Leihbiblivther deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmunn in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und geſebedingungen. 1 Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2 Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: —.————— auf 1 Monat: Mr.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. 2 Mr.— Pf. S 4 3 6 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defert Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern 1c.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche vie⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 3 — )) 5 ——— —— ohann von Alringers ſaͤmmtliche Werke. Vierter Band. 5 Enthält: Numa Pompilius. Nach Florian. Erſter Theil. 1 . Wien, 1312. Im Verlage der Franz Haaſiſchen Buchhandluna —,— — —— uma Pompilius. Oe Erſter Theil. 35593353253333 85 O Wien, 1812. Im Verlage der Franz Haaſiſchen Vuchhandlung. Ihrer Excellenz der Gräfinn von Zichy, gebornen Gräfinn von Kollowrath. „ D du, die der Geburt, des Rangs, der Schoͤnheit Glanz Durch Wißbegier erhoͤht, durch ſeltne Gei⸗ 3 ſtesgaben und durch ein Herz, ſo gut, ſo edel, ſo er⸗ Verſchmaͤh nicht dieſen Blumenkranz! —————————— 3 —————— Die Blumen wurden zwar in Gallien ge⸗ funden. Doch ehrfurchtsvolle Dankbarkeit Hat ihn mit Deutſcher Hand gewunden Und als ein Dpfer Dir, Verehrteſte, ge⸗ weiht. 5 ——————————————————————— Vorrede. ——————— Nach dem großen Beyfalle, den der Ruma des Herrn von Florian in und außer Frankreich erhalten und in mehr als Einer Ruͤckſicht auch verdient hat, kann eine Ueberſetzung desſelben gewiß nicht unwillkommen ſeyn. Wir beſitzen zwar ſchon eine proſaiſche, die ich nicht ſah und nicht ſehen wollte. Sie iſt, wie man mir ſagt, von Meißner, und alſo gewiß trefflich in ihrer Gattung. Aber ich geſtehe, daß die Gattung ſelbſt, ich meine die poetiſche Proſa, nie einen angenehmen Eindruck auf mich ge⸗ macht und bey der Leſung des Ruma im Ori⸗ ginal mein Vergnuͤgen an vielen ſchoͤnen Stel⸗ len merklich geſchwaͤcht hat. Ich entſchloß mich alſo, ihn metriſch zu bearbeiten. Rebſt der Abkuͤrzung vieler leidenſchaftlichen Reden, worin wir Deutſche die Weitlaͤuftigkeit nicht lieben, habe ich mir auch einige Veraͤnderun⸗ gen, zwar nicht im Plane ſelbſt, wohl aber in der Ausfuͤhrung erlaubt. Von den wichti⸗ vn gern will ich mit ein Paar Worten Rechen⸗ ſchaft geben. Im erſten Buche empfaͤngt Ru⸗ ma ein Schreiben aus der Hand des Tullus, der ihm ſagt: Ce billet fut tracéẽ par votre mere à l'instant de son trepas. Mit aller Hochachtung fuͤr den Herrn von Florian mache ich die Bemerkung, daß eine Frau, die vor der beſtimmten Zeit aus Schrecken niederkoͤmmt und gleich darauf ſtirbt, kaum wird die Kraͤf⸗ te haben konnen pour tracer un billet. Auch iſt dieſes Billett nichts weniger als nothwendig. Richt minder unwahrſchrinlich duͤnkte es mich, wenn Ruma, ohne einen Begriff von Waffen und Krieg zu haben, plötzlich nicht nur ein Held, ſondern ſogat ein weiſer Feldherr wuͤrde. Ich ließ ihn alſo vorher in der Kriegskunſt unterrichten, und nicht auf immer, nur auf einige Zeit, zum Dienſte der Ceres beſtimmt ſeyn. Ferner verſpricht bey mir Romulus den Sabinern, ihnen ihre Gattinnen unberuͤhrt zu⸗ ruͤck zu geben; denn wie koͤnnten ſie ſonſt ſich auf irgend eine Art mit den Roͤmern ausſoͤh⸗ nen? Im zehenten Buche ſitzt der Oberprieſter auf dem heiligen Dreyfuße und will, begeiſtert von dem Gotte, den Moͤrder des Tatius ent⸗ decken; aber Romulus luijette un coup d'oeil terrible, et la frayeur éteint sa voix. Der Stand der Begeiſterung iſt uns von den Alten, und vom Herrn von Florian ſelbſt als ſo ge⸗ —— — IX waltſam geſchildert worden, daß der Prieſter kaum das Rollen des Donners gehoͤrt haͤtte. Wie konnte er einen regard furieus auch nur bemerken? Die Anachronismen, worunter vorzuͤglich die oͤftere Erwähnung des Capitols gehoͤrt, deſ⸗ ſen Bau doch erſt hundert Jahre darnach an⸗ gefangen wurde, halte ich fuͤr keinen Fehler. Florian kennet ſie gewiß ſo gut, als Virgil die ſeinigen, und nach dem, was Leſſing und meh⸗ rere Kunſtrichter uͤber dieſe Materie ſchrieben, bedurfen ſie keiner weiteren Schutzrede. Wenn aber Florian von Leo ſagt, er habe den Rah⸗ men Camillus angenommen, und hinzu ſetzet: Ce fut la tige de cette famille de héros, dont le plus fameux delivra Rome des Gaulois; ſo wollte ich ihm dieſes nicht nach⸗ ſagen, Es gab kein Camilliſches Geſchlecht, wie man aus der angefuͤhrten Stelle ſchließen ſollte. Der beruͤhmte Camillus war aus dem Furiſchen, vor ihm ziemlich unbekannten Ge⸗ ſchlechte, und Camillus war nur ſein Zunah⸗ me, den aber freylich viele ſeiner Verwandten und Abkömmlinge auch angenommen hatten. Roch muß ich einen von mir gewagten Aus⸗ druck entſchuldigen und erklaͤren. Er kömmtim ——————————— 2—* E..——————* erſten Theile S. 68 vor, wo Romulus zu Ju⸗ pitern bethet: 1* ——— ich weihe dir die erſten Opimen Spolien. Spolien iſt ſchon von Ramlern und mehre⸗ ren Schriftſtellern gebraucht worden. Dpim aber nicht, und wirklich klingt es ſehr undeutſch. Bey all meiner Abneigung aber, fremde Woͤr⸗ ter einzumiſchen, habe ich doch dieſes als ein Kunſtwort beybehalten. Denn Opima Spolia⸗ hießen bey den Roͤmern die Waffen, welche der Roͤmiſche Feldherr vom feindlichen auf dem Schlachtfelde ſelbſt erbeutet hatte. Romulus opferte dem Jupiter Feretrius die erſten opimen Spolien, Coſſus die zweyten. Am Ende des Gedichtes findet ſich als ein hiſtoriſcher Anhang, was Livius und Dionys von Halicarnaß von dem weiſen Ruma aufge⸗ zeichnet haben. Ich glaube, daß dieſer Anhang nicht am unrechten Hrte ſtehet, und den mei⸗ ſten Lefern nicht unangenehm ſeyn wird. Wien, den 20. Aprill. —— 8 — — — — ————— . . In dem Sabiner⸗Land und nah' bey Cures Mauern Verbreitet ſich, durchweht von heil'gen Schauern, Ein alter Hain: in deſſen Mitte thront Der Ceres Tempel. Ulmen, Eichen Und Buchen, welche ſich die Schweſternarme reichen, Umſtehen ihn. Die hehre Göttinn wohnt Nicht ſelten hier und athmet gern die t Des Tempels und der Gegend ein, Die Lüfte voll Gebeths, voll ſüßer Opferdüfte. Denn ihre Prieſterſchaft bevölkert dieſen Hain. 10 Zerſtreuet ſtehn der Edlen Hütten, Wo Frömmigkeit und jene ſanften Sitten Der gold'nen Zeit zu Hauſe ſind. Die Prieſter wandern hier getroſt mit Weib und Kind, Von allen Sorgen abgeſchieden, Durch ihrer Hände Fleiß ernährt, Der beſſern Welt gewiß und werth, Durch dieſe fort in ſüßem Frieden, Den ſelten Leidenſchaft und niemahls Laſter ſtört. Von grauer Weisheit ſtets geleitet, 20 Von Jugendfeuer noch entflammt, Verwaltete das hohe Prieſteramt — 14— Greis Tullus. Wie ein Bach, der über Wieſen gleitet, Die Blumen tränkt, die Gegend fruchtbar macht, So floß ſein Leben hin; früh, wenn der Tag er⸗ wacht, Spät, wenn der Tag entſchläft, ward von dem edlen Greiſe Sein Opfer und Geberh der Göttinn darge⸗ bracht, Doch ſelten für ſich ſelbſt; die unglückſel'ge Waiſe,* Die Witwe war der Gegenſtand. Um deren Leiden zu verſüßen 30 Stieg ſein Gebeth, für die hat, zu der Gottheit Füßen Sein Weihrauch und ſein Herz gebrannt. Dem Tempel nah' erhob ſich ſeine Hütte, Der Unglückſel'gen Sammelplatz. Er theilt' aus ſeiner Weisheit Schatz Dem Rath, dem Warnung aus. Es ward behnah' zur Sitte Im ganzen Land, daß jeder, dem ein Gram Am Herzen fraß, zu Tullus Schwelle kam. Wenn Freunde ſich getrennt, wenn Gatten ſich entzweyet, Wenn ſich ein Sohn vom Tugendpfad verirrt, Der Aeltern Herz gekränkt, doch ſeinen Fehl be⸗ reuet, Wenn Nachbarnzank ein friedlich Dorf verwirrt, 40 So war es Tullus ſtets, vor dem der Zorn ge⸗ ſchwiegen, „ — ₰„———„— — 1 5— Wie vor dem Waſſergott der Sturm voll Ehr⸗ furcht ſchweigt, Durch die Herzen ſich einander zugeneigt„ Und Friede vom Olymp auf's neu' herab geſtiegen. Sein edles Weib war längſt, und eh' ſie ihm ein Pfand Der Liebe gab, dem ſtillen Land Beglückter Schatten zugeflogen; Und itzo ruht' all ſeine Zärtlichkeit 60 Auf einem Jünglinge; der, als ein Sohn erzogen, Der Tugend und dem Dienſt der Götter ſich ge⸗ weiht⸗ Was durch Hetrurien in Bücher ausgegoſſen Von Alter Weisheit war, die Regeln, der Natur Stets prüfend nachzugehn auf der geheimſten Spur, Vor allen, Sittenlehr' und Staatenkunde floſſen Von Tullus Mund in ſeines Schülers Ohr, Der keinen Tropfen je von dieſem Schatz verlor⸗ Auch ließ man ihn in den Geſchichten Der Vorwelt und der Kunſt der Waffen unter⸗ richten. 60 Ein alter Krieger, der den Sieg Oft bey dem goldnen Flügel faßte Und zu ſich riß, der aber doch den Krieg Und ſeine Grauſamkeiten haßte, Der lehret' ihn, wie man das Schwert regiert, Die kriegeriſchen Wagen leitet, Den Bogen ſpannt, ein wildes Roß bereitet, Und auch ein kleines Heer zum ſichern Siege führt. — 16— So wuchs er, ſchwer an Geiſt und Körper zu er⸗ müden, Geſchickt zum Krieg, doch dürſtend nach dem Frieden. 70 Er trat nunmehr ins zwey Mahl neunte Jahr; Und nach der Ernte frohen Zeiten Kam wieder Ceres Feſt. Man ſchmückte den Altar, Doch nicht bloß für die Eingeweihten, Wie in Eleuſis Sitte war. Denn Tullus hielt dafür, da Ceres heil'ge Gaben, Den ganzen Erdenkreis bedeckend, jeden laben, 6 Der ſich des Lohns durch Arbeit würdig macht, Und da ſie ſelber Tag und Nacht Die Welt durchzog, um ihre Kunſt zu lehren; 80 So würde man die Göttinn mehr Durch öffentlichen Dienſt, als durch geheimen ehren. Treu dieſem Grundſatz ordnet' er Mit ſeinem Könige dieß Feſt, ein Feſt des Landes, Wobey der Höhere, vergeſſend ſeines Standes, Gern unter's Landvolk ſich gereiht, Das von den ferneſten Bezirken hergekommen, Und gern an ihrer Fröhlichkeit Wie ihrer Andacht Theil genommen. Schon wallten Paar und Paar in feſtlichem Ge⸗ wand 90 Die Schnitter hin zu Ceres Heiligthume, Die Jungfraun folgten nach, gekrönet mit der Blume, Die unter Aehren ſprießt, und Förbchen in der Hand. Und Un Ein Vie Ger Die Ve — 1 5— Die Körbchen waren voll von hundert kleinen Gaben, Woran Unſterbliche weit mehr Gefallen haben, Als an dem ſpäten, nur durch Angſt erpreßten Gold, r, Das, ringend mit dem Tod, ein Geitzhals ihnen zollt. Den Jungfraun folgten Flöten, Leyern Und muntere Schalmeyn, die Göttinn laut zu feyern. Schwer wankend ſchließt den Zug das Thier, das von der Frucht 100 Der Eichen ſich ernährt, als Opfer, jauchzend — —— 30 ſpringet Ein Knabenſchwarm herum, der's anzutreiben ſucht, en Wiewohl es ihm nur halb gelinget. Der Oberprieſter ſteht am Eingang in den es, Hain. Und Numa neben ihm, die langen blonden Locken Umkränzet mit Narziſſen⸗Glocken⸗ Ein weißes Opferkleid, ſo rein, Wie der gefallne Schnee, ſchmiegt an die ſchlanken —— Glieder e⸗ Genau ſich an und wallt ihm zu den Füßen nieder. Die Prieſterbinde ſchmückt's blau, wie der Him⸗ mel iſt, 110 ter Wenn ſein azurnes Feld kein Wolkenkleid umfließt. p Man langt im Tempel an, und Tullus kniet zum Bilde Der Göttinn hin, erhebt die Haͤnd' und fleht: Numa Pompilius. I. Th. B O Menſchennährerinn, die unſere Gefilde Mit Aehren reichlich überſdt, Wir bringen dir, was du uns ſelber ſchenkeſt, Die Garben, als ein Opfer dar, 6 Und flehen, daß du auch in jedem Folgejahr Mit ſegenvoller Huld an deine Kinder denkeſt. Hier ſteht er auf und legt auf den Altar 120 Drey Garben, läßt alsdann das Opfer bringen, Beſtreuet deſſen Haupt mit heil'ger Gerſte, beugt Es rückwärts und durchſticht den breiten Hals; da ſpringen Des Blutes Brunnen hoch, der Prieſter aber neigt Sich wieder und vertilgt's durch Flammen, Sie ſchlagen übers Opferthier zuſammen, Daß Sdulen gleich der Rauch hinauf zur Gottheit ſteigt. Nun aber opfert auch das Schnittervolk und leget Der Garben viel im Tempel ab, Und Tullus, dem man ſie mit Ehrfurcht übergab, 130 Beginnt: o Brüder,(denn ihr pfleget Des Prieſteramts bey meiner Gottheit auch,) Ihr wißt den heiligen Gebrauch, Was ihr der Gottheit ſchenkt, ſchenkt ſie der Ar— muth wieder. Drum wählet einen Greis, ihr Brüder, Der alles, was ihr liebevoll Geopfert habt, dieß Jahr mit mir vertheilen ſoll. Er ſprach's, doch wollten ſie nicht wählen. — Sie Pert Die Ma Per Um Sei De Hat Mit ( 22 — eit nd oll. Sie ſchüttelten das Haupt, auf ſeine Redlichkeit Vertrauend, und er muß befehlen: 146 Die Göttinn, ruft er, iſt's, ſo dieſe Wahl gebeut. Man wählt und ſchließt damit des Tages Feyr⸗ lichkeit. Sonſt mahlte Himmelsluſt ſich ſtets in Tullus Zügen, Wenn dieſes Feſt begangen ward, doch heut Umflorte qudlend Mißvergnügen Sein Angeſicht, und jener ſtille Gram, Der lange ſchon Beſitz von ſeiner Seele nahm, Hat, Trotz der Müh' des guten Alten, Mit Frohen ſich zu freun, die Freude fern gehalten⸗ Dieß ſahe Numa, deſſen Herz 150 Schon lange litt, da er den ſtillen Schmerz Des Greiſes wohl bemerket, doch zu fragen, Warum er traure, nicht gewagt. Doch nun ſind ſie allein, nun will, nun muß ers wagen. Er naht ſich ſchmeichelnd ihm und ſagt: Mein Vater ach! ich leſ in deinen Blicken, Daß dich geheime Leiden drücken. So dus auch der Welt verbirgſt— und mir. Zwar meine Jugend kann nicht deine Wunden heilen, Sie kann dir wenig Troſt und keinen Rath er⸗ theilen, 160 Doch weinen kann ich ja mit dir! Ich bitte dich die Freude mir zu gönnen, B 3 — 20— Die Eine, die ich noch zu fühlen fähig bin, Wenn du dich härmſt; hier wirft er auf die Knie ſich hin. Mein Sohn, ſagt Tullus, ach! wir müſſen jetzt uns trennen. Komm tiefer in den heil'gen Hain! (Gier hebet er ihn auf und lohnet ihm durch Küſſe Die Zärtlichkeit), komm Numa da herein, In die vom Monde nicht durchſtrahlten Finſterniſſe. Sie werden uns ein Bild von unſrer Seele ſeyn. 170 Sie gingen in den Wald hinein Und ließen da die müden Glieder Auf einen Sitz von Raſen nieder, Den ihr gewohnter Fuß leicht auch im Dunkel fand, Und Tullus faßt des edlen Jünglings Hand. O Numa, du biſt nicht mein Sohn, alſo be⸗ ginnet Der Greis mit Zittern— wie? ich wäre nicht . dein Sohn, Fährt Numa wild heraus, und Thrän' an Thräne rinnet Von ſeinem Angeſicht. Mit einem ſanften Ton Erwiedert ihm ſein Freund: Sey ruhig, meine Seele 180 Hängt wie an einem eignen Sohn, An dir, Geliebteſter; doch faſſe Muth und qudle Mich und dich ſelber nicht; du biſt Vom Himmel ſelbſt bis auf die höchſten Höhen Des Ranges und des Glücks zu ſteigen auserſehen. Da unſrer Fürſten Blut in deinen Adern fließt: Zu Di Ih B Di Dien' er als Prieſter hier am heiligen Altar. 21 n Aus dieſem iſt Pompilius entſproſſen, Dem dich Pompilia, ſein trefflich Weib, gebar. Seit dem Vermählungskuß iſt dieſem edlen Paar Das zweyte Luſtrum ſchon verfloſſen, 190 Eh' noch ein Erbe ſie beglückt. Ach! dieſe war die einzige der Sorgen, Die deiner Mutter Herz gedrückt. Oft hab' ich, eh' der graue Morgen Sich auf den Bergen wies, im Tempel ſie erblickt. Einſt horcht' ich zu, da drang aus ihres Herzens Mitte Ins Ohr der Göttinn dieſe Bitte: O Ceres, gib, daß bald ein Sohn Die zarten Händchen meinem Gatten Entgegen ſtrecke! Gern will ich dann zu den Schat⸗ ten, 200 Zu deines Eidams ſchwarzen Thron Noch vor der Zeit hinunter ſteigen. Nur ſeh' ich über unſern Sohn Dich, mein Pompilius! im Freudenrauſch dich beugen, Ihn küſſen, ihn mir danken, und, durchbebt Vom wonnigſten Gefühl, in Thränengüſſen baden; Dieß ſeh' ich, und dann reißt, ihr Parzen, meinen Faden. Denn die als Mutter ſtirbt, hat lange gnug ge⸗ lebt. Auch ſey der Sohn, den deine Huld uns ſchenket, Dir, Göttinn, wiederum geſchenket. 210 Bis in ſein zwey Mahl neuntes Jahr *— 22— So flehte ſie, und mein Gebeth ſtieg als Ge⸗ fährte Des ihrigen empor; ſie ging getroſtet fort. Die Schweſter Jupiters erhörte Die fromme Betherinn, und nahm ſie auch beym Wort. Bald kam Pompilia in unſern Tempel wieder Und ſagte mir, daß nun ihr Schooß geſegnet ſey. Sie warf ſich vor der Göttinn nieder. Und brünſtig, wie ihr Bittgeſchrey, 220 War auch ihr Dank. In Wonne ganz verſunken Und jetzo ſchon von Mutterfreuden trunken, Ließ ſie von keiner Sclavinn Hand Auch nur ein Kleidchen, nur ein Leinen, nur ein Band Für dieß geliebte Kind bereiten. Sie war allein damit beſchäftigt früh und ſpat, Indem ſie ſelbſt die kleinſten Kleinigkeiten Mit eiferſücht'ger Liebe that. Pompilia trug die geliebte Bürde Im neunten Monath ſchon. Durch eigner Bothen Mund 230 Macht' itzo Romulus in unſerm Lande kund, Daß er ein großes Feſt dem Conſus feyern würde. Du weißt, wie ſehr man hier des Conſus Gottheit ehrt, Der klugen Rath Unſchlüſſigen gewährt. Drum ſah man unſer Volk nach Rom, das wenig Meilen Entfernt iſt, zu dem Feſt in Prunkgewändern eilen. Au De Di Un P Un Ve Zu S Un D S 2 — pn m 0 n en 30 eit nig en⸗ — 23„ Auch deine Mutter zog, den andachtsvollen Sinn Den Göttern zugekehrt mit ihrem Gatten hin. Die Römer hatten ſie mit Freundlichkeit empfangen Und in den Circus hingeführt, 240 Wo Romulus bereits auf einem Sitz ſtolziert, um den Trophäen und goldne Waffen prangen. Von ihm erwartete man gierig das Signal Zum Götterfeſt: es ſaßen längſt die Schaaren Sabiner da, nichts träumend von Gefahren Und ohne kriegeriſchen Stahl. Die Mädchen ſahen hundert Mahl Sich nach den Opfern um; ach! die Betrognen . waren Die Opfer ſelbſt; nun tönet das Signal; Es tönt, und tauſend Römer⸗Klingen 250 Entraſſeln ihrer Scheid' und blitzen durch die Luft, Der ungerechte König ruft Den Seinen laut, die Stärkſten dringen Zu jedem Ausgang hin und halten ihn beſetzt. Indeß die Andern, auch vom König angehetzt, Auf unſrer Weiber Schaar hinfallen, ſie umſchlin⸗ gen, Aus ihrer Gatten Arm, aus ihrer Mütter Schooß Sie reiſſen und den Männern dräuen, Die ſchäumend zwar von Wuth, doch leider waf⸗ fenlos, Den ſichern Tod erblicken, doch nicht ſcheuen. 260 Auch glückt es einigen, das Schwert Der ſchwächern Fauſt der Räuber zu entwinden Und einen Weg damit nach ihrer Bruſt zu finden, Wo niemahls Redlichkeit und Tugend eingekehrt. — 2 4— Allein der größre Theil ſinkt unter Römer⸗Strei hen Todt oder wundenvoll, die Andern müſſen weichen. Sie ziehen in ihr Vaterland, Tief trauernd, doch vom Geiſt gerechter Rach' ent⸗ hrannt. Pompilius, an deſſen Seite Die theure Gattinn ſaß, nahm ſchnell ſie in den Arm 270 Und trug die Zitternde durch einen Römer⸗Schwarm. Dem erſten, der an ſie, als eine ſchöne Beute, Hand angelegt, entreiſſet er das Schwert, Womit er ſchnell des Räubers Herz durchfährt Und ſchirmend dann um ſich in einem Kreis es ſchwinget. So manche Spitze hält er von ſich abgekehrt, Doch leider! manche Spitze dringet Auch in die Bruſt des Panzerloſen; er Bemerkt es kaum, und häufet Römer⸗Leichen, Und tobet fürchterlich umher. 280 So fürchterlich bekämpft in Libyens Geſträuchen Der Löwinn mütterliche Wuth Die frechen Rauber ihrer Jungen. Sie widerſtehen ihr mit der Verzweiflung Muth. Umſonſt! ſchon iſt ſie dem auf das Genick geſprun⸗ 6 Schon hat ſie den zerfleiſchet, den entbaucht, Daß weit umher ihr Blut in ſchwarzen Strömen raucht. Zwar iſt auch ſie von mehr als Einem Speer durch⸗ ſtochen; Allein ſie fühlt es nicht, und nun ſie ſich gerochen, — — 7 2 )— 3— —„ „ 5M —„— „— Kehrt ſie zurück, wo ihre Kinder ſind, 290 Beut ihnen ihre Brüſt' und küßt die zarten Glieder Der Zitternden und ſtöhnt und küßt ſie wieder, Obgleich das Leben ſchon aus ihren Wunden rinnt. Ach! um Pompilius ſchwebt nun des Tods Ge⸗ fieder, Doch trägt er, unverfolgt von banger Feinde Schaar, Die theure Laſt hierher, legt ſie an dem Altar Mit einem tiefen Seufzer nieder, Sinkt ſelber hin und ſtirbt. Sie wußte nichts, ſie war Beynah' ſo todt als er; wir tragen Sie weinend in mein Haus; kaum aber hatte ſie, 300 Zu ſich gebracht, nicht ohne viele Müh', Die matten Augen aufgeſchlagen, So forſchet ſie nach dem Gemahl. Vergebens, daß mein Mund, zur Mindrung ihrer Qual Das ſchreckliche Geheimniß ihr zu ſtehlen, Und ſich zur frommen Lüg', er ſey gefangen, zwingt. Die Angſt, der Schmerz, der uns durchdringt, Wird ſichtbar; ſie erräth zu wohl, was wir ver— hehlen, Rafft von dem Lager ſich empor, Will zu dem Leichnam hin, will in ſein taubes Ohr 310 Die Klage der Verzweiflung ſchreyen Und ſeinen bleichen Mund mit Küſſen überſtreuen; Wir halten ſie mit aller Macht zurück. Sie will mit aller Macht ſich unſerm Arm entziehen. Doch ach! in dieſem Augenblick Ergreifen ſie die Wehn, geſandt von JIlithyien Noch vor der Zeit, erſchöpft iſt ihrer Kräfte Reſt, Sie ſchenket dich der Welt, die ſie nun ſelbſt ver⸗ läßt. Der gute Tullus ſprach das letzte Wort mit Stöhnen, Und unverſiegend fleußt die Quelle frommer Thrä⸗ nen 320 Von Numa's Augenpaar, ſein Schluchzen unter⸗ bricht Des Prieſters kläglichen Bericht, Des Prieſters, der ihm Troſt zu geben Selbſt troſtlos ſucht, und ſpät erſt weiter ſpricht: Du hatteſt nur ein halbes Leben, Und deine Seele ſchien bereit, MNoch dieſen Tag der Mutter nachzuſchweben. Doch deiner Amme Zärtlichkeit Hat mehr, als ihre Milch, dich ſchwaches Kind erhalten. In weniger als einem Vierteljahr 330 Sah man dein Antlitz ſich zur Schönheit umge⸗ ſtalten, So hager es vorher, ſo todrenbleich es war. Indeſſen ordnet' ich für die getreuen Gatten Die letzten Ehren an, die Lebende dem Schatten Der Freunde ſchuldig ſind, der Scheiterhaufen ſteigt, — — — Ich bau' ihn ſelber auf mit traurig ſüßer Mühe. Auch ſchlacht' ich ſchwarze Stier' und unfruchtbare Kühe Dem Gott, vor deſſen Thron ſich jeder Schatten neigt, Und klage drey Mahl laut. In meine Klagen heulen Unzählige; ſie zogen viele Meilen, 340 3 Selbſt von den Gränzen her, daß ſie Pompilius, Den Vielgeliebten, noch und ſeine Gattinn ſähen. Der Leichenzug beginnt, der König Tatius, Der PVater ſeines Volks, und viele Großen gehen Dicht an der Doppelbahr' einher, Kein Herz iſt ungerührt, kein Auge thränenleer. Ich ſammelte nach dieſem Trauerfeſte, Indem die Prieſterſchaft der Abgeſchiednen Ruhm In einem Klaggeſang verbreitet, ihre Reſte Und ſtellete die Urn' ins innre Heiligthum. 360 O eile, Theuerſter, die Urne mir zu zeigen, Ruft Numa, führe mich in dieß geliebte Grab! Noch heut, erwiedert ihm der Greis, ſollſt du hinab In ihre Ruͤheſtatt mit heil'gem Schauder ſteigen. Der Schmerz um deiner Aeltern Tod Erzeugte heißen Durſt, ſie, und den Schimpf zu rächen. Man murret ſchon beym Leichenfeſt, man droht Den Räubern laut, und die Sabiner brechen Im zweyten Monathe bewehrt und rüſtig auf. Schnell gehts nach Rom; es war kein Marſch, es war ein Lauf! 360 Die Feinde ziehn ſich hinter ihre Thürme 6 — 2 8— Und ſchützen ſich durch Mauern, ſtatt durchs Schwert. Doch dem Sabiner⸗Grimme wehren Nicht Thürme, Mauern nicht; der heftigſte der Stürme Bahnt ihnen bald den Weg bis zu dem bangen Feind; Und Romulus, zur Schlacht gezwungen, Hat nun die Seinigen ums Capitol vereint, Das(wohnet Lüge nicht auf aller Seher Zun⸗ gen) Dem Erdenkreis Geſetze geben wird. Die Römer fechten zwar, doch läſſig und ver⸗ wirrt. 370 Schuld ſchwächt den Muth. Die Unſern alle bren⸗ nen Vor Rachbegier, ſie dringen vor, ſie trennen Der Feinde ſchwach geſchloſſ'ne Reihn Und bringen ſie zur Flucht. Nur Romulus allein, Dem Vater gleich im fürchterlichen Kriege, Steht zwiſchen uns noch und dem Siege. Er bethet, da der letzte Stern Der Hoffnung löſchen will, laut auf zu Jupitern, Den, weil auf dieß Gebeth ſein Kriegsheer ſich er⸗⸗ mannte Und wieder ſtand, er Statorn zubenannte. 380 Der Kampf erneuet ſich; es klirret Schild an Schild, Schwert trifft auf Schwert, der nahe Felſen brüllt Das Wuthgeſchrey der Sieger und das Heulen Der Sterbenden zurück, des Sieges Fittich' eilen — — — — . — 2 9—— Von einem Heer zum andern lange Zeit, Doch endlich ſcheinen ſie, treu der Gerechtigkeit, Bey den Sabinern zu verweilen. Der König Tatius und Metius, ſein Held, Sind fürchterlich, und ſden auf das Feld Der räuberiſchen Römer Leichen. 390 Der Feind beginnt das zweyte Mahl zu weichen. Doch ſieh! urplötzlich ſtürzt mit kläglichem Ge⸗ ſchrey, Mit wild zerſtreutem Haar und mit verwirrten Sinnen Die ganze Schaar Sabinerinnen Zu ihrer Männer Schutz herbey. »Sabiner, ſoll Blut euer Schwert noch röthen, »So kehrt es gegen uns; in dieſen Schößen hier „Keimt Römer⸗Same ſchon; Barbaren, wollet ihr »Die Väter eurer Enkel tödten?— »Auch ihr, o Gatten, laſſet ab! 400 »Macht eure Weiber nicht zu Waiſen! »Werft aus der Hand ein vatermördriſch Eiſen, Auch eure Väter ſind's; laßt ab!“ So rufen ſie, und wie ein milder Regen Auf einen Wald im Brande niederfällt; Dem größern Unheil wehrt und zu der Enkel Segen So manchen alten Stamm und ſaft'gen Baum er⸗ hält; So wehret hier der Weiber Stimme Dem Römer⸗Tod und dem Sabiner⸗Grimme. Es neigt der ſchon gehobne Speer Sich erdenwärts und bäumet ſich nicht mehr. . — 30— Es ſpannt der pfeilbeladne Bogen Sich wie von ſelber ab, und jedes Helden Arm Sinkt mit dem Schwert herab. Kaum ſah's der Weiber Schwarm, So faſſen ſie auch ſchon die Rechte Der Männer und der Väter an. Ihr Thränenguß wäſcht weg das Blut, das vom Gefechte Koch lau davon herunter rann. Sie zwingen Feind', einander ſich zu nahen, Zu reden, und zuletzt gerührt ſich zu umfahen. 420 „ Nun nichts von Krieg und Rache mehr: Die Fürſten treten vor, ſich freundlich zu beſpre⸗ chen/ Sie kommen ohne Schwert und brechen Vor ihrem Volk den kriegeriſchen Speer Mit eigner Hand entzwey. Der Herrſcher Roms verkündet, (Wodurch er ſich ein Recht auf unſre Nachſicht gründet) Daß jedes Weib, das den Vermählungskuß Zu Haus geküßt und dieß bey. Juno ihm ge⸗ ſchworen, Dem erſten Gatten unverloren, Ja daß ſogar auch ihre Treu 430 Durch ſeinen Schutz noch rein und unbeflecket ſey. Er ſprach es; ſeine Rede ſöhnet Ganz die Gemüther aus und krönet Den vorgeſchlagnen Freundſchaftsbund⸗ 31„ Nur Ein Volk laßt uns ſeyn! ſo ſchallt's aus jedem Mund. Die Könige, die gern den Augenblick benützen, Verheißen künftig nur auf Einem Thron zu ſitzen. Man ſchwört. Es fällt dabey manch fettes Opfer⸗ thier Dem Gotte, deſſen Thron die Donnerkeil' Ein großer, weit gehörnter Stier, 440 Ein andrer dem Alcid, ein anderer Apollen. Nachdem der Prieſter friſch die Eingeweide fand, Läßt er das Fleiſch vom frohen Volk verzehren. Die Krieger laufen Hand in Hand Die Straßen durch. Die Freude zu vermehren Ziehn auch, wie im Triumph, die Römerinnen mit. Ein herrlicher Triumph, den Zärtlichkeit erſtritt, O konnt' er denn nicht ewig währen! Du wuchſeſt unterdeß in dieſes Tempels Schooß Und unter meinen Augen groß. 450 Du hielteſt ſchon in deinem vierten Jahre Das Rauchgefäß am heiligen Altare. Die Prieſter liebten dich zur Wette, weil du früh Lebhaftigkeit mit ſanftem Weſen paarteſt, Und Trotz dem hoch aufſtrebenden Genie Die Perle Demuth doch im Herzen ſtets bewahrteſt. Ich, welcher immer Sohn dich hieß Und, größern Nachdruck meinen Lehren Zu geben, gerne dich in dieſem Wahne ließ, Ich flehte jeden Tag mit wahren Vaterzähren 460 Der guten Göttinn, daß zur Frucht Der Tugendſame bald gedeihe, ——————————————— — 32— Den ich mit Sorgfalt dir ins Herz zu ſtreun geſucht. Die Göttinn hörte mich; ich ſahe täglich neue Verdienſt in dir, mein Pflegeſohn, enthüllt; Dem Knaben ſtrahlte ſchon der Götter heilig Bild Aus der Natur zurück, du brannteſt ſie zu preiſen, Die überall in Thal und Hain Auf Berg und Flur wohlthätig ſich erweiſen, Und lernteſt ſelbſt wohlthätig ſeyn. 470 Als du das künſtliche Gewebe Der Philoſophen ganz durchſchaut, So hatteſt du mir einſt demüthig anvertraut: Wie wenig iſt doch dieß! ich ſchwebe In Zweifeln noch, wovor der Seele graut, Zwar ſcheinbar, doch nicht feſt iſt ihr Syſtem ge⸗ baut, Und Glaube bleibet, wenn man ehrlich Sich ſelber fragt, zur Ruh' noch immer unent⸗ behrlich. Gewiß iſt nichts, als nur, daß Güte dieſe Welt Geordnet hat und dieſer hohen Güte 480 Ein Mann von redlichem und liebenden Gemüthe Mehr als ein Grübelnder gefällt. Der ſchlichte Menſchenwitz, das warnende Gewiſſen Sind Ariadnens weiſe Schnur, Und meiſtens zieht uns dieſe nur Aus einem Labyrinth von tief gelehrten Schlüſſen, Worin wir zwar manch Ungeheur erlegt, Das dieſes Labyrinth zu unſerm Sieg gehägt, Woraus wir aber doch uns nicht zu finden wüßten Und ohne dieſe Schnur zuletzt verſchmachten müß⸗ ten- 490 Und Die Die Di Jü Sie Da Sie Er Eir An Ge z— 33— So, Numa, ſagteſt du mir oft Und rückteſt näher ſtets dem Ziele, Woran ich dich zu ſehen längſt gehofft Und jetzt mit einem Luſtgefühle, Dem nichts vergleichbar iſt, dich wirklich, wirklich ſeh. Mit welchem Wucher zahlſt du alles, was ich je Für dich gethan! wie wird noch in den engen Schranken Des Grabs, wohin ich bald und fröhlich geh', Die Welt und Nachwelt mir's verdanken, Daß ich dich auferzog, der einſt ihr Schutzgott iſt, 500 Nichtz denket als ihr Glück, nichts als ſich ſelbſt vergißt. Und darum rufen laut, ſetzt hier mit einer Zähre, Die er verbergen will, der gute Greis hinzu, Die Götter jetzt aus deiner heil'gen Ruh' Dich auf der Thätigkeit ſturmvolle, weite Meere⸗ Jüngſt ſtellte Ceres ſelbſt(mich äffete kein Traum) Sich vor mein Lagerz; ich küßt' ihres Kleides Saum,, Das in die Luft Ambroſia geſtreuet; Sie aber ſprach mit Ernſt: noch immer, immer ſdumt Dein Nulna hier im Heiligthum und ſcheuet 510 Das Feld, das ihm die Huld der Götter einge⸗ räumt. Er ſtreb', es zu dem Wohl der Menſchheit zu he⸗ bauen! gin andrer diene mir mit erfurchtsvollem Grauen An dem Altar; doch ſolcher Aeltern Sohn Gefällt den Göttern nur bey oder auf dem Thron⸗ Numa Pompilius. I. Th. C —— „——.——————— N Er eile denn nach Rom, die Laufbahn zu beginnen, Drauf wähl' er die Vernunft und mich zu Führe⸗ rinnen. So ſprach die Göttinn und verſchwand, Eh' meine Seele noch die Kraft, ſich zu beſinnen, Eh' meine Zunge Worte fand. 520 Dieß war's, warum der ſchwarze Schleyer Der Traurigkeit ſogar bey dieſer Feyer Mein Angeſicht bedeckt: ich Armer trenne mich Von Numa ſchwerer, als vom Leben; Doch ehr ich den Befehl, den Ceres mir gegeben. Schon iſt die Mitternacht vorüber, rüſte dich! Mit Phöbus Lauf beginn' auch deine Reiſe. Nur den Unſterblichen gehorchend, ſind wir weiſe. Ach! mit dem Schwereſten beginnt die Prüfung, ruft Der Jüngling, doch auch das ſoll meinen Muth nicht beugen. 530 Ich reiſe, laß nur erſt zu meiner Aeltern Gruft, Wie du verſprachſt, mich niederſteigen. So bittet er. Der Greis macht ſein Verſprechen wahr, Und bald beſinden ſie ſich am geheimſten Orte Des Tempels hinter dem Altar. Hier öffnet Tullus eine Pforte, Wozu nur er den Schlüſſel hat, und führt den Freund hinab zur ſtillen Ruheſtatt. Ein Lämpchen ſtreut das dunkelgelbe, Das ungewiſſe Licht durch's finſtere Gewölbe. 640 In deſſen Mitte thront, umweht von heil'gem Graun, Ein Grabmahl ſonder eitle Zierde 7 — 78 2 7— cc—„— 3 —„ 2 uth 30 fi/ en att. 50 un, — „— 35— und prahleriſche Schrift, voll Einfalt und voll Würde Von ſchwarzem Marmor ausgehaun. Es ruht darauf, bedeckt mit einem ſchwarzen Schleyer, Ein goldner Aſchenkrug, der, was vom treuen Paar Koch übrig iſt, enthält, ein Büſchel blondes Haar, Ein Brief, ein Schwert. Der Jüngling faßt mit . Feuer Den Aſchenkrug, küßt ihn, drückt ihn an's Herz⸗ Aus ſeinen Augen fleußt der Schmerz, 560 Daß an dem Gold von allen Seiten Die hellen Tropfen niedergleiten. Wie Morgens, wenn der Wolken Grau In Licht verwandelt wird, der perlengleiche Thau Von gelben Tulpen fleußt. Ach wender, theure Gatten, So rufet Tullus jetzt, vom Land beglückter Schatten Den Blick hierher! ſeht Numa's Zärtlichkeit, Die euer Herz noch mehr als alle Luſtgefilde Elyſiums, gewiß noch mehr erfreut. Wie abgeformt, ſeyd ihr in dieſem Bilde, 560 Ja abgeformet, Zug für Zug. Auch ſeine Seele gleicht der euern. Wacht über ihn/ zwar iſt er gut und klug; Doch ſoll er jetzt durch's Meer der Höfe ſteuern, Und ſelten iſt der Menſch ſich ſelber dort genug. Drum helft dem Jünglinge das ſchwanke Fahrzeug leiten und gegen wilde Stürm' und grimme Wellen ſtrei⸗ ten. C 2 . 6 So fleht der Greis, nimmt dann den Aſchenkrug 3 Aus Numa's Hand, der ſich von dieſem Schatze Nicht trennen will, und beut ihm zum Erſatze 570 E Die Locke ſeiner Mutrer an. 4 Sie iſt in ein Gefäß von Bergkryſtall verſchloſſen Und um den Bergkryſtall ein goldner Reif ge⸗. goſſen e Mit einem Dehr, ein Purpurband hängt dran⸗ Nimm, ſagt der Prieſter, nimm und trage 4 Dieß Kleinod um den Hals durch alle Lebenstage; 3 Auch dieſes Schwert iſt dein; in deines Vaters Hand. Hat's deine Mutter einſt und unſer Vaterland Vertheidigt, niemahls ward's von blinder Wuth* gezücket, Rie von der Feigheit eingeſteckt; 580 Mit Purpur hat es oft gerechter Sieg geſchmücket, Kein Bürgerblut es je befleckt. 3 Gebrauch' es ſo wie er, und mög' es jeder fühlen, Der Kampf dir abzwingt, tief in ſeinem Buſen wühlen. Der Brief hier, ſteck ihn bey, urkundet dein Ge⸗ . ſchlecht. Er iſt von mir und andern Augenzeugen Gefertigt, ſäume nicht dem König ihn zu zeigen. Er gibt, dem Thron zu nahen, dir das Recht. Hier endiget der Greis, und, ſo bereichert, ſcheider Sein Numa ruhiger von dieſer theuern Gruft. 590 Sie eilen in ihr Haus und hören in der Luft ½ Die muntre Lerche ſchon; der junge Wandrer kleidet Sich in die Toga: herrlich läßt — 3— Ihm dieſes Schneegewand, mit Purpur rings ver⸗ brämet. 9 1 Er tritt gleich einem Gott einher, in dem der Weſt Durch die geräum'gen Falten ſtrömet. Der Prieſter ſorgt mit guter Art Für alles Nöthige zu der betrübten Reiſe. Sogar ein Klümpchen Gold, vom Greiſe Auf einen nicht vorher geſehnen Fall geſpart, 600 Verſteckt er ſchlau in der Gewänder Mitte, . Damit es ſich vielleicht ſein Numa nicht verbitte. 6 Wie herrlich dienſt du mir, ſagt ſich der gute Mann, 1 Du Klumpen eines oft verderblichen Metalles. Was iſt, das ich von ihm entfernt noch brauchen —— kann, Doch er, von mir entfernt, braucht Alles. 0 3 Run naht der Augenblick der Trennung, vor⸗ geſpannt , Dem leichten Wagen Numa's, harren n Vier Hengſte ſchon und wiehern laut und ſcharren Voll edler Ungeduld im Sand. 610 Der Jüngling ſtreichelt ſie, der Greis ſteigt in den Wagen Mit ihm hinein, er will erſt an des Waldes Rand Das letzte Lebewohl ihm ſagen. Der ſtarke Numa hält die Purpurzügel an⸗ et Die Flucht den Hengſten zu verwehren; e Indeſſen ſchleußt der alte Mann. Den Mund auf zu den letzten Lehren. Du Theurer, dein Verluſt betrübet, kränket mich, Doch dieſes nicht allein; ich zitter' auch für dich. 3 Aus unſrer friedlichen Gemeinde 620 Ziehſt du in eine große Stadt,. Dir überlaſſen, ohne Freunde. Ja ohne Freund'! in deinem Alter hat Man keine, glaubt nur, ſie zu haben, Und dieſes iſt ein Unglück mehr. Denn oft verſchafft's dem Rath Unwürdiger Schör. Die Tugend zwar iſt in dein Herz gegraben, Doch iſt ſie's auch ſo tief, daß eines Hofes Pracht Der Jugend Uebermuth, des ſtarken Beyſpiels Macht Und falſcher Ruhm, für den oft auch die Klügern brennen, 630 Sie niemahls wird verlöſchen können? Zwey Völker wohnen dort, getrennt Durch ihre Denkungsart, durch Politik verbunden, Wie, als die Körper einſt entſtunden, Durch höh're Macht des Feuers Element, Mit dem des Waſſers ſich vereiniget gefunden. Nicht ausgelsſcht, mit Aſche nur bedeckt Iſt jener alte Haß der Römer und Sabiner, Denn oſt zur hellſten Loh der Fürſten Zwietracht weckt. Wie ungleich ſind ſich die! der Gottheit frommer Diener, 640 Ein Freund der Billigkeit iſt unſer Tatius, Der, nah' mit dir verwandt, von allen angebethet, Das Gute ſonder Stolz und Nebenabſicht thut Und ſtets, ſo viel er kann, die böſe Schlangenbrut Des innerlichen Zwiſtes tödtet; Doch ach! er kann's nicht ſtets; ſein heilig Amt gebeut — — 3— Ihm öfter ſtrengen Ernſt und Unnachgiebigkeit; Zumahl da ſeinen Mitregenten, Den ſtolzen Romulus ein äußrer Glanz umgibt, Deß Strahlen uns vielleicht verſengen könnten. 660 Der Römer, mehr gefürchtet als geliebt, Eröffnete, der Bürger Zahl zu mehren, Einſt Miſſethätern ſein Gebieth: Erobrungsſucht und Hochmuth zehren An ſeinem trotzigen Gemüth. Er hat in ungerechten Kriegen Ein Theil Italiens bejocht, ein Theil geſchwächt; Die Nachbarn ſcheuen ihn. Er kennt kein andres Recht, Als das des Stärkeren, und keinen Ruhm, als ſiegen. Und dennoch, wird's dir glaublich ſeyn? 665 Bewundert man ihn mehr, als unſern guten König. Ach! wahre Tugend leuchtet wenig, Sie iſt ein nicht geſchliffner Edelſtein. Drum ſieht man auch den großen Haufen, Der ihren Werth verkennt, nach bunten Gläſern laufen. Du aber, der du nun ſeit achtzehn Jahren lernſt⸗ Die falſche Größe von der echten Abſondern, du, mein Stolz, mein Pflegeſohn, ent⸗ fernſt Gewiß dich nicht vom weiſen, vom gerechten, VPVom edlen Könige, von deiner Aeltern Freund, 670 Von deines Volkes Luſt und ſtellſt dich auf die Seite Des Fürſten, der nicht nur im mörderiſchen Streite — 4 0— Den Gegnern, der auch uns ein böſer Démon — ſcheint, Der manches Laſter that, doch keines noch gn Ja ſchon als Jüngling, frech durch ſeinen neuen Rang. Den Graben, der noch ſchmal und klein vie Stadt umringte, Mit ſeines Bruders Blute düngte, Weil der aus Scherz darüber ſprang. Zwar wirſt du an dem Hof des Tatius ver⸗ weilen, Und dieſer iſt gewiß der Tugend Zufluchtsort, 680 So ſehr's ein Hof ſeyn kann; doch werden dich auch dort, Auch dort Gefahren noch ereilen. Genug, du biſt in Rom, wo man durch Tapferkeit Von jeder andern Pflicht ſich los zu kaufen wähnet Und alle Frevel gern dem Jünglinge verzeiht, Den Mavors Hand mit Lorbern krönet. Ich weiß es, du wirſt tapfer ſeyn, Pompilius erzeugte keinen Feigen. — Doch wird der Tugend Ruf, von kriegriſchen Schal⸗ meyn Und Tuben übertönt, in deiner Bruſt nicht ſchwei⸗ gen 690 Wird ſanftmuthvoll dein Herz und deine Sitte rein,* Trotz böſem Rath, Trotz böſem Beyſpiel bleiben, Und nie der Schwall dich mit in das Verderbniß treiben? 1 — 4 1— n Wolluſt ſchlau durch Myrthenbüſche ſchleicht Und tauſend Netze ſtellt, die Jünglinge zu fangen, hr ſtets entgehn, auch wenn das Herz erweicht, Und deine Sinne laut und ſtürmend hinverlangen? Ich weiß es, man vergibt ſich dieſe Fehler leicht, Auch folgt die Strafe hier nicht immer ſo behende. Glaub' aber, daß kein Menſch bey Laſtern je ge⸗ 2 winnt; 700 Denn alle laſſen doch am Ende Uns fühlen, daß ſie Laſter ſind. Wirſt du, w Ich ſelbſt ſah keinen Hof, und über das Be⸗ tttragen, Das dort dir frommt, kann ich nur wenig ſagen: Doch laß Behuthſamkeit an deiner Seite ſtehn, Die Goldwag' in der Hand, und emſig Worte wägen, Worauf die Menſch oft mehr als auf Thaten ſehn. Höchſt ſelten nur“ dere verlegen, Und huche dich, es iber oft zu ſeyn. Denn jenez mirket Haß und dieſes wirkt Verach⸗ —— mng. 6 Thu' niemahls etwas halb; in ernſtliche Betrachtung Nimm alles, was einmahl betrachtungswerth dir ſcheint. Ein Ding ſo obenhin nur wiſſen, junger Freund, Iſt ärger, als es gar nicht wiſſen. Sey ja nicht ſchnell im Handeln oder Schließen, Das Schnelle, glaube mir, iſt meiſt des Guten Feind Und hält uns laͤnger auf, weil wir! zurück thun müſſen. Hör' andrer Meinung gern, doch deine Meinung ſchleuß. D Im Herzen ein; verſchwende deinen Fleiß So wenig, als dein Gold. Stets ſey die Ueber⸗ legung Bey dir die Prüferinn der erſten ſchnellen Re⸗ D gung 720 N und niemahls, niemahls folge der, S Es ſey denn, daß ſie dich zu Hülf' und Rettung D triebe, Die eine Pflicht der Menſchenliebe, F. A Und wo Gefahr in dem Verzuge wär“ U Begegne niemanden verächtlich, als dem Frechen. Sey niemahls ſtolz, als nur um Andrer Stolz zu * brechen. Verehre ſtets das weibliche Geſchlecht, 6 Das Alter und die Kindheit; ihnen Gibt ihre Schwäche ſelbſt ein unverkennbar Recht Auf unſern Schutz. Willſt du den Göttern die⸗ 5 — nen,„ 730 2 Willſt du dich ſelbſt zu einem Gott erhöhn, g So beug die Uebermacht, der Unſchuld beyzuſtehn. 2 Noch vieles ſprachen ſie, als mitten 3 In dem Geſpräch ſich Tullus unterbricht: Darf wohl der Eigennutz auch etwas ſich erbitten? (Denn, lieber Numa, ſiehſt du nicht Des Waldes Ende ſchon!) o gib mir oft Bericht Von deinem Glück und auch von deinen Leiden. Wenn Numa bleibet, wie er iſt, Der Weisheit Lehren nie und meiner nie ver⸗ gißt; 74⁰ Dann komm, o Tod! ich ſehe dich mit Freuden. Hier küſſet ihn der Greis voll banger Zärt⸗ lichkeit. Der Zögling ſchwört, er werd' ihn oft beſuchen. Mit plötzlicher Entſchloſſenheit Steigt Tullus jetzt vom Wagen ab, gebeut Dem Jüngling, daß er bleib', und gehet in die Buchen Allein zurück, zernagt von Gram Und ohne Troſt als den: er ſey nicht fern vom Grabe. Er gleicht dem Schuldner itzt, dem ſeine ganze Habe Ein Gläubiger mit hartem Herzen nahm. 760 Der Jüngling wähnt, wo nur Gebüſche wanken, Ihn noch zu ſehn; ſüß täuſchende Gedanken! Doch nun er ſich nicht länger täuſchen kann, Läßt er die Zügel nach und ruft die Renner an. Die fliehn, als flöhen ſie aus eines Circus Schran⸗ ken Zum Ziele hin, wild ſchnaubend, ausgeſtreckt, Daß eine Wolke Staub ſie und den Wagen deckt. * Der Sonne Strahl traf ſenkrecht auf die Erde. Den Prinzen lockt ein naher Hain, Er ſteigt vom Wagen ab, vertraut die raſchen Pferde Den Sclaven an und geht gedankenvoll hinein. Hier ſtreut auf ſeine müden Glieder Ein Weſt Exquickungen vom kühlenden Gefieder, Und nah' rauſcht über Kieſel, hell, Wie Spiegel, ein dem Pan geweihter Felſenquell. Er wirft ſich in dem Raſen nieder Und trinkt, nachdem er erſt des Gottes Bild ge⸗ grüßt, 10 Von der kryſtallnen Fluth, dann denkt und klagt er wieder Die, ach! verlorne Ruh'; doch lange nicht, ſo ſchließt Ihm ein willkommner Schlaf die matten Augen⸗ lieder. Im Schlafe wird ihm dieß Geſicht. Die Göttinn Ceres läßt auf ihrem Drachenwagen Sich durch die Luft zu ihm herunter tragen, Steigt aus, ergreift ihn bey der Hand und Um deiner edlen Mutter Willen Und deiner ſelbſt, auch du biſt meiner Güte werth, Da dein Gehorſam mich, der Opfer größtes, ehrt. 20 Thu' einen Wunſch, und ich werd'ihn erfüllen. — 4 86— Nicht einen Augenblick bedenkt ſich Numa hier: Wohlthätige, gewähre mir, So ruft er aus, daß Tullus ſich verjünge. O, unterbricht ihn Ceres, fordre Dinge, Die ich gewähren kann; ſelbſt Jupiter vermag An's Leben Sterblicher nicht Einen flücht'gen Tag Zu knüpfen, mußten nicht ſelbſt ſeine Söhn' er⸗ kalten, Sein Perſeus, Herkules, Sarpedon? mächtig walteñ Die Parzen hier und das Geſchick. 30 Drum fordre für dich ſelbſt!»Wohlan denn! ſo gewähre »Mir Weisheit, denn nach Tullus Lehre »Iſt das höchſte Gut und Eines mit dem Glück.“ Kaum hat das letzte Wort verhallet, So ſieht er ſich in Pallas Tempel ſchon. Doch eine goldne Wolke wallet Um's innre Heiligthum; vergebens ſtrebt der Sohn Pompiliens die Wolke zu durchdringen; Ein Schwindel faßt ihn ſtets und läßt es nicht gelingen. Doch endlich ſchwebt der ernſte Ton 40 Minervens durch und kommt zu ſeinen Ohren. Er wirft ſich auf das Angeſicht, Er bethet Pallas an, er horchet, was ſie ſpricht: Nicht eine Sylbe geht verloren. Ermunterung zu jeder Pflicht, In deren Uebung nur das Glück beſteht; Beweiſe, Daß man den Böſewicht mit Unrecht ſelig preiſe, Weil Reu' und Furcht in ſeinen Lehenslauf — 7* = 7— c — Viel ſpitze Dornen ſtreun, und ſeine Ruh' befehden⸗ Dieß war der Inhalt ihrer Reden. 60 Kaum aber ſchweiget ſie, kaum richtet er ſich auf, So iſt auch Wolk' und Heiligthum verſchwunden, Er ſelbſt in einen Wald, wo eine Nymphe ſitzt, Die Blick in einem Buch, ihr denkend Haupt ge⸗ ſtützt Von ihrer linken Hand. Ihr Haar fleugt unge⸗ bunden. Ein weißes Kleid umfleußt den ſchlanken Leib. Die Majeſtät der höchſten Tugend ſtrahlet Aus ihrem Angeſicht, in jeder Miene mahlet Sich Fried' und Heiterkeit; ſie ſcheint kein ſterblich Weib. Man wähnet, man erblick' Aſträen, 60 Wie ſie das Wohl der Menſchheit überdenkt. In einen Strom von reiner Luſt verſenkt, Steht Numa da und kann nicht ſatt ſich ſehen. Unwiderſtehlich reißt ihn dieſer Anblick hin. Wer iſt die hohe Denkerinn, Wer iſt ſie? fraget er, doch ohne ſeine Blicke Hinweg zu drehn, die Aehrenköniginn. Egeria, ſo tönt's zurücke; Und mit dem letzten Ton entfliehet das Geſicht. Der Prinz erwacht, er ſieht ſich an der Stelle, 70 Wo er entſchlief; doch lange glaubt er's nicht. Allein das Bild des Hirtengotts, die Quelle, Die Gegend rings umher läßt keinem Zweifel Raum. Er dankt den Göttern für den Traum, Eilt aus dem Wald, beſteiget ſeinen Wagen Und käſſet ungeſäumt ſich nach Fidena tragen⸗ Numa Pompilius. I. Th. D — 50— An das Fidenſche ſtößt dus Römiſche Gebieth. O wie erſtaunt der Jüngling, als er ſieht Den Gegenſtand von aller Völker NReide, Dieß herrſchende Gebieth, ganz in des Elends Kleide. 80 Die Wieſen ſind hier gelb, die Aecker ſchlecht beſtellt. Kaum ſproſſet hier und da das ſeltene Getreide; Doch Unkraut überdeckt das Feld. Das mag're Vieh geht hungernd von der Weide, Nur dünnes Gras entkeimt der ungepflegten Heide. Hier weckt kein muntrer Flötenſchall, Kein zärtlich Hirtenlied den trägen Wiederhall. Hier tanzt bey lärmenden Schalmeyen Der Aehrenleſerinnen Schaar Mit frohen Schnittern nicht den angenehmen Rei⸗ hen/ 90 Hier iſt ein ewig Mangeljahr.* Und krächzete von dürren Zweigen Des todten Baums, dem niemand Waſſer gab, Der Rabe nicht ſein Trauerlied herab; So herrſchte rings umher ein orcusmäßig Schwei⸗ gen. Doch deſto lauter dringt der Klagen ſcharfer Ton Aus Dörfern, die faſt nur mit Weibern, Greiſen, Kindern, Bevölkert ſind; die legen nur den Rindern Das Halsjoch an, hier heult ein Greis mit ſeinem Sohn, — 7. 72 —) ₰—„.— ec—„) 0 ht ſemn Der Mavors blut'ger Hand verſtümmelt nur ent⸗ flohn, 10 Bis Ohnmacht oder Tod ſie hindern. Dort flucht die junge Frau dem Würger auf dem Thron, Durch deſſen Sieg ihr ſäugend Kind zur Waiſe Und ſie zur Witwe ward; mit ihrem letzten Sohn Tritt eine Mutter dort als Bettlerinn die Reiſe Nach fernen Ländern an; drey ältre halfen ſchon Das Feld mit Feindesblut und ihrem eignen färben. Sie ſind dahin! ſoll dieſer auch noch ſterbenk Mein! eh' verläßt ſie Feld und Haus, Verflucht ihr Vaterland und wandert weinend aus. 110 Ach, denket Numa, dieß ſind alſo jene Römer, Der Gegenſtand des Neids! o wär' ihr König doch Nicht ein Eroberer, der Völker unters Joch Zu beugen weiß, o wär' er ein Bezähmer Det eignen Leidenſchaft, der wilden Ehrbegier; So flößen Freudenthränen hier. Unglücklich Volk, unglücklicher, als alle, Die du beſiegt; allein das billige Geſchick, Voll weiſer Strenge, wirft, wenn wir an Andrer Falle Arbeiteten, auf uns die Trümmer ſtets zurück. 126 So ſprach der Prinz mit herzlichem Bedauern, Indem er lange noch bey ſich Mit der Sabiner Glück der Römer Glanz verglich⸗ Doch itzo nahet er den Mauern Der Herrſcherſtadt; ſie thront, bekränzt D 2 — 53— Mit Thürmen ohne Zahl; an ihren Thoren glänzt Der Krieger Schwert, die minder ſie bewachen, Als ſie und ſich den Fremden furchtbar machen. Sie ſtehn, gelehnt auf ihren langen Speer, Ein langes Schwert umgürtet ihre Hüfte. 130 Regt ſich ihr Haupt, ſo wallt der Helmbuſch in die Lüfte Und ſtreut Entſetzen um ſich her. Wohin man ſieht, ſieht man ein Bild des Krieges. Hier übt, ſchon jetzt gewiß des Sieges, Und ſtolz auf ſich, der jungen Bürger Schwarm In Waffenſpielen Aug' und Arm. Dort lt man das Roß beym Schmettern der Trommeten, Und bey dem ehernen Getön Der Waffen feſt, wie eine Mauer, ſtehn. Dort ſieht man Eiſen ſich in Feueröfen röthen 140 Und fließen, wie der Höllenſtrom; Der Hammerſchlag durchſchallet die Gewölbe. Vom Amboß flattern blaue, gelbe Und rothe Funken weg. Vulcan ſcheint itzt in Rom Zu wohnen, ſcheinet unzufrieden Mit einer Welt, für ſie die Feſſeln da zu ſchmieden⸗ Verwunderung und Abſcheu faßt Des edlen Numa Herz; er ſeufzt, ein früher Denker. In jedem. Roms erblickt er einen Henker. Und forſchet unmuthsvoll nach Tatius Pallaſt. 150 In einem Theil der Stadt, der etwas abgelegen Und ruhig war, erhebt ſich der. 0 Am Thore flammt kein Wächterdegen, Im Hofe bäumt ſich kein Trabanten⸗Speer. Der weiſe Tatius, der unter dieſem Dache Mit jeder ſanften Tugend wohnt, Meint: Völkerliebe ſey der Fürſten beſte Wache. Statt Schmeichſern, die man ſonſt an Höfen gern belohnt, Erhlickt man Arme hier; die Thüren ſtehen offen, Der Herrſcher höret jedermann. 160 Man darf zum wenigſten auf Troſt und Mitleid hoffen; Weil doch der Fürſt, ein Menſch, nicht aen hel⸗ fen kann. Der Prinz tritt nun vor ihn, nennt ſich und überreichet Ihm Tullus Schrift: des Königs Angeſicht Verklärt ſich, da er lieſt, er küſſet ihn und ſpricht: Fürwahr, du biſt ſein Sohn! dein blaues Auge gleichet Dem ſeinigen; den Zug hier um den Mund Hatt' auch Pompilius. O tauſend Mahl willkommen! Der deinem Vater einſt beſchworne Freundſchafts⸗ bund Lebt wieder auf, denn du haſt ſeinen Platz ge⸗ nommen. 170 Doch mehr als Freund, ich will dein Vater ſeyn. Wie ungerecht ich war, wie thöricht, als ich klagte, Daß weiſer Götter Rath mir einen Sohn verſagte! Nun ſtell' ich dieſe Klagen ein. So ſpricht der Fürſt und ruft entzücket Die Tochter her, die holde Tatia. Ruh', Unſchuld, Sanftmuth, Güte ſchmücket Ihr Angeſicht; ſie tritt dem Jünglinge nicht nah', Bis Tatius es ſelbſt mit dieſen Worten heißet: Sieh einen Bruder, Kind, ſieh meine Stütze hier, 180 Und auch die deinige, ſo bald die Parze mir Des Lebens ohnehin ſchon dünnen Faden reiſſet. Er iſt Pompilius, des Edelmüth'gen, Sohn, Von dem ich dir erzählt, daß wir uns treu geliebet, Da, wie ich noch auf einem kleinen Thron, Von andrer Hochmuth unbetrübet, Ein gutes Volk regiert, das mich, wie eine Schaar Von Kindern, ſtets umgab; beneidenswerthes Leben! Oft bracht' ich meinen Dank zum heiligen Altar, Daß Zeus nicht mehr der Bürger mir gegeben, 190 Als ich Glückſelige zu machen fähig war. Itzt aber auf dem großen Throne, Itzt fühl' ich das Gewicht der längſt verhaßten Krone, Sie drückt wie Bley mein graues Haupt. Doch ſtill! heut iſt es mir zu klagen nicht erlaubt, Heut, da der Götter Huld, gerührt von meinem Leide, Im Sohne meines Freunds mir einen Freund ge⸗ ſandt, Den noch vielleicht ein ſüßers Band Mit mir vereinen kann. O nie gehoffte Freude! Bald ſollſt du einen Wunſch in meiner Seel' er⸗ ſpähn. 200 O möchte dieſer Wunſch, erſprießlich für uns beyde, O möcht' er in Erfüllung gehn! Doch itzo fühl' ich nur das Glück, dich hier zu ſehn. So that der Fürſt aus offenherz'ger Güte Selbſt dieſes, was er noch verſchweigen wollte, kund. Wie von dem hellſten Bach, ſo ſahe man den Grund Von ſeinem redlichen Gemüthe. Hier ſtutzet aufgeſchreckt die ſanfte Tatia, Sie, die mit innigem Vergnügen Beſcheidnen Edelmuth und Schönheit in den Zü⸗ gen 210 Des liebenswürd'gen Fremdlings ſah Und, ſeit ihr Vater ſprach, nichts als den Fremd⸗ ling ſah. Zu lange ſchon haſt du ihn angeblicket, Erinnert ſie nunmehr ihr jungfräulicher Sinn, Sie wendet, von der Scham mit Purpurroth ge⸗ ſchmücket, Die Augen wiederum auf ihren Vater hin. v Der Prinz, beſchäftigt mit dem König, Schwört ihm Gehorſam zu und küſſet ſeine Hand. Ach! ſagt der gute Greis, befehlen reitzt mich wenig, Wie ſelig war der Gleichheit erſter Stand, 220 Wo man allein den Göttern unterthänig, Freund' in den Menſchen nur und keine Sclaven fand! Zwar bin ich noch beglückt zu preiſen. Der Herrſchaft ſchwerſten Theil hat ſich mein Mit⸗ regent Selbſt aufgebürdet, mir den leichteren gegönnt. Die Sorge für das Heer, die Reiſen — 66— Nach jenen Feſtungen, womit er Roms Gebieth Als wie mit einem Wall umzieht, Das Zunftgeſchäft, das Amt, die größeren Ver⸗ brechen Durch das vergoſſ'ne Blut der Schuldigen zu rä⸗ chen, 230 Dieß iſt der Herrſchaft Theil, den Romulus er⸗ kohr. Dem ſchweigenden Verdienſt zu lohnen, Recht zu ſprechen, Den, der ſich nicht zu weit vom Tugendweg verlor, Mit weiſem Ernſt zurück zu lenken, Den Zoll zu minderen, die Armen zu bedenken, Das überließ er mir. Oft fürchtet' ich, daß Reu' In ſeine Seele kommen würde. Doch fühlt er nicht, Dank ſeiner Sbe Wie ſehr durch eigne Wahl er übervortheilt ſey. Gern ſtellt' ich dich ihm vor, doch in dem Augen⸗ blicke 240 Handhabet er das blut'ge Kriegeramt, Zu dem er ſelber ſich verdammt. Daß er mit Beut' und Sieg zurücke Von dem Gebieth der Autemnaten kehrt, Bezweifl' ich nicht; verderblich iſt ſein Schwert, Und Zeus, erzürnt vielleicht auf unſre Nachbarn, gönnte Ihm alle krieg'riſchen Talente. Des Feldherrn Klugheit iſt in ihm Mit des Soldaten Muth pereinet, Beharrlichkeit mit Ungeſtüm. 260 Die Siegesgöttinn, wie es ſcheinet r⸗ Blickt einzig, wann ſie ſtolz ſich vom Olymp er⸗ hebt Und auf das Schlachtfeld niederſchwebt, Nach Romulus, damit ſie wiſſe, Auf welche Seite ſie die Lorber ſtreuen müſſe. Auch ſeine Tochter gibt dem Helden das Geleit Ins kriegeriſche Zelt, ſie theilet die Gefahren⸗ Und tobt, wie er, verderblich in dem Streit. 260 Minervens Nadelkünſte waren Herſilien von Jugend auf verhaßt. Sie hat mit zarter Hand der Göttinn Speer gefaßt, Mit zarter Hand die kriegeriſchen Pferde Gebändigt; immer ſtreift des Roſſes Bauch die Erde, Wenn ſie es tummelt, weißer Schaum Bedecket ſtets der Heldinn Purpurzaum. Doch waffenlos iſt ſie noch mehr zu ſcheuen, Nie ward ein ſchöner Weib geſehn. Die welche Tod und Wunden um ſich ſtreuen, 270 Wenn ſie ein Rad mit ſcharfer Klinge Die hüpfen bey der Siegesfeyer Auf einer neu bezognen Leyer So tändelnd und ſo leicht umher, Als hätte ſie nicht erſt ein ungeheuer Speer, Der dieſen Sieg erfechten half, gefüllet. Die Stimme, welche kurz vorher, Bellonens Stimme gleich, der Krieger Reihn durch⸗ brüllet, Zerſchmilzet nun in einen Silberklang Und rühret jedes Herz durch himmliſchen Ge⸗ ſang. 280 ——— — Von Latiums Monarchen allen Wird ſie mit Leidenſchaft geliebt. Doch keinem glückt' es noch, der Stolzen zu ge⸗ fallen. Ihr jene Feſſeln, die ſie gibt, Zu geben, hat dem Mars und Amor gleich miß⸗ lungen. Ihr Herz iſt wie ihr Arm noch immer unbe⸗ zwungen. Dieß, theurer Jüngling, iſt des ſtolzen Ro⸗ mulus Und ſeiner Tochter Bild, dieß ihre ſeltnen Gaben. Doch ihre Tugenden?„„ach! daß ich ſchweigen muß! Denn die Eroberer verſchmähen ſie und haben 290 Sonſt keine Pflicht als Muth und keinen Wunſch als Sieg. Herſilia hat in dem Krieg Die Seele wie den Leib geſtählet Und, trotzend der Ratur, ein Männeramt gewählet. Ruhmgierde ſchwellt das Herz der Siegerinn Doch ſanfte Weichlichkeit und Güte ſtarben drin. Du kennſt nunmehr die wahre Lage. Und Jupiter bezeuge mir, Daß ich nicht mehr als Wahrheit ſage, Eh' weniger. Jetzt alſo wähle dir 300 Selbſt deinen Aufenthalt; denn beyde ſtehn dir offen, Mein oder Romulus Pallaſt; So bald er wiederkehrt, ſo darfſt du ſicher hoffen, —„—„— n. 0 n Du ſeyſt auch ihm kein unwillkommner Gaſt. Geſteh mir frey, was deine Wahl entſchieden, Wenn du zufrieden biſt, ſo bin ich auch zufrieden. Der raſche Prinz erneuert ſeinen Schwur, Dem Freunde ſeiner Aeltern nur X Mit allem, was er iſt, ſo lang' er iſt, zu dienen. Umſonſt ſtrahlt Romulus, umſonſt Herſilia, 310 In Ruhm und Reitz gehüllt. Nein! nie gehör' ich ihnen, So ſaget er; mit allzu frohen Mienen Und allzu gläubig hört's die ſanfte Tatia. Der Prinz wird nun vom ganzen Hof verehret⸗ Und mit dem neuen Aufenthalt Bekannt gemacht: doch wie er höret, Es ſey nicht fern vom Thor, dem Tybris zugekehrst, Ein Pallas⸗Tempel und der Wald Egeriens; ſo ſtutzt er bey dem Nahmen; Des Traums ſchon halb verſchwundne Bilder kamen Vor ſeinen regen Geiſt zurück. 320 Er eilet hin noch dieſen Augenblick. Er wandelt ehrfurchtsvoll und ſtumm in den Ge⸗ wölben Des heil gen Hains, erkennt ſie für dieſelben, Die er im Traume ſah, und ſchickt die Blick' umher, Ob nicht vielleicht auf einem grünen Sitze, Die Zier des Hains, die hohe Nymphe ſitze; Doch Himmel! was entdecket er! Die ſchönſte Kriegerinn dort in dem Graſe; ſchwer Liegt Morpheus Hand auf ihrem Augenliede; — 60— Ihr Haupt iſt waffenlos und von dem Schild ge⸗ ſtützt, 330 Der, einem Nimbus gleich, ihr ſchwarzes Haar umblitzt. Der Helm ſteht neben ihr, und wie vom Siegen müde, Ruht ihre weiße Hand darauf. Die Gitter des Cothurns umziehen Den kleinen Fuß, und über weißen Knieen Hält eine goldne Spang' ihr leicht Gewand hinauf. Verliebte Blüthe fällt, verliebte Schatten ſchweben Auf ihr Geſicht herab, und ſcheinen bey dem Wehn Der Zephyre ſich ungern wegzuheben. Diana ruht nicht ſchöner auf den Höhn 340 Des Mänalus, nicht ſchöner im Geſilde, Wodurch der Silberfluß des Erymanthus geht. Doch ſelbſt im Schlummer zeigt ihr Angeſicht nicht Milde, Es zeiget Trotz und ſtolze Majeſtät, Die nur noch mehr den Reitz der Jägerinn erhöht. Der Jüngling glaubt Minerven zu erblicken, Er wirft mit ſchauderndem Entzücken, Sich auf die Kniee, ſtarrt ſie an, Streckt gegen ſie die Arm' und bleibt wie ohne Leben. Er will ihr flehn, doch der Betäubte kann 350 Die Zunge nicht dem Gaum entheben. Nun wird die Heldinn wach: Wer biſt du, ſagt — 0 r e Gafft ſich zugleich mit ſchönem Ungeſtüm Vom Boden raſſelnd auf, behelmet ſich und kehret Das Auge, das des Gähzorns Blitz bewehret⸗ Dem Jüngling zu) wer biſt du, ſagt ſie ihm, Daß du ſo frech im Schlummer mich geſtöret? O Göttinn, ſtammelt er, verzeih', wenn ich die Ruh' Von deinem Augenliede ſcheuchte.* Ich eilte deinem Tempel zu; 360 Da ſah ich dich, dich ſelbſt; mein Odem keuchte/ Die Augen ſtarrten hin nach dir, Die Kniee wankten unter mir, Und bleyern fühlt' ich alle Glieder. Du ſiehſt, daß deinen Glanz mein Auge nicht erträgt, Ach! einer Gottheit Anblick ſchlägt Uns arme Sterbliche danieder. Er ſpricht's: der Kriegerinn beſänftigt Auge wälzt Nicht Flammenblicke mehr auf ihn, den ſchönen Blöden, Der immer kniet und zagt; es haben ſeine Reden 370 Schnell ihren Zorn zum Lächeln umgeſchmelzt. Steh auf, ſo ſagt ſie ihm, ſteh auf, gib dich zu⸗ frieden; Mir iſt kein Götterrang beſchieden. Vom großen Romulus, der mir das Leben gab, Geſendet, muß ich Rom den neuen Sieg verkünden. Das Kühl in dieſen ſchönen Gründen Zog mich zur kurzen Ruh' von meinem Roß herab. Du glaube nicht ſo leicht Unſterbliche zu finden, Und bitte deinen Wahn der hohen Göttinn ab. ——„ Hier klopft ſie auf den Schild, ein Haufen Krieger dringet 380 Aus dem Gebüſch hervor, es ſteht, mit Gold be⸗ ſchwert, Zu ihren Füßen ſchon ihr kriegeriſches Pferd, Auf das ſie ungeſäumt ſich ſchwinget. Sie ſitzt, nickt nachſichtsvoll auf Numa noch zu⸗ rück, Gibt beyde Sporn und ſchwind't aus ſeinem Blick. Geblendet ſtehet er und außer ſich geſetzet,. Er horchet ihr begierig nach; ſein Ohr Wird durch den Hufſchlag noch ergetzet; Doch als auch der allmählich ſich verlor, Betrachtet er die Raſenſtätte, 39 Wo ſie geruht; vor ſeiner Fantaſie Iſt alles, was ſie that, iſt alles, was ſie red'te; So lebhaft fühlt' er ſelbſt das Gegenwärt'ge nie. Sein Geiſt entreißt ſich den gewöhnten Schranken Und ſpinnt mit neuer Kraft Gedanken aus Ge⸗ danken. Ha! ruft er endlich auf, nun iſt mein Traum erfüllt! Der Wald Egeriens, die Schöne, deren Bild, Zwar ohne Waffen, mir erſchienen! Doch eben dieſe Majeſtät, Mit Grazie vermiſcht, in allen ihren Mienen! ₰06 Herſilia! der Nahme ſchon erhöht, Stärkt und entzücket meine Seele. Doch wer bin ich, der ſie zu lieben ſich erkühnt, Sie, die der erſte nicht der Sterblichen verdient, 5 Die werth iſt, daß ſich ihr der ſchönſte Gott ver⸗ mähle Und ſie zur Göttinn küſſe. Nein! Herſilia, ich will nicht unbeſcheiden ſeyn; Du ſollſt kein kühnes Wort von meinen Lippen hören, Im Stillen will ich dich verehren, Ich will mich Romulus zum letzten Krieger weihn, 410 Die ſtolzen Roſſ' an deinen Wagen Demüthig ſpannen, dir die ſichre Lanze tragen Und wenn ein Feind die ſeine nach dir ſchickt, Mit dieſem Buſen ſie auffangen und entzückt Roch auf dich ſehen, noch im Tode lächelnd ſagen: Ich ſterbe ja für dich; ich bin nur zu beglückt. So ſchwärmt er, ſucht dann auf der Erde, Sucht, findet und verfolgt die ſeichte Spur der Pferde. Er eilt, er lauft, er fleugt dahin. Die Göttinn Pallas iſt verwiſcht aus ſeinem Sinn, 420 Perwiſcht, als ob er nie zu ihr gewallet wäre. Wie einſt auf Ida's Höhn, ſo ſiegt auch nun Cythere. Schon iſt der Prinz in Rom, ſchon irrt' er durch die Stadt, Herſiliens Pallaſt ſucht er mit giergen Blicken, Wiewohl er nicht den Muth datnach zu fragen hat. Er ſchleicht zuletzt vom langen Irren matt, Nach ſeinem eignen Haus, vor welchem, o Entzücken! —— ——————— —, —— Ihr Zelter ſteht. Sie hatte von der Schlacht Dem König Tatius die Nachricht überbracht; Und ſaß bey ihm, als er in das Gemach getre⸗ ten. 430 Trotz ſeiner Freud' erſchrickt er und erblaßt; Wie aber Tatius ihn bey der Rechten faßt, Der Fragenden ihn nennt, und ſie ihn anblickt, röthen, Von ihren Augen angeſtrahlt, Sich plötzlich ſeine Wangen wieder. So wie der Schnee ſich roth im Glanz xutorenz mahlt. Doh lallt noch ſeine Zung', es zittern ſeine Glieder. Der edle Greis, zu lange Zeit Der Liebe ſchon entwohnt und ihrer Aeußerungen, Hält alles bloß für Schüchternheit. Doch tiefer iſt der Blick Herſiliens gedrungen. 440 Sie merket, welch Gefühl den Jüngling ſo ver⸗ wirrt. Sie iſt gewöhnt, es einzuflößen, Freut aber ſich zum erſten Mahle deſſen. Sie ſtehet auf, nimmt Abſchied, geht; doch irrt Durch manchen Umweg noch ihr Aug' auf ihn zurücke. Hoff“', edler Jüngling! ſtand in dieſem ſüßen Blicke. Den Prinzen hält nunmehr die Leidenſchaft Mit ehrnen Armen feſt; verronnen Sind Tullus Lehren, und die Kraft, Dre Si Kei St Do Se W S Ge c 78 S— c— e— 1/ zo er⸗ hn ke. Sie auszuüben, hin: wie Irrſtern' um die Son⸗ nen, 450 Drehn um die ſchöne Kriegerinn Sich alle ſeine Wünſch', er hat an ſanften Freuden Kein Wohlgefallen mehr, für Freundſchaft keinen Sinn, Sucht nur die Einſamkeit und mehret ſelbſt ſein Leiden. 3 Dort ſchleicht er in den Wald und ſeufzt der Echo vor, Sein Haupt ſinkt laß zur Schulter nieder, Wie ein vom Sturm geknicktes Rohr. Sein Geiſt, im ſiechen Leib ein müder, Gequdlter Fremdling, hat, von Sinnlichkeit be⸗ rauſcht, Unthät'ge Schwärmerey fuͤr Weisheit einge⸗ tauſcht. 460 Wie konnt' er Andrer Wohl zu überdenken taugen, Er, der ſein eigenes vergißt, Dem nur Herſilia Glück, Tugend, Gottheit iſt, Indem er ihren Werth alleine mit den Augen, Und nicht mit dem Verſtande mißt⸗ Indeſſen kehrt vom Gau der Autemnaten Der Sieger Romulus zurück ins Vaterland. Ihr König Acron ſelbſt fiel unter ſeiner Hand, Der ſchrecklichen Verricht'rinn großer Thaten. Rom, daß der Freude ſich nun gänzlich über⸗ läßt, 470 Und ſchon gewöhnt, nach Ruhm und Uebermacht zu dürſten Ruma Pompilius. I. Th. E 66— Bereitet ſeinem ſtolzen Fürſten Und deſſen Heer ein prächtig Siegesfeſt. Dos Muſter des Triumphs für ſchreckliche Be⸗ zähmer Der bangen Welt, für ungeborne Römer. Der edle König Tatius, Wiewohl ein Feind des Kriegs, doch allzu groß zum Neide, Erkauft durch Ehren gern das Herz des Ro⸗ mulus. Mit Bürgern ohne Zahl trägt er im weißen Kleide Dem Kommenden den Freundſchaftskuß 480 Entgegen, gibt den Seinen das Exempel, Wie man Verdienſt' an Andern ehren muß. Schon brennt die Opferflamm' im Tempel Des Jupiter Feretrius. Die Prieſter, angethan mit heil'gem Schnuc, warten Des Triumphators, Alt und Jung und Groß und Klein ſtrömt voll Begeiſterung Die Straßen durch, die, ähnlich einem Garten, Voll Blumen und voll Kränze ſind. In Feyerkleidern prangt der Weiber große Men⸗ ge 490 Und manche ſchweiget ſo ihr Kind, Wenn es, geſtoßen im Gedränge, Zu weinen anhebt:»Still, mein Sohn! „Dein Vater triumphiert, ſiehſt du? da kommt er ſchon.“ Der So Do ——— 8S — Be⸗ gß ißen 480 ucke, Men⸗ 49⁰ nt er Sie kommen. In den Lüften glänzet Der Adler Gold; die Fahnen wehn bekränzet. So laut und ſtürmend jauchzt die wilde Fröhlich⸗ keit Der tapferen, der ungezähmten Krieger, Daß ſie den ehrnen Mund der Tuben überſchreyt. Por ihren Reihen rollt der Wagen her, der Sie⸗ ger 500 Thront hoch darauf. Vier Roſſe, weiß wie Schnee, Sind vorgeſpannt, ſie werfen in die Höh' Ihr blendend Haupt, die Mähnen wehen Vom Hals der Tanzenden, ſie wiſſen, wen ſie ziehn, Sie ehren ihren Held und geben's, ſtolz auf ihn, Durch edlen Ungeſtüm und Wiehern zu verſtehen. Er aber ſteht im Triumphator⸗Kleid; Es fleußt ihm von den Schultern, breit Mit Gold geſtickt, herab, und Lorberzweige prangen um des Erobrers Stirn; in ſeinen Armen hält 510 Er einer Eiche Stamm, er ſelbſt hat ſie gefällt Und Acrons Rüſtung dran gehangen. Lang iſt der Weg und drückend das Gewicht, Doch Romulus ermattet nicht. Die Kinder Acrons ziehn gefangen Vor ihm einher im Traurgewand⸗ Wie blaß iſt ihr Geſicht! ſtets bleiben auf den Wangen Die Thränen unverwiſcht; denn ach! der Lictor band Die Hände mit der Knechtſchaft Stricken Den Unglückſeligen hohnlächelnd auf den Rü⸗ cken. 520 E 3 — 68— Das Bild der Stadt, die ihnen einſt gehört, Die aber jetzt, entvölkert und zerſtört, Der König Roms beſetzt, folgt ſeinem Siegerwa⸗ gen. Und eine Menge Sclaven tragen Die goldne Beute nach, gekrümmt und keichend, faſt Erliegen ſie der ungeheuern Laſt. Schoniſt das Capitol erſtiegen, und man drin⸗ get Zum Tempel Jupiters, wo ſich der ſtolze Held Leicht vom erhabnen Wagen ſchwinget. Er trägt die Eiche noch, woran die Rüſtung klin⸗ get, 530 Bis er an dem Altar des Gotts ſie niederſtellt. Des Bodens Marmorplatten berſten, So drückend iſt die Laſt, und Romulus beginnt: Sieh ſchirmend her auf die, ſo wahre Römer ſind, Und auf des Sohnes Sohn; er weihet dir die erſten Opimen Spolien; der Enkel folge mir Auf Wege, die ich ihm bereite. Dann iſt der Erdenkreis bejocht, dann prangt die Beute Von allen Nationen hier. Er ſpricht's, zieht einen wilden Stier, 540 Den zehen Prieſter kaum zu bändigen vermögen, Mit einer Hand vor den Altar, Zwingt ihn zu knien und rauft ein ſtärkes Büſchel Haar Ihm von der Stirn, es auf den Herd zu legen. rwa⸗ „foſt drin⸗ klin⸗ 530 ſind, die die 5 0 iſchel Dann ſchlachtet er ihn ſelbſt und läßt die Prieſter⸗ ſchaar Des heil gen Amts nach alter Sitte pflegen. Die Flammen hatten kaum das Opferthier ver⸗ zehrt, So hob er wieder an, den Kriegern zugekehrt: Was iſt Ein Sieg ihr Römer? ha! es bleiben Uns viele, viele Feinde noch. 550 Ihr wißt, daß wider unſer Joch Die frechen Volscier und Herniker ſich ſträuben; Roch kühner dräun die tapfern Marſen; ſie Sind werth, daß Mavors Sohn den Siegerdegen zieh'. Sie, als die Stärkſten, macht zuerſt euch unter⸗ Auch wünſchet dieß mein Bundsgenoß, der König Campaniens; ich ſchenk' euch dieſen ganzen Tag/ Den jeder Held bey ſeinen Kindern, Bey ſeinem Weib verküſſen mag. 2 Doch morgen ſoll der Tod allein mich hindern, 560 Auf meines PVaters Feld, ſo bald die Schatten fliehn, In voller Rüſtung da zu ſtehen. Dort, Brüder, werden wir uns ſehen und wider meines Freunds erklärte Feinde ziehn⸗ Schwer wird der Sieg ſeyn, doch,— uns kann er nicht entgehen. Italien erfahre, daß die Ruh' Nicht für die Sieger iſt, und ſehe bebend zu. — 70— Er ſchweiget, Jauchzen folgt; die Felſen hal⸗ len wieder. Er zieht nach ſeiner Burg, bis zu dem hohen Thron Begleitet ihn das Volk, und jede Legion 570 Legt in dem Vorgemach die goldnen Adler nieder. Geendet iſt nunmehr die ganze Feyrlichkeit, Und jeder fleugt nach Haus, wo Lieb' aus ſanftern Seelen Warm ihnen zuſtrömt und ſich freut, Doch dieſen Einen Tag der Tapferkeit zu ſtehlen, hron 570 er. ftern 8 *= 5 2 — — — & —————„ . 2*—* 1 D prächtige Triumph entflammet Numa's Bruſt, Die ſchon von Liebe brennt, nun auch mit Ehr⸗ begierde. Er nicht mehr ſich ſeiner ſelbſt bewußt, Der Lorber ſey der Fürſten größte Zierde Und fehdeloſes Leben Schmach. Die Ehre ſtrahlet ihm mit allem Reitz entgegen, Nennt ihm Herſilien und ruft: Auf meinen We⸗ gen Führt einer dich vielleicht bis in ihr Brautgemach. Wie aber ſoll er nun ſich Tatius entdecken? Wird, wenn er weg von ihm ins Feld zu ziehn begehrt, 10 Dieß nicht des Königs Argwohn wecken, Es habe ſich ſein Herz für Romulus erklärt? Er ſinnet nach und gehet unentſchloſſen In dem Pallaſt umher, bis Tatius es merkt, Ihn fragt, warum in Gram ſein heitrer Muth zerfloſſen, Und zum Vertraun durch Freundſchaftsworte ſtärkt. Nun faßt er Herz und ſagt: o Herr, an deiner Seite Zu leben, war bisher all meiner Wünſche Ziel; Doch plötzlich iſt ein neu Gefühl —— In mir und ſpricht: Verdien' erſt in dem Streite, 20 Im Streite für das Vaterland, Daß Tatius dir Achtung ſchenken könne. Die Ehre, die dich ruft, rief vormahls ihn auch, brenne So ſehr für ſie, als er für ſie gebrannt. In deinem Alter überwand Er und Pompilius mit einem kleinen Haufen Die Uebermacht der Feinde ſchon. oc du, des Erſten Freund, doch du, des Zweyten Sohn, Willſt durch Gefahr dir keinen Ruhm erkaufen. So ſpricht es, voll Begier hört meine Seele zu; 30 Ich flieh„ vergönnſt du mir's, der Hauptſtadt träge Ruh', Die blut'ge Siegerbahn mit Romulus zu laufen. Ob ich's vergönne! ſagt der Greis, Auch ich war jung, mein Numa, und ich weiß, Wie ſehr die Ruhmbegierde reitzet, Wie ſehr ein edles Herz nach frühen Lorbern geitzet. Nur kränkt es mich, daß es die Marſen ſind, Die man bekriegt; dein Unterricht beginnt In der gefährlichſten von allen Heldenſchulen. Die Parzen werden ihre Spulen 40 Behender drehn, als ſonſt in einem Krieg. Die Marſen wiſſen nicht, was weichen, Was fliehen heißt; und krönt zuletzt uns auch der Sieg, m 20 , en le 30 adt t. 40 de So wird er theuer ſeyn und langſam zu uns ſchleichen. Noch ſind ſie unbezähmt; ihr Bau iſt rieſenhaft, Ihr ſtarker Arm ſchwingt eine lange Keule Nach Herkuls Art mit Herkuls Kraft, Und eingetaucht in böſer Kräuter Saft, Die am Cocytus blühn, ſind ihre ſichern Pfeile. So bringt der Stahl, mit mörderiſchem Gift 650 Bewaffnet, immer Tod, auch wenn er leicht nur trifft. Ach! wenn du ſelbſt vielleicht— ich wag' es nicht zu denken— Allein wer kann„ hlier unterbricht Ihn Numa's Ungeduld, o laßt euch das nicht kränken! Geſteckt iſt unſer Ziel, Gefahr verrückt es nicht. Die Götter lieben mich, ſie wollen Ruhm mir ſchenken, Die Tapferkeit des Feindes iſt Das wahre Maß, wonach man dieſen mißt. Mein Eifer hat zuvor geglimmet, Nun jflammt er, ſeit ich weiß, daß mir mein gün⸗ ſtig Glück 60 Solch einen tapfern Feind beſtimmet. Er ſpricht's, ſein Auge rollt und ſchießet Blick auf Blick, Die Stirne wölket ſich, die Stimme klinget tiefer. Von ſeinem ſonſt ſo ſanften Antlitz geht Ernſt, Drohen, Schrecken aus und finſtre Ma⸗ jeſtät. Achillen gleichet er, wie dieſer vor den Prüfer Ulyſſes trat, zwar noch im weiblichen Gewand, Doch ſchon als Held an jener Hitz' erkannt, Mit welcher er das Schwert, das lang und ſchön geſchliffen Aus all dem bunten Weibertand 70 Hervor geglänzt, heißhungerig ergriffen. Entzücket hört und ſieht der Greis Den jungen Freund zum frühen Helden reifen. In ſeinem Buſen ſchmilzt des Alters träges Eis, Schon rufet er: Auch ich will zu den Waffen greifen, Will in der Schlacht dein Lehrer ſeyn, Und da mich deines Muths, mich deiner Klugheit freun. So kämpfte Reſtor einſt an ſeines Sohnes Seite. Obſchon ich Reſtorn weit in allem weichen muß, So iſt mir Numa doch, was ihm Antilochus 80 Geweſen iſt, und ich begleite Dich, Theureſter, bis in den Erebus. Voll Dankbarkeit für eine ſolche Liebe, Bey deren feurigem Erguß Auch ſelbſt ein kaltes Herz nicht unerwärmet bliebe, Will Numa ſchon dem edlen Tatius Herſiliens geliebten Nahmen nennen Und eine Leidenſchaft, die ihn verzehrt, bekennen. Doch liſpelt ihm ſein böſer Dämon zu:. Der König denket nicht, wie du: 90 Sein Eifer ſtraft, was Romulus gefehlet, Auch an Herſilien; er hat dir's nicht verhehlet, Daß er die kühne Jungfrau ſcheut. Das Alter treibt den Argwohn gern zu weit en 30 2 und hägt, um ſeine Pflicht recht pünctlich zu er⸗ füllen, Oft ungerechten Widerwillen Aus Liebe zur Gerechtigkeit. Er würde minder gut von deinem Eifer denken, Wüßt' er, es habe dran nicht Sorge für das Heil Des Vaterlands allein, auch Weiberliebe Theil. 100 Drum hüthe dich, ihm ein Vertraun zu ſchenken, Das bey dem Wahn, wodurch geblendt Der edle Mann den Werth Herſiliens verkennt, Nur taugte, dich und ihn zu kränken. Der König Tatius verliert in träger Ruh' Micht einen Augenblick und eilt dem Tempel zu, Wo er dem Donnergott die Waffen aufgehangen, Des Heldenruhmes ſatt; ſie prangen Am Schlußſtein ſchon ins zwey Mahl achte Jahr. Nun aber heiſcht der Opfrer, wie verjünget, 110 Sie wiederum zurück von frommer Prieſter Schaar, Die ungern und beſorgt ſie bringet. Er aber bethet ſo am heiligen Altar: O Jupiter, wenn ich die Opferſtätte Mit fetter Stiere Blut dir gern und oft benetzt, Wenn ich, was mehr dir gilt, als Opfer und Ge⸗ bethe, Der Fürſten heil'ge Pflicht mit Willen nie ver⸗ letzt; So friſch' in meinem Arm die Säfte. Des Lebens wieder auf, ſchenk' ihm die Helden⸗ kräfte, Die damahls ihn beſeelt, als ich den Ramnes ſchlug, 120 Herniciens verwegnen König, Der ungerechten Krieg vor unſre Mauern trug. Ich ſtand vor meinem Heer und hemmte ſeinen Zug; Doch achtet' er das Dräun des Jünglings wenig Und warf, nachdem er mich zum Kampfe lächelnd rief, Den längſten Speer, der je von Rieſenhänden Geſchleudert ward, nach mir; doch wußt' ich mich zu wenden; Der Stolze traf mich nicht; ich aber wüthend lief Mit hohem Schwert auf ihn und ſenkt' es tief In ſeinen Buſen; noch ſeh' ich den Fleiſchthurm fallen, 130 Noch hör' ich unter ihm die ehrnen Waffen hallen. O gönne mir, Herr dieſes Heiligthums, Noch einen ſolchen Sieg, noch einen Tag des Ruhms, Dann weih' ich gerne mich dem Gatten Proſerpinens und eil' ins ſtille Land der Schatten. Dieß flehet Tatius, und als Verkünderinn Eilt Fama ungeſäumt zu ſeiner Tochter hin. Die ſaß zu Haus allein beym zierlichen Gewebe, Als Fama ſo beginnt: Du arme junge Rebe, Vielleicht bald ſtützelos! wozu dieß Friedens⸗ kleid? 140 Dein Vater braucht es nicht, er ziehet in den Streit. So ſagt die Göttinn; aufgeſchrecket Fleugt Tatia zu ihres Vaters Knien n Und fleht den Greis, nicht hinzuziehn, Hin, wo der Tod den Arm nach ſo viel Tapfern ſtrecket. umſonſt! bereden nicht, nur rühren kann ſie ihn. Unglücklich Mädchen! all' die ſchönen Träume ſchwinden, Auf welche ſie ihr Glück gebaut. Ihr Vater eilt— vielleicht den Tod zu finden, Und Numa's Herz, in das ſie tief geſchaut, 160 Läßt ſich vom wilden Reitz der Kriegerinn ent⸗ zünden. Zwar dieſen nagenden und ſtillen Gram vertraut Sie kaum ſich ſelber an, ſie ſucht vielmehr Be⸗ weiſe, Daß nichts ſie kränk“, als ihres Vaters Reiſe. Der undankbare Prinz bemerket nicht den Schmerz Der edlen Dulderinn, ſein Herz Iſt in den Reitz Herſiliens verſunken, Von Heldenſtolz empört, von Ruhmbegierde trun⸗ ken. Da noch zu ſeines Vaters Schwert, Das Tullus ihm in deſſen Gruft verehrt, 160 Helm, Panzer, Schild und Lanze fehlen; Eilt Tatius ſelbſt in den Waffenſaal, Dem Lieblinge die beſten auszuwählen, Und bringt, die er gewählt. Der goldbeſchuppte Stahl Des Panzers trotzt der Feinde ſtärkſten Klingen. Auf blank geſchliffnem Helme ſitzt, — Bo— Ganz Silber, eine Sphynx mit breiten goldnen Schwingen. Der Speer iſt Cedern⸗Hol] und Bilder rings ge⸗ ſchnitzt. Doch alles weicht an Pracht dem hoch gewölbten Schilde. Der Umſturz Jlions iſt künſtlich drein geprägt, 170 Auch prangt er mit Aeneens Bilde, Der ſeine theure Laſt aus goldnen Flammen trägt. Nichts gleicht der jugendlichen Freude, Mit der ſich Numa freut, als er die Rüſtung ſieht, Die in der Sonne Glanz als zweyte Sonne glüht. Wie klebt ſein Blick an dieſer Augenweide! Wie pft lockt ſeine Hand den ehrnen Ton hervor, Wie gierig trinket ihn ſein Ohr! Den andern Tag, eh' noch im Purpurkleide Aurora von dem Himmel lacht, Glänzt ſchon um ſeinen Leib die neue Helden⸗ tracht. 130 Denn Ruhe floh von ſeinen Gliedern In der ihm jahrelangen Nacht Und träger Schlaf von ſeinen Augenliedern. Er ſieht Herſilien ſchon mitten in der Schlacht, Er ſieht ſich ſelbſt durch ſtarker Liebe Macht An ihren Wagen angekettet. Schon mahlen ſich in ſeinem Geiſt Gelegenheiten ab, wie er die Kühne rettet, Sich in Gefahren ſtürzt, woraus er ſie entreißt, Und froh dabey ſein Herzensblut vergeußt. 190 . S— 8 — „—„—„— — ge⸗ bten 170 ugt. ieht, lüht. vor/ lden⸗ 180 ßt/ 190 Er fliegt zu Tatius; der edle König denket Der eignen Jugend, und mit Huld Belächelt er des Jünglings Ungeduld, Die keinen Augenblick ihm ſelbſt u und andern e ket. Er heiſchet Waffen auch, bewehrt Das Bnut mit ſeinem Helm, der nun es nieder⸗ ſchwert; Schnallt ſich die Rüſtung an, die in dem Morgen⸗ glanze Bepurpurt ſcheint, doch ihn beynah' zu Boden drückt. Faßt ſeine nicht mehr leichte Lanze Und nimmt das Schwert, das er nur mühſam zückt, 200 Doch minder noch von Waffen und von Jah⸗ ren, Als von dem Gram gebeugt, daß er ſein theures Kind Vielleicht nie wieder ſieht, erbebt er und entrinnt Aus dem Pallaſt, den Abſchied ihr zu ſparen. Mit Numa zieht er nun in das Mavortſche Feld, Wo ſchon Herſilia und Romulus die Schaaren Der Krieger abgetheilt; der alte König ſtellt Den jungen Freund als einen künft'gen Held Dem Mitbeherrſcher vor, und Numa, vor ihn tretend, Will ſprechen, doch die wohl erdachte Red' er⸗ ſtickt 210 In ſeinem Mund, indem gefällig und erröthend Die Fürſtentochter auf ihn blickt. Numa Pompilius. 1. Th. Auch ſieht und führet ihn mit Augen, die belohnen, Der kriegeriſche Romulus Zu den Sabiner⸗Legionen. Hier, rufet er, iſt des Pompilius Zum Helden reifer Sohn; er brennt von Ehrbe⸗ gierde. Er theile nun mit euch die rühmliche Gefahr Und werde, was ſein Vater war, Ein Schrecken ſeiner Feind' und ſeines Landes Zierde. 220 Er ſprach's, erſtaunend hörten ihm Die Krieger zu; ein froher Ungeſtüm Verbreitete ſich bey dem Nahmen Pompilius; den Erſten in dem Heer Entſank vor Freuden faſt der Speer, Und ihre Reihn verlaſſend, kamen Sie alle zu dem Jüngling her. Der weiſe Metius an ſeines Volscens Seite, Volerius, das Schrecken in dem Streite, und Murrex, deſſen Schwert der Parzenſchere glich, Und viele noch, voll Narben und voll Falten, 230 Noch viele Krieger drängten ſich Zu ihres Prinzen Sohn.»Dein Vater liebte mich,“ Sprach jener.»Wo er kämpfte, wich »Der Tapfre ſelbſt,“ rief der.»Daß ungeſpalten „Mein Scheitel blieb, verdank ich ſeinem Schild, »Er hat zu rechter Zeit ihn über mich gehalten,“ So ſchrie ein Dritter, jeder fand In Numa's Angeſicht des edlen Vaters Züge Und wünſchte ſich und ſeinem Land 240 Im voraus Glück zu dem gewiſſen Siege. He In —= 2 c e belohnen, Ehrbe⸗ fahr Landes 220 eite, hetr glch en, 230 te mich“ ſpalien Schild halten Züge 0 6 6 * 6 Held Metins, der Führer, 3u In Pm Hand den goldnen eldherrnſtah. Recht, Freunde recht! ſagt Tatius, der eben Im Kriegerſchmuck zu ihnen tritt, Den Feldherrn, den ihr euch gegeben, Erkenn' ich auch und zieh' in eure Schlachten mit. Wenn meine Füße dort mir ihren Dienſt verſagen, So ſollt ihr mich auf euern Händen tragen. Dieß ſagt der gute Tatius 250 Und reicht die Hand den alten Kriegsgefährten, Die ſich der Thränen nicht, des Schluchzens nicht erwehrten. Ein rührend Schauſpiel, ſelbſt für einen Romu⸗ Er ruft ſogleich bey dem Trompetenſchalle Den Prinzen, der beſchämt vor den Sabinern ſteht Und dieſer Ehre Laſt von ihm zu nehmen fleht, Zu ihrem Führer aus. Die Krieger jauchzen alle. Herſilia, die immerdar im Streit Bey den Sabinern iſt, nimmt froh den Poſten heut. Sie dieſe Wahl, wie ahndungsvoll, getrof⸗ fen, 260 Und ſheinet mehr, als Einen Sieg, zu hoffen⸗ Das Kriegsheer war zum Aufbruch ſchon be⸗ reit, Und man erwartete von Romulus das Zeichen⸗ Meſſala, der an Billigkeit Und grauer Weisheit ſeines gleichen MNur wenige, ſogar bey den Sabinern fand F 2 „ 8 4„ Ward zu dem Ritter Roms von Tatius ernannt. Man harrt bereits, ob nicht zur kriegeriſchen Reiſe Jetzt, jetzt die Tuba ruft; doch ſiehe! mit Geheul Stürzt eine Menge Kinder, Greiſe, 270 Und banger Mütter her. Verweil', O Tatius, ſo ruft ein Mann von achtzig Jahren, Als Redner, zwar noch nicht mit dem Syſtem ver⸗ traut, Das ſpät erſt Tullius, ſein Enkel, aufgebaut, Doch in der Redekunſt des Herzens wohl erfah⸗ ren. Verweil', o Tatius, ſagt er, iſt's nicht genug, Daß dieſer unglückſel'ge Zug Uns Einen unſrer Fürſten raubet? Doch Romulus mag ziehn, wir ſind daran ge⸗ wöhnt, Wir wiſſen, wie er ſich nach Heldenlorbern ſehnt. 280 Doch daß auch dir dein Herz erlaubet, Uns zu verlaſſen, dieſe Laſt Druckt allgewaltig uns zu Boden. Was ſtürzeſt du, o Herr! ſo vielen Todten Entgegen? iſt es Ehrbegier? Auch dieſe bleibt nicht unbefriedigt hier. Ein Wort von dir gleicht einem Spruche Des hohen Jupiter; als läſeſt du im Buche Der Zukunft, ſuchet, ſchätzt, befolgt man deinen Rath. Du nur allein kannſt Troſt den Aeltern derer ſchen⸗ ken, 290 Die in den blut'gen Staub der Kriegsgott nie⸗ dertrat. etnannt. hen Reiſe t Geheul 250 Jehren, yſtem ver⸗ aut, hl erfah⸗ enug, daran ge⸗ ſchnt. 260 en uche an deinen erer ſchen⸗ 290 gott nie Mich nicht zum Neid; ich ſelber führt' es her. Dein bloßer Anblick macht, daß ſie ſich minder kränken. Sie fliehn in deine Burg wie in ein Heiligthum. Was alſo fehlt zu deinem Glück und Ruhm, Da wir, wir alle, dich wie einen Gott verehren, Wie einen Vater lieben? kann Die Siegesgöttinn dir ſo ſüßen Lohn gewähren? Flieh' deine Kinder nicht, der Sclaven Zahl zu mehren. Hier iihe der edle Mann Und weinet. Numa ſelbſt und alle Führer flehen Dem Könige, von dem Entſchluß, 300 Der ſein getreues Volk bekümmert, abzuſtehen. Gerührt wirft jetzo Tatius Schild und Lanze weg. Es ſey! ſagt er zum Greiſe, Ihr kennet euern Freund, er wünſchet nichts ſo ſehr Als euer Wohl, und zum Beweiſe Zieh' ich mit euch zurück, wir ſcheiden nun nicht mehr, Lis ich in's Land der Schatten reiſe. Hier ſchallet Himmel an der Segnenden Ge⸗ ſchrey, Auch ſtürzet Tatia herbey, Sie blieb bis jetzt im Schwarm verſtecket. 310 Das Flehen euers Volks, nicht meines, fand Ge⸗ hör, So ſagt ſie, doch der höchſt gerechte Vorzug wecket Er ſehe, ſagt' ich mir, wie viele tauſend Waiſen Er mach', und werfe weg ſein kriegeriſches Eiſen! Nun kehrt ſie ſich zu Numa hin, Rimmt einen feſten Ton, o arme Heuchlerinn! Und wünſcht ihm in der Feinde Gründen Den Ruhm, das Glück, wonach er ſtrebt, zu finden. 329 Der König Tatius küßt ihn noch hundert Mahl, Empfiehlt ihn hundert Mahl den alten Kriegsge⸗ fährten 2 Und ſpricht mit ihm, bis ſie die Tuben ſtörten, Denn dieſe ſchmetterten zum Aufbruch das Signal. Dieß Zeichen darf kein Held verhören. Und Numa reißt nicht ohne Zähren Sich aus des Königs Arm, der zärtlich ihn um⸗ wand, Eilt vor die Reihen, ſtreckt noch ferne ſeine Hand Nach dem geliebten Greis und kehrt nach ihm die Blicke. Auch dieſer winkt ihm noch bewegt 330 Den letzten Abſchied zu: doch ſiehe! jetzo trägt Auf ihren Schultern ihn das Volk nach Rom zurücke. Das Heer, das jauchzend nun durch weite Felder eilt, Und ſie mit Glanz bedeckt, iſt dreyfach abgetheilt. Im Vortrab zeigen ſich der Römer Legionen Und Romulus. Ein Roß, in Thracien erzeugt, Und den auch dort erzeugten Aqutlonen * 02 An Geb Des Er Pe Als Die Do De De S 27 2 7 aiſen Eiſen! n! t, zu 329 tahl, egöge⸗ en, ignal⸗ n um⸗ Hand in die 330 gt Roln ————— — 67— An Schnell und Wildheit ähnlich, fleugt, Gebändiget von ihm, durch die entfernten Reihen Des ganzen Heers, denn er iſt überall 340 Er ſpricht mit jedem Mann, er ſorgt für jeden Fall, Er weiß Entſchloſſenheit in's bängſte Herz zu ſtreuen. Wenn er entfernet iſt, beſiehlt Hoſtilius Als Führer hier, er, deſſen rapferm Sohne Die Götter nach der Zeit Roms ſtolze Herrſcher⸗ krone, Doch lange nicht, gegönnt; auch war Horatius, Der Pater jener Dreyn, die Alba unterjochten, Da ſie allein für Rom in einem Zweykampf . fochten; Richt minder Maſſicus und Servius zu ſehn, Tolaſſius und Abas und Miſen, 350 Miſen, der von dem Helden ſtammte, Deß ſtarker Mund durchs eherne Getön Der Kriegstrommete ſchon Aeneens Heer ent⸗ flammte. Sie alle ſind von edlem Heldendrang Mach Ehr' und Kämpfen, jeden zieret Die Rüſtung eines Feinds, den ſeine Fauſt be⸗ zwang. Als Vortrab auf den Maärſchen führet Ihr Held ſie an, und dieſer Vortrab macht Den rechten Flügel in der Schlacht. Nach ihnen ziehen, auch bereit zu großen Thaten, 360 — 86— Und auch ganz Ohr bey Lockungen des Ruhms, Die Legionen Latiums, Die Laurentiner, Fidenaten, Die Krieger Politoriums, Aricias, Tellenas: alle Beſiegte, da ihr Schwert einſt wider Rom geblitzt, Der König Romulus; doch ſtanden ſie vom Falle Glorreicher auf; denn Römer ſind ſie itzt. Als Führer prangen an der Spitze Held Azilas und Orimanth, 370 Der wackre Feraltin, voll kriegeriſcher Hitze, Nipheus, bey Canenta, wo das Land Von Früchten ſtrotzt, aus edlem Blut entſproſſen, Der weiſe Cynirus, ein Prieſter des Apoll, Den Helm von heil'ger Bind' und Lorbern rings umfloſſen, Auch Ladon, deſſen Herz ſchon längſt von Ruhmgier ſchwoll, Der ſchöne Ladon. Ihn gebar dem Hirtengotte Die ſchönſte Nymph' in ihrer Felſengrotte. Die alle ziehn als Führer vor den Reihn Des Trupps einher, wo Muth und Ordnung herr⸗ ſchen. 380 Ein großer Trupp, doch er beſteht allein Aus Fußvolk und er nimmt den Mittelraum auf Maärſchen, „ Den Mittelraum in Schlachten ein. Als Nachtrab folgen die Sabiner, Die Romulus im Kampf werth, wie die Römer, hält Und auf den linken Flügel ſtellt. ns, Falle 370 ſen, rings mgier hert⸗ 360 uf Der weiſe Metius, des Mavors grauer Diener, Hat ſeinen Feldherrnſtab dem Prinzen überreicht. Und als gemeiner Krieger zeucht, Er mitten in der Reih' am Abende der Jahre. 390 Doch ſein erworb'ner Ruhm, das Silber ſeiner Haare, Die Narben, die der Krieg in ſein Geſicht ge⸗ drückt, Die fodern den Tribut der Ehrfurcht allen Seelen Gewaltig ab und werden ſtets befehlen, Auch wenn er keinen Rang durch ſeine Weisheit ſchmückt. An ſeiner Seite ſchwingt Catill die Siegerlanze, Und Talos, deſſen Stirn mit manchem Lorber⸗ kranze Der Sieg geziert; auch Coras, Tanais, Auch Gallus, vom Geſchlecht des Fluſſes Abaris Und Aſtur, welcher einſt am Quelle 400 Blanduſias auf einer Raſenſtelle Schön, wie der Sohn Cytherens, ſchlief, Den dieſe Nymphe dann durch Küſſe Vom Schlafe weckt' und in die Finſterniſſe Der trauten Höhl' auf's Roſenbette rief. Auch Ufens riß ſich aus den Thoren Der Vaterſtadt, er, deſſen ſtarke Fauſt In finſtrer Schlacht verderblich niederſauſt, War, als Catilia Numatorn ihn geboren, Schon bärtig, dieſer Bart fleußt jetzt von ſeinem Kinn 410 Vielfärbig, kraus und dicht bis auf die Schenkel hin. An dieſer Helden Spitze zeiget Der junge Numa ſich. Sein Roß, ſo weiß wie Schnee,. Des Tatius Geſchenk, tanzt, wiehert, ſchnaubt und ſteiget, Stolz auf die theure Laſt und prahlend, in die Höh'. Er lenkt es klug mit dem von weißem Schaume Ganz überſtrömten Purpurzaume. Auf einem Wagen neben ihm Thront, Athenden gleich, mit ſchönem Ungeſtüm Herſilia: ſie wünſcht ſchon in der Schlacht zu tödten, 420 Der lange Weg iſt ihr verhaßt. Stets flammt ihr Auge mehr, die vollen Wangen röthen Sich immer purpurner, ihr Buſen tobet faſt Den Panzer durch. Der Helm der Fürſtinn glänzet, Mit einem Lorberzweig von feinem Gold umkränzet. Ein Adler ſitzt darauf; in ihrer rechten Hand Hält ſie den fürchterlichen Bogen, Den Pandarus zum Tod der Griechen einſt ge⸗ ſpannt, Und welchem nie ein Pfeil umſonſt entflogen; 430 Aeneas bracht' ihn mit ins neue Vaterland. Den Wagen der Prinzeſſinn lenket Held Brutus, deſſen Haus in ſpäter Folgezeit Zwey Mahl ſein Rom erlöſ't und Freyheit ihm geſchenket. Der Prinz betrachtet ihn nicht ohne ſtillen Reid, Weicht nicht vom Wagen weg und blicket Mit unverwandtem Aug' und liebetrunknem Sinn Stets auf die ſchöne Kriegerinn, Wiewohl ihn ſelbſt nicht minder Schönheit ſchmü⸗ cket. Auch ſtrahlt der Sanftmuth Glanz, woran es ihr gebricht, 440 Auf ſeinem holden Angeſicht. Sie ziehn einher, wie auf des Cynthus Höhen, Mit Waffen angethan, Diana und Apoll Den Ebern kühn entgegen gehen. Latonens Kinder ſind zwar beyde ſchimmervoll Und beyde fürchterlich, doch von Dianens Wangen Dräut wilder Stolz, und die des Gottes prangen Mit mildem Licht; man ſieht, daß er die Künſte liebt Und nicht der rauhen Jagd all ſeine Stunden gibt⸗ Die Gegenden, wo ſanft an den Geſtaden 459 Der ſtille Liris nagt und Anxanum ſich zeigt, Die ſind's, wohin das Heer der Römer fleugt, Dort hat man Capua's Beherrſcher hingeladen, Dort iſt der Sammelplatz; doch lieget das Gebieth Der tapfern Herniker dazwiſchen. Und Romulus, der ſchon von Streitgier glüht, Dem Tieger gleich, der aus den dunkeln Büſchen Auf neuen Raub, auf friſche Beute zieht, Schickt, freyen Durchzug zu begehren, Zu ihrem Könige drey Ehrenholde hin⸗ 460 Doch dieſer Fürſt, beſeelt von wahrem Biederſinn, Antwortet ohne Scheu, den Durchzug müſſ er wehren⸗ So wie er ihn mit Unparteylichkeit In gleichem Fall den Marſen auch verwehrte. Er nehme keinen Theil am Streit, — 92— Da er von je her nur den Ruhm der Friedlichkeit Und nur das Lob, gerecht zu ſeyn, begehrte. Nicht n Zorn vernimmt der ſtolze Ro⸗ mulus Des Königs billigen Entſchluß. Ha! denket er bey ſich, du ſollſt es ſchon pn den, Daß man ſo leicht dem Wetter nicht entgeht. 40 Thor, weißt du nicht, daß uns die Klugheit räth, Doch Einen wenigſtens der Feinde zu verbinden, Du fällſt nun ſtets, mag der, mag jener über⸗ winden. So denket Romulus und Geiſt der Rache ſtürmt In ſeiner Bruſt; doch jetzt, jetzt muß er ihn be⸗ zähmen Und einen weitern Weg ins Land der Marſen nehmen. Wo bey Simbrutium ſich mancher Hügel thürmt, Und Anios nur erſt entſprungne Waſſer ſtrömen, Dort muß er durch, ein ſchweres Unternehmen! Der weiſe Numa nützt den längeren Verzug. 430 Er lernet auf dem Marſch die Kenntniſſe der alten, Im blut'gen Kriegsgeſchäft erfahrnen Männer klug Mit dem Syſtem der Kunſt zuſammen halten. Er fühlet das Gewicht, womit ſein Feldherrnamt Ihn niederdrückt; allein wie könnt' er zagen? Ihm, den die Gegenwart Herſiliens entflammt, Ihm kommt es zu, das Aeußerſte zu wagen. —— —— Das will er auch und dürſtet nach der Schlacht, Die ihn vielleicht der Fürſtinn würdig macht. Nun endlich langt das Heer am Strande 490 Des Liris an, der von der Marſen Lande Das Land der Herniker und das der Aequer ſcheidt. Der König Capua's, bereit, Zu ſeinen theuern Bundsgenoſſen Mit dreyßig Tauſenden, die er gewählt, zu ſtoßen, Erwartet ſie drey Tage ſchon, Und als er merket, daß ſie nahen, Stellt er die Seinigen bey lauter Eymbeln Ton In Ordnung, nach Gebühr die Freunde zu em⸗ pfahen. Der ſtolze Romulus ſcheint deſſen ſich zu freun, 500 Erwiedert die genoſſ'nen Ehren, Eilt auf den König zu, küßt ihn vor beyden Heeren Und wandelt dann mit ihm neugierig durch die Reihn Der Kriegsgefährten, ſie, bevor er noch in Schlach⸗ ten An ihrer Seite kämpft, genauer zu betrachten. Mit Staunen ſieht der Held die Ausgelaſſenheit Des weichen Volks, das kriegriſche Geſetze So wenig, als den Wink der erſten Führer, ſcheut. Rings tönt um ihn ihr Lachen, ihr Geſchwätze, Wiewohl ſie unter Waffen ſtehn. 510 Auch muß er noch die Prahlereyen hören, Die aus der Feldherrn Mund gleich einem Strom ergehn. Er ſchweiget zwar, doch kann er ſich nicht wehren, — —— —————— Soſch eine Feldherrnſchaar mit Mitleid anzuſehn⸗ Auch ſuchte man dazu die jüngſten auszuwählen, Und Söhne ſchienen hier den Vätern zu befehlen. Die Ueppigkeit, die eitle Pracht, So große Völker klein und freye dienſtbar macht, Der die Campanier vor allen andern fröhnen, Verläugnet ſich ſogar in ihren Waffen nicht. 520 Die meiſten ſind von Gold; doch leicht iſt ihr Ge⸗ wicht, Wiewohl darunter Viele ſtöhnen. Der König Roms entreißt, die Weichlinge zu höhnen, Dem nächſten Krieger den ihn niederziehnden Schild, Worauf der nackten Venus Bild Geformet iſt, und wiegt ihn ſcherzend auf den Fin⸗ gern. Auch bricht er ohne Müh' den armen Lanzenſchwin⸗ gern Den dünnen, aber ſchön geſchnitzten Schaft entzwey Und fragt mit Spott, wozu ſolch eine Waffe ſey. Er geht in's Lager nun nicht ohne bitters Lächeln. 530 Ein großes ſeidenes Gezelt Beut ſich am Eingang dar, wie wundert ſich der Held, Der manches Werkzeug hier, die Hitze wegzu⸗ fächeln, Und Ruhebetten ſieht, von Flaumen hoch geſchwellt. Erweichend fließen durch die Lüfte Chromatiſche Muſik und Specereyen⸗Düfte. Hier wuchert man beym Spiel mit ſchnödem Gold, Der oft gerüttelte, furchthare Würfel rollt, x. ——— 5 2- Die Liebe zum Gewinnſt lockt oder macht Ver⸗ brecher. Hier lärmet ganze Nächt' ein Haufen trunkner Zecher; Indeſſen dort der freche Schwarm 54 b Der Buhlerinnen winkt mit ausgeſtrecktem Arm, Und Jünglinge, die hingeriſſen Pon der Begierde nahn, um Kraft und Muth ſich küſſen⸗ Unwillig eilet Romulus Aus dieſem Lager fort, doch gießt ſich ſein Verdruß In keine Reden aus, er führt den Bundsgenoſſen Zum Römer⸗Heere. Hier ſteht Mann an Mann ge⸗ ſchloſſen, Poll Ehrfurcht, voll Erwartung; nicht ein Laut Entrinnt dem Munde; jeder ſchaut 55 b Auf ſeinen Führer hin, voll Durſt nach Helden⸗ thaten„ Und tauernd auf Befehle; nicht Genau vollſtrecken nur, man will ſie auch er⸗ rathen. Die Waffen zeichnen hier durch Güte, durch Ge⸗ wicht Mehr, als durch Gold, ſich aus: man ſieht nicht Weiberhaufen Begierig mit dem Troße laufen, Man ſchleppt nicht zu der Krieger S Sn Geräth der Ueppigkeit auf vollen Wagen nach. Doch eine große Zahl von Waffen und von Pferden Folgt, wenn die andern ſchadhaft werden, 560 Sie zu erſetzen; auch fehlts nicht an Kraut noch Saft. Und jeder Zugehör, die Aesculap erfunden, Und die in Krankheit und bey Wunden Geneſung oder Lind'rung ſchafft. Die Krieger tragen auf dem Rücken Nicht ihre Zelter nur, auch Vorrath, welcher ſie Drey Tage nährt und zwar mit leichter Müh'; Nicht einen einzigen ſcheint dieſe Laſt zu drücken. Der König Roms wallt ernſt und mit umwölk⸗ tem Sinn Durch ſeine tapfern Reihen hin, 570 Betrachtet, ohne noch zu ſprechen, Den König Capua's; auch der Will nicht zuerſt das lange Schweigen brechen. Doch wie ſein Bundsfreund ihm des nächſten Krie⸗ gers Speer Darbiethet, ſo entrollt er ſeiner ſchwachen Rechten, Und Romulus, der ſtarr ihm lang' in's Auge ſah, Beginnet: Willſt du noch, o Fürſt von Capua, Daß unſer Heer und deins vereinet fechten? Wir Römer thun, voll brennender Begier, Den erſten Angriff ſonſt; dann aber müßten wir, 580 Euch zu vertheidigen, die Hälfte Kraft verſchwenden, und ſo entſchlüpfte leicht der Sieg aus unſern Händen. Doch wären wir des Sieges auch gewiß, So wollt' ich, ſelbſt um dieſen Preis, nicht wagen, Mein Lager nah' am euern aufzuſchlagen. Werderblicher als Schlangenbiß, I Au — e——„—„— n, en n, Iſt Ueppigkeit; die herrſcht bey euch, die hauchet Aus eurer Bürger Bruſt den wahren Muth hinaus, Und dieſe ſey in keinem Staat zu Haus, Der, wie der Römiſche, zu Kriegern Männer brau⸗ chet 590 Und Männer hat; mein Heer bleib' unbefleckt Und werde nie mit Gift der Wolluſt angeſteckt. Der Freundſchaft heil'ges Band halt', ewig unge⸗ riſſen, uns beyde feſt; es iſt mir werth; Doch meines Volkes Ruhm noch werther; und wir mü ſſen Uns trennen, weil es der, weil's beyder Wohl be⸗ gehrt. So redet Romulus, und mit geſenktem Haupte Hört ihn des Bundsverwandten Sohn, Der edle Capys; er erlaubte Stcch nicht ein Wort; er hat des Königs Hohn 600 Und jeden Vorwurf tief empfunden, Nach ſeiner Denkungsart konnt' er ein Römer ſeyn. Sein Vater auch fühlt der Beſchämung Pein. Es wird bey ihm die Regel wahr gefunden, Daß jeder große Mann des kleinern Herrſcher iſt⸗ Ganz Unterwürfigkeit, vergißt Er ſeines Rangs, tief neigt ſich ſeine Seel⸗ Vor Romulus, er heiſcht von ihm Befehle. Ich weiß, beginnet der, es zieht, der Marſen Land Zu ſchirmen, auch ein Heer Samniter uns entge⸗ gen, 610 Denn beyde Völker ſind von je her bundsverwandt; Numa Pompilius. I. Th. G — — ——————— Doch lieget Anxanum auf der Samniter Wegen, Und dieſe wohl gebaute Stadt iſt dein, Iſt die geräumigſte von den Lateinſchen Feſten; Drum wirf mit einem Theil des Heeres dich hinein. Der größre Theil, geführt von deiner Feldherrn be⸗ ſten, F Geh' dem Samniter⸗Heer entgegen, nehm'in Acht Au ihre Wendungen, doch wag' er keine Schlacht, (Denn dieſes Heldenvolk beſtünd' er nicht) er wehre Nur der Vereinigung der bundsverwandten Heere. 620 Ich will indeß die Marſen zu dem Streit Auffodern, und es wird der Röm'ſchen Tapferkeit Auch dieſer Sieg,/ ſo ſchwer er iſt, gelingen. Dein Feldherr laſſe dann die Straße weit und breit, Als flöh' er, unbeſetzt, und den Samnitern Zeit, Bis zu der Feſtung vorzudringen. Mein Heer ſoll nahe ſeyn, ſie in die Mitte bringen, Und treffen, daß kein Gott zu retten ſie vermag. Den ganzen Krieg entſcheidet jener Tag. Er ſchwieg und Capys wirft ſich zu des Helden Füßen; 630 Pon liebender Bewund'rung hingeriſſen, Beginnet er: Vergönne, Götterſohn, Daß ich bey deinem Heer, als letzter Krieger, fechte. Da bild' ich mir zu Siegen Geiſt und Rechte. Und unſer Volk, von mir belehrt, Reift wenigſtens im künftigen Geſchlechte Zu Helden und wird dann des Bunds mit Römern werth. 6. ein. be⸗ Acht cht, ehre 620 keit und eit, gen, ag. elden 630 echte. mern Der König Roms, gerührt durch dieſe Worte, Rühmt ſeinen edlen Eifer laut Vor allen Führern, küßt den Jüngling und ver⸗ traut 640 Ihm eine Römiſche Cohorte. Der tapfre Capys, mehr auf ſeinen neuen Rang/ Als den ererbten, ſtolz, eilt nun mit freyerm Gang Des Vaters Armen zu und dann auf ſeinen Poſten. Hier jauchzet er, mag auch ſein Heldendrang Ihm ſelber Blut, dem Vater Thränen koſten. Ach! dieſer tief gebeugte Vater zieht Nach Anranum, wie Romulus ihm rieth. Doch er befiehlt zuvor, daß mit dem größern Theile Ein Grieche, der ſein Feldherr iſt, 650 Schnell dem Samniter⸗Heer in's Feld entgegen eile. Der König Roms voll Ungeduld beſchließt Noch eh', beſtrahlt von Heſpers Wagen, Der ſtille Liris purpurn fließt, Sein Lager jenſeits aufzuſchlagen. Er kommt zu einer Furth: das ſeichte Waſſer netzt Den Knöchel kaum: doch eh' er überſetzt, Stehn drey ehrwürdige Geſtalten, Der Marſen Abgeſandte da. Jedweder bückte ſich, der dieſe Greiſe ſah, 660 Und war verſucht für mehr, als Menſchen, ſie zu halten; Ihr Silberbart reicht auf den Gürtel hin, Ihr kahles Haupt zeigt hier und da noch Haare, G 3 — 100— X So weiß wie Schnee; die Weisheit vieler Jahre Und Ernſt und Muth und Biederſinn Ruhn auf der Edlen Stirn, in ihren Rechten blinken Geſpitzte Pfeil', und in der Linken Sind hötzerne Gefäß'z in einem ernſten Ton h ſo der Aelteſte zu Mavors kühnem Sohn: Was iſt es, König Roms, das dich in Auf⸗ ruhr ſetzet? 670 Was haben wir gethan? Sprich ſelbſt! hat unſre Hand Der Römer einen je verletzet, Dein Eigenthum gekränkt, ein Theil von va Land Verheeret, eine Stadt feindſelig abgebrennet? Der König Capua's, der nun den Frieden bricht, Hat auf ein Stück des Lands, wo uns die Grän⸗ ze trennet, Doch ein erträumtes Recht; du haſt auch dieſes nicht. Was willſt du, Romulus? wer biſt du? niemand ennet Im ganzen Marſiſchen Gebieth Dein Rom und dich. Wenn Durſt nach Gold dein Herz durchglüht, 680 So mußt du weg von uns zu reichen Völkern eilen. Wir haben nichts als einen Pflug, Vieh, es davor zu ſpannen, ſtarke Keulen Und die Gefäße hier; allein wir nützen klug Dieß wenige Geräth, es taugt für Freund' und Feinde⸗ nd Den Feinden jagen wir den ſcharfgeſpitzten Pfeil Von fern ins Herz; nahn ſie, ſo ſauſet unſre Keul' Auf ihr verwegnes Haupt. Dagegen haben Freunde An unſrer Ernt' und an den Opfern Theil, Die wir dem Vater Zeus aus dieſen Bechern gießen. 690 Hier iſt, o König Roms, der Becher und der Pfeil! Du wähle nun; doch frage dein Gewiſſen. Biſt du ein Götterſohn, ſo ſey, wie ſie, gerecht. Doch ſtammeſt du aus ſterblichem Geſchlecht, So zittre vor der Marſen Rache; Sie en ſtark, wie du, doch für die gute Sache. Hier ſchweiget er; ich zittre nie, Erwiedert Romulus mit einer Donnerſtimme, Die Wangen purpurroth vom Grimme, Die Augen feuervoll: ich zieh' 700 Zu Hülfe meinem Bundsgenoſſen. Er hat ſein Recht geprüft, er hat den Krieg be⸗ ſchloſſen. Wortzänkern über Recht und Unrecht ſprech ich Hohn. Ich bin des Mars und nicht der Themis Sohn. Du ſiehſt hieraus, daß ich den Pfeil gewählet; Verkünd' es nur den Deinen, Greis, Und Krieg und Joch dazu; ich weiß, Daß es den Marſen nicht an Muth, an Stärke fehlet. Auch darum eil ich jetzt kampfgierig in ihr Land⸗ —— 10 2— Er ſprach's und riß den Pfeil dem Alten aus der Hand⸗ 710 Der aber kehrt zuerſt auf ihn die Blicke, Dann gegen Himmel; er ſcheint, den Zu Zeugen ſeines Rechts, zum Rächer zu erflehn Und ziehet ſchweigend ſich zurücke. Der König Roms weilt diesſeits nun nicht mehr, Eilt in der Feinde Land und lagert dort ſein Heer. * Die Marſen unterdeß enteilen ihren Sitzen Und ſammeln ſich in dem Marrubſchen Hain. Sie hoffen, Friede wird der Bothen Rachricht ſeyn, Und ſich zum Krieg. Der Jugend Schwerter blitzen, Die Keulen drohn, voll Unruh' wünſcht der Rath Der Aelteſten(denn der regiert den freyen Staat) Der Bothen Wiederkunft von Romulus und ſandte Auch andre ſchon um Hülf' an alle Bundsver⸗ wandte. Die erſtern kommen nun zurück, Doch mit geſenktem Haupt, mit ernſtem, trüben Blick. 10 Die angeſehnſten Bürger eilen Hin zu den Kommenden, man fragt, man drän⸗ get ſich, Man virtet ſie, dem Volk die Antwort mitzu⸗ theilen/ Die Romulus gegeben. Feyerlich Beginnen ſie: Bereitet eure Keulen! Er hat den Pfeil gewählt, ſchon iſt in unſerm Land Sein kriegeriſches Zelt geſpannt. — 106— Wir ſollen, hieß er uns, euch Krieg und— Joch verkünden. Joch, tönt's vielſtimmig auf; gereitzter Freyheitsſinn Wird Wuth, ſie wollen ſchon zum Römer⸗Lager hin 20 Und ſterben oder überwinden. Der Aelt'ſten Rath beſänftiget mit Müh' Die Zürnenden, er warnt, er bittet ſie, Erſt einen Führer ſich zu wählen, Der ihrem Gegner gleich und werth iſt zu be⸗ fehlen, Die Alten ſchwiegen kaum, ſo ſtanden auch ſchon vier Erleſ'ne Krieger auf, berauſcht von Ehrbegier, Und heiſchen dieſen Rang. Stolz auf ſein Kampf⸗ vermögen Tritt Aulon vor; aus Cacus tapferm Blut Entſproſſen, erbt' er auch des Anherrn Stärk' und Muth. 30 Er führt nicht Köcher, Speer und Degen, Ein ungeheures Beil von Eiſen waffnet ihn. Nicht minder ſtolz, nicht minder kühn, Stellt Pentheus ſich zu ihm; er brauchet im Ge⸗ fechte Mit gleicher Fertigkeit die Linke wie die Rechte Und ſtammt von Marſyas, dem Unglückſel'gen, ab, Dem Vater dieſes Volks, das drum ſich Marſen nennet. Der Dritte, der den Feldherrnſtab Verdient zu haben glaubt und ihn zu führen brennet, Iſt Ligur; leicht im Laufe, rennet 40 Er n Zum Pu Sie Und Der 6 Der Mi = e 8 he⸗ on Be⸗ ab, ſſen et/ Er nicht nur Hirſchen vor, er lüde ſelbſt den Wind Zum Wettkampf ein; des Helden Hände wiegen Wurfſcheiben, die von Erz gedreht und ſchneidend ſind, eSie fühlt der Feind, da nie Geſicht und Arm ihn triegen, Und der Getroffene dem Tode nie entrinnt. Der Vierte, der ſich werth des Feldherrnamtes ſchätzet, Iſt Aſtor, die Bewunderung Des weiblichen Geſchlechts, ſchön, edel, tapfer, jung. Mit Spitzen iſt am Rand ſein breiter Schild be⸗ ſetzet, Erſteckt ihn in die Erd' und unter dieſem Wall 50 Von Eiſen knarrt ſein Bogen; viele Der Feinde dann ſind nah' dem Fall, Denn niemahls irrt ſein Pfeil von dem beſtimmten Ziele, Apollo ſelber, deſſen Gunſt Der Jüngling früh erhielt, übt' ihn in dieſer Kunſt. Wie dieſe ſich als Nebenbuhler zeigen, So theilen ſich die Stimmen in dem Heer. f Dumpf rauſcht's, wie vor dem Sturm das Meer, Dumpf/ aber fürchterlich; die Helden ſelber ſchwei⸗ . gen Nicht länger, jeder preiſ't die eignen Vorzüg' an, 60 Ja ſpricht ſogar beredt von fremden Fehlern Und ſuchet, wo er nicht die andern tadeln kann, Mit Argliſt ihr Verdienſt zu ſchmälern. Die Furie Beleidigung, — 1 08— Die eilendſte, die frecheſte der Töchter, Die Erebus gezeugt, mit Geifer auf der Zung' Und Gall' im Herzen, ſchlägt ein jubelndes Ge⸗ lächter Bey dieſen Reden auf, hebt ihre Stirn empor, Aus der ſie ſtolz die Schlangenhaare ſtreifet, Eilt hin und her, vergiftet durch das Ohr 75b Der Rebenbuhler Herz; bis jeder raſche Thor Dem andern dräut und zu den Waffen greifet. Doch jetzt ſtürzt unter ſie ein Greis, der in dem Rath, Gleich Reſtorn, ſprach und noch, wie ſeine Haare Sich ſchon gebleicht, im ſpäten Herbſt der Jahre Der Heldenthaten viele that. Der ſtürzt herbey; ſeyd ihr von Sinnen, So rufet er, was wollet ihr beginnen? Wie hat doch Sitelkeit und Rangſucht euch be⸗ thört. Ihr wollt, ohn' euch vor uns und vor euch ſelbſt zu ſchämen, 8 b Ein Blut, ein theures Blut verſtrömen, Das euerm PVaterland gehört. Ja euerm Vaterland! Ihr Pflichtvergeſſ'nen, wiſſet, Der Tropfen, welcher nicht für ſeine Rechte fließet, Iſt offenbarer Raub. Fluch dem, der ihn verſpritzt! Er hat ſich wider uns mit Romulus verſchworen. Denn Eintracht war nie nöthiger, als itzt. Den alten Buſen hier, den möget ihr durchbohren, Wenn ihr nach Blut der Euern lüſtern ſeyd. Rur jüngeres verſpart, bis jener vor euch ſte⸗ het, 90 ——— „ 9 7— 7 c S 2= 2) — — Ge⸗ or, 75 ndem Hoare ahre ch be⸗ ſilt 80 wiſſet, fließet, prbt! oren⸗ ohnn ſe 9⁰ — 109. Der, das verg aßt ihr ſchon, der euch das Joch ge⸗ dräut Und ſein Verſprechen hält, ſo bald ihr euch entzweyt. Der Feldherrnſtab, wonach ihr gierig ſehet, Gebührte mir vielleicht, der ich der Aeltſte bin. Erfahrung iſt im Krieg die grööte Lehrerinn, Doch glaubet daß mich die Schwachheit eu⸗ rer Seelen, Die cuſue, auch befiel? Rein! davon bin ich frey! Ich lernte uh: der Ruhm des Kriegers ſey, Den zu ſchlagen, nicht den Seinen zu be⸗ fehlen. Und doch, erröthet nur, und doch gelüſtet euch 100 Des letzteren. Wohlan! vollkommen gleich An Tapferkeit, Geburt und Range ſeyd ihr Piere, Und nichts entſcheidet euern Zwiſt, Als körperliche Kraft. Der Stärkere regiere! Seht jene Pappel dort, die hoch, vielarmig iſt! Macht eine lange Kett' am Gipfel feſt und ziehet An dieſer, bis der Baum ſich neiget oder bricht. Wer mit dem glücklichſten Erfolge ſich bemühet, Sey unſer Feldherr! Alſo ſpricht Sophranor. Jauchzen folgt. Sie legen ihre Hitze Sammt ihren Waffen ab; ſchon ſteigen zu der Spitze 110 Drey Marſen auf; ſchon wird die Kette feſt ge⸗ macht. Erklirrend rollen ihre Glieder Am langen Stamm bis zu dem Boden nieder. Die Richter ſitzen ſchon; die Kämpfer geben Acht „ — — 110— Auf das Signal; doch ſtatt der ſchmetternden Trom⸗ pete Tönt eine Jünglingsſtimm'; er ſelber tritt hervor, Stark, wie ein Baum, ſchön, wie ein Meteor. Auf ſeinem Angeſicht blüht der Geſundheit Röthe, Auf ſeiner hohen Stirn thront Adel, Sanftmuth ſchaut Ihm aus dem blauen Aug', und von den Schul⸗ tern wallen 120 Die Mähnen einer Löwenhaut. Vorn an des Helden Bruſt ſind die vergoldten Krallen In's Kreuz gelegt; auf ſeinem Helme ſitzt Der Kopf des Thiers mit ſchrecklichem Gebiſſe, Das gleich dem Elfenbeine blitzt. Halbſtiefel ſchnüren ſeine Füße, Sein ſtarker Arm, wo Sehn' an Sehne ſchwillt Hält eine Keule, rings mit ſcharfen Eiſenſpitzen Und Knoten überſät; er eilt, ein Mittelbild Vom Mars und vom Apoll, hin, wo die Richter ſitzen. r3o Mit Ehrfurcht grüßet er die Greiſe, ſtützet ſich Auf ſeine Keul' und ſpricht nun feyerlich: Ich wähnete bis jetzt, nur kriegriſche Talente, Erfahrung, Weisheit ſey's, was bey des Feldherrn Wahl In Anſchlag käm' und ſie entſcheiden könnte. Drum blieb ich Jüngling fern; doch da ihr dieſes Mahl Rur Leibeskräfte heiſcht, ſo nah' ich und begehre So gut, als dieſe Vier, den erſten Rang im Heere. goldten ſe/ hwillt itzen ichter r30 ſch te eldherin . egehre nHet. Zwar fleußt in mir kein adelig Geblüt; Doch dieſe Keule ſchwang Alcid, 140 Als er die Hydra ſchlug, und dieſe Haut voll Mähnen S er, der Halbgott, ſelbſt dem fürchterlichſten Thier, D je geathmet, ab. Kraft wohnt in dieſen Sehnen, Muth tobt in dieſer Bruſt: von jener urtheilt ihr! Doch den wird bald der Römer Heer empfinden, Sie ſollen hier durch ihn Schmach oder Gräber finden⸗ Er ſagt, ſeine Red' erboßt Die Nebenbuhler zwar, doch ſie gefällt dem Heere. Dieß gönnt ihm laut der Mitbewerbung Ehre, Und um die Ordnung wird gelooſt. 150 Der ſtolze Pentheus faßt zuerſt die Kett' und reiſſet Mit aller Kraft daran. Umſonſt! der alte Baum Bewegt den höchſten Gipfel kaum. Noch oft verſuchet er's, bis er zuletzt beſchweißet, Erſchöpft, entathmet, Kett' und Hoffnung fahren läßt, Den letzten Ring von ſich mit tollem Fuße ſtößt, Sich in die Unterlippe beißet, Das Haupt hinunter ſenkt, die Stirn voll Falten zieht Und murrend unters Volk entflieht. Nun eilet Aſtor hin, der gierig ſchon gehar⸗ ret 160 Und aus Vergeſſenheit dem Gott Von Delos nicht gefleht. Er wird des Heeres Spott. Umſonſt arbeitet er, daß jeder Nerv ihm ſtarret, Gleich einem Aſt. Apoll entkräftet ſeinen Arm, Denn Undank reitzt den Zorn der Götter, Nichts regt ſich an dem Baum, nichts, nicht einmahl die Blätter; Der Jüngling birgt beſchämt ſich in der Krieger Schwarm. Verſichert, wie es ſcheint, es werd' ihm nicht miß⸗ lingen, Fleugt Ligur her und ſteckt in einen von den Ringen Die Linke, mit der Rechten faßt 170 Und hält er über ſeinen Scheitel Der Kette Reſt, dann zieht er. Jeder Aſt Schlägt an den andern an; doch eitel Iſt Ligurs Arbeit, ſeine Kraft Erſchöpfet und ſein Arm zum zweyten Zug erſchlafft. Die Gipfel biegen nun ſich wiederum zurücke, Er aber geht langſamer, als er kam. Mißlungne Hoffnung, Zorn und Scham Umwölken ſein Geſicht und trüben ſeine Blicke. Nun ſteht, und alles ſtarrt auf ihn, 180 Nun ſtehet Aulon auf; er ſchreitet nicht zum Werke, Bis er entwaffnet iſt. Die Bruſt, mit ſchwarzem Haar Dicht überſät, der breiten Schultern Paar, 113— Des ganzen Körpers Bau ſind Bürgen ſeltner 160 Stärke. Er dehnt die feſten Arm' und reckt Sie prüfend über's Haupt, macht um den Baum die Runde, Belächelt ihn mit ſtolz verzognem Munde. Auf einmahl faßt er, ausgeſtreckt, Die Kette bey dem höchſten Ringe, Beym höchſten Ring, an den er reichen kann, 196 Und hänget ſich mit aller Kraft daran. Der Stamm erſeufzt; denn nicht geringe Iſt Aulons ziehendes Gewicht, niß⸗ Und doch erreichet er den großen Endzweck nicht. Die Pappel zwar neigt tief den Wipfel nieder; ngen Doch wie ſchon Aulons Lob von tauſend Lippen ſchallt, 170 Gewinnt ſie ihre Schnellkraft wieder, Und ſchleudert in die Luft mit ſchrecklicher Gewalt DDen ſtarken Held, der an der Kette hänget. Und hin und wieder ſchwankt. Zuletzt, da alle Kraft 2 00 Vertonnen iſt, ſpringt er herunter, rafft Die Rüſtung auf, zerſtreut den Schwarm, der ihn umdränget, Eilt ungeſäumt zu ſeinem Wagen hin 3 Und waffnet ſich daſelbſt mit nebeldüſterm Sinn⸗ eres nohl ieger 180 Indem nicht Stolz, nicht adeliger Same gerke, Die vier Bewerber ſchützt, und jeder eilig flieht; aren Steht Leo(Leo iſt des edlen Jünglings Nahme) Allein am Baum; ihn ſchwellt kein Hochmuthsgeiſt; et ſieht Numa Pompilius. 1. Th. H — 1 14— Zum Himmel auf und bringet dieſes ſtille Gebeth Alciden dar: o wend' auf mich, Alcid, 21* Den Götterblick, der mich mit Stärke fülle, Du kehrteſt ja in dieſen Thälern ein, Bey meiner reitzenden Camille Anherren kehrteſt du, Sohn des Kroniden, ein. Ich führe deine Keul', und deine Löwenhülle Beſchirmet mich! ich werde dankbar ſeyn Und, Sieger oder nicht, dir ſtets ein Opfer weihn. So bittet er, und eh' er ſeine Vitte ſchließer, Erhöret ihn auch ſchon Aleid. Er fühlt, daß neue Kraft in ſeinen Adern flie⸗ ßet, 220 Stampft mit dem Fuß der Kette letztes Glied Erſt in den Grund und packt die obern Glieder In ſeiner Sarne Höh' mit beyden Händen an. Langſamer als vorher, da Aulon ſich daran Gehänget, neigt der Baum den hohen Wipfel nieder, Doch tiefer auch, weit tiefer neigt er ihn. Der Jüngling nun verdoppelt ſein Bemühn und wiederhohlt die brünſtigen Gebethe. Erkrachend bricht die Pappel, ſinkt und fällt. Er, der die Kette noch, wie dran geſchmiedet, Stürzt mit ihr nieder. Staub umwölkt die ganze Stätte. Begraben von der Aeſte Wald, Liegt Leo da; der Rath erklärt ihn für den Sieger. 10 ihn. ßet,/ ſlie⸗ 8 88 S ipfel edet, 230 gan⸗ 5 den — 115— Er, unterdeß ſein Lob bis an den Himmel ſchallt, Hebt, ſammelt ſich und ſpricht: Ich ſoll euch, rapfre Krieger, Beherrſchen, ſoll's, weil ich der Stärkſte bin, Allein die Weisheit iſt der Stärke Herrſcherinn; Ich will euch zwar in dieſen trüben Zeiten, Weil ihr es heiſcht, doch mich, mich ſoll Sophranor leiten, Sophranor ſey das Haupt des Heeres, ich 240 Des Heeres Arm. Er ruft's mit angeſtrengter Kehle Dem Volke zu, dann kniet er ſich Demüthig vor den Greis und bittet um Befehle. Kein lauter Beyfall mehr, nur Schweigen herr⸗ ſchet jetzt. Man glaubet einen Gott in Leo zu erblicken. Sophranor hebt ihn auf, vor heiligem Entzücken, Das mit der Thränen Thau des Greiſes Wange hetzt. Je minder du der Herrſchaft nachgetrachtet, So ſagt er ihm, je mehr biſt du der Herrſchaft werth. Du haſt mein Alter nicht verachtet, 2560 Du haſt mein graues Haar geehrt. Dafür wird Ruhm auf deiner Scheitel thronen, Und gute Götter ſie mit frühem Lorber lohnen. Voll Dankes will ich heut hinauf zu ihnen ſehn, Daß ſie noch etwas Stimm' und etwas Blut mir ließen; Dieß, unter dir es freudig zu vergießen, Und jene, ſterbend dich, mein Feldherr, zu erhöhn⸗ Nein, rufet Leo, nein! ich nehme meine Bitten 5 2 — 11 6— icht mehr zurück, den Feldherrnſtab Hab' ich für dich allein gewünſchet und erſtrit⸗ ten. 260 Der Himmel, da er Sieg mir gab, Hat dieſen PVorſatz ſelbſt gebilligt; Und wenn Sophranor nicht, um was wir flehn, bewilligt, So heiß' ich ihm's als Feldherr. Alſo ſprach Der Jüngling ernſt, Sophranor gibt ihm nach. Der Greis befiehlt, daß man die Rüſtung bringe, Die er bereits ein halb Jahrhundert führt. Zwar hat die Pracht ſie nicht mit Gold geſchmücket, Zwar hat die Kunſt nicht Bilder drein gedrücket; Allein ſein weißer Bart, ſein denkend Antlitz ziert 270 Die glatte Rüſtung. Er muß Ehrfurcht, paniſch Schrecken Muß ſein Gefährt' in allen Herzen wecken. Sie beyde reihn das Heer und harren nur auf's Nahn Der Mitverbundenen: auch dieſe langen an⸗ Die Amiterner ſind's mit den Peligner Schaaren, Die um den Frento⸗Fluß und die von Aufiden. Sie eilen gern in alle Kriegsgefahren, Den edlen Marſen beyzuſtehn, Die wieder für ihr Wohl mit Bruderſorge wachen⸗ Sophranor läßt das Bild von einem Drachen 280 Rach altem Brauch ſtatt einer Fahn' erhöhn. Sie ziehen fort, auf einmahl macht ein Zeichen, Das ſchrecklichſte, das je den Krieg mißrieth, ren/ chen⸗ 28⁰ chen Den Tapferſten im Heer erbleichen. Ein Adler ſchwebt im mittlern Luftgebieth Mit einem ungeheuren Drachen, Der athemlos und blutig, von den Klaun Des ſtarken Feinds ſich los zu machen, Aus allen Kräften ſtrebt. Die bangen Krieger ſchaun und harren des Erfolgs; noch regt ſich eine Weile, 290 Gleich einem dreygeſpitzten Pfeile, Des Drachen Zung' und ſticht den Vogel an; Doch eh' ſie durch den Schirm der Federn dringen kann, Bohrt dieſer ſchon des Drachen grüne Schuppen Mit ſcharfem Schnabel durch, erwürgt und ſchleu⸗ dert ihn* In's Feld hinab, durch das die Marſen ziehn, Und mitten unter ihre Truppen. Der weiſe Leo ſieht die Seinigen betäubt, Ihr Aug' iſt ſtarr, ihr Haar empor geſträubt. Er faßt und ſpannt den erſten beſten Bogen. 300 Schon iſt des Jünglings Pfeil der Wolke zuge⸗ flogen, Worin der Adler ſchwebt, das wohl getroffne Thier Stürzt aus den Lüften todt zu ſeinen Füßen nieder. Ha! ſehet, ruft er nun, ſeht, meine tapfern Brüder, Das Zeichen iſt gewandt! Wie dieſer Adler hier, Stürzt auch der Römiſche; wir bringen Allen Rache, Die Rom durch Uebermacht ſich räubriſch unter⸗ warf. ————— Wir haben die gerht⸗ Sache, Das iſt ein Grund, auf den man bauen darf, Das iſt die beſte Vorbedeutung, 310 Der ſtolze Romulus kämpft nur aus Ehrbegier, Wir für das Vaterland. Drum auf! was zaget ihr Beym Schutze des Olymps, und unter unſrer Lei⸗ tung? Er ſpricht es, ſeine Red' und ſeine Handlung bringt. Die fliehnde Tapferkeit zurücke: jauchzend dringt Das Heer voraus. Muſik und kriegriſche Geſpräche Verbreiten auf dem Weg ſich durch der Marſen Reihn. Man trifft zuletzt den Feind auf der Lucenſer Fläche. Mittag- und weſtwärts ſchließt die Fläch' ein gro⸗ ßer Hain, Doch nord⸗ und oſtenwärts manch kleiner Hügel ein. 320 Die Marſen lagern ſich an dieſer Hügel Fuße, Nicht fern vom Fluß Fucin; da jenſeits an dem Fluſſe Und längſt dem dunkelgrünen Rand Des dichten Walds das Heer der Römer ſtand. Ihr König wandelt ernſt an des Fucins Ge⸗ ſtaden, Er nimmt der Feinde Lag' in Augenſcheinef rwägt, Betrachtet, zweifelt, überlegt, Forſcht, wo die Marſen ihm, wo er den Marſen ſchaden, ung ie uſen gro⸗ ügel 32⁰ dem väht, arſin — 119— Und wo ſein Volk den Fluß durchwaten kann. Und als er alles klug ermeſſen, 3330 Die ganz gefaßt, nicht einen Strauch ver⸗ geſſen, So kündet er den Führern an, Daß er ſein Volk hinüber ſetzen wolle, So bald des Morgens Wolken graun. Die Führer ſchweigen ſtill und ſchaun Verwirrt auf ihn; es ſcheint, noch mancher Zwei⸗ fel rolle Durch ihren Sinn. Er merkt's und theilet jede Rolle Mit Vorſicht aus, gibt Rechenſchaft, Entfaltet ſeinen Plan, wo Widerſtand und Kraft Genau berechnet iſt, lehrt, fodert ſelbſt die Blö⸗ den 340 Zum Einwurf auf, gewinnt und überzeuget jeden. Sie ſeyn nun Sieger oder nicht, Für beydes gibt der Held Befehl und Unterricht. Mit Ehrfurcht hören ihn ergraute Feldherrn reden, Und Numa jauchzt, daß die Gelegenheit, Herſilien durch Thaten zu verdienen, Sich endlich ſeinen Wünſchen beut. Er eilt den Seinen zu, entdeckt, erkläret ihnen Des Königs Plan, geht ſelbſt von Zelt zu Zelt, Nennt jeden Krieger laut beym Rahmen, faßt und hält 350 Der Führer Händ', umarmet, fleht, beſchwöret, Zählt jeden Augenblick, bis er den Ruf in's Feld Aus lauter Tuba ſchmettern höret, Und murrt faſt wider Romulus, Daß er den Heldengeiſt bis morgen zähmen muß. — 120— Indeſſen Numa ſo nach Ehr' und Kampf ſich ſehnet, Naht mit Gefangenen ſich eine Römer⸗Schaar. Sie kommt aus einem Dorf, das ſie ſo glücklich war, Zu überfallen. Laut ertönet Der Römer Freudenruf, doch die Gefangnen gehn 360 In Gram verſenkt, gebeugt, bethränet Und wagen nicht vom Boden aufzuſehn, Noch minder Schmerz und Thränen zu vermiſchen. Denn wollen ſie zur Lindrung ihrer Qual Einander nahn, ſo tritt laut ſcheltend allemahl, Ein Römiſcher Soldat dazwiſchen. Hier klagt ein Weib, das aus des Gatten Haus Geriſſen ward, dort wimmert eine Waiſe, Dort jammern abgelebte Greiſe, Dort riſſen Mütter ſich das Haar verzweifelnd aus; 370 Doch ach! man band mit dichten Stricken Der Unglückſel'gen Händ' erbärmlich auf den Rü⸗ cken. Wenn einigen von dieſen Opfern Kraft, Zu folgen, fehlt und ſie zurücke bleiben, So ſchmähn die Krieger laut und treiben Die Zaudernden mit ihrer Lanze Schaft, Ja mit den Spitzen an, daß Blut herunter rinnet. Weit ſchonender, weit ſanfter mahnen ſie Das miterbeutete Horn- oder Wollenvieh, Wenn eines von der Herd' entrinnet. 380 fſch r. cklich ſen 360 Haus ifelnd 370 Ri⸗ innet. Der edle Numa bebt, ſein gutes weiches Herz Kann dieſen Anblick nicht ertragen, Er fühlt als Menſch verlaſſ'ner Menſchen Schmerz Und eilt, für ſie ein kühnes Wort zu ſagen. Schon ſtanden ſie vorm königlichen Zelt Gereihet da, mit ihren Herden Auf Romulus Befehl zugleich vertheilt zu werden; Als Numa eilend kommt und ihm zu Füßen fällt. Mein König, rufet er, ſieh! welche Grauſamkeiten Man unter deinem Nahmen übt! 390 9 Wer ſeinen Arm erhebt, kühn wider uns zu ſtreiten, Der falle! Jupiter vergibt Uns jenes Blut, das wir im Kampf vergießen. Was aber thaten uns die Unglückſel'gen hier, Die Barbarey und Raubbegier Aus ihren Wohnungen geriſſen/ Gebunden, hergeſchleppt? Hat jener nackte Greis, So zitternd und ſo ſilberweiß, Hat jenes Weib, das bang den Säugling an ſich drücket, Den Degen wider uns gezücket? 400 und haben Sie es nicht, wie reicht an ſie der Krieg2 Woher auf ihre Hab' und ſelbſt auf ihre Leiber Auch nur ein Schein des Rechts? Fürwahr, ein ſchöner Sieg, Den wider Kinder, Greiſ' und Weiber Das tapfre Heer des Romulus erfocht! Du aber, Götterſohn! wirſt Menſchenrechte ſchätzen, Den ſtraſen, der ſie kränkt, und die in Freyheit ſetzen, — 122— Die man ſo ungerecht, ſo grauſam unterjocht, Du wirſt.. Hier unterbricht der König Die Rede Numa's: Jüngling, neu 410 Biſt du im Krieg, und kennſt des Feldherrn Pflich⸗ ten wenig, Willſt, daß ich dieſe hier befrey“, Um Feinden mild' und all den Meinen Ein ungerechter Fürſt, ein Wütherich zu ſcheinen. Sie kauften durch Gefahr und Müh' Den Führern und ſich ſelbſt ein Recht an dieſer feilen Gefangnen Schwarm, ich muß ihn unter ſie Und alle Führer ſo vertheilen, Daß niemand Recht ſich zu beſchweren hat, Und dieſes thu' das Loos an meiner Statt. 420 Wohlan, ruft Numa jetzt und ſtehet von der Erde Halb zürnend auf, als einem Führer werde Mir auch mein Theil! Der werde dir, Sagt Romulus. Und ſieh! ſchon iſt die Urne hier. Die Führer nahn und ſtehn gleich einer Kuppel Hunde, Die einen todt gejagten Hirſch umringt, Und ſich vor ihrem Herrn noch eine Weile zwingt, Noch nicht ihn faßt, wiewohl aus dem beſchäumten Munde Die Raubgier lechzt, wiewohl ihr Aug', entflammt und ſcharf, Auf dieſe fette Beute ſtarret 43 0 Und voller Ungeduld des Augenblickes harret, Wann ſie den Raub zerreiſſen darf. 41G ich⸗ en. dieſer 420 Erde iet. uppel ingt/ mten unmnt 43 Die Göttinn Ceres ſchaut von des Olympus Hallen Auf ihren Pflegeſohn und freut ſich, ihn ſo groß Durch Menſchlichkeit zu ſehn; ſie lenket ſelbſt das Loos Und läßt den größten Theil auf ihn, den Edlen, fallen. Er nimmt Beſitz davon und heißt die ganze Schaar Sammt ihren Herden ihn bis in die Dunkel⸗ heiten Des nah' gelegnen Hains begleiten. Hier häuft er Raſen auf zum ländlichen Altar, 440 Wählt eine weiße Kuh, leert zwiſchen ihre Hörner Ein Milchgefäß; erbaut den Holzſtoß dann und fleht: O Ceres, nimm dieß Opfer, dieß Gebeth Gefällig auf und gönne ferner Mir deinen Schutz; ich ſtreb' itzt deſſen werth zu ſeyn, Doch nicht durch Opferblut allein. Ich weiß, Unglücklichen, die ohne Hülfe ſchmach⸗ ten, Die milde Hand zur Rettung leihn Iſt mehr, als Hekatomben ſchlachten. Gefangne Brüder, ihr ſeyd frey! 450 (So ruft er, ihnen zugekehret) Erhebet euern Geiſt zu Ceres und verehret Die Gütige; ſie haſſet Sclaverey. Nach dem Gebeth mögt ihr die Herde theilen Und wieder froh zurück in eure Hütten eilen. ——————— — 124— Er ſprach's, die Armen glauben kaum, Was ſie gehört, ſie fürchten, daß ein Traum Mit ſüßen Hoffnungen ſie triege. Sie ſtehen offnen Munds, in jedem ihrer Züge Erſtaunen, da. Bevor noch Numa ſchweigt, 460 Fährt eine Flamme ſchnell von des Olympus Hö⸗ hen Herunter auf ſein Haupt, das ſie drey Mahl um⸗ fleugt Und dann den Holzſtoß faßt; wie eine Säule ſteigt Das bunte Feuer auf, ein Wunder anzuſehen! Der Hain iſt weit umher mit hellem Glanz er⸗ füllt, Der Donner rollt dazu, die Gegend hallet wieder, In dieſem Augenblick fällt aus der Luft ein Schild Von feinem Gold zu Numa's Füßen nieder, Und eine Stimme tönt, ſtark, wie ein rufend Heer; Die Götter lieben nichts ſo ſehr, 470 Als Menſchlichkeit. O Numa, treu und bieder Haſt du ſie ausgeübt; drum lohnen ſie dich itzt, Unüberwindlich iſt, wer dieſen Schild beſitzt. Die Stimme rief's, und keine Donner rollen Vom Himmel mehr; Ruh' iſt zurück gekehrt, Ein Häufchen Aſche nur liegt auf dem Opferherd; Doch daß dem Opferer der Götter Stimm' er⸗ ſchollen, Beweiſet ihm der reine Duft Ambroſia's, verſtreuet durch die Luft. „)— —— he Er hebt den Schild mit dankender Geber⸗ de 480 Und jener Seligkeit, die Wohlthun ſtets zurück Im Herzen läſſet, von der Erde, Richt ohne Thränen auf⸗ Der Schild, ein Mei⸗ tſterſtück 3 Des Schmiedegotts, iſt Thraciſch ausgeſchweifet, und auf der Fläche prangt der Menſchenliebe Glück In Bildern, die der Gott mit ſo viel Kunſt ge⸗ häufet, 3 Daß alles voll, nichts überladen ſcheint, Schön einzeln iſt und ſchön zum Ganzen ſich vereint. Hier füllt ein Volk, zu groß der Schelſucht und dem Neide, Die Pölker oft entzweyt, im dürren Mangeljahr 400 Dem nachbarlichen Volk die Scheuern mit Getreide. Dort theilt ein edles Brüderpaar Das angeſtorbne Feld mit einer armen Waiſe. Dort ſparet einem ſchwachen Greiſe Ein Jüngling viele Müh' und führt des Alten Pflug: Der ſitzet, ſegnet ihn und weinet. Lohns genug! Dort erntet man; der Herr ſteht unter dem Ge⸗ ſinde, Das Garben bindt; er reißt, für Arme väterlich Beſorget, Aehren aus und wirft ſie hinter ſich, Damit das dürft'ge Volk, ſo nachlieſ't, Nahrung finde. 500 Mit ſolchen Bildern, nur mit ſolchen prangt der Schild. Der Bildner hat vielleicht ermeſſen, Wie leicht die Kriegenden der Menſchlichkeit ver⸗ geſſen Und drum die Waffe ſelbſt mit Lehren angefüllt. Indeß der Prinz die neue Himmelsbeute, Betrachtend, ſteht, umgibt die Schaar, die er be⸗ freyte, Den Schauenden; ein herrlich Bild, Nicht unwerth, ſelber in den Schild Geätzt zu ſeyn! Auf ihren Knieen liegen Die Dankenden, die ältern Kinder ſchmiegen 510 Mit ſüßem Schmeicheln ſich an ihn, Die kleinen hebt man auf, daß ſie den Retter ſehen. Die freudetrunknen Mütter ziehn Sein Kleid zu ſich und küſſen's; Greiſe flehen Die Götter für ihn an mit thränenvollem Blick Und prophezeyen ihm der Erde ſchönſtes Glück. Der Aelteſte beginnt: Wir heißen die Rheaten, Wir ſind ein Hirtenvolk, das auf den Bergen lebt Und, fern vom Durſt nach Heldenthaten, Allein nach Ruh', allein nach Frieden ſtrebt, 520 Wiewohl umſonſt! um unſre Hütten wohnen Die Herniker und Marſen, dieſe ſchonen Uns Schwächre nicht; oft ihrer Raubſucht Ziel, Ertragen wir von dieſen Völkern viel. Wie alſo konnte man für Römer-Feind' uns halten? Wir waren's nie; wir ſagten's eurer Schaar, Die doch unmenſchlich gnug, uns fortzuſchleppen, war. Du aber, Edler, du, dem wir für Feinde galten, t. r be⸗ ſetter tent en — Er ſeufzet, ſchmachtet, bebt; es ſcheinen ſich zuletzt Befreyſt uns brüderlich vom unverdienten Joch. Dafür wird Ruhm und Heil dir überall begegnen 530 Und unſre Kindeskinder noch (O komm und hör' es ſelbſt!) den Nahmen Numa ſegnen. So ſagt der fromme Greis und theilt Die Herde dann; der Prinz indeß iſt, wie be⸗ ſchämet, Daß Dank noch ſtets vom Mund des armen Vol⸗ kes ſtrömet, Mit ſeinem goldnen Schild dem Lager zugeeilt. Ganz in den Reitz Herſiliens verſunken, Und von der ſchönſten Hoffnung trunken, Wallt er dahin, und ohne daß er's denkt, Hat er den Schritt nach ihrem Zelt gelenkt. 540 Er, welcher jetzt, unfähig zu erbeben, Hinein ſtürzt in die Schlacht, er, den kein Gegner ſchreckt Und keiner ſchrecken darf, ſeit dieſer Schild ihn deckt, Er zittert nun den Vorhang aufzuheben, Den Purpurvorhang, der das Zelt Der Vielgeliebten ſchließt, nachdem er lange zaget Und es zuletzt mit leiſen Fingern waget, Doch niemand drin ihm in die Augen fällt, Geht er hinein; es ſieht der Held Hier ihre Waffen, dort die goldbeſpannte Leyer 550 Und dort die Löwenhaut, die ihr zum Bette dient. Er ſieht's, durchglüht von einem ſüßen Feuer, Und ohne daß er ſich erkühnt, Der Heiligthümer eins nur leiſe zu berühren. ————————— 128— Al ſeine Kräfte zu verlieren, Die Kniee wanken ihm, er ſetzt Sich auf den Platz, wo ſie zu ſitzen pfleget, Er trinkt die Luft, die ſie gewöhnlich trinkt. Wollüſtge Schwärmerey ergreift ihn; er bewe⸗ get, 560 Indem er ganz in ſüße Träume ſinkt, Die Lippe wie zum Kuß, den Arm wie zum Um⸗ fangen, Und heiße Thränen viel entſtürzen ſeinen Wangen. Urplötzlich tönet in der Luft Ein krieg'riſches Geſchrey; die laute Tuba uft. Es ſcheinet, daß der Lärm von dort aus ſich ver⸗ breite, Wo Romulus ſein Zelt geſpannt; Herſilia Steht ſelber in dem ihren da Mit wehndem Haar und rufet: Auf zum Streite! Ihr Krieger auf! der Feind iſt da! Sie denkt in ihrer milden Eile 570 An Schild und Panzer nicht, ſie faßt nur Helm und Pfeile Mit raſcher Hand; ich waffne, ſagt der Held Die Meinigen, doch du, du nimm, dein theures Leben Zu ſchützen, dieß Geſchenk, das Ceres mir gegeben. Hier reicht er ihr den Schild und ſtürzet aus dem Zelt. Der tapfre Leo war's, der dieſes gähe Schre⸗ cken ewee 560 Um⸗ gen. vel⸗ eite! 570 Helm ures eben⸗ dem e⸗ 129 In's Römer⸗Lager trug; er faßte den Entſchluß, So bald den Erdenkreis die dunkeln Schatten decken, Mit den Verſuchteſten der Seinen durch den Fluß 580 Zu ſchwimmen, unvermerkt in's Lager einzudringen Bis vor das Zelt des ſtolzen Romulus, Und als Gefährten Tod und Flammen mitzubringen, Ja, ſollt' ihm, wie er hofft, die kühne That ge⸗ lingen, Noch eine kühnere zu thun.— Er eilt, mit dieſem auch den Plan zu überlegen/ Sophranorn zu, und beyde ſuchen nun Drey tauſend, welche ſie mit einem kurzen Degen, Mit einem Helm, den keine Feder ziert, Und einem überſchwärzten Schilde 590 Bewaffnen; Leo ſelber führt Die an. Sie gehn durch ſchweigende Ge⸗ filde Geſchloſen fort, ſo ſchnell und leicht, Wie Zephyr, wenn er ſanft der Aehren Haupt be⸗ ſtreicht. Schon fällt, durchbohrt von ihrem Schwerte, Der Wächter kleine Schaar, die ach! zu ſpät ſie hörte, Und, eh' ſie rufen kann, erbleicht; Schon haben ſie das Zelt des Romulus erreicht. Nun aber, nun erdonnert ihre Stimme, Als wollten ſie die Welt aus ihren Angeln ſchreyn. boo Der König ſaß im Zelt allein Und blitzſchnell W er auf, entbrannt von Scham und Grimme, Ruma Pompilius. I. Th. J . — 130„— Daß dem Barbaren⸗Heer der Ueberfall gelang. Er wiekt den Helm auf's Haupt, ergreift zwey lan⸗ ge Speere, Den Schild, das Schwert und ficht; doch ſeiner Stimme Klang Verbreitet ſich zugleich. Die tapferſten im Heere⸗ Miſen, Horaz und Brutus nahn. Ihr tapfrer König hat indeſſen Allein, umringt von Feinden, nicht vergeſſen, Weß Sohn er ſey, und Widerſtand gethan. 610 Der ſtarke Corineus, das Schrecken in Gefechten, Liegt hingeſtreckt von ihm und beißt den blut'gen Sand. Alaſtor auch, der Tapfre zugenannt⸗ Ophelt und Sopharis ſinkt unter ſeiner Rechten. Der ſtarke Pentheus, deſſen Speer Den Panzer ihm durchbohrt, die Haut ihm auf⸗ geriſſen, Muß mit dem Herzensblut die edle Kühnheit büßen. Die Marſen dringen nun nicht mehr, Wie erſt, voraus, ſie ſtehn und ſtreiten, Sich zu vertheid'gen nur, bedrängt von allen Sei⸗ ten 626 Und fragen ſich, nicht ohne Scheu Vor Romulus, wo Leo, Leo ſey. Doch eben ſtürzet er herbey mit Heldeneile, In ſeiner Linken Herkuls Keule, In ſeiner Rechten einen Brand, Vom nahen Herd des Romulus entwandt. Die Römer ſtehn betäubt, die Marſen aber füͤllen Die Luft. mit Jubel an. Ihr tapfrer Führer ſtreut lan⸗ einer 610 Nen tgen auf⸗ üßen. Sei⸗ 6²6 fullen ſtreut — 131„ Die Flammen aus, die mit Gefräßigkeit Forttoben. Rauch und Dampf umhüllen 630 Die Kämpfenden, die Leinwand brennt und macht Ein fürchterlich Geziſch, das Holz der Stangen kracht Und knaſtert drein; vergebens fliegen, Zu löſchen, Abas her, Miſen und Maſſicus Und Tibur und Talaſſius. Held Leo ſchwingt die Keul' und dieſe Tapfern liegen Entſeelet auf dem blut'gen Grund. Wohin er geht, bezeichnet ſeine Spuren Verheerung, Feuer, Tod. Wie wenn ſich Aetna's Schlund Entzündet hat und über weite Fluren 640 Ein Feuerſtrom von ſeinem Gipfel rinnt. Pergebens daß ihm hier ein Wald voll alten Stäm⸗ men, Dort Felſen ſich entgegen dämmen, Nur wenig Augenblick! und Stämm' und Felſen ſind, So weit das Auge ſich erſtrecket, Mit einem Teppiche von Flammen überdecket. Der König ſieht den Gräul, den Leo um ſich her Verbreitet hat und eilt mit raſchem Schritte Zum Schrecklichen durch der Verheerung Mitte, In ſeiner Fauſt den langen Speer, 650 Den breiten Schild zurück geworfen auf den Rücken. Nun iſt er nah', er will ihm drohn, Allein die Wuth erſticket jeden Ton. Er mißt ihn nur mit zornentflammten Blicken Und ſucht für ſeinen Speer, den er gewaltig ſchwingt, Den Ort an Leo's Leib, wo leichter bis in's Leben Die wohl geſtählte Spitze dringt. J 3 „ 132„ Nun fleugt der Speer, die Lüfte beben, Das Eiſen hätte tief in ſeiner Bruſt geſteckt Und ſelbſt die ſtarke Haut des Löwen, ſo ſie deckt, 660 Ihm nicht gewehrt: doch zu der Marſen Glücke Und zu dem ſeinen ſchwang in dieſem Augenblicke Der Held die Keule ſo, daß ſie getroffen wird Und weit aus ſeinen Händen flieget. Entwaffnet zwar, doch immer unverwirrt, Erblickt er einen Stein, der auf dem Felde lieget, Zur Mark der Aecker hingeſetzt. Fünf Männer nicht, wie ſie die Erde jetzt Zu tragen pflegt, bewegten ihn von hinnen. Doch Leo faſſet, hebt und ſchleudert ihn allein 676 Auf Romulus; auch trifft der Stein. Der König wankt, es ſchwinden ihm die Sinnen, Es ſinkt ſein Haupt, es bricht ſein Knie, Der Panzer iſt geſchwärzt vom Blut, das er verſpie, Die Römer tragen ihn nach ſeinem Zelt zurücke. Doch ſieh! in dieſem Augenblicke Iſt der Sabiner⸗Heer, vor dem Herſilia Und Numa zeucht, mit Hülf' und Rettung da. eget 670 anen, ſpie, cke. Fuͤnftes Buſch. —— So wie ein Felſenſtück, das von den Regengüſſen Lang' untergraben ſchon, ſich plötzlich los geriſſen, Mit immer wachſender Gewalt Vom Gipfel niederrollt, was auf dem Weg ſich findet, Zerſchmettert oder mit hinab reißt; donnernd ſchallt In's Thal ſein Sturz, der Untergang verkündet. Die Herde lauft umher, verſcheucht, Das Hirtenvolk, das Nymphen⸗Volk entfleucht Mit lautem Schreyn, indeß betäubet Der nahe Pflüger, ſtarr und unbeweglich blei⸗ bet. 10 Doch die Bedräuten alle ſchützt Ein Eichenpaar, worauf das Felsſtück itzt Im ſtärkſten Rollen trifft. Einander nah' entſprun⸗ gen Iſt dieſer Rieſenbdume Paar Und hält bereits in's zehn Mahl zehnte Jahr Mit Stamm und Wurzeln ſich verſchlungen. So wird Herſilia und Numa nun der Schutz Des ganzen Heers, denn ſie alleine biethen Dem ſchrecklichen Verderber Leo Trutz Und unterbrechen ihn im Wüthen. 26 Die Amazone hebt zuerſt den langen Spieß, Ha! ſchreyt ſie, ſind' ich dich, Steinſchleudter, geb und prahle 136— Mit deinem Wurf in Pluto's Finſterniß! Sie ſchreyt ihm's zu und wirft und trifft mit ſpi⸗ tem Stahle Nicht ihn,(ſie hat den Speer verdrehet in der Wuth) Doch Telon; Telon zog dem todten Acarut Den Panzer eben ab, froh ob dem ſchönen Funde, Und ſtirbt durch die nicht ihm vermeinte Wunde. Doch Leo reißt den Speer aus Telons Buſen. Hier, Erwiedert er mit Hohn der Fürſtinn, ſend' ich dir 30 Den Speer zurück. Dieß hört, dieß ſiehet Der edle Numa, er vergißt, Daß ſie durch ſeinen Schild ſchon unverwundbar iſt. Und wie aus Leo's Hand die dräunde Lanze fliehet, So wirft er ſich dazwiſchen und bedeckt Herſilien; in ſeinem Buſen ſteckt Das Eiſen, welchem nicht die goldne Rüſtung wehrte, Das durch und durch ſie bohrt' und noch die Haut verſehrte. Der Panzer iſt mit Blut geſtreift, Das purpurroth der leichten Wund' enttreuft. 40 Und Numa dankt den höhern Weſen, Die ihm vergönnt, mit wenig Blut Sie aus des Todes Hand zu löſen. Bald aber flammt in ihm die Rachbegier, mit Wuth Eilt er auf Leo hin und ſchwöret an dem Frechen Herſiliens Gefahr zu rächen. Der Marſe höret ihn und ſtürmet gleichfalls her; Doch beyde trennt die Schlacht; ſie finden ſich nicht mehr. Der Prinz muß ſeine Wuth auf andre Feinde tſpi⸗ kehren. Sie fallen dicht vor ihm, wie vor dem Schnitter Puth) 3 Aehren. 50 Ein Arm würgt immer fort, der andere beſchirmt unde, Herſilien, die nah' an ſeiner Seite inde. Verderblich in die Feinde ſtürmt. zuſen. Des Ocres, Opiter und des Soractor Braͤute PVerwitwen vor der Eh', auch ſinket Almeron, it 30 Almeriens, der beſten Mutter, Sohn. 1 Der Knab', ein Held mit dreyzehn Jahren, War heimlich ihrem Haus entſtohn ar iſt.*Und hingeeilt zu Leo's tapfern Schaaren, ehet, Sie fleucht ihm nach, ihr Mutteraug' entdeckt 60 Ihn in der letzten Reih', wohin er ſich verſteckt. Sie eilt zu ihm, umarmet, küſſet ung Und drückt ihn an das Herz, indem ein Thränenguß . PVon ihrer bleichen Wange ſließet. Haut DDer Knab' erwiedert nicht der armen Mutter Kuß, Er wagt es nicht, die Augen aufzuſchlagen, Er fühlt, daß er von ihr Vorwürfe zwar verdient, 40 Doch nicht die Kraft hat zu ertragen. Sohn, ſagt ſie ihm, mein Glück, mein Troſt in alten Tagen, Durch den allein mir jetzt die Hoffnung wieder uth grünt, 70 3 1 Die einſt verdorrt auf deines Vaters Grabe, Du konnteſt deine Mutter fliehn, Um in die Männerſchlacht, die ſchrecklichſte, zu ziehn, nicht Die unſerm Volke droht! Wos willſt du armer Knabe? — 1868— Willſt du mit dieſer ſchwachen Hand, Die auf ein flüchtig Reh den Bogen mühſam ſpannt, Die Lanze wider Roms berühmte Krieger faſſen? O warte doch, mich zu verlaſſen, Die Zeiten ab, wo du für dich Selbſt ſorgen kannſt und meiner Sorg' entbeh⸗ ren. 8* Kind, lerne leben ohne mich, Eh' du mich tödteſt! Wie? Du weineſt bitterlich, Doch du verſprichſt mir nicht, nach Haus zurück zu kehren? Ihr Marſen ſeht es ja, daß er nicht fechten kann. Was hilft's euch, wenn ihn jetzt die Todesnacht be⸗ ſchattet? O duldet's nicht, ihr Helden, denkt daran. Daß ihr auch eine Mutter hattet! umſonſt! du ziehſt. Wohlan! Von gleichem Muth erfüllt, Zieh' ich mit dir; wo du verweilſt, will ich ver⸗ weilen, Will in die Schlacht mit meinem Liebling eilen. 90 Die Bruſt, die ihn geſugt, die werde da ſein Schild. Almeria, der's Leo gern vergönnte, Verließ den Sohn von dieſem Tage nicht. Selbſt Leo, der ihn liebt, hielt es für ſüße Pflicht, Zu wachen für ſein Heil; doch Schlacht und Dun⸗ kel trennte Die Unglückſel'gen heut von ihm, Wiewohl er ſtets, nur ihm zu folgen, ſie ermahnte Und einen ſichern Weg im Treffen ihnen bahnte. ——„ nnt, E tbeh⸗ 80 ch, c zu kann. be⸗ Muth er⸗ 1. 90 ſein ſicht/ Dun⸗ hnte — 139 Herſilia fährt jetzt mit wildem Ungeſtüm Wie ein Gewitter her und tauchet 100 Das Schwert, das von dem Blut berühmter Hel⸗ den rauchet, In eines Knaben Bruſt, ſo ſehr die Mutter fleht Und ſchreyt und ringt und widerſteht. Hin ſinket Almeron, ein Blümchen, das der Schnit⸗ ter, Bevor der Kelch ſich aufſchloß, abgemäht. Sein Auge ſuchet dich, unglücklichſte der Mütter, Dann bricht's; er ſtirbt; du aber, ob du gleich Noch unverwundet biſt, folgſt ihm in's Schattenreich. So raſ't Herſilia mit fürchterlichem Grimme, Blind bey der Menſchheit Weh, taub für des Mit⸗ leids Stimme. 110 Der Prinz, der ſtets an ihrer Seite ſicht, Iſt fürchterlich, wie ſie, doch grauſam iſt er nicht. Er opfert nur, die ſich erdreiſten, Zu harren, bis er kommt, und Widerſtand zu leiſten. Marſenna, Naſamon, Privergnus ſinken, wund Von ſeinem Speer, hin auf den blut'gen Grund. Auch Hisbon, Verticus und Seralpin erblaſſen, Indem ſie ſterbend mit der Hand, Ja mit den Zähnen noch die Vatererde faſſen. Ihr Blutsfreund Liger ſieht's und wirft, von Rach' entbrannt, 120 Den Discus in die Luft, der edle Numa zeiget Hier Geiſtesgegenwart, er wendet ſich und neiget Das Haupt zur rechten Zeit: des Discus Schneide miht — 140— Die Purpurfedern weg, die ſeinen Helm umweht, Und köpft die Sphynr, die drauf im Glanze Des Silbers thronte; Numa naht Dem Werfenden, zum Lohn für dieſe kühne That Taucht er in ſeine Bruſt und läßt darin die Lanze, Dann faſſet er das fürchterliche Schwert, Das einſt Pompilius, dem Tapfern, angehört 130 Und er in deſſen Gruft aus Tullus Hand erhalten. Er tobt damit umher: hier flieget Tarcons Arm, Hier Quercens Haupt und dort liegt Orimanth ge⸗ ſpalten. Schon weicht, ſchon flieht der Marſen Schwarm, Nur Leo ſteht, er fand die Keule wieder Und braucht die Seinen nun nicht mehr, Er kämpft allein mit einem Heer Und mancher Tapfre ſinkt in blut'gen Staub da⸗ nieder. Doch der Sabiner⸗Schaar umringt den Helden jetzt, UndUfens ſchreyt mit furchtbarm Tone: Zittre! 140 Hier iſt es nicht genug, daß man die Bäum' er⸗ ſchüttre, Die Flucht iſt dir verwehrt, die Wege rings beſetzt. Hohnlächelnd hört ihn Leo ſprechen Und rettet ſich durch einen Seitenſprung Vor ſeinem Speer, dann voll Erbitterung Stürzt er dahin, umſchlingt den Frechen Mit beyden Armen und erdrückt, Damit er hierin auch dem Sohn Alemenens gleiche, Den ſtarken Feind, ſetzt auf die Leiche Den Siegerfuß, erhebt das Haupt und blickt 150 Mit Heldenruh' auf alle Spitzen da⸗ jetzt, 1 0 er⸗ ſeht. — 141— Und alle Shneiten hin, die dräuend ihn um⸗ blitzen. Er wählt den Ort, wo er hinaus Sich werfen will, mit ſchrecklichem Geſaus Fährt ſeine Keule dort auf die Sabiner nieder, Schlägt Panzer durch, quetſcht und zermalmet Glieder. Nun iſt er aus dem Kreis, nun zeucht Er ſich zurück, doch langſam und mit Würde. So wie ein Wolf, noch hungrig, aus der Hürde Durch Uebermacht gezwungen, zaudernd weicht. 160 Er ſtehet drey Mahl ſtill und ſchrecket, Indem er fürchterlich die langen Zähne blecket, Die Hirten, die um ihn, verſehn Mit blinkendem Gewehr und knot'gen Prügeln⸗ ſtehn. Die Krieger Leo's, nun von ihm erreichet, kehren Auf ſeinen Zuruf um, er ſtellt Die HOrdnung wieder her und zwiſchen beyden Heeren, Wovon er eines ſchützt und eins zurücke hält, Steht er dem gleich, der mit den feſten Wehren Die Flotte ſchützt, wenn Stürme ſich empören. 170 Erzürnt, doch auch bewundernd ſieht auf n Der edle Prinz, und mit erhobnem Degen Eilt er bereits dem tapfern Feind entgegen. Doch plötzlich hält er ſtill; ein Lärmen vom Furin Verſtreut durch's Lager neue Schrecken, Sophranor ließ viel Volks an's Ufer ziehn Den Rückzug ſeines Freunds zu decken. Es ſcheint, es wolle nun das ganze Marſen⸗ Heer Herüber gehn und mit den Römern ſchlagen. Der Prinz, genöthiget, ſtellt ſich zur Gegen⸗ wehr 180 An ſein Geſtad' und darf's nicht zu verlaſſen wagen, Bis, da bereits der Morgen glüht, Sophranor jenſeits ſich zurück in's Läger zieht⸗ Indeß hat Leo Zeit gewonnen; Und unverfolgt vepläßt der kühne Held Das Lager, wo von Zelt zu Zelt In einem Purpurbach der Römer Blut geronnen. Auch Numa führt die Seinigen zurück Und denkt von dieſem Augenblick Nur die Verwundeten, er ſorgt, voll Herzens⸗ güte, 190 Für Freund und Feind; der ſanften Menſchlichkeit Hat in des Redlichen Gemüthe Der Ruhmdurſt Platz gemacht; ihr hat er ſich ge⸗ weiht. So wie er kurz zuvor durch die geharn'ſchten Glieder Der Feinde drang und, was nur widerſtand, Begierig aufgeſucht und mit gewalt'ger Hand Ein fürchterlicher Dämon nieder In's blut'ge Gras geſtreckt; ſo eifrig ſucht er jetzt In deren Bruſt, die Mavors ſchwer verletzt, Ob ſich nicht doch der Lebensfunke wieder 206 Anblaſen ließ“ und hielt ſie alleſammt für Brüder⸗ n⸗ 0 ——— N 143*— Als Numa dieſe heil'ge Pflicht Genau erfüllt, vergönnt er Ruh' und Schlummer Den Seinigen, ſich ſelber nicht. Der Drang, Herſilien zu ſehen, und der Kummer Um Romulus verwehren ihm ſogar Die Wunde, die noch näßt, nur flüchtig zu ver⸗ binden. Er eilte blutig, wie er war, In's königliche Zelt, ſie beyde dort zu finden. Auf einer Leoparden⸗Haut 210 Liegt Romulus und leidet ohne Klage, Er denkt ſein Heer, des Feindes Lage, Den nächſten Kampf und ſchweigt: Die Fürſtinn ſelbſt getraut, Sich jetzo nicht den Denkenden zu ſtören, Doch als er Numa nur erſchaut, Erhebt er ſich und ruft ſo laut,“ Daß es ſogar die fernſten Wächter hören? Komm, tapfrer Jüngling, komm an deines Königs Bruſt, Nur du allein— mir iſt es wohl bewußt, Haſt dieſe Raſenden gehindert, 220 Sonſt war mein Heer dahin, dieß Lager war ge⸗ plündert, Auch trſtet mich dein Ruhm in meiner Trau⸗ rigkeit. So ſagt er. Numa wirft ſich zu des Königs Füßen Und decket ſeine Hand mit unzählbaren Küſſen⸗ Steh' auf, fährt jener fort, und mache dich bereit Zu dem, was Zeit und Ort und Lage von uns heiſchen. Du ſaheſt, es gelang den Barbarn uns zu täu⸗ ſchen. Und du mit mir, und ihr und meine Krieger alle; So ſag' ich doch, verſchiebet ſie 230 Und ſichert uns vorm zweyten Ueberfalle, Bis jener Schmerz entflieht, der mein Gebein verzehrt, Und alte Kraft zurück in dieſe Glieder kehrt. Indeſſen, tapfrer Numa wähle Dir zehn Cohorten aus; eilt in den nahen Hain Und ſchneidet dort und ſpitzt zehn Mahl fünf tau⸗ ſend Pfähle, Doch müſſen ſie ſo hoch, wie deine Krieger ſeyn. Du aber, Metius, zieh' einen breiten Graben, 1½ Im Mittelpuncte nur laß einen Ausgang leer.“ 2 Da die Lateiner nicht ſo viel gelitten haben, 240 So mögen ſie dir folgen. Gehet, thut, Was ich befahl, und eh' in den kryſtallnen Sälen Der Waſſergöttinn Phöbus ruht, Hohlt euers Königs Dank ſammt ferneren Be⸗ fehlen. —— ——— „—.— Er ſprach es, ſie gehorchten: vor der Nacht War ſchon der Wink des Romulus vollbracht. Er läßt die Pfähle nun ſo in den Graben ſtecken, Daß, wagrecht mit dem obern Grund, So wie ein Lanzenwald die Spitzen aufwärts re⸗ cken„ So ſehr ich ſelbſt von Rache glüh, uns oin au⸗ en, E 145„ Und als der letzte Pfahl am dritten Tage ſtund, 250 Beſetzet er die zwey erſt aufgeworfnen Wälle An jedem Lagerthor und hat, Dank ſeiner Vorſicht, nun ſo wenig Ueberfälle PVom Feind zu ſcheun„als mitten in der Stadt. An des Fueins jenſeitigen Geſtaden Hält ſich Sophranor ſtill und ſieht in tiefer Fuh⸗ Der Arbeit ſeiner Feinde zu, „ein Ausfall meinem Volk zu ſchaden? »Kein Angriff,“ denkt bey ſich, der ſtolze Romulus; »Was audert Leo denn? zwar ſtürzt' er mich da⸗ nieder, 260 »Genug des Ruhms! nur ſing' er keine Sieges⸗ lieder, „Man triumphirt erſt bey des Feldzugs Schluß, »Und wir beginnen kaum. Wird er nicht wieder⸗ kehren »Und ſuchen, was er ſchon nicht ohne Glück gethan, »Mit Feuer und mit Schwert mein Lager zu ver⸗ heeren. »Was hält er plötzlich inn' auf ſeiner blut'gen Bahn! „O Jupiter, o Mars, mein Vater, wenig Tage „Beſchirme mich der Wall, bis meine Wunde heilt, „Dann komm' er nur, der ſtolze Mann und⸗ ſchlage! „Ich ſelber ſuch ihn auf, wenn erzu lange weilt.“ 270 So denkt er, als, mit Blut die Rüſtung über⸗ goſſen, Die Füße voller Staub, ein Capuer ſich naht⸗ Numa Pompjlins. I. Th. K —— „ — 1 46— Er kam aus Anxanum, wo ſich, dem klugen Rath Des Romulus gemäß, ſein König eingeſchloſſen. Was bringeſt du für Bothſchaft, fraget ihn Roms Herrſcher hat herab vom Apennin Sich das Samniter⸗Heer um Anxanum ergoſſen? Belagern ſie vielleicht ſchon meinen Bundsgenoſſen? 2 Herr, euer Bundsgenoß iſt in der Feinde Hand, Erwiedert der Soldat, auf Ein Mahl, ach! mit Schauern 280 Gedenk' ich deß, auf Ein Mahl ſtand Der Feinde ſchrecklichſter, Held Leo, vor den Mauern, Als wir ihn noch mit dir im Kampf geglaubt. Man bläſ't zum Sturm, bevor die Töne noch ver⸗ klangen, War ſchon die Stadt erſtürmt, der König enge⸗ fangen, Die Scheunen ausgeleert⸗ der reiche Schatz ge⸗ raubt⸗ Von hier aus flieget er auf unſre beſten Schaaren, Die wider das Samniter-Heer Die fruchtbaren Gefild' am Apennin bewahren, Zerſtreuet ſie Trotz aller Gegenwehr, 290 Denn wer kann ihm zu widerſtehen hoffen? Nun iſt das ganze Land den grimmſten Feinden offen. N Er ſpricht es, Romulus bleibt ſtumm und unbe⸗ wegt, Das Haupt auf ſeine Bruſt geſenket; ſchlägt Ihm an das Ohr ein Laut von kriegriſchen Geſängen, — ——— — — Rath en. n oſen? and, mit 290 aern, ver⸗ on ge⸗ 6 e⸗ aren v Worein Trompetenſchall und Hörnerton ſich men⸗ gen⸗ Und den der Wind den Strom herüber trägt. Der tapfre Leo iſt's, der mit dem Siegerheere In's Lager des Sophranor zeucht. Die Beute folgt, und unter ihrer Schwere 300 Erſeufzt die Art, und Roß und Sclave keicht. Der König Capua's gefangen Sitzt, ganz in Gold gehüllt, auf einem edlen Pferd⸗ Man zwinget ihn, mit ſeiner Schmach zu prangen. Doch, unbekannt mit eignem Werth, Geht neben ihm zu Fuß der große Sieger, Bewaffnet mit der Keul', und zwanzig tauſend Krieger, Die das Samniter⸗Volk zu Hülfe hergeſandt, Beſchließen dieſen Zug in blankem Stahlgewand. Vereint ſind nun die Heer' und neue Zelte ſteigen, 310 Auch brennen, wie die Nacht auf die Geſild' umher Den ſchwarzen Mantel wirft, um tauſend Feuer 2 mehr. Die bangen Römer ſehn's und ſchweigen Und fürchten einen Ueberfall, Sie, die beym Nahn des Feinds ſonſt Jubellieder ſangen, Sie ſtehen, ohne Blut die Wangen, Die Stirn gerunzelt, da, und Trotz dem feſten Wall, Verdoppeln ſie die Wachen überall. Man forſcht nach Romulus, der Bangigkeit inm Herzen S 2 — 1 48— Und Ruh' im Angeſichte trägt. 320 Auf einen Speer geſtützt, verbeißend ſeine Schmer⸗ . zen/ Geht er das Lager durch; ſein ſiecher Leib bewegt Sich mühſam nur und kaum kann er das Haupt erheben, Doch er verhehlt dem Kriegervolk, wie krank Sein Geiſt und Körper ſey, und ſagt den Göttern — Dank, Daß ſie nun alle Feind' in ſeine Hand gegeben. Indeſſen lädt der weiſe Held Die Führer in geheim auf ſein verſchwieg'nes Zelt, Vor unbeſcheidner Lauſcher Ohren Bewahren es vertrautere Lietoren, 33 Von dem Monarchen ſelbſt beſtellt. Der denkende Catill, der weiſe Brutus kommen, PValerius und Metius, Auch hat am Thron des hohen Romulus Herſilia und Numa Platz genommen, Ihr gibt Geburt und ihm bewährte Tapferkeit Ein Recht dazu, der Fürſt legt nun die heitern Mienen, Worein er ſein Geſicht gekleidt, Vor ſeinen Freunden ab und redet ſo zu ihnen: Gefährten, euer Rath iſt immer nützlich, heut 340 Mir unentbehrlich; ſaget Freunde: Was ſoll ich thun, vom drey Mahl ſtärkern Feinde, Der ſchon die Capuer vernichtet, ſcharf bedräut? Zwar die Verſchanzung ſchützt vor einer Nieder⸗ lage, —————— = 25 7—) — 7— egt upt ern n — 1 49— Doch wie? Wenn ſie die Schlacht vermieden und uns hier Belagerten? Was könnten wir? An Lebensmitteln fehlt' es uns am neunten Tage. Drum rathet! wollet ihr hinüber, ſie beſtehn Und einem ſchimpflichen Vertrage Durch einen edlen Tod entgehn? 860 Wollt ihr zurück euch ziehn? Auch dieſes hat Ge⸗ fahren, Und Leo folget uns mit ſeinen Siegerſchaaren. Hier ſchweigt der Fürſt und Metius erſteht, Der kluge Metius, der, ſchnell nach Rom zu ſenden Und auf Verſtärkung hier indeß zu warten, räth. Doch Brutus fürchtet, daß zu ſpät Die Hülfe komm'; er will nur ſeinen Sieger⸗ händen Errettung ſchuldig ſeyn, will auf die Marſen hin Und lieber in der Schlacht, als hinterm Walle wagen. O hüthet euch, ihr Römer, jetzt zu ſchlagen, 360 So ruft die ſchöne Kriegerinn, Jetzt da euch in der Schlacht das Wichtigſte noch fehlet, Der Arm des großen Romulus, Der Kampfentſcheider. Wählt, o wählet Den beſſern Rath des weiſen Metius! Doch hindert auch zugleich den Feind uns anzu— greifen. Und da der letzte Sieg ihn ſtolz und ſicher macht, So laſſet mich und Numa dieſe Nacht In's Lager der vom Marſch noch müden Völker ſtreifen. — 150 Es ſollen zum verdienten Lohn 370 Für ihr Triumphsgeſchrey ſich an dem Acheron, Von uns hinab geſandt, der Sieger Schatten häufen. So ſpricht die Fürſtinn, Numa ſchwimmt, Indem ſie ſpricht, in einem Freudenmeere, Daß ſie aus einem ganzen Heere Zu ihres Ruhms Genoſſen ihn beſtimmt. Allein der König Roms vernichtet Bald ſeine Hoffnungen, indem er ihren Plan Mißbilliget. Man bringt noch vieles auf die Bahn, Erwäget die Gefahr, denkt, ſtreitet, wankt, be⸗ richtet, 380 Doch keiner gibt ein Rettungsmittel an. Begeiſtert von Minerven, hebet Sich Numa jetzt von ſeinem Sitz empor, Der König auf ſein Flehn gönnt ihm ein willig Ohr⸗, Und er beginnt: Dein Heer, das in Gefahr nun ſchwebet, Soll nicht gerettet nur, es ſoll auch ſiegreich ſeyn, Mich täuſcht die Hoffnung nicht; du weißt, auf den Gebirgen Bey Trebia ſind enger Päſſe viel, Beſetzt man die, ſo iſt's ein Spiel, Mit einem Häufchen Volks Unzählige zu wür⸗ gen; 390 Gib mir die Hälfte nur von den Sabinern mit, So eilen wir mit ſchnellem Schritt, Die Höhen in Beſitz zu nehmen. Doch du verſuche, Herr, was du noch nie verſucht, 70 hr nun h, auf ü⸗ 300 / cht⸗ — — 101— Flieh' vor dem Feind; denn Sieg iſt dieſe Flucht. Sie werden ſich, berauſcht von ihrem Glück, ver⸗ geſſen/ Und dich verfolgen; locke dann Sie immer weiter zu den Päſſen, Dort ſteh' und beut' die Schlacht den Unvorſicht⸗ gen an, Wir, auf der Höhe, harren deſſen 400 und ſchneyn nicht Pfeil' und Lanzen nur hinab, Auch ganze Felſenſtücke wälzen Wir von dem Berg, für ſie ein unvermuthet Grab! Bis auf ein Drittheil ſoll ihr Heer zuſammen ſchmelzen. Er ſchweigt, der König ruft mit halb entwölk⸗ . tem Sinn, Indem er ihn umarmt, zieh', tapfrer Jüngling, hin⸗ Nimm all dein Fußvolk mit; nur dieſes kann dir nützen. Auch muß die Reiterey uns auf dem Rückzug ſchützen, und wenn ich dir alsdann Errettung ſchuldig bin, Errettung meines Ruhms, der mehr iſt, als mein Leben, 410 So will ich auch den ſchönſten Lohn dir geben: Hier weiſ't er auf die Tochter hin. Betäubt ſteht Numa da, und ſtumm iſt ſeine Freude, Sein Blick bald auf den Fürſten hin, Bald auf Herſilien gekehret, fragt noch beyde; Iſt's wahr, daß ich der Hochbeglückte bin? Doch endlich wirft er ſich dem Könige zu Füßen⸗ — 1 5 2— Nachdemi er ſich gefaßt, und ſpricht mit feſtem Ton: Unüberwindlich, Götterſohn, Haſt du mich jetzt gemacht, und Leo ſoll es bü⸗ ßen, 420 Daß ſein verwegner Arm dich, Einziger, verſehrt. O laßt die Marſen nur, laßt die Samniter kommen, Und was Italien von Heldenvölkern nährt, Die alle laßt in ſo viel Haufen kommen, Daß ihre Zahl den Boden niederſchwert, Es kämpfet wider ſie und ſieget Dein Eidam. Herr, in dieſem Worte lieget Die Heldenkraft, die einſt im Herkul Lerna's Schlang' Und den Nemcder Löwen zwang. Dieß Eine Wort hebt mich zum Götterrang. 430 Er ſprach's und las in der Geliehten Blicke Beſtätigung von dem, was Romulus verhieß, Worauf er lechzend ſchon nach ſeinem nahen Glücke, Sogleich die Seinigen die Waffen nehmen ließ. Nun zieht er heimlich aus. Doch die Lateiner⸗ Schaaren Verſammelt der Befehl des weiſen Romulus Am Ufer, daß der Feind ſich dort hin wenden muß.⸗ Sie ſchickten ſich, ſo ferne ſie auch waren Einander Pfeile zu, die nie das Ziel erreicht. Indeß mit ſeiner Schaar Held Numa ſtill ent⸗ ſchleicht. 44⁰ Er wandert durch die dichten Haine, Die gegen Sora ſich ausdehnen, er umgeht Lon: Die Sümpf' Aratriens, beym erſten Morgenſcheine Erblickt er Trebia und ſteht bü⸗ An des Gebirges Fuß⸗ doch läßt er's nicht beſtei— 5 3 gen, eht. Bevor er nicht die leicht Gewaffneten voran, nen, Es zu beſpähn, geſchickt; ſie weiſen ihm die Bahn, Und daß ſie die auch dem Monarchen zeigen, 1. er ein Theil von ihnen hier zurück, r ſteigt zu Felſen auf, wovor auch Kühnen grauet. 450 Indem der rings umher geſandte Blick na Abgründe nur und ſteile Höhn erſchauet. Die Seinen zagen, er allein Scheint ohne Furcht und ſchwindelfrey zu ſeyn. 430 Er ſetzet, wenn ſein Fuß wankt, glitſchet oder Ihn wieder muthig an und faßt ke Mir Einer Hand nie eines Bäumchens Aſt, Daß er den Seinigen nicht mit der andern winket. ice, So bald das Heer zu einem Bache kömmt, . Der ihren Marſch mit raſchen Fluthen hemmt, 460 ner⸗ So ſchwimmet Numa durch und, jenſeits am Ge⸗ ſtade, Befiehlt er, ihm zu folgen; in's Geſtein, nuß⸗ Wo dieſes Ritzen hat, ſteckt er den Speer hinein Und ſchwinget überzeugt, der Muth des Führers lade Zu gleichem Muth die Krieger ein, Sich übern Abgrund hin und tritt dort neue 44 Pfade. Die Krieger klimmen nach, von ſeinem Geiſt er— fült, Er vnet ſtets voran, doch vor ihm wallt das Bild — —— Herſiliens, es ruft von ſüßen Lippen, Ich lohne dirs! ihm zu, und ebnet alle Klip⸗ pen. 470 Als der beſchweißte, müde Held Den Gipfel nun erreicht, ſo ſieht er mit Erſtaunen Ein weites, wohl gepflegtes Feld Und fetter Herden viel, geſegnet von den Faunen. Den Hirten, die man vor ihn führt, Begegnet er mit Huld; ich habe, ſagt er ihnen, Dieß ſchöne Ländchen nicht raubgierig ausgeſpürt, Ich komm' als Freund zu euch, wollt ihr dem Freunde dienen, So zeiget mir den Weg, wo eure Hütten ſtehn. Drey Tage lang weil' ich in dieſen Päſſen; 480 Ihr aber nähret uns, nicht ohne Lohn, indeſſen. Er ſagt es, und beruhigt gehn Die Hirten vor ihm her, bis ſie das Dorf errei⸗ chen. Im Dorf, o Wonne ſonder gleichen! Im Dorf erkennet er, dieß Hirtenvölkchen ſeyn Die einſt von ihm befreyeten Rheaten. Der Greis, der dazumahl im Hain Beym Opfer ihm gedankt, beginnt nun laut zu ſchreyn: O hoch beglückter Tag! dich Thäter edler Thaten⸗ Dich ſieht mein Auge noch! kommt Freunde, drängt euch her! 400 Der uns gerettet hat, der edle Mann iſt er. So bald der Greis dieß Wort geſprochen, Warf alles auf die Knie ſich vor dem Jüngling hin U „„— ——„— 0 ———— Und rief ihm Segen zu, von Sunn unter⸗ brochen. Hebt daß ich keine Waiſe bin, Verdank' ich dir, ſo ſchallen zarte Stimmen, Du gabſt den Gatten mir. Du ſchenkteſt mir den Sohn, Schreyn andere mit wahrer Rührung Ton Und Augen, die in Thränen ſchwimmen. Doch jetzo ſchweigete der Greis das Polk und ſprach: 500 O Götterſohn,(denn die des Dankes Thräne Verdienen, die ſind wahre Götterſöhne Und eifern ihren Vätern nach) Der Himmel liebet uns, da, weiſ'in ſeinen Schlüſſen, Er uns vergönnt, die theure Hand zu küſſen, Die unſre ſchweren Feſſeln brach, Und den geliebten Held als unſern Gaſt zu grüßen, Der uns für Feinde hielt und dennoch väterlich Behandelte; was ſollen wir nun? ſprich O Fürſt, o Herr, nimm unſre ganze Habe, 610 Nimm unſer Leben hin, als wohl verdiente Gabe. Hier ſchwieg er, Numa hebt mit freundſchaftlicher Hand Ihn und die Nächſten auf. Die Krieger, die ſich nahten, Sind ſeinetwegen hoch verehrt von den Rheaten, Und Freundſchaft ſchlingt ihr heilig Band Um beyde Völker feſt. Die Hirten Eröffnen, die Sabiner zu bewirthen, Die kleinen Hütten; Weib und Kind, Greis, Madchen, Mann und Jüngling ſind — 156— Beſchäftiget, ſie ſetzen, was auf Feſte Sonſt nur geſparet wird, vor dieſe theuren Gä⸗ ſte. 620 Und ſtimmen nach dem Mahl ihr ländlich Saiten⸗ ſpiel. Der Gegenſtand von ihren Liedern Iſt Numa; dankbar hörts der Krieger; das Ge⸗ fühl Der Liebe für den Held macht Wirth und Gaſt zu Brüdern. Der edle Führer ſieht dem ſeltnen Schauſpiel zu Und freut ſich ſeines Werks, allein nur kurze Ruh' Darf er den Seinigen gewähren, Er muß ſie durch's Signal in wenig Stunden ſtören. Doch wie erſtaunet er, da zum Verſammlungsort Nicht die Sabiner nur, auch die Rheaten eilen. 530 Sie wollen die Gefahr des Kriegs mit Numa theilen, Die Dankbarkeit, die Liebe reißt ſie fort Aus ihren Wohnungen, und alles dient zu Waffen, Was immer Ungefähr und Haſt zuſammen raffen. Den deckt ein Schild voll Staub; der führt ein langes Schwert, Woran der Roſt ſeit vielen Jahren zehrt. Der droht dem Feind mit neu geſchnitzten Pfeilen, Der macht die Pflugſchar ſich auf eine Stange feſt Die meiſten plünderten die Wälder, hieben Aeſt' Und fällten Stämme ſich zu Keulen. 540 Wir wollen ſtreiten unter dir, So ſagen ſie dem Prinzen; iſt zum Frieger Ir 22(80 2 520 iten⸗ t zu el zu uh⸗ ren. rt 530 ilen, ffen, n. ein ilen, ange ¹—— 157— Lieb' und Vertraun genug, ſo werden alle hier, Wenn du ſie führſt, des Erdenkreiſes Sieger. Nach dieſen Worten ſchließen ſie Sich an einander an und, unverſuchte Diener Des Mavors, ahmen ſie die tapferen Sabiner Mit weniger Erfolg als Müh' In jeder Wendung nach; doch Muth und Eifer glühen In ihrer Bruſt; die erſten wollen ſie 5560 Auf den gefährlichſten von allen Poſten ziehen. Vergebens räth der Prinz den guten Hirten ab Und bittet ſie, den ungewohnten Degen, Den ihnen in die Hand bloß Dankbegierde gab, Da er nicht Hülfe braucht, nur wieder wegzulegen. In dieſem Punct allein wird ſein Befehl verſchmäht. Sein Heer, zu dem nun die Rheaten ſtoßen, Verdoppelt ſich, er theilt den neuen Bundsgenoſſen Den Plan des Angriffs mit, und alles, alles ſteht In wenig Stunden ſchon auf des Gebirges Hö⸗ hen, 560 Wovon ſie tief hinab in enge Päſſe ſehen. Beſchäftigt ſind nunmehr die Krieger; immer ſauſt⸗ Ihr ſcharfes Beil in unermüdter Fauſt. Sie fällen Bäum' und häufen Felſenſtücke, Daß den hierher gelockten Feind Die dann vom Fels gewälzte Laſt erdrücke. Das Volk der Hirten harrt, voll Sehnſucht und vereint, Mit dem Sabiner⸗Heer, bis Romulus erſcheint. „ 1568— Der hat indeß ſein Lager ſchlau verlaſſen, Sein Marſch war halb ein Kampf, halb war er eine Flucht, 570 Zumahl beym Hintertrupp; denn hier, ſo ſchien's, vergaßen Die bangen Krieger Pflicht und Zucht, Indem ſie nur zu retten ſich geſucht, Je näher ſie den Päſſen kamen, Je eiliger, je wilder floheſt du O Romulus; mit jedem Schritte nahmen Scheinbare Bangigkeit, Eil' und Verwirrung zu. Sophranor, Leo ſelbſt ward durch die Liſt be⸗ trogen; Doch ſchneller, als die Marſen, flogen Den Römern die Samniter nach, 580 Weil ſich ihr Führer nun vollkommnen Sieg ver⸗ ſprach. So bald der König Roms ſie auf den Platz gelocket, Den Numa's Bothen ihm gezeiget, ſteht er ſtill, Der Feind ſtürzt ſchnell auf ihn, Marſ' und Sam⸗ niter will Der erſte kämpfen; doch wie ſtocket Der kühne Muth, als nun ein Strom von Fels⸗ geſtein Und Bäumen vom Gebirg' auf ihre dichten Reihn Zerſchmetternd niederſtürzt, und ſie auf allen Höhen Der Feinde Lanzen hoch empor gebdumet ſehen. Vergebens dringt nicht ohne Glück 590 Der rapfre Leo tief in Romulus Phalange. er * en', be⸗ 560 ver⸗ gut ill, Sam⸗ ßels⸗ eihn böhen n. 590 Denn die Samniter ſtehn, Entſetzen in dem Blick⸗ Der immer aufwärts ſchaut und ohne Blut die Wange. Sie können nicht voraus, ſie können nicht zurück, Denn Numa hat ſie abgeſchnirten. Verwirrt, zerſchmettert, rings umher Pom Feind gedränget, wirft ein Theil ſchon bas Gewehr, Sich zu ergeben, weg, bevor ſie noch geſtritten. Wer mahlt hier Leo's Wuth? es raſ't der küh⸗ ne Held, Dem LTieger gleich, der ſich im Neß verſtricket, b00 Das nah' an ſeiner Höhl' ein Jäger ſchlau geſtellt, In deſſen Händen er die Jungen nun erblicket, und ſie nicht retten kann. Sein Auge blitzt, ge⸗ ſtreift Mit hellem Blute, Grimm, auf den, der ſie ge⸗ raubet, Die ſchnell bewegte Naſe ſchnaubet, Der Zähne Doppelreih', von denen Geifer treuft, Zermalmt die auf dem Weg umher geſtreuten Steine. Nicht weniger tobt Leo, da er ſieht, Daß jeder Funke Muth bey ſeinem Heer verglüht. Ha! rufet er, ich kaͤmpf und ſterb' alleine. b610 Erſt habt den Muth, dieß anzuſehn, Dann möget ihr den Feind um euer Leben flehn. Er ruft, er dringt mit jenem Allvermögen, Das die Verzweiflung gibt, durch Waffen, Roß und Mann Der Römer durch, und klimmt bey einem Regen — 1 60— Von Blöcken und Geſtein den ſteilen Fels hinan. Als Numa ihn erblickt, befiehlt er den Rheaten Und den Sabinern: Haltet ein! Schont dieſen Thäter großer Thaten, Ehrt ſeinen kühnen Muth; mit mir, mit mir al⸗ lein 620 Hat er's zu thun. Wiß! deinen größern Schaaren, O Leo, ſetzten wir den Vortheil dieſer Höh' Entgegen, aber dir als einzlem Krieger ſteh' Ich einzeler und will den halben Weg dir ſparen. Mit dieſen Worten ſteigt der Held den Berg hinab Auf einer Klippe glatten Rücken, Der ihnen Platz genug, ſich aufzuopfern, zab⸗ Abgründe, ſchwindelicht des Allerkühnſten Blicken, Umgeben dieſen kleinen Plan. Die Helden ſtanden nun und ſahn 630 Stillſchweigend ſich mit feyerlicher Miene Der innigſten Bewundrung an. Auch blickten beyde Heer' auf dieſe hohe— Auf dieſe ſeltnen Spieler hin. Die laute Schlacht verſtummt indeſſen; Die Krieger hatten ſich, die Wuth, den Kampf vergeſſen, Starr ſchauen ſie, das Aug' iſt itzt ihr einz'ger Sinn., Die ehrfurchtsvolle Stille währte, Bis ſie zuerſt Held Leo unterbrach, Der edel und gerührt zu ſeinem Gegner ſprach: 640 O Numa, ungern nur erlaub' ich meinem Schwerte, Mit einem Jünglinge von ſolchem Edelmuth Das fuͤrchterliche Spiel zu ſpielen, „„—„—) wpf inn⸗ b40 te/ Geh wieder, geh zurück und taß mich meine An minder tapfern Sr kühlen. Wiſſ', minder tapfre gibt es nicht! Doch ob ich Mitleid wohl verdiene, ſollſt du fühlen, Antwortet ihm der Prinz und noch, indem er ſpricht, Bohrt er den Speer mit beyden Händen, Da ihm der Raum zu einem Wurf gebricht, 650 In Leo's Bruſt. Genug, den Kampf zu enden, Traf nicht der Speer die Löwenhaut Dort, wo der Klauen Paar, die auf einander paſſen, Vor ſeine Bruſt ein doppelt Bollwerk baut. Die Spitz erſtumpft, nicht durch gelaſſen, Der Speer zerbricht vom ſtarken Widerſtand, Und waffenlos iſt Numa's tapfre Hand. Der Gegner wankt und hebt mit wildem Grimme Die Keul' auf, dieſe ſauſ't mit ſolcher Ungeſtüme Auf Numa's Schild, das er zerſtückt 660 Vom Arme fleugt; der Prinz ſinkt auf die Kniee nieder; Doch ungeſäumt erhebet er ſich wieder, Vermeidet, ſchnell verwandt, den zweyten Streich und zückt Zu ſeinem Schutz den feſt geſtählten Degen Des tapferen Pompilius. Bald nahn, bald weichen ſie; jedweder beugt dem Regen PVon ſchrecklichen Schwert⸗ oder Keuleſchlägen Des Gegners aus und ſpringt, doch mit beſorgtem Ruma Pompilius, I. Th. L — 162— Und immer ſpähend auf die Seite, Damit er nicht hinab in einen Abgrund gleite. 690 So windet und umwindet ſich Ein Waſſerſchlangen⸗Paar in einem engen Becken. Der kleine Raum, worin ſie ſtecken, Hemmt ihre Kraft; ſie kommen nicht zum Stich, So weit ſie auch hinaus die ſpitze Zunge ſtrecken. Doch Leo faßt die ſtarke Keul' und hebt Sie hoch empor mit beyden Händen. Der Prinz, der mit dem Schwert ſich noch zu ſchir⸗ men ſtrebt, Kann nicht entfliehn, nicht weichen, noch ſich wen⸗ den, Und über ſeiner Scheitel ſchweht 660 Gewiſſer Tod; als ſchnell von des Olympus Höhen Die Göttinn Ceres ſich mit Hülfe niederſenkt Unh, nut von ihm allein geſehen, Die Keul' im Flug noch weg von ſeinem Haupte lenkt. Den Boden trifft der Schlag, und Leo vom Ge⸗ wichte Der Keul' und der Gewalt des Schlages ſtürzet nach. So ſtürzt mit ſchrecklichem Gekrach, Entwurzelt von dem Sturm, die hundertjähr'ge Fichte. Der Prinz wirft ſich auf ſeinen Feind, Setzt ihm die Degenſpitz' an's Herz und ruft: dein Leben 690 „ b)o en. , ſchit⸗ wen⸗ 660 öhen aupte Ge⸗ ürzet dein 600 Auf ewig Römer⸗Eigenthum, 163— Iſt jetzo mein, doch nie werd' ich den Tod dir geben; O tapfrer Mann, laß uns vielmehr vereint Das ſchöne Band des Friedens wieder weben, Und ſieh in Numa nicht den Sieger, ſieh den Freund. Er ſpricht's und ſteckt den Degen in die Scheide. Der tapfre Leo küßt den edlen Gegner, beyde Entſteigen nun dem Felſen Hand in Hand Und eilen zu der Marſen Schaaren, In deren Herz nur Friedenswünſche waren. Auch hat man Bothen ſchon an Romulus er⸗ nannt; 700 Mit ihnen wird Held Leo hingeſandt. Der Prinz, den edlen Feind zu ehren, Führt ſelber ihn und ſie bey dem Monarchen ein Und unterſtützt mit Eifer ihr Begehren, Auch willigt Romulus darein. Den König Capua's ſollt ihr in Freyheit ſetzen, Befiehit der Fürſt, er zieh' friedfertig in ſein Reich, Mit all den Seinen und den Schätzen, Die ihr erbeutet habt. Die Strecke Lands, die euch Und ihn entzweyet, bleib', um allen Zwiſt zu en⸗ den, 710 Doch räum' euch Capua's Beherrſcher Anxanum; Als Geißel bleib' indeß ſein Sohn in euern Hän⸗ den. Die Marſen froh, den Krieg ſo vortheilhaft zu enden, Stehn keinen Augenblick bey dieſem Vorſchlag an, Den Romulus zu heyder Wohl gethan. L 2 — Ihn kummerte der bundsverwandte König, Den er nicht ſchätzen kann, und deſſen Vorthei wenig. Doch einzig iſt er jetzt auf Numa's Lohn be⸗ dacht. Du haſt, ſo ſagt er ihm, den Sieg noch im Ente . fliehen 720 Gefaſſet und zurück zu meinem Heer gebracht, Drum ſollſt du im Triumph mit königlicher Pracht In mein errettet Nom auf meinem Wagen ziehen. Vor dir geh' Leo her; an Jupiters Altar Empfange dann den Lohn für deine Heldenmühen. Herſilia, als Braut, reich' ihte Hand dir dar. Der Prinz erwiedert, tief gerühret: Du biſt es, du allein, dem der Triumph gebühret. Die Hand Herſiliens, der ſüße Nahme Sohn Aus deinem Mund iſt mir ein übergroßer Lohn, 730 Auch Leo bleibe frey, und unbeſieget kehre, Der Held zu ſeinem Volk zurück: ihn überwand Nicht ich, die Göttinn Ceres ſtand Mit Hülf' an meiner Seit' und gönnte mir die Ehre. Den Sieg, der blutig ſonſt in Leo's Händen wäre, Gab ſie allein in meine Hand. So Numa. Freund' und Feinde wähnen, Es ſey ein Gott, der dieſes ſpricht. Sein Gegner fleugt mit der Bewundrung Thränen An ſeine Bruſt, will die Verläugnung nicht, 740 nte 0 20 en. nen Bekennet ſich für überwunden Durch Numal's ſchonendes und fürchterliches Schwert, Bis dieſer, was geſchehn, vor allem Volk erklärt, Der Göttinn dankt, durch die er Sieg gefunden, Als ſchon der Tod den Streich auf ihn geführt, und ſo mit ew'gem Ruhm ſich krönet, Indem er öffentlich den von ſich abgelehnet, Der den Unſterblichen gebührt⸗ Die Helden ſchwuren, als der Frieden Geſchloſſen ward, und ſie nun von einander ſchie⸗ 3 den, 750 Sich ew'ge Freundſchaft zu. Der edle Prinz verehrt Dem Freunde ſein Edoniſch Pferd, Das König Tatius beym Auszug ihm gegeben. Held Leo beut dafür den ſchönſten Helm ihm än. Ein Meiſterſtück Vulcans. Ich weihe dir mein Leben, Sagt er, ſo bald ich einſt darüber walten kann. Hier ſchied das Heldenpaar. Der goldne Sieges⸗ wagen Rollt unterdeß hervor für Numa und die Braut, (So will es Romulus) das Heer jauchzt überlaut Den neu Verlobten zu, und beyder Herzen ſchla— gen. 760 Der hoch entzückte Jüngling ſchaut Nur auf Herſilien, doch mit beſorgter Miene, Er zweifelt, ob er auch dieß Götterglück verdiene. Das Heer, das ſich dem Feſt zu Rom entgegen freut⸗ War über Liris Fluth bereits zurück gegangen, Als athemlos, beſtäubt, mit thränenvollen Wangen Ein Bothe kommt und, wo iſt Numa? ſchreyt. — 166—* Der Prinz befürchtet böſe Kunde Von Tatius zu hören; doch ihm dräut Sn anders Uebel. Rah', nah' an des Grabes Schlun⸗ de 770 Luzi Tullus, ſagt der Both', er ſelber ſandte mich, Es tödtet ihn der Schmerz um dich. Die Trennung ſchon erpreßt' ihm viele bittre Klagen, Doch daß ſein Pflegeſohn ihn ganz und gar vergaß, Rein, dieſes konnt' er nicht ertragen. Er ſteht am Thor des Tods; du aber, Ruma, laß Nicht unerfüllt ſein letztes Flehen, Kemm! brünſtig wünſcht er dich, bevop er ſbe, zu ſehen. Wie Numa dieſe Worte hört, Stürzt er hinab vom goldnen Wagen, 780 Raſch, wie ein Blitz zur Erde niederfährt, Schwingt, ohn' ein Lebewohl Herſilien zu ſagen, Und nach dem Könige mit einem Wort zu fragen, Sich auf das erſte beſte Pferd. Er ſpornt es, läßt den Zügel los und flieget Hin, wo im Todeskampf ſein treuer Tullus lieget. — Gequilt von Angſt und innerm Vorwurf, floh Der arme Numa längſt dem kühlen Anio, Nicht daß er den Triumph, nicht daß er die Ge⸗ liebte Entbehren mußte, war's, was tief ſein Herz be⸗ trübte; Nur die Gefahr des Tullus war es, Scheu Vor deſſen Ahndungen, und wahre, bittre Reu', Daß er von Lieb' und Ruhmbegier beſeſſen, Den edlen Greis beynah' vergeſſen Und ihn vielleicht nur noch erſtarrt Vom Todesfroſt, vielleicht ihn nur als Aſche fin⸗ det. 10 Ach! ſagt er zu ſich ſelbſt, ihm, der mir Alles ward, Der früh mein Herz gebildt, allein mein Glück ge⸗ gründet,* Ihn konnt' ich fliehn? er hielt's für ſüße Pficht, In meiner Kindheit mein zu pflegen; Ich aber pflegte ſein in ſeinem Alter nicht Und hohle kaum von ihm den letzten Vaterſegen. O Vorwurf, der mein Glück vergällt, Mag Rom mich Held und Sieger grüßen, N Der Lärmen des Triumphs, das Jauchzen einer Welt Wird übertdubt vom ſtrafenden Gewiſſen! 60 E „ 170— So klagt der Prinz und ſpornt ſein Roß und flieht Durch's Carſeoliſche Gebieth, Eilt weiter fort, läßt Tibur hinterm Rücken, Den Fall des Anio und den Eretſchen Wald, Bis ſeiner Kindheit Aufenthalt, Der heilge Hain der Ceres, ſeinen Blicken Sich unverſehens wieder zeigt Und aus dem Grün empor deß Tempels Giebel ſteigt. O welch ein ſüß Gefühl erweckte dieſer Ort In ſeiner Bruſt, riſſ' ihn die Angſt nicht fort! 30 Er fleugt nach Tullus Haus. Entſtellet bleich und hager, Voll Schweißes, der ihm kalt aus allen, Gliedern dringt, Bedient von Prieſtern und umringt Von Armen, lieget der auf ſeinem Schmerzen⸗ lager. Der edle Numa ſchreyet laut Bey dieſem Anblick auf, ergreift des Greiſes Rechte, Die er mit Küſſen deckt, mit Thränen überthaut. Der Prieſter öffnet ſein zur längſten aller Nächte Geſchloſſ'nes Aug', und kaum hat es den Sohn erſchaut, So iſt es neu entflammt und über ſeine Wan⸗ gen 40 Das Abendroth des Lebens aufgegangen. Sein Antlitz leuchtet; wie verklärt 6 — — 171— Von einer Gottheit Glanz. Sohn, ruft er, mein Verlangen Iſt nun erfüllt und meine Bitt' erhört. Ich kann dich noch ein Mahl umfangen. O komm an dieſes Herz, damit die Freude mich Nicht eber tödte, komm! hier hebt er mühſam ſich Im Bett' empor und reicht dem Pflegeſohne Die zitternden, die hagern Arme dar. Der küßt ſie tauſend Mahl, fleht mit erſticktem Tone 50 Vergebung und benetzt dem Greis das Silberhaar Des langen Barts mit heißen Thränen. Der Kranke ſinkt(denn dieſe Scenen Erſchöpfen ihm der Kräfte letzten Reſt) Ohnmächtig hin, doch hält er Numa's Hand noch feſt. Die Wächter rings um ihn beſchäftigt, zittern, ſtreben Ihn zu erwecken; ach vergebens! Numa nur Zwingt einen Stillſtand ab der fodernden Natur. Sein Zuruf gibt dem halb Entſeelten wieder Leben Und Sprach' und Augenlicht zurück. 60 Als nun auf Tullus Wink ſich Alle wegbe⸗ geben, Beginnet er, vergeſſend jede Qual: So ſeh⸗ ſo küſſ ich denn, mein Sohn, dich noch ein Mahl! O ſüßeſte von allen Göttergnaden! 3 Nun reiſſe, wann ſie will, die Parze meinen Faden. — 17 2— „ch ſah, ich küßte dich und gerne ſterb' ich nun. Zwar wollte noch der Arm des Todes ruhn Und ganze Stunden mir zum Lebewohl gewähren, So dürfteſt du auch manchen Vorwurf hören. Er aber ruhet nicht, und dieſe Spanne Zeit 70 Erklecket kaum zu meiner Zärtlichkeit. Antworte bloß auf ihre Fragen. B Sprich, lächelte das Glück dir immer zu? Ich hoff' es wenigſtens; ſonſt Numa, hätteſt du Ja einen Drang gefühlt, dein Leiden mir zu klagen. Der Unglückſelige vergißt Der Freunde nicht; erzähle Sohn, erzähle! Denn dieß verweilet noch im Fliehen meine Seele. Und ſterb' ich auch, dir horchend; ſo verſüßt Die Nachricht meinen Tod, daß Numa glücklich iſt. 80 Ich glücklich? nein! ich kann es nicht mehr werden! Es gibt für mich kein Glück auf Erden, Wenn nicht ein guter Gott dich meinen Thränen ſchenkt Und meiner Reu'. Ich flog dem Ruhme nach; in⸗ deſſen Littſt du und weinteſt hier, von deinem Sohn ver⸗ geſſen. O Vorwurf, der mich ewig kränkt! Du redeſt nur von mir, ſo unterbricht der Alte Den Jüngling, da ich doch für hörenswerth nur halte, c—„8„„— 2— „„8 n en, ele. lich Ale nur Geſteht zugleich, wie bitter er's beren', — 173— Was dich betrifft; von dem gib mir Bericht, Da du mich liebſt, vergaßeſt du mich nicht. 90 Beruhige dich ſelber, ſey nicht ſchwerer Befriediget als ich, dein alter Lehrer. Nun auf, mein Sohn, und mir erzählt, Was einzig noch auf eurer Erden Mir wichtig iſt! Und haſt du auch gefehlt, Wann war ich ſtreng' und werd' ich jetzt es wer⸗ den, Jetzt da ich dich verlaſſen ſoll? Er ſagt's, reicht ihm die Hand und lächelt liebevoll, Obwohl in ſeiner Bruſt der Krankheit Schmerzen wühlen. In dieſem Augenblick ſcheint er es nicht zu füh len. 105 Auch Numa's finſtrer Gram zerſtreut Sich nach und nach, und ſanfte Heiterkeit Kehrt in ſein Herz, kehrt in ſein Auge wieder. Das noch umſchleyert iſt mit einem Thränenflor. So hebt die junge Roſ', erſt zu dem Boden nieder Gebeuget von des Sturms wild tobendem Gefie⸗ der, Im neuen Sonnenſtrahl ihr feuchtes Haupt empor. Der Prinz erzählet nun dem Greiſe Treu, wahr und ungeſchminkt, erzählt von ſeiner Reiſe, Erzählt, wie Tatius ihn väterlich empfing, 110 Wie an Herſilien bald ſeine Seele hing, Und er durch Liebe ſiegen lernte, ——————— —— — Daß er, dem Rath des Prieſters ungetreu, Sich je von Tatius entfernte. Sein redlicher Bericht, der ohne Rückhalt iſt, Läßt keinen Fehler unverrathen, So groß er ihn auch dünket; eh' vergißt Er eine ſeiner Heldenthaten. Aufmerkſam hört ihn Tullus an 120 Und fühlet nicht der Krankheit Schmerzen; Doch wie der Prinz geſteht, es herrſch' in ſeinem Herzen Herſilia, da hebt der weiſe Mann Die Augen himmelwärts. An dieſem Wüthrichs⸗ ſtreiche, Grauſame Lieb', erkenn' ich dich, So ruft er kummervoll, zwey Weſen, welche ſich Am fernſten ſind, paarſt du in deinem Reiche. Ein edler Jüngling muß durch dich Für des Tyrannen Tochter brennen, Der ohne Recht, Geſetz und Menſchlichkeit zu ken⸗ nen, 130 tur ſeine Raubbegier, nur ſeinen Hochmuth hört, Der ſelbſt den heil'gen Dienſt Unſterblicher entehrt, Der uns durch Liſt und der Beleidigungen Entſetzlichſte zu einem Bund gezwungen Und unſer blühend Glück zerſtört. Getäuſchter! ach du wähnſt dich auf der höchſten Höhe Des Erdenglücks, weil er zum Eidam dich erkieſ't; Doch dieſes Auge, Sohn, das in der Zukunft lieſ't, Sieht Unheil nur. Dir keimt aus dieſer Ehe tem hſten kunt 5 Zuerſt der Deinigen Verdacht 140 Und dann ihr Haß, du ſelbſt, von Romulus ge⸗ lehret Und trotzend auf die Uebermacht, Wirſt gegen Tatius, ſo ſehr du ihn geehret, So ſehr er dich geliebt, bald mehr, als fremde ſeyn. Denn beyde Könige ſind Freunde nur zum Schein, In ihrem Herzen glimmt ein ew'ger Haß; es brau⸗ chet Nur einen kleinen Wind, der in die Aſche hauchet, So ſchlägt er alſogleich in helle Flammen aus; Du aber, mit des Römers Haus Verbunden, wähleſt dann, wem du in dieſem Streite 160 Anhangen willſt! auf einer Seite ſteht Der Vater deines Weibs, das, ihm zu folgen, fleht, Der König Tatius ſteht auf der andern Seite, Er, jeder Tugend hold, dein und der Deinen Freund, Dein Fürſt durch das Geſetz, durch's Blut mit dir vereint. Doch jener, was dem Haupt von einer Rduber⸗ horde Zu ſeyn geziemt, durch Laſterthaten groß, Gewaltſam, trotzig, wild, mit einem Brudermorde Beginnend, und ſogar das Bündniß, das er ſchloß, Mit des Pompilius, ach! allzu theurem Blu⸗ 160 — 1 7 6— O Görter, kehrt von uns der Strafen ſcharfe Ruthe, Laßt unerfüllt die Ahndung, ſchützt, Schützt unſer Volk und reißt aus dieſes Jünglings Herzen Den gift'gen Pfeil, der Unheil nur und Schmerzen Ihm, uns, den Enkeln bringt, daß er auch künftig treu Der Tugend bleib' und ihre Stütze ſey. So tedete der Greis: doch nichts als Seufzer kamen Aus Numa's Bruſt: der tief Gebeugte ſah Stets auf den Boden hin und ſtand beym theuren Nahmen 170 Pompilius wie ein Verbrecher da. Dem Pflegevater geht der Schmerz des Sohnes nah', Er ſchweigt und ſpart ein Theil von dem Ge⸗ ſpräche s auf ein ander Mahl. Ein Sohn des Aeſculap eilt ſo, damit er nicht zu ſehr den Kranken ſchwäche, Die Arzeneyn mit weiſer Vorſicht ab. 2⁸ Bi Th Von dieſem Augenblick weicht Numa von dem Bette Des Kranken weder Tag noch Nacht. Furcht, er verlier', und Hoffnung, er errette Den theuren Greis, belebet ihn und macht 180 Ihm federleicht des Wärteramts Beſchwerden⸗ er dem 185 Nicht von der zärtlichſten der Mütter kann ein Kind, Dem Lacheſis bereits des Fadens Ende ſpinnt, Sorgfältiger bedienet werden. Heiſcht Tullus ein Getränk, ſo reicht ihm's Numa Fragt er, ſo ſchallt ihm Numa's Wort entgegen, Der will allein des Kranken pflegen, Der tröſtet ihn, verringert die Gefahr, Frißt feinen Gram in ſich, zwingt, daß es Hoff⸗ nung lüge Und daß es lächle, ſein Geſicht, 100 Iſt überall und thut alleine jeber Pflicht Des Freunds, des Sohns, des Knechts, Genüge. Doch lohnet, edler Jüngling, dir Weit mehr Zufriedenheit und ſüßre Luſt dafür, Als du am großen Tag empfunden, Wie du der Marſen Heer und Leo überwunden⸗ Des theuren Kranken Uebel nahm Mit jedem Tage zu und ach! der letzte kam, Doch ohne daß er feig' erbebte, Indem er ſtets, nur um zu ſterben, lebte. 200 Er bleibt ſich immer gleich und fürchtet das Gericht Im Erebus und Minos Strenge nicht. Sein Lohn beginnt mit ſeines Lebens Ende. Beſchäftigt nur mit ſeinem Pflegeſohn, Entfernt er jedermann, ergreift des Jünglings Hände und redet ſo: Der Tod, ich fühl' es, nahet ſchon— Der Dienſt, den du mir jetzt ſo zärtlich, ſo ge⸗ duldig, Ruma Pompilius. I. Th. M — 1 8— So treu geleiſtet haſt, macht unſre Rechnung gleich; Doch nein! nicht gleich, denn ich bin Dank dir ſchuldig Und ſteige gern hinab in Pluto's Reich 210 Mit dieſem ſüßeſten Gefühle. Ich ſteh', den Göttern Preis dafür! an meinem Ziele: In einer Stunde, Sohn, bedarf ich dein nicht mehr. Du aber, dieß allein macht mir das Scheiden ſchwer, Bedarfſt vielleicht noch mein; o Numa, deine Liebe Zu dieſer Kriegerinn erfüllt mit Angſt und Schmerz Mein zärtliches, mein väterliches Herz⸗ Du folgteſt blind dem erſten Triebe, Der bloß Bedürfniß war zu lieben, ach! und weit Verirrteſt du, ein unglückſel'ger Wähler, 220 Und machſt den Augenblick der erſten Trunkenheit Zu einem lebelangen Fehler. Zwey Arten Liebe gibt's; die erſtere, gemein Und heftiger vielleicht, entſtehet durch die Sinnen Und lebt und wächſt durch ſie allein; Denn ihre Feuerſtröme rinnen In unſern Adern nur; ſie beugt, ſie unterjocht Tyranniſch unſre Seel', anſtatt ſie zu erheben, Und ſcheinet darum nur den Sterblichen gegeben, Damit ihr Stolz, der gern auf eigne Größe pocht, 230 ung dir 210 em icht den eine nerz weit 220 ——— Beſchämet und erinnert werde, Daß man umſonſt empor zur Götterwürde ſieht, So lange noch das Kleid von Erde, Der Körper, uns zurücke zieht. Die andre Lieb', ein Kind der Achtung, kennet Nicht wilde Heftigkeit, nur zärtliches Gefühl. Sie iſt kein thieriſch Nervenſpiel, Kein Feuer, das im Körper brennet. Ihe Sitz iſt in der Seel, und dieſe wird durch ſie Erwärmet, aufgeklärt, zu ſüßer Seie 240 Und jeder Tugend hingezogen⸗ Vollkommenheit iſt ihr erhabner Zweck, Sie tilgt, von keinem Schein betrogen, Die niedrigen Begierden weg⸗ Rein, ohne Vorwurf ſind die Freuden, Die ſie gewährt, ſelbſt ihre größten Leiden Nicht ohne Troſt, nicht ohne Süßigkeit, Nicht ohne jenen Seelenfrieden, Den Unſchuld nur, nur ſie den Menſchen beut. Denn Wolluſt, Reichthum, Ruhm ermüden 260 und ſättigen; doch er wirkt immer Glück und Ruh' Und ſeine Süßigkeit nimmt mit dem Alter zu. urtheile nun, zu welcher Art von Liebe Die deinige gehört, o Sohn, und glaube mir, Daoß ich noch gern ein Erdenbürger bliebe, Iſt deinetwegen nur, iſt einzig nur, um dir Ein dauerhaftes Glück zu gründen. Sieg' über jede Leidenſchaft, Die deiner unwerth iſt, ſo wirſt du ſelbſt es finden. M 2 — 180— Auch fürchte nicht, zu zaghaft, daß die Kraft a60 Zu dieſem großen Sieg dir fehle. Für jedes Laſter iſt, als deſſen Gegnerinn, Auch eine Tugend in der Seele. Reißt lüſterne Begier dich zu der Schönheit hin, So wird der Weisheit Arm mit Macht zurück dich halten. Will, wenn die Arbeit lange währt, Dein Eifer nach und nach erkalten; So ruft Beharrlichkeit: Fort, ſort! nicht aufge— hört! Empören ſich in dir des Jähzorns wilde Flammen; So löſchet Ueberlegung ſie. 270 Reißt Ungeduld nach vieler eitlen Müh' Den Faden ab; ſo knüpft ihn wieder Fleiß zu⸗ ſammen. Sd' Tugend in dein Herz und laß es niemahls brach; Sonſt dürfte ſchnell darin des Laſters Unkraut keimen. Nur halte nie dich ſelbſt für ſchwach, Um dir hierdurch ein Recht, zu fehlen, einzuräu— men. Jedoch genug! mir bricht die Stimme ſchon, Mir naht der Tod mit ſchnellem Schritte. Nur noch die dringende, die allerletzte Bitte, Erſticke deine Liebe, Sohn! 280 Sie wird dein Glück auf ewig zu zerſtören, Die Tugend dich vergeſſen lehren, So wie ſie mich, der immer dir ſo werth,„ Werth wie die Tugend war, vergeſſen dich gelehrt. t — 1 8 1 en Hier ſchwand der Kräfte Reſt, die er mit Müh geſammelt. Im Arm des Pflegeſohns ſtarb nun der edle Greis, Rachdem er ihm noch die vom Todesſchweiß Bedeckte Hand gereicht und Liebe zugeſtammelt. Der unglückſel'ge Prinz erlag Dem ſchrecklichen, wiewohl vorher geſehnem Strei⸗ che, 290 Er ſtöhnt und ächzete den ganzen langen Tag⸗ Verzweifelnd, über Tullus Leiche. Man mußte ſie ihm mit Gewalt entziehn, Man mußte wachen über ihn. Bleich, thränenvoll, erſchöpft von Schmerzen* Und mancher ſchlummerloſen Nacht, Die er beym Bett als Wächter hingebracht, Mit blutendem, zerriſſ'nem Herzen Irrt' er umher, verſchmähet Troſt, verſchmäht Selbſt Nahrung und Getränk, und als der Prieſter Hände 300 Den Scheiterhaufen nun erhöht, Schlingt er den Arm um des Entſeelten Lende und trägt ihn ſelbſt dahin, ihm folgt der Prieſter Schaar Und ganz Sabinien, deß Vater Tullus war. Er legt ihn auf das Holz, deckt ihm mit tauſend 5 Küſſen Die blaſſe Stirn und kann ſich nicht, VPon dieſem Trauerplatz hinweg zu gehn, entſchließen. Ach! alſo hab' ich dich auf ſtets verloren! bricht Erſchluchzend aus, nie werd'ich wieder meine Pflicht, — 182— Und wenn ich ihr getreu geweſen, 316 Den Lohn dafür in dieſen Augen leſen! Verſtummen wird der Mund, der ſo beredt und klug Die Tugend pries. Ach! war es nicht genug Die Aeltern Ein Mahl zu verlieren! In meinem Freund verlor ich ſie zum zweyten Mahl. Wer wird mich jetzt durch's finſtre Lebensthal So ſicher und ſo gütig führen? Wie iſt die Welt, die nun nicht mehr Mein Tullus ziert, mir öd' und freudenleer! Gefährten meines Grams, wie ich zum Leid ge⸗ boren, 320 Kommt Arme, Waiſen kommt und küßt PVom Vater, welchen wir verloren, Die kalten Reſte noch, eh' ſie die Flamme frißt! z Er ſagt's, ſie ſtrömen hin, und laute Seufzer 1 ſchallen, 1 Ein unverſtändlich Angſtgetön 3 Erhebt ſich, und nimmt zu; als die Sabiner ſehn, Daß Flamm' und Rauch gen Himmel wogig wallen. Der Prinz ſchwieg lange ſtill, auf einmahl faſſet ihn Der wildre Schmerz; er will betäubet und ver⸗ 31 ſtöret 1 Mit unwillkührlichem Bemühn 330 3 Die Leiche weg vom Scheiterhaufen ziehn, Kaum daß ihm noch mit Müh' der nächſte Prieſter 16 wehret. 33 Doch als das Feur, ſorgfältig angefacht „ 133„ Des Tullus irdiſch Theil verzehret, Verſtummt die laute Klag' und macht Ernſthaftem Schweigen Platz und melanchor ſcher Trauer. Man ſtarrt, nicht ohne heilgen Schauer, Den Staub des Fromien an, man löſcht mit Milch und Wein Den Scheiterhaufen aus, man ſammelt die Gebein' In einer Urne, dieſe ſetzet 340 Der edle Prinz in ſeiner Mutter Gruft Zu ihrer Urne hin und ruft, Indem er ſich daran mit tauſend Küſſen letzet: Ihr Angebetheten, im Leben Freunde, ſeyd Im Tode noch vereint! blickt mit gewohnter Milde Von dem Elyſiſchen Gefilde Herauf auf euern ach! verwaiſten Sohn und freut⸗ So viele Tugenden und Gaben ihm auch fehlen, Doch wenigſtens euch ſeiner Frömmigkeit. Du aber, Fremdling noch im Land beglückter See⸗ len, 350 Nimm, Tullus, dieß Geſchenk, das dir dein Numa weiht. Hier ſchneidet er von ſeinem blonden Haare Der Locken zierlichſte; ſchließt dann das Leichenfeſt⸗ Indem er noch dem Orcus am Altare Zwölf ſchwarze Schafe bluten läßt. Als Numa ſo dem Greis den letzten Dienſt erſtattet, Macht er, wiewohl vom Gram nicht wenig abge⸗ mattet, — 18— Sich auf die Reiſ' und eilt dem Römer⸗Heere nach. Ihm tönte noch im Ohr, was Tullus ſterbend flehte, Was Tullus ſterbend rieth; allein noch lauter ſprach 360 Die' und überſchrie der Freundſchaft Flehn und Räthe. Zwar denket er den Schmerz des Tatius Und ſeines Volks, wenn er in ihre Mauern, Als Eidam ihres Feinds, des ſtolzen Romulus, Zurücke kehrt; ihn ſelbſt ergreift ein Schauern, Daß er den Mörder des Pompilius Und der Pompilia nun kindlich ehren muß. Doch der Geliebten Bild, die Hoffnung naher Küſſe Und böſer Eiferſucht geheime Natterbiſſe, Sind ſtärker, und mit Thränen bath 370 Er oft den Todten, ihm die Schwachheit zu ver⸗ geben. Denn immer meinet er, des Tullus Manen ſchweben Noch ſtets um ihn, als Zeugen jeder That, Die er beginnt, ja ſelber der Gedanken. Durch dieſe Meinung ſteht der edle Jüngling feſt, Sie wird für ihn ein treuer Stab und läßt Ihn auf dem Tugendweg nie fallen oder wanken. Er fördert ſeine Reiſ' und hört In Trebia, daß Romulus, empört, Weil ihm die Herniker den Durchzug abgeſchla⸗ . gen, 380 Run ſie bekriegt, ſein ſiegreich Heer getheilt, Selbſt unverſehens einen Sturm zu wagen, Preneſtens Mauern zugeeilt ehte, ter 360 leha üſſe 370 ver⸗ eben hla⸗ 360 — 185— Und ſeiner Tochter aufgetragen, Am Polk der Herniker des Durchzugs Weigerung⸗ Die, ſo gerecht ſie war, ihm doch Beleidigung⸗ Ihm Schande dünkt, mit ſtrengem Arm zu rächen Und feindlich in ihr Land zu brechen. Herſilia gehorchte nur zu ſehr Und führete dahin die Hälfte von dem Heer. 390 Der Prinz nun, bang vor den Gefahren, Die auf dem Zug vielleicht der kuͤhnen Fürſtinn drohn, Und brennend, ſie zu ſchützen, zu bewahren, Eilt Tag und Nacht ihr nach: ſieh, ſich! er iſt auch ſchon Im Land der Herniker; Gram und Entſetzen faſſen Den Jüngling bey der Spur, die ſie zurück ge⸗ laſſen. Verheerung herrſchet hier; die ſchwachen Feinde flohn Das Römer⸗Heer, mit Schwert und Feuer Verfolgte ſie Herſilia.⸗ Die Ernte lag zerwühlt vom Huf der Roſſe da, A06 Und unverbrannt blieb keine Scheuer, So weit des Wandrers Auge ſah. Der Fruchtbaum, einſt ſo lieblich anzuſchaun, War von der Krieger Schwert muthwillig umge⸗ hauen, Und an den Aeſten hing verfaulet und verdorrt Die große Frucht; nur Elend, Brand und Mord Iſt überall; hier lag bey dem zerbrochnen Pfluge Der Pflüger todt; und eine Mutter dort⸗ So wie ſie noch im letzten Athemzuge — 186— Ihr blutend Kind an's Herz gedrückt, 410 Ihr Kind, ein Blümchen, früh von Mavors Fuß geknickt. Dort junge Gatten, ohn' Erbarmen Gemetzelt, Bruſt an Bruſt und mit verſchränkten Armen. Vey Körpern, welche theils verbrannt ſind, theils erſtickt, Erſcheinen große Haufen Aſchen, Noch mehrere ſind von dem Blut verwaſchen, Das hier in Purpurſtrömen fließt. Mit heiſernem Geſchrey zankt eine Schaar von Raben, Das Einzige, was hier noch lebend iſt, Sich um Herſiliens zurück gelaſſ'ne Gaben. 420 6 3 * 3 18 3 Ihr Götter, rufet Numa hier, Die alſo wird mit blut'gem Kleide prangen Am Brautaltare, die als Gattinn mich umfan⸗ gen? Herſilia! zwar hat dein Vater dir All dieſe Gräuel ſtreng befohlen, Allein wie konnteſt du hierin gehorchen, wie Der Menſchheit ſchweren Fluch dir hohlen? Noch heiliger als ſein Befehl iſt ſie. Es ziemt ſich nicht, daß man durch Laſterthaten Der Fürſten Beyfall ſich erwirbt. 430 Um dieſen Preis wird deß der Edle gern entrathen, Eh' widerſtehet er und ſtirbt. Und ich, der kam, für ſie, zu ihrem Schutz zu ſtreiten, —— ———— —— ———— 4¹9 Fuß kten heils von fan⸗ — 1875 Muß zitternd über Opfer ſchreiten, Die ſie gefällt; mein Fuß iſt feucht vom Menſchen⸗ blut, Das Strömen gleich durch ihre Hand gefloſſen. O Recht des Kriegs, o Siegerwuth! Verfluchte Lorber, die, begoſſen Von armer Waiſen, Bräut' und Witwen Thränen ſproſſen! Und dhn pflückt' ich ſie nur allzu gierig ab. 440 Tod und Verheerung ſind die Folgen jener Ehre, Die ich erwarb, für ſie vergaß ich Thor der Lehre, Die mir der weiſe Tullus gab, Mich blendete der ſtolze Nahmen Sieger, Um ein Gefährte wilder Tieger, Ein Tieger mit zu werden, zog ich aus, Verließ das väterliche Haus, (Das war mir Tatius Pallaſt) und focht und nannte Mich einen Held! Wie anders denk' ich itzt! Nur wer ſein Vaterland, wer ſeinen König ſchützt, 450 Wer Schaaren, welche Geitz und fremde Raubſucht ſandte, Von ſeinem Eigenthum mit unentweihtem Schwert Zurücke treibt, nur der iſt dieſes Nahmens werth. Doch wer den ungerechten Degen Zum Angriff zücket, Blut aus toller Ruhmbegier Und ohne S vergeußt, der iſt ein reiſſend Thier, Die Menſchen loben's zwar; doch bloß aus Unver⸗ mögen, Denn ach! ſie können's nicht an eine Kette legen. 6 1 — —— — 1 8 8 So denkt der Prinz an dieſem Schreckenort Und ſetzet nun die Reiſe nicht mehr fort. 460 Soll er um der Geliebten willen Roch mehr erröthen? Nein! Weg von der blut'gen Spur! Er eilt nach Rom; bey dem Gedanken nur, Daß er ein Krieger iſt, erfüllen Vorwürfe, Reue, Scham und Schmerz, Sein ſanfter Menſchlichkeit nun wieder ſchlagend Herz- Das Kriegsheer war in Rom ſchon eingezogen, Als Numa kam; er eilt durch einen Ehrenbogen Das Capitol hinan; wo in dem Siegerſtaat Der freche Romulus den Göttern auf den Knieen 470 Für all das Böſe dankt, das er den Menſchen that. Ein eitel, laſterhaft und lächerlich Bemühen, Sie gleichſam mit in ſein Complott zu ziehen! Wie Tatius, der bey dem Feſt Mit ſeiner Tochter war, den jungen Held erblicket, Eilt er, ſo ſchnell das Alter eilen läßt, Umarmt den lang' Entbehrten, drücket Vor Freude weinend ihn an's Herz, Bald aber weint er auch aus Schmerz, Als Numa ihm Bericht von Tullus Tode giebet. 480 Ach! ruft er aus, es iſt des Alters Loos Zu überleben, was man liebet. Auch dieſer treue Freund dahin! nun hab' ich bloß Mein Kind und dich und beym Erblaſſen Den ſüßen Troſt, euch zwey beglückt zurück zu laſſen. 6r Di nort 460 blutgen hlagend ezogen, ohen t ieen 470 hen that. en! ahlicet bet. 46 ih lleß zz—˙—˖—˖———˖— Er ſagt's und legt in ſeiner Tochter Hand Die Hand des Numa. Sie erröthet, ſchweiget, bebet, Indeſſen unverrückt ihr Aug' am Boden klebet. Doch Numa's Auge ſucht und fand Herſiſien, und ſchon ſind Tullus weiſe Lehren 490 Vergeſſen. Numa dankt dem König, grüßet kalt Die Jungfrau und blickt weg, ihn zwingt die All⸗ gewalt Der Liebe ſich von ihr zu Romulus zu kehren. Auch der umarmt ihn jetzt, ſtellt ihn dem Polke vor, Und ſpricht, indem mit neubegier'gem Ohr Die Menge lauſchet: Ich, o Römer, triumphirte, Doch war es Numa, er allein, Der den entflohnen Sieg zu uns zurücke führte. So groß als das Verdienſt, muß die Belohnung ſeyn. Nach der fünf Jahre ſchon ſo viele Fürſten ſtre⸗ ben, 500 Doch die zu rühren noch den erſten nicht gelung, Den Gegenſtand der Lieb' und der Bewunderung, Herſilien will ich dem Edlen geben. So ſagte Romulus, von jedem Römer⸗Mund Erſchallt ein froh Geſchrey und laute Wünſche ſtei⸗ gen Zum Himmel auf; doch die Sabinor ſchweigen. Wie wenn ein Donnerſchlag vor ihm der Erde Grund Geſpalten hätte, ſo ſtarrt Tatius; er keuchet, Er ſchnappt nach Luft; ſein unglückſelig Kind Wankt, faſſet ſeinen Mantel, weichet 510 Mit Schrecken hinter ihn, erzittert und erbleichet. Herſilia bemerkt's, Verdruß und Aerger ſind In ihrem Blicke; der des glühnden Numa irret Unruhig von Herſilien Hin zum Sabiner⸗Volk und hin zu Tatien. Doch Romulus ſpricht weiter unverwirret: Am nächſten Morgen knüpf' ich dieſes heil'ge Band. An den mit Spolien behangenen Altären Reicht ſie dem Jünglinge die Hand⸗ Gefeyert ſey dieß Feſt von meinem ganzen Land 520 Durch Spiele voller Pracht, die zehen Tage währen. Beym Worte Spiele zieht nur allzu ſichtbarlich Auf jeglicher Sabiner⸗Stirne ſich Ein Ungewitter auf, ihr König ſchaut gen Himmek, Und Numa auf den Boden hin. Doch Romulus, umringt vom fröhlichen Gewimmel Der Seinigen, fährt fort: Wenn ich entledigt bin Pon den durch Dankbarkeit mir aufgelegten Pflich⸗ ten, So eil ich wieder, ganz und mit erneutem Muth Die königlichen zu verrichten. 530 3 ch Wir haben zwar durch unſer Blut Aurunca euch erkauft; doch dieſes zu beſitzen, Kann ohne Volsciens Erobrung wenig nutzen. Drum wiſſet, euer König zieht Den Panzer wieder an nach zehen Ruhetagen, Und eilet dann in's Volsciſche Gebieth, Auch dieſes ſtolze Volk ſoll unſre Feſſeln tragen. Denn nur zum Krieg ſeyd ihr geboren; Krieg allein 510 nd 520 vähren. immeh wimmel gt hin vi⸗ NMuth 530 Kann Einzler Zuſtand wahrhaft beſſern, Kann unſern Staat erhalten und vergrößern. 546 Der Friede würd' euch ſtets der Uebel ärgſtes ſeyn, Würd' allen Muth aus eurer Seele nehmen Und durch die Weichlichkeit den Heldenarm euch lähmen. Im Gegentheil bedenkt, ob eine Nation Euch je beſtehen kann, wenn ihr gewohnt, den Degen Nie aus der Siegerhand zu legen, Ihr, denen nichts ſo lieblich, als der Ton Der Tuba klingt, ſie anfallt, deren Rechte Das Gift des langen Friedens ſchwächte Laßt, zwar ein Fall, der kaum gedenkbar iſt, 550 Laßt jenen Muth ihr Heer beſeelen, Der uns beſeelt, wir ſiegten doch; denn müßt' Es ihnen nicht an Kraft und an Erfahrung fehlen? Zwey Eigenſchaften, nur durch Zeit Und Waffenübung zu erlangen! Eh' ſie des Mavors Kunſt zu lernen angefangen, Sind ſie vertilgt, vertilgt Trotz aller Tapferkeit⸗ So laßt uns denn von Volk zu Volke fliegen Und bald Italien, ſo groß es iſt, beſiegen⸗ Stets mit dem Schwächeren vereint, 560 Laßt uns den Mächtigern bekriegen Und fällt nur der, ſo muß auch unſer Freund Als Sclav' in unſer Joch ſich ſchmiegen; So handelnd, ſeyd ihr deß, was Jupiter verhieß, Der Herrſchaft einer Welt gewiß. Es iſt erlaubt, der Götter höchſten Willen, Durch welche Mittel ſich's auch füge, zu erfüllen —— ———— — 1 9²— Es iſt erlaubt, zum Sieg zu gehn, gleich viel, Auf welchem Weg! gelangt man nur zum Ziel. Daß alſo künftig auch nie euer Eifer wanke! 570 Krieg ſey der bleibende Gedanke In jeder Römer⸗Bruſt! Krieg ſey, wann ihr erwacht, Stets euer erſtes Wort, Krieg euer Traum bey Nacht! Laßt andre Völker nur mit Schweiß die Erde dün⸗ gen/ Und durch Mercurs Gewerb' in ihr geſchäftig Land Entfernter Welten Schätze bringen, Sie ſd'n, ſie ſammeln nur für unſre Siegerhand. Auch iſt es Pflicht, daß ſie die Erde bauen, Da ſie der Erde Kinder ſind. Euch, Sprößlingen des Mars, ziemt edles Selbſt⸗ vertrauen, 580 PVertraun auf euer Schwert, das euch die Welt ge⸗ winnt⸗ Ja! ſie iſt euer großes Erbe, Drum nehmt, was durch den Schluß der Götter euch gehört, O nehmt's zurück, und wer es euch verwehrt, Wer euer Eigenthum euch vorenthält, der ſterbe! So redet Romulus. Mit jubelndem Geſchrey Fällt ſeinem Uebermuth das ganze Kriegsheer bey⸗ Doch murrt das Volk. So ſummen, wenn man ihnen Das Honig rauben will, die aufgebrachten Bienen. Sie fliegen hin und her in dem beſtürmten Haus 590 Und endlich ziehen ſie, nicht ohne Stacheln, aus⸗ — ² — acht, bey dün⸗ and nd. elbſt⸗ 580 lt ge⸗ zöttet Faßt ſich, erſteht von ſeinem Sitze, Kein Römer ehret mehr den Muth, der dich ent⸗ — 193— Doch Tatius, des ſchwer bedrängten Volkes Streckt aus den Zepter und gebeut Stillſchweigen; Alles ſchweigt mit Ehrerbiethigkeit. Denn ſeine Miene voller Güte, Sein Schneehaar, ſeine Stirn, worein die Zeit ſo viel Der tiefſten Furchen grub, erweckten dieß Gefühl Selbſt in dem rauheſten Gemüthe. Nur Romulus ſcheint unmuthsvoll 606 Den edlen Mann, ja zürnend anzuſtaunen. Gleich Wolken ziehet er die ſchwarzen Augenbrau⸗ nen Zuſammen; alſo ſah mit Groll, Der bald in Flammen ausgebrochen, Zeus auf Saturnus einſt, der frey ihm widerſpro⸗ chen⸗ Du, ſagt nun Tatius, Gefdhrt' im Herrſcheramt, Weißt, daß ich ſtets gern deinen Ruhm dir gönnte, flammt, Und deine kriegriſchen Talente, Als ich ſie ehre, ja! nie ſah ich einen Held, 610 Den ich mit dir vergleichen könnte. Doch dieſer Titel iſt zum wahren Wohl der Welt Für Fürſten nicht genug; der Titel Vater klinget Weit ſüßer noch. Sieh auf die Kriegerſchaar, Die deinen Herrſcherſtuhl umringet Und ſtets dein Augenmerk, dein Stolz, dein Alles war. Numa Pompilius. 1. Th. N — 1 9 4 Ich weiß es, du erblickſt nicht ſonder innre Freude Den Speer in ihrer Hand, ihr funkelndes Ge⸗ ſchmeide. Du nenneſt ſie gern Söhne; doch verzeih, Die größre Schaar des Volkes hat nicht minder 620 Ein Recht auf deine Lieb', auch ſie ſind deine Kinder⸗ O hör ihr ängſtlich Birtgeſchrey! Sie, in dem halb zerriſſ'nen Kleide, Bezahlten mit dem Geld, woran ihr Blut geklebt, All dieſe funkelnden Geſchmeide. Horch, wie zu dir ſich Eine Stimme hebt: Entreiß uns nicht das Brot, die Gatten und die Söhne! Zu lange ſchon ſloß Plut auf Blut, floß Thrän' auf Thräne, O ſpare doch die Kinder, Romulus! Laß dir der Väter Tod genügen. 630 Vor allen nenne nicht die böſe Sucht zu kriegen Religion und Göterſchluß, Denn die Unſterblichen gebiethen Ruh' und Frieden, Ihr herrlichſtes Geſchenk, die erſte goldne Zeit, Ward nie durch blut'gen Kampf entweiht, Und friedlich herrſchete Saturnus ſelbſt hiernieden. Der Preis ward im Olymp Minerven zuerkannt, Richt weil ihr Speer das Blut der Feinde trinket, Nein, Romulus! weil ihre Hand Den Oehlbaum liebevoll dem Schooß der Erd'ent— winker. 640 Du ſagteſt, durch den Krieg allein Werd Einzler Wohl erreicht, müſſt unſer Staat ge⸗ deihn⸗ ude ddie vauf 630 en ieden, it, den⸗ nk, aet, d enl⸗ bi t Re⸗ — 195— Doch wo ward je die Nation gefunden, Die dauerhaftes Glück durch einen Krieg gewann, Doch viele ſind, dieß zeigt dir Clio an, Durch Krieg vom Angeſicht der Erde weggeſchwunden⸗ Erhielt ſich Theben wohl durch Krieg? Erhielt es ſich, Trotz ſeinem wider ſieben Vereinte Könige glorreich erfochtnen Sieg? Ja dein Aeneas ſelbſt, aus Aſien vertrieben, 650 Aus Aſien, worüber königlich Sein Ilium geherrſcht, beweiſet wider dich. Der Krieg, ſag' ich, iſt immer eine Seuche, Und wenn er lange währt, der Tod für König⸗ reiche⸗ Du Mitgenoß der königlichen Macht, Du, Herrſcher eines Volks, das ſchon für deinen großen, Zu weit ausſehnden Plan ſo vieles Blut vergoſſen, O ſpare doch den Reſt, und ſorge Tag und Nacht, Daß es durch Frieden ſich vermehre Und von dem königlichen Rom, 660 Dem Herzen unſers Staats, in einem ſanften „ Strom Nach den erſchöpften Adern kehre. Wir leben ja von Feinden unbedräut In einer ſtolzen Sicherheit, Und groß ſind die Eroberungen, Die Früchte deiner Tapferkeit. Laß dieſe Völker nun, ſo du durch's Schwert bezwun⸗ gen, Uns glücklich machen. Ach! ſo ſorgenvoll ich bin, So reicht doch meine Sorg' und Wachſamkeit nicht hin, N 2 — 196— Der Ungerechtigkeit, dem Elend ſtets zu ſteuern 670 Und unſre Jünglinge zur Tugend anzufeuern. Sey, ich beſchwöre dich, ſey mein Gehülfe jetzt, In dieſem heiligen, in dieſem großen Werke! Die Gränzen ſind, Dank deiner Heldenſtärke, Schon weit genug hinaus geſetzt. Laß nun darin von einer Stadt zur andern, Triptolemus und Libern gleich, Den Menſchen wohlzuthun, uns wandern, Und wenn uns, jede Thrän' in unſerm weiten Reich Zu trocknen, jede Stirn auf ewig zu erheitern, 630 Gelungen iſt, dann Romulus, Dann denken wir daran, die Gränzen zu erweitern. Hier ſchwieg der ernſte Tatius. Er ſchwieg, doch nicht das Volk, denn laute Bit⸗ ten füllen Zum zweyten Mahl die Luft; der Krieger ſelber bleibt Nicht ungerührt: mit Widerwillen Bemerkt es Romulus, ſein wilder Eifer treibt Ihn wieder für den Krieg zu ſprechen. Doch Weiber, Greiſ' und Kinder unterbrechen Ihn bey den erſten Worten ſchon. 690 Den Frieden gib uns, Götterſohn! Nimm alles, was uns je Fleiß oder Glück be⸗ ſchieden, Nimm alles hin! nur gib uns Frieden. O meine Kinder, ſo beginnt Nun Tatius und eine Thräne rinnt, Indem er ſpricht auf ſeinen weißen, ſeich 660 tern. 690 be⸗ —— —— — ——— Ehrwürd'gen Bart: Ich kann den Frieden euch verheißen. Als Einzelner, als Freund und Nachbar trat Ich vorher auf, als ich um Frieden bath, Jetzt darf ich frey als Mitregent ihn heiſchen. 700 Und ſollte König Romulus, Was nicht zu fürchten iſt, die ſüße Hoffnung täu⸗ ſchen; So eilen wir vor's Thor, durch das er ziehen muß⸗ Und halten da umarmt die Muttererde, Dann ziehet ihr, die, kriegeriſch geſinnt, Ihm folgen, zieht auf angeſporntem Pferde⸗ Weg über König, Weih und Kind. So ſpricht der Fürſt und lautes Weinen Folgt ſeiner Red', es weint ſogar das Heer, Der trotzige Soldat, aus deſſen Hand der Speer 710 Schon lange ſank, umarmt die Seinen Und rufet, auch gekehrt zum Thron Des harten Romulus: den Frieden, Götterſohn! Er, was ihm noch in ſeinem ganzen Leben Nie widerfuhr, gezwungen nachzugeben, Verbeißt die Wuth, geſteht mit einem finſtern Blick Den Waffenſtillſtand zu und ziehet im Geleite Der Celeres, die ſtets an ſeiner Seite Auf Winke lauern, ſich in den Pallaſt zurück. Kaum war er fern von dem Verſammlungs⸗ . orte, 720 ſtrömt ſein Zorn, ein ungedämmter Fluß, In Flüch' aus wider Tatius. — 198—— Und die bedenklichen, mit Unheil ſchwangern Worte Entfielen ſeinem Mund: So kann denn nichts ge⸗ deihn? Muß dieſer läſt'ge Greis mir ſtets entgegen ſeyn, Wenn ich den Weg zum Ruhme mir hereite! Hab' ich denn keinen Freund, der mich von ihm befreyte 2 Nur allzu wohl vernahm man, was er ſprach. Herſilia folgt ihm in Eile, Doch Numa folget ihr nicht nach. 730 Gedankenvoll, gelehnt an eine Säule, Vergleicht er mit der Raſerey Des Mannes, den er bald wird Vater nennen müſſen, Die Tugenden des Edlen, den Gewiſſen Und Königspflicht geſtärket, daß er frey Für ein bedrängtes Polk zu ſprechen unternommen. Der arme Jüngling ſteht beſchämt, gekränkt, be⸗ klommen. Da ſagt ihm, ſeine Hand ergreifend, Tatius: Bekriegeſt du auch mich, o Sohn des Romulus? Mit rötherem Geſicht und bittern Thränengüſ⸗ ſen 74⁰ Wirft ſich der Prinz zu ſeinen Füßen. Vergib, ſo ſagt er ihm, mein theurer König! ach! Ich wage nicht zu dir die Augen zu erheben. Vergib dem Armen, der zu ſchwach Wenn du mich liebſt, will ich dir gern vergeben, Antwortet Tatius, nur dieß verheiße mir. Du haſt dich heimlich ſelbſt verſchenket, zorte s ge⸗ ſehn, ihm rach. 530 nnen nnen. be ulus! ngüſ⸗ 74⁰ — 199— Zu einem Band, das, ich geſteh' es dir, Die Herzen der Sabiner kränket. Kaum glaub'ich, daß hierzu der weiſe Tullus rieth. 750 Doch wenn es dich begluckt, ſo dürfen wir nicht klagen, Doch dieß erlaubet ſich dein Tatius zu ſagen, Daß er auf Romulus mit ſtillem Reide ſieht. Er hätte ſelbſt dein Vater gern geheißen: Und wenn es dem, den du dazu gewählt, An warmer Zärtlichkeit, an Eifer jemahls fehlt; So komm an dieſe Bruſt! der Froundſchaft Bande reiſſen Bey edlen Seelen nie; ich ſchätze mich beglückt, Wenn ich erleichtern kann, was deine Seele drückt⸗ Er ſprach's, entfernet ſich und läßt in Numa's Herzen 760 Beſchämung, Gram und Reu'; allein der Liebe Schmerzen Sind heftiger; der Prinz eilt der Geliebten zu, Die ſo, wie er, von Amors Flamm' entzündet, Voll Sehnſucht ſeiner harrt in ihren Augen findet Er Liebe zwar, doch keine Ruh'. Schon ſchmückt man den Pallaſt zu ſeiner Hoch⸗ zeitfeyer Auf morgen aus; er wiederhohlet ſich, Wie viel er litt, und wie nun doppelt theuer Herſilia ihm ſey; umſonſt! das Glück entwich, Von innerm Vorwurf weggetrieben, 77⁰ Und kein Bemühn ruft dieſen Himmelsgaſt In ſeine Bruſt zurück. Ach! Numa möchte faſt Wie eh'mahls ohne Hoflnung lieben. — — ——— ———— 33 1 — 200— Gequält von ſtäter Angſt, ermattet von der Pein Der Liebe, lenket er die Schritte nach dem Hain, Wo er zuerſt Herſilien gefunden. Hier hofft er Linderung für ſeine Seelenwunden. Der Ort iſt ihm ſo werth, ihm iſt das Traumgeſicht So gegenwärtig noch. Hier, wie er ſich verſpricht, Wird ihn Minerva ſelbſt von ſeiner Unruh' heilen. 780 Die Hoffnung treibt ihn an, dem Tempel zuzueilen, Doch horch! welch eine Stimme ſchallt Zu ſeinem Ohr beym Eingang in den Wald? Ihn dunkt, er kenne ſie Trotz den gebrochnen Tönen, Es ſcheint ein Sterbender zu ſeufzen und zu ſtöhnen. Er zieht das Schwert und eilt zu Rach' und Ret⸗ tung kühn. Ihr Götter! Tatius liegt blutend auf dem Grunde. Vier Meuchelmörder ſind um ihn Und eines jeden Dolch bohrt eine tiefe Wunde In ſeine Bruſt. Mit einem lauten Schrey 790 Fleugt Numa her, durchbohret zwey Der Ungeheuer, zwey entfliehen. Zu ſpät! Zwar iſt der Prinz bereits auf ſeinen Knieen, Durchſucht die Wunde, dämmt des Blutes lauen Strom Mit ſeinem eignen Kleid und will noch nicht verza⸗ gen⸗ Will Külfe ſuchen und nach Rom Den unglückſel'gen König tragen. Doch dieſer flehet ihm: Halt ein, mein theurer Sohn! Der Tod iſt nah'; ich ſeh', ich hör' ihn ſchon, Und danke noch den Göttern, denn ſie laſſen 800 Mich ſo, wie ich gewünſcht, in deinem Arm erblaſſen. en ze⸗ 0 300 ſen⸗ 8 201„ 5 U Nur wiſſe, die mich jetzt gemordet, thaten es Auf Romulus Geheiß und waren Celeres, Ja einer rief, indem er meine Bruſt durchſtochen: Thor! nimm den Frieden hin, für welchen du ge⸗ ſprochen. Du Numa, der du bald des Mörders Eidam biſt, Kannſt deines Königs Tod nicht rächen, Doch etwas fleht er dir, das ihm weit theurer iſt: Für ſein verwaiſ'tes Kind ſollſt du ihm Schutz ver⸗ ſprechen. Ihr Adel und ihr Recht an den Sabiner Thron 810 Wird bald vielleicht für ſie ein kerkerwerth Ver⸗ brechen. Dafern nicht du, o mein geliebter Sohn! Für ſie als Bruder wachſt, wer wird ſie retten können? Als Bruder, ach! ſie ſollte dich Mit einem ſüßern Nahmen nennen, So hofft' ich, doch die Hoffnung täuſchte mich. Wie gern hätt' ich mein Kind und meine Königsbürde Dir anvertraut, und ſonder alle Würde, Als deines Vaters nur, mein Leben hingebracht. O ſüßes Bild, als wirklich ſchon gedacht, 320 Bis ſtrenger Götter Schluß den Irrthum mir miß— gönnte, Der lange Zeit ſo glücklich mich gemacht, Und itzt mir noch den Tod verſüßen könnte! Doch wenigſtens erfülle du Großmüthiger, die wehmuthsvolle Bitte, Die ich vor jenem ernſten Schritte In's Schattenreich, dein Knie umfaſſend, thu. Schutz für mein Kind, für die verlaſſne Waiſe! ——— — —— —— —— ————— —— — —— —— ———— — 20 2— Ihr Vater iſt durch's Blut mit dir vereint, War deiner Aeltern, dein und deines Tullus Freund; 830 Und er beſchwöret dich—— Ja Theurer, fällt dem Greiſe Der Prinz in's Wort, ich will ihr Schutz, ihr Gatte ſeyn, All die Gefahren, ſo ihr dräun, Von ihrem theuren Haupt auf meins zu lenken ſuchen Und ihres Mörders Haus verabſcheun und verfluchen. O tugendhafter Jüngling, dieß Hab' ich gehofft, ſagt Tatius, mit Freuden, Und deiner Redlichkeit gewiß, Kannich nunmehr von hinnen ſcheiden. So ſagt der Greis und drückt den Jüngling an ſein Herz, 340 Doch jetzt erſtarren ſeine Glieder, Sein Auge bricht, er ſtirbt; und ſieh, betäubt vom Schmerz Sinkt Numa auch an ſeiner Seite nieder. Uus 830 tdem. Gatte uchen ſchen. ng on 4 8 0 k tvom * Auf den Gefilden lag zwey Stunden ſchon die Nacht, Als Numa blaß und krank dem Ohnmachtsſchlaf ent⸗ wacht. Die blut'ge Leiche füllt ſein Herz mit neuen Schaudern Und mit Erinnerung an ſeinen heilgen Eid. Er ohne Reu' und ohne Zaudern Gehorchet ſeiner Pflicht, und aus Beſorglichkeit, Daß man vielleicht den Leichnam ihm entwende, Beladet er ſich ſelbſt damit Und gehet gegen Rom, nachdenkend, Schritt für Bis er zur Wache kommt. Hier gibt er in die Hän⸗ 10 Zwey redlicher Sabiner ſeine Laſt Mit dem Befehl, nach Rom ſie ehrfurchtsvoll zu tragen. Er ſelber eilt voraus in Tatia's Pallaſt, So ſchonend, als er kann, die Nachricht ihr zu ſagen⸗ Die arme Fürſtinn ſaß beklemmet, unruhvoll Und webt' ein Purpurkleid beym blaſſen Lampen⸗ ſcheine Für den geliebteſten der Fürſten; Ahndung ſchwoll Ihr in der Bruſt und fuhr, wie Eis, durch die Gebeine. Das Webeſchiff entſinket ihrer Hand Und auf dem Boden ruht ihr Auge nie verwandt. 20 — = —— ——— —— e 20 6— Mit Einem Mahle ſteht, ſein Kleid mit Blut beſtrömet, Und Jammer auf dem Angeſicht, Der Prinz vor ihr; ſie bebt und fraget nicht. Auch ſeine Zunge ſcheint gelähmet, Bis er zuletzt nicht ohne Stammeln ſpricht: Dein Geiſt, o Tatia, iſt edel, iſt erhaben, Iſt in dem Unglück groß; die Götter prüfen heut Dich ſchrecklich, aber denk, daß ſie in jedem Leid Uns auch zwey Tröſterinnen gaben, Die Freundſchaft und die Tugend. Hier 30 Schweigt Numa ſtill, und weit eröffnet ſich die Thür. Die Krieger treten ein mit ihres Königs Leiche. Und wie gerührt vom Donner, fällt die bleiche, Erſtarrte Jungfrau hin nach einem lauten Schrey. Im Augenblicke fleugt ein Schwarm von Diene⸗ rinnen Zur Rettung athemlos herbey. Sie ſchlägt die Augen auf; doch ſcheinen ihre Sinnen Noch ſtets betäubt; die Zunge klebt Am Gaumen; keine Thränen rinnen, Kein Seufzer, keine Klag' entſchwebt 40 Dem Buſen, welcher ſtets ſich ſchwer arbeitend hebt. Der Prinz befiehlt nunmehr die Leiche wegzu⸗ tragen, Mit ihr verſchwand der Fürſtinn ſtummer Schmerz;„ Und ſchon erleichtert ſich durch Seufzer, laute Klagen — 207— Plut Und Thränen ihr gepreßtes Herz. Er heißt die Sclavinnen mit Sorgfalt ihrer pflegen. Den Leichnam aber, wohl beſalbt mit Spezereyn, Auf's hohe Purpurbette legen; Und, daß die Argliſt nicht in den Pallaſt hinein i Zu der Verwaiſ'ten dring', umgibt er ihn mit Wa⸗ chen, 50 en, Dann muß er, ſchwere Pflicht, ſchwer, wie der eut Hölle Pein! eid Zu Romulus, ihm kund zu machen, Er könne nun nicht mehr ſein Eidam ſeyn. 30 c die Er wankt, denn ſeine Füße tragen . Mit Mühe nur des Körpers ſchwere Laſt, Er wankt zu Romulus Pallaſt, 5 Der, die er liebt, auf ewig zu entſagen⸗ Ein Glück, das er durch Blut gewann, Ein Glück, das niemand mehr ihm jetzt entreiſſen 1 kann,. Das muß er ſelber ſich entreiſſen, 60 Muß wandelbar, muß falſch und untreu heißen. ihr Bey dieſem quälenden Gedanken ſteht er an, Und ſeine Tugend wankt; doch tritt im ſchweren Streite Der Geiſt des Tatius und Tullus ihr zur Seite, 0 Erinnert ihn an das, was er verſprach, het Und ſtellt ihm vor, daß nichts als Unglück nur und Schmach wegiu In einer Eh' ihm folgen könne, Die Bruch der Pflicht und Bruch des Eids be⸗ met⸗ gönne, —— ——— Wo er die Tochter deß, der all der Seinen Feind Und Abſcheu war, und Trotz der falſchen Größe! 76 Als Königsmörder nun erſcheint, In die verliebten Arme ſchlöße. Er geht gedankenvoll bis in den innern Saal, In welchem Romulus beym feyerlichen Mahl Mit trüber Stirne ſitzt, von Höflingen umringet, Wovon kein einziger, ſo ſehr ſie ſich bemühn, Ein Lächeln ihm vom blaſſen Mund erzwinget. Des Laſters Folgemagd, die Reue, qudlet ihn, Und wenn er die zum Schweigen bringet, Die Angſt, er werde wohl dem Argwohn nicht ent⸗ fliehn. 80 Er ſitzet ſtumm und bald verſtummen alle, Herſilia nur ſucht den König zu zerſtreun, Und ſingt zum Saitenſpiel von der Titanen Falle, Und wie hierdurch der große Zeus allein, Wiewohl er fremdes Recht verletzet, Auf ſeines Vaters Thron ſiegprangend ſich geſetzet. In dieſem Augenblick tritt Numa ungeſtüm Vor Romulus; es grauet ihm, Den Mörder ſeines Freunds zu ſprechen. Doch faßt er ſich und denket ernſtlich dran, 90 Daß ein Monarch, und haͤuft' er auch Verbrechen, Die Ehrfurcht nie verwirken kann. Herr! ſo beginnet er, von Meuchelmörderſtichen Sank jetzt dein Mitregent, der edle Tatius. Zwey Mörder tödtet' ich, die andern zwey entwichen Und bleiben, bis der Götter Schluß Die Blutſchuld ſelber ſtraft, wahrſcheinlich unentdecket 7—) 7—) —„8—„ e get⸗ ent⸗ 30 lle tzet. 90 chen, vichen decket — 209— Und ungeſtraft. Du weißt es, Romulus/ Daß dieſes Blut, das noch mein Kleid beflecket, Mit meinem Blut aus einer Quelle floß. 100 Doch wie ich ihn verehrt, wie groß Mein Dank für ſeine mehr als väterliche Güte, Wie tief dem liebenden Gemüthe Er eingepräget ſey; dieß König, weißt du nicht. Ich komme nun und leiſte ſeinem Schatten Die heiligſte, die ſchwerſte Pflicht. Ich war beſtimmt zu deiner Tochter Gatten, Noch brennt mein Herz für ſie, mehr, als es je ge⸗ brannt; Doch reich ich Tatien als Bräutigam die Hand, Das heiſcht mein Eid, dem Sterbenden geſchwo⸗ ren. 110 Herſilia iſt ſtets für mich verloren Und mit ihr alles, Ruh' und Glück. Ich gebe dir, o Fürſt, dein Wort zurück, Und fleh': vergönne mir, daß auf der weiten Erde Ich nun der Elendſte von allen Menſchen werde. So ſaget er und ſchweigt und ſenkt den trüben Blick⸗ Erwartung ſteht auf den Geſichtern allen, Und jeder Höfling kehrt das Aug' auf Romulus, Damit er weiß, was er nun fühlen muß, Erbittrung oder Wohlgefallen. 1265 Erſchüttert läßt Herſilia Die Leyer aus der Linken fallen, Daß überlaut die goldnen Saiten hallen. Der KSönig ſelber ſitzt, wie angedonnert, da, Doch endlich wacht er vom Erſtaunen, Ruma Pompilius. 1. Th⸗ O — 210— Als wie von Träumen, auf; ſein Auge feuervoll Blitzt unter ſchwarzen, wild verzognen Augenbrau⸗ nen Und alſo ſagt er, kaum Herr über ſeinen Groll: Des Mitregenten Tod kam ſchon zu meinen Ohren, O Jüngling, auch iſt mein Befehl ertheilt, 130 Und ein getreuer Trupp von Kriegern auserkohren, Der durch mein ganz Gebieth nach den Verbrechern eilt. So prächtig du auch von dem Dank geſprochen, Den du dem Todten ſchuldig biſt, So lebhaft auch dein Eifer ausgebrochen; So glaube doch, ein König iſt Noch eifriger, als du, den Königsmord zu rächen. Allein ſo gut ich ein Verbrechen Zu ſtrafen weiß, ſo gut, o Jüngling, weiß ich auch Den Stolz zu bändigen und den von Hochmuths⸗ rauch 140 Benebelten ein Ziel zu ſtecken. Ich unterſage dir, die Hand Nach Tatien als Bräutigam zu ſtrecken, Gefährlich für den Staat wär' dieſes Eheband. Erzeugt aus fürſtlichem Geſchlechte, Vereintet ihr die eingebildten Rechte Auf ihres Vaters Thron, der mir allein gebührt. Doch daß du jugendlich, von Schwärmerey verführt, Herſilien entſagſt, kann meinen Stolz nicht kränken, Ich will vielmehr von jener Höh', 150 Auf welcher ich mit meiner Tochter ſteh, De Un —„) l brau⸗ einen 130 hren echern u, ichen. hauch utho⸗ 14⁰ hrt⸗ führt⸗ inken/ 15⁰ Und eilt in Tatiens Pallaſt. 212— Des Mitleids Blick auf dich herunter ſenken Und nur an deine Dienſt' im Marſen⸗Kriege denken. Nachdem der König dieß in rauhem Tone ſprach, Den er zu mildern ſich, wiewohl umſonſt, befliſſen, Entläßt er ſeinen Hof und eilt ins Schlafgemach, Verfolgt vom ſtrafenden Gewiſſen⸗ 5 Herſilia ſtürzt ihrem Vater nach,— Läßt Ruma, der noch vieles flehen, Noch vieles ſagen will, in der Betäubung ſte⸗ hen, 160 Beißt ſich die Lippen wund und ſchleudert einen Blick Voll Hohn und Wuth auf ihn im Scheiden noch 156 zurück. er auch in ſeine Seele dringet, Iſt heilſam und erleichtert ihm Ihr Blick, ſo tief um viel die ſchwere Laſt des Opfers, das er brin⸗ get. Des Paters Wuth, der Tochter Ungeſtüm Weckt ſeinen Stolz und ſtärkt ihn, nicht zu wanken In dem Entſchluß, den er gefaßt. Er ſpinnet ruhiger Gedanken aus Gedanken 170 Verzeihe, daß ich dich im Jammer unterbreche, So ſagt er ihr, verzeih, daß ich ſo gar Von Hymens Band und von dem Brautaltar . O 2 — 212„— In Mitte deiner Thränen ſpreche. 6 Doch nahm dein Vater ſelbſt in Tode meinen Eid, 3 Daß ich der Deine werden würde, Mit Freuden auf und ſchwur, daß nun der Leiden 3 — Bürde Ihm leichter ſey; drum auf! Uns eilends zu ver⸗ d loben, Un Erheiſchen Umſtänd', Ort und Zeit. Er Mag Romulus, der dieß uns ungerecht verbeut, 180 B Wie ein gereitzter Löwe toben, 3 Ich, ein Sabiner, acht' es nicht.. Nur den Geſetzen unterthänig, 3 Erkennen wir allein als Herrſcher un ſern König, Ihm nach dem Tode noch gehorchen, das iſt pficht. ² Zwar hat Herſilia, ich will es nicht verhehlen, 2 PVordem mein Herz entzückt, doch ſeit dein Vater 2 ſtarb, S Durch die vom Romulus gedungnen Mörder ſtarb, S Wollt' ich mir eh' mit dir Tod und Verbannung 16 wählen, 6 6 Als mit Herſilien den Thron. 190 ¹ 5 Genügt dir dieß Gefühl, ſo reiche mir zum Lohn 2 18 Als Braut die Hand; ich will all die Gefahren d 1 theilen, 1 Die Romulus dir droht; nur Theure, laß uns eilen. 1 ½ Denn da Verſchub uns ewig trennen kann, . So darf kein Augenblick uns ungenützt verlaufen. 6 An deines Vaters Scheiterhaufen Zund' ich die Fackeln Hymens an. C Die löſche Romulus mit Röm'ſchem Uebermuthe, 2 ———— — S* nEid, Leiden zu ver⸗ it, 180 Fönig, as iſt en, Poter ſtarb/ annun 190 Lohn efohren nʒ eilen⸗ nuthe/ Er löſche ſie, doch nur in meinem Blute. So ſagt er Tatien; und ſie, die lange ſchon, Doch hoffnungslos, für ihn die ſtärkſte Liebe nähret, Trinkt gierig ſeiner Stimme Ton, 200 Bewundert zärtlicher als jemahls und verehret Den edelmüth'gen jungen Mann, Und nimmt erröthend ihn zu ihrem Schutzgott an. Er faßt nun ihre Hand und ſchwöret Nun, ſeit ihn Romulus bedroht, Entſchloſſener als je, ihr Treu' bis in den Led. Dann denket er daran des guten Königs Reſte Zu ehren, wie ſich's ziemt, mit prächt'gem Leichenfeſte. Früh bey Aurorens erſtem Schein Eilt ſchon ein Trupp Sabiner in den Hain, 210 Damit ſie Bäume dort zum Scheiterhaufen fällen. Der edle Ruma hält's für eine ſüße Pflicht, Sich auch zu ihnen zu geſellen. Schon will er eilen, doch— täuſcht ihn ſein Auge nicht? Er ſieht Herſilien in ſeinen Weg ſich ſtellen Und um ein heimliches Gehör Demüthig flehn? Weh ihr! es iſt nicht mehr Die Viegtinn⸗ die ihr Schwert in Heldenbuſen drückte Und erſt voll Wuth und Hohn auf Numa nieder⸗ blickte, Ein Hohn, der durch ſein Herz gleich einem fuhr. 220 Es iſt die Liebende, die Unglückſel'ge nur. Ihr Buſen ſteiget auf und nieder unter bangen — 214— Uund ſtäten Seufzern, ihre Hand Erzittert, wild zerſtreut ſind Locken und Gewand, Gefurcht von Thränen ſind die Wangen, Die Augen matt davon und blitzen unterm Flor Der Traurigkeit noch reitzender hervor. Du ſiehſt, o Numa, ſo beginnet Die Jungfrau, hier der Liebe ganze Macht, Sie hat zu dir Herſilien gebracht, 23 Obgleich des Mavors Blut in ihren Adern rinnet, Obgleich gerechter Stolz ſtets ihre Bruſt geſchwellt. Dieß, Undankbarer, ſey dir eine große Probe, Wie ſehr die Leidenſchaft in ihrem Herzen tobe. Herſilia muß flehen und erhält Vielleicht nicht, was ſie fleht. doch brechen. Wir hiervon ab, um nur von dir allein zu ſprechen. Ich kenne dich. Mein Vater Romulus, Da er verboth, dir Tatien zu wählen, Beſtärkte dich nur mehr in dem Entſchluß, 240 Und doppelt eilſt du nun, mit ihr dich zu vermählen. Doch glaube nicht, daß er dir's je verzeiht; Beleidigt kennt er nichts, als Unverſöhnlichkeit. Du biſt, weh' mir! du biſt verloren. Dein Haupt fällt unterm Beil der rächenden Lic⸗ toren. Ich weiß, auch dieſe Furcht iſt dir kein Hinderniß. Doch dein Blut, deſſen ſey gewiß, Fließt nicht allein. Du, der das Angedenken Des Tatius genug verehrt, Um ſeiner Tochter nun ſich zum Gemahl zu ſchen⸗ ken, 250 — —— F —— ———— —— ——— ——— — — — 7.) S 78— „ „. — e 7— S— wand, lor — 215— O ſieh! ſein Geiſt erſcheinet und beſchwört Laut ächzend dich, ihr theures Leben, Wofür er deinen Schutz im Tode noch begehrt, Richt Henkershänden preis zu geben. Du weißt es nicht, o Numa, was du willſt, Und übertrittſt ein heiliges Verſprechen, Indem du gar zu pünctlich es erfüllſt, Du mußt dein Wort, um es zu halten, brechen. Ich ſage nichts von mir, die ehedem geglaubt, Daß du ſie liebſt, von mir, für die dein Blut ge⸗ floſſen. 260 Ach! leider iſt für dich das meine nicht gefloſſen, Mir hat das Schickſal nichts für dich zu thun er⸗ laubt, Doch uns vereinigen, ſo hofft' ich, heil'ge Bande⸗ Aus deinen eigenen Wohlthaten feſt gewebt. Für mich haſt du zuerſt im kriegriſchen Gewande Dem Heldenlorber nachgeſtrebt⸗ Mich haſt du mit dem Götterſchilde, Wie aus dem Zelt der Lärmen uns geſchreckt und bald darauf im Schlachtgefilde Mit dem noch theureren, mit deiner Bruſt be⸗ deckt. 270 Du zwingſt mich— weg mit Zweifeln und Er⸗ röthen!* Du zwingeſt mich, dich anzubethen, und du verläſſeſt mich alsdann. Was that ich dir, Grauſamer/ was? ſag an! Mißſiel es dir, daß ich auf halbem Wege Richt deiner Lieb entgegen kam 7 Zwar machte ſie in mir dein erſter Blick ſchon rege; Doch feſſelte mich jungfräuliche Scham Und Römer⸗Stolz, der, wenn zu meinen Füßen Oft Könige gekniet, gefühllos niederſah. 280 Allein verzeih'! Herſilia Muß dieſen Stolz nun bitter büßen, Den damahls ſchon ihr eignes Herz gerächt. Da knieet ſie, Rang, Thaten und Geſchlecht Vergeſſend, kniet ſie da, ſich Mitleid zu erflehen, Geh' jetzt und fahre fort, auf ihren Stolz zu ſchmä⸗ hen. Sie ſprach's. Der arme Numa ſtand, Die Bruſt beklemmt, die Augen weggewandt; Er wagt es nicht auf ſie zu blicken, Da ihrer Stimme ſanfter Klang 290 Dem Liebenden ſchon in die Seele drang. Er, nun geneigt, ſich ſelber zu berücken, Denkt ihren Gründen nach mit gläubigem Ent⸗ zücken, Sein feſter Vorſatz ſchmilzt, wie auf der Berge Hoh An Titans ſtärkerm Strahl der aufgehäufte Schnee. Er wankt bereits, da tritt des Mavors alter Die⸗ ner, Der tapfre Metius, in's Zimmer, unterbricht Die Unterredung, naht dem Prinzen ſich und ſpricht Mit ſtrengem, ernſten Ton: Die trauernden Sabiner Sind durch den Tod des Tatius verwaiſt 300 Und flehen Herr, daß du nunmehr ihr Vater ſeyſt. Man brennet, dich zu ſehn, dich, ſeiner Tugend Erben, Somm, lange ſchon gelehrt, die Herzen zu er⸗ werben, ßen 260 ehen, hmi⸗ 2 Komm, ſchleuß die unſrigen auf ewig nun an dich. Indem du uns großmüthig unterſtützeſt, Wenn uns Bedrückung droht, und jetzo brüderlich Des beſten Königs Tochter ſchützeſt. Hier höret man an des Pallaſtes Thor Verwirrter Stimmen viel und klägliches Geweine; Doch Numa's Nahme tönt hervor. 310 Er komme, ruft's, denn er iſt jetzt alleine Die Hoffnung ſeines Volkes, er Der zweyte Tatius; er zaudre nun nicht mehr und frey entdeck er uns des theuern Todten Willen, Wir geben unſer Blut, ihn pünctlich zu erfüllen. Dieß Schreyn des Volks, die Gegenwart Des Metius, der ſeiner Antwort harrt, Und Numa's Tunica mit heißen Thränen netzet, Dieß alles bringt den Held in einem Augenblick, Wo Lieb' ihn außer ſich geſetzet, 320 Der Tugend wiederum zurück. Herſilia, ſo ſagt er ihr mit Feuer, Mein Leben iſt mir minder theuer, Als du mir biſt, doch theurer meine Pflicht. Die Hoffnung dieſes Volks, mein eignes Herz ge⸗ biethen 6 Erfüllung meines Eids; mag gleich die Liebe hier Mit allen ihren Martern wüthen, Bey meiner Mutter Geiſt ſchwur ich; er winket mir; Auf ewig reiſſ' ich mich von dir; und ſterb' ich auch.. Rein, nein! du ſollſt nicht ſterben, 330 —— —— — So unterbricht mit eines Tiegers Wuth, Mit hoch empörter Bruſt und Wangen voller Gluth⸗ Herſilia den Held, ich lenke das Verderben Von deinem auf ein anders Haupt. Dem Vater, der nach Rache ſchnaubt, Will ich ein anders Opfer geben. Dir aber ſey zu ſterben nicht erlaubt, Daß ganz an dir mein Grimm ſich kühle, ſollſt du leben. Dann wein' in einer Wüſteney, Verräther, ſtets gequält von Vorwurf und von 8 Reu', 340 Daß du die Liebende verließeſt, Und deine Gattinn ſelbſt hinab zum Orcus ſtießeſt. Wein'“, aber hoffe nie für deinen Unbeſtand Verzeihung, mie! umſonſt wirſt du die flehnde Hand Herſilien entgegen ſtrecken, Verfolgen wird ſie dich mit Feuer und mit Schwert Bis an der Erde letzte Zonen, So lange Kraft und Geiſt in dieſem Förper wohnen. Und wenn ſie ſtirbt, Verräther, weil ſie dich Zu ſehr geliebt, ſo ſoll ihr Schatten dir erſchei⸗ nen 350 Und mit den Eumeniden ſich Zu deiner Qual in Ewigkeit vereinen. Sie ſprach's und eilt beym letzten Wort Mit Ungeſtüm und Rache dürſtend fort. Der Prinz beſchämt wagt kaum auf Metius zu ſehen, — du nd nit her ei⸗ 50 — S — 219— Der freundlich ſeine Rechte faßt Und ihn ermahnt, hinaus vor den Pallaſt Zu dem betrübten Volk zu gehen. Er thut es, doch befiehlt er ſeinem Freund zuvor, Sabiner⸗Wachen an das Thor 360 Und um die ganze Burg zu ſetzen. Das Drohn Herſiliens erſchreckt ihn, und er weiß, Wie ſchnell die Römer ſind, auf Romulus Geheiß Die heiligſten der Rechte zu verletzen. Beſorgt für ſeine theure Braut, Hat er der Wachſamkeit der Seinen ſie vertraut, Er ſelber muß das Leichenfeſt bereiten Und hundert Krieger auf die Höhn Des waldigen Gebirgs begleiten, Wo Bäume, ſchon beſtimmt zum Scheiterhaufen, ſtehn. 370 Sie kommen an; des Beiles Streiche hallen Durch den erſchrocknen Hain; die Erle des Neptun⸗ Der Buchbaum, unter dem die Hirten gerne ruhn, Die Eiche Jupiters, Föhr', Ulme, Fichte fallen, Auch wird die Ceder nicht geſchont, So viel auch Wohlgeruch in ihrer Rinde wohnt, Roch weniger die traurigen Cypreſſen, Der Manen Lieblinge, vergeſſen. Man ſtrecket auf den Grund ihr wolkennahes Haupt Und rollt den e Stamm, dem man die Ae⸗ ſte raubt, 380 Dem Tybris⸗Strande zu, wo bald mit heil'gem Grauen Die Frömmſten von dem Volk den Scheiterhau⸗ ſen bauen. —— 5. 0— Kaum war die Morgenröthe wach, So kommt der Leichnam an, in Purpur einge⸗ ſchlagen. Die Edelſten der Krieger tragen Die theure Laſt, und tauſend folgen nach Bey trauriger Muſik, das Haupt von Gram ge⸗ ſchweres, Die Augen naß, die Waffen umgekehret. Die unglückſel'ge Tatia, In Flor gehüllt und mit Cypreſſen-Kränzen 390 Um ihre Stirn, iſt ſtets der Bahre nah', Wirft Blumen drauf, woran noch ihre Thränen glänzen, Und ſtützet ſich von Zeit zu Zeit Auf Numa's Hand, weil ihr die Kniee brechen. Er theilet ihre Traurigkeit Und ſucht ihr Troſt, ſelbſt troſtlos, einzuſprechen. Das ganze Volk, um ſie gegoſſen, klagt Am laut'ſten Metius, der ſeine grauen Haare Ausraufet, ſeine Bruſt zerſchlägt und, an die Bahre Gelehnt, die halb vom Schmerz erſtickten Worte ſagt: 400 O trefflichſter der Fürſten, mein Gebiether, Mein Vater und mein Freund! vor funfzig Jahren ſchon Locht' unſre zwey ſich ähnlichen Gemüther Zum feſten Bund der Freundſchaft Silberton. Und nun biſt du auf ewig mir entflohn! Warum verlängerten die Parzen meinen Faden, und wollten nicht mich unglückſel'gen Greis —— — ——— ——— — — — n. — —— ——— — 221 Mit einem frühen Tod begnaden! O Tatius, von Heldeneifer heiß, Haſt du in finſtrer Schlacht oft neben mir ge⸗ ſtritten; 410 Doch immer hat der Tod den Rücken dir gewandt. und itzt ereilt er dich, geliebter König, mitten, Ach! mitten unter uns durch feiger Mörder Hand: Wie konntet ihr ein Herz, ihr Ungeheur, durchbohren, Das den Bedrängten ſtets als Zuflucht offen ſtand⸗ O dieſe Zuflucht iſt für ſie und mich verloren! Von allen Göttern ſchien der edle Mann erkohren, Ihr Bild zu ſeyn, und dennoch ſank er hin.“ O weint noch mehr als ich, weint, arme Witwen, Waiſen, Ich bin noch glücklicher zu preiſen, 420 Weil ich dem Tode näher bin. So klaget Metius; der Zug klagt mit, von Stöh⸗ nen Iſt voll die Luft, der Boden feucht von Thränen. Doch als man nun beym Scheiterhaufen iſt, Legt man darauf des beſten Königs Hülle, Man ſchlachtet Opfer ab, der edle Numa gießt, Daß ſich daran der Durſt der Manen ſtille, Zwey Becher aus voll Wein, und zwey voll Milch, und zwey Voll friſchem Blut, er ruft mit kläglichem Geſchrey Den Nahmen Tatius, von Acherons Geſtaden 430 Den theuren Geiſt herauf zu laden, Ergreift die Fackel, ſenkt ſie tief und zündet dann, Wegwendend das Geſicht, den Scheiterhaufen an⸗ Das Feuer faßt das Holz, die laute Flamme ziſchet, — 22 2— Die Krieger ſchlagen an den Schild, Das Angſtgeheul des bangen Volkes miſchet Sich ſchrecklich drein, doch Numa's Rechte ſtillt Den Aufruhr; ſie gebiethet Schweigen, Und eh' die Flammen noch hinauf zum Todten ſteigen, Da noch ſein blaß Geſicht erſcheint, 440 Beginnt der Prinz: Ich ſchwur, mein König und mein Freund, Mein Herz ſoll deiner Tochter eigen, So lang' ich athme, ſeyn; ich ſchwör' es noch ein Mahl, Ich ſchwör' es ihr und nehme dieß in Qual Perſenkte Volk und deinen Geiſt zu Zeugen. Der Scheiterhaufen mag zum heil'gen Brautaltar, Die Leichenfackeln uns zu Hochzeitfackeln dienen. Hier bring' ich Tatien Treu' und Gelübde dar; Und ſoll ich jemahls ſie zu brechen mich erkühnen, Dann haltet mich den Königsmördern gleich. 450 Sein Blut komm' über mich; der Götter Zorn erwache Und treffe dieſes Haupt! ja, zaudert ihre Rache, So fodr' ich ſie von jedem unter euch. Er ſprach's, ihn hört das Volk mit heiligem Ver⸗ gnügen. Jetzt naht er Tatien, der edlen Dulderinn, um ſeine Hand in ihre Hand zu fügen, Und Beyde ſollen ſie nun ihre Hände hin Zum Scheiterhaufen ſchwörend ſtrecken, Als Tatia erblaßt, wankt, ſtarret und, o Schrecken! In Numa's Arme ſinkt. Von ihrer Stirne ſtrömt 460 ———— Eiskalter Schweiß, die Glieder ſind gelähmt, Die Lippen blau, der Odem ihr verſperret, und das Geſicht von Zuckungen verzerret.. Die Arme, denn umſonſt kommt Hülf' und Arzt herbey, Stirbt unter kläglichem Geſchrey. Das ganze Volk, von dieſer Sgen' erſchüttert, Erkennt die Wirkungen des Gifts in ihrem Tod. Man ſieht ſich an, ein dumpf Gemurmel droht Bald einen Sturm, er folgt, man nennt erbittert Den Nahmen Romulus und den Herſiliens. 470 Auf! alſo ſchallt nur Eine Stimme; Des Königs Geiſt, der Schatten Tatiens Befeure dich zu heil'lgem Grimme! Du biſt im Stande, ſie zu rächen, biſt es werth Ergreife der Vergeltung Schwert, Wir alle wollen's mit ergreifen. Führ' uns nach Rom! laß uns die Mauern ſchlei⸗ fen Und jene Burg, wo eingethront Der Frevler Romulus und jedes Laſter wöhnt. So ruft das Volk; der edle Prinz, empöret 480 Von dieſem neuen Gräul, hat gern den Ruf gehöret. Ihn treibt ſein Eifer, er vergißt, Daß Fürſten ſtrafen nur das Amt der Götter iſt. Wohlan! laßt denn nach Rom uns gehen! So ruft er; Alles jauchzt dem feurigen Entſchluß Des Jünglings zu und eilt zur Stadt des Romulus, Der ſchon den Sturm voraus geſehen. Er, Tatien gedoppelt gram, Weil Numa, ſeine Treu' dem Todten zu beweiſen, — —— ———— — — Herſilien verſchmähet, ließ die Speiſen, 490 Die ſie nur karg, bloß ſich zu nähren, nahm, Durch eines Sclaven Hand mit ſtarkem Gift be⸗ ſtreuen. Thu' auf des Laſters Bahn nur Einen Schritt, dann geht's Behender fort: es eilt das erſte Laſter ſtets Sich an ein zweytes noch verdammlichers zu reihen. Der König, der den Aufruhr ſcheut, Blieb in der Stadt; gefaßt auf alle Fälle Verſchließet er das Thor; beſetzet rings die Wälle. Ja einen neuen Wall, der größre Sicherheit Gewähret, denkt er aus, ein grauſamer Erfin⸗ der. 500 Die Weiber, Väter, Mütter, Kinder Der Krieger, die indeß die Leichenfeyrlichkeit Des theuren Tatius begangen, nimmt man auf ſein Geheiß in ihrem Haus ge⸗ fangen Und ſtellt ſie auf den Wall umher, Damit ihr Körper eine Wehre Den Römern ſey, und ſo erwartet er Den Anzug vom Rebellenheere. Sie kommen, ihre Hand ſchwingt Bogen, Schwer⸗ ter, Speere und Rache, Rache! tönt bis zu den Wolken auf. 510 Jetzt nahn ſie; aber ach! wie plötzlich ſtockt ihr Lauf, Sie müſſen, ehe ſie der Römer Bruſt erreichen, Die Bruſt der Ihrigen durchbohren, blaß wie Lei⸗ chen e Weitäugig, offnen Munds ſtehn ſie und in den Sand Rollt jede Waffe hin aus ihrer ſtarren Hand. Dieß Schauſpiel gibt den Held ſich ſelber wieder. Mit Schauder ſiehet er des armen Volks Gefahr, Wovon er wenigſtens die Miturſache war, Und ruft dem Heere zu, indem er alle Glieder Mit einer wilden Angſt durchirrt⸗— Sabiner, o nichts mehr von Rache! ſeht die Euern, Wie Tauben, angefaßt von Geyern! Glaubt ihr, daß Tatius ſich Rache wünſchen wird, So bald ihr ſie mit dieſem theüern unſchuld'gen Blute kaufen müßt? 5 Erbarmt euch eurer Weiber, Kinder Und grauer Väter, ſeyd vor Feinden Ueberwin⸗ der Hier krönet Ehre den, der überwunden iſt. Geh Metius, in deiner Rechte Den Hehlzweig, nach der Stadt und fleh' den Kö⸗ nig an, 630 Sprich, ich entſag' auf ſtets dem blütigen Gefechte Und jedem Rang und jedem Rechte. Ihm ſey das PVolk allein und immer unterthan, Nur ſchwör' er, allen zu vergeben, Merk', allen außer mir; verheiß ihm Numa's Haupt⸗ Ja! wider dieſes ſey zu wüthen ihm erlaubt. Wer opferte nicht gern für Vieler Wohl ſein Leben? So ſagt er und umſonſt beſtrebt ſich Metius Ihn zu beſtreiten, Numa höret Die Gegengründe nicht, der graue Feldherr muß 540 Nun eilends in die Stadt; er kehret Auch bald vom ſtolzen Romulus Numa Pompilius. I. Th⸗ N N — ———— — 226— Mit Frieden, den man wünſcht, zurücke, Doch Numa ſoll in dieſem Augenblicke Aus allen Römer⸗Staaten fliehn. Bey dieſer frechen Fodrung regen Auf's neue Zorn und Rachgier ſich In der Sabiner Bruſt, man greift ſchon nach dem Degen Zum zweyten Mahl und tobet fürchterlich. Doch Numa, nun allein zum Opfer auserkoh⸗ ren, 550 Beruhigt ſie und droht, ſich ſelber zu durchbohren, Wenn auch ein einziger den Frieden noch ver— ſchmäht. Man ſchweiget ehrfurchtsvoll; der edle Numa geht Fern von dem Heer, an ſeiner Seite Held Metius, der gibt ihm weinend das Geleite. Der Prinz umarmet ihn und ſpricht: Freund, trockne dir die Thränen vom Geſicht! Ich bin verbannt, doch unſer Volk gerettet. Was ſollt' ich auch in Rom, in dieſer Vaterſtadt Herſiliens, die wohl ihr Theil am Morde hat. 660 Zwar iſt mein Herz von ihr nun los gekettet, Allein der Schmerz der Wunden blieb, So tief darein die ſchwere Feſſel rieb. Noch ſiehſt du Thränen mich vergießen; Verzeih', o theurer Mann, verzeih'! Die letzten ſind's, die ich der Liebe weih', Die andern ſollen nur gerechter Reue fließen. Ach! ſchmerzlicher, als das Gewühl Von Dolchen, iſt, errsthen müſſen, Erröthen über ein Gefühl, 570 —8S „— 7 ch dem zerkoh⸗ 55⁰ ohren, ch ver⸗ a geht eite. ſtadt . 500 570 227 Das unſer Herz ſo lange hägte Und, wie den Lieblingsſohn die Mutter, nährt' und pflegte. Du aber geh und ſammle jetzt Des edlen Tatius und ſeiner Tochter Reſte In einen Aſchenkrug; er werde beygeſetzt Wo meine theuerſten Erzeuger und der beſte Von allen Freunden, Tullus, ruhn. Und dieſen ſüßen Dienſt, um den ich dich beneide, Laß den Entſchlafnen nicht von fremden Händen thun Jetzt lebe wohl, Geliebtes, denn ich ſcheide. 580 Nimm des verwaiſten Volks dich an. Vielleicht vergönnen mir die Götter noch die Freude, Daß ich dafür einſt ſelbſt dir danken kann. Er e bleib noch! fleht ihm Metius beklom⸗ men; unßt Denk an das Volk! ſo ſprach er und verſchwand Aus ſeinem Blick. Den Weg in's Marſen⸗Land Hat der Enteilende genommen. Vor wenig Tagen noch zog er darauf als Held, Als Sieger, als die größte Stütze Des großen Romulus an der Sabiner Spitze, 590 Die Bruſt von Ehre hoch geſchwellt, Das Herz berauſcht von Lieb', und meinte, Daß jetzt das Glück, was auf der weiten Welt Rur wünſchenswürdig iſt, in ihm allein vereinte. Itzt zieht er dieſen Weg, vom Könige verbannt, Dem er gedienet, ſich der Lorber wegen grämend⸗ P 2 Die er erfocht, ſich der Geliebten ſchämend, Und flüchtet ſich in das beſiegte Land. Schon iſt er außer dem Gebiethe Des Romulus und ſieh! im finſteren Gemüthe 600 Wird's wieder Licht, die Stadt Vitellia Steigt nun vor ihm empor, und ihren Mauern nah' Ergießet ſich ein Storm; er zieht an den Geſtaden Bis zu dem Fuß des ſchönſten Hügels fort. Ihn ſcheinet eine Grotte dort In ihr vertraulich Kühl zu laden, Er tritt hinein. Ein junger Held, bedecket Mit einer großen Löwenhaut, Liegt an den Rand der Quelle hingeſtrecket. Iſt's möglich? Leo ſelbſt. Der frohe Numa ſchaut 610 Ihn prüfend an, bis er dem Auge traut. Er wollte ſelbſt den Held zu ſuchen gehen, Wollt' ihn, den er als tapfern Feind Gefunden hat, als edlen Freund Nun finden und bey ihm um eine Zuflucht flehen. Er ſtürzt an ſeine Bruſt, ſo bald er ihn er⸗ kannt; Ich ſuchte dich, ſo riefen, von der Freude Des Wiederſehns berauſchet, beyde. Pon meinem Volk, fuhr Leo fort, verbannt Floh ich nach Rom zu meinem Ueberwinder. 620 O ſprich von Ueberwinden nicht! Von Liebe ſprich! das Glück verfährt wohl nicht gelinder Mit Leo als mit Numa; doch es flicht ———— — —, — e 600 nneh aden t 610 hen. hn er⸗ t 620 Selbſt hierdurch feſter unſre Bande. Auch mich trieb Romulus aus meinem Vaterlande. Du weißt, ob ich in dringender Gefahr Der Retter ſei tes Heers und ſeines Ruhmes war. Dafür ermordet er mir meinen Blutsverwandten, Den König Tatius, vergiftet meine Braut Und heißt mich ſchimpflich als Verbannten 630 Aus ſeinem Reiche fliehn; mir graut Vor einem Bürgerkrieg, denn ſieh! verderblich brannten Der Zwietracht Fackeln ſchon: ich löſchte ſie und floh. So wohnt Gerechtigkeit an großen Höfen, ſo Belohnen ſtolze Potentaten Für Sieg und Blut die Thäter edler Thaten. Ich, Freund, beginnet Leo itzt, Dient' einem freyen Staat, du wirſt der Nacht noch denken, Da meine Flamm' euch in's Geſicht geblitzt, Wirſt der Eroberung von Anranum noch denken. 640 Die Marſen dachten nur an jenen blut'gen Tag Als ich verführet ward von Röm'ſchen Krieges⸗ ränken, Und unſer Heer dem euren unterlag. Kaum waren wir zurück in unſer Land gekehret, Als ſchon der Rath, der mir den Feld⸗ herrnſtab Vertraut hat, Rechenſchaft mit ſtrengem Mund begehret. Wir legen ſie; er ſetzt Sophranorn ſchmählich ab, Und mich verbannt er. So belohnen freye Staaten Für Sieg und Blut die Thäter großer Thaten; — 230— So, Freund, belohnt der Menſch; er bleibt ſich immer gleich, 650 Undankbar in dem Königreich, Undankbar in dem Schooß der Freyheit; nichts vermögen Wohlthaten über ihn, und dennoch wollten wir Ihm dienen, nicht ob ſeiner Dankbegier, Der Götter nur und unſres Herzens wegen. Wir haben dieſer Pflicht, ſagt Numa, gnug gethan, Und unſer Blut für's Vaterland vergoſſen, Doch dieſes hat uns ausgeſtoßen, Und wir gehören nun uns ſelber wieder an. Laß uns forthin allein uns ſelber leben, 660 Laß uns von Menſchen fern in Wüſteneyen ziehn; Erkenntlicher als ſie, wird auf dem Apennin, Von unſrer Hand gepflegt, die Erd' uns Nahrung geben. Und Freundſchaft ſchmück auf unſerm Weg zum Grab Mit Blumen uns des Lebens Wanderſtab. Er ſchweigt und Himmelsfunken glänzen In ſeinem Blick; der edle Leo fällt Ihm zärtlich um den Hals, bis, ſchwört er, wo die —————— Welt 3 Die Säulen des Alcid begränzen, Folg' ich dir nach; der Liebe Bitterkeit 670 . Vergiftete bereits zu viele meiner Stunden. Der Freundſchaft ſeyn die folgenden geweiht! O fühlteſt du, ruft Numa, auch die Wunden Von dieſer wüthenden Despotinn? trifft ihr Schmerz ——— —— —— —————— — — ———— = ——————— ————— — 23 1 Denn jedes, jedes edle Herz? Ich laſſe dich das meinige durchſchauen. Wie ſchrecklich ſie darin getobt, enthüll' dir Und du beehre mich dafür Mit gegenſeitigem Vertrauen. Hier ſchwieg er, Leo horchet auf. 630 Der Prinz erzählt getreu ihm ſeinen Lebenslauf. Das offne, das beſcheidne Weſen, Womit er ihn erzählt, knüpft Leo immer mehr An dieſen edlen Freund, den ſich ſein Herz erleſen. Sein Auge wird von Thränen ſchwer, Als er den Tod des biedern Tullus höret, Doch bey dem Tod des ſanften Tatlus Und Tatiens fühlt wider Romulus Der edle Mann ſein ganzes Herz empöret. Am Ende pries er Numa's Kraft, 69a Daß er, ſo hart ihn auch die Leidenſchaft Danieder warf, doch wieder ſich ermannet Und nun Herſilien aus ſeiner Bruſt verbannet. Freund, ſagt er ihm, das Opfer ſchmerzte zwar, Doch was ließ hier für ein Entſchluß ſich faſſen? Du mußteſt doch es bringen, denn es war Die Wahl nur zwiſchen Lieb' und Tugend dir ge⸗ laſſen. Du zogſt die letztre vor: gekränket und verbannt, Den Pfeil im Herzen noch, fliehſt du aus deinem Land. Und vnn wirſt du ſelbſt bekennen, 500 Du ſeyſt auch ſo noch glücklicher zu nennen, Als mit Herſilien auf ihres Vaters Thron, Auf welchen du, zu deines Meineids Lohn, —— Die Aſche deines Freunds mit frechen Füßen tretend, Geſtiegen wärſt, ſtets über dich erröthend, Zerfleiſcht von Reu', zernagt von Harm, Nie Ruhe fändſt, ſelbſt nicht in der Geliebten Arm. Freund, das erfuhr ich auch, wie unſer Herz ſich gleichet, Gleicht unſer Schickſal ſich; ich that mit feſtem Muth Stets meine Pflicht, was manches theure Gut Mich koſtete; doch keins der Güter reichet 710 An jene Seelenruh', die nun mein Antheil iſt. Rein, wie der Quell, der hier zu unſern Füßen fließt, Blieb dieſes Herz, und innrer Frieden War mitten unterm Sturm von außen ihm be⸗ ſchieden. Das erſte Mittel zu dem Glück Iſt dieſer Frieden und das zweyte, Was ich in dieſem Augenblick, Dem ſich mein Herz ſo lang' entgegen freute, Nun wieder fand, ein Freund. Doch jetzt vernimm auch du Der Freundſchaft redliche Berichte: 720 Und höre Leo's Traurgeſchichte Mit jenem Mitgefühl, als ich der deinen, zu. — Goſour& Srey Sortrol Shari Cyan Sreen vellow ed Magenta