————. 1 Leihbiblivthet deutſcher, engliſchet und frunzſiſ cher Literatur von 6dnard Oftmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Teiß und eſebedingungen. 1 otensein der Bibliother. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfan Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uihr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. . Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe 2 hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet 4 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: auf 1 Monat: Pf. „ 8—„ Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriffene, verlörehe und defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das Ferriſſene, beſchmützte, ver⸗ lorene oder vefecte Buch ein Theil eines größeren erkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage fſgeſet und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das eiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. S——————— Eglantine. Ein Roman von Zweiter Band. Berlin. Verlag von Alexander Duncker, 8 x Königl. Hofbuchhändler. 1852. . * ——————— Inhalt. Rückkehr nach Schloß Waldburg. Das Wiederſehen Aufklärung. Die Badereiſe Eine Entdeckung. Ida Schluß der Epiſode Salonleben Die Centifolie Wendepunkt Rückwirkung Abreiſe von Berlin Ein Entſchuldigungsgrund Revolution. Die Leichenſchau Rückkunft nach Auenbach Der neunzehnte März in Auenbach Seite 100 124 152 158 172 185 192 202 —— — — ——— Ein Nachtſtück Die erſten Nachrichten aus Berlin Der Gang nach der Pfarre Emiliens Nachlaß Auguſte Schluß 210 220 234 245 253 260 triumt u gen Lebe ihn ſchn Da ſicht lingere Lobens, wie ihm ſei, er Rückkehr nach Schloß Waldburg. Drei Jahre waren verfloſſen, welche Arthur ver— träumt und vertrauert hatte, und trotz des einförmi⸗ gen Lebens, welches er geführt hatte, war die Zeit ihm ſchnell, unausſprechlich ſchnell vergangen.— Da ſuchte ihn ein Univerſitätsfreund auf, um auf längere Zeit Abſchied auch von ihm zu nehmen, denn, wie er mit ſtrahlendem Blick erzähle— er wollte auf Reiſen gehen. Er ſchilderte die Freuden eines unabhängigen Lebens, das viele Schöne und Neue, das die Welt ihm biete, ſo warm, ſo hinreißend, daß Arthur's Bruſt davon erwärmt wurde und ihn die Luſt nach gleichem Leben erfaßte. Er überlegte bei ſich ſelbſt, wie ihm der Gedanke noch nicht früher gekommen ſei, er begriff nicht, weshalb er ſich freiwillig in Eglantine 1 —— ———— — 2 die dunklen Mauern ſeiner Wohnung begraben habe.— Er nahm nun Karten zur Hand und ſtudirte Reiſe⸗ beſchreibungen,— kurz, ein neues Leben regte ſich in ſeinem Innern; aber einen Entſchluß konnte er noch nicht faſſen, er hatte ſich zu ſehr an das paſ⸗ ſive Vegetiren gewöhnt, und— wo ſollte Sultan, ſein treuer Sultan bleiben?— Da klopfte es eines Tages an ſeine Thüre, und auf ſein nicht eben freundliches„Herein!“ trat Walter, der Schenkwirth Walter aus Waldburg, bei ihm ein. „Walter!“ rief Arthur aufſpringend und er⸗ bleichend,„Walter, wie kommen Sie hierher!“ „Ei, ſo kennt der junge Herr mich wirklich noch! es iſt doch ſchon lange her, daß ich Sie nicht geſehen habe!— Ich und der Herr Obriſt glaubten uns ſchon ganz vergeſſen.“ „Nein, guter Walter!“ ſagte Arthur,„ich ver⸗ geſſe Niemand, der freundlich gegen mich war!—“ Und plötzlich von einer unbeſchreiblichen Wehmuth ergriffen, fügte er, mit einer Thräne im Auge, hinzu; „Ach, immer fürchtete ich ja,— daß mich Alle,— ſige“ weiner ſin,— habe, Nrächt Sie ſi gehre 3 Alle verlaſſen würden, denen ich in Liebe, Freund⸗ ſchaft nahte!— Walter, ich habe mich einſam, ver— laſſen gefühlt, wie Keiner!“ Er faßte des erſchreck— ten Walter's Hand und fuhr aufgeregt fort:„Walter, ich habe gekämpft, gelitten, wie Keiner,— aber ich gönnte der Welt dieſen Triumph nicht,— ich verbarg mich und mein Leid ihrem Späherblicke!“— Walter ſah ihn verwundert an.„Aber, lieber, junger Herr, weshalb ſagen Sie mir das Alles?“ fragte er,„Sie, ein vornehmer Herr!— und ich— 7— Sie ſind ja auch wohl gut bei Geld, wie ich gehört habe?“ und Walter blickte ſich rings in Arthur's Stube um. Arthur fuhr fort:„Weshalb ich Ihnen das Alles ſage?— Weil ich drei Jahre lang mein Leid in meiner Bruſt verborgen habe,— weil ich mich ein⸗ ſam,— o ſo entſetzlich einſam und verlaſſen gefühlt habe, und— Walter, Sie gehören nicht zu der mir verächtlichen Menſchenrace, dieſen adeligen Affen,— Sie ſind ein Menſch, ein Menſch wie ich!— Sie gehören zum Volke, wie ich!— Walter, ich war unglücklich!“— „Das thut mir leid, recht leid,— aber.. der junge Herr ſollten wieder nach Waldburg kom⸗ men; ich glaube, der Herr Arthur leidet am Heimweh.“ „Heimweh!— Heimweh!“ rief Arthur,„Walter, ich habe keine Heimath!— Mein Heimweh iſt ein Sehnen nach Freiheit, Wahrheit!„ „Nun, da müſſen Sie heirathen!“ rief treuherzig der Wirth. „Heirathen— ich?— Walter, ich werde nie heirathen! ich verachte ein Geſchlecht, das nur zu täuſchen und zu heucheln vermag!“ antwortete Arthur. „Ja freilich, junger Herr, da iſt nicht viel zu machen!“ antwortete Walter, der Arthur durchaus nicht verſtand,„aber wenn ich ſo nach meinem ge— ringen Verſtändniß rathen darf, ſo ſollte ich meinen, der Herr ſollte ſich etwas verluſtiren; es taugt nichts, ſich ſo abzuſperren; ich ſehe es ja an meiner Roſa,— der gefällt es gar nicht in ihrer jetzigen Stellung,— das Mädel iſt wie verdreht, ſeit ſie oben auf dem Schloſſe dient!—“ „Roſa?“ fragte Arthur aufmerkſam,„wie geht es der Kleinen?“ H B 5 „Nun, der geht es ſo weit gut!— ſie hatte ſich's nur leider in den Kopf geſetzt, einer vorneh— men Dame zu dienen,— deshalb nahm ſie den Dienſt im Schloſſe an;— ſie ſagt nichts, aber der Zwang,— die Einſamkeit,— es ſagt ihr nicht zu!— Doch da ſchwatze ich in den Tag hin⸗ ein und vergeſſe ganz und gar, meinen Auftrag aus⸗ zurichten.“ „Einen Auftrag an mich und von wem?“ fragte Arthur. „Nun ja doch, von wem denn anders, als vom Obriſten Thalheim! Der läßt den jungen Herrn recht freundlich bitten, ihn zu beſuchen, er ſei ſchon lange unwohl und werde es wohl nicht lange mehr machen.— Er ſolle in ein Bad, wolle aber vor ſeiner Reiſe ſo gar gern den jungen Herrn wiederſehen.“ „Der Obriſt krank?— krank? das wußte ich nicht!“ rief Arthur,„aber nach Waldburg....?“ „Warum denn nicht!“ rief Walter,„der junge Herr kann ja bei mir wohnen! es ſoll Alles auf's Beſte,— freilich wie es möglich iſt,— eingerichtet werden!— Wie Ew. Gnaden gewohnt ſind, iſt es freilich nicht, aber... ſo ganz amicalement ſoll Alles arrangirt werden; und der Herr Obriſt, wie glücklich würde der ſein!— Er hat oft bei mir vor der Thüre unter der großen Linde geſeſſen, ſeine Pfeife geraucht und geſeufzt:„Walter, mir iſt's, als hätte man mir ein Stück von meinem Herzen ab⸗ geriſſen; ſeit der Arthur fort iſt, ſchmeckt mir kein Biſſen!““ Ach, Ew. Gnaden, kommen Sie mit! Entſchließen Sie ſich; ich fahre morgen früh wieder nach Waldburg zurück,— kommen Sie mit!—“ In heftiger Aufregung ging Arthur auf und nieder; er dachte an ſeine Jugend, an die vielen Beweiſe des Wohlwollens, die der Obriſt ihm ge⸗ geben hatte, er fühlte ſich ihm verpflichtet, und dies ärgerte ihn, es drückte ihn wie eine Schuld, es zwang ihn zu einem Opfer, das er glaubte Thal⸗ heim bringen zu müſſen. Er ſuchte ſich zwar zu überreden, daß auch des Obriſten Freundlichkeit irgend ein eigennütziger Gedanke zu Grunde läge,— aber?... Endlich war er überzeugt, das Rechte ge⸗ funden zu haben: dem Obriſten wie ſeiner Pflege⸗ mutter hatte ſein Umgang als Zerſtreuung gedient, 9 8 9 —— 7 die Liebe, die Sehnſucht, welche der Obriſt jetzt ausſprach, war— Langeweile.—„Nein, nein!“ rief er,„ich will nicht wieder als Puppe, als Narr daſtehen; ich reiſe nicht mit,— auf keinen Fall!“ Doch kaum hatte er dieſe Worte ausgeſprochen, als vor ſeiner Seele, wie in einem Zauberſpiegel, ſich alle die Plätze zeigten, die er als Kind vorzugs⸗ weiſe beſucht hatte; die ganze Vergangenheit zog mit Blitzesſchnelle an ihm vorüber; er ritt wieder an des Obriſten Seite in den grünen Wald; er lauſchte, auf dem Fenſterbrete ſitzend, den Erzählun⸗ gen des alten Soldaten; jeder Ort, wo er als Kind geſpielt, als Jüngling gehofft, gelitten hatte, trat wieder vor ſeine Seele, und die Sehnſucht ſchlug mächtig ihre Schwingen auf.— „Das gefällt mir nicht!“ rief Walter,—„und der arme Herr Obriſt, der wird nicht zufrieden ſein,— wenn ich ihm dieſen Beſcheid bringe.— Wir hatten einen andern gehofft!— Na, es kann nichts helfen!“ und Walter ſchickte ſich an, das Zimmer zu verlaſſen; Arthur hielt ihn zurück. „Halt!— noch einen Augenblick!—“ und 8 wieder entſtand eine Pauſe; Arthur rang mit ſeinen Gefühlen; plötzlich rief er:„Ja, ich will den Ort wiederſehen, wo ich geliebt habe,— wo ich glück⸗ lich war...., wo ich die höchſte Seligkeit, den bitterſten Schmerz empfunden habe, dort will ich hin!...“ Aber Clara?— war nicht auch Clara dort—? Die Elende, die um ſchnödes Geld ſich verkaufte, die ſein Herz zertreten hatte—! Nein, nein, er konnte nicht!— und doch—! Ein Kampf der Gefühle, der hart und ſchwer war, entſtand und endete damit, daß er Waltern das Verſprechen gab, ihn zu begleiten, doch nur unter der Bedin⸗ gung, daß weder Graf Waldburg noch deſſen Ge⸗ mahlin Kunde von ſeiner Anweſenheit in Waldburg erhalten ſollten. Walter verſprach es. Stolz wie ein König beſtieg er am Abend des nächſten Tages(ſo lange hatte ſich die Abreiſe ver⸗ zögert) die einfache Equipage des Gaſtwirthes.— Anfangs ſtockte die Unterhaltung nicht: Walter hatte ſo viel zu erzählen, Arthur ſo viel zu fragen; end⸗ lich aber verſtummte der Frager, und abgeſpannt wie er war, entſchlief Arthur, trotz des holprigen Weges. ———— N Ant ihn eth per un Mi — 9 Als er ſpäter, aus dem Schlafe erwachend, das Antlitz zum Fenſter hinaus in die Nacht bog, drang ihm ein friſcher Tannengeruch entgegen; es war finſter, denn der Tannenwald,— ach! Arthur kannte ihn wohl,— war dicht.— Doch, je länger er ſchaute, deſto deutlicher traten einzelne Umriſſe her— vor; jetzt konnte er jeden einzelnen Stamm unter— ſcheiden; Waldvögel flogen kreiſchend auf,— es graute der Morgen.— Sultan, der ſtill zu ſeines Herrn Füßen gelegen, erhob ſich, dehnte die Glieder und begrüßte ſchnap— pend den jungen Tag, der ſich durch friſchen Thau und fahles, gelblichgraues Licht ankündigte. Doch beim erſten Grauen des Morgens ent— faltete ſich vor Arthur's thränenfeuchtem Blick eine bekannte, liebe Gegend; da wurde ihm ſo weh, ſo beklommen, ſo angſt,— er wollte fliehen und konnte nicht,— matt, wie nie, lehnte er ſich zurück und weinte.— Aber wieder und wieder zog es ihn, hin⸗ auszublicken, den Wald zu betrachten, den er an Thalheims Seite ſo oft, auf muthigem Roſſe, durch⸗ ſtreift hatte,— und als der Wagen nun aus dem —— —— 10 Walde herausfuhr und, mitten zwiſchen grünen Mat⸗ ten, Schloß Waldburg aus dem Morgennebel auf⸗ tauchte, und von den erſten Strahlen der Morgen⸗ ſonne ſeine Thürme, ſeine Fenſter, gleichſam als grüße es ihn, beleuchtet wurden,— da brach alle ſeine Kraft zuſammen, ſein Haß ſchmolz hin in Wehmuth, in Liebe.— Er faßte Sultan's Kopf, der mit aufmerkſamem Auge die ihm bekannte Gegend betrachtete und, die Ohren ſpitzend, auf jedes Geräuſch zu lauſchen ſchien, ſtreichelte ihn und bog ſich dann wieder weit aus dem Wagenfenſter hinaus. Dort war das Fenſter ſeiner Mutter,— wie oft hatte ſie ihm von dort aus entgegengewinkt!— Der Strahl der Sonne ſfiel eben hinein.„Mutter!“ ſeufzte er und ſtreckte die Arme aus.— In dieſem Augenblick erwachte der ſchlafende Walter und ergriff, ſich die Augen reibend, die Zügel, die ihm aus der Hand gefallen waren; das geduldige Thier, das bis jetzt ohne Leitung den richtigen, bekannten Weg ruhig fortgeſchritten war, fühlte des Erwachten Peitſche, und ſchneller trabte S hite herau 11 es dem Dorfe zu.— In wenig Minuten waren die erſten Häuſer erreicht, und jetzt fuhren ſie durch's Dorf dem Wirthshauſe zu. Arthur kannte jedes Haus, jede Hütte, jeden Baum und Strauch,— und da die Kirche,— der Kirchhof daran....; dort ruhte ſeine Wohl⸗ thäterin—!— Endlich hielt der Wagen;— Arthur ſprang heraus, er eilte in's Haus,— er konnte nicht mehr, er mußte allein ſein, er mußte ſich ausweinen. Walter, der ihm das Frühſtück brachte, riß ihn eine Viertelſtunde ſpäter aus ſeinem Erinnerungs⸗ ſchmerz, und ſich faſſend, lud er Walter ein, ſich zu ihm zu ſetzen und ihm von den Bewohnern von Waldburg zu erzählen. Walter that es, nachdem er einige Entſchuldigungen gemacht hatte, und er⸗ zählte nun von allen den Dorfbewohnern, ſo viel er wußte; endlich aber ſagte er:„Nun hab' ich noch Manches zu ordnen, des Herrn Auge muß überall ſein und ich bin drei Tage fortgeweſen.— Dann will ich auf das Schloß gehen und ſehen, wie es mit dem Obriſten ſteht und Sie bei ihm ——— ——— ——— 12 anmelden.— Arthur reichte ihm die Hand.„Mei⸗ nen beſten Gruß!“ ſagte er. Walter ging und Arthur blieb allein,— allein mit ſeinen Erinne— rungen, ſeiner Sehnſucht nach den Plätzen, die er einſt ſein genannt.— „Noch ſchlafen ſicher Alle im Schloſſe,“ dachte Arthur; er konnte der Luſt nicht widerſtehen, ſich in die Nähe desſelben zu begeben. Ungeſehen erreichte er die Hinterthüre, die aus dem Garten in's Freie führte; ſie war zwar ver— ſchloſſen, allein ein Fliederbaum lehnte ſich von Außen an die Mauer; dieſer Weg war ihm von früher her bekannt; er erſtieg ihn, ſprang von dort auf die Mauer, kletterte an einem Spalier herab und ſtand im Garten.— Mit welchen Gefühlen er dieſen Garten wiederſah, läßt ſich nicht beſchrei— ben; Freude und Schmerz wechſelten in ſeiner Bruſt, doch behielt die Freude die Oberhand; laut auf⸗ jauchzen hätte er mögen, als er die lieben Zeugen ſeiner Jugendluſt erblickte.— Dort der große Apfel⸗ baum, den er ſo oft erſtiegen hatte, das Spalier mit den frühen Aprikoſen, die Schaukel, die für ihn ſanpf ihn z erhül lichen Cgra Kann mug. 5 5 13 errichtet worden war, und dort— die Bank, wo W er mit Ida geſeſſen hatte und dann ihr Geſpräch 2 mit Waldburg belauſchte;— ſeine Bruſt hob ſich, d„ Zorn erwachte von neuem,— und dort,— dort das Fenſter—! Schwere grünſeidne Vorhänge hin— derten das Tageslicht, in's Zimmer einzudringen,— 6 dort ſchlief ſie!— Er fühlte, wie ſich ſein Herz krampfhaft zuſammenzog,— ein Bruſtkrampf drohte, ihn zu erſticken; er ſetzte ſich auf eine Bank und verhüllte ſein Geſicht mit beiden Händen. Das Wiederſehen. len Da naheten ſich leichte Schritte;— er aber merkte es nicht eher, daß ſich ihm Jemand nahe, als bis ein lauter Schrei ihn aus ſeinem ſchmerz— lichen Sinnen weckte; er fuhr empor,— ſie— gen Clara ſtand vor ihm,— gefolgt von Roſa, ihrem Kammermädchen, das eine Flaſche und einen Becher hn Zitternd ſtand Roſa da, ihr Auge ſuchte Arthur's = — ———— 14 Blick; ſchnell gefaßt, ſagte Clara mit matter, weicher Stimme:„Setze den Emſer-Brunnen und meinen Becher hierher auf dieſe Bank, gute Roſa, und— laß mich allein mit meinem Vetter.— Sie ſo früh ſchon hier zu ſehen, überraſchte mich, lieber Ar⸗ thur—!— Man ſoll den Grafen aber nicht wecken, hörſt Du, Roſa, durchaus nicht!“ Eine Handbewegung verabſchiedete das Mädchen, und ſich zu Arthur wendend, fuhr ſie freundlich fort: „Nun, lieber Vetter, wie geht es Ihnen?— Sie ſehen leidend aus!“— Arthur vermochte nicht zu antworten; ſtarr blickte er ſie an, Clara der ſich langſam, zögernd entfer⸗ nenden Roſa nach; als dieſe verſchwunden war, änderte ſie den Ton. „Arthur!“ ſagte ſie vorwurfsvoll. Da brach er in die Worte aus:„Iſt das menſch⸗ lich?— Ein Teufel biſt Du, Weib!— Für leicht⸗ ſinnig, für wankelmüthig hielt ich Dich,— allein Du biſt ſchlecht, verächtlich, ein elendes, erbärm⸗ liches Geſchöpf!“— „Arthur!“ rief Clara, und das Taſchentuch an ni lip ich bin 6 — ſhüpf, nit m 3 15 die Lippen gepreßt, ſank ſie auf die Bank.„Arthur, einen ich bin leidend, ich bitte, ſchonen Sie mich!“ „Schonen?— ich Dich ſchonen? Elendes Ge— ſchöpf, haſt Du mich geſchont? Haſt Du Mitleid * mit mir gehabt?“ nicht Statt aller Antwort preßte ſie das Tuch noch feſter an die Lippen, als ob ſie ſich bemühe, einen dchen, kurzen, ſchmerzlichen Huſten zu unterdrücken oder k doch zu verbergen. Sie Mit heftigen Schritten ging Arthur vor ihr auf und nieder, blieb plötzlich ſtehen, kreuzte die Arme blickte und blickte ſie ſcharf an. ntfer⸗„Meine ſchöne Frau Gräfin!“ ſagte er höhnend, war,„Sie wünſchen einen Triumph, einen vollkommenen Triumph! aber Sie irren ſich, ich hege durchaus nicht die Abſicht, Ihnen dieſen zu verſchaffen.— enſch⸗ Sie glauben, ich liebe Sie noch?— o nein! von leicht dem Augenblicke an, wo ich fühlte, daß Ihre Nei⸗ allein gung mit Gold zu erkaufen ſei,— habe ich Sie bärm⸗ verachtet, und den Mann verachtet und beklagt, der ſo hohen Preis für ein ſo leicht erreichbares Gutzahlte!“— ch an„Arthur!“ rief Clara mit ſanfter Stimme und — 16 ſchlug ihre großen, traurigen Augen zu ihm auf. „Arthur, noch einmal,— ſchonen Sie mich!“ Ein ſeltſames Gefühl beſchlich ihn, er konnte Clara's Blick nicht ertragen, er wandte ſeine Augen und wollte wieder in heftige Worte ausbrechen, da begann ſie von Neuem: „Wer ſagt Ihnen, daß ich meine Neigung ver⸗ kauft habe?“ „Alſo Sie lieben ihn?“ ſchrie er heftig auf. Sie blickte ihn wieder an, ſo innig, ſo beredt,— er mußte abermals die Augen wenden. „So haben Sie mich alſo nie geliebt, Arthur?“ fragte ſie,„denn ſonſt könnten Sie mir dieſe Frage nicht ſtellen!— Arthur, ich bin die Gattin eines Andern geworden... „Freilich, freilich!“ unterbrach ſie Arthur,„wes⸗ halb fragte ich auch!— ich habe es ja ſelbſt ge⸗ leſen;— Sie fühlten ſich ja ſo glücklich, eine län⸗ gere gegenſeitige Neigung verband ihre Herzen, ich— ich diente nur zum Zeitvertreib, zum Spiel⸗ wen „Mein Bruder hat Ihnen den Brief gezeigt, mih ſ U Ja, Ug wer ſus? yngen, dn Ji in die Rndez 17 den ich nach Waldburg's Antrag an ihn ſchrieb?“ fragte Clara ſchnell. nnte„Ja, Frau Gräfin! und hätte ich Graf Wald⸗ Nn burg weniger gehaßt, hätte ich ihm ſein Loos nicht da ſo aus Herzensgrund gegönnt, ich wäre zu ihm ge— gangen, hätte ihm Ihre Briefe, die Sie mir hinter er dem Rücken der Mutter ſchrieben, gebracht, hätte ihm die Stellen gezeigt, wo Clara Trautberg mir Rendezvous gewährte, wo ſie in meinen Armen, an d,— meiner Bruſt mir Treue gelobte,— Liebe heuchelte, weil— weil ich damals noch für einen reichen Erben galt!“ „Arthur!“ rief ſie dringender,„Arthur, ich — eines bitte Sie,— ſchonen Sie mich!“ „Was iſt an Ihnen noch zu ſchonen?“ fragte wes⸗ er in verächtlichem Tone; Clara aber antwortete ge⸗ mit unerſchütterlicher Milde:„Ein gebrochenes lin⸗ Herz!“ ch—„Was ſagen Sie?....“ rief Arthur überraſcht. „Arthur, ich frage Sie, was durfte ich meinem Bruder Anderes ſchreiben?— Er kannte unſer Ver⸗ Eglantine I. eigt, hältniß nicht, ich war Braut!—“ — „Ja Braut, Braut aus freier Wahl!“ rief Arthur ſchon zweifelhafter. „Meiner Mutter Wunſch war mir ſtets Geſetz,— ich gehorchte, und....“ „Und?— und?“ fragte angſtvoll Arthur. „Und ich bewies, wie groß die Seelenſtärke auch im ſchwachen Weibe ſein kann!— Arthur,— ich habe viel gelitten....!“ Arthur blickte ſie einen Augenblick prüfend an, dann brach er in ein lautes, helles Gelächter aus. „Poſſenſpiel! Poſſenſpiel! und weiter nichts!“ rief er;„Frau Gräfin, ich mache Ihnen mein Compliment, Sie ſpielen vortrefflich, ſchade nur, daß ich Sie bereits zu gut kenne, um Ihren ſchönen Worten Glauben zu ſchenken.“ „Sie kennen mich?— ja, ich habe es geglaubt, gehofft, aber.... es iſt nicht ſo!“ ſagte Clara ſanft, „Sie haben mich nie geliebt, Sie haben mich ver⸗ kannt, verhöhnt, gekränkt, aber— Ihnen kann ich nicht zürnen,— Arthur, ich werde Sie nie ver⸗ 8 „H ngebet pit, a duf ich ich!— hieſt Y naht ſche hann rief Geſpp eſetz, ſtärte guch — ich ifend an, chter aus. nichts!“ mein hade nur, en ſchönen s geglaubt, lara ſanft, nich ver⸗ kann ich e nie ver⸗ — — 19 geſſen!“— Sie ſprang auf und eilte dem Schloſſe zu, Arthur ihr nach. „Clara!“ „Laſſen Sie mich!“ „Clara, Sie zürnen?“ „Arthur, Sie haben mir ſehr, ſehr weh' ge⸗ than!“ „Darf ich Ihnen glauben?— O Clara, theure, angebetete Clara, ich will ja nur Wahrheit, Wahr⸗ heit, auf meinen Knieen flehe ich darum! Clara, darf ich Ihnen glauben,— Sie lieben mich wirk⸗ lich?—“ „Ich habe nur einmal, nur Einen geliebt und dieſer Eine waren Sie!“ „Meine Clara!— Gott, Gott, dieſe Stunde macht Alles, Alles gut!— Und ich konnte mich täuſchen laſſen!“ „Wilder, ungeſtümer Menſch!“— „Sage mir noch einmal, daß Du mich liebſt!“ „Ewig, mein Arthur!— aber laß mich jetzt, an möchte kommen; heute Abend,— dort jenes 6 N Fenſter!— weißt Du noch, dort, wo wir uns damals ſprachen, als die Tante noch lebte!— Du kommſt—? dort jenes Fenſter?!“ „Ich komme, meine Clara!“ jubelte Arthur, und Clara ſank an ſeine Bruſt, ihre Lippen berührten die ſeinigen; dann eilte ſie fort. Wie im Taumel kehrte er zurück nach ſeiner länd⸗ lichen Wohnung. Er ſchloß ſich in ſein Zimmer ein, ſuchte ſich zu ſammeln und dachte über der ehemaligen Braut Benehmen ernſtlich nach. Neue Zweifel erwachten und das alte Mißtrauen kehrte zurück ſeine Eitelkeit ließ ihn an die Wahrheit von Clara's Worten glau⸗ ben, und ſeine Erfahrungen widerſtritten. Er prüfte ſeine Gefühle für ſie, fand, daß von der früheren tiefen, innigen Ergebenheit keine Spur mehr vor⸗ handen ſei, und doch fühlte er ſich mit faſt un⸗ widerſtehlicher Macht zu ihr hingezogen. „Ich will den Obriſten aufſuchen, von ihm werde ich erfahren, ob Clara mit Waldburg in einer glücklichen Ehe lebt, oder ob ſie wirklich das Opfer der Pläne ihrer ehrgeizigen, falſchen Mutter gewor⸗ den iſt.— Arme Clara!“ ſeufzte er, ſuchte Walter uf und iſen T 0 wrnzuge l den eil In S d Herrſ i des O ſn Fißen NMein ihn grih liſ Du g Nr, das ſten qui Pod! Srll aus Nagra, wlt denn ſuchte Achten und e Eitelteit rten glau⸗ Er prifte früheren r vor⸗ t faſt un⸗ von ihm g in einer das Oypfer ter gewor⸗ hte Walter hit— 21 auf und fragte ihn, ob er ſich ſchon jetzt zum Obriſten Thalheim begeben dürfe? Dieſer erbot ſich, voranzugehen und Arthur anzumelden; langſam folgte er dem eilig dahinſchreitenden Wirthe. Aufklärung. Im Schloſſe war noch Alles ſtill, und ohne von der Herrſchaft bemerkt zu werden, gelangte Arthur in des Obriſten Zimmer. Dieſer ſaß mit umwickel— ten Füßen im Lehnſeſſel. „Mein Junge! mein Arthur!“ rief er und ſtreckte ihm gerührt die Arme entgegen;„mein alter Junge, biſt Du gekommen, mich zu beſuchen?— Da ſieh' nur, das verdammte Podagra! den ganzen Winter ſchon quäle ich mich damit— und ſoll nun in's Bad!— wird mir aber auch nichts helfen!— Soll aus dem Unterleibe kommen, das verwünſchte Podagra, ſoll Gichtſtoff ſein.— Carlsbad, dann Töplitz!— und es hilft Alles nichts!— Wie geht„ es denn Dir? Haſt Du auch Podagra?“ „Mein guter Obriſt, ich will auf Reiſen gehen, die Welt ſehen, mein Leben genießen.“ „Auch gut!— ja, wer das noch könnte!— myn Aber wer hätte auch geglaubt, daß ich kränklich ſu ud werden würde!— Du kannſt gar nicht glauben, n gih wie unangenehm es iſt!— Reiten kann ich auch ſch 3 nicht mehr; gehen ſoll ich zwar, aber ich finde keine e⸗ di Freihe daran! Ach, es iſt ein trauriges Leben!“ Vint Und ſp fuhr er fort zu klagen. n hatte Arthur konnte erſt ſpät zu Worte kommen; nachdem u Frihj es ihm aber gelungen war, die Leidensgeſchichte des u Ens Obriſten zu unterbrechen und ihn nach dem zu fragen, un nint was ihm am meiſten am Herzen lag, fragte er ſogleich önnt i nach dem Verhältniſſe zwiſchen Graf Waldburg und glager Clara: ob ſie glücklich mit einander lebten, und ob liſt ſe n Graf Waldburg es nie bereut habe, ſie ſich zur„Aſo Gattin erwählt zu haben? Inun g „Ja,“ war die Antwort,„ja, das kann man„Wei ſo genau nicht wiſſen!“ Und die Achſeln zu wieder⸗ ſte lich holtem Male zuckend, fügte Obriſt Thalheim hinzu: weilen m „„Anfangs hing der Himmel voller Geigen, da war gider 6 es ein Glück, eine Herrlichkeit! Dann kam das Söhn⸗ Vir z nachdem chichte des zu fragen, er ſogleich kann man zu wieder⸗ eim hinzu: da war das Söhn⸗ 23 chen an, die Erbfolge war geſichert, und Graf Wald⸗ burg wollte ſeine Gattin vor Liebe auf den Händen tragen! Aber, wie das ſo geht, die hübſche, junge Frau, an das Stadtleben und an Huldigungen aller Art gewöhnt, fing an, ſich einſam hier zu fühlen, ſich zu beklagen, daß ſie keinen Umgang ihres Alters habe. Die Mama behauptete, ihre Tochter müſſe den Winter in der Reſidenz verleben; Graf Wald⸗ burg hatte Geſchäfte hier.— Man trennte ſich.— Im Frühjahr kam ſie wieder, aber leidend.„Muß nach Ems!“ hieß es.— Das will der Graf nicht; nun trinkt ſie hier das Wäſſerchen,— aber die Cur bekömmt ihr nicht!— Was thut zuletzt nicht ein geplagter Eheherr—? Er ſchafft das Geld und läßt ſie reiſen!“ „Alſo die Gräfin iſt wirklich leidend?“ fragte Arthur gerührt. „Wer kann den Frauenzimmern in's Herz ſehen!“ ſagte lächelnd der Obriſt;„ſchmachtend ſieht ſie bis— weilen aus, aber... die böſe Welt meint, das habe andere Gründe.“ „Wirklich? und welche?“ fragte Arthur auf⸗ — merkſam. Der Obriſt zuckte die Achſeln.„Was ſagt man ihr denn nach? etwa eine frühere Neigung?“ forſchte Arthur weiter. „Nun, man ſpricht viel von einem jungen Ruſſen!“ flüſterte der Obriſt, ſich umblickend;„er brachte vorigen Herbſt einige Wochen der Jagd we⸗ gen hier zu, dann kehrte er in die Reſidenz zu⸗ rück;— er war ſehr muſikaliſch, die Gräfin liebt Muſik leidenſchaftlich, da haben ſie vorigen Winter alle Abende zuſammen muſieirt und ſich krank ge⸗ ſungen; die Urzte haben ihn nach Ems geſchickt,— nun,— da erklärt ſich das Bruſtleiden der Gräfin von ſelbſt!“ „Ach— ſo,— ja, ja! das finde ich ganz glaublich!“ antwortete Arthur und fügte dann ſpottend hinzu:„Der arme Graf! Ja, lieber Obriſt, die Leichtgläubigkeit der Ehemänner geht in's Weite!“ Und nun ſpöttelte und lachte Arthur über Waldburg's Blindheit, bedachte aber nicht, daß er ſelbſt eben wieder von Clara getäuſcht und betrogen worden war. Obriſt Thalheim lachte herzlich mit, wollte Arthur nicht wieder fortlaſſen,— und dieſer,— nun, un wußte Nuh, j Glices ſ ſunte e nglen! 1 Grifn m id fügte in Begr verlaf Pei ſei Ungen. „Got uf, li eſchictt,— r Griäfin e ich ganz ügte dann er Obriſ, sWeiite!“ ſelbſt eben worden 25 da er wußte, auch Waldburg werde betrogen,— fühlte Muth, ja ſogar Luſt, den einſt als Räuber ſeines Glückes ſo glühend Gehaßten wiederzuſehen. Jetzt konnte er ihm Spott mit Spott, Hohn mit Hohn vergelten! „Ich werde heute Mittag dem Grafen und der Gräfin meine Aufwartung machen!“ ſagte Arthur und fügte ſpottend hinzu:„Ich denke doch, daß ſie mich zur Tafel einladen werden? Dann ſehen wir uns ja wieder!“ Er empfahl ſich, indem er den Obriſten bat, ihn vorläufig anzumelden. Arthur, zu aufgeregt, um gleich zurückzukehren, ſchlenderte in der Umgegend herum und beſuchte jeden Ort, der ihm durch eine Erinnerung geheiligt war. Erſt nach zwei Stunden traf er wieder im Wirthshauſe ein; dort traf er Röschen, die eben im Begriff war, das Haus ihres Vaters wieder zu verlaſſen und auf das Schloß zurückzukehren. Bei ſeinem Anblick färbte hohe Röthe ihre Wangen. „Gott ſei Dank!“ rief ſie,„daß ich Sie noch treffe, länger hätte ich nicht warten können!“ 3 „Sie haben mich aufgeſucht, Roſa?“ fragte Arthur,„haben Sie einen Auftrag an mich?“ „Ach nein, Herr Hartlinger, ich kam, um Sie an Ihr Verſprechen zu erinnern, mir in der Stadt einen Dienſt zu verſchaffen.“ Arthur erglühte.„Ach!— daran denken Sie noch—? und gefällt es Ihnen hier nicht,— iſt der Dienſt bei Gräfin Waldburg....?—“ „O, das nicht,— Gräfin Waldburg iſt immer ſanft,— immer freundlich,— ſie ſagt mir nie ein „Nun alſo?„ „Ich kann nicht bleiben!— ich kann es nicht!“ erwiderte Roſa, mit Thränen im Auge. „Und weshalb nicht?—“ rief Arthur dringend. „Ach, lieber Herr Arthur!“ begann nach einer Pauſe das Mädchen,„die Pflicht'der Dienerſchaft iſt,— über Alles, was die Herrſchaft betrifft, zu ſchweigen.— Laſſen Sie auch mich dieſe Pflicht treu erfüllen,— fragen, forſchen Sie nicht,— aber glauben Sie mir, daß ich hier nicht bleiben kann!“ thur fuge er; wihns n ber— de ni in d ſicht fnder in der Stal Arthur U Lerſtehe „Wenn wude ich Eie ſih d Donkb und eilte lm nit ſcher den Gra N fue Arthur blickte ſie ſcharf an.„Iſt der Graf...2“ fragte er; Röschen unterbrach ihn ſchnell. un Se„O, der Herr Graf iſt gut,— er kümmert ſich der Studt durchaus nicht um die Dienerſchaft der Frau Gräfin,— 3 aber— der Dienſt iſt mir zu ſchwer!— Ich kann iten Sie mich in die Sitten und Gebräuche der Vornehmen — nicht finden!— O, Herr Arthur,— wenn Sie in der Stadt eine ehrliche Bürgersfrau wüßten...?—“ ſt inner Arthur blickte ſie wehmüthig an; er glaubte, ſie nnit ein zu verſtehen. „Wenn ich einen paſſenden Platz für Sie finde, werde ich es Ihnen ſchreiben,“ ſagte er,„verlaſſen es nicht!“ Sie ſich darauf!“ Dankbar drückte Roſa des Jugendgeſpielen Hand dringend. und eilte dem Schloſſe wieder zu.— 1 betrift, zu Die Badereiſe. ieſe Pflicht richt,— Um vier Uhr begab ſich Arthur auf's Schloß; 3 cht bleiben mit ſicherer Haltung, triumphirender Miene trat er dem Grafen entgegen und begrüßte dann mit feinem 28 Lächeln die Gräfin, welche leidend auf dem Sopha lag.— Er hatte ſich zwar vorgenommen, dem Stolz des Grafen mit kaltem Spott zu begegnen, aber— wo war der ſtolze Blick, das kalte Lächeln des Grafen geblieben?— Waldburg's Außeres hatte ſich in den drei Jah— ren, wo Arthur ihn nicht geſehen hatte, merklich ver⸗ ändert. Um zehn Jahre ſchien er gealtert; ſein Haar war ergraut, ſeine Züge waren ſcharf geworden.— Arthur vergaß faſt ſeinen Haß und fühlte Mitleid mit ſeinem Feinde.— Aber ſchnell ſchwand dieſe Regung wieder, als er öfter, tiefer in das Auge des Grafen blickte, das feſter, ſtolzer, ruhiger wurde, je länger Arthur ihm gegenüberſtand. Wald⸗ burg nahm nun auch wieder eine gnädig- herab— laſſende Freundlichkeit gegen Arthur an, das reizte dieſen.. Clara hatte dagegen Arthur's Gruß mit einem Blick des Einverſtändniſſes erwidert und hatte als⸗ dann einen ſcheuen Seitenblick auf ihren Mann ge⸗ worfen, der ruhig in den Zeitungen blätterte; viel⸗ leicht, um Faſſung zu gewinnen. Arthur nſe duch hhmi in irlicht ſt bi uf ihre Eitelit glit nicht hand zu be n, ſie den Clara ſe ſchien horchen un en zirllich wnig, abt ſte nit Let Stinme d zuh Auth ſih Cara ihn Aug Aufnerſa ſt an d b— dem Sophe dpr— eem Stolz hor Aber— 29 Arthur wollte der Gräfin ſo gerne zeigen, daß er ſie durchſchaue, aber die unerklärliche Macht, die dieſe Frau über ihn beſaß, verwandelte ſeinen Spott in Zärtlichkeit; er verachtete ſie, ſuchte, wünſchte, ſie bis auf's Innerſte ihrer Seele zu verwunden, ihre Eitelkeit zu kränken, und doch konnte er den Blick nicht von ihr wenden, doch ſuchte er ihrer Hand zu begegnen, doch ſchmeichelte er ſich, wünſchte er, ſie dem Ruſſen treulos zu machen. Clara ſpielte die Leidende, die Unterdrückte; ſie ſchien ihrem Gatten mit ſcheuer Furcht zu ge⸗ horchen, und blickte dann und wann verſtohlen, mit den zärtlichſten Blicken, nach Arthur hin. Sie ſprach wenig, aber ſobald ſie ein Paar Worte ſagte, die ſie mit Lebhaftigkeit hervorſtieß, oder ihre melodiſche Stimme dabei erhob und wieder ſinken ließ, fühlte auch Arthur ſein Herz erbeben.— Einigemale ſchien ſich Clara ſelbſt zu vergeſſen, ſie gerieth in Affect, ihre Augen blitzten; Waldburg's Blick hing mit Aufmerkſamkeit an ihren Zügen; ein ſcheuer Seiten— blick traf ihn, und ein heftiger Huſtenanfall hinderte ſie an der Fortſetzung ihrer Rede. Sie hielt das 30 Tuch feſt an ihren Mund gedrückt und ſank ſchmerz⸗ lich-zitternd in den Seſſel zurück. „Haſt Du Schmerzen, Clara?“ fragte Wald⸗ burg dann. „Ach, nicht doch,— nicht doch!“ hauchte ſie; aber der Huſten verdoppelte ſich; ſie ſchien der Er— ſchöpfung faſt zu erliegen,— und Arthur traf ein verſtohlener, ſchmerzverkündender Blick. Der Obriſt war bei alle dem ein paſſiver Zeuge; er ſaß da und betrachtete ſeine geſchwollenen Füße und fluchte leiſe in den Bart hinein. Als Arthur der Gräfin den Arm bot, drückte ſie ihm leicht die Hand; Arthur preßte ihren Arm feſt an ſeine Bruſt. Waldburg war mit dem Obriſten zu beſchäftigt, er bemerkte nichts. Nach Tiſche bekam Clara wieder einen Huſten⸗ anfall. „Nimm doch etwas Himbeerſaft, Clara!“ bat Waldburg; die Gräfin aber ſchüttelte traurig den Kopf.„Der hilft mir nicht mehr!“ „Sollte nicht ein Bad,— Ems?— zu em⸗ ſein ſichle miringen Dieſe w vewimt. „Nein, ie enſſett Wenn ug ſögem Lane. „O mei ſi, chne D Du liebſt; ſ riel geſe Und ich— in der Pel ürt ſch je du Welt a WValdb ſch nit m Gſrüch Bald — beſchifig Huſten⸗ bat urig den 31 pfehlen ſein?“ bemerkte Arthur und blickte Clara durchdringend an. Dieſe wurde, doch nur einen Augenblick lang, verwirrt. „Nein,— nein,— durchaus nicht!“ rief ſie wie entſetzt aus. „Wenn Du glaubſt, Clara....,“ verſetzte Wald⸗ burg zögernd und nicht ohne einen Anflug von übler Laune. „O nein, o nein!“ rief Clara,„Du weißt es ja, ohne Dich will ich nicht nach Ems reiſen, und Du liebſt ja das Reiſen nicht.... Du haſt ſchon ſo viel geſehen, ſo viel genoſſen in der Welt,— und ich— ich finde ja auch kein Vergnügen mehr in der Welt,— ſeit ich ſo krank bin....; ach, es hört ſich ja auch recht hübſch mit an, die Freuden der Welt aus Deinen Erzählungen kennen zu lernen.“ Waldburg biß ſich auf die Lippen und wandte ſich mit umwölkter Stirn zu Arthur, mit dieſem ein Geſpräch beginnend. Bald darauf empfahl ſich jedoch Arthur, bat den Obriſt, ihn auf ſein Zimmer begleiten zu dürfen, 5 — 32 und mit einem zärtlichen Blick der Gräfin Hand ergreifend, drückte er einen ehrfurchtsvollen Kuß dar⸗ auf; Clara aber fühlte zu gleicher Zeit ein kleines Papier zwiſchen ihren Fingern; ſie verſtand und ließ es in ihr Tuch gleiten. Als Arthur das Zimmer verlaſſen hatte, erhob ſie ſich, ſchwankte auf Waldburg zu, ſchlang ihre Arme um ſeinen Hals, blickte ihn zärtlich an und ſagte:„Könnteſt Du es nicht möglich machen, mich zu begleiten?“ „Clara, Du weißt,— leider kann ich nicht!“ „Leider? leider!“ ſchmeichelte Clara,„die Ge⸗ ſchäfte, die ewigen Geſchäfte!— Ach, daß ich ſo kränklich ſein muß!— Aber— nicht wahr, Ferdi⸗ nand, Du könnteſt nicht glücklich ſein ohne Deine Clara?— ſie darf nicht ſterben?—“ „Clara! wo denkſt Du hin!“ „Und ich will auch nicht ſterben, ich will Dich nicht verlaſſen, ich bin glücklich bei Dir!“ rief ſie, ſich an ihn ſchmiegend. „Du wirſt die Cur hier vollenden, meine Clara! Du wirſt Nein, lömmnt nir ſton in der pr Qule ſ „ra“ Pilſ „Dl lie Cura wein „Aber „Du li „Clra, „Und )—) nunft, eher hung verlie Joch e tor den A it were hertor, läe nit den F riſe doch, Shnine n 33 in Hand„Nein, mein Ferdinand, ich muß fort, hier ſß der bekömmt mir die Cur nicht!— Die Emſer Luft....; kleines ſchon in der Reſidenz ſagte man mir, daß ich an und ließ der OQuelle ſelbſt, oder nie geneſen würde.“ „Clara!“ erhob„Willſt Du, daß ich ſterben ſoll?“ ung ihre„Du wirſt nicht ſterben!“ n und„Du liebſt mich nicht, willſt meinen Tod!“ und. en, nich Clara weinte heftig. „Aber Frau, ſo....“ nicht“„Du liebſt mich nicht!“ die Ge—„Clara, Du biſt kindiſch!“ ß ich ſo„Und Du hart!“ „Ferdi⸗„Nein, ich halte es nicht aus! Komm'zur Ver⸗ e Deine nunft, eher ſiehſt Du mich nicht wieder!“ Und Wald— burg verließ mit heftigen Schritten das Zimmer. Noch eine Weile lang blieb Clara, das Tuch ill Dich vor den Augen, ſtehen; als aber ſeine Schritte ver⸗ rief ſe, hallt waren, zog ſie es weg, nahm Arthur's Billet hervor, lächelte, indem ſie es entfaltete, trat leicht eClara! mit dem Fuß auf den Boden und rief trotzig:„Ich reiſe doch, magſt Du Dich ſperren, wie Du willſt!“ Eglantine H. 3 S *„ Aber kaum traute ſie ihren Augen, als ſie Pulb las: ti hei D „Der Gräfin Clara von Waldburg wünſcht Paldbur ein fröhliches Wiederſehen mit ihrem ſlaviſchen Cumn, Du Freunde in Ems Rein, Arthur Hartlinger.“„ch we „Abſcheulicher!“ rief Clara und erglühte;„Du zite Dich haſt Dein Schickſal verdient! Wenn Du mich wahr⸗„Dis haft geliebt hätteſt, könnteſt Du mich jetzt nicht ſhrect, kränken.— Nun will ich aber, nun muß ich nach find würd Ems!“ Sie erhob ſich trotzig aus dem Seſſel, in Nin, den ſie im erſten Schreck über Arthur' Billet g⸗ Phung ſunken war, durchſchritt das Zimmer mehremale und Mein ſagte zu ſich ſelbſt:„Geärgert haſt Du Dich doch, Aber. mein lieber Arthur!“ Dann lachte ſie und fuhr in. 2Pan ihrem Selbſtgeſpräche fort:„Es geſchah Dir Recht, grhne biſ eine kleine Demüthigung haſt Du verdient!“ und er ein Liedchen trällernd, hüpfte ſie aus dem Zimmer,„Desh eilte durch den Corridor nach der Kinderſtube, Eine öffnete die Thüre und ſtand vor Waldburg, der, Julr no zärtlich ſeinen Sohn betrachtend, an deſſen Wiege Pide ſaß. nnlien vünſcht iſchen Dir Recht Wiege eR Wiiht 35 „Waldburg, ich war thöricht!“ rief Clara,„ich bleibe bei Dir!“ Waldburg reichte ihr die Hand entgegen.„Nein, Clara, Du ſollſt reiſen, ich war zu heftig!“ „Nein, ich bleibe!“ „Ich werde mich ſchon frei machen...; ich be⸗ gleite Dich, und unſer Junge auch!“ „Das Kind!— wo denkſt Du hin!“ rief Clara erſchreckt,„nein, nein, ich bleibe;— das zarte Kind würde krank werden!“ „Nun, ſo werden wir es zurücklaſſen!“ verſetzte Waldburg. „Mein Kind?! ich ſtürbe vor Angſt!“ „Wenn ich nicht weiß, daß Du bei meinem Sohne biſt, habe ich keine Ruhe!“ „Aber ohne mich willſt Du ja nicht reiſen!“ „Deshalb will ich lieber ſterben!“ Eine Pauſe entſtand, dann ſagte ſie:„Ob die Mutter noch nach Ems reiſen wird?—“ Wieder entſtand eine Pauſe, dann fragte mit merklichem Widerſtreben Waldburg: . 36 . „Willſt Du mit Deiner Mutter reiſen, Clara?“ Nach einigem Nachdenken erwiderte ſie:„Wenn Du mir verſprichſt, mich dort abzuholen?“— „Das ließe ſich vielleicht machen!“ war die Antwort. „O, das wäre herrlich!“ rief Clara und klatſchte in die Hände, hüpfte wie ein Kind umher und herzte und küßte Waldburg,— dann kam wieder der Bruſthuſten. „Ja, ich muß fort!“ ſeufzte ſie ernſt,„ich bin es Dir, ich bin es dieſem unſchuldigen Kinde ſchuldig.“ Auch Waldburg ſah es nun ein, daß ſeine Frau nach Ems reiſen müſſe. Eine Entdeckung. Arthur kehrte Tags darauf nach.. zurück, wo er Herrn Langen aufſuchte, um mit dieſem Rück⸗ ſprache zu nehmen wegen ſeiner Geldangelegenheiten, und wie ihm das Geld, falls er noch auf Reiſen ginge, zugeſendet werden ſollte. nden ſi di Cu ſiſtes be uh dis! ſt an die 2 halb beſchle Athur Ales gebr eiſpläne Hhochondt „Dus bin geheilt Nun, Ihnen ſteh in Vemi wuhl Urſa ich die V worden ſi inein ei znal da Die Heimath war Arthur zuwider geworden, beſonders ſeit er zu der überzeugung gekommen war, daß Clara von jeher ein kaltes, leichtſinniges, ego— iſtiſches Geſchöpf geweſen ſei, und ihm nun auch, durch das letzte Wiederſehen, jede Erinnerung an ſie, an die Vergangenheit getrübt worden war; des⸗ halb beſchleunigte er ſeine Anſtalten zur Abreiſe. Arthur fand Langen zu Hauſe, und bald war Alles geordnet. Langen freute ſich über Arthur's Reiſepläne und meinte, es ſei das beſte Mittel gegen Hypochondrie. „Das brauche ich nicht mehr!“ rief Arthur,„ich bin geheilt!“ „Nun, das freut mich zu hören, junger Mann! Ihnen ſtehen ja tauſend Wege offen, eine Stellung, ein Vermögen zu erwerben;— allein— Sie hatten wohl Urſache, mit dem Geſchick zu grollen; wer wie ich die Verhältniſſe kennt, weiß, wie Sie erzogen worden ſind, der begreift, daß Sie ſich nicht gleich in ein einfaches, beſchränktes Leben finden konnten, zumal da es, wie ich weiß, der Gräfin Wille war, daß Sie ihr Univerſalerbe werden ſollten, und — — 38 daß ſie auch daraus gegen Sie kein Geheimniß machte.—“ „Noch wenige Tage vor ihrem Tode hatte ſie mir es geſagt!“ ſeufzte Arthur,„aber laſſen wir das!“ „Was werden Sie denken,“ fuhr Langen fort, „wenn ich Ihnen ſage, daß...“ „Sie war meine Wohlthäterin....,“ unterbrach ihn Arthur und erhob ſich, um zu gehen. Langen hielt ihn zurück. „Nein, ſagen Ste mir ich quält ſchon längſt ein Gedanke, der.... Die Gräfin, Sie wiſſen, war früher....!“ „Ja, ich weiß!“ unterbrach ihn Arthur,„als ſie aber ihr Teſtament machte, war ſie vollkommen bei Sinnen.“ Langen ſah ihn ernſt an.„Nun, Gott ſei Dank! wenn es ſo war, dann hat ſie auch wirklich den Grafen gemeint!“ „Was wollen Sie damit ſagen?“ rief Arthur aufmerkſam. „Ich fürchtete,— ſie hätte Sie mit ihrem ihlte n — wſorenen Arhun ſchmnit. WVis iſ ufn.“ „Iſ, e5 Waldburg „Un G tite Sie gigenden iern!“ „O ne Strahl der „Sie habe ſchſt gege win Mu n under ſihn o diß ſe ih eeimniß Men wir f Arthur 39 verſtorbenen Sohne verwechſelt, der bekanntlich auch Fdi„ Arthur ſprang auf,— er wurde bleich, er ſchwankte. „Was iſt Ihnen?“ rief Langen,„ich will nicht ſ „Ja, es iſt ſo!“ rief Arthur leidenſchaftlich,— „Waldburg iſt ein Dieb,— ein Räuber!“ „Um Gotteswillen!“ rief Langen ängſtlich,„ich bitte Sie,— da iſt Nichts mehr zu machen, keine genügenden Beweiſe, Sie würden den Proceß ver⸗ lieren!“ „O nein, nein!“ rief nun Arthur, und ein Strahl der Freude glitt über ſein bleiches Antlitz, „Sie haben mir mehr, mehr als die verlorne Erb⸗ ſchaft gegeben, Sie haben mir den Glauben an meine Mutter zurückgegeben!“ „Wäre es möglich!“ rief Langen, und Arthur erzählte nun, wie die Gräfin in der letzten Zeit ihn nie anders als Ferdinand genannt habe, und wie ſie ihm verſprochen hatte, auch der Welt zu zeigen, daß ſie ihn als ihren rechtmäßigen Sohn anerkenne. „Deshalb alſo der Zorn,“ rief Langen aus, „in welchen ſie ausbrach, als ich ſie bat, doch auch Arthur Hartlinger's zu gedenken....!“ „Weiter, weiter!“ rief Arthur. „Meinem Ferdinand darf ich Nichts entziehen! ſagte ſie mir damals,“ fuhr Langen fort,„und nur auf mein dringendes Bitten ſetzte ſie Ihnen die fünf⸗ hundert Thaler jährliche Leibrente aus. Sie lachte damals allerdings auf eine ſeltſame Weiſe und ſagte: Das wird luſtig werden, wenn Ferdinand Arthur die Leibrente auszahlt! O, daß die Menſchen ſo kurzſichtig ſind! für mein Herz lebt nur ein Ferdi⸗ nand! aber ſie können es freilich nicht wiſſen, was Ferdinand mir iſt; ich aber weiß es, und deshalb ſoll dieſer Name in meinem Teſtamente ſtehen!— Ich konnte nichts thun, als gehorchen,— auch ſind mir die Zweifel erſt ſpäter gekommen.“ „O mein Gott, mein Gott!“ rief Arthur,„und auch mir kam dieſer Gedanke nicht früher, ich konnte glauben, daß ſie mich getäuſcht habe!“ Er ver⸗ hüllte ſein Geſicht; dann drückte er freudig Langen's Hand.„Ich danke Ihnen!“ ſagte er,„ich danke Gott, daß guiumti xote denlen zu dr in vn, 1 ind Alles, in Schleie Ult wie! uge hob irlichteit nach Cnle ſcen.„ 6 lhen, m i ſeinen u ich bi die ganze le, alle d nur tonnte Er ver⸗ h danke 41 Gott, daß ich nun wieder mit der alten Liebe, Dankbarkeit und dem alten Vertrauen an die theure Todte denken kann!“ In der heftigſten Aufregung verließ er Langen; ihm war, als ſei er aus ſchwerem Traum erwacht, und Alles, Alles müſſe nun wieder gut werden; ein Schleier ſank von ſeinen Augen, der ihm die Welt wie durch trübes Glas gezeigt hatte, und ſein Auge hob ſich frei, ſtolz und glücklich zur goldenen Frühlingsſonne empor. Er eilte nach ſeiner Wohnung zurück; dort nahm er Papier und Feder und ſchrieb einen Brief voll Zärtlichteit an Obriſt Thalheim, dem er verſprach, nach Carlsbad zu kommen, um ihn dort wiederzu⸗ ſehen.„Gott ſchenke Ihnen Geſundheit und langes Leben, mein theurer, väterlicher Freund!“ ſo ſchloß er ſeinen Brief,„denn Sie ſind mir, wie Alles, was ich beſitze, jetzt noch einmal ſo lieb, als früher, die ganze Welt möchte ich an mein Herz drücken; alle, alle Menſchen glücklich wiſſen!“— Ida. Die Saiſon in Carlsbad war eröffnet worden; an den verſchiedenen Quellen ſaßen halberwachſene Mädchen in weißen Röckchen und grünen Spencern; ſie froren, daß ſie zitterten, aber— die Saiſon war eröffnet, deshalb mußten ſie ſo ſommerlich ge⸗ kleidet erſcheinen, während die Curgäſte, in Mäntel und Pelze gehüllt, mit ihren Bechern in der Hand, langſamen Schrittes auf- und niedergingen. Die Geſellſchaft war noch klein, die Badeliſte zählte kaum zweihundert Parteien auf, allein mit jedem Tage füllte ſich der Badeort mehr und mehr, und von Viertelſtunde zu Viertelſtunde konnte man rechnen, vom Thurme herab das ewige Einerlei blaſen zu hören, welches jedesmal die Ankunft eines neuen Badegaſtes verkündete. Schon mehren Gäſten war eine junge Dame in Halbtrauer aufgefallen, theils wegen ihres inter⸗ eſſanten Außeren, theils auch wegen der Sorgfalt, womit ſie ſich eines alten Herrn annahm, den man nnin ſur nſch i „n Brür ſulen hulumer, hute n ſhffn, Gri wihnen 2 Nne ſ, hicte und ſinbrichte Pater oder Sut uf d Bideliſt.“ „Der Gruf Nodh „Und d Dne;„ vich auf d „Aber, w fnde ſt ſt nic hat halt 43 allgemein für ihren Vater hielt. Beſonders beſtreb⸗ ten ſich ein Paar Damen, den Namen der inter— eſſanten Brünette, ſo nannten ſie die Dame in Halbtrauer, zu erfahren. „Heute müſſen Sie mir den Namen zu wiſſen ſchaffen, Graf Nadherny!“ rief die eine der ſchon erwähnten Damen eines Morgens einem jungen Manne zu, der ſich zur Quelle des Thereſienbrunnens bückte und dem einen Brunnenmädchen ſeinen Becher hinabreichte;„ich muß wiſſen, ob der alte Herr ihr Vater oder ihr Mann iſt; ſie wohnen zum goldenen Stuck auf der Wieſe, ſtehen aber noch nicht in der Badeliſte.“ „Der Mann iſt es, ohne Zweifel!“ verſicherte Graf Nadherny gleichgültig. „Und das ſagen Sie ſo ruhig!“ rief lebhaft die Dame;„wenn ich ein Mann wäre, ich verliebte mich auf der Stelle in ſie.“ „Aber, Fräulein, die ſogenannte intereſſante Brü— nette finde ich halt weder hübſch noch intereſſant; ſie iſt nicht mehr jung, ſchaut ſehr bleich aus und hat halt ſo etwas Beſtimmtes in ibrem Auftreten; es ſeckirt mich allweil, daß man gleich ſieht: ſie iſt gewohnt, ihren alten Mann zu dominiren!“ „O, wie ſchrecklich!“ rief Valerie, und ſich zu ihrer Begleiterin wendend, fuhr ſie fort:„Es iſt ein ſchrecklicher Menſch, der Ignaz Nadherny, nicht wahr, Tantchen!“ und dann ſchnell den Arm ihrer Tante loslaſſend, rief ſie Graf Nadherny ſchon im Fort⸗ eilen zu:„Sehen Sie, dort tritt ſie zur Quelle,— ich rede ſie an!“ Und ſchnell war ſie an das Ge⸗ länder des Mühlbrunnens, dicht neben die erwähnte Dame, getreten. Graf Ignaz Nadherny blickte ihr lächelnd nach. „Ein herziges Fräulein, Ihre Nichte!“ ſagte er zu der älteren Dame,„ſo kindlich, ſo fröhlich!“ „Gewiß!“ verſetzte die Dame, ein Stiftsfräulein, Nanette Edle von Nagel und Kaiſershofen aus Prag, „gewiß, Valerie iſt ein gutes, herziges Kind, mir dient ſie halt zur größten Aufheiterung!—“ „Schaun's,— ſie iſt richtig in Converſation mit der Unbekannten!— ſie ſpatzieren zuſammen weiter—!“ rief Nadherny. „Ein Vorrecht der Jugend, ſo leicht Bekannt— ſt die ſondern ginkt d Nihlör 45 ſchaften zu machen,“ verſetzte das Fräulein,„ſpäter geht das nicht ſo leicht!— Wie könnte ich jetzt bſich 3 6 3 k u noch ſo neugierig ſein, ihren Namen zu erfahren, iſt ei obgleich ich nicht läugnen kann, auch auf mich hat die Unbekannte einen Eindruck gemacht! Ich ſchau' ſie nur immer gern an!—“ Volerie kam jetzt mit triumphirender Miene zu⸗ rück; neben ihr ſchritt die Unbekannte. „Tantchen!“ rief ſie ſchon von weitem,„Tant⸗ ut chen, Frau von Richtern wünſcht, Dir aufgeführt zu werden!“ und ſich zu Nadherny wendend, raunte nah ſie dieſem zu:„Der alte Herr iſt nicht ihr Mann, ſagte er ſondern ihr Onkel, heißt Obriſt von Thalheim und trinkt drei Becher Sprudel und vier bis fünf Becher früulein, Mühlbrunnen; ſie iſt ſeit dreiviertel Jahre Wittwe Prag und...“ mr„Und das wiſſen Sie ſchon Alles?“ fragte lächelnd der Graf. ſation„Ei freilich! ich habe ſie ausgefragt und ihr ammen alsdann meine Lebensgeſchichte erzählt.“ „In fünf Minuten? Nun freilich, Ihre Lebens⸗ geſchichte iſt noch nicht lang, mein Fräulein!“ ſagte lachend Graf Nadherny; auch Valerie lachte, that aber, als ob ſie zürne, und rief:„Wie ſchrecklich Sie ſind, mich ſo aufzuziehen!“ Ida Richtern hatte kaum die Nachricht erhalten, daß Obriſt Thalheim Carlsbad beſuchen werde, als ſie ſich auch ſchon entſchloß, ihn zu begleiten, zumal der Arzt ihr ſchon lange dieſe Quellen verordnet hatte. Acht Tage waren ſie nun ſchon in Carlsbad, ohne irgend eine andere Bekanntſchaft, als die ihres Arztes, gemacht zu haben. Das Wetter war zu unbeſtändig geweſen, um größere Touren zu unter⸗ nehmen, und ſo hatten ſie ein recht einförmiges, ſtilles Leben geführt; für Ida war alſo die Be— kanntſchaft der Damen von Nagel und Kaiſershofen eine ſehr angenehme Unterbrechung. Sie beſuchten einander, und da das Wetter ſich nun beſſerte und ſchöne Tage kamen, wurden Ausflüge auf die Berge unternommen. Graf Nadherny diente den Damen als treuer Beſchützer und fühlte ſehr bald ſein Vorurtheil gegen Ida ſchwinden. Sie war alledings decidirt, aus jeder Miene ynch in Choiter wuſen ile Lun Graf 39 ſhnell U ſrit ab Gegenſt ſih erri Lerthe ſingerſ digte, he zn emf di ſtd auf Bei 47 * that ſprach ein feſter, in mancher ſchweren Lage erprobter Charakter, aber ſie bemühte ſich auch wieder ſo un— verdroſſen um den leidenden Onkel, ertrug ſeine halten, üble Laune, ſeine oft ungerechten Klagen mit einer de, als ſo ächt weiblichen Sanftmuth und Geduld, daß umal Graf Ignaz ſich geſtehen mußte, er habe ſie zu trordnet ſchnell nach dem äußeren Scheine beurtheilt.— Er öad, ſtritt aber demohngeachtet mit Valerie über dieſen die ihres Gegenſtand, freute ſich, wenn das junge Mädchen zu ſich ereiferte und ſich beſtrebte, Frau von Richtern unter⸗ zu vertheidigen.— Er ſah es ſo gern, daß Valerie, miges, hingeriſſen von dem Gegenſtande, den ſie verthei⸗ i Be⸗ digte, hoch erglühte und das kindliche Geſichtchen in ofen gar ernſte Falten zog.— Ida ahnte freilich nicht, eſuchten daß ſie der Grund des Streites war, und ſah lächelnd te und auf Beide, im Stillen ſie einander beſtimmend. Berge So verging die halbe Zeit, welche die Cur für den Obriſten währen ſollte, und Ida zählte bereits reuer die Tage, bis ſie die ihrige vollendet haben würde, urtheil denn dann wollte ſie nach Waldburg, dem einſam dort zurückgebliebenen Bruder die Zeit zu verkürzen, An dieſen bis Clara aus Ems zurückkehren würde. 48 ſchrieb ſie eines Morgens, als ihr Kammermädchen in's Zimmer trat und ihr meldete, daß ein junger Herr angekommen ſei, der jetzt beim Obriſten ſei und ſpäter auch ihr ſeine Aufwartung machen wolle; den Namen hatte ſie vergeſſen. „Arthur!“ rief unwillkürlich Jda,„gewiß, er iſt es!“ und ſich zu dem Kammermädchen wendend, ſagte ſie:„Er wird mir ſehr willkommen ſein!“ Und als das Mädchen das Zimmer verlaſſen hatte, preßte ſie die Hand aufs Herz und ſagte zu ſich ſelbſt:„Mein Gott! mein Gott! wie bewegt mich dieſes Wiederſehen! Wie viel habe ich durchlebt— in ſeiner Nähe, wie viel habe ich nicht um ihn, durch ihn gelitten!— Wie, wie werde ich ihn wiederfinden?— In welchen Lagen des Lebens haben ſich unſere Wege gekreuzt!— An welche ſchöne, ſchwere und doch ſo liebe Zeit erinnert mich dieſes Wiederſehen! und— ach! wie wird ſich ſein Charakter entwickelt haben!“ Ihr Herz ſchlug heftig, eine freudige Aufregung bemeiſterte ſich ihrer, und als Arthur eintrat, ver⸗ mochte ſie die Thränen nicht zurückzuhalten; ſtumm nitn ſt fü wöi Par, ind in ſtun Nund, 1 Peide w ſuumn gn ihre At wie er ſe Vit Zit ſch Beide* wein! hen ho er hnge ur ge ſich vob Idn we welche rt mich ich ſein fregung ſtumm reichte ſie ihm die Hand entgegen. Arthur, der mit faſt trotzigem Ausdrucke in ſeinen Zügen eingetreten war, änderte bei dieſem Anblicke ſogleich die Miene, ein freundliches, mildes Lächeln ſpielte um ſeinen Mund, und herzlich ergriff er die dargebotene Hand; Beide waren zu bewegt, um ſprechen zu können; ſtumm nur deutete Ida ihm einen Platz zum Sitzen an ihrer Seite an. Arthur fand zuerſt wieder Worte; er ſagte ihr, wie er erſt von Obriſt Thalheim erfahren habe, daß ſie Wittwe ſei, und daß Baron Richtern längere Zeit ſchwer gelitten habe; dann unterhielten ſich Beide von der Vergangenheit, und Arthur, als habe er ein Unrecht gut zu machen, ſprach, indem ſein Herz hoch aufſchlug, von ſeiner Pflegemutter, was er lange, lange Zeit hindurch vermieden hatte; jetzt aber gegen Ida ſchüttete er ſein Herz aus und zeigte ſich voll Liebe, voll Dank gegen die Verſtorbene; Ida weinte vor Rührung und Freude.— Unvermerkt verging die Zeit, und höchlichſt ver⸗ wundert war Ida, als ſich die Thüre öffnete und Graf Nadherny eintrat, der ſie zum Diner abzu⸗ Eglantine M. 4 50 holen kam. Er ſtutzte, als er den ſchönen, jungen Mann an Ida's Seite gewahrte und Beide in augenſcheinlicher Aufregung fand. „Da kann ich etwas Neues erzählen!“ dachte der Graf; aber gleich darauf empfand er ein un⸗ beſchreibliches, dem Widerwillen ähnliches Gefühl, indem er den Ankömmling näher betrachtete und ſich ihm der Gedanke aufdrängte:„Gewiß ein Bräutigam, ſie iſt verlegen!“ Laut aber fragte er: „Wahrſcheinlich der Herr Bruder? Wollen Sie mich ihm nicht aufführen, gnädige Frau?“ Ida erglühte.„Herr Hartlinger!“ ſagte ſie, nicht ohne ein kleines Zögern,„Graf Nadherny!“ und eilte dann, ihre Befangenheit unter dem Stroh⸗ hute zu verbergen, den ſie ſchnell aufſetzte. Ein zweiter, für Ida verlegener Moment war die Präſentation Arthur's an Fräulein von Nagel und Kaiſershofen und ihre Nichte Valerie, die vor dem Hauſe ihrer harrten. „Herr Hartlinger!“ ſagte ſie etwas ſchnell und fügte dann leiſe hinzu:„Er iſt im Hauſe meiner Tante erzogen!“ Sb/ hun br d Sis „Aller pir wuchſ uh wi Mh ſchoß ih beniſer ſibſt„ Ida zni eier un l es ab mnillün ſiche des Zichen u behaltn. Na ud Grn ſoron Sul„ ( S lent war die vor tell und meiner „So, ſo!— wahrſcheinlich mit dem jungen Herrn Grafen?“ fragte, die Naſe etwas rümpfend, das Stiftsfräulein. „Allerdings!“ ſtotterte Ida,„allerdings, wir wuchſen mit einander auf,—— deshalb exiſtirt auch noch eine Art von Vertraulichkeit zwiſchen Arthur bemerkte Ida's Verlegenheit, das Blut ſchoß ihm in's Geſicht, ein unbeſchreibliches Gefühl bemeiſterte ſich ſeiner, und leiſe ſagte er zu ſich ſelbſt:„Sie ſchämt ſich meiner!“ Er zog ſich von Nda zurück, ſprach nur mit Valerie, welche ſehr heiter und unbefangen war, und Obriſt Thalheim; als es aber zum Bezahlen kam, warf er mit einer unwillkürlichen Bewegung des Hochmuths das Vier⸗ fache des Betrags auf den Tiſch, dem Kellner ein Zeichen mit der Hand gebend, er möge das Geld behalten. Ida ſaß verſtimmt zwiſchen dem ältern Fräulein und Graf Nadherny(welcher ſich ganz beſonders zuvorkommend gegen ſie zeigte); denn in ihrer edlen Seele war ein Kampf entſtanden.— Sie machte Uhn iu ſich Vorwürfe über die unwillkürliche Beſchämung, die ſie empfunden hatte, als ſie Arthur als alten Bekannten vorſtellen und zu gleicher Zeit ſeinen bürgerlichen Stand bekennen mußte, eine Schwach⸗ heit, die ſie als ſolche längſt erkannt hatte, aber gihnn chu in „ihren bis jetzt zu ſchwach geweſen war, abzulegen. Sie mnn tämpfte aber, und ihr beſſeres Gefühl ſiegte; im Sie blei Stillen Alles Arthur abbittend, ſuchte ſie ſeinem ut Blick zu begegnen, um wenigſtens durch ein freund⸗ ſch ſin liches Lächeln ihm zu ſagen;„Ich ſchäme mich dn vo Deiner ſchon nicht mehr! vergieb mir!“ uyſihl Arthur aber vermied ſtandhaft, ſie anzuſehen. hilin Jetzt erhob man ſich; der Obriſt rief Wa zu: Riten „Denken Sie ſich, unſer Arthur will ſchon morgen Sih wieder fort!“ mer h „Wie?— ſchon morgen?“ rief Ida in unge⸗ Si heuchelter überraſchung,„nein, das geht nicht an!“ ii, „Sie kennen wohl ſchon die Umgegend?“ warf beſch. Graf Nardherny lricht hin. P „Ich kam nur, um meinen würdigen, väterlichen yii Freund, den Obriſten von Thalheim, zu beſuchen; mein Wunſch, ihn zu ſehen, iſt erfüllt!“ erwiderte 53 ämn, Arthur kurz; leiſer aber murmelte er zwiſchen den us alten Zähnen:„Mich feſſelt Nichts mehr hier!“ it ſeinen„Ihren Arm, Herr Hartlinger!“ rief Ida nicht Schon ohne eine kleine überwindung in freundlichem Tone, e, aber„führen Sie mich nach Hauſe, dort will ich Ihnen Sie auseinanderſetzen, daß dies nicht angeht,— daß e; im Sie bleiben müſſen!“ ſeinen Arthur gehorchte nur widerſtrebend; brummend, freund⸗ ſich ſeiner Stütze beraubt zu ſehen, folgte der Obriſt mich dem voranſchreitenden Paare, und Graf Nadherny empfahl ſich mit ſpöttiſchem Lächeln, um die beiden uſehen. Fräulein Nagel und Kaiſershofen nach Hauſe zu da zu: geleiten. n morgen Schweigend ſchritten Ida und Arthur neben ein— ander her; endlich brach ſie das Stillſchweigen. in unge⸗„Sie dürfen uns nicht verlaſſen! Sie wiſſen ſicht an!“ nicht, wie der Obriſt ſich gefreut hat auf Ihren d“ warf Beſuch. Sie müſſen mir verſprechen....!“ „Was kann Ihnen an meiner Geſellſchaft liegen, iterlichen gnädige Frau?“ erwiderte Arthur. beſuchen;„O, ſehr viel!“ „Wirklich?“ erwiderte 54 „Ich ſehe keinen Grund, weshalb ich es leugnen ſoll!“ rief Ida raſch,„Ihre Nähe erheitert meinen Onkel, und meine Freundſchaft für Sie iſt Ihnen bekannt! Ich war ja immer Ihre mütterliche Freundin!“ „Ich weiß wohl, gnädige Frau,“ erwiderte Arthur ernſt,„wie viel Güte Sie ſtets für mich hatten, ich danke Ihnen aufrichtig und werde es nie ver— geſſen, allein— was ſoll ich hier?— hier unter dieſen vornehmen Menſchen, die auf mich nur mit Geringſchätzung blicken?“ „Was thut das?“ rief Ida ſchnell. „O nichts,— gar nichts!“ erwiderte Arthur, „man wird mich dulden, weil Sie mich Ihrer Ge⸗ ſellſchaft werth erachten, allein— ich gehöre nicht gern zu Denen, die nur geduldet werden!“ „Dieſer Stolz gefällt mir, Hartlinger,“ erwi⸗ derte Ida,„ich erkenne Sie wieder, wie ich Sie früher— liebte, allein hier iſt Ihr Stolz an fal⸗ ſcher Stelle....“ „Das iſt er nie, gnädige Frau!“ „Hartlinger, wollen Sie mir eine Bitte gewähren?“ 6 ſhes Lich „Shr ich ſebſt und ſche uſtſ ih hau ſich ſei dii hol mnih hilun erwi⸗ ich Sie an fal⸗ 55 „Gnädige Frau!“ „Wollen Sie?“ „Sie dürfen über mich befehlen!“ „Nun, ſo bleiben Sie noch einige Tage!“ „Wenn Sie befehlen!“— „Nein, nicht deshalb...., ſondern— weil ach, ich will offen ſein!— Ich habe einen Fehler,— den will ich ablegen, ich will mich beſſern, und Sie ſollen mir dazu behülflich ſein! wollen Sie?“ „Gnädige Frau, welche Güte! Sie beſchämen mich!“ und um Arthur's Lippen zuckte ein ſpötti⸗ ſches Lächeln. „Sprechen Sie nicht von Beſchämung,— denn ich ſelbſt fühle ſie—! Alſo— auf Wiederſehen!“ und ſchnell eilte ſie in ihr Zimmer. Dort ſagte ſie zu ſich ſelber:„Ich bin zu weit gegangen,— aber ich hatte jaein Unrecht gut zu machen! Ich ſchämte mich ſeiner,— das war unrecht!“ Arthur aber dachte:„Daß doch die Frauen das Kokettiren nicht laſſen können! Graf Nadherny genügt ihr ſchon nicht mehr, auch ich ſoll an ihrem Triumphwagen ziehen;— nun, ich kann es mir — — gefallen laſſen, daß Graf Waldburg's Schweſter mit mir kokettirt; die Frau iſt intereſſanter noch, als früher, und die kleine Lection kann ihr nichts ſcha⸗ den,— denn eine ſolche muß ihr werden!“ Gegen fünf Uhr ſaß Frau von Richtern ſchon vor ihrer Hausthüre und harrte, während der Obriſt ſeine Cigarre rauchte und ſeinen Kaffee vor dem Kaffeehauſe, zum Elephanten genannt, trank, auf ihre beiden Fräulein und Graf Nadherny; da kam Arthur, der bis zu dieſem Augenblicke beim Obriſten geſeſſen hatte, und ſetzte ſich zu ihr. Er war ge⸗ ſprächiger, freundlicher, und Ida fühlte ein dank⸗ bares Gefühl in ihrer Bruſt: hatte. doch Arthur Urſache, ihr zu zürnen und ließ ſie großmüthig dieſes nicht mehr fühlen. „Ich werde ihn ganz unter meine Protectivn neh⸗ men!“ ſagte ſie zu ſich ſelbſt, und als die Damen erſchienen, verdoppelte ſie ihre Freundlichkeit gegen Arthur; Graf Nadherny aber fand plötzlich, daß Ida allerliebſt ſei, höchſt intereſſant, ſogar ſchön, und begriff nicht, weshalb ſie ſich ſo ſehr um dieſen jungen, unbedeutenden Mann bekümmere. Er machte ſch ſu un bmo Und Phler uſcte! wſhen ſtnigſ Lihhen ſchit, Grſtr So Unge bhuft Rimne hene ie nit ſüſtete bder ſ die Cweſter ch, als dank⸗ Arthur müthig on neh⸗ Damen tgegen , daß ſchön, dieſen machte 57 es ſich zur Aufgabe, Arthur bei ihr auszuſtechen gel und Kaiſershofen merklich. Valerie fühlte dies nicht, ſie pflückte Blumen, lauſchte dem Geſange der Vögel und ſcherzte da⸗ zwiſchen mit Graf Nadherny, oder neckte die immer ſchweigſamer werdende Tante, die, ihre ſchmalen Lippen zuſammenbeißend, ſchmollend neben Ida her⸗ ſchritt, und that, als nehme ſie keinen Theil an dem Geſpräche, das die Herren mit dieſer führten. So wie es heute war, blieb es noch ein Paar Tage: Valerie heiter, unbefangen, Ida ſich mit lebhafter Freude der Unterhaltung der beiden jungen Männer hingebend, das Stiftsfräulein ſteif, kalt, abgemeſſen. Ida bemerkte auch die Veränderung, die mit dem Fräulein vorgegangen war, aber ſie tröſtete ſichsnit dem oft gehörten Satze, womit Carls⸗ bader Curgäſte ihre üble Laune entſchuldigen:„Es iſt die Brunnenkriſis!“ Eines Morgens jedoch, als Ida unbefangen an Graf Nadherny's Seite zum Brunnen trat und die Stiftsdame, die eben ihren Becher hinreichte, an⸗ ſprach, drehte ihr dieſe plötzlich den Rücken zu. Ida glaubte, ſie habe ſie nicht bemerkt, und wollte ſie mit ihrem Schirme berühren, als ihr Blick auf Valeriens Geſichtchen fiel; das arme Kind ſah ganz verweint aus und wandte verlegen ihre Augen von ihr ab. In dieſem Augenblicke kam eine Dame ge⸗ gangen, welche die Stiftsdame genau kannte und Ida einigemale flüchtig bei dieſer geſehen und ge⸗ ſprochen hatte; dieſe warf der betroffenen Frau einen ſtrengen Blick zu und ſchritt, ohne ſie zu grüßen, mit vornehmer Miene an ihr vorüber auf das Stifts⸗ fräulein zu. Fräulein Nagel und Kaiſershofen aber rief:„Ich weiß, was ich dem Rufe meiner Nichte ſchuldig bin, und werde in Zukunft vorſichtiger ſein!— Kommen Sie, Liebe!“ Dann zog ſie die Dame mit ſich fort, und Ida ſtand beſtürzt allein; ſie begriff nicht recht, was dieſe Worte bedeuteten) llein eine Ahnung erfüllte ihre Seele mit Unruhe, und ſich zu Nadherny wendend, der eben hinzutrat, um ihr ihren Becher, den er hatte füllen laſſen, zu über— reichen, ſagte ſie:„Ich begreife das Fräulein Nagel nicht, ſie will mich heute nicht kennen!“ 0 Mi Aber nd dur it u mhn a bnimn in, bi hemp, hinwe 1 Guf, lick auf ganz en von Nagel 59 „O!— das iſt— Brunnenkriſis!“ „Meinen Sie?“ Aber das Fräulein fuhr fort, Ida zu ignoriren, und durch die Cur aufgeregt, fühlte ſich dieſe dop— pelt verletzt; ſie rief:„Nein, Herr Graf, das iſt mehr als Kriſis—! Haben Sie bemerkt,— ſie benimmt ſich gegen mich, als— ob ſie mich krän⸗ ken, beleidigen wollte!—“ „Alte Jungfern-Laune dann!“ verſetzte Nad⸗ herny,„eine Frau wie Sie muß ſich halt darüber hinwegſetzen!“ „über Vieles kann ich mich hinwegſetzen, Herr Graf, über dieſe Unart nicht!“ rief aufgeregt Ida. „Mein Gott, gnädige Frau!— Neid, Klatſcherei! Sie müſſen ſich darüber hinwegſetzen!“ „Uber das Gerede der Welt?— und was ſpricht die Welt von mir, das dem Fräulein Nagel und Kaiſershofen ein Recht giebt, mich ſo zu behandeln?“ „Gnädige Frau....!“ „Was ſpricht man von mir?— mir ſcheint doch, daß mein Benehmen....“ „O, gnädige Frau! wer weiß beſſer als ich, wie— wie tadellos Ihr Benehmen iſt, wie rein Ihre Sitten,— allein— hier im Bade iſt man ja nur da, um— ſeinen Nächſten zu beklatſchen;— Sie müſſen die Sache nicht ſo hoch aufnehmen!— Was iſt Böſes dabei, daß Sie mir— und Herrn Hartlinger erlauben, in Ihrer Geſellſchaft zu bleiben, wenn die Damen Sie verlaſſen....! Was iſt da Böſes dabei, daß wir mit Ihnen und Obriſt Thal⸗ heim Abends eine Partie ſpielen—!— Gerade jetzt müſſen Sie mir halt geſtatten....“ „Nein, Graf Nadherny!“ unterbrach ihn Ida, „wenn ich Sie auch nicht ganz verſtehe, ſo ſcheint mir, daß Fräulein Nagel und Kaiſershofen es un⸗ paſſend findet, daß Sie ſo viel in meiner Nähe ſich aufhalten; ich bitte Sie daher....“ „Gnädige Frau?...“ „Ich geſtehe Ihnen, nach dieſen Erörterungen, die Sie mir gemacht haben,— ſo—.“ „Gnädige Frau, Sie werden halt nicht....!“ „Mir würde es lieber ſein, Sie ſeltener zu ſehen!“ Sie verneigte ſich und ließ den Grafen ſtehen, ver⸗ ließ aber auch ſogleich die Brunnenpromenade, um Mes ſicte i — Arthur aufzuſuchen. Gegen ihn ſich auszuſprechen, war ihr Bedürfniß, er erſchien ihr wie ein Schutz, eine Stütze, er kannte ihre Vergangenheit, ihren reinen Ruf, er konnte, durfte an ihr nicht zweifeln.— Sie begegnete Arthur unfern des Mühlbrunnens; er ſuchte ſie; ſie faßte ſeinen Arm.„Hartlinger, bringen Sie mich nach Hauſe!“ hauchte ſie. „Mein Gott! gnädige Frau,— was iſt Ihnen? 3 Sie weinen!“ rief Arthur erſchreckt. „Kommen Sie,— fort,— fort! Sie ſollen Alles wiſſen, ich muß mich ausſprechen, ſonſt er— ſcheint ſticke ich,— o, es iſt ſchändlich, abſcheulich!“ „Aber was iſt Ihnen denn, liebe, gute Frau e ſih von Richtern, ſo ſprechen Sie doch nur!“ bat Arthur. „Man wagt es...., man ſpricht darüber, daß Graf Nadherny—, daß Sie— ſo viel in meiner ungen, Nähe ſind, das Fräulein....“ „Das Fräulein Nagel und Kaiſershofen, Edle 3 von ſo und ſo!“ ſpottete Arthur;„ſpricht die über hen“ Sie, gnädige Frau? Nun freilich, das Fräulein, ver⸗ dieſe Edle, iſt nicht mehr in den Jahren, daß ſich junge Männer um ſie bemühen, deshalb...“ 62 „Nein, ſprechen Sie nicht ſo,— ich kann es j 6 nicht hören, wenn man in dieſer Weiſe von einer meines Geſchlechtes ſpricht,— aber— Nadherny will ich vermeiden, ihn gar nicht mehr ſehen!“ „Er ſcheint ihr der Rede werth,“ dachte Arthur, „ich, der Bürgerliche, ſchade ihrem Rufe nicht!“ Laut aber ſagte er:„Dazu rathe ich nicht,— ich würde dem Fräulein dieſen Triumph nicht gönnen!—“ „Das abſcheuliche Geſchöpf!“— „Nein, es kränkt mich!“ „Beruhigen Sie ſich, damit Ihnen der Urger nicht ſchade, denken Sie an Ihre Cur!— Kommen Sie, zerſtreuen Sie ſich!— Treten Sie an das Fenſter!“ „Nein, Sie könnte vorübergehen, ich will ſie nicht ſehen!“ „Oder kommen Sie, laſſen Sie uns einen Spatziergang machen!“ „Nein, da begegnen wir ihr!“ „Wir gehen in die Berge, gleich hinter dem Hauſe hinauf zur Capelle, dann auf den Faulenzerweg, „Lachen Sie über ihren Zorn!“ und ſch an F ſeſin 63 den wir geſtern nach dem Hammer gingen,— kom⸗ einer men Sie, geben Sie mir den Arm!“ dern Er bat, er bemühte ſich ſo herzlich um ſie,— und ſie ließ Alles geſchehen; willenlos that ſie, was thur, er wollte, ließ ſich den Shawl von ihm um die Schultern legen, ihren Arm in den ſeinen ſchlingen — ich und ſich zum Hauſe hinaus führen.— 1 Eine Stunde ſpäter ſprachen ein Paar Damen am Frühſtückstiſche. „Wiſſen Sie ſchon, was der Nagel und Kaiſers⸗* hofen geſchehen iſt?“ Arger„Ein Unglück?“ mmen„Sie hat ſich mit der Richtern liirt und hat ndas dann entdeckt, daß ſie eine leichtſinnige Perſon iſt; heute morgen iſt ſie vom Brunnen fortgegangen, um ill ſie mit ihrem Liebhaber, einem natürlichen Sohn des 3 Obriſten und ehemaligen Diener ihres Bruders, in einen den Wald zu gehen; meine Jungfer hat ihr begeg⸗ 6 net, ſie hat ſehr geweint, und er ſoll ſich wie raſend benommen haben; wahrſcheinlich ſoll er wieder fort.“ „Das iſt entſetzlich!— und ich kenne den Bru⸗ der, ein herrlicher, prächtiger Mann! und ſeine ₰ S Frau, ein allerliebſtes Geſchöpf, eine geborne Traut⸗ berg, die würde ſich todt grämen, wenn ſie es hörte, daß ihre Schwägerin ſich ſo benimmt!— Gräfin Waldburg—, dieſer Anſtand, dieſes feine, ſitt⸗ ſame Betragen!— aber der Richtern,— der ſah man es gleich an, welch' Geiſteskind ſie iſt,— ſo frei, ſo dreiſt und beſtimmt! Und daß ſie mit dem alten Obriſt hierher gekommen iſt, ſchickt ſich doch auch nicht!“ „Nein, Umgang kann man nicht mit ihr pflegen!“ „Gewiß nicht, Liebe! mein Ruf war immer rein, ich will ihn dieſer Richtern nicht opfern; ich werde ſie ſehr kurz abfertigen, wenn ſie die Dreiſtigkeit haben ſollte, mich anzureden!“ „Und ich werde ſie gänzlich ignoriren!“ erwi⸗ derte die Andere. In dieſem Augenblicke ging Frau von Richtern mit Obriſt Thalheim vorüber. „Guten Morgen, guten Morgen, chéère baronne!“ riefen die Damen mit freundlichem Lächeln und winkten ihr zu. Ida war wieder ruhig geworden, der einſame Sytieg Sile in un Uh „ raut⸗ shörte, Grifin e, ſitt der ſah erwi⸗ nne!“ n und inſame 1 Spatziergang hatte ihr wohlgethan; die friedliche Stille im dunklen Walde, der Geſang der Vögel und Arthur's Zureden, ſeine herzlichen Worte, wie er ſie lange nicht geſprochen hatte, und die er, ſeiner ſelbſt nicht bewußt, an ſie richtete, hatten auf ihr Gemüth wohlthuend gewirkt, und als ſie jetzt die beiden Fräulein von Nagel und Kaiſershofen ihr entgegenkommen ſah, ſchritt ſie feſten Schrittes auf ſie zu und ſprach die Altere an. In Fräulein von Nagel's Geſicht zuckte es zwar wie fernes Wetterleuchten, allein ſie ließ keinen Groll mehr merken, ging einigemale mit Ida auf der Wieſe auf und nieder und verabſchiedete ſich dann(Graf Nadherny hatte ſie kurz vorher geſpro⸗ chen) mit den Worten:„Der Brunnen regt mich doch ſehr, ſehr auf!“ Ida war befriedigt, und Valeriens Augen ſtrahl— ten voller Freude. „Bei Tiſche ſehen wir uns!“ flüſterte ſie,„gehen dann ſpatzieren, ich will ſchon Tantchen dazu be⸗ wegen.“ Ida ſtutzte, wollte es abſchlagen, aber Valerie Eglantine I. 5 war zu ſchnell in's Haus entſchwunden;— auch tröſtete ſie ſich nun auch mit dem Worte:„Brunnen⸗ kriſis!“— Der allgemeine Friede ſchien zwar nun wieder⸗ hergeſtellt, man verabredete neue Promenaden; das Stiftsfräulein zog aus Vorſicht noch einige Damen hinzu; Graf Nadherny war vorſichtiger in ſeinen Annäherungen an Ida und beſchäftigte ſich wieder mehr mit Volerie, obgleich er jetzt Ida noch an⸗ ziehender fand, als früher,— aber— in Ida's Innern war ſeit jenem Morgen nicht mehr Alles wie früher.— Arthur dagegen hatte ſich lange nicht ſo froh, ſo leicht gefühlt; er ſtand wieder auf einem Platze, der ihm durch ſeine frühere Erziehung und Um⸗ gebung bekannt war; er war der Gefährte von Grafen und Baronen; die ſtolze Ida zeichnete ihn aus, allen Andern zog ſie ihn vor: das Alles gefiel ihm ſo, daß er ſich nicht losreißen konnte; dazu kam noch der Zauber, den Na's Nähe für ihn hatte; ihr Anſtand, die ſtolze Miene und dann wieder die Freundlichkeit, ja ſogar Hingebung, mit rAlles ſo froh, Platze, nd Um⸗ tte von ete ihn es geßiel e; dazu für ihn d dann ng, nit 67 der ſie ihn behandelte, Alles diente dazu, ihn zu feſſeln. Ein Tag nach dem andern verging, Ida konnte es ſich nicht möglich denken, daß Arthur Carlsbad vor ihr verlaſſen könne; auch er dachte nicht daran, wie er überhaupt nicht an die Zukunft dachte; er lebte in der Gegenwart und war glücklich. Da erhielt Arthur eines Morgens einen Brief von Lan⸗ gen, der einen zweiten Brief, und zwar vom Grafen Emanuel Fels, mit zitternder Hand geſchrieben und an ihn gerichtet, in ſich ſchloß. Der Graf beſchwor Arthur, zu ihm zu kommen, weil er ihm vor ſeinem Ende noch ein wichtiges Geheimniß vertrauen müſſe, das er aber nur von ihm ſelbſt erfahren dürfe, und daß er nicht weilen ſollte, ſondern ſich ſchleunigſt zu ihm begeben müſſe, weil ſeine Stunden gezählt ſeien. Die Poſt ging in einer Stunde ab; der Brief, wie auch Langen's Worte, waren dringend; Arthur blieb keine Wahl; er packte ſeine Sachen zuſammen, ſchickte nach ſeinem Paß, und weil der Obriſt und Ida noch nicht zurück waren von dem gewöhnlichen 5* 68 Spatziergange, nahm er ſchriftlich von ihnen Abſchied. 1 „Ich folge der Aufforderung,“ ſchloß Arthur ſeinen Brief,„und ſei das Geheimniß, welches es wolle, n ſollten wirklich durch die Eröffnung desſelben meine ſch Lebenspläne, mein Schickſal geändert werden, Sie i dürfen ſich Ihrer Freundſchaft für mich nicht ſchä⸗ A men, ich werde nichts thun, in nichts willigen, das h meinem Charakter und meinem ehrlichen Namen Schande brächte....“ Als Obriſt Thalheim Ida Arthur's Brief gege⸗ ben, als ſie ihn geleſen hatte,— ſtand ſie wie vernichtet; dann ſchlich ſie ſich fort, ſchloß ſich ein, weinte bitterlich und ſeufzte dann:„Vielleicht iſt es ſo beſſer!“ Gegen Mittag war ſie wieder ganz ruhig; Nie⸗ mand, auch nicht der ſchärfſte Beobachter hätte ihr den Kampf angeſehen, der in ihrem Innern Statt ge⸗ funden hatte; nur noch bleicher ſah ſie aus, als ſonſt,— das war aber, wie Fräulein Nagel ver⸗ ſicherte, die natürliche Folge der angreifenden, auf⸗ regenden Brunnencur. Arthur reiſte nach..., fand, wie ſchon erzählt 69 bſchied. worden iſt, Graf Fels noch am Leben und erfuhr, ſinen daß er vor ſeinem ſterbenden Vater ſtehe, erfuhr, voll, daß er einen Bruder, eine Schweſter habe;— er⸗ neine fuhr aber auch bald, daß dieſer Bruder kein Herz Sie für ihn, den aufgedrungenen Fremdling, habe.— ſhi⸗ Allein er blieb vorläufig, wie es der Vater gewünſcht fn das hatte, bei ſeinem Bruder in Berlin wohnen, und Nanen dort war es auch, wo er, ein Jahr nach der Carls⸗ bader Begegnung, unter ſo ganz veränderten Ver— f gege hältniſſen, Ida wieder ſah. ſe wie Was aber dieſe Frau im Laufe dieſes Jahres ſch ein, um ſeinetweilen gelitten, was ihr Herz Alles durch⸗ iſt es gekämpft hatte, ahnte er freilich nicht, obgleich die Spuren ihrer Leiden in ihrem Antlitze zu leſen Nie⸗ waren. Ida hatte merklich gealtert, und der Aus⸗ rden druck ihrer Züge war ſehr ernſt geworden. Dieſer 3 an ge⸗ Ernſt, je öfter ſie mit Arthur zuſammentraf, wich , als nach und nach einer milden, theilnehmenden Freund⸗ l ver⸗ lichkeit, welche, verbunden mit dem Zauber ihrer auf⸗ Unterhaltung, wie lindernder Balſam auf Arthur's noch blutendes Herz wirkte; er ihre Nähe ſuchend, erzählt ſie ihm faſt willenlos entgegenkommend, ſchloſſen ſich „ 5 70 Beide immer enger an einander. Jeden Tag brachte Arthur einige Vormittagsſtunden bei ihr zu; er las ihr vor, während ſie arbeitete, oder Beide verloren ſich in Geſprächen über die Vergangenheit. So vergingen Wochen, ohne daß Arthur gemerkt hatte, wie innig Jda's Herz eigentlich für ihn ſchlug, ohne daß Jda ſich Rechenſchaft von ihrem eigenen 6 Seelenzuſtande gegeben hätte, bis ein Zufall ihn plötzlich darüber aufklärte, ſie zum Geſtändniß ihrer Liebe brachte. T Es war dies, als Arthur eines Tags, zur ge⸗ wohnten Stunde in Ida's Zimmer tretend, dieſe T in Thränen fand und, theilnehmend nach dem Grund ihres Kummers forſchend, erfuhr, daß ſie das Schickſal ihres Bruders beweine, der ſich an ſeiner Gattin Seite unglücklich fühle. An dieſe Eröffnung knüpfte ſich wie unwillkür⸗ lich Arthur's Geſtändniß in Bezug auf ſein früheres Verhältniß zu Clara, wie die Schilderung ſeiner Leiden und des letzten Wiederſehens in Waldburg. Ida lauſchte mit ſteigendem Intereſſe dieſen Ge⸗ ſtändniſſen, ihre Augen hingen unverwandt an dem Eti lang weiter A Artht Hand „Arth der, recht theue und 71 Erzähler, der oft vor innerer Bewegung minuten— lang inne hielt, dann aber mit erneuter Heftigkeit weiter ſprach.„ Auch ſeinen Haß gegen Graf Waldburg ließ Arthur nicht unerwähnt, und Ida, ihre zitternde Hand auf die ſeine legend, fragte vorwurfsvoll: „Arthur!— ſo haſſen Sie meinen armen Bru— der, und er iſt jetzt ſo unglücklich!— iſt das recht?—“ „Ich haſſe ihn nicht mehr!“ rief Arthur be— theuernd, mit leidenſchaftlichem Ausdruck, und als er dabei in der Schweſter thränenglänzende Augen blickte, wallte ſein Herz über.„Wie könnte ich den Bruder einer ſolchen Schweſter haſſen!“ rief er, „ſind Sie nicht ſtets mein guter Engel geweſen, ſind Sie nicht auch jetzt noch meine beſte, einzige Freundin?“ Ida ſchluchzte heftig.— „O, zürnen Sie mir nicht!“ fuhr er aufgeregt und bittend fort, indem er ihre Hände erfaßte und von ihrem Antlitze hinwegzog,„v, zürnen Sie mir nicht! Ich habe Niemand auf der weiten Welt, der 72 mich verſteht, wie Sie, den ich mein nenne!— O, bleiben Sie mir, theure Jda!“ Dieſe Worte, von einer Wallung des Herzens hervorgerufen, in aufgeregter Stimmung geſprochen, gehört, waren entſcheidend für Ida; ſie, die mit heldenmüthiger Stärke Jahre lang ihre Gefühle für Arthur beherrſcht, verborgen hatte, vergaß in dieſem Augenblicke Alles, was ſie bisher gelitten, was ſie ſich ſelbſt als heilige Pflicht vorgeſchrieben hatte, ſie vergaß den Unterſchied des Standes, das Miß⸗ verhältniß der Jahre, ſie überlegte, ſie bedachte Nichts mehr, ſie fühlte nur, daß ſie Arthur unbe⸗ ſchreiblich liebe, und daß dieſer Augenblick, wo ſie es ihm geſtehen dürfe, der glücklichſte ihres Lebens ſei. Mit einem Schrei der Freude, der überraſchung ſank ſie an ſeine Bruſt; Worte fand ſie in der Seligkeit ihres Herzens nicht. Au2 Arthur fühlte die Wonne dieſes Augen⸗ blicks, auch anders als Ida; er fühlte ſich gehoben durch ihre Liebe, ſein Selbſtvertrauen kehrte wieder, neuer Lebensmuth richtete ſeine niedergedrückte Seele empor, und ſeine Liebe, ſein Glück betheuerte er der nit ber Abs chen Be ſtitgen nchden glicn ſch v danlen jder eine 6 erſchip ſtend, zu den Sund Ahend in ih gunn, Sie Brief iber ſze er der ſtill und ſelig an ſeiner Bruſt Weinenden mit beredtem Munde. Als endlich auch Ida wieder Worte fand, ſpra⸗ chen Beide nur von ihrem Glücke, von ihrer gegen⸗ ſeitigen Liebe; der Zukunft gedachten ſie nicht; auch nachdem Arthur ſie verlaſſen hatte, konnte die be⸗ glückte Frau, die zum erſtenmale wahrhaft liebte, ſich wahrhaft geliebt glaubte, keinen andern Ge⸗ danken faſſen, als den ihres Glückes.— Doch wie jeder Aufregung, ſei ſie trauriger oder freudiger Art, eine Ermattung folgt, ſo auch bei Ida, die endlich erſchöpft zuſammenbrach und, auf ihrem Sopha ſitzend, das müde Haupt in die Hand geſtützt, ohne zu denken, zu fühlen, wie im wachen Traume die Stunden an ſich vorüberziehen ließ. Als aber der Abend niederſant, wie in die ganze Natur, auch in ihre bewegte Seele die Ruhe wiederzukehren be⸗ gann, fing ſie wieder an zu denken, zu überlegen.— Sie machte ſich Vorwürfe, daß ſie ihres Bruders Brief, der ſich zum erſtenmale ſo offen gegen ſie über ſeine häuslichen Verhältniſſe ausgeſprochen hatte, ſo ganz vergeſſen konnte. 74⁴ „Ach!“ rief ſie mit einem tiefen Seufzer und chn preßte die Hand feſt auf ihr ſelig ſchlagendes Herz, õm „ach, Ferdinand, vergieb mir, aber mein Glück iſt in zu groß!“— Dann nahm ſie den Brief noch ein⸗ 6 mal hervor und las ihn Wort für Wort noch ein— wh mal durch, ließ darauf die gefalteten Hände in ſk den Schooß ſinken und blickte lange ſtumm und ſüſr traurig vor ſich hin; endlich ſagte ſie langſam und ſt u halblaut zu ſich ſelbſt:„Sollte dies ein Fingerzeig me Gottes ſein?— Sollte auch ich im Begriffe ſtehen, nji eine Thorheit zu begehen?— Und Arthur! ſollte er n jemals bereuen...? Nein, dieſen Gedanken ertrage ſn 3 ich nicht!— Ich bin um ſechs Jahre älter, als hite er,— und meine Verhältniſſe ſind ſo verſchieden von den ſeinigen!— Gott, mein Gott! wie konnte ich dies Alles ſo ganz vergeſſen!— Nein, er kann— i er kann nicht glücklich an meiner Seite werden! iht Alter, Verhältniſſe,— Alles, Alles trennt uns! hit Ich kenne ſeinen Stolz, ſeinen mißtrauiſchen Sinn...!“ Sie griff wieder nach dem Briefe ihres Bruders, eine Stelle, die ihr beſonders aufgefallen war, las ſie, als wolle ſie ſich dieſelbe durch den Klang ihrer 75 eigenen Stimme beſſer einprägen, laut:„Meine Strafe iſt hart, aber die, welche gewöhnlich un⸗ überlegten Heirathen folgt. Ich bin bedeutend älter, als Clara, und hätte beſſer überlegen ſollen, was der kurze Rauſch, den das damals ſo junge Mädchen für Liebe hielt, eigentlich ſei!— Zu ſchnell verflog dieſer Rauſch, und ſie trug ſchwer an der Kette, die ſie an einen ältlichen, grämlichen Mann band. Arme Clara! ich beklage ſie und vermag ihr nicht zu zürnen, obgleich ſie mich gränzenlos unglücklich gemacht hat!— Clara's Charakter und der meinige paſſen nicht zuſammen; hätte ich ſie länger gekannt, hätte ich länger überlegt, ich würde ſie nie gehei— rathet haben!— Doch was hilft die ſpäte Reue? Auch hätte ich noch länger, was ich leide, in der Tiefe meines Herzens verborgen, wenn ich nicht fühlte, daß meine Geſundheit untergraben iſt.— Gott bewahre jeden Rechtlichen vor einer unüber⸗ legten Heirath, denn eine Mißheirath, mag das Mißverhältniß die Jahre, oder die Verhältniſſe, oder den Stand betreffen, iſt immer ein großes Unglück und rächt ſich fürchterlich!“ * 2 76 Die widerſprechendſten Gefühle bewegten nun Ida's Bruſt: ſie rang mit ihrer Liebe; die Worte des Bruders klangen ihr prophetiſch, und ſich an Arthur's Hochmuth, ſeinen Widerwillen, den er gegen ihren Bruder empfand, erinnernd, fühlte ſie, daß ſie ein Opfer bringen müſſe, und zwar, daß dieſes Opfer, mit ſchneidendem Schmerz wurde es ihr zur ſchreck— lichen Gewißheit, das Glück ihres ganzen Lebens ſei.— Aber ihr Glück—,— was galt es ihr im Vergleich mit des Geliebten Frieden?— Dieſer aber, eine innere Stimme ſagte es ihr mit über⸗ wiegender Gewalt, war durch eine Verbindung mit ihr gefährdet. Sie dachte nach, ſie fühlte, daß Arthur's Liebe nur Leidenſchaft,— nicht eine ruhige, dauernde Liebe ſei,— ſie dachte an ſein Verhältniß zu Clara!— und doch vermochte ſie ſo ſchnell nicht zu entſagen! Sie ſchrieb an Arthur einen Brief voll der zärtlichſten Liebe, der aufopferndſten Entſagung; ſie ſtellte ihm Alles vor, was ſie für ihn zu fürch⸗ ten glaube, ſie machte ihn aufmerkſam auf das Mißverhältniß der Jahre, auf die Verſchiedenheit ihrer gegenſeitigen Verhältniſſe, ſie erinnerte ihn nig ihr ufſuchen fir ſe 2 Csſt ſ viele L bingen) ſe dß jdes au ragen Abe wheine ftiheren un, nithig nun ur's hren ein fer, hn an den Stolz ihres Bruders, an den ſeinen, und fragte, ob er es über ſich gewinnen könne, von Graf Ferdinand und den andern Verwandten, viel⸗ leicht mit Widerwillen in die Familie aufgenommen, kalt behandelt zu werden. Alles dies ſchrieb ſie unter heißen Thränen nie⸗ der und ſchloß ihren Brief mit der Bitte: Arthur möge ihr zwar antworten, ſie aber drei Tage nicht aufſuchen, denn ſie bedürfe der Einſamkeit, um einen für ſie Beide heilſamen Entſchluß zu faſſen.— Es ſchien ihr unmöglich, daß er um ihretwillen ſo viele Opfer-bringen würde(an die, welche ſie zu bringen hatte, dachte ſie nicht), ach! und doch hoffte ſie, daß Arthur aus Liebe zu ihr Alles überwinden, jedes aus ihrer Verbindung entſpringende Leid willig ertragen werde!— Aber Arthur's Antwort vernichtete bald dieſe geheime Hoffnung! Mißtrauiſch nämlich, wie Arthur durch ſeine früheren Verhältniſſe und Erfahrungen geworden war, erblickte er in Jda's Brief nicht die helden⸗ müthige Aufopferung einer pflichtgetreuen, ſtarken 78 weh ſt Seele, ſondern glaubte, nur Reue darin zu leſen, deutlicht die Ida ſchon jetzt darüber empfand, ihm ihr Herz 3 Reit zur geſchenkt zu haben, ihren adeligen Namen mit ſeinem 3 einfachen vertauſchen zu ſollen! ir bi 3 Dunkle Röthe färbte bei dieſen Gedanken ſeine win Wangen, er zerknitterte da's Brief, ſtampfte mit ſehte n dem Fuße, eilte zum Schreibtiſch und ſchrieb in iche, der größten Haſt: ſe ein „Was Sie auch beſchließen mögen, gnädige Pi Frau, ich bin bereit, mich Ihrem Willen zu fügen uch In und es dankbar als ein Glück für mich aus Ihrer ſen i Hand zu empfangen.“ Brif a Dieſe Antwort verwundete Ida tief, und ſchon habe, u begann ſie zu fühlen, wie Recht ihr Bruder hatte; Tugts allein ihre Liebe wurde dadurch nicht ſchwächer, im doch ſe Gegentheil, jetzt erſt mußte ſie ihre ganze moraliſche wieder Kraft zuſammennehmen, um Arthur nicht einen ſichlich zweiten Brief zu ſchreiben, der den Inhalt des erſten wiederriefe.— diſſe Doch gewann ſie es über ſich, den nächſten Tag, ohne zu ſchreiben, vorübergehen zu laſſen; ſie dachte viel, ſie zwang ſich zur überlegung, und je eſen, Herz inem ſeine nit b in im iſche inen ſten ſten ſie je — mehr ſie der Zukunft, der Verhältniſſe gedachte, je deutlicher ſie ſich Arthur's Betragen in der letzten Zeit zurückrief, mußte ſie es ſich eingeſtehen, daß ihr beiderſeitiges Wohl eine Entſagung ihrerſeits verlange, denn Arthur, das fühlte ſie jetzt deutlich, hegte nur Freundſchaft, Achtung für ſie, nicht Liebe,— und ohne Liebe, wie konnte, wie durfte ſie ein Opfer von ihm verlangen!— Während Ida mit ihrem Herzen kämpfte, beſtand auch Arthur einen nicht geringen Kampf; er bereute ſchon in der nächſten Stunde, nachdem er ſeinen Brief an Ida abgeſendet, daß er ſo ſchnell entſagt habe, und mehr als zehnmal war er im Laufe dieſes Tages auf dem Wege zu ihrer Wohnung geweſen; doch ſeinem Verſprechen getreu, war er jedesmal wieder umgekehrt, ohne ſie aufzuſuchen.— Haupt⸗ ſächlich jedoch waren ſeine Eitelkeit und ſein Stolz durch Ida's Brief verletzt, und der Wunſch, daß dieſe Verbindung zu Stande kommen möge, wurde, nach und nach ſich ſteigernd, zu einem leiden⸗ ſchaftlichen. Unruhig ſtreifte er die drei feſtgeſetzten Tage r⸗⸗ ————— — — 80 umher, und oft kam ihm der Gedanke, Ida zu überraſchen, ſie mit Bitten zu beſtürmen, die Seine zu werden, oder ihr doch wenigſtens dies Alles zu ſchreiben, aber Beides verwarf er wieder eben ſo oft. Endlich am vierten Tage brachte man ihm einen Brief von ihrer Hand. Haſtig riß er das Siegel auf und las nun athemlos, was ſie ihm ſchrieb. Es waren herzliche, liebevolle Worte; ſie be⸗ ſchwor ihn, ihr zu glauben, daß ſie nur ſein Glück vor Augeèn habe; ſich ſelbſt nicht ſchonend, ſetzte ſie ihm noch einmal ihre Gründe auseinander, weshalb dieſe Heirath ſein Glück nicht begründen werde, und am Schluſſe meldete ſie ihm ihre Abreiſe nach Wald⸗ burg, von wo aus ſie nach Frankreich und Italien zu reiſen gedenke. „Verſuchen Sie nicht, mich meinem Entſchluſſe untreu zu machen,“ ſchloß ſie ihren Brief,„ich weiß, was ich Ihnen, was ich mir ſchuldig bin!“ Aber Arthur ruhte jetzt nicht; er verſuchte ſchrift⸗ lich, ſie dem übereilten Entſchluß(wie er es nannte), von dem ihr Herz nichts wiſſen könne, untreu zu nchen/ wh Ale Aber iht S ſt ſine iyte ginden iderſei usſtrat Die ſut, bi mch J ines N Prſe biumen vihren in, a nd ſch der ha von ihr da ve — ßu Chln 81 n machen, und trotz dem Widerſpruch ihres Bruders, eine trotz Allem die Seine zu werden.. 6. Alles Aber Ida, wenn auch ſchmerzlich leidend, wankte eben nicht. So ruhig ſie nur vermochte, beantwortete. ſie ſeine oft in den leidenſchaftlichſten Ausdrücken inen abgefaßten Briefe und fuhr fort, ihm mit Vernunft— iegel gründen Alles zu widerlegen, was er als zu ihrem . beiderſeitigen Glücke für unumgänglich nothwendig be⸗ ausſprach. hlüc Dieſen Briefwechſel ſetzten ſie zwei Jahre lang e ſie fort, bis Arthur, von Sehnſucht getrieben, Ida halb nach Italien folgte. ² und Es war in dem herrlichen Neapel, wo Arthur zald⸗ eines Morgens Ida aufſuchte. Sie ſaß auf der 4 glien Terraſſe ihres Hauſes, von Myrthen und Orangen⸗ bäumen umgeben; ihr Blick ſchweifte in's Weite, hluſſe während ihre Finger mechaniſch eine Roſe zerpflück⸗ „ich ten, als Arthur gemeldet wurde. Sie erſchrak 6 n!“ und ſchwankte erbleichend dem Freunde entgegen, hrift⸗ der haſtig auf ſie zueilte, aber einige Schritte nte), von ihr betroffen ſtehen blieb, ſo auffallend hatte ſich u zu Ida verändert. Eglantine I. Die Frau, die ſeine rege Phantaſie ihm während der zwei Jahre, die ſie getrennt waren, mit den ſchönſten Farben vorgezaubert hatte, ſtand jetzt ge⸗ altert vor ihm.— Ihre Wangen waren eingefallen, die dunklen Augen tief eingeſunken, und durch das einſt ſo glänzend ſchwarze Haar zog ſich ſchon man⸗ cher Silberfaden. Der Eindruck, den dieſes Wiederſehen auf Arthur machte, obgleich er ſich ſchnell zu faſſen ſuchte, blieb Ida nicht verborgen, und mild, wenn auch ſchmerz⸗ lich lächelnd, reichte ſie ihm die Hand entgegen, und ehe er noch Etwas ſagen konnte, fragte ſie ihn freundlich:„Nicht wahr, Arthur, Sie nehmen jetzt meine Freundſchaft an?—“ Er beugte ſich auf ihre Hand, eine Thräne ſiel darauf. Schluß der Epiſode. Beide ſahen ſich von dieſem Tage an oft. fühlte ſich wieder froh, ihr war, als ſei ihr ————— iß uf d nit A ſcht uyft fünd, die f ſlir Phon 83 rend Laſt vom Herzen genommen, als ſtehe ſie jetzt erſt den auf dem Platze, der ihr gebühre. Anders war es R⸗ mit Arthur, der, wenn er auch Ida's Nähe noch 5 len, ſuchte, weder Liebe noch Leidenſchaft mehr für ſie das empfand, wodurch eine Leere in ſeinem Innern ent— nan⸗ ſtand, die ihm drückender, peinigender wurde, als die frühere Sehnſucht nach der Entfernten. Was thur ſollte er nun wünſchen, womit ſollte er nun ſeine 1 blieb Phantaſie beſchäftigen, was ſollte er beklagen, wo⸗ merz⸗ nach ſollte er ſich ſehnen?— egen, Nicht der Verluſt von Ida's Hand war es, der ihn ihn ſchmerzte, aber das Fehlſchlagen ſeines Wunſches ² jetzt erbitterte ihn. Jede Kränkung, die er im Leben gehabt, jeden Verluſt, den er erlitten, rief er ſich e ſiel mit ſelbſtquälender Genauigkeit zurück, ja bald ge— nügte ihm dies nicht mehr, er ſuchte und forſchte nach Gründen, weshalb gerade ihm Alles fehl⸗ 3 ſchlage, weshalb gerade er zum Unglück geboren ſei. Er grollte mit dem Schickſale, und ſeine Bitter⸗ 3 keit ſtieg nach und nach ſo ſehr, daß ſie ſich ſeines Ida ganzen Weſens bemächtigte und ihn auch nie ganz wieder verließ. 84¹ Doch ſeltſam, gegen Ida, welche dieſe Bitterkeit theilweiſe mit hervorgerufen hatte, zeigte ſie ſich ſelten oder nie, im Gegentheil, die milde, ruhige Freundlichkeit, womit ſie ihn ſtets behandelte, wirkte wohlthuend auf ſein ganzes Weſen ein und machte, daß er in ihrer Gegenwart ein Anderer, ein Beſſerer war, als ſonſt. Wie ſelten es auch geſchehen mag, daß ſich die Liebe einer Frau in Freundſchaft für den Mann, dem ſie zu entſagen gezwungen war, verwandelt, bei Ida war es der Fall: ſie hatte einen ſchweren Kampf um ſeinetwillen gekämpft, ſie hatte, wie ſie glaubte, um ſeines Friedens willen das Glück ihrer Zukunft zum Opfer gebracht, und gerade dies machte, daß ſie jetzt mit einer faſt mütterlichen Zärtlichkeit an ihm hing. Wie ſich des Mannes Liebe faſt immer verliert, oft ſogar in Geringſchätzung der Frau verwandelt, um derentwillen er ein Opfer gebracht hat, ſo kettet ſich das Frauenherz mit jedem Opfer, das es dem geliebten Manne bringt, ſtets feſter und inniger an, und jemehr die Frau um ihn leidet, deſto theurer 85 bruder abhängigen Lage für immer zu entziehen, ieit wird er ihr, denn ſie iſt von der Natur zur treuen, ſic opferfähigen Liebe geſchaffen, während dieſe dem ige Mannt den Egoismus gab. ℳ tte Ida Richtern wußte, daß auch Arthur ein Egviſt hte, ſei; trotz ihrer Liebe, trotz ihrer Freundſchaft für erer ihn kannte ſie alle ſeine Fehler; aber dennoch blieb ſie ihm von Herzen zugethan, und ſein Glück war die und blieb ihr innigſter Wunſch, ihr tägliches Gebet. unn, Mehre Wochen blieb Arthur in Neapel, dann hei trieb ihn der Mißmuth weiter; er durchzog die halbe mpf Welt, ſuchte ſich in Paris und London, in Con⸗. bte, ſtantinopel und Wien zu zerſtreuen, ſpielte viel, ge⸗ unft wann anfangs, verlor dann eine Zeitlang fortwäh⸗ daß rend, wodurch auch dieſer Zeitvertreib den Reiz für an ihn verlor und von Neuem den hypochondriſchen Nißmuth weckte, welcher dieſem künſtlichen Reiz— iert, mittel auf kurze Zeit gewichen war. Er klagte von delt, Neuem das Schickſal an, das ihm eine unabhängige ttet Stellung verweigere, er machte ſich jetzt ſelbſt glau⸗ dem ben, daß er nur geſpielt habe, um ſich ein eigenes 6 an, Vermögen zu gründen, ſich einer, von ſeinem Halb⸗ 86 und ein halbes Jahr lang rührte er keine Karte mehr an; endlich aber erwachte die Luſt von Neuem, oder es trieb ihn vielmehr die Langeweile noch einmal zum grünen Tiſche. Er hatte abermals große Ver⸗ luſte und ſah ſich endlich gezwungen, in die Heimath und in eine weit abhängigere Lage, als früher, zu ſeinem Bruder zurückzukehren. Sich und Andern zur Laſt, keines Menſchen Freund, ſtand er von Niemandem geliebt in einem ihm ſo nah verwandten Kreiſe einſam und allein; von quälenden Erinnerungen wie von Geſpenſtern gepeinigt, ſuchte und ſtrebte er fortan ſtets nach Etwas, was er nicht erreichen konnte, oder was, wenn er es erreicht hätte, ihn nicht befriedigt haben würde. So fand ihn Ida wieder, als ſie nach einer Ab⸗ weſenheit von fünf Jahren nach Berlin zurückkehrte, und nur ihr milder Zuſpruch wußte oft den ihn peinigenden Dämon der Hypochondrie zu bannen. So verbittert lernte ihn Eglantine in Auenbach kennen, und kein Wunder war es, daß er dem jungen, einfachen Landmädchen wie ein unheimliches githſl hebte Nur in in Pem hifn Räthſel erſchien, vor deſſen Löſung ihre reine Seele erbebte. Nur erſt durch ein öfteres Beiſammenſein mit ihm in Ida Richtern's Hauſe verlor ſich ſpäter ihr Widerwille, und ſie äußerte eines Tages gegen dieſe: „Ich liebe Hartlinger in Ihrer, ich haſſe ihn in Gräfin Auguſtens Gegenwart!“ Salonleben. Der Salon der Gräfin Auguſte von Fels war glänzend erleuchtet; ſie ſelbſt aber, geſchmackvoll und prächtig zugleich gekleidet, ſcherzte darin mit einigen Herren und Damen, während der Graf ſeine Partie ſpielte, und Eglantine den Thee machte. „Chère cousine!“ rief die Gräfin,„chère Rose!“ denn ſeit ſie in der Stadt waren, nannte Gräfin Auguſte Eglantine nur Roſe;„chére Rose, eine Taſſe Thee, ich verſchmachte! Ach, ich bin ſo 88 leidend!“ fügte ſie, mit ſchmachtendem Blicke gegen einen jungen Herrn gewandt, hinzu;„ſo leidend! nicht wahr, ich ſehe ſchlecht aus, Baron?“ „Dies können Sie nie!“ verſicherte der Ange⸗ redete und fügte galant hinzu:„Die ſchönſte Dame könnte Sie, meine Gnädige, noch um Ihren ſchlechte⸗ ſten Tag beneiden!“ „Ach!— recht galant, recht hübſch geſagt; aber ernſtlich geſprochen, nicht wahr, ich bin ein Wenig hübſch?“ „Schön ſogar!“ verſicherte der Baron. „Ach, meine liebe, liebe Frau von Richtern, nicht wahr, ich ſehe etwas angegriffen aus?“ Mit dieſen Worten wandte ſich nun die Gräfin zu dieſer, welche lächelnd erwiderte: Luft machten, nicht immer nur in einem geſchloſſenen Wagen führen, würden ſich Ihre Nerven weit mehr 3 heben.“ „Ach Liebe, Liebe!“ rief die Gräfin und wandte ſich zu den Andern,„meine gute Richtern iſt meine mütterliche Freundin! Iſt ſie nicht himmliſch?— „Wenn Sie ſich etwas mehr Bewegung in freier ſ, le cun i u ſum tuf d uit hiß Ye in Bal iulena „Nu j davo ſit di A ſich, hiſe, ſochei ſich, ichtig Reſe iſen ab er enig ern, Nit eſer, teier enen mehr ndte eine Roſe, liebe Roſe, die Bonbons! ich muß immer Etwas eſſen, ſonſt werde ich ohnmächtig!— Ach, da kommt ja der gute Strahl!— Nun, wie war es auf dem Ball, geſtern bei— den Menſchen,— wie heißen gleich die Menſchen?“ „Menſchen?— Ball?— Ball?— war geſtern ein Ball?“ fragte der Eingetretene, ein ſchlanker Lieutenant, ſich beſinnend. „Nun ja doch, guter Strahl, Sie erzählten mir ja davon, es war ein Ball bei— bei Florheim's!“ ſagte die Gräfin. „Ach,— ja! ja, ja! ganz recht, ich beſinne mich,— ja, ich war auf einem Ball, meine Gnä⸗ digſte, weiß aber wirklich nicht wo.— Bei wem...? Flerhein?— Florheim..2— Ach, ich beſinne mich, Florheim iſt der Name meines Banquiers! Richtig, richtig! werde wohl bei ihm auf einem Ball geweſen ſein!— Wie er war, befehlen Sie zu wiſſen, meine Gnädigſte? Bedaure, nicht dienen zu können, weiß keine Sylbe mehr! total Alles ver⸗ geſſen!— Wiſſen Sie aber, daß es ſchneit?“ „Es ſchneit?“ riefen einige Herren. 90 „Es ſchneit?“ jubelte die Gräfin,„da kann man ja bald Schlitten fahren. Eine Schlittenfahrt, o wie herrlich!“ Und ſchnell fügte ſie hinzu:„Roſe, geben Sie mir etwas Gelée, ich verſchmachte!“ „Sie ſind ſehr bekannt hier im Hauſe?“ fragte ein neueingeführter Herr den Lieutenant von Strahl, „können Sie mir nicht ſagen, wer jenes Mädchen iſt, die den Thee macht und von der Gräfin Roſe genannt wird?“ „Wo?— ſehe Niemand!“ war Strahl's Ant⸗ wort. „Nun dort, die junge Dame mit blondem Haare, im Roſakleide!— die, welche der Gräfin ſveben ein Glas Limonade reicht!“— „Dieſe?— ach, dieſe!“ erwiderte Strahl. „Nun, dieſe....?“ fragte abermals der Herr. Strahl zuckte die Achſeln.„Bedaure, kann nicht dienen! weiß nicht! ſah ſie nie! kenne ſie nicht!“ Und er verließ den verblüfft daſtehenden Herrn, um mit einigen Damen zu ſprechen. Richtern?“ hörte Eglantine jetzt die Gräfin ſagen, „Wo Leo geblieben iſt, wollen Sie wiſſen, liebe ß 61 bun u zmüſt ſi wolte! ui im piln, ſihtfun Me l iht we ülrl üb ſl gn Ahr ſindez w in Rh hien min h ſeht⸗ Sthen! dn St ha ohen, kann fahrt Roſe, fragte trahl, idchen Roſe Ant⸗ Aare, veben err. kann e ſie nden liebe gen, 91 „weiß es wirklich nicht, wo er gegenwärtig iſt; Georg muß es wiſſen!— Ich weiß nur, daß er in öſterreichiſche Dienſte getreten iſt; der arme Narr! Es wollte hier mit dem Examen nicht gehen. Es wird ihm wohl nicht recht gefallen, den Soldaten zu ſpielen, er hatte einen entſetzlichen Hang zum Nichtsthun!“ Alle lachten, und die Gräfin rief ſcherzend: „Nicht wahr, Sie meinen, ich habe denſelben Fehler?— Das mag auch wohl ſein; aber wes⸗ halb ſoll ich mich plagen?— Ich gehöre weder zu dem Lehr⸗ noch Wehrſtande, ſondern zu dem Nähr⸗ ſtande; würde ich arbeiten, verlören ja die Arbeiter ihre Nahrung!— Ich kaufe Alles, laſſe Alles ar⸗ beiten! Ach, wie viele Menſchen ernähre ich durch meine hunderttauſend Capricen! Habe ich nicht Recht?“ „Was haben Sie da für allerliebſte Nippes⸗ Sachen!“ rief Lieutenant Strahl und nahm von dem Schreibtiſche der Gräfin einen Briefhalter auf; „wo haben Sie ihn gekauft? ich muß einen ſolchen haben, er mag koſten was er will!— O, mein Salon iſt ganz fein eingerichtet: Schreibtiſch mit ge⸗ wundenen Füßen; Jacaranda, natürlich, wie ſich von ſelbſt verſteht!— Schreibmappe und Alles, was auf einen Schreibtiſch gehört, von Boule; die Vor⸗ hänge von ſchwerem ſeidenen Damaſt, roth, ver⸗ ſteht ſich von ſelber. Stühle und Sopha, natürlich von derſelben Farbe; Portièren!— Auf dem Tiſche (ächt Rococo) ein Teller mit Cryſtallflaſche; der Teller Silber, reines Silber, wie ſich von ſelbſt verſteht!— Alles, dies beiläufig geſagt, noch nicht bezahlt!“ Alle lachten; Strahl aber fuhr fort:„Ein Teppich durch das ganze Zimmer, auf dem Camine lauter kleine, reizende Rococo-Gegenſtände; mein Salon koſtet mich circa dreitauſend Thaler, er iſt aber auch famos, famos, ſage ich!“ „Geben Sie uns doch ein Feſt in Ihrem Salon!“ ſcherzte die Gräfin, und Strahl rief: „Was befehlen Sie, meine Gnädige? Ein Auſternfrühſtück?— ein Diner? Ich bitte, zu be⸗ ſtimmen!“ Frau von Richtern, die ohnehin ſchon wenig ul nd ſoj6 ſtn 6 ſ ſt; ſn hihe ius Pa ſun ſt ſu“ in„ jin i ih in ſin wil woh NMh d ſh minr Fof jinn Un Ein zu be⸗ wenig 93 Theil an der Converſation genommen hatte, erhob ſich jett und ſchritt auf die fern von den Ubrigen ſitzende Eglantine zu. „In Auenbach habe ich einen lieben Bekannten,“ ſagte ſie;„haben Sie kürzlich Nachricht vom Paſtor Frank?“ Hohe Röthe färbte da plötzlich des jungen Mäd⸗ chens Wangen, und mit etwas befangener Miene fragte ſie:„Kennen Sie Paſtor Frank, gnädige Frau?“ „O, freilich kenne ich ihn!“ erwiderte die Rich⸗ tern;„der gute Frank, er war eine Zeitlang Er⸗ zieher in dem Hauſe meines Bruders, dort lernte ich ihn kennen und ſchätzen. Sein ſanftes Weſen, ſein milder Zuſpruch that mir damals unendlich wohl;— ich war kürzlich Wittwe geworden, und durch das lange Leiden meines verſtorbenen Mannes noch zu angegriffen, um Vergnügen an dem Umgange meiner lebensluſtigen Schwägerin finden zu können; Frank begleitete mich auf meinen einſamen Spatzier⸗ güngen, er wußte mich durch ernſte Geſpräche zu unterhalten, während ſein Zögling, mein Neffe, mich 9⁴ durch ſeine kindliche Fröhlichkeit zerſtreute. Und durch die Liebe, die ich bald zu dem herrlichen Knaben faßte, mich wieder neu mit dem Leben ver⸗ bindend, ſöhnte ich mich nach und nach mit dem Schickſale und meiner Zukunft aus. Von Italien „Ach, ſo ſind Sie die Dame, mit welcher Frank in Correſpondenz ſtand!“ unterbrach ſie Eglantine, „er hat uns oft Stellen aus Ihren Briefen mit⸗ getheilt; er freute ſich jedesmal ſo herzlich, wenn ein Brief aus Italien kam!“ „Dieſe Dame bin ich allerdings!“ verſetzte Frau von Richtern,„und es freut mich, zu hören, daß der gute Frank ſich über meine Briefe gefreut hat; die ſeinigen waren ſtets ein wahrer Troſt für mich, ſie verbanden mich fort und fort mit der Heimath, von der ich ſo weit war und nach der ich mich, trotz Italiens blauem Himmel und dem Duft der Orangenhaine, beſtändig ſehnte.“ Frau von Richtern ſenkte, wie von einer weh⸗ müthigen Erinnerung ergriffen, ſchweigend ihr Ant⸗ litz; Eglantine fragte theilnehmend: „Und nht⸗ „Peil ts nitnte nns uns wurde von ſe lihen ſin rich lube Eri Doch wie Cylm zn hu titer Un „ch viſttze nicht e Triben Col gerden richteten „ nide⸗ Und ichen ver⸗ dem alien ßrunt tine, nit⸗ wenn 95 „Und weshalb mieden Sie ſo lange die Hei— math?“ „Weil—“, ſagte langſam und ernſt Ida,„weil es mitunter die Vernunft verlangt, das zu meiden, was uns am theuerſten iſt.— Meine Abweſenheit wurde von dieſer ſtrengen Despotin verlangt,“ fügte ſie lächelnd hinzu,„und ich bin für meinen Gehor⸗ ſam reichlich belohnt worden; ich habe mir dort liebe Erinnerungen und treue Freunde erworben! Doch wie gefällt es Ihnen bei uns in Berlin?“ Eglantine ſtammelte erröthend:„O, ganz gut, ganz gut!“ und ſenkte dann, als habe man ſie bei einer Unwahrheit ertappt, die Augenlider. „Ach ja, man kann ſich hier ſchon amüſiren!“ verſetzte Frau von Richtern;„aber fühlen Sie ſich nicht etwas ermüdet? wird Ihnen das geſellige Treiben nicht zu viel?“ Eglantine hob ſchüchtern den Blick zu der Fra⸗ genden auf; der Ausdruck des milden, auf ſie ge⸗ richteten Auges gab ihr Muth, flößte ihr Vertrauen ein. „Ach ja!“ ſeufzte ſie,„ich fühle mich oft recht müde!“ 96 „Und dies nicht allein körperlich?“ fragte Frau von Richtern weiter.„Ich kenne dies; wie Sie, mein liebes Kind, war ich auf dem Lande erzogen worden, kannte die Welt nicht; mein Mann erſt führte mich in die Kreiſe der Reſidenz ein.— Eine zwanzigjährige Frau, kam ich hierher—; da habe ich denn gelitten, gekämpft und gerungen, bis ich ruhig, einig mit mir ſelbſt geworden bin. Jetzt lächle ich über Dinge, die mich früher kränkten, empörten!“ „Ach, wenn ich das ſchon könnte!“ rief Eglan⸗ tine, und Frau von Richtern erwiderte: „Das würde ich Ihnen nicht wünſchen; jedes Gefühl will ſeine Reife erlangen, wie die Frucht am Baume: Nothreife aber wäre es, wenn Sie mit neunzehn Jahren ſchon, wie ich, eine beinahe fünfundvierzigjährige Frau, fühlten und dächten.— Sie ſind überhaupt zu ernſt, liebes Kind! Weshalb nehmen Sie keinen Theil an dem—, nun ja, oft ſeelenloſen Geſchwätz der Andern?— Sie ſitzen immer ſo fern, ſo allein!— Lachen Sie mit den Fröhlichen und wäre es auch über unſinniges Giſhvib; ohnehin b ſtungen mn nir hunderime ſen ſie m pie ein L iſ, einem „Dieſ ſch ſe ni das enpi ſo ſpr Cgla Frau Gie, lieb rcht her Pi was gie Fglanii — Geſchwätz; es kommt eine Zeit, wo man das Lachen ohnehin verlernt zu haben glaubt, und dann ſehnt man ſich nach den Jahren zurück, wo man noch jung, noch übermüthig war.“ „O, gnädige Frau!“ rief Eglantine mit beweg⸗ ter Stimme,„wenn Sie wüßten, welche Zurück— ſetzungen ich hier ſchon habe erdulden müſſen! wie man mir begegnet iſt—!— Menſchen, die ich hundertmal geſprochen habe—, in Geſellſchaft ken⸗ nen ſie mich nicht!— Ich habe es ſelbſt gehört, wie ein Officier, der faſt täglich in unſerem Hauſe iſt, einem Herrn, der nach mir fragte...“ „Dieſem Herrn zur Antwort gab: kenne ſie nicht, ſah ſie nie!“ unterbrach Frau von Richtern lächelnd das empörte Mädchen.„Strahl! ich hörte es, als er ſo ſprach!“ Eglantine neigte tief erröthend ihr Haupt. Frau von Richtern fuhr lachend fort:„Sehen Sie, liebes Kind, über ſo Etwas muß man lachen, recht herzlich lachen!“ „Was lachen Sie denn ſo, liebe Richtern? was giebt es denn? hat Roſe etwas Dummes ge— Ehlantine IH. 7 98 ſagt?“ fragte, ſich umblickend, die Gräfin, und ängſtlich faßte Eglantine ihrer Gefährtin Hand. Frau von Richtern aber lachte nur lauter und rief:„Ihre kleine Couſine, liebe Fels, iſt gar nicht ſo fromm, als ſie ſcheint, ſie hat mir ſpeben eine charmante Bemerkung mitgetheilt.“ „Welche? welche denn?“ fragte die Gräfin und rückte ihren Fauteuil herum; die Anderen folgten ihrem Beiſpiele und bildeten ſo einen Kreis um Frau von Richtern und Eglantine; auch Lieutenant Strahl trat hinzu. „Nun, erzählen Sie, Roſe!“ gebot Gräfin Fels; Frau von Richtern aber rief, die Verlegenheit ihrer Gefährtin bemerkend: „Nein, nein, liebe Roſe, dieſe Anekdote bleibt unter uns!“ Eglantine wurde nun von allen Seiten beſtürmt, die Anekdote zu erzählen, die ſie Frau von Richtern mitgetheilt habe; ihr Weigern galt für Caprice, man ſprach mit ihr, man ſcherzte, man lachte; Lieutenant Strahl ſogar beſann ſich jetzt darauf, Fräulein Roſe zu kennen; er fand ſie recht hübſch ud dach Poll eine Frm un jun d ihr zu irfe, ſi hald“ ſe wein S nit mei inger i Eyla innals ſch uch Grifn füſt, Cylanti unterw 99 66 und dachte darüber nach, ob er auf dem nächſten Ball einen Tanz mit ihr riskiren ſollte.— 4 Frau von Richtern aber bat beim Abſchied ihre 3 nict neue junge Freundin, ſo oft ſie freie Stunden hätte, in zu ihr zu kommen, und wenn ſie eines Rathes be⸗ dürfe, ſich an ſie zu wenden.„Kommen Sie recht und bald,“ ſchloß ſie ihre Rede,„ich zeige Ihnen dann ien meine Sammlungen, mein Album, ich mache Sie un mit meinen Freunden bekannt; der Arthur Hart— nant linger iſt oft bei mir!“ Eglantine verſprach, gerührt und froh, recht bald 3 els; einmal Frau von Richtern zu beſuchen.— Sie nahm hrr ſich auch wirklich feſt vor, ſo bald als möglich die Gräfin um Erlaubniß darum zu bitten; doch ſchien leibt es faſt, als ſollte es nicht dazu kommen, denn Eglantine, deren Schickſal den Wechſelfällen mehr nt, unterworfen ſchien, wie das der andern Menſchen, tern kam durch Zufall in eine ganz andere geſellige rice, Stellung, als es bisher der Fall geweſen war, und hte Frau von Richtern ihr durch ihr Einladung bereiten auf, wollte. Die Centifolie. Es erſchien nämlich ein, wie man wußte, ſehr reicher, wie man ſagte, unermeßlich reicher, junger Mann, der Graf Alexander von P., wie ein leuch⸗ tendes Meteor an dem Geſellſchafts⸗Himmel und ver⸗ dunkelte für eine Zeitlang alle an dieſem Himmel glänzenden Sterne. Der Graf war als beſter Reiter, als eleganteſter Modeherr, als durchaus comme il faut, als vriginell, genial, kurz als ein vollkomme⸗ ner Gentleman bekannt; was er that, war das Rechte, was er unterließ, that Niemand mehr, und ſo war Graf Alexander der Tonangeber geworden, ehe man dies glaubte.— Und dieſer Held des Tages, war es Caprice, oder gefiel ſie ihm wirklich beſſer, als alle die Da⸗ men der Reſidenz, begann, Eglantinen lebhaft zu huldigen. Schüchtern und beſcheiden hielt ſie ſich ſtets fern von den übrigen, er aber ſuchte ſie auf, war gegen ſie von einer Galanterie und Aufmerkſamkeit, die wolches ſ ſtuf i ſihte, ſ Dies ih ſran ve „C jun ih ihr nich uude) Sthen 101 manche der Frauen, denen Gleiches nicht geboten wurde, in Erſtaunen ſetzte. Die Gräfin war, denn Anfangs hatte ſie ſich ſr der beſondern Auszeichnung des Grafen erfreut, wohl nger etwas betroffen, als ſie ſeine Bemühungen um Eglan⸗ kich tinens Gunſt bemerkte, und hatte halb erſtaunt, ver halb mürriſch aufgeblickt, als eines Tages Alexander mel ſie gefragt hatte:„Wer iſt jenes charmante Mädchen titer, dort?“ und gleich darauf hinzufügte:„Wollen Sie e il mich nicht Ihrer Couſine vorſtellen?“ und dann 4 me ernſtlich anfing, ihrer Couſine Roſe den Hof zu das machen; aber bald wich das unbehagliche Gefühl, und welches ſie dabei empfunden hatte, einer Idee, die den, ſie auf ihre lebhafte Weiſe nicht nur in ſich auf⸗ faßte, ſondern auch offen gegen Andere ausſprach. rice, Dies that ſie eines Tages folgendermaßen gegen Da⸗ Frau von Richtern: 3 tzu„Eglantine wird geliebt, raſend geliebt! Sie 4 kann ihr Glück machen, und ich,— nun ich werde fern ihr nichts in den Weg legen, im Gegentheil, ich gen werde Alles thun, damit die ſich arrangire.— Sehen Sie, liebe Richtern, hier ſind Proben, die 102 ich mir kommen ließ; Roſe muß nun eine ganz andere Toilette bekommen, als früher.— Wie ge⸗ fällt Ihnen dieſe Farbe? wird ſie meine kleine Roſe gut kleiden?“ Frau von Richtern ſchüttelte ernſt den Kopf und ſagte warnend:„Nur keine Unvorſichtigkeit, liebe Auguſte!“ „Bah!“ erwiderte die Gräfin und hielt ſich eine der Proben nah an das Geſicht, um in einem ihr gegenüberſtehenden Spiegel zu ſehen, wie ſie ſelbſt dieſe Farbe kleide. Frau von Richtern entfernte ſich verſtimmt, nach⸗ dem ſie Auguſten noch einigemale zur Vorſicht er⸗ mahnt hatte und von der eigenwilligen Frau ſtets nur kurze, widerſprechende Antworten erhalten hatte. Es wäre ihr unmöglich geweſen, länger zu ver⸗ weilen, denn heute war ihr Auguſtens Nähe drücken⸗ der denn jemals, und in ungewöhnlich aufgeregter Stimmung, wie ſie heute zufällig war, faßte ſie, als ſie gleich darauf Eglantinen im Vorgemach be⸗ gegnete, dieſe i ihre Arme, blickte ihr weh— müthig, faſt traurig in die fragend auf ſie gerich⸗ eten Wgel uf die wr „Was yn Fichte vit der 5 ſt ih T Cglan innal be Lhüre ihr ſt„Ros ſnd henl Schn wyaß ſi un Ris Sinmn Freiſ litte, uur wol h me woi Lylni ch ⸗ ſtets tte. ver en⸗ ter 103 teten Augen und drückte, leiſe ſeufzend, einen Kuß auf die weiße Stirne des Mädchens. „Was iſt Ihnen?“ fragte Eglantine; aber Frau von Richtern eilte, ohne zu antworten, fort; nur mit der Hand ihr noch freundlich zuwinkend, preßte ſie ihr Tuch an die überſtrömenden Augen. Eglantine wollt ihr nacheilen, wollte ſie noch einmal befragen, aber die Gräfin erſchien in der Thüre ihres Cabinets, und Eglantine erblickend, rief ſie:„Rose, chère Rose! geſchwind, geſchwind, hier ſind herrliche Stoffe, reizende Muſter zu ſehen!“ Schnell folgte Eglantine dieſem Rufe, und bald vergaß ſie unter Bändern und Kleiderſtoffen Frau von Richtern und deren augenſcheinlich trübe Stimmung. Freigebig, wie die Gräfin war, ließ ſie das be⸗ glückte, erſtaunte Mädchen ſich auswählen, was es nur wollte und fügte nach eigener Wahl noch Mehres hinzu. „Ihre Toilette, chére Rose, muß von nun an une toilette exquise werden!“ ſagte ſie und nickte Eglantinen bedeutungsvoll zu. 104 Dieſe war erfreut, verwirrt, ſie konnte ſich dieſe plötzliche Güte, die ſich in ſo hohem Grade nie gezeigt hatte, wenn auch die Gräfin dann und wann ſolchen plötzlichen Anwandlungen und Aufwallungen unterworfen war, nicht ganz erklären und wollte es auch nicht. Eine geheime Scheu hielt ſie zurück, auf der Gräfin Ideengang forſchend einzugehen, wie ſie überhaupt ſich in letzter Zeit nur ungern dem Nachdenken überlaſſen hatte. Drang ſich ihr aber unwillkürlich ein Gedanke auf, den ſie nicht mehr hegen wollte, ſo griff ſie ſchnell nach einem Buche, oder eilte an den Flügel; ſie las zwar nicht, ſie ſpielte nicht das, was auf den Noten vor ihr ſtand, aber durch das Greifen nach dem Buche, durch das Berühren der Taſten, war der ſie quälende Gedanke für kurze Zeit verſcheucht. Es war auf einem Balle, der wenige Tage nach dem Geſpräche der Gräfin mit Frau von Rich⸗ tern Statt fand, wo Eglantine, die ſonſt ſo ein⸗ fach gekleidet war, das erſtemal in glänzender Toi⸗ lette erſchien. Man bemerkte dies, man bemerkte nun auch, in chere ſrgte, da litlich ei ilere Fre Auch wn Str ſe ſlbſ zinn! ſo war ſi Von uuch in No Gra ihre Näl Und, w (Omme ſch un ſtigen, aher nehr che, ſie und, das anke daß ſie ſchön, daß ſie liebenswürdig ſei, und vor allen Anderen bemerkte dies Graf Alexander, der offen ſeine Bewunderung an den Tag legte. Die Gräfin war voller Aufmerkſamkeit gegen ihre chère Rose; ſie hing ihr die Mantille um, ſie ſorgte, daß kein Zuglüftchen ſie erreiche und ſchien plötzlich ein großes Gefallen' daran zu finden, die ältere Freundin, die Gardedame zu ſpielen. Auch fanden ſich Mehre, darunter Lieutenant von Strahl, welche die Gräfin damit neckten, daß ſie, ſelbſt noch ſo jung, ſo geſchickt ſei im chaperon— niren! Auguſte amüſirte dies ausnehmend, und ſo war ſie einſtweilen ganz zufriedengeſtellt.— Von nun an wurde Eglantinens Stellung eine andere, nicht nur im Hauſe der Gräfin, ſondern auch in der Geſellſchaft, das heißt in den Kreiſen, wo Graf P. den Ton angab; man drängte ſich in ihre Nähe, man fand ſie geiſtreich, liebenswürdig, und, was in der Welt mehr als dies Alles ſagt, comme il faut!— Junge und alte Damen ſuchten, ſich an ſie drängend, durch die einſt Uberſehene zu ſteigen, in die Mode zu kommen, und Eglantine, — —— 106 dies bemerkend, ſtieg in ihrer eigenen Meinung plötzlich ſo hoch, daß ſie es ganz in der Ordnung fand, wenn man ihr huldigte; ſie vergaß darüber, wer ſie war, wie ihre Stellung im Hauſe der Gräfin eigentlich beſchaffen ſei, und das erwachte Selbſt⸗ gefühl, ein Selbſtgefühl, welches freilich ſchon an eine ſchwindelnde Selbſtüberſchätzung gränzte, gab ihr eine ſolche Sicherheit in ihrem Auftreten, daß man wohl ſchwerlich in der eleganten Roſe die kleine Eglantine aus Auenbach wieder erkannt hätte, wäre nicht der Ausdruck ihres Auges derſelbe geblieben, das, wenn auch jetzt freudig ſtrahlend, immer noch einen Himmel von Unſchuld ahnen ließ. Den Grafen zog, wie es ſchien und wie er auch offen eingeſtand, gerade die naive Unſchuld des jungen Mädchens ſo beſonders an; es gefiel ihm, daß Eglantine ſo ungezwungen⸗fröhlich auf ſeine leichten Scherze, die ſie nur halb verſtand, einging und doch auch wieder ernſt, ja feierlich ſprechen konnte, wenn er ihr, oft nur zum Scherz, mit ernſter Miene Fragen ſtellte, die eine Erfahrene zum Erröthen gebracht hätte, die ſie aber, einen delſn heani mſt Pirllich 09 m 14 u yr iht, und be d ſ flül Bor ſeine „ us Liebe wliger de juch eb Iifit z nichtm hoſt fir gende „Eyl ſihte ſi ung lung rüber, Brifn 107 Doppelſinn nicht darin erkennend, beſtimmt und ernſt beantwortete. Wirklich ſchien Eglantine den Grafen von Tag zu Tag mehr zu bezaubern; in Geſellſchaften wie auf der Promenade unterhielt er ſich faſt nur mit ihr, und begreiflich war es, daß man ſchon hie und da zu flüſtern begann: Graf Alexander werde die kleine Borneck heirathen. „In unſern Zeiten, hier in Berlin, eine Heirath aus Liebe!“ ſo meinten Einige. Andere wieder, weniger darüber erſtaunt, äußerten:„Da hätte er ja auch eben ſo gut die oder die heirathen können!“ Zufrieden war Niemand, außer die Gräfin, die es nicht nur allerliebſt, ſondern auch höchſt ſchmeichel— haft für ſich ſelbſt fand, daß der Graf ſein Auge gerade auf ihre Protegée geworfen habe. „Eglantine muß und ſoll Gräfin P. werden!“ ſagte ſie eines Tages abermals zu Frau von Rich⸗ tern, die mit ernſter Miene antwortete: „Beſte Auguſte, wiſſen Sie denn auch, ob es ein Glück für Eglantine wäre, wenn ſie ihre be⸗ ſcheidenen Verhältniſſe mit einer ſo glänzenden Stel⸗ 108 lung, mit einem Leben am Hofe, in den erſten Cir⸗ keln vertauſcht?“— „O Liebe, Liebe!“ rief da die Gräfin,„wie ſollte das nicht ihr Glück ſein? und ich,— ich würde dann ſtets die rathgebende Freundin der Gräfin P. bleiben; nach der Hochzeit würde Roſe mit ihrem Manne eine Reiſe nach Paris machen, den Winter brächte ſie in Neapel zu, dorthin muß Georg auch mit mir reiſen,— wir finden uns wie⸗ der, wir kleiden uns ſtets ganz gleich, wie Schwe⸗ ſtern!— Man wird uns die beiden ſchönen Deutſchen nennen! O, es iſt herrlich, herrlich!! Was werden die Berliner, was wird Strahl ſagen, wenn wir dann von Italien zurückkommen?!— Roſe macht dann ein großes Haus, und ich....“ „Aber, liebe Auguſte!“ unterbrach ſie Frau von Richtern,„ſo weit ſind wir noch nicht!— Wiſſen Sie denn auch, ob es dem Grafen Ernſt mit ſeiner Bewerbung iſt?— Und wenn es nun ſein Ernſt nicht wäre,— wenn Sie Eglantinen in einer hoff⸗ nungsloſen Liebe beſtärkten, ſtatt dieſer entſchieden entgegenzutreten!— Haben Sie es bedacht, Auguſte, ulhe ben Sie zuch, ſch bringt; uns Her zürn? Fu, dir zinden he dnn iſt je und wenr „Sie Munſt, Rihtm nit gwu Na Griſen n „Bah und als ſherzend Grifn, Hoche ine iht mß Fr 109 welche Verantwortung Sie auf ſich nehmen? Wiſſen Sie auch, welche Leiden hoffnungsloſe Liebe mit ſich bringt; können Sie es verantworten, Eglanti— nens Herz zu brechen, ihr ganzes Lebensglück zu zerſtören?— Halten Sie es für möglich, daß die Frau, die einmal wahr, tief für einen Mann em— pfunden hat und von dieſem gekränkt, verlaſſen wor⸗ den iſt, jemals wieder glücklich werden könne?— Und wenn nun der Graf....“ „Sie nehmen die Sache ja hochtragiſch?“ ſagte Auguſte, deren Augen aufmerkſam an Frau von Richtern gehangen hatten, jetzt ſie unterbrechend, mit gezwungenem Lächeln. Ida aber fuhr fort:„Und wenn es nun dem Grafen nicht Ernſt mit ſeiner Bewerbung iſt?—“ „Bah! ich werde ihn fragen!“ rief die Gräfin, und als jetzt Eglantine eintrat, verneigte ſie ſich ſcherzend ſehr tief vor dieſer und fragte:„Frau Gräfin, haben doch wohl geruht?—“ Hocherröthend, ſcheinbar zürnend, ſchüttelte Eglan⸗ tine ihr Haupt und bat:„Aber, liebe Gräfin, was muß Frau von Richtern denken?“ 110 „O, nichts, nichts, was Sie in den Augen dieſer ſtrengen, ewig Vernunft predigenden Frau herabſetzt; ſie billigt unſern Plan vollkommen!“ tröſtete Gräfin Auguſte. „Plan?“ riefen fragend und betroffen die Rich⸗ tern und Eglantine zu gleicher Zeit. „Nun ja doch!“ erwiderte die Gräfin,„mein Plan iſt, den Grafen P. mit Roſenketten zu feſſeln; iſt das nicht ſchön geſagt? und Roſe—, geſtehen Sie es nur; Roſe,— chére Rose, Sie ſind nicht abgeneigt, auf meinen Plan einzugehen?“ „Nehmen Sie ſich in Acht, Auguſte!“ warnte Frau von Richtern,„daß Sie ſich nichts von die⸗ ſem, jetzt natürlich nur im Scherze ausgeſprochenen Plane gegen Andere merken laſſen, man könnte Ihren Scherz leicht anders deuten, als er gemeint iſt!“ Eglantine drückte warm der Sprecherin Hand, während die Gräfin, ſchelmiſch lächelnd und den Kopf wiegend, ein Liedchen zu trällern begann. Als ſich Frau von Richtern bald darauf ent⸗ fernte, die Gräfin wieder mit Eglantine allein war, rief ſie: Kiebſt mlin gn it, i ., ich ſi ingt das Mein ie komn iel ich w ſheint es un Soyl „Ich Sie enölhende e Nin Ngenhe ſuch heu „Un uf und in ſra u werden 111 Augn„Liebſte Roſe, laſſen Sie die gute Richtern im⸗ örn merhin glauben, daß ich ſcherze, Ihnen aber ſage men!⸗ ich, es iſt mein Ernſt, mein vollkommener Ernſt!— Ja, ich ſage noch mehr, von dieſer Verbindung Rich hängt das Glück meines Lebens ab!“— „Mein Gott, theure Gräfin,“ rief Eglantine, „mein„wie komme ich zu dieſer Güte!— Allein,— ſo feſeln; viel ich weiß,— ſo viel ich es beurtheilen kann, iſehen ſcheint es mir—“. Sie ſtockte. d nicht„Was, liebe Seele?“ rief die Gräfin und ſprang vom Sopha, auf das ſie ſich geworfen hatte, auf. warnte„Ich glaube nicht, daß Graf Alexander....“ n die⸗„Sie liebt?“ unterbrach die Gräfin das hoch⸗ chenen erröthende Mädchen,„na, na, na, da müßte ich Ihren die Männer nicht kennen! übrigens ſoll dieſe An⸗ ſſtl“ gelegenheit uns nicht lange mehr quälen, ich ſpreche Hand, noch heute mit Alexander!“ d den„Um des Himmels willen nicht!“ fuhr Eglantine n. auf und faßte heftig die beiden Hände der erſchreck— f ent⸗ ten Frau. war,„Nun, nun, liebe Roſe,— ſo und nicht anders werden in der großen Welt die Heirathen gemacht!— 112 Das wäre mir eben recht, daß ich keine Partie zu Stande brächte!— Da iſt Gräfin Lichtenau, die hat ſchon drei oder vier Partien gemacht; o, von allen meinen Bekannten wird es gerühmt, eine oder zwei ganz gewiß; nur von mir nicht; noch keine einzige habe ich zu Stande gebracht!— Aber ich will und will, daß dieſe Partie ſich arrangire! Kind, Roſe, Eglantine, denken Sie ſich,— Sie die Gräfin Alexander von P.!“ Eglantine, von des jungen, eleganten Mannes Liebenswürdigkeit und durch ſein Kußeres faſt eben ſo verblendet, wie durch die glänzenden Verhältniſſe, die dieſe Partie, wie die Gräfin ſagte, zu einer der gewünſchteſten und vortheilhafteſten machte, die es in Deutſchland gab, kämpfte mit dem Wunſche, Gräfin P. zu werden und ihrer geſunden Vernunft, die ihr die ganze Sache als eine ſchwärmeriſch auf⸗ gefaßte Idee der Gräfin zeigte; aber von Minute zu Minute wurden die Einwendungen der Vernunft ſchwächer und die Thorheit, die aus Auguſtens Mund leiſe ſchmeichelnd ſie beſtrickte, trug endlich den Sieg davon; ſie blieb zwar dabei, recht ernſtlich i Früfin urins f ſitt ch ſc tiehne Grift, fal n virde Ganz die Braut i Zimn ftberhaft ſie al Shiegel. bſhen znn l bid dieſ iter die ſchrai Syiegel hinen piithſn hienſ dur u en die Gräfin mit Bitten zu beſtürmen, dem Grafen die durchaus freie Hand zu laſſen und„dieſe Partie“ „on nicht machen zu wollen, geſtattete aber, oder ließ oder ſich vielmehr die Erlaubniß dazu entreißen, daß die feine Gräfin, falls Alexander ſie um ihre Fürſprache bit⸗ er ich ten würde, dieſem Hoffnung zeigen dürfe. Kind, Ganz verwirrt, halb und halb ſich ſchon als ſe die die Braut des Grafen anſehend, ſuchte Eglantine ihr Zimmer auf;— dort angelangt, drückte ſie die unnes fieberhaft glühende Stirne in ihre zitternden Hände, eben zog ſie aber ſchnell wieder fort und trat vor den miſſ, Spiegel.— Sich vom Kopf bis zum Fuß darin r der beſchauend, blickte ſie lange, lange hinein und ſagte ie es dann plötzlich halblaut, als ob ſie an ihr Spiegel— nſche, bild dieſe Frage richte:„Est-il possible?“ Aber unſt, über dieſe, einer fremden Sprache entlehnte Frage au⸗ erſchrak ſie ſo heftig, daß ſie hocherglühend vom inute Spiegel hinwegfloh und ſich, beide Augen mit den nunft Händen zuhaltend, in eine Ecke des Zimmers drückte, ſens gleichſam als wollte ſie ſich vor ſich ſelbſt verbergen. dlich ier ſtand ſie wieder eine geraume Zeit, und Bil— lich der aus der Vergangenheit zogen mit Blitzesſchnelle Eolantine II. 8 — 114 an ihr vorüber:— Sie befand ſich wieder in Auen⸗ bach, in ihrer beſcheidenen, kleinen Wohnung, in der früheren, ſo beſchränkten Lage.— Mein Gott, wie ſollte ſie den Grafen P. mit ihrer Vergangenheit verſöhnen! Dieſe für ſie jetzt ſo ernſte Frage drängte ſich ihr gewaltſam auf. Als Weltdame, als Roſe hatte er ſie kennen, lieben gelernt; er ſah in ihr nur ein zartes, verwöhntes Mädchen,— wie ſollte er den Gedanken ertragen, daß ſeine Braut ſich früher ihr einfaches Mahl ſelbſt zu bereiten, ihr Zimmer ſelbſt zn reinigen ſich nicht ſcheute!— „Wird Alexander es ertragen können, wenn ich ihm ſage—, daß— daß ich für Geld gearbeitet habe?“ fragte ſie ſich ſelbſt,„und verſchweigen,— meinem zukünftigen Gatten ein Geheimniß aus meiner Ver⸗ gangenheit machen,— ach, das kann, das darf ich nicht!— Nein, ich kann ihn nicht heirathen, denn das Geſtändniß, daß ich arm—, daß ich ein Landmädchen war, kommt nicht über meine Lippen!“ rief ſie und hielt ſich in kindiſcher Scham noch feſter die Augen zu. Da hörte ſie die Gräfin heftig ſchellen.— Was ſw n huſt ſthen Ein D w hnd m ßingen „Das wl ief hot! ſe ſu der 4 ziner Ent pſſchig uil ſih Mder, Aus Unfen inſcar ſu ſi hinin. huhrh 6 oy n ihn be? einem Ver⸗ —— iſt das?— Eine Ahnung erfaßte ſie;— ſie eilte an's Fenſter und blieb dort mit klopfendem Herzen ſtehen. Ein Diener verließ gleich darauf das Haus, in der Hand ein roſafarbenes Billet, das er, zwiſchen den Fingern drehend, neugierig zu betrachten ſchien. „Das iſt ein Billet von der Gräfin an Alexan⸗ der!“ rief Eglantine außer ſich,„mein Gott, mein Gott! ſie wird doch nicht?!....“ Und ſchnell eilte ſie der Thüre zu, um jeden Preis, ſelbſt um den einer Entzweiung mit Auguſten, wollte ſie eine Un⸗ vorſichtigkeit dieſer verhüten; aber— ſie blieb aber— mals ſtehen,— konnte der Brief nicht an jemand Anders, an Frau von Richtern gerichtet ſein?— Aus ihrem Fenſter konnte ſie das Haus des Grafen P. ſehen, deshalb trat ſie dorthin zurück; ihr ſcharfes Auge folgte dem Diener.— Ihre Ahnung hatte ſie nicht getäuſcht, denn dieſer ging wirklich hinein.— Unentſchloſſen, verweilte ſie noch; wußte der Graf doch höchſt wahrſcheinlich nun ſchon Alles;— es war ja zu ſpät, die Gräfin von irgend etwas darauf Bezug Habendem abzuhalten, und dann— 8* 116 konnte Graf P. ſich nicht auch ſchon deutlicher gegen Gräfin Fels ausgeſprochen haben, als gegen ſie ſelbſt?— Hatte dieſe doch in der letzten Zeit ſo ſicher, ſo beſtimmt von der baldigen Erfüllung ihres Wunſches geſprochen!— Eglantine faltete die Hände.„Herr, Dein Wille geſchehe!“ flüſterte ſie; aber kaum hatte ſie dieſe Worte geſprochen, als auch Johannes' Bild vor ihre Seele trat;— doch unwillig, als wollte ſie ſtörende Gedanken verſcheuchen, fuhr ſie ſich mit der Hand über die Stirne und ſchaute dann ſchärfer die Straße hinab. Eine Viertelſtunde ſpäter ſah ſie des Grafen Tilbury vorfahren, ihn ſelbſt hineinſpringen,— da kam wieder Leben in ſie; mit leidenſchaftlicher Eile flog ſie die Treppe hinab, durch mehre Zimmer in der Gräfin Cabinet.— Auguſte war nicht dort(ſie war noch mit ihrer Toilette beſchäftigt); hier aber, das wußte Eglan⸗ tine, würde ſie den Grafen empfangen,— und hier konnte ſie ungeſehene Zeugin ihres Geſpräches ſein. Schnell und athemlos barg ſie ſich hinter den ſchwe⸗ tn ſiden uht ſi⸗ mndi un ber Pile gint, Gluns Chhrite; Jtzt n Plce, 117 gegen ren ſeidenen Vorhängen des einen Fenſters, die, das en ſe wußte ſie, ſelten oder nie zurückgezogen wurden, zit ſo und an die Wand ſinkend, lauſchte ſie mit klopfen— 6 ihres dem Herzen, was nun kommen werde., Trällernd trat gleich darauf Auguſte in das Vile Cabinet, dann flog die Thüre des daranſtoßenden dieſe Salons auf, näher und näher tönten des Grafen ld vor Schritte; Eglantine hielt ſich kaum mehr. 1 te ſie Jetzt öffnete der Diener die Cabinetsthüre.„Graf it der P.!“ meldete er, und dieſer trat mit fragendem chärſn Blicke, um den Mund ein kaum merkliches ſpötti⸗ ſches Lächeln, auf die Gräfin zu. Hrufen„Sie haben befohlen?“ fragte er;„womit kann — da ich ſo glücklich ſein, Ihnen zu dienen? Befehlen 6 nie Sie über mich!“ ner in Die Gräfin lächelte.„Mir dienen?— lieber Grafl“ ſagte ſie mit faſt zärtlich⸗weicher Stimme, ihrer„nein, deshalb hätte ich Sie zu ſo früher Stunde 1. glun⸗ nicht zu mir beſchieden.— Nein, diesmal iſt es dhier Ihr eigenes Intereſſe, was mich vermochte, Ihnen ſein zu ſchreiben.“ „Mein Intereſſe? Meine Gnädigſte, Sie machen — 1¹⁸ mich wahrhaft begierig, zu hören, worin dieſes Intereſſe beſteht!“ Eglantine zitterte ſo heftig, daß ſie dem Um⸗ ſinken nahe war. „Und errathen Sie nichts?“ fragte wieder mit weicher Stimme die Gräfin. Den Blick, den Graf Alexander jetzt der ſchönen jungen Frau zuwarf, konnte Eglantine freilich nicht ſehen, wohl aber vernahm ſie den Kuß, den er auf ihre Hand drückte, und merkte an dem Tone der Stimme, als Auguſte jetzt wieder zu ſprechen be⸗ gann, daß ſie in eine augenblickliche Verlegenheit gerathen war. „Und haben Sie daran gezweifelt, daß ich mit dem größten Intereſſe Ihre wachſende Neigung für meine Cvuſine Roſe beobachtet habe?“ „Sie glauben doch nicht....?“ hörte Eglantine den Grafen ſtockend fragen, der dann ſchnell hinzu⸗ fügte:„Solchen Augen gegenüber wäre es wahrlich ein Verbrechen, an eine Andere zu denken!“ „Weichen Sie mir nicht aus!“ rief jetzt Auguſte ſchon wieder mit ihrer frühern Lebhaftigkeit,„ich on2 nn“ Ine H Eyl dieſes m Un⸗ der mit ſchänen er auf one der hen be⸗ genheit ich nit ing fir glantine hinzu⸗ wahrlich Auguſt t, ich 10 achte Ihre Discretion, aber ich bin die nächſte Ver— wandte, die Beſchützerin meiner Couſine Roſe und. „Und ich hoffe doch nicht, gnädigſte Gräfin, daß mein Betragen dazu diente, Ihren Unwillen zu er⸗ regen?“ hörte Eglantine den Grafen in ernſtem Tone und mit feſter Stimme fragen. „O nicht doch, nicht doch!“ jubelte dagegen die Gräfin,„ich wünſche nichts mehr als dieſe Partie!“ Eglantine ſchrak zuſammen; ſie ſank auf ihre Kniee; athemlos lauſchte ſie der Antwort. „Welche Partie?“ fragte ruhig, ja faſt gleich⸗ gültig der Graf. „O, ſpielen Sie nicht länger den Geheimniß⸗ vollen!“ rief, unwillig werdend, die Gräfin,„her⸗ „Sie wünſchen, daß ich Sie zur Vertrauten meiner Pläne für die Zukunft mache?“ Dieſe Frage betonte jetzt auffallend der Graf. „Ganz recht! ich will, ich muß Ihre Vertraute ſein, ſonſt handle ich Ihnen in Allem entgegen!“ ſcherzte Auguſte ſchon mit ausgelaſſener Fröhlichkeit. „Nun denn,“ ſagte, jedes Wort noch ſchärfer betonend, Alexander,„in wenig Wochen gedenke ich Berlin wieder zu verlaſſen und längere Zeit auf Reiſen zuzubringen; in drei, vier oder fünf Jah⸗ ren,— wenn ich zurück bin und mich mein Weg einmal wieder hierher führen ſollte, würde es mich herzlich freuen, Sie mir noch ſo freundlich gewogen zu ſehen, wie heute— und Ihre Fräulein Couſine recht glücklich verheirathet wiederzufinden!“ Jede Andere hätte die Abſicht, die in dieſen Worten lag, erkannt, nicht ſo Auguſte, die ihr Ziel mit zu leidenſchaftlicher Haſt verfolgte, als daß ſie dieſe Worte verſtanden hätte, wie der Graf es wünſchte. „Verheirathet?“ lachte ſie,„verheirathet?— Aber, liebſter, beſter Graf, ſprechen Sie doch nicht ſo!— warum wollen Sie mir länger noch ver⸗ hehlen, daß Sie meine Couſine lieben, daß Sie ſelbſt nach ihrer Hand ſtreben!“ Sie ſchlug die Hände ineinander und blickte ihn ſchelmiſch-fragend an; der Graf entfärbte ſich, dann fragte er, indem er von ſeinem Seſſel aufſprang: „ dieſen ſe ihr 8 daß raf es e ihn nn mg: —— 121 „Ich?— ich, gnädige Gräfin?“ Auguſte nickte bejahend mit dem Kopfe. Da ſetzte ſich der Graf wieder, und mit ernſtem Ausdruck ſeiner Züge, mit feſter Stimme ſagte er: „Da Sie ſo offen mit mir ſprechen, Frau Gräfin, ſo darf ich nicht länger zögern, das ſchmeichelhafte Vertrauen, das Sie mir beweiſen, in gleicher Weiſe zu erwidern, und ſo geſtehe ich denn offen, daß ich Ihre Abſicht ſchon längſt erkannte, dieſe aber gern ignorirt hätte, um— Ihnen eine Beſchämung zu erſparen,— länger jedoch vermag ich dies nicht!— Laſſen Sie mich Ihnen alſo offen meine Gründe auseinanderſetzen, weshalb ich Ihren Wunſch, Fräu⸗ lein von Borneck zu heirathen, nicht erfüllen kann!“ „Nicht?— nicht erfüllen?!“ rief halb weiner⸗ lich, halb ungläubig Auguſte. Alexander fuhr fort:„Das Fräulein von Borneck iſt zwar von keiner ſchlechten, aber durchaus auch nicht von einer großen, angeſehenen Familie, und meine künftige Gemahlin muß von hohem Adel ſein.— Ferner iſt des Fräuleins Erziehung durch⸗ aus nicht ſo geweſen, als ich ſie von meiner „ ———— 122 künftigen Gemahlin zu fordern berechtigt bin. Drittens...“ „Drittens, viertens, fünftens!“ unterbrach hier die Gräfin zornig den jungen Mann,„es wäre ſchlecht, abſcheulich und höchſt undankbar gegen mich, wenn Sie Roſe nicht heiratheten; dieſe Partie will und muß ich machen!— ich ertrüge es nicht, wenn ſie nicht zu Stande käme!— Und Roſe,— Roſe, das arme Kind liebt Sie ja....! und eine unglück⸗ liche Liebe, wiſſen Sie auch, was unglückliche Liebe hei (Auguſten fielen plötzlich Ida Richtern's Worte ein, und ſie ſprach ſie nach, ohne die Tiefe derſelben zu ahnen.) Alerander lächelte.„O, gnädige Gräfin!....“ „Nun?“ fragte aufgeregt die immer ſtürmiſcher werdende junge Frau. „An Liebe glaube ich nicht ſo leicht!“ erwiderte er. „Gut, gut! Sie ſollen ſich überzeugen!“ rief ſie, wieder neue Hoffnung ſchöpfend. Der Graf lachte.„Bemühen Sie ſich nicht!“ bat er dann kalt. unf tinhen Nin ſt in ſitelt Sinm yn di gumi nun un „ e Gr 6 Leiden ſte ſchift den, er inn hin hit Gri bin. h hier wäre nich, Worte rſelben niſcher rie er. rief icht!“ Auguſte, außer ſich, rief:„Werden Sie Roſe heirathen?“ „Nein!“ antwortete ruhig der Graf, und als ſie, ihn ſtarr anblickend, ungläubig mit dem Kopfe ſchüttelte, ſagte er, jetzt augenſcheinlich in gereizter Stimmung:„Aber, meine Gnädigſte, kennen Sie denn die Welt ſo gar nicht! Ein Mädchen, wie die Borneck, mein Himmel, man macht ihr den Hof, man amüſirt ſich mit ihr,— aber heirathen....“ „Und Ihre Leidenſchaft für ſie!“ unterbrach ihn die Gräfin mit weinerlicher Stimme. „Leidenſchaft?“ fragte Alexander,„habe ich Leidenſchaft gezeigt,— ſo habe ich, meinem Grund— ſatze treu, dies nur gethan, weil ich weiß:„Leiden⸗ ſchaft zeigen, macht intereſſant, Leidenſchaft empfin⸗ den, iſt höchſt genant!“ Und ſich erhebend, küßte er der ſtumm und ſtarr daſtehenden Gräfin noch einmal, doch nur flüchtig, die ſchlaff herabhängende Hand und verließ ſchnell das Zimmer. Eglantine ſankmit der Stirne zu Boden, in die Erde hätte ſie ſinken mögen vor Scham und Schmerz; die Gräfin aber brach in ein heftiges kindiſches Weinen aus. — — =——— Wendepunkt. Kein Wort, kein Blick verkündete, als ſich die beiden ſogenannten Couſinen wiederſahen, der Gräfin, daß Eglantine ungeſehene Zeugin jener, für ſie ſo verletzenden, fürchterlichen Scene geweſen war, und Auguſte hütete ſich, gegen Eglantine ſowohl als gegen Andere, ihre Niederlage merken zu laſſen. Aber die arme Verſchmähte, obgleich ſie fühlte, daß es nicht Liebe war, die ſie für Graf Alexander em⸗ pfunden hatte, fühlte ſich dennoch unfähig, den Grafen wiederzuſehen; ihr Stolz, ihre Eitelkeit waren zu ſehr verletzt, und alle ihre kühnen Hoff⸗ nungen und Wünſche zu ſchnell, zu gewaltſam zer⸗ ſtört worden, als daß ſich die Wunde ſo ſchnell hätte ſchließen ſollen; ſie blutete noch lange, aber im Stillen fort, denn der Gräfin, wie den Wenigen, die ſie ſehen mußte, gegenüber, zeigte ſie nur ein lächelndes Geſicht.— Daß dies ſein mußte,— hatte ſie in der kurzen Zeit, die ſie in der großen geglänzt hatte, gelernt. Sie wußte, daß ſie, un di m lit ime. biſh ph Au L iher Rn ent gihe ihr Iin ſn chnell aber igen, ein oßen ſie, zeigte ſie ihr Leid, die Wunde, die ihr geſchlagen worden war, nicht Mitgefühl, nur Hohn und Spott finden würde.— Kam aber die ſtille Nacht, wo ſie allein mit ihrem Kummer war, da floſſen ihre Thränen heiß, bitter über die vor Scham fieberhaft glühenden Wangen, da rang ſie ſich die Hände wund, da rief ſie den Tod herbei, der ſie für im⸗ mer dieſer Welt entziehen würde, daß ſie im Schoße der kühlen Erde ſich und ihre Schmach verbergen könne.— In dieſen qualvollen Nächten reifte der Entſchluß, ſich aus der Welt zurückzuziehen, und ſie ſprach eines Tages dieſen Wunſch gegen Gräfin Auguſte aus. Dieſer war es, da ſie ſich Eglantinen gegen⸗ über unwillkürlich beſchämt, bedrückt fühlte, ſchon ganz lieb geweſen, daß ſie ſich, mit Kopfſchmerz ſich entſchuldigend, einige Tage ſtill auf ihrem Zimmer gehalten hatte und willigte nun herzlich gern in ihren Wunſch. Während nun in ihrem ſorgfältig verriegelten Zimmer die ſchöne Roſe einen ſchweren, harten Kampf durchkämpfte und eine bittere Kränkung zu — — 126 überwinden ſtrebte, ſuchte Gräfin Auguſte ſich in Geſellſchaften zu zerſtreuen. Als ſie jedoch Alexan⸗ der zum erſtenmale nach jener Scene wiederſah, wollte ſie ihn kalt behandeln, nicht achtend gänzlich überſehen; als dieſer ſich aber durchaus nicht ab— ſchrecken ließ, ſondern nun recht ernſtlich wieder an⸗ fing, ihr den Hof zu machen, vergaß ſie bald alles Vorgefallene und meinte:„Er iſt doch ein guter Menſch, und Alles, was er in Bezug auf eine Heirath mit Eglantine geſagt hat, war ganz in der Ordnung; mein Anſinnen aber war eine wahre Thorheit! Dieſe Partie konnte und durfte nicht zu Stande kommen!“ Und wer hätte über dieſen ſchnellen Wechſel ihrer Anſichten der Gräfin einen Vorwurf machen wollen?— Im Großen wie im Kleinen iſt dieſe Art und Weiſe der Lauf der Welt! Nach Verlauf von acht Tagen ſchon war Eglan⸗ tine in der Geſellſchaft, in der ſie geglänzt hatte, vergeſſen, Niemand fragte mehr nach ihr, und als ſie endlich wieder in dem Salon der Gräfin erſchien, beachtete man ſie kaum mehr. * ——. Ju E ſhuhn ngd ſie, geb Doch i Kib un Bl ijnine güt ha ſſiie Bl int 6 uige t ſnn ſh wie ihten, 1 Uude f ſn in a ſihn ſh, ſen ſich in leran⸗ derſh, inzlich ht ah⸗ er an⸗ d alles guter f ein in der wahre icht zu Pechſel machen dieſe Fglan⸗ hatte, d als chien, „Ihre Rolle iſt ausgeſpielt!“ hatte Lieutenant von Strahl geäußert, und— das war der ganze Nachruhm, der ihr von der Liebe und der Bewun⸗ derung, die ſie in der großen Welt ſich erworben hatte, geblieben war. Doch eine ernſte Erfahrung war ihr geworden, eine bleibende, die mit ihrem froſtigen Hauch die zaurten Blätter der Centifolie, in welche die arme Eglantine verwandelt worden war, mit einemmale zerſtört hatte.— Nicht ohne Schmerz ſenkte die Cen— tifolie Blatt nach Blatt zur Erde; aber wie auf der Tante Grab, wo die wilde Roſe neue, träftigere Zweige trieb, als die daraufgepfropfte Centifolie erfroren war, ſo begann auch Eglantine, nach und nach wieder zu ihrer urſprünglichen Natur zurückzu⸗ kehren, und dieſe wieder erwachende Urſprünglichkeit wurde fortan von liebender Hand gepflegt. Frau von Richtern war es, die, den Zuſammen⸗ hang ahnend, Auguſte über das Vorgefallene be— fragt und, als ſie Alles wußte, Eglantine aufge⸗ ſucht, ſich liebevoll um ſie beſchäftigt und ihr Ver⸗ trauen zu erringen geſucht hatte; und als ſie dieſes endlich vollkommen erlangt, hatte ſie das junge Mädchen vermocht, wieder in dem Salon der Gräfin zu erſcheinen, wo ſie ihr liebend zur Seite ſtand. Ihr milder Zuſpruch heilte manche Wunde, die der Armen dort geſchlagen wurde, und ihr gelang es auch, Eglantine immer mehr und mehr von der Nichtigkeit deſſen zu überzeugen, was ſie verloren hatte. Die Gräfin, da Roſe für ſie nicht mehr exiſtirte, erlaubte Eglantinen gerne, ſich mehr und mehr an Frau von Richtern zu ſchließen und endlich wieder aus ihrem Salon zu verſchwinden. Und unter den Menſchen, mit welchen Ida Richtern ſich vorzugsweiſe umgab, fand die Ge⸗ kränkte, Verſchmähte eine andere, herzlichere, wenn auch weniger brillante Aufnahme, als vor Kurzem in den Cirkeln der großen Welt. Bald fühlte ſie ſich heimiſch dort und überwand, wenn auch die Narbe der trüben Erfahrung in ihrem Herzen ver⸗ blieb, nach und nach die Bitterkeit der erlittenen Kränkung.— An Johannes, an den ſie, ſo lange Graf Nande ut, n ſſin ſin bid zmn iß witne ul df Uuntah um m enlen niht in 129 junge Alerander ihr den Hof machte, nicht gern gedacht Grin hatte, dachte ſie auch jetzt noch nicht gern, denn ſo eſund oft ſein Name genannt wurde, oder der Zufall ihr 3 die der ſein Bild vor die Seele führte, färbte Röthe der lng Scham ihre Wangen.— Doch Frau von Richtern* 7 bon der erwähnte ſeiner oft, fragte theilnehmend faſt jedes⸗ berloren mal, daß ſie Eglantinen ſah, ob ſie Nachricht aus Auenbach von Frank habe, und ſo gewöhnte ſie ſich, tiſirt, wenn auch zagend, wieder des Jugendfreundes zu mehr an gedenken.— Und wie ſtieg er immer mehr und vieder mehr in ihrer Achtung, als ſie wieder Muth faßte, ſeiner dauernder zu gedenken und ſein Betragen en e gegen ſie mit dem des Grafen P. zu vergleichen. die Ge⸗ Ihre Phantaſie begann ſein Bild auszuſchmücken, , wenn ſeinen Charakter mit jeder edlen, erhabenen Tugend Kurzen auszuſtatten, und nur zu bald wurde er, den ſie* ihlte ſe noch vor Kurzem vergeſſen wollte, das Ideal ihrer uch die Träumereien. en ver⸗ Hatte Frau von Richtern mit erfahrenem Blicke littenen die veränderte Denkart ihrer jungen Freundin er⸗ tannt, oder wußte ſie um das Geheimniß von Jo⸗ Gruf hannes Herzen, ſie that Alles, was in ihrer Macht Eglantine IM. 9 ſtand, Eglantinen den fernen Freund liebenswerth erſcheinen zu laſſen. Um dieſe Zeit erhielt Gräfin Auguſte das Por⸗ trait ihrer Cvufine, der Gräfin Clara von Wald⸗ burg. Auguſte war entzückt; ſie ſtellte es auf ihrem Schreibtiſche auf und meinte:„Die elegante, ſchöne Frau da auf dem Bilde iſt ein wahrer Schmuck für mein Cabinet!“ Der Graf betrachtete es aufmerkſam und äußerte dann:„Iſt es nicht, als ob man die ältere Schwe⸗ ſter unſerer Borneck ſehe!“ Auguſte fand dies auch und theilte dieſe Be⸗ merkung eines Morgens, in Hartlinger's Gegenwart, Eglantinen mit, die keinen großen Werth darauf legte und ſich, um an Anna nach Auenbach zu ſchreiben, auf ihr Zimmer zurückzog.* Als ſie ihren Brief halb geſchrieben hatte, fiel ihr ein, daß ſie die Gräfin hätte fragen ſollen, ob ſie Etwas nach Auenbach zu beſtellen habe.— Sie eilte deshalb nach dem Cabinet der Gräfin, um dieſen Fehler gut zu machen.— Die Cabinetsthüre war nur angelegt; Eglantine öffnete leiſe und ſu— in, de bi zin dn uie dar ſhu, ſ ilen ol desh byhn ulht ſi mith ſi Cgl Piſ ſuhe. Gti enswerth as Por⸗ Wald⸗ if ihren e, ſchöne muck für d äußert e Schwe⸗ bieſe Be⸗ egenwart, h darauf nbach zu atte, fel llen, ob — Sie fin, um tetsthüre ſe und 131 ſtand— nicht vor der Gräfin, ſondern vor Hart— linger, der an dem Schreibtiſche derſelben ſtand und Gräfin Clara's Bild in ſeiner Hand hielt. Sein dunkles Auge ruhte mit eigenthümlichem Aus⸗ drucke darauf, und wie er, wenn er erregt war, oft that, ſprach er auch jetzt laut vor ſich hin. „Altere Schweſter!— Ja, ja!— Alſo des⸗ halb! deshalb!—“ Eglantine wollte ſich entfernen; das Geräuſch, welches ſie, an einen Stuhl ſtoßend, dabei machte, verrieth ſie. „Eglantine!“ rief Hartlinger überraſcht. ih ſuchte Gräfin Auguſte!“ ſtammelte ſie. „Wiſſen Sie, wen dieſes Bild vorſtellt?“ fragte er. — „Gräfin Waldburg!“ war die Antwort. „Und wiſſen Sie auch, was Gräfin Waldburg mir war?“ fragte er, und ſeine Augen rollten. Wie kann ich..“ ſtammelte Eglantine und wollte fort; Harklinger hielt ſie zurück. „Ich habe Sie lange nicht geſehen, Eglantine!“ ſagte er,„Sie leben in einem Kreiſe, wohin ich 9* nicht gehöre;— mein Bruder ſieht ja ſogar Mittags täglich Geſellſchaft bei ſich,— und ich— ich ver⸗ meide dieſe Menſchen gern!“ Eglantine wußte nicht, weshalb ihr Hartlinger das⸗Alles ſagte; ſie blickte ihn fragend an; er fuhr fort: „Und Sie, Eglantine, haben Sie ſich nun ganz an dieſe Menſchen gewöhnt, gefallen Sie ſich noch in ihren Kreiſen?“— „Ich bin oft bei Frau von Richtern....“ ſagte Eglantine. „Dort!“ rief Hartlinger, und ſein Auge leuchtete freudig,„dort!— nun, dort werden Sie ſich wohl fühlen!“. „O, ſehr wohl!“ rief Eglantine. Ein Geräuſch im Nebenzimmer verrieth, daß ſich die Gräfin nahe. 4 „Wir ſehen uns wieder!“ rief Hartlinger, ſtellte ſchnell Clara's Bild an ſeine Stelle zurück und eilte fort. Verwundert blickte Eglantine ihm nach; ſie verſtand nicht, was ſein Betragen bedeuten ſolle, aber unheimlicher erſchien er ihr heute, denn jemals. S * N uihngt t in der Cyl di, ſo Grifn hor 133 Ni Aiaq Zufällig war Eglantine die folgenden Tage ver— ich her⸗ hindert, ſich zu Frau von Richtern zu begeben, und auch Hartlinger ſah ſie mehre Tage nicht; eines artlinger Tages jedoch traf ſie wieder zufällig mit ihm zuſam⸗ er führ men. Sie war allein in dem Zimmer der Gräfin, als Hartlinger eintrat. un ganz„Iſt Georg hier?“ fragte er, wie es ſchien, in ſich noch aufgeregter Stimmung, einen offenen Brief, den* er in der Hand hielt, zuſammenfaltend. 5 ſigte Eglantine verneinte es, indem ſie ihm ſagte, 3 daß, ſo viel ſie wüßte, der Graf ſowohl als die leuchtete Gräfin ausgefahren wären. ſich wohl Hartlinger ſtampfte ungeduldig mit dem Fuße. „So iſt es immer! wenn man ihn braucht, iſt er nie da, und wenn man ihn zu allen... Verzeihen th, daß Sie, mein Fräulein!“ unterbrach er ſich ſelbſt mit ſeinem gewöhnlichen ſpöttiſchen Lächeln. 1 e ſellr Eglantine antwortete nicht; ſie war durch ſeinen Eintritt aus freundlichen Träumen geweckt worden ach; ſi und das auf keine ſanfte, angenehme Weiſe. ſt, Hartlinger mochte dies fühlen und fuhr gereizt jenn. fort:„Sie finden mich ohne Zweifel roh, barſch, 134 ungeſchliffen, und glauben, deshalb ein Recht zu haben, mich nichtachtend zu behandeln. Aber, das können Sie mir glauben, mein Fräulein, in rauher Schaale reift oft der beſte Kern. Wer weiß, ob mein Herz nicht edlerer Empfindungen fähig iſt, als die der feinen Weltleute, die...“ „Sie thun mir Unrecht,“ unterbrach ihn ſchnell die erblaſſende Eglantine,„wenn Sie glauben, daß ich mir ein Urtheil über Ihr Weſen angemaßt hätte.“ „Ach ſo!— ich verſtehe und bitte um Entſchul⸗ digung!— Es war allerdings eine große Unver⸗ ſchämtheit von mir, daß ich vorausſetzte, das Fräu⸗ lein Eglantine, entſchuldigen Sie,— das Fräulein Roſe von Borneck könne es über ſich gewinnen, nur einen Augenblick an den armen, verachteten Arthur Hartlinger zu denken!“ ſagte er erbleichend und mit vor innerer Aufregung zitternder Stimme. Eglantinen ſchoß das Blut in die Wangen: der Name Roſe war ihr verhaßt und die Erwähnung desſelben tief beſchämend für ſie. Thränen traten ihr in die Augen, und mit zitternder Stimme fragte wlnl“ Dn w un uf jmn be ite. Mi wdedt ſtihn e Ver lihen“ fiihen 1 ſch ihr diß iht Egl niſtſ gls ſe lich fü lichen und i Fran 6 echt zu er, das rauher iſt als ſchnell ben, daß ngemaßt Entſchu⸗ e Unber⸗ as Fril⸗ Fräulein ſen, mur Arthur und mit en: der ähnung traten e fragte ſie:„Was that ich Ihnen, daß Sie mich kränken wollen?“ Da wurde auch Hartlinger's Auge naß, die Adern auf ſeiner Stirne ſchwollen hoch auf vor innerer Bewegung, er zitterte; ſo ſtand er ihr ſtumm gegenüber. „Mein Gott! was iſt Ihnen?“ fragte ängſtlich werdend und von Mitleid ergriffen Eglantine, indem ſie ihm einen Schritt näher trat. „Verzeihen Sie, verzeihen Sie einem Unglück⸗ lichen!“ rief er jetzt mit ganz anderm Ausdruck, als früher, und preßte ihre Hand an Lippen und Herz, ſah ihr dann ſo ſeltſam aufgeregt in die Augen, daß ihr ganz bange wurde, und ſtürzte fort. Eglantine blieb ſchaudernd zurück, ihr war, als müſſe ſie Hartlinger jetzt mehr als jemals meiden,— als ſei ſie allein ſchuld daran, daß er ſich unglück⸗ lich fühle, und doch konnte ſie für ihn keiner freund⸗ lichern Empfindung Raum in ihrem Herzen geben,— und inniger als je dachte ſie wieder an den fernen Freund. Eine Sehnſucht,— fort von Berlin, nach ————— Auenbach, bemeiſterte ſich ihrer, und mit klopfendem Herzen flüſterte ſie leiſe vor ſich hin:„Johannes!“ Nicht ſpurlos ging dieſe Begegnung weder an Eglantine noch an Hartlinger vorüber, denn wäh⸗ rend Erſtere von einer an Gewißheit gränzenden Ahnung, daß Hartlinger wärmer für ſie fühle, als ſie es ſich ſelbſt eingeſtehen wollte, gepeinigt wurde und ihn floh, wie ſie nur konnte, ſuchte er ihre Nähe, bemühte ſich, einen Blick von ihr zu erhaſchen. Bei Frau von Richtern traf ſie ihn öfter, als früher; doch wußte ſie ihn von ſich fern zu halten, indem ſie ſich lebhaft und ſcheinbar faſt ausgelaſſen heiter mit Anderen unterhielt. Auch gelang ihr dies bald, und leidenſchaftlicher, als früher, ſtritt ſich Hartlinger mit den übrigen Herren dieſes Kreiſes, die öfters ſeiner politiſchen Meinung beſtimmt ent⸗ gegentraten. Frau von Richtern nahm wenig Theil an dieſen Streitigkeiten und ſuchte nur, wenn die Gemüther ſich ernſtlich zu erhitzen begannen, die Streitenden auf ein anderes Thema zu lenken. So verging der Winter, der Februar neigte ſih ſinen ſiun h ſichen! uc uge m de uhndelt whif i weit Piſt dn ei o ſe Hylſe g einen jung wſt Her nit m ift 137 opfenden ſich ſeinem Ende zu, als ſich eines Abends ein hnm kleiner Kreis befreundeter Menſchen bei Frau von 1 der an Richtern verſammelt hatte; Eglantine war natürlich n wiß⸗ auch zugegen und wurde von allen hier Anweſenden 1 ünzenden wie die Tochter des Hauſes, wie eine liebe Bekannte. ibh, a behandelt. Auch war ſie hier, wie nie im Salon 6 gt wunde der Gräfin, ſo ungezwungen heiter und deshalb auch er ihre bei weitem liebenswürdiger, als an dem gräflichen 4 erhaſchen Theetiſche, dem ſie nicht halb ſo gern vorſtand, als 1 fir, al dem einfacheren ihrer lieben Frau von Richtern, u halten, wo ſie geſchäftig waltete, während die Frau vom sgelaſen Hauſe an einem Nebentiſche die Skizzen eines jun⸗ lang ihr gen Malers mit einigen ihrer Gäſte betrachtete. er, ſtritt Neben Eglantinen hatte ſich ein ältlicher Herr 4 Kreiſes, einen Stuhl gerückt, und dieſem gegenüber ſaß ein nnt ent⸗ junger, bleicher Mann und blätterte in einem Ma⸗ 4 nuſcripte. Der ältliche Herr, der von den Anderen n dieſen Herr Doctor genannt wurde, und deſſen ſonſt gut⸗ emüther müthiges Geſicht öfters einen ſatyriſchen Ausdruck eitenden annahm, machte Eglantine darauf aufmerkſam, wie eifrig der junge Mann in ſeinem Manuſeripte leſe, neigte bis die Reihe des Vorleſens an ihn komme, und * ——— — 138 fügte leiſer hinzu:„Es iſt nicht recht politiſch ge⸗ wik! handelt, daß unſere verehrte Frau Wirthin an einem u hn 6 Abend einen Dichter und einen Maler zur Schau n ausſtellt! Jeder will geprieſen, bewundert werden, Mn w 4 der Maler bemüht ſich, den Dichter, der Dichter hi n den Maler auszuſtechen;— und doch lobt Einer un ku den Andern! Aber, geben Sie Acht, lange hält es ten 3 Hühnewald nicht mehr aus!“ hin Der Doctor rieb ſich, ſeine buſchigen Augen⸗ un5i 6 brauen zuſammenziehend und nach dem Dichter hin⸗ mn! 5 blickend, mit dem Zeigefinger die ſcharfgebogene nin 6 5. Naſe. Wirklich ſtrich ſich auch der junge Dichter hupu jetzt von der bleichen Stirne das ſchwarze Haar, wuh!“ warf einen ſchwärmeriſchen Blick nach oben und † blickte dann wieder mit finſterem Ernſt in ſein Ma⸗ wiſch nuſcript, räusperte ſich ein Wenig, ſtand auf, warf nit p ſich wieder hin und hielt ſich endlich, ſchmerzlich Niſe ſeufzend, mit der ſchmalen, weißen Hand die mr Augen zu. 5 Frau von Richtern legte das Blatt, welches ſie un hielt, hin, lächelte den Maler freundlich an und uf e ſagte:„Ja wohl iſt mein Neapel ſchön! Veder einen Schau verden, Dichte Einer hält es Augen⸗ er hin⸗ ebogene Dichter Haar, n und in Ma⸗ f, warf nerzlich 1d die hes ſie und Veder Napoli e poi morire! Ich danke Ihnen, mein lie⸗ ber Hitzing, Sie haben mir einen großen Genuß verſchafft! Ihre Skizzen ſind höchſt anmuthig!“ Dann wandte ſie ſich zu dem Dichter:„Und Sie, Herr von Hühnewald, Sie wollten uns mit einer kleinen Lectüre erfreuen; darf ich Sie an Ihr Ver— ſprechen mahnen?“ Hühnewald warf den Kopf in die Höhe.„Mei⸗ nen Sie mich, gnädige Frau?— O, mein Gott!“ und er blätterte nachläſſig in ſeinem Manuſeripte; „mein Gott, es ſind ja nur ſo kleine, nichtsſagende Tagebuchsbemerkungen,.... nicht des Vorleſens werth!“ „Die wir aber ſehr geſpannt ſind zu hören!“ verſicherte Frau von Richtern, und der Doctor bot, mit großem Ernſte in ſeinen Zügen, Eglantinen eine Priſe an, worüber dieſe in's Lachen kam, das ſie nur mit Mühe nach und nach unterdrückte. Hühnewald blätterte noch eine Zeitlang in ſei⸗ nem Manuſeripte, dann blieb ſein Auge prüfend auf einer Seite haften; er las erſt leiſe nach, was er geſchrieben hatte, dann hob er den Blick, ſah ————— — — 20 ſich rings im Kreiſe um und ſagte mit lauter, wohl⸗ klingender Stimme:„Der Traum meines Lebens!“ Alle ſchwiegen geſpannt, nur Hitzing legte, nicht ohne Geräuſch, ſeine Skizzen in ſeine Mappe zu⸗ rück; der Doctor rieb ſich blinzelnd die Naſe, und Hühnewald begann: „Mir war, als erwache ich aus tiefem Schlafe zum Bewußtſein, und ich ſah, daß ſich vor meinen Blicken eine weite, weite Ebene eröffnete; viele Wege zogen ſich hindurch, und alle dieſe Wege gin⸗ gen von dem Standpunkte aus, auf dem ich ſtand. „Schatten gleich glitten Weſen an mir vorüber, einige wählten dieſen, andere jenen Weg durch die Ebene.— Da wurde es mir klar, daß auch ich einen Weg wählen müſſe, und ohne zu wiſſen, noch darüber nachzudenken, zu welchem Ziele mich dieſer führen würde, ſchritt ich vorwärts.— „Der Pfad führte durch duftende Haine, grüne Wieſen, wo auf bunten Blumen ſich Schmetterlinge wiegten, rieſelnde Bäche gaben mir Kühlung, und mein Herz ſchlug leicht und froh!— „Aber der Weg führte weiter— in einen wohl⸗ ebens!⸗ te, nicht ppe zu⸗ ſe, und Schlafe meinen e; viele ege gin⸗ f ſand. vorüber, urch die uch ich en, noch h dieſer „grüne terlinge und einen 141 dunklen Wald!— Ich ſtutzte—; doch muthig ſchritt ich vorwärts.— „Der Sturm erhob ſich, die Wipfel der uralten Bäume neigten ſich nieder, der Donner rollte, Blitze zuckten,— kühner ſchritt ich vorwärts, ich trotzte der Gefahr!— Der entfeſſelte Strom, der ſeine ufer überſtieg, wälzte ſich auf mich zu, vom Toben des Sturmes geknickt, brachen die alten knorrigen Eichen und ſtürzten um mich her; wilde Thiere griffen mich brüllend an,— auf jedem Schritte umgab mich Gefahr!—— „Ich war mir meiner Kraft bewußt,— ich ſchritt weiter!— „Der Wald lichtete ſich, das Toben der Ele— mente ſchwieg, ich ſtand allein, allein auf weiter, öder Sandfläche; die Sonne brannte, und mein Auge ſah nichts, nichts als Sand, worauf die Strahlen der Sonne heiß, ſengend fielen!— „Ich zögerte, mein Muth verließ mich—, ich weinte!— „Aber der heiße Sand trank meine Thräne und brannte wie früher! 142 „Meine Kraft erlahmte, aber ich durfte nicht bleiben, vorwärts ſchlich, kroch ich, ſchleppte ich mich!— „Und als die Wüſte hinter mir lag, als ich matt und entkräftet an ihrem Ende ſtand, empfing mich ein ſchmaler Felſengang; ich kroch hinein; zackige Steine verwundeten mich, meine Füße blu⸗ teten, aber vorwärts,— vorwärts trieb es mich!— „Immer enger, immer finſterer wurde mein Weg, immer mühſeliger, ſchmerzhafter mein Fortſtreben,— aber vorwärts,— vorwärts ſtrebte ich,— denn in weiter Ferne, am Ende des Ganges ſtrahlte mir ein Licht, ein Licht, ſo hell, ſo klar, entgegen und eine Stimme, ſo melodiſch, ſo begeiſternd ſüß, flüſterte mir zu:„Strebe, ſtrebe nach dieſem Lichte!““— „Ich erwachte, der Traum....“ „In Paris iſt die Revolution ausgebrochen! Louis Philipp iſt geflüchtet, wir haben die Republik!“ rief Hartlinger, der mit ſtrahlenden Augen, aber leichenblaß, in's Zimmer ſtürzte. Alle umringten ihn; ein Jeder wollte hören, wiſſen!— Aber Hartlinger wußte nichts weiter, als daß in Niüp In der Fra wollte n Auc tine, d Fugn vl nd hie nir ab ich mic ſſt es gſthen Frt zuch n einwei 8 —— — daß in Paris die Revolution ausgebrochen, Louis Philipp geflüchtet ſei. In weniger als zehn Minuten war der Salon der Frau von Richtern leer; ein jeder der Herren wollte noch Näheres erfahren. Auch Hartlinger ſtürmte wieder fort, nur Eglan⸗ tine, deren Wagen noch nicht da war, blieb bei Frau von Richtern zurück. „Das iſt eine böſe Geſchichte!“ ſagte dieſe, als ſie mit dem jungen Mädchen allein war,„und wird nicht ohne Rückwirkung für unſer Deutſchland bleiben!“ „So ſagt man!“ erwiderte Eglantine,„ich ge⸗ ſtehe offen, ich kann mich in die Politik nicht fin⸗ den!— Früher habe ich dieſes Wort nie gehört, und hier höre ich ſo viel darüber ſprechen;— da mir aber Alles in dieſem Gebiete ſo neu iſt, kann ich mich auch nicht hineinfinden, und— vielleicht iſt es recht gut,— denn ich habe noch Niemand geſehen, der Freude an der Politik hätte.“ Frau von Richtern lächelte.„Nun, ſo will ich Sie auch nicht damit quälen und Sie nicht in Dinge einweihen, die Sie nicht zu intereſſiren ſcheinen.“ — „Ach nein! ich mag nichts von Politik hören, ſie intereſſirt mich in der That gar nicht!“ erwiderte Eglantine und küßte die Hand ihrer mütterlichen Freundin. „Kommen Sie,“ ſagte dieſe,„ſetzen wir uns hier neben einander auf dieſes Sopha und laſſen Sie uns ein Wenig plaudern.“ Eglantine warf ſich neben Frau von Richtern hin, ſchlang einen Augenblick lang ihre Arme um deren Hals, ließ den Kopf an ihrer Bruſt ruhen und fragte ſchmeichelnd wie ein Kind:„Haben Sie mich lieb?“ „Gewiß!“ rief Frau von Richtern und drückte ſie an ſich. Aber plötzlich wurde Eglantine wieder ernſt und fragte: „Was halten Sie von dem Hartlinger, gnädige Frau?“ Frau von Richtern ſtutzte.„Ich?— was ich von Arthur Hartlinger halte, wollen Sie wiſſen, Eglantine?“ fragte ſie halb erſtaunt, halb befangen; dann aber, ſich faſſend, fügte ſie ernſt hinzu:„Ich halte Hartlinger für einen Menſchen, der, wäre er ners er ſolt gebe Joſch) nins Gr „Alber Nmnek ſe mtech Frau dnn ſüh nanches lid!— Sthicſal Hartlinge ſtn ſolle „Sie ſie Egl wnig vo Vir Niber in als Inte, d hatt;— Eglontne 145 anders erzogen worden,— oder ſpäter anders ge— ſtellt geweſen, als er es war, ein ausgezeichneter Menſch hätte werden können.— Sein Herz iſt reines Gold, aber....“ „Aber das Eiſen fehlt, und das muß in des Mannes Herzen neben dem Golde ſtehen!“ ſchaltete, ſie unterbrechend, Eglantine ein. Frau von Richtern ſchwieg einen Augenblick, dann fuhr ſie fort:„Er hat Geiſt; in ihm ging manches Schöne, Edle unter, und das thut mir leid!— Durch gewiß gutgemeinte Eingriffe in ſein Schickſal iſt ſein Leben ein verfehltes geworden.... Hartlinger hätte in Staatsdienſte treten, Etwas lei— ſten ſollen!“— fügte ſie, abbrechend, raſch hinzu. „Sie ſprechen in Räthſeln, gnädige Frau!“ ſagte Eglantine,„Sie müſſen wiſſen, daß ich nur wenig von Hartlinger's Vergangenheit weiß.“ „Wirklich?“— fragte Frau von Richtern,„nun, darüber kann ich Ihnen Auskunft geben: Hartlinger kam als ſechsjähriger Knabe in das Haus meiner Tante, die damals ihren einzigen Sohn verloren hatte;— dort wurde er erzogen und verzogen.— Eglantine M. 10 146 Wie Frauen oft ihre Pflegekinder erziehen, ſo ge⸗ ſchah es auch hier: meine Tante machte aus dem ſchönen, reich befähigten Knaben eine Puppe, mit der ſie im Ernſte wie im Scherze ſpielte.— Sie freute ſich an ſeinen Freuden, beluſtigte ſich über ſeine Scherze, und— wenn ihre Augen Thränen verlangten, ſorgte ſie ſich um den Liebling;— an ſein Beſtes,— an ſeine Zukunft aber dachte ſie ebenſowenig, als es ihr in den Sinn kam, daß ſie ſich ſchwer verſündigte, indem ſie dieſes Kind der Sphäre entzog, zu der es Gott beſtimmt hatte, wo es Etwas hätte leiſten, Etwas nützen können.— Als meine Tante ſtarb, lernte Arthur erſt den Ernſt des Lebens kennen; aber verwöhnt und verzogen, wie er war, fehlte ihm die Kraft, ihn zu erfaſſen, ſein Schickſal zu tragen, ſich einen Wirkungskreis zu ſuchen—; er verträumte ſeine Zeit,— bis— das Teſtament ſeines Vaters ihn in eine neue, noch abhängigere Lage brachte, als die war, worin er ſich bei meiner Tante befand. Dieſe, ohne Zweifel gutgemeinten Beſtimmungen ſeines Vaters haben ihm den größten Schaden zugefügt.“ „Un huuſe k Cglmnti „Er die Eylnti wehalb hinufig dum ei gebraut ſigen, richen wmach ßirſpra Gruf 5 un de Lebens Arhur den giz Buderc leicht t e ine — „Und konnte er ſich dieſer Abhängigkeit im Hauſe des Grafen Fels nicht entziehen?“ fragte Eglantine erröthend; Frau von Richtern fuhr fort: „Er hat es verſucht durch eine Heirath,— die..“; ſie blickte das junge Mädchen ſcharf an; Eglantine aber hielt unbefangen dieſen Blick aus, weshalb Frau von Richtern, wenn auch etwas leiſer, hinzufügte:„... die zurückging.— Er brachte dann einige Jahre auf Reiſen zu,— hatte viel gebraucht, denn daran gewöhnt, ſich Nichts zu ver— ſagen, genoß er das Leben und ſeine Freuden in reichem Maße; die Leibrente, die meine Tante ihm vermacht hatte, hatte mein Bruder ihm auf meine Fürſprache uneigennützig auf Jahre vorausbezahlt; Graf Fels that zwar, was in ſeinen Kräften ſtand, um den Bruder in der Fremde alle Freuden des Lebens genießen zu laſſen,— aber— kurz— Arthur Hartlinger war endlich aus pecuniären Grün⸗ den gezwungen, die Stellung, die er jetzt in ſeines Bruders Hauſe einnimmt, anzunehmen.— Viel⸗ leicht könnte noch jetzt Etwas aus ihm werden, wenn er in eine Lage käme, ſeine Kräfte zu gebrauchen; 10* 118 ſo fällt er auf allerhand Extravaganzen, wohin ſein reger Geiſt, ſein warmes Herz ihn treibt;— aber aus dieſer Lage müßte er bald geriſſen werden; er darf ſich nicht länger wie bis jetzt ernähren laſſen, ohne dafür Etwas zu leiſten!“ Eglantine ſeufzte, indem abermals ihre Wangen ſich dunkler färbten.„Er iſt in meiner Lage!“ Frau von Richtern erwiderte ſchnell:„Das iſt etwas Anderes, mein Kind!— Ein Mädchen, und noch dazu ſo jung wie Sie, bedarf des Schutzes, der Stütze; ein Mann aber ſoll Schutz gewähren, Schwächeren eine Stütze ſein!“ Sie ſchwieg eine Zeitlang, dann fragte ſie die mit niedergeſchlagenen Augen neben ihr ſitzende Eglantine:„Drückt Sie Ihre Lage?—“ Eine Pauſe folgte, dann ſagte das junge Mäd⸗ chen, ihre großen blauen Augen ehrlich zu Frau von Richtern erhebend:„Ja, gnädige Frau,— aber— ich möchte mich ihr um keinen Preis ent⸗ ziehen!“— „So gefällt Ihnen das Leben im Hauſe der Gräfin?“ forſchte Frau von Richtern. „In ich nich Pelt ſit heglich lich an; Aufwand auch nur nicht,— wie ſie Zeit.— Fru, i machen, nit kein Nacht z thigen! Haus m ſchen, d nich übe ſch un ihnen de S 1 eine re 119 „Im Hauſe?— ach ja, und dann, obgleich ich mich unter den Menſchen, die ich in der großen Welt ſehe,— oder vielmehr geſehen habe,— un⸗ behaglich fühle, ſo zogen ſie mich doch unbeſchreib⸗ lich an;— der heiße Wunſch, mich, ſei es durch Aufwand oder Rang, hervorzuthun, und wäre dies auch nur auf kurze Zeit, verläßt mich auch jetzt noch nicht,— ich glaube, ich verachte die Salonmenſchen, wie ſie Hartlinger nennt, und fürchte ſie zu gleicher Zeit.— Seltſamer Widerſpruch!— denn, gnädige Frau, ich hege den Wunſch, es ihnen recht zu machen, ihren Beifall zu erringen, und doch könnte mir keine größere Freude zu Theil werden, als die Macht zu bekommen, alle dieſe Menſchen zu demü— thigen! Ich wünſchte reich zu ſein, ein brillantes Haus machen zu können, damit ſich alle die Men— ſchen, die ſich für ſo viel beſſer halten, als mich, mich über die Achſel anſehen, ſich vor mir beugten, ſich um mich herumdrängten,— und— und ich ihnen dann ſtolz den Rücken kehren könnte!“ „Sie entwerfen da in Ihrer naiven Unſchuld eine recht herbe Kritik unſerer Geſellſchaft!“ ſagte 150 lachend Frau von Richtern,„aber dieſe Gefühle ſind mir nicht fremd, gerade ſo habe ich auch ge⸗ dacht, gerade ſo denken alle die, welche zuerſt in der großen Welt auftreten, verſteht ſich, mit eini⸗ gen Prätenſionen, und wohl dem, deſſen heißer Wunſch nicht erfüllt wird, denn er wird, wie Sie es vorhin nannten, zum Salonmenſchen!— Sehen Sie zum Beiſpiel unſere arme Auguſte an. Dieſes bleiche, krankhafte Ausſehen, dieſes fortwährende Gähnen, kurzum, dieſes Vegetiren ohne Geiſt und Leben dankt ſie einzig und allein der großen Welt, den Salonmenſchen. Unter uns geſagt, iſt Auguſte nicht ein kleines Afſchen?“ Eglantine mußte lachen; Frau von Richtern fuhr fort:„Gräfin Fels war das einzige Kind ihrer Eltern; ſie war ſchön, wohlhabend, von guter Fa⸗ milie; was ſie wünſchte, geſchah; ſie hat ſich nie Etwas verſagen gelernt, hält ſich in jedem Verhält⸗ niß, kurz in Allem, wie ſie es im Hauſe ihrer Eltern gewohnt war, für die Hauptperſon, glaubt, in der Weltordnung müſſe ſich Alles um ihre kleine Perſon drehen; und doch iſt Auguſte von Herzen gut, ſ. tin Zei ſchlunmer ines Kin Pieleicht hitte ſe Fils, der Unten ein Vivat die beide zuf, inde trunkener, und Frau „Gla tielleicht hitte ſie wir ge denn, w Fnerzie! und ſe es ihre 151 1 gut, ſie hat Verſtand,— ſelbſt Vernunft, aber— keine Zeit dazu!— Alle ihre guten Eigenſchaften 4 ſchlummern, während die Fehler,— die Fehler 1 eines Kindes durch vit Treibhauswärme der Salons. zu unglaublich ſchneller Entwickelung gediehen ſind.— Vielleicht wäre Auguſte ſchon jetzt ganz anders, hätte ſie einen andern Mann,— aber der gute Fels, der nichts, gar nichts iſt, als— gut!“ e Unten auf der Straße entſtand jetzt ein Lärmen, ein Vivatrufen, Brüllen; einen Augenblick ſchwiegen die beiden Frauen, achteten aber nicht weiter dar⸗ e auf, indem ſie glaubten, es ſei eine Schaar Be⸗ trunkener, die lärmend die Straße entlang ziehe, r und Frau von Richtern fuhr fort: r„Glauben Sie mir, hätte Auguſte aus Liebe vielleicht nur einen wohlhabenden Mann geheirathet, ie hätte ſie kein brillantes Haus machen können, ſie wäre gewiß eine ausgezeichnete Frau geworden; r denn, wie ſchon geſagt, Auguſte hat Charakter, t, Energie!— Ich habe ihr oft ihre Fehler genannt t und ſie nahm es ſtets freundlich auf, ich ſah, daß es ihr ernſt war, dieſelben abzulegen;— aber in — 13 dieſem geſelligen Trubel,— da vergißt man ſo 1 Ein Diener meldete, daß Eglantinens Wagen da ſei, und Beide trennten ſich nit dem Verſprechen. ſich bald wieder zu treffen. Rückwirkung. Tags darauf, es war um die Viſitenſtunde, zwiſchen drei und vier, trat Lieutenant von Strahl in der Gräfin Boudoir. „Bon jour, citoyenne!“ rief er lachend,„wiſſen Sie ſchon, meine Gnädige, daß in Paris die Re⸗ publik proclamirt iſt?“ Die Gräfin lachte.„O, das wird herrlich, wenn wir hier auch die Republik haben, dann muß man um Lohn arbeiten, nicht wahr?— weil wir dann Alle gleich ſind, nicht wahr?“ „Ei freilich, citoyenne! Sie müſſen Stuben ſcheuern gehen!“ rief Strahl, und die Gräfin er⸗ widerte: O da berdi „No da hülle in!“ ſt Fräfin, nich un Lachen! daß man Stral nir nicht Und Beſich ke fannten tungen 1 ſch man ſimig ſch und dieſi kine „Theuerſ 68 „O pfui doch, nein, nein, ich werde Modiſtin, da verdirbt man ſich die Hände nicht!“— „Moden kommen in einer Republik nicht vor; da hüllen wir uns, wie unſere Vorfahren, in Felle ein!“ ſpottete Strahl;„für Sie, meine gnädigſte Gräfin, werden die Felle von einigen ſchneeweißen Pudeln hergerichtet!“ „O, ſtill doch, Strahl, ſtill doch! Sie bringen mich um mit Ihren Geſchichten; ich ſterbe vor Lachen!— Aber Spaß bei Seite, glauben Sie, daß man uns köpfen wird?“ Strahl ſchlug an ſeinen Säbel.„Man beleidige n mir nicht!“ rief er. ⸗ Und wieder öffnete ſich die Thüre; Beſuch auf Beſuch kam; ein Jeder ſehnte ſich, mit ſeinen Be⸗ kannten und Freunden zuſammen zu ſein, Erwar⸗ ß tungen und Befürchtungen auszutauſchen.— Hier r ſah man bedenkliche Mienen, dort hörte man leicht⸗ ſinnig ſcherzen, aber Alle handelten ein Thema ab, n und dieſes waren die Vorgänge in Paris.— ⸗ Eine Dame ſtürzte plötzlich in's Zimmer. „Theuerſte Gräfin!“ rief ſie, und warf ſich in einen . 8§ ————————— ——————————— ————— 1541 Seſſel; Alle umringten ſie theilnehmend, ſie aber zeigte nach ihrem ſchönen ſchwarzſeidenen Kleide, welches mit Straßenſchmutz beworfen ſchien. „Da, da ſehen Sie!“ rief ſie,„ein Paar zer⸗ lumpte alte Bettelfrauen haben mich eine Ariſtokratin geſchimpft, haben mich mit Straßenſchmutz beworfen und gerufen:„Was braucht Sie in Seide zu gehen, warte Sie nur, in vier Wochen tragen wir ſolchen Staat und Sie hat unſere Lumpen an!““ Meinen Diener aber haben Sie einen Herrenknecht, einen Sclaven, Lumpen und was weiß ich was noch Alles genannt.— Ich bin davongelaufen, als ſie an⸗ fingen, ihn mit Schmutz und Steinen zu bewerfen.“ „Es iſt zu arg, zu arg!“ riefen Alle, und Einige meinten:„Wir ſind nur im Anfange der Revolution, es wird noch beſſer kommen!“ Strahl aber ſchlug an ſeinen Säbel, machte dann die Bewegung des Hängens und rief:„Dürfte ich nur wie ich wollte!“ Und abermals ging die Thüre auf, ein alter Herr trat mit dem Grafen zugleich in's Zimmer. „Die neueſten Nachrichten aus Paris!“ rief der Guf, ſei Vie der nit ein 1 tine Geg weral La an die Princip, ls Füni ſilbe— Nutional „Ach und die( den Str „Nu ſheuem „Un widerte Der wo er ſi — e 165 Graf, ſeinen Begleiter vorwärts ſchiebend;„Auguſte, es iſt eine Gegenrevolution ausgebrochen!“ „Wie? was?“ riefen Alle, und der alte Herr, der mit dem Grafen gekommen war, ſagte, indem er eine Priſe nahm: „In der Nacht vom 25. zum 26. Februar iſt eine Gegenrevolution in Paris ausgebrochen. Ge⸗ neral Lamoricièere und Odilon-Barrot haben ſich an die Spitze derſelben geſtellt, das monarchiſche Princip, mit der Thronfolge des Grafen von Paris, als König der Franzoſen, proelamirt, und für das— ſelbe— nicht nur das Militär, ſondern auch die Nationalgarde gewonnen.“ „Ach, ich athme wieder freier!“ rief der Graf, und die Gräfin fragte ſcherzend den neben ihr ſtehen⸗ den Strahl: „Nun brauche ich höchſt wahrſcheinlich nicht zu ſcheuern?“ „Und auch kein Pudelröckchen zu tragen!“ er⸗ widerte dieſer. Der alte Herr aber zog ſein Notizbuch hervor, wo er ſich dieſe Nachricht notirt hatte, und ſagte dann:„Richtig, ich habe noch nicht Alles geſagt!“ und nun las er ab: „Welchen Erfolg ihre Schilderhebung gehabt, iſt noch nicht bekannt. Die republikaniſche Partei ſcheint nicht ohne Kampf nachgeben zu wollen. Der König und die königliche Familie befinden ſich im Schloſſe zu Eu, am Canal!“ „O wie gut, daß die Armen ſich gerettet haben!“ rief die Gräfin, und Strahl flüſterte ihr zu: „Dieſe Nachricht iſt wohl werth, daß Sie einen Ball darauf geben!“ Die Gräfin blickte ihren Mann an.„Georg macht ſein Umſturzgeſicht; es wird Kämpfe ſetzen!“ ſagte ſie;„weinen kann er mich aber nicht ſehen, und ich werde weinen, wenn er mir meinen Wunſch nicht erfüllen will!“ Und was die Gräfin wollte, geſchah, obgleich ihr Gatte ihr alle nur denklichen Gegengründe auf⸗ zählte und ihr verſicherte, daß die Contrerevolution nur eine Lüge, ein falſches Gerücht geweſen ſei, daß im Gegentheil die Republik ihren Fortgang habe. „Pas wylution nich aui gen— Und— A 5 huſe kam hirde zuſ und rirf i heit mit lnd ohne beſtürzten! Zone auf ſeines Vat Zon ene ſchen S Dort ſchli Doch des auf undt Keingſ Ang au weig Au „Was geht mich Republik, Revolution und Contre⸗ revolution an!“ rief die Gräfin,„ich will tanzen, mich amüſiren und will und muß einen Ball geben!—“ Und— die Einladungen wurden gemacht.— Als Hartlinger, der zu dieſer Zeit ſelten nach Hauſe kam, dieſes Vorhaben erfuhr, ſchlug er die Hände zuſammen, ſah den Grafen kopfſchüttelnd an und rief in ſeiner etwas derben Weiſe:„O Dumm⸗ heit! mit Dir kämpfen Götter ſelbſt vergebens!“ Und ohne ſich weiter auszuſprechen, verließ er den beſtürzten und entrüſteten Grafen, der in höchſtem Zorne auf und nieder lief und auf das Teſtament ſeines Vaters ſchalt, während der, welcher ſeinen Zorn erregt hatte, das Haus wieder verließ und raſchen Schrittes einer entfernten Straße zueilte. Dort ſchlüpfte er in ein Haus, eilte bis unter das Dach desſelben, zog einen Schlüſſel hervor, ſchloß auf und trat in ein kleines Stübchen, wo allerhand Kleidungsſtücke hingen. Hartlinger wählte ſich einen Anzug aus, kleidete ſich ſchnell um und trat ſchon wenig Augenblicke ſpäter in der Kleidung eines Handarbeiters, die Mütze tief herabziehend, auf die bereits ſtark in Dämmerlicht gehüllte Straße, eilte weiter und miſchte ſich unter das Volk, das auch an dieſem Abend reichlich die Straßen füllte. Abreiſe von Berlin. Die Gräfin wollte, daß das Feſt, das ſie zu geben beabſichtigte, eines der brillanteſten ſein ſolle, die man dieſen Winter aufzählen könne. Auch ihr Anzug ſollte prächtig ſein; ſie fuhr daher mit Eglan⸗ tine von Putzladen zu Putzladen, um ſich auszu⸗ wählen, was ſie an Stoffen und künſtlichen Blumen bedurfte. Die Ausbrüche des Volkshaſſes, denen ſie bei dieſen Fahrten oft in ähnlicher Weiſe, wie jene Dame mit beſchmutztem Kleide, ausgeſetzt war, amü⸗ ſirten ſie; ſie lachte, wenn ſich die Leute aus den unterſten Volksclaſſen um ihren Wagen herumſtellten und ſie höhnten, und ſagte zu Eglantine, die, weit ängſtlicher als ſie, ſich ſchüchtern in die Wagenecke drängte:„Mich amüſirt es, dieſe ohnmächtige Wuth zu buba Nügen ſ uns ich Mr ulhen hiſirte e dys Schö hſen on Lull, hat Augu Nurgeno ni Gold leideten iiſen, und baren un bolgen; Hiscuit, 1 dn Mpa t. Oh Vilſt 2 ihnn Vo * 159 zu beobachten; ſie können mir ja doch nichts thun! Mögen ſie ſchimpfen, wie ſie wollen, ich bleibe doch, was ich bin!“ Nur zwei Tage fehlten bis zu dem Tage, an welchem der Ball Statt finden ſollte; für die Gräfin exiſtirte ein Paris nur noch als Modeſtadt, wo ſie das Schönſte, das Beſte für ihren Anzug herkommen laſſen konnte; die Politik, wie Alles, außer ihrem Ball, hatte ſie vergeſſen.— Auguſte ſaß eines Morgens, in einen weißen Morgenrock gehüllt, ihre niedlichen, mit rothen, mit Gold und bunter Seide geſtickten Pantoffeln be⸗ kleideten Füßchen ruhten auf einem ſammetnen Fuß⸗ kiſſen, und ihre ſchönen, glänzend ſchwarzen Haare waren unter einem eleganten Morgenhäubchen ver⸗ borgen; vor ihr ſtand das Frühſtück, Chocolade und Biscuit, das ſie mit ihrem auf ihrer Schulter ſitzen⸗ den Papagei theilte, als der Graf in ihr Zimmer trat. Ohne ſich nach ihm umzuſehen, rief ſie: „Willſt Du eine Taſſe Chocolade, Georg?“ und ihrem Vogel ein Biseuit hinhaltend, fuhr ſie, zu dieſem ſprechend, zärtlich fort:„Komm, mein Paperle, 160 tomm, vertreib' mir die Zeit!“ Und als der Graf nicht antwortete, wiederholte ſie die Frage:„Georg, willſt Du Chocolade, ſie iſt gut!“ Keine Antwort, nur ein tiefer, ſchwerer Seufzer traf ihr Ohr. Jetzt blickte ſie ſich um.„Mein Gott, Georg!“ rief ſie, ihre Taſſe hinſetzend,„wie ſiehſt Du denn aus?“ „Auguſte!“ ſtammelte der Graf und lehnte ſich an einen Stuhl,„Auguſte, kein Banquier nimmt mehr öſterreichiſche Papiere!“ „Und das beſtürzt Dich ſo?“ fragte die junge Frau,„was geht denn das uns an?“ „Auguſte, Dein ganzes Vermögen beſteht aus öſterreichiſchen Staatspapieren!“ „Nun?“ fragte die Gräfin, und der Graf ſtieß im Tone der Verzweiflung hervor: „Du biſt eine Bettlerin!“ Nit einem Satze war die Gräfin auf den Füßen; treiſchend flog der Papagei von ihrer Schulter ſeinem Käfig zu. „Was ſagſt Du?— mein Vermögen...4 „Iſt nichts,— gar nichts mehr!“ Die G V por noch wa. „Nun „Du biſr „Auhu erinft, ſt, det Summe hben wir ſchendun gegtben! Die 6 liphe hoch „Duh ugu — hingt mir zige— geuechnet, Ihtler, khen Sglnline 1 Die Gräfin fuhr ſich über die Stirne,— ſie war noch bleicher geworden, als ſie ohnehin ſchon war. „Nun denn!“ ſagte ſie nach einer kleinen Pauſe, „Du biſt reich,— noch reich genug für uns Beide!“ „Auguſte, meine Güter in Schleſien habe ich verkauft, das Geld, welches darauf ſtehen geblieben iſt, deckt meine Schulden kaum zur Hälfte, die Summe aber, welche mir ausgezahlt worden iſt, haben wir,— haſt Du durch Deine unſinnige Ver— ſchwendung bis auf hundert Thaler bereits aus⸗ gegeben!—“ Die Gräfin warf ſtolz den Kopf zurück, die Lippe hochmüthig empor. „Du haſt noch Auenbach!“ ſagte ſie geringſchätzig. „Auguſte,— Auguſte!— ich habe noch Auen⸗ bach,— ja, ich habe noch Auenbach,— und das bringt mir fünftauſend Thaler ein, davon habe ich Abzüge— ich habe dieſe Nacht mit dem Arthur gerechnet,— es bleiben uns kaum dreitauſend Thaler,— damit können wir in der Stadt nicht leben„ Eglantine I. —— —— 162 „Ich ſoll aufs Land?“ rief die Gräfin. „Oder in einem halben Jahre betteln!“ verſetzte tonlos der Graf und ließ die Arme kraftlos, in dumpfem Schmerz ſinken; die Gräfin aber fiel in ihrem Fauteuil zurück; ſie lachte, ſie weinte, und wie bei der erſten Begegnung mit Eglantine zum Schein, verfiel ſie jetzt wirklich in einen krampfhaf⸗ ten Zuſtand, der wohl über eine Stunde lang anhielt. Eglantine ſtand ihr auch diesmal treu pflegend zur Seite, während der Graf abermals ſeinen Ban— quier aufſuchte. Am Abend dieſes Tages hatte der Portier die Weiſung, jeden Beſuch abzuweiſen, nur Frau von Richtern nicht, die auch kam und länger als vier Stunden mit Gräfin Auguſte und Eglantine allein in dem Schlafzimmer der Erſtern verbrachte, die weinende Auguſte tröſtete und ihre Seele zu heben, ihre moraliſche Kraft zu wecken ſich bemühte. Eglantine hörte ſchweigend, aber aufmerkſam zu,— und in dieſen Stunden reifte ihr Entſchluß, einem Leben zu entſagen, das ſo verweichlichend auf die Menſchen wirkt. Ge zuſe gend ge genncht ſnd, ar Gldanke uge, di ds Ag Vihr Stele ein r Hile tichts ofer einen Scht ineinnder Eite des zuf Jda Sie th Shein, all Ab volle, be 163 Gerade im Schweigen entwickelt ſich oft eine große Kraft. Wie viele Entſchlüſſe werden ſchwei⸗ gend gefaßt, wie manche Folgerung nur ſchweigend gemacht; denn nur, wenn die Lippen feſt geſchloſſen ſind, arbeitet die Seele vollſtändig und kräftig, und Gedanken, Gefühle werden während des Schweigens rege, die Worte nicht auszudrücken vermögen, nur das Auge wiedergeben kann. Während der Mund ſchwieg, hat ſchon manche Seele einen Schritt zum Himmel hinauf, oder einen zur Hölle hinab gethan, die nur am Tage des Ge⸗ richts offenbart werden.— Eglantinens Seele that einen Schritt dem Himmel näher, während ſie mit ineinandergeſchloſſenen Armen in der dunkelſten Ecke des Zimmers ruhte und ihr Auge unverwandt auf Ida Richtern weilte. Sie that ſich ſelbſt das Gelübde, allem falſchen Schein, allem erborgten Glanz zu entſagen, zu ihrer ſtillen, friedlichen Heimath zurückzukehren und wieder das zu ſein, was ſie früher war. Als Frau von Richtern ſich nach Hauſe begeben wollte, bat Auguſte, ihre Thränen trocknend, daß 1 ſie noch einen Augenblick verweilen möge. Ida trat wieder an der Gräfin Lager zurück und fragte freundlich:„Haben Sie mir noch Etwas zu ſagen?“ Auguſte aber ſchlang ihre Arme um ihren Hals, zog ſie zu ſich nieder, küßte ſie und fragte dann weinerlich:„Darf ich mich gar nicht beklagen?“ „Größer iſt es, wenn Sie ſchweigend dulden!“ erwiderte Ida, und Auguſte, einen Ring von ihrem Finger nehmend, reichte ihr dieſen hin. „Da,— zum Andenken,— wenn— wenn ich ſterben ſollte!“ ſchluchzte ſie. Ida lächelte.„Nicht doch!“ rief ſie, gutmüthig der weinenden Frau in die Außen blickend;„Sie werden nicht ſterben,— vielleicht noch recht, recht glücklich werden!“ Dann reichte ſie Eglantinen die Hand, die ihr mit ſeltſam freudeſtrahlenden Augen entgegentrat. „Sie ſehen ja ganz glücklich aus!“ ſagte Ida, das junge Mädchen verwundernd anblickend. „Ich bin es auch, denn ich habe Sie verſtan⸗ den!“ rief ſie und umarmte ſie zärtlich. Am andern Morgen wurde der Ball, unter den gſgt A Ida1 wondel der de duck ihre A Laſche ll je nir ja Ei wr, a wolle weiſen aushr „Ich D i mhig! nn gte 0 finfun unhlic ihrem venn müthig ;„Sie t, recht inen die nAugen gte Ido, 0 verſtan⸗ l, mter dem Vorwande beunruhigender Volksbewegungen, ab⸗ geſagt. Auguſte aber war ſeit dem Abend, den ſie mit Ida und Eglantine allein verbrachte, wie umge⸗ wandelt: ein ſtiller Ernſt lag auf ihrem Antlitz, der dann und wann mit einem ſchmerzlichen Aus— druck wechſelte. Oft auch drängten ſich Thränen in ihre Augen, aber ſchnell trocknete ſie dieſe mit ihrem Taſchentuche und ſagte dann zu Eglantine:„Ich ſoll ja nicht klagen!— meine gute Richtern hat es mir ja unterſagt!“ Einmal jedoch reichte ihre Kraft nicht aus(es war, als Lieutenant Strahl ihr einen Beſuch machen wollte und ſie ihn, wie alle andern Bekannten, ab⸗ weiſen ließ); ſie fiel, in einen Strom von Thränen ausbrechend, Eglantinen um den Hals und rief: „Ich habe dem Leben und ſeinen Freuden entſagt!“ Dann aber, ſich wieder faſſend und tief aufſeufzend, fügte ſie ſchnell hinzu:„So, nun bin ich wieder ruhig!— Ich bin freilich noch jung,— noch nicht fünfundzwanzig Jahre— und ſehr— ſehr— nein, unglücklich ſoll ich ja nicht ſagen!— meine gute ——— 1 — — — Richtern ſoll mit mir zufrieden ſein! Ich klage ja auch nicht über den Verluſt meines Vermögens, ich bedaure nur, meine Freunde nicht mehr um mich verſammeln zu können!“— Und am Tage, wo das prächtige Feſt hatte Statt finden ſollen, hielt ein bepackter Reiſewagen vor des Grafen Hausthüre; ſeine Gattin, die ſich ſo ſehr auf dieſen Tag gefreut hatte, ſollte heute die Reſidenzſtadt und ihre Freuden verlaſſen und in ländlicher Stille in Auenbach fortan ihr Leben(wie ſie ſich äußerte) vertrauern. Eglantine hörte die Gräfin ihr Zimmer verlaſſen und ſchnell die Treppe hinuntergehen, und ſchnell ihren Reiſebeutel ergreifend, wollte ſie ihr folgen, aber in der Thüre, die ſie aufriß, ſtehen bleibend, überflog ihr Auge noch einmal das Zimmer, worin ſie ſo viel erfahren, ſo viel gelitten hatte, und mit wehmüthig zitternder Stimme rief ſie:„Leb' wohl!— auf Nimmerwiederſehen!“ Und raſch ſich umwendend, wollte ſie der Gräfin folgen, aber erſchreckt blieb ſie ſtehen, denn vor ihr ſtand, die Arme gekreuzt, das Auge auf ſie gerichtet, Arthur Hartlinger. i ich w inger 6 ich we Menb J wemn. in Ihr „E Thye ſort; ge ja nich hatte wagen ie ſich heute und in n(wie erlaſen ſchnell folgen, leibend, „worin und mit vohl!— bendend, blieb ſe uzt, das „Auf Nimmerwiederſehen?“ fragte er finſter. „Es galt dieſen Räumen, die ich wohl ſchwer⸗ lich wiederſehen werde!“ erwiderte Eglantine. „Es galt mir!“ ſagte dumpf vor ſich hin Hart⸗ linger. „Herr Hartlinger,— wie könnte ich ſo ſprechen!— ich weiß ja,— daß Sie uns in wenig Tagen nach Auenbach nachfolgen werden!“ erwiderte Eglantine. „Nachfolgen?— ja,— ja, ich könnte es,— wenn... Eglantine, Sie könnten mich retten,— in Ihrer Macht ſteht es, mein Schickſal....“ „Eglantine!“ rief die Gräfin unten auf der Treppe,„wo bleiben Sie denn? Die Kinder und Miß Leeve ſind ſchon fort!“ „Ich komme ſchon!“ rief Eglantine und wollte fort; Hartlinger hielt ſie bei der Hand feſt. „Sie haſſen mich?“ fragte er mit bebender Stimme. „Ich?— wie ſollte ich!“ ſtammelte ſie. „Aber Sie lieben mich nicht,— Sie verachten mich!“ rief er, und unten tönte wieder der Ruf: „Eglantine! Eglantine!“ ———— „Leben Sie wohl!“ ihre Hand aus der ſeinen und flog die Treppe rief Eglantine aus, riß hinab. und drückte ſich weinend in die Wagenecke; Eglan⸗ tine folgte und hatte ſich eben neben ſie nieder⸗ gelaſſen, als Hartlinger an den Wagen herantrat. ſich ſtaunend um; er hatte ſie noch nie ſo vertrau⸗ lich bei Namen genannt, aber der Ausdruck ſeines Auges war ſo traurig, ſo mild, ſo ungewöhnlich.— „Leben Sie wohl, lieber un ſagte ſie, ihm die Hand reichend; er drückte ſie feſt an ſeine Lippen. Und auch ihre Hand erfaßte er und drückte ſie innig an ſeine Lip⸗ Eglantine,— leben Sie wohl!“ pen.„Beten Sie für mich!“ rief er mit einer Thräne im Auge und ſtürzte fort. Der Wagen rollte nach Auenbach zu.— Schwei⸗ gend hatten Eglantine und die Gräfin neben ein⸗ ander geſeſſen, da ſagte endlich die Letztere: „Nun endlich!“ rief Gräfin Auguſte, ſtieg ein Ur 6 „Auguſte!“ ſagte er weich; die Gräfin blickte N riß Lrepe eg ein Sglan⸗ nieder⸗ antrat. blicke ertrau⸗ ſcines lich.— ie, ihn ſeine ſch ihre ine Li⸗ it einer Schwei⸗ ben ein 169 „Eglantine!“ Cjetzt nannte ſie das junge Mäd⸗ chen nicht mehr Roſe)„Eglantine, verzweifeln Sie nicht auch, die Reſidenz zu verlaſſen?“ Eglantine ſeufzte.„Die Reſidenz?— nein, gnädige Gräfin, nein!— wenn Sie nämlich von den Freuden der großen Welt ſprechen.“ „Nun,— und dieſe Freuden hätten wirklich keinen Werth, keinen Reiz für Sie?“ fragte Gräfin 4 Auguſte höchlichſt verwundert, und Eglantine ant⸗ te: 3 Sie haben ihren Reiz für mich ſchnell ver⸗ loren; man muß, das habe ich nun eingeſehen, um auf dem Boden, wohin Sie mich verpflanzt hatten, zu gedeihen, auch darauf geboren und aufgewachſen ſein; wird man aber erſt ſpäter dahin verpflanzt, ſo wird man ſich niemals heimiſch darauf fühlen.— 1 Wohl reizte mich die große Welt, aber nur ſo lange, als ich ſie aus der Ferne, aus Erzählungen kannte; unter den Menſche aber,— die dort—,“ und ſie zeigte nach der im Nebel verſchwindenden Reſi⸗ denz,„fühlte ich mich ſo unbeholfen,— ſo— wie ſoll ich ſagen—: ſo déplacée!“ fügte ſie dann 170 lächelnd hinzu;„ich fühlte recht gut, daß es meine Schuld ſei, ich hätte auch ſolchen Unſinn reden ſollen, auch ſo wegwerfend und leichtſinnig über alles Hohe, Edle und Große urtheilen ſollen,— ich hätte vornehm thun müſſen!.... O, ich hätte dies Alles auch gekonnt, ſchwer iſt es nicht, ich hätte es auch wohl gethan, wenn....“ „Nun, wenn?“ fragte die Gräfin, die ihren Worten geſpannt gelauſcht hatte.* * „Wenn ich mich nicht vor mir ſelber geſchämt hätte!“ fügte Eglantine ſchnell hinzu und küßte, als habe ſie der Gräfin Etwas abzubitten, deren Hand. „Als ob ich meine gute Ida Richtern hörte!— nun, Sie ſind ja auch ihre Schülerin!“ rief dieſe, und eine Zeitlang Eglantine betrachtend, fügte ſie ſelbſtzufrieden hinzu:„Aber Sie ſehen doch ganz anders aus, als früher, Kind! ich habe Etwas aus Ihnen gemacht! Ihre Haltung, Ihr Uußeres, Alles, Alles iſt anders geworden! Von der Toilette will ich gar nicht ſprechen!“ und ſie lachte recht herzlich. „Wiſſen Sie noch, liebe Eglantine, wie Sie das erſten n nitte lachen ſbi di ſ werde da k berwe igte ine L füch werd Wor No ihre die der meine reden iüber en,— hütte t, ich ihren eſchämt küßte, deren rte!— f dieſe, ügte ſi ch ganz as aus „Alles, tte will hetzlich Zie das erſtemal auf das Schloß kamen?— in dem ſchwar⸗ zen Kleide und den Sammethut auf dem Kopfe, mitten im heißen Sommer?— und ich mußte ſo lachen, weil mir der Hartlinger, der gute Arthur, ſo viel von einer wilden Roſe vorgeſchwatzt hatte, die ſich unter meiner Pflege zur Centifolie geſtalten werde!— Wie ich Sie aber ſah, gute Eglantine, da kam mir das Wageſtück ſo entſetzlich groß und verwegen vor!— Aber ich habe es doch durchgeführt,“ fügte ſie nicht ohne Selbſtgefühl hinzu,„die Eglan⸗ tine iſt doch zur Centifolie geworden!“ Das junge Mädchen lächelte und meinte:„Ich fürchte nur, daß die Centifolie wieder ausarten werde!“— Aber ſie erſchrak vor ihren eigenen Worten, denn plötzlich ſtand vor ihrer Seele der Morgen wieder, wo ſie mit Johannes am Grabe ihrer Tante ſtand, wo ſie ſich beklagt hatte, daß die auf den Dornenroſenſtrauch gepfropften Reiſer der Centifolie erfroren ſeien und wieder wilde, aus⸗ geartete Roſen auf dem Grabe blühten, und Jo⸗ hannes gerufen hatte:„Sagen Sie lieber, die Roſe iſt zu ihrer Natur, zu ihrer Urſprünglichkeit zurück⸗ —— gekehrt!“— Eine tiefe Rührung biſchlich ſie und machte ſie verſtummen.. Auch Gräfin Fels ſprach nicht viel mehr und verſank bald darauf in einen unruhigen Schlaf, während Eglantine an Auenbach, an Anna und— Johannes dachte.— Ein Entſchuldigungsgrund. Als der Graf mit ſeinem Halbbruder allein war, ſagte er:„Wenn ich nur wüßte, womit ich die ſchnelle Abreiſe meiner Frau entſchuldigen könnte; es iſt unklug, daß ſie nicht wenigſtens noch acht Tage blieb, denn jetzt, im Monat März—, kein Menſch reiſ't ſchon auf's Land—! Sie war ja aber nicht zu halten!„„Wenn ich kein brillantes Haus mehr machen kann, will ich keine Minute länger hier bleiben. Ordentlich oder gar nicht! iſt mein Wahlſpruch; damit gut!““ hat ſie mir geant⸗ wortet, und— Du weißt, lieber Arthur, wenn meine Frau Etwas will....“ watu rcht 05 angeb Geor tern, nen, Bn e und n war, ich die könnte; ch acht kein war ja rillantes Mimte ſcht! iſt geant⸗ wenn 173 „So weiß ſie es durchzuſetzen!“ unterbrach ihn Hartlinger,„mir hat dies immer an Deiner Frau gefallen; Georg, Auguſte iſt nicht ohne Charakter!“ Der Graf antwortete:„Mag ſein, mag ſein! warum ſollte es auch nicht ſein! Das iſt auch Alles recht ſchön und gut, hilft mir aber nichts, denn— was ſoll ich der Welt gegenüber für einen Grund angeben,— der ſie zur Abreiſe zwang!—“ „Ach, die Welt!“ ſeufzte Hartlinger;„lieber Georg, berathe Dich darüber mit Frau von Rich⸗ tern, ſie wird gewiß einen beſſern Rath geben kön⸗ nen, als ich.— Leb' wohl!“— Und wieder und wieder gab Hartlinger dem Bruder die Hand, ehe er ihn verließ. Der Graf blickte ihm kopfſchüttelnd nach und rief:„Der Menſch iſt wie toll; ich weiß nicht, was ich aus ihm machen ſoll! war er doch heute ſo zärt— lich, als— als—; doch ich will zu Frau von Richtern gehen, die muß, die wird mir rathen!“— Frau von Richtern empfing den Grafen herzlich. „Iſt Auguſte abgereiſtt?“ fragte ſie. „Ja wohl, iſt ſie es!“ ſeufzte der Graf. 174 „Und Sie können froh darüber ſein!“ erwiderte Frau von Richtern;„hier hätte ſie ſich nicht in eine jetzt nothwendig werdende Beſchränkung Ihres Hausſtandes und Ihrer Ausgaben gefunden,— auf dem Lande, ich kenne Ihre Frau, wird ſie leichter ein beſchränkteres Leben ertragen. Hat ſie nur erſt Etwas ergriffen, ſich zu eigen gemacht, dann hält ſie treu und feſt daran. Sie fürchtet ſich vor Allem, was ihr Zwang auferlegt, ihren Willen beſchränkt; ſobald es aber erſt ihr Wille ſein wird, ſich in ihre Lage zu finden, wird ſie froh und leicht das Un⸗ vermeidliche tragen.“ „Ja, ja, das iſt Alles recht gut!“ rief unge⸗ duldig Graf Fels,„aber was ſoll ich ſagen, wenn man mich nach dem Grunde fragt, der Auguſtens ſchnelle Abreiſe verurſachte?“ „Die Wahrheit wollen Sie nicht ſagen, nicht wahr?“ fragte lächelnd Frau von Richtern. „Wo denken Sie hin!“ rief der Graf und blickte faſt mit Empörung auf die lächelnde Frau;„ich ſollte...., ein Fels ſollte...., o, niemals, nie⸗ mals!— Ein Fels, und ſollte eingeſtehen, daß ſhul „ ſigen niſe nget Richt zwan ſchwe 4 Ausſ und iderte t in Ihres G auf eichter ur erſt nhilt Allen, hrinkt; in ihre us Un⸗ unge⸗ „wenn guſtens ,nicht blickte u„ich s, nie⸗ n, daß 175 er—; o nein, ich weiß, was ich meinem Namen ſchulde!“ „Nun denn,“ verſetzte Frau von Richtern,„ſo ſagen Sie, daß Ihre Frau eine Cur gebrauchen müſſe,—— ſagen Sie,— ſie wollte....“ „Ja, was denn?“ unterbrach ſie troſtlos der ungeduldige Graf. „Hätte ich doch nie geglaubt,“ rief Frau von Richtern lachend,„daß es mit, nachdem ich ſchon zwanzig Jahre hier in Berlin gelebt habe, noch ſo ſchwer werden würde, eine Lüge zu erfinden!“ Der Graf aber wurde immer bleicher und ſein Ausſehen tryſtloſer; plötzlich rief Frau von Richtern und blickte nicht ohne Schalkheit den Grafen an: „Ich hab's!— Spielen Sie den Diplomaten!“ „Wie ſo?“ fragte Graf Fels aufhorchend, und Ida Richtern erwiderte: „Wenn Sie Jemand fragt, ſo lächeln Sie ge⸗ heimnißvoll, zucken die Achſeln und ſagen:„Ja wohl, meine Frau iſt nach Auenbach,— ich folge ihr bald,— neue Einrichtungen,— Familienver⸗ hältniſſe,— ſelbſt politiſche Rückſichten machen es 176 nöthig, daß wir einige Zeit in Auenbach verweilen müſſen!““— Sie lächeln dabei fein und ſagen durch Ihren Blick noch mehr,— entfernen ſich aber ſchnell. Auch können Sie ſelber von der Abreiſe Ihrer Frau zu ſprechen anfangen und ſagen:„Wiſſen Sie ſchon, daß meine Frau bereits fort iſt?— Hier konnte der Ball nicht Statt finden,— aber aufgeſchoben iſt nicht aufgehoben!““ „Ja, ja, das das Beſte!“ rief der Graf, und Frau von Richtern fuhr fort: „Sie können hinzufügen:„Wenn erſt wieder einige Ruhe in der Welt eingetreten iſt,— nun, je länger es währt, deſto brillanter wird das Feſt, jetzt machen die Zeitereigniſſe es unmöglich...“ „Nicht doch, nicht doch!“ unterbrach ſie der Graf,„die Zeitereigniſſe darf ich nicht erwähnen,— die dürfen eigentlich den Grafen Fels nicht berühren!“ 5 Er küßte die Hand der Rathgeberin und ent⸗ fernte ſich mit einem diplomatiſch⸗freundlichen Lächeln auf den Lippen.— Nerweilen n 8 gen durch Revolution. er ſchnell brr in Allein Graf Fels kam nicht in die Verlegenheit, iſn Sie ſeine diplomatiſche Klugheit zu entfalten; denn wer ier mnte hätte im März 1848 wohl Zeit gehabt, auf Graf ſchoben iſ Fels Geſchwätz zu achten, und Niemand fragte nach der Gräfin Auguſte und ihrer ſchnellen Abreiſe—! der Graf, Wo ſo Viele flüchteten, dachte Niemand an den Einzelnen. erſt wieder Die Ereigniſſe am politiſchen Himmel jagten — mun, ſich jetzt wie Blitze aus dunklen, gewitterſchwülen das Fſ, Wolken. Die Zeitereigniſſe, die Vorgänge in Wien, 3„“ der Sturz und die Flucht des Fürſten Metternich, ch ſie der die liberalen Conceſſionen, die man in Wien ge⸗ vähnen,— macht hatte, die Unruhen in Prag, Leipzig, Breslau, berühren!“ kurz in der halben Welt, bildeten faſt die einzige und ent⸗ Unterhaltung und wirkten, verbunden mit der Furcht ⁸ hen Licheln vor der wachſenden Aufregung in Berlin ſelbſt, bald niederdrückend, bald aufregend auf die Gemüther. Indeß wuchs von Tag zu Tag dieſe Aufregung; an den Straßenecken las man Aufforderungen zu Eglantine M. 12 178 Volksverſammlungen, und ſo ſtieg die Bewegung, bis es endlich am achtzehnten März zum förmlichen Barrikadenbau und blutigen Kampfe kam. Es war ein herrlicher Frühlingstag, und der Graf, der ſich einſam fühlte, wollte trotz dem, daß es in den Straßen Berlins nicht angenehm zu wan⸗ deln war, ſein Haus verlaſſen; er ſehnte ſich da⸗ nach, ſeine Bekannten zu ſprechen, ſich Rathes bei ihnen zu erholen.% Er gelangte bis faſt auf den Schloßplatz; weiter vorzudringen, hielt er nicht für rathſam, denn die Menſchenmenge drängte ſich jubelnd dort hin und her; ein Vorübergehender, den der Graf anſprach, gab ihm den Beſcheid, daß Alles bewilligt ſei, und rief:„Es lebe die conſtitutionelle Monarchie!—“ Der Graf zuckte die Achſeln und ſchüttelte den Kopf. Jetzt tönte der Ruf:„Nilitär weg! Militär weg!“ aus der Menge; der Graf ſchüttelte heftiger den Kopf; er murmelte einen Fluch zwiſchen den Zähnen und ballte die Fauſt, während die Truppen, deren Entfernung das Volk verlangte, in unerſchütter⸗ E ₰ lich Umt obe men hier pfe e bis wegung 9, mlichen hin und anſprach, tſei, und iſchen den Tuuppen, terſchütter⸗ licher Ruhe, wie Felſen, von der wilden Brandung umtobt, regungslos, ohne auf das Geſchrei der tobenden Menge zu achten, aufmarſchirt ſtanden. Dieſe Ruhe ſchien endlich die Menge zu ermü⸗ den, die Leute fingen an ſich zu zerſtreuen, als eine Infanteriecolonne neuen Zorn erregte. Die Menge drängte, ſchimpfend und tobend, dem Grafen nach, der ſich beſtrebte, ſo ſchnell er konnte, fort zu eilen, als er ſich plötzlich am Arme ergriffen fühlte. „Gnädiger Herr!“ flüſterte ſein Diener,„kom⸗ men Sie hier durch dieſes Gäßchen nach Hauſe,— hier iſt's nicht mehr gut ſein!— Die Leute ſchim— pfen ſehr, es kann Ernſt werden!“ In dieſem Augenblicke fielen zwei Schüſſe, und es entſtand nun ein Schreien, Rufen, Durchein⸗ anderlaufen, das fürchterlich war. Man ſchrie um Rache, und der Ruf:„Waffen! Waffen!“ füllte die Luft. Glücklicherweiſe hatte der Graf nicht weit mehr bis nach ſeiner Wohnung, denn ſeine Kräfte droh⸗ ten, ihn eben ſo zu verlaſſen, wie es bereits ſein 0 180 Muth gethan hatte. Fritz, der zum Glück keine Livrée trug, was der Graf trotz ſeines Schreckens mit Zufriedenheit wahrnahm, ergriff feſter ſeines Herrn Arm und zog ihn mit ſich fort; hinter ihnen her ſtürzte die Volksmenge tobend, lärmend und um Rache ſchreiend. Schon ſah Graf Fels das nahe, rettende Haus, als eine Schwäche ihn überfiel, die ihn hinderte, weiter zu gehen. Lauter wurde der Lärm, heftiger drängte die Menge, krampfhaft klam⸗ merte er ſich an Fritz feſt, der ihn mit der größten Anſtrengung vorwärts zog und glücklich in das Haus brachte. Fritz ſchloß hinter ſich die Hausthüre, eine Maß⸗ regel, die gleich darauf auch an den andern Thüren beobachtet wurde, denn die Straße herab rückte eine Militärcolonne. Die Straße wurde vor ihr menſchenleer, während hinter ihr von tauſend geſchäſtigen Händen eine Barrikade erbaut wurde. Der zitternde Graf lauſchte auf das Lärmen beim Bau derſelben, er hörte fern her das Raſſeln der Artillerie und rief verzweiflungsvoll:„Was wir den daß ick keine chreckenz er ſeines das nahe, rfiel, die vurde der haft klam⸗ r größten das Haus eine Maß⸗ n Thüren rückte eine , während nden eige s Lärmen as Raſſeln U.„WVis 181 wird das werden! ach, Fritz, was wird das wer⸗ den! Ach, meine arme, arme Frau!— gut nur, daß ſie in Sicherheit iſt!“— Fritz fragte ihn theilnehmend und gutmüthig: ob er nicht Etwas eſſen wolle, um ſich zu ſtärken? Der Graf ſeufzte:„Ich muß wohl, mein Lieber, denn meine Kräfte ſinken! Dann aber laß uns einpacken, wir wollen heute noch fort! O, wie thöricht war es von mir, daß ich ſo lange blieb!“ Als Fritz die Suppe brachte, wäre ihm die Terrine faſt aus der Hand gefallen, ſo erſchrak er, denn es krachten ſchnell hinter einander ein Paar Pelotonſalven. „O, fürchterlich! o, das iſt gräßlich!“ rief der junge Diener, und ſein Auge blitzte;„nun ſchießen ſie doch wieder auf das arme Volk!“ „Fritz!“ rief der Graf und erhob ſich ſtreng und finſter,„keine demokratiſchen Uußerungen in meiner Gegenwart!“ Fritz ſchwieg, trat aber, den Reſpect vergeſſend, an das Fenſter, ſchaute hinaus, ballte die Fauſt und mur⸗ melte:„Ich gehöre ja doch nun einmal auch dazu!“ —— 182 Während der Graf ſeine Suppe böffelte, blieb Fritz am Fenſter ſtehen und blickte finſteren Auges auf die Straße nieder; plötzlich rief er:„Da kommt der Lippolt!“ Und gleich darauf trat Lippolt, ſein Mitdiener, ein. „Nun, was bringſt Du Neues!“ rief der Graf, und ſein Diener erzählte: „Das Volk wehrt ſich! o, ſie ſchlagen ſich gut!— aber— o, ſie werden ſchon Herr werden! aber zu thun wird's geben!“ „Was? wie? wer? wem?“ fragte, ſtammelte der Graf mit rollenden Augen; und Lippolt, ein alter Soldat, ſagte, nicht ohne Selbſtgefühl: „Nun, das Militär wird Herr, natürlich wer⸗— den wir Herr, aber—— es kann ſcharf her⸗ gehen!“ Der Graf zog ihn bei Seite.„Haſt Du Muth, Lippolt?“ fragte er,„willſt Du mich fortſchaffen aus dieſer verdammten Stadt?“ „Muth—? den habe ich ſchon,— aber fort⸗ ſchaffen kann ich Sie jetzt nicht! Es iſt beſſer, wir bleiben noch ganz ruhig hier,“ erwiderte der Diener; vendie in N 6uf hate h 9 „ in To Dnde „ jiten „ich will nach den Pferden ſehen, es wird wohl e nicht allzulange dauern, vielleicht können wir gegen du Morgen fort!“ ul„Dem Fritz traue ich nicht,“ dachte der Graf, „aber einpacken ſoll er mir helfen.“ nf Und Beide machten ſich eben darüber, das Noth⸗ wendigſte einzupacken, als die Thüre aufflog und ein Mann in einer Blouſe, das Geſicht von Leiden⸗ i ſchaft entſtellt und theilweiſe ſchwarz gefärbt, her— einſtürzte. ulte„Waffen! Deine Waffen!“ rief er, und der ein Graf ſtand regungslos, einer Bildſäule ähnlich; er hatte Hartlinger erkannt. 5 wer⸗ Fritz ſchlich ſich leiſe aus dem Zimmer. her⸗„Arthur!“ rief, als ſie allein waren, der Graf. im Tone verzweiflungsvollen Entſetzens;„Arthur!— uth, Bruder! Du!—“ affen„Deine Waffen!“ rief dieſer mit vor Aufregung zitternder Stimme und griff nach ein Paar Piſtolen. fort⸗ Der Graf hielt ihn krampfhaft am Arme feſt. wir„Nicht von der Stelle!“ ſchrie er angſtvoll auf. 6 Hartlinger blickte ihn wild an. „Willſt Du, Du Selavenſeele, mich abhalten, den Abſolutismus ſtürzen zu helfen? Laß mich!“ Der Graf klammerte ſich nur um ſo feſter an des Bruders Arm.— Da donnerten die Kanonen, praſſelte das Pelotonfeuer. Hartlinger riß ſich ge⸗ waltſam von ihm los und ſtürzte fort. *„Arthur!— Arthur!“ rief der Graf außer ſich ihm nach.— Hartlinger aber flog die Treppe hinab, durch die Hinterthüre in den Hof, von dort auf die Straße und dem Kampfe zu, ohne auf den Angſt⸗ ſchrei des Bruders zu achten. Der Graf war in Verzweiflung, er griff bald nach Dieſem, bald nach Jenem, ohne das Rechte zu finden, um es einzu⸗ packen; dazwiſchen ſagte er beſtändig halblaut vor ſich hin:„Ach Gott, ach Gott! wenn nur Niemand erfährt, daß ſich der Arthur am Kampfe betheiligt hat!“ Fritz aber, in deſſen bleichen Zügen und fieber⸗ haft ſtrahlenden Augen Graf Fels nicht nur Kampf⸗ luſt, nein, auch demokratiſche Mordluſt zu leſen glaubte, wollte er nicht gerne länger in ſeiner Nähe wiſſen. 7 6 „8 nnen nniſe weinen ſinnen ih wei ich ſich bſe Ihen i ſig Und m en„Suche aus der Stadt fort, nach Auenbach zu kommen!“ ſagte er deshalb zu ihm; aber Fritz rief an entrüſtet: un,„Jetzt,— im Augenblicke der Gefahr, ſollte ich ⸗ meinen Herrn verlaſſen?— Nein, Herr Graf, das können Sie mir im Ernſte nicht zumuthen.— Ehe ſich ich weiß, daß Sie ganz in Sicherheit ſind, gehe n, ich nicht von der Stelle; dann aber will ich der fdie Erſte ſein, der der Frau Gräfin Nachricht von ngſt⸗ Ihrem Wohlſein bringt!“ win nach inzu⸗ Die Leichenſchau. tvor nand Die Nacht mit allen ihren Schrecken und Greueln eiligt ging vorüber, der Sonntagmorgen brach an; trüb und umwölkt, ſandte der Himmel einen Regen herab, ieber⸗ der das Blut von der Stirne wuſch und ſich mit mpf⸗ den Thränen Derer miſchte, die unter den fürchter⸗ leſen lich entſtellten Leichen einen nahen Anverwandten Nihe Freund herauszufinden ſich beſtrebten. Graf Fels, in einen Rock ſeines Dieners ge⸗ 186 kleidet, miſchte ſich mit Fritz unter das Volk; er wollte ſelbſt ſehen, was in dieſer fürchterlichen Nacht ſich ereignet habe. So groß war ſeine Neugierde, daß ſie ſelbſt die Furcht übertäubte, die der Graf vor Volksgedränge und Ausbrüchen von Rohheit hatte; er hielt Fritz traulich unter dem Arme gefaßt und ſtrebte dem Schloſſe zu. Oft blieb er jedoch ſtehen, denn ihn ſchreckten die finſtern Geſichter, die bleichen, verzerrten Züge der Volkskämpfer, die mit zerfetzten Kleidern und geſchwärzten Händen die Leichen umſtanden. Plötzlich entſtand ein Gedränge,— eine Menſchenmaſſe drängte den Grafen und ſeinen Be⸗ gleiter zur Seite.—— Es war ein Zug finſterer Geſtalten, die Leichen trugen.— „O, fürchterlich!— wie fürchterlich!“ ſtöhnte der Graf;„komm, Fritz, laß uns fort, ich fühle, daß ich ſchwach werde,— der Ekel!— Komm, Fritz! komm!“ Aber nicht weit hatte Fritz ſeinen Herrn geleitet, ſo mußten ſie wieder ſtehen bleiben, denn ein neuer Zug mit Leichen kam heran;— wieder und wieder egehe A di Grof w munei Gofhr! ſin Di vit der wbei! Unſe hupt ier,— ſnd i Ci dicht foſt in h nelirt Nr B zer Nacht erde, Gruf hheit efußt edoch die e mit die öhnte fühle, om, leitet, neuer vieder 187 begegneten ſie Zügen, und wieder und wieder nahmen Alle die Hüte und Mützen vor ihnen ab. Der Graf wollte ſein Haupt nicht entblößen, doch Fritz raunte ihm zu:„Das muß ſein! Widerſtand bringt Gefahr!“ Und der Graf duldete ſchweigend, daß ſein Diener ihm die Mütze vom Kopfe nahm und mit der ſeinen in der Hand behielt, bis der Zug vorbei war. Endlich aber rief der Graf, ſchon dem Umſinken nahe:„Nein, nun will ich mir mein Haupt nicht mehr enthlößen laſſen,— fort von hier,— ich halte es nicht mehr aus!—“ Und er riß Fritz mit ſich fort.— Ein neues Gedränge ent⸗ ſtand in dieſem Augenblicke,— ſie wurden vor⸗ wärts, ſeitwärts geſchoben und mußten endlich doch wieder ſtehen bleiben und zwar ganz dicht an der Stelle, wo ein neuer Leichenzug vorüberging. Einen Augenblick machte der Zug Halt— und dicht vor dem Grafen, ſo nahe, daß er ſie hätte anfaſſen können, lag eine Leiche—: der Todte war ein kräftiger Mann mit ſchwarzem, etwas weiß— melirtem Haare; eine blaue Blouſe war vorn auf der Bruſt zur Seite geſchoben und eine tiefe, blau⸗ —— 188 umränderte Wunde war dem Auge preisgegeben; am Kopfe hatte er eine Schußwunde. Kaum hatte Fritz einen Blick auf das bleiche, ſchmerzlich verzogene Antlitz geworfen, als er ſeinen Herrn heftiger am Arme ergriff und dann mit den — Augen die Leiche ſtreifte. Der Graf folgte der Weiſung ſeines Auges, und heftig zuſammenfahrend, riß er den Diener fort durch die gedrängte Menge. „Folge mir!— fort!— fort!— nur fort von hier!“ flüſterte er, bleich wie der Todte, der vor * ihnen lag, und drängte,— ſchwankte vorwärts. „Mein Gott, Fritz!— das war...!“ ſtammelte er, als ſie, fern von der Menge aufathmend, an⸗ hielten, und ſtockte wieder. „Ach, mein armer Herr, das war...“ „Still, ſtill!“ unterbrach ihn der Graf,„keinen Namen! dieſe Sache— muß verheimlicht werden!“ Sie ſchritten nun ſchweigend weiter,— aber es kamen wieder Viele dahergegangen, gelaufen, ſie konnten nur langſam vorwärts gelangen. Plötzlich traf ein Jubelton ihr Ohr.— Graf is bein it bli „Dit ndett t nd uſnſ whre zughou jlehd es un berh ſime unr ilu Mme h ſha heſute duulen darauf einen den!“ aber n ſie Gruf 189 Fels bekam neue Kraft, er lief ſchneller vorwärts—; Fritz blieb zurück und fragte, erkundigte ſich. „Die Volksbewaffnung iſt zugeſtanden worden!“ meldete er einige Augenblicke ſpäter dem Grafen.— Und am Nachmittage ſah Graf Fels, am offnen Fenſter ſeiner Wohnung lehnend, wie die mit Ge— wehren geſchmückten Volkskämpfer, die aus dem Zeughauſe Alles erhalten hatten, was ſie begehrten, jubelnd die Straßen durchzogen. Alles Blut, was vergoſſen worden war, ſchien nun vergeſſen, und als die Nacht herniederſank, er⸗ glänzte ganz Berlin im hellſten Scheine; die Stadt war illuminirt!— Der Mond nur, der ſtille Zeuge der gräßlichen Stenen in der vergangenen Nacht, er, der vor we⸗ niger als vierundzwanzig Stunden noch auf ſo man⸗ chen jungen, in der Blüthe ſeiner Jahre ſtehenden Manne herabgelächelt hatte, wie er den letzten Athem⸗ zug that, deſſen entſeelte Hülle noch nicht zur Ruhe beſtattet war, verhüllte trauernd ſein Angeſicht in dunklem Schleier, denn der Schatten der Erde fiel darauf.— 190 An dieſem Abend, als Berlin ſo feſtlich illumi⸗ nirt war, befand ſich Fritz ſchon auf dem Wege nach Auenbach; er ſollte die Gräfin auf die nahe Ankunft ihres Gatten vorbereiten, ihr aber durchaus nichts von dem verrathen, was ſie ſo Gräßliches—(der Graf nannte Hartlinger nicht mehr) zu ſehen, zu erkennen geglaubt hatten. Er ſelbſt aber wollte, um kein Aufſehen zu erregen, erſt Abends in der Dunkel⸗ heit zu Fuße die Stadt verlaſſen.— Aber wie war dies möglich!— es war ja ſonnenhell in den er⸗ leuchteten Straßen, und Graf Fels ſcheute jetzt aus mehr als einem Grunde das Licht.— Endlich, endlich wurde hier und da ein Licht verlöſcht, die Lampen folgten, und endlich, endlich wurde es, wenn auch nicht ſtill, nicht finſter in den Straßen, ſo doch ſo, daß der Graf hoffen durfte, ungeſehen zu entkommen.— „Lippolt, ſorge für Alles, was ich zurücklaſſe, und folge mir mit den Pferden und dem Gepäcke ſo bald als möglich nach!“ ſagte er zu ſeinem Die⸗ ner, hüllte ſich feſt in ſeinen Mantel, drückte eine kleine Mütze, die er ſich von Fritz geliehen hatte, iſf ins ſicht w ſin F die ihn Zuſfi hiz Spanda E Graf al hli ſe blib ſt ſiht, u hie ſchlfiu zu den iten E ſichtſe Und galllu hn onnte 191 mi⸗ tief in's Geſicht und eilte fort. Aber, o Himmel!— nach nicht weit war er gekommen, als ein neuer Schreck uft ſeine Kräfte lähmte. Mehre Leute kamen geſtürzt, icht die ihn aufhielten, und ein Mann, der ihn an der (der Bruſt faßte und leidenſchaftlich ſchüttelte, rief:„Der zu Prinz von Preußen rückt mit dem Militär von um Spandau heran!“ nel⸗ Er ließ ihn wieder los und ſtürzte weiter; der wor Graf aber taumelte ein Paar Schritte vorwärts, er⸗ blieb ſtehen,— eilte wieder zurück,— vorwärts, aus blieb ſtehen,— kehrte noch einmal um, und wußte nicht, was er nun beginnen ſollte. Licht Hier und da flimmerten wieder Lichter auf, dlich ſchlafttunkene Bürger und Frauen ſteckten die Köpfe den zu den Fenſtern heraus.— Da faßte Graf Fels nſ einen Entſchluß, er blieb ſtehen, ſtolz richtete er ſich auf, einen Augenblick ſtrahlte ſein ſonſt mattes, laſt, nichtsſagendes Auge im Feuer der Begeiſterung, vict und— ſich umblickend, rief er, da er allein war, Die⸗ halblaut vor ſich hin:„Es lebe der Prinz von Preußen!—“ Dann aber lief er, ſo ſchnell er konnte, weiter, gelangte glücklich aus der Stadt, hatte, und athmete hoch und frei erſt auf, als er allein und unerkannt durch die ſtille, dunkle Nacht auf einſamer Straße dahinwandeln konnte.— Rückkunft nach Auenbach. Es war am Abend des ſiebzehnten März, als der Wagen, worin die Gräfin und Eglantine ſaßen, durch Auenbach dem Schloſſe zu fuhr. Eglantine bog ſich weit aus dem Fenſter heraus, während die Gräfin ſich feſter in ihren Pelz hüllte und in die Wagenecke drückte, wo Thräne auf Thräne ihren Augen entrann. Eglantine aber athmete in ſtürmi⸗ ſcher Freude, wie gerne wäre ſie aus dem Wagen geſprungen und hätte jeden, den ſie ſah, freudig begrüßt.— Aber die Leute, welche ſie begegneten, grüßten die Herrſchaft nicht freundlich, nicht wie das erſtemal mit lautem Jubel, kaum daß hier und da Einer die Mütze etwas rückte und, ſich abwen⸗ dend, über die Achſel gleichgültig grüßte. Die Meiſten blickten finſter, und hier und da hörte man zuch wo — d haus, d bo Uch un Cylu Unfn, ur weiſ d Bl In fenſ ynhen lich, Sie und oh ſin hau l woll oohl ei un ju hliten. Ole Rſiü welthe Shlni Mein auf als aßen, ntine d die die ihren ürmi⸗ agen eudig neten, wie und wen⸗ Die man 193 auch wohl unfreundliche Worte.— Aber jetzt,— da— da ſtand das kleine, roſenroth angeſtrichene Haus, mit dem Weingelände daran! und da— da bog ſich Anna aus dem Fenſter, ſchwang ein Tuch und lachte und weinte.— Eglantine wollte ihr ein„Gott grüß' Dich!“ zurufen, aber die Stimme verſagte ihr, ſie winkte nur weinend mit der Hand ihr zu und wandte dann den Blick nach der gegenüber gelegenen Pfarrwohnung. Am Fenſter ſtand,— o, ſie täuſchte ſich nicht!— der Pfarrherr, an ſeiner Seite Emilie; Beide waren bleich,— bewegt. Sie bog ſich aus dem Fenſter hinaus, ſie grüßte, und Johannes trat dicht an das Fenſter, er neigte ſein Haupt;— die Augen aber wandte er ſeitwärts, als wollte er ſie nicht anſehen. Dies betrübte ſie wohl einen Augenblick,— aber— die Seligkeit war ja ſo groß,— ſie konnte nicht lange traurig bleiben.— Oben im Schloſſe empfingen ſie die voraus⸗ geſchickten Diener, Miß Leeve und die Kinder, welche eine Stunde früher als ihre Mutter angelangt Eglantine U. 13 4 waren und dieſe nun freudig jubelnd umringten; aber Gräfin Auguſte ſchob ſie zur Seite. „Laßt mich! laßt mich!“ rief ſie verdrießlich und eilte in ihr Zimmer. Dort überließ ſie ſich ihrem Schmerze. Eglantine aber eilte in's Dorf zurück, ſie mußte ihre alte Anna ſehen, ſprechen; von Allem im Dorfe mußte ſie hören. Auf dem Wege zu ihrer Wohnung begegnete ſie Emilien, die ſich ſcheu zu verbergen ſuchte; Eglan⸗ tine aber hatte ſie kaum erblickt, als ſie ihr nach— eilte, ſie in ihre Arme ſchloß, an ihr klopfendes Herz drückte und rief:„Wie geht es?— der Mutter?— Ihrem Bruder?— Ihnen, liebe, gute Emilie?“ Befangen, als ſei ſie auf böſer That ertappt worden, ſtammelte Emilie:„Ich wollte nur einmal hören, wie es Ihnen,— Allen ergangen iſt.“ „Gute Emilie!“ erwiderte die überglückliche Eglantine,„mir iſt es gut gegangen,— aber hier— hier im Dorfe,— wie geht es Allen?“ Emilie blickte unruhig nach dem Schloſſe und ——— im jit Sind Sie Mu di i6! rif git Lagen Ein S Vir ſaben puntt!“ ſur pidert Ehl „Cs wa Mui zu ior wl. A zue Mmal ihr Ame. „ch, ſhechte d Stien, wi ch wie ſiduen N uf— A auch wirde der lißt tingten; drießlich ſi ſih e mßte m Dorfe gnete ſie Eylan⸗ hr nich⸗ opfendes — det ebe, gute ertappt reinmal iſt.“ glicihe — cbet llen?“ loſe und 198 dann zurück, woher die Wagen gekommen waren. „Sind Sie ſchon Alle da?“— fragte ſie. „Nur die Gräfin, Miß Leeve, die Kinder und ich!“ rief Eglantine,„die Herren folgen erſt in acht Tagen nach.“ Ein Seufzer rang ſich aus Emiliens Bruſt. „Wir haben Sie nicht ſo früh, erſt im Mai, er⸗ wartet!“ ſagte ſie, und raſcher vorwärts eilend, er⸗ widerte Eglantine: „Es war auch der Plan der Herrſchaft, erſt im Mai zu kommen, es iſt aber anders geworden, weil... Aber da kommt ja Anna,— meine alte, gute Anna!“ Und ſie flog der Alten entgegen, in ihre Arme. „Ach, mein Fräulein! mein ſchönes Fräulein!“ ſchluchzte dieſe und betrachtete Eglantine von allen Seiten, während ſich Emilie unbemerkt davonſchlich. „Ach, wie ſchön! der tauſend wie ſchön! und einen ſeidnen Mantel haben Sie nun, und einen Roſahut auf!— Ach! und die ſchönen rothen Bäckchen ſind auch wieder mitgekommen!!“ Und wieder und wie⸗ der küßte und herzte ſie die Heimgekehrte. 13* 196 Beide eilten nun zurück in das kleine Haus, welches Eglantine ihr Eigenthum, ihr liebes, theures Eigenthum nannte. Dort warf ſie Hut und Mantel mit einer raſchen Bewegung von ſich und ſich ſelbſt in ihrer ſeligen Tante Sorgenſtuhl, und während Anna reſpectvoll den ſchönen Hut, den prächtigen Mantel aufhob und ſorgfältig auf den Tiſch legte, rief ſie, ungeduldig in die Hände ſchlagend:„Nun erzähle,— erzähle mir, Anna!— Ach!— ach, wie iſt mir wohl!— hier in reiner, freier Luft, und da— da kommt ja auch mein alter, trauter Freund, der Mond, und guckt wie ſonſt zu mir in's Fenſter herein!“ Sie ſtand wieder auf, trat an's Fenſter, breitete ihre Arme nach dem Monde aus und rief:„Sei mir gegrüßt, du treuer, freundlicher Gefährte meiner ſeligen Kinderträume!“ Dann ſchnell ſich wendend, fiel ſie noch einmal Anna um den Hals und küßte die beſtürzte Alte, die ſich dies jetzt nicht vermuthet hatte, mit den Worten:„Alte, gute, herzige Anna, ich könnte Dich umbringen, ſo lieb habe ich Dich!“ „Na, tſu!“ ni ſch die Au ſimn s do— da d un vift⸗ Niſor het us Berlin Nforl— oſt wit er Ihnen abe z ewos fuh deribe na Got Guten führ Cyhntin is an da ſicht, die ſichtet; Rhng es Ing 197 ehns,„Na, na, warum nicht gar, das wäre noch un veſſer!“ rief Anna, ſich böſe ſtellend, und wiſchte 4 Am ſich die Augen mit der Schürze, dann fügte ſie ih ſehſ hinzu:„Es wird ſich auch noch Jemand ſehr freuen,— während da— da drüben!— Ja, wenn das Eglantinchen ichign nur wüßte, was ich weiß! na,— na!— Der Herr legt, Paſtor hat oft genug gefragt: Was für Nachrichten n aus Berlin?— und ich ſagte immer: Gute, Herr — ach, Paſtor!— wenn's auch nicht wahr war, denn ſo 4 ier Auft, oft wie er fragte, bekam ich keine Nachrichten von P trauter Ihnen, aber ich konnte es nicht über das Herz bein⸗ 4 mir ins gen, etwas Anderes zu ſagen. Er war auch immer froh darüber und ſagte: Freut mich, gute Jungfer „brritete Anna! Gott ſegne des Fräuleins Weg, daß er zum 3 f Sti Guten führe!“—— te meiner Der Mond ſtand ſchon hoch am Himmel, als Eglantine ihre ſtille Wohnung verließ und von Anna 1 h einnal bis an das Schloß begleitet, die Gräfin wieder auf⸗ zte Alt, ſuchte, die ſie noch immer in Thränen zu finden mit den fürchtete; das war auch der Fall, und nur mit Mühe 3 inte Dich gelang es ihr, ſie zu beruhigen. 4 Tags darauf, es war am achtzehnten März, be⸗ gab ſich Eglantine in die Wohnung des Pfarr⸗ herrn.— Es war ein Sonnabend, und Johannes ſaß an ſeinem einfachen, altväteriſchen Bureau und arbeitete die Predigt aus, die er Sonntag zu halten gedachte. Die Märzſonne ſandte dann und wann ihre freundlichen Strahlen durch das Fenſter in das kleine, ländliche Gemach und umſtrahlte das Haupt des in ſeine Arbeit vertieften Johannes mit einem Glorien⸗ ſchein. Vor ihm ſtanden, in einem Glaſe Waſſer, Schneeglöckchen, Veilchen und andere Erſtlinge des Frühlings. Da ging die Thüre im Nebenzimmer auf, er wandte den Kopf und—, war es Traum oder Wirklichkeit, daß Eglantine, jetzt die Stube durchſchreitend, ſich ihm nahte? Mit einem Laut der überraſchung ſprang er aufz ſie trat ihm freund⸗ lich, ohne Befangenheit, und herzlich ihm die Hand bietend, entgegen. „Mein Fräulein— Eglantine!“ rief der Geiſt⸗ liche und preßte ihre Hand, während ſein Auge das ihre ſuchte und fand.— „Ja, da bin ich wieder!“ rief ſie, leicht er⸗ ihend, i mi n ib mu im i üennt bmin Nn, Phennes, Ugn, die Giſlchen id ihe S „l, k Chmtne, nd ihe 5 „Li pf ſticnl“n Cglmntin R, j, 7 ſe fut, d tend;„ich na, damg Ffurt⸗ ohannez kau und u halten nn ihre kleine, t des in Glorien⸗ inge des nzimmer Trm e Stbe em Laut freund⸗ ie Hand er Geiſ⸗ in Auge leicht er⸗ röthend, und erwiderte herzlich Johannes' Hände⸗ druck;„da bin ich wieder, und ſo Gott will, bleibe ich nun immer hier!“ „Hier?— hier bei uns?“ rief Johannes freu⸗ dig überraſcht. Eglantine neigte bejahend ihr Haupt. „Nun, Gott ſegne Sie! Gott ſegne Sie!“ rief Johannes, und helle Thränen erglänzten in ſeinen Augen, die er liebevoll auf Eglantine ruhen ließ. „Iſt's denn wahr? iſt ſie da?“ rief jetzt des Geiſtlichen Mutter und eilte, ſo ſchnell es ihr Alter und ihre Schwäche erlaubten, herbei. „Ja, es iſt wahr, gute Mutter!“ erwiderte Eglantine, ſich zu der alten Frau herabbeugend und ihre Hand küſſend. „Ei pfui doch, pfui doch! das würde ſich eben ſchicken!“ rief die Alte und zog ihre Hand hinweg; „Eglantinchen, ein ſo vornehmes, ſchönes Fräulein!— Ja, ja, der Menſch denkt und Gott lenkt!“ fuhr ſie fort, des Mädchens Hand in der ihrigen behal⸗ tend;„ich habe ſonſt oft mein Plänchen gemacht,— na, damals waren noch andere Zeiten;— jetzt —— 200 aber ſind Sie ein vornehmes Fräulein geworden, und mein Sohn....“ „Liebe Mutter, ich will Emilien rufen!“ unter⸗ brach ſie Johannes, der wie auf Kohlen geſtanden hatte, und eilte fort; Eglantine aber horchte lächelnd auf das, was des Pfarrherrn Mutter ſagte.— Die alte Frau konnte jedoch, da ſie unterbrochen worden war, den Faden ihrer Rede nicht wieder finden und fragte nur noch nach einigen Menſchen, die ſie in ihrer Jugend, als ſie einmal in Berlin geweſen war, dort gekannt hatte. „Die Frau Hofräthin Weiler haben Sie gewiß geſehen, ſie hat eine hübſche Tochter, Marie, die in meinem Alter iſt!— Ei, wie haben wir zu⸗ ſammen gelacht!— Und der junge Bertoldt, er wollte Marie gar zu gern heirathen,— wenn er nur erſt eine Pfarre hätte!— Aber was ſchwatze ich denn da, das müſſen ja jetzt auch ſchon längſt alte Leute ſein!— Ja,— ja, man verwechſelt ſo leicht die Zeiten,— die— das— das Alter, wenn man alt wird!“— Und gleich darauf fragte ſie wieder:„Die Marie Lile hil ni icht pirthen Dilſer uid ihrs jn min gbt, wa is nit! ſhlich n ſithend ſi Veng il Iohan ſih nit in Perli As j tuſund, ſuzte e A den An tingezg diſen! m, wrden, Weiler haben Sie doch wohl gekannt? Können Sie mir nicht ſagen, ob ſie noch den jungen Bertoldt ut heirathen wird?“ heſunden Dieſer Unterhaltung machte Emiliens Erſcheinen 4 lihen und ihres Bruders Rückkehr ein Ende, und Eglan⸗ tine mußte nun erzählen, wie ſie den Winter über ethrochen gelebt, was ſie Alles geſehen, gehört hatte; ſie that ſt wieder dies mit Freuden, wenn ſie auch dann und wann Nenſhen, plötzlich mitten in ihrer Erzählung inne hielt, er⸗ Berlin röthend ſchwieg und abbrechend zu einem neuen Thema überging. ie geviß Johannes fragte nach Hartlinger und erkundigte rie, die ſich mit beſonderem Intereſſe nach der Stimmung wir ⸗ in Berlin. 4 oldt, er Als ihm Eglantine, ſo gut ſie es vermochte und wenn er verſtand, über das Letztere Auskunft gegeben hatte, ſchwatze ſeufzte er: 4 on lingſt„Ach, leider auch hier bei uns,— hier auf echſelt ſo dem Lande, iſt jetzt ein Geiſt der Unzufriedenheit s Alter,* eingezogen; ich habe viel zu kämpfen gehabt mit 3 dieſem böſen Feinde, der ſich meiner ſonſt ſo from⸗. men, zufriedenen Gemeinde bemächtigt hatte,— ie Marie 202 aber, Gott ſei Dank! bei Vielen ſchon iſt es mir gelungen, den böſen Samen, welchen ſchlechte Menſchen geſtreut hatten, wieder auszurotten; hoffent⸗ lich kehren bald Alle zur Ruhe, zum Guten, zum Glücke zurück!—“ Zu ſchnell für Eglantine verfloß die Zeit, und ehe ſie es ſelbſt glaubte, war die Stunde gekommen, in welcher ſie ſich zur Gräfin begeben mußte. Johannes und Emilie begleiteten ſie bis an das Schloßthor, und dort trennte ſich der Geiſtliche von der erröthenden Eglantine mit der frohen Hoffnung in ſeinem leuchtenden Blicke, die lange ſchon Still— geliebte bald wieder zu ſehen, zu ſprechen.— Der neunzehnte März in Auenbach. Welche Gefühle bewegten Eglantine, als ſie am Morgen des neunzehnten März zum erſtenmale wie⸗ der in ihrer lieben, kleinen Dorftirche, jetzt freilich in der herrſchaftlichen Capelle, dem Gottesdienſte beiwohnte, und wie feurig, wie begeiſtert tönten ʒrhnn Nanchen Anng, oon ihem thrt und ge zenſhfit Aber ni icten muf ls ſie das un ſie he liches Vill zuch gleich iches Wo gige heit Fülein ſ nichend, ſohütſch, herorzutr Bomec h Dann den ſie Grabhig is nir ſchlecht hofent⸗ en, zun ith und kommen, t. an das iche von ofnung n Stil⸗ ch. ſie am ale wie⸗ freilich sdienſte tönten Johannes' Worte von der Kanzel und ſchreckten Manchen aus ſtumpfſinnigem Brüten auf.— Anna, gar herrlich geſchmückt, wandte kein Auge von ihrem Fräulein; die gute Alte fühlte ſich ge— ehrt und geſchmeichelt, daß ihre Eglantine in dem herrſchaftlichen Betſtübchen ſaß. Aber nicht ſie allein, auch Viele aus dem Dorfe blickten auf Eglantine mit Stolz und Freude, und als ſie das Gotteshaus verließ, drängte man ſich um ſie herum, ein Jeder wollte ihr ein freund⸗ liches Willkommen zurufen; gegen Alle war ſie aber auch gleich freundlich, für Jeden hatte ſie ein herz⸗ liches Wort, und der reichen Pächterin Wippert Züge heiterten ſich auf, als das ſchöne, geputzte Fräulein ſie nicht überſah, ſondern, ihr die Hand reichend, fragte:„Und wo iſt Caroline? iſt ſie noch ſo hübſch, wie ſonſt?“ Und dieſe wagte nun auch hervorzutreten und wurde von dem Fräulein von Borneck herzlich umarmt. Dann aber enteilte Eglantine, freundlich grüßend, den ſie umringenden Menſchen und flog an den Grabhügel ihrer Tante.— Und ſiehe da, der Hügel 20 4 war mit den erſten Blumen des neuen Jahres ge⸗ ſchmückt, und am Kreuz, woran die wilde Roſe ſich lehnte, hing ein friſcher, voller Kranz von Schnee⸗ glöckchen. „Das habe ich gethan, und noch Jemand hat mir geholfen,— die Blumen dazu gegeben!“ erwi⸗ derte Anna, die ihrem Fräulein gefolgt war, auf Eglantinens fragenden Blick.„Ja, ja, der Herr Paſtor iſt ſchon heute ganz früh bei mir geweſen und hat mir die Blumen gebracht, die er geſtern Nachmittag aus dem Walde geholt hat!— Iſt das Grab nicht recht hübſch?“ fügte ſie ſelbſtgefällig hinzu. Eglantine konnte nicht antworten, ſie drückte nur gerührt der treuen, alten Dienerin Hand.— Die Gräfin war gerade beim Frühſtück, als Eglantine aus der Kirche kam und, noch in ganz weicher Stimmung, bei ihr eintrat. „Nun, war die Predigt gut?“ rief ſie dem be⸗ wegten Mädchen entgegen. „Ach ja, gnädige Gräfin!“ erwiderte Eglantine, „Sie ſollten doch auch einmal unſern Paſtor predi⸗ gen hören!“ Wenn ſut in de ſhlürſt ihr uch gar ſu ſun ſolch e „Neues ügntin, j mr die Puhtheit „Sie ſt ſigte die G zuch wiede Sie haben indert ſeit ich mir au „Nun? „Wenn Republit! ichtſchu — lizte Han nin zu 9 n ſ„Wenn es wärmer wird, jetzt iſt es noch ſo ſoe ſch kalt in der Kirche!“ erwiderte die Gräfin und Schnu⸗ ſchlürfte ihre Chocolade;„die Kirche fängt hier aber auch gar zu früh an, und dann,— viel Neues und hat kann ſolch ein Dorfgeiſtlicher mir auch nicht ſagen!“ ewi⸗„Neues ſoll er auch nicht ſagen!“ erwiderte ar, auf Eglantine, ſich neben die Gräfin ſetzend,„er ſoll der Hert ja nur die alte, ſeit Chriſtus erkannte, feſtſtehende geweſen Wahrheit verkündigen und in uns befeſtigen!“ 3 geſtem„Sie ſprechen wie ein Buch, liebe Eglantine!“ Iſt das ſagte die Gräfin,„aber Sie haben gewiß diesmal ig hinz. auch wieder Recht, wie immer!— überhaupt,— drücke Sie haben ſich doch ſehr zu Ihrem Vortheile ver⸗ nd.— ändert, ſeit Sie bei mir ſind!— Wiſſen Sie, was ick, als ich mir ausgedacht habe?“ in ganz„Nun?“ fragte lächelnd das Fräulein. „Wenn ich ganz— verarme,— wenn wir die 1 dem be⸗ Republik bekommen ſollten,— ſo richte ich eine Töchterſchule für Mädchen aus höhern Ständen ₰ glantine, ein,— ſo um,— verſtehen Sie,— ſo um die n predi⸗ letzte Hand anzulegen: ihnen Welt, Anſtand, Tour⸗ nüre zu geben!“ „Das wäre ſehr verdienſtvoll!“ ſcherzte Eglan⸗ tine,„und die kleinen Republikanerinnen könnten ſich Glück wünſchen zu einer ſolchen Lehrerin; aber hätten Sie nicht Luſt, einſtweilen Vorſtudien zu dieſem Unternehmen zu machen?“ „Wie ſo?“ fragte die Gräfin, und Eglantine fuhr fort: „Wenn Sie nun bei Ihren Kindern an⸗ finen „Sie ſind zu klein!“ unterbrach ſie die Gräfin; aber Eglantine entgegnete: „O, welches Vertrauen würde es geben, wenn Ihre Kinder, ſo klein, ſo jung, ſchon Erwachſenen als Vorbild dienen könnten! Ich gebe zu, daß nicht viel durch Ermahnungen, durch Strenge bei Kindern auszurichten iſt, allein durch Beiſpiel—; oft in Ihrer Nähe zu ſein, gnädige Gräfin, würde Ihren Kindern Alles ſpielend lehren; ſie würden Ihren Gang, Ihr Weſen, Ihren Anſtand annehmen, turz,— es würde werden,— wie Sie meinen, daß es mit mir geworden iſt!“ Die Gräfin blickte Eglantine eine Weile lang nideniind nhr un di hiöher, n,— Lude!— ſund dann ud cb und nfn Sie iln dieſe, nit Riß Le ginder ger gichnet Papier unt „Sther ſir entſchi Cglantine „Hier, dieſ hute— iſ „Den ihren klein das Belen onn her Cylan⸗ önnten in; aber dien zu Llantine ern an⸗ Grifin; n, wenn vachſenen daß nicht Kindern ;oſt in de Ihren n Ihren nnehmen, meinen, ile lang — nachdenkend an, dann ſagte ſie:„Ich werde mich mehr um die Erziehung meiner Kinder bekümmern, als bisher,— ich werde ſie ſehr viel um mich ha⸗ ben,— das iſt auch ein passe-tems auf dem Lande!— nicht wahr?“ fügte ſie ſeufzend hinzu, ſtand dann auf, ging ein paarmal im Zimmer auf und ab und ſagte endlich:„Ach, liebe Eglantine, rufen Sie mir doch meine Kinder her!“ Und ſchnell eilte dieſe, den Befehl zu erfüllen, kehrte auch bald mit Miß Leeve und den Kleinen zurück; und da die Kinder gerade ohne Anweiſung, nur zum Vergnügen gezeichnet hatten, brachte ſie auch einige Bogen Papier und Bleiſtifte mit. „Sehen Sie, gnädige Gräfin, was die Kinder für entſchiedenes Talent zum Zeichnen haben!“ rief Eglantine und reichte der Gräfin die Zeichnungen hin. „Hier, dieſer Mann mit der Peitſche und dem Treſſen—⸗ hute,— iſt es nicht Lippolt, des Grafen Kutſcher?“ „Den haſt Du gezeichnet?“ fragte die Gräfin ihren kleinen Sohn, in deſſen leuchtenden Augen ſie das Bekenntniß las, noch ehe er es bejahte.„Nun komm her, zeichne noch mehr!“ Mit ehrgeizigem Eifer ergriff der kleine Künſtler Papier und Bleiſtift; ſeine Schweſtern wollten nicht zurückbleiben, auch ſie zeichneten nun, und Häuſer, Bäume, Schäfchen, Körbchen und Pferde, kurz, lauter Lieblingsgegenſtände der Kinder entſtanden in faſt unglaublicher Geſchwindigkeit auf dem Pa⸗ piere; zuletzt zeichnete auch die Gräfin mit und amü⸗ ſirte ſich dabei ſo gut, daß ihr der Vormittag im Fluge verging und ſie ganz erſtaunt aufblickte, als die Kinder zum Mittagstiſche gerufen wurden. „Es war ganz amüſant heute!“ ſagte ſie, als ſie mit Eglantine allein war,„wie die Kinder ſich freuten über meine Zeichnungen!— Ach, es iſt doch recht glücklich, ſich ſo freuen zu können, und noch dazu über ſo Wenig!—“ Und als der Abend kam, ſtieg der Mond ſo ſchön, ſo dunkelgolden auf, daß Eglantine die Gräfin an's Fenſter rief; Miß Leeve war auch im Zimmer und rief:„Wir haben heute eine Mondfinſterniß!“ und die Gräfin fragte:„Mondfinſterniß? was iſt das eigentlich? Ich erinnere mich wohl, es gelernt zu haben, ich habe es aber vergeſſen!“ Cylonin in Nondi u ßrechn u ſe fi O, vi Chlntin, ich ſche wol Als Bei dir Nondſc ! virllich ein hweinſchieb Schatten v ſie,— w wir ſthen! „J, ine, und „Duß iſ aher ſuditen, wiben!— lnd Cglunine Fünſler ten nicht hünſer, N, iun, ſtunden dem Pa⸗ ud ami⸗ itng in te, alz en. ſie, alz nder ſich es iſt n, und Nond ſo eGrifin Zimmer teriß!“ was iſt grlernt Eglantine erklärte ihr nach beſten Kräften, was eine Mondfinſterniß ſei, kam dann auf die Sterne zu ſprechen und wiederholte der lauſchenden Gräfin, was ſie früher von Johannes darüber gehört hatte. „O, wie intereſſant!“ rief die Gräfin;„liebe Eglantine, Sie müſſen oft ſolche Dinge erzählen; ich ſehe wohl, ich weiß eigentlich gar nicht viel!“— Als Beide noch ſo am Fenſter ſtanden, nahm die Mondſcheibe plötzlich eine andere Form an. „O!— o!—“ rief die Gräfin jetzt,„ich ſehe wirklich eine runde ſchwarze Kugel ſich in den Mond hereinſchieben,— und das— das iſt wirklich der Schatten von unſerer Erde,— von dieſer Erde hier,— worauf Berlin, Auenbach,— das Schloß, wir ſtehen?“ „Ja, ja, ſo iſt es wirklich!“ verſicherte Eglan⸗ tine, und die Gräfin rief: „Daß ich auch ſo Etwas nicht früher wußte,— es iſt aber gut,— ich werde nun dies Alles nach— ſtudiren, das ſoll mir die Zeit auf dem Lande ver⸗ treiben!—“ Und nach einer Pauſe fügte ſie hinzu:„Ich Eglantine H. 14 — 21¹⁰ glaube, liebe Eglantine, wir werden uns hier auf dem Lande ganz gut unterhalten!—“ „Ich glaube es auch!“ rief mit freudiger Sicher⸗ heit Eglantine.— Ein Nachtſtück. Aber noch ein Paar andere Augen waren um dieſe Zeit fragend, forſchend nach der ſich immer mehr und mehr verdunkelnden Mondſcheibe gerichtet.— Es war Emilie, die vor der Thüre ihrer Wohnung ſtand und ihre großen, dunklen Augen ſo ſeltſam ausdrucksvoll zum Himmel richtete.— Je ſichtbarer der Schatten der Erde im Monde wurde und ſein ſanftes Licht verdüſterte, je finſterer wurde ihr Blick; endlich brach ſie in die Worte aus:„Muß ich Dich auch dort noch wiederfinden, dort, wo mein Licht, meine Hoffnung leuchtet! Drängt ſich Dein Schat⸗ ten, verhaßte Erde, auf der ich als verunſtaltetes Geſchöpf umherwandeln muß, auch dort hin, um als Geſpenſt, als Schreckensgeſtalt mich auch von dort zu Schatten nich dr in Au Lan mlich 09— eine in einem fußt En ſir mie nir ve Sir wi Da benuch Scheit Er nicht, o gli wri hier auf aren um heimner ichtet.— Bohnung ſeltſam ichtbarer und ſein hr Blic; ich Dich in Licht, Schat⸗ ſtaltetes in, um uch von 2 dort zu vertreiben?— Was willſt Du, dunkler Schatten, der Du Dich zwiſchen meine Liebe und mich drängſt?— fort!— fort!“ Und ſie bedeckte ihre Augen mit der Hand.— Lange, lange ſtand ſie ſo da,— und als ſie endlich ihre Hand von ihren Augen wieder hinweg⸗ zog,— war es dunkel um ſie her; der Mond hing, eine in Trauerflor gehüllte Scheibe, die nur von einem ſchmalen Lichtrande an der einen Seite ein⸗ gefaßt war, in dem dunklen Himmel. Emilie ſtöhnte:„Nacht! Nacht! immer nur Nacht für mich!— Ach, wenn ſich auch der Mond vor mir verbirgt, was bleibt mir dann noch übrig?“— Sie weinte.— Da trat ihr Bruder aus dem Hauſe. „Haſt Du Dir auch die herrliche Mondfinſterniß betrachtet?“ fragte er freundlich und ſchauts die dunkle Scheibe am düſtern Nachthimmel an. Er war ſo heiter, ſein Auge ſtrahlte, wie lange nicht, ſo froh, ſo glücklich. Emilie wußte, was ihn ſo glücklich und heiter ſtimmte. Sie, die er liebte, war ihm ſo nah,— und ſie— ſie ſtand einſam, 14* 6 212 traurig und— vergeſſen allein!— Eine unbeſchreib⸗ liche Bitterkeit, Neid, regte ſich in ihrer mühſam, ſchwer athmenden Bruſt. Johannes lehnte ſich Emi⸗ lien gegenüber, wie es einſt Hartlinger gethan hatte, in die Hausthüre und betrachtete den Mond, dann wandte er ſich zur Schweſter. „Wenn man bedenkt, daß die Millionen Ge⸗ ſtirne Millionen Welten ſind und alle auch von fühlenden Weſen bewohnt, wie unſere Erde,— o, wie klein, wie klein kommt man ſich da ſelber vor mit all ſeinen Schmerzen und Freuden!— und doch, zu wiſſen, daß unſer himmliſcher Vater auch meine Schmerzen kennt, auch meine Freuden für mich ins Leben ruft, o, welch eine Beruhigung, welch himmliſcher Friede durchdringt da meine Seele!“ „Du ſcheinſt heute ſehr zufrieden mit dem Maße von Freuden, das Dir zuertheilt worden iſt!“ höhnte Emilie;„ich kann dies von mir nicht ſagen!— Nicht genug, daß mir auf der Erde nur ein Genuß, nur eine Freude gewährt iſt, aber auch dieſe Freude, dieſer Genuß muß mir noch verbittert, verdunkelt werden!“ „ „Von du ſimnn rachten; „Du it e1 Nend z au himn in— ſir mein heue, ſhne, nnte, Lid,! ziſchen Ruhnt Eiſtn höhnte, nachen ſt lu hihlic Weil i den für ig, welch eele!“ n Maße höhnte gen!— Genuß, Freude, dunkelt „Von welcher Freude, welchem Genuſſe ſprichſt Du, Schweſter?“ fragte Johannes, in deſſen Seelen⸗ ſtimmung Emiliens Worte einen grellen Mißton brachten; Emilie aber fuhr fort: „Du weißt ja, daß ſeit meiner früheſten Kind⸗ heit es mein höchſtes, einziges Glück war, in den Mond zu blicken,— warum ſtand er nicht immer am Himmel?— weshalb ſah ich ihn nur ſo ſel⸗ ten?— war denn dieſes Glück zu groß für mich? für mein armes, freudloſes Daſein?— Und nun— heute, heute, wo ich mich nach ſeinem Anblicke ſehne, wo er am Himmel iſt, wo er mir ſtrahlen könnte, drängt die verhaßte Erde, auf der ich nur Leid, keine Freude erfahren habe, ihren Schatten zwiſchen mich und ihn!— Was will ſie? woran mahnt ſie mich?— an mein Leiden, an meine Exiſtenz?— wie kann ich, die von der Natur Ver⸗ höhnte, Verunſtaltete auch Anſpruch auf Glück machen! es iſt lächerlich, höchſt lächerlich!“ Und ſie lachte wild auf.„Was willſt Du von mir, Du häßliches Mädchen! ruft mir der Mond heute zu; weil ich aber von ihm nicht laſſen kann, weil meine ———— 214 Blicke ſich fort und fort zu ihm wenden, verfinſtert er ſein Angeſicht!— O, auch er will mich nicht mehr ſehen,— nichts mehr von mir wiſſen!— Bruder, Bruder, ich bin ſehr unglücklich!—“ Johannes faßte, tief ergriffen, ihre Hand. „Liebe Emilie!“ ſagte er; ſie aber zog ſchnell ihre Hand aus der ſeinen. „Glaubſt Du auch, daß wir— nach dem Tode, wenn wir dort auferſtehen,— auch dieſelbe Geſtalt wieder annehmen müſſen, die wir hier auf der Erde hatten?“ fragte ſie mit bebender Stimme. Johannes ſchwieg befangen, er wußte auf dieſe Frage keine Antwort zu geben, wenigſtens nicht ſo⸗ gleich. Emilie ſtieß ein kurzes Lachen aus.„Das wäre eine Unſterblichkeit, eine ewige Seligkeit für mich, wenn ich von Stern zu Stern in dieſer Geſtalt umherwandeln müßte!“ „Du denkſt zu irdiſch, Emilie!“ verwies ſie Jo⸗ hannes,„Du faßt das große Wort, die Verheißung einer ewigen Seligkeit, nicht!— O, Emilie, wie kannſt Du glauben, daß nicht auch für Dich eine ſhon g inr an iſen, Aher a ſer daß hus Hinn noch d nſen mich nicht wiſen— ue Hand. chnell ihre dem Tode, lbe Geſtalt f der Erde auf dieſe nicht ſo⸗ Das wire für nich, er Grſtalt es ſie Jo⸗ zetheifung nilie, wie Dich eine Erlöſung von Deiner irdiſchen Qual zu hoffen ſteht—? Trage Dein Schickſal mit Geduld, mit Ergebung, und Du wirſt Frieden, ſeligen Frieden finden!“ „Finden?— wo?— wo?— auf welchem Stern?“ fragte Emilie;„ach früher, da ſehnte ich mich, dort oben auf dem Monde zu leben, dort, glaubte ich, würde ich ſchöner,— beſſer auferſtehen,— als hier!— Aber jetzt,— ach, auf dem Monde liegt der Schatten der Erde....“ „In meines Vaters Hauſe ſind viele Wohnungen! ſagte Jeſus,“ rief Johannes,„und wir wiſſen, daß ſchon auf dem uns nächſten Geſtirne, dem Mond, eine andere Einrichtung getroffen iſt;— wer kann wiſſen, ob und wie Du dort auferſtehen wirſt!— Aber auferſtehen wirſt Du!— Denn wir wiſſen, ſo unſer irdiſches Haus, dieſe Hütte gebrochen wird, daß wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig iſt im Himmel! Und über demſelbigen ſehnel wir uns auch nach unſerer Behauſung, die vom Himmel iſt.— DO, wie wenig ſieht mein Auge von dem unermeß⸗ — lichen Reiche Gottes, aber was wir ſehen, Emilie, füllt es unſer Herz nicht mit unendlichem Vertrauen auf den Schöpfer und Regierer dieſes unendlichen Weltballs?“ Emilie ſchüttelte nur traurig den Kopf.„Mir fehlt das Vertrauen,“ ſeufzte ſie,„der Glaube, des⸗ halb bin ich ſo unglücklich!“ „Ja, wenn Dir der Glaube fehlt, dann biſt Du elend, grenzenlos unglücklich, armes, beklagens⸗ werthes Mädchen!“ rief der Geiſtliche;—„aber Gottes Gnade iſt unendlich, wie ſeine Liebe, er wird auch Deinem verfinſterten Gemüth ein Licht, einen Strahl des göttlichen Lichtes ſenden!“ Und Johannes widmete wieder ſeine ganze Auf⸗ merkſamkeit der Mondfinſterniß, Emilie ihren Ge⸗ danken überlaſſend. Dieſe ſchlich ſich fort, ohne daß der Bruder es gewahrte.— Sie ging durch's Dorf in's Freie, auf der Straße hin, die von Berlin nach Auenbach führte;— ihr ſehnſüchtiger Blick ſchien durch die ſie umgebende Dunkelheit meilenweit dringen zu wollen.„Arthur!“ ſeußzte ſie, und plötz⸗ lich fühlte ſie ſich von einer Angſt, von einer Be⸗ ſehmung ſalen,. wriber ſu ſchoſt in Vii ſinten, pll uf ſen Di blei die dunft aber di ſin Da war drauf ſt ſich füfer ſt ſchl Unſ Wor. dertrauen nenblichen aube, des⸗ dann biſ beklagens⸗ —„aber Liebe, er ein Lich, anze Aß⸗ hren Ge⸗ rt, ohne 9 durchs n Berlin ger Blick teilenweit nd plöt⸗ iner Be⸗ 6 klemmung erfaßt, ihr war, als glitten ſchwarze Ge— ſtalten, Geiſtern gleich, wie Nachtgeſpenſter an ihr vorüber und kamen dann wieder nahe und näher, ſie ſchloſſen einen Kreis um ſie, ſie tanzten in wil— den Weiſen um ſie herum, bald ſchienen ſie ihr zu— zuwinken, bald flohen ſie wieder ſcheu vor ihr her; als plötzlich durch die dunklen Schatten eine Geſtalt auf ſie zuſchritt,— eine theure, liebe Geſtalt!— Das bleiche Antlitz ſah noch bleicher aus als ſonſt, die dunklen Augen ſtrahlten wie ein Paar Sterne, aber das Haar hing ſchlaff herab und Blitze zuckten um ſein Haupt.— Enmilie ſtieß einen Schrei aus. Da war ihr, als weiſe die Geſtalt nach Oben,— mit der andern Hand aber bedeckte ſie eine breite, klaffende Wunde in der Bruſt,— doch Emilie ſah die Wunde, ſah, wie das Blut aus ihr hervorrann, und mit einem Schrei der Verzweiflung ſtürzte ſie darauf zu.— Sie lag am Boden, die Geſtalt, die ſie ſuchte, war verſchwunden,— Alles ſtill, Alles finſter um ſie her.— Da ſchwanden ihr die Sinne, ſie ſchloß die Augen und glaubte, hoffte zu ſterben.— Aber ſie erwachte; vielleicht hatte ſie lange, lange ſo auf der einſamen Straße gelegen, denn der Schat⸗ ten der Erde auf dem Monde war verſchwunden, dieſer ſtrahlte hell und freundlich auf ſie herab—. Sie fröſtelte, ihre Glieder zitterten, der Mond ver⸗ mochte ſie nicht zu erwärmen mit ſeinem milden, matten Scheine. Sie verſuchte, ſich aufzurichten, vorwärts zu ſchreiten; es gelang ihr nur mit Mühe, das Dorf zu erreichen.— Ihre Wohnung fand ſie verſchloſſen.„Man hat mich nicht vermißt!“ ſeufzte ſie,„wer ſollte es auch!— Die Mutter ſchläft,— was fragt ſie danach, ob ihre Tochter wacht, leidend wacht!— und Johannes—? der träumt wohl von ſeiner Eglantine, er träumt ſich eine Seligkeit ſchon hier, er erwartet eine Seligkeit auch dort,— aber ich— ich?—“ Sie ſchlich ſich in den Garten, in die Laube, wo ſie Hartlinger' Bekanntſchaft gemacht hatte und wo ſie ſpäter ſo oft an ſeiner Seite geſeſſen, ſich mit ihm über ſeine kühnen Pläne, ſeine Hoffnungen und Erwartungen für Deutſchlands Zukunft unter⸗ halten hatte.— 0 Die*. g den 6 ſ ſeſer oſchk nn ſn Pohnung Sie cht Unigſn S0 Morgem ſcherzen ſden e ic ihn Seh herbeizie elle ſt ihliche Pagn und do nicht lo Arthur der Schat ſchwunder, herab ₰ Mond ver⸗ em nilden, ifurichten, nit Mihe, Man e ſollte es fragt ſt wacht!— von ſeiner ſchon hier, her ich— die Laube, hatte und ſeſſen, ſich offnungen uft unter⸗ 219 Die Laube war kahl, noch kein grünes Blättchen an dem Gitterwerk,— aber ein Dach war dar⸗ auf.— Sie drückte ſich in die eine Ecke, hüllte ſich feſter in ihren Mantel ein und rief halblaut vor ſich hin, indem ſie ihres Bruders Ton nachzu— ahmen ſtrebte:„In meines Vaters Hauſe ſind viele Wohnungen, weshalb ſoll mir nicht dieſe genügen!“ Sie lachte.„Unter Dach und Fach bin ich zum Wenigſten!“ rief ſie und kauerte ſich fröſtelnd zuſammen. So verbrachte ſie die Nacht, bis in Oſten das Morgenroth ſich zeigte; da fuhr ſie empor, und mit ſchmerzenden Gliedern, fieberheißer Stirn und ſchwan⸗ kendem Schritte wankte ſie wieder auf die Straße zurück. Sie ſtrengte ihr Auge an,— ſie meinte, ihre Sehnſucht, ihr heißes Verlangen müſſe Arthur herbeiziehen.— Ach! kein Wagen zeigte ſich, nur heller ſtrahlte die Sonne und hoch auf wirbelte im fröhlichen Geſange die Lerche.— Aber— kein Wagen kam, kein Fußreiſender wurde ſichtbar,— und doch ſagte ihr eine innere Stimme, daß ſie nicht lange mehr allein, daß ſie bald wieder mit Arthur,— ihrem Arthur, vereint ſein würde.— 220 Die erſten Nachrichten aus Berlin. Gräfin Fels erhob ſich von ihrem Lager,— die Jungfer eilte herbei und wollte ihrer Gräfin, wie ſie gewohnt war, die Strümpfe anziehen, aber die Gräfin wehrte ihr mit der Hand. „Laß mich einmal verſuchen, ob ich es allein kann!“ ſagte ſie, und das Mädchen lachte, als ob ihre Dame ſich einen Spaß mit ihr machen wolle und trat, ſtets zur Nachhülfe bereit, nahe zu ihr hin; aber Gräfin Auguſte, obgleich etwas unbe⸗ hülflich, brachte es dennoch zu Stande; ſie freute ſich darüber und ſah' ſtolz und glücklich aus. Als ſie angekleidet war, trug ſie ihrem Mädchen auf, das Fräulein herbeizurufen, und als Eglantine kam, das Kammermädchen aber fort war, ſagte die Gräfin in einem Tone, der unwillkürlich an den eines altklugen Kindes erinnerte, zu der lauſchen⸗ den Eglantine: „Meine liebe Freundin! ich konnte dieſe Nacht nicht ſchlafen, unſer Geſpräch geſtern Abend über Nnnſt z ſhr i nidohel uſheint 1 nn V ſ vier Bierz „icht anm Die ſleck ifingen, fingt du di Erde, wnſchen Nord duhen ſi „Die ſauch linlch zinte E ihr Ach „HRi erlin. et,— die räin, wie i, aber die es allein e, als oh ſchen wolle he zu ihr was unbe⸗ ſie freute m Midchen Elantine ſugte die ch an den r lauſchen⸗ dieſe Nacht lbend über 221 Mondfinſterniß und Sterne hatte mich wahrſcheinlich zu ſehr aufgeregt,— da— habe ich mir Alles wiederholt,— wie war es doch?.... Der Mond erſcheint uns größer, als die andern Sterne, weil er dem Weltball viel näher ſchwebt, als die andern; er iſt vierzigmal kleiner....“ „Vierzehnmal!“ verbeſſerte Eglantine. „Richtig!“ rief die Gräfin,„ich wollte ſagen: vierzehnmal kleiner, als die Oberfläche unſerer Erde. Die Flecken und Schatten ſind Berge, Thäler, Ver⸗ tiefungen, wahrſcheinlich Seen.— Der Mond em⸗ pfängt durch die Sonne ſeinen Glanz, eben ſo wie die Erde, die, wenn wir hier Tag haben, den Mond⸗ menſchen ſo hell und ſchön erſcheint, wie uns der Mond. Die Erde, die Sonne und alle Sterne drehen ſich um ſich ſelbſt herum,— nicht wahr?“ „Die Erde ſchwingt ſich um ſich ſelbſt herum, ſo auch die Wandelſterne, und beſchreiben einen länglich runden Kreis um die Sonne herum,“ er⸗ gänzte Eglantine,„alle erhalten, wie unſere Erde, ihr Licht von der Sonne.“ „Richtig, richtig!“ rief eifrig die Gräfin,„wie ——— * — 2— S Sie das Alles ſo herzuſagen wiſſen!— es iſt aber auch ſehr intereſſant; ich werde es meinen Kindern erzählen. überhaupt, ich werde ſie mitunter ſelbſt unterrichten; ich glaube, daß dieſes recht zweckmäßig ſein wird!— Aber noch Eines, liebe Eglantine: ich wollte Sie um Rath fragen.—“ „Ach, meine theure Gräfin!“ rief dieſe,„wenn ich durch meinen Rath oder die That Ihnen dienen tann, wie glücklich macht mich das!“ „Ich wollte Sie fragen,“ begann die Gräfin und ſtockte. „Nun?“ fragte Eglantine, und die Gräfin rief haſtig: „Da wir nun„ ſie ſtockte wieder gleich darauf fügte ſie beſtimmt hinzu:„Da wir nun arm geworden ſind, muß ich auch meine Toi⸗ lette ändern!— Ich will immer nur einfache Klei— der tragen— und Schürzen,— aber ich habe teine,— deshalb will ich heute Nachmittag in die Stadt fahren und Schürzenzeug kaufen; welchen Stoff ſoll ich dazu nehmen?“ „Wenn ich rathen darf,“ erwiderte Eglantine, 1 ſfufen einen h! ud mli U , ſ, ſunnne „Ju!“ rifn zu ſie Schit Shnbichſ da inein wuih ein imer 3i ſilſt,— hen haben D ſif, in ich nir niylch ſhn Si lin doch Calanti ſt aber en Kinder unter ſelbſt wecnißig Cglantine: eſe,„wenn nen dienen die Gräfn Grüfin rirf eder, aber Da wit meine Tyi⸗ nfache Klei⸗ rich habe ttag in die 1; pelchen Eglantin, 223 ſo kaufen Sie keinen, ſondern machen ſich Schürzen aus einem Ihrer Kleider!“ „Ach!— iſt das möglich?“ fragte ſtaunend und ungläubig die Gräfin, fügte aber ſchnell hinzu: „Ja, ja, Sie haben Recht,— es wird gehen! Kommen Sie, wir wollen ein Kleid ausſuchen!“ „Ja!“ rief Eglantine, die Sorge trug, die Gräfin zu zerſtreuen und zu beſchäftigen,„und was die Schürzen gekoſtet hätten, legen wir in eine Sparbüchſe, und Alles, was wir erſparen, thun wir da hinein und bilden uns auf dieſe Weiſe nach und nach ein Capital, das wird auf Zinſen gelegt und immer Zinſen auf Zinſen gehäuft, bis wir uns ſelbſt,— aus eigener Kraft, ein Vermögen erwor— ben haben!“ „O, wie amüſant! ja, das wollen wir machen!“ rief, in die Hände ſchlagend, die Gräfin,„habe ich mir doch immer den Kopf zerbrochen, wie es möglich ſei, ſich ein Capital zu erwerben, und nun ſagen Sie es da in ein Paar Worten!— O, ich bin doch recht froh, daß ich Sie bei mir habe, liebe Eglantine!— ich ſehe jetzt, wie Recht ich hatte, 224 als ich gegen Hartlinger behauptete, daß auch in der Armuth ein großer Reiz liege!— Jetzt kann und werde ich ihm das Glück der Armuth zeigen, denn ich will glücklich ſein, und ich werde es, weil ich es will!— Das fehlte mir noch, daß ich den Kopf hängen ließe—! nein, nein, ich will meinen Kindern, ich will der Welt ein gutes Beiſpiel geben; ich werde ihnen zeigen, wie man mit Anſtand die Armuth erträgt!— Wenn nur der Strahl einmal zu uns käme, er ſollte ſich wundern...., aber nein,“ fügte ſie ſchnell hinzu:„der paßt nicht hierher,— lieber meine gute, mütterliche Freundin, die gute Richtern, die würde ſich freuen und ſollte mit mir zufrieden ſein.“ „Ja, das wünſchte ich auch von ganzem Her⸗ zen!“ rief Eglantine und folgte der Gräfin, wie ſonſt ſo oft, aber heute zu ganz anderem Zwecke, in die Garderobe.— Noch waren die beiden Frauen mit der Inſpee— tion der Garderobe beſchäftigt, als ein Stimmen⸗ gemurmel, Ausrufungen und Laute des Entſetzens durch das Schloß bis zu ihnen drangen. Pis d ſm ußlune ſidens pine und hitt Sh ufn!— it bnit min ſih nizen ih wiß, In d Gifn in Gyi Uhen. „Py itin, gs „Gn wlte de „Nu lhend öylant 225 uch in„Was kann denn das ſein?“ fragte die Gräfin, Jtt fann„das ſummt und brauſ't ja, als wenn das Schloß 3 nith zigen in Flammen ſtände!“ Und ſie hielt Eglantinen ein de e well ſeidenes Kleid hin.„Sehen Sie nur dieſes licht⸗ 3 diß ich de grüne und roſageſtreifte Zeug, ich habe noch ſchöne il ninn breite Spitzen,— o, ich brauche keine dazu zu ſpiel geen; kaufen!— nun denken Sie ſich, ein weißes Kleid Anſtund die mit breiten Volants und ſolch eine mit Spitzen rahl einmal garnirte Schürze dazu,— nicht wahr, das könnte 1 ber nein⸗ ſich reizend ausnehmen?— O, ich habe Geſchmack, 4 hierher,— ich weiß, was hübſch iſt!“ , die gute In dieſem Augenblicke erſchien die Jungfer der lte mit mit Gräfin in der Thüre. 3 „Gnädige Gräfin.... ,“ ſagte ſie mit ſtockendem anzem Her⸗ Athem. räfn, wie„Was iſt denn?“ fragte ungeduldig ihre Ge⸗ Zweck, in bieterin,„Du ſiehſt ja ganz bleich und verſtört aus?“— 3 der Inſper⸗„Gnädige Gräfin,— der Fritz iſt da!“ ſtam⸗ Stimmen⸗ melte das Miidchen. s Entſetzens„Nun, was iſt denn da weiter dabei?“ rief lachend Gräfin Auguſte. Eglantine I. Eglantine aber trat erbleichend näher, und Un⸗ glück ahnend, fragte ſie:„Der Fritz, des Grafen Diener?— und aus Berlin— allein?“ „Ja, das iſt auch wahr!“ rief die Gräfin, „allein?— das iſt auffallend! Wo iſt er denn? was will er? was bringt er für Nachrichten aus Berlin, von Georg?— mein Gott, wo iſt er denn?— Stehe nicht ſo blaß da, wie eine Bild⸗ ſäule, ich will es wiſſen!— geſchwind,— was iſt geſchehen?— Schaff' Fritz her! geſchwind, ge⸗ ſchwind!!“ „Hier iſt er ſchon!“ rief das Mädchen, und Fritz trat vor. „Nun, nun!“ rief Auguſte. „Ach, gnädige Frau Gräfin!“ Und ſtammelnd erzählte der immer mehr und mehr erbleichende Diener:„Was ſoll ich ſagen, der Herr Graf und ich,— das heißt, der Herr Graf ſchickt mich,— ich ſoll der Frau Gräfin berichten, daß— daß— daß in Berlin der Teufel los ſei! Ach, das war ein Schießen, ein Morden, und der Herr Graf und ich mitten drin!“ Vie Der viß lih m Di ud pie Nun ih We loſen . dos Vol ſhoſin vurs a huſe, nd pa fſigt di in en dhet— „P Fri ich na er, und Un ti Gufn die Grift, ſt er denn? hrichten aus iſt er eine Bild⸗ d— vas ſhwind, ge⸗ dehen, und dſtammelnd etbleichende rGraf und t mich,— — das w 1Gruf und 27 22 „Wie denn? wo denn? was denn?“ fragte außer ſich Gräfin Auguſte,„ich verſtehe keine Sylbe!“ Der Diener fuhr fort zu erzählen:„Ja, ich weiß eigentlich nicht recht, wie das ſo auf einmal kam. Der Herr Graf und ich gingen Arm in Arm, und wie wir an's Schloß kamen und wie der... Nun, ich weiß nicht, aber wir fingen an zu ſchießen!“ „Wer?— der Graf und Du?“ rief die Gräfin erblaſſend. „J, nicht doch! ich habe mich verſprochen, das Volk,— ja, ich weiß eigentlich nicht, wer geſchoſſen hat, aber es wurde geſchoſſen, und nun war's aus!— Der Graf und ich liefen nach Hauſe,— es wurde uns ſchwer genug gemacht,— und packten ein.— Wie wir da ſo dabei ſind, fliegt die Thüre auf und herein kommt ein Mann, 8 ein Jemand,— na, ich will Nichts geſagt haben,— aber— es war ein Mann!—“ „Weiter, weiter!“ rief Auguſte. Fritz fuhr fort:„.... der wollte Waffen haben;— ich machte, daß ich fort kam, der Herr Graf hat es lieber, ſo Etwas allein abzumachen.“ 15* 228 „War es ein Officier—?“ fragte die Gräfin. Der Diener zuckte die Achſeln, als ob er wohl ſprechen könnte, aber nicht wollte, oder dürfe; die Gräfin aber rief befehlend: „Die Wahrheit!— War es Lieutenant von Strahl? und was wollte er mit den Waffen meines Mannes?“ „Ach, nicht doch!...“ Und Fritz ſah Eglan⸗ iine an „War es ein Mann aus dem Volke?“ fragte dieſe. „So ſah er aus:— eine blaue Blouſe, im Geſichte ſchwarz gefärbt!— aber— nun, man hat ſo ſeine Kennzeichen!“— Eglantine blickte ihn ängſtlich-fragend an; ſie wagte nicht, ihre Vermuthung laut auszuſprechen.— Auguſte aber rief ängſtlich-fragend:„Wo iſt denn der Graf?“ „Er kommt nach, er konnte nicht mit mir fort!“ „Er kommt nach, er konnte nicht mit, was ſoll das Alles heißen?“ rief Auguſte. „Er iſt mit dem Lippolt zurückgeblieben, kann aber jeden Tag kommen,“ tröſtete Fritz. Die 6 ſt umſe inn N Porlin N Dien is ſil firdigen. Eglu Nhng, ſiligt ſ. 7 ſlle, he Mldigen uch Ha Grif io ſin Erh nigen; Lin und Fi des Gr Gr wor ſeir ob er wohl dimt; pi enant von fen meinz ſah Eylan⸗ ragte diſt. Blouſe, in man hat nd an; ſe prechen.— WVo iſt mir fort!“ „wos ſoll hen, kann 229 Die Gräfin war außer ſich, ſie wußte nicht, was ſie erfaſſen, was ſie thun ſollte: bald wollte ſie ihrem Manne ſchreiben, bald wollte ſie ſelbſt nach Berlin reiſen, denn die unvollkommenen Berichte des Dieners, die theilweiſe übertrieben, größten⸗ theils ſehr verwirrt waren, konnten ſie nicht be⸗ friedigen. Eglantine war in großer Angſt; ihr ſagte eine Ahnung, daß Hartlinger ſich bei dieſer Sache be⸗ theiligt habe, und daß Fritz mehr wußte, als er ſagte. Allein ein Examen, das ſie mit ihm an— ſtellte, hatte keinen günſtigern Erfolg, als die unge⸗ duldigen Fragen der Gräfin, denn als ſie direct nach Hartlinger fragte, ſagte er nur:„Der Herr Graf kommt bald, der wird von ihm wiſſen.“ Aber ſein Erblaſſen diente nicht dazu, Eglantine zu be⸗ ruhigen; ſie wurde nur um ſo beſorgter. Lange ſollte aber dieſer Zuſtand des Zweifelns und Fürchtens nicht dauern; die plötzliche Ankunft des Grafen machte ihm ein Ende.— Graf Fels kam zu Fuße an, er wollte ſich doch vor ſeinen Unterthanen nicht in der einfachen Equi⸗ 32 „ page zeigen, deren er ſich bedient hatte, um bis in die Nähe von Auenbach zu gelangen.— Nun erfuhren die weinenden Frauen beſtimmter 1 die Vorfälle in Berlin, und auch wie er, mit Fritz die Leichentransporte ſich anſehend, in der einen Leiche Niemand anders als Arthur—— Arthur, ſeinen Halbbruder, erkannt hatte. Die Gräfin ſtieß einen Schrei aus.„Mein Gott! mein Gott, der Arthur!“ rief ſie,„und Du konnteſt ihn nicht retten, ihm nicht helfen?— war denn alle Hülfe vergebens?— Haſt Du auch Alles verſucht, Georg?“ Der Graf ſchaudernd:„Glaubſt Du, daß ich mich verrieth!— O nein, Niemand durfte ahnen, daß ich dieſen enen kannte!—“ „Er war aber doch Dein Bruder!“ rief ſie weinend; Graf Fels aber erwiderte. „Und wäre,— wenn es zu denken wäre, daß ein Fels— Demokrat ſein könnte,— nun, wäre es aber ſo— und Arthur Hartlinger wäre wirklich ein Graf Fels, mein Bruder, geweſen,— auch dann hätte ich ihn nicht erkannt,— er wäre für mich nie uf der 6 ſichs guſ aicht⸗ uftat me „s 0 iſen, nhnen! Href;„ℳ iiniti vehr echi ach der Pod un Nh en An zn nich mhatj Un Gluf, ſ ine G Dih,) enn um bis in beſtimmter nit Frit der einen 9 — Arthur, 16.„Mein „„und Du n— war auch Alles laubſt Du, nand durfte 1 — „ie ſi wäre, duß nun, wär äre wirklich auch dann für nich nit der Welt geweſen!— In meinen Augen giebt es nichts Schlimmeres, als Demokrat zu ſein—!“ Auguſte ſah ihren Maun traurig an und ſagte endlich:„Ja, Du magſt Recht haben,— ein De⸗ mokrat mag etwas ſehr, ſehr Schlechtes ſein!“ „Auswurf der Menſchheit,— Leute ohne Ge— wiſſen, ohne Rechtsbegriff, die uns alle Vorrechte nehmen wollen, ſind dieſe Demokraten!“ rief der Graf;„auch die Dynaſtieen wollen ſie ſtürzen, die Legitimität vernichten!“ Und ſich immer mehr und mehr erhitzend, fügte er hinzu:„Ja, ja, Auguſte, auch der Arthur war ſo Einer, der Pöbelherrſchaft, Mord und Guillotine herbeiführen wollte!— Gut, daß er nicht mehr iſt!—“ „Armer Arthur!“ ſeufzte Auguſte,„ich kann mir gar nicht denken, daß er wirklich..., und doch,— er hat ja mitgekämpft!“— „Und noch dazu mit meinen Waffen!“ rief der Graf, ſich in die Bruſt werfend,„mit den Waffen eines Grafen von Fels!— Doch, nun bitte ich Dich, Auguſte, laß uns die Sache verſchweigen!— wenn es möglich iſt, ſo ſoll es Niemand ahnen, daß jener erſtochene und erſchoſſene Blouſenmann mein Halbbruder war!“ Auguſte ſah dies ein; auch ſie fühlte, daß es beſſer ſei, daß die Sache verſchwiegen bleibe, und ſie wählte, um dieſes zu erreichen, das, wie ſie zi wähnte, ſicherſte Mittel: ſie gebot allen ihren Die⸗ nern und Dienerinnen, den Tod und die Art des 3. Todes von Arthur Hartlinger zu verſchweigen. Alle gelobten dies, aber Alle ſprachen unter⸗ einander davon, und wie ein Lauffeuer ging die Kunde von Hartlinger's Tod durch's Dorf und drang auch in Johannes' ſtille Wohnung ein.— Emilie, die krank und leidend war, lag auf ihrem Bette, als Andreas Herz, der getaufte Jude, zu ihrem Bruder kam und ihm die Vorgänge in Berlin erzählte. Er, der öfter mit Hartlinger zu⸗ ſammengekommen war, ſprach jetzt laut ſeinen Jubel aus, daß das Volk geſiegt habe, und ſchloß ſeine lange Rede mit den Worten: „Und ſo wird es werden überall, Herr Pfarrer; die gerechte Sache muß ſiegen überall, und man wird in den Himmel erheben Alle, die da ſind geſtorben ft di nid on ir di Eyili ſonden ſnt zu Unpeif vihrend er, de polle ei A ſe ſünde e nd wollet ſer zu fiſt 2 it, t 1 „ auwe luſtmum lte, daß t3 tlebe, und as, wie ſi ihren Di⸗ die Art des weigen. ſchen unter⸗ er ging die und drang r, lag auf aufte Jude, orgünge in wlinger z⸗ ſeinen Jubel ſchloß ſein er Pfurer d man pird d geſtorken für die gute Sache! Der Arthur Hartlinger aber wird von da Oben herabblicken und ſich freuen, daß er für die gute Sache iſt geſtorben!“ Emilie, die, ſobald von Berlin die Rede war, ſich erhoben hatte und lauſchend an der Thüre ge⸗ ſtanden war, ſtieß einen lauten Schrei aus und ſank zu Boden.— Eine heftige, leidenſchaftliche Verzweiflung erfaßte ſie; wild warf ſie ſich, fort⸗ während ſchreiend, fluchend, auf ihrem Lager um⸗ her, dann wieder zweifelte ſie an der Wahrheit, wollte es nicht glauben, daß Hartlinger todt ſei.— Als ſie aber endlich Alles, auch die kleinſten Um— ſtände erfahren hatte, wurde ſie ruhiger, und gegen Abend bat ſie die Ihrigen, ſich zu entfernen, ſie wollte verſuchen zu ſchlafen.— Johannes geleitete ſeine alte Mutter in ihre Schlafkammer, kehrte dann noch einmal zur Schwe⸗ ſter zurück, drückte ihre Hand und bat:„Emilie, faſſe Dich!— trage Deinen Schmerz, dieſen Ver⸗ luſt, der uns Alle betrübt, als Chriſtin!“ „Du ſollſt mit mir zufrieden ſein, Bruder!“ antwortete ſie mit ſeltſamem Lächeln und Blick, und — 234 Johannes ging, nachdem er ihr ſeinen Segen ge— geben hatte; hinter ihm verſchloß Emilie ihre Thüre.— Lange lauſchte der Beſorgte noch an derſelben, aber Alles blieb ſtill.„Sie ſchläft!“ ſagte er da zu ſich ſelbſt;„Herr, mein Gott, ich danke Dir!“ Und auch er ſuchte die Ruhe, der er ſo ſehr be⸗ durfte.— Der Gang nach der Pfarre. Heiter ſtieg die Sonne am zweiundzwanzigſten auf Gräfin Auguſte herab, die tief betrübt den Kopf hängen ließ, denn Hartlinger's Tod hatte ſie ſo er⸗ ſchüttert, daß ſie nicht mehr weinen konnte(ihr ſchienen plötzlich alle Thränen verſiegt zu ſein), aber doch von einem unruhigen Ernſt, einer niederdrücken⸗ den Befangenheit beherrſcht wurde. Eglantine ſaß hrrlln mit rothgeweinten Augen ihr gegenüber. Endlich ſhht fand die Gräfin Worte. „O, meine Eglantine!“ rief ſie,„wie hätte ich ninſe i — on em ſichte, t uch März auf, aber ſie lächelte vergebens ſo freundlich Dnufta inſun Ah, er bdenk, i ihn yl 235 „ denken können,— ſo Wn⸗ ſo kräftig, bule und nun todt!— und auf dieſe Weiſe!— Er hat ohl recht ſchwer geſündigt!— Eglantine, glauben vh Sie, daß er— Ruhe im Grabe finden wird?“ un D„Ruhe und Vergebung!“ rief dieſe. p ſhr„Ach ja!— Vergebung,— das wäre gut, das wünſche ich ihm, denn es war ein recht arger Sün⸗ der!— ich hätte mir das gar nicht ſo gedacht!— Der arme Arthur— ein Demokrat!— Georg hat Recht, daß es verſchwiegen werden muß, aber ich fürchte, es wird nicht möglich ſein, und doch wirft znnigſn es auch auf uns ein häßliches Licht,— daß ein fruic Demokrat, ein ſo ſchlechter Menſch, ſo lange in t den Koyf unſerem Hauſe lebte. Was er nur gewollt hat?— ſe ſe ach, er thut mir ſo leid, und doch— wenn ich onne lihr bedenke, daß er ein Demokrat geweſen iſt!— Haben ſein), aber Sie ihm Etwas angemerkt?—“ derdricen⸗ Eglantine ſeufßte.„Früher habe ich mich vor min ſ dartlinger gefürchtet, dann hielt ich ihn für einen ic ſchlechten Menſchen,— vorigen Winter aber, wo ich ihn näher kennen lernte, wo ich ihn oft ſeine ie hätt ic Anſichten ausſprechen hörte und bei Frau von Rich⸗ tern ihn, von Einigen angegriffen, ſich vertheidigen hörte,— da— ſah ich bald, daß ich in Manchem ganz mit ihm übereinſtimmte. Immer mehr und mehr konnte ich mich in ſeine Gefühle und Hoff⸗ nungen hineinleben,— ich—“ „Um des Himmels willen, Eglantine! ſind Sie auch eine Demokratin geworden?“ rief die Gräfin. Ein wehmüthiges Lächeln umſpielte einen Augen⸗ blick Eglantinens Lippen.„Das nicht!“ ſagte ſie, „aber ich ſah ein, daß ich keine Urſache hatte, mich vor ihm zu fürchten, daß er kein ſchlechter Menſch ſei,— wohl aber ein Schwärmer, der, weil er in ſeiner ſchwärmeriſchen Weiſe ſtets zu viel von den Menſchen verlangt hatte, auch ſtets von ihnen ge⸗ täuſcht und gekränkt worden iſt.— Frau von Rich⸗ tern hat es ihm oft geſagt: Sie haben ſich ein Ideal, ein ſchönes Ideal gewählt, aber in dieſer Welt müſſen Sie es nicht zu verwirklichen hoffen!— Da wir Menſchen und keine Engel ſind, paßt Ihre Republik nicht für uns!— Hartlinger aber rief dann: Und ich, ich wäre unter dieſen Menſchen der ſchlechteſten einer, wenn ich nicht mein nit D unen!“ Und funn Cylmnt z Yaonſt Ehnd, n Ugend ſo n her hiſem, k Untergant tinunderg ſin hof icht werd uffi ſthren ießen, ih nir gnertt, uuſund ſihe b die A vertheidigen n Munhen nehr um e und Hof⸗ ſel ſind Sie inen Auger⸗ ſigt ſi, hatte, nich chter Menſch weil er in el von den nihnen ge u von Rich⸗ en ſich ein er in dieſer nhoffen!— „paßt Ihre r aber rif Menſchen nicht mein ganzes Daſein der Verwirklichung dieſes Ideals widmete!“ „Und wie war dieſes Ideal?“ fragte die Gräfin aufmerkſam. Eglantine lächelte wehmüthig.„Gleichheit unter den Menſchen, wie ſie vor Gott beſtehe,— kein Stand, nur das Verdienſt ſollte gelten, nur die Tugend ſollte regieren!— Wie er dies Alles in's Leben hervorzurufen, wie er die Menſchheit zu ver— beſſern, den Armen zu helfen, ſie zu bilden, vom Untergange zu retten gedachte, hat er uns oft aus⸗ einandergeſetzt. Er ſagte, er theile, weil dadurch ſeine Hoffnungen für die Zukunft ſchneller verwirk— licht werden könnten, die Wünſche des Volkes, welche Preßfreiheit, öffentliches und mündliches Gerichts⸗ verfahren, freies Wahlrecht und Nationalvertretung hießen, und noch eine Menge ähnlicher Sachen, die ich mir nie merken konnte; nur ſo viel habe ich mir gemerkt, weil ich darin von Herzen mit ihm ein⸗ verſtanden war: Hartlinger wollte die ſittlichen Ge— fühle beim Volke wecken, es zur Moral zurückführen, die Armen gegen die Armuth ſchützen durch Ver⸗ ———— ——— 238 nichtung der Macht des Capitals, durch Arbeits⸗ nachweiſungsanſtalten!—„„Das Gute will ich thun,— da die Hülfe leiſten, wo es Noth thut!““ Dieſe Worte habe ich oft aus ſeinem Munde ver⸗ nommen!“ „Das waren Arthur's Grundſätze?“ fragte die Gräfin, als Eglantine ſchwieg. „So ſagte er, und ich glaube auch, daß er die Wahrheit ſprach!“ erwiderte Eglantine. „Und dafür...., nein, dafür iſt er nicht ge⸗ ſtorben?“ fragte faſt ängſtlich Auguſte. „Seiner Meinung nach,“ rief Eglantine, mit einer Thräne im Auge,„gewiß! Er war ein Schwärmer, und der ſieht nur, was er ſich träumt, und lebt und ſtirbt für ſeine Schwärmerei, ohne zu überlegen, was Andere treibt, gegen Ordnung und Geſetz zu handeln; ihn wenigſtens trieb kein eigen⸗ nütziges Verlangen, nicht Neid, nicht Mißgunſt, er wollte das Gute und litt und ſtarb dafür! Wohl ihm!“ „O Eglantine, wie danke ich Ihnen,“ ſagte, ſich die Augen trocknend, die Gräfin,„daß Sie nir hewieſer Puſch war pie— pie ſonſundt „ch ha gucht“ rit den hürte, gachen pill, nidenlen uf Vierſp ih ſigen der gnu, va icht einnal pir, wit we wuhr?—“ Cglanti nſennale, hch war, Auf Cglant ſneller vo Mmnes 239 mir bewieſen haben, daß der Arthur kein ſchlechter Menſch war. Was Sie da ſagten, klang beinahe, wie— wie man es in der Kirche,— in den Re— ligionsſtunden hört!“ „Ich habe auch wohl ſchon, wie Sie, daran gedacht,“ rief Eglantine,„wenn ich den Hartlinger reden hörte, aber wenn ich mir Alles recht klar machen will, ich ſo recht ernſtlich anfange, darüber nachzudenken,— ſo treffe ich überall und immer auf Widerſprüche; aber— der Johannes,— wollte ich ſagen der Herr Paſtor, der iſt klar und weiß genau, was recht und unrecht iſt,— wollen wir nicht einmal mit ihm darüber ſprechen?“ „Ach ja!“ rief lebhaft die Gräfin,„das wollen wir, wir wollen hingehen, jetzt, jetzt gleich! nicht wahr?—“ Eglantine war ſogleich dazu bereit, und— zum erſtenmale, ſeit Gräfin Auguſte Beſitzerin von Auen⸗ bach war, ging ſie zu Fuße den Schloßberg herab. Auf Eglantinens Arm geſtützt, eilte ſie ſchneller und ſchneller vorwärts; ihr lag daran, recht bald ihres Mannes Halbbruder in ſo weit gerechtfertigt zu ſehen, — 240 daß ſie, ohne Gewiſſensangſt, ihrem Herzen folgen, ihn beklagen, ſeinen Verluſt beweinen konnte. Ganz klar war ſich Gräfin Auguſte noch nicht bewußt, daß ſie bereits die Nothwendigkeit zu empfinden an⸗ fing, zu lernen, zu forſchen, zu ergründen und zu vergleichen, ſich ſelbſt durch eigene Anſchauung ein Urtheil zu bilden, aber es regte ſich in ihrem In⸗ nern ein Trieb,— ein Bildungstrieb, den ſie bis jetzt noch nicht gekannt hatte.—— Auguſte merkte es kaum, wie ſchnell ſie den ſteilen Schloßberg her⸗ abgeeilt war, und blickte ſich, unten angelangt, ver⸗ wundert um. „Schon unten?“ rief ſie;„es iſt doch wahr, liebe Eglantine, was der Menſch will, das kann er! Hätte ich doch nie geglaubt, daß es möglich ſein würde, dieſen Berg zu Fuße herabzukommen! aber ich bin froh, daß ich es gethan habe!“ Und ſie nahm wieder der Freundin Arm und zog ſie der Pfarrwohnung zu. Als ſie derſelben anſichtig wur⸗ den, erbebte Eglantine und zögerte, weiter zu gehen. „Was iſt Ihnen?“ fragte die Gräfin; Eglan⸗ tine ſagte erbleichend: ſchnol dos wit in Phe H 8 ſige ſ 241 etzen fülgen, onnt. Gan 5 icht bewußt, „Sehen Sie nicht die vielen Menſchen?— Was kann es dort geben?“ „Himmel, auch hier eine Revolution?“ rief die npfiden Un⸗ Gräfin nden und zu In dieſem Augenblicke kam Andreas Herz, der ſch mung ein getaufte Jude, aus dem Hauſe. hren Z„O je, o je!“ ſchrie er,„das iſt eine fürchter— den ſie bis liche Geſchichte!“ uguſte nerte „Was iſt geſchehen?“ fragten Eglantine und lbeg hr⸗ die Gräfin zugleich. elangt, ver⸗„Ach je, ach je!“ erwiderte er,„ſo eben haben ſie dem Herrn Paſtor ſeine Schweſter gebracht, ſie * doch wahr, hat ſich dieſe Nacht in den Teich geworfen; ſie ver⸗ 3 1, das kann ſuchen oben, ſie wieder in's Leben zurückzubringen;— es müglich das wird aber nichts werden, ich ſag's ja, es wird cunnn im Leben nichts werden!“ 6 habe“ Und„O, die Unglückliche!“ rief die Gräfin und zog ſie der fügte ſchaudernd hinzu:„Jetzt hört man doch nur nſichig wu⸗ noch von Mord und Tod!!“ Sie barg ihr Antlitz 3 ter zu gehen. an Eglantinens heftig wogender Bruſt und weinte. fin; Eglan⸗ Dieſe aber machte ſich von ihr los. „Ich muß hinauf!“ ſagte ſie. 3 Sglantne M. 6 242 „Zur Todten?“ rief entſetzt die Gräfin, und ſchon war Eglantine an der Hausthüre.„Was ſoll ich nun thun?“ fragte ſich ſelbſt unſchlüſſig die Gräfin; und plötzlich von einer entſetzlichen Angſt ergriffen, flog ſie, ſo ſchnell ſie nur konnte, den Schloßberg hinauf. Eglantine eilte die Treppe, die zu dem obern Stock führte, in der Pfarrwohnung hinauf und trat in die Stube ein.— Dort fand ſie die alte Mutter wimmernd, wie ein Kind; im Nebenzimmer lag die entſtellte Leiche der Tochter; der Dorfarzt und einige Frauen umſtanden dieſe. „Wo iſt Johannes?“ rief Eglantine, ſich um⸗ blickend. „Ach, das iſt ſo traurig, ſo traurig!“ jammerte eintönig die alte Frau.„ „Wo iſt der Paſtor?“ rief Eglantine noch ein⸗ mal in leidenſchaftlicher Angſt. Da öffnete ſich die Thüre von Johannes' Zim⸗ mer, er ſelbſt erſchien, dort ſtehen bleibend, auf der Schwelle. Angſtvoll blickte Eglantine zu ihm auf, wie er ulig, al uhn i „Iohaun ile zu ihn Er driqt Cyluutin udi“ ſin „Gottes du Geiſtic ſichter, ihr zu ud die Vrranle ddamne lgion, i Unglück ſlſt legte lihen Rich hile wird Groh von Fiedhofts Sect,— Grit“— rift, und Vas ſol ſhlüſſg die lichen Angſ fonnte, den dem obern uf und tat ealte Mutter mer lag die tund einige te, ſich un⸗ jammerte 7 ine noch ein⸗ annes Zin⸗ end, auf der auf, wie er 243 ſo ruhig, aber doch ſo bleich und mit gerötheten Augen vor ihr ſtand. „Johannes!“ rief ſie mit bebender Stimme und eilte zu ihm hin. Er drückte ihre Hand.„Ihr iſt wohl!“ ſagte er. Eglantine ſah ihn fragend, zweifelnd an.„Selbſt⸗ mord?“ ſtammelte ſie kaum hörbar. „Gottes Wege ſind nicht unſere Wege!“ ſagte der Geiſtliche feſt,„Gott iſt jetzt ihr alleiniger Richter, ihre Seele ſteht vor Ihm; Er allein kannte ganz und vollkommen den Zuſtand ihres Innern, die Veranlaſſung zu der gräßlichen That, die ich verdamme als Chriſt, als Lehrer der chriſtlichen Religion, als Menſch, als Bruder,— aber nicht die Unglückliche, die ihre Hand freventlich an ſich ſelbſt legte—!— Qch! ſie wird von den menſch⸗ lichen Richtern verdammt werden! Ihre ſeelenloſe Hülle wird mit Abſcheu und Grauſen betrachtet, ihr Grab von den andern fern, in einem Winkel des Friedhofes aufgerichtet werden...., aber— ihre Seele,— die richtet ein Gott, ein barmherziger Gott!“— 244 Eglantine ſah mit thränenvollem Blicke zu dem Geiſtlichen auf.„Johannes!“ flüſterte ſie,„ich will Emilie ſehen,— einen Kranz....“ Sie konnte nicht weiter ſprechen, Thränen erſtickten ihre Stimme. Johannes nahm ſie in ſeine Arme, feſt drückte er ſie an ſeine Bruſt; ſo ſtand er, den Blick nach Oben gewandt, ſtill betend. Da flüſterte Eglantine:„Dein Glaube macht mich ſtark, Johannes! O, laß mich feſt, feſt an Deinen Glauben halten!“ Er drückte einen Kuß auf des gläubig zu ihm aufblickenden Mädchens Stirne, dann ſagte er:„Laß uns zur Schweſter gehen!“ Hand in Hand traten Beide vor die Entſeelte hin.— Der Arzt hatte ſich mit den Frauen ent⸗ fernt; ſie waren allein,— und ſiehe,— auf den im Leben ſo oft durch Haß, Mißgunſt und inneres Leid entſtellten, verzerrten Zügen lag jetzt ein Friede, ein Friede, der ſie im Tode verſchönte.— Beide ſahen, Beide fühlten dies.— Lange blickten Beide ſie ſchweigend an, dann ſagte Johannes mit erhobe⸗ ner Stimme: 1 Nin iſt un ihet!— ngichti,1 A Bei ſeinen un Mine hliend, un m Loge nitt Ihann ht nich ih ſingen wiget So Mos die 1 Er gi duf,: Geſ Blich Plicke zu dem ſie,„ich pil Si onnte ihre Stinne. fiſt drückte en Blic nich Glaube macht feſt, fiſt an lubig zu ihn agte er:„Laß die Entſeelt n Frauen ent⸗ „— uuf den ſt und innetes etzt ein Friede, ne.— Beiide blickten Beide s mit ethobe⸗ 1 245 „Mein iſt die Rache, ſpricht der Herr, ich will vergelten! Richtet nicht, ſo werdet auch ihr nicht gerichtet!— Dieſe,— o Eglantine,— dieſe hat er gerichtet, und ſeine Rache war— Erbarmen!“— Emiliens Nachlaß. Als Beide zurück zur Mutter kamen, war dieſe in einen unruhigen Schlaf verſunken. „Meine arme Mutter!“ ſagte Johannes, ſie an⸗ blickend, und Eglantine rief: „Laß mich ihre Tochter ſein, ich will ihre letzten Tage mit treuer Liebe pflegen!“ Johannes ſah das junge Mädchen liebevoll an. „Jetzt nicht!“ ſagte er,„aber— ſpäter,— da will ich fragen: Eglantine! denkſt Du noch, wie an meiner Schweſter Todestag?— Und nun leſe ſelbſt, was die Unglückliche mir hinterließ!“ Er ging zurück in ſein Zimmer und kehrte bald darauf, mit einem Briefe in der Hand, zurück. „Geſtern Abend verließ ich ſie ruhig, ohne — Ahnung von dem, was ſie bezweckte,“ ſagte er; „als ſie aber dieſen Morgen nicht kam und trotz meines Pochens und Rufens ihre Kammer verſchloſſen blieb, ich keine Antwort erhielt, ließ ich die Thüre öffnen,— ihre Kammer war leer,— auf dem ——————— Tiſche aber lag dieſer Brief.— Nimm ihn mit Dir, Eglantine, jetzt werden ſchwere Augenblicke folgen,— geh', Eglantine!— Die menſchlichen Richter werden ihre Pflichten thun—“. „Darf ich nicht Dir, der Mutter jetzt zur Seite ſtehen?“ bat Eglantine ſchüchtern; Johannes aber erwiderte feſt: „Nein, Eglantine,— nicht jetzt,— nicht hier,— ich brauche jetzt Ruhe,— Feſtigkeit!— O geh' geh Sie blickte ihn fragend an.„Wann ſehe ich Dich wieder?“ flüſterte ſie innig. „Bald, recht bald! Aber nun geh'!“ rief er, ſich ängſtlich umſchauend. Eglantine ging, in ihrer Hand das Vermächtniß der Unglücklichen.— Oben auf dem Schloſſe fand ſie die Gräfin in Thränen. Nn!“ zů di Liq hien di mdne 6 und ch. O vie mn ihr viſ Cynutin ſiher, bete tiedene⸗ den Brif Mei ülihe iſ ohne Ohne A whmen, ich dad ſines Oh ſheide O — ſagte er; fam und wotz er uſhuſn ich die Thite — auf den ihn mit Dir, lick folgen, Richter werden ſebt zur Seit ſohannes aber nicht hier,— Wann ſehe ich eh!“ rief er, s Vemächtniß Schloſe fund „Nun?“ rief dieſe ihr entgegen,„wie fanden Sie die Leiche?“— „Hier, dieſen Brief hinterließ die Unglückliche!“ erwiderte Eglantine; die Gräfin wandte ſich ſchau— dernd ab. „O, wie gräßlich! ich will, ich mag nichts mehr von ihr wiſſen!“ Eglantine ging in ihr Zimmer; dort iniete ſie nieder, betete lange und inbrünſtig für die Dahin— geſchiedene, ſchloß die Thüre ihres Zimmers, öffnete den Brief und las: „Mein Bruder! Schmähe nicht Deine un— glückliche Schweſter, weil ſie von Euch gegangen iſt ohne Abſchied, ohne Reue, ohne Schmerz!— Ohne Abſchied!— wozu auch ſollte ich Abſchied nehmen,— ich ſchied ja gerne! Euch aber hätte ich dadurch gekränkt, und in der letzten Stunde ſeines Lebens kränkt man nicht gerne. Ohne Reue?— ja, ohne Reue, denn ich ſcheide gerne! Ohne Schmerz, denn ich entfliehe einer Hölle, um— wenn auch eine zweite, gewiß aber keine troſtloſere zu finden, als die iſt, aus der ich mich durch den Tod befreite.— Ich ſage befreite,— ſieh', Bruder, ſo feſt iſt mein Entſchluß, daß ich faſt glaubte, es ſei ſchon vollbracht!— Was aber dieſen Entſchluß, der längſt ſchon in meinem Innern keimte, zur Reife gebracht hat?— O, grüble nicht, Johannes, ich will es Dir ſagen; hier in ſtiller Nacht vernimm die Beichte Deiner Schweſter, jetzt, da ich den Tag nicht wieder begrüßen werde, ſoll klar und hell vor Dir mein ganzes Leben, mein ganzes Leiden werden!— Ich war ein Kind, ein kränkliches, elendes Kind; ich ſah die Andern meines Alters ſcherzen, ſich jagen und freuen,— oaber ich beneidete ſie nicht, und wenn ſie, müde vom raſchen Lauf, ſich neben mich hinwarfen, ihre Bruſt ſich ſo ſchnell in kurzen Athemzügen hob, wie meine es immer that, da freute ich mich und dachte—: Das ver⸗ ſtehe ich!— Ihr Lachen, ihre kindlichen Spiele konnte ich nicht theilen, aber ihre Ermüdung fühlte ich mit ihnen; und dann liebte ich ſie und freute ih, wen . tit, wſ Ich wu ſtniten ſndheit u Rb,—. ih mug bi ih puch w 3 zggen di den i in weiner lihend ſeltſt ve den Hi Snne warn der ich nich luß, daß ih längſt ſhon eife gebracht ſes, ich nil vemimm die ich den Zg lar und hell anzes Leiden hes, elendes ters ſchetzen, beneidete ſi raſchen Luf, ſich ſo ſchnel ne es immer — Dys ver⸗ ichen Spiele üdung fühle und freute 249 mich, wenn ich ſie ſpielen ſah, auf den Augen⸗ blick, wo ſie ermüden würden!— Ich wuchs heran,— meine Altersgenoſſinnen ſchmückten ſich,— ihre Wangen ſtrahlten von Ge— ſundheit und Friſche,— ich war elend, ſah gelb,— häßlich aus, aber ich beneidete ſie nicht; ich trug bunte Bänder, wie die Andern; oft hatte ich auch wohl ſchönere, beſſere Kleider als ſie!— Ich wurde älter, meine Freundinnen, Jugendgeſpielinnen, Alle— Alle fanden Herzen, die den ihrigen entgegenſchlugen!—— O, auch in meiner Bruſt regte ſich ein Sehnen,— ein Sehnen, das mir mein Elend klar machte, mich fühlen lehrte, daß für mich das höchſte Glück, die größte Seligkeit nicht vorhanden ſei—!— Da wurde ich bitter,— o, ich lernte haſſen— Alle— und je fürchterlicher die Qual wurde, je glühender haßte ich,— zuletzt mich ſelbſt; mich ſelbſt verachtete, verabſcheute ich!— Ich haßte den Himmel, die Erde, Welt, Menſchen,— die Sonne vor Allem, denn ſie, die ewig ſtrahlende, war nicht für mich!— Nur Eines liebte ich,— 280 den Mond!— er verhöhnte mich nicht durch hellen Glanz, er lächelte nur freundlich auf mich herab, ohne meine Geſtalt, meine verunſtaltete Geſtalt an's Licht zu ſtellen!— O, wie ſehnte ich mich nach der Wiederkehr meines Freundes am Himmel, dieſes ſtillen Gefährten meiner ein⸗ ſamen Spatziergänge, dem Vertrauten meiner Schmerzen,— wie unglücklich war ich am Tage, wie troſtlos in mondlos finſterer Nacht!——— Da— o Bruder!— wie ſoll ich Dir beſchrei⸗ ben, was ich empfand, als ein Menſch, ein Mann, ſchön, groß,— ſo ganz das Gegentheil von mir, ſich mir freundlich nahte!— Nicht Nitleid ſprach ſein Auge, kein kränken⸗ des Mitleid verriethen die Worte, welche er an mich richtete,— nein, o nein! er ſprach zu mir wie zu jeder Andern!— Jetzt, Bruder, jetzt erſt fühlte ich die Wahr⸗ heit, daß uns ein Gott geſchaffen habe!— Ich wußte, wer dieſer Gott ſei,— denn ich empfand, was Liebe iſt!— Was war mir jetzt noch der Mond,— und v,— Pold!— m lne n biel Orel Oyr beri ſinge, d dochte, ich hen Go nih haßte dyntt ich 3 Dſtin v o Pnlder Shnach ich enpf Gegenli d, ohne di nich pl ſchreibe wrnich ſ nicht durh lich uf mich e vernßaltet, O, vie ſehnte ines Freundes n meiner ein Auten meiner ich am Tage, acht—— Dir beſchtei ſch, ein Mann, theil von nir, kein kränken⸗ welche er an ſpruch zu mir ch die Wahr⸗ habe!— Ih ich empfand, nd,— und 251 doch,— der Mond war Er!— Er war der Mond!— Die Sonne ſtrahlte wie ſein Auge, der blaue Himmel war ſein Lächeln; der Geſang der Vögel, das Plätſchern der Welle, die Töne der Orgel, die ſonſt ſchneidend anekelnd mein Ohr berührten, ſie waren mir jetzt Himmels⸗ klänge, denn ſie ſprachen von ihm!!— Ich dachte, ich träumte nur von ihm— Ich konnte beten, Gott danken; ich konnte lieben!— Selbſt mich haßte ich nun nicht mehr! und ihm— ihm dankte ich dies Glück!— Ich hatte mich, mein ußeres, mein ganzes Daſein vergeſſen,— ich liebte nur;— aber,— o Bruder,— erlaß mir das Geſtändniß meiner Schmach,— Du kennſt ſie nicht die Qualen, die ich empfand,— denn Du darfſt hoffen— hoffen, Gegenliebe zu erwecken! O, hätte ich fort und fort lieben können, ohne dies heiße, verzehrende Verlangen, welches mich plötzlich ergriff;— doch nein,— ich be⸗ ſchreibe es nicht!— Eiferſucht war es, die mich vernichtete, denn...— —— Und meine Liebe war dennoch ſtärker noch als meine Eiferſucht; ich wollte, ich konnte mich opfern für ihn, für ſein Glück!— Ich wollte ihm dienen, ihn glücklich ſehen,— ſehen, ja ſehen wollte ich, daß er glücklich ſei,— fern von ihm war der Tod!— Du weißt, daß er ohne Abſchied von mir ging,— ich hätte mich verrathen! Ich glaubte mich auch von ihm verachtet,— aber ich liebte ihn dennoch!— O, da kam ſein Brief, ſein erſter Brief;— er achtete mich, er nannte mich Freundin, Schweſter!— Ich durfte ihn lieben! er bat mich um meine Freundſchaft!— Ja, es gab auch für mich noch einen Gott!— Der Mond ſteigt auf,— ich muß ſchließen.— Lebe wohl, Bruder!— ich muß ihm nach!— Himmel oder Hölle, gleichviel, nur nicht allein,— ſo fürchterlich allein, wie hier! Iſt Gott der barm⸗ herzige Gott, wie Du ihn mir oft geſchildert haſt, ſo führt er mich zu ihm!— zu ihm, um meiner Liebe willen,— zu ihm,— oder— er vernichtet mich— ganz— auf immer!!—“ Pohl ſo tie, Eylan in ſt gö in ſe go ſegidig ri jr uf Er „Ir iſt ſhild noch ung in de r Unterh unſt zu ſih ihr, de ſ ſicht i ſ iar zu erſprech uffolge Uuf de Me die n michſer ſtä ſch er noch onnte mich J vrlle — ſchen, ja ſi,— ſn chied von mir 3 glubt aber ich liehte in Brirf, ſein er nannte nich fte ihn lieben! — ſt!— uß ſhließen.— ihn nach!— nicht allein,— Fott der barm⸗ eſchildert haſt, m, um weiner —er verichtet Auguſte. Wohl floſſen, nachdem ſie dieſen Brief geleſen hatte, Eglantinens Thränen, aber ſie wären nicht bitter; ſie gönnte Emilien den frühen Tod, ſie hoffte, nein, ſie glaubte, daß Gott, der barmherzige Gott, ſie gnädig richten werde, ja, daß ihre Strafe ſchon hier auf Erden abgebüßt ſei. „Ihr iſt wohl!“ ſeufzte ſie, vermochte es aber ſo bald noch nicht, zur Gräfin zu gehen; die Stim⸗ mung, in der ſie ſich befand, paßte ſo gar nicht zu einer Unterhaltung, wie ſie gewohnt war, mit Gräfin Auguſte zu führen. Auch verlangte dieſe jetzt nicht nach ihr, denn auch ſie ſuchte die Einſamkeit, auch ſie ſuchte ihre Gedanken zu ſammeln, zu ordnen, ſich klar zu machen, was in ihrem Innern ſich ſo widerſprechend regte.— Und ſo blieb es auch die darauffolgenden Tage.— Auf den Grafen wirkten die Ereigniſſe der Zeit, alle die nun eintretenden politiſchen Umwälzungen im höchſten Grade abſpannend, niederdrückend; er 254 war von ſteter Angſt und einem unausſprechlichen Kleinmuth gepeinigt, der alle ſeine Kräfte erſchlaffte, ſeinen ohnehin ſchwachen Geiſt ganz zu ertödten drohte. „Wozu ſich um ſeine Geldangelegenheiten küm⸗ mern!“ ſagte er, wenn ſeine Frau, die, nachdem die erſten Tage nach Hartlinger's und Enmiliens Tode verfloſſen waren, ein wahrhaftes Bedürfniß fühlte, zu handeln, thätig einzugreifen, ihn ermahnte, Etwas zur Rettung des ihnen bis jetzt noch geblie⸗ benen Vermögens zu thun, und fügte kleinlaut hin⸗ zu:„Ach, laß mich doch, es hört ja doch Alles auf!“ „Nun, ſo muß ich mich der Sache annehmen!“ rief da eines Tages Auguſte aus, und der Graf antwortete: „Thue, was Du willſt, Auguſte, aber laß mich in Ruhe!“ Und die Gräfin ließ ihren Gemahl in Ruhe, aber ſie ſelbſt ruhte nicht, ſie ergriff mit Eifer die Ordnung ihres ſehr zuſammengeſchmolzenen Ver⸗ mögens und ſchrieb deshalb auch an Frau von Rich— tern, dieſe um ihren Rath und Beiſtand zu bitten.— ſ ein ih in ſt gl nun F ſun— ſces gedul lugun, f ihre Mugen und wehrt ugi Vitiztit, Iden. lnd e Uſ wrib ſudiger ui hat hnigte — nnſpuchlihen Rräfte erſchlafte n zu ertödten kgenheiten lin⸗ die, nchden und Eniliens ufes Bedinfnif n ihn ermahnte, ett noch gebli⸗ te kleinlaut hin⸗ doch Alles aufl⸗ che annehmen“ und der Graf aber laß nich mahl in Ruhe, f mit Eifer die hmolzenen Ver⸗ Fran von Rich⸗ nd zu bitten— 255 Auf Frau von Richtern hatte Hartlinger's Tod natürlich einen tief erſchütternden Eindruck gemacht, und die mühſam erkämpfte Ruhe ihres Innern drohte, für geraume Zeit ſie wieder zu verlaſſen. Sie hatte in ihm ihren älteſten Bekannten, dem ſich einſt ihr Herz in inniger Liebe erſchloſſen, für den ſie gelebt, gelitten, und dem ſie ſpäter in ſo treuer Freundſchaft ergeben geblieben war, ver⸗ loren.— Aber gewohnt, zu entbehren, Unvermeid⸗ liches geduldig zu ertragen, ihr eigenes Ich zu ver⸗ läugnen, faßte ſie ſich nach und nach wieder; nur ihre Augen blickten fortan noch trauriger, als früher, und mehr denn jemals ſuchte ſie die Einſamkeit. Auguſtens Brief erweckte ſie zuerſt wieder zur Thätigkeit, zu ihrem gewohnten Streben für— Andere.— Und als der erſte Schmerz über Arthur's Ver— luſt vorüber war, dachte ſie faſt noch mehr— und freudiger an ihn, als bei ſeinen Lebzeiten; denn wie hatte ſie ſich um ihn geängſtigt, mit welcher Bangigkeit hatte ſie ſeiner Zukunft gedacht, und nun— nun war dieſe für immer geſichert, und dereinſt,— vielleicht bald,— ſollte ſie ihn ſelig unter den Seligen begrüßen!— Ihr war, als ſei nun die letzte Scheidewand zwiſchen ihr und dem Himmel gefallen, als könne nichts Irdiſches ſie mehr kränken, ſchmerzen, als ſei ihre Seele bereits im Himmel, während ihr Wandel noch auf Erden ſei.— Unglücklichen zu helfen, Bedrängte zu tröſten, ihnen beizuſtehen, ſie zu unterſtützen, wie ſie nur konnte, das war die Aufgabe, die ſie ſich auf Erden geſtellt hatte und die ſie treu erfüllte. Auch Auguſten beſtrebte ſie ſich zu helfen; ſie ließ ſich alle betreffenden Papiere von dieſer zuſen⸗ den und ſah ſie mit einem ihr beſonders befreunde⸗ ten Rechtsanwalte durch.— Und es fand ſich, daß die Sache nicht halb ſo ſchlimm ſtand, als ſich Graf Georg es gedacht hatte, und daß ſich das Vermögen ſogar heben könne.— Wohl aber mußten jetzt einige Opfer gebracht und einige Zeit mit großer Okonomie verfahren werden. Frau von Richtern ſchrieb Alles, was ihr Freund ihr hierüber mittheilte, an Gräfin Auguſte in Aus⸗ ———————*. vicen icht u ulic wo und e ihrt un ſe ehilen Mſe Die ingte, niict Nnen Na ni uguſe niterl Nuſeh Iulit ſie ihn ſelig e Scheideund len, als tönne ſchnerzen, als wihrend ihr n, wie ſie mr e ſich uf Erden . zu helfen; ſe on dieſer zuſen⸗ nders befteunde⸗ s fand ſich, daf ſtund, als ſic ſgte zu triſen, d daß ſch d h ae eßten inige Zeit nit was ihr Freund luguſte in Au⸗ 257 drücken und Beiſpielen, die der in Geſchäftsſachen höchſt unerfahrenen Gräfin die Sache begreiflich und deutlich machen mußten; ſie gab ihr auch genau an, wo und wie ſie Erſparniſſe machen könne und legte es ihr dringend an's Herz, nicht zu ermüden, ſon⸗ dern ſtets die Zukunft ihrer Kinder vor Augen zu behalten;— ſie ſelbſt würde auch nicht ermüden, Auguſte mit Rath und That zu unterſtützen. Dieſe verſprach Alles, was ihre Freundin ver⸗ langte, hielt auch wirklich Wort, und unwillkürlich entwickelte ſich unter einem vernünftigen, geordneten Denken und Streben ihr Geiſt mehr und mehr, was Ida mit Freude und Zuverſicht erfüllte. Es war gegen Ende des Frühjahrs, als Gräfin Auguſte eines Tages durch einen Beſuch ihrer mütterlichen Freundin überraſcht wurde, den ſie wohl gehofft, aber ſo bald nicht erwartet hatte. Frau von Richtern freute ſich über das blühende Ausſehen, den geiſtigeren Ausdruck von Auguſtens Antlitz, und äußerte dies auch unverhohlen gegen dieſe ſelbſt. Da ſagte die Gräfin: „Ja, Liebe, ich bin eine Andere geworden, von Eglantine M. 17 ——— 258 Tag zu Tag ſehe ich heller,— gleichſam als zöge mir eine unſichtbare Hand einen Schleier nach dem andern von meinem geiſtigen Auge hinweg.— Mir wird Vieles jetzt erſt klar und bedeutend, woran ich Jahre lang fühllos vorüberging.—“ „Ja, ja,“ erwiderte Frau vou Richtern,„dieſe ernſte Zeit mit all ihren Schrecken vernichtet die ſchwachen, ſtärkt und kräftigt aber die ſtarken Geiſter!“ „O, dann mag dieſe böſe Zeit noch recht lange dauern,“ rief die Gräfin in ihrer liebenswürdigen, kindlichen Weiſe,„damit ja kein Rückfall bei mir eintrete!“ „Das fürchte ich nicht!“ erwiderte unwillkürlich lächelnd Frau von Richtern;„der Geiſt kann lange ſchlafen, iſt er aber einmal zum Bewußtſein er⸗ wacht, dann ſchläft er ſo leicht nicht wieder ein.“ „Das gebe der Himmel!“ rief Auguſte recht andächtig. Und Eglantine?— Eglantine war ſehr viel ſeit Emiliens Tode bei des Pfarrherrn alter Mutter geweſen, hatte dieſe gepflegt, unterhalten, ihr die Wirthſchaftsſorgen ſo viel als möglich abgenommen, Sngen, di Jhmnes ſei 6 jt it bewih ſo Biles, Sein hut hend i un Peiſ fir entehrt fühlbar ma n noch zöl den; aber im die N ihres Herz Frau Rlirbtr, ihrr Her die Grif hulpt ha ſchreiben; befümmer als züge nach den inweg 6 nd, worgn in,„Hieſe nichtet die Geiſter!“ rcht lange würdigen, M bei mir willtürlich ann lange tſein er⸗ der ein.“ guſte recht ſehr biel lter Mutter n, ihr die genommen, 259 Sorgen, die Anna treu mit ihr getheilt hatte, und Johannes war ſo glücklich darüber geweſen, als er es jetzt ſein konnte. Aber auch in dieſer ſchweren Zeit bewährte ſich ſein feſter Glaube, der ihn über ſo Vieles, ſo Entſetzliches hinwegbrachte. Seine Schweſter,— des Pfarrherrn Schweſter, hatte Hand an ſich gelegt, war eine Selbſtmörde⸗ rin;— o, es waren Viele, welche durch die Art und Weiſe von Emiliens Tode die ganze Familie für entehrt hielten und dem Geiſtlichen auch dieſes fühlbar machten. Dies war auch der Grund, daß er noch zögerte, Eglantine für ewig an ſich zu bin⸗ den; aber dieſe ließ nicht ab, in ihren Bemühungen um die Mutter ihm ſelbſt die reine, aufrichtige Liebe ihres Herzens durch Blick und Wort zu zeigen.— Frau von Richtern, dieſe von Eglantine ſo innig geliebte, hochverehrte Frau, kannte das Geheimniß ihrer Herzen, ehrte aber auch Johannes' Gründe; die Gräfin nur ahnte nichts von alle dem; über⸗ haupt hatte ſie jetzt ſo viel zu denken, zu leſen, zu ſchreiben; ſie konnte ſich um Eglantine nur wenig bekümmern. Dem Grafen war es recht angenehm, daß ſeine plötzlich ſo thätige Frau ihm alle Sorgen abnahm, er fühlte aber—— Langeweile und ein fortwäh⸗ rendes Unbehagen. Frau von Richtern ſagte von ihm:„Er iſt zu ſchwach, das Leben anzugreifen, deshalb greift es ihn ſo an!“. Er ſank, während ſeine Frau in der übung ihrer Seelenkräfte immer mehr und mehr erſtarkte, immer tiefer und tiefer.— Auguſte ſelbſt fürchtete, daß er ganz geiſtesſchwach werden werde.— Schluß. So feſt auch Johannes an ſeinem ſich ſelbſt zur Pflicht gemachten Entſchluſſe hielt,— endlich konnte er doch mit Beſtimmtheit annehmen, daß er nun nicht länger zu zögern brauche, der ſo lange ſchon und ſo innig Geliebten die ernſte Frage: ob ſie auch den Muth habe, ihre ganze Zukunft für immer an die ſeine zu knüpfen, vorzulegen.— Er that es,— und die frohe Zuverſicht, mit der ihm Eglan⸗ die Ha in iite gut hfn hereuen Ab d tfihr, ſa z Domne Und a Jhannes fünden, w Rlgnen un ſthen on Cylan in, ihr Sieh, Durnemoſ ott und und ſie gengeh diß ſeine bnhn, forwih⸗ ſagte von zugreifen, er ütung erſtgrit, fürchtete, ſelbſt zur lich innt er n ange ſchon e ob ſe für imner — Er that hn Eglan⸗ tine die Hand reichte und in ſein offenes, treues Auge blickte, gab ihm den Beweis, daß er ein Recht habe, zu hoffen: Eglantine werde dieſen Schritt nicht bereuen. Als die Gräfin ihres Schützlings Verlobung erfuhr, ſagte ſie halb ſchelmiſch, halb wehmüthig: „Da iſt die Centifolie doch wieder ausgeartet und zur Dornenroſe, zur Eglantine geworden!“— Und als am Abend, in der Dämmerung, ſich Johannes und ſeine Braut auf dem Friedhofe ein⸗ fanden, wo ſie von einem einſam an der Mauer gelegenen Grabhügel, an dem ſie in ſtiller Betrach— tung ſtehen geblieben waren, hinweg zu dem Grabe von Eglantinens Pflegemutter traten, da rief Eglan⸗ tine, ihre Arme um Johannes Hals ſchlingend: „Sieh', mein Johannes, wie das Kreuz hier die Dornenroſe ſtützt, ſo laß Du Deine Eglantine ſich fort und fort an Deinem Glauben ſtützen, halten, und ſie wird furchtlos und froh der Zukunft ent⸗ gegengehen!“ Ende. — Gedruckt im Landes⸗Induſtrie⸗Comptoir zu Weimar. rey Gontroſ Shari Sreen Nellow Bed Magenta Srey 2 Srey 3 SGrey 4 Black Oem