— — — ( 5. ——— B Ceiß- und Seſebedingungen. 1. oflensein der Bipliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ 4 Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Ollmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Czution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei veſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 5 4 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und eträgt: für chentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —————————— auf 1 Monat:— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 5„„—„„ 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und vefecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Lavenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes ſo iſt atz des Ganzen verpflichtet. beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. der Leſer zum Erſatz nseihereit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird . ſ — ——— —— Johann von Alxingers ſäͤmmtliche Werke. Siebenter Band. ————.— Enthält * S e 5 c e. Erſter Shei Wien, 1812.. Im Verlage der Franz Haaſtſchen Buchhandlung. 2 — Eſe „. 20 Von Johann von Alringer. Erſter Theil. 352252322333 5232O0 W ien„ 1 8 1 2. Im Verlage der Franz Haaſiſchen Buchhandlung. ————— Zueignungsſchrift. Du, der als Jungling ſchon mit edlem Selbſt⸗ gefuhl Des Ruhmes ſteilſte Hoͤhn erklimmte, Zur Himmels⸗Harmonie ſein goldnes Saiten⸗ ſpiel, Sein Herz zur Menſchenlieb' und wahrer Tu⸗ V gend ſtimmte; Der nun als Mann die Wiſſenſchaften pflegt und ſie durch klug gewaͤhlte Lehrer (Ihr Enkel danket ihm!) dem jugendlichen Hoͤrer Tief in dir zarte Seele prägt; Du, denn dieß Eine Wort bezeichnet dich, ein Swieten An Geiſteskraft und Biederſinn, Rimm hier den zweyten Lorber hin, Den Deutſchlands Muſen dir durch ihre Prir⸗ ſter biethen, ——müjz——— Riſus und Euryalus. Aus dem Virgil. — An Fraͤulein Carolina von Greiner. Evie Tochter der edelſten Mutter, mit welcher der Freundſchaft Und der Dankbarkeit feſt gewebtes Band mich ver⸗ einet, Carolina, du wuchſeſt(denn ſeit ich zuerſt dich er⸗ blicket, Rauſchten ſchon über mein Haupt zehn flüchtige Jah⸗ re,) du wuchſeſt Unter meinen Augen empor, ich ſahe ſie keimen, Knoſpen gewinnen, und jüngſt voll aufblühn, die herrlichen Blumen Deines Geiſtes, beglückt, daß mir mein Schickſal vergönnte, Hier und da ein Blümchen davon freundſchaftlich zu pflegen Und mit der Pierinnen geweihtem Quell zu begießen. Als ich unlängſt der Tuba des erſten unter den Rö⸗ mern, Deren Sprache du ſchneller gefaßt, als Bienen den Honig, Und des ſchönen Euryalu Fromme Thränen, und werth, daß Maro die heili⸗ S Ruhe verließe, ſie ſelbſt dir vom Auge zu Sie, die Zeugen der Rührung, die ihn und die Le⸗ Glück weisſaget dem Jüngling, den deine von zärt⸗ Klug geleitete Wahl dir einſt zum Gatten beſtim⸗ Nimm, holdſeliges Mädchen, zum Unterpfande der Freundſchaft, Die ich dir zolle, ſo lang, als ich mein ſelbſt mir be⸗ Und als dieſes Gebein der Geiſt des Lebens beſeelet, Deine Lieblingsgeſchicht', auf Deutſchen Saiten ge⸗ Horchen dich lehrte; da ſtuͤrzten beym Tode des ta⸗ pferen Niſus s dir die Thränen vom Auge, gen Thäler küſſen, ſerinn ehret, lichen Aeltern met. wußt bin, ſungen. Y 7 e— ( 21 eili⸗ zu Le⸗ zůrt⸗ im⸗ ande tbe⸗ elet, ge Niſus ſtand als Wächter am Thor, ein rüſtiger Kämpfer, Hyrtacus Sohn, Aeneen geſandt von der Jägerinn Ida, Neben ihm ſein Gefährt', Euryalus; keiner der Tro⸗ jens Waffen trug, war an Schönheit mit ihm zu ver⸗ gleichen; dem Knaben Hatte die bartloſe Wange der Lenz des Lebens ge⸗ ſchmücket. Gegenſeitige Freundſchaft verband ſie, ſie ſtürzten in Kämpfe 5 Mit einander, und wachten auch itzt vereinigt am Thore. Niſus beginnt: Euryalus, wer gibt unſeren Seelen Dieſes Flammengefühl? die Götter? oder wird Jedes Wilde Begierd' ihm ſein Gott? längſt pocht mir das Herz ſchon nach Schlachten Oder nach etwas Großen und haßt unthätige Ruhe: Siehſt du, wie tief in Sicherheit ſich die Rutuler 36 wähnen? Wenige Feuer nur flimmern, von Wein und Schla⸗ fe begraben, Liegen ſie da, rings ſchweiget die Gegend; itzt höre denn ferner Was ich nun ſinn' und welcher Gedank' in der Seele mir aufſteigt, Alle wünſchen die Rückkehr Aeneens, das Volk und die Väter Wünſchen ſichere Nachricht durch wiederkehrende Bo⸗ then. Lohnen ſie dir, wie ichs fordre, denn mir genüget der Nachruhm Solcher That, ſo hoff' ich, von jenem Hügel ge⸗ ſchirmet, Einen Weg nach der Stadr und Evanders Pallaſte zu ſinden. Staunend und tief durchdrungen von edler Ruhm⸗ begier, hörte Dieß der Jüngling, und redete ſo zu dem glühen⸗ den Freunde: Wie? verſchmäheſt du meine Geſellſchaft zu herrli⸗ chen Thaten, Niſus, und ſoll ich allein in ſo große Gefahren dich ſchicken? O dann wär' ich nicht werth vom kriegriſchen Va⸗ ter Opheltes, Der mich erzeugt, als ſein Ilium ſchon die Griechen bedräuten, Lehren empfangd, noch Thaten mit dir vollführet zu haben, Seit ich, das Aeußerſte wagend, dem Held Aeneas gefolht bin; Ja dieß Herz hier verachtet das Leben, verachtets und glaubt nicht Theuer damit die Ehre zu kaufen, nach welcher du ſtrebeſt. i I l un e Bo⸗ nühet l ge⸗ laſte inhm⸗ lühen⸗ herni⸗ ndich n Va⸗ riechen führet leneas achtets her du 13 Riſus erwiedert, kein Mißtraun, o Freund, du haſts ntcht verdienet, Ich nicht gehäget, und hab ichs, ſo bringe mich Ju⸗ piter, oder Sonſt ein ſchirmender Gott dir nicht ſiegjauchzend zurücke. Aber wenn, und du ſiehſt mein Beginnen iſt voller Gefahren, Wenn ein Verhängniß, ein Gott ins Verderben mich riſſe, ſo gönnt' ich Dir doch längeres Leben, du biſt unreifer dem Tode, Jemand ſey übrig, der mich vom Schlachtfeld Geraub⸗ ten mit Golde Löſe, nach Sitte zur Erde beſtatt', und verbeut es das Schickſal, Doch die Ehren des Grabs und Leichengepränge mir weihe. Auch will ich ihr, die die Mauern des großen Ace⸗ ſtes verlaſſen, Dir, o Jüngling allein aus vielen Müttern zu ze Deiner nctichen Mutter nicht ſolchen Jammer bereiten. O du ketteſt, dieß wird ihm zur Antwort, du ketteſt vergebens Nichtige Gründe zuſammen, denn feſt, unwandelbar ſtehet Mein Entſchluß; laß uns eilen! er ſagts, und ſchon weckt er die Wächter; Dieſe beſetzen den Poſten am Thor, er aber verläßt ihn, Schreitet an Niſus Seite daher, und ſie ſuchen den König⸗ —, 14— Rings auf Erden erleichterte Schlaf den übri⸗ gen Thieren Jede Sorge des Tags und die mühebeladenen Herzen. Aber die Führer der Teucrer und die erleſenen Krieger Waren, über die Wohlfahrt der Stadt ſich berathend, verſammelt, Was ſie begönnen und wen ſie nunmehr Aenten ent⸗ 4 gegen Schickten: ſie ſtanden gelehnt auf die langen Spee⸗ re, die Schilde Haltend, in Mitte des Lagers und Plans; als drin⸗ gend nun beyde Jünglinge ſonder Verzug herein zu treten begehren; Wichtig ſey ihr Geſchäft und leide nicht Aufſchub; Julus Führte die Eiligen ein und gebeut dem Riſus zu ſprechen. Hört, ſo ſpricht er, mit günſtigem Herzen, ihr Aeneaden, Was wir bringen, und meſſet es nicht nach unſeren Jahren. Wein und Schlaf hat die Glieder der Feinde gelöſe, . ſie liegen Sinnlos, wir ſelbſt erſahen den Ort zum heimlichen Ausfall, Dort, wo am Thore, das näher dem Meer iſt, die Wege ſich theilen. Unterbrochen flimmern die Feuer, und ſchwärzlicher Rauch ſteigt Auf zu den Sternen; erlaubt ihr die glückliche Stun⸗ de zu nützen, — —— bri⸗ zen. eger end, ent⸗ ee eren zſit, ichen die icher ——— — ———— — — D ſo ſollt ihr Aeneen, gehohlt aus Evanders Pal⸗ laſte, Bald mit Beute bereichert, gebadet im Blute der Feinde, Hier erblicken; auch werden, wir nicht des Weges verfehlen, Denn wir ſahen die Stadt gleich hinter den ſchatti⸗ gen Thälern, . Stn durch fleißige Jagd die ganze Krümmung des Baches. Hier erſtand Aletes ehrwürdigen Alters und reifen Sinnes: ihr Vaterlandsgötter, die immer Troja beſchirmen, Q noch habet ihr uns nicht ganz zu vernichten be⸗ . ſchloſſen, Da ihr noch ſolche Herzen der Jünglinge, noch ſo entſchloſſ'ne Seelen uns ließet; ſo ſprach er und hielt die Schul⸗ tern und Rechten Beyder, und überträufelte beyden mit Shränen das Antlitz. O was erkenn' ich euch zu für dieſes Heldenbeginnen, Welchen würdigen Lohn, ihr Männer? den ſchönſten zwar werden Euch die Götter gewähren und eure Lugend; wird euchs Bald vergelten der biedre Aeneas, vergelten Fulus Blühenden Alters und nie uneingedenk folcher Ver⸗ dienſte. Ja, ſo fuhr Ascanius fort, bey den großen Penaten, — 1 6— Bey des Aſſaracus Laren, beym Heiligthume der grauen Veſta beſchwör' ich euch, Niſus,(denn jede glück⸗ liche Hoffnung Leg' ich in eueren Schooß) o bringt ihn zurücke, ge⸗ währt mir Seinen Anblick, wir hoffen, iſt er uns wieder ge⸗ geben. Zwey mit erhabenen Bildern gezierte, ſilberne Be⸗ cher Will ich euch geben, die Beut', als mein Vater Rrisba erobert, Und der Dreyfüße zwey, zwey große Talente des Goldes, Einen alten Pokal, das Geſchenk der Sidoniſchen Dido. Aber bezwing' ich Italien einſt, als Sieger, be⸗ 5 meiſtr' ich Mich des Zepters und heiß' um die Beute die Jüng⸗ linge looſen; Sahſt du das Pferd des Turnus, die Waffen, worin er einher ritt, Golden? eben das Pferd, den Schild und den röth⸗ lichen Helmbuſch Scheid ich davon, und beſtimme ſie jetzt ſchon dir, Niſus, zum Preiſe⸗ Außer dem wird mein Vater dir zwölf erleſene Mägde, Wird Gefangne dir geben und Jedes erbeutete Rü⸗ ſtung, Drüber das Feld noch, das König Latinus nun ſel⸗ ber beſitzet⸗ — Aber Meil Und Ohne Alles Oder Zi Mei Lebet Hielt VPel Und Und Die zater e des iſchen he⸗ ing⸗ orin röth⸗ dir, gde⸗ Rü⸗ 17 n Aber du, zu welchem mein Alter näher mich rücket, Meine ganze Seel, ehrwürdiger Jüngling, umfaßt dich Und erkieſt dich ſchon itzt zum Gefährten in jegliches Schickſal! Ohne dich ſoll Ruhm auf meine Tage nicht kommen, Alles F dein Rath, vollführe dein Arm, ſeys im Frieden Oder im Krieg; ihm gibt Euryalus dieſes zur Ant⸗ wort: Keines Tages will ich die Bahn der Helden ver⸗ 3 laſſen, Die ich itzo betrete, dieß glaube, das Glück mag mir lächeln Oder zürnen; doch fleh' ich vor allen Geſchenken um Eines, Meine Mutter, entſproſſen aus Priamus altem Ge⸗ ſchlechte, Lebet noch, ſie begleitete mich, nicht Ilions Boden Hielt die Arme zurück, nicht die Stadt des Königs Aceſtes. Welche Gefahr auch itzo mir drohe, ſie laſſ' ich un⸗ kundig Und ohn' Abſchied zurück; bey deiner Rechten bezeug' ichs Und bey der Nacht, ich kann nicht die Thränen der Mutter ertragen. Doch du, fleh' ich, gib Troſt der Hülfloſen, Schutz der Verlaſſ'nen, Dieſe Soffning laſſ mich von dir mittragen, und kühner Gedichte I. Th. B — 18— Geh' ich in jede Gefahr. Aus tief durchdrungener Seele Weinten die Dardaniden, vor allen der ſchöne Julus, Ihm beklemmte das Herz die Erinnerung an ſeines Erzeugers Zärtlichkeit, und er erwiedert: was immer dein Hel⸗ denbeginnen Würdig zu lohnen vermag, verheiß' ich dir alles, denn meine Mutter ſey ſie hinfort; nichts fehl' als der Nahme Creuſa. Welchen Ausgang die That auch gewinne, ſo harrt doch der Mutter Eines ſolchen Erzeugten nicht wenig Dank und Ver⸗ ehrung: Durh dieß Haupt, durch welches ſo oft mein Pater geſchworen, Schwör' ich, was ich dir ſelbſt bey glücklicher Rück— kunft verheißen, Eben dieß ſey der Mutter bewahrt und deinem Ge⸗ ſchlechte: Weinend ſagt ers, und nimmt das vergoldete Schwert von der Schulter, Das, ein Wunder der Kunſt, verfertigt, und ſchick⸗ lich in eine Elfenbeinene Scheide der Creter Lycaon gepaßt hat. Myueſtheus reicht dem Niſus ein Fell, die Beute von einem Zotigen Löwen; die Helme vertauſcht der treue Aletes. und ſchon gehn ſie gewaffnet einher, von den Schaa⸗ ren der erſten ſeines nHel⸗ alles, lohme harrt nd Per⸗ Vuter m Ge⸗ Jüngling' und Greiſe zum Thor mit Segenswün⸗ ſchen begleitet. Auch der ſchöne Julus, zum Mann an Porſicht und Geiſte PVor den Jahren gereift, gibt ihnen an ſeinen Er⸗ zeuger Manchen Auftrag, kein Auftrag erreicht Aeneen, ſie werden Alle vorher zu den Wolken durch ſchnelle Winde ge⸗ tragen. Schon ſind ſie über die Gräben und nahn durchs Dunkel der Nächte Dem für ſie unſeligen Lager, doch bringen ſie vielen Vorher noch Tod; ſie ſehn die Körper der Feind' auf den Raſen Hingegoſſen voll Weines und Schlafs; ſie ſehen am Ufer Hoch in die Luft die Deichſeln der ruhenden Wagen ſich ſtrecken, Unter den Radern und Zügeln die Männer, es lie⸗ gen vermiſchet Waffen mit Bechern, und alſo beginnt der Hyrta⸗ cide:. Auf Euryalus! greife zum Schwert, die Gelegenheit winket; Sieh hier durch iſt der Weg, du ſorg' und ſpäh' in die Ferne, Daß nicht etwann ein Arm ſich rückwärts wider uns hebe; Hier will ich räumen die Bahn und weiten Weges dich führen. — 20—— Alſo ſagt er und ſchweigt und hebt ſchon wider den ſtolzen Ramnes das Schwert, der hoch auf dem mit Tape⸗ ten behängten S6 den Schlaf vo odn ſich blies, tief athmend, ſel⸗ ber ein König Und ein Seher, vor Anderen werth dem Könige Turnus: Aber durch keine Geſichte vermocht⸗ er dem Tode zu wehren. Nun ſtürzt Niſus auf drey der Knechte, die ſorglos daneben Unter den Waffen gelegen, den Waffenträger des Remus Und auf den Lenker des Wagens,(den letzten erha⸗ ſchet' er mitten Unter den Pferden,) und ſchneidet mit ſcharfem Schwerte die vollen, Hangenden Hälſe den Schlafenden ab, dann eilt er zum Herren, Raubet auch ihm von den Schultern das Haupt, und verläßt den mit Blute Ueberſprudelten Rumpf; von ſchwarzen Strömen er⸗ lauen Erd' und Betten: nicht minder erwürgt er den La⸗ mhrus, Lamus Und den Jüngling Serranus, holdſelig von Antlitz; bey Spielen Bracht' er die Hälfte der Nacht hin und ſtreckte die Glieder, bemeiſtert Pon Fort Vie nith Lim die Den Rhö —. 2 1— t Tape Von Lydus, o glücklich, dafern er die Spiele die Nacht durch d, ſel⸗ Fortgeſetzt hätt' und hinan bis zur Morgenröthe ver⸗ längert! Kinige Wie ein ungeſättigter Löwe,(der wüthende Hunger Räth ihms,) die Hürden verwüſtet, die feigen, vor Schrecken verſtummten ode zu Lämmer aufzehrt, zerreißt und mit blutigen Zähnen ſorglos grimm knirrſchet; Alſo mordet Euryalus; voll von flammendem Mu⸗ iger d the Tobt er um ſich, vertilgt auf dem Wege des ruhm⸗ loſen Pöbels Viele, den Abaris Fadus, den Rhötus und den Her⸗ harfem 3 keſus Jene ſchlummerten, Rhötus war wach, ſah alles üt u und deckte e.....„ Sich vor bebender Angſt mit einem geräumigen Be⸗ pt, und her, . Dieſem naht er und ſtößt ihm das ganze Schwert in den Buſen, Den er, ſich hebend, ihm darboth und ziehts voll Todes zurücke. den La Rhötus verſpeyet die Seel' in Purpurſtrömen und Antlit; Srenh Gibt er von ſich die mit Blut gemiſchten Weine: ver⸗ ſtohlen eckte die Dringt der glühende Jüngling voraus; ſchon hatt' er Meſſapus Sch 7 2—— Schaaren erreicht, da ſah er die äußerſten Feuer ver⸗ . 22— Und nach Gewohnheit die Pferd' enthalftert graſen; als Niſus 2 (Denn er merkt, daß zu ſehr ihn Eifer und Mord⸗ gier dahin reißt) Schnell ſpricht: Laſſen wir ab, es naht der ungün⸗ ſtige Morgen! Gnug iſt der Rache genommen, die Bahn durch die Feinde gebrochen. Viele prächtige Waffen, gemacht von gediegenem Silber, Laſſen ſie itzo zurück und Pokal' und ſchöne Tapeten. Doch Euryalus nimmt das Rittergeſchmeide des Ramnes Und ſein Wehrgehenke, mit goldenen Buckeln be⸗ ſchlagen, Welches dem Sohne des Tiburs, dem Remulus, vor⸗ mahls der reiche Cadicus ſandte, den Fernen durchs Gaſtrecht ſich zu verbinden, Remulus ſterbend dem Enkel geſchenkt und als auch der Enkel In dem Treffen gefallen, die Rutuler ſiegend eybeu⸗ tet, Dieſe ſchnallt er zu kurzem Genuß an die tapferen Schultern, Auch den paſſenden Helm des Meſſapus mit zierlichen Federn Setzet er auf; ſie verlaſſen das Lager und eilen ins Freye. Reiſige kamen indeß, ſchon itzt aus der Stadt des Latinus, (5 raſen; Mord⸗ ngün⸗ h die genem peten. de des n be⸗ vor⸗ ich zu auh erbeu⸗ pfelen rlichen en ins Stadt 2 — 23 e (Da noch das übrige Heer, gereiht auf die Felder, verweilte,) An den Turnus geſchickt, die Antwort des Königs zu bringen, Drey Mahl hundert, ſie alle mit Schilden, ihr Füh⸗ rer war Volscens. Schon ſind ſie nahe dem Lager, ja ſchon in die Wälle gerücket, Als ſie jene noch fern auf linkem Fußſteig erſehen, Und der Helm, der, flimmernd im nächtlichen Dun⸗ kel, des Mondes Strahlen zurück warf, den unvorſichtigen Jüngling verrathen; Volscens hatt' es bemerkt und rief vor den Reihen der Seinen: Haltet ihr Männer! was eilet ihr fort? was ſcyd ihr gewaffnet? Welche Wege verfolgt ihr? die Jünglinge geben nicht Antwort, Sondern fliehen mit Haſt in den Wald und ſuchen im Dunkel Rettung; die Reiſigen lagern ſich rings auf jeden be⸗ kannten Scheideweg und umkränzen die Ausgäng' alle mit Wächtern. Weit umher war der Wald von Dorngeſträuchen und ſchwarzen Eichen ſtrotzend und ganz mit dichten Büſchen er⸗ füllet.„ Seltene Steige nur glänzten durch ſeine düſteren Gänge. — 2 4— Den Euryalus hindert der Beute Gewicht und der Aeſte Dunkel, auch machet ihn Furcht des techten Weges verfehlen: Niſus entrinnt, ihn nicht miſſend, ſchon war er über die Feinde Und die Wälder hinaus, die der Enkel Albaniſche nennet, (Damahls hatte Latinus hier ſeine geräumigen Hür⸗ den.) Als er ſtand und umſonſt nach dem fernen Freunde ſich umſah; Rief er, Euryalus wo, wo ließ ich dich Elenden, und wo ich dir nach? von neuem durchſtreift er die ganze verworrne Bahn im betriegriſchen Wald, beſichtigt wieder die * Pfade, Rückwärts forſchend, und irret herum in den ſchwei⸗ genden Büſchen. Pferde hört er, er hört ein Gerauſch und der Kom⸗ . menden Fußtritt; Aber nicht lange, ſo trifft ein Lärmen ſein Ohr, und er ſiehet Seinen Gefährten, den ſchon die ganze Rotte, die plötzlich „ Spür Aus verräthriſchem Hinterhalt ihn und dem Dun— kel befallen, Unter ſich bringt und Trotz der tapferſten Gegenwehr fortſchleppt. Was ſoll er thun? durch welche Waffen und Kämpfe den Jüngling Unt Du Aeſte Weges r über miſche Hür⸗ reunde lenden, e die er die hwei⸗ Kom⸗ t, und te, die Dun⸗ nweht am pfe 25—— Ihnen entreiſſen? ſoll er hinein in die Mitte der Schwerter Sting um unverzüglich den Tod der Helden zu ſterben. 6 Eilend hält er den Wurfſpieß empor im gehobenen Arme, Und ſo bethet er auf, zur hohen Luna ſich wendend: Du, o Göttinn, gib du dem, was ich nun wage, Gedeihen, Mächtige Schutzfrau der Wälder, Latonia, Zier der Geſtirne! Hat mein Vater Hyrtacus je zu deinen Altären Gaben gebracht, ich ſelbſt dir Jagdgeſchenke ver⸗ ehret, Sie an dem Schlußſtein befeſtiget, oder gehangt ans Gewölbe: O ſo laß mich den Schwarm hier zerſtreun, und leite den Wurfſpieß Durch die Luft! er ſagts, und mit jeder Leibeskraft ſtrebend, Wirft er das Eiſen, die Lanze zerſchlägt im Fliegen der Nächte Schatten, trifft Sulmos daher gewandten Rücken und bricht hier Ab; die Spitze durchdringt das Zwerchfell, es ſpal⸗ tet die Stange: Lüliche Ström' entſpeyt er dem Buſen, wälzt ſich erkaltend, Hebt und ſenkt die Eingeweide mit langem Schluchzen. Unterdeſſen ſie beben, durchfährt der Wurfſpieß dem Tagus Ziſchend die Schläf' und ſteckt und erlaut im durch⸗ bohrten Gehirne. Volscens raſet vor Grimm, den Lanzenſchwinger er⸗ blickt er Nirgends und weiß nicht, wohin er, vor Eifer flam⸗ mend, ſoll ſtürzen. Ha! indeſſen wirſt du doch mit warmem Blute für beyde Freunde mir büßen! er ſagts, das Schwert entblö⸗ ßend, und ſtürmet Auf Euryalus ein; nun aber aufgeſchreckt, ſinnlos Schreyet Niſus; er konnte nicht mehr im ſchirmen— den Dunkel Sich verbergen, nicht mehr den ſchmerzlichen Anblick ertragen. Mich, mich! hier iſt der Thäter, auf mich her wen⸗ det das Eiſen, Rutuler! mein iſt die Liſt nur, nichts hat dieſer ver⸗ brochen, Hats nicht gekonnt, beym Himmel und dieſen mit⸗ wiſſenden Sternen! Nur den unglücklichen Freund hat er zu zärtlich ge⸗ liebet. Alſo rief er, doch war, mit Kraft geſtoßen, das Schwert ſchon Durch die Rippen gefahren und hatte die Schnee⸗ bruſt zerriſſen: Sein Euryalus wälzt ſich im Tod, Blut fließet die ſchönen Glieder herab, und der Hals liegt niedergeſunken zur Schulter. So Ein Hal Riſt Po Da Li Eu A D durch⸗ ger er⸗ flam⸗ te für ntblö⸗ nlos irmen⸗ r ver⸗ n mit⸗ lich ge⸗ das chne ßet die ſunken — 27— So wie unter der Schneide des Pfluges ſterbend ver⸗ welket Eine purpurne Blum' und wie das Haupt auf den laſſen Hals der Mohn hinneigt, von Regengüſſen beſchwe⸗ ret. Riſus aber ſtürzt in die Mitte der Feinde; nur Volscens Sucht er im Haufen der Krieger; er ſtrebt nach kei⸗ nem, als Volscens: Zwar ihn drängen bald hier und bald dort die Fein⸗ de zurücke, Dicht gereihet, doch er arbeiret hindurch ſich und ſchwingt ſein Blitzendes Eiſen, bis ers in des ſchreyenden Rutu⸗ lers Antlitz Vorne verborgen und ſterbend dem Feind die Seele geraubet. Dann wirft, ſelber durchbohrt, er auf des zärtlich Geliebten Leiche ſich hin und hier erſt ruht er im ſanften Tode. Glückliches Paar, wenn etwas mein Lied ver⸗ mag, ſo entreiſſet Euch ſo lange kein Tag dem Angedenken der Nach⸗ welt, Als Aeneens Geſchlecht den unbeweglichen Felſen Des Capitols umwohnt, und der Römiſche Jupiter herrſchet.. Sieger itzt, ſich des Raubs und der Beute be⸗ weiſterend, trugen —— —— —— Den entſeelten Volscens die Rutuler weinend ins Lager. Minder war nicht im Lager der Jammer, als ſie den Ramnes Blutlos erblickten und viele der Fürſten, auf ein Mahl gemordet, Den Sarranus, den Numa, es dringt ein zahlloſer Haufen Zu den Todten und Röchelnden hin, zu dem Platz der vom friſchen Morde noch lau war, wo Blut in ſchäumenden Bä⸗ chen noch ſtrömte. Sie erkennen die Beute, des Ramnes Ritterſchmuck und den Glänzenden Helm, den ſie wieder mit vielem Schwei— ße gewonnen. Und Aurora, das Purpurgemach des Tithonus verlaſſend, Ueberſtrömt ſchon die Erde mit neuem Lichte, die Sonne Gießt ſchon Strahlen herab und hellet die Thaten der Nacht auf: Turnus ruft zu den Waffen die Streiter, ſelber ge⸗ waffnet, Sammelt die ehernen Schaaren zur Schlacht, die ſeinigen jeder Führer und ſchärfet die kriegriſche Wuth durch man⸗ cherley Zuruf; Ja ſie heben auf Lanzen empor(erbärmlich zu ſchauen) Beyde Häupter der Freund', und folgen mit lautem Getöſe. — — Ha r S 6 6 — nd ins ſie den Mahl hloſer Plot⸗ en Pi⸗ ſchnuck ber ge⸗ t die man⸗ hauen) lautem — 2 9 — Links auf den Wällen der Stadt(denn rechts um⸗ zingelt der Bach ſie) Reihen die duldenden Aeneaden dem Feind ſich ent⸗ gegen, Halten die weiten Gräben beſetzt, und ſtehn auf den hohen Thürmen trauernd, ſo wie ſich bewegten der Jüng⸗ linge Häupter, Zu bekannt nur den Armen und triefend von ſchwärz⸗ lichem Blute. Unterdeß eilet geflügelt der Ruf die bebende Stadt durch; Alles erzählt er, und trifft an das Ohr von Eurya⸗ lus Mutter. Kalter Schauer eigreift der Unglücklichen Glieder, es ſtürzet Ihr aus den Händen das Webſchiff; los windet die Wolle ſich wieder. Auf fliegt ſie, die Eilende, läuft mit weiblichem Heulen, Ausgeriſſen das Haar, zu den Mauern und vorder⸗ ſten Reihen, Sinnlos; der Krieger gedenket ſie nicht und nicht der Gefahren, Nicht der feindlichen Pfeil und füllt den Himmel mit Klage: So Euryalus, ſo muß ich dich erblicken! du konnteſt, Meinem Alter zur Stütze beſtimmt, alleine mich laſſen, und nicht einmahl, da du ſolchen Gefah⸗ ren dich darbothſt, Ward ein Lebewohl der elenden Mutter vergönnet. — 30 Ach dem Gevögel und Latiums Hunden zur Beute Sie gegeben, Liegſt du auf fremdem Gefild', und die Mutter folgte 0 der Leiche Richt, ſie ſchloß die Augen dir nicht, noch wuſch ſie Un die Wunden, Deckte dich nicht mit dem Kleide, daß ſie bey Nacht 3 und bey Tage ſi Dir beſchleunigt, mit Weben die Sorgen des Alters 3 verſüßend. Wo dich ſuchen? wo liegt dein Gebein, die zerriſſe⸗ ſ nen Glieder Und der Rumpf, in Stücken verſtreut? ach übriget dieß mir 6 Sohn von dir? bin ich dieſem durch Land und Mee⸗ re gefolget? ſ. Wohnt noch Mitleid auf Erden, o ſo durchbohrt 3 mich; auf mich werft, . 1 Rutuler, alles Geſchoß, mich tödtet zuerſt mit dem 3 Schwerte, 13 Oder erbarme dich du, o Vater der Götter, und 3 ſchleudre Dieſes verhaßte Haupt mit deinem Donner zum Orcus, Wenn ich nicht anders zu kürzen vermag ein grau⸗ 6 ſames Leben. Dieſes Weinen erſchüttert die Herzen und kläg⸗ liches Seufzen Wandelt umher; geſchwächet zum Kämpfen, erſchlaf⸗ fen die Krafte. Veute Sie, die Wehmuth entflammt, ergreift Idäus und Actor, foze(Denn Ilioneus rieths und der thränenvolle Ju⸗ lus) uſh ſe Um ſie zurück nach der Wohnung auf ihren Hän⸗ den zu tragen“ Nacht Alters erriſſe⸗ übriget d Me⸗ hbohrt it dem r und et zun gral⸗ d klig⸗. rſchlaf⸗ HHero und Leander. Nach dem Muſäus. Gedichte. I. Zh. An Wieland. 1. D du, die herrlichſte von allen Wundergaben, Womit ein guter Gott und durch ihn die Natur Zum Herrſcher jeder Kreatur Den Menſchen ausgerüſtet haben, Erinnrung, komm, o komm, in deiner weiſen Hand Die magiſche Latern', und mahl' an jene Wand Mir meine Fernen hin, ſie, die in ſelgen Stunden Und fremden Gegenden mein ſuchend Herz gefunden⸗ 2. Sie kommt; vor vielen Bildern ſteigt Dein Bild, o Wieland, auf und neigt Freundſchaftlich ſich zu mir; ich ſehe dich im Kreiſe Geliebter Kinder ſtehn; es ſchwatzt und ſpielet leiſe E 2 Das kleine Volk, indeß die ſanftere Sophie Am Flügel ſitzt und das, was ihr Herz fühlet, Durch Stimm' und Saiten⸗ delodie In unſer Herz hinüber ſpielet. Mein edler Freund, dich nennet Fama zwar, Wo nur den Grazien, den Muſen ein Altar Gebaut iſt, ihren Hochgeweihten; Doch was iſt Famens Tuba⸗Schall, Verſtärkte gleich ihn jeder Wiederhall, Was gegen dein Gefühl, wenn von den kleinen Leuten Sich jedes lächelnd naht und laut Papa dich grüßt? . Was gegen einen Kuß⸗ mit dem Sophie dich küßt. 4. Beglückte Tage, da ich mich Mit dir, du guter Mann, du te, An deines edlen Weibs, an deiner Kinder Seite: und doch, verzeih, auch Gram beſchlich guter Vater freu⸗ frel⸗ Seite Mein Herz dabey, es fühlte ſeine Leere Roch peinlicher als ſonſt: mir 63 indem ich mich Mit dir, du Seliger, verglich, Als ob ich ganz allein in einem Weltall wäre. — Doch tröſte dich mein Herz! denn both aus ihrem Schatz Die Freundſchaft mir nicht reichlichen Erſatz? Entſtiegen nicht die heiligen Camönen, Mit ihrem Lorber mich zu krönen, Dem Doppelberg und lehrten mich den Gang Der alten Weiſen gehn und hauchten Götterfeuer In meine trunkne Seel' und ſtimmten mir die 3 Leyer⸗ Daß ſie mir Wielands Herz erſang? b. Drum ſchweiget, Klagen ſchweigt! doch weil Melancholie Der Gründe Damm zu überſchreiten Gewöhnet iſt, ſo will ich ſie Von meinem Schickſal weg auf fremdes Schickſal leiten. Freund ſete dich, indeß ich Griechſche Saiten Zu ſanfter Wehmuth Lied auf meine Leyer zieh⸗ Vielleicht daß deine frommen Thränen Den Geiſt der Liebenden, der mich umſchwebt, ver⸗ ſöhnen. 1. Sing, Göttinn, mir die Fackel, die Vertraute Verſtohlner Freuden, ſing, wie von Abydus her Leander durch das ſtille Meer. Nach Küſſen ſchwamm, die nie Aurora ſchaute. Sing von dem Eiland, wo dem holden Paar Durch Liebe ſanft gebettet war. Mich däucht, ich ſeh' ſchon dieſer Fackel Schim⸗ mer, Seh' am Geſtade ſchon den liebevollen Schwim⸗ mer! 2. O hätte Jupiter die Leucht' ans Firmament Verſetzet, und den Stern der Liebenden genennt! Sie, Aphroditens Bothinn, die Geſandte Der Hero, ſie, die oft in ſchlummerloſer Nacht, Eh' jener wilde Sturm erwacht, Vor der Verliebten Bett, ein Sinnbild Amors⸗ brannte. Doch bald, ach bald erloſch mit einem Mahl Leanders Leben und ihr Strahl! — 40— — 3. Von Seſtus über krümmt Abybus in die Wo⸗ gen Des Helleſponts den nachbarlichen Port: Cytherens Knabe ſpannet ſeinen Bogen, u Und ſieh! in beyde Städt' iſt Ein Pfeil ſchon ge⸗ flogen. R Leander brennet hier, die Jungfrau Hero dort. Sie glichen beyde ſich, ſie glänzten an dem Ort, Den ſie bewohnten, beyde, wie im Dunkeln Zwey überſchöne Sterne funkeln. 4. „ Du kannſt, führt dich dein Weg in dieſe Ge⸗ gend hin, Vom Thurme, deſſen Fuß der Helleſpont befeuchtet, Und wo die ſchöne Seſterinn Leanders naſſe Bahn erleuchtet; Auch kannſt du von dem Meeresſtrand, Der noch um beyde klagt, die Traurgeſchicht' er⸗ fragen; Doch wo zuerſt der Jüngling Lieb' empfand Und Gegenlieb' erhielt, ſoll dieſes Lied dir ſagen⸗ — —— 5. — Die Jungfrau Hero ſtammt aus einem edlen Blut Und war, wiewohl ſie noch kein Liebeskuß erfreute, Cytherens Prieſterinn; ſelbſt eine zweyte Cythere, wohnte ſie nah' an der Meeresfluth Vo⸗ ge⸗ Ort/ ſe Ge⸗ chtet, hr er⸗ ſagen⸗ edlen freuts/ ih —— —— ——— Von ihren Aeltern fern, in einem Thurm; ſie ſcheute Der Weiber Läſterzunge, die nicht ruht, Wo Andrer Schönheit glänzt; drum wollte ſich beym Reigen Und in Verſammlungen die Kluge niemahls zeigen. 6. Wohl aber goß ſie oft nach prieſterlicher FPflicht Uranien und ihrem Sohn, deß Köcher Sie fürchtete, den heilgen Söhnungsbecher, Doch ſie entfloh darum den Flammenpfeilen nicht. In Seſtus feyert man ein Freudenfeſt Adonen Und Venus jedes Jahr; nun kehrte dieſes Feſt, Zu dem der Mädchen keins zu wallen unterläßt, Die in Cyther' und rings in allen Inſeln woh⸗ nen. . Auch in des Libanus ſüß düftendem Ge⸗ ſträuch Bleibt mancher Reigen unvollendet; Das Eiland Cypern auch, der Phryger König⸗ reich, Hämonien, Abydus ſendet Rach Seſtus Schaar auf Schoaar; darunter wal⸗ len hin Viel Jünglinge von mädchenholdem Sinn, Weit minder um das Feſt mitopfernd zu begehen, Als vieler Mädchen Reitz an einem Ort zu ſehen. — 42*— 8. 6 Hold, wie der Silbermond, ein ganzes Ro⸗ ſenbeet Auf ihrer Wangen Wölbung, geht Die Jungfrau Hero durch die Hallen Des Tempels; milder Glanz umſtrahlt ſie; ihr Ge⸗ wand Sieht man, ſo weiß wie Schnee, zum Fuße nieder⸗ wallen. Die Alten haben nur drey Grazien genannt, Doch irrten ſie; es ſchaute ſüß verwundert, Wer Hero lächeln ſah, in jedem Auge hundert⸗ O⸗ Schön war ſie, wie kein Weib, ſo ſchön, daß ſie der Ehre, Die Nebenbuhlerinn der reitzenden Cythere, Nicht ihre Prieſtrinn nur, zu heißen würdig ſchien. Sie war durchs Haus der Göttinn nie gegangen, Ohn' aller Männer Herz und Auge mitzuziehn; In jedem Buſen pochte das Verlangen: O ſchmückte die mein Brautgemach! Und kiner aus der Schaar, wollüſtig ſtaunend ſprach; 10. Ich war in Sparta, ſah mit lüſterner Begier Viel nackter Schönen Kampf; doch dieſer hier glich keine; Matt ſchau' ich mich, nicht ſatt; o PVenus dungſt du eine Der jungen Grazien? für eine Nacht mit ihr (8)— 7— c 2— „„ Re⸗ ch: egie — 43— Gäb' ich mein Leben hin, wählt' ihres Bettes Decken PVor einem Götterſitz: doch darf vielleicht Nach deiner Prieſterinn ſich meine Hand nicht ſtrecken; So gib, gib mir ein Weib, das dieſem Maädchen gleicht. 11 So einer aus der Schaar; noch ma cher war darunter, Der ſeine Qual verbarg, ſtill und in ſich gekehrt; Doch konnteſt du es nicht, Leander, tief Verwund⸗ ter! Hell glänzt' in deinem Blick das Feur, das dich ver zehrt, Gleich Amors Fackel; Hero zu erſtreben Schwurſt du dir ſelber, oder nicht zu leben. Denn keuſche Schönheit trifft das Herz in größrer i Und tiefer, als der ſchnellſte Pfeil. 12. 3 Die Augen ſind der Weg; von hier aus ſchleicht Das Weh zum Herzen: dieß erfuhr Leander. Furcht, Staunen, Kühnheit, Scham beſtürmten nach einander Den armen Jüngling; endlich weicht Der Liebe Furcht und Scham; mit ſchlauen Sei⸗ tenblicken, Mit ſtummem Winken, leiſem Schritt Und liebendem Vertrauen tritt Er vor ſein Mädchen hin, die Holde zu beſtricken— — 4N— 13. Sie, dieſe Liſt bemerkend, freut Ob ſeiner Schönheit ſich, vergilt mit Gegenwinken Die ſeinen, läßt voll Sittſamkeit 8 Ihr liebliches Geſicht in ihre Rechte ſinken, Und hebts erröthend wieder auf. Er ſieht es, jauchzt und wünſcht, daß bald vom Meer herauf Mit Rabenfittichen die dunkle Nacht ſich ſchwinge Und heimlich ihn mit ihr zuſammen bringe. 14. Auch ſieht er Heſpern kaum durch graue Wol⸗ ken glühn; So fleugt er ſchon zu ſeiner Schönen; Er drücket ihr, vertraut und liebekühn Die Roſenfingerchen, nicht ohne zärtlich Stöhnen; Sie zieht die Hand, als wie erzürnt, zurück Und ſchweigt; doch er bemerkt mit ſchlauer Freude Der Liebe ganzen Sieg im unentſchloſſ'nen Blick Und faßt ſie dringender beym ſchön gewebten Klei⸗ de. 15. N Sie ſträubet ſich und— folgt⸗ ins innerſte Ge⸗ mach Des Tempels folget ſie dem kühnen Jüngling nach, Doch endlich droht ſie ihm mit weiblich ſanfter Stim⸗ me: Wie Fremdling? raſeſt du? legſt du die freche Hand — —— „„ §) N— nken vom hnen Freude Blick 1 Flei⸗ „ An mich, mich Jungfrau? weg! laß fahren mein Ge⸗ wand. Reich iſt mein Vater, reitz', o reitz' ihn nicht zum Grimme! Auch Venus zürnte dir ob dieſer Frevelthat; Zu einer Jungfrau Bett führt kein ſo ebner Pfad. 16. So droht ihm Hero mädchenhaft; Er nimmt es weiſe für Gewährung, Denn Drohn erſchöpft der Mädchen letzte Kraft, Denn Drohn verkündiget die Stunde der Erht⸗ rung. Er waget, ſchon verwegener und ganz Von Amors Wonne hingeriſſen, Des Mädchens Hals, dem Elfenbein an Glanz, An Duft den Roſen gleich, mit heißem Mund zu kü ſſen. 17 O du, mit größerm Reitz als Irdiſche ge⸗ ſchmückt, So rufet er, du gleich Cytheren, gleich Athenen, Beglückt ſind ſie, die dich erzeuget, hochbeglückt! O wollteſt du doch meine Wünſche krönen! Unwiderſtehlich reißt mich Liebe zu dir hin. Erbarme dich des Zärtlichen, erhöre Sein Bitten, fliehe nicht die Freuden der Cythe⸗ re, Du kannſt, du darfſt es nicht, als ihre Prieſte⸗ rinn. 46—. 18. An dem Altar der Liebenden zu dienen Ziemt einer Jungfrau nicht; ſie kann ſich nimmer freun Ob einer Jungfrau Dienſt; o dürft' ich mich er⸗ kühnen, Zu ihren Orgien dich einzuweihn! Die, willſt dus wiſſen, die beſtehen in den Freuden Des hochzeitlichen Betts; ſelbſt deine Prieſterpflicht Perſtattet dir in Zukunkt nicht, Die Herzenſchmelzerinn/ die Liebe, zu vermeiden. 19. Drum nimm mich zum Gemahl, nimm mich zum Diener nur; Ich bin ja deine Beut', erjagt mit Amors Pfeilen. So hieß vor dem der Gott mit goldnem Stab, Mercur Alciden zu dem Dienſt der Tochter Jardans eilen; Doch mich ſchickt Venus dir, nicht Hermes; flieh, o flieh Der Göttinn Zorn, durch den beſtrafet Atalante Bald heftig in Milanion entbrannte, Den ſie erſt ſtolz verſchmäht; flieh ihn und fürchte ſie. 20 So lenkt mit Lieb' erregenden Geſprächen Leander Hero's Sinn, ſo ſehr ſie widerſtrebt; Sie wagt nicht, ihn zu unterbrechen, Berührt den Boden kaum mit leichtem Fuße, bebt, — — mmet eiden. ich zum feilen. Mercur kilen; flieh, o alante d fürhte üchen ebt — — Verbirgt die rothe Wang' und ſchweiget: doch wer * hätte Dieß Schweigen nicht verſtanden? deutlich zeigt Des Herzens leiſen Wunſch ein Mädchen, wenn es ſchweigt; Ihr Schweigen ſelber ruft den Jüngling in ihr Bette. 21. Nun fühlet Hero ganz die bittre Süßigkeit Der Liebe, ſtaunet hoch erfreut Des Jünglings Schönheit an und ſenkt nun wieder Ihr Augenpaar verſchämt zum Boden nieder. Indeß betrachtet er mit Amors ſüßer Wuth Der Jungfrau zarten Hals: feſt kleben ſeine Blicke, Nie ſatt, daran; ſie ſchweigt, doch endlich kehret Muth Und Stimm' in ihre Bruſt zurücke. * 22. Sanft ſagt ſie ihm, und während daß ſie ſpricht, Träuft Scham ein Purpurroth ihr auf das Ange⸗ ſicht, O Jüngling, deß Geſpräch auch ſelber Steine rühr⸗ B te, Wer wies dir jeden Gang der ſchlauen Redekunſt? Wer wars, der dich, weh mir! in unſre Mauern führ⸗ te2 Du ſtrebſt umſonſt nach meiner Gunſt; Nie würden Hero's Aeltern einen Gatten, Der fremd und unſtät iſt, zu wählen ihr verſtatten. 23. „ Auch irreſt du, dafern du ja gehofft, Als Gaſt in Seſtus zu verweilen Und in geheim mein keuſches Bett zu theilen, Spitz iſt der Menſchen Zung' und liebt Verleum⸗ dung, oft Hört man erſtaunt auf allen Gaſſen, Was man im Stillen that; doch, Jüngling, unbe⸗ kannt Iſt mir dein Nahme noch, iſt mir dein Vaterland; Willſt du mich die nicht wiſſen laſſen? 24. Mein Nahme, ſo wie du, wie jeder Fremdling weiß, Iſt Hero; meiner Aeltern ſtreng Geheiß Gab einen hohen Thurm mir außer Seſtus Mauern Am Meer zur Wohnung; dort, mit einer Magd allein, Muß ich von den Geſpielen, von den Reihn Der muntern Jugend fern, des Alters Lenz ver⸗ trauern; Denn Tag und Nacht umrauſchet meinen Thurm Die Meereswog', umſauſet ihn der Sturm. 25. So ſagt ſie, ſchämt ſich wieder, hüllt Die purpurfarbne Wang' in das Gewand und ſchilt Sich ſelbſt ob dem Geſpräch; Leander aber ſinnet, Wie er den ſüßen Kampf der Liebe käͤmpfen kann; — — dz ing ern agd vel⸗ urm ſchilt net/ nn Denn Amor iſt verſchmitzt, er heilet auch den Mann, Den er verwundet hat; weß Herrſchaft er gewinnet, (Und welches Herz iſt nicht des Liſtigen Gewinn ²) Dem hibt er klugen Rath und Weisheit in den Sinn. 26. Leander, welcher auch durch ihn ſich weiſer fühlte, Antwortet ſchlau: Geliebteſte, zu dir Eilt' ich durchs Meer, wenns auch ein Sturm durch⸗ wühlte, Wenns auch von Feuer ſötte; was iſt mir, Der hineilt, daß er Hero's Gürtel löſe, Des Sturmes Heulen und des Meers Getöſe? Ja von Abydus aus, wo ich zu ſeyn begonnt, Durchſchwimm' ich in der Nacht den wilden Hel⸗ leſpont. 27. Nur halte von dem Thurm ins Meer mir ei— ne Leuchte, Mit dieſem Leitſtern ſteur' ich durch die feuchte, Nachtvolle Bahn, ein Schiff der Liebe, fort Und morgens wiederum nach meiner Heimath Port. Mag Arctos auch, die nie ins Meer ſich tauchet, Mag mir Orion drohn, Bootes untergehn; Nur, Theure, daß kein Wind in deine Fackel hau⸗ chet! Wenn dieſer Führer liſcht, ſo iſts um mich geſchehn. Gedichte I. 2h. D Noch wiſſe dieß: Leander nenn' ich mich, Der ſchön gekränzten Hero Gatten. Mit Recht nannt' er ſich ſo; denn ſie verbanden ſich, Zu küſſen Hymens Kuß, wenn wieder ſich die Schat⸗ ten Vom Himmel ſenkten; ſie verſpricht, das Meer Zu hellen, durchzuſchwimmen ſchwöret er; Sie fühlen ſchlaflos ſchon den PVorſchmack ſüßer Freu⸗ den, Doch ach! der Morgen kommt und zwinget ſie zu ſcheiden. 29 Sie ſchleicht nach ihrem Thurm, er aber ſchifft zurück, Doch als ein Merkmahl legt er Stein' an das Geſtade, Daß ſie in dunkler Nacht zum Thurme ſeine Pfade Hinleiten: beyde ſehn mit ſehnſuchtsvollem Blick Der Nacht entgegen, die das ſüße Geſchwätz der Liebe berg' und Hymenäens Küſſe; Sie kommt auch mit dem ſchwarz verſchleyerten Ge⸗ ſicht; Bringt allen Menſchen Schlaf, nur dem Leander nicht. 30. Der ſtand ſchon, ſeit der Abend graute, Am hallenden Geſtad' und ſchaut' und ſchaute, Ob nicht die Fackel ihm der Liebe Bothſchaft bringt. Auch, wie die Schatten dichter werden, ſchwingt — 2 78 3— —— reu⸗ eju ſtade, pfade üſſe n Gl⸗ nnicht. e ute/ ——— — 51— Sein Mädchen ſie empor: mit ihr zur Wette brannte Des Jünglings Herz, durch das nun doch ein Schau⸗ der fährt, Wie er die Woge laut aufrauſchen hört, Bis daß er endlich ſich mit dieſem Troſt ermannte: S Zwar grauſam iſt das Meer, doch grimmet iſt die Liebe, Denn die iſt Feuer, jenes Waſſer nur. Schwor ich nicht einen heilgen Schwur? Winkt mir nicht Hero? und ich bliebe? Ha Wellen, raſet fort! du flammſt auch fort, mein Herz! Was fürcht' ich? voner See geboren iſt Cythere? Und ſo wie über Liebesſchmerz, So waltet ſie auch über Meere. 32. Sprachs, riß mit beyden Händen das Gewand PVom ſchön gebauten Leibe, band Es überm Haupte feſt und warf ſich in die Wellen, Die ſich von Hero's Fackel hellen. Hier, ſelber Ruderer und Schiff und Steuermann, Schwimmt er der Leuchte nach, die ſie entgegen ſtre⸗ cket Und vor feindſelgem Wind oft mit dem Kleide de⸗ cket, Auch kommt er endlich matt im Golf von Seſtus an. D 2 Sie führt ihn in den Thurm, umfaßt ſchon an der Thür Den Keichenden, dem noch von Meerestropfen Die Locken träufeln, läßt ihr Herz an ſeinem klopfen Und öffnet ihm die Hochzeitkammer, hier Wäſcht, trocknet, ſalbt ſie ihn mit Hehl, gepreßt aus Roſen, dimmt in ihr Bett, das ſie von Fellen hoch erbaut, Den Keichenden, ſchmiegt dann vertraut An ihn ſich an und ſpricht mit ſüßem Koſen: 34. Schwer, o mein Bräutigam, iſts dir geworden, e, Wie keinem Bräutigam: komm, laß in dieſen Armen Den läſtigen Geruch vom fiſchevollen Meer Verduften, laß den ſtarren Leib erwarmen. Sie ſagts, indem ſie ſich den Gürtel rauben läßt; Nun lehret er ſie ſchnell der holden Aphrodite Geheimniß, ohne daß bey ihrem Hochzeitfeſt Ein Dichter Jugen*) rief, die Fackel Flommen ſprühte. e Kein Tänzer ſchwebete durch muntre Reihn: Kein Honenäus ſcholl von froher Aeltern Munde; Das ernſte Schweigen hat allein Den neu Vermahlten in der Liebesſtunde *) Juga oder Zygia, ein Beynahme der Juno, als Stif⸗ terinn der Ehen.. — Un an rden, nen eihn: unde Gü⸗ 3— Gebettet, Finſterniß und Nacht die Braut ge⸗ ſchmückt, Aurora nie bey ihr den Bräutigam erblickt. Der ſchwamm ſchon früh zurück mit küſſeheißen Wangen Und nie geſättigtem Verlangen. 36. So denn bey Tage Jungfrau, Weib bey Nacht, O Hero, täuſcheſt du das Paar, das dich gezeuget, Und weil der Liebe Glück dir nur im Dunkel lacht, Klagſt du den Tag oft an, der ſich zu langſam nei⸗ get. Doch ſelber dieſes Glück, ſo theur gekauft es war Und ſo verſtohlen, hat das arme Paar Nur eine kurze Zeit genoſſen; Denn vom Perhängniß ward ſein früher Tod be— ſchloſſen. 37. Der Winter kommt, der Wirbelwinde Schaar Erregt das Meer vom Grund auf, bange fliehet Das Schiffervolk die dräuende Gefahr, Indems auf trocknen Sand die wunden Schiffe ziehet. Leander aber ſtürzt mit allzu kühnem Muth, So bald verrätheriſch ihm von dem hohen Thur⸗ me Die Hochzeitfackel winkt, dem Sturme Hohn ſprechend, in die wilde Fluth. Unglücklich Madchen, miſſe deinen Lieben Den Winter durch! 0 zeige nicht Ein allzu bald verlöſchend Licht! Umſonſt! ſie zeigts⸗ ſie zeigts, getrieben Von Lieb' und Schickſal; weh dir, weh! Der Parzen Fackel iſts, was deine Hand erho⸗ ben, eh! die Winterſtürme to⸗ ben t bedeckt die See. Nicht Amors Fackel! ſi An das Geſtad', und Nach 39. ücken ſchwebt Leander ch das Gewäſſer ſchwillt, hn von Wog' auf Wog/ es brüllt Der Winde grimme Schaar, ſie rücken auf einander Laut heulend zu dem furchtbarn Streit. PVom Weſte wird der Oſt, vom Nord der Süd be⸗ dräut: fürchterliche Kreiſe, o ſchirmet meine Reiſe! Auf ihrem lauten R PVoll ſüßer Hoffnungen⸗ do Schwillt himmelan⸗ wälzt i Leander, eingedreht in Fleht den Unſterblichen: 40. Zur ſeegebornen PVenus bethet er; Er bethet zum Neptun, dem Herrſcher auf dem Meer, Orythyiens Küſſen: Beſchwöret Boreas bey arzen weichen müſſen⸗ Vergebens! Amor hat den P (8 —(8 Von allen Seiten ſtürmts, des Jünglings Stärk' erſchlafft, Schon ſinkt matt Hand und Fuß, ſchon wird er fort— gerafft, Schon lauft verderblich ihm viel Waſſers in die Kehle, Die Fackel liſcht, mit ihr Leanders Lieb' und Seele. 41. Doch Hero ſchlaflos blickt ſtets auf des Meeres o⸗ Rücken; In ihrer Seel' auch ſtürmts; ſie kann ihn nicht er⸗ blicken, Obgleich das Morgenroth die Gegend ſchon erhellt: Doch itzt, itzt ſieht ſie ihn am Fuß des Thurms zer⸗ ſchellt er Und todt, ſie ſiehts, zerreißet die Gewänder ilt, Um ihre Bruſt und wirft vom hohen Thurmgeländer Vog/ Sich mit Gerduſch herab auf ihren todten Freund: So ſtarb das arme Paar im Tode noch vereint⸗ Anmerkung. Ich will hier ein Paar Verbeſſerungen des 298. Ver⸗ ſes anführen, der wirklich eine chirurgiſche Huͤlfe nöthig hat. Lenepp ſchlägt in ſeiner Ausgabe des Colothus vor, mit dem d Orville alſo zu leſen: Jn Joxvnd& »Hoy vßu PtMwh dpt Mcsy 1dd Neeo Dieſe Vermuthung laßt ſich hören; noch ſcharfſinniger aber lieſt der gelehrte Herr von Brunk in ſeinen Roten zu dem Apollonius Rhodius: rumroxim d »Hoy vjc nt Madh dmehvoe ad Neech. Der Raub der Helena. Nach dem Coluthus. An Eckhel und Regelſperger, meine ehemahligen Lehrer*). ——————————— Euch Freunde, die ihr manche Stunde, Wenn meinem Knabenohr aus euerm weiſen Munde Der Hochgeſang Virgils, Tibullus ſüß Getön Zuſtrömte, mich gelehrt, was groß iſt, gut und ſchön; Euch, die ihr nicht allein zum Wiſſer, auch zum Fühler Mich ausgebildet habt, euch weihet euer Schüler Das Lied Coluths, es ſey noch in der Folgezeit Ein Denkmahl ſeiner Dankbarkeit! Der erſte, der berühmte Antiquar, iſt Director des kaiſerlichen Muͤnz⸗Cabinettes und Profeſſor der Nu⸗ mismatik, der zweyte Lehrer der Dichtkunſt. 1. Ibr Nymphen Trojens, die ihr zu dem Reigen Nach Ida wallend, oft am väterlichen Strand Des Ranthus von dem Haar die Binden, aus der Hand Das heilge Spielwerk legt, wollt ihr zu mir nicht ſteigen Aus eurem lauten Quell, und ſingen, wie der Hirt Die ungewohnte See durchirrt? Wie er, der hiebevor kein Ruder regte, Nun Unglücksſchiffe baut' und Erd' und Meer be⸗ wegte. 2. Durch welchen gähen Zwiſt man drey Göttin⸗ nen ſah Den richterlichen Spruch aus eines Schäfers Munde Laut fordern, wer es war, der ihm die erſte Kunde Vom Reitz der fernen Helena Gegeben, welch ein Urtheil er geſprochen. Ihr wißt es, Nymphen, ſaht zu ſeinem Sitz ſie hin Nach Ida wallen, ſaht die ſtolze Königinn Der Grazien auf ihre Schönheit pochen. rbe ttin⸗ unde unde 3. Als Jupiter dem Ganymed befahl, Daß er auf Hämus Höhn bey Peleus Hochzeitmahl Den Gäſten ſelbſt den Wein in goldnen Bechern biethe; Erſchienen auch, daß ſie der Amphitrite Reitzvolle Schweſter grüßten und das Feſt Mitfeherten, die Götter und Göttinnen; PVon dem Olymp kommt Zeus, das blaue Meer ver⸗ läßt Neptun, den Helicon das Chor der Pierinnen. 4. Apollo führet ſie, mit ihm zieht Juno hin, Des Donners Schweſter, auch der Eintracht Köni⸗ ginn, Cythere will in Chirons Hainen, Ja ſelbſt die Jägerinn Diana will erſcheinen. Auch Pallas hat vom Haupt den ſchweren Helm ge⸗ legt Und eilt, ſelbſt unverlobt, zu dem Verlobungsfeſte, Mit ihr der Gott des Weins, des Gottes Schultern ſchlägt Ein goldnes Haar, das Spiel der loſen Weſte. 5. Selbſt Mavors ſchwingt heut keinen wilden Speer Und hat vom holden Leib den Panzer weggenommen, Schön, wie er einſt ins Haus Vulcans gekommen, Und lächelnd ſchwebt der Gott im Reihentanz daher. „ 62„ Auch miſcht Reihentänze Die holde Suada ſich, auf ihrem Rücken tönt Ein Köcher, von Cupid entlehnt, ind ihre Hond flicht bunte Hochzeitkränze. 6. 2 E Nur Eris lud zum Mahl der weiſe Chiron U nicht,. e Noch Peleus, darum tobt ſie wild umher, vom 1 Neide Getrieben, wie ein Kalb, wenn auf der Heide Blutrünſtig eine Bremſ' es ſticht: Itzt fährt ſie auf von ihren Felſenſitzen, Itzt wieder hin zerwühlt der Erde Schooß, Reißt ganze Kieſelſtücke los, Ob ſchroffe Steine gleich die dürre Hand ihr ri⸗ ken. 7. 3 Itzt ſinnet ſie, die Götter von dem Mahl Zu ſcheuchen, will bald Schild' an Schilde ſchla⸗ gen, Doch ſcheuet ſie den Mars, den Gott in blankem Bald will ſie in den Tartarus ſich wagen Und dort des Titan wilde Brut Befreyn, daß noch ein Sturm der drohe; Doch nimmt Vulcan, deß unlöſchbare Lohe Das Eiſen bändigt, ihr den Much⸗ Burg Kronions tron vom ronions Doch nun, nun kommt die Frucht der Heſpe⸗ riden, Die goldne Frucht ihr in den Sinn, Sie wirft den Apfel grinſend hin; Und ſieh! ſchon fleucht vom Göttermahl der Frieden; Stolz auf Kronions Bett, ſchreyt Juno, er iſt mein, Und langt darnach, mein, ruft auch Pallas, mein! Wer zweifelt, ſagt die ſchönere Cythere, Daß er der Königinn der Liebe zugehöre? 9 Zeus ſieht den Streit, ruft den Mercur und ſpricht: Kennſt du den Priamiden nicht? Ein ſchöner Hirt! er pflegt an Panthus Strand zu weiden Und auf des Ida grüner Höh': Dem bring' den Apfel, der ſoll dieſen Streit entſchei⸗ den, Doch daß er prüfend auch die drey Göttinnen ſeh', Welch eine Bruſt ſich tadelloſer hebe, Welch Auge ſanfter roll und ihn der ſchönſten gebe. 10.* So Jupitet; Mercur gehorcht und beut Zum Führer ſich den rechtenden Göttinnen, Nun ſchmücket jede ſich zu dieſem großen Streit, Und jede ſucht den Preis durch Schönheit zu ge⸗ winnen. Cythere nimmt voll Liſt aus balſamirtem Haar So Bind' als Nadel, ziert mit fein gedrehtem Golde„ Die ſeidnen Locken, ruft der Amoretten Schaar, Die ſammeln ſich um ſie, und nun beginnt die Holde: 11 umſchwebt mich Kinder, nah' iſt mir ein gro⸗ ßer Streit, Denn um den Preis der Schönheit kämpft ſichs heut. Wer wird den Apfel wohl gewinnen? Saturnia gebar die Charitinnen Und freut des Zepters ſich; die Königinn der Schlacht Iſt Pallas; ich allein bin wehrlos, ohne Macht, gann Königreiche nicht vergeben, Kann wider Feinde nicht des Mavors Lanze he⸗ ben. 12. Doch warum zag' ich? führet meine Hand Statt Lanzen nicht der Liebe Band, Und einen Pfeil, dM kein Herz noch verfehlet, Trag' ich den Gürtel, jenen Gürtel nicht, Deß Stachel zwar die Mädchen ſticht Und bitter ſchmerzt, doch nie entſeelet? Als dieß die Görtinn mit den Roſenfingern ſprach⸗ So eilten folgſam ihr die Amoretten nach. c— —— ſprach⸗ Schon kamen ſie auf Ida's Spitze, trafen Den Hirten Paris an; von vädterlichen Schafen Umnblöket, zählt' er ſie mit kluger Sorgfalt ab, Sie und die Rinder, die getrennet von rinander An deinen blumigen Geſtaden, o Scamander, Froh weideten; ein krummer Hirtenſtab, Der Stiere Lenker, war in ſeinen Händen, Ein wildes Ziegenfell ſchlug ihm die weißen Len⸗ den. 14. Er ſchlenderte mit ſeinem Haferrohr Der trauten Hütte zu, ganz Ohr Für ſein geliebtes Lied; nun kümmert' ihn nichts minder, Als ſeine Schafe, ſeine Rinder. Auch bellete kein Hund, die Stiere brüllten nicht, Sie horchten die dem Pan, dem Hermes werthen Lieder; Nur Echo, die bloß aufgefordert ſpricht, Sang ſie auf Ida's Höhn in Luftgebiethen wie⸗ der. 15. Nun ſetzte ſich der Hirt, wo junge Blumen ihn Umdüfteten, und dichte Zweige deckten; Ermüdet von dem Laufe, ſtreckten Die fetien Stier' auch ſich ins Grün: Gedichte. I. Th. E Doch wie die Götter ſeinem Blicke Begegnen, ſpringt er auf, voll Schrecken, unterbricht Ein kaum begonnen Lied; er flieht ihr Angeſicht Und läßt die Pfeif' auf einem Stamm zurücke. 16. Doch Hermes xuft ihm nach; warum entflie⸗ heſt du? Komm, fürchte nichts verlaß die ſchöne Heid und fälle Ein Urtheil über drey Unſterblichen, dann ſtelle Der Reitzendſten den goldnen Apfel zu; Er ſagt es, Paris nun ſpannt ſeiner Augen Seh⸗ nen, Beſchaut das goldene Geſchmeid' Am weißen Hals, die Bruſt, das fein gewebte Fleid, Der Augen Glanz/ ſelbſt Ferſ' und Sohl' am Fuß der Schönen. 17. Athene faßt ihm nun die Hand mit Freund⸗ lichkeit, Priamid', auf, und verſchmäh Cy⸗ theren/ Der Lüſte Königinn, verſchmäh auch Heren, Mich wähle, Königsſohn! dir ziemet Heldenſtreit, Und den lehr' ich dich, nie ſoll dich Enyo ängſten/ Du ſollſt der Städte Schutz und in der bängſten Belagrungsſtund' ihr Retter ſeyn. So Pallas, doch hier fällt Saturnus Tochter ein: Auf, ſagt ſie entfie⸗ td und ſtelle en Seh⸗ gencbit Fuß der t Frund⸗ zniß by⸗ eren denſtrei büngſten Lohler 3 13. Hirt, wenn du mir die goldne Frucht gewäh⸗ ren, Wenn du für mich entſcheiden wirſt, So ſoll ganz Aſien als König dich verehren: Verachte du des Kriegs blutvolle Werk', ein Fürſt Bedarf nicht ihrer, er herrſcht über Stark' und Feige, Glaubſt du, zu Lieblingen der ſtolzen Pallas neige Der Sieg ſich ſtets? weißt du es nicht, das Grab Schlingt der Bellona Freund' oft allzu früh hinab. 19. So both Saturnia, die hoch auf goldnem Thron In dem Olympus ſitzt, ein Königreich zum Lohn. Doch Cypris löſt die Buſenbänder, Weit flattern in die Luft die faltigen Gewänder, Die volle Bruſt erhebt ſich feſſellos, Und ohne Gürtel lacht der aufgedeckte Scherßt Den nun verliebte Weſte fächeln, Sie tritt zu Paris hin und ſpricht mit Lächeln: 20. Nimm,(und vergiß bey dem, was Venus beut, Den dir verheißnen Thron und wilde Tapferkeit,) Nimm Schönheit zum Geſchenk, die meiner Schön⸗ heit gleiche, Zwar iſt der Krieg mir fremd, doch ſchmücket Wohl⸗ geſtalt E 2 Die Weiber mehr als Muth, den Werth der König⸗ reiche Erſetzt das Bett der Tochter Ledens; bald Wird dich ein guter Wind an ihr Geſtade wehen, Und Sparta dich als ihren Gatten ſehen. 21. Sie endigte noch nicht, ſo reicht er ihr Den goldnen Apfel ſchon, der Schönheit Zier, Ein glänzendes Geſchenk, doch blutger Kriege Sa⸗ men; Sie hält ihn in der Hand, und bitter kränkend höhnt Sie die Beſiegten: nun, ihr, die voll Stolzes kamen, Schon hiebevor an Krieg gewöhnt: Ich habe doch geſiegt, mein iſt die ſchöne Beute, Ich liebte Schönheit ſtets, und ſie ſtand mir zur Seite. „ 22. Dir, Juno, konnten die, ſo du geboren haſt, Der Charitinnen Chor, Mars und Pulcan nicht frommen, Verlaſſ'ne, niemand iſt zu Hülfe dir gekommen, Nicht Mars, obgleich ſein Speer in Schlachten oh⸗ ne Raſt Forttobt, Bellona nicht, die Königinn der Schilde, Wiewohl du ihres Freunds Hephäſtos Mutter biſt, Und endlich nicht er ſelbſt, der wilde, Unbändge Gott, deß Athem Feuer iſt*). *) Man ſehe die Anmertung. 69— 23. Auch du ſtolzire nicht, zum Kampfe niemahls hen, Müde! Dich ſä'te Liebe nicht, kein Weib gebar dich, Gräul Der Sterblichen, dich hieb ein eiſern Beil Aus deines Vaters Haupt, dir iſt der ſüße Friede, Und Harmonie und Eintracht fremd, Den Mavors ahmſt du nach, gehüllt ins Panzerhemd; So⸗ Doch eine Kriegerinn gleicht einem Mitteldinge Von Mann und Weib, man achtet ſie geringe. höhnt„4. alnen, So trieb ſie Venus fort, nicht ohne bittern ute, Hohn, ir zu. Stolz aufs Geſchenk, das einſt ihr Jlion In Schutt verkehrt; indeß reißt brennendes Verlan⸗ gen, Elender Paris, dich zur unbekannten Braut, haſt, Werkleute ſind ſchon viel auf Idas Höhn gegangen, nnih Phereclus zimmert dort die Unglücksſchiffe, haut Zum Maſt der Eichen Stamm, läßt Segel drüber n wallen, 5 ch. Dem königlichen Thoren zu gefallen. 25. childe/ biſt Auch tauſchet dieſer ſchon für Ida's Höhn das Meer, Doch bringt er Cyprien am Meeresſtrand vorher Manch Opfer, ſchwebet dann auf ihrer Amme Rücken, Gefahrvoll iſt die Fahrt, die rothen Blitze zücken, Der Regen ſauſt, der Sturm brüllt in des Schif⸗ fers Ohr, Bald bricht die Welle ſich mit ſchrecklichem Getüm⸗ mel Am Felſen, bald fährt ſie empor In ſchwarzen Wirbeln und umzieht den Himmel. 26. Indeß ſtößt Paris doch von ſeinen ufern ab, Sieht ſchon die Mündung der Ismarſchen Pfütze, Des Thraciſchen Pangäus Spitze; Sieht der verliebten Phyllis Grab Aufſteigen, ſieht am Ufer jene Strecke, Die neun Mahl hin und her ihr Fuß durchlaufen hat, Ob ſie vielleicht den von Minervens Stadt Zurücke ſegelnden Damophoon entdecke. 27. Run zeiget der Achäer Land Sich ſeinen Blicken; du, geräumige Mycene, Du Menſchennährerinn, o Phthia, und am Strand Eurotens, Sparta du, durch deiner Weiber Schöne Berühmt, Atridens Sitz, zunächſt beym Erymanth. Auf dich auch war des Troers Blick gewandt, Therapne Nachbarinn, du liegeſt in der Kühle, Beſchirmt von Berg und Wald, und zählſt der Bür⸗ ger vlele*). ) Vmbrosae TMerapnae heißt es beym Statius Filv. TV. 3. Ged. 33. V.. Der La Po in Dannt Niht Noch Herm 9 Sp Bewun Det P Die Hier ſi Die E Und de Undt Daß Rich fen nth⸗ Hür⸗ Filr. — 7¹— 28. Bald endete die Fahrt, nicht lange mehr erſcholl Der Lärm der Rudernden; ſchon ſpringt man ans Geſtade Und macht die Schiffe feſt; doch Paris eilt zum Bade, Wo in der Näh' dem Fels ein Silberbach entquoll. Dann tritt er leiſ' einher, daß ſich ſein Fuß vom Staube Nicht ſchwärze, dieſer Fuß, ſo weiß, wie junger Schnee, Noch daß ein böſer Wind an ſeiner Bickelhaube Herunter fahr' und ihm der Locken Bau zerweh. 29. Wie er in deinen Mauern iſt, O Sparta, traute Wirthinn ferner Gäſte, Bewundert er die herrlichen Palläſte Der Bürger, und ſein Auge mißt Die Tempel ab, die dich verſchönen; Hier ſiehet er in Gold Athenen, Die Eingeborne, conterfeyt, Und dort den Gegenſtand von Phöbus Zärtlichkeit. 30. Den ſchönen Hyacinth, mit dem der Gott oft ſpielte, Und der verborgen war in Tyndars Königsſtadt, Daß Zephyr, deſſen Lieb' er ſtolz verworfen hat, Nicht ſeine Rach' im Blut des Jünglings kühlte. —— — 72— umſonſt, ſein Blut fließt doch! Apollo, welcher nicht Den Nebenbuhler kannte, bricht In laute Klagen aus; die Erde treibt gerühret Die Blum' empor, die noch des Jünglings Vep 6 führet. 86 Dei Schon eilt der Troer zum Pallaſt du Atridens, göttlich ſchön, ja ſchöner faſt, Du Als der Unſterbliche, den Semele geboren! de Verzeih, o Evius, verzeih, Kronions Sohn, de Faſt ſchöner: Helena tritt in den Vorhof ſchon d Aus den geöffneten, gaſtfreyen Thoren, Und wie ſie ihn erblickt, bleibt ſie bewundernd ſtehn, Und ſiehet lang' auf ihn und kann nicht ſatt ſich ſehn. Me 32. Pre Nun führt ſie in die inneren Gemächer Den holden Gaſt; ein Stuhl von Silber, neuerlich Gedreht, wird ihm gereicht; iſt dieß, ſo fragt ſie 2 ſich, Iſt dieß der golbne Sohn Cytherens? doch den Kö⸗ 3 cher, 3 Den Köcher hab' ich nicht erblickt; Iſt dieß der Rebenkönig Liber?. So ſehr bewundert ſie die Schönheit, die ihn ſchmückt; Un Doch die Bewunderung ſtrömt bald in Reden über. — men n 33. Willſt du, an Schönheit zwar erhabnen Fürſten gleich, So ſagt ſie, dein Geſchlecht, dein Vaterland nicht melden? Dein Aufenthalt iſt wohl nicht Reſtors König⸗ reich, Das ſandge Pylos, nicht die Nährerinn der Helden, Das ſchöne Phthia, denn ich kenn' Antilochus, Der Aaciden Stamm, den edlen Patroclus, Den Peleus, Telamon, das Schrecken in dem Kriege, Den tapferen Achill; nie ſah ich deine Züge. 34. Sie ſprichts, und mancher Wunſch ſchwellt ihre ſchöne Bruſt. Mein Troja, ſaget er, vielleicht iſts dir bewußt, Prangt, aufgethürmt von zweyer Götter Händen, Am Rande Phrygiens; aus edler Väter Lenden Stammt Priamus, durch Macht und Reichthum groß, 5 Der König Ilions, mein Vater, er entſproß Von Dardanus, und der iſt aus Kronions Samen; Ich Fürſtinn bin bemüht, die Ahnen⸗nachzuahmen. 35. Die Götter ſteigen oft von ihrem goldnen Thron Und wandeln unter uns und dienen uns auf Erden; So baute Phöbus und Poſidaon Die Mauern JIlions, die niemahls ſtürzen werden. So ſtanden rechtend drey Unſterbliche vor mir, Ich ließ die lächelnde Cythere ſiegen, Und ſie verſprach ein holdes Weib dafür; Du, ihre Schweſter, ſollſt in meinen Armen lie⸗ gen: 36. Um dieſen Preis durchſchifft' ich Meere, doch du weißt Es ſelber, tadelſt nicht die ſo gerechten Flammen; Drum auf! und ſchmelzen wir im Liebsgenuß zu⸗ ſammen, Da dieß Cythere ſelber heißt; Du folge mir als Braut; dein Gatte ſtammt von Feigen; Und du!... kein Griechiſch Weib darf neben dir ſich zeigen, Der Griechen Töchter ſind ſonſt eine Zwitterart, Die männliche Geſtalt mit Weiberſchwachheit paart⸗ 37. Er ſagts, ſie ſchweigt, ſenkt ihre Blicke Und gibt erſt ſpät ſüß ſtaunend ihm zurücke. Schon lange wünſch' ich ſie zu ſehn, Die Mauern Ilions, an welchem Meiſterſtücke Die Götter ſelbſt gebaut, und auf der Trift zu gehn, Wo ſüße Balſamdüfte wehn Und hiebevor Apoll, als Mitgenoß der Hirten, Die Kühe ſammelte, wenn ſie der Wei d' entirrten. 7— . Da Mag So 9 Sich Inde Die e6 So Das Iſ Der Der Und Sto Her Vi Un Drum auf, mein ſchöner Gaſt! ich folge dir dahin, 6 Da Venus es befahl, der Ehen Königinn. Mag Menelaus auch, wohin ich eilte, wiſſen! So gab die Nymphe mit den ſchönen Füßen Sich Aleranders*) Wünſchen hin; Indeſſen war die Nacht, die Schlummergeberinn, Die Sorgenſtillende, vorüber; mit Auroren Schlich ſich der Träume Heer aus ſeinen beyden K Thoren. u 39. Ein Thor, durch das auf uns der Götter Wort ergeht, So niemahls täuſchet, iſt aus Horn gedreht: Das andre Thor, das Truggeſichte zeiget, Iſt Elfenbein; um dieſe Zeit beſteiget Der Dardaner das Schiff, raubt aus des Königs Saus i Der ihn bewirthet, Helenen heraus, Und eilt mit dieſem Keim des Krieges über Meere, Stolz aufs Verſprechen der Cythere. 40. Noch eh' es tagte, reißt ſich von dem langen Haar zu Hermione die königliche Binde; Wirft wild ſie weg zum Spiel der Winde Und ſammelt vor dem Thor der Dienerinnen Schaar; *) Ein Beynahme des Paris. — 56— Wo, fragt ſie weinend, wo iſt die, ſo mich ge⸗ boren? Sie floh mich Jammerkind, ſie iſt für mich verlo⸗ ren! Ach! geſtern ſchlief ſie noch in Einem Bett mit mir Und zog vorher den Schlüſſel von der Thür. So klagt ſie trauernd, und die Mägde ſagen, Selbſt trauernd, ihr zum Troſt: mein Kind, hör' auf zu klagen; Fort iſt die Mutter, doch erfährt ſie dein Gewein, So kehrt ſie wieder; ſieh! die Wangen ſchrumpfen ein, Die allzu viele Thränen ſaugen, Und es erliſcht der Glanz in immer naſſen Angen. Vielleicht daß ſie der Nymphen Chor Beſucht' und ſich vom rechten Weg verlor. 42. Vielleicht daß ſie nach kühlem Bade Im väterlichen Fluß am blumigen Geſtade Herum irrt, in der Horen Au Luſtwandelt oder ruht, gekühlt vom Morgenthau, Auf weicher Flur; o ſchweig, ſie kennet alle Stege, Dieß gibt laut ſtöhnend und mit naſſem Blick Hermione den Troſtenden zurück, Weiß von dem Ufer her, weiß von der Au die Wege. — Und Und Vie! Zeus Hinſt Im Hin Der Der Daß Durꝭ Von Hern Dun Die Sterne gehen unter, gehen auf, ⸗ Und ſieh! noch kehrt ſie nicht; durch welche Län⸗ dereyen nir Und über welch Gebirg', o Mutter, jagt dein Lauf! Wie wenn dich wilde Thier' anfielen? doch die ſcheuen n, Zeus Kinder, wenn du auf der Flucht hör Hinſtürzteſt? aber blieb ein Blatt mir undurch⸗ ſucht ein, Im ganzen Hain? wenn du im Baden vfen Hinab ſankſt? doch es ſtirbt kein Weib durch die Najaden*). So klagt Hermione, bis daß gemach Der Schlaf ihr Haupt hinüber beuget, Der ahmt hierin den Tod, den ältern Bruder, nach, Daß er uns auch bezwingt, und alle Sorgen ſchweiget, Durch ihn auch ſchließet ſich manch ſchönes Auge, ſchwer hall/ Von Thränen; doch nicht lang' erquicket er 6 Hermionen, ſie glaubt die Mutter zu entdecken, Durch einen Traum getäuſcht, und ruft mit wil⸗ dem Schrecken: *) Die nur ſchoͤne Knaben hinab ziehen. 45. Ach! als ich geſtern ſchlief, flohſt du und lie⸗ ßeſt mich Im väterlichen Bett; und heut!..., wie ſucht' ich dich, Berg auf, Berg ab im Spartiſchen Gebiethe! So eilteſt du zur ſchön gelockten Aphrodite Verbothnen Bündniß? ſchilt, erwiedert das Geſicht, 36 Trotz deines Grams mich Jammervolle nicht. 63 Der Mann, der geſtern kam, deß Blicke Freund⸗ ſchaft logen, Der hat gewaltſam mich meerüber mitgezogen. So ſagt Hermionen das blaſſe Traumgeſicht; Sie fährt vom Schlaf empor, erblickt die Mutter nicht, Und ſchreyt, laut weinend; eilt, ihr Luftgeſchlech⸗ 1 ter, eilet Nach Creta, wo mein Vater jetzt verweilet; 3 Erzählt ihm: geſtern kam ein fremder Böſewicht, Der meinem Haus die größte Zier entriſſen; 3 So klagt ſie in den Wind mit bittern Thränengüſſen Und ſuchet überall die Mutter, findt ſie nicht. 47. Denn dieſe ſchifft als Braut, vom Bräutigam begleitet, Die Ciconer vorüber; ſieh! es gleitet Ihr Schiff ſchon auf der Fluth des Helleſponts dahin, Iſt ſchon in Trojens Port; des Phöbus Prieſterinn, Caſſandra ſieht vom Schloß das Hochzeitpaar und reißet Die goldne Bind' entzwey: doch Troja heißet Es laut willkommen und eröffnet ihm, Das Unheil bringt, das Thor mit frohem Ungeſtüm. eund⸗ icht; nicht, chlech⸗ F . icht, ngüſſen t. utigam ʒ dahin/ eſterinn Anmerkung. Ich muß hier über den 174. V. meine Meinung ſa⸗ gzu, bey deſſen Erklärung der gelehrte Lennep ein wenig geſchlummert zu haben ſcheint. Ov cantcy gaofMelæ&,) 67 wbog co r0 n, Oü vo. A½½6 ereenbs. Non tibi armorum Praeses, etiamsi Vulcant mater es, Neque Mars opem tulere Locus in quo nihil Sane dicultatis, male ab inter- Pretibus intellectus Fuoum mihi aliquando fecit; ve- ram mentem eaprest in versione. Ccxcoh ßacMsc achue ac Aeng cum emdenke jungendum et Miner- „m respicit. So weit Lennep, widerſprechend genug! Wie ſoll denn Pallas ihrer Nebenbuhlerinn helfe! und welche Verbindung hätte das næ eſ awesg 200 r pn mit Pallas? Meine Vermuthung, daß unter gænkcoy ß- oMsa die Bellona verſtanden werde, iſt weniaſtens er⸗ rräglicher. Bellona braucht das Feuer, hält eine brennen— de Fockel in der Hand, wie ſie vom Statius T/. 5. Dheb. und vom Silius V. 221 geſchildert wird, ſoll alſo der Mutter des Feuergottes beyſtehen. m r Rach dem Dvid. — Gedichte. 1. b. D Lina, ſchlage du nicht dieſes Blümchen aus, Im Garten des Ovid hab' ichs für dich gepflücket; Triegt mich die Ahndung nicht, ſo werd' ich einen Strauß, An deſſen Duft ſich Welt und Afterwelt erquicket, Dir bald aus meinem Garten weihn: Denn meine Liebe ſoll nicht ſterben, Sie muß, wenn deines Freunds Gebein Schon lange modern wird, noch auf den Enkel erben. 1. Pygmalion durch all die Laſter ſcheu gemacht, So die Natur nicht karg dem Weibe zugemeſſen, Lebt einſam und vertraurt ſo manche lange Nacht Im eheloſen Bett; doch formet er indeſſen Mit meiſterlicher Hand aus weißem Elfenbein Das ſchönſte Madchenbild: kein Weib kann ſchöner ſeyn; Erblicktet ihrs, ihr wähntet, daß es lebe Und bloß aus Zucht ſich nicht von ſeinem Platz er⸗ hebe. 2. Kein Wunder: er verbarg mit ſo viel Kunſt die Kunſt, Daß er ſich ſelbſt getäuſcht; er brennt, o ſeltne . Brunſt! Für ſeiner Hände Werk, kann nie genug es ſehen, Befühlts oft, was es ſey, ob Fleiſch, ob Elfen⸗ bein, Und will auch dann die Wahrheit nicht geſtehen, Ja überredet ſich, die Finger dringen ein, Beſorgt, es druck' ein Mahl ſich in die ſchönen Glieder, 6 Spricht mit dem Bilde, küßts und wähnt, es küſſ ihn wieder. 5— e —— ner Bald bringt er Schmeicheleyn, und bald Ge⸗ ſchenk' ihm dar, Nach welchen ſich die Mädchen ſehnen: Juwelen, Muſcheln und dem Baum entfallne Thränen Der Heliaden, Blumen in das Haar Und Lilien und Vögelchen: er drehet Ihm an die Finger Ring', ein goldnes Stirnband wehet Zur Bruſt des Bilds herab, den Hals ziert ein Ge⸗ ſchmeid', Ein Perlenſchmuck das Ohr, den Leib ein köſtlich Kleid. 4. Das Bild iſt immer ſchön, ſchön, wenn es Slei⸗ der decken, Und nackt nicht minder ſchön, der Künſtler läßt es ruhn Auf Teppichen, gefärbt mit Sidons Purpurſchnecken, tennts Bettgenoſſinn, ſtützt, um ihm nicht weh zu thun, Den ſchön gedrehten Hals nur mit dem weichſten Flaume Und weidet ſich am wonnevollen Traume, Bis der berühmte Tag erſchien, Der Venus heilig war; ganz Cypern feyert' ihn. 5. Schon ſanken weiße Küh', umgoldt die krum⸗ men Hörner, Schon ſtieg der Duft unzählger Weihrauchkörner: —— ——— — —— —— — 1 Pygmalion ſteht opfernd am Zur Gattinn(ach der Arme b. Die goldne Venus war Zum Feſt geeilt, ſie lieſt in Die Flamme drey Mahl auf Und küßt es: ſieh! das Bild, 7. Befühlt die Bruſt, da Erweicht dem Drucke nach; Hymettiſch Wachs, das klu Altar Und bethet furchtſam: Götter, iſt es wahr, Daß ihr allmächtig ſeyd, o ſo erweiche Mein Flehen euer Ohr, ſo gebet, gebet mir hätte ſchier Mein Bild geſagt,) ein Weib, das meinem Lit⸗ de gleiche! von ihrem Götterſitze ſeiner Seel', es fährt Ein Zeichen, das der Görtinn Huld bewähft, und ſchlägt mit gold⸗ ner Spitze Des Tempels Wölbungen; der Künſtler fleugt zurück Zu ſeinem Bilde, ſtreckt ſich ihm zur Seite nieder o nie gehofftes Glück! Das Bild ſcheint zu erlaun: begierig küßt ers wieder. gibt das Elfenbein ſo ſchmilzt am Son⸗ nenſchein gbehandelt, Durch Künſtlerfinger ſich in manche Form verwandelt; Denn nur durch den Gebrauch erlangt es Brauch⸗ barkeit; Der Jüngling ſtaunt und macht, nicht ohne Furcht erfreut, Gl — Gleich wieder den Verſuch, ſieht wieder ihn gelingen Und fühlt des Mädchens Puls an ſeinen Daunen ſpringen. 3. Doch jetzt, jetzt thut er laut den Dank der Göttinn kund, Den dieſe Wohlthat heiſcht, dann drückt er ſeinen Mund Auf den nun wahren Mund der Jungfrau, und o ſüße Verwirrung! ſie auch fühlt, fühlt die gegebnen Küſſe: Das hohe Roth bezeugts, das ihre Wang' umzieht; Ihr Auge hebet ſich(Scham und Verwirrung hatten Es erſt hinab geſenkt) zu ſeinem Aug' und ſieht Zugleich den Himmel und den Gatten. 9 Jetzt aber eilete die Allbeglückerinn, Cythere, zu dem Haus des neu Beſchenkten hin, Der Liebenden Entzücken ſelbſt zu ſehen, Und, als des Bundes Stifterinn, Das Hochzeitfeſt mit ihnen zu begehen: Sie ſegnete die Braut, aus deren Schooß nach zehen Durchküßten Monden ſich das Söhnchen Paphus wand, Nach deſſen Nahmen man die Inſel umgenannt⸗ Anmerkung. In den übrigen Schriftſtellern findet man, daß nicht das ganze Land Eypern, ſondern bloß die Hauptſtadt Paphos geheißen habe. Aber auch die ſoll erſt vom Cinyras, dem Sohne, dem Enkel oder dem Schwiegerſohne des Pyg⸗ malion, erbaut worden ſeyn. Vielleicht laͤßt ſich der letzte Widerſpruch durch den Strabv heben, der uns lehrt, daß es ein Alt⸗ und ein Reu⸗Paphos gegeben habe. S. 14. B. — Polyrenens Tod. Rach dem Dvid. 1 An Ramler. 1⸗ Noqh immer ſchwebt, o Freund, vor meinem Blick Dein liebevolles Bild, in dieſem Ohre tönet Noch immer deine Stimm' und meine Seele ſehnet Nach ihrem Ramler ſich zurück. O müſſen denn uns Paraſangen trennen! Und konnt' ein guter Gott mir deinen Unterricht, Mir deine Warnungen, dein freundlich Nicken nicht Auf ein, ach! ohnehin ſo kurzes Leben gönnen! 2. Doch ſtill! damit das Glück nicht etwa unbe⸗ ſcheiden Mich nenne; denn wie mancher Biedermann Wird in der Folgezeit mich noch darum beneiden, Daß ich mir Ramlers Huld gewann! Indeſſen nimm, o Freund, was ich zu geben habe, Ein kleines, ein geborgtes Lied Mit Nachſicht auf: die Gottheit ſelber ſieht Mehr auf des Gebers Herz, als auf den Werth der Gabe. 1. Geſurzt war Jlion; mit ihrer Flotte kehren Die Griechen wieder in ihr Land. Doch hält, bis ſtill die See, die Winde günſtig wären, Ihr Feldherr ſie noch auf und harrt an Thracens Strand. Urplötzlich ſteigt Achill aus weit geborſtner Erde, Hehr, wie er lebend war, mit dräuender Geberde; So ſah er aus, als er auf Atreus Sohn Das Frevlerſchwert gezückt; er ſprach im Donner⸗ ton; 2. Ihr Griechen, ſchifft ihr fort, mein nicht mehr eingedenk? Starb ouer Dank mit mir? ehrt ihr durch kein Ge⸗ ſchenk Mein frühes Grab? flieht nicht, eh' meinem Schat⸗ ten Das Blut Polyxenens als Söhnungsopfer floß; Er ſprachs; ſchon reißt man ſie aus ihrer Mutter Schooß, Der ſie nach dem Verluſt der Kinder und des Gatten Faſt einzig übrig war, und ſchleppt ſie nach der S Des grimmen Todten, der ſie ruft. ter ten uft 8. Schon nahte ſie dem grauſamen Altare, Sah Pyrrhus ſchon mit bloßem Schwertenſtehn Und ſtarren Blicks auf ſie, ſein Opfer ſehn. Weit über ihr Geſchlecht, weit über ihre Jahre Erhaben, ihres Werths auch jetzt noch ſich bewußt, Ruft ſie; ſo werde denn ein edles Blut vergoſſen! Willſt du den Hals, willſt du die Bruſt durchſtoßen, Da, da! ich zaudre nicht:(hier blößt ſie Hals und Bruſt:) 4. Zwar wird dieß Opfer kaum die Götter, die euch dräuen, Verſöhnen, doch wirds mich vom Sclavenſtand be⸗ freyen, Gern geh' ich in den Tod und ginge wonnevoll, Wüßt'⸗ihn nicht Hecuba, zwar die Gebeugte ſoll Ob ihrem Leben nur, nicht meinem Tode klagen. Doch weg! berührt mich nicht mit Männerhänden, frey Schickt mich den Manen; ihm, wer es auch immer ſey, Den ihr verſöhnt, wird mehr ein freyes Blut behagen. 5. Doch wenn mein letztes Flehn euch an die See⸗ le geht, Micht die Gefangene, die Königstochter fleht) So ſchenkt, damit ich doch in einem Grab verweſe, Der Mutter meinen Leib; ſie löſe Mit Thraͤnen, nicht mit Gold, der Tochter Ueberreſt; Ach einſt, einſt hätte ſie zum ſtolzen Leichenfeſt Ihn auch mit Gold gelöſt, ſie ſprichts und bleibt, vom bangen, Mitleidgen Volk umweint, alleine trockner Wangen. b. Der Prieſter ſelbſt durchſtößt die Bruſt, die ſie ihm beut, Unwillig, thränenvoll; nun fleußt in Purpurbächen Ihr Leben hin, kein Zug von Furcht entweiht Ihr Antlitz, ihre Knie brechen, Sie ſtürzet auf die Erd' und ſucht Das, was die jungfräuliche Zucht Vor Männeraugen zu entdecken Verbiethet, noch im Tode zu verſtecken. 6 Rach dem Ovid. 3 — An Uz. Mein Uz, dir kanns bey deinem hohen Geiſt, Der ſich ſo kühn der niedern Erd' entreißt, Und durch die ſonnigen Gebiethe Der Wiſſenſchaften bis zum Thron der Gottheit fleugt, Dir kanns bey deiner Herzensgüte, Die dein Geſang uns wie ein Spiegel zeigt, Nie an Bewunderern und nie an Freunden fehlen: Doch magſt du noch ſo viel und noch ſo warme zählen, Nicht Einen zähleſt du, der deinen ganzen Werth Mehr fühlt, als ich, dich zärtlicher verehrt. Bewundrung eines Manns, der hohe Lieder ſinget, Sproßt nie allein in meiner Seel' empor; Stets keimen Lieb' und Freundſchaft mit hervor, Und wie der Epheu ſich um einen Ulmbaum ſchlinget Und ewig grünt; ſo ſchlingen ſich auch die Um die Bewunderung, und ewig grünen ſie. Oft wenn ich in dem Lied des alten, blinden Weiſen Der Gatten treueſten, den göttlichen Ulyß, Der ſich ſogar dem Arm der hehren Nymph' entriß, Im Schooß Penelopens, am Ende ſeiner Reiſen Gedichte. I. Th. G Erblicke, wenn ich, voll von edlem Seelenweh, Mit Priamus vor dem Peliden ſteh', Den unglückſelgen Greis dem Mörder ſeiner Söhne Mit herzerſchütterndem Geſtöhne Die Hand fußfällig küſſen ſeh', Und das geliebte Buch, die bitterſüßen Schmerzen Verweinend, ſinken laſſ': o dann, dann fliſterts mir In dieſem tief gerührten Herzen:„ O mein Homer, warum bin ich von dir, Wie durch ſo viele Scheidewände, Durch die Jahrhunderte getrennt! Warum iſts deinem Freund vom Schickſal nicht ver⸗ gönnt, Dich wie ein Sohn zu pflegen; dieſe Hände, Die wären Tag und Nacht zu deinem Dienſt bereit, Sie ſollten dir mit reger Zärtlichkeit Auf deinen Mittagstiſch das Mark des Landes ſetzen, In den Pokal der goldnen Reben Blut, Die Tokays edler Kelter netzen, Dir preſſen, und wenn ſanft dein Haupt entſchlum⸗ mert ruht, Dem kühnen Mückenvolke wehren, Aus heilgen Träumen dich, Geliebter, aufzuſtören. So fliſterts mir in meinem Herzen oft: Doch dieß, was ſelber nicht der kühnſte Wünſcher hofft, vet⸗ it, zen, ſum⸗ ren offt, WVerſchmerz' ich leichter noch, als daß ich Zeitverwandte, Doch ſchweigt auch wieder meine Klage, Bey deren Schriften früh mein Dichterfeuer brannte, Auch die nicht ſehen kann, auch denen liebevoll Der Dankbarkeit verdienten Zoll Nicht weihen, noch aus ihrem weiſen Munde Vernehmen, daß ſie nicht der Muſe Lied verſchmähn, Die mich in der Begeiſtrung Stunde Durchs Dunkel ihrer Haine gehn, Die Stirn mit eignem Lorber krönen, Mit eignem Lorber mich das Spiel bekränzen hieß, Und Heldenlieder tönen ließ, Wie von der Auſtrier ſtets karg gelobten Söhnen Nur wenige, höchſt wenige nur tönen. Ja die Entfernung, Freund, von großen Geiſtern miſcht Nicht ſelten Bitterkeit in meine ſchönſten Tage: Denn wie ein Abendwind den Wanderer erfriſcht, Der lange Zeit, gedrückt vom Sonnenſtrahl, ge⸗ ſchmachtet, So hat auch mich ſchon oft ein theures Blatt erquickt, 2 Das mir mit Lieb' und Freundſchaft ſchön befrachtet, So mancher Enkeln noch ehrwürdge Mann geſchickt. Glaub', edler Uz, daß unter allen Blättern Mir keines werther war, als das, durch welches du G 2 Mir Beyfall zugeklatſcht; o jetz ſeh' ich in Ruh Neid, Haß, Parteylichkeit mit allen böſen Göttern Des Erebus mein mühſam Lied verſchreyn! Was meinem Uz gefällt, kann nicht vergänglich ſeyn. Dürft' ich, Verehrteſter, zum Dank für das Ent⸗ zücken, Das in mein Haus mit deinen Zeilen kam, Nicht einen Edelſtein dir ſchicken, Den ich aus Naſo's Schatze nahm. Und findeſt du, den noch nach rühmlicher Entlaſſung*) Der Prierinnen heilig Chor Verehret, findeſt du, daß durch die Deutſche Faſſung Der Edelſtein nicht viel von ſeinem Glanz verlor: Dann ſag' ichs laut, daß ich zu deinen Jüngern rey L 4. uſtren ſchon gehör'“ an meinen kleinen Fingern, Schon dazumahl von Dichtergeiſt beſeelt, Dir jede Sylbe nachgezählt: Und meine Liebe(Freund! ſie flammt ununterbrochen Noch jetzt in dieſer Bruſt) als Opfer dir zu weihn Schon dazumahl begonnt und es mir ſelbſt verſpro⸗ chen, Einſt deiner Liebe werth zu ſeyn. *) Missio Konesta hieß bey den Römern der Abſchied, den tapfere Krieger nach geleiſteten Dienſten erhielten. hied, elten⸗ — Unlagert war ſchon längſt die Stadt der Ardeaten: Doch ſpielten müßig noch die Römiſchen Soldaten In ihren Zelten, denn es ſcheut Der feige Feind den Kampf; in dieſer Zwiſchenzeit, Die lange dauert, lädt der König ſeiner Krieger Verſuchteſte zu einem Freudenfeſt. Wer weiß, beginnt ſein Sohn, wenn endlich uns als Sieger Mars in das Capitol die Waffen tragen läßt. Iſt wohl,(was dünket euch ²) iſt unſer Bild indeſſen In unſrer Weiber Bruſt noch immer unvergeſſen Und lohnt uns Gegenzärtlichkeit? Er ſpricht es, jeder lobt die Seine, Parteylichkeit befeuert dieſen Streit, Und Zung' und Herz iſt ganz durchglüht von Weine. Der von Collatia den Ehrennahmen führt, Held Collatin ſteht auf und rufet: was verlierr Ihr Worte? glaubt der That; benützt die Racht! in Eile Aufs Pferd, dann fort nach Rom! geſagt, gethan; Man ſattelt ſich die Gäule, Sitzt auf, iſt da: vor allem flieget man Ins Schloß Tarqguins; die Thür' iſt ohne Wächter, Die Schnur des Königs zecht, wie eine Prieſterinn Des Comus, unter Lärm und polterndem Gelächter; Ein halb zerriſſ'ner Kranz fleußt ihr zur Schulter hin, Und im geräumigen Pokale glänzt ein echter 10 2— Falerner⸗Wein: die Helden gehn Von dieſer Geberinn des Schmauſes Schnell zu Lucretien; im Innern ihres Hauſes Saß die, beſchäftiget mit Nähn, An ihrem Bett ſtand Woll' in weidnen Förben; Bey einem matten Schein, den eine Lampe gab, Spann ihrer Mägde Schaar vertheilte Rocken ab; Mit einem leiſen Ton, daß faſt die Worte ſterben, Sagt die Gebietherinn: ihr Mägde, fördert euch, Denn wißt, wie nur aus unſern Händen Die Arbeit iſt, muß ich ſogleich, (Der Herr bedarf des Kleids,) ſie in das Lager ſenden. Doch ſagt, was hörtet ihr vom Kriege?(denn ihr hört Gewöhnlich mehr als ich,) wird er nicht bald ſich enden? O Ardea, von eitlem Stolz empört, Kämpfſt du mit Machtigern, zwar wirſt du einſt zerſtört, Doch, Böſe, jetzt, jetzt hältſt du die Gemahle So lange fern von uns, ſtörſt unſer häuslich Glück! Es ſey denn! kehren ſie nur unverletzt zurück. Doch ach der meine raſ't, ſtürzt mit gezücktem Stahle, In jede Kriegsgefahr: vor Schrecken ſtarrt mein Blut, Ich kann nicht, ohne faſt mich in das Grab zu kränken, An ſeinen allzu raſchen Muth Und an den Sturm der Wälle denken. Mit Seufzen endigt ſie und läßt den Faden los, Sie ſenkt die Augen auf den Schooß, nſt c! e, eih zu 6 ——— Und netzet ihn mit mancher Zähre. Ihr Antlitz(Zucht und Wehmuth ſchmückte ſie,) War würdig ihrer Seel' und war ſo ſchön als die— Verbanne deine Furcht, ich kehre Zurück mein theures Weib, ruft plötzlich Collatin, Sie lebet auf, ſie ſtürzt auf ihn Mit hellem Blick, mit röthern Wangen, Mit offnem Arm, und, eine ſüße Laſt, Bleibt ſie, umfaſſend und umfaßt, Am Hals des Vielgeliebten hangen. Indeſſen wüthet wilde Brunſt Im Königsſohn; der Bau der ſchlanken Glieder Entflammt ihn, und das Goldhaar, ſo danieder Zum Schwanenbuſen floß, und der nicht durch die⸗ Kunſt Erzwungne Reitz, ihr Sinn, ſo treu und bieder, Was ſie, und ſelbſt der Ton, mit welchem ſie es ſprach. Ja deſto heftiger hängt er dem Wunſche nach, Je minder Hoffnung iſt, ſchon grüßt durch muntre Lieder Der Hahn den Tag, die Helden kehren wieder Ins Lager, Sextus mit: doch ihr Bild nur erbli⸗ cket Der Jüngling überall, je länger ers betrachtet, Je enger fühlt er ſich beſtrickt, »So ſaß ſie, ſo war ſie geſchmückt, »So hat ihr Auge ſanft dem Gatten zugeſchmachtet, »So nähte ſie, ſo lag ihr Haar »Nachläſſig auf dem Hals, ſo voll von Reitzen war »Ihr Antlitz, ſo klang ihre Stimme. — 104— Wie wenn ein Sturm mit wildem Grimme Die See durchpeitſcht hat und durchbrullt, Auch dann noch ihr Gewäſſer ſchwillt, Wenn er ſchon längſt zu raſen aufgehöret: So bleibet Sertus Herz, der dich, Lucretia, Im Schimmer deiner Schönheit ſah, Obgleich er jetzt dich nicht mehr ſieht, empöret. Er will, mag nun Gewalt hier frommen oder Liſt, Die Wünſche, die ſein Herz durchwühlen, Befriedigen, die heißen Flammen kühlen. So zweifelhaft der Ausgang iſt, Ruft Sextus, ſo ſey doch das Aeußerſte gewaget! Vielleicht beſchirmt die Wagenden das Glück, Vielleicht ein Gott; ich ſelbſt nahm durch ein Wa⸗ geſtück Den Gabiern die Stadt: kaum hat er dieß geſaget, So ſchwingt er ſchon ſich auf das Roß Und reitet, mit dem Schwert umgürtet, Schnell nach Collatia; bevor der Tag ſich ſchloß, Erreicht er Collatins Penaten; man bewirthet Den Feind, der als ein Freund und Blutsver⸗ wandter kam: Lucretia,(wie blind für eignes Wohl durchſchreitet Der Menſch die Lebensbahn!) ſorgt für den Gaſt, er nahm Das Mahl ein, das ſie ſelbſt ihm, ihrem Feind, bereitet. Nun kommt die Zeit des Schlafs, die ſpäte Mit⸗ ternacht, Kein Lämpchen brennt im Haus, und keine Seele wacht. 2 2 c 22 2 itet ſt, nd, Er ſtehet auf, entreißt das goldne Schwert der Scheide, Eilt zu der Wirthinn Bett und ruft, da ers be⸗ ſteigt: Befühle dieſes Schwert! ich bin Tarquin; ſie ſchweigt, Beſinnungskraft und Stimme fehlen beyde Der Armen, ſie erbebt, wie ein auf ferner Weide Vom Wolf ergriffnes Lamm; weh ihr! was ſoll⸗ te ſie! Was? kampfen? o ein Weib beſiegt man ohne Müh': Schreyn? drohr ihr nicht das Schwert? Entfliehen? es belaſtet 6 Die Linke des Tarquin den Buſen, den noch nie, Nie eine fremde Hand betaſtet. Er, der verliebte Feind, fleht, drohet und ver⸗ ſpricht, Doch Flehen, Drohungen, Verſprechen nützen nicht. Vergeblich, ruft er nun, iſt all dein Widerſtreben; Statt deiner Gunſt entreiß' ich dir das Leben, Tödt' einen Knecht, ſtreu in die Welt den Wahn, Ich hätt' euch überraſcht, als du dich ihm ergeben⸗ Selbſt Ehebrecher, klag' ich dich des Ehbruchs an: Hier gibt die Arme nach, um nicht entehrt zu ſterben. O Sieger, jauchze nicht! der Sieg bringt dir Ver⸗ derben; Um Eine Nacht, o laſterhafter Sohn!. Verkaufeſt du den väterlichen Thron. Nun ward es Tag: ſie ſitzt, wie bey des Sohnes Bahre Die Mutter ſitzt, mit wild zerſtreutem Haare. —— ——— ———— —————— — — 6 5 106 Sie heißet einen Knecht ſchnell in das Lager fliehn: Ihr treuer Gatte Collatin Ihr grauer Vater ſoll zurücke; Sogleich enteilen ſie den Zelten, kommen an, Und fragen, da ſie tief die Arme trauern ſahn⸗ Wer ihr denn ſtarb, was für ein Gram ſie drücke: Sie ſchweiget lange, deckt verſchämt Ihr Antlitz mit dem Kleid; wie eine Quelle ſtrömt Ihr Schmerz vom Auge; voller Schrecken, Die Ungewißheit noch erhöht, Bebt Vater und Gemahl und tröſtet ſie und fleht, Frey, was ſie kränket, zu entdecken. Sie hebet drey Mahl an, und drey Mahl ſto⸗ cket ſie, Doch nun zum vierten Mahl, wiewohl mit bittrer Müh' Und ohne je die Augen aufzuſchlagen, Beginnt ſie: dieſes auch, Tarquin, verdank' ich dir? Ich ſelbſt ſoll meine Schmach.. ich ſelber ſoll es ſagen? Erzählt dann, was ſie kann; allein noch übrigt ihr Das Schrecklichſte, ſie weint, mit Purpur über⸗ ſtreuet Iſt ihr Matronen⸗Angeſicht*). *) Ich weit nicht, wie es kain, daß wir mit dem Wort Matrons den Begriff eines reifen Alters vftbun⸗ den hoben, wie Sprr Adelung ganz richtig bemerkt: Zachariſ verſtehet gar die letzte Stufe des weiblichen Alters darunter. Richt ſo die Römer, von denen wir es entlehnt haben. Sie bezeichneten damit eine Ehe⸗ frau vyn unbeſcholtenem Wandel. Es war alſo ein, Der Ihr Ver Vie Un Zul — 107— Der Vater, der Gemahl verzeihet Ihr die erzwungne That, ich ſelbſt verzeih' mir nicht, Wenn ihr mir auch verzeihet, rufts, durch⸗ ſticht Mit dem im Kleid verborgnen Stahle Sich ſchnell die Bruſt, wankt, fällt vor dem Ge⸗ mahle Und vor dem Vater blutend hin, Und iſt, o noch im Tode keuſcher Sinn! Beſorget, daß ſie nur nicht unanſtändig falle. Sieh! beyde ſtürzen jetzt wie raſend auf ſie hin, Bejammern den Verluſt; es donnert durch die Halle, Es tönet auf dem Platz ihr ſchreckliches Geſchrey; Viel Volks und Brutus eilt herbey: Er zeiget, wer er iſt, in dieſer Schreckenſtunde, Zeigt, daß der Nahme, den er führt, Aus allen Römern ihm am wenigſten gebührt. Er reißt aus der ſchon halb entſeelten Heldinn Wunde Das Meſſer, hälts empor, die kühnen Wort' im Munde: Bey dieſem heiligen, bey dieſem tapfern Blut, Bey deinen Manen, die ich ehre, Wie man die Götter ehrt, ſchwör' ich dir zu, ich ſchwöre, Tarquin ſoll aus der Stadt, hinaus ſoll ſeine Brut! Zu lange ſchon verhüllt' ich meinen Muth. Ehrenwort. Ich glaube, daß es zum Coſtume gehoöre, es in eben dem Sinne beyzubehalten. 106 Sie hebt ihr Aug' empor, ſtarrt mit verloſchnen Blicken Noch auf den Rächer, auf den Freund, Beweget ſanft ihr Haar und ſcheint, Dem Edlen Beyfall zuzunicken. Bacchus und Ariadne. Nach dem Hvid. Und ſo beynah allein das Sprachverderbniß hemmte. i elung. Mein Lehrer und mein Freund, in heilger Dich⸗ ter Kreiſe Will ich auch dir ein kleines Denkmahl weihn! Denn klingt mein Saitenſpiel nach echter Deutſcher Weiſe, Vom Mißlaut meines Landes rein; O ſo verdank' ichs dir, der in der Sprache Tempel Die Lehrerinn Philoſophie geführt, Dem erſten Quell der Wörter nachgeſpürt, Die falſchen Regeln, die den Stämpel Der Willkühr trugen, ausgemerzt, Der Wuth der Neuerer, di Deutſchland über⸗ ſchwemmte Und immer weiter griff, beherzt Und ohne Menſchenfurcht ſich ſtets entgegen dämmte Nur eines heiſcht die Muſe noch von dir, Daß du ſie väterlich bedenkeſt Und nicht zu ſehr, nicht allzu ſehr beſchränkeſt; Vor kurzem erſt erſchien ſie mir Mit Augen, die voll Thränen waren, Mit abgehärmter Wang' und wild zerſtreuten Haaren. Du, klagte ſie, du wollteſt ihr Mit unbarmherzger Hand nun jede Freyheit d Zwar läßt, ſo ſagte ſie, das Flügelpferd ſich zähmen; Doch wenn man ſeinen Gurt ſtets feſt Und feſter ſchnallt, ihm nie den Zügel ſchießen läßt, So wird man ihm zuletzt ſo Muth als Kräfte lähmen. Ich tröſtete die Göttinn zwar: Wie kannſt du das von ihm erwarten, Von ihm, der ſtets dein Freund und oft dein Lei⸗ ter war, Der an dem Wohlgeruch, der deinem ſchönen Garten —— — Entdi Und Der Die Um Dict Eri So Er Wen Und, Pir Danr Die keſt; reuten ehmen: rd ſich hießen Kräfte in Lei⸗ ſchönen —.——— Entduftet, als ein weiſer Mann Und mit Geſchmack ſich laben kann, Der faſt allein(ſie mögen mirs verzeihen, Die Herrn Grammatiker!) uns Sprachgeſetze ſchrieb, Und rein doch von Pedantereyen, Dictators⸗Ton und Eigendünkel blieb? Er iſt, das glaube mir, ſo milde, ſo beſcheiden⸗ So ohne Stolz, ſo fern von allem Uebermuthz Er macht gewiß, gewiß mit Freuden, Wenn er dir Unrecht that, das Unrecht wieder gut. Und, dir ins Ohr geſagt, du kennſt doch wohl uns Dichter, Wir brauchen einen ſtrengen Richter, Denn wir ergreifen allzu leicht Die Hand des guten Manns, der uns den Fin⸗ ger reicht. Doch tröſte dich, ich wag' einſt deine Bitten Vor Adelungen auszuſchütten. Ich ſprachs, die Muſe ſchlug mit ihrer Liljenhand Mich auf die Schulter und verſchwand. Gedichte. I. Th. H ———— Nicht wahr, du wirſt durch Huld der Göttinn Herz erfreuen Und meine Freyheit mir verzeihen? Indeſſen nimm geneigt ein Lied, Das Ehrfurcht dir und Freundſchaft weihen, Auch unterſuche nicht, obs wohl ſo gut gerieth, Daß es verdient, jetzt und in Folgetagen Den Nahmen Adelung an ſeiner Stirn zu tragen. 7 tinn Du ſahſt wohl oft in einer heitern Nacht Neun Sterne, die zuvor auf Ariadnens Haaren, Die Edelſtein' in ihrer Krone waren. Des Theſeus Laſter hat zur Göttinn ſie gemacht; Sie tauſchte Libern ein für dieſen Undankbaren, Dem ſie den Faden gab, ein vortheilhafter Tauſch! Auch ſagte ſie ſich oft in ihres Glückes Rauſch: Ich Blöde, warum rief ich weinend ihn zurückez War ſeine Faolſchheit doch der Weg zu meinem . Glücke. Ihr neuer Liebling überwand Mit ſeiner Schaar indeß das ferne Morgenland Und kehrte reich zurück von den geſchmückten Inden, Wo unter der Gefangnen Schaar Die Königstochter ſchön, zu ſchön für Bacchus war. Die treue Gattinn weint am Ufer, gibt den Winden Ihr allen Schmucks entblößtes Haar. O, ruft ſie, höre Fluth die alten Klagen wieder, Und wieder ſtürz' auf dich, o Sand, die Thräne nieder, Die der Verlaſſ'enen Auge weint! Treuloſer Theſeus, rief ich einſt, er war ver⸗ ſchwunden! Und nun wird auch mein neuer Freund, Mein neuer Freund auch falſch erfunden! H 2 g 116— Traut, Mädchen, keinem Mann, ihr Herz iſt un⸗ getreu, So warnet wieder mein Geſchrey.. Warum, o Bacchus, haſt du mein Geſchick be⸗ ſtritten? Ich war zum Tod verdammt und lag dem Tode nah Auf dürrem Sand. Warum mich retten? Da Hätt' ich iit einem Mahl auf ewig ausgelitten. O Unbeſtändiger, der jenem Blatte gleicht, Das ſeine Stirn umgrünt und jedem Lüftchen weicht, Mit einer Buhlerinn kannſt du zurücke kehren! Du kannſt vor meinen Augen hier Ein glückliches, ein keuſches Bett entehren! Wo iſt nun Schwur und Treue? wehe mir! Wie oft, ich Elende, beginn' ich dieſe Klage! Du ſelbſt haſt Aegeus Sohn getadelt, falſch ge⸗ nannt. Wie ſchändlich iſt es thun, was man zu tadeln fand! 3 Doch ſtill! verborgner Kummer nage An meinem Herzen, ſtill! damit die Welt nicht ſage, Die man ſo oft verließ, muß deſſen würdig ſeyn. Vor allen wiſſ' es nur nicht Theſeus; ach! er⸗ freun, Erfreuen würd' es ihn, den Falſchen, wenn er hörte, In ſeiner Schuld ſey Bacchus ſein Gefährte. Doch eine weiße Buhlerinn, Nicht wahr, die wurde mir, mit Braunen, vorge⸗ ſetzet? Pech Wrs Vas O kot Als n Pon: rge — Verhaßte Farbe fſeuch zu meinen Feinden hin! Was hilfts, wenn er an ihr auch dieſen Fehler ſchätzet? Was thuſt du, Bacchus, ſie beflecket deinen Arm! O komm an dieſes Herz! nie wars von Liebe warm, Als nur von ehelicher Liebe. Von meiner Mutter*) ward ein ſchön gehörnter Dein Horn von mir geliebt; doch ſchändliche Begier War jenes, dieß ſind ehrenvolle Triebe. Nur ſchade das mir nicht, daß ich es frey geſtand, Wie theuer du mir biſt, auch dir hats nicht ge⸗ ſchadet, Daß du ein gleiches mir bekannt: Und iſts ein Wunder wohl, daß ich in dich ent⸗ brannt, In dich, der als ein Kind in Flammen ſchon ge⸗ badet Und durch des großen Vaters Hand Daraus geriſſen ward; was hab' ich denn ver⸗ 66 brochen? Ich bin es, welcher du einſt den Olymp verſprochen. Weh mir Getäuſchten! welchen Lohn Trag' ich anitzt ſtatt des Olymps davon? So ſagte ſie; gerührt von ihren Klagetönen Umfaßte ſie der Gott,(er ſchlich ihr lange nach,) Er trocknet' ihr die heißen Thränen Mit heißern Küſſen auf und ſprach: *) Paſiphae, die Mutter Ariadnens, erzeugte mit einen Stiere den Minotaurus, den Theſeus erlegte. Du ſollſt, ſo wie mein Bett, auch meinen Nah⸗ . men theilen; Wohlan! laß uns vereint zu dem Olympus eilen. Heiß Libera hinfort; die Krone, die Vulcan Der Venus gab, ſie dir, ſoll nun dein S werden. Er faßt die Krone hier, rührt die Juwelen an; Sie werden zum Geſtirn und leuchten nun der Erden. Rach ſchrift. N Die Fabeln, wie du weißt, ſind nur Allegorien; Aus jeder ſuchet man den Sinn heraus zu ziehen; Mich däucht, daß ich den Sinn von dieſer Fabel fand. Die holde Nymph' auf dürrem Sand Zeigt unſre ſchöne Sprach', und der ſie dort ver⸗ laſſen, Zeigt den Pedanten Gottſched an, Der Böſes ihr zuletzt, doch Anfangs wohlgethan. Ein edler Freund eilt hin, ſie zu umfaſſen, Spricht neuen Muth der tief Gebeugten zu; Nährt, pfleget, ſchmücket ſie, und dieſer Freund biſt du. Zwar führt ſie wider dich auch Klagen in dem Munde; Sie klagt, du ſeyſt ihr ungetreu Und ganz verſenkt in deine Bücherkunde; Doch hoffen wir, daß es ſo arg nicht ſey: Du wirſt auch ferner noch ihr Haupt mit Kronen „ zieren Und bis zu dem Olymp die neue Göttinn führen. Rach dem Dyid. An Weiße. Ein Mann von Welt, wie du, wird nicht gleich bitter ſchmaͤlen, Wenn es die Muſe ſo, wie unſre Damen, macht. Thümmel. D Freund, den bald im tragiſchen Cothurne Melpomene bey einer frühen Urne Gram in das Herz der Hörer ſtrömen läßt, Den bald Calliope zu Amazonen⸗Klagen Begeiſtert, und dem bald in heitern Frühlingstagen, Bey einem frohen Schäferfeſt, Als Hirtinn Erato die goldne Leyer reichet, Die dem bekränzten Spiel des alten Tejers gleichet, Nähmſt du es gütig auf, wenn ich vor dieſes Lied Zum Zeichen, daß ich dich ſo redlich ehr und liebe, Mein Weiße, deinen Nahmen ſchriebe? Entlehnet iſts vom lüſternen Ovid, Und in den Kinderfreund wirds dir wohl ſchwerlich taugen; Doch darum kehreſt du die Augen Nicht zürnend weg; du biſt ein tugendhafter Mann, unð echte Tugend war nie eine ſtrenge Prüde, Die keinen Scherz vertragen kann; Sie ſpinnt nicht gleich aus einem freyern Liede Liebloſe Folgerungen, ſchrept Nicht gleich an Predigten ſich müde Und ſchimpft nicht gleich auf unſre böſe Zeit. Darum wenn du, der von den Luſtgefilden, Wo jede Pierid' ihn ſich zum Freund erbath, In dem geliebten Kreis entzückter Kinder trat, Um früh ihr zartes Herz zu Tugenden zu bilden, Wenn du dem Liedchen hier ein freundlich Lächeln ſchenkſt Und noch mit Liebe mein gedenkſt: Dann acht' ich nicht der Ueberklugheit Schnattern, Noch das Geziſche böſer Nattern Um die verkappte Heucheley; Mich Biedermann und frohen Dichter, Mich ſprechen dann zwey große Richter, Mein Herz und Weißens Urtheil frey. „— Aus welchem Grunde Faun ſo ſehr die Kleider flieht, Dieß haben uns die guten Alten In dem poſſierlichſten Geſchichtchen aufbehalten. Mit ſeiner Schönen ging Alcid Durch ein beblümtes Thal, Gott Faun erblickt ſie beyde Von einem Hügel aus, erblicket ſie und glüht. Lebt wohl, ſo murmelt er, ihr Nymphen dieſer Heide, Nichts hab' ich mehr mit euch zu ſchaffen, die allein, Soll jetzo meine Flamme ſeyn. Mit durchbalſamtem Haar die Schultern be⸗ goſſen, Den Hals von Goldgeſchmeid' umfloſſen, Ging die Mäonerinn einher, Der Sonne Strahlen drückten ſchwer: Ein goldner Schirm in Herculs Hand verſtecket Das ſchöne Kind davor; man kommt zu Tmolus Höhn, Die Bacchus ganz mit Reben überdecket: Schon läßt ſich Heſperus im dunklen Wagen ſehn, Und eine Höhle, deren Wände Der gütigen Natur allſchöpferiſche Hände — 1 — — 12 6—— Mit Tof und Bimsſtein ausgelegt, Empfängt die Liebenden, die ſchönſte Silberquelle, Die je durch Blumen ſich bewegt, Verſchönert dieſe Höhl', und ſchwatzt an ihrer Schwelle. Indeß der Diener Schaar für Wein und Speiſen ſorgt, Entledigt Omphale des Anzugs ſich und borgt Ihn ſcherzend dem Alcid, ihr Kleid, mit Purpur⸗ ſchnecken Gefärbet, und den Gürtel, den ſie trug; Er dehnt das faltge Kleid, den großen Arm zu ſtrecken, Der Gürtel iſt nicht lang genug, Das Armband bricht, für dieſe Säule Von einem Arme viel zu klein, Die breiten Füße zwängt das nette Schühchen ein. Das Mädchen nimmt die Haut des Löwen, faßt die Keule Und hängt den Köcher um: ſie ſitzen zu dem Mahl In ihrer neuen Tracht, und leeren den Bokal, Worauf ſie, ohne doch die Kleider wegzulegen, Der Ruh' in zwey ſehr nahen Betten pflegen, In zweyen, denn ſie wollten rein Des Morgens bey dem Feſt des Weinerfinders ſeyn: Faun(denn was waget nicht tollkühne Liebe ²) ſchleichet Zur Höhle ſich, ſieht der Gefaͤhrten Schaar t m Voll Weins und Schlafs und hofft, daß das ver⸗ liebte Paar An Feſtigkeit des Schlafs den Unverliebten gleichet. Der unverſchämte Buhle ſtiehlt Hinein ſich, irrt herum, er ſtreckt die Arm' und gehet Behuthſam ihnen nach; ihm lacht das Glück, denn ſehet, In dieſem Bett, das er zuerſt befühlt, In dieſem Bette ruht die Schöne. Doch ihn erſchreckt des gelben Löwen Mähne, Er zeucht den Finger weg und flieht; So kehrt ein Wanderer den Rücken, Der plötzlich eine Schlang' im Graſe glänzen ſieht. Er wankt zum nächſten Bett; hier, dacht' er, wirds mir glücken! Ihn täuſcht das ſeidene Gewand; Er ſteigt hinauf, er legt ſich auf des Bettes Rand Und zupft das Kleid von Herculs Beinen, Die, ungeheur mit Haaren überſät, Ein Wald voll dichter Büſche ſcheinen. Doch da, Trotz ihnen, Faun noch mehr ſich unter⸗ ſteht, Wirft ihn des Helds Elbogen hoch vom Bette Herab; als ob er nie darin gelegen hätte. Die ſchöne Lyderinn, von dieſem Lärm erwacht, Ruft die Gefährten, fordert Lichter; Man bringet ſie, und ſieht das Abenteur der Nacht; Faun ſchneidet finſtere Geſichter Und kann, von Omphalen und Allen ausgelacht, 128 Die Glieder kaum vom harten Boden heben Und hinkend nur ſich wegbegeben. Faun haßt die Kleider nun, die ihn getäuſcht, und läßt Nur Nackende zu ſeinem Opferfeſt. N Der Anfang des dritten Buches der o Aus dem Apollonius. Gedichte. I. Th. 3 8. 34 —— 1 An Goͤkingk. Wie oft der Weſt das lechzende Gras, ſo umweht mich Erinnrung; Manchen fröhlichen Tag durchleb' ich dann wieder und heile Gegenwärtigen Schmerz durch längſt vergangene Freuden. Gökingk, weißt du es noch, wie du mit freundlichem Lächeln In mein Kämmerchen tratſt und die Hand zum Bun⸗ de mir botheſt? Ha! bald war er geſchloſſen der Bund: dein lieben⸗ des Auge Fand in dem meinen, ich ſey, Trotz aller Fehler, nicht unwerth, Daß mich ein Redlicher liebt, es fand, daß niedere Wünſche Nie mir den Buſen entehrt, den ſanfter Friede be⸗ wohnet, Durſt nach Wohlthun bewohnt und heilige Liebe der Muſen, J 2 Deren Prieſter ich bin. Willkommen, ſchattige Gänge, Dichte Lauben Schönbrunns! ihr ſaht mit Gökingk mich wallen Hand in Hand und ihr belauſchtet der Freundſchaft Geſpräche, Die, wie ein ſpringender Quell in euern ſilbernen Teichen, Von dem Herzen herauf ſich über die Lippen gegoſſen. Welche Gottheit gewährt nur noch ein Mahl ſo ſeli⸗ ge Stunden Deinem Freunde, bèvor uns beyde der Schattenweg aufnimmt, Jener Weg, den nie Rückkehrender Pfade bezeichnen? Aber ſtille davon! denn wie ein Nebel die Sonne, So umzöge der Traurigkeit Flor mir die goldene Leyer: Und ſie ſoll dir den Scherz des alten Rhodiers tönen, Tönen die Boßheit Cupids und dreyer Göttinnen Re⸗ den. Nimm geneigt dieß kleine Geſchenk und denke des Freundes, Der ſo redlich in dir den Dichter und Biebermann liebet. ————— — — 2— nen ſen. ſeli⸗ wey en! dene nen, des ann Auf, o Erato, auf! umſchwebe mich jetzt und er⸗ zähle, Wie der Aeſonide das Fell durch die Liebe Medeens Nach Jolcos gebracht; denn Cythereen zu dienen Iſt dein Loos, du ſchmelzeſt durch ſüße Sorgen die Herzen Züchtiger Jungfraun und führeſt darum den Nah⸗ men der Liebe. Unbemerkt ruhte das Schiff der Argonauten im dichten Schilfe verſteckt, doch ſahe ſie Juno, doch ſahe ſie Paollas. Dieſe ſuchten ein einſam Gemach, ſich dort zu bera⸗ then, Fern von den andern Unſterblichen, fern von Jupi— 6 ter ſelber. Juno erforſchte zuerſt mit dieſen Worten Athenen: Tochter Zeus beginn' itzt du und rathe mit Weisheit; Weſſen bedarfs? erſannſt du nicht Liſten, durch wel⸗ che der Griechen Schaar von Aetes das Fell erbeut' und ins Pater⸗ land bringe? Ob ſie den König vielleicht mit ſüßen Worren ge— winnen? Zwar voll Trotzes iſt er und übermüthigen Herzens: Dennoch geziemet es ſich, nichts unverſuchet zu laſſen. Alſo ſprach ſie; ſogleich erwiederte Pallas Athene: — 134— Eben wälzt' ich dieß ſelber herum in meinem Gemü⸗ the, Als du mich fragteſt, doch kann ich, Trotz vieler ge⸗ machten Entwürfe, Keine heilſame Liſt für Griechenlands Helden erden⸗ ken. Dieſes ſagte ſie; nun war beyder Blick auf den Bo⸗ den Feſt geheftet und beyder Sinn von Sorgen durch⸗ ſtürmet. Aber Juno gewann den erſten Entſchluß, zu Cythe⸗ ren Laß uns eilen, ſo ſprach ſie, damit ſie dem Sohne befehle, Der wohl folgſam wird ſeyn, die kräuterkundge Tochter* Des Aetes mit ſeinem Geſchoß für unſeren Jaſon Zu verwunden, und dann wird dieſer, wenn ich nicht irre, Klug geleitet durch ſie, das Fließ nach Griechenland führen. Dieſes Juno; der weiſe Rath behaget Athenen, Und ſie antwortet darauf mit dieſen freundlichen Worten: Juno, mein Vater erzeugte mich unfühlbar für jene Pfeile, mir iſt nicht bewußt, was ſchmachtend Ver⸗ langen errege. Aber billigeſt du den Anſchlag, ſo will ich dir fol— gen; Führe jedoch das Wort, wenn wir ver Cypris er⸗ ſcheinen. — hne ndge U icht land n, ſchen jene Per⸗ fol⸗ „ Als ſie vollendet hat, eileten ſchnell die beyden Göttinnen Zu dem großen Pallaſt Cytherens; ihr hinkender Gatte Hat ihr denſelben erbaut, als er von ihrem Erzeuger Sie erhielt und zuerſt als Braut nach Hauſe ge⸗ führet. Aber die Tochter Saturns und Pallas waren anjetzt ſchon Innerhalb der Verzäunung des Hauſes und hielten im Vorſaal Jenes Gemachs, wo die Göttinn das Bett des PVul⸗ canus geziéret. Er war heute ſchon früh zur Schmied' und dem Am⸗ boß geeilet, In die geräumige Kluft der meerdurchirrenden*) Inſel⸗ Wo er durch die Gewalt des Feuers allerley Kunſt⸗ werk Schmiedend verfertigte; ſie ſaß nun allein in der Kammer, Gegen über der Thür, auf einem gedrechſelten Seſſel. Seidenes Haar umhüllt' ihr die ſchneeichten Schul⸗ tern, mit goldnem Kamme vertheilte ſie's zierlich und wollt' es eben in lange Zöpfe jlechten, doch kaum erblickte ſie jene; ſo ließ ſie *) Man glaubte, daß die Inſeln im Meere herum ſchwaͤmmen; ein Irrthum, wozu deren ſcheinbare Bewegung die Schiffer verleitet hat⸗ 6 136* Ihre Beſchäftigung, rief ſie herein und ſprang von dem Stuhr auf, Nöthigte ſie zuerſt auf die Throne zu ſitzen, dann ſetzte Sie ſich ſelber, und band in Knoten die irrenden Haare; Lächelnd ſagte ſie nun die ſanften gefälligen Worte: Theureſte, welche Stimmung des Geiſtes, wel⸗ ches Bedürfniß Führet S nun endlich zu mir? ſonſt ſprachet ihr ſelten Bey mir ein; euch weichen an Rang die Göttinnen alle. Bitter geſcherzt! antwortet darauf die Königinn Juno, Unſer Herz erſchüttert die Furcht: ſchon lief in den Phaſis Jaſon ein, und die, ſo das Fell zu erbeuten ihm folgten. Für ſie alle ſind wir beſorgt, denn groß iſt der Helden Unternehmen; doch mehr als für alle ſind wirs für Jaſon. Dieſen würd' ich, auch wenn er hinab in den Tarta⸗ rus ſchiffte, Dort von JIrions Leib die ehernen Bande zu löſen, Dennoch würd' ich ihn gern mit allen Kräften er⸗ retten. Auch ſoll, ſeinem Verderben entronnen, ſich Peleus nicht freuen, Er, der kein Opfer mir brachte, der übermüthige König: n Doch nicht aus Rachſucht allein, ſchon lang' iſt Ja⸗ ſon mir theuer, unn Schon ſeit wir uns an dem Strand des geſchwollnen Anaurus begegnet, ben(um das gute Gemüth der Menſchen zu prüfen, begab ich te: Mich dahin) er kam von der Jagd, die Hügelchen pele alle, Alle großen, weit um ſich her ſchauenden Berge ihr Glänzten, beſtreuet mit Schnee, laut rauſchend wälz⸗ ten die Ströme nen Unter einander ſich fort: in eine Greiſe verwandelt Stand ich vor ihm; er erbarmte ſich mein und lud inn auf den Rücken Sich die Laſt und trug mich hindurch durch die rei⸗ den ßenden Fluthen. Siehe! ſeit dem iſt er ewig mir werth; drum gönn' hm ihm die Rückkehr, Peleus würde ſonſt nicht für ſeine Verbrechen mir den büßen. für Juno endigte hier; Cytheren verſagte die Rede Und ſie ſahe beſchämt vor ſich die bittende Juno; t Endlich faßte ſie Muth und ſprach die gütigen Worte: Hehre Göttinn, dir mag, ſchätz' ich dein Bit⸗ ten geringe, Cytherea hinfort die allerverworfenſte ſcheinen! 16 Helfen will ich durch Wort' und Thaten, ſo viel ſie vermögen, Dieſe ſchwächlichen Händ', auch ohne Wiedererſtat⸗ tung. ge N Alſo Cythere; ſogleich erwiedert ihr Juno: wir kamen Keiner rüſtigen Arm' und keiner Stärke bedürftig; Sondern daß du gefällia dem Sohn beföhleſt, in Liebe Gegen Jaſon das Herz der Tochter Aetens zu ſchmel⸗ zen.* Wenn nur dieſe geneigt ihn unterſtützet, ſo, denk' ich, Kehrt er leicht mit der Beute, dem goldenen Fließ, nach Jolcos Wieder zurück, ſie iſt voll angeborener Schlauheit. So ſprach Juno; gewandt zu beyden, antwor⸗ tet Cythere: Göttinnen, eher wird euch, als mir, Cupido gehor⸗ „ chen, Und ein Bißchen Scham den Unverſchämten bey euerm Anblick befallen; um mich bekümmert der Böſe ſich wenig, Ja verachtet mich oft und wagts im Zorn mich zu ſchelten. Als er durch Boßheit einſt die Erklärung mir ab⸗ drang: ich würde Ihm die ſchrecklich tönenden Pfeil' und den Bogen vor ſeinen Augen zerbrechen; da droht' er, erboßt: ich ſollte die Hände Ja zurück ziehn, ſo lang er ſeinem Grimm noch ge⸗ böthe, Denn ich würde zuletzt doch nur mich ſelber betrü⸗ ben. bir ſich Cytherea ſchwieg und beyde Göttinnen ſahen Lächelnd ſich an, doch ſie begann nun wieder mit Unmuth: Einige reitzt mein Verdruß zum Lachen; auch iſt es nicht nöthig Daß ich ihn andern erzähl', o daß ich ſelbſt ihn nicht wüßte! Doch ich verſuche nunmehr, da ihr es wünſchet⸗ mit ſüßen Worten den Sohn zu gewinnen; auch wird er folg⸗ am ſich zeigen. Venus ſprachs, da faßt Saturnia lächelnd beym zarten Händchen ſie an, und ſagt mit Schlauheit: voll⸗ führe denn, Cypris, Bald dieß Geſchäft, ſo wie du verſprachſt; doch zanke nicht zürnend Mit dem Sohn, noch ſchilt ihn, ſo wird er zuletzt wohl gehorchen. Juno ſagt' es vom Thron erſtehend, ihr folgete Pollas, Beyde gingen zurück; doch Cypris nach dem Olympus, Ob ſie ihren Cupid in desſelben Falten nicht fände. Und ſie fand ihn bey Seit' in Jupiters blühendem Garten, Jicht allein, Ganymeden mit ihm, den einſt der Kronide Durch des Knaben Geſtalt entzückt in den Himmel verſetzet, Neben unſterblichen dort zu wohnen; ſie ſpielten als Knaben — 140— Gleichen Alters mit goldenen Würfeln; der raſende Amor Hatte die hohle Linke geſtopft voll mit Würfeln*), er drückte An den Buſen ſie an und aufrecht ſtand erz die zarte Haut der Wongen umblüht' ihm ein ſüßes Roth; doch gekränket Schweigend, gebogen das Knie, ſtand jener, zwey einzige Würfel Uebrigten ihm, er warf bald dieſen Würfel, bald jenen Wechſelnd hin, erzürnt auf den ihn verlachenden Amor. Doch als er dieſe zwey auch zu den übrigen Wür⸗ feln verloren, Ging er troſtlos hinweh mit leeren Händen und ſahe Cypris, die Nahende, nicht; ſie ſtellet freundlich ſich Amorn Gegen über, ergreift das Kinn des Knaben und ſaget: Ersſchalk, du lacheſt? nicht wahr, du überliſteteſt jenen? Arglos iſt er, und du haſt nicht mit Rechte ge⸗ wonnen? Doch r mein Sohn, vollführe mir, ich verlange! Sieh! ich werde zum Lohn das ſchönſte Spielwerk dir geben, *) Sie bezahlen ſich mit den Wuͤrfeln, mit welchen ſie verioren, wie unſere Kinder mit Ruͤſſen thun. — 141— Jenes, das Jupitern einſt, wie er Kinderſpiele noch ſpielte,„% Adraſtea die Amm' in Ida's Höhle verfertigt. Eine künſtliche, leicht hin rollende Kugel; du würdeſt ie Kaum ein ſchöner Geſchenk aus Mulcibers Händen erhalten. Ihre Zirkel ſind Gold, zwey Bögen wälzen um jeden Zirkel ſich und mühſam ſind die Fugen verborgen; 33 Denn es kriechet um ſie ein dunkelfarbiger Epheu. Wirfſt du die Kugel, mein Sohn, mit der Hand in die Höhe, ſo wird ſie, Sternen ähnlich, die Luft mit glänzender Furche be⸗ zeichnen. Dein ſey dieſes Geſchenk, doch erweiche den Buſen Medeens Und verwund' ihn für Jaſon; doch dieſes ohne zu . zaudern; Denn es würde Verzug den Werth des Dienſtes ver⸗ mindern. Alſo Venus; ihr Sohn erfreut ſich, dieſes zu hören, Wirft die Würfel hinweg, mit beyden Händen er⸗ greift er Hier und dort der Mutter Gewand und läßt es e⸗ nicht fahren. Alſogleich ſollte ſie ihm die Kugel ſchenken; ſie aber Streichelt ihm die Wang', umarmet, küſſet den Knaben Und ſpricht lächelnd zu ihm mit freundlichen Worten: bey dieſem Deinen theueren Haupt, und bey dem meinen be⸗ t eſt Haben ſollſt du, ich täuſche dich nicht, die zierliche „ Kugel. Schieße nur eher den Pfeil ins Herz der Tochter Aetens.„ Alſo ſagt ſie, Cupid ſucht ſeine Würfel zuſammen, Zählet alle genau und wirft ſie dann in der Mutter Glänzenden Schooß, auch hängt er das goldene Tragband des Köchers Sich um die Schulter, und nimmt den krummen Bogen von einem Stamme, woran er gelehnt; durch die ätheriſchen Pforten Des Olympus gehet er jetzt; hier ſenkt ſich der Fußſteig, Beyde Pole, die Spitzen der Erd', erheben beſonnte Berge, vom erſten Strahl des kommenden Titan geröthet. Unten erſchien ihm, indem er den weiten Ither durchwallte, Hier die früchtebringende Erd' und die Städte der Menſchen, Dort der heilige Quell der Flüſſe, hohe Gebirge und das Meer, ſo die Erde mit ſeinen Waſſern um⸗ gürtet. * 5 § — — S An Meißner. 1 Dein Alcibiades, o Meißner, gleichet ganz Dem Griechiſchen, iſt ſo, wie der, voll Heldenglanz 36 Und werth, daß ihn Bewundrung kröne: Die krönt ihn auch; er zieht durchs menſchenvolle . Ha! jeder Jüngling wird zum Arxioch für ihn Und zur Timandra jede Schöne. Du machteſt uns mit ihm bekannt 4½ Und haſt vor allem ihn nach meinem Haus geſandt: ſ Dafür bleibt ewig dir dein Alxinger verpflichtet Und weiht, verſchmäh es nicht, dir dieſes kleine ſ Lied, Das er dem ſchelmiſchen Ovid. Mit nöthger Keuſchheit nachgedichtet. Gedichte. I. Th. Io finde, ſogt Ooid ein Mahl, Im Römiſchen(das heißt Altrömſchen) Ritual, Daß man dem Gott Priap zum Opfer Eſel ſchlachte; Nun hört die Urſach' an; erhaulich iſt ſie nicht, Doch dem Gott fieht ſie gleich. Der dritte Winter brachte Des Bacchus Feſt zurück, das ſtets aus frommer Pflicht Ganz Griechenland begeht; auch Götter, die Lyden Und dir, o Freude, günſtig ſind, Auch dieſe ließen ſich bey Bacchus Feſte ſehen; So manches ſchöne Götterkind, Das Fluren oder Bäche ſchützet, Der Satyrn Volk, verliebt und keck, Silen, der halb berauſcht auf ſeinem Eſel ſitzet, Und Gott Priap, der ſtolz mit rother Vogelſchreck' In allen Gärten thront: die muntern Götter laſen, Zu ihrem angenehmen Schmaus Sich einen Ort, bedeckt mit grünem Raſen, Den ſchönſten in der Gegend, aus— Sie ſaßen da, von Evius Geſchenken, Dem ſüßen Wein entzückt, mit Blumen in dem Haar: Nah' an der Tafel floß ein Bächlein, ſilberklar Und recht gemacht dazu, die Gläſer auszuſchwenken. Gethürmet und in Ordnung war Der Kopfputz einiger Najaden, =* 8 28 7 S 2 chte; ht, Pinter pmer Lyden en; itzet/ ſchreck laſen, in dem rklar venken. Indeß 1 andern ohne Kamm Das goldne Haar um nackte Schultern ſchwamm; Die zeiget liljenweiße Waden, Die eine volle Bruſt, die einen runden Arm, Die einen nerten Fuß, die ſchleppt das Kleid im Grünen Nach, jene ſchürzt es auf, die Gäſte zu bedienen. In Wohlbehagen ſchwimmt der Pan' und Faunen Schwarm, Von nicht zurück gewieſ'ner Liebe warm. Sogar Silenus lechzt nach Cypris ſüßem Werke, Die Lüſternheit erſetzt bey ihm die Jugendſtärke. Den Gott Priap, der Gärten Schutz und Zier, Reitzt Lotis nur; nach ihr allein, nach ihr Verlangt ſein Herz; er macht des Seufzens, Win⸗ kens, Des Füßeſpiels, des Augenblinkens Kein Ende; doch umſonſt! die Nymphe blicket kalt Auf ihn herab; denn Stolz begleitet Wohlgeſtalt, Und Hochmuth wohnt in jedem ſchönen Weibe. Die ſchwarze Mitternacht bricht ein, Man liegt auf weichem Gras mit hingeſunknem Leibe, Beſiegt vom Schlummergeber Wein, Auch Lotis hat, vom Spielen müde, Dort wo ein Ahornbaum den Raſen überdeckt, Die Aeußerſte ſich hingeſtreckt. Der holde Schlaf lag feſt auf ihrem Augenliede: Priap ſteht auf und leiſe ſtellet er Sich auf die Zehen, hält den Athem ein und ſchleichet Mit Porſicht durch den Wald einher, Bis er den Ruheplatz der ſchönen Nymph' erreichet. K 2 Voll Angſt, daß ihn ein Hauch aus ſeinem eignen Mund Verrathe, läſſet er im nachbarlichen Grund Sich nieder, und die Nymph', o übergroße Freude! Die Nymphe ſchlummert feſt bey nahender Gefahr. Weg räumt' er nun den Theil von ihrem Kleide, Der zwiſchen ihm und ſeinen Wünſchen war; Schon iſt der Weg zum Glück, zum ſchönſten Glück gebahnet, Als höchſt zur Unzeit laut das Thier Silens vahnet? Die Nymphe fährt empor, durch dieß Geſchrey er⸗ 2 mahnet, Sie ſtößt den Gott zurück, ſie bringt den ganzen Hain In Aufruhr, und Priap, den man im Monden⸗ ſchein Nur allzu fertig ſchon zu Amors Kampf erblicket, Wird tüchtig ausgelacht und ſchmählich heim geſchicker. Der Eſel büßte mit dem Tod, Und noch ſind des Priaps Altäre, Ihr Liebesſtörer, euch zur Lehre! Bey jedem Feſt von Eſelsblute roth⸗ eude! fahr. e, Hlück hnet: ſeh er⸗ ganzen onden⸗ icket, hicket. Nach dem Ovid. * An Maſtalier. Mein Maſtalier, du Schwan der Kaiſerlande, Schön ſtimmte dir an deines Iſters Strande Melpomene das heilge Saitenſpiel, Das ſchon der Spree, der Pleiße ſchon gefiel: Wie ich noch, wohl in Scharlach eingeſchlagen*), Als Syntaxiſt zur Schule mich getragen, Das Lied Virgils, die Stirne veibend, las Und den Homer an meinen Fingern maß. Oft haſt du da die Zweifel angehöret, Die mich gequdlt, und gütig mich belehret, Auf ſchroffer Bahn das Straucheln mir verziehn, Und mitleidsvoll den ſichern Arm geliehn. Noch ſeit mit Ruhm die Muſe mich begnadet, Und tiefer ſtets in ihre Haine ladet; *) Zu meiner Zeit durfte man die Schule nicht ohne Mantel beſuchen. Ein rother Mantel war eine be⸗ ſondere Zierde. Erhelleſt du durch deinen weiſen Rath Mir Wandernden den dunklen Dichterpfad: Laß deine Huld noch ferner mich erfreuen, Und dir dieß Lied zum Unterpfande weihen! Schon lange Zeit aus Attica verbannt, Seufzt Dädalus nach ſeinem Vaterland. In Cretens Labyrinth ſchloß hier ein Thor von Eiſen Und dort die See ihn ein; mir ſperre, rufet er, Der ſtolze Minos Erd' und Meer, Die Luft bleibt ungeſperrt, und hierdurch will ich reiſen: Die Luft beſitzt er nicht, ſo viel er auch beſitzt. So ſaget er und ſinnet itzt, Wie er durch neue Kunſt von der Natur erzwänge, Was ſie den Menſchen nicht gewährt. Er reihet Federn nach der Länge, Fängt von der kleinſten an und fährt Bis zu der größten fort: ſie ſchienen ſanft verloren, Auf einem Hügelchen gewachſen, und den Rohren, Durch deren Reihung einſt die Schäferflöt' entſtand, Nicht ungleich; Dädalus vereint mit kluger Hand Den äußern Theil durch Wachs, den mittleren durch Leinen, Und beyde werden ſanft gekrümmt, So daß ſie wirklich Flügel ſcheinen, Womit in flöſſger Luft ein wahrer Vogel ſchwimmt. Zunächſt dem Künſtler ſteht, von keinen Beſorgniſſen gequdlt, mit lächelndem Geſicht, Sein Söhnchen Icarus, läßt,(denn er weiß es nicht„ Daß er nur ſeinen Tod betaſtet,) läßt die ringern Flaumfedern flattern, haſchet drauf Sie wiederum, erweicht das Wachs mit ſeinen Fin⸗ gern Und dpit das Meiſterwerk des weiſen Vaters auf. Doch Dädolus, als ers zu Stande brachte, Umgürtete den Leib mit beyden Flügeln, machte Den wichtigen Verſuch erſt ſelbſt, flog auf und hing In der erregten Luft, belehrte Dann auch den Kien fleug ſtets in der Mitte, fing Die weiſe Warnung an; flögſt du zu tief, ſo ſchwerte Die Fittiche der Dunſt der Meeresfluth: Zu hoch verſengte ſie der nahen Sonne Gluth. Mir eile nach und dann kannſt du die Müh' er⸗ ſparen, In jenen unermeſſ'nen Höhn Nach des Orion Schwert und Arctos hinzuſehn; Roch unterweiſet er, noch warnt er vor Gefahren, Und endlich ſchnalt er ihm die neuen Flügel an; Indem er ſchnallet, netzt ſein Auge ſich, ihm bebet Die Hand; er küßt' den Sohn— zum letzten Mahle, hebet Sich dann und zeichnet, nur für ihn beſorgt, die Bahn Dem Knaben vor in hohen Luft⸗Revieren: So wie ein Vogel, der dem Neſt Zum erſten Mahl ſein Kind entflattern läßt. Oft fleht er ihn, ſich ja zu weit nicht zu verlierén, Und gibt,(zwar leider nützt die kluge Vorſicht nicht) Ihm Unterricht auf Unterricht. Un Se Win Sie Der Der — 155— Und wenn er jetzt die eignen Flügel regetr, So ſiehet er gleich wiederum zurück., Wie Icarus die ſeinigen beweget. Sie ſtarrt mit hocherſtauntem Blick Der Fiſcher an und läßt die Angel ſinken; Der Hirt auf ſeinen Stab, der Sämann auf den Pflug Geſtützet, ſtarrt ſie an; ſie, die ein kühner Flug Durch die den Menſchen ſonſt verſagten Lüfte trug, Sie mußten ihnen Götter dünken. Schon ließen ſie zur linken Hand Der Juno Lieblingsſitz, Apollo's Vaterland Und Paros hinter ſich, zur Rechten die Cycladen Lebynthos und Calymne; kühn gemacht Erfreut ſich Icarus des ſtolzen Flugs, ihn lacht Der Himmel an und ach! wiewohl gewarnt vor Schaden, Verläßt er ſeinen Führer, fliegt Stets höher durch die Luft, die ihn gefällig wiegt, Bis ſeine Fittiche, zu nah' der Sonn', erwarmen Und bis das Wachs zerfleußt, das ſie zuſammen band Itzt peitſchet er die Luft mit unbewehrten Armen; Umſonſt! das Ruderwerk der breiten Flügel ſchwand, Und ohne ſie kann er den Wind nicht fangen, Noch ungeſtützt in leichten Wolken hangen: Den Vater rufend, ſtürzet er Ins Meer hinab, das nun von ihm den Rahmen leihet; Der Vater, ſchon nicht Vater mehr, Schaut plötzlich hinter ſich und ſchreyet: — 156— Wo biſt du Jcarus? mein Sohn, wo ſuch' ich dich? Doch ach! er ſiehet jetzt die Federn in dem Meere, Verfluchet ſeine Kunſt, verflucht die Luft und ſich, Häuft dann ein Grabmahl auf zur Ehre Des Unglückſelgen, und der Strand Ward der Jeariſche nach Icarus benannt. * 0 § S ₰ — 5 An Klopſtock. So wie die Rachtigall, nachdem ihr Lied verhallt, (In heiliger, ununterbrochner Stille Horcht' ihr entzückt der ganze weite Wald) Den heiſern Ton der kleinen Grille Nicht ſtolz verſchmäht; ſo, Klopſtock, riefeſt du, Du Einziger, dem Lied, das ich von Ritterzeiten, Flandrinens Schmerz und Doolins Fährlichkeiten Geſungen, deinen Beyfall zu. Wer bin ich, daß du mein gedenkeſt Und Nachſicht mir und Lob und Achtung ſchenkeſt? Der Griechen und der Römer Hand Führt mich, mich ew'ges Kind, am goldnen Gdn⸗ gelband; Indeſſen du hoch trotzend aufgetreten Und ſie ſammt Fingals Sohn zum Ehrenkampf ge⸗ bethen. Mich trägt der Hippogryph nach einem fernen Ort, Wie's ihm, nicht mir gefällt, gleich Rüdigern mit fort. Du aber ſtehſt, wie in der Cholcher Gründen Der Halbgott Jaſon, weißt durch mächtige Magie Das flammenhauchende Geſpann der Fantaſie An den demantnen Pflug des Urtheils feſt zu binden. Hier glüht es, ſtampfet, ſchnaubt, nicht ohne Hel⸗ denmüh' Von deiner ſtarken Hand gebändigt, Bis du damit das Tagewerk geendigt⸗ Wer bin ich, daß du mein gedenkſt Und Nachſicht mir und Lob und Beyfall ſchenkſt? So lange Lebensgeiſt in dieſer Hülle wohnet, Sey dir, du Einziger, mit Lieb' und Dank gelohnet, Und' itzo dieſes Lied vom Klopſtock alter Zeit Aus Naſo's Vorrath dir geweiht. Gn Iſ Sein Sni Oftl Oſtſt In6 Die Auf Jn Est Bald et, In welchem Meer, in welchem Land Iſt wohl der Nahm' Arion unbekannt? Sein göttlich Lied hielt oft die gähen Ström' auf; oft blieb der Wolf, der nach dem Lamm gerannt, Oft blieb das Lamm, dem Wolf entfliehend, ſtehen. Oft ſtreckten Löw' und Hirſch, oft Hund und Haſe ſich, In Einen Schatten hin, vergnügt und nachbarlich, Die Eule ſaß bey Krähn friedfertig, und der Geyer Auf Einem Baum mit banger Tauben Schaar. Ja ſüß getäuſchet wähnt' oft Cynthia ſogar, Es tön' in ihrem Ohr die brüderliche Leyer. Bald breitete ſein Ruhm durch Trinacris ſich aus Und an Auſoniens Geſtaden, Er zog von dort in einem Schiff nach Haus, Das ſeine Kunſt mit Schätzen ihm beladen. Elender, der vielleicht Orcan und Woge ſcheut, Im Schiffe nicht, im Meer iſt Sicherheit! Denn Steuermann und Schiffvolk ſtehn verſchworen Mit bloßem Schwert vor ihm und drohen ihm den Tod, Was machſt du mit dem Schwert? zum Ruder greif, Pilot! Arion, der auch hier die Gleichmuth nicht verloren, Sagt zu den Raſenden; erfüllet, was ihr droht, Nur laßt, ein wenig nur laßt mich die Zither rühren! Man gönnt ihms und belachet den Verzug: Er ſetzt die Kron' aufs Haupt, die Krone, ſchön genug, Dein Haar, o Phöbus, ſelbſt zu zieren: Gedichte. I. Th. L ſi 3 X — — — 162— Er hüllt den Leib in purpurnes Gewand, Das Tyrus zwey Mahl ſott, und unter ſeiner Hant Erſeufzt das Saitenſpiel in kläglichen Accorden. So ſtimmt der tönereiche Schwan, Wenn ihm vom harten Pfeil der Schlaf durchbohret worden, Die etten Trauerlieder an. In dieſein Schmucke ſtürzt, zum Tode ſchon bereitet, Arion in die Fluth; das Meereswaſſer ſpritzt Ins Schiff zurück, und, was den Glauben über⸗ ſchreitet, Ein freundlicher Delphin ſchwimmt ſchnell herbey und ſtützt Die neue Laſt mit ſeinem krummen Rücken; Der Dichter ſingt und zahlt, indem er ruhig ſitzt Und ſeine Zither hält, das Fuhrlohn durchs Ent zücken, Das jedes Herz bey ſeinem Lied durchſchleicht, Dem Lied/ das nun ſogar der Wogen Grimm er⸗ weicht. Die Götter ſind gerecht; nie bleiben unverra⸗ then/ Noch unbelohnet gute Thaten; In den Olymp verſetzt der Donnrer den Delphin Und reihet dort neun ſchöne Stern' um ihn. 5 Ra ber⸗ beh Ent ner⸗ erka⸗ ße An Herrn von Ricolai. Dank, Nicolai, Dank dir, der zu Deutſchlands Ehre Bey den Rutheniern Apollen Opfer bringt; In mancher Elegie, in mancher Rittermähre, Wiewohl dem Nordpol nah, mit reinem Feuer ſingt;* Der, Meiſter in der Kunſt und kundig aller Töne, Bald Liebeslieder ſeufzt, bald Schlachtgetümmel rauſcht. Schon lange freu' ich mich, daß einem unſrer Schwäne Run auch der Newa Fluth und Obys Welle lauſcht. Ach! wie du Wien beſucht mit deinem Fürſtenpaare, Sah ich dich flüchtig nur und nannte dich nicht Freund Der Pöbel gafft' auf dich, als eine fremde Waare, Ich ward verdränget, du vom Hofgepräng' um⸗ zäunt. Und doch ein Bund mit dir,(o könnt' ich noch ihn ſtiften!) Wär' eine Perle mehr in meinem Freundſchafts⸗ ſchmuck: Drum fleugt die Muſe nun nach Moscau's weißen Triften Und bringt aͤuf Abſchlag ſchon dir meinen Hän⸗ Auch bringt ſie Lieder mit voll Liebeständeleyen Vom Dichter, der ſich müd' und doch nicht ſatt geküßt, Sie wird, indem ſie wagt, die Lieder dir zu weihen, Urkunden, daß mein Herz dir auch geweihet iſt. Und weil ich ſchon die Bahn, die ſchöne Bahn be⸗ 2 ſchritten, Die du mit Wieland tratſt, ihr beyde lang' allein; So denk': auf dieſer Bahn ſey auch für einen dritten Noch Raums genug*) und mich laß dieſen dritten ſeyn. „ S. den. Geſ. von Reinhold und Angelika. A Die Ba in; en eſen . Ats Venus den Ascan nach ihrer Inſel brachte, Und er im Arm ihr ſchlief, lockt ſie Violen⸗Duft: Die legt den Knaben drauf und überſchneyt ihn ſachte Mit weißen Roſen, rings fleußt Balſam in die Luft. Bald fühlt' ſie an ihr Herz der Porzeit Bilder dringen, Sie wähnt, Adon ruh hier, ſie will den Enkel ſchon Mit heißen Armen mehr als mütterlich umſchlingen Und rufet ſüß getäuſcht: das iſt ja mein Adon! Doch nun beſorget ſie, des Knaben Ruh' zu ſtören, Und küßt' die Roſen rings; in dieſem Augenblick Erwarmen deren Kelch' und laue Lüftchen kehren Sanft liſpelnd zu dem Mund der Küſſenden zurück. Vervielfacht ſiehet ſie nun ihre Freuden, ſiehet, So vielen Blumen ſie die Lippen aufgedrückt, So viele Küſſ' entſtehn, beſteigt den Wagen, ziehet In alle Länder hin und macht ſie hochbeglückt; Denn wie Triptolemus, dem wir die Vhren danken, Korn ſäte, ſèet ſie Küſſ' in den fruchtbarn Grund. Bald wuchs die holde Saat zum Troſt der Liebes⸗ kranken, Durch ſie ward manches Herz, auch dieſes hier geſund. ——— —— —— — — 108— Ihr, die mit ſüßem Naß die Flammen Amors lin⸗ dern„ O guſe, ſeht ich will die Leyer neu beziehn, Und bring' euch meinen Dank, euch, kühler. Kindern, euern Freund und dann belohnet n, ſen — 169— II. Siehſt du, an des Ulmbaums Rinde Wie verliebt die Rebe hängt, Wie des Epheus lang Gewinde Jenen Eichenſtamm umfängt! Könnteſt du zum Hochgenuſſe So um mich die Arme drehn, Ich um dich, und in dem Kuſſe, In dem langen Kuß vergehn! Ja vergehen! weg mit Schlafe, Weg mit Speiſ', und ſüßem Wein! Ach! mir wär' es Höllenſtrafe Deinem Mund entriſſen ſeyn. Küſſend laß die Reiſ uns machen Zu des Orcus dunklem Strand! Küſſend ſchweben wir im Nachen, Küſſend ſteigen wir ans Land, Wo die Helden mit Heldinnen Stets ein Liebesfeſt begehn, Bald bey freudetrunknen Sinnen Sich in leichten Tänzen drehn: * — 170— Bald am Buſen ihrer Trauten, Schön verſtreut im Myrtenhain, Zu dem Klange froher Lauten Amorn Wechſellieder weihn: Wo in kühlen Finſterniſſen, Unter dunkler Lorber Grün, Gelbgelockete Narciſſen Roſen und Piolen hlühn: Wo die ſchön bemahlten Matten Ewig Zephyrs Fuß durchſchleicht, Und vor ihm der Tulpen Schatten Wankend hin und wieder weicht: N Wo, durch Eagen, und durch Pflüge Unverwundet, Tellus ruht, Aber ruhend doch Genüge, Selbſt dem kühnſten Fodrer, thut. Dort, wenn ſie uns kommen ſehen, Wird der Frommen ſelge Schaar Schnell vom Raſenſitz erſtehen; Sey willkommen, treues Paar! Werden ſie von weiten rufen, Steige zu der Dichter Chor, Steig' auf dieſen grünen Stufen Zu dem Ehrenplatz empor! 4 Niemand wird darum dich neiden, Alles weicht, Neära, dir, Helena wird ſelbſt entſcheiden, Du verdieneſt ihn vor ihr. Gib mir ein Wäulchen„bath ich jüngſt, doch ſieh! * kaum ſchwebet Auf meiner Lippen Saum dein ſüßer Mund; ſo ſtrebet Er wieder ſchnell zurück, wie der, ſo Roſen pflück Und plötzlich eine Schlang' im hohen Gras er⸗ blickt. Heißt das ein Mäulchen, nein! das heißet, o mein Leben, Nur ſchmachtende Begier nach einem Mäulchen geben. pfückt os er⸗ o mein iulchen IV. Dir ſtrömen nicht Küſſe, dir ſtrömet Lavendel Vom Munde, Neära, wohlriechender Zimmt, Süßdüftender Seelenthau, lieblicher Quendel Und Nectar, ſonſt einzig für Götter beſtimmt, Und Honig, wie Honig Hybläiſcher Heiden, Die ewig die Wolle der Bienen umhüllt, Und das, ſo, Hymettiſchen Roſengeſtäuden Geraubet, viellöchrige Zellen erfüllt. Gibſt du mir, Nedra, zu viele der Küſſe; So werd' ich Unſterblicher Tiſchgenoß ſeyn. Und ach! wo bliebſt du dann? o ſchone, du Süße! Ich mag nicht zur Tafel der Götter allein. Ja wollten, entthronend den großen Kroniden, Sie mich auf den Thron des Olympus erhöhn, Und wäreſt nicht du mir zur Juno beſchieden; So würd' ich den Thron des Olympus verſchmähn⸗ „ . S Wenn du dich, Nedra, über mich her neigeſt, Hals und Bruſt und Antlitz zu den meinen beugeſt, Mir ſo liebetrunken an der Schulter hängſt Und mit weichen Armen meinen Haͤls umfängſt, Lipp' an Lippe fügeſt zu den langen Küſſen, 3 Wolluſtvoll mich beißeſt, wolluſtvoll gebiſſen, Seufzeſt, auf die meine deine Zunge legſt, Gierig jene ſaugeſt, dieſe ſchnell bewegſt, P. Deinen ſüßen Athem, der dieß ſieche Leben Einzig noch mir friſtet, ſanft herüber ſchweben Und mich laben läſſeſt, daß, o Luftgefühl! Mein entflammter Buſen ruhig wird und kühl; 1 D dann ruf' ich: Amor, meine Qual, mein . Retter 1—„ Iſt der Weſen böchſtes, iſt der Gott der Götter! Und wenn eine Gottheit ja noch größer wär', Wärſt mir du, Reära, größer noch als er. geſt, gſi, ſen, en en mein ztter! ————— Du haſt zwey tauſend Küſſ' und von den beſten Küſſen Mir zugeſagt, auch gabſt du tauſend, nahmſt ſo viel; Wir ſind am Ziele nun, ollein(das wirſt du wiſ⸗ ſen Wenn du dein Herz befragſt,) die Liebe hat kein Ziel. Wer lobt die Wieſe wohl, die nur gezählte Grä⸗ ſer, Den Acker, welcher nur gezdhlte Halmen trägt? Für tauſend Bienen wird vom Landmann, von dem Leſer Für tauſend Trauben nichts auf den Altar ge⸗ legt. Wenn Regen vom Olymp ein lechzend Feld erqui⸗ cket, So rechnete kein Wolf die Zahl der Tropfen aus, So wie der Schloßen nicht, die Zeus im Zorne ſchicket: Das Böſ' und Gute kommt unzählbar von dem Haus Der Götter über uns: zu himmliſchen Geſchenken Gehören auch die Küſſ' und du zum Götter⸗ Chor, —— — —— — 1 3 — Warum, o Göttinn, ſie durch eine Zahl beſchran⸗ ken? Stieg meiner Seufzer Heer, von dir gezählt, empor? Entflohn, gezählt von dir, die Thränen meinen Wangen? Drum da du die nicht zählſt, ſo gib, Gebie⸗ therinn, Auch hier den Einen Troſt, dem ſchmachtenden Ver⸗ langen, Für Thränen ohne Zahl unzählge Küſſe hin. Pere hih. VI. Gerne küßt' ich dich, mein Kind, Gern zu zehen tauſend Mahlen, Gern zu Millionen Mahlen, Zu ſo wiederhohlten Mahlen, In ſo unermeſſ'nen Zahlen, Als am Himmel Sterne ſind, Als es Blätter gibt und Aehren, Tropfen Waſſers in den Meeren, Förner Sandes auf dem Grund; Gerne nützt' ich meinen Mund, Dieſer Lippen friſche Roſen Dieſe Wangen liebzukoſen Und dieß Auge, das beredt Zürnt und lächelt, droht und fleht. Doch du mußt dem Vielgetreuen, Küßt er ſäumender, verzeihen, Wiſſ', er ſäumt aus gutem Grund. Denn benütz' ich meinen Mund, Dieſer Lippen friſche Roſen, Dieſe Wangen liebzukoſen Und dieß Auge, das beredt Zürnt und lächelt, droht und fleht; Kann ich dann wohl dieſe Wangen, Dieſe Lippen, die ſo ſchön Mit Aurorens Farbe prangen, Und dein ſprechend Auge ſehn, Gedichte. I. Th. M Und dein Lächeln, das die Wunden, Die der Gram in finſtern Stunden In die Seele mir gedrückt, Wieder heilet, ſie erquickt Und des Erdelebens Sorgen, Alle Sorgen draus verſcheucht, Wie vor dem erwachten Morgen Nacht und Finſterniß entweicht? O ich kanns nicht! drum entſcheide, Was ich ſoll? der Augenweide Mäulchen opfern, oder blind Deiner Küſſe Honig ſaugen? Sprich, weil doch, geliebtes Kind, Meine Lippen meiner Augen Ewge Nebenbuhler ſind. VIII. D welche Wuth, Neära! Wer hieß dich, kleine Thorinn, So meine Zunge faſſen Und ſo durch wilde Biſſe Mit Wunden ſie befurchen? Iſts nicht genug, Barbarinn, Daß ich allein, ich Armer, So viele tauſend Pfeile, Die deine Reitze ſchoſſen, In meinem Buſen trage? Mußt du mit böſen Zähnen Auch dieſes Glied verwunden, Das vor der Morgenſonne, Das nach der Abendſonne, Durch ſchwüle Sommertage, Durch kalte Winternächte, Nichts als dein Lob getönet. Ja; weißt du's Ungerechte? Das iſt dieſelbe Zunge, Die dieß gelockte Haupthaar Und dieſes Schelmenäuglein Und dieſes Liljenbrüſtchen Und dieſes runde Hälschen Hoch über jede Schönheit, Die Jupitern entzückte, Hoch über ſie erhoben, M 2 — —— — 1380„ So daß der ganze Himmel Dich, Glückliche, beneidet. Sie iſts, die dich, mein Leben, Dich, Seele meiner Seele, Dich, alle meine Liebe, Dich, alle mein Vergnügen, Dich, meine Turteltaube, Mein Himmel, meine Venus Gefeyert und geprieſen; So daß die andre Venus, Die minder ſchöne Venus, Dich Glückliche beneidet. Ha! oder ſchmeichelt dieſes, Selbſt dieſes deinem Hochmuth Und reitzt dich zur Verwundung, Daß du es weißt, du Schelminn, Daß meine gute Zunge Doch immer dieſe Wangen, Dieß Brüſtchen, dieſe Lippen, Dieß Aeuglein, dieſe Zähne, Die lüſtern ihr geſchadet, Daß meine gute Zunge, Wiewohl ſo ſehr mißhandelt, Wiewohl beſcd't mit Wunden, Doch dieſe Götterreitze Auch ſtammelnd noch beſänge? O ſtolze Macht der Schönheit! — 131— Git nicht ſtets mir naſſe Maͤulchen, miſche Süßem Lächeln lüſternes Geziſche Stets nicht bey, nicht immer ſchlinge dich, O Geliebte, halb entſeelt um mich. Hüthe dich das Maß zu überſchreiten! Denn je himmliſcher die Süßigkeiten, Deſto ſchneller hinket Ueberdruß Nach, und ſchüttet Gall' in den Genuß⸗ Wenn ich guter Küſſe neun begehre, So brich du mir ſieben ab, gewähre Mir nur zwey und laß von dieſen zweyn Keinen lang, noch naß, noch feurig ſeyn. Sondern jenen Küſſen laß ſie gleichen, Welche Töchter ihrem Vater reichen, Die in Cypripors verbothne Frucht Niemahls noch den kleinſten Biß verſucht. Oder jenen, welche Phöbus Wangen Von Dianens Schweſtermund empfangen, Eh' Cupid die Göttinn dorthin rief, Wo Endymion auf Blumen ſchlief: So küſſ' und dann fleug aus dem Geſichte Mir auf keuſcher Engel Schwingen, flüchte, Flüchte dich ins ferneſte Gemach; Auf den Schwingen Amors flieg' ich nach. — 1863„—— Und wie Geyer ſchwache Tauben packen, Schling' ich meinen Arm um deinen Nacken, Bis du deinem Ueberwinder fröhnſt, Bittend dich auf dieſe Schulter lehnſt. Und als ein Verſöhnungsgeld mir zehen Mäulchen bietheſt, die doch ich verſchmähen, Stolz verſchmähen will; denn deine That War nicht Frevel bloß, war Hochverrath: Drum ſollſt du zehn tauſend mir verehren, Und bey allen deinen Reitzen ſchwören, Heilig ſchwören, für ein gleich Vergehn Gleiche Straf' auch künftig auszuſtehn. Ein Rich Vo Ger Der Ge X. Mich letzen Küſſe jeder Art, mich letzt Ein Kuß, der angenehm die Lippen netzt: Nicht minder lab' ich mich an trocknen Küſſen, Wobey oft Flammen mein Gebein durchfließen; Gern bring' ich dieſem marmornen Altar Der runden Bruſt ein Mäulchenopfer dar; Gern deiner Schultern, deines Halſes Schnee, In dem ich jedes Aderchen erſpähe; Gern zeichnet dir der Rächer meiner Qualen, Mein Zahn, das Wangenpaar mit Wundenmahlen; Gern, wenn dein liebeſchmachtend Auge lockt, Dein Mund ſich öffnet, und dein Athem ſtockt; Vertauſch' ich unſre Zungen und vertauſche Die Seelen mit in dieſem Wonnerauſche. Gleich viel, ob wir aufs weiche Canapeh Uns hingegoſſen, ob auf weichen Klee; Gleich viel, ob deine Lipp' im Küſſen eilet, Ob ſie ſich ſtundenlang dabey verweilet, Ob ſie die meine ſtreifet oder drückt; Iſts nur ein Kuß, ſo bin ich ſchon entzückt: Entzücket, gibſt du mir ihn, o mein Leben! Und auch entzückt, wenn ich ihn dir darf geben. Rur Eines merke! die Peränderung Erhält uns alle Freuden ewig jung, Und Wechſel nur entflieht dem Ueberdruſſe, Drum laß die Kußart uns nach jedem Kuſſe — ——— — — — — — Verändern, wer ſie nicht mehr ändern kann, Der höre mit geſenkten Augen an, Welch Urtheil über ihn nach den Novellen Gott Cypripors die Amoretten fällen. Er werd' als einer, der das Recht verletzt, Zum Canapeh geſchleppt, dort eingeſetzt Und gebe ſeinem Sieger dann aufs neue Der abgeküßten Küſſe ganze Reihe. — 155— Rl. „Man fliſtert ſich ins Ohr, daß ich zu ſchwelgend küſſe, »Und daß die Vorzeit nie ſich ſolche Küſſ' erlaubt; »Wie wenn ich Lechzender dich in die Arme ſchließe, »Und heiße Kußbegier mir faſt das Leben raubt: »So ſoll ich ängſtlich erſt nach Andrer Urtheil fragen, »Da ich kaum ſelber weiß, wer oder wo ich bin?“ Neära höret mich und nickt bey meinen Klagen, Sie lächelt mich zum Gott, ſie ſtürzet auf mich hin Und küßt mich, Venus küßt den Mars nicht halb ſo lüſtern. Da, ruft ſie endlich auf, da ſehet mir ein Mahl Die Thoren! laß, mein Freund, laß ihre Mißgunſt fliſtern; Denn dieſer Fall gehört nur vor mein Tribunal. — — ———— 5 £ †. 1 5 3 — —— XII. Ey! was thut ihr gar ſo wichtig, 6 Sittenlehrer! predigt nicht! 6 Meine Damen, nicht ſo züchtig! Nehmt den Fächer vom Geſicht. 5 Hab' ich denn die frechen Truppe Geilheitsſänger hier vermehrt? . Lehrt' ich auch nur eine Gruppe, Wie Sabellus*) viel gelehrt? Nein ich ſing', ein keuſcher Dichter, Unverdächtge Tändeley, Mäulchen ſing' ich, und als Richter Spräche Cato ſelbſt mich frey. Jüngſt ſprach Liebchen: ſey und bleibe Unwollüſtig im Gedicht: Aber, guter Freund, bey Leibe Hier in meinem Bette nicht. ²) S. den Martial N. B. 43. Epig. — XIII. J lag von ſüßem Kampf ermattet; deinen Locken *(Sie floſſen lang herab) drückt' ich die Lippen auf, Von Flammenhitze fühlt' ich Kehl' und Gaumen tro⸗ cken, Stets hemmete ſich mehr des Athems freyer Lauf. Ich ſahe ſchon den Styx, ich ſahe Charons Nochen, Da netzet mir dein tief herauf gehohlter Kuß Den dürren Mund und macht vom Tode mich er⸗ wachen; Der Nachen Charons ſchwimmt leer auf dem Höl⸗ lenfluß. Doch nein! es wankt darin mein Seelchen; mich be⸗ lebet Ein Theil des deinen nur, der hält die Glieder feſt: Doch weil er heimlich ſtets zu ſeinem Ganzen ſtrebet: So hilf, eh' etwann er die Glieder auch verlaßt. Iſt dir mein Leben lieb, ſo zieh die feuchte Lippe Nie von den meinen weg, die unaufhörlich gluhn; Dann müſſe(ſchwingt der Tod einſt wider uns die Hippe) Der Eine Geiſt zugleich aus beyder Leib entfliehn. — —— — — — — 1 6 XIV. For fort! mit den ewigen Küſſen! Sie ſind nur ein elender Troſt: Schon Jahre lang hungern zu müſſen Bey einer ſo kärglichen Koſt. Weg wend' es dieß purpurne Mündchen, Dieß Aeuglein voll himmliſchen Licht! Es ſchlägt doch das wonnige Stündchen, Das wonnige Stündchen mir nicht. Das, wo den beglückten Verſucher Die Krone Cytherens umſtrahlt, Und welches auf Ein Mahl mit Wucher Die Schulden der Liebe bezahlt. Doch wie? dü begibſt dich von hinnen? Ha! hierin gehorcheſt du mir! Ich ſprach mit zerrütteten Sinnen: Geliebteſte, bleibe doch hier! und wend' es zu mir her dieß Mündchen, Dieß Aeuglein voll himmliſchen Lichts! Vielleicht ſchlägt juſt heute mein Stündchen; Und beſſer iſt etwas als nichts. — 1 89— XV. Einſt hielt Cupido's Hand Zu deinem Untergange Den Bogen ſchon geſpannt, Da ſieht er deine Wange Aurorenmäßig glühn, Die Augen Funken ſprühn Und niemahls ſtille ſtehen; Er ſieht des Buſens Schnee Rein, wie bey Cythereen, Sieht Haare ſchwarz, wie Schleh', Um deine Stirne ſchweben Und deren Elfenbein Schattiren und erheben. Der Anblick nimmt ihn ein, Weg wirft er ſeine Pfeile Und fleugt in deinen Arm Mit kindiſch froher Eile; Er küßt' den Mund dir warm, Küßt' alle Zauberſäfte, Küßt' alle Liebeskräfte Dir in den Mund hinein; Er ſchwört, dir hold zu ſeyn Und nimmermehr zu ſchaden, Da du mit ſeinen Gnaden — — —— —— —————— ————— ———— — 1 90— So überhäufet biſt, Wer kann es ſeltſam finden, Daß deine Küſſ' entzünden, So kalt dein Herz auch iſt? XVI. Madchen, ſchön, wie kaum die Himmelslichter Der Venus und der Cynthia, Gib mir ſo viele Küſſ', als ihrem giergen Dichter Die holde Lesbia; Als um die Wange dir Cupide ſchweben, Als du im Buſch der Locken hägſt, Im Spalt des Buſens birgſt, ſo viele Tod' und Leben Du in den Augen trägſt; So viel als deine Fleider Reitze decken; (O ſelig, wer auch die erblickt¹) So viel als Liebespfeil' in meinem Buſen ſtecken, Die du hinein gedrückt. So viele Küſſe gib mir, doch die Küſſe Belebe noch durch Tändeley, Durch Lächeln, Zungenſpiel und wiederhohlter Biſſe Wollüſtge Raſerey: Laß jeden Kuß dem Kuß der Tauben gleichen, Wenn durch die wieder grünen Aun Ver und Favonius mit leichten Füßen ſchleichen, Und Erd' und Luft erlaun, — 192 Und wälze dein von mancher Wolluſtthräne Umwölktes Augenpaar hierher Und lehne dich auf mich und flehe mit Geſtöhne: 3 „Halt mich! ich kann nicht mehr!“ Schnell wird mein Arm zum ſüßen Dienſt ge⸗ brauchet, Spi Mein heißer Buſen wärmet dich, Indeß mein Kuß in dich ein neues Leben hauchet, o6 Bis wonnetodt auch ich Rings! Dahin ſink', und nun du um mich die Arme weben, ugl Du an der flammenvollen Bruſt Mich wärmen und in mich ein neues beſſers Leben dDoh . Durch Küſſe hauchen mußt⸗ 5 Dei 3 So ſchlüpfe froh die Jugend uns vorüber! Das Alter ſchleicht ja doch heran, O baß Mit ihm ein Sorgenſchwarm und Podagra und Und Fieber, Ja gar der Knochenmann. dech Und nd Die XVI. g⸗ Schön wie vom Thau der Nacht nie Morgenroſen glühten, O Liebchen glüht dein Mund, benetzt vom Kuß der Nacht; Rings glänzen Lilien, wie wenn ein Kirſchbaum Blü⸗ me then 1 Zugleich und Früchte trägt, voll Herbſt und Som⸗ merpracht. Doch weh mir! wenn dein Mund gerad' am ſchön⸗ ſten pranget, Des Morgens ſchiebſt du mich hinaus zur Hin⸗ terthür. H daß dieß Roth ſo kurz auf deinen Lippen hanget, und weg iſt, kehr' ich Nachts nun wiederum zu bir Doch wenn ſich unter Tags, wo ich durch Haine ſchleiche Und dich nur denke, je dein ſüßer Mund erkeckt Und Andre küſſet; dann deck' ihn die Todesbleiche, Die jetzo das Geſicht mir Liebeskranken deckt. 3 ——— Gebichte. I. Th⸗ XVIII. Cythere ſah einſt deinen rothen Mund, Um den ein weißer Zirkel rund 5 Herum ſich zieht; wie wenn des Künſtlers Hand Ko⸗ rallen Mit weißem Elfenbein umgibt, Sie ſah ihn und rief ſchnell die flatternden Vaſallen, Die Liebesgötter, her, was hilfts, ſagt ſie betrübt, Daß einſt auf Ida's Höhn mein Purpurmund ge⸗ fallen, Daß ich dadurch zwey Göttinnen beſiegt, Und aus der Hand des ſchäferlichen Richters Den Preis erhielt, wenn nun durch dieſes Dichters Vermeſſenes Saitenſpiel mein Ruhm darnieder liegt? Er ſinget, daß der Mund Neärens(o ich glühe Vor Rachbegier und Scham!) den meinen überblühe. Drum auf, ihr Kinderchen! wenn eurer Mutter Schmerz, Wenn ihre Schmach euch rührt; ſo werdet meine Rächer und leeret jenen ganzen Köcher, Der ſpitze Pfeile trägt, den leeret in ſein Herz! Doch in das Herz Neärens ſchießet Nur Pfeile, deren Bley es vor der Liebe ſchließet*). *) Eine Anſpielung auf die zwey Arten Pfeile, die Hvid im J. Buch der Verwandlungen beſchreibt. Die Ach! Befol Du a Grau Doch In de Die 2 Mit d PVerd' Er küſ In vei Geſun d Fo⸗ ſallen, trübt, nd ge⸗ ichters liegt? lühe rhlühe. Mutter tmeine Herz! eile, die eibt. di — 195— Ach! allzu wohl ward Cypriens Geboth Befolget! ich bin jetzt beynahe wonnetodt, Du aber lachſt mit kaltem Herzen, Grauſames Mädchen, meiner Schmerzen. Doch wenn ein Fünkchen Billigkeit In deiner Seele wohnt; ſo heile Die Wunden rächeriſcher Pfeile Mit dem beſungnen Mund; der Quell von meinem Leid Werd' auch der Quell von meinem Glücke! Er küſſe, was ich hiebevor In reichem Maß genoß und nun durch ihn verlor, Geſundheit, Frieden, Ruh' in dieſes Herz zurücke. Verſe ſind nach meines Freundes Prandſtetter Ueber⸗ ſetzung folgende: Des Einen Rohr iſt dick, mit ftumpfem Bley Beſchlagen, wo er trifft, macht er die Lieb' ent⸗ weichen: Der andere pergoldet, ſcharf geſpitzt, Gibt Liebe jeder Bruſt, die ſeine Spitze ritzt. — 196— XIX. Ihr Bienen, trinkt nicht mehr den Honig aus Vio⸗ len, Noch aus der Frühlingsroſ' und grauem Thy⸗ mian. Ihr könnt von Liebchens Mund ihn zehn Mahl rei⸗ ner hohlen, Dort trefft ihr das Gedüft von allen Blumen an. Nur laßt mich ungeſtört mit euch mein Kußrecht üben, Auch ſchlürft nicht alles Naß von ihren Lippen ein; Denn wißt, daß ich und ſie den trocknen Kuß nicht lieben; uns nöthigen hierzu würd' arger Undank ſeyn. Auch fucht den Honig ja beſcheiden wegzuſaugen Und zeigt den Stachel nicht, mit dem ihr nichts gewinnt: Sie hat der Stacheln auch, die Stacheln ihrer Au⸗ gen, Die viel gefährlicher als Bienenſtacheln ſind⸗ Vio⸗ *2 — — rei⸗ n an⸗ en ein; nicht k ſehn⸗ ugen nichts e Au⸗ Kleinere Gedichte. — Anacreons ſiebzehnte DOde. Du ſingſt die Kriege Thebens, Und jener Trojens Schlachten, Ich meine Niederlagen. Kein Reiſiger, kein Fußknecht Und keine Flotte ſchlug mich: Ein völlig neues Kriegsvolk Schoß mich aus Liebchens Augen. —— —— — ——— —— — S —— — —— — —— ——— S —— —— —— . Anacreons vier und zwanzigſte Ode. Nun ich ſterblich bin geboren, Muß ich durch das Leben reiſen, Weiß den Weg, den ich durchwandert, D Weiß nicht den, der mein noch wartet. d Packt euch fort von mir, ihr Sorgen! Nichts hab' ich mit euch zu ſchaffen;„ Ehe mich mein End' ereilet, Will ich ſcherzen, lachen, tanzen Mit dem reitzenden Lyäus. 8 c Parodie von Horazens vierter Ode des zweyten Buches. Ein Stubenmädchen liebeſt du; Deß ſchämſt du dich, lieb' immer zu! Dem Ajax und dem Eiſenfreſſer, Achilles, ging es auch nicht beſſer. Mit Atreus Majorats⸗Herrn ſtund Es eben ſo, des Stolzen Mund Ward unter dem Te Deum Schießen Schon wäſſrig nach Caſſandrens Küſſen; Nachdem ins Gras Held Hector biß, Sein Volk die Waffen von ſich ſchmiß, Und man, ſo ſehr auch Priam flennte, Die Feſtung Pergamus berennte. Wahr iſts, Atridens Liebſte war Stiftmäßig und Abtiſſinn gar. Doch Ilion war eingenommen, Was mocht' ihr da ein Stammbaum frommen? Man weiß, wie ſchnell Fortuna weicht; Dein blondes Hannchen iſt vielleicht, (Wer kann die Möglichkeit beſtreiten ²) Ein Echappe von Edelleuten. — — — — ₰ —— —— —— — ——— — — — ——— —— —— — Denn der Canaille⸗Pöbel iſt, Ein Mädchen, das umſonſt dich küßt, Gewiß nicht fähig auszuhecken; Da muß was anders drunter ſtecken. Ich hoffe doch, du argwohnſt nicht, Daß Hannchens Schönheit mich beſticht, Mit vierzig Jahren auf dem Rücken Kann man auf Schönheit kälter blicken. N An Pyrrha. Rach Horazens erſter Ode des fünften Buches. Wer iſt es, welcher itzt, umſtrömt von Salben⸗ duft, Schön und im erſten Lenz der Jahre, Dich auf ein Roſenbett in traute Grotten ruft? Wem loöſeſt du den Knoten blonder Haare, Bezaubernd ohne Prunk? bald wird in Weh⸗ getön Sein Stolz verwandelt und in Reue. Er wird von keinem Gott ſich angelächelt ſehn: Umſonſt beruft er ſich auf ſeine Treue. Der Wonnehimmel iſt von jähem Sturm ge⸗ ſchwärzt, Dein Herz zu andern hin gekehret. Noch ahndet es ihm nicht; noch herzend und ge⸗ herzt, Wähnt er, der Thor, daß dieſes ewig währet. —— ——— Weh dem, den du entzückt, eh' er dich ganz gekannt; Ich ſelbſt bin kaum dem Sturm entgangen; Seht ihr mein Opferbild, ſeht ihr mein naß Ge⸗ wand An dem Altar des Wellengottes hangen? ch ganz aß Ge⸗ 7 ern 203 An mich ſelbſt. RNach dem Catull 77. — Iſt dieß dem Sterblichen ein ſtäter Quell von Freu⸗ den, Wenn er ſein redlich Herz durch Laſter nie beſchwert: Die Treue nie gekränkt, mit lügenhaften Eiden Die Menſchen nicht getäuſcht, die Götter nicht ent⸗ ehrt: So ſtrömet Wonne dir noch auf die ſßätſten Tage Aus deiner ſchlecht genug gelohnten Liebe zu. Denn was nur möglich iſt, daß Ein Menſch andern ſage, Ein Menſch für andre thu', das ſagteſt, thateſt du. Doch ach! verſchwendet wars an ihr; die Undonk⸗ bare! Drum bleib, den Göttern ſelbſt zum Trotz, nicht eleld mehr! Ermanne dich, ſey ſtark: zwar ein durch viele Jahre Nicht abgeſchüttelt Joch abſchütteln, das iſt ſchwer, Doch das nur rettet dich; der Kampf ſey ausge⸗ ſtritten! Auf ſiege! frage nicht, wird dieß auch möglich ſeyn? Ihr Götter wohnt bey euch Erbarmen, pflegt ihr mitten Im Tod den Ebdlen noch mit Hülfe zu erfreun;! — — — — — ——— So blickt auf mich herab, und findet ihr mich red⸗ lich 1 So heilt mein krankes Herz, heilt es von dieſer Peſt, Die es wie Gift zernagt, gleich ſchmerzend und gleich ſchädlich Kein einzig Luſtgefühl darin gedeihen läßt. Richt mehr um Gegenlieb', um Treue meiner Schö⸗ nen, (Denn treu ſeyn kann ſie nicht) beſtürmt euch mein Gebeth; Geneſung iſt es nur, um was mit bittern Thränen Als ſeiner Tugend Lohn ein Tugendfreund euch fleht. L — Laß: Jan Unter Vir, Müſſ Gib Andr Und Sind Dann Sie Wenn gleich S hi⸗ h mein hrinen ſieht. An Aus dem Catull. D o r i5 9 VTaß uns leben, mein Liebchen, laß uns ließen; Laß uns all das Gebrumme ſtrenger Alten Ja nicht höher, als Eines Hellers, ſchätzen. Untergehende Sonnen kehren wieder; Wir, ging ein Mahl dieß kürze Licht uns unter, Müſſen ewig die lange Nacht durchſchlafen. Gib mir Mäulchen, nun tauſend und nun hundert, Andre tauſend nun, dann das zweyte Hundert, Und dann wieder bis tauſend, und dann hundert. Sind ſo mehrere Tauſend' abgeküſſet, Dann laß ſie uns verwirren, daß wir ſelber Sie nicht zählen, kein Schurk' uns neiden könne, Wenn er etwa der Maulchen Zahl erführe. An Linen. Rach dem Tibull 4. B. 13. Eleg. Rie ſoil in dieſem Bett, wo unter Honigküſſen Du dich zuerſt mir gabſt, ein anders Weib ſich ſehn: So viele Schönen auch Wiens Mauern in ſich ſchlie⸗ ßen. Gefällſt doch du mir nur, biſt du allein mir ſchön; 5 fände, Dann wäre dieſes Herz in ſtolzer Sicherheit. Der Weiſe freut ſich ſtill, Bewunderung verſchwende Der Pöbel nie an mich; ich brauche keinen Neid⸗ O daß die Götter doch uns einſt zuſammen brächten In dem entfernteſten und menſchenleerſten S Du würdeſt Troſt in Harm, du Licht in ſchwarzen Nächten Und in der Einſamkeit du mir Geſellſchaft ſeyn. Ja, ſchickte der Olymp mir Eine ſeiner Schönen, Ja, käme Venus ſelbſt, vergeblich käme ſie: Ich es, und mein Schwur ſoll auf zur Göt⸗ tinn tönen, Die uns ſo feſt verband, zur Göttinn Sympathie! Wenn nur auch außer mir kein Mann bich reitzend V Und! Du b Wenn Ble Trg' Gefſſ Meine — 209— Was ſchwur ich Thor! ich gab das Pfand aus mei⸗ nen Händen Und nahm dir eine Furcht, die mir ſo heilſam war; Du biſt nun ſtark, ich ſchwach, wohin ſoll ich mich wenden, Wenn du tyranniſirſt; und doch, Trotz der Gefahr, Bleib' ich der Deinige, die ſchon gewöhnte Kette üſen Trag' ich mein Leben lang, nie falſch, aufrühriſch h ſehn:. nie: ſchlie⸗ Gefeſſelt flieh' ich nur zu Cypris heilger Stätte; Meineidige beſtraft und Flehnde höret ſie. ſchön; reitzend t. ſchwende Reid⸗ brächten Hain! ſchwarzen ſeyn⸗ ⸗ Schinn zu Git 1 Gedichte. 1. Th. O — 210— Die Entbehrlichkeit des Puges. Nach dem Properz 1. 2. Warum, o Liebchen, hüllt in Galliſche Dormeſen Dein Haar ſich, oder prangt mit theurem Schmuck beſteckt? Warum verbauſt du mir mit neidiſchen Trompeuſen, Und rieſenhaftem Strauß den lieblichſten Proſpect! Vertauſcheſt, welch ein Tauſch! dein Selbſt um fremde Waaren, Den angebornen Reitz, der göttlich dich umwallt, um feilen? laß den Tand(denn er verſchönt nicht) fahren! Cupid iſt nackt und haßt erkünſtelte Geſtalt. Sieh, wie der Boden ſich mit eignen Blumen ſchmücket, Wie ohne Gärtnerhand der Epheu weiter kreucht; Wie ungepflegt ſich mehr der Hagedorn verdicket, Wie ungelehrt der Bach durch grüne Wieſen ſchleicht. Sieh, wie die Muſchel prangt, von der Natur gemahlet, Ununterwieſen uns die Biene Honig bringt, Hellglänzendes Geſtein an fernen Felſen ſtrahlet, Und ohn' Urt re mi fa der Vogel ſüßer ſingt. Wa Ins 5 Wats In ha Rei Und w Mit ke Natur Un Hat! Komn eſen uc uſen, ſpeet! bſt un wallt nicht) Plume eucht icket/ ſhlcht Natur — 211— Wars Sarais Friſur, was tief den Liebesſtachel Ins Herz des Großpapas der Gläubigen gedrückt? Wars Putz, was Iſraeln an ſeiner ſchönen Rachel*) In harter Dienſtbarkeit durch vierzehn Jahr' ent⸗ „ zückt? Nein! beyde borgten nie ſich Reitz von Edelſteinen Und wünſchten, frey von Putz⸗ und von Erobrungs⸗ ſucht, Mit keinem Buhlerſchwarm umringet zu erſcheinen; Natur war ihr Geſchmeid', ihr größter Schmuck war Zucht Und doch gefielen ſie; der Reitz von ihren Küſſen Hat durch Genuß und Zeit ſich niemahls abgenutzt. Komm, Liebchen, laß auch uns ein ſolches Bündniß ſchließen! Die Einem Mann gefällt, die iſt genug geputzt. *) Rachel nach der Hebräiſchen Ausſpräche und der Vulgata, bey Luthern Rahel⸗ V —— —— 3 ——— ——————— ———————— * — S — — d — — — — — — — — — ——————— ———————— n Heyn —— — — Mein edler Freund, deß helle Fackel mir Schon oft geleuchtet hat, wenn ich, voll Wiß⸗ — ——— begier, Das alte Griechenland und Latium durchirret, Indeſſen mancher Editor Mit ganz entſetzlichem Rumor Mir um das Haupt, Nachteulen gleich, geſchwirret⸗ Was dunkel war durch Scharlatanerien, 3 Und Notenrauch ſtets mehr und mehr bedecket, Und wenn die Mittagsſonne ſchien, 3 Ein Pfennigkerzchen mir großmüthig aufgeſtecket; 3 Mein edler Freund, dich preiſen will ich nicht, Das hieß' ein Tröpfchen in das Weltmeer ſchütten, Doch danken will ich dir, denn Dankbarkeit iſt Pficht, Und deinen Nahmen mir erbitten. 3 Wenn dieſer an der Stirn der Liederchen erſcheint, Die ich den Römern Römiſch nachgeſungen, So ſchont, und wären ſie mir wirklich ganz mißlungen, So ſchont die Muſ' in mir doch ihres Heyne Freund. ——————— Doch ganz mißlungen, ſollt' ich meinen, Sind ſie mir nicht; eh' heimiſcher Geſang In meinem Knabenohr erklang, Behorcht' ich, ſchon in den Auſonſchen Hainen Den Mantuaner, den Peligner Schwan; Hier fühlt' ich, daß ein holder Wahn Sich meiner Seele ganz bemeiſtert, Hier fühlt' ich mich zum erſten Mahl begeiſtert Und hob ein Lied nachzwitſchernd an. Geht, denen es behagt, laßt euch auf euern Reiſen Zum Tempel der Unſterblichkeit Den Weg von Galliern, ja ſelbſt von Britten weiſen! Mir geb' ein Griech', ein Römer das Geleit: Dann wird mein Magen nicht, beym Schwalle von Tiraden, Mit Seine⸗Waſſer überladen, Noch macht ein Punſch, den allzu vieler Rum Verdorben hat, den Kopf mir dumm. Bey dieſer Liebe zu den Alten Iſts wohl ein Wunder, wenn ich mich Auf ihrer Leyer ſelbſt zu klimpern nicht enthalten? Und lohnet dieſes, ſagt ihr Kenner, lohnt es ſich Nicht eh' der Müh, als den Franzoſen 4½ Nachnieſelnd, im Rondeau, Sonnette, Madrigal Zu Galliſcher und Deutſcher Ohren Qual, Als Baſtard, Iris liebzukoſen. Du, den Germania mit ſo viel Recht verehrt, Laß unter deinem Schutz mich Römerlieder ſingen: Denn ſind ſie gleich nicht witzig, noch gelehrt, t So wird auf ſie doch einen kleinen Werth Das Biederherz des Dichters bringen, Das dir, mein Heyne, ganz gehört. Flegia de Medici Commodis. S Felices nimium, dederat queis aequus Apol- lo Inceſſiſle via, clare Galene; tua! Artibus hanc certe fertur magis omnibus unam Diligere, et natos edocuiſſe ſuos. Heu mileri vates! et nos Phoebea vocamur Turba; ſed eſt merces, gratia, lausque mi- nor. ampla domus medico eſt; ornare cubilia pal- lim Fügereae certant Zaunereaeque manus*). Nos colimus coenacla alti fub culmine tecti, Ardua, felino vix adeunda pedi. . Hic nitido vehitur curru, multumque fatigat, Ouos illi celeres Anglia miſit, equos. *) FMger et Zauner. Hic ſamo, iquicis ille coloribus Follers nunc Kominem pohere, huhne Deum. 4 No Div No Vin Nob Qu pol ſbus mr mi. cti, gat, gal⸗ nunt Nos fugimus, tonitat dum laevo auriga fla- gello, Vnica ne turpi ſit toga ſparſa fimo. Pivitis hic paucos ſi vitam ſervat in annos, Munera fert, magno munera digna Jove. Nos dum fautores aeterno augemus honore, Non exorata ſaeva ſtat arca ſera. Vina quoque, incaſſum madidis laudata poetae Verſibus hic magno promit avita cado. Nobis, qui ſicci laudamus, Mavus Apollo. Pocula Caſtaliae plena minlſtrat aquce. Quin et Amor, ſaevum hoc atque intractabile numen, Qui ſpernit doctae fila canora IVrae; Lento divinum qui torruit igne Maronem, Sappho Leucadiis qui male merfit aquis; Blandius adſpirat medico, gremioque foven- dum Seſe offert, tenera mulcet et usque manu. Oſcula nos foribus non pervenientia clauſis Figimus et lacrymis ferta gravata damus; medicus thalamum, nullo prohibemte, puel- lae Intrat, et ancillas tutus abeſſe jubet. Tum vero aſſidens Amathunteae orgia ma- tris, Vulgarique ſibi dulcia furta petit; 220 Quaerit, an emiſſet violento prima dolore Gaudia, ſanguineo gaudia rapta toro. Quaerit, quis fauſta ſollennia nocte tropaea Rettulerit victor, quotque, quibusque mo- dis. Sic ſcit quaerendo caſtum ſolviſſe pudorem, Sternere ſic faciles ad ſua vota vias. Nonnunquam docto falientes pollice venas Explorat, frontem, tempora, colla, ge- nas. Nonnunquam niveas ſolet attractare papil. las, Nonnunquam tenerum ſollicitare latus; Quin etiam fimulans, uterum geſtare puel. lam, Aſtute vacui quaerete ventris onus; Prolibus et dudum ſteriles augere maritas, Hincque a longaevo praemia ferre viro. Quid mihi cum Muſis? laurum decerpere fron oti, Frangere et ad ſaxum plectra ſonora lubet. Ferte citi yhialas, date fammam, aptate ve. tortas, Quaeque ſibi Cous vindicat arma ſenex. Tuque o herbipotens duc ſummi a vertice Pin- di, Atque Coronidae pande lycaea tui; Ut Tur — 227— 221 . Ut diſcam nigro metuendus Stollius Orco Quae docet, et morti Rgna tremenda ſe- quar. Tunc dicent vates me terque quaterque bea tum, Et cupient artes diſcere quisque meas. ——— Initium Libri quarti Meſſiados. Ar Caiphas Satanae poſt dira inſomnia lecto Haeret adhuc, verum alma quies procul alma 6 receſfit. Ille modo dormit, vigilat modo, multa volutans Secum, perque torum nunc huc nunc volvitur illuc. Atheus in medio pugnae ſic volvitur; illum Inſtantes urgent hoſtes, crepitantiaque arma, Et ſonipes ſuper inlurgens, ſtrepitusque, furorque Caedentum, et late flagrantis fulmina coeli. Ille caput filſus jacet amens; mixtus acervo Caeforum; jamque ipſe ſuam cum ſanguine vitam Efſluxiſſe putans; ſed humo mox membra le- vatus Sentit adhuc, et ſpirat adhuc, fremit, haurit, et hauſtum Ad coelum dextra jactat moriente eruorem, Inceſſitque Deum dictis, cuperetque negare. Haud aliter Caiphae turbantur pectora; lecto Proſilit; extemplo, quibus elt comiſfa ſacrorum Cura, jubet, imul atque patres accirier omnes. I lma ans ür rque li. 70 itam 3 le autit⸗ —— 22 3 e Aula fuit ſpoliis Libani conſtructa ſuperbis Templorum in medio, claris conventibus apta Et Salomoniacis alte ſubnixa columnis. Huc lecti de plebe patres, templique miniſtris Concilium ut ſummis regni de rebus haberent, Conveniunt, patribus graditur permixtus Ioleph. Hic Arimathaeae praedives natus, et inter Degeneres Abrahae clarus pietate nepotes, Et rerum prudens, et fervantiſſimus aequi. Luna velut placide nivea inter nubila fulgens Apparet coelo, lic coetu apparet Ioſeph In medio, laterique comes Nicodemus adhaeret, Illius et[ancto Meſſiae vinctus amore. Imperioſa movens nunc circum lumina ſurgit Antiſtes, atque haec ardenti pectore fatur. ————— In Mortem Stollii. X Viit! ſic totam moerens it fama per urbem; Fxcitique ruunt, et qui altis cincta columnis Atria magna tenent, et qui ſub finibus urbis Conduxere caſas; dolor omnibus unus, et idem Per plateas reſonat gemitus, nimiumque fa- tetur Mors licuiſſe ſibi, nec tanto funere gaudet: Quamvis nunc illi major data copia noſtri Corporis, atque manus faevae tendamus iner- mes. Nempe jacet flenti ſponſum qui reddere ſponſae, Qui matri ſolitus natum, natisque parentes; Qui prius, ac medicas ſolers admoverat artes, Jam placido atque graves aegri miſerante do- lores Sanabat vultu, qui primo in limine viſus Addere[pem poterat, trepidumque' levare ti- morem; Qui nunquam, clarisne aeger natalibus ortus, Quaerebat, divesne aut multo inſignis l onore; Esse hominem ſat erat: me etiam, me temporo ſaevo, em; is dem fa. iner⸗ ulae, rtes/ e oo hre ti ortus vore nporo Cum füreret ſuccenſa mihi per corpora febris; Juſſit habere novam, ſua tantum munera, vitam. Pollite jam munus, crudeles tollite Divi! Demite ſervato; demtosque apponite, quaeſo, Servatori annos! quis énim communia ſolus Damna reſarcire, humanae ſolatia genti Reddere, totque neget pro vitis pendere vitain? Quid loquor heu! ſürdum quid votis impleo coelum? Infelix Superis urbs haec Hi cura fuiſſet, Fletibus affiduis et multiſono ululatu Non properata ſui duxiſſet funera Stolli. Non animus, cunctis ſedes gratiſſima Mulis, Tam cito diffuſus tenues migraſſet in auras; Non haec continuo noſtris exercita curis Pectora tam fubito glacie conſtricta rigerent, Nec lingua Hyblaeos vincens dulcedine rores, Et per diſcipulos ſero latura nepoti Auxilium, Parea ſic feſtinante, Hileret. Non tamen, ingentis ſunt haec ſolatid luctus Unica, non totum tamen abſtulit invida lethi Hora virum, ſed parte ſui meliore ſuperſtes Aeternum colitur, flavos qua Sequana fluctus, Qua dives volvit Tamelſis, qua Tybridos unda Murmurat, et curvus minuit qua littora Sus- 6 *) Vulgo Fpreld. Gedichte. I. Th. P ——————— ———————— ⸗——————— —————— Quisquis Paeonias illic accedit ad artes, Hunc vos non ſummis obiter guſtare labellis, Sed cupidum longo potare videbitis hauſtu Cuncta, Viennenſis quae liquit, ſcripta Machaon, Scripta viri doctos nunquam tacitura labores. Dumque tuis relonat, Boerhavi, laudibus orbis, Dumque, Hallere, tuis, veſtra inter nomina vivet. 0, bis, nina — 227— Initium libri tertii Argonauticorum ex Apollonio Rhodio. Nunc mihi, nunc adlis, Erato, precor, atque canenti Annue, ut expediam Medeae munere amantis Aureum lolciacas devectum vellus ad oras. Tu, Dea, tu partes Veneris lortita tuendas Ffficis, innuptae cura ut mordente puellae Langueſcant, nec fruſtra Eratus te nomine dicunt. Heroum denſa latitavit arundinè navis Pone ipſi, ſummo Pallas quos ſpectat Olympo, Et germana Jovis; thalamos ingreſſa, nec ulli Viſa Deum, non ipki, atro qui fulmine terret, Dtraque, quid facerent, expendunt; regia Juno His primum explorans affata eſt Pallada dictis. Magna Jovis[oboles verbis exponere mentem Incipe, ique lubet, fraudes modo finge ſalubres, Queis Aeeteo de littore vellus lalon ¹) Uſiut ſum praeolara ſummt viri Rrunclis odi- tione. P 2 ——— 226 ₰ In patrias revehat terras, placidisque iyrannum Mulceat alloquiis, ut quamvis neſcia flecti Barbaries, fulvo tamen illum munere laetum Dimittat: neque enim quidquam ſtat linquere inauſli. Palia Juno, alacri contra Tritonia vultu: Haec eadem tacito volventem pectore, Diva, Opportuna rogas, ſed non queo, ceérta futuri, Ferre, quid expediat, rebusque lit utile Gra jum, Quamvis jam partes animus ſe vertit in omnes. Dixerat haec Pallas; ſimul illa et magna To- nantis. Germana ingenti eurarum fluctuat aeſtu, Lumina fixa[olo; ſed primum regia Juno Conlilium cepit, fuditque has ore loquelas. BFja! age; nunc almae quaeramus tecta Piones, Incitet ut puerum, teneros qui irritat amores, PTela arcu vibrare, quibus percuſſa virago Herbipotens magno Aeſonidis teneatur amore, Conſilioque virum et magica ſimul adjuvet arte. Sic puto, ſic auctus pretiola velle redibit. Haec Juno; doctae nec non cata dicta Minervae Arrident, placidis contra ſic vocibus infit: Me pater illorum, quae mittit tela, Cupido, Ignäram genuit, durum et mulcentia pectus Non novi; sed tu, li fert ita corde voluntas, um ere turi, Gra nnes. Sb. Ones, 0reb, nolẽ, arte. Vae ido, 45, 2 Perge, fequar; Venerem tibi fas tentare pre- cando. Haec ubi dicta, Deae mox ſeſe ad Cypridos aedes Proripiunt, illi multa quas fecerat arte Vulcanus, ſacri junctae modo foedere lecti. Jamque domus altum ingreſſae[eptum, atria ſervant, Nec thalamos ſubeunt ipſos, ubi pulcra marito Sternebat claudo lectum Cytherea jugalem. Mulciber iple quidem ſe matutinus agebat In ſpecus immenſum Lipares, quac fumida pontum Ambulat, hic flamma magnisque incudibus aera Cuncta domat; varias poſthac imitantia formas. lnterea conjux portis averſa ſedebat Sola domo, qua fulgenti tornata micabat Sella auros longi per candida colla capilli Errabant, quos Diva manu fingebat, et aureo Pectine verſabat; cum primo has limine ſtantes Conſpexit, digitis exculſus pecten, et ipſa Emicuit, thalamisque jubet fuccedere Divas, In[olioque locat celſo, poſt ultima fellam Occupat, in nodum pulcros incompta capillos Colligit, et dulci ſubridens ore profatur. Quae mens, o multum venerandae, aut cauſſa ſubegit ⸗ — —— — „ — 230— Nunc demum noltras longo poſi tempore ſedes Viſere, raro equidem de tanti laetor honore Hoſpitii, divas nam vos praeceditis omnes. Tum Juno: magnum luber irridere dolorem Qui mentem turbat noſtram: jam ductor Ialon Et ſocii vellus repetentes Phalidos amnem Nave tenent; auſis ingentia coepta timemus Omnibus, Aeſonidi ſed enim magis omnibus uni Huic ego, Tartareas peteret ſ remige ſedes, Aeratis laxare parans Ixiona vinclis, Non deero, noſtris quantus vigor artubus haeret; Nec mihi laetetur Pelias, vel fata ſuperbus Effugiat, noſtris qui nunquam altaribus ulla Pona dedit; longo ſed jam mihi tempore cor- “ di eli Aelonides; ripas quondam ſpumantis Anauri Servabam, tentans, mortali in pectore quanta Sit pietas; illi tuleram tunc obvia grellum, Cum peteret patriam laſſus venatibus urbem: Jamque furebat hyems, ingentes u ndique montes Albebant nivibus Spari, Krepituque lonante Volvebat torrens majores auctior undas: Hic me anui ſimilem ſpectat miſeratus et altis Imponens humeris vada per declivia portat: Ex illo multum nobis dilectus Ialon: At Pelias, niſi tu reditus inimica negaris, Det meritas nobis ſcelerato fanguine poenas. — —— — wri anta m, ntes nie ltis — 231— Sic Juno; infolitum movit Cythereida ver⸗ bum*), Averſosque oculos non auſa in ſupplice tanta Figere, ſed blando demum haec ſuperaddidit ore. Sit Juno veneranda, tibi jam nulla Dearum Me levior, precibus ſi veſtris ulla negare Suſtineam, verbis aut tardatura juvare Aut opere, imbellis ſi quid mea dexterd poſfit. Mutua nec quondam vobis benefacta repoſcam Haec Cypris, prudens relpondet talia Juno. Non valida Cytherea manu, non robure egentes Venimus, at puerum juheas, prece mota, vo- lucrem, Aeeta gnatam magno ductoris amore Vinciat Aelonidis; Grajum conatibus illa Si favet, haud dubium eſt, aurata pelle potiti Quin redeant; etenim multas ſcit callida fraudes. Haec ſata Saturno? vettris, ſic Cypris utramque Alloquitur, Divae, dictis parentior ihit, Quam noſtris; almos liceat modo cernere vultus, Non omnis, ſpero, deerit pudor, improbus iſte Sit licet, et matri ſtolidae inter jurgia linguae Non parcat, nec curet eam, nec dicta faceſſat: Quin ſemel, ut juſias mens noſtra exarfit in iras, *)—— ni alma Venus nil redders eontra. Vt clarmus Brunchius, e Ruhnkenio emen- davit. S —— — ———— 232— B 2 Ft me prqmißi, coram horriſonasque ſagittas Fracturam atque arcus, graviter commotus, 3 atroces Edidit ore minas, ſileam, dextramque retractem, Se cohibere animum, quem ſi importuna la- ceſſam, Mox fore, me proprii capiant ut taedia facti. Finierat, rident illae, nutusque viciſſim Pant ſibi, at illa dolens fentitque, refertque: cachinnum, Sunt, queis nostra movent mala: nec memo- rare neceſſe Omnibus, heu nimium novi ipla; aſt nunc mi- hi cordi eſt Quaerere natum, omnesque aditus tentare, nec ullis Parcere blanditis, meaque haec, puto, juſſa capeſſet. Pixerat, at contra Juno ſic voce reponit Subridens, teneramque manum complexa Cy- therae: Perficias promiſſa mihi, ſed jurgia mitte Cuncta, rogo, et[aevo noli contendere gnato, Nam mox depoſita cedet tibi mollior ira. Sic ait, et ſolio ſurgens cum Pallade greſſum Rettulit, at celſum Cytherea petivit Olympum, (Talia namque animo video gratiſſima veſtro) cti. moO mi- tro) nec uſſa Si forte inveniat gnatum; mora nulla, ſeorſim Invenit magni Jovis in florente vireto, Nec[olum, juxta Ganymedes, Jupiter alto Cui dedit in coelo menlis alliſtere Divum Inſignem ob formam, puer atque aequaevus Amori. Auratis ludunt talis; amor eminet alta Cervice, et talis fert plenam ad pectora laevam, Florentesque rubent malae: fed poplite flexo PDemiſſusque oculos Phrygius ſilet: unus et alter Talorum ſupereſt tantum; modo projicit illum Hunc modo ridenti nequicquam iratus Amori. Hos etiam eſt lucratus Amor; verum alter abire Mentis inops, vacuis manibus, nec cernere Divam Adventantem; aſli illa ſuo contraria gnato Adſiitit et dextra mentum complexa profatur. Decipis incautum, deceptumque, improbe, rides Quippe dolo victor? ſed nunc mihi perfice votum: Neve operis pigeat; nam pulcra crepundia, nate, Sunt mihi, quae prudens Idaeo fecit in antro Adraſtea Jovi nutrix puerilia quondam Ludenti; haec eadem, queis vix Vulcania certent ———— ———— ——— —— —— ——— F ——— —————— — 2 34— Munera, dona feres: ſphaera eſt verſatilis, illum Orbis perfecto circumdat plurimus auro, Apſide perfuſus duplici, multaeque latentes Intus ſuturae, viridi quas flexilis ambit Fronde hedera; haec manibus projecta per aera ſtellans, Nate, tuis fulvum ignabit lucida ſulcum. Hanc dabo, fatali quamprimum laeſa ſagitta Peperit Aeſonidem virgo Aeetea, ſed omnes Pelle moras, lento minor eſſet gratia facto. Dixerat, auditis gaudet, jactatque Cupido Ludicra cuncta procul, manibusque affixus utrisque, Hinc atque hinc veſtem matris tenet, atque micantem Extemplo poſcit ſphaeram; ſed pulcra Pione Blandis permullit dictis, malisque prehendit, Oſculaque inſeruit ridens, complexaque natum Noſtrum juro caput, quodque hoc mihi carius, inqurt, Juro tuum, capies, nec te dulciſſime fallam, Praemia, tu certis modo fige Aeetida telis. Sic ait, at talos ſubito legit ille, ſinuque Splendenti matris numeratos ordine cunctos Injicit, et pictam quam multo balteus auro Circumdat, trunco acclinem tunc forte pha- retram — ilum tes aera tta anes do fus atque ione enit atum grius, lam, Suſpendit de more humeris, ſimul arripit arcum. Protinus omnigenis felicem fructibus hortum Linquit, et immenſi eft portis egrellus Olympi Aetheriis; iter hoc declive; cacumina terrae Ambo poli apricos tollunt ad ſidera montes, Quos tingit primos orientis purpura Phoebi. Hic vaſtum tranat dum pennis asra, cernit Almam ſub pedibus tellurem, urbesque virorum Fluminaque et montes cingentemque omnia pontum. —— Vifum nocturnum. Nuper cum placidis mihi nox per membra ſo- porem Piffudit manibus, fubito tremere omnia cir- Ai cum, Et crepitare fores, ſolidoque repagula ferro Laxari, et toto lumen Iplendere cubili. Mox ſtratum petitur noſtrum, Geniusque Vien- nae Viſus adeſſe mihi; rubram nam faſcia veſtem Aba coercebat*), fluitantes vitta capillos.. Obliupui, atque Pei lupplex ut numen ado- rem⸗ E ſtratis magno volui me mittere ſaltu. At non, qui noſtris ſubiit penetralibus holpes, Haec paſſus, ſed me trepidantem ac multa vo- lentem Dicere corripuit dextra, lectisque retento Amplexus dedit, et roſeo ſuper addidit ore: *) Memineris tignum album in camypo ru— bro Auſtriae pro inſignibus eho. ( E D ra ſo· bcir- ero Vien- eſem 0s 1 ado · olpes ta VO· re „ ri Per te Poolini toto eſi notiſſima coelo Fabula; tu fidibus priſcorum facta virorum Concelebras, Mulis non dedignanda locutus. En tibi ego[ſummo nuhc applauſurus Olympo Deſcendi Deus, et noſtrum mihi gratulor Iſtrum, (Quamvis Sinedus Divae ad monumenta The- reſae Sulpendit plectrum, clauſoque obmutuit ore) Non inhonoratum nec egentes carmine ripas Manſiſſe, o felix, ſi Muſis ullus in urbe Eſſet honos, proceres ſi quid Phoebea mo- veret Ars noſtros; illis ſed laeva in parte mumillue NWl ſalit, et nugis omnis conſumitur aetas Cum medio currens coelo[ol contrahit um- bras, Tunc demum heſterno ſua Como membra gra- vati, Saepius et moniti dulciſſima ſtrata relinquunt. Toſtarum extemplo fuccum cum lacte fabarum, Quas felix fſubmittit Arabs, Cereremque re- curvam Deguſtant, non plenae imitantem cornua lu- nae*). Pone ſiat e vaſra Gallorum gente miniſter, *) Hipfel noſtrates appollant. — ——— —— Garrulus, et toto quo non praeſtantior orbe Concubitum innocuis aut perſuadere puellis, Aut legere ingenti meretricum ex agmine, do- ctas* Quae melius motitet clunes 9, quae mille fi- guras Calleat, et comites, ipſamque Elephantida*) vincat. 2 Iſie Cupidineas tradit, recipitque tabellas, Iſte docet, pulcrae num ficta ſitira puellae, Num ſaevus genitor, num flecti neſcia mater. Iſte monet,[anctum mox everſura pudorem Munera non parcus mittat, ſimilisque Tonami Aureus in gremium dilectae depluat imber. Haec dum agitant, heroum illa alta et clara propago Suſpirat, tantae differri gaudia noctis, Atque ut forte aliquis, quorum eſt a fanguine cretus, Turcarum csſtris ſi' ſe tenuere phalanges, Certamen poſcens laudisque cupidine flagrans, *) uis lector forvs ac cenſorii ſupercilii nuda haec verba nan ſe ferenda credat, ill⸗ perpen- dat, nos ad eruditos non ad opulum verba fucere, et ena cum Aingua Romanorum Romana etiam ſeu Aibertate ſeu licentia ſos fuhe. **) Foripfit xrxnMeg. Vide Murtialem. lis, „do. le fit a*) s, ae, hater⸗ rem onanu ber. clara uguine grals, i nuda perpen ucere⸗ * elium — 239— Tractavit capulum, medium nudavit et enſem; Sic etiam hic tantis dignus natalibus ardet, Impatiensque morae Veneris certamina poſcit Interea crines verſati dextra miniſiri Jam calido vibrat ferro, jam pectine longo Diſponit cirros, craſſoque obducit amomo, Et niveo, labor hic[upremus, polline[pargit. Talibus aulpiciis, et tanta mole läborum Coepta dies curas inter finitur easdem. Nunc lubet aurato cervos praevertere curru, Quorum Praterus denſa tegit agmina ſilva, Agmina caeſario tantum morientia plumbo. Nunc afſidentem Circi ſpectacla tueri. Horrida, balantem aut agnum ſub morſibus urh, Aut equulos[aevae laceratos ungue leaenae Mox longas curvis aures afferre theatris, Atque illas miniae peregrino paſcere cantu, Et tremulam, male reſciſſis genitalibus ermtam Semiviri vocem totis haurire medullis: Hinc luſum petere, et patrium conſumere cen- ſum, Tandem coenatum lauti de more Vitelli Pormire, et medio tantum deſtertere ſole. Dic mihi, dic,[odes, has curas inter et artes Quis locus eſt Muſis? et cur mirabimur, illas Marmoreas odiſſe domos, parvosque penates —.— — 240— Praepoſuiſſe, quibus reſidet Labor improbus ore Sudanti, et torvo conſtans Solertia vultu, Ft Studium pallens, cubitoque Intentio Jemper Nixa ſuo; nec parca olei Vigilantia docti. At tu, qui fortis vulgaria ſpernere vota, Non arcam ingentem non regum quaeris ho. nores Ft Labyrinthaeos, filum tendente Sophia, Liquilti juris flexus, ut pectore toto Acciperes celſi ſpirantia numina Phoebi, Sis felix, tritumque ſemel ne deſere callem: Et, metuo hoc equidem, ſi ſpernit inepta li- bellos Vindobona tuos, tu contemtrice ſuperbi. Sunt aliae ingenuis[aevae minus artibus ur- bes, Non Fridricopolis, quamvis immitior illa Auſtriacis fertur, non te Gottingia, claris Sit licet aucta viris, non ſpernet Lipfia civem Lipſia, ſecurum profugis quae ſemper alylum. En tibi Semano jam brachia tendit ab Ilmo Wielardus, dignum qui te lauroque Iyraque Phoebea putat, et paribus non invidet armis! Quin potius currum, quem alti per nubila coeli Raptat equae gryphique trucis monſtrola pro- Pass mprobus lw, olemper ocü. pta, laeris ho bi, callem: inepta li erbi. rtibus ur or illa claris ſia civem er alum ab Umo yraque let m oeli ubila coe trola — 241— Quo ferri ſolet ipſe, tibi modo tradere geſtit, Nec Phaetonteos laplus timet, ardua quamvis Sit via, et alſuetus majori pondere currus. Haec tibi ſufficiant; ſtolidae pro laude Viennae Perdere durantem noli poſt funera famam. Haec Peus et ſolitum rurſus repetivit Olym- Pum. Bedichte I. Th. D — — ————————————— 2—— ⸗——— —— Seite. Zueianungsſcheif an Freyherrn van Swieten, 3 Größere Ueberſetzungen und Nachahmungen aus Claſſikern. Riſus und Euryalus.(Aus dem neunten Buche von Virgils Aeneis. 176— 5o2. Vers.) An Fräu⸗ lein Carolina von Greiner. Bero und Leander.(Nach dem Muſäus.) An Wie. land. 5.* Der Raub der Helena.(Rach N gpluchus) An Eckhel und Regelſperger... Pygmalion.(Rach dem Drid. Metamorpl. X. v. 243.) An La.. 3 3 Polyrenens Tod.(Rach dem Hvid. NII. v. 439.) An Ramler.. Lucretia.(Rach dem Ovid. Fast. II. v. 721.) An u. Bacchus und Ariadne.(Rach dem Ovid. Fast. III. v. 459.) An Adelung.. Faun und Omphale.(Rach dem Sn. n.. v 303.) An Weiße... Der Anfang des dritten Buches der (Aus dem Apollonius Rhodius.) An Gökingk. Priap und Lotis.(Rach dem Dvid. Fast. L. v. 391.) An Meißner.. 4 Itarus.(Rach dem Dvid. Metamorpho. VI. v. 183.) An 2 Maſtalier. 8. ⸗ 3 33 89 95 109 121 129 143 149 Die An An Po An 33 31 89 95 109 12¹ Seite. (Rach dem Doid. Fast. N. v. 83.) An Die Küſſe.(Nach dem Seiiſc des 3oi Secundus.) An Herrn von Ricblai. Kleinere Gedichte. (Theils überſett, theils nachgeahmt.) Anacreons ſiebzehnte Ode. Anatreons vier und zwanzigſte Ode. Pe von Sorazens vierter Ode des zwey An Pyrrha.(Rach. Ode des ſten An mich ſetbſi.(Nach dem Catul 77.) An Doris.(Aus dem Catull 5.) An Linen.(Rach dem Tibull 4. B. 13. Eleg.) Die Entbehrlichkeit des Putzes.(Rach dem Pro⸗ Lateiniſche Gedichte. Elegiu de Medici Commodis. Titium Tibri quart? Mæiados. In Mortem Stollii.. Vnitium libri tertis Argonauticorum 6 Apollo- Visum nocturnum; 157 163 ½ 200 20 Gedruckt bey B. Ph. Bauer. ——— — — „ N —2 ⸗ „— „ Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Sreen NVellow „ 4