btt 5 S1 SS— — S Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur Eduard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. eih und geſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Pesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonncment. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ——————— auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1 Mt. 50 Pf. 2 M.— Pf. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Die Zwillingsſchweſtern des Cupid, Die Schönheit und die Mod', an deren Sieges⸗ wagen, Gebildeter und Thor, Barbar und Weiſer zieht, Begingen einſt vereint, wie Gnids Annalen ſagen, Toilett⸗Myſterien; ein reitzend Nymphen⸗Paar, Werth der Verehrung, werth, daß Venus ſie ge⸗ bar. Die Schönheit ſieht man bald vom Seſſel ſich er⸗ heben; Sie hatte ſich nur wenig Müh' gegeben, Nachläſſigkeit gefällt an ihr. Wozu ſich alſo fremde Zier Und äußerlichen Schmuck erborgen? Doch kaum war ſie vom Putztiſch auf, So läſtert ſie ſchon laut den Fleiß, die langen Sorgen Des Schweſterchens; auch dieſe läßt hierauf Der ſpitzen Zunge freyen Lauf, Wie Madchenkenner leicht begreifen. Nach vielem Sticheln, Hadern, Keifen, Pflanzt Dame Schönheit ſtolz ſich unter das Geſicht Der Gegnerinn, erhebt die Stimm' und ſpricht: Pah! was verſteheſt du? brav Thoren anzuwerben, Nicht wahr? zu pfuſchen, zu verderben? Kaum zieh' ich mir ein Mädchen groß Und ſchmücke ſie mit meinen beſten Gaben; So muß der Henker deinen Troß Gleich hinter ihrer Ferſe haben. Im weißen Kleid der Unſchuld nahn Friſeur, Schnellfüßig, wie Achili, Putzhändlerinnen-Schaa⸗ ren Mit lüftigen, doch theuren Waaren Und Juwelier und Parfumeur. Das Alles kommt und ſalbt und zieret Und kleidet aus und kleidet an, Daß ſich mein beſſers Werk darunter faſt verlieret, Und ich es ſelbſt kaum unterſcheiden kann. Kein Wunder! wie die Frau, iſt auch das Haus⸗ geſinde, So oft ich dich auf meinen Wegen finde, Seh'ich dich anders: jetzt haſt du ein gelbes Haar, Gelb, wie die Locken unſers Bruders, Doch kaum vergeht ein halbes Jahr, So iſt's durch Hülfe deines Puders Schwarz, dunkelhell, braun, roth ſogar. Heut deckeſt du damit die Ohrenläppchen, Und ſtürzeſt drauf ein roth Dubitza-Käppchen*), Doch morgen ſchrumpfet die Friſur Gewaltig ein und küßt den Saum der HOhren nur. *) Bonnet a la Dubitza. Gef Uni Die Jtt Un 6 Jel 6 Jel Ge Ku S =— (8) „—„—)„— — 7— Heut biſt du,(Phryne ſelbſt kann nicht gefällger ſeyn,) Gefällig gnug, das Buſenband zu löſen, Und morgen hülleſt du in neidiſche Trompeuſen Die ganze Bruſt mit Nonnenſorgfalt ein. Jetzt ſdeſt du das Haar mit Edelſteinen, Und jetzt den Hals und jetzt das Mieder an; Jetzt machſt du gar dadurch die Ohren länger ſchei⸗ nen. Jetzt läſſeſt du dich weißer, als ein Schwan, Jetzt bunter, als der Schweif der Pfauen, Geflammt, geblümt, gemuſcht, geſtreift, gegittert ſchauen: Kurz Proteus, das verſichr' ich dich, Selbſt Proteus iſt nicht ſo veränderlich. Noch lächerlicher macht dich, Schweſter, dein Be⸗ ſtreben, Auch die Geſichter zu erheben, Die Alter oder Häßlichkeit Mit Antigratien zum Ekel überſtreut. Du armes Ding! mit allem Ueberkleiſtern, Mit allem Schminken läßt ſich die Natur nicht „ meiſtern, Medea, deren Kunſt Aeeten jung gekocht, Der Zaum des Maulthiers, Gloriande, Alcine ſelbſt, die doch zu blenden nur vermocht, Sind leider aus dem Feenlande. Drum dächt' ich, Kind. Ich aber, unterbricht Die Mode ſie, ich aber dächte, Der Eifer ſteh' nicht fein dem ſanfteren Geſchlech⸗ te; Du thäteſt wohl daran, dein niedliches Geſicht, Ein Bißchen weniger zum Spotten zu verzerren Und deinen Roſenmund mit einem Schloß zu ſperren, Dem Schloß Beſcheidenheit. Furwahr! ich faſſ' es nicht, Wie du ſo ganz aus allen Schranken Des Wohlſtands treten kannſt und höhnen, ſtatt zu danken, Zu danken— ja! denn ſage mir, Kommt wohl ein einzig Werk je rein aus deinen Händen? Muß ich nicht mit des Putzes Zier Die Fehler, die du machſt, dem Forſcherblick ent⸗ wenden Und, was du anfingſt, klug vollenden? Ich armer Ramler feile dir Dein rauh Gedicht, und du mißhandelſt mich dafür! Amalien zum Beyſpiel gabſt du Wangen, Die Trotz den deinigen mit friſchen Roſen prangen. Schwarz färbteſt du ihr langes ſeidnes Haar, Du machteſt rund und weich ihr Händchen, machteſt heller, Als ein Geſtirn, ihr Augenpaar. Doch ihre Bruſt blieb platter, als ein Teller. Sie jammert mich, ich hohl' aus der Türkey, Damit ſie ſich nicht ſchämen dürfe, Ein Buſentuch für ſie; ſie trägt's und wird dabey Als ſittſam noch gerühmt;— mit Einem Stein „ zwey Würfe! In Dophnens Aug' iſt all die Wunderkraft, Die unſrer Mutter Gürtel füllet. Der W Wenn Allein 3 Sie t Und n Vahr Ein S Als m Die n Und d Auf i Venn Chemi Ver Nacht Erfand Die n Nur ni Der Weiſe ſchielt, der Stutzer gafft, Wenn durch ein Ungefähr ihr Buſen ſich enthüllet; Allein ihr Wuchs, verzeih, ihr Wuchs iſt zwergen⸗ haft. Ich ſeh' es, winke meinen Elfen: Als Federſchmucker, als Friſeur, Als Schuſter ſtürzen ſie in vollem Laufe her; Ich heiße ſie zuſammen helfen; Sie thun's und Wunder! ſchon iſt Daphne nicht mehr klein Und wird es künftig nur im Schlafgemache ſeyn. Wahr iſt es, oft mißbraucht ein Querkopf meine Gaben; Ein Schickſal, das auch du, das alle Götter haben. Als meine Prieſterinn Guimard, Die niemahls ſehr in deiner Gnade war, Und die man doch, wiewohl ein halb Jahrhundert Auf ihrem Nacken liegt, gleich der Ninon bewun⸗ dert. Wenn die der ſchönen ſchlanken Welt, Chemiſen gibt, worin der Wuchs in's Auge fällt? Wer heißt die ſchöne höckerige Welt Nach dieſen nicht für ſie erfundnen Waaren langen? Erfand ich nicht auch Mäntelchen genug? Die mögen lang und weit um krumme Schultern hangen. Man ſey gewachſen, wie ein Krug, Nur nicht ſo dumm*) und ſuch' in meinen Guar⸗ deroben. *) Der Mode mag man die Anſpielung auf einen Aus⸗ druck ihrer vorigen Lieblingsſprache zu gute halten. . — 10„ Man trifft gewiß dort Zaubermittel an, Wodurch der kleinſte Reitz erhoben, Und Maritorne ſelbſt enthäßlicht werden kann. Denn vielfach, ſo wie deine Fehler, Sind meine Mittel auch; es braucht nur kluge Wähler. Doch, Schweſter, magſt du immerhin Zu vielen Wankelmuth, zu großen Flatterſinn Mit Recht an mir, mit vollem Recht⸗ rügen. Nur ewige Veränderung Erhält die Freude neu, und die Begierde jung. Die zaubert oft herbey und feſſelt das Vergnügen. Wo ſie vermiſſet wird, entſchleicht Das Chor der Grazien, und Bruder Amor weicht. Drum ſag' ich laut, und wenn Madam' ſich auch zu Tode Darüber ärgerte, wer ihre Früchte reift, Wer ihre Diamanten ſchleift, Wer ihre Fehler deckt, bin ich, die Göttinn Mode. So ſprach ſie, wahr genug; allein die Schönheit iſt Der Wahrheit nicht gewöhnt: ſchon zürnet ſie ent⸗ gegen. Zum Glücke hat Cupid nah' in dem Gras gelegen. Er hörte dieſen ganzen Zwiſt Und ſprang hervor aus dichten Myrtenſträuchen, Die rechtenden Parteyn als Mittler zu vergleichen. Wozu, beginnet er, wozu ein ſolcher Streit? Ihr meines Reiches erſte Stützen, 7 Sie kann ſich das Franzsſiſche ſo wenig abgewöhnen, als manche unſerer Damen. —— 3. Gebt Vollt Die( O M Drun Zum Bald Veil Du ſ Fante Die Von Nun uge ſen. icht. auch ode. it iſt egen⸗ en/ chen. eit? hnen, 5 S 1 1. Gebt euch die Hand und lebt in Einigkeit, Wollt ihr euch ſelbſt und meinem Reiche nützen, Die Schönheit iſt langweilig ohne dich, O Mode, du von ihr getrennet, lächerlich. Drum ſchließet den Vertrag: Sie ſoll dich nicht verſchmähen, Zum wenigſten nicht ganz, ſoll als ein gutes Kind Bald nah', bald fern an deiner Seite gehen, Weil man doch wider dich mit Trotzen nichts ge⸗ winnt. Du ſollſt dagegen nicht, zum wenigſten nicht immer, Fantaſtiſch ſeyn und Frauenzimmer, Die allzu alt und allzu häßlich ſind, Von deinem Hof auf ſtets verbannen. Nun iſt's euch recht?— Ihrnickt. Wohlan! in Gnid Den erſten May durch den Notar Cupid. Die Schweſtern lächelten und eilten ſchon von dannen, Als Eitelkeit ſie ſchnell zurücke zieht. Gehüllt in einen Dampf von Weihrauch, ging ſie heute Wie meiſtens an der Schönheit Seite. Ey, ruft ſie, ihrer Wolk' enteilend, ey, Cupid,„ Das war nicht klug! Laß immerhin den Alten, Laß immerhin den häßlichen Geſtalten Am Hof der Mod' ihr Plätzchen auch. Ich wenigſtens, ich habe den Gebrauch Verehrer nicht allein zu wägen, auch zu zählen, Und denke wie in nichts, auch hierin nicht zu N Ein großer Autor ſtimmt mir bey. Lob, ſinget er, Lob iſt Muſik den Ohren, — 12— Und käm' es auch von einem Thoren. Drum nicht zu hart! Vergönnet ſey Auch ſelbſt den Häßlichen und Alten Sich an der Mode Hof wie vormahls aufzuhalten. Da doch hierbey die Schönheit ſelbſt gewinnt, Indem die Häßlichen und Alten Die Folie von ihren Reitzen ſind. So rieth die Eitelkeit: ihr folgten die Ge⸗ ſchwiſter; Denn wen beredet nicht ihr angenehm Gefliſter? Nun blieben im Contract nur dieſe Puncte ſtehn: Die Schönheit ſoll den Rath der Mode nicht verſchmähn; Die Mode ſoll nicht zu fantaſtiſch wer⸗ den. Und dieſe gelten noch, auch gibt's nicht viel Be⸗ ſchwerden. Denn ob die Mode gleich das Bündniß manchmahl bricht; Thut doch die Schönheit ihre Pflicht Und nimmt es ſo genau mit ihrer Schweſter nicht. — lten. —,—— An Minnen. D wo nehm' ich, dir zu danken, Worte her? es jammert dich, Theuerſte, des Liebekranken, Du bereiteſt Troſt für mich, Schenkſt von deinem ſchönen Haare Mir ein Büſchel, das ich jetzt Als ein Heiligthum bewahre, Das, mit Thraͤnen oft benetzt, Oft bedeckt mit meinen Küſſen, Linderung mir ſchaffen wird, Wenn in tiefen Kümmerniſſen Sich mein müder Geiſt verirrt. An der Bruſt will ich dich tragen, Theures Haar; mag nun das Glück Mich in ſeinem Zorne ſchlagen. O es heilt bey einem Blick, Den ich dir, mein Kleinod, gebe, Jede Seelenwunde zu; Stürme ſchweigen, und ich lebe Mit der Welt und mir in Ruh“ Siehe, mit erhöhtem Muthe Such' und thu' ich nun das Gutez Aller Pflichten eingedenk, Minna, macht mich dein Geſchenk. Ja; wer deiner Güte Zeichen Stets an ſeinem Herzen trägt, Das für dich allein nur ſchlägt, Der ann nie von Tugend weichen; Was ſich nicht mit ihr verträgt, Wird er gern und immer meiden; Ihn verführen nicht die Freuden Eitler Ehrſucht; er verſchmäht Das, woran ſich Thoren weiden, Höhnt des Goldes Majeſtät, Flieht der Wolluſt Ruhebette; Jedes dieſer Härchen iſt Eine diamantne Kette, Die ihn an die Tugend ſchließt. Pu Einſt Brau PViſſ' Perm 36 k Scho Doch Schu Das Eic Und i Geh Die Gans als Polyhiſtorinn. Eine Fabel aus dem Franzoſiſchen⸗ Peh! ſprach zu einer weiſen Schlange Einſt eine ſtolze Gans und blähte ſich, am Range Brauch' ich wohl keinem Thier, ja keinem nachzu⸗ ſtehn. Wiſſ'! ohne mindeſte Beſchwerde Verweil' ich in der Luft, im Waſſer, auf der Erde; Ich kann dir fliegen, ſchwimmen, gehn. Schon recht, ziſcht ihr die Schlang' entgegen, Doch fliegſt du, wie der Adler fliegt? Schwimmſt du den Fiſchen gleich? Läufſt du, wie Hirſche pflegen? Das nicht, Frau Nachbarinn, ich denke, man be⸗ gnügt Sich damit auch, viel halb und halb zu wiſen Und heiſcht, daß uns darum die Andern. müſſen. »Nicht doch, du gute Gans, denn dieſes feine Recht „Gebührt allein dem menſchlichen Geſchlecht.“ —————— Auf ein Gemaͤhlde von Raphael, das den Erlöſer als Knaben mit der Weltkugel in der Hand vorſtellt*). Wr iſt er, dieſer Götterknabe? Sein denkendes, doch heitres Angeſicht Zeigt jede Tugend, jede Gabe. Des Weltballs drückendes Gewicht Ruht leicht in ſeiner Hand. Mit ruhiger Geberde Sprach einſt, man ſieht es wohl, auch Er das große Werde! Weich' ihm, o ſtolzer Gott, du, deſſen Augen⸗ braun Die Feſte des Olymps erſchüttern! Hier iſt bey Görtermacht auch Götterhuld zu ſchaun: Vor ihm darf nur der Boöſewicht erzittern. So rief ich, Freund, als ich das hohe Bild Von Rapharl erblickt, eins jener Meiſterſtücke, Womit die Kunſt drey Säle dir gefuͤllt. Wer nur dein Haus betritt, der ſieht beym erſten Blicke, Daß hier die Wiſſenſchaft, die Kunſt als Schwe⸗ ſter küßt, Und aller Muſen Sitz, du aller Prieſter biſt. *) In der vortrefflichen Bilderſammlung des Hrn. Hof⸗ raths von Birkenſtock. ——— Hin Deren Dein O ſo Ruhe Nimm Krank Freun Fhle Unter Nur Sie Durt Hört Ohne Vie H ſo Eine Stuf Wunfſch⸗ det 1 Hinmel, wenn auf deine reichen Gaben, Deren Vollgenuß uns glücklich macht, Deine guten Menſchen Anſpruch haben: O ſo nimm, was du mir zugedacht, Ruhe, Reichthum, Ehren, langes Leben, Nimm mir alles, um es ihr zu geben. ade Krankheit ſey mein Loos und Durftigkeit; das Freundſchaft, dieſe Tröſterinn im Leid, FpFehle mir; mein guter Nahme wanke, gen⸗ Untergraben von dem böſen Neid. Nur allein der wonnige Gedanke: Sie iſt glücklich! ſey mein Pilgerſtab wn Durch das Leben an's erwünſchte Grab. Hört ſie dann, daß ich dahin gegangen zi Ohne Klag', und daß ich ſie genannt, S Wie mein Geiſt ſich ſchon der Hüll' entwand: k O ſo trockne ſie von ihren Wangen Eine Mitleidsthrän', und ſanft betrübt, nen Seufze ſie:— Er hat zu ſehr geliebt. hwe⸗ biſt. Hoj⸗ Verm. Schriften⸗ — 1 8— Ueber die Feuersbrunnſt in Bruck an der Muhr. Ior Menſchenfreunde hört, doch kein erdichtet Lied, Worin die Kunſt durch falſche Leiden täuſchet. Die Wahrheit iſt's, die eure Thränen heiſchet; Auch ſelbſt die kühnſte Dichtung ſieht Bey dieſem Unfall weit von ihr ſich übertroffen. So großes Elend darf auf thätig Mitleid hoffen. Dort, wo von Salzburgs Felſen her Die Muhr durch Steyermarks fruchtbare Thäler fließet, Sechs Meilen, eh' ſie Grätz mit blauem Arm umſchließet, War eine Stadt; denn ach! es iſt nicht mehr, Das unglückſel'ge Bruck! Zerfallene Gemauer Bezeichnen, wo es ſtand; ſonſt alles fraß das Feuer. Kaum fuhr aus Einem Dach die Flamme roth empor, Als links und rechts der Sturmwind ſie verſandte, Und manches Haus, bedeckt mit Holz, mit Stroh, mit Rohr, In einem Augenblicke brannte. Pergebens eilte man zum Löſchen bang herbey: Ach! Sturm und Feuer war geſchwinder, Und jeder fühlte bald, daß Aeltern, Weib und Kinder Ein theurer Gut als Haus und Scheuer ſey. Auch Allei Auf Zeyn Kein In Ihn O ſe Ein Die Diey Hier. Ach! Und Den Für Eilt Den Selb Deck Und bare Arm hr, euet. roth ndte, troh, inder 19— Auch wurden jene nur dem grimmen Brand ent⸗ riſſen. Allein was hilft es, wenn ſie itzt Auf offnem Feld, vor Wind und Regen unbeſchützt, Zernagt von Gram und Hunger, ſterben müſſen? Noch ſchwebr vor ihrem Blick der grauenvolle Tag⸗ Kein Pinſel oder Kiel vermag In ſchrecklichen und treuen Bildern Ihn, den Verderber, ganz zu ſchildern. O ſeht! hier flüchtet Meilen weit Ein armes Kind aus eingeſtürzten Mauern; Die Aeltern werden es mit banger Zärtlichkeit Drey lange Tag' als todt betrauern. Hier fliehet athemlos ein blaſſer ſiecher Greis; Ach! Habe, Haus und Hof, ſein, ſeiner Kinder Fleiß Und alle Hoffnungen verfliegen mit dem Rauche. Den Saäugling auf dem Arm, läuft eine Mutter dort: Für ihn nur ſuchet ſie bang einen Zufluchtsort, Eilt in den Wald, legt unter einem Strauche Den armen nackten Kleinen hin; Selbſt eine nackte Bettlerinn, Deckt ſie den Weinenden mit einer Hand voll Blät⸗ ter, Und ringt die Händ', und fleht den Himmel um“ Erretrer⸗ O meine Wiener, ſeyd Erretter! Euer Herz⸗ Wohlthärig, edel, gut, theilt nicht nur fiemden Schmerz, 3 Es lindert ihn auch gern, und hört der Brucker Flehen, Drum auf! und eilt des Mitleids ſchö nen Pfad, Den Velsberg*), er, wie Franz, ein Schut⸗ geiſt in den Nöthen, ¹ Den Lürwald, Fraydenegg, Peinkhofer ſchon betrat, Mit edlem Eifer zu betreten. Der Pfad führt ſichrer noch, als Faſten und als Bethen 3 Dem Himmel zu; da Gott ſelbſt das Geſetz uns gibt: Liebt eure Brüder ſo, wie ihr euch ſelber liebt. *) Der wuͤrdige Landes-Chef, der hier eben ſo handel⸗ te, wie unſer geliebter Kaiſer gehandelt hätte, deſſen Stelle er vertritt. Auch die P. P. Capueiner in Bruck, deren Kloſter allein verſchont blieb, der Adminiſtra⸗ tor der Herrſchaft Wieden, Graf Dismas von Stu⸗ benberg, und der Verwalter desſelben, der Pfarrer von Kapfenberg, der Magiſtrat von Leoben und Fron⸗ leiten, die Baͤckermeiſter von Grätz und mancher un⸗ genannte Menſchenfreund verdienen cen Segen der Ungluͤcklichen, und ein weit beſſeres Loblied, als ich zu ſingen im Stande bin. Im Do Ot Hie ſen In das Stammbuch des Fraͤuleins Gabriele von Bqumberg geſchrieben. Freundſchaft iſt ein Park, er faſſet Wandler viel, Iſt ſchattig, angenehm und kühl, Damit er die, ſo von der Sonnenhitze Der großen Welt ermüdet ſind, Auf eine Zeit erquick' und ſchütze. Beglücket, wer aus ihr in dieſen Park entrinnt! Die Lieb' iſt eine Myrten⸗Laube. Am Eingang rieſelt ſanft ein flüſſiger Kryſtall, Der Schmerzens⸗Lethe heißt, es ſingt die Nachtigall Im Schatten dieſer Laub', es girrt die treue Taube. Doch iſt darin für zwey nur Raum. O drey Mahl ſelig der, ſo jeder Größe Traum Hier gern vergißt mit einer edlen Seele, Die deiner gleicht, verehrte Gabriele! Prolog zu des Phaͤdrus erſtem Euche. Den Fabeln, die Aeſop erfand, Gibt meine Muſe hier ein dichtriſches Gewand.“ Ein Kluger will zwey Stück' an keinem Buch ent⸗ behren: Es ſoll ihn Lebensweisheit lehren Und ſeinen Mund zum Lächeln ſanft verziehn. Vielleicht befriedigen wir ihn. Allein der ekle Splitterrichter, Der mir verarget, daß hier nicht Das Thiergeſchlecht allein, auch Baum und Stau⸗ 6 de ſpricht, Der ſeh' den Titel an; ich bin ein Fabeldichter. k. Des Phädrus erſte Fabel. Der Wolf und das Lamm. V Der Durſt trieb einſt ein Lamm und einen Wolf zum Bach. Weit oben ſtand der Wolf und ſprach Mit Ton und Mienen eines Schlägers, Der Händel ſucht: Warum trübſt du das Waſſer mir? Wie konnt' ich's, war des Wollenträgers Furchtſame Gegenred'; es fließet ja von dir Der Quell herab; die Macht der Wahrheit ſchlägt danieder; Der Wolf verſtummt, doch bald verſetzt er wieder: Sechs Wochen ſind's, ich weiß die Stunde noch, Da haſt du ſchlecht von mir geſprochen. Ach, theuerſter Herr Wolf, wie hätt' ich das ver⸗ brochen? Ich bin ſo alt noch nicht!— So that's dein Va⸗ ter doch. Hier fängt er an, das Lämmchen zu zerſtücken. Durch die Geſchicht' iſt der gemeint, Dem jeder Grund hinlänglich ſcheint, Unſchuldige zu unterdrücken. Lob der Freyheit*). Durch dich, o Freyheit, wird zur Burg die Hütte, Der Schneiderfiſch ſchmeckt beſſer, als der Aal, Geſpeiſ't von Gold im königlichen Saal. Durch dich allein erhebet ſich der Britte, Und ohne dich ſind alle Freuden ſchaal. Wie herrlich ſchmeckt im freyen Otaheite Ein ungeſtörter Schlaf auf weichem Moos. Doch immer traurig iſt des Sclaven Loos. Er bau' Palläſte, pflanze Meilen weite Luſtgärten, ruh' in einer Lais Schooß Und zieh' von einer Milliard die Zinſen. Was hilft es ihm? Was dem gefangnen Specht Ein goldner Baur. O Freyheit, heil'ger Recht, Als das ſich Jacob einſt erkauft durch Linſen, Nur du beglückſt das menſchliche Geſchlecht. Auch Thiere fühlen dich; dir ſingt die Wachtel *) Stoff und Endeſylben wurden dem Verfaſſer bey die⸗ ſem Gedichte gegeben. Uebrigens hofft er nicht erſt bemerken zu muͤſſen, daß er unter der Freyheit, die er ruͤhmt, nicht die neumodiſche, ſondern eine ſolche verſtehe, welche ſich mit jeder guten Regierung ver⸗ träzt, oder vielmehr welche die Wirkung jeder guten Regierung iſt. Die 9 Zurück — 25— Auf weitem Feld, wenn Morgenroth den Saum Der Wolken färbt, die Nachtigall vom Baum, Die Hoffnung ſelbſt, die in Pandorens Schach⸗ tel Zurücke blieb, iſt, ohne dich, ein Traum. Nach Voltairen- Ben Wunſch und Plan, ein ſchönes Herz zu fangen, Ve tt nach Beſitz, ein ſtürmiſches Verlan⸗ gen, Ein wohlgeſchriebner Brief, ein zärtliches Gedicht, Aufwartungen und Flehn, das heißt noch Liebe nicht. Doch gänzlich ſich dahin auch ohne Hoffnung geben, In der Geliebten nur, nicht in ſich ſelber leben, Verrathen, daß man liebt, durch ſeine Schüch⸗ ternheit, Die allerſtärkſte Gluth mit Ehrerbiethigkeit Vereinen, ſtandhaft ſeyn in Mitte ſeiner Schmer⸗ zen, Das heißet Lieb', und die iſt nur in meinem Herzen. D 2 Ein M Die vie Sie ſch Ein Und w Pon d Sie w Daß Die V — — lan⸗ Liebe hen, en, hic⸗ mer⸗ rzen⸗ Die Schöpfung der Freundſchaft. (Aus dem Franzöſiſchen.) B Weisheit ſprang aus Jupiters Gehirne, Ein Mädchen zwar, doch ſtets umwölkt die Stirne, Die viel gedacht, und oft gegähnt; Sie ſchien die lange Weil', ein wenig nur ver⸗ ſchönt. Einſt ſahe ſie die Lieb' auf Roſen, Und wagte ſich hinzu, der Holden liebzukoſen. Von dieſem Augenblick war ſie ſich nicht mehr gleich. Sie war ſo unruhvoll, unſchlüſfig und zerſtreuet, Daß Jupiter beynah' ſein Werk bereuet. Die Weisheit macht gewiß mir einen dummen Streich, Dacht' er bey ſich, und ſie vor den Gefahren Der Liebe, die ſeither ihr oft zur Seite ſchlich, Und vor Melancholie auf ewig zu bewahren, Schuf er, o holde Freundſchaft, dich. Rina's Krankheit. Der Schmerz der Krankheit tobt durch Nina's zarte Glieder: O Himmel! rühret dich der Wehmuth ängſtlich Flehn; So ſchone ſie, wirf mich auf's Krankenlager nieder! Mein größtes Leiden iſt das Ihrige zu ſehn. Wenn die Verleumdung auch, die jetzt in ihrer Höhle Auf mein Verderben ſinnt, uns, weh mir! ewig trennt, So brennt doch Liebe fort in meiner düſtern Seele, Wie in dem Grabe noch die Todtenlampe brennt. O Gott! nur Trennung nicht! Ein Jahr nur, doch dieß Eine Sey ich verſchont von Meid, und heiß geliebt von Ihr! Dann ſterb' ich gern, dann ſteh' auf meinem Lei⸗ chenſteine: Der Allerglücklichſte der Menſchen ru⸗ het hier! Nin Nun, Entſlo Daß d Geſund Und u Sich Zwar Ich w Gleich Richt, Schla Undn All Doch lneige Ein 2 Doch ina gſilih ieder! ihrer ewig Serle, rennt. nu, bt von n ei⸗ mrl⸗ Bellinchen an ſeine Gebietherinn bey ihrer Geneſung⸗ Nimm, reitzende Gebietherinn, Nun, da der Krankheit böſe Schmerzen Entflohen ſind, Bellinchens Glückwunſch hin. Groß iſt die Freud' in ſeinem kleinen Herzen, Daß deines Arztes Kunſt dem Uebel widerſtund, Geſundheit wieder friſch auf deinen Wangen blühet, Und um den anmuthsvollen Mund Sich wieder ſanft der Freude Lächeln ziehet. Zwar die Geneſung raubt mir manche ſüße Luſt, Ich werde nun nicht mehr auf deiner holden Bruſt, Gleich einem Reh auf Roſenhügeln hüpfen, Nicht, wie der Bergmann in den Schacht, Schlau unter deine Decke ſchlüpfen, Und wühlen in dem Reitz, der, jetzo unbewacht, Mich armen kleinen Hund zu einem Gotte macht. — All dieſes Glück wird nun Bellinchen miſſen, Doch iſt er, theure Frau, bey ſeinem Hundsge⸗ wiſſen! Uneigennützig gnug, ſich herzlich zu erfreun.— Ein Dichter, welcher unerhöret, Doch treu, wie er, dir dient, hat alſo ihn beleh⸗ ret: — 30— Wer eigennützig liebt, der laſſ' es lieber ſeyn. Gehorſam nur und Opfer ziemen Den Herzen, die der Treu', der wahren Treu' ſich ruhmen. ſih Der Aufenthalt auf dem Lande. Aus dem Franzöſiſchen einer Dame. Wi⸗ glücklich fließet hier, fern von der ekeln Stadt, Die nur ein glänzend Nichts uns anzubiethen hat, Mein ſtilles Leben hin, das keine Furcht erſchüttert, Nicht Stolz und Unbeſtand, noch Eiferſucht verbit⸗ tert, O Alles lockt mich an! die heitre freye Luft, Der Garten und das Feld, der jungen Kräuter Duft, Das Lied der Hänflinge, der Nachtigall Geſänge, Bey ſtiller Nacht geſeufzt durch finſtre Bogengänge. Die Flächen, die, ſo weit das Auge ſich erſtreckt, Ein grüner Teppich, bunt durchwirkt mit Blumen, deckt, Verdruß und lange Weil', ihr ungebethnen Gäſte! Vergället nur zu oft der Städter ſtolze Feſte. Doch ſchont ihr dieſen Sitz, ihn deckt die holde Ruh', Die Schöpferinn des Glücks, mit leiſem Fittich zu. Die Stunden ſcheinen mir im Flug vorbey zu ei⸗ len; Denn, ungeneckt vom Zwang, weiß ich ſie einzu⸗ theilen. Mein Bücherſchrank, mein Pferd, Geplauder, Ein⸗ ſamkeit, Muß' und Beſchäftigung hat Alles ſeine Zeit. Wie freudig eil' ich nicht, die Fichten, Pappeln, Buchen, Die ich mir ſelbſt gepflanzt, am Morgen zu beſu⸗ chen! Geſchöpfe meiner Hand, ſind ſie mir doppelt werth, Mehr als ein Park, der bloß durch Kauf mir ange⸗ „ hört. Den lieben kleinen Pfau'n, die ich mir auferziehe, Reich' ich mein Futter dar, belohnt für dieſe Muhe Durch ihre Freundlichkeit; indeß auf weitem Feld Kuh, Ziege, Pferd und Lamm die fruhe Mahlzeit halt, Und wenn ihr Anblick mir unſchuld'ge Luſt gewäh⸗ ret, Blick ich zu Dem empor, der ſie und mich ernähret. Bey S0 Aus i Die( Nur So h Auch Dich, Denn Den Doch So ſi In w Vi Sie Unde Pis Pon Ruft peln, beſu⸗ verth, ange⸗ iehe, Muhe Feld hlzeit ewah⸗ ühret. An Deutſchland. Bey Gelegenheit der lezten Heſterreichiſchen Siege. 1796. Triumpht Sie fliehn, nach langer Gegenwehr' Aus ihrem Lager weggeſtürmet, Die Gegenden ſind nun von Feinden leer, Nur ihre Leichen längſt dem Ufer aufgethürmet. So hat denn Heſterreichs geprüfte Tapferkeit, Auch ohne bundsverwandte Schaaren, Dich, o Germanien! geſchirmet und befreyt. Denn wer entriß dich jetzt den ſchrecklichſten Ge⸗ fahren, Dem Joch, das faſt auf deinem Nacken lag? Doch nicht der gleißende, hochtönende Vertrag, So ſchnell geſchloſſen, als vergeſſen, In welchem Deutſche klug den Franken vorgemeſ⸗ ſen, Wie weit ihr Würgerſchwert die Deutſchen morden darf? Sie hatten ja den Arm noch weiter ausgeſtrecket, Und ohne Scheu getobt, gedräuet und erſchrecket, Bis Franzens Feldherr ſie mit Macht darnieder warf. Von jenen blutigen, einſt rebenreichen Hügeln Ruft jetzt dein Genius: O Deutſchland, faſſe Muth! Verm. Schriften. C Doch lern' einmahl, daß kein politiſch Klügeln, Rur Eintracht retten kann, und daß ſich's nirgend gut, Als unter den weit ausgedehnten Flügeln Des hohen Kaiſeradlers ruht. gend An meine Aeltern. ————— Izr die Jehovah's: Sterbet aus dem Kreiſe! Der Sterblichkeit mir allzu früh entrückt; Ihr, die ihr nun, nach guter Engel Weiſe, Auf mich hernieder blickt! Du Vater— Vater hat ich nur geſtammelt— Der doch für mich, voll warmer Zärtlichkeit, Mit Blumen, die er mühſam eingeſammelt, Das Leben mir beſtreut⸗ Du ſtarbſt,— kein Arzt, kein Flehen konnte wehren Dem kläglichen, dem ſchleunigen Verluſt; Ich weint' um dich, doch war der Werth der Zähren Mir damahls unbewußt⸗ Von dir erſt hab' ich dieſen Werth gelernet, Du, die mir Mutter, Freundinn, Alles war; Die oft mein Ohr verſchloß, mein Aug'entfernet Pon reitzender Gefahr. Die mich gelehrt, ſchon in der frühſten Jugend Ein Feind vom Aberglaub' und falſchem Schein⸗ Ein Haſſer einer mürriſch ſtrengen Tugend, Sanft, und ein Chriſt zu ſeyn⸗ E 2 36„ Oft ſteh' ich da vor deinem Bild', und weine, Daß meine ſüße Freundinn mich verließ: Wo hat die Welt ein Herz, ſo wie das Deine, Das mir der Tod entriß? O dir entriß er nichts— dir ward ein Leben, Durchſtrahlet von dem Glanz des Ewigen; Doch wirſt du noch, von Seraphim umgeben, Auf meine Thaten ſehn. Wirſt, ſchmeichl ich mir, mit meines Glückes Gründung Noch mütterlich, wie hier, beſchäftigt ſeyn: Wirſt meinen Willen, Vorſatz und Empfindung Ganz, ganz der Tugend weihn. Wirſt, wenn ich thöricht falſche Wege wandle, Beſtrafen meine ſtolze Sicherheit; Wirſt doppelt fühlen, wenn ich edel handle, Des Himmels Seligkeit. Und ſchliche je, kaum wag' ich es zu denken, Auch Niedrigkeit in dieſes Herz ſich ein: So wird die Furcht, Geliebte! dich zu kränken, Mein zweyter Schutzgeiſt ſeyn. Es e, n 6 E⸗ gleicht dem Ocean dein epiſches Gedicht, Groß iſt's und wäſſrig;— Salz nur hat es nicht. lückes ng e, ken, Der Freygeiſt. Wi wähnt ſich oft ein Thor durch den aus fin⸗ ſterm Winkel Ihm zugeklatſchten Beyfall groß; Zieht, blind durch Leidenſchaft, verführt vom Ei⸗ gendünkel, Kühn auf die Gottheit los. Vergebens widerſpricht die mit ſo vielen Reitzen Durch ſie veredelte Natur; 4 Ihn heißt ſein Afterſtolz nach falſchen Lorbern gei⸗ tzen, Und dieſen hört er nur. Vom Irrlicht, das der Glanz Voltairens ſtreut, verblendet, Bemerkt er nicht den Tugendfreund, Der weg vom frechen Lied die frommen Blicke wen⸗ det, Des Mitleids Thräne weint. Zwey Ungeheur, die ſich und ihre Seel' entehren, Der Wtzling und der Böſewicht, Sind ſeine Buſenſchüler, bis die tollen Lehren Ein Donner unterbricht. Dann Eucht Und Die Dan Dos Ei⸗ gei⸗ reut, wen⸗ ren n Bis ihn das falſche Glück verrätheriſch mißhandelt, Die Truggeſchenke widerruft; Bis daß ſein Herzensſohn, Trotz zwanzig Aerzten, wandelt Hinab zur frühen Gruft. Dann ſteht er da vernichtet,— fühlt's, wie Meſ⸗ ſer wüthen Tief durch ſein unbewehrtes Herz: Sucht Troſt, und find't ihn nicht; denn, ach! was kann gebiethen Dem gränzeloſen Schmerz? Was ſonſt, als du allein, o Tugend, die der Kühne Mit Hohngelächter jetzt verbannt; Als du, Religion! von ihm mit ſtolzer Miene Zum Pöbel hingeſandt? Und, ach! wenn erſt der Tod zur unverſehnſten Stunde, Gleich einem Dieb, ihn überraſcht: Die kalten Glieder ihm durchbebt, das Roth vom Munde, Und von den Wangen haſcht. Dann ſchwindet, o zu ſpät! die triegeriſche Klar⸗ heit, Worauf ſein kleiner Geiſt erpicht) Das Heiligſte vergaß; ganz ſieht er nun die Wahr⸗ heit In fürchterlichem Licht. Schaut ſeine Tage durch wit Augen, die von Zei⸗ chen Der wüthendſten Verzweiflung glühn; So ſchaut, iſt ſeine Mordſucht abgekühlt, auf Lei⸗ chen Der blut'ge Mörder hin. An einen Hageſtolzen. N Du willſt dem Herz, das mächtig ſchlägt, Den Wunſch, vom Schöpfer drein gelegt, Den Wunſch der Liebe nie gewähren? Des ſanften Taumels unbewußt, Nie, hingeſchmiegt an holder Bruſt, Den ſüßen Nahmen Vater hören? O Freund! die Jugend fliehet ſchnell; Dein Auge, jetzt ſo raſch und hell, Wird ſich, eh', als du glaubſt, verdunkeln; Und deine Wangen werden bald Des blaſſen Kummers Aufenthalt, Die jetzt wie Morgenröthe funkeln. Und dann, dann rächt ſich die Natur: Der Eheloſe ſcherze nur! Sie lohnt ihn für die Frevlerſcherze. Sie führt das Alter ſchnell daher, Ihm wird die ganze Schöpfung leer, So leer und düſter, wie ſein Herze. Er, o wie's edle Seelen kränkt, Zuſammen in ſein Ich gedrängt, Er fühlet doppelt, daß er ſterbe; Es fließet in ſein einſam Grab Der Wehmuth Thräne nicht hinab; Es lachet ſchadenfroh ſein Erbe. Er plündert ihn begierig aus, Und will im ſchon geerbten Haus Kaum todt, zween Tage noch ihn dulden. Selbſt, eh' ihm noch der Geiſt entflohn, Wühlt er in vollen Kiſten ſchon, Und zahlt die drauf gemachten Schulden. Doch eines Vaters ſanfter Tod! Er that, was die Natur geboth, Sieht ſich verjüngt in ſeinen Sproſſen. Sein guter Schöpfer rufet ihn: Er eilt ins beſſ're Leben hin, Nachdem er dieſes ganz genoſſen. Er ſegnet ſeine Kinder noch, Lehrt ſie des Heilands ſanftes Joch, Und ſpricht entzückt von Deſſen Lohne; Küßt ſeiner Jugend Weib, wird blaß, Und eilt, von ihren Thränen naß, Hinauf zu des Vergelters Throne. 5 Und — 46— Amors Gift. Rach dem Engliſchen, Ihr Madchen, nehmt euch doch vor Amors Gift in Acht, Und denkt daran: daß Gift den Körper ſchwellen macht. — 44— . Ronſſeau's Grabſchrift. Aus dem Engliſchen. Hanns Jacob ruhet hier. Warm liebt' er ſeine Brüder, Die Menſchen; aber ſie vergalten es ihm ſchlecht, Und waren gegen ihn oft hart, oft ungerecht: Drum Zehen gegen Eins! Hanns Jacob kömmt nicht wieder. Br ſeine 8 — S — — — 1— — 2 So — — — 1— — 1— 5 — 5 mnt Praeci 4 4 V 4 3 Und e Lhereſ Des( Germ Zwar Und Du Pollt Erſchl Drum Erobe Die (Vie Mit 30 ſ die Und der Bey Thereſiens Grabe. BPraecipere, qualis ese deheat princeps, Pulerum Juc. dem, Jed onerosum ac prope Superbum est ae- dare vero optimum principem ac per hoc poste- ris, velut e pecula lumen, quod Sehuantur osten⸗ dere, idem habet utilitatis, arroguntine nihti. Pnius. Jꝙ kniee weinend hin zu deinem Sarg Und ehre deinen heilgen Ueberreſt, Thereſia, du letzter, ſchönſter Sproß Des Stamms, in deſſen Schatten lange ſchon Germania ſo ſanft und frey geruht. Zwar zahllos, wie die Stern am Firmament Und auch ſo unauslöſchlich, glänzen ſie, Du Hocherhabne, deine Tugenden. Wollt' ich ſie alle ſingen, o ſo ſänk' Erſchlaffet meine Hand aufs Saitenſpiel. Drum ſchweig' ich von der Heldinn, die ihr Erb' Erobern mußte, von der Dulderinn, Die blühnder Kinder und des Gatten Tod, (Wie ſehr ihr Herz dabey auch blutete,) Mit mehr, als philoſophſcher Starkmuth trug: Ich ſchweige von der Waiſenndhrerinn, Die manchen Held dem Staate ſelbſt erzog Und manches Mädchen, als der Genius Der Unſchuld, den Verführungen entriß⸗ Ich ſchweige von der Fürſtinn, die ihr Reich Vom fürchtenden bis zum gefürchteten Nicht nur durch ihres tapfern Kriegers Schwert, Auch durch die Klugheit ihres Cabinetts, Auch durch Ermunterung des Fleißes hob. Ich ſchweige von der Menſchenfreundinn ſelbſt, PVon deren Throne niemand ohne Troſt, Auch der nicht einmahl, welcher fehl bath, kam; Denn ſelbſt, wenn ſie verſagte, war ihr Herz Weit liebender, weit antheilnehmender, Als manches Fürſten ſeines, der gewährt. Ich danke dir nur jetzt, verklärter Geiſt, Thereſens, daß du in der Wüſteney Wie Moſes einen Quell erwecket haſt, Der Wiſſenſchaften Quell, der durch dein Land Und durch das Ausland ſelbſt befruchtend floß. Als du zum Thron, den mancher Vorfahr mehr Gedrücket, als beſetzt, geſtiegen warſt; Lag noch Aegyptiſch dicke Finſterniß Um uns her; der Verbeſſerungen Haß, In väterliche Lumpen eingehüllt, Die Freßſucht, aufgeblaht und unbeſorgt um alles andre, was nicht Magen iſt, Die Dummheit mit der Selbſtgenügſamkeit, Dem blinden Töchterchen, an ihrer Hand, Der Aberglaube, mönchiſch fromm, behängt Mit Amuletten, die Unthätigkeit, Verſchränkter Arm' aufs weiche Canapeh Gelehnt, die Etikette, ſteifen Haupts, Und Schritt vor Schritt im Spanſchen Mantelkleid Einher ſtolzierend, herrſchten unumſchrankt In de Du ko Der! Entw Den Auch Die Sie Geloh Denn Dem Die So n Die ſ Run Ofti 8 Den Auch Als Dem Bin 3c) Dam zu Nch Der In deinem alten, kaiſerlichen Sitz. ic Du kamſt und tobteſt nicht, wie ein Orcan, Der mit dem dürren auch den grünen Stamm G Entwurzelt, ſtill und langſam drängteſt du Den Schwarm Unholden zu dem Land hinaus: Auch riefeſt du zur Bildung deines Volks ſebſ, Die Weiſen deiner Reich' und fremder auf. Sie glänzten, ſchönen Meteoren gleich, amj Gelohnt durch deinen Beyfall und dein Gold. r Denn du verſtandeſt, daß Gelehrſamkeit Dem Fürſten, deſſen milde Hand ſie pflegt, Die Zinſen hundertfältig wieder bringt. So ward dein Wien, auf welches erſt mit Hohn Die ſtolze Seine, Spree und Themſe ſah, Nun ihrer herzlichen Bewunderung, nd Oft ihres edlen Neides Gegenſtand⸗ mehr Ihr heiligen Gebeine rühet ſanft! Denn was Thereſe für den Erdenkreis, Auch nur als Schutzfrau jeder Wiſſenſchaft, Als Lohnerinn gelehrter Wachen that, Dem drückt Unſterblichkeit das Siegel auf. 11. Ich, der bey ihrem Grab dieß weinend ſingt, Bin nicht ein Thor, der ſie zu ehren glaubt: Ich bring' ihr dieſes Thranenopfer nur, Damit der Enkel,(wenn mein Spiel vielleicht Zu ihm hinüber ſchallt,) des Undanks mich Nicht zeihe, daß ich von Thereſien, Der Einzigen, der Unerreichten ſchwieg. telkleid Verm. Schriften. D An eine Freundinn. Nach Pope*). D Freundinn, wag der Moraliſten Leben Ein lang, ernſt, regelmäßig Schauſpiel geben, Mag jede Scene voll Sentenzen ſeyn, Erbauen und gefallen oben drein; Meins ſey gleich einer Farße, mehr zum Lachen, Als großes Aufſehn in der Welt zu machen; Es binde ſich nicht ſtets an Ort und Zeit, Doch hab' es Witz, Laun', Unſchuld, Munterkeit; Streng' iſt das Krittlervolk, geneigt zum Zanke, Man ſchreibt ihm ſelten, lebt ihm nie zu Danke: Beſonders ſind die Herren ungerecht In ihren Fordrungen an dein Geſchlecht; Den Stolz ſolls lieben, das Vergnügen haſſen, Vom blinden Greis, Gebrauch, ſich gängeln laſſen, Aus Wohlſtand wild,(iſts von Natur gleich zahm,) Aus Ehre ſclaviſch, thöricht ſeyn aus Scham. Zwar Hymen kann die kleineren Tyrannen, Doch nur durch einen größeren, verbannen: Ihr ſehnt euch nach dem Tauſch, weil ihr nicht wißt, Daß ſtets der zweyte Wüthrich arger iſt, *) Aus einem Briefe an Miß Blount. Aus Laß Den Ein Ni Ran Ein Den Sie Der Hat Und di So Du Doe Die Auf So Uns Fri Nu chen, rkeit; anke, onke: ſen, ngeln zahm) twißt/ ——— Und bleibet, lebenslang nicht mehr zu retten, In eingebildten oder wahren Ketten. Ein böſes Sacrament macht nur zu gern Aus demuthsvollen Sclaven ſtolze Herrn. Laß andre thöricht zum Altare laufen, Den Titel Gattinn mit der Freyheit kaufen, Ein trieglich Lotto⸗Spiel! nur jage du Nicht Freuden nach, begnüge dich mit Ruh'⸗ Der Götter Grimm bewilligte Pamelen Rang, Staats⸗Caroſſen, Dienerſchaft, Juwelen, Ein Prachtbett und, um recht beglückt zu ſeyn, Den ärgſten Narren Englands auch hinein. Sie prunkt ein ſtolz, ein ängſtlich Ding mit Schellen Der Eitelkeit in Logen und auf Bällen, Hat Trotz der Pracht für Freude keinen Sinn Und iſt im Herzen keine Herzoginn. Doch Freundinn, ſiehſt du, taub bey meinem Warnen Dih etwa bald und gern in Hymens Garnen; So trau nicht bloß auf Schönheit, die vergeht Durch Krankheit oder Zeit früh oder ſpät: Doch gute Laune bleibet unbezwungen, Die macht, und die erhält Eroberungen. Auf Schönheit nur gebaute Liebe fällt So ſchnell, als ſie; ſolch eine Kette hält Uns kaum ſo lang', als Blumenketten pflegen; Früh flicht man die, ſie Abends wegzulegen. Nur gute Laune webt mit weiſer Hand Ein leichteres, doch dauerhafters Band⸗ ———— D 2 Die erſte Scene des fünften Aufzuges aus Addiſons Cato. (Cato ſitzt in der Stellung eines Nachdenkenden, Plato's Buch von der Unſterblichkeit der Seele in der Hand, auf einem Tiſche daneben liegt ein bloßes Schwert.) So muß es ſeym; recht folgerſt du, o Plato! Woher die ſüße Hoffnung ſonſt, dieß Sehnen, Dieß heiße Dürſten nach Unſterblichkeit? Und die geheime Furcht, der innre Schauder, Ins Nichts zu ſinken? was erſchrickt die Seele, Wenn ſie Vernichtung denkt, und ſchrumpfet ein? Ja! Gottheit iſt es, was in uns ſich regt; Der Himmel ſelber zeigt uns eine Zukunft, Heißt Ewigkeit uns hoffen; Ewigkeit, Du ſchmeichelnder, du ſchrecklicher Gedanke, Durch wie viel neue Scenen müſſen wir, Durch welchen Wechſel fremder Dinge wandern! Die Ausſicht liegt vor mir, weit gränzenlos; Doch Schatten, Nacht und Wolken ruhn darauf. Hier halt' ich ein. Iſt eine Macht dort oben, (Und daß ſie ſey, ruft überlaut die ganze Natur durch ihre Werk' uns zu,) ſo muß Die Tugend ihr gefallen, und was ihr Gefallt, muß glücklich ſeyn; doch wann? doch wo? Für Cäſarn iſt die Welt hier; o ich bin Der Zweifel müde; dieſes ſoll ſie enden. (Seine Hand ans Schwert legend) Dieß Und Die luf Die Die Und Nur Der Und Die Gebe Zun Daſ Und Ein Stö Ihn ato's Hand, wert) to! , b, eele, ein? ern! arauf⸗ 1/ hwo! end.) So bin ich doppelt denn bewehrt; vor mir Iſt Tod und Leben, Gift und Gegengift: Dieß bringet augenblicklich mich ans Ziel, Und jenes lehrt mich, daß ich niemahls ſterbe. Die Seele, ſicher ihrer Fortdaur, lächelt Auf den gezückten Dolch, und trotzt der Spitze. Die Sterne werden einſt vom Himmel ſchwinden, Die Sonne ſelbſt wird alt, wird dunkel werden Und die Natur ins erſte Nichts verſinken: Nur du blühſt, ewig jung, im Untergang Der Körper, in der Elemente Krieg Und in der Welten Einſturz unverſehrt. Was will die Bangigkeit, die über mir hängt? Die Ohnmacht, die mir jeden Sinn beſchleicht? Gebeugt ſinkt die Natur und ſorgenmüde Zum Schlummer; dieſer noch ſey ihr gegönnt; Daß meine Seel' erwachend, neu belebt Und mit verjüngter Kraft zum Himmel aufflieg', Ein Opfer, ſeiner werth. Furcht oder Schuld Stör' Andrer Ruhe; Cato kennt ſie nicht; Ihm iſt es gleichviel Schlummern oder Sterben. 3u F e i Ihr Zerſe Da⸗ Bild Cdciliens, die zwiſchen Gott und Welt Die Stets wankt, ſey, Schönen, euch zur Warnung aufgeſtellt. Sie iſt nicht blühend mehr; allein der Kenner ziehet Sint Die reifern Früchte vor; das weiß ſie und bemühet Dei Sich um das Butterherz Siegwartſcher Gecken nicht, Perd Die von dem trauten Mond auf ſtets in Eid und Pflicht Genommen, ſtundenlang vor ihren Schönen knieen, Indeſſen die umſonſt bald gähnen und bald glühen. Schon als ſie ſich verlobt, vor funfzehn Jahren ſchon, Fiel ihre weiſe Wahl auf keinen Seladon. Ein Mann, von Waden ſtark, mit langer, langer Naſe Ward von der ſchlaueſten, der kunſterfahrnſten Baſe Fur ſie gewählt: er hat viel innern Werth, doch drum Von ihrem Herzen nicht das Monopolium. Bald würdiget ſie den der Ehr', ihm zuzunicken, Bald lohnt ſie jenes Müh' mit ein Paar Zauber⸗ blicken; Allein ihr ſchwarzes Aug' iſt nicht bloß zum Gebrauch Der Liebe, denn es hat geweihte Pflichten auch. Es muß ſich in der Kirch' oft ſtundenlang verdrehen, Oft länger noch ins Buch, als rund um ſich her ſehen.* Velt mung ziehet mühet d und nieen, lühen. ſhon langer Baſe „doch cken/ auber⸗ brauch rehen, ſehen. Jetzt beichtet ſie den Kuß von geſtern und vergißt, Daß auch ein Rendez-vous auf heut gegeben iſt; Zu Haus beſinnt ſie ſich erſt deſſen, iſt zu bieder, Ihr Wort zu brechen, hälts und beichtet morgen wieder: Zerſchlagen wird hierbey mit Magdalenens Wuth Die Schneebruſt, an der erſt ein Glücklicher geruht. Umſonſt, verirrte Frau! die Andacht und die Liebe Sind eiferſüchtig; flieh, flieh den Verdacht, als triebe Dein Herz gefliſſentlich mit beyden ſeinen Spott; Verdirb es nicht zugleich mit Belial und Gott. Wider unverſtandliche Dichter. Oratio, cuſus Summa virtus Ferspicuitas est, quam St vitiosa, S egeat interprete/ Ouinctiltanus. Zu denen Fehlern, die man ſchwer verzeiht, Gehört mit Recht die Unverſtändlichkeit; Auch ſchreyt ein ſolches Buch zu Gott um Rache, Der, daß wir uns verſtünden, uns die Sprache Mitleidig gab; und den entehrt der Mann, Der ſchreibet, was kein Menſch enträthſeln kann. So ſangen doch wohl nicht die alten Weiſen, Die wir ſo gern, doch mit den Lippen preiſen. Durchblättert ganz den heiligen Homer, Seht, wie verſtändlich und wie groß iſt der! Doch freylich mag es ſich, wenn viele richten Und richten können, etwas ſchwerer dichten, Der Unverſtändliche bleibt wundenfrey Wie Cäneus*); die Kritik kommt ihm nicht bey; Denn er hat, ungeſtraft damit zu prangen, Im Dunkeln ſeine Bilder aufgehangen. *) Das Mädchen Cänis wurde von Reptun in einen Iüngling verwandelt und unverwundbar gemacht. Als Mann hieß ſie Cäneus. S. Ovids Verw. 12. B. V Soll Bald Dein Nit Bal uam ache, che ann. beh einen emacht. ———— — 58— Vom Verfall der Sitten. Rach Juvenals 1. Satyre. Wer ſoll ich hören ſtets, und nie ein Wörtchen reden? Soll immer ungeſtraft mir Blöden Bald ein geſchwätziger Pedant⸗ Dein Schüler, nicht doch; nur dein Affe, großer Kant, Mit einem Wörterkram, dem Sinn und Ordnung fehlen, Bald ein aus Midas Stamm entſprungner Recen⸗ ſent Mit dummer Fertigkeit im Loben und im Schmäh⸗ len, Und bald ein reiſender Student Mit Schildrungen der fremden Höfe quälen? Iſt's ausgemacht, daß ich es dulden muß, Wenn ſo ein Kraft⸗Genie, ein Tragicomicus, Der nur den Dramen⸗Schnitt von Shakeſpar'n ſich erborget, Im tollen Ritterſtück mit Zweykampf, Sturm und Schlacht, Empörung, Nothzucht, Mord bis eilf Uhr in die Nacht Parterr' und Logen wohl verſorget? 58— Ich kenne kaum mein eignes Haus ſo gut, Als den Turnierplatz und die Schranken, Befleckt von edler Kämpen Blut, Die mauſetodt dahin vor meinen Augen ſanken; Mir gellt das Ohr von Lehenspflicht, PVon Schimpf und Ernſt, von Schiene, Schwert und Speere, Auch weiß ich ſo Beſcheid vom heimlichen Gericht, Als ob ich ſelbſt davon ein Oberſchöppe wäre. Zum Henker! Unſer eins hat doch wohl, ohne Ruhm Zu melden, ſein Gymnaſium Auch Tag für Tag beſucht, und in der ſechsten Schule Pompejen klug gerathen, daß er nicht Mit Cäſarn um die Herrſchaft buhle. Man hat, als Anwalt, vor Gericht Für Cimons tapfren Sohn*), für Socrates ge⸗ ſprochen, Und einen Cato ungehört, Bloß weil der Mann ſich ſelbſt erſtochen, Zu des Profeſſors Troſt für eine Memm' erklärt. Drum kein Papier geſchont! Die Menge der Poe⸗ ten, Die ſich den W inter durch die Finger wund ſcan⸗ diert, Und dann zur Meſſe, wie die Kröten Bey lauer Luft, frey in die Welt ſpaziert, Verthät' es ohnehin zu ganzen Alphabethen. *) Miltiades. 3 Mit Nun Mit Und Wen Den Begl zu Und So Kom Ein Zum Hine Ven Die Veſ Vie Per Unt en; ſchwert re. ohne echsten tes ge⸗ erklärt. er Por⸗ d ſcan⸗ „ „ Doch daß ich jene Bahn, auf welcher Juvenal Mit ſtrenger Geißel ging, zu unſrer Thoren Qual, Nun auch betrat, darf niemand Wunder nehmen. Mit jedem Tag vermehrt ſich ihre Zahl, Und wächſt ihr Uebermuth; ſie mögen nun einmahl Wenn nicht ſich beſſern, doch ſich ſchämen. Denn jagt ein junges Weib auf Englands edlem Roß, Begleitet von der Buhler Troß, Frech durch des Praters*) laute Schatten, Und neckt das ſchöne ſtolze Thier So ungeſcheut, als ihren Gatten; Kommt ſchimmervoll und raſſelnd hinter ihr Ein prunkender Lackey, der ſich in wenig Jahren Zum Ritter oder Cavalier Hinauf gewuchert hat, mit Vieren angefahren, Wem jucken da, zum bittern Strafgedicht, 3 Die drey Autoren⸗Finger nicht? Weß Nachſicht iſt ſo groß, und weß Geduld ſo eiſern, Daß er gelaſſen bleibt, wenn ſelbſt in edlen Häu⸗ ſern Ein frecher Böſewicht auf ſeinen Fürſten ſchimpft, Und Frankreichs Mode⸗Gift in Deutſche Seelen impft? Wie? Alle das geſchäh', und ich, ich ſähe zu In träger oder feiger Ruh'? Verkröche mich wohl gar vor dieſen tollen Schreyern, Und brauchte nur mein friedlich Saitenſpiel, *) Der bekannte Luſtwald nächſt Wien an der Donau, von dem Lateiniſchen Worte: Fratum, der Prater genannt; der beſuchteſte Spaziergang der Wiener. —— 60— Ein hohes Nahmensfeſt zu feyern, Und einem Liebchen was von Mondſchein, Treu', Gefühl In Klinggedichten*) vorzuleyern? Wer möchte nicht vielmehr auf öffentlichem Plas Satyren mit dem Bleyſtift ſchreiben, Sieht er den Schurken dort, der den gemeinen Schatz Geplündert hat, ſo ſteif als einen Kegel bleiben, Wenn alles um ihn her vor ſeinem Gold ſich bückt, Und**) ſelbſt den Hut, als wie zum Gru⸗ ße rückt. Ja, willſt du Etwas ſeyn, begeh' nur ein Ver⸗ brechen, Der Caſematten werth. Man lobt die Redlichkeit, Und läßt ſie betteln gehn; in dieſer Laſterzeit Kannſt du durch Laſter nurzu ſteigen dir verſprechen. Die bauen dir ein fürſtlich Haus, Durch das in bunter Pracht geſchäft'ge Diener irren, Die ſchmücken dir's mit Japans Prunkgeſchirren Und Belgiens Tapeten aus. Sich ſelber wiſſen ſie mit Gold zu überdecken, Und hinter Wapenſchild und Titei zu verſtecken. Wenn nun ein Biedermann all dieſe Gräuel ſieht, Verhindert ihn die Wuth nicht ſelhſt am ſüßen Schla⸗ . fe 8) Der alte und oft nur zu paſſende Rahme des Sonnettes. **) Hier fehlt der Rahme eines beruͤchtigten Grobians, den der Leſer durch ſemanden aus ſeiner Bekannt⸗ ſchaft zu erſeßen beliebe. Den Er fe Gleic Der So Was Wore Vov Por Mit Nie Lyra Die Scho Und J9, reu, at einen ben Gru⸗ Ver⸗ keit, chen. rren, ren n. ſieht, chla⸗ eltes⸗ bians, kannt⸗ Nie herrſchte noch mit fürchterlicher Macht und ruft Gerechtigkeit nicht laut ihm zu: O ſtrafe Den Schurken wenigſtens durch ein gewaltig Lied! Er faßt die Feder dann, und ſchreibt, gut oder übel, Gleich viel! wenn nicht Genie, treibt ihn doch Un⸗ muth an; Der reimt aus ihm heraus, der verſelt, wie er kann, So allenfalls, wie ich pfleg', oder L**1. 3) Was ſeit der Sündfluch her der tolle Menſch be⸗ ginnt, Worauf er hoffet, oder ſinnt, Wovor er ſich entſetzt, warum er ängſtlich be⸗ thet, Das alles iſt ein Teig, den meine Muſe knetet. Sie thut dann Attiſch Salz, ſo viel gerad' im Haus Vorräthig iſt, daran, und bäckt Satyren draus. W Recht! denn nie war noch dem unvernünft'gen Thiere, Das der Vernunft ſich rühmt, ſo nöthig die Sa⸗ tyre. Tyranniſcher der böſe Damon Pracht. Die jungen Cröſus, die ihm dienen, Schafft er in kurzer Zeit zu lauter Irus um, Und die Penelopen zu Phrynen, Fa ſelbſt die Aeltern blind und inn *) Der Verfaſſer von einem Bande ziemlich ſchlechter Gedichte. — 62— Denn welche Mutter ſchickt den reichen Freund ſpa⸗ zieren, Der ihrer Tochter Putz beſtreitet— und den Ih⸗ ren?. Nie war zu Fuße gehn ſo ſchimpflich; ſiehe, kaum Ein Krämer wagt es mehr; raſch rollt's an Feyer⸗ — tagen Den Graben*) auf und ab, und winzig iſt der Raum Für Jene, die ihr Ich ſelbſt in die Kirche tragen. Du, der du Wien beſucheſt, wandle dicht, Dicht an den Häuſern hin, o Fremdling! willſt du nicht Gerädert ſeyn von unbezahlten Wagen! Ja, unbezahlt!— Vorüber iſt die Zeit, Wo der Entlehnende mit dummer Ehrlichkeit An ſeiner Schulden Tilgung dachte. Seit mancher ſchlaue Dieb zu ſeiner Sicherheit In ein Syſtem die Bankerott-Kunſt brachte, Iſt ſeine ganze Schuld bezahlen unerhört. Wer ſeinen Gläubigern erklärt: Er wolle, wenn ſie nicht den Unweg Rechtens wäh⸗ len, Genügſam nur des Darlehns Hälfte ſtehlen, Wird ſchon von ihnen ſelbſt als Biedermann geehrt. So iſt die Crida dann von allen Handlungszweigen Der nützlichſte; man wiederhohlet ſie,. Und zu der feinen Induſtrie Muß die Falliten-Ordnung ſchweigen. *) Ein plat in Wien. Kein Erb Win Ein Mi In Und Doe Als Auf Sel Lehl Mi ſta⸗ 2—2 — aum cher⸗ der gen. wilſſt it wäh⸗ eehrt. eigen Kein Schuldner geht mehr durch; mag durchgehn, der ihm lieh! Er bleibt, und handelt fort, Trotz Fries und Com⸗ pagnie*) So tief ſind wir geſunken; o der Schande! Wir Ausgearteten, in deren edlem Lande Einſt Biederſinn zu Hauſe war. Mit offner Stirn, mit unfriſirtem Haar, Im langen Camiſol, im unbeſchnittnen Kleide, Und ſtumpfen Schuhen zog er bürgerlich einher, Doch galt ein Wort von ihm, ein trauter Hand⸗ ſchlag mehr, Als bey der Enkelwelt Verſchreibungen und Eide⸗ Auf denn, mein rächendes Gedicht!* Selbſt die Gerechtigkeit macht Strenge dir zur Pflicht. Lebt Alle jetzt, die ihr die Tugend haſſet, Und ohne Scheu ihr blühend Reich verheert! Die Muſe ſchloß mit ihr den engſten Bund, und faſſet Mit ſtarker Hand das Juvenal'ſche Schwert. Zwar wird ſie, edel noch als Feindinn, die Per⸗ ſonen, Doch Laſter nicht, und Thorheit nicht verſchonen. *) Das erſte Handelshaus in Wien. Vom Adel. Und Nach Juvenals VIII. Satyrt. gu Er We⸗ nützet ein Diplom von unbeſtrittnem Alter, de Und dem adeligen Schild, Ein durch der Ahnen Blut erkämpftes Ehrenbild, g Gekrönte Helm' und grimme Wapenhalter? Was nützt ein Stammbaum, ſtolz mit Helden aus⸗ d ſe in Der ſich in Friderichs des Zweyten Zeit verliert*): Wenn dennoch unter Franz dem Zweyten Ve Der Erbe niedrig denkt, Trotz all der Herrlichkeiten, Und noch beym Pharao mit Abenteurern ſitzt, E Wenn ſchon der junge Tag aus grauen Wolken blitzt, Und einſt auf ſeiner beſſern Ahnen 5 Ehrwürdiges Geheiß des Vaterlandes Fahnen Die Luft beflatterten, die Kriegstrompete blies, Und dem erſchrocknen Feind das Deutſche Heer ſich* e Auf das Geboth des Enkels tanzt man Reigen,. Und leert man Gläſer nur; was Jene ſchwer ver⸗ S dient, d Verwirket er: ſeht! um die Stirn des Feigen Iſt längſt der Heldenkranz vergrünt. *) Fridrich der II., welcher vom Jahre 1220 an bis zum Jahre 1250 regierte. Es mindert nicht, es mehrt den allgemeinen Tadel, Wenn er von dieſen Ahnen ſpricht, Und auf's Turnierbuch weiſt; man lacht ihm in's Geſicht: Nur Tugend iſt der wahre Adel! Er ſey den Ahnen gleich im Rathſaal und Gefecht; Er laſſe, klug und tapfer und gerecht, Alt, Der eignen Thaten Ruhm, wenn er zu Feyrlich⸗ keiten bild, Nach Hof in Galla fährt, noch vor den Läufern 1 ſchreiten, aus⸗ Dann blühet auch durch ihn ſein adelig Geſchlecht, Und wird dem Enkel noch verehrungswürdig blei⸗ t) ben, Wenn jeden Vorrang auch die Schelſucht, einge⸗ eiten, hüllt t, In ſtolze Lumpen, eyniſch ſchilt, blitt Und alle Gallier die Finger wund ſich ſchreiben. Doch ſchmücket ihn nicht Eigenwerth; n Nur altes Pergament, von Motten unverſehrt, ies/ Und rechnet er für Tugenden und Gaben er Uns einen Nahmen an, den Welt und Vorwelt preiſt, gen, So deutet ihm der Hohn auf einen Hund voh et Schaben, Der Caſtor oder Roland heißt. gen. »Ey, Herr Satyriker! mich dünket, Sie entblöden Sich gar zu ſehr!.. Und wen am Ende traf ps Die Spitze dieſer Stachelreden?“— Wen ſonſt, als eben Sie, hochwohlgeborner Graf! Verm. Schriften, E Sie, den wir darum nur mit dieſem Titel grüßen, Weil Sie— welch ein Verdienſt!— von Ihrer Frau Mama Sich in ein alt Geſchlecht hinein gebären ließen; Denn dieſes Ungefähr iſt ja Ihr einzig Recht; und, wollt' ich chicaniren, So ſollte ſich zum Theil ſelbſt dieſes Recht verlieren. »Was? Sie bezweifeln dieſes Recht?— Mein Herr, Sie wiſſen nicht.“— Ich weiß es, Ihr Geſchlecht Iſt hochberühmt ſeit ſieben hundert Jahren. Doch Ihre Väter, einſt mit Ehr' und Ruhm ge⸗ ſchmückt, Beſaſſen ſie wohl auch, mehr als Carvel*) beglückt, Die Kunſt: vor Hahnreyſchaft ſo gut ſich zu ver⸗ wahren? Daß niemand thätiger, als ſie, im Schlafgemach Die ganze lange Reih' der Ahnen unterbrach, Die Tauf⸗Regiſter nie befugte Lügner waren, Und Jener Blut auf Sie, gewiſſer Abkömmling, Durch lauter eiſige Suſannen überging?— Sey'n Sie ein großer Mann, nicht ein erhabner Thor, So leg' ich Ihnen ſelbſt die Weltgeſchichte vor, Durchblättern Sie das Buch, und ſuchen Sie ſich Ahnen. Der Gründer Ihres Stamms ſey Cäſar, ſey Achill, Wir pflichten Ihnen bey, und haſſen den Pedanten, *) S. die Erzählung: Hanns Carvel in Prior's Foem on Several occasions. London 1718. Fol. S. 10. 7 — 7—„ꝶ en, hrer n; ren. es, ckt, er⸗ 19/ ner ſch ill, en, m Der Ihren ſüßen Wahn aus ſeinen Folianten Unfreundlich widerlegen will. Doch wenn Alcides ſelbſt Ihr Aeltervater wäre; So erbt darum auf Sie kein Gran Von ſeiner ſaur genug erworbnen Heldenehre, Gehn Sie nicht auch, wie Er, der Tugend rauhe Bahn. Mit bloßem Stolz iſt's nicht gethan: Der macht kein Volk beglückt, der ſchützet keine Länder.— 4 „Hm! ſagen Sie, was ſeyd, ihr Bratenwender*)! Was ſeyd ihr gegen mich?“ Rangordnung wiſſen wir, Iſt hehr durch Alterthum, und heilig durch Ge⸗ ſetze Doch dieſe Frage nur geſtatten Sie uns hier: Nach welchem Maßſtab man vierfüß'ge Thiere ſchä⸗ tze* Bewundernd jauchzet Albion Dem Renner, der im Lauf gleich einem Hirſch ſich ſtrecket, Und auf dem neuen Markt den erſten Staub er⸗ wecket, Iſt er gleich nicht Eclypſens Sohn**). *) Roturiers. **) Eelypſe, das beruͤhmteſte Rennpferd neuerer Zeit⸗ Es legte in einer Secunde 58 Engliſche Fuß zuruck, bedeckte bey der größten Streckung 25 Fuß, und wiederhohlte dieſe Action 2 1/3 Mahl in einer Se⸗ eunde. Dieß windſchnelle Pferd brauchte zu einer Deutſchen Meile nur 7 Minuten, 46 Secunden, E 2 — 08— Doch wär' er das) und eine träge Mähre, So wird des ſchnellen Vaters Ehre Nicht dem Entarteten zu Theil. Verächtlich ſeinem Herrn, und um ein Spottgels feil, Muß er geſpannt an eines Fuhrmanns Wagen, Am aufgeſchundnen Hals das ſchwere Kummet tra⸗ gen.— »Erlauft er einen Hirſch, hält er ein wildes Schwein? Wie ſtark iſt ſein Gebiß? Und ſein Geruch, wie ftins So wird der kluge Weidmann fragen, Beut man zum Kauf ihm einen Jagdhund an. Doch wie? wenn der Verkäufer dann Genöthigt wäre, ſelbſt zu ſagen: Der Vater dieſes Hunds, das Wunder ſeiner Zeit, Hat Wölfe ſelbſt und Bären nicht geſcheut, Dafür trägt auch der Sohn des Oberjägers Gnade In einem goldnen Band am Hals, Ißt, trinkt, begattet ſich, bellt, beißt auch allen⸗ falls, Doch nur die Bauern, in die Wade. Dieß Lob, das eben nicht des Jägers Kaufluſt weckt, Scheint die Biographie von mancher Helden Söhnen, 18 Tertien. Sein Skelett iſt mit der ſorgfältigſten Genauigkeit in allen ſeinen Theilen ausgemeſſen wor⸗ den, und ſein Andenken hat die Philippie der Eng⸗ länder in ihren Annalen der Nachwelt aufbewahrt. Das 26jährige Thier lebte bis zum 27. Febr. 1789. 8 —) 7) —— — N el ra⸗ in? wie it, ade en⸗ ſuſt en, ſten vor⸗ ng⸗ hrt. Ach! gar erbärmlich iſt's auf fremd Verdienſt ſich lehnen, Und, auf ſein Wapen hingeſtreckt, Als ob's ein Polſter wär', ſein Daſeyn zu vergäh⸗ nen! Leicht ſtürzt des alten Ruhms baufäll ger Tempel ein, Durch neue Tugenden muß er geſtützet ſeyn. Doch Sie, Herr Graf?— ja, wenn der Weg der Ehre So eben als der Weg— im Prater*) wäre, Durch den ihr Phaeton, beſpannet mit dem Gold Der Wucherer, ſtets auf und nieder rollt. Ja, wenn, in Gray's und Guthrie's Buch zu pran⸗ gen, Es nichts bedürft', als nuc ein Engliſch Roß Zu füttern, und zur Noth, im Trab bey jedem Stoß, Den Hintern lüftend, drauf zu hangen; Dann wären Sie ein Mann! Doch ſo— es thut mir leid, Man reitet und kutſchiert nicht zur Unſterblichkeit; Auch küßt man ſich nicht hin. Auf eben dieſem Walle, Wo einſt ihr Ahnherr ſtand, beym Donner der Metalle, Und nach**), der Janitſcharen Schwarm Zurücke warf mit fürchterlichem Arm, *) Der allgemein beliebte Spaziergang der Wiener. **) Ernſt Rüdiger Graf von Starhemberg, k. k. Gene⸗ ral⸗Feldzeugmeiſter, der tapfere Vertheidiger Wiens, —— 0— Auf eben dieſem Walle ſtreichen Sie öffentlich, wenn Hitz' und Sonne weichen, Vulgivagens Erzprieſterinnen nach, Und eilen durch der Spötter Menge, Wie im Triumph, aus dem Gedränge Mit Einer fort ins feile Schandgemach. Unfreundlich wär's, Sie da zu ſtören. Drum ſollen Sie nicht mehr der Muſe Warnung hören. Du aber, Jüngling! du, der klüger, nicht vergißt, Daß, prüft man Menſchenwerth bey hellem Weis⸗ * heitſcheine, Die Tugenden die Edelſteine, Der Adel nur die Faſſung iſt, Du lachſt des Gecken ſelbſt, der auf den Zufall trotzet, Nur Poſſen treibt, und doch von Hochmuth ſtrotzer. Will man der Huldigung der Menſchen ſich erfreun, So muß man früh zum Mann ſich bilden, Das heißt: vor Andern nützlich ſeyn; Gleich viel, ob als Achill auf blut'gen Siegsgefilden, Ob als Ulyß im Rath, als Minos im Gericht. Der echte Ruhm winkt auf verſchiednen Wegen, Mit Lorbern kränzet er die Feder wie den Degen. Doch lohnend dein Verdienſt, treibt er zurück den Wicht, Der von Gefahr und Arbeit weggeſchlichen, Schreibt in ſein goldnes Buch den edlen Adelichen, Adlein vergißt darum den edlen Bürger nicht. als dieſe Stadt im Jahre 1683 zum zweyten Mahle von den Tuͤrken belagert ward. „; ung ißt, zet, un, en, Eine Stelle aus dem Lucrez. III. B. 944. V.*). Wie wenn ſie ſelber die Natur urplötzlich Die Stimm' erhüb' und einen unter uns Mit dieſen Worten ſchälte: Sterblicher, Was härmſt du dich ſo ſehr, und klagſt und weinſt Des Todes wegen? war dir angenehm Das ſchon vollbrachte Leben; floſſen nicht Dir unbenützet alle Freuden hin, Wie in ein bodenloſes Faß geſchüttet; Wos geheſt du, als ſatter Lebensgaſt, Von hinnen nicht? warum ergreifeſt du Mit Gleichmuth nicht die ſichre Ruhe, Thor? Doch ging das Gute ganz an dir verloren, Und iſt das Leben dir verhaßt; was ſuchſt du Nun wieder aufzuhäufen, was nun wieder Verloren gehn, was wieder freudenleer Hinſchwinden muß, und endigeſt nicht lieber Mit einem Mahl Mühſeligkeit und Leben? Ich kann nichts mehr beginnen, noch erfinden, Was dir gefiele, ſtets gleicht alles ſich. nimm an: dein Leib trotz' unverwelkt den Jahren, Und nie erſchlaffen die gebrauchten Glieder; Doch bleibet, wenn du auch Jahrhunderte *) Das folgende Gedicht beziehet ſich auf dieſe Stelle. ——2— Durchlebeſt, alles ewiglich dasſelbe; Um wie viel mehr, wenn du unſterblich wäreſt! Wie ließe die Natur ſich widerlegen? Iſt Wahrheit nicht und Recht auf ihrer Seite? —————— Mag doch, mein Stoll, ein Schwarm von falſchen Weiſen Dieß Leben uns als unſer Alles preiſen; Weil mit dem Leib die Menſchenſeel entſteht' Und,(folgern ſie,) mit ihm zu Grabe geht**), Und über ihn nur dadurch ſich erhebet, Daß die Natur ſie etwas feiner webet. Auch ihr Beweis iſt wahrlich nicht ſo ſeicht, Als es die Zunft der Theologen däucht. Doch ich, ich glaub' eh' noch die Albernheiten, Die Mönch und Papſt vom heilgen Haus verbrei⸗ ten Als das, was Gott nach einem ſichern Schluß Zum Wütherich, uns elend machen muß. Denn endets ganz mit dieſem Poſſenſpiele, Was nützen ſie, die tröſtenden Gefühle, *) Wünſcht Aerzten ſeine Kunſt und Königen ſein Herz. * Es iſt bekannt, daß viele Philoſophen aus der Ma⸗ terialität der Seele auf ihre Sterblichkeit ſchloſſen, obgleich andere die Materialität mit der Unſterblich⸗ keit vereinbaren zu können glaubten. Man ſieht, daß dieſe Stelle nur die erſten betrifft. D as heilige Haus, in welchem Jofeph, Maria und Jeſus wohnten, ſollen Engel von Aſien über Meer nach Loretto getragen haben. — —— 4— Von denen ſtets der gute Mann beſeelt Zum Himmel blickt, wenn ihn ein Unfall quält? Und, ob ihm gleich vor dieſer Erde grauet, Doch eifrig hier am Wohl. der Menſchheit bauet, Darüber oft ſein eigenes vergißt, Und, ſo wie du, ein edles Opfer iſt. O ſagt mir nicht in Fridrichs ſtolzem Tone, Daß immer ſich die Tugend ſelbſt belohne; Dem Weiſen ſey ſchon ihr Bewußtſeyn ſüß; Nur Eigennutz verlange mehr als dieß. Wenn ihr, obgleich ihr ſelbſt vor Kälte bebet, Den Mantel doch dem nackten Wandrer gebet; Macht der Gedank': ihr thatet eure Pflicht, Euch Freude zwar, doch warm macht er euch nicht. Und wenn ihr lang' euch unbehäglich findet, So wett' ich drauf, die edle Freude ſchwindet: Sagt, was ihr wollt; die Großmuth iſt der Putz Der Menſchenſeel', ihr Weſen Eigennutz. Drum ſeh' ich den, ſo dieſer Troſt auch ſtärket: Ein Gott, der lohnt, hat meine That bemerket, Den faſt allein für zuverläſſig an; Deß Tugenden ſind nicht von Filigran. Der kann mit Muth und ohne feige Klagen Tyrannenwuth und Pfaffenſtolz ertragen. Wie Ariſtid dient er dem Vaterland, Das undankbar ihn läſtert und verbannt: Stets nach dem Port den Sehnſuchtsblick gerichtet, Harrt er doch aus, bis man die Anker lichtet; Und wenn der Tod die Knochenhand ihm beut, So ſchlägt er ein mit Ruh' und Heiterkeit. 0 Die e Er r Was Doch So Und War Begl Es Nor = S 28 c8 2 c 0 S Nic Ste d Dut Kei Ger nicht. ichtet, t 2 .— en — 6 Doch laßt uns ſehn, ob nicht Lucrezens Lehre Die eitle Furcht des Todes auch zerſtöre! Er ruft uns zu: Gibt dir das Leben Pein; Was bebſt du, Thor? der Tod wird dich befreyn: Doch gibts dir Luſt, ſo eil' auch dann zu ſterben, Eh' Sättigung und Ekel ſie verderben. Ein ſchöner Troſt, wozu man mich verweiſ't, Hör' auf zu ſeyn, daß du nicht elend ſeyſt! Schließt die Vernunft ſo, wie Lucrez geſchloſſen, So gleichet ſie unſelgen Caraboſſen, So ſag' ich ihr hiermit auf ewig ab, Und fluche dem, der mir zum Fluch ſie gab. Warum, warum bin ich ein Menſch geboren? Beglücktes Thier mit ſeinen langen Ohren! Es ißt, es trinkt, es fühlt, es ſchläft, wie ich, Man ſchlägt es oft, man koſt es oft, wie mich, Sein Leben auch drückt Arbeit, würzet Muße, Es iſt mir gleich an jeglichem Genuſſe, Ja übertrifft an Kraft zu Amors Streit, (Das ſetzt Lucrez wohl hoch ihm an,) mich weit. Ja, was oft mir den Freudenkelch verbittert, Sorg' oder Gram, hat ſein Herz nie erſchüttert; Das frohe Jetzt zu nützen nur erpicht, Kennt es den Tod, forſcht in die Zukunft nicht, Und darf den Scheu, den wir vor beyden ſpüren, Nicht mühſam erſt von ſich wegräſonniren. Stoßt, ſchlagt es nur; kaum dringet ihm der Schmerz Durchs dicke Fell, viel minder bis ans Herz. Kein Langohr fühlt mitleidig fremde Qualen, Gerechten Zorn, wo goldne Gecken prahlen, ——0— Ohnmächtge Wuth, wenn Dummheit Weiſe ſchilt, Und Heucheley für ſtrenge Tugend gilt; Er unterlaſſ' auch alle ſeine Pflichten, Nie wird ihn doch ein ernſt Gewiſſen richten; Die Wahrheit flieh vor ihm, er läßt ſie fliehn; nicht Wißbegier, nicht Ruhmſucht ſpornen ihn. Nun muß ich nicht,(Lucrez mag ſelbſt entſcheiden 1) Muß ich ihr Loos den Grauen nicht beneiden? That nicht für ſie die launiſche Natur Mehr, als für mich und ſeinen Epicur? Stoll, was ſcheint dir? Kannſt du die Klügler! ſchätzen, Die offenbar tief unters Vieh uns ſetzen, Das Unthier Menſch vom letzten Zaum befreyn, Und nicht davon die böſen Folgen ſcheun? Wie wird erſt dann das Thronenvolk uns necken, Wenn weder Tod, noch Höllenqual es ſchrecken? Und was erlaubt dann jeder Böſewicht, Wo Dunkelheit die That umhüllt, ſich nicht? Ihr, die ihr laut die Menſchen alſo lehret, Weh uns, weh euch, dafern ihr ſie bekehret! Ihr habt doch wohl nicht ernſthaft überdacht, Von welcher Claſſ' ihr Proſelyten macht; Denn es verliert bey eurer Hypotheſe Der Gute viel, und viel gewinnt der Böſe. Du, welchem Dank ſo manches Auge weint, Der Edelmuth mit hohem Geiſt vereint, Der eitlen Ruhm, der ſchnödes Gold verachtet, So gern zur Hütt', in der ein Bettler ſchmachtet, Als zu Ein C Glaub Sind Doch As J ———— 7 Als zum Pallaſt hineilet, wo ſich krank ſhut, Ein Großkreuz tanzt', aß, küßte, ſchwärmte, trank, Glaub', edler Stoll, daß deiner guten Thaten, Sind manche gleich der Welt jetzt unverrathen, Doch jede dort, wo Tugend triumphirt, hn; Als Perle dir die Siegeskrone ziert. hn. eiden!) —— —— „ Gottes Guͤte an Haſchka. Mit Himmelswiſſenſchaft laß böſe Mönche prahlen, Und unſern guten Gott als einen Wüthrich mahlen! Der Heid' und Muſelmann, der Jude wie der Chriſt Denkt ſeine Gottheit ſich ſo, wie er ſelber iſt. Der Böſe ſchreyt ſie aus für haſtig im Verdammen, Und zittert, wie ein Knecht, vor ewgen Höllen⸗ flammen, Denn weil ſein böſes Herz nicht duldet, nicht ver⸗ zeiht, So ſieht er auch an Gott nur Rach' und Grau⸗ ſamkeit. Er greift ihm vor, er weiß genau der Sünden Schwere, Berechnet auf ein Gran, wie viel dazu gehöre, Daß Gott nicht ſchonen dürf' und uns vom Rich⸗ terſtuhl Zudonnern müſſe; fort zum ewgen Feuerpfuhl! Und, Freund, was ſind es wohl für himmelſchreynde Sünden, Die dieſen guten Gott zum Rächeramt verbinden? Ein freytägliches Huhn, ſo lehrer Mönchsbetrug, Iſt zu der ewgen Verwerfung ſchon genug*). *) Ich weiß nicht, wie viele katholiſche Theologen den von einer Todſunde freyſprechen, der an Abſtinenz⸗ Tagen ohne Diſpenſation Fleiſch ißt. Ver Iberie Und! Pird Dru Erſch Entw Zu ut Par Milch Der Pon Nit Und Richt Das Zun Der Uns due rahlen, nahlen! t Chriſt ſt. ammen, Höllen⸗ ht vet⸗ Grau⸗ Sünden öre, nRich⸗ uhl! chreynde inden? etrug/ . ooen den lbſtineni⸗ Den Sinnenkitzel gern um Schwärmerey vertauſcht? 1 Wer kennt in dieſem Bild nicht eh' den Ketzerbrater Iberiens, als dich, o Gott! Gott heißet Vater; Und wenn mein frommer Mund den heilgen u men nennt, Wird meine Seele froh, mein liebend Herz ent⸗ brennt. Drum auf, o Harfe, laß, wenn auch von Dankes⸗ thränen Erſchlaffet, doch von ihm all dein Geſait' ertönen! Entwarf er, ehe wir noch ſeine Sonne ſahn, Zu unſerm Erdenglück nicht väterlich den Plan? War ers nicht, der das Herz der Mutter Liebe lehrte, Milch in die Brüſt' ihr goß, daß ſie uns pflegt' und nährte, Der unbeſchädigt uns als Kinder tändeln hieß, Von manches Abgrunds Rand durch Engel ziehen ließ; Mit unſchuldsvollem Scherz die lange Muß' uns kürzte, Und durch ein Spielwerk oft den Kelch der Krankheit würzte2 Nicht er, der auf der Fahrt durchs Leben in das Schiff, Das oft der wilde Sturm der Leidenſchaft ergriff, Zum ſichern Steuermann die Lieb' uns gab, den Klippen Der S zu entgehn, und der auf keuſchen Lippen Uns Honig finden ließ, daß unſer Herz berauſcht „ 80 ₰ War ſeine Kraft es nicht, die unſern Geiſt belebte, Daß er voll Wißbegier nach ferner Wahrheit ſtrebte, Und wenn gleich Vorurtheil wie Bley ihn niederzog, Doch wieder ſich ermannt' und neue Flüge flog? Wars ſeine Güte nicht, die unſre Schweſternſeelen, (Auf dieſer weiten Welt kann man ſich leicht ver⸗ fehlen,) Einander nah gebracht? und ſtützt bis an das Grab Auf dieſem Lebenspfad uns feſter Freundſchaft Stab; Wem danken wirs, als ihm? Und gab es denn auch Thränen Mit unter, bittern Schmerz und ungeſtilltes Sehnen; So wiſſen wir es doch, daß er uns zärtlich liebt, Am zärtlichſten vielleicht da, wenn er uns betrübt. Von immer Glücklichen läßt ſich nicht viel erwarten; Der Tugend ſchönſte Frucht keimt in der Trübſal Garten; Die, die muß unſern Werth bewähren und erhöhn; Sonſt ſind wir Kriegern gleich, die keinen Feind geſehn. Drum wenn in unſrer Bruſt auch oft, wie ſcharfe Meſſer, Der Schmerz herum gewühlt; Freund wurden wir nicht beſſer? Und ſprich, iſt beſſer ſeyn nicht ſelbſt hiernieden ſchon Für eine kurze Qual ein übergroßer Lohn? Auch muß man, doppelt ſüß des Glückes beſte Gaben Zu finden, ſeinen Zorn zuerſt empfunden haben. Nur darum, darum nur ſät Gott die Pilgerbahn Uns nicht mit Blumen nur, oft auch mit Dornen an 1 — 81— belebte, Wir ſind das Meiſterwerk von ſeinen S 6pf ſtrebte, händen; erzog, Wos er ſo ſchön begann, wird. auch ſchö u 6 S enden. nſrlen, rum laß uns hoffen, Freunt f ei— t ver⸗ Doch froh 3.. Und wenn die Stunde ſchlägt, vom 6 t aſtmahl auf⸗ as Grab zuſtehen, tub Mit heiterm Angeſicht und ſatt von hinnen g nn auch ehnen; liebt, etrübt. warten; Trübſal echöhn; n Feind ſchorfe den wir etnieden aben. erbahn rnen on⸗ Verm. Schriften. 5 Die Vorzuͤge der Liebe. Man tadelt mich, daß meine Leyer Um keinen Beyfall ſich bemüht, Als nur Amaliens, und all mein Dichterfeuer Auf Amors Opferherd verglüht; Doch werd' ich wohl mit Recht getadelt? Ich glaube, nein; denn die Bewundrung fand Nie einen würdigern, erhabnern Gegenſtand Als Liebe, die das Herz verwahrt, beſchützet, adelt. Sagt, zieht nicht ihre Mentor⸗Hand Den Jüngling oft, der haſtig bis zum Rand Des ſchön beblümten Abgrunds ſchreitet, Mit Macht zurück, und hält ihn, wenn er gleitet? Hat nicht ſchon oft durch ſie der Männer Herrſcher⸗ recht, Wenn es gemißbraucht ward, der Klugheit weichen müſſen. Gelangs nicht oft durch ſie dem ſanfteren Ge⸗ ſchlecht, Uns Irrende zur Pflicht zurück zu küſſen? Auch muß ein Jünglingsherz, das nicht der Roſen⸗ ſchild Der Liebe deckt, hart werden oder wild. Darum, wenn mancher raſ't, wenn er die offne Stirne Mit einem Myrten⸗Kranz entehrt; ₰ (8) (8)(2) uet and t, adelt. nd gleitet? errſcher⸗ weichen en Ge⸗ Roſe⸗ ie offne Wenn er im Schandbett ſich herum wälzt, wo die Dirne Ihn alle Wolluſtgruppen lehrt; Wenn er, von Trunkenheit an jedem Sinn zer⸗ rüttet, Bey einem Scythiſch tollen Mahl Aus dem geräumigen Bokal Den Tod in ſeine Kehle ſchüttet; Wenn er, zum Pharao von Geldgier hingejagt⸗ Der Ahnen Schweiß auf Einer Karte wagt: Da dank' ich es dem zärtlichſten, dem beſten Der Mädchen, daß ich nicht der Thorheit Sclave bin, Entfernt von Phrynen, Bacchus⸗Feſten Und niedrer Liebe zum Gewinn. Da ſing' ich ihr, von Schwätzern unbelauſchet, Wo nur der Kuß verſchämter Liebe rauſchet, In dunkler Laub' ein von Cupid, Dem Polyhiſtor, mir ins Ohr geſagtes Lied; Leſ' ihr Muſarions und Gandalins Geſchichten, Leſ' iht, was Vater Hagedorn Und Gleim und Uz von Liebe nicht bloß dichten; Und lache, wenn mit ungerechtem Zorn Bigotterie und Heucheley uns richten. So bleibet unumwölkt mein Sinn, So ſtehlen ſich die Tage meines Lebens In Unſchuld und Vergnügen hin; Sey froh! ruft die Natur? ſie ruf' es nicht ver⸗ gebens. Dem Gott, der ſelbſt die Allgewalt Zur Dienerinn der Güte machte, F 2 ————— —— Der alles in ſo liebliche Geſtalt Nicht darum kleidete, damits der Stolz verachte, Dem trägt man einen Theil von ſeinen Schulden ab, Wenn man mit Maß genießt, was er aus Liebe gab. Rach M Das 30 Die Die Ja! Kon Erb Erz Und Pol An G lucck. Rach einer Vorſtellung der Hper Orpheus und Euridice. Mein Gluck, mein Freund, wo iſt das Felſen⸗ herz, Das dein unſterblicher Geſang nicht ſchmelzt? Ich ſah den Jüngling vor der Hölle Thor, Die goldne Cyther in der Rechten, ſtehn. Die Eumeniden lauſchten auf ſein Lied. Ja! nur mit dieſen Tönen, dieſen nur Konnt' Orpheus ſie, die Unerbittlichen, Erbitten, konnte vom Verhängniß ſelbſt Erzwingen, daß es nun zum erſten Mahl Und letzten Mahl ein ſchon beſchriebnes Blatt Voll Reu' aus ſeinen ewgen Büchern riß. O Gluck, es iſt mein Stolz, daß du mich * tiebſt, Mein Stolz iſts, daß auch du dem Volk gehörſt, Dem ich gehöre; fühlt es gleich ſo ganz, So warm nicht, wie es ſollte, deinen Werth. Denn lohnt ſein Abderiten-Lob, das ſtatt Durch Thränen, meiſt durch Schwielen in der Hand Sich äußert, nicht den Notenkleckſer auch, Der leeres Ohrgekitzel für Muſik, Der Gaukeleyen für Virtu verkauft, Und deſſen eitler, nichtiger Geſang Nicht weiter, denn ans Trommelhäutchen, reicht, Das Herz nie finden wird, ja, gar nicht ſucht. reicht, cht. An Katharina Jaquet. Dir„edles Mädchen, reift dein Lorber ſchon ent— gegen; Du wirſt Bewunderer nie zählen, ſondern wägen; Der Menge Tadel ſchmerz', ihr lautes Bravo freu' Gemeine Seelen; du, du bleibſt der Kunſt getreu. Auch lohnt ſie die gewiß, ſo niemahls von ihr weichen, und lehrt zuletzt ſie Ruhm erzwingen, ſtatt er⸗ ſchleichen. Auch dich hat ſie's gelehrt; mit immer feſtem Sinn, Nicht Selavinn des Parterrs, nein, ſeine Lehrerinn, Gabſt du, o habe Dank, noch nie für Gold uns Meſſing, Glaubſt niemand auf ſein Wort, und wär' es auch ein Leſſing; Du prüfeſt, was er ſagt: böſ'oder gut gemeint, Gleich viel; du nützeſt klug den Feind, ſo wie den Freund; Cokettenmäßig wünſcht ein Geck ſich Lob von allen; Der weiſe Künſtler hat den Muth, auch zu miß⸗ fallen. ————— —— ——— — 38— Das Maͤdchenherz. O hört, ſo ſchrie ich täglich, ich Thor, Und ſchrie oft taub der Götter Ohr, O höret doch nur mein heißes Flehen Und laſſet in Doris Herz mich ſehen! Erwägt, ob ihr meiner Zärtlichkeit Nicht ein kleines Wunder ſchuldig ſeyd. Die Götter hörten endlich mein Flehen Und ließen in Doris Herz mich ſehen. Ach, welch ein Anblick! geöffnet ſchien Der Götrinn Eitelkeit Magozin. Ich ſah Bouquets und Brüßler-Kanten, Pretenſions von Diamanten, Sroff' aller Farben, Brun de Monsieur, Cacc de Hauphin, Oeil d'Empereur, Straußfedern, Binden, Uhren, Fächer Und Hüte, groß wie Kirchendächer. O Liebe, wie ward mir zu Muth! Ich hofft', es wäre deine Gluth Und deine bitterſüßen Schmerzen In meiner zärtlich Geliebten Herzen, Ich wähnete, mit meinem Bild Sey's ganz oder größten Theils erfüllt. Nach langem Suchen, Seufzen, Schmähen Glaubt' ich doch endlich es auch zu ſehen; Ach! aber es war, o Herzeleid! Nicht ich, nur mein geſticktes Kleid. 7— „„ — „— 39 Auf den Tod eines ungluͤcklichen Frauen⸗ zimmers*). Nach Pope. Was deutet für ein Geiſt, ſich gegen mich bewe⸗ gend, Im Mondenſchatten hin nach einer lichtern Gegend? O ſie iſts, ſie! doch wie? von Blut trieft ihr Gewand; Und matte Strahlen wirft das Schwert in ihrer Hand, O du, ſtets ſchön und gut, ſprich, iſt zu lebhaft fühlen, Iſt einen Liebenden, iſt einen Römer ſpielen, Ein Graäul dort oben? iſt ein allzu feſter Sinn Und ein zu weiches Herz der ſtrengen Richterinn, Gerechtigkeit, verhaßt? wird dem, der edel denket, Und dem, der tapfer ſtirbt, kein Ehrenkranz ge⸗ ſchenket? Warum, ihr Mächte, floh gemeiner Freuden Bahn Ihr Geiſt, durch euch geſtärkt, und hob ſich him— melan. Bey euch iſt Ehrbegier, der edle Fehl, entſproſſen; Sie hat, von Engeln, hat von Göttern ausge⸗ floſſen; *) Den ſie ſich ſelbſt gab, um den Verfolgungen eines grauſamen Hheims und den Schmerzen einer hoff— nungsloſen Leidenſchaft zu entgehen. — 9 0— Auf Erden die geſucht, die deren Bilder ſind. Sie hat der Fürſten Bruſt, der Helden Bruſt ent⸗ zündt. Die meiſten Seelen zwar hält ſtets ihr Leib ge⸗ fangen, Ein Käſich, aus dem ſie zu gucken nie verlangen: Richt nützlich, nicht bemerkt und wie im dunkeln Grab Die Todtenlampe brennt ihr Lebensdocht hinab; So wie ein Sclav' im Oſt, den man zum Schach gekrönet, Sein Leben, eingeſperrt in eigner Burg, vergähnet. PVon dieſen hat vielleicht der Himmel ſie befreyt, Und mitleidsvoll zu ſich geriſſen vor der Zeit. Wie reinre Geiſter ſich nach einem kurzen Streben Verwandter Hefen los hoch in die Lüfte heben: Flog ſie zu Gott, und ließ hier keine Tugend mehr, Die für der Ihren Gräul Erſatz dem Himmel wär'“ Doch du, unredlicher Bewahrer dieſes Gutes, Verräther und Tyrann des brüderlichen Blutes, Sieh dieſe Wangen jetzt beym Hauch des Tods ver⸗ blühn, Von dieſem Roſenmund den Athem zitternd fliehn! Die Bruſt iſt kalt, die erſt die Welt in Flammen ſetzte; Dieß Auge brach, das ſchnell wie Amors Pfeil ver⸗ letzte. Doch wiſſ' auch, herrſchet hier kein blindes Un⸗ gefähr; So fällt ein Rächerarm ſchwer auf die Deinen, ſchwer; Bi „S 22( 2 22 28 c= 8 i2 — ente bge⸗ en: nkeln 6 öchach hnet. , eben ugend wir. 6, ver⸗ iehn! mmen l vet⸗ Un⸗ — 91— Dein Stamm, dein ganzer Stamm, verdorrt in we⸗ nig Jahren, Belagert wird dein Thor von öftern Todtenbahren; Wer dann vorbey geht, ruft,(indeß der Leichenzug Die ganze Straße ſchwärzt, recht ſo! noch nicht genug Für dieſe, deren Bruſt mit einem ehrnen Walle Der Eumeniden Hand verſchanzet! alſo falle, Von Menſchen unbedaurt, der, deſſen kaltes Herz Nie glüht bey pen Glück; nie ſchmilzt bey frem⸗ dem Schmerz! So fahre früh zur Gruft der Stolze, wenig Tage Von Thoren angeſtaunt, und niemand, niemand klage! Gekränkter Schatten, was iſt ein Erſatz dafür, Daß man die letzte Pflicht und ſelber Mitleid dir Verſaget, daß kein Freund, kein Hausgenoß die Thränen Auf deinen Sarg geweint, den bleichen Geiſt zu ſöhnen; Daß fremde Hände dir die Augen zugedrückt; Daß fremde Hände dir das niedre Grab geſchmückt; Daß Unbekannte nur es ehren, und beſuchen; Dir laute Seufzer weihn und deinem Mörder fluchen? Doch tröſte dich, wenn auch kein Freund im ſchwar⸗ zen Kleid Mit jahrelanger Traur und ſtundelangem Leid, Wo ſich die ſchöne Welt zu Tanz und Spiel vereinet, Schautragend Flor und Boy, dem Schmerz zu ſpot⸗ ten ſcheinet; —— ————— —— —— Wenn wir dein Bruſtbild auch, von Marmor aus⸗ gehaun, Nicht unter einem Schwarm betrübter Amor ſchaun; Wenn auch die ſchöne Leich' in ungeweihter Erden Und ohne Seelenamt muß beygeſetzet werden ²²) So druckt doch meine Bruſt der grüne Raſen nicht, Der fruhſte Thau fällt hier, das erſte Röschen bricht Hier ſeine Knoſpe durch, indeß den heilgen Hügel, (Ihn heiligt dein Gebein,) des Seraphs Silber⸗ flügel Umſchattet; ach! es ſchläft, was einſt durch Titel groß, Berühmt durch Schönheit war, hier ſtill und nah⸗ nenlos. Nun kümmert dich nicht mehr, wie ſehr man dich ge— ehret, W W er dich erzeuget hat, und wem du angehöret; Ein kleines Häufchen Staub, vas übriget allein„ Von dir; das biſt du nun; das wird der Stolze ſeyn. Selbſt Dichter faßt der Tod wie die, ſo ſie be⸗ ſungen; Macht taub geprieſner Ohr, ſtumm liederreiche Zun⸗ 9en, *, Nor alnz dirge he multer'd o'er 19) tomb. Dieſer Vers iſt in einer proſaiſchen Ueberſezung al⸗ ſo genen worden: Dhweich kein geheiligter Koth auf dein Grab ge⸗ ſireuct iſi. Auch er, dem nun die Seel' in Klagen ſchmilzt, entbehrt aus⸗ Die edle Thrän' einſt ſelbſt, die er nun dir gewährt. Dann wird dein holdes Bild dem matten Aug' ent⸗ ſiehen, Und dich die Todesangſt aus ſeinem Herzen ziehen, Aus wird die Lebenspoſſ' und ihre Gaukeleyn, niht, Sein Lied vergeſſen, du nicht mehr geliebet ſeyn. döchen i ilber⸗ ———— ——— An die Frau von Goͤckingk. D„darf ich ſagen, Freundinn! kurze Zeit Genoſſen wir des Manns, den deine Seele liebet: Denn kaum hat uns ſein erſter Kuß erfreut; So hat uns auch ſein letzter ſchon betrübet. Kein thürmender Pallaſt, kein reich geſchmückter Saal, Kein Freudenfeſt, kein Opern⸗Sang, kein Prater, Kein vaterländiſches Theater, Nicht der Bewunderer, der Freunde große Zahl, Die, wo man ihn nur ſah, wo man von ihm nur hörte, Mit jeder Stunde ſich vermehrte, Ja ſelbſt der Schönen Zauberblick, Nichts, nichts hielt mehr den Liebenden zurück. Wohlan, ſo zieh er dann, wohin die Lieb' ihn winket! Doch wenn der hoch beglückte Mann, Der ſtets aus ihrem Becher trinket, In ſeinem Wonnerauſch noch Andrer denken kann; So denke Göckingk, ſelbſt bey deinen Honigküſſen, Der Wiener⸗Freunde noch, die ihn ſo ſehr vermiſſen, Und die, wie gut ſie ſind, doch einen kleinen Reid Auch gegen ſeine Gattinn ſich erlaubten, Wenn ſie nicht bald auf längre Zeit Ihn wieder hier zu ſehn, mit dir zu ſehen glaubten. N — 7—) ) S cS—?— 7— t liebet: . Sagl, rater, ahl, m nut eh' ihn kann; küſſen/ niſſen, n Reid zubten. — An Herrn von Ehrenberg⸗ Weg„lieber Ehrenberg, mit Trauerbärten*), Flören Und ſchwarzen Mänteln! dieß Mahl ſtirbt Dein Alxinger noch nicht; das Sprichwort bleibt bey Ehren, Daß Unkraut nicht ſo leicht verdirbt. Das Fieber, welches mich gewaltig durchgerüttelt, Gott Lob! nun iſt es abgeſchüttelt. Mir ſchmecket mein gebratnes Huhn So gut, wie vor, ich kann mit Hirſchen in die Wette Durch unſern Prater ziehn, kann ſchnarchen in dem Bette Und in dem Arm der Liebe ruhn⸗ In Wien hat ſich nicht viel geändert; Man ißt noch weidlich drauf, trinkt noch Nußber⸗ ger**) Wein, latſcht in der Oper, ſchläft bey Deutſchen Stücken ein, Setzt Hörner auf und trägt ſie, ſchlendert, *) Ein Fleck Boy, mit dem man ſich bey Begleitung der Leichen das Geſicht verhullet, heißt ein Bart. **) Eine der beſten Gattungen des Heſterreichiſchen Weines. Wenn Dämmrung zum Bordell den halben Graben macht, Den Wonnemädchen nach, indeß der Wundarzt lacht. Befiedert, wie der Helm des Hector, und bebändert Sind unſrer Damen Hüt' und ungeheuer groß, Ja faſt dem Hauptſchmuck gleich, den ſie den Män⸗ nern reichen; Wir alle, die nicht Ohren bloß Für die Muſik, auch Herzen haben, weichen Von unſrer Meinung nicht, und rühmen, was der Troß Mißgünſtiger auch lärmt, noch ſtets die Oechi belli Und jeden Engelton der holden Morichelli*). Doch, Freund, was machſt denn du in deinem Tusculum? Du läufſt wohl in den Wold, trabſt auf dem Feld herum, Siehſt dem Geſinde nach und nimmſt auf deine Reiſe Virgils Aeneen mit, doch gibſt du nach der Weiſe Der meiſten Leſer dich nur halb dem Dichter hin, Stehſt jetzt vor Trojens, jetzt vor deines Schloſſes Mauern Und ärgerſt dich bald über deiner Bauern, Bald über Turnus Eigenſinn. Und wenn, begrüßt von deiner Schäfer Flöten, Der ſanfte Heſper blinkt, und ſich die Wolken röthen; *) Eine vortreffliche Saͤngerinn und eine gute tragiſche Schauſpielerinn, Go Auf Por Der — De Ge Un M lacht. ndert s der bell inem Feld deine geiſe hin/ loſe then iſche So liegſt du ruhig hingeſtreckt Auf weichen Boden, der mit Blumen noch bedeckt, Von fern wie ein muſiviſch Pflaſter Dem Aug' erſcheint, und rauchſt dein Pfeifchen Knaſter, Das dir durch einen Schwamm Hephäſtos angeſteckt. Dicht neben dir im grünen Waſen Ruht deine liebe Frau, die ihren Mann,(o ſagt Es nicht zu laut! die Damen würden raſen, Daß Eine dem Gebrauch ſo kühn zu trotzen wagt,) Die ihren Mann mit nichts, ſelbſt nicht aus Liebe plagt, Ihn Rauchtobak ſogar, der von den ekeln Naſen Der Wienerinnen wie die Peſt Geflohen wird, an ihrer Bruſt verblaſen Und flugs darauf von ihm ſich Mäulchen rauben läßt, Kurz die mit dem ſo ſehr verſchrienem Sacramente Mich, das iſt viel geſagt, ſelbſt mich verſöhnen könnte. 5 Doch kommt, ich bitte, kommt zurück; Schon ſucht euch überall verwaiſter Freunde Blick; Verlaßt einmahl die Winterſtoppeln, Verlaßt den Bach, der bald wie ihr vor Kälte ſtarrt, Und kommet, eure Gegenwart Wird jede Stadtfreud' uns verdoppeln. Verm. Schriften An ein junges Fraͤulein. Du, die Natur und Glück ſo wohl bedachten, Da jene dir Gefühl, dir einen hellen Kopf Dir gute Bildung gab, und dieß aus ſeinem Topf Noch einen Klumpen Gold,(iſt auch nicht zu ver⸗ achten,) Dazuwarf; ſieh dich vor! du haſt ein Recht zum Glück; Doch liebes Kind, ein Augenblick Zerſtört es oft; und ach! gerade gute Herzen Sind doppelt in Gefahr, es ewig zu verſcherzen. Du trittſt nun in die Welt; argloſe Freud' um⸗ zieht Mit ſtätem Lächeln deine Wangen, Dein ungetrübtes Auge ſieht Den Himmel voller Geigen hangen, Dein Herzchen überläßt, weil es zu jeder Liſt Unfähig, keine ſcheut, ſich jedem Eindruck willig; Du kennſt die Männer nicht; o glaub' es, übel mißt Uns dein Geſchlecht nach ſich und büßet, wenns zu billig Aus Unerfahrenheit und hoher Unſchuld iſt.⸗ Du irreſt, wenn du meinſt, daß ich die Men⸗ ſchenraße Voll Ungeheuer ſeh: o nein! die Lovelaße Sind Und Doch Zu n 35 Wen Ich Weg Von Veg Und Zu ſi Wie Des Ein Topf U ver⸗ tzum um⸗ iſt willig; übel ns zu Men⸗ Sind wie die Grandiſon' in den Romanen nur, Und ſpielen oft auch dort die albernſte Figur. Doch um die Welt uns heiß, wie Höllenfeuer, Zu machen, brauchts nicht eben Ungeheuer. Ich will nun,(und du dankeſt mir, Wenn auch nicht jetzt, doch ſicher einſt dafür,) Ich will nun aus der Schule ſchwatzen. Weg mit dem Innungsgeiſt*), der mich als ei⸗ nen Mann Von Männern ſchweigen heißt, wenn ich nicht lo⸗ ben kann! Weg, weg! er hindre mich nicht länger, los zu platzen; Und deine Sache ſey es dann, Zu ſehn mit deinen eignen Augen, Wie wenig oder viel wir taugen! Du mußt, ſo wills die Welt, den ſüßen Schmei⸗ cheleyn Des Männervolks und ſeinen falſchen Schwüren Ein willig Ohr zu Zeiten leihn; Thu's immerhin; nur daß ſie dich nicht rühren! Ich liebe Sie heißt oft in unſerm Mund nicht mehr, Als unterthänger Knecht; auch irret gar gewaltig Die, ſo für echt und voll gehaltig Solch eine Münze nimmt, ach! und bereuts oft ſehr. *) Esprit de Coyps. — 100— Doch dieß beſorg' ich nicht; vor ſo grobfädgen 5 Garnen, da Vor Unheil, welches nur Thörinnen widerfährt, in Wird dein Verſtand und ſelbſt dein Herz dich warnen; Die einen Gecken wählt, iſt eines Gecken werth. z Doch dem Betrieger zu entgehen, Gl Zumahl, wenn er ſich ſelber mit betriegt, Per In dieſem, junge Freundinn, liegt Lu Die große Schwierigkeit, hier braucht man hell zu ga ſehen. Der Von zwanzig Jünglingen, die ſich on Um dein Perſönchen nun, wie Satelliten, drehen: Em Liebt auch vielleicht nicht Einer dich. 6 Den blendet der Ducaten Schimmer, 8 Die deiner warten, den reitzt deines Vaters Rang, 3 Den lockt dein Witz, den deiner Saiten Klang, Un Und jener liebt in dir nichts, als das Frauen⸗ zimmer; de Indeß geberden ſie ſich doch, Als hing' ihr Leben nur an einem Fadchen noch: 4 Denn Mitleid wird, das weiß ein jeder Weiber⸗ Gi kenner, 0 Zur Leimſtang' oft, an der ihr kleben bleibt; S Und überhaupt iſts um die Männer Ein kläglich thuend Volk, der Beſte übertreibt. Drum hätteſt du auch je den Beſten dir gefunden; (Ich weiß, man findet den mit ſechzehn Jahren leicht,) So übergib dein Herz nicht in den erſten Stun⸗ den, So ſehr dich auch ſein zärtlich Flehn erweicht; fädgen hrt, arnen; verth. hell zu rehen: Rang, lang/ Frauen⸗ noch: Beiber bt reibt. unden; Jahren Stun⸗ icht; Laß weidlich ihn zuvor in Amors Pfanne röſten, Er zapple, wie er will, du magſt dich immer tröſten, Da dieſes euer Glück einſt ſichert und vermehrt, Ein Gut, zu ſchnell erlangt, verliert von ſeinem * Werth. Auch bilde dir nicht ein, als wirkten Liebesſchmerzen Gleich ſtark auf Männer- und auf Weiberherzen. Bey uns wird weniger die Leidenſchaft genährt? Bald nehmen Pflicht und Amtsgeſchäfte, Bald eine Wiſſenſchaft und bald ein neues Pferd Dem Liebesfieber ſeine Kräfte. Oft tritt wohl auch ein Freund zur Thür herein; Ermahnt uns, guten Muths zu ſeyn, Schenkt lächelnd aus langhalſger Flaſche In ein gerdumig Blas Champagnens Lethe⸗Wein Und gibt uns jenen Rath, die Schwermuth zu zerſtreun, Den ihrem Sohn, der einſt auf des Patroclus Aſche Beynah' ſich blind geweint, die weiſe Thetis gab*). Ein Rath, der auch in unſern Tagen, (Das Unanſtändge rechn' ich ab,) Bey vielen trefflich angeſchlagen. *) Im letzten Geſange der Jlias. acæoy St cnamt mreb kn pMornr Moeeod', welches Stollberg„es wäre dir gut ein Mägd⸗ lein zu herzen“; Pope„indulge tle um' rous hourd überſetzt. Avch findet der letztere den Rath vor⸗ trefflich, nur das Wort gs0 da beleidigt ihn. Wie ſehr doch unſere Moral über die Moral der blin⸗ den Heiden erhaben iſt! — 10 2— Ein wolluſtvoller Kuß von einer Phryne Mund Heilt, öfters aufgelegt, die Schmerzen aus dem Grund. Und kurz; wenn uns die Lieb' auch bis zum Un⸗ ſinn qudlet, Die männliche Philoſophie Macht doch ſich wieder Luft; es fehlet An hellen Zwiſchenräumen nie. Ganz anders iſts bey euch; gebannet in vier Mauern, Beſchäftiget ihr eure Hände nur; So faßt die Liebe Fuß, empört noch die Natur, Und macht euch oft der Jahre Lenz vertrauern. Ein Werther ſchießet ſich ein Loch Ins Sprudelköpfchen; dieß klingt prächtig, macht Parade; Man ſpricht, ſchreibt, ſingt davon in funfzig Jah⸗ ren noch, Und alle Spröden rufen, Gnade! Wenn mit Verzweiflung im Geſicht Von der Piſtol' ihr Pastor Fido ſpricht. Doch wenn auch zehn Emiren*) ſterben, Die unbemerkt im einſamen Gemach Auf Amors Folterbank die Marterkron' erwerben; So kräht gewiß kein Hahn darnach. Du fragſt, wo alles dieß am Ende Hinaus woll' und ob Recenſent *) Man ſehe Kleiſtens Agathokles und Emire und bemerke, daß Agathokles teiner der ſchlechtehen Maänuer war. Des Daß Bey Sei — Du Unt Wii Dei 5 Es Un De De Ei und s dem n Un⸗ auern, latur, ern. macht erben; nirt eſten Des männlichen Geſchlechts nicht gar für dienlich fände, Daß man von Männern ganß getrennt Bey Veſta's heilger Feuereſſe Sein Leben ohne Freud' und ohne Gram beſchlöſſe: O nicht doch, nicht doch, gutes Kind! Du ſollſt zu dem Altar, doch gehen nur, nicht laufen Und etwa gar zu theuer die Wiſſenſchaft erkaufen, Wie wenig dein Geſchlecht durch Eilen hier ge⸗ winnt. Dein Gatte wird dein Herr; da hilft kein Wider⸗ ſtreben, Es ſey nun übel oder gut, Es iſt ſo; du kannſt nichts, als dich darein erge⸗ ben; Und wo lebt das Geſchöpf von Fleiſch und Blut, Das,(hätt' auch Gott ihm Weisheit eingehauchet,) Das ſchlüpfrigſte Geſchenk, die Herrſchaft, nie miß⸗ brauchet. Ein Mann, der wünſcht, iſt ganz ein andres Ding, Als einer, der beſitzt, oft wird der Trauungsring Ein Gegen⸗Talisman, geſchickt die Zaubereyen, Die uns ſo froh gemacht, auf ein Mahl zu zerſtreuen, Der, welcher erſt ſein Leben und ſein Glück In dich geſetzt, in dich, von der ein finſtrer Blick Ihm faſt das Herz im Leib zerſtückelt, Bekümmert jetzt ſich drum kaum im Vorübergehn; Du ſelber, die in ihm den Halbgott nur geſehn, Findſt ihn nun um und um in Menſchheit einge⸗ wickelt. — 10— Die Liebe blüht und ſproßt auf Amors Beet ſo ſchön; Doch ſolls ihr, wenn auf ſeins Gott Hymen ſie verpflanzet, Wie vielen fremden Pflanzen gehn, Sie trägt zwar hier auch Frucht, ſie labet und er⸗ geßet; Doch ſchafft des beſten Gärtners Müh' Den erſten Wohlgeſchmack, den erſten Duft ihr nie. Drum Freundinn, nütze deine Lage; Sie iſt ſo freudenvoll, ſo leer von Sorg' und Plage; Es werde dir als Weib das möglich größte Gluck, Ich wunſch' es, flehe drum tagtäglich das Geſchick; Doch ſiehſt du,(denk' an mich,) auf deine jetzge Lage 2 Mit ſpäter Sehnſucht oft zurück. Erſ In Del Mit Und Du Des Dit Beet ſo men ſie und et⸗ ihr nie. Plage; lck, ſchick; jethe An ein Brautpaar. . Den Tag vor eurem Hochzeitfeſte Erſchienen alle Tugenden, als Gaſte, In Jupiters Pallaſt, bey einem großen Schmaus: Der Gott ſaß da, voll Freuden und voll Sorgen, Mit nichts beſchäftiget, als mit dem nächſten Mor⸗ S gen/ Und theilte ſchon die Rollen aus. Du Liebe, ſcholls zuerſt, du übergib den Händen Des Bräutigams die Braut; du Klugheit geh Dicht neben her; du fahr' in ſeine Lenden, O Stärke, daß er bald ein Häufchen Kinder ſeh', Und Kinder, denen er das Leben, Nicht wie es Andern geht, den Nahmen nur gege⸗ ben. Du Schönheit„doch die iſt ſchon bey der Braut. Vorſichtigkeit, du, die mit Seheröhren, Wogegen ihren Werth Dollandiſche verlören, Bis in die fernſte Zukunft ſchaut, Begleite ſie auf allen ihren Wegen. Du Freude, ſpring dem jungen Paar entgegen; Auch du, o Tugend alter Zeit, Ernſthafte, ſtrenge Höuslichkeit, Hilf ihnen jährlich Rechnung legen. —————— 6 14 † ——— — 106— Du Treu' ſogar verlaß, Trotz des Toujours Per- drix, Ihr Bett und ihre Herzen nie*). Er ſprach es, als mit froher Seele Die Tugenden auch ſchon auf ihren Poſten gehn; Nur blieb die Jungfrauſchaft, wiewohl er auch Befehle Ihr in das Ohr geraunt, ſtumm und verdrießlich ſtehn. Verläßt, ſo denket ſie, auch Doris meine Fahne! Der Gott bemerkts, ihr Zaudern ärgert ihn. Nun wirſt du, ſagt er, denn ich mahne Dich jetzt zum letzten Mahl, wirſt du von hinnen ziehn? Fort, fort! und ſtöre nicht rechtmäßger Liebe Küſſe! Du gleichſt dem Gelde, Zauberinn; Dein ganzer Werth beſteht dgrin, Daß man zu rechter Zeit dich wegzugeben wiſſe. *) Als der Beichtvater einem Könige in Frankreich ſei⸗ ne Untreue gegen die ſo ſchöne Königinn vorwarf, ließ dieſer dem guten Pater täglich tepphühner vor⸗ ſetzen; als er ſie nun, ob ſie gleich ſeine Lieblings⸗ ſpeiſe waren, bald ſatt wurde, und unberührt vor ſich ſiehen ließ, fragte ihn der König, warum er nicht eſſe. Mais, Kre, toujours Perdriæ“ war die Antwort. Ich uberlaſſe es dem Leſer, die Nußan wendung im Rahmen dis Königes zu machen. N Bal — Bal Laut Sei Zu Der Gele Des Nich Me Feſ Un Ein Die D Au Du 5 Per. gehn; er auch rießlich Fahne! hinnen Küſſe! viſſe. ich ſei⸗ rwarf, er vor⸗ blings⸗ hrt vot tum er war die Rußan⸗ 1. — An Saſchka. Mein Haſchka, der bisher, wenn Mißgunſt oder Neid Bald ſeine Verſe, bald ſein Kleid, Bald,(was zwar jedermann, der auch nur halb dich kannte, Laut tückiſche Verleumdung nannte,) Sein Herz geſchmähet*), edel ſchwieg, Zu groß für einen Federkrieg, Der meiſten Theils den Wiſſenſchaften ſchadet, Gelehrte trennt, ſie mit dein Hohn Des Pöbels auf und um den Thron Nicht ohne Schein von Recht beladet, Mein Haſchka, gilt mein Rath, ſo hältſt du im⸗ mer feſt, Feſt über dieſer weiſen Regel: Und zög' auch wider dich aus ihrem faulen Neſt Ein ganzer Schwarm der unverſchämten Vögel, Die, weil kein Ton aus ihrer Kehle dringt, Des Vogels ſpotten, der da ſingt. Auch weiche, Freund, durch keine Mode, Durch keine Laune, keinen Wahn Verführet, jemahls weg von Klopſtocks Sternenbahn; Denn hierher führte dich auf Flügeln kühner Ode *) Noch ſelten iſt ein Wiſch erſchienen, der dem Her⸗ zen des Schreibers mehr Schande gemacht hätte als Pantalon, Phöbus und Haſchka. 108„ Die ernſte Polyhymnia; Dein Lehrer freuete ſich edel, als er nah' An ſeinem Flug den deinigen erblickte, Rief Beyfall lächelnd: fort, auf dieſem Weg! be⸗ glückte* Mit ſeiner Freundſchaft dich und wand Dir einen Ehrenkranz mit eigner, heilger Hand*). Mich, Freund, mich trägt zu ſolchen Höhen Mein ſchwächrer Fittig nicht, doch ohne Schwin⸗ del ſehen Und meſſen kann ich fremden Flug; Mir aber iſt es Ruhms genug, Wenn ich mit Erato im weiten Zauberthal Der Fantaſie das Bild der Vorwelt mahle, Und wenn der Enkel ſanft gerührt Mein ſtilles Grab dereinſt mit einer Thräne ziert. *) Wie verſchieden iſt Klopſtocks und der meiſten Jour⸗ naliſten Urtheil uber den Werth der Haſchkaiſchen Schriften! 5 und. Höhen Schwin⸗ e ziert. en Jour⸗ hlaiſchen Aen Reinhold. In dem Prater ruh' ich, hier An der Donau, über mir Wölbet ſich der Abendhimmel⸗ Ungeſtöret vom Getümmel Raſcher Wagen,(ſeiten nur Pflegen dieſe ferne Flur Stolze Städter zu befahren,) Denk' ich an die Zeit zurück, Da wir uns noch nahe waren: Schon bey deinem erſten Blick, Der mir einen Mann verrathen, Welcher mehr nach hohen Thaten Dürſtet, als nach hohem Glück, Blieb mein Herz an deinem haften; Liebe zu den Wiſſenſchaften, Die du, Trefflicher, an mir Bald bemerket, ich an dir, Knüpften dieſe Bande feſter; Mich zwar lud in ihren Hain Die gefällge Dichtkunſt ein; Dir hat ihre jüngre Schweſter, Die Philoſophie, gewinkt Und zu ihrer Felſenhöhle Dich gerufen, wo die Seele Von dem Quell der Wahrheit trinkt. — 110— Aber unſre Wege kreuzen, Kreuzen, ja vereinen ſich, Denn die Schönen, die uns reitzen, Leben wahrhaft ſchweſterlich: Für der Einen Freunde ſorget Stets die andre, jede borget Ihrer Schweſter etwas ab. Freund geſtehs! nicht ſelten gab Die Philoſophie dir Lieder Meiner dichteriſchen Brüder Ernſthaft lächelnd in die Hand; Dich durch ſie auf das zu führen, Was, Trotz allem Spintiſiren, Nie ein Pſychologe fand. Meine Freundinn gibt hingegen Manchmahl auf verborgnen Wegen Euern Denkern das Geleit: Neulich brachte ſie mir Roſen Vom Spaziergang mit Spinoſen, Nur hat ſie aus Zärtlichkeit, Eh' ſie mich damit begabet, Erſt die Dornen weggeſchabet. Schön und liebenswürdig, Freund, Sind die Mädchen, geben beyde Reine, dauerhafte Freude Jedem, der es redlich meint. Der, wie wir, von edlem Feuer, Nicht von niederm Trieb erhitzt, Aehnlich einem wackern Freyer, Sie nur liebt, die Mitgift nützt. n, eund, — 111— Doch die bloß aus Fama's Flaſchen, Deren Wein ein kritſcher Knecht Oft verfälſchet, trübet, ſchwächt Und verſchachert, lüſtern naſchen, Ein Kathederchen erhaſchen Oder gar mit ſchnödem Gold Sich den Säckel füllen wollen Und nicht um der Minne Sold Unſern Schweſtern Minne zollen, Dieſe mögen ſich nur trollen! Sieh! mit einem dräunden Blick, Welchen Stolz und Unmuth füllen, Weiſet jenes ſie zurück; Denn allein um ſeinetwillen Wünſcht es ſich, geliebt zu ſeyn; Dieſe ſüßeſte der Grillen Kommt wohl jedem Mädchen ein. Wenn man ja mit gutem Fuge Dieſes Grille nennen kann. Zwar ich weiß, es fängt der Sluge Ein Gewerbe damit an, Daß er denkt, obs ſeinen Mann Wohl nicht etwa darben laſſe; Doch die beſſ're Menſchen⸗Claſſe Siehet nicht auf Vortheil nur; Sie verlanget, was Natur uUnd Gewohnheit nöthig machen; Gebt ihr das, und ſie verzeiht Willig ſich der ſchönen Sachen, Welche Stolz und Eitelkeit Aus den Mahagony⸗Schränken — 112— Einem Hauſen Thoren ſchenken, Der darnach ſich heiſer ſchreyt. Freund, du kenneſt meine Lage! Daß ich an dem Knopfloch nicht Ein gefärbtes Bändchen trage, Noch als ein Kan leyen Licht Vor dem blöden Volke ſchimmre Und aus wohl bezahlter Pflicht An dem Staatsgebäude zimmre, Macht vielleicht allein mein Hang Zu der Ruhe, zum Geſang. Glücklich Freund, daß Reu' hierüber Meine Seele nie empört, Daß kein heißes Hochmuthsfieber Meinen Frieden je geſtört! Wollt' ein Fürſt aus heilgem Haine, Wo ich bey der Pierinn Heute lache, morgen weine Und durch beydes glücklich bin, Mich nach ſeinem Hof verſchreiben; Danken würd' ich ihm und bleiben. Setzt auch, daß er ſeinen Schatz Mich zur Hälfte nehmen hieße, Ach für das, was ich verließe, Wär' es nimmermehr Erſatz! Welch ein angenehm Gefliſter! Zephyr ſcherzet durch den Hain, Frohe Grillen zirpen drein, Unterdeß dumpf rauſchend Iſter — —— erübet ne, —n n —— —————— —— — —— 113 Sich ſchwer fortwälzt, ſeine Fluth Leuchtet von der Abendgluth⸗ Sehet, wie der ſchimmervolle Helios zur Purpurwolle Das Gewölke werden ließ! Scheinet nicht das goldne Fließ, So der Aeſonid' erbeutet, Durch den Himmel ausgebreitet? Ha was tönt? Begeiſterung, Tönt um mich dein Silberflügel? Von der Spitze jener Hügel Schwinget ſich, ein kühner Schwung! Auf das Flügelpferd ein Ritter; An der alten Eiche, dort Kämpft ein zweyter, hier ein dritter, Vierter, fünfter, ſechster! fort, Fort ſind ſie! in welche Halle Kam ich, plötzlich! jede Wand Blitzt von köſtlichem Metalle; Edelſteine ſind wie Sand Rings verſtreuet; horch! die Thüren Thun ſich auf; o Angeſicht, Fähig einen Fels zu rühren! Warum weinſt du? weine nicht; Ja! du wirſt ihn wieder küſſen, Sollt' auch aus des Meeres Grund, Aus der Erde Finſterniſſen, Aus erboßter Drachen Schlund Eine Fee ihn hohlen müſſen; Doch wirſt du ihn wieder küſſen; Schönes Fräulein, weine nicht!. Verm. Scyriften. — 114— Ha! wo war ich? Freund Vergebung! Doch wenn eine Muſe ſpricht, Geiſteskraft und Seelenhebung Mir gewährt, die Leyer reicht; So verzeiht mir Reinhold leicht, Wenn ich an dem Kleid ſie faſſe, Nach ihr eil', allein ihn laſſe. Laut ſoll mein Geſang und rein Bey der Wiederkehr erſchallen Und vielleicht nicht unwerth ſeyn, Dir und Wieland zu gefallen. () —„) — 11 5 ergebung! Prophezeyung bey meines Ratſchky Abreiſe. D Freund, der du als Menſch und Dichter gleich correct, Der Tugenden und Verſe Stümper So mußte denn das Glück, das ſtets die Guten neckt, Uns trennen! ach! dein Kleid iſt ſchon geſchürzt; du faſſeſt„ Den Wanderſtab und eilſt mit Clärchen Hand in Hand Zwey hundert Stadien hinauf am Donau⸗Strand. Ich folge dir— in der Kaleſche Der Faontaſie,(denn die leiht mir Apoll, Ja zahlt noch, reiſ ich ſo, Poſt, Trinkgeld⸗ Mauth und Zoll,) Und kürze dir mit dichtriſchem Gewäſche Den langen Weg; und weil den Römern, wie du weißt, Der Dichter auch ein Seher heißt; So ſoll dein Alxinger Trotz der Zigeunerinnen, Trotz Macbeths Hexen⸗ Trotz der Pythoniſſa Sauls, Des Bileamſchen Thiers und eines weiſen Gauls Des göttlichen Achill ein Seherlied beginnen; Schon ſitzt er auf dem Dreyfuß, du Hör' ehrfurchtsvoll mit beyden Ohren zu. 2 116 Das erſte Huhn verzehrſt du in Sanct Pölten, Der frommen Templer altem Sitz; Doch unbekannt iſt hier dein feiner Witz; Und wenig wird dein Maurerſchürzchen gelten; Obgleich die Maurerey, wie Hund die Welt belehrt, Dem Tempelorden angehört: Drum hoffe nicht, daß aus Verehrung Für A**s Sarg, wozu man dich geführt, Der Wirth dich weniger als Ungeweihte ſchnürt, Auch rechne nicht auf eine Ritterzehrung. Bezahl' und trolle dich; und ehe das Gewölk Der letzte Strahl von Titans Feuerwagen Vergoldet, ſieheſt du das königliche Mölk*²) Gleich einer Felſenburg hoch in die Lüfte ragen Dein Petrak**), auch vom Ordinarius Pieriens geweiht, wird hier zu Kuß Dem theuren Freund entgegen eilen, Ins Speiſezimmer einen Paß, Und aus dem acht und vierzger Faß PVollkommnen Ablaß dir ertheilen. dun ſchwelgeſt du bey dem Prälaten-Wein So brav, als wärſt zu ſelbſt ein Mitglied von dem Orden Sanct Benedicts, trinkſt ſchnell zwölf große Stutzer rein, *) Ein prächtiges Canonirat-Stift. **) Der wördige Priör des Stiftes. Als Dichter iſt er aus dem hieſigen Almanach bekannt. Ich ſchäßze und liebe ihn als einen Mann von edlem Herzen und hellem Kopfe. G * R M elehrt, ürt, Ztutzer ler iſ ſchäßze Herzen — 117— Schläfſt dann an Clärchens Bruſt mit dem Bedeu⸗ ten ein: Heut ſeyſt du ſo genug zerſchüttelt worden. Den andern Tag, nachdem das Frühſtück dich er⸗ quickt, Und dir das Mittagsmahl in Strennberg wohl geſchmecket, (Obgleich die Tafel dort kein ſchöner Aufſatz ſchmückt, Ja deren Hälfte kaum ein grobes Leinen decket,) Langſt du, vom ſchwarzen Domino Der Nacht bedeckt, geſund und froh Am Linzer Stadtthor an, der Mauthner fraget trocken: Wer iſt der Herr? Richts Mauthbars? aber hört Er deinen Nahmen nur, ſo greift er ganz er⸗ ſchrocken Nach ſeinem Hut, verneigt ſich, kehrt Mit weit hinaus geſtreiftem Fuße Den Sand vom Boden weg, und rufet laut: paſſiert! Ihr eilt nach euerm Haus; mit einem derben Kuſſe Wird Clärchen hier als Hausfrau inveſtirt. Der niedre Zins, die großen Zimmer Gefallen ihr recht ſehr! ſie ordnet das Geräth; Doch Himmel! was erblickt ſie nun! die Trümmer Von einem Milchtopf; ſeht, o ſeht, Wie jammernd, gleich dem Faun bey dem zerbrochnen Kruge*), *) S. Geßners Idyllen. 1 Bey dieſes Topfs Fragmenten nun das kluge, Haushälteriſche Weibchen ſteht. Noch könnt'ich Manches dir von jenen frohen Tagen, Die dich in Wien erwarten, prophezeyn. Doch wer wird ſo geſchwätzig ſeyn? Nur Eines will ich dir doch im Vertrauen ſagen: Bevor zum fünften Mahl der Lenz die Blumen mahlt; Der Sommer Ceres Halm, der Herbſt die Traube reifet, Und, wenn des Winters Schnee auf allen Fluren ſtrahlt, Dein holdes Weib nach Muff' und Pelze greifet, Eh alles dieß zum fünften Mahl geſchieht, Wirſt du, gedenk' an mein prophetiſch Lied, Wirſt du, o Freund, mit neuen Ehren Und doppeltem Gehalt nach Wien zurücke kehren. Ein Der Beh Und Du, Der Als Auf Mit Kro De e, 2 Tagen, ſagen: Blumen Traube Fluren greifet/ kehren. 119 An den Grafen von Fries. D Graf, der ſelbſt bey Millionen) Ein edles Herz im Buſen trägt, Der Weisheit, was ſie ſelten pflegt/ Bey voll gefüllten Kiſten wohnen Und in Palläſten weilen lehrt; Du, deſſen Federſtrich man in den fernſten Zonen Der Erde kennt und höher ehrt, Als zehen Obligationen Auf breitem Pergament, beſchwert Mit einem ſcheibengroßen Siegel, Kraft deren ein durchlauchtger Igel, Der ſeiner Unterthanen Blut Von Gottes Gnaden ſaugt, und längſt ſein Kam⸗ mergut Mit Metzen, Pferden, Prunk verſchwendet, Nun das erarmte Land verpfändet; Du, der die Wiſſenſchaften liebt, (Zwar liebt ſie jeder echte Kenner Die ſchönſten Stunden ihnen gibt, Und mit den Werken großer Männer Nicht ſeine Wände nur, auch ſeinen Geiſt ge⸗ ſchmückt; Wie kommts, daß du von deinen Weiſen, Die ich zwar fühlen, lieben, preiſen, Doch nie erreichen kann, auf mich herab geblickt, — — ——— ———— — 120— Und zum Geſchenke mir die Werke deß*) geſchickt, Der, wenn er ſeinen Witz nicht Weiſe ſtechen ließe, Mit Rechte ſelbſt ein Weiſer hieße. Nimm denn, womit allein ein armer Leyer⸗ mann, Ber doppelt jetzt dir alles Gute gönnet, Dir deine Huld erwiedern kann, Nimm dieſe Dintenarbeit an, Wie Arioſt die Verſe nennet, Und durch ſie meinen warmen Dank. Ich ſtelle dein Geſchenk froh in den Bücherſchrank, Und laſſe, ſeh' ich drauf, in ſpäten Folgejahren Noch die Gerechtigkeit Fortunen widerfahren, Daß ſie, wiewohl ſie oft die Würdigſten verfehlt, Und darum Weiſe ſelbſt auf ihre Blindheit ſchmähen, Doch damahls, als ſie dich zum Lieblinge gewählt, So hell, wie Argus ſelbſt, geſehen. *) Des Ariſtophanes. Un geſchickt, hen ließe, ner Lehen erſchrank, gejahren ren, verfehlt, ſchmöhen, gewählt, —— An Leon Redlichkeit und Herzensgüte wiegen Schwerer als ein unnachahmlich Lied; Ach! was hülf' es Pindarn vorzufliegen, Wenn des Sängers tückiſches Gemüth An verächtlichen Begierden klebte Und nur Gold ſich zu erſingen ſtrebte? Du, Leon, biſt mir verehrungswerth, Weil du, was das Glück dir karg beſchert, Mit den Deinen edelmüthig theileſt,„ Leicht ein Prunkkleid miſſeſt, einen Schmaus Und vorbey bey Ball und Schauſpielhaus In die Arme deiner Mutter eileſt, Oder, während Pracht und Schwelgſucht ſich erfreun, Lieber ohne Koſten in dem Hain Keuſcher Muſen mit Geſang verweileſt, kDenn die laſſen nicht vom reichen, nein Nur vom weiſen Manne ſich gewinnen; O die wahren Anti⸗Wienerinnen!) Sprich, Leon, kann wohl ein Böſewicht Groß in ihren ſanften Künſten werden? 8) Hr. Gottlieb Leon, Dfficial an der k. k. Hoſ⸗ Bibliothek; unter Alxingers dichteriſchen Jugend⸗ freunden an Alter der Juͤngſte, und ihm der An⸗ hänglichſte. — 122— Ich, und wenn ich auch allein auf Erden Dieſe Meinung hägte, glaub' es nicht. Zwar die Thorheit metriſch zu verlachen, Wolluſt zu beſingen oder Wein, Brauchts nicht Tugend, dieſes räum' ich ein. Doch geſteh auch: gute Verſe machen, Heißt noch nicht ein guter Dichter ſeyn. Wer nicht, von Begeiſterung umwehet, Auf der Spur der alten Griechen gehet, Wer nicht den ſchon frühe reifen Geiſt Aus den Banden niedrer Wünſche reißt; Nicht der Menſchheit edelſte Gefühle, Ausgeſtrömt vom hohen Saitenſpiele, In die Herzen ſeiner Brüder geußt; Der ſey zwar ein Licht in ſeiner Claſſe, Sey ein kluger, ein gelehrter Mann, Sey gelobt, geehrt, berühmt; er maße Sich nur nicht den Dichtertitel an. Aber dem, der ihn mit Rechte führet, Dem, der tief das Herz der Edlen rühret, Himmelsfeuer, wie Prometheus, ſtiehlt, Um damit ſein Kunſtwerk zu beſeelen, Könnt' es dem an wahrer Tugend fehlen, Deren Werth durch ihn der Erdkreis fühlt. Aber, ſagt man, ſchildert uns der Dichter In getreuen Bildern Böſewichter, Ohne ſelbſt ein Böſewicht zu ſeyn; O ſo kann er auch in treuen Bildern, Einen edlen Freund der Tugend ſchildern, Ohne ſelbſt ein Tugendfreund zu ſeyn⸗ — E Dieſe ₰ Die Alle Die Nied Doch Ein Er Si e n Alles Pi l Oſe Daß Seh (De Str Eilt Ni N . it Po P i Pie 6 S d 0 6 e 1 Fr ter Scheinbar iſt der Einwurf; dennoch hinket Dieſes Gleichniß, Freund, wie mich bedünket. Die Erfahrung kann den Guten zwar Alle jene Schlangenwege weiſen, Die zu Arimanens*) Schandaltar Niedre Seelen Tag und Nacht bereiſen: Doch Erfahrung kann das kalte Herz Eines böſen Mannes nicht erwärmen; Er, ſelbſt fühllos bey der Tugend Schmerz, Singt ihn nie, daß andere ſich härmen; Alles iſt begränzt, auch der Betrug; Will man, daß ein wackrer Leſer weine, O ſo iſts beym Himmel nicht genug, Daß der Dichter nur zu weinen ſcheine. Seht, o ſeht! mit raſendem Geſchrey, (Denn die Freundſchaft ſchleudert ihn herbey;) Stürzet Niſus aus den ſichern Büſchen, Eilt, weil doch die Rettung ſeinem Muth Richt gelungen, wenigſtens ſein Blut Mit dem Blute ſeines Freunds zu miſchen. PVon des edlen Paares Zärtlichkeit Wird noch in der ſpätſten Folgezeit Vieler biedern Enkel Herz durchdrungen, Seit ein Liedermund in Ewigkeit Dieſen Jünglingen und ſich erſungen. Glaubt ihr, daß ein Herz, von Freundſchaft leer⸗ Freundſchaft zu verewgen fähig wär'? Laß, ſo ruft ein eingebildter Kenner Der Geſchichte, laß das Klügeln hier! *) Das Principium des Böſen bey den Perſern. — 124— Die Biographien großer Männer Reden laut, und widerſpiechen dir. Nein! das thun ſie nicht; ihr findet Flecken, Welche hier und da die Sonne decken, Sehr von Thoren Weiſe ſelbſt verführt, Tugenden mit Schwachheit ſtets legirt; Aber Laſter, die das Herz erniedern, Falſchheit, Tücke, Mißgunſt, Neid, Verrath Keimen nicht zugleich mit ewgen Liedern, Dieſes Unkraut frißt die gute Saat. Und wenn wirklich euch der Ruf erzählet, Daß ein ſolcher Mann nicht bloß gefehlet, Nicht der Thorheit bloß den Zoll gebracht. Den hey jedem Volk in jeden Zeiten Ihr die Menſchenkinder alle weihten, Daß er ſich mit gutem Vorbedacht In der Boßheit ärgſte Kluft vertiefet; O ſo glaubt nicht, eh' ihr recht geprüfet. Seht, mit teufliſcher Geſchäftigkeit Schleichet ſtets um das PVerdienſt der Neid. Gierig, erſt die Werke, dann die Herzen Edelmüthger Menſchen anzuſchwärzen. Schlau ſucht er in ihrem Lebenslauf Einen Vorwand, ihren Ruhm zu ſchmählern; Tugenden erniedrigt er zu Fehlern, Fehler thürmet er zu Laſtern auf. Ach! und ſeine Stachelreden haben Nur zu viel Verbreiter; denn erfreut It der meiſten Menſchen Eitelkeit, Einen Mann, den ſeltne Geiſtesgaben Ueber ſ Doch i Ab Dichte Daß d Nur i —,— lecken, 125— Ueber ſie ſo himmelweit erhöhn, Doch in Einem Puncte klein zu ſehn. . Aber du, du Leon, ſelber bieder, Dichter ſelbſt, tritt meiner Meinung bey, Daß die wahre Werkſtatt großer Lieder Nur in einer edlen Seele ſey. —— —— Leon an Alxinger. Whr iſt's, Freund! ſoll hoher Genius Eines Bildners Werk beleben: O ſo muß er früh ſich vom Genuß Riedriger Begier erheben; Muß nicht groß in ſeinem Geiſt allein, Muß auch groß in ſeinem Herzen ſeyn!— Sieh der Vorwelt edle Meiſterwerke! Warum trotzt in ernſter Rieſenſtärke Noch ihr Bau der Allvergänglichkeit? Warum ſteht, noch feſt und unerſchüttert, PVon dem Sturm der Zeiten nicht verwittert, Hoch zum Muſter jeder Folgezeit, Manches Denkmahl ihrer Herrlichkeit? Sprich, warum vermag der Alten Kraftgeſang Selbſt ſich auf den Geiſt der fernſten Zeiten Noch allwirkend zu verbreiten?— Weil ihr Herz kein niedrer Trieb bezwang, Und ſchon früh nach wahrer Größe rang. Heiß hab' ich des Unmuths bittre Thränen Vor den Bildern alter Größe, Freund! Als ein beſſ'rer Cäſar*) oft geweint. Welch ein ungeſtümes Sehnen *) Als Julius Cäſar im Tempel des Hercules zu Cadir das Bild Alexander des Großen erblickte, weinte er: daß er in dem Alter, da Alexander ſchon eine Gle Ei ttert, tgeſang peiten ng/ . thränen es zu Erdit le, weinte nſcen en Hat nicht oft mein ſchwellend Herz empört? Tief gerührt von ihrem hohen Werth, Trauert' ich: daß dieſen Heldenſöhnen Mich nicht auch zu edlerem Beruf Gleich an Geiſt der Allmacht Wink erſchuf. Zwar der Zeitverwandte tauſcht um Poſſen, Tauſcht das Werk des Meiſters oft um Tand, Und den edlen Kunſtgenoſſen Drücket oft ein mühevoller Stand. Wahr iſt's, Freund! der Schelſucht Ungeheuer: Neid, Verfolgung, Haß und Wahn, Blaſen oft der Zwietracht wildes Feuer Gegen ihn zu hellen Flammen an. Dicht verhüllt in grauſe Nebelſchleyer, Schlinget ſich des Edlen Ehrenbahn Oft durch Klüfte, oft auch felſenan; Aber bald zerſtiebt das Abenteuer, Wahrheit und Natür, dein hoher Talisman. Schon thut ſich in heller Morgenfeyer Seinem Blick' ein weites Eden auf: Ein äther'ſcher Jüngling leitet ihn hinauf Zu dem Tempel ewig heil'ger Wahrheit, Wo, aus Wolken voller Klarheit, Ihm nach überwundner Fährlichkeit Seinen Lohn die hehre Göttinn beut⸗ Du, deß Geiſt, voll edler Wißbegierde, Früh' ſich ſchon vom ſchnöden Tand' entwöhnt, halbe Welt bezwang, noch nichts Denkwürdiges ge⸗ than habe. S. Suetonius, Caes. C. 7. 5—— ———— ² — 128— Deſſen Herz nur hoher Menſchenwürde, Niederm Laſter nie gefröhnt; Den die Göttinn ſelbſt in Weiheſtunden In ihr Heiligthum geführt; Der durch ſie in grauer Vorzeit Kunden Jenen Talisman gefunden, Der das Herz in ſchönen Bildern rührt; Der mit kühnem Leyerklang, Uns zum Ruhm, zur Tugend zu ermahnen, Aus den Zeiten tapfrer Ahnen Ein erhabnes Vorbild*) ſang, Laß den Neid mit böſem Hohngelächter Bald dein Lied und bald dein Herz entweihn, Hülle du, ein ſchweigender Verächter Seines Spotts, in edlen Stolz dich ein, Und laß Wahrheit nur und Tugend die Verfechter Deines Lieds und deines Herzens ſeyn. Dümmlinge wird ſtets der Reid bethören; Doch dein Lied wird froh der Weiſe hören, Jener Weiſe, der von Schelſucht nicht beſiegt, Geiſt und Herz nach wahrem Werthe wiegt. *) Doolin von Mainz, ein Rittergedicht. Von Des Dem Zwa Peze Doc Und Und Beg Wen Vei Feir Beh , ihn, rfechter , t. An Herrn von Reter. D glücklich, wer wie ich, befreyt Vom Zwange drückender Geſchäfte, Des jugendlichen Geiſtes Kräfte Dem Dienſte holder Muſen weiht; Zwar nicht mit funkelnden Ducaten Bezahlen ſie, ſo wie die Staaten; Doch ſtrömen ſie Vergnügen, Ruh' Und Nachruhm ihren Dienern zu, Und werden ihren Scipionen Wohl ſchwerlich mit Verbannung lohnen. Beglückt, ſag' ich zum zweyten Mahl, Wen immer Vorſicht oder Wahl Weit von der Staats⸗Galeer' entfernet! Kein Wunder, wenn er manche Nacht Bey Schriften alter Weiſen wacht Und endlich auch von ihnen lernet, Wie man nach jenem Lorber ſtrebt, An welchem Menſchenblut nicht klebt, Und den nicht armer Waiſen Zähren Und Mütterfluch wie Bley beſchweren. Doch wer, mit Acten⸗Staub bedeckt, Der rauhen Steine viel behauet, Womit ein großer Architect Das Wohl der Nationen bauet; Verm. Schriften. 8 — ——— ————— ——— —— ————— —— S — 130— Wer durch ſein Beyſpiel angeflammt, Durch ſeine Gütigkeit entzücket, Ja ſelbſt durch ſein Vertraun beglücket, Die Dornen alle, die ein Amt So reichlich trägt, nur halb empfindet Und Troſt in dem Gedanken findet: Mir lächelt Choteck Beyfall zu, Der Mann, wie Ratſchky oder du, Der iſt, beym Himmel! nicht zu tadeln Kennt er auch jene Weiſen nicht, Die ſich und uns durch Schriften adeln Woran der Zeiten Zahn ſich bricht. Und doch verwendſt du Nebenſtunden, Um nicht dieß Privilegium Zu brauchen, haſt im Heiligthum Apolls ihm manchen Kranz gewunden Und neulich erſt mit kluger Hand (Die Aehren gab dir Engelland,) Sechs ſchöne Garben ihm gebunden. Gut und gefällig ſchickteſt du Auch mir die Garben alle zu: Mein Dank muß dir indeß genügen, Doch eh' zwey Wochen oder drey Sich an der Zeiten Kette fügen, So eilt mein Doolin hehr und frey, Als käm' er ſiegreich aus dem Schranken, In meinem Nahmen dir zu danken. An 9 Mon Daß ur Vorin Schön Hat ſi Fütwah Gelehrſ Vir ha Nit die Und kri — .— — 28— — — — war — Daß n 2 8 „*) — — R — ₰ det: du, tadeln n adeln t. nden, n nden d den. ügen/ ) freh/ chranken/ nken. An Fraͤulein Gabriele von Baumberg. Man ſagt mir, theure Gabriele, Daß unſrer Fräulein Schaar auf manches ſüße Lied, Worin ſich deine ſchöne Seele Schön mahlet, mit Verdruß und Naſerümpfen ſieht. „Hat ſie ſonſt nichts zu thun, als Dichten? Fürwahr, ein Weib hat andre Pflichten, Gelehrſamkeit ſteht ihr nicht an. Wir haben uns in unſerm Leben Mit dieſem Zeug nicht abgegeben Und kriegen doch wohl auch, ſo Gott will, einen Mann.“ Erlaube mir in deiner Freunde Nahmen Das Wort für dich zu führen; meine Damen, Sie haben Recht, doch Fräulein Baumberg auch. Zwar iſt es hier nicht Landsgebrauch, Daß man durch Wiſſenſchaft, die angenehm und milde Die Sitten macht, den Theil des Menſchen bilde, Der Seele heißt; Sie haben keine Zeit Zu dieſer Bildung, auch wär's Unbeſcheidenheit, Ja Raſerey, es Ihnen zuzumuthen; Bey Ihnen wird ein juſt nicht feiner Scherz, Wird Schminke, Kleid, Friſur zu mächtgen Zau⸗ herruthen, Wodurch ſie das galante Herz S2 — . ————— 132— Von Jünglingen, die Ihnen gleichen, So ſchnell, als Titans Strahl ein Stückchen Wachs erweichen. Kaum reicht der Morgen hin, um ihr Toppeh zu baun, Und das vollkommneſte der menſchlichen Geſchöpfe, Sich ſelbſt, nach Herzensluſt im Spiegel zu beſchaun; Und wären wirklich Ihre Köpfe Mit Babels Thurm beſetzt und mit gefärbter Luft Des Dünntuchs*) überdeckt, eh' man zur Tafel ruft; So wüßten ſie die Zeit doch beſſer zu benützen, Als über einem Vers zu ſitzen. Sie hüpfeten zum Flügel, übten da Das tändelnde Si dice qua et la, Das Pace caro mio Sposo**), Um wenn nicht durch Geſang, doch durch Minau— derien In ihrem Netz den alten Amoroſo Zu halten und vielleicht noch neue drein zu ziehn; Denn dieſes iſt von ihrem frühſten Morgen, (Das heißt von zehn Uhr an,) bis in die ſpäte Nacht Der Gegenſtand von allen Ihren Sorgen, Das iſt es, was Sie leben macht. Weit anders denkt und handelt Gabriele; Sie ſchmückt zuerſt mit Sorgfalt ihre Seele, Dann auch den Leib, doch einfach, mit Geſchmack, Sie fabricirt(ein großer Schabernack, *) Eine, hieſige ſehr ſchickliche Benennung der Gaze. **) Arien aus beliebten Dpern. Für P Die w Sie fe gum 2 Die E Und e Auf d Ja in Unden Pon Porin Sozu Scheit Ein Die Und Scho Sot Ein Die Dieß Und Nun d( Es Den Der i le hen Wacht Loypeh zu Geſchöpfe, u beſchaun; irbter Luft zur Tafel benützen, ſch Minal zu jiehn; gen, ppüte Nocht gen/ le; Seele/ Geſchnatl et Gohe ———— ———— — Die Dichtkunſt pflanzt dir in dein Leben Für Putz⸗ und Mode⸗Händlerinnen, Die wenig oder nichts in ihrem Haus gewinnen,) Sie fabricirt den Putz ſich ſelber, wie ſie auch Zum Trotz der ſchönen Welt und wider deren Brauch Die Sorge für das Haus mit ihrer Mutter chei— let, Und ohne Poltern, ohne Schreyn Auf das Geſinde ſieht, im Speiſekämmerlein, Ja in der Küche ſelbſt verweilet. Und wenn ein Stündchen dann und wann Von ihren weiblichen Geſchäften übrig bleibet, Worin ſie Verſe lieſt und ſchreibet, So zweifl' ich, ob man ſie mit Rechte tadeln kann; Scheint Ihnen ein Concert auf dem Clavier zu klimpern, Ein Wälſches Lied, das unſre Nachtigall Die Morichelli ſingt, mit heiſrer Krähen Schall Und mit Verluſt von Noten nachzuſtümpern, Schon eine neideswerthe Kunſt; So darf wohl auch, wenn Sie's nicht übel neh⸗ men, Ein Geiſteswerk und einer Muſe Gunſt Die holde Baumberg nicht beſchämen. Dieß, meine Damen, war an Sie, Und hiermit endet auch ſich die Apologie. Nun ſey es mir vergönnt, daß ich mit einer Lehre, O Gabriele, noch zu dir zurücke kehre. Es iſt, das glaube mir, nicht klug, Den Thoren immer nachzugeben, Denn ſie ſind ſo verwöhnt genug. — 134— Die ſchönſten Blumen, laß ſie blühn! Und würden ſie und du vom Pöbel auch verſchrien; So werden dich darum doch edle Menſchen ſchätzen Und dankbar ſich an ihrem Duft ergetzen. Auf Du Dieſen In de Manc Aber In de Oeffne Den Giehl Sonſ Yop' —b Star Ach ch verſchrien; ſchen ſhitzen tzen. —— —— ——————— Auf den Tod des Grafen von Fries*). An Petzel. Du mein Freund, der mit Voltairſchem Witz, Dieſem Schwerte, das ſo furchtbar ſchimmert, In des Aberglaubens finſtrem Sitz Manches alte Götenbild zertrümmert, Aber auch ein edles, Deutſches Herz In der Bruſt trägt, öffne, muß ich bitten, Heffne mir es heute, meinen Schmerz“ Den gerechten Schmerz darein zu ſchütten. Siehſt du jenes hohe Marmorhaus, Sonſt umrauſchet von der Diener Schwarme, Ded' und ſtill? denn aus des Glückes Arme Starb der edelmüthge Fries heraus. Ach der Himmel ſtellt' ihn unſern Reichen Als ein ſeltnes Vorbild auf und ſprach: Dieſem edlen Jüngling ſucht zu gleichen, Dieſen ahmt, ihr grauen Thoren, nach. Sehet, wie er Pflichten zu erfüllen Eifrig, ſich doch nicht der Welt entzieht; Wie er hier Charybdis und dort Schyllen, Nähmlich Geitz hier, dort Verſchwendung flieht, Arme mit den kaum erlangten Schätzen Aus den Klauen des Verderbens reißt**), ²) Er ſtarb den 9. März 1788. **) Der erſte Gebrquch, den er von ſeinen Reichthuͤmern nach dem Tode ſeines Vaters machte, war, eine an⸗ Ihnen, ſo die Hand mit Dank ihm netzen, Retter, Vater, Engel, Schutzgott heißt, Schuldner, die das Glück verfolgte, ſchonet, Dem beſcheidenen Verdienſte winkt, Nicht die Künſte dinget, nein, belohnet ³) Und ſo gern vom Quell der Muſen trinkt, Ein gelinder Herr iſt, edler Bruder, Warmer Freund und allzu guter Sohn; Wie er an dem großen Steuerruder Einer Handlung, die ſo lange ſchon, Als der kleinern Schweſtern ſchönſte Zierde, Hoch empor ragt, voller Sorgfalt ſitzt, Durch den Wucher eines Kaufwanns Würde Nie befleckt, ſich und dem Lande nützt, Des Pactolus Lauf herein zu wenden, Heſterreichſchen Fleiß mit Rieſenkraft Unterſtützt und zehen tauſend Händen Täglich Arbeit und Belohnung ſchafft, Wie er, ſchon in Jünglingsjahren weiſe, Durch das Ausland zeucht, geliebt, verehrt, Und von ſeiner mühevollen Reiſe Reicher**), klüger, beſſer wiederkehrt. ſehnliche Summe unter die vertheilen zu laſſen, die durch die Ueberſchwemmung verungluͤckt waren. *) Der ſelige Graf hat auß ſeiner Reiſe durch Italien bey achtzia tauſend Gulden fuͤr Ankaufung alter und neuer Kunſtwerke verwandt; auch die hieſigen be— rühwten Kuͤnſtler Caſanova, Fiſcher, Füger, Wutky, Zauner verloren einen edlen Freund an ihm. **) Er betrieb auf ſeiner Reiſe auch Handlungsgeſchaͤfte und grundete ein neues Haus in Reapel. ben, onet, nkt, ide, ürde luſen, di waren. rch Italien galter und ieſgen b et, Vutky, ihm zeſchifi Alſo ſprach der Himmel zu den Reichen, Als er dieſes Vorbild aufgeſtellt: Doch umſonſt! ſie wollten ihm nicht gleichen, Darum heiſchte, zürnend auf die Welt, Ihn der Himmel wiederum zurücke: Wir, wir ſehn ihm nach mit naſſem Blicke Und beklagen nicht den edlen Mann, Uns nur, wir verloren, er gewann. Gegenſtuͤck zu Kleiſtens Gemaͤhlde*). Er trägt der Tugend Mask', und iſt ihr ärgſter Feind, Belobt und ſtürzet den, der's redlich mit ihr meint; Verſchlimmrer in der That, den Worten nach Ver⸗ beſſ'rer, Iſt er der Kleineren Tyrann, der Sclave Größrer, Voll böſer Tück' und Liſt, erfüllt er keine Pflicht, Vergreifet ſich am Volk und nutzt dem Thron doch nicht. Da mehr als Staat und Fürſt ihn ſeine Lüſte küm⸗ mern, So lernt' er frühe ſchon, mit fremdem Witze ſchim⸗ mern; Weh' dem, dem er die Hand freundſchaftlich lächelnd drückt! Weh dem, der ſich nicht tief vor dieſem Götzen bückt! Sein Drohn erfüllt er ſtets, Verheißungen ver⸗ gißt er; O Mahler ſchon genug! ein leibhafter Miniſter. *) Es bedarf wohl kaum einer Erinnerung, daß dieſes Gedicht ſo wenig, als das Kleiſtiſche, zu allgemein muͤſſe verſtanden werden. Iphigenia auf Tauris. int; — Ver⸗ Eine ſer, tragiſche Oper in vier Aufzuͤgen. Nach dem Franzöſiſchen do des tin⸗ S. chim⸗ Die Muſikiſt vom Ritter Gluck. helnd ct!(Rachtrag zu Alxingers Theater.) vel⸗ . dieſes emein Perſonen. Fphigenia, Hberprieſterinn der Diana. Hreſtes, Iphigeniens Bruder. Pylades, Hreſtes Freund, Sohn des Königs v. Phocis. Thoas, Koͤnig von Tauris. Diana. Zwey Prieſterinnen. Ein Seythe. Chor der Prieſterinnen Dianens, die mit Iphi⸗ genien nach Tauris gekommen ſind. Scpythen. Leibwachen des KFönigs Thoas. Griechen, Gefolge des Pylades. horis. Iphi⸗ Iphigenia, Agamemnon's Tochter, ſollte in Aulis der Goͤttinn Diana geopfert werden, aber dieſe ward ihre Retterinn und ver⸗ ſetzte ſie nach Tauris. Indeſſen Iphigenia dort als Prieſterinn lebte, todtete ihre Mutter, Klytemneſtra, den Konig Agamemnon, um fich mit Aegiſth zu vermaͤhlen. Sie wuͤrde auch ihren Sohn Oreſtes, den Iphigenia nur als Kind gekannt hatte, getödtet haben, allein ſeine Schweſter Electra verbarg ihn bey dem Konige von Phocis, mit deſſen Sohne Pyla⸗ des er nun erzogen ward. Hreſtes reiſte, ſo bald er Juͤngling geworden, heimlich nach Mycene, und kam gerade zu der Zeit daſelbſt an, als ſich das Geruͤcht ſeines Todes verbreitet hatte. Kly⸗ temneſtra und Aeg iſth dankten fur ſeinen Tod in Apollo's Tempel, aber eben hier war er verborgen, und tödtete im Augenblicke des Opfers Beyde mit eigener Hand. Dafuͤr wurde er durch die Furien gequalt, und das Orakel verkuͤndete: er konne nicht eher befreyt werden, als bis er Dia⸗ ——— nens Bild aus Tauris entfuͤhre.— Dahin reiſt Dreſtes mit ſeinem Freunde Pylades und einem Gefolge von Griechen. Er findet ſeine Schweſter Jphigenia, und bringt ſie nebſt dem Bilde der Goͤttinn Diana nach Mycene. Die gegenwaͤrtige Ueberſetzung hat Herr von Alxinger in Gemeinſchaft mit dem unſterblichen Componiſten verfertigt. Bey der erneuerten Auf⸗ fuͤhrung auf den k. k. Hof⸗Theatern hat man eine nochmahlige Durchſicht nöthig geglaubt, und ſich bey Veranderungen meiſtens der Lesarten be⸗ dient, die das Berliner und Weimariſche Theater gewaͤhlt haben. Ueberhaupt findet ſich mehr die Genauigkeit als Schoͤnheit des Ausdrucks beob⸗ achtet. So nur war es moͤglich, den tiefen Sinn der Muſik wieder zu geben. Wien am 1. Januar 1807. und ine bſt ene. bon Auf⸗ eine ſich he⸗ ater t die beob⸗ Sinn — ——FÜHFÜÜF,F,FF — — * ——,— Erſter Aufzug. (Im Hintergrunde des Theaters der Tempel Dianens; dorne der heilige Wald, der ihn umgibt. Man hoͤrt beym Anfange der Symphonie einige Donnerſchlaͤge, die mit dem Fortgange derſelben ſchneller auf einander folgen. Sie endet mit raſendem Ungewitter. Das Theater iſt nur durch das Leuchten der Blitze erhellt.) Erſter Auftritt. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Iphigenia. Ihr Götter beſänftigt Euch wieder! Euch rühr' unſer Flehn, unſer Schmerz: O donnert auf Strafbare nieder! Kein Laſter befleckt unſer Herz⸗ Die Prieſterinnen. Ihr Götter ꝛc. ꝛc. Iphigenia. Sind dieſe Geſtad' Euch verhaſſet, So wollen wir gerne ſie fliehn. O, winkt uns, Ihr Götter! und laſſet Nach andern Geſtaden uns ziehn. Die Prieſterinnen⸗ Ihr Götter ꝛc. ꝛ0. — Iphigenia. Von Euren geweihten Altdren Verbannet die heilige Wuth! Per Laßt künftig nicht mehr Euch zu Ehren Vergießen unſchuldiges Blut. Die Prieſterinnen. Die Ihr Götter ꝛc. ꝛe. Die (Das Ungewitter nimmt unvermerkt ab. Der Donner ſchweigt; es wird licht und immer lichter, wie die Pot Scene fortruͤckt.) Iphigenia. Eir Die Götter, denen wir geflehet, Sind wieder ausgeſöhnt mit uns. Un Die Ruhe kehrt zurück! Ko Doch tief in meiner Bruſt D Weh mir! raſ't noch das Ungewitter. Eine Prieſterinn. 5 Wie? Iphigenia! welch Unglück fürchtet ſie? Eine andere Prieſterinn. Wo kommt das Schrecken her, das Deine Seel' ergreift? —)„—) c Iphigenia. „— O Himmel! Eine Prieſterinn. Rede doch, geliebteſte Prinzeſſinn! Ein Schickſal haben wir, fern von dem Vaterlande. Geführet, ſo wie Du, an dieſen Jammerort, Sprich— nahmen wir nicht ſtets an Deinem Kum⸗ mer Theil? net die ee nde. um⸗ — —— — Iphigenia. Ich ſah in dieſer Nacht die Burg der Ahnen wieder; Ich fühlte ſchon des Vaters Segenskuß— Vergaß in jenem Augenblick All ſeine Grauſamkeit, und funfzehn Qualenjah⸗ re—— Die Erde bebet unter mir, Die Sonne flieht erzürnt aus der verhaßten Ge⸗ gend, Von Feuer flammt die Luft, und furchtbar ſtürzt herab Ein Blitz auf den Pallaſt, entzündet und verzehrt ihn. Und aus den Trümmern, aus dem Rauch' Kommt eine Stimme zärtlich klagend: Dieß Klagen rühret mich— es dringt mir an die Seele: 5 Hin flieg' ich, wo es ſich erhebt: Den Vater— weh mir! ſeh' ich fliehend, Und blutig, und durchbohrt: ich ſeh' ein Schre⸗ ckenbild, Das mordbegierig ihn verfolget. Dieß Schreckenbild— iſt meine Mutter: Sie reicht mir einen Dolch,— und dann ver⸗ ſchwindet ſie. Ich will entfliehn, man ruft:»O bleib!“ Es iſt Oreſtes: Und einen Armen ſeh' ich, biethe ihm die Hand, Zu helfen wünſch' ich ihm: ein trauriges Verhäng⸗ niß Zwingt meinen Arm, die Bruſt ihm zu durchſtoßen. Verm. Schriften. S — 1 46— Die Prieſterinnen. Grauſame Nacht, voll Schreckens-Scenen! O Ahndung! wie wird's uns ergehn? Dein Zürnen, iſt's nicht zu verſöhnen? Durch Thränen nicht, o Himmel!—— nicht durch Flehn? Iphigenia. O Pelopiden! ſtets von Göttergrimm gedrücket; (Denn an den ſpät'ſt'n Enkeln noch Straft ihre Rächerhand des Tantalus Verbrechen) Der Helden Held— der Götterſohn, Mein edler Vater ſteigt zum Erebus hinunter: Mein Bruder blieb nur meine Hoffnung noch: Er, ſagt' ich tröſtend mir, wird Deine Qualen enden. O mein Oreſtes! O mein Bruder! Du trockneſt nimmermehr der Schweſter Thränen ab. Eine Prieſterinn. Gib doch der Hoffnung Raum in Deiner bangen Seele, Die Götter werden Dir den edlen Jüngling ſchü⸗ tzen. Nur hoffe— hoffe noch! IFphigenia. Nein! Nun hoff' ich nicht mehr. So lang ich leb', hat mich ihr Zorn verfolgt! In meine Jugend Schmach und Unglück ſtets ver⸗ webt. Nun füllen ſie das Maß, und rauben mir Oreſten. Nim Dia Gib Ve So De Me Läf Pe A — n icht durch drücket; brechen) unter: noch: Qualen Thränen r bangen ing ſhi⸗ cht mehr. folgt! ſuts ve⸗ Oriſten⸗ ———— —— O Du, die mir das Leben gab, Nimm dieß Geſchenk, o nimm es wieder! Diana! Dir fleh' ich, laß ſinken mich ins Grab, Gib jenſeit dieſes Grabs mich meinem Bruder wie⸗ der! Weh mir! der Tod nur rettet mich, Sonſt hoff' ich keinen andern Retter: Denn wider mich empörten ſich Mein Volk, mein Vater, und die Götter⸗ Die Prieſterinnen. Läßt denn der Himmel nimmermehr Verſiegen unſre Thränenquelle? Ach jeden Tag bezeichnet er Durch ſeinen Zorn und neue Unglücksfälle! Zweyter Auftritt. Iphigenia. Prieſterinnen. Thoas. Wache. Thoas. Auf jeden Schritt folgt mir nur Unheil nach. Von der Verzweiflung Ruf erhallet dieß Gewölbe; Zu Iphigenig.) Zerſtreue, Prieſterinn! des Thoas bange Furcht; Du kennſt der Götter Wink, Dein Flehn wird ſie verſöhnen. Iphigenia. Der Himmel iſt, weh mir! bey meinem Flehen taub! Thoas. Ha Thränen ſind es nicht: Blut iſt es, was er heiſchet. K 2 — 1 4 8— Iphigenia. Welch ſchaudervolles Opfer! Verſöhnt man Götter denn durch wild vergoſſ'nes Blut? Thoas. Der Himmel ließ durch Zeichen Mich in die Nacht der Zukunft ſehn. Mein Leben iſt bedroht, ſo ſagt es das Orakel, Wenn jedes Fremden Blut, den her ſein Schick⸗ ſal lockt, Den Göttern nicht geopfert wird. Wie bittre Ahndung mir das Innerſte durchwühlet! Welch unbekannten Schmerz die ganze Seele füh⸗ let! Verhaßt iſt mir das Licht, und dunkler wirds um mich, Es nagt an mir wie Schlangenbiſſe. Der Boden unter mir ſtürzt ein, und öffnet ſich, Und ſchon verſchlingt die Hölle mich In ihre tiefen Finſterniſſe. Ich weiß nicht, welches Wort in meinem Buſen hallt: »Zittre, ſchon nahet ſich der Racher!“ Die Ungewißheit ſelbſt quält mich nur deſto mehr, Schon rauſchet fürchterlich der Rache Donner her, Schon überſchwebt er mich Verbrecher. — 2 28 G „——„17 ergoſſ nes Orakel, n Schick⸗ hwühlet! eele füh⸗ wirds um fnet ſch, n Buſen ſto mehrt, nner her⸗ Ich zittre ſchon. 149*— Dritter Auftritt⸗ Die Vorigen. Das Volk herein ſtuͤrzend⸗ Das Volk. Beſänftigt iſt der Götter Wuth, Da ſie uns ſelbſt das Opfer ſenden: Verſpritzt mit heil'gen Händen Sey beyder Fremden Blut. IJphigenia Gu ſich). Thoas. —— Empfang, o Himmel, unſer Opfer! Wie groß iſt nicht dieß Glück, und o wie unver⸗ hofft! Ein Scythe. Zween Jünglinge, zween Griechen ſtrandeten. Sie ſtritten wider uns mit löwengleicher Stärke. Nur endlich ſtreckten ſie die Waffen Nach einem mühevollen Kampf. Von ihnen einer ſchien voll düſterer Verzweiflung, Und immer waren ihm im Mund Die Worte:»Reue und Verbrechen.“ Das Leben haſſet er, und wünſchet ſich den Tod. Das Volk. Beſänftigt u. ſ. w.(wie zuvor.) Iphigenia(bey Seite). Ihr Götter! o erſtickt in mir des Mitleids Stimme! Geheiligt iſt das Amt, und doch— ſo grauſam auch. — 150— Thoas(zur Iphigenia). Eil' itzt:; bald folgen Dir die Opfer zum Altar. Denn ich— den ſein betrübt Verhängniß Bedrohet mit der Götter Zorn, Könnt' Eure Feyer leicht durch meinen Anblick ſts⸗ ren. (Iphigenia und die Prieſterinnen ab.) Vierter Auftritt. Thoas. Die Wache. Das Volk. Thoas(zum Volke,) Ihr ſingt den Göttern, die uns ſchützen,— Singt einen kriegriſchen Geſang: Eu'r Flehen dränge ſich zu ihrem Sitz hinauf. Das Volk. Blut kann den göttlichen Zorn— Blut nur allein kann ihn wenden. Sehet, gefeſſelt ſind ſie, ſehet bereit den Altar. Der Himmel würdigte ſich, uns ſelbſt das Opfer zu ſenden: Groß ſey und feſtlich der Dank, groß wie die Wohl⸗ that es war! PVon dem geheiligten Stahl triefe der Fremdlinge Leben! Unſer Geſtade ſoll nun nimmer ihr Anblick ent⸗ weihn; Ihr Blut— den Göttern ſey's gegeben, Und von der Schuld mach' es uns rein, Altar. bli ſi, nauf. ur allein n. Altar. Opfer ie Wohl⸗ emdlinge lic ent⸗ — 151 Fuͤnfter Auftritt. Die Vorigen. Dreſtes und Pylades in Ketten. Oreſtes(die Augen auf den Boden geheftet, ſcheint tief traurig.) Thoas. Elende! welch Geſchick hat Euch zu Eurem Unglück In meine Staaten hergeführt? P ylades. Geheimnißvoll iſt unſer Plan. Die Götter wollen's ſo: und Du erfährſt ihn nie. Thoas. Für Deine tolle Kühnheit Soll lohnen Dich der Tod. He! Wache! fort mit ihnen. Oreſtes(zu Pylades.) Und ich— mein Freund;— ich führte Dich zum Tod! Das Volk. Blut kann den göttlichen u. ſ. w.(wie zuvor). Zweyter Aufzug⸗ (Das Theater ſtellt einen unterirdiſchen Tempel vor; auf der Seite ein Altar.) Erſter Auftritt. Pylades. Dreſtes(in Ketten.) Pylades. Welch fürchterliches Schweigen, Und welch ein banger Schmerz. Wie? Seufzer dringen nur aus Deiner Bruſt her⸗ vor? Bebt vor dem Tode des Helden große Seele? Bin ich nicht länger Pylades? Biſt Du nicht mehr Oreſt? Oreſtes. Ihr Götter! dieſem Gräul habt Ihr mich aufbe⸗ wahrt? Vom blinden Ungefähr ein mitleidwerthes Opfer Irr' ich herum, verſtoßen überall,— Und bin— ich fühle dieß— zu Qualen nur ge⸗ boren. Pylades. Was ſaaſt Du? welche Worte, Freund! Und welche Qualen? Sprich! —— „—„ G„8„— vot; auf ruſt her⸗ le? haufbe⸗ Opfer nur ge⸗ 153 Oreſtes. Ich führte Dich zum Tod! So war es nicht genug, daß dieſe Mörderhände In meiner Mutter Bruſt den Dolch geſenket hatten; Ihr Götter ſpartet mich zu mehr Perbrechen noch, Nur einen Freund hatt' ich, und bin ſein Mörder jetzt! — Ihr, die Ihr mich verfolgt; Ihr zwanget mich zur Sünde: Laßt die Höll' unter mir öffnen all ihre Schlünde! Zu gelind noch für mich iſt alles, was ſie droht: Freundſchaft Dich, Dich hab' ich, o Natur— Dich verrathen! Wie Berge haͤuft' ich auf die größten Frevelthaten. Trefft mich Ihr Götter,— rächt Euch durch mei⸗ . nen Tod. Pylades. O wie beleidigend für den, der ſo Dich liebet! Freund, faſſe Dich, als Helden ſterben wir. Richt länger ſchmäh' ich Deinem Raſen Die Götter,— Deinen Freund,— Dich ſelber! Warum erfüllt mein Tod, wär' er auch unvermeid⸗ lich, Warum erfüllet er mit eitlem Schrecken Dich? Ich bin nicht ſo beklagenswürdig, An Deiner Seite ſterb' ich ja. ——————— — 154— Nur Einen Wunſch, nur Ein Verlangen Hatt' ich mit Dir, mein Freund! Will froh den Streich empfangen, Der ewig uns vereint. Mag das Schickſal uns bekriegen, Folg' gelaſſen, wenn es ruft; Denn es wird in Einer Gruft Unſer Staub beyſammen liegen. Zweyter Auftritt. Dreſtes. Pylades. Ein Diener des Heiligthums. Wache des Tempels. Der Diener. Elende Fremdlinge, getrennet müßt ihr ſeyn. (Zu Pylades.) Du, folge mir! Oreſtes. Was wagſt Du zu gebiethen? (Zu Pylades.) Nein, nein verlaß mich nicht, Freund von ſo ſeltner Treue! (Zur Wache.) Grauſame, muß man flehn zu Euch? Gebt uns den Tod, den man gedrohet, Doch daß er beyde feſt vereint uns trifft. Schreckbarer als das Schwert, und als der Schei⸗ terhaufen, Iſt dieſer Augenblick der Trennung. 8 2 —— 8— thums. n ſeltnet. Schei „ 155— Der Diener. So will es das Geſetz, die Götter wollen's ſo. (Zur Wache.) Ihr führt ihn fort.* Oreſtes. Halt ein! Pylades(ſich mit Mühe aus Dreſtes Arme reißend). O Schmerz! Oreſtes. Fluch Euch Barbaren! (Pylades, der Diener des Heiligthums und die Wachen verſchwinden.) Dritter Auftritt. Dreſtes(allein.) Man reißt ihn fort, o Qual! dein Freund— er ſtirbt für Dich! * Ihr, die Ihr ſchützt dieß ſchreckliche Geſtad! Ihr voller Durſt nach Blut, vertilgt, o Götter, mich! Wo bin ich? allen dieſen Stürmen Folgt eine nie gehoffte Stille. Der Frieden kehret in mein Herz! Der Götter Grimm iſt nun, Mich zu verfolgen, müde? Ich bin an meiner Leiden Ziel. n Ihr Rächer im Olymp, So ſchenkt Ihr endlich Ruh'— Ruh' mir— dem Muttermörder? (Er ſchläft entkräftet ein.) Vierter Auftritt. Die Eumeniden kommen und umringen Dreſtes. Oreſtes(iſt die ganze Scene durch ſinnlos.) Die Eumeniden. Laß die Natur uns rächen! und die Gottheit, wel⸗ che zürnt! Erfinden neue Qual,—— er iſt ein Muttermör⸗ der! Oreſtes. Ach! Die Eumeniden. Keine Gnad'! Er iſt ein Muttermörder! Oreſtes. O welche Qual! Die Eumeniden. Für ihn noch zu gelind. Er iſt ein Muttermörder! Oreſtes. (Sier zeigt ſich der Geiſt Klytemneſtrens mitten unter den Furien und ſinkt wieder in die Erde.) Ein Geiſt! ach ſchonet mich! Die Eumeniden. Ihn ſchonen? das Ungeheuer! er iſt ein Mutter⸗ mörder. — dem in.) reſtes. t, wel⸗ termör⸗ n unter tmich! Rutter⸗ — 157— Laßt gleichen unſre Wuth, der Wuth von dieſem Mörder! Der Gräuel, nie— o nie verſöhnt er ſich. Oreſtes(aus ſeiner Ohnmacht zuruck kommend, in einer wüͤthigen Stellung.) Grauſame! Die Eumeniden(ihn verfolgend.) Fuͤnfter Auftritt. (Die Prieſterinnen erſcheinen. Die Furien verſchwin⸗ den, ohne daß ſie von denſelben bemerkt werden konnen) Dreſtes. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Iphigenia. Ich ſeh' es, Schrecken muß Dir meine Gegenwart erwecken. Doch könnten Deine Augen nur— Du armer Fremdling!— hier in meinem Herzen leſen; So ſehr ich Dich beklag', auch Du beklagteſt mich. Oreſtes(für ſich.) O welche Züge! welche Aehnlichkeit! Iphigenia(zu den Prieſterinnen.) Macht ihm die Feſſeln los. (Zu Dreſtes.) Welch Land gab Dir das Leben? Was brachte Dich hierher an dieſen Schreckensort? Oreſtes. Was forſcheſt Du mich Elenden zu kennen? 6 — 158— Iphigenia. O ſprich! Oreſtes. Was, Götter! ſag' ich ihrk Iphigenia. Ein Seufzer dringt aus Deiner Bruſt. Wer biſt Du? Oreſtes. Elend bin ich! Mehr begehre nicht. Iphigenia. Ich fleh' um Antwort Dich! Sag an: wo kommſt Du her? Und wer gab Dir das Leben? Oreſtes. Du willſt's: Myzen ſah mich geboren werden. Iphigenia. Wos hör' ich— Göoͤtter! wie? fahr fort, gib Kund⸗ ſchaft uns, Was Agamemnon ward, und was die Griechen wurden. Oreſtes. Agamemnon? Iphigenia. —— In Thränen ſeh' ich Dich! Oreſtes. Ein Meuchelmord ſtürzt' ihn ins Grab. Iphigenia. Weh mir! Oreſtes. Ha! wer iſt dieſes Weib? He 2 Iphigenia. Welch graͤßlich Ungeheuer Hob wider dieſen Held den frevelhaften Arm? Oreſtes. Bey Göttern, frage nicht. ————— Iphigenia. Bey allen Göttern! ſprich! Oreſtes. nicht. O dieſes Ungeheuer— Iſt— kommſt Iphigenia. Ha, ich fühle Todesangſt. Oreſtes. Sein Weib. n. Iphigenia. Sie?— ² 0 ib Kund⸗ veſtes⸗ Ja, ſie ſelber. Grichen Die Prieſterinnen. Entſetzlich! Iphigenia. Und ſtraften denn die Rächer im Olymp Den grauſen Frevel nicht? dih! Dreſtes. Sie ſahen und ſtraften ihn: Sein Sohn——— Iphigenia. O Gott! nirl Oreſtes. Er rächte ſeinen Vater. — 160— Iphig. u. Prieſt. Wie ſchrecklich häufen hier auf Laſter Laſter ſich! Oreſtes. Wie ſchrecklich quält der Reue Stachel mich! Iphigenia. Und dieſer Sohn— den ſich der Götter Zorn er⸗ ſah, Der ihrer Rache dann ein traurig Werkzeug war— Oreſtes. — Fand endlich auch den Tod, den er ſo lang er⸗ ſehnte.— Und in Myzen blieb nur Electra noch zurück. Iphigenia tzieht ſich auf eine Seite des Theaters zuruͤck.) Geſchehen iſt's! hin ſind ſie, all die Meinen! Ihr bangen Ahndungen, ſo täuſchtet ihr mich nicht! (Zu Hreſtes.) Entferne Dich! Denn, weh— ich weiß genug. (Zwey Prieſterinnen begleiten den Dreftes.) Sechster Auftritt. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Iphigenia. O Göttinn! ſieh herab auf mich und dieſe Qual, Die Du mir ſelbſt bereitet. Vermehren dieſen Jammer Das— große Göttinn— kannſt Du nicht. Die Prieſterinnen. O Du! voll Todeswunden, An das ein ſüßes Band Gte Biſt Stets unſer Herz gebunden, Biſt hin für uns, o Vaterland. Iphigenia. O laßt mich Tiefgebeugte weinen! Dahin— dahin ſind all die Meinen. hier auf ſch! der Reue Som er(Zu den Prieſterinnen.) Ihr habt nicht Herrſcher mehr, und ich bin äl⸗ o ternlos; Auch Euer Jammer iſt ſo wie der meine groß. lung er Die Prieſterinnen⸗ Einſt wird Oreſt, ſo hofften wir, uns retten; ic. Wer bricht, da er auch ſank, jetzt unſre Ketten? s Zheatetz en ſch nicht! enug. ſies) e Qual, ht. Verm. Schriften⸗ Dritter Aufzug. (Iphigeniens Zimmer im Tempel.) Erſter Auftritt. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Iphigenia. E⸗ ſey ſo, wie ihr wollt; von unſerm Jammerſtande Laßt uns Electren unterrichten. Dem kalten Arm des Tods entreiß' ich doch ein Opfer. Befriedig' auf ein Mahl mein Herz und die Natur. Für Einen dieſer Elenden, Verdammt zum Tod durch unſer Mordgeſetz, Fühl' ich ein zärtlich Mitleid ſprechen. Es ketten mich an ihn verborgne Ahndungen,— Oreſtes wär' in ſeinem Alter! Sein Bildniß ruft der Fremdling mir zurück. Ich ſeh' Oreſtes ganz in ſeinem edlen Stolze. O ſein Bild— zu feſt gebunden Iſt es noch an dieſes Herz. Hoffnung lindert meinen Schmerz, Ob die Hoffnung ſchon verſchwunden. Unnütz zwar, doch ſüß Gefuhl. O vergeh'— mein Traum— vergehe! Hier Geht Noe Me Pi nerſtande n Oyfer. e Natur⸗ ſez/ gen— rück. tolze. 6 — Ach! es iſt im Orkus nur, Daß ich, Hreſt, Dich wieder ſehe. Zweyter Auftritt. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Dreſtes. Pylades. Eine Prieſterinn⸗ Hier ſiehſt Du ſie— die Elenben. Iphigeni a. Geht einen Augenblick, laßt mich allein mit ihnen⸗ Dritter Auftritt. Iphigenia. Oreſtes. Pylades. Oreſtes(in Pylades Arme ftürzend.) O unverhoffte Freude! Noch ein Mahl halt' ich Dich in meinem treuen Arm! Pylades⸗ Mein Loos iſt minder hart, weil ich Dich wieder ſehe. Iphigenia(zu ſich.) Wie dieſer Anblick doch mein fühlend Herz verwirrt! .(Zu Dreſtes.) Ihr ſeht in Thränen mich, ich kann ſie nicht erſti⸗ cken. Ach wer wohl bliebe kalt Bey Deiner kläglichen Erzählung? Denn lenkte gleich hierher der Himmel unſern Schritt, L7 — 1 6 4— So lebten wir doch einſt in ſanften Gegenden, Und Griechenland war unſrer Jugend Wiege. Pylades. Wie? einer Griechinn Hand ſollt' uns das Leben rauben? Iphigenia. Ach dieß zu retten gäb' ich meines willig hin: Doch Thoas fordert Blut; ſein grauſam frommer Eifer Verdoppelte die angedrohten Uebel, Sucht' ich Euch Beyde zu befreyn. Kann ich auch ſeiner Wuth Euch Beyde nicht ent⸗ ziehn, So will den Einen ich vom Untergang befreyn. Dreſtes und Pylades(zu einander.) Ha! Du mußt leben. Du! Zum Tod bin ich bereit. Iphigenia. Kann ich von dem, der mir das Leben danket, Wohl einen Gegendienſt erwarten? Oreſtes und Pylades. Ja, gebeut, Er wird für Dich ſo Blut als Leben wagen. Iphigenia. Auch meine PVaterſtadt iſt Argos, wie die Eure: Noch hab' ich liebe Freunde dort. Drum ſchwöret, daß ein Brief getreulich überbracht— Oreſtes und Pylades. Bey den Unſterblichen! man täuſcht dich wahrlich nicht! 2 G * ch Ach Doe Rei 6 8 Ur nden, iege⸗ as Leben hin: frommer icht ent⸗ freyn. et.) ch bereit. mket — 1 65— phigenia. So muß ich unter S— muß ich ein Opfer wählen; O Schmerz, o daß durch mein Bemühn Ich beyden Fremden nicht das Leben retten kann? Ach Einer unter Euch muß ſterben. Fuͤr ſich.) Zerriſſen iſt mein Herz. Doch weil ſie nöthig iſt die ſchaudervolle Wahl— Reiſ'(zu Hreſten) Du denn nach Myien. Oreſtes. Ich reiſen? er ſoll ſterben? O nein! Iphigenia. Erfülle meinen Wunſch,— Schick Dich zur Reiſe an, ich eile ſie zu fördern. (Iphigenia ab.) Vierter Auftritt. Dreſies. Pylades. Pylades. O unverhofftes Glück! So rett' ich denn durch meinen Tod Des Freundes Leben? Oreſtes. und ich? ich willigt' ein, daß man es Dir entriſſe? Sprich! Liebſt Du mich? Pylades. Und 3 kannſt Du mich fiagen pe ſtes. Liebſt Du mich? — 166— Pylades. Welche Wuth, Hreſt, hat dich ergriffen? Oreſtes. Entſag' der Wahl der Prieſterinn. Pylades. Nein! nie entſag' ich ihr, ſie iſt mir allzu theuer. Oreſtes. Und Du behaupteſt noch, daß Du mich liebeſt? Du beutſt den Göttern Hohn, willſt Dich zum Opfer weihn? Pylades. Ja mein Oreſt, laß mich das Opfer ſeyn. Ich folg' des Himmels Winken nach. Oreſtes. O! ſo verſchwörſt auch Du mit dieſen Göttern Dich, Um meine Qual noch bitterer zu machen? Pylades. Was forderſt du von mir? Oreſtes. Daß du mich ſterben laſſeſt. Pylades. Nein, hoff' es nicht von mir. Oreſtes. O Freund, laß Dich erbitten. Pylades. Barbar! Beyde. Erweich', o Gott! ſein Herz, Schütz' mir nur meinen Freund, mach', daß er mich erhöre. Nein In k Vie Pie Ve Da Ve lel Vei Per Sie Hie Ve Di „„— ergriffen? u theuet. liebeſt? Nich zun rn Dich, n laſtſt⸗ bitten. daß er Mein Blut ſey ganz Dir aufgeopfert. In dieſem kühle Deinen Zorn! Oreſtes. Wie? dieſe Grauſamkeit— kann ich ſie nicht be⸗ ſiegen? Wie? ſchließet ſich Dein Herz bey meinen Wün⸗ ſchen ſtets? Weißt Du denn nicht, daß für Oreſtes Das Leben nichts als Jammer hat? Weißt Du denn nicht; an dieſen Mörderhänden Klebt noch das Blut, das ich vergoß? Weißt Du denn nicht, daß ſelbſt des Orkus Zorn Verſammelt um mich her die grauſen Eumeniden? Sie folgen mir auf jeden Schritt. Hier ſind ſie! ihre Händ' mit Schlangen noch be⸗ waffnet! Wo fliehn?—— Und wie? auch Du fliehſt, und verabſcheuſt mich? Du gibſt mich ihnen preis— genug—— ihr gro⸗ ßen Götter! (Er faͤllt in Pyladens Arme.) Pylades. Verkennſt Du Pylades in Deinen Leiden? Oreſtes(zu ſich kommend.) Run Pylades! biſt Du's, der ſterben ſoll? Pylades. Ihr Götter! wird ſich denn nie lindern Euer Zorn? Oreſtes(gebeugt, und gefühlvoll.) Der Tod nur kann allein all meinen Jammer enden, Schon hofft' ich ihn, und Du kannſt mir ihn rauben! 1 168— Pylades. D mein Oreſt! hab' Mitleid mit dem Freund! Kannſt Du— o Schmerz!— kannſt Du ihn ſo verkennen? Es rühre Dich die Freundſchaft, welche weint, Dein Herz wird doch von mir ſich niemahl trennen. Dein Freund, der einſt Dir theuer war— Dein Pylades— er kniet, zu flehn, Dich zu be⸗ ſchwören, Erlaub', daß ich Dich deiner Qual entzieh“! Befolg' doch nur der Prieſterinn Begehren. Oreſtes. Trotz deiner Grauſamkeit entreiß' ich Dich dem Tod. Fuͤnfter Auftritt. Iphigenia. Dreſtes. Pylades. Die Prie⸗ ſterinnen. Iphigenia(zu Pylades.) O wie beklag' ich Dich. (Zu den Prieſterinnen.) Ihr leitet ſeinen Schritt. Oreſtes. Nein, Prieſterinn, halt' ein! Dein Mitleid führt Dich irre. Iphigenia. Was ſageſt Du? Oreſtes. Ich bin's, der ſterben muß. Mein Freund kann dir noch nützlich ſeyn. Er ſey der Gegenſtand von deinem edlen Mitleid. S *) — — eund! u ihn ſo wveint, trennen. h zu he⸗ h em Tod. Prie⸗ Schritt. d führt uf. Ritleid⸗ —. 169— Pylades. O merke nicht auf ſeine Raſerey! Iphigenia(zu Hreſtes.) O leb', und denk' auch mein! Oreſtes. Ich kanns nicht ohne Laſter. Pylades. Barbar! welch eine Wuth befällt Dich? Iphigenia. Ach ſelbſt die Görter— ſie beſtimmten meine Wahl. Oreſtes(leiſe zu Pylades.) Wohlan denn— dieſen Augenblick erklär ich— Pylades. O halt!——— Oreſtes. Wiſſ', Prieſterinn—— Pylades(ihn unterbrechend.) Halt ein! gerechte Götter! Iphigenia(zu Pylades.) Welch eine Raſerey ergreifet dich ſo plötzlich? Oreſtes(zu Iphigenien.) So ſprich denn, daß mein Tod—— Iphigenuia. Nein! hoff' es nimmepmehr. Es hielt ein Gott,— zwar unbekannt, doch mächtig, Bey dem Altare ſelbſt den Arm mir noch zurück. Oreſtes. Wie? immer biſt Du taub bey meinem heißen Flehn? Jedoch umſonſt, ich ſchwör' es bey den Göttern! Entfliehet nicht mein Freund dem Tod, So will auch ich vor Euren Augen hier Durchbohren dieſe Bruſt, die ſters der Himmel foltert. Iphigenia. Nun wohl denn— Grauſamer! erfülle deinen Wunſch. Oreſtes(zu Pylades.) Leb'— o mein Freund! gehorche ihrem Willen. Und kehrſt Du nach Myzen, tröſt' meine theure Schweſter. Bring' meinen letzten Seufzer ihr⸗ Leb' wohl! (Ab.) Sechster Auftritt. Iphigenia. Pylades. Iphigenia. Weil denn ſo ſehr für Dich der Himmel wachet; So leiſt', o Fremdling! mir den Dienſt, den Du verſprachſt, Nach Griechenland bring' dieſes Schreiben. Und ſprich Electren ſelbſt, und überreich' es ihr. Pylades. Waos hör' ich? welch Geſchick vereint Euch mit ein⸗ ander? Iphigenia. Ich ehrte dein Geheimniß; Du forſche nun nichts mehr. Pylades. Wohl, ich will Dir gehorchen, Erfüllen Deinen Wunſch, da es der Himmel will. Siebenter Auftritt. foltert. Pylades(allein.) Du ſchönſtes höchſtes Glück auf Erden, O Freundſchaft! komm, und gib mir Muth! Entflammt laß mich von Deinem Feuer werden,! Gerettet ſey Oreſt! Ihm ſey geweiht mein Blut! Vunſch. len. theure 3 Je Wierter (Das Innere von Dianens Fempel. Die Statue der Göt tinn ſteht auf einem Fußgeſtelle, vor ihr ein Altar.) 5 Erſter ufni* Iphigenia(allein.) 0 M Nein, ich erfühle nicht mein ſchaudervolles Amt. Gewiß, es ſpricht ein Gott für dieſen jungen Grie⸗ Y chen. O warum willigt' ich, da doch mein Herz er⸗ E bebt, N In dieſes ſchaudervolle Opfer? —— „ —— — 66——„.£—— Z Ich fleh' Dich an, und beb', o Göttinn voll von Grimme! Erfülle meine Bruſt mit düſtrer Grauſamkeit: Sie höre, Deinem Dienſt geweiht, Micht mehr der Menſchheit ſanfte Stimme. Weh mir! wie bitter mich der Haß des Schickſals plagt. Die Unglückſel'gen morden Iſt mir zur Pflicht geworden; der Göt⸗ u Alter.) Ant. nGrie⸗ erz er⸗ ol von — 153„ Ich folg' ihr, doch mein Herz von jeder Qual zer⸗ nagt. Ich fleh Dich an ꝛc. c. Zweyter Auftritt. Iphigenia. Die Prieſterinnen. Dreſtes (mitten unter ihnen.) Die Prieſterinnen. O ſiehe, Göttinn, unſre Thränen! Das Opfer iſt geſchmückt, bald fließet Dir ſein Blut! O möchte doch dieß Opferblut, Möcht' unſer Flehen Dich verſöhnen! Iphigenia(bey Seite) Mir ſchwindet alle Kraft, o Augenblick voll Se Oreſtes. So enden endlich hier ſich meine langen Leiden? Möcht Eure Rochgier auch, Ihr Götter, hier ſich enden! Iphigenia. O Himmel! Oreſtes. Trockne doch die Thränen, die Du weinſt; Beklag mein Schickſal nicht, den Tod hab' ich ge⸗ wünſchet. Iphigenia. Nein zeige mir die ſtrenge Tugend nicht: Die Götter ſchützeten Dein Leben; Und doch,— und doch Du ſtirbſt, und haſt es ſelbſt gewollt. 35 Oreſtes. Die Götter zwangen mich mein Leben zu verach⸗ ten. Und wollteſt Du es ſchonen, So wär' Dein Mitleid ſelbſt Verbrechen. Iphigenia. Verbrechen? O das iſt's, wenn ich Dich tödten muß. Oreſtes. Dein zärtlich Mitgefühl wird mir den Tod ver⸗ ſüßen! Erleichtern mir den letzten Streit. Seit jenem Schreckenstag— ach ſchon ſo lange Zeit! Sah ich bey meiner Qual kaum eine Zähre fließen! Iphigenia. O Schmerz! (Die Prieſterinnen ſingen folgenden Chor, indem ſie Hreſtes umgeben, ins Heiligthum fuͤhren, und da⸗ ſelbſt mit Blumenkränzen zieren.) Hymne. Alle Prieſterinnen. Keuſche Tochter der Latone Merk auf unſern Huldgeſang, Unſer Weihrauch, unſer Wunſch Dring hinauf zu Deinem Throne. Dir iſt alles unterthänig In dem Himmel, auf der Erd', Und die Hölle ſelber zittert, Wenn ſie Deinen Nahmen hört. n verach⸗ tbten od vet⸗ o lange fließen! indem ſi und da⸗ Alles ziehet Dich zu Rathe Bey dem Frieden, bey dem Streit, Und es wird in unſerm Staate Opfer Dir allein geweiht. Keuſche Tochter ꝛc. ꝛc. (Wenn Oreſtes mit Blumenkränzen geſchmuckt iſt, fuhrt man ihn wuͤhrend dieſes Chors hinter den Altar, und bringt Weihrauch und Trankopfer dar.) Iphigenia. O welch ein Augenblick! O ſchützet mich, Ihr Götter! Die Prieſterinnen. So komm denn, Oberprieſterinn! Erfülle die erhabne Pflicht. Fphigenia(zum Altar hinwankend.) Grauſame! haltet ein, verehret meine Schwachheit. (Sie zittert, da ſie Hreſten anſieht, eine Prieſterinn gibt ihr das Dpfermeſſer.) Gott! all mein Blut— es ſtockt in meinen Adern. Die Prieſterinnen⸗ Wohlan! Iphigenia. Ich beb'!— und dieſer Arm zu furchtſam—— Oreſtes. O Iphigenia! o theure Schweſter! O ſo— ſo warſt Du auch in Aulis einſt geſchlachtet. Iphigenia. Mein Bruder! mein Oreſt! Die Prieſterinnen(auf die Knie fallend.) Oreſtes! unſer König! Oreſtes. Was hör' ich? Iſt es wahr? — 176— Iphigenia. Er iſt es! O mein Bruder! Oreſtes. O Schweſter! Du biſt es,— Du biſt es, die ich ſehe? Die Prieſterinnen. Ja Herr, ſie iſt es ſelbſt. Iphigenia. Mein Bruder! Oreſtes. Meine Schweſter! Ja Du biſt's, ja! mein Herz gibt Dir das Zeug⸗ niß. Iphigenia. O Du mein Bruder! mein Oreſt! Oreſtes. Wie? lieben kannſt Du mich? Und Du verabſcheuſt nicht——— Iphigenia. O weg mit ihr— der ſchrecklichen Erinnerung! Rur fuͤhlen laß mich jetzt die Größe meines Glücks. Noch eh' ich Dich gekannt, trug ich im Herzen Dich, Vom Himmel, von der Welt begehrt' ich meinen Bruder: Ich hab' ihn— hab' ihn jetzt, er iſt in meinem Arm. . Doch Gott! was ſeh' ich? Ih — Er ₰„— — chweſter! s Zeug⸗ rabſcheuſt erung! Glucks. n Herzen h meinen nmeinem * Dritter Auftritt. Die Vorigen. Eine Prieſterinn. Die Prieſterinn. Bebt! ganz weiß man das Geheimniß; Schon eilet der Tyrann hierher: Er weiß es, daß ein Griech', beſtimmt zum Söh⸗ nungsopfer, Durch Dich befreyt von hier entronnen iſt; Voll Unmuth, voller Grimm. Eilt er hierher, den Tod des andern zu befördern⸗ Die Prieſterinn. Ihr Götter, ſteht uns bey! Iphigenia. Rein, es ſey nicht vollendet Das ſchändliche, verfluchenswerthe Opfer! (Zu den Prieſterinnen.) Ihr, ſchützt den König jetzt vor des Tyrannen Wuth; Er iſt der Götter Blut, ſie werden für ihn wachen. Vierter Auftritt. Thoas. Wache. Gefolge. Die Vorigen. Thoas(zu Iphigenien.) Ha! Deine Liſt! nun iſt ſie aufgehüllet. Du ſchändeſt den Altar, verſchwörſt Dich wider mich, Nun iſt es endlich Zeit, Verräth'rinn Dich zu ſtrafen; Vergieß des Fremden Blut, dieß Blut ſöhnt Deine Liſt, Und Deine tolle Kühnheit aus⸗ Verm. Schriften. M Iphigenia. Waos forderſt Du von mir, Barbar? Thoas. Die Prieſterinnen. Ihr Götter ſchützet uns, Gehorch ber Götter Zerſtreuet dieſen Sturm, Wink. ider unſerm Haupte drohet. Thoas(zur Wache.) Der Himmel ſpricht— Genug!— auf,— Gur Wache) unterſtützet mich. Ergreift ihn. Iphigeſia. O Himmel! wie? Du wageſt? Thoas(zur Wache.) Man ſchlepp' ihn zum Altar! Iphigenia. Barbar! er iſt mein Bruder! Thoas. Ihr Bruder? ODreſtes. Ja, ich bins. Iphigenia. Mein Bruder und mein König. Des Agamemnons Sohn. Thoas. Gemordet, wer's auch ſey. Iphigenia(mit Feuer.) (Zur Wache.)(Zu den Prieſterinnen.) Ihr! dahet ſichr(Und Ihr vertheidigt Euren Herrſcher. (Die Prieſterinnen machen einen halben Zirkel, und ſtellen Dreſtes zwiſchen ſich und das Heiligthum.) 1 6 o 8 7— nnen. et uns, Sturm, drohet. — ützet nich. Bruder! in Könih⸗ auch ſeh⸗ nen.)„ gt Euren irtel, und ghun Thoas(zur unſchluͤſſigen Wache.) Ihr bebt! Ihr Feige! ſcheu zurück? Wohlan! ich ſchlachte ſelbſt hier vor der Göttinn Augen Das Opfer und die Prieſterinn. (Man hört Geraͤuſche.) Oreſtes. Wen ſchlachten? ſie? ſie meine Schweſter? Thoas⸗ Ja ſtrafen muß ich ſie; nd a ih St Fuͤnfter Auftritt. Pylades. Griechiſche Voͤlker. Die Vorigen. Pylades(aſch auf Thoas eindringend.) Nein! Du Tyrann mußt ſterben. Die Wache des Thoas⸗ Auf! rächen wir des Königs Blut Mit Tod! Iphigenia⸗ Schützt, Götter! meinen Bruder! (Die Griechen greifen die Scythen ane) Pylades Gu den Griechen.) Ihr Freunde! Muth! auf! folgt mir! Oreſtes. O Pylades! O Du mein Schutzgott! Pylades(in Hreſtes Armen,) Mein Freund, mein Einziger! (Der Kampf waͤhrt einige Augenblicke) M 2 Chor(er ſiegenden Griechen.) Laßt tilgen uns der Scythen Brut, Vernichten ſie, und ihren letzten Samen. Uns gleich ſeyn rächeriſchen Flammen, Und reinigen den Ort durch Blut In Pyladens und in Oreſtens Nahmen. Chor(er fliehenden Schythen) Verlaßt die Stadt, o Freunde! O rettet Euch, Entflieht dem Todesſtreich Der Himmel kämpfet ſelbſt für unſre Feinde. Sechster Auftritt. Die Vorigen. Diana in einer Wolke zwiſchen den Streitenden. Die Scythen und Griechen fallen auf ihre Knie, Iphigenia und die Prieſterinnen heben ihre Hände zu ihr. Diana. Nicht weiter! höret mich! und folget meinem Wink. Ihr Scythen! in die Hand der Griechen gebt mein Bildniß! Ihr babt nur allzu lang an dieſen wilden Opfern Entehret meinen Dienſt, beflecket den Altar. (Zu Dreſten.) Oreſt! ich nehm' an Deinem Schickſal Theil, D Dein Laſter wiſchte ſich durch Thränen weg. — 181 Myzen erwartet Dich; regier im Frieden dort, Und Iphigenien gib ihrem Volke wieder. . (Diana kehrt in den Himmel.) Letzter Auftritt. Die Vorigen,(außer der Göttinn.) Pylades. einde Sie, Deine Schweſter Freund? Oreſtes. Komm, theil mein Glück mit mir! Und in der Edlen hier, der ich das Leben danke, Zu der ein ſüßer Hang längſt meine Seele zog⸗ Sieh meine theure Schweſter wieder. n fallen rinnen 1 Allgemeines Chor. Verfolgt hat lang uns das Glück. Nun ſind die Götter verſöhnet, Pink Und unſre Hoffnung gekrönet, t mein Die Fröhlichkeit kehret zurück. 6 Alles iſt um uns nun helle, n Ruhig iſt und ſanft die Welle, 6 Himmel und Erd', und Meet Störet dieſe Ruh' nicht mehr. il,— — 182— (Der Tempel iſt geoffnet worden. Man ſieht in eine freye Gegend; das Meer wogt im Hintergrunde. Ein ge⸗ ſchmuͤcktes Schiff der Griechen erſcheint waͤhrend des letzten Chors. Die Bildſaͤule Dianens wird aus dem Tempel dahin gebracht. Opfer ſanfterer Art und frohe Tänze dauern bis zur Einſchiffung aller Anweſenden.) * eine freye . Ein ge⸗ hrend des aus dem und ftohe eſenden) a dine. Eine Savoyiſche Rouvelle von Florian⸗ Ats ich im Julius 1788 in jenem Ferney war, das ſeit Voltaire's Tode den öden, einſt von Genien bewohnten Schlöſſern gleicht, entſchloß ich mich, die berühmten Eisgebirge von Savoyen zu beſuchen. Einer meiner Freunde aus Genf hatte die Gefällig⸗ keit, mich zu begleiten. Eine Beſchreibung dieſer Reiſe liefern will ich nicht; um ſie anziehend zu machen, müßte ich den hohen begeiſterten und allen Profanen unverſtändlichen Styl nachahmen, der keinem Reiſenden erlaſſen wird, wenn er, mit einer empfindſamen Seele begabt, ein Paar Meilen zurück gelegt hat. Ich müßte von lauter Entzückungen, Beklemmungen, Freudebeben ſprechen: Wörter, de⸗ ren man ſich allgemein bedient, die aber doch mir, ich geſtehe es, noch nicht geläufig genug geworden ſind. Ich habe den Montblanc, das Meer von Eis und den Urſprung des Arveron geſehen. Lange Zeit betrachtete ich ſtillſchweigend dieſe ſchrecklichen, mit Reif überdeckten Felſen; dieſe hohen, Wolken durchbohrenden Eisſpitzen; dieſen breiten Fluß, der ein Meer genannt wird, und auf einmahl in ſeinem Laufe ſtocket, da deſſen unbewegliche Wellen noch zu wüthen ſcheinen; dieſe ungeheuern, von dem Schnee ſo vieler Jahrhunderte gebildeten Ge⸗ wölbe, woraus ein weißlicher Strom ſtürzet, und Eisſchollen über Felſenſtücke hinwälzet. Bey allen ————— 186 ₰ dieſen Scenen wurde ich von Schrecken erſchüttert, von Traurigkeit durchdrungen. Ich glaubte das Bild einer ſonnenloſen, dem Gott der Stürme preis ge⸗ gebenen Natur zu ſehen. Da ich dieſe grauſen Schön⸗ heiten betrachtete, dankte ich dem allmächtigen We⸗ ſen, daß es ſie ſo ſparſam angebracht hat, und wünſchte fortzukommen, um das Thal, das an⸗ muthsvolle Thal von Maglan wieder durchreiſen zu können. Dort verſprach ich meinen traurig geworde⸗ nen Augen Erquikung, wenn ich langſam meinen Weg durch dieſe lachende Gegend fortſetzen, und an den Geſtaden der Arve jenen dichten Teppich der Wie⸗ ſen, jene ruhigen Haine, jenen Schmelz der Mat⸗ ten, jene zerſtreuten Hütten und Häuſer betrachten würde, wo meine Einbildungskraft mir einen von ſeiner Familie umringten Greis, eine ihr Kind ſau⸗ gende Mutter oder ein Paar junge Verliebte dar⸗ ſtellen wird, die eben vom Altare kommen. Ein ſol⸗ ches Schauſpiel thut meinen Augen wohl; ein ſol— cher Anblick rührt mein Herz, und erweckt darin ſüße Erinnerngen oder angenehme Wünſche. O mein guter Geßner, du dachteſt wohl wie ich, da du, in einem Lande geboren, das mannig⸗ faltiger, mahleriſcher und mehr als irgend eines dazu gemacht war, dir Stoff zu immer abwechſeln⸗ den Beſchreibungen zu liefern, doch niemahls wie ſo viele Andere die Kunſt zu beſchreiben gemißbraucht und geglaubt haſt, daß irgend ein Gemählde, ſey ſein Colorit auch noch ſo glänzend, die Perſonen entbehren könne. Du ſingeſt finſtere Lauben, grüne Vieſe lehre Wen Plic noch und wer Che geke ſtieg St Mo wen Qu mel wo 9e en ſchüttert, das Bild brels ge⸗ gen We⸗ at, und das an⸗ reiſen zu geworde⸗ meinen und n der Wie⸗ er Mat⸗ trachten nen von ind ſiu⸗ hte dar⸗ Ein ſol⸗ ein ſol⸗ kt darin e. * ohl wie mannih⸗ nd eines vechſeln⸗ hl wie ßbraucht ſde, ſey erſonen „rine V Wieſen, helle Bäche; aber Hirtinnen und Schäfer lehren dort Liebe, Mitleiden und Wohlthätigkeit. Wenn man dich lieſet, ſo durchirret der vergnügte Blick die von dir gemahlte Gegend; aber die Seele, noch vergnügter, nähret ſich mit nützlichen Lehren, und genießt das Vergnügen, angenehm gerührt zu werden. Mit dieſen Gedanken beſchäftigte ich mich in Chamouny, als ich von dem Eismeere zurück gekommen und von dem Montanverd herab ge⸗ ſtiegen war. Nach einem mühſamen Wege von zwey Stunden langte ich an der Quelle an, wo ich des Morgens ruhete. Ich wollte das wieder; denn ſo wenig ich die Ströme liebe, ſo viel halte ich auf Quellen. Ueber dieß war ich matt, obſchon ich über meine ausgeſtandenen Beſchwerlichkeiten mich ärger⸗ te. Ich bath meinen braven ehrlichen Wegweiſer, der Franz Paccard hieß, ſich zu mir zu ſetzen, und wir begannen ein angenehmes Geſpräch über die Sitten, den Charakrer und die Lebensart der Ein⸗ wohner von Chamouny. Der gute Paccard inte⸗ reſſirte mich durch die Beſchreibung der einfachen Sitten, wovon man ſich ſo gern unterhält, wäre es auch nur ſie zurück zu wünſchen, als ein arti⸗ ges kleines Mädchen mir einen Korb mit Kirſchen anboth. Ich nahm und bezahlte ihn. Als ſie fort war, ſagte mir Paccard lächelnd: Es iſt jetzt zehen Jahre, daß hier, wo wir ſitzen, eine unſerer jun⸗ gen Bäuerinnen eben ſo ihren Korb mit Früchten einem Reiſenden anboth, und es ihr theuer zu ſte⸗ — 188— hen kam. Ich bath ſogleich Paccarden, mir die Ge⸗ ſchichte zu erzählen. Sie iſt ein Bißchen lang, ant⸗ wortete er, und ich habe die kleinſten Umſtände da— von durch den Herrn Pfarrer von Salanches erfah⸗ ren, der ſelbſt eine große Rolle dabey ſpielte. Ich drang in ihn, mir Alles, was er vom Pfarrer von Salanches erfahren hatte, zu wiederhohlen; und da wir ſo beyde, zwey Tannen gegen über, ſitzend unſere Kirſchen aßen, fing Paccard ſeine Erzäh⸗ lung an. Sie müſſen wiſſen, mein Herr, daß unſer Thal von Chamouny vor zehen Jahren nicht ſo berühmt war als jetzt. Damahls trugen uns noch keine Fremde ihre Louisdore zu, um unſern gefror⸗ nen Schnee zu ſehen und unſere kleinen Kieſel auf— zuleſen. Wir waren arm, und kannten das Böſe nicht. Unſere Weiber und Mädchen, mit ihrer Wirthſchaft beſchäftiget, kannten es noch weniger. Ich ſage Ibnen das voraus, damit Sie mit dem Fehltritte Claudinens etwas Nachſicht haben. Das arme Kind! Bey der Einfalt ihres Herzens war ſie ſo leicht zu täuſchen! Claudine war die Tochter des alten Simon, Ackersmannes in Prieureu*). Dieſer Simon, den ich wohl gekannt habe,(denn er iſt erſt zwey Jahre todt,) war Dorfſchreiber unſerer Pfarre. Das ganze Land ehrte ihn ſeiner Rechtſchaffenheit wegen. Aber *) Das vorzuͤglichſte Dorf im Thale Chamouny. u we ſilbſt ihn 1 wa geha Sch e klein gin ſetzt wert hint war war des Ge ſo dig De tag gen ten die ka zu mit die Ge⸗ lang, ant⸗ lnſtände da⸗ nches efah⸗ ſpielte. Ich Pfarrer von len; und da ibet, ſitend ſeine Erzäh⸗ daß unſer en nicht ſo n uns noch ſern gefror⸗ Kieſel auf⸗ n das Böſe nit ihrer och weniger. ie mit dem haben. Das etzens wot en Simon, Zimon, den ſ zwey Jahre Das ganze vehen Aber . ounh⸗ — 4 39— er war von Natur aus ſtrenge, ließ nichts ſich ſelbſt und andern wenig hingehen. Man fürchtete ihn nicht minder, als man ihn ſchätzte. Wenn et⸗ wa einer der Nachbarn Zank mit ſeinem Weibe gehabt, oder Sonntags in der Schenke ein Paar Schlücke zu viel gethan hat, ſo wagte er die gan⸗ ze Woche nicht, den Simon anzureden. Unſere kleinen Kinder muchſeten nicht, wenn er vorüber ging, zogen geſchwinde ihre Hüte vor ihm ab, und ſetzten ihr Spiel nicht eher fort, als bis er recht weit weg war. Simon war Witwer. Sein Weib Magdalene hinterließ ihm zwey Töchter. Nannette, die älteſte, war ganz gut gebauet; aber die jüngere Claudine war ein Engel an Schönheit. Ihr hübſches run⸗ des Geſichtchen, ihre ſchönen ſchwarzen Augen voll Geiſt, ihre großen Augenbraunen, ihr kleiner Mund ſo roth, wie dieſe Kirſche da, und ihre unſchul⸗ dige fröhliche Miene machten alle Burſche unſeres Dorfes zu ihren Liebhabern, und wenn ſie Sonn⸗ tags in ihrem blautuchenen, dem ſchlanken Wuchſe genau anpaſſenden Leibchen, mit ihrem bebänder⸗ ten Strohhute und kleinen runden Häubchen, das die langen Haare kaum faſſen konnte, zum Tanze kam, wollte jeder der erſte ſeyn, mit Claudinen zu tanzen. Sie war erſt vierzehn Jahre alt, ihre Schwe⸗ ſter Nannette aber neunzehn. Dieſe blieb immer zu Hauſe, die Wirthſchaft zu beſorgen. Claudine aber, —— — 9 0— als die jüngere, hüthete die Herde auf dem Mon⸗ tanverd. Sie trug ſich ihr Eſſen und ihre Spin⸗ del hinauf, und brachte den Tag ſpinnend, ſingend und plaudernd mit ihren Geſpielinnen zu. Abends kam ſie zu Simon zurück, der nach dem Eſſen ſei— nen Töchtern eine bibliſche Geſchichte vorlas, und ihnen den Segen gab, worauf dann Alles ſchla⸗ fen ging⸗ In dieſer Zeit fingen Fremde an, unſere Eis⸗ gebirge zu beſuchen. Ein junger Engländer, Herr Belton mit Nahmen, der Sohn eines reichen Kauf⸗ mannes in London, der eben durch Genf nach Ita⸗ lien ging, hatte die Neugier, nach Chamouny zu reiſen. Er ſtieg bey Madame Couteran*) ab, und morgens um vier Uhr beſtieg er den Montanverd, das Meer von Eis zu ſehen. Mein Bruder Michel, der nun Oberwegweiſer iſt, war ſein Füh⸗ rer. Gegen eilf Uhr kam er zurück, und ruhete wie wir bey dieſer Quelle hier, als Claudine, die in dieſer Gegend herum ihre Schafe hüthete und ſah, daß er ſehr erhitzt war, ihm Früchte und Milch, ihr Mittagsmahl, anboth. Der Engländer dankte ihr, ſah ſie aufmerkſam an, und wollte ihr fünf oder ſechs Guineen geben, welche aber Claudine nicht annahm; wohl aber nahm die arme Claudine ſei⸗ nen Vorſchlag an, ihm ihre Herde zu zeigen, die ſie unter den großen Baumen dort gelaſſen hatte. Der *) Der ſehr bekannte Nahme der Inhaberinn des aͤlte⸗ ſten Gaſthofes in Chamouny. die beſ der ge, ant hat m Moh⸗ e Epin⸗ „ſingend Abends Eſſen ſei⸗ las, und les ſchla⸗ ſete Eis⸗ er, Her en Kauf⸗ ach Ita⸗ wuny zu ab, und ntanverd, Bruder ſein Füh⸗ nd wuhete dine, die thete und üchte und Engländet wollte ihr Claudine dine ſe⸗ n, die ſi atte. D ndes ile — 191— Englander bath ſeinen Wegweiſer, ihn zu erwarten, und ging mit Claudinen hin. Er blieb zwey gute Stunden aus. Die Fortſetzung ihres Geſpräches kann ich dem Herrn nicht ſagen; denn niemand hörte zu. Genug, daß Herr Belton noch dieſen Abend weg⸗ reiſete, und Claudine nachdenkend, zerſtreut und ziemlich traurig nach Hauſe kam, und einen ſchönen grünen Edelſtein am Finger trug, den ihr der Engländer geſchenkt hatte. Ihre Schweſter fragte ſie, wo ſie den Edelſtein her hätte. Gefunden habe ich ihn, antwortete Claudine. Simon, mißvergnügt, nahm alſogleich den Ring, und trug ihn ſelbſt zu Madame Couteran, damit man die Perſon entdeck⸗ te, die ihn verloren hatte. Kein Reiſender meldete ſich darum. Herr Belton war ſchon weit weg, und Claudine, der man ihren Ring wieder gab, wurde von Tag zu Tag trauriger. Fünf oder ſechs Monathe vergingen. Claudine, die jeden Abend mit rothen Augen nach Hauſe kam, beſchloß endlich, ſich ihrer Schweſter Nannette zu vertrauen. Sie geſtand ihr, daß an eben dem Ta⸗ ge, als ſie den Herrn Belton auf dem Montanverd antraf, Herr Belton ihr geſagt hätte, er ſey in ſie verliebt, und wolle ſich in Chamouny anſäßig ma⸗ chen, um ſie nie zu verlaſſen und zu heirathen. Ich, ich habe es ihm geglaubt, ſetzte Claudine hinzu. Er hat mir es mehr als hundert Mahl geſchworen; er hat mir geſagt, ſeine Umſtände nöthigten ihn, nach Genf zurück zu kehren, aber noch vor vierzehn Ta gen würde er wieder hier ſeyn, und ein Haus kau⸗ — 1 92— fen, wo dann ſogleich unſere Hochzeit ſeyn würde. Er ſetzte ſich zu mir, umarmte mich, nannte mich ſeine Frau, und gab mir dieſen ſchönen Edelſtein als den Trauungsring. Mehr darf ich dir nicht er⸗ zählen, meine Schweſter! Aber ich bin ſo unru⸗ hig, ſo krank, und weine den ganzen Tag. Ich habe gut auf den Weg nach Genf hinzuſchauen; Herr Belton kommt nicht zurück. Nannette, die ſich eben verheirathet hatte, drang mit Fragen in die arme Claudine. Endlich hörte ſie, nach vielen Thränen, daß der Engländer das ein⸗ fältige arme Mädchen niederträchtig betrogen hatte, und daß Claudine ſchwanger ſey⸗ Was nun anfangen und wie dieſes Unglück dem fürchterlichen Herrn Simon vortragen? Es ihm ver⸗ hehlen war unmöglich. Die gute Nanneite vermehrte nicht durch unnütze Vorwürfe die Verzweiflung ih⸗ rer Schweſter; ſie ſuchte ſie zu tröſten, und ließ ſie eine Verzeihung hoffen, welche ſie doch wußte, daß die Arme nie erhalten würde. Nachdem ſie lan⸗ ge Zeit darüber nachgedacht hatten, ging Nannette mit Claudinens Einwilligung zu unſerm guten Pfar⸗ rer, und vertraute ihm das ganze Geheimniß, mit der Bitte, es ihrem Vater zu eröffnen, ihn zu beſänf⸗ tigen, ihn zu überzeugen, daß der Fehler Claudinens von dem Verbrechen des böſen Engländers herrühre, und kurz alles ſo zu veranſtalten, daß die Ehre oder doch das Leben der armen Unglücklichen gerettet wür⸗ de. Unſer Pfarrer, wiewohl ſehr traurig über dieſe hri und fan ſcher w Si Teſtam redete chen B wie er Königt zeihet, wohl Meint Gott! ſtellt h voll g unſer unſer den. brach doch nach reite doch Zorn Gen Der hillt von dau i5 e 2 würde. e mich delſtein icht er⸗ unru⸗ ſchhabe Herr drang örte ſi, as ein⸗ hatte, ück dein hm vet⸗ rmehrte ung ih⸗ und ließ wußte, ſie lan⸗ lannette nPfar⸗ iß/ mit beſänf⸗ udinens errühre, hre oder et wüt⸗ ber dieſt Nachricht, nahm es doch über ſich, ſie anzukünden, und fand ſich bey Simon zu einer Zeit ein, wo er ſicher wußte, daß Claudine auf dem Montanverd war. Simon las ſeiner Gewohnheit nach im alten Teſtamente. Unſer guter Pfarrer ſetzte ſich zu ihm, redete von den ſchönen Geſchichten in dieſem göttli⸗ chen Buche, bewunderte vorzüglich die des Joſephs, wie er ſeinen Brüdern verzeihet, und die des großen Königs David, wie er ſeinem Sohne Abſalon ver⸗ zeihet, und noch andere mehrere, die ich nicht weiß, wohl aber unſer Herr Pfarrer. Simon war ſeiner Meinung. Der Herr Pfarrer ſagte ihm, daß uns Gott dieſe Beyſpiele des Erbarmens vor Augen ge⸗ ſtellt hätte, damit wir ſanftmüthig und erbarmungs⸗ voll gegen unſere Brüder wären wie Joſeph, gegen unſere Kinder wie David, und ſo gleichfalls vor unſerm gemeinſchaftlichen Vater Barmherzigkeit fän⸗ den. Alles dieſes war in beſſerer Ordnung vorge⸗ bracht, als ich es vorbringe; aber der Herr kann doch daraus abnehmen, daß unſer Pfarrer den Alten nach und nach zu dieſer ſchlimmen Nachricht vorbe⸗ reitete. Simon hörte ſie lange nicht, aber endlich doch, und alſobald ſprang er bleich, zitternd vor SZorn auf, und hin zu der Flinte, mit der er ſonſt Gemſen ſchoß, ſeine Tochter damit zu erſchießen. Der Pfarrer warf ſich auf ihn, entwaffnete ihn, pielt ihn zurück. Bald redete er ihm mit Nachdruck, von ſeinen Pflichten als Chriſt, bald umarmte, be⸗ dauerte und drückte er ihn an ſeine Bruſt, bis er es endlich dahin brachte, daß der alte Simon, deſ⸗ Verm. Schriften. N 5 ſen Augen trocken, deſſen Lippen blaß waren, deſſen ganzer Leib zitterte, in einen Lehnſtuhl zurück ſank, beyde Hände vor das Geſicht hielt, und in Thränen zerſchmolz. Der Pfarrer ließ ihn eine Zeit lang weinen, ohne etwas zu reden; dann wollte er mit ihm die Maßregeln überlegen, die man nehmen müßte, Claudinens Ehre zu retten. Aber Simon unterbrach ihn: Herr Pfarrer, ſagte er ihm, was verloren iſt, rettet man nicht. Jede Maßregel, die wir neh⸗ men wollten, würde uns ſelbſt ſtrafbar machen, weil wir doch dabey lügen müßten. Dieſe Unglückliche kann nicht mehr hier bleiben. Sie wäre ein Aerger⸗ niß für Alle und eine Marter für ihren Vater. Fort mit ihr, Herr Pfarrer! Sie lebe, die Schändliche, weil ſie es noch kann; aber ich, ich will fern von ihr ſterben. Noch heute reiſe ſie weg, weg aus un⸗ ſerm Lande, und erſcheine nicht mehr vor mir, deſ⸗ ſen graue Haare ſie entehrt hat. Der Herr Pfarrer ſuchte den alten Simon zu beſänftigen, aber ſeine Bemühungen waren frucht⸗ los. Simon wiederhohlte den ausdrücklichen Befehl, daß Claudine weg ſollte. Unſer guter Pfarrer ging traurig fort; aber der Alte lief ihm nach, führte ihn zuruck in ſein Zimmer, machte die Thür zu, und gab ihm einen ledernen Beutel, worin ſo ein funf⸗ zig Thaler waren. Herr Pfarrer, ſagte er ihm, dieſe Ungluckliche wird an Allem Mangel leiden; geben ſie ihr dieſe funfzig Thaler; aber nicht, als kämen ſie von mir, Sagen welches Sie ih jemand weiſen ſchenli d Häͤnde als leb Sie, Mache men. es zu gehor gegan nens dem zu u Sihn Pfar liebes nach fallen Unt die ih Stell mein und ter en, deſſen rück ſank, 4 hranen weinen, it ihm die müßte, unterbtach erloren wir neh⸗ chen, weil nlückliche n Aerger⸗ ter. Fort händliche, fern von g aus un⸗ mir, deſ⸗ Fimon zu en frucht⸗ en Beſchl, rrer ging führte ihn zu, und ein funf⸗ ihm, diſe geben ſie tamen ſe von mir, ja nicht; ſondern als ein Almoſen von Ihnen. Sagen Sie ihr, es ſey ein Eigenthum der Armen, welches ſie aus Mitleiden dem Laſter gäben. Sagen Sie ihr nur nichts von mir.... Und wenn Sie jemanden ſchreiben könnten, ihm das Mädchen zuzu⸗ weiſen, zu empfehlen.... Ich kenne Ihre Men⸗ ſchenliebe, ich will nichts weiter ſagen, noch wiſſen⸗ Der Pfarrer antwortete ihm nur mit einem Händedruck, und lief zu Nannetten, die mehr todt als lebendig ihn auf der Straße erwartete. Komme Sie, ſagte er, in das Zimmer ihrer Schweſter. Mache Sie alle ihre Sachen in ein Bündel zuſam⸗ men. Nehme Sie alles, was da iſt, und trage Sie es zu mir. Nur da kann ich mit ihr reden. Nannette gehorchte weinend; denn ſie merkte wohl, was vor⸗ gegangen war, und packte in das Bündel Claudi⸗ nens ihre eigenen Kleider und ihre Wäſche, ſammt dem Bißchen Geld, das ſie hatte. Hierauf ging ſie zu unſerm Pfarrer, der ihr ſeine Unterredung mit Simon erzählte, ihr einen langen Brief an den Pfarrer von Salenches gab, und alſo ſagte: Mein liebes Kind, noch heute muß Sie Ihre Schweſter nach Salenches führen, und Ihr ſagen, was vorge⸗ fallen iſt. Es iſt nicht nöthig, daß ich Sie ſehe. Mein Amt verpflichtete mich, ihr Vorwürfe zu machen, die ihr in dieſem Augenblicke zu hart fallen müßten. Stelle Sie ihr dieſen Beutel zu, worein ich von meinem Erſparten auch einige Thaler werfen will, und dieſen Brief an meinen Mitbruder, den Pfar⸗ rer von Salenches. Führe Sie ſie bis zu ſeinem N 2 —— 3 — — 1 96— Pfarrhofe hin, wo Sie doch nicht hinein zu gehen braucht, dann komme Sie wieder zu ihrem PVater. Er hat Sie nothwendig, mein Kind, Sie, deren gute Aufführung und Tugend, wie ich hoffe, den Verdruß lindern werden, den Ihm ihre Schweſter gemacht hat. Gehe Sie, mein Kind, auf der Stelle gehe Sie hin. Morgen ſehen wir uns wieder. Kannette nahm ſeufzend Bündel, Brief und Beutel, und ging auf den Montanverd. Sie fand Claudinen auf der Erde liegend, weinend und troſt⸗ los. Nannette hinterbrachte ihr mit ſo vieler Scho⸗ nung, als möglich, den Befehl ihres Vaters. Als aber Claudine hörte, daß ſie auf der Stelle fort ſoll, erhob ſie ein fürchterliches Geſchrey, raufte ſich die Haare aus, zerkratzte ſich das Geſicht und wiederhohlte immer: Ich bin aus dem Hauſe gejagt! Mein Vater flucht mir: bring mich um, Schweſter, bring mich um, oder ich ſturze mich in dieſen Ab⸗ grund hinab. Nannette umarmte ſie, und hielt ſie zurück. Erſt nach einigen Stunden gelang es ihr, ſie zu beruhi⸗ gen. Sie machte ihr Hoffnung, daß ſich Simon auch einſt würde erweichen laſſen, und verſprach Gr, ſie oft zu beſuchen und nie zu verlaſſen. Endlich be⸗ wog ſie Claudinen fortzugehen, und beyde nah⸗ men ſie beym Einbruche der Nacht ihren Weg nach Salenches; aber den durch unſer Dorf vermieden ſie, ſo finſter es auch war. Hier hätte Claudine ge⸗ furchtet, daß jedermann ihren Fehler auf ihrer Stirn leſen würde. Dii und ſie konnte vor de nahm hielt ſ Alles, ſo tro A Mutk den 2 und e es N nach um ihn. hält Pri ihre zu geben m PVater. le, deren offe, den Schweſter der Stelle eder. Brief und Sie fand und troſt⸗ ler Scho⸗ ters. Als telle fort „raufte ſicht und ſe gejogt! Schweſter, dieſen Ab⸗ rick. Erſt u beruhi⸗ Emon prach hr, ndlich be⸗ yde nah⸗ Weg noch vermieden udine ge⸗ Etirn re — — Die Reiſe war traurig, wie leicht zu erachten, und ſie kamen erſt beym Tagesanbruch an. Nannette konnte ſich nicht entſchließen mit ihrer Schweſter vor dem Pfarrer von Salenches zu erſcheinen. Sie nahm von Elaudine noch vor der Stadt Abſchied, hielt ſie lange Zeit feſt an ihrem Buſen, übergab ihr Alles, was ihr gehörte, und verließ ſie faſt eben ſo troſtlos als ihre unglückliche Schweſter. Als ſich Claudine allein ſah, verließ ſie aller Muth. Sie verbarg ſich im Gebirge, und brachte den Tag zu, ohne eine Nahrung zu ſich zu nehmen, und entſchloſſen ſo dahin zu ſterben. Unterdeſſen als es Nacht geworden war, fürchtete ſie ſich, und ging nach der Stadt; wo ſie mit einer leiſen Stimme um den Pfarrhof ſich erkundigte. Man zeigte ihr ihn. Sie pochte langſam an, und eine alte Haus⸗ hälterinn machte ihr auf.* Claudine ſagte, ſie käme vom Pfarrer von Prieure. Die Haushälterinn führte ſie alſobald zu ihrem Herrn, der im Winkel an ſeinem Kamin al⸗ lein ſein Nachtmahl einnahm. Claudine gab ihm zitternd den Brief. Sie wagte es nicht, die Augen aufzuſchlagen oder nur ein Wort zu reden, und in⸗ dem der Pfarrer ſich näher zum Lichte hinrückte und las, bedeckte das arme Mädchen ihr Geſicht mit beyden Händen, und kniete bey der Thür nieder. Der Herr Pfarrer von Salenches iſt ein braver, würdiger Mann. Seine ganze Pfarre liebt und eh⸗ — 198— ret ihn wie einen Vater. Als er den Brief geleſen hatte, ſich dann umkehrte, und das junge Mädchen in Thränen gebadet da knien ſah, fing er auch an zu weinen. Er hob ſie auf, lobte ihre Reue, ließ ſie Verzeihung eines Fehlers hoffen, der ſie ſo ſehr ſchmerzte, und zwang ſie, etwas zu eſſen, wiewohl ſie es ausgeſchlagen hatte; dann rief er die Haus⸗ hälterinn, und befahl ihr, ein Bett für Claudinen zurechte zu machen. Claudine erſtaunend, jeman⸗ den zu finden, der ſie nicht verachtete, küßte ihm die Hände, ohne zu antworten, und küßte ſie auch der Haushälterinn, die ihr zuſprach, ſie möchte doch eſſen. Der Pfärrer, der neben ihr ſaß, redete freund⸗ lich mit ihr, und ſagte nicht ein Wörtchen, das ſie an ihr Unglück erinnern könnte. Er fragte, wie der gute Pfarrer, ſein Mitbruder, lebe erzählte viele gute Handlungen dieſes würdigen Seelenhirten, und wiederhohlte öfter, die ſchönſte und ſüßeſte Verrichtung ihres Amtes ſey, Unglückliche zu trö⸗ ſten und verirrte Herzen zurück zu führen. Claudine hörte ihm mit einer Ehrfurcht, mit einer Erkennt— lichkeit zu, die ſie nicht eſſen ließen, und ſchaute auf ihn, die Augen voll Thränen. Als das Nacht⸗ mahl zu Ende war, meldete die Haushälterinn, daß ihr Zimmer fertig ſey. Claudine legte ſich viel beruhigter nieder. Sie ſchlief zwar nicht, aber ſie ruhete doch. Früh Morgens lief der gute Pfarrer in ganz Salenches herum, eine kleine Wohnung zu finden, wo Claudine niederkommen könnte. Eine alte Frau, die alle both ei Claudi die K zahlen Claud aus( und e ten d Claud dieſen Mon Fnab war ef geleſen Midchen r auch an ieue, ließ ſe ſo ſehr wiewohl die Haus⸗ Claudinen jeman⸗ küfßte ihn e ſie auch chte doch te freund⸗ das ſie „wie der hlte viele enhirten, id ſüßeſte e zu tri⸗ Claudine Erkennt⸗ d ſchaute as Nacht⸗ ilterinn, ſich riel „aher ſi in goh u finden, lte Fral⸗ die allein wohnte, und ſich Madame Felix nannte, both ein Zimmer an, und verſprach Stillſchweigen. Claudine ging Nachts hin. Der Pfarrer war ſo gut, die Koſt für ſie auf drey Monathe voraus zu be⸗ zahlen, und Madame Felix redete es mit ihm ab, Claudinen für eine ſeiner verheiratheten Nichten aus Chambery auszugeben. Alles war in Ordnung und auch hohe Zeit dazu; denn die Beſchwerlichkei⸗ ren der Reiſe, die Sorgen, die Unruhe, welche Claudine ausgeſtanden hatte, machten, daß ſie noch dieſen Tag die Wehen bekam. Obſchon ſie nur ſieben Monathe ſchwanger war, ſo kam ſie doch mit einem Knaben nieder, ſchön wie der Tag. Madame Felir war Pathinn, und nannte ihn Benjamin. Der Pfarrer wollte das Kind ſogleich zu einer Amme ſchicken, aber Claudine bath ihn ſo ſehr, ſagte ihm mit ſo viel Thränen, ſie wollte eher ſter⸗ ben, als ſich von ihrem kleinen Benjamin trennen, daß er ihr ihn ſchon laſſen mußte, wenigſtens die er⸗ ſten Tage. Als dieſe vergangen waren, wurde die mütterliche Zärtlichkeit noch ſtärker. Der Pfarrer that ihr vernünftige Vorſtellungen, und zeigte ihr, daß ſie ſich die Rückkehr nach Chamouny und die Ausſöhnung mit ihrem Vater unmöglich mache. Claudine hörte ihn mit niedergeſchlagenen Augen an, und ihren Benjamin umarmend war die einzi⸗ ge Antwort, die ſie auf alles dieſes gab. Die Zeit verſtrich. Claudine entwöhnte das Kind, blieb aber immer bey Madame Felix, von der ſie — 200— herzlich geliebt wurde. Die funfzig Thaler ihres PVaters, und was noch Nannette in ihr Bündel ge⸗ ſteckt hatte, reichten hin, ihre Koſt zu bezahlen. Die gute Nannette traute ſich nicht nach Salen⸗ ches, ihre Schweſter zu beſuchen; aber ſo viel ſie nur erſparen konnte, trug ſie zu unſerm Pfarrer, der es ſeinem Mitbruder übermachte. Auf dieſe Art ging Claudinen nichts ab; auch bedurfte ſie ſo we⸗ nig! Sie ging nur Sonntags aus, und das zwar in die Frühmeſſe. Die übrige Zeit brachte ſie mit ihrem Sohne zu, und die Alte, die einſt Schul⸗ meiſterinn in Bonneville war, lehrte Claudinen mit Fertigkeit leſen und ſchreiben, und gab ihr ei⸗ nige Erziehung. Kurz, Claudine war nicht unglück⸗ lich und der kleine Benjamin allerliebſt; aber die⸗ ſes Glück konnte nicht von Dauer ſeyn. * Zehen Monathe verſtrichen. Benjamin konnte ſchon allein gehen. Claudine hatte den Unterricht der guten Mutter Felix ſo wohl benutzt, daß ſie im Stande war, ihren Sohn einſt ſelbſt zu unter⸗ weiſen. Dieſer Sohn wurde von Tag zu Tag lie⸗ benswürdiger. Claudine konnte ſich ihn nicht ſatt bewundern, konnte ſich mit nichts beſchäftigen als mit ihm, konnte nichts lieben als ihn. Der Pfarrer von Salenches kam einſt Mor⸗ gens zu ihr und ſagte: Mein liebes Kind, als ich ſie aufgenommen und ihren Fehler mit dem Man⸗ tel der Liebe bedeckt hatte, war meine Abſicht, das Kind zu einer Amme zu thun, es im Dorfe er⸗ ler ihres bündel ge⸗ bezahlen. ch Salen⸗ ſo viel ſe Pfarrer, dieſe Art ſie ſo we⸗ das zwar te ſie mit iſt Schul⸗ Claudinen ab ihr ei⸗ tunglück⸗ ober die⸗ * in konnte Unterricht „daß ſi zu unter⸗ Tag lie⸗ nicht ſatt ftigen als nſt Mor⸗ d, als ich em Mon⸗ bſicht das Dorfe el⸗ ziehen zu laſſen, und ihm dann Gelegenheit zu ver⸗ ſchaffen, ſein Brot zu gewinnen. In dieſer Zwi⸗ ſchenzeit hoffte ich den Zorn ihres Vaters zu be⸗ ſänftigen und ihn zu bewegen, ſie wieder in ſein Haus aufzunehmen, wo ihre Reue, ihre Eingezo⸗ genheit, ihr vernünftiges Betragen und ihre Liebe zur Arbeit ihm den Verdruß hätte vergeſſen gemacht, den ſie ihm verurſacht hatte. Dieſe Art zu handeln war die einzige vernünftige, die einzige, die ihr die Güte ihres Vaters und die Hochachtung ihrer Freunde hätte wieder geben können. Sie allein ſetzt ſich dagegen. Ihre leidenſchaftliche Liebe zu ihrem Sohne, der Entſchluß, ihn nie zu verlaſſen, ver⸗ bannet ſie auf ewig aus dem väterlichen Hauſe. Wie will ſie, daß Hr. Simon dieſes Kind betrach⸗ te? Was kann es in ſeinen, was in den Augen des ganzen Dorfes anders ſeyn, als ein ewiger Gegenſtand der Schande und des Schmerzens? Sie hat Einſicht, Muth und Verſtand genug ein⸗ zuſehen, daß ſie entweder ihrem Kinde, oder ihrem PVater, ihrer Familie, ihrem Lande entſagen muß. Ich leſe in ihren Augen, daß ſie gewählt hat; aber ich muß ihr zu erwägen geben, daß ſie nicht ihre ganze Lebenszeit bey dieſer guten armen Frau bleiben kann, die ihr zwar von ganzem Herzen zu⸗ gethan iſt, ich weiß es, die ihr vielleicht anliegen wird, ſich nie von ihr zu trennen, aber deren Dürftigkeit ihr nicht verſtattet, ſie umſonſt zu be⸗ halten. Ich ſelbſt kann nicht fortfahren, ihr die kleine Beyſteuer, wie bis jetzt, zu geben; denn alle Armen haben darauf Anſpruch. Nun da ich gegen — 202— ſie die Pflichten erfüllet habe, die mir ihre Lage auferlegt hatte, wäre ich ſtrafbar, wenn ich andere Unglückliche verließe, um den Forderungen einer Liebe Genüge zu leiſten, die ich entſchuldige, die mich rührt, die ich aber nicht aufmuntern kann. Sie wird mir antworten, daß ſie von dem Gelde leben kann, das ihr ihre Schweſter ſchickt. Aber dieſes darbt ſie kümmerlich ſich ſelbſt, ihrer Familie, ihrem Manne ab. Nannette bearbeitet die Erde, indeß ſie den Benjamin herzet. Nannette ſchickt ihr die Frucht ihrer Arbeit, und Nannette hat keinen Fehltritt gethan. Ich frage ihr Herz, meine lie⸗ be Tochter, ob ſie länger ihre Wohlthaten anneh— men kann.— Es bleibt ihr nur Ein Ausweg, nach Genf oder Chambery in einen Dienſt zu ge⸗ hen. Aber das würde in ihrem Alter, mit ihrer Geſtalt, unter ſo vielen böſen Beyſpielen, ſie häu⸗ figen Gefahren ausſetzen. Ueber dieß zweifle ich, ob ſie mit ihrem Kinde, das ſie nicht verlaſſen will, einen Herrn fände, der ſie nehmen wollte. Ziehe ſie alle dieſe Gründe in Erwägung und denke ſie reiflich nach. Ich gebe ihr zwey Tage hierzu; dann ſage ſie mir, wozu ſie ſich entſchloſſen hat, und ich verſpreche ihr noch dann ſo viel für ſie zu thun, als ich im Stande bin. Nach dieſer Rede ging der Pfarrer fort, und ließ Claudinen in keiner geringen Unentſchloſſenheit und in einer noch größeren Traurigkeit. Sie fühl— te, wie wahr Alles ſey, was ihr der weiſe Pfar⸗ rer eben geſagt hatte, ſie fühlte aber noch lebhaf⸗ Lage ndere einer 5 die kann. Gelde Aber milie, Fide, kt ihr einen e lie nneh⸗ weg, ge⸗ ihrer hau⸗ h, ob will, zuhe ke ſie dann und hun, und nheit fühl⸗ far⸗ — 203— ter, daß es ihr unmöglich wäre, ohne ihten Ben⸗ jamin zu leben. Den ganzen Tag und die ganze Nacht brachte ſie damit hin, die Mittel zu erſin⸗ nen und zu überdenken, wie ſie weder ihrer Schwe⸗ ſter zur Laſt fallen, noch ihren Sohn verlaſſen dürfte. Endlich gefiel ihr ein Entwurf, der gefährlich ſeyn mochte, aber beyde Abſichten erfüllte. Sie entſchloß ſich, ihn ins Werk zu ſetzen, und ſtand mit dem Anbruche des Tages auf, dem Pfarrer folgendes Billett zu ſchreiben⸗ „Mein theurer Wohlthäter! »Es iſt mir herzlich leid, daß ich das, was ich »Ihnen ſchuldig bin, nicht durch eine Unterwürfigkeit verſetzen kann, die ſo groß iſt, als meine Dankbar⸗ „keit. Der liebe Gott weiß, wenn ich Sie zufrie⸗ »den zu ſtellen nur mein Leben hingeben müßte, ich „wäre nicht ſo unglücklich. Aber welcher Unterſchied vzwiſchen dem Tode und der Trennung von meinem »Benjamin! Ich kann nicht von ihm ſcheiden, Herr »Pfarrer! Ich hobe alle meine Kräfte gepruft, aber, vhaſſen Sie mich nicht, ich kann nicht. Ich will »nicht länger meiner armen Schweſter, noch der »guten Frau Felix zur Laſt fallen, und auch Ihnen »nicht, der ſo viel für mich gethan hat. Wenn Ih⸗ „nen dieſer Brief zugeſtellt wird, werde ich ſchon „lange weit von Salenches ſeyn, und nie wieder zurück kommen. Ich habe ein Mittel gefunden zu vleben, ohne in einen Dienſt zu gehen oder die Tu⸗ »gend aufs Spiel zu ſetzen, welche Sie mir ſo theuer »gemacht haben. Ueber dieſen Punct, mein theurer 204— »Wohlthäter, ſeyn Sie ruhig. Ich gehe, ehne »die gute Frau Felix davon zu benachrichtigen. »Sie würde mich aufhalten wollen, und ich viel— vleicht nicht den Muth haben, es ihr abzuſchlagen. »Ich laſſe in der Schublade meines nußbaumenen »Tiſchchens 44 Livres, die ich ihr für das jetzt zu »Ende gehende Vierteljahr ſchuldig bin. Ich bitte »Sie, geben Sie es ihr, und ſagen Sie ihr ja, »daß ich ſie immer ſegnen, mich immer nach ihr ſeh⸗ »nen werde. Sie, mein theurer Wohlthäter, Sie »wird der liebe Gott ſegnen; denn Sie ſind ſein »Bild auf Erden, und nach ihm derjenige, den ich vam meiſten hochachte, verehre und liebe. „Claudine.“ Dieſen Brief ließ ſie verſiegelt auf dem Tiſche, ſchürzte dann ihr Bündel, that in ein Schnupftuch etwa zwanzig Gulden, die ihr übrig geblieben wa⸗ ren, nahm ihren Benjamin auf den Arm, und ging aus Salenches. Sie nahm den Weg gegen Genf, ſchlief aber in Bonneville, weil ſie der kleine Benjamin verhin⸗ derte, ſchneller zu gehen. Den zweyten Tag kam ſie nach Genf. Ihr erſtes Geſchäft war, alle ihre Klei⸗ dung und ihre Wäſche zu verkaufen, und mit dem daraus gelöſeten Gelde drey Männerhemden, Schu⸗ he ohne Abſätze, Hoſen, einen Bruſtlatz, eine brauntuchene Weſte, ein ſeidenes Halstuch und eine rothe Mütze. Sie ſchnitt ihre ſchönen ſchwarzen Haare ab, verkaufte ſie einem Perrückenmacher, und ſ ehne tigen. viel⸗ agen. nenen bt zu bitte rja, ſeh⸗ Sie dſein en ich ftuch wa⸗ hin aber rhin⸗ m ſie Klei⸗ defm eine eine arzen —— 205— machte ſich einen Ranzen von Kalbsleder, worein ſie iht Reiſegeräth packte. Sie zog von ihrem Fin⸗ ger den ſchönen grünen Edelſtein, den ſie niemahls weggegeben hatte, hängte ihn an einer Schnur um den Hals, und verbarg ihn unter dem Hemde. So, als ein kleiner Savojarde gekleidet, mit einem gro⸗ ßen Stock in der Hand, den Ranzen auf dem Rü⸗ cken und auf dem Ranzen den kleinen Benjamin, der ſaß und ſeine Händchen unter Claudinens Kinn zuſammen hielt, ging ſie aus Genf, und fragte um den Weg nach Turin. Zwölf Tage ging ſie über das Gebirge, ohne daß thr etwas Verdrießliches aufſtieß. Im Gegen⸗ theile nahm das Alter und die Geſtalt des jungen Savojarden, und das Kind auf ſeinem Rucken, das er ſeinen Bruder nannte, in allen Wirthshäu⸗ ſern, wo ſie aß und ſchlief, jedermann für ſie ein. Ueberall bewirthete man die kleinen Reiſenden wohl, und wenn Claudine Morgens bezahlte, forderte man von ihr weniger als von andern, manchmahl ſogar begehrte man gar nichts, als daß ſie das be⸗ liebte Liedchen der Leyrerinnen aus ihrem Lande ſinge. Claudine, ohne ſich bitten zu laſſen, begann mit einer ſanften gefühlvollen Stimme die ſo be⸗ kannte Melodie, wozu ſie die Worte etwas verän⸗ dert hatte. Du, arme Jette, Sangſt einſt ſo artig In Einem fort, Lalirette. 206— Allein und traurig 2 Redſt nun kein Wort. t r ( „Ich ſeufz', daß fern iſt „Der Liebſte mein: „Hab nur zu reden „Mit ihm allein.“ Wähl' einen andern! Biſt ſchmuck und jung, Lalirette. Glaube mir, Jette, Heilſam iſt das Kraͤutchen Veränderung. „Der Fönig ſelber „Faͤnd' nicht Gehoͤr: „So bald man liebet, „Wählt man nicht mehr.“ Claudinens Reiſe koſtete nicht viel. Als ſie in Turin ankam, hatte ſie noch Geld übrig. Sie mie⸗ thete damit ein Dachſtübchen in einem Gaſthofe, kaufte nebſt einigem nöthigen Hausgeräthe einen Schämmel, Bürſten und eine Flaſche HOehl, und ſtellte ſich unter dem Nahmen Elaude mit ih⸗ rem Benjamin, den ſie nie verließ, auf den Burg⸗ platz hin, den Vorübergehenden die Schuhe abzu⸗ ſ putzen. Die erſten Tage trugen ihr nicht viel ein, weil ſie ſich eben nicht geſchickt dabey anſtellte, und viele Zeit brauchte, einen Sous zu verdienen. Aber bald bekam ſie einige Fertigkeit, und die Sache ging viel beſſer. Claude, klug, munter, leicht auf den Füßen, beſorgte die Aufträge des ganzen Stadtvier⸗ tels. Benjamin ſetzte ſich in ihrer Abweſenheit auf den Schämmel, und gab Acht darauf. War ein Brief oder ein Packet wohin zu tragen, ein Käſt⸗ chen in ein Zimmer oder Flaſchen in den Keller hinab zu bringen, ſo ward immer Claude vor Allen andern herbey gerufen. Alle Bedienten, Thorſteher und faulen Köchinnen bedienten ſich ſeiner als eines vertrauten Menſchen, und manchen Abend brachte Claude einen Thaler mit nach Hauſe, den er ſich verdient hatte. Dieſer Verdienſt war mehr, als er brauchte, und Benjamin, der zuſehends wuchs, wurde mit jedem Tage ſchöner und von jedermann geliebkoſet. Dieſes ziemlich glückliche Leben währts länger ſie in als zwey Jahre. Ein Mahl erblicken Claddine und mie⸗ ihr Sohn, da ſie auf dem Burgplatze ſtehen und ofe, ſich eben beyde bücken, den Schämmel zurechte zu einen ſtellen, einen Fuß auf demſelben. Claudine nimmt und alſobald ihre Bürſte, und ohne den Herrn des ih⸗ Schuhes anzuſehen, fängt ſie hurtig ihre Arbeit zurg⸗ an. Als das Schwerſte gethan war, hebt ſie den abzu⸗ Sopf quß Die Bürſte faällt ihr aus der Hand; ſie bleibt in einer Betäubung da ſtehen. Belton iſt es, den ſie erkannt hatte. Der kleine Benjamin, der keine Zerſtreuung und niemanden erkannt hatte, hebt alſogleich die Bürſte auf, und will mit ſeinen noch ſchwachen Händchen die Arbeit Claudinens fortſetzen, die noch immer unbeweglich die Augen auf den jungen Engländer heftete. Herr Belton fragt Claudinen mit Erſtaunen, warum ſie inne hält, und lacht über die Bemühungen des Kin⸗ des, deſſen Geſtalt ihm wohlgefällt. Claudine faßt ſich nun wieder, entſchuldigt ſich mit einer ſo ſüßen Stimme, mit ſo ſchicklichen Worten, daß der Eng⸗ laͤnder noch mehr erſtaunt, und ſie über ihr Vater⸗ land und ihr Schickſal ausfragt. Claudine antwor⸗ tete mit ruhiger Miene, daß ſie und ihr Bruder zwey Waiſen wären, daß ſie auf die Art, wie er es ſähe, ihr Brot gewännen, und beyde in dem Thale von Chamouny geboren wären. Dieſer Nah⸗ me wirkte lebhaft auf Herrn Belton. Er ſah Clau⸗ dinen ſteif an, und da er einige Züge wieder zu erkennen glaubte, die er noch nicht vergeſſen hatte, fragte er ſie um ihren Nahmen. Ich heiße Claude, ſagte ſie.— Und du biſt von Chamouny? Ja, mein Herr, und zwar von dem Dorfe Prieure.— Haſt du keinen Bruder mehr?— Nein, mein Herr, nur den Benjamin.— Keine Schweſter auch nicht?— Ja wohl, zu dienen.— Wie heißt dei⸗ ne Schweſter?— Sie heißt Claudine.—— Clau⸗ dine?— Ja, das iſt ihr Nahme.— Wo iſt ſie? — Ich weiß es nicht.— Du weißt es nicht; wa⸗ rum nicht?— O aus pielen Urſachen, mein Herr, die ſie nicht intereſſiren, und mich weinen machen würden. Wirklich hatte ſie die Thränen in den Au⸗ gen. Herr Belton betrachtete ſie und ſchwieg. Clau⸗ , und Arbeit weglich . Hert rum ſie es Kin⸗ ne faßt o ſüßen er Eng⸗ Pater⸗ ntwor⸗ Bruder wie er in dem tNoh⸗ Clau⸗ eder zu hatte, Claude, Ja, „mein ſter uch eißt dei⸗ — Clal⸗ iſt ſe! cht; wa⸗ in Herr⸗ mochen den Au⸗ . Clal⸗ — ——— ⸗ — 209— dine erinnerte ihn, daß ihre Arbeit gethan ſey⸗ Herr Belton, der noch nicht fortging, zieht eine Guinee aus der Taſche, und gibt ſie ihr mit Rührung auf dem Geſichte. Ich kann nicht heraus geben, ſagte Claudine. Behalte es gans, erwiedert der Englän⸗ der, und antworte mir. Wäre es dir unlieb, dein Geſchaft hier zu verlaſſen⸗ und in einen guten Dienſt zu treten?— Das kann ich nicht, mein Herr.— Warum nicht?— Weil ich um nichts in der Welt mich von meinem Bruder trennen möchte.— Wenn man ihn aber ſammt dir nähme?— Das wäre et⸗ was anders.— Wohlan, Claude! du biſt mein. Es ſoll dir recht gut in meinem Hauſe gehen, und dein Bruder ſoll auch da wohnen.— Mein Herr, antwortete Claudine voll Verwirrung, haben ſie die Güte und geben Sie mir Ihre Adreſſe. Herr Bel⸗ ton zerriß den umſchlag eines Briefes, ließ ſich ver⸗ ſprechen, daß ſie ja nicht ausbleiben wolle, und ſetzte ſeinen Weg fort, wobey er doch oft zurück ſah⸗ Für Claudinen war es ſehr nöthig, daß die Un⸗ terredung endete; ihre Thränen erſtickten ſie faſt⸗ Sie eilte ihr Zimmer zu erreichen, und ſchloß ſich ein, zu überdenken, was ſie thun ſollte. Es ſchien ihr gefährlich, in die Dienſte des jungen Engländers zu treten; dennoch rief ſie ihr Herz hin⸗ Auch das Verlangen, dem Benjamin einen Vater zu geben, war ein ſtarker Beweggrund. Andererſeits machte ſie die Art, wie Herr Belton ſie hintergangen, und das Verſprechen, das ſie dem Herrn Pfarrer von Salenches und ſich ſelbſt gethan hatte, alle Gelegen⸗ — Verm. Schriften⸗ heit zu fliehen, wo ihre Tugend bedroht würde, in ihrem Entſchluſſe wieder wanken. Zuletzt war doch die Rückſicht auf ihres Benjamin Beſtes ſtärker als Alles. Claudine beſchloß, nach reifer Ueberlegung, zu Herrn Belton zu gehen, ihm mit Efer zu die⸗ nen, ihm Liebe für ſeinen Sohn beyzubringen, aber ihm ſorgfältig zu verbergen, daß ſie jene Elaudine ſey, die er zu erkennen ſchien. Sie bereute, daß ſie zu viel geſagt hatte, und nahm ſich feſt vor, nicht ein Wort beyzuſetzen, daß den Engländer vollkom⸗ men unterrichten könnte. Mit dieſem Entſchluſſe ging ſie den andern Mor⸗ gen zu Belton, der ſie ſehr gut aufnahm. Der Eng⸗ länder ſetzte ihr eine hübſche Beſoldung aus, wies ihr und dem Benjamin ein Zimmer an, und gab Befehl, daß man ihnen auf der Stelle Kleider ma⸗ chen ſollte. Nach dieſen Präliminatien wollte Herr Belton die geſtrige Unterredung fortſetzen, und frag⸗ te ſeinen neuen Bedienten über die Schweſter aus, von der er geſtern Meldung gethan harte. Aber Clau⸗ dine unterbrach ihn. Mein Herr, ſagte ſie, meine Schweſter lebt wohl nicht mehr; ſie wird vor Elend, Verdruß und Reue geſtorben ſeyn. Unſere ganze Fa⸗ milie hat ihr Elend beweint, und die nicht dazu ge⸗ hören, ſind vielleicht nicht berechtiget, uns an eine ſo traurige Geſchichte zu erinnern. Belton, mehr als jemahls über den Ton und den Verſtand Clau⸗ dinens erſtaunend, hörte in dieſem Augenblicke zu fra⸗ gen auf; aber faßte viel Hochachtung und eine wah⸗ re Freundſchaft gegen dieſen ſonderbaren Jüngling. —, würde, in twar doch ſtärker als berlegung, fer zu die⸗ ngen, aber e Claudine te, daß ſie vor, nicht r vollkon⸗ ern Mor⸗ Der Eng⸗ aus, wies und gab leider ma⸗ vollte Hert und frag⸗ voſter aus, Aber Clau⸗ ſe, meine vor Elend, gonze Fu⸗ t dozu he⸗ s on eine ton, wehr and Clau⸗ icko zu fto⸗ eine wah⸗ ünglin⸗ — 2 1 1— Claude wurde in kurzer Zeit der Liebling ſeines Herrn. Der kleine Benjamin, zu dem ſich Belton unwillkührlich wie durch einen Zauber hingeriſſen fühlte, war beſtändig in ſeinem Zimmer. Er über⸗ häufte ihn mit Geſchenken. Das liebenswürdige Kind ſchien zu errathen, daß es ihm das Leben ſchuldig ſey, liebte ihn faſt ſo ſehr als Claudinen, und ſagte es ihm mit ſo viel Anmuth, unter ſo naiven Lieb⸗ koſungen, daß der Engländer den kleinen Benjamin gar nicht mehr entbehren konnte. Claudine weinte vor Freude darüber; aber ſie verbarg ihre Thränen, und war doppelt auf ihrer Huth, daß ſie ja nicht erkannt würde. Die Zerſtreuuhg des Herrn Belton, ſeine Verbindungen, ſeine Liebſchaften mit mehrern Weibern in Turin kränkten Claudinens Herz, und ließen ſie fürchten, daß der Augenblick ſich zu ent⸗ decken vielleicht nie kommen würde. Wirklich wandte Herr Belton ein großes Ver⸗ mögen, in deſſen Beſitz er, durch den Tod ſeiner Aeltern, mit neunzehn Jahren gekommen war, bis⸗ her dazu an, daß er Italien durchreiſete, und überall blieb, wo er ſich unterhielt, das heißt, wo er Wei⸗ ber fand, die ihm gefielen, die ihn betrogen und ihn zu Grunde richteten. Eine Dame des Turiner Ho⸗ fes, ſchon etwas bejahrt, aber noch ſchön, war ſei⸗ ne Geliebte, eine lebhafte, heftige und ſehr eifer⸗ ſüchtige Frau. Sie forderte, daß er alle Tage des Abends mit ihr ſpeiſete und des Morgens ihr ſchrei⸗ be. Der Engländer getraute ſich nicht auszubleiben, und oft gab es Zank und Händel. Wegen jeder Klei⸗ O 2 —. 2 12— nigkeit wollte ſich die Frau umbringen, griff nach einem Meſſer, weinte, riß ſich die Haare aus, und ſpielte Komödien, die Herrn Belton läſtig zu wer⸗ den anfingen. Claude ſah alles das mit an; denn Abends begleitete er ſeinen Herrn, und bediente ihn bey der Tafel, und morgens war er es, der ſeine Briefe zur Dame trug. Sein armes Herz litt ge⸗ nug dabey, aber es litt, ohne ein Wort zu ſagen. Er gehorchte ſeinem Herrn, der ihm täglich mehr Vertrauen ſchenkte, und ſich oft gegen ihn über das traurige unruhige Leben beklagte, das er führte. Claude wagte dann ihm manche kleine Warnung halb im Ernſt zu geben. Sein Herr billigte ſie, und verſprach ſie morgen zu nützen. Der Morgen kam, und Belton kehrte zu ſeiner Dame zurück, mehr aus Gewohnheit als aus Liebe; und Claude, der in ge⸗ heim weinte, nahm eine lächelnde Miene an, wenn er ſeinen Herrn begleitete. So vergingen einige Monathe; endlich kam ein Mahl der Engländer und die Marquiſe ſo ſcharf an einander, daß jener ſich feſt vornahm, nicht mehr in ihr Haus zu gehen, und es ja zu halten, mit einer andern Dame ſich einließ, die auch nicht viel mehr werth war als jene, von der er ſich los gemacht hatte. Claudine fand in dieſer Veränderung nur ei⸗ ne neue Urſache, ſich zu kränken. So viel ſie auch geſagt, ſo viel ſie auch gethan hatte, ſo hieß es doch jetzt wieder von neuen anfangen. Sie ergab ſich darein ohne zu klagen. Sie hörte mit eben der Un⸗ terwürfigkeit, eben der Sanftmuth, eben der An⸗ „hrif nach ke aus, und ſtig zu wer⸗ t an; dinn bediente ihn s, der ſeine Herz litt ge it zu ſagen. täglich mehr hn über das er führte. Warnung ote ſie, und orgen kam, k, mehr aus „der in ge⸗ an, wenn er lich kam ein ſo ſcharf an nicht mehr halten,/ nit ch nicht viel ſos genacht ung nu ei⸗ virl ſe auch hieß es doch ergab ſch ten der Un⸗ en drr An⸗ hänglichkeit zu, da ihr Herr ſie wieder zu ſeiner Ver⸗ trauten machte, und diente ihm mit eben der Treue. Aber die Marquiſe war nicht die Frau, die das Herz ihres Engländers ſo ruhig einer andern über⸗ ließ. Sie ließ ihn ausſpioniren, entdeckte bald ihre Nebenbuhlerinn, und entſchloſſen, alles zu thun, um Herrn Belton entweder zurück zu bringen oder zu ſtrafen, erſchöpfte ſie alle Hülfsmittel der Schlau⸗ heit und Intrigue, ſeiner wieder habhaft zu werden. Ihre Bemühungen waren fruchtlos. Der Engländer antwortete nicht auf ihre Briefe, kam nicht, ſchlug ihre Beſtellungen aus, und verlachte ihre Drohun⸗ gen. Die Marquiſe, voll Verzweiflung, dachte an nichts als an Rache. Einſt als Herr Belton ſeiner Gewohnheit nach um zwey Uhr Morgens von ſeiner neuen Geliebten wegging, ſein treuer Claude ihm folgte, und er ſchon mißvergnügt über ſie ihm ſagte, daß er große Luſt habe, nach England zurück zu kehren, fielen jähling vier Spitzbuben, die ſich an der Ecke der Straße verborgen hatten, mit ihren Dolchen über Herrn Belton her. Kaum hatte er Zeit, ſich an die Mauer zu ſtellen und die Hand an den Degen zu legen. Claudine aber hatte ſich beym Anblick der Mörder vor ihren Herrn hingeworfen und mit ihrer Bruſt den Dolch aufgefangen, der ihn durchbohren ſollte. Sie ſank zu Boden. Der Engländer, ſchreyend vor Wuth, läuft auf denjenigen zu, der ſie ver⸗ wundet hatte, ſtreckt ihn auf den Platz nieder, und — 21 4— greift auch die andern mit ſolcher Lebhaftigkeit an, daß ſie die Flucht ergreifen. Herr Belten verfolgt ſie nicht; er gehet zu ſeinem Bedienten, hebt ihn auf, umarmet ihn, und nennt ihn weinend beym Nahmen. Claudine antwortet nicht. Sie iſt ohn⸗ mächtig. Herr Belton nimmt ſie in ſeine Arme, trägt ſie in ſeine Wohnung, die nicht ferne war, und legt ſie in ſein eigenes Bett. Indeſſen alle ſeine Leute auf ſeinen Befehl um einen Wundarzt laufen, will Belton voll Ungeduld nachſehen, ob die Wunde be⸗ denklich ſey. Er knöpft Claudinens Weſte auf, ſchiebt das blutige Hemd auf die Seite, ſieht nach, und bleibt ſtarr vor Erſtaunen, als er einen Weiberbu⸗ ſen erblicket. In eben dieſem Augenblicke kommt der Wund⸗ arzt. Er unterſucht die Wunde. Sie iſt nicht tödt⸗ lich; denn der Dolch war von dem Beine abgeglit⸗ ten. Aber Claudine kommt nicht zu ſich. Man ver⸗ bindet ſie; man hält ihr allerhand Riechwaſſer vor. Belton, der ihr den Kopf ſtützet, ſieht, daß ſie ei⸗ ne Schnur am Halſe hängen hat. Er ziehet ſie her⸗ aus, und erblickt einen Ring.„.. Es iſt der ſei⸗ nige, eben der, den er auf dem Montanverd der ſchönen Schäferinn gab, die er ſo grauſam verließ. Alles iſt entdeckt, alles liegt am Tage! Aber Bel⸗ ton hält an ſich. Er läßt eine Wärterinn kommen, welche Claudinen entkleidet und in ihr Bett trägt. Endlich kommt das arme Mädchen zu ſich, und be⸗ trachtet voll Erſtaunen die Wärterinn, den Wund⸗ arzt, ihren Herrn und den kleinen Benjamin, der, tigkeit un, en verfolgt hebt ihn inend beym ie iſt ohn⸗ lrme, trägt r, und legt ſeine Leute ufen, will Wunde be⸗ auf, ſchiebt nach, und Veiberbu⸗ der Wund⸗ nicht tödt⸗ ſe abgeglit⸗ Man ver⸗ waſſer vor. daß ſi ei⸗ het ſi her⸗ iſt der ſei⸗ anverd der m verliß · Abet Bel⸗ nkommen/ Bett trägt. h, und be⸗ en Wund⸗ amin/ der⸗ 215 N erwacht vom Lärmen, halbnackt zu ſeinem Bru⸗ der hinlief, ihn umarmt hielt, und manchen hef⸗ tigen Schrey dabey ausſtieß. Das Erſte, was Claudine that, war den Ben⸗ jamin zu tröſten. Hernach, als ſie ſich erinnerte, was mit ihr vorgegangen war, als ſie ſich in einem Bette ſah, und voll Unruhe darüber nachdachte, daß man ſie entkleidet hatte, griff ſie haſtig nach der Schnur ihres Ringes. Herr Belton, der ſie betrachtete, las in ihren Blicken ihr Vergnügen, als ſie ihn noch fand. Er ließ ſogleich alles ab⸗ treten, kniete ſich vor ihr Bett, nahm ihre Hand und ſprach: Beruhige dich, beruhige dich! meine liebe Freundinn! Ich weiß Alles, und zwar zu un⸗ ſer Beyden Glück. Du biſt Claudine, und ich war ein Ungeheuer. Nur durch Ein Mittel kann ich aufhören es zu ſeyn, und das ſtehet in deiner Ge⸗ walt. Ich bin dir ſchon das Leben ſchuldig: ich will dir auch noch die Ehre ſchuldig ſeyn: ja, die Ehre; denn ich habe ſie verloren, nicht du. Deine Wunde iſt nicht gefährlich. In kurzem wirſt du hergeſtellt ſeyn. So bald du ausgehen kannſt, ſollſt du mir am Altar den Nahmen Gatte geben, und ein ſchreckliches Unrecht verzeihen, das ich mir ſelbſt auf keine Art verzeihen kann. Dieſe Heirath, die ich verlange, um die ich dich fußfällig bitte, wird mich in den Augen aller Kenner der Tugend ehren und adeln. Lange Zeit, o meine Claudine, ver⸗ gaß ich ſie, die liebenswürdige Tugend; aber nun —— 2 16— 5 wird ſie mir doppelt werth, da du es biſt, welche ihr mein Herz wieder gewinnt. Urtheilen Sie, mein Herr, von dem Erſtaunen, der Freude, dem Entzücken Claudinens. Eben ward ſie den kleinen Benjamin gewahr, den man mit den Andern hinaus gehen hieß, und der, beſorgt für ſeinen Bruder, ganz leiſe die Thür ein wenig öffnete, und ſein artiges Geſichtchen hinein ſteckte, zu ſehen, was im Zimmer vorginge. Claudine zeig⸗ te ihn dem Herrn Belton und ſagte: Hier iſt dein Sohn. Er wird dir beſſer antworten als ich. Der Engländer ſtürzet auf den kleinen Benjamin, nimmt ihn in ſeine Arme, deckt ihn mit Küſſen, und trägt ihn zu ſeiner Mutter hin. So brachte er die Nacht zwiſchen ſeinem Weibe und ſeinem Kinde in einer Seelenwonne zu, die er noch nicht gekannt hatte. In vierzehn Tagen war Elaudine hergeſtellt. Sie hatte Herrn Belton von Allem unterrichtet, was ihr begegnet war. Dieſe Erzählung machte ſie dem jungen Engländer nur noch theurer. Er war jetzt verliebter, als da er ſie das erſte Mahl ſah. So bald Claudine die Reiſe vertragen konnte, ſtieg ſie, in Weibertracht, aber ſehr ſittſam gekleidet, mit dem kleinen Benjamin in den Wagen des Eng⸗ länders. Alle drey fuhren, ihrer neuen Perabre⸗ dung gemäß, nach Salenches, und ſtiegen bey dem Herrn Pfarrer ab. Der gute Seelenhirt erkannte Claudinen nicht. Der Engländer beluſtigte ſich ei⸗ ne 3 arnt Woh rer Him ſuch ben wied mol fent ſam Eng dem ſein ern mit din ließ elche unen, ward mit eſorgt wenig teckte, zeig⸗ dein Der immt und r die de in kannt ſtellt. hret/ te ſie wor ſch. ſtig eidet/ Eng⸗ abre⸗ dem annte . ei⸗ 217* ne Zeit lang an ſeiner Verlegenheit. Enblich um⸗ arnte ihn Claudine, erinnerte ihn an alle ſeine Wohlthaten, und machte ihn mit der Abſicht ih⸗ rer Reiſe bekannt. Der gute Pfarrer pries den Himmel, und lief, die alte Frau Felix aufzu⸗ ſuchen, die noch lebte und vor Freude zu ſter⸗ ben dachte, als ſie Claudinen und den Benjamin wieder ſah. Morgens reiſeten ſie Alle nach Cha⸗ mouny, wo Herr Belton, der katholiſch war, öf⸗ fentlich in der Pfarrkirche zu Prieure wollte zu⸗ ſammen gegeben werden. Als ſie Abends ankamen, ſchickte der junge Engländer den Herrn Pfarrer von Salenches zu dem fürchterlichen Herrn Simon hin, um die Hand ſeiner Tochter anzuhalten. Der Greis hörte ihn ernſthaft an, ohne piel Freude zu zeigen, und gab mit zwey, drey Worten ſeine Einwilligung. Clau⸗ dine warf ſich zu ſeinen Füßen nieder; der Alte ließ ſie einige Augenblicke knien, hob ſie dann auf, ohne ihr zuzulächeln, umarmte ſie, ohne ſie an ſein Herz zu drücken, und grüßte kaltſinnig Herrn Belton. Die gute Nannette, die man gleich bey der Ankunft Claudinens gehohlt hatte, lachte und weinte zugleich in Einem fort. Als man in die Kirche zog, trug ſie in einem Arme den Benjamin, den andern ſchlang ſie um ihre Schweſter. Beyde Pfarrer gingen voraus, und hinterher die alte Frau Felix mit dem Herrn Simon, den ſie aus⸗ ſchalt. Alle Kuder des Dorfes folgten und ſangen Lieder. —— 2 13—— So kam man in der Pfarrkirche an, wo der Herr Pfarrer von Chamouny den Herrn Pfarrer von Salenches die Meſſe leſen ließ. Die Hochzeit war ſchön. Das ganze Dorf tanzte acht Tage lang. Herr Belton ließ auf der Wieſe am Ufer der Arve Tiſche herrichten, wo ſich jedermann, der wollte, niederſetzen konnte. Er kaufte gute Gründe für den und ärgerte ſich ſogar über unſern Pfarrer, als er ihm Vorwürfe über dieſe Weigerung machte. Nan⸗ nette war nicht ſo hart. Sie nahm dieſe Gründe und ein ſchönes Haus an, das ihr Herr Belton ſchenkte. Sie iſt jetzt die reichſte und wohlhabendſte in unſerm Dorfe. Herr und Frau Belton gingen nach Verlauf eines Monaths heim, und nahmen den Segen von jedermann mit ſich. Sie ſind jetzt in London, wo Benjamin ſchon ſechs bis ſieben Geſchwiſter hat. Das iſt ihre Geſchichte. Ich habe ſie nicht kür⸗ zer faſſen können, weil ich ſie ſo zu erzählen ſuchte, wie ſie der Herr Pfarrer erzahlt, von dem ich ſie oft hörte. Verzeihen Sie mir, mein Herr, wenn ſie Ihnen nicht gefallen hat. Ich dankte dem Franz Paccard recht ſehr, und verſicherte ihn, daß mich ſeine Erzählung ſehr ge⸗ ruhrt hatte. Dann ſtieg ich vom Montanverd hin⸗ ab, nur mit Claudinen beſchäftigt, und bey mei⸗ ner Zuruckkunft in Genf ſchrieb ich dieſe Geſchichte alten Herrn Simon, der aber nahm ſie nicht an, ſo! daß St ver o der farrer ochzit lang. Arwe vollte, r den tean, als er Nan⸗ ründe Belton endſte ingen hwen d jett ſieben ſuchte, ich ſie wenn und hr ge⸗ d hin⸗ mei⸗ ſhihte ſo hin, wie ſie mir Paccard erzählt hatte, ohne daß ich ſelbſt die Fehler des Geſchmacks und des Styles, welche die Kenner darin finden werden, zu verbeſſern geſucht hätte. F 5 Vermiſchte Gedichte. Die Schönheit und die Mode.(Rach dem Ita⸗ liniſchen des Lorenz Pignotti.). An Minnen. Die Gans als polyhißorinn. Cine Fabel den Franzöſiſchen... Auf ein Gemählde von Raphael, das ke Crlſet als Knaben mit der Weltkugel in der Hand vorſtellt. ⸗ ⸗... MWunſch. Ueber die Früersbrunft in Bru au e Muhr. In das Stammkbuch des Fraͤuleins Gabriele von Baumberg geſchrieben. 2 5 Prolog zu des Phädrus erſtem Buche. 2. Des Phädrus erſte Fabel. Der Wolf und das Lamm. Lob der Freyheit. 5 Wahre Liebe. Rach Voltairen... Die Schöpfung der Freundſchaft.(Aus dem Fran⸗ zoſiſchen.) 2 2.. Nina's Frankheit. 3 Bellinchen an ſeine Gebietherinn te ihret Ge neſung... Der Aufenthalt auf p Lande. Aus Fernih ſiſchen einer Dame. An Deutſchland. Bey Getephhie deß irzien de⸗ ſterreichiſchen Siege 1796. 15 16 17 18 21 22 23 24 26 67 28 22 31 33 —— Seite 9 15 21 24 26 ——— An meine Aeltern. A. Der Freygeift. 3 An einen Hageſtolzen.. Amors Gift. ² Rouſſeau's Grförift u⸗ 2 Engliſchen) Briefe, Straf⸗ und Lehrgedichte. Bey Thereſiens Grabe... 4 An eine Freundinn.(Nach Pope.). Die erſte Stene des fünften Aufzuges aus Addiſonz Cato. 3.. Cäcilia.. 3 6. Wider unverſtaͤn bliche Dichter. Vom Verfall der Sitten.(Rach Zuvenast. Satyre. Vom Adel.(Nach Junenals VIII. Satyre.) Eine Stelle aus dem Lucrez.(III. B. 944. V.) ueber die Zukunft an Stoll⸗ Gottes Guͤte an Haſchka.. 3 Die Vorzuge der Liebe. An Gluck. Nach einer Vorſtellung 3 Byheuz und Euridice.... 6 An Katharina Jaquet. 3. Das Mädchenherz... 3 Auf den Tod eines ungliclichen Frauenzimmers. (Nach Pope.)... 2 An die Frau von Goöͤckingk... An Herrn von Ehrenberg.. An ein junges Fräulein.„. An ein Brautpaar.„ 5 3 8. An Haſchka.... An Reinhold.„ Prophezeyung bey meines atſchty Abreiſe. 3 An den Grafen von Fries⸗. 37 38 41 43 44 47 50 52 54 5 64 71 73 78 82 85 87 38 89 94 95 98 105 409 115 119 An Leon.. Leon an Alringer. 6 6 An Herrn von Retzer.. 229 An Fräulein Gabriele von Baumberg. Auf den Tod des Grafen von Fries. An Petzel. 135 Gegenſtück zu Kleiſtens Gemaͤhlde... 338 — Nachtrag zu Alringers Theater. Iphigenia auf Tauris. Eine tragiſche Hper in vier Aufzugen. Rach dem Franzöſiſchen des Guil⸗ lard..- 6. Proſaiſcher Aufſatz. Claudine. Eine Savoyiſche Nouvelle von Florian. — ———— Wien. Gedruckt bey B. Ph. Bauer. ————— 7** rey Control Chart Sreen vellow Bed Magenta 4 „