——— B — 1 —,„. ₰ 6 0 —„ deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur ſ. Eduard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih- und geſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 13 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 62 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet — — wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: 3 5 2 für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———————— auf 1 Monat: 1 Mr.— Pf. 1. Mk. 50 Pf. 2 Mk.— Pf. 3 *„„ 6„„„„ 5 Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Fur beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt vas zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder vefecte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer j Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ansleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. —— ——— N — ————— Der Verſchwender. Eine Erzählung von W. Harriſon Ainsworth. Aus dem Engliſchen ₰ von A. Kretzſchmar. Peſt, Wien und Ceipzig, 1857. Hartleben's Verlags⸗Erpedition. 3n einun — Pfund jähr Montherme wi er zu ſe Varn einen ſchön Caſtle, ber riſhen Rui wohl verſeh die man in Druiden, ch kinſchlß vl her hochade Raduhhus der ochter meinen der nen Kopf u Das anderein Keller gut n Der Luſchwe L * ———————— . Mündel und Vormund. In einundzwanzigſten Jahre Erbe von zwanzigtauſend Pfund jährlicher Einkünfte. Dies war der Fall mit Gage de Monthermer. Ein beneidenswerther Menſch. Wir wollen ſehen, wie er zu ſeinem ſchönen Beſitzthum kam. Warwick von Monthermer— Gage's Vater— beſaß einen ſchönen alten Familienſitz in Suffolk, Monthermer Caſtle, berühmt wegen ſeiner ſchönen Lage und der male⸗ riſchen Ruinen in unmittelbarer Nähe. Der Park war groß, wohl verſehen mit Wild und ſtolz auf die prächtigſten Bäume, die man in England ſehen konnte, Eichen, ſo alt wie die Druiden, thurmhohe Ulmen und ſich weit ausbreitende Buchen. Die Gemäldegallerie zählte ausgewählte Sachen mit Einſchluß von Porträts berühmter Glieder dieſes alten, frü⸗ her hochadeligen Geſchlechtes, von welchem der Stammherr Radulphus von Monthermer ſich mit Johanna Plantagenet, der Tochter König Eduards I., vermälte und der letzte(wir meinen der letzte dieſer ſtolzen Barone) im Jahre 1471 ſei⸗ nen Kopf und ſeine Titel verlor. Das Haus war in vollkommen gutem Zuſtand, die Ländereien fruchtbar, die Pachthöfe in guten Händen, die Keller gut mit Wein verſehen. Der Verſchwender. I.* 1 Außerdem gab es auch noch eine famoſe Meute Jagd⸗ verſtat geſe hunde, einen trefflich ausgeſtatteten Marſtall— mit einem das ſchwerſ Worte Alles, was ein Landedelmann ſich wünſchen konnte. der Tod ſei Warwick de Monthermer wohnte ausſchließlich in Mon⸗ Hals brach. thermer Caſtle, wo er unbegrenzte Gaſtfreundſchaft übte. Das Dieſes Haus war immer voll Geſellſchaft. Er war ein Freund vom Pähr Jagen, Fiſchen und aller männlichen Kurzweil und ein eben ſcht über 6 ſo eifriger Freund einer gut beſetzten Tafel, ſo daß die an⸗ lie zu wel ſtrengenden Leibesübungen, denen er ſich fortwährend wid⸗ befimnt w mete, auch zur Erhaltung ſeiner Geſundheit unumgänglich 6s w nothwendig waren. gen znichſ Warwick war ſchon lange Witwer. aunge Mit der ehrenwerthen Henrietta Gage, der ſchönen— Nnſer ai und hochgebildeten Tochter des Lord Hengrave, vermält, hatte bei Varpic er das Unglück ſie ſchon im zweiten Jahre ihrer Ehe zu ver⸗ ine jeni lieren. ₰ ſchſachte Sie hinterließ ihm einen einzigen Sohn, Gage— ſo Pilt enpo nach ſeiner Mutter genannt, auf welchen Warwicks ganze 16 6 Liebe ſich concentrirte. Man kann ſich leicht denken, daß der Funile de Knabe von ſeinem zärtlichen Vater allzuviel Nachſicht genoß, dunngi und daß dieſer alle ſeine Wünſche und Launen befriedigte und Fuitli ihn machen ließ, was er Luſt hatte. enblih de Trotz dieſer unklugen Erziehung aber ward Gage doch eine nicht gänzlich verzogen. 6 Seine Hauptfehler waren Trägheit und der Hang, ſich ſehen zu laſſen. Als Knabe war er frei von Laſtern und be⸗ i ſaß eine edle Gemüthsart und ein freimüthiges argloſes Weſen. ſunhe Als er heranwuchs, entwickelten ſeine Züge eine auf⸗ gu fallende Aehnlichkeit mit denen ſeiner ſchönen Mutter, und ehei dieſer Umſtand machte ihn ſeinem Vater nur um ſo theurer. In ſeinem achtzehnten Jahre ward Gage auf die Uni⸗ li( iche Aitun Jagd⸗ einem inte. Mon⸗ te. Das d vom in eben die an⸗ d wid⸗ änglich ſchönen ſt, hatte zu ver⸗ — s ganze daß der genoß⸗ igte und ge doch ng, ſich und be⸗ Weſen. ne auf⸗ er, und eurer⸗ die Un⸗ ——————— verſität geſchickt, und war kaum ein Jahr in Oxford, als hn das ſchwerſte Unglück ereilte, was ihn treffen konnte, nemlich der Tod ſeines Vaters, der auf der Jagd ſtürzte und den Hals brach. Dieſes traurige Ereigniß geſchah im Jahre 1728. 2 Während der Minderjährigkeit des Erben fiel die Auf⸗ ſicht üͤber Gage's ausgedehnte Beſitzungen Maſter Felix Fair⸗ lie zu, welcher in dem Teſtament des Vaters zum Vormund beſtimmt worden. Es wird jetzt nöthig ſeyn, dem Leſer einige Mittheilun⸗ gen zunächſt über dieſe Perſönlichkeit zu machen. Lange und ehrenvoll— wie man glaubte— hatte Maſter Fairlie das Amt eines Intendanten oder Verwalters bei Warwick de Monthermer bekleidet. Seine Herkunft war eine ziemlich dunkle, aber was that dies, wenn der Mann ſelbſt achtbar war und Fähigkeit genug beſaß, um ſich in der Welt emporzuarbeiten? Als Sohn eines alten Dieners im Schloſſe, von der Familie des Gutsherrn erzogen und frühzeitig Scharfſinn, Ordnungsliebe und Geſchäftstalent bekundend, war Felir Fairlie von Stufe zu Stufe immer höher geſtiegen, bis er endlich den erſten Platz in dem Haushalt ſeines Herrn und Gönners einnahm. Einen Herrn konnte man Warwick ſeinem Verwalter gegenüber überhaupt kaum nennen, denn einige Zeit vor ſei⸗ nem Tode hatte der Squire angefangen, Maſter Fairlie wie ſeines Gleichen und einem Freunde zu begegnen. Bei allen Gelegenheiten zog er ihn zu Rathe und übertrug ihm die gänz⸗ liche Leitung ſeiner Angelegenheiten. Da er ſich auf Fairlie's Redlichkeit und Umſicht unbe⸗ dingt verließ, ſo vertraute er ihm ſein Eigenthum ſchon bei 4 Lebzeiten an, und machte ihn im Hinblick auf ſein Ableben zum alleinigen Teſtamentsvollſtrecker und übergab ſeinen ge⸗ liebten Sohn der Obhut des langjährigen Dieners.— Wie Maſter Fairlie das in ihn geſetzte Vertrauen recht⸗ fertigte, wird ſich im weitern Verlaufe unſerer Geſchichte zige zeigen. des wü Ein Mann von ſehr achtbarem Anſehen war Maſter Fairlie, verſtand ſehr freundlich zu ſprechen und war in ſei⸗ ſchrie nem ganzen Weſen artig und höflich. der ge Selbſt die, welche anderer Meinung waren als et, er⸗ Erben kannten ſeine außerordentliche Nachgiebigkeit an. Bei ſeinem vornehmen Aeußern, ſeiner Höflichkeit und vollkommenen Lebensart war es ſchwer, ſich zu denken, wie 6 er jemals einen niedern Dienſt bekleidet haben könne und tr an dennoch war dies, wie wir bereits gezeigt haben, der Fall. ſibe L Als ſein Gönner ſtarb, war Maſter Fairlie zwiſchen ₰ gens un fünfzig und ſechzig Jahre alt. Lang und hager, mit einer die Din Adlernaſe, und dunkeln von ſchwarzen Braunen überſchatteten 3 Augen, beſaß er ein ſehr ſchönes und impoſantes Aeußere. In khrte 6 ſeiner Kleidung war er anſpruchslos, aber im höchſten Grade g ſauber, und trug ſtets Kleider von dunkler Farbe und eine ließ. ſchlichte Perrücke. Uunz Bei Schilderung des Charakters dieſes höchſt reſpectab⸗ gn len Mannes verlangt die Gerechtigkeit, zu erklären, daß die von n günſtige Meinung, welche ſein Gönner von ihm hegte, von G den Freunden dieſes Gönners nicht durchgängig getheilt ward. und her Einige von dieſen glaubten Mängel an ihm zu bemer— BEireſo ken, welche Monthermer nicht zu entdecken vermochte. len Hab Sie hielten ihn nicht für ſo vollkommen zuverläſſig, als N gen übe der Squire glaubte, und waren überzeugt, daß Maſter Fair⸗ 1 aber ſte Ableben einen ge⸗ en recht⸗ eſchichte Maſter ar in ſei⸗ zwiſchen mit einer ————— S lie auf Koſten ſeines Herrn ſein Schäfchen ins Trockene zu bringen ſuche. Zwei oder drei der Muthigeren unter ihnen beſchloſſen, Monthermer die Augen zu öffnen und ihm ſeine Gefahr zu zeigen; ehe dies aber geſchehen konnte, ſchloſſen ſich die Augen des würdigen Mannes auf immer. Nun war Maſter Fairlie's Stellung eine vollkommen ge⸗ ſicherte. Zwei Jahre lang war er nun unumſchränkter Herr der Beſitzung Monthermer, während das Geſchick des jungen Erben gänzlich in ſeinen Händen lag. Es blieb daher den Freunden nichts übrig, als die Arme zu verſchränken und zuzuſehen. Eben ſo ſehr an ſeinem Vormund hängend, wie ſein Va⸗ ter an dieſem Manne gehangen, ſchenkte Gage ihm ganz das⸗ ſelbe Vertrauen. Es war unmöglich, es zu erſchüttern. Uebri— gens unternahm auch Riemand dieſe undankbare Aufgabe und die Dinge gingen demnach ihren Gang. In dem nächſten Semeſter nach dem Tode ſeines Vaters kehrte Gage nach Opfort zurück. Bis jetzt hatte er gerade nicht ſehr eifrig ſtudirt, nun ließ er es ganz. Bei der Gewißheit eines jährlichen Einkom⸗ mens von zwanzigtauſend Pfund konnte man eine große Hin⸗ gebung an Studium und geiſtige Anſtrengung auch kaum von ihm erwarten. Er hatte eine Menge müßige, ausſchweifende Bekannte und lernte bald an ihren Gewohnheiten Geſchmack finden. Eine ſo ſchön gefiederte Taube konnte darauf rechnen, von al⸗ len Habichten und Krähen der Univerſität gerupft zu werden. Maſter Fairlie machte ihm dann und wann Vorſtellun⸗ gen über ſeinen Leichtſinn und über ſeine Ausſchweifungen, aber ſtets auf ſo ſanfte und vorſichtige Weiſe, daß er dadurch 6 nicht beleidigte, und dann honorirte er auch ſtets die Tratten, welche ſein Mündel auf ihn zog, indem er ihn zugleich ange⸗ legentlich ermahnte, von Niemanden Geld zu borgen als von ihm, und alles Mögliche that, ſeinen Mündel zu hindern, an⸗ ders zu handeln. Der würdige Mann hatte hierbei ſicherlich keinen andern Zweck im Auge als den Wunſch, den leichtſinnigen jungen Wildfang nicht in ſchlimme Hände gerathen zu laſſen. Endlich gab jedoch Gage's Thun und Treiben ſo viel Aergerniß, daß die Behörde der Univerſität es nicht länger mit anſehen konnte, und er mit noch zwei Andern, Nat Miſt und Jack Braſſey, relegirt ward. Dies bekümmerte ihn ſehr wenig, da er nis die Abſicht gehabt hatte, einen Grad zu erwerben. Seinem Vormunde war dies jedoch höchſt unangenehm, wenigſtens that er ſo, und er ſtellte Gage vor, wie ſehr der⸗ gleichen Dinge ſeinen vortrefflichen Vater bekümmert haben würden, wenn er noch am Leben wäre. Dieſe Bemerkungen verfehlten nicht, einige Gefühle der Reue in Gage's Herzen zu erwecken, doch waren dieſe Gewiſ⸗ ſensbiſſe von kurzer Dauer und Maſter Fairlie hatte durchaus nicht die Abſicht, durch allzugroße Strenge ſich die Zuneigung ſeines Mündels zu entftemden. Im Gegentheile wünſchte er ihn fortwährend in ſeiner Nähe zu haben, denn dies war, wie er behauptete, das beſte Mittel, ihn vor Rachtheil zu bewahren. Der arme junge Mann ließ ſich gar zu leicht auf Abwege bringen. Maſter Fairlie hatte indeſſen außer dieſem laut ausge⸗ ſprochenen Beweggrunde noch einen andern, aus welchem er wünſchte ſeinen Mündel ſtets in ſeiner Nähe zu haben. — Witwe gerne ſtand, von d zählte ſen, mäßig thron Liefen auch merke tffl injed für G weit zweif auf! Volff tete, minde was hatt troz „ 7 Tratten Eben ſo wie ſein verſtorbener Gönner, war er ebenfalls ich ange⸗ Witwer, und hatte ein einziges Kind, eine Tochter, welche er als von„ gern als Lady von Monthermer geſehen hätte. ern, an⸗ Zu Gunſten von Maſter Fairlies Plan ſprach der Um⸗ ſtand, daß ſeine Tochter Clara, die zu der Zeit, wo Gage nandern von der Univerſität fortgeſchickt ward, gerade achtzehn Jahre njungen zählte, ein außerordentlich ſchönes Mädchen war, hochgewach⸗ ſen, mit dunklem Haar und dunklen Augen, ſchön und eben⸗ ſo viel mäßig gebildet, anmuthig und ſanft. Freimuth und Offenheit 1ſo v thronten auf ihrem Antlitz und die Wahrheit ſprach aus den ht länger 3 Tiefen ihrer zärtlichen ſchwarzen Augen. Nat Miſt S Aus feinerem Stoff geformt als ihr Vater, hatte ſie auch keinen der Mängel, die in ſeiner gröberen Natur zu be⸗ ie Abſicht merken waren. ueberdies war ſie auf das Sorgfältigſte von ihrer vor— ngenehn. trefflichen, muſterhaften Mutter erzogen worden, deren Tod ſehr der⸗ in jeder Beziehung ein ſchwerer Verluſt für Fairlie war. ert haben* Clara konnte daher wohl ein Gegenſtand der Anziehung für Gage ſeyn, und wenn der junge Mann wirklich ſich ſo efühle der weit in ſie verliebte, daß er ſie zu ſeiner Gattin wählte, ſo eſe Gewi⸗ zweifelte ihr Vater nicht daran, daß ſie ihre hohe Stellung dunhas 1 auf vollkommen geeignete Weiſe ausfüllen würde. ʒunign. Und hierin hatte er Recht. vünſchte er Wenn aber Maſter Fairlie irgend eine Mitwirkung zur dies wer Vollführung ſeines Planes von Seiten ſeiner Tochter erwar⸗ chtheil u tete, ſo war er ſehr im Irrthum. Clara fiel es nicht im icht auf mindeſten ein, dem jungen Manne Netze zu ſtellen und das, was ſie von ſeinem Thun und Treiben in Oxford gehört, 1 hatte ſie ſtark zu ſeinen Ungunſten eingenommen. ut Deshalb ging ſie ihm ſo viel als möglich aus dem Wege, welhem trotz aller ihrer Bemühungen aber, ein Zuſammentreffen zu en. vermeiden, ſahen ſie einander doch ſehr oft. Als Vormund des jungen Monthermer hatte Maſter Fairlie jetzt ſeine eigene Reihe von Gemächern im Schloſſe und war in der That voll⸗ ſtändigerer Herr des Hauſes als der junge Edelmann ſelbſt. Die meiſten der alten Diener waren entlaſſen und blos die behalten worden, welche dem neuen Beherrſcher des Haushaltes zuſagten. Clara ward natürlich von dem ganzen Haushalt wie eine Herrin betrachtet, auch führte ſie auf den ausdrücklichen Wunſch ihres Vaters die Oberaufſicht über Alles. Es konnte daher nicht anders ſehn, als daß ſie mit dem jungen Herrn der Beſitzung oft in Berührung kam. Ob⸗ ſchon aber ihr Vater in ſie drang, ſo weigerte ſie ſich doch entſchloſſen, an Monthermer's Tafel den Vorſitz zu führen oder auch nur überhaupt zum Vorſchein zu kommen, wenn er Geſellſchaft hatte. Die Sachen kamen gerade ſo, wie der Verwalter vor⸗ ausgeſehen. Es war unmöglich, daß ein ſo entzündbarer Jüngling wie Gage täglich ein reizendes Mädchen wie Clara ſehen konnte, ohne ſich in ſie zu verlieben. Seine unverkenn⸗ bare Aufmerkſamkeit gegen ſie ließ bald keinen Zweifel in Bezug auf den Zuſtand ſeiner Gefühle übrig. Ihr Vater freute ſich heimlich darüber, hielt es aber für das Klügſte, ſich nicht einzumiſchen. Er glaubte nicht, daß Clara gegen den ſchönen jungen Mann gleichgiltig ſehn könnte, und dennoch ſah die Kälte ihres Benehmens gegen ihn ganz darnach aus. So wie Gage feuriger ward, ward ſie zurückhaltender, bis ſie endlich ſich ganz weigerte, ihn zu ſehen. Der junge Mann liebte zu ſehr, als daß er ſich dadurch beleidigt gefühlt hätte, wohl aber verlangte er eine Erklä⸗ ** — — —— rung! ihm g Mind ſeiner ſeine würfe wenig £ indem komm ſie au gleich der A werde welch werd kämp ſch lchen werde lbt. anger ormund e eigene at voll⸗ ſelbſt. nd blos cher des alt wie ücklichen ſie mit m. Ob⸗ ich doch führen n, wenn ter vor⸗ undbarer ie Clara werkenn⸗ weifel in s aber eð te nicht, tig ſehn 16 gegen altender dadurch e Erklä⸗ ——— ——— 6 —— —————— ———— —.———— rung von ihrem Vater, welcher that, als ob er durch die ihm gemachte Mittheilung höchlich überraſcht würde, ſeinen Mündel gutmüthig ausſchalt, endlich aber ſich erbot, ſich mit ſeiner Tochter über den Gegenſtand zu beſprechen. Er beſprach ſich auch wirklich mit ihr und als er fand, daß ſie entſchloſſen war, Gage abzuweiſen, dafern er ihr ſeine Hand böte, überhäufte er ſie mit einer Flut von Vor⸗ würfen und Schmähungen. Aber Scheltworte und Drohungen fruchteten eines ſo wenig wie das andere. Clara ließ ſich zu weiter nichts be⸗ wegen, als höchſtens dem jungen Manne am nächſtfolgenden Tage eine letzte Unterredung zu bewilligen. Die Unterredung fand ſtatt. Gage bot Clara ſeine Hand. Sie lehnte dieſelbe ab, indem ſie erklärte, ſie verſtehe die ihr angethane Ehre voll⸗ kommen zu würdigen und ſey dankbar dafür. Dabei geſtand ſie auch offen, daß Maſter Monthermer ihr durchaus nicht gleichgiltig ſey, daß aber die Ungleichheit zwiſchen ihnen von der Art ſey, daß eine Verbindung dadurch unmöglich gemacht werde. Auch ſeh er noch nicht alt genug, um zu wiſſen, welche Perſon eine paſſende Lebensgefährtin für ihn ſehn werde. Auf ſeinen Knien, mit Betheuerungen und Thränen be⸗ kämpfte Gage dieſe Gründe, ſo gut er konnte, und bemühte ſich, Clara's Feſtigkeit wankend zu machen. Alles aber war vergebens und endlich, um dem pein⸗ lichen Auftritt ein Ende zu machen, ſagte Clara: »In einem Jahre ſind Sie einundzwanzig und dann werden Sie das Recht haben, zu handeln wie es Ihnen be⸗ liebt. Wenn Sie dann noch derſelben Geſinnung ſind und es angemeſſen erachten, mich wieder in dieſer Beziehung anzu⸗ „ 10 reden, ſo werde ich vielleicht Ihrer Bewerbung Gehör geben. Eing Ich verſpreche dies nicht unbedingt— aber es kann ſeyn. In dern der Zwiſchenzeit dürfen wir uns nicht wiederſehen, und wenn † war, ich Ihnen einen Rath geben dürfte, ſo wäre es der, mich zu erlöſ vergeſſen.* Es wäre überflüſſig, hier ausführlich mitzutheilen, was raſch zwiſchen Maſter Fairlie und ſeiner Tochter vorging, als er auch ihre Entſcheidung aus ihrem eigenen Munde erfuhr. Man toriſ kann ſich leicht denken, wie er tobte und raſte. keine Alles war vergebens und weder Bitten noch Drohungen waren im Stande, Clara zu erſchüttern. Gage blieb nun nicht mehr lange in Monthermer Caſtle. Er reiſte auf ein Jahr ins Ausland, machte die große Tour ⁰ ihre ſtürzte ſich in die Zerſtreuungen und Ausſchweifungen der le— känn bensluſtigſten Städte Europa's, ward von manchem fremden Per Gauner gerupft, verſuchte Clara zu vergeſſen— wie ſie ihm„ wiß empfohlen zu thun, obſchon nicht auf eine Weiſe, die ſie ge⸗ das billigt haben würde— indem er manche dunkeläugige ita⸗ lieniſche Schönheit und manche witzige Dame Frankreichs ver⸗ ſeh ehrte; verthat das Geld überall, wohin er kam, mit vollen ſt Händen— denn Fairlie gab ihm ſo viel er verlangte— nit und kehrte nach England zurück als ein, wie er glaubte, vollendeter Gentleman, oder, wie einige tadelſüchtige Leute 3 erklärten, als ein vollendeter Geiſt und Wüſtling, um das Schloß ſeiner Ahnen und ſeine umfangreichen Domainen an 4. ſeinem einundzwanzigſten Geburtstage in Beſitz zu nehmen. Abweſenheit und angenehme Zerſtreuung hatten Clara's 3 Bild jedoch nicht aus dem Herzen des jungen Mannes 5 verwiſcht. Er hatte mehrmals an ſie geſchrieben und obſchon ſie aus keine Antwort auf dieſe Sendſchreiben gab, ſo ward doch der wün t geben. eyn. In d wenn mich zu n, was als er Man Eingang derſelben von Maſter Fairlie gebührend anerkannt, der mehr ſagte, als wozu er von ſeiner Tochter ermächtigt war, und Sorge trug, die Hoffnungen des Liebenden nicht erlöſchen zu laſſen. Man kann ſich daher einen Begriff von Gage's Ueber⸗ raſchung und bitterer Täuſchung machen, als ſein Antrag auch das zweite Mal zurückgewieſen ward und zwar perem⸗ toriſcher als bei der erſten Gelegenheit, denn es ward ihm keine fernere Probezeit bewilligt. Er war mündig und konnte ſelbſt urtheilen. Clara's Gründe für ihre Entſcheidung waren folgende. Abgeſehen von der Ungleichheit des Standes wären auch ihre Charaktere durchaus nicht für einander geſchaffen. Sie könne nicht glücklich ſeyn mit einem Manne, der blos dem Vergnügen nachjage. Nach kurzer Zeit werde er ſie ganz ge⸗ wiß vernachläſſigen, und eine ſolche Behandlung würde ihr das Herz brechen. Aus dieſen Gründen müßte ſie bei ihrem erſten Entſchluſſe ſtehen bleiben. Sie könne nicht aufhören, ihn zu lieben, aber ſie werde ihn niemals heirathen, überhaupt werde ſie gar nicht heirathen. Wieder kniete Gage nieder, bat und flehte. Sie, und ſie allein, ſey die Urſache ſeiner wilden und thörichten Streiche geweſen. Er habe ſich bemüht, ſie zu vergeſſen, aber es ſeh ihm nicht gelungen. Er beklage jetzt ſein rückſichtsloſes Beneh⸗ men, und mache ſich die härteſten Vorwürfe darüber. Er werde ſich aber beſſern, er wünſchte ſich zu beſſern, er hätte die Abſicht, ſich zu beſſern. Eine Frau werde ſeinen Charakter gänzlich umändern, ſie werde einen ganz andern Menſchen aus ihm machen. Clara ſollte ſehen, wie ſolid er werden würde. Er ſeh des Stadtlebens überdrüſſig, und wolle für . 12 immer in Monthermer Caſtle wohnen bleiben. Sie möge im⸗ mer den Kopf ſchütteln, es ſey aber ganz wahr. Es ſey Un⸗ ſhon ſinn, ihm eine Andere empfehlen zu wollen. Keine Andere als 7 x ſie ſolle ſeine Gattin werden. Habe ſie denn die Abſicht, ihn ale durch Beharren auf ihrer Weigerung zur Verzweiflung zu ahh treiben? 3 Und dennoch wies Clara ihn zurück, ſanft, freundlich, Saui aber feſt. hörte Wenn aber Gage durch Clara's Entſchluß erzürnt, und als d in ſeiner Eigenliebe ſchmerzlich verwundet ward, ſo fühlte ihr ſolle. Vater ſich in noch weit höherem Grade gekränkt uno verletzt. Bis zum letzten Augenblicke hatte er ſich der Hoffnung hinge⸗ lich, geben, daß Alles noch in's rechte Geleiſe kommen werde. Die 1 unbedingte Zurückweiſung Gage's traf ihn daher wie ein Don⸗ genu nerſchlag und raubte ihm für den Augenblick die Sprache. Als er dieſe wiedergewann, goß er die Schale ſeines Zornes auf„ noch Clara's Haupt aus. Sie ſchien ſich aber nicht zu fürchten, füht und als er fertig war, bemerkte ſie blos: »Auch wenn nicht andere Gründe vorhanden wären, S Vater, ſo würdeſt Du ſelbſt ſchon ein unüberſteigliches Hin⸗. derniß für eine ſolche Heirath ſeyn.« n »Wie ſo 7 fragte Fairlie wild, da er aber keine Ant⸗ 4 wort erhielt, ſo ſetzte er hinzu: »Wenn Dir an dieſem jungen Manne etwas liegt, ſo F wirſt Du ihn heirathen. Es iſt dies das einzige Mittel, ihn zu retten. Merke Dir, was ich ſage.« juſche Und mit dieſen Worten verließ er ſie. Große Freudenfeſte hatten in Monthermer Caſtle ſtatt⸗. und n gefunden, als der junge Gutsherr mündig ward, und die nung Unterthanen begrüßten ſeine Rückkehr mit Jubel, denn ſie hoff⸗ ten, er werde nun bei ihnen bleiben. bot ſi 13 ge in⸗ Maſter Fairlie hatte ſich durch ſeine Erpreſſungen nemlich w ſchon mißliebig gemacht, und der Tod des guten Squire Warwick r i„ ward allgemein beklagt. Der junge Squire, hoffte man, würde t ihn alle Mißbräuche abſtellen, ihre Pachtzinſen, welche plötzlich di erhöht worden, wieder herabſetzen, und die guten alten Zei⸗ ten wieder herbeiführen. Sie wacen vollkommen überzeugt, Squire Gage müſſe ſeinem würdigen Vater, der Jeden an⸗ hörte und Jedem half wenn er es verdiente, zu ähnlich ſeyn, als daß er ihren gerechten Beſchwerden kein Gehör ſchenken ſollte. Dennoch aber fanden ſie es ſchwierig, ja ſogar unmög⸗ lich, ſich Gehor bei Gage zu verſchaffen. Maſter Fairlie trug Sorge, daß die, welche nicht ſchwei⸗ gen wollten, niemals in ſeine Nähe kamen. eAls Gage haßte Geſchäfte aller Art und konnte kaum ver⸗ . mocht werden, eine Rechnung anzuſehen. Es langweilte ihn fürchterlich und er konnte die Langweile nicht vertragen. Dieſe Nachläſſigkeit recht wohl kennend, verfehlte Maſter vären Fairlie nicht, davon Nutzen zu ziehen. Ganze Stöße von Rech⸗ Hin⸗ nungen und Documenten dem jungen Squire vorlegend, ſchlug er auch voluminöſe in Pergament gebundene, mit großen meſ— Ant⸗ enen Beſchlägen verſehene Rechnungsbücher zu dieſer Ein⸗ h„or ihm auf, denn er war im voraus überzeugt, daß es dem jungen Manne nicht einfallen würde, ſie genau durch⸗ ihn zu zuſehen. Und ſo geſchah es auch. Gage überflog die Rechnungen und warf ſie auf die Seite, klappte die dicken ſchweren Rech⸗ ſtatt⸗ nungsbücher zu, und ſchob ſie ſchaudernd von ſich. d die Da ſein Amt als Vormund nun aufgehört hatte, ſo er⸗ hoff⸗ bot ſich Maſter Fairlie, den Verwaltungspoſten, den er bis jetzt bekleidet, an jeden Andern abzutreten, welchen der junge Herr dazu ernennen würde. zeichne Wie er erwartete, ward er dringend erſucht, den Poſten* haſtig zu behalten, und er willigte widerſtrebend ein. als di Nun kam ein Punkt, deſſen Erwägung nicht länger ver⸗ mund ſchoben werden konnte, nemlich der Abſchluß der Rechnungen weiter zwiſchen Vormund und Mündel. Der erſtere hatte, wie ſich zeigte, dem letztern während der zwei Jahre ſeiner Minder⸗ elende jährigkeit nicht weniger als zweiundfünfzigtauſend Pfund vor⸗ ech geſchoſſen, ſo daß Gage für das erſte Jahr ſeiner Majoren⸗ nität nicht mehr als bettelhafte achttauſend übrig behielt. Sir,« Maſter Fairlie zeigte dem erſtaunten jungen Mann, in. ibel, welchem Grade er auf der Univerſität gerupft worden, welche ſhon Summen er in Paris an Mademoiſelle Colombe Mirepair von der großen Oper verſchwendet, wie er an den Spieltiſchen Nächſ im Palais Rohal geplündert worden, auf welche Weiſe ihn„ verlie in Reapel Signora Fulgioſo, die er für eine Herzogin gehalten, hinters Licht geführt, wie reichlich er die Wünſche der Se⸗ ihmn ñora Catalina Hermoſa, erſter Ballettänzerin in Sevilla, be⸗ nicht friedigt, wie ſehr ihn Graf Schaffiroff in Petersburg betro⸗ gen, wie er zweimal die Schulden der liebenswürdigen Ba⸗ roneſſe von Fröhlichleben in Wien bezahlt, und wie er mit einem Worte bald auf dieſe bald auf jene Weiſe glücklich über fünfzigtauſend Pfund durchgebracht. k Entſetzt bei dieſer Aufzählung ſeiner verſchwenderiſchen Thaten, ſchwur Gage er habe geglaubt, nicht die Hälfte dieſer Summe verthan zu haben, und bemühte ſich, ſeine Verwirrung dadurch zu verbergen, daß er that, als ob er die Rechnungen prüfte, welche Maſter Fairlie ihm wieder auf⸗ drängte. ——— unge Bald aber ward er dieſer Arbeit überdrüſſig und unter⸗ zeichnete, um der unangenehmen Sache überhoben zu ſehn, Poſten„ haſtig ein Document, welches nicht mehr und nicht weniger als die vollſtändige Juſtification aller von dem ſchlauen Vor⸗ er ver⸗ mund geführten Rechnungen und deſſen Enthebung von jeder mungen weitern Verantwortlichkeit dafür enthielt. 6 ſch»Alſo habe ich für das laufende Jahr nicht mehr als Minder⸗ elende achttauſend Pfund, nicht wahr, Fairlie?« bemerkte vor⸗ er.„Wie zum Teufel ſoll ich denn damit auskommen?« vjore»O, Sie können Geld bekommen, ſo viel Sie wollen, . Sir,« entgegnete Fairlie.„Sie nehmen mir's aber nicht übel, wenn ich behaupte, daß man mit achttauſend Pfund ſchon viel, ſehr viel machen kann.« welhe»Ich aber nicht, Fairlie; das kann ich Ihnen ſagen. Nächſtes Jahr will ich anfangen zu ſparen,« ſagte Gage und eltiſchen verließ das Zimmer. eiſe ihn»Nächſtes Jahr,« murmelte der Verwalter, indem er ehalten ihm mit bedeutſamem Lächeln nachſah,„er und ſparen— der Se⸗ nicht ſehr wahrſcheinlich!« illa, be⸗ betr⸗ gen Ba⸗ er mi ich über erichen„ 3 Hälfte ſeine ob er X der auf⸗ II. Gäſle auf dem Schloß.— Eine Partie Gleeß. Während Gage noch an der ſeinem Herzen und ſeiner Eigenliebe geſchlagenen Wunde litt, trafen ein halbes Dutzend Gäſte auf dem Schloſſe ein, und da ſie gerade die rechten Leute waren, um ihn aufzuheitern, ſo begrüßte er ihr Erſcheinen mit unverhohlener Freude. Alle Sechs waren auserleſene Geiſter— wenigſtens hielt Gage ſie dafür— verſchiedene Nüancen vom Wüſtling und Spieler. Einen hatte er im Auslande kennen gelernt, einen in London, während die übrigen alte Univerſitätsfreunde wa⸗ ren, von welchen zwei die Streiche auf der Univerſität und auch ſeine Schande getheilt hatten. Mit zwei Ausnahmen waren es lauter ſehr junge Leute, denn der älteſte war nicht mehr als fünfunddreißig und eben um ſeines Alters willen ſoll er hier zuerſt geſchildert werden. Wie erbleichen doch oft Sterne des erſten Glanzes an der faſhionablen Hemiſphäre und erlöſchen auf immer! Wer kannte vom Jahre 1720 bis 1730 nicht den Stutzer Freke? Und wer kannte ihn zehn Jahr ſpäter noch? Wer ge⸗ denkt jetzt ſeiner? Berühmt wegen ſeines verwegenen Muthes, ſeines Glückes beim Spiele, ſeiner Gewandtheit im Fechten (er hatte vier Duelle gehabt und jedesmal ſeinen Gegner ge⸗ tödtet), ſeines herrlichen Aeußeren und ſeines vollendeten ſhace aner d Mode 3. nen un enſe ge ßin. Ind chirt. Gage Und ho Mit J en „ e ſeiner utzend † nLeute en mit Nat Miſt und Jack Braſſeh waren blos Genus. Wir haben bereits erwäl ſchmackes in Bezug auf Toilette, ke anerkannter Schied d Mode. Er liebte es. junge Männer an die Hand zu omen und in die Welt hine on ſie gewöhnlich ſeine ußten. In dieſer Abſicht hatte er achirt. Gage betrachtete ihn als ein nachahmungswerthes Vor⸗ und hoffte ihm dereinſt zu gleichen. Mit Rückſicht auf Rang war der bedeutendſte von den en Lord Melton, ein junger Edelmann, der viel mit erennen zu thun hatte, größtentheils mit Gaunern und hs verkehrte und ſelbſt wie ein G bedeutend wettete und ſeine Pfe „York, Lincoln und bei jede ind laufen ließ. Dem pferdeliebenden Lord zunächſt an Bedeutung, in hmen und perſönlicher Erſcheinung aber weit, weit über tand Sir Randal de Meſchines, de ten Familie in Cheſhire, e ſehr reich zu ſe war Stutzer oder„Beaus srichter in allen Dingen der Eleganz in vom Stapel zu laſſen, ob⸗ n Unterricht ziemlich theuer bezahlen ſich auch an Monthermer auner und Jockey aus⸗ rde in Newmarket, Don⸗ m andern Wettrennen in r Repräſentant einer in junger Mann, der im Rufe hn und als ſehr ausſchweifend bekannt Sir Randal war einer von Beau Freke's Schülern und e ſeinem Lehrmeiſter alle Ehre. s Varietäten des⸗ nt, daß ſie zu derſel⸗ 1 zeit wie Gage von Oxford relegirt worden waren. Der Letzte auf der Liſte 3„ürdiger als die A e Kauz war Brice— und und in einigen Beziehungen wen war Brice Bunburh. Ein ſon⸗ ſehr beliebt bei einer ge⸗ zerſchwender. J. 18 wiſſen Claſſe von Londoner Pflaſtertretern. Er ſtand in hoher Gunſt bei Beau Freke, der ihn ſehr nützlich fand und ihn zu einigen geheimen Dienſten verwendete, welche für Brice's Be⸗ griffe von Anſtand und Moral gerade nicht ſehr ehrenvoll waren. Brice war aber nicht übertrieben gewiſſenhaft. Es war merkwürdig, wie er ſich überhaupt durchſchlug. Er hatte nichts, dies war notoriſch. Dennoch kleidete er ſich gut, ſpeiſte gut, wohnte gut, aber ſtets auf Anderer Unkoſten. Zuweilen be⸗ zahlte der Eine für ihn, zuweilen der Andere. Fortwährend kleine Summen borgend, bezahlte er dieſe niemals wieder. Andererſeits mußte man jedoch zugeben, daß Brice Bun⸗ bury eine ganze Schaar gewöhnlicher Schmarotzer und Bei⸗ läufer werth war. Er war ſehr drollig und amüſant, ſam⸗ melte alle möglichen Nachrichten über hübſche Schauſpielerin⸗ nen und hübſche Frauen im Allgemeinen, oder konnte eine Botſchaft oder ein Liebesbriefchen wo es nöthig mit unnach— ahmlicher Gewandtheit oder Frechheit beſtellen. Brice hatte Gage's Börſe ſchon häufig in Anſpruch ge⸗ nommen und freute ſich über die gutwillige Gemüthsart des jungen Mannes ſo ſehr, daß er beſchloß, ſich ihm ausſchließ⸗ lich zu widmen, das heißt, ſo lange die Börſe des jungen Mannes gut verſehen wäre und zugänglich bliebe. Maſter Fairlie kannte dieſe Gäſte und ihre Eigenſchaften ſehr wohl und wenn ſein Plan gelungen und ſeine Tochter; mit dem jungen Monthermer verlobt worden wäre, ſo hätkz er ſicherlich alles Mögliche gethan, um dergleichen Leute nicht ins Haus zu laſſen. So aber war es ihm nicht eb, die Bekanntſchaß von Perſonen zu machen, die, wie er überzeugt war, ihm be ſeinen ferneren Abſichten nützlich ſeyn konnten. biſt der elade en wor dde Brau Reiſewagen Siß in den Pöbits un der beiden Brice ſchafter wo zwiſchen ih Beſimmun li von ihne Pharotiſch hm eine Al Doch nen neuen ihn ſo ſhr, Hand drück Lord Grooms 5 Uu vollte von luchen, und ß. Diener nit Hauſe eu in lenlich vul Rhall ü ſeu eing Freu ſtand in hoher nd und ihn zu für Brices Be⸗ t ſehr ehrenvoll enhaft. Es war Er hatte nichts⸗ gut ſpeiſte gut, uweilen be⸗ 2 Fortwährend iemals wieder. daß Brice Bun⸗ otzer und Pri⸗ amüſant, ſam Schauſpielerin der konnte eine thig nit umnach in Anſpruch ge Gemüthöart des 2ſ. jeß ihm usſijie ſe des junge ic enſchaft igenſchoſ Tochte wäre, ſo häth Leute nich kre ind ſein hen „Bekanntſch ihn gt war⸗ Beau Freke und Sir Randal kamen miteinander in dem Reiſewagen des Letzteren und Brice Bunburh erhielt einen Sitz in dem Hintertheile des Wagens, den er mit Maſter Tibbits und Maſter Trickett, den ſehr feinen Kammerdienern der beiden feinen Herren, theilen mußte. Brice geſtand offen, daß die Diener ganz gute Geſell⸗ ſchafter waren. Es war durchaus kein großer Unterſchied zwiſchen ihnen und ihren Herren, und ehe ſie den Ott ihrer Beſtimmung erreicht hatten, war es ihm gelungen, ſo Mancher⸗ lei von ihnen zu erfahren. Trickett prahlte ſo ſehr mit dem Gelde, welches er am Pharotiſche der Dienerſtube gewonnen, daß Brice Luſt bekam, ihm eine Kleinigkeit abzuborgen. Doch enthielt er ſich deſſen noch und freute ſich über ſei⸗ nen neuen Bundesgenoſſen, denn als ſolchen betrachtete er ihn ſo ſehr, daß er ihm beim Scheiden eine Guinee in die Hand drückte, eine von ihm noch nie erhörte Freigebigkeit. Lord Melton kam in Begleitung einiger Reitknechte oder Grooms und zweier Rennpferde, Comus und Gaylaß; er wollte von hier aus das Frühjahrsrennen in Newmarket be⸗ ſuchen, und Nat Miſt und Jack Braſſey brachten Jeder einen Diener mit. Außerdem befanden ſich auch noch mehre andere Gäſte im Hauſe, größtentheils Landedelleute, die von dem großen Feſt der Mündigwerdung, zu welchem die halbe Grafſchaft ein⸗ geladen worden, noch zurückgeblieben waren, ſo daß das Haus ziemlich voll und eine zahlreiche Geſellſchaft täglich in der Die⸗ Frhalle verſammelt war, in welcher die Herren Tibbits und Frickett eine hervorragende Rolle ſpielten und von dem Leben nd den Freuden Londons, von Vaurhall, Ranelag) und Mary⸗ * 20 lebone Gardens, Maskeraden und Redouten ſchwatzten, zum Erſtaunen des Koches und der Stubenmädchen, die ſich nicht wenig ſehnten, auch einmal an ſolchen Vergnügungen theil⸗ nehmen zu können. Allerdings hatten ſie ſchon etwas der Art von Maſter Bellairs, dem Kammerdiener ihres jungen Herrn, gehört, aber niemals ſo pikante Einzelnheiten, wie jetzt mitgetheilt wurden und wobei ſie gleichzeitig kichern und erröthen mußten. Dann war auch Maſter Bellairs viel zu ſteif und behielt zu viel für ſich, und die ausländiſche Sprache des Monſieur Silvain Chaſſemouche, des franzöſiſchen Kammerdieners, den der junge Herr in Paris aufgeleſen, konnten ſie nicht gut ver⸗ ſtehen, obſchon er ein ſehr nettes Bürſchchen war, mit einer gepuderten Perrücke und einem ungeheuer langen geflochtenen Zopfe, der bis auf die Mitte ſeines Rückens herabreichte. Maſter Pudſey, der Kellermeiſter, freute ſich ſehr über die neuen Ankömmlinge und lud ſie ein, den Abend bei ihm in ſeinem Zimmer zuzubringen, wo ſie ſich ihrer Fünf an der Zahl mit Einſchluß von Bellairs und Chaſſemouche zu einigen Flaſchen von des alten Squire Warwicks beſtem Burgunder nie⸗ derſetzten, welchen Silvain für etwas Ausgezeichnetes erklärte. Dann ward der Tiſch abgeräumt, um zu einer Partie Picket Platz zu machen, von welcher Maſter Trickett wie ge⸗ wöhnlich als Gewinner aufſtand. Bei dergleichen geſelligen und freundſchaftlichen Zuſam⸗ menkünften wurden die Eigenſchaften der Herren ohne Rückhalt beſprochen und Maſter Bellairs nahm keinen Anſtand, ſeine Mei⸗ nung dahin auszu ſprechen, daß der junge Squire ſein Vermö⸗ gen ſehr bald durchbringen würde, eine Meinung, welcher Pudſey und Chaſſemouche beitraten, von welchen der letztere — ſagte, derj könne dara Maſt dieſer Anſi ren ſehen! die Finger r ichtet, w „J un, min fir nich ſ ich möchte Ihnen ſeg »Mo lairs.„ bracht.« »Ah ſch bringe werdet ſeh Bellairs, Vie viel hat, Maf »De „He os iſt 2 ſunſt Aſt vier VPän hnon pe Spuir ve »Un hwatzten, zum die ſich nicht igungen theil⸗ t von Maſter gehört aber getheilt wurden nußten. eif und behielt des Monſieur rdieners, den nicht gut ver⸗ r, mit einer n gflochtenen rabreichte. ſich ſehr über hend bei ihm r Fünf an der che zu einigen hurgunder nie⸗ netes erklärte. einer Partie ickett wie ge⸗ lichen Zuſam⸗ ohne Rückhalt nd, ſeine Mei⸗ Vermö⸗ ung, welchet er leßtere e ſeir n d ſagte, der junge Herr ſey in Paris joliment fourbé worden und könne darauf rechnen in London diablement trompé zu werden. Maſter Tibbits und Maſter Trickett traten beide gänzlich dieſer Anſicht von der Sache bei und verſicherten, ihre Her⸗ ren ſeyen nicht die Leute, die ſich einen ſo guten Fang durch die Finger ſchlüpfen ließen. »Brice Bunburh hat ſein Augenmerk ſchon auf ihn ge— richtet, wie ich ſehe,« ſetzte Maſter Trickett hinzu. »Ich werde mein Augenmerk auch auf den Herrn rich⸗ ten, meine Herren,« ſagte Maſter Pudſeh,„und ich werde für mich ſorgen ſo weit ich kann, aber unter uns geſagt, denn ich möchte nicht, daß weiter davon geſprochen würde; ich will Ihnen ſagen, wer das Meiſte von ihm ziehen wird.« »Maſter Fairlie, meinen Sie,« bemerkte Maſter Bel⸗ lairs.„Ja, das weiß ich, er hat ſchon viel vor ſich ge⸗ bracht.« »Aber das iſt noch nichts gegen das was er noch vor ſich bringen wird,« hob der Kellermeiſter wieder an.»Ihr werdet ſehen, was er thun wird, und dennoch wie Sie ſagen, Bellairs, er hat ſich in zwei Jahren ſchon tüchtig gerührt. Wie viel glauben Sie wohl, daß er in ſeine Taſche geſteckt hat, Maſter Trickett?“ »Das kann ich freilich nicht ſagen— vielleicht tauſend.« »Beinahe zwölftauſend, Maſter Trickett, beinahe zwölf. Das iſt Thatſache, Sir, und ich könnte es beweiſen, wenn ich ſonſt Luſt hätte; vergeſſen Sie aber nicht, daß wir zwiſchen vier Wänden ſprechen, außerhalb dieſes Zimmers darf nichts davon verlauten. Er wollte ja ſeine Tochter mit dem jungen Squire verheirathen.« „Unerhörte Unverſchämtheit!s rief Maſter Trickett.„Wie ———— 22 zum Teufel hoffte er denn, Ihren jungen Herrn zu einer ſol⸗ chen Thorheit zu beſchwatzen 76 »O unſer junger Herr bedurfte keines Beſchwatzens!« entgegnete Maſter Pudſey.„Er war vollkommen bereit, den Kopf in die Schlinge zu ſtecken, das heißt, wenn eine Schlinge da geweſen wäre, aber die junge Dame weigerte ſich.« »Was! Ihr wollt doch nicht ſagen, daß ſie ihn aus⸗ geſchlagen habe?s »Ja wohl, Maſter Trickett— das meine ich eben, Sir.« »Mein Himmel! dann muß ſie ein Mädchen von Muth ſeyn,« bemerkte Maſter Tibbits;„wahrſcheinlich hat ſie ſchon ein anderes Verhältniß?« »Das glaube ich nicht, Sir,« bemerkte Maſter Bel⸗ lairs;„ihre Zofe Betty Rougham ſagt mir, ſie ſey ganz ſterblich in den jungen Squire verliebt.« »Aber warum curirt ſie ſich nicht, wenn dies der Fall iſt?« fragte Maſter Trickett ſcherzhafterweiſe. „Ja wohl; das Heilmittel liegt ja in ihren eigenen Händen!« bemerkte Silvain lachend. »Das iſt wohl wahr,« entgegnete Maſter Bellairs. »Betty erklärte, ſie habe die ganze Nacht geweint, nachdem ſie ihm den Korb gegeben; obſchon aber das gutmüthige Mädchen ihr Vorſtellungen zu machen verſuchte, ſo war doch nichts im Stande, ſie zu einem andern Entſchluſſe zu bringen. Und was glaubt Ihr wohl, was der Grund war, den ſie Betty nannte und aus welchem ſie unſe rn jungen Herrn zu⸗ rückgewieſen?« »Meiner Treu, das weiß ich nicht,« antwortete Maſter Tibbits.„Die Gründe eines Weibes gehen ſtets über mein Faſſungsvermögen.« er werd „ Lübbits „Dort ſoliden » ders al jungen „Ach, cherzt. ſter Pu winnen hen es nur dr ſtet B und ie Karte 1 Ti Tib o zählt Venn bekom Lö, Farter gerade Sie ab wie S den S errn zu einer ſol⸗ Beſchwatzensle men bereit, den nn eine Schlinge erte ſich.« aß ſie ihn aus⸗ e ich eben, Sir.« en Muth lich hat ſie ſchon te Maſter Bel⸗ r, ſie ſeh ganz ihren eigenen Naſter Bellairs. weint, nachdem das gutmüthige e, ſo war doch uſſe zu bringen⸗ war, den ſi gen Herrn ju⸗ twortete Maſter tets über mein „Sie ſagte, er ſey ein zu arger Wüſtling geweſen— er werde ſie ganz gewiß vernachläſſigen— ha! ha!« „Ein ſonderbarer Grund, das muß ich ſagen!“ rief Tibbits;„ſonſt haben die Frauen die Wüſtlinge eher gern.* „Ma foi, oui; en France surtout,« bemerkte Silvain. „Dort geben ſie einem Roué ſtets den Vorzug vor einem ſoliden Manne.* „Na, das muß man ſagen, Clara Fairlie iſt ganz an⸗ ders als ihr Vater,« bemerkte Maſter Pudſey. „Und auch ſehr verſchieden von den meiſten andern jungen Damen, ſollte ich meinen,« bemerkte Maſter Trickett. „Ach, mein Himmel, da hat ſie eine ſchöne Gelegenheit ver⸗ ſcherzt. Und dies erinnert mich daran, daß ich Ihnen, Ma⸗ ſter Pudſey, Gelegenheit geben muß, Ihr Geld wieder zu ge⸗ winnen. Wollen wir eine Partie Gleek machen? Sie verſte⸗ hen es nicht? O, das will ich Sie bald lehren. Es können nur drei Perſonen ſpielen, alſo werden Sie und ich und Ma⸗ ſter Bellairs uns niederſetzen. Miſchen Sie, heben Sie ab und ich werde Karten geben. Zuerſt bekommt Jeder vier Karten. Nun merken Sie auf. In dieſem Spiele heißt das Aß Tib, der Bube heißt Tom und die Trumpfvier heißt Tiddy. Tib zählt fünfzehn in der Hand und achtzehn im Spiel; Tom zählt neun und Tiddy vier. Nun werden Sie mich verſtehen. Wenn Sie weiter nichts gewinnen als die Karten, welche Sie bekommen haben, ſo verlieren Sie zehn. Wenn Sie weder Tib, Tom, Tiddy, Königin, Murnival oder vier gleiche Karten, noch Gleek oder drei gleiche Karten haben— wie gerade jetzt bei mir der Fall iſt— ſo verlieren Sie. Haben Sie aber Tib, Tom, König und Trumpfkönigin in der Hand, wie Sie jetzt haben, ſo haben Sie dreißig Honneurs, außer den Stichen, die Sie wahrſcheinlich damit im Spiele gewin⸗ ₰—4 nen werden. Ich werde es Ihnen aber während des Spie⸗ lens ſelbſt noch ausführlicher erklären und Sie werden es ganz ſchnell begreifen. Es iſt dies Sir Randal's Lieblingsſpiel.« Während ſie ſpielten, ſahen die Andern zu und riskirten dann und wann eine Wette, und allmälig vermehrte ſich die Geſellſchaft durch den Eintritt von Lord Melton's beiden Jo⸗ ckeys mit Nat Miſts und Jack Braſſey's Dienern. Maſter Trickett verſtand ſich darauf, ſeinen Mitſpielern genau die Karten zu geben, die er wollte; bei dieſer Gelegenheit aber beliebte es ihm, Maſter Pudſey gewinnen zu laſſen, und der Kellermeiſter freute ſich nicht wenig, daß er ſo ſchnell ein ge⸗ ſchickter Gleekſpieler geworden war. Den Beſchluß des Abends machte ein Geſellſchaftsſpiel, zu welchem ſich die ſämmtlichen Anweſenden niederſetzten. Am nächſten Morgen ward der Kellermeiſter in Maſter Fairlies Zimmer gerufen. Er merkte ſofort, daß irgend etwas vorgegangen war. „Ihr ſeyd wohl eures Dienſtes überdrüſſig, Maſter Pudſey?« ſagte Maſter Fairlie trocken.„Ich ſchließe dies aus euren indiscreten Bemerkungen geſtern Abend, die mir ſämmtlich hinterbracht worden ſind. Diesmal will ich die Sache noch gut ſeyn laſſen, ſobald aber ſo etwas wieder vorkommt— Ihr wißt, was ich meine, Sir— habt Ihr eure ſofortige Entlaſſung zu gewärtigen.“ „Ich glaubte, Maſter Monthermer wäre nun Herr hier,« ſtammelte der Kellermeiſter und verſuchte der Drohung die Stirn zu bieten. „Ihr werdet finden, daß ich noch Herr bin, Maſter Pudſey,« entgegnete der Verwalter ruhig.»Ich habe Euch gewarnt. Nun könnt Ihr gehen.« „Zum murmelte de verließ.„E Aber ich we Am T in Schloſſe davon den Ben Freke und zu alt und ein am Sthle nit iner Galle Gage ſch, ſegt mn juftic derleben we züll vor d »Gut Bunburh. kerl es iſt; Uenng z ihnac wie ihich; ih e ſchr in ſhöner 3 Spie⸗ rden es sſpiel.“ iskirten ſich die den Jo⸗ Maſter nau die eit aber und der ein ge⸗ ftsſpiel, ten. Maſter gen war. Maſter die mir s wieder un Herr Drohung Maſter 25 »Zum Teufel, wer kann es ihm nur geſagt haben?“ murmelte der Kellermeiſter, während er verdutzt das Zimmer verließ.„Es muß der ſcheinheilige Bellairs geweſen ſeyn. Aber ich werde mich dafür abfinden!“ III. Der Leuchtthurmhügel. Am Tage nach ihrer Ankunft führte Gage ſeine Gäſte im Schloſſe herum und fühlte ſich faſt getäuſcht, daß einige davon den Platz nicht ſo ſehr bewunderten, wie er erwartete. Beau Freke und Sir Randal fanden das Schloß zu düſter und zu altväteriſch und empfahlen ihm, es niederzureißen und ein anderes Haus auf demſelben Platze im palladiſchen Style mit ſteinernen Porticos und einer achteckigen Halle mit einer Gallerie darum zu bauen. Gage gab zu, daß dies viel ſchöner ſeyn könne, aber er ſeh, ſagte er, mit dem Hauſe, ſo wie es ſtehe, vollkom⸗ men zufrieden, und da er nicht glaube, daß er viel Zeit hier verleben werde, ſo ſey es vielleicht gut genug— auf alle Fälle vor der Hand. »Gut genug,— das wollte ich meinen!s rief Brice Bunbury.„Ich wünſchte blos, es wäre mein! Beim Jupi⸗ ter! es iſt prachtvoll— herrlich! Es thut mir leid, anderer Meinung zu ſeyn als ein Gentleman von ſo vollendetem Ge⸗ ſchmack wie Maſter Freke, aber ich muß wirklich geſtehen, daß ich es durchaus nicht düſter finde. Im Gegentheil finde ich es ſehr freundlich und bequem und habe noch niemals eine ſchönere Treppe oder ein beſſeres Speiſezimmer geſehen. 26 Und was dieſe lange Gallerie betrifft, ſo werden Sie ſelbſt zugeben, Sir Randal, daß ſie großartig— überraſchend großartig iſt!“ „Die Gemälde ſind ohne Zweifel ſehr gut,“ entgegnete Meſchines,„aber ſie könnten beſſer placirt ſeyn und ich haſſe das alte Geräth von Eichenholz und die Fenſter mit tiefen Brüſtungen und kleinen bunten Scheiben. Da lobe ich mir große moderne, franzöſiſche Fenſter, Bilder von Watteau, gemalte Decken, Sdvres⸗Porzellan, vergoldete Wanduhren, große Spiegel, Seſſel und Sophas mit Atlas beſchlagen— und allen übrigen Zubehör eines Gemaches im Style Seiner Majeſtät Ludwig's XV. Ich habe ein altes Schloß in Cheſſire mit einer Menge ſchwarzer vorſündflutlicher Geräthſchaften, Stühle mit hohen Lehnen, auf denen es unmöglich iſt zu ſitzen, großen eichenen Tiſchen, die ſo ſchwer ſind, daß kein Menſch ſie von der Stelle rücken kann, Spiegel, ſo düſter, daß man darin ausſieht wie ein Geſpenſt, und Porträts von meinen Ahnen, von denen der eine der Earl von Cheſter war, und die ſo grimmig und wild dareinſchauen, daß einem bei ihrem Anblick die Gänſehaut aufläuft. Ich werde machen, was ich Monthermer mit ſeinem Schloſſe zu machen rathe— ich werde das alte Schloß niederreißen, die alten Geräthſchaften und Bilder verbrennen, und mir ein ſchönes modernes Herrenhaus bauen, ſobald ich die Mittel dazu habe.* »Zum Bauen haben Sie die Mittel gerade eben ſo gut wie ich, Sir Randal,« bemerkte Gage lachend.„Ich habe kein Geld an Steine und Mörtel wegzuwerfen. Iſt es nicht wahr, Fairlie,« ſagte er zu dem Verwalter, welcher die Geſellſchaft auf ihrer Wanderung durch das Schloß begleitete. »Allerdings glaube ich, Sie können jetzt Ihr Geld beſ⸗ ſer anwend Sir, entg ju verkaufe »Da würde ich nich von d ſehn, ſie nich mits Sie mir ſt „Si neine Abſ daß meine wäußern. ju ändern haben. V Wäre da trennen.« „N beſtze, u hörte, ve „Laſſen wenn Si Ruinen »L Radulph welcher wäre ja » an dieſer L »X ion vor en Sie ſelbſt überraſchend entgegnete und ich haſſe t mit tiefen b lobe ich mir o0n Watteau, Vanduhreèn, c S agen— Sthle Seiner oß in Cheſſire eräthſchaften, nöglich iſt zu nd, daß kein el, ſo diſter, Porträts von von Cheſter ſchauen, daß ft. Ich werde ſſe zu machen ßen, die alten ein ſchönes Mittel dazu ſer anwenden als zu Bauten oder auch nur Verbeſſerungen, Sir,«entgegnete der Gefragte.»Beſſer wäre es, das Schloß zu verkaufen als es niederzureißen, glaube ich.« „Das Schloß zu verkaufen!« rief Monthermer.„Eher würde ich mich ſelbſt dem Teufel verkaufen. Was! Ich ſoll mich von dem Sitz meiner Ahnen trennen? Ich müßte gefaßt ſehn, ſie alle aus ihren Grüften hervorkommen zu ſehen, um mich mit Vorwürfen zu überhäufen. Ich wundere mich, wie Sie mir ſo etwas vorſchlagen können, Fairlie.« „Sie mißverſtehen mich, Sir. Es war durchaus nicht meine Abſicht, es Ihnen vorzuſchlagen und ich freue mich⸗ daß meine Bemerkung Sie veranlaßt hat, ſolche Geſinnungen zu äußern. Mein Rath iſt, an dem Platze nicht eher etwas zu ändern als bis Sie Alles richtig unterſucht und erprobt haben. Was den Verkauf betrifft, ſo war es blos ein Scherz. Wäre das Schloß mein, ſo würde ich mich auch nie davon trennen.* „Na, ich für meinen Theil würde jeden Acker, den ich beſitze, und wenn er meiner Familie ſeit der Eroberung ge⸗ hörte, verkaufen, wenn ich Geld brauchte,« ſagte Beau Freke. „Laſſen Sie das Haus, wie es iſt, wenn Sie wollen— aber wenn Sie mich lieben, ſo reißen Sie dieſe alten unanſehnlichen Ruinen nieder.“ „Was! die Ruinen des alten Schloſſes, welches von Radulphus von Monthermer— ich weiß nicht gleich unter welcher Regierung— erbaut ward?“ rief Gage.»Das wäre ja ein offenbarer Frevel!“ „Reißen Sie ſie nieder und bauen Sie ein Sommerhaus an dieſer Stelle,« ſagte Meſchines. „Oder Ställe und ein Hundehaus,« ſchlug Lord Mel⸗ ton vor.* „ 28 „Oder machen Sie den Platz eben und verwandeln Sie ihn in eine Spielwieſe,« bemerkte Jack Braſſey. „Ich werde nichts der Art thun, meine Herren,« ver⸗ ſetzte Gage.»Ich liebe dieſe Denkmäler der Vergangenheit und werde mein Möglichſtes thun, um ſie zu erhalten.« „Ein ſehr lobenswerther Entſchluß, Maſter Monther⸗ mer,« bemerkte Brice Bunbury,»und was mich betrifft, ſo finde ich die Ruinen außerordentlich maleriſch und betrachte ſie als eine große Zierde der Beſitzung.“ „Dafür werden Sie allgemein angeſehen,« ſagte Maſter Fairlie. „Das ſind Geſchmacksſachen,« bemerkte Beau Freke,„und wenn Monthermer dem Alterthum den Vorzug vor der Schön⸗ heit gibt, ſo habe ich nichts weiter zu ſagen. Mir würde es eben ſo wenig einfallen, dieſe modernden Mauern zu erhalten, als ein häßliches altes Weib im Hauſe zu dulden. Aber Sie ſagten, Sie hätten nicht die Mittel zum Bauen, Monther⸗ mer. Mit zwanzigtauſend Pfund jährlich, ſollte ich meinen, müßte man Alles machen können.« „Aber im heurigen Jahr habe ich nicht zwanzigtauſend Pfund. Fragen Sie einmal Maſter Fairlie, meinen zeitheri⸗ gen Vormund, und er wird Ihnen ſagen, daß ich nicht die Hälfte dieſer Summe habe.* »Da Sie mich zwingen zu ſprechen, Sir,« entgegnete Maſter Fairlie, auf welchen Aller Augen gerichtet waren,»ſo muß ich Ihren Freunden erklären, obſchon ich glaube, daß dieſe Mittheilung ſie nicht ſehr überraſchen wird, daß Sie auf Ihr Einkommen um einige tauſend Pfund im Vorſchuß ſind, aber ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß Ihnen ſo viel Geld zur Verfügung ſteht, als Sie befehlen.« „ „Dieſel „Und „Maſt Hrice.»Ich Sobald eine nit ihm ver Nachd hin genor on die Pfe juke die W inmllichen diene, g Mneben ſta Seine ung, ſein Nr Sache ufte. Di Punder th in brillan Vie lan eine dviel, al on Lord ſit in den Bea hift, de in gemein auch wuß nen iin Keiner de wandeln Sie erren, ver⸗ zergangenheit ſter Monther⸗ mich betrifft, und betrachte ſagte Maſter or der Schön⸗ Nir würde es zu erhalten, den. Aber Sie Monther⸗ ich meinen, anigtauſend en zeitheri⸗ ich nicht die entgegnete twaren⸗„ſo glaube, daß daß Sie auf Vorſchuß ſind, Ihnen ſo viel 29 „Dieſen Wink will ich mir merken,“ murmelte der Beau. „Und ich mir auch, sſagte Meſchines in demſelben Tone. „Maſter Fairlie ſcheint ſehr gefällig zu ſeyn,« murmelte Brice.„Ich glaube, er würde einem eine Kleinigkeit leihen. Sobald eine Gelegenheit ſich darbietet, werde ich es einmal mit ihm verſuchen.“ Nachdem die Geſellſchaft das Haus genugſam in Augen⸗ ſchein genommen, begab ſie ſich in die Ställe, wo Lord Mel⸗ ton die Pferde eben ſo herunterzuſetzen begann, wie Beau Freke die Wohnung geſchmäht hatte. Er erklärte, unter ſämmtlichen Pferden befinde ſich auch nicht eines, welches verdiene, geritten zu werden, und ſeine beiden Jokeys, die daneben ſtanden, beſtätigten ſeine Meinung. Seinem eigenen Urtheile mißtrauend und in der Mei⸗ nung, ſein edler Freund müſſe Recht haben, machte Gage der Sache dadurch ein Ende, daß er Comus und Gaylaß kaufte. Dieſe unvergleichlichen Thiere ſollten in Newmarket Wunder thun und Gage als ihren Beſitzer in Stand ſetzen, ein brillantes Debut zu machen. Wie man ſich denken kann, bezahlte der junge Gentle⸗ man einen anſtändigen Preis dafür, aber immer noch nicht ſo viel, als er hätte bezahlen müſſen, wenn er nicht ein Paar von Lord Melton aus ſeinem Stalle ausgewählte Jagdpferde mit in den Kauf gegeben hätte. Beau Freke und Sir Randal lächelten über dieſes Ge⸗ ſchäft, denn ſie wußten wohl, daß der junge Mann, wie man im gemeinen Leben ſagt, über's Ohr gehauen worden war, auch wußten dies alle Uebrigen, dabei aber ſchien zwiſchen ihnen ein ſtillſchweigendes Uebereinkommen zu beſtehen, daß Keiner dem Andern das Geſchäft verderbe. Sogar Maſter Fairlie erhob nicht den leiſeſten Einſpruch 30 dagegen, ſondern wünſchte Gage zu ſeinem Handel Glück und ſetzte ſich dadurch in Lord Melton's Gunſt vollſtändig feſt. Hiernächſt ſchlug Gage einen Spazierritt vor, und nach⸗ dem Pferde für die ganze Geſellſchaft herbeigebracht worden, machten ſie ſich auf den Weg in den Park. Es war ein herrlicher Frühlingstag und von den entweder knoſpenden oder ſchon mit Blättern vom zarteſten Grün be⸗ deckten Bäumen erſchollen die Melodien der Vögel. Auf den langen freien Plätzen ſah man raſch vorübereilende Schat⸗ ten, die Krähen bauten auf den hohen Ulmen geſchäftig ihre Neſter, der Reiher eilte nach den Sümpfen, nichts konnte herrlicher ſehn, als einen Galopp über den elaſtiſchen Boden des Parkes an einem ſolchen Morgen, aber Gage hatte eine Abſicht, weshalb er ſeine Freunde über die Grenzen desſelben hinausführte und nachdem er daher den Park in weſtlicher Richtung durchritten, paſſirte er ein Thor, bog in einen He⸗ ckenweg ein und verfolgte denſelben etwa eine Stunde lang, bis ſie an dem Fuße einer bedeutenden mit Haidekraut und Geſträuch bewachſenen Anhöhe anlangten. Ein ſchmaler Reitweg führte bis auf den Gipfel derſel⸗ ben hinauf, und dieſen verfolgend erreichten ſie bald eine kahle Stelle, auf der ſich weiter nichts befand, als ein kleines, kreis⸗ rundes, ſteinernes Gebäude, von welchem man eine unge⸗ mein weite Ausſicht genoß. Auf der einen Seite lag der ſtattliche Park, den ſie ſoeben verlaſſen, mit ſeinem alterthüml ichen Herrenhaus und den noch alterthümlicheren Ruinen, die durch die Bäume hin⸗ durch erkennbar waren. Auf der andern ſah man ein ſchönes fruchtbares Land mit einem ſich hindurch, dem Meere entgegenſchlängelnden Fluß, ſchlteiche nit einet Eine grenzte die ungführ ſhritt die ar geweſ Der in der Mi ſultenden Ihhöhe i Parkes, ſunden. »D Guge.„ gegnete 2 „J nein Wo lächeln ſhen, m „ ieſe Dör ier— u Unther wortete ih mein hieh idel Glück und dig feſt. und nach⸗ bracht worden, n den entweder teſten Grün be⸗ r Vögel. Auf reilende Schat geſchäftig ihre nichts konnte ſtichen Boden ge hatte eine enzen desſelben in weſtlicher gin einen He⸗ Stunde lang, Haidekraut und nGipfel derſel⸗ d eine kahle n kleines, kreis⸗ an eine unge⸗ Park, den ſie errenhaus und Bäume hin⸗ htbares Land oft hierher zu führen, um ſie anzuſehen, und das letzte Mal, als ngeln lnden Fluß, 3 31 zahlreiche umhergeſtreute Gehöfte, und hier und da ein Dorf mit einer grauen alten Kirche. Eine etwa ſechs engliſche Meilen entfernte Hügelkette be⸗ grenzte die Ausſicht landeinwärts und eine zweite Anhöhe von ungefähr gleicher Entfernung in entgegengeſetzter Richtung ſchnitt die Ausſicht auf das Meer ab, außerdem ſicht⸗ bar geweſen ſeyn würde. Der Hügel, auf welchem die Geſellſchaft ſtand, ſchien in der Mitte eines großen einige zwanzig Meilen im Umkreiſe haltenden Thales außzuſteigen, und es war keine entſprechende Anhöhe in der Nähe weiter vorhanden als der Theil dieſes Parkes, auf welchem das Herrenhaus und das alte Schloß ſtanden. „Dies heißt der Leuchtthurmhügel, meine Herren,« ſagte Gage.„Wie finden Sie dieſe Ausſicht?“ „In der That, ich finde ſie außerordentlich ſchön,« ent⸗ gegnete Brice. „Ich habe nie etwas ſo Schönes geſehen, niemals, auf mein Wort.* „Ich habe Sie hierhergeführt,« fuhr Gage mit ſtolzem Lächeln fort,„weil Alles, was Sie von dieſem Punkte aus ſehen, mein Eigenthum iſt.« „Was? Iſt das Ihr Ernſt?s rief Brice.„Was! alle dieſe Dörfer— wir wollen einmal zählen, eins, zwei, drei, vier— und unzählige einzelne Gehöfte, dies gehört alles Ihnen, Monthermer?“ „Jedes Haus, jede Hütte, jeder Baum iſt mein,« ant⸗ wortete Gage.»Ich geſtehe, ich fühle einigen Stolz, wenn ich meine Beſitzungen überſchaue. Mein Vater pflegte mich 32 wir mit einander an dieſer Stelle ſtanden, ſagte er zu mir: Alles, was Du hier zu unſern Füßen ſiehſt, wird einmal Dir gehören, mein Sohn, und wenn Du Herr dieſes Beſitz⸗ thums biſt, dann nimm es wohl in Acht. „Ein verwünſcht guter Rath von Seiten des alten Herrn!* ſagte Brice. Ueber dieſe Bemerkung erhob ſich ein allgemeines Ge⸗ lächter. meine Herren,« bemerkte Gage,»aber ich kann nicht mit einſtimmen und Sie werden begreifen, weshalb ich es nicht kann, wenn ich Ihnen ſage, daß eben am Fuße dieſes ſelben Hügels mein armer Vater ſeinen Tod fand.“ „Dort am Bache, an jener Weide war es,“ ſagte Ma⸗ ſter Fairlie.„Sein Pferd ſtürzte mit ihm, während es über die Hecke ſetzte. Ich will Ihnen ganz genau den Ort zeigen, wenn es Ihnen beliebt.“ Die Geſellſchaft ritt hierauf langſam und ſchweigend den Hügel hinunter und näherte ſich dem Schauplatz der un⸗ glücklichen Kataſtrophe, als ein langer, ſtarkgebauter Mann von mittlern Jahren in der Kleidung eines Landmannes plötz⸗ lich hinter einem Heuhaufen hervorkam und gerade auf Gage zuſchritt. Als er ſich dem jungen Squire näherte, nahm er ſeinen Hut ab und wünſchte offenbar mit ihm zu ſprechen. Maſter Fairlie aber winkte ihm zornig mit ſeiner Reit⸗ peitſche, zurückzutreten. „Der Squire kann jetzt nicht mit Euch ſprechen, Mark Rougham,« rief er.»Seht Ihr nicht, daß er bereits in An⸗ ſpruch genommen iſt? Ein andermal.“ „Ich wünſche nicht Ihrer Heiterkeit Einhalt zu thun, e „und Souir ſeinen bis w mit d konnt ham, fir 6 ich F »Kon mich das ſit; Groß chaft Gan iger Naſt Fuir daß age Dur 33 mit⸗»Ich muß ſprechen, wenn ich kann,« verſetzte Rougham, inmal»und wenn es im ganzen Lande einen Ort gibt, wo der Leſiz⸗ Squire mich anhören ſollte, ſo iſt es dieſer, denn hier hob ich ſeinen Vater auf, als er ſtürzte, und hielt ihn in meinen Armen, bis weitere Hilfe herbeikam. Der würdige Herr dankte mir n mit den Augen, obſchon er mir nicht mit den Lippen danken konnte.* »Wirklich? Davon höre ich jetzt das erſte Wort, Roug⸗ ham,« ſagte Gage.»Sprecht, guter Mann. Was kann ich 6 für Euch thun?“ »Ihr thätet beſſer, den Squre nicht zu beläſtigen, ſage ſcben ich Euch, Rougham,s mengte ſich Maſter Fairlie wieder ein. »Kommt lieber morgen Früh aufs Schloß.* Ma⸗»Nein, ich will jetzt reden, da der Squire geneigt iſt ʒiber mich anzuhören,« ſagte Mark ſtaudhaft.„Soll ich wirklich . das Pachtgut Kuhbrücke verlaſſen, Sir, welches ich ſelbſt ſeit zwanzig Jahren innegehabt, und das mein Vater und Großvater vor mir beinahe ein Jahrhundert lang bewirth⸗ eigend ſchaftet haben?« »„Ob Ihr euer Pachtgut verlaſſen ſollt, Rougham? n Ganz gewiß nicht.* ⸗„Ich wußte gleich, daß Sie es nicht thun würden, gnä⸗ diger Herr,« rief Mark faſt ſchluchzend.»Ich ſagte es auch ſinen Maſter Fairlie, Sir.* „Ich werde Ihnen alles ſpäter erklären, Sir,« ſagte Fairlie.„Dieſer Mann hat ſich ſelbſt die Schuld beizumeſſen, daß er herausgeſetzt worden iſt.« „Mein Gott, Maſter Fairlie, Sie wollen doch nicht 6. ſagen, daß Sie ihn aus dem Hauſe vertrieben haben, in wel⸗ in An⸗ Der Verſchwender. I. 3 1 2% 35 chem er geboren und erzogen ward? Er muß es wieder haben, eben ſo wie das Gut und um einen billigeren Zins.« „Ich verlange es blos zu dem alten Zins, Sir,“ be⸗ merkte Rougham. „Was, iſt ſein Zins erhöht worden?“ rief Gage.»O, Maſter Fairlie!“ „Warte, Du Hund! das ſollſt Du mir büßen,« mur⸗ melte der Verwalter zwiſchen den Zähnen hindurch, laut aber ſagte er:„Sehr wohl, Sir. Der Mann ſoll in das Pacht⸗ gut wieder eingewieſen und ſein Zins ermäßigt werden, wie Sie wünſchen.“ „Gott überſchütte Sie mit Segen, Sirl« rief Mark inbrünſtig, indem er Gage dankbar mit Augen betrachtete, in welche die Thränen emporgeſtiegen waren.„Sie haben eine gute That gethan, die, wie ich gewiß weiß, den Beifall Ihres würdigen Vaters gehabt hätte.“ Gage gab keine Antwort, denn ſein Herz war zu voll und er ritt von den Andern begleitet fort. Während Maſter Fairlie ihnen etwas langſamer folgte, warf er einen rach⸗ ſüchtigen Blick auf Rougham und drohte ihm mit der Peitſche. „Ja, ja, Du würdeſt ſie mir gern zu koſten geben, wenn Du es wagteſt,« ſagte Mark bei ſich ſelbſt.»Der arme junge Herr, wie gutmüthig er iſt! Ich ſehe nun wohl, er iſt in ſchlechten Händen. Welch ein Glück für mich, daß ich ihn auf dem Leuchtthurmhügel gewahrte. Es gibt ein altes Sprich⸗ wort, daß einer der Monthermers an dieſem Hügel ſein Be⸗ ſitzthum verlieren und ein Anderer es gewinnen ſoll. Ein Theil der Prophezeiung ſcheint durch Squire Warwick's Unfall in Erfüllung gegangen zu ſeyn. Wie es mit dem andern ſteht, werden wir ſehen.“ Roug gerhe lch g durch und undd obſch nur ſ denn durch nicht wili junge freue inge ſo ha Kerl. haben, mur⸗ ut aber pacht en, wie f Mark htete, in ben eine ll Ihres zu voll Moſter en rach⸗ Peitſche. n geben⸗ er arme hl er iſt ich ihn Sprich⸗ ſein Be⸗ Ein Theil Unfall in ern ſtht. 35 Dieſer Vorfall brachte einen augenblicklichen Eindruck auf Gage hervor, doch verwiſchte er ſich bald wieder. Er dachte daran, daß auch noch andere ſeiner Pächter auf dieſelbe Weiſe behandelt worden ſeyn könnten, wie Mark Rougham und nahm ſich vor, die Sache bei der erſten Gele⸗ genheit zu unterſuchen. Dieſe Gelegenheit aber kam niemals. Bei einem wirk⸗ lich guten Herzen und leutſeliger Gemüthsart ward er doch durch ſeine Vergnügungsſucht ſo ſehr in Anſpruch genommen, und war aller Mühe und Beſchwerde irgend einer Art ſo durch und durch abgeneigt, daß er Alles ſeinen Gang gehen ließ, obſchon er wußte, daß die Richtung eine falſche war. Ueberdies fürchtete er ſich auch vor Maſter Fairlie, und nur ſehr ſelten wagte er anderer Meinung zu ſeyn als dieſer, denn obſchon anſcheinend fügſam, ließ der Verwalter doch durch ſein Benehmen deutlich merken, daß er Einmiſchung nicht liebe. In Bezug auf Mark Rougham gab Maſter Fairlie frei⸗ willig auf dem Heimwege Gage eine Erklärung, welche den jungen Mann zufrieden zu ſtellen ſchien. Was ihn ſelbſt betraf, ſo erklärte der Verwalter, er freue ſich, daß Maſter Monthermer den Pächter Mark wieder eingeſetzt habe, denn obſchon er ein hartnäckiger Dickkopf ſey, ſo halte er ihn doch in der Hauptſache für einen ganz guten Kerl. Er könne auch recht gut etwas mehr Pachtzins zahlen, wolle aber nur nicht. In der letzten Zeit ſey er oft in Rück⸗ ſtand geblieben. Andere Leute wären vollkommen bereit, das Gut zu einem höhern Zins zu übernehmen. Indem er ſeine Pflicht gegen Maſter Monthermer gethan, glaube er(Maſter Fairlie) nicht, daß ihm eine andere Wahl zugeſtanden habe, * 36 als ſo zu handeln, wie er gegen Rougham gehandelt und ihn herauszuſetzen, obſchon dieſe Maßregel etwas hart erſcheinen könne, und auch durchaus nicht mit ſeinen eigenen Neigungen übereinſtimme. „Es taugt wirklich nichts, die Klagen dieſer Leute an⸗ zuhören, das verſichere ich Ihnen, Sir,“ ſchloß er.»Sie wer⸗ den Ihre Gutmüthigkeit mißbrauchen, wenn ſie können. Je weniger Sie mit ihnen zuſammentreffen, deſto beſſer iſt es, bis Sie verſtehen, wie man mit ihnen umgehen muß.« „Ich werde aber niemals ein harter Gutsherr ſeyn, Fairlie,« ſagte Gage. „Das ſteht auch nicht zu fürchten, Sir,« entgegnete der Andere lächelnd,„denn dann müßten Sie nicht Ihres Vaters Sohn ſeyn. Dennoch aber dürfen Sie auch nicht in das an⸗ dere Extrem verfallen, und zu nachgiebig ſeyn, ſonſt neh⸗ men die Betteleien dieſer Leute kein Ende. Ueberlaſſen Sie das mir.* Dies war Alles, was über dieſe Sache geſprochen ward. und d ren und bald nung nd ihn cheinen gungen te an⸗ ie wer⸗ en. Je ſt es ſehn, ete der Vaters as an⸗ ſt neh⸗ ſen Sie rochen — W. Wie Sir Randal de Meſchines ſich erbot, Gage von ſei— ner Leidenſchaft zu heilen. Maſter Fairlie kam mit den Gäſten ſehr gut zu Fache, und die Gäſte kamen ſehr gut mit Maſter Fairlie zu Fache. Sie kamen einander auf halbem Wege entgegen. Anfangs betrachteten die neuen Ankömmlinge, da ſie ih⸗ ren Mann noch nicht kannten, den Verwalter mit Mißfallen, und als ein wahrſcheinliches Hinderniß gegen ihre Projecte, bald aber fanden ſie, daß er durchaus ungünſtige Geſin⸗ nungen gegen ſie hegte. Ein von Lord Melton vorgeſchlagenes Wettrennen zwi⸗ ſchen Comus und Gaylaß im Park ward von Maſter Fairlie eifrigſt unterſtützt, und er lachte blos, als Gage, der auf die Stute gewettet, eine bedeutende Summe an den edlen Lord verlor. Er konnte wohl lachen, denn er hatte mit dem vorneh— men Gauner Halbpart gemacht. Brice Bunburh borgte eine Kleinigkeit von ihm, und erfuhr von Fairlie, der als Zahlmeiſter fungirte, daß er die Börſe des freigebigen jungen Herrn ſo oft in Anſpruch nehmen könne, als er wolle. Freilich war Fairlie dabei durchaus nicht geſonnen ihm auf dieſe Weiſe umſonſt zu dienen. 38 Nat Miſt und Jack Braſſey waren noch leichter zu ge⸗ nit winnen, denn ſie waren Gourmands. Die auserleſenſten Ge⸗ Schle richte wurden täglich bereitet, und der Keller nach den aus⸗ ſönn geſuchteſten Weinen durchwühlt. Eine Quantität Portwein aus der Zeit Carls des Zweiten ward zum Vorſchein gebracht und ſn ſehr bewundert, beſonders durch Nat Miſt, und Maſter Fair⸗ ü lie trug Sorge, daß ihm ſtets eine Flaſche davon vorgeſetzt ward. Jack Braſſey hielt es mehr mit dem Eſſen, und ſein 3 Geſchmack ward in dieſer Beziehung ſorgfältig ſtudirt. Der Koch that Wunder, und Jack ließ ſeinen Leiſtungen volle Ge⸗ Eir rechtigkeit widerfahren. Fir Jeden Abend wurden Karten und Würfel herbeigebracht Unſt ohne den mindeſten Einwand von Maſter Fairlie, obſchon er, ſehte ſeitdem er Finanzminiſter war, von den bedeutenden Verluſten verli Gages nicht ununterrichtet ſeyn konnte. Es ſchien ihm förm⸗ z onf lich Vergnügen zu machen, des Morgens an Beau Freke oder Sir Randal ein- oder zweihundert Pfund auszuzahlen. Ga Auf dieſe Weiſe ermuthigt, begannen die beiden letztern Fre Herren über einen kühneren Streich nachzudenken, und ob⸗ gla ſchon ſie kaum ein Wort von ihren Abſichten gegen einander abe äußerten, ſo ſchien es doch faſt, als ob Maſter Fairlie ihre auf geheimen Gedanken erriethe, denn eines Tages, als er wie gewöhnlich Gage's Ehrenſchulden abmachte, bemerkte er da⸗ hi bei mit einer Bedeutſamkeit, die unmöglich mißverſtanden wer⸗ nb den konnte: hi „Sie haben ſo viel Glück, meine Herren, daß ich aus ni Rückſicht für meinen jungen Freund ſeinem Hang zum Spiel eſe Einhalt thun oder ihn veranlaſſen ſollte, weniger geſchickte Gegner zu wählen. Indeſſen, er muß ſeine Erfahrung erkau⸗ ſit fen, das weiß ich recht wohl. Ich wünſchte blos, ich könnte U. 39 e mit Ihnen theilen, denn dann, wenn Sie vielleicht einen ſun Ge⸗ Schlag, verſtehen Sie wohl, einen guten Schlag ausführen, v g. K) 5 3 5 8 8 B ⸗ könnte ich vielleicht auch ein tauſend Pfund dabei verdienen.“ „Ah, Maſter Fairlie,« rief Beau Freke,„Sie ſcheinen damit andeuten zu wollen, daß wir dreitauſend Pfund gewin⸗ nen ſollten.* acht und ter Fair⸗ vorgeſetzt 8„Ich deute nichts an, Sir, wenn Sie aber wirklich die⸗ ſen Betrag gewinnen—8 und ſein tunt „So werden Sie ein Drittel davon erwarten,« ſagte irt. Der le Ge⸗ Sir Randal, den Redeſatz vollendend.»Abgemacht, Maſter Fairlie. Von nun an ſind Sie unſer Geſchäftscompagnon. uracht Unſer Gewinn iſt auch Ihr Gewinn. Ein niedlicher Schurke,« igebra ſetzte er zu dem Beau hinzu, als ſie mit einander das Zimmer verließen;„wir müſſen ihn aber auf unſerer Seite haben, ſonſt verdirbt er uns das Spiel, ſo viel iſt ſicher.“ ſchon er, Verluſten hn förm⸗* le vder Man wird nicht vorausſetzen, daß ein junger Mann von Frete Gage's Gemüthsart zögerte, ſeine geheimen Leiden ſeinen 3 Freunden zu offenbaren, beſonders denen, von welchen er id glaubte, daß ſie ihm Sympathie ſchenken würden. Er wählte nander aber eine ſeltſame Zeit zu dieſer Offenbarung, und bewirkte ſie iie ihre auf eine ſeltſame Weiſe. r wie Eines Morgens, während er ſich unter Chaſſemouche's n er da⸗ Händen befand, und während Beau Freke und Sir Randal neben ihm ihre Chocolade ſchlürften, ſprang er plötzlich in die Höhe, riß ſich los von dem erſtaunten Friſeur, welcher ihn mit offenem Munde, hoch emporgehobenem Kamm und Brenn⸗ eiſen, und während ſein Zopf ſich vor Erſtaunen faſt gerade in die Höhe richtete, anſtierte, ſtieß einige unverſtändliche ſeltſame Worte aus, und begann ſich als den unglücklichſten Menſchen auf der ganzen Welt zu ſchildern. nden wel⸗ ich aus„ um Spirl giſchicte erkau⸗ ich tönnte 40 „Was gibt es denn*“ fragte der Beau, ihn ruhig be⸗ trachtend. „Ich kann ihr Bild nicht aus meinem Herzen verban⸗ nen,« fuhr Gage fort.„Ich bin unglücklich, ich bin elend!« „Weſſen Bild?« fragte Sir Randal.„Ich dachte, Sie hätten Colombe Mirepoix ſchon längſt vergeſſen.« „Ich hörte, es wohnte in St. James⸗Street eine kleine Putzmacherin, auf welche Sie Ihr Auge geworfen hätten,« ſagte Beau Freke.»Iſt dieſe die Urſache Ihres Kummers? Wenn dies der Fall iſt, ſo wollen wir Brice ſofort nach ihr ſchicken.* „Nein, es iſt eine vraie affaire de coeur, messieurs,* ſagte Chaſſemouche.»Mon maitre est éperdument amoureux. Ich ſage ihm immer, er ſolle ſich tröſten, aber er will mir nicht glauben, er ängſtet ſich ab, pauvre monsieur, wie ängſtet er ſich ab! das Herz wird ihm brechen und weswe⸗ gen? Wegen einer eigenſinnigen Spröden.* „Schweig, Chaſſemouche! Clara iſt keine eigenſinnige Spröde!* „Oho! da haben wir doch auf alle Fälle wenigſtens den Namen erfahren,« ſagte Sir Randal. „Meſſieurs, ich appellire an Sie,« rief Chaſſemouche. „Habe ich Unrecht, wenn ich die Demoiſelle eine eigenſinnige Spröde nenne, welche une si bon partie comme mon maitre ausſchlägt, die ihn ausſchlägt, während er zu ihren Füßen kniet, und ihr ſeine Hand anträgt. Und ſie iſt nicht einmal ſeines Gleichen, Meſſieurs! Sie ſollte ſich durch ſeinen Antrag geſchmeichelt und geehrt fühlen.« „Schweig, Chaſſemouche, ſage ich!“ rief Gage zornig. „Pardon, Monſieur. Meine Anhänglichkeit an Sie treibt mich, zu ſprechen. Es iſt Mademoiſelle Clara Fairlie, in welche monsi habe, nigu nouch geiras vollko nouc muß ſind e hett heira Fair merkt ſchwe Auge ih hig be⸗ verban⸗ lend!“ G = e kleine ätten, mers ach ihr ieurs,“ ureu. ill mir w, wie wese⸗ nſinnige ons den mouche. nſinnige maitre Füßen einmal Antrag zornig. nwelche 41 monsieur est si amoureux. Jugez, messieurs, ob ich Unrecht habe, wenn ich ſage, daß ſie üère ſeyn ſollte auf die Zu⸗ neigung eines Mannes, wie mein Herr iſt.« »Ich befehle Dir nochmals, zu ſchweigen, Chaſſe⸗ mouche.« »Iſt es möglich, daß Sie dieſem Mädchen die Ehe an⸗ getragen haben, Monthermer?« fragte Beau Freke. „Monſieur, Sie halten es für unmöglich, aber es iſt vollkommen wahr, parole d'honneur! entgegnete Chaſſe⸗ mouche. „Sie widerſprechen ihm nicht, Monthermer, und ich muß daraus ſchließen, daß Chaſſemouche Recht hat. Aber wie ſind Sie nur auf eine ſolche Idee gekommen? Sie müſſen be⸗ hext geweſen ſeyn. Sie ſind noch ſo jung und wollen ſchon heirathen, bei Ihrem Vermögen, Ihrer Stellung, und zwar Fairlie's Tochter? Das iſt etwas ſtark!* „Das habe ich auch ſchon zu Monſieur geſagt,“ be⸗ merkte Chaſſemouche. „In zehn, in zwanzig Jahren wird es noch Zeit genug für Sie ſeyn, an eine Frau zu denken,« fuhr der Beau fort. „Jetzt wäre es Wahnſinn.« „Wort für Wort, was ich ſchon geſagt habe,« ſagte Chaſſemouche.„Monsieur doit prendre une femme quand il a jeté le premier feu de sa jeunesse. Er wird Mademoiſelle Clara's in einem Monat überdrüſſig ſeyn.“ „Chaſſemouche, ich erwürge Dich, wenn Du nicht ſchweigſt!« rief Gage wüthend. „Meiner Treue, da ſind Sie noch mit einem blauen Auge weggekommen, Monthermer,« ſagte Sir Randal,„und ich wünſche Ihnen Glück dazu.« 42 „Nicht jedes Mädchen würde Sie ſo leicht losgelaſſen haben.* Herj „Auch das habe ich ihm geſagt,« bemerkte der geſchwä⸗* iht, tzige Kammerdiener. „Aber aus welchem Grunde kann ſie Ihnen den Korb Barc gegeben haben?« fuhr der junge Baronet fort. „Sie ſagt, er ſey ein zu großer Wüſtling,“ entgegnete tht Chaſſemouche lachend. nehn „Ach lieber gar! Das wäre ein ſehr müßiger Grund. Sie muß einen Andern haben. Ratürlich iſt ſie ſchön, ſonſt habe würden Sie ſich nicht in ſie verliebt haben, Monthermer.“ ſ „Sie iſt eine Göttin!« rief Gage entzückt. »„Und die Göttin bewohnt dieſes Paradies? Seltſam, daß ſie uns noch nicht durch ihre Gegenwart geblendet hat. Ihr Vater hält ſie wahrſcheinlich unter Schloß und Riegel, nicht n wahr?* her „Mais non, wonsieur, entgegnete Chaſſemouche.»Ma⸗ wir ſter Fairlie ſchilt ſie aus, daß ſie ſich nicht zeigt, aber er ver⸗ mag nichts über ſie. Sie geht nicht aus ihrem Zimmer.“ „Meine Neugierde wird rege,« rief Meſchines.„Ich„n muß mich bemühen, ſie zu ſehen. Vielleicht ſchenkt ſie mir Gehör, wenn auch nicht Ihnen, Monthermer.« ge „Sir Randal, dies werde ich nicht geſtatten!“ rief Gage ernſt. „Laſſen Sie ihn gehen,« ſagte Beau Freke.»Koſte es was es wolle, ſo müſſen Sie von dieſer thörichten Leidenſchaft geheilt werden!“— „Aber lieber Freund, ich werde unter der Operation ſterben. „Sterben? warum nicht gar! Sie werden leben, um Ihre Verblendung zu belachen.“ elaſſen ſchwä⸗ Korb gegnete Grund. ſonſt m daß t. Ihr nicht Ma⸗ er ver⸗ „Ich ie mir rief oſte es nſchaft eration en, um 43 „Im Grunde genommen iſt keine Gefahr dabei. Ihr Herz iſt ſo hart wie Marmor. Verſuchen Sie es einmal mit ihr, wenn Sie Luſt haben, Meſchines.« „Das iſt auch meine Abſicht,« entgegnete der junge Baronet. „Himmel!« rief Gage mit plötzlicher Reue,»ich that ſehr Unrecht daran, Ihnen dieſe Erlaubniß zu geben. Ich nehme ſie hiermit zurück.« „Es iſt zu ſpät,“ entgegnete Sir Randal lachend.»Was haben Sie zu fürchten, wenn Sie glauben, daß ſie für mich unverwundbar ſey?« „Oui, n'ayez pas peur, monsieur,«ſagte Chaſſemouche. „Asseyez-vous et laissez-moi finir de vous coiffer. Als Chaſſemouche mit der Toilette fertig war, verließ er das Zimmer. Auf dem Vorplatze begegnete er Bellairs, wel⸗ cher ihm mittheilte, daß Maſter Fairlie ihn zu ſprechen wünſche.« „Corbleu! Weswegen?“ fragte der Franzoſe. „Das weiß ich nicht,« entgegnete der Kammerdiener, „aber er ſcheint fürchterlich aufgebracht zu ſehn.« Und der zitternde Friſeur lenkte ſeine Schritte nach der Wohnung des Verwalters. + + W In welchem Arthur Pounings von Reedham und ſeine Schweſter Luch vorgeſtellt werden.— Ein Brief von Clara Fairlie. Sir Hugh Poynings von Reedham war einer von War⸗ wicks de Monthermer älteſten und geſchätzteſten Freunden und wenn Alles ſo gekommen wäre, wie es ſollte(was aber ſel⸗ ten der Fall iſt), ſo wären die beiden würdigen Herren durch noch ſtärkere Bande als die bloßer Achtung, nemlich durch ein Familienbündniß, vereinigt worden. Luch Poynings war von ihrem Vater für Gage be⸗ ſtimmt und verrieth keine Luſt, die Abſichten des alten Herrn zu vereiteln. Squire Warwick wünſchte dieſe Partie ebenfalls, ſein Sohn aber konnte nicht vermocht werden, ſich mit dieſem Projecte einverſtanden zu erklären. Sehr hübſch, ſehr liebenswürdig und gebildet war Luchy und wie es ſchien, in jeder Beziehung geeignet, den jungen Mann glücklich zu machen, nur ließ er ſich nicht bewegen, dies zu glauben. Er konnte ſie recht gut leiden, aber ſie intereſſirte ihn nicht im mindeſten. Als Knabe pflegte er ſie ſeine»kleine Fraus zu nennen, ließ aber dieſe zärtliche Benennung fallen, ſo wie er älter ward und die Bedeutung derſelben zu verſtehen begann. N . * ——— Arne ſichn ware übten am n blic nenve nieme und! ſch. ſrſ unge lch ſhn obſche inge Liebli ſeines dauer zwi ſine von War⸗ nund ſel⸗ durch rch ein e be⸗ Herrn nfalls dieſem LAuch ungen egen ihn nnen, älter 45 Luch ſpielte ſehr gut Clavier und ſang einige von Dr. Arne's und Dr. Pepuch's Liedern ganz nett, aber er machte ſich nichts daraus, ihr Spielen oder Singen zu hören. Jedes andere Mädchen gefiel ihm eben ſo gut wie Luch als Tänzerin bei einer Menuet oder einem Rundtanz, obſchon ſie für eine höchſt anmuthige Tänzerin galt. Sie hatte die ſanfteſten blauen Augen, die man ſich denken kann und die weißeſte Haut, unglücklicherweiſe aber waren die Augen, welche die méiſte Wirkung auf Gage aus⸗ übten, von der entgegengeſetzten Farbe und der Teint, den er am meiſten bewunderte, war der einer Brünette. Deshalb erklärte Luch, der es durchaus nicht an Scharf⸗ blick oder Selbſtgefühl fehlte, ihrem Vater(obſchon ihre thrä⸗ nenvollen Augen der Behauptung widerſprachen), daß ſie niemals daran denken könne, Gage ihren Gatten zu nennen. Sir Hugh lachte und ſagte, ſie kenne ſich ſelbſt nicht und werde andern Sinnes werden, ehe ſie ein Jahr älter ſey. Uebrigens müſſe ſie ihm überlaſſen zu beurtheilen, was für ſie das Beſte ſey, er werde über ſie verfügen, wie er es angemeſſen erachte u. ſ. w. Endlich aber bekehrte er ſich ebenfalls zu ihrer Meinung. Auch Squire Warwick, welcher bemerkte, daß es vergeblich ſeyn würde, die Sache mit ſeinem Sohne zu discutiren, gab, obſchon überraſcht und ärgerlich über die Gleichgiltigkeit des jungen Mannes gegen ein ſo ſchönes Mädchen wie Luch, das Lieblingsproject einer Verheirathung Gage's mit der Tochter ſeines alten Freundes auf, obſchon nicht ohne großes Be⸗ dauern. Luch Poynings hatte einen Bruder, Arthur, der ungefähr zwei Jahr älter war als ſie. 46 Dieſer war Gage's fortwährender Spielgenoſſe während der Knabenjahre geweſen und während dieſer angenehmen Zeit des Lebens fühlten ſich die beiden Knaben nur glücklich, wenn ſie beiſammen waren, und ließen ſich nicht träumen, daß ihre Freundſchaft unterbrochen werden könne. Als aber ihre Charaktere ſich zu entwickeln begannen und ſehr entgegengeſetzte Eigenſchaften und Geſchmacksrich⸗ tungen zu Tage traten, da erkaltete die Wärme ihrer Gefühle ſehr raſch und anſtatt wie früher unzertrennlich zu ſehn, ka⸗ men ſie jetzt nur ſelten zuſammen. Ein ſchöner geiſtvoller Jüngling war Arthur Poynings, gut gewachſen, blond und mit hellblauen Augen gleich denen ſeiner Schweſter. Dabei aber hatte er durchaus nichts Ge⸗ ckenhaftes. Er war groß in allen männlichen Leibesübungen und ward ſchon als Knabe als der kühnſte Reiter in Suffolk be⸗ trachtet. Gage war ihm zu ſtutzerhaft und ſybaritiſch, während dieſer an ſeiner Kleidung und an ſeinem Benehmen viel aus⸗ zuſetzen hatte und ihn für kaum einen Grad beſſer hielt als einen gewöhnlichen Bauer. Auf dem Jagdrevier entſpann ſich zwiſchen den beiden Jünglingen eine Art Nebenbuhlerſchaft und ſie hatten häufige Streitigkeiten, wer von ihnen der beſte Reiter ſey, bis ihr Zwiſt durch den jungen Poynings entſchieden ward, der ein außerordentliches Kunſtſtüͤck ausführte, welches Gage ihm nicht nachzumachen wagte. In Orford waren die beiden Jünglinge ebenfalls zu gleicher Zeit, doch beſtand eben kein intimes Verhältniß zwi⸗ ſchen ihnen, beſonders ſeit Squire Warwicks Tode, wo Gage ſürzt aber doher Schn dicat hatte harte tion milie junge lehnt Gage Lhor denke daß höre ſicht polle do jt inge den ſ digen be ſſe r ährend nehmen ichlich n, daß gannen Wörich⸗ Gefühle hn, ka⸗ ynings, denen ts Ge⸗ gen und folk be⸗ während iel aus⸗ ielt als nbeiden häufige bis ihr d, der age ihm falls zu niß zwi⸗ ode, wo 47 Gage ſich in Ausſchweifungen und Thorheiten aller Art ſtürzte. Arthur ſtudirte allerdings auch nicht ſehr angeſtrengt, aber er trank auch nicht, ſpielte und ſchwelgte nicht und ward daher von Gages Genoſſen ein Pinſel, ein Heuchler und Schmeichler genannt, obgleich keines dieſer ſchimpflichen Prä⸗ dicate mit Recht auf ihn angewendet werden konnte. Jack Braſſey ging ſogar ſo weit, ihn zu moleſtiren, hatte aber bald Grund, ſeine Voreiligkeit zu bereuen, und die harte Züchtigung, die er erhielt, wirkte als eine heilſame Ler⸗ tion für die Andern. Arthur blieb von nun an unbeläſtigt. Sir Hugh und Lady Poynings waren mit ihrer Fa⸗ milie zu den Feſtlichkeiten in Monthermer Caſtle, als der junge Gutsherr majorenn ward, eingeladen worden, aber ſie lehnten die Einladung kalt ab, denn der Baronet mißbilligte Gages ſcandalöſes Treiben ſo ſehr und war wegen ſeiner Thorheit und der ſo geringen Achtung, die er gegen das An⸗ denken ſeines Vaters an den Tag legte, ſo gegen ihn aufgebracht, daß er es kaum ertragen konnte, ſeinen Namen nennen zu hören. Sir Hugh erklärte, er werde dergleichen Vorgänge nicht durch ſeine Gegenwart gutheißen und eben ſo wenig ſolle Jemand, der zu ihm gehöre, das ſchwelgeriſche Haus des jungen Wüſtlings betreten, am allerwenigſten Lady Poy⸗ nings oder Luch. Die Letztere war es allein, welche den jungen Mann, für den ſie immer noch eine innige Zuneigung hegte, zu verthei⸗ digen ſuchte. Er ſey ſehr jung, ſagte ſie, und könne ſich noch beſſern, ja, es ſey ganz gewiß, daß er ſich beſſern und mit der Zeit ein ausgezeichneter Charakter ſeyn werde. Sir Hugh befahl ihr aber zornig zu ſchweigen, ſie wiſſe nicht, was ein Wüſtling zu bedeuten habe, ein ſolcher beſſere — . — 48 ſich nie eher, als bis er an Geſundheit und Vermögen ruinirt ſey, ſie habe von Glück zu ſagen, daß ſie ihn nicht bekommen habe. Es ſey ſehr gut, daß Squire Warwick bereits in ſeinem Grabe ruhe, ſonſt würde die ſchlechte Aufführung ſeines Soh⸗ nes ihm viel Herzeleid bereitet haben. Die arme Luch ſeufzte und dachte, ſie würde Gage mit all ſeinen Fehlern nehmen. Junge Frauen ſind nachſichtiger gegen unſere Mängel und haben mehr Hoffnung auf unſere Beſſerung, als kieſelherzige alte Männer, die uns nach ſich beurtheilen. Es beſtand jedoch in Bezug auf Monthermer Caſtle und deſſen Bewohner noch ein anderer Umſtand, den Sir Hugh nicht kannte, der aber, wenn er ihn gekannt, an und für ſich hinreichend geweſen wäre, ihn von einem Beſuche dort abzuſchrecken, oder ihn zu bewegen, auch ſeinem Sohne die Erlaubniß, dort hinzugehen, zu verſagen. Der alte Baronet war nemlich einer von denen, welche Felix Fairlie ſchon längſt durchſchaut hatten, und er hatte ſich vorgenommen, ihn vor dem Herrn zu entlarven, den er, wie er überzeugt war, hinterging. Unglücklicherweiſe aber verſchob er die Ausführung ſei⸗ ner Abſicht, bis es zu ſpät war. Er hielt den Verwalter für einen vollendeten Schurken und Heuchler und alle ſpäteren Handlungen Fairlie's über⸗ eugten ihn von der Richtigkeit ſeiner Meinung. Man denke ſich daher, wie groß ſeine Wuth und ſein Kummer geweſen wären, wenn er gewußt hätte, daß ſein Sohn, ſein einziger Sohn, der Erbe ſeines Titels, mit dem Gedanken umging, ſich mit Fairlies Tochter zu vermälen. Und doch war dies der Fall, wie wir gleich ſehen werden. wenn nruinirt kommen nſeinem age mit hſichtiger f unſere nach ſich ſtle und ir Hugh und für che dort ohne die welche hatte ſich ner, wie rung ſei⸗ Schurken s über⸗ und ſein daß ſein nit dem ermälen. ich ſehen 49 Sir Hugh war außerordentlich ſtolz und würde, ſelbſt wenn Fairlie ein ehrlicher Mann geweſen wäre, die Verbin⸗ dung als eine Mesalliance betrachtet haben. So aber hätte er ſie für ſeinen Sohn geradezu entehrend und ſchmachvoll an⸗ geſehen und ihm ſicherlich niemals verziehen. Arthur Pohnings aber dachte nicht hieran, als er ſich in Clara Fairlie verliebte, oder vielmehr, er war bereits bis über die Ohren in ſie verliebt, ehe er überhaupt an ſeines Vaters Meinung dachte. Als er einmal ordentlich in dem Dilemma ſaß, begann er jedoch zu überlegen, wie er wieder herauskommen ſollte. Sir Hugh, das fühlte er, würde anfangs ſehr aufgebracht ſeyn, aber ganz gewiß gab er mit der Zeit nach, und Clara war ein ſo ſanftes Geſchöpf, daß ſie nicht verfehlen konnte, ihn für ſich zu gewinnen. So folgerte er, wie Liebende unter ähnlichen Umſtänden ſtets folgern. Zum Glück ward Sir Hugh nicht auf die Probe geſtellt. Und nun wollen wir auf die Geſchichte der Liebe Ar⸗ thurs näher eingehen. Luch Pohnings war ſchon lange mit Clara Fairlie be⸗ kannt. Sie hielt ſie für das ſchönſte Weſen, welches ſie je⸗ mals geſehen, eben ſo, wie auch das liebenswürdigſte, und ſprach von ihr in ſo entzückten Ausdrücken mit Arthur, daß ſie ihn ganz natürlich neugierig machte, dieſes Wunder zu ſehen. Dieſer Wunſch ward ſehr bald erfüllt und der junge Mann geſtand, daß ſeine Schweſter guten Grund zu ihren Lobſprüchen gehabt. Der Verſchwender. I. 1 . 50 Kurz und gut, er lernte Clara lieben, er lernte ſie hef⸗ tig lieben, und machte Luch zur Vertrauten ſeiner Leidenſchaft. Das argloſe Mädchen entmuthigte ihn nicht, denn ſie dachte eben ſo wenig an die Folgen, als er ſelbſt daran dachte, und überlegte nicht, ob Sir Hugh und Lady Poynings eine ſolche Heirath gern ſähen oder nicht. Sie dachte blos, wie köſtlich es ſeyn würde, eine ſo rei⸗ zende Schwägerin zu haben wie Clara, und als die Sache nach ihrer Anſicht weit genug gediehen war— denn Arthur und die Tochter des Verwalters ſahen ſich ſehr häufig und der junge Mann glaubte ſeine Aufmerkſamkeiten ſeyen dem Gegenſtande ſeiner Neigung nicht unangenehm— verſtand ſie ſich gern dazu, mit Clara für ihn zu ſprechen und ſeiner Sache das Wort zu reden, wenn dies überhaupt nöthig wäre, was ihrer Mei⸗ nung nach nicht der Fall war. Man denke ſich demnach ihren Schrecken und Kummer, als ſie fand, daß Arthurs Bewerbung hoffnungslos und daß Clara ihre eigene Nebenbuhlerin war. Obſchon die Flamme der Eiferſucht in ihrer Bruſt ſich entzündete, als ſie dieſe Entdeckung machte, ſo erloſch ſie doch bald wieder, als ſie erfuhr, welchen Entſchluß Clara in Be⸗ zug auf Gage gefaßt hatte. Luch liebte ſelbſt viel zu innig, um nicht die Größe des Opfers zu ermeſſen, welches ihre Freundin bereit war zu bringen, und ſie konnte ihr deshalb ihre wärmſten Sympa⸗ thien nicht verſagen. Sie miſchten eine kurze Zeit lang ihre Thränen, dieſe beiden unglücklichen Jungfrauen, nicht im Stande, einander Troſt zu bieten, und trennten ſich dann mit Geſinnungen er⸗ höhter wechſelſeitiger Achtung und Zuneigung. füllte trieb lihte besül wünſ ſch ſ meck Hpy e del. ren gen jung lich Ali 51 ſie hef⸗ Die Rachricht, welche ſeine Schweſter ihm brachte, er⸗ enſchaft. füllte Arthur mit dem Gefühle der bitterſten Täuſchung und denn ſie trieb ihn faſt zur Verzweiflung. dachte, Bis dahin hatte er noch nicht gewußt, wie innig er gs eine liebte. Er ward düſter und ungeſellig, vernachläſſigte die Lei⸗ besübungen, denen er bis jetzt ſo zugethan geweſen und ver⸗ n ſo rei⸗ wünſchte Gage als die Urſache ſeines Elends. ſche nach Sein Weſen und ſeine äußere Erſcheinung veränderten und die ſich ſo ſehr, daß Sir Hugh nicht umhin konnte dies zu be⸗ er junge merken und neugierig zu werden, was ihm fehle. enſtunde Er ahnte faſt, wie er ſeiner Gemalin mittheilte, daß rn daz, der Jüngling liebe und wahrſcheinlich eine Täuſchung erfah⸗ Vort zu ren habe. rer Mei⸗ Und doch, wer konnte wohl ſeinen Sohn, den künfti⸗ gen Sir Arthur Poynings, zurückweiſen? Einen ſo ſchönen gunner. jungen Mann noch dazu, in welchen alle Mädchen ſich ſterb⸗ und daß lich verliebten! War es vielleicht jene kleine ſtolze Dirne, Lady Alicia Manvers? grſ ſch Ladh Poynings fand es nicht angemeſſen, ihn außuklä⸗ ſe dec ren, obſchon ſie in das Geheimniß eingeweiht war. n in Be⸗ Aber eine noch weit härtere Prüfung war Arthur be⸗ ſchieden, wie wir ſofort zeigen werden. röße des Einige Tage, nachdem Beau Freke und die Andern in war ju Monthermer Caſtle angekommen, ward Luch heimlich ein Synpo Brief eingehändigt. Er war von Clara Fairlie und lautete wie folgt: dieſe„Wir müſſen ihn vor dem Verderben retten, ja vor dem nder Verderben, Luch. Die Gefahr iſt drohend. Er iſt von einer er⸗ ⁰ Bande Spieler umgeben, die ihm täglich bedeutende Summen ungen Geldes abgewinnen, und die, dies iſt vollkommen klar, ihn 52 nicht verlaſſen werden, ſo lange er noch etwas zu verlie⸗ ren hat. „Du wirſt Dich über ſeine Verblendung wundern und in der That iſt dieſelbe unbegreiflich, denn es iſt kaum mög⸗ lich, daß er die Abſichten dieſer Menſchen nicht durchſchaue. Und dennoch iſt die eigenthümliche Unentſchloſſenheit, wie ſoll ich es nennen, die Schwäche ſeines Charakters ſo groß, daß er, einmal in ſolchen Netzen gefangen, keine Anſtrengung machen wird, ihnen zu entrinnen, obſchon die ſeidenen Ma⸗ ſchen augenblicklich geſprengt werden könnten. Er muß befreit werden, Luch, oder er iſt verloren. Aber wie? „Ich kann ihm nicht helfen, und ich will Dir ſagen warum, obſchon ich dieſes Geſtändniß mit Schmerz und Scham ablege und es mir nur durch die Umſtände abgedrungen wird. Der Mann, dem ich Liebe, Verehrung und Gehorſam ſchul⸗ dig bin, iſt, fürchte ich, in gewiſſem Grade Theilnehmer an den Plänen dieſer verworfenen Menſchen. Ich ſchließe dies aus vielen Gründen, hauptſächlich aber daraus, daß er als anſcheinend ruhiger Zuſchauer dabei ſteht, während ſein frü⸗ herer Mündel, dem er Rath und Schutz angedeihen laſſen ſollte, auf die eben erwähnte Weiſe ſchändlich ausgeplündert wird. Er iſt ſcharfſichtig genug, und muß wiſſen, daß dieſe Menſchen nicht viel beſſer ſind als Gauner, und dennoch macht er mit keinem Worte Gegenvorſtellungen. Er ſcheint ſie gern zu haben, und geht bereitwillig auf alle ihre Pläne ein. Kar ten und Würfel werden jeden Abend herbeigebracht und die Geſellſchaft ſpielt bis ſpät in die Nacht hinein, ſtets, was Gage betrifft, mit demſelben Reſultate. Er gewinnt niemals. Trotz ſeines hartnäckigen Unglücks aber ſpielt er dennoch immer wei⸗ ter und verdoppelt, wie man ſagt, ſeine Einſätze. Du kannſt Dir leicht denken, wie dies enden muß. u verlie⸗ ern und m mög⸗ hſchaue. wie ſoll oß, daß rengung n Ma⸗ befreit ir ſagen Scham n wird. m ſchul⸗ hmer an eße dies er als ſein frü⸗ n laſſen plündert ß dieſe h macht ſi gern n. Kar⸗ nd die 6 Gage ner wei⸗ 1 kannſt »Ich habe meinem Vater geſagt, was ich denke, und nie habe ich ihn ſo aufgebracht gegen mich geſehen, wie bei dieſer Gelegenheit. Er ſprach ſich ſo ſchroff und unfreundlich aus, daß ich wirklich nicht wage, den Gegenſtand vor ihm wieder zur Sprache zu bringen. Er fragte mich, wie ich mich unterſtehen könnte, mich in Sachen zu miſchen, die mich nichts angehen. Was hätte ich mich wohl darum zu kümmern, ob Maſter Monthermer ſpiele! Maſter Monthermer ſey ſein eigener Herr, könne thun was ihm beliebe, und würde na— türlich jede ungebührliche Beaufſichtigung ſeines Thuns rügen — eine Beaufſichtigung, die er niemals verſuchen würde und die er auch keinem Andern rathen möchte zu verſuchen. Wenn ich ſein Weib geworden wäre o Luch, er wußte, wie dieſe Worte mich verletzen mußten, aber er achtete nicht auf meinen Schmerz— ſo hätte ich vielleicht ein Recht, mich ein⸗ zumiſchen, jetzt aber, wo ich die Gelegenheit ungenützt ge⸗ laſſen, hätte ich keins. Er hätte mir ſchon früher geſagt, daß Gage's gutes oder böſes Geſchick von mir abhinge und wenn ich ihn von mir wieſe und der junge Mann auf Abwege ge⸗ riethe, ſo müſſe ich auch die Schuld davon auf mich neh⸗ men.(O Luch, ich fühlte, daß etwas Wahres hierin lag — aber dennoch— könnte ich ihn nicht heirathen.) Was die Befürchtungen beträfe, die ich in Bezug auf Gage's Ruin zu hegen ſchiene, ſo ſeyen dieſelben unbegründet. Er würde ſchon dafür ſorgen, daß er nicht zu weit ginge. Er müſſe aber Klugheit lernen und zwar um jeden Preis. Die Erfahrung ſey allerdings eine theure Lehrerin, aber in ſeinem Falle die einzige.(Dies klang ganz gut, aber ich fühlte wenig Ver⸗ trauen auf die Aufrichtigkeit dieſer Bemerkung.) Mein Vater fuhr dann fort zu ſagen, daß die Herren, welche jetzt in dem Hauſe weilten und die ich für Gauner erklärt, größtentheils — — 54 junge Leute vom erſten Range und feinſtem Ton, von hoher Ehre und unfähig ſeyen, beim Spiele von den von mir angedeu⸗ teten Kniffen Gebrauch zu machen. Wenn er dergleichen Un⸗ redlichkeiten bemerkt hätte, ſo wäre er ſicherlich der Erſte ge⸗ weſen, der ſie entlarvt hätte, aber ich könne überzeugt ſeyn, daß ich mich irrte.(Aber nein, ich irre mich nicht, Luch.) »Das, was ich gehört, ſey mir wahrſcheinlich von meiner Zofe Lettice erzählt worden, fuhr mein Vater fort, und er wundere ſich, wie ich auf ſolch einfältiges Geſchwätz aus der Dienerſtube etwas geben könne.»Dienſtleute,« ſagte er,»verleumden ihre Herren ſtets und ſchieben ihren Hand⸗ lungen die ſchlimmſten Beweggründe unter. Dieſen Leuten nach gibt es keine andern reſpectabeln Menſchen als ſolche, welche Livrée tragen. Dienſtleute betriegen niemals beim Kartenſpiel und bedienen ſich nie falſcher Würfel— ganz ge⸗ wiß nicht!— aber ihre Herren thun es unabänderlich. Wenn Beau Freke und Sir Randal Meſchines Gauner ſind und ihre Diener dies wiſſen, warum bleiben ſie denn bei ihnen? Es ſey,« ſetzte mein Vater hinzu,»in der letzten Zeit in der Dienerſtube allerhand anſtößiges Zeug geſchwatzt worden und er habe es nothwendig gefunden, einigen dieſer Schwätzer eine Warnung zu ertheilen. Wahrſcheinlich würden ſie in Zukunft vorſichtiger ſeyn. Er hoffe, daß er Lettice nicht eine ähnliche Lection zu ertheilen brauche, denn diejenigen, welche Lügen und Verleumdungen wiedererzählten, ſeyen eben ſo ſchlecht als die, von welchen dergleichen ausgingen. Und damit war unſer Geſpräch zu Ende. »Ich muß aber hier bemerken, Luch, daß meine Zofe nicht die Einzige war, von welcher ich dieſe Dinge erfahren, obſchon ich mich auf ſie verlaſſen kann, denn Lettice iſt, ob⸗ ſchon ein wenig leichtſinnig, ein gutes Mädchen und hängt ſehr Du blieb iſch nich Nan 55 on hoher ſehr an mir. Sie iſt die Tochter von Mark Rougham, den angedeu⸗ Du kennen mußt. Meine Meinung von den fremden Herren chen Un⸗ blieb daher und trotz aller Verſicherungen meines Vaters un⸗ Erſte ge⸗ erſchüttert und ich habe ſeitdem perſönlichen Grund gehabt, gt ſehn, mich über einen von ihnen zu beklagen, nemlich über Sir Lch.) Randal de Meſchines. Bei zwei oder drei Gelegenheiten hat nlich von dieſer Geck kürzlich es einzurichten gewußt, daß er mir be⸗ ater fort, gegnete, obſchon ich alles Mögliche gethan habe, um Maſter Geſchwätz Monthermer's ſämmtlichen Gäſten aus dem Wege zu gehen. e,« ſagte Dabei hat er mich durch Zudringlichkeiten und Schmeicheleien moleſtirt und eine heftige Leidenſchaft für mich betheuert, von der ich überzeugt bin, daß er ſie nicht fühlen kann. Dabei iſt er in ſeinem Weſen ſo keck, daß ich mich förmlich vor ihm fürchte. Ich blieb geſtern auf meinem Zimmer, um ihm nicht in den Weg zu kommen, aber er ſchickte mir durch Gages franzöſiſchen Kammerdiener Chaſſemouche ein Briefchen voll glühenden Unſinns, welches ich ſofort mit dem Ueberbringer wieder zurückſchickte. Ich könnte über das, was dieſer ein⸗ fältige Geck ſagt, lachen, bin aber gerade jetzt durchaus nicht zur Heiterkeit aufgelegt und ſeine Aufmerkſamkeiten ma⸗ chen mich, die Wahrheit zu ſagen, ängſtlich. Er iſt nicht wie en Hand⸗ n Leuten ls ſolche, als beim ganz ge⸗ ſch. Venn ———— ſind und ei ihnen? eit in der orden und Gage oder dein Bruder Arthur, ſondern ſpricht in einem nit in dreiſten, unverſchämten, unerträglichen Tone. Er ſagt, er n, welche werde ſich das Leben nehmen, wenn ich nicht Erbarmen in ſo hätte, und ich wünſche faſt, daß er ſeine Drohung in Aus⸗ führung bringen möchte. „Doch ich muß nun ſchließen, Luch, ich gedachte Dir blos einige Zeilen zu ſenden und Dich zu bitten, eine uns ſo ind damit , ofe theure Perſon retten zu helfen und nun finde ich, daß ich orſa„ 6 5 4 3 33 2 6 6 b über meine eigenen Kümmerniſſe ſchreibe. Meine lange Er⸗ iſ ſing zählung wird aber auf alle Fälle dazu dienen, Dir zu zei⸗ nd 56 gen, in welchen Verhältniſſen ich mich bewege und wie un⸗ möglich es mir iſt, Gage in dieſer, wie ich glaube, höchſt kritiſchen Lage beizuſtehen. Ich wende mich an Dich, Luch, weil ich weiß, daß Du trotz aller ſeiner Fehler ihn immer noch liebſt, und ich möchte ſo gern hoffen, daß er, wenn er' von den Gefahren und Verſuchungen, welche ihn jetzt um⸗ ringen, befreit werden kann, noch dereinſt deine Anhäng⸗ lichkeit und Hingebung vergelten werde. »Er bedarf eines treuen Freundes, Luch. Wird dein Bruder dieſer Freund ſeyn? „Clara.“ Natürlich war auch eine Nachſchrift da. Kein Brief von einer jungen Dame, wie umfangreich er auch ſey, würde ohne ein Poſtſeript vollſtändig ſeyn. Es lautete wie folgt: »So eben habe ich gehört, daß man mit einem neuen Anſchlage umgeht und daß die Urheber desſelben eine größere Summe als gewöhnlich von Gage zu gewinnen erwarten. Wird Arthur heute Abend herüberkommen? Bitte ihn dies zu thun, Luch. Ich muß erſt mit ihm ſprechen und will ihn um neun Uhr an dem Epheuthurme dicht bei den Ruinen des alten Schloſſes erwarten. Er erinnert ſich vielleicht noch die⸗ ſes Ortes, denn er ſprach einmal dort mit mir. Vermuthe in dieſem Vorſchlage nichts Unrechtes, Luch. Ich werde mich von Betth Rougham begleiten laſſen. Du wirſt Arthur be— reden, herüberzukommen, nicht wahr, Luch? So eben iſt mir von dieſem zudringlichen Gecken Sir Randal abermals ein Billet überbracht worden. Ich habe es ſofort ungeleſen verbrannt. wurd Grg wie un⸗ höchſt „Luch, immer e er tt um⸗ lnhäng⸗ d dein ra.“ ief von würde Ugt: nenen größere varten. n dies ill ihn nen des och die⸗ rmuthe e mich ur be⸗ en iſt rmals geleſen 57 »Und ſie verlangt von mir, daß ich den Mann rette, den ich haſſe?« rief Arthur entrüſtet, als dieſer Brief ihm von ſeiner Schweſter gezeigt ward.»Meinetwegen mag er ins Verderben ſtürzen. Was geht es mich an, wenn er von Gaunern und Wüſtlingen umgeben iſt? Was frage ich dar⸗ nach, ob ſie ihn ruiniren? Was frage ich darnach, ob Fairlie mit dazu hilft? Der Dummkopf muß die Strafe ſei⸗ ner Thorheit und ſeines Laſters bezahlen. Ich kann ihm nicht helfen und würde es nicht thun, auch wenn ich könnte.« »O ja, Du kannſt und willſt— mir zu Liebe, Ar⸗ thur,« ſagte Luch in bittendem Tone.»Auf alle Fälle geh' und ſprich Clara und höre, was ſie Dir ſagen will.« »Nein, ich wage nicht ihr gegenüber zu treten. Sie würde mich zum Narren machen.« „Unſinn! Bedenke nur, wenn Du das Mittel würdeſt, Gage aus den ihm gelegten Schlingen zu befreien, wie dank⸗ bar würde er ſehn!« „Und natürlich würde er ſich dann Dir zu Füßen wer⸗ fen, Luch, und Dir als Belohnung ſeine Hand bieten. Mei⸗ ner Treu, er würde uns große Ehre anthun!« »Nun, und wenn er das thäte, und wenn ich ſein An⸗ erbieten annähme, würde dies nicht Dir ein großes Hinder⸗ niß aus dem Wege räumen? Wäre Clara dann nicht voll— kommen frei und könnte dann nicht Alles noch glücklich enden? Ich bin überzeugt, wenn Du Dich als ſeinen Freund bewährſt, wie Clara ſagt, ſo wird Alles noch ins rechte Geleiſe kommen.* „Aber ſiehſt Du denn nicht, Luch, daß ſie bei der gan⸗ zen Sache nicht im mindeſten an mich denkt, ſondern blos an ihn? Ich bin für ſie blos eine untergeordnete Rückſicht, die überhaupt kaum in Erwägung gezogen wird. Du ſelbſt biſt gerade eben ſo egoiſtiſch und zeigſt eben ſo wenig Rückſicht auf mich. Dir liegt blos an Gage. Er iſt in einer ſchlimmen Lage, aus welcher er ſich nicht herauszuwickeln vermag. Rette ihn — oder er iſt verloren! ruft Ihr Beide wie aus einem Munde. Was geht es mich an, wenn er ins Verderben rennt? Für mich iſt das eher ein Gewinn. Wenn ich fühlte, daß Clara ihn verachtete, wie ich ihn verachte, wenn ſie nur den vier⸗ ten Theil der Liebe für mich zu erkennen gäbe, welche ſie in jeder Zeile dieſes Briefes für ihn zu erkennen gibt, dann würde ich ihrem leiſeſten Wunſche gehorchen und ihn ſelbſt mit Gefahr meines Lebens retten. Aber daß ich einem glücklichen Nebenbuhler beiſtehen ſoll, das iſt wahrlich zu viel von mir verlangt.“ „Von einem edelmüthigen Herzen wie das deine, Ar⸗ thur, kann man nicht zu viel verlangen. Selbſt als Rache wäre deine Einmiſchung in dieſem Falle edel, doch bitte ich Dich, ſie nicht in dieſem Lichte zu betrachten. Blicke lieber auf die Tage deines freundlichen Verkehrs mit Gage zurück, als Ihr miteinander Knaben waret, Alles miteinander theil⸗ tet und einander gegen jeden Angriff vertheidigt haben wür⸗ det, wo keine Eiferſucht in euren Herzen lebte. Blicke zurück auf jene Zeit, Arthur, und um jener Jugendfreundſchaft willen leiſte ihm einen wichtigen Dienſt, welchen Niemand im Stande iſt zu leiſten als Du. Denn bedenke wohl, er hat keinen wahren Freund. Alle, welche ſich ſo nennen und von ihm dafür gehalten werden, ſind ſeine ſchlimmſten Feinde. Ich halte Gage nicht für ſo ſchlecht, ſo geſunken, wie er ge⸗ ſchildert wird. Es iſt viel Gutes in ihm, glaube ich, obſchon es ſchwer umwölkt iſt, und gerade die Geſchmacksrichtungen und Eigenſchaften, welche ihn jetzt zu ſolchen Ausſchweifungen und Thorheiten verleiten, würden ihn, wenn ſie richtig gelei⸗ Un ichſicht auf men Lage, Rette ihn m Munde. nnt? Für aß Clara den vier⸗ elche ſie in ibt, dann ſelbſt mit glücklichen von mir eine, Ar⸗ als Rache hbite ich licke lieber ge jurick, nder theil⸗ aben wür⸗ lick jurück reundſchaft emand im l, et hat und von n Feinde. wie er g obſchon tichtungen weifungen hig gele⸗ 59 tet und gezügelt würden, zu einer Zierde für die Geſellſchaft machen. Und eine ſolche kann er durch deine freundſchaftliche Einwirkung noch werden. Welch ein Troſt, welch ein Stolz wird dies ſpäter für Dich ſelbſt ſeyn, Arthur!“ „Das, was Du da ſagſt, überzeugt mich noch nicht, Luch,“ entgegnete ihr Bruder niedergeſchlagen,„ich will je⸗ doch thun, wie Du ſagſt, und hoffe, daß etwas Gutes dar⸗ aus komme. Als Knabe hatte ich Gage immer gern, lieber als ſonſt Jemand, und man kann frühere Freundſchaft nicht ganz vergeſſen. In der letzten Zeit habe ich ihn gehaßt.« „O ſage das nicht, Arthur!“ „Ich habe ihn gehaßt, ſage ich, Luch, und zwar mit gutem Grunde. Man kann nicht lieben, wie ich liebe, ohne zugleich ſeinen Nebenbuhler zu verabſcheuen. Nichtsdeſtoweni⸗ ger will ich ihm dienen um der alten Zeit willen und um dei⸗ netwillen, Luch. Ich verzweifle am Erfolg, aber an einem Verſuch ſoll es nicht fehlen.« „Fürchte nichts, Arthur. Dein Vorhaben iſt ein gutes und der Himmel wird ſeinen Segen dazu geben. Demgemäß ward an Clara durch ihren Boten die Ant⸗ wort zurückgeſendet, daß Arthur ſich an dem von ihr be⸗ ſtimmten Orte zur beſtimmten Zeit einfinden würde. An dieſem Abend ritt der junge Mann ohne irgend einen Begleiter nach Monthermer Caſtle und als er ſich dem Ziele ſeiner Beſtimmung bis auf ungefähr eine Meile genähert, begann er zu überlegen, ob er ſein Pferd verlaſſen ſollte, da er ſich bei Gage nicht eher als nach ſeiner Unterredung mit Clara anmelden wollte, denn er hatte ſich vorgenommen, ſich in dem, was er thäte, durch ihren Rath leiten zu laſſen. Während er dies noch bei ſich überlegte, überholte er 60 einen Pächter, der langſam auf ſeinem ſtämmigen, etwas ſchwerfälligen Gaule dahintrabte. Da er dieſen Mann, der kein anderer war als Mark Rougham, zufällig kannte, ſo ritt er ebenfalls etwas lang⸗ ſamer, um einige Augenblicke mit ihm zu ſprechen. Er hatte gehört, daß Mark durch Fairlie aus ſeinem Pachte geſetzt worden, wußte aber noch nichts von ſeiner Wiedereinſetzung, und ſeine erſte Frage war daher, wie es gehe? »O ganz leidlich, ich danke Ihnen,« entgegnete Mark. „Ich bin durch die Güte des jungen Squire wieder in mein altes Haus gekommen, wie lange ich aber darin bleiben werde, das weiß blos der liebe Gott, denn Maſter Fairlie hat, wie mir ſcheint, mehr Macht in den Händen als der junge Squire, und wird thun, was er Luſt hat und Alles wieder aus dem Geleiſe bringen, ſobald der Andere den Rü— cken gewendet hat. Er hat mir dies ſchon zu verſtehen gege⸗ ben; der Teufel hole ihn! Dieſer Mann kommt mir vor wie der ungerechte Haushälter, von dem wir in der heiligen Schrift leſen. Was den jungen Squire betrifft, ſo habe ich nichts gegen ihn, wohl aber viel zu ſeinen Gunſten zu ſagen. Er hat das Herz auf dem rechten Flecke, das weiß ich be⸗ ſtimmt, und er wird nie etwas Unrechtes thun, wenn man ihn gehen läßt. Es iſt aber ſchade, Maſter Arthur, ſehr ſchade, daß er Andere in ſeinem Namen Unrecht thun und ſeine Autorität mißbrauchen läßt, und noch mehr ſchade iſt es, daß er— wie man mir erzählt hat— jetzt eine Bande Spieler auf dem Schloſſe beherbergt, die an ihm nagen wie ein Schwarm Weſpen an einer reifen Birne. Ach, Sir, der arme junge Herr bedarf höchſt dringend guten Rathes und Clea dara ur id dies „etwas 6 Mark s lang⸗ ſeinem nſeiner r, wie Mark. in mein bleiben Fairlie als der d Alles en Ri⸗ n gege⸗ vor wie heiligen habe ich u ſagen⸗ ich be⸗ nman r, ſehr in und ade iſt Bande en wie ir, der e6 und 61 ſollte Jemanden haben, wie Sie ſind oder Sir Hugh, der mit ihm ſpräche.« »Das iſt eben die Abſicht, in welcher ich mich jetzt auf dem Wege nach dem Schloſſe befinde,« entgegnete Arthur. „Ich freue mich, Euch getroffen zu haben, Mark, denn das, was Ihr da über Maſter Monthermer ſagt, macht mir mehr Hoffnung auf einen günſtigen Erfolg, als ich vorher hegte. Ich hoffe, ich werde im Stande ſehn, dieſe gierigen Inſecten zu verſcheuchen.* »Na, nehmen Sie ſich aber nur in Acht, daß Sie da⸗ bei nicht ſelbſt geſtochen werden,« bemerkte Mark.„Dieſe Creaturen werden auf ihre Beute nicht gutwillig verzichten, darauf können Sie ſich verlaſſen. Ach, Sir, wenn Sie ihn nur von Maſter Fairlie erlöſen könnten, da würden Sie ihm in der That einen Dienſt leiſten.« „Das, fürchte ich, ſteht nicht in meiner Macht. Ueber⸗ dies—* er ſtockte. „Ich fürchte, ich habe etwas geſagt, was ich nicht ſa⸗ gen ſollte, Maſter Arthur, und ich bitte Sie wegen meiner Dreiſtigkeit um Verzeihung, Sir. Wir Bauern von Suffolk ſind einmal gewohnt, uns kein Blatt vor den Mund zu neh⸗ men, wie Sie wohl wiſſen, denn Sie haben unter uns ge⸗ lebt. Indem ich daher hoffe, nicht zu beleidigen, denn dies iſt nicht meine Abſicht, kann ich wohl die Wahrheit ſagen und geſtehen, daß mir bekannt iſt, daß Sie, gnädiger Herr, ſich ein bischen oder vielleicht auch ein bischen ſehr in Miß Clara vergafft haben. Meine Tochter Betty dient bei ihr und hat gegen ihre Mutter ein paar Worte in dieſer Bezie⸗ hung fallen laſſen. Die Alte konnte natürlich das Geheimniß nicht bewahren, ſondern mußte es mir ausplappern. Nach⸗ —— dem ich dies geſtanden, muß ich hinzufügen— Sie nehmen mir's nicht übel, Sir— daß ein netteres, ſchöneres und, was noch mehr iſt, ein beſſeres Mädchen, obſchon ſie den alten Felir ihren Vater nennt, in der ganzen Grafſchaft nicht zu finden iſt, als Miß Clara. Und obſchon einige Leute die Naſen rümpfen und ſagen, Sie erniedrigten ſich durch dieſe Heirath, Maſter Arthur, ſo denke ich doch, Sie würden ganz wohl daran thun, denn ein tugendhaftes Weib iſt, wie uns von Leuten geſagt wird, die da wußten was ſie ſagten, ein unſchätzbares Kleinod, und für ein ſolches halte ich auch Miß Clara Fairlie. Sie nehmen mir es doch nicht übel, Sir, daß ich mich ſo unverhohlen ausſpreche?« »Nicht im Mindeſten, mein lieber Freund,« antwortete Arthur,„und um Euch zu beweiſen, daß ich Euch nichts übel genommen habe, will ich Euch in mein Vertrauen einweihen und ſagen, daß ich eben im Begriff ſtehe, Miß Clara heim⸗ lich in dem Garten am Epheuthurme zu treffen, um die Maß⸗ regeln mit ihr zu berathen, welche nöthig ſind, um—« »Sie dem Alten zu entführen,« unterbrach ihn Mark hocherfreut.„Das iſt das Beſte, was Sie thun können, Sir. Ich will Ihnen herzlich gern dabei helfen. Sagen Sie mir blos, was ich thun ſoll.« »Ich bin Euch ſehr verbunden, Mark, gehe aber nicht gerade mit dem Unternehmen um, welches Ihr vermuthet. In der That, und um Euch die Wahrheit zu ſagen, ich glaube nicht, daß die junge Dame ſich von mir entführen laſſen würde. Meine Abſicht iſt einzig und allein, mich mit ihr über die beſten Mittel zu berathen, Maſter Monthermer von den Harpyen zu befreien, welche ihm jetzt ſein Lebensblut aus⸗ ſaugen.* der Sir! bitte Stel Ih gen nehmen es und, ſie den aft nicht eute die ch dieſe würden ſt, wie ſagten, ich auch el, Sir, twortete hs übel inweihen ra heim⸗ die Maß⸗ 6 n Mark nen, Sit. Sie mir er nicht muthet. glaube nlaſſen ihr über on den ut aus⸗ 63 „Und Sie glauben, Sir, ſie ſeh die beſte Perſon, mit der Sie ſich in einer ſolchen Angelegenheit berathen könnten, Sir?— Indeſſen, die Sache geht mich nichts an, und ich bitte, mir meine Dreiſtigkeit zu verzeihen. Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ſo würde ich ſofort auf dieſe Gauner losgehen. Ich würde ihnen zeigen, daß man weiß wer ſie ſind. Wenn Sie einen Beiſtand brauchen, ſo dürfen Sie es mir nur ſa⸗ gen, Sir.“ „Ich danke Euch nochmals, Mark, hoffe aber der unan⸗ genehmen Aufgabe, die ich mir geſtellt, gewachſen zu ſeyn. Indeſſen, da Ihr mir freiwillig eure Dienſte anbietet, ſo will ich das Anerbieten nicht ganz ablehnen. Ich ſoll Clara um neun Uhr treffen, wie ich Euch ſchon geſagt habe. Ihr werdet mich begleiten, und in der Nähe bleiben, um auf meinen Ruf gleich da zu ſeyn.“ „Das will ich mit dem größten Vergnügen. Und eben ſo werde ich vollkommen bereit ſehn, im Falle Sie das vor⸗ hätten, was ich mir dachte, und vorausgeſetzt, daß die junge Dame damit einverſtanden wäre.« „Nein, damit iſt es nichts, Mark, vielleicht aber werde ich meiner Schweſter durch Euch eine Botſchaft zuzuſenden ha⸗ ben. Dies iſt der Grund, aus welchem ich wünſche, daß Ihr mich begleitet.“ „Ich werde Alles thun, was Sie mir befehlen, Maſter Arthur, und ich hoffe blos, daß ich etwas mehr zu thun ha⸗ ben werde, als eine Botſchaft zu beſtellen, ausgenommen es wäre die Botſchaft, daß Sie mit Miß Clara über alle Berge ſeyen— Sie nehmen mir das nicht übel, Sir. Da wir aber bis neun Uhr noch gute anderthalb Stunden Zeit haben, ſo reiten Sie vielleicht mit mir nach meinem Gehöft, und ſtellen 64 dort Ihr Pferd ein. Wir können dann, ſobald Sie es wünſchen, uns zu Fuße auf den Weg nach dem Schloſſe machen.« Arthur war mit dieſem Vorſchlag einverſtanden. Dem⸗ gemäß lenkten ſie nach Marks Gehöfte, wo ſie abſtiegen. Als Arthur die Wohnung betrat, die ſehr ſauber ausſah, obſchon ſie nach dem ſo kürzlich ſtattgehabten Aus⸗ und Wiedereinzuge noch nicht ganz in die frühere Ordnung gebracht war, ward er von dem bausbackigen Weibe des ehrlichen Pächters herzlich bewillkommt. Drei oder vier Kinder umklammerten Marks lederbe⸗ hoſten Beine, und wollten alle zuerſt geliebkoſt ſehn, er aber nahm einen luſtig krähenden Säugling aus den Armen ſeines Weibes, hielt ihn Arthur entgegen und rief: „Ich wollte, Sie wären auch verheirathet, Sir, und hätten einen derben Jungen wie dieſen— Sie nehmen mir s nicht übel, Sir.* Dann verfiel er plötzlich in einen andern Ton, klopfte ſeine übrigen Kinder auf die Krausköpfe und ſetzte hinzu: »Maſter Fairlie nahm keine Rückſicht auf dieſe armen Geſchöpfe, als er uns alle aus dem Hauſe treiben ließ. Je⸗ doch, ich will nicht davon ſprechen. Komm, rühr' Dich, Frau, und ſchaff uns etwas zu eſſen und zu trinken, wir müſſen bald wieder fort. Der junge Squire Pohnings und ich haben oben im Schloſſe etwas zu verrichten. Es iſt möglich, daß wir eine junge Dame mit zurückbringen. Na, gaff uns nur nicht ſo an, ſondern hole uns lieber einen Krug Bier. Setzen Sie ſich, Maſter Arthur, ſetzen Sie ſich, Sir. Geht ein wenig aus dem Wege, Kinder, und macht nicht ſo viel Lärm.* ( gliter Parkes laſtiſch 8 6 Yerk Fihre b zu YNond wußte ſicht. ( ches ſi ſchwar lene 6 kamer überw Riſt d ₰ Sie es Schloſe . Dem⸗ en. Als obſchon reinzuge ward herzlich lederbe⸗ er aber n ſeines ir, und en mir klopfte zu: armen Frau, müſſen haben daß 6 nur Setzen ht ein ſo viel Eine halbe Stunde ſpäter machten Arthur und ſein Be⸗ gleiter ſich auf den Weg. Sie kletterten über die Planke des Parkes, und ſchritten dann ſchweigend und raſch über den elaſtiſchen Boden. Jeder Zoll dieſes umfangreichen ſchönen Gebietes war Mark genau bekannt, und es konnte daher keinen beſſern Führer geben, als ihn. Die Nacht war ſchön ſternenhell und bis zu der Zeit, wo ſie die Ruinen erreichten, müßte der Mond aufgegangen ſeyhn, ſagte Mark, obſchon er nicht wußte, ob Maſter Arthur dies gern ſehen würde oder nicht.„ Endlich indem ſie aus einem dichten Wäldchen, in wel⸗ ches ſie ſich vertieft, heraustraten, ſahen ſie eine ungeheure, ſchwarze, unregelmäßige Maſſe vor ſich. Es war das verfal⸗ lene Schloß, und ſo wie ſie dem ehrwürdigen Gebäude näher kamen, begann ein hoher Thurm, zum Theil von Epheu überwachſen und von der Mondſichel verſilbert, ſich von dem Reſt des altergrauen Steinhaufens abzuheben. Gleich darauf kamen ſie an ein eiſernes Gitter, welches den Garten umgab, und Mark in der Nähe eines Baumes zurücklaſſend, ſprang Arthur über dieſe nicht ſehr hohe Einfriedung, und näherte ſich dem Platze des Stelldicheins allein. Der Verſchwender. I. 5 66 V. In welchem Lettice Rongham viel Geiſtesgegenwart ent⸗ wickelt. Clara Fairlie hatte von Arthur Poynings die höchſte Meinung. Sie liebte ihn nicht, aber ſie achtete ihn wegen ſeiner vie⸗ len vortrefflichen Eigenſchaften und konnte nicht umhin, ſein männliches Ausſehen zu bewundern. Von welcher Art ihre Gefühle gegen ihn geweſen ſeyn würden, wenn ſie ihn eher kennen gelernt hätte, wo ihre Neigungen noch frei waren, das brauchen wir weiter nicht zu unterſuchen. Vielleicht bedauerte ſie es ſelbſt, daß ſie einem ſo muſterhaften Jüngling kein Herz zu ſchenken hatte. Sey dem jedoch wie ihm wolle, ſo war er der Erſte, zu dem ſie ſich in ihrer Bedrängniß wendete. Es war keine Klei⸗ nigkeit, ſeine Großmuth auf eine ſo harte Probe zu ſtellen und ihn aufzufordern, einem Nebenbuhler zu helfen, Gage's Gefahr aber geſtattete, wie ihr ſchien, kein Zögern. Kaum aber war der Brief an Luch fort, ſo bereuete Clara ihre Kühnheit und hätte ihn gern zurückgerufen. Was mußte Arthur von ihr denken? Er war vielleicht zornig, aber ganz gewiß kam er. Sie kannte die Macht, welche ſie über ihn hatte, aber ſtand ihr wohl das Recht zu, dieſelbe auszuüben? J konnte, Hondlu werden. 6 wort„ wi füh druck d Gage nen. A gütig, wußte gend ſch, ſih n tie a ig, Gan kleine al rothe glatt ſtzen duril war art ent⸗ höchſte iner vie⸗ in, ſein ſen ſehn wo ihre ter nicht ſie einem Erſte, zu ine Klei⸗ u ſtellen Gages bereuete en. vielleicht t, welche dieſelbe 67 Ja, ja, ſie war verbunden Alles zu thun, was ſie konnte, um Gage zu retten. So leicht finden wir Entſchuldigungen für unſere Handlungen, wenn ſie uns von der Liebe eingegeben werden. Endlich ward Clara's Ungewißheit durch Lucy's Ant⸗ wort gehoben, die Lettice Rougham mit zurückbrachte. O, wie fühlte ſie ſich ermuthigt und aufgerichtet durch den Aus⸗ druck der Sympathie des theuern Mädchens! Luch war um Gage eben ſo beſorgt als ſie, eben ſo begierig, ihnen zu die⸗ nen. Auch Arthur wollte ihrem Rufe Folge leiſten. O, wie gütig, wie edelmüthig war es von ihm, zu kommen. Aber ſie wußte es ſchon, daß er kommen würde! Die kleine Lettice Rougham, welche ihre Herrin ſchwei⸗ gend beobachtet hatte, während dieſe den Brief las und ſah, daß derſelbe eine erfreuliche Nachricht enthielt, erlaubte ſich nun auch, ein Wort hinzuzufügen. Ehe wir ſie jedoch anhören, müſſen wir wiſſen, wie Let⸗ tice ausſah. Hier iſt demzufolge ihr Bild. Klein von Statur, feiſt wie ein Repphuhn, roſenwan⸗ gig, helläugig, im neunzehnten Jahre ſtehend, war ſie im Ganzen genommen ein ſehr luſtiges, cokettes, einnehmendes kleines Geſchöpf. Die Fülle ihrer Perſon ward ſorgfältig durch einen dicht anliegenden Schnürleib gefeſſelt, der auswendig kreuzweis mit rothen Bändern beſetzt war. Ihr blondes Haar war von der glatten Stirn zurückgekämmt, und ſtak unter einer ihr ſehr gut ſitzenden kleinen Haube, und ihr ſcharlachrother Rock mit dem darüber geworfenen, an der Seite aufgeſteckten Kattunkleide war glücklicherweiſe nicht lang genug, um die kleinſten Füße — 68 und netteſten Knöchel zu verbergen, die man in Monthermer Caſtle ſehen konnte. Die kleine Lettice hatte ſo eben ihrer Länge einen oder zwei Zoll zugeſetzt, indem ſie ſich auf die Fußſpitzen ſtellte, und über die Schulter ihrer jungen Herrin hinweg in den Brief zu gucken ſuchte. Als ſie jedoch fand, daß ſie auf dieſe Weiſe nichts erfahren konnte, und daß ferneres Schweigen ihr in dieſer Beziehung auch nicht viel nützen würde, begann ſie das Geſpräch mit der Frage, ob Clara ihr etwas aufzu⸗ tragen habe. »Nein, Lettice,« antwortete ſie, ſetzte aber nach einer augenblicklichen Pauſe leicht erröthend hinzu:„Du ſollſt mich heute Abend um neun Uhr nach dem Epheuthurme be⸗ gleiten.“ »Was? wohl um den Mond aufgehen zu ſehen, Miß, oder die Nachtigallen ſingen zu hören? Ich glaube nicht, daß ſie ſchon angefangen haben. Wird es nicht ſehr kalt ſeyn? Es ſchauert mich jetzt ſchon bei dem bloßen Gedanken an einen einſamen Spazirgang zu einer ſolchen Stunde. Und dann kann auch Jemand ſich in den Ruinen verſteckt halten, und auf einmal ſich auf uns herausſtürzen und uns erſchrecken, und wir wären dann von dem Hauſe ſo weit entfernt, daß unſer Geſchrei nicht gehört werden würde.« »Habe keine Furcht, Lettice! Es wird uns nichts Ueb⸗ les begegnen.* „Das weiß ich doch nicht, Miß. In dieſen alten Ruinen ſind ſchon ſeltſame Dinge geſehen worden. Ich gehe nicht gern allein dahin, nicht einmal bei Tage, und des Nachts machen die Eulen einen ſolchen Spectakel in den Thürmen und heulen und krächzen ſo toll, und die Fledermäuſe ſchwirren einem ſo wild um den Kopf, daß einem ganz angſt wird. Wenn Diener etwas wird, nichtg hen zu Dir zu und wil ic fin en eigenſi gen 9 albern war gewi ſ. berei Flede es ko paſſi en Mit onthermer nen oder n ſtellte, g in den auf dieſe chweigen begann s außu⸗ ch einer Du ſollſt rme be⸗ en, Miß, icht, daß it ſchn! an einen nd dann en, und ſchrecken, rnt, daß i Ueb⸗ Ruinen he nicht Nachts nen und chwirten ſi wird. 69 Wenn Sie mir daher erlauben, Miß, würde ich lieber in die Dienerſtube zum Abendeſſen gehen. Ein Abendſpazirgang iſt etwas ſehr Hübſches, dafern er in der Abſicht unternommen wird, Jemanden zu treffen.« „Wohlan, Lettice, um Dich zu überzeugen, daß ich nicht geſonnen bin, auszugehen, um blos den Mond aufge⸗ hen zu ſehen, oder die Nachtigallen ſingen zu hören, und um Dir zu beweiſen, daß wir unter den Ruinen außer den Eulen und Fledermäuſen noch andere Geſellſchaft haben werden, will ich Dir ſagen, daß ich allerdings Jemanden dort zu tref⸗ fen erwarte, nemlich einen jungen Herrn.“ „Was! Iſt das Ihr Ernſt, Miß? Sie, die ſonſt ſo eigenſinnig ſind, wollen eine Zuſammenkunft mit einem jun⸗ gen Herrn in den Ruinen haben? Mich nennen die Leute ein albernes Mädchen, und wenn ich ſo etwas thäte, ſo wäre es durchaus nicht zu verwundern; aber Sie, das hätte ich nimmermehr erwartet!“ „Ich wundere mich nicht, daß Du den Schritt mißbil⸗ ligſt, Lettice, und kann ihn in der That kaum mit meinen eigenen Anſichten von Wohlanſtändigkeit vereinen. Es iſt aber durchaus nothwendig, daß ich Maſter Arthur Pohnings allein und unbeobachtet ſpreche, ehe er das Haus betritt.“ „Iſt Maſter Arthur der Herr, den Sie zu treffen er⸗ warten, Miß? Wenn ich das gewußt hätte, ſo hätte ich ganz gewiß kein Wort dagegen geſagt! Ich bin vollkommen bereit mitzugehen. Ei was Mond, was die Eulen oder Fledermäuſe! Ich mache mir nichts daraus, und wenn es kohlrabenpechfinſter wäre. Mein Himmel, was doch alles paſſiren kann! Man ſagt, es ſey nicht leicht, einen verlore⸗ nen Liebhaber wieder zurückzupfeifen, Sie aber ſcheinen das Mittel ausfindig gemacht zu haben, Miß, und ich freue mich 70 darüber. Sie werden mich entſchuldigen, ich gehe frei mit der Sprache heraus, wie mein Vater, und ich kann jetzt wohl ſagen, daß Sie mir immer ſehr grauſam gegen Maſter Arthur vorgekommen ſind. Gegen einen ſo netten jungen Herrn hätte ich nicht ſo hartherzig ſeyn können.« »Du würdeſt gerade gehandelt haben, wie ich, wenn deine Neigung ſchon einer andern Richtung zugewendet gewe⸗ ſen wäre, Lettice. Ich muß Dich jedoch über die Urſache von Maſter Arthurs Beſuch näher aufklären. Er kommt aller⸗ dings auf meinen Wunſch hierher, aber der Zweck ſeines Beſuches bezieht ſich durchaus nicht auf mich, wie Du ſehen wirſt, denn Du wirſt bei unſerer Unterredung zugegen ſehn.« „O thun Sie ſich wegen mir keinen Zwang an, Miß! Ich werde die Augen zumachen und mir die Ohren zuſtopfen, ſo lange Sie beiſammen ſind, das verſpreche ich Ihnen!« »Ich bitte Dich dies nicht zu thun, Lettice. Ich habe Dir nichts zu verbergen und glaube, dein Beiſtand wird für meinen Plan nothwendig ſehn, wenn derſelbe ausgeführt wer⸗ den ſollte. Du möchteſt gern wiſſen, was ich meine, aber deine Reugier kann nicht eher befriedigt werden, als bis die geeignete Zeit da iſt. Und nun, Lettice, einen guten Rath zum Dank für deine Mißbilligung meines Benehmens gegen Maſter Arthur Poynings. Du weißt, ich liebe einen Andern und deshalb konnte ich Maſter Arthurs Bewerbung nicht er⸗ muthigen. Aber laß mich Dich fragen, Lettice, befindeſt Du Dich nicht in ähnlichen Verhältniſſen? Liebt Dich nicht der Sohn eines ehrlichen Pächters? Haſt Du nicht Joyce Wilford Treue gelobt?* Lettice gab keine Antwort, ſondern ließ den Kopf hängen. »Du widerſprichſt mir nicht und gibſt alſo zu, daß ich Recht habe. Wie kannſt Du daher andern jungen Männern erlau ſin wen über ſchr denn Nß au frei mit kann jeßt en Maſter n jungen ch, wenn det gewe⸗ ſache von nt aller⸗ ck ſeines Du ſehen en ſehn.“ n, Miß! zuſtopfen, nen!“ Ich habe wird für ührt wer⸗ ine, abet ls bis die tten Rath ns gehen n Andern nicht er⸗ indeſt Du nicht der Vilford fhängen⸗ daß ich Männern ————— 0 erlauben, Dir Aufmerkſamkeit zu erweiſen? Ein ſolcher Leicht⸗ ſinn iſt höchſt tadelnswerth und ſehr unrecht gegen Joyce, und wenn er davon hört, ſo wird er ſich gewiß mißbilligend dar⸗ über ausſprechen. Wenn Du ihn verlierſt, ſo wird es Dir ſehr leid thun, aber Niemand wird Dich beklagen, Lettice, denn man wird ſagen, es geſchehe Dir ganz recht.“ „Ich frage nicht darnach, was die Leute von mir ſagen, Miß,« entgegnete Lettice ſchmollend,„und wenn Joyee nichts mehr von mir wiſſen will, nun ſo mache ich mir auch weiter nichts daraus. Ich werde mir ſeinetwegen nicht den Kopf wegreißen, das kann ich ihm ſagen. Ich kann einmal nicht unartig gegen junge Männer ſeyn, und wenn ſie höflich ge⸗ gen mich ſind, ſo bin ich'ss gegen ſie wieder, das iſt meine Art und Weiſe.« „Und eine ſehr unkluge und tadelnswerthe Art und Weiſe iſt es. Du biſt eine zu große Freundin von Schmeiche⸗ lei und Bewunderung, Lettice.« „Ja nun, wenn die Männer einem Complimente ma⸗ chen, Miß, was ſoll man da weiter thun? Durch mürriſche Geſichter laſſen ſie ſich auch nicht abſchrecken, und überdies kann ich gar kein mürriſches Geſicht machen, wenn Jemand freundlich gegen mich iſt und ſagt, ich ſey ein hübſches Mädchen.* „Aber wohl kannſt Du es vermeiden, Aufmerkſamkeit auf Dich zu ziehen, Du leichtſinniges Geſchöpfl« „Ja, wie ſoll ich das vermeiden? Die Männer erwei⸗ ſen mir Aufmerkſamkerten, mag ich nun wollen oder nicht. Da haben wir z. B. Maſter Bellairs, der mich immer mit ſeinem Unſinn neckt, obſchon ich alles Mögliche thue, um ihn fern von mir zu halten. Der immer zudringliche Franzoſe Mon⸗ ſieur Chaſſemouche ſagt mir auch, ich ſey ſchön und ich weiß ————————————— 72 gewiß, daß ich ihn nicht ermuthige, denn ich kann ihn nicht ausſtehen. Dann haben wir die beiden feinen Herren aus Lon⸗ don, die beiden Kammerdiener meine ich, Maſter Tibbits und Maſter Trickett. Dieſe ſind die zudringlichſten von allen, ob⸗ ſchon ich zugeben muß, daß ſie auch die hübſcheſten und artig⸗ ſten ſind, und ich würde gegen ihre Geſellſchaft nichts einzu⸗ wenden haben, wenn ſie nicht gar ſo familiär wären. Würden Sie es wohl glauben, Miß, daß Maſter Trickett mir nur erſt ge⸗ ſtern die Hand drückte und Maſter Tibbits den Abend zuvor mich küſſen wollte! Dieſe beiden unverſchämten Menſchen ſind gegen mich ſo zudringlich, wie Sir Randal gegen Sie iſt. Ich ſagte ihnen, ich ſey mit einem rechtſchaffenen jungen Manne verſprochen und könne keinem Andern Gehör ſchenken, und würden Sie es wohl glauben, ſie ſchlugen ein lautes Gelächter auf und ſagten, dies hätte durchaus nichts zu be⸗ deuten, denn ſie würden den jungen Bauerlümmel bald beſei⸗ tigen, obſchon ich nicht glaube, daß dies ihnen ſo leicht wer⸗ den würde, als ſie glauben, denn Johce iſt ein ſtämmiger Burſche und verſteht ſeine Fäuſte zu gebrauchen, und was mich beträfe, ſo könnte ich von ihnen zum Manne bekommen, welchen ich wollte, und wenn ich nach London käme, ſo ſollte ich in einer vergoldeten Kutſche fahren, wie eine vornehme Lady.* »Laß Dir durch ſolchen Unſinn nicht den Kopf verdre⸗ hen, Lettice. Dieſe beiden Kammerdiener ſind Wüſtlinge und Spieler, wie ihre Herren und eben ſo gefährlich und ränke⸗ voll. Du kannſt nicht vorſichtig genug gegen ſie ſehn.« „Das weiß ich wohl, Miß. Ich glaubte auch gar nicht, was ſie ſagten, und ich ſah bald, daß es alles dummes Zeug war, denn Maſter Tibbits flüſterte mir ins Ohr, Maſter Trickett habe ſchon ſeine Frau und bald nachher ſagte mir Tricket wie S lügner Jeng treten undke Schri Kamn in ein nen hn nicht us Lon⸗ its und en, ob⸗ artig⸗ einzu⸗ Pürden erſt ge⸗ zuor en ſind Sie iſt. jungen henken, lautes zu be⸗ d beſei⸗ t wer⸗ mmiger nd was ommen, ſo ſollte rnehme verdre⸗ ge und ränke⸗ nicht, s Zeug Naſter ſte mir 73 Trickett dasſelbe von Maſter Tibbits, ſo daß dieſe Menſchen, wie Sie ſagen, Miß, weiter nichts ſind als ein Paar Erz⸗ lügner.« Hier ward das Geſpräch dadurch unterbrochen, daß Jemand an die Thür klopfte. Ohne auf Erlaubniß zum Ein— treten zu warten, öffnete die Perſon, welche geklopft hatte, und kam herein. Es war Chaſſemouche. Einige Schritte auf Clara zugehend und bei jedem Schritt eine tiefe Verbeugung machend, hielt der franzöſiſche Kammerdiener zwiſchen ſeinen Fingerſpitzen ein kleines Billet in einem Couvert von Atlaspapier mit einem breiten ſilber⸗ nen Rande und vom ſüßeſten Parfüm duftend. „Encore un billet pour mademoiselle,« ſagte er, in⸗ dem er eine Poſitur annahm wie ein Tanzmeiſter,„de la part de Sir Randal de Meschines.* „Das iſt unerträglich,“ rief Clara mit vor Entrü⸗ ſtung glühender Wange und funkelnden Augen.»Wie könnt Ihr Euch unterſtehen, mir ſchon wieder vor die Augen zu tre⸗ ten, Menſch! Ich habe Euch ſchon geſagt, daß ich von Sir Randal keinerlei Mittheilungen annehme; wenn er ein Gentle⸗ man iſt, ſo wird er aufhören, mich auf dieſe Weiſe zu belä⸗ ſtigen. Nehmt ſein Billet wieder mit. Ich rühre es nicht an.« „Mademoiſelle, ich habe Ihren Auftrag an Sir Randal ein⸗, zwei⸗ dreimal— aber er achtet nicht ausgerichtet darauf. Er liebt Sie einmal, Mademoiſelle— si furieuse- ment— daß alle Vernunftgründe bei ihm vergeblich ſind. Il est ensorcelé jusqu'à la folie. Ma foi, eben zog er ſeinen Degen, ſetzte mir die Spitze auf die poitrine und that un grand juron, mich durch und durch zu bohren, wenn ich nicht dieſes Billet an Sie beſtellte und ihm une réponse fa- vorable zurückbrächte.* „Sagt ihm, daß ich für ihn keine habe! rief Clara. 4 »Wenn ich noch länger auf dieſe Weiſe beläſtigt werde, ſo werde ich Maſter Monthermer um Schutz angehen.« Chaſſemouche aber grinſte und blieb ſtehen.. »Pardonnez-moi, mademoiselle, si je suis plus éclairé 5 que vous sur les desseins de mon maitre. Er hat auf Ihre 6 Anſprüche verzichtet, zu Gunſten ſeines ſpeciellen Freundes eSir Randal. „Was ſagt er, Miß?« fragte Lettice.»Meint der Elende, ſo Squire Gage habe Sie aufgegeben?« »Ganz recht, coquine,« entgegnete Chaſſemouche grin⸗ R ſend.»„Mon maitre retiriren von die Feld und laſſen ſie it über Sir Randal.«„ „Glauben Sie dem verworfenen Ungeheuer nicht, Miß,« he ſagte Lettice.„Es iſt nicht wahr! Squire Gage wäre keiner Si ſolchen Handlungsweiſe fähig.« e »Wenn Mademoiſelle ſich wollen herablaſſen, dieſe Billet zu leſen, ſo werden ſie finden Beweis, daß ich ſprechen die A nackte Wahrheit,“ verſetzte Chaſſemouche. Clara verrieth einen Augenblick lang Unentſchloſſen⸗ d heit, ſchnell aber die Regung der Reugier überwindend, ſagte ſie: „Nein, ich will mich nicht verlocken laſſen. Nehmt den Brief wieder mit. Ich wünſche nicht den Inhalt desſelben zu ſ kennen.* »Eh bien!“ rief der Franzoſe die Achſeln zuckend,„dann muß ich wohl gehen und meine mission unverrichtet laſſen.. Wenn Sir Randal wahr machen ſeine Drohung und ſtechen mich todt, ich bitten um eine Thräne von Mitleid für mein traurig Schickſal von die beaux yeux de mademoiselle. Sie lachen, friponne,« ſetzte er hinzu, indem er Lettice mit 75 der Hand drohte,„aber Sie weiß nicht was ein Mann wird thun, wenn er ſteht unter die influence von die grande pas- sion. Sie ſelbſt machen mich faſt wahnſinnig mit Ihre be⸗ zaubernde caprices. Adieu, Mademoiſelle,« ſetzte er mit einer hi tiefen Verbeugung gegen Clara hinzu,»ich legen nieder meine unterthänige Huldigung zu Ihren Fuß. Wenn Sie hören von uf Ihre 8 meine ſchnelle Tod, Sie weißen, wer daran iſt ſchuld.« Freundes „Ach mein Himmel, Miß, wenn Sie glauben, daß Sir Randal ihn wirklich todtſticht, ſo wäre es doch wohl beſſer, wenn Sie ihn nicht gehen ließen. Ich mache mir nicht das Elende, he grin Mindeſte aus Monſieur Chaſſemouche, aber doch möchte ich ihn. nſen ſi nicht angeſpießt ſehen, wie ein Rebhuhn. Wollen Sie nicht den Brief flüchtig anſehen, um zu erfahren, was wegen Squire M⸗ Gage darin ſteht? Vielleicht iſt es etwas Beruhigendes für ir Sie. Sie können ja das Billet, ſobald Sie es geleſen, zerrei⸗ ßen, wie Sie mit dem erſten thaten.« eſe Billet Chaſſemouche, welcher glaubte, daß ihm noch nicht alle echen die Ausſicht abgeſchnitten ſey, blieb noch ſtehen und bemerkte: „Vielleicht erlauben Mademoiſelle mir den Inhalt von ſchoſſn⸗ die Billet vorzutragen. Ich weiß ihn par coeur, denn ich habe ihn hören vorleſen vor mein Herr.“ windend⸗ 6„Unmöglich!« rief Clara entrüſtet.„Wenn Maſter Mon⸗ hnt den thermer den Inhalt dieſes Briefes kennte, ſo würde er die Be⸗ ſelben ju ſtellung desſelben an mich nimmermehr gut geheißen haben. Ihr ſprecht mehr als Euch aufgetragen worden iſt, und wenn „dann euer Herr erfährt, und er ſoll es erfahren, wie Ihr gewagt tlaſſen. habt, ihn bei mir zu verleumden, ſo werdet Ihr Grund ha⸗ d ſuchen ben, eure Unverſchämtheit zu bereuen.“ ir mein„O da haben ich kein Furcht, Mademoiſelle,« entgeg⸗ moiselle. nete der Franzoſe, ohne wie es ſchien, durch die Drohung ttrce mit 6— geſchreckt zu werden.„Mon maitre et le Sieur Freke hören die Billet leſen und ſie Beide ſagen, es ſeyen gut. Und Maſter Monthermer befehlen mir es zu geben in Ihre eigene Hand, Mademoiſelle. Ich wollen nicht ſogleich gehorchen, aber Sir Randal bedrohen mein Leben wie ich ſchon geſagt. Sapristi! Wie lachen die beiden andern Herren. Sie halten es wahr⸗ ſcheinlich für eine bonne plaisanterie, aber ich finden das kein Spaß.* »Die Herren hätten ſich auch ſchämen ſollen, über ſo etwas zu lachen,« rief Lettice.„Laſſen Sie ihn uns ſagen, was in dem Briefe ſteht.* Clara war in dieſem Augenblicke zu aufgeregt um zu ſprechen und Chaſſemouche wartete gar nicht erſt auf ihre Er⸗ laubniß, ſondern fuhr fort: „Sir Randal betheuern die größte amour zu Mademoi⸗ ſelle,« ſagte er.»Sie verſtehen das wohl, aber in keinem Fall verſtehen Sie l'excessif ardeur de sa dévotion, wenn Sie nicht leſen dieſe Brief. Mais, n'en parlons plus. Er bitten Sie inſtändig ihm zu ſchenken eine Zuſammenkunft dieſen Abend.« »Mein Himmel, Miß, wie ſeltſam! rief Lettice. »Sir Randal bitten dann um permission zu beſtimmen Stunde und Platz von die rendez-vous, Mademoiſelle.* »Nun wohlan, ſo ſagen Sie uns doch ohne weitere Um⸗ ſtände, was er will?« rief die ungeduldige Zofe. »Doucement, coquine, wenn Sie wollen begleiten Ihre jeune maitresse, ich werden auch da ſeyn. Die place, Ma⸗ demoiſelle, ſeyn der petit jardin bei die Ruinen von das alte chäteau. Der Epheuthurm nennen es mon mattre, die Stunde ſeyn neun Uhr. Sie vergeſſen das nicht, ſchöne Miß Lettice und kommen mit Ihre junge Dame. Sie ſollen finden mich und ich werde Ihnen ſagen etwas, was Sie hören gern.« Solt mach rief rickn ich er e hören Maſter Hand, ber Sir apristi! wahr⸗ as kein über ſo ſagen, um zu re Er⸗ demoi⸗ mall nn Sie ten Sie bend.“ timmen re Um⸗ n Ihre as alte Stunde Lettice ich und 77 „Mein Himmel, Miß! Hat es wohl jemals etwas ſo Seltſames gegeben?« kreiſchte Lettice faſt.»Was ſollen wir machen?* Clara gebot ihr durch einen Blick Schweigen. „Ich ſagen Sir Randal, Sie kommen, Mademoiſelle,« rief Chaſſemouche, indem er ſich verneigte, und ſich ſchnell rückwärts der Thür zu bewegte.»Aa revoir, ſchöne Lettice; ich erwarten Sie.« „O nein!— Ihr dürft Keine von uns Beiden dort zu ſehen hoffen. Wartet eine Minute.« Ehe ſie ihn aber hindern konnte, war der Franzoſe fort. »Ach mein Himmel, Miß,« rief Lettice, indem ſie zu ihrer jungen Herrin zurückeilte, während Chaſſemouche ver⸗ ſchwand.„Das iſt eine ſchöne Geſchichte! Denken Sie nur, daß dieſer zudringliche Sir Randal gerade den Platz und die Stunde beſtimmt, zu welcher Sie Sir Arthur gerufen haben.« „Das kann nicht bloßer Zufall ſeyn,« bemerkte Clara. „Er muß auf irgend eine Weiſe meine Abſicht erfahren haben. Aber wie7« „Ja, Miß, das iſt es eben. Wie kann er erfahren ha⸗ ben, was Sie ſich vorgenommen hatten zu thun? Ich wußte es ja nicht einmal.« „Noch, ſo viel mir bekannt iſt, ſonſt Jemand außer Maſter Arthur und ſeiner Schweſter. Kann mit meinem Briefe an Luch oder mit ihrem Briefe an mich etwas vorgegangen ſehn? Ich hielt den Boten für zuverläſſig.« „Ned Clinch? Als Reitknecht iſt er wohl ganz zuver⸗ läſſig, aber ich fürchte, daß er der Verſuchung nicht widerſte⸗ hen könnte, wenn ihm eine Guinee geboten wird. Höchſt wahr⸗ ſcheinlich ſind die Briefe geöffnet worden.“ ——.— — ——— — 78 „Wenn aber dies unglücklicherweiſe der Fall ſeyn ſollte, ſo wäre dann meine ganze Abſicht vereitelt!« rief Clara. „Wir können es allerdings nicht ganz beſtimmt wiſſen, Miß, aber am beſten iſt es, auf das Schlimmſte gefaßt zu ſehn und es zu denken. Ich würde verſuchen, Ned auszufor⸗ ſchen, aber der wäre ſchlau genug, nichts zu ſagen. Was ſchlagen Sie vor zu thun? Maſter Arthur, glaube ich, kommt ganz gewiß.* „Ganz gewiß, Lettice. Und ich ſehe kein Mittel, ihn von der ſchlimmen Lage zu unterrichten, in die ich mich verſetzt ſehe.* „Es iſt eine ſchlimme Geſchichte. Ich wollte, es fiele mir ein Auskunftsmittel ein, aber ich geſtehe, daß ich mir nicht zu rathen weiß. Doch halt, Miß, jetzt weiß ich es. Soll ich vielleicht an Ihrer Statt hingehen?“ „Aber fürchteſt Du Dich nicht, es zu thun, Lettice?“ be⸗ merkte Clara, der dieſer Vorſchlag eine große Laſt vom Her⸗ zen zu nehmen ſchien. „Nicht im Mindeſten, Miß. Sie können mir ja ſagen, was ich Maſter Arthur ſagen ſoll und aus Sir Randal mache ich mir nicht das Mindeſte. Ich glaube, es wird etwas über ihn zu lachen geben. Er wird im Finſtern nicht gleich wiſſen, wen er vor ſich hat. Sie müſſen mir Ihren Mantel und Hut leihen und obſchon ich nicht ganz ſo groß bin, wie Sie, ſo glaube ich doch, wenn ich z. B. ſo auf den Fußſpitzen gehe, wird Sir Randal den Unterſchied nicht gleich bemerken.« „Wenn Du nur Maſter Arthur von Sir Randal's Erſchei⸗ nen in Kenntniß ſetzen kannſt, ehe der Andere ihn überraſchen kann, ſo wird dies hinreichend ſeyn, Lettice, und kann vielleicht einem Streit zwiſchen den beiden Herren vorbeugen. Ich würde mir es niemals verzeihen, wenn Sir Arthur meinet⸗ wegen werde jur S Spi kan wä nac und n ſollte, a. wiſſen, efaßt zu uszufor⸗ . Was kommt ihn von verſetzt es fiele ich mir 8. Sbll cee be⸗ om Hel⸗ a ſagen, Randal d etwas h gleich Mantel bin, wie ußſpitzen nerken.“ Erſchei⸗ rraſchen vielleicht en⸗ 3) meinel⸗ 79 wegen leiden ſollte. Doch Du darfſt nicht allein gehen. Ich werde mich in der Nähe halten, um, wenn Du rufſt, ſogleich zur Stelle zu ſeyn.« »Sie können ja meinen rothen Camelotmantel umwer—⸗ fen, Miß, uud die Capuze über das Geſicht ziehen, und dann wird man Sie recht wohl für mich halten können und Sie finden vielleicht Gelegenheit, mit Maſter Arthur zu ſprechen, während ich die Aufmerkſamkeit des Andern be⸗ ſchäftige.« »Du biſt wirklich ſehr verſchmitzt, das muß ich ſagen, Lettice, und ſcheinſt ein nicht gewöhnliches Talent für der⸗ gleichen Dinge zu haben. Doch nun mußt Du mich verlaſſen. Ich will verſuchen, meine zerſtreuten Gedanken zu ſammeln und zu überlegen, was unter dieſen Umſtänden zu thun das Beſte iſt. Ich glaube, ich werde auf deinen Vorſchlag einge⸗ hen, obſchon er nicht ganz nach meinem Geſchmack iſt. Komm in einiger Zeit wieder!“ »Zögern Sie nicht, Miß, wir werden dadurch den Spieß gegen Sir Randal umdrehen. Was mich betrifft, ſo kann ich den Scherz gar nicht erwarten und wollte, es wäre ſchon drei Viertel auf Neun und wir auf dem Wege nach dem Epheuthurme— Sie in meinem Camelotmantel und ich in Ihrer ſeidenen Mantille.« Und ſie ging aus dem Zimmer und überließ Clara ih⸗ ren Betrachtungen. ¹ VII. Woher Maſter Fairlie Rachrichten erhielt und wie er dafür bezahlte. Anſtatt, wie man ganz natürlich hätte erwarten ſol⸗ len, ſofort zu dem jungen Baronet zurückzukehren, für deſſen Abgeſandten er ſich ausgab, ging Monſieur Chaſſemouche, als er Clara verließ, nach einem Zimmer in dem Parterre, welches Maſter Fairlie als ſein Eigenthum beanſpruchte und worin er gewöhnlich Geſchäfte zu verhandeln pflegte. Der Franzoſe pochte an und wartete diesmal, auch ward er nicht eher eingelaſſen, als bis er zum zweiten Male gepocht hatte. Dann ergab ſich, daß der Verwalter eben Ned Clinch, den Reitknecht, entließ. Dieſer letztere ſchmunzelte und ſteckte eine Münze in ſeine Weſtentaſche. Die raſchen Augen des Franzoſen entdeckten ſofort, daß es ein Goldſtück war, und als Ned hinausging, blinzelte er ſeinen Mitdiener und wahr⸗ ſcheinlich Mitſchuldigen auf ſchlaue Weiſe von der Seite an. Sobald ſie allein waren, begann Maſter Fairlie, der an einem Tiſche ſaß, auf welchem Schreibmaterialien und eines jener dicken Rechnungsbücher, welche Gage mit ganz beſonderem Widerwillen betrachtete, lagen, Chaſſemouche's Zunge in Freiheit zu ſetzen und nachdem er dies gethan, er⸗ fuhr Unte wie er arten ſol⸗ für deſſen ſſemouche, Parterre, uchte und k. mal, auch eiten Nale ſed Clinch und ſtckte Augen des war, und und wahr⸗ Seite an⸗ girlie der alien und nit gun ſenuhes 81 fuhr er ſehr bald, daß der Franzoſe ſeine eben ſtattgehabte Unterredung mit Clara zu melden hatte. Maſter Fairlie ſchien ärgerlich zu ſeyn, daß ſeine Toch⸗ ter ſich nicht hatte bewegen laſſen, das Billet zu öffnen, wel⸗ ches Chaſſemouche neben ihm auf den Tiſch legte und welches er ſofort wegnahm und in einem Schubfach verwahrte. Doch lobte er den Franzoſen wegen der Gewandtheit, womit er ſie von dem Inhalte in Kenntniß zu ſetzen gewußt, was, wie er ſagte, ebenſo gut wäre, als wenn ſie den Brief ſelbſt gele⸗ ſen hätte. Nachdem dieſe Mittheilung beendet war, ſchien Maſter Fairlie einige Minuten lang in ſtille Betrachtung zu verſin⸗ ken, während welcher er fortwährend den Schlüſſel in dem Schloſſe des Schubfaches umdrehte, ohne darauf zu achten, daß ſeine Bewegungen von Chaſſemouche ſcharf beobachtet wurden. Endlich nahm er wie mit großer Selbſtüberwindung eine Guinee aus einer kleinen hölzernen, zur Hälfte mit der⸗ gleichen verführeriſchen Münzen gefüllten Schale, ſchloß das Schubfach ſorgfältig wieder zu und gab das Geld dem Fran⸗ zoſen, welcher es mit ſeiner gewöhnlichen kriechenden Verbeu⸗ gung empfing. »Geheime Dienſte koſten einem viel Geld, Chaſſemouche,« bemerkte er.»Das iſt die dritte Guinee, die ich heute in dieſer Angelegenheit ausgebe. Eben habe ich Ned Clinch dafür be⸗ zahlt, daß er mir den Brief brachte, den er von Miß Poy⸗ nings zur Antwort auf die Mittheilung meiner Tochter erhal⸗ ten, welche Mittheilung er mir ebenfalls vorlegte, ehe er ſich auf den Weg machte. Zwei Briefe, zwei Guineen, Chaſſe⸗ mouche. Der Kerl wird reich werden, wenn er es ſo fort Der Verſchwender. I. 5 macht. Es wird eure eigene Schuld ſeyn, wenn Ihr nicht auf dieſelbe Weiſe reich werdet. Ich bin ſtets bereit, Mittheilun⸗ gen zu bezahlen, das heißt im Verhältniß zu ihrem Werthe, Chaſſemouche. Ich höre gern, was in allen Theilen des Hau⸗ ſes vorgeht, was von den Dienern geſprochen und gethan wird, wohin ſie gehen, mit wem ſie verkehren. In dem Zim⸗ mer des Kellermeiſters gehen jetzt ſchöne Dinge vor. Pudſey und Bellairs haben, wie ich höre, im Gleek und andern Spie⸗ len eine Menge Geld an Sir Randay's Diener Trickett verlo⸗ ren. Maſter Freke's Diener, Tibbits, gewinnt, wie ich höre, auch bedeutend. Ihr ſpielt ſelbſt ein wenig, das weiß ich, Ihr braucht Euch nicht zu entſchuldigen, es iſt nicht meine Abſicht, Euch zur Rede zu ſetzen, ich wünſche blos, Euch vor dem Schur⸗ ken Trickett zu warnen, denn dieſer iſt ein richtiger Gauner, der nicht eher ruhen wird, als bis er Pudſey und Bellairs den letzten Heller abgenommen hat.“ „Ma foi. moneieur,« entgegnete Chaſſemouche grinſend, „das iſt ſchon geſchehen. Geſtern Abend wurden ihre Taſchen vollſtändig ausgeräumt. Corbleu! Sie ſeyn Beide noch ſchul⸗ dig Geld an Trickett und ſie geben ihm ihre parole d'honneur, ihn zu beſahlen dies Abend. Arme Pudſey verlieren viel, ſehr viel— mehr als ich wollen ſagen, Monſieur, und ich ſeyn neugierig, wie er ſich ſiehen aus die Schlinge— ha! ha! ha! Bellairs wollen borgen Geld von mir, aber ich leihen ihm nicht ein Sou. Er mag ſich hängen auf— le chien waudit. ſeyn mir ganz egal hil hi! hi!* „Gerade ſo wie ich wünſche,« murmelte Fairlie;»dann werden ſie ſich gewiß an mich werden. Na, nun geht zu Sir Randal und ſagt ihm, daß es Euch diesmal gelungen wäre.“ „Mais, monsieur, ich haben keine Furcht, daß er mir nicht glauben.« ſeiner die ju es nich wilig ſchn. Grine ſie wi ſin lichd ſtand unwi net ſ nicht auf Mittheilun⸗ m Werthe, des Hau⸗ nd gethan dem Zin⸗ or. Pudſey dern Spie⸗ ickett verlo⸗ ich höre, iß ich, Ihr ne Abſicht em Schur⸗ uner, der ellairs den he grinſend, hre Taſchen noch ſchul honneur nd ich ſhn a ha! hol leihen ihn en naudit lie;»dann eht zu 6h 83 „O je, das iwrd er, Der Geck wird Alles glauben, was ſeiner Eitelkeit ſchmeichelt. Thut wie ich Euch ſage. Sagt ihm, die junge Dame habe ſein Billet empfangen und obſchon ſie es nicht geſagt, ſo habe ſie doch durch ihre Blicke ihre Ein⸗ willigung zu erkennen gegeben. Dies wird für ihn hinreichend ſeyn. Solche gute Nachrichten müſſen Euch abermals eine Guinee eintragen.« »Assez, monsieur, ich werde ihm leiſten Schwur, daß ſie wird kommen.« „Nun dann ſofort an's Werkl« rief Fairlie. Der Franzoſe war noch nicht viele Minuten fort, als ſein Platz durch Maſter Bellairs eingenommen ward. Der ſonſt ſo geſchniegelte Kammerdiener ſah jetzt ziem⸗ lich demüthig und niedergeſchlagen aus. Maſter Fairlie ver⸗ ſtand die Urſache ſeines Kummers vollkommen, ſtellte ſich aber unwiſſend und fragte, ob ihm etwas Unangenehmes begeg⸗ net ſey. „Allerdings, Sir,« entgegnete Maſter Bellairs.»Ich bin, die Wahrheit zu geſtehen, in eine ekliche Verlegenheit ge⸗ rathen. Ich habe eine Ehrenſchuld, die heute bezahlt werden muß, und ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen ſoll, wenn Sie nicht vielleicht die Güte haben, mir ein Vierteljahr Lohn vorzuſchießen.“ »Ihr habt gewiß geſpielt, Ihr Halunke!« „Ich bin blos dem Beiſpiel meines Herrn gefolgt, Sir. Die Herren ſpielen immer oben und es liegt etwas ſo Verfüh⸗ reriſches in dem Klappern eines Würfelbechers oder in dem Miſchen einer Karte, daß ich, ſo lange noch ein Platz frei ſt, nicht umhin kann, mich zu betheiligen.“ „Wobei Ihr ſicherlich allemal verliert, Bellairs, beſon⸗ ders wenn Maſter Trickett euer Gegner iſt. Indeſſen, das iſt 84 eure Sache. Es iſt nicht meine Abſicht, Euch die Thorheit eurer Handlungsweiſe vor Augen zu führen. Ich bin kein Sittenlehrer, Bellairs.* »Das weiß ich recht wohl,« ſagte der Kammerdiener bei ſich ſelbſt. »Apropos, Bellairs,« fuhr Maſter Fairlie fort,»Ihr ſeyd viel um euren Herrn herum und genießt ſein Vertrauen. Vielleicht macht er zuweilen Bemerkungen über mich, die ich wiſſen möchte.« „Allerdings, Sir,« entgegnete der Kammerdiener den Wink ſofort verſtehend,„er unterhält ſich mit mir oft über Sie.* »Nun, und was ſagt er, Bellairs? Was ſagt er?“ »Entſchuldigen Sie, ich habe ein ſehr ſchlechtes Gedächt⸗ niß, Sir.* »Ihr wünſcht, daß es ein wenig angefriſcht werde, nicht wahr?* »Nun ja, Sir. Vor allen Dingen möchte ich wiſſen, ob ich ein Vierteljahr Lohn vorausbekommen ſoll.« »Ihr ſollt es bekommen, dafern ich überzeugt bin, daß Ihr es verdient. Hört, Bellairs, es nützt nichts, lange erſt um die Sache hexumzugehen, wenn wir ſofort darauf einge⸗ hen können. Ihr könnt mir nützlich ſeyhn, wenn Ihr mir im⸗ mer rechtzeitige Mittheilungen über euren Herrn macht, in Be⸗ zug auf ſeine Pläne und Bewegungen, was er ſagt und was er thut.“ »Mit einem Worte, ich ſoll ihn verrathen, Sir. Das kann ich nicht thun,« ſagte Bellairs, indem er die Hand aufs Herz legte,„bei meiner Ehre, das kann ich nicht thun.« „Ach, macht mir doch nichts vor! Ihr wollt erkauft ſeyn. Wohlan, macht Euch nützlich und Ihr ſollt keinen — 60 ie Thorheit bin kein mmerdiener fort,»„Ihr Vertrauen. ich, die ich diener den t mir oſt s Gedächt⸗ ſcht werde, wiſſen, ob tbin, daß lange erſt auf einge⸗ r mir in⸗ cht in Be⸗ und was Sit. Das hand aufß un.“ lt erkuft lt keinen 85 Grund haben, Euch zu beklagen. Ihr könnt den Spion eben ſo gut ſpielen, als ein Anderer, ſollte ich meinen.« „Das hoffe ich auch, Sir, aber ich proteſtire gegen die⸗ ſen Titel. Es iſt ein niedriger Ausdruck und heutzutage unter anſtändigen Leuten nicht mehr im Gebrauche.* „Ich ſehe, wir verſtehen einander, Bellairs, und des⸗ halb ſollt Ihr die verlangte Summe haben. Vierzig Pfund jährlich, das macht zehn Pfund aufs Vierteljahr,« ſagte Fairlie, indem er Geld aus dem Schubfach nahm. Dann öffnete er ein kleines Buch, in welches er die Zahlung eintrug, händigte dieſe dann dem Diener ein und forderte ihn auf, eine Quittung zu ſchreiben. Nachdem dies geſchehen und während Bellairs das Geld einſteckte, bemerkte dieſer: „Ich will nicht hoffen, daß Sie dem Franzoſen Ver⸗ trauen ſchenken, Sir, das iſt ein doppelzüngiger Schurke, der Sie ganz gewiß hinters Licht führen wird.« „Ich habe ſelbſt keine große Meinung von ihm, Bellairs, und wenn ich ihn auf einer falſchen Fährte ertappe, ſo werde ich ihn fortzuſchaffen wiſſen. Behaltet ihn ſcharf im Auge. Ich verlaſſe mich auf eure Umſicht und Verſchwiegenheit.« Gerade in dieſem Augenblick ward wieder an die Thur gepocht und Maſter Pudſey trat ein. Der Kellermeiſter gaffte den Kammerdiener und der Kammerdiener gaffte den Kellermeiſter an, aber keiner von Beiden ſprach. Auf einen Wink von Maſter Fairlie entfernte ſich Bel⸗ lairs, blieb aber draußen vor der Thür und horchte am Schlüſſelloch. „Nun, Pudſey, Ihr kommt wohl in derſelben Angele⸗ 86 genheit wie Bellairs, nicht wahr?« hob Maſter Fairlie an. „Ihr habt geſpielt wie er und euer Geld verloren, nicht wahr? Ich leſe die Antwort in eurem Geſicht. Wie viel braucht Ihr?« »Wirklich, Sir, ich erwartete nicht, daß Sie ſo ſchnell bereit ſeyn würden.« »Ich habe noch nicht geſagt, daß ich bereit bin, Pudſeh. Ich mache keine Verſprechungen, ich frage blos, wie viel Ihr verlangt?« »Nun, Sir, wenn ich es einmal ſagen muß, es wäre mir angenehm, wenn ich fünfzig Pfund bekommen könnte.« »Das glaube ich recht gern, Pudſeh, aber Ihr werdet ſie von mir nicht bekommen. Ich bewundere die Dreiſtigkeit, mit welcher Ihr dieſes Verlangen an mich ſtellt. Sie macht Euch ungeheure Ehre, ha! ha! ha! Bellairs war mit zehn Pfund zufrieden.« »Das kann wohl ſeyn, Sir, aber meine Verluſte ſind auch viel größer geweſen als die ſeinen. Ueberdies ſtehe ich auch auf einem ganz andern Boden als Bellairs und bin im Stande beſſere Bedingungen zu machen. Ihn bezahlten Sie dafür, daß er plaudere, mich müſſen Sie bezahlen, damit ich ſchweige.« »Ich müßte Euch bezahlen, damit Ihr ſchweigt! Was wollt Ihr damit ſagen?« fragte Fairlie die Stirn runzelnd. »Ich will damit ſagen, daß ich Geld brauche und es haben muß. Sie werden mit mir einen beſſern Handel ma⸗ chen, als Sie gemacht haben würden, wenn ich nicht in die⸗ ſer Klemme wäre, und Sie können ſich daher zu der Gering⸗ fügigkeit meiner Forderung gratuliren. Es war meine Ab⸗ ſicht, ſo viele Hunderte zu verlangen, ja, ja, und auch zu bekommen, als ich jetzt Pfunde verlange. rung Ihr! komn len fo ſi N 87 Faitlie an.„Da Ihr mir erklärt habt, weshalb Ihr eure Forde⸗ nicht wahr? rung in ſo beſcheidene Grenzen einſchränkt, Pudſey, ſo werdet aucht Ihrſe Ihr vielleicht auch die Güte haben, mir mitzutheilen, wie es e ſo ſchnel kommt, daß Ihr überhaupt eine ſolche Forderung zu ſtel⸗ len wagt.“ bin, Pudſch.„O ſehr gern. Geſtern ward in dem Speiſezimmer ein wie viel Ihr Notizbuch verloren. Ich hob es auf und überzeugte mich bei näherer Beſichtigung, daß es Sir Randal de Meſchines ge⸗ hörte, denn ſein Name war darauf geprägt. Es enthält nichts von Bedeutung. nichts Werthvolles, meine ich, aus⸗ genommen gewiſſe Notizen über Geldſummen, die meinem Herrn im Spiele abgewonnen worden. Dieſe Summen ſind in drei Theile getheilt, der eine iſt dem jungen Baronet ſelbſt zugeſchrieben, der zweite Maſter Freke und der dritte Ihnen.“ „Teufel!“ rief Fairlie, der nicht im Stande war, ſeine Wuth zu unterdrücken. „Daß dieſe Notizen ſich auf Sie beziehen,« fuhr Pudſey fort,„wird durch zwei Billets von Maſter Freke beſtätigt, die ſich ebenfalls in dem Notizbuche befanden, und in welchen Ihr Name in eben nicht ſehr ſchmeichelhaften Ausdrücken als Part⸗ ner der jungen Herren erwähnt wird.“ „Ich glaube, Ihr lügt, Pudſey. Ich fordere Euch auf, dieſes Notizbuch vorzulegen.“ , es wäre könnte.“ Ihr werdet Dreiſtigkeit, Sie macht r mit zehn Verluſte ind es ſtehe ich und bin in ahlten Sie hlen, damit eigt! Vas runzelnd. „O, nichts iſt leichter als dies, Sir, und verlaſſen Sie he und ſich darauf wenn wir nicht zu einem richtigen Einverſtänd⸗ niß kommen, was um Ihretwillen höchſt wünſchenswerth iſt, icht n 6 ſo wird das Buch meinem Herrn vorgelegt.* „Und Ihr wünſcht fünfzig Pfund von mir zu borgen 7* n „Nein, Sir. Ich verlange wohl dieſe Summe, aber es d auch 3u 6 iſt nicht meine Abſicht, ſie wieder zu bezahlen.* 88 »Es muß aber von meiner Seite blos ein Darlehen ſeyn, dafern Ihr nicht das Notizbuch ausliefert. Ich will Euch das Geld borgen, und Ihr ſollt ein Bekenntniß un— terzeichnen, welches ich Euch wieder zurückgeben werde, wenn Ihr mir das Buch und die Briefe bringt.« »Mit dieſem Arrangement bin ich einverſtanden, Sir. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß ich Ihnen das Verlangte einhändigen werde.« »Das iſt eben keine ſehr ſichere Garantie, fürchte ich, Pudſey. Nichtsdeſtoweniger will ich Euch trauen.« »Weil Du nicht anders kannſt,« dachte der ſchlaue Kel⸗ lermeiſter, während der Verwalter die Schuldverſchreibung aufſetzte. Maſter Fairlie brauchte hierzu nicht lange Zeit, und Pudſey unterzeichnete das Papier, ohne ſich die Mühe zu neh⸗ men, es zu leſen, und empfing dann das Geld, welches er jedoch ſorgfältig nachzählte. »Ganz richtig, Sir,« bemerkte er, nachdem er dieſes angenehme Geſchäft beendet,„Sie können ſich darauf verlaſ⸗ ſen, daß ich rechtlich an Ihnen handeln werde. Morgen ſol⸗ len Sie Ihrer Unruhe in Bezug auf das Notizbuch und den Inhalt desſelben enthoben werden.* »Noch eher, will ich hoffen,« rief Maſter Fairlie, wäh⸗ rend der Kellermeiſter ſich entfernte.„Es darf keine Stunde vergehen, ehe ich die Sachen in meinem Beſitz habe. Beim Himmel! ich hätte Luſt, den Kerl an den Galgen zu brin⸗ gen. Ich will ſofort ſeine Koffer durchſuchen laſſen.« Während er noch überlegte, wie er dieſes Geſchäft an⸗ faſſen ſollte, ſtand Maſter Bellairs plötzlich wieder vor ihm. »Hier iſt der Mann, den Sie brauchen,« ſagte der Kammerdiener mit ſeiner gewohnten Dreiſtigkeit. ich kann ſteckt ha ſeich in hleſch in vil geb gen. J ch Jimme dor der G laſſen. Er hä murm weisſt ner St gen ü nocht idor 2 hl 89 Darkhen Fairlie ſah ihn fragend an. Ich will»Ich habe mit angehört, was zwiſchen Ihnen und Pud⸗ miß un⸗ ſey ſo eben vorgegangen iſt, Sir,« fuhr Bellairs fort,»und e wenn ich kann Ihnen beiſtehen. Ich weiß wo er das Notizbuch ver⸗ ſteckt hat, und will es Ihnen bringen.“ n, Sir.„Thut das und Ihr ſollt mich nicht undankbar finden.« erlangte„Lieber wäre es mir, wenn Sie Ihre Dankbarkeit gleich in Zahlen ausdrückten, Sir. Sie müſſen mir eben ſo hte ich viel geben als Sie ſo eben Pudſey gegeben haben.* »Abgemacht!« aue Kel⸗„In zehn Minuten ſollen Sie haben, was Sie verlan⸗ reibung gen. Ich belauerte Pudſey, als er die Treppe hinunterging, ₰ der Schurke lachte vor ſich hin, ich will mich ſofort in ſein it, und Zimmer hinaufſchleichen.* zu neh⸗„Vergeßt nicht, beide Briefe zu bringen.« elches er„O, fürchten Sie nichts, Sir, ich werde nichts zurück⸗ † laſſen.— Ich wollte nur, ich hätte hundert Pfund verlangt. r dieſes Er hätte ſie mir eben ſo bereitwillig gegeben, als fünßig,« verlaſ⸗ murmelte der Kammerdiener, indem er das Zimmer verließ. gen ſol»Wie unvorſichtig von Sir Randal, dergleichen Noti⸗ md den zen zu machen, und Maſter Freke's Briefe aufzuheben!« rief Fairlie, als er allein war.»Ich werde hundert Pfund ein⸗ wäh⸗ büßen, aber dafür werde ich auch dieſer verdammenden Be⸗ ben weisſtücke los, und Pudſey iſt dann für fünfzig Pfund in mei⸗ geim ner Schuld und folglich in meiner Macht.« u brin⸗ Maſter Fairlie blieb nicht lange ſeinen Betrachtun⸗ gen überlaſſen, von welcher Art dieſelben nun auch ſeyn iſt an mochten. ihn. Stimmen und lautes Gelächter draußen auf dem Cor⸗ z der ridor verkündeten ihm, daß mehre Perſonen ſich ſeinem Aſyl näherten, und gleich darauf öffnete ſich die Thür, und 90 Gage trat ein, begleitet von Beau Freke, Sir Randal, Lord Melton und Brice Bunburh. Alle ſchienen in der heiterſten Laune zu ſehn, und hör⸗ ten nicht auf zu lachen, während ſie Beſitz von dem Zimmer nahmen und ſich hinwarfen, wo ſie einen Sitz fanden, Einige auf Stühle und die Uebrigen auf den Rand von des Verwal⸗ ters Schreibtiſch. Unter den Letztern befanden ſich Gage und der junge Baronet. »Wohlan, Fairlie,« begann Sir Randal, indem er ſein wohlgeformtes Bein klopfte, welches in einem ſeidenen Strumpfe vom feinſten Gewebe mit goldenen Zwickeln ſtak, vich bin gekommen, um Ihnen zu ſagen, daß ich meine Wette gewinnen werde. Sie wetteten mit mir um hundert Pfund, und Monthermer that dasſelbe, daß Ihre Tochter nie⸗ mals ſich dazu verſtehen würde, mir eine Unterredung zu be⸗ willigen. »Wir wetteten, daß ſie ſich nicht dazu verſtehen würde, Sie heute Abend um neun Uhr an dem Epheuthurme zu treffen. Ich bitte Sie genau bei der Sache zu bleiben, Sir Randal.* »Ja, das war unſere Wette, und ich glaube, ſie iſt ſo gut wie gewonnen, nicht wahr Fairlie?« bemerkte Gage la⸗ chend.»Wir machten ſie auf Ihren Vorſchlag, denn mir wäre eine ſo ſonderbare Wette, die ich als eine Beleidigung gegen die junge Dame betrachte, nimmermehr eingefallen. In⸗ deſſen, wenn es eine Beleidigung iſt, ſo iſt es an Ihnen, Fair⸗ lie, dieſelbe zu rügen, nicht an mir.« »Ich betrachte die ganze Sache als einen bloßen Scherz, einen Scherz auf meine Koſten vielleicht, aber dennoch lache ich darüber, und kann daher darin nichts bemerken, was eine S bot ſic Lochte es zug menku unwa und n behau nicht! gilt d Sind ju eth Sir eine nich tete daß nen as dal, Lord und hör⸗ n Zimmer n Einige s Verwal⸗ der junge indem er ſeidenen keln ſtak, eine Wette rt Pfund, hter nie⸗ ng zu be⸗ nwürde, hurme zu iben, Sit ſo iſt ſo Gage la⸗ enn mir leidigung len. In en Fair⸗ nScheri⸗ ch lache en, wos 9 eine Rüge verdiente,« entgegnete Fairlie.„Sir Randal er⸗ bot ſich, mit mir um hundert Pfund zu wetten, daß meine Tochter ihm eine Zuſammenkunft bewilligen würde, indem er es zugleich mir überließ, die Zeit und den Ort der Zuſam⸗ menkunft zu beſtimmen. Ich nahm die Wette an, nannte den unwahrſcheinlichſten Ort und die unwahrſcheinlichſte Stunde, und werde nun ſein Geld gewinnen.* „Und ich auch,« rief Gage.»Trotz alles deſſen was er behauptet, wollte ich doch tauſend Pfund wetten, daß ſie nicht kommt.« »Angenommen!« rief Sir Randal.„Eintauſend Pfund gilt die Wette. Ich wünſchte nur, Sie ſagten zehntauſend. Sind Sie vielleicht geneigt, Ihre Wette auf denſelben Betrag zu erhöhen, Fairlie? »O, ich würde dies mit vollkommener Zuverſicht thun, Sir Randal,« entgegnete Fairlie,„aber ich wünſche nicht, eine ſo bedeutende Summe auf eine ſolche Weiſe zu gewinnen. Ich will mich mit den hundert begnügen.« »Wir müſſen aber Alle dabei zugegen ſeyn. Wir müſſen darauf ſehen, daß Alles ehrlich und redlich zugeht,“ rief Beau Freke. »Aber dann müßt Ihr Euch wenigſtens unſichtbar ver⸗ halten,« entgegnete Sir Randal.„Störung werde ich nicht erlauben.* »Wenn ſie wirklich kommt, dann ſtehe ich nicht für mich!“ rief Gage.»Doch, es iſt ja ganz unmöglich.« »Nicht ſo ganz unmöglich wie Sie glauben,« antwor⸗ tete der junge Baronet.„Wenn Sie ſich überzeugt haben, daß es die junge Dame wirklich iſt, welche Ueberzeugung Ih⸗ nen gewährt werden ſoll, dann erwarte ich von Ihnen als Männern von Ehre, daß Sie ſich wieder entfernen. . 1 — —— — — 92 »Ja wohl, dann entfernen wir uns,« entgegneten die ſämmtlichen jungen Männer, ausgenommen Gage. »Und wir werden Monthermer mitnehmen,« ſagte Beau Freke.»Ihre Unterredung ſoll nicht unterbrochen werden.“ „Teufel! Wenn ich glaubte, daß wirklich eine Unter⸗ redung ſtattfände, dann würde ich ſie doch verderben!« rief Gage. »Ach was da! Laſſen Sie doch die Dinge ihren Gang gehen,« flüſterte Beau Freke.»Wenn ſie mit ihm zuſam⸗ menkommt, ſo werden Sie dadurch von Ihrer thörichten Leidenſchaft geheilt, wo nicht, ſo gewinnen Sie tauſend Pfund. Sie haben alſo Nutzen, es mag kommen wie es wolle.* Gage ward durch dieſe Schlußfolgerung nicht ganz über⸗ zeugt, doch ließ er ſich dadurch beſchwichtigen. In dieſem Augenblick flog die Thür auf, und Bel⸗ lairs ſtürzte mit einem kleinen Packet in der Hand herein und rief: „Ich hab's! hier iſt es, Sir!« Entſetzt bei dem Anblick der Verſammlung ließ er das Packet fallen, und hätte ſofort wieder die Flucht ergriffen, wenn Gage ihm nicht befohlen hätte, zu bleiben. „Was haſt Du da fallen laſſen, Burſche?« rief der junge Herr.»Gib es mir.“ „Ich bitte um Verzeihung, Sir,« entgegnete der Die⸗ ner, indem er ihm zitternd das Packet einhändigte.„Ich wußte nicht, daß Maſter Fairlie beſchäftigt iſt, ſonſt würde ich nicht auf dieſe Weiſe geſtört haben.* »Euer Herr wird Euch, wie ich überzeugt bin, entſchul⸗ digen heitl ſung Dam inder hinn als » Brie laſſe ben ſen, neten die * ſagte rbrochen Unter⸗ nl rief en Gang zuſam⸗ hörichten tauſend wie es uz über⸗ d Bel⸗ d herein ß er das rief der der Die⸗ t würde nſchul⸗ 93 digen, wenn er hört, daß Ihr in einer dringenden Angelegen⸗ heit kommt,« bemerkte Maſter Fairlie, ohne ſich aus der Faſ⸗ ſung bringen zu laſſen.»Hier,«ſetzte er hinzu, indem er ihm eine Banknote gab,„händigt dies Geld der Perſon ein, welche darauf wartet, und bringt mir eine Quittung.“ Und während der Diener ſich nicht wenig erfreut ent⸗ fernte, bemerkte er mit bewundernswürdiger Geiſtesgegenwart zu Monthermer: „Ich glaube nicht, daß Sie dieſes Packet zu öffnen brau⸗ chen. Es wird Sie nicht ſehr intereſſiren. Es beſteht aus wei⸗ ter nichts als einem Haufen alter Rechnungen, die zufällig verlegt worden waren.« „Warum ſagten Sie mir das nicht gleich, Fairlie? Dann hätte ich das Packet gar nicht angerührt!“ rief Gage, indem er ihm mit der Geberde des Widerwillens das Packet hinwarf.„Rechnungen! Pfui! nichts iſt mir mehr zuwider, als eine Rechnung.“ „Da bin ich ganz Ihrer Meinung, Monthermer,« rief Brice Bunbury.»Nichts iſt ſo unerträglich ennuyant, wie eine Rechnung. Ich kann ſchon ihren Anblick nicht aus⸗ ſtehen.* „Dann ſollen Sie durch dieſe auch nicht weiter beläſtigt werden,« bemerkte Fairlie, indem er das Packet einſchloß. „Horcht! Die Speiſeglocke, meine Herren!« rief Gage. „Ich hoffe, daß Sie guten Appetit mitbringen.“ „Ich wenigſtens erfreue mich eines ſolchen,« entgegnete Brice.„Ich werde allen Delicateſſen Gerechtigkeit widerfahren laſſen, und vor dem Burgunder nicht zurückſchrecken. Sie ha⸗ ben auch wirklich eine gute Sorte, das muß man Ihnen laſ⸗ ſen, Monthermer.« 94 „Freut mich zu hören. Allons, messieurs,« ſagte Gage, indem er voranging. Beau Freke und Sir Randal blieben einen Augenblick hinter den Uebrigen zurück. „Da ſind wir mit genauer Noth einer großen Gefahr entronnen. Was glauben Sie wohl, was dieſes Packet ent⸗ hielt, Sir Randal?“ bemerkte Fairlie. „Ich errathe es— mein verlorenes Notizbuch— ich ahnte die Wahrheit ſofort und ſchwebte nicht wenig in Angſt, daß Monthermer das Packet öffnen würde. Verbrennen Sie es, Fairlie. In Zukunft werde ich ſorgfältiger darauf achten, was ich notire, und was für Briefe ich aufhebe.« „Ja, es war auch ſehr unklug von Ihnen, wie ich Ihnen ſchon ſagte, die meinen aufzuheben, und ich bin ſehr böſe auf Sie, daß Sie dies gethan,« bemerkte Beau Freke. „Indeſſen wir haben jetzt keine Zeit zu plaudern. Der große Coup wird heute Abend ausgeführt, Fairlie. Wir werden ihm vorher nach Möglichkeit im ſtärkſten Weine zutrinken.* „Zum Trinken bedarf er in der Regel keiner großen Verführung,« entgegnete der Verwalter,„und ich habe dem Kellermeiſter ſchon geſagt, daß er eine Quantität von ſeinem beliebten Claret auf die Tafel ſetzen ſoll. Dieſer wird ihm Feuer in die Adern jagen.« „Dann wird uns die Sache weiter keine Schwierigkeit machen,« bemerkte Sir Randal.»Meiner Treu, Fairlie, ich muß geſtehen, es iſt dies ein ſehr ſchlaues Manöver von Ih⸗ nen, den jungen Poynings zu beſeitigen, welcher, wenn er Zutritt in das Haus erlangt hätte, uns viel zu ſchaffen ge⸗ macht haben würde. Nun werden wir im Stande ſehn, ihn in einen Streit zu verwickeln, ehe er noch Gelegenheit hat, ſich zu erklären.« „ bemerkt dernswi uns, Fe neie den Che S walter Mie( welche geradi wora dorig bei g gefun Der ju thu Erfth daß ſi wegen gelbeſ dirt te Gage, ugenblick nGefahr acket ent⸗ — ich in Angſt, nen Sie f achten, wie ich bin ſehr u Freke. Nt grofe rwerden inken.“ r grofen habe dem on ſeinem vird ihn wierigkeit irli, ich von Jh⸗ wenn er uffen g⸗ ſyn ihn heit hu 95 „Ein bewundernswürdiger Einfall, das muß ich ſagen,« bemerkte Beau Freke,„aber alle Pläne Fairlie's ſind bewun⸗ dernswürdig. Doch wir müſſen gehen. Diniren Sie nicht mit uns, Fairlie?« „Nein, dieſe ſpäten Diners ſagen mir nicht zu,« entgeg⸗ nete der Steward.„Ich muß mir den Kopf klar erhalten. Ehe Sie zu ſpielen anfangen, werde ich mich jedoch einfinden.« Hierauf entfernten ſich die beiden Herren und der Ver⸗ walter ſah ſich abermals allein. VII. Wie Gage einige tanſend Pfund im Baſſetſpiel verlor. Ein beſſeres Diner konnte es nicht geben als das, zu welchem Gage und ſeine Freunde ſich niederſetzten. Es war gerade jene Art von ungezwungenem, fröhlichem Mahl, woran die dem Glaſe ſo gern zuſprechenden flotten Leute des vorigen Jahrhunderts ihr Ergötzen fanden und welches ſelbſt bei gewiſſen Elegants der gegenwärtigen Generation Gnade gefunden haben würde. Aller Zwang war von dieſer gaſtlichen Tafel verbannt. Der Wirth hatte nicht erſt nöthig, ſeine Gäſte aufzufordern, zu thun, als ob ſie zu Hauſe wären, eine einwöchentliche Erfahrung einer fürſtlichen Gaſtfreundſchaft hatte ſie gelehrt, daß ſie dies thun könnten und das war ihnen gerade recht. Obſchon aber kein Zwang obwaltete, ſo darf man des⸗ wegen doch nicht glauben, daß Alles einfach und ſchmucklos geweſen ſey. Im Gegentheile ward das Diner prachtvoll ſer⸗ virt, auf ſilbernem Geſchirr, und der Credenztiſch war auf — 96 das Herrlichſte ausgeſtattet. Ein Heer von Lakeien in koſtba⸗ ren Livréen wartete auf und ward von Pudſey und Bellairs commandirt. Die raffinirteſten Delicateſſen und die ausgeſuchteſten Weine bildeten das Banket. Man eilte den Jahreszeiten vor⸗ aus und obſchon jetzt noch zeitiger Frühling war, ſo labten die Gäſte ſich doch ſchon an den köſtlichſten Früchten des Som⸗ mers. Der fortgeſetzte Hang, alle Gelüſte zu befriedigen, hatte Gage zu einem Epikuräer gemacht und eine einfache Koſt wäre ihm eben ſo zuwider geweſen wie einem Lucull. Er liebte gewiſſe Speiſen um ihrer Seltenheit und ihres theuern Preiſes willen eben ſo ſehr, als wegen irgend einer andern Eigenſchaft. Ein neues Gericht war für ihn eine neue Freude und er fragte nichts darnach, in welchen Aufwand er ſich durch den Kitzel ſeines Gaumens ſtürzte. Bei der gegenwärtigen Gelegenheit kamen einige ſehr pikant gewürzte, von Beau Freke beſchriebene ſpaniſche Ra⸗ gouts zum erſten Mal auf die Tafel und wurden ſehr bewun⸗ dert— beſonders von dem jungen Amphitryon— nur mach⸗ ten ſie ihn ſehr durſtig und bewogen ihn, eine ungewöhnliche Quantität Claret zu trinken, wodurch er wahrſcheinlich den Hauptzweck erfüllte, um deſſen willen ſte bereitet worden waren. Wenn unter der Geſellſchaft auch nicht viel Witz herrſchte, ſo war man doch unendlich heiter und Gage fand auf alle Fälle in ſeinen Freunden außerordentlich angenehme Leute. Ihre Scherze waren allerdings, wie ſich nicht leugnen ließ, ein wenig frei und ſie ſprachen etwas zu viel von ihren Ga⸗ lanterien. Alle aber erklärten einſtimmig, Monthermer ſey der beſte Kerl von der Welt und prophezeiten zuverſichtlich, er werd erreiche werden. S ihn bei ſeine G wurder wili ſelbe be den un nicht al welche 6 durch man ir dienen tragte ein pe foln le ten V ſanen Miſt Rhe. und bl kocht beſon Der! in koſtha⸗ Bellairs eſuchteſten zeiten vor⸗ ſo labten des Som⸗ gen, hatte fache Koſt ucull. Er s theuern andern ue Freude d er ſich inige ſehr niſche Ro⸗ r bewun⸗ nut nach⸗ wöhnliche einlich den worden herrſchte, auf alle me Lellte⸗ gnen ließ, hren Ga⸗ ermer ſeh erſchtl 97 er werde den höchſten Gipfelpunkt faſhionabler Auszeichnung erreichen und das Thema außerordentlicher Bewunderung werden. Sie behaupteten, daß Freuden und Erfolge aller Art ihn bei ſeiner Rückkehr nach London erwarteten, und daß ſeine Eroberungen unter dem ſchönen Geſchlecht zahllos ſeyn würden. Alle dieſe Schmeicheleien ſchluckte Gage eben ſo bereit⸗ willig hinunter, als den Claret, und ſie äußerten auch die⸗ ſelbe berauſchende Wirkung auf ihn. Er hielt ſich wirklich für den unwiderſtehlichen Helden, als welchen man ihn ſchilderte, nicht ahnend, daß ſeine Gäſte ihn heimlich auslachten und welche Pläne ſie gegen ihn ſchmiedeten. Seine Aufregung benutzend, blendete Lord Melton ihn durch allerhand Geſchichten von ungeheuern Summen, die man in Newmarket und anderwärts durch Pferderennen ver⸗ dienen könnte, ſo ſehr, daß er den adeligen Gauner beauf⸗ tragte, ihm noch ein halbes Dutzend Pferde zu kaufen und ein paar Jokeis zu miethen. Der gefällige Lord verſtand ſich, wie ſich nicht bezwei⸗ feln läßt, ſofort dazu, in dieſen Beziehungen mit dem größ⸗ ten Vergnügen von der Welt behilflich zu ſehn. Mittlerweile wurden die Gläſer von dem ſtets aufmerk⸗ ſamen Pudſey fortwährend gefüllt. Jack Braſſey und Nat Miſt, beide erprobte Zecher, tranken ihren Wein in aller Ruhe. Brice Bunbury fand den Clos-de-vougeot köſtlich und blieb dabei. Welch einen Kopf mußte Brice haben! Seine Adern kochten von Burgunder und dennoch ſah er ganz ruhig und beſonnen aus. Der Verſchwender. I. 7 98 Beau Freke und Sir Randal hatten, wie wir wiſſen, noch Allerlei vor und mieden daher den Claret, obſchon er von einem berühmten Jahrgange und überaus delicat war. Mittlerweile war ihnen klar geworden, daß Gage nun für ihren Zweck genug hatte. Wenn er noch mehr trank, ſo ward er zu ſehr berauſcht. Ein ſofortiger Aufbruch mußte ſtattfinden und Beau Freke erhob ſich demgemäß und ſchlug vor, daß man ſich in den Salon begebe. Einige der Andern hätten gern noch ein wenig gewartet, aber Gage ſtand vollſtändig unter Maſter Freke's Führung und war ſtets bereit, ſeinen Wünſchen zu gehorchen. Somit ging die ganze Geſellſchaft eine Etage höher— drei oder vier davon freilich mit ziemlich unſichern und wankenden Tritten. Die Salons waren glänzend erleuchtet, wie für eine weit größere Geſellſchaft als die gegenwärtige und die Spiel⸗ tiſche waren bereits fertig gemacht. Es ward Kaffee ſervirt und nach einigem Plaudern ſetzte man ſich zum Baſſet, mit Sir Randal als Bankier und Brice als Croupier. Brice hatte unglücklicherweiſe kein Geld und Gage warf ihm deshalb ſeine Börſe zu. Die zwanzig Guineen, die ſie enthielt, wurden auf den Teppich gelegt, aber ſchon im näch⸗ ſten Augenblick von Beau Freke hinweggerafft. Gage's gewöhnliches Mißgeſchick begleitete ihn auch heute, und da er vom Wein erhitzt war, ſo ſpielte er immer verwegener und verdoppelte fortwährend die Einſätze. Maſter Fairlie, welcher ſich ebenfalls in dem Salon eingefunden und als Eaſſtrer des jungen Mannes ſeine Ver⸗ luſte notirte, mahnte ihn, doch aufzuhören— dies aber ent⸗ flammt fragte U die lau lächeln er ver Fairli gebliel mßte dert u Karte winn ſieben hnh zuckt zun wel Fa ter ſ ler eſt ſa vir wiſſen, obſchon er cat war. Gage nun trank, ſo uch mußte und ſchlug gewartet, s Führung höher— chern und e für eine die Spiel⸗ nPlaudern ankier und Gage warf en, die ſie nim näch⸗ ihn auch er immet ze. em Salon ſine Ver⸗ s abet en 99 flammte ihn nur um ſo mehr. Er wollte weiter ſpielen. Was fragte er nach dem Verluſt von einigen tauſend Pfund? Und ſeltſamerweiſe ließ von dieſem Augenblick an die launenhafte Glücksgöttin ſich herab, ihm ein wenig zuzu⸗ lächeln. In erſtaunlich kurzer Zeit gewann er Alles wieder, was er verloren, und frohlockte, daß er lieber ſeinem Hange als Fairlie's Mahnung gefolgt war. Es wäre gut für ihn geweſen, wenn er hierbei ſtehen geblieben wäre. Aber er war nun offenbar im Zuge und mußte gewinnen. Und er gewann auch. Er ſetzte zweihun⸗ dert und fünfzig Pfund und gewann. Er bog die Ecke ſeiner Karte und rief:»Paroli— sept et le va!« und da die Ge⸗ winnkarte wieder oben aufkam, ſo betrug ſein Gewinn nun ſiebenhundert. Quinze et le va folgte und ſchenkte ihm fünf⸗ zehnhundert Pfund. Nun ſchaute er Fairlie triumphirend an, dieſer aber zuckte blos die Achſeln. Alle ſchienen durch den Fortgang des Spieles aufgeregt zu werden, Alle außer Sir Randal und Beau Freke, von welchen jetzt der Erſtere die Bank hielt. Gage bog die dritte Ecke ſeiner Karte um. „Paroli— trente et le vals Er gewann dreitauſend Pfund. „Ha! ha! ha! Wer hatte denn Recht, Sie oder ich, Fairlie?« rief er in trunkenem Muthe.»Soll ich noch wei⸗ ter ſpielen?“ „Ganz wie Sie wollen, Sir,“ entgegnete der Verwal⸗ ter ausweichend.„Es wäre mir lieb, wenn Sie mich nicht erſt fragten, denn Sie achten doch nicht auf das, was ich ſage.« —— ——— — 100 »Nun dann, beim Himmel! will ich auch nicht zögern! rief der junge Mann, indem er die vierte Ecke ſeiner Karte umbog.»Paroli, soixante et le vals zſn Dies war der höchſte Einſatz, welcher nach den Regeln des Spieles gemacht werden konnte. Alle betrachteten Sir Randal, während dieſer die Kar⸗ ten miſchte, ruhig und freundlich, als ob von der Wendung ſeiner Finger durchaus nichts abhinge. Die meiſten der Anweſenden wußten ſchon, was ge⸗ ſchehen würde, aber dennoch wollten ſie es auch gern ſehen, und Brice Bunbury, der ſich auch auf dergleichen Dinge verſtand, glaubte die Karten in den Händen des geſchickten Spielers ihre Lage verändern zu ſehen. Gage ſchien ganz zuverſichtlich zu ſeyn und ſchickte ſich ſchon an, Fairlie wieder zu verſpotten, als plötzlich ſein Ge⸗ ſicht ſich veränderte. werde i Bunbut Verwal Mann. l N. Lord N Das Glück war ihm untreu geworden. Ein Bube kam 6 oben auf. Er hatte ſechstauſend Pfund verloren. ſulte Ohne die mindeſte Aufregung zu verrathen, nannte Sir Randal die Summe dem Verwalter, welcher ſie in ſein Buch notirte, und dann wendete er ſich wieder zu Monthermer und 4 fragte ihn, ob er noch weiter zu ſpielen wünſche. »Nein, ich habe nun genug,« rief Gage. Verflucht! Ju Die Karten ſind ſtets gegen mich.« »Sie hätten beſſer gethan, ſich mit Ihren erſten Ver⸗ luſten zu begnügen, Sir,« bemerkte Maſter Fairlie trocken. i „Sir Randal muß Ihnen Revanche geben, Monther⸗ mer,* ſagte Beau Freke.»Wenn Sie des Baſſets überdrüſ⸗ it ſig ſind, ſo können wir Landsknecht oder Spaniſch Whiſt ſ guckli verſuchen.* zögern!« ner Karte n Regeln die Kar⸗ Wendung was ge⸗ rn ſehen, en Dinge geſchickten ickte ſich ſein Ge⸗ ube kam nnte Sir ein Buch mer und erſucht ten Vet⸗ trocken. vonther⸗ berdriſ Vhiſt „Nein, nein, wir wollen lieber Piquet ſpielen,« ent⸗ gegnete Gage.»In dieſem Spiele habe ich mehr Glück als in einem anderen.« „Ich bin für Papſt Johann!« rief Brice Bunbury. „»Wenn Maſter Fairlie mir zehn Guineen leihen will, ſo werde ich ſie ihm von meinem erſten Gewinn wieder bezahlen. „Das iſt aber keine ſonderliche Sicherheit, Maſter Bunbury. Soll ich ihm das Geld geben, Sir?« fragte der Verwalter ſeinen jungen Herrn. „O, verſteht ſich,« antwortete der gutmüthige junge Mann. Und Brice ward Beſitzer einer zweiten Börſe. „Ich bin für Bancafalet oder großes Tricktrack,« ſagte Lord Melton.»Setzen Sie ſich, Meſchines.* „Ja wohl, ſetzen Sie ſich, Sir Randal!« rief Gage. „Sie dürfen uns nicht verlaſſen. Wir wollen Piquet, Banca⸗ falet oder was Sie ſonſt wollen, ſpielen.« »Es thut mir leid, Ihren Wunſch nicht ſofort erfüllen zu können, Monthermer,« entgegnete Sir Randal, indem er auf ſeine Uhr blickte.„Sie wiſſen, daß ich ein Stelldichein mit einer jungen Dame habe. Es fehlen nur noch einige Minuten zu der beſtimmten Stunde.« »„Sie können eben ſo gut bleiben, wo Sie ſind,« ent⸗ gegnete Gage mit ſpöttiſchem Gelächter.„Sie wird nicht kommen.« »Sie werden anderer Meinung werden, wenn Sie mich begleiten wollen. Obſchon Sie nichts ausgerichtet haben, ſo iſt doch kein Grund vorhanden, weshalb ein Anderer nicht glücklicher ſeyn ſollte.« »Beſonders ein Mann von ſo unwiderſtehlicher Anzie⸗ 102 hungskraft wie Sir Randal de Meſchines,« entgegnete Gage ein wenig verletzt. „Ach, zankt Euch doch nicht um eines Weibes willen,« mengte Beau Freke ſich ein.»Wir gehen Alle mit Ihnen, Sir Randal.« »Um meinem Triumphe beizuwohnen,« ſagte der junge Baronet. »Oder vielmehr um Zeugen Ihrer Täuſchung zu ſehn,« entgegnete Gage. »Ehe Sie gehen, geſtatten Sie mir eine Bemerkung, meine Herren,« ſagte Maſter Fairlie.»Ich habe meine Meinung geändert. Ich habe Grund zu glauben, daß meine Tochter nach dem Epheuthurme gehen wird.* „Ganz gewiß wird ſie das!“ rief Sir Randal trium⸗ phirend.»„Ich ſagte Ihnen ja ſchon, daß ich meine Wette gewinnen würde.« »Da irren Sie ſich, Sir Randal,« ſagte Fairlie.»Sie werden ſie nicht gewinnen. Ihr Zweck iſt nicht, Sie dort zu treffen.* »Zum Teufel, Sir, was meinen Sie? Hat vielleicht Jemand gewagt, ſich einzumiſchen?“ »Sie werden wohl der jungen Dame geſtatten, für ſich ſelbſt zu wählen, Sir Randal,« bemerkte Gage.»Wenn ſie einem Anderen vor Ihnen den Vorzug gibt, ſo läßt es ſich nicht ändern. Ha! ha! hals »Darf ich fragen, wer der Begünſtigte iſt?« fragte Beau Freke. »Wenn ich recht berichtet bin, und ich glaube, die Mittheilung iſt richtig, ſo iſt es Maſter Arthur Poynings,« antwortete Fairlie. liche 1 hieche ſollte ſehn? Schw S 05 mei mir zuko Fai Sac nich kau Ve ſe in nete Gage s willen,“ it Ihnen eder junge zu ſehn, emerkung abe meine daß meine dal trium⸗ eine Wette irlie.»Sie Sie dort at vielleicht n fir ſich „Wenn ſi ät es ſich t7 fragte laube, die oyrings“ 103 Die Nennung dieſes Namens äußerte eine augenblick⸗ liche Wirkung auf Gage und erweckte plötzlichen Zorn in ihm. „Arthur Pohnings!“ rief er.„Unterſteht ſich dieſer, hierherzukommen! Die Sache ſcheint aber unglaublich. Wie ſollte denn mit dieſem ein Stelldichein verabredet worden ſeyn 7* „Clara hat, es thut mir leid dies zu ſagen, an ſeine Schweſter Luch geſchrieben und den Wunſch zu erkennen ge⸗ geben, heute Abend an demſelben von Sir Randal beſtimm⸗ ten Ort und zu derſelben Stunde mit Arthur eine Unterre⸗ dung zu haben. Ich habe den Boten geſprochen, welcher von Miß Poynings die Antwort zurückbrachte, daß ihr Bruder kommen würde.“ „Wenn dies wahr iſt, ſo ſoll er Grund haben, den Beſuch zu bereuen!« rief Gage. „Laſſen Sie uns gehen oder ich komme zu ſpät,« ſagte Sir Randal.„Eine Dame darf man nicht warten laſſen. Das iſt meine Sache, Monthermer.* „Nein, es iſt die meine,« entgegnete Gage.„Ich trete mein Recht zum Streite Niemanden ab. Die Beleidigung gilt mir, wenn dieſer Wicht ſich erdreiſtet, uneingeladen hierher⸗ zukommen, und er ſoll mir dafür Rede ſtehen.« „Die wirkliche Beleidigung gilt mir, Sir,« bemerkte Fairlie,„und ich hoffe, daß Sie mir erlauben werden, die Sache nach meiner eigenen Weiſe zu ſchlichten.« „Dadurch, daß Sie ihm befehlen, ſich zu entfernen, nicht wahr? Sehr geſchäftsmäßig und paſſend, ohne Zwei⸗ fel, Fairlie, aber mit meinen Begriffen als Gentleman kaum vereinbar. Nein, nein, ich werde einen ganz anderen Weg einſchlagen. Entweder wird Arthur Pohnings ſich wegen ſeiner Zudringlichkeit entſchuldigen oder wir ſchlagen uns. 104 Keine Einmiſchung, Meſchines. Hier bin ich Herr. Allons, messieurs! Nach dem Epheuthurme!« Und die ganze Geſellſchaft eilte die große Treppe hinab, raffte Hüte, Stöcke und Degen in der Halle auf und begab ſich hinaus ins Freie, indem ſie ihren Weg ſchweigend über den ſammtweichen Raſen in der Richtung nach den Ruinen des alten Schloſſes fortſetzte. IX. Der Epheuthurm. Der Epheuthurm, welcher gegenwärtig das Ziel der meiſten in dieſer Geſchichte auftretenden Perſonen zu ſehn ſcheint, war der Hauptthurm des alten Schloſſes geweſen und ſtand an der ſüdöſtlichen Ecke des ungeheuren fünfeckigen Gebäudes. Da die Zwiſchenmauern ſchon lange verſchwunden waren, ſo ſtand er jetzt ganz allein. Kreisrund, höher und von größeren Dimenſionen als die viereckigen Thürme an den Seiten des Schloſſes gewährte er einen außerordentlich male⸗ riſchen Anblick mit ſeinen hohen gezackten Zinnen, ſeinen ſchmalgeſchlitzten Fenſtern und ſeinem bemooſten Mauerwerk, gegen welches den hellgrüne Epheu abſtach, deſſen Ranken ihn umgaben wie die Ringe einer rieſigen Boa Conſtrictor. Sein Fuß war mit Geſträuch bewachſen. Einige Zimmer des Thurmes waren noch leidlich wohl erhalten und von dem verſtorbenen Herrn des Schloſſes dann und wann zu feſtlichen Zwecken benutzt worden. Unter dem Thurme, in den maſſiven Felſen gehauen, befanden ſich tiefe, düſtere Gewölbe, die fortwährend ge⸗ r. Allons, ppe hinab, und begab gend über Ziel der zu ſehn s geweſen fünfeckigen ſchwunden höher und ne an den lich mal⸗ n, ſeinen merwerk Ranken nſtrictor. ich wohl ſes dann ge hauen, rend ge 105 ſchloſſen wurden und von welchen man ſchauerliche Sagen von Gefangenſchaft und Tortur erzählte. Das gemeine Gerücht behauptete ſogar, es gingen in dem Thurme Geſpenſter um, und wenn man den Geſchichten alter Weiber Glauben beimeſſen konnte, ſo waren in dieſen unterirdiſchen Gemächern viele entſetzliche Verbrechen verübt worden, ſo daß es ſonach kein Wunder war, wenn Geſpen⸗ ſter ſich hier ſehen ließen. Klügere Leute jedoch wußten, daß dieſe Geſpenſter ſehr viel mit der Seeküſte zu thun hatten, ſo wie mit gewiſſen holländiſchen Schiffen, welche in dunklen Nächten Fäſſer Branntwein und andere Contrebande ans Land brachten. Squire Warwick lachte über die Geſpenſtergeſchichten und achtete wenig darauf. Gage aber theilte, als er noch Knabe war, den volksthümlichen Glauben und konnte nie vermocht werden, nach Einbruch des Abends die Ruinen zu beſuchen. Terraſſengänge, von welchen man eine herrliche Aus⸗ ſicht auf den Park und die Umgegend genoß, waren auf dem Kamme der Wälle zu beiden Seiten des alten Hauptthurmes angelegt worden, während dieſe ſteilen Abhänge, an welchen hier und da Felſenſpitzen hervorragten, größtentheils mit Ha⸗ ſelbüſchen, Erlen und Hagebuttenſträuchern bedeckt waren. Der ebene Raum, der nach der Abſicht des urſprüng⸗ lichen Erbauers des Schloſſes den inneren Hof bilden ſollte, war ſchon längſt in einen Garten verwandelt worden. Dieſer war auf zwei Seiten von grauen verfallenden Mauern um⸗ geben, aus welchen hier und da ein Baum wuchs, während an jeder Ecke noch ein alter, viereckiger, verfallener Thurm emporragte. 106 Der Hauptzugang zu dieſem Garten geſchah mittelſt ſteinerner Stufen, welche ſanft aufſteigend von dem tiefer lie⸗ genden Boden heraufführten, doch gab es auch noch andere und kürzere, obſchon ſteilere Zugänge für die, welche dieſel— ben benutzen wollten. Am Fuße der Anhöhe, auf welcher das alte Schloß lag, breitete ſich der Park in all der Schönheit und Pracht langgedehnter Alleen, unabſehbarer Wieſen und majeſtäti⸗ ſcher, ehrwürdiger Haine aus, Auf einem durch das Buſchholz und die Zwergbäume, welche den ſteilſten Theil der Abhänge bedeckten, gehauenen Nebenpfade erſtieg Arthur Poynings, nachdem er ſich von Mark Rougham getrennt und, wie ſchon erzählt, den unte⸗ ren Garten betreten, den Terraſſengang, welcher nach dem Epheuthurme führte. Er ſah ſich um, aber Niemand war ſichtbar. Wie ſchön war dieſe Umgebung, wie beſchwichtigend, wie ruhig! Wie feierlich lag der braune Wald unten mit dem grauen Park jenſeits, während die entfernteren Gegen⸗ ſtände ſich in Dunkelheit und Nebel verloren, aber alle in tiefe Ruhe gehüllt waren. Wie ehrwürdig erſchienen die dicht neben ihm liegenden Ruinen! Und dennoch wendete er ſich unwillkürlich von der Be— trachtung dieſer beruhigenden Scene nach dem anſtoßenden Herrenhauſe, deſſen Anblick ſofort ſeinen Gedanken eine an⸗ dere Richtung gab und ſie wiederum beunruhigte. Die Fenſter waren glänzend erleuchtet und verriethen, daß der junge Herr eines ſeiner gewohnten Gelage hielt. Thor⸗ heit und Laſter hielten hier ihren Hof und wenn ſie nicht ver⸗ bannt werden konnten, ſo war der Ruin des leichtſinnigen Jünglings unvermeidlich. D welches auf da A ſtrecken Nebenb ſein St ah nittelſt n tiefer lie⸗ roch andere lche dieſel⸗ lte Schloß und Pracht majeſtäti⸗ ergbäume, gehauenen ſich von den unte⸗ nach dem mand war wichtigend, unten mit en Gegen⸗ er alle in ndie dicht nder Be⸗ nſtoßenden eine an⸗ erriethen⸗ elt. Thor⸗ nicht ver⸗ hſmign 107 Dieſes ſtolze Gebäude mit ſeinen reichen Domainen, welches die Familie ſeit Jahrhunderten beſeſſen, hörte dann auf das ſeine zu ſehn. Aber was ging er Arthur an, daß dieſer die Hand aus⸗ ſtrecken und ihn retten ſollte? war er ein Freund, nein! ein Nebenbuhler, ja! Nun, ſo möge er untergehen. Er verdiente ſein Schickſal. Aber wieder gedachte er an Luch's ſanfte Fürſprache und die beſſern Gefühle des jungen Mannes gewannen die Oberhand. Eine Uhr auf dem Gebäude links von dem Herrenhauſe ſchlug Neun und gleich därauf ſah man zwei weibliche Ge⸗ ſtalten an dem obern Ende der mit der Terraſſe in Verbin⸗ dung ſtehenden Treppe erſcheinen. Arthur eilte ſogleich auf ſie zu, als er aber näher kam, verblüffte ihn ihre Erſcheinung und er wußte nicht recht, welche von beiden Clara ſey, bis ihre wohlbekannte Sprache ſeine Zweifel hob. „Du kennſt mich nicht, wie ich bemerke,« ſagte ſie la⸗ chend, indem ſie zugleich die Capuze zurückſchlug, welche ihre Züge verbarg.»Ich habe mich nemlich mit Hilfe von Lettice Rougham's Mantel verkleidet und ihr dafür meine Mantille und meinen Hut gegeben.“ „Und ganz ſchön ſtehen mir Ihre Sachen, Miß,« be⸗ merkte Lettice,„eben ſo wie Sie niemals beſſer ausſahen als in meinem Bauernmantel. Johce Wilford nannte mich das kleine rothe Reitkäppchen, als ich ihn zum erſten Male trug. Sie erinnern ſich wohl noch Joyce's, Maſter Arthur?* „Was ſoll dieſe Maskerade bedeuten?“ fragte Arthur ohne Lettices Frage zu beachten. 108 »Das ſollſt Du ſogleich erfahren,« entgegnete Elara; »aber ſage mir, haſt Du vielleicht Jemanden hier geſehen?« »Erwarteteſt Du denn außer mir noch Jemanden?« ent⸗ gegnete Arthur überraſcht.„Erkläre Dich geſchwind, ich bitte Dich, Clara.« »Du biſt ſehr ungeduldig, aber ich muß Dir allerdings eine Erklärung geben und freue mich, dies ohne Unterbre— chung thun zu können. In meinem Briefe an Luch erwähnte ich die Beläſtigung, die ich von einem zudringlichen Laffen, Sir Randal de Meſchines, erfahren habe. Er hat die Keckheit gehabt, mich heute Abend hierher zu einer Zuſammenkunft zu beſtellen.* »Hierher? Du ſetzeſt mich in Erſtaunen!“ »Und auch zu dieſer ſelben Stunde, Maſter Arthur,« bemerkte Lettice.„Iſt das nicht ſonderbar? Wir fürchteten, daß Sie Beide kommen und dann ein Streit entſtehen möchte, wo wir dann genug zu thun haben würden, um Sie ausein⸗ ander zu bringen.« „Aber wie hätte Sir Randal wagen können, eine ſolche Verabredung mit Dir zu treffen, Clara, wenn er nicht—« »Ich vergebe Dir den ungerechten Argwohn, Arthur, weil Du Sir Randal nicht kennſt.« „Ja, Sie kennen Sir Randal gar nicht, Maſter Ar⸗ thur,« mengte Lettice ſich ein,„ſonſt würden Sie ſich über dieſe Dreiſtigkeit nicht wundern. Maſter Trickett iſt nichts gegen ihn.* »Bleib nicht hier ſtehen, Arthur,« ſagte Clara,„ſonſt werden wir vielleicht beobachtet. Laß uns weiter nach dem Thurme gehen. Lettice wird Wache halten. Sey nicht unru⸗ hig, ſondern komm mit.* »Du machſt mich ganz verblüfft, Clara,« entgegnete — det jung trippelte warf. G des Thur Geſtalt „A jufrieden ſſt ſeine ich hoffe, »D nit ihn dos, we Gleichſ Unerwa lichſen Gllege Aih Dich k Dir n hirher ſcheinv. hurchth über tre ſe ſ luczhe ete Flara; eſehen)« den7« ent⸗ ich bitte allerdings Unterbre⸗ erwähnte en Laffen, e Keckheit nkunft zu Arthur,“ rchteten, en möchte, e ausein⸗ ine ſolche Arthur, ſter Ar⸗ ſich über iſt nichts „ſonſt ach dem t unrl⸗ 109 der junge Mann, indem er ihr folgte, während ſie voran⸗ trippelte und dann und wann einen Blick über ihre Schultern warf. Gerade als ſie die ſchirmenden Zwergbäume am Fuße des Thurmes erreichten, konnte man die ſchlanke, anmuthige Geſtalt Sir Randal's oben an der Treppe erſcheinen ſehen. »Antworte mir, Clara,« rief Arthur noch nicht ganz zufriedengeſtellt;»intereſſirſt Du Dichffür dieſen jungen Mann? »Für Sir Randal? Nicht im mindeſten. Mein Wunſch iſt, ſeine Verweiſung aus dieſem Hauſe herbeizuführen und ich hoffe, daß ich ihn niemals wieder ſehen werde.« »Dann bleibe, wo Du biſt, und laß mich einige Worte mit ihm ſprechen.« »Nur, wenn Du mir verſprichſt, ihn nicht zu reizen oder das, was er vielleicht ſagen wird, mit der Verachtung und Gleichgiltigkeit aufzunehmen, die es verdient. »Du verlangſt mehr, als ich halten kann, Clara. Ganz unerwartet bietet ſich hier eine Gelegenheit dar, den gefähr⸗ lichſten dieſer Ränkemacher loszuwerden und ich darf dieſe Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen laſſen. Ich bitte Dich, laß mich gehen.« »Dies iſt es, was ich fürchtete. Arthur, ich bitte Dich, Dich keiner Gefahr auszuſetzen. Ich wäre untröſtlich, wenn Dir etwas zuſtoßen ſollte.« »Aber Du haſt mich ja ausdrücklich zu dieſem Zwecke hierhergerufen und verlangſt nun, daß ich bei dem erſten An⸗ ſchein von Gefahr zurückweiche. Was hat denn dieſer Laffe ſo Furchtbares, daß ich ihn fürchten ſollte? Laß mich ihm gegen⸗ über treten.« »Noch nicht, noch nicht! bis ich geſprochen habe,« rief ſie, indem ſie ihre Hand auf ſeinen Arm legte, um ihn zu⸗ rückzuhalten. 110 Ehe wir jedoch weiter gehen, müſſen wir ſehen, wie die kleine Lettice Rougham ihre Rolle ſpielte. Als Sir Randal ſich näherte, begann er auf ſehr lei⸗ denſchaftliche Weiſe zu ihr zu ſprechen, konnte ihr aber kein Wort der Entgegnung ablocken, denn obſchon ſie gern ge⸗ ſprochen hätte, ſo fürchtete ſie doch, ſich zu verrathen. Endlich jedoch war der Drang zu ſtark und ſie wagte ein Geflüſter. Es lag wenig darin, aber das Wenige, was darin lag, gab dem jungen Wüſtling Ermuthigung und er ward feuriger als je. Seine erheuchelte Leidenſchaft blieb nicht ohne Wirkung auf das empfängliche Herz des armen Mädchens und ſie ge⸗ ſtand ſich im Stillen, daß die Zärtlichkeit ſeiner Sprache ein Herz von Stein rühren müſſe. Als er ſie bei der Hand ergriff, verſuchte ſie nicht, ihm dieſelbe zu entziehen. Ihr Geſicht war von ihm abgewendet, aber empfand große Luſt, ſich um⸗ zuſehen. „Darf ich Ihr Schweigen als meinen Hoffnungen gün⸗ ſtig deuten?« ſagte Sir Randal.»Wenn ich nicht eine deut⸗ liche Verneinung aus Ihrem eigenen Munde höre, ſo werde ich glauben, daß Sie die Leidenſchaft theilen, welche Sie mir eingeflößt haben.« „Wie allerliebſt!« dachte Lettice,»ſo könnte Joyce nicht ſprechen. Ach, mein Himmell« „Ihr Seußer bekennt es; ſprechen Sie, ſprechen Sie, zauberiſches Weſen, und machen Sie mich zum glücklichſten aller Sterblichen.« „Was ſoll ich ſagen?« murmelte Lettice in ſehr gedämpf⸗ ten Tönen. „Sagen Sie, daß Sie mich lieben, ſagen Sie, daß Sie keinen Andern lieben.“ immer ſur jene ich verſt Nähe je nſehe en, wie die f ſehr lei⸗ aber kein gern ge⸗ enige, was n9 und er ne Wirkung und ſie ge⸗ prache ein and ergrif Geſicht war ſt, ſich um⸗ nungen gin⸗ t eine deu⸗ re, ſo werde ſche Sie mir Zohce nicht prechen Sie, luticun hr gdan ie daß Sie M „Aber das kann ich nicht ſagen,« antwortete Lettice, immer noch flüſternd,»weil es nicht wahr wäre.« »Was höre ich? Ganz gewiß fühlen Sie keine Reigung für jenen bäuriſchen Arthur Pohnings?« „Still, ſtill! nicht ſo laut! man könnte Sie hören!“ „Hören! Sind denn Lauſcher hier in der Nähe? Hal ich verſtehe. Der unverſchämte Wicht iſt nicht weit, in der Rähe jenes Thurmes verſteckt. Kommen Sie mit und Sie ſol— len ſehen, wie ich mit ihm umſpringe.« „O nein, nicht dorthin, führen Sie mich nicht dorthin. Ich gehe nicht mit. Sie dürfen ſich nicht ſchlagen!« rief Let⸗ tice und ſträubte ſich vergebens, während er ſie mit ſich fortzog. In dieſem Augenblick ließ ſich ein lautes Gelächter ver⸗ nehmen und mehre Perſonen traten aus dem Dickicht auf der Seite des Abhanges heraus. Dieſe luſtige Geſellſchaft hatte die Terraſſe offenbar auf demſelben Wege erreicht wie Arthur. „Barmherziger Himmel!« rief Lettice,„das iſt Ma⸗ ſter Monthermer's Stimme. Um Alles in der Welt nicht möchte ich, daß er mich hier fände. Laſſen Sie mich gehen, Sir, ich bitte Sie!« »Entſchuldigen Sie, wenn ich Sie noch einen Augenblick länger aufhalte, mein Engel,« entgegnete Sir Randal, ſie immer noch feſthaltend.„Zufällig habe ich eine Wette in Be⸗ zug auf unſere Zuſammenkunft abgeſchloſſen und Maſter Mon⸗ thermer und die andern Herren müſſen ſich überzeugen, daß Sie wirklich ſo herablaſſend geweſen ſind, mir eine Unterre⸗ dung zu bewilligen.* „Und wie hoch war die Wette, wenn ich fragen darf?“ ſagte Lettice. 112 „O, es iſt eine Kleinigkeit. Ich war aber ſo feſt über⸗ 4 zeugt, daß Sie mich nicht täuſchen würden, daß ich Tauſende gegnte auf den Ausgang geſetzt hätte,« entgegnete Sir Randal.»Ich di wette, daß Sie, Miß Fairlie, mich meiner Bitte gemäß hier treffen würden, und ich habe gewonnen.“ „Ha! hal hal« brach Lettice nun los, denn ſie war nicht mehr im Stande ihr Gelächter zu unterdrücken. „Das, was ich Ihnen da geſagt habe, ſcheint Ihnen großen Spaß zu machen,s bemerkte Sir Randal. „Allerdings, außerordentlichen Spaß!“ verſetzte Lettice und lachte herzlicher als je.»Wie drollig! wie drollig! ha! ha! ha!« „Ich ſehe nichts ſo ſehr Drolliges dabei,« bemerkte Sir Randal,„aber ich freue mich, daß die Sache Ihnen Spaß Einſn macht.* lunge i „Hier muß ein Irrthum obwalten.« rief Gage auf ſie zueilend.»Ich kann niemals glauben, daß Clara Fairlie ſich gu w auf ſo leichtfertige Weiſe benehmen würde. Ah! es iſt wie ich wade erwartete. Man hat Ihnen einen Streich geſpielt, Sir genw Randal.* verſi „Einen Streich geſpielt? Unmöglich! Mein Fräulein, ich muß darauf beſtehen, daß Sie uns Ihr Geſicht zeigen.« beifil „Nun, wenn ich muß, ſo hilft es freilich weiter nichts,« 6ege her e entgegnete Lettice, indem ſie ihren Hut abnahm und ihre nied⸗ lichen Züge vollſtändig enthüllte,»ich habe Ihnen ja gar nicht geſagt, daß ich Miß Fairlie ſey, Sir.« „Nein, das nicht, aber Sie ließen mich es glauben, entgegnete Sir Randal.»So wahr ich lebe, ein ſehr hüb⸗ ſches Mädchen! Ich weiß nicht, ob ich durch den Tauſch nicht vielleicht gewonnen habe. Wer zum Teufel iſt ſie?“ ſiſt übe⸗ Tauſende ndal.„h emäß hier nn ſie war R. eint Ihnen etzte Lettice ie drolig! merkte Sir nen Spaß ge auf ſie airli ſih iſt wie ich ſpielt, Sir 2 4 5, er nicht ihre nied⸗ en ja gar glauben“ ſcht hüb⸗ auſch nicht 113 „Miß Fairlies Kammermädchen, Ihnen zu dienen, ent⸗ gegnete die kleine Soubrette mit einem Knix. Dieſe Erklärung rief ein lautes Gelächter auf Koſten des jungen Baronets hervor. Dieſe Heiterkeit ward eher noch erhöht als vermindert, als ein breitſchultriger Mann, der ſich unbemerkt der Gruppe genähert, jetzt vortrat und das Mädchen als ſeine Tochter beanſpruchte und in ziemlich mür⸗ riſchem Tone fragte, was ſie hier mache. Als Lettice ihn erblickte, war ſie ein wenig überraſcht, verlor aber durchaus nicht die Faſſung und ſagte zur Antwort auf ſeine Frage in ziemlich ſchnippiſchem Tone: „Und was macht Ihr denn hier, Vater?“ „Das ſollſt Du gleich erfahren,« entgegnete Mark. „Einſtweilen komm' gefälligſt mit mir. Du biſt nun ſchon zu lange in dieſem liederlichen Hauſe.* »Na, na, nur nicht ſo eilig, Vater! Ich weiß eben ſo gut wie Ihr zu beurtheilen, was recht und unrecht iſt. Ich werde mit Euch gehen, ſobald es mir beliebt, habe aber ge⸗ genwärtig noch durchaus keine Luſt dazu, das kann ich Euch verſichern.* »Meiner Treue! Die Dirne hat Muth!« rief Randal in beifälligem Tone.»Ihr ſehet, mein guter Freund, daß eure Gegenwart hier ganz unnöthig iſt, und ich möchte Euch da⸗ her empfehlen, daß Ihr Euch ſofort entfernt.« »Nicht ohne meine Tochter,« entgegnete Mark mit ent⸗ ſchloſſenem Tone.»Solche brüllende Löwen ſind es eben, vor welchen ich ſie behüten möchte. Und wenn, nachdem ich dies erklärt, noch Jemand verſucht, ſie zurückzuhalten, ſo mag er ſich in Acht nehmen!“ ſetzte er hinzu, indem er mit ſeinem Knotenſtocke auf den Boden ſchlug. Der Verſchwender. I. 8 114 „Eure Herausforderung iſt angenommen, Freund,« entgegnete Sir Randal.»Eure Tochter iſt ein allerliebſtes Ge⸗ ſchöpf und ſoll bei uns bleiben, ſo lange ſie Luſt hat.« „Na, Lettice, kommſt Du oder nicht?« rief Mark. „Noch einen Augenblick, Vater, und ich werde kom⸗ men,« ſagte die Dirne in einem Tone, der geeignet war, den zornigen Pächter zu beſchwichtigen, indem ſie leiſe hinzuſetzte: „Das heißt, wenn Ihr darauf beſteht, mich mitzunehmen. Was fällt Euch nur ein? Ihr ſcheint ganz von Sinnen zu ſeyn, Ihr alberner Mann. Könnt Ihr denn mir nicht trauen, wenn Miß Clara mir traut?“ „O! Sie hat es Dir wohl geheißen, wie?« ſagte Mark beſtürzt. „Ja wohl, und Ihr werdet die ganze Sache verderben, wenn Ihr Euch nicht in Acht nehmt. Sehet, da kommt auch ſchon Maſter Fairlie, um wahrſcheinlich ein Wort mit Euch zu ſprechen.« »O, wenn der da iſt, da wird es wohl beſſer ſeyn, wenn ich mich aus dem Staube mache,« entgegnete Mark. Aber es war ſchon zu ſpät. Der Verwalter ſtand vor ihm, ehe er ſich noch entfernen konnte. »Guten Abend, Rougham. Darf ich fragen, welches Geſchäft Euch hierher geführt hat?« ſagte der Verwalter. »Dem Squire werde ich es ſagen, Maſter Fairlie, aber Euch nicht,« entgegnete der Pächter. »O, lieber Vater, antwortet ihm nicht ſo,« flüſterte Lettice.„Mäßiget Euch in euren Worten.« „Still, ſtill, Dirne, ich fürchte mich vor ihm nicht.« »Der Squire wird ſehen, wie ſeine Güte gegen Euch ge⸗ mißbraucht worden iſt, wenn er findet, daß Ihr mit Maſter Arthur Poynings hierher gekommen ſeyd,« bemerkte Fairlie. böſe auf g vT leugnen, „6 zu Gage nehmens her geko weil ich ſagen, ihm tre Arthur ſchem Ziit i ich, verſc wahr Gage er ſic ju da tice, meine gewiſ 6 Ihn Freund, liebſtes Ge⸗ at. Nark. erde kom⸗ t war, den hinzuſetzte: itzunehmen. Sinnen zu cht trauen ſagte Nark verderben ommt auch rt mit Euch beſſer ſehn te Nark. ſtund vol n, welchs walter. urlie, aber lüſterte nicht.“ n Fuch ge nit Maſter e Fairli⸗ 115 „Wenn dies wahr iſt, Mark, werde ich allerdings ſehr böſe auf Euch ſeyn,« ſagte Gage. „Böſe oder nicht böſe, gnädiger Herr; ich kann es nicht leugnen,«entgegnete Mark,»ich bin mit ihm gekommen.“ „Er geſteht es, wie Sie ſehen, Sire,« rief Fairlie ſich zu Gage wendend,„er rühmt ſich noch ſeines ſchlechten Be⸗ nehmens.* „Ich freue mich auch wirklich, daß ich heute Abend hier⸗ her gekommen bin, wenn Sie das meinen, Maſter Fairlie, weil ich dadurch Gelegenheit erhalte, dem gnädigen Herrn zu ſagen, daß er keinen beſſern Freund hat und Niemanden, der ihm treuer durch Dick und Dünn beiſtehen wird, als Maſter Arthur.« „Und wo iſt dieſer gute Freund?“ fragte Gage.»Ich ſehe mich vergebens nach ihm um.« „Ich zweifle nicht, daß er ſich zeigen wird, ſobald es Zeit iſt,«entgegnete Mark,»und wenn er es thut, ſo hoffe ich, daß Sie, gnädiger Herr, ſeinen Worten Ihr Ohr nicht verſchließen werden. Sie können überzeugt ſeyn, daß ihm Ihr wahres Wohl am Herzen liegt.« „O davon bin ich allerdings überzeugt,« entgegnete Gage.„Ich bin ihmunendlich verbunden für die Mühe, die er ſich meinetwegen genommen, und werde nicht verfehlen ihm zu danken.* „Wenn Sie ihn zu ſprechen wünſchen, Sire,« ſagte Let⸗ tice, die ſeine Worte buchſtäblich nahm,? ſo finden Sie ihn mit meiner jungen Herrin in der Nähe des Thurmes. Ich weiß gewiß, daß ſie blos von Ihnen ſprechen, Sir, blos von Ihnen.« 116 „Dann erzeigen ſie mir eine große Ehre, das muß ich ſagen, und es ſollte mir leid thun, ihr angenehmes Geſpräch zu unterbrechen, mag es betreffen wen oder was es wolle. Da ich indeſſen wirklich einige Worte mit Maſter Arthur Poyh⸗ nings zu ſprechen wünſche, ſo muß ich Sie bitten, meine Her⸗ ren, mich auf einige Augenblicke zu entſchuldigen. »Wollen Sie mir nicht erlauben, mit Ihnen zu gehen, Monthermer?« ſagte Sir Randal. „Oder mir?“ ſetzte Beau Freke hinzu. „Keinem von Beiden, ich danke Ihnen,« entgegnete Gage in einem Tone, welcher keinen Widerſpruch zuließ. Trotz dieſer ausgeſprochenen Wünſche machte Fairlie eine Bewegung, als ob er ihn begleiten wollte, der junge Mann aber winkte ihm ungeduldig zurück und begab ſich allein nach dem Thurme. X. Guter Rath umſonſt.— Gage zieht es vor, mit Extra⸗ poll ſeinem Perderben entgegenzueilen. Als Gage ſich dem Thurme näherte, kam Arthur, der mit Clara in der Rähe des Eingangs ſtand, ihm entgegen grüßte ihn artig und bot ihm die Hand. Gage nahm dieſe aber nicht an, ſondern erwiederte ſtolz den Gruß, richtete ſich auf und ſagte: „Es thut mir leid dieſes téte-à-téte zu unterbrechen, da ich aber zufällig hörte, daß Maſter Arthur Pohnings hier ſey, ſo wünſchte ich mich von der Richtigkeit dieſer Mitthei⸗ lung zu überzeugen. Ich glaubte es kaum, denn ich hielt es nicht fü andern zwiſche würde. von S und ſi und n und w rügte, Sohn ings tete A Bewe kläre hal 3h gen daß laſ ſoll as muß ich s Geſpräch s es wolle. thur Poh⸗ neine Her⸗ zu gehen, entgegnete ließ. airlie eine Nann aber nach dem it Ertr⸗ thur, der entgegen derte ſoß rbrechen, ings hier Vithe⸗ hielt es 117 nicht für möglich, daß ein Gentleman ſich freiwillig einem andern aufdrängen würde, wenn kein vertrautes Verhältniß zwiſchen ihnen beſtände, wodurch dieſe Freiheit gerechtfertigt würde. Ich habe noch nicht die Antwort vergeſſen, die ich von Sir Hugh Poynings erhielt, als ich mir die Ehre gab, ihn und ſeine Familie zu dem Feſte bei meiner Rückkehr einzuladen, und nach der beleidigenden Botſchaft, welche ſie ſchickten, und welche ich blos aus Rückſicht auf Sir Hugh's Alter nicht rügte, erwartete ich nicht, daß das erſte Mal, wo ich ſeinen Sohn ſähe, er in der Eigenſchaft eines nächtlichen Eindring⸗ lings in mein Gebiet vor mir ſtehen würde.« „Ich entſchuldige deine Unhöflichkeit, Gage,“ antwor⸗ tete Arthur,»und ich hoffe, Du wirſt mir erlauben, Dir den Beweggrund meiner anſcheinenden Aufdringlichkeit zu er⸗ klären.* „Wenn eine Entſchuldigung nothwendig iſt, ſo muß ſie von mir ausgehen,« unterbrach ihn Clara,»denn nur auf meine Einladung kam Arthur hierher.“ „Genug,« entgegnete Gage, ſich tief verbeugend.„Sie haben hier nur zu befehlen, Miß Fairlie, und demzufolge kann Ihr Freund ſo lange bleiben, als ſeine Geſellſchaft Ihnen an⸗ genehm iſt. Ich kann nur mein Bedauern zu erkennen geben, daß ich Sie geſtört habe, Sie können ſich aber darauf ver⸗ laſſen, daß Sie keine fernere Beläſtigung von mir erfahren ſollen.“ „Bleib, Gage,“ rief Clara.»Du darfſt nicht gehen, bis Du gehört haſt, was wir Dir zu ſagen haben. Du biſt in Bezug auf den Zweck dieſer Zuſammenkunft zwiſchen Ar⸗ thur und mir in gänzlichem Irrthum befangen. Es hat durch⸗ aus keine Veränderung in meinen Geſinnungen gegen ihn ſtatt⸗ gefunden, aber als ehrenwerther Mann und wahrer Freund 118 verſtand er ſich auf mein Bitten, hierherzukommen, um mir mit ſeinem Rathe beizuſtehen.« „Hätte ich dies nicht von Ihren eigenen Lippen gehört ſo würde ich es nicht für möglich gehalten haben, daß Miß Fairlie einen Rath bedürfen könnte,« entgegnete Fairlie ſar⸗ kaſtiſch;„da ſie es aber verſichert, ſo iſt es ohne Zweifel auch ſo, und wenn einmal ein Rathgeber gewählt werden mußte ſo konnte ſich in Bezug auf Alter und Erfahrung für dieſes Amt natürlich Niemand beſſer eignen, als Maſter Arthur Pohnings.* »Niemand allerdings eignete ſich beſſer dazu als er, in Folge der alten Freundſchaft für den Mann, dem ich zu die⸗ nen wünſche,« ſagte Clara.„Er hat ihn von ſeiner Kindheit an gekannt und geliebt, er liebt ihn noch, obſchon ihre Freundſchaft umwölkt worden iſt. Arthur und er wurden mit einander erzogen, Gage, und waren einmal wie Brüder, ja ich habe gehört, daß ſie in den glücklichen unſchuldigen Jah⸗ ren der Kindheit guf dieſer ſelben Terraſſe mit einander ſpiel— ten und einander unter jenen Ruinen herumjagten. Vielleicht erinnerſt Du Dich noch dieſer Tage, Gage. Wenn Du ſie aber auch vergeſſen haſt, ſo hat Arthur ſie doch nicht vergeſſen. Er ſieht den Knaben, den er liebte, als Mann, unglücklicher⸗ weiſe von ihm entfremdet, aber nicht weniger theuer. Er ſieht ihn umringt von falſchen Freunden, von verlarpten Feinden von Gaunern, Schmarotzern, von allen ſolchen Creaturen welche reiche Leute, die ſich von ihnen mißbrauchen laſſen ausbeuten. Er ſieht ſeinen Freund in Gefahr und, ohne auf ihre gegenwärtige Kälte zu achten, denkt er nur an die Ve Ver⸗ gangenheit und eilt auf den erſten Ruf herbei, um ihm zu helfen.« »Das iſt wahr, Gage,« ſagte Arthur.„Jedes Wort nen, um mir pen gehört Fairlie ſar⸗ Zweifel auch rden mußte für dieſes ſter Arthur als er, in ich zu die⸗ ner Kindheit obſchon ihre wurden mit Brider, ja ldigen Jah⸗ tander ſiel⸗ n. Vielleicht Du ſie aber t vergeſſen⸗ nglulicher uer. Er ſüht en Feinden Creaturen hen laſſen ohne auf die Ver⸗ m ihn j ides Vort 119 welches Clara geſprochen, ſpricht meine Gefühle aus. Du biſt der Freund, dem ich zu dienen gekommen bin.* „Auf mein Wort, ich ſollte mich ſehr zu Danke verpflich⸗ tet fühlen durch die Entwickelung eines ſo großen Eifers, der von meiner Seite ſo gänzlich unverdient iſt,« entgegnete Gage; „meine Freude hierüber wird jedoch einigermaßen durch den Gedanken herabgeſtimmt, daß eine ſo dienſtfertige Einmiſchung zu meinen Gunſten nicht nöthig war, und ich deshalb geneigt bin, dieſelbe für unberufen zu halten. Ich bin durchaus nicht gewohnt, mich in anderer Leute Angelegenheiten zu miſchen, und glaube daher ein Recht zu haben, daß man mich auch nicht behellige. „Du betrachteſt die Sache von einer unrechten Seite Gage,« ſagte Clara,»und erkennſt nicht die Beweggründe, welche Arthur und mich veranlaßten, ſo zu handeln. Nach⸗ dem ich für ihn geſprochen habe, will ich nun für mich ſelbſt ſprechen. Du haſt noch niemals Grund gehabt, an meiner Aufrichtigkeit zu zweifeln, und hätteſt bei dieſer Gelegenheit ſie weniger als bei irgend einer andern in Zweifel ziehen ſollen. Mein Wunſch, Dir zu dienen, macht mich kühn und hat mich verleitet, gewiſſe Grenzen des Anſtandes zu über⸗ ſchreiten. Außerdem würde dieſe Zuſammenkunft zwiſchen Ar⸗ thur und mir nicht ſtattgefunden haben. Sie ward aber von mir beſtimmt, um einen Plan zu deiner Befreiung ausfindig zu machen.* „Zu meiner Befreiung!“ rief Gage mit bitterm Geläch⸗ ter.„Man ſollte glauben, ich wäre ein in dem Retze des Jä⸗ gers gefangenes wildes Thier. Bei meiner Seele! ich habe gar nicht gewußt, daß ich in Feſſeln ſchmachte.“ „Eben dieſe Unkenntniß iſt es, was die Gefahr erhöht, durch welche Du bedroht biſt,“ verſetzte Clara wieder.»Wenn 120 Dir die Augen geöffnet werden können, ſo iſt dann weiter nichts zu befürchten. Bei all der Liebe, die Du für mich be⸗ kannt haſt, bei allen Gefühlen, die Du vielleicht noch für mich hegſt, bitte ich Dich, ſtehen zu bleiben auf der fürchterlichen Bahn, welche, wenn Du ſie weiter verfolgſt, Dich nur in's Verderben ſtürzen könnte. Seh würdig des Mannes, den Du deinen Vater nannteſt, und ſeines alten Geſchlechtes, und ſeh nicht der erſte Monthermer, welcher dieſen Namen ſchändet.* Es trat eine Pauſe ein, während welcher der junge Mann unverkennbar mit ſeinen Gefühlen kämpfte. Endlich brach er mit neuem Ungeſtüm los: »Ich will mich von Niemanden auf dieſe Weiſe ſchul⸗ meiſtern laſſen. Ich will nicht auf irgend Jemandes Geheiß meinen Freunden entſagen. Hiermit haſt Du deine Antwort, Clara. Was Maſter Arthur Poynings betrifft, ſo habe ich ihm nichts weiter zu ſagen.« »O, Gage, ich hatte etwas Beſſeres von Dir gehofft!“ rief Clara in vorwurfsvollem Tones„Bedenke, dies iſt viel⸗ leicht der Wendepunkt deiner Laufbahn!« »Schenke deinem guten Engel Gehör!« ſagte Arthur. »Ich ſchenke Niemanden Gehör, wenn man es ſo mit mir anfängt,« entgegnete Gage.„Wenn ich auch ein ausgear⸗ teter Monthermer bin, ſo will ich wenigſtens hier non Nie⸗ mand Vorſchriften annehmen.« »Gage! Gage! zum letzten Male bitte ich Dich, mich anzuhören!« rief Clara. »Sprich von etwas Anderem und ich werde Dich mit gro⸗ ßem Vergnügen anhören. Du bleibſt aber zu lange bei ein und demſelben Thema, als daß ich deine Worte angenehm finden könnte.« »Clar rif Arthur. welches Du ſchlummerte weckt werde und dem V bar ſtürzen obſchon ich lange dau arrangirt ſrochen ein Due Sie ver ſtrengu gehen! dem alt Andere Hraucht herner agte A ann weiter mich be⸗ ch für mich chterlichen nur ins nnes, den der junge Endlich eiſe ſchul⸗ es Geheiß Antwort, habe ich gehofft!“ s iſt viel⸗ Arthur. es ſo mit ausgear⸗ non Nie⸗ ich, mich nit gro⸗ bei ein ngenehn 121 „Clara, ich kann Dir nicht weiter von Nutzen ſeyn,« rief Arthur.»Dieſer junge Mann verdient nicht das Intereſſe, welches Du an ihm nimmſt. Wenn noch etwas Gutes in ihm ſchlummerte, ſo hätte es durch deinen freundlichen Eifer er⸗ weckt werden müſſen. Ueberlaß ihn ſeinen unwürdigen Genoſſen und dem Verderben und der Schande, worein ſie ihn unfehl⸗ bar ſtürzen werden.“ „Sie ſprechen von verkappten Feinden, Sir,« ſagte Gage.„Ich freue mich, daß Sie endlich ſelbſt die Maske ab⸗ geworfen und ihr Antlitz in ſeiner wahren Geſtalt gezeigt ha⸗ ben. Als Feind ſind Sie mir lieber denn als Freund, und obſchon ich Sie jetzt verlaſſe, ſo wird es doch hoffentlich nicht lange dauern, ehe eine zweite Zuſammenkunft zwiſchen uns arrangirt wird.« „Wann und wo es Ihnen beliebt, Sir,« entgegnete Arthur. Der herausfordernde Ton, in welchem dieſe Worte ge⸗ ſprochen wurden, war nicht zu verkennen und Clara ſah, daß ein Duell zwiſchen den beiden jungen Männern bevorſtand. Sie verzweifelte faſt daran, es zu verhindern, aber eine An⸗ ſtrengung wenigſtens mußte gemacht werden. „Arthur, um meinetwillen laß dieſen Zwiſt nicht weiter gehen!« rief ſie.»Gage, ich bitte Dich inſtändigſt, Dich mit dem alten Freund wieder auszuſöhnen. Wenn mir auch alles Andere mißlingt, ſo laßt mich wenigſtens dies bewirken.« »Meine Freunde erwarten mich, Miß, entgegnete Mon⸗ thermer kalt.„Ich habe ihre Geduld ſchon allzuſehr gemiß⸗ braucht.* »Halte ihn nicht länger auf, ich bitte Dich, Clara,« ſagte Arthur.»Es wäre Schade, wenn man ſeinen ſogenann— ————— 122 ten Freunden nicht die Gelegenheit geben wollte, die ſie wün⸗ ſchen, um ihn zu rupfen. Auf mein Wort, noch niemals habe ich ein ſo gutwilliges Schlachtopfer geſehen.« „Dann erſpare ihm,« rief Clara,„dieſe bittern Hohn⸗ reden, welche mehr mich verwunden als ihn.“ „Hören Sie, Maſter Arthur Poynings,« entgegnete Gage,»Sie reden in Gegenwart einer Dame ziemlich unge⸗ nirt und frei. Iſt es Ihnen gefällig mich zu begleiten und einige der ausgewählten Prädicate, mit welchen Sie meine Freunde ſo freigebig beſchenkt, in deren Gegenwart zu wie⸗ derholen?“ »Sehr gern,« entgegnete der junge Mann. „Du gehſt nicht von der Stelle, Arthur!s rief Clara. »„O, dieſe Mühe kann er ſich erſparen,« ſagte Gage, „denn ſo eben kommen ſie ſelbſt. Wahrſcheinlich ſind ſie es müde geworden auf mich zu warten.— Sie kommen gerade recht, meine Herren,« ſetzte er hinzu, während die Andern ſich näherten. »Gerade recht— wozu?« fragte Sir Randal, der ſei⸗ nen Begleitern ein wenig voraus war. »Um von dieſem jungen Manne Ihr Lob ſingen zu hö⸗ ren,« entgegnete Gage. »Ich werde mich bemühen, Sie in Ihrer Erwartung nicht zu täuſchen, meine Herren,« ſagte Arthur;„ehe jedoch weitere Bemerkungen gemacht werden, muß ich Maſter Fairlie, den ich in Ihrer Mitte ſehe, erſuchen, ſeine Tochter von einem Auftritte zu entfernen, der für ſie ſehr peinlich und ſchmerz⸗ lich ſeyn muß.« „O Arthur, vergib mir, daß ich Dich in dieſe große Gefahr gebracht habe,« murmelte Clara zitternd. ür „Fihren ſie Fairle Ab vrrliß ſi Hauſe. Di liid ſie lo runzelns ſeßie, nel N wel die ſi wün⸗ niemals habe ittern Hohn⸗ entgegnete iemlich unge⸗ egleiten und n Sie meine wart zu wie⸗ rief Clara. ſagte Gagt, ch ſnd ſie es mmen gerade die Andern ndal der ſi fngen zu ho r Erwartung „ehe jedoch ſter Fairli⸗ er von einen und ſchmeri grwße dieſe 123 „Fürchte nichts für mich,« entgegnete der junge Mann. „Führen Sie ſie fort und raſch, Sir, ſetzte er hinzu, indem er ſie Fairlie übergab, der ſich mit ihr entfernte. Als Lettice ihre Herrin auf dieſe Weiſe fortgehen ſah, verließ ſie ſofort ihren Vater und folgte Clara nach dem Hauſe. Die Wahrheit zu ſagen that es Mark durchaus nicht leid, ſie loszuwerden, weil ſie trotz ſeines Zornes und Stirn⸗ runzelns mit einigen der Herren in ihrer Nähe cokettirt hatte und ihre Entfernung den ehrlichen Pächter in den Stand ſetzte, neben Arthur Poſto zu faſſen. Xl. In welchem Sir Randal beweiſt, daß er die Rlinge eben ſo gut zu handhaben verſleht, wie die Karte. Jeder Wortwechfel ward eingeſtellt, bis Clara ſo weit war, daß ſie nichts mehr hören konnte. Als man dies annehmen konnte, bemerkte Sir Randal zu Arthur, welcher in kurzer Entfernung ſtand und leiſe mit Mark Rougham ſprach: „Nun, Sir, Sie verſprachen uns etwas Amüſantes zum Beſten zu geben. Wir erwarten es mit Ungeduld.« »Ich werde ſofort zur Sache kommen,« entgegnete Ar⸗ thur.»Ich erkläre Sie alle für eine Bande Spieler und Gau⸗ ner. Maſter Monthermer weiß am beſten, welche Verluſte er durch Sie erlitten, aber er weiß nicht, daß man unredliche Mittel gegen ihn in Anwendung gebracht, daß man ihn mit einem Worte auf ſpitzbübiſche Weiſe ausgeplündert hat.« Groß war der Tumult, der auf dieſe Anrede folgte. ——— ————————— ——— 124 Flüche und Racheſchwüre gegen den Sprecher brachen von allen Seiten los. Stöcke wurden geſchwungen und mancher Schlag hätte ihn treffen müſſen, wenn er nicht durch Mark Rougham's ſtarken Arm und Knotenſtock geſchirmt worden wäre, welcher die Angreifer im Schach hielt. Arthur wich jedoch keinen Augenblick lang zurück, ſondern hielt mannhaft Stand, bis Gage es auf ſich nahm, den Tumult zu beſchwich⸗ tigen. »Nur Einer auf einmal, meine Herren, wenn Sie ge⸗ ſonnen ſind, ihn anzugreifen, ſonſt ſehe ich mich genöthigt ſeine Partei zu nehmen,« rief er.„Einen ehrlichen Kampf darf man ihm nicht verweigern.« Sie glauben doch nicht, was dieſer nichtswürdige Verleumder ſagt, Gage?« rief Sir Randal.„Was mich be⸗ trifft, ſo ſchleudere ich ihm ſeine Verleumdungen ins Geſicht zurück und nenne ihn einen Lügner.« »Ich auch,« ſagte Beau Freke.„Wenn er Muth genug hat, ſein Wort zu vertheidigen, ſo wird er genug zu thun haben, ehe es Morgen wird. Wir dürfen dieſe Sache nicht kalt werden laſſen.« »Das freut mich zu hören, meine Herren,« verſetzte Arthur.»Ich bin bereit für Einen von Ihnen oder für Sie Alle.« »Ja wohl, mögen ſie nur herankommen,« brüllte Mark und ließ ſeinen Stock um den Kopf herumpfeifen,»wir wol⸗ len es ihnen zeigen. Sie ſind Drei gegen Einen, aber drei ſolche winzige Kerle ſind nicht einem einzigen richtigen Manne gewachſen, und wir haben daher die Uebermacht, und außer⸗ dem auch noch das Recht auf unſerer Seite. Da haſt Du eines, Du Wicht!“ ſetzte er hinzu, indem er Brice den De— gen aus der Hand ſchlug und ihm dann einen Hieb über den Schädel ve Du, wie ei „Wen Gage,»ſo ten auf bei wenigſtens ſu ſchn. ſuſchlagen „D hnd.„D den und Nie Koſten — thur Poh meine Fr „ habe, in tigkeit l würde ich nch Grabe Fuke ih Ausdrü laſn häte n ſollen, rachen von d mancher durch Mark nt worden rthur wich t mannhaſt u beſchwich⸗ nn Sie ge⸗ genöthigt hen Kampf htswürdige mich be⸗ ins Geſicht Muth genug ug zu thun Sache nicht verſete der fuͤr Sie üllte Mark wir wol⸗ aber drei en Mann und außer⸗ g haſt Du ce den YPe⸗ d über den 125 Schädel verſetzte, daß er rückwärts taumelte.„Nun weißt Du, wie ein Suffolker Knüppel ſchmeckt.« „Wenn mir hier irgend welche Autorität zuſteht,« rief Gage,„»ſo befehle ich ſofortige Einſtellung der Feindſeligkei⸗ ten auf beiden Seiten. Für Euch, Mark, ſollten meine Worte wenigſtens einiges Gewicht haben und ich befehle Euch, ruhig zu ſeyn. Ihr habt dem armen Maſter Bunbury den Kopf zerſchlagen.* „O nein, gnädiger Herr,« entgegnete der Pächter la⸗ chend.„Der iſt viel zu dick, um ſo leicht zerſchlagen zu wer⸗ den, und wenn er ein wenig Blut verliert, ſo erſpart man die Koſten für einen Aderlaß.« „Schweigt mit euren unzeitigen Späßen. Maſter Ar⸗ thur Poynings, Sie haben ſehr ernſte Beſchuldigungen gegen meine Freunde vorgebracht.“ „Nennen Sie dieſe Menſchen nach dem, was ich erklärt habe, immer noch Ihre Freunde?« entgegnete Arthur. „Sie haben mich gehört und werden daher die Wich⸗ tigkeit begreifen, die ich auf Ihre Verleumdung lege.« »„Ich bin in der That erſtaunt,« ſagte Arthur.»Ich würde eine ſolche Verblendung nicht für möglich halten, wenn ich nicht den Beweis davon ſähe. „Wenn das ſein Vater wüßte, der wendete ſich im Grabe um!« ſtöhnte Mark. „Sie ſind ein edler Mann, Monthermer,« ſagte Beau Freke ihm die Hand drückend, während die Andern in den Ausdrücken ihrer Achtung eben ſo warm waren,»und laſſen uns blos Gerechtigkeit widerfahren. Unſer Stand hätte uns, glaube ich, ſchon vor ſolchen Beſchuldigungen ſichern ſollen, wie dieſer zudringliche wahnſinnige Menſch ausgeſtoßen 126 hat, denn wahnſinnig muß er ſehn, um ſich ſo benehmen zu können. Nichtsdeſtoweniger muß ſeine Tollheit und Unver⸗ ſchämtheit gezüchtigt werden.« „Das muß und ſoll ſie!« rief Sir Randal.„Ich nehme das Recht in Anſpruch, ihn zu züchtigen. Seine Bosheit ſchien hauptſächlich gegen mich gerichtet zu ſeyn.« „Sie thun ſehr wohl, den Stachel meiner Bemerkun⸗ gen auf ſich zu beziehen, Sir,« bemerkte Arthur.»Wenn ich einen Unterſchied unter Ihnen machte, ſo beſtand er darin, daß Sie, Sir Randal, eine größere Fertigkeit in Ihren nichtswürdigen Kniffen und Ränken erlangt haben, als Ihre Cameraden, und deshalb recht wohl den Rang eines Anfüh⸗ rers beanſpruchen können. »Nehmen Sie ſich in Acht, Sir,« rief Sir Randal vor Wuth ſchäumend und den Degen ziehend.„Tretet auf die Seite, Lümmel!« „Keinen Schritt näher, Sir, wenn Euch eure heile Haut lieb iſt,« entgegnete Mark, an den Sir Randal's letzte Worte gerichtet waren.»Sie haben geſehen, wie nett ich Ihren Freund ſo eben bedient habe, und Sie werden ſehen, daß ich Ihnen den Arm zerſchlagen kann, ehe Sie mich an⸗ rühren. Treten Sie daher zurück oder ich ſchmettere auf Sie nieder wie ein Hammer.« „Sir Randal, Sie müſſen mir in dieſer Angelegenheit Platz machen,« ſagte Gage.»Später werden Sie auch an die Reihe kommen. Ich verlange, daß Maſter Arthur Poy⸗ nings ſich wegen ſeines Einſchleichens in mein Gebiet entſchul⸗ dige, und die gegen meine Freunde ausgeſtoßenen Beleidi⸗ gungen zurücknehme.* „Ich werde weder Eines noch das Andere thun, Sir,« entgegnete Arthur.»Ich kam hierher, um Ihnen einen Dienſt ſu leiſten u den geſugt, zurüchunehr lich wiederhe Voh prochen!« „Eö l dn« rief „Run un es ka gbe l ſer Monche »Und ngegnete wie Männ hoben gung do ufſcht bleibt.« 5 geen di ſin Di nen wur uf di e eju Ga Mſr) len, die N gen Por benehmen und Unver⸗ Ich nehme e Bosheit Bemerkun⸗ »Wenn ich er darin, in Ihren als Ihre nes Anfüh⸗ andal vor et auf die eure heile dals lezte ie net ich rden ſehen e mich an⸗ re auf Sie gelegenhet e aich n rthur Poh⸗ et enſchul n Beleidi⸗ Sir, Dienſt un, inen 127 zu leiſten, und was das betrifft, was ich von Ihren Freun⸗ den geſagt, ſo bin ich ſo weit entfernt, jene Beſchuldigungen zurückzunehmen, daß ich dieſelben vielmehr nochmals ausdrück⸗ lich wiederhole.« „Wohlgethan!“ rief Mark.»Das nenne ich offen ge⸗ ſprochen!« „Es brauchen keine Worte mehr verſchwendet zu wer⸗ den,« rief Gage.»Nur der Degen kann entſcheiden.“ „Nun dann heraus damit!« rief Sir Randal,»ich kann es kaum erwarten, bis ich gegen ihn losgehen kann. Ich gebe Ihnen gern hundert Pfund für den Vorrang, Ma⸗ ſter Monthermer.“ „Und ich würde ihn nicht für zweihundert abtreten,« entgegnete Gage lachend.»Doch wir müſſen zu Werke gehen, wie Männer von Ehre. Lord Melton, wollen Sie die Güte haben, Maſter Arthur Pohnings' Secundant zu ſehn?« „Sehr gern,« entgegnete der Lord,»unter der Bedin⸗ gung, daß wenn es Niemanden ſonſt gelingt, ihm den Wanſt aufzuſchlitzen, dann dieſes Vergnügen mir ſelbſt vorbehalten bleibt.« Hierauf wendete er ſich zu Arthur herum, verneigte ſich gegen dieſen, der den Gruß ceremoniös erwiderte, und bot ſeine Dienſte als Secundant an, welche natürlich angenom⸗ men wurden. Nur mit Mühe ward Mark Rougham vermocht, auf die Seite zu treten und als er ſeinen Poſten verließ, ſagte er zu Gage, er wünſche, daß der junge gnädige Herr und Maſter Arthur einander die Hand reichten und ihm erlaub— ten, die Sache mit den Uebrigen auszufechten. Nach einigen Augenblicken hatten die Kämpfer die nöthi⸗ gen Vorbereitungen getroffen und ſtellten ſich einander gegen⸗ 128 über. Die Mondſichel ſtand hoch an dem wolkenloſen Him⸗ mel und gewährte Licht genug für den Kampf. Gage war ein ſehr geſchickter Fechter, da er aber jetzt von dem getrun⸗ kenen Wein erhitzt war, ſo beobachtete er nicht die gehörige Menſur und Entfernung, und gab ſich daher mehr als ein⸗ mal Blößen, die Arthur recht wohl hätte benutzen können, wenn er ſonſt gewollt hätte. Es war aber klar, daß Arthur ſeinen Gegner blos zu entwaffnen wünſchte und begnügte ſich daher eine Zeitlang damit, daß er Gage' ſämmtliche Finten und Stöße parirte, ohne ſie zu erwidern. Endlich gelang ihm ſeine Abſicht und Gage flog der Degen aus der Hand. »Ich bekenne mich überwunden« rief Monthermer,»Du biſt ein nobler Feind, Arthur, und ich wünſche, daß der Streit hiermit als beendigt betrachtet werde.« »Das iſt unmöglich!s rief Sir Randal,„ausgenom⸗ men, wenn Maſter Poynings geſteht, daß er auf unwahre und verleumderiſche Weiſe von uns geſprochen hat.“ »Das werde ich niemals geſtehen,« entgegnete Arthur, „und es liegt mir eben ſo viel daran als Ihnen, Sir Ran⸗ dal, daß die Sache ihren weitern Verlauf habe.* »„Sey es ſo,« ſagte der junge Baronet. Dieſelben Formalitäten wurden durchgemacht wie bei dem erſten Kampfe, ehe aber Sir Randal ſeinen Gegner grüßte, maß er mit dem Auge ſeine Höhe und die Länge ſei⸗ nes Degens und nahm demgemäß ſeine Diſtanz. Als das Ge⸗ fecht begann, ſuchte er vor allen Dingen durch geeignete Ma⸗ növers und Finten zu erfahren, in welchen Stößen Arthurs Hauptforce liege, alle ſeine Abſichten aber wurden durch die Gewandtheit vereitelt, womit ſeine Finten parirt wurden. Nicht einen Augenblick verließ Arthur die Klinge ſeines Geg⸗ ners— keinen Augenblick lang ward ſeine Klugheit oder Fe⸗ ſigkit ih rich ſeine Die ſo vorſicht des Kam Ent Gegure Hand dr rend At ſog er pl Die Syi diſer, d Kampf und fng M Stimme Site werde Gage. ige hi Stite » dr jn nung ge ſerhen. K ichewe nicderſe Denn Ver Pe kenloſen Hin⸗ . Gage war dem getrun⸗ die gehörige nehr als ein⸗ utzen können, daß Arthur begnügte ſich tliche Finten h gelang ihm Hand. hermer,»Du he, daß der „ausgenom⸗ auf unwahre 1.“ nete Arthur, n Sir Ran⸗ cht wie bi nen Gegner ie Länge ſi⸗ As das Ge⸗ eignete Vo jen Arthur en durch die ict wurden ſeines Geg⸗ eit cder v⸗ 129 ſtigkeit ihm untreu und kein Blick und keine Bewegung ver⸗ rieth ſeine Abſichten. Die Kämpfer waren einander ſo gewachſen und beide ſo vorſichtig, daß es unmöglich zu ſeyn ſchien, den Ausgang des Kampfes vorauszuſehen. Endlich entſchied ihn die Liſt. Sir Randal legte ſeinem Gegner eine Schlinge, indem er ſeine Klinge band und die Hand drehte, als ob er den Halbeirkel pariren wollte, wäh⸗ rend Arthur ſeine Klinge inwendig zu faſſen ſuchte. Dann zog er plötzlich zurück und führte einen Stoß über den Arm. Die Spitze des Degens fuhr ſeitwärts in Arthurs Bruſt und dieſer, der ſich verwundet und außer Stand fühlte, den Kampf weiter fortzuſetzen, ſenkte ſeinen Degen. „Du biſt verwundet, Arthur,“ rief Gage hinzueilend und fing ihn auf, ehe er fiel. „Nicht ſehr,« entgegnete der junge Mann mit matter Stimme und verſuchte das Blut zu ſtillen, welches ihm aus der Seite ſtrömte.„Gebt mir euern Arm, Mark Rougham, ich werde ſchon noch im Stande ſehn, euer Haus zu erreichen.« „Daran darfſt Du nicht denken, Arthur,« entgegnete Gage.»Du ſollſt in das Schloß gebracht werden, wo ſofor⸗ tige Hilfe geſchafft und Dir alle Pflege zu Theil werden wird. Stütze Dich auf mich.“ „Kein anderer Arm als Marks ſoll mich ſtützen!“ rief der junge Mann,»und ich mag nicht in deine befleckte Woh⸗ nung geſchafft werden. Lieber will ich unter freiem Himmel ſterben.* Kaum hatte er dieſe Worte geſprochen, als eine tödt⸗ liche Mattigkeit über ihn kam und er bewußtlos zur Erde niederſank. Der Verſchwender. I. 9 130 „Tragt ihn in das Schloß!« rief Gage. »Nein, nicht ſo, gnädiger Herr,« entgegnete Mark. „Meine Pflicht iſt, darauf zu ſehen, daß ſeine Wünſche er⸗ füllt werden und er ſoll nicht dorthin geſchafft werden.« „Nun ſo macht mit ihm was Ihr wollt, Ihr hartnäcki⸗ ger Narr!« entgegnete Monthermer.»Doch halt,« ſetzte er hinzu;»ich kann ihn nicht ſo umkommen laſſen. Tragt ihn in den Thurm und bleibt bei ihm, bis Hilfe herbeikommt und es möglich wird, ihn nach Reedham zu transportiren.* Gegen dieſen Vermittlungsvorſchlag hatte Mark michts einzuwenden und demgemäß ward mit Hilfe von Pudſey und Bellairs, welche ſich mittlerweile auf dem Schauplatze ein⸗ gefunden, der verwundete junge Mann noch immer in dem⸗ ſelben bewußtloſen Zuſtande in den Thurm hineingetragen und ſorgfältig auf ein altes Ruhebett gelegt, welches nebſt einigen Stühlen von Eichenholz das einzige Geräth des Zim⸗ mers bildete. Hierauf kehrten Gage und ſeine Freunde in das Schloß zurück. XII. Newmarket. Einige Tage nach den zuletzt erzählten Ereigniſſen brach die in Monthermer Caſtle verſammelte Geſellſchaft auf und Beau Freke und Sir Randal kehrten vollkommen zufrieden mit der Expedition nach Suffolk in ihre gewohnte Sphäre von St. James zurück und zwar um einige tauſend Pfund reicher, als da ſie vierzehn Tage früher London verlaſſen hatten. mundu Nale an die ner,! ſenl Rigl 6s ge ſamen genò nun Ga füh bur gnete Mark. Wünſche er⸗ erden.“ hr hartnäck⸗ lt,“ ſetzte er n. Tragt ihn eikommt und Mark nichts Pudſeh und auplatze ein⸗ mer in dem⸗ neingetragen welches nebſt ith des Zim⸗ n das Schloß gniſſen brach eſ guf und en zufrieden nte Sphäre uſend Pfund verlaſſen 0n 131 Obſchon ſie jedoch die Taube ganz anſtändig gerupft hatten, ſo waren ſie doch noch nicht fertig mit ihr. Gage ſollte ſehr bald in London wieder mit ihnen zuſammentreffen und ſie gedachten ihn dann in noch ausgedehnterem Maße zu ſcheren. Nittlerweile übergaben ſie ihn der Leitung und Bevor⸗ mundung Melton's, unter deſſen Auſpicien er zum erſten Male auf dem Schauplatze der Wettrennen als Theilnehmer an dieſen großartigen Hazardſpielen erſcheinen ſollte. Wir haben bereits erwähnt, daß die ehrenwerthen Män⸗ ner, welche ſich miteinander zu dem Zwecke verbunden, un— ſern leichtſinnigen jungen Helden auszuplündern, es ſich zur Regel machten, keiner den andern in ſeinen Projecten zu ſtören. Es geſchah dies nicht aus Freundſchaft, ſondern aus einer heil⸗ ſamen Furcht vor Vergeltung und Bloßſtellung. Auf dieſe Weiſe ſahen die beiden Hauptintriguanten ſich genöthigt, ihre Beute eine Zeit lang fahren zu laſſen, weil nun ihr Camerad an die Reihe kam und dem hochadeligen Gauner ward erlaubt, Gage unbehindert nach Newmarket zu führen, während die übrigen, mu Ausnahme von Brice Bun⸗ bury, den Schauplatz verließen. Maſter Fairlie machte gegen dieſes Arrangement eben⸗ falls keine Einwendung und zwar aus einem ganz beſondern guten Grunde, denn Lord Melton hatte ihm verſprochen, all ſeinen geheimen Gewinn mit ihm zu theilen. Arthurs vergeblicher Verſuch, ſeinen Jugendfreund zu retten, äußerte keinerlei wohlthätige Einwirkungen auf den⸗ ſelben. Der verblendete junge Mann fühlte ſich eher erbittert, als zu Danke verpflichtet. Während er zugab, daß Arthur großen Muth entwickelt und ſich ſelbſt einige Vorwürfe machte 1 ——— 135 über ſein Benehmen gegen einen Mann, der ſo viel Eifer für ſein Wohl an den Tag legte und dem er ſelbſt früher auf das innigſte zugethan geweſen, ſo konnte er dennoch die Freiheit, die man ſich gegen ihn herausgenommen, nicht verzeihen. Eben ſo wenig maß er Arthurs Erklärungen den min⸗ deſten Glauben bei. Dennoch müſſen wir ihm die Gerechtigkeit widerfahren laſſen, zu ſagen, daß ihm eine große Laſt vom Herzen fiel, als er von dem Arzt, der ſo ſchnell als möglich herbeigerufen worden, erfuhr, daß Arthurs Wunde, obſchon ſchmerzhaft, doch nicht gefährlich ſey und daß er höchſt wahrſcheinlich bin⸗ nen einem Monat wieder hergeſtellt ſeyn werde. Was Arthur betraf, ſo blieb er während der ganzen Nocht, die auf ſein Duell mit Sir Randal folgte, in dem Zimmer des Epheuthurmes und nachdem ſeine Wunde ver⸗ bunden worden, ward ihm ein noch weiterer Balſam durch die wohlthuenden Aufmerkſamkeiten Clara's geſpendet, deren Beſorgniß ſie bewog, ihn zu beſuchen. Mit Mark Rougham und Lettice fuhr ſie fort, bei ihm zu wachen, bis der Morgen graute. Sie wußte, daß ihre Handlungsweiſe falſch gedeutet werden konnte, aber ihr Ge⸗ fühl der Humanität überwand alle Bedenken. Ueberdies konnte ſie ſich auch nicht verhehlen daß ſie die Urſache von Arthurs Unglück geweſen. Mußte ſie ihn daher nicht pflegen wie eine Schweſter? War es nicht ihre Pflicht, jedes Opfer für den zu bringen, der um ihretwillen ſein Leben aufs Spiel geſetzt? Am nächſten Morgen ward eine Tragbahre herbeige⸗ holt und der Verwundete wohlbehalten nach Reedham trans⸗ portirt, wo wir ihn vor der Hand verlaſſen müſſen. 36— Du und ſtets Sir Ran ſne Au loſen V halten, lich de durchſch E zurick, ſah, ſi gen di 6 ohne v ſih vo dieſes ( den k Nam beder für galte langt neue welch Debu ſchen klein mehr iel Fifer für her auf das die Freiheit, eihen. n den min⸗ widerfahren Herzen fil, erbeigerufen ſchmerzhaft, einlich bin⸗ der ganzen te, in dem bunde ver⸗ er Balſam geſpendet, bei ihn daß ihre er ihr Ge⸗ n. daß ſie eihn dahet nicht ihre ihretwillen herbeige⸗ am trans⸗ 133 Durch das, was ſtattgehabt, keineswegs entmuthigt und ſtets auf ſein Talent zu gefallen vertrauend, beharrte Sir Randal bis auf den letzten Augenblick darauf, Clara ſeine Aufmerkſamkeiten außzunöthigen und nach vielen erfolg⸗ loſen Verſuchen, eine abermalige Unterredung mit ihr zu er⸗ halten, gelang es ihm bei einer Gelegenheit, ihr augenblick⸗ lich den Weg zu vertreten, während ſie einen Corridor durchſchritt. Sie wies ihn aber auf ſo ſtolze und verächtliche Weiſe zurück, daß ſelbſt er eingeſchüchtert ward und ſich genöthigt ſah, ſich unter dem ſpöttiſchen Gelächter Derer, welche Zeu⸗ gen dieſes Auftrittes waren, zurückzuziehen. Gage ſah ſie nicht wieder und verließ ſogar das Schloß, ohne von ihr Abſchied zu nehmen. Sein guter Engel hatte ſich von ihm gewendet, gerade zu einer Zeit, wo die Nähe dieſes Schutzgeiſtes am nöthigſten war. Eine neue Verſuchung harrte ſeiner, dieſelbe, welche den heiligen Antonius anfocht, und welcher dieſer fromme Mann kaum zu widerſtehen vermochte. Beſitzer von vier Rennpferden, für deren jedes er eine bedeutende Summe bezahlt, Herr von zwei Jockeys, welche für die erfahrenſten und gewandteſten ihres Handwerkes galten, und von einem ganzen Gefolge von Dienern begleitet, langte unſer junger Held in Newmarket an, begierig, eine neue Rolle auf der Bühne des Lebens zu ſpielen. Er war begleitet von Lord Melton und Brice Bunburh, welcher letztere an ihm feſthaftete, wie ein Blutegel. Gage's Debut auf der Rennbahn war ſo glänzend, als man nur wün⸗ ſchen konnte. Es war Lord Melton's Politik, ſein Opfer durch kleine Erfolge immer weiter zu locken, bis eine Umkehr nicht mehr möglich war. 134 Gage fand Geſchmack an der Aufregung des Rennens und die tolle Geſellſchaft, die er hier traf, amüſirte ihn. Er fand an den Mitgliedern des Jockeyclubs, der ihn mit Freu⸗ den aufnahm, ganz wunderbar treffliche Käuze. Sie tranken viel, wetteten hoch und fluchten tüchtig, mochten ſie nun ver⸗ lieren oder gewinnen und Gage machte die Mode mit und trank, wettete und fluchte wie die Andern. Zu jener Zeit waren die gewöhnlichen Beſucher der Wettrennen ziemlich eben ſo wie ſie jetzt ſind, gewiſſenlos und habgierig, im Ganzen genommen aber wurden doch damals weit ärgere Schelmſtücke ausgeführt als jetzt. Die Jockeys ließen ſich, wie allgemein bekannt war, be⸗ ſtechen und die Züchter waren in alle möglichen Kniffe und Pfiffe eingeweiht. Sogar jetzt ſind dieſe Leute, wenn das Gerücht ihnen nicht Unrecht thut, noch nicht ganz frei von derartigem Verdacht. Doch laſſen wir dies auf ſich beruhen. Unſere Aufgabe iſt, eine Zeit zu ſchildern, wo die Geſetze der Rennbahn noch nicht ſo ſtrict und beſtimmt waren wie gegenwärtig und ob⸗ ſchon es ohne Zweifel auch damals ehrenwerthe Ausnahmen gab, ſo beſtand doch die Mehrzahl der Sportsmänner aus Gaunern und Betcügern. Von dieſer Schurkenbande ward das Erſcheinen Gage's mit demſelben Jubel begrüßt, wie der Anblick einer reich be⸗ ladenen Galeotte von Seeräubern auf dem offenen Meere. Alle waren begierig, ihn zu entern und ihm ſeine Schätze ab⸗ zunehmen. Sie wurden indeß eine Zeitlang durch Lord Melton fern gehalten, dem es nicht einfiel, auch nur auf einen kleinen Theil ſeiner Beute zu verzichten. E außero keine E kutſche huldig Renn von alle abe ſem es Rennens rte ihn. Er n mit Fru⸗ Sie tranken ſie nun ver⸗ de mit und Beſucher der iſſenlos und och damals t war be⸗ Kniffe und wenn das anz ftei von ſre Aufgabe unbahn noch tig und ob⸗ Ausnahmen nänner aus inen Gages er reich be⸗ enen Mete. Schäte ab⸗ Melton fern nen kleinen 185 Es war das erſte Frühjahrsrennen und Newmarket außerordentlich beſucht denn, wenngleich es damals noch keine Extrazüge, ja kaum eine genügende Anzahl von Poſt⸗ kutſchen gab, ſo fuhren doch Leute, welche der Sportingmanie huldigten, zuweilen faſt unglaubliche Strecken weit, um ein Rennen mit anzuſehen. Die beiden Gaſthäuſer des Städtchens, wo die Wetten⸗ den ſich trafen, waren täglich voll und eine tumultuariſche Menge zu Pferde verſammelte ſich vor den Thüren und an den offenen Fenſtern und führte eine laute, lärmende Conver⸗ ſation mit Denen, welche ſich im Innern des Hauſes be⸗ fanden. So oft Gage ſich an dieſen Orten ſehen ließ, ward er von einem Schwarm dieſer Heuſchrecken umringt und durch alle Arten von Anerbietungen in Verſuchung geführt, da aber Lord Melton ihm ſtets zur Seite blieb, ſo gelang es die⸗ ſem, ſie wieder zu verſcheuchen. Die Wettenden waren, wie man ſich leicht denken kann, darüber nicht wenig entrüſtet, doch wagten ſie nicht, ſich laut darüber zu beſchweren, denn ſie hofften ihren Schnitt bei einer günſtigeren Gelegenheit, wo Lord Melton anderweit be⸗ ſchäftigt und weniger wachſam wäre, doch noch zu machen. Es iſt eine bekannte Sache, daß es kein beſſeres Rennen gibt, als in Newmarket. Nirgends iſt der Raſen ſo ſchön und die Bahn allen Zwecken der Reitkunſt ſo wie auch den Zu⸗ ſchauern ſo günſtig. Es iſt die eigene Schuld des Jockeys, wenn er, dafern er ein gutes Pferd hat, auf dieſer wundervollen Heide nicht gut reitet, während es dem Zuſchauer faſt gar nicht möglich iſt, ſich ſo zu poſtiren, daß er nicht Alles ſehe, was vorgeht. Newmarket iſt daher der Hauptort des Rennens, und 136 war es ebenſo wie jetzt auch ſchon zu der Zeit, von welcher wir ſchreiben. Es war an einem ſchönen Frühlingsmorgen, als Gage, erfüllt von Vertrauen und Muth und ſich an der Ausſicht auf einen überaus amüſanten Tag ergötzend, aus London hin⸗ ausritt. Er war herrlich beritten und machte ſich ſehr gut in ſeinem Federhut und hellgrünen mit Silber geſtickten Reitrock. Sein ſchönes Geſicht ſah ungewöhnlich munter und lebhaft aus. Es war dies ſein dritter Tag in Newmarket und er hatte ſchon ein Tafelſervice und einen Becher gewonnen. Dem⸗ zufolge hatte er keine ſchlechten Geſchäfte gemacht und wohl Urſache, zufrieden darein zu ſchauen. Hunderte von Reitern auf allen Arten von Thieren, vom plumpen Karrengaule an bis zum edelſten Vollblut, be⸗ wegten ſich in derſelben Richtung wie er. Faſt alle von ihnen ſchwatzten laut und Gage hörte ſeinen eigenen Namen in Ver⸗ bindung mit dem ſeines Pferdes Comus häufig in Ausdrü⸗ cken erwähnen, welche anzudeuten ſchienen, daß er wahr⸗ ſcheinlich auch heute gewinnen werde. Zur näheren Verſtändigung müſſen wir erwähnen, daß Gage ſein Pferd Comus gegen Capitän Daſhword's Pferd Leichtfuß geſtellt, mit ihm um tauſend Pfund gewettet hatte, und daß das Rennen an dieſem Tage ſtattfinden ſollte. Die Wette war auf Lord Melton's Anrathen geſchloſſen worden und deshalb war Gage ganz zuverſichtlich. Lord Melton hatte auch mit auf Gage's Pferd gewettet— wenig⸗ ſtens verſicherte er dies und zeigte zum Beweis dieſer Verſi⸗ cherung ſein Buch vor. Comus ſollte von dem ganz vorzüglichen Jockeh Nat Sharp geritten werden und Nat hatte ſeinen Herrn mit einem Schwure verſichert, daß er das Rennen für ihn gewinnen —— —— würde laſſen. wöhn eben Lfte der ſe ſamke wenig ging, grau denn ſi. Wa von welcher t als Gage, Ausſicht auf ondon hin⸗ ſehr gut in ten Reitrock. lebhaft aus. rket und er nen. Dem⸗ und wohl n Thieren, blut, be⸗ von ihnen nen in Ver⸗ n Ausdri⸗ er wahr⸗ hnen, daß rds Pferd ettet hatte⸗ te. ge ſchlo ſſen lich. Lord — wenig⸗ ſer Lerſ⸗ ockeh Tat nit einem geinen 137 würde und lieber den Hals brechen wollte, als ſich beſiegen laſſen. k Gage war von Lord Melton und dem ewigen Brice be⸗ gleitet und nach wenigen Minuten langten die Drei auf der Heide an, welche ſich meilenweit nach allen Richtungen hin erſtreckte. Gage war, wie wir ſchon geſagt haben, ganz unge⸗ wöhnlich aufgeräumt und lachte und ſcherzte mit Brice, der, eben ſo wie ſein Gönner durch die Umgebung und die friſche Luft aufgeheitert, eben ſo fröhlich war. Lord Melton dagegen, der ſelten lächelte, bewahrte auch jetzt ſeine gewohnte Schweig⸗ ſamkeit. Die harten trockenen Züge des Lords beſaßen nur wenig Beweglichkeit und nichts verrieth, was in ihm vor⸗ ging, als dann und wann ein Blick aus ſeinem ſcharfen grauen Auge. Gerade als Gage im Begriff ſtand, ſein ungeduldiges Roß einen Galopp quer über die Heide machen zu laſſen, ward er durch ein wohlklingendes heiteres Gelächter hinter ihm zurückgehalten, und als er ſich umſah, begrüßte ihn der Anblick des lieblichſten Weſens, welches er jemals geſchaut. Wende Dich ab, junger Mann, und ſieh ſie nicht an, denn dies iſt die Verſucherin, welche Du meiden mußt. Siehe, ſie wirft ihre Netze nach Dir aus und Du hörſt nicht auf die Warnung, ſondern biſt ſchon gefangen. Die Verſucherin erſchien in der Geſtalt einer jungen überaus ſchönen Frau mit Augen vom zarteſten Sommer⸗ blau, blondem Haar, einem Teint von durchſichtiger Klar⸗ heit und von leiſem Roth angehaucht, vollen Lippen und Zähnen von blendender Weiße. Ein gewiſſer wollüſtiger Aus⸗ druck lag in ihren Zügen, und ſo wie ſie einen ſanften ver⸗ 138 lockenden Blick auf Gage warf, fühlte er ihn bis in ſein in⸗ nerſtes Herz dringen. Sie war geſchmackvoll und koſtbar gekleidet und das, was man von ihrer Geſtalt ſah, ließ keinen Zweifel übrig, daß dieſe mit der außerordentlichen Schönheit ihres Geſichtes übereinſtimmte. Sie ſaß in einem offenen Wagen und war von einer bejahrten Frau in dunklen Gewändern begleitet, die einer Duenna, ſo wie ſie in der ſpaniſchen Komödie auftritt, nicht unähnlich ſah. Dicht neben dem Wagen und in einem lebhaften Ge⸗ ſpräch mit dieſer bezaubernden Sirene begriffen, ritt ein ſchö⸗ ner junger Mann in millitäriſcher Uniform. Es war Gage's Gegner bei dem bevorſtehenden Wettrennen. Der Anblick des Capitän Daſhwood, der ihm im Vor⸗ beireiten zunickte, verrieth unſerem Helden ſofort, daß die Dame Niemand Anderes ſeyn konnte, als eine ſchöne Schau⸗ ſpielerin, deren unvergleichliche Reize den galanten Gentle⸗ man, wie allgemein bekannt war, gefeſſelt hielten. »Es muß Peg Jenhns ſeyn!« rief Gage, ſobald die blendende Viſion verſchwunden war.„Kein anderes Weib könnte ſo ſchön ſeyn! Welch ein glücklicher Menſch doch dieſer Daſhwood iſt!« »Er hat aber ſein Glück ziemlich theuer erkauft, wie wir dies Alle wiſſen, wenn es ſich um ſchöne Schauſpielerin⸗ nen handelt,« entgegnete Brice Bunbury.„Peg hat von ihrem Theaterdirector Urlaub erhalten und iſt geſtern Abend in Newmarket angelangt— gerade noch Zeit genug, um Daſhwood ſeine Wette verlieren zu ſehen.« »Oder gewinnen,« bemerkte Gage lachend. — Mrlton injg ine Vicht natu zuſch wird alte Tom Sch Daſt lich beſſ bek na in ſein in⸗ t und das, ifel übrig, es Geſichtes t, die einer ſtritt, nicht bhaften Ge⸗ itt ein ſchö⸗ var Gages m im Vor⸗ rt, doß die öne Schau⸗ ten Gentle⸗ n. ſobald die deres Peib doch dieſer kauſt, wie auſpielerin ghat vn tern Abend um genug 139 „Dazu iſt wenig Ausſicht vorhanden,“ bemerkte Lord Melton trocken. „Die tauſend Pfund werden auch nicht Daſhwood's einziger Verluſt ſeyn,“ fuhr Brice fort,»Peg Jenyns iſt eine leidenſchaftliche Spielerin und wird ganz gewiß auf Leichtfuß wetten und ihr Einfaltspinſel von Liebhaber muß natürlich das Geld ſchaffen, wenn ſie verliert.“ „Ich hätte große Luſt, ebenfalls eine Wette mit ihr ab⸗ zuſchließen!“ rief Gage begierig. „O, nichts leichter als das,« entgegnete Brice.»Sie wird ſich freuen, Ihre Bekanntſchaft zu machen. Sie iſt eine alte Freundin von mir. Ich kannte ſie ſchon, als ſie noch in Tom CEibber's Bude in Southmark ſpielte und ehe noch ihre Schönheit die Stadt in Flammen ſetzte und dem armen Daſhwood und zwanzig Anderen die Köpfe verdrehte. Frei⸗ lich, wenn ich es mir recht überlege, ſo thue ich vielleicht beſſer, wenn ich Sie mit einer ſo gefährlichen Sirene nicht bekannt mache.“ „Ach, dummes Zeug! Laſſen Sie uns dem Wagen nachreiten. Ich muß ein wenig mit ihr plaudern, ehe das Rennen beginnt.* 140 XIII. Das Rennen. Bald zeigte ſich eine günſtige Gelegenheit, Gage der ſchönen Schauſpielerin vorzuſtellen. Ihr Wagen machte Halt und Brice Bunburh näherte ſich demſelben und bat die Dame um Erlaubniß, ſie mit ſeinem Freunde Maſter Mon⸗ thermer bekannt zu machen. Nachdem dieſe Erlaubniß huldvoll ertheilt worden, ward unſer Held in beſter Form vorgeſtellt. Capitän Daſhwood machte dazu kein ſo freundliches Geſicht wie die Dame, da er aber gerade in dieſem Augen⸗ blicke einen Wink von Lord Melton erhielt, welcher dicht hin⸗ ter den Anderen gefolgt war, ſo ſah er ſich genöthigt, mit ſeinem vornehmen Freunde fort nach der Einhegung zu reiten, wo die Grooms die Pferde hin⸗ und herführten. Virtuos in der Kunſt des Courmachens, bot unſer Held bei dieſer Gelegenheit ſeine ganze Geſchicklichkeit auf. Er ver⸗ ſuchte nicht ſeine Bewunderung zu verhehlen, ſeine Augen aber ſprachen noch weit beredter als ſeine Lippen. Miſtreß Jenyns hätte wirklich ſehr unerfahren ſeyn müſ⸗ ſen, wenn ſie nicht im Stande geweſen wäre, ſeine Gefühle in ſeinen Blicken zu leſen. Der arme Daſhwood konnte nicht umhin, dann und wann einen unruhigen Blick nach dem Wagen zurückzuwerfen und hegte augenſcheinlich ſchon aller⸗ hand Befürchtungen. A keine lich, o ſchalih Melie leben rend Ihre ſonſt anka gleic ich e Int Gage der nachte Halt nd bat die aſter Mon⸗ den, ward reundliches em Augen⸗ dicht hin⸗ thigt, nit zu räten, unſer Held Er vel⸗ ine Augen ſehn müſ⸗ e Gefihl nte nicht nach dem hon aller⸗ 141 Als Miſtreß Jenyns fand, daß ihr neuer Bewunderer keine Luſt verrieth, ſeinen Poſten zu verlaſſen, fragte ſie end⸗ lich, obſchon ihr durchaus nichts daran lag, ihn fortzuſchicken, ſchalkhaft, ob er nicht ſeinen Jockey aufſteigen ſehen wollte. „Nein,« entgegnete Gage;»das überlaſſe ich alles Melton. Lieber will ich fünf Minuten in Ihrer Nähe ver⸗ leben, als das Rennen gewinnen.« „Das iſt ein ungeheures Compliment, welches ich gebüh⸗ rend zu würdigen weiß. Ohne Zweifel aber glauben Sie Ihres Sieges gewiß zu ſeyn.“ „So ziemlich. Ich habe gerade jetzt mehr Glück, als es ſonſt der Fall zu ſeyn pflegt. Vor zehn Minuten, als ich hier ankam, waren meine Gedanken ausſchließlich dem Ergebniß des Rennens zugewendet, jetzt bin ich dagegen vollkommen gleichgiltig.« „Nun, wenn Sie auch dagegen gleichgiltig ſind, ſo bin ich es doch nicht und ſähe es gern, wenn ich ein ſtärkeres Intereſſe daran hätte, als ich gegenwärtig fühle.« „Wollen wir eine Wette machen?“ „Mit dem größten Vergnügen. Natürlich wetten Sie auf Ihr eigenes Pferd. Wie viel geben Sie mir vor?* „O nein, die Wette muß gleich ſeyn, denn die Pferde geben einander nichts nach. Hundert gegen hundert, wenn es Ihnen recht iſt.« „Ach, das wäre ja eine Bagatelle. Eine ſolche Kleinig⸗ keit würde mir keine Aufregung gewähren.“ „Nun, ſo beſtimmen Sie die Summe ſelbſt,« entgeg⸗ nete Gage lachend.„Ich werde Ihre Herausforderung nicht zurückweiſen, und die Wahrheit zu geſtehen,« ſetzte er in lei⸗ ſerem und zärtlicherem Tone hinzu,»ich möchte lieber ver⸗ lieren als gewinnen.« 142 »Das glaube ich Ihnen nicht,« entgegnete ſie lächelnd. »Das Rennen geht um tauſend Pfund. Unſere Wette muß Bau eben ſo viel betragen.« »Angenommen.« wihr »Ich will die Wette in mein Buch eintragen,« ſagte ſighe Brice.»Doch horch, da läutet die Glocke. Wirklich, die Vor Pferde ſind ſchon geſattelt, die Jockeys ſtehen im Begriff auf⸗ ſube zuſitzen. Kommen Sie mit, Monthermer. Lord Melton winkt Ihnen.* prac »Nun, ſo gehen Sie und ſehen Sie, was er will,« entgegnete Gage.»Ich bin jetzt zu angenehm beſchäftigt, als Age daß ich auf ihn achten könnte.* zu g »Haben Sie vielleicht etwas an Nat zu beſtellen?« chen fragte Brice, indem er ſich anſchickte fortzureiten. ſch „Sagen Sie ihm, er ſolle gewinnen. Ich habe nun icge noch ein zweites Tauſend auf's Spiel geſetzt.«. ng »Nein, ſagen Sie ihm, er ſolle verlieren, Maſter Bun⸗ bury. Sagen Sie, Peg Jenyns habe gegen ihn gewettet— 3 das wird genug ſehn.« „Ich werde Ihren Auftrag ausrichten, Madame,« ent⸗ gegnete Brice lachend und galoppirte davon. vo »Ich wünſche faſt, daß Nat Ihren Wink befolgen hal möge,« ſagte Gage.»Wäre ich an ſeiner Stelle, ſo würde mn ich es ganz gewiß thun.« ſu Auf dieſe galante Bemerkung gab die Dame keine Ant⸗ wort, ihre höher erröthende Wange aber verrieth, daß ſie. ew verſtanden hatte. Mittlerweile waren die beiden Jockehs aus der Einfrie⸗ dung herausgekommen und ritten in kurzem Galopp hin und her. ſie lächelnd. Wette muß igen, ſagte Wirklich, die Begriff auf⸗ Melton winkt er will,“ häſtigt, als beſtellen?“ habe nun Maſter Bun⸗ gewettet ink hefolgen e, ſo würde e beine Ant 4h, deß ſe der Efti⸗ Golopp hin 143 Nat trug eine grüne Jacke und weiße Mütze, während Blau die Farbe von Leichtfuß Reiter war. Als die beiden Pferde an dem Wagen vorbeikamen, während ihre glänzende Haut im Sonnenſchein ſchimmerte, zeigte Comus ſo viele gute Eigenſchaften und ſah mit einem Worte ſo wohl aus, daß Miſtreß Jenyns nicht umhin konnte, zu bemerken: „Auf mein Wort, Maſter Monthermer, Ihr Pferd iſt prachtvoll. Ich beginne für mein Geld zu zittern.“ Gage lachte und ein Blick, welchen er in demſelben Augenblicke aus Nat's ſcharfem Auge ſchießen ſah, bewog ihn zu glauben, daß ihre Befürchtungen nicht ganz ungegründet ſehen. Die Pferde wurden nun herumgelenkt und ſchickten ſich an, das Rennen zu beginnen. Alles in der Nähe der ge⸗ zogenen Seile und in den verſchiedenen Equipagen war nun in geſpannter Erwartung. Im nächſten Augenblick raſtten die Pferde fort. Comus flog voran und Leichtfuß dicht hinterdrein, groß war der Tumult und laut das Geſchrei der Wettenden. Miſtreß Jenyns war ſehr aufgeregt. Ihre Wange glühte und ihre Augen erweiterten ſich, wie die der miteinander wetteifernden Vollbutroſſe. In ihrer Begier eine möglichſt gute Ausſicht zu haben, ſprang ſie auf den Sitz des Wagens und Gage hatte nun Gelegenheit, die bewundernswürdige Symmetrie ihrer Ge⸗ ſtalt zu betrachten. Er reichte ihr die Hand, um ſie in der angenommenen etwas gefährlichen Poſitur zu ſtützen und ihre feurigen Puls⸗ ſchläge durchzitterten ſeinen Körper. Bis jetzt war noch von keinem Pferde ein Vortheil er⸗ rungen. Die Schnelligkeit nahm zu, aber ſie waren immer noch ganz dicht beiſammen. 144 Die Menge ſchrie und verſuchte die Jockeys anzureizen, anſimmt welche den Rufen gehorſam ihre Thiere peitſchten und ſpornten. wie dieſes Sie waren jetzt ganz nahe und einen Augenblick ſpäter flogen UUnd ſie wie auf den Schwingen des Windes vorbei— ſo ſchnell. rend ſe e daß die Zuſchauer kaum ihre Farben unterſcheiden konnten. Un Miſtreß Jenyns aber konnte, als ſie bemerkte, daß zweifel Leichtfuß ſeinen Gegner immer noch nicht ausſtach, ihre Aufre⸗ machte e gung nicht unterdrücken. Sie zitterte und ward bleich. Selbſt Lächeln, ihr zu Gefallen konnte Gage jetzt Nat's tollen Lauf nicht nachte hemmen. Rennens Die Pferde flogen weiter. Noch einige Augenblicke muß⸗ kommen ten entſcheiden. Sie waren noch einen Bogenſchuß weit von ihm nich dem Gewinnpfahle entfernt und es erhob ſich ein furchtbares cher ihre Geſchrei: Bi „Comus gewinnt! Comus! Comusls H. In der Meinung, es ſey Alles verloren, ſtieß Miſtreß lüſſeſtl Jenyns einen Ruf der Verzweiflung aus und ließ das geſtickte wie die Taſchentuch fallen, womit ſie Leichtfuß zugewinkt. Sie ſank faſt Verloch in Gage's Arme zurück. Ein neues Geſchrei rüttelte ſie plötzlich wieder auf und tet)«fr ſie war wieder ganz Muth und Leben. 6 „Leichtfuß gewinnt!— Leichtfuß! Leichtfuß!* blictez Und dieſes Geſchrei dauerte ſo fort bis der Kampf ent⸗ ſchieden war. p h e Daſhwood ward als Sieger proclamirt, denn ſein Pferd näher, hatte das Rennen um eine Halslänge gewonnen. Konnte Nat und h wohl zurückgehalten und ſeinem Gegner dadurch die Möglich⸗ hen g keit zum Siege verſchafft haben? Alle Verlierer glaubten dies min gu und überhäuften ihn mit Vorwürfen und Schmähreden, wäh⸗* rend die, welche auf Leichtfuß gewettet, ein Beifallsgeſchrei dunn anzureizen, nd ſpornten päter ſlogen ſo ſchnelle konnten. nerkte, daß ihre Aufre⸗ eich. Selbſt Lauf nicht blicke muß⸗ weit von furchtbares das geſickte Si ſonk fuſ er auf und [4 Kampf ent⸗ nſ ein Pferd Ko n ie Vöglih⸗ oubtn dis reden vih Nat folsgeihr 145 anſtimmten und erklärten, daß nichts reeller ſeyn könne, als wie dieſes Rennen geweſen.„Hurrah! Hurrah!« Und Miſtreß Jenyns ſchrie ebenfalls„Hurrah!« wäh— rend ſie erſchöpft auf den Sitz niederſank. Und wie war es Gage zu Muthe? Er empfand ohne Zweifel das ſchmerzliche Gefühl der getäuſchten Erwartung, machte aber gute Miene zum böſen Spiel und ſagte mit einem Lächeln, welches ihm unter den obwaltenden Umſtänden Ehre machte, zu Miſtreß Jenyns, er werde ſich für den Verluſt des Rennens durch das Vergnügen, ſeine Wette zu bezahlen, voll⸗ kommen entſchädigt erachten. Sie that nicht, als wenn ſie ihm nicht glaubte, ſondern belohnte ihn mit einem Blick, wel⸗ cher ihre Eroberung vollſtändig machte. Wie viel liegt zuweilen in einem Blicke! O,thörichter junger Mann, der Du Dich ſo leicht fangen läſſeſt! Denke doch an Clara oder Luch, von welchen Eine wie die Andere deiner Liebe würdig iſt, und widerſtehe den Verlockungen dieſer Syrene. »Wer iſt dieſer Mann, der uns ſo aufmerkſam betrach⸗ tet?“ fragte Miſtreß Jenyns, während ſie ſich umſchaute. Gage ſah nach der angedeuteten Richtung hin und er⸗ blickte zu ſeinem Erſtaunen Fairlie. »Es iſt mein ehemaliger Vormund,« antwortete er. »Ich erwartete nicht, ihn hier zu ſehen. Kommen Sie doch näher, Maſter Fairlie,« ſetzte er zu dem Verwalter hinzu, »und laſſen Sie mich Sie mit Miſtreß Jenhns bekannt ma⸗ chen. Ich habe etwas Geld an ſie verloren und Sie müſſen mein Zahlmeiſter ſeyn.« »Mit dem größten Vergnügen,« entgegnete der Ver⸗ Der Verſchwender. I. 10 146 walter in ſeinem einſchmeichelndſten Tone.»Darf ich fragen, wie viel die Summe beträgt?“ „Blos tauſend Pfund,« ſagte Gage. „Blos tauſend Pfund, ſo, ſo! Es iſt gut, daß ich mich leidlich mit Caſſa verſehen habe, denn ich dachte mir gleich, daß einige Beträge auf mich gezogen werden würden. Wahr⸗ ſcheinlich habe ich auch eine Rechnung mit Capitän Daſhwood abzumachen.* „Ganz recht— ebenfalls tauſend Pfund,« verſetzte Gage. Und während Fairlie ſich verneigte und ſich entfernte, neigte Gage ſich zu Miſtreß Jenyns und fragte in leiſem lei⸗ denſchaftlichem Tone: „Lieben Sie Daſhwood wirklich?“ „Welch eine Frage, Maſter Monthermer!s „Die Antwort iſt leicht— und Ihre Antwort wird Ein⸗ fluß auf meine Zukunft äußern.“ „Ich will es Ihnen heute Abend ſagen. Kommen Sie und ſoupiren Sie mit mir in dem Gaſthaus„zum Windſpiel.“ Ich muß nun fort. Bringen Sie Maſter Fairlie mit zum Souper. Ich werde auch Lord Melton einladen. Au revoir!“ Wie W De aus alle legtem( genomm 0 hallam burh w gekleide Schau gefeier Goge und e Fahrt pofort Rathe ( allin ein 9 Liebe. ich fragen, daß ich mich mir gleich, den. Wahr⸗ Daſhwood verſetzte h entfernte, nleiſem lei⸗ r wird Ein⸗ Kommen Ste Windſpiel.“ lie mit zum 4u revoir!“ XIV. Wie Millreß Jenyns und Maſter Fairlie ſich miteinander verſtändigten. Das Souper im„Windſpiels war vortrefflich und beſtand aus allen Arten von Delicateſſen und vollauf gut in Eis ge⸗ legtem Champagner, welchem die Gäſte— ein einziger aus⸗ genommen— tüchtig zuſprachen. Dieſe Ausnahme machte Maſter Fairlie, welcher ent⸗ haltſam war, wie gewöhnlich. Lord Melton und Brice Bun⸗ bury waren ebenfalls mit bei der Geſellſchaft und die ſchwarz⸗ gekleidete Duenna, welche, wie ſich jetzt ergab, eine alte Schauſpielerin Namens Clive— zu ihrer Zeit ebenfalls eine gefeierte Schönheit— war, beehrte ſie mit ihrer Gegenwart. Berauſcht von ſeiner Leidenſchaft wie vom Wein ward Gage jeden Augenblick verliebter in die ſchöne Schauſpielerin und erwies ihr die hingebendſten Aufmerkſamkeiten. Beim Scheiden ſchlug er für den folgenden Tag eine Fahrt nach Bury St. Edmunds vor und Miſtreß Jenyns gab ſofort ihre Zuſtimmung, ohne erſt Capitän Daſhwood zu Rathe zu ziehen. Sobald die Gäſte fort und die Beiden miteinander allein waren— denn die arme Miſtreß Clive ſchien man als eine Null zu betrachten— ſagte Daſhwood: „Ich gratulire Dir zu deinem neuen Handel, meine Liebe. Er iſt ein verteufelt ſchöner Kerl und ungeheuer reich.“ % 148 „Ach ja, Maſter Monthermer iſt, wie Du ſagſt, Harry, ein ſchöner Mann— beinahe ſo ſchön wie Du, mein Schatz — und was noch beſſer iſt— er iſt unermeßlich reich. Wie ſchade, Henry, daß Du ſo arm biſt!« „Wer aber hat mich denn arm gemacht, Peg?“ fragte er bitterlich.»„Ich war reich genug, ehe ich Dich kennen lernte.* „Na, laß das gut ſeyn,« entgegnete ſie mit heiterem Gelächter,»Du warſt einmal vom Schickſal beſtimmt, durch unſer Geſchlecht ruinirt zu werden und ich war das auserſe⸗ hene Werkzeug. Ich konnte nicht anders und entledigte mich meiner Miſſion auf die angenehmſte Weiſe. Laß mich ſehen— wir ſind gerade neun Monate beiſammen geweſen— neun Monate!— beinahe eine ganze Exiſtenz, Henrhl« „Mit Monthermer kannſt Du es vielleicht noch einmal ſo lange treiben.* „Nein, das werde ich nicht. In weniger als einem Jahre werde ich ſeiner überdrüſſig ſeyn. Das fühl ich ſchon jetzt. Er iſt ſchön, gebildet, gutmüthig, aber dennoch nicht ganz nach meinem Geſchmack. Ich bin neugierig, ob ich jemals einen Mann wirklich lieben werde.« „Dann geſtehſt Du alſo, daß Du auch mich nicht lieb⸗ teſt. Du kannſt Dich ja nun offen ausſprechen.* „Nun denn, offen geſtanden, ich liebte Dich auch nicht, aber deswegen mache Dir keinen Kummer. Ich liebte Dich eben ſo ſehr, als ich jemals Monthermer lieben werde. Auf alle Fälle ſcheiden wir als gute Freunde, nicht wahr?s „Ich werde mich ſtets freuen, Dich zu ſehen.« Mit dieſen Worten reichte ſie ihm anmuthig die Hand. Daſhwood drückte ſie an ſeine Lippen und entfernte ſich⸗ ohne weiter ein Wort hinzuzufügen. Am eleganten ſchlrfte, Noc valter d Augen m einen W L nen die! mer geſt eine Roll chauſpi 6 thermer auf ver ſchenke ganz a Fairlie verſtän gelegen » ganzlic Sie w 149 agſt Harch 6 Am nächſten Morgen, während Miſtreß Jenyns in einem eleganten Regligs auf ihrem Sopha ſaß und ihre Chocolade ſchlürfte, ward Maſter Fairlie angemeldet. Nach einigen allgemeinen Bemerkungen gab der Ver⸗ walter den Wunſch zu erkennen, einige Worte unter vier Augen mit ihr zu ſprechen und Miſtreß Clive begab ſich auf einen Wink von Peg ins Nebenzimmer. mein Schatz hreich. Wie Ne fragte Dich kennen . iterem 8 5 nit hetern„Vor allen Dingen, Madame, erlauben Sie mir, Ih⸗ m dur. r 8 5 nnt, durch nen die lauſend Pfund auszuzahlen, welche Maſter Monther⸗ Wn mer geſtern an Sie verlor,« ſagte Maſter Fairlie, indem er leigte nich eine Rolle Banknoten zum Vorſchein brachte. ich ſehen—„Ich bitte um Verzeihung, Sir,« ſagte die ſchöne Schauſpielerin mit einem bezaubernden Lächeln, welches, wenn das Herz des Verwalters nicht von Diamant geweſen wäre, ch einmal ſo es hätte ſchmelzen müſſen,»Sie ſind mir blos die Hälfte dieſer Summe ſchuldig.“* als einem„Blos die Hälfte, Madame? Hat denn Maſter Mon⸗ ich ſchon thermer nicht um tauſend Pfund mit Ihnen gewettet?“ ennoch nicht„Allerdings, Maſter Fairlie, und Sie können ſich dar⸗ b ich jenals auf verlaſſen, daß es nicht meine Abſicht iſt, ihm etwas zu ſchenken. Zwiſchen Ihnen und mir iſt aber die Sache eine nicht lib⸗ ganz andere. Sie haben mir blos fünfhundert zu bezahlen.« „Ich verſtehe Sie nicht recht, Madame.“ auch nicht„Dann ſind Sie weniger klug als ich glaubte, Maſter libt Lich Fairlie. Kurz und gut, Sir— wir müſſen uns miteinander werde Auf verſtändigen. Ich weiß, daß Sie Maſter Monthermer's An⸗ gelegenheiten verwalten—* „Da haben Sie Recht, Madame. Er überläßt dieſelben gänzlich meiner Führung.« „Demzufolge können Sie ſeine Ausgaben hemmen, wenn Sie wollen.* 150 „Allerdings, Madame— wenn ich Veranlaſſung dazu ſehe.* „Ohne Zweifel begreifen Sie, von welcher Art meine Be⸗ ziehungen zu Maſter Monthermer wahrſcheinlich ſeyn werden.“ „Ich ahne es, Madame.“ „Und Sie haben nichts dagegen?“ „Hm!* „Sie werden nichts dagegen haben, ja Sie können nichts dagegen haben, wenn Sie mich ausreden laſſen. Ma⸗ ſter Monthermer hat eine heftige Liebe zu mir gefaßt.“ „So ſcheint es, Madame.* „Er wird alle meine Launen befriedigen. Er wird ſich um meinetwillen ruiniren.« „Dann muß es meine Sorge ſehn, die Sache nicht ſo weit kommen zu laſſen, Madame—8 „Ich glaube nicht, daß Sie es verhindern könnten, Sir. Auf alle Fälle werden Sie es nicht. „Ich werde es nicht, Madame?“ „Nein, weil es in Ihrem Intereſſe liegen wird, in Ueber⸗ einſtimmung mit mir zu handeln. Sie haben die Börſe des jungen Mannes, und wenn Sie dieſelbe für mich öffnen, ſo können Sie auch zugleich etwas für ſich herausnehmen. Mit andern Worten, Sie ſollen mit mir theilen.« „Auf mein Wort, Madame, Sie arrangiren auf eine ganz außerordentliche Weiſe, das muß ich geſtehen.“ „Nicht wahr?“ rief ſie lachend.„O, Maſter Fairlie, ich ſehe ſchon, wir werden ſehr gute Freunde werden. Ich verſtehe Ihren Charakter vollkommen. Um Ihnen die Wahr⸗ heit zu ſagen, ich machte die Partie nach Newmarket nicht, um den armen Daſhwood zu ſehen, ſondern um Monthermer zu treffen. Ich hatte von Sir Randal de Meſchines, der kürz⸗ Ma eber ige Nö dieſ z 151 ſſung dazu lich wieder nach London zurückgekehrt iſt, die ganze Geſchichte von ihm und auch von Ihnen, mein werther Herr, gehört. meine Be⸗ Sir Randal ſagte, er wolle ſeinen Freund mir vorſtellen, werden. wenn derſelbe nach London käme; ich nahm mir aber ſogleich vor, ihm zuvorzukommen und machte mich deshalb ſofort auf den Weg nach Newmarket.* „Sehr gut manövrirt, das muß ich ſagen! Die Frauen ie können beſitzen aber einmal weit mehr Gewandtheit, als wir Männer ſſen. Me⸗ uns jemals aneignen können.* t.„Ja ja, Sie werden in mir eine gute und brauchbare Bundesgenoſſin finden. Nun ſagen Sie mir einmal ehrlich, wird ſih Maſter Fairlie, wenn ich die tauſend Pfund, die Sie mir ſo eben anboten, genommen und Ihnen nicht meinen gegenwär⸗ he nicht ſo tigen Vorſchlag gemacht hätte, würden Sie dann nicht alles Mögliche gethan haben, um meinen Plan zu vereiteln und nnten, Sir. dieſen jungen Mann abzuhalten, ſich an mich zu attachiren?“ „Sie ſprechen ſich auf ſo unumwundene Weiſe aus, Madame, daß ich Ihnen auf höchſt unwürdige Weiſe begeg⸗ in Ueber nen würde, wenn ich Ihnen nicht eine ehrliche Antwort gäbe. e Börſe des Allerdings würde ich die Liaiſon verhindert haben. Ja ich öffnen, o will noch mehr geſtehen— Gage wäre ſchon vor der gegen— hmen. Ni wärtigen Stunde bei Ihnen geweſen, aber ich hielt ihn zu⸗ rück, bis ich eine Unterredung mit Ihnen gehabt hätte, nach en auf ine deren Ausgang ich mich zu richten gedachte.« 5.„Und ſind Sie nun vollkommen mit mir zufrieden?“ ſter ʒurle„Vollkommen, Madame.“ erden. I0„Nun, ſo ſchicken Sie Gage zu mir. Ich wünſche ihn de Wahr zu ſehen. Doch halt! Sie haben mir ja die fünfhundert arket rich Pfund noch nicht gegeben!“ nthermel S Monthe„Hier ſind die Banknoten, Madame; Maſter Monther⸗ 152 mer ſoll gleich bei Ihnen ſeyn. Ich habe die Ehre, Ihnen die Hand zu küſſen.« Sobald als die Thür ſich hinter dem Verwalter ge⸗ ſchloſſen, warf ſich Peg auf ihrem Sopha zurück und brach in ein unmäßiges Gelächter aus. »Hat es jemals einen ſo vollendeten Schurken gegeben! Sir Randal ſchilderte ihn ganz richtig. Aber ſo gewandt und gewiſſenlos er auch iſt, ſo müßte es doch ſchlimm hergehen, wenn ich ihn nicht überliſtete. Und nun will ich an meinen armen verzweifelnden Schäfer denken. Ich muß mich ſo ver⸗ führeriſch machen als möglich.s Mit dieſen Worten rief ſie Miſtreß Clive und hatte mit deren Hilfe ihre ſchönen Flechten eben auf die angemeſſenſte Weiſe arrangirt und ihr Coſtüm wieder in Ordnung gebracht, als die Thür aufgeriſſen ward und Gage ſich ihr zu Füßen warf. Die Verſucherin hatte geſiegt. XV. ⸗ Worin mehre mit dieſer Geſchichte zuſammenhängende Perſonen ihren Weg nach dem„Engels in Burg St. Eoͤmunds finden. Sir Hugh Pohnings war einer der ſtolzeſten Männer in Suffolk und man kann ſich daher denken, was er fühlte, als er erfuhr, daß ſein Sohn im Geheimen Felix Fairlie's Tochter liebte und ihr ſogar ſeine Hand angetragen hatte. Daß Clara ſchön, hochgebildet, makellos und mit einem Worte— abgeſehen von ihrer bürgerlichen Geburt— Alles von nach ſchwe Herr liebeb ſtene zu en 153 hnen de war, was man von einem Weibe begehren kann, dies hatte in ſeinen Augen kein Gewicht. uter ge⸗ Das Verhältniß war ein entwürdigendes, entehrendes, d brach und lieber hätte er Arthur von Sir Randal's Degen fallen, als ihn ſo vermält geſehen. ggebenl Wenigſtens verſicherte er dies in den erſten Ausbrüchen udt und von Wuth ſeiner Gemalin, welche, als ihr Sohn verwundet ergehen, nach Hauſe gebracht ward, ihrem Gatten nichts mehr ver⸗ eimn ſchweigen konnte. r Vorſtellungen ſchienen anfangs bei dem entrüſteten alten Herrn fruchtlos zu ſeyn. Alles, was die Mutter in ihrem liebevollen Eifer, ihren Sohnrzu entſchuldigen, zu deſſen Gun⸗ ſten anführen konnte, diente nur dazu, Sir Hugh noch mehr zu entflammen. atte mit neſſenſte ebr acht, üßen„Was, Du willſt ihn noch vertheidigen?« rief er.»In Füße der That, es iſt zum Wahnſinnigwerden! Du biſt eben ſo ſchlecht als er. Glaubſt Du denn, daß, wenn Du derſelben Lebensſphäre angehört hätteſt, wie dieſes Mädchen und eine ſchurkiſchen Verwalter anſtatt einen Edelmann von eben ſo alter Abkunft wie die meine zum Vater gehabt hätteſt— mit einem Worte, wenn Du eine Fairlie anſtatt eine Bourchier geweſen wäreſt— glaubſt Du, frage ich, daß ich unter ſol⸗ chen Umſtänden Dich jemals geheirathet haben würde? Da weiß ich beſſer, was ich meinen Ahnen ſchuldig bin. Durch mich ſollen ſie niemals geſchändet werden. Bis jetzt glaubte ich auch immer, Arthur theile meine Geſinnungen. Allerdings ängende Bürl Männel fühlte⸗ 6 airlie 6 habe ich zuweilen eine allzugroße Vertraulichkeit in ſeinem Weſen gegen Perſonen, die unter ihm ſtehen, einen Mangel an hinreichender Selbſtachtung, mit einem Worte einen ge⸗ ate. it einen — Alles wiſſen Grad von Mangel an Würde wahrgenommen, doch ſuchte ich den Grund dieſer Fehler in ſeiner außerordentlichen 154 Gutmüthigkeit und fürchtete niemals ſchlimme Folgen von dieſer allzugroßen Herablaſſung. Nun ſehe ich meinen Irr⸗ thum ein. Meine Entſchuldigung iſt, daß ich nicht glauben konnte, ein Sohn von mir ein Pohnings— ein ſtolzer Poynings, wie wir ſeit Jahrhunderten genannt worden ſind, obſchon wir wahrſcheinlich nun dieſes Prädicat einbüßen wer⸗ den— ich konnte, ſage ich, nicht glauben, daß ein Sohn von mir einer ſolchen Thorheit fähig ſeyn könne.« „Du mußt bedenken, daß wir den Gefühlen des Her⸗ zens nicht immer gebieten können.“ „Unſinn! meinen Gefühlen habe ich ſtets geboten und warum ſoll Arthur es nicht können? Aber ſelbſt wenn er die⸗ ſes Mädchen liebt, ſo liegt doch kein Grund vor, weshalb er ſie heirathen ſoll. Und um der Abgeſchmacktheit die Krone aufzuſetzen— um die Schande noch zu erſchweren— ſagſt Du mir, daß ſie ihn abgewieſen hat. Eine niedliche Geſchichte, das muß ich ſagen. Wir werden dadurch vor der ganzen Graf⸗ ſchaft zum Gelächter. Ich werde noch toll vor Scham und Aerger.« Lady Poynings hielt es für's Beſte, den Zorn ihres Gatten ein wenig verdampfen zu laſſen, und als er etwas ruhiger ward, wagte ſie nochmals auf Arthurs Verwundung hinzudeuten. „Iſt er denn ſchwer verwundet?“ fragte Sir Hugh mit einem Ausdruck von Beſorgniß, die er trotz ſeiner Be⸗ mühungen nicht zu verhehlen vermochte. „Gefährlich nicht, hoffe ich, wohl aber leidet er viel Schmerzen, obſchon er ſie mit großer Standhaftigkeit erträgt. Dr. Peyton verbindet ihm jetzt ſeine Wunde. Du wirſt ſo⸗ gleich hören, was er uns melden wird. imr hä V P n Folgen von meinen Irt⸗ icht glauben ein ſtolzer worden ſind, nbüßen wer⸗ ß ein Sohn — * S geboten und venn er di⸗ nhab et t die Krone — ſagſt Du hichte, das anzen Graf⸗ Scham und ſeidet er viel gkit ertig. du wiſ ſ⸗ 155 Und als ſie bemerkte, daß dem alten Baronet das Herz immer weicher ward, fuhr ſie fort: „Ich ſage durchaus nicht, daß Du nicht gerechten Grund hätteſt, zornig zu ſeyn, mein Lieber, aber dennoch ſollte die Wendung, welche die Dinge genommen und die in gewiſſer Beziehung eine unglückliche, in anderer aber— wenigſtens nach deiner Anſicht von der Sache— eine glückliche zu nen⸗ nen iſt, Dich bewegen, die Vergangenheit zu vergeſſen und unſerem armen Sohne Verzeihung angedeihen zu laſſen. Seine Liebe zu Clara Fairlie und ſeine Zurückweiſung durch ſie braucht Dich nicht ſo ſehr zu überraſchen. Gage Monthermer war eben ſo ſehr in ſie verliebt und in ſeiner Bewerbung eben ſo unglücklich.« „Wirklich? Du ſetzeſt mich in Erſtaunen. Indeſſen, Gage Monthermer iſt kein Vorbild für unſeren Sohn. Er iſt ein Verſchwender und ein Wüſtling, und iſt es wohl wünſchens⸗ werth, daß Arthur ihm gleiche?“ „Ganz gewiß nicht. Da Du aber von Clara Fairlie eine ſo geringe Meinung haſt, ſo verlangt es die Gerechtig⸗ keit gegen ſie, zu erklären, daß ihre Beweggründe, aus wel⸗ chen ſie Gage zurückwies, die ungleichheit des Ranges und die Verſchiedenheit des Charakters waren, während ihre Zu⸗ rückweiſung Arthurs durch ihre Anhänglichkeit an Gage ver⸗ anlaßt ward.« „Bei meiner Seele! ein edelgeſinntes Mädchen! Ihr ſchurkiſcher Vater hat wahrſcheinlich ſeinem einfältigen Mün⸗ del eine Falle gelegt. Ich durchſchaue nun die ganze Sache. Das Benehmen des Mädchens iſt höchſt lobenswerth und ich gebe zu, daß ich ihr Unrecht gethan habe. Sie kann von chrem Vater keine Ader haben. Ich fürchte, Luch würde nicht ſo viel Discretion und Selbſtverleugnung gezei igt haben. Sie 156 hätte— oder ich müßte mich ſehr irren— Gage mit allen ſeinen Fehlern genommen.« »Ja, mein Lieber, aber Luch hätte vielleicht gehofft, ihn zu beſſern. »Ach was da! Gage wird ſich niemals beſſern!s rief Sir Hugh.»Was für ein paar Tollköpfe doch unſere Kinder ſind! Was ſoll man mit ihnen anfangen?« »Das müſſen wir ſpäter in Erwägung ziehen. Unſere erſte Aufgabe iſt, Arthur wieder herzuſtellen und damit dies geſchehe, bedarf er deiner Verzeihung. Die Gewißheit, daß Du ihm nicht mehr zürnſt, wird ihm mehr nützen als der Arzt. »Wohlan— wohlan— ſag ihm, ich ſey ſehr böſe. »Nein, ich will ſagen, Du ſehſt gar nicht böſe, aber ſehr bekümmert.« »Aber zum Teufel! ich bin ja böſe— ich bin wüthend und werde ihm tüchtig den Text leſen, ſobald ich ihn ſehe.« »Das wirſt Du nicht thun, lieber Hugh. Da kenne ich Dich beſſer. Wenn Du ſiehſt, was dein Sohn leidet, wirſt Du eher Alles aufbieten, ihm ſeine Qualen zu lindern.« »Na, ich kann einmal deinen Bitten nicht widerſtehen. Ich will ſogleich zu ihm gehen. Bete zum Himmel, daß ſeine Wunde nicht gefährlich ſey. Wenn ihm etwas paſſiren ſollte, ſo ſchneide ich dieſem Gauner, dieſem Banditen De Meſchines, mit eigener Hand die Kehle ab. Na, komm mit.« Wir brauchen nun wohl nicht weiter erſt zu erzählen, daß Arthur Verzeihung fand, und daß ſein Vater faſt nicht von ſeiner Seite wich. Was Luchy betraf, die ſich vorwarf, die Urſache von ih⸗ res Bruders Unglück zu ſeyn, ſo konnte ſie ihre Theilnahme nicht genug an den Tag legen. con me nö h Y T 6 A e mit allen ht gehofft, ſernls rief ſere Kinder en. Unſere damit dies ßheit, daß n als der böſe.“ böſe, aber in wüthend ihn ſehe.“ a kenne ich wirſt iderſtehen. daß ſeine iren ſollte, Meſchines, etzihlen, faſt nicht de von ih⸗ heilnahne 157 Der junge Poynings erfreute ſich einer kräftigen Leibes⸗ conſtitution und ſeine Wunde heilte ſehr ſchnell. In weniger als einem Monate erklärte der Arzt ihn für wieder hergeſtellt. Mittlerweile war Luch von einem unwiderſtehlichen Wunſche, London zu beſuchen, ergriffen worden, und begann ihrem gutmüthigen Vater zu ſchmeicheln, um ihn zur Erfüllung ihrer Wünſche zu bewegen. Sir Hugh, der vielleicht den eigentlichen Beweggrund zu dieſer Bitte nicht verſtand, war nicht abgeneigt, derſelben zu willfahren und ihr Bruder that allerdings nichts, um das Project verwirklichen zu helfen, legte ihm aber auch nichts in den Weg. Demgemäß ward beſchloſſen, daß die Familie einen mehrmonatlichen Beſuch in London abſtatten ſollte, und die nöthige Vorbereitung dazu getroffen. Nachdem man damit fertig war, brauchte man, da Ar⸗ thur ſich wieder vollkommen erholt hatte, die Reiſe auch um ſeinetwillen keinen Augenblick länger zu verſchieben. An einem ſchönen Morgen in der Mitte des Monats Mai fuhr Sir Hughs ſchwerfällige Reiſeequipage mit vier Pferden beſpannt und mit Koffern, Kiſten und Gepäck aller Art beladen wie ein Frachtwagen, an dem Herrenhauſe vor. Zu jener Zeit war eine Reiſe nach London für die mei⸗ ſten Landedelleute ein Ereigniß, und für Sir Hugh Poynings war ſie ein außerordentliches Ereigniß, denn er war ſeit län⸗ ger als ſechs Jahren nicht in London geweſen. Er ſeußte, als er von ſeinem großen bequemen Schloſſe Abſchied nahm, und wunderte ſich, wie er ſich jemals hatte dazu verſtehen können, es zu verlaſſen— doch nun half es weiter nichts. Der Wagen hielt vor der Thür und er mußte fort.— 158 Lady Poynings, Luch und Paſtor Chedworth, der Ca⸗ plan, ſaßen ſchon in dem ſchwerfälligen Fuhrwerke und Sir Hugh nahm ſeufzend und ſtöhnend neben ihnen Platz. Niſtreß Pinchbek, Luch's Zofe, und die andern Die⸗ nerinnen fanden Unterkunft in dem Hintertheile des Wagens und zwei Lakeien ſaßen mit dem dicken Kutſcher auf dem Bock. Arthur zog es vor, die Reiſe zu Pferde zu machen und brach nicht ganz ſo zeitig auf wie die Andern, verſprach aber, ſie lange zuvor einzuholen, ehe ſie Bury St. Edmunds er⸗ reichten, was verabredetermaßen das Ziel der erſten Tag⸗ reiſe ſeyn ſollte. Beim Aufbruch ließ der Kutſcher die Pferde ſich ein we⸗ nig zeigen und fuhr in ſcharfem Trabe durch den Park, in welchem man eine zwei Meilen lange Strecke zurückzulegen hatte, ehe man die Landſtraße erreichte. Ein abermaliger ſcharfer Trab fand ſtatt, als man ſich dem Dorfe Reedham näherte, deſſen ſämmtliche Bewohner herbeieilten, um Sir Hugh, Mylady und Miß Luch zu begrü⸗ ßen und ihnen eine angenehme Reiſe und baldige Rückkehr zu wünſchen. Die erſte anſteigende Höhe aber zwang das rauchende Geſpann, in gemächlichen Schritt zu fallen und dieſen behielt es auch bei, ſo daß von nun an nie mehr als vier engliſche Meilen in der Stunde zurückgelegt wurden. Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Zuſtand der Straßen ſo abſcheulich ſchlecht war, daß vom raſchen Kei⸗ ſen nicht die Rede ſeyn konnte. Mehr als einmal blieb der Wagen in einem tiefen Geleiſe ſtecken und das bedurfte großer Anſtrengungen von Seite der beiden Lakeien, um ihn wie⸗ der herauszubringen. Auf dieſe Weiſe ging nothwendig viel Zeit verloren; an h, der a⸗ ke und Sir latz. andern Die⸗ s Wogens uf dem Bock. machen und ſprach aber, erſten Tag⸗ ſich ein we⸗ en Park, in urückulegen als man ſich e Bewohnet c ju begri⸗ Rücktehr jl os rauchende dieſen behielt vier engliche der guſtand raſchen glei⸗ mal hlieb der durfte grofer hn wie⸗ um i verhoren; an 159 dergleichen Verzögerungen aber war man damals gewöhnt, und nahm ſie als etwas ſich von ſelbſt Verſtehendes hin. Sir Hugh murrte, ſaß aber ſtill, während Luch, die der Unterhaltung mit dem langweiligen Caplan überdrüſſig war, aus dem Fenſter nach Arthur ausſchaute, aber nichts von ihm entdecken konnte. Der junge Poynings ſchlug, als er ſich aufmachte, an⸗ ſtatt die Straße nach Bury St. Edmunds, die entgegenge⸗ ſetzte Richtung ein, welche zunächſt nach Monthermer Caſtle führte. Hatte er die Abſicht, Clara Lebewohl zu ſagen? Nein. Denn obſchon ſie ſtets und vor allem Andern in ſeinen Gedanken lebte, und obſchon er viel darum gegeben hätte, auch nur einen Schimmer von ihr zu erblicken, ſo war ſeine Abſicht doch kein heimlicher Beſuch, der, wie er fühlte, ein Verrath an dem erneuerten Vertrauen ſeines Vaters ge⸗ weſen wäre. Sein nächſtes Ziel war das ſogenannte Kuhbrückengut. Da er nemlich nichts wieder von Mark Rougham gehört, ſeitdem dieſer wackere Mann ihn nach Reedham hatte trans⸗ portiren helfen, ſo wünſchte er ihm jetzt für ſeine ihm bei jener Gelegenheit geleiſteten Dienſte zu danken. Er ritt ziemlich ſchnell, nahm den kürzeſten Weg, und erreichte daher bald Marks Wohnung. Als er aber in den Hof hineinritt, ſah er zu ſeiner Ueberraſchung einen andern Mann an der Thür erſcheinen, wohin dieſer durch den Schall der Hufſchläge gelockt ward. Auf ſeine Erkundigung bei dieſem Manne, in welchem er einen Pächter Namens Abel Skinner erkannte, erfuhr er, daß der arme Rougham abermals durch Fairlie auf gewaltſame 160 Weiſe aus dem Pacht geſetzt worden, und diesmal ohne Zwei⸗ fel mit der Einwilligung des jungen Squire. So verſicherte wenigſtens Skinner und erklärte, er habe ſelbſt den von Gage unterzeichneten Befehl geſehen. Mark war mit ſeiner Familie fortgegangen, Niemand wußte wohin. „Warum iſt er nicht zu mir gekommen?« rief Arthur; »ich hätte ihm und ſeinem Weibe eine Heimat gegeben.« „Das weiß ich nicht,« entgegnete Skinner,»Mark iſt aber einmal etwas ſtolz und hartköpfig und hatte wahrſchein⸗ lich ſelbſt einen Plan gemacht, den er ausführen wollte, we⸗ nigſtens denke ich mir das.“ »Aber wo iſt er? Kann man ihn nicht ausfindig machen?* „Ach, das iſt wohl möglich, gnädiger Herr, wenn man ihn nur richtig ſucht,s entgegnete Skinner.»Soll ich ihn, wenn ich ihn vielleicht treffe, nach Reedham hinüberſchicken?“ „Ja wohl, ja wohl— doch halt! Ich vergeſſe ja ganz. Ich bin eben auf dem Wege nach London, und werde über einen Monat lang abweſend ſeyn. Hört, Skinner, Ihr müßt mir Mark ausfindig machen. Ich werde mich bei Euch abfin⸗ den. Sagt ihm, er ſolle mit ſeiner Familie nach Reedham ge⸗ hen, und dort ſeinen Aufenthalt nehmen, bis ich wieder komme oder weitere Verfügungen in Bezug auf ihn treffe. Hier iſt eine Guinee und Ihr ſollt noch ein paar bekommen, wenn Ihr ſchnell und gut ausführt, was ich Euch eben geſagt habe.* „Ich werde mein Möglichſtes thun, darauf können Sie ſich verlaſſen, gnädiger Herr,« antwortete Skinner.„Gleich⸗ zeitig werden Sie mir erlauben zu bemerken, daß ich durchaus nicht daran ſchuld bin, daß der arme Mark aus dem Pachte gemußt hat. Es thut mir ſehr leid und ich würde ihm mor⸗ gen! unm träg al ohne Zwei⸗ lärte, er habe en. en, Niemand rief Arthur; egeben.“ Mark iſt e wahrſchein⸗ wollte, we⸗ cht ausfindig t, wenn man überſchcken?“ geſſe jn gan. werde übet r, Iht müßt i Euch abfin⸗ Reedham ge⸗ komme or Hirr iſt ine wenn Ihr . pnbe.“ ſagt habe⸗ 161 gen wieder Platz machen, wenn er zurückkäme. Das iſt aber unmöglich, wie Sie ſich wohl denken können.« »Ja, ja, ich weiß das. Vergeßt aber nicht meine Auf⸗ träge auszuführen.« »Sie können ſich auf mich verlaſſen, gnädiger Herr.* Binnen weniger als einer Stunde nach dieſer Unterre⸗ dung hatte Arthur die nach Bury führende Landſtraße er⸗ reicht und ſah nun auch den Wagen, welcher ſich langſam einen Hügel hinaufmühte. Arthur begnügte ſich indeſſen, ihn im Auge zu behalten. Wären ſeine Gedanken weniger auf andere Weiſe beſchäftigt geweſen, ſo wäre der Ritt durch dieſen herrlichen Theil von Suffolk ein bezaubernder geweſen. Selbſt unter den obwal⸗ tenden Umſtänden war Arthur gegen die Schönheiten der um⸗ liegenden Landſchaft nicht ganz unempfindlich, ſondern machte dann und wann kurze Zeit Halt, um ſich umzuſehen. Auf einem dieſer Haltpuncte erblickte er auf einmal die etwa noch drei Meilen entfernte Stadt Bury St. Edmunds und betrachtete ſie mit bewunderndem Blicke, als er bemerkte, daß Luch ihm mit ihrem Tuche winkte. Auf dieſe Weiſe aufgefordert, konnte er nun nicht länger zurückbleiben und war eben hinzugeritten, um das Ausſchelten anzuhören, welches er in ſo reichem Maße verdiente, als man plötzlich Rädergeraſſel raſch herannahen hörte. Einige Augenblicke ſpäter flog ein ſtattlicher Wagen, vergoldet und nach der neueſten Mode von einem Paar raſcher Vollblutpferde gezogen, an ihnen vorüber. Zwei Perſonen ſa⸗ ßen darin. Die eine, welche links und Luch zunächſt ſaß, war eine Dame jung und von außerordentlicher Schönheit, aber Der Verſchwender. I. 11 162 mit einer gewiſſen Keckheit des Ausdrucks, die ſelbſt auf einen flüchtigen Blick zu bemerken war. Offenbar lachte ſie über den altväteriſchen Reiſewagen und machte, indem ſie Luch mit großen Augen anſah, ihren Begleiter auf ſie aufmerkſam. Dieſer drehte ſich herum und ſo wie Luch ſeine Züge erblickte und ihre Augen ſich begegneten, ſtieß ſie einen lauten Schrei aus und fiel in den Wagen zurück. „Was gibt es denn, liebes Kind?« rief Lady Pohnings beſorgt. „Nichts, nichts,« keuchte Luch. „So wahr ich lebe, das war Gage, der an uns vor⸗ beifuhr!« rief Sir Hugh. Und während die Wahrheit in ihm aufblitzte, ſagte er nichts weiter. Arthur, der auf der andern Seite des Wagens ritt, warf einen verſtohlenen Blick auf ſeine Schweſter und ſah an ihren erröthenden Wangen und ihrer Verwirrung, wie gewal⸗ tig ſie ergriffen war. Nach einer Weile kam die Converſation wieder in Gang und Luch erlangte einigermaßen ihre Faſſung wieder, doch ward auf den eben ſtattgehabten Vorfall oder auf Gage keine Hindeutung gemacht. Es dauerte nicht lange, ſo fuhren ſie nach Burh hinein, die ſteile, nach dem mittleren Theile der Stadt führende Straße hinauf über einen weiten offenen Raum und vor dem Gaſthauſe„zum Engels vor. Die Stufen dieſes berühmten Hotels herab kam der ſtattliche Wirth Maſter Bris con ſo raſch, als ſeine Gicht ihm geſtattete, während Diener aller Art herbeieilten, um die Ankömmlinge zu bewillkommnen. Sir Hugh kam es vor, als läge etwas Sonderbares und Abſi et z 163 ſelbſt auf einen und Gezwungeues in dem Benehmen des Wirthes, als er ſeine Abſicht erklärte, bei ihm zu übernachten, und ihn fragte, was en Reiſewagen er zum Diner bekommen könnte. anſah, ihren Maſter Briscon ſtotterte verlegen einige unverſtändliche Worte, verbeugte ſich und machte eine Menge Kratzfüße, gab uch ſeine Züge aber keine directe Antwort, während er den alten Baronet, ie einen lauten den Caplan und die beiden Damen in ein großes Zimmer führte, von deſſen Fenſtern man die Ausſicht auf das ehrwür⸗ Lady Pohning dige Abteithor auf der entgegengeſetzten Seite des freien Platzes und die weiterhinliegenden grauen Mauern und Kloſterruinen hatte. an uns vor Und nun wollen wir ſehen, wie Gage nach Bury kam. zahrhät in ihn Es ging dies folgendermaßen zu. Anſtatt, wie ſie urſprünglich beabſichtigt, von Newmarket nach London zurückzukehren, beſchloß Miſtreß Jenyns ein paar Wochen in der Provinz zuzubringen— aus welchen Beweg⸗ gründen werden wir ſogleich erklären— und ſich nach Burh begebend, ſchlug ſie ihr Quartier im»Engels auf. der in Gang Gage begleitete ſie natürlich. . Der Theaterdirector in Goodmansfields ſchrieb in Ver⸗ Goge zweiflung an die ſchöne Schauſpielerin und bat ſie inſtändig; ja er befahl ihr ſogar, augenblicklich zurückzukehren und drohte ihr im Weigerungsfalle mit einer ſchweren Geldſtrafe. Sie lachte aber über ſeine Bitten und Drohungen und antwortete, ſie bedürfe Ruhe. Sie amüſire ſich in der hübſche⸗ ſten und geſundeſten Stadt Englands Tage ſpazieren— und obſchon es ihr leid thue, die Erwar⸗ tung ihrer zahlreichen Bewunderer zu täuſchen, ſo müſſe ſie doch vor allen Dingen auf ihre Geſundheit Rückſicht nehmen. Vielleicht käme ſie in vierzehn Tagen wieder— vielleicht in Wagens rit ſer und ſoh an g wie gewal 9 oder a ch Buch hinein, Stadt führende den m und vol fahre und reite alle del erab kam Gicht ihn die ſeine eieilten⸗ un einem Monat— vielleicht auch gar nicht. Er könne ihr irgend eine Geldſtrafe dictiren, wie ihm beliebe. Maſter Monthermer werde ſie bezahlen. Bei all ihrer Habgier war es Miſtreß Jenyns bis jetzt noch nicht gelungen, reich zu werden. Außerordentlich ver⸗ ſchwenderiſch und in ihren Equipagen und ihrem Haushalte mit einer Dame vom erſten Range wetteifernd, ſtak ſie fort⸗ während in Schulden. Daß ſie beim Theater blieb, hatte ſei⸗ nen Grund in ihrer Liebe zur Aufregung und Bewunderung und überdies war das Gewand der Schauſpielerin ein Pan⸗ zer, von welchem die Pfeile der Verleumdung machtlos abprallten. Ihr Hauptfehler war ihre Spielſucht. Eingefleiſchte Spielerin hatte ſie doch faſt immer Unglück. Wenn eine Frau ſpielt, ſo bleibt ſie ſelten auf halbem Wege ſtehen. Und ſo war es auch mit Miſtreß Jenyns. Sie kam mit Hunderten in der Taſche und mit koſtbaren Kleinoden bedeckt an den Spieltiſch und verließ ihn ohne einen Ring und ohne eine Guinee. Auf dieſe Weiſe war ſie oft in die drückendſten Verlegen⸗ heiten gerathen, hatte aber immer Mittel gefunden, ſich wieder herauszuarbeiten. Unter Denen, welche große Summen von ihr gewonnen hatten, befand ſich auch Sir Randal de Meſchines, aber er lieh ihr auch ſehr oft Geld, wenn ſie deſſen bedurfte, und es ſchien jetzt ein förmliches Einverſtändniß zwiſchen ihnen zu beſtehen, da er ſie zur Durchführung eines ſeiner Projecte verwendete. Auf ſein Anſtiften unternahm ſie die Reiſe nach New⸗ market und nachdem dieſe einen Erfolg gehabt, der ihre Er⸗ wartung faſt übertraf, hatte ſie keine Luſt, einen Antheil der Beute fahren zu laſſen. In der That, da ſie in Gemäßheit ihres Vertrags mit Maſter Fairlie ſchon mit dieſem zu theilen hatte, ſo mußte ihr Gewi fürch zu b Um Arr gan Caſ G 2 lan MWonthermer ns büs jcz rdentlich ver⸗ em Haushalt ſt ſi fort⸗ ieb, hatte ſei⸗ Bewunderung rin ein Pan⸗ ung machtlos Eingefleiſche nn eine Frau Und ſo wat derten in del den Spieltſch Guiner. ſten Verlegen⸗ en, ſich wieder iht gewonnen ines, aber e e und es ſchien n ju beſtehen, te verwendete iſe nach Rel⸗ der ihre Er⸗ il per n Antheil der e ihr Vertr ſo mißt 165 Gewinn durch ein ähnliches Verfahren mit Sir Randal auf fürchterliche Weiſe vermindert werden. Deshalb erheuchelte ſie eine plötzliche Neigung, in Burh zu bleiben, indem ſie vorgab, von der Stadt und deren ſchönen Umgebungen ganz entzückt zu ſeyn, und Gage war mit dieſem Arrangement bereitwillig einverſtanden. Der arme Thor ward durch ihre Verführungskünſte ge⸗ blendet und verſchwendete bedeutende Summen an ſie. Be⸗ ſtändig wurden neue Amüſements für ſie erſonnen und die Zeit verging daher ziemlich angenehm. Alles, was Miſtreß Jenhyns einfiel, mußte geſchafft wer⸗ den, mochte es koſten was es wollte. Kurz nach ſeiner Ankunft nahm Gage Beſitz von dem ganzen Hotel und ließ alle ſeine Diener von Monthermer Caſtle kommen. Somit war das Haus gleichſam ſein Eigenthum und er gab täglich große Diners und andere Unterhaltungen. So groß aber auch ſeine Ausgaben im Allgemeinen wa⸗ ren, ſo war es doch das Spiel, was ſeiner Börſe den größten Schaden zufügte. Obſchon Miſtreß Jenhns an alle Anderen verlor, ſo ge⸗ wann ſie doch von ihm und da jeden Abend— blos zum Zeitvertreib— die Karten zur Hand genommen wurden, ſo war im Laufe einer Woche ihr Gewinn ſchon ein bedeutender. Fairlie hätte dies genau ſagen können, denn er führte darüber ſorgfältige Rechnung. Es war Miſtreß Jenyns indeß nicht vergönnt, dieſes Spiel lange ungeſtört weiter zu treiben. Sir Randal hatte in Bezug auf das, was vorging, von ſeinem Bundesgenoſſen Brice Bunburh, welcher Gage 166 niemals verlaſſen hatte einen Wink erhalten und fühlte die Nothwendigkeit einer ſofortigen Intervention. Beau Freke ſtimmte ſeiner Meinung vollkommen bei. Wenn man Peg Jenyns ſo gehen ließ, ſo war es leicht mög⸗ lich, daß ſie von ihr überliſtet wurden. Sie war ſchlau genug dazu. Es durfte keine Zeit verloren werden, wenn ſie die Ab⸗ ſicht hatten, ihre Pläne zu vereiteln. Brice Bunburh war Wi nicht zuverläſſig, überdies war er ein armer Teufel und 9 trank zu viel. Deshalb machten ſich die Verbündeten ſelbſt ſo⸗ vor fort auf den Weg nach Bury. Gage war überraſcht, ſie zu ſehen und freute ſich eben gel nicht ſehr darüber, obſchon er gute Miene zum böſen Spiel machte. Miſtreß Jenyns merkte recht wohl, weshalb ſie kamen, und wartete ab, was für ein Manöver ſie beginnen würden. P So ſtanden die Dinge, als die Zahl der Gäſte im»Engels an durch die unerwartete Ankunft der Geſellſchaft von Reedham vermehrt ward. R ten und fühlte . Akommen bei. es leicht mög⸗ r ſchlau genug nn ſie die Ab⸗ Bunburh war r Teufel und deten ſolbſt ſo⸗ eute ſich eben m böſen Spil b ſie kamen nnen würden⸗ ſe in„Engel“ von Feedham 167 XVI. Miſtreß Pinchbeck trifſt zufällig ihren davongelaufenen Rann. Arthur begegnet Lettice Rongham und hört von einem großen Maskienball, welcher im„Engel“ ge⸗ geben werden ſoll.— Luch bemüht ſich, ihren Bruder zu überreden, daß er ſie auf dieſen Ball führe. Ein Prinz vom Geblüt hätte in dem„Engels ſeine Wohnung nehmen können. Der Hof war mit Equipagen angefüllt und die Ställe wimmelten von Pferden. Auf der einen Seite ſtanden Roßkämme von Newmarket und Jockeys und kritiſirten ein halbes Dutzend prachtvolle Rennpferde, die ſo eben von den Grooms ſpaziren geritten und wieder nach Hauſe gebracht worden waren. Auf der anderen Seite nahmen Hahnenmeiſter und Züchter ihre tapferen Vögel aus tiefen Strohkörben oder Säcken und verwahrten deren Sporen mit ausgeſtopften Leder⸗ rölichen, damit ſie ſich nicht daran beſchãdigten. Um die letzteren Individuen waren eine Menge Lakeien verſammelt, die ſämmtlich die reichbetreßte orangenfarbene Livrée Monthermer's trugen, die Hähne beſichtigten und ſchon miteinander Wetten auf die bevorſtehenden Kämpfe ab⸗ ſchloſſen. Dann waren auch noch zwei oder drei Jäger in ſchar⸗ lachrothen Röcken und eben ſo viele Wildhüter in dunkelgrü⸗ — 3 6 8 — 2 168 nen Jacken da, obſchon es ſchwer war, zu errathen, was dieſe Leute hier machten, wenn ſie nicht vielleicht vom Schloſſe blos mit herbeigerufen worden waren, um das ſchon allzu reiche Gefolge ihres Herrn noch weiter zu vermehren. An der Nebenthür des Gaſthauſes ſtand eine andere Gruppe, aus unſeren alten Bekannten Pudſey, Bellairs und Chaſſemouche mit ihren witzigen Freunden Tibbits und Tri⸗ ckett beſtehend. Die beiden letzteren Laffen waren eben von einem Spa⸗ zirgange durch die Stadt zurückgekehrt und gaben Bellairs und dem franzöſiſchen Kammerdiener die Erzählung der Er⸗ oberungen zum Beſten, die ſie unter den hübſchen Mädchen von Burh gemacht. Tibbits namentlich war— wenigſtens ſagte er dies— außerordentlich glücklich geweſen. Alle aber kamen dahin überein, daß Burh ungeheuer langweilig ſey und daß ſie, wenn ſie ſich damit amüſirten, mit ihren Herren des Nachts in den Straßen herumzuſchlei⸗ chen, die Laternen zu zerſchlagen, die Nachtwächter zu prü⸗ geln und Thürklopfer abzudrehen, nicht wüßten, wie ſie die Zeit hinbringen ſollten. Die Ankunft des wackeren Sir Hugh Pohnings und ſeiner Familie war daher eine Quelle unendlicher Freude für dieſe liebenswürdigen Perſonagen, weil ſie vorausſahen, daß irgend eine Störung folgen müſſe und ſelbſt wenn die Dienſt⸗ herren ſich nicht wieder in einen Streit miteinander einließen, was übrigens faſt unmöglich zu ſehn ſchien, ſo konnten ſie ja auf eigene Fauſt mit den Dienern von Reedham einen kleinen Kravall anfangen. In dieſer Abſicht machten ſie auch kaum Platz für Ar⸗ thur Poynings, als er an ihnen vorüberging, nachdem er abge hatt emne wen wal ſein den R öl kn rrathen, was t vom Schloſſe as ſchon alhu en. deine andere „Bellairs und bits und Tri⸗ neinem Spa⸗ ben Bellairs lung der Er⸗ chen Mädchen ſte er dies— ßohnings und er Freude fül der einließen, konnten ſie ja inen kleinen plot für Ar nachden e 169 abgeſtiegen war und ſein Pferd dem Hausknecht übergeben hatte, und Maſter Tibbits erhielt für ſeine ſpecielle Inſolenz eine Ohrfeige ein Schimpf, den er gerächt haben würde, wenn er es gewagt hätte. Arthurs grimmiger Blick ſchüchterte ihn aber zu ge⸗ waltig ein und als der junge Mann noch obendrein drohend ſeine Reitpeitſche hob, zog er ſich raſch hinter ſeine Camera⸗ den zurück, die ihm keinerlei Unterſtützung boten. Nicht ſo bald aber war Arthur verſchwunden, als ſie Alle einſtimmig auf ihn zu ſchimpfen begannen, und Tibbits that einen furchtbaren Schwur, daß er ſich, noch ehe es Morgen würde, an ihm rächen wollte. Gerade in dieſem Augenblick kam Sir Hugh's Kutſcher Peccles mit ſeinen Pferden in den Hof und die ganze Bande wendete ſich ſogleich gegen ihn und verhöhnte ihn, ſeine Thiere und ſeinen Herrn und ſagte ihm, er dürfe nicht in den Stall, wenn er ſich nicht erſt mit ihnen ſchlüge. Peccles war ein rüſtiger Burſche und wich keinen Zoll breit. Den Zügel des Pferdes, welches er führte, loslaſſend, nahm er ſofort eine defenſive Stellung ein und ſchrie ſeinen Mitdienern zu, welche ſofort den Ruf beantworteten und ſich neben ihm aufſtellten. Da ſonach alle Ausſicht auf einen Kampf vorhanden zu ſehn ſchien, ſo war ſofort der ganze Hof in Aufruhr. Die Livréediener verließen die Kampfhähne in der Hoff⸗ nung, einen aufregenderen Kampf mit anzuſehen. Züchter, Jockeys, Hahnenmeiſter, Grooms, Stalljungen und Haus⸗ knechte ſtürzten herbei und ſchnell war ein Ring gebildet. Ehe aber noch ein Schlag geführt werden konnte, hörte man ein Kreiſchen und mit lautem Geſchrei bahnte ſich eine Frau den Weg durch die Menge bis zu den Kämpfern. Km 170 Es war Miſtreß Pinchbeck. Bei ihrem Anblick ward Tibbits ganz blaß und wollte ſich fortſchleichen. Die aber, welche um ihn herumſtanden, ließen ihn nicht durch, bis ein Paar Arme, die ſich um ſeinen Hals ſchlangen, ſeine Flucht vollends unmöglich machten. Aus dem, was unter Miſtreß Pinchbecks Schluchzen und krampfhaften Ausrufungen abzunehmen war, ging her⸗ —— ——=— vor, daß der galante Tibbits ſie vor etwa fünf Jahren ge⸗ heirathet, zu welcher Zeit ſie die junge Witwe— und zwar — ——— die ſehr hübſche Witwe— eines alten Handelsmannes in Cheapſide, Namens Duckweed, war, bei welchem der ſchmei⸗ chelnde Tibbits in der Lehre geſtanden. Nachdem er ihr gan⸗ zu Grunde gerichtet, verließ ſie der Elende auf heimliche, ſchändliche Weiſe, worauf ſie, da ſie keine andere Zuflucht hatte, ſie, die einſt in Wohlſtand gelebt, ſie, die zur Zeit ihres erſten ſeligen Mannes nicht einmal ſich ſelbſt bedient, ſich genöthigt geſehen hatte, in Dienſte zu gehen. . Hier raubte ihr ein Thränenſtrom einen Augenblick lang die Sprache. —— Sie hätte, erzählte ſie weiter, Freunde in Bungay— Verwandte von ihrem guten ſeligen Duckweed— und dieſe hätten trotz ihres Unglückes ſich nicht von ihr abgewendet, ſondern ihr eine Stelle als Kammerfrau bei Lady Poynings ————— verſchafft, eine Stelle, die ſie, wie ſie ſich nicht ſchämte zu ſagen, wenn auch Tibbits ſich vielleicht ſchämte es zu hören, ſtets zur gänzlichen Zufriedenheit der gnädigen Frau bekleidet. Dieſe ſowohl als auch Miß Pohnings wüßten, daß ſie ſich früher in feinen Cirkeln bewegt und behandelten ſie auch demgemäß.„Miſtreß Pinchbeck, Ihr ſeyd keine gewöhnliche Anblick ward n. Die aber, durch, bis ein ſeine Flucht s Schluchzen ar, ging her⸗ nf Jahren ge⸗ — und zwal delsmannes in em der ſchnei⸗ m er ihr gan⸗ Nachläſſigkit auf heimliche udere Zuflucht die zur Zit ſelbſt bedient, en. lugenblic lang in Bungah— — und diſe r abgewendet adh Pohnings ſchänte zu t es ju hören⸗ ſten ſie 7M Dienerin,« ſagte Mylady,„Ihr müßt euer eigenes Zimmer bekommen.«„Miſtreß Pinchbeck, Ihr müßt Euch ein wenig zu mir ſetzen,“ pflegte Miß Luch ſehr oft zu ſagen,»denn eure Geſellſchaft iſt mir weit lieber als die der lärmenden Fuchsjäger unten.* Pinchbeck, fügte ſie hinzu, ſey ihr Familienname und ſie habe denſelben wieder angenommen, nachdem ſie ſich von Tibbits verlaſſen geſehen. Niemals ſeit dem Tage, wo er fortgegangen, bis zu dieſem Augenblick habe ſie ihren unwürdi⸗ gen Gatten wiedergeſehen, niemals ein Wort von ihm ge⸗ hört und würde, wie ſie überzeugt wäre, auch niemals eines gehört haben, wenn ſie nicht auf ſo zufällige Weiſe mit ihm zuſammengetroffen wäre. Aber ſie wolle ihm zeigen, welches Recht einem beleidigten Weibe zuſtünde, wenn er die Sache nicht zu ihrer Zufriedenheit arrangire, darauf könne er ſich verlaſſen. Indem wir es dem zärtlichen Paare anheimſtellen, ſeine Differenzen ſo gut als möglich zu ſchlichten, erwähnen wir blos, daß dieſes Wiederſehen eine ſofortige Einſtellung der Feindſeligkeiten zwiſchen den Anhängern der Häuſer Monther⸗ mer und Pohnings zur Folge hatte. Anſtatt miteinander zu kämpfen, ſchüttelten die muthigen Burſche von Reedham ih⸗ ren betreßten und gepuderten Gegnern von Monthermer Caſtle herzlich die Hand und einige, von den Anführern beider Par⸗ teien beſtellte Krüge ſtarkes Bier machten die freundſchaft⸗ liche Verſtändigung vollſtändig. Wenn Arthur, als er in den Hotelhof hineinritt, an⸗ ſtatt ſich mit Dingen von unendlich geringerer Bedeutung zu beſchäftigen, aufgeblickt hätte, ſo hätte er an einem offenen Fenſter der erſten Etage— gerade über dem großen vergol⸗ deten Schilde des„Engels«— ein ſehr hübſches Geſicht ſehen 72 müſſen, deſſen Eignerin eifrig aber vergeblich bemüht war, durch leiſes Huſten und Wedeln mit einem Taſchentuche ſeine Aufmerkſamkeit zu erregen. Da er aber überall hin ſchaute, nur nicht nach der rechten Richtung, ſo verlor das hübſche Geſicht ſein Lächeln, die rothen Lippen ſchmollten und die Perſon, welcher ſie ge⸗ hörten, lehnte ſich ſo weit aus dem Fenſter hinaus, daß bei⸗ nahe ihre perſönliche Sicherheit dadurch gefährdet ward. Wie konnte Maſter Arthur nur ſo dumm ſeyn? Was träumte er nur, daß er ſeine Augen ſo beſtändig auf den Boden geheftet hielt? Vielleicht wünſchte er gar nicht, ſie zu ſehen. Nein, das konnte ſie nimmermehr glauben! Komme was da wolle, ſo war ſie entſchloſſen, ein Wort mit ihm zu ſprechen und deshalb ſchoß ſie die Treppe hinunter und erreichte den nach der Hofthür führenden Gang gerade, als der junge Herr eintrat. Nun ließ ſich nicht mehr zweifeln, daß er ſich freute ſie zu ſehen. Er ſtieß einen Ruf der Ueberraſchung und Freude aus und fing ſie faſt in ſeinen Armen auf, als ſie auf ihn zugeſprungen kam. »Nun ſehen Sie mich denn endlich, Sir? rief Lettice Rougham.»Ich dachte ſchon, Sie wünſchten mich zu meiden, aber ich war entſchloſſen, daß Sie dies nicht ſollten. Pferde und Grooms ſcheinen Sie jetzt mehr zu intereſſiren als unſer Geſchlecht. Wiſſen Sie denn nicht, daß Sie, wenn Sie Ihr Schickſal erfahren wollen, die Sterne befragen müſſen? Hät⸗ ten Sie dies jetzt gethan, ſo hätten Sie— »Einen kleinen Engel geſehen,« antwortete Arthur galant. »Ja— auf ein Aushängeſchild gemalt!« lachte Lettice. »Aber Sie ſcheinen nicht blos Ihr gutes Geſicht, ſondern auch gen hier nicht mer ſelte ſie d ſchl Gefe erlö 173 bemüht war, auch Ihr Gedächtniß verloren zu haben, Sir. Warum fra⸗ chentuche ſeine gen Sie nicht nach meiner Herrin?“ „Du läſſeſt wir ja keine Zeit dazu, Lettice. Iſt ſie denn icht nach der hier?6 ſein Lächeln,„Ja wohl, Sir, iſt ſie hier, ſonſt ſähen Sie mich auch nicht! Wir logiren hier im Hauſe, aber wir ſind auf unſer Zim⸗ mer beſchränkt und verlaſſen dasſelbe niemals, das heißt, ſehr ſelten. Meine Herrin würde keine Minute hier bleiben, wenn ſie die Wahl hätte, aber ihr grauſamer Tyrann von Vater ſchleppt ſie herum wie eine Sclavin. Natürlich theile ich ihre nicht, ſie zu Gefangenſchaft. Sie ſind doch hoffentlich gekommen, uns zu erlöſen, Sir?« „Ich ſehe nicht ein, wie ich Euch helfen könnte, Lettice.“ „Das wiſſen Sie nicht? Dann ſind Sie auch nicht der wackere Ritter, für den ich Sie hielt. Vielleicht wollen Sie ſich nicht nochmals der Gefahr ausſetzen, verwundet zu werden. Und das erinnert mich daran, daß ich nach der Verletzung fragen muß, die Sie bekamen, als Sie uns das letzte Mal auf dem Schloſſe beſuchten. Wie geht's Ihnen denn? Sie ſehen jetzt wieder ziemlich wohl aus. Natürlich haben Sie ſchon ge⸗ hört, was für ein Vergnügen heute Abend hier ſtattfinden wird, nicht wahr?“ welcher ſi ge⸗ 8 s, daß bei⸗ et ward. m ſehn) Wos dig auf den en ſchloſſen, ein ie die Treppe renden Gang ſich freute ſte nund Freude ſie auf ihn ſe rief Lettice h zu meiden, „Ich habe noch gar nichts gehört, Lettice. Ich komme en b ja dieſen Augenblick erſt. Von welchem Vergnügen ſprichſt Du?« m Si F„Von Maſter Monthermer's großem Maskenball. Die⸗ niſen! Hü ſer findet heute Abend hier in dieſem Hauſe ſtatt und da Je⸗ dermann davon ſpricht, ſo glaubte ich, es hätte Jemand ttee Auhu etwas davon gegen Sie erwähnt. Alle feinen Leute von Burh ſind eingeladen und die meiſten davon werden kommen. O es „io Lettilk⸗— 4 lachte bet wird ein prachtvoller Ball werden! Es ſind auch keine Koſten ge⸗ ſicht ſondern 174 ſpart worden, wie Sie ſich leicht denken können, da Maſter Monthermer die Sache veranſtaltet hat. Der Saal iſt mit Spiegeln und Guirlanden geſchmückt, der Fußboden iſt ge⸗ bohnt und ein Muſikchor von London beſtellt. Wenn die Ge⸗ Souper niederſetzen, welches ſeines Gleichen ſucht, Sir.« „Sehr verführeriſch, das läßt ſich nicht leugnen. Deine Herrin aber hat wohl nicht die Abſicht dieſen Ball zu beſu⸗ chen, Lettice?« „Ganz gegen ihre eigene Neigung, Sir, ganz. Maſter Fairlie aber beſteht darauf, und ſie wagt nicht, ſich zu wei⸗ gern, die arme Seele! Sie würden wohlthun, auch hinzuge⸗ hen, um ſie in Ihre Obhut zu nehmen. Werfen Sie einen Do⸗ mino um und binden Sie eine Larve vor und kein Menſch wird Sie erkennen. Ich ſehe ſchon, Sie werden es thun.“ „Du biſt ſtets bei der Hand, wenn es gilt, einen Streich auszuführen, Lettice, obſchon dieſer da gerade kein verwerf⸗ licher wäre. Dennoch aber kann ich mich aus vielen Gründen nicht damit einverſtanden erklären.“ „Ich werde dieſe Gründe ſofort widerlegen, dafern Sie mir dieſelben nennen wollen,« ſage Lettice. „Nun denn, erſtens und vor allen Dingen bin ich nicht allein hier. Meine Eltern und meine Schweſter ſind bei mir. „O, wenn es weiter nichts iſt! Die alten Leute wer⸗ den ſchlafen gehen, ehe der Ball anfängt, und brauchen ja von Ihrer Anweſenheit auf demſelben nichts zu erfahren. Und warum wollen Sie nicht Miß Luch mitnehmen? Ich bin überzeugt, ſie würde gern mitgehen. Ich werde ihr ein Coſtüm verſchaffen, welches ſie vollkommen unkenntlich macht.« „Du weißt Alles recht hübſch zu arrangiren, Lettice, ſcha Vor auch mß ſtehe ſoll. kan ſ 0 he n, da Maſter Saal iſt mit boden iſt ge⸗ Wenn die Gr⸗ nſich zu einen ht, Sit.“ eugnen. Deine Ball zu beſt⸗ garz. Maſter ſich zu wei auch hinzugl⸗ Sie einen Do⸗ d kein Menſch es thun.“ einen Streich kein verwerf ielen Gründen en, dafern Sie nbin ich nicht ſind hei mir.“ ten Lute wer⸗ d brauchen ja zu erfahren. tnehmen! Ich werde ihr ein ch nacht.“ * gettic⸗ nntli ngire aber es gibt noch Schwierigkeiten, die Du nicht beſeitigen kannſt.“ „Ich wüßte keine, Sir, dafern Sie nicht ſelbſt deren ſchaffen. Miß Luch wird, wie ich überzeugt bin, von meinem Vorſchlage ganz entzückt ſeyn, ebenſo wie meine Herrin, und auch Ihnen wird die Sache gefallen und mir auch, denn ich muß auch daber ſeyn. Doch, ich darf nun nicht länger hier ſtehen bleiben und plaudern, wenn man mich nicht bemerken ſoll. Ich werde alſo meiner Herrin ſagen, daß ſie erwarten kann, Sie auf dem Balle zu treffen.“ „Unter keiner Bedingung, Lettice.« „Aber ich werde es ſagen, und noch eine ganze Menge Dinge ausrichten, die Sie mir hätten auftragen ſollen. Wenn Sie mich brauchen, ſo gehen Sie in die zweite Etage hinauf, in die zweite, wohlverſtanden; gehen Sie den Corridor hinab und pochen Sie an die letzte Thür rechts.“ Mit dieſen Worten trippelte ſie davon. Und gerade zur rechten Zeit, denn kaum war ſie fort, ſo kam Sir Hugh Pohnings, deſſen zornige Stimme ſich ſchon ſeit einigen Augenblicken hatte vernehmen laſſen, den Gang herabgeſchritten und ſtieß auf ſeinen Sohn. Der alte Baronet war fürchterlich aufgebracht. „Was gibt es denn, Vater?“ fragte Arthur. „Hunger und Durſt gibt's, kein Diner gibt's, keinen Wein gibt's! Wir können kein Stück Fleiſch, kein gebratenes Huhn und keine Flaſche Burgunder haben, wenn es Maſter Gage Monthermer nicht beliebt. Wir können kein anderes Bett bekommen als in der Dachſtube. Maſter Monthermer hat das ganze Haus in Beſchlag genommen, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Speiſezimmer, Keller und Ställe. Es iſt nicht mehr der»Engel,“ ſondern Monthermer Caſtle und der 176 junge Gage, ich wollte der Teufel holte ihn, iſt Wirth und nicht der alte Briscon. Donnerwetter! Es iſt wahrlich weit gekommen, wenn man in einem Gaſthauſe nicht beſtellen kann was man will, ohne ſich ſagen zu laſſen, daß erſt Maſter Monthermer gefragt werden müſſe.« „Du ſetzeſt mich in Erſtaunen, Vater!“ „Das glaube ich wohl, aber es iſt dies noch nicht Alles. Der alte Briscon iſt ſo eben bei mir geweſen, um mir unter vielen Entſchuldigungen auseinanderzuſetzen, wie die Sache ſteht. Er bekennt, daß er das Haus kaum noch ſein Eigen⸗ thum nennen könne. Er will ſein Möglichſtes thun, um mich unter den obwaltenden Umſtänden zufrieden zu ſtellen und wenn ihm dies nicht gelingt, ſo hofft er, daß ich ihn ent⸗ ſchuldigen werde. Noch niemals iſt er ſo ganz aus dem Häus⸗ chen geweſen. Sein geehrter Gaſt und Gönner, wie er Gage nennt, bezahlt wie ein Fürſt, wirft das Geld rechts und links weg, als ob es gar keinen Werth hätte, ſieht keine Rech⸗ nung an, ſondern wirft ſie Fairlie zu, dafür aber verlangt er, daß Alles nach ſeinem Kopfe gehe und verträgt nicht die mindeſte Einmiſchung. Alles muß ſich vor ihm beugen. Was er will, iſt Geſetz. Niemand, der an Rang unter ihm ſteht, darf das Haus betreten, wenn er nicht eingeladen iſt. Keine üble Regel, wenn ſie auf angemeſſene Weiſe durchgeführt wird! Gefällt ihm das Ausſehen eines Gaſtes nicht, ſo muß dieſer fort, oder er wird chicanirt, daß er es nicht aushalten kann. Nur erſt geſtern machte er es Dick Jernigan von So⸗ merly ſo. Dick ſah ſich genöthigt, das Weite zu ſuchen. Vor⸗ geſtern Nacht waren zwei Brauer von Woodbridge mit ihren Weibern, ganz anſtändige Leute, ohne Gage's Erlaubniß in das Haus geſchmuggelt worden, aber der Sauſewind hörte davon und obſchon ſie ſeit über eine Stunde ſchlafen gegan⸗ gen! Stra wenn wenn Frla ſucht kom zem Ein beza pei wir keir mir Rr iſt Wirth un wahrlich weit nicht beſtellen aſſen, daß erſt och nicht Alles. um nir untet wie die Sache ch ſein Eigen⸗ hun, um mich zu ſtellen und ich ihn ent⸗ us dem Häls⸗ wie er Gage ld rechts und iht keine Rech⸗ aber verlangt rägt nicht die beugen. Vas ter ihn ſteht den iſt. Keine durchgefihrt nicht, ſo muß icht aushaltn n von So⸗ iga Vor⸗ ſuchen. dge nit ihr ßrlaubniß in uſewind hört hlafen gegan 177 gen war, ſo ließ er ſie doch aus den Betten und auf die Straße hinausjagen.« »Ich kann wirklich mich des Lachens nicht erwehren, wenn ich daran denke.« »Aber ganz gewiß iſt es nur Scherz von Dir, Vater, wenn Du ſagſt, wir könnten hier nicht anders als mit Gage's Erlaubniß etwas zu eſſen bekommen?« „Nein, ich ſcherze durchaus nicht, Arthur. Ich bin nach meiner Reiſe hungrig wie ein Wolf. Aber, wie ich Dir ſage, der alte Briscon wagt nicht ein Diner für Jemand Andern in ſeinem Privatzimmer zu ſerviren.« „Nun dann müſſen wir öffentlich diniren, weiter iſt es nichts. Es iſt Table d'höte in dieſem Hauſe, die beſte in Bury, die von ſämmtlichen jungen Elegants der Stadt be⸗ ſucht wird. Wir müſſen uns, um nur eine Mahlzeit zu be⸗ kommen, ihre Geſellſchaft gefallen laſſen. Es muß jetzt ſo ziemlich die Stunde des Diners da ſeyn.“ „Ja, aber die Table d'höte iſt keine Table d'höte mehr. Ein Einziger bezahlt Alles, anſtatt daß Jeder für ſich ſelbſt bezahlte. Die jungen EFlegants, von welchen Du ſprichſt, ſpeiſen hier täglich, aber nur als Gage's Gäſte und wenn wir nicht auch für dergleichen gelten wollen, ſo können wir keinen Platz am Tiſche bekommen. Donner und Hölle! Nimm mir's nicht übel, lieber Sohn, aber da könnte ſelbſt ein Heili⸗ ger die Geduld verlieren und anfangen zu fluchen.« „Gedulde Dich nur ein wenig, lieber Vater.« „Ja, ſo ſagt unſer Caplan auch. Einem leeren Magen läßt ſich eben ſo gut Geduld predigen, wie den Winden. Ich bin nicht aufgelegt dazu. Wenn ich meinen Appetit nur mit einer kalten Paſtete oder mit einem tüchtigen Stück Pöckel⸗ Der Verſchwender. I. 12 178 fleiſch ſtillen könnte, ſo wäre ich vielleicht geduldig. Aber es iſt mir ſchon recht,“ ſtöhnte er.„Warum mußte ich mein ſchönes bequemes Haus verlaſſen, wo ich blos zu verlangen brauche, wenn ich etwas haben will. In dieſem unwirthli⸗ chen Loche bleibe ich keine Minute länger. Die Pferde ſollen ſofort wieder angeſpannt werden und wir wollen weiter nach Long Melford oder nach Sudburh.“ „Entſchuldige, Vater, das geht nicht. Wir dürfen uns von Gage und ſeinen Freunden nicht der Feigheit be⸗ ſchuldigen laſſen. Gedenke deines Wahlſpruchs, den Du von deinem Vater lernteſt und den dieſer von ſeinem Vater ge⸗ hört hat:„Ein Poynings weicht niemals zurück!* „Ja, da haſt Du auch Recht, Arthur, denn wie Du ſagſt, unſere plötzliche Abreiſe könnte ganz falſch gedeutet werden. Feigheit! Donnerwetter, das iſt ein Wort, welches auf einen Poynings niemals Anwendung erleiden darf. Niemand darf uns Mangel an Muth vorwerfen. Ja, Junge, wir wollen ihnen zum Trotz unſer Terrain behaupten. Wahrſcheinlich aber werden wir eben ſo wenig Schlaf als Nahrung haben. Dieſer tollköpfige junge Verſchwender gibt heute Abend einen Maskenball und ein Souper in dieſem Hauſe hier. Er hat Muſiker von London und der Teufel weiß was ſonſt noch gemiethet.“ „Ich habe ſchon davon gehört, lieber Vater da es aber nicht wahrſcheinlich iſt, daß er uns mit einer Einladung zu dem Balle beehren werde, ſo brauchen wir uns darum weiter nicht zu kümmern.“ „Ich wollte, ich könnte dieſer Fiedelei und Springerei, auf die wir uns gefaßt machen müſſen, meine Ohren ver⸗ ſchließen,« ſtöhnte Sir Hugh.»Deine arme Mutter leidet an den Nerven und wird den Tod davon haben. Und denke Dir nur, ſe nen. ande ber noch deru word ſem wied ſenh ſe der Hie Zu ge uldig. Abet es mußte ich mein zu verlangen ſem unwirthl⸗ Pferde ſollen en weitrr nach Vir dürfen r Feigheit be⸗ den Du von „ em Vater ge⸗ ckl* in wie Du ſagſ. deutet werden⸗ lches auf einen iemand darf ge wir wollen Vohrſcheinlch ohrung haben tte Abend einen uſe hier⸗ Fr hat wos ſonſt noch Vater da e einet Finladung r uns darum Springete S = ne Ohren ver⸗ Mutter leidet an e Dir Und denk 179 nur, Arthur, als Luch von dieſem Maskenball hörte, ſagte ſie, ſie wünſche nichts mehr als demſelben beiwohnen zu kön⸗ nen. Ich brachte das alberne Mädchen aber ſehr bald auf andere Gedanken.“ „Die Mädchen haben zuweilen ſonderbare Einfälle, lie⸗ ber Vater, und es iſt weiter kein Wunder, wenn Luch, die noch nichts dergleichen geſehen und vielleicht durch die Schil⸗ derungen, die ſie von ſolchen Luſtbarkeiten gehört, geblendet worden iſt, den vorübergehenden Wunſch empfunden hat, die⸗ ſem Balle beizuwohnen. Doch wird ſie ſich die Sache ſchon wieder aus dem Sinne ſchlagen, da Du ihr die Unangemeſ⸗ ſenheit vor Augen geführt haſt.« „Das hoffe ich, jedenfalls aber weiß ich doch, daß ihr die Aenderung meines Planes nicht unlieb ſehn wird. Sie ſah verdammt niedergeſchlagen aus, als ich meinen Entſchluß aus⸗ ſprach, Bury ſofort wieder zu verlaſſen. Na, nun kann ſie mit der Pinchbeck nach dem Schalle der Geigen in ihrem eigenen Zimmer tanzen, ha! hal hal« Arthur ſtimmte in das Gelächter ſeines Vaters ein und ſie begaben ſich miteinander in das große Zimter, in welches der alte Baronet bei ſeiner Ankunft geführt worden war. Hier trafen ſie die beiden Damen und den Caplan in einem Zuſtande von Ungewißheit hinſichtlich ihrer weitern Bewegun⸗ gen, und als Sir Hugh ſeine Abſicht, zu bleiben wo er war, zu erkennen gab, ward dieſe Mittheilung von Allen ſehr gün⸗ ſtig aufgenommen, ganz beſonders von Luch, welche ihre Freude nicht verbergen konnte. „Der Gedanke, Bury ſobald wieder zu verlaſſen, war mir unerträglichls rief ſie.»Was frage ich weiter nach Di ner oder Souper, ich bin nicht im mindeſten hungrig, und 180 was das Bett betrifft, ſo kommt auch weiter nichts darauf an, ich kann auch ſehr wohl im Wagen ſchlafen.“ „Und die ſämmtlichen Gäſte auf den Maskenball gehen ſehen, nicht wahr?“ rief Su Hugh.»Nein, nein, damit iſts nichts, Luch. Wir werden Dich in dein Zimmer einſchließen und deine Mutter ſoll den Schlüſſel behalten. Die Idee mit dem Wagen iſt übrigens nicht ſchlecht,« fuhr er bei ſich ſelbſt fort.»Ich habe Luſt, ſelbſt davon Beſitz zu nehmen. Da hörte ich doch nichts von dem verdammten Gefiedel. In eine Decke gewickelt, mit einer Nachtmütze über die Ohren und einem Kopfliſſen würde ich mich ebenſo behaglich fühlen, wie in mei⸗ nem Bett. Beim Himmel! Ich werde es ſo machen. Was aber Diner und Souper betrifft, ſo kann ich keines von bei⸗ den entbehren. Wenn dieſes alberne Mädchen keinen Appetit hat, ſo haben doch andere Leute welchen und zwar ganz ver⸗ teufelten.* Bald darauf und während ſein Vater beſchäftigt war, mit dem Caplan einen Sturm auf die Speiſekammer zu ver⸗ abreden, zog Arthur ſeine Schweſter in eine Fenſtervertie⸗ fung und erzählte ihr ſeine Unterredung mit Lettice. „O welch ein Glück, daß Papa ſeinen Entſchluß geän⸗ dert hat!« rief Luch.»Wenn ich hier verſäumt hätte, Clara Fairlie zu ſehen, das wäre mir im höchſten Grade ärgerlich geweſen. Und Du, Arthur, freuſt Du Dich nicht auch über die Ausſicht, ſie wiederzuſehen? Na, ſeufze nur nicht, und mache kein ſo langes Geſicht, Du wirſt ſie ſehen, noch ehe die Nacht vorüber iſt. Wir müſſen auf den Maskenball gehen.* „Aber Du ſollſt ja in dein Zimmer eingeſchloſſen werden, wie Du ſo eben gehört haſt.« „Ach lieber gar!— Papa machte blos Spaß.“ ube 181 nichts darauf— „O nein, es iſt ſein Ernſt, darauf verlaß Dich.« W„Nun denn, dann ſoll die Pinchbeck den Schlüſſel ſteh⸗ Sig len und mich hinauslaſſen. Ich gehe durchaus auf den Ball. B „Dann nimmſt Du es auch wohl als ausgemacht an, daß er einſchiſen ich Dich begleiten werde?« Die Re nit„Verſteht ſich! Du wirſt mich gewiß nicht allein gehen bei ſih ſuhſ laſſen, wie ich doch thun würde, wenn Du Dich weigerteſt. nhnen. Da Ich weiß aber, daß Du nicht wegbleiben wirſt, da ja auch fidel. In eine Clara Fairlie da ſehn wird.« hren und inen„Ihre Gegenwart iſt allerdings für mich eine große n wie in mi Verlockung. Ich möchte aber nicht gern, daß Du Augenzeu⸗ machen. Vos gin eines ſolchen Schauſpiels wäreſt, Luch.“ ines von„Wenn Clara es mit anſehen kann, ſo kann ich es auch. keinen Aprtt Niemand wird mich erkennen. Denn ich werde mich nicht de⸗ war ganz ver⸗ maskiren. Und Du, mon preux chevalier, wirſt im Noth⸗ falle mein Beſchützer ſeyn.“ eſchäftigt wa, chifiß„Ich kann meine Bedenklichkeiten noch immer nicht ammer zu ver⸗ 3 n n überwinden. Ich ſollte einem leichtſinnigen Mädchen, wie Du Fenſt ervertie⸗ denſte biſt, nicht nachgeben.* iſ ſün„So leichtſinnig ich auch bin, ſo kann ich doch recht irri gut ſelbſtſtändig handeln. Alſo Du willigſt ein, ja, ja; ich laſſe mich nicht abweiſen.« „Aber geſetzt, Du erhielteſt meine Einwilligung, wo ſollen wir Masken und Dominos herbekommen? Ferner ha⸗ ade ärgerlich ht auch über ur nicht und 6 noch che hoh n Naskenbal r ben wir auch keine Billets.« „Ach, mache nur weiter keine Schwierigkeiten, Arthur, denn ich mag nichts davon hören. Lettice Rougham wird Alles ſchaffen, was wir brauchen. Ich muß ſofort mit ihr ſprechen. Du ſagſt, ich werde ſie in dem erſten Zimmer links, zweite Treppe finden?« en werden⸗ 5puß. 1 1 182 „Nein, in dem letzten Zimmer rechts. Doch halt, ſiehſt Du nicht wer da kommt? Du wirſt ihm ganz gewiß in der Halle begegnen, wenn Du jetzt hinausgehſt.« Während Arthur ſprach, bot ſich Luch's Augen ein Anblick dar, bei welchem ſie wie angewurzelt ſtehen blieb. Zwei Laufer in der Livrée der Familie Monthermer kamen vor die Thür des Hotels gerannt und einer von ihnen riß heftig in die Klingel, worauf Maſter Briscon, mehre Kellner und eine ganze Menge Lakeien zum Vorſchein kamen. Der Wirth hatte eben die oberſte Stufe erreicht als ein prachtvoller Wagen vorfuhr. Es war eine Equipage, wie man in Bury noch nie⸗ mals eine geſehen, von der neueſten Londoner Facon, reich vergoldet und mit dem ſtolzen Wappenſchilde der Monther⸗ mers geſchmückt. Augenblicklich füllte ſich der breite Raum vor dem Ho⸗ tel mit einer neugierigen Menge, welche überraſcht durch den ungewohnten Anblick der Laufer mit lautem Jubelgeſchrei dem Wagen nachgelaufen war. Viele drängten ſich vor, um Gage ausſteigen zu ſehen und die Lakaien mußten förmlich in Reih und Glied treten, um den Weg für ihren Herrn und Miſtreß Jenyns frei zu erhalten. „Komm weg von hier!« rief Arthur ſeiner Schwe⸗ ſter zu. Sie war aber nicht im Stande dieſer Aufforderung zu gehorchen, denn ſie ſchien durch den Anblick wie mit Zauber⸗, kraft feſtgehalten zu werden. „O, wie ſchön iſt Gage!“ dachte ſie, als er ſeine kleine feinbeſchuhte Hand auf Briscon's Arm legte, während er aus dem Wagen ſtieg. och halt, ſiehſt gewiß in der ys Augen ein tehen blieb. ie Monthermer einer von ihnen Briscon, mehrr orſchein kamen. rreicht als ein zurh noch nie⸗ r Fagon, rich der Monther⸗ vor den Ho⸗ raſcht durch den m zubelgeſchrei nſich vot, um ßten förmlich in ren Herrn und ſeiner Schwl⸗ lufforderung zu e mit Zaube⸗ er ſeine kleine ſe während er 183 Wie anmuthig war ſeine Haltung, wie modiſch ſein ganzes Weſen! Und wie gut ſtand ihm ſein reiches Coſtüm! Wenn der junge Gage eine Gelegenheit geſucht hatte, ſeine ſchöne Geſtalt auf vortheilhafte Weiſe zu zeigen ſo hätte er ſicherlich keine beſſere finden können als die gegenwärtige. Viele bewundernde Augen außer denen Luch's waren auf ihn gerichtet und er ſchien dies recht gut zu wiſſen, denn er blieb, nachdem er aus dem Wagen geſtiegen, noch einige Minuten bei Briscon ſtehen, um mit ihm zu ſchwätzen. Während dieſer Zwiſchenzeit machte er ſämmtliche da⸗ mals im Schwange gehenden Formen des Geckenthums durch, zupfte ſeine Spitzencravate zurecht, ſetzte ſeinen Federhut auf die wollene Perrücke, ſchwenkte ſeinen Rohrſtock, nahm mit eigenthümlicher Grazie eine Priſe aus der mit Juwelen beſetzten Doſe, lächelte blaſirt und warf ſich, wenigſtens glaub⸗ ten dies ſeine ſchönen Beobachterinnen, in die graziöſeſte Poſi⸗ tur, die man ſich denken konnte. So blieb er, bis er ihnen vollauf Zeit gelaſſen, ſein glänzendes Coſtüm zu betrachten und ſeinen himmelblauen Sammtrock mit den weiten, hohen, mit Silber geſtickten Auf⸗ ſchlägen, ſeine weißatlaſſene, an den Taſchen ebenſo wie der Rock mit Silber geſtickte Weſte, ſeine ſeidenen Beinkleider und n Abſätzen und diamantenen Schnallen zu die Schuhe mit rothe uſetzen gab. kritiſiren, wenn es nemlich etwas daran ausz Plötzlich richtete Gage die Augen empor und machte, als er Luch am Fenſter ſah, ihr eine graziöſe Verbeugung, welche ſie bewog, ſich augenblicklich zurückzuziehen, um ihr Erröthen zu verbergen. XVII. Ladt Popnings und ihre Familie erhalten Einladungs⸗ karten zu dem Balle. Was nach Luch's Entfernung vom Fenſter geſchah, wußte ſie nicht; kaum aber hatte ſie ſich von der Verwir⸗ rung, welche Gage ihr verurſacht, erholt, ſo erſchien Ma⸗ ſter Briscon mit einem ſilbernen Teller in der Hand, auf welchem mehre Einladungskarten lagen. Er ſey, bemerkte er mit vergnügtem Lächeln, durch ſei⸗ nen geehrten Gaſt und Gönner, Maſter Monthermer, beauf⸗ tragt worden, dieſe Karten an Lady Poynings und ihre Fa⸗ milie zu beſtellen und ſie um die Ehre ihrer Geſellſchaft bei dem heute Abend ſtattfindenden Maskenballe zu bitten. »Verdammt wäre der Maskenball!« rief Sir Hugh. »Will Maſter Monthermer uns diniren laſſen, Briscon? das iſt die Frage.« „Ich freue mich, dieſe Frage auf die genügendſte Weiſe beantworten zu können, Sir Hugh. Mein verehrter Gaſt und Gönner trug mir auf, zu ſagen, er werde ſich freuen, wenn Sie und Maſter Arthur mit ihm an der Table d'hote ſpeiſen wollten. Die Damen,“ ſetzte er hinzu,„müſſen auf ihrem eige⸗ nen Zimmer bedient werden.« »Ich mit ihm diniren!platzte der alte Baronet heraus. »Donnerwetter, Sir, lieber wollte ich verhungern!« Erſch nach nerw ſchlep 185 6 „Ganz wie Sie befehlen, gnädiger Herr. Aber— „Nun, was aber, Sir?« „Ich wollte bemerken, daß mein geehrter Gaſt Ihr Erſcheinen an der Table d'höte nicht zu einem Zwange macht.* „Na, das will ich auch nicht hoffen, Briscon. Don⸗ 6 nerwetter, ich möchte ihn mich mit Gewalt an ſeinen Tiſch Einſtunzs ſchleppen ſehen! Es ſollte ein ſaures Stück Arbeit für ihn werden, das verſpreche ich ihm!“* „Mein geehrter Gaſt hat durchaus keine ſolche Abſicht, t güch Sir Hugh. Weit entfernt davon hat er mir vielmehr die n de bu Weiſung ertheilt, alle Ihre Wünſche zu reſpectiren. Ich hege erſ 1 ſw für Sir Hugh die größte Achtung, Briscon, ſagte er; und .ha g obſchon wir unglücklicher Weiſe in einigen Punkten verſchie⸗ 3 dener Meinung ſind, ſo kann ich doch niemals vergeſſen, was dunch ich dem älteſten und beſten Freunde meines Vaters ſowohl hermer, beau⸗ als einem der erſten Männer in der Grafſchaft ſchuldig bin.«. sund ihre d„Der junge Herr verſteht Ihre Verdienſte auf ſehr an⸗ 6 peſollſchaft bei Geſlſcha gemeſſene Weiſe zu würdigen, Sir Hugh⸗“ bemerkte der i Caplan. f Si high„Er zeigt eine beſſere Geſinnung, als ich erwartete,« Briscon! dus verſetzte der alte Baronet bedeutend erweicht,„aber es thut K mir leid, daß ich nicht mit ihm ſpeiſen kann.« igenſe Vit„Mein geehrter Gaſt läßt Sie erſuchen, ganz Ihren r Gaſt und eigenen Neigungen zu folgen, Sir Hugh— mit ihm zu. wenn Wahl. ſen oder auf Ihrem eigenen Zimmer ganz nach Ihrer „Aber nicht auf ſeine Koſten. Das darf nicht geſchehen, Briscon.* „Entſchuldigen Sie, Sir Hugh, dies iſt der einzige aronet heu Punkt, auf welchem er beſteht.“ freuen, höte ſpeiſen 5 50 d ho f ihrem eige⸗ * 186 „Ich glaube, Sir Hugh, Sie thäten wohl, wenn Sie Sir Maſter Monthermer's Gaſtfreundſchaft annähmen,“ be⸗ merkte der Caplan,— der arme Teufel litt eben ſo wie der Baronet den furchtbarſten Hunger.»Er meint es hoöflich.“ „Ja wohl, davon bin ich überzeugt,“ ſetzte Luch hinzu. „Na, wenn Ihr Alle auf mich einſtürmt, ſo muß ich wohl nachgeben. Es ſoll geſchehen, wie Ihr wollt, Briscon. Nur bringt uns raſch etwas zu eſſen. Ich falle vor Hunger faſt um.* „Ich auch,« murmelte der Caplan. „Ihr Diner ſoll unverweilt aufgetragen werden, Sir Hugh, entgegnete der Wirth,»und ich ſtehe dafür, daß Sie ſich weder über die Gerichte noch über den Wein bekla⸗ gen werden. Erlauben Sie mir, Ihrer Frau Gemalin dieſe Karten anzubieten.“ „Zum Teufel, nein! Nehmt ſie wieder mit, Briscon!“ ſchrie Sir Hugh. „Ich glaube, lieber Mann, es iſt beſſer, wir behalten ſie da,« bemerkte Lady Poynings.»Wir dürfen Gage für ſeine Höflichkeit keine Beleidigung anthun.* „Du willſt doch nicht etwa ſelbſt auf den Ball gehen, Weib?* rief der alte Baronet und ſah ſie mit großen Augen an. „O nein, entgegnete ſie, indem ſie zugleich die Billets nahm und auf den Caminſims legte.„Hier werden ſie ruhig liegen bleiben bis morgen Früh.“ „Das wird ſich finden, Mama,« ſagte Luch bei ſich ſelbſt, indem ſie Arthur einen verſtohlenen Blick zuwarf. „Machen Sie Maſter Monthermer unſer Compliment, Briscon,« ſetzte Lady Poynings hinzu,„und ſagen Sie, daß wir uns ihm unendlich verpflichtet fühlen.« ſpei das Clo wo ſi un wohl, wenn Sie annähmen,« be⸗ eben ſo wie der t es höflich. ſetzte Auch hinzl. rmt, ſo mß ih wollt, Briscon. alle vor Hunge erden, Sir iehe dafür, doß den Vein bekl⸗ Gemalin diſe nit, Brücon!“ ſet, wir behalten dürfen Gage ſur den Bal gehen großen Augen an gleich die Bilets werden ſie ruhis te Luch bei ſih ick warf iment, ſet Conplinn Sie, daß d ſagen 6 187 „Ich werde es ausrichten, Myladys entgegnete der Wirth, indem er ſich tief verbeugte.»„So weit wäre die Sache gut,“ murmelte er, indem er das Zimmer verließ. XVIII. Pfeifen und Punſch. Seinen urſprünglichen Erwartungen ganz entgegen ſpeiſte Sir Hugh an dieſem Tage auf das Delicateſte. Auf das köſtliche Diner folgte eine Quantität bewundernswürdiger Claret und auf den Claret eine Bowle delicater Punſch. Die Damen verſchwanden ſehr bald und Arthur folgte nicht lange darauf ihrem Beiſpiel, indem er den alten Baro⸗ net und den Caplan mit einander allein ließ. Paſtor Ched⸗ worth hatte die Qualen des Hungers vollſtändig geſtillt, hatte ſeinen und auch Arthurs Antheil an dem Claret getrunken und fühlte ſich jetzt in einem Zuſtande vollkommener Glück⸗ ſeligkeit. Jedoch ganz vollkommen war dieſelbe noch nicht, denn er ſehnte ſich nach einer Pfeife, und wagte endlich, ſeinen Wünſchen hörbaren Ausdruck zu geben. Der alte Baronet ſtimmte bei, denn er war ſelbſt ein leidenſchaftlicher Raucher. Deshalb wurden Pfeifen beſtellt und als der Wirth mit dieſen erſchien, benutzte der aufmerk⸗ ſame Mann dieſe Gelegenheit, in ſeiner gewohnten unterwürfi⸗ gen Weiſe zu fragen, ob der gnädige Herr den Punſch gut fände und bat, nachdem dieſe Frage mit Ja beantwortet worden, um die Erlaubniß, eine zweite Bowle bereiten zu dürfen. 188 »Mein verehrter Gaſt und Gönner«, ſagte er mit einer tiefen Verbeugung,»hat mir nochmals eingeſchärft, nichts zu unterlaſſen, was zu Ihrer Zufriedenheit dienen kann, gnä⸗ diger Herr. Ich ſagte ihm, Sie hätten eine Bowle Punſch beſtellt und er trug mir auf denſelben gut und ſtark zu brauen. Nehmt vollauf Arak und Zucker, Briscon,« ſagte er,»Sir Hugh muß vom beſten haben!« „Euer geehrter Gaſt hat Abſichten auf unſere Köpfe, wie mir ſcheint,« verſetzte der alte Baronet, indem er zu⸗ gleich ſeine Pfeife anzündete.„Indeſſen das muß ich geſtehen — euer Punſch iſt ganz vortrefflich, Briscon.« „Ja, aber dabei handelt es ſich auch um meinen Ruf, Sir Hugh, denn ich gelte für den beſten Punſchbrauer in Bury. Erlauben Sie mir die Miſchung zu koſten, meine Her⸗ ren. Ein wenig mehr alter Rum könnte nicht ſchaden.« »O zum Teufel, nein ,8 rief Sir Hugh,„Ihr ſetzt ja unſere Hirnſchädel in Brand, Briscon. Keinen Tropfen Rum mehr, wenn Ihr mich lieb habt!« »Ha! ha! ha! Sie ſcherzen, gnädiger Herrls »Ach ja, beim Becher iſt der gnädige Herr gewöhnlich zum Scherzen aufgelegt, Maſter Briscon,« rief der Caplan, deſſen fette Wangen vom Lachen zitterten.„Brauet wie Ihr wollt, Sir, braut wie Ihr wollt. Ihr könnt am beſten be⸗ urtheilen, wie die Miſchung ſeyn muß, obſchon ſie auch jetzt ſchon trefflich iſt,« ſetzte er hinzu, indem er ſein Glas bis an den Rand füllte und ſchmatzend daran leckte;»ich wüßte nicht, was es daran auszuſetzen gäbe.« »Nichtsdeſtoweniger werde ich das nächſte Gebräu noch beſſer zu liefern ſuchen,« entgegnete der Wirth, iudem er ſich entfernte. gte er mit einer eſchärft, nichts enen kann gnä⸗ Bowle Punſch ſt und ſtark zu iscon,“ ſagte unſchbrauer Un ten meine Her⸗ Ihr ſett ja Tropfen Rum err gewöhnlich der Caplan, n Glas bis an ich wüßte Gebräu woh iuden 189 „Das wird Euch nicht gelingen, Maſter Briscon, das wird Euch nicht gelingen!“ ſchrie Paſtor Chedworthihm lachend nach. Die zweite Bowle Punſch erwies ſich auch wirklich noch kräftiger als die erſte, obſchon keiner der beiden luſtigen Ze⸗ cher ſich darüber beſchwerte. Als jedoch der Wirth eine dritte vorſchlug, machte Sir Hugh allerdings keine Einwendungen dagegen, beſtand aber auf mehr Citronenſaft. „Sie werden das Getränk verderben, gnädiger Herr,« ſagte Briscon in bittendem Tone;„bedenken Sie wohl, Sir Hugh, mein Ruf ſteht auf dem Spiel. „Ja wohl und den müßt Ihr auf alle Fälle zu wahren ſuchen!« ſchrie der Caplan.»Zu viel Citronenſaft wäre eine todeswürdige Ketzerei. Fort mit Euch, Sir,“ ſetzte er hinzu, indem er dem Wirth zublinzelte, welcher dieſen Wink verſtand und ſich entfernte. „Wirklich, Paſtor,« rief Sir Hugh, ſobald ſie allein waren,„da wir einmal gezwungen ſind, auf Gage's Koſten zu diniren, ſo wollen wir ihn auch tüchtig abſtrafen— ha! hal ha! Schenken Sie ſich ein!“ Während die Beiden auf dieſe flotte Weiſe beſchäftigt waren, verging die Zeit unmerklich. Der Abend nahte heran und fand ſie immer noch bei ihren Pfeifen und Gläſern. Endlich ſchickte Lady Pohnings, in der Vorausſetzung, daß ſie nun genug— vielleicht zu viel— haben müßten, Arthur ab, damit er einen Verſuch mache, die Sitzung auf⸗ zuheben. Da es dieſem jedoch nicht gelang, ſo ging ſie mit Lucy ſelbſt, obſchon mit keinem beſſern Erfolg. Sir Hugh war nicht gemeint, ſich mitten in ſeinem Ge⸗ nuß ſtören zu laſſen. Er wollte, ſagte er, mit dem Paſtor freie Nacht machen. Sie hätten noch niemals ſo delicaten Punſch getrunken. Der einzige Fehler daran ſey zu viel Citro⸗ 190 nenſaft, zu wenig,— wolle er ſagen. Wenn Mylady ein Glas koſten wolle, ſo ſtehe es ihr frei. Auch Luch könne ein Glas nichts ſchaden. Mylady thäte übrigens beſſer, ſich zur Ruhe zu begeben, ehe das alberne Volk zu dem Maskenball ſich einfände, doch ſolle ſie nicht vergeſſen, zuvor Luch in ihr Zimmer einzuſchließen. Was hätte die kleine Hexe, daß ſie ihm keinen Kuß geben wollte? So— nun möchten ſie gehen und Mhlady brauche ſich weiter nicht um ihn zu kümmern. Er und der Caplan würden ein gemüthliches Schläfchen im Wagen machen. Er habe die Sache bereits mit Briscon be⸗ ſprochen. Er wünſche Mhlady und Luch gute Nacht. Lady Poynings war mit dem Arrangement ihres Ge⸗ mals nicht einverſtanden, da ſie aber wohl wußte, daß Wider⸗ ſpruch unter den obwaltenden Umſtänden vergeblich ſeyn würde, ſo entfernte ſie ſich zögernd mit ihrer Tochter. Lucy hatte, wie wir nicht unerwähnt laſſen dürfen, ihr kurzes Verweilen im Zimmer benutzt, um ſich unbemerkt dem Caminſims zu nähern und ſich in den Beſitz der Ballbillets zu ſetzen. Eine Stunde ſpäter und ehe noch der erſte Ballgaſt an⸗ gekommen war, ſaßen die beiden Zecher auf ihren Stühlen und ſchnarchten. Briscon lugte zur Thür herein und als er ſah, wie die Sache ſtand, entfernte er ſich kichernd. Die letzte Bowle Punſch hatte ihre Wirkung geäußert. al G Vyladh ein Glas könne ein Glas r, ſich zur Fuhe Maskenball ſich Luch in iht Here daß ſie nöchten ſie gehen nzu kümmern. es Schläfchen in mit Briscon be⸗ Nacht. ement ihres Ge⸗ ußte, daß Vider⸗ vergeblich ſchn Tochter. aſſen dürſen iht unbemerkt den g der Balllilets rſte Ballgaſt an⸗ f ihren Stühlen er ſeh wir die ie lete Bowle ——— XIX. Der Maskenball. Groß war der Tumult auf der Straße vor dem„Engel“, als bald nach neun Uhr die zu dem Maskenball geladenen Gäſte anzukommen begannen. Der geräumige Platz vor dem Hotel war von dichten Zuſchauermaſſen angefüllt, durch welche Wagen und Sänf⸗ ten ſich nur mit Mühe den Weg bahnten. Lakeien und Fackelträger ſchrien fortwährend durchein⸗ ander. Die erſten hieben mit ihren langen Stöcken rechts und links um ſich und die letzteren fuhren den Zuſchauern, die ſich zu weit herandrängten, mit ihren von Oel triefenden Fackeln unter die Naſen. Trotz einiger Zwiſtigkeiten Kutſchern und übrigen Trabanten größtentheils in ſehr guter Laune verſchiedenen Coſtüms der Masken Drollige und phantaſtiſche Trachten gefielen am meiſten und buntſcheckige Pierrots, Polichinelle, Harlekine und an⸗ dere dergleichen Masken wurden allemal mit lautem Geläch⸗ ter empfangen. Einige davon machten ihre Späße mit den Zuſchauern, beſonders mit dem weiblichen Theile derſelben, und manches mit den Sänftenträgern, war die Volksmaſſe aber und ergötzte ſich an den nicht wenig. heitere Scherzwort ward gewechſelt, denn Bury iſt von jeher 192 nicht blos wegen der Schönheit, ſondern auch wegen des Witzes ſeiner Bewohnerinnen berühmt geweſen. Wir verlaſſen indeſſen dieſen heiteren Wirrwar unter freiem Himmel, um den Gäſten in das Haus zu folgen. Die meiſten derſelben ſind nun angekommen, denn ſie ſind ſeit beinahe einer Stunde in faſt ununterbrochener Rei⸗ henfolge herbeigeſtrömt. So groß der Ballſaal auch iſt, ſo muß er doch ziemlich voll ſehn, glauben die Zuſchauer und ſie haben Recht. Wie viele beturbante Türken, Mandarinen mit hohen Abſätzen, Cavaliere in der Tracht des luſtigen Monarchen, Holländer in ungeheuren Pumphoſen, ſtattliche Spanier und ernſte Venetianer in Sammtmänteln, ſeidenen Wämſern und Tricots, wie viele komiſche Perſonagen mit ungeheuren Wän⸗ ſten und unförmlichen Beinen, einige mit zwei Geſichtern, eines hinten und eines vorn und ſo ſinnreich eingerichtet, daß man nicht ſagen kann, welches das richtige iſt, wie viele ſchwarze und rothe Dominos, wie viele feiſte Mönche, Quack⸗ ſalber und Pilgrime, wie viele Odalisken und Schäferinnen, griechiſche Nymphen und indiſche Prinzeſſinnen, Frauen mit zwei Geſichtern, paſſende Tänzerinnen für die eben erwähn⸗ ten dergleichen Männer, altväteriſche Dorfdamen in ellen⸗ hohen Hüten, ſich auf Krückenſtäcke ſtützend und von ſchlan⸗ ken nettgeputzten Bauernmädchen begleitet, wie viel ſolche Masken und wie viele andere durch die weitgeöffneten Pfor⸗ ten des»Engels« an dieſem Abend einzogen, darüber brau⸗ chen wir hier weiter keine Erörterungen anzuſtellen. Es genüge, wenn wir ſagen, daß, nachdem ſie von Maſter Briscon und ſeinen Leuten alle in das Ballzimmer geleitet worden, für die Tänzer durchaus nicht zu viel Raum übrig blieb. w ch wegen des Wie man leicht vorausſetzen kann, war nichts verſäumt worden, um dem Balle Glanz und Anziehungskraft zu ver⸗ irrwar unter leihen. Der Saal war prächtig decorirt und Hunderte von zu folgen. wohlriechenden Kerzen verbreiteten ihr Licht über die bunten men, denn ſie Gruppen. brochener Rei⸗ Burras und Couranton, jene munteren Tänze der da⸗ maligen Zeit, wurden nach der herrlichen Muſik des ſtark er doch jemlich beſetzten Orcheſters ausgeführt. Jeder Muſiker war ein be⸗ en Recht. rühmter Künſtler. nen mit hohen Allen Damen wurden Bouquets von den auserleſenſten n Monarchen, Blumen überreicht. Kühlende Getränke aller Art und köſtliche Spanier und Treibhausfrüchte waren auf einem Büffet ſervirt, um die Pänſern um Tänzer nach ihren Anſtrengungen zu erfriſchen und bei Kräf⸗ geheuren Pän⸗ ten zu erhalten bis zu dem um Mitternacht ſtattfindenden vei Geſchurn Souper, deſſen Wunder ſchon im Voraus beſprochen wur— ngerichtt. daß den, obſchon die Wirklichkeit jede davon gehegte Erwartung noch weit übertraf. Es war ein Mahl, eines römiſchen Sybariten würdig, mit Ueberfluß an verlockenden Speiſen und vortrefflichen Weinen, während das zu dieſem Zwecke von Monthermer Caſtle herbeigeholte ſilberne und kryſtallene Geſchirr die Ta⸗ fel ſchmückte. Doch wir greifen unſerer Erzählung vor und müſſen zu einer früheren Periode des Abends zurückkehren. iſt, wie vible nönche, Oua⸗ Schäferinnen, 1, Frauen nit ben erwähr⸗ men in ellen⸗ nd von ſchan ie viel ſolch 66 ppr Die Mehrzahl der Gäſte war angekommen und der Tanz oöffneten hatte ſchon begonnen, als ein ſchwarzer Domino, deſſen Ge⸗ duriber br ſicht zur oberen Hälfte durch eine Larve ohne Vorhang bedeckt 6 m ward, eine Gruppe von Masken, deren Mittelpunkt er war, hden verließ und ſich in das Vorzimmer begab. as Mehre ſchöne Augen folgten ihm, denn trotz ſeiner viel M zà Der Verſchwender. I. 13 194 Verkleidung kannte man ihn als den Geber des Gelages und mehr als eine herausfordernde Schöne verſuchte ihn auf⸗ ſt zuhalten. An Er hatte aber etwas vor, was ſeine unmittelbare Auf⸗ To merkſamkeit in Anſpruch nahm und ging weiter. de Als er das Vorzimmer erreichte, fand er hier den Mann, den er erwartete, unter einer Menge anderer männ⸗ un licher und weiblicher Diener und winkte ihn zu ſich. 4 Briscon— denn dieſer war es gehorchte dem Rufe d ſofort. L „Sind Sie da?« fragte Gage.»Ich habe jede Maske bei ihrem Eintritt in den Saal ſorgfältig ins Auge gefaßt, bin aber nicht im Stande geweſen, ſie zu entdecken.« „Sie ſind noch nicht da, gnädiger Herr. Ich habe ihre Billets gezeichnet und ſie können daher nicht unerkannt paſ⸗ ſiren. Ich werde ihre Coſtüms ganz ſpeciell ins Auge faſſen und ſie Ihnen bezeichnen, gnädiger Herr.“ »„Und Sir Hugh und der Caplan ſind verſorgt?“ „Alles iſt geſchehen, wie Sie befohlen hatten, gnädiger Herr,« entgegnete der Wirth kichernd. Und eben als er im Begriff ſtand, noch einige weitere Einzelnheiten in Bezug auf die fraglichen Perſonen zu erwäh⸗ nen, traten drei Masken in den Saal und ſchnitten ihm das Wort ab. „Da ſind ſie, ſo wahr ich lebels rief er und eilte hin⸗ zu, während die Eintretenden ihre Billets vorzeigten. Die beiden erſten Masken ſtellten einen ſpaniſchen Hi⸗ dalgo und ſeine Frau oder Schweſter— ſie konnte natürlich Eines oder das Andere ſeyn— vor. Von der Señora oder Señorita ſprechen wir zuerſt, denn ſie war im höchſten Grade pikant und anziehend. 8 Gelages und uchte ihn auf⸗ nittelbare Auf⸗ d er hier den anderer männ⸗ ſich. rchte dem Rufe be jede Maske Auge gefaßt, cken. Ich habe ihre nerkannt paſ⸗ s Auge faſen rſorgt!“ atten, gnädiget einige weitete onen zu erwäh⸗ nitten ihn da und ellte hin⸗ zeigten⸗ 5 ſchen P natürlih pani konnie en wir zuerſt. „ ehend⸗ 195 Eine Basquina von ſchwarzer Seide, reich mit den fein⸗ ſten Spitzen beſetzt, ließ ein Paar Füßchen ſehen, die einer Andaluſierin Ehre gemacht haben würden, und ſelbſt eine echte Tochter von Sevilla hätte ſich nicht graziöſer oder bezaubern⸗ der bewegen können, als ihre gegenwärtige Vertreterin. Eine dichte, an der Hinterſeite ihres Kopfes befeſtigte und über die Schultern herabfallende Mantille verdeckte zum Theil ihre Züge, was aber durch dieſen Schleier hindurch davon zu ſehen war, verrieth außerordentliche Schönheit. Bei ihrer bezaubernden Haltung und Anmuth der Perſon ſchien ſie geeignet, unter der Verſammlung, in welche ſie trat, eine ungeheure Senſation hervorzurufen. Ihr Coſtüm wäre unvollſtändig geweſen, wenn ſie den Liebestelegraphen einer Spanierin— den Fächer— ent⸗ behrt hätte. Sie trug aber einen ſolchen in der Hand und verſtand auch den Gebrauch desſelben, denn während ſie an Gage vorüberging, bewog das ſanfte Rauſchen dieſes Fächers ſo deutlich wie geflüſterte Worte, ihr zu folgen. Ihr Begleiter, auf deſſen Arm ſie ſich ſtützte, war als ſpaniſcher Edelmann aus dem XVI. Jahrhundert gekleidet und repräſentirte dieſen durch ſtolze Haltung ſo gut, daß man einen wirklichen Granden in ihm hätte vermuthen kön⸗ nen. Ueber ſein Geſicht konnte man ſich kein Urtheil bilden, denn er war dicht maskirt, aber die Gerechtigkeit verlangte anzunehmen, daß es ſeiner außerordentlich ſchönen Geſtalt entſpreche. Hinter dieſem auffallenden Paare kam ein ſehr hübſcher Page, in ein weißatlaſſenes Wams und Tricots gekleidet, mit einem himmelblauen Sammtmantel. Er trug einen Degen an ſeiner Seite und ſein breitkrämpiger weißer Hut war mit 196 einer tief herabfallenden Feder geſchmückt. Eine dichte Fülle von blonden Locken fiel über ſeine Schultern herab. Er war dicht maskirt wie die Anderen. Zartere Glieder, als dieſer Page beſaß, hatte man niemals geſehen, obſchon aber dieſe Geſtalt faſt weibiſch ſchlank war, ſo geberdete er ſich doch ganz ſtolz und beſaß alle Mienen eines erwachſenen Mannes. Maſter Briscon und die Thürſteher im Vorzimmer be⸗ kamen einen Vorgeſchmack von ſeinem ſtolzen Uebermuth und ſeiner Geckenhaftigkeit und er griff einigen der Blumenmäd⸗ chen, als dieſe ihm Bouquets anboten, ſchelmiſch unter das Kinn. Ueberzeugt, daß dies die Perſonen ſeyen, die er erwar⸗ tete, trat Gage hinter eine ſpaniſche Wand, warf ſeinen Domino ab und erſchien faſt augenblicklich darauf wieder als Lord Rocheſter in einem brillanten Hofkleide aus der Zeit Carls II. So coſtümirt und eine mit einem Vorhang verſehene Maske vornehmend, trat er wieder in den Ballſaal. KX Die beiden Pagen. Maſter Briscon glaubte, es müßten nun alle Gäſte an⸗ gekommen ſehn, aber er irrte ſich. Bald nach Gage's Verſchwinden erſchienen abermals drei Masken mit den Billets in der Hand an der äußeren Thür des Vorzimmers. Bei ihrem Anblick ſtutzte der Wirth nicht wenig und der Thürſteher und die übrigen Diener waren eben ſo erſtaunt. ne dichte Fülle erab. Zartere Glider eſehen, obſchon ſo geberdetr er les erwachſenen Vorzimmer be⸗ lebermuth und r Blumenmäd⸗ chelmiſch unter „die er erwar⸗ „warf ſeinen guf wieder als ans der Zeit hang verſchene lſaal. alle Gäſte an nen abermals der äußeren wenig und del ſo erſtaunt. 197 Die Urſache dieſes allgemeinen Erſtaunens war die auf⸗ fallende Aehnlichkeit, welche die neuen Ankömmlinge mit den ihnen kurz vorher vorangegangenen Perſonen hatten, denen? bei ihrem Eintritt ebenfalls ganz beſondere Aufmerkſamkeit zu Theil geworden war. Man ſah nemlich hier einen zweiten ſpaniſchen Hidalgo und ſeine Dame, von einem zarten kleinen Pagen gefolgt. Nicht blos war der Hidalgo Nummer Zwei gerade ſo gekleidet wie der Hidalgo Nummer Eins, ſondern er ſchien auch gerade von derſelben Größe, eben ſo ſymmetriſch ge⸗ wachſen und auch gerade ſo ſtolz zu ſeyn wie ſein Vorgänger. Gleich dieſem trug auch er ein goldenes Halsband mit einem daranhängenden Orden und auf ſeinem Mantel war das San Jagokreuz geſtickt. Die zweite Donna ſah ebenfalls ſo bezaubernd aus als die erſte und trug ebenfalls eine ſchwarze Mantille und Bas⸗ quina, bewegte ſich mit gleicher Anmuth und handhabte ihren Fächer mit gleicher Coketterie. Es war auch nicht der mindeſte Unterſchied zwiſchen ihnen. Auch der Page war der leibhafte Doppelgänger des niedlichen kleinen Gecken, der ihm vorangegangen war, und hätte ſein Zwillingsbruder ſeyn können. Blonde Locken, weiße Atlaskleider, Gliederbau von faſt weibiſcher Schönheit, geckenhafte, vorwitzige Geberden— alles war dasſelbe. Die Blumenmädchen lächelten verſchämt, als er ſich ih⸗ nen näherte, und boten ihm ihre Bouquets an, in der Hoff⸗ nung, daß er ſie ſo behandeln würde, wie der erſte kleine Schelm gethan und ſie ſahen ſich in ihrer Erwartung auch nicht getäuſcht. 198 Maſter Briscon war ganz verblüfft. Wer waren ſie? Was konnte das bedeuten? Konnten ſie der urſprüngliche Hi⸗ dalgo und ſein Begleiter ſeyn? Unmöglich! Nichtsdeſtoweniger begab ſich der Wirth in ſeiner Ver⸗ blüfftheit an die offene Thür des Ballzimmers und überzeugte ſich, daß die andern da waren, mitten unter dem Masken⸗ gewühl. Das Geheimniß ward aber immer verwickelter. Die Billets wurden abgegeben und waren, wie ſich ergab, ge⸗ rade auf dieſelbe Weiſe gezeichnet, wie die andern geweſen waren. Es konnten alſo dies doch wirklich die Perſonen ſeyn, die ſein geehrter Gönner erwartete. Wer konnte es wiſſen? Auf die Gefahr hin, zudringlich zu erſcheinen, bat Ma⸗ ſter Briscon den Hidalgo gefälligſt auf einen Augenblick hinter den Schirm zu treten und die Maske abzunehmen. Der Don weigerte ſich aber und die Seſiora gab dem Wirth einen muthwilligen Schlag mit ihrem Fächer und fragte, ob er der Herr des Gelages wäre, daß er ſich heraus⸗ nähme, ſie auszufragen. Gleichzeitig kam der Page, indem er ſich von den ihn umringenden Blumenmädchen losmachte, hinzu, ſtieß Briscon ſtolz auf die Seite und alle Drei traten in das Ballzimmer. Hier miſchten ſie ſich ſofort unter die Menge und dem Wirth blieb weiter nichts übrig, als die erſte Gelegenheit zu benutzen und ſeinen geehrten Gönner von dem Streich in Kenntniß zu ſetzen, welcher mit den Billets geſpielt worden. Der halbe Ballſaal war in Bewegung, als Gage wie⸗ der dahin zurückkehrte und er konnte blos dann und wann einen Schimmer von der reizenden Geſtalt der erſten Señora er ja — 199 zer waren ſer erhaſchen, während ſie mit ihrem Tänzer— dem ſtattlichen rſpringlch Hi Hidalgo— in einer Gavotte dahinflog. Er verlor jedoch deswegen den Muth nicht. Er brauchte ja blos einige Minuten zu warten, dann war der Tanz vor⸗ über, die Señora war dann frei und er konnte ſie um ihre Hand für einen Rigadon oder Oig bitten und auf dieſe Weiſe die begehrte Unterredung erlangen. Während er zuſah und ſich an den Bemühungen eines ſchwerfällig gekleideten Holländers, mit dem raſchen Tact des Orcheſters Schritt zu halten, ergötzte, fühlte er ſich ſanft am Mantel gezupft, und ſah, als er ſich umdrehte, den Pagen. in ſeiner Ver⸗ und überzeugte dem Masken⸗ erwickelter. Die ſich ergab ge⸗ indern geweſen Dieſer winkte ihn ein wenig von dem Gewühle hinweg rſonen ſehn di und als ſie weit genug entfernt waren, um nicht gehört zu werden, ſagte er ſchalkhaft: wiſſen! einen, bat Ma⸗„Alſo Sie verfolgen die ſchöne Dame, welcher ich diene? lugenblik hinr Ja, ja, es wäre vergeblich, es zu leugnen. Ich kenne Ihre Abſicht, aber ich will dieſelbe nicht verrathen, weder ihrem ſora gab den Bruder, noch jener gewiſſen Dame, welche Ihnen gewiß einen m ßicht un Strich durch die Rechnung machen würde, wenn ſie die min⸗ e ſih heraus deſte Ahnung davon hätte.“ „Auf mein Wort, ich bin Euch ſehr verbunden, junger ch von den ihn Herr,« entgegnete Gage.»Da aber auf einem Maskenball u ſtieß Bricon Irrthümer und Verwechslungen nichts Seltenes ſind, ſo darf galhinne. ich wohl fragen, für wen Ihr mich haltet.“ enge und dem„Ich halte Sie für einen Mann, der beſſer und glück⸗ elegenhet ſu licher werden wird, als er jetzt iſt, wenn er die gegenwärtige den Strich in Gelegenheit nicht verſäumt.“ pielt worden„Ihr verlangt wohl, daß ich mich beſſern und heirathen als Gage ſoll,— wie?« entgegnete Gage lachend. ann und wann„Allerdings, und wenn Sie verſprechen wollen, ein Señora erſten 200 neues Leben zu beginnen, ſo will ich mich verbindlich machen, Ihnen ein reizendes Weib zu ſchaffen.« »Meiner Treu, das dachte ich mir. Indeſſen um Euch die Wahrheit zu ſagen, mein junger Mentor, ich habe allen Gedanken an die Ehe entſagt. Dieſelbe iſt nicht im mindeſten nach meinem Geſchmack. Vergnügen iſt Alles, was ich begehre, und wenn ich eine Unterredung mit eurer bezaubernden Her⸗ rin zu erlangen ſuche, ſo denke ich dabei an weiter nichts, als eine halbe Stunde auf angenehme Weiſe zuzubringen.* »Nun, ich habe keine Geduld mehr mit Ihnen, rief der Page,»und ich werde den Bruder meiner Herrin auffordern, Sie ihr nicht zu nahe kommen zu laſſen.« »Eure Herrin wird Euch für eure Einmiſchung nicht danken. Ihr Hauptbeweggrund, aus welchem ſie überhaupt auf dieſen Ball kam, war, mit mir zuſammenzutreffen, und wenn Ihr nun Hinderniſſe in den Weg legt, ſo werdet Ihr ihr unendlichen Verdruß verurſachen. „Sie ſind ein großer Geck und ſchmeicheln ſich, alle Leute müßten ſich in Sie verlieben.« »Allerdings bin ich eitel genug zu glauben, daß einige Perſonen gegen meine Vorzüge nicht ganz gleichgiltig ſind und unter dieſe kann ich auch eure anbetungswürdige Herrin zählen.* »Wenn meine Herrin ſo dächte wie ich, ſo würde ſie lieber ſterben, als Sie wiſſen laſſen, wie viel ihr an Ih⸗ nen liegt.* »Zum Glück iſt eure Herrin Euch nicht in jeder Bezie⸗ hung ähnlich. Und nun, ehe wir ſcheiden, vergönnt mir einen flüchtigen Anblick eures Geſichtes. Es muß ſehr hübſch ſehn, wenn man von der Geſtalt ſchließen kann.« »Hübſch oder nicht hübſch, ſo iſt es nicht meine Abſicht plin mit ndlich machen, ſſen um Euch ch habe allen im mindeſten as ich begehre, ubernden Her⸗ ter nichts, als ingen.“ nen, rief der in auffordern, tiſchung nicht ſie überhaupt utreffen, und verdet Ihr iht ſich alle Lute n daß einige ichgilig ſnd ürdige Herrin ſo würde ſie 0 h. ihr an 3h⸗ nt hübſch ſchn⸗ rine Abſcht 201 es Ihnen zu zeigen. Auch bitte ich Sie, Ihre ſchönen Com⸗ plimente für die aufzuſparen, welche Werth darauf legen, an mich ſind ſie vollkommen verſchwendet.“ „Dann ſeyd Ihr nicht ein Weib, wie ich vermuthe.“ „Sie ſollen finden, daß ich den Degen zu führen ver⸗ ſtehe, wenn Sie mich reizen oder meine Herrin beleidigen; deshalb bauen Sie nicht darauf, daß ich zu dem ſanften Geſchlecht gehöre. Ich bin gefährlicher als Sie glauben. Ich wette, was Sie wollen, daß ich Miſtreß Jenyns den Hof mache noch ehe der Abend vorüber iſt— ja, ja— und daß ſie mir Gehör ſchenkt.* „Ha, ha! Sie wird Euch auslachen.« „Sie fürchten ſich wahrſcheinlich zu wetten.“ „Mit einem Bürſchchen, wie Ihr ſeyd, zu wetten, wäre lächerlich.« „Sie getrauen ſich nicht, mir zu ſagen, welche von die⸗ ſen Masken Miſtreß Jenyns iſt.« „Ich würde dies fofort thun, aber ich weiß wirklich nicht, welches Coſtüm ſie trägt.“ „Leere Ausflüchte! Doch gleichviel! Ich werde ſie auch ohne Ihre Beihilfe ausfindig machen und wenn ſie mich, wie Sie ſagen, verlacht, ſo wird ſie doch den Bruder meiner Her⸗ rin nicht verlachen. Er wird Sie auf die Probe ſtellen. „Ein vorlauter junger Laffels rief Gage, als der Page ihn verließ. Es fand nun eine allgemeine Promenade ſtatt, doch beeilte Monthermer ſich nicht ſeinen Standpunct zu verlaſſen, weil derſelbe ihn in den Stand ſetzte, ohne Mühe die ver⸗ ſchiedenen vorübergehenden Masken die Muſterung paſſiren zu laſſen und nach Belieben mit dieſer oder jener zu converſiren, 202 auch war er überzeugt, daß der circulirende Strom die ſchöne Spanierin bald zu ſeinen Füßen führen müſſe. Auch dauerte es nicht viele Minuten, ſo ſah er ſie, ſich immer noch auf den Arm des ſtattlichen Hidalgo ſtützend, langſam herannahen, und wollte eben einen Schritt vorwärts thun und ſie anreden, als es Maſter Briscon, den er ſchon vorher ſich durch die bunte Menge hatte hindurchkämpfen ſe⸗ hen, gelang, ſich bis zu ihm Bahn zu brechen. Der corpulente Wirth war fürchterlich gequetſcht und ihm auf ſeine gichtkranken Füße getreten worden, ſo daß er vor Schmerz und Mangel an Athem ſich kaum verſtändlich machen konnte. »Entſchuldigen Sie, gnädiger Herr,« begann er,„die Bill— Bill— Billets— ach du mein Himmel! wie hat man mir meine armen Füße zertreten!“ »Wenn Ihr mir etwas zu ſagen habt, Briscon, ſo macht ſchnell!“ rief Gage ungeduldig. »Ich bitte um Verzeihung, gnädiger Herr,« keuchte der Wirth,»ich wollte ſagen— o welch ein verdammter Schmerz!« »Na— ein ander Mal, ich habe jetzt keine Zeit. Macht, daß Ihr wieder fortkommt und bleibt um eurer ſelbſt willen aus dem Gewühl.« „Sie ſind ſehr gütig, gnädiger Herr. Ich würde mich auch gar nicht hineingewagt haben, aber nun iſt das Unglück einmal geſchehen. Ich werde wenigſtens einen Monat lang lahm gehen. Meine Pflicht aber verlangte, Ihnen, gnädiger Herr, zu melden, daß die Billets—« »Der Teufel hole die Billets! Tretet auf die Seite, guter Freund, ſonſt verfehle ich ſie. Ich muß mit dieſer Spa⸗ nierin ſprechen.« „Aber ich bitte Sie, mich recht anzuhören.« trom die ſchöne ſch er ſi ſih idalgo ſtützend chritt vorwärts den er ſchon rchkämpfen ſ⸗ equetſcht und den, ſo daß er m verſtändlich gann er,»die wie hat man Briscon ſo keuchte der er Schmerz“ ne Zeit. Nacht, ter ſolbſt willen h würde nich ſt das Unglick nNonat lang hnen, gnůdiger 203 „Aus dem Wege, Sir!“ „Ja wohl, aus dem Wege, großes Meerſchwein!“ rief eine jugendliche Stimme hinter ihm. Ueber ſeine Schulter blickend, um zu ſehen, wer da ſpräche, erblickte der Gaſtwirth den Pagen. „Ah, ſehd Ihr es, kleiner Affenſchwanz?“ rief er. „Nehmen Sie ſich vor ihm in Acht. Er iſt ein Lügner, ein Betrüger.“ „Nehmt Ihr Euch in Acht, Herr Wirth, daß ich Euch nicht die Ohren abſchneide, entgegnete der Page. „Was, Ihr wieder hier, junger Gelbſchnabel!“ rief Gage.„Nun habt Ihr ſie entdeckt?“ „Wen denn?“ fragte der Page. „Run Miſtreß Jenyns. Habt Ihr denn ſchon vergeſſen? Ihr ſolltet ihr den Hof machen— und eben ſo auch der Bruder eurer Herrin— ha! hal ha!“ „Ja wohl, ſo war es— es fällt mir jetzt ein,“ ent⸗ gegnete der Page, nachdem er einen Augenblick gezögert.„Ich habe ein ſehr verrätheriſches Gedächtniß.“ „Das ſcheint mir ſo,« bemerkte Maſter Briscon.»„Er⸗ innert Ihr Euch vielleicht zufällig, wo Ihr euer Billet herbe⸗ kommen habt?“ „Was ſoll dieſe Unverſchämtheit bedeuter Page.»Natürlich habe ich meine Einladungskarte von Maſter Monthermeèr bekommen.“ „Ohne Zweifel markirt?“ fragte der Wirth. „Das weiß ich weiter nicht, aber was kommt darauf n rief der an?* „Sehr viel, wie der gnädige Herr begreifen werden.“ „Der gnädige Herr begreift, daß Ihr ein ſehr langwei⸗ liger Burſche ſeyd und wünſcht Euch von ganzem Herzen weit 204 hinweg,*entgegnete der Page.„Sehet Ihr denn nicht, daß Ihr im Wege ſeyd, Menſch?« „Gnädiger Herr—6 »Kein Wort weiter,« unterbrach ſie Gage.„Sie wird mir entwiſchen.« »Da habt Ihr etwas für eure Mühe, Ihr zudringlicher Narr,« rief der Page, indem er dem Wirthe einen leichten Naſenſtüber verſetzte und Monthermer folgte. »Das iſt wahrſcheinlich der ganze Dank, den ich bekom⸗ men werde,«ſtöhnte Briscon, während er nach dem Vorzim⸗ mer zurückhumpelte.„Meinetwegen kann nun paſſiren, was da wolle, ich miſche mich gewiß nicht mehr ein.* Das Spielzimmer. Gage erreichte ſeine Abſicht. Die Seſora willigte huld⸗ voll ein, mit ihm zu tanzen, und aller Erwartung entgegen erhob der ſo eiferſüchtig ausſehende Hidalgo keinen Wider⸗ ſpruch. Ja, nach ſeinem artigen Benehmen zu urtheilen, ſchien er ſich ſogar darüber zu freuen. Unſer Held hätte gern den ſogenannten Kußtanz beſtellt, aber ſeine Tänzerin machte Einwendung dagegen, weil ſie da⸗ durch genöthigt worden wäre, ſich zu demaskiren, was ſie, wie ſie erklärte, gegenwärtig auf keinen Fall thun wollte. Sie gab daher einem Contretanz den Vorzug, dem raſcheſten, welchen das Orcheſter ſpielen könnte und ihre Wünſche wur⸗ den erfüllt. Als die Muſik aufſpielte, ſtellten ſich ſämmtliche Paare, welche ſich dem Tanze anſchloſſen, in zwei lange Reihen, die von einem Ende des Ballſaales bis zum andern reichten. nicht, daß „Sie wird udringlicher inen leichten nich bekom⸗ em Vorzim⸗ ſſiren, was illigte huld⸗ entgegen ilen ſchien anz beſtell il ſie da⸗ was ſi, wollt. Ste raſcheſten, nſche wur⸗ Gage und ſeine Tänzerin tanzten vor. Die letztere ſchien mit unerſchöpflicher Energie begabt zu ſehn, beſonders wenn man die Anſtrengung bei der kaum erſt beendeten Gavotte in Anſchlag brachte. Gage ſagte ihr allerhand Schmeicheleien über ihre Aus⸗ dauer, ſie lachte aber blos und bat ihn, die Muſikanten auf⸗ zufordern, ſchneller zu ſpielen. Schneller und immer ſchneller! So raſch und leichtfüßig war ſie, daß es von Monthermer's Seite der äußerſten Anſtrengung bedurfte, um mit ihr fort⸗ zukommen. Immer raſcher! Die Muſiker ſowohl als die Tänzer hat⸗ ten eine ſchwere Aufgabe, aber ſie wollten ſich nicht werfen laſſen, ſondern geigten darauf los und blieſen, als ob ihnen die Lungen platzen müßten. Alle mußten ſehr aufpaſſen. Wenn Gage eine Liebelei mit ſeiner Tänzerin beabſichtigte, ſo mußte er ſie nothgedrun⸗ gen verſchieben bis der Tanz vorüber war. Kaum ein Wort konnte bei dieſem Hin⸗ und Herchaſſiren geſprochen werden. Rechts und links croisé, moulinet, chaine de dames, chassé en avant et en arriere— keinen Augenblick war Ruhe. Lange noch ehe Gage an das Ende der Colonne kam, begann er matt zu werden. Er war an ſo heftige Bewegung nicht gewohnt. Seine unermüdliche Tänzerin aber riß ihn immer weiter mit ſich fort, und er wollte ſich nicht werfen laſſen. Zum Glück war die Tour dem Ende nahe. Es waren nur noch ein Dutzend Paare übrig und er machte die Figuren ſo gut er eben noch konnte mit ihnen durch, als zu ſeinem un⸗ endlichen Erſtaunen eine Spanierin, die ganz genau ſeiner Tänzerin glich, ihm die Hand reichte. Indem er dieſelbe ergriff, fühlte er einen ſehr merkbaren 206 Druck. Gleichzeitig bemerkte er, daß auch der ſtattliche Hidalgo da war und mit dieſer zweiten Señora tanzte. Aber es war keine Zeit zu Erklärungen. Als ſeine Tän⸗ zerin ſah, daß er zögerte, errieth ſie fofort den Grund, ſtampfte ungeduldig mit dem kleinen Fuße und rißihn weiter fort. Nach noch einigen Figuren erreichten ſie das Ende der Colonne, wo dann die keuchende Dame geſtand, daß ſie ganz erſchöpft ſey und ſich ſetzen müſſe. Sämmtliche Sophas waren bereits in Anſpruch genom⸗ men, ſo daß ſie ſich in das Spielzimmer begeben mußten, wo ſie einen Sitz fanden. In der Mitte dieſes Spielzimmers ſtand ein ovaler Tiſch, um welchen ſich eine Menge Spieler beiderlei Geſchlechts ver⸗ ſammelt hatten. Es thut uns leid, ſagen zu müſſen, daß die weiblichen Pointeurs ſogar die Mehrzahl bildeten. Brice Bun⸗ bury fungirte als Banquier am Pharotiſche und Jack Braſſey und Nat Miſt, welche erſt dieſen Abend natürlich ganz uner⸗ wartet im»Engel“ angekommen waren— als Croupiers. Jede Gelegenheit zum Spiel war hier gewährt. Außer Pharo, Hazard, Picket und Gleek ward auch in jeder Ecke an kleineren Tiſchen geſpielt. So furchtbar anſteckend iſt das Spielfieber, daß ſelbſt die ſchöne Spanierin ihm nicht entrinnen konnte. Sie war ſchon lange ſeinem verderblichen Einfluſſe ausgeſetzt geweſen, ehe ſie den Wunſch zu erkennen gab, ſich dem Pharotiſche zu nähern und ſobald ſie einmal den grünen Teppich erblickte, ward der Drang, ihr Glück zu verſuchen, unwiderſtehlich⸗ Sie hatte, wie ſie Gage in leiſem, eindringlichem Tone verſi⸗ cherte, noch nie in ihrem Leben geſpielt— ja ſie konnte kaum eine Karte von der andern unterſcheiden— aber er ſollte ſie unterrichten. diſſ Fi tliche Hidalgo Als ſeine Tän⸗ den Grund, hn weiter fort. das Ende der , daß ſie ganz ſpruch genon⸗ nmußten, wo novaler Tiſch eſchlechts ver⸗ iſſen, daß die . Brice Bun⸗ dJock Braſſch ich ganz unel⸗ als Croupiers. währt. Außer der Ecke an er, daß ſelbſt nnte. Sie war geſeßt geweſen, Pharotiche zu ppich erblicke nwidſuhlih⸗ m Tone verſ⸗ ie konnte kun ſie her er ſolle 207 Unſer Held war nicht der Mann, der ſolchen Neigungen entgegen geweſen wäre. Ihrem Entſchluſſe Beifall zollend, forderte er ſie auf, eine Karte zu nehmen und ſetzte einen ſchweren Einſatz dar⸗ auf. Sie verlor und er erneute den Einſatz. Wieder war die Señora unglücklich und da Gages Börſe nun erſchöpft war, ſo mußte er ſich um mehr Geld an Ma⸗ ſter Fairlie wenden, der in dem Spielzimmer ſtand und ſich von der übrigen Geſellſchaft ſehr auffallend dadurch unter⸗ ſchied, daß er ſeine gewöhnliche Kleidung trug. Gage hatte indeß nicht ſofort die auf dieſe Weiſe ver⸗ langten Fonds nöthig. Ehe er wieder zu der Señora ge⸗ langte, trat plötzlich der ſtolze Hidalgo ein, ging mit zorni⸗ ger Geberde auf ſie zu und führte ſie fort. Ohne Zweifel würde Gage ſich eingemiſcht haben, um dieſes unhöfliche Verfahren zu hindern, wenn er nicht durch Fairlie zurückgehalten worden wäre. „Laſſen Sie ſie gehen, Sir, laſſen Sie ſie gehen,“ ſagte der Verwalter.„Hier waltet ein Irrthum ob. Wiſſen Sie nicht, daß zwei Spanier und zwei Spanierinnen Zutritt zu dem Balle erlangt haben? Ich bin jetzt vollkommen überzeugt, daß der Don, der uns ſo eben verlaſſen, die falſche Donna be⸗ kommen hat, und daß dem zu Folge binnen Kurzem ein amüſanter Auftritt zwiſchen ihnen ſtattfinden wird. Ich em⸗ pfehle nachzufolgen und Zeuge dieſer Scene zu ſehn.« „Noch ein Wort, ehe ich gehe, Fairlie. Haben Sie vielleicht irgend eine Vermuthung, wer dieſes zweite Spa⸗ nierpaar ſeyn kann?« „Vielleicht weiß ich es, Sir— aber es iſt eine bloße Muthmaßung— kaum der Erwähnung werth. Ich getraue mir es kaum zu ſagen.« 208 »Wohlan, ich will nicht weiter in Sie dringen. Wiſſen aber möchte ich, welche von den Beiden Miß Poynings iſt.« »Die Dame, welche Sie hierhergeführt haben, nicht, darauf können Sie ſich verlaſſen, Sir,« entgegnete Fairlie. »Wirklich? Das glaubte ich nicht,« rief Gage, indem er bedachte, wie zärtlich ihm von der zweiten Señora die Hand gedrückt worden.„Wie konnte ich nur ſo dumm ſehn! Aber ſagen Sie mir, Fairlie, wo iſt Miſtreß Jenyns? Ich habe ſie bis jetzt noch nicht entdeckt.« »Vor wenigen Minuten war ſie hier, Sir.« »Welches Coſtüm trägt ſie? Sie erklärte, ich ſollte mit ihr tanzen, ohne ſie zu erkennen.« »Wahrſcheinlich haben Sie dies ſchon gethan,« be⸗ merkte der Verwalter lachend. »Ich habe aber erſt mit einer einzigen Dame getanzt. Ha!« rief Gage, indem ihm plötzlich ein Licht aufging, „nun durchſchaue ich es. Jene Spanierin war Miſtreß Je⸗ nyns. Meiner Treu, ich bin nicht ſchlecht angeführt worden. Aber wer iſt der Hidalgo?« »„Da Sie ſo gut rathen, Sir, ſo muß ich wohl geſte⸗ hen, daß ihr Begleiter Sir Randal iſt— und der Page, von welchem ſie begleitet ſind, iſt Niemand Anderer als Mi⸗ ſtreß Jenyns Zofe Lucinde. Als Miſtreß Jenyns hörte, daß der junge Pohnings und ſeine Schweſter im Begriffe ſtünden, den Ball zu beſuchen, beſchloß ſie, Sie zu mhſtificiren— und wie es ſcheint, iſt ihr dies auch gelungen.« »Ich werde mich revanchiren,« entgegnete Gage;„aber erſt muß ich mich nach Luch umſehen.« Mit dieſen Worten kehrte er in den Ballſaal zurück. Ende des erſten Cheiles. Druck und Papier von Leop. Sommer in Wien. dringen. Viſſen Pohnings iſt. t haben, nicht, gegnete Fairlie. f Gage, inden ten Seſora die ſo dumm ſehn! Jenhns! Ich ich ſollte mit Dame getanzt. Licht aufging r Niſtreß J⸗ eführt worden. ich wohl geſt⸗ „Raoe d der Paht⸗ deret als Ni⸗ hörte daß iffe ſtünden e9 nhſtificiren— rey Gortroſ Efart Sreen Nellow Red Magenta