchließt zärtlich ſie in ſeine Arme, und ſpricht mit Trauerahndung:. „Tochter Demodokos, auch du kannſt einſt viel⸗ leicht ſo unglücklich noch werden, denn Zeus lenkt unſre Looſe: doch Eudoros wirſt du nachahmen. Die Leiden haben des Jünglings Tugenden veredelt.— Die ſeltne Göttertugend entſproßt nicht ſtets langſamer Reife, der Frucht des Alters: der noch grünen Traube, von Winzershand gewunden, und an der Ranke, noch vor dem Herbſt, gewelkt, ent⸗ quillt der Weine ſüſſeſter an Alpheos Ufern, an den Hügeln des Erymanthos.“ 24127 tte, d e bt allein ne, und u ch. w oölftes B 3 21 I. Band. Inhalt. Anrufung des h. Geiſtes, Verſchwoͤrung der Hoͤllengei⸗ ſter gegen die Kirche. Diokletian läͤßt die Chriſten zaͤhlen. Hierokles geht nach Achaja. Eudoros und Kymodokges Liebe. unte trach den züg Uib lengei Chriſten dos und Zwolftes Buuch. Heiliger Geiſt, der mit ſeinen Flügeln die unermeß⸗ nen Tiefen überſchattend, ſie befruchtete; itzt bedarf ich deines Beiſtands. Hoch vom Gebirg herab, das unter ſich erniedrigt die Gipfel Aoniens erblickt, be⸗ trachteſt du alles Irdiſchen nie unterbrochnen Wechſel, den Menſchenſtamm, in dem ſich alles, ſelbſt ſeine Grund⸗ züge ändern; wo das Gute zum Uibel, zum Guten das Uibel wird: mitleidig blickſt du auf die Würden, die das Herz uns ſchwellen, die eitlen Ehren, in denen es entartet— du drohſt der Macht, errungen durch Verbrechen, das Unglück tröſteſt du, das Tugenden erkauften; du ſiehſt der Menſchen Leidenſchaften, ihre ſchandevollen Beſorgniſſe, ihren niedern Haß, ihre eigennützigen Wünſche, ihre ſo kurzen Freuden und ſo 3 24 langen Gram— all dieſe Armſeligkeiten durchdringſt du, Schöpfergeiſt! Belebe, beſeele meiner Erzählung Worte: glücklich, wenn ich des Gemäldes Schrecken, deine Liebeswunder malend, mildern kann. Aufgeſtellt an den beſchiednen Poſten, fachen al— lenthalben Zwietracht und Abſcheu vor der Chriſten Namen die Höllengeiſter an. In Rom ſelbſt entfeſſeln ſie die Leidenſchaften der Häupter des Reichs und ſeiner Diener. Unabläſſig malt Aſtarte Hierokles das Bild der Techter Homaeros vor. Dem verführeriſchen Luft⸗ gebilde verlieh er alle Grazie, die Abweſenheit und Fantaſie der Schönheit ſchenken. Satan weckt ins⸗ geheim die Ehrſucht des Galerius; er malt die Gläu⸗ bigen, Diokletian ganz ergeben, ihm als die einz'ge Stutze, die den alten Kaiſer auf dem Thron erhält. Achajas Präfekt, der Abtrünnige vom Evangeliums⸗ glauben, dem Dämon der Afterweisheit heimgegeben, beſtärkt den ſtürmiſchen Caeſar in ſeinem Haſſe gegen die Anbeter des wahren Gottes. Galerius Mutter klagt, daß des Kreuzes Jünger ihre Opfer höhnen, und für ihren Sohn zu den ländlichen Gottheiten zu flehn ſich weigern. Wenn ein Geier, des Gebürges wilder Sohn, auf die Taube ſtürzt, die den Durſt bei einer Quelle löſcht, da ertönt im Augenblick, wo er herab auf ſeine Beute ſtürzt, von andern Geiern, die auf einem Felſen raſten, blutdürſtiges Geſchrei, das ihn, die Beute zu verſchlingen, mahnt: ſo wird Galerius, der dem Chriſtenglauben Zernichtung droht, durch ſeine Mutter und durch den Frevler Hierokles 2.— urchdringſt Bählung Schrecken, fachen al⸗ Chriſten dentfeſſeln S und ſeiner es das Bild riſchen Luft⸗ ſenheit und weckt ins⸗ lt die Glau⸗ die einz ge hron erhält. Pvangeliums⸗ ngegeben, Haſſe gegen ius Mutter fer höhnen, bottheiten zu es Gebürges e den Durſt ſgenblick, wo dern Geiern, hes Geſchrei/ iont: ſo witd chtung droht/ ler Hierokles 325 noch zum Morden mehr entflammt. Berauſcht durch Partherſiege; Aſiens Prunk und ſeine Verderbtheit im Gefolge, die ehrſuchtvollſten Plane nährend, er⸗ müdet er Diokletian mit Drohungen und Klagen. „Was erwarteſt du noch“ ſo ſpricht er zu ihm, „um ein verhaßtes Geſchlecht zu ſtrafen, das deine gefahrenvolle Milde ſich im Reich verbreiten läßt? Oede ſtehn unſre Tempel, meine Mutter wird be⸗ ſchimpft, verführt wird deine Gattinn. Jernichte kühn empörungsvolle Unterthanen— in ihren Schä⸗ tzen findeſt du Hülfsquellen, die dir mangeln, und übſt Gerechtigkeit, den Göttern angenehm.“ Ein Fürſt war Diokletian, mit Mäßigung und Weisheit ausgeſtattet; auch ſein Alter neigte ihn noch mehr zur Sanftmuth, den Völkern heilſam, hin: ſo ſenkt ein hochbejahrter Baum die Zweige und naht der Erde ſeine Früchte. Doch Geitz, der das Herz zuſammenſchrumpft und Aberglaube, der es in Ver⸗ wirrung peitſcht, zernichteten Diokletians erhabne Ei⸗ genſchaften; von Hoffnung, Schätze bei den Gläubi⸗ gen zu finden, ließ er ſich verführen. Marzellin, Roms Biſchoff, erhielt Befehl, in die Götzentempel die Schätze des neuen Gottesdienſtes abzuliefern. Der Kaiſer gieng ſelbſt zur Kirche, wohin die Schätze zuſammengebracht ſeyn ſollten. Die Thüren öffnen ſich: eine zahlloſe Schaar von Armen, Siechen, Wai⸗ ſen ſteht vor ſeinem Blicke. 3 26 „Fürſt,“ ſpricht der Menſchenhirt zum Kaiſer: „ſieh hier die Kirchenſchätze, das Geſchmeide, die prunkenden Gefäße, Chriſtus goldne Kronen!“ Röthe jagte auf des Fürſten Wange dieſe ſtrenge, rührungsvolle Lehre. Schrecklich iſt der Herrſcher, an Hochherzigkeit beſiegt: es glaubt die Macht, von edlem Trieb geſpornt, die Tugend ſtets ihr Eigenthum — ſo glaubt männlich ſtarke Jugend für ſich die Schön⸗ heit ſtets geſchaffen— weh dem, der ſie die Eigen— ſchaften, die Grazie fühlen läßt, die ihr noch man⸗ geln! Satan benützt den Augenblick der Schwäche— Diokletians Rachgefühl mit des Aberglaubens Schreck⸗ niſſen allen zu verſtärken. Bald ſtocken plötzlich alle Opfer; die Prieſter ſagen, der Chriſten Gegenwart entferne des Vaterlandes Götter; bald erſcheint man⸗ gelhaft der Opfer Leber; die Eingeweide, geſprengt mit blauen Flecken, bieten nur Trauerzeichen dar; die Götterbilder, auf ihre Polſter hingelagert, wenden die Blicke weg— von ſelbſt ſchließen ſich der Tempel Pforten; von verwirrtem Getöſe ertönen die heil'gen Hölen. Jeder Moment bringt Rom die Kunde neuer Wunder; verſagt hat ſeiner Fluten Zoll der Nil; der Donner brüllt; die Erde bebt; Flammen ſpeien die Vulkane; Peſt und Hunger verwüſten des Orients Provinzen; im Weſten ſtürmt gefahrenvoller Aufruhr, fremde Kriege; alles verſchulden der Chriſten Frevel. In den weiten Räumen des Pallaſtes Diokletians, in der Mitte des Gartens der Thermen, grünte eine 1 Kaiſer: adde, die 11 eſtrenge, errſcher, tt, von genthum ie Schän⸗ ie Eigen. ſoch man⸗ hwäche— 5 Schreck⸗ otzlich alle zegenwart eint man⸗ geſprengt dar; die wenden t Tempel e heil gen unde neuer der Nil; en ſpeien s Orients Aufruhr, n Frevel. okletians/ ünte eine 327 Cypreſſe, von einer Quelle gewäſſert. Am Fuße der Cypreſſe ſtand ein Altar, dem Romulus geweiht. Eine Schlange ſtürzt plötzlich ziſchend unter dem Altar hervor, den Rücken mit blutigen Flecken gezeichnet; ſie umſchlingt den Cypreſſenſtamm. Im Laubdach, auf dem höchſten Zweige, bargen drei Sperlinge ſich im Neſt; ſie verſchlingt der fürchterliche Drache: die Mutter flattert ſtöhnend um ihr Neſt; auch ſie haſcht bei den Fitt'gen bald das erbarmungsloſe Unthier, und würgt ſie, ihres Schrei'ns nicht achtend. Das Wun⸗ der ſchreckte Diokletian; er ließ Tages, der Zeichen⸗ deuter Oberhaupt, ſich rufen. Heimlich von Galerius gewonnen, der Götzen fanatiſcher Verehrer, ruft Tages aus: „Der Drache iſt, o Fürſt, des neuen Glaubens Bild, der die zwei Caeſarn und das Haupt des Rei⸗ ches zu verſchlingen ſich bereitet! Strafe die Feinde der Götter, und wende ſo den Zorn des Himmels ab.“ Der Allmächtige ergreift die goldne Waage, auf denen er der Könige und der Reiche Looſe wiegt: Dio⸗ kletians Loos fliegt hoch empor auf ſeiner Schaale. Der verworfne Kaiſer fühlt ungewohnte Verwandlung in ſeinem Buſen; er ſcheint ſich nun vom Glück ver⸗ laſſen; die Parzen, erträumte Göttinnen, die er ver⸗ ehrt, ſcheinen ſchneller ſeiner Tage Faden ihm zu ſpin⸗ nen. Er ſieht nicht mehr mit hellem Blick die Men⸗ ſchen und ihre Leidenſchaften, und giebt den ſeinigen ſich hin: er befiehlt: die Chriſtendiener des Pallaſts 3 28 ſollen den Göttern opfern, und verfügt eine genaue Zählung der Gläubigen im ganzen Reiche. Galerius iſt außer ſich vor Freude. Der Winzer, der berühmte Weinberge in Tmolus Thälern ſein eigen nennt, wandelt unter der Traube Blütenranken, und zält ſchon des Weines Fluten, die der Könige Becher oder die Kelche der Altäre füllen werden— ſo ſah im Geiſte ſchon Galerius das köſtliche Blut in Strömen fließen, das ihm des Chriſtenglaubens Blüte ſchon verheißt. Die Prokonſuln, die Praefekte, die Be⸗ fehlshaber der Provinzen ſcheiden vom Hofe, Diokle⸗ tians Befehle zu vollſtrecken. Hierokles küßt demüthig den Saum von Galerius Toga, und wagt mit der ſcheinbaren Selbſtverläugnung eines Mannes, der ſich der Wahrheit opfert, den kriechenden Blick zum Cäſar aufzuſchlagen: 3 „Sohn Jupiters,“ ſprach er„ erhabner Fürſt, Freund der Weisheit, ich gehe nach Achaja— ich will beginnen, die Empörer dort zu ſtrafen, die deine Un⸗ ſterblichkeit läſtern. Aber geſtatte mir, o Caeſar, du mein Glück, du mir aller Götter Innbegriff, offen zu dir zu ſprechen. Der Weiſe iſt, ſelbſt mit Gefahr des eignen Lebens, Wahrheit ſeinem Fürſten ſchuldig. Nicht Beharrlichkeit genug zeigt der göttliche Kaiſer gegen die Verhaßten. Wag' ich es zu ſagen, ohne deinen Zorn mir zu verdienen? Wenn aus alterſchwa⸗ cher Hand des Staates Zügel gleiten, verdient nicht dann Galerius, der Parther Sieger, den Thron des Weltalls zu beſteigen? Doch fürchte, Held die Fein⸗ genaue inzer, eigen und Becher ah in rromen ſchon ie Be⸗ Diokle⸗ müthig nit der der ſich Cäſar Fürſt, h will ne Un⸗ ar, du feen zu ahr des huldig. Kaiſer ohne rſchwa⸗ 329 de, die dich hier umgeben. Dorotheus, des Pallaſtes Oberſter iſt Chriſt. Seit ein aufrühriſcher Arkadier am Hofe eingeführt ward, begünſtigt die Ruchloſen ſelbſt die Kaiſerinn. Der junge Prinz Conſtantin.— o Schmerz... o Schande!...“ Plötzlich ſtockte Hierokles, vergoß Thränen, und ſchien um des Caeſars Gefahren tief beſorgt. Er ent⸗ flammte ſo die herrſchenden Leidenſchaften des Tyran— nen, Ehrſucht und Grauſamkeit, und legte zugleich die Grundfeſten ſeiner künftigen Größe; denn Hie⸗ rokles liebte nicht der Kaiſer, der Sophiſten Feind; es würden nie, das war ihm wohl bekannt, die Ehren⸗ ſtellen unter Diokletian ihm winken, die er von Ga⸗ lerius ſich verſprach. Er fliegt nach Tarent, und beſteigt die Flotte, die nach Meſſenien ihn tragen ſoll. Er brennt, Griechenlands Geſtade wieder zu erblicken: dort ath— met die Tochter Homaeros, dort blüht das Glück ſeiner Liebe zu Kymodokae, und Sättigung ſeinem Chriſtenhaße. Doch birgt er ſeine Gefühle tief im Herzen, und verhüllt mit der Tugenden Larve ſeine Laſter: die Worte: Menſchlichkeit und Weisheit, ſtrö⸗ men ſtets von ſeinem Munde; ſo ſchmücken tiefe Gewäſſer oft, Klippen und Klüfte in ihrem Schooſe bergend, ihre Spiegelfläche mit dem Bild des Him⸗ mels und ſeinem Stralenlichte. Die Höllengeiſter ſenden, den Sturz der Kirche zu beſchleunigen, günſtigen Wind dem Proconſul von Achaja. Schnell durchſchiffte er das Meer, das 330 Alkibiades auf ſeinen Wogen trug, als entzuͤckenvoll ganz Italien herbeiſtrömte, den ſchönſten der Griechen zu erblicken. Schon waren vor Hierokles Blick Al⸗ kinous Gärten und Buthrotons Höhen vorübergeflogen, Nachbargegenden, von der Lyra zwei Meiſlern ver⸗ ewigt. Leukatae, wo noch die Flammen des Lesbi— ſchen Mädchens lodern; Ithaka, von Felſen ſtarrend; Zackynthos mit Wald bedeckt; Kephallenia, den Tauben lieb, feſſeln wechſelnd des Römerproconſuls Blicke. Die Strophaden ſieht er, Kelainos unreinen Wohnſitz, und grüßt bald Elis ferne Gebürge. Er beſiehlt, nach Oſten hin zu ſteuern, und ſchifft dem Sandgeſtad entlang, wo Neſtor eine Haekatombe Poſeidon opferte, als Taelemachos nach Odyſſeus ihn fragte, an Weisheit den Göttern zu vergleichen. Zur linken läßt er Pylos, Sphakteria, Mothonae, nnd läuft in Meſſeniens Buſen ein: ſein Schiff ver— läßt die bittre Fluth, und raſtet in des Pamiſos fried⸗ lichen Gewäſſern. Wahrend, gleich einer finſtern Wolke, auf den Meeren ſchwebend, Hierokles dem Vaterland der Götter und der Helden naht, war der Engel heil'ger Liebe in die Grotte des Sohnes Laſthenes herabge— ſtiegen: ſo ſtellte Ananias angeblicher Sohn ſich dem jungen Tobias dar, ihn zu Raguels Tochter zu geleiten. Wenn Gott in Men⸗ ſchenherzen die keuſchen Flammen ſenden will, denen die Wunder der Tugend entblühen, dann vertraut er dies wichtige Werk dem ſchönſten aller Himmels⸗ „ den conſuls reinen d. Er fft dem katombe dyſſeus leichen. thonae, iff ver⸗ fried⸗ auf den nd der heil'ger erabge⸗ Phn ſich Kaguels Men⸗ „denen ertraut immels⸗ 331 geiſter. Sein Name iſt Uriel; die eine Hand faßt einen goldnen Pfeil aus des Herren Köcher, die an⸗ dre eine Fackel, am ewigen Blitze angezündet. Er ward vor dem Weltall nicht geboren, mit Eva trat er in's Daſeyn, im Augenblick, wo das erſte Weib dem jungen Tag das Auge öffnete. Es hat über den Flammencherubin der Menſchenmutter verfüh⸗ rungsvolle Reize, gemiſcht mit Mannesſchönheit des Menſchenvaters, die Schöpfermacht ergoſſen; gei⸗ ſtig iſt ſein Blick, ſein Lächeln iſt der Schaam ent⸗ liehen. Wen ſein Götterpfeil verwundet, wen ſeine Himmelsfackel zündet, der weiht freudig ſich des höchſten Heldenmuths Entſagungen, dem gefährlich— ſten Beginnen, den ſchmerzenvollſten Opfern. Das Herz, das ſolche Wunde fühlt, kennt der Gefühle höchſte Zartheit; ſeine Liebe wächst in Thrä⸗ nen und überlebt befriedigte Begierden; ihm iſt ſie kein eng beſchränkter nicht'ger Trieb, ſie iſt ihm eine hohe, ſtrenge Leidenſchaft; ihr Zweck, unſterblichen Weſen das Daſeyn zu ſchenken. Der Engel heil'ger Liebe entflammt im Herzen des Sohnes Laſthenes unbeſiegbare Gluten; der Chri⸗ ſtenbüßer fühlt unter dem Bußgewand ſich glühen, und ſeine Liebe huldigt einer Heidinn!— Das Andenken vergangner Fehler erfüllt Eudoros mit Unruhe, er beſorgt, in der erſten Jugend Sünden zurückzufallen; er will fliehen, der drohenden Gefahr entgehen, So ſchüttelt den Kopf in ſeiner Barke der erfahrungsreiche Fiſcher, wenn noch nicht des Sturmes 332 Wüthen tobt, wenn alles ruhig am Geſtade ſcheint, und unvorſicht'ge Schiffer die Seegel aufzuſpannen, den Hafen zu verlaſſen wagen; er ſtützt die ſtarke Hand aufs Ruder, und eilt aus hoher See, um hinter einem Felſen ſich zu bergen. Wahre Liebe hat zum erſtenmal ſich in Eudoros Herz geſchlichen. Laſthenes Sohn ſtaunt ob der Gefühle Schüchtern⸗ heit, ob ſeine Plane Ernſt; von ſeiner Begierden Kühnheit, vom Leichtſinn ſo verſchieden, der ſonſt in ſeiner Liebe athmete. Dies Heidenmädchen der Chriſtenlehre zu gewinnen, zur Gattinn ſie zu wäh⸗ len, des Himmels und des Hochzeitgemaches Pfor⸗ ten ihr zugleich zu öffnen— dem Chriſten ein hohes Gluck! Die Sonne tauchte ſich in's Meer der Atlanti den, ihr Scheideſtral vergoldete die glücklichen In⸗ ſeln, da wollte die Chriſtenfamilie Demodokos ver⸗ laſſen, doch bat Laſthenes ihn, zu bedenken; es ſei Hinterliſt und gefahrerfüllt die Nacht. Homaeros Prieſter willigte, bis zu Aurorens Wiederkehr, bei ſei— nem Gaſtfreund noch zu harren. In ihrem Gemache einſam, wiederholte ſich Kimodokae, was von Eu— doros Geſchichte ihr bewußt; ihre Wange war ge— röthet, ungekanntes Feuer flammte ihr im Auge. Glühende Schlafloſigkeit ſcheucht vom Lager endlich die Muſenprieſterinn. Sie ſteht auf, nächtliche Kühle will ſie athmen, ſie ſteigt zu den Gärten am Abhang des Gebürges nieder. 1 6½ 333 Faſt, einſam wie die Sonne ſchwebte der Mond. am Himmel Arkadiens; verſchwunden waren um ihn die Geſtirne im Glanze ſeines Lichts; nur einige flimmerten hie und da in der Unendlichkeit— des Himmelsbogens zartes Blau, mit einigen Sternen nur beſäet, erſchien eine Lilie von Azur, auf der Thauperlen glänzen. Kyllaenaes hohe Gipfel, Pho⸗ löes und Thelphuſſas Rücken, Anemoſas und Pha⸗ lanthos Wälder verſchlangen ſich zum verſchwimmend duft'gen Horizonte. Fernhin hallte das Getön der Waldſtröme und der Quellen, die herab von Arka⸗ diens Gebürgen ſtuͤrzen. Im Thal, wo ſeine Fluten ſchimmern, ſchien Alpheos noch Arethuſa zu verfol⸗ gen; Zephyr ſtöhnte in der Syrinx Schilfen, und Philomaelae ſang in Daphnaes Lorbeern am Alpheos⸗ geſtade. Dieſe himmliſch ſchöne Nacht erinnerte Kymo— dokae an jene, die dem Jüngling, Endymion dem Jäger ähnlich, ſie zugeführt. Bei dieſer Erinnrung ſtürmt in ſchnellern Pul⸗ ſen das Herz der Tochter Homaeros: es malt ſich ihr die Schönheit, der Muth, der Adel des Sohnes Laſt⸗ henes, ſie erinnert ſich, daß Demodokos, wenn von Eudoros er geſprochen, zuweilen den Namen „Gatte“ nannte.— Hierokles zu entgehen, ſollte ſie Hymens Wonne miſſen, um ihre Stirne ſollte ewig ſich das eiſigt ſtarre Band der Veſtale ſchlingen? Noch war bis itzt ſo mächtig kein Sterblicher ge⸗ weſen, der gewagt es hätte, ſein Loos an einer 334 Jungfrau Schickſal anzuknüpfen, nach der ein frevel⸗ voller Machthaber ſtrebte; doch Eudoros, Triumphator, mit des Reiches Würden ſchon bekleidet; Eudoros, geſchätzt von Diokletian, von den Soldaten angebetet, geliebt vom Prinzen, der einſt den Purpur erben ſoll, iſt nicht er der ruhmbedeckte Gatte, der Kymodokge zu ſchützen, ſie zu vertheidigen vermag? Zeus, Aphro⸗ ditae, Eros haben den jungen Helden ſelbſt an Meſ⸗ ſeniens Geſtade hingeleitet! Unwillkührlich nahte Kymodofge der Stelle, wo Laſthenes Sohn ſeine Geſchichte geendet hatte. Wenn eine Ziege der Pyrenäen am Tage, tief im Thal, mit ihrem Hirten ruhte, wenn nächtlich ſie von der Kripp' entweicht und die gewohnte Weide ſucht, dann fin⸗ det am Morgen ſie der Schäfer unter dem bluͤhen⸗ den Cytiſus wieder, den er zum Obdach ſich gewählt— ſo ſteigt allmählig Homaeros T Tochter zu der Grotte auf, von dem Jäger aus Arkadien bewohnt. Itzt erblickt ſie am Eingang einen bewegungsloſen Schat⸗ ten; ſie glaubt Eudoros zu erkennen. Sie verweilt; die Knie zittern ihr, ſie vermag nicht weiter zu ſchreiten, nicht zu fliehen. Laſthenes Sohn war's ſelbſt; er betete, von den Zeichen ſeiner Buße umgeben: das Bußgewand, Aſche, eines Martyrs gebleichter Schädel machten ſeine Thränen ſtrömen, belebten ſeinen Glauben. Er hört Kymodokaes Trit⸗ te; das reizende Mädchen ſieht er im Begriff zur Erde hinzuſinken; er fliegt zu ihrer Hülfe, hält ſie in ſeinen Armen, und enthält ſich kaum, ſie an ſein 335 Herz zu drücken. Er iſt nicht mehr der kalte, ernſte, ſtrenge Chriſt: er iſt ein Menſch, voll Nachſicht und voll Liebe; eine Seele will er Gott und ſich ein göttlich Weib gewinnen. Wie der Landmann ein weiſſes Lamm, vom Dorn verwundet, ſanft zur Hürde trägt, ſo ſchlingt Laſthenes Kymodokae in ſeine Arme, und legt ſie auf eine Bank von Moos am Eingang ſeiner Grotte. Jetzt ſpricht Demodokos Tochter mit bebender Stim⸗ me: „Wirſt du mir verzeihen, daß ich noch einmal dein Geheimniß ſtörte?— Ein Gott, ich weiß nicht, welcher, hat, wie in jener Nacht, mich irr ge⸗ leitet.“ „Kymodokae,“ entgegnet ihr Eudoros bebend, gleich der Muſenprieſterinn,„der Gott, der irre dich gelenkt, iſt mein Gott, mein Gott, der dich ſucht, und dich vielleicht mir ſchenken will.“ Homaeros Tochter verſetzt: „Den Jünglingen verbeut dein Glaube, Mäd⸗ chen in der Jugendblüte zu lieben, und den Jungfraun auf den Tritten der Jünglinge zu wandeln; du haſt nur dann geliebt, wenn treulos deinem Gott du warſt.“ Kymodokae erröthete, Eudoros rief: „Ich habe nie geliebt, wenn ich gegen meinem Glauben ſündigte. Ich fühle es, ich liebe itzt durch meines Gottes Willen.“ Balſam, den man in die Wunde gießt, die frie ſche Quelle, die den muden Wandrer tränkt, iſt wenz⸗ 336 ger entzückend, als dieſe Worte, dem Sohne Laſthe⸗ nes entſchlüpft— ſie füllen mit Wonne das Herz Ky⸗ modokaes. Wie zwei Pappeln ſchweigend, am Rand der Quelle, in tiefer Ruhe einer Sommernacht, zum Himmel ſteigen, ſo weilten bewegungslos und ſtumm die vom Himmel erlesnen Gatten am Eingang der Grotte. Das Schweigen brach zuerſt Kymodokae: „Verzeihe, Krieger, den ungeſtümmen Fragen einer unwiſſenden Meßenierin. Niemand kann etwas wiſſen, wenn ein geſchickter Lehrer ihn nicht unterrich⸗ tet, oder wenn die Götter ſelbſt den Geiſt ihm nicht liebeſorgend ſchmückten. Und gar ein junges Mädchen: ſie weiß nichts, wenn nicht Schleier bei ihren Ge— fährtinnen ſie ſticken gieng, die Theater oder die Tem— pel ſie beſuchte. Nie habe ich den Vater verlaſſen, der Unſterblichen geliebten Prieſter. Sage mir, weil man in deinem Glauben lieben darf, giebts denn eine chriſtliche Afroditae? Hat einen Wagen ſie und Tau⸗ ben? Sehnſucht, Liebeszank, heimlich ſtilles Koſen, unſchuld'ge Liſt und ſüße Scherze, die auch das Herz des Weiſeſten gewinnen, birgt ſie Afroditaes Gürtel, wie mein Götterahne es erzält? Iſt furchtbar der Göt⸗ tinn Zorn?— Zwingt ſie die Jungfrau, von der Palaeſtra den Jüngling wegzuholen, unter das Va⸗ terdach ihn heimlich einzuführen?— Feſſelt deine Afroditae Zungen; gießt Flammenglut und Todeskälte ſie in die Adern? Heißt Zaubertränke ſie gebrauchen, den Ungetreuen wieder zu gewinnen, zum Monde ſin⸗ gen, die Pfortenſchwelle beſchwbören?— Vielleicht Laſthe⸗ Herz Kh⸗ im Rand ht, zum d ſtumm n Fragen ann etwas unterrich⸗ ihm nicht Madchen: ihren Ge⸗ er die Tem⸗ verlaſſen, mir, weil denn eine und Tau⸗ les Koſen, i das Herz aes Gürtel, bar der Göt⸗ —u, ven der ter das Va⸗ Peſſelt deine Todeskälte gebrauchen/ Mende ſin Vielleicht 337 iſt, Chriſt, dir unbekannt, daß Eros der Sohn der Aphroditae iſt, daß er im Haine mit wilder Thiere Milch genähret ward; daß aus Eſche ſein erſter Bo⸗ gen, ſeine erſten Pfeile aus Cypreſſen waren, daß er den Nacken des Löwen, des Centauren Rücken, die Schultern Haeraklaes beſteigt, daß er eine Binde und Flügel trägt, und daß er Araes und Hermaes, Beredſamkeit und Tapferkeit begleitet?“ „Ungläubige,“ verſetzte ihr Eudoros,„mein Glaube begünſtigt nicht verderbenſchwangre Leiden⸗ ſchaften, doch erhöht er durch die Weisheit ſelbſt die Empfindungen der Seele, die eure Aphroditae nie einflöſſen wird. Was iſt dein Glaube, Kymodokae?— Nichts keuſcher iſt als deine Seele und ſchuldloſer nichts als dein Gedanke; und doch, wer dich von deinen Göttern ſprechen hörte, der ſollte nur zu erfahren dich in den gefährlichſten Myſterien glauben? Ein Götzen⸗ prieſter, glaubte, dein Vater, Frömmigkeit zu üben, wenn er in vergötterter Leidenſchaften Verehrung, ih⸗ rem Würken, ihren Attributen dich unterrichtete. Der Chriſt würde die Liebe ſelbſt durch zu freie Gemälde zu entweihen fürchten. Hätte ich deine Liebe mit, Kymodokae, verdient, ſollte ich der Gatte ſeyn, von deiner Unſchuld dir erkieſet, dann würd' ich weniger in dir des Weibes Ideal als den Schöpfer lieben, der dich nach ſeinem Bilde ſchuf. Als der Allmächtige den erſten Menſchen aus Erdenlehm gebildet, da ſetzt' er ihn in einen Garten, herrlicher als die Haine Arka⸗ diens. Bald fand der Menſch zu öde ſeine Einſam⸗ I. Band 22 338 keit; den Schöpfer fleht' er an, eine Gefährtinn ihm zu ſchenken. Aus Adams Rippe ſchuf der Ewige ein göttliches Geſchöpf und nannte ſie Weib mit Namen; ſie ward des Mannes Gattinn, aus deſſen Fleiſch und Blut ſie war. Adam war zu Macht und Tapferkeit gebildet, Eva zur Grazie und Unterwerfung; des Cha⸗ racters Würde, die Herrſchaft der Vernunft wurden des erſten Erbtheil, dem Weibe wurden Schönheit, Liebe und unwiderſtehlich ſüße Reitze. Dies iſt, Ky⸗ modokae, das Ideal der Chriſtengatten. Wenn du ihm nachzuahmen willigteſt, dann würde ich, im Na⸗ men aller Reitze, die Herzen feſſeln, dich mir zu ge⸗ winnen ſtreben— durch einen Bund der Gerechtig⸗ keit, des Mitleids und der Barmherzigkeit würdeſt du meine Gattinn werden; dich beherrſchen würde ich, Kymodokae, denn zum Herrſchen iſt der Mann ge— ſchaffen, doch lieben würd' ich dich wie die Weintraube, die in glühender Wüſte der Wandrer findet. Den Patriarchen ähnlich, würden wir uns vereinen, eine Familie zu hinterlaſſen, die Jakobs Seegen erbte: ſo nahm Abram in ſein Zelt die Tochter Bathuel; ſo wonnig ſchlug ihm drob das Herz, daß er der Mutter Tod vergaß. Thränen der Liebe und der Schaam perlten im Auge Kymodokaes. „Krieger,“ ſprach ſie,„ſanft ſind, wie Honig, deine Worte und, Pfeilen gleich, durchbohrend. Die Chriſten ſprechen des Herzens Sprache; in meiner Seele trug ich alles, was eben du zu mir geſprochen. Dein Gl lehrt!“ Eud ben: „ werden? eine ſolch ken!“ Da „9 Zucht m geſchiede vom Hi Bei te ein C voll Erſt „C indem er nahm, d gen, in „E „der ſche Weibern melslich / Strenge und got mehr T der der nn ihm ige ein damen; ſch und pferkeit Rs Cha wurden dönheit, iſt, Ky⸗ Venn du „im Na⸗ nit zu ge⸗ Gerechtig⸗ würdeſt du ſvurde ich, Mann ge⸗ ſintraube, Den nen, eine gen erbte: athuel; ſo er Mutter verlten im wie Honig⸗ tend. Die in meiner geſprochen. 339 Dein Glaube ſei der meine, weil heiß re Liebe er uns lehrt!⸗ Eudoros hörte itzt nur ſeine Liebe, ſeinen Glau— ben: „Wie, Kymodokae, du wollteſt eine Chriſtinn werden? Einen Engel wie du ſoll ich dem Himmel, eine ſolche Gefährtinn auf dem Lebenspfad mir ſchen⸗ ken!“ Das Haupt ſenkte Kymodokae und ſprach: „Nicht mehr wage ich zu ſprechen, eh du keuſche Zucht mich ganz gelehrt: ſie war mit Nemeſis hinweg⸗ geſchieden von der Erde; die Chriſten haben ſie gewiß vom Himmel wieder herabgezogen. 2 Bei einer Bewegung des Sohnes Laſthenes roll⸗ te ein Cruzifix zur Erde, das meßeniſche Maͤdchen ſchrie voll Erſtaunens, gemiſcht mit Schauern, auf. „Es iſt meines Gottes Bild“ ſprach Eudoros, indem er ehrfurchtsvoll das heil'ge Holz vom Boden nahm, des Gottes Bild,„der, hinab in's Grab geſtie⸗ gen, in Glorie auferſtand.“ „Es iſt alſo,“ verſetzte die Tochter Homaeros „der ſchöne Jüngling aus Arabien, beweint von Byblos Weibern, und durch den Willen Zeus wieder dem Him⸗ melslicht geſchenkt?“ „Kymodokae,“ entgegnete Eudoros mit ſanfter Strenge,„eines Tags wirſt du erkennen, wie ruchlos und gottesläſternd der Vergleich, den du gewagt; nicht mehr Myſterien der Schande und der Freuden, Wun⸗ der der Zucht und Schmerzen erblickſt du hier; du ſiehſt 340 des Allmächt'gen Sohn an's Kreuz geheftet, den Him⸗ mel uns zu öffnen, und Unglück, Einfalt, Unſchuld auf der Erde hoch zu ehren. Doch an des Ladons Ufern, in den Hainen Arkadiens, in einer zaubervol⸗ len Nacht, in dieſem Lande, das der Dichter Fantaſie der Liebe und dem Glück zur Heimath weihte, wie hier den Geiſt der Muſenprieſterinn an ſo ernſte Dinge feſſeln? Doch, Tochter des Demodokos, ernſtes Sinnen ſtärkt in dem Herz des Chriſten edle Liebe; es macht ihn jeder Tugend fähig, und würdiger, geliebt zu ſeyn. Aufmerkſam lauſchte Kymodokae der Rede des Jünglings: wundervoll wogte es in ihres Herzens Tie⸗ fen. Eine Binde ſchien vom Auge ihr zu ſinken, ein göttlich Licht ihr in der Ferne aufzudämmern. Weis⸗ heit, Zucht, Vernunft und Liebe erſchienen ihrem Blick zum erſtenmal in unbekanntem Bunde. Des Chriſten evangeliſche Trauer, die er in jedes Gefühl des Lebens miſcht, die Schmerzenslaute, die im Schooſe der Genüße ihm entquellen, vollendeten das Staunen, die Beſtürzung Kymodokaes. Ein Kruzifix! bot ihr Eudoros dar: „Dies iſt,„ſprach er,“ der Gott der Liebe, des Friedens, der Barmherzigkeit, und doch verfolgt! Kymodokae, nur auf dies heil'ge Bild kann ich dein Bundeswort empfangen, wenn du mich würdig findeſt, mir deine Hand zu reichen. Nie ſoll der Altar deiner Götzen, nie deines Eros Köcher den Chriſtusdiener mit der Muſenprieſterinn ſich einen ſehn!“ d T thus geſchw. Muſen zum er heils! gel hei geriſſe ihres Eudon nen p / holte nen Feſt gorr Sch Die erſte lago kehr Laſt Him. ſchuld adons ervol⸗ ltaſie ihte, ernſte enſtes Liebe; eliebt de des 8 Tie⸗ ,ein Weis⸗ ihrem Des 341 Tochter Homaeros, welcher Augenblick!— Des My⸗ thus ſinnliche Begriffe an eine Liebe, aufs Kreuz geſchworen, tauſchen?— Die Hände, die nur der Muſen Blumenkränze und Opferbänder trugen, faſſen zum erſtenmal das furchtbare Symbol des Menſchen⸗ heils! Kymodokae, Eudoros gleich verwundet vom En⸗ gel heil'ger Liebe, von unwiderſtehlichem Zauber hin⸗ geriſſen, verſpricht willig, im Glauben des Gebieters ihres Herzens Unterricht zu nehmen. „Und meine Gattinn auch zu werden,“ ſprach Eudoros, der ſchüchternen Jungfrau Hände in die ſei⸗ nen preſſend!“ 1 „Und deine Gattinn auch zu werden,“ wieder⸗ holte das bebende Mädchen!“ Ein ſüßer Schwur, den vor dem Gott der Thrä⸗ nen und der Leiden ſie geſprochen! Auf der Gebürge Gipfel erſchallt ein Chor, das Feſt der Luperkalien beginnend. Er ſang den Schutz⸗ gott Arkadiens, den ziegenfüßigten Pan, der Nimphen Schrecken, den Erfinder der ſiebenrohrigten Flöte. Die Geſänge verkündeten Aurorens Erwachen; ihr erſter Stral beglänzte Epaminondas Grab und des Pe⸗ lagos Wipfel in den Gefilden von Mantinea. Eilig kehrte Kymodokae zurück zum Vater; Eudoros gieng, Laſthenes vom Schlafe zu erwecken. Darmſtadt, gedruckt mit Stahl'ſchen Schriften. VBerbeſſerungen. Seite 13 letzte Zeile ſtatt hend, lies ruhend. 3 ſt. begraͤnzt, l. bekraͤnzt. erhoben, l. erhaben. u. ſt. Anagren, l. Onagren. ſtarken, l. frommen. nur ſie, l. ſie nur. ſt beglaͤnzte, l. beglaͤnzt. 3. ſt. urchten, l. furchten. . u. ſt kaͤute, l. laͤute. himmliſcher, l. himmliſchen. Aemilius Paulus, l. Paulus Aemi⸗ 3. v. ſt. iſt, l. Frankreich. aͤulen, I. Pyr amiden. 222 8 ff Grey Control Chart e Green vellow HRed Magenta