„ 4* 3. 1„ 1 „ 8 — 1 . * 1 „ — D — R F 7— .. — . 6„ .** & ..„ *— „ 1. 1 5 1.„ * — 2. 3 . 5 * 7 ————— 9 2 N Mt 75 2 Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von f jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ Leihbiblivthek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmann in Gieſen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih und ceſebedingungen. 1. oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. den angenommen. 2 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: — auf 1 Monat: M.— f 1 M. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurſckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern c.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. 7 Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird . fi — ——— — N ——— ———————————— ———— ————..———— Johann von Alringers ſaͤmmtliche Werke. 1 Fuͤnfter Band. Enthaält: Numa Pompilius. Rach Florian. —2 Wien 1812. Im Verlage der Franz Haaſiſchen Buchhandlung. —— — —— e 4 NA Numa Pompiliut. —— Naſch d von Johann von Alxinger. —.———— Zweyter Theil. . 53*355 3„0e Wien, 1812. Im Verlage der Franz Haaſiſchen Buchhandlung⸗ Gr Ihrer Excellenz der Gräfinn von Zichy, gebornen Graͤfinn von Kollowrath. A 2 J bin im Marſen⸗Land geboren, Die Mutter Myrtale hat den Gemahl verloren, Eh' mir der Sonne Licht ein Jahr in's Auge ſchien. Wir wohnten auf dem Apennin. Sie, arm und krank, beſaß nur eine Herde, Ein Hüttchen und ein Gärtchen dran. Sie liebte mich, wie kein Geſchöpf weiter Erde, Als eine Mutter, lieben kann. Von meiner erſten Jugend an Hat eine Wolfshaut mich bedecket, 10 Die ihre Hand zurechte mir gemacht, Ein Spieß, der damahls ſchon ſtets in dem Ziel ge⸗ ſtecket, Bewehrte mich; ich nahm die Herd' in Acht. Zwey Hunde folgten mir⸗ die tapfer Herd' und Hirten Vertheidigten, wenn wir den tiefen Wald durchirrten, Und wilde Thier' aus ihrem Dickicht ſich Uns näherten, auch war mir keines fürchterlich⸗ Ich ſahe ſie vielmehr mit lebhaftem Vergnügen Als Opfer, die zu ſtolzen Siegen Ein günſtig Schickſal mir beſtimmt. 20 Wie oft hab'ich im Flug die höchſte Ficht' erklimmt Und wilde Tauben dort aus ihrem Reſt genommen! Wie oft den reiſſendſten, den tiefſten Strom durch⸗ ſchwommen, e 8— Wie oft der ſteilſten Felſen Höh' Erklettert, dort ein Gemschen oder Reh' Mit meinem ſichern Pfeil zu fällen Und dieſes ſtärkende, wohlſchmeckende Gericht Auf meiner Mutter Tiſch zu ſtellen, Es iſt für ſie, dacht' ich und ſcheute nicht Den Froſt, den Sonnenſtrahl, Gefahren und Be⸗ ſchwerde, Und kam ich Abends heim mit meiner kleinen Her⸗ de, 30 So hielt ich ſchon von fern die theure Beut' empor. Die Mutter küßte mich und wollte ſie nicht nehmen, Und warf mir, daß ich viel gewaget, zärtlich vor. Ach! ſagte ſie, der Krankheit Schmerzen lähmen So lange ſchon die Glieder mir, Und ketten mich hier an; ſonſt, Theurer, folgt' ich dir. Das Ungemach, das ich mit dir erlitte, Wär' mir erwünſcht, und theilt' ich ſie Mit meinem Sohn, gering' all die Gefahr und Müh'. Wie groß, wie einſam dünkt mich unſre kleine Hütte, 40 Wenn du darin nicht biſt; ich zähle jeden Tag Vom Augenblick, da du des Morgens mir ent⸗ ſchwunden, Die träg' entſchleichenden Secunden, Bis du zurücke kehrſt, an meines Pulſes Schlag. Urtheile nur von jenen Angſtgefühlen, Die, Meſſern gleich, in dieſem Buſen wühlen, Wenn ich im Geiſt dich bald von ſteiler Höh' In einen Abgrund gleiten ſeh', — —————————— N — 0— Bald ſchwimmend in zu breiten Bächen Dich ſinken, bald den Aſt, auf dem du ſteheſt, bre⸗ chen. 50 Mein theurer Leo, uns ernährt Das Gärtchen ja, das Pflanzen uns gewährt, Und unſre liebe kleine Herde. Für deinen ſchwachen Arm iſt dieſer Muth zu groß. O mache nicht die Reh' und Tauben kinderlos, Daß s nicht auch vielleicht durch Wölf' und Eber werde. Vor allen dringe nie in jene Höhlen ein, Wo ſie der Jungen Schaar dem Jägerblick ver⸗ ſtecken. eon du dein ſelber nicht, o Kind, ſo ſchone mein! Du faändeſt mich entſeelt von Schrecken, 60 Wenn dein verirrter Fuß in den entferntern Hain Gelocket von des Wildes Fährte, Je zaudernder, als ſonſt, zurücke kehrte. So ſagte ſie; ich aber ward, Sie zu beruhigen, auf's zärtlichſte befliſſen, Und bald erzählte ſie mir unter hundert Küſſen, Wie ſehnſuchtsvoll ſie mein geharrt, Und wie ſie unterdeß die jahrelangen Stunden Dahin gebracht; oft hat ſie auch das Bild Vergangner Zeit, und wie die Jugend ihr ver⸗ ſchwunden,— Vor meinem gier'gen Blick enthüllt. Stets, ehe ſie zur Ruh' der Lämmer Fell bereitet, Hat ſie auf morgen ſchon das Frühmahl mir be⸗ reitet und mich beſchworen, ja nie wieder eine Beut', Auf Koſten meiner Sicherheit, Von ſteiler Klippen Höh' zu hohlen Und meinen Hunden mich, ſie ſtreichelnd, anem⸗ pfohlen. Bey dieſer Lebensart gedieh mein Körper bald. Kaum war ich funfzehn Frühling' alt, So fürchtet' ich nicht Bären und nicht Hauer, 80 Ich ſtand vielmehr, ſie kühn erwartend, auf der Lauer. Und förbt' in ihrem Blut den immer ſichern Spieß, Den ich doch blutig nie der Mutter ſehen ließ. Die Hunde zeigten mir noch ſtets die alte Treue, Mit der ſie ehmahls mich geſchützt, doch war die Reihe Zu ſchützen nun an mir, da dieſes gute Paar In meinen Dienſten alt und ſchwach geworden war. Ich grüßte ſorgenlos mit meiner kleinen Flöte Die Morgen⸗ und die Abendröthe, Ich kannte keine Leidenſchaft 90 Als kindliche, getreue Liebe, Und keinen Wunſch, als daß die Kraft Der theuren Myrtale ſtets unvermindert bliebe. Doch leider nahm ſie täglich ab, Und ſichtbar näherte die Arme ſich dem Grab. Einſt ruht' ich aus an einer Quelle, Die von dem Fels(der Fels war hoch und ſteil) Sich ſtürzte, daß, mit Schaum bedecket, Well' an Welle Fort taumelte. Da ſpringt in wilder Eil' — .——— 5—, 7—, — 11— Ein Hirſch hinein, verletzt von einem Pfeil, 100 Und eine Jägerinn, in ihrer Hand den Bogen, Kam hoch auf einem ſtolzen Roß Dem raſchen Thiere nachgeflogen. O wie ihr ſchwarzes Haar um weiße Schultern floß! O welch ein hoher Muth dem großen Aug' ent⸗ ſtrahlet! Wie prächtig ihren Leib die Löwenhaut umhüllt! Ein kluger Mahler hätt' ein Bild Dianens ganz nach ihr gemahlet. Was mit Bewunderung am meiſten mich erfüllt, Indem ich ſie, enteilend meinem Sitze, 115 Betrachtete, war dieß: Trotz ihrer Jägerhitze, Trotz ihrem Stolz, ſchien ſie nicht wild. Doch ſieh! urplötzlich ſpringt ihr Zelter in die Wogen. Mit Gegenwart des Geiſtes ſtrebet ſie, Ihn an den Strand zu leiten, eitle Müh'! Er, von dem Strome fortgezogen, Schlüpft unter ihr hinweg; ſie ſinkt und rudert ſchwer, Doch nur ein Augenblick! ſo ſeh' ich ſie nicht mehr. Du fragſt wohl nicht, ob ich ihr eilig nachgeſprun— gen/ Ich ſuchte lang' umſonſt, bis es mir doch gelun⸗ gen, 120 Daß ich ihr dichtes Haar erfaßt. An das Geſtade ſchleppt' ich nun die theure Laſt Ich find' an ihr kein Lebenszeichen. Verzweifelnd trag' ich ſie in unſre Hütte hin. Hier pflegt ſie Myrtale: der Ohnmacht Fröſte wei⸗ chen, 12— und ſchon beginnt die Jägerinn, Die holden Augen aufzuſchlagen. Ach! ihrer Augen Strahl fuhr ſchnell durch dieſes Herz Und ewig währt der Liebesſchmerz, Den er gewirkt: mit Wolluſt und mit Zagen 130 Betracht' ich jetzt ihr göttlich Angeſicht. Mein Blick hing lange dran, und dennoch konnt' er nicht Sich ſättigen: blaß war's, doch gab die Bläſſe Ihm etwas Schmachtendes und höher's Intereſſe. So bald die Schöne ſich erhohlte, Worte fand Und ihren Dank in dieſe Worte ſtrömte, Da glüht' ich durch und durch, da lähmte Furcht meine Zung', ich neigte mich und ſtand, Wie vor dem Richterſtuhl ein Schuldiger; ſie fragte Um meinen Nahmen mich; ich ſchwieg; 140 Sie fragte mich zum zweyten Mahl, ich ſchwieg, Worauf beſchämt ihn meine Mutter ſagte. Nachdem der Jägerinn das Schrecken der Gefahr Nicht mehr wie Bley in allen Gliedern war, Erhebt ſie ſich, verlenket unſre Fragen, Und ohne, wer ſie iſt, woher ſie kam, zu ſagen, Beut ſie mit guter Art Gold meiner Mutter dar. Doch als ſie ſieht, dieß Anerbiethen kränke Mich und die Mutter, hängt ſie reuevoll und ſtumm Der guten Myrtale die eigne Halskett um, 150 Die golden, ſchwer, voll zierlicher Gelenke, Poll Bilder war; und mir gibt ihre ſchöne Hand Die Haut des Löwen zum Geſchenke. Nimm, ſaget ſie, und löſt vom purpurnen Ge⸗ wand Die Mähnen los, nimm, Hirte, was Aleiden Umhüllt', und was der Held von ſeinem Leib herab Einſt meinem Anherrn, als ſie ſchieden, Zum Lohne der Bewirthung gab. Ich gebe ſie, wie er, zu der Bewirthung Lohne. Auch triegt mich nicht die Ahndung, welche laut 160 Mir zuruft, daß ich dieſe Haut, Das ehrende Geſchenk von Zeus erhabnem Sohne, In edle Hände gab. Sie ſpricht's mit Gütigkeit, Küßt meine Mutter und entfliehet, Indem voll ſanfter Schüchternheit, Ihr Auge noch auf mich zurücke ſiehet, Doch nachzufliehen mir verbeut. Fort war ſie, ich und meine Mutter ſahen Uns ſchweigend an! bloß daß ſie in Gefahr Des Tods geſchwebt und Hülf' empfahen, 170 Bewährt' uns, daß es nicht ein höhers Weſen war, Das uns beſucht. Ich ſchwieg behaglich ſtille, Betrachtend lange Zeit die ſchöne Löwenhülle, Die darum, weil ſie erſt des Mädchens Schulter ſchlug, Mir werther war, als weil ein Gott ſie trug. Ich ſah ſie ſelbſt, die Amazone, Als ſtünde ſie vor mir noch, Zug für Zug, Horcht' ihrer Stimme ſüßem Tone. Zum erſten Mahl nachdenkend und zerſtreut,. ⸗ Sprach ich kein Wort und ſtand oft, wie entgei⸗ ſtert, 186 e 1 4 e— Gab meiner Mutter nicht, wenn ſie gefragt, Be⸗ ſcheid, Und barg ihr das Gefühl, daß meiner ſich bemei⸗ ſtert. Des Morgens, als Aurorens Hand Mit Roſen den Olymp beſtreute, Eil ich zur Quelle hin, wo ich die Schöne fand. Ich war bedeckt mit meiner Löwenbeute, Es floß in mich durch dieſes Prunkgewand, Das ob der Geberinn mir wie das Leben theuer, Werth wie die Tugend war, ein nie gefühlter Muth Und neue Kraft und unbekanntes Feuer. 190 Dieß Feuer mehrte ſich und tobte durch mein Blut, Als ich nun weiter ging am Rand der Silberquelle Zum Orte, wo ich aus der Fluth Sie rettete, zur theuren Raſenſtelle, Wo ihr ohnmächtig Haupt an meiner Bruſt geruht. Ich ſetzte mich auf den durch ihre ſchönen Glieder Berührten Platz mit ſtiller Sehnſucht nieder, Und ſeufzend blickt ich in die Fluth hinab. Ich labte mich nicht mehr am Schauſpiel und der Kühle Des Orts, wie ehedem; es glitſchten die Gefüh⸗ le 200 Der ſanften Freud' an meinem Herzen ab. Ich dachte nicht daran, mit meinem Flötenſpiele Den Wiederhall zu wecken, noch das Wild In dunklen Büſchen abzupaſſen. Der Raſen ſchien nicht mehr mir grün, die Luft nicht mild. — „ 8 — 00 ℳ 1 5— Doch konnt' ich nicht den werthen Ort verlaſſen, Werth meinem Gram, und den ihr liebes Bild, Gleich einer Gottheit, ganz erfüllt. Wenn ich des Abends in die Hütte Zurücke kam, ward mir die Zeit ſo lang. 210 Vergebens that ich mir, es zu verbergen, Zwang. Ich unterbrach in des Geſpräches Mitte Die Mutter oſt und fing ein anders an, Das ich denn ſo zu lenken wußte, Daß meine Mutter ſelbſt von ihr beginnen mußte, Der Einzigen, ob ich gleich nie von ihr begann. Dann hört' ich zu, von Luſt dahin geriſſen, Und hdufiger als ſonſt umfing Ich meiner Mutter Hals, um das Geſchmeid zu küſſen, Das vormahls an der Bruſt der Unbekannten hing. 220 Drey Tage wallt' ich jeden Morgen Zur Quelle hin und ſaß, wie angeſchmiedet, da, Bis in der Thetis Schvoß die Sonne ſich ver⸗ borgen. Umſonſt ſie kam nicht her; doch endlich, endlich ſah Ich ſie am vierten Tage wieder. Dasſelbe Purpurkleid umgab die ſchlanken Glieder, Dieſelben Waffen führte ſie, Als wie das erſte Mahl, ein Roß mit Gold be⸗ hangen, Tanzt unter ihr einher. Kaum hat ſie mich erblickt, So wurden ihre ſchönen Wangen 230 . 6 1 6 1 6— Bis auf die Stirn hinauf mit hohem Roth ge⸗ ſchmückt. Ich flog zu ihr, ſie von dem Pferde. Dann wickelt ſie den goldnen Zaum, So ſchnell es möglich war, um einen nahen Baum, Setzt ſich und ladet mich mit freundlicher Geberde, Den Felſenſitz mit ihr zu theilen, ein. Dich, ſagt ſie, ſucht' ich auf in dieſen ſchönen Gründen, Beynah' gewiß dich hier zu finden. Und glücklich, wackter Hirt, ja glücklich ſollſt du ſeyn. Was fehlt dir noch hierzu? du warfſt, faſt zu ver⸗ wegen, 240 Dich in den Strom; ſprich, wie vergelt' ich's nun? Groß iſt die Pflicht, dir wieder wohlzuthun, Und kaum geringer mein Vermögen. O Theure, ſo erwiedert' ich, Und ſchlug dabey die Augen furchtſam nieder, Mit welchem Nahmen nenn' ich dich? Wenn ich dich ſeh', durchzittert meine Glieder Die Ehrfurcht, was ich ſonſt für Götter nur em⸗ pfand, Empfind' ich da; du kamſt in dieſe Gegend wieder, Du ſuchteſt mich auf meiner Felſenwand, 260 O ſo bezahlſt du mich mit Wucher; ja von heute Iſt die Verbindlichkeit allein auf meiner Seite. Du fragſt, was mir zum Glücke fehlt; Richts fehlte mir, bevor ich dich erblicket. Wir hielten uns für reich und für beglücket, Li N ge⸗ m, nen em⸗ iedel⸗ 250 ſte = 1„ Da nie Verdruß, nie Mangel uns gequält. Die Hütte ſchützet uns vor Wind, vor Schnee, vor Regen, Die Herde kleidet uns; ja oft verkaufen wir In einem nahen Dorf den allzu großen Segen An Lämmern oder Woll' und löſen Geld dafür, 2bo Das, da wir ſelbſt es wenig brauchen können, Wir fremden Greiſen gern, als eine Zehrung, gön⸗ nen. Das Mittel, mich beglückt zu ſehn, Das Mittel, mir zu geben, was mir fehlet, Das Mittel, mich zum Gotte zu erhöhn, Iſt einzig, was du heut gewählet. I„ch ſprach's, ein ſanftes Lächeln floß Um ihren Mund; mein Dank iſt viel zu groß, Sagt ſie, daß ich nicht gern und öfter wieder⸗ kehrte, Nun ich von deinen Lippen hörte, 270 Nur meine Gegenwart freu' und beglücke dich. Noch wiſſe, theurer Hirt, Camille nenn' ich mich; Doch forſche du nicht ungeduldig, Wer mich erzeugt und wer ich bin; Begnüge damit dich, die fremde Jägerinn Sey gerne dir das Leben ſchuldig. Mit Rührung ſagte ſie die letzten Worte, band Den Zelter los, ſchwang ſich auf deſſen Rücken, Ließ ihm den Zügel und verſchwand, Nicht ohne noch auf mich voll Gütigkeit zu bli⸗ cken. 260 Numa Pompilius. II. Th. B Pon Freude trunken ſtand ich da; Der ſanfte Blick, mit dem ſie auf mich ſah, Und ihr Perſprechen, bald mich wieder hier zu * ſehen, Durch meiner Stimme Schall Entzückte mich⸗ Wieder⸗ War bald Camillens Nahm' in jedem „ hall. Ihn hört' ich in der Lüfte Wehen⸗ Ihn grub ich ein in jeden ſchönen Baum, Ich dachte nur, ich ſahe nur Camillen⸗ Sie nur im Wachen, ſie im Traum. Camille nur ſchien mir allein den Raum 290 Des großen Weltalls zu erfüllen. Von dieſem Augenblick entfloh die Traurigkeit⸗ Durch meine Lieb' und meiner Schönen Bildniß Perwandelte ſich meine Wildniß„ In ein Elyſium, in Tempel, ihr geweiht. Mir wurde jeder Ort, ſo ſchön darin, ſo wichtia, Ich liebte jeden eiferſüchtig, Ich ſah mit Neid die andern Wandler an Und hätte gerne jedermann, In meinen Wald hinein zu gehn, verwehret. 300 Und doch wenn ich zurück in unſer kleines Haus Am ſpäten Abende gekehret, So ſchmückte mir die Lieb' auch dieſes aus. Der Mutter Ton, den ich von ferne ſchon ver⸗ nommen, Sie ſelbſt, das theure Weib, die freudig mich will⸗ kommen In zärtlicher Umarmung hieß/ Das dünkte mir nun alles doppelt ſüß. Doe Pli Sie d Ba ier zu all ßieder⸗ 200 eit ildniß „ wichlig/ 300 Haus hon ver⸗ ſich pill⸗ — 19— Camille kam den dritten Tag zurücke. Es ſchwanden uns, wie Augenblicke, Die Stunden hin; auf meiner Zunge Rand 310 Hat ſtets das große Wort; ich liebe dich! ge⸗ ſchwebet; Doch weiß ich nicht, was meine Lippen band. Blickt' ich Camillen an, ſo fühlt' ich mich be⸗ lebet Von hohem Muth, der aber wieder ſchwand, Wenn ſie auf mich geblickt. Doch ohn uns zu ge⸗ ſtehen, Daß wir uns liebten, thaten wir's; Durch Handlungen bewies ich ihr's, Und ſie es mir: ſtets war zum Wiederſehen Beym Lebewohl die Stunde feſtgeſetzt, Denn alle Morgen kam ſie jetzt. 320 Wir brachten denn in unſchuldsvoller Freyheit Ein Theil des Tages hin; ich ſprach voll Schwär⸗ merey Von ihr nur, ſie von mir, ein ewig Einerley! Allein für uns hatt' es den Reitz der Neuheit. Camille ließ noch ſtets mir ein Geheimniß ſeyn, Wer ſie erzeugt; wozu denn dieſe Frage? Antwortete ſie ſtets; genug, wenn ich dir ſage: Mein zärtlich Herz fühlt nur für dich allein. Camile war nunmehr bemühet, mich zu bil⸗ den. Sie lehrte mich der Argonauten Zug, 330 Das Reich des Janus; wie in IFliums Gefſilden Achill den Bchdite der Roſſe, Hektor, ſchlug. B 2 — 20— xe Und alles, was vom Geiſt des Delius durchdrungen⸗ Homer und Heſiod der Enkelwelt geſungen. L Entzücket hört' ich zu, die Wißgier wurde wach, d Ein mir noch unbekannt Vergnügen. Ich lernte ſchnell, denn was Camille ſprach, Grub ſich in dieſes Herz mit untilgbaren Zügen. Von rühmlichen Entſchlüſſen wars erfüllt, Wenn in des Dichters Lied ein kühner Sieger ſtrahl⸗ 3 te;. 340 Doch wenn des Dichters Lied die Liebesgöttinn mahlte, 6 Dann dünkte mich's, es ſey Camillens Bild. So floß mein Leben hin; kein Augenblick war 8 trübe, In jeden theilten ſich Lieb' oder Sohnespflicht. Denn jene ſchwächte dieſe nicht. d Das iſt der Vorzug wahrer Liebe, Die mit der Thierbegierd' ein Weiſer nicht ver⸗ mengt, Daß nie ihr milder Strahl die Tugenden verſengt. Das ſchöne Glück, das wir genoſſen/ L Hat leider, kurze Zeit gewährt! 350 1 Einſt war ein Tag, ein langer Tag verfloſſen, l Und ſie kam nicht. Von Angſt und Schmerz verſtört, S Erwartet' ich ihr Wiederkehren Den andern Tag; ſie kam, doch nicht in frohem Flug Sie kam geſenkten Haupts, ihr bleiches Antlitz. trug Die Spur des tiefſten Grams; wir zahlen nun durch Zähren, tchl⸗ 3 0 tinn wal ber⸗ t. 350 ſtört, ohem ntlitz Beginnet ſie, ein kurzes Glück. Ich hielt bisher dir, wer ich ſey, verborgen; Vergib! ich mußte ja beforgen, Daß deine Liebe ſcheu zuvück 360 Von meinem Rang zu einer Andern wiche. Verhaßter Rang, für mich der ſchrecklichſte der Flüche! Erfahre nun, daß ich, ich deine Jägerinn, Die Tochter eines Königs bin. Sie ſprach's, mir floß die abgeſpannten Glieder Ein kalter Schweiß hinab, die Zunge klebt' am Gaum, Die Kniee wankten mir, und ich erhielt mich kaum. Camille zog auf unſern Sitz mich nieder, Nahm meine Hand, ſprach manches ſüße Wort, Mich zu beruhigen, dann fuhr ſie alſo fort: 370 Mein Vater iſt der König der Veſtiner, Und ſeine Herrſcherſtadt Eingilla. An die Jagd Von Kindheit an gewöhnt, entfernt' ich ohne Diener Mich oft, bevor es noch getagt, Und kam zurück erſt mit der Abendſonne. So konnt' ich leicht dich ſehen; kein Verdacht Belauſchte die geheime Wonne In dieſes Haines grüner Nacht. O Wonne, gegen die des Hofes laute Freuden Und ſeine Herrlichkeit nichts als verkappte Lei⸗ den 380 Mich dünkten! daß ſie doch ſo ſchnell, ſo ſchnell ver— ſchwand! — 22— V Da ich dereinſt des Vaters Thron zu erben, Als deſſen einzig Kind, beſtimmet bin, ſo werben Viel Fürſtenſöhn' um meine Hand. Zwey drohn, verſchmäh' ich ſie, ſogar mit Krieg dem Land. Der eine, deß Gebieth das unſere berühret, Iſt der Marrubier Beherrſcher, unſer Feind, Der manchen blut'gen Krieg mit meinem Volk ge⸗ führet, Nun aber mich mit ſeinem Sohn vereint, Den Zwiſt vertilget will, ein neues Reich gegrün⸗ ½ det. 390 Ich ſoll den großen Zweck befördern, mich ver⸗ bindet Zu dieſem Politik, Vernunft und Menſchlichkeit. Der Prinz, für mich beſtimmt, kehrt itzt nach langen Reiſen In ſeines Vaters Arm zurück; von einem weiſen Gefährten nur begleitet, that er ſie Durch's ganze Griechenland und ſcheute keine Müh', Beſchwerde, noch Gefahr, ſich in den Herrſcher⸗ pflichten Und der Regierungskunſt genau zu unterrichten. Der Nebenbuhler, der nebſt ihm Die andern übertrifft an Macht und Unge⸗ ſtüm, 400 Iſt Telemanth, der Salentiner König, Noch größer iſt, noch reicher ſein Gebieth, Er ſelber ſtammt aus Telemachs Geblüt. Doch fürchten wir die Salentiner wenig; . — 2.2 — 23 Penn S Gebirg' erhebt, und mancher gin n ergießt Sich zwiſchen uns und zwiſchen ihnen. dem Mein ganzes Land, ſo wie mein Vater, iſt Für den Marrubier, der ſelbſt am Hof erſchienen, 1 We rber für den Sohn, furchtbare Gegen⸗ wart! ge⸗ und dollut Ungeduld auf die Erklärung⸗ harrt. 410 Von beyden Seiten droht ein kummervolles Leben Mir Unglückſeligen. Wie gern behielt' ich nicht in Die Frepheit/ dir mein Herz, dieß wenigſtens, zu 30 geben! er⸗ Allein du kenneſt ſelbſt und übeſt§ Kindespflicht. Mein Vater iſt zu ſchwach, in dräunden Kriegsge⸗ fahren gen Das Land zu ſchützen und den Thron, Darum beſchwört er mich bey ſeinen grauen Haa⸗ ren,. Durch meine Wahl ihm einen Sohn ne Zu ſchenken, deſſen Volk mit uns vereint, der Rache Verſchmähter Freyer trotz' und ſie zu Schanden er⸗ mache. 420 Was ſou ich nun? ich frage dich, Geliebter, ſelbſt um Rath; entſcheide du für mich. nge Die Pflicht der Tochter nicht verletzen, 4o0 Die Liebe ſo hoch, als Recht und Tugend, ſchätzen; Ich ſelber opferte mit Freuden ihr mein Blut, Doch dieſe beyden nicht; zwar kann ich wohl be— theuern, — — 24 Daß ich mit dieſer Haut bedeckt, mit meinem Muth Seiſten fähig wär', dem Untergang zu ſteuern⸗ Den euch Marrubier und Salentiner dräun. Bald ſollte meine Keul' ihr zahlreich Heer zer⸗ ſtreun 430 Und ſie mit Schimpf aus euerm Lande ſcheuchen. Allein was hülf' es? Laß mich immer Sieger ſeyn, Laß mir Auſoniens berühmte Helden weichen Und meinen Ruhm dem Ruhm Alcidens gleichen, Was hülf' es? Leo bleibt doch nur ein niedrer Hirt, Der nicmahls der Gemahl der Fürſtentochter wird. Sie iſt für mich dahin! Gedanke voller Qualen! Wie theuer muß ich jetzt den kurzen Irrthum zahlen! Ach! leid' ich weniger als du, ſo unter⸗ bricht Camille mich, doch ſtrahlt der Hoffnung ſpweches Licht 440 Noch ſtets durch meines Kummers Rächte, Denn der Marrubier ſucht minder meine Hand Für ſeinen Sohn, als meines Vaters Land. Ich will ihn ſprechen jetzt, will ſchwören, alle Rechte, Und alle Hoffnungen auf meiner Ahnen Thron, Ihm ſelber oder ſeinem Sohn, Nach meines Vaters Tod, freywillig abzutreten; nem ern, 430 eger n drer ter⸗ aches 44⁴⁰ 25„ Wenn er dagegen nur nicht meine Hand erzwingt, Und, krieget Telemanth, in dieſes Krieges Nöthen Dem theuren Vater Hülfe bringt. 460 Ich hoffe, doß mir's, ihn zu rühren, nöht miß⸗ lingt; Der ſtolze Fürſt gelanget ja zum Throne Durch dieſen Plan, den Liebe ſelbſt entwarf, Ich aber gönn' ihm gern die Krone, Wenn ich dafür dich ewig lieben darf. So ſprach ſie. Ich, bereit, ihr zu entſagen Zu ihrem Wohl, verbath dieß Opfer zwar Und rieth ihr ab; allein entſchloſſen war Die Liebende, für mich das Aeußerſte zu wagen. Fort ſlog ſie, ich, voll Seelenangſt und Gram, 460 Harrt' ihrer Wiederkehr; ſie kam, Sie kam zurück, nach drey unendlich langen Tagen. Ihr leuchtend Auge that des Herzens Wonne kund, Und ſanftes Lächeln floß um ihren Roſenmund. Wir werden glücklich ſeyn, ſo ruft ſie mir entge⸗ gen, Die Liebe machte mich verwegen, Ich habe, daß mein Herz auf ewig dir gehört, Frey dem Marrubier erklärt, Und ihm dereinſt den Zepter angebothen. Er war gerührt, belohnte mein Vertraun 476 Durch's ſeine, ja will ſelbſt an unſerm Glücke baun. Sein Sohn iſt, wie er erſt erfahren, bey den Todten; — 26— Er ſtarb in Kreta unbekannt. Des Sohns Gefährte ließ ihm dieſe Nachricht geben, Und blieb zurück im Dalmatiner Land. Er ſcheut des Vaters Grimm, er fürchtet für ſein Leben, Und der Marrußier beweinet nebſt dem Sohn Auch unſern nun für ihn auf ſtets verlornen Thron. Sich doch vielleicht darauf zu heben, Entwarf er einen zweyten Plan. 480 Er nimmt an Kindesſtatt dich, mein Geliebter, an, Da ſeinen Sohn ſeit deſſen Kindesjahren 4 Das Volk nicht ſah, noch jetzt des Jünglings Tod erfahren. Laß nach Dalmatien, begann Der Fürſt zu mir, ſchnell deinen Leo mi Dort trifft er ohne Fehl des Sohns Begleiter an, Dem mag er meinen Ring und meine Tafeln weiſen. Mit dem kehr' er als Prinz und Brautigam zurück, Bewahre durch die weiſe Lüge Zwey Völker, deins und meins, vor einem blutgen Kriege 490 Und gründe ſo ihr und ſein eignes Glück. Was ſagſt du, Freund, zu dieſer frohen Kunde? Wir werden glücklich ſeyn?——— doch wie? jauchzeſt nicht? Kein Dankgebeth entſtrömet deinem Munde? Umwölket bleibt dein Angeſicht? Woran gedenkeſt du? An die, ſo mich geboren, —— Rief ich⸗ 3 wär' für mich und ich für ſie ver⸗ . loren, und Leo, der ſie 6 hält, n Als jeden Thron, als jedes Glück auf Erden, Der müßte dann, zum mind'ſten vor der Welt, 500 Sie fliehen, ſie verläugnen, fremd ihr werden; Soll, darf ich das? allein es iſt nicht nur Der lautere Verboth der heiligen Natur, Was mir verwehrt, den Vorſchlag anzunehmen, Den der Marrubier uns that. Wie könnt' ich ohne mich vor dir und mir zu 5 1 men, Zum allerſchandlichſten Verrath An einem ganzen Volk die Frevlerhände leihen Und nicht der Götter Grimm, nicht mein Gewiſſen ſcheuen? Schon deß, den auf den Thron Geburt und Recht erhöhn, 510 Harrt ſtrenge Rechenſchaft, und was erwartet den, Der mit geſtohlnen Diademen Die unbefugte Stirn umgibt? ¹ Rein Theureſte, ſo ſehr mein Herz dich liebt, So gern ich auch der Liebe ſüße Rechte Und dein Gemahl nur einen Tag zu ſeyn, Mit meinem Herzblut kaufen möchte, 5 So tauft' ich doch dieß Glück nicht durch ein Laſter. Nein! Auch wär' es dann kein Glück; es miſchte das Ge⸗ wiſſen Mir gallenbittre Reu' zu deinen Honigklſſen. 520 Laß mich unglücklich zwar, doch rein — Von jedem Frevel, hier mein traurig Leben ſchlie⸗ ßen, Hier, o mir ewig theurer Hain! Hier ſahn zum erſten Mahl dich meine trunknen Blicke, Hier kämpft' ich dich, die ſchon des Todes Raub Geweſen war, ihmab; hier find von meinem Glücke Die Spuren überall; hier ſtrahlt aus jedem Laub, Aus jedem Gräschen mir dein Götterbild zurücke, Doch lebe wohl, vergiß, wie ſüß du hier geträumt, Vergiß des Manns, der fern ſich ewig um dich qudlen, 530 Sich gerne qudlen wird. Die Wolluſt großer See⸗ len, Die aus erfüllten Pflichten keimt, Die düftet dir auf deinen neuen Wegen Zum Hochzeitbett und zu dem Thron entgegen. Dieß ſagte ich, ſchwieg, ſah auf den Boden hin, Verbarg die Thränen, unterdrückte Die Seufzer. Sie auch ſchwieg, nahm meine Hand und blickte Mich lange Zeit mit Augen an, worin Bewundrung war, und Lieb' und Edelſinn. Ja, brach ſie endlich aus, dich ewig, ewig lieben 640 Und— dir entſagen, dieß iſt meine ſtrenge Pflicht, Ach! ich verkenne ſie, von dir belehret, nicht, Und ſtandhaft will ich ſie, wie du, mein Meiſter, üben. Ja dieſes Herz iſt dein, bleibt dein, bis daß es bricht, Und bald, ich fleh' darum die Götter, wird es brechen; en ke nt, 30 e⸗ . — 29— Dann will ich noch im Tod, treu unſerm Seelen⸗ bund, Mit ſtammelndem und blaſſen Mund Den ſüßen Nahmen Leo ſprechen. Hier ſchwingt ſie ſich auf's Roß, indem ſie alle Kraft Und allen Muth zuſammen rafſt, 560 Ruft mit erſtickter Stimm' ein Lehewohl noch⸗ breitet Die Arme gegen mich, blickt den geliebten Ort Wie Abſchied nehmend an, und reitet Dann mit verhängtem Zügel fort. Von dieſem Augenblick ſah ich ſie nicht mehr wieder. Hier ſenkte Leo matt das Haupt zum Buſen nieder Und ſchwieg: auch Numa ſchwieg; ſie hielten, ohn⸗ ein Wort Zu ſagen, lange Zeit ſich brüderlich umſchloſſen, Viel Seufzer ſtiegen auf, viel heiße Thränen ſloſſen. Doh ſich ermannend fuhr Held Leo wieder fort: 560 — barg den Gram, der mir am Herzen nagte, Vor meiner Mutter Blick; doch wann es mir miß⸗ lang, Wann ſie mit Zärtlichkeit: was trauerſt du? mich fragte; So ſagt' ich wenigſtens den wahren Grund ihr nie. Sie tröſtete mich dann, und ich belohnte ſie Für ihre mütterlichen Sorgen Dadurch, daß ich den Mund zum Lächeln zu verziehn „ 30— Mir Mühe gab, und ganz getröſtet ſchien. Doch war ich fern von ihr in meinem Hain verbor⸗ gen, So brach mein Gram vom frühſten Morgen, 670 Bis ſpät der Abend mich nach Haus Mit meiner Herde rief, in laute Klagen aus; Sie ſchallten um die Silberquelle. Den Wiederhall, der einſt von meinen Freuden ſprach, Rief ich allein durch Seufzer wach, Und feuchtete mit Thränen jene Stelle, Wo ich ſo oft an ihrer Seite ſaß, Das leiſere Geräuſch des fernen Waſſerfalles Mit Küſſen übertdubt', und ach! ein Neuling, alles Nur mit der Liebe Maßſtab maß. 580 Zwey Monden waren nun dahin und meine F Wunde So ſchmerzend noch, als in der erſten Stunde. Doch dieſes war dem Schickſal nicht genug, Das mich nun auch in meiner Mutter ſchlug. Sie wurde krank; umſonſt durchirrt' ich Berg' und Wieſen Nach Kräutern, die der Hirten Schaar Als heilend oder doch als lindernd mir geprieſen. Sie ſahe ſelbſt, daß keine Rettung war. Mein Leo, ſagt ſie mir auf ihrem Todtenbette, Indem ihr oft die Stimme bricht: 590 Du wardſt getäuſchet, ich bin deine Mutter nicht. Verzeih'! dafern ich's eh' geſtanden hätte, So wäreſt du vielleicht auf ewig mir entflohn. 1 les 80 nd Sieh, dieſer Edelſtein, mit fremden Charakteren — 3 1— Und überdieß bin ich berechtigt* Zum Muttertitel, da ich ſchon So frühe deiner mich zu deinem Wohl bemachtigt. Als die Peligner uns bekriegten und das Land Verwüſteten, entfloh ich meiner Hütte Und kam an des Aternus Strand Nach Avia, da ſah ich, daß in Mitte 600 Zerſtückter Leichname, bedeckt faſt vom Geſchütte Der Mauern und von Rauch und Brand Umringet, eine Wiege ſtand. Du lagſt darin voll Bluts: auch ſteckete dir Armen Der Dolch noch in der Bruſt. Mit zärtlichem Er⸗ Fr barmen. Legt' ich die Hand dir auf das Herz; es ſchlug. Und nun enthob ich dich der Wiege, trug Dich eilend weg aus dieſem Ort der Schrecken. Und bald gelang's mit, ganz in's Leben dich zu wecken, Ja dich darin durch guter Kräuter Saft, 610 Und was noch mehr, als aller Pflanzen Kraft Dem Kranken nützt, durch Pflege zu erhalten. Da ich an dir der Mutter Pflicht gethan, So nahm ich auch den ſüßen Nahmen an. Noch itzo, nahe dem Erkalten, Verlernet ihn mein zärtlich Herz ſo ſchwer. D möchteſt du doch bald die wahre Mutter finden! Zwar lieben kann ſie dich nicht mehr, Als ich gethan, obſchon die Bande, die euch binden, Von der Natur gewebet ſind. 620 Auch biſt du wohl erhabner Aeltern Kind. Peſchrieben, der om Tage der Gefahr, 6 Aus welcher ich dich riß, an deinem Halſe war, S Kann dir und ihnen einſt vielleicht das Glück ge⸗ S währen, 1 Euch wiederum zu finden; ich(verzeih'! 6 Denn ich geſteh's nicht ohne Scham und Reu') Fi † Ich barg ihn dir aus Furcht, daß du von hinnen Un Und in die weite Welt, ſie aufzuſuchen, zögeſt. 3 1 So ſagt ſie, küßt mir noch den bangen Abſchieds⸗ L tuß o0 2 1 Und ſtirbt an meiner Bruſt. Freund, nichts von 6 meinen Schmerzen, t 1 Du kannſt aus deinem eignen Herzen Und ſeiner Qual bey Tullus Tod den Schluß 6 Auf's meine ziehn. Ich bau' für die Entſeelte . Den Scheiterhaufen auf, begeh' dieß Trauerfeſt, 1 Und ſammle der Geliebten Reſt' 2 In einem Aſchenkrug, den ich, da beydes fehlte, Das Werkzeug und die Kunſt, aus Lindenholze höhlte. u Erhöh' den Raſen dann, grab ihn mit Thränen ein, 6 Und ſchrieb auf den davor gewälzten Stein: 640 L »Hier ruhet Myrtale. Der zärtlichſte der Söhne 2 1»Hat ihr dieß ſtille Grab erhöht. »Jedweder gute Sohn, der hier vorüber geht, 2 »Wein', eingedenk der Aeltern, eine Thräne.“ Z Und jetzt, wiewohl noch nicht der Klagen ſott, Z Entfernt' ich mich, empfahl die zugeſchlo ſſ'ne Hütte N Dem Schutz der Nymphen an, und flügelte die Schritte 2 ge⸗ len lze ein, 40 att/ tte ritte Wenn Leo von den Dienſten ſprach, 35 Nach der Veſtiner Königsſtadt. Kaum war ich angelangt und forſchte nach Camillen, Als wie ein Blitz die Schreckenpoſt mich trifft: 660 Sie hätte ſich nach langem Widerwillen Für Telemanth erklärt, vor kurzem eingeſchifft Und ſey vermuthlich ſchon im Land der Salentiner. Nun floh ich aus Cingilla fort Zum Apennin zurück und kam an jenen Ort, Wo wider Romulus des Mavors tapfre Diener, Die Marſen, ſich verſammelt und dem Heer Ein Führer nur gefehlt; zu wählen war hier ſchwer. Ich, jetzt zum erſten Mahl geſpornt von Ruhmbe⸗ gierde, Geſellte mich zum Heer und ſtieg zur höchſten Wür⸗ de. b6o Wie ich mein Amt verwaltet, welchen Lohn Der Staat mir gab, dieß, Numa, weißt du ſchon. Hier endigte der Held die traurige Geſchichte, Und las(ein Troſt, der jeden Gram Geringer macht) in ſeines Freunds Geſichte, Wie brüderlich er Theil an ſeinem Schickſal nahm. Des Beyfalls Ldcheln war auf Numa's holden Wan⸗ gen, Die Myrtale von ihm bis in das Grab empfangen. Doch bey dem Leid Camillens, bey dem bangen, 650 Dem letzten Lebewohl getreuer Liebe brach Aus Numa's Aug' ein milder Thränenbach. Indeſſen war vom Sonnengotte Der Lauf beynah' vollbracht; im früchtevollen Thal Ruma Pompilius. II. Th. C — 2 1 2— pflückt ſich das Heldenpaar ein kleines Abendmahl Und ruht dann in der Felſengrotte. Bevor der Schlaf auf ſie die Mohnſaftsſchale gießt, Sagt Numa ſeinem Freund, daß er entſchloſſen iſt, Nach Griechenland zu gehn; denn, daß er weiſe werde Und beſſer, acht' er nicht des langen Wegs Be⸗ ſchwerde. 680 Dafern das menſchliche Geſchlecht, Erwiedert Leo, Tugend übte, Treu ſeinen Pflichten wär' und echte Weisheit liebte, So ſagt' ich dir: zieh' hin! du hoffſt mit Recht, Den Geiſt durch ſie zu bilden, zu erhöhen, Und wollte ſelbſt mit dir in's Land der Künſte gehen. Allein, da überhaupt der Menſch, halb Böſewicht, Halb Schwächling iſt, ſo ſag' ich dir: zieh' nicht! Denn du wirſt überall dasſelbe Schauſpiel ſehen. Tyrannen auf dem Thron und Sclaven rings her⸗ um, 690 Beredt zur Schmeicheley, für Recht und Wahrheit ſtumm. In freyen Staaten Bürgerhorden, Voll Wankelmuths, geneigt zur Meuterey, Die zum Beweiſe, daß ſie frey Geboren ſind, ſich wechſelweiſ' ermorden. Und keimen hier und da, als eine Seltenheit, Ja große Männer auf, ſo wirſt du die vom Neid Verfolget ſehn, aus ihrer Stadt getrieben Und traurend, doch nicht um das Vaterland, Nein, um der Ehrenſtellen Tand, 700 So ſie weit mehr, als jenes, lieben. — 5 2 „„ 7— —„— — ießt, . iſt, veiſe Be⸗ 680 ebte, t ehen. icht cht! en. her⸗ 690 rheit eid 00 Drum keine Reiſe, Freund! wir brächten doch davon, Zu unſrer langen Mühe Lohn, Nur ein Paar Fehler mehr zurücke. Der Menſch iſt ſich genug zur Tugend und zum Glücke. Ein Richter, der Gewiſſen heißt, Zeigt uns, wenn wir ihn hören wollen, Weit ſichrer, was wir thun und was wir fliehen ſollen, Als Kenntniß einer Welt, die zwar den regen Geiſt Mit eitlen Wiſſenſchaften zieret, 710 Doch unſer weich gemachtes Herz verführet Und durch des Beyſpiels Macht es zu dem Laſter reißt. Wohlan ſagt Ruma, laß,(denn deine Gründe ſcheinen Mir wichtig) laß uns auf den Apennin In die verlaſſene Hütte ziehn. Ich will mit dir um dieſe Theuren weinen, Die du auf ſtets verloren haſt, Die Freundſchaft mindert ja des Unglücks ſchwere Laſt. So ſprachen ſie, bis aller Erdeſorgen Beſänftiger, der Schlummer, ſie beſchlich. 720 Mit neuer Kraft erſtehen ſie am Morgen Und machen leichtern Herzens ſich Nun auf den Weg; bald iſt der Equer Land durch⸗ reiſet, Und hinter ihren Rücken ſchallt Der Strom Tolonius, liegt der Albenſer Wald, Bis endlich ihrem Blick der Apennin ſich weiſet. C 2 —— —— — 36— In dieſem dunkeln Aufenthalt Des Wildes hatten ſie den ſteilſten Fels erſtiegen, Und manchen kühnen Sprung der Gemſe nach⸗ gewagt, Die ſie verfolgten; denn die Jagd 730 Gab ihnen Nahrung und Vergnügen. Auf einmahl lacht ſie an das angenehmſte Thal, Von hohen Bergen eingeſchloſſen, Beſdet mit Geſträuch, von Bächen rings durchfloſſen. An jedes Baches Rand ſtehn Oehlbäum' ohne Zahl, Stehn Pappeln, untermiſcht mit Erlen oder Linden⸗ Stehn Ulmen da, um deren Stamm Die Reben ſich, wie um den Bräutigam Der Anverlobten Arme, winden. Auch mancher Fruchtbaum hebt das ſtolze Haupt empor, 74⁵ Allein die Aeſte zieht der reiche Segen nieder. Die Luft iſt lau, der Vögel Chor Durchflattert ſie nicht ohne ſüße Lieder. Kurz, die Natur goß hier all ihren Ueberfluß Parteyiſch aus; die Freunde laben Sich wonnevoll an ihren reichen Gaben. Für jede reine Seel' ein himmliſcher Genuß! Sie wallen längſt dem größten Fluß, Und da ſie ſehn, er theile ſeine Wellen, So gehen ſie an ſeinen Armen fort, 750 Der an dem rechten, der am linken, und beſtellen Sich wieder an den Trennungsort. Dem Marſen kamen nichts als Früchte Und Bäum' auf ſeinem Weg und Blumen zu Ge⸗ ſichte. „—) egen, nach⸗ 730 al, oſſen. den 6 3 40 ß —50 ſelen 1 2 — 37— Doch glücklicher war Numa, der Sieht einen Lorberwald, an deſſen Rand umher Sich eine Herde zeigt, die Hund und Hirt nicht ſchützen. Dann, als er weiter dringt, erblicket er Jasmin Und Epheu ſich zu einer Laube ziehn Und drin die ſchönſte Nymph' auf blühndem Raſen ſitzen. 760 Weiß war ihr Kleid; ein Buch auf ihren Knien, Aufmerkſamkeit und Ernſt in ihrem Angeſichte, Das bey dem Hin- und Wiederfliehn Der Weſte bald mit Schatten, bald mit Lichte Beſtreuet, aber ſtets werth einer Gottheit ſchien. Glück, Seelenruhe, Frieden, Würde Und Offenherzigkeit war hier im engen Bund Mit jeder Grazie: die lüſterne Begierde Stand fern, den Finger auf dem Mund, Nur Ehrfurcht trat herzu mit edlem Selbſtver⸗ trauen,- 6 Die holde Leſerinn bewundernd anzuſchauen. Der Prinz, nachdem er ſie erblickt, Bleibt ſtehn und trinkt in langen Zügen Das lauterſte, das edelſte Vergnügen, Das nicht die Sinn' empört, nicht die Vernunft berückt. Er wähnet nicht, die Leſerinn zu lieben, Noch daß ſie eine Göttinn ſey, Denn lauter iſt ſein Geiſt und frey Vom Rauſche der Begier, die übertreibt, geblieben. So ſehr ſie höhern Weſen gleich, 780 So ſchön ſie iſt, ſo hold, ſo anmuthsreich; Kann dieß, die Wahrheit doch zu fühlen, ihn nicht hindern. Er ſieht in ihr die ſchönſte, doch zugleich Die tugendhafteſte von allen Erdekindern. Nun tritt er näher hin, theilt leiſe das Ge⸗ ſträuch, Und ſieht auf's Buch mit einem flücht'gen Blicke, Doch ſind ihm Sprach' und Lettern unbekannt, Und wieder ziehet er mit Vorſicht ſich zurücke. Jetzt aber naht ein edler Mann, die Hand Auf einen knot'gen Stock geſtützet, 790 Das Feuer, welches noch aus ſeinen Augen bli⸗ tzet, Obgleich ein Bart wie Schnee die Bruſt herunter fleußt, Die hohe Stirn, voll Majeſtät, durch Falten Gezieret, nicht entſtellt, zeigt einen ſeltnen Geiſt, Der groß im Alter auch und Unglück ſich erhal⸗ ten. Die Sonne ſinkt, ſo ſagt der Greis zur Schäfe⸗ rinn, Nun warten wir, mein Kind, mit unbeflecktem Sinn Der heil'gen vom Geſetz verordneten Gebräuche. Sie ſtehet auf und zeigt dem Lauſcher im Ge⸗ ſtrauche Den ſchönſten Wuchs, beut dann dem Greis die Hand; er geht 800 An dieſem beſſern Stab mit feſterm, ſchnellern Schritte 7— — — nicht 790 bli⸗ nter tem Ge⸗ die 300 ler Als er gekommen war, in eine kleine Hütte, Die tiefer in dem Haine ſteht. Aus Furcht, daß ihre Blick' ihn etwa über raſchen, Bleibt Numa im Geſträuch ſtarr, wie ein Marmor⸗ bild. Er ſieht, daß ſie die Händ'in einem Bache waſchen, Der ſilberrein dem nächſten Fels entquillt, Dann in die Hütte gehn; bald aber zeigen beyde Sich wieder und der Greis in einem kürzern Kleide. Ein Gurt aus vielen Schnüren flicht 810 Um ſeine Lenden ſich, ein dünn gewebter Schleyer Bedeckt zur Hälfte ſein Geſicht. Ein ehernes Gefäß voll Feuer Trägt er mit Ehrfurcht her und ſetzt's auf einen Stein, Der ſ5ön geglättet iſt, dem Vater folgt die holde, Andächt'ge S nach; ſie knien vor's Feuer, ſtreun Rauchwerke, werfen wohlgedörrte Wurzeln drein, e als ſie's angeſchürt mit zwey aus feinem Golde Zangen, folgt ein feyerlich Gebeth, Wovon der Held die Sprache nicht verſteht. 820 Als dieß geendigt iſt, erhebt ſich von der Erde Das edle Paar;; der Greis nimmt das Gefäß und geht Zür Hütt', aus der er kam: ſie ſammelt ihre Herde, Schließt ſie in einen Park und folgt ihm. Lauſchend ſteht — Noch immer Numa da, Bewundrung in der Seele. Mit Müh' entziehet er der Hütte ſeinen Blick Und kehrt dann zu dem Freund zurück, Damit er ihm, was hier geſchah, erzähle. — 5 d. 8 S ——— Bald findet Numa ſeinen Freund, Erzählet ihm entzückt, was er geſehen⸗ Und fleht ihm, mit zur Hütte hinzugehen. Sie pochen an. Die Schäferinn erſcheint, Jedoch verlegen und berroffen. Sey ruhig, Schöne, ſo begann Der Marſen Held, denn wir, als gute Menſchen, hoffen Auf eure Gütigkeit, flehn euch um Herberg' an. Und iſt das Morgenthor durch Tithons Gattinn offen⸗ Dann, unſern Wanderſtab ergreifend, ſagen wir 10 Den Göttern Dank und ſegnen euch dafür. Die Jungfrau meldet dieß dem edlen Greis; erſitzet Auf einem Strohbett und bewegt Die Spindel, welche ſie erſt aus der Hand gelegt. Ein Paar Gefäße, grob aus ſchlechtem Holz ge⸗ ſchnitzet, Ein Tiſchchen, das nicht feſt auf ſeinen Füßen ſteht, Und um den Tiſch baufäll'ge Stühle, Das iſt, nebſt einem Saiten ſpiele Von Ebenholz, das ganze Hausgeräth. Der Greis erblicket kaum die Gäſte, 20 So führt er ſie hinein mit holder Freundlichkeit Und ruft der Tochter zu, halt, Anais, das Beſte, Was Hütt' und Gärtchen hat, den Fremdlingen bereit. Sie folgt dem Wink des Vaters unermüdet, — 4 4— Facht das ſchon halb erloſchne Feuer an Und ſetzet friſch gehohltes Waſſer dran, In einem ehernen Gefäße; bis es ſiedet, Eilt ſie dem Gärtchen zu und ſucht Des Oehl⸗, des Apfelbaums, des Weinſtocks milde Frucht Und einen reinen Honigfladen 30 Und Blumen aus, die Tafel zu beſtreun, Wozu der Greis und ſie die Fremden traulich laden, Auch bringt ſie das Gefäß mit Waſſer bald herein, Daß ſie ſich drin die müden Füße baden. Der Alte wäſcht ſie ihnen, ob ſie gleich Den niedern Dienſt verbitten; dann erfriſchet Am Mahl, das Anais holdlächelnd aufgetiſchet, Er ſelbſt ſich auch, in ſeiner Armuth reich. Die Gäſte ſind in Staunen ſo verloren, Daß manches Wort an ihren Ohren 40 Abgleitet, und ſie kaum dem liebenswürd'gen Wirth Den wohl verdienten Dank für ſeine Güte bringen. Meiſt ſchweigen ſie; das Auge Numa's irrt Die Hütte durch, doch kehrt's von allen Rebendingen Stets wiederum zurück zur ſchönen Schäferinn. Ihr ſanftes Weſen, ihre Liebe Zu dem, der ſie erzeugt, ihr himmelreiner Sinn Und ihr beſcheidner Werth, der gern verborgen bliebe, Doch nicht verborgen bleibt, reißt ſeine Seele hin. Er fühlet nie zuvor gefühlte Triebe 50 Und voller Schüchternheit erlaubt er ſich nicht mehr Als den geheimen Wunſch: Ach! wer ihr Bruder wär'! —— —„„ —— nilde 30 den, ein, 4⁰ irth gen. gen ebe, hin. 50 ehr der „— — Jetzt dich, jetzt Anais, als ob er ſelbſt ſich fragte: 60 Du Marſen⸗Held, warſt meiſtens mit dem Alten Beſchäftigt, ſeiner Stirn verehrenswerthe Falten, Sein ſeltnes, ſilberweißes Haar, Sein Ernſt, der niemahls ſtreng' und ungefällig war, Und alles, was er that, und alles, was er ſagte, Erfüllte deine Bruſt mit warmer Zärtlichkeit. Auch er betrachtet lange Zeit Iſt zwiſchen ihm und ihr nicht Aehnlichkeit? Er ſeufzt dabey und läßt die ſüßen Früchte, Die er vor ſich hat, unberührt. Gram zeiget ſich auf ſeinem Angeſichte. Als dieß die edle Tochter ſpürt, Ergreifet ſie, voll kindlichem Gefühle, Des Greiſes Hand, ihn zu zerſtreun, bemüht. Und langt nach ihrem Saitenſpiele, Die Gäſte ſind ganz Ohr; er ſelber horcht ihr Lied. Sie ſinget, wie das Weltgebäude 50 Durch Oromazes Wort entſtund, Wie das Geſtirn des Tags, ein Hauch von ſeinem Mund, Mit heißem Kuß Gebirge, Thal und Heide Befruchtete; wie dann unſterblich, makellos, Begabt mit einer ew'gen Jugend, Der Menſch geſchaffen ward und lebte, frey und groß, In Oromazes Schutz, bis er dem ſanften Schooß Der zwey Geſchwiſter, Glück und Tugend, Entlocket ward durch Arimanes Liſt Undeerſt ſeit dieſer Zeit ſchwach, alternd, ſterblich iſt. 80 4 6„ Wie Oromazes doch das Flehn der Beſſern hörte, Und einen edlen Mann erweckte, welcher Recht Und Billigkeit das menſchliche Geſchlecht Mit hoher Einfalt wieder lehrte, Geſetze gab, den einzigen Erſatz Für der Gerechtigkeit ſchon halb verlornen Schatz, Des Arimanes Reich bekriegte Und durch die Kraft des Oromazes ſiegte, In dem erſiegten Reiche dann Die Tugend wieder pflanzt' und alles Guten Sa⸗ men 90 Verſtreuete... Hier blickt der Greis die Toch⸗ ter an. Sie merkt den Wink, verſchweigt des edlen Man⸗ nes Nahmen, Der auf die Lippe ſchon aus ihrem Herzen drang, Und endiget den heiligen Geſang. Die Freunde hörten ihn mit innigem Vergnügen Und ſehen bald, daß die Religion, Die Anais gelehrt, in ihren erſten Zügen Der gleiche, die der Muſe Sohn, Mäonides Homer, den rauhen Griechen mahlte. Allein der Silberton der holden Sängerinn, 100 Ihr hohes Lied, und daß darin So rein die Sittenlehre ſtrahlte, Als der entwölkte Mond in einem dunklen Hain, Dieß alles übertäubt des edlen Numa Sinnen, Er wähnt in dem Olymp zu ſeyn, Wo ihn die weiſeſte der himmliſchen Göttinnen Minerva ſelbſt Myſterien gelehrt, Von welchen niemahls noch ein ſterblich Ohr gehört. — 2 28 2 c 2 2 28 22 „ 3„„— a, 90 och⸗ Ran⸗ — —— —— ——.——————— Am Morgen ſchicken ſich die Jünglinge zur Reiſe, Doch ungern an, und ungern auch 110 Entlaſſen ſie die Jungfrau und der Weiſe. Der letzte gibt dem Marſen einen Schlauch Voll ſüßen Weins; ſie aber plündert Beynah' den Garten aus für Numa. Itzo ſchlägt Die Abſchiedsſtund', und alle ſtehn bewegt, Gerührt, beklemmt; doch was den Schmerz der Trennung lindert, Iſt dieſes, daß der Helden Paar Verheißen hat, in den geliebten Gründen, Wo Geiſt und Leib ſo wohl bewirthet war, Sich nächſtens wieder einzufinden. 120 Schon ſind ſie fern und ſetzen, ohn' ein Wort Zu reden, ihren Weg wohl eine Stunde fort. Wer iſt der Greis, der ſo mein Herz an ſich ge⸗ zogen, Denkt Leo, wie kam er in dieſes Land? PVermuthlich trug von einem fernen Strand Die See ihn her auf ungeſtümen Wogen, Des Edlen Gottesdienſt und Sprach' iſt unbekannt. So denket er; doch Numa, deſſen Seele Nach Anais ſich ſehnet, unterbricht. Das Schweigen, wendet ſich zu ſeinem Freund und ſpricht: 130 Stünd' itzt, daß ich auf ſtets mir einen Wohnort wähle, Die Welt mir offen, Freund! ich wählte dieſes Thal. — ——————— Auch ich, fallt Leo ein, wir bauen in der Mitte Des Lorberwalds bald eine zweyte Hütte. Nur laß mich noch zum letzten Mahl Die ſehn, wo meine frühſte Jugend Dahinfloß, Myrtalen, Camillen und der Tugend Geheiliget, laß mich auf meiner Mutter Grab, Laß mich auf jenen Fels, wo meinen treuen Küſſen Die Tugend ſelbſt Camillen gab 140 Und wieder nahm, ein Thränenopfer gießen. Er ſprach es, und Melancholie Bemächtigt ſich allmählich ihrer Seelen. Doch holde Freundſchaft läßt es nie, Der Gram ſey noch ſo tief, an Troſt und Lindrung fehlen. Auch unſerm Heldenpaar hat ſie das kranke Herz Durch ihre Stärkungen erfriſchet Und in die Bitterkeit, die jeder lange Schmerz Zurück läßt, Honigſeim mit ſanfter Hand gemiſchet. Zweh Tage wandern ſie durch manches Dorn⸗ gehäg', 160 Auf manchem rauhen Pfad, auf manchem Fel⸗ ſenſteg. Am dritten ſtellt ſich ihrem Blicke Die Hütte Leo's dar. Als wie in einem Traum Verſunken, ſtehet der; denn jeder Platz und Baum Ruft in ſein Herz Erinnrungen zurücke. Hier lehrt' ihn Myrtale die erſten Pflichten: hier Vertändelt' er an ihrer Seit' als Knabe Den halben Tag, dort pflanzt' er Blumen, ihr Zu Run Ech In Reh ſe Die Hie Zu Ga Ni Mitte ugend ab, Küſſen 14⁰ drung eHetz nerz iſchet. Dorn⸗ 15⁰ raum Baum hier Zu einer angenehmen Gabe⸗ Nun ſteht er an der Hütt' und, knieend vor der Thür, 160 Erhebt er Hand und Mund: O heil'ge Nymphen, ihr In deren Schutz ich einſt ſo ſüß geträumet habe, Nehmt meinen Dank, der groß, wie eure Wohl⸗ that, iſt, Nehmt den indeſſen, bis auf meiner Mutter Grabe Die Milch⸗Libation auch euch zu Ehren fließt. Hier ſteht er auf und geht mit feyerlichem S Zur Thür hinein: er findet ſeine Hütte Ganz in demſelben Stand, in dem er ſie verließ; Sein Spaten, Bogen, Köcher, Spieß, Richts fehlte, nichts, auch nicht die Schäfer⸗ flöte/ 176 Worauf et ſtets der Morgenröthe Ein zärtlich Lied entgegen blies. Nachdem er alles das halb traurig, halb eifreuet Beſehen, eilt er hin auf ſeiner Mutter Gruft. Von weiten locket ſchon ihn friſcher Blumen Duft- Und welke, hier und da verſtreuet, Verkündigen, daß eine fromme Hond Dieß Opfer Tag für Tag der Abgeſchiednen weihet. Held Leo ſegnet ſie, kniet nieder und bethaut Mit Thränen ihre Kränz' und rings die Raſen⸗ ſtelle, 186 Dann eilet er zum Rand der Felſenquelle, Wo er Camillens Reitz zum erſten Mahl erſchaut⸗ Er ruft in ſeines Herzens Fülle Den theuren Nahmen überlaut, MNuma Pompilius. II. Th. D Da rauſcht es auf dem Fels; er ſiehet hin und traut Den Augen kaum— ſie ſelber iſt's, Camille. Er ſtürzt auf ſie, die dieſe Freude kaum Ertragen kann. Biſt du's, die mir am Buſen lieget? So ruft er, oder iſt's nur bloß ein ſüßer Traum; Dann, Götter, tödtet mich, bevor er noch ver⸗ flieget. 190 Ich ſelber bin es, zweifle nicht, Dich täuſcht kein Traum, erwiedert ſie und flicht Die Arme feſt um ihn, der Schluß des Himmels kettet Mein Leben, welches du gerettet, Auf ſtets an's deinige; drum weine nicht, mein Freund! So ſagt ſie ihm, indem ſie ſelber lächelnd weint. Doch blitzt ihr Auge ſanft durch dieſe Wonnethrä⸗ nen, Wovon benetzt die Wangen ſich verſchönen, Wie wenn der Sonne Strahl durch eine Wolke blitzt, Die einen perlengleichen Regen 200 Auf junge Roſen niederſpritzt, Damit ſie ſchöner blühn, erquickt von dieſem Segen, So bald der erſte Freudenrauſch Vovüber iſt, der erſte Küſſerauſch; Führt Leo ſie zum Platz, wo ſie ſo oft geſeſſen Und alles, was nicht Liebe war, vergeſſen. Hier, ſagt er, zwiſchen mir und meinem andern Ich, Erzähle, was du littſt, ſeit uns das Schickſal trennte, Und Sie Un nund lieget! aum; er⸗ 100 ſicht mmels mein int. tethri⸗ Volke 200 begen⸗ en 30 — —— 51— Und gute Gott dieß Wiederſehn uns gönnte. Sie lächelt auf Numa, ſetzet ſich 210 Und fängt nun an, indeß mit wißbegier'gen Seelen Das Heldenpaar ihr lauſcht, ihr Schickſal zu er⸗ zählen: 35 meine Pflicht, die ſchwere Pflicht er⸗ füllt, Den Krieg verhindert, Telemanthen Mich zugeſagt; mit ſeinem Abgeſandten Schon auf dem Schiff, doch dein geliebtes Bild Im Herzen noch, bath ich die Götter um nichts, als um den Tod; ein Sturm ward mein Erretter. Denn unfern von Metina brüllt Das Heer des Aeolus durch die geſchwärzten Wel⸗ len; 220 Sie heben ſich; das Waſſer ſchwillt Zum Himmel; eine Nacht, die Blitze nur er⸗ hellen, Verdecket ihn den Blicken; alles droht Den Andern, mir verſpricht es ſichern Tod. Auch ſiehe! wenig Augenblicke, So wirft ein Windesſtoß mit ſchrecklicher Gewalt Das Schiff an einen Fels und ſchmektert es in Stücke, Der letzte Jammerruf der bangen Schiffer ſchallt Roch in den Sturm, bis ſie das Meer verſchlun⸗ gen. 52„— Ich ſelbſt, wie ich ſchon unterſank, 230 Schon die geſalzne Fluth mit Mund und Ohren trank, Erfaſſe noch ein Bret, und als ich hart gerun⸗ gen, Der Wogen Ball, der Winde Spiel; Beruhigt ſich das Meer, des Sturmes Brüllen ſchweiget, Und die zurück gekehrte Sonne zeiget Von fern mir ein Geſtad' als ein erwünſchtes Ziel. Bald iſt's erſchwommen, bald erklimmet das Ge⸗ ſtade. Ich danke nun den Göttern, deren Gnade Mich von dem Wellentod und, was ich mehr ge⸗ ſcheut, Als dieſen, mich vom Arm des fremden Manns be⸗ freyt. 20 Ich blickte rings um mich und ſahe Ein thürmendes Gebirg', ein herdenreiches Land. Ich fragte, wo ich ſey und ſieh! der wolkennahe Garganus war's, an deſſen Fuß ich ſtand. Der mir hiervon Bericht ertheilet, Ein Schäfer, führte mich in ſeine Hütte hin, In welcher ich drey Tage lang verweilet. Mit friſchen Kräften, frey'erm Sinn Verließ ich nun des guten Wirthes Wohnung Und gab mit Freuden ihm zu ſeiner Treu' Beloh⸗ nung 250 Vom Golde, das ich bey mir trug, Den größten Theil; der Reſt war noch genug, — — S Unt Nar Na Pe Ke — 230 d Ohren t gerun⸗ Brüllen Im Dorfe mir Dienens inei Spieß, Jügertaſche, Pfeil und Bogen zu ver⸗ ſchaffen, und ſo entſchloß ich mich allein zum Nach Leo's Hütte binzuziehn; Nach Leo's Hütte! der Gedanke gab mir ſchwa⸗ chen, Verirrten Weib Entſchloſſenheit; vünſchtes das Ge — nehr ge⸗ anns be⸗ 2% Land. ennahe hin/ ung BPeloh⸗ 250 nuh/ Kein Fels war mir zu hoch, kein Fluß war mir zu breit/ Durch Dornen eine Bahn mit wunder Hand mir machen, 260 Den größten Theil der Nacht fortwandern ohn Scheu, Vor wilden Thieren nah' vorbey, Trank, Speiſe, Nahrung, Obdach miſſen, War eine Kleinigkeit für mich, Ich dachte ja, Geliebteſter! an dich, Und zehrt' im voraus ſchon von deinen Honig⸗ küſſen. Ein Uebel nur, nur eines fürchtet' ich, Ich fürchtete, daß auch, gerettet aus dem Meere, Ein Salentiner ſich in dieſe Gegend kehre Und mich zurück zieh; ich errieth 270 Es nur zu wohl. Wo an's Samnitiſche Ge⸗ 6 bieth, Das der Frentaner ſtößt, ſchlief ich in einer Höhle, Und als ich ſie, weil ſchon die Dämmerung er⸗ graut, Verlaſen wollte, hör' ich Salentiner laut ——— — ———— ————— 5 4— Von mir und meinem Tode ſprechen. Wie ich, erreichten ſie den Strand Und halten nackt und arm in einem fremden Land Raub für ein nöthiges Verbrechen. Von mehr als Todtenangſt ergriffen, hör⸗ ich ſie, Steh' unbeweglich da und drücke meinem Mun⸗ de 280 Die Hand auf, daß ihm nicht der kleinſte Hauch entflieh'; So ſteht ein Reh, wenn eine Kuppel Hunde, Die ſchon nach Beute lechzt, vorbey rauſcht und mit Staub Das niedrige Geſträuch bedecket, Worin es hinter dichtes Laub Und ſchirmendes Gezweig' und Aeſte ſich verſtecket. Der Salentiner Trupp war längſt entfernet, eh' Ich mich hervor aus meiner Felſenhöhle, Noch immer bang, noch immer lauſchend, ſtehle Und ſo empor zur Göttinn Venus fleh': 290 O du, der Menſchen Frau, der Götter Frau, ge⸗ boren Vom Schaum des Meers, warſt meine Retterinn Auf deinem Meer; allein die Wohlthat geht ver⸗ loren, So lang' ich fern von meinem Leo bin, Drum höre mit geneigtem Herzen Der Liebe Flehn, o du, die ihre Schmerzen Aus eigener Erfahrung kennt, O leite mich zu ihm; ſoll ewig denn getrennet Ein treues Paar, zernagt von Sehnſucht, ſchmach⸗ ten? „ Land h ſie, Mun⸗ 280 Hauch und mit ſtecket. „ch tehle 290 au, ge⸗ erinn er⸗ zui⸗ — 2 S Ich will dafür am Ort, wo wir zuerſt uns . ſehn, 300 Dir einen Dankaltar erhöhn, Und eine weiße Ziege ſchlachten. Kaum ſprach ich dieſes Wort, ſo ſaß Ein Taubenpaar, der Luft entſtürzt, vor mir im Gras. Ich nehme freudig an die gute Vorbedeutung Und überlaſſe mich mit Zuverſicht der Leitung⸗ Die Venus ſelber mir durch ihre Vögel gönnt. Oft ſeh' ich ſie hoch über Bäume reiſen, Oft nah' hin an der Erde kreiſen, Doch meinen Blicken nie enteilend, nie getrennt; 310 Oft ruhten ſie wohl auch und laſen Sich Nahrung auf in dem beblümten Raſen. Ich folge ſtets den Wegeweiſern nach Und ſtand am neunten Tag indem ich meine Schritte Beflügelte, vor meines Leo Hütte. Sie ſaßen oben auf dem Dach, Hier hört' ich ſie noch ein Mahl klagend girren, Dann fern von mir hoch in die Lüfte ſchwirren. Urtheile ſelbſt, mein Leo, wie entzückt Camille war; doch düſtre Wolken trübten 320 Den Wonnehimmel bald, als ſie nach dem Gelieb⸗ ten Vergebens Blick und Stimme rings verſchickt, Ihn in der Hütte nicht, nicht an der Silber⸗ quelle, — 56— Nicht auf dem Fels, an der bekannten Stelle, Nicht in der ganzen Gegend fand. Nachdem ich lang' umſonſt den Wald durchirret habe, Ging ich zurücke, kam zu deiner Mutter Grabe Und las die Aufſchrift dort von deiner frommen Hand. Ach, dacht' ich, ſicher iſt von Lieb' und Angſt be— klommen, Er hingeeilt in meines Vaters Stadt, 330 Und weh' mir, wenn er dort vernommen, Daß mich der Sturm verſchlungen hat! Doch ſey es, wie es ſey, er wird doch wieder kommen In den ihm ewig theuren Wald. O Schatten Myrtalens, horch' auf der Liebe Bitte, Umſchwebe deinen Sohn und leit' ihn, leit' ihn bald Zu ſeinem Mädchen! dann wird dieſe kleine Hütte Der Liebesgötter Aufenthalt. So bath ich, und, nicht ohne viel Be⸗ ſchwerde, Verſamml' ich deine durch den Wald 340 So lange ſchon zerſtreute Herde. Viel deiner Schaf' und Ziegen horchten mir, Als kennten ſie mich noch, und folgten gern zur Hürde. Ich aber freute mich, daß deine Habe dir Erhalten und vermehret würde. e, chirtet be mmen ſ be⸗ 330 wieder N Liebe t ihn Be⸗ 30 n zur — 57* Zwar freylich gab es auch in meiner Einſamkeit Umwölkter Stunden viel, und bittre Zweifel ſtritten Mit meinen Hoffnungen, doch Jahre voller Leid Verlöſchte die mir nun beſcherte Seligkeit. Du biſt in meinem Irm, ich habe nichts gelit⸗ ten. 350 So ſaget ſie. Snen von ſeinem Glück berauſcht, Das treue Paar unſchuld'ge Küſſe tauſcht; Erhöht ihr Freund den heil'gen, von Camillen Verſprochenen Altar, ſucht eine Ziege dann, Die ſchönſte, die er finden kann, Zum Opfer aus. Dank, Ehrfurcht, Anbacht füllen Run Aller Herz. Indeſſen ſinkt die Nacht Von dem Olympus feucht hernieder, Und als der junge Morgen wieder Auf ferner Berge Spitz' erwacht, 360 Bringt Numa, frühe ſchon gewöhnt, die Prieſter⸗ pflichten Bey ſeinen Opfern zu verrichten, Den Manen zum Geſchenk zwey ſchwarze Schafe dar, Vier Lämmer weiß wie Schnee, der Ceres, und nun kehret, Nachdem er Segen erſt von dem Olymp begehret, Der Opfrer ſich zu dem getreuen Paar, Vereinigt ihre Händ' am heiligen Altar In Myrtalens und Ceres Nahmen Und ſingt, bis ſie zurück zu ihrer Hütte kamen, Den frohen Hymenäus laut. 390 O heiligſtes von allen Hochzeitfeſten, Wie wenig denen gleich in fürſtlichen Palläſten, „ 583— Wo man mit eitlem Prunk zwey Herrſcherkinder traut: Dort rauſcht der goldnen Tänzer Reigen Durch weite Marmorſäle hin: Hier ſchließt ſich Herz an Herz, die Götter nur ſind Zeugen, Die Freundſchaft nur iſt Prieſterinn. Der edle Numa denkt, indem er an dem Glücke Des neu verlobten Paars lebhaften Antheil nimmt, Roch mehr, als je zuvor, an Anais zurücke. 380 Doch was die Soite ſtets in ſeinem Herzen ſtimmt, nennt er Liebe nicht; denn ach! er kennt die Tücke Von dieſer böſen Leidenſchaft. Sie untergrub ihm ſeiner Seele Frieden, Nahm ſeiner Tugend ihre Kraft. Doch was er itzo fühlt, iſt ganz von dem ver⸗ ſchieden, Was für Herſilien ſo blind ihn hingerafft. Das Gg Er fragt, nachdem die neuen Gatten Sechs oder ſieben Tag' in ſüßer Schwärmerey Verküſſet und vertändelt hatten, 390 Ob Leo noch zu dem entſchloſſen ſey, Wozu er hiebevor entſchloſſen war, die Reiſe In's ſchöne Thal zu thun. Es lächelt(denn er fragt So unruhvoll) ſein Freund; erröthend aber ſagt Der Fragende: du ſelbſt ver ſprachſt es ja dem Greiſe. nder ſind e mt, 360 rzen vet⸗ 30 er 9 dem 1 **— 5 9—— Er ſagt's, und alle drey begimnen ſie die Reiſe Nicht waffenlos, der tiefe Wald Iſt manches wilden Thiers ei Aufenthalt. Voll Ungeduld, verdoppelnd ſeine Schritte, Eilt Numa ſtets voraus und eilet deſto mehr, 400 Je näher ſie der theuren Hütte, Dem Ziel der Reiſe, ſind; duch führt' ein Gott ihn her. Das kläglichſte Geſchrey ertönt zu ſeinen Ohren, Weh mir! ſo heult's, ich bin verloren!. Der Greis und Anais in ſchrecklicher Gefahr, Sind weggeſchleppt von einer Räuberſchaar; Umſonſt iſt all ihr Flehn, umſonſt ſein Wider⸗ ſt'reben, Die Räuber hören nicht und drohen ſeinem Leben Mit einem aufgehobnen Stahl. Der edle Ruma ſieht's; es ſehn, den Degen zü⸗ 3* 1 cken 410 Hinſtürzen auf den Troß, und zwey zur Hölle War Eins. Nun ſchlägt gleich einem Wetter⸗ 1 ſtrahl Des Helden Schwert bald den, bald jenen nieder, Doch dränget ihn der Feinde Zahl, Auch fließt ſein Blut; er kämpft, allmählich müder⸗ Und ach! es iſt um ihn gethan, Wenn länger fern Camill' und Leo zaudert. Doch ſieh! es naht vereits das edle Paar, durch⸗ ſchaudert Von Angſt für ihren Freund, zieht ſie den Bo⸗ gen an, —— 60— Schon fliegen ihre ſichern Pfeile 420 Auf den erkannten Räuberſchwarm, (Die Salentiner ſind's) auch ſchwinget Leo's Arm Auf der Verräther Haupt die fürchterliche Keule, Der Greis ſogar, der eines Todten Schwert Ergriffen hat, vertheidigt ſeine Freunde, Wiewohl der Kampf nun nicht mehr lange währt, Bald ſind ſie hingeſtreckt, die frevelhaften Feinde. Nun die Gefahr vorüber iſt, Nun ihn der Greis und Anais mit Zähren Des wärmſten Danks als ihren Retter ehren; 430 Nun fühlt er erſt, daß Blut von ſeiner Rüſtung fließt. Gefährlich nicht, doch tief ſind ſeine Wunden, Auch iſt des Helden Kraft durch jähen Uebergang Vom Schmerz zur Luſt allmählich hingeſchwunden. Der Greis und Leo tragen bang Auf ihren Armen ihn zur Hütte Und(o! für welchen Preis er gerne tauſend Mahl Den grauſamſten der Tod' und jede Höllenqual Des Siſyphus und des Jrion litte!) Ihm drücket Anais die Hand. 440 Sie hohlt⸗ ſie bringt, ſie wärmt die Kräuter zum Verband. Sie und der Greis und Leo und Camille Verlaſſen nicht ſein Bett und kürzen ihm die Zeit Durch freundſchaftlich Geſpräch, durch Ernſt und Fröhlichkeit. —= 61„ NRicht ſelten auch herrſcht eine heil'ge Stille; Der Greis und Leo ſehen dann Faſt immer ſich mit tiefer Rührung an. Auf einmahl fleht den Greis der Jüngling: Ach * erzähle Doch deinen Lebenslauf! der Greis gehorcht und ſpricht, Gen Himmel ſeinen Blick gekehrt, die ganze Seele 460 Auf ſeinem röthern Angeſicht: Ich bin erzeugt aus königlichem Samen, Ein Perſer aus der Bactrer Land Und Zoroaſter iſt mein Nahmen, Durch Aſien berühmt, auch hier vielleicht bekannt. Das Antlitz ſeiner Hörer zeiget, So wie der Weiſe ſich genannt,! Verwunderung und Ehrfurcht, jeder ſchweiget, Auch Anais wagt nicht zu ſprechen; doch be⸗ währt Ein Lächeln, das mit ſanften Zügen 460 Den ſchönen Mund umſchwebt, ihr inniges Ver⸗ gnügen, Daß mon auch hier den großen Nahmen ehrt. Mein unglückſel'ger Vater, fährt Der Greis beſcheiden fort, beſieget und entthro⸗ 5 net PVon dem Aſſyrer König, bath Die Förben Aſiens um Schutz, um Hülf und Rath. Allein, das ſanfte Mitleid wohnet —.— ——— — 62— An Höfen nicht. Moin Vater, als er ſtarb, Und er ſtarb bald darauf, ließ mir nebſt ſeinen Rechten Nur die Erfahrungen, die Unglück ihm erwarb. 470 Die Krone, welche mir gebührte, zu erfechten Entſchloſſen, ſammelt' ich ſogleich Ein nicht geringes Heer, ging in das Land der Ahnen, Gewiß, mir bald den Weg zur Königsſtadt zu bahnen. Doch als ich ſahe, daß mein Reich Der König Ninivens, der weiſe Phul beglückte, Und dieſer edle Sohn des Uſutpators mehr Die ungerecht erworbne Krone ſchmückte, Als ich die rechtliche zu ſchmücken fähig wär', So fühlt' ich, daß beym Tauſch nur ich allein ge⸗ wönne, 480 That auf den Thron von Perſien Verzicht, Entließ mein Heer, damit das Blut der Edlen nicht Für einen eitlen Ehrgeitz rönne, Wovon den Keim zwar jeder Edle fühlt, Doch den ich, jetzo zu erſticken, Für Pflicht und Menſchenliebe hielt. Anſtatt die Stirn mit Kronen mir zu ſchmücken, Ging ich der Weisheit nach, ſtudierte die Natur, Entledigte mich allen Ranges Und zog dahin bis an den fernen Ganges 490 In der Sineſen Reich zu Brama's Prieſter⸗Chor. Umſonſt! denn überall fand ich, daß Aberglauben Und Politik in einen dichten Flor ſen ge⸗ 80 — — N e „— — 6 3— Der Göttinn Angeſicht zu hüllen ſich erlauben. Verzweifelnd jemahls ſie in ihrem Glanz zu ſehn, Wünſcht' ich den Tod. Doch Oromazes blickte Mit Huld mich Forſcher an und ſchickte Mir einen Strahl des Lichts von ſeines Thrones Höhn. Ich flieh' in Wüſten; dort leſ' ich, von ferne, N Im Buche der Natur zwey Mahl zehn Jahr' und lerne 600 Doch wenigſtens das erſte Blatt verſtehn. Ich lerne Gott, den Einzigen, verehren, Ich lerne, daß dereinſt der Geiſt, mein beſſ⸗rer Theil, Zu ſeinem Schnfer wiederhehren Und nach Verdienſt dort Unglück oder Heil Erhalten wird. Gott iſt die eiv'ge Güte. Aus meinem eigenen Gemüthe Zog, ſo gering' ich bin, ich dieſe Wahrheit ab. Doch weil es Uebel gibt, gibts auch ein anders . Weſen, Gott und den Menſchen feind, den Urquell alles Böſen, 510 Dieß necket, qutilt, verfolgt uns Arme in's Grab. Mein ganzes Herz verfluchte dieſes Weſen Und bethete den Schöpfer an. Sein treuſtes Bild, ſo dacht' ich, iſt die Sonne, Sie laufet raſtlos ihre Bahn 20 In Gegenden des Glanzes und der Wonne, Wohin man blickt, ſind ihrer Kraft und Pracht, —— ——— ————— — Sind, was ſie mehr, als die, dem Schöpfer ähn⸗ lich macht, Sind ihres Wohlthuns klare Spuren; Sie reifet die Metall' im allertiefſten Schacht, 520 Erzeugt die Pflanzen, gibt den thieriſchen Na⸗ turen Pollendung, Nahrung, Kraft, Gedeihn, Und über alle Menſchenkinder Verbreitet ſie, bald ſtärker, bald gelinder, Durch ihre Strahlen Wärm' und Schein. Sie zeitiget des Perſers Aehren, So wie des Syriers und Scythen, ob ſie gleich Den Schöpfer nicht durch einerley Gébräuch' Und einerley Gebeth verehren. Ich ſchloß hieraus, daß Gott die Menſchen alle liebt 530 Und jedem gern ſein Theil am Glück des Ganzen gibt. Mit einem Weisheitsſchatz, den ich von ihm erhalten, Nicht als ein Geitziger zu walten, Vielmehr mit jedem Biedermann, Der es verlangt, aufrichtig ihn zu theilen, Hielt ich für Pflicht; ich ſtand nicht an, Aus meiner Wüſteney zu eilen. Ich zog durch Aſien und lehrte jedermann Ohn' Unterſchied. Ihr Menſchen, lehrt' ich, bethet Den Schöpfer in der Sonn' als ſeinem Nachbild an, 540 Seyd treu den Fürſten, übertretet 22 8 S S 2 3 28 7 2 — alle 53⁰ nzen ihn ethet hbid 54⁰ — 65— Nicht ihr Geſetz, Gott ſelber ſpricht durch ſie, Und zweifelt ihr, ob eine Handlung böſe, Ob ſie erlaubet ſey, in dem Fall handelt nie, Bis ſich ein Weiſer findt, der eure Zweifel löſe. Seyd reines Herzens, ſanft, klug ohne Falſch und Liſtz 7 Arbeitet emſig, Arbeit iſt Der beſte Gottesdienſt; vor allen aber haſſet Ob Glaubensmeinungen euch nicht. Die Irrenden zu ſtrafen überlaſſet 5660 Dem Schöpfer ſelbſt, gebt nie gewaffnet Unter⸗ richt, Thut wohl, ſo viel ihr könnt, das iſt die erſte Pflicht. Solch einer reinen Lehre Samen Streut' ich mit Sorgfalt aus am Indus, am Eu⸗ phrat,. Er wucherte, bald ſchoß die ſchönſte Saat Rings um mich auf, denn meine Schüler nahmen Mit jedem Tag, mit jeder Stunde zu, Ganz Aſien durch ſie zu überwinden, Und meine Lehr' auch auf Gewalt zu gründen, War itzt Gelegenheit; doch mein Geboth hieß Ruh' 560 Und Liebe nur. Laßt eure Schwerter roſten, Sagt' ich, Verträglichkeit mit Menſchen iſt ein Zoll, Den man der Gottheit bringt, und meine Lehre ſoll Nicht Einen Tropfen Blutes koſten. Ruma Pompilius. II. Th. E * — ——— — — So lehrt' Worunter auch Oxan', ein fanftes Mädchen, war. O Theuerſte, noch kann ich mich der Zähren Bey deinem Nahmen nicht erwehren! Sie liebte Zorvaſtern mehr, Als den Propheten noch, kam nicht von meiner Und gab durch Aſien, ſo ſehr Ich's auch verbath, mir ſtandhaft das Geleite. So oft ich redte, hörte ſie Mit Wonne zu; doch ſchwieg ich ſtill, und ſchienen Die kleinſten Spuren nur von Gram aus meinen So war ſie ganz Melancholie, Doch zu beſcheiden auch, ein einzig Wort zu wa⸗ Ihr Aug', Einſt, da ich dringender ſie bath, Mich auf dem Weg, der voll Beſchwerlichkeiten 580 Und voll Gefahren iſt, nicht immer zu begleiten, Antwortete ſie mir, ich folge deinem Pfad Und deinem heiligen Geſetze, Eh' ich von jenem weich' und eh' ich dieß verletze, Eh' ſterb' ich! Du, mein Vater, gönne mir, Was mit ſo dürſtender Begier Mein nimmer ſattes Herz verlanget, deine Lehre! Je mehr ich Gottes Preis von deinen Lippen Je mehr verehr' und lieb' ich ihn. Laß mich, wohin du ziehſt, an deiner Seike ziehn. ihr ſchmachtend Aug' alleine that nur — 00— ich meiner Jünger Schaar, Seite 570 Mienen, gen. Fragen. höre, 590 war. iner 570 enen inen wa⸗ hur 560 n, pen 590 — — ——————— — Wenn der Perfolgung Sturn ſich wider dich er⸗ hübe, Und„weggeſcheucht von der Gefahr, So mancher Jünger wankt' und mancher flöh', ſo bliebe Orane doch getreu, unwandelbar. Und wenn ein edles Weib durch Zärtlichkeit und Liebe, Dir iih alle das vergilt, Was du für Gott, von ſeinem Geiſt erfüllt, Und für die Menſchen thatſt; dann will ich ihr auch dienen, Und demuthsvoll in euern Mienen Befehl' und Wink! erſpähn. Wie glücklich wird ſie ſeyn! 600 Ja unter allen Erdetöchtern Von itzigen und künftigen Geſchlechtern, Wird ſie die glücklichſte, wird ſie die beſte ſeyn. So ſprach Oran' und ich, von ihrer Herzensgüte, Von ihrer Treu' gerührt, ſah nun zum erſten Mahl, Was ich zu überſehn, ſo lange mich bemühte, Ich ſah der Liebe Morgenſtrahl In meinem finſteren Gemüthe Aufdämmern, ſah's und ward des beſten Weibs Gemahl. Wir ließen bald darauf in Perſien uns nieder; 610 So glücklich, als ein Menſch es immer werden . kann, So glücklich waren wir; auch meine Jünger, bie⸗ der Und friedlich, betheren Gott in dem Feuer an. Sie hießen Magier, ſie thaten jedermann Nach ihren Kräften wohl und liebten ſich als Brüder. Der König Ninivens, der große, weiſe Phul, Feſt überzeuget, die Gewiſſen Gehören nicht vor ſeinen Richterſtuhl, Ließ Schutz und Duldung uns genießen. Er ſtarb zu früh, der große weiſe Phul, 6b20 Zwar alt, doch edle Fürſten ſterben Ja ſtets zu früh; auf den geerbten Thron Stieg Sardanapalus, ſein Sohn. O warum konnt' er nicht des Vaters Tugend er⸗ ben! Sich überlaſſen vor der Zeit, Fürſt, eh' er Menſch zu ſeyn gelernet, Hat er vom Hofe bald die grauen Räth' entfer⸗ net, Die Eiferer für Recht und Sittlichkeit. Man fing nun an mit frechen Lüſten, Die man vorher zu nennen ſich geſcheut, 630 Am Hof ſich, in der Stadt, im ganzen Land zu brüſten. Der Herrſcher ſelbſt, umringt von ſchlauer Schmeich⸗ ler Schaar, Von Höflingen bewacht, Eunuchen unterthänig, Erinnerte ſich niemahls, er ſey König, Als nur wenn ein Befehl zu unterzeichnen war, Der Eigenthum der Bürger, Ehr' und Leben Der tollſten Willkühr preis gegeben. Das Reich regierten nun Satrapen, welche Gräul Auf Gräul zu häufen ſich erlaubten, = — —— —— F als Verführten, mordeten, verheerten, ſtahlen, raub⸗ ten. 640 Die Urtheilſprüch' und Aemter waren feil, Den Reichthum ganzer Städt' und Länder trugen Dirnen, Diadem, um ihre feilen Stirnen. Was ſie bey Einem Mahl verzehrt, Das hätte Tauſende durch viele Tag' ernährt. Vergebens fleht auf ihren wunden Knieen „ Die Menſchheit; ach! ihr Flehn erreichte nicht den Thron, Es ward von Lydſcher Flöten Ton und Buhlgeſängen überſchrieen. Der König, der nach aller Wüthrich' Art 660 Die Weichlichkeit mit Grauſamkeit gepaart, Geboth einmahl den feigen Kriegerhorden, 650 1 Die kurz zuvor durch ſchnelle Flucht — — Aus tapfrer Feinde Hand zu retten ſich geſucht, Die Magier an Einem Tag zu morden. eich⸗ Er bildete ſich ein, der abergläub'ſche Thor, Daß er die Schlacht zur Strafe nur verlor. Die Duldung, uns verliehn, hielt er für ein Ver— brechen, . Das ſo an ſeinem Heer die ſtrengen Götter rä⸗ chen, Und da ihm's leichter ſchien, die Zürnenden durch raul Mord, 660 Als durch Gerechtigkeit und Tugenden zu ſöh⸗ nen, So drang auf ſein entſetzlich Wort, 4 * ——— — —— —————— —— —— ———— — ——— ——— —— —— — 70„ — Beym Flehen taub und blind für Thränen, Blutgieriger Soldaten Troß Mit Schwert und Feuer in die Hütten Der Magier; ſie würgten Klein und Groß Und Jung und Alt; die Jungfraun aus dem Schooß Der Mütter weggeriſſen, litten Sammt ihnen erſt Entehrung, dann den Tod. Die Hütten ſelber mußten brennen. 670 Kein Schonen galt, der Anblick dieſer Noth Hätt' auch ſogar den Wüthrich rühren können, Der ſie vom Ruhbett aus im Roſenduft geboth. Ja, was nicht glaublich ſcheint, die wilden Unge⸗ heuer, Die, in den Händen Tod und Feuer Und in dem Herzen Mordbegier, Mit Tiegerwuth zu ſchwachen Lämmern kamen, Verübten all die Frevel, die ich hier Mit Schaudern euch erzähl', in ihrer Götter Nahmen. Ich floh, zu rechter Zeit belehrt, daß der Ty⸗ rann, 680 Den lange wider mich die Prieſterſchaft verhetzte, Zehn Goldtalent' als Preis für jenen ſetzte, Der mich lebendig fing', und ſchon auf Martern ſann. Mein edles Weib kam nicht von meiner Seite Und trug ſie gleich im Schooß ein Liebespfand, So war doch ſie's, die meinen Muth erneute, Und, die ich heiter oft, nie ohne Hoffnung, fand. n —————— — Wir flohn aus Perſien, flohn durch des Bactrus Auen Und in der Sogdianer Land. Wir fanden überall uns Neugier und Verdacht Vom Kopfe bis zum Fuß beſchauen. Wem darf das Volk von einem Wüthrich trau⸗ en? 690 Wir brachten manche lange Nacht, Weil niemand uns ein Obdach gönnte, Im Hain zu, unterm Streit ergrimmter Ele⸗ mente, Und Wurzeln waren unſre Koſt. Doch würzte ſie der ſüße Troſt, Daß wir all dieſe Roth ohn' einiges Verſchulden Der Tugend wegen nur, der Wahrheit wegen 7 * dulden. Wir ziehen durch die Wüſteneyn 700 Arabiens und ſehn hier eines Felſen Rücken, Zu einem weiten Grab gehöhlt, wir gehn hinein.. Bey einem ſchwachen Licht erblicken Wir ſtatt des Sargs ein Goldblech und darein Mit heil ger Schrift geätzt: O Zoroaſter lege Die Zend⸗Aveſta, dein lebendig Wort, So du, den Geiſt durch Gottes Anhauch rege, Geſchrieben haſt, an dieſen Ort Zum Vortheil beſſ'rer Enkel nieder. Nach mancherley Verfolgung blühet wieder 710 Dein heiliges Geſetz im ganien Orient. Ein Weiſer, der, wie du, ſich Zoroaſter nennt, Wird nach Jahrhunderten in dieſer Gruft es finden, Und drauf das Wohl von Nationen gründen. Du ſchiffe nun nach Occident, Wo alle deine Leiden enden, Und Tage, voll von Heiterkeit und Ruh', Dein warten. Alſo will es Oromazes. Du Schweig und gehorch. Ich, die von Engelshänden Geſchriebne Tafel küſſend, ſchwieg, 720 Gehorcht' und dankte Gott. Wir zogen Nach Tyrus jetzt, wo ich ein Schiff beſtieg, Nach Griechenland zu ſegeln. Doch die Wogen, Gepeitſcht vom ſchrecklichſten Orcan, Verſchlugen bald das Schiff von ſeiner Bahn. Es ſcheiterte zuletzt an der Frentaner Küſte. Ich rettete mein Weib und fand Gaſtfreundlichkeit, die ich zu Haus vermißte, In dieſem fremden, fernen Land. Wie nöthig war ſie mir! denn vor der Zeit ent⸗ wand 730 Dem Schooß Oxanens ſich ein Mädchen und ein Knabe. Beſchleuniget durch Ungemach und Gram Ward die Geburt, Oxane nah' dem Grabe Dadurch gebracht. So bald ſie nur zu Kräften kam, Ziehn wir in's Marſen-Land: den Reſt von unſrer Habe, Fünf Edelſteine, gaben wir Für eine kleine Hütt' und lebten glücklich hier. Doch lange nicht! denn die Peligner kriegten, Dazu gereitzt, mit unſerm Polk und ſiegten. Von ihnen wurde nun mit Feuer und mit Schwert 740 — — 7— 7—) — e——„ 5.— „ 8— den 720 nt⸗ ein m, ſter ——— — Ein großer Theil des Lands verheert. Auch meine Hütt' erbrachen die Barbaren Und mordeten vor meinen Augen mir Mein Weib und meinen Sohn, und griffen auch nach ihr, Nach meiner Anais: ich reiſſe bey den Haaren Die Ungeheur zurück, ergreife ſelbſt mein Kinb Und halt' es feſt und laſſ' es nicht mehr fahren, Obgleich mein Blut aus mehr als Einer Wunde rinnt. So gab ich ihr zum zweyten Mahle Das Leben, floh hierher und zog in dieſem Thale 760 Die Liebenswürdige mir und der Tugend groß. Sie hat allein mich mit dem Glücke Ganz mie ausgeſöhnt. Hier ſchwieg der Greis, umſchloß Die Jungfrau, küßte ſie, und beyder Thräne floß. Doch Leo, der mit ſtarrem Blicke Und ſeiner kaum bewußt, auf Zoroaſtern ſah, Ruft bebend: Euer Dorf, hieß es nicht Aviat Liegt's nicht an des Aternus Ufer? Ja, ſpricht der Greis erſtaunt, das Dorf heißt Avia, Und liegt an des Aternus Ufer. 560 »Und dem verlornen Sohn hing dem nicht ein Smaragd „Mit d Schrift am Hals? Es iſt ſo, wie ihr ſagt, »Denn Nahm' iſt in den Stein gegra⸗ ben N — 7 4— »In heil ger Schrift. Wollt ihr ihn wieder haben Den todt geglaubten Sohn? ruft hier der Marſen Held Indem er den Smaragd aus ſeinem Buſen ziehet Und, vom Gefühl der reinſten Luſt durchglühet⸗ Zu ſeines Vaters Füßen fällt. Buch. * — = 2 — *— Indeſen war Verwirrung, Mißvergnügen Und Bürgerzwiſt in Rom von Tag zu Tag ge⸗ ſtiegen. Der Mord des edlen Tatius Und die Verbannung Numa's brachten So die Sabiner auf, daß ſie des Romulus Verhaßtes Joch ſchon abzuſchütteln dachten. Nicht minder wird, als Mörderinn Der armen Tatia, Herſilia verfluchet. So ganz entwich aus Rom der patriotſche Sinn, Daß man ihn nicht einmahl zu heucheln mehr ge⸗ ſuchet. 10 Die Römer und Sabiner ſahn Als Feinde ſich und nicht als Bürger an⸗ Ja, hätte Metius dem Aufruhr nicht gewehret, So floß des Bürgerblutes Strom, So hätten Roms Bewohner Rom In einen Haufen Schutt verkehret. Der König ſah's mit jener düſtern Wuth, Die bey den größeren Verbrechern Für Reue gilt; in ſtäter Angſt vor Rächern Vergoß er mächtiger und edler Bürger Blut 20 Zu ſeiner Sicherheit und heiſchte von den Schwd⸗ chern Den übermäßigſten, den drückendſten Tribut, — — ———————— —— — —————————— ——.— Damit er ſo die Kraft des Volkes lähme, Dafern es ja zu einem Ausbruch käme. Herſilia verfolgt auf ſeiner Flucht Den Prinzen noch, ſie wähnt, durchglüht von Ei⸗ ferſucht, Von einer andern ſey ihr Numa's Herz geſtohlen. Schon hat ſie Krieger viel durch's ganze Land ge⸗ ſtreut, Die Liebenden mit Tod, wo möglich, einzuhohlen, und alle Höf' Auſoniens bedräut, 30 Sie würde, wer es wagt, den Flüchtling aufzu⸗ nehmen, Beſtrafen, und ſein Land mit Waffen überſtrömen. Held Numa lebt indeß auf ſeinem Apennin Im Schooß der Freundſchaft heitre Tage. All die verlorne Pracht und Größe koſtet ihn Nicht Einen Seufzer, Eine Klage. Wie freut er ſich, daß Leo jetzt Den Vater fand! O ſeht, der Marſe knieet Noch immer vor dem Greis, und Zoroaſter netzt Mit Thränen ſein Geſicht, das vor Entzücken glü⸗ het. 40 Mein Sohn, ſo ſagt er ihm, wie viel Liebkoſungen hat nicht ſeit deinen Kindertagen Dein Vater dir, du ihm noch nachzutragen? O welch ein ſeliges Gefühl Beym Nahmen Sohn, den ich von dir entfernet Und wähnend, du ſeyſt todt, beynahe ganz verlernet! Dieß ſprach der Vater; Leo nimmt * S S (8) — 2) 7—— —— — von Ei⸗ nekt 40 ernet rlent! Denn Anais verlaſſen wird ihm ſchwer, — 7 9— Camillens Hand und führt ſie zu dem Greiſe. Sie war, beginnet er, vom Himmel mir beſtimmt, Der uns geprüft und wunderbarer Weiſe 60 Sie wieder meinem Arm geſchenkt, Als ich, entfernt von ihr, mich hoffnungslos ge⸗ kränkt. Seit wenig Tagen nur bin ich mit ihr vermählet. Beglücktes Band, dem nichts, als nur dein Segen fehlet! So ſagt der Held; Camille kniet 5 Hin vor den Grois mit ſehnlichem Verlangen, Daß er ſie Tochter nenn', und Scharlachroth um⸗ zieht Der neu Vermählten holde Wangen. Der Alte hebt ſie auf, und blickt gerührt dabey Zum Himmel auft ach, rufet er, mich Thoren, 60 Der ich geklagt, als ich den Sohn verloren! Ich finbe jetzt, ſtatt Eines Kindes, zwey. Hier küſſet ſie der Greis. Durch Freundſchaft feſt vereinet, Und frey von Sorgen, lebten ſie Ein Leben, gleich und rein, wie Himmels⸗Harmonie. Als Schweſter ſeines Leo ſcheinet Dem Prinzen Anais noch ſchöner, als vorher. Er ſchwinget, ob er gleich der Wunden ſchon ge⸗ neſen, Mit Leo nicht den Jägerſpeer, Was eh' Beſchäftigung und Wolluſt ihm gewe— ſen; 5 — ——— — —,— — — ———————— ——.— — 80— Drum hat er ſich das Hirtenamt gewählet. Hier bringet er in ungeſtörter Ruh' Den ganzen langen Tag an ihrer Seite zu. Sie räth, ſie warnt, bemerket, ſcherzt, erzählet⸗ Bey allem, was ſie ſagt und was ſie thut, ver⸗ fehlet Sie ihren Endzweck nie; denn Weisheit, mit dem Flor Der Grazien bedeckt, blickt überall hervor. Wenn ſie ihn Hymnen lehrt, wie lernt er ſo ge⸗ ſchwinde! Doch, wenn ſie ſelber Lieder ſingt,, 80 O welche ſüße Töne zwingt Er aus der Flöte dann, indem ſein Hauch gelinde Von Rohr zu Rohr, gleich einem Weſtwind, irrt. Er fühlt bey Anais nicht ungeſtüme Triebe, Wie bey Herſilien, drum denkt er nicht an Liebe. Er ſieht die Jungfrau unverwirrt, Er ſieht ſie immer an; und dieſer Anblick wird Mit jedem Tag ihm nöthiger und ſüßer, Nie iſt er ſanfter Freud' und Geiſteskraft gewiſſer, Als in der Holden Gegenwart. 90 Indeß er fern von ihr des Lebens Nicht froh wird, Schatten gleich herum ſchleicht und vergebens Auf Seelenheiterkeit und auf Beſinnung harrt. Wie Clytie, die froh das Haupt erhebet, Wenn ihre Sonn' auf hohen Bergen blinkt, Und welk und eingeſchrumpft zum Boden nieder⸗ ſtrebet, Wenn ihre Sonn' ins Meer hinunter ſinkt. Ge Da Go Be Mi Bo De — B 22 7) 2) — ₰ hlet. ver⸗ dem o ge⸗ 60 linde irtt⸗ eder⸗ Der näheren ſo wohl, als fernern Nationen⸗ Die wahre Tugend träumt nicht bange Gefahren ſich, wo keine ſind⸗ Da Anais Geſchmack an Tullus Schüler findt, 100 So überläßt ſie frey ſich dieſem ſüßen Hange. Beſcheiden nützet ihn der Jüngling und gewinnt Mit jedem Tage mehr an Zutraun und an Ach⸗ tung. Bald weihen ſie die Seelen der Betrachtung Der heiligen, allzeugenden Natur. Bald ſprechen ſie vom Wohl, dem Wachsthum, der Cultur Sie finden viel Religionen, Doch Eine Sittenlehre nur Als aller Grund; denn jede gibt vom Böſen 110 Und von dem Guten Unterricht; Macht, daß wir jenes fliehn, dieß aber thun, zur Pflicht, Und jede zeugt von einem höhern Weſen, Das dann noch, wenn der Geiſt ſchon außerm Kör⸗ per wohnt, Die Menſchen nach Perdienſt beſtrafet und be⸗ lohnt,„ PVon dieſen hohen Gegenſtänden Spricht Anais ſo leicht, ſo klar,— Daß Numa wähnt, die Götter ſelber ſenden Ihm dieſe Lehrerinn von allem, was da wahr Und groß und edel iſt, er kann ſich kaum erweh⸗ ren, 120 Auf ſeinen Knieen ihr zu danken, ſie zu ehren. guma Pompilius. II. h. F ————————— ———— — 83— Der edelmüth'ge Leo merkt Die Neigung ſeines Freunds mit innigem Ver gnügen, Und da ſie jeder Tag beſtärkt, So redet er ihn an! Geliebter Numa, triegen Nicht deine Mienen, ſo erfüllt Zufriedenheit dein Herz, verlöſchet iſt das Bild Herſiliens darin und das von meiner Schweſter An deſſen Platz. Wie? du errötheſt? Nein! Das ſollſt, das darfſt du nicht! Lieb' iſt der Triebe beſter, 130 Gemacht, der Edlen Troſt, ihr ſchönſter Lohn zu ſeyn. Sprich nur: ich liebe ſie! und ewig iſt ſie dein. Noch hofft' ich nie, der Ihrige zu werden; Zu wünſchen wagt' ich's nicht einmahl, Erwiedert Numa jetzt mit ſchüchternen Geberden. Doch, fährt er kühner fort, gibts ja ein Glück auf Erden, So blüht es hier in dieſem ſtillen Thal Für den von Anais erkohrenen Gemahl. So ſagt er, Leo freut ſich deſſen, führt zum Greiſe Den theuten Freund und, wie er wähnt, ge⸗ wiß 140 Des Ausgangs, wirbt er da für ihn um Anais. Doch wie erzittert er, wie ſtarrt ſein Blut zu Eiſe, Als Zoroaſter ihn mit ernſtem Angeſicht Betrachtet, lange ſchweigt, und traurig alſo ſpricht: Der edle junge Mann erwarb ſich heil'ge Rechte S— — E ———— Per Bild ſter Triebe 130 ohn zu ein. erden. Glück ——— „ 83 ₰ An dein' und meine Dankbarkeit, Mein Blut bin ich für ihn zu geben ollbereit. Doch meine Tochter iſt, er weiß es, vom Ge⸗ ſchlechte Der Magier, und ich der Weifen Oberhaupt. Ein Laſter forderſt du zur Gründung 150 Von Numa's Glück; denn uns iſt die Perbin⸗ dung Mit Götzendienern unerlaubt. Ja, Unbeſonnener, du willſt, daß ich Geſetze, Die ich verkündigte, für die ich alles gab, Ruh', Ehren, Vaterland, ſo nahe meinem Grab, So nahe meinem Lohn, verletze. Und folglich, lehreſt du, antwortet Leo ihm Mit jugendlichem Ungeſtüm, Hartherzigkeit und Undank üben⸗ Rein, ſagt der Greis, in einem ſanften Ton, 16 Doch Vorſicht, Vorſicht, lieber Sohn, Hab' ich mit Rechte vorgeſchrieben. Der Liebe Tyranney war mir nicht unbekannt, Nicht ſelten wirket ſie ſogar auf den Verſtand⸗ Was jenem wahr ſcheint, den wir lieben, Das ſcheinet uns auch wahr. Wie würd es mich betrüben, Wie würd' es mich zu ſtrenger Rechenſchaft Vor Hromazes Thron verbinden Ließ' Anais ſich einſt, von Liebe hingerafft, Als Götzendienerinn in Numals Tempeln fin⸗ den? 170 Je mehr er zärtlich iſt und gut und tugendhaft, F 2 — 8 4— Je größer die Gefahr! nie wankt ein edler Denker In der Religion, durch Martern, Beil und Henker. Doch wankt er durch des Beyſpiels Kraft, Und wenn er ſieht, daß die, ſo andre Wege wandeln, Treu ihren Pflichten ſind und groß und edel han⸗ deln. Iſt's nicht genug, daß mein geliebter Sohn, Bey Götzendienern auferzogen, Von Kindheit an den Irrthum eingeſogen? Soll meine Tochter auch vor meinen Augen Hohn 180 Dem heiligen Geſetze ſprechen, Und ich ihr Leiter ſeyn zum ſchwärzeſten PVerbre⸗ chen? Auch, dieß bedenket wohl, iſt die Religion, So ich gelehrt, ein Gräul in euerm Lande, Und Numa rechnete, wenn Liebe ſeinen Sinn Nicht mehr beſticht, ſich ſelber wohl zur Schande, An eine Feuerdienerinn Geknüpft zu ſeyn mit einem heil'gen Bande. Ich kränke dich, mein Numa, und ich weiß, Du hälrſt im Herzen mich für einen undankba⸗ ren, 190 Für einen abergläub'ſchen Greis: Doch ein geliebtes Kind vor Irrthum zu bewah⸗ ren, Iſt meine heiligſte, wiewohl nun ſchwerſte Pflicht. Nein, nein! ſie ſoll nicht in der Liebe Schlingen, Soll ihrem Bräutigame nicht Den Abſcheu ſeines Volks zu einem Brautſchatz bringen. — 7—) Denker Henker. andeln, lhan⸗ ugen 180 zerbre⸗ So ſprach gerührt der edle Mann, Und Leo kränkte ſich ob ſeinem Unvermögen, Das, was der Alte ſprach, mit Grund zu wider⸗ legen. Doch Numa blieb gelaſſen und begann: 200 O Zoroaſter wiſſ, ich liebe meine Götter, und ehre ſie. Von meiner Kindheit an. Bewieſen ſie ſich oft als Retter, Als Aeltern oft an mir, doch die Religion, Zu der ich eifrig mich bekenne, Setzt Duldung neben ſich auf ihren heil'gen Thron. Und will nicht, daß in uns ein blinder Eifer brenne, Will nicht, daß man, verführt von Prieſterklü⸗ geleyn/ Die Sterblichen durch's Schwert zu ihr bekehre, Als ob nur ſie, nur ſie allein 210 Dem Himmel angenehm, der Welt gedeihlich wäre. Nur Eine Sect' iſt ihr verhaßt, Die Secte der Sardanapale, Die, als ein ungezogner Gaſt, Die andern Secten weg vom großen Opfermahle! Der Gottheit ſtößt, obgleich die ſelbſt nur Gütig⸗ keit, Rur Langmuth übt, und was ſie übt, gebeut. So denk' ich: wird dein Kind in ihrem Glau⸗ ben wanken, Wenn ſie den Mann, der alſo denket, liebt, — ———— — 86— Und ihm die Hand mit deinem Segen gibt? 220 Nicht über Meinungen uns zanken, Wetteifern werden wir, wer mehr nach ſeiner Art Die Gottheit ehrt und rein von Fehlern ſich be⸗ wahrt. Ich werde Jupitern, ſie Oromazes danken Für unſer Glück, wir beyde dir. Was eure Gottheit euch befiehlt, beſiehlt auch mir Die meinige: wir werden ſicher, weichen Auch unſre Formeln des Gebeths Und unſre Lehrſätz' ab, in Handlungen uns glei⸗ chen. Laß uns, o weiſer Mann, das Vorurtheil ver⸗ ſcheuchen, 230 Laß unſre Herzen ſich auf ſtets Vereinigen; wie ſich zwey Bäche miſchen, Die von verſchiednen Quellen zwar Entſprungen ſind, doch rein und ſilberklar Fortfließen unter Myrthenbüſchen, Und alles um ſich her vergnügen und erfriſchen. Du fürchteſt auch für mich bey dieſem Eheband, Weil mir ein Weib aus magiſchem Geſchlechte Den Abſcheu meines Lands zu einem Brautſchatz brächte. Doch hab' ich wohl ein Vaterland? 240 Seit an des Götterbothen Hand In Pluto's Reich mit ernſtem Schritte Mein Tatius, mein Tullus ging, Riß jeder Faden ab, wodurch ich dran noch hing. Mein Land und meine Welt iſt Zoroaſters Hütte. Hier, wie mein Herz mir laut verſpricht, —+——— — ch mir s glei l ver⸗ 230 —————— —— — — — Hier haſſet man den treuen Numa nicht. Drum, o geliebter Greis, vollende Mein angefangnes Glück: gib, gib mir Anais, Und hebe deine heilgen Hände 260 Zum Segen auf! er träuft gewiß Auf unſer Haupt vom Thron der Gottheit nieder. Du wirſt dich bald in deinen Enkeln wieder Perjünget ſehn, wirſt eine Colonie WPon Leo's Kindern und den meinen Aufblühen ſehn, und alle werden ſie Zu deinem Dienſte ſich vereinen, Und alle werden, wenn ſich früh Der Morgen zeigt, mit ſolcher Lieb und Wonne, Als deine Schüler einſt der Sonne, 260 Dein warten, warten, bis, erwacht Vom leichten Schlaf, ihr Anherr ihnen lacht. So ſagt er: Zoroaſter weichet. Sein Herz iſt voll, ſein Auge thränenſchwer, Und Leo führte ſchon die theure Schweſter her, Die einer Morgenroſ' an hoher Farbe gleichet. Sey, ruft ihr mit gebrochnem Ton Der Vater zu, ſey unſers Ruma Lohn! Du aber Oromazes, blicke Mit Huld herab und leite dieſes Paar 270 Den Pfad zur Tugend und zum Glücke. Und ſind die Ahndungen, die mich durchbebten, wahr, Reitzt deinen Zorn das Bündniß, das ſie ſchließen; So ſchone ſie, mich laß allein es büßen. — — — —————— „—.—— —— —— — ————— Dieß ſagt der Greis und legt die Hand der Braut In die des Bräutigams, wiewohl ſich ſeine Stirne Nicht ganz entwölkt, ſein Blick noch aufwärts ſchaut, Ob nicht vielleicht ihm Oromazes zürne. Nicht alſo Anais, ſie traut Auf Oromazes Huld; kein banger Zweifel zit⸗ tert 280 In ihrer Bruſt; ſie ſchlürft ihr Glück ein unper⸗ bittert. Acht Tage noch, ſo ſind die Liebenden vereint. Indeß muß Numa ſich ein Hüttchen bauen; nahe Beym Alten iſt der Platz, den er ſich auserſahe. Ihm fällt das Holz, ihm hilft ſein brüderlicher Freund. Bald ſtecken in dem Grund, erhöht durch ihre Hände, Vier hohe, dicke Pfähle feſt. Dann fertigen ſie Dach und Seitenwände. Zu dieſen wählen ſie die krummen trocknen Aeſt' Uralter Eichen aus, verſchränken ſie und breiten 290 Von des gefällten Wildes Häuten Den ganzen Vorrath drüber aus, Zum Schirme wider Froſt und Hitz' und Regen⸗ güſſe. Die Thür zu dieſem kleinen Haus Macht Numa oſtenwärts, daß, wenn geweckt durch Küſſe Die fromme Gattinn früh erwacht, Sie alſogleich das Taggeſtirn erblicke, nd der Stirne fwarts l zit⸗ 280 unyet⸗ i⸗ nahe rſahe. rlicher ihre Aeſt 290 iegen⸗ durh Und ihr Gebeth zu Oromazes ſchicke. Des Hüttchens innern Theil macht Numa ſo be⸗ quem un ſo geſchmückt, als Eil und Ort geſtatten, 300 und an die Hütte ſtößt ein Garten, angenehm Und nützlich für die jungen Gatten⸗ Indem es ihrer Liebe Schatten Und ihrer Eßluſt Nahrung beut. Hier reifen Pfirſiche, Melone, Kirſch' und Traube. Durch Blumen ſchlängelt ſich ein Arin des Fluſſes, weit Pon hergelenkt, und jene dichte Laube, Wo er zum erſten Mahl die Vielgeliebte ſah, Steht(alſo hut der Held zu ſeines Miädchens Freude Den Garten ſteht, als ein Luſtgebäude, 310 Im Mittelpunct des Gärtchens da. Auch zog er, um die jungen Pflanzen Vor der Genäſchigkeit der Rehe zu verſchanzen, Rings um den Garten her von Hecken einen Zaun⸗ In ſieben Tagen iſt(denn Liebe gibt Vermögen) Das Werk vollbracht, und die Verlobten ſchaun Am Abende dem Morgen ſchon entgegen, Der ewig ſie vereinen ſoll. Von Blumenkränzen iſt ihr ganzes Hüttchen voll † Camille hat ſie drin auf morgen aufgehangen, 320 Und alles ſaß, als längſt der Sonne letzter Strahl Sich in dem Meer verlor, beym kleinen Abend⸗ mahl. Man pochet an der Thür und Numa fühlt von bangen —— —— — 90— Empfindungen ſein Herz beklemmt.* Indeß ſteht Leo auf, ſieht, wer es iſt, und ksmmt Mit einem Greis zurück, der müde von der Reiſe, um Obdach bath. Obgleich nur ſchwaches Lampen⸗ licht Die Hütt' erhellt, verkennt doch Numa nicht Den trauten Metius in dieſem edlen Greiſe. Er redt ihn an, und Metius unnſchließt 330 Ihn väterlich. O ſeligſte der Stunden, Sagt der erſtaunte Greis, ſo hab' ich dich gefunden, dach welchem unſer Fuß ſo weit gewandert iſt! Voleſus, Proculus, nehmt Theil an meiner Freude, Hier iſt ja unſer Fürſt! er ſprach's, da kamen beyde Zur Thür herein und fielen auf die Knie Vor Numa; ſey gegrüßt Roms König! riefen ſie. Ja, ſaget Metius, das biſt du; denn die Stimme Des ganzen Volks erwählte dich dazu. Rom danket dieſer Wahl die hergeſtellte Ruh. 340 Der Römer und Sabiner Grimme, Der wieder aus in helle Flammen brach, Hat Numa's Rahm' allein gewehret. Drum gib den Wünſchen Roms und unſrer Bitte nach. Dein Volk erwartet dich. Der edle Numa höret Mit tiefer Traurigkeit, was der Sabiner ſprach. Befehligt läſſet der auf einen Sitz ſich nieder, Der an der Tafel ſtand, und bald beginnt er wieder? Herr, unſer Unglück hat den höchſten Grad erreicht, Und die Geſchichte kann nicht leicht 350 Ein größeres, ja kaum ein ähnliches, dir weiſen. Der böſe Romulus! ſein Zepter war von Eiſen — Un Eh Dt Di 8 8 —0= c) 2— „ eo 2 „— umt ſe, en ſt. me 40 tte er: hi . 50 — 91¹— Und niederdrückendem Gewicht. Eh' ſchont' er nur das Blut der Feinde nicht, Doch jetzt vergoß er auch durch ſeine kühnen Würger⸗ Die Celeres, das Blut der angeſehnſten Bürger. Er ſuchte ſeine Sicherheit In Unterdrückungen, in Liſt und Grauſamkeit. Weh' jedem, deſſen Herz ein einzig Laſter häget, Weil dieſe Brut ſo ſchnell ſich zu vermehren pfle⸗ get! 360 Der ſtrenge Zorn der Götter läßt So große Gräul nur ſelten ungerochen; Rom büßet ſchwer, was Romulus verbrochen. In unſern Mauern tobt die fürchterlichſte Peſt. Die unglückſel'gen Kranken fühlen In Bruſt und Eingeweid' ein Feuer, nicht zu kühlen⸗ Zu lindern nicht; die Zunge klebt am Gaum, Beſät mit eiternden Geſchwüren. Der Odem keucht und ſcheint oft ganz ſich zu ver⸗ lieren; Die matten Augen drehen kaum 370 In ihrem blutbeſtreiften Kreiſe. Kein Glied am ganzen Leib, kein Rerv' iſt un⸗ verſehrt: Doch iſt das Schmerzlichſte der Durſt, der ſie ver⸗ zehrt. Der tobt, wenn ſchon der nahe Tod dem Eiſe Den Körper gleich gemacht, doch wunderbarer Weiſe Noch immer fort und löſcht erſt mit dem Leben aus. Wie viele Kranken flohn hälb nackt aus ihrem Haus Und liefen athemlos zu Brunnen oder Quellen! Wie viele ſprangen in die Wellen . 1 ———— ——.— — 9 2— Des Tiber⸗Stroms und gingen da zu Grund! 380 Wie viele leckten, um ſich beſſer Zu ſättigen, begierig die Gewäſſer Mit müdem, doch nicht ſatten Mund! Die Bande der Natur, der Freundſchaft ſind zer⸗ riſſen. Der Bruder kennt den Bruder nicht, Der Sohn entziehet ſich den väterlichen Küſſen, Die Mutter ſtößt, indem der Krampf ihr Angeſicht Verzerrt, und Angſtſchweiß ihr aus allen Gliedern bricht, Den Säugling weg von ihren trocknen Brüſten. Viel Gegenden der einſt volkreichen Stadt ſind Wü⸗ ſten 390 Geworden, überall herrſcht Furcht des Tods und Pod. Die Wolken färbt das Feur der Scheiterhaufen roth, Die Tag und Nacht an allen Orten brennen. Sie zu erbauen, fehlt es ſchon an Holz und Zeit. Die Leichenzüge ſelbſt gerathen oft in Streit, Und keiner will das Recht dem andern gönnen, Die Leiche, die er bringt, am erſten zu verbrennen. Ja, die Erbauer finden kaum Mit vieler Müh' darauf für ihren Todten Raum. Der König fühlt zwar nicht, wie ſchwer er ſich verſündigt, 400 Doch daß ſein Heer ſo mächtig ſonſt, ſo kühn, Gleich Feigen, nun dahin ſtirbt, krünket ihn. Er heiſchet unruhvoll der Prieſter Rath, und kündigt — 5— 5—, Auf einem freyen Platz ein großes Opfer an. Das ganze Volk, das heißt, der kleine, Dem Tod entkommne Reſt des Volks nimmt Theil daran. O Anblick, welcher einem Steine Mitleidiges Gefühl zu geben fähig wär'! Die Bethenden, ſo wie die Opfrer wanken Stumm, eingefallen, bleich, an ihrem Stock ein⸗ her. 410 Der Krieger braucht zur Krücke ſeinen Speer, Durch welchen hiebevor die ſtärkſten Feinde ſanken. Die ſieche Mutter naht, den Kopf herab geſenkt, Mit ihrem ſiechen Kind; kaum ſchleppen ſie die Glieder. Wenn dieß nun wankt und ſich an ihr zu halten denkt, So reißt es ſie mit ſich darnieder. Kurz, dieſes Volk, deß Nahme Furcht erweckt, Scheint nichts, als eine Geiſtermenge, Durch die Gewalt Theſſaliſcher Geſänge Aus ihrem ſtillen Grab geſchreckt. 420 Die Opfer ſind nunmehr geſchlachtet. Ihr Eingeweide zeigt der Götter dunklen Sinn. Der Oberprieſter bebt, indem er's ſtarr betrachtet, Er ſetzt ſich auf den Dreyfuß hin. Hier fühlt er in die Bruſt den Geiſt des Phöbus dringen. Vergebens iſt ſein Kämpfen und ſein Ringen, Gewaltiger faßt ihn die heil'ge Wuth. Erſtarret ſtrecken ſich die Arme, wie entlaubte Baumäſte hinſſelwärts, der Lorber auf dem Haupte, V Schwebtüber dem empor geſtrdubten Haare kaum. 430 Das Aug iſt voller Gluth, die Lippe voller Schaum. Ihr Römer, ſo beginnt er keuchend nun zu ſprechen, Ein ſchrecklich und bis jetzt noch ungeſtraft Ver⸗ brechen Bracht' über euch den Zorn der Götter und die Peſt. 3 Die werden noch ſo lang' in euern Mauern toben, Als man die Frevler athmen läßt.„ Das edle Blut des—— hier erhoben Die Celeres, die nah' dabey i Geſtanden, auf einmahl ein fürchterlich Geſchrey 3 6 Und ſchlugen an den Schild; der Prieſter unge⸗ 3 ſtöret, 44 0 Doch nur von Wenigen gehöret, 1 Vollendete. Den ganzen Götterſchluß 6. Vernahm und ſagt dir einſt der weiſe Proculus. Kaum hat der Prieſter ausgeredet, So iſt in Finſterniß der Himmel eingehüllt, 3 Der Sturinwind heult und pfeift, der hohle Don⸗ ner brüllt, Staub decket uns, ein Element befehdet Das andere, wo keines Blitzes Licht Hinſchimmert, ſiehet man auf einen Schritt weit nicht. Doch bald iſt Sturm und Nacht verſchwunden, 450 Der Himmel ungetrübt, die Lüfte ſtill und rein, Nur Romulus wird nirgends mehr gefunden. Volk und Patricier ſcheint drüber ſich zu freun, Doch wüthen ungezdumt die Celeres und klagen, Daß die Patricier heimtuckiſch ihn erſchlagen, 1 430 um. en, et⸗ die en, g. n eit 50 Sie fordern blut'ge Rach' und dräun Dem auch erboßten Volk, das uns in Schutz ge nommen. Doch Proculus, der erſt von uns entfernet war? Und wieder im Geleit von mehreren gekommen, Naht mit geſetztem Muth dem heiligen Altar. 460 Hört Römer, rufet er, wollt ihr den König finden, So ſuchet im Olymp: ich muß es euch verkünden, Was mein erſtauntes Auge ſah, Denn keiner ſtand dem Fönige ſo nah. Im lautſten Sturm ward ſeines Vaters Wagen, Mit Roſſen Thraciens beſpannt, Vom Götterſitz herab getragen. Der Gott darin reicht ſeinem Sohn die Hand. Schon im Begriff hinein zu ſteigen, Hält er, ich ſah ſein Haupt, um das der Nimbus floß. 470 Du, ſagt er, ſollſt dem Volk dieß Wunder nicht verſchweigen, Ich bin, o Proculus, der Gottheit Mitgenoß. Ich habe triumphirt, hab' eine Stadt erbauet, Die einſt den Erdenkreis in ihrem Joche ſchauet, Und werde ſtets, als neuer Gott Quirin, Mit meinem PVater Mars vor ihren Adlern ziehn. Eh' dieſe Worte noch in meinem Ohr verhallen, Hör' ich der Räder Erz ſchon durch die Lüfte ſchallen. So ſagte Proculus, und der Empörer Wuth Beſänftigt ſich; wer wird nicht lieber auf Altä⸗ ren 480 Blutgierige Tyrannen todt verehren, Als lebend auf dem Thron? Sogar der Uebermuth — 9 6— Der Celeres verſtummt, und hält es für Verhre⸗ chen, Dem Könige die Gottheit abzuſprechen. Allein wer herrſcht nach ihm? die Römer ſelbſt ver⸗ ſchmähn Herſilien und wollen ihre Krone Auf keines Weibes Haupte ſehn. Sie zog aus Rom und ſchwur, ſie werd' ihr Recht zum Throne Durch Krieg behaupten; wir verſammeln uns zur Wahl und Mord und Aufruhr dräun der Hauptſtadt abermahl. 490 Die Römer wollen, daß nun wieder Ein Römer herrſchen ſoll; allein mit Recht erklärt Sich das Sabiner⸗Volk dawider, Das einen Ihrigen zum Könige begehrt. Kein überwundnes Volk, ſo ſagt es, eure Brüder Das ſind wir, ſtolze Römer, euch An Muth, an Tugenden, an Macht zum mindſten gleich. Auch werden wir nie an PVerträge denken, Die unſer Recht und dieſe Gleichheit kränken. Der Grund war gut, allein die Römer ſetzten ihm 500 Nur Drohungen voll Ungeſtüm Und endlich gar Gewalt entgegen. Schon bliken in der Luft die burgerlichen Degen, Als ich, vom Geiſt Unſterblicher erfüllt, Den beſten Vorſchlag thu', der ſchnell den Aufruhr ſtillt, Und fähig iſt, auf ſtets die Herzen auszuſühnen. — —„— — hre⸗ vet⸗ iecht zu ſtadt 49⁰ klärt ſten 500 tuhr ſen⸗ Sabiner, ruf' ich auf, die Römer wählen heut, Das nächſte Mahl wählt ihr; doch wählen allezeit Sie einen unter euch, ihr einen unter ihnen. So that ich meine Meinung kund, 516 Und ſie gefällt den ſtreitenden Parteyen. Wir wählen Numa, Numa, ſchreyen Die Römer jetzt als wie aus Einem Mund. Durch dieſe Wahl ward unſer Volk entzücket, Der alte Römer⸗Haß in jeder Bruſt erſticket, Und feſt, wie nie zuvor, der bürgerliche Bund. Man wünſcht ſich Glück, man hofft von beyden Seiten Aſträens Wiederkehr und ihre goldnen Zeiten. Die Tempel faſſen kaum die Schaar Der Dankenden umhüllt von einer Weihrauchwol⸗ ke, 520 Beſtrömt vom Opferblut iſt jeglicher Altar. Auch geben, wie es ſcheint, die Götter unſerm Volke Die alte Huld zurück: die Peſt hört auf, vom Meer Trägt ein erflehter Wind auf ſeinen ſtarken Flügeln Die roſenwangige Geſundheit wieder her. Die Traube kocht und reift auf ſonnenvollen Hügeln, Und über Flächen hin wallt viele Meilen lang Stolz unter einem Bogengang Von Aehren Ceres hin; kurz, Erd' und Himmel fröhnet Der Tugend, die man bald in ihrem Freunde krö⸗ net. 530 Sogleich beſchließet man, daß Edle, dir geſandt, Vom Wunſche deines Volkes zeugten Und durch Beredſamkeit auch deinen Willen neiaten⸗ Ruma Pompilius. 1I. Ih. G 1 —. 9 8— Ich fleh' um dieſes Amt und werde mit ernannt. Wir ſuchten dich in Cures, doch vergebens. Er floh vielleicht zu Leo, in das Land Der Marſen, dachten wir, und ſuchten, doch ver⸗ gebens, Auf unſte Frag' um dich gab niemand uns Beſcheid. Wir eilten nun dem Sitze der Rheaten Und dieſen Bergen zu, die deine Heldenthaten 640 Und deine Menſchenfreundlichkeit Berühmt gemacht: von dieſem Orte führen Die Götter uns hierher. O komm, geliebter Held, Ein Volk, das mit Vertraun zu deinen Füßen fäut, In Lieb' und Eintracht zu regieren⸗ O komm, denn jeder Augenblick Perzögrung iſt ein Raub am allgemeinen Glück. Hier ſchweiget Metius, mit ſanftei Lächeln blicket Der Prinz ihn an: O Freund, die Zeiten ſind vor⸗ bey, So ſagt er, als ich noch von falſcher Größ' ent⸗ zücket, 550 Von Ehrgeitz trunken, voll verliebter Raſerey, Den Degen in der Fauſt, der Ehre Bahn ge⸗ ſuchet Und Romulus um deſto mehr geehrt, Je größre Länder er entvölkert und verheert, Je mehr der Waiſen ihm, der Witwen ihm ge⸗ fluchet Auf ihrer Treuen frühem Grab; vel⸗ heid. 540 5eld, üßen cheln vor⸗ ent⸗ 550 e⸗ ge — 9 9— Allein die Binde fiel von meinen Augen ab⸗ Den Göttern, eigener Erfahrung, Der Freunde treuem Rath, der wahren Liebe Macht Sey ewig Dank dafür! ich ſuche keine Nahrung 560 Für meinen Ehrgeitz mehr in einer blut'gen Schlacht, Noch in dem Prunkpallaſt; mein ganzer Ehrgeitz ſchränket Auf Tugend und auf Ruh' ſich ein⸗ Die fand ich hier; drum laßt mich ungekränket In dieſem Thal mein eigner Herrſcher ſeyn. Auch würde viel zu ſchwer für meine ſchwache Rechte Das Zepter ſeyn, das Romulus geführt. Obgleich als Feldherr groß, obgleich von dem Ge⸗ ſchlechte Der Götter, hat er euch nicht ohne Müh' regiert. Ich bin ein Erdenſohn, und wenn ich im Ge⸗ fechte 570 Auch einſt nicht unnütz war, haſſ ich den Krieg doch jetzt. Die Kunſt, die Schwächere ſchlau wider Stärkre hetzt, um beyde ſo zu unterdrücken, Die Kunſt, die Vortheil aus den Tücken Des fremden Unterthans und ſeinem Aufruhr zieht, Die Kunſt, den Nachbar zu berücken, Zu nehmen, wo man kann, die Kunſt verſteh ich nicht. Der Mann, um deſſen Stirn Roms Diadem ſich (5 2 — —— ———— ——————— — — 100— Muß ein Erobrer ſeyn; ich war es immer wenig, Nie weniger als jetzt. Was ſoll euch denn ein Kö⸗ nig, 580 Der kein Gefühl für die Vergrößrungspflicht, Nur Friedensliebe hätt' und, minder den Ge⸗ wäſſern Des wilden Bergſtroms gleich, als einem ſanften Thau, Nichts weiter ſucht' als Ackerbau, Geſetze, Gottesdienſt und Sitten zu verbeſſern. Du hörteſt deines Freunds Entſchluß: Unwandelbar, ein Fels, ſteht er, o Metius! Von einem Andern ſey das Königsamt verweſet. Ich habe mich bereits von jeder Pflicht gelöſet, Die ich dem Vaterland als Bürger ſchuldig war; 590 Zum Löſegeld bracht' ich mein Blut ihm dar, Floh dann verbannt aus den durch mich erhaltnen Mauern Und gab, dem Bürgerkrieg zu wehren, Ehren, Thron Und Güter preis: dieß, Freund, ſprich ſelbſt, ver⸗ dient es Lohn? Wohlan! ich heiſche den, laßt die Verbannung dauern! Die Hütte dünkt mir ſchöner tauſend Mahl, Als eurer Fürſten Prunkgebäude. Hier wohnet nicht Verdruß, in das Gewand der Freude Nach Hofgebrauch vermummt; ſie ſelbſt hat dieſes Thal Zum ew'gen Aufenthalt erkohren, bo0 ften 590 tnen ron ung ieſes 600 e 101—— Lacht in der Freundſchaft Arm, winkt in der Liebe Schooß Mir Glücklichen; und ſind einſt Kinder mir gebo⸗ ren, Wächſt ſie mit denen noch. O traurig Herrſcherloos, Mit meinem jetzigen Entzücken Verglichen! ſey als Fürſt auch noch ſo weiſ' und groß; Schwer wird's dir Menſchen doch, die Menſchen zu beglücken. Und wann du es nicht thuſt, nicht thuſt aus voller Kraft; Was wartet dann für ſtrenge Rechenſchaft In einer andern Welt noch deiner? Hier ſterb' ich ruhig hin, und unterliege keiner. 610 Du unterliegeſt ihr gewiß, So unterbricht ihn ſtandhaft Anais, Du unterliegeſt ihr, dafern durch deine Liebe Für mich und für die Einſamkeit Dein Vaterland, das ſich bey innerlichem Streit Aufreiben wird, dir unerrettet bliebe. Solch einen hohen Geiſt verleiht Der Himmel nicht, daß er in Dunkelheit Und träger Ruh' begraben werde. Die erſte Pflicht iſt Thätigkeit, 620 Iſt ein Gemüth, das ſich dem Wohl der Erde Mit Opferung des ſeinen ſtandhaft weiht. Du ſagteſt zwar, wer über Rom regieret, Müſſ' ein Erobrer ſeyn: allein du irreſt ſehr. Je mehr die Nation den Krieg liebt, und je mehr. 8————— * ——— 102— Zu Unrecht und Gewalt ſie dieſer Hang verführt, Um deſto nöthiger iſt ihr ein edler Mann, Der ſtandhaft auf dem Thron ſie zähmen will und kann, Den Krieg verſteht, den Frieden liebet Und ſanfte Tugenden zugleich befiehlt und übet. 630 Auch ſagteſt du zu ſtolz: vich fand »Mit Rom mich ab, indem mein Blut dafür ge⸗ floſſen.“ Der letzte Krieger hat ſein Blut, wie du vergoſſen, Und nie findt man ſich ab mit ſeinem PVaterland. Zudem war's nicht Herſilia,(die Hand Auf's Herz gelegt) war ſie's nicht, die in Schlachten Dich mit der Liebe Banden zog, Und dräuende Gefahren zu verachten Durch ſüße Hoffnungen bewog? Genug! noch hab' ich nur ein einzig Wort zu ſa⸗ gen: 640 War es für mich und für ein häuslich Glück, Daß du das Zepter ausgeſchlagen; D ſo entſag' ich dir in dieſem Augenblick. Ich will mir nicht in Rom ein ewig Schandmahl ſtiften, Und würd' ich's nicht, dafern zum allgemeinen Weh' Ein edler Mann dey Thron bloß meinetwegen flöh'? Dieß müßte ſelbſt die Zärtlichkeit vergiften, Die du mir eingeflößt. Ja, wenn du nicht erfüllſt, Was Rom von dir verlangt, nicht nützlich werden willſt, So wirſt du durch Verluſt all meiner Achtung büßen, 650 Ich aber dein Vergehn an mir beſtrafen müſſen. ——„— — en — 10 3— So ſprach ſie, alles fiel ihr bey, Als nur Camille nicht. Die Abgeſandten knieen Vor Numa hin; umſonſt iſt ihr Bemühen, Er bleibet ſeinem Vorſatz treu. Man kann den Tod nicht mehr, als ich die Krone, haſſen, Sagt er zu Metius, drum, Freund, erſpare mir Den Schmerz/ dich unerhört zu laſſen. Mein Reich iſt dieſes Tempe, hier, Hier will ich leben und erblaſſen. 6bo Bin ich nicht frey, und gab nicht die Natur Schon mit dem Leben mir, wie jeder Creatur, Das Recht, ein Winkelchen der Erde mir zu wählen, Dort mit den Meinigen des Daſeyns mich zu freun? Heißt dieſes ungetreu der Pflicht und den Befehlen Der Götter ungehorſam ſeyn; So will ich eher mich bequemen, Der Tilgung meiner Schuld, mein Leben ganz zu weihn, Als die verhaßte Kron' aus euern Händen nehmen. Nun ruhe Metius bey deinem alten Freund, 670 Rie ſollſt du ihn mit ſtolzerm Nahmen nennen. So bald das Morgenroth auf lichten Bergen ſcheint, Brecht auf nach Rom: wer dort es redlich mit mir meint, Wird meine Dunkelheit und meine Ruh' mir gönnen. Kaum als er dieſe Worte ſprach, Erhebt er ſich und eilt mit raſchem Schritte Und Wongen voller Gluth, faſt zürnend aus der Hütte. — 10 4— Vergebens ruft ſelbſt Anais ihm nach, Zum erſten Mahl verhört er ihre Bitte. Die Abgeſandten gehn zu ihm in ſeine Hütte, 680 Schwermüthig und gedankenvoll, Daß Rom den Einzigen auf ewig miſſen ſoll. An Leo's Seite ruht Camille. Der Greis und Anais rathſchlagen in der Stille Der Mitternacht; ein Schluß von Wichtigkeit wird 4 jetzt Gemeinſchaftlich gefaßt, und ſchnell ins Werk ge⸗ ſetzt. 4 S— Se ES Se S 8 Der arme Numa wälzet ſich Auf ſeinem Bett herum, als wär's beſtreut mit Neſſeln. Weg, denkt er, weg mit dieſen goldnen Feſſeln, Die Metius gebracht! ſie ſind zu ſchwer für mich⸗ Weg mit dem Diadem, das ſelbſt die glatte Stirn⸗ Der Heiterkeit befurchen kann. Doch wie, ſo fährt er fort, wenn ich die Götter dann Und Anais durch Weigerung erzürne? Ach aber nähm' ich Roms verhaßten Zepter an, So müßt' ich ewig ihr entſagen. 10 Worauf ich einſt das Glück der Nation Zu bauen Willens wär', iſt die Religion. Wie könnt' ich da der erſte wagen, Zu thun, was ſie verbeut, und ſie verbeut ein Band Mit einem Weib aus magiſchem Geſchlechte. Ein Nahme, ſo verhaßt in meinem Vaterland, Daß er auf ſie und mich des Polkes Abſcheu brächte. Deum fort mit dem, was mein und ihr Glück untergräbt! Ich habe mich genug, Rom wohlzuthun, beſtrebt. Für meiner Bürger Heil zu Thaten und Entwür⸗ fen 20 106„ Arm oder Geiſt geliehn und andern nur gelebt. Soll ich denn endlich nicht mir ſelber leben dürfen? So denkt er, der gerechte Schmerz, Ein ihm ergebnes Volk durch Weigerung zu krän⸗ ken, Und Liebe, die ihm räth, ſo wie ſein ganzes Herz Auch ſeine ganze Zeit nur ihr allein zu ſchenken, Beſtürmen ihn; voll Zweifel wankt der Held. Gleich einem Baum, der von den Winden allen Bekämpft ward, locker ſteht und im Begriff zu fallen. Nur weiß man es noch nicht, auf welche Seit' er fällt. 30 Die Gattinn Thitons ſpannt ſchon ihre Roſen⸗ pferde Dem Wagen vor, ſchon dämmerts auf der Erde, Als endlich doch der Schlummer, der ſonſt leicht Zu unſerm Helden kam, ſchwer, langſam ihn be⸗ ſchleicht. Kaum überläßt er ſich dem Lindrer aller Peinen, Als eine ſchreckliche Geſtalt, Gehüllet in ein blutig Leinen, Mit ernſtem Schritt bis vor ſein Lager wallt, Dann ſtille ſteht und ihn beym Nahmen nennet. Der Prinz, der gleich den Geiſt des Tatius er⸗ kennet, 0 Ruft athemlos vor Graun: was ſuchſt, was willſt Geiſt meines Freunds? Red', ich gehorche dir: —„— Geh' denn nach Rom, ſo lieb dir aller Götter Gnaden, Ihr Wink, der dir die Krone nehmen heißt, Und meine Ruh' iſt, ſagt der Geiſt. Von Acherons umnebelten Geſtaden Stieg ich herauf: dort irr' ich bang umher. Mich drücken fremde Schulden ſchwer, Ich ließ durch Romulus des Böſen viel geſchehen. Nachgiebigkeit iſt auch ein Laſter: und nur dann 50 Werd' ich Elyſiums beglückte Thäler ſehen, Wenn auf der Römer Thron ein edelmüth'ger Mann Mein Volk beglückt. Das iſt der Schluß der Götter. Mein Freund, mein Sohn, ſey du des tief Ge⸗ kränkten Retter. So ſprach der Schatten und verſchwand. Vergebens richtet ſich der Held empor und ſtrecket Nach dem Entſchwundenen die Hand. Er greift nur Luft und wachet auf. Noch decket Ihn kalter Schweiß, noch ſträubet ſich ſein Haar. Er bringt den Göttern Wein zum Söhnungsopfer dar, 6o Und will zu Anais, die er vom Morgenſchlummer Schon wach zu finden hofft, um ſeinen tiefen Kummer In ihren Armen zu zerſtreun. Er ruft. Kein Laut! Er rufet wieder Und abermahl, ihm fährt's durch alle Glieder, Als wie ein Blitz; er eilt hinein, Wo ſonſt der Greis geruht; doch leer ift heut die Stätte, —— ——— K ———— ——— — 110— Mur eine Tafel liegt auf unzerwühltem Bette. Die Aufſchrift lautet: Anais An Numa. Numa kieſt nicht ohne Schauder dieß: 70 Ich reiſe; nie wirſt du mich wieder ſehen. Du würdeſt, blieb' ich hier, den Thron Ausſchlagen oder doch auch mich darauf erhöhen. Für beydes wäre Haß des Vaterlands dein Lohn. Ich rette dich und flieh'— hier ſtrömen meine Zähren. Sey glücklich, wenn du kannſt, ſey glücklich und vergiß Nie deiner armen Anais In ihrer Einſamkeit wird ſie dich preiſen hören. Nur das und die Verſicherung, Die laut mein Herz mir gibt, du werdeſt ſtets mich ehren, 80 Weil ich's verdient um dich, muß mir Entſchädi⸗ gung Für mein, dem Glücke Roms, geopfert Glück ge⸗ währen. Mit wildem Blicke las der Held Der Schönen Brief; die Schreckentafel fällt Aus ſeiner Hand, ſein Angeſicht erbleichet, Die Kniee wanken ihm, ſein ſchwerer Odem keuchet, Stumm iſt ſein offner Mund, ſein Auge thränenleer. Er ſelber kennet ſich nicht mehr, Und lange kann er nicht ſolch einen Jammer faſſen. 8 22 —„—„—„„„— —— nd 111 Doch endlich, endlich bricht ſein heißer Thränen⸗ ſtrom 9b Sammt ſeinen Klagen aus: du konnteſt mich ver⸗ laſſen,. So ruft er jetzt, du Braut mich Bräutigam ver⸗ laſſen 2 Dich opfern für's verhaßte Rom? Ja Rom und ſelbſt die Tugend will ich haſſen, Wenn ſie es war, was ich doch nie geglaubt, Wenn ſie es war, die dich, mein Alles, mir ge⸗ raubt. So klaget er und ſeine Seufzer fuͤllen Das ganze Thal, ſie ziehn Camillen Und Leo her. Fort iſt ſie, Freunde, fort! So ruft er ihnen zu; ſie flehen, nur zu ſagen, 100 Was ihm begegnet ſey, allein kein anders Wort! Als dieſes dumpfe: Sie iſt fort! Erwiedert er auf ihre bangen Fragen. Doch Leo ſiehet jetzt die Tafel, hebt ſie auf Und lieſt, was Numa's Glück zerſtöret. Auch ſtehet, als er nun die Tafel umgekehret, PVon Zoroaſters Hand ein Brief an ihn darauf. Sohn, lautet der, ich ſpare deinem Herzen Die Wahl, die zwiſchen deinem Freund Und Vater wanken würd', ich ſpare dir die Schmer⸗ zen 110 Des Abſchieds, und gewiß, der ſchöne Tag Fr⸗ ſcheint, Erſcheinet bald vielleicht, wo wir uns wieder küſſen. O Troſt, allein im Stand, mein Elend zu verſüßen! Wie Numa dieſe Worte hört, Entreiſſet er die Tafel Leo's Händen Und lieſt ſie durch; in ſeinen Buſen fährt Der Hoffnung Strahl, ein Irrwiſch, der zum Blenden Mehr, als zum Leuchten taugt. Schnell faßt er ei⸗ nen Schluß Und eilt den Fliehnden nach. Doch finſtre Wolken hüllen Den Himmel ein/ ergrimmte Donner brüllen, 120 Und eine Stimme ruft: Gedenk an Tatius! Erſchrocken und beſchämt fällt Numa jetzt zur Erde Und fleht die Götter an, den Fehl ihm zu ver⸗ zeihn. Dann ſteht er auf und ruft mit ruhiger Geberde: Führt mich zu euerm PVolk, ich will ihr König ſeyn! Sogleich gehorchen ihm die freudigen Geſand⸗ ten, Doch bergen ſie die Freud', indem ſie wohl er⸗ kannten, Wie ſchmerzlich der Entſchluß dem Herzen Nu⸗ ma's iſt. Sein Leo tröſtet ihn; er ſucht nun mit Camillen Die Fliehenden und will nach dreyer Monden Friſt 130 In Rom bey Numa ſeyn. Man trennet ſich, ein Wagen Steht für den Held am Fuß des Apennins bereit. Pi Al D 2) — 113— Vier Roſſe ziehen ihn mit ſolcher Schnelligkeit, Als würd' er von dem Nord getragen, In ſeine wartende, geſchmückte Königsſtadt, Die keinen Wunſch, als ihn, und keine Hoffnung hat. Bevölkert ſind die Straßen, Wälle, Mauern, Die Dächer ſelbſt von ungeduld'gen Schauern. 6 Wie ſeines Wagens Staub hoch in die Lüfte wallt, Drängt Groß und Klein, drängt Jung und Alt 140 Sich durch das Thor: ſelbſt Greiſ' und Mädchen miſchen kühner zu Sich in's Gedräng', ein und derſelbe Sinn Belebt heut Römer und Sabiner. Der ſtreut des Hehlbaums Zweig' auf Numa's We⸗ ge hin/ Der Blumen, jener faßt der Zügel Purpurleder, hn Und mancher gar die Speichen ſeiner Räder, Um länger das Geſicht des theuren Manns zu ſehn. nd⸗ Indeß durchraſt die Lüft' ein jauchzendes Getön: Willkommen, Bürgerfreund! du Schutzgeiſt Roms, 6 willkommen! So liebeſt du uns noch? ſo biſt du endlich hier? 160 Ru Heil, Preis und Götterſegen dir, Daß du das Zepter angenommen! en So tönt es; Numa groß, wie nie der Sieger iſt, en Wenn nach eroberten, das heißt, zerſtörten Landen 13 Er nach dem ſeinen zieht und in der Knechtſchaft ein Banden Der Ueberwundnen Schaar um ſeinen Wagen it fließt, Numa Pompilius. II. Th. 35 um 11 ½ Eilt auf den Platz, gerühret bis zu Thränen, Und läſſet von der Hand der Edlen Roms ſich krönen; Dann ſteigt er auf das Capitol. Dort opfert er für ſeines Volkes Wohl, 160 Und legt auf den Altar das Zepter ſammt der Krone. O Zeus, ſo flehet er Saturnus großem Sohne, Iſt jemand hier, der mehr des Volkes Heil Befördern kann, als ich: ſo werde dieſe Krone Und dieſes Zepter ihm zu Theil. Den beſſern Mann damit zu ſchmücken, Wird mehr als Heldenruhm und Siege mich ent⸗ zücken. So bethete der Fürſt: das Volk fühlt ſeinen Werth, Je minder er ihn fühlt; die allgemeine Freude Jauchzt immerfort, auch wird durch's Eingewei⸗ de 170 Des Opferviehs der Götter Huld bewährt. Und man erblicket, nun der Held zurücke kehrt, Zwölf Geyer, welche ſtets zu ſeiner Rechten fliegen, Sie folgen ihm bis zum Pallaſt, Wo Romulus gehäufte Schdtze liegen. Er, welcher todtes Gold in Fürſtenſäckeln haßt, Läßt unters Volk die eine Hälfte theilen, Die andre Hälfte bleibt dem Landmann aufbe⸗ wahrt, Der künftig nur für ſich, nicht für den König ſpart. Als nun die Celeres zu ſeinen Füßen eilen, 180 N 2— 7) ——) 7) —— — 160 der ent⸗ inen fbe⸗ art⸗ 16⁰ 119— So kündt er ihnen gleich den Abſchied an und ſpricht Mit ernſtem Ton und ſinſterm Angeſicht: Unnöthig, Celeres, ſeyd ihr auf alle Fälle. Die Liebe meines Volks bewachet meine Schwelle, Drum brauch' ich andre Wachen nicht. Viel Frevel übtet ihr und groß ſind die Beſchwer⸗ den Des Volkes wiber euch. Geht, lernet Bürger wer⸗ den. Er ſagt's und alſogleich greift man auf ſein Geheiß Die beyden Celeres, die den gekrönten Greis, Den edlen Tatius, erſchlagen. 190 Er ſelbſt zeugt wider ſie, als ſie's zu läugnen wagen, Und gibt ſie dann dem Schwert der Rache preis. Ach, ſeufzt er, möge ſonſt kein Blut als dieſes fließen, Und ich die ſchwerſte Pflicht nie wieder üben müſſen! Nochdem er ſo das erſte Beyſpiel gab, Wie jeder Fürſt das Armuth unterſtützen, Den Frevel ſtrafen ſoll; ſo ſondert, mehr zu nützen, Er lange Zeit von ſeinem Volk ſich ab— Er mochet ſich zum Angenmerke Des Unterthans Abgaben, Reichthum, Stärke; 200 Er denkt im einſamen Gemach, Wie man die letztern ſtets vermehren, H 2 ——— ——— — 116„ Die erſteren, wenn auch nicht ganz entbehren, Doch mindern kann, mit weiſen Männern nach. Allein vorher wallfahrtet er zum Haine Der Nymph' Egeria, daß in der Einſamkeit Er Pallas Hülf' erfleh' und Anais beweine. Am Eingang wartet ſein Geleit. Er ſelbſt durchirrt des Walds ehrwürd'ge Dun⸗ kelheit Und kommt zum Platz, an dem entzücket 210 Er einſt Herſilien in tiefem Schlaf erblicket. Er bebt und zählt bey ſich die großen Uebel her, So ſie auf ihn gebracht, und doch, nicht ohne Sehnen Betrachtet er den Ort; ſo ſchwer Läßt ſich das Herz der erſten Lieb' entwöhnen. Doch endlich eilt er fort, ſetzt unter einem Baum Sich dann im hohen Graſe nieder, Und, was dem edlen Mann ſo ſüß iſt, träumt den Traum Der allererſten Jugend wieder. Er denket, wie Egeria 220 Und Pallas hier ihn hohe Weisheit lehrte, Doch bald darauf Herſilia Und blinde Leidenſchaft ſo lange Zeit bethörte. Der Nahme nur von ſeiner Anais Kann ihn vor jedem Rückfall ſchirmen. Er denkt an ſie und iſt gewiß, Der Tugend Bahn zu gehn, auch mitten unter Stürmen. Er denkt an ſie und iſt ſo elend nicht, e „ 117— Als kurz vorher, er traut nun feſter auf die . Götter Und ſieht die Hoffnung ſelbſt, die ein Paar grüne Blätter 230 Zu ſeines Diadems ſchmerzhaften Dornen flicht. un⸗ Er ſteht beruhigt auf, eilt weiter fort und denket, 10 Daß er zu Pallas Tempel geh'. Doch von dem irrenden Gedächtniß falſch gelenket, . Kommt er zu einem Quell, der auf der ſchönſten ohne Höh' Und der verborgenſten entſpringet. Des Hügels obre Fläch' umringet Ein Kranz von Pappeln, hoch und ein Jahrfunf⸗ um zig alt, Und zwiſchen ihrem Stamm blühn wilde Roſen⸗ t den hecken, Und andre Sträucher viel, die dieſen Quell ver⸗ ſtecken, 240 330 Zu welchem noch kein Hirt gewallt, Auf deſſen Fläche noch kein Zweig hinab geſun⸗ ken, Von deſſen Waſſer noch kein Vögelchen getrunken. Der Ort, des Schweigens Aufenthalt, Scheint an den andern Theil der Welt nicht an⸗ gereihet Und den Geheimniſſen geweihet. nit So war der Platz in dem Gargaphſchen Wald, Wo kühn Actdon einſt die Badende belauſchte, So der, wohin Dian', auch von der ſüßen Qual ———————— ———— „„ 118— Der Zärtlichkeit nicht frey, mit ihrem Freund ſich ſtahl 250 Und ungeſehen Küſſe tauſchte, Als Numa nun an dieſem Quelle ſtand, So bückt er ſich und ſchöpft das Waſſer mit der Hand. Wer hat daraus zu trinken dir erlaubet? Ruft ihm ein ernſter Ton. Verzeih, Najad', antwortet er, ich habe nicht geglaubet, Daß dieſer Quell dir heilig ſey. Du kannſt auch künftig noch daraus den Durſt dir kühlen, Kannſt von der Stirn damit die Mittagshitze ſpülen, Sagt die nun ſanfte Stimm', erinnerſt du dich nicht 260 Egeriens? ſie iſt's, die jetzo mit dir ſpricht, Sie iſt es, deren Rath dir Ceres einſt verkündet. Doch hören nur, nicht ſehen darfſt du ſie, Und in den innern Theil des Wäldchens dringe nie! Von allem, was ſich nur in deinem Herzen findet, Von Zweifel, Furcht und Gram entledige dich hier. Auch das, worauf ſo ſehr die Wohlfahrt Roms ſich gründet, Jedwedes werdende Geſetz entdecke mir Und, als des Zutrauns Lohn, nimm meinen Rath dafür, Der aber niemahls dich zur Folgſamkeit verbin⸗ det. 270 — 1.— 119— — dſch Denn bloß als Freundinn geb' ich dir 250 Beſcheid auf eine jede Frage, Die du der Göttinn thuſt: nun aber geh von hier Und komm zurück am vierten Tage. der Die Stimme ſchwieg und Numa horcht noch ſtets, Bis endlich ſich ein Strom des Danks und des Gebeths t, Pon ſeinem Munde gießt; er fragt noch ein Mahl, lauſchet dir Der Antwort, doch umſonſt! er hört Den Hauch des Zephyrs nur, der durch die Blät⸗ ite ter rauſchet. Voll Ehrfurcht und gewiß, er ſey den Göttern dich werth, 280 260 Da ſie den Weg zu ſeines Volkes Glücke Ihn ſelber lehren, zieht der König ſich zurücke. t. Nun macht er ſich mit ſeinem neuen Stand⸗, nge Mit jeder Fürſtenpflicht und jedem Recht vekannt, So viel als Fleiß und Scharfſinn nur vermögen. det, Daß er der Nymphe Lob, und ſeiner Römer Segen iet. Verdiene, dieſe Müh' wiegt ſeinen Liebes ſchmerz ſih In Schlummer und betäubt ſein immer fodernd Hetz. Doch er verſagt ſich nicht, im Stillen oft zu denken⸗ 3 u Ihm werden, wenn er einſt des Guten gnug ge⸗ 1 than, 290 tin Die Götter Anais dafür zum Lohne ſchenken, Und dieſes ſpornet ihn noch mehr zum Guten an. ——— 120„ Drey Tage waren um: er, ſo der Fragen jebe, Worauf er Antwort wünſcht, lang', ernſtlich über⸗ dacht, Naht ſich dem Quell und ruft. Haſt du, ſo ſchallt die Rede Der Göttinn ſanft zurück, ſchon Glückliche ge⸗ macht? Und biſt du mit dir ſelbſt zufrieden? O Göttinn, ſagt der Fürſt, was für ein hartes Loos Iſt doch den Königen beſchieden! Man meinet, ihre Macht ſey groß, Auch iſt ſie's, aber nur das Böſe, nicht das Gu⸗ te 300 Zu wirken, iſt ſie groß; man kann mit allem Muthe, Mit aller Klugheit nicht ſo Vielen widerſtehn, Die einzig nur auf ihren Vortheil ſehn, Die dieſen Vortheil in der Dauer Der Uebel finden, und, beſtändig auf der Lauer, Die größte Wachſamkeit des Fürſten hintergehn. Er muß es ſelber thun, was er gethan will wiſſen; Dieß hindert ihn und lange Jahre fließen Trotz ſeiner Müh' in's Meer der Zeit, Bevor ein weiſer Plan zum Völkerwohl gedeiht. 310 Ich ſelber glaub' oft zu verzagen, Ich dünke mich zu ſchwach, der Krone Laſt zu tragen Und hab' als guter Fürſt vor bsſen das allein Zum voraus, daß ich ſtets, zu meiner eignen Pein, ijebe Der erſte bin, die Uebel zu beklagen, über⸗ Die ich nicht hindern kann. Er ſchwieg und fuhr nicht fort, holt Von Schmerzen übermannt. Die Nymphe nahm das Wort. ge⸗ O Numa, wenn ſo leicht die Kunſt zu herr⸗ ſchen wäre, ates So glänzte weniger der guten Fürſten Ehre. Es iſt nur allzu wahr, daß Wolluſt, Heucheley 320 Und Argliſt jeden Thron umringen; Allein der Fürſt, der immer treu Gu⸗ Der Tugend bleibt, weiß endlich durchzudringen. 300 Die Laſter kennen iſt ſchon viel, Mem Und gibt dem weiſen Mann beynah' gewonnen Spiel; Die immer fertigen Bewundrer, welche jede Von deinen Handlungen zum Himmel rühmen, die r, Verbanne— nicht vom Hof, der würde ſonſt . bald öde, ſen; Aus deinem Herzen banne ſie. Und um nicht Welt und Hof im Wahne zu be⸗ ſtärken, 330 310 Als machte man durch Schmeicheley Sein Glück bey dir, ſo laß den Würmern ohne zu Scheu Abſchreckende Verachtung merken. Doch hüthe dich, die Menſchen überhaupt Gering zu ſchätzen. Weh' dem Lande, nen Deß argwohnvoller Fürſt nur eine Rauberbande ———— — 122— Um ſeinen Thron zu ſehen glaubt! Die Götter haben ja euch Sterbliche zu Brüdern, Zu Bürgern einer Welt gemacht, Wie jeder Stand von niederträcht'gen Gliedern 340 Entehret wird, ſo prangt er auch mit biedern. Vergiß es nicht, daß ewiger Verdacht Die Menſchen Anfangs kränkt, dann laſterhaft ſie macht. Was ſoll ich, denken ſie, den Pfad der Tugend wandeln? Es frommet mir die ſchwere Reiſe nicht. Ich mag auch noch ſo edel handeln, Mein König hält mich doch für einen Böſewicht. Gewiß, es wird dir nicht an weiſen Räthen fehlen, Verſtehſt du nur die Kunſt, die große Kunſt, zu wählen! Wer ſich zu deinem Thron hinvor 350 Geſchäftig drängt, dem leihe nicht dein Ohr. Der edle Mann bleibt in der Ferne ſtehen, Die Majeſtät muß ihm entgegen gehen, Und das mit Recht, da dieſer edle Mann Ihr unentbehrlich iſt, doch ſie entbehren kann. Auch muß ſie ihn, als ihres gleichen, ehren; Das kann ſie leicht, da er mit ihrer Gunſt nicht prahlt, Und, durch ein freundlich Wort bezahlt, Verſchmäht, was Eitelkeit und Geitz von ihr be⸗ gehren. S 2 72 e. (8)( — c— 2 7) S „„ „—„„ — r— 123 So ſprach Egeria, der Fürſt erwiedert drauf: 360 idern, Wie gerne ſuch' ich ſie, die edlen Männer, auf! Doch Göttinn, wenn ich auch ſie finde, m 30 Ja mit der Freundſchaft Band an meinen Thron ſie n. binde: So ſtellet auf der Bahn zum Guten doch gewiß haft ſi Sich Hinderniß an Hinderniß, Trotz unſern eifrigſten Bemühungen entgegen. Lugend Mein PVolk iſt an den Krieg ſeit Jahren ſchon ge⸗ wöhnt, Es ſuchet Hab' und Nahrung durch den Degen, Indeß mein ganzes Herz ſich nach dem Frieden ſehnt. icht. Mein Plan iſt, beyde Nationen, 370 Die mein Gebieth unnachbarlich bewohnen, Räthen Zu einer einzigen zu bilden, doch hierzu Bedarf ich heilſamer Geſetz', und, die zu geben, nſt, zu Bedarf ich äußerlicher Ruh'. Die aber werd' ich wohl noch lange nicht er⸗ 350 ſtreben. Herſilich, die Stolze kenneſt du, Hat ſchon Italien voll Rachbegier durcheilet Und ihren Haß den Fürſten mitgetheilet. Ihr Heer vermehrt ſich, wie ein Strom, nn. In welchen kleine Bäche fließen, 380 Und wenig Tage noch, ſo werd' ich mich in Rom ſt nicht Vor ihrer Wuth verſchanzen müſſen. Zwar fehlt es mir an Bundsgenoſſen nicht, Doch ſelbſt die Bundsgenoſſen ſcheuen ihr b⸗ Roms immer wachſendes Gewicht. Und meiner Feinde Schaar mit Schlauheit zu ent⸗ zweyen, — —— 2— 124— Iſt eine Kunſt, wovon ich nichts verſteh' Und nichts verſtehen will; drum laſſ' mich nun er⸗ fahren, Wie ich zuerſt den dringendſten Gefahren, Dann auch den ferneren entgeh'. 390 Muth, Tugend, Gegenwart des Geiſtes ſind die Gaben, Verſetzt' Egeria, die als ein Gegengift Für all der Uebel Schaar, die oft die Herden trifft, Der Völker Hirten nöthig haben. Wer dieſe Gaben ſo, wie du, o Fürſt, beſitzt, Der wende ſie nur an, und nichts wird ihm miß⸗ lingen. Doch von den nächſten Uebeln itzt! Für ferne kann die Zeit auf ihren milden Schwingen Oft beſſ're Hülf', als ſelbſt die Klugheit, bringen. Du wuͤnſcheſt Frieden; drum bereite dich zum Krieg; 400 Alt, wie die Welt, iſt dieſe Lehre. Rom wird vertheidiget von einem tapfern Heere, Bey euren mächtigen Phalangen wohnt der Sieg. Benütze dieß und liebe die Soldaten. Je theurer dir der Frieden iſt, Je minder kannſt du die entrathen, Durch welche du allein vor Krieg geſichert biſt. Nenn' oft und laut dich ihren Mitgefährten, Verſichre ſtets dich ihrer Treu', Wohn'ihren Uebungen, als ein Ermuntrer, bey, 410 Lob' und erhebe die Bewährten. 3—) n— 28 „—„— — 125— Mit milder Hand verſchwend' an ſie nun en Anſehen, Ehren, Rang; doch Gold und Schätze nie. Geitz oder Weichlichkeit, die Folgen großer Güter, Vergiften bald die krieg'riſchen Gemüther. 390 Erinnre dich des Heers, das Capua geſandt, Es floh vor Leo's Schwert faſt ohne Widerſtand. es ſind Im Kriege theile die Beſchwerden Mit deinen Kriegern gern. Wie viel vermag der Fürſt ntrift, Durchs Beyſpiel nicht! was du mit ihnen tragen wirſt, 420 tt, Wird federleicht für ihre Schultern werden. n miß⸗ Allein je mehr der Krieger Stand und Werth Geſchätzet wird, je mehr ſind die zu tadeln, Die durch Gewaltſamkeit ſich und den Stand ent⸗ wingen adeln, ringen. Und auf den Bürger, der ſie nährt, Mit blindem Ehrgeitz niederſehen, zun Ja Frevel oft und Raub an ihm begehen. 400 Dem wehret ein Monarch, wenn er die ſtrengſte Zucht Bey ſeinem Heer zu unterhalten ſucht, gig. Den Ungehorſam im Entſtehen 430 Zu zèhmen weiß und Widerſpänſtigkeit Auch dem verſuchteſten der Krieger nicht verzeiht. So, Numa, wird dein Heer das Schrecken Des Nachbars ſeyn, und du durch dieſes Heer Des Friedens ſüße Früchte ſchmecken; Den wünſcheſt du, auch wünſcht ein guter Fürſt nichts mehr. Doch Numa zeig' es nicht zu ſehr, 126— Daß ſchlaue Feinde drauf nicht ihre Hoffnung gründen, In deiner Friedeſeligkeit Ein Mittel zur Vergrößrung finden 440 Und dich berauben ungeſcheut. Dein Nachbarfühle ſich gezwungen, dich zu lieben Und dich zu fürchten, dich, der bey Gelegenheit Es ernſtlich zeigt, daß er Gewaltſamkeit So wenig dulden wird, als üben; Sich nie bedräuen läßt und Andre nie bedräut. So wirſt du Fremder Liſt beſchämen und ermüden Und in dem nöthigen, in dem erwünſchten Frieden Das Beſte deines Vaterlands Durch heilige Geſetze ſichern können. Hier denke ſtets zuerſt des allererſten Stands; 460 So iſt mit Recht der Nährende zu nennen. Schütz' ihm das Eigenthum, das ſeine Hand gebaut, Und das ſein Schweiß, ſein heißer Schweiß bethaut. Erleichter ihm die Nahrung und die Ehen, Deck' ihn vor Uebermacht mit königlicher Gunſt Und ehre ſelbſt des Pflügers edle Kunſt, Sie allgemein geehrt zu ſehen. Durch ſie alleine hebt ſich jedes Reich empor, Ihr folgt, als Diener, auf dem Fuße Der Ueberfluß, dem Ueberfluſſe 460 Der andern Künſte ſchönes Chor. Beglückt der Staat, wo dieſe Schweſtern wohnen! Denn ſie zu finden fleugt, das Füllhorn in der Hand, Von den entferntſten Erdezonen Der Handel her und gießt es auf das Land. Du hemme ſeinen Flug durch kein verhaßtes Band⸗ 3—— —— — offnung lieben nheit räut. rmüden Frieden 450 gebaut⸗ ethout⸗ 7 unſt 460 ohnen! Hand, Bond⸗ Nur wiſſ, wo Ackerbau ſich nicht mit ihm vermehret, Dort iſt nur allzu bald ſein Füllhorn ausgeleeret, Sein goldner Fittig weggewandt. Von deinen übrigen Geſetzen 470 Betracht' als Grund die Menſchenliebe nur. Laß ſie ſo einfach ſeyn, als die von der Natur, Doch laſſe keinen Stand ſie ungeſtraft verletzen. So bleibt der Schwächere vom Stärkern unbedroht, Und hat, wenn dieſer ja ſich gegen ihn erhebet, Geſchwinde Hülfe, weil er lebet, Und ſtrenge Rache nach dem Tod. Daß länger in der Eh' der Liebe Flammen brennen, Und daß ſie nicht ein Kerker ſey, PVor dem der Weiſe fliehs; ſo ſteh' den Gatten frey, 480 Wann ihrer Kinder Wohl es leidet, ſich zu trennen. Gib, denn du ſetzeſt nichts aufs Spiel, Gib unumſchränkte Macht dem Vater, laß ihn König Des Sohnes ſeyn; es gibt grauſamer Väter wenig, Doch undankbarer Söhne viel. Daß die Patricier das Volk ſich eigen machen, Räum' ihnen beym Gericht das edle Vorrecht ein, Beſchuldigter Plebejer Schutz zu ſeyn Und eifrig für ihr Wohl zu wachen. Laß Sicherheit jedwedem angedeihn. 490 Der Reiche mög' in Ruh' ſich ſeines Reichthums freun, Doch ihm, zu Andrer Troſt, Freygebigkeit vermählen. Den Schwächern drücke nie des Mächtigen Gewalt. Den Armen dürf' es nie an nöth'gem Unterhalt, Den Waiſen nie an einem Pater fehlen. —— 126„ Der König, welcher ſtets geſchwiegen, unter⸗ bricht Nun ſeine Lehrerinn und ſpricht: Wie, Nymphe, ſagſt du nicht von ihr, der größ⸗ ten Zierde Der Staaten, ohne die der Thron, Und wär' er noch ſo feſt gegründet, wanken wür⸗ de, 500 Von ihr, der Tröſterinn, die jedes Unglücks Bürde Geringer macht, von der Religion. Als Knaben ſchon hat Ceres mich geleitet, Mich vor Gefahr gewarnt und in Gefahr geſchützt, Und deinen, weiſen Rath, Egeria, der itzt Mein Leitſtern iſt, ſchon längſt mir angedeutet. So groß, als dieſe Götterhuld Geweſen iſt, ſo groß iſt meine Schuld, Sollt' ich nicht wenigſtens ſie abzutragen ſtreben? Ich muß, ich werd' es; ſonſt verdien' ich nicht zu leben. 510 Auch wird durch Frömmigkeit das Herz der Men⸗ ſchen weich. Anhänglichkeit an heilige Gebräuch' Erzeugt Gehorſam, macht auch andre Pflichten üben, Die Menſchen lernen ſich in ihren Göttern lieben. Drum ſuch' ich Andachtsgeiſt in ihnen zu erneun⸗ Ich will der Prieſter mehr dem Dienſt der Tempel weihn, Ich will die Pracht an den Altären, Der Opfer Feſtlichkeit und ihre Zahl vermehren. Doch zu dem feſtlichſten entwarf — ₰ — 1 29— unter⸗ Richt Frömmigkeit den Plan. Du lieſeſt in den Seelen, 520 Drum will ich dir's geſtehn; was darf, größ⸗ Was kann ein Sterblicher Unſterblichen verhehlen? Ja, Lieb' und Sehnſucht iſt's, was dieſen Plan entwarf. en wür⸗ Ich fand ein Mädchen, jede Tugend 500 Und jeder Reitz ſchmückt' ihre frühe Jugend. Bürde Ach Anais, wie ſtürmt der Liebe Schmerz Bey dieſem Nahmen ſchon durch dieß getreue Herz! Doch glaubte ſie, vom Stamm der Magier ent⸗ ſchützt, ſproſſen/ Richt an die Götter Roms, nur einen einz'gen, utet. großen Und unermeßnen Gott, der dieſes All erfüllt, 530 Den bethete ſie an, und ehrte Sonn' und Feuer, eben? Als dieſer Gottheit Ebenbild. nicht zu Zu dem Gedächtniſſe der Schönen, welche theuer 510 Mir ewig bleiben wird, und ihr zur Ehre ſoll Men⸗ Ein Tempel dem Vulcan, als Feuer, Ein andrer Tempel dem Apoll, Als Sonnengott, erbauet werden. ſichten Doch auf den heiligſten von allen Opferherden, Auf dem der Veſta, geh die Flamme niemahls aus. Vier Prieſterinnen wähl' ich für der Göttinn Haus, 54b Damit ſie ſtets die Flammen unterhalten lieben. neun Lenpel Und früh und ſpät den Opferdienſt verwalten. Doch muß ihr Lebenslauf untadelhaft und rein, un Sie meiner Anais in Allem ähnlich, ſeyn. Dagegen ſollen ſie, als unſers Tempels Zierden, Ruma Pompilius. 11. Th. 8 „ 130„— Geſchmücket ſeyn mit königlichen Würden. O weiſe Nymph', ich bin gewiß, Daß du die Dankbarkeit, daß du die Liebe bil⸗ ligſt, Die niemand mehr als Anais um mich verdient, und gern in meine Plane wil⸗ ligſt. 650 Was kann ich minder thun für meine Lehrerinn, Die an der Liebe Band zur Weisheit mich ge⸗ führet, Und der allein ich's ſchuldig bin, Wenn hier und da mich eine Tugend zieret. Er ſprach's. Egeria ſchwieg längre Zeit als je. Doch endlich fing ſie an: O König Roms, ich ſeh' Auf deine feſte Treu' nicht ohne Wohlgefallen, Ich hoffe, daß dich einſt verdienter Lohn erfreut. Doch treibe ſelber Dank und Liebe nicht zu weit. Geboren und gepflegt in eines Tempels Hallen, 560 Durch prieſterlichen Unterricht Gebildet, hüthe dich und herrſch' als Prieſter nicht. Religion und Frömmigkeit erhebet Das Herz der Könige; doch wer am Aeußern klebét, Wer Pfaffentrug für Wahrheit nehmen kann, Der klettre nur den Fels des Ruhms hinan! Er wird vergeblich ſich bemühen, Des Wahnes ſchwere Laſt wird ihn danieder zie⸗ hen, 2 3 8S 7 70 ) — 131— Ein abergläub'ſcher Fürſt wird nie ein großer Mann. ieit Ich will dich hier nicht Undank lehren 570 Und frommen Eifer nicht in ſeinem Ausbruch ſtören. i Ja, danke du den Göttern, ehre ſie, 550 Doch folge nur hierin dem ſchwachen Pöbel nie, v. Den Ceremonien bethören. ge Die beſte Weiſe, ſie zu ehren, Iſt, wenn man ihnen ähnlich wird. Wie deine Ceres einſt die weite Welt durchirrt, Den Menſchen den Gebrauch des krummen Pflugs zu weiſen, Zeit So magſt auch du dein Land wohlthätig ſelbſt be⸗ reiſen. Sie hat dabey die Gottheir abgelegt 580 , i Auch du leg' ab die königliche Würde, Erleichtere des Armen Bürde, „ Der nebſt der eignen oft auch die des Reichen 5 Ach! meiſtens blühn die ſchönſten Garben Mehr für den Wucherer, als für den Ackersmann⸗ Was auch der beſte Fürſt nicht immer hindern kann⸗ nih Doch wenigſtens laß den nicht darben, S Deß unermüdter Fleiß die ſchöne Frucht gewann⸗ euein Im ſegenreichen Jahr füll' alle deine Scheuern, Der allgemeinen Noth im Mangeljahr zu ſteu⸗ ern. 59 0 Kurz, herrſche, daß die Welt nicht Schmeicheley⸗ noch Spott er ji⸗ Es nenne, wenn man ſagt; du ſeyſt ein Erdegott. J 2 132„ Die Nymphe hätte mehr geſprochen, Doch ward ſie hier vom König unterbrochen. O du, ſo rufet er, aus deren weiſen Mund Der Götter Wort an mich und Troſt und Rath ergehen, Du, die zum Völkerwohl den Grund Mich legen lehrt, ſoll ich denn nie dich ſehen? O zeige dich! nur einen Augenblick Vergönne mir das heiß gewünſchte Glück. 600 Jetzt Numa, kann es nicht geſchehen! So ſchallt der ernſte Ton Egeriens zurück, Doch ſchwör' ich dir, du ſollſt an jenem Tag mich ſehen, An dem du groß vor allen Fürſten biſt, Das heißt, an dem dein Volk vor andern glück⸗ lich iſt. Sie ſprachs; er eilt, in ſeiner Bruſt die Flam⸗ men Der Ungeduld, zurück in den Pallaſt. Hier denkt er Allem nach, ſetzt einen Rath zuſam⸗ men Und theilt mit ihm der Herrſcherſorgen Laſt. Die weiſeſten und beſten Senatoren 610 Beſtimmet Numa's ſtrenge Wahl Zu dieſem Rath; auch ſind in gleicher Zahl Anſehnliche Plebejer auserkohren. Befremdet ſiehet dieß der Adel, ſieht's und fragt, Ob Vorzug der Geburt und Rang aus Rom ent⸗ wichen? Das nicht, ihr Senatoren, ſagt S 7 7— Rath boo 9 mich glück Flaln⸗ zuſamn⸗ 61⁰ fraht/ n en Der König, aber ihr liebt ja der Bürgerlichen Geſellſchaft in der heißen Schlacht. Drum duldet ſie auch immerhin im Rathe. Die Bürger ſind, wie ihr, ein Theil von unſerm Staate, 620 Sie ſind von der Natur ſo gut, wie ihr, bedacht. Denn iſt die Weisheit wohl ausſchließungsweiſ euch eigen, Und pfleget Redlichkeit und Treu' Nur in dem Schmuck des Adels ſich zu zeigen? Auch kennt ein ſolcher Mann die feine Schmei⸗ cheley, Den ſchlauen Hofton nicht und ſagt die Wahrheit frey. Er würde laut ſelbſt an des Thrones Stufen, Wenn mir mein eigner Stolz und fremde Heu⸗ cheley, Mein Volk ſey glücklich, lügt, mit edlem Zorne rufen: NRein, König Roms, es iſt Betrug, b3o Ich kenne noch Unglücklicher genug! Mit dieſem Rath vereint er ſein Bemühen, Daß er den alten Haß, wovon ſo lange Zeit Die Römer und Sabiner glühen, In ihrer Bruſt erſtick', und daß Verträglichkeit, Daß Eifer für den Staat, für die gemeine Sache Zu Einer Nation ſie mache. Daß ſie nicht mehr als zwey verſchiedene Par⸗ teyn 134— Sich anſehn, theilet er ſie klug in Tribus ein. Der Eintracht, der Gerechtigkeit, der Mil⸗ de, 640 Der öffentlichen Treu' baut er ein Heiligthum, Und ehret in dem Götterbilde Des Terminus das Eigenthum. Ihm unterbrachen Königs ſorgen Den ſüßen Schlaf ſchon an dem grauen Morgen. Da dacht' er manchem Plan bis zu dem Rathe nach, Wo mit Beſcheidenheit er ſeine Meinung ſagte, Um Wahrheit, nicht um Lob zu hören, eifrig fragte, Und gerne ſah, wenn man ihm widerſprach. Sollt' ein Geſetz gegeben werden; 650 So ſtellt' er erſt ſich an die Stelle deß, Den das Geſetz betraf; hier überdacht' er es, Und hier berechnet' er die Vortheil und Beſchwerden. Dann ſann er nach, bis ſich ein Mittel fand, Das des Privat⸗Manns Intereſſe Feſt an das Wohl des ganzen Staates ſchlöße, Denn Eigennutz iſt ſtets der Menſchen größtes Band. Ward ihm ein Krieg als vortheilhaft geprieſen, So rechnet' er genau die Koſten, die dem Land Der Krieg verurſacht', aus, und immer ward er⸗ wieſen, b6o Daß, wenn er auch den Feind in jeder Schlacht beſiegt, Der Schaden doch um viel den Vortheil über⸗ wiegt⸗ —— — 135— ein. Laßt uns, ſo ſagt er dann mit Ernſt zu ſeinen Pit Räthen 6d Laßt uns mit dieſem Gold aus unverdienten Rö thun, then Den Landmann oder Bürger ziehn. Die Viehzucht heben und zu Weiden Mit dichtem Klee die Felder überſän, utgen. Laßt mit Canäken uns das ganze Land durchſchnei⸗ Rathe 3 pe⸗ Und Fleiß und Induſtrie durch reiche Preiſ erhöhn. g, Laßt Straßen über Berg' uns führen, laſſet Pfü⸗ ifng en⸗ Wo itzo noch peſtſchwangre Lüfte wehn, Uns trocknen, und darauf der Ceres Gaben mähn; 660 So werden wir dem Lande beſſer nützen, Als wenn wir, Hauern gleich, mit wildem Helden⸗ denmuth 5 Verwüſten, was der Fleiß gebaut, aus ſeinen werden. Sitzen Den Landmann treiben und— hier zittert! Men⸗ 2 ſchenblut, ße Das an dem Feinde ſelbſt unſchätzbar iſt, ver⸗ größtes ſpritzen. ſen So dachte Numa von dem Krieg. nd Und wenn nun Phöbus längſt die Mitte ard er⸗ Des Laufs vollbracht, wenn Jedes Klag' und 66 Bitte 680 chlocht Gehört, entſchieden war, und nun das Rathhaus ſchwieg; ibet⸗ So ſitzt, nach ſeiner Ahnen Sitte, — 136— Der Fürſt zum kleinen Mahl mit wenig Freun⸗ den hin, Und hier erheitert er den lang' umwölkten Sinn. Dann geht er in die niedre Hütte Des Armen, in des Künſtlers Haus Und ſpendet dort Hülf' und Belohnung aus. Des Abends eilt er ſtets in ſeinen Wald, au morgen Sich von Egerien Belehrung zu erborgen. — — — 2 — — — — — 6 — Der König, welcher ſtets für ſeine Staaten wachte, Und neue Glückliche mit jeder Stunde machte, War ſelbſt es nicht: ſein bittrer Thränenſtrom Heiſcht' Anais. Umſonſt! denn ſeine Bothen brin⸗ gen/ So ängſtlich ſie darnach Italien durchgingen, Ihm keine Nachricht mit, und Leo bleibt von Rom Noch ſtets entfernt; auch iſt die Amazone, Herſilia, dem König fürchterlich. Er weiß, ſie trachte nach der Krone, Kennt ihre Wuth und rüſtet ſich. 10 Sieh'! eine Wolke Staubs erhebet Sich von der Seite Latiums; Ein fürchterlicher Wald von langen Speeren ſtre⸗ bet Zur Luft empor; ein Murmeln, dem Geſumſ' Erzürnter Bienen gleich, ertönet in der Ferne, Doch wo der Zug nur naht, erſchallt Der Krieger Stimm' und ihre Rüſtung hallt, Die Roſſe wiehern drein, daß an die goldnen Sterne Der Lärm ſteigt und zurück von allen Bergen prallt. 2 rücken an die Stadt die bundsverwandten Schaaren 20 — 146— Herſiliens. Im erſten Treffen zieht! Das Volk der Rutuler, kühn iſt's in Kriegsge⸗ fahren Und ganz mit Stahl bedeckt; vor ihrem erſten Glied. Erblicket man vereint die ſcharf geſchliffnen Spitzen Der ungeheuern Speere blitzen. Die Krieger ſelbſt ſtehn dicht und feſt, An Schild iſt Schild und Helm an Helm gepreßt. Sie führet Turnus an, ihr ſtolzer Fürſt; er ſtam⸗ met Vom alten Turnus ab; hägt, kühn und feuervoll, Wie dieſer einſt, des Anherrn alten Groll 30 Und ſchwur, vom Reitz Herſiliens entflammet, Daß ſie den König Roms in Feſſeln ſehen ſoll. Nach dieſen Tapfern zieht in häufigen Geſchwadern Das Volk Campaniens einher, Mit kurzem Schwerte, ringem Speer Und leichtem Panzerhemd; es gährt in ſeinen Adern Nicht Heldengeiſt, nicht kriegeriſcher Muth, Der Trieb zur Wolluſt nur wärmt und empört ihr Blut. Nach ihnen kommen ſtolz gezogen Die Volſcier, verſehn mit Schwertern und mit Bogen, 40 Arisbeus, alſo heißt der Feldherr dieſer Schaar, Vereiniget ein Taubenpaar Mit einer Schnur und läßt dann in die Luft es eilen. Dorf ſchneidet er mit ſeinen ſichern Pfeilen Un I — N La e— „ n—„— riegsge⸗ erſten Eypitzen preßt. er ſtam⸗ woll, 30 et, oll. wadern Adern prt ihr ind mit 40 haar, Luft es — 141— Die dünn gewebte Schnur entzwey Und machet die nicht mit getroffnen Vögel frey. Bewehrt mit langen knot'gen Keulen In wilder Thiere Haut gehüllt, Nahn die Hirpiner jetzt: ihr Haufen, rauh und wild, Laßt ſich vom Führer nicht in Reih' und Glieder theilen, 60 Gekränkter Stolz und Rachbegierde ſchwillt In ihrer Bruſt, denn Romulus, ihr Sieger, Legt' eine Feſtung an in ihrem eignen Land, Und warf hinein die ſtärkſten ſeiner Krieger, Die ihnen tapfern Widerſtand Bey manchem Sturm gethan; drum kehrten ſie die Waffen Nun gegen Rom, ſich Recht und Frepheit zu ver⸗ ſchaffen. Sie führet Aulon an, ein rauher Marſ', entbrannt In der Prinzeſſinn Reitz. Er, Cacus Enkel, tüch⸗ tig, Wie einſt ſein Anherr, zu dem Streit, 60 War auf den Ruhm des Leo eiferſüchtig. Er glaubt den Held bey Numa und verbeut Den Seinen, Hand an dieſe Zwey zu legen. Die Opfer ſchlachte nur, ſo prahlt er, Aulons Degen, Und dieſer iſt dazu bereit. Den langen Zug beſchließen die Veſtiner, Die Schleuder in der Hand, ihr ſchwarzer Harniſch, dicht — 142— Gekrauſter Bart und finſtres Angeſicht Erwecket Grann; ſie ziehn als Freunde der Hir⸗ piner Mit in den Krieg: ſie führt ihr Fürſt Meſſapus an, 70 Camillens Vater, der in Traurigkeit verſenket, Noch immer den Verluſt der theuren Tochter denket. Sie rücken an. Herſilia belebt Das ganze Heer mit Muth und kriegeriſcher Freude, Wie über niedriges Geſtäude Die junge Palm' ihr Haupt hoch in die Wolken hebt: So raget ſie empor aus ihrer Helden Schwarme, Zwey Lanzen in der Hand, und an dem linken Arme Den wunderthät'gen Schild, den Numa ihr ge⸗ ſchenkt; Por ihrem Wagen bäumen Pferde, 30 Die ſie mit Purpurzügeln lenkt, Sich in die Luft und ſtampfen dann die Erde. Sie ſelber übt zugleich des Feldherrn Amt Und das des Kriegers aus; von ihren Feuerblicken Wird jedes Herz mit Muth entflammt“⸗ Die Feigheit würde ſelbſt für ſie das Eiſen zücken. Hier, Freunde, rufet ſie, hier iſt mein Eigenthum, Das Numa jetzt an ſich geriſſen. Verjagt ihr ihn daraus, ſo krönt euch ew ger Ruhm; Auch ſollt' ihr dann nicht mehr das Theil des Lan⸗ des miſſen, 90 S 7 2 „„„„—— — k Hir⸗ an, 70 et, ochter Freude, Wolken arme, linken ihr ge⸗ 60 erblicken zücken. enthum⸗ ew hel es Lan⸗ 90 Das Romulus durch Krieg gewann“ Ich geb' es euch zurück; doch jenem tapfern Mann⸗ Der Numa's Haupt, dieß mit geraubter Krone Geſchmückte Haupt, mir bringt, beſtimm' ich mich zum Lohne. Sie ſpricht's und Aulon klagt, daß ſolch ein großer Preis Rur allzu leicht ſey zu verdienen. PVon Eiferſucht und Liebe heiß, Schaut Turnus hier mit zweifelvollen Mienen Den Vielverſprecher an: Arisbeus aber freut, Indem er ſtolz auf die herunter ſiehet, 100 Im Herzen ſich; mich, denkt er, ziehet Richt blinde Leidenſchaft, nur Ruhmgier in den Streit. Schon hat das Heer ſich auf das Feld er⸗ goſſen, Schon iſt die Hauptſtadt eingeſchloſſen, Und die Beſtürzung allgemein. Es flüchtete das Landvolk ſich herein Mit allem, was es in der Eile Roch retten konnt'; ein klägliches Geheule PVon Weibern, Greiſen, Kindern füllt Die Tempel an. Nun da es Rettung gilt, 110 Gibt die Beſorgniß ſelbſt unkriegeriſchen Seelen Den Durſt nach Kampf; der Bürger faßt Das Schwert an und bedeckt mit ungewohnter Laſt Des Panzers ſeinen Leib; den Kriegern ſelber fehlen ——————— Die Waffen faſt. Held Numa bleibet jetzt, Da die Gefahr ſo nahe dräuet, Sich ſelber gleich und ruhig und geſetzt. Sein Kornhaus iſt gefüllt: er reihet Die Tapferſten des Heeres auf den Wall. Er gibt Befehl, iſt hier, iſt dort, iſt überall. 120 Auch ſorget er, daß nicht unnöth'ge Wachen Und Vorgeſetzter Neckereyn Den Krieger müd' und unwillfährig machen. Er flößt dem Heldengeiſt und jenem Sanftmuth ein. Richts kränket ihn, als Leo jetzt zu miſſen Und von Egerien ſo lang' entfernt zu ſeyn, Da jeden Zugang zu dem Hain Der Feinde dicht umher gereihte Zelt' ihm ſchlie⸗ ßen. Einſt als der Held in ſchlummerloſer Nacht Auf eine weiſe Liſt gedacht, 130 Wie unter ſeine Feind' er Zwietrachtsſamen ſtreue Und alſo ſich von einigen befreye; Wird von dem Thor die Nachricht ihm gebracht, Daß ſich daſelbſt drey Krieger melden. Sie wollen in die Stadt und vor ſein Angeſicht. Der Fürſt verſagt die Bitte nicht. Sie kommen; er erkennt im erſten dieſer Helden Den edlen Leo, ſeinen Freund. O, ruft er, hat das Glück uns endlich doch ver⸗ eint! Mein Bruder, kommſt du, meine Wunden 140 Zu heilen? ſprich, ſprich, haſt du ſie gefunden? — O Freund, erwiedert ihm der Held, Pergebens wandert' ich, ſo weit ſich gegen Süden Italien erſtreckt. Jüngſt hört' ich, daß der Frieden Aus deinem Lande floh, und dem Mavortſchen Feld, Herſilia ſich nah' mit bundsverwandten Schaaren, Nun dacht' ich nichts, als meines Freunds Gefahren, Und, durch die ſüße Hoffnung kühn, Es könnte mir vielleicht gelingen, Der Marſen Heer zum Schutze dir zu bringen, 150 ſnu Entſchloß ich mich in ihre Stadt zu ziehn. Sogleich verſammelt ſich viel Volkes: ich verwirke Das Leben, ruf' ich aus, indem ich die Bezirke Der Marſen mit verbanntem Fuß Nun wieder zu betreten wage. ſle Doch immerhin! der wahre Bürger muß, Vergeſſend ſeiner ſelbſt, aufopfernd ſeine Tage, Dem Vaterlande ganz ſich weihn, Mag dieß auch ſtreng“, undankbar, grauſam ſeyn. aht Ihr Marſen, denkt an eure Lage, 160 Und legt die Hände jetzt nicht müßig in den Schooß, Die Furie des Kriegs iſt los, Und ſie, die Wilde, ſcheint geneigt, euch zu be⸗ uht glücken. Ihr fühltet einſt, wie fürchterlich das Heer icht Der Römer iſt, ihr könnet Rom nunmehr Verbinden oder unterdrücken. elden Wählt, was ihr wollt! das Letzte zwar verbeut Der Friedensſchluß und die Gerechtigkeit. Auch geht der Vortheil hier, wie in den meiſten Fällen, Mit der Gerechtigkeit vertraulich Hand in Hand. 170 12 nden⸗ Numa Pompilius. II. Th. K 1 46— Helft ihr noch mehr den Ehrgeit jener ſchwellen, Die räuberiſch in Numa's Land, Dem Vater Romulus in allem ähnlich, dringet; So glaub' ich, daß euch dieß zwar itzo Vortheil bringet, Nur fürcht' ich, ihr bedaurt in kurzer Zeit viel⸗ leicht, Daß ihr für ſie die Hand an's Schwert geleget, und fühlet, daß ihr ganz dem Ackersmanne gleicht, Der eine ſtarre Schlang' erwärmet und gepfleget. Doch wenn ihr wider ſie für Roms Beherrſcher zieht, So wird der Held(dafür verbürg' ich euch mein Leben) 180 Gern das Aurunciſche Gebieth, Das ihr verlort, ja ſelbſt Roms Bürgerrecht euch geben. Auch kennet ihr bereits ſein redliches Gemüth, Und Alles ſcheinet euch zum Bund mit ihm zu laden. War's Numa nicht, der euch, o edle That! Vor Romulus beym Friedensſchluß vertrat? Wer euch als Feind genützt, wird der als Freund euch ſchaden? So ſprach ich zu dem Volk und tauſend Stim⸗ men ſchrien: Auf! laßt zu Numa's Schutz uns unter Leo ziehn! Nicht unter mir, ein Marſe muß euch führen, 190 Erwiedert' ich, ihr habet mich verbannt, Wo Numa herrſcht, iſt nun mein Vaterland. Doch euer Feldherrnſtab ſoll billig Aſtorn zieren; Von Allen, die den Baum am großen Tag der Wahl Erſc Und Und Der Dru Zwa Und Kein Auc Apo Lebt vellen, inget; Vortheil eit viel⸗ legt, e gleicht, fleget. er zieht/ ch mein 130 echt euch üth, zu laden. al! Freund d Stim⸗ e jihn! n/ 190 nd. zieren der Pil Erſchütterten, iſt er allein noch übrig; Liger Und Pentheus ſiel durch unſrer Feinde Stahl, Und Aulon führet fremde Krieger. Der treffliche Sophranor iſt nicht mehr, Drum wählet ihn zum Führer euerm Heer. Zwar iſt er jung, allein bey ſeiner frühen Tu⸗ gend 200 Und grauen Weisheit iſt die Jugend Kein Fehler. Nein! ſie iſt ein Vorzug mehr. Auch zieht gewiß der Gott mit ſichern Pfeilen, Apoll, der Aſtorn liebt, an ſeiner Seite her. Lebt wohl! ich kann nicht länger hier verweilen, Ich muß zum König Roms mit dieſer Bothſchaft eilen, Daß ihr dem Bunde treu, voll alter Dankbarkeit, Ein edles Volk und ſeiner würdig ſeyd. So ſprach ich und auf meinem Schilde Rief Aſtorn alſogleich die ganze Nation 210 Zum Feldherrn aus mit lautem Jubelton. Ich eilte nun zu dir, und ſehe die Gefilde Mit Feinden weit bedeckt. Hülf' iſt dir nöthig, Freund, Drum bring' ich dir noch dieſe beyden, Die edel ſich mit mir zu deinem Dienſt vereint. Ihr Freunde, wollt ihr nicht das Haupt vom Stahl entkleiden? So ſagt' er, ſie gehorchen: es erſcheint Camillens Angeſicht. Wer iſt, der das Entzücken Des überraſchten Numa mahlt, Dem Freundſchaft, Dank, Vertraun aus allen Bli⸗ chen 220 K 2 ———— ———— ———— —— — ———— ——— ſ. — —— — — ———— —— — — ————.—— ———— ——— — 1 48— Und hoher Muth aus jeder Miene ſtrahlt? Doch ſieh nun auch den dritten Krieger nahen, Von Leo hergeführt, und Numa's Knie umfahen, Der ihn beym erſten Blick erkennt, Und Capys ihn mit ſeinem Nahmen nennt! Ein edler Jüngling iſt's, der Eine Sohn und Erbe Des Königes von Capua, Der mit dem Vater einſt das Römer⸗Lager ſah, Und, daß er Kenntniſſe des Krieges ſich erwerbe, PVon ſeinem eigenen in dieß herüber kam 230 Und eine Legion mit Freuden übernahm, Den aber Romulus bey dieſes Krieges Ende Dem Marſen⸗Volk als Geißel übergab, Und dieſe liefern jetzt durch Leo in die Hände Des edlen Königes ihn ab. Sey, redet der ihn an, mir tauſend Mahl will⸗ kommen! Hat dein verführter Vater gleich Die Waffen wider mich genommen. Der tapfre Leo brennt, durch einen kühnen Streich Sich ſeinem Freund als Retter zu bewähren, 240 Und läßt der Feinde Lag' und Stärke ſich er⸗ klären. Erröthend ſpricht der Fürſt; er ſcheut mit Recht die Schlacht, So lange noch der Schild, in Liebeswuth ver⸗ ſchenket, Herſilien unüberwindlich macht. Held Leo ſchweigt hier nachſichtsvoll*nd kränket Du Do Un Be Zu Si Ni M S — —— 7— hen, mfahen, nd Erbe rſih, erwerbe, 230 hl will⸗ kühnen 1/ 240 ſch er Recht die uth ver⸗ Durch Fragen ſeinen Freund nicht mehr. Doch wie die Nacht ſich von dem Himmel ſenket, Und auf Camillens Augen ſchwer Des Schlafes Rechte liegt, erhebet er ſich leiſe, Bewaffnet ſich und ſchleicht verſtohlner Weiſe 260 Zum Thor hinaus. Vorm Lager weit umher Sind alle Feuer ſchon verglühet, Nur Lunens Schein verſilbert das Revier, Mit Unmuth ſieht der Held den Glanz der Göttinn, knieet Dicht vor dem Thore hin, und bethet ſo zu ihr: O hülle deinen Glanz, du keuſche Bewohn'rinn des Olymps, in graue Wolken ein Und laſſe meinen Plan, den großen Plan, ge⸗ deihn! Kein Buhler ſchleicht, daß er ein Madchen täuſche, Durch dieſe Gegenden der Nacht. 260 Ein treuer Freund zieht aus, das Unheil zu ver⸗ güten, Das über ſeinen Freund Cytherens Kind ge⸗ — bracht. Du, die allein den falſchen Gott verlacht, Du wirſt mir nun hülfreiche Hände biethen⸗ Geſchworne Feindinn ſeiner Macht. Er hatte noch das letzte Wort zu ſagen, Als ſchon die Göttinn ihren Wagen In eine dichte Wolke hüllt. Von ſüßen Hoffnungen erfüllt, Und kühn durch dieſe Vorbedeutung ——— —— — — 1 50—— Eilt unter heilger Freundſchaft Leitung Der Tapfere bis in das Lager hin. Er ſiehet, daß die Feind', umnebelt ihren Sinn, Vom ſußen Wein, ſo tief, als unter ſeinen Schafen Der ſichre Hirt, verſtreut im Graſe, ſchlafen. Die Wächter ſelber halten nicht Den Helden an, denn die Getäuſchten meinen, Da er die Keule trägt, da er Hirpiniſch ſpricht, Sie ſehen der Hirpiner einen. Es wäre nun dem tapfern Leo leicht, 280 Den ganzen Grund mit Feindesblut zu röthen, Doch meuchelmörderiſch entſchlafne Feinde tödten, Das kann er nicht. Nunmehr hat er den Platz er⸗ reicht, Wo Aulon ruht, das Haupt auf ſeinen Schild ge⸗ lehnet, Sein Streitbeil neben ſich: er redet in dem Traum Und Leo's Nahm' und Numa's Nahme tönet Nicht ohne Fluch von Lippen voller Schaum. Schon ſchwinget Leo hoch die fürchterliche Keule, Mit unwillkührlicher Bewegung, aber bald Senkt er ſie wiederum und wallt 29 b Mit keiner Beut', als Aulons ſcharfem Beile, Bereichert, weiter fort, in blitzgeſchwinder Eile. X Nun kommt er endlich zu dem Zelt Herſiliens; ſie und die Wächter bindet Ein feſter Schlaf; entſchloſſen ſucht der Held Den goldnen Schild, allein er findet Ihn nirgends und durchtappt umſonſt die Finſterniß. Doch ſieh! durch einen Wolkenriß — cS c „— Dringt Luna jetzt, daß ihre ſanften Strahlen Des Schildes Gold mit Silber übermahlen, 300 Sinn, Der Held ergreift ihn ſchnell und kommt, vom günſt⸗ gen Glück Schafen n. Beſchirmet, unerkannt bis an das Thor zurück. nen, Hier ſagt der Held mit Freudenzahren richt, Der Göttinn Dank, doch horch! ein krieg'riſches 3 Geſchrey 360 Läßt hinter ihm ſich fern, dann nah' und neher en, hören. ödten, Er blicket hin, neugierig, was es ſey. pl er Es iſt ein Weib, bewehrt mit einem Bogen, Ein Haufen Krieger dringt auf ſie, verfolgend, ein. hid g Sie aber hält, nicht ohne ſtets zu dräun, Den Pfeil zum Schuß bereit, die Sehne ſtraff Lrun gezogen 3¹0 Und eilet alſo durch das Feld⸗ 3 Ach! wenn's Camille wär', ſo denkt der bange Held. teilt Schon iſt er hin zu ihrem Schutz geflogen. Weh' ihm! ſie iſt's; ſein Herz betrog ihn nicht! Er drängt den Schild ihr auf, ſtellt ſich vor ſie und ſicht. 3 Bald ſtürzet er mit ſeiner longen Keule Eil. Und bald mit Aulons ſcharfem Beile Viel Gegner auf den blut'gen Grund. Die andern weichen, doch im Weichen ruft ihr Mund d Die nächſten Wachen an; ſchon laufen 320 Von allen Seiten her auf Leo ganze Haufen. Er faßt Camillens Hand und zeucht Sich klug zurück, bis er den Tiber⸗Fluß erreicht. Hier ſchleudert er mit ſtarkem Arme Das Streitbeil und die Keul an's andre Ufer hin, Stürzt in die Fluthen dann mit ſeiner Kriegerinn. Vergebens fliegt von dem heran gerückten Schwarme Nun Pfeil an Pfeil auf ſie; man trifft allein den Strom. Indeſſen haben unſte Schwimmer Schon das Geſtad' erreicht und mit dem erſten Schimmer 330 Des Morgenrothes ſind die Glücklichen in Rom. Camille kann es Leo nicht vergeben, Daß, da er kühn, ihr Eigenthum, ſein Leben Auf's Spiel geſetzt, er ſie zurücke ließ, Sie, die er ſelber mehr als ein Mahl tapfer pries. Die Wächter an dem Thor, ſo klagte Die Liebende, ſind gütiger, als du. Sie gaben mir Beſcheid, als ich ſie fragte; Dein Leo, ſprachen ſie, ging jenem Hügel zu, Und öffneten das Thor. Denn konnteſt du wohl wähnen, 340 Grauſamer, undankbarer Mann„ Ich würd' in Rom bey unfruchtbaren Thränen Es feig' erwarten, ob und wann Du wiederkehrſt?— Ach! wenn ich ja gefehlet, Daß ich aus Zärtlichkeit dir meinen Plan ver⸗ hehlet, Fällt Leo ihr in's Wort, ſo hab' ich ſchwer ge büßt, Und du nicht weniger gefehlet. Alſo ſtreiten — N teicht. Ufer hin, egerinn. chwarme lein den m erſten 330 Ronn. eben r pries. zu u wohl 3 0 nen let/ an ver wer 9e ——— —— — 1 5 3— Die Zärtlichen, doch wird von beyden Seiten Bald der Verſöhnungskuß geküßt. Sie tragen nun den Schild, der ſeine goldnen Flammen 360 Weit um ſich ſtreut, zu Numa hin. Der dankerfüllte Fürſt ruft gleich das Volk zu⸗ ſammen. Seht, ſagt er, jenen Held, dem ich es ſchuldig bin, Daß wir nun ohne Furcht den Feind beſtehen 3 können, Der dieß Palladium, des Sieges Unterpfand, So klug, wie einſt Ulyß, Herſilien entwandt. Was kann ich minder thun, als ihm die Würde gönnen, Die er verdient, das heißt, zum Feldherrn ihn ernennen. So ſagt der weiſe Fürſt, und Jauchzen ſteigt empor Von jedem Mund. Die frohen Stimmen wa⸗ ren 360 Roch nicht verhallt, als ſchon von dem Hetrurſchen Thor Die Nachricht kommt: es nahn der Marſen tapfre Schaaren. Ein Meiſterſtück des jungen Aſtors! klug Täuſcht' er den Feind; er ging bis zu den Quellen Des Tiber⸗Stroms zurück und ſicherte den Zug Durch dieſe Liſt nicht nur vor Ueberfällen Auch ſelber vor Verdacht; ſo drang er bis vor Rom, — ————— ——— — 154— Da dieſer Gegend ſich die Feinde Noch nicht bemeiſterten, verhindert durch den Strom. Der edle König Roms geht ſeinem neuen Freun⸗ de 370 Bis an das Thor entgegen, alles freut Sich ſeiner Ankunft, hofft auf ſeine Tapferkeit Und grüßt ihn Retter, Held, Befreyer. Auch ehret man ſein Volk, denn jeder Römer lädt Die Marſen in ſein Haus gaſtfreundlich und be⸗ geht Gemeinſchaftlich ſchon jetzt die Sieges feyer. Herſilia indeß und Aulon ſahn Mit unbegränzter Wuth das Heer der Marſen nahn, Zumahl ſie noch die Wehren miſſen, So ihnen in dem Schlaf ein Einzelner entriſſen. 380 Auf! zu den Waffen! ſchreyt die wilde Kriege⸗ rinn, Auf! zu den Waffen! tönts durch's ganze Lager hin. Man rücket aus beh ſchrecklichem Tumulte. So mancher wolkennahe Thurm Und der Balliſten Laſt und ſchwere Catapulte Bedrduen Rom mit einem nahen Sturm. So ruhig, wie ein Gott, in Mitte der Gefah⸗ ren Heißt Numa ſeinen Freund all ſeine tapfern Schaa⸗ ren Auf offnem Feld dem Feind entgegen reihn. Gleich einem hoch geſchwollnen Bergſtrom fließen 390 8— — — 3— PX e—„— —. Strom. Freun⸗ 370 it ner lädt nd be⸗ Marſen en. 380 Friege⸗ Lager Sie aus dem weiten Thor; Camill' und Capys müſſen* Mit auf das Feld und nah', doch wohl beſchirmet ſeyn; Auch darf kein bloßes Schwert in Römer⸗Händen dräun, Kein Pfeil, kein Speer die Luft durchblinken; So wills der König, er im fürſtlichen Gewand, Das Zepter in der rechten Hand Und einen Hehlzweig in der Linken, Eilt zwiſchen beyde Heer und ſtehet auf dem Feld, WVon Ehrenholden und Lictoren umgeben, ſtill; ſchon tönt in Aller Ohren 400 Der erſtern Stimm'; es wünſcht durch ſie der Held Von Freund und Feind gehört zu werden. Bey dieſem Rufe ſenkt ſich jeder Speer zur Erden, Nur Aulon und Herſilia, Zorntrunken, wollen ihm Zeit und Gehör nicht gönnen. Doch da die andern nicht von gleichem Haſſe bren⸗ nen, So treten ſie zuletzt dem Sprecher ſelber nah⸗ Ihr Könige, beginnt er nun mit Ernſt und Würde, Was wälzet ihr auf mich der Uebel ſchwerſte Bürde, Den fürchterlichen Krieg? hab' ich in eurem Land 410 Der Felder Segen abgebrannt? Hab' ich daſelbſt Haus, Hütte, Stall und Hürde Erbrochen und beraubt mit frevelhafter Hand? 3 5—————————— — 1 5 6— Und hab' ich's nicht; warum befehdet Ihr alle mich? Was ſucht, was wollt ihr? Redet. Daß du, ſo brüllet Aulon hier, Herunter ſteigſt vom unrechtmäß'gen Throne. Herſilien gehöret er, nicht dir. Sie wiederum darauf erhöhen werden wir. O Aulon, ſagt der Fürſt, ich nahm die läſt'ge Krone 420 Nur auf Befehl der Götter; doch mein Recht Iſt unläugbar: Roms Wahl gab mir's und mein Geſchlecht, Wovon durch eine Reih' von ſchwarzen Frevel⸗ thaten, Zu ſchrecklich, um ſie laut den Völkern zu ver⸗ rathen, Ich nun der letzte bin. Ihr wißt, Daß erblich unſer Thron und Rom ein Wahl⸗ reich iſt. Was zwingt ihr alſo mich zum Streite, Mich, der nur Frieden liebt, nur Frieden ſucht? doch zwingt Mich immerhin! Ihr Ungerechten, bringt Die Götter ſelbſt hierdurch auf meine Seite. 430 Wißt, Fürſten, redlich ſchätz' ich euch, Und, wenn die Wuth, die euch hierher getrieben, PVerlöſcht iſt, werd' ich euch, ein treuer Nachbar lieben, Doch fürchten nie. Hier ſteht mein Heer, dem euern gleich An Stärk' und Tapferkeit; auch ſendet ſeine Schaaren Bel zu Wo Ver De De S Un J — D. Un ——(6) 2= S— Redet. läſge 420 ht mein Frevel⸗ u ver⸗ ſucht? 430 rieben/ ochbar neuern —— Mir der Hetrusker Fürſt, auch zieht Apuliens Beherrſcher, eilt das Volk Liguriens Zu meinem Schutz und wälzt auf euch zu die Ge⸗ fahren, Wonmit ihr jetzo mich bedräut. Vergebens wird von euch Gold, Mühe, Blut ver⸗ ſchwendet; 440 Denn, wenn ihr wider uns auch öfters Sieger ſeyd, So iſt darum der Krieg noch nicht geendet. Doch wenn das Kriegsglück ſich zu unſern Fahnen wendet, So wird wohl eure Kraft nie wieder ſich erneun, Und ihr durch Eine Schlacht auf ſtets beſieget ſeyn. Ja! iſt ein Tropfen nur des Römer⸗Bluts vergoſſen, Dann ſollt ihr ſehn, wie ſtromweiſ' euers rinnt, und daß man nichts von mir durch wilden Trotz gewinnt. Dann will ich wüthen! nur der Marſen Bundsge⸗ noſſen, Die folglich auch die meinen ſind, 460 Euch„o Veſtiner, ſoll mein drohend Schwert ver⸗ ſchonen. Nicht wider euch ziehn wir zu Feld, Und euer König ſoll ſo ſicher hier im Zelt, Als ſonſt in ſeinem Pallaſt wohnen. Da Numa dieſe Worte ſpricht, Staunt der Veſtiner Fürſt, antwortet aber nicht. Der andern Fürſten jeder blicket Ihn prüfend an, Verdruß und Mißtraun im Geſicht. Und Numa, dem ſchon halb, ſie zu entzweyn, ge⸗ glücket, 158„ Fährt alſo fort: ich bin ein Feind des Kriegs 466 Und würde, ſtatt mit Luſt auf Lorber hinzuſchauen, Die Blut beflecket, ſie mit Thränen überthauen. Drum bieth' ich euch, wiewohl gewiß des Siegs, Nun Frieden an und vortheilhaften Frieden. Euch räum' ich,jene Burg, Hirpiner, die noch itzt In euerm Lande Rom zu euerm Schimpf beſitzt. Euch ſey das Bürgerrecht in meinem Staat be⸗ ſchieden, Ihr Rutuler und Volscier. Doch du, O König Capua's, was flieheſt du die Ruh'? Sind ſeit dem Marſen⸗Krieg die Campanenſer küh⸗ ner? 470 Auch ſtaun' ich, daß dein Herz, dein Vaterherz vergißt, Wer einſt der Marſen, nun der Römer Geißel iſt. Empfange deinen Sohn. Du König der Veſtiner, Empfang' auch du von mir dein todt geglaubtes Kind. Hier winket er, Camill' und Capys fliegen Auf ihre Väter zu, die faſt der Wonn' erliegen. Auf! kämpft nun gegen mich, beginnt Roms König wieder. Nun! was zieht ihr nicht den Degen? Sie ſtehn beſchämt und lautlos und bethränt. Arisbeus auch und Turnus ſind verſöhnt, 480 Und alle ſtrecken ihm die Hand als Freund' ent⸗ Legen Nur Aulon nicht; er ſchwieg unmuthig lange ſtill, Doch itzo, da er reden will, Drängt Leo ſich hervor und ſpricht mit ſanftem Blicke: — 3— 466 hauen, len. iegs, h itzt ſtt. at he⸗ küh⸗ 470 techerz ßel iſt. ner, aubtes ht den 480 ent⸗ eſtil⸗ n 159— Hier, Aulon, geb' ich dir dein ſcharfes Beil zu⸗ rücke, Das ich, Genügſamer, im Schlafe dir entwandt. Willſt du nunmehr mit unverſöhnter Hand Es wider jenen Mann, der dich geſchont, erhe⸗ ben2 Ich will, erwiedert er, den Friedenskuß ihm ge⸗ ben. So bald er dieſe Worte ſprach, 490 So tönet aus dem Mund der Herrſcher: Frieden!— Frieden! Aus jedes Führers Mund, aus jedes Kriegers: Frie⸗ den! Und Frieden! hallts von fernen Bergen nach. Herſilia ſteht da, wie von dem Blitz ge⸗ troffen, Die Augen feuervoll, die Wangen bleich vor Wuth. Dieß alſo, rufet ſie, iſt euer Heldenmuth? Dieß alſo darf von euch die Bundsverwandte hoffen 2 Doch wenn auch ihr ſo feige ſeyd, Daß ihr vor Worten flieht und die gerechte Sache Der Könige verlaßt, ſo wißt! ich Weib, ich ma⸗ che 500 Mich dieſer Niederträchtigkeit Nicht ſchuldig! Aber du, o Sieger ohne Streit, Du Numa, den ich jetzt ſo unausſprechlich haſſe, Als ich ihn einſt geliebet, nimm den Fluch, Den ich im Tod dir als ein Erbtheil laſſe. 2——— ———— — 160— Er werd' erfüllt, wie ein Orakel⸗Spruch. Nie ſitze neben dir auf dem erſchlichnen Throne Das Weib, das mir dein Herz geraubt. Nie erb' auf einen Sohn von dir die Königs⸗ krone, Eh' ſchmücke ſie ein Sclavenhaupt. 510 Ja ſelbſt der Nahme König werde Gehaßt in deinem Rom, und wer ihn trägt, ver⸗ bannt, Verfolget auf der weiten Erde, Bis an den dußerſten, noch unbewohnten Rand⸗ Dir aber ſcheuche ſtets das Chor der Eumeniden Den Schlaf vom Augenlied und aus der Bruſt den Frieden. Stets zeig' es dir die Leiche Tatiens, Von meinem Gifte ſchwarz, und die Herſiliens. Dann ruf' es, geißelnd: nimm, nimm dieß, du Weibertödter, Das iſt der Lohn glattzüngiger Verräther. 6520 Sie ſprach es, und der Dolch ſteckt', als ſie ausgeſprochen, In ihrem Buſen ſchon: ihr Auge ſtarrt gebrochen Auf Numa hin; doch ſcheint's, ihr letzter Blick, Mit Reu' vermiſchet, nahm den halben Fluch zurück⸗ Mit einem Paar mitleid'ger Zähren Verſöhnt der fromme Fürſt der Jungfrau fliehnden Geiſt, Indeß er ihren Leib mit königlichen Ehren Dem Feuer übergeben heißt. In Wo Da⸗ Vol Und Du Au 6 Si Da Un S 2 6 280= 2d 6 2 rone 510 ſ, ver⸗ Rand⸗ niden Bruſt liens. eß, du 52⁰ a ſie brochen Blick/ zurück. ehnden Er ſelbſt beſteigt ſammt ſeinen hohen Gäſten In vollem Staat das Capitol, 530 Wo man das heiligſte von allen Wonnefeſten, Das Friedensfeſt begeht, nachdem er klug das Wohl Von ganz Italien bedachte,, Und alle Fürſten unter ſich Durch Opfer, die er ſelbſt nicht minder heiſcht', als brachte, Auf eine Lebenszeit verglich, Ja gegenſeitig ſie zu Friedensbürgen machte⸗ Sie lieben, ſie bewundern ihn, Daß er dem wilden Mars zu toben klug ver⸗ wehret und daß ſie itzund unverſehret Zurück in ihre Lande ziehn⸗ Noch eifriger als ſie verehret Sein eignes Volk den weiſen Held, Der ohne Schwert die Ordnung hergeſtellt. Indeß ſie ihren Dank in Segenswünſche gießen Und jauchzen„ heißt er ſie des Janus Tempel ſchließen, Der ſchon beynah' in's vier Mahl zehnte Jahr, Seit Romulus geherrſchet, offen war. Doch wollen ſich, zum Mißvergnügen Des bangen Volks, das an der Schwelle ſteht, 556 Die Pforten nicht genau zuſammen fügen, Bis endlich Numa dieß Gebeth Auf ſeinen Knien dem Doppelſeher bringet: O Janus, weiſer Gott, der, von Gerechtigkeit Numa Pompilius. 11. Th. L „=——— — — — 162— Und ihrem Schweſterchor, den Tugenden, um⸗ ringet Italien beherrſcht, der zweyten goldnen Zeit Urheber, höre du mich mit geneigtem Ohre, Friedſelig, wie du ſelbſt geweſen, will ich ſeyn, Drum ſchließe deines Tempels Thore; Denn jedes Herz hier ſoll ſich dir zum Tempel weihn. 560 Dein heil'ger Dienſt wird bey dem Tauſch ge⸗ winnen, Und künftig jedes neue Jahr, Deß erſter Monath ſonſt dem Kriegsgott heilig war, Mit dir, du Friedensgott, beginnen. So bald der Fürſt die letzten Worte ſprach, Bewegten ſich von ſelbſt die ehrnen Flügel, Sie paſſen nun genau zuſammen, und die Rie⸗ gel Von Eiſen greifen ein mit ſchrecklichem Gekrach. 5 Nun keine Sorge mehr des Volkes Ruh' ver⸗ Hat er den goldnen Schild, den Ceres ihm ge⸗ ſchenkt, 570 An dem Altar des Mavors aufgehenkt. Zwölf Prieſtern, die er ſelbſt geſtiftet, Und Salier genannt, vertraut der weiſe Mann, Der ſein jetzt nicht bedarf, dieß heil'ge Klei⸗ nod an. Y U 3) „— pN eh, Uln⸗ eit e, ſehn, empel 56 uſch g prach, die Rie⸗ Frach. * uh ver⸗ ihm ge⸗ 570 Nann, Klei⸗ 4₰ 1 6 3— Er S eilet nun in die geweihten Schat⸗ ten Egeriens, ihm folgt mit ihrem Gatten Camille nach, doch heißt der Held ſie ferne ſtehn Und will allein zur heil'gen Quelle gehn. Schon iſt er da und fragt beſcheiden: Egeria, biſt du zufrieden nun? 580 Ich bin's, ſo ſchallt zurück aus den Geſtäuden, Du thateſt deine Pflicht, ich muß die meine thun, Muß mein Verſprechen auch erfüllen, Und dieſes Angeſicht vor meinem Freund ent⸗ hüllen. Hier rauſcht' es aus dem Buſch, ſie kam, ſtand hier und riß Den Schleyer von dem Haupt, er ſiehet— Anais.* Verlangt nicht, daß ich dieſe Scene Euch ſchildern ſoll! wie ſchwach wär' jede Schilde⸗ rung! Doch wer geliebt, wein' eine Freudenthräne Der zärtlichen Vereinigung. 590 Nachdem der erſte Rauſch verſchwunden, Und dieſes glückliche, vor Freuden ſtumme Paar Die Sprache wiederum gefunden, Beginnet Anais: Verzeih, dein Irrthum war Zu deines Volks und unſerm eignen Glücke. In dieſem Buſch verborgen deinem Blicke, L5 — 164— Spielt' ich die Nymph' Egeria, Die einſt im Walde Pans dein träumend Auge ſah. Du haſt mir oft den Wundertraum erzählet! Und die Begeiſterung, die Wonne nicht verheh⸗ let, 600 Worein ſie dich verſetzt; wir aber nützten dieß, Und deiner Folgſamkeit gewiß, Ließ Zoroaſter dich der Weisheit heil'ge Lehren Durch meinen Mund in ernſten Stunden hören. Ich, glücklicher als du, ſah dich, geliebter Freund, Durch das Gezweig' und zählte jede Zähre, Die du, ſo tief betrübt, um Anais geweint. Wenn, was ich ſchien, ich auch geweſen wäre, So hätt' ich doch Unſterblichkeit Und Götterrang für's Glück, nur eine kurze Zeit 610 Die Deinige zu werden, gern vertauſchet. Indem ſie alſo redet, tritt, Mit froher Ungeduld und fördernd ſeinen Schritt, Ihr Vater aus dem Buſch, in welchem er gelau⸗ ſchet. Da nimm, ſo ruft er, edler Mann, Den größten Lohn, den Gott der Tugend geben kann, Ein redlich Weib! Nur daß ſie nie in Rom er⸗ ſcheine! Stets wohne ſie bey mir in jener Hütte dort. Der Glaube deines Volks, daß dieſen Theil vom Haine Egeria bewohnet, währe fort. 620 („) 1 — — 3—) e — „— tverheh⸗ /. 600 dieß, Lehren hören. Freund, e, int. wärt, ſe kurze 610 t gelau⸗ d geben Rom er⸗ dort. heil voln 620 Ihn nützend, komm an dieſen ſtillen Ort, So oft Geſchäft' und Sorgen dir's verſtatten, Doch eh' nicht, bis den trauten Schatten Der ſtillen Nacht die Sonne weichen muß. Mit offnem Arm indeß harr' Anais des Gatten Und küſſ' ihm, wenn er kommt, den doppelt ſüßen t Kuß/ Denn Heimlichkeit erhöhet den Genuß. So ſagt der Greis. Sie rufen nun Camillen Und Leo, denen ſie das Räthſel auch enthüllen. Sie feyern alleſammt ein Feſt hier, bis die Nacht, 630 Rach welcher die Verlobten dürſten, Durch Hymens ſüßes Recht den trefflichſten der Fürſten Zum glücklichſten der Menſchen macht. Dieß Glück war nicht ein Rauſch der Sinnen, Auf Tugend war's gebaut, rein, ſtark und dauer⸗ haft. Mit jeglichem Beſuch bey Anais gewinnen Der Geiſt, ſo wie das Herz des Numa neue Kraft Und neuen Muth zu den Beſchwerden, Die von dem Vorurtheil, der Boßheit und dem Wahn, Den ſchrecklichſten Coloſſen, auf die Bahn 640 Der Fürſten hingewälzet werden. Durch fünf und vierzig Jahre lang Hat Ruma, glücklich ſelbſt, ein glücklich Volk re⸗ gieret — 166— Und ſeinen königlichen Rang Durch Tugenden und Friedlichkeit gezieret. Der blut'ge Fuß des wilden Mars beſchritt Sein nicht; Ackerbau und Handel goß die Schätze Von ganz Italien hier aus, und niemand litt Durch Tyranney und thörichte Geſetze. cS. — —= — 5 — — — — — — — — S —————————-———————— De⸗ Gemuth der Senatoren wurde von der Begierde nach Herrſchaft und von dem Streite darum beunruhi⸗ get. Nicht einzelne machten Parteyen, denn niemand in dieſem neuen Staate ragte ſo ſehr uͤber ſeine Mitbür⸗ ger hervor, ſondern die Stände geriethen in Uneinigkeit. Die Abkömmlinge der Sabiner verlangten einen König aus ihrem Mittel, damit ſie, bey gleichen Rechten mit den Römern, nicht um den Beſit des Thrones kämen, den nach dem Tode des Tatius keiner der Ihrigen chei⸗ iete. Die alten Römer verſchmaͤheten einen fremden Kö⸗ nig. So verſchieden ihre Meinungen waren, ſo kamen doch alle darin überein, daß ſie wollten beherrſcht wer⸗ den, denn ſie hatten das Suüͤße der Freyheit noch nicht verkoſtet. Auch furchteten die Senatoren, daß etwa eine auswärtige Macht den Staat, der ohne Herrſcher, das Heer, das ohne Feldherrn iſt, angriffe; beſonders da die Rachbarn ohnehin wider Rom aufgebracht waren. Man wuͤnſchte ein Dberhaupt, aber weichen wollte kei⸗ ne Partey der andern. Die hundert Senatoren machten es alſo unter ſich ab. Sie theilten ſich in zehen Deru⸗ 170 rien, und aus jeder Decurie wählten ſie Einen, dem ſie die oberſte Gewalt uͤbertrugen. So herrſchten immer ze⸗ hen Senatoren, und einer von den zehen hatte die Eh⸗ renzeichen des Reiches und die Lictoren. In fünf Tagen ward die Herrſchaft jedes Vorſtehers geendiget, und kam alſo an Alle nach der Reihe. Ein ganzes Fahr war von keinem Könige die Rede, daher der Nahme Zwiſchen⸗ reich(Interregnum), der noch uͤblich iſt. Das Volk murr⸗ te, daß die Knechtſchaft vervielfäͤltigt waͤre und es nun zehen Herren ſtatt Eines haͤtte; es gab zu erkennen, daß es ſich kuͤnftig nur Einem Koönige und einem von ihm ſelbſt gewaͤhlten Koͤnige unterwerfen wuͤrde. So bald die Senatoren dieſes merkten, hielten ſie fuͤr das Beſte, was ſie ohnehin verlieren muͤßten, dem Volke freywillig anheim zu ſtellen. Auf dieſe Art beſänftigten ſie dasſel⸗ be, und uͤberließen ihm die oberſte Gewalt, doch daß ſie eben ſo viel Recht an der Königswahl fuͤr ſich behielten, als ſie dem Volke abtraten, denn die Wahl des Volkes konnte nur dann gelten, wenn ſie von dem Rathe beſtä⸗ tiget wuͤrde. Eben ſo verfährt man noch heute, wenn man Geſetze gibt, oder obrigkeitliche Perſonen wählt, nur iſt das Recht des Senats kraftlos; denn ehe das Volk ſeine Stimmen gibt, beſtätigen die Senatoren ſchon auf das Ungewiſſe hin, was in den Comitien vorkom⸗ men wird. Der Zwiſchenkönig verſammelte das Volk und ſprach? Möge dieſes Geſchäft zum Wohl, zum Ru⸗ dem ſie nmer ze⸗ die Ch⸗ f Tagen und kam wor von zwiſchen⸗ t murr⸗ es mn nen, daß on ihm bald die s Beſe, reywilig e daſſl⸗ h doß ſie chielten, Volkes e befü⸗ e, wenn wihlt ehe das ren ſchon vorkom⸗ dſprec n Ni 171— zen und zum Glück der Republik ausfal⸗ len! Wählet einen Koönig. Dieß grſtatten die Senatoren, und wenn ihr einen ge⸗ wählet habt, der auf Romulus zu folgen würdig iſt, ſo werden ſie ihn beſtaͤtigen. Dieß war dem Volke ſo angenehm, daß es, um ſich nicht an Großmuth ubertre ffen zu laſſen, ſogleich einen Schluß faßte und dem Senate auftrug, den Herrſcher Roms zu beſtimmen. Zu dieſer Zeit war die Gerechtigkeit und Ge⸗ wiſſenhaftigkeit des Numa beruhmt. Er wohnte in der Sabiniſchen Stadt Cures und war im göttlichen und menſchlichen Recht ſo wohl erfahren, als man es da⸗ mahls nur ſeyn konnte. Als ſeinen Lehrer hierin, weil man keinen andern zu nennen weiß, geben einige den Pythagvras von Samus an, wiewohl ohne Grund. Es iſt bekannt, daß dieſer mehr als hundert Jahre ſpaͤter, unter der Regierung des Servius Tullius an den äußer⸗ ſten Gränzen Italiens, in der Gegend von Metapontus, Heraclea und Croton Verſammlungen gehalten habe, worin der Fleiß der Juͤnglinge wetteiferte. Aber wenn er auch ſein Gleichzeitiger geweſen waͤre; wie haͤtte ſein Fuhm bis zu den Sabinern dringen, und wie haätte er ſich einem Fremden mündlich mittheilen, und ihn durch Lehrbegierde zu ſich ziehen können? Unter weſſen Schu⸗ 8e waͤre ein Einzelner durch ſo viele Voͤlker hingekommen, deren Sprache und Sitten ſo verſchieden waren. Ich bin alſo geneigter zu glauben, daß er durch eigenen Antrieb zein Herz zur Tugend gelenket, und ſich minder durch 2— ——— e 182 fremde Wiſſenſchaften, als durch die ſtrenge und ernſt⸗ hafte Erziehung der alten Sabiner gebildet habe; denn kein Volk war unverdorbener. So bald die Römiſchen Rathsherren den Nahmen des Ruma hörten, ſo wagte es keiner, weder ſich ſelbſt, noch einen von ſeiner Partey, noch einen andern Rathsherrn oder Buͤrger dieſem Man⸗ ne vorzuziehen, obgleich die Sabiner ein Uebergewicht von Macht zu bekommen ſchienen, wenn man einen Kö⸗ nig aus ihnen wählte. Vielmehr beſchloſſen alle, ohne Ausnahme, dem Ruma Pompilius die Herrſchaft zu über⸗ tragen. Man berief ihn, und er befahl ſeinetwegen die Götter zu befragen, da auch Romulus unter guten Au⸗ gurien die Stadt erbauet und das Reich erlangt hätte. Der Augur, deſſen Amt man hernach zu einem öffent⸗ lichen und immer dauernden Prieſteramt erhoben hat, führte ihn auf das Schloß. Er ſetzte ſich auf einen Stein gegen Mittag. Der Augur ſaß links mit beſchleyertem Haupte, in der rechten Hand einen knotenloſen, gebo⸗ genen Stecken haltend, den man Lituus nannte. Von hier aus ſahe er auf die Stadt und das Land hin, be⸗ thete zu den Göttern und bezeichnete die Gegenden vom Aufgange zum Riedergange; die mittägigen hieß er die rechte, die mitternächtlichen die linke Seite. Fuͤr den Raum der Vorbedeutungen nahm er den weiteſten an, wohin ſein Geſicht reichte. Dann faßte er den Lituus mit der linken Hand, legte die Rechte auf das Haupt des Ruma und flehete: Vater Jupiter, wenn es recht iſt, daß dieſer RNuma, deſſen Haupt in Er nen don er ne ſil der und ernſt⸗ be; denn Römiſchen wagte es t Partey, em Man⸗ bergewicht einen Ki⸗ le, ohne tzu über⸗ begen die uten Au⸗ igt hitte. m öffent⸗ ben hut, en Stein leyertem 1, gebo⸗ ite. Von hin, be⸗ den vom eß er die Füt den eſten an, ituns mit anpt de ennes Hauß t — ich beruͤhre, Roͤmiſcher Kinigſeyfo ertläl re du es uns durch unzweydeutige Zeichen innerhalbder vonmir gemachten Gränzen. Er beſtimmte dann mit Worten, welche Zeichen erſchei⸗ nen ſollen; ſie erſchienen, und Numa ſtieg als König von dem Tempel herab. So bald er das Reich antrat, bemühete er ſich, die erſt durch Gewalt und Waffen geſtiftete Stadt auf's neue durch Geſetze und Sittlichkeit zu ſtiften. Da er aber ſahe, daß ſich die durch das Soldatenleben raub gewbr⸗ denen Gemüther nicht daran gewöhnen würden, wenn der Krieg noch fortdauerte; ſo beſchloß er, ſie der Waf⸗ fen zu entwoͤhnen, und dadurch die Unbändigen ſanfter zu machen. Der Gott Janus, deſſen Tempel auf dem Anterſten Theile des Argiletums erbauet war, mußte nun Frieden oder Krieg andeuten. War der Tempel offen, ſo zeigte er an, daß die Nation die Waffen ergriffen habe; war er geſchloſſen„daß alle Völker umher friedlich ge⸗ ſinnet ſeyen. Rach der Regierung des Numa ward er zwey Mahl geſchloſſen. Ein Mahl unter dem Conſulate des Titus Manlius nach Endigung, des erſten Puniſchen Krieges, das zweyte Mahl dergönnten die Goͤtter dieſen Anblick unſern Zeiten, nach dem Siege bey Actium, wie der Imperator Caͤſar Auguſtus zu Land und Waſſer den Frieden hergeſtellet hatte. Als Numa nun den Tempel geſchloſſen, ſich der Zuneigung aller Rachbarn durch Buͤnd⸗ niſſe und Vertraͤge verſichert, und von auswartigen Be⸗ ————— —— — ——— — 1 7 4— ſorgniſſen befreyet hatte, ſo füͤrchtete er, daß ſein Volk, welches Scheu vor Feinden und Kriegszucht in Ordnung gehalten hatte, durch die jetzige Muße nicht zu Ausſchwei⸗ fungen verleitet wurde. Er beſchloß alſo, Furcht vor den Göttern in ihnen zu erwecken, das beſte und wirkſamſte Mittel bey einem unwiſſenden und ungebildeten Volke, wie es dazumahl war. Weil er aber nicht hoffte, dieſer ohne Erdichtung eines Wunders Eingang in die Serzen der Seinigen zu verſchaffen, ſo gab er vor, er habe naͤchtliche Zuſammenkunfte mit der Goͤttinn Egeria, und ſe rathe ihm, wie er den Dienſt der Goͤtter auf die ih⸗ nen gefälligſte Art einrichten und zu jedes Gottes Dienſte eigene Prieſter beſtimmen ſollte. Vor allem hat er nach dem Laufe des Mondes das Jahr in zwölf Monathe ab⸗ getheilt. Weil aber der Mond nicht dreyßig Tage braucht, ſich zu erneuern, und alſo zum vollen Sonnenjahre noch Ta⸗ ge fehlten, ſo hat er dieſer Unrichtigkeit durch die Schalt⸗ monathe abgeholfen, und es alſo veranſtaltet, daß alle vier und zwanzig Jahre ſein Jahr mit dem Laufe der Sonne, womit es begann, genau wieder zuſammen traͤfe⸗ Auch hat er die Geſchäfts- und Feyertage beſtimmt, weil es zu Zeiten nützlich ſeyn dürfte, nichts mit dem Volke zu verhandeln. Dann war er darauf bedacht, Prieſter zu beſtellen, wiewohl er die meiſten Dpfer ſelbſt verrichtete, beſonders dieſe, welche nun zu dem Amte des Flamen Dialis gehören. Weil er aber wohl voraus ſahe, daß es in einer kriegeriſchen Stadt mehr Romulus geben wuͤrde, als Könige, die ihm glichen, und daß die meiſten in ei— ſein Voll, rdnung Ausſchwei⸗ t vot den wirkſamſte en Polie, te, dieſer ie Herzen et habe eria, und f die ih⸗ es Dienſte t et nach nathe ab⸗ e braucht, e noch Zo⸗ daß alle aufe der nen tüft⸗ mi, weil en Volke rieſter zu erichtete/ Fleme „deß e nwirdt⸗ nin ei⸗ 175„ gener Perſon zu Felde ziehen würden; ſo verordnete er den Flamen Dialis, als einen beſtändigen Prieſter Ju⸗ piters, der das Amt des Königes bey dem Hpfer vertrete. Dieſem gab er als ein Ehrenzeichen ein beſonderes Kleid und die koͤnigliche Sella Curulis. Rebſt dieſem ſtiftete er noch zwey Flamines, einen fuͤr den Mars, den andern für den Quirinus. Auch wählte er Jungfrauen für die Ve⸗ ſta; dieſes Prieſterthum iſt urſpruͤnglich aus Alba her und der Familie von Roms Stifter nicht fremde*). Die Veſtalen beſoldete er aus dem öffentlichen Schatze, damit ſie immer im Tempel dienten, und machte ſie heilig und ehrwürd⸗ theils durch das Geluͤbde der Jungfrauſchaft, theils durch andere Ceremonien. Zwölf Salier weihete er dem Mars Gradivus, und gab ihnen als ein Unterſcheidungszeichen eine geſtickte Tunica und darüber ein ehernes Bruſtftuͤck. Er befahl ihnen die himmliſchen Schilde, Ancilia, zu tragen und durch die Stadt mit Spruͤngen und feyerli⸗ chen Tänzen zu ziehen. Zum Pontifet wählte er einen aus den Senatoren, den Numa Mareius, den Sohn des Marcus. Dieſem gab er ein ſchriftliches und geſiegeltes Verzeichniß, an welchen Tagen und in welchen Tempeln der Gottesdienſt ſollte gehalten, welche Hpfer geſchlachtet, und woraus die Koſten dazu ſollten beſtritten werden. Alle übrigen Opfer, ſo wohl Privat⸗Opfer, als oͤffentliche, ließ er vom Ausſpruche des Pontifer abhangen, damit das Volk wüßte, wo es ſich anzufragen hätte, und keine Un⸗ *) Seine Mutter Rhea Silvia ſelbſt war veſtaliſche Jung⸗ frqu. ——————— ————— — 176 ordnug entflunde, wenn man einheimiſche Gebräuche vernachlaͤſſigte und fremde annähme. Eben dieſer Ponti⸗ fet gab nicht nur zu den Ceremonien der himmliſchen Goͤtter Anleitung, ſondern auch wie das Leichengepränge zu veranſtalten und die Manen zu beſaͤnftigen ſeyen, und welche Vorbedeutungen, ſie mögen nun in Blißen oder andern Erſcheinungen beſtehen, man fuͤr wahr an⸗ nehmen und achten müſſe. Um die Meinungen der Götter heraus zu bringen, hat er auf dem Aventiniſchen Hügel ei⸗ nen Altar dem Jupiter Elicius geheiliget und durch den wogelflug den Gott befraget, welche Vorbedeutungen fuͤr wahr zu halten wären. Da man ſich nun angelegen feyn ließ, dieſe Vorbe⸗ deutungen zu Rathe zu ziehen und zu verſöhnen, ſo wur⸗ de die Menge von aller Gewaltthaͤtigkeit und von den Waffen abgebracht, ihr Geiſt mit andern Dingen be⸗ ſchaͤftiget und Aller Gemuͤth durch die immerwaͤhrende Furcht vor den Göttern, die ſie ſich nun als gegenwaͤrtig bey allen Handlungen dachten, mit einer ſolchen Fröm⸗ migkeit erfuͤllt, daß Wort und Schwur den Buͤrgern zur Nichtſchnur diente, den ſie hatten immer die goͤttlichen Geſetze und Strafen vor den Augen, ja nicht nur ſie ſelbſt richteten ſich nach dem Koͤnige, als ihrem einzigen Vor⸗ bilde, ſondern auch die benachbarten Völker wurden zur Ehrfurcht bewogen. Vorher ſahen ſie Rom minder für ei⸗ ne Stadt, als für ein Lager an, das mitten unter ihnen ſtunde, um Aller Frieden zu ſioren. Nun hielten ſie es füt G Dien lag unve verfi Nie weiß Vor tün tes nen hie die ben ten Pl ſter daf Rei hat beſ ein he ebräuche er Ponti⸗ mmliſchen gepränge ſeyen, n Blißen waht an⸗ der Gätter Hügel ei⸗ urch den ungen für ſe Vorbe⸗ , ſo wur⸗ on den ingen be⸗ währende genwärtig en Frim⸗ rgern zut iulichen tſie ſelbſt igen Vor⸗ urden zur en fir ei⸗ ter ihnen en ſe fuͤt Suͤnde, einen Staat zu beleidigen, der ſich ganz dem Dienſte der Goͤtter gewidmet hätte. Unfern von der Stadt lag ein Wald, durch deſſen Mitte ein Bach floß. Seine unverſiegende Quelle war in einer Höhle. In dieſen Wald verfugte ſich Numa oft ohne Zeugen, und gab ſich die Miene, als leiſtete ihm eine Göttinn Geſellſchaft. Auch weihete er den Hain den Muſen, welche hier, ſeinem Vorgeben nach, mit ſeiner Gattinn Egeria Zuſammen⸗ kuͤnfte hielten. Der öffentlichen Treue hat er einen Got⸗ tesdienſt angeordnet; hierzu ließ er die Flamines in ei⸗ nem zweyſpaͤnnigen, geſpriegelten Wagen fahren, und hieß ſie bey Verrichtung ihres Amtes die Haͤnde bis an die Finger umwickeln, um anzuzeigen, daß man die Treue bewahren müſſe, und daß ihr heiliger Sit in der Rech⸗ ten ſey. Noch hat er viele andere Dpfer eingeführet und plaͤtze dazu geweihet, welche die Argeiſchen von den Prie⸗ ſtern genannt werden. Sein größtes Verdienſt aber war, daß er durch die ganze Zeit ſeiner Regierung ſo wohl ſein Reich als den Frieden unverletzt zu erhalten wußte. Alſo haben zwey Könige nach einander den Staat in einen beſſern Zuſtand geſetzt, jeder auf einem andern Wege, einer durch Krieg, der andere durch Frieden. Romulus herrſchte 37 Jahre, Numa 43. Numa chompilius. II. Th. M —— ——— 17 8„ XL. 29. do c lit In eben demſelben Jahre(33 nach Ruma) fand man de auf dem Janiculus im Grunde des Schreibers Lucius Pe⸗ ſi tillius, als die Arbriter die Erde etwas tiefer aufgruben, 9 zwey ſteinerne Särge, faſt acht Fuß lang und vier breit. in Beyde hatten eine Lateiniſche und eine Griechiſche In⸗ ſchrift, welche zeigten, daß in einem Sarge der Leich— d nam des Römiſchen Koͤniges Numa Pompilius, des Soh⸗ nes von Pompo ſey, im andern aber ſeine Buͤcher. Der Herr des Grundes öffnete auf den Rath ſeiner Freunde beyde Särge. Derjenige, worin, der Inſchrift nach, der 9 Koͤnig ſeyn ſollte, war leer, und keine Spur von einem t menſchlichen Koͤrper oder von irgend etwas andern darin, indem ſich in ſo vielen Jahren die Gebeine verzehret hat⸗ ten. In dem andern fand man zwey mit Wachs überzo⸗ gene Bände. Jedes enthielt ſteben Buͤcher, die nicht nur vollſtaͤndig waren, ſondern auch ganz neu ausſahen. Sie⸗ beu, Lateiniſch geſchrieben, handelten von dem Pontifi⸗ cal⸗Recht. Die andern ſieben waren Griechiſch und hat⸗ ten die Philoſophie zum Gegenſtande, ſo gut man ſie da⸗ mahls treiben konnte. Antias Valerius ſetzt hinzu die Py⸗ thagoriſche. Da die allgemeine Meinung Numa zum Schu⸗ ler des Pythagoras macht, ſo ließ auch dieſer Schriftſtel⸗ ler ſich von dem ſcheinbaren Grunde täuſchen. ⸗ Die Buͤcher wurden zuerſt von den bey Eroͤffnung der Saͤrge gegenwaͤrtigen Freunden des Petillius geleſen, fand man utius Pe⸗ ufgruben, vier breit. hiſche In⸗ et Leich⸗ des Soh⸗ hit. Der Freunde nach, der on einen rn darin, zehret hat⸗ hs überzo⸗ nicht nur hen. Sie⸗ Pontif⸗ und hat⸗ an ſie da⸗ un Sti⸗ 5 Stiſſil Griffun geleſel⸗ dann kamen ſie auch in andere Haͤnde und wurden ziem⸗ lich bekannt. Da, wandelte nun die Luſft, ſie zu leſen, auch den Stadt⸗Prätor Quintus Petillius an, und er borgte ſie von dem Lucius Petillius, den er wie ſeinen Haus⸗ genoſſen anſahe, da er, als Quaͤſtor, ihn zum Schreiber in die Decurie aufnahm. Als er die Juhalte geleſen und daraus erſehen hattr, daf der groͤßte Theil des Buches dazu gemacht ſey, das Anſehen der Religion zu ſchwaͤchen, erklaͤrte er dem Lucius Petillius: Er ſey Willens, die Bücher in das Feuer zu werfen, doch ſtuͤnde es ihm vor⸗ her frey, ſie zurück zu fordern, wenn er meinte, ein Recht darauf zu haben, oder vor Gericht etwas ausrich⸗ ten zu können. Er dürfe alle dieſe Schritte thun, ohne ſeinen Unwillen zu fürchten. Der Schreiber wendet ſich an die Volks⸗Tribunen, dieſe überlaſſen es dem Rathe. Der Prätor verſicherte, er ſey erboͤthig zu ſchwoͤren, daß man dieſe Bücher weder leſen, noch aufbewahren ſoll.“ Der Rath beſchloß: Der vom Prätor angebothene Eid ſey hinlänglich. Die Bücher ſollten, ſo bald als möglich, in den Comitien verbrannt, dem Herrn derſelben aber ſo viel dafüur bezahlt werden, als der Praͤtor Quintus Pe⸗ tilius und der größere Theil der Tribunen für billig hiel⸗ ten. Der Schreiber nahm nichts. Es wurde in den Comi⸗ tien ein Feuer von den Hpferdienern gemacht und die Buͤcher im Angeſichte des Volkes verbranht. —————————————————— Aus dem Dyonis von Halicarnaſſus. Roͤmiſche Alterthumer II. Buch. Z. folgenden Jahre(nach Romulus Tode) wurde kein Roͤmiſcher Koͤnig erwaͤhlet, ſondern eine obrigkeitliche Perſon, Zwiſchenkönig genannt, beſorgte die Staatsge⸗ ſchaͤfte. Die zwey hundert Aelteſten, woraus nach Romu⸗ lus Anorbnung der Rath beſtand, wie vorher geſagt wur⸗ de, theilten ſich in Decurien ab, und übertrugen die Herrſchaft den Zehnen, die das Loos zuerſt beſtimmet hatte. Sie herrſchten aber nicht alle zugleich, ſondern jeder wechſelweiſe fuͤnf Tage, waͤhrend deren er die Faſces und die andern Ehrenzeichen der koͤniglichen Gewalt fuhrte. Wer zuerſt geherrſcht hatte, uͤbergab die Berrſchaft dem zweyten, dieſer dem dritten und ſofort bis auf den letz⸗ ten. Wie aber der dieſen Zehnen beſtimmte Zeitraum von 50 Tagen voruͤber war, ſo traten zehen andere in ihr Amt, und nach denen wieder andere. Das Volk beſchloß dieſe Decemviral⸗Herrſchaft aufzuheben, denn der ftäte Wechſel von Befehlshabern, die nicht einerley Meinung tde kein Reitliche taatöge⸗ Fom⸗ agt wur⸗ gen die fimmet n jedet ſtez und führte. ft dem en let⸗ um von in ihr beſcloß r ſtäte einuns — 181— und Fähigkeit hatten, war ihnen zuwider. Die Senatoren riefen alſo das Volk ſo wohl tribus⸗ als eurienweiſe zuſam⸗ men, und überließen es ihm, ſich über die Staatsverfaſſung zu berathſchlagen und zu beſtimmen, oh es die Verwaltung des gemeinen Weſens einem Könige, oder andern obrig⸗ eitlichen Perſonen auftragen wollte, die jährlich gewaͤh⸗ let würden. Das Volk entſchied nichts, ſondern ſtellte wir⸗ der dem Rathe dieſe Unterſuchung anheim, und wollte mit jeder Staatsverfaſſung zufrieden ſeyn, die er billigte. Die monarchiſche Form ſchien allen die beſte; aber aus welchem Mittel der König ſollte gewählt werden, darüber waren ſie uneinig. Einige meinten, der künftige Ge⸗ waltshaber ſollte aus den alten Rathsherren gewaͤhlt wer⸗ den, andere aber aus den unlaͤngſt in den Rath auſgenome znenen Gliedern, welche ſie die neuen nannten. Nach lan⸗ gem Streite kamen ſie endlich darin überein, daß eines von beyden geſchehen ſollte: entweder ſollten die alten Senatoren wählen, aber keinen der ihrigen, ſondern ei⸗ nen andern, den ſie für den würdigſten hielten; oder die jungen Senatoren ſollten auf eben dieſe Art verfahren. Die Alten ließen es ſich gefallen und beſchloſſen nach langer Ueberlegung, daß, da der Vertrag ſie einmahl von dem Herrſcheramte ausſchlöße, ſie es auch keinem ihrer Gegner wollten zukommen laſſen, ſondern einen fremden, keiner Partey qnhangenden Mann zum Könige waͤhlen, damit auf dieſe Art alles aus dem Wege geraͤumt wuͤrde, was zum Aufruhr reitzen könnte. Dem zu Folge beſtimm⸗ ten ſie zum Herrſcher einen Sabiner mit Rahmen Ruma, — 182—— den Sohn des Pompilius Pompo, eines anſehnlichen Man⸗ nes. Er war nicht weit von vierzig Jahren, dem Alter, wo man am verſtaͤndigſten zu ſeyn pflegt, und von einem königlichen Anſehen. Der Ruhm ſeiner Weisheit war groß nicht nur unter den Quiriten, ſondern auch unter den be⸗ nachbarten Völkern. Als ſie dieſes beſchloſſen hatten, ver⸗ ſammelten ſie das Volk, unter das der damahlige Zwi⸗ ſchenkönig trat und ſagte:„Die Senatoren wären ein⸗ „müthig überein gekommen, der Staat ſolle monarchiſch „ſeyn, und er, dem es nun zuſtehe, den kuͤnftigen Herr⸗ „ſcher zu beſtimmen, ernenne den Ruma Pompilius zum „Könige.“ Hierauf ſchickte er einige Patricier als Ge⸗ ſandte an Ruma, daß ſie ihn herbraͤchten, und er her⸗ nach das Reich anträte. Dieſes geſchah im dritten Jahre der 16. Hlympiade, da Pythagoras der Lacedämonier Sieger im Wettlaufe war. Bis hierher kann ich den Geſchichtſchreibern Numa's nicht entgegen ſeyn. In der Folge aber weiß ich nicht, was ich ſagen ſoll. Denn viele ſchreiben, Ruma ſey ein Schöler des Pythagoras geweſen, habe ſich, als er zum Könige ernannt wurde, zu Croto aufgehalten, und dort der Weltweisheit ſich befliſſen. Aber die Zeit, wo Py⸗ thagoras lebte, trifft nicht zuſammen. Denn dieſer, wie wir aus öffentlichen Urkunden wiſſen, lebte nicht nur we⸗ nige Jahre, fondern vier ganze Menſchenalter*) ſpaͤter *) Sonſt rechnet man ein Menſchenalter zu 33 Jahren und 4 Monathen, oder nach dem Suldas zu 36 Jahren! Dieſe en Man⸗ n Mler, neinem var groß den be⸗ ten ver⸗ ge Zwi⸗ en ein⸗ narchiſch en Hert⸗ ius jum ls Ge⸗ er her⸗ Jhre imoniet Rumas nicht, ſen ein et um nd dort vo Py⸗ r wie ur we⸗ piter ren und 1 n Dieſe — 183— als Ruma. Dieſer kam in der Haͤlfte der 16. Hlympiade zur Regierung; jener aber lebte in Italien nach der funf⸗ zigſten. Aber noch einen ſtärkern Beweis kann ich an⸗ fuhren, daß die Zeitrechnung mit dieſer Geſchichte nicht zuſammen treffe. Als Ruma erwaͤhlet wurde, ſtand Croto noch nicht. Erſt im fuͤnften Jahre ſeines Reiches und im dritten der 17. Hlympiade erbaute ſie Miscelus. Ruma kann alſo unmöglich mit dem Samiſchen Pythagoras der Philoſophie ſich geweihet, noch zur Zeit ſeiner Wahl in Croto gelebt haben, da Pythagoras vier Menſchenalter nach ihm lebte, und Croto noch nicht erbauet war. Wenn man frey ſeine Meinung ſagen darf, ſo ſcheint es, daß diejenigen, welche ſeine Geſchichte ſchrieben, den Auf⸗ enthalt des Pythagoras in Italien und die Weisheit des Ruma, worin alle überein kommen, nicht nur für ausge⸗ macht annahmen, ſondern eine Verbindung zwiſchen bey⸗ den ſuchten, und den Numa zum Schuͤler des Pythago⸗ ras machten, ohne, wie ich, in ihrer Lebensgeſchichte nachzuſehen, ob ſie auch beyde zu derſelben Zeit leb⸗ ten. Man muͤßte nur voraus ſeßen, Numa habe die Le⸗ re und den Umgang eines anderen Pythagoras genoſen, der älter, als der Samiſche war. Ich ſehe aber ächt, wie man dieſes erweiſen koͤnnte, da meines Wiſus kein beruhmter Griechiſcher oder Roͤmiſcher Schriftſeller da⸗ von Meldung gethan hat. Doch genug von dieer Materie. Rechnung aber trifft beym Dionys nicht u, der ſich an keine beſtimmte Zahl von Jahren hält, vie Dodwell be⸗ wieſen hat⸗ ———— —— — Als die Geſandten zu Ruma kamen und ihn zum Autritte der Regierung einluden, widerſeßte er ſich Anfangs ſehr, und wollte ſie nicht annehmen. Als aber ſeine Bru⸗ der und endlich ſein Vater ſelbſt mit Bitten in ihn dran⸗ gen, er ſollte doch eine ſo große, freywillig angebothene Ehrel nicht ausſchlagen; ſo ſtimmte er ihnen bey, und ließ ſich zum Koͤnige machen. Als die Romer dieſes von den Geſandten*) hörten, ſo hatten ſie ein Verlangen nach ihm, noch ehe ſie ihn geſehen hatten. Denn ſie nahmen es für eine ſichere Probe ſeiner Weisheit, daß er allein die Herr⸗ ſchaft fur gering und nicht wuͤnſchenswerth achtete, wel⸗ che doch jeder andere über alle Maßen ſchaͤßzte, und ihr, als dem größten Glucke, nachtrachtete. Als er nach Rom kam, gingen ſie ihm ein großes Stuck Weges entgegen, und begleiteten ihn unter vielen Lobes⸗ erhebungen, Gluͤckwuͤnſchungen und anderen Ehrenbe⸗ zeigungen in die Stadt. Es ward ſogleich eine Verſamm⸗ lung zuſammen berufen. Rachdem ihn die Curien aller Tribus wählten, die Senatoren die Wahl beſtätigten, un ſelbſt die Auguren die Rachricht brachten, die Göt⸗ ter hitten die guͤnſtigſten Zeichen erſcheinen laſſen; ſo trat er das Reich an. Die Römer erzaͤhlen, dieſer Fuͤrſit habe keiren Feldzug gemacht, ſondern ſeine ganze Regie⸗ rung durch gottesfurchtig, gerecht und in Frieden zuge⸗ bracht, und im Staate viele heilſame Verfuͤgungen ge⸗ * Vermuthlich hat ein Theil der Geſandten ihn begleitet, ein Theil vonek die Nachricht dem Volke gebracht. ihn zun Anfang ine Bri⸗ hn dran⸗ bothene und ließ von den ch ihn, nes fur ie Her⸗ te, wel⸗ und ihr, e Stick Lobes⸗ hrenbe⸗ nſnn⸗ n aler tigten, e Göt⸗ en; ſo Firſt Regie⸗ ugt⸗ en 9e⸗ gleitet/ habe dieſe Zuſammenkuͤnfte mit Egerien darum erdichtet⸗ — 185— troffen. Sie berichten auch manche Wunderdinge von ihm, und ſchreiben ſeine menſchliche Weisheit göttlichen Einge⸗ bungen zu. Sie fabeln, eine Rymphe Egeria ſey mit ihm zuſammen gekommen, und habe ihm die königliche Weisheit gelehret. Andere erzaͤhlen es von keiner Nym⸗ phe, ſondern von einer der Muſen, und behaupten, daß jedermann davon ſey uͤberzeugt worden. Denn als man ihm Anfangs nicht glaubte, wie leicht zu erachten iſt, und ſeine vorgeblichen Zuſammenkunfte mit einer Gott⸗ heit für eine Erdichtung hielt, ſo wollte er den Ungläu⸗ bigen einen klaren Beweis geben daß er den Umgang einer Göttinn genieße, und ihren Belehrungen zu Fol⸗ ge ſeine Handlungen einrichte. Er lud mehrere rechtſchaf— fene Roͤmer in ſeine Wohnung, zeigte ihnen ein ſchlech— tes Hausgeräth, und daß nicht von allem vorhanden ſey, was man braucht, ein Gaſtmahl aus dem Stegreife zu halten; dann hieß er ſie ſich entfernen, und Abends auf ein Gaſtmahl wieder kommen. Als ſie ſich zur beſtimm⸗ ten Zeit einfanden, zeigte er ihnen prächtige Sitze und Tiſche, die mit vielen ſchoͤnen Pokalen beladen waren. Dann hieß er ſie Platz nehmen, und ſetzte ihnen aller⸗ hand Speiſen vor, die damahls niemand auch nach ſehr langen Anſtalten ſo leicht herbey geſchafft hätte. Die Roͤ⸗ mer bewunderten ſehr alles, was ſie ſahen, und bezwei⸗ felten es nicht mehr, daß eine Göttinn mit ihm zuſam⸗ men komme. So erzählen es Einige. Die aber gern alle Mythen aus der Geſchichte ausmärzen, ſagen: Numa daß er deſto leichter die Aufmerkſamkeit der Gottes fürch⸗ rigen auf ſich zoͤge, und daß ſeine Geſetze, wenn man meinte, ſie wären von den Göttern ſelbſt gegeben, deſto bereitwilliger angenommen würden. Er ſoll hierin dem Beyſpiele der Griechen gefolget ſeyn, und die Klusheit des Cretenſers Minos, und des Lacedämoniers Lyeurg nachgeahmt haben. Der erſtere gab Zuſammenkuͤnfte mit dem Jupiter vor, beſtieg öfter den Dictäiſchen Berg, wo der neugeborne Jupiter, der Cretiſchen Mythologie zu Folge, von den Cureten erzogen worden. Da ging er in eine heilige Boͤhle, und brachte Geſetze zurück, die er vom Jupiter empfangen haben wollte. Der andere, Ly⸗ curg, reiſte nach Delphi, und gab den Apoll fur ſeinen Lehrer in der Geſezgebung aus. Doch ich will mich hier nicht in eine genaue Unterſuchung der in der Geſchichte aufgezeichneten Mythen einlaſſen, befonders deren, die auf die Goͤtter Bezug haben, denn da ſehe ich wohl, müßte ich ſehr weitlaͤufig werden. Ich will nur die Vor⸗ theile, welche, meiner Meinung nach, Ruma's Regierung den Roͤmern verſchaffte, ſo anfuhren, wie ihre eigene Geſchichte ße mich lehret. Zuerſt aber den verwirrten Zu⸗ ſtand ſchildern, worin er die Staatsverwaltung antrat. Rach dem Lode des Romulus, als der Senat alle öffent⸗ liche Geſchaͤfte beſorgte, und, wie ich ſagte, ein ganzes Jahr die Oberherrſchaft hatte, waren die Senatoren ſelbſt unter einander uneinig, und fingen an über Vorzüge und die Gleichheit der Rechte zu ſtreiten. Denn die Alba⸗ niſchen Urſprungs waren, und mit Romulus die Pflanz⸗ ſer A ſtes fürch⸗ enn man en, deſto erin dem Klgheit r Lyrurg ünfte mit Berg, wo ologie zu ging er rück, die ndere, Ly⸗ für ſeinen nich hier Geſchichte eren, die wohl, die Vor⸗ Regierung re eigene irten Zu⸗ g antrit⸗ un iſu⸗ in gue vin ſelbt rige und die Aba⸗ ie funi fladt angelegt hatten, glaubten einen Vorzug bey der Stimmenſammluna und die böbſten Ehrenſtellen zu ver⸗ dienen; ſie heiſchten eine Gattung Ehrerbiethigkeit von den fremden Ankommlingen, Da hingegen diejenigen der fremden, welche man zu Patriciern aufgenommen hatte, von keiner Ehrenſtelle ausgeſchloſſen, und nicht geringer ſeyn wollten, als die andern Beſonders behaupteten die Abkömmlinge der Sabiner, daß ſie von den alten Pflanz⸗ ſtädtern, Kraft des zwiſchen Tatius und Romulus geſchloſ⸗ ſenen Vertrages, das Bürgerrecht und die vollkommene Gleichheit erhalten, auch eben dieſe ihnen zugeſtanden haben. Da der Rath uneinig war, ſo haben ſich auch die Clienten der Senatoren getheilt, und einige zu dieſer, andere zu jener Partey geſchlagen. Ueberdieß gab es eine nicht unbeträchtliche Menge des Volkes, die unlängſt zu Bürgern angenommen, von Romulus aber, dem ſie noch keinen Krieg fuͤhren half, nicht geachtet, und weder mit Anweiſung einiger Felde⸗, noch auf andere Art war be⸗ dacht worden, Dieſe Leute, die kein Haus und keinen Le⸗ bensunterhalt hatten, waren nothwendiger Weiſe den Maͤchtigern gram, und zu Reuerungen ſehr aufgelegt. Numa alſo, der in dieſen ftürmiſchen Zeiten die Staats⸗ verwaltung übernahm, hat zuerſt den Armen im Volke dadurch aufgeholfen, daß er ihnen einen Lheil von den Froberungen des Romulus, und etwas Weniges von den Feldern des Staates anwies. Den Streit zwiſchen den alten Patriciern und den neuen ſchlichtete er alſo, daß er jenen keine der Ehren nahm, ſo ſie als Erbauer der „ 136„ Stadt beſeſſen pape dieſen aber andere zugeſtand. Als er ſo die ganze Volksmenge wie ein muſikaliſches In⸗ ſtrument zur eintraͤchtigen Befoͤrderung des gemeinen Be⸗ ſten geſtimmt, und den Umfang der Stadt durch den Quirinaliſchen, bisher außer den Stadtmauern gelegenen Huͤgel vergroͤßert hatte; ließ er ſich auch andere Staats⸗ geſchaͤfte angelegen ſeyn, beſonders folgende zwey Punc⸗ te, die ihm zur Zierde, zum Wohl, und zur Aufnahme der Stadt nothwendig ſchienen. Zuerſt lehrte er die Men⸗ ſchen Gottesfurcht, indem die Götter den Sterblichen al⸗ les, was da gut iſt, geben und erhalten. Dann lehrte er ſie die Gerechtigkeit und zeigte ihnen, daß man nur durch dieſe in einem rechtmäßigen Genuſſe der vom Himmel verliehenen Guͤter bleiben koͤnne. Ich will hier nicht alle Geſetze und Verfuͤgungen anführen, womit er in Rom dieſe Tugenden ſehr in Auf⸗ nahme brachte, es würde zu weitlaͤufig und in einer für Griechen geſchriebenen Geſchichte wohl auch überfluſſig ſeyn. Nur das, was die ganze Abſicht dieſes Mannes in ein helles Licht ſetzen kann, will ich nur überhaupt be⸗ rühren, und mit ſeinen den Dienſt der Götter betreffen⸗ den Anſtalten den Anfang machen. Die vom Romulus auf ihn gekommenen Gebräuche und Geſetze hat er für ſehr gut erkannt und unverandert gelaſſen. Was aber dieſer vergeſſen zu haben ſchien, hat er nachgetragen. Viele Derter hat er Göttern geweihet, die man bisher nicht An wit de die ba nig ſtand. Alz ſches In⸗ einen Be⸗ durch den gelegenen te Staats⸗ e une⸗ Aufnahme die Men⸗ hlichen al⸗ gie ihnen, n Genuſſe nk⸗ tfügungen hrin Auf⸗ einer fir iberfüfig lunnes in haupt be⸗ betreffen⸗ mults uf füt ſehr ber diſer en. Virle her nicht derehrt hatte, viele Altäre und Tempel hat er ihnen er⸗ richtet, zu Jedes Ehre Feſttage eingeführt, Prieſter be⸗ ſtellet, um dieſes zu beſorgen, und Geſetze gegeben, wel⸗ che die Froͤmmigkeit, die Ceremonien, die Reinigung, den Dienſt und die Verehrung der Götter betreffen. Kei⸗ ne Stadt, weder in noch außer Griechenland, hat ſolche Anſtalten, nicht einmahl diejenigen, die ſich einſt viel mit ihrer Frömmigkeit wußten. Dem Romulus ſelbſt, der den Zunahmen Quirinus führte, ließ er, als einem uber die menſchliche Natur erhabenen Fürſten, einen Jempel bauen und ihn durch jährliche Opfer ehren. Denn da ei⸗ nige Romer zweifelten, ob ſein Verſchwinden ein Werk zttlicher Vorſorge, oder menſchlicher Gewaltthätigkeit ſey, ſo hat ein gewiſſer Julius, ein Abkömmling des Asranius, ein Landmann von untadelhaftem Wandel, und der eines Privat⸗Vortheils wegen keine Lüge geſagt haͤtte, in der Verſammlung des Volkes betheuert: er habe bey ſeiner Rückkehr vom Lande den Romulus bewaffnet aus der Stadt kommen ſehen, und als er näher hinging, dieſe Worte von ihm gehöret: Julius, melde den Römern in meinem Nahmen, daß der Dämon, den ich bey meiner Geburt überkam, mich nun nach Verlauf meines ftepbli⸗ chen Lebens zu den Göttern führe. Denn ich bin Quiri⸗ nus. Alle Geſeßze über den Gottesdienſt hat Numa ſchrift⸗ lich verfaßt, und nach 3 Claſſen der Prieſter in 8 Theile getheilt. In die erſte Claſſe ſeßte er die Curionen, von welchen ich ſchon meldete, daß ſie die gemeinſchaftlichen Opfer für ihre Curien verrichteten. In die zwepte Claſſe — 100— dieſe, welche die Griechen Kränzeträger(Srepanpeesg)⸗ die Roͤmer Flamines heißen, weil die Mutzen oder Infuln, welche ſie noch tragen, Famea genannt werden. Die dritte Claſſe machten die Tribunen der Celeres aus, die Celeres aber beſtanden, wie ich ſchon ſagte, theils aus Fußvolk, theils aus Reitern und dienten im Kriege als Leibwachen des Königs. Ihre Tribunen verrichteten auch beſtimmte Hpferdienſte. Die vierte Claſſe war fuͤr diejenigen, welche die vom Himmel geſandten Vorbedeu⸗ tungen, und ob ſie einzelne Buͤrger oder den ganzen Staat beträfen, erklaͤren mußten. Die Römer nennen ſie von einem Zweige ihrer Wiſſenſchaft Auguren, wir Grie⸗ chen wuͤrden ſie Vogeldeuter( OMorohNopg) nennen. Sie ſind in der ganzen Wahrſagerkunſt der Römer erfah⸗ ren, ſie mag nun durch Zeichen, die im Himmel, oder durch ſolche, die in der Luft, oder endlich durch ſolche geſchehen, die auf Erden vorkommen. Die fuͤnfte Claſſe war die Wäͤchterinnen des heiligen Feuers, welche man von der Göttinn, der ſie dienen, Veſtalen nennet. Auch war Ruma der erſte, welcher der Göͤttinn Veſta in Rom einen Tempel erbaute, und Jungfrauen zu ihrem Dienſte widmete. Ueber dieſe Materie muß ich das, was zu un⸗ ſerm Zwecke hochſt nothwendis iſt, in Kürze ſagen. Denn die Sache verdient allerdings eine Unterſuchung, und iſt auch wirklich von vielen Roͤmiſchen Schriftſtellern der Un⸗ terſuchung gewuͤrdiget worden. Aber eitel iſt das Bemu⸗ hen aller derjenigen, die ohne Kenntniß der erſten Urſa⸗ chen dieſe Materie abgehandelt haben, pibee), üzen odet tt werden. leres aus, te, theils in Friege errichteten — für Vorhedeu⸗ en gunen nennen ſie wir Grie⸗ nemen. mer erfah⸗ mel, oder urch ſolche nfte Claſſe elche man net. Auch ain Jom m Dienſte a zu un⸗ en. Denn n der ln⸗ Bemi⸗ ſen Urſo⸗ Cinige behaupten, Romulus habe den Tempel der Veſta erbauet, weil ihres Dafuͤrhaltens ein der Wahr⸗ ſagerey kundiger Fuͤrſt nichts Angelegeners zu thun ge⸗ habt haͤtte, als einen öffentlichen Tempel der Veſta zu bauen, da in Alba, wo dieſer Stifter Roms erzogen wurde, ein uralter Tempel, und ſeine Mutter ſelbſt ei⸗ ne Prieſterinn der Veſta war. Da es zweyerley Gottes⸗ dienſt gibt, ſagen ſie, den oͤffentlichen, allen Bürgern gemeinen, und den beſondern einzelner Familien; ſo ha⸗ be Romulus einen doppelten Grund gehabt, dieſe Göt⸗ tinn zu verehren. Nichts ſey den Menſchen nothwendiger, als ein öffentlicher Dienſt der Veſta; nichts aͤlter in der Familie des Romulus, da ſeine Ahnen dieſen Gottesdienſt aus Ilion hierher gebracht, und ſeine Mutter ſelbſt das Amt einer Veſtale bekleidet habe. Die alſo der ange führ⸗ ten Urſachen halber den Bau des Tempels lieber dem Romulus als dem Numa zuſchreiben, ſcheinen im Allge⸗ meinen Recht zu haben, weil beſonders unter einem Kö⸗ nige, der ſelbſt im Gottesdienſte nicht unerfahren war, der Goͤttinn Veſta ein offentlicher Tempel allerdings mag errichtet worden ſeyn. Rur irren ſie, wenn ſie von Er⸗ bauung dieſes noch ſtehenden Tempels, und von den Jungfrauen reden, die den Dienſt der Göͤttinn verſahen. Den Ort, wo das heilige Feuer bewahret wird, hat Ro⸗ mulus der Göttinn gewiß nicht geheiliget. Ein großer Beweis deſſen iſt, daß dieſer Platz außer dem ſo genann⸗ ten viereckigen Rom liegt, das Romulus mit Mauern um⸗ gab. Run aber bauet jedermann den Tempel der Veſta 2 — 192— am ſchönſten Hrte der Stadt, niemand außerhalb den Mauern. Auch hat er keine Jungfrauen zum Dienſte der Göttinn beſtimmt, weil er ſich, wie es ſcheint, auf das Schickſal ſeiner Mutter erinnerte, die ihre Jungfrauſchaft im Dienſte der Goͤttinn verlor. Wäre es nicht unſchick— lich geweſen, wenn er eine der Unzucht ſchuldige Prie⸗ ſterinn nach den väterlichen Geſetzen hätte beſtrafen wol⸗ len? Wuͤrde er hierdurch nicht den Schimpf ſeiner eige⸗ nen Fomilie in friſches Andenken gebracht haben? Aus dieſen Gruͤnden hat er wohl weder einen oͤffentlichen Tempel der Veſta erbauet, noch Jungfrauen zu ihrem Dienſte beſtellet, ſondern jeder der dreyßig Curien fuͤr die Andacht ihrer Mitglieder eine beſondere Opferſtaͤte gebauet, und nach einem in den aͤlteſten Griechiſchen Städten noch üblichen Gebrauche den Curionen die Hpfer⸗ pflicht aufgetragen. Denn ihre Prytanea ſind oͤffentliche heilige Plaze, wo die erſten Staatsbeamten den Prie⸗ ſterdienſt zu verrichten pflegen. Als Numa zur Regierung kam, ließ er zwar noch die beſondern Opferſtaten der Curien ſtehen, erbaute aber doch eine gemeinſchaftliche, auf einem mitten zwiſchen dem Capitoliniſchen und Pa⸗ latiniſchen Hügel gelegenen Plaßze, denn beyde Huͤgel waren ſchon mit den Stadtmauern umgeben. Auch ver⸗ ordnete er, daß der Gottesdienſt Jungfrauen ſollte an⸗ vertraut werden, wie es die väterlichen Geſeze der La⸗ teiner mit ſich brachten. Was in dieſem Tempel verwah⸗ ret wird, und warum Jungfrauen die Aufſicht darüber vertrauet iſt, weiß man nicht. Einige meinen, es werde alb den enſie der auf das rauſchaft unſchick⸗ ge Prie⸗ fen wol⸗ er eige⸗ en? Aus fentlichen zu ihrem rien für dyferfäte iechiſchen ie Oyfer⸗ zffentliche den Prie⸗ Kegierung läten der hajtliche, und Po⸗ e Hügel Auch ver⸗ ſolte un⸗ det ka⸗ verwoh⸗ t daruber 5 werde nichts darin verwahrt als das Feuer, welches jedermann ſiehet. Warum man es abet lieber Jungfrauen als Män⸗ nern vertraue, geben ſie dieſe nicht unwahrſcheinliche Ur⸗ ſache, daß eine Jungfrau, gleich dem makelloſen Feuer, unbefleckt, und der keuſcheſten Goͤttinn die reinſte Crea⸗ tur die angenehmſte ſey. Daß man aber das Feuer der Veſta heilige, geſchehe darum, weil ſie als Erde den Mittelpunct der Welt einnehme, und alſo aus ihrem Schvoße das üͤberirdiſche Feuer entzundet werde. Andere behaupten, es wären außer dem Feuer noch andere im Tempel der Göttinn verborgene Dinge, die Hierophanten und Jungſrauen wüßten es wohl, dem Volke aber bliebe es ein Geheimniß. Einen wichtigen Beweis ziehen ſie aus dem, was ſich bey einem Brande des Tempels zutrug, und zwar zur Seit des erſten Puniſchen Krieges, der we⸗ gen Siciliens zwiſchen Rom und Carthago ausbrach. Denn da der Tempel in Flammen ſtand, und die Jungfrauen entflohen, ſo hat einer der Prieſter Lurius Cäcilius, Me⸗ tellus zubenannt, ein Conſular, der die Carthaginenſer in Siecilien üͤberwand, und 133 Elephanten in dem be⸗ rühmten Triumphe mitführte, ſeine eigene Sicherheit der öffentlichen nachgeſeßt, hat es gewagt, ſich in das bren⸗ nende Gebaude zu fürzen, und die von den Jungft uen zurück gelaſſenen Heiligchümer aus dem Feuer zu retten. Deßhalb erwies man ihm große Ehren von Seite des Staates, wie die Inſchrift der Statue zeiget die man ihm auf dem Capitol errichtet hat. Dieſe von niemanden bezweifelte Geſchichte ſiutzt jeder mit ſeinen eigenen Muth⸗ Numa Pompilias. 11. Th⸗ N — 1 9 4— maßungen auf. Einige behaupten, daß hier ein Theil der Heiligthümer bewahrt werde, die Aeneas aus Samothra⸗ cien herüber brachte. Dardanus habe ſie aus dieſer Inſel in ſein neuerbautes Troja, Aeneas aber, als er mit ſei⸗ nen Gefährten floh, nach Italien geführet. Einige wäh⸗ nen, es ſey das vom Himmel gefallene Paladium, das die Trojaner beſeſſen, und das Aeneas, von allem wohl unterrichtet, mit ſich genommen haͤtte, indem die Grie⸗ chen nicht das wahre Paladium, ſondern nur ein nach⸗ gemachtes raubten; worüber von Dichtern und Geſchicht⸗ ſchreibern viel iſt geſagt worden. Auch ſchließe ich aus mehreren Gruͤnden, daß nicht bloß das Feuer von den Jungfrauen bewahrt wird, ſon⸗ dern auch andere heimlich gehaltene Heiligthumer. Worin ſie aber beſtehen, vorwitzig zu unterſuchen, ziemt weder mir, noch einem andern gottesfürchtigen Manne⸗ Dienende Jungfrauen waren zuerſt vier. Sie wur— den nach der Verordnung des Ruma von dem Könige ge⸗ waͤhlt. Rachher wurde ihre Zahl wegen der Menge ihrer Verrichtungen auf ſechz vermehret, und blieb bis auf un⸗ ſere Zeiten unverändert. Sie wohnen im Tempel der Göt⸗ tinn. Unter Tages iſt niemanden der Eintritt verwehret; die Racht aber darf keine Mannsperſon daſelbſt zubringen. Dreyßig Jahre ſind ſie verpflichtet ehelos zu verblei⸗ ben, den Hpferdienſt zu verrichten, und andereu An⸗ Lheil der amothra⸗ ſer Inſel mit ſei⸗ ige wäh⸗ um, das lem wohl ie Grit⸗ ein nach⸗ Geſchicht⸗ ß nicht ird, ſon⸗ r. Worin nt wedet Sie wul⸗ Konige ge⸗ enge ihrer js auf un⸗ der Gt ehret; die bringen⸗ zu verhlei An⸗ deren In dachtzübungen dem Geſetze gemäß obzuliegen. Zehen Jahre muͤſſen ſie lernen; zehen Jahre dienen; zehen Jahre an⸗ dere unterrichten. Nach dem Verlaufe von dreyßig Jahren können diejenigen, ſo Luſt dazu haben, die Binden und die übrigen Chrenzeichen des Prieſterthuins ablegen und heirathen. Aber wenige thaten es, und dieſe haben ihr Leben auf eine nicht wünſchenswerthe und nicht ſehr gluͤck⸗ liche Art geendet, daß die übrigen es fur eine üble Vor⸗ bedeutung nehmen und bis in den Tod als Jungfrauen der Göttinn dienen. Dann wird die Zahl wieder ergän⸗ zet und eine andere an dem Platz der Fehlenden von den Oberprieſtern erwählet. Es werden ihnen viele und vor⸗ zugliche Ehren von Seite des Staats erwieſen, derohal⸗ ben ſehnen ſie ſich weder nach einem Gemahle, noch nach Kindern. Aber auch ihre Verbrechen werden ſtrenge ge⸗ ahndet. Die Unterſuchung und die Beſtrafung derſelben iſt vom Geſetze den Oberprieſtern anvertraut. Geringere Vergehungen züchtigen ſie durch Geißelſtreiche, die Un⸗ keuſchheit aber durch den ſchmaͤhlichſten und erbaͤrmlich⸗ ſien Tod. Sie werden auf einer Bahre mit allen Leichen⸗ geprängen unter Begleitung und Wehklagen der Freunde und Verwandten bis zum Colliniſchen Thore getragen und hier noch innerhalb der Mauern in einer dazu bereiteten unterirdiſchen Höhle im Leichenſchmucke lebendig verſchar⸗ ret; doch ohne Ehrenmahl, ohne Parentation, ohne ge⸗ ſezliche Ceremonien. Ob eine Prieſterinn den Dienſt der Gottheit beflecket habe, kann aus mehreren Zeichen, be⸗ ſonders aber aus Erloͤſchung des Feuers geſchloſſen wer⸗ S N 2 — 196— deu; dieſe Erloſchung geſchehe nun aus was immer für einer Urſache, immer halten ſie die Römer fuͤr das ſchreck⸗ lichſte Uebel und für eine Vorbedeutung vom Untergange der Stadt. Sie tragen dann nach vielem Sohnungsge⸗ praͤnge das Feuer wieder in den Tempel, wovon ich an ſeinem Hrte reden werde. Sehr merkwuͤrdig iſt die au⸗ genſcheinliche Hulfe, welche die Götlinn unſchuldig ange⸗ klagten Jungfrauen geleiſtet hat. Die Roͤmer glauben es, ſo ſonderbar es auch klinget, und die Geſchichtſchreiber haben ſich weitläufig darüber heraus gelaſſen. Die atheiſti⸗ ſchen Philoſophen(wenn anders ihre Lehre den Rahmen Philoſophie verdient) werden, ſo wie ſie alle Erſcheinun⸗ gen der Goͤtter bey Griechen oder Barbaren derwerfen, auch dieſe Geſchichten belächeln und für menſchliche Prah⸗ lerey erklären, gerade als ob die Götter ſich nicht um uns bekuͤmmerten. Wer aber den Göttern die Sorgfalt für die Menſchen nicht abläugnet, wer glaubet, daß ſie dem Guten geneigt ſind, den Böſen erzürnt, wird, wenn er auf viele ſolcher Geſchichten ſtoͤßet, auch dieſe Wunder nicht unglaublich finden. Man erzaͤhlet, daß einmahl das Feuer aus Rachläſſigkeit der Aemilia erlöſchte, welche die Wache hatte, und ſolche einer neu angenommenen und erſt kürzlich unterrichteten Junsfrau übertrug. Die ganze Stadt gerieth in eine große Beſtürzung und die Dberprieſter unterſuchten, ob nicht die Jungfrauen ein Verbrechen bey Bewahrung des Feuers begangen haben. Da hat nun die unſchuldige, aber durch dieſen Vorfall aus aller Faſſung gebrachte Aemilia in Gegenwart der nmer für das ſchreck⸗ ntergange nungge⸗ n ich an die au⸗ ldig onge⸗ lauben es, hiſchreibet ie atheiſi⸗ Rahmen rſcheinun⸗ erwerfen, iche rh⸗ nicht im Sprzfalt t, daß ſe ird, wenn e Wunder umahl da ie, welche nommenen nug. Die gund die fuuen ſin en haben. n Porful nwart der 1 9 7— 3 Prieſter und der übrigen Jungfrauen die Haͤnde gegen den Altar ausgeſtreckt, und gerufen: Veſta, Beſchuͤtze⸗ rinn Roms, wenn ich heilig und pflichtmäßig faſt drey⸗ tig Jahre dir gedient, und die Seele rein, den Körper unbeflect erhalten habe: ſo hilf deiner Prieſterinn, und geſtatte nicht, daß ſie auf die bedauernswuͤrdigſte Art umkomme. Wenn ich aber der Frömmigkeit entgegen ge⸗ handelt habe, ſo laß durch meine Strafe die Stadt ver⸗ ſöhnen. Mit dieſen Worten riß ſie die Binde von ihrem leinenen Kleide herab und warf es auf den Altar. Nach vollendetem Gebethe glänzte, wie man ſagt, eine große Flamme durch das Stuͤck Leinen durch, aus der ſchon längſt kalten, längſt funkeloſen Aſche, ſo daß man we⸗ der der Verſöhnung, noch eines neuen Feuers mehr be⸗ durfte. Die zweyte Geſchichte, die ich anfuͤhren will, iſt noch wunderlicher, noch ähnlicher einer Fabel. Man ſagt, es habe jemand eine veſtaliſche Jungfrau, Tucia mit Nahmen, ungerechter Weiſe angeklagt. Daß ſie das Feuer habe erlöſchen laſſen, konnte er ihr zwar nicht vorwer⸗ fen, aber andere Beweiſe führte er aus ſcheinbaren Muth⸗ maßungen und Zeugniſſen. Man befahl der Jungfrau ſich zu rechtfertigen; ſie aber antwortete nichts, als daß ſie die Veſchuldigung durch die That widerlegen werde. Hier⸗ auf bath ſie die Göttinn, ihre Wegweiſerinn zu ſeyn, und ging mit Erlaubniß der Oberprieſter, begleitet von einer Menge Städter, zur Tiber. Als ſie zum Fluſſe kam, unternahm ſie ein Wageſtuͤck, das nach dem allgemeinen Sprichworte unter die offenbarſten Unmoͤzlichkeiten ge⸗ hört; ſie ſchöpfte in einem leeren Siebe Waffer aus der Tiber, trug es auf den Verſammlungsvlatz und ſchuttete es vor den Fuͤßen der Prieſter aus. Ihren Anklaͤger aber ſoll man lange geſucht, allein weder lebendig, noch todt mehr gefunden haben. Dieſes ſey genug von den ſichtba⸗ ren Wundern, welche die Goͤttinn wirkte, ob ich gleich noch viele andere anfuͤhren könnte. In die fechste Elaſſe der den Gottesdienſt betreffen⸗ den Aemter gehoͤrte das Amt der ſo genannten Soalier. Dieſe waren zwölf ſehr wohlgeſtaltete Jünglinge, dir Ruma aus den Patriciern waͤhlte. Der Tempel, wo ſie ihre Heiligthümer bewahrten, war auf dem Palatiniſchen Hugel, ſie ſelbſt heißen die Palatiniſchen, denn die Ago⸗ naliſchen Salier, die einige die Colliniſchen nennen, ha⸗ ben ihr Heiligthum auf dem Colliniſchen Hügel, und ſind erſt nach Ruma's Tode vom Könige Tullus Hoſtilius ge⸗ ſtiftet worden, der dieſe Stiftung in einem Kriege wider die Sabiner gelobt hatte. Alle dieſe Salier pflegen zu tanzen, und die dem Kriege vorgeſetzten Goͤtter mit Lob⸗ liedern zu preiſen. Ihre Feſte, woran das Volk Theil nimmt, fallen wie die Panathenäa in den Maͤrzmonath und dauern mehrere Tage. Da ziehen ſie nun tanzend durch die Stadt auf den Platz, auf das Capitolium, und noch auf andere öffentliche und Privat⸗Pläße. Sie tragen hierbey geſtickte Unterkleider, die ſie mit ehernen Ge⸗ haͤngen gurten; und Roͤcke mit Purpur verbrämet, mit Spangen zuſammen gehalten. Dieſe Kleidung, welche er aus der ſchüttete läger abet nch todt en ſichtba⸗ ich gleich hetreffen⸗ n Golier. linge, die el, wo ſi latiniſchen n die Ago⸗ ennen, h⸗ l und ſind ſilils ge⸗ iege wider ylegen ju mit Lob⸗ volt Theil ſnmonith un tonzend lium und Sie tragen ernen Ge⸗ rämet/ ni n9 nile Frabea heißt, iſt den Römern mit keinem andern Volke gemein, und ein großes Ehrenzeichen. Auf dem Kopfe tragen ſie hohe kegelförmige Mützen, welche ſie Apices, die Griechen 1vedeoa nennen. Jeder von ihnen iſt mit einem Schwerte umgürtet. In der rechten Hand fuhret er eine Lanze, eine Ruthe, oder etwas Aehnliches; in der linken einen Thraciſchen Schild. Die Form iſt langlich, und die Seitentheile gehen ſchmäler zuſammen. Eben ſol⸗ che Schilde tragen die Griechiſchen Cureten, wenn ſie opfern. Auch ſind die Salier, meinem Befinden nach, wenn man ſie mit einem Griechiſchen Worte belegen wollte, Cureten zu nennen, wiewohl wir Griechen ihren Rahmen von ihrem jugendlichen Alter, die Römer aber von ihren heftigen Bewegungen hergeleitet haben; denn was wir ſpringen(eeMecat) und huͤpfen(xdãn) nennen, heißen ſie Falire, und unſere Hrcheſten, weil auch dieſe ihren Vorſtellungen viele Tänze und Sprünge einmiſchen, Faltatores, welches Wort von Falii abge⸗ leitet iſt. Daß ich ihnen aber mit Recht den Rahmen Cu⸗ reten beylege, kann man aus ihrer Beſchäftigung ſelbſt ſchließen. Denn ſie tanzen bewaffnet nach der Flote, bald alle auf einmahl, bald wechſelweiſe, und ſingen unter dem Tanze vaterländiſche Hymnen. Die Sprünge aber und die Länze in Waffen, wobey man mit kurzen Schwertern auf die Schilde ſchlaͤgt, und ſo ein Getöſe macht, haben, we⸗ nigſtens nach den aus alten Schriften gezogenen Muth⸗ maßungen, die Cureten zuerſt erfunden. Da ohnehin faſt Alle dieſe Fabel wiſſen ſo habe ich nicht nothig, ſie wie⸗ der anzuführen. Unter der großen Anzahl Schilde, dig die Soalier ſelbſt tragen, oder durch ihre Gehuͤlfen an Stangen tragen laſſen, iſt einer ihrem Vorgeben nach vom Himmel herab gefallen. Er iſt, wie ſie ſagen, in Nu⸗ ma's Pallaſte gefunden worden, ohne daß ihn eine menſchliche Hand hinein getragen, und ohne daß man je in Italien dieſe Form der Schilde gekannt hätte. Aus dieſen zwey Gründen ſchließen die Römer, daß er vom Himmel gefallen ſey. Numa wollte alſo, daß er vereh⸗ ret, von den vornehmſten Juͤnglingen an feſtlichen Tagen durch die Stabt getragen und bey den jährlichen Dpfern in Bereitſchaft gehalten werde. Weil er aber die Rach⸗ ſiellungen der Feinde und eine heimliche Entwendung die⸗ ſes Fleinods furchtete, ſo ſoll er mehrere, dem vom Him⸗ mel gefallenen Schilde vollkommen ähnliche haben verfer⸗ tigen laſſen, welche Arbeit ein gewiſſer Kuͤnſtler Mamu⸗ rius übernshm; damit der himmliſche Schild wegen kei⸗ ner großen Aehnlichkeit mit den irdiſchen von denjenigen, die ihn etwa rauben wollten, nicht ſo leicht koͤnne er⸗ kanut und unterſchieden werden. Daß der Curetiſche Tanz bey den Römern angenommen und ehrenvoll ſey, ſchließe ich gus vielen Gruͤnden, beſonders aus dem Gepränge bey ihren Circenſiſchen und theatraliſchen Spielen. Denn bey allen dieſen gehen die mannbaren Juͤnglinge mit tactmäßigem Schritt und in prächtigen Kleidern einher, und tragen Selme, Degen und kleine Schilde. Dieſe ſind die Fuͤhrer und heißen bey den Roͤmern Ludones, von einem Spiele, das wahrſcheinlich die Lydier erfun⸗ ilde, bi hülſen an eben nach en, in Nu⸗ ihn eine daß man je häte. As er vom er vereh⸗ ben Tagen en Ooiern die Rach⸗ ndung die⸗ von in⸗ hen verfet⸗ er Mamt⸗ vegen li⸗ njerigen, fönne er⸗ iſche dan p, ſchließe Gepränge len. Dein inge mi n einher, de. Dieſt łudionei itt erfun⸗ 201 . den haben. Sie gleichen, wie mich däucht, einiger Wei⸗ ſe den Saliern. Uebrigens haben ſie nichts Curetiſches, wie die Solier, weder in Geſängen, noch in Tänzen. Doch muͤſſen ſie Frey⸗ und Eingeborne, auch ihre Ael⸗ tern noch am Leben ſeyn. Vey den Cureten hingegen wird auf den Stand nicht geſehen. Doch warum ſoll ich mich hierbey noch laͤnger aufhalten? Der ſiebente Theil der gottesdienſtlichen Geſetze be⸗ traf die ſo genannten Fetialen. Auf Griechiſch könnte man ſie eemwodla(Friedensrichter) neunen. Es ſind Maͤn⸗ ner aus den erſten Familien, die auf ihre ganze Lebens⸗ zeit zu dieſem Prieſteramte beſtimmt werden. Dieſe hei⸗ lige Verſammlung hat Ruma zuerſt auch in Rom einge⸗ fuhrt. Ob et es, wie Einige meinen, von den Aequicolen, oder, wie Gellius ſchreibt, von den Ardeaten entlehnet habe, kann ich nicht entſcheiden, genug, daß vor Numa's Regierung keines in Rom war. Er ſetzte es ein, als er im Begriffe war, die Fidenaten wegen der Räubereyen und Einfälle in ſein Gebieth zu bekriegen, es ſey denn, ſie fänden ſich gutlich mit ihm ab, wozu ſie ſich auch ge⸗ zwungen ſahen. D Da eine ſolche Verſammlung von Fetia⸗ len in Griechenland nicht Sitte iſt, ſo muß ich etwas von der Art und den Granzen ihrer Macht melden. Denn wenn jemand die Gewiſſenhaftigkeit der Roͤmer nicht ken⸗ net, ſo könnte ihn der gluckliche Ausgang aler ihrer Kriege vielleicht befremden. Hieraus aber wird er erſe⸗ hen, daß den Römern die Gunſt der Götter in keiner — 20 2— Gefahr fehlte, weil beym Anfange und der Urſache aller ihrer Kriege das Recht ſtets auf ihrer Seite war. Alle Verrichtungen der Fetialen anfuͤhren, wuͤrde ſchwer ſeyn, denn es ſind deren gar zu viele. Ich berühre hier kurz⸗ lich die vorzuglichften. Dieſe ſind: zu verhuthen, daß die Nömer keine bundsgenoſſene Stadt ungerechter Weiſe be⸗ eriegen; wenn aber die anderen zuerſt das Buͤndniß bre⸗ chen, als Geſandte hinzugehen und vorher mundlich Ge⸗ rechtigkeit verlangen; wenn ſie aber den Forderungen kein Genuͤgen thun, alsdenn den Krieg gut heißen. Wenn ein verbuͤndetes Volk von den Römern ſich beleidiget glaubt und Genugthuung verlangt, ſo iſt es gleichfalls das Amt dieſer Männer, die Klage uͤber das erlittene Unrecht zu unterſuchen, und, wenn ſie ihnen gerecht ſcheint, die Schuldigen zu ergreifen, und den Beleidigten aus⸗ zuliefern. Auch urtheilen ſie uber die Beleidigungen der Geſandten, und wachen über die Haltung der Vertraͤge. Sie ſchließen Frieden, und erklären ihn für ungültig, wenn ſie finden, er ſey nicht nach den heiligen Geſetzen geſchloſſen worden. Auch unterſuchen und verſöhnen ſie die Thaten der Feldherren, welche den Verträgen und Schwüren entgegen laufen. Hiervon werde ich an ſeinem Drte mehr ſagen. Hier will ich nur ihre Gebraͤuche bey Gefandtſchaften anfüͤhren, wo es um eine Genugthuung zu thun iſt. Denn ihr frommes und billiges Verfahren iſt allerdings merkwurdig. Ich habe hiervon Folgendes ge⸗ funden. Ein von den andern hierzu gewählter Fetial ſchmucket ſich mit dem Kleide und den Ehrenzeichen des fuche aler war. Ale hwer ſeyn, hier kürz⸗ n, daß die Peiſe b⸗ indniß bre⸗ ndlich Ge⸗ ungen kein n. Wenn brleidiget gleichiels erlittene cht ſcheint, igten au⸗ ungen der Verrige. ungůltig/ n Geſehen ſhnen ſie igen und on ſeinem räuche b augthuuns Verfahrin gendes ge⸗ ter ʒuil eicht 203 Prirſterthums, dlmit er ſich hierdurch vor andern aus⸗ zeichne; dann gehet er nach der Stadt der Beleidiger, Auf der Gränze ſtehet er ſtill, und ſchwöret bey dem Ju⸗ piter und den übrigen Göttern, daß er komme, Rom die gebührende Genugthuung zu verſchaffen. Nach dem Schwu⸗ re, das dieſe Stadt den Römern ein Unrecht zugefügt habe, und nach den aͤrgſten Verwuͤnſchungen ſeiner ſelbſt und ſeiner Stadt, falls er die unwahrheit ſagte, gehet er uͤber die Gränze. Den erſten, der ihm begegnet, es ſey ein Sädter oder ein Landmann, nimmt er zum Zeu⸗ gen, und eilet unter Wiederhohlung der Verwuͤnſchun⸗ gen in die Stadt. Ehe er hinein tritt, ruft er den Thor⸗ wächter oder einen anderen, der ihm zuerſt am Thore begegnet, auf eben dieſelbe Art zum Zeugen, und be⸗ gibt ſich in den Verſammlungsort. Hier fteht er ßille und eroffnet den obrigkeitlichen Perſonen mit eben den Schwu⸗ ren und Verwuͤnfchungen die Urſache ſeines Hierſeyns. Wenn ſie ihm eine Genugthuung geben, und die Schul⸗ digen ausliefern, ſo führt er dieſe mit ſich mit, und ſchei⸗ det von ihnen als ein verſöhnter Freund von ſeinen Freun⸗ den. Wenn ſie Zeit es zu überlegen verlangen, ſo gibr er ihnen zehen Tage dazu, und ſo willfäͤhrt er drey Mahl ihrem Verlangen. Sind aber dreyßig Tage ohne die ver⸗ langte Genugthuung vergangen; ſo nimmt er die himm⸗ liſchen und unterirdiſchen Göͤtter zu Zeugen, und ſetzt nichts bey, als daß die Römer dieſes mit Muke über⸗ legen werden. Bey ſeiner Zuruͤckkunft erſcheint er ſammt den übrigen Fetialen im Rathe und meldet, daß ſie alles — 204— gethan haätten, was in den heiligen Geſetzen vorgeſchrie— ben ſey, und der Rath den Krieg beſchließen koͤnnte, ohne deßhalb den Zorn der Goͤtter zu fuͤrchten. Ehe die ſes vor⸗ aus ging, iſt weder der Rath, noch das Volk den Krieg zu ſchließen berechtiget. Dieſes haben wir von den Fetia⸗ len in Erfahrung gebracht. Der letzte Theil von Ruma's Verordnungen betraf diejenigen Prieſter, welche die oberſte Prieſterwurde und die hoͤchſte Macht beſißen. Sie nennen ſie FontehRces (Bruͤckenmacher), weil eine ihrer Beſchäftigungen darin beſtehet, daß ſie die hoͤlzerne Bruͤcke im guten Stande er⸗ holten. Sie ſpielen eine wichtige Rolle. Sie entſcheiden alle Streitigkeiten, die den Gottesdienſt betreffen, ſo wohl zwiſchen Privat⸗Perſonen, als obrigkeitlichen und prie⸗ ſterlichen. Sie machen Verordnungen in jenen Religions⸗ Sachen, die weder durch ein geſchriebenes Geſet, noch durch Gewohnheit entſchieden ſind, und beſtimmen, daß jenes, was ſie ſchicklich däucht, durch ein Geſetz, oder den Gebrauch eingefuͤhret werde. Sie haben die Aufſicht uͤber alle Prieſter und alle obrigkeitlichen Perſonen, die mit Opfern oder Gottesdienſt zu thun haben. Sie wa⸗ chen, daß die Gehuͤlfen und Handlanger, deren ſich jene bey dieſer Gelegenheit bedienen, in nichts wider die hei⸗ ligen Geſetze verſtoßen. Sie leiten und belehren die im Dienſte der Goͤtter und Dämonen unwiſſenden Privat⸗ Perſonen. Wenn ſie einige ungehorſam ihren Satzungen finden, ſo ſtrafen ſie dieſelben nach der Größe des Ver⸗ brechens. Sie ſelbß können weder belanget noch beſtra⸗ geſhri⸗ fet werden, und geben weder dem Rathe noch dem Volke nnte, ohne Rechenſchaft. Dieſe Prieſter alſo mag man Lehrer des 3 iefes v Gottesdienſtes(ſeoddæaondMoog), oder Handha⸗ den Krieg ber(Feeookovg) oder Bewahrer(ſkopiNanæg) den Feit⸗ oder endlich, wie wir Oberprieſter(eopræg) mit Rech⸗ te nennen. Wenn einer ftirbt, ſo bekoͤmmt ein anderer ſeinen Platz, doch wählt ihn nicht das Volk, ſondern ſie gen hetuf ſelbſt ſuchen denjenigen unter den Bürgern aus, der ih⸗ irde und uen am tauglichſten ſcheint. Sein prieſterliches Amt aber Ppnlfee⸗ übernimmt er erſt alsdann, wenn ihm die Auguren gun⸗ ten darin ſtig waren. Dieſes ſind die größeren und berühmteren Stande er von den vielen Geſehen, die Ruma in Rückſicht auf den niſcheiden Gottesdienſt gemacht, und wodurch er ihn in gewiſſe Claf⸗ effen, ſo ſen getheilt, den Buͤrgern aber eine größere Ehrfurcht für undpiie eie Götter eingeflößt hat. Religion⸗ ſeh, noc Ruma fetzte noch dieles feſt, wodurch er jeden Ein⸗ nen, daß zelnen zur Genügſamkeit und Maͤßigkeit leitete, und einen ez, odet Hang zur Gerechtigkeit ihnen beybrachte, dem nothigen „Aufſcht Mittel die Eintracht zu erhalten. Ein Theil dieſer Ver⸗ nen, die ordnungen iſt geſchrieben; ein Theil bloß durch langen Sie we⸗ Gebrauch und Uebung aufgekommen. Es wuͤrde ſchwer ſi jene ſeyn, alle anzufuͤhren. Wir wollen uns mit den zwey dit hei⸗ merkwürdigſten begnügen, woraus man auf die andern a die in ſchließen kann. Damit jeder mit den Seinigen zufrieden, Prinut und nicht nach fremder Habe lüſtern ſey; ſo machte er oſungen ein Gränzgeſeß, Kraft deſſen jeder ſeinen Acker abmar⸗ des Ve — 206— ken und Graͤnzſteine ſetzen mußte. Dieſe Steine weihete er dem Jupiter Terminalis. Er befahl, daß jedermann am beſtimmten Tage dort zuſammen komme, und ihnen opfere, und verordnete ein beſonderes hohes Feſt den Grän⸗ zengöttern. Die Römer nennen es Terminalia von Ter- minis; denn die Gränzen heißen bey ihnen Termint, welche Benennung ſie von uns mit Veraͤnderung eines einzigen Buchſtabens entlehnt haben. Wenn jemand ei⸗ nen Gränzſtein weggenommen oder verruͤckt hatte, ſo war ſeine Perſon dem Gott Terminus heim gefallen, und er konnte als ein Entheiliger der Gottheit von jedem umge⸗ bracht werden, ohne daß ſich dieſer eines Laſters ſchuldig machte. Dieſes Recht galt nicht nur bey Privat- ſondern auch bey den Gemeinaͤckern. Auch dieſe waren abgemarkt, und die Graänzgottheiten ſchieden eben ſo wohl die Aecker des Römiſchen Volks von den benachbarten Voͤlkern, als die dem gemeinen Weſen gehörigen von den Aeckern der Privat⸗Perſonen. Die Roömer haben bis auf unſere Zeit dieſes Denkmahl des Alterthums aus Frömmigkeit beybe⸗ halten. Sie hielten die Gränzſteine für Götter, und opfer⸗ ten ihnen zwar kein beſeeltes Weſen(denn die Steine duͤrfen nicht mit Blut befleckt werden), wohl aber Mehlku⸗ chen und Erſtlinge der Früchte. Sie ſollten allerdings noch jetzt der Urſache eingedenk ſeyn, warum ſie die Graͤnzſteine Götter nannten, ſich mit ihren eigenen Beſizungen begnügen, und fremde weder mit Gewalt, noch mit Lifi ſich zueignen. Jetzt aber gibt es manche, die widerrechtlich und gegen das Beyſpiel ihrer Vorfahren die Graͤnzen zwiſchen ihren e weihel⸗ jedernann nd ihnen en Grin⸗ von Ter⸗ Termini, ung eines emand ei⸗ te, ſo war und et em umgt⸗ ſchuldig ſondern bgemarit, die Aecker lern, als ecketn der ſere Zeit eit beybe⸗ und oyfet⸗ ie Steine et Mehllu⸗ dings noch ränzſteine heguügen⸗ zurignen⸗ und gegel hen ihren und des Rachbars Befitzungen verrücken, und bey Be⸗ ſtimmung der Gränzen nicht das Geſet, ſondern nur ihre Habgierde zu Rathe ziehen. Ein ſchändliches Betragen! Doch hierauf zu ſehen, wollen wir andern uberlaſſen. Dieſe Geſetze gab Numa, ſeine Bürger zur Genüg⸗ ſamkeit und Mäßigkeit zu gewoͤhnen. Um ſie aber bey Verträgen zur Billigkeit zu leiten, führte er etwas ein, worauf kein Stifter auch der beruhmteſten Staaten fr gefallen war. Er ſahe, daß Verträge, die man öffentlich und vor Zeugen ſchließt, aus Scheu vor den Anweſenden gehalten und nur ſelten übertreten werden; die viel hau⸗ ſgeren aber, die man ohne Zeugen ſchließt, bloß auf Treue und Glauben derer beruhen, die ſie geſchloſfen ha⸗ ben. Er glaubte alſo, daß er die Treue ſich vorzuglich müſſe angelegen ſeyn laſſen, ja ſogar der gottlichen Ehren würdig erklären. Die Gerechtigkeit, die Themis, die Remeſis, die Erinnyen der Griechen und andere der⸗ gleichen empfingen ſeiner Meinung nach Ehrenbezeigun⸗ gen genug, und waren in den Rang der Götter geſett, die Treue aber, die den Menſchen das Größte und Heilig⸗ ſte ſeyn muß, empfange keine Verehrung weder von Ge⸗ meinden, noch von Privat⸗Perſonen. In dieſer Ruͤckſicht hat er, der Allererſte, der Volkstreue einen Tempel errichtet, und ihr, wie andern Göttern, aus oͤffentlichem Schaßze Opfer veranſtaltet. Denn die öffentliche Treue, wenn nähmlich der Staat ſie unverrückt beobachtet, mußte mit der Zeit auch auf die Sitten der Bürger Einfluß ha⸗ ben; und ſie darnach bilden. Auch wurde Ddie Treue für ſo ehrwürdig, für ſo unverbrüchlich angeſehen, daß jedes Bürgers Verſicherung auf ſeine Treue ſo viel, als der hoͤchfte Schwur und mehr, als jedes Zeugniß, galt; und wenn einer mit dem andern über einen ohne Zeugen ge⸗ ſchloſſenen Vertrag uneins war; ſo entſchied die bloße Lrene des einen Theiles die Uneinigkeit, und ließ es mit dem Streite nicht weiter kommen. Die obrigkeitlichen Per⸗ ſonen und die Richter endigten die meiſten Prozeſſe da⸗ duich, daß ſie einem Theile den Schwur auf Treue und Glauben auftrugen. Dieſes alles erdachte Numa, den Men⸗ ſchen die Mäßigung zu empfehlen, und ſie zur Gerechtig⸗ keit zu verhalten. Er brachte hierdurch im Roͤmiſchen Staa⸗ te eine ſolche Hrdnung hervor, als kaüm in einem ſehr wohl eingerichteten Hauſe herrſchen kann. Jetzt will ich von den Mitteln teden, deren er ſich bediente, die Induſtrie ſeiner Bürger zu wecken, und zu machen, daß ſie an nothwendigen und nüßlichen Dingen keinen Mangel litten. Da er einſahe, daß eine Stadt, wenn ſie die Gerechtigkeit liebte, und die Mäßigung bey⸗ behalten ſoll, an allen Lebensmitteln Ueberfluß haben muß, ſo theilte er das Land in Pagos oder Bezirke, und beftellte über jeden Bezirk eine obrigkeitliche Perſon, wel⸗ che die Aufſicht darüber füͤhren, und fleißig darin herum gehen mußte. Auf dieſen ihren öfteren Gaͤngen zeichneten ſie ſchriftlich auf, welche Aecker wohl, und welche ſchlecht gebauet wurden, und zeigten es dem Könige an⸗ Dieſer Lreue jit daß jedes „äls det zolt; und Zeugen ge⸗ die tſe ließ es nü lichen Pet⸗ rozeſe de Freue und den Men⸗ Gerechtig⸗ ſchen Stuc⸗ einem ſeht eren et ſic en, und hen dingen ine Stodt/ ijiguns beh⸗ rfuß huben Fezirke, und perſn nel darin herun n zeichneten elche ſölett jeſet al Dirſ ermunterte die fleißigen Ackersleute durch Lob und freundli⸗ chen Empfang; die nachläſſigen aber brachte er durch Tadel und Strafen dazu, daß ſie künftig die Erde fleißiger bear⸗ veiteten. Denn da ſie immer frey vom Kriege und von ſtäd⸗ tiſchen Geſchäften waren, ſo legten alle, den ſchmählichen Strafen der Trägheit und des Müßiggangs zu entgehen, ſelber Hand an den Feldbau, und fanden mehr Reiß an den gerechteſten aller Schätze, den Schatzen des Erdreiches, als am Kriegführen, und der damit verbundenen unge⸗ wiſſen Art, ſich zu bereichern. Hierdurch ward Numa ſeinen Unterthanen theuer, den Rachbarn ein Veyſpiel der Rach⸗ ahmung, den Enkeln ein Gegenſtand der Bewunderung. Ihm hatte es der Staat zu verdanken, daß weder eine innerliche Unruhe, noch ein auswaͤrtiger Krieg die Be⸗ folgung der heilſamſten und bewundernswuͤrdigſten Anſtal⸗ ten hinderte. Denn weit entfernt, daß die Nachbarn von dem friedlichen Zuſtande der Römer Anlaß nehmen woll⸗ ten, ſie anzugreiſen; ſo erwählten ſie vielmehr bey einem anter ihnen entſtandenen Kriege die Römet zu Vermitt⸗ lern, und ließen die Streitigkeiten von Numa als dem Schiedsmann ausgleichen. Ich darf keinen Tadel beſor⸗ gen, wenn ich dieſen Mann unter die Vorzüglichſten zäh⸗ le, die als glücklich geprieſen wurden. Königlich war ſein Geſchlecht, koniglich ſein äußerliches Anſehen. Er befliß ſich keiner unnüßen Worte, ſondern derjenigen, wodurch er in der Froͤmmigkeit und in Ausuhung aller andern Lu⸗ genden unterrichtet wurde. Man hielt ihn noch als einen jungen Mann für werth, Rom zu beherrſchen. Der Ruf Numa Pompilius. II. Th. O zeiner großen Eigenſchaften führte ihn zum Thron, und bis an ſein Ende genoß er den Gehorſam ſeiner Unter⸗ thanen. Sein ganzes Leben brachte er in der beſten Ge⸗ ſundheit unverfolgt vom Glucke zu. Sein Tod war ſanft, und er verloſch Alters halber. Der Genius, der ihm An⸗ fangs zu Theil wurde, verließ ihn nicht, bis er aus dem Geſichte der Menſchen verſchwand. Er lebte uber achtzig, und herrſchte drey und vierzig Jahre. Er verließ Kinder und zwar vier Söhne, wie die meiſten ſagen, ſammt einer Tochter. Sein Geſchlecht iſt noch nicht er⸗ loſchen. Nach dem Berichte des Cnejus Gellius hatte er nur eine einzige Tochter, die Mutter des Ancus Mar⸗ tius, des vierten Römiſchen Königs. Als er ſtarb, ward die ganze Stadt in Trauer verſezet, und man errichtete ihm ein praͤchtiges Grabmahl. Es ſteht auf dem Janicu⸗ lus jenſeits des Tiber⸗Stromes. Dieſes fanden wir von der Geſchichte des Numa. Wien, gedruckt bey B. Ph. Bauer⸗ rn, un er Untet⸗ eſten Ge⸗ war ſanft, t ihn An⸗ is er ab ebte uber. Er verließ en ſagen, nicht er⸗ hatte er uuz Mur⸗ arb, ward ℳ ertichtete m Janicu⸗ n wir von Soſour& Srey Controf Cpart Cyan Sreen NelloM BRed Magenta Srey 2 3 8 * 8 1 . 3 4 .