Leihbibliothek deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 6dnard Oltmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. SLeih- und geſebedingungen. 1 ofensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em. pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Ubr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ en angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme L' eines Buches eine dem Werthe deſſelben entſprechende hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet o wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt für wöchentlich 2 Blcher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: 1 Mt.— Pf. 1 Mr. 50 Pf. Wt.— Pf. **—„—„—„ 5. Answärtige Abonnenten baben für Hin- und Zurückſendung er Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen⸗ 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte zerriſſene, verlorene und efecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß ver Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene beſchmutzte, ver⸗ orene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt ß er Leſer zum Erſatz des Genſen verpflichtet. . Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 leſaeſeht und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, vaß vas Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche vie⸗ 4 ſelben von mir geliehen, auch vafür zu ſtehen haben. Der Verſchwender. Eine Erzählung von W. Harriſon Ainsworth. —— Aus dem Engliſchen . von A. Kretzſchmar. Peſt, Wien und Leipzig, 1857. Hartleben's Verlags⸗Erpedition. — S S S S=== — v£ S= S S 8* S . Wo Pudſey Maſler Fairlie einen beſcheidenen Vorſchlag macht. Mar Pudſey erwachte am nächſten Morgen mit einem fürchterlichen Kopfweh, welches er ſehr natürlich dem Pun⸗ ſche zuſchrieb, und ſeine behaglichen Empfindungen wurden durch die Ueberzeugung, daß er in der vergangenen Nacht ſehr albernes Zeug geſchwatzt, nicht vermindert. Jener Schurke Trickett, das wußte er wohl, war recht gut fähig, ihm einen Poſſen zu ſpielen, und konnte, was er geſagt hatte, Maſter Fairlie ſelbſt hinterbringen. Dasſelbe konnten Bellairs und Chaſſemouche oder irgend ein Anderer von der Geſellſchaft thun, denn es war keinem von allen zu trauen. Unſer Kellermeiſter fühlte ſich ſo unwohl, daß er gern wieder zu Bett gegangen wäre, aber er hatte an dieſem Tage viel zu thun und mußte ſich ſofort ans Werk machen. Nachdem er daher ſeinen gewohnten Morgentrunk Warm⸗ bier, der ihn einigermaßen reſtaurirte, zu ſich genommen, ver⸗ ließ er das Zimmer, um das Haus zu durchwandern und zu ſehen, in wie weit es nach den tumultuariſchen Vorgängen, die am vorigen Tage darin ſtattgefunden, wieder in Ordnung gebracht werden könnte. Der Verſchwender. III. 1 2 In dem Speiſeſaal, wohin er ſich zuerſt begab, war Alles noch in demſelben Zuſtande, in welchem es verlaſſen worden. Die Luft war verpeſtet von Tabaksgeruch und der Tiſch mit Flaſchen und Gläſern bedeckt— viele davon waren zerbrochen— und von Wein und Punſch überſchwemmt. Nitten unter den zerbrochenen Gläſern lagen die Scher⸗ ben einer prachtvollen chineſiſchen Porzellanbowle. Unter dem Credenztiſche lag eine Menge leerer Flaſchen und bezeugte die Kühnheit der Zecher, obſchon einige von dem genoſſenen Ge⸗ tränke ſo überwältigt worden waren, daß ſie nicht einmal zu Bett taumeln konnten, ſondern noch auf der Diele ausgeſtreckt lagen und die Wirkungen ihrer Schwelgerei verſchliefen. Ueber dieſe Schläfer hinwegſchreitend näherte Maſter Pudſey ſich den Fenſtern, um dieſelben zu öffnen, und ſah, während er ſo beſchäftigt war, Gage aus dem Garten von den Ruinen des alten Schloſſes herkommen und wunderte ſich, was ihn ſo zeitig hinausgeführt haben könne. Er behielt ihn einige Minuten lang im Auge, bis er ſich dem Hauſe näherte, und dann glaubte der Kellermeiſter den Beweggrund, aus welchem der junge Herr ſo zeitig aufge⸗ ſtanden, entdeckt zu haben, denn Miſtreß Jenyns trat zu einer in das Bibliothekzimmer führenden Glasthür heraus und eilte ihm entgegen. Aus Gages Benehmen ging jedoch deutlich hervor, daß ihm dieſe Begegnung nicht angenehm war. Miſtreß Jenyns ſchien, nach ihren Geberden zu urtheilen, einen Spazirgang im Garten vorzuſchlagen und zeigte auf die Terraſſen, welche Monthermer eben verlaſſen. Er ſchüttelte aber den Kopf und erſt nach einigem Zu⸗ reden bewog ſie ihn, mit ihr in das Bibliothekzimmer zu treten. geſt ich noc mic von ſu Laſ lß hin Ei vn P d ke ß n 9 che „Sie will ihm den Plan mittheilen, von welchem ſie geſtern Abend im Spielzimmer ſprach,« dachte Pudſeh.»Wenn ich davon etwas erfahren könnte, ſo gäbe mir dies vielleicht noch mehr Macht über Fairlie. Vielleicht kann ich unbemerkt mich der Glasthür nähern.« Hierauf kletterte er zum Fenſter hinaus und kroch die Wand des Hauſes entlang, bis er nur noch wenige Schritte vom Eingange zu der Bibliothek entfernt war. „Verdammt ſoll dieſes Weib ſeyn!« rief er.»Sie iſt zu ſchlau. Die Thür iſt geſchloſſen und ich kann nichts hören. Laßt uns ſehen, was auf der andern Seite ſich vielleicht thun läßt.* Somit kehrte er um, kletterte wieder in den Speiſeſaal hinein und eilte ſo raſch er konnte nach dem gewöhnlichen Eingange zur Bibliothek, unglücklicherweiſe aber war dieſe verſchloſſen. Was war nun zu thun? Er, beſchloß hineinzugehen— plötzlich— vielleicht konn⸗ te er wenigſtens ein Wort erſchnappen, welches ihm über das Project der Dame einigen Aufſchluß gab. Gedacht, gethan. Die Thür aufwerfend, prallte er in das Zimmer hinein, ſah ſich aber ſehr getäuſcht. Wyſtreß Jenyns ſaß an einem Tiſche und ſchrieb, wäh⸗ rend Gage im Zimmer auf⸗ und abging. Als der Kellermeiſter hereintrat, blieb Monthermer ſte⸗ hen, ſah ihn zornig an und fragte ihn, was er hier ſuche. Pudſey ſtammelte eine Entſchuldigung und zog ſich eiligſt wieder zurück, wobei er jedoch Sorge trug, beim Hin⸗ ausgehen die Thür angelehnt zu laſſen. Aber auch hierin ward ſeine Abſicht vereitelt, denn kaum ** war er hinaus, ſo ward die Thür heftig zugeworfen und von innen verriegelt. Auf dieſe Weiſe geſchlagen, ging er ſeines Weges und begab ſich mit langſamen Schritt und unter Wiederkehr der unbehaglichen Empfindungen, die er beim Erwachen erfah⸗ ren, nach einem Zimmer, welches am Ende der langen Gal⸗ lerie lag. Er pochte an die Thür und eine Stimme, die ihm nur allzubekannt war, hieß ihn eintreten. Dem Rufe, nicht ohne beträchtliche Befangenheit, gehor⸗ chend, trat er ein und ſah Maſter Fairlie in einem Lehnſtuhl ſizend, in einen weiten brocatenen Schlafrock gehüllt und un— ter den Händen Chaſſemouche's, der ſeine Perrücke arrangirte und ihm ſämmtliche, von Maſter Pudſey am Abend vorher gemachten indiscreten Bemerkungen wiedererzählte. Wenigſtens ſchloß dies der Kellermeiſter aus den zorni⸗ gen Blicken, welche Fairlie ihm zuwarf. Auch blieb er hierüber nicht lange in Zweifel. Nachdem der Verwalter Chaſſemouche, welcher Pudſey im Vorbeigehen boshaft angrinſte, entlaſſen, redete er ihn mit den Worten an: „Alſo Ihr habt geplaudert, Ihr betrunkener Narr, und Euch eurer Macht über mich gerühmt und was Ihr thun könnt! Es kommt alſo blos auf Euch an, ob ich Herr von Monthermer Caſtle bleiben ſoll, wie?« Und er brach in ein verächtliches Gelächter aus. „Da Chaſſemouche mich einmal verrathen hat, ſo wäre es überflüſſig, mich herausreden zu wollen,« verſetzte Pudſey. „Ich war ein großer Narr, in ſolcher Geſellſchaft ſo etwas zu ſagen. Ich hätte mehr Verſtand haben ſollen. Aber der Wein ſt P Trunk nicht aber auf k Sie i wolle auch Mein Siich „Me nützl Anſt auch gen geno Poſ von leite ter die und Wein war hineingekommen und der Verſtand heraus, das iſt Wahrheit, Sir.« „Eine ſehr ſchlechte Entſchuldigung, Pudſey. Einem Trunkenbold kann man kein Vertrauen ſchenken. Ihr taugt nicht für meinen Dienſt.“ „Ich verdiene einen Verweis, das geſtehe ich ſelbſt, Sir, aber ich werde keine ſolche Indiscretion wieder begehen, dar⸗ auf können Sie ſich verlaſſen. Auch fällt es mir nicht ein, Sie in dem ruhigen Beſitze dieſer ſchönen Herrſchaft ſtören zu wollen, Sir. „Das könntet Ihr auch nicht, Pudſey, das könntet Ihr auch nicht!“ „Na, Sir, was das betrifft, ſo habe ich eine andere Meinung,“ entgegnete der Kellermeiſter lächelnd, denn die Stichelreden und Unfreundlichkeit Fairlie's hatten ihn gereizt. „Mein Zeugniß, glaube ich, würde Maſter Monthermer ſehr nützlich ſeyn, wenn er es ſich in den Kopf ſetzen ſollte, Ihre Anſprüche ſtreitig zu machen, und ich glaube, ich könnte ihm auch den Weg andeuten, um noch einige andere wichtige Zeu⸗ gen zu finden.* „Hm! glaubt Ihr das wirklich, Pudſey?“ „Ich bin ſo ziemlich überzeugt davon. Ich weiß ganz genau, wie die Bücher geführt worden ſind, mit erdichteten Poſten und ſo weiter, wie Maſter Monthermer Vorſchüſſe von ſeinem eigenen Gelde gemacht worden ſind, wie er ver⸗ leitet worden iſt, Schuldverſchreibungen und Hypotheken un⸗ ter falſchen Vorſtellungen zu unterſchreiben und ſogar ohne die verſprochenen Darlehen zu erhalten. Das alles weiß ich und könnte es verrathen, wenn ich ſonſt wollte.« „Allerdings könntet Ihr ſolche verleumderiſche Be⸗ 6 hauptungen ausſprechen, Pudſey, aber kein Menſch würde Euch glauben.« „O ja, Sir, Maſter Monthermer würde mir glauben und das iſt für meinen Zweck genug. Sie dürfen nicht ver⸗ geſſen, daß er noch im factiſchen Beſitz des Schloſſes iſt und wenn er es nicht freiwillig hergibt, ſo mißlingt Ihr ganzer Plan. Er muß mißlingen, ſage ich, denn Maſter Monther⸗ mer wird die Vorlegung der Bücher verlangen und Sie kön⸗ nen nicht wagen, ſie vorzulegen.« „Aber er wird das Schloß übergeben, er hat ſich ver⸗ bindlich gemacht, es zu thun.« „Aber er wird es nicht, wenn er erfährt, wie an ihm gehandelt worden iſt.« Fairlie ſchlug die Augen verlegen zu Boden, während der Kellermeiſter ihn triumphirend betrachtete. „Run habe ich ihn,“ dachte er,»und ich laſſe ihn nicht eher los, als bis ich Alles gewiß gemacht habe.« Plötzlich ſprang Fairlie auf ſeine Füße, packte den Kel⸗ lermeiſter beim Arme und rieft „Was verlangt Ihr, Pudſeh, ſagt es mir, mit einem Worte!“ „Nun denn mit einem Worte,« entgegnete der habgie⸗ rige Schuft,»eine bedeutende Summe baar und eine lebens⸗ längliche Penſion!“ „Eine lebenslängliche Penſion! Ihr müßt wahnſinnig ſeyn, daß Ihr eine ſolche Forderung ſtellen könnt.“ „Nein, Sir, ich bin nicht wahnſinnig. Im Gegentheil ich weiß, daß ich eine ganz vernünftige Anſicht von der Sache habe. Ich bin nicht geſonnen, dieſe Gelegenheit entſchlüpfen zu laſſen. Binnen vierundzwanzig Stunden muß die Sache ſich entſcheiden. Entweder Maſter Monthermer behält ſein bigen beſti denke doch ſuſſ ſon. ich ſ deng — Eigenthum und wirft Sie hinaus, oder Sie werden hier un⸗ beſtrittener Herr.“ „Ich muß Zeit haben, um über euren Antrag nachzu⸗ denken, Pudſey. Derſelbe hat mich ſehr überraſcht.“ „O ich wünſche durchaus nicht, Sie zu drängen, aber doch müſſen Sie noch im Laufe dieſes Tages Ihren Entſchluß faſſen. Mit ſchönen Verſprechungen laß ich mich nicht abſpei⸗ ſen. Ich muß eine bedeutende Summe baar bekommen, wie ich ſchon geſagt habe, und gute Bürgſchaft für die Penſion.* „Ihr ſollt zufriedengeſtellt werden, vollkommen zufrie⸗ dengeſtellt, Pudſey, wenn ich auf den Vorſchlag eingehe.“ „O Sie werden ſchon darauf eingehen. Ich betrachte den Handel ſchon als abgeſchloſſen. Sie werden niemals den Verluſt einer ſo reichen Beute riskiren, gerade nachdem Sie ſie kaum in Ihre Gewalt bekommen, abgeſehen von der Schande, die dann Ihrer harrt.“ „Nichts mehr davon, Pudſey,“ ſagte Fairlie, indem er ſeine ganze Energie zuſammenraffte.»Ihr pocht zu ſehr auf eure eingebildete Macht. Entweder zähmt eure Zunge oder ſagt vor aller Welt heraus, was Ihr wißt und thut euer Schlimmſtes.“ „Ich bitte um Verzeihung, Sir. Es iſt durchaus nicht meine Abſicht, Sie zu beleidigen, nicht im Mindeſten. Sie werden ſich überlegen, was ich geſagt habe und mir Antwort darauf geben. Wenn ich vor Abend nichts von Ihnen höre, ſo gehe ich zu Maſter Monthermer und dann kann natürlich von einem Arrangement zwiſchen uns nicht mehr die Rede ſeyn.“ „Gut,“ ſagte Fairlie, indem er zugleich nach der Thür zeigte. Noch Eins, Sir. Ehe ich gehe, muß ich Sie vor Myſtreß Jenyns warnen.“ 8 „Noch eine Schlange auf meinem Wege! Was iſt mit ihr?« „Nun, Sir, ich hörte zufällig ein paar Worte, welche geſtern Abend zwiſchen ihr und Maſter Monthermer gewech⸗ ſelt wurden, und ich bin überzeugt, daß ſie mit irgend einem gefährlichen Anſchlage umgeht, gefährlich für Sie, meine ich. Sie verlor eine bedeutende Summe im Würfelſpiel, oder viel⸗ mehr Maſter Monthermer verlor ſie, denn er ſpielte für ſie und ſie iſt ganz außer ſich darüber.« „Und ſie muß alſo wohl auch erkauft werden?« rief Fairlie mit bitterem Gelächter.»Zum Teufel! Menſch, mein ganzes Vermögen wird nicht ausreichen, um alle die Forde⸗ rungen zu befriedigen, welche man an mich ſtellt!« „Verſtehen Sie mich nicht falſch, Sir. Ich habe mit Myſtreß Jenhns nichts zu thun. Seyen Sie verſichert, daß ich ein Weib niemals in mein Vertrauen einweihe.« „Daran thut Ihr ganz Recht. Wohlan, es iſt mir lieb, daß Ihr mich gewarnt habt. Obſchon dieſes zudringliche Weib wenig Unheil anrichten kann, ſo wird es doch gut ſehn, ihren Anſchlag im Keime zu erſticken. Schickt eine der Dienerinnen zu ihr und ſagt, ich⸗wünſchte, ſobald als es ihr gelegen wäre, mit ihr zu ſprechen.« »Sie iſt ſchon aufgeſtanden und ich fürchte faſt, daß ſie Ihnen zuvorgekommen ſeh, denn ſie hat jetzt in dem Biblio⸗ thekzimmer bei verſchloſſenen Thüren eine Unterredung mit Maſter Monthermer.« „Zum Teufel, das ſieht verdächtig aus! Ich muß erfah⸗ ren, was ſie im Begriff ſteht, ihm vorzuſchlagen. Im Biblio⸗ thekzimmer ſagt Ihr, Pudſey?“ „Ja, Sir, da ſind ſie, aber die Thür iſt verſchloſſen.« „Gleichviel. Sie werden es ſchwierig finden ihre Ge⸗ ——————— —— — hein Pid Zeit Ihr ich o9 den ren mer for mit 3) gen Bi fü Re wö Zi i 9 heimniſſe vor mir zu bewahren. Die Wände haben Ohren, Pudſey, die Wände haben Ohren. Laßt einmal eine kurze Zeit lang die Diener nicht in das Geſellſchaftszimmer, hört Ihr? Wir ſprechen uns ſpäter wieder. Dieſer Sache aber muß ich ſofort ein Ende machen.“ Mit dieſen Worten warf er ſchnell ſeinen Schlafrock ab, zog mit Hilfe des Kellermeiſters einen Rock an und eilte nach dem Geſellſchaftszimmer, während Pudſey ihm in gemächliche⸗ rem Schritte folgte und an der Thür des genannten Zim⸗ mers Poſto faßte. I Worin b⸗wieſen wird, daß Wände wirlich Ohren haben. Als Fairlie in das Geſellſchaftszimmer trat, ſchloß er ſo— fort die Thür eines kleinen Schrankes in der Nähe des Cam⸗ mins auf, trat in die Vertiefung, riegelte vorſichtig eine zweite Thür auf und ging durch dieſelbe hindurch. Nun war er factiſch in der Bibliothek, aber unſichtbar gemacht durch ein dünnes Bret, deſſen Vorderſeite zu einem Büchergeſtell gehörte und weil es mit den Rückſeiten ſchwer⸗ fällig ausſehender Bücher bedeckt war, die auf künſtliche Weiſe Reihen von Foliobänden darſtellten, kaum von den andern ge⸗ wöhnlichen Büchern unterſchieden werden konnte. Eine Ritze in dem Brete ſetzte ihn in den Stand, das Zimmer zu überſchauen und darin das geführte Geſpräch deut⸗ lich zu hören. Die beiden Perſonen, die er hier zu finden erwartete, waren da, und in keiner großen Entfernung von ihm. Miſtreß, Jenhns ſprach eifrig und angelegentlich, während 10 Gage ihr mit über die Bruſt verſchränkten Armen zuhörte. Gleich die erſten Worte, welche der Lauſcher hoͤrte, beunruhigten ihn nicht wenig. Er konnte nicht deutlich Alles auffaſſen, was Niſtreß Jenyns ſagte, denn ſie ſprach mit großer Eilfertigkeit und Schnelligkeit— doch entging ihm von dem Schluſſe der Rede keine Sylbe. „Merken Sie wohl, was ich ſage,« ſchloß ſie in langſa⸗ merem und eindringlichem Tone,„Fairlie hat den Schand⸗ thaten, die er an Ihnen begangen, dadurch die Krone aufge⸗ ſetzt, daß er das letzte Teſtament Ihres Vaters unterſchlagen und dafür eins von einem früheren Datum unterſchoben hat.“ Fairlie athmete nur mit Mühe, und wartete mit der größten Spannung, welche Wirkung dieſe Mittheilung auf Gage äußern würde. Es diente ihm gewiſſermaßen zur Erleichterung, als er bemerkte, daß das Geſicht des jungen Mannes einen Ausdruck von Ungläubigkeit annahm, obſchon ſich auch zugleich ein An⸗ flug von Ueberraſchung darin zeigte. „Warum bringen Sie eine ſo ernſte Beſchuldigung gegen ihn vor— eine Beſchuldigung, die Sie unmöglich beweiſen können?« rief Gage nach einer kurzen Pauſe. „Aber ich kann ſie beweiſen! Das rechtmäßige Teſta⸗ ment iſt noch vorhanden.« „Verdammt ſoll dieſes Weib ſeyn!“ rief der Lauſcher bei ſich ſelbſt.„Sie muß das Document entdeckt haben, als ſie mir in meine Caſſe ſah. Thor, der ich war, es nicht zu vernichten!“ „Aber welchen Beweggrund kann Fairlie zu einer ſolchen ſchändlichen That gehabt haben?“ rief Gage.„Es war in dem Teſtament welches er in Ausführung gebracht, kein wich⸗ tiges Vermächtniß für ihn enthalten. Allerdings vermachte mein Vater ihm tauſend Pfund, dies aber geſchah aus — Erker Vorn gehn Ihr 10. Grei „um erwe und allei Sie unt Pä hät dige dem ſt wal an mu in i 11 Erkenntlichkeit für ſeine Mühe als Teſtamentsvollſtrecker und Vormund.“* „Sie haben den richtigen Beweggrund getroffen.« ent⸗ gegnete Miſtreß Jenyns»wie ich Ihnen ſogleich zeigen werde. Ihr Vater ſtarb in Folge eines Sturzes auf der Jagd am 10. Februar 1728.* „Ganz richtig— an dieſem Tage geſchah das traurige Freigniß,« bemerkte Gage ſeufzend. „Nun merken Sie wohl,« fuhr Miſtreß Jenyns fort, „am 9. Februar dieſes Jahres, alſo am Tage vor dieſer un⸗ erwarteten Kataſtrophe, machte Ihr Vater ſein Teſtament und ernannte Sir Hugh Pohnings von Reedham zu ſeinem alleinigen Teſtamentsvollſtrecker und Ihrem Vormund.« „Sir Hugh Poynings— mein Vormund!s rief Gage. „Fairlies Name ward gar nicht erwähnt. Errathen Sie nun den Beweggrund, aus welchem er ein Document unterſchlug, welches ihn aller Gewalt über Sie beraubte? Wäre Sir Hugh Poynings Ihr Vormund geworden, ſo hätte Fairlie niemals Gelegenheit gehabt, ſeine nichtswür⸗ digen Anſchläge gegen Sie zur Ausführung zu bringen. Nach dem, was ſpäter an den Tag gekommen iſt, zu urtheilen, läßt ſich nicht bezweifeln, daß Ihr Vater in Bezug auf ſeinen Ver⸗ walter einige Entdeckungen gemacht hatte, die ihn bewogen, an ſeiner Stelle einen andern Teſtamentsvollſtrecker und Vor⸗ mund zu ernennen und wahrſcheinlich wäre, wenn er nur noch einige Tage länger gelebt hätte, Fairlie dieſes Dienſtes gänz⸗ lich entlaſſen worden.« »Und Sie haben dieſes Teſtament geſehen?« „Ja wohl— aber laſſen Sie mich ausreden. Fairlie iſt im Hauſe. Vorige Nacht kam er heimlich hier an. Wenn Sie ihn ſehen, ſo laſſen Sie ſich durch nichts die Kenntniß merken, welche 12 Sie von ſeinem Verbrechen erlangt, ſondern laſſen Sie Sir Hugh Poynings bitten, ſich morgen auf dem Schloſſe einzufinden.“ „Sir Hugh wird wahrſcheinlich nicht kommen und ſollte er auch kommen, ſo wird er doch Ihren, durch nichts unter⸗ ſtützten Angaben keinen Glauben beimeſſen; er hat jedenfalls keine ſehr hohe Meinung von Ihnen, denn ich brauche Sie wohl kaum an die Anklage zu erinnern, welche ſein Sohn Arthur gegen Sie vorbrachte, als ich das letzte Mal im Groom⸗Porter's Hotel ſpielte.“ „Dieſe Anklage war eine ſchändliche Verleumdung— doch ſchweigen wir jetzt davon. Schicken Sie nur nach Sir Hugh— bitten Sie ihn auf ſo dringende Weiſe, daß er ſich nicht weigern kann zu kommen. Laſſen Sie ihn auch ſeinen Sohn mitbringen, wenn er will— es iſt mir ganz gleich. Ich werde beweiſen, was ich geſagt habe.“ Es trat eine Pauſe ein, während welcher es dem Ver⸗ walter zu Muthe war, als läge er auf der Folterbank. Endlich ward das Schweigen durch Gage unterbrochen. „Alles dies kann ſeyn, wie Sie verſichern und ich will es nicht ſtreitig machen,“ ſagte er ernſt,»ich werde aber mich nie dazu verſtehen, ſo gegen Fairlie zu handeln, ſo lange nicht das Teſtament producirt wird.« „Und es wird producirt werden.“ „Aber auf welche Weiſe? Wenn Fairlie es hat, ſo wird er es wahrſcheinlich nicht herausgeben.“ „Es iſt nicht mehr in ſeinem Beſitz.“ Der Verwalter zuckte zuſammen und konnte einen Aus⸗ ruf des Schreckens kaum unterdrücken. „Sie ſollen das Teſtament im rechten Augenblicke ha⸗ ben, das verſpreche ich Ihnen,“ fuhr Miſtreß Jenyns fort. 4. Bejieh wich wahr demſ Beut ich a Bewe dazu gehal melte wäre weiß herl votz nyn dien laub und gro here gere noc Mu Gel Sie — ⸗ „Aber wie ſind Sie denn dazu gekommen? In dieſer Beziehung muß ich erſt zufriedengeſtellt werden?“ „Das ſollen Sie auch,« entgegnete ſie.»Hören Sie mich an. Als ich die fragliche Entdeckung machte, welche wahrſcheinlich zu wichtigen Folgen führen und Fairlie in demſelben Augenblicke ſtürzen wird, wo er im Begriff ſteht, die Beute zu packen, nach welcher er ſo lange geſtrebt, überlegte ich, auf welche Weiſe ich in den Beſitz des gegen ihn ſprechenden Beweiſes gelangen könnte, und beſchloß endlich, einen Diener dazu zu benutzen, den ich ſchon lange in meinem Sold gehabt.* „Sie meint den doppelzüngigen Schurken Pudſey,“ mur⸗ melte Fairlie bei ſich ſelbſt.»Doch nein— wenn Pudſey es wäre, ſo würde er mich nicht vor ihr gewarnt haben. Jetzt weiß ich's— es iſt Bellairs. Das Teſtament aber iſt in Si⸗ cherheit— in vollſtändiger Sicherheit— ſie kann es nicht vorzeigen.“ „Weiter!« ſagte Gage, als er bemerkte, daß Mrs. Je⸗ nyns zögerte. „Vielleicht billigen Sie die Mittel, deren ich mich be⸗ diente, nicht; in Fällen dieſer Art aber iſt jede Kriegsliſt er⸗ laubt. Fairlie ward durch meinen Spion genau beobachtet und es ergab ſich, daß er das fragliche Document aus der großen eiſernen Caſſe, in welcher er es bis jetzt verwahrte, herausgenommen und mit andern Papieren von kaum gerin⸗ gerer Bedeutung, weil durch dieſe ſeine Unredlichkeit gegen Sie noch mehr bewieſen wird, in einen kleinen Koffer gelegt hatte. Nun merken Sie wohl, dieſer Koffer befindet ſich in meinem Gewahrſam und ſoll morgen zum Vorſchein kommen. Sind Sie nun zufrieoengeſtellt** Gage gab keine Antwort und ſie fuhr fort: 14 „Alles hat ſich zu Gunſten meines Projectes geſtaltet. Sie ſind hier im Beſitz des Schloſſes und der Ländereien, und anſtatt ſie an Fairlie abzutreten, werden Sie ihn mit Schimpf und Schande hinauswerfen, damit er Sie niemals wieder be⸗ läſtige.* Zu ihrem Erſtaunen ſchien Gage durch dieſe Worte nur leicht berührt zu werden. „Sie glauben nicht, was ich Ihnen ſage, rief ſie mit offenkundigem Verdruß,„aber laſſen Sie nicht durch Ihre Zweifel an mir den ganzen Plan ſcheitern, verſäumen Sie nicht, Sir Hugh Poynings außufordern, hierher zu kommen — laſſen Sie nicht den morgenden Tag vorübergehen, oder Sie werden Ihre Gleichgiltigkeit Ihr Leben lang bereuen.« Gage beharrte jedoch bei ſeinem theilnahmloſen Ver⸗ halten. Es ſchien, als ob ihn nichts aufrütteln könnte. Miſtreß Jenyns verlor alle Geduld und ſtampfte mit ihrem niedlichen Fuße auf den Boden. „Sie weiſen meinen Vorſchlag zurück!« rief ſie endlich. „Ich zögere wenigſtens, ihn anzunehmen, weil der Be⸗ ginn eines ſolchen Kampfes alle meine Leiden erneuern wird, und ich bin des Lebens ſo überdrüſſig, daß ich wenig nach dem Ausgange frage, möge er ſeyn wie er wolle.“ „Wie! Iſt es ſo weit gekommen? Iſt der ſtolze Gage von Monthermer ſo kleinmüthig geworden, daß er ohne Wi⸗ derrede einem ſchmutzigen Schurken ſeine Güter abtritt, wäh⸗ rend er ſie doch behalten kann? Sie werden ſich mir noch ver⸗ ächtlich machen. Rütteln Sie ſich auf und handeln Sie wieein Mann!* „Wohlan! der Verſuch ſoll gemacht werden, wiewohl ich beabſichtigt hatte, die wenigen mir noch übrigen Stunden in Ruh ten erbit unei ſo He und ent lich di ge 15 Ruhe zuzubringen. Und nun, Peg, welche Belohnung erwar⸗ ten Sie für den wichtigen Dienſt, den Sie mir zu leiſten ſich erbieten— denn ich darf wohl annehmen, daß Sie nicht ganz uneigennützig ſind?“ „Allerdings nicht ganz. Mir gefällt dieſes ſchöne Haus ſo ſehr, daß ich gern hier bleiben möchte.« „O nichts iſt leichter als dies, ſobald ich einmal wieder Herr bin.« „Ja, aber dann muß ich Herrin ſehn!« rief ſie ſtolz, und betrachtete ihre herrliche Geſtalt in einem Spiegel auf der entgegengeſetzten Seite des Zimmers. „Ich verſtehe Sie nicht.« „Und doch ſpreche ich, wie mich dünkt, ziemlich verſtänd⸗ lich,« entgegnete ſie lächelnd.„Zum Lohne für das koſtbare Document, welches ich produciren werde, müſſen Sie mir auf die Güter, die Ihnen dadurch zufallen, denſelben Anſpruch geben, den Sie beſitzen.“ „Sie wollen doch nicht damit ſagen, daß ich Sie heira⸗ then ſoll?« rief Gage. „Unter keiner andern Bedingung leihe ich Ihnen meine Hilfe. Wenn Sie wieder Herr von Monthermer Caſtle wer⸗ den, ſo muß ich rechtmäßige Herrin werden. Ich bringe Ih⸗ nen eine glänzende Ausſteuer mit, glänzender als die vor⸗ nehmſte Dame in der Grafſchaft Ihnen bieten könnte. Doch nun kein Wort mehr. Ueberlegen Sie ſich meinen Vorſchlag, und laſſen Sie mich Ihren Entſchluß wiſſen. Eher aber über⸗ antworte ich jenes Teſtament den Flammen, als daß ich meine Bedingungen ändere. Entſcheiden Sie daher, wie Sie es für angemeſſen halten. Adieu!“ Mit dieſen Worten verließ ſie das Zimmer, in welchem 16 Gage faſt in einem Zuſtand von Betäubung zurückblieb, wäh⸗ rend Fairlie ſich gleichzeitig wieder aus ſeinem Verſteck her⸗ vorſtahl. III. Fairlie's erfler Zug, und wie derſelbe ablief. Fairlie war ein Mann von großer Energie. Er unter⸗ ſchätzte nicht die Gefahr, welche ihm drohte, ſondern trat ihr kühn gegenüber, und ihr ſchreckender Umfang ſchien ſich⸗ als er ſie ſo in's Auge faßte, zu mindern, und er ward in ge⸗ wiſſem Grade wieder ruhig. Aber wie kam es, wird man vielleicht fragen, daß er den Beweis ſeines Verbrechens nicht ſchon längſt vernichtet hatte? Warum bewahrte er ein Document auf, welches, ſo⸗ bald es zu Tage kam, unvermeidlich ſeinen Ruin herbeiführen mußte? Die Antwort hierauf iſt, daß gewiſſe Gewiſſensbeden⸗ ken ihn davon zurückgehalten hatten, denn unter allen Um⸗ ſtänden übt das Gewiſſen einen Einfluß ſelbſt auf das hart⸗ näckigſte Gemüth, und ſo verſtockt Fairlie auch war, ſo war er doch für dieſe Stimme noch nicht ganz taub. Ueberdies war er durch ein feierliches Verſprechen gebunden, das Teſtament nicht zu vernichten, und obſchon Verſprechungen, wie feier⸗ lich ſie auch gegeben ſeyn mochten, ſonſt wenig Gewicht bei ihm hatten, ſo hatte er doch in dieſem Falle ſein Wort gewiſ⸗ ſenhaft gehalten. Wir wollen nun erzählen wie es kam, daß er ein ſol⸗ ches Verſprechen gegeben. Noch am Todestage ſeines Gönners hatte er, während er die Papiere des armen Sir Warwick durchmuſterte, dieſes zwei wil es a liefe den dieſ Ge wa nac beg nör we chl geſt il —— 17 zweite Teſtament entdeckt und ſtand, da er ſofort einſah, welchen Schaden es ſeinen Intereſſen zufügen würde, wenn es an den Tag käme, im Begriff, es den Flammen zu über⸗ liefern, als ein bis jetzt unſichtbar geweſener Zeuge ihm in den Arm fiel, und durch Bitten und Flehen ihn bewog, von dieſem verbrecheriſchen Vorhaben abzuſtehen. Er willigte ein, aber nicht eher, als bis er der Perſon, die ihn unterbrochen, das Gelübde der Verſchwiegenheit aus⸗ gepreßt, worauf er dann ſeine eigene feierliche Verſicherung gab, daß das Teſtament nicht vernichtet werden ſolle. Die gegenwärtigen Umſtände bewogen ihn jedoch ſeine Handlungsweiſe von einer ganz andern Seite zu betrachten, und er konnte ſich nicht Vorwürfe genug über ſeine Thorheit machen, ein Verſprechen gehalten zu haben, deſſen Erfüllung ihn in ſo fürchterliche Gefahr gebracht hatte. All dieſe Vorwürfe aber waren jetzt vergeblich. Das Geſchehene ließ ſich nicht ungeſchehen machen. Das Unheil aber mußte abgewendet werden, koſte es, was es wolle. Deshalb ſetzte er ſich auf einige Augenblicke nieder, um nachzudenken. Nachdem er ſeinen Plan entworfen, ſtand er auf und begab ſich nach der Bibliothek, in der Abſicht, ſein erſtes Ma⸗ növer gegen Gage zu richten. Er zweifelte nicht daran, daß es ihm möglich ſehn werde, Miſtreß Jenyns' Project entgegen zu arbeiten, und den ſchlimmen Eindruck, den ſie zu ſeinen Ungunſten zu machen geſucht, wieder aus dem Gemüth des jungen Mannes zu tilgen. Er fand Gage auf einem Sopha ausgeſtreckt, auf wel⸗ Der Verſchwender. III. 2 18 ches er ſich bald nach dem Fortgange der Schauſpielerin ge⸗ un worfen. gbe Fairlie huſtete leiſe, um ſeine Gegenwart kundzugeben, aber erſt nach einigen Secunden bemerkte ihn Monthermer. ſien Offenbar ſehr ärgerlich über dieſe Störung ſtand der curt junge Mann auf. Indeſſen vermochte er ſich doch, höflich ge⸗ nio gen den Verwalter zu ſeyn, welcher ſeinerſeits ein ſehr ver⸗ He ſöhnliches Benehmen zeigte. z Nach einigen vorläufigen Worten, auf welche Gage je⸗ ſol⸗ doch nur ſehr wenig erwiderte, gab Faulie zu erkennen, der pat Beweggrund ſeines Beſuches ſey, von Maſter Monthermer zu erfahren, ob ſeit ſeiner Ankunft auf dem Schloſſe Alles in zu⸗ St friedenſtellender Weiſe abgelaufen ſey, ob er ihm noch ferner zon etwas aufzutragen habe und endlich, und zwar hauptſäch⸗ lich, um ſich mit ihm über die große Feſtlichkeit zu berathen, pr welche den nächſtfolgenden Tag gegeben werden ſollte. it Als der Verwalter ſah, daß es ihm endlich gelungen i war, die Aufmerkſamkeit ſeines Zuhörers zu erwecken, fuhr e er fort: m „Sie werden wiſſen wollen, welche Vorbereitungen ich S zu dem Feſte getroffen, Sir; ehe ich dieſelben aber außzähle, i will ich bemerken, daß ich Ihnen zu Gefallen weder Mühe noch Koſten geſpart habe. Wenn das Gaſtmahl nicht voll⸗ n kommen iſt, ſo iſt es meine Schuld nicht. Ich habe nichts ge⸗ 5 ſpart, wie Sie finden werden. Aus früherer Erfahrung Ihre Prachtliebe kennend, habe ich bei dieſer Gelegenheit mich be⸗ müht, Ihre Ideen in dieſer Beziehung zu verwirklichen, und ſ ich ſchmeichle mir, daß es mir gelungen iſt. Doch, Sie ſ werden ſelbſt urtheilen, Sir,— Sie werden ſelbſt ur⸗ theilen.* Hierauf rieb er ſich ſelbſtgefällig die Hand und ſchwieg, R je⸗ der ſer zu in zu⸗ ferner tſäch⸗ athen, ungen fuhr en ich ßhle, Mihe voll⸗ hts ge⸗ ghu ich be⸗ n, und ſhnig 19 um der nachfolgenden Mittheilung größeren Nachdruck zu geben. „Erſtens,“ fuhr er nach einigen Secunden fort,„er⸗ ſtens werden Sie ein herrliches Concert haben, ein Con⸗ cert, wie es außerhalb der Mauern der italieniſchen Oper noch niemals gehört worden. Ich habe die beſten Sänger dieſes Hauſes engagirt. Der göttliche Farinelli wird hier ſingen, ja Sir, Farinelli! er, der die verlockendſten Einladungen der ſtolzeſten Edelleute, ihre Landſitze zu beſuchen, zurückgewieſen, hat ſich dazu verſtanden, hierher zu kommen.“ „Sie ſetzen mich in Erſtaunen!« rief Gage, kaum im Stande zu glauben, was er hörte,„Farinelli will hierher kommen? Davon würde ja in ganz London geſprochen werden! „Schon als ich fortging, ward von nichts Anderem ge⸗ ſprochen. Das Gerücht verbreitete ſich ſchr ſchnell. Anfangs thaten einige Leute, als ob ſie daran zweifelten, da aber Fa⸗ rinelli ſelbſt der Rachricht nicht widerſprach, ſo ward ſie all⸗ gemein geglaubt. Farinelli koſtet mich viel, ſehr viel. Er wollte nicht ohne Cuzzoni kommen, und Cuzzoni wollte nicht ohne Seneſio kommen, deshalb mußte ich ſie alle Drei enga⸗ giren.“ „Alle Drei!« rief Gage mit ausbrechendem Enthuſias⸗ mus.»Da könnten wir ja Händel's»Ptolomäus« zur Auffüh⸗ rung bringen, dafern wir nur Muſiker hätten, um die Sän⸗ ger zu begleiten!« „Sie können jede beliebige Oper aufführen, ſo weit Mu⸗ ſiker in Frage kommen, denn ich habe auch das ganze Orche⸗ ſter engagirt.“ Das Maß von Gage's Erſtaunen war nun voll. »In der That, Fairlie,« rief er,»Ihre Ideen über⸗ treffen noch die meinen. Welche andere Wunder haben Sie 20 noch in Bereitſchaft? Doch ich bin zu unerſättlich. Sie ſind nig fertig, nicht wahr?“ Oye „Nein, Sir, ich bin noch nicht zur Hälfte fertig,« ent⸗ in e gegnete der Verwalter mit einſchmeichelndem Lächeln.»Es niſ freut mich, zu finden, daß ich wahrſcheinlich Ihre Zufrieden bleit heit erwerben werde. Sie ſollen nicht blos eine Oper haben, ſind ſondern auch ein Ballet.« ſtt „Ein Ballet, Fairlie! Braviſſimo! das iſt herrlich, das o iſt köſtlich! Aber wen haben Sie engagirt? Doch nicht etwa Jn die Colombe? Dieſe läßt ſich nicht verlocken.« „Glauben Sie, Sir?« rief der Verwalter mit ſchlauem ich! Blick, indem er Gage zugleich auf das Knie pochte.»Wie ihr ganzes Geſchlecht läßt auch Mademoiſelle Colombe ſich Ver überreden, wenn nur das geeignete Argument angewendet Sie wird, und ich habe nicht verſäumt, davon Gebrauch zu ma⸗ enge chen. Ein Diamantenhalsband erwies ſich als unwiderſteh⸗ das lich. Die blendende Colombe kommt, und nicht allein. Li⸗ 3w ſette, die liebenswürdige Liſette, begleitet ſie, eben ſo wie ich Flore und Leontine, und noch ein halbes Dutzend andere be⸗ zaubernde Geſchöpfe.* ſin „Colombe und Liſette, Flore und Leontine!“ rief Gage, win . indem er jubelnd in die Hände klatſchte.„Fürwahr, Fairlie, Sie haben Wunder gethan! Sie müſſen es ſich furchtbares ie, Geld haben koſten laſſen.« gu „O laſſen Sie das gut ſeyn, Sir; ich habe natürlich Mi nicht geknauſert. Sind Sie mit mir zufrieden, Sir?“ „Zufrieden? Ich wäre ja ein undankbarer Menſch, wenn ſe ich es nicht wäre! Sie ſind der beſte Menſch, den die Erde i trägt, Fairlie!« Va „Ich freue mich, dies von Ihnen zu hören, Sir,“ ent⸗ zu gegnete der Verwalter, indem er ſich mit Anerkennung ver⸗ ich e ſind ent⸗ ieden⸗ hoben, das eiwa lauen Wie »W eſich endet ma rſteh⸗ Li⸗ ſo wie e be⸗ Gage, airlie, bares türlich wenn Eide 6 ent⸗ 9 vel⸗ 1 21 neigte.»Meine Arrangements ſind hoffentlich vollſtändig. Opernſänger, Muſiker, Ballettänzerinnen, alle werden heute in einem für ſie von mir beſorgten Wagen aus London ab⸗ reiſen und heute Nacht in dem»Engels in Burh St. Edmunds bleiben, wo bereits Zimmer für die ganze Geſellſchaft beſtellt ſind. Morgen kommen ſie dann vollends hierher. Ach, Sir,« ſetzte er in faſt ſentimentalem Tone hinzu,„es gab eine Zeit, wo Sie in Colombe leidenſchaftlich verliebt waren. Miſtreß Jenyns aber ſtach ſie aus.« „Sehr wahr, Fairlie. Ich kann aber nicht ſagen, daß ich durch den Tauſch gewonnen hätte.« „Die arme Miſtreß Jenynsl« rief Fairlie.»Sie wird in Verzweiflung gerathen, wenn ihre Nebenbuhlerin erſcheint. Sie hörte ſchon, ehe ſie London verließ, daß ich die Colombe engagirt hätte und war ſo wüthend darüber, daß ſie ſchwur, das Ballet ſolle nimmermehr ſtattfinden. Sie wird mir ohne Zweifel irgend einen ſchlimmen Streich zu ſpielen ſuchen, aber ich verlache ihre Bosheit.« Der Verwalter beobachtete genau die Wirkung, welche ſeine Worte machten, und ſah, daß es die von ihm ge⸗ wünſchte war. „Ich freue mich, daß Sie mir dies geſagt haben, Fair⸗ lie,«entgegnete Gage.»Es erklärt ſich daraus der Beweg⸗ grund zu gewiſſen Mittheilungen in Bezug auf Sie, welche Miſtreß Jenyns gut gefunden hat mir zu machen.« »Ich werde mich über keine Verleumdung wundern, die ſie gegen mich vorbringt,« entgegnete der Verwalter,»denn ich kenne den Umfang ihrer Bosheit. Zum Glück ſcheinen die Waffen, welche ſie anwendet, wenigſtens bei Ihnen ihr Ziel zu verfehlen. Es thut mir leid, daß ſie hier iſt, nicht als ob ich perſönlich die mindeſte Furcht vor ihr hätte, ſondern weil 3 22 ich überzeugt bin, daß ſie irgend eine Störung hervorrufen wird, um Ihr Feſt zu verderben.“ „Das ſoll ſie nicht, Fairlie. Wenn ſie unruhig wird, ſo werden Sie ihr einen Wink geben, daß wir ihre Geſell⸗ ſchaft entbehren können. Doch wir wollen weiter nicht an ſie denken.* „Ganz recht, Sir, ganz recht. Wir wollen ſie und ihre kleinlichen Klatſchereien und Eiferſüchteleien ruhen laſſen und uns zu dem Feſte wenden, welches, wie ich bekenne, faſt alle meine Gedanken in Anſpruch nimmt. Nachdem die Oper und das Ballet vorüber iſt, wird natürlich das Souper folgen und es ſoll das ein der Gelegenheit würdiges ſeyn, ein fürſt⸗ liches Bankett mit allen nur erdenklichen Lurusgenüſſen.— Weine, Früchte, Blumen, Alles ſoll vom Auserleſenſten und Beſten ſeyn. Der Tiſch ſoll unter der Laſt des ſilbernen Ge⸗ ſchirres ſeufzen und von Kryſtall funkeln. Um das Mahl zu einem in jeder Beziehung ausgezeichneten zu machen, habe ich zwei franzöſiſche Köche gemiethet und das Eis und die Paſteten werden von dem berühmten Zucchero Piſtaechi angefertigt. Die Zimmer werden von Künſtlern aus London decorirt und wie ich kaum hinzuzufügen brauche, aufs Glänzendſte erleuch⸗ tet werden. Run haben Sie mein Programm.“ „Und ein wunderſchönes Programm iſt es! Sie haben ſich nobel gegen mich gezeigt, Fairlie, und meine Erwartun⸗ gen weit übertroffen.« „Es iſt von jeher mein Wunſch geweſen, Ihnen zu ge⸗ fallen,« ſagte der Verwalter.»Ach,“ ſetzte er mit einem er⸗ künſtelten Seufzer hinzu,„ich ſpreche nicht gern von der Ver⸗ gangenheit, aber doch ſcheint der gegenwärtige Augenblick geeignet, mit einigen kurzen Worten darauf zurückzukommen. Ich weiß, ich hätte Ihre Neigungen eher zügeln als denſel⸗ ge rrufen wird Geſell⸗ an ſie nd ihre en und ſt alle er und folgen fürſt⸗ en und en Ge⸗ lahl zu habe ich ßaſteirn fertigt. irt und erleuch⸗ ehaben vartun⸗ u g⸗ inem er⸗ der Ver⸗ genblc ommen. denſel⸗ ——L—— 23 ben freien Lauf gewähren ſollen, aber ich konnte nicht anders. Es iſt für Miſtreß Jenyns oder für ſonſt Jemanden, der ihr gleicht, ſehr leicht, meine Beweggründe zu mißdeuten, aber ich kann in Wahrheit verſichern, daß ich ſtets zum Beſten ge⸗ handelt habe. Sie wollten einmal Ihren Willen haben und ich wollte Sie nicht gern mit Moralpredigten beläſtigen, die, wie ich überzeugt war, doch nichts geholfen haben würden. Ich befriedigte Ihre Geldforderungen ſo lange als noch Fonds da waren und dann natürlich mußte ich fernere Zahlungen verweigern. Mein Verhalten bei gewiſſen Gelegenheiten kann vielleicht etwas ſchroff erſcheinen, aber wenn Sie ſich die Sache überlegen, ſo werden Sie ſelbſt ſagen, daß ich blos den Geboten der Klugheit gehorcht habe.“ Wenn Gage durch dieſe Anrede aber nicht vollſtändig überzeugt ward, ſo hörte er doch auf alle Fälle ruhig zu und antwortete, als der Verwalter fertig war: „Vielleicht hätten Sie die Zügel etwas ſtraffer anziehen ſollen, Fairlie, aber ich glaube ſelbſt, es würde auch nichts geholfen haben. Ich glaube, ich würde mir das Geld auf je⸗ den Fall verſchafft haben, wenn nicht von Ihnen, dann von Jemand Anderem.“ „Das war auch meine Meinung, Sir,« rief Fairlie. „Ich folgerte bei mir ſo: Wenn ich mich unbedingt weigere, meinem leichtſinnigen Mündel den Willen zu thun, ſo geräth er unter jene wucheriſchen Schurken, die Juden, die ihn dann ohne Erbarmen rupfen.« „Und deshalb beſchloſſen Sie, ſelbſt den Juden zu ſpie⸗ len, Fairlie, und für Ihre Vorſchüſſe hundert Procent zu nehmen! rief Gage lachend.„Ganz recht, ich tadle Sie des⸗ halb nicht. Jeder muß thun, was er kann, um ſeine Ver⸗ mögensumſtände zu verbeſſern, und meine Verſchwendung iſt 24 die Quelle Ihres Reichthums geworden. Schütteln Sie den Kopf nur nicht. Es iſt Thatſache.« Und in plötzlich verändertem Tone ſetzte er hinzu:»Sind Sie nicht hier Herr— bin ich nicht ruinirt?“ Fairlie gefielen dieſe Worte nicht, aber doch mußte er darauf antworten. „Ich beklage allerdings, Sir,« ſagte er mit ernſter Miene den Kopf ſchüttelnd,»daß es ſo weit mit Ihnen ge⸗ kommen iſt, und wünſche von Herzen, daß es nicht der Fall ſeyn möchte.“ „Aber es konnte einmal nicht anders ſeyn, Fairlie, es konnte nicht anders ſeyn,s rief Gage.„Ich ſehe das Fehlerhafte meines Handelns eben ſo deutlich als Sie oder Jemand Anderer es ſehen kann. Ich weiß, ich bin hintergangen, betrogen und beſtohlen worden, nicht von Ih⸗ nen, Fairlie, nicht von Ihnen— von Andern. Ich merkte es recht gut, aber ich verſchloß freiwillig meine Augen. Ich wan⸗ delte meinen Weg weiter, entſchloſſen, mir Genuß zu berei⸗ ten. Es war mein Ehrgeiz, der tollſte Wüſtling in London, der größte Verſchwender unſerer Zeit zu ſeyn.“ „Und Niemand kann leugnen, daß Sie Ihr Ziel voll⸗ kommen erreicht haben,“ bemerkte der Verwalter. „Noch nicht, Fairlie,« entgegnete Gage, indem er eine Weile ſchwieg und ihn unverwandt anſah.»Ich muß meine thörichte Laufbahn auch noch auf angemeſſene Weiſe be⸗ ſchließen.« 6 „Was wollen Sie damit ſagen, Sir? Begehen Sie keine übereilte That! Laſſen Sie mich Ihnen rathen, auf einige Jahre ins Ausland zu gehen. Ich werde Ihnen die Mittel dazu gewähren.« „Machen Sie ſich meinetwegen keine weitere Sorge, Faitlie beläſtige „ cher zu Sie wiſ men wl diſen nun die beklager glänzent len an Verwur Foirlie wahnſi vorſtehe Schwe kommt bin ich darum. 6 et aber inge 9 ſühnte ich ihn vähre den Sind te er rnſter n ge⸗ Foll irlie, das Sie bin Jh⸗ kte es wan⸗ berei⸗ don, voll⸗ reine meine n Sie af n die orge 25 Fairlie. Uebermorgen werde ich meine Freunde nicht mehr beläſtigen.“ „Sie erſchrecken mich, Sir. Ich bitte Sie, ſich deutli⸗ cher zu erklären.« „Was wollen Sie noch, Fairlie? Genug für Sie, wenn Sie wiſſen, daß ich Ihnen niemals wieder in den Weg kom⸗ men werde. Genuß der Gegenwart iſt mein Ziel geweſen. Um dieſen zu erkaufen, habe ich die Zukunft geopfert und muß nun die Strafe dafür bezahlen. Ich habe kein Recht, mich zu beklagen. Ich habe meinen Tag gehabt— er iſt kurz, aber glänzend geweſen. Die Nacht naht heran. Die Menſchen ſol⸗ len an meine meteorähnliche Laufbahn und deren Ende mit Verwunderung denken. Sehen Sie mich nur rächt ſo an, Fairlie. Ich rede ſeltſam, aber ich bin weder betrunken noch wahnſinnig. Später werden Sie die Bedeutung meiner Worte verſtehen. Und nun verlaſſen Sie mich. Ein Anfall von Schwermuth, der mich ſeit einiger Zeit öfters heimſucht, kommt jetzt abermals über mich und ſo lange derſelbe dauert, bin ich am beſten allein. Verlaſſen Sie mich, ich bitte Sie darum.* So aufgefordert mußte der Verwalter ſich entfernen, da er aber dies nur ſehr langſam that, ſo hörte er noch, wie der junge Mann ſich wieder auf das Sopha niederwarf und laut ſtöhnte. „Wennm er ſich eine Kugel durch den Kopf ſchießt, ſo bin ich ihn auf einmal los,« murmelte Fairlie grimmig lächelnd, während er die Thür ſchloß. men zu ſchere ih ben IV. den“ gegem Fuirlie's zweiter Jug und wie er malt geſetzt ward. bin au und ſo Fairlie machte in ſeinen Operationen keine Pauſe. Seine ſch blei nächſte Aufgabe war, zu ermitteln, wo Miſtreß Jenyns ein⸗ quartiert war. nieJ Als er ſich deswegen bei Pudſey erkundigte, erfuhr er, Irrthr daß ſie ein großes Zimmer mit einem damit zuſammenhängen⸗ ſcheint, den Vorzimmer oder Schreibcabinet in der Südgallerie be⸗ norge wohnte, welches unter dem Namen des Danae⸗Zimmers be⸗ kannt war, weil die Decke mit einem Frescogemälde von Ver⸗ durs rio geſchmückt war, welches Acriſius feile, von dem goldenen Poöl . Regen bezwungene Tochter darſtellte. jiem Demgemäß begab er ſich ſofort in die Südgallerie und ließ ſich, nachdem er das fragliche Zimmer erreicht, durch ung den Kellermeiſter anmelden, welcher, ſobald er ſeinen Auftrag ſi ausgerichtet, ſich wieder entfernte. fde Miſtreß Jenyns war allein in dem Schreibecabinet und ihu ihr Empfang des unerwarteten Beſuchers war keineswogs er⸗ uh muthigend. Als er eintrat, ſtand ſie auf und blieb während ſihſ der ganzen Unterredung ſtehen. Durch dieſe ſtolze Haltung keineswegs eingeſchüchtert, en machte Fairlie eine tiefe Verbeugung, trat dann einige Schritte näher und ſagte in ſeinem einſchmeichelndſten Tone bem und mit erkünſteltem Lächeln: ard. Seine s ein⸗ hr er, ängen⸗ ie be⸗ We⸗ oldenen ie und durch Auftrag net und gs e⸗ vährend ichtelt, einige Ton 27 „Ich komme, um Sie in Monthermer Caſtle willkom⸗ men zu heißen. Ich hoffe, daß es Ihnen hier gefällt und ver⸗ ſichere Ihnen aufrichtig, daß es mich freuen wird, wenn Sie ſich bewegen laſſen, Ihren Aufenthalt hier zu verlängern.“ „Ich bin Ihnen für Ihre Höflichkeit unendlich verbun⸗ den,« antwortete ſie in eiſig kaltem Tone,»doch iſt es auch gegenwärtig gar nicht meine Abſicht, wieder abzureiſen. Ich bin auf Maſter Monthermer's Einladung hierhergekommen, und ſo lange als meine Geſellſchaft ihm angenehm iſt, werde ich bleiben.“ Fairlie machte eine zweite tiefe Verbeugung und lächelte wie Jemand, der auf zarte Weiſe einen Andern über einen Irrthum aufklären will.»Maſter Monthermer hat, wie es ſcheint, unterlaſſen, Ihnen, Madame, mitzutheilen, daß er morgen Abend aufhört, hier Herr zu ſeyn,« ſagte er. Miſtreß Jenyns lächelte nun ihrerſeies, aber ganz an⸗ ders als der Verwalter. Es lag ein bedeutender Anflug von Bosheit in ihrem Blick und in ihrer Stimme, während ſie ziemlich ſpitz erwiederte: „Maſter Monthermer ſtand allerdings in dieſer Mei⸗ nung, als er hierherkam, iſt aber ſeitdem enttäuſcht worden, und ich glaube, Sie werden, wenn es zum Treffen kommt, finden, daß er durchaus nicht die Abſicht hat, ſein Eigenthum ohne Weiteres herzugeben. Wenn irgend Jemand morgen aufhört, hier Herr zu ſeyn, ſo glaube ich, Sie werden dies ſelbſt ſeyn, Maſter Fairlie.« Der Verwalter verneigte ſich abermals und lächelte faſt eben ſo boshaft als die Schauſpielerin. „Ihre Worte klingen wie eine Drohung, Madame,“ bemerkte er ruhig. Miſtreß Jenyns nahm die Herausforderung ſofort an — 28 und ſtampfte mit ihrem kleinen Fuße. Diesmal machte ſie ihren Gefühlen von Verachtung und Trotz vollſtändig Luft. „Ja, allerdings ſoll in meinen Worten eine Drohung liegen, Sir,« rief ſie.»Es iſt Zeit für Sie, zu erfahren, daß Maſter Monthermer ſeine Steliung vollkommen verſteht und die Mittel beſitzt, ſich Recht zu verſchaffen.« Fairlie bemühte ſich, ruhig zu bleiben, obſchon ſeine Geduld auf eine harte Probe geſtellt ward. „Dies kann Alles ſehr wahr ſehn, Madame,« ſagte er, »und ich will es keinen Augenblick lang ſtreitig machen— aber es kommt nichts darauf an. Welche Mittel Maſter Mon⸗ thermer auch beſitzen mag, ſich, wie Sie es nennen, Recht zu verſchaffen, ſo wird er ſie doch niemals anwenden— niemals.* „Und warum nicht, Sir— warum nicht?“ rief die Schauſpielerin, indem ſie ihn wüthend anſah und wieder mit dem Fuße ſtampfte. „Weil ihm die zu dem Kampfe nöthige Energie ge⸗ bricht, Madame,“ entgegnete Fairlie. „O rechnen Sie nicht auf die Schwäche ſeines Charak⸗ ters. Ich werde ihm Entſchloſſenheit einhauchen.« „Ihre Bemühungen werden umſonſt ſeyn, Modame. Sie haben es hier mit einem Menſchen zu thun, der noch niemals einer wirklichen Schwierigkeit ins Auge geſchaut hat. Er wird ſich fügen und Ihre Erwartung täuſchen. Ich fürchte mich durchaus nicht vor ihm.« „Wenn Sie ſich auch vor ihm nicht fürchten, ſo erken⸗ nen Sie wenigſtens in mir einen Gegner, welcher zu fürch⸗ ten iſt.“ „Allerdings würde ich zittern, wenn ich Sie nur einen Augenblick lang als meinen Feind betrachten könnte, Ma⸗ dame,“ das kam zu einer Ihrem inigen. und m kann ich ſtimnt 6 vS Foirlie. und ſind Ausdrue Sie ni Freunde les Po Maſter heiten ſt » laſſen, iner, ſt haben nir mit 2 pariren ruhe zu „ it hn nies ho te ſe ft. hung hren, rſteht ſeine te er, Mon⸗ Recht f die rmit e ge⸗ arak⸗ dame, noch that. üchte erken füch⸗ einen 29 dame,“ entgegnete Fairlie in ſchmeichelndem Tone.»Aber das kann ich nicht. Ich bin überzeugt, wir werden ſehr bald zu einer freundſchaftlichen Verſtändigung kommen, da es in Ihrem eigenen Intereſſe liegt, ſich mit mir nicht zu verun⸗ einigen. Was mich betrifft,« ſetzte er in dem ſanfteſten Tone und mit einem, wie er meinte, zärtlichen Blick hinzu,»ſo kann ich ſagen, daß ich noch durch ein innigeres Gefühl be⸗ ſtimmt werde als das der Freundſchaft.« »Schweigen Sie mit dieſen Schmeichelreden, Maſter Fairlie. Dieſelben haben durchaus keine Wirkung auf mich und ſind ganz zur Unzeit.« „Verzeihen Sie, Madame, wenn der etwas plötzliche Ausdruck meiner Bewunderung Sie beleidigt hat, aber laſſen Sie mich doch Ihnen zeigen, warum wir wenigſtens Freunde ſeyn müſſen, wenn wir nemlich nicht durch ein feſte⸗ res Band an einander gefeſſelt werden ſollten.« »Wenn ich Ihre Geſellſchaft noch länger dulden ſoll, Maſter Fairlie, ſo muß ich verlangen, daß dieſe Unverſchämt⸗ heiten ſofort ein Ende haben.« »Wie Ihnen beliebt, Madame. Ehe Sie mich aber ent⸗ laſſen, werden Sie wohl thun, die Frage nicht blos von einer, ſondern auch von der andern Seite zu betrachten. Sie haben Maſter Monthermer eine Eröffnung gemacht, die er mir mitgetheilt hat.« Dies war ein Schlag, welchen Miſtreß Jenyns nicht pariren konnte— auch war ſie nicht im Stande, ihre Un— ruhe zu verhehlen. »Wie, hat er die Unklugheit gehabt, mein Geſpräch mit ihm wiederzuerzählen?« rief ſie.„Doch nein. Sie ſagen dies blos, um mich auf die Probe zu ſtellen.« E ———— 30 „Ich will Ihnen ſagen, was ich gehört habe, Madame,“ verſetzte er,„und Sie ſollen dann ſelbſt urtheilen, ob ich recht unterrichtet bin oder nicht. Sie wollen ein gewiſſes Document zum Vorſchein bringen— ein Teſtament, angeb⸗ lich von dem ſeligen Warwick Monthermer herrührend und auf eine Weiſe, die ich hier nicht erörtern will, in Ihren Be⸗ ſitz gelangt. Dieſes Teſtament wollen Sie gegen mich geltend machen, meinen guten Ruf vernichten und Gage in ſeine ver— fallenen Beſitzungen wieder einſetzen. Zum Lohn für dieſen wichtigen Dienſt verlangen Sie zur Herrin— zur rechtmä⸗ ßigen Herrin— von Monthermer Caſtle gemacht zu wer⸗ den. Sie ſehen, Madame, daß ich ſo ziemlich gut unterrich⸗ tet bin.* Es trat eine kurze Pauſe ein, während welcher es klar war, daß die überlegene Schlauheit des Verwalters raſch die Oberhand gewann. „Dieſer Mann hat Recht,“ ſagte Miſtreß Jenyns bei ſich ſelbſt.»Gage wird in einem Kampfe mit ihm niemals ſiegen.“ Fairlie beobachtete ſie ſcharf und las in ihren Zügen, was in ihren Gedanken vorging. Er ſah den Vortheil, den er gewonnen, und beſchloß, ihn zu benutzen. „Ich habe gegen Ihr Project durchaus nichts einzu⸗ wenden, Madame,“ bemerkte er;»es iſt wohl durchdacht. Aber dennoch wird es mißlingen.“ „Das wollen wir erſt ſehen!“ rief Niſtreß Jenyns wie⸗ der Muth faſſend.»Wenn Gage nur ſich ſelbſt treu bleibt, ſo wird er triumphiren.* „Aber wann iſt er ſich wohl jemals ſelbſt treu geblieben, Madame?“ entgegnete Fairlie mit hämiſchem Lächeln.»Das Project! derungen gen nicht in welch rick, d des Du 5 Entriſ ſreß Je und ihre 3 ſogen, Gage m dammen treiben. nache, Veſen des ni 6 uf ſich betrach Heitert Jann ſo her ame,“ ob ich wiſſes angeb⸗ d und geltend 1e vel⸗ dieſen chtmä⸗ wer⸗ terrich⸗ 6 klar ſch die yns bei niemab Zügen⸗ eil, den einzl⸗ chdacht. yus wie⸗ leibt ebüeben n.„Dns 31 Project wird aber deswegen mißlingen, weil Sie Ihre For⸗ derungen übertrieben haben. Gage wird auf die Bedingun⸗ gen nicht eingehen. Selbſt in der furchtbaren Bedrängniß, in welche er ſich verſetzt ſieht, bebt er vor einem Schritte zu⸗ rück, durch den er ein nach ſeiner Meinung ihn entwürdigen⸗ des Bündniß ſchließen würde.« Fairlie war nicht vorbereitet auf den Ausbruch von Entrüſtung, womit dieſe Worte aufgenommen wurden. Mi⸗ ſtreß Jenyns betrachtete ihn mit unausſprechlicher Verachtung und ihre Augen ſprühten Feuer. „Und Sie beſitzen die Frechheit, mir dies wiederzu⸗ ſagen, Sir?« rief ſie mit drohender Geberde.»Auch wenn Gage mein Anerbieten zurückweiſt, werde ich jenen Sie ver⸗ dammenden Beweis geltend machen und Sie von hier ver⸗ treiben.* Fairlie ſtand aber unerſchüttert. »Nein, Madame, das werden Sie nicht!« entgegnete er feſt. »Wie wollen Sie mich daran verhindern?« »Dadurch, daß ich Sie zur Herrin dieſes Schloſſes mache,« antwortete er plötzlich, indem er ſein ſchmeichleriſches Weſen und erkünſteltes Lächeln wieder annahm.»Gage kann dies nicht thun— ich aber kann es und werde es.« Er ſah ihrer Antwort entgegen, die eine Weile lang auf ſich warten ließ, während er ſie mit ſchlauem Lächeln betrachtete. Endlich brach ſie in ein lautes Gelächter aus. »Auf mein Wort, Fairlie,« rief ſie, nachdem ſie ihrer Heiterkeit einige Augenblicke lang Raum gegeben,„es wäre Jammerſchade, wenn wir nicht zuſammenkämen! Wir paſſen ſo herrlich für einander!« 32 „Das glaube ich auch, Madame,« antwortete er. „Wir ſind alſo einig— wie?— Sie nehmen mein An⸗ erbieten an? Und er hob mit dem Ausdruck der Hingebung und Ga⸗ lanterie ihre Hand an ſeine Lippen. „Hml! ich weiß es nicht,“ ſagte ſie zögernd. „Nein, Madame, geben Sie mir eine beſtimmte Ant⸗ wort. Ich bin ein ſchlichter Geſchäftsmann und ſelbſt in einer Angelegenheit dieſer Art liebe ich es, ohne Verzug zur Sache zu kommen. Geben Sie mir jenes Teſtament und ich gebe Ihnen dafür mein ſchriftliches Eheverſprechen.* „Nein, nein, nein, nicht ſo ſchnell, Fairlie! So ſehr ich mich auch durch Ihren Antrag geehrt fühle, ſo kann ich doch nicht demſelben ſofort beiſtimmen.“ „Sie treiben Ihr Spiel mit mir, Madame!“ rief er, indem er plötzlich ernſt ward. „Ich muß erſt Gages Entſcheidung abwarten, ent⸗ gegnete ſie.„So lange ich nicht mit ihm im Klaren bin, kann ich keinen andern Antrag annehmen. Weiſt er mein Anerbieten zurück, ſo bin ich die Sh „Er hat aber das Feld geräumt, ſage ich Ihnen,« rief Fairlie ungeduldig. „Das muß ich erſt gewiß wiſſen. Um die Sache außer Zweifel zu ſetzen, will ich an ihn ſchreiben und ſeine Antwort ſoll meine Richtſchnur ſeyn. Es iſt nutzlos, jetzt noch weiter in mich zu dringen. Ich bin unbeugſam. Und vergeſſen Sie nicht, wenn unſere Verbindung ſtattfindet, ſo muß es mor⸗ gen geſchehen.* „So bald?« rief Fairlie. „Der morgende Tag ſieht mich als Herrin von Mon⸗ thermer( rrſi Un das anſt Uo De Er ilbſt übe nent zun in Perſ wegs z ſi ſch d licß und und ſah hältniß, das er ſ Ab Gie des war wa E ſhrüt e erſchlo Er Du Un ete er. n An⸗ d Ga⸗ te Ant⸗ meiner Soche h gebe o ſehr annich ief er, „ent⸗ en bin, r mein 1,6 rief eaußer Antwort h weier ſen Sie es nor⸗ n Non⸗ 80 5 . thermer Caſtle— entweder als Ihr Weib oder als Gage's,« rief ſie. Und mit einer anmuthigen Verneigung ſchwebte ſie in das anſtoßende Zimmer und ſchloß die Thür hinter ſich. F Wo Jairlie abermals einen falſchen Jug thut. Der Verwalter ward in ſeiner eigenen Falle gefangen. Er gedachte Miſtreß Jenyns zu überliſten und ward ſelbſt überliſtet. Er glaubte ganz gewiß, ſie werde das Teſta⸗ ment zum Austauſch für ſein ſchriftliches Eheverſprechen— ein Verſprechen, welches er, im Vertrauen geſagt, keines⸗ wegs zu halten gedachte— herausgeben, fand aber, daß ſie ſich durch eine ſo leicht zu durchſchauende Liſt nicht täuſchen ließ und auf ſeine Redlichkeit zu wenig Vertrauen ſetzte. Einige Minuten lang weilte er in dem Schreibecabinet und ſah ſich begierig ringsum, ob vielleicht zufällig das Be⸗ hältniß, in welchem ſich das koſtbare Document befand, das er ſo begierig wiederzuerlangen ſuchte, hier wäre. Aber er konnte nichts davon wahrnehmen. In einer Ecke des Zimmers ſtand jedoch ein großer Koffer und was war wahrſcheinlicher, als daß das Käſtchen darinſtünde? Er durfte keine Gelegenheit unbenutzt laſſen. Deshalb ſchritt er raſch auf den Koffer zu und öffnete, da er ihn un⸗ verſchloſſen fand, ohne Zögern. Er war mit einer Menge weiblicher Bekleidungsgegen⸗ ſtände angefüllt. Koſtbare ſeidene Kleider, Unterkleider von Der Verſchwender III. 3 34 weniger werthvollem Stoffe, Maskenanzüge, Atlasſchuhe mit hohen Abſätzen, ſeidene Strümpfe, Bänder, Spitzen, eine Larve mit einem Spitzenvorhang, Fächer, Büchſen mit Schminke und Pomade, Etuis mit Schmuckſachen und viele andere Dinge— alles dies riß Fairlie heraus und warf es auf die Diele— ein Käſtchen aber war nicht darunter. Keine Spur weder davon noch von dem Teſtament! Gerade als er ſich überzeugt hatte, daß ſein Suchen fruchtlos ſey und er ſich anſchickte, die verſchiedenen umher⸗ geſtreuten Gegenſtände ſo ſchleunig als möglich wieder in den Koffer hineinzuwerfen, ward er plötzlich durch das Erſcheinen von Miſtreß Jenyns und ihrer Zofe erſchreckt. Fairlie ſprang roth wie ein Truthahn auf ſeine Füße, ſtammelte eine Entſchuldigung und wollte ſchnell ſich auf den Rückzug machen, aber Miſtreß Jenyns trat ihm in den Weg. „Ich will nicht thun, als kennte ich Ihre Abſichten nicht,“ ſagte ſie.»Ich weiß recht wohl, was Sie geſucht haben, aber Sie müſſen mich für ſehr nachläſſig halten, wenn Sie glauben, ich würde ein wichtiges Document in einem offenen Koffer laſſen. Ich erſuche Sie aber, Ihre Rachforſchungen noch weiter fortzuſetzen, Sir,« fügte ſie hinzu, indem ſie auf das Zimmer zeigte, welches ſie ſoeben verlaſſen.»gehen Sie hinein— ich habe durchaus nichts dagegen.“ „Und darf ich Sie bei Ihrem Worte nehmen, Ma⸗ dame?“ fragte Fairlie begierig.„Geben Sie mir wirklich Erlaubniß, in Ihr Zimmer zu gehen?* „Verſteht ſich! Meine Zofe Davies ſoll Ihnen ſuchen helfen.*. Fairlie zögerte keinen Augenblick, ſondern trat in das anſtoßende Gemach, gefolgt von Davies, einer netten, oli⸗ venbraunel Paar lebh Schalkhaft Die ihr zu ſag ſtrafen w „P ſie, inden herein, 6 Heit! So darüber ſchen weit nit Spißz Sit, dan ſichen kör nen Sie Herrin a er jorni er ſt. ſchen S hinter die wir wolle Spigel, gen— 0 ſichts en ich nich ſde und ntni haar kle he mit „eine mit viele arf es tl Schen mher⸗ in den cheinen Füßc, uf den Weg. ſichten geſucht halten, ent in Ihre gte ſe ſoeben nichts „ Na⸗ wirklch ſuchen in das n, oli 35 venbraunen Dirne mit einer zierlichen kleinen Figur und ein Paar lebhaft ſchwarzen Augen, aus welchen Muthwille und Schalkhaftigkeit leuchteten. Die muntere Soubrette ſchaute ihre Herrin an, wie um ihr zu ſagen, daß ſie ihn für ſeine zudringliche Neugier ſchon ſtrafen wolle. »„Wollen Sie nicht einmal hier hereinſehen, Sir?« rief ſie, indem ſie die Thür eines Schrankes öffnete;„oder hier herein, Sir? oder in dieſe Schubfächer? oder unter das Bett? Schauen Sie doch einmal unter das Bett— oder darüber— ich will die Vorhänge auf die Seite ziehen. Sie ſehen weiter nichts, Sir, als die rothatlaſſene Decke und den mit Spitzen beſetzten Pfühl. Steigen Sie auf dieſen Stuhl, Sir, dann werden Sie vielleicht auf dem Betthimmel nach⸗ ſuchen können. Wenn Sie ſich auf die Zehen ſtellen, ſo kön⸗ nen Sie gerade hinaufreichen. Ich könnte das nicht und meine Herrin auch nicht. Ha! ha! ha!“ »Was iſt in dieſem Mantelſack?« rief Fairlie, indem er zornig herunterſprang.„Oeffnet ihn ſchnell!« „O ja, Sir, mit Vergnügen. Da, Sie ſehen, daß er leer iſt. O bitte, gehen Sie noch nicht, Sir, ſondern unter⸗ ſuchen S borher den Toilettetiſch. Ich glaube nicht, daß hinter dieſen Mouſſelinvorhängen etwas verborgen iſt, aber wir wollen lieber nachſehen— nein— auch nicht hinter dem Spiegel, obſchon dieſer groß genug iſt, um etwas zu verber⸗ gen— auch nicht in dieſem Schmuckkäſtchen, welches weiter nichts enthält als ein Diamantenhalsband und eine Broche— auch nicht in dieſem Toilettekaſten, in welchem ſich Arquebu⸗ ſade und Riechfläſchchen befinden, wenn ich Ihnen vielleicht damit dienen kann, Sir,« ſetzte ſie hinzu, indem ſie ihm ein paar kleine Flacons unter die Naſe hielt. ————— „Geht zum Teufel mit euren Parfümerien und Eſſenzen, Ihr unverſchämte Dirne!« rief Fairlie.»Könnt Ihr mir nicht einen kleinen Koffer ausfindig machen?“ „Einen kleinen Koffer? Laſſen Sie mich ſehen, Sir! Iſt er vielleicht mit rothem Leder überzogen?* „Ja wohl, ja wohl. Sucht ihn nur!“ „Wenn Sie mir gleich geſagt hätten, was Sie ſuchten ſo hätten Sie ſich dieſe ganze Mühe erſparen können. Ein rother Lederkoffer, ſagen Sie— mit ſilbernem Charnier und einer Silberplatte auf dem Deckel?“ „Ja wohl, ja wohl, habt Ihr einen ſolchen? Schafft ihn zur Stelle.« „Es thut mir leid, daß ich das nicht kann, Sir! Er iſt nicht hier!“ „Nun, wo iſt er denn?* „Da, wo Sie ihn nicht erreichen können, Maſter Fairlie,« antwortete die Schauſpielerin, welche in dieſem Augenblick ins Zimmer trat.„Aber verlaſſen Sie ſich darauf, er wird zur Stelle geſchafft werden, ſobald der geeignete Augenblick da iſt. Glaubten Sie denn wirklich Entdeckungen zu machen, wenn Sie das Zimmer einer Dame durch⸗ wühlten? Mancher eiferſüchtige Ehemann hat auf dieſelbe Weiſe gehandelt, ſich aber dadurch blos höchſt lächerlich gemacht.“ „Sie haben Recht, Madame, ich ſollte mich meiner Handlungsweiſe ſchämen,« entgegnete Fairlie, der ſich nun ſeiner ſchiefen Stellung vollkommen bewußt war und ſich ſo gut als möglich wieder herauszuwickeln ſuchte. „Ja, es läßt ſich nicht leugnen, Sie ſehen ungeheuer albern aus,* rief die Davies mit höhnendem Gelächter.„Selbſt di leichte röthet üb „S indem ſie mer zu ugt he Grund ger auf jide Lit, denken, gut getre „ »und ich ntwickel Vochthei ſo eben berinträ Freund » ihr bleil ten, geg bedauer » brach ſi ſhhß l » da Sie ſcheinen deß ich urhſch ril ich 37 die leichtgekleidete Dame an der Decke, Madame Danas, er⸗ röthet über Sie und mir geht es eben ſo.« »Schweig, Davies,« unterbrach ſie Myſtreß Jenhns, Sir indem ſie ihrer Dienerin durch einen Wink befahl, das Zim⸗ mer zu verlaſſen.»Da Sie ſich durch dieſe Hausſuchung über⸗ zeugt haben, Maſter Fairlie, ſo können Sie weiter keinen ſchen Grund haben, hier zu verweilen, und ich will Sie nicht län⸗ vn ger aufzuhalten ſuchen. Sie müſſen nun überzeugt ſeyn, daß eib jede Liſt, die Sie gegen mich in Anwendung zu bringen ge⸗ denken, Ihr Ziel verfehlt. Meine Vorſichtsmaßregeln ſind zu Szut gut getroffen.« »Das finde ich allerdings, Madame, s entgegnete Fairlie, „und ich muß Ihnen mein Compliment zu dem von Ihnen briſt entwickelten Scharfſinn machen, obſchon ich ſelbſt dadurch in Nachtheil gerathe. Laſſen Sie mich hoffen, daß das, was ſo eben geſchehen, nicht das gute Einvernehmen zwiſchen uns Noſter beeinträchtigt. Es liegt mir jetzt mehr als je daran, daß wir dieſem Freunde bleiben.« darauf»Ich habe Ihnen meine Antwort ſchon gegeben und bei eeignete ihr bleibe ich ſtehen. Wenn die Umſtände mich zwingen ſoll⸗ kungen ten, gegen Sie zu handeln, ſo werde ich die Nothwendigkeit durch⸗ bedauern, aber—* dieſlbe»Ein ſolches Ereigniß wollen wir nicht hoffen,« unter⸗ icherlich brach ſie Fairlie.„Ich weiß im Voraus, wie Gage's Ent⸗ ſchluß lauten wird.“ meiner„In dieſem Falle haben Sie nichts zu fürchten. Und ih mn da Sie auf einen günſtigen Ausgang ſo beſtimmt zu rechnen ſih ſo ſcheinen, ich ſage auf einen günſtigen, denn ich muß geſtehen, daß ich mich eher Ihrem Antrage zuneige, obſchon ich mich verpflichtet erachte, Gage das erſte Wort zu überlaſſen— ſo wer P will ich Ihnen ſagen, was ich gethan zu ſehen wünſche.« „Stlbſt 38 „Alles, was Sie begehren, Madame, ſoll geſchehen, wenn es innerhalb der Grenzen der Möglichkeit iſt.“ „Ich will Ihre Hingebung nicht durch eine zu ſchwere Leiſtung auf die Probe ſtellen,« entgegnete ſie lächelnd. „Laſſen Sie um drei Uhr in dem Speiſezimmer eine hübſche Collation ſerviren und laden Sie zwanzig oder dreißig der im Hauſe weilenden Gäſte ein, daran theilzunehmen. Sir Randal, Maſter Freke und die Andern von dieſer Geſellſchaft müſſen natürlich mit dabei ſeyn.« „Verſteht ſich, Madame. Die Collation ſoll zu der von Ihnen erwähnten Stunde bereit ſeyn und die Geſellſchaft dazu eingeladen werden.« „Sie ſelbſt müſſen bei dieſem Mahle präſidiren und mir meinen Platz zu Ihrer Rechten anweiſen.« „Entſchuldigen Sie, Madame, Sie wiſſen ja, daß ich auf noch wenige Stunden meine Rechte und Privilegien in dieſem Hauſe an Maſter Monthermer abgetreten habe. Er könnte es als eine Verletzung unſeres Uebereinkommens be⸗ trachten, wenn ich den erſten Platz für mich in Anſpruch nehmen wollte.* „Aber dennoch müſſen Sie dies thun. Am Schluſſe des Mahles werden Sie der Geſellſchaft Ihre bevorſtehende Ver⸗ mälung verkünden und Ihre Braut vorſtellen.“ Fairlie fühlte, wie ſich ihm die Bruſt zuſammenſchnürte, und er vermochte kaum zu antworten. „Ah, Sie zögern!« rief ſie.»Es wird alſo nicht zu ſpät ſeyn, das Teſtament zum Vorſchein zu bringen?“ „Ich bedarf keiner Drohung, um vermocht zu werden⸗ ſo zu handeln, wie Sie wünſchen, Madame,« entgegnete er. „Die Verkündigung ſoll erfolgen. „Dann können Sie nicht wieder zurücktreten.“ es beſit ſollen! „ mich ni Ihre U an Ga oder w ſcheide fahren kann die Ha hob e Pilet Jige herum Lippe einem koſthg 39 K„Und dann, nachdem Ihr Zweck erreicht iſt, dann, Ma⸗ dame, werden Sie mir das Document geben?“ ſhwen„Sobald als wir vom Altare zurückkehren, eher nicht.« ächelnd. „Aber Sie werden mich wenigſtens überzeugen, daß Sie hibſche es beſitzen.* ſig der„O ſehen Sie in dieſer Beziehung unbeſorgt, Sir; Sie en Eir ſollen vollſtändig überzeugt werden.* ſelſchat„Ehe ich mich entferne, bitte ich Sie nochmals, Madame, mich nicht länger in Ungewißheit zu laſſen, als nöthig iſt.“ der von„Wohlan, ich will mitleidig ſeyn. Aus Rückſicht auf ſt dazu Ihre Unruhe— Ungeduld, ſollte ich es nennen, will ich ſofort an Gage ſchreiben. Wenn ſeine Antwort verneinend ausfällt, und mit oder wenn er nicht binnen zwei Stunden antwortet, ſo ent⸗ ſcheide ich mich zu Ihren Gunſten.« daß ich»In zwei Stunden alſo werde ich mein Schickſal er⸗ egien in fahren?« habe Er„Allerdings, und nun ſchicken Sie mir Bellairs, dieſem nens b kann ich vertrauen.« Anſpruch„Das weiß ich wohl, Madame. Ich küſſe Ihnen die Hand.«* luſſe de Und indem er ihre Finger ceremoniös an ſeine Lippen nde Vr hob, entfernte er ſich. Sobald er fort war, eilte Miſtreß Jenhns nach dem ſchuürt⸗ Toilettetiſch, um ihre ſchönen, jetzt vom Triumph ſtrahlenden Züge in dem Spiegel zu betrachten. t zu pät Zufrieden mit dem, was ſie ſah, drehte ſie ſich wieder herum und ein Ausdruck von Verachtung kräuſelte ihre werden⸗ Lippen. gnete et.»Der Narr!« rief ſie,„glaubte er, er habe es mit einem Kinde zu thun? Bildete er ſich ein, ich würde ein ſo koſtbares Document aus meinem eigenen Gewahrſam geben? 40 O, ich habe es ſicher verwahrt!« ſetzte ſie hinzu, indem ſie die Hand auf ihren ſchwellenden Buſen drückte.»Mein Herz ſchlägt ſtolz dagegen in der vollen Ueberzeugung, daß ich nun bald mein Ziel erreichen und Herrin von Monthermer Caſtle ſeyn werde!“ VI. wie Gage endlich die Augen gebſfnet wurden. Gage war in der letzten Zeit, wie wir bereits erwähnt haben, allmälig in einen Zuſtand von Lethargie und Schwer⸗ muth verſunken, aus welchem nur ein ſtarkes Reizmittel, ſo wie es eben von Fairlie angewendet worden, ihn aufrütteln konnte uno auch dies nur auf kurze Zeit. Während er die Schilderung anhörte, welche der Ver⸗ walter von dem bevorſtehenden Feſte machte, war ſeine Bruſt für den Augenblick von einem gewiſſen Grade ſeines frühern Feuers entzündet worden; die Aufregung aber verdampfte ſehr raſch und er war dann düſterer und niedergeſchlagener als vorher. 4 Ein elender Gemüthszuſtand, ähnlich der Reaction nach einer ſtarken Doſis Opium, Trägheit und Riedergeſchlagenheit hielten ihn ab,den richtigen Weg zu erkennen, der ihn aus ſeiner Bedrängniß führen konnte, und obſchon er alle Qualen eines erwachenden Gewiſſens erduldete, ſo konnte er ſich doch nicht zum Gefühl der Reue vermögen. Wenn auch beſſere Triebe ſich in ſeiner Bruſt regten, ſo verbannte er ſie doch wieder durch den verzweifelnden Ausruf:»Es iſt zu ſpät!“ Das Leben ſchien eine öde Wüſte zu ſeyn. Die Vergan⸗ genheit war unwiederbringlich, die Zukunft ohne Hoffnung. ⁸) Varn ohne ſinen ihn ſ und Ener in w war ſweif nung hin auf von den Jn nich wie berl aus nſie Herz nun aſtle vähnt hwer⸗ el ſo ütteln Bruſt rühern mpfte gener nach enheit ſeiner neines h nicht riebe wieder ergan⸗ ung. 41 Man darf indeſſen nicht glauben, daß Clara's letzte Warnungsworte auf den unglücklichen jungen Mann gänzlich ohne Wirkung geblieben ſeyen. Sie klangen fortwährend in ſeinen Ohren, während ihre Blicke, ihre innig bittenden Blicke, ihn ſtets verfolgten. Aber eine unüberſteigliche Schranke ſchien zwiſchen ihm und aller Ausſicht auf künftiges Glück befeſtigt zu ſeyn. Seine Energie war dahin. Warum ſollte er einen Kampf fortſetzen, in welchem er ſicher ſeyn konnte, geſchlagen zu werden? Beſſer war es, ihn ſofort zu enden. Somit lieh er den unheimlichen Einflüſterungen der Ver⸗ zweiflung Gehör und verſchloß der ſanften Stimme der Hoff⸗ nung ſein Herz. Er hatte ſeine Anwandlung von Schwermuth noch nicht gänzlich abgeſchüttelt und lag noch allein in der Bibliothek auf einem Ruhelager ausgeſtreckt, als Bellairs eintrat. Er brachte einen Brief und äußerte dabei, daß derſelbe von Myſtreß Jenyns komme. Ohne ſeine Poſition zu ändern, befahl Gage dem Diener, den Brief nur hinzulegen. „Entſchuldigen Sie, Sir,« bemerkte der Diener,»Myſtreß Jenyns trug mir auf, eine Antwort zu bringen. Sie wird mich ausſchelten, wenn ich ohne eine ſolche zurückkehre.« „Du biſt wohl in ihr Vertrauen eingeweiht, Bellairs, wie?« fragte Gage. Der Diener lächelte und nickte bejahend. „Wird nicht eine mündliche Antwort, durch einen ſo zu⸗ verläſſigen Boten überbracht, ebenfalls genügen?“ „Ich werde jede Antwort, die Sie zu ſenden belieben, ausrichten, Sir, ſeh es eine mündliche oder andere,« entgeg⸗ 42 nete Bellairs.„Ich erlaube mir aber zu glauben, daß Sie am klügſten thun werden, wenn Sie ſchreiben.« „Du biſt ein unverſchämter Bengel!“ rief Gage auf ſeine Füße ſpringend.„Wohlan, da Du darauf beſtehſt, ſo will ich eine Antwort ſchreiben. Erſt aber muß ich den Brief leſen, obſchon ich den Inhalt desſelben ſo ziemlich errathe.“ Mit dieſen Worten erbrach er das Siegel und überflog die wenigen Zeilen, welche das Billet enthielt. „Es iſt wie ich vermuthete,« rief er.»Sie veriangt ſofortige Entſcheidung. Aber warum drängt ſie ſo damit?“ „Iſt in dem Billet nichts enthalten, wodurch die Sache ſich erklärte, Sir?s fragte der Diener. „Dummkopf! Würde ich wohl fragen, wenn es darin ſtünve? Vielleicht kannſt Du mir Aufſchluß geben.* „Ich darf nichts ſagen, Sir, aber Sie können über⸗ zeugt ſeyn, daß Myſtreß Jenyns einen Grund, einen ſehr ſtarken Grund für ihr Drängen hat. Deshalb empfehle ich Ihnen, auf ihr Anerbieten einzugehen.“ „Was, Du unterſtehſt Dich, mir einen Rath ertheilen zu wollen? Die ganze Sache iſt ein hinterliſtiger Streich! Maſter Fairlie hat es mir wohl geſagt.“ „Aber Sir, Maſter Fairlie—“ „Ruhe! Ich will kein Wort gegen ihn hören!“ „O ſehr ſchön, Sir, entgegnete der Diener verdrießlich, „ich werde nichts weiter ſagen. Mit der Zeit werden Sie ja wohl ſelbſt dahinter kommen.* „Störe mich nicht!“ rief Gage, indem er ſich an den Tiſch ſetzte. Und haſtig eine Feder ergreifend, ſchrieb er wie folgt: „Sie haben es ſchon oft ſehr leicht gefunden, mich hin⸗ ter's Licht zu führen, Madame; aber diesmal wird Ihre Ab⸗ ſcht Geſ erj doh klag abe mel g. eam auf ſt ſo Brief erflog iangt J6 Sache darin über⸗ nſehr hle ich theilen treich! ießlich, Sie ja an den olgt. ich hin⸗ n 43 ſicht nicht gelingen. Ich bin der feſten Ueberzeugung, daß die Geſchichte, welche Sie mir von der Entdeckung des Teſtaments erzählt haben, eine reine Erfindung iſt, und Sie werden ſich daher nicht wundern wenn ich mich weigere, dieſe falſche An⸗ klage gegen einen ehrenwerthen Mann zu erheben. Wäre es aber auch anders wäre Ihre Angabe eben ſo begründet, als ich Urſache habe, ſie für unrichtig zu halten, ſo würde ich Ihren Antrag dennoch eben ſo zurückweiſen. Ich werde meinen herabgekommenen Vermögensumſtänden niemals durch un⸗ würdige Mittel wieder aufzuhelfen ſuchen, und eben ſo wenig den Namen, den ich trage, durch ein mich entwürdigendes Ehebündniß beſchmutzen. Hiermit haben Sie meine Antwort.“ Nachdem er dieſen Brief unterzeichnet und verſiegelt, überreichte er ihn Belairs. »„Sie weiſen wohl das Anerbieten zurück, Sir?“ be⸗ merkte der Diener. „Unbedingt,« entgegnete Gage. »Das thut mir leid zu hören, Sir. Sie arbeiten Ihrem Gegner in die Hände. Miſtreß Jenyns wird nun zu Maſter Fairlie übergehen.« „Wenn ſie das thut, ſo wird ſie bei ihm einen ſchlim⸗ mern Empfang finden, als bei mir.« »Nein, Sir,« entgegnete Bellairs mit ſchlauem Lächeln, „er wird auf ihre Bedingungen eingehen.« „Was, Schurkel« rief Gage im höchſten Grade über⸗ raſcht,»Du willſt doch nicht damit ſagen, daß Fairlie ſie hei⸗ rathen werde?“ »Wenn ich dieſen Brief bringe, ſo iſt die Sache abge⸗ macht. Miſtreß Jenyns hat ſich einmal vorgenommen, Herrin des Schloſſes zu ſeyn, und da ſie die Macht beſitzt, ihren Zweck zu erreichen, ſo macht ſie ihr Anerbieten Ihnen zuerſt. Sie zö⸗ 44 gern und nun tritt Maſter Fairlie ein. Er begreift die Noth⸗ wendigkeit ihres ſofortigen Entſchluſſes und nimmt ihre Bedin⸗ gungen ohne Weiteres an. Mißreß Jenyns aber will Ihnen nicht entſagen, ohne noch einmal mit Ihnen geſprochen zu ha⸗ ben, und verlangt, ehe ſie das Arrangement abſchließt, Ihre Antwort. Sie ſenden dieſelbe und die Thür wird geſchloſſen.“ „Du lügſt, Schurke!“ rief Gage mit zornigem Erſtau⸗ nen.„Ich kann eine ſolche Verſtellung, eine ſolche Treuloſig⸗ keit nicht für möglich halten.“ „Sie werden über dieſe Sache gar nicht lange in Zwei⸗ fel bleiben, Sir, das verſpreche ich Ihnen. Doch es iſt nun zu ſpät, um Maſter Fairlie's Abſichten zu vereiteln. Schreiben Sie einen andern Brief an Miſtreß Jenyns, oder gehen Sie viel⸗ mehr ſogleich zu ihr. Willigen Sie in Alles, was ſie vorſchlägt und Sie haben das Spiel gewonnen. Garz gewiß werden Sie nun nicht mehr zögern. Es iſt jetzt keine Zeit zu albernen Be⸗ denklichkeiten.« „Ich zögere auch nicht, Bellairs,« entgegnete Gage in einem entſchloſſenen Tone, auf welchen der Diener durchaus nicht vorbereitet war.»Es wäre möglich, daß ich auf die von Dir vorgeſchlagene Weiſe über Fairlie triumphirte, aber ich werde mich nie in einen ſo ſchmachvollen Kampf einlaſſen. Höre meinen Entſchluß und theile ihn, wenn Du willſt, Wort für Wort der Perſon mit, welche Dich hierher geſchickt hat: ich würde Miſtreß Jenyns nicht heirathen, und wenn ich dadurch Alles wieder gewinnen könnte, was ich verloren, und wenn ich dadurch an Fairlie für alle ſeine Betriegereien und ſeinen Verrath gerächt würde. Selbſt um dieſen Preis möchte ich ſie nicht! Dieſe Antwort überbringe und ſprich weiter kein Wort.“ enifer Nont forte ten ande lach ſnL regtes nomn Seite ſchere Mim ſtole zum hen, um, ſhwe Podſ üben entw hör Geſth Kell nit oth⸗ din⸗ hnen ſen.« ſſtau⸗ Zwei⸗ un zu nSie viel⸗ hlägt nSie n Be⸗ age in chaus e von laſſen. Wort t ich adurch wenn ſeinen nöchte er kein 45 Stumm vor Erſtaunen verneigte ſich der Diener und entfernte ſich. Die ihm ſo eben gewordenen Aufſchlüſſe wirkten auf Monthermer wie ein elektriſcher Schlag, und rüttelten ihn ſo⸗ fort aus ſeiner Lethargie auf. Nachdem er einige Zeit im Zimmer auf⸗ und abgeſchrit⸗ ten— bald von dem einen wüthenden Impuls, bald von dem andern beherrſcht— verließ er die Bibliothek und begab ſich nach ſeinem Privatzimmer, indem er Jeden, der ihm auf die⸗ ſem Wege begegnete, durch ſeinen wilden Blick und ſein aufge⸗ regtes Weſen in Erſtaunen ſetzte. Niemand wagte ihn anzureden, Maſter Pudſey ausge⸗ nommen, der ſich ihm in den Weg ſtellte, aber ſofort auf die Seite geſtoßen und erſucht ward, ſich zu allen Teufeln zu ſcheren. Als Gage ſein Zimmer erreichte, verbrachte er hier mehre Minuten in düſterm Nachdenken. Dann nahm er ein Paar Pi⸗ ſtolen aus einem Käſtchen, lud ſie und überzeugte ſich, daß ſie zum Gebrauch vollſtändig fertig waren. Nachdem dies geſche⸗ hen, kleidete er ſich in einen Reitanzug, ſchnallte ſeinen Degen um, ſteckte die Piſtolen in den Gürtel, bewaffnete ſich mit einer ſchweren Reitpeitſche und ging hinaus. An der Thür begegnete er abermals dem geſchäftigen Pudſey, der wahrſcheinlich beauftragt war, ſeine Schritte zu überwachen, und der jetzt, ohne Zweifel um den Verdacht zu entwaffnen, mit einer ſilbernen Chocoladenkanne und Zube⸗ hör auf einem Präſentirteller erſchien. Gage warf ihm bei ſeinem heftigen Heraustreten dieſes Geſchirr aus den Händen und ſchritt, ohne den erſchrockenen Kellermeiſter eines Wortes oder eines Blickes zu würdigen, mit feſtem Schritt und ſtolzer Haltung die lange Gallerie hin⸗ 46 ab, indem er im Vorübergehen die Bildniſſe ſeiner Ahnen forſchend anſchaute. In der Eingangshalle trieben ſich eine Menge ſeiner aus⸗ ſchweifenden Gäſte laut plaudernd und lachend umher, wur⸗ den aber durch ſein verändertes Benehmen und Ausſehen ſo betroffen, daß ſie unwillkürlich aufhörten zu lachen und ihn überraſcht und mit großen Augen anſtierten. Mit einem kal⸗ ten, ſtummen Gruße ging er an ihnen vorüber. In dem nach den Ställen führenden Hofe, den er zu⸗ nächſt durchſchritt, war eine Gruppe junger Leute verſammelt, von welchen die hervorragendſten Sir Randal und Beau Freke waren. Alle hörten mit augenſcheinlichem Vergnügen einer pi⸗ canten Mittheilung zu, welche Brice Bunbury mit großer Salbung vortrug. Gage glaubte, er ſelbſt ſey das Thema dieſer Unterhal⸗ tung, und ward in dieſer Vorausſetzung dadurch beſtärkt, daß, als er ſich näherte, Brice den Andern durch eine Geberde Schweigen empfahl. Es waren daher durchaus keine freundlichen Empfin⸗ dungen, mit welchen Gage ſich der Gruppe näherte. Seit der Umwandlung, welche ſo eben in ſeinen Geſin⸗ nungen und in ſeinem Charakter ſtattgefunden, betrachtete er dieſe Leute als zu ſeinen ſchlimmſten Feinden gehörend und wünſchte durchaus nicht, ſeine Meinung in dieſer Hinſicht zu verbergen. Die Eruppe mit wildem, drohendem Blick betrachtend ſchien er Einen darunter herauszuſuchen, an welchem er ſeine Wuth auslaſſen könnte. Der Pfeil traf den unglücklichen Brice. ihn g grüße Briee rief: ſo ch das n tif Hieb Schn nicht nahn kom Prrſt übel merk erwe Viſt nati ka, 47 en»Aus dem Wege, Sir!« rief Monthermer, indem er ihn grimmig auf die Seite ſtieß, als er vortrat um ihn zu be⸗ us⸗ grüßen. ur⸗ Die Andern wußten nicht, was ſie denken ſollten, und ſo Brice, welcher der Unterſtützung ſicher ſeyn zu können glaubte, ihn rief: al.»Soll ich annehmen, daß die Beleidigung, die Sie mir ſo eben zugefügt, eine abſichtliche war, Monthermer?« zu⸗»Glauben Sie, was Sie Luſt haben und nehmen Sie nelt, das noch als Zugabe, um Ihre Faſſungskraft aufzuklären!« ril rief Gage, indem er ihm mit der Reitpeitſche einen ſchweren Hieb über die Schultern verſetzte, ſo daß der Getroffene vor p Schmerz laut aufheulend die Flucht ergriff. oßet Es war unmöglich, über ſeine lächerlichen Grimaſſen nicht zu lachen und da er bei ſeinen Freunden keine Theil— nahme fand, ſo rief er: chal⸗ 1»Iſt dies der Dank, den ich für das Vergnügen be⸗ ₰ komme, welches ich Euch ſo eben verſchaffte?« Dieſe Worte riefen ein abermaliges Gelächter hervor. pfn Dieſer Vorfall diente, den Zorn der zwei vornehmſten Perſonen der Gruppe, welche Gage's Benehmen gegen ſie ſehr zeſn übel genommen hatten, zu beſchwichtigen, und Sir Randal be⸗ merkte mit größerer Gutmüthigkeit, als man von ihm hätte erwarten ſollen: —»Wenn das, was wir ſo eben von Brice in Bezug auf Miſtreß Jenyns und Fairlie gehört, wahr iſt ſo iſt es ganz natürlich, daß Sie übler Laune ſind, Monthermer. Des⸗ ſom halb bin ich auch bereit, Ihre Unhöflichkeit zu entſchuldigen.« ſeine »Ich wünſche durchaus nicht, mich mit Ihnen zu zan⸗ ken, Gage,“ ſetzte Beau Freke hinzu.»Wenn Ihr Zorn ver⸗ *„ 48 dampft iſt, werden Sie, wie ich überzeugt bin, bereit ſeyn, ſich zu entſchuldigen.“ „Riemals!“ entgegnete Monthermer,„ich werde mich niemals entſchuldigen, weder bei Ihnen noch bei Sir Randal.“* Und mit verächtlichem, trotzigem Blick drehte er ſich auf dem Abſatz herum und entfernte ſich. „Noch niemals habe ich Monthermer ſo viel Energie ent⸗ wickeln ſehen,« bemerkte Sir Randal, ſobald Gage ſich entfernt hatte.»Auf mein Wort, er benahm ſich ſo ſtols, daß ich nicht umhin könnte, ihn zu bewundern.“ „Aber ich bewundere' ihn durchaus nicht,* bemerkte Brice, ſich noch die Schultern reibend,„Sie können thun was Ihnen beliebt, meine Herren, ich bin aber nicht geſonnen den mir angethanen Schimpf ſo hinzunehmen.“ „Bravo, Brice!“ rief Randal.„Was wollen Sie thun? Ihn wieder durchpeitſchen, wie?“ „Warten Sie bis er zurückkommt und Sie ſollen es ſehen,“ entgegnete der Andere. Nittlerweile hatte Gage die Ställe erreicht, ſchwang ſich auf Heißſporn und galoppirte hinaus in den Park. Der Groom wunderte ſich noch über das ſeltſame fin⸗ ſtere Ausſehen des jungen Squire, als plötzlich Maſter Pudſey in den Stall trat. „Ihr müßt ſehen, wo Maſter Monthermer hinreitet, Nat Clanch, und was er vornimmt!« rief er.»Setzt Euch ſogleich auf ein Pferd und reitet ihm nach.“ „Nach ſeiner Miene zu urtheilen, ſcheint er ſich das Le⸗ ben nehmen zu wollen,« entgegnete Nat. „Wenm er einen ſolchen Verſuch machen ſollte, Nat, ſo kommt es Euch nicht zu, Euch einzumiſchen— das merkt Guch. ſt we hlic, Pferd von I ſihlen nißte tiſen; gange 6 — ein hltniß Velt, donib Sihwe großen Ban um Ra värtig hiten leriſ ift hen ſochte de 9 — ſich tfernt nicht nerkte thun onnen Sie llen es wang ne fin⸗ Pudſeh nreitet, t Guch das L⸗ lat, ſo merkt 49 Cuch. Es ſteht ſo ſchlecht mit ihm, daß es am beſten für ihn iſt, wenn er dieſe Welt verläßt. Verliert aber keinen Augen⸗ blick, ſondern macht, daß Ihr fortkommt.« Auf dieſe Weiſe aufgeforder; zog Nat das erſte beſte Pferd aus dem Stalle, ſchwang ſich darauf und ritt in der von Monthermer eingeſchlagenen Richtung davon. Nun konnte Gage den in ſeiner Bruſt tobenden Ge⸗ fühlen Worte leihen. Im Hauſe war es ihm geweſen, als müßte er erſticken. Der Schleier ſchien vor ſeinen Augen zer⸗ riſſen zu ſeyn und er ſah deutlich, wie er von Fairlie hinter⸗ gangen worden. Er lachte wild auf, während er über Rache nachdachte, — eine Rache, die mit dem ihm zugefügten Unrecht im Ver⸗ hältniß ſtünde. War dieſe ausgeführt, ſo war er dann fertig mit einer Welt, die er ſtets von Treuloſigkeit und der niedrigſten Un⸗ dankbarkeit erfüllt gefunden. Sein Stolz war nun völlig erwacht und ſeine frühere Schwäche ſchien ihm unerklärlich. Es dauerte nicht lange, ſo kam er an den Rand eines großen Waſſerſpiegels, ſtieg ab, band ſein Pferd an einen Baum und ſetzte ſich an dem Fuß einer Eiche nieder, welche am Rande des kleinen Sees wuchs. Die Ausſicht war wunderſchön, aber in ſeinem gegen⸗ wärtigen geſtörten Gemüthszuſtande war er für die Schön⸗ heiten der Natur ganz unempfänglich. Die ihn umgebende maleriſche Waldlandſchaft— das mit Moos bewachſene, ſich ſanft nach dem Waſſerrande abdachende Ufer— der die nahen Haine wiederſpiegelnde blanke See— alles dies ver⸗ mochte ſeine Aufmerkſamkeit dennoch nicht zu feſſeln. Der Verſchwender. III. 4 50 Wenn er den See überhaupt betrachtete, ſo geſchah es mit dem wahnſinnigen Wunſche, daß die Fluten desſelben über ſeinem Haupte fließen möchten. Wie lang er in dieſe geinliche Träumerei verſunken blieb, wußte er ſelbſt nicht, bis er plötzlich durch das Wiehern ſeines Roſſes daraus erweckt ward. Er ſprang ſofort auf und bemerkte, daß Heißſporns Aufmerkſamkeit einem zweiten Reiter zugewendet war, welcher raſch herannahte und in welchem Gage ſehr bald Arthur Poynings erkannte. Arthur ſprang vom Pferde und kam auf Gage zu. Selbſt dieſer kurze Zwiſchenraum geſtattete ihm, die auf⸗ fallende Veränderung zu bemerken, welche mit Monthermer vorgegangen war, und er konnte nicht umhin, den ſtolzen, übermüthigen Ausdruck wahrzunehmen, womit letzterer ihn betrachtete. Als er ſich näherte, winkte Gage ihn mit drohendem Blick zurück. „Geh deines Weges, Arthur Poynings,« rief er,„und beläſtige mich nicht. Ich ſage Dir, ich bin gefährlich, und wenn Du etwas äußerſt, was mir anſtößig iſt, ſo ſtehe ich nicht für die Folgen. Ich mag nicht dein Blut auf mein Haupt laden, aber ich bin nicht in der Stimmung, daß ich Hohn vertrüge. Laß Dich daher warnen und geh deines Weges!* „Gage,“ entgegnete Arthur, indem er ihn unverwandt anſah,»ich habe Dir eine traurige Nachricht mitzutheilen, ehe ich Dir dieſelbe aber eröffne, muß alle Unfreundlichkeit zwiſchen uns ein Ende nehmen. Deine Hand!“ Monthermer aber verrieth durchaus keine Luſt, dieſes —— Anerb in ſtr ſchn. haſt thuu ein! ſühl triobe Dir v thend, nur 6 Mic may Dge . nir! Ueh nuhi Du lng weſ ntde 51 h es Anerbieten anzunehmen. Er ſchüttelte den Kopf und ſagte ilben in ſtrengem und doch auch zugleich wehmüthigem Tone: »Arthur Poynings, wir können niemals wieder Freunde ich, ſeyn. Du haſt Dich geweigert, Dich mit mir zu ſchlagen und ſines haſt mich entehrt, ohne mir die Mittel zu geben, mir Genug⸗ thuung zu verſchaffen. Geh deines Weges, ſage ich. Ich bin porn ein niedergebeugter und verzweifelnder Menſch, durch das Ge— elcher fühl des an mir verübten Unrechts faſt zum Wahnſinne ge⸗ rthur trieben, und wenn Du noch länger hier verweilſt, ſo füge ich Dir vielleicht ein Leid zu.« »Gage, ich verlaſſe Dich nicht—« ie duf⸗»Du gehſt nicht?« unterbrach ihn Monthermer wü⸗ berner thend,„dann zieh und vertheidige Dich, denn beim Himmel, ſohen, nur Einer von uns ſoll lebendig vom Platze gehen!« i»Stoß zu, wenn Du willſt,« entgegnete Arthur feſt. „Nichts ſoll mich bewegen, mich mit Dir zu ſchlagen.* »Du hältſt mich deines Degens alſo für unwürdig?“ Pen»Rein, nicht ſo— jest halte ich Dich nicht mehr dafür, mag ich früher gedacht haben was ich will. Stecke deinen „„und Degen ein und laß uns ruhig— vernünftig ſprechen!« ch und»Vernünftig!“ wiederholte Gage mit bitterem Geläch⸗ che ich ter.„Habe ich Dir nicht ſchon geſagt, daß ich durch die an f 1. mir verübten Schändlichkeiten bis an den äußerſten Rand des daß ich Wahnſinns getrieben worden, und Du verlangſt, daß ich ruhig, daß ich vernünftig ſprechen ſoll. Eben ſo gut könnteſt Du den Winden Geduld predigen.« deines orwandt»Wenigſtens ſage mir, was geſchehen iſt.« ueln»Nun, ich habe eine Entdeckung gemacht, die ich ſchon ndlichkeit längſt hätte machen ſollen, da ſie Jedem außer mir klar ge⸗ weſen iſt. Ich habe Fairlie's Treuloſigkeit und Schurkerei ſt, diſes entdeckt; ich weiß, wie man meine Leichtgläubigkeit betrogen 4 52 hat— wie ich von ihm und Andern geplündert worden bin — wie man mich durch Schmeicheleien und Liſt ins Verderben geſtürzt hat.“ „Die Augen ſind Dir alſo aufgegangen 16 „Vollſtändig. Aber nicht eher als jetzt, wo es zu ſpät it— ich habe Alles verloren Alles, Arthur. Die Lände⸗ reien meines Vaters ſind mir entriſſen— das Haus meines Vaters iſt mir entriſſen— ein Schurke wird der künftige Herr— Margarethe Jenyns die künftige Herrin ſeyn.* „Du ſprichſt in Räthſeln. Was hot Miſtreß Jenyns mit dem Schloſſe zu thun?“ „Sie wird darin herrſchen— als Fairlie's Weib.* „Da irrſt Du Dich doch wohl. Selbſt er würde vor einem ſolchen Ehebündniß zurückbeben.“ „Miſtreß Jenyns hat ihn in ihrer Gewalt und er hat keine andere Wahl als ſich zu fügen. Er wird ſie heirathen, ſage ich Dir— das heißt, wenn nicht ſeiner ſchurkiſchen Laufbahn vorher ein Ende gemacht wird— was ſehr leicht möglich iſt. Doch genug hiervon. Du ſagteſt eben, Du hät⸗ teſt eine traurige Rachricht für mich. Fürchte nicht, ſie mir mitzutheilen. Ich bin unverwundbar für ferneres Unglück.* „Sey deſſen nicht allzu gewiß,« entgegnete Arthur. Und er ſetzte im Tone tiefen Kummers hinzu „Clara iſt todt!“ Die Wirkung dieſer Mittheilung war eine furchtbare. Gage ſtieß einen durchdringenden Schrei aus und drückte die Hand aufs Herz, als ob es ihm durch einen Dolchſtoß durch⸗ bohrt worden wäre. „Todt! Clara todt!“ rief er.»Ich glaubte, mein Herz wäre geſtählt, Du aber haſt einen Weg gefunden, es zu erſchüttern. O, dies iſt in der That eine traurige Rach⸗ ticht! aufge der S Arth Ich unau jum! mer! ſchn. Gebe ſch i davo Arth in d folgt er die un, denn Schn zhol bin erben ſpät ände⸗ ſeines nftige s mit e vor hat then, kiſchen leicht hät⸗ e mir . . Und hbare. r die duch⸗ mein en, 66 e Nach⸗ 53 richt! Doch es iſt gut, daß der Himmel die Dulderin zu ſich aufgenommen hat. Wenigſtens iſt ſie in Unbekanntſchaft mit der Schande ihres Vaters geſtorben.« »Sie ſtarb für ihn und für Dich betend,« entgegnete Arthur.»Beruhige Dich, wo möglich, und höre mich an. Ich habe Dir viel in Bezug auf Dich zu ſagen.« »Jetzt nicht— jetzt nicht!« rief Gage mit einem Blick unausſprechlichen Schmerzes.„Mein Leidensbecher iſt voll zum Ueberfließen. Leb wohl, Arthur— leb wohl, auf im— mer! Das Geſchlecht der Monthermer wird bald erloſchen ſehn.« Und indem er den jungen Poynings mit gebieteriſcher Geberde hinwegwinkte, eilte er zu ſeinem Pferde, ſchwang ſich in den Sattel und ſprengte mit raſender Schnelligkeit davon. »Ich darf ihn nicht aus den Augen verlieren,« ſagte Arthur, indem er ſich ebenfalls auf das Pferd ſchwang und in derſelben Richtung, welche Gage eingeſchlagen, nach— folgte. V Die Prophezeiung geht in Erfüllung. * Arthur mußte ſeinem Jugendfreunde ſchnell folgen, wenn er die drohende Kataſtrophe verhindern wollte. Er bemühte ſich, Gage nicht aus den Augen zu verlie⸗ ren, aber dies war auch Alles, was er im Stande war, denn der unglückliche junge Mann war mit ſo wüthender Schnelligkeit davongeritten, daß es unmöglich ſchien, ihn ein⸗ zuholen. 54 Schon war er weit hinweg von Arthur, deſſen Ruf, Halt zu machen, er gänzlich unbeachtet ließ, und da ſein Pferd ein weit beſſeres war als das ſeines Verfolgers, ſo ward trotz alles Peitſchens und Spornens des Letztern die Entfernung zwiſchen ihnen immer größer. Auf dieſe Weiſe waren ſie ungefähr eine Meile weit ge⸗ ritten, gerade aus durch den Park und das Schloß links liegen laſſend, als noch Jemand Anderer der Verfolgung ſich anſchloß. Es war Mark Rougham. Er ſaß auf einem von Sir Hugh Poynings Jagdpfer⸗ den— einem ausgezeichnet ſtarken Thier, welches Heißſporn an Geſchwindigkeit faſt gleichkam— und da er Arthurs Ruf hörte und Gage mit ſo halsbrechender Eile fliehen ſah, ſo ver⸗ ſuchte er ihn aufzuhalten. Nark hatte, wie ſich ſpäter ergab, den Park nach allen Richtungen durchſtreift, um Monthermer, den er zu ſprechen wünſchte, zu ſuchen, als er ſo ganz unerwarteter Weiſe auf ihn ſtieß. Da ſein nächſtes Augenmerk darauf gerichtet war, Gage aufzuhalten, ſo machte er einen verzweifelten, aber fruchtlo⸗ ſen Verſuch dazu. Wartend bis Gage herankam, ſprengte er dann raſch auf ihn zu, in der Hoffnung, ſein Pferd beim Zü⸗ gel erhaſchen zu können. 3 Das Manöver ward ziemlich gut ausgeführt, ſchlug aber dennoch fehl. Heißſporn war ſo furchtbar im Schuſſe, daß er Mark ſammt ſeinem Pferde über den Haufen rannte, und ſie ſich auf dem Boden wälzten. Dieſer Vorfall bewog den wahnſinnigen jungen Mann nicht, ſeine Geſchwindigkeit auch nur einen Augenblick lang jun ken, wied lich Sq ben 30 über nun Uf bew ſh »al ſih rit 55 Ruf. zu mäßigen. Er ſchien überhaupt gar nichts davon zu bemer⸗ ſein ken, und ſprengte wüthend immer weiter.. , ſp Als Arthur hinzukam, waren Mark und ſein Roß beide n die wieder auf den Beinen, und obſchon der Erſtere einen ziem⸗ lich harten Fall gethan, ſo war er doch raſch wieder in dem i g⸗ Sattel und half die Verfolgung weiter fortſetzen. inks»Ich weiß wohin er will,« rief Mark, während er ne⸗ ſch ben Arthur herritt;»er reitet nach dem Leuchtthurmhügel. Ich bin davon überzeugt, denn er forderte mich auf, ihn übermorgen bei Tagesanbruch dort zu treffen. Ich verſtehe dſir nun, zu welchem Zweck— um ſeine Leiche dort zu finden. Die pon Aufregung aber hat ihn, wie es ſcheint, zu dem Entſchluß rs Juf bewogen, ſein verhängnißvolles Vorhaben noch eher auszu⸗ ſo ver⸗ führen.“ »Ihm nach, raſch! raſch!s rief Arthur.„Euer Pferd halen iſt beſſer als das meine, und es kann Euch gelingen, ihn zu prechen retten.“ ib a»Ich will mein Möglichſtes thun,« entgegnete Mark, „aber ich bezweifle, daß ich im Stande ſeyn werde, ihn ein⸗ Pae zuholen. Der Himmel gebe, daß er nicht den Hals bricht, ehe tuchl⸗ er den Hügel erreicht. Bei der tollen Art und Weiſe, wie er . reitet, iſt das ſehr wahrſcheinlich.« eim Zi⸗ Mark trieb nun ſein Pferd zur äußerſten Schnelligkeit an. Obſchon er aber Arthur hinter ſich ließ, ſo ward doch ug ch bald klar, daß, wenn nicht irgend ein Zufall ſich ereignete, er keine Ausſicht hatte, Gage einzuholen. Indeſſen, er ritt immer zu, und ſchrie ſo laut er konnte, ſce bis er ganz heiſer ward. nMnn Und nun hatte Gage die Grenzen des Parkes erreicht. c un Heißſporn flog mit einem Satze über die hohe Einfriedung, 56 und mit derſelben Leichtigkeit über die Hecke auf der entgegen⸗ geſetzten Seite des den Park umſäumenden Weges hinweg. Der wüthende Reiter nahm nun ſeine Richtung über die Felder, ohne nach rechts oder links abzuweichen, ohne ſich durch irgend ein anſcheinendes Hinderniß aufhalten zu laſſen, ſondern immer gerade aus in der Richtung, welche Mark vor⸗ ausgeſagt. Manche verzweifelte Sprünge, die er unter andern Um⸗ ſtänden nicht gewagt haben würde, wurden jetzt von dem wahnſinnigen Reiter ausgeführt. Er ſchien die Gefahr her⸗ auszufordern, auf alle Fälle mied er ſie nicht. Daß er unver⸗ letzt davon kam, war ein Wunder, und Mark, der ſeine toll⸗ kühnen Leiſtungen mit anſah, vermochte zuweilen vor Schrecken kaum zu athmen. Endlich ſah er mit weniger Furcht zu, denn er gewann die Ueberzeugung, daß Gage nicht beſtimmt ſey, auf dieſe Weiſe umzukommen. Das umfangreichſte Geröhricht, die höchſte Hecke, der breiteſte Bach hielten ihn nicht auf. Weiter, immer weiter flog er. Die Verfolger verloren nun Terrain. Mark wich den Gefahren aus, mit welchen der vorderſte Reiter es ſo tollkühn aufnahm, und wenn Arthur auch nicht dieſelbe Klugheit an den Tag legte, ſo beſaß doch ſein Pferd nicht Heißſporns un⸗ ermüdliche Ausdauer und begann zu ermatten. Nichtsdeſtoweniger gaben er ſowohl als Mark die Ver⸗ folgung nicht auf. Endlich gewann man das offene Feld und Gage war ſeinen Verfolgern, wie dieſe nun gewahrten, beinahe eine Meile voraus, und flog noch immer mit derſelben Schnellig⸗ keit auf den Leuchtthurmhügel zu, der ſich jetzt majeſtätiſch vor ihnen erhob. ntgegen⸗ hinweg. über die ohne ſich laſſen, ark vor⸗ ern Um⸗ on dem aht her⸗ er unbel⸗ ſine toll Schrecken gewann uf dieſe die höchſte r, immer wich den tolltühn gheit an orns un⸗ die Vr⸗ Gage war nahe eine Schnellg ſütſſh vr Sie waren nun abermals beiſammen, denn Mark hatte die Schnelligkeit ſeines Pferdes gemäßigt, um Arthur nach⸗ kommen zu laſſen, und ſie ritten nun neben einander weiter. Da das Terrain hier, bis auf einen Baum hier und da oder eine kleine Hütte, vollkommen frei war, ſo verloren ſie Gage keine Minute lang aus den Augen. Sie ſahen ihn den Fuß des Hügels erreichen, und in venigen Minuten ſpäter war er oben auf dem Gipfel. Hier machte er Halt, ſtieg aber nicht ab, und die ſich gegen den klaren Himmel abhebenden Geſtalten des Roſſes und des Reiters ſchienen rieſige Umriſſe gewonnen zu haben. „Er wirft noch einen letzten Blick auf ſeine ihm nicht mehr gehörenden Beſitzungen,« rief Mark.»Ich errathe dies an ſeinen Geberden. Ohne Zweifel ſchaut er jetzt nach dem Schloſſe, denn ſein Geſicht iſt, wie Sie bemerken werden, Sir, nach dieſer Richtung hin gewendet.« „Ich zweifle nicht, daß Ihr Recht habt, Mark,« ent⸗ gegnete Arthur.»Wollte Gott, wir wären jetzt dort! Ich zittere vor dem Gedanken an das, was im nächſten Augen⸗ blicke geſchehen kann.* „Nach meiner Anſicht iſt er nicht geſonnen, die That dort zu verüben, Sir,« ſagte Mark.»Wenn er von Allem, was ihm auf dieſer Erde theuer geweſen, Abſchied genommen hat, wird er, wenn ich mich nicht ſehr irre, wieder den Hü⸗ gel herab und nach der Stelle reiten, wo ſein Vater ſeinen Tod fand, denn dort gedenkt auch er ſein Leben zu enden. Ich ſchließe dies aus den Worten, welche er fallen ließ, als ich das letzte Mal mit ihm ſprach. Es war vor ungefähr einer Woche an derſelben Stelle.« Arthur ward durch dieſe Bemerkung überraſcht, erkannte aber die Richtigkeit derſelben an. „Wir wollen uns ſofort dahin begeben, Mark,“ rief er— „Wenn eure Vorausſetzung richtig iſt, und ich glaube, ſie iſt dies, ſo werden wir noch im Stande ſeyn, ihn zu retten.* „Der Himmel gebe, daß wir dies wirklich im Stande ſind!« rief Mark.»Wir wollen aber unſere Pferde an die⸗ ſen Baum binden und uns in der Nähe des Platzes ver⸗ ſtecken. Wenn er uns ſieht, wird er nicht herankommen.“ Arthur gab zu verſtehen, daß er dieſen Vorſchlag billige, und die Pferde wurden auf die angegebene Weiſe in Sicher⸗ heit gebracht. Ein kleiner Bach floß durch das Thal, und ſie ſchritten raſch am Rande dieſes Baches fort, bis ſie an eine Weide kamen. Hier hatte, wie wir in einem frühern Capitel erzählt, der Unfall ſtattgefunden, welcher Squire Warwick das Leben gekoſtet. Ein grauer, an dieſer Stelle in den Boden gepflanz⸗ ter Stein bezeichnete den Platz. Die Ufer des Baches waren hier ſteil, und machten es den Beiden möglich, ſich zu verbergen, und doch nahe bei der Hand zu ſeyn, wenn Gage dahin käme. Hier wollen wir ſie verlaſſen und den Hügel erſteigen. Gage hatte, wie Mark ganz richtig vermuthet, ſich hierher begeben, um einen letzten Blick auf ſeine ehemaligen Beſitzungen zu werfen. Mit welchem Schmerz überſchaute er die weite Ausſicht und verweilte bei allen ihren Schönheiten, als ob er ſich von dem Anblick nicht trennen könnte. Der letzte Gegenſtand, den er betrachtete, war das Schloß, und nachdem er es angeſehen, bis ihm die Thränen in die Augen traten, warf er ſein Pferd herum, um den Hü⸗ gel wieder hinabzureiten. Er hatte, wie er glaubte, mit dieſer Pel un ni ſu ſi kel ief er. aube, h zu tande n dir⸗ er⸗ illige, icher⸗ hritten Wiide ählt, Vben pflanz⸗ ten es bei der ſteigen. ſich naligen ute et heiten, das hränen en Hi⸗ t dieſer 59 Welt abgeſchloſſen, und bemühte ſich nun, ſich der Betrach⸗ tung der nächſten zuzuwenden. Dieſes Beſtreben aber war ein vergebliches. Sein Ge⸗ hirn war zu aufgeregt, um andere als furchtbare Gedanken hegen zu können. Sein Herz war erfüllt von Nacht und Ver⸗ zweiflung. Er hoffte Ruhe zu erlangen und verſuchte darum zu beten, aber kein Gebet ſtieg auf ſeine Lippen. Dennoch aber bebte er vor ſeinem entſetzlichen Vorhaben nicht zurück. Ehe er den Fuß des Hügels erreichte, war eine furchtbare Ruhe auf ſeine zeitherige Aufregung gefolgt. Er ſtieg ab, ſchlang ſeine Arme um Heißſporns Hals, legte ſei⸗ nen Kopf einen Augenblick lang an die Schulter des Thieres, als ob er Abſchied von einem theuern Freunde nehme, und ging fort. Das Pferd folgte ihm einige Schritte und blieb dann auf eine Geberde von ſeinem Herrn ſtehen, und ließ ein kla⸗ gendes Gewinſel hören. Noch einige Schritte, und Gage ſtand vor dem grauen Steine. Hier nahm er ſeine Piſtolen heraus, unterſuchte ſie, kniete dann nieder und legte die Waffen dicht neben ſich auf den Boden. Bis zu dieſem Augenblick war er nicht im Stande geweſen zu beten, jetzt aber ſtiegen plötzlich, und als ob ein wohlthä⸗ tiger Einfluß dazwiſchen getreten wäre, um ihn nicht zum Verbrecher werden zu laſſen, Worte des inbrünſtigſten Gebetes freiwillig auf ſeine Lippen. Er betete nicht vergebens. Ein himmliſcher Thau ſchien ſich auf ihn herabzuſen⸗ ken, und ſein Herz zu erweichen. Das Bild ſeines Vaters ſtieg vor ihm auf und mahnte ihn, ſeinem verwerflichen Vor⸗ haben zu entſagen, und als es entſchwand, folgte Clara's 60 Bild, und flehte mit den ſanfteſten, innigſten Blicken ihn an, keinem ſolchen Gedanken ferner noch Raum zu geben. Er ſtreckte die Hände aus und rief mit lauter Stimme, ohne zu wiſſen, daß ſeine Worte gehört wurden: „Ja, ich will leben— ein neues Leben— und mich bemühen, vergangene Fehler zu büßen! Dies ſchwör ich im Angeſicht des Himmels!“ So wie der Schwur ausgeſprochen war, ſprang Gage wieder auf und ſah Arthur Pohnings und Mark Rougham neben ſich ſtehen. Sie hatten ſich vorſichtig genähert, bereit, im Nothfalle ihn mit Gewalt von ſeinem Vorhaben zurückzuhalten, zum Glück aber war ihre Einmiſchung nicht nöthig. „Ich habe deinen Schwur gehört, Monthermer,« rief Arthur,»und freue mich, daß Du ihn gethan haſt. Von dieſem Augenblick an, ſey verſichert, wirſt Du ein neues und glücklicheres Leben beginnen.« „Vielleicht,« entgegnete Gage.»Oder vielmehr ich fühle, daß dem ſo ſeyn wird.« „Die Prophezeiung! die Prophezeiung!“ rief Mark. „Sie wird buchſtäblich in Erfüllung gehen. Bedenken Sie wohl, wie ſie lautet: „Dicht an dem Hügel, den der Leuchtthurm ziert, Ein ſtolzer Monthermer Haus und Hof verliert.“ Das geht ganz unverkennbar auf Ihren Vater, denn dieſer verlor hier alle ſeine Beſitzungen. Aber wie heißt es weiter „An demſelben Platz— iſt der Weg nur klar— Bietet einem Andern ſich Beides wieder dar.“ Das muß auf Sie gehen, gnädiger Herr, Sie haben nun den klaren, richtigen Weg gewählt und können gewiß ſeyn, daß Sie Ihr Eigenthum wieder gewinnen.« ben rief Gas bar we jed nen ſi 61 »„Ja, ja, deine Prüfungen ſind vorüber, Gage,“ ſagte Arthur in ermuthigendem Tone,»und beſſere Tage harren nne, Dein. Du mußt mit mir nach Reedham kommen, wo mein Vater ſich freuen wird, Dich zu ſehen. Ich habe Dir viel zu nih ſagen, viel zu erklären. Morgen wollen wir nach dem chin Schloſſe gehen und entſcheidende Schritte gegen Fairlie thun.« „Warum ſollen wir warten bis morgen?« rief Gage. gag⸗„Laſſ uns lieber ſogleich hingehen. n„Ich bin durch ein feierliches, der armen Clara gege— benes Verſprechen gebunden, zu warten bis morgen Mittag!“ rief Arthur.»Dann werde ich thun, was Du verlangſt.« l»In dieſem Falle muß ich allein gehen,« entgegnete im Gage.„Ich ruhe nicht eher, als bis ich ihm ſeine Undank⸗ . barkeit und Schurkerei vor Augen gehalten habe.« »Dieſen Gang ſollen Sie nicht allein gehen,« rief Mark. 4„Ich gehe mit.* „Auch ich werde mitgehen,« ſagte Arthur;»die Be⸗ weiſe von Fairlie's Unredlichkeit, wovon ich ſprach, kann ich ri jedoch nicht eher beibringen, als bis zu der eben angegebe⸗ nen Zeit.“ Nark. »Nun denn, ſofort zu Pferde!« rief Gage. Und ſeine Piſtolen aufraffend und in den Gürtel ſteckend, rief er Heißſporn herbei, der ſich nicht von dem Platze ge⸗ rührt, auf dem er ihn zurückgelaſſen hatte. Das treue Thier kam ſogleich herbeigetrabt und Gage diſer„ ſchwang ſich darauf. eiter: Die Anderen holten ihre Pferde ebenfalls und ſobald ſie ſich aufgeſetzt hatten, ritten alle Drei fort nach dem Schloſſe. nn ſehn⸗ 62 VII. Der letzte Verſuch. Von dem Verſteck aus, welchen der Leſer bereits kennt, hatte Fairlie die Einhändigung von Miſtreß Jenyns Billet mit angeſehen und Alles mit angehört, was ſpäter zwiſchen Bellairs und Monthermer vorging, ſo daß er von dem Ent⸗ ſchluß des letzteren ſofort unterrichtet war. Von demſelben Verſteck aus hatte er auch Gage's un⸗ ruhiges Verhalten mit angeſehen, als derſelbe allein war, und er begriff die Heftigkeit des Sturmes, welcher in ſeiner Bruſt tobte. Einmal ſah er ihn mit leichenblaſſen von der Leiden⸗ ſchaft verzerrten Zügen, auf welchen aber der Ausdruck einer furchtbaren Energie lag, ſtill ſtehen und hörte ihn ſeinen Namen murmeln und zugleich eine Drohung hinzufügen, bei welcher ihn ein kalter Schauer durchrieſelte. Obſchon keineswegs ohne Muth, beſaß Fairlie doch eine angemeſſene Rückſicht auf Selbſterhaltung und fand es nicht nothwendig, ſich der erſten Aufwallung des Zornes dieſes jungen Mannes preiszugeben. Als er daher ſein Verſteck verließ, nahm er, anſtatt ſich auf ſein Zimmer zu begeben, wo Gage ihn wahrſcheinlich ſuchte, Zuflucht in Pudſey's Wohnzimmer und blieb in die⸗ ſem ſicheren Aſyl, bis der Kellermeiſter ihm meldete, daß ennt, Hillet iſchen Fnt⸗ un⸗ war, ſeinet eiden⸗ einer ſeinen bei h eine nicht dieſes anſtatt inlich in die⸗ e, daß 63 Monthermer in den Park hinausgeritten ſey und zwar in einer Gemüthsverfaſſung, welche es höchſt wahrſcheinlich mache, daß er gewaltthätige Hand an ſich ſelbſt legen würde. Pudſey erzählte weiter, er habe Nat Clancy dem jun⸗ gen Herrn nachgeſchickt und Nat habe geſehen, daß er nicht weit vom See ſein Pferd an einen Baum gebunden habe. „Und es ſteht zu hoffen, daß er ſich erſäufen wird,“ fuhr der Kellermeiſter fort,»denn ſonſt wird er uns ganz verwünſcht im Wege ſehn. Doch ſprechen wir einen Augen⸗ blick von etwas Anderem. Ich wollte Sie fragen, ob es unter den gegenwärtigen Umſtänden nothwendig ſeyn werde, die Zurüſtungen zu dem morgenden Feſte weiter fortzuſetzen.* »Durchaus nicht, Pudſey; alle Vorbereitungen müſſen ſofort eingeſtellt werden. Nie hat es einen größeren Vielfraß gegeben als dieſen Monthermer. Er verſchlingt Alles. Ich ſagte ihm, ich hätte Farinelli, Cuzzoni, Seneſino und eine ganze Schaar von Operntänzerinnen und Muſikern für das Feſt engagirt und er war thöricht genug, mir zu glauben— ha! ha! ha! Doch wie ich eben ſagte, alle in Bezug auf das Gaſtmahl ertheilten Beſtellungen müſſen zurückgenommen und die Eingeladenen benachrichtigt werden, daß das Feſt nicht ſtattfindet. Wohl aber tragt Sorge, Pudſey, daß heute um drei Uhr in dem Speiſeſaal eine gute Collation aufgetragen wird.* „Ich habe die deshalb nöthigen Befehle ſchon ertheilt,« entgegnete der Kellermeiſter.»Sie können das Arrangement vollſtändig mir anvertrauen. Couverts für dreißig Gäſte, nicht wahr, Sir?« „Für dreißig— mehr nicht, Pudſey. Ich möchte nicht einmal ſo viel haben, aber Miſtreß Jenhyns beſteht darauf und ihre Launen müſſen befriedigt werden. Ich will froh 64 ſeyn, wenn die Sache vorbei iſt. Unter uns geſagt, Pudſey, dieſe Heirath iſt mir ein Dorn im Auge. Aber es hilft weiter nichts.* „Ja, Sir, ich glaube ſelbſt, es hilft weiter nichts,“ wiederholte der Kellermeiſter, die Achſeln zuckend. „Ach, wenn Ihr mir die Nachricht brächtet, daß Clancy's Vermuthung ſich beſtätigt hat und daß dieſer junge Tollkopf ein paar Ellen tief im See liegt, dann werde ich meinen Kopf noch aus dieſer verdammten Schlinge ziehen. „Beſſer dieſe als eine gewiſſe andere, die Du ſchon längſt verdient hätteſt,“ dachte der Kellermeiſter, doch behielt er dieſe Bemerkung bei ſich und ſagte blos: „Sie ſollen ſofort Nachricht erhalten, wenn ſich etwas ereignen ſollte.« Da nun die Luft rein war, ſo begab Fairlie ſich auf ſein Zimmer, wo er ein Billet von Miſtreß Jenyns auf dem Tiſche liegen fand. Da er aber wußte, was es enthielt und ſein Anblick ihm verhaßt war, ſo riß er es in Stücke und trat dieſe mit Füßen. Dies hielt ihn indeſſen nicht ab— obſchon es ihm im höchſten Grade zuwider war— eine kurze, vorſichtig abge⸗ faßte Antwort zu ſchreiben, worin er über den Entſchluß, zu dem ſie gekommen, grenzenloſe Freude zu erkennen gab und hinzufügte, daß zu der beſtimmten Stunde Alles bereit ſehn ſolle. Niemals vielleicht war eine Verſicherung in einem ſol⸗ chen Falle weiter von der Wahrheit entfernt als dieſe. Je mehr er darüber nachdachte, deſto größer ward ſein Wider⸗ willen gegen das Bündniß, welches er zu ſchließen im Be⸗ griff ſtand. dur kon Ze ri he F S udſeh weiter chts, dß junge rde ich n. ſchon behielt etwas At und ke und m im abge ß, ju b und bereit n ſol⸗ n Be 65 Es gab aber nun keine Rettung mehr, dafern er nicht durch irgend eine Liſt in den Beſitz des Teſtaments gelangen konnte oder Gage ihn von ferneren Befürchtungen in dieſer Beziehung befreite. Der letztere Fall ſchien der wahrſcheinlichere; doch die Zeit verging und immer noch trafen keine näheren Nach⸗ richten ein. Endlich ward die Ungewißheit ganz unerträglich und Clanch ward noch einmal nach dem See geſchickt und meldete bei ſeiner Rückkehr, daß Roß und Reiter verſchwunden ſeyen. Nun ſah ſich Fairlie in größere Ungewißheit als je ver⸗ ſetzt; die Stunde aber, wo er Miſtreß Jenyns zu ſeiner Braut erklären ſollte, war nahe und er nußte ſich darauf vorbereiten. Demgemäß ward Chaſſemouche gerufen und Fairlie mußte ſich das Schnattern des Franzoſen gefallen laſſen, während dieſer ſeine Perrücke arrangirte und ſeine übrige Toilette ſorgfältig vervollſtändigte, denn die gegenwärtige Gelegenheit ſchien eine außergewöhnliche Aufmerkſamkeit dar⸗ auf nothwendig zu machen. Der Friſeur ſtand eben im Begriff, ſich zu entfernen, als ihm plötzlich einfiel, daß er einen Brief für monsieur habe. Er hatte ihn von einer der Dienerinnen erhalten, die ihn beauftragt hatte, ihn ſofort abzugeben— aber ſein Ge⸗ dächtniß war gar ſo unzuverläſſig. In die geräumige Taſche ſeiner Schürze hineinfahrend, holte er den Brief heraus, überreichte ihn Fairlie, verneigte ſich und verſchwand. Fairlie betrachtete den Brief mit bangen Ahnungen. Der⸗ Der Verſch vender. III. 5 66 ſelbe ſchien der Vorläufer ſchlimmer Nachrichten zu ſeyn und er wagte kaum ihn zu öffnen. Als er endlich Muth zuſammenraffte, um dies zu thun, und den Inhalt überflogen hatte, ſchien ein Nebel ſeine Augen zu verſchleiern und er taumelte, als ob ihm plötzlich ein ſchwerer Schlag verſetzt worden wäre. „Was? iſt ſie hier?« ſtöhnte er.»Das fehlte blos noch, um meine Bedrängniß vollſtändig zu machen. Und jetzt ihre Nähe zu erfahren in einem kritiſchen Augenblicke wie der gegenwärtige; wo ich all meiner Feſtigkeit bedarf! Doch vielleicht habe ich das Schlimmſte erſt noch zu erfahren.* Und nachdem er ſich wiederholt die Augen gewiſcht, las er wie folgt: „Ich bin hier, Vater, in dem Epheuthurme. Ich bin gekommen, um einen Act der Gerechtigkeit zu üben und dann zu ſterben. Riemals werde ich das Zimmer, welches ich jetzt bewohne, anders verlaſſen, als um es mit dem Grabe zu vertauſchen. „Ich verſprach dein Geheimniß zu bewahren und ich habe mein Verſprechen treulich gehalten, obſchon ich mich, indem ich dies that, zur Mitſchuldigen deines Verbrechens ge⸗ machi habe. „Dieſes Geheimniß iſt mir verderblich geweſen. Es hat alle meine Freuden verbittert, meine Jugend vergiftet, mich verzehrt gleich einem verborgenen Feuer und meine Tage verkürzt. „Doch ich verdiene meine Strafe und darf mich nicht beklagen. „Ich habe geſehen, wie unredlich Du an Gage gehan⸗ delt, wie Du ſeine Schwächen und Thorheiten um deiner eigenen Abſichten willen ermuthigt, wie Du ihm die Verſu⸗ vie 67 chung in den Weg geſchickt, wie Du ſeine wahren Freunde ent⸗ fernt gehalten und ihn mit laſterhaften Genoſſen umgeben, welche vereint mit Dir ihn ins Verderben ſtürzen halfen und wie Du auf dieſe Weiſe durch dein Verhalten die Befürchtungen ge⸗ rechtfertigt haſt, welche dein Gönner von Dir hegte, als er ſein Teſtament änderte und ſich weigerte, ſeinen Sohn deiner Obhut anzuvertrauen. „Ich habe Gage geliebt, n einer Innigkeit, die, glaube ich, durch nichts übertroffen werden konnte. Ich liebe ihn noch, mit gleicher Treue und Inbrunſt, jetzt wo mein Herz beinahe aufgehort hat zu ſchlagen. Ich würde mein Leben für ihn geopfert haben. „Denke Dir daher, was ich fühlen mußte, als ich ihn ſeinem Untergange entgegentreiben ſah, und zwar durch Dich, durch Dich, Vater, der Du Alles hätteſt aufbieten ſollen, um ihn zu retten. Einſt gab ich mich, wie Du weißt, dem Traume hin, mit ihm vereinigt zu werden und glaubte, daß auf dieſe Weiſe das von Dir und mir verübte Unrecht wieder gutge⸗ macht werden könnte. Unglückliche Täuſchung! Vielleicht wäre ohne den falſchen Schritt, den ich that, dieſes große Glück mir gewährt worden. Aber es blieb mir verſagt. Ich habe geſündigt und muß mit ſtiller Ergebung mein Haupt beugen. Und dennoch iſt die Laſt meines Unglücks zu ſchwer für mich geweſen, denn ſehr wahr iſt, was geſchrieben ſteht: Wie kann ein verwundetes Gemüth das Leid ertragen? „Ich habe viele, und wie Du weißt, vergebliche An⸗ ſtrengungen gemacht, dein Herz zu rühren, Vater. Dies iſt meine letzte Anſprache. Möge ſie nicht vergebens ſeyn! „Du wirſt Dich erinnern, daß ich an dem unglückli⸗ chen Tage, wo ich Dich von der Berübung eines Vergehens 68 zurückhielt, wo Du mir Schweigen auferlegteſt, und ich ein Verſprechen gab, ein übereiltes Verſprechen, deſſen verderb⸗ liche Folgen ich nicht vorausſah, daß ich Dir damals ſagte, es könne eine Stunde kommen, wo ich mich meines Eides entbunden erachten würde. Dieſe Stunde aber würde die letzte meines Lebens ſehn.. „Sie iſt gekommen, Fater. Die verlöſchende Kerze flackert nur noch und ehe dieſer Brief in deine Hände kommt, werde ich nicht mehr ſeyn. „Mein Geheimniß aber wird mich überleben, ja, es wird mich überleben und als dein Ankläger auſtreten, wenn Du verſtockt bleibſt und Dich weigerſt, an Gage, wenn auch ſpät, Gerechtigkeit zu üben. „Höre was ich ſage, Vater. Ich ſpreche gleichſam zu Dir aus dem Grabe und eine Antwort iſt nicht möglich. „Ich habe ein vollſtändiges Bekenntniß deines Verbre⸗ chens und meiner eigenen Theilnahme daran niedergeſchrie⸗ ben. Dieſes Bekenntniß habe ich unterzeichnet und von Zeu⸗ gen beſtätigen laſſen, die, während ſie es als die Erklärung einer Sterbenden anerkennen, den Inhalt desſelben noch nicht wiſſen. Dieſes Document wird einer treuen befreundeten Perſon anvertraut werden, welche mich in meinen Leiden und Anfechtungen gepflegt hat und meinen letzten Hauch empfan⸗ gen wird. Es wird an die Oeffentlichkeit gelangen, ſobald dies nöthig iſt, um der Gerechtigkeit den Sieg zu ver⸗ ſchaffen. „Ich erſchwere vielleicht den von mir begangenen Fehler, indem ich mich dazu verſtehe, daß dieſes verhängnißvolle Ge⸗ heimniß mit mir ins Grab ſteige, doch hoffe ich, daß ich um meines Beweggrundes willen, welcher Mitleid mit Dir iſt. Verzeihung finden werde. Ich kann Dich nicht beleidigen, Dich, zu 69 an den ich durch die Bande der Ratur und der Liebe gefeſſelt bin, und ich möchte deine Schande wo möglich vor dem Blick der Welt verbergen, aber nicht verkünden. Wollte Gott, daß meine Thränen den Flecken hätten auswaſchen— wollte Gott, daß meine Bitten dein Herz hätten rühren können! Mögen ſie Dich nun rühren und Dich bewegen, redlich zu handeln! Dann, Vater, wird dein Kind Dich nicht mehr anklagen. „Ich habe Gage dieſen Morgen geſprochen und wäh⸗ rend unſerer kurzen und ſchmerzlichen Unterredung erfuhr ich zu meinem unendlichen Kummer, daß Du das Geld, welches Du auf mein Bitten zur Bezahlung ſeiner Schulden vorge⸗ ſchoſſen, wieder zurückempfangen haſt. Auf dieſe Weiſe haſt Du meine auf ſeinen Vortheil gerichteten Abſichten vereitelt und in directem Widerſpruch mit meinen Wünſchen ge⸗ handelt. „Ferner haſt Du deine Einwilligung zu einem ſo wahn⸗ ſinnigen Vorhaben gegeben, daß Du es ſofort hätteſt verhin⸗ dern, aber nicht befördern ſollen, ein Vorhaben, welches nur ein Reſultat haben konnte, das, welches Du vorausſahrſt. „Mit deiner Bewilligung, ja mit deiner Bewilligung, Vater, ſollte ihm noch eine Woche lang ſein Haus und ſeine Dienerſchaft zur Verfügung ſtehen, eine Woche lang ſollte geſchwelgt und dann ſeiner Verſchwenderlaufbahn ein würdi⸗ ges Ende gemacht werden. „Du wußteſt, wie dieſelbe enden würde, Du wußteſt, daß Du ihn ſeinem eigenen Untergange entgegenlockteſt, daß er keine Hoffnungen, keine Ausſichten und keine Pläne jenſeits der ihm bewilligten kurzen Friſt hatte, daß ſein nächſter Schritt ihn in den ſchwarzen Abgrund der Verzweiflung ſtür⸗ zen mußte, und dennoch gingſt Du begierig auf ſein Verlan⸗ gen ein. — 70 „Ich habe ihn geſprochen, ſage ich, und die furchtbare Wahrheit aus ſeinem eigenen Munde gehört. Er verhehlt ſie nicht, aber wenn er auch verſucht hätte, dies zu thun, ſo würde ſchon ſein Blick ihn verrathen haben. Wenn er ſeinen verzweifelten Vorſatz ausführt, und er wird ihn ausführen, wenn man ihn nicht daran verhindert, ſo haſt Du ſeinen Tod auf deinem Gewiſſen. „Doch, das darf nicht ſeyn. Er muß gerettet werden und ich muß nothgedrungen von dem Mittel Gebrauch ma⸗ chen, welches ich beſitze, um ſeine Erhaltung zu ſichern. „Gage's Leben und deine Verdammniß ſind in der Wage gewogen worden und das erſtere hat den Ausſchlag ge⸗ geben. „Es konnte nicht anders ſeyn. „Die kindliche Pflicht tritt zurück vor den Geboten der unerbittlichen Gerechtigkeit. Gage muß gerettet werden, ſage ich nochmals. „Um ſeine Rettung aber möglich zu machen, muß er ſeinem gegenwärtigen Zuſtande der Verzweiflung entriſſen werden. Er muß von den Netzen befreit werden, die ihn ge⸗ fangen halten. Sein Vermögen muß ihm wiedergegeben wer⸗ den, ſein ganzes Vermögen— nicht weniger. „Dies muß deine Aufgabe ſeyn. Es iſt eine ſchwere Aufgabe, aber Du haſt Unrecht gethan, ſchweres Unrecht, und biſt verbunden, es auch vollſtändig wieder zu ſühnen. „Und merke wohl, es darf kein Zögern ſtattfinden. Du mußt Dich ſofort ans Werk machen. Der morgende Tag darf nicht vergehen, ohne meine Forderungen erfüllt zu ſehen. Gage muß in ſeine Beſitzungen wieder eingeſetzt werden. „Die Art und Weiſe, wie dies zu geſchehen hat, über⸗ laſſe ich Dir, aber ich geſtatte keine Wahl zwiſchen dieſem Verf tegel wide Scht hof hat Her ſes lan ſche un e 71 Verfahren und der Schande. Morgen Mittag werden Maß⸗ regeln gegen Dich getroffen werden, Maßregeln, welchen zu widerſtehen Du unmöglich finden wirſt, und die Dich mit Schmach und Verwirrung bedecken werden. Ich bete und hoffe, daß ein ſolches Unglück abgewendet werden möge. „Ach, dieſes Geheimniß hat mich getödtet, Vater. Es hat fortwährend an mir genagt und an meinem innerſten Herzen gezehrt, wie ein unerbittlicher Wurm. Doch nun iſt es ruhig und ich hoffe in Frieden zu ſcheiden. „In Frieden! O, möchteſt Du die volle Bedeutung die⸗ ſes geſegneten Wortes verſtehen, Vater! Laß Dich warnen, ſo lange es noch Zeit iſt! Bedenke, daß Du plötzlich zur Rechen⸗ ſchaft gefordert werden kannſt, mitten in deinem Wohlſtande und während Du mit Plänen für die Zukunft umgehſt, aber ohne Vorbereitung auf die Ewigkeit. In der Stunde des Todes wird zuweilen prophetiſche Begabung verliehen und ich habe fürchterliche Ahnungen. O laß Dich warnen, Vater! „Seit jenem unglücklichen Tage wo Du mich in jene ſtrafbaren Feſſein ſchlugſt, iſt unſer liebevolles Verhältniß geſtört geweſen und in der letztern Zeit habe ich mir aus ver⸗ ſchiedenen Urſachen dein Mißfallen zugezogen, hauptſächlich aber weil ich mich gezwungen fühlte, einigen deiner Befehle den Gehorſam zu verſagen. „Indem ich Dir auf ewig Lebewohl ſage, bitte ich Dich um Verzeihung für jeden Mangel an kindlichem Gehorſam, deſſen ich mich vielleicht ſchuldig gemacht und vor allen Din⸗ gen für einen Schritt, der mit der Liebe, die ich zu Dir hege und bekenne, unvereinbar ſcheinen kann. „Vergib mir, Vater, ſo vollſtändig, wie ich Dir den Kum⸗ mer vergebe, welchen Du mir verurſacht. 72 »Auf dieſer Welt werden wir uns nie wieder ſehen, doch hoffe ich, im Jenſeits. Leb wohl, leb wohl auf immer! »Deine unglückliche Tochter „Clara.* Kalte Schweißtropfen ſammelten ſich auf Fairlie's Stirn, als er dieſen Brief las. Mehr als einmal mußte er innehal⸗ ten, denn die Buchſtaben tanzten ihm vor den Augen. Als er zu Ende war, bemächtigte ſich ſeiner eine eiſige Kälte, und es ſchüttelte ihn wie ein Fieberanfall. Er fühlte, daß eine Macht, welcher er nicht zu wider⸗ ſtehen vermochte, thätig war, um ſeine Abſichten zu vereiteln. Sie war dahin, ſeine Tochter, das einzige Weſen, welches er auf Erden geliebt, und alle ſeine Mühe und Ar⸗ beit war nun umſonſt. Oft waren ſchon Befürchtungen in Bezug auf ihre ſicht⸗ lich ſchwindende Geſundheit in ihm aufgeſtiegen, aber er hatte ſie mit Gewalt wieder verbannt und gehofft, obſchon nichts zu hoffen war. Die furchtbare Wirklichkeit traf ihn daher ſo plötzlich, daß dadurch die Wucht des Schlages vermehrt ward. Gern hätte er in dieſem Augenblicke alle ſeine übel erworbenen Schätze darum gegeben, wenn er ſeine Tochter damit wieder ins Leben hätte zurückrufen können. Clara war mehr als eine Toſhter für ihn geweſen— ſie wäre ein Schutzengel, ein gu⸗ ter Geiſt für ihn geweſen, wenn er nur ihren Rathſchlägen Gehör geſchenkt hätte. Aber was war zu thun? Mußte er den Forderungen ihres Briefes buchſtäblich gehorchen? Mußte er ſeine Unge⸗ rechtigkeit wieder gut machen? Mußte er Alles wieder an Gage herausgeben, und ſich ſelbſt mit Schmach bedecken? wurd ihn g heim habe diſe Var gegel gen Pud Spe Bef geoe fänt mei betr zn Fa mei 0) da M 78 Unmöglich! Und dennoch, wenn er ſich weigerte, ſo wurden ohne Zweifel ſchon am folgenden Lage Schritte gegen ihn gethan. Gleichviel!— Er wollte ihnen Trotz bieten. Und dann flüſterte der Dämon, dem er diente, ihm heimlich zu, daß, wenn der Morgen käme, Gage aufgehört haben würde, ein Hinderniß auf ſeinem Wege zu ſehn. Ja, ja, er war entſchloſſen zu beharren. Was die Heirath mit Miſtreß Jenhyns betraf, ſo war dieſe ein bloßes Poſſenſpiel und fand niemals Verwirklichung. War er nur erſt im Beſitz des Teſtamentes, ſo konnte er jeder gegen ihn vorgebrachten Beſchuldigung kühn die Stirn bieten. Während ſolche Betrachtungen ihm durch den Kopf gin⸗ gen und er ſich bemühte, wieder Faſſung zu erlangen, trat Pudſey haſtig ein, um ihm zu melden, daß die Gäſte in dem Speiſeſaale verſammelt wären. Miſtreß Jenyns ſey auch da, und man habe ſchon ſein Befremden über Maſter Fairlie's Ausbleiben zu erkennen ge⸗ geven. Deshalb ſey es nöthig, daß er ſich ohne Verzug ein⸗ fände. Kaum waren dieſe Worte aus dem Munde des Keller⸗ meiſters, als er durch Fairlie's verſtörtes, bleiches Ausſehen betroffen ward, und in der Meinung, daß er krank ſeyn müſſe, ging er auf ihn zu und fragte ihn beſorgt, was ihm fehle. „Ich habe ſchlimme Nachrichten erhalten,« entgegnete Fairlie in mattem Tone.»So eben habe ich erfahren, daß meine Tochter geſtorben iſt.“ „Mein Himmel!« rief der Kellermeiſter,»das iſt in der That eine ſchlimme Nachricht! Wie unglücklich trifft es ſich, daß ſie gerade in ſolch einem Augenblicke eingehen muß! Nun muß ich Sie wohl bei der Geſellſchaft unten entſchuldigen?« 74 „Nein, ich werde die Sache durchmachen, ſo gut ich und kann,* entgegnete Fairlie.„Gebt mir ein Glas Waſſer.“ gen Und nachdem er einige Tropfen getrunken, ſetzte er beſt hinzu: „Nun iſt mir wieder beſſer. Leiht mir euren Arm, Pud⸗ wil ſey, ich will ſogleich mit hinuntergehen.* en „Ich bewundere Ihre Entſchloſſenheit, Sir,« bemerkte ge Pudſey, indem er den wankenden Verwalter ſtützte.»Sie be⸗ A dürfen ſtarker Nerven.“ S „Ja, das iſt wahr, Pudſey,« entgegnete Fairlie,»aber Ta ich ſchrecke nicht zurück. Komme, was da wolle, ich bin vor⸗ üb bereitet.“ „Und unſer Abkommen, Sir— entſchuldigen Sie, daß Re ich in dieſem Augenblicke davon ſpreche— eine Summe baar und eine Penſion, nicht wahr, dabei bleibt es?“ u „Ja wohl.* a n Die Anklage. ſ t Ehe ſie das Speiſezimmer erreichten, hatte Fairlie ſei⸗ nen gewohnten feſten Tritt und ſeine aufrechte Haltung wieder gewonnen, und obſchon Spuren von dem furchtbaren Kam⸗ pfe, den er ſo eben beſtanden, in ſeinem Angeſichte noch er⸗ kennbar waren, ſo konnten dieſe doch einem vorübergehenden Unwohlſeyn beigemeſſen werden. Die Gäſte waren, wie der Kellermeiſter gemeldet, alle beiſammen, und Fairlie's Erſcheinen, welches man ungedul⸗ dig erwartet, ward daher mit Freuden begrüßt. Miſtreß Jenyns war außerordentlich elegant gekleidet, 1 75 und ſah ſo verführeriſch aus, daß Fairlie faſt zu entſchuldi⸗ gen geweſen wäre, wenn er ſich wirklich durch ihre Reize hätte beſtricken laſſen. Weit entfernt hiervon betrachtete er ſie mit einem Wider⸗ willen, den er kaum verhehlen konnte. Indem er verſuchte, entzückt auszuſehen; obſchon ihm dies nur ſehr unvollſtändig gelang, entſchuldigte er ſich, ſo gut er konnte, wegen ſeines Ausbleibens, und nachdem ſeine Entſchuldigungen von der Schauſpielerin gnädig aufgenommen worden, führte er ſie zur Tafel, ließ ſie zu ſeiner Rechten Platz nehmen und bat die übrigen Gäſte, ſich ebenfalls zu ſetzen. Beau Freke ſetzte ſich neben Miſtreß Jenyns und Sir Randal auf Einladung des Verwalters zu ſeiner Linken. Das Mahl war in jeder Beziehung bewundernswürbig, und die Gäſte ließen ihm Gerechtigkeit widerfahren— mit alleiniger Ausnahme Fairlie's, der nichts aß. Aber wenn er auch nichts eſſen konnte, und es war ihm in der That, als wenn ihn der kleinſte Biſſen Brot erwürgen müßte, ſo trank er doch einige Glas Wein, und da er ſonſt ſehr mäßig war, ſo zeigte ſich die Wirkung dieſer ungewohn⸗ ten Ausſchweifung ſehr bald in ſeinen aufgeregten Worten und Geberden. Seine Heiterkeit aber war eine unheimliche und ſein Ge⸗ lächter ſeltſam und mißtönend, ſeine Scherze waren ſonderbar und unzeitig und ſogar ſeine Complimente waren ſarkaſtiſch. Abgeſehen von jedem andern Umſtande war ſein Anblick in ſeiner neuen Stellung für die Gäſte ein Gegenſtand des Amuſements und der Reugier, aber alle gaben zu, daß er ſich ſeiner Function als Wirth auf ſehr angemeſſene Weiſe entle⸗ digte. Das Mahl dauerte unnöthiger Weiſe ſehr lange, denn 76 es gab eine Ueberfülle an Delicateſſen, und als es endlich zum Schluſſe kam, erhob ſich Sir Randal, um einen Toaſt aus⸗ zubringen— die Geſundheit des neuen Schloßherrn. Natürlich ward ihr Toaſt mit lauten Acclamationen aufgenommen, während welcher Fairlie aufſtand, um ſich. bedanken. ſtanden, ſprach er ſeine Freude aus, ſo viele ausgezeichnete Gäſte um ſich verſammelt zu ſehen, dankte ihnen für die ihm erwieſene Ehre und ſetzte hinzu, daß ſein Erſcheinen als Wirth ein etwas verfrühtes ſey, weil er ſich dazu verſtanden, ſeine Rechte auf eine Woche an Maſter Monthermer abzutreten, von welcher Periode noch ein Tag übrig ſey; doch habe er nicht vorausgeſehen, was in der Zwiſchenzeit geſchehen würde und die Umſtände hätten ihn gezwungen, die Friſt abzukürzen. Seine geehrten Gäſte würden begreifen, warum er genöthigt geweſen, Maſter Monthermer ſeines letzten Ta⸗ ges zu berauben und würden ihn für entſchuldigt halten, daß er mit einem ſcheinbaren Mangel von Artigkeit gegen ſeine jungen Freunde gehandelt, wenn er ihnen eine Dame vorſtellte, welche binnen Kurzem— ſchon nach wenigen Stunden— ſeine Gemalin ſeyn werde. Dieſe Verkündigung ward mit lautem Beifallsruf auf⸗ genommen, und als Fairlie die Schauſpielerin bei der Hand ergriff, während ſie ſich zugleich erhob, da verdoppelte ſich der Beifallsjubel und dauerte mehre Minuten lang. Miſtreß Jenyns' Buſen ſchwoll vom Gefühle des Trium⸗ phes, und niemals, ſelbſt nicht in den ſtolzeſten Augenblicken ihrer dramatiſchen Laufbahn, wenn ſie die entzückte Huldi⸗ gung eines gedrängtvollen Hauſes empfangen, hatte ſie ſich ſo hoch erhoben gefühlt. In den gewählteſten Ausdrücken, die ihm zu Gebote do bl Was Fairlie betraf, ſo frohlockte auch er und vergaß für den Augenblick ſeine Unruhe und ſeine Gefahren. Es war dies das erſte Mal, daß er als Herr des Schloſſes anerkannt worden. Es war dies ein Augenblick, in e ſo lange entgegengeſehen, und obſchon er ihm nicht das Entzücken gewährte, welches er erwartet und durch Niſtreß Jenyns Nähe beeinträchtigt ward, ſo war es doch ein Augenblick des Triumphes und er hörte mit begieriger Freude die Complimente und Glückwünſche an, womit er von allen Seiten überſchüttet ward. Nachdem der erſte Ausbruch von Begeiſterung ein we⸗ nig vorüber war, redete Fairlie die Geſellſchaft nochmals an. „Meine Herren,« ſagte er,»Sie ſind als Maſter Monthermer's Gäſte hierhergekommen. Hinfort ſind Sie die meinen. Bis morgen ſollte Ihr Verweilen in dem Schloſſe dauern, doch hoffe ich, daß Sie noch eine Woche bei mir bleiben werden, während welcher die Feſtlichkeiten fortdauern ſollen.* Abermaliger Beifallsruf. „Morgen wird an mir die Reihe ſeyn, Sie zu empfan⸗ gen, meine Herren,« ſagte Miſtreß Jenyns,»und ver⸗ ſpreche Ihnen gute Bewirthung.“ S „Wos! ſoll die Hochzeit ſo bald ſtattfinden?“ rief Beau Freke.»In der That, das freut mich. Sie ſind ein glücklicher Mann, Fairlie, und thun recht daran, daß Sie Ihr Glück nicht hinausſchieben.* „Maſter Fairlie hat ſeine guten Gründe, weshalb er die Vermälung beſchleunigt,« bemerkte Miſtreß Jenyns be⸗ deutſam,„und da ich das Dringende dieſer Gründe aner⸗ kannte, ſo gab ich meine Zuſtimmung. War es nicht ſo?“ ſetzte ſie zu ihm gewendet hinzu. Fairlie antwortete blos mit einem Kopfnicken. „Wohlan, ich muß ſagen, daß Monthermer durch ſein ſeltſames Benehmen ſich aller Sympathie beraubt hat,“ be⸗ merkte Brice Bunbury.»Schon geſtern bemerkte ich eine Veränderung in ſeinem Weſen, heute aber ſcheint er von ſei⸗ nen Sinnen ganz und gar Abſchied genommen zu haben. Ich würde mich nicht wundern, wenn er ſich ſelbſt den Garaus gemacht hätte— vielleicht das Beſte, was er thun kann. Dieſe gefühlloſe Bemerkung ward als ein guter Ein⸗ fall aufgenommen und war Fairlie ganz beſonders an⸗ genehm. „Der arme Gage! mir thut er ſehr leid!“ bemerkte Fairlie;„es läßt ſich aber nichts für ihn thun. Als er noch mein Mündel war, fand ich ihn vollſtändig unlenkſam und, ſeitdem er meiner Aufſicht enthoben geweſen iſt, wiſſen Sie ſelbſt, was er für ein Leben geführt hat.“ „Na, auf alle Fälle, Fairlie, haben Sie durch ſeine Thorheit profitirt,“ bemerkte Beau Freke.»Wäre er mit mehr Umſicht zu Werke gegangen, ſo ſäßen Sie jetzt nicht auf ſeinem Stuhl.« „Allerdings nicht,« entgegnete Fairlie, den dieſe Be⸗ merkung an ſeiner verwundbaren Stelle traf.»„Sein Leicht⸗ ſinn iſt ganz unzweifelhaft eine Quelle des Gewinns für mich geweſen, aber es iſt doch immer beſſer, daß ich den Nutzen habe, als wenn ihn ein Fremder hätte.« „Weit beſſer,« rief Brice Bunbury.»Was mich be⸗ trifft, ſo freue ich mich, zu finden, daß ausgezeichnete Dienſte wie die Ihrigen auf angemeſſene Weiſe belohnt worden ſind. Nun aber, wo Sie die Herrſchaft im Schloſſe übernommen haben, Fairlie, erlauben Sie mir, Sie auf etwas aufmerk⸗ ſam zu machen. Laſſen Sie dieſes Bildniß wegnehmen.« dat ſes an jen te 79 Und indem er dies ſagte, zeigte er auf ein lebensgroßes Bildniß Warwicks de Monthermer, welches über dem Ca⸗ min hing. „Der alte Squire,“ fuhr Brice fort,„ſchaut Keinen von uns mit ſehr freundlichem Blicke an und betrachtet Sie offenbar als einen Eindringling.“ Fairlie bemühte ſich über dieſe Worte zu lachen, was ihm aber ſehr ſchlecht gelang. Bis jetzt hatte er vermieden, das Bildniß anzuſehen, jetzt aber ward ſein Blick mit Gewalt darauf hingelenkt und er ward todtenbleich. „Sie haben Recht, Maſter Bunbury,« rief er.»Die⸗ ſes Bild iſt hier nicht am rechten Orte. Die Dhynaſtie iſt eine andere. Kein Monthermer herrſcht hier mehr und keiner ſoll jemals hier wieder herrſchen.“ „Ja wohl, ja wohl!« ſchrie Brice mit lautem Geläch⸗ ter.„Die Monthermers ſind dahin, um niemals wiederzu⸗ kehren. Es lebe Fairlie! Es lebe Fairlie!« „Fairlie ſoll leben!« wiederholten die andern Gäſte. „Einen Humpen auf die Geſundheit Fairlies und ſei⸗ ner liebenswürdigen Braut!“ rief Sir Randal. Und der Toaſt ward mit neuer Begeiſterung getrunken. „Ich will die Uebernahme meiner Herrſchaft im Schloſſe durch die Entfernung dieſes anſtößigen Bildes bezeichnen,“ rief Fairlie, nicht im Stande, den läſtigen Blick des Bild⸗ niſſes zu ertragen.»Nehmt es herunter!“ „Ja, herunter damit!* rief Brice Bunbury.»Nieder mit den Monthermers! Wir haben ſie ſatt. Die Dhynaſtie iſt eine andere geworden— ha! ha! ha!“ „Nun, hört Ihr nicht, Ihr Schufte?“ rief Fairlie den Dienern zu.»Nehmt dieſes Bild herunter, ſage ich!“ 80 Drei oder vier Diener eilten dem Befehl zu gehorchen, als plötzlich eine Unterbrechung ſtattfand. Pudſey, der nicht im Zimmer geweſen war, trat plötz⸗ lich ein, näherte ſich mit ſichtlicher Beſtürzung Fairlie und flüſterte ihm in's Ohr: „Er iſt wieder da, Sir.* „Er? Wen meint Ihr? Maſter Monthermer?“ „Ja, Sir, er kommt ſtracks hierher. Seyen Sie vor⸗ ſichtig, Sir. Er führt etwas Schlimmes im Schilde, ich er⸗ rathe dies aus ſeinen Mienen.* „Laßt ihn nicht herein, Pudſey,s entgegnete Fairlie erſchrocken.„Verſchließt die Thür, verriegelt ſie, oder er wird eine Gewaltthat verüben!“ Ehe aber dieſer Befehl befolgt werden konnte, ward die Thür aufgeworfen, und Monthermer ſtand vor ihm. Sein Geſicht war aſchenbleich, ſein Blick ſtreng und drohend, und ſeine Haltung ganz eigenthümlich majeſtätiſch. Alle erhoben ſich bei ſeinem Eintritt und Aller Augen richteten ſich fragend auf ihn und ſeine Begleiter, denn er war nicht allein. Hinter ihm ſtand Arthur Poynings, faſt eben ſo grim⸗ mig und furchtbarer dareinſchauend als Monthermer ſelbſt, und dicht neben Arthur ragte die rüſtige Geſtalt Mark Roug⸗ ham's empor. Trotz ihrer Unruhe und Ungewißheit in Bezug auf das, was nun folgen würde, konnte Miſtreß Jenyns doch nicht umhin, durch Gage's Erſcheinen in hohem Grade betroffen zu werden, während er ihr zugleich niemals ſchöner vorgekom⸗ men war. Monthermer ſtand im Begriff, Fairlie anzureden, als er, bemerkend, daß die Diener daran ſtanden, das Bild⸗ d h, nd die in nd en r 81 niß ſeines Vaters zu entfernen, in einem Tone, welcher Ge⸗ horſam forderte, ausrief: „Keiner unterſtehe ſich, dieſes Bild anzurühren!“ „Aber ich will, daß es entfernt werde, ich bin hier Herr!« rief Fairlie theils vor Wuth, theils vor Furcht zitternd. „Herr!« rief Gage,„wagt Ihr wirklich in meiner Gegenwart Euch Herr dieſes Hauſes zu nennen? Wagt Ihr, meinen Platz Euch anzumaßen? Augenblicklich räumt dieſen Stuhl, Schurke, oder beim Himmel, dieſer Augenblick iſt euer letzter!“ Und indem er dies ſagte, zog er ein Piſtol und richtete es auf Fairlie's Kopf. Fairlie ſah ſich um, in der Hoffnung, es werde ſich Je⸗ mand einmiſchen, da ſich aber Niemand rührte, ſo verließ er ſchnell den Stuhl, und ſtellte ſich hinter die Schauſpielerin, ſo daß ſie zwiſchen ihm und der tödtlichen Waffe ſtand. Mit einem Blick tiefer Verachtung ſteckte Monthermer das Piſtol wieder in den Gürtel. „Warum beben Sie ſo zurück, Maſter Fairlie?s rief Miſtreß Jenyns.»Treten Sie ihm doch gegenüber! Ich fürchte mich nicht vor ihm, warum fürchten Sie ſich?“ Und ſie ſtieß ihn vorwärts. „Ich freue mich zu ſehen, daß Sie Ihr Piſtol wieder eingeſteckt haben, Sir,“ ſagte Fairlie demüthig wie ein ge⸗ prügelter Hund.»Wenn Sie mir etwas zu ſagen haben, ſo werde ich Sie gern anhören, aber nur nicht jetzt, ſondern bei einer paſſenderen Gelegenheit.* „Die gegenwärtige Gelegenheit iſt gut zu Allem, was ich Ihnen zu ſagen habe,« entgegnete Monthermer mit un⸗ Der Verſchwender. III. 6 ausſprechlicher Verachtung,»und mögen Die, welche mich hö⸗ vod ren, meine Worte merken, obſchon Ihr Charakter den meiſten gan von Ihnen bereits hinreichend bekannt iſt. Ich erkläre Sie für einen Buben und Schurken. Nicht blos haben Sie ſich ſchänd⸗ hau licher Undankbarkeit gegen Ihren Wohlthäter, meinen Vater, ſchuldig gemacht, der Sie aus der niedrigen Stellung, welcher 6 Sie urſprünglich angehörten, emporhob und Sie in ſein Ver⸗ ſchr trauen einweihte, ein Vertrauen, welches Sie auf ſchmach⸗ ebe volle Weiſe verriethen, ſondern Sie haben auch eine betrüge⸗ ſo! riſche That verübt, indem Sie ſeinen letzten Willen unter⸗ wel ſchlugen und dafür einen von früherem Datum unterſchoben, Ih der Ihren Abſichten beſſer entſprach, weil derſelbe Sie zu meinem Vormund ernannte und mich auf dieſe Weiſe in Ihre An Gewalt gab.« kar „Das iſt nicht wahr!“ rief Fairlie durch dieſe Beſchul⸗ wo digungen gereizt;»ich leugne es!“ h „Sie maßten dieſes Vertrauensamt ſich an, ſage ich,« S fuhr Gage fort,„und Sie brachten zugleich einen Plan in Ausführung, den Sie erſannen, um ſich in Beſitz meines Eigenthums zu ſetzen. Und es gelang Ihnen. Aber glauben 5 Sie nicht, daß Ihnen vergönnt ſeyn wird, ſich Ihres Rau⸗ bes zu erfreuen. Er wird Ihnen wieder entriſſen werden.« e „Dieſe Beſchuldigungen ſind grundlos. Ich ſtelle ſie alle. in Abrede, und fordere Sie auf, die Beweiſe Ihrer verleum⸗ 4 deriſchen Anklagen vorzulegen. Wo iſt das Teſtament, von welchem Sie ſprechen? Wo iſt der Beweis meiner unredlichen Handlungsweiſe?« „Wo er iſt?« wiederholte Gage.„Fragen Sie Miſtreß Jenhns. Fragen Sie Ihre Braut. Sie kann das Teſtament vorzeigen, wenn ſie will. Anfangs bot ſie es mir an, unter ch⸗ ge⸗ ter⸗ en, hre ul⸗ h, 6 in ines ben tau⸗ alle um⸗ von chen treß nent mter 83 Bedingungen, die ich zurückwies, auf welche Sie aber einge⸗ gangen ſind.“„ „Sie haben keinen Beweis für das, was Sie jetzt be⸗ haupten!“ rief die Schauſpielerin. „Keinen Beweis, ſagen Sie, Madame?“« entgegnete Gage.„Ich habe Ihren eigenen Brief, dieſen Morgen ge⸗ ſchrieben, worin Sie mir das Anerbieten machen. Wenn ich eben ſo gewiſſenlos und verworfen geweſen wäre, wie Fairlie, ſo würden Sie ihm jetzt nicht beiſtehen. Die Künſte aber, welche Sie ſo oft mit Erfolg auf mich angewendet, verſagten Ihnen endlich den Dienſt.“ „Ich freue mich, daß ich auch meinen Antheil an dem Angriff bekommen habe,« rief Miſtreß Jenyns,»denn ich kann mich vertheidigen. Mir wird es ſehr leicht, zu errathen, woher dieſe Verleumdungen ſtammen, wenn ich Maſter Ar⸗ thur Poynings vor mir ſehe. Es iſt nicht das erſte Mal, daß er gewagt hat, mich hinter meinem Rücken zu verleumden. Wäre ich ein Mann, ſo hätte ich ihn ſchon längſt zur Rede geſtellt, ſo aber kann ich ihm blos ſagen, daß er ſich einer vorſätzlichen Lüge gegen mich ſchuldig gemacht hat. „Und wenn Maſter Arthur Poynings noch mehr Ver⸗ leumdungen gegen Sie ausſpricht, Madame,* bemerkte Sir Randal,„ſo überlaſſen Sie es mir, Ihnen Genugthuung zu verſchaffen.* k „Ein Gauner iſt ein paſſender Vertheidiger für eine Dame, welche gewohnt iſt, mit falſchen Würfeln zu ſpielen,« entgegnete Arthur,„und ich zweifle nicht, daß Sir Randal de Meſchines unter ſeinen andern Fertigkeiten auch die Rolle eines Raufbolds zu ſpielen verſteht. Ich jedoch habe für mei⸗ nen Degen eine andere Verwendung. Ich ſchlage mich blos mit Ehrenmännern.* 84⁴ Und ohne auf die wüthenden Blicke und Geberden des aufgebrachten Baronets zu achten, wendete er ſich zu Fairlie und ſagte: „Da Sie ſich weigern, Maſter Monthermer Gehör zu ſchenken, ſo zeige ich Ihnen hiermit an, daß morgen ſchon Maßregeln gegen Sie werden getroffen werden, um Sie zur Wiederherausgabe Ihrer auf unredliche Weiſe erworbenen Beſitzthümer zu zwingen. Es iſt außer dem von Miſtreß Jenhns auf widerrechtliche Weiſe zurückgehaltenen Teſtament noch ein anderer Beweis ihres unredlichen Verfahrens vor⸗ handen, und wird gegen ſie geltend gemacht werden.“ „Ha! was meint er?« rief Miſtreß Jenyns bei ſich ſelbſt;„kann wirklich ein anderer Beweis vorhanden ſeyn?“ „Nun, warum machen Sie ihn nicht ſofort geltend?“ fragte Fairlie. „Weil ich einer Perſon, die jetzt nicht mehr iſt, ver⸗ ſprochen habe, Ihnen dieſe Gnadenfriſt zu geſtatten,“ ant⸗ wortete Arthur.»Sie werden verſtehen, was ich meine.“ Miſtreß Jenyns ſah Fairlie fragend an und konnte ſich, als ſie ſeinen unruhigen Blick bemerkte, gewiſſer banger Ah⸗ nungen nicht erwehren. „Sie haben einen Beweis Ihrer unredlichen Handlungs⸗ weiſe verlangt,“ ſagte Gage zu Fairlie.„Ich kann fünfzig Zeugen gegen Sie aufrufen. Das ganze Dienerperſonal kann Ihre Schurkerei bezeugen. Ich will aber nur einen nennen, der Sie vollſtändig entlarven kann.“ „Und wer wäre das? Zeigen Sie ihn mir!“ rief Fairlie. „Er ſteht neben Ihnen,* entgegnete Gage, indem er auf Pudſey zeigte. „Ich, Sir?« ſtammelte der Kellermeiſter, nicht wenig beſtürj 3ch ha die Eri eigenet durch Gage. werder Foirl ſchm ſie he er. dieſi ſtets war des airlie rzu ſchon zur benen iſtreß ment bol⸗ hn ndi ver⸗ ant⸗ 6 ſich, Ah⸗ ungs⸗ unfig kann nnen rief em er wenig beſtürzt.„Ich weiß nichts gegen Maſter Fairlie, gar nichts⸗ Ich halte ihn für einen der rechtſchaffenſten Männer, welche die Erde trägt.“ „Hören Sie das, Sir?« rief Fairlie begierig.»Ihr eigener Zeuge wendet ſich gegen Sie.“ „Er wird noch froh ſeyn, ſeine eigene Sicherheit da⸗ durch zu erkaufen, daß er die Wahrheit ſpricht,“ entgegnete Gage.»Wenn er aber zögert, ſo werden Andere aufgerufen werden.“ „Ich biete Ihnen und allen Ihren Zeugen Trotz!“ rief Fairlie.»Meine Handlungen vertragen die genaueſte Unter⸗ ſuchung und weit entfernt, eine ſolche zu fürchten, wünſche ich ſie herbei.« In dieſem Augenblick trat Beau Freke vor. „Dieſem Auftritt muß ein Ende gemacht werden,“ ſagte er.„Ein würdiger Mann wie Maſter Fairlie darf nicht auf dieſe Weiſe zur Rede geſtellt werden.— Sie haben bis jetzt ſtets das größte Vertrauen auf ihn geſetzt, Monthermer, warum wollen Sie ihn jetzt anklagen 7* Gage würdigte dieſe Frage keiner Antwort, ſondern ſah den Sprecher finſter an. Dadurch jedoch keineswegs eingeſchüchtert, fuhr Beau Freke fort: „Gibt es denn kein Mittel, die Sache beizulegen, Mon⸗ thermer? Wenn Sie glauben, daß Ihnen Unrecht geſchehen ſey, ſo wird Maſter Fairlie, wie ich überzeugt bin, vernünf⸗ tigen Vorſchlägen Gehör ſchenken. Bedienen Sie ſich aber nicht unüberlegter Worte, und bringen Sie keine Anklagen vor, welche durch nichts unterſtützt werden. Nehmen Sie die Beſchuldigung, die Sie ſo eben gegen ihn ausgeſprochen, zu⸗ 86 rück, und vielleicht läßt ſich ein Vergleich zu Stande bringen.* Fairlie haſchte begierig nach der ihm dargebotenen Ge⸗ legenheit, in der Hoffnung, daß ſein Schmeicheltalent, welches ihm ſo oft von Nutzen geweſen, ihm auch jetzt etwas helfen werde, „Sie beurtheilen mich ganz richtig, Maſter Freke,« ſagte er.„Ich hege gegen Maſter Monthermer durchaus keinen Groll, und bin bereit, die Beleidigungen, mit welchen er mich überhäuft hat, zu überſehen. Ich habe ſtets die größte Rückſicht für ihn gehegt, ich habe ſtets gewünſcht, ihm zu die⸗ nen. Iſt er bereit, einen andern Ton arzuſchlagen, ſo läßt der Streit ſich möglicherweiſe beilegen.“ „Mehr können Sie nicht ſagen,« bemerkte Beau Freke. „Erlauben Sie mir die Rolle eines Vermittlers zu überneh⸗ men, Monthermer?* „Ich lehne Ihre Dienſte ab, Sir,« entgegnete Gage verächtlich.„Bekümmern Sie ſich um ſich ſelbſt; Sie werden genug zu thun haben, um Ihren eigenen Charakter reinzuwa⸗ ſchen. Sie ſind in Fairlie's unredliche Thaten ebenfalls mit verwickelt.“ „Tod und Teufel, Sir!“ rief Beau Freke wüthend. „Wagen Sie auch mich zu verleumden?“ „Eine Anklage iſt keine Verleumdung,“ entgegnete Gage ernſt.»Was ich behaupte, werde ich auch beweiſen. Ich be⸗ ſchuldige Sie und Ihren Genoſſen, Sir Randal, eines Com⸗ plottes zu dem Zwecke, mich beim Spiele auszuplündern, mich zu betriegen, ja zu betriegen, Sir— ich will mit der Sprache gerade herausgehen— um bedeutende Summen zu betriegen und den Gewinn mit Fairlie zu theilen, welcher eben⸗ falls Mitglied dieſes ſchändlichen Complottes war.* Frle nehm ſeine Bei Bei 3 Ihr dere fra ches lfen ſagte inen reke. neh⸗ Gage erden uwa⸗ s mit hend. Gage ch be⸗ Com⸗ mich t der ten zu eben⸗ —— 87 „Das iſt eine Lüge! eine nichtswürdige Lüge!“ rief Beau Freke.»Ich werde Sie mit dem Degen zwingen, ſie zurückzu⸗ nehmen.* „Laſſen Sie ihn nur erſt ausraſen, laſſen Sie ihn ſich ſeines Giftes entledigen,« ſagte Sir Randal.»Wir haben Beide eine Rechnung mit ihm abzumachen.“ „Sehr wahr,« entgegnete Gage,„und Ihr ſollt mir Beide bezahlen— aber nicht auf die Weiſe, wie Ihr glaubt. Ich werde mit andern Waffen kämpfen als mit dem Degen. Ihr Zwei ſeyd die Hauptbetrieger— aber es gibt auch An⸗ dere, die mich in geringerem Grade betrogen haben. „Ich will doch nicht hoffen, daß Sie mich meinen, Sir?“ fragte Brice Bunbury, indem er ein paar Schritte vortrat. „Von Ihnen zu ſprechen, wäre unter meiner Würde,« rief Gage.»Sie ſind ein Schmarotzer, ein Beiläufer, eine arme Spielhauskrähe, das Werkzeug Anderer. Die Betrieger, welche ich meine, gehören einer andern Gattung an und einer von ihnen hat ſogar einen edlen Namen geſchändet.“ „Ihre Anſpielung auf mich iſt nicht zu verkennen, Sir,« rief Lord Melton.»Wollen Sie vielleicht behaupten, ich hätte Sie betrogen?“ „Ja, Sie haben mich mit den Pferden betrogen, die Sie an mich verkauften; Sie haben mich ferner in Newmarket und bei jedem andern Geſchäfte betrogen, das ich mit Ihnen ge⸗ macht, entgegnete Gage.»Aber Ihr ſeyd ſammt und ſon⸗ ders eine Bande habgieriger Schurken, Harpyen und Blut⸗ ſauger!“ „Sollen wir ruhig hier ſtehen und uns auf dieſe Weiſe ſchmähen hören?« rief Brice Bunbury, indem er ſich zu den hinter ihm ſtehenden Gäſten wendete. „Nein, nein!« antworteten mehre Stimmen. —————————— 88 „So lange er ſich blos auf Fairlie beſchränkte, war die Sache ganz gut, ſchrie ein halbtrunkener Squire,»wenn er aber uns angreift und uns Harpyen und Blutſauger nennt, ſo werden wir ihm ſagen, wer und was wir ſind. Harpyen und Blutſauger! Nur Blut kann dieſen Schimpf abwaſchen.* „Thut euer Schlimmſtes,« entgegnete Gage, ſeine feſte Haltung behauptend, während Arthur und Mark Rougham ſich ihm näherten, um ihn zu unterſtützen;»ich weiche keinen Zoll breit.* „Halt! halt!“ rief Miſtreß Jenyns.„Laſſen Sie mich ein Wort mit Maſter Monthermer ſprechen. Vielleicht bin ich im Stande, dieſen Tumult zu beſchwichtigen.« „Was meinen Sie damit, Madame? Wollen Sie mich verrathen?“ flüſterte Fairlie. Ohne aber im mindeſten auf ihn zu achten, ſchritt Miſtreß Jenyns auf Gage zu und ſagte in leiſem Tone: „Sind Sie noch geneigt, ſich mit mir zu verſtändigen? Ich kann Sie mit einem einzigen Worte hier zum Herrn machen.“ „Ich bin hier Herr, Madame, auch ohne Ihre Hilfe,« entgegnete er, indem er ſie von ſich ſtieß.»Mit Ihnen bin ich fertig für immer.« „Sie richten nichts mit ihm aus, wie Sie ſehen,« rief Fairlie, indem er ſie wüthend am Arme packte.„Maſter Mon⸗ thermer,“ fuhr er fort,»Sie werden wohl thun, wenn Sie ſich augenblicklich entfernen, nicht blos aus dieſem Zimmer, ſondern auch aus dem Hauſe. Wenn Sie hier noch länger weilen, ſo ſtehe ich nicht für die Folgen.“ „Auf dieſe Weiſe darf er nicht fort! Seine Unverſchämt⸗ heit darf nicht ungeſtraft bleiben!« rief Beau Freke, und viele laute Stimmen unterſtützten den Ruf. rifen ſi einen E larbt. ſes zur del hin noch de begierig durch rickzog ausgel dem e Thür Angre dem U in Se igt, verſch Undk latior Hinte uh = nnt, hen en« feſte ham inen mich vich mich hritt genf errn 89 „D'rauf! d'rauf! Nieder mit ihm! nieder mit ihm!« riefen ſie. „Zurück!« rief Gage,»ich bin fertig. Ich habe Sie als einen Schurken bezeichnet, Fairlie, und Ihre Genoſſen ent⸗ larvt. Ich gehe. Morgen aber werde ich als Herr dieſes Hau⸗ ſes zurückkehren und Sie und dieſes ganze verworfene Geſin— del hinausjagen.* Und während er dieſe Worte ſprach, ging er rückwärts nach der Thür und hielt ſein Auge auf die geheftet, welche am begierigſten waren, ihn anzugreifen. Seine Entfernung ward durch Mark Rougham erleichtert, welcher, ſo wie er ſich zu— rückzog, an ſeine Stelle trat und gleichzeitig Arthur mit hin⸗ ausgehen ließ. „Schlagt doch dieſen Kerl zu Boden!« rief Fairlie, in⸗ dem er auf Mark zeigte, der noch ſeinen Standpunkt an der Thür behauptete. Mark aber war nicht ſo leicht zu beſeitigen. Er hielt ſeine Angreifer mit einem knotigen Schwarzdornſtock, den er auf dem Wege durch die Halle aufgerafft, einige Augenblicke lang im Schach, und als er endlich, durch die Mehrzahl überwäl⸗ tigt, gezwungen ward, zu weichen, waren Gage und Arthur verſchwunden. Mittlerweile waren die ſämmtlichen Diener allarmirt und kamen nebſt mehren andern Gäſten, die nicht zu der Col⸗ lation eingeladen worden, in die Eingangshalle geſtrömt. Sehr bald ergab ſich, daß Gage und Arthur zu einer Hinterthür des Hauſes hinausgegangen waren und ihren Weg nach den Pferdeſtällen genommen hatten. „Warum habt Ihr ſie nicht aufgehalten?“ fragte Fairlie die Diener, welche blos antworten konnten, daß ſie keinen Be⸗ 90 fehl dazu gehabt— und nach ihrem Benehmen zu urtheilen, ſchien es auch, als ob ſie keine große Luſt dazu hätten. Von einem Dutzend der erbittertſten Gäſte begleitet, machte Fairlie racheſchnaubend ſich ebenfalls auf den Weg nach den Ställen. Aber ſie ſahen ſich um ihre Beute betrogen, und kamen blos zeitlich genug, um die beiden jungen Leute ihre Pferde beſteigen und fortgaloppiren zu ſehen. Der einzige Gefangene, den man machte, war der arme Mark Rougham. Nach ſeiner Rückkehr aus dem Stalle befahl Fairlie, ihn in das Gefängniß zu bringen und bis auf weitern Befehl darin zu verwahren. Dieſe Vorgänge verſetzten, wie man leicht denken kann, das Haus in die größte Verwirrung und gaben Anlaß zu vie⸗ lem Geſchwätz unter den Gäſten ſowohl, als unter den Dienern. Unter den letztern war, mit nur zwei oder drei Aus⸗ nahmen, die Meinung ſehr zu Gunſten Gages. Die ganze Geſellſchaft, welche an der auf ſo ſeltſame Weiſe unterbrochenen Collation theilgenommen, kehrte in den Speiſeſaal zurück und ſetzte ſich zu einem, von Maſter Pudſey herbeigeſchafften friſchen Vorrath von Claret nieder, Miſtreß Jenyns jedoch zog ſich unter dem Vorwand, daß ihr Rerven⸗ ſyſtem zu ſehr erſchüttert worden, auf ihr Zimmer zurück und ſobald als Fairlie den Wein auf den Tiſch hatte bringen ſehen, entfernte er ſich ebenfalls und bat Sir Randal, die Honneurs für ihn zu machen. Sobald er fort war, begann man ungenirt über ſeine Angelegenheiten zu ſprechen und es ſtellte ſich bald her⸗ aus, daß die Mehrzahl von ſeinen Anſprüchen ziemlich gering dachte und der Meinung war, daß Gage, ſobald er entſchloſ⸗ ſen ſ wegk wiß, Sch Abſ gim Anſi in d Vel faf Au Ve ten ent ilen, itet, nach und ihre arme efahl itern kann, u vie⸗ den Aus⸗ ltſame in den udſeh Miſtreß erven⸗ ick und ringen al, die tüber d her gering nſchlſ 91 ſen ſey, ihm mannhaft gegenüber zu treten, am beſten dabei wegkommen würde. Mehre der Geſellſchaft ſchienen dieſes Ausganges ſo ge⸗ wiß, daß ſie ihre Abſicht kundgaben, noch in dieſer Nacht das Schloß zu verlaſſen, zum Unglück für die Ausführung ihrer Abſicht aber tranken ſie ſo viel, daß ſie nicht einmal das Zimmer verlaſſen konnten. Brice Bunbury blieb beim Weine ſitzen wie gewöhnlich, Sir Randal aber und Beau Freke befanden ſich nicht unter den Letzten. Sie blieben blos lange genug, um ſich über die Anſichten der Geſellſchaft zu vergewiſſern und nachdem ſie ſich in dieſer Beziehung überzeugt, entfernten ſie ſich mit Lord Melton. Als das Kleeblatt in der Eingangshalle ſtand, ſagte Lord Melton zu den Andern: „Wohlan, meine Herren, welchen Plan haben Sie ge⸗ faßt? Ich verſpüre eben keine große Luſt, dem morgenden Auftritt mit beizuwohnen und werde mich ſofort auf den Weg machen.“ „Sie thun ganz wohl, Mylord, den Rückzug anzutre⸗ ten, wenn Sie glauben, daß dies das klügere Verfahren ſey,“ entgegnete Sir Randal;»was mich jedoch betrifft, ſo fürchte ich durchaus nichts und werde bleiben.“ „Und ich werde auch bleiben,« ſagte Beau Freke. „Fairlie iſt noch nicht geſchlagen und ich glaube auch nicht daß er es werden wird, deshalb gedenke ich ihm beizuſtehen⸗ Ueberdies könnte unſere Abreiſe als Feigheit gedeutet werden, und da keiner von uns bis jetzt Urſache zu einer ſolchen Ver⸗ muthung gegeben, ſo dürfen wir es auch jetzt nicht auf dieſe Gefahr ankomuen laſſen.“ 92 Nachdem ſie von einander Abſchied genommen, trennten ſie ſich, und Sir Randal und Beau Freke gingen langſam die große Treppe hinauf, wahrend Lord Melton ſeinen Diener rief und befahl, ſeinen Wagen unverweilt zur Abreiſe fertig zu machen. Eine Nacht im Schloſſe. An dieſem Abend hatte ſich eine kleine gemüthliche Ge⸗ ſellſchaft in der Wohnung des Kellermeiſters verſammelt. Sie beſtand aus den Perſonen, welche Pudſey gewöhnlich mit einer Einladung zu beehren pflegte. Nach dem Eſſen und einer einzigen Bowle Punſch, über welcher man die Ereigniſſe des Tages beſprach und Vermu⸗ thungen über die wahrſcheinlichen Vorfälle des morgenden Tages aufſtellte, ward auf den Wunſch der Herren Trickett und Tibbits ein Tiſch zurechtgemacht und unſer, die Karten ſo ſehr liebender Kellermeiſter ſetzte ſich mit ihnen zum Picket nie⸗ der, in der Hoffnung, die an früheren Abenden erlittenen Ver⸗ luſte wieder gut zu machen. Er ſah ſich jedoch in ſeinen Erwartungen ein wenig ge⸗ täuſcht. Das Glück war fortwährend gegen ihn und er ſah, daß er ſeinen gewandten Gegnern nicht gewachſen war. Schon längſt hatten ſie ihm ſein ganzes Geld abgenom⸗ men, aber was that dies? Seine Ehrenſchulden könnten ja gebucht werden, ſagten ſeine Gegner, und ſie borgten ihm bis zu jedem Betrage, ſagten ſie. neberdies würde er wahr⸗ ſcheinlich, ehe ſie ſich trennten, Alles wieder gewinnen was er verloren. Gage gewe vord wied kaut nich ner zoſe verl Kop der Zu geſſ war getl ek wi mi ber mu⸗ nden ickett en ſo Ver⸗ g ſah⸗ nom⸗ en ja ihm ahr⸗ as er 93 Damit aber war es nichts. Er ward, wie es oft mit Gage in glücklicherweiſe nun entſchwundenen Tagen der Fall geweſen, von einem förmlichen Spielwahnſinn ergriffen und verdoppelte fortwährend ſeinen Einſatz, in der Hoffnung, wieder zu ſeinem Schaden zu kommen. Wir brauchen aber kaum erſt zu ſagen, daß dieſe Hoffnung eine vergebliche war. Die beiden Krähen waren entſchloſſen, ihn zu rupfen, denn möglicherweiſe, folgerten ſie bei ſich ſelbſt, war dies die letzte Gelegenheit es zu thun. Bellairs und Chaſſemouche verloren ebenfalls, obſchon nicht in demſelben Grade wie Pudſey. Der erſtgenannte Die⸗ ner ertrug ſein Unglück mit großem Gleichmuth, der Fran— zoſe aber gerieth, als man ihm ſagte, daß er hundert Pfund verloren habe, in die größte Wuth, riß ſich die Perrücke vom Kopfe, trat mit den Füßen darauf herum und beging hun⸗ dert andere Extravaganzen, die jedoch blos die Heiterkeit der Zuſchauer erregten. Pudſey war ſo verblendet, daß er die ganze Nacht fort⸗ geſpielt haben würde und ſeine Gegner, die fortwährend ge⸗ wannen, hätten ihm ohne Zweifel ſehr gern dieſen Gefallen gethan, wenn nicht Bellairs die Geſellſchaft geſprengt und erklärt hätte, daß er ſich nun zur Ruhe begeben wolle. „Es iſt gerade zwölf Uhr,« ſagte er,»und morgen wird es für uns viel zu thun geben. Ich bin ganz verdammt ſchläfrig.« „Zwölf iſt es ſchon?« rief Pudſey.»Das iſt doch kaum möglich. Ich dachte, es hätte noch nicht Zehn geſchlagen.« „Weil ihr ſehn ein joueur si passionné, daß Ihr neh⸗ men keine égard auf die Zeit,« bemerkte Chaſſemouche.„Ma foi! es hätten ſeyn geweſen beſſer für Ihr, wenn Ihr hätten aufgehört vor eine Stund.“ 94 „Haltet euer Maul!“ entgegnete der Kellermeiſter mür⸗ riſch.»Wenn die Karten auch gegen mich geweſen ſind ſo verſtehe ich doch meinen Verluſt zu ertragen wie ein Gent⸗ leman.* „Um, ehe wir uns trennen, Alles in Ordnung zu brin⸗ gen,“ bemerkte Tibbits, indem er ſein Notizbuch hervorzog. „will ich die Ergebniſſe unſeres Spieles von heute Abend ein⸗ tragen. Es ſteht ſo: Maſter Pudſey hat unglücklich geſpielt— wir werden aber ſtets bereit ſeyn, ihm Revanche zu geben und wir haben ihm ſechshundert Pfund, oder mit dem geſtern Abend verlorenen und noch unbezahlten Betrage ſiebenhun⸗ dertundfünfzig Pfund zur Laſt zu ſchreiben. Ihr, Maſter Bel⸗ lairs, kommt billiger weg, denn Euch können wir blos zwei⸗ hundert Pfund ins Debet ſchreiben. Was Euch betrifft, Mon⸗ ſieur Chaſſemouche, ſo iſt euer Verluſt eine wahre Bagatelle, blos hundert Pfund.“ „Diantre, Ihr nennen hundert Pfund une bagatelle!“ rief Chaſſemouche.»Das ſeyn vielleicht vagatelle für Euch, denn Ihr können gewinnen tauſend Pfund in eine Abend, aber für mich ſeyn das beaucoup⸗ trés-beaucoup. Parbleu! das ſeyn mehr als die Gehalt von eine ganze Jahr.“ „Ah, es iſt eine Kleinigkeit, ſage ich nochmals,“ ent⸗ gegnete Tibbits.„Ihr müßt noch lernen, ein Unglück ruhig ertragen. Nehmt Euch ein Beiſpiel an Maſter Pudſey, der gerade ſiebenmal ſo viel verloren hat als Ihr und doch nicht muckſt.“ „Mais, mille diables! Maſter Pudſey haben eine ganz beſondere Beutel, wo er kann holen Geld. Mein Caſſe aber ſeyhn nun leer.“ „Ach, Ihr werdet ſchon ein Mittel finden, ſie wieder zu füllen,« entgegnete Tibbits.„Ein geſcheider Kerl wie Ihr, Nonſi verſtch durcha chelter und Pidſ und d ausfa licht Pfin mein ſollt Euch gebe ſch1 chen ſine Lie wol ben tern un⸗ Hel⸗ wei⸗ Non⸗ telle, lel“ Fuch, aber das ent⸗ ruhig , der doch gan aber der zu eJr⸗ 95 Monſieur Chaſſemouche, der eine Gelegenheit zu benutzen verſteht, iſt niemals lange ohne Fonds. Wir ſind euretwegen durchaus nicht in Sorge, nicht wahr, Trickett?“ „Durchaus nicht,« entgegnete ſein Genoſſe mit erheu⸗ chelter Gutmüthigkeit. Trickett wendete ſich hierauf zu dem Kellermeiſter und ſagte: „Ihr werdet entſchuldigen, daß ich es erwähne, Maſter Pudſey, da aber unſer Aufenthalt hier ziemlich ungewiß iſt und da Keiner von uns genau weiß, wie morgen die Sache ausfallen kann, ſo iſt es Euch unter dieſen Umſtänden viel⸗ leicht genehm, uns morgen Früh die ſiebenhundertundfünfzig Pfund auszuzahlen.“ „Ihr nehmt es mit mir ziemlich genau, wie mir ſcheint, meine Herren,“ entgegnete der Kellermeiſter.»Indeſſen Ihr ſollt nicht mit leeren Händen fortgehen. Entweder werde ich Euch bezahlen oder eine Schuldverſchreibung auf den Betrag geben.* „Baare Caſſe wäre uns unendlich lieber, Maſter Pud⸗ ſey, wenn es Euch einerlei iſt,« bemerkte Tibbits.„Wir brau⸗ chen das Geld, nicht wahr, Trickett?« fragte er, indem er ſeinem Genoſſen zublinzelte. „Wir brauchen es zur höchſten Noth,« entgegnete Trickett. „Na, habt nur keine Angſt,“ bemerkte Pudſey.»Unter uns geſagt, ich habe mein Arrangement mit Fairlie abge⸗ ſchloſſen.« „Bravo!* rief Trickett.»Ich hoffe, daß Ihr ihn nicht wohlfeilen Kaufs durchgelaſſen habt. In dergleichen Dingen geht nichts über eine Zeit wie die gegenwärtige.« 96 „Das weiß ich wohl,“ entgegnete Pudſeh unruhig.»Und ich gedenke ihm gleich morgen Früh Zahlung abzuverlangen.* „Das wird auch nöthig ſeyn, da Ihr ſelbſt Zahlung leiſten müßt, wie Ihr wißt,« bemerkte Tibbits trocken.»Ich hätte Euch für klüger gehalten, Pudſeh⸗ Schweigegeld muß gleich auf der Stelle bezahlt werden. Das iſt Regel. Die Dinge haben heute hier eine ſehr ſonderbare Wendung ge⸗ nommen und können morgen vielleicht eine noch ſonderbarere Wendung nehmen. Fairlie iſt vielleicht nicht im Stande, Euch zu bezahlen, oder er hält es nicht der Mühe werth, Euch zn beſtechen, das kann man alles nicht wiſſen.* „Ihr erſchreckt mich,« rief Pudſey.»Fürchtet Ihr denn wikt, daß die Ausſichten für Maſter Monthermer gün⸗ ſtig ſind?“ „Nein, das ſage ich gerade nicht. Aber geſetzt, es ginge mit Maſter Fairlie ſchieſ— was wird dann aus Euch?* „Ja, allerdings— was wird dann aus mir?“ ſagte Pudſey.»Von dieſer Seite betrachtet, wäre es vielleicht für mich beſſer, wenn ich zu Maſter Monthermer hielte.“ „Haltet zu dem, welcher am beſten bezahlt, Pudſey— das iſt meine Maxime,“ bemerkte Trickett. „Und eine verteufelt gute Maxime iſt es, antwortete der Kellermeiſter.»Ich werde mit Fairlie noch ſprechen, ehe ich zu Bett gehe.“ „Was“ Es iſt ja jetzt ſchon halb eins!“ bemerkte Tri⸗ ckett, indem er auf ſeine Uhr ſah.»Ihr werdet doch nicht wagen, ihn noch ſo ſpät in der Nacht zu ſtören?8 „Warum nicht?“ rief der Kellermeiſter.»Er muß mit rechen. Ich bin eine bevorrechtete Perſon, verſteht Ihr?“ Und er lachte über ſeinen eigenen Witz. mir ſp nit ih werdet könnt Hella die be häng Trick den, ſeine obſche allem ſchlaf morg moue entge werde allein ihn ſih bis; in hin D »Und gen.“ hlung „Ich muß . Die g ge⸗ barere Euch uch zn rdenn gün⸗ tt, es n aus icht für ſe— 97 »Ja wohl, ich verſtehe,« entgegnete Trickett.»Sprecht mit ihm, wenn Ihr könnt— ich habe nichts dagegen. Ihr werdet dann zugleich ermitteln, woher der Wind kommt und könnt demgemäß eure Segel richten.« »Wie ich die meinen zu richten habe, weiß ich,« ſagte Bellairs.»Ich gehe zu meinem alten Herrn über— das iſt die beſte Karte, die ich jetzt ausſpielen kann.« »Und ich auch,« rief Chaſſemouche.»Ich ſehn An⸗ hänger von Monſieur Monthermer.* „Aha! Verräther im Lager, wie ich bemerke!« rief Trickett.»Beeilt Euch nur nicht zu ſehr, die Röcke umzuwen⸗ den, Ihr Herren. Monthermer hat allerdings das Recht auf ſeiner Seite, aber er iſt des Sieges doch noch nicht her; obſchon wir in Geſchichtsbüchern leſen, daß die gute Sache allemal zuletzt ſiegt. Und nun gute Nacht, meine Herren; ſchlaft wohl und träumt etwas Schönes! Ihr werdet doch morgen Früh die hundert Pfund nicht vergeſſen, Chaſſe⸗ mouche?* »Peste! Run können ich nicht ſchlafen die ganze Nacht!« entgegnete der Franzoſe.»„Träumen etwas Schönes! O, ich werden haben un grand couchemar.* Hierauf trennte ſich die Geſellſchaft und Pudſey blieb allein. Nachdem er einige Minuten nachgedacht, beſchloß er zu thun, wie er geſagt. Obſchon es ſpät war, ſo hatte Fairlie ſich doch vielleicht noch nicht zur Ruhe begeben, da er häufig bis nach Mitternacht wach blieb, und ſelbſt wenn er ſchon im Bett läge, wollte Pudſey es wagen, ihn aufzuwecken. Demgemäß machte er ſich auf, ging die Hintertreppe hinauf und erreichte bald die große Gallerie, nach welcher ſie Der Verſchwender. III. 7 die von dem war vermittelſt einer kleinen Thür, fel kaum zu unterſcheiden war. der Kellermeiſter machte wenig Ge⸗ g bewegte. führte, und 3 ſie umgebenden Eichengetä Alles war ſtill und räuſch, als er ſich ſo mit verſtohlenen Tritten entlan An der Thür von Fairlie's Zimmer angelangt, legte er das Ohr an das Schlüſſelloch, um zu horchen und pochte, da er keinen Laut vernahm, leiſe an. Keine Antwort. Er pochte wieder an und zwar etwas ſtärker. Auch jetzt erfolgte keine Antwort und er öffnete nun die Thür ein wenig und ſchaute hinein. Das Zimmer war leer und als er nach dem Bett ſchaute, bemerkte er, daß es noch unberührt war. Vielleicht war Fairlie in dem Ankleidezimmer; doch nein, denn die Thür zwiſchen den beiden Zimmern ſtand offen und das kleinere Zimmer war leer. Wo konnte er hin ſeyn? Einen Augenblick lang durchzuckte den Kellermeiſter der Gedanke, daß der Mann, den er ſuchte, entflohen ſey, doch verbannte er dieſe Vermuthung ſofort wieder. Fairlie's Abweſenheit war aber auf jeden Fall ſeltſam Sollte er ſeine Rückkehr abwarten? That vielleicht entrüſtet über ſein Ein⸗ s er zu ſagen hatte. und unerklärlich. er dies aber, ſo war Fairlie ſchleichen und weigerte ſich, zu hören, wa Dennoch wollte er es auf dieſe Gefahr ankommen laſſen. Deshalb trat er in das Ankleidezimmer. Als er ſeine Augen umher daß der Tiſch mit Bündeln alter und nachdem er einige davon näher betrachtet, es Rechnungen waren, die ſi nungen, welche, ſchweifen ließ, bemerkte er, Rechnungen bedeckt war, fand er, daß ch auf Gage bezogen— Rech⸗ wie ihm ſofort einleuchtete, die wichtigſten Bewe mußt voche nung iege nen Gen nen dien die und meh und fall erta gei bet Put ſok tra ſch dem Ge⸗ egte. te er ochte, h jett wenig nach war. doch offen ter der doch ſeltſam That ein Ein⸗ n hatte. n laſſen. eckte et⸗ t war⸗ et, daß Fech⸗ ichigſn 99 Beweiſe von dem unredlichen Gebaren des Verwalters liefern mußten. Ein noch fernerer Beweis war auch in Fairlie's Strazze vorhanden, die der Kellermeiſter liegen ſah, als er die Rech⸗ nungen in die Höhe nahm. Wie dieſes Buch und wie dieſe Rechnungen ſo offen hier ſiegen geblieben waren, konnte er nicht begreifen. Sie ſchie⸗ nen jedoch beſtimmt, in ſeine Hände zu fallen und ihm die Gewißheit, ſich zu bereichern, zu gewähren. Er zögerte kei⸗ nen Augenblick, ſondern nahm einige Bündel, welche er für die wichtigſten hielt, unter den Arm, und hatte eben auch die Strazze vom Tiſch genommen, als die Thür ſich öffnete und Fairlie eintrat. Ein Geſpenſt hätte den ſchuftigen Kellermeiſter nicht mehr erſchrecken können, als die Geſtalt, welche er jetzt ſah, und er ließ ſofort die Sachen, die er ſich angeeignet, wieder fallen. Abgeſehen von ſeinem Schrecken, auf dieſer Schurkerei ertappt zu werden, war auch Fairlie's entſetzliches Ausſehen geeignet, ihm Furcht einzujagen. Der Verwalter ſchien mehr todt als lebendig zu ſeyn— verſtört, mit hohlen Augen, niedergebeugt trat er herein— Pudſey hatte nicht geglaubt, daß eine ſolche Veränderung in ſo kurzer Zeit möglich ſey. Es war ihm indeß nicht lange Zeit vergönnt, um Be⸗ trachtungen anzuſtellen, denn ſobald Fairlie ihn erblickte, ſchien dieſer plötzlich mit übernatürlicher Kraft begabt zu ſehn. Einen lauten zornigen Schrei— faſt ein Gekreiſch— ausſtoßend, ſprang er wie eine wilde Katze auf Pudſey zu, packte ihn bei der Kehle und faßte ihn mit ſolcher Gewalt, daß er ihn zwang, auf die Knie niederzufallen. 100 „Wollt Ihr mich beſtehlen, Schurke?“ ſchrie er.„Gleich gebt Alles heraus, was Ihr genommen, oder ich erwürge Euch!“ Pudſey's Kehle war von der Hand des Verwalters ſo feſt zuſammengeſchnürt, daß er nicht im Stande war zu ſprechen. Er konnte weiter nichts thun, als auf die auf der Diele liegende Strazze und die Rechnungen zeigen und da⸗ durch zu verſtehen geben, daß er ſeiner Beute entſage. Endlich ließ Fairlie ihn wieder los und befahl ihm, ſich zu entfernen. Pudſeh taumelte nach der Thür und als er dieſelbe er⸗ reicht hatte, blieb er ſtehen, heftete einen boshaften rachſüch⸗ tigen Blick auf Fairlie und rief: „Sie haben mich faſt umgebracht. Aber morgen werden Sie Ihre Gewaltthätigkeit bereuen.“ „Morgen!“ wiederholte Fairlie, indem er ihn mit verächtlichem Blicke betrachtete.»Wer weiß was morgen geſchehen kann.* „Ja wohl, wer weiß es?“ wiederholte Pudſey.»Ich aber weiß, wer hier Herr ſeyn und wem das Beſitzthum ge⸗ hören wird, wenn mir nicht der Mund geſtopft wird— und nur tauſend Pfund können mir ihn ſtopfen. Dieſe Summe muß ich morgen Früh haben und ich will ſie haben— „Packt Euch!« entgegnete Fairlie in gebieteriſchem Tone. „Kommt mir bis morgen Mittag unter keinem Vorwande wie⸗ der hierher. Ich habe viel zu thun und bedarf dann Ruhe.* „Und wenn ich mich dazu verſtehe zu ſchweigen, wird es mir vergolten werden, wie?— Werde ich meine Beloh⸗ nung bekommen?“ „Ihr ſollt ſie vollſtändig bekommen,*entgegnete Fairlie in eine recht 9 ſen ehr gbiet einen wenn das Geſta ergri hinur Ande ren, Stun Zim Tag zu er Mih ihn h verſch ſches Erfo Laſt und wi leich ürge ts ſo rzu f der da⸗ ſich er⸗ hſich⸗ erden n mi norgen „h um ge⸗ — und Summe Tone⸗ ide wi⸗ uhe.“ wird Beloh⸗ 101 in einem bedeutſamen Tone, welcher dem Kellermeiſter nicht recht gefallen wollte. Zugleich aber lag auch in Fairlie's We⸗ ſen etwas, was ihn einſchüchterte, und er gehorchte nun der gebieteriſchen Geberde, welche ihm befahl, ſich zu entfernen. Als er in die große Gallerie herauskam, zögerte er einen Augenblick und würde noch länger gewartet haben, wenn es ihm nicht plötzlich geweſen wäre, als ſähe er durch das Dunkel hindurch eine ungeheuer große, geheimnißvolle Geſtalt auf ſich zukommen und von abergläubiſchem Schrecken ergriffen, eilte er nach der Hintertreppe, lief dieſelbe ſchnell hinunter und eilte auf ſein Zimmer. Die ungeheure geheimnißvolle Geſtalt war Niemand Anderer als der ehrliche Mark Rougham. Um aber zu erklä⸗ ren, wie er hierherkam, müſſen wir jetzt zu einer früheren Stunde der Nacht zurückkehren. Als Fairlie ſeine Gäſte verließ, begab er ſich auf ſein Zimmer, wo er ſich niederſetzte, um über die Ereigniſſe des Tages nachzudenken. Er hatte, wie wir wiſſen, Stoff genug zu ernſten Betrachtungen. Dem Prachtbau, welchen er mit ſo vieler Sorgfalt und Mühe aufgeführt, fehlte es an Stabilität und er ſchien über ihn herabſtürzen zu wollen. Die Schätze, die er aufgehäuft, verſchwanden bei ſeiner Berührung. Das Glück hatte ein fal⸗ ſches Spiel mit ihm getrieben und ihn durch einen Schein von Erfolg verlockt, blos um ſeinen Sturz deſto tiefer zu machen. Nicht ſobald hatte er ſich als Herr von Monthermer Caſtle proclamirt, als ſein Titel auch ſchon ſtreitig gemacht und er auf ſchimpfliche Weiſe gezwungen ward, vom Throne wieder herabzuſteigen. Und was war wohl das Ergebniß der Maßregeln, die 102 man am nächſten Tage gegen ihn zu ergreifen gedachte? Konnte er ſein Terrain behaupten? Bei ſeiner erſten ſanguiniſchen Anſicht von der Sache glaubte er dies, aber weiteres Rachdenken erſchütterte ſein Vertrauen und er ward immer muthloſer. Er war von einer Schaar gieriger Miethlinge umringt, die ſich kein Gewiſſen daraus machten, ihn zu verrathen. Dann wiederum erfüllte die unerwartete Entſchloſſenheit, welche Gage gezeigt in Verbindung mit der Gerechtigkeit ſeiner Sache, ſeine Seele mit Schrecken und drängte ihm die Ueberzeugung auf, daß er unterliegen müſſe. Und wie, wenn nun alle ſeine Ver⸗ brechen ihm bewieſen wurden— und er mit Schimpf und Schande aus dem Schloſſe getrieben ward? Er zitterte bei dieſem Gedanken und bedeckte das Geſicht mit den Händen.* Plötzlich hörte er Jemanden in ſeiner Nähe ſchluchzen und als er die Augen aufhob, ſah er Lettice Rougham. Das arme Mädchen ſah aus wie das leibhafte Ebenbild des Kummers und war ſo tief betrübt, daß es einige Minuten dauerte, ehe ſie der Sprache mächtig ward. Endlich ſagte ſie mit vor Gemüthsbewegung halb er⸗ ſtickter Stimme „Der Brief, den Sie bekommen haben, ſollte Sie auf die traurige Nachricht vorbereiten, welche ich mitzutheilen habe, denn dem Wunſche meiner armen Herrin gemäß ſollte er nicht eher als bis nach ihrem Tode abgegeben werden. O, Sir, ihr Ende war ein ruhiges, friedliches und freudi⸗ ges, und es iſt ein Glück für ſie, daß ſie dieſem Leben der Leiden entrückt und in eine beſſere,Welt eingegangen iſt. Sie verzieh Ihnen vollſtändig, Sir, und betete für Sie in Wor⸗ ten, die Ihr Herz erweicht haben müßten, wenn Sie ſie ge⸗ hört wenn Ihren Volle genu verfe komn Hen ein chte? ache ſein einer wiſſen rfüllte t, in Seele daß Per⸗ pf und Geſicht luchzen . benbild Minuten alb er⸗ Sir auf heilen ß ſolle werden d ſdi⸗ ben der riſt Si in Vor⸗ ie ſe g 103 hört hätten. Ihr Wunſch war, daß Sie ſie ſehen ſollten, wenn Alles vorbei wäre. Und ich bin überzeugt, es wird Ihrem Herzen wohl thun, ihre engelgleichen Züge zu ſehen. Wollen Sie mit mir kommen?“ „Jetzt nicht— jetzt nicht. Ich fühle mich nicht ſtark genug dazu,* ſtöhnte Fairlie.„Später vielleicht— ſpäter.* „Wie Sie wollen, Sir,« entgegnete Lettice,„aber verfehlen Sie nicht zu kommen. Sie können zu jeder Stunde kommen, denn wir werden die ganze Nacht bei ihr wachen.“ Wer iſt noch bei ihr?“ fragte Fairlie. „Miß Poynings,* entgegnete Lettice.»Meine arme Herrin ſtarb in ihren Armen.“ Fairlie wendete den Kopf ab und Lettice entfernte ſich. Eine Zeit lang war Fairlie wie zermalmt. Endlich ſchüttelte er ſeine Bewegung ab und erhob ſich mit ſtolzer, trotziger Miene. Er wollte durchaus nicht nach⸗ geben, möchten die Folgen ſeines Widerſtandes ſeyn, welche ſie wollten. Er bot ihnen Allen Trotz— Gage, Arthur, Sir Hugh— Allen!* Er ſchritt in dem Zimmer auf und ab und gerieth mit jeder Minute in immer größere Aufregung. Das Blut ſtieg ihm ins Gehirn und verdunkelte faſt ſeine Vernunft. Er ſtieß unheimliche, frevelhafte Worte aus und begleitete ſie mit einem ſeltſamen, mißtönenden Gelächter. Plötzlich taumelte er, als ob ein zermalmender Schlag ihn getroffen hätte— ſtieß einen lauten Schrei aus— ſtreckte die Hände vor ſich hin, wie um ſich anzuhalten, und ſtürzte zu Boden. Riemand kam ihm zu Hilfe, denn Niemand wußte, was ihm zugeſtoßen war und es dauerte lange, ehe er ſich wieder erholte. 104 Mit großer Mühe ſtellte er ſich wieder auf ſeine Füße, denn ſeine Glieder verſagten ihm anfangs den Dienſt und eine Zeit lang war er wie erſtarrt und ſteif. Nach einer Weile gelang es ihm, bis zu einem Spie⸗ gel zu kriechen und er konnte einen Schrei nicht unterdrücken, als er die furchtbare Veränderung gewahrte, welche in ſei⸗ ner äußern Erſcheinung ſtattgefunden hatte. Nun beſann er ſich auf die Warnung, welche er von ſeiner Tochter erhalten und wie prophetiſch ſie geſprochen. als ſie ſagte, daß er plötzlich und unvorbereitet zur Rechenſchaft gefordert werden könne. Vielleicht war ihm auf ihre Fürbitte noch eine kurze Friſt vergönnt worden, um ihn in den Stand zu ſetzen, dieſe Vorbereitung zu treffen und ſeine Pflicht war, dieſe Gelegen⸗ heit nicht zu verſäumen. Gewiß war es ein Wunder, daß er nicht geſtorben war. Ein zweiter ähnlicher Anfall mußte ihn unfehlbar tödten und der letzte Schlag— das fühlte er— blieb ſicherlich nicht lange aus. Es ging in ſeinen Gefühlen eine gänzliche Um⸗ wälzung vor und er war nun eben ſo begierig, das began⸗ gene Unrecht wieder gut zu machen, als er früher begierig geweſen, dabei zu beharren. Wäre Gage zugegen geweſen, ſo hätte er ihm ſofort Alles bekannt und ihn um ſeine Verzeihung gebeten. Auf alle Fälle konnte er am nächſtfolgenden Tage dies thun. Wie aber, wenn ihn nun mittlerweile ein zweiter und ſchwererer Anfall ereilte und ihn ſeiner Fähigkeiten, ja vielleicht ſogar des Lebens beraubte? Nein, es mußte Gerechtigkeit geübt werden und zwar ohne Verzug.“ In dieſer Abſicht ſchloß er eine Kiſte auf und nahm aus derſelben gewiſſe Bundel Rechnungen, deren Bebeutung er kannte, ſie pä von ih Ahnur began deutet zu bel Mont in ein zu ſel beſchr Schte ſeßen Es 1 wart mußt cume zim ezl davt Uund vun ig bor üße, eine Spie⸗ icken, ſei⸗ von als ſchaft war. nund nicht e Un⸗ began⸗ egierig ſofort luf alle Vie wererer t ſgr geibt hm aus ung er 105 kannte, nebſt ſeiner Strazze, und legte ſie auf den Tiſch, um ſie ſpäter Gage aushändigen zu können oder damit ſie hier von ihm gefunden würden, im Falle ſeine eigenen bangen Ahnungen in Erfüllung gingen. Hierauf ſchrieb er einen Brief, worin er alles von ihm begangene Unrecht eingeſtand und, indem er zugleich an⸗ deutete, daß er die beſte Sühne, die in ſeiner Macht ſtünde, zu bewirken wünſchte, verzichtete er auf die ganze Herrſchaft Monthermer zu Gage's Gunſten. Nachdem er dieſes Document unterzeichnet, ſteckte er es in ein Couvert, verſiegelte es und adreſſirte es an Gage. Eine große Laſt ſchien ihm nun vom Herzen genommen zu ſeyn und der Tod, deſſen Annäherung er bls jetzt mit un⸗ beſchreiblicher Furcht betrachtet, hatte nun viel von ſeinem Schrecken verloren. Er hatte jedoch auch noch ein zweites Document aufzu⸗ ſetzen— ſein Teſtament— und er machte ſich ſofort daran. Es war kurz und bald fertig. Indeſſen mußte es in Gegen⸗ wart von Zeugen vollzogen werden und um dieſe zu finden, mußte er hinuntergehen. Demgemäß ſteckte er beide ſo eben geſchriebene Do⸗ cumente in die Bruſttaſche ſeines Rockes und verließ das Zimmer. Während er die große Gallerie entlang ſchritt, gewahrte er zwei weibliche Geſtalten, die auf ihn zukamen. Die eine davon trug ein Licht und er erkannte ſofort Miſtreß Jenyns und ihre Dienerin Davies. Er hätte, wenn es möglich geweſen wäre, ſie gern vermieden, als aber die Schauſpielerin ihn ſah, beſchleu⸗ nigte ſie ihren Schritt und war faſt augenblicklich dicht ne⸗ ben ihm. 106 „Ich wollte eben zu Ihnen kommen, Maſter Fairlie,« wude rief ſie.»Ich habe Ihnen etwas ſehr Wichtiges zu ſagen.“ 6uk „Ein andermal, Madame,“ entgegnete er kalt.„Ich habe jetzt Geſchäfte.“ lngſ „Aber ein andermal geht es nicht,“ rief ſie.»Ich muß ſofort Antwort haben.“ öäſt „Antwort auf welche Frage?s entgegnete er. plau „Tritt auf die Seite, Davies.“ voni Und als die Dienerin ſich einige Schritte entfernt hatte, he ſetzte Miſtreß Jenyns hinzu: tni „Es iſt möglich, daß gewiſſe Umſtände morgen unſere Vermälung verhindern. Sind Sie deshalb geneigt, dieſes dn koſtbare Document mir heute Nacht abzukaufen?“— „Squire Warwicks Teſtament!“ rief Fairlie zuſam⸗ menfahrend. Schnell aber den Gedanken, welchen die Ver⸗ 16 ſucherin in ihm erweckt, wieder verbannend, ſetzte er hinzu: W „Nein, Madame. Es kann mir jetzt nichts mehr helfen⸗ Es liegt mir nichts daran.“ 6 „Aha!“ rief ſie,„wahrſcheinlich haben Sie neue Pläne entworfen und dünken ſich ſicher. Sie gedenken mich zu nar⸗ uſ ren und zu betriegen wie Sie Gage genarrt und betrogen ha⸗ ben, aber Sie werden finden, daß Sie ſich irren. Wenn ich vil Sie geheirathet hätte, ſo hätte ich Sie zum Gelächter und zu Spott der ganzen Grafſchaft gemacht.“ de „Dann iſt es ja ſehr gut, daß ich Ihren Schlingen en⸗ Ne ronnen bin.* „Dieſem Schickſal ſind Sie allerdings entgangen, aber un mir ſind Sie noch nicht entgangen und ſollen es auch nicht. 6 Wenn ich nichts weiter haben kann. ſo will ich mich wenig⸗ m ſtens rächen. Es iſt dies keine eitle Drohung, wie Sie finden irlie“ n.* Ich ch muß t hatte, unſere t, dieſes zuſam⸗ ie Ver⸗ hinzu: r helfen. ue Pläne zu nar⸗ rogen he⸗ enn ich hter und ingen t gen, aber uch nicht. woig ie finden 107 werden. Bedenken Sie es wohl— beſchlafen Sie es, wenn Sie können! Morgen Früh will ich Antwort haben.“ Und ſie eilte mit ihrer Dienerin ſort, während Fairlie langſam folgte und die große Treppe hinunterging. Als er die Eingangshalle erreichte, traf er einige der Gäſte hier mit Nachtlichtern in der Hand und mit einander plaudernd, ehe ſie ſich zur Ruhe begaben. Er erſuchte drei von ihnen, ihm den Gefallen zu thun, ihn in die Biblio⸗ thek zu begleiten und ſein Teſtament als Zeugen zu unter⸗ ſchreiben. Sie lachten über dieſes Verlangen, genügten jedoch demſelben und das Teſtament ward in aller Form unterzeich⸗ net und atteſtirt. Fairlie dankte ihnen für den Dienſt, wünſchte ihnen gute Nacht und die drei Herren gingen wieder fort, neugierig warum er mit ſeinem Teſtament ſo eile, obſchon ſie einander zugaben, daß einige Nothwendigkeit für dieſen Schritt vor⸗ handen ſehn könne, da Fairlie in der That außerordentlich unwohl ausſah. Fairlie's Rächſtes war, Mark Rougham in Freiheit zu ſetzen. Nachdem er ſich von einem Diener, Namens Blackford, welcher im Parterre ſchlief und deſſen Zimmer er zu dieſem Zwecke beſuchte, einen Schlüſſel verſchafft, ſchloß er die Thür des Gefängniſſes auf und ſah Mark, in einer Ecke an die Mauer gelehnt, in feſtem Schlafe liegen. Fairlie beneidete ihn um dieſen herrlichen Schlaf, un— terbrach denſelben aber, indem er den Pächter mit einmger Gewalt ſchüttelte, ſo daß es ihm endlich gelang, ihn außu⸗ wecken. Mark rieb ſich die Augen und ſchien nicht wenig über⸗ 108 raſcht zu ſeyn, als er fand, wer ihn geſtört hatte, ſeine Ver⸗ wunderung aber ſtieg noch, als er hörte, was Fairlie ihm zu ſagen hatte und er glaubte, er müſſe noch träumen. Indeſſen endlich überzeugte er ſich, daß er wirklich wach war, ſprang auf ſeine Füße und erklärte ſich bereit, zu thun, was man von ihm begehre. „Ich freue mich, daß Sie ſich entſchloſſen haben, recht zu handeln, Sir, und Alles wieder gut zu machen,« ſagte er. „Es wird auf Ihrem Sterbebett Ihnen zum Troſte gereichen. Ertheilen Sie mir nun Ihre Befehle und ich werde ihnen ge⸗ horchen.“* „Vor allen Dingen müßt Ihr etwas zu eſſen bekom⸗ men,« ſagte Fairlie,„denn Ihr müßt während dieſer ganzen Nacht an der Thür meines Schlafzimmers Wache ſtehen und bedürft daher Stärkung.« „J nun. Gegen ein paar Biſſen Fleiſch und ein Glas Bier hätte ich durchaus nichts einzuwenden, denn ich habe kein Abendbrot bekommen,« entgegnete Mark.»Schlaf da⸗ gegen brauche ich nicht mehr und kann nun recht gut aus⸗ halten bis morgen Abend.« Fairlie führte ihn hierauf in die Dienerhalle, in deren Mitte ein langer mit den Ueberreſten einer reichlichen Abend⸗ mahlzeit bedeckter Tiſch ſtand. Das Zimmer war ganz leer, denn ſämmtliche Diener hatten ſich ſchon längſt zur Ruhe begeben. Nark bedurfte keines Nöthigens, um einen Angriff auf ein tüchtiges Stück kalten Rindsbraten zu machen und Fairlie ſetzte, nachdem er einen großen Krug aus einem Faß mit Bier gefüllt, dieſen ihm vor und ſagte ihm, wenn er mit ſeiner Mahlzeit fertig wäre, ſo ſolle er hinauf in die lange Gallerie kommen. Mit dieſen Worten verließ er ihn. ſeitde ford. komm ein S ßairli Tage Fahn gim wie zur F teten einen war, zu be zu ve fül Und Und die ſcgte große e Ver⸗ ihm zu wirklich eit, zu n recht agte er. reichen. en ge⸗ bekom⸗ ganzen en und n Glas ch habe laf da⸗ ut aus⸗ deren Abend⸗ Diener Faß nit er mit e lange 109 Fairlie kehrte hierauf in Blackford's Zimmer zurück und ſagte ihm, er müſſe mit Tagesanbruch aufſtehen und die große Fahne mit dem Wappen der Monthermer auf dem Dache des Schloſſes aufpflanzen. »Dieſe Fahne iſt aber nicht wieder entfaltet worden, ſeitdem der junge Squire mündig ward,« entgegnete Black⸗ ford.„Die ſämmtlichen Unterthanen werden herbeigelaufen kommen, denn ſie betrachten das Entfalten dieſer Fahne als ein Signal.« »Das laß Dich weiter nicht kümmern,« antwortete Fairlie.„Thue wie ich ſage.« »Sehr wohl, Sir, ich werde nicht verfehlen— bei Tagesanbruch werde ich Tom Lons rufen. Er weiß, wo die Fahne aufbewahrt iſt— und wir werden ſie aufpflanzen.« Fairlie entfernte ſich hierauf wieder und kehrte auf ſein Zimmer zurück. Als er dasſelbe betrat, traf er hier den Kellermeiſter, wie wir bereits erzählt haben. Fairlie hatte ſein Zimmer nicht aufgeſucht, um ſich darin zur Ruhe zu legen. Es gab noch mehr zu thun und er erwar⸗ tete nun blos noch das Erſcheinen Mark Rougham's, um einen traurigen Gang anzutreten. So lange er im Uebelthun verſtockt und unbußfertig war, hatte er nicht gewagt, die lebloſen Züge ſeiner Tochter zu betrachten. Er hatte Lettice fortgeſchickt, ohne auch nur zu verſprechen, daß er den Wunſch ihrer ſterbenden Herrin erfüllen wolle. Jetzt dagegen fühlte er, daß dies eine heilige und feierliche Pflicht war. Gleich darauf hörte er Marks Tritte in der Gallerie und ging zu ihm hinaus. Nachdem er ihm befohlen, ſich an die Thür zu poſtiren und während ſeiner Abweſenheit Nie— — 110 manden in das Zimmer zu laſſen, ging er wieder nach dem untern Theile des Hauſes hinunter, verließ dieſes durch die aus der Bibliothek nach dem Raſenplatz führende Glasthür und lenkte ſeine Schritte nach dem Epheuthurm. Xl. Die Sühne. Er ſtand vor dem Thurme. Ein mattes Licht fiel durch eine ſchmale Oeffnung. Das Licht brannte in ihrem Zimmer. Er ging durch den gewölbten Eingang, ſtieg die Wendeltreppe hinauf und blieb ſtehen, um Athem zu ſchöpfen. Noch ein Schritt und er ſtand in der Gegenwart der Todten. Seine Annäherung war aber gehört worden; die Thür ward von Lettice Roughamgeöffnet underſtürzte in das Zimmer. Er ſah blos einen einzigen Gegenſtand— eine auf dem Bett ausgeſtreckt liegende marmorne Geſtalt, und einen Schrei des Schmerzes und der Verzweiflung ausſtoßend eilte er auf ſie zu, warf ſich auf die Knie nieder, ergriff ſie bei der Hand, drückte ſeine Lippen auf die eiskalten Finger und bat leiden⸗ ſchaftlich um Verzeihung. Nach einer Weile ward er ruhiger. Er ſtand auf und betrachtete mit vorgebeugtem Haupte ſein Kind. Da lag ſie— ſie, die ihn einſt geehrt, die ihn ſtets geliebt und die ihren letzten Athemzug im Gebete für ihn aus⸗ gehaucht. Da lag ſie!— friedlich ſchön— mit einem engelglei⸗ chen Lächeln auf ihren Lippen, mit aufgelöſtem Haar, wel⸗ hes Weife Herze Blüt ren 2 furch tödte ſie g Geda ſcha Anbl ene dari Feh imm kalt preß Sch dau duß ann h dem ſch die lasthür g. 9 durch auf und vart der die Thür Zimmer. auf dem n Schrei eer auf er Hand, t leiden⸗ auf und ihn ſtets . ihn aus⸗ aat, wi 111 ches ihr über Hals und Buſen herabfiel und die marmorne Weiße ihrer Glieder noch mehr hervortreten ließ. Da lag ſie!— ſein einziges Kind, der Stolz ſeines Herzens, hinweggerafft am Morgen des Lebens, in ihrer Blüthe und Schönheit— vernichtet durch ihn— durch ih⸗ ren Vater! Denn hatte ſie ihm nicht ſelbſt geſagt, daß das furchtbare Geheimniß, welches er ihr aufgedrungen, ſie ge⸗ tödtet habe? Sein Verbrechen hatte ſie niedergedrückt und ſie auf dieſes Todtenbett geworfen! Wahnſinn war in dieſem Gedanken! Er ſchaute nochmals hin, ja, er mußte nochmals hin— ſchauen, denn er konnte ſeinen Blick nicht abwenden. Der Anblick feſſelte ihn. Da lag ſie!— die tugendhafte, die makelloſe Tochter eines elenden, verbrecheriſchen Vaters, deren größtes Unglück darin beſtanden, daß ſie ſein Kind war— deren größter Fehler der war, daß ſie ſeinen ſündigen Befehlen gehorchte. Ja, da lag ſie!— dahin!— verloren für ihn auf immer! Verzeihung! o Verzeihung! Wieder kniete er vor dem Bette nieder und faßte die eis⸗ kalte Hand. Sein Stöhnen und ſeine von der Reue ihm cusge⸗ preßten Seußer erfüllten die, welche ihm zuhörten, mit Schrecken. Sein Schmerz war indeſſen zu heftig, um lange zu dauern. Sich erhebend ſchaute er ſich um und bemerkte nun erſt, daß Lettice nicht allein war. Er konnte die zweite im Zimmer anweſende Perſon nicht deutlich erkennen, denn ſie hatte ſich in die andere Ecke des Zimmers zurückgezogen, aber er errieth 112 wer es ſeyn mußte. Wer anders als Luch Poynings konnte in ſolch einer Stunde, zu ſolch einer Zeit hier ſeyn? Sich langſam Luch nähernd, ſagte er mit bewegter Stimme, die nicht ohne Wirkung auf die Hörerin blieb, trotz des Widerwillens, den ſie gegen ihn empfand: „Ich danke Ihnen, Miß Poynings, vom Grunde mei⸗ nes Herzens für die hingebende Aufmerkſamkeit, die Sie mei⸗ ner armen Tochter bewieſen haben. Sie ſind ihr mehr als Schweſter geweſen, und haben ihr jene Liebe geſchenkt, die ſie ein Recht hatte, von mir zu erwarten— die ſie aber leider niemals erfahren hat. Sie kannten ſie genau und wußten ihre edlen Eigenſchaften zu würdigen. Auch ich kannte den unſchätz⸗ baren Werth des Schatzes, der meiner Obhut anvertraut war, aber ich warf ihn verblendet hinweg, um irdiſche Spreu zu ſu⸗ chen. Sie haben jedoch meinen Schmerz geſehen und werden daher auch die Tiefe meiner Reue begreifen.* Hier ſchwieg er einen Augenblick und fuhr dann in ſo feierlichem Tone fort, daß kein Zweifel an ſeiner Aufrichtig⸗ keit bleiben konnte. „Hören Sie mich Beide an,«rief er,»und merken Sie auf meine Worte. Ich verlange kein Mitleid von Ihnen, denn ich verdiene keines, aber wenden Sie ſich nicht von mir, ehe Sie mich vollends angehört haben. Ich bin ein unglücklicher, elender Menſch, verdammt vom Himmel und von meinen Mitmenſchen. Ich habe mich gegen meinen Wohlthäter der nie⸗ drigſten und ſchwärzeſten Undankbarkeit ſchuldig gemacht und viele Uebelthaten begangen; die aber, welche am ſchwerſten auf meiner Seele laſtet, iſt der Tod meiner Tochter. Ich habe keine Hand gegen ſie erhoben, aber nichtsdeſtoweniger fühle ich, daß ich ſie vor der Zeit ins Grab geſtürzt habe. Kann en V Perze chen, den, arme möch lie, Hieri der 2 ches thun erlar nch Aber Auf betr Pei wele auf wic unb mei 35 wan Vü ²5 1 konnte wegter b, trotz de mei⸗ ie mii⸗ ſehr als die ſie r leider ſen ihre unſchät⸗ ut war, u zu ſu⸗ werden n in ſo uftichig⸗ cken Sie en, denn nir, ehe ücklicher, nmeinen r der nie⸗ cht und ſchwerſen 3h habe ger ſihl e. Kann 173 ein Vergehen wohl größer ſeyn, als das meine? Kann ich Verzeihung hoffen?« »Ja, wenn Sie das begangene Unrecht wieder gut ma⸗ chen, wird Ihnen auch die Verzeihung nicht verweigert wer⸗ den,«entgegnete Lucy.»Es war die letzte Hoffnung Ihrer armen Tochter, daß Sie noch zur Reue erweckt werden möchten.“* »Ich bereue auch— ich bereue wahrhaft,« rief Fair⸗ lie,„und ich will jede Buße thun, die in meiner Macht ſteht. Hierin,« fuhr er fort, indem er die verſiegelten Couverte aus der Taſche zog,»hierin habe ich das Unrecht bekannt, wel⸗ ches ich Gage Monthermer angethan, und ihm alles Eigen⸗ thum zurückgegeben, welches ich auf ungerechte Weiſe von ihm erlangt. So weit bin ich den letzten Wünſchen meiner Tochter nachgekommen. Dieſe Couverte wird Gage morgen finden. Aber dies iſt noch nicht Alles und ich bitte Sie nochmals, mir einige Aufmerkſamkeit zu ſchenken, denn was ich noch zu ſagen habe, betrifft Sie Beide.“ »Es betrifft uns?“ rief Luch überraſcht.„Auf welche Weiſe denn?* »Sie ſollen es hören. Ich habe noch mehr Vermögen, welches ich mit Recht mein Eigenthum nennen kann, weil es auf ehrlichem Wege vor dem Tode meines Wohlthäters War⸗ wick Monthermer erworben ward. Dieſes Vermögen iſt nicht unbeträchtlich und hätte mich zufriedenſtellen können, wenn meine Wünſche mäßig geweſen wären. Doch laſſen wir dies. Ich ſtehe jetzt allein in der Welt— ohne Freund, ohne Ver⸗ wandte. Meine Tochter iſt mir entriſſen. Aber ich will ihre Wünſche erfüllen und über mein Vermögen ſo verfügen, wie es mit dieſen Wünſchen übereinſtimmt. Deshalb werde ich es Der Verſchwender. III. 8 114 denen vermachen, welche ſie liebte, von welchen ſie wieder geliebt ward und die ihre Liebe verdienten. Zunächſt wende ich mich an Sie, Luch Poynings, als ihre beſte und theuerſte Freundin. Laſſen Sie mich ausreden. Es iſt nicht meine Stimme, ſondern die Stimme meines armen Kindes, welche jetzt zu Ihnen ſpricht. Ich habe dieſes ganze Vermögen Ihnen vermacht, mit Ausnahme gewiſſer Legate, die ich Ihnen ſo⸗ gleich näher bezeichnen werde. Nehmen Sie es als ein Ge⸗ ſchenk von Clara. Zum Glück bedürfen Sie keinen Reichthum, aber es wird für Sie eine Ausſteuer ſeyn, und wenn Sie ſpä⸗ ter,— nachdem ſeine Beſſerung unzweifelhaft geworden,— Gage zum Glücke für ihn Ihre Hand reichen ſollten, ſo wird mein Vermächtniß ſeinen Zweck erreicht haben.“ „O Sir, ſagen Sie nicht das!* rief Luch. „Dies war, wie ich weiß, der Wunſch meiner Tochter,“ fuhr Fairlie fort.„Und nun nenne ich die bereits erwähnten Legate. Es ſind deren nur zwei. Das erſte iſt eine Aus⸗ ſteuer für dieſes Mädchen, die treue Dienerin meiner Tochter, Lettice Rougham. Die wenigen Hundert, welche ſie ihr ver⸗ macht hat, wären keine angemeſſene Belohnung ihrer Dienſte. Das zweite Legat iſt eine Summe, welche hinreichend iſt, um das ſogenannte Kuhbrückengut zu kaufen, aus deſſen Beſitz ich Lettice's Vater, Mark Rougham, auf ungerechte Weiſe ver⸗ trieb, und welches ich nun dieſem würdigen Manne vermache. Außer dieſen Legaten,“ ſetzte er zu Luch hinzu,„gehört alles Andere Ihnen.« „Ich will gegen das, was Sie zu thun für angemeſſen erachtet, keinen Widerſpruch erheben, denn es wäre jetzt nicht der geeignete Augenblick dazu,* entgegnete Luch.„Sie ſpre⸗ chen von Ihrem Teſtament, als ob dasſelbe ſofort zur Gllung lben.“ Vne, ner To die nich nich ni ſch gep habe g ſihnen. H Kind z „ dinen o ſrie Inpul ſhloß. fried oh dieſ „ „Sie Uugen ( und b waren do1 in in e wieder nde ich theverſte hi meine , welche en Ihnen Ihnen ſo⸗ ein Ge⸗ eichthum Sie ſpä⸗ den,— ſo wird Tochter,“ erwihnten eine Aus⸗ r Tochter⸗ i ihr ver⸗ er Dienſte. diſt un ſſen Beſts Veiſe ver vumache. n dl angineſen n jitt nict Eie ſpre⸗ ſofort jur » 115 Geltung kommen ſollte. Sie können ja noch lange Jahre leben.* »Luch Poynings,“ ſagte Fairlie in noch feierlicherem Tone,„ehe noch viele Stunden vergehen, werde ich bei mei⸗ ner Tochter ſeyn. Es iſt eine Mahnung an mich ergangen, die nicht mißverſtanden werden kann. Die nächſte Sonne wird mich nicht mehr unter den Lebenden finden. Doch der Himmel ſey geprieſen, ich habe meine Vorbereitungen getroffen. Ich habe gethan, was an mir iſt, um meine Uebelthaten zu ſühnen.« Hierauf näherte er ſich langſam dem Bett, blickte ſein Kind zärtlich an und ſagte in leiſem Tone: »Biſt Du mit mir zufrieden, meine Tochter? Habe ich deinen Wünſchen in allen Dingen gehorcht? Sprich mit mir! o ſprich mit mir!“ rief er, indem er dem leidenſchaftlichen Impuls nachgab und die lebloſe Geſtalt in ſeine Arme ſchloß. »Ich antworte an ihrer Statt,“ ſagte Luch.„Sie iſt zufrieden mit Ihnen. Betrachten Sie ihre Züge und ſehen Sie, ob dieſelben nicht Beifall lächeln.« ſie thun es, ſie thun es,« entgegnete Fairlie. »Sie verkünden mir Verzeihung. Laſſen Sie mich einige Augenblicke mit ihr allein. Ich will an ihrer Seite beten.« So ermahnt, entfernte Luch ſich mit ihrer Begleiterin und begab ſich in ein oberes Zimmer des Thurmes. Beide waren zu Thränen gerührt, und Lettice ſchluchzte hörbar. Als ſie fort waren, kniete Fairlie neben dem Bett nie⸗ der, und betete inbrünſtig. Während er dies that, verfiel er in einen Zuſtand von Verzückung, während deſſen er glaubte, ſeine Tochter erſchiene ihm mit himmliſcher Schönheit angethan, * 116 und einem ſtrahlenden, paradieſiſchen Lächeln, welches ihm verkündete, daß er Verzeihung gefunden. In dieſem Zuſtande von Extaſe befand er ſich noch, als Luch und ihre Begleiterin wieder herunterkamen. Als er ſie in das Zimmer treten hörte, erhob er ſich. „Ich habe ſie geſehen!* rief er.„Sie hat mir Verzei⸗ hung verſprochen.“ Luch widerſprach ihm nicht, denn ſie fürchtete, daß er ſeiner Sinne nicht mehr recht mächtig ſey. „Und nun bin ich fertig,“ fuhr er fort.»Ich übergebe die theuern Ueberreſte Ihrer Obhut. Sie werden ihnen die letzten Ehren erweiſen laſſen. Ich, werde auf mein Zimmer zurückkehren, und dieſes nicht eher wieder verlaſſen, als bis man mich daraus fortträgt. Sie hat mir verſichert, daß ich vald bei ihr ſeyn werde. Und nun hören Sie meine letzten Worte. Die Documente, von welchen ich ſprach, das Be⸗ kenntniß und das Teſtament— werden bei mir gefunden wer⸗ den, wenn Gage morgen Früh in das Schloß kommt. Leben Sie wohl!“ Und ſich nochmals zu ſeiner Tochter niederbeugend und ihre Hand an ſeine Lippen drückend, verließ er das Zimmer. Nur für dieſe letzte Anſtrengung ſchienen ihm die Kräfte noch aufgeſpart geweſen zu ſeyn, denn nur mit der äußerſten Mühe erreichte er wieder das Schloß, und als er an den Fuß der großen Treppe kam, ſank er ſtöhnend nieder. Zum Glück hörte ihn Mark Rougham von der langen Gallerie, wo er auf ſeinem Poſten ſtand, eilte ſchnell hinun⸗ ter und trug ihn die Treppe herauf. Auf ſeinen eigenen Wunſch führte Mark ihn in ſein An⸗ kleidezimmer, wo er vollſtändig erſchöpft auf einen Stuhl ſank. 5 durch wirkl Fair laſſe lerie Nor bere glar fern Kre die wu löſc tief es ihn„Sie bedürfen eines Stärkungsmittels,« ſagte Mark, durch ſein Ausſehen nicht wenig erſchreckt, denn er glaubte ch, als wirklich, er ſterbe. ⸗ „Nein, nein, ich bedarf nichts; verlaßt mich,« ſagte ſich. Fairlie mit matter Stimme. Lrſi⸗„Aber ich kann Sie doch in dieſem Zuſtande nicht ver⸗ laſſen!« entgegnete Mark. „Gehet, ich bitte Euch, ich verlange es,« ſagte Fair⸗ lie.»Haltet, wie ich Euch geſagt habe, Wache in der Gal⸗ übergebe lerie und laßt Niemanden in mein Zimmer, bis zu Maſter hnen die Monthermer's Ankunft morgen Früh. Er wird Alles für ihn zuner bereit finden.« „Aber Dich wird er nicht mehr am Leben antreffen, glaube ich,« murmelte Mark, während er ſich zögernd ent⸗ fernte. als bis dnß ih letzten— 6 Als Fairlie ſich allein ſah, raffte er alle ſeine noch übrige 3 r Kraft zu einer letzten Anſtrengung zuſammen. Er verſchloß nden wel⸗ die Thür ſeines Schlaf⸗ und Ankleidezimmers, nahm die be⸗ wußten Couverte aus der Taſche, legte ſie auf den Tiſch und löſchte das Licht aus. Finſterniß herrſchte, und die Stimme des Gebets. Es dauerte nicht lange, ſo verſtummte dieſe Stimme, und nur noch ein tiefer Seufzer ließ ſich vernehmen. Dann waltete tiefes Schweigen in der rabenſchwarzen Nacht. nt. Lben gend und s Zimmer⸗ die Krüft äußerſten on den piß der langen nell hnun⸗ ————————————— 118 XII. Der Morgen im Schloſſe. Die lange, ſchauerliche Nacht iſt vorüber und der Mor⸗ gen angebrochen. Die Sonne ſcheint hell auf die ſtattlichen Haine in der Nähe des Schloſſes, und zerſtreut den weißen Rebel, der über den ſumpfigen Niederungen ſchwebt. In dem Parke kommen die Hirſche von Thau triefend heraus aus ihrem Lager, und ihre ſchlanken Geſtalten und zackigen Geweihe ſind deutlich zu ſehen, während ſie über die langgedehnten Waldwieſen hinſchreiten. Die ganze Natur wird durch die freundlichen Strahlen des wohlthätigen Geſtirns zu neuem Leben erweckt. Aber der Sonnenſchein glänzt nicht blos auf Hain und Landſchaft, ſondern er vergoldet auch die ſtolzen Wetterfahnen auf dem Schloſſe, funkelt auf den zahlreichen Fenſtern, und bekleidet das herrliche Gebäude mit Glanz. Im Innern aber herrſcht noch wenig Leben. Der Gott des Tages ſchauet zu den obern Fenſtern hinein, und erſpäht ſchläfrige Diener, welche das nächtliche Trinkgelag ver⸗ ſchlafen. Er verſucht auch zu andern, tiefer angebrachten Fenſtern hineinzuſchauen, aber dichte Vorhänge hemmen ſeinen Blick. Könnte er dieſe durchdringen, ſo würde er den Spieler ſehen, welcher träumt, daß das Glück ihn verlaſſen; den Epikuräer, welche welche füllt; Schör Sonn frage lung anem Wär niem und Pac Stu berh 66 nit Mrr wo ten des ſer 6 Un er Mor⸗ in der der über triefend lten und über die Strahlen ckt. Aber andſchaft auf dem bekleidet Der Gott d epäht elag ver⸗ mn Blick. let ſehen 6pikuräet. 119 welcher ſtöhnt, weil er ſich übernommen; den Bacchanten, welchen der im Uebermaß genoſſene Wein mit Fieberglut er⸗ füllt; die Schauſpielerin, welche ängſtlich träumt, daß ihre Schönheit und Reize entſchwunden ſehen. Dieſe Leute ſind ſicher vor dem forſchenden Blick der Sonne. Aber in ein Zimmer ſchaut ſie ungehindert und mit fragendem Blicke. Was ſieht ſie hier? Eine kniende Geſtalt— kniend, aber in ſeltſamer Stel⸗ lung, mit ausgebreiteten Händen und mit dem Kopfe auf einem Stuhle ruhend. Die Sonne beſtrahlt dieſe Geſtalt mit ihrem Glanze. Aber die Geſtalt rührt ſich nicht. Sie fühlt die belebende Wärme nicht. Dieſe Augen werden ſich dem Licht des Tages niemals wieder erſchließen. Und deshalb fliehen die Sonnenſtrahlen davon hinweg, und fallen auf den Tiſch, und beleuchten zwei verſiegelte Packete und eine erloſchene Kerze, das Sinnbild der vor dem Stuhle knienden unbeweglichen Geſtalt. Aber nicht blos das Schloß wird durch das Sonnenlicht verherrlicht und erfreut, ſondern auch Alles rings umher.— Es ſcheint auf die glatten Raſenplätze, wo Gärtner bereits mit Sichel und Meſſer thätig ſind und freudig ihre Arbeit verrichten, auf die Blumenbeete, auf die ſtattlichen Terraſſen, wo andere Gärtner an ihre Arbeit gehen, auf die Obſtgär⸗ ten, die Ställe und Rebengebäude, auf die grauen Mauern⸗ des alten Schloſſes und auf den Epheuthurm. Warum ſcheint das Sonnenlicht auf jenes ſchmale Fen⸗ ſter? Will es in ein zweites Todtengemach hineinſehen? Will es wiſſen, was hier vorgeht? Ein ſchräger Strahl ſchießt durch die ſchmale Oeffnung und fällt auf ein marmornes Antlitz, indem er der weißen, —————————— 120 durchſichtigen Haut eine unbeſchreibliche Schönheit verleiht, und das Haupt und ſeine Krone von dunklem Haar mit einem Heiligenſchein umgibt. Zwei Perſonen befinden ſich neben dieſem Bett. Die eine iſt, von Ermüdung überwältigt, eingeſchlum⸗ mert. Die andere dagegen beobachtet mit Bewunderung die magiſche Wirkung der Sonnenſtrahlen auf den Zügen der Todten. Niemals hat ſie einen ſo ſeraphiſchen, ſo unendliche Glückſeligkeit verkündenden Ausdruck geſehen, wie auf dieſem Antlitz. So wie die Wachende hinſchaut, drängt ſich ihr immer mehr die Ueberzeugung auf, daß der Geiſt der geſchiedenen Freundin ſie umſchwebt und ihr zuflüſtert, daß ſie im Begriff ſteht, ſich zum Himmel aufzuſchwingen. Alles, weswegen ſie auf Erden geweilt hat, iſt vollbracht. Während noch dieſer Gedanke die Wachende beſchäftigt, iſt der Sonnenſchein von dem Antlitz gewichen, der Glanz ſchwindet von Stirn und Haar, und die marmornen Züge nehmen wieder ihre Starrheit an. Von unausſprechlicher Freude erfüllt, kniet die Wa⸗ chende an dem Lager nieder und betet. Mittlerweile ſcheint die Sonne hell auf das Schloß und deſſen weites Gebiet und viele Unterthanen, welche darnach hinſchauen, gewahren zu ihrer Ueberraſchung an dem hohen Fahnenſtocke auf dem Dache ein Banner flatternd, welches das Wappen der Monthermer zeigt. Dieſer Anblick verbreitet allgemeine Freude, dem Alle, die es ſehen, begrüßen es als eine Verkündigung von der Wiedereinſetzung des jungen Squire in ſein Erbe. Er iſt wieder zu den Seinen gekommen. Er hat den ungere gelubt unterth Anden thümer nachſic ſein V ſollen, S wieder trägt entron habgi Schne es du am v ſagt, mit d in da darau ner, der( ſahe der daß jue erleiht, teinem ſchlum⸗ ung die en der endliche f dieſem r immer hiedenen Begrif egen ſie ſchäſtigt er Glanz en Zige ie W hloß und darnach n hohen hes du den Me von der 121 ungerechten Haushalter geſchlagen. Niemand hatte Fairlie geliebt und deshalb freuen ſich jetzt Alle über ſeinen Sturz. Bei all ſeinen Fehlern iſt Gage der Liebling der Guts⸗ unterthanen. Sie lieben ihn um ſeines Vaters willen, deſſen Andenken allgemein verehrt wird, und obſchon ſie ſeine Irr⸗ thümer nicht überſehen, ſo betrachten ſie dieſelben doch mit nachſichtigem Auge. Er hat ſchlechte Rathgeber gehabt und ſein Vormund, der ihn vor der Verſuchung hätte bewahren ſollen, hat dieſe ihm erſt in den Weg geführt. So folgern ſie und freuen ſich aus vielen Gründen, daß wieder ein Monthermer ſie beherrſchen ſoll. Zu dieſer Freude trägt natürlich der Umſtand bei, daß ſie Fairlie's Herrſchaft entronnen ſind. Sie wiſſen Alle, was ſie von dieſem harten, habgierigen Manne zu erwarten gehabt hätten. Gerüchte haben ſich verbreitet mit der unerklärlichen Schnelligkeit, mit welcher das Gerücht ſtets wandert, als ob es durch die Luft flöge, Gerüchte von der Störung, welche am vorigen Tage auf dem Schloſſe ſtattgefunden, und man ſagt, daß an dem ſo eben begonnenen Tage Gage, welcher mit dem jungen Arthur Pohnings nach Reedham gegangen, in das Haus ſeiner Ahnen zurückkehren und den Eindringling daraus vertreiben wird. Alle wünſchen ihm das beſte Glück und als ſie ſein Ban⸗ ner, eine Fahne, deren ſich Squire Warwick bei Gelegenheit der Geburt ſeines Sohnes zuerſt bediente, um Allen, die ſie ſahen, ein Zeichen zu geben, daß er offenes Haus halte, von der Höhe des Schloſſes wehen ſehen, da ſind ſie überzeugt, daß ihre Hoffnungen in Erfüllung gehen werden. Fairlie, glauben ſie, würde niemals geſtatten, dieſe Fahne zu entfalten. Sie ahnen nicht, wer den Befehl dazu gegeben hat. —— S— —————— —— —— — 1 122 Sie betrachten indeſſen ihr Erſcheinen als eine günſtige Vor⸗ bedeutung und erkennen darin die Aufforderung, ſich ſammt und ſonders nach dem Schloſſe zu begeben. Und deshalb verlaſſen die Pächter meilenweit in der Runde ihre Arbeit und kehren in ihre Häuſer zurück, um ihren Weibern zu ſagen, daß die alte Fahne auf dem Schloſſe weht und daß ſie dorthin müſſen, um zu ſehen, was es zu bedeuten hat. Somit werfen ſie ſich in ihre beſten Kleider und machen ſich auf. Auf ſtarken Gäulen ſitzend, nehmen ſie ihren Weg durch die nach dem Schloſſe führenden Heckengänge. Ihre Zahl vermehrt ſich allmälig, bis ſie einen Trupp von beinahe zwei⸗ hundert Reitern bilden, eine furchtbare Schaar, und viele von ihnen erklären, wenn der junge Squire eine Hand bedürfe, um ihn wieder auf ſeinen Platz zu ſetzen, ſo werde er ſie ſchnell finden. Die Aelteren unter ihnen ſprechen viel von Squire War⸗ wick und von dem Verluſt, den ſie durch ſeinen plötzlichen Tod erlitten.»Ach, wenn er noch länger gelebt hätte, ſagen einige dieſer Graubärte,„dann wäre ſein Sohn ein ganz anderer Mann geworden.“ „Ein Vater würde ihn in ſeiner Jugend überwacht, aber nicht zu Thorheiten ermuthigt haben, wie Maſter Fairlie.* Alle dieſe bejahrten Leute ſprechen zugleich die Hoffnung aus, daß der junge Squire ſich nun die Hörner abgelaufen habe, in welchem Falle dann nichts weiter gegen ihn geſagt werden dürfe. Junge und Alte aber prophezeien zuverſichtlich, daß Fairlie werde geſchlagen und das Land von ihm erlöſt werden. E S niht m würden 2 geproc ſt. In 9 und la führt, nen we nähert thung Nether Seite votan lich ſt virru nern unmoe eines die D dern terte achd trieg inen ge Vor⸗ ſammt in der um ihren Schloſſe 5 es zu machen eg durch ee Zahl ahe zwei⸗ viele von bedürfe, ſie ſchnell ire War⸗ plölichen b,* ſagen ein ga berwacht 0 Maſter Hofnun abgelaufen hn gſeht tlich, duß werdeh ————— 123 Sie ahnen nicht, daß der Gegenſtand ihres Abſcheues nicht mehr fähig iſt, ihnen weiteren Schaden zu thun, ſonſt würden ſie in ihren Bemerkungen menſchenfreundlicher ſeyn. Dabei aber wird kein Wort Böſes von ſeiner Tochter geſprochen, die jetzt über allen Beifall oder Tadel erhaben iſt. Im Gegentheil preiſt jede Zunge ihr Lob. Auf dieſe Weiſe ſchwatzend reiten ſie in den Park hinein und langſam die breite Allee hinauf, welche nach dem Schloſſe führt, von deſſen Fenſtern aus ihxe Annäherung mit Erſtau⸗ nen wahrgenommen wird. Sobald ſie ſich dem Hauſe bis auf Bogenſchußweite ge⸗ nähert haben, machen ſie Halt und nach einer kurzen Bera⸗ thung mit ihrem Anführer, einem alten Pächter Namens Netherfield, ſteigen ſie ab und führen ihre Pferde auf die Seite der Straße, während einige der Reiter als Deputation vorangeſchickt werden, um zu ermitteln, wie die Sache eigent⸗ lich ſteht. In dem Schloſſe ſelbſt iſt Alles Unordnung und Ver— wirrung. Es ſcheint eine förmliche Rebellion unter den Die⸗ nern ausgebrochen zu ſeyn und es iſt ſchwierig, wo nicht unmöglich, einem Befehle Gehorſam zu verſchaffen. Pudſey, der in der letztern Zeit bei Fairlie die Stelle eines Haushofmeiſters bekleidet und unbedingte Herrſchaft über die Diener ausgeübt, hat alle Autorität verloren. Der Kellermeiſter hat nicht blos einen Wortwechſel, ſon— dern auch einen Kampf beſtanden. Nach einem lauten erbit⸗ terten Streit mit den Herren Trickett und Tibbits, welche, nachdem ſie ihn aufgefordert, das an ſie verlorene Geld zu bezahlen, und es nicht bekommen, ihn einen Lumpen und Be⸗ trieger genannt, hatte er ſie beide Lügner geſcholten und zu einem Fauſtkampf aufgefordert. 124 Tibbits nahm die Herausforderung an und gleichzeitig arrangirte ſich ein zweiter Kampf zwiſchen Trickett und Chaſſe⸗ mouche, welcher Letztere der Forderung, ſeine Ehrenſchuld zu bezahlen, ebenfalls nicht im Stande war, gerecht zu werden. Chaſſemouche hätte gern zu dem Degen gegriffen, weil dieſer nach ſeiner Anſicht die einzige für einen Gentleman ſich ſchickende Waffe war, um einen Streit auszumachen. Dieſes Verlangen aber ward zurü gewieſen und Chaſſemouche genö⸗ thigt, ſich zu boxen. Wir brauchen kaum erſt zu ſagen, daß einige gut angebrachte Stöße ihn kampfunfähig machten. Wenige Minuten ſpäter ward er jedoch vollſtändig ge⸗ rächt, als ein anderweiter Kampf zwiſchen ſeinem Sieger und Bellairs ſtattfand. Bei dieſem kam Tibbits am ſchlechteſten weg und ward von ſeinem Gegner ſehr übel tractirt, denn als feiner Gent⸗ leman entwickelte Bellairs eine bedeutende Gewandtheit in der Wiſſenſchaft des Fauſtkampfes. Ein Gleiches widerfuhr Trickett von dem Kellermeiſter, der ihm nach einem Dutzend Gängen zwei Vorderzähne aus⸗ ſchlug und den Mund aufriß. Allerdings trug auch Pudſey's Geſicht ziemlich ſtarke Spuren von dem Kampfe, denn ſeine ungeheuere kupferfarbene Naſe hatte eine faſt tintenſchwarze Färbung angenommen und war um das Doppelte ihres ge⸗ wöhnlichen Umfanges angeſchwollen, doch achtete er in dieſem Augenblick weiter nicht darauf. Dieſe Kämpfe fanden zu einer ziemlich frühen Stunde in dem Hinterhofe nicht weit von den Ställen ſtatt. Nach dem Gefecht zog ſich der Kellermeiſter auf ſein Zim⸗ mer zurück, um ſeine beſchädigte Phyſiognomie ſo gut als ——————— mögli wir b taucht wiede keiner Die das würd bediet rinn zuwa die T nech bei ſe e ihre Kell dan Hef ten. unk Gy M ichzeitig Chaſſe⸗ nſchuld kecht zu en, weil nan ſich Dieſes he gend⸗ en, daß en. ndig ge⸗ ieger und nd ward er Gent⸗ diheit in lermeiſter, hne aus⸗ Pudſchs enn ſeine nſchwarſe ihres ge⸗ in diſem n Stunde 125 möglich zu repariren und von dieſem Augenblick an war, wie wir bereits erwähnt, ſeine Autorität zu Ende. Als er mit einem Stück braunen in Branntwein ge⸗ tauchten, auf ſeinem geſchwollenen Rüſſel befeſtigten Papiere wieder herauskam, lachten ſämmtliche Diener ihn aus, aber keiner von ihnen that, was er ihn hieß. Niemals hatte es eine ſo offenbare Rebellion gegeben. Die Köchin und ihre Gehilfinnen weigerten ſich, für die Gäſte das Frühſtück zu bereiten und die andern Diener ſagten, ſie würden ihnen nicht mehr aufwarten. Sie könnten ſich ſelbſt bedienen. Was Miſtreß Jenyns betraf, ſo erklärten die Diene⸗ rinnen, daß ſie keine Luſt hätten, einer ſolchen Perſon auf⸗ zuwarten. Ja, ſie wollten nicht einmal die voreilige Dirne, die Davies, die gegen die Männer ſo frei wäre, in die Die⸗ nerhalle kommen laſſen. Vergebens ſagte ihnen Maſter Pudſey, daß, wenn ſie bei dieſem Ungehorſam verharrten, Maſter Fairlie unfehlbar ſie alle aus dem Dienſte jagen würde. Sie erkennten, ſagten ſie, Maſter Fairlie nicht als ihren Herrn an und wenn Maſter Fairlie wirklich, wie der Kellermeiſter behauptete, Herr wäre, warum zeigte er ſich dann nicht, warum bliebe er auf ſeinem Zimmer und hätte Befehl gegeben, Vormittag nicht geſtört zu werden? Dieſe Frage konnte Pudſeh ſelbſt nicht genau beantwor— ten. Er geſtand, daß es ihm allerdings etwas ſeltſam und unklug vorkäme, aber Maſter Fairlie habe unzweifelhaft ſeine Gründe zu dem, was er thäte. Dieſe Löſung befriedigte jedoch Niemanden. Man hatte Mark Rougham an Maſter Fairlie's Thür ſtehen ſehen und 126 Nark hatte ihnen geſagt, daß Maſter Fairlie unter kei⸗ ner Bedingung vor Maſter Monthermer's Ankunft geſtört ſeyn wolle. Was hatte das zu bedeuten? Der Kellermeiſter konnte es nicht ſagen. Warum hatten Blackford und Lons die große Fahne aufgepflanzt? Auch dieſe Frage konnte Pudſey nicht beantworten, doch wollte er die Fahne wieder herunterreißen laſſen. Ein Dutzend eifrige Zungen ſagten ihm jedoch, daß man dies nicht zugeben würde. Nit einem Wort, es ward Pudſey offenkundig daß Fairlie's Herrſchaft über das Haus ganz und gar zu Ende war und daß auch er, als ſein Stellvertreter, nichts mehr durchſetzen könnte. Deshalb zog er ſich zurück, da ſeine Befehle nur mit Hohn und Spott aufgenommen wurden. Nicht wiſſend, was er thun ſollte und in Bezug auf den Ausgang des Tages bedeutende Unruhe fühlend, begab er ſich in die große Gallerie, mit dem feſten Vorſatz ſich mit Fairlie zu beſprechen. Mark Rougham war aber noch da und ließ ihn nicht eintreten und da Mark jetzt auch noch von Blackford und Lons unterſtützt ward, ſo ſah Maſter Pudſey ſich in der Mi⸗ norität und gezwungen, den Rückzug anzutreten. Mittlerweile begannen einige der Gäſte, welche die Nacht auf dem Schloſſe zugebracht, zum Vorſchein zu kommen, und alle gaben ihre Unzufriedenheit über die Art und Weiſe zu erkennen, auf welche ſie behandelt worden. So laut und wiederholt ſie auch die Klingel gezogen, ſo war doch Nie⸗ mand zu ihnen gekommen. Wo waren die Diener?— wo war d friſtt, ſchmat ſtücken lich. in dei roch; auf d ren Morg bring ren a Vorb die tobte konn ließ komn ſu, vpöt wen ter kei⸗ geſtört e Fahne en, doch aß man ig daß zu Ende ſs mehr nur mit ezug auf begab ſich mit hn nicht ord und der M die Nacht nen, und Weiſe zu aut und doch Nie⸗ )— wo war der Friſeur? Kein Rock war gebürſtet, keine Perrücke friſirt, kein Schuh geputzt. Niemals hatte es eine ſolche ſchmachvolle Rachläſſigkeit gegeben. Und wo ſollten ſie früh⸗ ſtücken? In dem Speiſezimmer nicht, denn da war es unmög⸗ lich. Die Taſel war noch mit Flaſchen und Gläſern bedeckt in der Mitte ſtand eine große Punſchbowle und das Zimmer roch zum Erſticken nach Tabak. Die ſchlafenden Trunkenbolde, welche ihr Nachtlager auf der Diele gehalten, wurden durch den Eintritt der Ande⸗ ren erweckt, rieben ſich die Augen und verlangten ihren Morgentrunk, aber Niemand wollte ihnen eine Kanne Bier bringen. Hierauf begaben die Gäſte ſich in die Bibliothek, erfuh⸗ ren aber hier eine ähnliche Täuſchung. Auch hier waren keine Vorbereitungen zum Frühſtück getroffen. Man riß heftig in die Klingel— aber Niemand erſchien. Was zum Tenufel ſollte das heißen? Sie fluchten und tobten vergebens. Endlich gingen Einige hinaus und ſchrien, ſo laut ſie konnten, nach Pudſey, und auf dieſe Weiſe aufgefordert, ließ der Kellermeiſter ſich endlich herab, zum Vorſchein zu kommen und gab ſein Bedauern zu erkennen, ſetzte aber hin⸗ zu, das Haus ſey in ſolcher Verwirrung und die Diener plötzlich ſo rebelliſch geworden, daß er fürchtete, es ſey ſehr wenig Ausſicht auf ein Frühſtück vorhanden. Was, wenig Ausſicht auf ein Frühſtück? Zum Teufel! das wollten ſie wohl ſehen! Deshalb marſchirte eine zahlreiche Abtheilung, von Brice Bunbury angeführt, nach der Dienerhalle und ver⸗ 128 mehrte durch ihr geräuſchvolles Verlangen und ihre Angriffe auf die Speiſekammer die in dieſer Region ſchon herrſchende Verwirrung. Sir Randal und Beau Freke ging es nicht beſſer als den Anderen. Zum Glück war zufällig keiner von ihnen ſehr zeitig aufzuſtehen gewohnt und ſie verließen das Bett in der Regel nicht eher, als bis ſie von ihren Dienern geweckt wurden. Deshalb waren ſie nicht den Verdrießlichkeiten ausgeſetzt, welche die Uebrigen erfuhren. Als aber Trickett in dem Zimmer ſeines Herrn erſchien, entſchuldigte er ſich, daß er ihm ſeine Chocolade nicht brächte, und erklärte, daß weder er noch Tibbits etwas bekommen könnten. „Noch niemals war das Haus in einem ſolchen Zu⸗ ſtande, Sir,« ſagte Trickett.»Die Diener liegen einander alle in den Haaren und wollen nichts thun.* „Und Du ſcheinſt ihnen dabei geholfen zu haben, Schurke!“ rief Sir Randal, als er die Pflaſter auf dem Geſicht ſeines Dieners gewahrte.»Du haſt Dich mit Jeman⸗ den herumgeprügelt!“ „Ich ſah mich genöthigt, mich meiner Haut zu wehren, Sir Randal,« entgegnete Trickett.„Wenn ich mir aber er⸗ lauben darf, Ihnen einen guten Rath zu geben, Sir, ſo würde ich Ihnen empfehlen, noch vor Maſ.er Monthermer's Ankunft abzureiſen. Nach dem, was ich höre, wird Maſter Fairlie ſicherlich eine Riederlage erleiden.“ „Ach lieber gar!“ entgegnete Sir Randal;„gib mir meinen Schlafrock. Keine Chocolade, ſagſt Du? Zum Teufel! Ich m muß ſe ſch ſh und w haben Gegen und be gehen. theil v unbedi ſpriche nicht ſ jede 3 Kerl, wache greifen ſſt ein bitte, laſſen was d der ju halten Augen 95h d Dar! Angriff rſchende eſſer als hr zeitig der Regel wurden. usgeſetz, erſchien, t brächte, bekommen lchen Zu⸗ einander u haben, auf den t Jeman⸗ u wehren, iber er Sir, ſo nthermers rd Maſter gb mir fol! m Teufe 129 Ich muß über dieſe Nachläſſigkeit Beſchwerde führen! Fairlie muß ſeine Diener tüchtig ausſchelten.« »Ausſchelten, Sir? Maſter Fairlie wagt gar nicht ſich ſehen zu laſſen. Er hat ſich in ſein Zimmer eingeſchloſſen und will Niemanden ſprechen. Was die Diener betrifft, ſo haben ſie rebellirt, den Gehorſam aufgekündigt und ſind zur Gegenpartei übergegangen.« »Wie meinſt Du das?« »Sie weigern ſich, Maſter Fairlie länger zu dienen, und beabſichtigen, in Maſſe zu Maſter Monthermer überzu⸗ gehen. Unſere Stellung iſt in dieſem Augenblick das Gegen⸗ theil vom Angenehmen, Sir. Wir können nichts bekommen, unbedingt nichts, als höchſtens Fauſtſchläge und Fußtritte.« »Sobald ich angekleidet bin, will ich mit Fairlie ſprechen,« ſagte Sir Randal. »Hilft nichts, Sir— Schade um die Zeit. Er will ſich nicht ſtören laſſen und hat Leute an ſeine Thür geſtellt, um jede Zudringlichkeit zu verhindern. Jener große ungeſchlachte Kerl, Mark Rougham, hat die ganze Nacht dort Schild⸗ wache geſtanden, wie man mir ſagte, obſchon ich nicht be⸗ greifen kann, wie er zu dieſem Poſten gekommen iſt, denn er iſt einer von Maſter Monthermer's eifrigſten Anhängern. Ich bitte, erlauben Sie mir unſeren Reiſewagen anſpannen zu laſſen, Sir. Wenn wir länger bleiben, ſo weiß ich nicht, was dieſes rebelliſche Dienervolk beginnen wird, ſobald erſt der junge Squire da iſt.« »Vielleicht iſt es in der That gut, den Wagen bereit halten zu laſſen,« ſagte Sir Randal, nachdem er einen Augenblick lang nachgedacht.„Hilf mir mich ankleiden und geh' dann und ertheile die nöthigen Befehle.« Der Verſchwender. II 9 130 Ziemlich ganz derſelbe Auftritt fand in Beau Freke's Zimmer ſtatt. Maſter Tibbits beklagte ſich ebenſo bitter wie Trickett über die Handlungsweiſe der Diener und gab eben⸗ falls den Wunſch zur Abreiſe zu erkennen. Maſter Freke ſagte jedoch, er werde ſich in dieſer Beziehung ganz nach Sir Ran⸗ dal richten und abreiſen oder bleiben, wie es ſeinem Freunde gut dünkte. Was Miſtreß Jenyns betraf, ſo wurden ihre Morgen⸗ träume durch Miſtreß Davies unterbrochen, welche mit ent⸗ ſetzter Miene an ihrem Bett ſtand und den unten ſtattfinden— den Tumult ſchilderte und auf wie gröbliche Weiſe ſie ſelbſt beleidigt worden. „Ich ſagte ihnen, Sie würden ihnen bald den Kopf waſchen laſſen, aber ſie lachten mich nur aus und machten es ärger als vorher. Ich konnte auch keine Chocolade für Sie bekommen, Madame, und wenn Maſter Bellaies nicht ſo höflich geweſen wäre, ſo hätte auch ich keinen Biſſen zum Frühſtück bekommen.“ „Was hat denn aber Maſter Fairlie vor, daß er ſolche Unordnung einreißen läßt?* „Der Himmel weiß, was er vor hat, Madame; er hat ſich in ſein Zimmer eingeſchloſſen und will Niemanden ſprechen.* „Mich wird er ſprechen,“ entgegnete Miſtreß Jenyns; „ich muß ſo ſchnell als möglich Toilette machen. Ich will mein weißes Negligé anlegen.“ Als Miſtreß Jenyns“ angekleidet war, machte ſie ſich auf den Weg nach Fairlies Zimmer und als ſie in die lange Gallerie kam, gewahrte ſie Mark Rougham und die beiden Diener, welche vor der Thür ſtanden. B leicht ju paren, das Be fangen 4 und kel vorgege Vorhal wieder ſich üt Randa ein Ge ſie ebe Fairli ſein nivoll daß ſi ihren ebenfa wo ſi lch ih Syeiſ Frekes tter wie b eben⸗ cke ſagte ir Ran⸗ Freunde Porgen⸗ mit ent⸗ ttfinden⸗ ſie ſolbſt den Kopf machten olade für girs nicht iſſen zum dame; er iemanden ß Jenyns wil die longe die heiden 131 Blackford kam auf ſie zu und ſagte ihr, wenn ſie viel⸗ leicht zu Maſter Fairlie käme, ſo könne ſie ſich die Mühe er⸗ ſparen, denn derſelbe ſey gegenwärtig nicht zu ſprechen. „Nicht zu ſprechen?« wiederholte Miſtreß Jenyns, durch das Benehmen des Mannes betroffen.»Iſt er denn Ge⸗ fangener?* Blackford gab keine Antwort, ſondern verneigte ſich und kehrte zu ſeinen Cameraden zurück. Miſtreß Jenyns ahnte, daß irgend etwas Seltſames vorgegangen ſehn müſſe, aber es ſchien vergeblich, auf ihrem Vorhaben zu beſtehen und deshalb kehrte ſie mit Davies wieder um. Kutz darauf, als ſie oben an der Treppe ſtand und bei ſich überlegte, was wohl das Beſte zu thun ſey, geſellten Randal und Beau Freke ſich zu ihr, mit welchen ſie ſich in ein Geſpräch einließ, in deſſen Verlaufe ſie ihr ſagten, daß ſie ebenſo wie ſie ſelbſt nicht im Stande geweſen ſeyen, mit Fairlie zu ſprechen und Alle kamen dahin überein, daß ſein Benehmen, gelind geſagt, unerklärlich und geheim⸗ nißvoll ſey. Ebenſo erfuhr Miſtreß Jenyns von den beiden Herren, daß ſie Anſtalten zur ſofortigen Abreiſe getroffen, und auf ihren Rath ſchickte ſie Miſtreß Davies ab, um ihren Wagen ebenfalls in Bereitſchaft ſetzen zu laſſen. Dann gingen die Drei nach der Eingangshalle hinab, wo ſie Brice Bunburh trafen, der ihnen ſagte, wie ſchänd⸗ lich ihm in Bezug auf das Frühſtück begegnet worden. „Indeſſen,« ſagte er,»durch Fouragiren in der Speiſekammer gelang es mir noch etwas zu erhaſchen. Unter * 132 uns geſagt,“ ſetzte er hinzu,»ich glaube, es iſt mit Fairlie zu Ende.“ In dieſem Augenblick war es, wo der Trupp berittener Pächter, wie wir bereits erzählt, am Ende der Allee Halt machte, und die Herren, welche neugierig waren, zu erfah⸗ ren, was dieſe Leute hier wollten, gingen hinaus vor das Haus, um ſie anzuſehen, und nachdem ſie ihre Neugier be⸗ friedigt, ſtanden ſie im Begriff zurückzukehren, als ſie durch einen lauten, wiederholten Hurrahruf bewogen wurden, nochmals ſtehen zu bleiben. Und nun bemerkten ſie, daß eine zweite Cavalcade die Allee heraufkam. Das Geſchrei der Pächter ließ keinen Zweifel übrig, daß der junge Squire nahte, und da die Geſellſchaft durchaus kein beſonderes Verlangen verſpürte, ihn bei ſeiner Ankunft zu begrüßen, ſo zog ſie ſich in das Haus zurück. Wie 4 L der Sy der Gr worde alte Muaſter richter ( 6 der in lih ni mhöe di ihr Ficht ilte e zuück Goge 133 t Fairlie rittener llee Halt zu erfah⸗ s vor das XII eugier be⸗ ſi dunch Wie der funge Squire wieder zu ſeinem Erbe kam. 9 wurden, Die Cavalcade nahte, mit Monthermer und Arthur an e e i der Spitze. Dicht hinter ihnen ritten fünf oder ſechs Edelleute aus der Grafſchaft, welche zu dieſem Zwecke eiligſt herbeigerufen . 3 kein 7 3 worden, und dann kam Sir Hugh's Wagen, in welchem der nkunft zu alte Baronet ſelbſt, ſein Caplan Paſtor Chedworth, und Maſter Clavering und Maſter Hougſton, beide Friedens⸗ richter und Nachbarn, ſaßen. Hinter dem Wagen ritten ein paar Conſtabler. So begleitet näherte Gage ſich dem Hauſe ſeiner Ahnen. Sein Geſicht war außerordentlich bleich, wie dies nach der in der letzten Zeit beſtandenen Gemüthsbewegung natür⸗ lich nicht anders zu erwarten ſtand. Seine Haltung aber war m höchſten Grade feſt und entſchloſſen, und es war Allen, die ihn ſahen, klar, daß er ein anderer Menſch geworden war. Als er den am Ende der Allee verſammelten Trupp der Pächter ſah, beſchleunigte er den Schritt ſeines Pferdes und eilte allein auf ſie zu, während Arthur für den Augenblick zurückblieb. „Willkommen, meine guten Freunde, willkommenl« rief Gage und nahm ſeinen Hut ab, als er ſich den Pächtern nä⸗ 134 herte.„Ich freue mich, Euch heute hier zu ſehen. Aber wie ſeyd Ihr hierhergerufen worden?* „Wir ſahen alle jene Fahne, gnädiger Herr,* entgegnete der Pächter Netherfield.„und betrachteten ſie als ein Signal, uns auf das Schloß zu verfügen.“ „Ich ſah ſie auch— meilenweit,« entgegnete Gage.„Ich weiß nicht, durch welche befreundete Hand ſie entfaltet wor⸗ den iſt, aber das Signal iſt gut gegeben worden, da es Euch hierher gelockt hat. Von Cuch unterſtützt fürchte ich nichts, und Ihr könnt mich ohne Bedenken unterſtützen, denn meine Sache iſt gerecht.“ Ein betäubender Beifallsruf folgte auf dieſe kurze An⸗ rede, und Gage eilte, von dieſem ganzen zahlreichen Gefolge begleitet, langſam den breiten Kiesweg entlang nach dem Haupteingange des Hauſes. Seine Annäherung war von den Bewohnern des Schloſ⸗ ſes beobachtet worden, und anſtatt daß man ſeinem Eintritt ein Hinderniß in den Weg gelegt hätte, wurden die Thüren weit aufgeriſſen, während eine Menge Diener hinausſtürzten, um ihn willkommen zu heißen. Jeder wollte der Erſte ſeyn, der ihm beim Abſteigen be⸗ hilflich wäre. Auf ein Zeichen von Gage ritten die Pächter noch eine eine kleine Strecke weit, wo ſie dann von ihren Pferden ſtie⸗ gen, und eine gewiſſe Anzahl von ihnen begab ſich mit den Thieren nach den Ställen, während die andern in das Haus zurückkamen. Arthur Poynings und ſeine Begleiter waren mittlerweile ebenfalls abgeſtiegen und wurden von Gage empfangen, wel⸗ cher auf Pohninge nun aus wartet Di dete Ga ſagte: „ Hauſe un Maſter t ich forde zu helfen »„K hei Feſt ſo viel bedeuter Ich en ſtreitig Rougha nes Gef herunte durchdr ins Oh L den H ſchn. 6 Attere » Aber wie entgegnete in Signal, Gage.»Ich faltet wor⸗ da es Euch ich nichts, denn meine ſe kurze An hen Gefolge nach dem ndes Schlo⸗ Eintritt ein Lhüren weit türzten, um Abſteigen be⸗ ter noch ene pjurden ſil⸗ ſch ni den in das bus n nitlewele ſangen⸗ ul 135 cher auf der Schwelle ſtand. Sie traten ein und Sir Hugh Poynings, der Caplan und die beiden Friedensrichter ſtiegen nun aus dem Wagen und traten in die Halle, wo Gage ſie erwartete. Die Conſtabler poſtirten ſich an die Thür und nun wen⸗ dete Gage ſich zu Sir Hugh und den Magiſtratsperſonen und ſagte: „Meine Herren, hiermit nehme ich Beſitz von meinem Hauſe und den dazu gehörenden Ländereien, deren ich durch Maſter Fairlie auf unrechtmäßige Weiſe beraubt worden, und ich fordere Sie auf, mir im Nothfalle dieſen Beſitz behaupten zu helfen. „Sie ſollen den Beiſtand genießen, den das Geſetz Ihnen bei Feſtſtellung Ihres Rechtes gewährleiſtet,« ſagte Sir Hugh: „ſo viel mir jedoch ſcheint, ſieht es nicht aus, als ob Sie auf bedeutenden Widerſtand ſtoßen würden. Wo iſt Maſter Fairlie? Ich erwartete ihn auftreten zu ſehen, um Ihren Anſpruch ſtreitig zu machen.“ Kaum war dieſe Frage ausgeſprochen, als Mark Rougham, der, als er das durch die Ankunft Gage's und ſei⸗ nes Gefolges verurſachte Geröſe hörte, ſchnell die große Treppe heruntergekommen war, ſich durch die Reihen der Diener hin⸗ durchdrängte, auf Monthermer zuſchritt und ihm einige Worte ins Ohr flüſterte. Der Inhalt derſelben mußte, nach ihrer Wirkung auf den Hörer zu urcheilen, ein ſeltſamer und befremdender ſeyn. Gage ſah Mark fragend an, und die ernſte Miene des Letzteren beſtätigte ſeine Meldung. „Wenn dem ſo iſt, ſo gewinnt die Sache eine ganz an⸗ 136 dere Geſtalt,“ murmelte Gage.»Ich muß Sie bitten, Sir Hugh— auch Sie, meine Herren—(dies ſagte er zu den Magiſtratsperſonen) und auch Dich, Arthur, mich mit den Conſtablern in Fairlie's Zimmer zu begleiten. Ihre Anweſen⸗ heit wird nöthig ſeyn.“ Begleitet von den von ihm bezeichneten Perſonen ging er die Treppe hinauf und die Gallerie entlang. Er ſah ſo ernſt und beſtürzt aus, daß Sir Huch ſich enthielt, ihn zu fragen. Auch Arthur war ſtill, denn es hatte ihn eine Ahnung der Wahrheit durchzuckt. Mark Rougham, der ihnen vorausgeſchritten war, ſtand an der Thür des Ankleidezimmers. Die andern Diener wa⸗ ren fort. Gage pochte an die Thür, aber es erfolgtekeine Antwort. „Ich erwartete auch keine,“ ſagte er zur Antwort auf Sir Hughs forſchende Blicke;„die Thür muß aufgeſprengt werden.« „Warten Sie! Laſſen Sie mich's erſt verſuchen, ehe Sie zur Gewalt Zuflucht nehmen,“ ſagte Maſter Clavering.»Ma⸗ ſter Fairlie! Maſter Fairlie!“ rief er und pochte tuchtig an die Thür. „Maſter Fairlie kann nicht antworten,“ ſagte Mark Rougham. Und ſeinen breiten Rücken gegen die Thür ſtemmend, ſprengte er ſie auf. Nun ward Allen klar, weshalb auf ihren Ruf keine Ant⸗ wort erfolgt war. Sie traten ehrerbietig ein, denn die Nähe des Todes flößt ſtets Ehrfurcht ein. Bange Scheu malte ſich in den Geſichtern Aller, aber Gage war weit tiefer gerührt als die Andern. —2 Sein benerkte 2 iſche, un lenkte er Auf „Zuerſt zu Gage das Finſter zur zu leſen. Poch den Ander »De dig geſühn hier alle ſe ſhaft Mor daß das 2 Weiſe han war, ſond handen iſt die es ſi zun Schl Un Gulppe e1 Unglücki Tie ln ſch »S Ihr Ver nacht. D ten, Sir er zu den h mit den Anweſen⸗ onen ging h ſo ernſt u fragen. nung der at, ſtand iener wa⸗ Antwort. wort auf fgeſprengt u che Sie ing.„Mo⸗ tuchtig an ſenmend, beineAnt⸗ ndie Nhe gihrt alb Seine Augen in dem Zimmer umherſchweifen laſſend, bemerkte Maſter Clavering ſchon die beiden Couverts auf dem Tiſche, und nachdem er geſehen, an wen ſie adreſſirt waren, lenkte er Monthermer's Aufmerkſamkeit darauf. Auf dem einen der Couverts ſtanden noch die Worte: „Zuerſt zu öffnen.« Und dieſer Weiſung gehorchend, erbrach Gage das Siegel und zog ſich auf einige Augenblicke an das Fenſter zurück, um den in das Couvert eingeſchloſſenen Brief zu leſen. Nachdem er ihn ſchnell durchflogen, wendete er ſich zu den Andern und ſagte: »Der Unglückliche hat das begangene Unrecht vollſtän⸗ dig geſühnt. Die Annäherung des Todes fühlend, hat er hier alle ſeine Uebelthaten bekannt und die geſammte Herr⸗ ſchaft Monthermer an mich abgetreten. Eben ſo erklärt er auch, daß das Teſtament, auf welches geſtützt er unrechtmäßiger Weiſe handelte, nicht der wirkliche letzte Wille meines Vaters war, ſondern daß noch ein anderes wirkliches Teſtament vor⸗ handen iſt und ſich in dem Beſitz von Miſtreß Jenhyns befindet, die es ſich auf unerlaubte Weiſe zu verſchaffen gewußt hat. Zum Schluß bittet er mich um Verzeihung.« »Und er hat ſie,« fuhr Gage fort, indem er ſich der Gruppe wieder näherte.„Der Himmel iſt mein Zeuge, Du Unglücklicher, daß ich Dir vollſtändig und gern verzeihe!« Tiefes Schweigen herrſchte einen Augenblick und der Ca⸗ plan ſchritt dann auf Gage zu und ſagte: »Sie haben Recht daran gethan, Sir. Er verdient Ihre Verzeihung, denn er hat ſeine Miſſethat wieder gut ge⸗ macht. Das Ende dieſes irregeleiteten Mannes kann uns zum 138 warnenden Beiſpiele dienen. Im Beſitze vieler Eigenſchaften, die geeignet waren, ihn in der Welt emporzubringen, trotz großer Intelligenz, Thätigkeit, Schlauheit und Ausdauer— fehlte ihm doch Eine Eigenſchaft, deren Mangel alle andern zu nichte machte— Rechtſchaffenheit. Deshalb nahmen ſeine Talente eine ſchiefe Richtung und führten ihn auf Abwege. Uebermäßige Habgier war ſein Fluch. Entſchloſſen, reich zu werden— gleichviel auf welche Weiſe— gab er der Ver⸗ führung nach und fiel. Wäre er nur ehrlich geweſen, ſo könnte er jetzt noch leben und ſich der Achtung ſeiner Mitmenſchen er⸗ freuen. Und wie viele Qualen, wie viele Kümmerniſſe wären ihm erſpart worden. Vergebens war er bemüht, ſich mit ſei⸗ nem übel erworbenen Gewinn ein Haus zu bauen! Das der feſten Grundlage entbehrende Gebäude ſtürzte ſofort in Staub zuſammen. Doch er iſt nicht mehr. Und deshalb laſſen Sie uns ihn mit dem Blicke des Mitleids betrachten, laſſen Sie uns hoffen, daß er Vergebung für ſeine Sünden erlangt. Iſt uns nicht geſagt, daß, wenn der Gottloſe von ſeiner Gott⸗ loſigkeit abläßt, und das thut, was recht und gut iſt, ſeine Seele gerettet werden ſoll? Auch er hat zuletzt Gerechtigkeit geübt und ſcheint aufrichtig bereut zu haben. Er iſt während eines inbrünſtigen Gebetes geſtorben. Möge dieſes Gebet Er⸗ hörung finden! Möge der Himmel ſeiner Seele gnädig ſeyn!* „Amenl« rief Gage und dieſes Wort ward von allen Umſtehenden mit gleicher Wärme wiederholt. „Und nun überantworte ich das Bekenntniß der armen Clara den Flammen,“ ſagte Arthur Poynings zu Gage.»Es iſt gut, daß die Vorlegung desſelben unnöthig geworden iſt.“ „Hier iſt auch ein zweites Couvert, welches Sie noch nicht gebffnet haben, Maſter Monthermer,“ bemerkte Maſter ———— Claverin ſagte, nc nit ſichtl Sie, Si Mi zu entzif es betrif verſchwie hörende fähr zeh zu mach reicht, Maſte gham( laſſen S von fün ten Ma ſoll.« » Ales w G geleſen, » meiner » »denn » Sie ih 139 enſchaftn, Clavering. Der Letztere nahm es, erbrach das Siegel und gen, totz ſagte, nachdem er das darin enthaltene Document überflogen, do mit ſichtlicher Bewegung:„Es iſt ſein letzter Wille und betrifft alle andern Sie, Sir Hugh.“ hnen ſin»Wie ſo? entgegnete der alte Baronct.. uf Abwege. Mit Hilfe ſeiner Brille gelang es ihm das Teſtament n, reich zu zu entziffern.„Ja, allerdings betrifft es mich— das heißt, t der Vt⸗ es betrifft meine Tochter, der er— denn es darf hier nichts n, ſo könnte verſchwiegen werden— das geſammte, ihm rechtmäßig zuge⸗ nenſchen e⸗ hörende Vermögen vermacht hat, welches er ſelbſt auf unge⸗ niſſ wärn fähr zehntauſend Pfund anſchlägt, wovon jedoch zwei Abzüge ſich mit ſi⸗ zu machen ſind erſtens nemlich eine Summe, welche hin⸗ n Das der reicht, um das ſogenannte Kuhbrückengut(wenn nemlich rt in Staub Maſter Gage Monthermer es verkaufen will) für Mark Rou⸗ lſſen Sie gham(haltet euer Maul, Mark! Schweigen Sie, Sir, und lſen Si laſſen Sie mich ausreden) zu kaufen, und eine zweite Summe n erlangt. von fünfhundert Pfund, welche Lettice, Tochter des genann⸗ ſnet bor ten Mark Rougham, als Heirathsgut ausgezahlt erhalten un ſi ſin— Gerechtigk»Das hat er Alles ſo beſtimmt, Sir Hugh? Iſt das ſi vihnn Alles wahr?« rief Mark. 8 Gebet Er⸗»Nun, habe ich denn nicht ſo eben das Teſtament vor⸗ idig ſeyn!“ geleſen, Ihr Dummkopf?s rd von allen»Das Kuhbrückengut ſoll mein werden! das Ziel aller meiner Wünſche!“ rief Mark. der armen»Ja wohl, und es iſt ohnehin euer, Mark!« rief Gage, Gage„Eö„denn ich ſchenke es Euch.* worden ſſ.“»Halt, halt!« mengte Sir Hugh ſich ein.»Schenken hes Sie nch Sie ihm das Gut, wenn Sie wollen, aber dann muß es ta⸗ nerkie Noſter 140 rirt, und die ſich ergebende Summe zu Lettice's Heirathsgut geſchlagen werden. Das iſt die richtige Art und Weiſe, die Sache zu ordnen. In der That, es iſt dies das ſonderbarſte Teſtament, welches mir jemals vor die Augen gekommen iſt. Haben Sie es ganz durchgeleſen, Gage?“ „Ja, Sir Hugh,« entgegnete der junge Mann.»Er erklärt, ſein Wunſch ſey, die Wünſche ſeiner Tochter zu ver⸗ wirklichen und ich weiß, es war der Wunſch der armen Clara, daß das hierin erwähnte Ereigniß ſtattfinden ſollte.« „Wohlan, von meiner Seite ſoll der Erfüllung kein Hinderniß entgegenſtehen, dafern—* „Genug, Sir Hugh; ich verſtehe,« unterbrach ihn Gage ernſthaft. Wenn ich mich der Hand Ihrer Tochter würdig erwieſen habe, werde ich nicht verfehlen, mich darum zu be⸗ werben.* „O nun iſt mir nicht mehr bange um Sie,« entgegnete der alte Baronet.»Nach der Unterredung, die wir vorige Nacht miteinander hatten, in Verbindung mit dem, was Ar⸗ thur mir von Ihnen geſagt hat, hege ich keinen Zweifel mehr an Ihrer vollſtändigen Beſſerung. Ich ſtehe Ihnen gegenüber wie ein Vater und betrachte Sie wie den verlornen Sohn— und ein ſehr verlorner Sohn ſind Sie geweſen, das läßt ſich nicht läugnen, doch laſſen wir das ruhen. Wenn nach einer ange⸗ meſſenen Prüfungszeit von Ihrer Seite Luch einen Antrag von Ihnen erhält, und geneigt iſt, darauf einzugehen, ſo werden wir keinen Widerſpruch erheben. Doch reden wir jetzt von etwas Anderem. An Stoff fehlt es nicht.“ „Es iſt doch kein Zweifel vorhanden, daß Fairlie's Tod in Folge von natürlichen Urſachen erfolgt iſt?« bemerkte Ma⸗ ſter Clavering. ———— — — „In meinet Ha ausdrücklic er, da e erleben, d Anfall und keit anwen »„Gel Ale Schrank g Nagiſtrat verließ die ſtabler bli ſung Rie ſu laſſen. As Sir Hugh »Jo Das Hau geringen werden.« „De miß rein nen die ſch ſchon Di tichtig. bon G mit ſchn irathögut Reiſe, die derbarſte mmen iſt. ann.»Er er zu ver⸗ len Clara, lung kein ihn Gage ter würdig um zu be⸗ entgegnete vir vorige was Ar⸗ el mehr an nüber wie hn— und t ſch nich iner ange⸗ en Antrag igehn, ſo en wir jebt airlies Tod nerkte Ma⸗ 141 »In der Einleitung zu dem Bekenntniſſe, welches ich in meiner Hand halte,« entgegnete Monthermer,„bemerkt er ausdrücklich, daß er einen Schlaganfall gehabt hat, und daß er, da er wenig Hoffnung hatte, den nächſten Morgen zu erleben, die ihm noch vergönnte Zwiſchenzeit zwiſchen dieſem Anfall und deſſen Wiederkehr zur Vorbereitung auf die Ewig⸗ keit anwendete.« »Genug, Sir, entgegnete der Friedensrichter. Alle umherliegenden Papiere wurden hierauf in den Schrank gelegt, der dann verſchloſſen und von den beiden Magiſtratsperſonen verſiegelt ward. Nachdem dies geſchehen, verließ die ganze Geſellſchafi das Zimmer, und nur die Con⸗ ſtabler blieben an der Thür zurück, mit der ſtrengen Wei⸗ ſung, Niemanden ohne beſonderen Befehl in das Zimmer zu laſſen. Als man die Treppe hinunterging, bemerkte Gage zu Sir Hugh: „Ich habe nun eine unangenehme Pflicht zu erfüllen. Das Haus muß von ſämmtlichen Harpyen, vornehmen und geringen— die es ſo lange verpeſtet haben, geſäubert werden.“ »Da haben Sie Recht,« entgegnete Sir Hugh.»Es muß reine Wirthſchaft gemacht werden. Ich ſollte aber mei⸗ nen, die Meiſten davon hätten Ihnen dieſe Mühe erſpart und ſich ſchon von ſelbſt aus dem Staube gemacht.* Die Vermuthung des alten Baronets erwies ſich als richtig. Als ſie die Eingangshalle erreichten, ſah man mehre von Gages früheren ausſchweifenden Genoſſen dieſelbe mit ſchnellen Schritten durcheilen. Offenbar waren ſie auf 142 dem Rückzuge begriffen und überſtürzten ſich dabei ſo ſehr, daß Sir Hugh ſich des Lachens nicht enthalten konnte. Seine Heiterkeit ward jedoch ſehr bald unterbrochen, als er vier Perſonen aus dem Zimmer des Erdgeſchoſſes tre⸗ ten ſah. Sie waren in Reiſekleidern und von ein paar Die⸗ nern und einer Kammerfrau begleitet. Wir brauchen nicht erſt zu ſagen, wer ſie waren. Gleichzeitig mit ihrem Erſcheinen in der Eingangshalle fuhren zwei Reiſewagen an der gebffneten Thür vor. Da der Wagen Sir Randal's der erſte war, ſo ging dieſer langſam und von Beau Freke begleitet darauf zu. Beide warfen Gage und ſeinen Begleitern einen ver⸗ ächtlichen Blick zu und hoben die Hüte, während ſie vorüber⸗ gingen. Dicht hinter ihnen kam Brice Bunbury, der etwas ſchüchtern und entmuthigt ausſah. Als Sir Randal einige Schritte an Gage vorbei war, blieb er einen Augenblick ſtehen und betrachtete den jungen Mann mit höhniſchem Ausdrucke vom Kopf bis zum Fuße. Wonthermer hätte ſich vielleicht hierdurch zu einer Thät⸗ lichkeit reizen laſſen, wenn Arthur ihn nicht zurückgehalten hätte und er wendete ſich daher mit verächtlicher Geberde von dem inſolenten Baronet ab. Während dieſe Herren in ihren Wagen ſtiegen, näherte ſich auch Miſtreß Jenyns mit ihrer Zofe. Die Schauſpielerin hatte nicht ein Jota von ihrem Lebensmuth verloren und ſah ſo ſchön aus wie je. Auf ein Zeichen von Gage trat Maſter Clavering vor. „Es thut mir leid daß wir Ihnen nicht erlauben können, ur ſind angekl in Ihrem verweigerr ſofort aus lich mit laſſen.“ thermer d entgegnete Und ſie es Ga eintragen mich nicht Unt lächelte »S Ihnen do Ihnen hi a bemerkte genomme beſſert.« S »S tie für i 39 ſi doge ſic ſhn, S gauben ſo ſehr, brochen oſſes tre⸗ aar Die⸗ n. angöhalle Da der langſam inen ver⸗ vorüber⸗ e etwes rbei war, en jungen Fuße. ner Thöt⸗ ickgehalten berde von en, näherte hauſpirlerin n und ſch ring vr rlauben 143 können, ungehindert abzureiſen, Madame,“ ſagte er.»Sie ſind angeklagt, den letzen Willen Warwicks von Monthermer in Ihrem Beſitz zu haben und die Herausgabe desſelben zu verweigern. Ich fordere Sie daher auf, dieſes Document ſofort auszuhändigen und müßte widrigenfalls gemeinſchaft⸗ lich mit meinem Herrn Collegen Ihre Verhaftung bewirken laſſen.* „Es liegt durchaus nicht in meiner Abſicht, Maſter Mon⸗ thermer des Teſtaments ſeines Vaters zu berauben, Sir,« entgegnete Miſtreß Jenyns.»Hier iſt es.« Und indem ſie es raſch aus dem Buſen zog, überreichte ſie es Gage mit anmuthiger Geberde.„Es ſollte mir etwas eintragen, da aber Maſter Fairlie nicht mehr iſt, ſo 5 es für mich nichts weiter als Maculatur.“ Und dann ſetzte ſie hinzu, indem ſie Gage boshaft an⸗ lächelte: „Sie haben jetzt wieder einmal Glück. Ich gratulire Ihnen dazu. Wie lange aber wird es dauern?— Ich gebe Ihnen höchſtens ein Jahr.“ „Ihre Scherze kommen ſehr zur Unzeit, Madame,« bemerkte Sir Hugh.»Maſter Monthermer hat ſich vorge⸗ genommen, ein neues Leben zu beginnen. Er hat ſich ge⸗ beſſert.« „Seine Beſſerung iſt noch zu neu, um viel Garan⸗ tie für ihre Dauer zu bieten,« entgegnete Miſtreß Jenyns. „Ich für meine Perſon habe ſehr wenig Vertrauen dazu. Gage ſich beſſern! Sie müſſen in der That ſehr leichtgläubig ſeyn, Sir Hugh, wenn Sie an eine ſolche Unmöglichkeit glauben!“ 144 „Ich glaube aber daran, Madame,« rief der alte Ba⸗ ronet zornig.„Er fängt es wenigſtens gleich auf die rechte Weiſe an, wenn er ſein Haus von ſo ſchädlichem Ungeziefer ſäubert, wie wir ſo eben haben abfahren ſehen, und von ſo nichtsnutzigen, zweideutigen Perſonen wie Sie eine ſind, Ma⸗ dame.“ „Ich bin Ihnen ſehr verbunden für das Compliment, Sir Hugh,“ entgegnete ſie.„Wahrſcheinlich glauben Sie, er werde ein ganz vortrefflicher Schwiegerſohn werden; wenn Sie ihm aber Ihre Tochter geben, ſo werden Sie bald fin⸗ den, daß Sie ſich geirrt haben. Warten Sie die Sache lieber einige Monate ab, Sir; adieu!“ Nit dieſen Worten wollte ſie weiter gehen, als ſie plötz⸗ lich durch einen außergewöhnlichen, ſeltſamen Lärm vor der Thür daran gehindert ward. Man hörte Geheul, Flüche und Drohungen und dann das Klirren von zerbrochenem Glas. Sir Randal und ſeine Freunde waren nemlich, wie ſich jetzt ergab, kaum in den Wagen geſtiegen, als die vor dem Hauſe verſammelten Pächter, nachdem ſie von den Die⸗ nern erfahren, weß Geiſtes Kinder die abreiſenden Gäſte wa⸗ ren, einen plötzlichen und wüthenden Angriff auf ſie began⸗ nen. Drei oder vier ſtämmige Burſche fielen den Pferden in die Zügel und obſchon der Poſtillon ſeine Peitſche kräftig hand⸗ habte, ſo hielten ſie doch feſt. Andere ſtürzten ſich auf den Wagen ſelbſt, zerſchlugen die Fenſter, welche raſch in die Höhe gezogen worden, riſſen die Thüren auf und die in dem Wagen ſitzenden Perſonen heraus, welchen ſie die Perrücken von den Köpfen ſchlugen, ihnen durchp und Herren dingli ließ die und i namen noch; komm nach den, frein Beli de« gehe Bun auſ Pec hu d alte Ba⸗ die rechte Ungeziefer d von ſo ſind Mo⸗ ompliment, uben Sie, den; wenn bald ſin⸗ ache lieber s fi plöß n vor der und dann ch wi ſich ls die vor nden Di⸗ Gäſte wa⸗ ſie began Pferden in räfig hand⸗ zerſchlugen rden, riſen n Perſonen n ſchlugen, 145 ihnen die eleganten Kleider zerfetzten und ſie unbarmherzig durchprügelten. Die beiden Diener wurden auf dieſelbe Weiſe tractirt, und Joyce Wilford— Lettices Freier— welcher auf die Herren Trickett und Tibbits wegen ihrer geckenhaften Zu⸗ dringlichkeiten gegen ſeine Verlobte ohnedies einen Groll hatte, ließ dieſe Gelegenheit ſich zu rächen nicht unbenutzt. Während dieſer ganzen Zeit ſchrie und tobte die Menge und überhäufte ihre Opfer mit allen nur erdenklichen Schimpf⸗ namen, von welchen»Spieler«,„Gauner« und„Schufte« noch zu den mildeſten Ausdrücken gehörten. „Wir wollen Euch lehren, wieder auf das Schloß zu kommen!“ ſchrien die Angreifer.»Wir wollen ſie alle Drei nach der Pferdeſchwemme ſchleppen und ſie eintauchen Pbis an den Hals.* Und dieſe Drohung wäre unzweifelhaft ausgeführt wor⸗ den, wenn Gage nicht ſofort herbeigeeilt wäre und die Be⸗ freiung der Bedrohten bewirkt hätte. »Ueberlaſſen Sie ſie uns, Sir!« riefen die Bauern. »Wir wiſſen ſchon, wie wir mit ihnen umzuſpringen haben. Bekümmern Sie ſich nicht um ſie!* »Aber ich muß mich um ſie bekümmern, liebe Freun⸗ de,« entgegnete Gage.»Ich befehle Euch, ſie zugenkr gehen zu laſſen.* Dieſem Befehle ward widerſtrebend gehorcht. Brice Bunbury bot mit ſeiner angſterfüllten Miene und ſeiner zer⸗ zauſten Toilette einen höchſt beklagenswerthen Anblick dar. Beau Freke hatte einige ziemlich bedeutende Contuſionen er⸗ halten, Sir Randal aber war am ſchlimmſten weggekommen, Der Verſchwender. II. 10 146 denn man hatte ihm einen Arm zerſchlagen. Gage bot ihm Hilfe an, der Baronet lehnte dieſe aber ſtolz ab, warf ſeinen Angreifern einen grimmigen Blick zu und ſtieg in den Wagen, der nun endlich fortfahren durfte. „Ihr habt dieſem ſtolzen Burſchen eins verſetzt, was er nicht gleich vergeſſen wird, benmerkte Pächter Retherfield ſchmunzelnd,„und ihm ſeinen ganzen ſchönen Anzug ver⸗ dorben.“ „Dieſe beiden unverſchämten Bengel werden mich auch nicht gleich wieder vergeſſen, glaube ich,“ ſagte Joyce Wilford vor ſich hinkichernd. Ich habe ihnen meinen Knüppel tüch⸗ tig zu koſten gegeben und ſie wiſſen nun, was ſie zu erwarten haben, wenn ſie dem Liebchen eines Andern den Hof machen wollen. Ho! ho! ho!“ Miſtreß Jenyns hatte dieſem Auftritt mit nicht geringer Unruhe zugeſehen. „Soll ich vielleicht ebenfalls dergleichen Mißhandlungen preisgegeben werden?“ rief ſie. „Nein, Madame,“ entgegnete Arthur Poynings.„Ich ſtehe dafür, daß dieſe würdigen Leute ſich niemals an einer Frau vergreifen. Sie haben zu viel Achtung vor dem ſchönen Geſchlecht, auf wie unwürdige Weiſe es auch durch Ihre Per⸗ ſon vertreten ſeyn mag.“ Miſtreß Jenyns fand es nicht gerathen, hierauf etwas zu entgegnen, und nur theilweiſe beruhigt, trippelte ſie mit ihrer Zofe nach ihrem Wagen und verſchanzte ſich in demſel⸗ ben ſo ſchnell als möglich. Sie erfuhr, wie Arthur Poynings ihr verſprochen, kei⸗ nerlei Beläſtigung, als ſie aber ſchüchtern durch das Fenſter ſch, währen dern li dieſer! mmel. ſagte Sim bin w und ſüſſt her Hau win e bot ihn varf ſeinen en Wagen tt, was er Ptherſield Amzug ver⸗ mich auch ee Wilford üppel tüch⸗ zu erwarten Hof machen cht geringer Fhandlungen ings. h s an einer dem ſchönen Ihre Per erauf ewos pelte ſe mi h in demſl prohen, kei⸗ das Fynſtt 147 ſah, gewahrte ſie nichts als drohende und zornige Blicke, während zugleich ein Ziſchen und Pfeifen ſich nicht verhin⸗ dern ließ. Indeſſen der Poſtillon führte ſie bald aus dem Bereich dieſer unangenehmen Töne hinweg. So verließ ſie die Bühne von Monthermer Caſtle auf immer. „Na, endlich ſind Sie ſie Alle los!“ rief Sir Hugh. „Ja, Alle, mit Ausnahme gewiſſer ſchuftiger Mieth⸗ linge,« entgegnete Gage. „Pudſey, Bellairs und der franzöſiſche Friſeur haben mit einigen Andern das Feld geräumt,“ bemerkte Blackford. „In dieſem Falle iſt das Haus vollkommen geſäubert,* ſagte Gage. Hierauf trat er an die Thür und rief mit lauter Stimme: „Kommt herein, meine Freunde, kommt herein! Ich bin wiederum Herr von Monthermer Caſtle.« So aufgefordert eilten die ſämmtlichen Pächter herbei und die Eingangshalle war kaum groß genug ſie Alle zu faſſen. Der junge Squire, ſtand am Fuße der großen Treppe, um ſie willkommen zu heißen. Nan erhob ſich ein Jubel, wie er in dieſem Hauſe noch niemals gehört worden. Hundert Hände ſtreckten ſich begierig Gage entgegen, der herzlich alle drückte, dieer erreichen konnte. Die alten Leute riefen den Segen des Himmels auf ſein Haupt herab und die jungen überhäuften ihn mit Glück⸗ wünſchen. 148 Es war unmöglich, von ſo ſtarken Beweiſen der Anhäng⸗ lichkeit nicht ergriffen zu werden und Gage war tief gerührt. Mit bewegter Stimme rief er: „Wenn noch irgend etwas mangelt, meine Heilung voll⸗ ſtändig zu machen, liebe Freunde, ſo würde eure Güte es be⸗ wirken. Aber glaubt mir, ich bin ein anderer Menſch gewor⸗ den. Ich habe die Thorheit meines Treibens eingeſehen und meinem ferneren Leben ſoll das en meines Vaters, den Ihr Alle geliebt und geehrt habt, zum Vorbild dienen.“ „Und ein beſſeres Vorbild könnten Sie nicht wählen,« rief Sir Hugh. „Gewiß nicht! Gewiß nicht!“ riefen mehre Stimmen. Und der Beifallsruf erneuerte ſich noch enthuſiaſtiſcher als vorher. „Nun hört mich einen Augenblick an, liebe Freunde,« ſagte Sir Hugh.»Der junge Squire hat Euch geſagt, daß er geſonnen iſt, ſich ſeinen Vater zum Vorbild zu nehmen, und beſſer könnte er auch nicht thun. Ich bin auch überzeugt, daß er ſeinem Worte treu bleiben wird, und in dieſer Ueber⸗ zeugung ſage ich ihm hier in euer Aller Gegenwart, und Ihr wißt, ich bin ein Mann von Wort, daß, wenn er heute übers Jahr zu mir kommt, und die Hand meiner Tochter von mir verlangt, er dieſelbe haben ſoll.« Gage drückte warm die ihm dargebotene Hand. Sir Hughs Verkündigung ward nicht blos mit unge⸗ heurem Jubel, ſondern auch mit nicht wenig Gelächter aufge⸗ nommen. Einige der jüngern Bauern meinten, ein ganzes Jahr Probezeit ſey zu lang, und die Friſt müſſe auf den vier⸗ ten Theil derſelben herabgeſetzt werden; die älteren aber meinten, trauen i räthlich 6 ihnen fi ſie auf Bewirt kammer doch zu den St zahl ſe gen, n ſchung warde 2 geräur ahl wurde Geſun zwar i wir 1 breche Gang aberſ geche nhäng⸗ ührt. ig voll⸗ es be⸗ gewot⸗ en und 6, den 6 ihlen,« immen. er als unde,“ ſ daß nehmen, erzeugt Ueber⸗ und theute ſter von t unge⸗ aufge⸗ gons en vier⸗ n aber 149 meinten, Sir Hugh habe ganz Recht, nicht als ob ſie Miß⸗ trauen in den jungen Squire ſetzten, aber es ſey klug und räthlich. Gage redete ſeine Pächter hierauf nochmals an, dankte ihnen für ihre Gegenwart und Unterſtützung, und forderte ſie auf, es ſich in ſeinem Hauſe bequem zu machen. Alles, was die Umſtände erlaubten, würde zu ihrer Bewirthung geſchehen, obſchon er für den Zuſtand der Speiſe⸗ kammer nicht genau ſtehen könne. er ſich doch zu verſprechen, daß Wein genug im Keller ſey, um ſie in den Stand zu ſetzen, ſeine Geſundheit zu trinken. Er ſchloß ſeine Anrede damit, daß er eine gewiſſe An⸗ zahl ſeiner Gäſte aufforderte, ihm in die Dienerhalle zu fol⸗ gen, wohin er ſich begab, und wo auf ſeinen Befehl Erfri⸗ ſchungen aller Art aufgetragen wurden. Ein Faß ſtarkes Bier ward ebenfalls angezapft. Mittlerweile war auch in dem Speiſeſaal ein wenig auf⸗ geräumt worden, und hier nahm eine noch größere An⸗ zahl Platz, während die Uebrigen anderwärts untergebracht wurden, ſo daß es Keinem an etwas gebrach. Wir brauchen wohl nicht erſt zu bemerken, vaß auf die Geſundheit des jungen Squire tapfer getrunken ward, und zwar in Humpen, wie er ſelbſt vorgeſchlagen. Das Leben iſt ein Gemiſch von Freude und Leid, und wir müſſen dieſe Feſtlichkeiten einen Augenblick lang unter⸗ brechen, um Gage und Arthur Pohnings auf einem traurigen Gange nach dem Epheuthurme zu begleiten. Keiner von ihnen ging in das Zimmer des Todes, wohl aber ſprachen ſie Lettice Rougham, welche ihnen ſagte, was geſchechen war. ———.——— 8 150 Clara war bereits in den Sarg gelegt, und Luch Poy⸗ nings, nachdem ſie alle Pflichten der Freundſchaft erfüllt, in einem von Sir Hugh für ſie hergeſendeten Wagen nach Hauſe gefahren. Ihre Kräfte waren vollſtändig erſchöpft. Wir gehen über die Berathung hinweg, welche nun zwiſchen den beiden jungen Männern ſtattfand. Es ward be⸗ ſtimmt, daß Vater und Tochter auf einem nahegelegenen Dorfkirchhofe beerdigt und in ein Grab gelegt werden ſoll⸗ ten, welches einen Bewohner hatte, die Mutter der Einen und das Weib des Andern. Und nun, ehe wir uns von der kleinen Lettice Rougham trennen, wollen wir bemerken, daß ſie ungefähr drei Monate ſpäter Joyce Wilford zu einem der glücklichſten jungen Män⸗ ner in Suffolk machteh und ihm auch eine gute Ausſteuer zu⸗ brachte. So glücklich Johce aber auch war, ſo war er doch nicht um ein Jota glücklicher als ſein Schwiegervater Mark Rou⸗ gham, welcher mittlerweile Eigenthümer des lange begehrten Kuhbrückenguts geworden war.“ Als Gage und Arthur nach einer Weile mit langſamen Schritten und wehmüthigen Blicken znach dem Herrenhauſe zurückkehrten, ließen die Bauern dasſelbe immer noch von ih⸗ rem Jubelruf wiederhallen und ſchrien: „Vivat hoch der junge Gutsherr, und möge jeder Segen ihn begleiten!« Und der Segen des Himmels begleitete ihn wirklich. Die arme Clara ſchlief in ihrem Grabe, aber ihre Wün⸗ ſche gingen in Erfüllung. vetmã blieb gemiß mann, Wahr gebeſ män Poh⸗ lt, in Hauſe N nun d be⸗ egenen n ſol⸗ r der ugham Nonate ter zu⸗ h nicht kRou⸗ gehrten ſamen nhauſe von ih⸗ Segen ch. Vi⸗ 151 Nicht viel über ein Jahr ſpäter ward Luch mit Gage vermält, und da er ſeinen guten Vorſätzen beharrlich treu blieb und ſich in Allem, was er that, ſeinem Verſprechen gemäß, ſeinen Vater, einen vollkommenen engliſchen Landedel⸗ mann, zum Vorbilde nahm, ſo fand ſie, daß wirklich etwas Wahres in dem Sprichworte liegt, welches ſagt»Aus gebeſſerten Wüſtlingen werden die beſten Ehe⸗ männer.“ „ — £ — — 3 8 8 G 8 8 — 05 „ 8 5 — ₰ 8 = 5 — S 8 8 B 6 —..—— . Oem Golour& Grey Corſtrol Ghart Blue Cyan Sreen Vellow Bed Magenta